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Full text of "Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins"

\ 



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AS 



Zeitschrift 



des 

Oeiilsclieii Palacstiiia-Vercins. 

Herausgegeben 

von dem geschäftsführenden Ausschuss 

unter der verantwortlichen Redaction 
von 

Prof. Lic. Hermann Gntlie. 



Band XIII. -- X I V 

Mit vier Tafeln und zweiundzwanzig Abbildungen im Text. 



-•»■"•- 



Leipzig 1890 

in Commission bei K. Baedeker 



Das weitere Comite des Deutschen Vereins zur Erforschung Palä- 
stina's besteht zur Zeit aus den Herren: 

Karl Bccdeher, Buchhändler in Leipzig. 

Dr. A. Berliner in Berlin. 

Dr. G. Bicliell, Professor in Innsbruck. 

Dr. JEd. Bold, Professor in Wien. 

Dr. Ad. Brüll in Frankfurt a/Main. 

Dr. O. Fr aas, Professor in Stuttgart. 

Dr. H. Kiej)ert, Professor in Berlin. 

Dr. A. W. Koch, Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Graf ?7. Moltkc, Exe, Feldmarschall, in Berlin. 

Dr. F. 3Iühluu, Professor in Dorpat. 

Dr. TT'. A. Neiimann, Professor in "NVicn. 

Dr. Th. Xöldeke, Professor in Strassburg. 

Dr. F. TF". M. Philippi, Professor in Kostock. 

Lic. Dr. Reinicke, Professor in Wittenberg. 

Dr. lieitz, kaiserl. deutscher Consul in Smyrna. 

Dr. B. von liiess, Domcapitular in Bottenburg a. N. 

Dr. C. Sandreczhi in Passau. 

C. Schick, königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

Dr. P. Schröder, kaiserl. deutscher Generalconsul in Beirut. 

G. Schumacher, Ingenieur in Ilaifa. 

Dr. Ph. Wolff, Stadtpfarrer a. D. in Tübingen. 



Der geschäfts führende Ausschuss besteht zur Zeit aus den 
Herren : 

Dr. Ä'. Furrcr, Professor u. Pfarrer zu St. Peter in Zürich. 

Jjic. Herrn. Guthe, Professor in Leipzig, Kramerstrasse 7. 

Dr. E. Kautzsch, Professor in Halle a. d. Saale, Wettinerstrasse 32. 

Dr. Otto Kersten in Berlin NW, Birkenstrassc 59. 

Dr. A. Soci/i, Professor in Leipzig, Querstrassc 5. 



Inhalt 

des dreizehuteu ßaudes der Zeitschrift des Deiitsclieu 

Palästina -Vereins. 



Seite 
Nachrichten über Angelegenheiten des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Palästina's I 

7 Johann Gildemeister III 

Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen VI. VII 

Verzeichniss der von Professor Dr. J. Gildemeister in Bonn der Bi- 
bliothek des Deutschen Palästina- Vereins überwiesenen Bücher, 

Karten und Pläne VIII 

Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 18S9 XVII 

Auszug aus der Rechnung über Einnahme und Ausgabe der Kasse 

des Deutschen Palästina -Vereins im Jahre 1889 XX 

Verzeichniss der vom 1. Oktober 1889 bis zum 31. December 1890 
für die Palästina-Bibliothek eingegangenen Bücher, Zeitschrif- 
ten u. s. w XXII 

Verzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Palästina's XXIV 

Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. Von 

f Professor Dr. J. Gildemeister in Bonn 1 

Inschrift der Vespasianischen Colonie Caesarea in Palästina. Von 

Professor Dr. Ä'. Za;/_f/ewew^e?- in Heidelberg 25 

Das Thalthor im alten Jerusalem. Von Baurath C. Schick in Jeru- 
salem 31 

Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 

Von Professor J^. .BiJ/Hn Kopenhagen . 37 

Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. Von Dr. Hans 

Fischer in Leipzig 44 

Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. Von Professor Dr. M. 

Hartmann in Berlin 60 

Von Tiberias zum Hüle-See. Zusammengestellte Reisebeobachtungen 

von G. Schumacher in Haifa 65 

Aus der Umgegend von Jerusalem. Von J. P. van Kasteren, S. J., 

in Beirut 76 

Schalcnsteine in Palästina und im Alten Testament. Von Professor 

H. Guthe in Leipzig 123 

Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen (Quellen. Von Dr. 

J/. Zt>«?/iera in Halle a/d. S 133 

Eine Felseninschrift aus Galiläa. Von J. P. van Kasteren in Beirut 148 



IV 

Seite 

Bewohnte Ortschaften in der Belkä. Von J. P. van Kasteren in Beirut 1 50 
Antonius deCremona, Itinerarium ad Sepulcrum Domini (1327, 1330). 

Mitgetheilt von Professor Dr. Reinhold Röhricht in Berlin . . 153 

Grabkammern bei Haifa. Von G. Schumacher in Haifa 175 

Nachträge. Mitgetheilt von Professor H. Guthe in Leipzig .... 181 
Noch einmal das Emmaus des Josephus, das Hammat der Bibel, 

Hammata des Talmud am See Genezareth. Von Professor Dr. 

K. Furrer in Zürich 194 

Zur ostjordanischen Topographie. Von Professor Ä'. -Fwrrer in Zürich 198 

Matth. 3, 12, Luc. 3, 17. Von Professor Dr. ^. i\^e«</e 201 

Was ein Fischer in Haifa fängt. Von Dr. Karl Völlers in Cairo . . 202 
Die echte und die gefälschte Siloah-Inschrift. Von Professor H. 

Guthe in Leipzig 203 

Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. Von 

J. P. van Kasteren, S. J., in Drongen (Belgien) 205 

Mittheilungen über starke Bäume in Syrien. Von Dr. Leo Anderlind 220 

Mittheilungen aus Jerusalem. Von Baurath C. Schick in Jerusalem. 228 
Griechische Inschriften aus Jerusalem. Von Professor IT. Guthe in 

Leipzig 233 

Das jetzige Nazareth. \ on G . Schutnacher in Yi?iii& 235 

Bericht über neue Erscheinungen auf dem Gebiete der Palästina- 
literatur 1888. Von Dr. J". Benzinger in Stuttgart 246 

Zur Lage von Taricheä. Von Professor fi". 6^!<^Äe in Leipzig. . . . 281 

Zur Lage von Gesur. Von Professor H. Guthe in Leipzig 285 

Das Schicksal der Siloah-Inschrift. Von Prof. H. Guthe in I^eipzig. 286 



Bücheranzeigeu : Johannes Gtldetneister, Antonini Piacentini Itine- 
rarium im un entstellten Text mit deutscher Übersetzung . 180 
Anonymi Gesta Francorum et aliorum Hierosolymitanorum. 

Mit Erläuterungen herausgegeben v. Heinrich Hagenmeyer 1 87 

Henrik Scharling, Hauran-Reisebilder aus Palästina. ... 191 

Karl Heinrich Christian Plath, Sieben Tage in Jerusalem . 1 92 



Berichtigung zu ZDPV. XIII, 66 204 



Tafel I: Plan der Citadelle von Jerusalem und der alten jüdischen 
Mauern. Entworfen von Baurath C. Schick in Jerusalem. Sep- 
tember 1889. Mit zwei Durchschnitten 31 fl". 

Tafel II: Palästina. Massstab 1 : 700 000. Mit 3 Cartons. Bearbeitet 

von Dr. 7/(r«w.s J'V.sc7<<i/- und Professor Lic. //. Guthe 44 ff. 

Tafel III : Grabkammern bei Haifa. Aufgenommen und gezeichnet 

von G. Schuntarher, Ingenieur in llaifä, Juni 1890 175 ff. 

Tafel IV: Nazareth, I*ln-Näsira. Aufgenommen und gezeichnet von 

G. Schumacher, Ingenieur in Ijaifä, Mai 1890 235 ff. 

Abbildungen im Texte: S. 25. 37. 68. 09. 71 (vier). 72 (drei). 73 (zwei). 
74. 79 (zwei). 82, 97. 148. 170. 178. 239. 



Nachrichten 



über 



Angelegenheiten des Deutschen Vereins 



zur 



Erforschung Palästina's. 



Ztscbr. d. Pal.-Vor. XlII 



t 



Johann Grildemeister. 

Johann Gustav Gildemeister war am 20. Juli 1812 
zu Klein-Siemen in Mecklenburg geboren. Nachdem er in 
Göttingen und Bonn sowohl Theologie als Philologie, be- 
sonders orientalische Sprachen studiert hatte, ging er ins 
Ausland; hernach habilitierte er sich im Jahre 1839 in Bonn. 
1844 wurde er daselbst zum Extraordinarius ernannt, erhielt 
jedoch schon im Jahre 1845 einen Ruf als Professor der 
Theologie und der orientalischen Literaturen an die Uni- 
versität Marburg; dort übernahm er im Jahre 1848 auch die 
Stellung als Oberbibliothekar. Im Jahre 1859 wurde er 
nach Bonn zurückberufen ; er gehörte letzterer Universität 
bis zu seinen am 11. März 1890 erfolgten Tode an. 

Keiner der noch lebenden Orientalisten kam Gilde- 
meister an AVissen und Belesenheit gleich. Er umfasste 
nicht nur das Gebiet der semitischen Sprachen im weitesten 
Umfang — vielleicht mit Ausschluss des Assyrischen, 
jedoch mit vollem Einschluss der alttestamentlichen Exe- 
gese — sondern auch das Gebiet der indischen und per- 
sischen Dialekte und nicht weniger auch das der klassischen 
Philologie. Er hatte alles gelesen undkannte die Literatur, 
auch was Bibliographie betrifft, in weitestem Umfange mit 
unvergleichlicher Sicherheit, sein Gedächtniss liess ihn fast 
nie im Stich. Neben dieser ungeheuren Receptivität hielt 
freilich die Productivität nicht ganz gleichen Schritt: 
Gildemeister hat relativ wenig geschrieben, aber alles. 



IV 



was er veröffentlicht hat , trägt den Stempel äusserster Sorgfalt 
und Akribie, neben der ein Kritiker oder gar Gegner niemals 
aufzukommen vermochte. Es sei hier bloss an seinen Theodosius 
(1882) und seinen Antonin von Piacenza (1889) erinnert, wahre 
Kabinetsstücke sorgfältiger und Avohlerwogener Herausgabe. 
Seine ausserordentliche Schärfe des Urtheils zeigte sich nicht bloss 
in seinen Werken, wie etwa seinen Streitschriften, sondern vor 
Allem auch im persönlichen Umgang : die Tage, die er auf den 
Philologenversammlungen verbrachte, werden den jüngeren Fach- 
genossen, an die er sich dann gerne anschloss, besonders auch 
manchen Mitgliedern des Palästinavereins, wegen, der unverwüst- 
lichen Heiterkeit und des sprudelnden Witzes in dankbarer Er- 
innerung bleiben. Es war ihm vergönnt, diese geistige Frische 
und Rüstigkeit bis in ein hohes Alter zu bewahren ; erst in der 
allerletzten Zeit konnte er nicht mehr so unermüdlich arbeiten, 
wie er es sein ganzes Leben gewohnt war. Noch bleibt übrig zu 
betonen, dass er mit seiner Gelehrsamkeit auch in hohem Grade 
praktisches Geschick verband , das sich in Allem zeigte , was er 
unternahm. 

Für unsere. Zeitschrift ist es ein empfindlicher Verlust, dass 
seine Mitarbeit an ihr nun zu Ende ist. Die Redaction insbesondere 
ist durch seinen Tod eines umsichtigen Berathers und stets ge- 
fälligen Helfers beraubt worden. Er betrachtete es »recht als die 
Aufgabe der Zeitschrift des Palästina -Vereins, der unphilologi- 
sehen Willkür in der Geographie von Palästina, die auch bei uns 
nicht selten zu Hause ist, entgegenzutreten und die Fragen dadurch 
beantwortbar zu machen, dass man sie auf festen Boden ein- 
schränkt« (Piriefvom 14. Dec. 1880). Dieses Streben, von dem 
fast jeder Brief Beispiele brachte, hat ihn aber nie zu unnützer 
Polemik verleitet. Er wollte nur den Thatbestand reden lassen, 
subjective Urtheile suchte er zu vermeiden. Mit dem reichen 
Schatze seines Wissens war er sehr freigebig. Es verdross ihn 
nicht, bogenlange Briefe zu schreiben, wenn er nur annehmen 
konnte, dass der Empfänger für Belehrung zuganglich war. Wo 
er dagegen »innere Unwahrhaftigkeit« wahrnahm, zog er sich 
am liebsten zurück; diese war ihm »widerwärtig«. 

GiLDEMKiSTER bcwics als Mitglied des »weiteren Comite's«f 
unseres Vereins stets das lebhafteste Interesse für alle Vereins- 
angelegenheiten. Als von Seiten der Redaction der Plan aufge- 



stellt ■sviude, die Kenntiiiss des alten Palästina durch Bearbeitung 
der in altjüdisclien, syrischen und arabischen Schriften enthal- 
tenen Nachrichten über dieses Land zu erweitern , griff Gilue- 
MEisTER diesen Plan lebhaft auf und begann sofort, ihn selbst an 
den arabischen Quellen auszuführen. Aus diesen Verhandlungen 
und Arbeiten erwuchsen nämlich theils die »Beiträge zur Palästina- 
kunde aus arabischen Quellencc (ZDP V. Bd. IV, VI, VII und VIII), 
theils der andere Plan, kürzere Angaben und Nachrichten in ein 
«Lexikon syrischer Ortsnamen aus arabischen Quellen« zu sam- 
meln. Auch an die Ausführung dieses Planes legte Gildemeister 
sofort seine Hand. Schon 1SS4 besprach er den Nutzen, den die 
Erwerbung von Corporationsrechten für den Verein haben würde, 
und Hess es an seinem bewährten Rathe nicht fehlen, als für 
diesen Zweck die Statuten umgearbeitet werden mussten. Die 
Revision der Jahresrechnungen hat er mit unermüdlicher Sorg- 
falt und Gründlichkeit besorgt. 

Die grossen Verdienste Gildemeister's um unsere Bestre- 
bungen hat der Verein durch seine Ernennung zum Ehrenmit- 
gliede 1886 anzuerkennen gesucht. Möge der Verein das An- 
denken an den Verschiedenen in Zukunft dadurch ehren, dass 
er seinen Forschungen stets den Fleiss, die Umsicht und die Sorg- 
falt der Arbeiten Gildemeister's zum Vorbild dienen lässt, 

Leipzig, den 12. Mai 1890. 

Im Namen des gescliäftsführeiideii Ansseliusses 

H. Guthe. 



Personaluachricliten und geschäftliche Mittheilungeii. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten : 

Bibliothek des bischöflichen Seminarium Clericorum in Brunn. 
Buhl, Dr. Franz, Professor in Kopenhagen. 
Geher, Dr. Heinrich, Professor in Jena. 

V. Mülinen, Graf, Kanzler-Dragoman am deutschen Konsulat in Beirut. 
Trumbull, Dr. H. Clay, Herausgeber der »Sunday School Times« in 
Philadelphia, N.-A. 

Durch den Tod verlor der Verein die Mitglieder : 

Delitzsch, Dr. Franz, Domherr, Geh. Kirchenrath und Professor in 

Leipzig. 
Gildemeister, Dr. Joh.^ Professor in Bonn. 
V. Himpel, Dr. F., Professor in Tübingen. 



Persoualuachrichten und geschäftliche Mittheilungen. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten : 

Federlin, Superieiir du Seminaire de St. Anne in Jerusalem. 
Hirsch, Rev. Dr. E. G., Rabbiner der Sinaigemeinde in Chicago. 
Hohammer, Dr., Professor und Regens am bischöflichen Seminar in 

Mainz. 
Schtyiitt, P. J., Rektor in Rome, New York. 
von Starch. Pastor in Leussow bei Ludwigslust. 
Völlers^ Dr.. Bibliotheque Khediviale in Cairo. 



Professor Dr. J. Gildemeistee in Bonn, das am 11. März 1890 
gestorbene Ehrenmitglied unseres Vereins, hat in seinen letzten Lebens- 
tagen den Wunsch ausgesprochen, dass dem Deutschen Vereine zur 
Erforschung Palästinas aus seinem Nachlasse die Palästina betreffenden 
Werke, soweit solche in der Bibliothek des Vereins nicht bereits vor- 
handen seien, und ein fast druckfeitiges »Ortsverzeichniss von Syrien« 
(274 S. in Quart) nebst einigen darauf bezüglichen Vorarbeiten über- 
wiesen werden möge. 

In Ausführung dieses Wunsches hat Frau Professor Gildejieisxeb. 
die oben erwähnten Werke und Schriften im Oktober 1890 nach Leipzig 
gesandt. Der geschäftsführende Ausschuss hat am 1 1 . Oktober dem 
wärmsten und aufrichtigsten Danke des Vereins für dieses so werthvolle 
Geschenk gegen die hinterlassene Familie Gildemeister' s Ausdruck 
gegeben. Auch an dieser Stelle sei der lebhafteste Dank für dieses 
doppelte Vermächtniss im Namen des gesammten Vereins ausgesprochen. 
Professor Glldemeister hat hierdurch seiner regen Mitarbeit an den 
Aufgaben unseres Vereins und seiner oft bewiesenen Opferwilligkeit 
für denselben ein bleibendes Denkmal gesetzt. 



VIII 



Die dem Verein überwiesenen Bücher, Karten und Pläne sind 
eine werth volle Bereicherung seiner Bibliothek, Sie sind inzwischen 
katalogisirt worden, und ihr Verzeichniss wird hiermit veröffentlicht. 
Über das » Ortsverzeichniss von Syrien« oder das Lexikon syrischer 
Ortsnamen aus arabischen Quellen, wozu die Leser ZDPV. IV. S. V f. 
vergleichen wollen, werden später nähere Mittheilungen erfolgen. 



Verzeichniss 

der TOn Professor Dr. J. Oildemeister iu Bouu der Bibliothek 
des Deutschen Palästina- Vereins überwiesenen Bücher, 

Karten und Pläne. 



/. Pilyerschrtften und Reiseherichte. 

541/546. Arvieux, des Herrn von, hinterlassene merkwürdige Nachrichten, im 
Französischen herausgegeben von demHerrnLabat, und iezt ins Deutsche 
übersetzt. Kopenhagen und Leipzig, bei Johann Benjamin Ackermann. 
80. 6 Bde, 1753-56. 

547. [Arvieux. Laurens d',] Beschreibung der Reise nach Palästina, zu dem 
Grossen P^mir, dem Oberhaupte unter den Fürsten der Araber in der 
Wüsten. Auf Befehl und VerordnungKünigl. Majestät Ludwigs des XIV. 
verrichtet. Benebst einer allgemeinen Beschreibung von Arabien, ver- 
fasst von dem Sultan Ismael Abulfeda, von dem Herrn De La Roque 
ins Französische nach den besten Manuscriptis übersetzt und mit Noten 
hin und wieder versehen. Nunmehr auch in teutsche Sprache übersetzt. 
Leipzig 1741. 286 S. 80. 

548/549. Buckingham, J. S., Reisen durch Syrien und Palästina. Aus dem 
Englischen übersetzt. Weimar, im Verlage des Grossh. Sachs, priv. 
Landes-Industrie-Comptoirs, 2 Bde, 1827 u. 28. 80. 

550. Burckhardt, Joh. Ludw., Reisen in Arabien, enthaltend eine Beschrei- 
bung derjenigen Gebiete in Hedjaz , welche die Mohammedaner für 
heilig achten. 54. Bd. der neuen Bibliothek der wichtigsten Reisebe- 
.schreibungen u. s. w. Weimar 1830. Grossh. Sachs, priv. Landes-In- 
dustrie-Comptoir. XIV, 704 S. 8o. 

551/552. Burckhardt, Joh. Ludw., Reisen in Syrien, Palästina und der Gegend 
des Berges Sinai. Aus dem Englischen. Herausgegeben und mit An- 
merkungen begleitet von Dr. Wilhelm Gesenius. 2 Bde. Weimar 1823 
u. 24. 80. 

553. Dandini, R. P. Jerome, Voyage du Mont Liban traduit de l'Italien. Par 
K. S. P. Paris, Louis Billaine 1685. 11, 356, 2 S. 12". 

554. Dicterici, Fr., Reiscbilder aus dem Morgenlande. Berlin 1853. Verlag 
von Wiegandt und Grieben. 2 Bde. 80, 



IX 

555. Döbel, Ernst Christoph, "Wanderungen im Morgenlande. Siebente ver- 
besserte Auflage mit vielen Stahlstichen und einer Übersichtskarte. 
Berterode bei Eisenaeh. Döbels Selbstverlag. 1863. XIV, 418 S. 80. 

556/558. Fabri. Fratris Felicis Evagatorium in Terrae Sanctae Arabiae et 
Egypti peregrinationem edidit Cunradus Dietericus Hassler. Stuttgar- 
diae, sumptibus Societatis Litterariae Stuttgardiensis. S Bde. 1843. 
184!). (Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart. IL III. XVIII). 

559. Furrer, Konrad, Wandenmgen durch Palästina. Zürich, Druck und 
Verlag von Orell, Füssli & Comp. 1865. XII, 414 S. 8o. 

560. Gamurrini, G. F., I misteri e gl' inni di S. Ilario Vescovio di Poitiers 
ed una perigrinazione ai Luoghi Santi nel quarto secolo scoperto in un 
antichissimo codice. Estratto dal periodico Studi e Documenti di Stoiüa 
e Diritto, anno V. 1881. Roma, tipographia Della Pace di F. Cuggiani. 
1884. 27 S. gr. 80. 

561. Hahn, Die Reise des Heiligen AMllibald nach Palaestina, in Jahresbe- 
richt über die Louisenstädtische Realschule. Berlin 1856, Druck von 
J. Petsch. 36 S. 40. 

562. von Harft", Ritter Arnold, Pilgerfahrt von Cöln durch Italien, Syrien, 
Aegypten, Arabien, Aethiopien,Nubien, Palästina, die Türkei, Frankreich 
und Spanien, wie er sie in den Jahren 1496 bis 1499 vollendet, beschrie- 
ben und durch Zeichnungen erläutert hat. Herausgegeben von Dr. E. 
von Groote. Cöln 1860, Verlag von J. M. Heberle (H. Lempertz). LI, 
280 S. 80. 

563. Hasselquist, D. Friedrich, Reise nach Palästina in den Jahren von 1 749 
bis 1752. Auf Befehl Ihre Majestät der Königinn von Schweden heraus- 
gegeben von Carl Linnäus. Aus dem Schwedischen. Rostock, Johann 
Christian Koppe, 1762. 8, 606 S. 8«. 

564. Hundt, Hans, Rechnung.sbuch (1493 — 1494). Herausgegeben und er- 
läutert von Reinhold Röhricht und Heinrich Meisner. Separatabdruck 
aus dem Iseuen Archiv für .sächsische Geschichte und Alterthumskunde. 
Bd. IV, H. 1. 2. Dresden. Wilhelm Baensch Verlagsbuchhandlung. S. 
37— lOU. S^ 

565/566. lucidents of travel in Egypt, Arabia Petraea and the Holy Land. 
By an American. With a map and engravings. In two volumes. New- 
Vork. Harper & Brothers 1837. 

567. Irby_ (Charles Leonhard) and (James) Mangels. Travels in Egypt and 
NulDia, Svria and the Holv Land. New edition. London: John Murrav. 
1868. VIII, 150 S. S'\ 

568. Körte, Jonas, Reise nach dem weiland Gelobten, nun aber seit siebeu- 
zehn hundert Jahren unter dem Fluche liegenden Lande, wie auch nach 
Egypten, dem Berg Libanon, Syrien und Mesopotamien, von ihm selbst 
aufrichtig beschrieben, und bei dieser zweiten Auflage mit zwey Supple- 
menten vermehret. Auf Kosten des Autoris. Halle gedruckt bei Joh. 
Christian Grunert 1743. 15, 712, 12 S. 80. Nebst dem dritten und vierten 
Supplement. 

569. Laurent, J. C. M., Mag. Tliietmari peregrinatio, ad tidem codicis Ham- 
burgensis cum aliis libris manuscriptis coUati edidit etc. Hamburgi 
1857. Typis Theod. Theoph. Meissneri. 80 S. 4o. 

570. Mariti, Johann, Reisen durch die Insel Cypern, durch Syrien und durch 
Palästina in den Jahren 1700 bis 1768, in einem Auszuge aus dem Itali- 
änischen übersetzt von M. Christian Heinrich Hase. Altenburg in der 
Richterschen Buchhandlung 1777. VIII, 572 S. 8o. 

571. (Mariti), Reise von Jerusalem durch Syrien. Aus dem Italienischen 
übersetzt. Strasburg. Im Verlage der akademischen Buchhandlung 1789. 
2 Bde. 80. 



572/575. de Marmont, Marschall Herzog von Ragusa, Reise durch Ungarn, 
Siebenbürgen, Südrussland, die Krimm, an den Küsten des asowschen 
Meeres, nach Constantinopel, Kleinasien, Syrien, Palästina und Egypten, 
in den Jahren 1834 und 1835. Authentische, unter Aufsicht und auf An- 
trag des Verfassers besorgte deutsche Ausgabe. Stuttgart, 1837. Erster 
Band 400 S. 80. Zweiter Band 352 S. 8«. Dritter Band 352 S. 80. Vier- 
ter Band 256 S. 8». 

576. Merrill, Selah, East of the Jordan : a rccord of travel and Observation in 
the countries of Moab, Gilead, and Bashan. London : Richard Bentley 
& Son. 1881. XV, 536 S. 8o. 

577/578. Noroff, Abraham von, Meine Reise nach Palästina. Aus dem Rus- 
sischen von A. Zenker. Leipzig, J. J. Weber, 18(i2. 80. 2 Bde. 

579. Palmer, M. A. E. H., Der Schauplatz der vierzigjährigen Wüstenwande- 
rung Israels. Fussreisen in der Sinai-Halbinsel und einigen angrenzen- 
den Gebieten. Mit Genehmigung des Verfassers aus dem Englischen 
übersetzt. Gotha, Friedrich Andreas Perthes. 1876. XVI, 460 S. 8o. 

580/586. Paulus, H. E. G., Sammlung der merkwürdigsten Reisen in den Orient 
in Übersetzvmgen und Auszügen mit ausgewählten Kupfern und Charten, 
auch mit den nöthigeu Einleitungen, Anmerkungen und kollektiven 
Registern herausgegeben. 8». 7 Bde, Jena, 1792 — 1803. 

587. Petermann, H., Reisen im Orient. Zweite Ausgabe. Leipzig, Verlag 
von Veit & Comp. 1865. 2 Theile in 1 Bde. 8». 

588/590. Pococke, Richard, Beschreibung des Morgenlandes und einiger andern 
Länder. Zwote Auflage nach der englischen Grundschrift genau durch- 
gesehen und verbessert von M. Johann Friedrich Breyer und mit An- 
merkungen erläutert von Christian Daniel Schreber. Erlangen verlegt 
von Wolfgang Walther. 3 Bde. 1771 — 73. 4o. 

591. Prokesch, A., Ritter von Osten. Reise ins heilige Land. Im Jahre 1829. 
Wien. Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold. 1831. 148 S. 8". 

592. Prutz, Hans, Aus Phönicien. Geographische Skizzen und historische 
Studien. Leipzig. F. A. Brockhaus. 1876. XVHI, 418 S. 80. 

593/594. Rath, G. vom, Durch Italien und Griechenland nach dem Heiligen 
Land. Reisebiüefo. In zwei Bänden. Heidelberg. Carl \A'inters Uni- 
versitätsbuchhandlung. 1882. 80. 

595. Röhricht, (Reinhold), und (Heinrich) Meisner, Die Pilgerreise des letz- 
ten Grafen von Katzenellenbogen. Zeitschrift für deutsches Alterthuni 
N. F. XIV, S. 348-371. 1882. 80. 

596. Briefe, die Jerusalemfahrt des Herzogs Albrecht von Sachsen be- 

treti'end. Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Aiterthumskunde. 
IV, 4, S. 343—346. 80. 

597. Ein niederrheinischer Bericht über den Orient. Halle 1886. 86 S. 

Gr. 80. 

598. Das Reisebuch der P'amilie Rieter. Gedruckt für den literarischen 

Verein in Stuttgart. Tübingen 1S84. 162 S. 8". (Bibliothek des litera- 
rischen Vereins in Stuttgart. CLXVIII). 

599. Röhricht, Reinhold, Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande. 
Gotha. Perthes. 1889. X, 352 S. 8o. 

600. Sachau, Eduard, Reise in Syrien und Mesopotamien. Leipzig, F. A. 
Brockhaus. 1S83. X, 478 S. Gr. 8o. 

601 . Mitteilungen über eine Reise in Syrien und Mesopotamien. Aus den 

Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1 882, no. 3. 
29 S. 80. 

602. Scholz, Dr. Joh. Mart. Augustin, Reise in die Gegend zwischen Alexan- 
drien und Paraetonium, die libysche Wüste, Siwa, Egypten, Palaestina 
und Syrien. In den Jahren 1820 und 1821. Leipzig und Sorau. Friedr. 
Fleischer 1822. IV, 305 S. 8". 



XI 

603/606. Seetzen, Ulrich Jasper, Reisen durch Syrien, Palaestina, Phoenicien, 
die Transjordaiilaender, Arabia Petraea und IJnter-Aegypten. Heraus- 
gegeben und eomuientirt von Dr. Fr. Kruse in Verbindung mit Prof. Dr. 
Hinrichs, Dr. G. Fr. Hermann Müller und mehreren andern Gelehrten. 
Berlin. Verlegt bei G. Reimer. 4 Bde, 1854—59. 8«. 

607. Syrien, Acht Wochen in. Ein Beitrag zur Geschichte des Feldzugs 1840. 
Stuttgart und Tübingen, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 
1841. VI, 155 S. 80. 

608. Tobler, Titus, De locis sanctis quae perambulavit Antoninus Martyr circa 
A. D. 570. Nach Hand- und Druckschriften mit Bemerkungen heraus- 
gegeben. St. Gallen, Huber und (!omp. (J. Fehr). 1863. 8". 50 S. Durch- 
schossen und mit zahlreichen Bemerkungen Gildemeister's versehen. 
(Enthält den Text der Pilger schrift). 

609. Dasselbe. 129 S. Mit Randbemerkungen Gildemeister's. (Enthält Tob- 
ler's »Einführung des Autors« und »Noten«). 

610/611. van de Velde, C. W. M., Reise durch Syrien und Palästina in den 
Jahren 1851 und 1852. (Aus dem Niederdeutschen übersetzt von K.Göbel, 
Pfarrer in Erlangen). Leipzig, T. O. Weigel. 2 Thle. 1855 u. 56. Gr. 8«. 

612/614. Volney, C. F., Voyage en Egypte et en Syrie, pendant les annees 
1783, 1784 et 1785. Sixieme Edition. Paris 1823. 3 ßde. 12". 

615. Wetzstein, Joh. Gottfr., Reisebericht über Hauran und die Trachonen 
nebst einem Anhange über die Sabaeisehen Denkmäler in Ostsyrien. 
Berlin, Dietr. Reimer 1860. IV, 150S. 80. 

616/617. Wilson, John, The lands of the Bible visited and described. Edin- 
burgh, William Whyte and Co. 1847. 2 Bde. Gr. 80. 

618. W'oltf, Philipp, Reise in das Gelobte Land. Stuttgart, Verlag der J. B. 
Metzler'schen Buchhandlung. 1849. VIII, 276. 8o. 

//. Bearbeitungen. 

619,620. Allatii, L., Symmikta sive opusculorum, Graecorum et Latinorum, 
vetustiorum ac recentiorum libri duo. Edente, nonnullis additis Bar- 
toldo Nihusio. Colouiae Agrippinae, apud Jodocum Kalcovium 1653. 
2 Bde. 80. 

621. Altmüller, F., Aegypten, Sinai-Halbinsel und Palästina. Begleitbericht 
zum Reliefplane der genannten Länder. Cassal, Theodor Fischer. 1861. 
76 S. 80. Mit einer Übersichtskarte von Sinai und Golgatha von H. W. 
Altmüller. 

622. Arnold, Fr., Palästina, historisch-geographisch mit besonderer Berück- 
sichtigung der Hellmuth'schen Karte. Mit einer Karte von Palästina. 
Halle, Eduard Anton 1845. XI, 306 S. 80. 

623. Archives de l'Orient latin publiees sous le patronage de la societe de 
l'Ürientlatin T. I. Paris, E. Leroux 1881. XVI, ■;67 S. Gr. 8". 

624. Baedeker, K., Palaestina und Syrien. Handbuch für Reisende. Mit 17 
Karten, 41 Plänen, 1 Panorama von Jerusalem und 8 Ansichten. Leipzig, 
Karl Baedeker. 1875. XIV, 585 S. 8o. 

625. Berghaus, Geographisches Memoir zur Erklärung und Erläuterung der 
Karte von Syrien (No. 5 von Berghaus' Atlas vonAsia). Gotha 1835, 
Justus Perthes. 48 S. 40. Mit einer kritischen Karte von Syrien. 
Berghaus, Geohydrographisches Memoir zur Erklärung und Erläuterung 
der General-Karte von Arabia und dem Nillande. [No. 6 von Berghaus' 
Atlas von Asia.) Gotha, 1835. Im Verlage von Just. Perthes. 128 S. 40. 

626. Bibliographie de l'Orient latin, I, 1878, 1879, 1880. Paris, E. Leroux 
1881. 75 S. Gr. 8. 



XII 



627. Büsching, Anton Friedrich, Neue Erdbeschreibung von Asia. Erste 
Abtheilung. Schaffhausen bei Benedikt Hurter. 1769. 480, XXXVI S. 80. 

628. Caspari, Ch. Ed., 1. Zion und die Akra der Syrer. Ein Beitrag zur Orts- 
bestimmung des antiken Jerusalem. S. 3(19 — 328 des Jahrg. 1864 der 
Theol. Stud. und Kritiken. 

629. Crome, Friedrich Gottlieb, Geographisch-historische Beschreibung des 
Landes Palästina. Erster Theil. Geographische Beschreibung des Lan- 
des' Palästina. Göttingen, bei Vandenhoeck und Ruprecht. 1S34. XX, 
348 S. 80. 

630. Deycks, Ferdinand, Über ältere Pilgerfahrten nach Jerusalem, mit be- 
sonderer Rücksicht auf Ludolf's von Suchen Reisebuch des heiligen 
Landes. Münster. Friedrich Pv-egcnsberg 1848. 64 S. 80. 

631. Delitzsch, Franz, Ein Tag in Kapernaum erzählt. Zweite bereicherte 
Auflage. Leipzig, Verlag von Justus Naumann. 1873. VIII, 1(54 S. 80. 

632. Derenbourg, J., Une stele du temple d'Herode. 20 S. 80. Extrait Nr. 9 
de l'annee 1872 du Journal asiatique. 

633. Dillmann, A., Über Pithom, Hero, Klysma nach Naville. {Sitzungsbe- 
richte der Königlich Preussischen Akademie der AVissenschaften zu 
Berlin. 1885. XXXIX. Sitzung der philosophisch-historischen Classe 
vom 30. Juli. 10 S. Gr. 8o. 

634. Eckstein, A., Geschichte und Bedeutung der Stadt Sichem. Inaugural- 
dissertation zur Erlangung der Doctorwürde der philosophischen Facul- 
tät der Universität Leipzig. Berlin. Druck von Itzkowsky 18S6. 49 S. 80. 

635. Forbiger, Albert, Handbuch der alten Geographie. Zweiter Band. Po- 
litische Geographie der Alten. Asia. Afrika. Leipzig, Maver«S:Wigand. 
1844. X, 920 S. Gr. 8". 

636. Grundt, Friedrich, Kaiserin Helenas Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande. 
(Programm des Gymnasiums zum heiligen Kreuz in Dresden). Dresden, 
Lehmannsche Buchdruckerei 1878. 36 S. 40. 

637/638. Heyd, AA'ilhelm, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. Stutt- 
gart. Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 2 Bde. 1879. Gr. 8o. 

639. Josephus (Flavius), Jüdische Alterthümer. Übersetzt von Dr. Fr. Kaulen. 
Zweite Auflage. Druck und Verlag von J. P. Bachem. Köln am Rhein. 
(1883:i. X, 696 S. Gr. 8o. 

640. Korth, Leonard, Die Reisen des Ritters Arnold von Harff in Arabien, In- 
dien und Ost-Afrika. Ein Beitrag zur Geschichte der Erdkunde. Zschr. 
des Aachener Geschichtsvereins V (1883), S. 191—218, 

641. Kugler, B., Reccnsion von Hans Prutz, Kulturgeschichte der Kreuz- 
züge. Berlin 1833. Göttingische gelehrte Anzeigen Stück 33. 15. August 
1883. S. 102.5—1056. 8". 

642. Mannert, Konrad, Geographie der Griechen und Römer. Sechster Theil. 
ICrstesHeft. Arabien, Palästina, Phönicien, Syrien, Cypern. Nürnberg, 
bei Ernst Christoph Grattenaucr. 1799. 4, 592 S. 8^». 

643. Mehren, A. F., Syrien og Palestina, Studie efter en Arabisk Geograph 
fra Slutningen af dct 13 de og Begyndelsen af dct 14 de Aarhundredu 
med en Indledning. In »ludbydclsesskrift til Ivjobcuhavns üniversitets 
Fest i anledning af Hans Majestät Kongens Fodselsdag den 6. October 
1862. Kjobcnhavn. trykt hos J. H. Schultz. ]*>62. 99 S. 4". 

644. Morgenstern, Dr. J., Die französische Academie und die »Geographie des 
Talmuds". Zweite vollständige Auflage. Berlin 1870. Druck von E. Schle- 
singer. 96 S. 80. 

645. Munk, S., Palacstina, geographische, historische und archaeologischc 
Beschreibung dieses Landes und kurze Geschichte seiner hebräischen 
und jüdischen Bewohner. Nach dem Französischen bearbeitet von Pro- 
fessor Dr. M.A.Levy. 1. Bd. Leipzig, 0.skar Leiner 1871. XIV, 500 S. SO. 



XIII 



646. Öhlmann, Ernst, Die Fortschritte der Ortskunde von Palaestina. 1 . Theil. 
Norden. Dietrich Soltau. 1887. 24 S. 40. 

647. Olshausen, Justus, Zur Topographie des alten Jerusalem. Kiel, Schwer's 
Wittwe. 1833. 76 S. 80. 

648. Onomastica Sacra, ed. Paulus de La^arde. I. Gottingae 1870. Adalberti 
Rente. VIII, 304 S. Gr. 8». II, 160 S. Gr. 80. 

649. Plessing, Johann Friedrich, Über Golgatha und Christi Grab. Halle, in 
der Buchhandlung des Waisenhauses 1789. XXXII, 542 S. 80. 

650. Prutz, Hans, Kulturgeschichte der Kreuzzüge. Berlin 1883. Mittler und 
Sohn. XXXI, 642 S. Gr. 80. 

651. Robinson, Edward, Physische Geographie des heiligen Landes. Leipzig, 
Brockhaus. 1S65. XIX. 405 S. 80. 

652/655. Ritter, Carl, Vergleichende Erdkunde der Sinai-Halbinsel, von Pa- 
laestina und Syrien. 4 Bde. Berlin, G. Reimer 1848 — 55. 80. 

656. Rey, E., Les colonies franques de Syrie au XH et XIII siecles. Paris, 
Alph. Picard, 1883. VI, 537 S. 8». 

657. Rohden, Paulus de. De Palaestina et Arabia provinciis Romanis quae- 
stiones selectae. Dissertatio historica quam consensu et auctoritate am- 
plissimi philosophorum ordinis in Alma Litterarum Universitate Friderica 
Guilelma Berolinensi ad summos in philosophia honores rite capessen- 
dos die V. m. Augusti a. MDCCCLXXXV, hora XII publice defendet. 
Berolini. Typis Emilii Dreyeri. 57 S. 8o. 

658. Röckerath, Pet. Jos., Ebal et Garizim ubi sint quaeritur. Im Jahresbe- 
richt über das Gymnasium zu Neuss während des Schuljahres 1867/68. 
Neuss, Druck von Leonard Schwann 1868. 37 S. 40. 

569. Sepp, Neue architektonische Studien und historisch -topographische 
Forschungen in Palästina. Würzburg, Druck und Verlag der Stahel- 
schen Buch- und Kunsthandlung. 1867. XLIV, 256 S. Gr. 80. 

660 661. Sepp, Jerusalem und das Heilige Land. Zweite vermehrte Auflage. 
Erster Band. Schaff"hausen. Fr. Hurther'sche Buchhandlung. 1873. 
XXXV, 923 S. Gr. 80. Zweiter Band. Regensburg, Verlas: von G. Joseph 
Manz. 1876. XII, 916 S. Gr. 8. 

662. Sepp, J. N. und Beruh., Die Felsenkuppel eine Justinianische Sophien- 
kirche und die übrigen Tempel Jerusalems. München 18S2. M. Kelleres 
Verlag (F. DeCrignis). XXIV, 176 S. Gr. 80. 

663. Socin, A., Palestine S. 170b— 178b, 10 S. Gr. 40. Separatdruck aus 
Encyclopaedia Britannica Bd. 18. 

664. Socin, A., The survev of western Palestine 1885. Separatdruck aus 
dem Expositor, Mai 1886 S. 241—262. 

665. Tuch, Friedrich, Masada, Die Herodianische Felsenfeste nach Fl. Josephus 
und neueren Beobachtern. Einladungsschrift zurFeier desReformations- 
fpstes und dem Rectoratswechsel. Leipzig, 1863. Druck von Edelmann. 
IV, 39 S. 

666. Tuch, Friedrich, Commentatio de Maioa/.öjft 'ev 'ApßT/.oi; 1. Macc. 9, 2. 
Leipziger Universitätsprogramm zum Rectoratswechsel. 1853. Lipsiae, 
litteris Edelmanni. 21 S. 40. 

667. Tuch, Friedrich, Reise des Sheikh Ibrahim el Khijäri el-Medeni durch 
einen Theil Palästina'«. Einladungsschrift zur Feier des Pfingstfestes. 
Leipzig 1850. W. Vogel. 19 S. 40. 

668. Tuch. Friedrich, Antoninus Martyr, seine Zeit und seine Pilgerfahrt 
nachdem Morgenlande. Leipziger Üniversitätsprogramm, Pfingsten 1^64. 
Leipzig, Alexander Edelmann 1864. 39 S. 4o. 

669. Villefosse, i\.nt. Heron de, Notice des monuments provenants de la Pa- 
lestine et conserves au Musee du Louvre (sallc Judai(}uc; . Deuxieme 
edition. Paris, Charles de Morgues frferes. 1879. VIII, 61 S. 8». 



XTV 



670. Wolff, Philipp, Jerusalem. Nach eigener Anschauung und den neuesten 
Forschunacen geschildert. Leipzig, Verlagsbuchhandlung von J. J. Weher. 
1857. XIV, 231 S. 80. 

671. Zsehokke, Hermann, Beiträge zurToi)ographie der westlichen Jordansau. 
Jerusalem, Buehdruckerei der PP. Franciscaner. 1866. 83 S. Gr. 80. 



III. Hebräische, aiahische, türliische und persische Schriften. 

672. Abu'l-barakät, Barakät el-ins. (persisch). 108 S. 80. (Reise eines persi- 
schen Pilgers zu den heiligen Stätten der Muslimen in Palästina. Jahr 
unbekannt! . 

673. Carmoli. Eljakim, r"rorn nbx. Reiserouten in Palaestina. Hebr. (de- 
feete Reisebeschreibung). 1841. 30 S. 160. Vgl. Röhricht u. Meisner, 
Deutsche Pilserreisen S. 622, Nr. 680. Auch Röhricht Bibliographie 
S. 398. 

674. Chajjim Hurwitz ha-I.evi. cVrili ran "iSö. Geographie Palästina's. 
Herausgegeben Aon Israel ben Abraham. Jerusalem 1844. 40. 120 S. 
(Vgl. Röhricht, Bibliographie S. 414V 

675. Dschurdschi Efendi Jeni, Kitäb ta'rich sürijä. Beirat 1881, el-matba'a 
el-adabije. 536 S. 80. 

676. Eljäs Dib Matar, Kitäb el-'uküd ed-durrije fi ta'rich el-memleke es-su- 
rlje. Beirut 1874, matba'at el-ma ärif. 192 S. 80. 

677. Eljäs Ferdsch Bäsil, Dalil ez-züwär'alal-amäkin el-mukaddase. Jeru- 
salem 1865 (Franziskaner:. 345 S. 120. 

678. Gurland, Jonas, Neue Denkmäler der jüdischen Literatur in St. Peters- 
burg. Erstes Heft. Aus der Krimm nach dem heiligen Lande ! 3 Reise- 
beschreibungen von 3 karäischen Gelehrten : 1) Samuel ben David 1641 
— 1642. 2 Moses ben Elijahu Halevy 1651—55. 3) Benjamin ben Eli- 
iahu 1785—86. Nach 3 Handschriften der Firkowitz'schen Sammlung 
zum ersten Mal herausgegeben. Lyck 1865, XXXI, 88 S. 8o. Hebräisch. 

679. Lemming, Paulus, commentatio philclogica exhibens specimen libri 
' '^, ^A.2,5 M L\..^>*^i^ J.jL»i2Äj LAÄ;>'b51 v_»L5^i auctore Kemaloddino 

Muhammede ben Abu Scherif ex codice manuscripto Niebuhriano bib- 
liothecae rcgiae Hauniensis excerptum. Hauniae. Excudebat director 
Johannes Fredericus Schultz 1817. XXXI, 92 S. 40. 
6««0 Muhammed ihn 'Abdallah cl-Huseini el-Mausawi, Rahlct esch-3chitä 
was-saif. Cairo 1293. (Wahabi». 146 S. 80. 

681. No'niän Efendi Kasätili, Kitäb er-rauda el-ghannä fi dimischk el-feihä. 
Beirut 1879. 162 S. 8". 

682. Pharchi, Caftor wa-phcrach liber in quo de ritibus Terram Sanctam 
spectantibus nee non deGeographia, Antiquitatibus, Nummis etc. eodem 
pertinentibus agitur. Denuo edidit etc. Hirsch Edelmann. Berolini, 1852. 
A. Asher et Soc. LXXII, 120 S. gr. 8". Hebr. 

683. Sälnämeh für das Wilajct Haleb 1302. Litliographirt. Staatsdruckerei. 
Türkisch. II, 210 S. 80. 

684. Sälnämeh für das AVilajet Syrien 1299. Lithographirt. Staatsdruckerei. 
398 S. 80. Türkisch. 

685/687. Schwarz, Rabbi Joseph, Seferdibrejösef. II. Theil; Tebu'öt'ha-äres. 
Jerusalem 5005(=1845). Unten deutscher Titel; Neueste Beschreibung 

von Palaestina vcrfasst von 156, 52 und 3 ungezählte Blätter. 8". 

III. und IV. Theil : Perl tebü'ä. Pardrlg, Teschüböt. III. Theil: Jeru- 
salem 562i;=1861), Blätter 247 und 7 ungezählte. 80. IV. Theil : Jeru- 
salem 5622(= 1862), 170 und 4 ungezählte Blätter. 80. (Der dritte und 
vierte Theil enthalten Nachträge zu dem zweiten Theil). 



XV 



IV. Karten und Fläne. 

688. Atlas von Palaestina und der Sinai-Halbinsel zu C. Ritter's Erdkunde 
Band XIV— XVI, 15 Blätter im Maaastabe von 1 : 333 333. 4. Heft des 
Atlas von Vorderasien 1. Hälfte). Bearbeitet von Carl Zimmermann. 
Berlin 1850. Verlag von Dietrich Reimer. 

689. Karten zu Ritter's Erdkunde von Asien, ein Band mit folgendem Inhalt : 
Atlas von Vorderasien [zu C. Ritter's Erdkunde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. 1. Heft in V Blättern. Berlin, Verlag von G. Reimer. 
1S41. Auf dem zweiten Blatt findet sich der Titel: Karte Inner-Asien's 
zu C. Ritter's Erdkunde Buch 3. Bearbeitet von Carl Zimmermann, Se- 
cond- Lieutenant im 21. Infanterie -Regiment. Herausgegeben durch 

C. Ritter und F. A. Oetzel. Berlin, G. Reimer 1841. 

Atlas von Vorderasien [zu C. Ritter's Erdkunde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. II. Heft. West-Persien und Mesopotamien zu C. Ritter's 
Erdkunde, Buch 3; Bearbeitet von Carl Zimmermann, Second-Lieute- 
nant im 21. Infanterie-Regiment. Herausgegeben durch C. Ritter und 
F. A. Oetzel. Berlin, G. Reimer. 1840—1843. 5 Blätter. 
Atlas von Vorderasien 'zu C. Ritter's Erdkvmde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. Heft HI, Blatt II : Versuch einer Darstellung von Kho- 
rassan zu C. Ritter's Erdkunde Drittes Buch. Ein Entwurf von Carl 
Zimmermann. Berlin 1840—1841. G. Reimer. Maasstab 1 : 2, 200 000. 
Fünf Karten zu C. Ritter's Erdkunde von Arabien. I. Darstellung der 
Küstengegend von Oman und Mahra. II. Hadramaut. Nebst Plan von 
Aden. III. Jemen. Nebst Karte der Insel Socotara und Karte des Land- 
strichs zwischen D.sjidda und Tavf in Hedschas aufgenommen von 
Schimper. IV. Entwurf zu dem iCriegsschauplatze in Asyr vor dem 
Jahre 1S24. V. Skizze einer Karte von Asyr und einem Theile von 
Hedjas und Nedjd nach Chedufeau's Materialien. Bearbeitet von Carl 
Zimmermann. Berlin 1847. G. Reimer. 

Karte über die geographische Verbreitung des Kameeis nach einer Hand- 
zeichnung von Carl Ritter reducirt und vermehrt mit der geographischen 
Verbreitung der Dattelpalme (Phönix Dactylifera) durch J. M. Ziegler. 
Zu Ritter's Erdkunde Bd. XIII, pag. 609—858. Berlin, D. Reimer. 
Atlas von Vorderasien [zu C. Ritter's Erdkunde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. Heft III, Blatt IV. Maasstab 1 : 2, 200 000. Versuch 
einer Darstellung von Süd-Iran zu C. Ritter's Erdkunde VIII. Theil. 
Beludschistan und Seistan von Carl Zimmermann. Berlin, D. Reimer. 
1850. 

Atlas von Vorderasien zu C. Ritter's Erdkunde von Asien von Car. 
Zimmermann. VI. Heft. Das Stromgebiet des Indus, in 6 Blättern. 
Berlin 1851, D. Reimer. 

Atlas von Asien zu C. Ritter's allgemeiner Erdkunde. II. Abtheilung. 
Dritte Lieferung. Entworfen und bearbeitet von Dr. H. Kiepert. Her- 
ausgegeben durch C. Ritter. 1. Übersichtskarte von Arabien. 2. Karte 
vom südwestlichen Arabien. 3. Übersichtskarte von Iran. 4. AVest- 
Persien. 5. Karte von Turan. Berlin 1S52. D. Reimer. 

Atlas von Asien zu C. Ritter's allgemeiner Erdkunde. IL Abtheilung. 
Vierte Lieferung. Entworfen und bearbeitet von Dr. H. Kiepert. Heraus- 
gegeben durch C. Ritter. Blatt 1—4 : Die Euphrat-Tigris-Länder. oder 
Armenien, Kurdistan und Mesopotamien. Blatt 5 : Höhenverhältnisse 
des westlichen Hoch- Asiens. Berlin 1854, D. Reimer. 

Karte von Georgien, Armenien und Kurdistan. Aus Heft IV des Atlas 
von Asien zu C. Ritter s Erdkunde, bearbeitet von H. Kiepert. Berlin, 

D. Reimer 1854. 



XVI 

690. Fraas, Dr. Oscar, Plan geologique de la ville et des environs de Jeru- 
salem, public par Wurster, Randegger & Cie. Winterthur. 

691. Jerusalem, Plan der Stadt und Umgebung. Maasstab 1 : 20000. Verlag 
von Wurster, Randegger iS: Cie. Winterthur. 

692. Johnston, W. & A. K., Map of the holy land, with topographical plans 
of Jerusalem, Tyre, Sidon, 'Akkä and Beirut constructed for Dr. Wilsons 
Lands of the bible. Edinburgh 1847. 

693. Johnston, W. & A. K., Map of the peninsula of mount Sinai and Arabia 
Petraea, constructed for Dr. Wilson's Lands of the Bible. Edinburgh 1847 . 

694. Palestine reduced by arrangement with the committee of the Palestine 
Exploration Fund; embodying as much of the Great Survey of Western 
Palestine as the scale allows. Bv T. B. Johnston. Edinburgh and Lon- 
don, W. & A. K. Johnston. 1 : ^4,649. 

695. Plan des heutigen Jerusalem mit Umgebung nach Ingenieur-Major W. 
Wilson's Aufnahme von 1864 — 1865 und Baurath C. Schick's Ergän- 
zungen bis 1879. Bearbeitet von Dr. Carl Zimmermann unter Mitwir- 
kung von Prof. A. Socin. Maasstab 1 ; 5000. Topographische Anstalt 
V. \N'urster, Randegger & Co. in Winterthur. 

696. van de Velde, C. W. M., Karte von Palästina. Deutsche Ausgabe nach 
der zweiten Auflage der »Map of the Holy Land«. Maasstab 1 : 315,000. 
Acht Blätter in Farbendruck. Gotha, Justus Perthes 1866. 

697. Zimmermann, Dr. Carl, Karten und Pläne zur Topographie des Alten 
Jerusalem. Mit Begleitschrift. Basel, C. F. Spittler 1876. 



Bekanntmachung. 



Die nach § 12 der Statuten in der Regel alle zwei Jahre ab- 
zuhaltende Generalversammlung des Deutschen Vereins 
zur Erforschung Paläst in a's wird am Donnerstag den 21. Mai 
1891 in Verbindung mit der XLI. Versammlung deutscher Philo- 
logen und Schulmänner in München abgehalten werden. Die 
Mitglieder des Vereins werden hierdurch zu derselben eingeladen. 

Beabsichtigte Vorträge oder Mittheilungen bittet man thun- 
lichst bis Ende April 1891 bei Professor H. Guthe in Leipzig, 
Kramerstrasse 7, anzumelden. 

Der geschäftsführende Ausschuss 
des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's. 



Rechenschaftsbericht über das Yereinsjahr 1889. 



Im Jahre 1889 hat der Deutsche Verein zur Erforschung Palä- 
stinas, ähnlich wie im Jahre 1888, den Verlust einer nicht geringen 
Anzahl von angesehenen Mitgliedern zu beklagen gehabt. Neben Baur, 
Steiner, Thokbecke undWRiGiiT ist hier vor allen Anderen Dr. Carl 
Zimmermann in Basel zu nennen, derjenige Gelehrte, dessen Anregung 
im Jahrfr 1876 den Anlass zur Begründung unseres Vereins gegeben 
hat. Die mannigfaltigen Verdienste des Verschiedenen sowohl um 
die Förderung der Palästinakunde als auch insbesondere um unseren 
Verein hat Professor E. Kautzsch in einem ehrenden Nachrufe den 
Mitgliedern des Deutschen Palästina- Vereins ins Gedächtniss gerufen 
(s. ZDPV. XII, XVII flf.). 

Schon vor seinem Tode wünschte Dr. Carl Zimmermann aus 
dem geschäftsführenden Ausschusse des Vereins auszuscheiden. Die 
Neuwahl, welche desshalb vorgenommen werden musste , wurde auf 
Grund eines vom Ausschusse gemachten Vorschlages durch die fünfte 
Generalversammlung am 4. Oktober 1889 in Görlitz vollzogen und 
fiel auf Herrn Professor Dr. K. Fürrer in Zürich. Der Gewählte, 
durch sein Buch »Wanderungen durch Palästina« (1865) und durch 
zahlreiche Beiträge zur Geographie des heiligen Landes in Schenkel' s 
Bibellexikon und in imserer Zeitschrift den Fachgenossen wohl be- 
kannt, hat seit den ersten Anfängen an der Begründung und Aus- 
dehnung des Vereins den lebhaftesten Antheil genommen. Er ist 
Oktober 1889 anstelle Dr. C. Zimmermanns in den geschäftsführenden 
Ausschuss eingetreten. 

Das Jahr 1889 brachte uns aber auch die erfreuliche Kunde, dass 
Seine Majestät der Deutsche Kaiser Wilhelm IL Allerhöchst Sich zu 
entschliessen geruht habe, dem Deutschen Vereine zur Erforschung 
Palästina's an Stelle Seiner Majestätdes hochseligen Kaisers und Königs 
Friedrichs III. als Mitglied beizutreten. Demgemäss konnte bereits 

Ztschr. d. Pal.-Vßr. XIII. \y 



XVIII 



das letzte Mitglieder- Verzeichniss in ZDPV. XII wieder Seine Majestät 
den Deutschen Kaiser an der Spitze der ordentlichen Mitglieder nennen. 
Aus dem protokollarischen Bericht über die fünfte Generalver- 
sammlung unseres Vereins (ZDPV. XII, XXI f.) haben die Mitgliede-r 
ersehen, dass dort über eine Erweiterung der Statuten, um für den 
Verein die Rechte einer juristischen Person zu erwerben, Beschluss 
gefasst worden ist. Die abschliessenden Verhandlungen mit dem Re- 
gisterrichter in Leipzig, die behufs der endgültigen behördlichen Ge- 
nehmigung damals vorgesehen wurden, haben Ende des Jahres 1889 
statt gefunden. Der in Görlitz gefasste Beschluss, die neue Gestalt 
der Statuten nochmals vom weiteren Comite genehmigen zu lassen, 
konnte jedoch nicht sofort ausgeführt werden, da sich inzwischen die 
Anzahl der Mitglieder des weiteren Comite' s unter die von den Statuten 
geforderte Höhe (achtzehn) vermindert hatte. Die Vollendung dieser 
Angelegenheit blieb daher dem Vereinsjahr 1890 vorbehalten. 

Unter den Veröffentlichungen des Jahres 1889 nimmt die nach den 
Forschungen und Angaben Dr. Alphons Stübel's von Dr. Hans 
Fischer gezeichnete Hauränkarte mit den verschiedenen Beigaben den 
ersten Rang ein. Ich kann das Erscheinen dieser neuen Karte hier 
nicht erwähnen, ohne Hei*rn Dr. Alphons Stübel in Dresden für 
seine uneigennützige Bereitwilligkeit und freundliche Hülfe zur Ver- 
öffentlichung seiner Forschungen in unserer Zeitschrift nochmals den 
lebhaftesten Dank auszusprechen. 

Der Beitrag von 500 M ■, den der geschäftsführende Ausschuss 
Herrn Professor Dr. R. Röhricht in Berlin für den Druck der von 
ihm besorgten Neubearbeitung von Tobler's Bibliotheca geographica 
Palaestinae verwilligt hatte (s. ZDPV. XII, IV) , ist nicht zur Aus- 
zahlung gelangt. Da die Gesellschaft für Erdkunde in Berlin inzwischen 
einen grösseren Zuschuss angeboten und sich dagegen ausgebeten hatte, 
als alleinige Unterstützerin des Werkes auf dem Titel genannt zu 
werden, so glaubte der geschäftsführende Ausschuss alle Schwierig- 
keiten am einfachsten dadurch aus dem Wege zu räumen, dass er 
nach vorausgegangener Verständigung mit den Betheiligten die ver- 
willigte Summe zurückzog. 

Die von der englischen Palästina-Gesellschaft Juli 1889 uns zu- 
gesandte Karte über den nördlichen Theil des Adschlün (s. ZDPV. 
XII, V) wurde sofort verwerthet und soll demnächst herausgegeben 
werden, wenn auch die geologische Bearbeitung des Gebietes durch 
Herrn Dr. Noetling erst später nachfolgen kann. 



XIX 



über die im Jahre 1SS9 erfolgte Vermehrung unserer Bibliothek 
geben die Verzeichnisse Band XII, S. XIII ff. und Band XIII, XXII ff. 
Auskunft. Allen denen, die durch besondere Geschenke dazu beige- 
tragen haben, sei hier der herzlichste Dank ausgesprochen. 

Durch den Eintritt von Professor Dr. Führer in den geschäfts- 
führenden Ausschuss und durch den Tod Professor Dr. Gildemeister's 
war es nothwendig geworden, für die Revision der Jahresrechnung 
zwei Mitglieder des weiteren Comite's neu zu wählen. Die Herren 
Pfarrer Dr. A. W. Koch in Pfungstadt und Professor Dr. Reinicke 
in Wittenberg haben sich freundlichst bereit erklärt, diese Arbeit zu 
übernehmen. Für ihre erste Müh waltung, die sich auf die Prüfung 
der Jahresrechnung für 1889 bezog, sei den genannten Herren an 
dieser Stelle herzlichst gedankt. 

Leipzig, 9. März 1891. 

Für den Ausschuss : 

H. GUTHE. 



b* 



Auszug aus der Rechnung über Einnahme und 

Einnahmen. 

Jl 1896. 43 S^ Cassen-Bestand vom Jahre 1888. 

Jl 461. 80 3^ Rückständige Jahresbeiträge von 1886—1888. 

- 3317. 16 - Laufende Jahresbeiträge pro 1889. 

- 127. 90 - für div. Jahrg. u. einzelne Hefte d. Zeitschrift. 

- 530. — - für 63 Jahrg. XII. und 2 Jahrg. XI. durch den 
- 4442. 86 - Buchhandel abgesetzt. 



— . 90 - Netto-Erlös für 1 verkauften Gyps-Abguss der Siloah- 

Inschrift. 
Jl 45. — ^ für getrennte Coupons von M 1500 %% Sachs. 
Rente v. Oktober 1888 bis dahin 1889. 
75. — - desgleichen von Jl 2500 "6% Sächsische Rente 
120. pro 1889. 



Jl 6460. 19 ^ Summa der Einnahmen, 
- 4724. 5 - - der Ausgaben, also 

Jl 1736. 14^ Bestand baar. 

An Vermögen besitzt der Verein ferner : 

Jl 4000. ■ — ^ '6% Sächsische Rente zum Cours von 90, — . 
Jl 3600. — ^ 

Jl 5336. 14 3^ Summa. 

Ausserdem sind noch ca. Jl 630. — an Jahresbeiträgen 
rückständig. 



Die Jahresrechnung des Palästina - Vereins für 1889 ist nach 

Wittenberg, 3. August 1890. 
Pfungstadt, 7. August 1890. 



1 



Ausgabe der Kasse des DPV. im Jahre 1889. 



Ausgaben. 

M 3305. 56 ^ für Druck, Lithographie etc. der Zeitschrift, Band XII, und 

von Accidentien. 
102. 95 - - Buchbin der- Arbeiten. 

Honorare, als: 
Jl 500. — ^ für Redaction der Zeitschrift p. 1889, 
- 898. 5 - - 398. 5 - - Beiträge zur Zeitschrift. 

150. — - für Cassaführung. 

43. 25 - Ankäufe für die Bibliothek. 

215. 39 - für Porti, Correspondenzkosten etc. 

8. 85 - - diverse Ausgaben (Packpapier und Couverts). 



Ji 4724. 5 3^ Summa der Ausgaben. 



Karl B.'VEDEKER, d. Z. Kassirer. 



eingehender Prüfung richtig befunden worden. 

Reixicke. 
Koch. 



Verzeichniss 

der TOm 1. Oktober 1889 Ms zum 31. Deeember 1890 für die 

Palästina-Bibliothek eingegangenen Bücher, 

Zeitschriften u. s. w. 



Von den Redactionen : 

698/699. Österreichische Monatsschrift für den Orient. Herausgegeben von 
dem orientalischen Museum in Wien. Red. von A. von Scala. 15. Jahr- 
gang. Nr. 9 — 12. September bis Deeember. Wien 1889. 4. — 16. Jahr- 
gang. Nr. 1 — 12. Jänner bis Deeember. Wien 1890. 4. 

700/701. Neueste Nachrichten aus dem Morgenlande. Neue Folge. Heraus- 
gegeben von Lic. C. Hoffmann. 33. Jahrgang. Heft 5 u. 6. Berlin 1889. 
8. — 34. Jahrgang. Heft 1—6. Berlin 1890. 8. 

702/703. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Red. von 
Prof. Dr. E. Windisch. Band 43, Heft 3—4. Leipzig 1889. 8. — Band 
44, Heft 1—3. Leipzig 1890. 8. 

704/705. Orientalische Bibliographie. Herausgegeben von Dr. A. Müller, 
Prof. in Halle. 3. Jahrgang, Heft 4—8. Berlin 1889. 8. — 4. Jahrgang. 
Heft 1-6. Berlin 1890. 8. 

706/708. Revue archeologique publice sous la direction de M. M.Alex. Bert- 
rand et G. Perrot. Troisieme serie. Tome XIU, Juillet-Aoüt 1889. — 
Tome XIV, Septembre-Decembre 1889. — Tome XV, Janvier-Decembre 
1890. Paris 1889 u. 1890. 8. 

709. Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie. Herausgegeben von J. I. 
Kettler. Band VII, Heft 4—6. Weimar 1889 u. 1890. Gr. 8. 

710/711. Die Warte des Tempels. Wochenblatt zur Belehrung über die wich- 
tigsten Fragen unserer Zeit. Herausgegeben von Christoph Hoft'mann 
und Franz Paulus. 45. Jahrgang 1889. Nr. 38—52. Stuttgart 1889. 4. 
— 46. Jahrgang. 1890. Nr. 1—52. Stuttgart 1890. 4. 

712/713. Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Redigirt 
von C. Herrlich in Berlin. Jahrgang 30. Nr. 37—52. Berlin 1889. 4. — 
Jahrgang 31. Nr. 1—53. Berlin 1890. 4. 

Von dem Verein der Geograiihen an der Universität Wien : 

714. Bericht über das 15. Vereinsjahr (16. Oktober 1888 bis 24. Oktober 1889, 
erstattet von dem Vereine der Geographen an der Universität Wien. 
Wien 1889. 8. 

Von dem Verein vom hl. Grabe in Köln : 

715/716. Das heilige Land. Organ des Vereins vom hl. Grabe. 33. Jahrgang. 

1889. Heft 3—6. Köln 1889. 8. — 34. Jahrgang. 1890. Heft 1—6. Köln 

1890. 8. 



XXIII 



l'oti der Societe de Geographie in Paris : 

717/718. Bulletin de la Societe de Geographie. Septieme serie. Tome X, 1«'' 
— 4me Trimestre. 1889. Paris 1889. 8. — Tome XI, ler_4mc Trimestre. 
Paris 1890. 8. 

719/720. Compte rendu des seances de la commission centrale. Amiee 1889, 
Nr. 13—17. Paris 1889. 8. — Annee 1S90, Nr. 1—17. Paris 1890. 8. 

Von dem Palestiiie Exjjloi'ation Fund in London : 

721/722. Quarterly Statement. October 1889. London. 8. — January — Oc- 
tober 1890. London. 8. 

Von der Geographisclien Gesellschaft zu Greif stcald : 
723/724. m. Jahresbericht der geographischen Gesellschaft zu Greifswald. 
II. Theil. Herausgegeben von Prof. Dr. Credner. Greifswald 1889. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Bremen: 

725/726. Deutsche «jeographische Blätter. Herausgegeben von der geogra- 
phischen Gesellschaft in Bremen durch Dr. M. Lindemann. Band XII, 
Heft 3 u. 4. Bremen 1889. 8. — Band XIII, Heft 1—4. Bremen 1890. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft [für Thüringen) zu Jena : 

727/728. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu 
Jena. Zugleich Organ des botanischen Vereins für Gesamtthüringen. 
Herausgegeben von C. Kurze und Dr. F. Begel. Band VIII, Heft 1 — 4. 
Jena 1889. 8. — Band IX, Heft 1 u. 2. Jena 1890. 8. 

Von der GeograiMsch en Gesellschaft in Haniburg : 

729/730. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg. 1887 
— 1888. Heft in. Hamburg 1889. 8. — 1889—90. Heft I u. IL Ham- 
burg 1890. 8. 

Vo7i der k. k. Geographischen Gesellschaf t in Wien: 

731/732. Mittheilungen der kaiserlich- königlichen geographischen Gesell- 
schaft in Wien. Redigirt von Dr. Otto Stapf. XXII. Band (der neuen 
Folge XXIL) 1889. AVien 1889. 8. — 1890. Provisorischer Redakteur : 
Dr. J. M. Jüttner. XXIII. Band (der neuen Folge XXIII). Wien 1890. 8. 

Von Herrn Baiirath C Schick in Jerusalem .• 

733. Zehnter Bericht des Deutschen Vereins zu Jerusalem, 3 Jahre, Juli 1886 
bis Juli 18S9, umfassend. Jerusalem 1889. 

Von Herrn van Kasteren : 

734. De Geboorteplaats der Boanerges door J. P. van Kasteren. Amsterdam 
1890. 8. 

735. Appendice allo Emmaus di Palestina del P, Teofilo Domenichelli. Prato 

18S9. 8. 

Von der Smithsonian Institution in Washington. 

736. Annual Report of the board of regents of the Smithsonian Institution, 
showing the Operations, expenditures, and condition of the Institution 
for the year ending June ao, 1886. Part I. Washington, government 
printing Office. 1889. XVHI, 878 S. 8. 

737/738. Dasselbe, for the year ending June 30, 1887. Part I. XX, 735 S. 8. 

Part IL XVIII, 771 S. 8. Washington 1889. 
739. Smithsonian miscellaneous collections 745. Chek List of publications 

of the Smithsonian Institution, July 1890. Washington, 1890. 34 S. 8. 



Yerzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutsclieii Tereins 
zur Erforschung Palästina's. 



1. Ehrenmitglied. 
SchicJi, Conr., königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

2. Ordentliche Mitglieder. 

Seine Majestät der Deutsche Kaiser. 

Seine Majestät der König vox Wühttejiberg. 

Seine Hoheit Fürst Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen. 

Almkvist, Dr. Herman, Professor in Upsala. 

Antonin, Archimandrit in Jerusalem. 

Arndt, Dr. Theodor, Prediger an der St, Petrikirche in Berlin. 

Asc/ierson, Dr. P., Professor in Berlin. 

Auerbac/i, Dr. Z., Rabbiner in Halberstadt. 

Auning, Pastor in Sesswegen, Livland. 

Baedeker, Karl,^ in Leipzig. 

Baethcke, Pfarrer in Georgenthal (Thüringen) . 

Baethgen, Professor Dr. in Greifswald. 

Bättig, Niki., Vikar in Vitznau, Canton Luzern. 

V. Baudissin, Graf, Dr. W., Professor in ISIarburg. 

Baiir, J., Pfarrer in Dietershofen bei Klosterwald. 

Behrmann, Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg. 

Benzinger, Dr. Immanuel, Stadtvicar in Stuttgart. 

van Berchem, Dr. Max, in ChAteau de Crans (Schweiz). 

Berliner,, Dr. A., Docent am Rabbinerseminar in Berlin. 

Bertheau, Carl, Pastor an St. Michaelis in Hamburg. 



XXV 



Bibliotheken : 

der Akademie von Neuchätel (Schweiz), Dr. Domeier. 

de l'ecole des langues orientales Vivantes in Paris [Ch. Schefer). 

der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, 

Prof. Dr. Lazarus. 
der Synagogengemeinde in Breslau, 
der Israel. Cultusgemeinde in Wien, 
des bischöfl. Seminarium Clericorum in Brunn, 
des evangelisch-lutherischen Landes-Consistoriums in Dresden, 
des evangelischen Seminars in Tübingen. 

des Königlichen Lyceum Hosianum in Braunsberg (Ostpreussen) . 
des Rabbiner-Seminars in Berlin, Dr. A. Berliner. 
des theol. Seminars der Brüdergemeinde in Gnadenfeld, Ob/Schl. 
Gymnasialbibliothek in Rottweil. 
Jüdische Bibliothek [M. Adelmann) in Jerusalem. 
Königliche Bibliothek in Berlin. 
Kü:?igliche öffentliche Bibliothek in Stuttgart. 
Landesbibliothek in Wiesbaden. 

Library of Andover Theological Seminary in New York. 
Ministerialbibliothek in Schaffhausen, C. A. Bächtold, Pfarrer. 
Öffentliche Bibliothek in Basel, Dr. L. Sieber. 
Stadtbibliothek in Frankfurt a/Main. 

- in Hamburg, Dr. Isler. 

in Mainz, Dr. Velke. 
Universitätsbibliothek in Amsterdam. 

- in Bonn, 

- in Dorpat. 

- in Erlangen. 

- in Giessen. 

- in Halle. 

- . - in Leiden (Holland). 

- in Leipzig. 

- in Marburg. 

- in Prag. 

- in Strassburg i. E. 

- in Tübingen. 

- in Utrecht. 
Bickell, Dr. G., Professor in Innsbruck. 
Boehl, Dr. E., Professor in Wien. 



XXVT 



Bosse, Paul, Kartograph in Weimar. 

Bourgeois, Dr. G., Pastor in St. Mars-du-Desert, Frankreich. 

Brandt, Dr. A., Divisions-Pfarrer in Graudenz. 

Brüll, Dr. Adolf, in Frankfurt a/M. 

Brünnoiv, Dr. Rudolf E., Professor in Heidelberg. 

Budde, Dr. C, Professor in Strassburg i. E. 

Buhl, Dr. Franz^ Professor in Leipzig. 

Cassel, Dr. th. P., Professor und Pastor in Berlin. 

Chapuis, Dr. P., Pastor in Chexbres bei Lausanne. 

C/irisfmanfi, Vicedirector in Adana, Asiatische Türkei. 

C/iwolson, Dr. Dan., wirkl. Staatsrath und Professor in St. Petersburg. 

Clatisen, Consistorial-Rath in Brügge bei Bordesholm. (Holstein) . 

Dalton, Consistorial-Rath a. D. in Berlin. 

Dieckmann, R., Pastor in Beggerow bei Demmin. 

Dillmann, Dr. A., Professor in Berlin. 

Ebers, Dr. G., Professor in München. 

Eekardt, Karl, evang. Pfarrer in Prag. 

Ehinger-Heusler , AlpJi., in Basel. 

Einszier, Dr. med. A., Stadtarzt in Jerusalem. 

Euting, Prof. Dr. /. , Oberbibliothekar in Strassburg i. E. 

Fahrngruber , Johann, Theologie -Professor in St. Polten, Nieder- 

Österreich. 
Fay, F. R., Pfarrer in Crefeld. 

Federlin, Superieur du Seminaire de Ste. Anne in Jerusalem. 
Fehr, Dr. Fredrik, Pastor primarius in Stockholm. 
Fell, Dr. Win., Professor in Münster i. "W. 
Fischer, Dr. A., in Halle. 

Förstemann, Dr., Hofrath u. Oberbibliothekar in Leipzig. 
Fraas, Dr. O., Professor in Stuttgart. 
Fraidl, Dr. Franz, Professor in Graz. 
Frei, A., Pfarrer in St. Gallen (Schweiz). 
Fromme, Pastor in Wersabe (Post Sandstedt bei Bremen) . 
Frutiger if Comp., J., in Jerusalem. 
Furrer, Dr. K., Professor u. Pfarrer in Zürich. 
Gatt, G., kathol. Missionar in Gaza. 
Gautier, Dr. Lticien, Professor in Lausanne. 
Geiger , Hermann , Benefiziat und Ehren-Domherr vom heiligen Grabe 

in München. 
Geizer, Dr. Heinrich, Professor in Jena. 



XXVII 

V. Georpü, Dr., Prälat, in Tübingen. 

Gerber, Dr. W., in Prag. 

Geyser, N., Pfarrer in Elherfeld. 

de Goeje, Dr. M., Professor in Leiden. 

Goldziher, Dr. /., Docent an der Universität in Budapest. 

Goldmann, Samuel, Cantor in Gr. Kanizsa, Ungarn. 

Gottheil, Dr. Richard J. H., Professor in New- York. 

Grigor, A. B. M.^ in Glasgow. 

Grill, Dr. /., Professor in Tübingen. 

Grossmann, Dr. theol. u. phil., Superintendent in Grimma. 

Grünert, Dr. Max, Professor in Prag. 

Grundt, Dr. F. /. , Oberlehrer in Dresden. 

Gunning , J. H., Dr. theol., ref. Pred. in Gouda (Holland). 

Giithe, Lic. H., Professor in Leipzig. 

Hagenmeyer, H., Pfarrer in Ziegelhausen bei Heidelberg. 

Hagerup, H., Buchhändler in Kopenhagen. 

Halberstamm, S. J., in Bielitz, Österreich. 

Halevy, J., Professor in Paris. 

Harkavy, Prof. Dr. Alb., Bibliothekar an der k. öffentl. Bibliothek in 

St. Petersburg. 
Hartmann, Dr. M., Professor am Orient. Seminar in Berlin. 
Hechler, Rev. Dr. W. H., in Wien. 
Heinrici, Dr. G., Professor in Marburg. 
Hertz, H., in Winnington Hall, Northwich, Cheshire. 
Heussler, G., Pfarrer in Basel. 
Hildesheimer , Dr. /., Seminardirector in Berlin. 
Hildesheimer , Dr. H., in Berlin. 
Hildesheimer, A., in Halberstadt. 
Hildesheimer , Levi, in Odessa. 

Hillenbrand, Dr., Professor der h. Schrift in Fulda. 
Hirsch, Rev. Dr. E. G., Rabbiner der Sinai-Gemeinde in Chicago. 
V. Hitrmvo, B., kais. russ. wirkl. Staatsrath in Petersburg. 
Hofele, Dr., Pfarrer in Ummendorf bei Biberach. 
Hoffmann, Lic. C, Superintendent in Frauendorf bei Züllchow, 

R.-Bez. Stettin. 
Hoffmann, Christoph, Centralleitung des Tempels in Jerusalem, 
Hoffmann, Dr. G., Professor in Kiel. 
Hollenberg , J., Gymnasial- Oberlehrer in Bielefeld. 
Hohammer, Dr., Prof. und Regens am bischöfl. Seminar in Mainz. 



XXVIII 

Hommel, Dr. Fritz ^ Professor in München. 

Hoernle, Dr. A. F. Rudolf, OfFg. Principal Madrasah Calcutta. 

Jacob, Dr. phil. Georg, in Berlin. 

Jäger, Louis, Buchhändler in Basel. 

Janssen, Landrath z. D. in Burtscheid bei Aachen. 

Knftan, Dr. /. , Professor in Berlin. 

Kalmus, Julius, in Berlin. 

Kaempf, Dr. *S'. /., Professor in Prag. 

Kamphausen, Dr. A,, Professor in Bonn, 

Kautzsch, Dr. F., Professor in Halle. 

Kersten, Dr. phil. Otto, in Berlin. 

Kiepert, Dr. H., Professor in Berlin. 

Kiepert, Dr. phil. R., in Berlin. 

Kind, Dr. A., Archidiakonus in Jena. 

Kinter, P. Matirtis, O. S. B., Stiftsarchivar in Raigern bei Brunn. 

Kinzler, Adolph, Pfarrer im Missionshaus in Basel. 

V. Klaiber, Dr. K., Prälat in Stuttgart. 

Klein, Stadtpfarrer in Pforzheim. 

Klein, Rev. F. A., in Calro. 

Klose, Paul, Lehrer in Görlitz. 

Kober-Gohat, P. J. F., in Basel. 

Koch, Dr. A. W., Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Kfigel, Dr. R., Oberhofprediger in Berlin. 

Köhler, Dr. A., Professor in Erlangen. 

König, Dr. /., Professor in Freiburg i. Br, 

König, Dr. F., Professor in Rostock. 

Körten, Pfarrer in Rölsdorf bei Düren, 

Krafft, Dr. W., Professor in Bonn. 

Krähe, Dr. phil. Ed., Stadtschulrath in Halle a/S. 

Krehl, Dr. L., Geheimer Hofrath. Professor und Oberbibliothekar 

in Leipzig, 
Krenhel, Dr. Max, in Dresden. 
Kugler, Dr. B., Professor in Tübingen. 
V. Landberg, Dr. Carlo Graf, in Stuttgart. 
Lange, Geheimer Baurath und vortragender Rath im Ministerium der 

öffentlichen Arbeiten in Berlin. 
V. Leonhard, Friedr. Ritter, in Wien. 

Legrer, Pfarrer, in Salem bei Ludwigsburg i Württemberg] . 
Liebster, Georg, Diaconus in Gruna bei Dreden. 



XXIX 



Lievin de Hamnie, F., in Jerusalem. 

Lindner, Dr. Br., Professor an der Universität in Leipzig. 

Lorange, Dr. med., in Beirut. 

hortet^ Dr. Ad., Doyen de la faculte de medecine et de pharmacie in 

Lyon . 
Lotz, Dr. Wilhelm, Professor in Wien. 
Loytved, königL dänischer Vice-Consul in Beirut. 
Lütge, H., Pastor in Amsterdam. 

Lüttke, M., Superintendent in Schkeuditz bei Halle a/S. 
Maerker, Franz, Seminarlehrer in Alt-Döbern bei Cottbus. 
Mätzold, Rev. G., Pastor in London. 
Marti, Karl, Lic. theol., Pfarrer in Muttenz (Kanton Baselland), Do- 

cent a. d. Universität Basel. 
Merx^i Dr. A., Professor in Heidelberg. 
Meyer, Dr. Eduard, Professor in Halle. 
Mihälyfi, Dr. Achatitis, Professor in Budapest. 
V. Moltke, Graf, Exe, Feldmarschall in Berlin. 
Mond, Ludwig, in Winnington Hall, Northwich, Cheshire. 
Moore, Dr, G., Professor in Andover, Massachusetts. 
Mühlau, Dr. F., kais. russ. Staatsrath, Professor in Dorpat. 
von Mülinen, Graf, bei der kaiseii. deutschen Gesandtschaft in Con- 

stantinopel. 
Müller, Dr. A., Professor in Halle. 
Nestle, Lic. th. Dr. E., Professor in Tübingen. 
Neumann, Dr. W. A., Professor in Wien. 
Ney, Kaufmann in Beirut. 

Nöldeke, Dr. Th., Professor in Strassburg i. E. 
Noetling, Dr. Fritz, in Calcutta, Geological Survey Office. 
Nowack, Dr. W , Professor in Strassburg i. E. 
Oehlmann, Dr. phil. E., in Hannover-Linden. 
Oort, Dr. H., Professor in Leiden. 
V. Orelli, Dr. C, Professor in Basel. 
V. Ortenberg, E., Gymnasiallehrer in Verden, Hannover. 
Osgood, Howard, Professor in New- York. 
Paine, J. A., Professor in Tarrytown, New York, Amerika. 
Palm, August, Director in Maulbronn. 
Palmer, J. F., in Jerusalem. 
Paulus, Dr. med. Franz, in Stuttgart. 
Pein, Pastor in Gross-Leinungen bei Wallhausen (Helme). 



XXX 



Philippi, Dr. F., Professor in. Rostock. 

Photios, Professor am griechischen Priesterseminar auf d. Insel Chalke 

bei Constantinopel. 
Pick, Dr. B., Rev. in Allegheny, Pa. 
Pini, Dr. phil. Otto, Pastor in Braunschweig. 
Post, George E., in Beirut. 
Preistverk, S., Pfarrer an St. Alban in Basel. 
Prpn, Dr. E., Professor in Bonn. 

Patnt'ss, Julius, Professor und Pfarrer in Zircz, Ungarn. 
Rechendorf , Dr., Privatdocent in Freiburg i/Br. 
Reinicke, Lic. Dr., Professor am evangelischen Prediger - Seminar in 

Wittenberg. 
Reitz, Dr., kaiserl. deutscher Consul in Smyrna. 
Reusch, Dr. F. H., Professor in Bonn. 
Reuss, Dr. E., Professor in Strassburg i. E, 
V. Riess, Dr. R., Domkapitular in Rottenburg a. N. 
Riggenhach, Dr. /. , Professor in Basel. 
Ritter, Gustav, Pastor in Hamburg. 
Röhricht, Dr. R., Professor in Berlin. 
Röpe, H., Hauptpastor an St. Jacobi in Hamburg. 
Rösch, G., Pfarrer in Hermaringen im Brenzthal, Wg. 
V. Rosen, Baron V., Professor in St. Petersburg. 
V. Roth, Dr. R., Professor in Tübingen. 
Rothe, H., Seminarlehrer in Neuzelle. 
Rothstein, Lic. Dr., Professor in Halle a/S. 
Ruetschi, Dr. R., Decan u. Professor in Bern. 
Ryssel, Dr. V., Professor in Zürich. 

Salvendi, Dr. Adolfe Bezirks-Rabbiner in Dürkheim a/d. Haardt. 
Sandherger , V., Prälat in Heilbronn. 
Sandel, Theodor, Architect in Jerusalem. 
Satidreczki, Dr. C. , in Passau. 
Sarasin- Bischoff . Theodor, Kaufmann in Basel. 
Sarasin-Stehlin, Rud., Kaufmann in Basel. 
Sattler, Dr. E., Privatier in Coburg. 
Saupe, Marlin, Stud. theol. in Eisenberg, S. -Altenburg, 
fon Schack, Lehnsgraf zu Schackenburg bei Mögeltondern. 
Sehe/er, Ch., Prof., membre de ITnstitut in Paris. 
Schilling, P. Gottfried^ in Alexandrien, Egypten. 
Schlicht, Carl, Pastor der deutschen Gemeinde in Jerusalem 



XXXI 



Schmitt, P. J., Rector in Rome, New York. 

Schmoller, Dekan O., Lic. theoL, Pfarrer in Derendingen, Württem- 
berg. 

Schnall, Dr. theol. Carl, k. k. Hofburgpfarr-Vikar in Wien. 

Schnedermann, Lic. Dr. Georg, Professor in Leipzig. 

Schönecke, L., Kaufmann in Jerusalem. 

Schröder, Dr. E., Professor in Berlin. 

Schroeder , Dr. P., kaiserl. deutscher General-Consul in Beirut. 

Schröder, Dr. Carl Friedrich, Pfarrer a. D. in Cannstatt. 

Schröder, Dr. phil. C, Regierungs-Bibliothekar in Schwerin i. M. 

Schulte, Dr. Franz, Dom-Dechant in Paderborn. 

Schumacher, G., Ingenieur in Haifa. 

Schürer, Dr. F., Professor in Kiel. 

Sei/bold, Dr. phil. Ch., in Cannes. 

Siegfried, Dr. K., Kirchenrath u. Prof. in Jena. 

Sieveking, Dr. jur. Karl, in Hamburg. 

Sieveking, Dr. med. Wilhelm, in Hamburg, 

Sigrist-Weber, C, Kaufmann in Beirut. 

Smend, Dr. Rtid., Professor in Göttingen. 

Socin, Dr. A., Professor in Leipzig. 

Sommer, Dr. /. G., Professor in Königsberg. 

Spaich, PfaiTer in Höpfigheim bei Marbach a. N. 

Stahlberg, Vir., Pastor in Colmar i. Elsass. 

Staiger, Missionar in Beirut. 

von Starck, Pastor in Leussow bei Ludwigslust. 

Steck, R., Professor der Theologie in Bern. 

Stenglein, Reichsgerichtsrath in Leipzig. 

Stenhouse, Rev. Dr. Thomas, in Stocksfild on Tyne. 

Sterzel, K., Pastor an der deutschen evangelischen Gemeinde in Sofia. 

Stickel, Dr. J. G., Professor in Jena. 

Stockmeyer, Dr. /., Antistes und Professor in Basel. 

Strack, Dr. Herrn. L., Professor in (Gross-Lichterfelde bei) Berlin. 

Sülze, Dr. F., Pastor in Dresden-Neustadt. 

Sursock, Dragoman des kaiserl. deutschen Consulats in Beirut. 

von Tischendorf, Dr., kaiserl. deutscher Consul in Jerusalem. 
Trtimbull^ Dr. H. Clay, Herausgeber der »Sunday School Times« in 
Philadelphia. 

von Ustinoiv, Baron Plato, in Jafa. 

Valeton, Dr. J. J. P., Amersfoort, Niederlande. 



XXXII 

Vereine : 

Alliance Israel, universelle in Paris. 
Deutscher Verein in Jafa. 

Deutsch-Israelitischer Gemeindebund in Berlin. 
Jüdischer Lesezirkel in Fürth, Rabbiner Dr. Neuhürger. 
Lesegesellschaft der Loge zur aufgehenden Morgenröthe in Frank- 
furt a/M. 
Palestine Exploration Fund in London. 
Tübinger Diöcesan-Verein, Oberhelfer Demmler in Tübingen. 

Vogel, A., Superintendent in "Wollin, Pommern. 

Volck, Dr. W., kais. russ. Staatsrath und Professor in Dorpat. 

Völlers, Dr., Bibliotheque Khediviale in Cairo, Aegypten. 

Voss, Pastor in Kaddafer in Livland. 

Vuilleumier, Dr. H., Professor in Lausanne. 

Wackernagel, Rev. W., Prof. in Allentown, Pennsylvanien. 

Wagner if Debes, Geographische Anstalt in Leipzig. 

Waldmeyer, Missionar in Beirut. 

Weichelt, Victor, Diakonus in Chemnitz. 

Wellhausen, Dr. /. , Professor in Marburg. 

Werner, H., Dekan in Biberach, Württemberg. 

Weser, Lic. H., Pastor in Berlin. 

Wilson, Colonel Sir Charles, in London. 

Wolff, Dr. Ph., Stadtpfarrer a. D., in Tübingen. 

Wolters, Rev. Th. F., in Nazareth b. Haifa. 

Zeller, Rev. /., in Jerusalem, 

von Zieten-Schwerin, Graf zu Janow bei Clempenow, Kreis Anclam. 

Zschokke, Dr. Hermann, Professor in Wien. 



Geschlossen am 6. April 1891, 

Die Redaction. 



Die arabischen Nachrichten znr Geschichte der 

Harambanten.^) 

Von 7 Professor Dr. Gildemeister in Bonn. 

Es ist eine feststehende und von Niemandem bezweifelte 
Thatsache, dass der zweite Chalif, "^Umar, im Jahr 16 oder 17 
(63 S) von Madina nach Dschäbije. der aUen Hauptstadt der Ghas- 
saniden im Dschölän, gekommen ist, besonders um die staats- 
rechtlichen Verhältnisse des eroberten Syriens zu ordnen, dass er 
auf den speciellen Wunsch der Einwohner von Jerusalem ihre 
Capitulation persönlich entgegennehmen wollte und dass er zu 
diesem Zweck seine Reise bis nach Jerusalem hin ausdehnte (de 
GoEjE, Memoires dhist. et degcogr. Orient. 1S64 III, 112\ Über 
die Einzelheiten seines dortigen Aufenthalts sind war weniger 
authentisch unterrichtet. Die grösseren, nach politischen Ge- 
sichtspuncten verfassten Geschichtsbücher gehen nicht näher 
auf diese Dinge ein, die mehr die Lokalgeschichte interessiren. 

1 Ohne die Aufforderung der Redaction, welche die über die Urheber 
der Harambauten handelnden Stellen arabischer Autoren gesammelt vorgelegt 
zu sehen wünschte, hätte ich diesen Aufsatz nicht geschrieben, da ich über 
das Buch des Herrn Prof. Sepp in München, Die Felsenkuppel eine Justini- 
anische Sophienkirche, bereits im Jahr 1883, aufsein Verlangen mit ihm eine 
Correspondenz ähnlichen Inhalts geführt und daher eine öffentliche Polemik 
gern vermieden hätte. 

Die Unbestimmtheit der arabischen Ausdrücke und ihre verschiedene 
Auffassung bei uns macht es nöthig, sich vorab über ihren Gebrauch zu ver- 
ständigen. Bekanntlich (vgl. Le Stp.axge JRAS, ISS", XIX, 254) bedeutet 
masdschid nicht immer, was wir Moschee nennen, indem wir uns darunter 
ein einzelnes Gebäude denken, vielmehr oft einen ganzen Komplex von Cul- 
tusgebäuden und Höfen, woneben das eigentliche Moscheegebäude der be- 
dachte Theil des masdschid genannt wird. Ein schlagendes Beispiel bietet 
die Art und AVeise, wie Ulaimi in dem Capitel: Beschreibung des masdschid 
Ztschr. d. Piil.-Ver. XHI. 1 



2 Gildemeister, 

Ob z. B. Tabari. bei dem die Begebenheiten jenes Jahres eine 
zufällige Lücke bilden, davon Notiz genommen hat, ist zweifel- 
haft'); nicht einmal über 'Abdalmalik's Bauten, mit denen sich 
doch ein eminent politisches Interesse verknüpfte, findet sich 
etwas bei ihm. Wir haben darüber einige kurze Angaben bei 
Biläduri (7 279 = 892) und Ihn Wädih al-jäkübi (schrieb 259 
= 873), sowie von Späteren, Ibn al-atir II, 390, Abulfidä An. 
I, 228, Ibn Chaldün II, 106 etc. Die ausführlicheren Berichte 
finden sich namentlich in den grösseren Specialgeschichten von 
Jerusalem, dem Mutir al-gharäm des Schihäb al-din al-makdisi 
(sehr. 752 = 1351), dessen einschlägliche Stellen im Original 
von Guy le Strange JRAS N. S. XIX 18S7 p. 297—305 abge- 
druckt sind, dem Ithäf al-achissävon al-Sujüti (sehr. 875 = 1470), 
von dem derselbe Gelehrte das. p. 258 — 296 Auszüge in ver- 
trauenswürdiger Übersetzung gegeben hat, und dem al-Ins 

al-aljm und was darau f ist p. 365 ff. die Sache ausführlich darstellt. Er be- 
tont, dass dieser Name den ganzen Umfang der Ilaramarea, alles, Avas von den 
Aussenmauern umschlossen ist, in sich begreift 366, 9. 377, 13. In der Mitte 
des masdschid ul-alisä ist der Fels 371, 19. 377, 18; in der äussersten Moschee 
sind Bäume 376, 10, sind 34 Brunnen 377, 24; sind Arkaden 377, 18. Das 
Hauptgebäude, welches im Vordertheil der Moschee bei der Idbla ist, die 
Kathedrale [dschümC] wird, wie der Verfasser nicht müde wird zu wieder- 
holen, bloss im vulgären Gebrauch die Aksä (wie wir auch thun) genannt 366, 
G; 372, 16; 373, 7; 377, 13; 384, 13; 385, 11. — "Wo es der Zusammenhang 
unzweifelhaft macht, dass ein Gebäude gemeint ist, ist hier das Wort 
Moschee beibehalten; wo auch nur ein Zweifel entstehen könnte, ist der 
Ausdruck Betört gewählt. 31usallä, obschon gleicher Bedeutung im Allge- 
meinen, ist im speciellen Sprachgebrauch ein unter freiem Himmel gelegener, 
insbesondere zum Fest gebrauchter Gebetsort und desshalb durch Gebets- 
platz übersetzt. Dschämi' ist Kathedrale, die Moschee, üieemmmhar, 
eine Kathedra, in sich schliesst, von der die Freitags- und Huldigungspredigt 
erfolgt. Kuhhe ist nach arabischer Analogie mit Kuppel gegeben, wenn 
auch das mit einer Kuppel bedeckte Gebäude gemeint ist. Bau al-makdis 
ü;np jH t^z bezeichnet den (Salomonischen) Tempel, dann wird es Name von 
Jerusalem überhaupt. 

1) Nach seinem persischen Übersetzer Barami zu schliessen hat Tabari 
Weniges und kaum chronologisch Richtiges über die Reise nach Jerusalem. 
Die bekannte Geschichte von X'mar's zu Avaschcnden und auszubessernden 
Kleidern, die hundert Jahr vor 'rabari Tiiloi-hanes p. 281 P erzählt, hat 
Tubari auch im arabischen Text ganz ähnlich; nur verlegt er sie in das Jahr 18 
und nach der Stadt i^i [aila], was offenbar Verwechslung mit l^i-jj [ilijä] 

ist (ZOTKNKKRO III, 435). 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 3 

al-dschalil vonMudschir al-din al-'iüaimi (sehr. 901 = 1496) edirt 
Käh. 1283 = 1866 (Die Seitenzahlen dieser Ausgabe sind auch 
in Sauvaire's Hist. de Jerus. Par. 1876 angemerkt). Es sind 
durchgängig ältere Traditionen, die es uns aber auf ihre Her- 
kunft und Glaubwürdigkeit zu untersuchen an Mitteln fehlt. 

Die Capitulationsbedingungen sind nach übereinstimmender 
"Überlieferung schriftlich verfasst worden ; nur über den Ort, mo 
dies geschah, variiren die Angaben. Nach der einen wurde der 
Vertrag in ed-dschähije, nach der andern in Jerusalem geschlossen. 
Da uns zwei Formen des Wortlauts vorliegen, so lässt sich diese 
übrigens nicht w^esentliche Verschiedenheit unschw^er so ver- 
einigen, dass die eine Form, die welche auf Abd al-rahmän ibn 
Ghanm als Überlieferer zurückgeführt wird und die die Namen 
der syrischen Städte zur Ausfüllung vorbehält (es ist die zw^eite 
bei 'Ülaimi p. 225,3 aus Baihaki entlehnt, 458=1066, und nach 
ihm bei Hamaker Pseudo-Wäkidi p. 167, sonst bei Sujüti 
Lemming Commentat. philol. p. 9, 18, bei Tortüschi -{- 520 = 
1125. Sirädsch al-mulük Büläk 1 2 8 9 = 1 8 7 2 p . 1 3 5 bei Ibn Nak- 
käsch 759 = 1357, Journ. Asiat. 1852 XIX p. 127, 4 und 138, 
13) in ersterer Stadt, die andere (die erste bei 'ülaimi p. 224, 12 
— 225, 3, Sujüti p. 8 Lemm., de Goeje Mem. III, 122), die von 
Saif überlieferte mit den vier Zeugen, in Jerusalem ausgefertigt 
ist. Jene gilt nicht bloss bei den Muslimen, die sie als das Nor- 
malstatut über die Stellung der Schutzverwandten betrachten, 
sondern auch bei europäischen Gelehrten für acht. Sie macht 
jedoch den Eindruck einer spätem systematisirenden Darstellung, 
bei der die ursprünglichen Verhältnisse durch Hass und Chikane 
schon verkünstelt sind, während diese entschieden freundlichere 
waren. Auch giebt es manche Anstösse; z. B. lässt sich das 
Verbot des Koränstudiums schwer denken, ehe der Koran auch 
nur gesammelt war und in den ersten Jahren, wo sicher kein 
Andrang dazu Avar ; und wenn von 'Umar ein formelles "S'erbot 
erlassen W'äre, wde will man es erklären, dass die Häupter der 
grossen juristischen Schulen darüber hätten verschiedener Mei- 
nung sein können? Ibn Nakkäsch XIX, 132, 4 (XVIII, 508). 
Der für Jerusalem bestimmte Vertrag, der sich von dem ersteren 
durch die ihm ganz eigen thümliche Formel: lä tuskan {die Kirchen 
sollen nicht zu Wohngebäuden gemacht werden) , unterscheidet, 
bietet diese Zweifel nicht dar. Alles in ihm ^^orkommende sind 

1*^ 



4 Gildemeister, 

einfache, in der Natur der Sache begründete Bestimmungen. Für 
Unterwerfung und Tribut wird bürgerlicher und kirchlicher 
Schutz und, was besonders zu bemerken, Freiheit von Plackereien 
zugesichert; es w^ar zu ordnen, wie es gehalten werden solle mit 
den Nicht-Einheimischen und denen, die das Land zu verlassen 
vorzogen, was später wegfiel. Die nämliche Formel lä tushan 
kehrt in der gewiss ächten Capitulationsurkunde für Damaskus 
bei Biladuri p. 121, 9 und Eutychius II, 278, 8 wieder und wird 
für Jerusalem auch durch Jäkübi II 167, 18 und durch Eutychius 
285, 7 bezeugt. *) 

'Umar hatte durch die vertragsmässig zugestandene Unver- 
letzlichkeit der christlichen Kirchen auf jede Verfügung über sie 
A'erzicht geleistet. Für eine unumgänglich erforderliche mus- 
limische Cultusstätte bot ihm einen grossen und bis dahin wüsten 
Platz die Haramarea, bei der ohnehin eine Heiligkeit für den 
Islam schon durch Muhamed gegeben war. Über die hierauf be- 
züglichen Begebenheiten haben wir zwei auseinander zu haltende 
Berichte, einen von christlicher, einen von muslimischer Seite 
her ausgehenden. 

Der christliche findet sich bei Eutychius (7 328 = 940) II, 
285 — 298. Als die Muslimen mit *^Umar, heisst es dort, vor 
Jerusalem zur Belagerung angekommen waren, 

»ging der Patriarch Sophronius aus Jerusalem zu 'Umar hinaus, und 
'Umar gab ihm Sicherheit und schrieb ihm eine Urkunde, deren Abschrift 
diese ist: Im Namen Gottes, des Barmherzigen, Erbarmenden. »Von 'Umar 
ihn al-Chattäb dem Volk der Stadt Aelia, dass sie ihres Lebens, ihrer Kinder, 
ihres Vermögens und ihrer Kirchen sicher sind, dass die letzteren nicht zer- 
stört und nicht zu Wohngebäuden gemacht werden«, und er zog Zeugen bei. 

1) In dem für Härün al-raschid von dem grossen Juristen Abu Jüsuf 
geschriebenen Kitäb al-charädsch Büläk 1302 = 1884 p. 80 findet sich ein 
Kapitel über die Art, wie Abu 'Ubaida die ersten Capitulationen abschloss, 
nicht ohne sonst nicht erwähnte, aber naturgemässe Bedingungen, z. B. Ver- 
pflichtung zum Bau von strategischen Brücken auf Kosten der Schutzver- 
wandten, Zurechtweisen der Verirrten, Anzünden von Feuern für die Kämpfen- 
den. Sie enthielten mildere Buncte, z. B. das öfientliche Tragen von Kreuzen 
wenigstens an einem Festtage; ja Abu 'Ubaida gab den Unterworfenen, die 
sich gegen die früheren byzantinischen Unterdrücker den Arabern aufrichtig 
angeschlossen hatten, als er sie bei dem Heranrücken des grossen griechischen 
Heeres nicht schützen und somit seinerseits den Vertrag nicht halten konnte, 
die erhobene Kopfsteuer zurück was man schon, aber aus einer trüben Quelle, 
Azdl p. 1:5", wusstej. 'Umar allerdings ratificirte dies nicht. 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 5 

Das Stadtthor Murde geöffnet und X'mar mit seinen Genossen zog ein und 
nahm Platz im Hof der Auferstehungskirche. Als die Zeit des Gebetes da 
war, sagte er zum Patriarchen : Ich will beten, und der Patriarch erwiderte : 
O Fürst der Gläubigen, bete, wo du bist. X'mar sprach: nicht hier werde ich 
beten. Da führte ihn der Patriarch zur Kirche Constantin's und breitete ihm 
mitten in dieser ein Matte aus. 'Umar weigerte sich abermals hier zu beten, 
ging hinaus zu der Treppe, die vor der Thür östlich ist, und betete, er allein ; 
dann setzte er sich und sagte : A\^eisst du, o Patriarch, wesshalb ich nicht 
innerhalb der Kirche beten wollte? Er antwortete: O Fürst der Gläubigen, 
ich weiss den Grund nicht. 'Umar sagte: Wenn ich innerhalb der Kirche 
mein Gebet verrichtet hätte, so würde dir die Kirche verloren gehn und aus 
deinen Händen kommen ; die Muslimen würden sie dir vielleicht nach meiner 
Zeit entreissen und sagen : hier hat 'Umar gebetet. Aber bringe mir Papier, 
dass ich dir eine Urkunde aufsetze. Diese schrieb ihm 'Umar, dass kein 
Muslim auf den Stufen beten solle, als j e ein einzelner, sie sollten kein gemein- 
schaftliches Gebet halten und sollten nicht oberhalb zum Gebet rufen. Die 
Urkunde händigte er dem Patriarchen ein. Dann sagte er : Jetzt liegt dir 
noch eine Verbindlichkeit und Pflicht gegen mich ob, mir einen Platz anzu- 
weisen, wo ich einen Betört [masdschid) bauen (einrichten) kann. Der Patri- 
arch antwortete: Ich werde dem Fürsten der Gläubigen einen Platz anweisen, 
wo er einen Betört [masdschid) bauen kann, den zu erbauen die Könige der 
Byzantiner nicht vermochten, und dies ist der Fels, wo Gott zu Jakob redete, 
den Jakob die Pforte des Himmels genannt hat (Gen. 28, 17), die Kinder Israel 
aber das Allerheiligste, der in der Mitte des Erdkreises ist und ein Tempel 
der Kinder Israel war, den sie verehrten, und wohin sie beim Gebet ihre An- 
gesichter richteten, unter der Bedingung, dass du mir eine Urkunde ausstellst, 
dass in Jerusalem nur dieser eine Betört [masdschid] gebaut werde. Diese mit 
dieser Zusage schrieb er ihm und händigte sie ihm ein. Als die Römer Christen 
geworden waren und Helena, die Mutter Constantins, die Kirchen in Jerusa- 
lem gebaut hatte, war der Ort des Felsens und seine Umgebung wüst und 
wurde so gelassen; man hatte auf den Felsen Erde geworfen, so dass auf ihm 
ein grosser Schutthaufen entstanden war. Die Römer Hessen ihn so; sie ver- 
ehrten ihn nicht wie die Juden; sie hatten über ihm keine Kirche erbaut, 
wegen des Wortes des Herrn Christus in seinem heiligen Evangelium : »Siehe 
euer Haus wird euch verwüstet gelassen Averden (Mt. 23, 30)« und: »Es wird 
hier kein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerstört und verwüstet 
werde (Mt. 24, 2)«, und desshalb Hessen sie ihn wüst und hatten darauf keine 
Kirche gebaut. Der Patriarch Sophronius fasste 'Umar bei der Hand und 
stellte ihn auf den Kehrichthaufen, 'Umar aber nahm den Zipfel seines Kleides 
und füllte ihn mit dem Schutt, den er in das Thal Dschahannum warf, l.'nd 
als die Muslimen 'Umar den Schutt in seinem Busen wegtragen sahen, zögerte 
keiner den Schutt in seinem Busen und in den Kleidern, Schilden, Körben 
und Krügen wegzutragen, bis sie den Platz gereinigt und geklärt, und der 
Fels sichtbar geM'orden war. Und als einige den Betört [masdschid] so anlegen 
wollten, dass der Fels in die Gebetsrichtung komme, sagte 'Umar: Nein, 
sondern der Betört {masdschid) werde gebaut, dass er den Felsen im Rücken 
habe. Und es geschah so. « 



ß Gildemeister, 

Almakin (7 672 = 1273/74) p. 58 wiederholt das mit den- 
selben Worten und hat sichtlich keine andere Quelle gehabt. 
Barhebraeus p. 108 hat nichts von dem Inhalt des Contracts, als 
dass Juden in Jerusalem nicht wohnen sollen , kannte ihn also 
und erwähnt noch den Bau der Moschee und die Geschichte des 
Theophanes von den der Wäsche bedürfenden Kleidern 'Umar's. 
Elias von Nisibis ad a. 17 erwähnt bloss die Erbauung der 
Moschee. 

Endlich hat diese Form der Erzählung noch ein Muslim, 
nämlich Makrizi 7 S45 = 1441 in den Chitat II, 492 oder bei 
WÜSTENFELU, Gesch. der Gopten p. 21 (53) und zwar wörtlich 
mit EuTYCHius stimmend, daher aus ihm stammend, wde er ihn 
noch öfter benutzt hat. Wenn er sie geflissentlich bezeichnet als 
von den Geschichtsgelehrten unter den Christen berichtet, so ist 
zu schliessen, dass sie dem gelehrten Sammler aus keiner 
muslimischen Tradition bekannt war, und dass wir sie als aus- 
schliessend christlich zu betrachten haben. 

Die Geschichte vom betenden Chalifen scheint an grossen 
Bedenklichkeiten zu leiden. Sollte 'Umar schon damals eine 
solche Voraussicht von der Verehrung, die er bei dem grössten 
Theil der muslimischen Welt finden würde, gehabt und ihr einen 
solchen rücksichtsvollen Ausdruck gegeben haben? Gewiss 
waren wohl Urkunden des angegebenen Inhalts im Patriarchat 
zu Jerusalem vorhanden; es wäre ohne das gefährlich gewesen, 
sich darauf zu berufen. Aber dann waren sie eben fabricirt, wie 
so viele andere, mit denen sich jene alte Welt täuschen liess; die 
Furcht vor Entfremdung des grossen Heiligthums der Christen- 
heit mochte die Täuschung entschuldigen. Es mag allerdings 
eine richtige Voraussicht gewesen sein, wenn Eutychius' Er- 
zählung II, 201 richtig ist, dass zu seiner Zeit die Treppe und 
die Hälfte der Vorhalle der Constantinskirche von den Muslimen 
in l^esitz genommen sei, um darin einen Betört [masdschid] zu 
))erbauenrt, der der Betört {tnasdsr//id) 'Umars genannt sei. An- 
dererseits lag ein wirklicher Schutz darin. Als nach Saladin's 
Eroberung eifrige Muslimen in seinem Rath darauf drangen, die 
kirchlichen Baudenknuile alle zu zerstören, um die Christen 
fernzuhalten, wird dagegen geltend gemacht, da *Umar sie ge- 
lassen, dürfe man sie nicht abbrechen, ( Imäd al-din 69, 16 
Landherg. Vgl. Sujüti 27, pcnult (78) Lemming, 'Ulaimi 302). 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 7 

Die muslimische Form der Tradition findet sich am voll- 
ständigsten und rundesten bei 'Ulaimi p. 226 f. und auch bei 
seinen Vorgängern, dem Mutir c. VI p. 297 fF. und .Sujüti c. IX 
bei Lemming und le Strange p. 2 75 ff. Man kann annehmen, 
dass, den Citaten nach zu urtheilen, der Inhalt treu nach der 
etwas früheren, verlorenen oder ungedruckten Litteratur wieder- 
gegeben ist, die sich an Jerusalem nach der Wiedererobeiimg 
dieser Stadt geknüpft zu haben scheint, z. B. nach Ihn Asäkir 
(-]- 610 = 1213). Diese ist freilich noch verhältnissmässig jung; 
aber wenn der Inhalt auch für uns bei Älteren noch nicht nach- 
weisbar ist, so ist doch nicht zu bezweifeln, dass er in der frühe- 
ren Tradition ähnlich lautete. 

Wir geben also die Erzählung 'Ulaiml's p. 226: 

»Als 'Umar nach Bait al-makdis kam, lagerte er auf dem östlichen Berg, 
dem Ölberg. Es kam ein Bote ihres Patriciers und meldete : AVir gestehen 
zu, weil du da bist, was wir ausser dir keinem zugestanden hätten, und for- 
derte, dass er von ihm die Capitulation und die Kopfsteuer annähme und 
dafür ihm Sicherheit für ihr Leben, ihr Vermögen und ihre Kirchen bewilligte. 
'Umar gewährte dies. Der Bote begehrte noch sicheres Geleit für seinen Ab- 
sender, damit er die Unterhandlung undCorrespondenz mit ihm führen könne. 
Jener gewährte das, und der Patricius ging mit grosser Begleitung zu ihm 
heraus. Er unterhandelte mit ihnen vor Zeugen. 

»Als 'Umar mit der Aufzeichnung des Friedensvertrages zwischen sich 
und dem Volke von Bait al-makdis fertig war, sagte er zu dem Patricius : 
Führe mich zum Betört {masclschid) Davids. ') Er bejahte, und 'Umar ging 
mit seinem Schwert umgürtet an der Spitze von viertausend Genossen, die 
mit ihm gekommen waren, mit ihren Schwertern umgürtet und mit einer 
Schaar der Belagerer, die auch keine AVafl'en als Schwerter hatten, indem 
der Patricius mit seinen Genossen vor 'Umar herging, bis sie Bait al-makdis 
betraten, führte sie in die Kirche, die al-kumüma heisst und sagte : das ist 
der Betört [masclschid) Davids. 'Umar schaute betrachtend hin und her und 
sagte ihm: »Du hast gelogen. Der Gesandte Gottes hat mir den Betört 

1; Der Ausdruck d Moschee Davids« kommt gar nicht im Koran vor, 
wie Ilerr Sepp sich irriger "Weise S. 30. 34 einbildet, um darauf einen Theil 
seiner vermeintlichen Beweise zu gründen. Er ist auffällig, da die Muslime 
sehr gut wussten, dass David bloss die Vorbereitungen gemacht und Salomo 
den Tempel gebaut habe (s. um nur die legendarischen Berichte anzuführen, 
Ta'labi's Prophetengeschichte, Cairo 12S2, p. 322 , und kommt vielleicht nur 
an dieser Stelle vor. Gemeint ist das, was im Koran der entfernteste Betört 
heisst, die Stelle wo der längst zerstörte jüdische Tempel gestanden, d. h. die 
ganze Area, nach dem in der ersten Anmerkung Gesagten, nicht ein ein- 
zelnes Gebäude. 



8 Gildemeister, 

[masdschiä] Davids auf eine Weise besehrieben, welche diesem niclit entspricht.« 
Da ging er mit ihm zu der Kirche, welche Zion heisst, und nannte ihm diese als 
Betört [masdschid] Davids ; aber er sagte wieder : du lügst. Da führte er ihn 
zum Betört [masdschid) des Bait al-makdis und kam mit ihm zum Thore, 
welches das Thor Muhamed's heisst. Aller Unflath in dem Betört [masdschid) 
war auf die Stufen des Thors herabgeflossen, so dass er bis in die Gasse, in 
der das Thor Muhamed's lag, heraustrat, so viel dass er beinah an die Decke 
der Thorhalle reichte. Da sagte er zu ihm : Wir können bloss kriechend ein- 
treten. 'Umar erwiderte : Wenn auch kriechend. Er kroch vor 'Umar her 
und 'Umar kroch und seine Begleiter hinter ihm, bis sie auf dem Hof heraus- 
kamen und sich gerade aufrichteten. 'Umar schaute in voller Betrachtung 
und blickte rechts und links. Dann sagte er : Gott ist gross ; dies ist, bei 
dem, in dessen Hand meine Seele ist, der Betört [masdschid) Davids, von dem 
uns der Prophet erzählt hat, dass er zu ihm nächtlich gekommen. Er fand auf 
dem Fels vielen Kehricht, welchen die Byzantiner aus Hass gegen die Juden 
hingeworfen hatten. Da breitete er sein Obergewand aus und fing an, diesen 
Schmutz wegzufegen, und die Muslimen thaten das gleiche. Dann ging er 
zum Mihräb Davids, der am Thor der Stadt in der Citadelle ist, und betete 
darin, indem er die Sura 38 [welche von David handelt] recitirte und sich 
niederwarf. Es wird erzählt, dass er, als er den Schmutzhaufen von dem Fels 
gereinigt, gesagt habe : betet darin (sie) nicht eher, bis ihn drei Regen- 
güsse getroffen haben.« 

Diese Darstellung, welche durch einen namhaften Traditi- 
onisten al-Walid ihn Muslim (f 193) auf den dabei anwesenden 
Gefährten Muhamed's, Schaddäd ihn Aus (7 in Jerusalem 
ZAvischen 41 und 64), vermittelst der Nachkommen desselben zu- 
rückgeleitet wird, unterscheidet sich zu ihrem Vortheil von der 
christlichen darin, dass sie nicht den Patriarchen (der allerdings 
versehentlich von einigen, z. B. de Vogüe, Le Temple de Jerus. 
p. 73; LE Stkange a. a. O. p. 27() genannt wird), sondern den 
Patricius als den Nächsthetheiligten bei dem Capitulationsge- 
schäft bezeichnet, dem ohne Zweifel diese Eolle naturgemäss zu- 
fiel. Bedenklich ist die Verquickung mit dem Traum des Pro- 
pheten von seiner Himmelfahrt; doch kann man sie bestehen 
lassen. Zwar war Muhamed nie in Jerusalem gCAvesen, hatte 
aber doch durch Andere von der Lage und den Zuständen genug 
hören können, um dem 'Umar eine im Allgemeinen zutreffende 
Vorstellung davon zu geben. Aber dass der Patricius ihm die 
Auferstchungskirche für den Tempel Salomo's hätte ausgeben 
sollen, ist einfach unmöglich. Man muss doch annehmen, dass 
jedes Kind in Jerusalem wusste, wo der alte Tempel gelegen 
hatte, und wo die Auferstehungskirche lag; den X'mar absichtlich 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 9 

ZU täuschen, lag aber für den Patricius kein Grund vor; im 
Gegen theil konnte dadurch gerade der Besitz der Kirche ver- 
loren gehen. In sofern ist dieser Darstellung kein Glauben 
beizumessen, die auch in der Schilderung des Unflathes des Guten 
zu viel thut. Das Factum der Besitznahme selbst ist unwider- 
sprechlich, schon wegen der weiteren Geschichte ; die Christen 
selbst konnten nichts besseres thun. um ihren eignen Kirchen- 
besitz zu sichern, als die Aufmerksamkeit auf den leerliegenden 
Tempelplatz lenken. 

AVichtig ist derjenige Theil der Überlieferungen, der sich 
auf die Einrichtung der Haramarea zur islamischen Cultusstätte 
bezieht. Die Traditionen lauten übereinstimmend und haben am 
ersten den Anspruch auf Achtheit. Schon die christliche Fassung 
bei EuTYCHius kennt sie (s. o. p. 5), bei den Muslimen ist sie 
sehr verbreitet ; nicht bloss die drei Bücher über die Geschichte 
Jerusalems haben sie z. Th. mehrfach, sondern auch isolirt Ibn 
Hubaisch f 584 = 1188 (Leidener Ms 343, Catal. II, 158: über 
sein Buch vgl. De Goeje Memoires II, Leyd. 1864) und Bekri 
Y 481 = 1094 (Geogr. Wörterbuch ed. Wüstenfeld p. 599). 

Ibn Hubaisch (die Mittheilung der Stelle verdanke ich 
meinem Collegen Prym) beruft sich auf die Tradition des gleich 
näher zu besprechenden Eadschä ibn Hajät, und dieser auf Be- 
richte von Augenzeugen, die er nach zeitlicher Rücksicht aller- 
dings haben konnte. Am Tage, da "^Umar Jerusalem eroberte, 
begab er sich zum Mihräb Davids, d. h. der Citadelle, betete dort 
und Hess am andern Morgen den Mii'addin zum Gebet rufen, das 
er mit einer Recitation von Sur. 38 und dem Anfang von Sur. 17 
abhielt. 

»Dann ging er fort und sagte : her mit dem Ka'b. Man führte ihn ihm 
zu. Er fragte : Wo räthst du, dass wir den Gebetsplatz [musallä, besonders 
unter freiem Himmel, machen. Er antwortete : mit der Richtung) zum Fels 
hin. ' Umar sagte : du liebäugelst mit dem Judenthum, imd ich habe dich 
Avohl gesehn, wie du deine Schuhe auszogst. Ka'b sagte : ich wollte ihn gern 
mit meinem (blossen) Fuss berühren. ' Umar sprach : Ich habe dich wohl ge- 
sehen, aber Avir wollen seine (des masdschid, der Haramarea) Gebetsrichtung 
[hibla] vielmehr an seiner Vorderseite [sadr] anbringen, wie der Prophet die 
Gebetsrichtung ;Richtung nach Mekka, kihla] unserer ISIoscheen zu ihren 
Vorderseiten [sadr] gemacht hat ; geh ! uns ist nicht der Fels befohlen, son- 
dern die Ka'ba. Da nahm er die Richtung nach Mekka (kibla) zu seiner 
Vorderseite. Dann erhob er sich von seinem Gebetsplatz {musaUa zu dem 
Kehrichthaufen« (und begann die Reinigung). 



1 Gildemeister, 

Al-Bakri nach Abu ' Ubaid. Er stellt das Kehrichtfegen vor- 
an. 'Umar sagt zu Ka'b: 

»O Abu Ishäk, -vveisst du, wo der Felsen liegt? Er antwortete : So und 
so viel Ellen von der Mauer, die an das Thal Dschahannum stösst; dort grabe 
und du -wirst ihn finden. Es war damals ein Kehrichthaufen. Als sie gruben, 
kam der Fels zu Tage. X'mar sagte zu K.a'b : "Wo räthst du, dass wir den Bet- 
ört [masdschid: hinlegen? Nach andern gebrauchte er das "Wort: die l;ibla. 
Ka'b sagte: Lege ihn hinter den Fels, so bleiben die beiden Gebetsrichtungen 
[kibla] , dieMose's und die Muhamed's, zusammen. 'Umar sagte: du liebäugelst 
mit dem Judenthum ; das beste von den Moscheen ist die Vorderseite [muliad- 
dam), und er baute sie die kMa) in die Vorderseite [mukaddam) des Betorts 
[masdschid, der Haramarea ." 

Ganz dieselbe Fassung steht im Mutir 298, 8, aber nach 
einem andern Gewährsmann, al-Haitam ihn 'Umar ihn al- abbiisi, 
der sie von seinem Grossvater 'Abdallah ihn 'Abdallah gehört 
hatte beide sind nicht nachzuweisen). Sie ist abgeschrieben von 
al-Sujüti 27 7, 15 und mit Weglassung der Auctoritäten von "^Ulai- 
mi p. 227. 

Mutir 290, 16 aus al-Walid ihn Muslim nach Kultum ihn 
Zijäd: 

»' Umar sagte dem Ka'b: "Wo räthst du, an welche Stelle dieses Betorts 
[musdscJiid, also hier deutlich der ganzen Haramarea) wir den Gebetsplatz 
•musallü, der Muslimen machen (hinlegen ? Ka'b antwortete : An seine Hinter- 
seite [mu'achchar] nahe bei dem Thor al-asbät. Er dagegen sagte : Keineswegs, 
uns ziemt die Vorderseite miikaddam) des Betorts [masdschid, der Haramarea), 
und er ging zur Vorderseite« mukaddam), und nach Ibn Schaddäd von seinem 
Vater: »'Umar ging zur Vorderseite 'mukaddam], wo es an den "Westen (der 
Umfassungsmauer) stösst, und warf einige Hände voll Kehricht in sein Kleid; 
wir thaten dasselbe, und er ging und wir mit ihm und w^arfen es in das Thal 
Dschahannum; dann wiederholten er und wir dieses, so dass wir beten konnten 
dort auf der Area an dem Platze des Betorts [masdschid,. Es betete darin 
eine Menge und ' Umar betete vor. « 

Al-Sujüti hat dies ebenso p. 279 und *^Ulaimi, doch ohne 
Auctoritäten p. 367, 6. 

Um die Sache zu verstehen, muss man festhalten, dass man 
die Seite der Moschee, wo die kibla liegt, die Vorderseite [mii- 
Aaddam, sadr) nennt, dagegen die gegenüberliegende, im llücken 
der Betenden, wo in der Regel der Eingang ist, die Ilinterseite 
[mu'achchar, (Jahr). Ka'b, der zum Islam übergetretene Jude, will 
'Umar veranlassen, der Heiligkeit des altjüdischen Tempels noch 
einen Tribut zu bringen und dem zu gründenden Bctplatz die 
Gebetsrichtung auf den Felsen zu geben oder wenigstens den 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. ]] 

Betplatz in den Norden des Felsens in der Nähe des Thores al- 
asbät zu legen, ^vodurcli die Kiblen zusammenfallen würden, da 
die nach Süden gerichtete Linie über den Felsen gehen musste. 
'Umar -wollte nicht darauf eingehen imd die Folge war, dass die 
Cultusstätte, welche auch ihre Form gewesen sein mag, südlich 
vom Fels und in der südlichen Hälfte der Area an der Umfas- 
sungsmauer eingerichtet wurde. Es geht nicht, in der Weise 
des Herrn Skpp das Gegen theil von dem Gesagten herauszulesen 
und S. 22 den Betplatz nördlich von der Felsenkuppel zu legen. 

Die Frage, Avas an diesen Geschichten historisch ist, welche 
an die Verdeckung des Grabes Christi durch einen Misthaufen 
erinnern 1), kann hier unerörtert bleiben. Was uns interessiert 
und was wir als das Historische daran betrachten, ist, was sich 
als die Vorstellung ergiebt, welche man in den ersten Zeiten des 
Islam von der damaligen Beschaffenheit der Tempelarea hatte. 
Und da lässt sich nicht leugnen : der Eindruck ist, dass die ganze 
Area frei und offen lag. Nur unter dieser Voraussetzung konnten 
sich die Erzählungen, wie sie lauten, bilden. 

Den letzten Niederschlag dieser Vorstellungen entnehmen 
wir Xlaimi, der sich kurz und bündig dahin ausspricht p. 153: 
Helena habe den Tempel und was auf der Area sich befand, ver- 
wüsten lassen imd befohlen, den Kehricht und Schmutz der Stadt 
an seine Stelle zu werfen, und es sei dieser Zustand bis zur An- 
kunft 'Umar's geblieben. Dieser legt den Mihräb, die Gebets- 
nische, an, mag es in dem späteren Hauptschiff der Aksä oder in 
der nach ihm benannten Dschämi*^ oder in dem alten, jetzt auf- 
gehobenen Mihräb Davids in der Ostecke gewesen sein (Sujüti 
262, 264. 'Ulaimi 366, 369): jedenfalls in der südlichen Umfangs- 
mauer, wo also ein Hinderniss, wie ein verdeckendes Gebäude, 
nicht entgegenstand. Der Mutir hat eine Tradition, wonach die 
Reinigung in der Südwestecke in der späteren ^loschee der 
Maghribiner, also wo man Justinians Kirche vermuthet. erfolgt 
sei (le Strange 299, 4 v. u. Sujüti 279, 5 v. u. 'Ulaimi 37ü) und 
wo 'Umar zuerst gebetet habe -^j. 

1) Es gehört zum Costüm, wie auch Talabi Prophetengeschichte, Cairo 
12S2 p. 362 den Nebucadnezar seine Soldaten den altjüdischen Tempel mit 
Erde oder Staub überschütten lässt. 

2) Es darf nicht verschwiegen werden, dass bei Sujüti p. 280 an einer 
Stelle gesagt wird, dass 'Umar in der Kirche der Maria gebetet habe. Aber 



12 Gildemeister, 

Aber gegen diese Folgeiiing, dass kein Gebäude auf der 
Area vorhanden gewesen, wird die Justinianische Theotokos- 
oder Nevie Kirche geltend gemacht, welche die Stelle der heutigen 
Aksä-Moschee eingenommen habe. In so weit befinde ich mich 
in voller Übereinstimmung mit Herrn Sepp p. 63 und Früheren, 
z. B. ToBLER, Topogr. I, 5S1. wenn ich diese in das Reich der 
Träume zu verweisen mich genöthigt sehe. Frocopius kann nie 
in Jerusalem gewesen sein, dessen Bild er ganz falsch auffasst, 
wenn er das erbaute Heiligthum als auf dem höchsten Punct der 
Stadt liegend bezeichnet. Er hat von dem Salomonischen Bau. 
inid zwar mehr aus der Sage als aus dem Texte, gehört und 
dieser ist es, den er eigentlich beschreibt und zwar als Schmeich- 
ler des Kaisers, derSalomos Bauten zu übertreffen sich vorsetzte. 

Für das mit der neuen Theotokos- Kirche eng verbundene 
(Procop. de aedif. V, 6 am Ende) Doppelhospital haben wir 
das ausdrückliche Zeugniss des Zeitgenossen und Ortskundigen 
Cyrillus (Vita Sabae bei Cotelier Eccl. gr. monum. III, 16SG, 
p. 343), dass es sv -oi \1i30i ty,; «7101; -öXtoic [in der Mitte der 
heiligen Stadt^ lag. Ausserdem dient zur vollen Widerlegung das 
dem neunten Jahrhundert angehörende sog. Commemoratorium de 
casis dei, welches als offizielle Aufzeichnung vollen Glauben ver- 
dient. Wenn es in diesem heisst: In s. Maria Nova, quod [quaml 
Jiistinianus Imp. exstruxit, XII 'clerici , so hat die noch in mus- 
limischer Zeit existirende neue Kirche Justinians, also nicht auf 
der Ilaramarea. die der Islam besetzt hielt, liegen können. 

Es scheint wirklich, als habe eine religiöse Scheu jede Art 
von Bebauung gehindert. Es ist immer bei dem Zustand ge- 
blieben, den Eucherius, oder wer es sonst ist, Itin. Hierosol. 



diese Stelle ist ganz singulär. Le Strange bezeugt, dass sie nicht im Mutir 
stehe und ihre Herkunft ihm unbekannt sei. Sie enthält wunderbare Dinge, 
z. B. dass 'Umar vorher Caesarea erobert habe. Da auch Lemmikg p. öG nur 
Übersetzung ohne Text giebt und die Übersetzungen nicht recht stimmen, so ist, 
so lange man den vollständigen Passus nicht im Original hat, auf Erklärung zu 
verzichten. Indess scheint es, als ob die Grabkirche der Maria gemeint sei 
und die Stelle mit'Ulaimi S. 411 der Ausgabe inicht bei S.vfVAlUE, zu.samnien 
zu halten ist. Vgl. auch Sepp S. 57. — Robinson, Palaest. II, 82 sagt, So- 
phronius und Andere hätten den 'Umar, als er die Stelle des alten jüdischen 
Tempels erkundete, zu einer grossen Kirche hingewiesen ; eine qucllcnwidrige 
Behauptung. 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 13 

p. 52 in der Mitte des fünften Jahrhunderts schildert : Templum, 
ex quo parietis unius in rninis quaedam pinna superest, reliquis 
ad fundamenta usque destructis. Und in der That ist nirgends, 
Avenn nicht etwa bei Procopius, von einem Bau die Rede. 
Antonius Placentixus c. 23 kennt nach Justinians Zeit nur 
r u i n a e templi Salomonis. Eutychius betont auf das Lebhafteste , 
dass nie eine Kirche auf dem Tempelplatz errichtet sei (oben 
S. 5), und doch kennt er die Neue Kirche, die Justinian habe 
bauen lassen, recht gut (II, p. 15S, 11. 160, 1) und nennt sie mit 
ihrem griechischen Namen. 

Hätte die Theotokos-Kirche auf der Stelle der späteren Aksä 
gelegen — und ein paar Jahre vor 'Umar -war sie noch in vollem 
Gebrauch, da in ihr Sophronius seine berühmte Weihnachts- 
predigt hielt (Rhein. Museum XLI 1836, p. 514, 30) — so wäre 
sie unter dessen Schutzbrief gefallen, und da die Muslimen in 
der ersten Zeit die Vertragsbedingungen streng hielten, so hätten 
diese Geschichten einen andern Verlauf nehmen oder andere Er- 
zählungen sich bilden müssen. 

Wenn Theophanes p. 288 P. recht hat, so fing 'Umar zwei 
Jahre vor seinem Tode die beabsichtigte Moschee an zu bauen. 
Welcher Art dieser Bau gewesen ist, sehen Avir aus dem Bericht 
des Augenzeugen Arculfus I, 1 : er bestand aus aufgerichteten 
Brettern und grossen Balken auf einigen Ruinen, "war viereckig, 
eine domus, also nicht unter freiem Himmel, und konnte, wie es 
heisse, dreitausend Mann fassen. Auch daraus lässt sich folgern, 
dass gewiss kein Gebäude Avie eine Justinianische Kirche, die 
man benutzen konnte, auf der Area vorhanden war. ') 

Diese beiden Angaben erklären uns, Avie arabische Autoren 
von einer Moschee haben reden können, die 'Umar zu bauen be- 
fohlen habe und die so Avenig die Felsenkuppel. Avie ein regel- 
mässiges BauAverk in unserm Sinn gCAvesen ist: Al-muhallabi 



1; Herr Sepp 'Jerusalem und das heil. Land I, 364, 403. Felsenkuppel 
55 nimmt als Grund an, A\-esshalb Akculfus von der Existenz der A'ermeint- 
lichen Sophienkirche ganz schweige, dass er nicht hineingelassen sei, und 
desshalb sage er: ut fertur. Aber dies bezieht sich lediglich auf die 
Zahl dreitausend. Man schätzt ja sehr schwer nach dem Augenmass, Avie viel 
Personen ein Raum fasst, und beruft sich lieber auf Anderer Angabe, die es 
aus Erfahrung beurtheilen können. 



14 Gildemeister, 

citirt bei Abulfidä Geogr. p. 241 Reinaud, 87 Köhler; Ihn Chal- 
dün II, 2, p. lOü u. a. 

Festen Boden gewinnt man durch die bekannte (Baedeker, 
Syrien ~, p. 44) Inschrift, welche innerhalb des Felsendomes 
und zwar nach de Vogüe (Le temple de Jeriis. 1864 p. 85 und 
Taf. XXI) in den ältesten Theilen des Gebäudes noch heute den 
Bauherrn namhaft macht. Sie lautet zwar jetzt: »Es hat diese 
Kubba gebaut der Knecht Gottes, "^Abdallah der Imäm al-Ma'mün, 
der Fürst der Gläubigen, im Jahr 72«; aber es ist kein Zweifel, 
dass ursprünglich da gestanden habe »der Knecht Gottes 'Abdal- 
malik, Fürst der Gl.« Die andere Farbennuance und die ge- 
drängtere Schrift zeigen an, dass eine Veränderung vorgenommen, 
bei der verrätherisch, da Ma'mün von 198 bis 218 regierte, das 
Datum: Jahr 70, stehn geblieben ist, das eben nur zur Regie- 
rungszeit 'Abdalmalik's ((35 — 96) stimmt. Wir haben somit eine 
Fälschung vor uns. Ma'mün wollte sich das Verdienst des Baues 
aneignen und wählte ein Verfahren, wovon die Epigraphik aller 
Zeiten Beispiele darbietet (ein arabisches aus neuerer Zeit Journ. 
Asiat. XVIII, 1851, p. 84). Unglücklicherweise ist die nun- 
mehr falsche Jahreszahl nicht verbessert; aber auch glücklicher 
Weise, denn keinen besseren Bew^eis kann es für Authentie und 
Alter der Inschrift geben. ') 

1) Das Gewicht dieses Beweises hat Herr Sepp zu wohl gefühlt, als dass 
er nicht krampfhafte Anstrengungen hätte machen sollen, sich seiner zu ent- 
ledigen. Das eine Mal sagt er p. 83: »Die Inschriften sind alle erst nach 
den wiederholten Restaurationen aufgemalt« und das, ungeachtet die Palaeo- 
graphie, wie aus DE Vogüe's Abbildungen zu ersehen, für die Ursprünglichkeit 
Gewährleistet und einige von ihnen von arabischen Gelehrten, die sie früh 
copirten, bestätigt werden (Harawi, Archives de TOricnt Latin 1881, I, ö02). 
Das andere Mal, nachdem zuerst S. 28 richtig übersetzt M'ar : »diese Kuppel 
baute« erscheint S. 87. 140 »Hergestellt hat diese Kuppel«. Allerdings steht 
das arabische Wort nicht bloss von einem Neubau, sondern von Bauthätigkeit 
überhaupt und daher auch von llestaurationen. Aber man muss die Anwen- 
dung dieser Bedeutung immer von den Umständen abhängig machen, je nach- 
dem man diese kennt. Wenn z. B. der Mutir S. 303, 5 sich ausdrückt,« 'Abdal- 
malik hat den Felsendom und die Akaämoschee gebaut«, so hat er nicht 
gemeint: »er baute die Aksä, aber beileibe nicht den Fclsendom, an diesem 
stellte er nur die Kujipel wieder her«. Es wird fingirt, die Perser hätten 614 
die angebliche Sopliienkirche zerstört (EuTYCiliis II 21 :5 spricht von der Nea 
und wir wissen bereits, dass sie nicht auf dem Haram lag, s. oben S. 12j, die 
Kuppel sei eingestürzt (wir wissen davon nichts] und der Kehricht, den'Umar 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. ] 5 

Das inschriftliche Zeugniss muss. wie in andern Fällen, zur 
Feststellung der Thatsache ausreichen. Es bedarf kaum der 
Unterstützung durch literarische Denkmäler, es sei denn, dass 
diese über den Hergang bei dem Bau die nähern Umstände an- 
geben. Die ganze historische Tradition ist einig darüber, die 
Idee und Ausführung dem Chalifen "^Abdalmalik ibn Marwän 
zuzuschreiben. 

Jäküt (7 626 = 1229; erzählt II, 818 nach einem älteren 
Schriftsteller: der Chalif Sulaimän war durch seineu christlichen 
Secretair Ibn Batrik. der eine von den Einwohnern von Lydda 
erfahrene Zurückweisung rächen wollte, zur Gründung Ramie" s 
angestachelt Morden mit den Worten: Der Fürst der Gläubigen 
'Abdalnialik hat an dem Betört [masdscJiicl] von Bait al-makdis 
über diesen Fels eine Kubba erbaut, und das ist ihm zum Ruhm 
gerechnet worden, und Walid hat den Betört [masdschid] in Damas- 
kus gebaut, und das ist ihm zum Ruhm gerechnet worden : wenn 
du einen Betört [masdschid) und eine Stadt erbautest und die 
Leute von [Lydda] in [diese] Stadt versetztest ! Jäküt setzt hinzu: 
Da baute er die Stadt und den Betört [masdschid) von Ramla, 
und das Avurde der Anlass zur Verödung von Lydda. Gleiches, 
aber ohne das Dictum erzählen Biläduri (c. 255 = 864' p. 143 
und in übereinstimmenden AVorten Ibn al-fakih (c. 290 = 903) 
p. 102. Sie geben an, dass der Chalif über die Kosten einen 
christlichen Secretair, eben jenen Ibn al-batrik, den sie etwas 
anders nennen, gesetzt habe. Als Chalif habe Siilaimän den Bau 
fortgesetzt und Umar ibn ""abd-al-aziz ihn vollendet. Mukaddasi 
p. 165 (oben VII, 15Si schreibt den Bau (die Vollendung; dem 
Chalifen Hischäm zu. 

Es mögen nun die historischen Zeugnisse folgen, so weit sie 
aus der erhaltenen und gedruckten Litteratur ersehen werden 
können. 

Das älteste ist das des Ibn Wädih al-jäkiibi (um 260 = 874), 
eines sehr sorgfältigen Geschichtschreibers, der sich bemühte, aus 
den besten Quellen zu arbeiten : über ihn zu vgl. De Goeje, Über 

im Kleidzipfel fortgetragen, seien die Trümmer des Gewölbes gewesen idie 
man -wohl nicht im Kleidzipfel fortträgt: Sepp p. 55. 81. 83. An der nämlichen 
Stelle S. 55 wird dem Eutychius, der die Gethsemanekirche von den Persern 
zerstört werden lässt, in den Tag hinein eine Verwechselung Schuld gegeben : 
es werde wohl die geliebte Sophienkirche gewesen sein. 



10 Gildemeister, 

die Gesch. der Abbäsiden von al- Jäkübi Leiden 1S7S, 8 (oder 
Travaux de la 3® session du Congres des Orient, vol. II) und dessen 
Descr. al-magribi sumpta ex libro regionuni al-Jaqubii Lugd. 1860 
p. 5 — 8. Es lautet II, 311 Houtsma : 

»' Abdalmalik hielt die Syrer von der Wallfahrt nach Mekka ab und 
zwar, weil Ihn Zubair sie, wenn sie wallfahrteten, zur Huldigung nöthigte. 
Als' Abdalmalik dessen inne ward, wehrte er ihnen nach Mekka auszuziehen. 
Da schrie das Volk und sagte : Du hältst uns ab von der "Wallfahrt des Hauses 
Gottes des Haräm, und doch ist dieses ein uns auferlegtes Gebot Gottes. Er 
antwortete darauf: Dieser Ibn Shihäb al-zuhrl überliefert als Tradition, dass 
der Gesandte Gottes gesagt hat : »man reist nur zu drei Betorten [inasdschid], 
dem Betört [masdschid] des Haräm [in Mekka] und meinem Betört »irtsrfscÄiVi) 
[in Madina' und dem Betört 'masdschid; in Bait al-makdis [Jerusalem] « und 
dieser wird euch die Stelle des Betorts [masdschid] des Haräm vertreten, und 
dieser Fels, von dem überliefert wird, dass der Gesandte Gottes seinen Fuss 
auf ihn gesetzt, als er zum Himmel aufstieg, wird euch die Ka'ba vertreten. 
Da baute er über dem Fels eine Kubba, hing an sie Vorhänge von Brokat, 
setzte Thürhüter [wie in Mekka] für sie ein und hielt das Volk an, Pro- 
cessionen um ihn anzustellen, wie um dieKa'ba. Es blieb dabei während 
der Zeit der Umaijaden«. 

Das Motiv ist ein ganz angemessenes und wahrscheinliches. 
^\bdallah ibn Zubair benutzte gewiss alle Mittel, die syrischen 
Pilger zu sich herüber zu ziehen und durch den Handschlag zu 
verpflichten. ^Ibdalmalik hatte, was er zum Ersatz der Ka'ba 
bedurfte, in dem durch Muhamed geheiligten Stein zum Um- 
wandeln und bediente sich der Autorität eines höchst angesehenen 
Überlieferers al-Zuhri (7 124), der die Zulässigkeit durch einen 
Ausspruch des Propheten beglaubigen konnte. Um die alte 
Ceremonie des Umwandeins möglich zu machen, konnte der 
Felsendom gar nicht zweckmässiger eingerichtet werden. Es 
rausste bei den Dimensionen des Steines ein grosser Rundgang 
geschaffen werden und damit war die runde oder achteckige 
Form gegeben. Dies war, Avie Herr Sp:pp S. 106. 111 richtig 
sieht, keine Moschee: eine solche musste hinzukommen, sie war 
zum vollständigen Cultus unentbehrlich, und man war genöthigt, 
diese in Gestalt einer grossen Halle besonders zu bauen. Man 
darf daher mit Herrn Sepp S. 62 nicht sagen : wWäre die Sachra 
ein Chalifenbau, so könnte nicht die Aksa die eigentliche Pfarre 
der gottesdienstlichen Moschee auf dem Tempelberge sein« (viel- 
mehr: wäre die Sachra ein Chalifenbau, so müsste unabweislich 
die Aksä als jj Pfarre« daneben gebaut sein) und fragen S. 112: 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 17 

»Soll 'Abdalmalik zwei Moscheen erbaut haben, die eine im rein 
maurischen, die andere im reinsten byzantinischen Stil ? Der 
Felsendom "vvar ja zugestandener Massen keine Moschee, und 
die Anlage musste sich nach dem Zweck richten. Diese war also 
nicht «für den Islam so unzweckmässig als möglich« fS. 76), 
vielmehr die einzige zweckmässige. Einer Kibla bedurfte es 
nicht. 

Der Zeitfolge nach kommt zunächst Ibn al-faklh 290 = 903, 
den wir noch in dem Auszug des Schaizari besitzen (ed. de Goeje 
Leid. 1S85). Dort findet sich in der Beschreibung des Felsrn- 
doms die Angabe p. 101, 3, »die Kuppel baute "^Abdalmalik auf 
zwölf Pfeilern und dreissig Säulen « — ganz dem heutigen Zu- 
stand entsprechend, wenn man 30 als runde Zahl für 28 nimmt. 

EuTYCHius 32S = 937) II, 364, nachdem er erzählt hat, 
dass dem "^Abdalmalik im Jahr 65 Mai 6S5) gehuldigt sei, fährt 
sogleich fort: ))Und er schickte zum Bait al-makdis und ver- 
grösserte den Betört [masdscJtid] , so dass er den Fels innerhalb 
des Betörtes einbezog, und er hielt das Volk zur Wallfahrt zum 
Bait al-makdis an und hinderte die Wallfahrt nach Mekka wegen 
des 'Abdallah ibn Zubair. (c 

Das Hineinbeziehen des Felsens steht im Gegensatz zu der 
kümmerlichen i\[oschee,wenn man diese so nennen kann, *^Umars, 
wie wir sie aus Arctjlfus kennen : es heisst nichts weiter, als er 
machte sie durch seinen Bau mit zur Cultusstätte. 

Wenige Seiten weiter II, 273 sagt er von 'Abdalmalik's 
Nachfolger Al-Walid : >ilhm wurde gehuldigt und er schickte 
nach dem Bait al-makdis und baute den Betört 'piasdschid) des 
Bait al-makdis und zwar prächtig. Er brachte den Felsen in die 
Mitte des Betorts [7nasdschid ' , baute um ihn herum und beklei- 
dete das Gebäude mit Marmor. Er brach eine Kubba, welche 
die Christen in der Stadt Baalbek hatten, die von Kupfer und 
vergoldet war, ab, errichtete sie über dem Felsen und befahl dem 
Volke zum Felsen zu wallfahrten.« 

Will man keinen Widerspruch bei einem und demselben 
Autor annehmen, so würde dies sich mit der ersten Angabe ver- 
einigen, Avenn der Bau, wie wahrscheinlich, mancher Ergänzungen 
bedurfte, die dem Walid noch zu thun gaben. Im andern Fall 
würde man sich nicht bedenken, der ersteren Erzählung den 
Vorzug zu geben und zu vermuthen, dass die zweite aus anderer 

Ztsch.d. Pal.-Ver. Xni. 2 



18 Gildemeister, 

und schlechterer Quelle stammt, wie man denn bei arabischen 
Geschichtschreibern an dergleichen orewöhnt ist. Almakin. der 
auch hier (vgl. oben S. 6] mit denselben Worten, wie Eutychius 
berichtet p. 5S, lässt das über Walid Gesagte aus. eben so Ma- 
krizi, der p. 492 Büläk: 21. 15 .52) AVüstknfeld (»als die Tage 
'Abdalmaliks ihn Marwän gekommen Avaren, bezog er den Felsen 
in den Bezirk der Aksä ein und zwar im 65. Jahre der Hidschran) 
durch die Jahrzahl seine Abhängigkeit von Eutychius verräth. 

Al-mukaddasi (sehr, 375 = 985) hat zwar keinen geschicht- 
lichen Abschnitt, spricht sich jedoch in gelegentlichen Erwäh- 
nungen hinlänglich aus. 159, 10 (ZDPV. YII. 152) kommt in 
einem Gespräch, das er mit seinem Oheim führte, vor: »Du weisst, 
dass ^\bdalmalik, "als er die Pracht und edle Form der Kuppel 
der Auferstehungskirche sah, aus Furcht, dass sie auf die Mus- 
limen zu grossen Eindruck mache, über dem Felsen die gegen- 
wärtige Kuppel errichtete((. 168, 6 ^ZDFV. VII, 161): »Die 
Fundamente der Aksä rühren von David her, auf ihnen baute 
'Abdalmalik mit kleinen schönen Steinen«. Vgl. auch 171, 9 
iZDPV, VIL 164). 

Al-muhallabi (sehr, vor 3S6 = 996), citirt bei Abulfidfi 
p. 227. p. 10 Köhler: »Alwalid ihn *^Abdalmalik. nachdem er 
die Kubba über dem Fels gebaut, baute ebenfalls hier eine An- 
zahl Kuppeln und benannte sie mit einem Namen, z, B. Kuppel 
der Himmelfahrt [Muhamed's] u. s. w. Er that dies, um das An- 
sehn Jerusalems in den Augen der Syrer zu erhöhen und damit 
sie desshalb die Wallfahrt nach Mekka unterliessen. Er sagte, 
er wolle nicht . dass das Volk nach dem Hidschäz gehe, 
wegen des geistlichen Vorzugs der Familie des Propheten, 
und dass sie den F'maijaden und der geleisteten Huldigung ent- 
fremdet würden.« p. 239: S7 Köhler, der nach dem Leidener 
Codex die Worte als aus Muhallabi genommen bezeichnet: »Es 
blieb so (bei dem Zustand, in welchem X'mar die Haram-Area 
hinterlassen , bis Alwalid ihn "^Abdalmalik zur Herrschaft kam. 
F]r baute darin die Felsenkuppel, wie sie heute ist.« 

Dass die Nennung Walid" s statt 'Abdalmalik's ein Fehler 
sein muss, ergiebt sich aus der Motivirung. die nur auf 'Abdal- 
malik passt. Walid war im unbestrittenen Besitz der Herrschaft. 
In Mekka und Madina erneute und verschönerte er die grossen 
Moscheen, was er schwerlich gethan hätte, wenn er die Wall- 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 19 

fahrten nach dem Hidschäz hindern wollte. Er hat allerdings 
eingestürzte Theile der Moschee wieder aufbauen lassen. 

Dieses Zeugenverhör bis über das Jahr lOOOn. Chr. auszudeh- 
nen, ist nicht nöthig, wenn es auch thunlich wäre. Die Späteren 
wiederholen meist, und was etwa werthvoll wäre, ist nicht ge- 
druckt. Abulmahäsin (sehr. 860 = 1456) 1, 202 hat z. B. bloss: 
«In diesem Jahr (69) begann der Chalif *^Abdalmalik den Bau der 
Kubba über dem Fels des Bait al-makdis und den 13au der äusser- 
sten Dschämi*^; andere sagen im Jahr 70«. Aus einem Citat im 
Mutir ersieht man, dass in dem grossen Chronikwerk Mirät al- 
zamän des Sibt ihn al-dschauzi (4- 654 = 1256) der Sache gedacht 
war. Vornämlich käme in Betracht die ganze Fadäilliteratur, 
die besonders seit der Eroberung Jerusalem's durch Saladin 
Aufschwung genommen zu haben scheint, von der aber nur die 
drei geschichtlichen Werke, der Mutlr 752 = 1351, al-Sujüti und 
*^Ulaimi, einigermassen zugänglich sind. Am kürzesten übersieht 
man den Niederschlag der Traditionen in dem Letztgenannten, 
aus dem deshalb das Folgende (S. 240 — 242) wiedergegeben sein 
mag, das in wesentlicher Übereinstimmung mit dem Mutir p. 300 
und Sujüti p. 2 SO bei Le Strange steht. 

»Als das Jahr 66 (= 6S5 '6) gekommen war, begann er mit dem Bau 
der edlen Felsenkuppel und der Errichtung der Aksämoschee und zwar, weil 
er dem Volk die Wallfahrt nach Mekka gewehrt hatte, damit es nicht zum 
Ibn al-zubair neige. Da schrieen sie und er bezweckte, die Leute mit der Er- 
richtung dieses Betörtes [masdschid] der Wallfahrt [nach Mekka] abspenstig 
zu machen. Ibn al-zubair fand das vom 'Abdalmalik schlecht gehandelt. In 
Sachen des Baues schickte ' Abdalmalik, als er nach Jerusalem gegangen war 
und den Bau der Kuppel über dem noblen Fels befohlen hatte, durch sein 
ganzes Gebiet und in alle Hauptstädte Briefe: » x\bdalmalik hat die Absicht, 
eine Kuppel über dem Fels des Bait al-makdis zu bauen, welche die Muslimen 
vor Hitze und Kälte schütze und den Betört [masdschid, die Aksä) zu bauen ; 
er will aber dies nicht thun ohne das Gutbefinden seiner Unterthanen. Es 
mögen ihm also seine Unterthanen ihre Meinung, und wie sie gesinnt sind, 
schreiben.« Er erhielt die Briefe sämmtlicher Statthalter der Hauptstädte. 
»Wir finden die Absicht des Fürsten der Gläubigen passend und richtig. 
Wenn Gott will, vollende er den Bau des Hauses Gottes und seines Felsens 
und seiner Moschee, den er sich vorgenommen hat, und lasse dies durch ihn 
[Gott] gelingen und mache es zum Gedächtniss für sich und seine Vorgänger.« 

»Er versammelte die Arbeiter zu seinem Werk und sorgte zum Bau für 
viel Geld — man sagt, [dass es die Grundsteuer Aegyptens sieben Jahre hindurch 
■war — und legte es in der Kuppel nieder, die sich vor dem Fels nach Osten zu 
befindet, nachdem er sie erbauen lassen sie liegt an der Seite der Oelbäume), 

2» 



20 Gildemeister, 

und er machte sie zu einem Entrepöt, das er mit Geld füllte. Er betraute mit 
der Verwendung des Geldes zum Bau des Betörtes [masdschid, und allem 
Nöthigen den Radschä ihn Hajät ibn Dschai'val al-kindi, der zu den ersten 
Gelehrten und zu den Commensalen des'Umar ibn 'abd al-aziz gehörte, und 
gab ihm bei einen Mann, der Jazid ibn Salläm hiess, einen dienten des 
Abdalmalik, aus den Einwohnern Jerusalems. 'xVbdalmalik soll den Bau der 
Kuppel und ihre Form, wie er sie wünschte, den Arbeitern selbst beschrieben 
und sie es ausgeführt haben. Es ist im Bait al makdis (der Haram-Area) die 
kleine Kuppel, welche östlich der Felsenkuppel liegt und die die Kettenkuppel 
heisst, deren Form ihm gefiel und nach deren Modell er zu bauen befahl. Er 
befahl dem Radschä und Jazid, die Ausgaben zu besorgen und der Sache vor- 
zustehen; sie sollten das Geld darauf verwenden, ohne es zu verschwenden. 
Sie fingen den Bau an bei der Kuppel an der Ostseite des Betorts masdschid) 
bis zur AVestseite desselben, bis sie das Werk vollendet hatten imd der Bau 
zu Ende war und dem, der darüber raisonniren wollte, kein "Wort blieb.« 

«Der Bau, welcher im Vordergrund des Betorts [masdschid bei der Kibla 
von der Ostseite der Moschee bis zu ihrer "Westseite sich erstreckte, lief von 
der Mauer, welche bei der "VN'^iege Jesu ist, bis zu der Stelle, welche heute 
Dschämi' der Maghribiner heisst. « 

«Radschä und Jazid schrieben an 'Abdalmalik nach Damask: Gott hat 
den Bau der Kuppel des Felsens von Bait al-makdis (Haram-Area) und des 
äussersten Betorts imasdschid] vollendet, den der Fürst der Gläubigen be- 
fohlen hat, und nicht bleibt dem, der raisonnieren will, etwas zu sagen. Übrig 
geblieben von der angewiesenen Summe sind, nachdem der Bau zu Ende und 
gelungen ist, 100 000 Dinar, über die der Fürst der Gläubigen nach Belieben 
verfügen kann! Der Chalif schrieb zurück : Ich verfüge über sie zu euren 
Gunsten als ein Honorar, nachdem ihr den Bau des hehren Gotteshauses be- 
sorgt habt. Sie antworteten ihm : Es käme uns mehr zu, ■ die Summe] mit dem 
Schmuck unserer Frauen zu mehren, geschweige denn dass es unser Geld 
werde (?) ; so wende es denn an zu dem, was dir am meisten gefällt. Er schrieb 
ihnen : [die Dinare] mögen eingeschmolzen und damit die Kuppel vergoldet 
werden. Und das geschah 

»Dann nachdem das Chalifat auf al-'V\''alid ibn 'Abdalmalik überge- 
gangen war, stürzte der östliche Theil der Moschee ein. Da im Fiscus keine 
Summe war, befahl er daraus Münzen zu schlagen und sie für den eingestürz- 
ten Theil zu verwenden « 

»Die Vollendung des Baues der Felsenkuppel und der Moschee al-Ak^ä 
fand 73 statt, in dem Jahr, in dem 'Abdallah ibn al-zubair getödtet ward . . .« 

»Radschä ibn Hajät starb 112. Er hatte einen rothen Kopf und weissen 
Bart. « 

Zur Erläuterung dient : Die Schreiben ^\l)dalmalik's haben 
ihre Parallele in der Handlungsweise des Chalifen 'Utmän, der 
über die von ihm beabsichtigte Vergrössevung der Moschee zu 
Medina auch erst die Meinung der islamischen Gemeinde einzog. 
Samhudi. Gesch. von Medina, liüläk 12S5 p. 131, 17. Allerdings 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 21 

war 'Abdalmalik zur Erreichung seiner Pläne von dem guten 
Willen des Volkes abhängig, so dass er diese Komödie einer 
Volksabstimmung durch Landräthe ins Werk setzte. Aber das 
erhöht die Wahrscheinlichkeit des Berichtes. Im übrigen zeigt 
auch dieser, dass es sich nicht um die blosse Restauration einer 
eingefallenen Kuppel gehandelt haben kann; dazu bedurfte es 
sicher keiner Einwilligung des ganzen Volkes. Über Radschä 
ihn Hajät ergeht sich Herr Sepp in enthusiastischen und leider 
phantastischen Lobeserhebungen. «Der greise Eadschäap. 110 (da 
der Mann bis 112 gelebt hat, wie auch S- 121 richtig steht, so 
wäre er, wenn er auch etwa SO Jahre erreicht hat, im Jahr 66 
erst 34 Jahre alt gewesen), «der Baumeister Abdalmaliks« p. 121, 
»der noch mit 'Umar gelebt hatte« (jawohl, mit 'Umar II, der 
99 — 101 regierte, nicht mit X'^marl, 13 — 23), »einer der weisesten 
Meister« p, 94, > der Vorläufer Michel Angelo's p. 1 10. 121 verdient 
einen grossen Namen in der Kunstgeschichte (c Etwas anders ver- 
hält sich die Sache nun wohl. Radschä war kein Baumeister, er 
war Rechts- und Traditionskundiger ; er galt seiner Zeit als erster 
Jurist Syriens, und diejenige Bildung, welche er als solcher ge- 
nossen, konnte ihn unmöglich zum Architecten machen. Er war 
vielfach an Staatssachen betheiligt, Vertrauter des 'Ümar ihn "^Abd- 
alaziz, dem er selbst das Chalifat verschafft zu haben scheint. 
Seine Rolle bei dem Bau spielte er lediglich als Verwalter der 
Fonds, wie nirgendwo ihm etwas anderes zugeschrieben wird. Eben 
so wenig kann Jazid ihn Salläm Baumeister gewesen sein, worauf 
kein Wort in den Berichten führt; vielmehr hat er denselben 
Auftrag wie Radschä. Er wird mit der Führung des Rechnungs- 
wesens, wo die damals und viel später noch ganz ungeschickten 
Araber ja auf die Hülfe der dienten angewiesen waren, betraut 
worden sein, wie z. B. der Chalif Suleimän einem christlichen 
Secretair die Fondsverwaltung bei dem Bau der Moschee zu Ramla 
überliess, s. oben S. 15^), 

1) Auf Jazid ist Herr Sepp nicht gut zu sprechen. Er nennt ihn Leib- 
eigenen, Sclaven, ■während er doch ein maitlä, ein in ein bestimmtes staats- 
rechtliches Clientelverhältniss und dadurch in einen arabischen Stamm und 
den Schutz Aufgenommener war, und möchte ihn gebrauchen, um die Acht- 
heit der Inschrift ' Abdalmalik's zu verdächtigen. «Hätte je, heisst es S. 83, 
ein Chalif sich dazu verstanden, den Namen eines Baumeisters, der einen 
Sclaven zum Gehülfen nahm, neben den seinen zu setzen ! Diese Inschriften 



22 Gildemeister, 

Das Resultat ist also : Die arabischen Schriftsteller stimmen 
ausnahmslos darin überein, dass *^Abdalmalik sowohl den Felsen- 
dom als die Aksä gebaut habe : wenn nur eins von diesen er- 
wähnt wird, so ist dies immer der Dom. Herr Sepp gründet 
darauf sein gegen die Justinianskirche gerichtetes Argument 
S. 110 : »Der Bau der Aksä durch Abdelmalik ist durch Moham- 
med el Bashari bis auf Mugireddin fest bezeugt«. Aber das 
Gleiche gilt von dem Dom; man kann nicht die Hälfte eines 
Zeugnisses für glaubwürdig erklären und die andere Hälfte, weil 
gewisse Lieblingsmeinungen sich nicht damit vereinigen lassen, 
verwerfen. Allerdings, die architectonischen Gründe bin ich 
weit entfernt für irrelevant zu erklären, wenn ich auch gestehen 
muss, zu der architectonischen Beurtheilungskraft eines Schrift- 
stellers, der die Aksä selber gesehen hat und doch S. 116 ein 
Bild von ihr mit der Unterschrift »Querbalken der Aksäraoscheea 
zu bringen im Stande ist, welches jeder, der auch nicht in Jeru- 
salem gewesen ist, für ein Bild aus der Umaijadenmoschee zu 
Damaskus erkennen muss, herzlich wenig Vertrauen habe. Aber 
im vorliegenden Fall kommt es darauf gar nicht an. Der Stil ist 
und bleibt gewiss byzantinisch. Byzantinische Meister konnte 
man damals noch nicht entbehren. 'Abdalmalik musste einen 
christlichen, also griechisch gebildeten Architecten bei dem 
Wiederbau der durch eine Fluth zerstörten Moschee von Mekka 
verwenden (Azraki 396 Wüstenf.) ; von Jerusalem sagt es aus- 
drücklich Ibn Chaldün (Prolog. II, 323 Quat.). Walid Hess von 
Byzanz für seine grossen und prächtigen Bauten der Moscheen 
in Madina (Samhüdi p. 139, 9. Abän, der Sohn des Chalifen 

sind alle erst nach der wiederholten Restauration aufgemalt.« In diesem Fall 
hätten die Fälscher, wenn die Sache so gegen die Etikette lief, sich um so 
sorgfältiger gehütet, diese nicht zu verletzen. Aber nun weiss oder beachtet 
man nicht, dass man in nächster Nähe, auf dem Haram selbst, die besten Bei- 
spiele hat, dass sich auf den Inschriften, dieMa'mün in Baghdäd hatte fertigen 
lassen (el-Näsir Khusrau p. 81 Übsg.), der Name eines Maulä neben dem 
eines Chalifen findet, und dass in der von Harawi copirten (Archives de Tor. 
lat. I, 602) der Name des aegyptischen Chalifen Zähir li-i'zäz-din alläh neben 
dem Namen seines Wazirs und dem Namen des Vergolders Abdallah ibn 
Hasan, bei dem zum Zeichen, dass er ein Mann aus dem Volke ist, die Kunja 
fehlt, ganz unbekümmert steht und dass es die allgemeine Sitte ist (vgl. van 
Berchem Joum. asiat. 1888, XII, 459) — und will mitreden. Das Schönste ist, 
dass der Name des Jazid gar nicht auf der Inschrift vorzukommen scheint. 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 23 

'Utmän, sagte ihm missbilligend auf die Frage, ob es nun nicht 
schöner sei : «Wir bauten in der BauAveise der Moscheen, ihr in 
der der Kirchen«. Das. 140, 12) und Damask (Ihn Shäkir bei 
QuATREMERE Maml. II, 1, 263) Schaaren von Arbeitern und 
Künstlern kommen, wie bekannt ist. Es heisst nun ZAvar S. 112. 
138 : »150 Jahre nach Justinian gab es im ganzen Reiche keinen 
Meister der Baukunst, der einer so unverfälschten Reinheit des 
Stiles mächtig gewesen wäre « ; aber wo ist der Beweis für einen 
so kühnen Satz? Gesetzt es verhielte sich Avirklich so, wie die 
historischen Quellen aussagen, so sähe er doch der schönsten 
petitio principü verzweifelt ähnlich. Und zwanzig Jahre später 
finden wir denselben Stil, nur noch entwickelter, besonders in 
den Mosaiken, in der Moschee zu Damask ^) . 

1) Einige zu der Baugeschichte in Beziehung stehende Äusserungen, 
Avelche sich in obigen Zusammenhang nicht ohne Weitläuftigkeit einfügen 
Hessen, mögen besonders zusammengestellt werden. Eine Umvahrheit ist, 
wenn S. 3-5 gesagt wird : »Die alte Aksä ist mit der Kubbet es Sachra, die 
den Fels in der Mitte einschliesst, eine und dieselbe Moschee", um unter dieser 
Benennung die angebliche Sophienkirche unterzubringen. Die »alte Aksä« 
heisst nach X'laimi p. 379 ein gewölbter Raum unter der s. g. Aksä, von dem 
Verfasser meint, dass er zu den ursprünglichen Salomonischen Bauten gehört 
haben möge. — S. 36 : »Auf der Höhe des Prachtpflasters des Felsen, wie 
Mudschireddin die Hochterrasse nennt«] ist zu übersetzen : als der Boden des 
Betörtes gepflastert wurde, wurde die Kuppel des Propheten auf dem Boden 
ringsum mit rothem Marmor in der "Weise des Pflasters der Sachra 
belegt p. 374, 4. Dass die »Hochterrasse« so genannt sei, ist Phantasie. — 
S. 39. Einheimsen für seine Sophienkirche möchte der Verf. gern, was er 
S. 39 aus Ibn Batüta citirt findet, und was S. IH'Abdalmalik's Bau betreffend 
aus Theophaxes ad a. 6S2 erzählt wird. Aber der erstere spricht von der 
Sophienkirche in Constantinopel (statt Archas muss es heissen Asäf ben Be- 
rechja, eine bekannte apokryphische Persönlichkeit, , und bei Theoph.\nes 
steht ganz deutlich da, dass dieser Bau in Mekka — zur "Wiederherstellung 
der zerstörten Moschee — in dem auf die Bezwingung Ibn Zubair's folgenden 
Jahr geschah, als die Felsenkuppel längst fertig war. Überhaupt sagt ja 
Theophanes von 'Abdalmalik's Bauten in Jerusalem nichts. — S. 38. Auf 
die speculative Übersetzung von platea durch Plattform mag nur auf- 
merksam gemacht werden. Seit wann heisst platea je Plattform? 

Ein andrer Fall, wo die Übersetzung eines lateinischen Ausdrucks irre 
führt, ist mit dem "Worte petra vor sich gegangen, das an die Stelle des all- 
mählich absterbenden 1 a p i s trat, wie pietra, pierre zeigt, und bei AxTOXixus 
c. 23 nicht durch Fels, mit welchem der Begriff" des Unbehauenen untrennbar 
verbunden ist, sondern durch Stein, da dabei quadrangulis steht, also von 
Behauenem die Rede ist, übersetzt werden muss. Es nimmt sich wunderlich 



24 Gildemeister, Die arabischen Nachrichten zur Geschichte etc. 

aus, dass der älteste und neueste Beschreiber, der Perser Näsir Khusrau, der 
den Fels 437 = 1045 sah ,p. 29 = 89 »er hat keine gerade Form, ist nicht 
viereckig noch rund, sondern unregelmässig wie ein Stein im Gebirge«), und 
Baurath Schick (Beit al-makdas S. 7 »er hat keine regelmässige Form, 
man kann ihn weder rund, noch viereckig heissen, es ist ein unebener rauher 
nackter Fels«] die viereckige Gestalt so bestimmt leugnen und er jetzt bei einer 
Länge von über 50 Fuss und einer Breite von 40 mit der petra quadrangulis 
identificirt vrerden soll, die als Postament gedient für einen einzelnen Ange- 
geklagten. Auch die Combinirung mit der Fussspur Muhameds, die als 
isolirt von der Sachra bei X'laimi p. 371 bezeugt ist, und der christlichen 
Fussspur, die von Jesus zurückgelassen sein soll, als er zwölfjährig den 
Tempel verliess oder als er die AVechsler austrieb (Tobler, Topogr. I, 544) 
und die unmittelbar neben der Muhameds war (also nicht auf dem Felsen 
selbst), ist unzulässig. 

S. 55 »Keniset el Ine, mit " geschrieben, heisst im Vulgärarabischen 
die Schöne«. Die nöthige Begründung oder Nachweisung eines solchen 
unbekannten Factums ist weislich gespart; im besten Fall wird es eine Ver- 
wechslung mit dem schriftarabischen substantivischen (nicht adjectivischeni 
'ö?a, »das in dieAugenFallen, das Aussehn« sein , vermöge dessen 
man sagen kann: tauhu^lnatin, ein Kleid von [gutem] Aussehn. Es ist 
aber nicht abzusehn, was dadurch bewiesen wird : die gedruckte, nur in den 

Puncten falsche Lesart bei Eutychius II, 108, 13. 158, 11. 213, 10. >JLJI 
ist ja gar nicht mit r geschrieben und müsste, was selbst ABC-Schützen im 
Arabischen wissen sollen, um in el-lne zerlegt werden zu können, *«-o"i' ge- 
schrieben sein. Combinirt wird damit eine sanft gefälschte Stelle des 
Jäküt (es ist IV, 594, 7. ZDMG XVIII, 461, 27), die angeblich heisst: 
»Schöneres giebt es in aller "Welt nicht als die Kubbet es 
Sachra«, aber die lautet »als die [ganze] masdschid al-aksü. Man soll 
glauben, die Felsenkujjpel sei arabisch die Schöne benamt worden. Auch 
sonst erhält man unerwartete sprachliche Belehrungen. Kubba ist S. 35 der 
»Audienzsaal orientalischer Fürsten«. »Kibla kommt von Icabal empfangen 
(vielmehr hibbel,, der Ort, wo das Gebet aufgenommen wird«. Wir dachten, das 
Verbum heisse vorn sein. P. 130: der Semite braucht fürPförtchen, die Be- 
zeichnung Nadelöhr; das ist etwas stark, nachdem "Wetzstein Sitzungsber. 
der Acad. zu München 1873, p. 581 ff. die Sache in einem eignen Aufsatz klar 
gelegt hat. — S. 91. »Der Chalif Hakem Hess in die Omarmoschee einen 
silbernen Ofen (■.',; um den Preis von lOOOO Dirhem setzen«. Es steht im Text 
tannür. Das heisst allerdings Ofen, aber auch was Avir Kronleuchter nennen 
würden, nämlich ein einem orientalischen Ofen oder Feuertopf ähnliches Ge- 
fäss mit sehr vielen Lampen. Er hat einen solchen nicht in die Omarmoschee 
setzen lassen, sondern in die Amrumoschee in Fostat, wie der Text in Eich- 
horn llepertorium XV. 2S1 richtig angiebt. Vgl. de S.\cv Druzes I, ccclxv. 

Bonn, December 18S9. 



Inschrift der Yespasianischen Colonie Caesarea 

in Palästina. 

Von Professor Ur. K. Zangenieister in Heidelberg. 

Nach einer IVIittheilung des Herrn G. Schumacher in Haifa 
an Prof. Guthe vom 14. Juli ISS'J hat man in neuester Zeit 
in mijatnäs oder ?nämäs, ca. 6 Kilometer nordöstlich von Caesarea 
entfernt, Gebäudereste zu Tage gefördert und in diesen eine 
Granitsäule mit der Inschrift aufgefunden, welche hiermit ver- 
öffentlicht -svird. Die Säule ist unten gerade abgeschnitten und 
hat einen Durchmesser von 0,58 m; oben, wo sie in einen Anlauf 
mit einem 0,04 m hohen Steg oder Band endigt, beträgt der 
Durchmesser 0,68 m; einschliesslich dieses Bandes ist das Ganze 
0,80 hoch. Nachstehend gebe ich die Abzeichnung des Herrn 
Schumacher. 



^ â–  

rvmxL 



'1-2 der natürlichen Grösse. 



26 ^- Zangemeister, 

Die Inschrift ist dank dem harten Stein augenscheinlich sehr 
gut erhalten, und die Feststellung der Lesung macht daher 
keine Schwierigkeit. Auffallend ist in der 1 . Zeile der Zwischen- 
raum zwischen A und M; ob die Stelle schadhaft war und dess- 
halb vom Steinmetz gemieden Avurde, oder was sonst ihn hierzu 
veranlasste, lässt sich nur an dem Originale selbst feststellen. 
Interpunktionen am Zeilenende, wie hier Z. 1 und 4, wider- 
streiten der Regel, kommen aber hin und wieder vor. Z. 4 zeigt 
die Abbildung vor PEG eine beschädigte Stelle mit ein paar 
Strichen, welche einem X ähnlich sehen. Auf dem Steine selbst 
wird sich leicht feststellen lassen, ob hier wirklich ein X getilgt 
ist. Für EX scheint der Raum nicht auszureichen. Der blosse 
Ablativ pecunia publica kommt häufiger vor als ex p. p. An 
dieser Stelle geht zudem schon eine andere Formel mit ex voraus. 
Nach der Zeichnung haben die Buchstaben die Form der 
Aktenschrift, wie sie sich beim Schreiben mit dem Rohr oder 
Pinsel ausgebildet hatte. Sie findet sich häufig zu Urkunden 
auch auf Bronze und Steint) verwendet, bisweilen auch zu 
sonstigen Steindenkmälern und zwar gerade auch im Orient. 
Es genügt für diesen letzteren Gebrauch zu verweisen auf den 
offenbar aus Beirut stammenden Grabstein mit der Erwähnung 
des Sulpicius Quirinius: Corp. I. Lat. III (suppl.) n. 6G87, ab- 
gebildet von DE Rossi, Bull. arch. crist. 1880 tav. IX; ferner 
auf die Hadrian-Basis von Athen, abgeb. Annali delV Inst. 1862 
tav. L(Z.l — 2beiHiJi5iNER,Exemplan. 365), auf welcher Z. 1. S — 10 
Lapidarbuchstaben, Z. 2 — 7 dagegen diese Aktenschrift zeigen. 
M(arcum) Fl(avium) Agrippam pontif (icem) , 
II viral(em) col(oniae) (primae) Fl(aviae) Au- 
g(ustae) Caesareae oratorem ex dec(urionum) 
dec(reto) pec(unia) publ (ica). 
Wichtig ist die Inschrift zunächst als die erste, Avelche sich, 
soviel ich weiss, hier gefunden hat; sicherlich ist es die erste 
Steininschrift, in welcher der volle Name dieser Vespasianischen 
Colonie erscheint. Aus der bekannten Geschichte der berühmten 
Stadt genügt es hier kurz zu erwähnen, dass der Ort ursprünglich 
Stratonsthurm (iiTpaiiuvo; -upYo:) hiess, dass Herodes der Grosse 
eine Stadt mit grossartigen Hafenbauten anlegte und zu Ehren 

1) Viele Facsimiles bei Hübnek, Exempla 1885, z. B. n. 1104. 



Inschrift der Vespasianischen Colonie Caef3area in Palästina. 27 

des Augiistus jene Kaioapiia, diesen ^z'^olo-o^ Äijj-TjV nannte ') . Da- 
nach heisst sie auf einer Münze des Nero Kaiaapia r^ irpoc -sjSaaToi 
Xtfisvi (bei DE Saulcy Nuraism. de la Terre Sainte 1S74 p. 116). 
Caesarea ludaeae caput est, sagt Tacitus hist. II, 78, 
d. h. sie war Landeshauptstadt (Mommsen Rom. Gesch. V, S. 540) 
als Eesidenz der einheimischen Könige, resp. Sitz der römischen 
Verwaltung. Hierher, wo Vespasian von dem Heere Judaea's am 
5. Juli 69 zum Kaiser ausgerufen worden war 2). deducirte Ves- 
pasian -^j eine Colonie und nannte dieselbe »colonia Prima Flavia 
Augusta Caesarea«. AVir besitzen viele Münzen aus der Zeit von 
Domitianus an, welche diese Namen aiifweisen ^) ; auf einigen 
erscheint die Variante «Caesarensis«, die wohl nicht anzuzweifeln 
ist, aber bei manchen Exemplaren vermuthlich nur auf falscher 
Lesung oder willkürlicher Auflösung beruht. 

Die Gründung dieser Colonie erfolgte ohne Zweifel bald 
nach Beendigung des jüdischen Krieges, und es lässt sich an- 
nehmen, dass Vespasian hierhin Veteranen seines Heeres dedu- 
cirte. In dem Militärdiplom Vespasians vom 5. April 71 wird 
diese Stadt als Heimath eines Zeugen erwähnt, aber noch Cae- 
sarea Straton(is) genannt; daraus darf man wohl schliessen, dass 
damals die Colonie noch nicht existirte, obwohl die Möglich- 
keit nicht ausgeschlossen ist, dass der Ausdruck dem gleichzeitigen 
Status nicht entspricht. — Die Bezeichnung als prima will off'en- 
bar besagen, dass dies die erste Colonie war, welche Vespasian 
gründete, — und ZAvar die erste im röm. Reiche, nicht in Palä- 
stina, denn hier war dies überhaupt die einzige. Neapolis (= 
Sichern, j. Näbulus) führt nur den Titel Flavia, ebenso wie z. B. 
die civitas Nemetum^), vielleicht in Folge einer Reorganisation 
durch Vespasian oder einen seiner Nachfolger, aber als Colonie er- 
scheint sie erst seit Philippus (de Saulcy p. 265). — Die Geschäfts - 



1) Joseph. Ant. XV. S, 5 ; 9, 6; Bell. Jud. I. 21, 5. — Ant. XVII. 5, 1, 
Bell. I. 31, 3 ; PLiNirs n. h. V § 09 u. A. — Vgl. Kubitschek, imp. Romanum 
tributim descr. 18^9 p. 258. 

2) Tacitus hist. 11 79 ; Sueton Vesp. 6. 

3) Plinius n. h. V § 69 : nunc colonia Prima Flavia a Vespasia- 
no imp. deducta. Vgl. Paulus Dig. 50, 15, S, 7; Ulpl\n 50, 15, 1, 6; 
Justin. Novell. 103 pr. 

4) de Saulcy p. 120 ff. Vgl. Eckhel III 430. 

5) 8. meinen Nachweis in den Bonner Jahrb. 76 1883; p. 88. 



28 ^- Zangemeister, 

spräche der Colonie war selbstverständlich die lateinische : ausser 
den Münzen (de Saulcy p. 117 bezeugt dies nun auch noch 
ausdrücklich diese von Gemeinde wegen gesetzte Inschrift. — 

Die Fundstelle der Inschrift ist in der Beziehung von be- 
sonderer Wichtigkeit, weil sie lehrt, dass das Territorium der 
Colonie sich bis hierher erstreckt haben muss. Ausgrabungen 
haben auf diesem Terrain noch nicht stattgefunden : bekannt ist, 
dass in mijamäs Ruinen eines römischen Theaters und Bogen 
eines k quaeducts existiren, welcher das Wasser von den Quellen bei 
sahhärin und sindjäne über mijamäs nach kaisärije führte. Die 
Beschreibung dieser Ruinen mit Zeichnungen giebt das grosse 
englische Palästinawerk^). Neuerdings haben sich in Caesarea 
Bosniaken und Herzegowiner angesiedelt 2) . 

M. Flavius Agrippa war also Pontifex der Colonie und duum- 
viralis ^), d.h. er hatte früher das Amt eines Duumvir in derselben 
bekleidet; als solcher gehörte er ohne Zweifel den decuriones, 
dem Gemeinde -Senat, an. — Der folgende Genetiv coloniae 
Primae Flaviae Caesareae würde in regulärem lateinischen 
Stil mit zu dem Vorigen zu ziehen sein: wegen des grösseren 
Zwischenraumes aber zwischen Zeile 2 und 3 ist, wie mirMoiMSEN 
bemerkt, wohl die Verbindung der Worte mit dem folgenden ora- 
torem vorzuziehen, und eine solche Voranstellung darf bei der 
gräcisirenden Inschrift nicht auifallen. Sachlich ist es natürlich 
irrelevant, welche Verbindung man wählt. Die Worte ex de curi- 
onum decreto gehören ohne Zweifel ebenfalls zu oratorem. 
Agrippa wird also genannt orator der Colonie inid hatte danach 
bei einer Gesandtschaft der Colonie. z. B. an den Kaiser, als 
»Sprecher« fungirf*). Für die römischen Staatsboten war orator 
in der republikanischen Zeit die gewöhnliche Bezeichnung, 
später trat aber dafür legatus ein (Mommsex, Staatsrecht 11^ 
S. 676;. Dies letztere Wort findet sich als amtlicher Titel auch 

1) Survey of western Palestine, Memoire II. 20 ff., wo die "Wasser- 
leitung von mhbänn über 7uüniäs nach Caesarea, und 6b f., wo das Theater- 
von mämäs unter Beigabe eines Plans beschrieben ist. 

2) Vgl. Warte des Tempels 1888, Nr. 7, 51. Nr. 10, 74 f. G. 

3) Ausserdem kommen die Formen vor: duoviralis und duo- oder 
duumviralicius. 

4) Vgl. die lex col. Genet., cap. 92, Ephem. epigr. II p. 108 und dazu 
MOMM.SEN p. 137. 



Inschrift der Vespasianischen Colonie Caesarea in Palästina. 29 

bei Provinzialgemeinden in Inschriften der Kaiserzeit nicht 
selten; vgl. z. B. im Corpus I. Lat. III p. 1182: YIII p. 1101. 
Orator findet sich in dem Titel der Digestende legationi- 
bus (50, 7) nie gebraucht ; Ulpian, Dig. 4S, 6, 7 führt legati 
und oratores nebeneinander auf als synonyme Ausdrücke ; ein 
epigraphisches Beispiel aber für dieses Wort in dieser Verwen- 
dung ist mir aus der Kaiserzeit nicht bekannt ausser dem hier 
vorliegenden. Ohne Zweifel wurde dem Agrippa dies Ehren- 
denkmal auf Gemeindekosten gesetzt eben wegen der Ver- 
dienste, welche er sich auf einer solchen Mission erworben 
hatte. Auf der Säule war eine Statue des Agrippa aufgestellt, 
wie der Akkusativ zeigt. Die Unterschriften der Bildnisse von 
Göttern und Menschen finden sich in dieser Weise nicht selten 
gefasst auf lateinischen Inschriften des Orients wie des Occi- 
dents, wofür folgende Beispiele genügen mögen: Genium 
Corp. III 66 7 2 (Beirut) und Bramb. C I. Rhen. 1444 Heddern- 
heim ; die Statue ist noch vorhanden), Bonum Eventum Bramb. 
1034 (Mainz); Q. Maarcium [Regem], lateinisch -rmd grie- 
chisch, Corp. I 596 = III 532 (Argos), L. Cornelium Scipi- 
onem Corp. I 533 =X 7459 (Sicilien), L. Petronium Verum 
Corp. III 6754 (Ancyra), L. Septimium Se verum, M. Aurel. 
Antoninum, lul. Domnam auf drei Säulen, Corp. III 6712 — 
6714 (Commagene). Diese Formulierung findet sich aber beson- 
ders häufig in griechischen Inschriften und muss als die specifisch 
griechische betrachtet werden, Avie schon Mommsex, Corp. I zu 
n. 533 hervorgehoben hat: diesem Gebrauch folgen gräcisirende 
lateinische Inschriften auf griechischem Gebiete. 

Für die Zeitbestimmung unseres Monumentes haben wir 
bereits den terminus a quo kennen gelernt. Was die andere 
Zeitgrenze betriift, so darf man wegen der schlichten Fassung 
des Textes schwerlich weiter hinab gehen als zur Regierung 
Trajan s oder Hadrians, und dazu stimmen auch die Schrift- 
formen. Einen Aveiteren Anhalt bieten die Namen des M. Flavius 
Agrippa. Flavius heisst derselbe offenbar nach einem flavischen 
Kaiser; die beiden anderen Namen weisen auf die nach dem M. 
(Vipsanius) Agrippa benannten Mitglieder der einheimischen 
Dynastie hin: M. .lulius Agrippa (f 44), Enkel Ilerodes des 
Grossen, oder vielmehr, da es sich hier um flavische Zeit handelt, 
aiif dessen gleichnamigen Sohn Agrippa II. ^j 99/100), den 



30 K.. Zangemeister, Inschrift der Vespasianischen Colonie Caesarea etc. 

letzten dieser idumäischen Könige. Unser Agrippa hat also augen- 
scheinlich seinen Namen (sei es bald nach seiner Geburt oder 
bei der Ertheilung des römischen Bürgerrechtes an ihn oder 
seinen Vater] erhalten unter einem der flavischen Kaiser, 
und vermuthlich stand sein Vater zu einem derselben, sowie zu 
Agrippa II. in naher Beziehung. Danach ist es sehr wohl möglich 
(wenn auch natürlich nicht beweisbar , dass unser Agrippa iden- 
tisch ist mit dem gleichnamigen Sohne des Josephus^). Fla- 
vius hiess er wie sein Vater, welcher, als er von Vespasian bald 
nach 70 das römische Bürgerrecht erhielt (vita c, 76), das Gentile 
des Kaisers annahm. Josephus nennt ihn in seiner Vita c. 76 : 
^LijjLOiviÖrj? 6 xal W^piK-a; £7riy.Xr,i>ci;, aber c. 1 nur 'A^piT-a;, wie 
unsere Inschrift. Solche Doppelnamen finden sich bekanntlich 
bei Griechen, Römern und römisch gewordenen Griechen nicht 
selten. Der zweite Name wird in lateinischen Inschriften ent- 
sprechend diesem ö /ai mit qui et oder mit sive oder idem ange- 
fügt (WiLMANNs, Exempla II p. 406) . Wir wissen nun, dass 
Josephus mit Agrippa II. in Verbindung stand, und es begreift 
sich, dass dieser Name den er seinem Sohne vielleicht nach- 
träglich auf Wunsch des Königs noch beigelegt hatte; als der 
ehrenvollere den anderen allmählich verdrängte. — Dieser Agrippa 
war ihm von seiner dritten Frau 2; im 9. Jahre des Vespasian, 
also zwischen dem 1. Juli 77 und dem 30. Juni 78 geboren. 
Duumvir konnte er ordnungsgemäss frühestens in seinem 25. 
Lebensjahre, also 101/102, werden; tinsere Inschrift würde also 
in die Zeit von Trajan oder Hadrian gehören. 

1) MOMMSEN, dem ich diese meine Vermuthung mitgetheilt habe, hält 
sie für sehr probabel. 

2; Die er 73 oder "4 geheirathet hatte. S. vita c. "5 und 7t). 



Das Tlialtlior im alten Jerusalem. 

Von Baurath C. Schick in Jerusalem. 

(Hierzu Tafel I.) 

Durch die folgende Darstellung möchte ich dem Wunsche 
entsprechen, den der Herausgeber dieser Zeitschrift in den Be- 
merkungen zu meinem Aufsatze über »das Stadtviertel der Grabes- 
kirche« etc. ZDPV. YIII, 259 ff. aussprach (S. 2S7) , nämlich 
meine Gründe für die Ansetzung des Thalthores auf Tafel YIII 
des genannten Bandes mitzutheilen. Bekanntlich hat man die 
Lage dieses Thores verschieden bestimmt; Dr. Schultz z. B. 
setzte es an die O. -Seite der Stadt. Caspari an die S. -Seite, die 
meisten jedoch an die W. -Seite. Diesen hatte auch ich mich in 
dem genannten Aufsatz angeschlossen. Die Gründe für meine 
Auffassung lassen sich jedoch nicht in wenigen Worten sagen, 
sondern bedürfen einer näheren Ausführung, die ich zugleich 
durch einen Plan und durch zAvei Durchschnitte veranschauliche 
(Tafel I). 

Das Thalthor wird im alten Testament 2 Chr. 26, 9 und 
Neh. 2, 13. 15 u. 3, 13 erwähnt. Es ist bisher der Name so ge- 
deutet worden,, dass das Thor in ein Thal hinabgeführt habe. 
Das war aber bei allen anderen Thoren auf der W.-, S.- luid O.- 
Seite in gleicher Weise der Fall, und dennoch haben sie sämmt- 
lich andere Name bekommen. Ich nehme daher an, dass das Thor 
seinen Namen i) erhalten hat. weil es im Unterschiede von den 
anderen im Thale selbst stand. In der salomonischen Ring- 
mauer war es noch nicht; erst Usia baute dasselbe und versah 
es mit starken Thürmen, so dass die NW. -Ecke der Stadt, wo 

1) Das Thal, hebr. haggaj, ist das Thal Hinnom, ge [ben, bne] hinnöm. 
Ich werde mir erlauben, in dem nächsten Hefte die Lage des Thalthores 
meinerseits zu besprechen. GuTUE. 



32 Schick, 

auch heute noch die kaVa^ das Kastell, sich befindet, durch ein 
starkes Bollwerk geschützt wurde. 

In der Schilderung des Zuges der beiden Dankchöre Neh. 12, 
die oiFenbar im \V. der Stadt, an der dem Tempel gegenüber 
liegenden Seite, sich versammelten und, nachdem jeder von 
ihnen eine Hälfte der Stadt umschritten hatte , am Tempel 
wieder zusammentrafen (V. 40), ist zwar der Ort der Versamm- 
lung nicht genau bezeichnet; es kann aber kaum ein anderer 
Ort als das Thalthor gemeint sein. Das Volk hatte sich in der 
Thalebene ausserhalb des Thores versammelt ; es trat dann durch 
das von Hanun und den Bürgern von Sanoah Neh. 3,13 wieder- 
hergestellte Thor in die Stadt ein, innerhalb des Thores gingen 
beide Chöre nicht nur auf die Mauer hinauf, sondern auch nach 
Neh. 12, 38 (»die Mauer hinan zum Ofenthurm hinauf«) noch 
weiter hinauf zu den eigentlichen Hefestigungswerken, die auf 
der Höhe standen, der eine nordwärts zum Ofenthurm hinauf, 
der andere südwärts nach dem Mistthore zu. So scheint mir die 
Annahme, dass das Thalthor im Thale, also tief lag, wohl zu 
dieser Darstellung des Nehemia zu passen. 

Bei diesem Thalthor, bei dem Eckthor und am »Knick« hat 
nun Usia nach 2 Chr. 26, 9 Thürme gebaut. Die Zahl derselben 
ist nicht angegeben; es wird daher gestattet sein, einen oder zwei 
Thürme anzunehmen, etwa auf jeder Seite des Thores einen, wie 
ich es ZDPV. VIII, Tafel VIII angegeben habe. Ich lasse mich 
hierin durch dasjenige, was sich an Ort und Stelle vorfindet, 
leiten. Das heutige Kastell hat im ganzen vier Thürme. Zwei 
derselben ruhen sicher auf alten Grundlagen, der sogenannte 
Davidstlnirm oder der Phasael des Herodes und der Thurm neben 
dem Jafathor, an der Stelle des herodeischen Ilippikus. Die 
anderen beiden sind viel kleiner und können nicht mit Sicher- 
heit als antik bezeichnet werden; wenn der grössere derselben auf 
alten Grundlagen ruht, so könnte man darin den Mariamne-Thurm 
des Herodes erkennen, der dann weniger zum Schutze der Stadt, 
als zum Schutze des Palastes gedient hätte. Da ich glaube, dass 
Herodes die Thürme Phasael und Hippikus auf alten Grundlagen 
geballt und n\ir die oberen Prachtgemächer hinzugefügt hat, so 
betrachte ich als den eigentlichen Gründer dieser massiven Bauten 
den König Usia. Es sind die Thürme am Eckthor, das zwischen 
beiden lag (Tafel I) und von ihnen gedeckt wurde. Der westliche 



Das Thalthor im alten Jerusalem. 38 

Thurm erhielt später den Namen Ofenthurm. Die alte salomo- 
nische Mauer lief vom Eckthor gerade aus nach O., während die 
von S. her kommende, auf der Höhe des Bergrandes laufende 
Mauer in einem stumpfen ^yinkel gegen das Eckthor stiess (vgl. 
Tafel I]. 

Wo sind nun die Thürme am Thalthor? Hierüber glaube 
ich auf Grund von Nachgrabungen, die ich im Jahre 1888 aus- 
geführt habe, Auskunft geben zu können. Ungefähr 28 m süd- 
westlich von der SW.-Ecke des heutigen Burggrabens finden sich 
im Thale die Ruinen eines alten Thurmes. Sie sind seit Herbst 
1889 freilich völlig verschüttet. Durch meine Ausgrabungen 
habe ich festgestellt, dass dieser Thurm ganz massiv war, wie es 
die alten jüdischen Thürme in ihrem unteren Theile zu sein 
pflegten, und dass die Aussenmauer böschungsartig aufgeführt 
war. Die äusseren behauenen Steine müssen später jedoch ein- 
mal weggenommen worden sein. In seiner ursprünglichen Ge- 
stalt muss dieser Thurm 1 5 m breit gewesen sein und etwas mehr 
an Länge gemessen haben. Seine Grösse ist demnach fast die- 
selbe wie die des Hippikus oder des alten Ofenthurms. Dieser 
Thurm diente dem Thalthore als Schutz und starke Wehr. In 
der Mauer, die von ihm nach dem Ofenthurm hinaufführte, lag 
wohl noch — etwa in ihrer Mitte — ein anderer kleinerer Thurm, 
dessen Fundamente nun durch die von den Türken hergestellten 
neuen Batterien bedeckt werden. 

Das Thalthor lag nach meiner Auffassung in dieser Mauer 
und zwar da, wo der Felsboden des heutigen Burggrabens am 
niedrigsten ist. Innerhalb des Thores gab es gewiss Treppen, 
um auf die Mauer und die Thürme hinaufsteigen zu können. 
Auch vermuthe ich, dass vom Thore aus ein Weg unterirdisch 
zur alten salomonischen Mauer hinauf und in die Stadt geführt 
hat. Dieser ging in den südlichen Burggraben, w^o dieser so sehr 
tief ist, aufwärts und wandte sich dann vor der Felswand, die 
noch heute den Burggraben durchschneidet und die alte Mauer 
trug, nach rechts und mündete südwärts in die in die Stadt führende 
Strasse. Als Herodes seinen Palast hier aufführte, wurde dieser 
Weg versperrt. Das Thalthor kam als Stadtthor ausser Gebrauch 
und blieb nur eine geheime Pforte, die von Josephus Bell. jud. 
V. 6, 5 erwähnt zu sein scheint. Als Agrippa die dritte Mauer 
baute, kam dafür das heutige Jafathor in allgemeinen Gebrauch. 

Ztschr. a. Pal.-Ver. XUl. 3 



34 Schick, 

Für das Eckthor scheint der Name Gennath-Thor ühlich geworden 
zu sein. Einige übersetzen ihn durch Gartenthor; und wirkUch 
lagen vor demselben zur Zeit der Belagerung unter Titus zwischen 
den beiden Mauern keine oder doch nur wenige Häuser, sondern 
Gärten ! 

Von dem im Thale stehenden Thurm des Usia ging ent- 
weder ostwärts oder südwärts — etwa so wie ich auf Tafel I 
angegeben habe — eine Mauer zu der älteren salomonischen 
Stadtumwallung hinauf. Ihren Lauf habe ich aus zwei Anzeichen 
erschlossen: 1) aus altem, noch vorhandenen Mauerwerk mit 
einer Cisterne, 2 aus einem sehr weit vorstehenden Thurm in 
der heutigen Westmauer der Stadt, der auf seiner Westseite in 
einzelnen Absätzen zurückgesetzt ist und die völlige Grösse der 
anderen alten Thürme hat. Auch seine Anlage möchte ich in 
ihren Anfängen auf Usia zurückführen und in ihm den am 
)) Knick« errichteten Thurm erkennen. 

Ich benutze diese Gelegenheit, um über den heutigen Plan 
des Kastells noch einige Bemerkungen zu machen. Dieser muss 
jedem also sehr sonderbar erscheinen. Er wird nur durch die 
Annahme erklärlich, dass der Bau in Folge verschiedener Ver- 
änderungen im Laufe der Jahrhunderte allmählich die jetzige 
Beschaffenheit erlangt hat. In seiner Mitte liegt ein grösseres, 
jetzt meist zerfallenes Bauwerk, dessen Front in einer sehr ge- 
neigten Linie nach S. läuft. In ihm erkenne ich einen alten 
Palast, der sich an die Innenseite der Stadtmauer lehnte, im N. bis 
an das alte Eckthor reichte und nach S. hin einen Mauerthurm 
hatte, der sich bis in unsere Zeit erhalten hat und gegenwärtig das 
Minaret trägt. Ich zweifle nicht daran, dass man im Hofe der süd- 
lich benachbarten Kaserne bei Nachgrabungen die Beste der Fort- 
setzung dieses Palastes finden wird ; ja bis zu dem Thurm am Knick 
erstreckte sich gewiss der Palast des Herodes — denn dessen Re- 
sidenz habe ich im Auge. Aus dem heute noch stehenden Stück 
im Hofe der haV a erkenne ich zugleich die Richtung, die die 
Stadtmauer hier hatte. Der Weg vom Thalthore her ging durch 
den Hof des Palastes und setzte sich in der heutigen Strasse des 
armenischen Viertels fort. Eine andere, vermuthlich schmalere 
Strasse führte vom einstigen Eckthore ostwärts, etwa in der 
Richtung der heutigen Thore des Kastells. 

Wenn nun auch die Römer die westlichen Theile der Stadt- 



Das Thalthor im alten Jerusalem. 35 

mauer stehen Hessen, so dürfen wir doch kaum annehmen, dass 
damals (70 n. Chr.i alles unversehrt geblieben Mar oder dass sich 
die Befestigungen des Usia noch vollständig erhalten hatten. 
Den Römern — so vermuthe ich — verdankt jedoch die jetzige 
Burg im wesentlichen ihre Existenz, zugleich die nach S. laufende 
salomonische Ringmauer ihre AViederherstellung oder Erhaltung. 
Auf Tafel I sind alle diejenigen Theile, die meiner Meinung 
nach auf die Römer zur Zeit des Hadrian zuriickzuführen sind, 
durch einfache Schraffirung bezeichnet. Die Umrisse zeigen das 
Bestreben, ein Oblongum herzustellen, dessen beide schmäleren 
Seiten freilich tlivergiren. Doch wurden durch diesen Umbau 
nicht nur alle Thürme mit einander verbunden und ein grösseres 
Bollwerk geschaifen, sondern auch ein Inneres hergestellt, wie 
es Burgen zu haben pflegen. Wahrscheinlich wurde schon da- 
mals das Kastell mit Gräben versehen. Jedoch sind die 
jetzigen Gräben, wie man sie mit ihren Boschungsmauern und 
Batterieen vor sich sieht, erst von den Muslimen eingerichtet 
und zwar, wie eine arabische Inschrift besagt, nicht einmal vor 
sehr langer Zeit. Die Muslimen werden wohl mehr erneuert und 
geändert, als völlig neu angelegt haben. Ihre Werke tragen auf 
Tafel I punctirten Ton. Die durch einfache Schraffirung ausge- 
zeichneten Bauwerke zeigen in ihren unteren Theilen ganz 
gleiche Arbeit, in den oberen Theilen ist es häufiger verschieden. 

Nach JosEPHUs zweigte die zweite Mauer von der ersten in 
der Nähe des Gennaththores ab. Was man vor einigen Jahren 
von der zweiten Mauer fand, führte direkt gegen die NW. -Ecke 
des Davidsthurmes. des alten Phasael, der auf der ersten Mauer 
steht. Diese erste Maiier ging nach W. bis zum Hippikus, dem 
früheren üfenthurm, und wurde durch die Mauer des Agrippa, 
die dritte Mauer, längs des jetzigen Jafaweges fortgesetzt. Die 
Türken haben bei der Wiederherstellung dieser Mauer dieselbe 
etwas nach O. eingerückt und sie dabei nicht auf den Felsen, 
sondern auf Erdboden aufgesetzt, Avie das in den letzten Jahren 
festgestellt worden ist. — Meine frühere yVnnahme, dass das 
Gennaththor sich in der heutigen Kaserne befunden habe (ZDPV. 
VIII, Tafel VIII) , halte ich nicht mehr aufrecht. Diese Kaserne 
wurde erst unter Hadrian erbaut. 

Ich erhalte auf diese Weise schon im alten Jerusalem auf 
dessen W.- Seite einen doppelten Mauerzug. Manche werden 



36 Schick, Das Thalthor in Jerusalem. 

Zweifel daran hegen. Ausser dem oben Gesagten möchte ich zur 
Stütze meiner Auffassung noch anführen, dass auch die heutige 
Festung an dieser Stelle nach Westen zwei Mauern hat, die 
freilich einen regelmässigeren Lauf haben, nämlich die eigent- 
liche Festungsmauer (einfach schraffirt) und die Böschungs- oder 
Batteriemauer (punctirt). Ferner lesen wir Neh. 3, 11, dass 
Hasub »zwei Stücke« [richtiger »eine zweite Strecke (c G.] baute, 
ebenso wie in V. 24 u. 30 dieser Ausdruck für die Ostraauer der 
Stadt vorkommt. Warum sollten gerade diese Stücke, wenn sie 
in einer Linie neben einander lagen, in zwei Theile getheilt 
gewesen sein, die übrigen Stücke jedoch nicht? Es liegt doch 
näher anzunehmen, es habe an dieser Stelle, wie auch im O, der 
Stadt (V. 24 u. 30), eine doppelte Mauer gegeben, eine äussere 
und eine innere oder eine obere und untere, da bei der Ab- 
schüssigkeit des Terrains die eine Mauer wie eine höhere Terrasse 
die andere Mauer überragen musste, ähnlich den jetzigen Ver- 
hältnissen am Kastell. 

Jerusalem, 1. Oct. 18S9. 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der 
Palästina-Zeitschrift. 

Von F. Buhl, Professor in Kopenhagen. 



Zu Bd. IX, 84. In seiner Beschreibung von Tiberias er- 
wähnt Frei zwei Basaltsteinthüren mit hauränitischen Orna- 
menten, die in einem als Post- und Telegraphenbureau dienenden 
Hause eingemauert sind, und giebt eine Zeichnung von einem 
dieser Thürflügel. Es sei hier kurz bemerkt, dass das betreffende 
Haus nicht mehr als Postbureau benutzt wird, indem dies letztere 
sich jetzt in der Nähe in einer mehr östlichen Gasse befindet. 
Von grösserem Interesse ist es, dass sich eine ganz ähnliche Stein- 
thür, wie mein Führer in Tiberias, ein im Dienste der Medical 
Mission stehender Jude, mir zeigte, südwestlich von der Stadt 
auf dem Abhänge des Herodesberges befindet. Sie liegt halb 
versteckt in der Erde, rechts von einem Pfade, der den Berg 
hinauf führt, vmd ist in dem Grade von grossen Disteln über- 
wachsen, dass man dicht daran vorübergehen kann, ohne sie zu 
bemerken. Der Theil, der aus der Erde hervorragt, hat das Aus- 
sehen der nebenbei stehenden Zeichniing. 

Bei a befinden sich die Überreste eines 
Handgriffes, bei h zwei Löcher für die 
Thürangel. 

Die Herkunft dieser interessanten 
Stücke ist, Avie Frei bemerkt, schwer zu 
bestimmen. Doch glaube ich nicht, dass 
diese »hauränitische« Ornamentik über- 
haupt sehr alt sein kann, so alt auch die 
AuAvendung der steinernen Thorfiügel in den transjordanischen 



o o 
o 

O O 



D 



o o 
o 



UO o 

o 
o o 



D 



o o 
o 



38 Buhl, 

Gegenden sein mag^). Offenbar ist nämlich diese Ornamentik 
mit ihren Halbkiigeln nnd Leisten eine Imitation von hölzernen 
Thüren mit Leisten und Nagelbeschlag und kann folglich nur 
von Künstlern erfunden sein, die solche Thüren gut kannten, 
also wahrscheinlich von fremden, in den Hauran eingewander- 
ten Künstlern. Ausserdem ist noch daran zu erinnern, dass ganz 
dieselbe Ornamentik sich auch weit nördlicher in Syrien findet, 
z. B. in Häss und Der Sanbil, östlich von Ladakije, s. deVogüe, 
Syrie centrale, architecture civile et religieuse, PI. 71. 81. 83. 
Also ist sie wohl ebenso wenig alterthümlich wie specifisch 
hauranitisch. Dass man sie östlich vom Jordan an Thüren vor 
Höhlenwohnungen angewendet findet, beweist wohl nur, dass 
man die Steinthüren solcher Höhlen später damit verziert hat. 

Zu Bd. XL 241 ff., Xn, 145 ff. Da es in der Wissenschaft 
nicht selten vorkommt, dass eine Hypothese, die von sehr be- 
deutenden Forschern vertreten wird, durch die Autorität ihrer 
Vertreter nach und nach den Character einer sicheren Thatsache 
annimmt, deren Acten als geschlossen zu betrachten sind, muss 
man gewiss Herrn van Kasteken dafür dankbar sein, dass er 
die Hypothese von der nördlichen Lage Tarichäas einer scharfen 
Kritik unterzogen, die jedenfalls das noch recht Hypothetische 
dieser Hypothese aufgedeckt hat. Nicht am wenigstens dankbar ist 
derjenige, der, wie Schreiber dieser Zeilen, immer noch die Lage 
Tarichäa's an der Südwestecke des Sees als die wahrscheinlichere 
betrachten muss. Ohne mich in die Behandlung dieser ganzen 
topographischen Frage einzulassen, erlaube ich mir ein paar ein- 
zelne Punkte derselben nochmals zu berühren. Mit Recht hat 
VAX Kasteren auf einen Zug in Josephus' Darstellung von dem 
Marsche Vespasians von Bethsean nach Tiberias aufmerksam ge- 
macht, der sehr glaubwürdig klingt, und den man früher nicht 
hinlänglich beachtet hatte. Nach Josephus (Hell. III. 9, 7) 
schlug A'espasian sein Lager 30 Stadien von Tiberias auf, sOauvoTTrov 



1) Vgl. die interessante Stelle 1 Makk. 5, 47 : die Bewohner der Stadt 
Efron verschlossen ihre Thore gegen Judas und seine Krieger »mittelst 
Steinen". Efron, das deutlich in einem Engpasse in den östlichen lland- 
bergen des Ghor, ungefälir Bethsean gegenüber, zu suchen ist, hat AVetzsteix 
wohl richtig mit hehräs an der Nordwestecke der liandschaft liefTiräl südlich 
vom Jarmuk zusammengestellt (s. das batanäische Giebelgebirge 1884, 27). 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 39 

-ou Vi«)-cpi^öU3i an einem aTa.\}\i6c. dessen Name Sennabris war. 
Wenn van Kasteren hier die v£a)T£pi!Iovt£; von den Tarichäern 
verstehen will, so ist das, wie ich glaube, eine durch den klaren 
Zusammenhang der Erzählung vollständig ausgeschlossene An- 
nahme. Aber gerade die durch den Context geforderte Beziehung 
auf das aufrührerischen Tiberienser ist der beste Beweis dafür, 
dass man das hier erwälmte Sennabris nicht an der Südwestecke 
des Sees suchen darf, woraus weiter folgt, dass die aus dem Auf- 
schlagen des römischen Lagers an dieser Stelle gefolgerten 
Schlüsse gegen Tarichäa's Lage südlich von Tiberias entkräftet 
werden. Von Tiberias aus ist nämlich die Südwestecke des Sees 
wegen der hervortretenden Berge südlich von den heissen Bädern 
ganz unsichtbar, wovon auch diejenigen sich überzeugen können, 
die den See nicht besucht haben, wenn sie die Photographie von 
Bonfils No. 109 (Vue generale de Tiberiade prise de la forteresse) 
betrachten. Da es nun nicht wahrscheinlich ist, dass zwei 
Ortlichkeiten so nahe aneinander beide den Namen Sennabris ge- 
tragen haben, scheint man einen Irrthum in Josephus' Namens- 
augabe annehmen zu müssen. Indessen verhält es sich mög- 
licherweise auf eine andere und einfachere Weise. Josephus 
gebraucht in der angeführten Erzählung das Wort oTaöfxoc. das 
imgefähr dasselbe bedeuten kann wie jetzt das W^ort »Chan«. 
Da es nun nicht selten vorkommt, dass ein nach einem Dorfe 
oder Städtchen benannter Chan ziemlich weit entfernt von diesem 
liegt, nämlich wenn die Hauptstrasse das betreffende Städtchen 
nicht berührt — man denke z. B. an c/iä?i j'ebnä ziemlich weit 
südlich von j'ebfiä (Jamnia) in der judäischen Küstenebene, oder 
an chäti lubhän südlich von Näbulus — so macht die Annahme 
gewiss keine grosse Schwierigkeit, dass es dazumal auf den west- 
lichen Randbergen des Sees, wahrscheinlich an einer Haupt- 
strasse, einen Chan Sennabris gegeben habe, und dass gerade 
dieser an der oben erwähnten Stelle in Josephus' Bericht gemeint 
sei. Sennabris an der Südweststrecke des Sees nennt er dagegen 
eine y.iojxr,. 

Was die Ammausfrage betrifft, die für die Feststellung der 
Lage Tarichäa's von Bedeutung ist, scheint mir 'gegen Ftkrek 
Bd. XII, 14 7) so viel sicher, dass das Hamata des palästinen- 
sischen Talmuds (Neubauer 207) nicht im icüdi "ammas gesucht 
werden darf. Da nämlich die Berge nördlich von der tiberiensi- 



40 Buhl, 

sehen Straiidebene sehr nahe ans Wasser treten, kann eine im 
loädi ^ammas liegende Ürtlichkeit sicher nicht mit Tiberias eine 
Stadt gebildet haben, wie es im Talmud von Hamata gesagt wird; 
nicht einmal für eine einzige Strasse wäre hier Platz genug. Das 
talmudische Hamata kann allein mit den berühmten Bädern 
südlich von der Stadt zusammengestellt werden, wie ja auch die 
Stiandebene zwischen Tiberias und diesen Quellen viele Spuren 
von alten Gebäuden zeigt. Wenn nun Josephus (Arch. XVHI. 
2, 3) von den »Thermen unweit Tiberias« spricht und sie offen- 
bar als eine Merkwürdigkeit betrachtet, die der Stadt ihre beson- 
dere Bedeutung gab, so sind ohne Zweifel darunter dieselben 
berühmten Bäder zu verstehen, die an Wasserfülle diejenigen im 
ivädi 'ammäs bei weitem übertreffen. Man wendet zwar ein^i, 
dass Josephus an andern Stellen von den jiThermen in Tiberias« 
spricht, worunter die südlichen Quellen zu verstehen sein sollen. 
Aber hat dieser Gegenbeweis wirklich die Bedeutung, die man 
ihm beilegt? An zwei Stellen (Vita 16. Bell. II. 21, 6; erzählt 
Josephus, dass Johannes eine Krankheit als Vorwand benutzte 
und ihn um Erlaubniss bat, die iheissen Quellen in Tiberias« zu 
gebrauchen. Darf man wirklich hier, wo die genauere Ortsan- 
gabe ganz gleichgültig war, die Präposition so sehr pressen, dass 
nothwendig eine andere Ürtlichkeit gemeint sein muss als die 
Arch. XVHI. 2, 3 erwähnte, wo doch von denjenigen Quellen 
die Rede ist, die durch ihre Heilkraft Tiberias berühmt machten? 
Waren die Qellen im wädi 'ammäs damals als heilkräftig bekannt, 
warum liess Josephus denn nicht den immerhin verdächtigen 
Mann diese Bäder benutzen, wodurch er ganz ausserhalb der 
Stadt geblieben wäre? Dazu kommt, dass die doppelte Ausdrucks- 
Aveise nach der Lage der Quellen sehr erklärlich ist. »In« der Stadt 
selbst, im strengen Sinne des Wortes, lagen die südlichen Quellen 
nicht; das wissen wir jetzt bestimmt, nachdem Schumacher die 
alte Stadtmauer von Tiberias aufgedeckt hat-^j . Also ist der Aus- 
druck »Thermen unweit Tiberias« vollständig correct. Andrerseits 



1) Üiii.MANN, Die P'ortschritte dtr Ortskunde von Palästina I, 12. 

2) S. The Athenaeum 1887, IG. April p. 517a : «at its (the walls) South- 
west Corner there rises a lofty hillock, five hundred feet in height . . . The 
ancient wall of Tiberias ran up, and was connected with a streng wall round 
this hill". 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 4 1 

war gewiss die kurze Strecke zwischen Tiberias und den südlichen 
Bädern, Avie aus den noch vorhandenen Trümmerresten und 
der oben erwähnten Mittheilung im paläst. Talmud hervorgeht, 
mit allerlei Gebäuden, Villen, Säulengängen u. s. w. bedeckt, 
so dass JosEPHUS in dem kurzen historischen Bericht dieselben 
Quellen als »in« Tiberias im weiteren Sinne) gelegen bezeichnen 
konnte. Gar zu leicht darf man es wohl auch nicht mit Josephus' 
Übersetzung von Ammaus durch Ospixa Bell. IV. 1, 3) nehmen: 
höchstens könnte eine Namensverwechselung von nAmmaus« mit 
dem richtigeren »Hamat« vorliegen. 

Dass endlich Josephus (Bell. IV. 8, 2) die grosse .Jordan- 
ebene bei Sennabris und nicht bei Tarichäa beginnen lässt, was 
man auch als Instanz gegen die Lage Tarichäa's an der Südwest- 
ecke anführt, Avird völlig paralysirt dadurch, dass der Talmud 
(Neubauer 215) den Jordan seinen Namen «Jordan« bekommen 
lässt »unterhalb Betirach«, worin kein Mensch einen Beweis 
gegen die vom Talmud selbst bezeugte Lage von Sennabris neben 
Betirach finden wird. Lag Tarichäa an der Südwestecke des Sees, 
so wird es ja eben mit Betirach zu identificiren sein. 

Die einzige wirkliche Schwierigkeit bieten die von Josephus 
erwähnten, unglücklichen Bogenschützen auf dem Berge (Bell. 
III. 10, 3), deren Aufgabe bei Kerak allerdings sehr dunkel ist; 
aber ich finde es nicht berechtigt, wegen dieser einen Angabe 
ein sonst recht sicheres Resultat umzustürzen, wenn sie auch den 
modernen Vertheidigern der südlichen Lage Tarichäa's nicht 
weniger beschwerlich sind, als sie es nach Josephus und nach 
Titus' Schlachtplan den Vertheidigern des alten Tarichäa's sein 
sollten . 

Zu Bd. XII. 151. An dieser Stelle macht Furrer mit Recht 
auf die Bereicherungen aufmerksam, welche die historische Palä- 
stinakunde Schumacher's Karten von Dschölän und West-Haurän 
verdankt. Unter anderen bespricht er den wichtigen Bericht 
1 Makk. 5, 26 ff. von Judas Makkabäus' Zuge im Ostjordanlande. 
Dass bei diesem Zuge an den südlichen Haurän und Dschölän 
zu denken ist, ist jetzt nicht mehr zweifelhaft, wie es noch war, 
als Grimm seinen vortrefflichen Conimentar schrieb. Nur zi 
zwei Identificirungen Furrer's möchte ich mir ein bescheidenes 
Fragezeichen erlauben. Bosor stellt Furrer mit baslr westlich 
der Ledschä zusammen. Indessen dürfte diese Stadt doch etwas 



42 Buhl, 

zu Aveit nördlich liegen. Wäre es nicht sicherer, an biisr el-harirl 
zu denken, das südlicher liegt i Der zweite Theil el-harlrt ist 
späterer Zusatz, einem benachbarten Dorfe entnommen, wie auch 
Jäküt (Geographisches Wörterbuch ed. Wüstenfeld I, (321) nur 
husr schreibt. Unsicher würde die Identification nur werden, 
falls NÖLDEKE in seiner Bearbeitung der interessanten mono- 
physitischen Urkunde aus dem 6. Jahrhunderte (ZDMG XXIX, 
435) Recht haben sollte, wenn er das syrische \iij]i.iDQO als den 
ursprünglichen Namen der Stadt zu betrachten. 

Entschiedener muss wohl Furrer's Zusammenstellung von 
Alema mit kafr el-mä im Dschölän, W. vom nähr er-ruhhüd^ be- 
anstandet Averden, weil dieser letztere Name ein zu arabisches 
Gepräge hat (»Wasserdorfcf vgl. ZDPY. IX, IS 3); selbst die volks- 
thümliche Betonung hefrehna (ebend. 336) scheint mir eine zu 
schwache Stütze der Combination zu sein. Dagegen findet sich 
im mittleren Ilaurän, südAvestlich von husr el-harxri^ eine Stadt 
"ilmä (Wetzstein ZDPV. XII, 287; bei Robinson, Pal. III, 904 
Uic), in der erwähnten syrischen Urkunde Av>Xv (ZDMG XXIX. 
432), die dem Namen und der Lage nach sehr gut passt. 

Zu den von Judas eroberten Städten gehörte auch Karnain. 
Ich glaube in Betreff dieser Stadt den Lesern dieser Zeitschrift 
einen Dienst zu eiAveisen, wenn ich sie auf eine Bemerkung 
Kuenen's aufmerksam mache, die einigen von ihnen vielleicht 
unbekannt geblieben ist'). Bekanntlich ist Gen. 14, 5 von einer 
Stadt Aschterot-Karnaim die Rede, jedenfalls im masoretischen 
Texte. Kuenbn erinnert indessen daran, dass LXX (Cod. Yat. 
und einzelne andere Handschriften) 'Aarapioi) xat Kapvatv haben, 
welche Lesart in dem sonstigen Sprachgebrauch eine Avesentliche 
Stütze findet. Im A. T. ist nämlich sonst nur von einer Stadt 
''aschtüröt (oder he eschtenv) die Rede, während wir im Makka- 
bäerbuche nur die Form Karnain treffen. Hiernach werden <lie 
zwei Städte von einander zu trennen sein. Was ihre Lage betrifft, 
so spricht wohl nichts gegen die gewöhnliche Zusaramenstelhnig 
von ^aschtäröt mit teil '^ aschtere im westlichen Ilaurän 2) . Dagegen 



1) Sie steht in Verslagen en Mededeelingen der Koninglijke Akademie 
III, 5. 1888, S. 183. 

2) S. Schumacher, Across the Jordan 200. 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 43 

ist die Lage von Karnaim noch nnsicher. Aus 1 Makk. 5, 39 fF. 
geht hervor, dass sie nicht weit von einem tiefen , schwer zu pas- 
sirenden Wadi lag, also wahrscheinlich im südlichen Theile vom 
Dschölän. Wetzstein i) identificirt es mit Capitolias und sucht 
es in der Südwestecke von Dschedür, östlich vom tvädi hlt — leider 
aber ohne eingehendere Gründe für diese Vermuthung zu geben. 
Der Name Astharoth Karnaim im Onomastikon (vgl. ZDPV. XII, 
235) wird wohl einfach der nach dem Hebräischen corrigirten 
Septuaginta sein Dasein verdanken. 

1) In Delitzsch, Das Buch Job ^ 567. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte Yon Palästina. 

Von Dr. Hans Fischer in Leipzig. 

Die geographische und speciell die topographische Erfor- 
schung Palästin a's hat in den letzten Jahrzehnten ausserordent- 
liche Fortschritte gemacht. Dieselben sind aber kartographisch 
noch nicht in der Weise verwerthet worden, wie dies der heutige 
Standpunkt der Geographie verlangt. Die vorliegende neue 
Handkarte von Palästina im Massstabe von 1 : 700 000 (s. Tafel II) 
soll diesem Mangel abhelfen, und wir betrachteten es als unsere 
Hauptaufgabe, die orohydrographischen Verhältnisse dieses Ge- 
bietes möglichst klar und richtig zur Anschauung zu bringen. Die 
Nomenklatur und besonders die historischen Namen rühren von 
Professor H. Guthe her, dem ich zugleich für seine sonstige 
vielfache und rege Unterstützung bei meiner Arbeit hiermit mei- 
nen verbindlichsten Dank ausspreche ^j . 

Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die Entwicklung der 
geographischen Kenntniss Palästina' s und seiner Nachbargebiete 
genauer zu verfolgen. Für einen nicht unbeträchtlichen Theil 
der Karte haben wir unlängst einen derartigen Versuch gemacht, 
und es braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, dass die in 
den letzten Tagen vollendete Karte Dr. Stübel's vom Haurän^) 
als ein höchst willkommener lieitrag für die vorliegende Arbeit 
verwerthet wurde. 

Die Hälfte des ganzen hier in lietracht kommenden Gebietes 
ist topographisch aufgenommen, und zwar zum grössten Theile 

1) Die Schreibung der Namen in diesem Aufsatze schliesst sich selbst- 
verständlich genau an die Karte an. Sie stimmt mit der in ZDPV. üblichen 
überein, ausser dass für yh (t) r gesetzt und in Kücksicht auf die Gewöhnung 
unserer Augen grosse Anfangsbuchstaljen verwendet worden sind. GuTHE. 

2) S. ZDPV. XII fl889), Heft 4. 



Begleit Worte zur Neuen Handkarte von Palästina. 45 

mit ausreichender Sorgfalt. Da nun derartige Vermessungen und 
Aufnahmen die Forschung zum Abschluss bringen und für alle 
früheren Arbeiten nur noch historisches Interesse übrig lassen, 
so wollen wir uns weiter unten darauf beschränken, die Erfor- 
schung der nicht aufgenommenen Gebiete historisch zu ver- 
folgen. 

Das bei Weitem wichtigste Material zur vorliegenden Karte 
bot die grosse Aufnahme des Westjordanlandes durch die eng- 
lische Palästina-Gesellschaft, welche 1880 in dem grossen Mass- 
stabe von 1:63360 in 26 Blättern veröffentlicht wurde und 
vom Nähr el^Käsimlje im Norden bis zum Wädi es-Seba und 
TVädi es-SeJäl im Süden reicht. Dieselbe Genaviigkeit und die- 
selbe Schönheit der Ausführung können wir natürlich von ihr 
nicht erwarten wie von den topographischen Kartenwerken unserer 
europäischen Generalstabsbüreaux, und was die Terraindarstellung 
anlangt, so beruht sie nicht auf Isohypsen, mit deren Hilfe man 
sich allein ein genaues Bild vom Relief der Erdoberfläche machen 
kann; dass die Grenze der Jordan-Depression nicht aufgenommen 
wurde, müssen wir geradezu als einen Mangel beklagen. Die 
meist recht zahlreich eingetragenen Höhenzahlen lassen uns 
allerdings diese Unvollkommenheit weniger empfinden, und wir 
glauben auf Grund derselben das Bild annähernd richtig gestaltet 
zu haben. Ob die Stufen, die Saunders auf seiner Reduction der 
grossen Karte hervortreten lässt, der Wirklichkeit durchweg ent- 
sprechen, erschien sehr zweifelhaft ; giebt er doch selbst zu, dass 
stellenweise ihr Verlauf wegen Mangels an Höhenmessungen 
noch nicht mit genügender Sicherheit zu bestimmen sei^). Die 
Unterscheidung endlich von perennirenden und periodischen 
Gewässern beruht auch nicht durchweg auf ausreichenden Be- 
obachtungen; denn wie aus den der Aufnahme beigegebenen 
Memoirs hervorgeht, sind manche Flüsse nur einige wenige Male 
besucht worden 2). 

Wie bekannt, nahm Capt. Conder die Aufnahme des Ost- 
jordanlandes im Jahre 1881 in Angriff; da der türkische Gouver- 



1) Trelawney Saunders, An introduction to the survey of Western 
Palestine (1881) S. 197. 

2) So z. B. Wädi el-Blre, der nach Memoirs II, 80 »wahrscheinlich« ein 
perennirender Fluss ist. 



46 Hans Fischer, 

neur von es-Salt dieselbe aber nach wenigen Monaten suspendirte 
und an eine Fortsetzung in nächster Zeit wohl nicht zu denken 
ist, gab der Palestine Exploration Fund die Karte des bisher 
aufgenommenen Gebietes im Jahre 1889 heraus i). Dieselbe 
giebt die Gegend zwischen Wäcli esch-schdtb ^ Mähas^ Adschhehät^ 
dem WZuli el-Hammüm und WcuU ^ Amman (bis zur Einmündung 
des Wäcli el-Kittär] im Norden und Wädi el-Habls und Wädi 
ZerJfci Ma In im Süden wieder, reicht im Westen bis zum Jordan 
und dem todten Meere, im Osten bis es-Sämik und Reis el-Mu- 
scherfe und enthält noch einzelne Positionen, wie Dschehel 
Öscha , Mesclntä, KaVatZizci und Dschehel Dschelül. Die Höhen- 
zahlen müssen uns auch bei dieser Karte über die verständniss- 
lose Wiedergabe des Terrains hiuAveghelfen . Auch hier sind die 
periodischen Flussläufe von den Wädis unterschieden. 

Die übrigen Aufnahmen im eigentlichen Palästina verdanken 
wir dem Ingenieur G. Schumacher in Haifa, welcher 1885 den 
Dschvlän und westlichen Haurän aufnahm; im Sommer des 
darauffolgenden Jahres setzte er in erwünschtester Weise die 
englische Aufnahme über llazze nach Südwesten bis zum Rande 
der Wüste fort'^) und arbeitete in demselben Jahre 1886 in 
gleicher Weise im nördlichen ^Adschlün. Die noch nicht ver- 
öffentlichte Karte dieser letzten Aufnahme, welche im Süden bis 
Tibne, im Osten bis Satnar, SemU, Bet er-Räs und Irbid reicht, 
ohne jedoch im Westen das JRdr einznschliessen , konnte im 
Manuscript für unsere Zwecke verwerthet werden. 

Im Norden fällt die Hälfte des Libanon- und Antilibanus- 
Gebietes in den Rahmen unserer Karte. Hier kamen zunächst 
die Arbeiten Mansell's in Betracht, welcher 1859 — Ol die syri- 
sche Küste und das Gebiet östlich bis zum Nähr el-Llfäm auf- 
nahm; darüber hinaus bestimmte er noch mehrere Positionen, 
so Ba albek, Damaskus und den Gipfel des Ilermon-'). Nicht 
minder wichtig erscheint die topographische Karte, welche das 
französische Expeditionscorps 18G0 — Gl aufnahm. Über die Art 

1) Portion of Eastern Palestine, surveyed by Capt. CoNDER and Lieut. 
Mantell in 1881. Massstab 1 : 166,433. 

2) Quart. Statement Pal. Expl. Fund for 1886, S. 171 ft'. 

3) Coast of Syria, Sheet 2: Markhab to Käs en-Näkfira, 1860 (No. 2633) 
und Sheet 3: Ras en-Näküra to el-'Arisch, 1862 (No. 2634). Diese beiden 
Blätter wurden auch bei der Zeichnung der Küstenlinie Palästinas benützt. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 47 

und Weise dieser Vermessungen sowie über die Art der Höhen-^ 
messungen wissen wir freilich nichts, und in der Küstengegend 
ist ihre Übereinstimmung mit den englischen Seekarten nicht 
überall befriedigend ; das Innere aber gibt sie detaillirter und 
offenbar genauer als jene und hat den Vorzug, im Osten bis zum 
Kücken des Hermon und Antilibanus zu reichen und das Thal 
des Nähr Baradci bis Damaskus einzuschliessen i). Die vorliegende 
Karte gibt nun die hauptsächlichsten Positionen nach Mansell, 
und mit Berücksichtigung dieser sowie der Endpunkte ('er 
grossen Survey [Katat esch - Schaklf , el-Chij'äm und Bänijäs) 
wurde das Detail der französischen Karte entlehnt. Die Höhen- 
angaben beruhen meist auf Mansell, so auch die für den Her- 
mon ; ausserdem verdanken wir Dr. Diener eine ganze Reihe 
von Messungen, die für den eigentlichen Antilibanus von be- 
sonderer Wichtigkeit sind. Die Darstellung dieses Gebirges mit 
seinen Terrassen, die etwa von dem Derb es-Sultam an als Ketten 
nach Nordosten sich fortsetzen und in Virgation allmählich 
auseinander treten, beruht fast ausschliesslich auf Diener's 
Forschungen - 1 . 

Die Wasserscheide in der Bika scheint noch nicht endgiltig 
festgestellt; wir geben sie hier nach Bürtox und Drake, die die 
Quellen des Nähr el-Llfüm und Nähr el-'Äst circa 6 englische 
Meilen fast genau westlich von Ba alhek und nur eine kleine 
englische Meile von einander entfernt ansetzen 3] . 

Wenden Avir uns nun nach Süden, um die geographische 
Erforschung des Ostjordanlandes und der Umgebung 
des Todten Meeres zu verfolgen. Die erste Kunde von diesen 



Ij Carte du Liban d'apres les reconnaissances de la brigade topographi- 
que du Corps expeditionnaire de Syrie en 1S60 — 61, 1 : 200 000. Wilson und 
Anderson fanden diese Karte sehr correct, aber ihre eigenen Positionen 
näherten sich mehr denen der MAN>;ELL'schen Seekarten; die beiden eng- 
lischen Offiziere sagen, sie sei sehr sorgfältig gemacht, und soweit sie sehen 
könnten, sei die Gegend gründlich erforscht und kein Zug übersehen worden 
(Quart. Statements, Heft 1 u. 2, S. 25). 

2) Mitth. d. Geogr. Gesellsch. in Wien, XXIX (1886) S. 1 ff. Mit Karte. 
S. auch Diener, Libanon, Wien 1886. 

3) BuRTON and Drake, Unexplored Syria, Bd. I, S. 41. Nach der Carte 
du I-iban und früheren Reisenden, wie Seetzen und Robinson, würde sie 
nördlicher zu liegen kommen. 



48 Hans Fischer, 

Gebieten in neuerer Zeit erlangte vor hundert Jahren Volney, 
welchem die Araber von Bakir und die Leute in Razze, die nach 
Maän und el-Kerak gehen, erzählten, dass im Südosten des 
Todten Meeres in einem Räume von drei Tagereisen über dreissig 
ruinirte und jetzt ganz verlassene Städte seien, und dass die 
Araber sie wegen der dort hausenden Scorpione fast ganz meiden. 
VoLNEY beschreibt auch zuerst die Gegend südlich von Bazze, 
wie die Cultur dort gegen die Wüste hin endigt, wie die Winter- 
wasser und einige Ih'unnen eine Anzahl Bauern zur Niederlassung 
und zur Cultivirung von Palmen und Durra veranlassen, wie 
diese in beständiger Angst vor den Beduinen leben und sich nach 
der Ernte in den Felsen am Südende des Todten Meeres ver- 
bergen. Das Land sei noch von keinem Reisenden besucht, aber 
des Besuches werth ^). 

Die Erforschung dieser Gebiete wurde durch Seetzen ein- 
geleitet. Derselbe gelangte im Jahre 1S06 von Damaskus aus 
nach dem '^Adschltm, Dscherasc/i, es-Salt, '^ Amman und drang von 
da über Hesbän^ Dlhün und Bahba nach el-Kerak vor. Über el- 
Cha7is'ire wandte er sich direct in das Ror hinab, umzog den süd- 
lichsten Theil des Todten Meeres und gelangte über den Doppel- 
pass von ez-Zuivera nach Hebron und Jerusalem, Seine zweite 
Reise führte ihn 1807 von der Jordanfurth bei Jericho nach 
Callirrhoö (den heissen Quellen im Thale des Zerkä Main), 
auf den Dschebel 'Affärüs und nach der Mündung des Wüdi el- 
Kerak. von wo er abermals um das Südende des Todten Meeres 
nach Jerusalem zurückkehrte, um von da über Hebron und Kur- 
mib den Dschebel Madera zu besuchen und endlich von Beerseba 
über die Ruinen von Abde nach dem Sinai zu reisen 2) . 

Dieselben Gegenden wurden wenige Jahre später von Burgk- 
HARDT wieder bereist. Im Jahr 1812 besuchte dieser von el-Mu- 
zertb aus er-Re7nle, gelangte von da über den Dschebel Kafkafä 
nach ST(f und Dscherascli und kehrte durch den ' AdschlTm über 
Ii'bid zurück. Noch in demselben Jahre unternahm er seine 
zweite Reise, die ihn von der Jordanfurth bei Besün durch das 
Rör zunächst nach cs-Salf und ' Amman führte. Über Hesbün 



1) VoLXEY, Voyage en Syrie et en Egypte 1783—85, Bd. II, S. 307. 

2) Seetzen's Reisen durch Syrien, Palästina etc., hrsgeg. von Kruse, 
4 Bände, 1854—59. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 49 

und ^Arair gelangte er als der Zweite nach el-Kerak und el- 
Chatis'ire und drang über Ime nach Süden vor, wobei es ihm ge- 
lang, Petra, von dem bereits Seetzen gehört, zu entdecken i) . 

Da Seetzex. dem es bekanntlich leider nicht vergönnt w'ar, 
seine Tagebücher selbst herauszugeben, die "Araha nicht be- 
schrieben hat. obwohl er sie doch gesehen haben muss, so fällt 
der Ruhm, dieses grosse, die Jordanspalte nach Süden bis zum 
Rothen Meere fortsetzende Thal wiederentdeckt zu haben, auf 
BuRCKHARDT. Die erste Beschreibung der 'Araba hat aber Carl 
Ritter geliefert und zwar allein auf Grund der Nachricht des 
Abulfida2). 

Im Jahre 1816 reiste Buckingham von der Jordanfurth bei 
Jericho nach Dscherasch und Mukes ; einen zweiten Vorstoss in 
das Ostjordanland unternahm er von Nazareth aus, indem er zu- 
nächst nach eS'Salf und '^Am7ncm reiste. Von hier drang er in 
südlicher Richtung bis Vmm el-Wel'id. el-Herri und ümm er- 
Hams vor und durchzog auf der Rückreise das ganze Ostjordan- 
land der Länge nach bis el-BIuzeinh'^). 

Bald darnach, im Jahre 1818, reisten Irby und Mangles mit 
Lech und Bankes von Jerusalem über Hebron nach dem Rör 
es-Säßj'e und stiegen nach el-KeraJc hinauf. Von hier drangen sie 
über den Wädi el-Hasä nach esch-Schöhek und Petra vor. Nach 
el-Kerak zurückgekehrt, wandten sie sich nördlich und über- 
zeugten sich, dass das Todte Meer bisher viel zu lang auf den 
Karten dargestellt wurde ; sie besuchten Main., Callirrhoe und 
Umm er-Bams und kehrten über Hesbän, '^Aräk el-Ermr. es-Salt, 
Amman und Bscherasch nach "^ Akkci zurück 4). Eine ganz ähn- 
liche Reise machte kurz darauf John Hyde, jedoch ein Tlieil 
seines Tagebuches, welchen er Henniker geliehen hatte, ging 



Ij Bubckhardt's Reisen in Syrien, Palästina etc., Weimar 1823 u. 1824 
2, S. seine Erdkunde Th. II, S. 218, Berlin 1818; Burckhardt's Be- 
schreibung wurde erst 1819 bekannt, (Nach RoBlNSOX, Palästina, Bd. III, 
S. 161,. 

3) Buckingham's Reisen durch Syrien u. Palästina, "Weimar 1827. 

4) Legh's Berichte machen das 4. Capitel von Macmich.\el, Journey 
from Moscou to Constantinople, London 1819, aus. Das Werk von Irby 
and M.\NGLES, Travels in Egypt and Nubia, Syria and Asia Minor during 
the years 1817 and 1818, London 1822, ist leider höchst selten. 

Ztschr. a. Pa!.-Ver. XUI. 4 



50 Hans Fischer, 

auf des Letzteren unglücklicher Fahrt nach Jericho verloren ^) . 
Während es Hexniker 1S21 geglückt war, die noch nicht be- 
kannte Route vom Sinai nach JRazze zurückzulegen, musste 
Berggren seinen Plan, von Jericho aus die Ostjordanländer zu 
bereisen, leider aufgeben, da er keine Führer bekommen konnte. 
1833 gelangte Catherwood als der zweite vom Sinai nach Razze, 
Im Jahre 1S37 reisten v. Schubert und J. Eoth von Petra 
nach Hebron und machten die überraschende, allen bisherigen 
Reisenden völlig entgangene Wahrnehmuug, dass das Niveau des 
Todten Meeres weit unter dem des Mittelländischen Meeres liegt. 
Während sie bereits im TVädi el-Fikra — 5 Pariser Fuss ge- 
messen hatten, fanden sie, dass der Spiegel des Todten Meeres 
wenigstens 598.5 Par. Fuss unter dem Meeresniveau gelegen 
sei; für die Messung noch bedeutenderer Depressionen reichte ihr 
Instrument nicht aus. Freunde v. Schubert's veröffentlichten 
diese Entdeckung in der Allgemeinen Zeitung, und bald fand 
dieselbe öffentliche Bestätigungen- . Zuerst durch Moore und 
Beke, die im März 1837 ein Boot von Jäfä zum Todten Meere 
brachten, einen grossen Theil von dessen Küsten aufnahmen, 
seine Breite und Tiefe massen und durch Beobachtung des Siede- 
punktes des Wassers fanden, dass der Seespiegel ca. 500 eng- 
lische Fuss unter dem Mittelmeer liege ^j . - Genauere Resultate 
erlangten bald darnach Russegger ( — 1341 Par. Fuss)"*) und 
Symond's ( — 1313 Par. Fuss). Nur wenige Monate, nachdem 
Russegger den Weg vom Sinai nach Hebron zurückgelegt hatte, 
reiste E. Robixsox i^im Frühjahre 1838) von " Akaha über das 
westlich vom Wcidi el-Araba gelegene Plateau nach Hebron; 
die Routen beider Reisenden fallen, soweit sie hier in Betracht 
kommen, zusammen. In demselben Jahre unternahm Robinsok 
eine Excursion nach Petra, die ihn von Hebron zunächst nach 



1) Berggrex, Reisen im Morgenlande, Ed. III, S. lü'J. 

2) V. ScHUHERT, Reise ins Morgenland, Bd. III, S. 87. Diesen beiden 
Reisenden fällt wohl zweifellos die Priorität dieser wichtigen Entdeckung zu. 
Derselben Ansicht ist HuLL in seinem Memoir on the phys. Geology and 
Geography of Arabia Petraea, Palestine etc., 1886, S. 12. 

3) Journal of the Royal Geogr. Soc, Bd. VII (1837), S. 45Ü. Ausführ- 
licheres über die Beschittungen des Todten Meeres s. RlTTEK, Erdkunde 
Bd. XV A, S. 698 ff. Costigan's Fahrt 1835 blieb ohne jeden Gewinn. 

4) Russegger, Reisen in Europa, Afrika und Asien, 3. Bd. 1S47. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 51 

deiir-Südende des Todten Meeres und dann den Wädi ed-BscMh 
hinauf führte ; den Rückweg nahm er etwas westlicher über den 
Nakh es-Sufej. Seine Reisen sind durch die Festlegung und 
meisterhafte Beschreibung der Routen von hervorragender Be- 
deutung 1) . Gleichzeitig hatte de Bertou als der Erste die " Ar aha 
in ihrer ganzen Länge durchzogen ; im Übrigen ist, wie Robin- 
son 2) gezeigt hat, diese Reise ohne grössere Bedeutung 3). Über 
seine Reise in Ammon und Moab Avissen wir nichts, und auch 
von Layard, welcher 1839 in Moab war, den Haddschbei KaTat 
Zizä erreichte und bis el-Kerak gelangte, ist, wie es scheint, 
etwas Weiteres nicht bekannt geworden. Der Weg von Petra über 
den Nakh es-Sufej nach Kurnuh wurde später auch vom Lord 
LiNDSAY ziirückgelegt : derselbe besuchte auch ''Adschlün, Mukes, 
Malkä, Irhid, Dscherasch, "Amman. es-Salt^ Burma^). 

Nach einem längeren Stillstande in der Forschung war man 
besonders bemüht, genauere Kenntniss vom Todten Meere zu 
erlangen. Molyneux befuhr 1847 den See und mass einige 
Tiefen^]. Dann sehen wir im Jahre 184S zum ersten Male eine 
Expedition auf dem Schauplatze erscheinen, die vermöge ihrer 
trefflichen Ausrüstung unsere Kenntnisse in grossartiger Weise 
bereicherte. Die amerikanische Aufnahme des Jordanlaufes und 
des Todten Meeres, sowie dessen Auslothung unter Lieut. Lynch 
1848 bezeichnen den Beginn einer neuen Epoche. Daran schlössen 
sich Excursionen nach dem 1842 von Wolcott und Tipping ent- 
deckten Sehhe (Masada) und nach el-Kerak ^) . 

Im Jahre 1850 besuchte de Saulcy den Salzberg am Süd- 
ende des Todten Meeres, Avelches er umwanderte, und stieg nach 
Bet el-Karm und el-Kerak hinauf'). 



1) RoBixsoN, Palästina und die südlich angrenzenden Länder, ßd. I, 
S. 285 ff. : Von "Akabu nach Jerusalem ; Bd. III, S. 1 ff. : Von Hebron nach 
Wädi Müsü und zurück. Mit Karten von H. Kiepert. 

2) a. a. O. Bd. III, S. 767 ff. 

3) De Bertou's Reisebericht im Bull, de la Soc. de Geogr. Paris 1839 
und im Journal of the Roy. Geogr. Soc. London IX (1839), S. 277 ff. 

4) LixDSAY, Letters on Egypt, Edom and the Holy Land, 5th ed. 18-58. 

5) Journal of the Roy. Geogr. Soc. of London, Bd. XVIII, S. 126 ft'. 

6) Lynch, Official Report of the United States' Expedition to exi^lore 
the Dead Sea and the River Jordan, Baltimore 1852. 

7) De Satjlcy, Voyage autour de la Mer Morte, 2 Bde., Par. 1 853. M. Atlas. 



52 Hans Fischer, 

Einen kurzen Ausflug in das Ostjordanland machte 1852 
E. Robinson mit van de Velde, und zwar nach den Ruinen von 
Kurkume und TahakM Fähil (dem alten Pella) i). 

Es folgen nun die beiden Reisen Professor Roth's, des 
früheren Reisegefährten v. Schubert's. 1857 ging er zunächst 
über den Doppelpass von ez-Zutvera nach dem Südende des 
Todten Meeres und führte von da durch den IVädi ed-Dscheb 
eine erfolgreiche Reise über Petra nach "Akaha aus; den Rück- 
weg nahm er über den /So/ä-Pass bei Kurnuh. Im darauffolgen- 
den Jahre gelangte Roth über den Dschebel Usdmn wiederum 
in's TiÖTj um von da über es-Säßje und durch den Wädi el-Kerak 
nach el-Kerak hinaufzusteigen. Von hier aus drang er in süd- 
licher Richtung bis et-Taflle vor und kehrte über '^Ime direct 
nach dem Ilor es-Safije zurück ^j . 

Zu Anfang des Jahres 1858 hatte G. Rey vom Rör es-Sesa- 
bäti aus es-Salt und Dscherasch besucht, war dann an der Ost- 
küste des Todten Meeres bis zur Mündung des Wüdi Zerkci Main 
gelangt und hatte darnach eine ähnliche Küstenwanderung von 
Engedi bis hinab zum Dschebel TJsdum ausgeführt 3). 

Für unsere Kenntniss des Ost Jordanlandes brachte die Reise 
von Dr. Wetzstein und Dörgens wichtige Hereicherungen. 
Dieselben reisten 1860 von Derät über den Dschebel ez-Zumle 
nach er-Remte und von da über das hochgelegene el-MezZir nach 
Tibne. Dann besuchten sie "Am Dschenne, " Adschlun und Ke- 
frendschi^ überschritten von Burme aus die gewaltige Schlucht 
des Nähr ez-Zerkä, um über es-Salt durch den IVädi esch- 
Schalb nach Jerusalem weiter zu reisen. Nach es-Salt zurück- 
gekehrt, besuchten sie zunächst '^Ammern und DscJierasch und 
kehrten über Äbil und Bet er-Räs, die seit Seetzen und Burck- 
HARDT nicht wieder besucht worden waren, nach Damaskus zu- 
rück. Es ist sehr zu bedauern, einmal dass der Rückweg der 
beiden Forscher sehr beschleunigt werden musste, und anderer- 
seits, dass nur wenig über diese Expedition vcroftentlicht worden 
ist. Besondere Wichtigkeit erlangte sie durch die Ilöhenmes- 



1) RoiUNSON, Neuere biblische Forschungen in Palästina, 1857, S. 
414 ff. 

2J Petermann's Mittheilungen, 1857, S. 260 ff. und 1858, S. 267 ff. 
3) Key, Voyage dans le Haouran et aux bords de la Mer Morte, S. 216 ff. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 53 

sungen von Dörgens mit einem Quecksilberbarometer und durch 
seine astronomischen Ortsbestimmungen i). 

Im Jahre 1863 vollführte de Saulcy seine zweite Reise, die 
ihn nach '^Arüh el-Emi9\ ^ Amman, HesbZm und dem Dschehel 
Nebä brachte 2). 1864 reiste Guarmani von Jerusalem über Umm 
er-Rasäs nach dem Nedschd^). 

Es folgt nun die grossartige Expedition des Herzogs von 
LuYNES vom Jahre 1864, welche zum ersten Male Moab und 
Ammon wissenschaftlich erforschte, welche das Todte Meer 
auslothete und in der 'Araba wichtige Höhenmessungen aus- 
führte. Im März wurde zunächst der See befahren, woran sich 
ein Ausflug nach el-Kerak und Rabba schloss. Im April gelangte 
sie in v..er Gegend von Abu ''Obede in das Ostjordanland und zog 
von da im Rör südwärts bis zum Wädi Nimrln. Dann wandte 
sie sich hinarif nach '^ ArZik el-Emlr und zog von da über Heshän 
imd das bis dahin selten besuchte Callirrhoe nach Mukaur und 
dem Dschebel '^Affürüs, überschritt die kolossale Schlucht des 
Wädi el-Mödschib und bestieg den Dschebel Sclühän. Über das 
Buor es-Sesahän nach Jerusalem zurückgekehrt, trat im Mai der 
Herzog die Reise nach '^Ahaba an, die ihn auf der Hinreise über 
ez-Zuioera und es-Säßj'e, auf der Rückreise über den Nakb es- 
Safä führte. Endlich überschritt er im Juni den Jordan an der 
Mündung des Zerkä abermals , um Dscherasch zu besuchen 
und von da über Mukes den See Genezareth zu erreichen. An 
diese Expedition schloss sich die wichtige Reise von Mauss und 
Sauvaire, welche von Jerusalem um das Südende des Todten 
Meeres herum nach el-Kerak und von da südlich nach esch- 
Scliöbek gelangten''). 

Die Arbeiten der beiden englischen Offiziere Wilson und 
Anderson fallen aiasserhalb unseres Gebietes ; hier könnte nur 
bemerkt werden, dass sie 1866 die Frage der Mündung des Nähr 

1) Zeitsehr. für allg. Erdkunde, Neue Folge, Bd. XI, S. 104 ff. u. Bd. 
IX, S. 402 ff. (mit vorläufiger Kartenskizze von H. Kiepert). S. auch Pet. 
Mitth. 1866, S. 97 ff. 

2) DE Saulcy, Voyage en Terre Sainte, 1. Bd., 1865. 

3) Zeitsehr. f. allgem. Erdkunde, Neue Folge, Bd. XVIII, S. 201 ff 

4) Voyage d'exploration ä la Mer Morte, a Petra et sur la rive gauche 
du Jourdain par M. le Duo DE LuYNES, herausgegeben vom Comte de Vogüe. 
1874 ff. Die Reise von Mauss u. Sauvaire steht im 2. Bande (auch im Bull, 
de la Soc. de Geogr. a Paris 1867 II, S. 449 ff). Mit Karten. 



54 Hans Fischer, 

ez-Zerkci in den Jordan definitiv lösten ^). Dagegen entwickelte 
Lieut. Warren eine regere Thätigkeit. Er besuchte 1867 Hes- 
bän und Nehä und gelangte bis Main im Süden und 'Amman 
und es-SaJt im Norden. Auf Grund seiner Aufnahmen entwarf 
er eine Karte dieses ganzen Gebietes 2). Im folgenden Jahre 
durchzog er das ganze östliche Rör von der Dschisr el-Muclschä- 
mi bis zum Todten Meere, an dessen Ostseite er bis Wädi Men- 
schala und Callirrhoe vordrangt). E. Prym und A. Socin reisten 
1S69 von Dscherasch nach Bosrci im Haurän. 

Zu Anfang 1870 waren Palmer und Drake von Suez über 
er-RuJiebe, el-Chalasa und Beerseba nach Hebron gereist; auf 
dem Wege nach Petra verfolgten sie dann die Route über Ch. el- 
Milh, 'Arära und Dschebel Madera, so dass sie also viel neues 
topographisches Material beibringen konnten. Von Petra reisten 
sie in der '^Araba nach dem Mo)' cs-Säßje, untersuchten ferner 
die Halbinsel el-Liscm und stiegen im Wädi Beni Hammäd nach 
Moab hinauf. Sie drangen bis Umm er-liasäs vor und gelangten 
von da über das JRör es-Sesabän zum Jordan ^) . 

Gleichzeitig reisten die beiden Kiepert im Ostjordanlande. 
Sie untersuchten '^ Amman und Dscherasch. Durch den "AdschlTm 
gelangten sie nach Mukes und el-Muzerlb ^) . 

Ferner besuchte Northey's Expedition 1871 vom Jlör es- 
Sesabän aus "Aräk el-Emlr und U7nm es-Summäk, drang in süd- 
licher Richtung bis Jlesbän vor inid durchzog alsdann das Ost- 
jordanland \ns,Kefrendschi^ wobei sie " Amman ^ es-Salt, Dscherasch 
und '^Adschltm berührte ^) . 

Von den Reisen, welche im Jahre 1S72 ausgeführt wurden, 
ist die Expedition des Dr. Tristram mit Dr. Ginsburg und Klein 
bei Weitem die wichtigste. Dieselbe ging zunächst von Hebron 



1) The Palestine Explor. Fund, Heft 1 u. 2, S. 20. 

2) Keconnaissance of the Jordan Valley by "NA'amuex 1867. Vom Pal. 
Expl. Fund herausgegeben. 

3) The Pal. Expl. Fund, Heft 3 und 6. 

4) Palmek and Drake, The desert of the Tlh and thc country of Moab 
.'im Pal. Expl. Fund, Quart. Stat. for 1871), mit 2 Karten, die in dem deutschen 
Buche Pal.mku, Der Schauplatz der 4üjähr. Wüstenwanderung Israels, repro- 
duzirt sind. 

5) Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde, Berlin, V, S. 261. 

6) Quart. Stat. for 1872, 8. 57 ff. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 55 

nach Masada, von da um das Todte Meer herum nach dem Röi- 
es-SaJije und el-Kerah. Nach einem kurzen Ausflug in die süd- 
hche Umgebung dieser Stadt wandte sie sich nach Norden und 
gelangte über 'Arair nach Umm er-Hasäs, dessen Umgebung 
ebenfalls erforscht wurde. So besuchte Tristram Mesch'itä als der 
Erste (schon Seetzen hatte davon gehört), berührte alsdann 
Callirrhoe und Kurejät, '^Am es-Sara am Todten Meere und Mu- 
kaur ; dann erforschte er die Gegend zwischen Müdebä und dem 
Rande des Plateaus und kehrte nach Jerusalem zurück *) . 

Ausserdem mag hier noch die Reise erwähnt werden, die 
Weser und Shapira nach Umm er-Rasäs ausführten 2) . Sie be- 
rührten Heshün und Dibün und fanden, dass Wädi el-Wqle die 
Fortsetzung des TVädi Tamad sei. 

Es folgt nun Porter's Reise (1874) von Dscherasch nach 
er-Remte und Deräf^). Die Wanderung O. Kersten's um das 
Todte Meer (im Jahre 1874) verlief an der Küste und war in ihrer 
Art die erste; daran schloss sich der Besuch von Callirrhoe und 
Mukaur sowie eine Durchkreuzung der Halbinsel el-Lisün^). 

In das Jahr 1876 fallen die ausgedehnten Forschungen der 
Amerikanischen Expedition unter Merrill, welche nicht nur 
die östliche Hälfte des Jordanthaies, sondern auch grosse Theile 
des östlichen Hochlandes erforschte. Von seltener besuchten 
Punkten berührte sie Callirrhoe, Kafat ez-Zerkä und Meschltä. 
Die jedenfalls bedeutenden Resultate dieser Expedition sind bis 
jetzt noch nicht genügend bearbeitet und veröffentlicht worden ^]. 

Eine Reise nach Moab führte Schick 187 7 aus, die ihn bis 
^Arä'^ir an die Schlucht des Wcldi el-Mödschib brachte o). Im 
Jahre 1881 reiste S. Langer \o\\ es-Salf xxhex Kal'^at Zizä zur 
Pilgerstrasse; er berührte ChU7i Zeb'ib, Katräne und Kafat el- 



. . 1) Tristram, The Land of Moab, 1874. Mit Karte. Klein veröffent- 
lichte einen Bericht in der Zeitschr. d. Deutschen Pal. -Ver., Bd. II, S. 124 ff. 
2; Mitth. d. Ver. f. Erdkunde zu Leipzig, 1872, S. 60 ff.; Zeitschr. d. 
Ges. f. Erdkunde, Berlin, Bd. VIII, S. 210 ff. 

3) Pal. Expl. Ed., Quart. Stat. for 1881 S. 77. 

4) Zeitschr. d. Deutschen Pal.-Ver. Bd. II, S. 201 ff. 

5) Merrill, East of the Jordan, 1881. Näheres s. Zeitschr. d. Deutsch. 
Pal.-Ver. Bd. XII, S. 254. 

6) Zeitschr. d. Deutsch. Pal.-Ver. Bd. II, S. 1 ff., mit Karte. 



56 Hana Fischer, 

Hasä, die sämratlich an der Pilgerstrasse liegen. Der südlichste 
Punkt seiner Reise Avar Maän in Edom '). 

Wie schon oben erwähnt, hatte der englische Palestine Ex- 
ploration Fund mit der Aufnahme des Ostjordanlandes im Jahre 
1881 nur theihveise einen Erfolg. Dagegen gelang es dieser Ge- 
sellschaft, unsere Kenntniss der südlicheren Gegenden in ganz 
erheblicher Weise zu fördern. Die Expedition unter dem Geo- 
logen HiJLL erforschte im Winter 1883/84 nicht nur die ganze 
'Araba, sondern es gelang auch dem Major Kitchener, die Tri- 
angulation des Sinai-Districtes längs dieses Thaies mit der grossen 
Survey des Westjordanlandes zu verbinden. Der zehntägige 
Aufenthalt im ^ör es-SZißJe hatte die genauere Erforschung der 
Umgegend zur Folge; die Gestalt des südlichsten Theiles des 
Todten Meeres sowie der Halbinsel eZ-Z^«ö/^ ist wesentlich anders, 
als sie bisher dargestellt wurde. Leider war die Ebene am Süd- 
ende des Sees so schlammig, dass Kitchener eine l^asismessung 
nicht ausführen konnte. Auf dem Weitermarsche wurde der 
Salzberg genauer erforscht und bestiegen -] und auf dem Ras ez- 
Zuwera eine vollständige Reihe von Positionen gemessen 3). 
Während Hüll sich nach Razze wandte, kehrte Kitchener vom 
Teil Abu Harere aus direct nach I&mdxllje zurück ; leider be- 
schrieb er diesen interessanten Weg nur sehr kurz •*) . 

Im Jahre 1884 gelang es Guy le Strange, eine kurze Reise 
durch den " Adscldxm und die Belka auszuführen. Er gelangte zu- 
nächst von Nazareth nach Pella und fand, dass die Karten die 
Gegend des TVädi Jäbis sehr ungenau wiedergeben. Über 'Adsr//- 
lim und '^Ain Dschenne ging er alsdann nach Dscherasch und von 
da über en-Nehi Und direct nach " AmmZin •'' . Der Arbeiten Schu- 
macher's im nördlichen '^Adachlmi vom Jahre 1880 geschah oben 
Erwähnung. — Für den Haiuän möchten wir hier nachtragen, 

1) Diese Reise wurde leider nur kurz beschrieben, s. Mitth. d. Geogr. 
Ges. in Wien, 18S2, S. 281. 

2) Aber nicht zum ersten Male. In den Mitth. d. Geogr. Ges. in Wien 
1873 findet sich eine Karte des Salzbergs, die ein Ungenannter aufgenommen 
hat; die Beschreibung siehe ebenda S. 529. 

3) Edward Hüll, Memoir on the physical Geology and Geography of 
Arabia Petraca, Palestine and adjoining districts, 188G. Mit einer Karte der 
'Ar aha in 1 . KJ'JOOÜ. 

4) Pal. Kxpl. Fd., Quart. Stat. for 1S84 S. 219. 

5) Pal. Expl. Fd., Quart. Stat. for 1885 S. 157. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 57 

dass im Frühjahr 1889 Professor H. Scharling und Professor 
Buhl von Bümjäs über die Dörfer el-IIära^ IncJiil und »Sc/ia/crä 
nach Ezra reisten; sie besuchten von da aus Bosrä, cl-Kureje, 
Hebrän, el-Kanaimt und Srhuhba und kehrten von da längs des 
Ostrandes der Ledschäh nach Damaskus zurück'). Die Beschrei- 
bung des theilweise neuen Weges ist leider sehr kurz. 

Hoffen wir, dass der Stillstand der Forschung im Ostjordan- 
lande bald zu Ende sein möge. Dann steht zu erwarten, dass 
die noch gebliebenen Lücken in der geographischen Forschung 
schnell ausgefüllt werden. — 

Es mögen nun noch einzelne Punkte erörtert werden. Die 
Darstellung der südlich vom Wiidi es-Seha nach Westen gehen- 
den Wadis weicht von der bisherigen ab. Robinson hatte für 
das Wahrscheinlichste gehalten, dass Wädi el-Karn mit Wädi 
er-Ruhebe zusammen den Wädi Chahra bilde, der weiter unten 
den Wädi el-Martabe aufnehme und so Wädi es-Sanl bilde, 
der sich mit dem Wädi esch- Schert a in der Nähe des Meeres 
vereinige 2) , Russegger dagegen wurde allgemein versichert, 
dass Wädi er-Ruhebe und die nördlicheren Wadis unmittelbar 
zum Mittelmeere sich hinziehen 3), und Palmer und Drake geben 
auf ihrer Karte den grossen Wädi el-Fära an, der etwas südlich 
vom Wädi Razze münde. Die englische Seekarte No. 2634 zeigt 
nun zwischen dem letztgenannten und dem Wädi el-'' Arisch 
keinen einzigen grösseren Wädi, und in demselben Sinne fiel 
auch Schumachbr's Aufnahme an dieser Küstenstrecke aus. 
Kitchener endlich berichtet, er sei vom Teil Abu Harere zu- 
nächst nach dem grossen, tiefen Wädi el-Fcira gelangt und habe 
darnach einen grossen Wadi erst Avieder im Wädi el-Abjad an- 
getroffen^), der bereits beträchtlich südlicher verläuft. Theils die 
Angabe Kitchener's, dass an dem Punkte, avo er den Wädi e/- 
i^är« überschritt, der hervorragende Teil el-Fära gelegen sei, 
theils der Umstand, dass Guerin auf seiner Karte diesen von 
ihm selbst besuchten Teil cl-FZira an den Wä.di Razze i>etzt^), 

1) Hauran, Reisebilder aus Paläst. v. Henrik Scharling, Brem. 1890. 

2) Robinson, Palästina, Bd. I, S. 335. 

3) RussEGGER, Reisen in Europa, Asien u. Afrika, Bd. III B, S. 69. 

4) Pal. Expl. Ed., Quart. Stat. for 1884 S. 219. 

5) Guerin, Carte de la Palestine, 1881. 



5S Hans Fischer, 

hat uns veranlasst, den IVädi el-Fära für einen Abschnitt des 
grossen JVcidi Razze anzusehen. Im Übrigen stützt sich die 
Zeichnung dieser Wadi's besonders auf Palmp:r und Drake. 

Die Darstellung des Todten Meeres begegnet manchen 
.Schwierigkeiten, da der Spiegel dieses abflusslosen Sees sich 
jährlich und offenbar auch in grösseren Perioden ändert. Daher 
mag auch die abweichende Darstellung des südlichen Theils bei 
den verschiedenen Reisenden herrühren. Nach Lynch beträgt 
die jährliche Differenz des Wasserstandes etwa 6 Fuss oder etwas 
mehr. Die Schwankungen in grösseren Zeiträumen dürften aber, 
wenn wir hier von anderen Ursachen absehen wollen, grösser sein. 
So gibt Lynch an der schmälsten Stelle des See's (etwas nord- 
Avestlich vom Kap Molyneux) eine Tiefe von 5,5 m, der Duc de 
LuYNES fast an derselben Stelle eine von 6 m an. Nun besteht 
aber kein Zweifel daran, dass im ersten Viertel unseres Jahr- 
hunderts der See in dieser Gegend durchschritten werden konnte. 
So war Hyde im Jahre 1819 durch die Fürth in G Stunden ge- 
ritten i) , Irby" und Mangles sahen eine Karawane, in der sich 
auch Esel befanden, hindurchziehen 2), und Klein berichtet, 
dass der alte Schech Saläme als junger Mann oft vom Wädi 3Iti- 
harrak nach dem Rör el-Mezraa hinübergegangen sei, wobei ihm 
das Wasser bloss bis an die Knöchel gereicht habe 3' . 

Für die Eintragung der jetzigen Grenze sesshaften 
Wohnens bot zunächst die grosse Aufnahme des Westjordan- 
landes das Material. Die dem Kartenwerke beigegebenen Me- 
moirs enthalten auch die Einwohnerzahlen, aber nur schätzungs- 
weise. Das südlichste bewohnte Dorf in Judäa war nach Seetzen 
Sanute (also wohl Zämdä). Duc nE Luynes führte es-Semua als 
letzten Ort auf. und so ist es noch jetzt der Survey ziifolge. Das 
etwas westlichere er/- Z)«7/ar7;e, im Jahre 1S74 noch ein Dorf von 
3_400 Einwohnern, war 1877 verlassen'*). An der Küste südlich 
von Razze wurde die Linie nach Schumacher gezogen ; der letzte 
Ort gegen die Wüste hin ist hier schon seit sehr langer Zeit Chan 



1) s. Bergorex, Ileisen in JAiro])a etc., Bd. III, S. llö. 

2) Nach Koi'.ixsox, Palästina, Bd. II, S. 471. 

3 ZDPV. Bd. II, S. 127. Von ungewöhnlichen Austretungen des Sees 
im J. 1738 spricht Pococke (nach Robin.sox, Paliistina, Bd. II, S. 459 . 

4 Nach dem Memoir des Pal. Expl. Fd. Bd. 111 Judaea;. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 59 

Junis. Im DscJiTdäti beruht die Linie natürlich ebenfalls auf 
Schumacher's Angaben. Für das Ostjordanland standen uns 
viele Angaben bereits vom Anfang dieses Jahrhunderts an zu 
Gebote; es scheint, als ob die Sesshaftigkeit in letzter Zeit hier 
gewonnen habe. So hat neueren Berichten zufolge die türkische 
Regierung circassische Colonisten in '^ Amman und Dscherasch an- 
gesiedelt, Mädehä ist nach Conder (1881) von fünfzig christlichen 
Familien bewohnt i), und wie Langer angiebt, ist Chirhet Naür 
im Wädi Na ür ieizt ebenfalls bewohnt. Im Frühjahr führen aber 
die Bewohner der Dörfer vielfach ein halb nomadisches Leben ; 
Roth fand z. B, ''Ime ganz verlassen vor, da die Bewohner ein 
Zeltlager bezogen hatten, und als Tristram el-Kerak besuchte, 
campirte der grösste Theil der Bewohner mit den Viehheerden 
im Freien. Nördlich von Damaskus endet das bewohnte Gebiet 
bei Dscherüd und el-Atnl. Der letzte bewohnte Ort gegen Pal- 
myra hin ist Karjaten 2). Von der Veränderlichkeit der Topographie 
auf den östlichen Stufen des Antilibanus hat Dr. Diener einige 
Beispiele gegeben 3). In dem Räume der Karte Dr. A. Stübel's 
verdanken wir einige neue Angaben Professor Scharling. der 
im Frühjahre 1889 Deklr am Ostrande der Ledschäh von Drusen 
bewohnt vorfand; Biiräk war wegen der unaufhörlichen Überfälle 
der Beduinen fast verlassen. 

Die politische Ein th eilung schliesst sich an die von der 
»American Press« in Beirut im Jahre 1889 herausgegebene ara- 
bische Karte von Syrien an. 

Für die Angabe der fahrbaren Strassen sowie für den Plan 
von Jerusalem konnten wir die neuesten, in der Redaction von 
Baedeker's Reisehandbuch eingegangenen Berichte benützen: 
die projektirte Eisenbahn Jäfä-Jerusalem wurde nach einer Notiz 
in der «Warte des Tempels« (1889, S. 321) eingetragen. 

1) Pal. Expl. Fd., Quart. Stat. for 1881, S. 276. 

2) Nach Baedeker-Socin's Palästina u. Syrien. 

3) Diener, Libanon S. 323 ; Mitth. d. Geogr. Ges. in "Wien, Bd. XXIX, 
S. 160. 



Bemerkungen zn der neuen Haurankarte. 

Von Prof. Dr. Martiu Hartmann in Berlin. 



Die Ortschaft 'adrä wird ZDPV. XII. 2G4 als unbewohnt 
bezeichnet; ob er-ruheibe bewohnt sei, wird ungewiss gelassen. 
Am 16. Mai 1S87 notirte ich an einem Punkte der Strasse Da- 
maskus-IIöms, 1 Stunde nachdem ich dTimä passirt: »ca. 300 ni 
rechts \tdrci, ein kleines Dorf mit ca. 20 Häusern«. In el-hutefe 
verliess ich die Strasse, um über el-mii addamije nach dscherüd zii 
reiten; aus el-mu addanüje hinausreitend notirte ich : »rechts zeigt 
sich am äussersten (östlichsten) Abbange des Höhenzuges, hinter 
dem in weiterer Ferne der dschebel esch-scherki Diener s sich 
zeigt, ein weissglänzendes Wuli, zu dessen Füssen in der Ebene 
die bedeutende, namentlich durch 'Abäjen-Industrie berühmte 
Ortschaft er-ruhaibe gelegen ist, ca. V4 ('?) St. entfernt ; sie gilt 
als hübsch gelegen, gesund, hat gutes Wasser.« 

Administrativ ist die Eintheilung des Haurän nach dem 
letzten mir zugekommenen türkischen Staatskalender für das 
Vilajet Süiijai auf das am 1/13. März 18S9 begonnene türkische 
Finanzjahr 1305 folgende: 

Dem Mutesarrif , der seinen Sitz in Schech Sa'd (B 4) hat. 
unterstehen direkt folgende Nähijen: ghabUghib-] ,B 3), schech 
miskin (B 4' und dschäsim (B 4). Kadä's: 1) 'adschlTm mit Kä- 
jimmakäm in irbid\ Nähijen: kafrandscha^] . 2) dschebel ed-drüz 

I) Umfasst seit dem 1/13. März 18S8 nur einen Thcil dessen, was früher 
darunter verstanden wurde. Damals wurde Beirut zum Hauptort eines be- 
sonderen Vilajets gemaclit mit den Mutesarrifliks Beirut, Tripolis, Lattakije, 
'Akkä. Das Vilajet Siirlja hat jetzt nur noch die Mutesarrifliks Damaskus, 
Hama, Ilaurän. Das Mutesarriflik Belkä wurde, wie mir «geschrieben worden, 
bis auf einen kleinen Theil zu Jerusalem geschlagen ; näheres hofte ich später 
mittheilen zu können. 

2 Als 17. Station der Strasse Ghazza-Damaskus erwähnt von Makrizi 
Maml. (Quatremere; II, 2, 'J2 Anm. 

3) Nach S. 142 dieses Staatshandbuches liegt a.\\c\id scher aschin diesem 
Kadä, und nach S. 145 ist hier eine Elementarschule für Knaben eingerichtet. 



Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. 61 

mit Käjiramakäm in nsmcedlje<-^ (sie; gemeint ist sicher es-suwedä 
D 5); Nähijen: medschdel C 4 , salchad (D 6), sulem (D 4), 
"ormän (D 5), %-e ^C 5), schuhbü (D 4), säle (sie! = sälä D 5), 
lähite (D 4 . Von den Hauptorten dieser Nähijen liegen salchad, 
'^ormün und Itihite nach der Karte avisserhalb der «jetzigen Grenze 
sesshaften Wohnens«. Das wird nicht richtig sein ; denn ist auch 
der Ernennung von Mudiren in diesen Orten seitens der türkischen 
Regierung nicht eine übergrosse Bedeutung zuzuschreiben — 
drei derselben gehören der bekannten Familie Atrasch an : die 
Verleihung solcher Ämter hat hauptsächlich politische Zwecke; 
ihre Annahme seitens der Bevölkerungshäupter in unabhängigen 
Gegenden ist meist der Anfang des Endes — so sind doch sicher 
die Sitze dieser Mudire festbewohnte Plätze. Nach demselben 
Staatshandbuch S. 145 sind neuestens in salchad, %'e, säle, 
7nedschdel, es-suic^dä hier suicede geschrieben und auch in dem, 
hier als eine zu den Dependenzen des dschebel ed-drüz gehörige 
Näliije ^ bezeichneten, ""ähire (C 4) Elementarschulen für Knaben 
errichtet worden. 3) el-kimetra mit Käjimmakära in el-kunefra 
(A 4) ; Nälüjen: medschdel schems: nach S. 143 gehört zu diesem 
Kadä auch bcinijäs. 4) derä (sie; vgl. ZDPV XII, 280 mit Kä- 
jimmakäm in derä (= derät B 5); Nähijen: hosra eski schäm. 
5) busr el-har'ir (sie, nicht el-harlrl : die Bemerkung Wetzstein's 
S. 279 lässt die Schreibung el-harirl als die richtigere erscheinen) 
mit Käjimmakäm in busr el-harlr (C 4), 6) es-salt : früher zum 
Mutesarriflik Belkä gehörig). 

Hier möge auch der Abschnitt Ilaurän aus einem von Schä- 
hin Makärijüs in r, el-madschmct el-ilml esch-scharkl«, der orien- 
talischen wissenschaftlichen Gesellschaft, die etwa 1S81 — 1SS3 
in Beirut bestand, gehaltenen und in den »Verhandlungen der 
Gesellschaft für das Jahr 1S82, 79 — 106 abgedruckten Vortrage 
über das Bildungswesen in Syrien mitgetheilt sein; ich übersetze 
auch das, was sachlich geringeres Interesse hat ; denn wir haben 
hier die Darstellung eines Syrers, welche im Lande selbst — sie 
erschien zuerst im Bericht über die betreffende Gesellschaftsitzung 
in der Zeitschrift el-mukfafaf — vielfach gelesen worden ist und 
die Vorstellungen von dem Haurän beeinflusst haben wird. 

»Der Haurän«, sagt Herr Makärijüs S. 100 f.. »liegt südöst- 

]) dschehel-i-drüz mulhakätindan ^äliire nähijesi. 



ß2 Hartmann, 

lieh von Damaskus, ca. 20 Meilen entfernt; Dr. van Dyck theilt 
ihn in seiner Geographie in zwei Theile : en-nukra und el-ledschät. 
Andere theilen ihn in fünf Theile : en-nukra, der mittlere Theil 
des Landes, eben; el-dschedür; Wsc/^/ww am westlichen Rande; 
el-ledschät: dschehel ed-drüz. Grenzen: im N. Damascus, im O. 
die Wüste, im W. der Jordan bis hinter den See von Tiberias, 
bis hinunter zu den Gegenden von es-salt. Andere sagen, die 
Avestliche Grenze sei der Dschölän. An Ortschaften, kleinen 
und grossen, hat der Haurän 230 ; sämmtlich gehören sie zu einer 
Mutesarrifije, welche in vier Kadä's getheilt ist: 1) escJi-schech 
seid, Sitz der Centralbehörde ; 2) el-kunetra; 3) "adschlün; 4) dsche- 
bel ed-drüz. Zahl der Einwohner: 90 000, wovon 27 450 auf den 
dschebel ed-drüz kommen. Die Bodenerzeugnisse sind bekannt; 
das Klima ist gut ; an manchen Orten wie im dschehel ed-drüz 
steigt die Hitze nicht über 87° Fahrenheit. Die Alterthümer 
sind sehr zahlreich. Manche sagen, dass die Quelle die von Ire 
aus ca. eine Stunde weit läuft, in Kanälen bis nach hosrü und 
anderen Orten geleitet war, und einige Kenner haben behauptet, 
dass diese Quelle jenes mau ghassän sei, das in den Geschichts- 
werken erwähnt wird. Die mächtigen Bauwerke, deren Ruinen 
noch vorhanden sind, lassen uns schliessen, dass der Haurän zu 
Zeiten der Ghassaniden-Könige und anderer sehr bedeutend war. 
Das Kildungswesen ist im Haurän sehr zurück. Ein Theil 
der Bewohner lebt noch im Nomadenzustande. Verfolgen wir 
die Geschichte des Wissens im Haurän in den letzten fünfzig 
Jahren, so sehen wir, dass es sehr unbedeutend Avar; denn die 
Unwissenheit hatte bei Weitem die Übermacht dort. ISur einige 
Ortschaften hatten »Prediger« [chutahä, die dort wohl den Dienst 
von Lehrern , Schulmeistern versahen) , die aus Ägypten ge- 
kommen Avaren, um ihren Lebensunterhalt zu suchen, und einige 
Schech-Sühne im Lesen unterrichteten. Oft kam es vor, dass in 
mehr als zehn Ortschaften kein Prediger und kein Geistlicher 
[chürl] war. Bei den Christen war die Kunst des Lesens auf den 
Priester und seine Kinder und die Diakonen beschränkt. Zur 
Zeit des [griechisch-katholischen] Patriarchen Maximus Mazlum 
und des Patriarchen Ilierotheus wurde der Ausbildung der Diener 
der Kirche im llaurän Sorgfalt zugewandt und mit Eifer an die 
Verbreitung elementarer Kenntnisse gegangen. Das hatte auch in 
gewissem Grade Erfolg ; eine Anzahl Elementar-Schulen Avurde 



Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. 63 

in den katholischen Ortschaften "wie chaheh (B 3) und el-habib 
(sie I wohl verschrieben für el-dschuheh = ecl-dschuheb C 5 ; eine 
karja-i-dscliuheh finde ich auch in dem Staatshandbuch für 
Syrien 1288 — vgl. ZDPV. VI, 102 ff. — unter den Ortschaften 
des liwZi haurlin und anderen und in racham (C 5) und ''urä 

[^f- == iTe C 5 und = aere S. 265) und andern orthodoxen 
Dörfern eingerichtet. Die Lehrer Avaren Religionsdiener, über 
welche sich die Patriarchate untereinander oder die Bewohner 
der Ortschaften mit den Patriarchaten geeinigt hatten. 

Im Jahre 1S65 errichteten die Muslims in einigen Ort- 
schaften Elementarschulen, wie die Schule von hafr schems 
(B 3) im el-dschedür und die Schule von tafas^] (Itinerar 2S. Mai: 
tafas. die Karte B 4 tafas] im hiläd en-nukra\ die Kenntnisse 
breiteten sich dort aus inid die Muslims haben ca. 35 Schulen, 
die über die Ortschaften des Haurän und des Dschedür zerstreut 
sind, mit mehr als 600 Schülern und ca. 40 Lehrern, doch keine 
einzige Mädchenschule. Aus Mangel an Raum muss ich von der 
Aufzählung der einzelnen Ortschaften mit Namen der Lehrer und 
Zahl der Schüler Abstand nehmen. Die Christen haben im 
Haurän ca. 20 Schulen mit ca. 400 Schülern und 20 Lehrern, aber 
auch keine Mädchenschule. 

Im dschehel ed-drüz konnten Viele von den '^uhkül (den in 
die Geheimlehre eingeweihten Schech's) lesen und lehrten es 
ihre Sühne. Nach 1863 errichteten sie einige wenige Ele- 
mentarschulen mit chufahä (s. oben) als Lehrern. Später wünschte 
eine englische Gesellschaft Schulen unter ihnen zu errichten, 
was sie auch annahmen. So wurden in ihren Dörfern und denen 
der Christen acht Schulen gegründet, die ca. 150 Schüler, Knaben 
und Mädchen, mit neun Lehrern haben ; die Zahl der Schulen 
wächst und der Andrang ist gross. Auch in ""Adschlün breiteten 
sich die Kenntnisse durch eine englische Gesellschaft aus, die 
dort eine Anzahl Schulen errichtete ; die Resultate sind recht 
gut, namentlich in dem Dorfe el-husn. Diese Schulen haben 
mehr als 300 Schüler, 150 Schülerinnen und 10 Lehrer. 

Die Schulen, welche die Muslims auf ihre Kosten errichtet 
haben, sind ca. 15 an Zahl mit ca. 17 Lehrern und 200 Schülern 

1) Tafas noch genannt als 14. Station auf der Strasse Ghazza-Damaskus 
bei Makrizi Maml. Quatrem.) II, 2, 92 Anm. 



ß4 Hartmann, Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. 

(diese Angabe bezieht sieh wohl nur auf "adschlün. obwohl sie 
durch Absatz getrennt ist . 

Es ergiebt sich aus dem Gesagten, dass 1S54 das Wissen in 
den Haurän einzudringen begonnen und seit 1865 sich erheblich 
ausgebreitet hat«. 

Über die x\nlegung von Garnisonen (ZDPV. XII, S. 265) 
im Haurän brachten die syrischen Zeitungen öfters Berichte. So 
schrieb das Damaszener Regierungsblatt Sürija in einem von der 
Beiruter Zeitung 7/ a(/7Ä-«^ el-achbär vom 15, November 1883, Nr. 
1315 abgedruckten Artikel, betreffend die Verdienste des Walis 
Hamdi Pascha um den Haurän, er habe drei grosse Kasernen im 
dschebel ed-drüz und an den wichtigen Punkten gebaut und 
kaiserliche Truppen hineingelegt. Hamdi Pascha richtete auch, 
nach derselben Quelle, die Mudirije ghahUgJiib (s. oben) ein und 
legte eine genügende Anzahl Gensdarmen dorthin, »so dass jetzt 
die früheren Bewohner in ihre Wohnungen zurückgekehrt sind 
und ihren Landbau wieder aufgenommen haben«. 

In demselben Artikel heisst es , Hamdi Pascha habe den 
Telegraphen nach den Mittelpunkten der neugebildeten Kadä's, 
busr el-liarlri (sie) und derci. leiten lassen. 

Zu ghahäghib sei bemerkt, dass nach ihm auch der Berg- 
rücken benannt wurde, der nordwestlich von dem Orte, westlich 
von der Pilgerstrasse liegt (auf der Karte keinen besonderen 
Namen tragend). Bei schakhab am Fvisse desselben [teil schak- 
hab B 3) fand die Schlacht zwischen Ägyptern und Tataren i. J. 
702 statt (Makrizi Maml. [Quatremere] II, 2, 199). — 

Charakteristisch für die Zustände im südlichen Haurän noch 
vor Avenigen Jahren ist die Notiz in einer Correspondenz aus 
husn 'adscJilün vom 29. Oktober 1SS3 in Usän el-hal Nr. 022 vom 
12. November 1&S3, wonach die Einwohner einzelner Ortschaften 
von ihrer Heimath weggezogen sind, iim die Kinder nicht in die 
türkischen Schulen schicken zu müssen, ^'ielleicht waren den 
drusischen Iranern die türkischen Schulen ein Anstoss; vielleicht 
war es aber auch nur bäuerische Verstocktheit gegen alles Neue 
und die nicht ungegründete Vermuthvnig, dass die Schule auch 
nur eine der Ilintertliüren sei, durch die ein strafferes türkisches 
Regiment eingeschmuggelt werden sollte. 

Berlin, April 1890. 



Von Tiberias ziiiu Hiile-See. 

Zusammengestellte Eeisebeobachtuiigen von G. Sclnimacher 

in Haifa. 



Mit 12 Abbilduiiffen 



o"- 



Die folgenden Bemerkungen sind eine Zusammenstellung 
meiner Beobachtungen am See Genezareth und in dem Lande 
nördlich davon bis zu den Hüle-Marschen, die ich in den letzten 
Monaten gelegentlich meiner Berufsreisen in jene Gegenden 
machte. 

Zunächst erlaube ich mir einige Anmerkungen zu machen 
zu den Aufsätzen von A. Frei, »Beobachtungen vom See Gene- 
zareth« ZDPV. IX, Sl ff. und von J. B, van Kasteren »Am See 
Genezareth« ZDPV. XI, 212 ff. 

Sitt iskene^ dieses von beiden Forschern genannte Weli oder 
muslimische Heiligthum, besuchte ich wiederholt, um die von 
Frei genannte kufische Inschrift zu copiren. Dieselbe ist jedoch 
wohl übertüncht worden ; denn ich konnte sie trotz eifrigen 
Suchens nicht entdecken^). Dagegen fand ich in der westlichen 
Wand des inneren (südlichen) Baumes eine ebenfalls übertünchte 
arabische Inschrift, aus der ich, soweit es der Fanatismus der 
anwesenden Andächtigen zuliess, entziffern konnte, dass der Bau 
aus dem Jahre 694 der Hedschra stamme (ca. 1295 n. Chr.) und 
ausserdem die folgenden Worte enthalte : 

.... ihn hasan xod ahdalläh ihn '^ahhüs ihn '^uli ihn ahi tTilih, 
'aleihim al-salüm 

1) Inzwischen hat auch VAX Kasterex (ZDPV. XII, 130) die Ansicht 
ausgesprochen, dass nur eine arabische Inschrift existiere. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XIII. 5 



66 Schumacher, 

.... färis al-dunjü al-häsl ileina f'i ^l-ädil [?] el-mansüri tmib 

es-sultZm himulk .... 
. . . . . . ß gkurrat radschah sanat arhci loatuln wasitte mije. 

Der Bau des VVeli geschah zu Ehren der sitt sickene, welche 
nach Angabe gelehrter Muslimen die Grossenkelin der Fätime, 
der bekannten Tochter des Propheten, Mar. Der Vater der sitt 
siikene war zen el-ähid'tn, der Sohn des '^ali ihn ahu Uilih. Grosse 
Verehrung wird jetzt noch dem Weli namentlich (aber nicht aus- 
schliesslich) von Seiten der muslimischen Frauen gezollt; in allen 
Anliegen wenden sie sich hilfesuchend dahin, küssen das ein- 
fache, mit einem Holzkasten und einem grünen Tuch überdeckte 
Steingrab und blicken misstrauischen Auges jeden unberufenen 
Fremdling an, vor dem sie sich eilig verschleiern. Auch einen 
jungen Mann sah ich betend zu den Füssen der »Prophetin- 
Tochter«. Im A'orhofe des kleinen Gebäudes pflegen sich Frauen 
und junge Mädchen zu lagern, die durch ihren kreischenden 
Lärm die Andacht der Betenden stören. Eine alte Frau bedient 
das Weli und verabreicht gegen geringe Entschädigung Kaffee an 
die Andächtigen. Auch im Ostjordanland (Schumacher, Dschö- 
län 183) fand ich ein kleines Grabmal, das zu Ehren der sitt iskcne 
errichtet worden war, und neuerdings nannte man mir einen 
Platz beim Hause des Challl Meheschem in Haifa, der früher als 
Weli der sitt neflsi oder auch sitt iskme verehrt worden war. 
Heute noch lieisst das dort liegende Stadtviertel in Haifa härat 
es-sitt neflsi. 

Der Spiegel des Sees von Tiberias stieg durch die rnrge- 
wöhnlich starken Regengüsse des verflossenen AVinters um 1,55 m 
höher, als er im October 1 888 war — eine Niveau-Differenz, die ich 
in den sieben Jahren meiner Beobachtungen, die ich seit 1881 
durch Linien an der seewärts liegenden Stadtmauer vollzogen 
habe, nicht übertroffen sah. Da nun der Sommer 1889 mit be- 
sonders starker Hitze aufgetreten ist, mögen sich die Niveau- 
Schwankungen gegen Ende des Jahres noch auffallender gestalten. 

Das von J. van Kasteren S. 214 genannte neue Bad ist 
seit März d. J. dem öffentlichen Gebrauch übergeben; es enthält 
eine Anzahl getrennter Zimmer für Reisende und zwei abgetheilte 
Einzelbäder, daneben Stallungen und Cafe in anstossenden Ge- 
wölben. Da hierdiirch in anerkennenswerther Weise für die Be- 
quemlichkeit auswärtiger Besucher gesorgt ist, und ausserdem ein 



Von Tiberias zum Plüle-See. (J7 

guter Wagen den Verkehr zwischen der 1900 m entfernten Stadt 
auf guter Strasse regelmässig vermittelt, so ist der Fremdenver- 
kehr am Warmbade von Tiberias in dem Masse gewachsen, 
dass die Regierung die jährliche Pacht auf 7700 Francs erhöhen 
konnte. Neben diesem neuen Bade blieben das alte, grosse, von 
Ibrahim Pascha erbaute und das noch ältere, südliche Hammäm 
Sejidna Suleraän nicht nur fortbestehen, sondern beide wurden 
ausgebessert und theilweise erweitert. Dank dem seltenen Eifer 
und der Baulust des Kaimakäm von Tiberias, Selim Effendi 
Milki, nahm überhaupt Tiberias durch Strassenpflasterung und 
Wegearbeit, Moscheen- und Schulbau einen überraschenden Auf- 
schwung. 

Dscheramän (van Kasterex XI, 219) ist die Bezeichnung 
einer Taucherente, die auch kurzweg batf oder batfa (Ente) ge- 
nannt wird. Uem Herrn Verfasser wurde wohl von seinem Führer 
irrig wata {[^^^) angegeben. Dergleichen Vögel sind an der sy- 
rischen Küste wie namentlich auch im See Tiberias zwischen 
November und April häufig. 

Ekla el-ghül. Diesen Namen tragen ursprünglich bei den 
Beduinen eine Menge i;ngewöhnlich grosser Basaltblöcke am 
Wege zwischen Tiberias und dem Südende des Sees. Nicht der 
Bergrücken, sondern eben diese mächtigen, riesigen Quader 
geben Anlass zu der Bezeichnung ghül, d. i. Dämonen, Riesen. 
Kala oder in der Beduinensprache ekla bezeichnet vereinzelte 
mächtige Felsen (vergl. Dschölän, el-kalai^ S. 139). Die Wort- 
form el-Td ist daher nicht richtig (ZDPV. XI, 241). Ferner ist 
ebendort kadls durch chirhet kecllsch zu ersetzen. Kedisch be- 
zeichnet ein rasseloses, gewöhnliches Pferd. 

Wäcl el-hamäm. Diese von beiden Forschern besuchte felsige 
Schlucht war mehrmals auch mein Reiseziel, zunächst für eine 
Taubenjagd; denn unzählige wilde, blaugraue Tauben nisten in 
den vielfach durchlöcherten Steilwänden. Bei der Verfolgung 
von Tauben fiel es mir auf, dass Schaaren im Innern der Abhänge 
plötzlich verschwanden, und nachdem ich einige der engen, senk- 
rechten Schächte hinaufgestiegen war, Avurde mir durch den 
Luftzug von oben und die eigenthümliche Beleuchtung klar, dass 
die Schächte sich trichterförmig nach oben verengen und an die 
Oberfläche münden. Bestätigt wurde diese Annahme durch die 
an den Schachtwänden befindlichen Wasserabsätze, die jedenfalls 



68 Schumacher, 

cUirch das angesammelte Regenwasser der Oberfläche gebildet 
worden waren. Einige Höhlen, zu denen ich hinaufkletterte, 
zeigten rechtwinkeligen Querschnitt und cementirte Vertiefungen, 
wohl Cisternen; eine andere am Südabhang, 130 m über dem 
Flussbette, schien mir einst als Wohnung oder als Grabkammer (?) 
gedient zu haben. Diese Höhle war 2,80 m weit, 3,20 m tief, von 
ziemlich rechteckigem Querschnitt und noch 1,50 m hoch, künst- 
lich und regelrecht ausgearbeitet. Verputz war nicht zu ent- 
decken. Im südlichen Hintergrund entdeckte ich zwei nischen- 
artige Vertiefungen, 0,90 ra weit, 0,80 m tief und 1,40 m hoch, 
mit oben abgerundetem Abschluss, welche ziemlich kunstvoll in 
den Felsen eingehauen waren und nach ihren Dimensionen zu 
schliessen nicht als Gräber, sondern etwa als Vorrathskammern 
einer menschlichen Behausung gedient haben mögen. Der Ein- 
gang zur Höhle war 0,80 m weit, aber offenbar verwittert. Die 
Hauptachse zeigte eine Abweichung der Magnetnadel gegen W. 
von 19°. Die Höhe von 1,50 m scheint nicht die ursprüngliche 
gewesen zu sein. Ich stieg von dieser Höhle noch 15 Meter höher 
an den steilen Felswänden hinauf und gelangte an eine Reihe 
von rechteckig ausgehöhlten Räumlichkeiten, deren Vorderseite 
gänzlich verwittert war, so dass nur noch drei Seiten des Raumes 
erhalten blieben. Jeder Raum mass 3 — m Weite Tind noch 
2 — 5 m Tiefe bei 2 m Höhe und war von dem anderen durch 
schmale und breite Wände von 0,80 — 3 m getrennt. Die ur- 
sprüngliche Offiiung sah gegen Norden. Am westlichen und öst- 
lichen Ende dieser Wohnungsgruppe entdeckte ich je eine ziem- 
lich kreisrunde verpvitzte Cisterne von 3 m Durchmesser, deren 
Verputz aus Thonscherben mit Aveissem Mörtel bestand. Weiter 
gegen Westen, neben der auf Figur 1 angegebenen Cisterne, 




Fe l s a b U a II t> 

Xonl 

Figur 1. 



kletterte ich über ein abgesprungenes Felsstück zu einem in die 
senkrechte Felswand eingehauenen Gang, der sich von hier aus 
eine Strecke weit an der Krümmung des Felsberges nach W. hin- 
zog, 'iheilweise war auch hier die nördliche Vorderwand ver- 



Von Tiberias zum Hüle-See. 



69 




Avittert, so dass der Querschnitt des Ganges A (Figur 2) zwei 
Schenkeln eines sphärischen Dreiecks von je 2 m Länge glich. 

Über dem Gang sah man hin und wieder halbrunde Ver- 
tiefungen von 2,20 m Weite und 1,50 m Höhe in den Felsen ge- 
hauen. Der Gang oder Canal 
A diente entweder der Wasser- 
zuleitung zu den Cisternen, da 
diese sich nicht von oben herab 
füllen konnten, oder dem Ver- 
kehr mit der Aussenwelt oder 
vielleicht beiden Zwecken \) . 
Von den oben beschriebenen 
Räumlichkeiten, in denen doch 
wohl Räuber- und Anachoreten- 
Wohnuna^en zu erkennen sein 
werden, ist der Fels bis auf eine 
Breite von 2 — 3 m horizontal Figur 2. 

geebnet, offenbar um den Verkehr zwischen den einzelnen Woh- 
nungen zu ermöglichen. Etwa 10 Meter über diesem Gang führt 
ein zweiter dem ersten parallel an der Felswand entlang und ist 
auch über der defecten Stelle des unteren verwittert : er mün- 
dete einst in eine der grössten Höhlen der Hamäm-Schlucht. die 
etwa 10 m höher xind wenig östlich von den obenbezeichneten 
Wohnungen sich öffnet. Senkrechte Felswände verhinderten 
mich jedoch, diese Höhle zu untersuchen, was nur mittelst Strick- 
leitern geschehen könnte. Auch fand ich noch mehrere andere 
Cisternen längs des Bergabhangs, die meistens durch Tauben- 
und Schwalbendünger — denn auch diese Vögel nisten in Schaaren 
an den Felswänden — halb angefiillt waren. 

Chan niinj'e und et-täbigha. Die Ansiedelung des deutschen 
katholischen Palästinavereins bei et-Täbigha macht höchst er- 
freuliche Fortschritte. Bereits erheben sich drei provisorische 
Häuschen mit gut gepflegtem Garten am Strande des galiläischen 
Sees, ein schönes Zeichen deutscher x\rbeit und deutschen Fleisses. 
Gelegentlich der Fundamentirung der genannten Gebäude stiessen 
die Arbeiter in einer Tiefe von nur 50 cm unter der Erdoberfläche 

1) Vergl. hierzu JosEPHl's Bell. jud. I, 16,4: »Diese Höhlen an steilen, 
fast völlig unzugänglichen Bergabhängen gelegen waren nur auf äusserst 
schmalen Q u e r p f a d e n zu erreichen ». 



70 Schumacher, 

auf sorgfältig behauene Basalt-Bausteine, Grundmauern und Mo- 
saikstücke, ferner auf eine grosse, gut gebaute Mauer von 1,50 m 
Dicke, die der Huchtung der mittet en-naclile parallel läuft. Diese 
mme^ d. i. Hafen, hat ihren Namen von den Überresten eines 
kleinen Palmenhains hart am Ufer des Sees in der Nähe der 
Täbigha-Mühlen. Auch ein mit einer fünfstrahligen Rosette 
ornamentirter Stein, wohl ein ehemaliger Thürsturz, wurde zu Tage 
gefördert. Es ist mir sehr wahrscheinlich, dass die Halde zwischen 
dem über dem chän minje sich erhebenden teil el-oreme und dem 
Mühlbach von et-tahigha eine von den verschiedenen hier sich 
vereinigenden Wadis zugeschwemmte alte Ortslage in sich 
birgt. Der nördliche Abhang des teil el-oreme wurde mir von den 
Eingeborenen mit dalir es-sillam^ «Rücken der Leiter (Treppe)«, 
die genannte Halde selbst mit ard es-siJfi (Bewässerung) benannt. 
Nördlich \oxi et-tühigha i^wA ich am Abhang mehrere Ruinenhau- 
fen, die von den Beduinen Umm Dsche'ade (?) genannt wurden. 

Die ''am et-t'me am Fusse des teil el-oreme, nahe am Chän, 
gilt bei den Beduinen trotz ihres crystallhellen Wassers als 
äusserst ungesund und fiebererzeugend. Der Name minje wird 
von manchen Beduinen 7nanje ausgesprochen. 

Von et-tabigha aus machte ich einen Abstecher nach dem 
.Jordan nördlich vom See Genezareth. Nahe der Jordanmündung 
führt ein Pfad am rechten Flussufer entlang, kreuz und quer über 
Stock und Stein, an kleinen Gemüsegärten vorbei, die hart am 
Flusse angelegt sind und aus diesem bewässert werden. Der 
Jordan theilt sich in der Nähe der Dorfruine et-tell in mehrere 
Arme und hat hier nur einen massig schnellen Lauf, ^yir über- 
schritten dieselben mehrmals, wanden uns durch das dichte Ufer- 
gebüsch hindurch und kletterten alsdann auf unaussprechlich 
schlechten Pfaden, über Basaltblöcke und durch ])ornengestrüppe 
eine Anhöhe hinauf bis zur Ruine ed-dihki im Dschölän. Diese 
schon früher (vergl. Dschölän S. 114 ff.) beschriebene Ortslage 
schien mir seit meinem letzten Besuch im Jahre 1S83 und 84 er- 
heblich verändert zu sein. Auf den Grundmauern des dort be- 
schrielK'nen Gebäudes, wahrscheinlich einer früheren Synagoge, 
erhebt sich nun ein Getreidemagazin. Die vielen interessanten 
Baureste sind theils in die Mauern eingemauert, theils zerschlagen 
worden. Zu den damaligen vier Winterhütten gesellten sich noch 
ein halbes ])utzend anderer der 'arah et-tellatülje . Hart am süd- 



Von Tiberias zum Hule-See. 



71 



liehen Kaude des Dorfes sehen wir vier mächtige alte Üöm-Bäume 
(eine Dornart), die das prunklose Grab oder Weli des schech \ih- 
dalläli cd-dikJci beschatten. Unter den Trümmern der alten Ruine 
fand ich den nebenstehenden ornamentirten Bogenstein aus Ba- 
salt mit sorgfältig ausgeführtem Eierstab, Trauben- und Schling- 
verzierungen (Fig. 3, a u. b). Von ed-diA-ki ritten wir weiter den 







i3 







—o^^if-m 



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'S- 



J^ 



Figur 3 a. 



Figur 3 b. 



Abhang hinauf. Die Gegend blieb immer gleich steinig ; nur hin 
und wieder sprosste ein langer Grashalm zwischen den Basalt- 
blöcken hervor. Eine schmale, äusserst fruchtbare Ebene zeigte 
sich endlich auf der Anhöhe und damit auch die Ruine er-rafld 
(s. meine Karte des Dschölän) . Die schöne Lage dieses Ortes 
unmittelbar über dem Jordan, die bedeutenden Überreste an alten 
Bausteinen und Säulencapitellen , Säulentrommeln, verzierten 
Thierstürzen u. s. w., sowie die räumlich grosse Ausdehnung der 
Ruinen sprechen für eine Ortslage von einiger Bedeutung. Etwa 
25 Winterhütten der Beduinen erheben sich aus dem Bauschutt : 
zahllose Fragmente alter Kunst sind darin eingemauert. In Figur 
4 — 10 gebe ich einige der interessantesten jonischen Kapitelle, 
eine Doppelsäule und zwei Thürstürze wieder, deren einer zwei 
gekreuzte Fische und ein Blumenornament, der andere eine hau- 



ranische Traubenverzierung zeigt. 



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Figur 4. 



72 



Schumacher, 




6e€) ® €ilt) ©Ä) «) «) ® €)€) 



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^ 0,90 



Figur 0. 




0,1/0 >| 



Figur 7, 




Figur 8. 



Von Tiberias zum Hüle-See. 



73 




0,2o 



Figur 9. 



-03S 




Figur 10. 



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20 



30 



W 



SO 



dm. 



Figur 11. 



Massstab zu den vorstehenden Figuren. 



Die Gegend weiter nördlich Avird nun sanfter. Westlich 
vom Wege fand ich einige zerfallene Dolmen, östlich beginnt 
ein hübscher Eichenwald. Unweit "ehiün (s. Dschölän 
S. 147) passirten wir ein Zeltlager der '^arab el-icesije\ dicht da- 
bei fanden Avir einen von ihnen erlegten weissen Wolf, der 
an den Quellen von '^ehnln geschossen worden war. Die 
Gegend ist wasserreich; eine prächtige Quelle, die zwischen 
Brombeersträuchern hervorquillt, labte uns an jenem heissen 
Sommertag. Von hier geht es der Jordanbrücke entgegen 
wieder bergab ; zahlreiche Quellen brechen rechts und links vom 
Wege hervor. Endlich sind Avir am. dscMsr benät ja kab a.nge- 
kommen (s. Fig. 12). Der Sultan hat einen neuen grossen Chan 
auf dem linken Ufer erbaut, der auch zur Aufnahme von Keisen- 
den bestimmt ist. Die Umgebung dieser Brücke ist nämlich 
Dschiftlik Hamajüni, d. i. PriA'ateigenthum des Grossherren. 
Figur 12 zeigt uns die Brücke in ihrer jetzigen Gestalt. 

Von hier hatten Avir noch eine halbe Stunde bis zu der neuen 
jüdischen Niederlassung Jesüd ha-mala zu reiten. In uneigen- 
nütziger Weise unterhält Baron Edmond von Rothschild aus Paris 
auch diese Colonie, die sich noch im ersten EntAvickelungsstadium 
befindet. Sie ist an Stelle der rliirbet zubecl, eines Avenig auffälligen 
Ruinenhaufens, hart am Strande des Ilüle-Sees erbaut. Ein grosser 
Chan grenzt die aus armseligen Strohmatten-Hütten erbaute Colo- 
nie gegen das Ufer ab, AAähreiid südlich daA^on ein schöner Garten 



74 



Schumacher, 












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Von Tiberias zum Hüle- See. 75 

mit Rosen und aromatischen Kräutern zur Gewinnung von Par- 

CT 

fümerien angepflanzt ist. Einige Steinhäuser und eine Hannäni 
(Wasserschöpfwerk) sind ebenfalls im Entstehen begriffen. Nach 
langer Zeit befährt jetzt wieder ein Ijoot den Hüle-See und lieferte 
uns ein Gericht aus schmackhaften Seefischen. 

Auch diese untere Gegend des Hüle-Sees ist sehr ungesund. 
Die Colonie, die meist aus eingeborenen Juden aus Safed zu- 
sammengesetzt ist, hat daher viel durch Fieber zu leiden, wozu 
namentlich die ausserordentliche Hitze bei Tag und die rasche 
Abkühlung bei Nacht beiträgt. Am 20. April betrug beispielsweise 
die Temperatur im Maximum bei Tage -[-42° Celsius und kühlte 
sich in der Nacht auf -(- 26° C. ab. 

Haifa. Oktober 1889. 



Aus der Umgegend you Jerusalem. 

Von J. P. Yan Kastereii, S. J., in Beirut. 



Mit 4 Abbildungen. 

Während eines Aufenthaltes in Jerusalem im April und Mai 
1889 machte ich mehrere kleine Ausflüge in die östliche und süd- 
östliche Umgebung der heiligen Stadt, nicht nur um die aus 
Büchern geschöpfte Kenntniss dieser Gegend durch die eigne 
Anschauung zu bestätigen oder nöthigenfalls zu berichtigen, 
sondern auch in der Vermuthung, dass vielleicht hier oder dort 
noch etwas Neues oder wenigstens nicht genau Bekanntes aufzu- 
decken sei. Letzteres konnte aber nach den sorgfältigen Unter- 
suchungen von l>aurath Schick u. A., speciell der englischen 
»Survey«, natürlich nur eine dürftige Ährenlese nach der Ernte 
sein. Und wenn ich dennoch es wage, die wächtigeren Ergeb- 
nisse dieser Ährenlese den Freunden der Palästina-Forschung 
mitzutheilen, kann ich nicht umhin, ganz ausdrücklich darauf 
hinzuweisen, dass diese Seiten auch nichts Weiteres beanspruchen. 

Silioän. Man kennt die von Condeh ') bestrittene Ansicht 
Clermoxt-GanjSteau's^), dass die Thüre des hiesigen »ägypti- 
schen« Monumentes urs])rünglich niedriger gewesen sei, und sich 
damals über dieser niedrigeren Thüre eine althebräische Inschrift 
befunden habe. Nach genauer Prüfung des Sachverhalts muss 
ich dem französischen Gelehrten unbedingt beipflichten. Der 
obere Theil der Thüröff"nung, der seiner Ansicht nach spätem 



1) Memoirs of the Survey, Jerusalem, S. 4 IG. Uuarterly Stateni. 1887, 
S. 108. 

2) Mission en Phen. et en Pal., 5"'« rapport. Vgl. Pekuot et Cnn'iEZ, 
Tust, de l'Art IV, S. 34ü ss. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 77 

Ursprungs sein soll, zeigt wirklich zu beiden Seiten eine Art ge- 
glätteten Randes, der zur Linken 5 cm, zur Rechten unten 
weniger, oben etwas mehr Breite hat. Auf dem linken Rande 
ist das von Ganneau verzeichnete althebräische Resch und ein 
Theil eines zweiten Buchstabens klar ersichtlich. Das Resch ist 
13 cm hoch. Die Felswand hat hier eine Dicke von 56 cm und 
zeigt an der innern rechten Seite der Thüröffnung gerade unter 
dem oben erwähnten Rande einen horizontalen Einschnitt, 40 cm 
lang, 8 cm hoch und 4 cm tief. Weiter nach oben in der Aus- 
dehnung dieses Randes sieht der Felsen jetzt auch etwas dunkler 
aus, und die Thüröffnung ist etwa einen Centimeter breiter. Kurz 
wer die Thüröffnung genau angesehen hat, kann sich des Ein- 
drucks nicht erwehren, dass der obere Theil (etwa 2S cm hochj 
späteren Ursprungs ist und vorher dort auf einer glatten, etwa 
10 cm breiten Fläche die althebräische Inschrift gestanden hat, 
deren spärlicher Rest die wissenschaftliche Neugier des Forschers 
wohl erregen, aber nicht mehr befriedigen kann. 

Die Leute behaupteten, dass der Monolith den Russen ge- 
höre, und der Schlüssel nur «bei den Russena zu haben sei; ich 
hörte sogar das Monument selbst wiederholt el-muskühije nennen. 
CoNDER^) dagegen meint, es sei »französisches Eigenthum«. ^^ er 
Recht hat. kann ich nicht ausmachen; weil ich damals letztere 
Aussage nicht kannte, habe ich nicht weiter nachgefragt. 

Er-rüs. Diesen Namen gab ein Mann aus silivan dem Hügel- 
rücken, der sich von der NO. -Seite des ahu tdr zwischen dem 
tvädi esch-schamd und dem wüdijcmd ostwärts hinzieht 2) . Beide 
Thäler werden zur Zeit von den Silwänern bebaut und ebenso 
die östlichen Abhänge beider Hügel ; auf dem des ahu Vor finden 
sich bis an die von Israeliten bewohnten Häuser an der Ostseite 
des Gipfels üppige Weingärten. Der obere Theil des ras ist sehr 
felsig und zeigt nur spärliche Spuren menschlicher Arbeit, Ich 
bemerkte nur ein einzelnes in der Felsenoberfläche gehauenes 
Grab â– ') und eine kreisrunde, in den Felsen eiugehauene offene 



1) Memoirs of the Survey, Jerus. S. 412. 415. 

2) Auch Schick giebt diesen Namen: Quarterly Statem. 18ST, 102. 

3) Dass solche Gräber in AVest-Palästina nicht so selten sind, wie CoN- 
DER Syrian Stone Lore 308 zu sagen scheint, habe ich schon anderswo (ZDP\ . 
XII, 31) bemerkt. Später sah ich noch andre bei chirbet meskeue , Survey 



78 Kasteren, 

Vertiefung von etwa 8,30 m Durchmesser. Sie ist sehr regehnässig, 
aber nicht tief ausgehaiien; der ihn umittelbar umgebende Fel- 
sen ragt an der höchsten Stelle nur einen halben Meter empor. 
War hier in alter Zeit eine Bet- oder Opferstelle, vielleicht eine 
der in der Geschichte Israels so traurig bekannten »Höhen«? Mir 
fällt wenigstens keine bessere Hypothese ein ; für eine Dresch- 
tenne nach orientalischer Art ist der Raum jedenfalls zu 
gering. 

Eine Grotte von etwa 20 m Länge und 3 — 4 m Breite dürfte 
w^enigstens zum Theil natürlich sein. Der östliche und südöst- 
liche Abhang zeigt mehr Reste aus alter Zeit. Gleich über der 
höchsten Terrassen- oder Gartenmauer bemerkte ich eine 
Cisterne und gleich unter dieser Mauer eine zweite, grössten- 
theils verschüttete, mit einer Treppe. Eine Terrasse niedriger, 
also etwas weiter östlich, ist ein Felsen bemerkbar, der W.-O. 
ungefähr 41/2 m Länge, S.-N. etwa 3, 80 m Breite hat. Auf der 
rohen, etwas nach Osten abfallenden Oberfläche finden sich 
einige, theilweise durch Kanälchen verbundene schüsselartige 
Vertiefungen, nicht ungleich denen, welche man anderswo ^) mit 
uraltem Opferkultus in Verbindung zu setzen versucht hat. An 
der XO.-Ecke ist der Felsen auf etwa 1/2 m Breite stufenweise 
behauen ; auch ist der östliche Theil zur Seite dieser Stufen etwa 
40 cm niedriger. Dieser niedrigere Theil ragt aber über den 
jetzigen Boden noch etwa 80 cm empor. Der Felsen ist endlich 
an der Ostseite in einer Breite von mehr als 2 m senkrecht abge- 
hauen, und an diese senkrechte Wand schliesst sich nördlich eine 
andere, ganz ähnliche, von 1,20 m Breite rechtwinklig an. Eine 
gleichartige, noch grössere, gleichfalls nicht sehr ebene Felsen- 
oberfläche mit Schüsseln und Kanälchen liegt etwas weiter nach 



Ma]), Blatt VI, Oh und chirbet husche fBlatt V, Lh\ AVilsox (Menioirs, Spe- 
cial Papers 2SUj hat noch andere verzeichnet. lis ist darum -wahrscheinlich, 
dass die Aussage Conder's a. a. 0. sich auf etwas Anderes bezieht, und zwar 
auf »sarcophagi sunk in the rock, and covered with the usual lid«, wie er 
Spec. Pap. 201 sich ausdrückt. 

1) Scillf K, ZDPV. X, 140 ff. Etwa dreissig solche Schüsseln von ver- 
schiedener Form und Grösse (bis zu etwa 3/4 Quadratmeter) fand ich auf einer 
felsigen Anhöhe östlich über dem bir el-huwära, zwischen bct süsin und dem 
bir el-kantara (Survey Map, Blatt XVII, Jt.). 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 



79 



imten in südöstlicher Richtung. Ich bringe von beiden eine rohe 
Skizze mit einigen Massen. (Fig. 1 und 2) . 




Figur 1. 



a 20 cm im Durchmesser und 20 cm tief. 
6 15 - - - . 5 - - 

c 20 - - - - 12 - - 

d 10 - - - - 10 - - 

e 30 - - - 30 - - 



b 

« O 





Figur 2. 
a 20 cm im Durchmesser uud 15 cm tief. 



^}20 
c 80 
e SO 



- 20 - - 

lang, 00 cm breit; Tiefe gering. 
10 - - ; 8 cm tief. 



Unter dem letzteren Felsen ein paar Schritte nach Osten 
zeigt sich eine kleine, oifenbar künstliche Höhle, cistemenartig 
und in der Form einer Flasche. Sie ist nur 2 m lang und 1,20 m 
breit, hat oben eine runde OefFnung von 80 cm Durchmesser und 
an der Ostseite einen 60 cm breiten Eingang, der, obAvohl er bei 
einer horizontalen Länge von 2 m etwa 2 m abfällt, doch keine 
Treppe hat. Südlich daneben ist eine ähnliche, noch kleinere 
Höhle und nördlich daneben ein tiefer, alter Steinbruch von un- 
gefähr viereckiger Form. 

Nicht weit nach Norden hat man eine Menge von ansehn- 
lichen Bausteinen ausgegraben und Säulenstücke der nämlichen 
Steinart. Ich meine, dort oder noch etwas weiter nach Norden, 
wo der Boden in westlicher Richtung sanft und regelmässig an- 
steigt, müsste die Stelle sein, wo Schick i) das herodianische 
Theater gesucht hat. Was ich mir nämlich aus der ScHicK'schen 
Beschreibung zur Orientirung aufgezeichnet hatte, genügte mir 
nicht, um die Stelle mit GeAvissheit zu ermitteln. 

Wendet man sich in entgegengesetzter Richtung nach Süden 
zum icäcli jüsTil hinunter, so begegnet man bald am Südostab- 



Quarterly Statem. ISS", 101 tf. 



80 Kasteren, 

hange ziemlich ausgedehnten Weingärten, deren östlichen Theil 
man kann ahn schuteije nennt. Nach Westen liegt der karm 
kamar^ wo sich wieder Cisternen, deren eine noch Wasser hält, 
ausgegrabene IJausteine mit einem Säulenstück und eine kleine 
Grabgrotte befinden. Letztere hat einen mit Steinplatten be- 
deckten Schacht. Das Innere ist grösstentheils zerstört, doch ist 
ein Arcosolium mit drei Senkgräben noch sichtbar. In einem 
Grabe liegt ein Haufen Mosaikwürfel, die in den Ruinen aufge- 
funden wurden. Dieser ganze Ostabhang des ras ist in besseren 
Zeiten wohl bewohnt gewesen. 

Noch weiter nach Süden, geradezu unten im Wädi, wo eine 
gute Anzahl Feigenbäume steht, nennt man die Stelle el klia. 

Auch Aveiter westlich, wo der Boden aus der Tiefe des Thaies 
in mehreren Terrassen bis zu der Höhe des KethlebeniAveges — 
wo jetzt das neue Klarissenkloster gebaut wird — ansteigt, habe 
ich eine grosse künstliche Höhle und eine Cisterne bemerkt. 

Wädi es-micähire. Mit diesem Namen, den Lievin^) einem 
südlicheren Wadi beilegt, nannte mein Führer eine etwas breitere 
Stelle im wädi en-när, wo dieser den von der Südseite des Oel- 
berges herabfallenden wädi kadiim'^) aufnimmt. Es muss die 
Stelle sein, welche bei Schick 3) der es-senne heisst und von 
FuRRER^) mit dem alten Kloster Zann zusammengestellt wird. 
Rechts vom Wege nach mär säba findet sich hier am ziemlich 
steilen und hohen Bergabhang eine Anzahl alter Grabhöhlen, die 
ich nur ungenügend aufgenommen habe, in der Voraussetzung, 
dass sie wegen ihrer Lage in der Nähe von .Jerusalem und zur 
Seite des von allen Reisenden benutzten Weges allgemein be- 
kannt sein würden. Weil ich sie aber jetzt nirgends verzeichnet 



1) Guide 3 II, 273. Er meint, so viel mir ersichtlich ist, das von SociN 
(B.\EDEKEk's Handbuch - 164) und ScniCK (Zl)PV. III, 32) als icädi el-lcben 
verzeichnete Seitenthal, Avofür ich an Ort und Stelle ebenfalls letzteren Namen 
hörte. Ich finde ihn nicht in der »Survey«. Die satcähire sind ein Beduinen- 
stamni. (Vgl. Survey, Name Lists 340). 

2) So die Survey, Name Lists, 319; SociN (a. a. O.) und Schick (ZDPV. 
III, 32): lattün. Ich meinte zur Stelle kaddiim zu hören. Das Thal hat die 
«?v/ es-suweih (ScilICK, Quarterly Statem. 1SS7, 152) westlich, den (Jahr csch- 
schijäh (Name Lists, 294) östlich. 

3) ZDPV. III, 32. 

4) ZDPV. III, 235. Ob richtig? Vgl. von Riess Bibelatlas 2, 31. 



Aus der Umgegeud von Jerusalem. gl 

finde \;, gebe ich hier, Avas meine Noten darbieten, um so mehr, 
weil es theilweise in ihrer Art grossartige Anlagen sind, die nächst 
den Jerusalemer Königs-, Richter- und Prophetengräbern ge- 
nannt zu werden verdienen. Namentlich finden sich mehrere 
Eigenthiimlichkeiten der kubUr el-mulük hier an einer oder meh- 
reren Stellen wieder: so der im Felsen gehauene unbedeckte 
Vorplatz, die weite offene Vorhalle mit Pfeilern und Felsan- 
sätzen zu beiden Seiten, im Innern die geräumige Vorkammer 
ohne Gräber und die Lage einiger Kämmerchen in verschiedener 
Höhe, so dass eines sogar theilweise unter dem anderen liegt. 
Die Grotten finden sich in drei Abstufungen am Abhänge : 
zwei unten am AVege, zwei auf der ersten und drei auf der zweiten 
Terrasse des Abhanges. Die erste (nördliche) unten im Thal ist 
von den anderen völlig verschieden. Sie öffnet sich in einem 
2,60 m tiefen Schachte, in den man auf fünf Stufen hinunter- 
steigt ; sie besteht nur aus einer Kammer und hat an drei Seiten 
Arcosolien mit Loculi. Unter jeder Bogenwölbung finden sich 
zwei Loculi und zwischen beiden eine hohe Bank, welche eben 
so breit ist Avie die Gräber 2). Die zweite, nur wenige Schritte 
weiter nach Süden, kann keinem Reisenden, der dieses Weges 
nach rriär siihä geht, verborgen bleiben und ist in der That so gut 
bekannt, dass sie im Legendenkreise der Jerusalemer Muslimen 
eine Rolle spielt. Mein Gefährte versicherte mir wenigstens, 
dass hier seijidnä 'isä von seiner ^Mutter verborgen wurde, als 
derfarün el-jehüd ihn tödten Avollte 3j . Der etAva 5 m lange in 
Felsen gehauene Eingang und die 4 1/2 ni breite Vorhalle mit 
einem Pfeiler in der Mitte und Felsansätzen zur Seite scheint 
etwas Grosses zu versprechen. Doch fand ich im Innern nur 
Eine Kammer mit neun Kokim (Schiebgräbern). 

1) Vielleicht möchte »a large tomb discovered by Lieutenant Warren in 
the Kedron Valley, below Bir Eyub« (Spec. Pap. 283) hierher gehören. Es ist 
mir hier nicht möglich, diese Spur weiter zu verfolgen. 

2) CoNDER behauptet Memoirs II, 326: Solche »arcosoHa 

divided lengthwise into two graves, Avhich have their length direction at right 
angles to the Avall of the central chamber« finden sich in jüdischen Grabkam- 
niern von ungefähr 15ü v. Chr. 

3) Vgl. Schick-Marti a. a. O. S. 32 : «Es finden sich nahe dabei auch 
Cisternen, und gegenüber (auf der Ostseite des tcädi kattimV eine Höhle, die 
lueghäret 'isä Jesushöhle^ genannt wird«. Die Lage ist, nach dem oben Ge- 
sagten, auf der Westseite des irädi en-när. 

Ztsch.d.P.il.-Ver. XIII. 6 



82 



Kasteren. 



f^ 



'Uw' 




Figur 3. 



Von dem nördlicheren 
Gräbercomplex der ersten Ter- 
rasse kann ich einen schHchten 
Grundriss beigeben (Fig. 3 . Er 
ist bei -weitem der geräumigste 
lind schönste und von ausge- 
zeichnet symmetrischer Aulagre. 
Eine Öffnung von etwa 3 m 
Breite führt in die Vorhalle, 
die 14.50 m lang und 4,35 m 
breit ist. Durch eine niedriore 
Thüre ■ 1 m bei 90 cm) gelangt man weiter in die etwa 5 m 
hohe Vorkammer, deren Breite und Tiefe die gleiche Aus- 
dehnung von je 6 m hat. Von hier leiten drei Gängelchen von 
3,20 m Länge, 00 cm Breite und ungefähr 2 m Höhe in die 
eigentlichen Grabkammern, von denen zwei 1 1 Schiebgräber, die 
dritte 9 Schiebgräber enthält. Diese Grabkammern habe ich 
nicht vermessen oder wenigstens die Masse nicht aufgezeicluiet. 
Sie sind kleiner als die Vorkammer, aber die Höhe Avar ziemlich 
gleich. Eine Bank von 40 cm Höhe xmd 60 cm Breite läuft in 
allen Grabkammern an den AVänden hemm. Das Ganze zeigt 
eine sorgfältige Arbeit, aber von Sculpturen oder Inschriften fand 
ich keine Spur. 

In gleicher Höhe etwas nach Süden liegt die vierte Graban- 
lage, deren Plan im allgemeinen dem vorigen fast ganz ähnlich 
ist^ jedoch sind die Masse viel kleiner, die Kämmerchen äusserst 
niedrig und vielleicht nicht vollendet. Nur in der linken Kammer 
finden sich einige Kokim. 

Von dieser Gruft aus sieht man den llussenthurm inid das 
Karmelkloster auf dem Olberg. A on der zweiten Terrasse ist 
auch ein Theil der Mauer Jerusalems und die Aksä-Moschec sicht- 
bar. Hier fcind ich, wie gesagt, noch drei Grotten. Die südlichste 
hat wieder einen im Felsen ausgehauenen A'orplatz von etwa 1 m 
und 6 m Ausdehnung. ]3och finden sich hier ausser dem liaum, 
den ich oben als die Vorhalle bezeichnete, nur zwei nicht grosse 
Kämmerchen mit Schiebgräbern. Von der zweiten Grotte, weiter 
nördlich, ist nur diese hier merklich kleinere Vorhalle zugäng- 
lich, und die weitere Thüre ganz verschüttet. Die nördliche 
Grotte endlich ist wohl die complicirteste. aber nur ungenau von 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 83 

mir aufgenommen. Die Vorlialle hat einen Pfeiler in der Mitte 
und zeigt ausser der gewöhnlichen Thüre in der Front eine zweite, 
jetzt verschüttete in der rechten Seitenwand. Durch erstere ge- 
langt man in eine Grotte mit Kokim, und aus dieser durch ein 
schmales niedriges Gängelchen der Thüre gegenüber in eine 
zweite ungleich tiefer gelegene Kammer. Hier finden sich ausser 
mehreren Kokim wieder drei Gängelchen, den Kokim selbst ganz 
ähnlich, aber immer tiefer hinabführend. Zwei dieser Gänarelchen 
laufen zu beiden Seiten des erstei"«ähnten zurück und führen 
uns somit etwa unter die erste Grabkammer in ähnliche kleme 
und niedrige Kämmerclien mit Kokim. In einem schmalen Seiten- 
kämmerchen sah ich auch bogenartige Nischen von verschiedener 
Grösse. 

Der Bergabhang ist hier zum Theile bebaut. Nicht viel 
weiter nach Süden bemerkt man, wenn man von der anderen 
Seite hierher kommt, in einiger Entfernung westlich vom Wec^e 
ein paar Häuser, die mir als süicän el-aflla (das alte sihcüti) be- 
zeichnet wurden. 

In der Tiefe der hier sich vereinigenden Thäler giebt es 
mehrere Überreste uralter Felsenarbeit ; in Felsen gehauene 
Becken verschiedener Grösse und mehrere grosse und tiefe Cis- 
ternen. In einer dieser letzteren notirte ich eine Treppe- au der 
Südseite und eine breite Felsenbank, die sich um den grösseren 
Theil der Cisterne herumzieht. In den Wänden, mit Ausnahme 
der südlichen, befinden sich eine Unzahl kleiner Nischen, wie 
diese oft in Gräbern imd Höhlen, weniger aber in Cisternen vor- 
kommen. Sie sind theiiweise zerstört: doch sind avoIiI GO noch 
sichtbar. 

Von dieser Stelle führt ein Weg ostwärts nach abu dls. Nach 
einem ziemlich steilen Aufstieg kommt m^n auf eine Hochebene, 
die vielleicht einer genaueren Durchforschung nicht unwerth 
sein möchte. Nördlich vom Wege entdeckte ich eine Felseugrube 
— wie ich glaube, nur ein einziges Grab, aber von ungewöhn- 
licher Form und Grösse. Ein regelmässig abfallender Eingang 
von etwa 21,2 m Länge führt durch eine niedrige Thüre in einen 
Raum von 2, SO m Länge, 1,70 m Breite und mehr als 2 m Tiefe. 
Aus diesem oben ganz offenen Räume wachsen zwei Feigenbäume 
heraus. In einiger Entfernung nach Süden bemerkte ich mehrere 

0* 



§4 Kasteren, 

solcher Bäume, die in der immlichen Weise aus künstlichen 
Pelsengruben hervorzuragen schienen. 

Ein anniuthiger Olivenhain liegt weiter östlich, wo sich unser 
Weg mit dem von Jerusalem nach ahu dls vereinigt; dieser hat 
sich in kurzer Entfernung nach Norden von dem Jerusalem- 
Kethania-Wege abgezweigt. 

El-murassas. Auf letzterem Wege gelangen wir bald nach 
el-äzarlje, und eine kurze Strecke Aveiter östlich über felsigen, 
vielfach behauenen Grund nach ed-dscJmneini ^), dem traditionellen 
IJegegnungsort des Heilands mit der heiligen Martha. Die ortho- 
doxen Griechen haben hier seit einigen Jahren eine neue Kirche 
gebaut, die aber, nach ihrer Aussage, auf alten Grundmauern 
steht. Die Kreuzform mit von Apsiden gebildetem Querschiffe 
ruft die Reste der alten Kirche von der dösl^) ins Geduchtniss. 
Die Kirche sieht hübsch und reinlich aus. In der südlichen 
Seitenapsis zeigt man den schildkrötenförmigen Stein, auf dem 
der Heiland gesessen haben soll, als er mit der Schwester des 
Lazarus redete 3). Er ist 65 cm lang, 40 cm breit, und erhebt sich 
36 cm über den Boden der Kirche. Die Geschichte dieses Steines 
ist aus LiEviN bekannt ^) . Der ältere, etwas grössere j)Stein des 
Zwiegespräches«, dem dieser nachgebildet ist, liegt in einiger 
Entfernung nordwestlich von der Kirche, nahe am Wege. 

Ein Wadi, der sich südlich von der Kirche und nördlich von 
abu dls hinzieht, soll wädi ez-zeitün heissen. In diesen mündet 
weiter westlich der tvüdi ahu dls, der die Anhöhe, worauf das 
gleichnamige Dorf liegt, von Westen begrenzt. 

Der alte, jetzt nicht mehr benutzte Jerichoweg, den nach der 
eben erwähnten Tradition der Heiland gegangen sein soll, führt 
bald auf ein sehr steiniges Plateau. Eine Anhöhe von weit 
schimmerndem Kalkstein in einiger Entferninig nach Norden 
trägt die chirbet er-rüs. Weiter, ebenfalls links vom Wege, giebt 

1) Dieser Name (= Gärtchen] ist offenbar modern und den Anpflanzungen 
"bei der neuen Kirche entnommen. Lnh'ix (Guide 3 II, 318) giebt den Namen 
»el(?)-Bordj el-Aamar (forteresse d'Aamar «. 

2) Vgl. ZDPV. III, Taf. II. 

3) Job. 11, 21 ff. 

4) »Cette pierre est un fac-simile mal reussi de la veritable pierre du 
cülloque. Elle provient d'une grande pierre qui jusqu' en 18S0 couvrait un 
tombeau" 'a. a. O.;. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. g5 

es ein paar Cisternen, die hijär ahu sad, und die gleichnamige 
chirhe, die aus Steinhaufen und einigen jetzt für die Heerden 
benutzten Grotten besteht. Weiter hat man den hlr es-sitt, der 
noch AVasser hält, am Wege, die bebaute Ebene merdsch es-sitt 
von etwa 200 m Breite links und rechts erst die clnrhet es-sitt 
und dann eine andere ebenfalls mit Weizen besäete Ebene. 
Letztere hat etwa einen halben Kilometer (west-östliche) Breite, 
und die Länge (süd-nördlich) mag noch mehr betragen . Sie heisst 
kasästm es-sitt, ein Name, der mich an die Ebene (emek) kests^] 
erinnerte. Allein mein Führer sprach den Namen mit sin, und 
leitete ihn von hasama (theilen her: der Ort heisse so, «weil die 
Fellachen ihn unter sich getheilt haben«. Wir sind hier übrigens 
auch w^ohl ausserhalb des Gebietes des Stammes Benjamin, w^o- 
zu die "^emek kefis gehörte. 

Bald folgt, wieder südlich vom Wege, die chirhet ed-dikke, 
wo Ijeute aus ahu dls, die sich ))%/rab fellä/fin« nennen, ihre Gerste 
dreschen. Die chirhet er-raghähnc zeigt man weiter nach Süden 
auf einem kahlen, felsigen, runden Hügel. Den wädi ed-dschemel-) 
lassen wdr zur Linken, den ^cüdi turdschamänlje, der in süd-öst- 
licher Richtung zum tvädi ahu hindl abfällt, zur Rechten. Das 
challet el-makahir, wozu der Weg etwas hinuntersteigt, ist wie- 
derum bebaut. Der tiefe wädi ahu t'trän läuft zur Linken in nörd- 
licher Richtung. Weiter, am hir er-rijäsi vorüber, kommen wir 
in die merdsch ez-zeihün, die hier äusserst felsig aussieht, aber 
doch in ihrem südlichen Theile ihre Gerstenernte verspricht. Ein 
anderes tiefes Thal, loädi el-harik, fällt von hier in nördlicher 
Richtung ab. 

Obwohl man hier die chirhet €l-7nurassas gerade östlich vor 
sich hat, muss man erst eine rauhe felsige Anhöhe südlich um- 
gehen, über die fruchtbare ard el-kuseir. Wo das «Schlösschen« 
stand, dem sie den Namen verdankt, konnte ich nicht ermitteln : 
vielleicht ist es der Thurni der chirhet el-inurassas selbst, die 
wir nun bald in geringer Entfernung links vom Wege vor uns 
haben. 

Das Wichtigere, was über diese Stätte zu sagen wäre, ist 



1) Jos. 18, 21. 

2) So The Survey, Name Lists, 334 und Socix a. a. O. S. 149. Ich hörte 
wiederholt : icädi dschimmil. 



86 Kasteren, 

schon von Schick-Makti ') und Conder-) vorgeführt -worden. 
Mir fielen besonders die Wasserleitungen auf, die das Regen- 
wasser von den westlichen Höhen zu den hier befindlichen grossen 
Cisternen führten und theilweise noch zviführen. Solche srross- 
artige Vorrichtungen zur Sammlung des RegenAvassers finden 
sich vielleicht n\ir in dieser wasserlosen Gegend. Bei dev chirbet 
el-merd sollte ich ähnliche wiederfinden : aber hier begegnete ich 
ihnen zum ersten Male . Zwei dieser Kanälchen kommen von der 
westlichen Anhöhe herunter und laufen an einem Punkt gut 100 m 
von den Ruinen zusammen. Sie sind im Innern etwa 20 cm breit, 
theilweise gebaut, theilweise in Felsen gehauen ; sie waren ur- 
sprünglich mit Cement beworfen und mit rohen Steinen fest 
überdacht. Jetzt sind sie an mehreren Stellen zerstört, an andern 
noch ganz gut erhalten, selbst mit der erwähnten Bedeckung. 
Nur für eine sehr kurze Strecke scheinen beide Kanäle ihr Wasser 
gemischt zu haben. Bald zweigen sich drei Arme, einer nach 
dem andern, südwärts ab. Der südlichste nährte eine Cisterne, 
welche südlich von den Ruinen, in der Nähe der Kirche, liegt, 
und noch eine andere etwa 200 m weiter östlich. Die übrigen 
führen ihr Wasser den andern vier Cisternen zu, die auf dem 
Plane der »Survey« verzeichnet sind, mid deren eine westlich 
von den Ruinen, die andern in deren Mitte sich befinden. 
Dass all diese sechs Offnungen nur einer, mithin beispiellos 
grossen Cisterne angehören sollen, wie Tohler^) meinte, kommt 
mir höchst unwahrscheinlich vor. Wozu hätte man in diesem 
Falle das Wasser in' all die Öffnungen zugleich hingeleiteit ? 
Auch finde ich dieses bei keinem der späteren Forscher mehr 
deutlich behauptet â– *). 

Das Mosaik, vonCoNDER in dem südlichen Schiffe der Kirche 
aufgefunden, habe ich nicht mehr gesehen. Was das nördliche 
Schiff anlangt, so erscheint mir sogar die ehemalige Existenz als 
fraglich. Von der dritten, nördlichen Apsis ist niclit nur nichts zu 
entdecken, sondern es finden sich vielmehr an ihrer Stelle zwei 

1) ZDPV. III, 28 f. 

2) MemoirsIII, 121 f. 

3) Topogr. II, 764. Eine Cisterne mit sie1)en Schöpflöchern, deren aber 
jetzt eines verschlossen ist, findet sich wirklich an der Ostseite des cfiän es- 
sahl. Aber die (jfi'nungen Hnden sich dort «^leichsam neben einander. 

4) Die Aussage von Dr. v. KiEss (Bibelatlas 2, 14) ist mir nicht klar. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 87 

süd-nördliche Mauern, die mir keine iSpur von geringerem Alter 
zeigten als die Keste der Kirche selbst. Vielleicht haben wir 
hier also eine ziemlich genaue Parallele der Doppelkirche el-chadr 
bei et-faij'ibe^). Auch dort hat man zwei orientierte Schiffe von 
ungleicher Breite, und zwar das breitere an der Nordseitc. Nur 
vermisst man in el-murasms den schmalen Raum zwischen den 
beiden Apsiden, der jetzt in der eZ-c/mr/z-Kirche eine Art Heilig- 
thum bildet, wo die Leute — sie wissen nicht wem zur Ehre — 
kleine Lämpchen anzünden. 

Eine kleinere Kapelle, von der »Survey party« nicht bemerkt, 
findet sich südöstlich von der (offenbar späteren) Thurmruine. 
Sie nimmt den südlichen Theil des Eaumes ein, wo die eng- 
lischen Forscher ein »Pebble Pavement« verzeichnen. Von der 
Apsis an der Ostseite sind nur noch 4 schöne Steinquadern in 
situ. Die Breite beträgt etwa 10, die Länge kaum 1.5 Schritte. 

Den kleinen Wädi nördlich von der Ruinenstelle, der von 
Leuten aus el-äzimje bebaut wird, nennt man loZidi harh ; ein 
tieferes Thal, das in einiger Entfernung nach Osten sichtbar ist, 
soll lüäcli en~nalde heissen. 

Die Frage, wem die chirbe gehöre, war während meiner An- 
wesenheit an Ort und Stelle der Anlass zu einem lebhaften Wort- 
wechsel. Ein gcAvisser Hasan Beg aus el-äzarlje, der sich im 
lüüdi harh mit der Ernte beschäftigte, behauptete von seinen Ge- 
fährten und meinem Führer unterstützt, dass er der Eigenthümer 
sei. Allein einige Beduinen, "arah ahu nuseir, meinten, es gehöre 
ihrem Stamme an. Die theoretische Rechtsfrage hätte gewiss 
weniger Lrteresse erregt, allein die '^arah meinten, der Frandschi 
mache nur seine Beobachtungen und Vermessungen, weil er die 
cJiirhe kaufen wolle, und so wurde die Frage äusserst praktisch. 
Auch begnügte man sich schliesslich mit der Lösung dieses prak- 
tischen Theiles, und zwar in einer ganz originellen Weise. Mein 
Führer bedeutete den Beduinen, dass vom Kaufe der Stelle keine 
Rede sei. Allein der Chawädscha besuchte, vermass und zeich- 
nete alle Ruinen in der Umgegend ; er hatte Bücher, Karten imd 
Zeichnungen bei sich imd kannte die Ruinenstellen u. s. w. 

1) Ich schreibe dieses nach meinen Beobachtungen. Gukrin (Judee III, 
46) hat die kleinere Apsis nicht gesehen ; Conder (Mem. II, 325) hält sie für 
den Rest einer älteren Kirche. Er legt sie jedoch zu weit nach Süden. 



88 Kasteren, 

besser, als die Beduinen selbst. Letzteres war ihnen natürlich 
unglaublich — aber man konnte die Sache prüfen, den Frandschi 
ein Examen bestehen lassen. Der Führer hatte, bevor ich ihn 
mitnahm, selbst ein ähnliches geographisches Examen bestanden 
und war seiner Sache gewiss. So wurde der Chawädscha feier- 
lich zu einem Examen eingeladen, und als er mit seinen Beob- 
achtungen fertig war, stellte er sich der sonderbaren Examens- 
kommission zur Verfügung. Von den vielen Examina, die ich 
durchgemacht habe, ist dieses zweifelsohne das am besten ge- 
lungene. Jede Antwort Avurde mit lauten Beifallsbezeugungen 
begrüsst, und zwar am meisten, wenn ich zur genaueren Be- 
stimmung einer Ortslage die Karte zur Hand nahm. Es erregte 
Erstaunen, dass die ganze harrije (Wüste) so auf einem Blatte 
Papier stehe, viel mehr als dass ein Frandschi sie im Kopfe habe, 
wie sie selbst. Die Examinatoren waren also bald zufrieden ; ein 
paar vom Examinandus an sie gerichteter Fragen setzten den 
Sieg meines Führers noch mehr ausser Zweifel. Einige Cigar- 
retten, die mit Dankbarkeit angenommen, doch wegen des 
Bamadän zum Abend aufbewahrt wurden, besiegelten Aveiter den 
Frieden, und nach vielen freundschaftlichen Grüssen bestiegen 
die Beduinen ihre Pferde. 

Der Leser mag sich inzwischen Avohl mehr für die andere 
Frage interessirt haben, wem die Stelle in alter Zeit angehörte, 
mit andern Worten, ob wir mit Furrer^) und von Riess^) die 
von KyrilloS"*] erwähnte St. Peterskirche mit der »grossen 
Cisterne« hierher versetzen können. Die Sache scheint mir be- 
denklich. Das Kloster des h. Euthymius — auch nach Furrer 
und VON Riess mit dem clmn es-sahl identisch — war von der 
Stelle dieser St. Peterskirche sichtbar. In el-miirassas habe 
ich mich aber vergebens bemüht, den chün zu Gesicht zu be- 
kommen, und umgekehrt. Die zwischen beiden sich erhebende 
Hügelmasse macht es unmöglich. Diese Schwierigkeit ist zwar 
durch die Annahme zu umgehen, dass Eudoxia nur oben vom 
Thurme die Laura gesehen hat; jedoch möchte man um so 
mehr geneigt sein, ihr einiges Gewicht beizulegen, weil zwei 



1) ZDl'V. 111, 235. 

2) liibelatlas -i S. 14. 30. Bl. VIll. 

3) Vita S. Euthj-mii (Acta SS. Jan. II [Paris, 1863] S. 681) 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 89 

andere alte Klosterstellen ihre Ansprüche geltend machen. 
ConderI; soll hier nämlich die Tradition «eines gewissen 
laddls chciretUn oder »Priester Chariton.i gefunden haben, «der 
seine Feinde vertilgte mit einem Tränkchen von Schlangen- 
blut«. Es ist dieses zweifellos ein Widerhall der vom Biographen 
des h. Chariton^) mitgetheilten Erzählung. Der Heilige — so 
lesen wir dort — war von Räubern in der Nähe von Jerusalem 
in eine Höhle geschleppt worden und wurde dort gefangen ge- 
halten. In ihrer Abwesenheit aber kam eine Natter, kroch einem 
mit Wein gefüllten Gefässe zu, trank davon und Hess — »wie 
böse Menschen Wohlthaten mit Übel vergeltend« — Gift zurück. 
Und als nun die Räuber in die Höhle zurückkehrten, tranken sie 
vom Wein und starben. Auf Grund der Conder sehen Tradition 
wäre hier also die erste Laura des h. Chariton zu suchen. Allein 
der Werth dieser Tradition ist ziemlich unbestimmbar. Wer sie 
dem englischen Forscher erzählte, wird nicht raitgetheilt, und an 
eine eigentliche Localtradition ist nicht zu denken, weil der Ort 
v.nd die ganze Umgegend bis el-üzarije und ahu dls schon lange 
unbewohnt ist. Und überdies ist diese »Tradition« hier in offen- 
barem Widerspruch mit der weiteren Angabe des genannten 
Biographen, dass die bald vom h. Chariton in eine Kirche umge- 
wandelte Höhle — zur Zeit des Verfassers «die alte Kirche« ge- 
nannt — »bei der Laura Pharan« liege ^) . 

Besser entspricht die Lage von el-murassas den bekannten 
alten Daten in Bezug auf das Martyriuskloster. Dieses lag nach 
Kykillos*) 15 Stadien von der Laura des h, Euthymius und zwar 
westwärts : auf dem Wege nach Jerusalem hat man nämlich das 
Kloster sich gegenüber^). Ich möchte also am liebsten hier das 
Martyriuskloster suchen inid die St. Peterskirche den von 
Führer ''y verzeichneten noch unbekannten Klosterstellen an- 
reihen oder es etwa bei dem scJiech el-cJmJr ansetzen, wo Furrer 
das von Dr. vox Riess weiter nih'dlich verzeichnete Martvrius- 



1) Memoirs III, 165. 

2) Acta SS. Sept. VII, 575 f. 

3) rpo; T^ £yaY£5TaT7) Xaüpa ir^ '}.Z'[0\}.vir^ cpapo; (S. 576). 

4) Acta SS. Jan. II, 680. 

5) A. a. O. S. 6S7. 

6) a. a. O. S. 236. 



90 Kasteren, 

kloster sucht. Leider habe ich schech el-chidr nicht besuchen 
können ^). 

Chan es-sahl. Eine Beschreibung dieser Ruinenstelle, die 
hauptsächlich aus halb zerstörten Gewölben besteht, deren Steine 
an einzelnen Stellen die Diagonalstreifen der Kreuzfahrer zeigen, 
brauche ich nicht zu wiederholen. Ich wendete meine Beobach- 
tungen hauptsächlich der Frage zu, ob die aus alten Schrift- 
stellern, besonders aus Kyrlllos, bekannten Merkmale des St. 
Euthymius - Klosters hier zutreffen. Im Grossen und Ganzen 
kann ich solches bestätigen. Der Chan liegt auf einer niedrigen 
Anhöhe mit kleinen Thal eben rechts und links, die sich an der 
Südseite zu einem ebenfalls unansehnlichen Wadi vereinigen"^). 
Die Stelle sollte vom Wege von Jericho nach Jerusalem sichtbar 
sein 3). Ich habe mich überzeugt, dass der Chan vom heutigen 
Jerichowege über 13ethania nicht zu sehen ist, wohl aber von 
mehreren Stellen des älteren nördlichen Weges über denÖlberg^). 
Die »Ebene von drei Stadien Länge nach Norden hin« ^) ist vor- 
handen. Allein der hier von einem hohen östlichen Hügel mitten 
durch die Ebene lliessende Giessbach des Kyuillos'', muss theil- 
Aveise ungenau sein. Die östlichen Hügel sind da, der Giessbach 
am Nordende der eben erwähnten Ebene ist auch da, allein er 
ist die Fortsetzung des bekannten wTidi el-höd, hier von einem 
Beduinen v:iidi el-mudauicar, von meinem Fülu*er tcädi es-sikke 
genannt, der nach Osten, zum Jordan, abfällt. Auch die Rich- 
tungs- und Entfernungsangaben des Epiphanius'), Puocas^) und 
des griechischen Anonymus ^) lassen sich gleichfalls ziemlich gut 

1; Dr. VON RiESS (S. 20) findet in el-tnuras.sa.s auch die von Epiphanius 
Hagiopol. (Enarratio Syriee, Migxe Patr. Gr. 120, S. 268) erwähnte Quelle 
Mera wieder. Der Namensanklang verdient Beachtung, aber das Wort Q.uell e 
•wäre dann jedenfalls ein Irrthum. 

2) Kyhii.i.os, Acta SS. Jan. II, S. ü85. Vgl. Toblek Topogr. II, ;»65. 
Ich muss aber hinzulugen, dass die Tiefe dieser Thälchen sehr gering ist, und 
sie nördlich vom Chan, wo Dreschtennen liegen, jetzt kaum eine Fortsetzung 
zeigen, so dass man versucht wird, an Reste eines alten Grabens zu denken. 

:i) Kyrillos, a. a. (). S. (191. 

4) Vgl. unten S. 93 f. 

5) KvKiLLos a. a. O. S. 685. 
6 a. a. O. 

7' MiGNE, Patrol. gr. 120, S. 269. 
b 18, 19; ibid. 133, S. 949. 
9) Ibid. 133, S. 988. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 91 

erklären. Die zwei Cisternen, 2 Stadien vom Kloster entfernt '), 
sind noch aufzufinden, 

LiEViN DE Hamme (a. a. O. S. 279) hält nehi niüsä für die 
Stelle des Eiithyminsklosters . T^ach einer gefälligen mündlichen 
Mittheilung stützt er sich auf »die Tradition der Griechen«. Und 
wirklich hörte ich die nämliche Behauptung von einem Mönche 
in mZü- sähä. Die Hypothese möchte Aveitere Prüfung verdienen ; 
nur sind die topographischen Details von nehi müsU mir imbe- 
kannt. Ich habe oben die Identität des Euthymiusklosters mit 
dem chciit es-sahl nach dem Vorgange von Furrer und von Riess 
als die wahrscheinlichste vorausgesetzt, muss aber gestehen, dass 
mir hier noch vieles dunkel bleibt. Der Name »Heptastomos« 
(bei vonRiess a. a.O.) möchte uns nach dem oben (S. 86, Anm. 3) 
Gesagten mit der Petruskirche zum chän es-sahl führen. Einzelnes 
aus den topographischen Daten des Kyrillos in Bezug auf das 
Euthymiuskloster bleibt an letzterer Stelle unerklärt. Das einst 
in hoher Verehrung stehende Grab des h. Euthymius ist ver- 
schwunden. Könnte es nicht zum Mosesgrab umgestaltet worden 
sein? Dass wir mit Schick (ZDPV, III, 16) auch in 7iebi 
mnsä eine alte Laura zu suchen haben, ist nicht unwahrscheinlich : 
aber ausser Lievin hat noch niemand, so viel mir bekannt, einen 
alten Namen genannt. 

Der Pilgerweg nach nebt mUsä zieht sich durch den nörd- 
lichen Theil der Ebene ostwärts. An der Südseite des AVeges steht 
eine Tränkstelle, ein steinerner Bau von 3,40 m zu 1,54 m, der 
nur einen sargförmigen Trog (1,85 m zu 0,75 m) enthält. Beim 
Vorüberziehen der bekannten Pilgerkarawane wird der Trog aus 
der Cisterne des Chän mit AVasser gefüllt. Etwas weiter -nach 
Westen, geradezu nördlich vom Chän, sind Spuren einer kleinen 
Ruine übrig, mehr unten ein Stück Marmor mit mathematischen 
Figuren. Man nennt die Stelle dcLi' el-kasr, und mein Führer be- 
hauptete, es habe dort ein Thurm gestanden, zum Schutze des 
Chän. Eine andere besser erhaltene Ruine liegt nordwestlich 
vom Chän und eine Strecke südlich vom Pilgerweg. Der nörd- 
liche Theil der Ebene, z-wischen dem Wege und dem genannten 
ivädi el-mudauicar soll mukeb'b es-semen heissen-) . Weiter östlich 
kennt man ein challet misr. 

1 Kyrillos, Act. SS. Jan. II, 689. 

21 Ich hörte die Beduinenaussprache mutschcb. Ob vielleicht muscheh? 



92 Kasteren, 

Die Ebene ivird von den Silwänern bebaut. Schon Anfangs 
Mai beschäftigt man sich mit der Weizenernte. Die Halme sind 
kurz, die Ähren aber relativ gross und voll. 

Rück-weg nach el-üzarlje. Wenn -wir vms hier dem etwa 
eine Viertelstunde entfernten Jericho-svege zuwenden und uns auf 
diesem nach el-äzar'ije begeben, behalten wir den Giessbach des 
tvädi el-mudaincar (später imdi el-liod genannt) immer zur Seite, 
und dieses ist wohl der Grund, wesshalb mein Führer dieses Thal 
imdi es-sikke (= des Weges] nennt. Übrigens kennt er hier die 
Namen der einzelnen Berge und Thäler besser als anderswo: ein 
Theil dieser Gegend ist sein Eigenthum. 

Das erste Thal, das hier von der Südseite in den wädi el-mu- 
dauwar einmündet, ist der oben erwähnte wädi en-nahle. Bald, 
wo der Hauptwadi sich nach Norden umbiegt, kommt von Westen 
der wädi abu kara her. Etwas weiter, auf dem Jerichowea: ange- 
langt, lassen wir den von NW. einfallenden wädi ez-zamhl zur 
Rechten, den dschebel el-tcizu'äzi und eine scJabe ') desselbigen 
Namens, vom dschebel ischmls'^) gefolgt, zur Linken. Eine 
scJabet el-fid liegt zur Seite des Olberges, und fast gerade diesem 
gegenüber der imdi el-harlk, den wir auf dem Wege nach el-mit- 
rassas schon kennen gelernt haben. Den folgenden dsc/tebel 
"iidscli ed-cTib lassen wir ebenfalls links vom Wege. 

Eine Strecke weiter zeigt man zur Rechten, wo ein loädi 
mudauwäd in unser Thal einmündet, einen grossen Felsblock, 
dem man den Namen hadschar (Stein des) abu dahür beilegt. Ein 
Mann dieses Namens soll den ungeheuren Stein dort hingetragen 
haben, gleichwie eine scliAvangere Frau aus Ba'albek dort den 
2.S m langen hadschar el-hible (»Stein der schwangeren Frau«) an 
seine Stelle gelegt hat. Solche Märchen bilden die Ideen der 
Orientalen über ihre Vorfahren aus. In Ba*^albek sagte man mir 
auch von den bekannten grossen Gewölben unter dem Tempel : 

1 Schi' he scheint eine schmale, untiefe Spalte zwischen zwei Bergen zu 
bedeuten, ähnlich wie challet. Die ursprüngliche Bedeutung beider Worte 
ist: Spalte, Bresche. Palmer (Name Lists 350) übersetzt »spur«; SociX 
(ZDPV. IV, 7) »Abzweigung eines Thaies«. 

2) So spricht mein Gewährsmann. Ol) dieser Name von Andern aräli 
esch-schems (engl. Karte' gesprochen oder verstanden wurde? ]Jie »Name 
Lista« (347) kennen anderswo die mughfiir esch-scheims (»caves of sunlight«.). 
Vielleicht haben wir hier auch dschebel esch-sehenüs zu schreiben. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 93 

»Unsere Väter füllten sie mit Korn ; könnten wir sie nur mit 
Stroh füllen !« Man sieht, die Hypothese des ewigen Fortschrittes 
der Menschheit ist kein orientalischer Gedanke. 

Fast gegenüber diesem, übrigens durch nichts ausgezeich- 
neten Felsen bemerkt man links vom Wege mitten im trockenen 
Bachbette eine kreisrunde Vertiefung im Felsengrund: das ist 
der dschubb er-riim, sagt man. Den wädi ed-dschemel und den 
dschebel er-räs kennen wir schon. Letzterer trägt die gleich- 
namige Chirbe. Ein kleines Thälchen hingegen, das wir rechts 
lassen, hat den Namen schibet el-chirbe, obwohl von einer dor- 
tigen Ruinenstelle nichts bekannt ist. Ein hoher runder Berg 
links heisst dschehel selmü] er hat eine doppelte schibet selmä, 
esch-scliarlfije und el-gharb'ije (die östliche und die westliche), zur 
Seite. Ein imdi misläk liegt auf der nämlichen Seite, noch be- 
vor man die Apostelquelle erreicht. Zur Rechten notirte ich in 
der nämlichen Gegend einen wZidi '^aräh mäzil^), der im Winter 
einen ansehnlichen Giessbach bilden muss, und eine schibet 
nalm^ neben welcher ein kürzerer, von den Heerden benutzter 
Bergpfad nach el-Zizary'e aufsteigt. 

Der Apostelquelle gegenüber läuft ein ivädi icabe eine kurze 
Strecke in südlicher Richtung fort, um dann nach Westen umzu- 
biegen. Unser Weg nimmt hier ebenfalls eine mehr westliche 
Richtung durch den imdi michlcis. Dieses Thal zieht sich weiter 
nach der '^ain el-muhendis hin. Allein unser Weg Avendet sich 
bald links und lässt einen steilen, Aveissen, wie vermodert aus- 
sehenden Kalksteinhügel, den dahr mich/äs, zur Rechten, Der 
schlechte und stark ansteigende Pfad führt uns hier an den be- 
kannten b'ir el-edd'^) mit einigen Gärten vorüber und bald, in der 
Nähe von ed-dschuneini, zu der Stelle, wo er in den oben ver- 
zeichneten Weg nach el-miirassas einläuft. 

Der alte Jericho weg. Eines andern Tages (8. Mai) 
hatte ich, von mZir säbü kommend, wieder den ckän es-sahl be- 
sucht, um Aveiter nördlich den alten Weg von Jericho über 
den Olberg nach Jerusalem zu verfolgen, der auch bei den Ein- 
geborenen als »der alte Pilgerwega (nach nebi müsä) bekannt ist. 
An der Stelle, avo A\ir oben auf den jetzigen Jerichoweg gelang- 



1 So die englische Karte. Ich schrieb näzil. 

2; Nach »Name Lists« 2SS. Ich meinte el-'id zu hören. 



94 Kasteren, 

ten, hat man den älteren kaum ein paar hundert Meter nach 
Norden. Durch eine sanft ansteigende chaUe kommt man auf 
den dort kaum erkennbaren Pfad. An dieser Stelle ist der chtin 
es-sahl nicht sichtbar, wohl aber eine kurze Strecke "weiter und 
später ziemlich lange. An letzterem Ort sieht man ebenfalls den 
chän el-hatrüra und die röthliche Farbe jener Gegend, welche 
von Alters her den Namen Adummim (das palästinensische »Land 
der rothen Erde«) veranlasste. Der Weg führt hier nämlich über 
hohe Hügelrücken, die sich wiederholt zu Hochebenen ausbreiten, 
und hat den ansehnlichen icüdi es-suneisil lange Zeit zur Linken. 
Die Gegend ist öde, der Boden felsig; wir sind noch in der »Wüste 
Juda(c, obgleich in grader Linie nur eine gute AYegstunde von der 
Hauptstadt. Bis an die Ruinenstelle, die auf der englischen 
Karte als kasr ''all verzeichnet ist und hier von einem Hirten- 
knaben aus el-lsmcije chirhet arliüb es-saffä genannt ward i), traf 
ich auf nichts Bemerkenswerthes. Diese Ruine liegt auf einer 
Anhöhe, die im Süden oder Südwesten von einem viel höheren 
Hügel, dem riis arküh es-saffit, beherrscht wird. Südlich vom 
Wege zeigen sich die Mauern eines länglichen Gebäudes, das 3S 
Schritte in der Länge und etwa 10 Schritte in der Breite misst. 
Die übrigen Ruinen liegen zur Rechten des Weges und haben 
nichts Bemerkenswerthes. Bald stösst man gerade am Wege auf 
eine Art Plattform, 18 Schritte lang und IG Schritte breit. Es 
findet sich dort eine schöne Cisterne. Die ganze Plattform hatte 
einmal und hat vielleicht sogar noch jetzt ein feines weisses 
Mosaikpflaster, allein die Zeit hat eine tiefe Schicht Erde und 
Schutt darübergestreut. Nur zur Seite des Weges ist ein Viereck 
von SO cm Ausdehnung aufgedeckt. Soll man hieraus schliessen, 
dass die Stelle einmal in ein Gebäude, vielleicht in eine Kirche, 
eingeschlossen Avar? Man könnte wohl einer solchen Annahme 
zuneigen, allein ich fand in dieser Gegend'-^) eine ähnliche Aus- 
schmückung einer Cisterne, für welche die Bodengestaltung eine 
solche Hypothese unbedingt ausschliesst. Ich glaube, in dieser 
öden, wasserlosen Gegend ist die (Zisterne selbst von Alters her ein 
Gegenstand gewisser Liebe und Verehrung gewesen, und es be- 
fremdet nicht, dass das byzantinische Zeitalter, in dem di« Mosaik 



1) Letzteren Namen {»eben auch die Name Lists S, 321. 
2 Siehe unten S. 111 f. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 95 

in l*alästina fast verscliAveiiderisch angewandt Avurde. in dieser 
"Weise auch die Cisternen veraiert hat. Hier im Orient ist Wasser 
Leben und Wassermangel Tod : die UuQ|le ist eine Gottesgahe. 
die Cisterne die beste Gabe des Menschen. Der Dichter hat 
Recht : in Gegenden wie diese bricht man keine Frucht vom 
Baume und schöpft kein Wasser aus dem Brunnen ohne den 
Gedanken : «Ein guter Mensch ist dieses Wegs gefahren« i) . Ein 
Mosaikpflaster über einer Cisterne mag anderswo sonderbar er- 
scheinen: hier in der »Wüste« Hegt die Bedeutung auf der 
Hand. — 

Über breite Felsenplatten nähert sich der hier links um- 
biegende Weg den steilen Abhängen des reis '^arkäb es-sajfu. wo 
eine Cisterne zwischen rauhen Felsen noch jetzt die Heerden 
tränkt. Zur Hechten hat man den tiefen icädi er-rawahl. den man 
an Ort und Stelle aber xL-adi mughZnr ed-duha nannte, und der 
namentlich zur Seite der erwähnten Ruinenstelle, die er nach 
Norden umzieht, hohe senkrechte Abhänge zeigt-). 

Jenseits des Wädi erblickt man einen öden traurigen Hügel- 
complex; nur hier und dort ist ausnahmsweise ein Stückchen 
Landes bebaut: wie ich dort notirte, «einzelne grüngelbe Fetzen 
einem breiten dunkelfarbigen, faltenreichen Mantel, nicht zur 
Zierde, aufgenäht«. Einen Rücken nennt man dahrat hmvädschl. 
einen andern weiter südlich dahr ed-deisi [dahrat deisi'l). 

Nur an dieser Stelle zeigt der Weg unzweideutige Spuren 
der alten Römerstrasse, welche mehr noch, als die Tradition des 
«alten Pilgerwegesa. es ausser Zweifel setzen, dass hier die alte 
Heerstrasse von Jerusalem zum Jordan hinunterging. Die chi'ist- 



1) Weber, Eine That. 

2' Sonderbar ist,' was man mir später in el-lsaicije erzählte. Essoll 
sich nämlich weiter nordöstlich in diesem Wadi eine Quelle vorfinden, 'a«« 
cr-7-aicäbl genannt, welche nicht mir immer AVasser hält, sondern sogar 
Wasser genug hat, um zur Tränlcung der Heerden benutzt zu Averden. Nahe- 
bei ist in einer hohen senl^rechten Felswand ein »grosses Fenster« mit 
einer Höhle, »deren Inneres nur den Vögeln des Himmels bekannt ist^<. Sollte 
wirklich in einer so wasserarmen Gegend eine immer fliessende Quelle sogar 
den systematischen Forschungen der »Survcv" cutgangen sein? Ich glaubte 
damals die Aussage so wenig, dass ich nicht den Gedanken hatte, weiter nach- 
zuforschen und die Mittheilung nur als ein Curiosum notirte. Später habe 
ich mich doch gefragt, ob die so bestimmte Aussage eines ehrwürdigen Greises 
nicht nähere Prüfung verdient hätte. (Vgl. den Nachtrag S. 114 ft'. Die Ked.] 



96 Kasteren, 

liehen Pilger hat wohl die Anziehungskraft, die vom Grabe des 
Lazarus ausging, schon frühzeitig Aveiter nach Süden über Be- 
thania geführt ; anderMnochte die Schwierigkeit der Besteigung 
des Ölberges auf den leichteren Umweg lenken. 

Ungefähr zwanzig Minuten läuft hier der Weg einerseits 
ziemlich hoch über dem Wädi, andererseits am Fusse einer un- 
unterbrochenen Hügelreihe hin, worauf sich sechs abgesonderte 
Gipfel, von unbedeutenden Einsattelungen getrennt, bemerkbar 
machen. Der erste (östlichste) ist der schon erwähnte ras '^arküb 
es-saffü. Auf diesem fand ich oben ein viereckiges Becken von 
nahezu 2 D m. Südlich von der Hügelkette zieht sich hier am 
Abhänge über den lüüdi es-suneisil ebenfalls ein Pfad hin. Der 
ZAveite bedeutend höhere Gipfel trägt den landläufigen Namen 
el-muntlir und zeigt auf einem südöstlichen Ausläufer, den der 
eben erwähnte Pfad berührt, eine kleine Ruine mit Resten einer 
Pressvorrichtung. Man nennt sie chirbet ras el-munfär. 

Auf der folgenden Einsattelung bemerkte ich am Nord- 
abhange drei natürliche Höhlen von ungleicher Grösse. Der 
dritte Gipfel ist von merkbar geringerer Höhe und zeigt nichts 
Bemerkenswerthes ausser an der Westseite ein einziges Beduinen- 
grab. Ich hörte keinen andern Namen als ed-dahr. Wohl inte- 
ressanter ist der jetzt folgende Sattel. Der Nordabhang ist eine 
rohe Felsenmasse. Zwischen den Felsen aber findet sich eine 
grosse, jetzt noch mit Wasser gefüllte und von den Hirten be- 
nutzte Cisterne, der hir zentiäJcl. Unter mehreren Vorrichtungen 
für die Wasserzufuhr zur Cisterne ist eine in den Felsen gehauene 
Rinne zu verzeichnen, die bei 4 m Länge oben 38 cm, unten etwa 
12 cm Breite hat. Der südliche Abhang des Sattels und ein 
Theil des folgenden Rückens [rüs ez-zambl) wird von Leuten aus 
el-lsaioije bebaut, und diese Avissen, dass ihr Gerstenfeld die 
Stelle eines alten Dorfes einnimmt, dessen Name meinen Ge- 
Mährsmännern jedoch unbekannt war. Wirklich sind die Spuren 
dieses verschwundenen Dorfes nicht schwer zu erkennen. Es sind 
nicht nur mehrere Höhlen und Cisternen vorhanden, sondern 
auch eine ansehnliche Menge Näri-Steine, die aber jetzt für die 
Terrassenmauern verwendet sind. Von einem Fragmente einer 
sculptirten Platte, aus einer gelbgrauen marmorartigen Steinart, 
füge ich eine Skizze hinzu (Fig. 4). Der am besten erhaltene 
Theil der Ruine liegt an der Ostseite, am Südwestfusse des 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 



97 




Figur 4. 



Massstab 1 : 20. 



Östlichen (Jah'^ Avas offenbar darin seinen Grund hat, dass 
diese Stelle axisserhalh des Umfanges des bebauten Landes 
liegt. Zwischen zerstreuten, grossen, 
aber von der Zeit und Witterung 
schon stark zerfressenen Quadern aus ge- 
wöhnlichem Näri zeigen sich mehrere 
Grundmauern der nämlichen Steinart noch 
in situ. Sie sind verschieden gerichtet, 
haben aber gewiss ein in sich abgeschlos- 
senes Ganze gebildet, das (ungefähr nord- 
west-südöstlich) etwa 50 Schritte Länge 
und 30 Schritte Breite hatte. — Eine Ver- 
muthung über den alten Namen dieser 
Stelle werde ich unten besprechen. 

Von dem ras ez-zamhl i), den ein Felläch auch dschehel zen- 
nZikl nannte, hat man eine herrliche Aussicht: nördlich sind 
el-isatclje und*^awä^ä, östlich hinter dem tantür el-hadeidün und 
dem munfür das Todte Meer sichtbar, und westlich erhebt sich 
über einer schönen, sanft ansteigenden Ebene der Ölberg mit 
seinen alten Heiligthümern und seinem modernen »Russenthurm« 
von etwa 60 m Höhe. Bevor man aber von hier in die westliche, 
vor dem Ölberg sich ausdehnende Ebene himmtersteigt, hat man 
erst noch den dschehel el-azwar mit einem Tür el-azioar und den 
ras zaijim zu überschreiten. 

Die alte Römerstrasse steigt diesseits des blr zennaki all- 
mählich in den icZidi er-rmvühl^ den man hier tvcidi rascJml nannte, 
hinunter. Das felsige Bachbett breitet sich bald zu einem schma- 
len bebauten Felde aus. Der Hügelabhang an der Südseite wird 
allmählich weniger steil und geht an dem Punkte, wo der Weg 
das Bett des Wadi überschreitet, in eine kleine bebaute Ebene 
mit dem Namen ard el-huicar über. Auf diesem sanften Abhänge 
bemerkte ich noch zwei Cisternen und einige in den Felsen ge- 
hauene runde Trinktröge. Die untere dieser Cisternen hält noch 
Wasser. Diese hörte ich hlr el-keJb nennen. 

Dem W^ege an der Nordseite des Wadi weiter folgend. 



1) So die »Survey«. Ich hörte ras zambl ohne Artikel) und suwän r.a»tbl 
und anderswo zijamb'i. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XHI. 7 



98 Kasteren, 

bemerkt man bald die Ruinenstelle bukei'^ dän. zu der die Siirvey 
richtig bemerkt: »Spuren von Ruinen und Cisternen«. Die An- 
höhe rechts hörte ich dscJiehel hul>ei^ dän und ms esch-schech 
nennen. Diese letztere Bezeichnung meint den schech 'ombar. 
dessen von einem Baume überschattetes Weli sich am südlichen 
Abhänge befindet. Nach Osten liegt diesem ras ein zweiter 
Hügel, 7-äs el-Jjatnrä, gegenüber. — Nach dem schönen bebauten 
wädi el-lahhäm ') steigt der Weg wieder an und lässt bald zur 
Seite eine Cisterne mit einer Plattform in der Art der oben er- 
Avähnten. Wer nach dem Namen trägt, erhält die Wahl zwischen 
hlr huhei dän und hlr el- ahabi. Der erstere Name verbindet sie 
mit der östlich in einiger Entfernung gelegenen Ruine, der letz- 
tere mit der '^akabet cs-suicän, dem Aufstieg, auf dem wir uns 
gerade befinden, und der auch der Quelle ''ain 'ahahet es-siiwän 
(in der Survey 'am es-suwän) ihren Namen giebt. Diese Quelle 
liegt eine kurze Strecke weiter westlich am Wege, am Fusse einer 
geringen nördlichen Anhöhe. Der bekannten ''ain el-lauze (süd- 
lich vom blr eijüb) ähnlich, hat sie nur im Winter W^asser und 
ist jetzt nur ein Loch im Sande von kaum \/2 m Tiefe. Gerade 
südlich von der Quelle fand ich in einiger Entfernung vom Wege 
eine kleine Ruinenstelle, nach deren Namen ich aber vergebens 
forschte. Es ist ein grosser Haufe gut behauener Näri-Steine. 
die man hier aus dem l^oden gegraben hat, und die allem An- 
scheine nach von einem ansehnlichen Gebäude herrühren. Eine 
Cisterne befindet sich in der Nähe. 

Nur ein modernes Curiosum ist auf diesem Wege vielleicht 
noch erwähnenswerth. Ein Landha\is des griechischen liischofs 
mit andern Gebäuden mid geräumigen Gärten krönt bekanntlich 
den ilachen Gipfel des nördlichen Theiles des Olbcrges, dem man 
oft den Namen »Viri Galilaei« beigelegt hat, freilich ohne zu be- 
denken, dass die Engel erscheinung Apostelgesch. 1,11 doch 
wohl an die Stelle der Himmelfahrt zu versetzen ist. Nach einer 
älteren, aber kaum besser verbürgten Meinung 2) wäre hier der 
Berg ))in Galilpea« zu suchen, »dahin Jesus die Jünger (nach 

1) Auf der englischen Karte steht dieser Name weiter nach Süden. 

2) Vgl. Breviarius de Hierosolyma Ausg. von Gli.DKMEisTEU, Bonn 1882, 
S. 33. 35) : »Inda (vom Thalc Josaphat) venia ad Galilfcam, ubi discipuli vide- 
runt dominum Jcsum, postquam resurrexit a mortuis«. Tohler, Die Siloahqu. 
und der (Hherg, S. 72 ft'. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 99 

seiner Aufersteliiino; beschieden hatte(f ^ . und ^^'o Er nach der 
ziemlich allgemeinen Ansicht «von mehr denn fünfhundert 
Brüdern« gesehen wurdet] . Diese ältere Annahme scheint 
nun bei den Griechen wieder frisch aufzutauchen. Man liest 
wenigstens jetzt über dem östlichen Thore dieses Landhauses, 
wo unser Weg vorüberführt, die nur in dieser Voraussetzung mir 
verständliche Inschrift: Oi svosxa ixoMr^rai iTropeuUr^oav sie tyjv Fc- 

Nach el-'ismtije. Von dem oben erwähnten hlr zennüWi ver- 
folgte ich eines Tages einen Weg nach el-lsavfije. Er durch- 
schneidet in nordwestlicher Richtung die Römerstrasse und den 
parallelen u-Udi er-rawühl ; er hat dann fortwährend felsige An- 
höhen zur Rechten und einen untiefen, von el-tsavüje heral)- 
fallenden Wadi in einiger Entfernung zur Linken ^1 . Jenseits 
dieses Wädi läuft ein zweiter Weg, der wohl die chirhet huhef 
dän berühren muss, in etwa gleicher Richtung nach el-ismvije. 
Dort, zwischen dem obengenannten ras esch-schech und dem auch 
auf der englischen Karte verzeichneten ras es-sillüm öffnet sich 
eine kleine anmuthige Ebene, die im Westen von einem ähn- 
lichen iimdenHügel, iinim et-fala', beherrscht wird. Ich fand gerade 
am Wege eine grosse Höhle, deren kohlschwarze Wände und 
Wölbung besagen, dass sie im Winter menschlichen Wesen zum 
Aufenthalt diente. Etwas weiter, in der Nähe der Stelle, avo der 
Wadi zur Linken etwas nach Westen umbiegt, liegt eine unan- 
sehnliche Ruine, deren Namen ich nicht erfahren konnte. Ich 
notirte eine Cisterne mit Trinktrog und dem üblichen grossen 
Decksteine, Reste einer Presse, Grundmauern eines Gebäudes 
von 20 Schritten Länge und 10 Schritten Breite aus grossen unbe- 
hauenen Steinen mit hartem Mörtel und Steinstückchen : andere 
Steine lagen auf dem felsigen Grunde zerstreut oder weiter nach 
Norden zu beiden Seiten des Weges aufgesetzt. Wir stossen hier 
nämlich auf einen grösseren Weg, der von el-isamje herkommt 
und zu einer ostwärts gelegenen Höhe ansteigt. Auch dieser soll 
»ein alter Pilgerweg« sein (?) und durch i>el-barrlje<-^ (die Wüste) 



i; Mtth. 28, 16: vgl. 2f), 32; 28, 7. 10. 2) 1 Cor. 15. G. 

3) »Die elf Jünger gingen nach Galiltra« (Mtth. 28, 16.). 

4) Es ist vielleicht der tcädi es-sikhe »near Sheikh 'Amber« (Name 
Lists S. 337). 



100 Kasteren, 

nach Jericho laufen. Es ^vircl Avohl der von Schick' verzeich- 
nete »alte Weg« nach \tin füra sein. Bei einem Ausflüge nach 
dieser Quelle habe ich mich aber vergebens bemüht, diesen Weg 
bei der Rückkehr aufzufinden. Hirten behaupteten, es gebe dort 
keinen anderen Weg nach Jerusalem als den über '^anZUü. Die 
erwähnte Cisterne heisst blr el-haddsch : daraus ist vielleicht der 
Name dieses ))alten Pilgerweges« entstanden. Auf einer östlichen 
Anhöhe kennen die Leute eine chirhet machlüf. 

Eine kurze Strecke weiter nach el-lsaidlje fällt zur Linken 
des W^eges ein roher Steinkreis auf oder vielmehr eine Steinreihe; 
denn die Steine liegen in fast gerader Linie, etwa von X. nach 
S., mit nur einer geringen Curve in der südlichen Hälfte. Ich 
zählte 20 Steine von ungleicher Grösse; die drei ersten am Nord- 
ende haben 1,25 m bis 1,50 m Länge, 50 bis 80 cm Breite und 
So bis 90 cm Höhe, aber keine bestimmbare Form. Die übrigen 
sind kleiner, ausgenommen der mittlere. Dieser ist der grosseste 
und regelmässigste; er hat eine rohe pyramidale Form, am Boden 
eine Länge von 1,50 m, eine Höhe von 1,50 m und eine Dicke 
von 70 unten) bis 20 cm oben. Seine Vorderseite ist offenbar 
die östliche, die einem offenen Platze zugewendet ist; sie ist ganz 
glatt und hat theil weise eine helle röthliche Farbe. Nach dieser 
Seite sind noch acht kleinere Steine ebenfalls in einer Reihe hin- 
gelegt. Ob sich an diese sonderbare Steingruppe eine Tradition, 
ein Aberglaube oder irgend ein Brauch des Volkslebens knüpft, 
habe ich von den wenigen Leuten, die ich im Dorfe sah, nicht 
erfahren können. Es wäre doch vielleicht interessant, dieses in 
Erfahrung zu bringen. 

Bald hat man wieder eine Cisterne mit in den Felsen ge- 
hauenen Rinnen zur Tränkung der Herden und alten Pressvor- 
richtungen zur Recliten. Eine Anhöhe mit Olivenbäumen eben- 
falls rechts vom Wege heisst harikat hasan. 

El-isawlj'e selbst zeigt viele Spuren hohen Alterthums. Das 
Dorf sieht relativ wohlhabend aus: es hat steinerne Häuser mit 
Fenstern^ viele Oliven- und Feigenbäume, und das hier sich breit 
ausdehnende Thal an der Südseite verspricht eine reiche Weizen- 
emte. 

Ob el ^ismmj'e und zwar auch dem Namen nach mit dem 

1) ZDPV. III, Tafel I. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 101 

Laischa Jesaia 10,30 identisch ist?') Das W«, mit dem die Sin- 
vey den Namen schreibt, wäre dann ein völlig fremder Eindring- 
ling, und die ganze moderne Form müsste etwa dem nicht weit 
entfernten el-äzarije mechanisch nachgebildet sein. Soviel ist 
wohl gCAviss. dass letzterer Name ein Beispiel eines aus blossem 
Missverständniss entstandenen arabischen Artikels ist 2) : denn er 
ist zweifelsohne dem Namen des Lazarus (ursprünglich Eleasar. 
hebräisch etcizcir) entnommen. 

Die B a h u r i m f r a g e . Zu einer genaueren Durchforschung 
der beschriebenen Gegend veranlasste mich vorzüglich die fast 
zur Überzeugung gesteigerte Vermuthung, dass hier irgendwo die 
Lage des alten Bahurim zu suchen sei. Von der Flucht David' s 
wissen wir nur mit Gewissheit, dass er über den Olberg zum 
Jordan eilte 3] . »Zu einer Digression — sagt richtig Marti *) — 
auf diese oder jene Bergspitze, die vom Wege ablag, ergab sich 
dem fliehenden König keine Veranlassung, mindestens müsste 
dieselbe angeführt sein«. In gleicher Weise haben wir kein 
Recht, ihn einen langen Umweg machen zu lassen, sondern bei 
dem Mangel positiver Gegenbeweise sollte man annehmen, dass 
er die gewöhnliche kürzeste und leichteste Strasse gewählt hat. 
die vom Olberg zum Jordan führte. Und diese war, so viel 
wir wissen, die oben beschriebene spätere Römerstrasse. Damit 
stimmt auch, dass wir den beiden Eilboten. Jonathan und Ahi- 



1) Vgl. KiTCHEXER, Survey, Mem. III, S. 34. 

2) An etwas Ahnliches haben wir ^yohl bei ez-zib (für ezüh] zu denken. 
FURRER hat diesen Namen wiederholt iZDPV. II, 66; III, 236; VIII, 32, 
neben teil Mim als ein Beispiel beliebter Wegwerfung einer Anfangssilbe vor- 
geführt. Allein es scheint mir natürlicher, hier an eine Assimilation ,'Ezzib 
für Achzibi und eine irrige Schreibung zu denken, so dass die ursprüngliche 
Vorsilbe nicht abgeworfen, sondern zum arabischen Artikel umge- 
staltet worden wäre. Man spricht jedenfalls noch jetzt ezzlh (vgl. Survey, 
Name Lists, S. 60; Schumacher in Quarterly Statem. 1887, S. 172), und der 
Araber konnte darin leicht irrthümlich den assimilierten Artikel erblicken, 
wie freilich schon Bohä ed-din (Vita Saladini, Lugd. Batav. 1732, S. 98) ge- 
than hat. Es ist mir überhaupt in Palästina kein sicheres Beispiel eines se- 
mitischen Namens bekannt, der ohne Weiteres die Anfangssilbe verloren 
hat. Über tellhüm vgl. meine Anm. ZDPV. XI, S. 219. — Die »Nisbe« zlh'i 
{zibüu'i) bei BiSTANi und DoZY beweist freilich, dass die heutigen Araber die 
Silbe ez als den Artikel auffassen, aber auch nichts Weiteres. 

3) ZDPV. III, S. S. 4) Vgl. 2 Sam. 15, 30 ff. 



102 Kasteren, 

maaz, die doch gewiss keine Zeit zu verlieren hatten, ebenfalls 
in Bahurim begegnen *) . An eine grössere Entfernung von Jeru- 
salem, z. B. an die Gegend des chUn hatnira, ist nicht zu denken, 
zunächst weil üavid erst jenseits Bahurim seinen Kastort : Aje- 
fim?) erreicht 2), besonders aber wegen 2 Sam. 3,16 vgl. 1 8am. 
25, 44, Avonach Bahurim auf dem Wege von Gallim nach He- 
bron zu liegen scheint. — Der Umstand, dass Simei aus Bahu- 
rim herauskam und dem flüchtenden König eine Strecke Weges 
an dem Hügelrücken fluchend und mit Steinen werfend zur 
Seite ging, lässt auf dem von uns beschriebenen Wege nur ge- 
ringen Spielraum. Nur der Höhenzug, der sich westlich vom 
ras "arhiih es-saffZi gleich oberhalb des Weges beflndet, entspricht 
dieser sehr characteristischen topographischen Angabe. Dass die 
Ortlichkeit dem Wege ganz nahe lag, ist imbestritten ; dass die 
Strasse sie dennoch nicht durchschnitt, sondern höchstens nur 
zur Seite berührte, Avar wenigstens die Ansicht des Josepiius, der 
die Kundschafter David's «vom Wege abbiegen« lässt ^), um sich 
in Bahurim zu verstecken. Fragt man weiter, an welcher Seite 
des Weges das Dorf zu suchen sei, so hat man wohl in 2 Sam. 
16, 5 verglichen mit V. 13 einen Fingerzeig, es zur Seite des 
Höhenzuges, also südlich vom Wege, anzusetzen : «Da aber der 
König David bis gen Bahurim kam, da ging ein Mann daselbst 

heraus und fluchte, und warf David mit Steinen • 

Also ging David mit seinen Leuten des Weges, aber Simei ging 
au des Berges Seite neben ihm her.« Diese Darstellung giebt 
gewiss keinen Anlass zu der Voraussetzung, dass Simei aus einem 
Dorfe an der andern Seite des Weges herausgegangen sei und den 
Weg Davids gekreuzt habe, um jenseits dieses Weges an »des 
Berges Seite« hinaufzusteigen. — Wenn wir endlich ins Auge 
fassen, dass Michal, die Frau Davids, aus dem nicht genau be- 
'kannten, aber gewiss nach Norden gelegenen Gallim über Ba- 
hurim nach Hebron geführt wurde ^, finden Mir vielleicht einen 
neuen Leitfaden in dem oben erwähnten Wege von el-iscnclje^ 
dem einzigen, wenn ich nicht irre, der jetzt den imdl er-rmcübl 
und den erwähnten Höhenzug kreuzt^). Und dieser Leitfaden 

1) 2 Sam. 17, 18. 2) 2 Sam. 16, 14. 

3) £xTpa-£vTe; TT,; 6ooi fAltcrth. VII. 9, 7). 4) 2 Sam. .i, IC. 

5' Südlich vom Hügelrüeken geht der AVeg in ein kleines Thal hinunter ; 
über die Richtung, die er weiter nimmt, erhielt ich von den Bauern, die dort 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 103 

würde uns mit so zu sagen mathematischer Genauigkeit zum 
Sattel des hlr zennüJfi führen, gerade dort, wo Avir eine nicht un- 
ansehnliche Ruinenstelle auffanden. 

Noch ein anderer auffallender Umstand des biblischen Be- 
richtes findet in dieser Hypothese eine auf der Hand liegende 
Erklärung. Jonathan und Ahimaaz ziehen »eilend« zum Jordan 
hin; ein Knabe hat sie gesehen und verrathen; die »Knechte Ab- 
saloms« setzen ihnen nach — und die Flüchtenden verbergen 
sich vor ihnen in Bahurim. Es fragt sich aber, wie es ihnen auf 
ihrer »eilenden« Flucht kund geworden, dass die Verfolger auf 
ihrer Spur seien ' . Bei Annahme dieser Lage von Bahurim ist 
die Antwort leicht : so bald die Verfolger den Gipfel des Ölberges 
hinter sich hatten, waren sie auf der ganzen Länge des Weges 
bis Bahurim völlig sichtbar und konnten ihrerseits die Flüch- 
tenden vom Wege nach Bahurim abbiegen und aufsteigen sehen, 
so dass sie vielleicht sogar keine weitere Nachricht brauchten, 
um »zu dem Weibe ins Haus« zu kommen und zu sagen : «Wo ist 
Ahimaaz und Jonathan?« — Nur die Antwort der Frau, »sie gin- 
gen über das Wässerlein« — wenn überhaupt diese Auffassung 
richtig ist — wird mir nicht klar. Ein solches »Wässerlein« ist 
auf diesem Jordanwege nicht aufzufinden. Ob vielleicht nur der 
wcidi er-raiciihi gemeint ist? Man hat jedenfalls keinen sicheren 
Beweis, dass das »Wässerlein«, Avohin sie die »Knechte Absa- 
loms« irreführen wollte, auf dem Wege nach dem Jordan zu 
suchen ist, mit anderen Worten, dass der Sinn sein soll: Sie sind 



arbeiteten, keine genügende Antwort und dachte im Augenblick nicht daran, 
selbst weiter nachzuforschen. 

1) Keil Bücher Sam. -, 336) schreibt:' »Die beiden Söhne, die den 
Späher auch bemerkt hatten, gingen eilends in das Haus eines Mannes in 
Bahurim» — allein der Umstand, dass sie. sich ganz in der Nähe des (auch von 
David begangenen) Jordanweges verstecken, macht es nicht wahrscheinlich, 
dass sie »den Späher« selbst gesehen haben. Denn hätten sie ihn in der Nälie 
von Jerusalem bemerkt, so wären sie wohl nicht, um sich zu verstecken, den 
Weg gegangen, wo man sie am wahrscheinlichsten suchen würde ; und wären 
sie erst in der Nähe von Bahurim von dem Knaben gesehen worden, so hätten 
sie, bevor dieser es »Absalom erzählen« konnte, einen so grossen Vorsprung 
gewinnen können, dass sie allem Anscheine nach wohl entweder dem Jordan 
oder doch einer vom Wege entfernteren Zufluchtsstätte zugeeilt wären. Jo- 
SErnu.s a. a. O.) lässt sie »zwei Stadien von Jerusalem« »von Reitern« ge- 
sehen werden. 



104 Kasteren, 

schon so lind so weit fort. Es Aväie ebenso natürlich, dass das 
Weib die Absicht hatte, sie in eine ganz andere Richtung zu 
"weisen i) . Übrigens ist die Existenz dieses unbekannten Wässer- 
leins im Urtexte äusserst fraglich, und am liebsten möchte ich 
mit VON HuMMELAUER -j , der auf Sept., Chald. und Vulg. hin- 
weist, die schwierige Stelle übersetzen: «Brevi transierunt flu- 
vium«, sie werden bald über das Wasser (d. h., wie in V. 21, den 
Jordan) gekommen sein«. 

Ist hiermit die Identität von Bahurim mit der erwähnten, 
noch namenlosen Ruine ausser Zweifel gesetzt? Man soll in der- 
gleichen Fragen nicht zu leicht sich über allen Zweifel empor- 
heben ; aber die Hypothese verdient wenigstens der weiteren 
Prüfung, zumal in Bezug auf den Namen der Chirbe empfohlen 
zu werden, und (was hier noch zu erörtern bleibt) ich kenne bis 
jetzt keine andere, der ich vor dieser den Vorzug geben möchte. 

Abu dls'') liegt wohl nicht, Avie Bahurim â– *), im Gebiete Ben- 
jamins. Das nämliche gilt von el-muras,sas^). Andere im INlittel- 
alter auf Bahurim gedeutete Stellen in dieser Gegend*») sind un- 
genau bekannt, liegen gewiss nicht am Wege vom Olberg zum 
Jordan und haben keinen ersichtlichen Vorzug vor unserer 
Chirbe. 

Mehr Beachtung verdient »die Vermuthung des Rabbi 

ScHWAKZ dass Bahurim, Almon"), Alemeth'') und Asma- 

veth ") identisch und von dem heutigen \(lml/ östlich von 'atiätU 
zu verstehen sei«^*^*), — eine Ansicht, der in Bezug auf Bahurim 
auch CoxderI') und von Hummelauer^^j beizutreten scheinen. 

1) Wenn die oben erwähnte '«i« er-ratcäbi wirklich vorhanden ist, möchte 
diese vielleicht üher dass »Wässerlein« näheren Aut'scliluss geben können. 

2) Comment. in libros Samuelis (Paris, Lethielleux ISSGj S. ;{94. [Vgl. 
auch Klo.steumaxn zur Stelle. G.], 3) Scuuhkrt, Gukrin, Likvin. 

4) Vgl. 2 Sam. 19, IG und 1 Kön. 2, 8. von Hummelauer (a. a. O, 286) 
vermuthet, dass Abner aus Bahurim Paltiel zurückschickte, weil er diesen 
»im Gebiete Davids nicht siclier glaubte«, — und schlicsst daraus richtig, dass 
die ürtlichkeit »probabilius tribui Juda contermina« sein müsse. Auch dieses 
führt uns vielmehr westlich als nördlich von Jerusalem, und ist der auch von 
ihm (s. unten) angenommenen Identität von Bahurim und Alemeth gar nicht 
günstig. 5) Vgl. Mauti a. a. ü. S. 8. 0; Vgl. 'J'ohlku, Topogr. II, T(i7. 

7) Jos. 21, 18. 8; 1 Chron. 7, (lü (hebr. 6, 45). 

9) 1 Chron. 9, 36 (8, 36) •, Esr. 2, 24 ; Neh. 7, 28. 
10) Marti a. a. O. S. 9. lly Mcmoirs III, 3.31. 12, a. a. O. S. 286. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. -j 05 

Allein eine Hypothese, die uns aus acht Bibelstellen für Einen 
Ort vier Namen vorführt '). -wird schon aus diesem Grunde ver- 
dächtig. Die Entfernung von dem kürzesten Wege zum Jordan 
haben wir schon genügend betont. Welchen Anlass hatten doch 
die Flüchtlinge, zumal die von dem "^Ain Rogel bei sihcün fort- 
eilenden Boten, diesen eben so schwierigen als langen Weg durch 
die tiefen y(/;Y/-Schluchten zu wählen 1 Und wenn die Scrick'- 
sche Karte 2) zuverlässig ist, würde auch die alte Strasse vom 
Ölberg nach dem wüdi fära nicht einmal ''ahmt berühren. — 
Über 2 Sam. 16, 13 schreibt Marti ^j: »Auch diese Erzählung 
stimmt zu der von uns angenommenen Örtlichkeit am alten 

Wege ; denn nahe bei "ahmt überschreitet der Weg das 

tiefe Thal von fära, und hier am Abhänge wäre dann die Stelle 
zu finden, wo Siniei, an der Seite des Berges neben David her- 
gehend, mit Steinen und Erde nach dem König geworfen hat (f. 
Ich habe mir aber "almlt gerade in Bezug auf diese Begebenheit 
ziemlich genau angesehen und finde den Ort auch in dieser 
Hinsicht wenig befriedigend. Wer in der Richtung der "ain fZira 
von '^ahyiif ausgeht, kann nöthigenfalls nördlich vom Wege über 
einen niedrigen Sattel einen andern Hügel besteigen, der, Avie die 
Leute mir sagten, «noch ZM^ahiiif gehört« und also keinen eignen 
Namen hat. So könnte man etwa 200 m lang neben einem, der 
auf dem Wege fortgeht, »an des Berges Seite« hergehen; allein 
der Sattel ist sehr niedrig und in einiger Entfernung vom Wege. 
Dem Fusse des Hügels kommt der Weg zwar näher, aber der 
Abhang steigt an dieser Seite so sanft an, dass hier die »Seite des 
Berges« kaum eine vortheilhafte Position darbietet, um den Wan- 
derer auf dem Wege mit Steinen zu werfen. Kurz, der biblische 
Ausdruck, der allem Anscheine nach auf eine den Weg beherr- 
schende Position hindeutet, rief mir immer ein anderes Bild vor 
die Augen. Und die Annahme von Marti, dass die Begebenheit 
im xcZidi fära stattfand, m. a. W. dass Mir in 2 Sam. 16, 13 uns 
etwa eine halbe Stunde weiter östlich befänden als in V. 5, hat 
doch gewiss im Texte keine Stütze. — Seinen Hauptbeweis sucht 
Marti denn auch wohl in der Reise Abners mit Michal von Gallini 
über Bahurim nach Hebron : » Obschon nun die Lage von Gallim 

1) Azmaveth ist wohl das heutige hizmä N. von "alnüt. Bleiben noch 
d r ei Namen aus fünf Stellen. 

2; ZDPV. III, Tafel I. .'i, a. a. 0. 



106 Kasteren, 

nicht genau zu bestimmen ist, so unterliegt es keinem Zweifel, 
dass es im Norden von Jerusalem in der Nähe von Rama [er-rüm] 
und Gibea SauVs [tulel el-ffcl!) gestanden haben muss'). Wollte 
eben Abner von da nach Hebron gelangen, so hat er doch wohl 
die über das allerdings noch in jebusitischem Besitz stehende 
Jerusalem führende Strasse nach Süden eingeschlagen, und es 
wird daher Eahurim irgendwo zwischen Jerusalem und Gallim 
zu suchen sein. Es hat darum die Vermuthung des Rabbi 

Schwarz grosse "Wahrscheinlichkeit « 2) . Einen sicheren 

Anhaltspunkt für 'almtf finden wir aber hier um so weniger, weil 
erstens die LageGallim's unbekannt ist, und es zweitens fraglich 
bleibt, ob schon in jener Zeit die Hauptstrassen, wie jetzt, über 
Jerusalem führten. Seit Jerusalem fast drei Jahrtausende hin- 
diirch die Hauptstadt des Landes gewesen, mag sich in dieser 
Hinsicht vieles geändert haben. Um 'almlf »zwischen Jerusalem 
und Gallim« zu finden, muss man letzteres überdies wenigstens 
nicht ganz »in der Nähe von er-räm und tulel el-fTiUi, sondern 
östlich von hizmä und mithin von dscheba ansetzen, wozu Jos. 10, 
2S ff. wenig Anlass giebt. Wenn überhaupt die Reihenfolge bei 
Jesaia^) ein treues Rild der Lage ist, wäre Gallim vielmehr zwischen 
tulel el-fid und el-lsmvije (Laisa?) oder wenigstens zwischen erste- 
rem und ^anütü zu suchen. Li diesem Falle würde die Voraus- 
setzung, dass Abner » doch wohl die über . . . Jerusalem führende 
Strasse nach Süden eingeschlagen«, wahrscheinlicher werden, aber 
^almlt nicht auf diesem Wege liegen. Je weiter man im Gegen- 
theil mit Gallim nach Osten fortrückt, desto haltloser wird die 
Annahme dieses Jerusalemweges. Und wenn es endlich auch 
feststände, dass die natürliche Strasse von Gallim nach Hebron 
über Jerusalem führte, so möchte man doch noch eher bei der 
Reise Abner's einen Umweg voraussetzen, als einen solchen bei 
dem flüclit enden David und zugleich bei seinen »eilends« 
flüchtenden Boten annehmen. — Auch der Ausdruck des Jo- 
SEPHUS »nicht weit von Jerusalem« (a. a. O.) lässt sich leichter 
auf unsere Stelle als auf \ilmif beziehen. — Es bleibt also, als 
bestimmt für \dmlf sprechend, nur die von Marti nicht einmal 
geltend gemachte Autorität des Targum Jonathan^), ohne welche 

I; Jos. 10, 28— 32. 2) a.a.O. 3) Geha, Rama, Gibeath Sauls, 

Gallim, Laisa, Anatlioth. 4; Zu 2 Sara. 3, Itl. Vgl. Smiths Diction. of 

the Bible s. v. Bahurim ; Schwarz, das H. Land 0!» ; V. Hummelaler 280. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 107 

wohl niemals ein ernsthafter Forscher sich für Bahurim nach 
\dmlf würde umgesehen haben. Der Werth oder Unwerth eines 
solchen Zeugnisses ist schwer zu bestimmen; allein gegenüber 
dem vorgeführten Gesammtbeweis ist es wohl kaum gewagt zu 
nennen, wenn man es einfach Preis giebt. Der Umstand, dass 
«Bahurim« und ))Alemeth(( die Bedeutung «Jugend« gemein 
haben'), könnte einerseits die Existenz eines solchen Doppel- 
namens, aber andrerseits auch einen Irrthum des aramäischen 
Übersetzers erklären. 

Wir sind übrigens nicht die ersten, welche Bahurim in der 
östlichen Umgegend des Olberges gesucht haben. Schon Bar- 
clay -) wollte es in dieser Gegend finden, dort «wo noch einige 
Ruinen bestehen, nahe bei einem toüdi {er-) ruicäbi.« So viel ich 
sehe, ist hier wohl die cldrhet httkei dün gemeint ; und wer dieses 
festhalten wdll, mit dem wollen wir lieber gar nicht streiten. Ein 
Weg von el-isaiifije berührt diese Stelle, und eine Reise aus der 
Umgegend von 'anätä nach Hebron über diesen Ort hat nichts 
Befremdendes. In dieser Hinsicht ist diese chirhe sogar der 
oben erAvähnten unbedingt vorzuziehen. Andererseits ist aber die 
Angabe des Josephiis, welche Jonathan und Ahimaaz «vom Wege 
abbiegen« lässt, und die allem Anschein nach enge Verknüpfung 
von 2 Sam. 16, 5 mit V. 13 dieser Annahme gar nicht günstig. 
— Jedenfalls meinen wir, dass bei dem heutigen Stande unserer 
Kenntnisse nur zwischen diesen beiden Ruinen zu wählen ist, 
und dass die Stelle, wo Simei dem flüchtenden David fluchend 
und mit Steinen werfend zur Seite ging, auf irgend einem Theil 
der von uns beschriebenen Hügelreihe liegt. 

Nach el-kafar ^). Den 7. Mai benutzte ich zu einem Ausfluge 
von mar säbä nach der chirbet el-merd^ el-kafür, dem muntcir und 
chirbet dschindschis. Zwei *^Ubedije-Beduinen, deren einer — 
nicht ganz unrichtig — den Namen '^äsi (widerspenstig) führte, 
waren meine Begleiter. Der Weg nach el-merd bot wenig Neues 
dar, soAvohl an Sachen als auch an Namen; nur ein östliches 
Seitenthal des ivädi bakük kannte man als icüdi er-rtmä.dt. Die 
ganze Gegend ist einsam und öde, ohne BeAvohner, ohne Cultur, 

1) Von HuM^iELAUER a. a. O. 2S0. 2) Vgl. Smitii's Dict. a. a. O. 

3) So Name Lists 341 ; ich meinte, wie ScniCK (ZDPV. III, 24) dop- 
peltes t zu hören. 



108 Kasteren, 

ohne Wasser, ohne lieben jedweder Art. Menschen treffen Avir 
hier nur einmal; es sind ein halbes Dutzend Beduinen. Be- 
kannte meiner Führer. Sie gehen zum Ghör hinunter und ant- 
worten nicht auf die Frage, Avas sie dort hinführe. Die Wärme, 
namentlich in den Thälern, ist jetzt, im Anfang Mai, schon 
drückend. Selbst auf dem hohen Gipfel des meixl wehte Mor- 
gens 10 Uhr kein Lüftchen, inid schon bevor wir diese Höhe be- 
stiegen, hatten meine Gefährten den W^asserkrug geleert und 
trösteten den ChaAvädscha mit der Angabe, dass es in el-Jcatcir 
Wasser gebe. Aber alles dieses gehört nun einmal zur Wüste. 
Es passt ganz und gar zu der Umgebung, zu den grauen, mit 
Steinen bestreuten Hochebenen, den Bergabhängen mit aufge- 
richteten Steinschichten, den tiefen felsigen Thälern, die ebenso 
wasserlos wie die Gipfel, zu dem Todten Meer, das dort unten 
"wie im ewigen Schlafe liegt, und den kurTin el-hadschar, die in 
der nämlichen Richtung ihre zackenartigen Gipfel wie Gespenster 
emporheben. Es passt ebenso zu den Überresten der alten Kloster- 
bauten, den einzigen Spuren vergangener Cultur. Letztere be- 
stehen fast einzig aus Cisternen, Wasserbehältern und Wasserlei- 
tungen, die in Aveiter Ferne nicht einmal den hellen Quellstrahl 
lebendigen Wassers, sondern nur den winterlichen Regen aus 
dem Giessbach sammelten — alles zum BcAveise, dass man auch 
damals nur durch in ihrer Art grossartige Anlagen der Bewohner 
sich das erste Lebensbedürfniss, einen Trunk reinen AVassers, 
sichern konnte. Und ein einziger Blick auf die Gegend macht 
es begreiflich, dass es hier niemals andere sesshafte liewohner 
gegeben hat. als solche, die nur nach dem Jenseits trachteten 
und zwar ernsthaft genug, um all dem, das das Herz an das 
Erdenleben knüpft, möglichst Aveit zu entfliehen. 

Den bekannten Beschreibungen von el-merd habe ich nichts 
Neues hinzuzufügen. Vielmehr muss ich gestehen, dass ich mit 
dem SciiiCK'schen Plane ^y in der Hand sogar die dort verzeich- 
neten Umrisse des Klosters und Aorzüglich der Kirche nicht mehr 
verificiren konnte. Nur sei mir gestattet, auf eine Eigenthüm- 
lichkcit der Avestlichen, von Schick angegebenen und schon ziem- 
lich tief am Abhang liegenden «Begräbnissgrotte« aufmerksam zu 
machen. Die Richtung dieser Höhle ist süd-nördlich : der Ein- 

1; ZDPV. III. Tafel II. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 109 

gang findet sich an der Westseite, bei dem süd-westlichen Winkel. 
Der südliche Theil ist unbenutzt gelassen, der nördliche enthält 
zwei Reihen von je vier Senkgräbern im Boden, die im Innern 
2 m lang und 82 cm breit sind. Die einzelnen Gräber sind in 
der Längsrichtung von einer 25 cm breiten Zwischenwand ge- 
trennt; die Wand zwischen den beiden Reihen hat 40 cm Breite. 
Das Auffallende aber ist, dass diese Gräber nicht in Felsen ge- 
hauen, sondern ganz gebaut sind') und zwar von sehr regel- 
mässigen, mit Sorgfalt behauenen Steinen, die dennoch mit Ce- 
ment bekleidet worden sind. Ob und wie diese jetzt ziemlich 
beschädigten Gräber zugedeckt wurden, kann ich nicht sagen. 
Anderswo in Palästina sind dergleichen Höhlen mit gebauten 
Senkgräbern im Boden mir unbekannt. Häufig sind sie jeden- 
falls wohl nicht. 

Wir verlassen den merd auf dem Wege, auf dem wir ihn er- 
reicht haben. Er führt, wie Schick angegeben hat, »in Curven 
westwärts«, d.h. er umgeht den nördlichen Abhang zweier Hügel- 
rücken. Die bekannte Wasserleitung durchschneidet die beiden 
Anhöhen und kommt nur auf den Satteln wieder zum Vorschein. 
Unser Weg bleibt ihr noch eine kurze Strecke zur Seite bis dahin, 
Avo ein kleines Seitenthälchen jäh zum wädi abii scliöle (von 
meinen Begleitern ahu scheue gesprochen) hinabfällt. Dort wendet 
sich die Wasserleitung nach Süden, läuft um den Anfang dieses 
Thälchens und weiter in einer grossen Curve in ungefähr nord- 
westlicher Richtung an dem nördlichen Abhang eines- höheren 
Rückens entlang, wo sie in einem seichten Einschnitt zwischen 
den Berghöhen ihr Ende oder richtiger ihren Anfang nimmt. 
Unser Weg nach el-hatZir, wenn er den Namen eines Weges ver- 
dient, durchschneidet das erwähnte Thälchen und führt dann 
zunächst über eine felsige Anhöhe und weiter zum Theil über 
im Felsen ausgehauene Stufen, zu dem xcädi ahu schäle hinab, 
der an dieser Stelle etwas nach Norden umbiegt. An der anderen 
Seite, an einem sehr steilen Abhänge, liegt die katär-R\x\nQ, ein 
unbeschreibliches Gewirr von natürlichen und künstlichen Höh- 
len mit höchst primitiven Bauten — so primitiv, dass ich an ein- 
zelnen Stellen kaum unterscheiden konnte, ob ich eine ganz rohe 



1) CoxDER (Memoirs III, 212) hatte zuverlässige Nachricht : »Masonry 
tombs are Said to exist among the ruins«. 



110 Kasteren, 

Mauer vor mir hatte odor ein Stück der sonderbaren Mischung 
des natürlichen Gesteins, die in dieser Gegend an mehreren 
Stellen zu Tage tritt, indem nämlich dünne Schichten einer harten 
grauen Steinart mit einem -weichen, bröckeligen Gestein von 
weissgrauer Sandfarbe in höchst eigenthümlicher Weise ab- 
â– vvechseln. 

Nahe bei dem Punkte, avo unser Pfad das Bachbett über- 
schreitet, zieht ein kleiner Kanal von 60 cm Breite und 50 cm 
Höhe die Aufmerksamkeit auf sich. Mit Mörtel verbvindene 
Steine decken ihn bis zu einer Höhe von 10 cm. Er ist an dieser 
Stelle nur auf ein paar Meter Länge erhalten, kommt aber höher 
am Abhänge, nach etwa 25 m, wieder zum Vorschein und setzt 
sich dort erst in einem unterirdischen Gange und dann weiter, 
mit viel geringerem Durchschnitt, im Bergrücken tunnelartig 
fort. Oberhalb des Kanallaxifes befinden sich Ruinen und Höhlen. 
"Woher der Kanal kommt und wo er unten im Thalbette endigt, 
konnte ich nicht ermitteln; an der gegenüberliegenden Seite des 
Wadi fand ich keine Fortsetzung. — Gleich bei dem unteren 
Reste dieser Leitung steigt ein Pfad den Abhang hinauf. Die 
Steinschichteu des Terrains bilden hier einige regelmässige 
Stufen. Bald hat man in dieser Richtung ein Gebäude von 
6,60 m JJreite (WO.) und etwa 10 m Länge vor sich. Die Höhe 
ist an der freien Südseite etwa 5 oder 6 m, wird aber nach Norden 
wegen des ansteigenden ]5odens allmählich gleich Null. An der 
Nord- und Ostseite lehnt es sich an eine theilweise überhängende 
Felswand. Die Mauern bestehen aus kleinen weissgrauen Stein- 
chen, die durch eine Menge von rohem Mörtel und Steinstückchen 
verbunden sind. Wenn man an der Westseite, theihveise auf 
einer künstlichen Treppe, hinaufsteigt und sich auf das hier und 
dort zerbrochene, etwas gewölbte Dach wagt und hinunterschaut, 
erkennt man in dem halb in der Erde steckenden Gebäude eine 
leere Cisterne. 

Wer dann weiter, au der senkrechten, ungefähr nordwest- 
lich sich hinstreckenden Felswand entlang, hinaufsteigt, findet 
auf A erschiedenen Terrassen eine Anzahl entweder ganz natür- 
licher oder zum Theil künstlich erweiterter Höhlen. Einige sind 
theilweise vermauert; bei anderen ist die Felswand nur unter 
dem Eingänge mit Mauerwerk etwas angefüllt. Li eine geräu- 
mige Doppclhöhle in der Nähe der erwähnten Cisterne und zwar 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 1 1 1 

in ihren unteren Theil konnte ich nur über die Schultern meines 
Führers gelangen, und der Aufstieg zu der anderen, von aussen 
her unzugänglichen Hälfte forderte noch ungleich grössere An- 
strengung. Die darauf folgende Grotte bildet erst einen Gang 
von mehr als 1 m Breite und etvAa 5 m Länge und dann, nach der 
linken Seite zu, einen etwas breiteren Raum. Hier ist es ein 
breiter Spalt in der Felsv^-and. durch den aus einer oben am 
Rande des Plateau's gelegenen Cisterne Wasser herabzuträufeln 
pflegt. Dies ist der kafär, »die Traufe«. Avovon die Stelle den 
heutigen Namen erhalten hat, wie mein Begleiter mir sagte. 
Zur Zeit meines Besuches war nicht ein Tropfen zu entdecken, 
ein Umstand, aus dem mein Begleiter den richtigen, aber wenig 
angenehmen Schluss zog, dass die Cisterne oben nur wenig oder 
gar kein Wasser habe. Einen zweiten gleichartigen kafUr finden 
wir einige Schritte weiter in einer geräumigen Höhle, die eine 
grosse, fast ganz in Felsen ausgehauene Cisterne zur Seite hat. 
Alles dieses und vieles Ahnliche weiter nördlich auf allen Ter- 
rassen des Abhanges giebt wohl ein ziemlich anschauliches Bild 
einer primitiven Laura, bei der die nach aussen vielleicht ver- 
mauerte Felsenhöhle mit der unentbehrlichen Cisterne die 
Hauptrolle spielte, und weitere Bequemlichkeiten, sowie Ord- 
nung und Regelmässigkeit der Anlage ganz in den Hintergrund 
traten. 

Mit mehr Sorgfalt wurde die schon erwähnte obere Cisterne 
behandelt, zu der man nicht ohne Anstrengung auf einem üm- 
Avege emporsteigt. Auch diese mag ursprünglich eine natürliche 
Höhle gewesen sein; denn die Wand neben demWadi ist wenig- 
stens zum Theil oder wohl zum grössten Theil gemauert und wird 
ohne Zweifel das von Schick ') auf dem Wege von merd nach 
dem muntZir wahrgenommene Mauerwerk sein. Dieses hat viel- 
leicht 5 oder 6 m Höhe xmd schliesst sich unten und zu beiden 
Seiten in Kurven und Winkeln an die Felswand an. Was von 
der innern Wand durch das Schöpf loch sichtbar ist, ist mit Sorg- 
falt behauener Felsen. Das Schöpf loch findet sich auf einer 
ebenen Plattform von 13 Schritten Länge und 10 Schritten Breite: 
dieser Raum war einstmals von einer soliden Mauer umgeben 
und mit kleinen MosaikAvürfelchen gepflastert. Letztere sind von 

1, ZDPV. III. 24. 



112 Kasteren, 

ungleicher Grösse, meistens etwa 1 Dem. An drei Stellen, avo 
sich noch Reste in situ finden, bemerkte ich nur die blaue Farbe ; 
an einer vierten Stelle aber blaue, rothe und weisse Steinchen. 
Eine Zeichnung war jedenfalls nicht mehr daraus zu entnehmen. 
Dem, Schöj)f loch zur Seite befindet sich ein verschütteter Teich 
von 3 '2 zu 2 m Grösse. Die Cisterne hatte jetzt nur in einer 
Ecke ein wenig schmutziges Wasser oder richtiger Schlamm. 
Der Beduine, der nur mit grosser Mühe etwas schöpfen konnte, 
trank davon, zu meinem Erstaunen ohne merkbaren Widerwillen. 
Ich nahm nur einige Tropfen, um mir den Mund zu erfrischen, 
und musste es mit Erbrechen büssen. Glücklicher Weise wurde 
jetzt die Hitze, wenigstens auf den Höhen, von einem gelinden 
Westwinde gemildert ; so hatte ich nicht zu sehr darunter zu 
leiden, dass ich erst gegen Abend bei der chirbet dschindschis 
trinkbares Wasser fand. 

In der Umgebung dieser Plattform, wo das Plateau noch all- 
mählich ansteigt, fand ich nichts Erwähnenswerthes. Gebäude 
haben sich in nächster Umgebung Avohl niemals befunden. Auch 
behauptete mein Begleiter, dass dort nichts Anderes zu sehen sei. 
Allein später auf dem mimfUr hörte ich von seinem Gefährten, 
den ich wegen des schlechten Weges mit dem Pferde in einiger 
Entfernung von el-hatlir hatte zurücklassen müssen, dass sich 
dort auf der Höhe, in geringer Entfernung von der Cisterne, noch 
);Ruinen von Häusern« vorfänden. Ich bedauere, diese nicht ge- 
sehen zu haben ; denn ich vermuthe darin die Reste vom ))Kloster 
der Höhle« ^). wenn das AVort ^»Kloster« hier überhaupt das rich- 
tige ist. Denn die einzelnen zerstreuten Zellen oder Höhlen am 
Abhänge bildeten wohl niemals ein eigentliches Kloster ; oft aber 
blieb in der Nähe eines später gegründeten Klosters eine ältere 
Laura fortbestehen. Und wenn weiter oben wirklich ein Kloster 
sich vorfand, mag diese obere mit Mosaik geschmückte Cisterne 
wohl den Bedürfnissen des Klosters und der Laura zugleich ge- 
dient haben. -) 

Den Weg nach el-munfär nehmen wir südlich vom wädi abu 
schäle über einen Berg, den man dschebel el-mirzämi nennt, und 

1) FURHEK, ZDPV. III, 235 ; VON RiESS a. a. O. schreibt S. 30 Laura, 
aber Bl. VIII >>C. Speluncae«. 

2) Die englischen Name Lists 341 kennen eine Wasserleitung, die dieser 
Cisterne das Wasser zuführt. Ich habe sie nicht gesehen. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 1 1 3 

an dessen Westseite sich ein Weg nach Norden zum Ghör hin- 
zieht. Den muntär selbst besteigen wir auf einem nicht allzu 
steilen Abhänge von grauem, fast basaltfarbigem Gestein und 
gelangen so auf einen Sattel zwischen zwei Gipfeln. Der nörd- 
liche zeigt einige Ruinen, von Guerin ') chirhet el-muntßr ge- 
nannt, in denen man wohl mit Führer 2) die Reste des Schola- 
riusklosters beim Thurme der Eudokia erblicken wird'^). Diese 
Reste sind jetzt unbedeutend; auch Schick 4) meinte, dass »aus 
ihnen ohne Ausgrabungen kein Plan zu entnehmen« sei. Ich 
notirte Reste einer Einfassungsmauer, die wohl den ganzen, frei- 
lich nicht grossen Gipfel einschloss, eine Cisterne an der Nordost- 
Seite und an der Südwestseite ein Viereck, das an drei Seiten 
über 1 m breite Grundmauern hatte. Die östliche Mauer dieses 
Vierecks hat nur 80 cm Breite, wie andre Mauern, die sich dort 
Aveiter östlich anschliessen. Es lässt sich denken, dass wir hier 
die ursprünglichen Fundamente des erwähnten Thurmes vor uns 
haben. Auch auf drei kleinen Terrassen, die nach NW. von 
dem oberen Plateau abfallen und wohl ausserhalb der Einfassungs- 
mauer lagen, finden sich einige spärliche Baureste, weiter unten 
einzelne grosse und schöne Steinquadern. 

Der weitere Weg südlich am südlichen Muntär-Gipfel vor- 
über, auf dem man einen Augenblick die Thürme von mär säbä 
erblickt, und westlich nach der chi)'bet dschindschis hatte wenig 
Interessantes, 

Gerne hätte ich meine Ausflüge in dieser noch nicht völlig 
durchforschten Gegend weiter nach Norden, namentlich nach 
dem der mukelik und fiebi müsä ausgedehnt; doch waren meine 
Begleiter nicht dazu zu bewegen. Die Gegend von mär tnüsä 



1) Judee III, 101. Er sehreibt chirbet muntär. 

2) A. a. O. S. 235. So auch vo.v Rte<;s a. a. O. Bl. VIII. 

3^ Setzt Kyrillos diesen Thurm wirklich »westlich« vom Kloster des 
h. Euthymius JMarti a. a. O. S. 23) oder letzteres »30 Stadien .... östlich 
vom Thurme« (Tobler, Topogr. II, 965) ? Ich finde keinen BeM'eis dafür, und 

S. "65 sagt Tobler selbst nur hypothetisch : »AVenn der Thurm 

zwischen Jerusalem und dem Euthymiuskloster lag i< Die Mitthei- 
lung: »Turrim in solitudine, quie vergitadOrientem, in altissimo «di- 
ficat promontorio (Ktr. Acta SS. Jan. II, 679; bei Tobler, a. letzt a. O.) 
führt vielmehr zu der entgegengesetzten Ansicht. 

4) ZDPV. III, 25. 

Ztsehr. (J.Pal.-Ver. Xin. 8 



114 Kasteren, 

und Jericho, sagten sie, sei unsicher ; es gebe dort » Beduinen 
aus dein Süden, von el-kerali'i ; ich solle wenigstens zehn Männer 
der X'bedije mitnehmen. Ich sah in diesen Keden nichts anderes 
als aus finanziellen Gründen ersonnene Lügen und kehrte, wenig 
erbaut von der Ehrlichkeit meiner Leute, mit nur Einem Be- 
gleiter über den chän es-sald und den Ülberg^) nach Jerusalem 
zurück, um eine bessere Gelegenheit abzuwarten. Diese Ge- 
legenheit bot sich nicht mehr dar. Aber nach einigen Tagen 
stellte es sich heraus, dass die Beduinen Recht hatten. Am 
13. Mai raubten die »Beduinen aus dem Süden« zwischen enÄä 
und ef-taijibe den Bauern des letzteren Ortes, die sich dort mit 
der Ernte beschäftigten, 40 Esel und tödteten drei Männer, zwei 
von denen Wächter von 7iehi müsü waren. So wenigstens er- 
zählte man damals in Jerusalem und fügte hinzu, dass die Re- 
gierung Avohl Truppen gegen sie absenden würde, »wenn es nur 
nicht im E-amadän wäre«! 



Nachtrag. 

Am 18. April ISÜO hatte ich wieder Gelegenheit, von Jerusa- 
lem einen kleinen Ausflug nach Osten zu machen, imd zwar in 
Gesellschaft seiner Hochwürden des Herrn Germer -Durand, 
dessen interressante »Nouvelles archeologiques de Jerusalem« im 
Pariser »Cosmos« den Freunden der Palästinakunde wohl nicht 
unbekannt sind. Mein Zweck war besonders, die mir bis dahin 
recht räthselhaft erschienene 'ain er-rawiibl aufzufinden. 

Wir ritten über el-tsaimje, wo wir einen Führer mitnahmen, 
zum htr el-haddsch , der von einem Iladdsch Selim aus Nazareth 
seinen Namen haben soll. Die grossen von mir erwähnten Steine 
in der Nähe hielt der Führer für alte Grenzsteine. Der Wadi, 
der sich von el-ismc'tje nach Süden hinzieht \uu\ östlich vom reis 
scJiach ^amhar in den wüdi er-raicäbl hinabfällt, nannte er ^arälf 
111)17)1 e]-fa<ll. 

Die östliche Anhöhe, wo chi)-bet machlTif liegt, heisst (Jahr 
el-himür (Eselsrückcn). Die Ruinenstelle hat nichts Interessantes ; 
ich verzeichnete eine Höhle, einige kleine, runde Vertiefungen 
im Felsen und einige grössere viereckige ; zerstreut liegende rohe 

1) Vgl. oben S. 93 f. 



Aus der Umhegend von Jerusalem. ]]^ 

Steine, endlich amOSO.-Abhant^e einen blr \irrHhbet [lYaudi, der 
noch Wasser hält. Die Lage ist hoch genug, nm die Aussicht 
auf abü diu und die Kuppel der griechischen Kirche am »Begeg- 
nungsorte« S. oben S. 84) zu gewähren. 

Nach Osten haben wir einen höheren Kücken, ras el-liheid. 
Südlich von dieser Anhohe führt der Pfad über eine nach Süden 
abfallende, theilweise bebaute Hochebene, die im Anfange den 
Namen el-milisä trägt und weiter nach SO. el-ibklje (wohl = el- 
hiikeia. die kleine Ebene [?!) heissen soll, zu einem rauhen felsigen 
Hügel. el-l}av:äzim ^). Hier befinden wir uns gerade südlich von 
el-inunfär und über dem ?mf7/ er-raicühl, dessen Abhänge hier 
sehr steil sind. Auch der Weg fällt hier eine Weile steil ab und 
ist äusserst beschwerlich. Dass er aber in alter Zeit mehr be- 
gangen wurde als jetzt, lässt sich aus einer zur Seite des Weges 
befindlichen Cisterne schliessen. 

Einen schmalen west-östlichen Ausläufer, genannt '^alälijäf 
er-ravMhl, der aus grossen, M'ild durcheinander geworfenen Fels- 
massen besteht, umreiten wir an der Ostseite und befinden uns 
dann oberhalb eines schmalen, tiefen Seitenthaies, das hier in 
den icädi er-raiväht fällt. Es soll von ^anätü herkommen und 
demzufolge er-ratcähi el-anciüje heissen. 

Am Nordabhange der 'alälijät sind Überreste einer kleinen 
Laura. Auffallend ist ein sonderbarer Spalt im Felsen, den der 
Führer meghürat el- atra — vielleicht für el-adm, d.i. »der Jung- 
frau« (Maria) — nannte. Er hat nur etwa 1 m Breite bei vielleicht 
20 m Länge und 8 m Höhe, Gleich beim östlichen Eingange 
öffnet sich in einer Höhe von etwa 2 m in der südlichen Wand 
dieses Felsenganges eine künstliche Höhle. Auch an der rechten 
Seite finden sich in beträchtlicher Höhe kleine, jetzt unzugäng- 
liche Kämmerchen, mit kleineu Fenstern in der äusseren (nörd- 
lichen) Felswand. Der Boden besteht jetzt aus theilweise zu 
Staub verwittertem Gestein und steigt nach Westen stark an. 
Am Avestlichen Ende befindet sich oben eine Öffnunsr, zu der 
man über die rauhen Wände und hinabgestürzten Felsstücke nicht 
ohne Mühe hinauskriechen kann. 

Eine andere ebenfalls künstlich hergestellte oder wenigstens 
vergrösserte Höhle liegt etwas weiter nach Westen. Sie ist über 
"i ra lang und nahezu 3 m breit. 



*o 



So notirte ich jetzt; früher: el-haivädschi. 



116 Kasteren, 

Hier im Gebiete der früheren Laiiren liegt der Gedanke 
nahe, dass auch diese Grotten in der Vorzeit fromme Einsiedler 
beherbergten. Es mag solcher Höhlen damals noch mehrere ge- 
geben haben, die jedoch jetzt durch Einsturz der Decke oder 
einer Wand — wovon unverkennbare Spuren sich zeigen — ver- 
schwunden sind. 

Auf der andern (nördlichen) Seite des erwähnten Seiten- 
thaies fanden wir die ^ain er-rmccibi, einen kleinen Brunnen, der 
«im Sommer wie im Winter« reines frisches Wasser bietet. Die 
Wasserhöhe war damals etwa 2 m unter dem jetzigen Hoden. In 
früherer Zeit — so versicherte man uns, und die Anschauung der 
Gegend bestätigt es — war die Sachlage wohl eine ganz andere. 
Das Wasser quoll aus der Felswand hervor und bildete einen 
Bach. Allein in Folge eines Bergsturzes wurde die ganze Quelle 
auf lange Zeit völlig verschüttet und erst vor 5 oder ü Jahren 
wieder gefunden. Dadurch erklärt sich auch, wie sie der Eng- 
lischen Survey und überhaupt allen mir bekannten Reisenden 
und Forschern bis jetzt unbekannt geblieben ist. 

Ob wir in dieser Quelle die ~rc'\ rr^; Mepac bei Epiphanius 
MoNACHUs^) erblicken dürfen? In el-murassas, worauf der Name 
hinzuweisen scheint 2), giebt es jedenfalls keine wirkliche Quelle. 
Jedoch erscheint es nicht rathsam, auf jedes Wort des Epiphanius 
grosses Gewicht zu legen, m. a. AV. eine diplomatische Genauig- 
keit des Ausdrucks in einer Beschreibung vorauszusetzen, die so 
viele sachliche Irrthümer zeigt. Interessanter ist es vielleicht, 
dass durch die Auffindung dieser Quelle die herkömmliche Zu- 
sammenstellung der alten Sonnenquelle ^) mit der 'ain el-höd 
fraglich zu werden scheint, um so mehr als die 'ain er-raicähi 
vor ihrer Verschüttung vielleicht einen grösseren Wasservorrath 
hatte, also werthvoller war, und der alte Jerichoweg mit dem uädi 
er-rawäbi. der hier ganz in der Nähe liegt, eine sehr natürliche 
Grenzlinie bildete. 

In geringer Entfernung östlich von der Quelle liegen auf 
einer kleinen Anhöhe in einem Thalbecken die Ruinen einer 
kleinen Kirche mit den Namen chirbet incheile (vielleicht en-nu- 
cheile, ;>der kleinen Palme«?) Sie ist in der gewöhnliclicn Weise 

1) MiGNE, Patr. Gr. 120, 26S. 2) von Htess, Bibel- Atlas 2, 20. 

3) Jos. 15, 7, wo die nördliche Grenze des Stammes Juda verzeichnet ist. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. ] \ 7 

orieutirt und misst 30 Schritte in der Länge, ausser der 3,70 m 
tiefen Apsis, und 7 m in der Breite. An die Nordseite schliefst 
sich ein Anbau von 6. SO m Breite an, der bis an die Apsis reicht. 
Einige Meter westlich von der Apsis zeigt er eine Quermauer 
und am westlichen Ende eine tiefe Cisterne, welche später als 
Kalkofen benutzt worden ist. Von den Mauern ist wenig mehr 
als die Fundamente übrig. Es finden sich viele kleine Mosaik- 
würfel von ungleicher Grösse: ich sah deren von IS : 15 und von 
10:8 mm. 

Von andern Ruinen in der Nähe wusste man nichts. Dieser 
Umstand befestigte mich in der Meinung, dass Avir es hier mit 
den Überresten einer alten Laura zu thun haben, und die Kirche 
wohl vorzüglich den Kultuszwecken der einstigen Einsiedler ge- 
dient hat. 

Jetzt fanden wir in der kleinen Ebene hinter der Kirchen- 
ruine nur ein einziges Beduinenzelt. 

Nur eine kurze Strecke kehrten war auf unserem Wesre zu- 
rück, um bald in den tvädi er-rawäht hinunterzusteigen und an 
dessen steilem südlichen Abhang Avieder hinaufzuklettern. Hier- 
bei konnten wir die Reste eines alten Zickzackweges benutzen, 
die in einiger Entfernung wie Terrassenmauern aussahen und 
eine mit Sorgfalt ausgeführte und in ihrer Art bedeutende Arbeit 
zeigen. Wurde dieser Weg vielleicht von den Einsiedlern unserer 
Laura hergestellt, um den Gläubigen ihre Kirche leichter zu- 
gänglich zu machen, oder zum Besten der Wohlthäter, die sie mit 
Lebensmitteln versahen? Oder waren es die Bewohner vom kasr 
\ili. die, ungeachtet ihrer mit Mosaik überpflasterten Cisterne, 
das Wasser der Quelle benutzten und sich dorthin einen beque- 
men Pfad herstellten? Diese Fragen kann ich nicht beantworten. 
Wohl würde man bei der letzteren Hypothese den Weg etwas 
näher bei der Kuinenstelle erwarten: jetzt führt er nämlich etwas 
Aveiter südlich, nahe beim h'ir ' arküh es-najfa auf dem alten Rö- 
merweg. Allein gerade unter dem Imr war der Abhang wohl 
zu steil.] 

Wir besuchten, ausser dem genannten kasr noch einmal die 
von mir'-; er^vähnte Ruinenstelle beim blr zennük'i, die ich. 'so 
lange sich nichts Besseres findet, mit dem alten Bahurim zu- 

1 ) Seite 96 f. 



Hg Kasteren, 

saramenzustellen geneigt bin. Diesmal hörte ich ihr den Nameu 
chirhet zijambl beilegen. Den Wädi, der sich südlich von dieser 
Hügelreihe hinzieht, nannte man jetzt ivüdi zijambl] den Namen 
wädi es-suneisil, den ich früher gehört hatte, soll er erst weiter 
östlich annehmen. Für andere Gipfel u. s. w. aus der Umgegend 
Aviederholte man mir die früher gegebenen Namen. 

Einige Tage später, auf dem Wege nach der Kelkä, besuchte 
ich das bekannte muslimische Heiligthum nebi tnüsä, das die 
griechische Tradition, wie gesagt*), mit dem Euthymiuskloster 
identificirt. Allein von den topographischen Angaben des Ky- 
KiLLOS von Skythopolis lässt sich dort wohl nichts nachweisen. 
Und die jetzige »Cisterne mit sieben Mündungen« beim c/iä?i es- 
saJd berechtigt uns auch nicht, dort die Laura Heptastomos zu 
suchen, weil diese fünf Stadien vom gleichnamigen »Lakkos« 
lag ■-) . Aber aus dem nämlichen Grunde können wir auch diesen 
«siebenmündigen Lakkos« nicht mit der Laura gleichen Namens 
in el-murassas zusammenstellen. Ich meine demnach, das Eu- 
thymiuskloster sei im chän es-sahl festzuhalten und das Martyrius- 
kloster (am Wege vom Euthymiuskloster nach Jerusalem) lieber 
mit el-murassas zusammenzustellen, dagegen die Lage der Laura 
Heptastomos und des gleichnamigen »Lakkos« als noch nicht ge- 
funden zu bezeichnen. 



1) Vgl. S. 91. 

2) S. Sabae vita in Cotelerii Eccl. Graeca> Monum. III, 282. 

Heirut, den 21. Juli 1890. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 



119 



Verzeichniss 

der oben genannten Ortsnamen, die in den Name 

Lists der Snrvey nicht angegeben sind. 



Transcription 


Arabisch 


Seite 


Erklärungen 


'ai7i el-lauze ') 


«;>'' O^ 


98 


Quelle des Mandel- 
baums. 


» er-ratmhl 
"^ alälijäter-rau-ähl 




95 u. 

116 

115 


Quelle der Anhöhen 
(Hügel). 


'^aräJc umm el- 

fadU) 
ard el-hmvar 

» el-kuseir 


-AASäii )) 


114 

97 

85 


Land des Schlösschens. 


« es-suweiJi 

h'ir \irruhhet [?] 
^aiidi 3) 


^^y*^\ )) 


80 
115 




h'ir el-akahe 




98 


Brunnen des Aufstiegs. 


» el-azwar 


^^j-^i ,) 


97 


Schiefer[?]-Brunnen. 


» hukei^ dän 
» el-haddsch 


qUd ^KjJij )) 


98 
100 


Brunnen der kleinen 

Schaf ebene. 
Brunnen d. Pilgerfahrt. 


» el-hmcärä 
n el-kelb 




78 
97 


Brunnen des Hundes. 


» er-rijäsi 


ÄA^Ijyi )) 


85 




M zennükl 
htirdsch el-ämir 




96 
84 


Thurm des 'Ämir(?) 


challet el-mu- 
kühir 


jLäI! iÜLi> 


85 


Thälchen der Grab- 
stätten. 


challet misr 




91 { 


Thälchen v. Aegypten. 



1) Vgl. Survey, Jerusalem 372. 

2) Für 'aräA: giebt SociN ZDPV. IV, 2 nur »Höhle«. Die Name Lists 
S. 106 »shore«, S. 198 u. ö. » cliff or bank«. 

3) 'Audi ist ein bei den Beduinen gebräuchlicher Mannesname. 



120 



Kasteren, 



Transcription 


Arabisch 


Seite 


Erklärungen 


chän es-saJd^) 


^^\ ^^l:> 


90 


KaraAvanserai d. Ebene. 


chirhet incheile 


(^) i^LJ>,^j\ Äj-^i« 


Hb 


Ruine der kl. Palme(?). 


)) machlüf 


^^ » 


100 




)) el-muntär 


^LIjäII )) 


113 




)) ras el- 


Jl2Xl\ ^J^\. » 


96 




muntär 








chirhet es-sitt 




85 


Ruine der Dame. 


)) zijamhi'^) 
(Jahr ed-deisi 




97 u. 
118 
95 




» el-himär 


jl^\ ">, 


114 


Eselsrücken. 


» michlüs 


U^"^:^ )> 


93 




dahrat hawcidschi 
dar el-kasr 




95 
91 


Haus des Schlosses. 


dschehel el-azwar 
)) el- isch- 




97 
92 


Schiefer-Berg. 


mis 








dschehel el-mir- 




112 


Berg der muntern 


zämi 






Kamelstute. 


dschehel '^üdsch 
ed-dlh 


w'JiÄ'i r*->^ " 


92 




dschehel el-iviz- 


»jlj_;_^l » 


92 




wüzi 








dschehel zennakl 


^h '• 


97 




dschuhh er-riim 


f^/ ^ 


93 


Brunnen der Griechen. 


ed-dahr 


(.-*^1) .--Jl 


96 


Der Hügelriicken. 


ed-dschimeine 


*.ÄaÄ^) 


84 


Das Gärtchen. 


el-ihk'ije 


— 


115 




el-miksü 


Lä^I^ 


115 




el-musJßh'iJe 




77 


Eigenthum der Russen. 


er-räs 


ltV' 


77 


Der Gipfel. 



1) In der Survey chän el-ahnar. Bei Schick (ZDPV. III, 27): chän 
cl-achdar oder chän es-sahl. Von Rikss: cliän es-sahl. 
i) Die Survey hat ras ez-zambi. 



Aus der Umgeojend von Jerusalem. 



121 



Transcription 


Arabisch Seite 

1 


Erklärungen 


er-rmvühi el-anä- 




115 


Die Hügel von ' Anätä. 


tlje 








hadschar abu da- 
hür 


)y^ ^'^ j^ 


92 


Der Stein des Abu 
Dahür. 


harlkat hasan 


■ y*t~:^ i>»ftJ.S»- 


100 


Die Brandstätte (?) des 
Hasan. 


el-haa 


KcLäi! 


80 




kasäslm es-sitt 


\,;^^\,M**dS ^^awLam5 


85 


Getheilte Grundstücke 




" 




der Dame. 


härm ahü schu- 


^^ <s^^ ^/ 


80 




teije 








karm haniar 


/^ r/ 


80 




hurwi el-ha-- 


^^ 05j'^ 


108 


Steinhörner. 


dschar 








meghürat 'isä 


L5-^= ä^Lix 


81 


Jesushöhle. 


merdsch es-sitt 


-~'s^ 


85 


Ebene der Dame. 


» ez-zeibün 


O^i^'' » 


85 




mukehh es-semen 


..♦/<»w' WA.X./5 


91 


Ausguss(?) geschmol- 
zener Butter. 


ras el-hamrü 


.L^5 o-b 


98 


Der rothe Gipfel. 


» el-libeid 


(A^aÜI » 


115 




» esch-schech 


^ci.i5 )) 


98 




» zaij'im 




97 




schech el-chidr ^] 


89 




sohl bei el-chirbe 


Aj.ii^ Xx*.w 


93 


Thal eben der Ruine. 


» el-fül 


J».Ä-5 )) 


92 


Bohnenthälchen. 


» na im 


1 ■• 


93 




schibet selma el- 


XäJ^J). ^4^Md i^AÄXv 


93 

1 


Westliches Selma- 


gharblje 


• • •_^ ^^ 


1 


Thälchen. 


schiebet sehiiä 


» )) 


93 


Östliches Selma-Thäl- 


esch-scharlfije 


1 ^>k5.*N>V«^) 




chen. 



1) FURRER, ZDPV. III, 235 und Schick's Karte. 



122 



Kasteren, Aus der Umgegend von Jerusalem. 



Transcription 


Arabisch 


Seite 


Erklärungen 


schibet el-iüiz- 


^â– j\^-^y\ 


^xXÄv 


92 




ivüzi 










sihcän el-atlka 


».AxÄX«^ 


ü'>- 


S3 


Das alte Silwäii. 


suwün ez-zamhl 

lüädi abu ürün 
» harb 


• > 


> 


97 

85 
87 


Die Feuersteine •) des 
Zambi. , 


» Jüsül 2) 


.5>^i^ 


)) 


77 




« el-leben 


a^^' 


)) 


80 


Milch thal. 


» micMäs 


uo^iL^ 


)) 


93 




» mislak . 


^"^l^M./! 


)) 


93 




» mudauioäd 


^t^Ax 


)) 


92 




n el - mtidau- 


,;a:^ 


)) 


90 f. 


Rundes Thal. 


icar 










wüdi mughiiir ed- 




» 


95 


Thal d. Hyänenhöhlen. 


duba 










wcidi en-nalde 


xlsrJI 


» 


87 


lUenenthal. 


» rascJüd 




)) 


97 




» er-rimädi 


i 


» 


107 


Aschenthal. 


» es-saicähire 


»^>\^^;^:^ 


)) 


80 


- 


» esch - scha- 


"C^-CiX-l 


» 


77 


Kerzenthal. 


ma ^) 


w 








lüädi es-sikJce 


\.^.*«J! 


)) 


92 


Thal des Weges. 


wädi es-suneisil 


iV.^«Vh^Aam^ I 


^->^3 


94 


Kettenthal ») . 


» turdscha- 


* > 


)) 


85 




nuiny'e 










wädi loabe 


iOw£r 


» 


93 




» ez-zambl 
» ez-zeitün 




)) 


92 

84 


OHventhal. 



1) Nach mehreren Stellen der Name Lists. 

2j Schick s Karte in Statements für lb&7, 150. 

3) Schick's Karte in Statements a. a. O. 

4) Nach den Name Lists ;}2!» bedeutet snneisil auch «streams.« Ich hörte 
die oben beschriebenen alten Kaniilchcn l)ei cl-mura.^sas so nennen. Für 
trockene Steinmauern kommt das Wort in Palästina häufig vor. Vgl. 
Klein ZDPV. IV, TU. 



Sclialensteiiie in Palästina und im Alten Testament. 

Von Professor H. Guthe in Leipzig. 

Salomon Reinach hat in seiner vortrefflichen Chronique 
(VOrient in der Revue archeologique 18S8, S. 96 f. zu dem Felsen- 
altar bei sara und dem Opferstein bei cJiirhet marmltZi ZDPV. 
X, 140 fF. 157 f. und Tafel III und IV die Bemerkung gemacht, 
dass die eingegrabenen Figuren dieser Steine ganz denjenigen 
gleichen, welche gegenwärtig auf einer grossen Anzahl von 
Steinen in Europa. Asien und Amerika beobachtet worden sind 
und diesen den Namen )> Schalensteine«, französisch »pierres ä 
ecuelles«, englisch »cup-stones« gegeben haben. 

Ich bin Herrn Reinach für seine Bemerkung recht dankbar ; 
sie kam zur rechten Zeit. Denn gerade in den letzten Jahren 
sind solche künstliche Grübchen auf Steinen oder im lebenden 
Felsen in Palästina von verschiedenen Forschern beobachtet 
Avorden, so dass jetzt auch Palästina zu denjenigen Ländern ge- 
rechnet werden muss, in welchen diese merkwürdigen Zeugen 
aus vorgeschichtlicher Zeit vorhanden sind. Auch zweifle ich 
nicht, dass sich die Zahl solcher Beobachtungen noch vermehren 
wird, sobald nur die Aufmerksamkeit der Forschenden dort darauf 
gerichtet ist. Daher scheint es mir der Mühe Merth zu sein, die 
bisher bekannt gewordenen Thatsachen über das Vorkommen 
solcher Schalen oder Näpfchen in Palästina kurz zusammenzu- 
stellen und daran die Frage zu knüpfen, ob das Alte Testament 
eine Kenntniss derselben verräth. 

Ich lenke die Blicke der Leser zuerst auf das Westjordan- 
land. 

1. Auf dem niedrigen Rücken von chirhet (Jahr es-sagJiir 
westlich von teil el-kädl finden sich Dolmen oder Steintische aiis 
Basalt, darunter eine Steintafel von 1,55 m Länge und Od cm 



1 24 Guthe, 

Breite, die von kleineren Steinen getragen wird, so dass ihre 
01)erfläche sich 60 cm über dem Boden befindet. An dem einen 
Ende hat die Steintafel eine flache Grube '). 

2. Nördlich von meron in Obergaliläa stehen drei Dolmen, 
deren eine den Namen hadschar \el-\muneTxi trägt. Aus der 
Bedeutung dieses Namens, »Stein mit dem kleinen Mörser«, sollte 
man auf das Vorhandensein einer runden Grube schliessen ; doch 
finde ich keine ausdrückliche Angabe darüber-). Ich selbst 
habe diese Dolmen nicht gesehen. 

3. Der heilige Felsen des Garizim hat, wie Conder 1882 
beobachtet hat, etwa in der Mitte eine kleine künstliche Grube. 
Die Samaritaner behaupten, dass dort die Stelle sei, wo das 
eherne Becken in dem Hofe des von Josua auf dem Garizim er- 
bauten Tempels gestanden habe ^j . 

4. Der Felsen in der kuhhet es-sachra in Jerusalem hat an 
seinem Nordende eine ausgehöhlte Grube ^). 

5. Die Gruben und Verbindungskanäle auf dem Stein von 
sara sind in ZDPV. X, 140 f. 157 f. von Schick und mir be- 
sprochen worden. 

6. Die ähnlichen Vertiefungen auf dem Stein von martnlfä 
s. ebendort S. 141 f. 157 f. In der Nähe befindet sich ein Stein- 
kreis (Kromlech). 

7. .1. P. VAN Kasteren erwähnt S. 78 dieses Heftes etwa 
30 Schüsseln von verschiedener Form und Grösse — bis zu 
3/4 Quadratmeter — auf einer felsigen Anhöhe östlich über dem 
blr el-huwära zwischen bei süsm und dem blr cl-hantara, mithin 
nördlich von sara. 

8. Derselbe Forscher hat auf der er-räs genannten Höhe 
südlich von Jerusalem westlich oberhalb des Kidronthales eine 
Anzahl ähnlicher Schalen und Kinnen bemerkt, s. oben S. 7 7 ff. 
Vgl. auch S. 93. 114. 

Im Ostjordanlande shid solche Vertiefungen durch 
Conder und Manjell zahlreicher beobachtet worden. Condeu 
hat im ersten Bande der Survey of Eastern Palestine (1889) und 

1) CoNDEK, Heth and Moab. Explorations in Syria in 1881 und 1882 
(London 1S89; S. 247 f. 

2) Survey of AVestcrn Palestine, Memoirs I, 253. Condkk, Ueth and 
Moab, 249. 

3) Conder, a. a. O. 237. 4) Quarterly Statements for 18S7, 74 f. 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 125 

in dem Buche »Heth and Moab« seine Beobachtungen zusammen- 
gestellt. Er fand Schalen und Rinnen : 

1. Auf dem nach O. geneigten Deckstein einer Dolme im 
SW. von \tmmäu. Der Deckstein misst 4 m zu 3,40 m; er ruht 
im W. auf einem Stein von 1,80 m Höhe und 1,57 m Breite, im 
O. auf dem Abhänge des Berges. In der Mitte des Decksteins 
befindet sich eine Schale von etwa 60 cm im Durchmesser und 
30 cm Tiefe. Eine Anzahl Rinnen leiten von dem höheren west- 
lichen Ende der Platte, zum Theil wieder voq Schalen ausgehend, 
zu der in der Mitte befindlichen. Ausser dieser giebt es noch 
zwei andere grosse und neun kleinere Schalen auf demselben 
Stein, einige mit zuleitenden Rinnen. Einige Gruben befinden 
sich auch in dem Felsboden unmittelbar neben der O. -Seite des 
Steins, eine Beobachtung, die auch an anderen Orten gemacht 
wurde'). 

2. Auf dem Deckstein (2,40 Dm) einer kleineren Dolme 
NW. von ^ammän ist neben mehreren kleineren Gruben eine 
grössere an der Westseite des Steins, die 78 cm zu 30 cm bei 
einer Tiefe von fast 10 cm misst 2). 

3. Die Kopffläche eines Malsteius (Menhir) im W. des vor- 
hergenannten Denkmals, zeigt eine kleine aber regelmässige 
Gnibe. Der Malstein ist 1,40 m hoch, 1,25 m breit und nahe an 
50 cm dick. Die Grube hat einen Durchmesser von 20 cm und 
eine Tiefe von 1 4 cm 3) . 

4. Im NO. dev.kaVat 'aniniän liegt ein zu Boden gefallener 
Malstein ; er hat eine Länge von 3,70 m, eine Breite von 2 m und 
eine Dicke von GO cm. An der einen Seite des Steins befindet 
sich eine 28 cm tiefe Grube ^). Ahnlich ist das Beispiel am teil 
el-matliha am wZidi herbän^), sowie die Gruben an der Breitseite 
des Malsteins hadschar el-mansüh am Nordrande des tvädi zerkä 

\ maln ^] . 

11 1) Eastern Palestine I, S. 20 mit Abbildung. Heth and Moab 252. 

"l 2) Eastern Palestine I, 21 f. Heth and Moab 253. Hier wie anderwärts 

IJl stimmen die Masse in den beiden Büchern nicht ganz genau ; in solchen 
Fällen habe ich die x\ngaben des Survey-Bandes vorgezogen. 

3) Eastern Palestine I, 23. Heth and Moab 253. 

4) Eastern Palestine I, 24. Heth and Moab 253. 

5) Eastern Palestine I, 233. 

6) Eastern Palestine I, 185 f. Heth and Moab 260. Der hadschar el- 
mansüb ist bereits von ScmcK ZDPV. II, 10 erwähnt und dort Tafel II, Nr. 7 
abgebildet worden. 



1 26 • Guthe, 

5. Auf dem felsigen Rücken el-JmrmlJe nordwestlich von 
hesbän^n(\.e\\ sich unweit der Mitte eines grossen, jetzt zerstörten 
Steinhaufens mit mehreren Kreisen viele runde Gruben im Fels- 
boden, die im Durchmesser 30 bis 60 cm halten und eine Tiefe 
von 20 cm haben ') . 

6. Auf dem Deckstein einer ausgezeichnet regelmässigen, 
aus drei Steinen gebauten Dolme am Nordabhange des htirm'ije- 
Rückens finden sich 6 oder 7 Gruben, deren Durchmesser zwi- 
schen 30 und 55 cm w^echselt 2) . 

7. Ausser einzelnen Gruben auf Dolmen-Decksteinen bei 
sümije am S. -Rande des imdi hesbZtn und el-kalua gegenüber 
am N.-Rande sind sechs sorgfältig gearbeitete, runde Schalen 
auf dem 1,40 zu 1,25 m messenden Deckstein einer zerfallenen 
Dolme an dem zuletzt genannten Orte zu bemerken. Ihr Durch- 
messer Avechselt zwischen S und 30 cm, ihre Tiefe beträgt nur 
S cm und weniger 3). 

8. In den Anfängen des wädi dschidech südlich vom dschehel 
nehZi, westlich von mädehä, trägt der 2,45 zu 1,70 m messende 
Deckstein einer Dolme nicht weniger als 40 Gruben, deren grösste 
30 cm im Durchmesser hat und 28 cm tief ist. Fünf der grösseren 
Gruben sind durch eine Rinne verbunden; die übrigen befinden 
sich grösstentheils an den äusseren Ecken des Steins 4), 

y. In einer unweit nördlich von der vorigen gefundenen 
Dolme, deren Steine einen Raum von 2,70 m Länge, 1,60 m 
Höhe und 1,10 m Breite unischliessen, ist der den Boden dieses 
Raumes bedeckende, unmittelbar auf dem lebenden Felsen ru- 
hende Stein mit einer Grube von 30 cm Durchmesser und 15 cm 
Tiefe versehen ^). An einer nördlicher gelegenen Dolme ist die 
Schale ebenfalls in den unten liegenden Stein eingegraben'"'). 

10. In derselben Gegend drei Gruben in dem Deckstein 
einer Dolme, 10 bis 12 cm im Durchmesser, 8 cm tief) ; in einem 
anderen Deckstein eine Vertiefung von 90 cm zu 60 cm bei einer 
Tiefe von 20 cm s). 

1) Eastern Palestinc I, 150 f. Heth and Moab 254. 

2) Eastern Palestinc I, 163. 

3) Eastern Palestine I, 12S. lleth and Moab 25(i. 

4) Eastern Palcstine I, 268 f. 

5) A. a. O. 270. Ileth and Moab 258. 6) Eastern Palestine I, 27H. 
7) Eastern Palestine I, 273. 8) A. a. O. 271 f. 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 1 27 

11. Schumacher hat auf dem Dolmenfelde el-eklä el-mutru- 
kibät im nördlichen '^adscJilün zwischen samtna und et-taijibe auf 
einem grossen Dolmendeckstein, etwa in der Mitte desselben, eine 
runde Schale von 30 cm Durchmesser und 1 2 cm Tiefe gefunden ^). 
Auch auf einigen Decksteinen der Dolmen bei kafr jühti hat 
Schumacher Vertiefungen von verschiedener Gestalt gefunden : 
doch lässt er hier die Frage oifen, ob sie natürlich entstanden 
oder künstlich hergestellt worden seien '-) . 

Hiermit dürften die nach ihren Stätten und nach ihrer Art 
wichtigsten Beispiele von Schalen- oder Näpfchensteinen im 
West- und Ostjordanlande aufgezählt sein. Auffallend ist, dass 
G. Schumacher auf den von ihm beschriebenen ansehnlichen 
Dolmenfeldern des Dschölän und des westlichen Haurän nichts 
derartiges beobachtet hat 3). Es ist kaum anzunehmen, das solche 
künstlichen Gruben dem sonst sorgfältig beobachtenden For- 
scher entgangen sein sollten. Eher könnte man vermuthen, 
dass das harte Material der Dolmen nördlich vom Jarmük, der 
Kasaltstein, das Eingraben der Schalen oder Schüsseln dort ver- 
hindert hat. Die Stein denkmäler Palästina's bestehen nämlich 
meistens aus dem vorherrschenden Kalkstein, dessen liearbeituns: 
nicht schwer fällt. Jedoch haben wir schon oben S. 123 f. den 
Schalenstein einer l^asaltdolme kennen gelernt. Dieser Um- 
stand lässt auch andere Gründe für das Fehlen der Schalensteine 
nördlich vom jarmük zu, die vielleicht in dem Zweck der Dolmen 
gesucht werden könnten, nämlich ob sie Grabmäler oder Altäre 
sein sollen. Diesen Gedanken zu verfolgen, liegt jedoch ausser- 
halb der Aufgabe, die ich mir hier gestellt habe ^) . 

1) Schumacher, Northern 'Ajlün (London 1890) 131 fF. 

2) A. a. O. 171 ff. 175. 

3) Für den Dschölän und Haurän s. ZDPV. IX, 267 ft". und ScHU- 
macher's Across the Jordan (1886 S. 62 ff. 149 ff. 

4) In Kürze möge bemerkt werden, dass Noktlixg und Schumacher 
durch Untersuchung einiger unverletzten Dolmen festgestellt haben, dass sie 
Asche, kleine Kohlenstücke und Knochenreste enthielten. In einem Falle 
sind auch zwei Ringe aus Kupferdraht gefunden (ZDPV. IX, 268. Northern 
Ajlün 176. Zeitschr. f. Ethnologie XIX, 37 f.). CoNDER hebt dagegen hervor, 
dass die von ihm und Mantell untersuchten Dolmen keinesAvegs Grabstätten 
gewesen sein können ; er zieht es daher vor, sie als Opferstätten zu erklären. 
Demnach wäre ein verschiedener Zweck dieser Steindenkmäler, je nach ihrer 
Beschaffenheit, anzunehmen. Vgl. Heth and Moab 238 ff. 266 f. 27ü. 



] 28 Guthe, 

Es würde lehrreich sein, wenn von den Bewohnern Palästi- 
na's seihst noch gewisse Gebräuche oder Überlieferungen mit 
diesen Schalensteinen verbunden würden. Leider ist bisher nichts 
derartiges bekannt geworden. Natürlich kommt hier nicht in 
Betracht, wenn grössere Gruben im Gestein zur Zermalmung 
von Getreidekörnern oder zur Bereitung von Pulver gebraucht 
werden. Nur auf die Steindenkmäler, an denen oder neben 
denen sich die Schalen oder Schüsseln linden, muss unsere 
Aufmerksamkeit sich richten. Eine Steinsäule [sai'büt) nördlich 
von ^ajün müsä gilt als Wunschstein und hat den entsprech- 
enden Namen hadschar el-m.enä\ eine Dolme bei chirhet el-aljci 
nördlich vom See Genezareth heisst Blutstein, liadschar ed-damm\ 
die Dolmenstätte am Nordrande des imdi zerkä ma'ui hat den 
Namen el-mareighZit^ den Conder erklärt: »the things smeared« 
Avith oil or blood or other thick liquid und auf den alten Brauch, 
heilige Steine mit Blut oder Ol zu bestreichen, deutet ^) . AVenn 
ich nun auch die Übersetzung und Deutung des letzten Namens 
dahingestellt sein lasse, so legen die ersten beiden Namen doch 
den Gedanken an eine Bestimmung der Steine für den Kultus 
nahe. Eine Dolme aus drei Steinen auf dem A;wrm«/'e-Rücken 
bei hesbim hat vor dem einen Seitensteine noch einen kleineren 
Stein, der wie eine Stufe dazu bestimmt zu sein scheint, die 
obere Fläche des Decksteins für die Hände erreichbar zu machen. 
Hieraus würde sich ergeben, dass die Dolme doch wie ein Tisch 
hat dienen sollen 2) . Neuere Steinkreise der Araber, wie der bei 
ItadZmiJü oberhalb der ^ain dschideid, die um ein Grab errichtet 
zu werden pflegen, haben an der einen Seite Avohl eine kleine 
Dolme ^ , die als Altar dient, indem man Kupfermünzen und 
andere Dinge darauf darbringt ''). Auch diese beiden letzteren 
Züge weisen auf den Kultus ; denn der Altar ist nichts Anderes 
als der für die Gottheit bereitete Tisch, und wollte man mit 
Flüssigkeiten den Tisch der Gottheit versehen, so musste eine 
Schale vorhanden sein, die das Trankopfer aufnahm. Daraus 
würde sich die Ansicht ergeben, dass die Schalen zur Aufnahme 

1) Eastern Palestine I, 214. 184. Heth and Moab 261^. 250. 202. 

2) Eastern Palestine I, 102. Ueth and Moab 2.54. 

3) Vgl. die Abbildung ZI )PV. IX, 271. Statt der giebelartigen Deck- 
platte finden sich auch häufig vollkommen flache Decksteine. 

4! Eastern Palestine I. '.t9. Hcth and Moab 257. 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 1 29 

von Trankopfern bestimmt gewesen wären. Sie Avird auch von 
CoNDER vertreten ^] . Doch vermag sie die Thatsache nicht zu 
erklären, dass die Gruben nicht nur auf horizontalen, sondern 
auch an vertikalen Flächen sich finden (vgl. oben S. 125). Man 
kann gewiss zugeben, dass die Näpfchen, namentlich wenn sie 
diirch Rinnen verbunden sind, für Opferzwecke gebraucht wurden. 
Aber man muss doch Bedenken tragen, darin ihre ursprüng- 
liche Bestimmung zu erkennen 2]. — 

Verräth das Alte Testament eine Kenntniss von diesen in 
Stein gegrabenen Schüsseln oder Schalen? 

Es ist längst bekannt, dass die rohen Steindenkmäler, die 
wir im heutigen Palästina vorfinden, im Alten Testament wieder- 
holt genannt rmd besprochen werden. Der Malstein oder Men- 
hir ist im A. T. die masseha, von Luther mit Mal (z. B. Gen. 28, 
15. 22) oder Malstein (Jes. 19, 19) oder Säule ;Deutr. 12, 3. 16, 
22) übersetzt. Der Steinkreis oder Kromlech heisst im A, T, 
sehr wahrscheinlich gilgal, ein Name, den wir nicht nur als 
Ortsnamen kennen und der, da er stets mit dem Artikel ge- 
braucht wird, von der Sprache als' Eigenname nicht gefühlt 
worden ist. Es ist ja auch lehrreich zu sehen, wie in Jos. 4 die 
aufgerichteten zwölf Steine von der «Gilgal« genannten Stätte 
verstanden werden. Der Steinhaufen (»cairn«) ist im A. T. die mar- 
gema Prov. 26, 8 3). Der Steintisch oder die Dolme ist an vielen 
Stellen des A. T. ohne Zweifel der mizheVi, gewöhnlich mit Altar 
übersetzt. Von welcher Gattung dieser Steindenkmäler die ceheti 
masklt Lev. 26, 1 zu verstehen ist, lässt sich jedoch nicht sicher 
erkennen; vielleicht ist es ein Ausdruck von allgemeinem Sinne. 
Aber jene runden Vertiefungen an oder neben diesen Denk- 
mälern, besonders an und neben den Dolmen, werden meines 
Wissens im A. T. nirgends ausdrücklich erwähnt. Nur einmal 
ist von »einem Stein mit sieben Augen« die Eede, nämlich 
Sacharja 3, 9. 

Die Ausleger gehen allerdings in ihrem Urtheil darüber, 
was unter dem Stein mit sieben Augen zu verstehen sei, ausein- 

1) Heth and Moab 267. Ebenso in Sjnrian Stone Lore (London 18SG) 47. 

2) Vgl. Charles Kau, Observations on ciip-shaped and other lapida- 
rian sculptures in the old -world and in America ;Washington 1881) 84. 

3) Gewöhnlich wird das Wort durch »Schleuder« erklärt. Nur Rohling 
macht nebenbei den Versuch, das "Wort auch vom Steinhaufen zu verstehen. 

Ztschr. a. Pal.-Ver. XHI. 9 



130 Guthe, 

ander. Maurer, Bürger, Ewald verstehen darunter den Schluss- 
oder Giebelstein des Tempels (4, 7). auf dem Gott selbst sieben 
Augen als bedeutsame Verzierung eingraben werde; andere, z. B. 
RosEXMÜLLER, HiTziG und Xeumakx, den Grundstein des Tem- 
pels. Noch andere, wie neben älteren Auslegern Hengstenberg 
und Köhler, denken überhaupt nicht an einen wirklichen Stein, 
sondern fassen den Stein als Symbol, entweder des Messias oder 
Israels, und erkennen in der iVussage von den sieben Augen den 
Sinn, dass die sieben Augen Gottes auf den Steiu gerichtet sind, 
d. h. dass der Stein Gegenstand seiner schützenden Liebe ist. 
Bei dieser Deutung der sieben Augen wird demnach eine augen- 
artige Verzierung des Steins, sei es eines wirklichen oder nur 
eines in der Vision geschauten, ausgeschlossen und jede Ver- 
wendung dieser Stelle in dem von mir angedeuteten Sinne un- 
möglich. Jedoch scheint mir der Wortlaut der Stelle durchaus 
zu Gunsten der anderen Auffassung zu sprechen, dass nämlich 
mit den sieben Augen die Verzierung des Steins gemeint ist. £s 
ist hierbei gleichgültig, ob man sich den Stein als einen wirklich 
oder nur im Gesicht des Propheten vorhandenen deakt. Denn 
auch in letzterem Falle sieht man sich zu der Annahme ge- 
nöthigt, dass der Seher sowohl als auch seine Glaubensgenossen 
doch Steine mit solchen Verzierungen kannten; sonst hätte ihnen 
ja die Anschauung und das Verständuiss für die dargestellte 
Sache völlig gefehlt. Was endlich die Wahl zwischen dem Giebel- 
stein oder dem Grundstein anlangt, so wird es nicht schwer 
fallen, sich für den ersteren zu entscheiden, wenn man bedenkt, 
dass die sicherlich bedeutsame Verzierung au dem Grundstein 
jederman verborgen gewesen wäre. 

Wer also die von mir bevorzugte Auffassung von Sach. 3, 9 
theilt und sich fragt, ob wir irgend ein Stück Alterthum des 
heiligen Landes zu dem Inhalt in Beziehung setzen können, wird 
schwerlich im Stande sein, an den besprochenen Schalen- oder 
Näpfchensteinen vorüberzugehen. Es liegt auf der Hand, dass 
diese Gruben ebensogut als lAugcn« wie als «Schalenic aufgefasst 
werden können. Die sieben Augen auf dem einen Stein, dem weit- 
hin sichtbaren Giebelstein, bedeuten die über dem Tempel und 
über der ganzen Gemeinde offenen, gnädigen Augen Gottes, wie 
aus Sach. 4,10 und 2 Chron. 16,9 hervorgeht. Der Stein ist dem- 
nach eine symbolische Darstellung des l Kön. 8, 29. 9, 3 mit 
Bezug auf den Tempel in Jerusalem ausgesprochenen Gedankens. 
Er wird nicht dem Scrubaliel, der gewissermassen als Bauherr des 
zweiten Tempels betrachtet werden kann, sondern dem Josua 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 131 

vorgelegt (Sacli. 3, 9), weil dieser als Priester der sacli- und 
kunstverständige Mann ist und für die richtige Herstellung des 
Steins nach dem von Sacharja geschauten Muster Sorge zu 
tragen hat. 

Wir besitzen noch einen merkwürdigen Beleg aus dem 
semitischen Alterthum für die Ausstattung eines Gotteshauses 
mit solchen augenartigen Vertiefungen. In Perrot et Chipiez, 
Histoire de lart dans l'antiquite III, 277 und danach bei Th. 
Friedrich, Tempel und Palast Salomos (Innsbruck 1SS7) 5S ist 
das Thonmodell eines phönicischen Tempels, das sich im Louvre 
in Paris befindet, abgebildet. In der Vorderwand des Tempels 
befinden sich über der Thür 11 kleine Löcher oder Gruben, auf 
der ebenfalls zur Anschauung gebrachten Seitenwand in gleicher 
Höhe und etwas tiefer 12 solche Vertiefungen. Perrot hat sie 
a. a. O. als »trous de colombier« erklärt; aber für diesen Zweck 
scheinen sie mir wenig geeignet zu sein. Friedrich lässt sie den 
Fenstern des von ihm rekonstruirten salomonischen Tempels 
(vgl. ZDPV. XII. 140 ff.) entsprechen, «die schiessschartenähn- 
lich die Einbaue erhellen«. Aber flache Gruben in der Wand 
können nicht als Fenster erklärt werden. Meiner Meinung nach 
sind diese kreisrunden Löcher oder Gruben mit den Schalen an 
Dolmen oder im lebenden Felsen und namentlich mit dem 
»Augenstein« des Sacharja am zweiten Tempel in Jerusalem zu- 
sammenzustellen und ebenso wie dort zu erklären, nämlich als 
die Augen der im Hause wohnenden und von dort aus wirksamen 
Gottheit. 

Giebt es in der Literatur ein zweites, auf solche Denkmäler 
bezügliches Zeugniss. das sich an Alter und an Bedeutung mit 
den Worten des Sacharja (3, 9) messen kann? Ich glaube kaum. 
Es stammt nach Sach. 1,1.7 aus dem zweiten Jahre des persi- 
schen Königs Darius Hystaspis, d. i. 519 v. Chr., und rührt von 
einem hervorragenden Manne Israels her. der priesterliche Bil- 
dung besass (Nehem. 12, 12. IG), Es fallt demnach diese Äusse- 
rung über die »Schalensteine« sicherlich ins Gewicht. Sie hat es 
allem Anschein nach mit solchen Gruben zu thun, die an der 
vertikalen Seite eines Steins angebracht waren, und schliesst die 
S. 128 f. besprochene Deutung wenigstens für diesen und ähn- 
liche Fälle aus, da sie die Gruben als «Augencc auffasst. Ob aber 
die Deutung, die Sacharja der Verzierung des Steines giebt, 
ganz und gar sein Eigenthum ist oder etwa eine uralte, schon im 
semitischen Heidenthum vorhandene Sitte in israelitischer Weise 
verwerthet , diese Frage muss mit Rücksicht auf das oben 



132 Guthe, Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 

erwähnte Thonmodell'n'ohl in letzterem Sinne entschieden werden. 
Wenn ich seine Gruben recht gedeutet habe, so bezeugen sie das 
Vorhandensein einer solchen Sitte auch hei den Phöniciern oder 
Kanaanitern, und obgleich das Alter jenes Modells im Verhält- 
niss zu Sacharja unbekannt ist, so ist doch in Anbetracht vieler 
ähnlicher Fälle und des kulturgeschichtlichen Verlaufs über- 
haupt als wahrscheinlich anzunehmen, dass die »Augensteiue« 
nicht im israelitischen, sondern im kanaanitischen oder phöni- 
cischen Cultus eine ältere Heimath haben. Immerhin darf aber 
im Anschluss an die Stelle des Sacharja die Frage aufgeworfen 
werden, ob die Bezeichnung dieser Grübchen als Augen nur 
eine Deutung des Vorhandenen ist und nicht vielmehr mit dem 
ursprünglichen Sinne dieser merkwürdigen Ausstattung der Stein- 
deukmäler, des lebendigen Felsens und der Tempelwände nahe 
zusammenhängt. Bisher ist es noch nicht gelungen, sie in be- 
friedigender Weise zu erklären. Die verschiedenen Versuche hat 
Charles Kau in dem oben genannten Buche zusammengestellt. 
Erst nachträglich ersehe ich, dass bereits E. Friedel aus 
Anlass der Besprechung der Schalensteine in der Berliner An- 
thropologischen Gesellschaft auf die Stelle Sach. 3, 9 hinge- 
wiesen hat, doch mit der meines Wissens unrichtigen Bemerkung, 
dass bei den Juden die »gesalbten« Steine wegen der augen- 
artigen Höhlungen überhaupt xiugensteine gehiessen hätten '). 

1) Vgl. Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, 
Ethnologie und Urgeschichte, Jahrgang 1878, S. 50 ff. Dort macht Friedel, 
wie schon vor ihm Dr. Veckenstedt, Woldt und Rosenberg, darauf auf- 
merksam, dass die unteren Mauerschichten einer nicht geringen Anzahl von 
Kirchthürmen in Schweden, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg etc. 
ähnliche Näpfchen aufweisen, und meint, dass hierin die Aufnahme eines 
heidnischen Brauchs in das Christenthum vorliege — also eine gewisse Pa- 
rallele zu Sacharja. Ich füge dem hinzu, dass auf einer kyprischen Münze, 
die bei Perrot et Chh'Iez a. a. O. III, 266 und bei Friedrich a. a. O. 59 
abgebildet ist, die Mauer des Tempels dem Anscheine nach ganz ähnliche 
»Näpfchen« aufweist, wie z. B. die Marienkirche in Greifswald. "Wenn ich 
die nicht ganz deutliche Abbildung recht auflasse, so sind diese Gruben ebenso 
zu bcurtheilen wie an dem oben erwähnten Tempelmodell. — In den genann- 
ten Verhandlungen sind jedoch auch andere Erklärungen aufgestellt worden: 
Jahrgang 1875, 135 f. 1878, 334 f. 379 ff. 436 ff. 



Palästina um das Jalir 1400 vor Chr. nacli neuen 

Quellen. 

Von Dr. H. Zinmieru in Halle ad. S. 



Wenn ich es heute unternehme, zu Ihnen über die Zustände 
in Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. zu sprechen, so bedarf 
dies zuvor einer kurzen Eechtfertigung. Es stände mir schlecht 
an, mich bei der heutigen Gelegenheit über die Frühgeschichte 
Palästina' s zu verbreiten, falls ich dies nur auf Grund desselben 
Quellenmaterials thun könnte, welches hervorragende Vertreter 
des Alten Testamentes und der altorientalischen Geschichte ihren 
diesbezüglichen Darstellungen bisher zu Grunde zu legen ver- 
mochten. Denn das, was wir über die Zustände in Palästina in 
dieser frühen Zeit auf Grund der Nachrichten des Alten Testa- 
mentes und vor allem mit Hülfe ägyptischer Berichte mit Sicher- 
heit aussagen können, das ist von berufenster Seite bereits in so 
mustergültiger Weise dargelegt Avorden, dass eine erneute Unter- 
suchung hierüber, zumal von Jemandem, dessen Studien sich 
nicht unmittelbar mit diesen Fragen befassen, als äusserst gewagt 
erscheinen müsste. Wenn ich es gleichwohl unternehme, mich 
heute wenigstens mit einem Ausschnitte aus der ältesten Ge- 
schichte Palästina" s zu beschäftigen, so geschieht dies darum, 
weil gerade in jüngster Zeit neue Quellen für dieses Gebiet auf- 
getaucht sind und zwar Quellen in einer solchen Form, dass sie 

1) Antrittsvorlesung, gehalten in Halle am 27. Oktober 1890. — Die 
Form des Vortrags wurde um so lieber unverändert beibehalten, als eine er- 
schöpfende systematische Behandlung dieses Themas im gegenwärtigen Augen- 
blicke noch als verfrüht erscheinen rauss. — Vergl. jetzt auch J. Halevy, 
La correspondance dAmenophis IV et la Bible (Recherches bibliques XX j 
Extrait de la Revue des Etudes juives 1890). 

Ztsehr. d. Pal.-Ver. XUI. 10 



134 Zimmern, 

speciell auch an mich vermöge des Ganges, den meine Studien 
genommen haben, die Anforderung stellen, mich eingehender mit 
denselben zu befassen. 

Sie haben wohl Alle schon gelegentlich von dem interessan- 
ten Funde gelesen, der vor drei Jahren in Teil el-Amarna in 
Ägypten gemacht worden ist, woselbst mehrere Hundert Briefe 
in Keilschrift und fast ausschliesslich auch in assyrischer Sprache 
aufgefunden wurden. Wenigstens ist in Zeitungen und Zeit- 
schriften jeglichen Genres in fast überreichlicher Weise dafür 
Sorge getragen worden, die Kunde von diesem Funde in Aveitere 
Kreise zu tragen. Vor allem waren es die Briefe babylonischer, 
assyrischer und anderer vorderasiatischer Könige an die beiden 
ägyptischen Könige Amenophis III. und Amenophis lY., welche 
von Anfang an das lebhafteste Interesse an diesem neuen Funde 
erweckten. Für unseren vorliegenden Zweck kommen zwar auch 
diese Königsbriefe mehrfach in Betracht: lag doch gerade zwischen 
Ägypten und den vorderasiatischen Reichen Palästina als ein 
Landcomplex, um dessen Besitz sich leicht Streitfragen erheben 
konnten, und musste doch gerade durch diesen schmalen Streifen 
Kulturlandes jener Briefverkehr zwischen den Euphrat- und Nil- 
ländern seinen Weg nehmen. Doch noch näher berühren uns im 
gegenwärtigen Falle diejenigen Briefe aus dem Funde von Teil 
el-Amania, "welche aus Phönicien und Palästina selbst herrühren. 

Die Verfasser dieser letzterwähnten Gattung von Briefen 
sind der Mehrzahl nach einheimische Machthaber, die aber in 
Vasallenverhältnis zu dem ägyptischen Könige standen. Dass aus 
diesen Briefen, die naturgemäss vorwiegend von Vorgängen in 
der Umgebung der Ikiefschreiber handeln, sich mancher inter- 
essante Aufschluss über die Zustände in Palästina um diese Zeit 
ergeben würde, ist darum schon von vorne herein zu erwarten. 
Leider sind freilich gerade diese ]>riefe theilweise in einem sehr 
schlechten Zustande auf uns gekommen, so dass bei einzelnen 
derselben nicht einmal mehr der allgemeine Zusammenhang des 
Inhalts erkannt Averden kann. Ausserdem ist bis jetzt erst ein 
Thcil dieser Briefe, nämlich die in den Museen zu Berlin und zu 
P)ulak befindlichen, dem Studium durch Veröffentlichung zugäng- 
lich gemacht worden '], während der zwar kleinere, aber immerhin 

ii H. WlxcKLKK, Der Thontafelfund von el Amarna, Berlin 1889—90. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 1 35 

beträchtliche und, wie es scheint, besser erhaltene Theil derselben 
im Britischen Museum in London noch der Veröffentlichung 
harrt ^). Doch lässt sich auch schon aus dem bis jetzt veröfFent- 
lichten Theile des Fundes ein gewisses Gesamratbild von den 
Zuständen in Palästina und Phönicien zu der Zeit, aus welcher 
die Briefe herrühren, entnehmen. 

Diese Zeit aber ist die Wende des 15. und 14. vorchrist- 
lichen Jahrhunderts. Denn diese Briefe aus Palästina stammen 
aus derselben Zeit, wie die Briefe der vorderasiatischen Könige, 
d. h. aus dem Ende der Regierungszeit Amenophis' III. und dem 
Anfange der Regierung seines Sohnes und Nachfolgers Ameno- 
phis' IV., d. i. aber, wie wir jetzt mit ziemlicher Genauigkeit 
wissen, die Zeit um das Jahr 1400 vor Chr. Gerade aus diesem 
speciellen Zeitraum wussten wir bisher über Palästina aus ander- 
weitigen Quellen so gut wie nichts. Denn während wir aus der 
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch die Annalen Tliut- 
mosis' III. im xlUgemeinen über die Verhältnisse in Vorderasien 
leidlich imterrichtet sind und ebenso später durch die Berichte 
Kamses' II. über die Ereignisse im 14. Jahrhundert, so klafft ge- 
rade zwischen Thutmosis III. und Ramses IL in der ägyptischen 
Berichterstattung eine Lücke, welche jetzt durch diese Briefe aus 
der Zeit der zwischen jene Pharaonen fallenden Könige Ameno- 
phis III. und Amenophis IV. in Avünschenswerther Weise aus- 
gefüllt wird. 

Die allgemeine politische Lage Palästina' s und seiner Nach- 
barländer um diese Zeit lässt sich im Anschluss an diese Briefe 
etwa dahin kennzeichnen, dass die ägyptische Oberherrschaft 
über Palästina, obwohl officiell noch zu Recht bestehend, doch 
überall bereits die Spuren ihres baldigen Verfalles aufweist, 
während die Hethiter und die mit denselben verbündeten Völker- 
schaften ihre Herrschaft immer weiter nach Süden und Westen 
ausdehnen und auf dem besten Wege sind, die Ägypter aus ihrer 
leitenden Stellung in Phönicien und Palästina zu verdrängen und 
ihrerseits die führende Rolle in diesen Ländern zu übernehmen. 
Erleichtert wurde dieses Vordringen der Hethiter dadurch, dass 
sie von Seiten mehrerer Gaufürsten im Norden Palästinas bei 

1) Nur einige Briefe daraus sind veröffentlicht von BUDGE in den Pro- 
ceedings of the Soc. of Bibl. Arch. Vol. X, 18ST/88. 

10* 



136 Zimmern, 

diesen Unternelimiiiigen unterstützt Aviirden. Zwar wagt es um 
diese Zeit noch Niemand, offen die Fahne der Empörung gegen 
die ägyptische Herrschaft in Palästina zu erheben — so stark 
ist doch noch der Nimbus des ägyptischen Namens, wenn auch 
die gegenwärtig auf dem Throne sitzenden Pharaonen wenig für 
die Aufrechterhaltung desselben nach aussen hin thaten. In 
ihren officiellen Schreiben versichern vielmehr die palästinen- 
sischen Vasallen den ägyptischen König sämmtlich ihrer tiefsten 
Ergebenheit. Hinter dem Rücken des Königs conspiriren 
jedoch mehrere derselben frischweg mit den Hethitern. Dazu 
bietet diese Correspondenz das Bild einer beständigen Rivalität 
zwischen den einzelnen Vasallen unter einander, was bei der Art 
und Weise, in welcher Palästina damals in lauter Kleinstaaten 
zerrissen war, kaum anders zu erwarten ist. Darum nehmen die 
gegenseitigen Anklagen und die darauf bezüglichen Rechtfer- 
tigungsschreiben einen breiten Raum in dieser Correspondenz 
ein. Um Ihnen ein einigermassen anschauliches Bild von dem 
eben Gesagten zu geben, greife ich eine Stelle heraus aus einem 
Briefe eines gewissen Rib-Addi aus Guhla (alttestamentlich 
gehäl^ griechisch Ryblos, heute dschehel, etwas nördlich von Bei- 
rut) an der phönicischen Küste. Die Briefe gerade dieses Rib- 
Addi sind besonders zahlreich in dieser Correspondenz vertreten. 
Er beklagt sich in denselben wiederholt vor allem über einen ge- 
wissen Ahdi-Aschirti (ein Name, der einem hebräischen ^Abd- 
Asclterä entsprechen würde), gleichfalls, wie Rib-Addi, ein Vasall 
des ägyptischen Königs, indem er ihn beschuldigt, dass er im 
Interesse der Hethiter der Macht Ägyptens in Phönicien und 
Palästina Abbruch thue. So schreibt Rib-Addi in dieser Hinsicht 
u. a. an den Pharao: »Der König, mein Herr, möge erfahren, 
dass die Feindschaft Abdi-Aschirtts gegen mich gar heftig ist. 
Jetzt sucht er die Städte, welche mir allein übrig geblieben sind, 
aus der Hand des Königs zu entreissen«. Ferner: ,Wie kommt 
denn aber Abdi-Aschirti, der Knecht, dazu, dass er alle Städte 
des Königs, der Sonne, einzunehmen trachtet?': ,Ein Knecht des 
Königs vom Lande Mitana und des Königs vom Lande Kaschsche 
(Parallelstelle noch : und des Königs vom Lande Chata, d. i. vom 
Hethiterlandc) ist er, indem er das Land des Königs für sich 
einzunehmen trachtet." Am Schlüsse dieses Briefes bittet darum 
Rib-Addi den König, dass er zahlreiche Truppen entsende, 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 137 

»damit diese vertreiben die Feinde des Königs aus dessen Lande, 
auf dass alle Länder wieder in den Besitz des Königs kommen i).« 
Derselbe Abdi-Aschirfi, der in diesen Briefen Mib-Addi's des 
offenbaren Landesverrathes angeklagt wird,, erklärt dagegen 
seinerseits in Schreiben an den ägyptischen König: «Siehe, ich 
bin ein Knecht des Königs und ein Diener seines Palastes; das 
^yestland in seiner Gesammtheit halte ich für den König, meinen 
Herrn, in Obhut «2). Speciell in Bezug auf das Vordringen des 
hethitischen Königs schreibt ein anderer wiederholt etwa mit fol- 
genden Worten : » Der König des Landes Chatti steht im Lande 
NucJiaschscJie'^j , und ich fürchte mich vor ihm, dass er nach dem 
Westlande, dem Lande des Königs, meines Herrn, ziehe. Darum 
möge der König Truppen und Wagen mir zur Hilfe schicken, 
damit ich das Land des Königs, meines Herrn, beschützen kann« ^). 
Während so aus den phönicischen Küstenstädten dringende 
Kufe um Hilfe gegen die Hethiter und die mit denselben ver- 
bündeten Staaten, bezw. die dieselben unterstützenden Vasallen 
des ägyptischen Königs erschallen, ist es im Süden Palästinas 
ein anderer Feind, welcher der ägyptischen Oberherrschaft und 
den dem Pharao noch treu ergebenen Vasallen zu schaffen macht. 
Dieser Feind wird bezeichnet als Chabiri-hQwte . Es ist zwar 
noch durchaus ungewiss, aber manches spricht dafür, die Leute 
von Chahiri oder die Chahiri-l^ewXe einfach mit den "Ibrhn, den 
Hebräern, zu identificiren^). Würde sich diese Annahme be- 

1) WiNCKLER No. 74; vgl. No. 60, 17 ff. ; No. 61, 6S ff. 

2) W. No. 97; möglicherweise ist anstatt ?na^ ^Äarrt »Westland« ?««'< 
Amurri « Amoriterland« zu lesen. 

3) Vielleicht identisch mit dem Lande Anauyas der ägyptischen In- 
schriften? Die von Halevy in der angeführten Abhandlung entwickelte An- 
sicht, dass »laY ^"wÄasse eigentlich das »Kupferlaud« bedeute und weiterhin 
begrifflich und geographisch identisch mit Aram-Zoba und Chalcis sei, er- 
scheint mir sehr einleuchtend. 

4) W. No. 31, 21 ff.; No. 32, 20 ff. etc. ; No. 36, 29 ff. 

5) Sayce (PSBA X, 496 ; XI, 347 , Records of the Fast, N. Ser. 
II, 64) betrachtet {amehiü) ha-hi-ri als eine appellativische Bezeichnungsweise, 
»die Verbündeten", und bringt damit weiter den Namen von Hebron zu- 
sammen. — Eine Zusammenstellung mit den Hebräern habe ich selbst zuerst 
in einer Notiz in der Kölnischen Zeitung vom 1. Oct. 1890 (»die ältesten 
Schriftstücke aus Jerusalem«) in Erwägung gezogen, ohne mich daselbst für 
diese Zusammenstellung zu entscheiden, wie letzteres in einer an meine Mit- 



138 Zimmern, 

währen, so wären die betreiFenden Briefe, in welchen von diesen 
C^uibiri-Ijeuten die Eede ist, natürUch von höchster Wichtigkeit 
für die so vielfach ventilirte Frage nach der Zeit und der Art 
und Weise der EinAvanderung der Hebräerin das Westjordanland. 
Ich bemerke, dass von sprachlicher Seite aus eine Zusammen- 
stellung von Chahiri mit Ibrtm nicht unmöglich wäre, da gerade 
in palästinensischen Eigennamen Aviederholt "^Ajin und speciell 
sylbenanlautendes 'Ajin im Assyrischen durch Cheth wiederge- 
geben wird, so z. B. in Ghazzatu für Gaza und in Chumri für 
Omri 1) . Wie im Norden Palästinas dem Landesfeinde, den He- 
thitern, durch Ahdi-AscJm-ti der Weg geebnet wurde, so geschah 
dies gleichermassen im Süden den Chahiri-hewien gegenüber 
durch einheimische Vasallen des ägyptischen Königs, unter denen 
insbesondere einer Namens Ili-niilki (das Aväre hebräisch Eli- 
mwlek), oder auch mit Umstellung der beiden Namensbestand- 
teile Milki-il, häufig genannt wird. Und auch hier im Süden ist 
es wieder vor allem ein Vasall, der wäe Rih-Addi oben im Norden 
gegenüber dem Ahd-Aschirti und seinen Hintermännern, den 
Hethitern, so hier dem lU-milJd und seinen Hintermännern, den 
67?a5m-Leuten , gegenüber an seinem ägyptischen Oberherrn 
festhält. Dieser Vasall, Samens Ahdi-chiba^), schreibt von einem 
Orte aus, welcher den Namen Urusalim •') führt, d. i. nichts anderes 

theilungen anknüpfenden Notiz der »Vossisehen Zeitung« vom 16. Oet. ge- 
schieht. — AVie ich aus dem vor kurzem erschienenen October-Heft des Palest. 
Expl. Fund, Quart. Stat. 1S90, 327 entnehme, hatte auchCap. Coxder bereits 
die Hubiri-l^evitG mit den Hebräern identificirt. 

1) Vgl. dazu speciell aus den Tell-el-Amarna-Tcxten noch. Hib-JJaddi 
W. No. 80, 1 neben sonstigem Rih-Addi is. dazu Wixckler ZA. IV, 105); 
^arha als "Wiedergabe von sor'a W. No. 137, 21 fgenannt unmittelbar neben 
Ajaluna, wodurch die Identification gesichert ist); ferner die Wiedergabe von 
kencl an dmrch. Kiiiahhi; endlich die Glosse haparu zu t"^;?« »Staub« (s. dazu 
unten S. 14(v. 

2) Die Lesung des Namens ist nicht ganz sicher. Der erste Bestandtheil 
desselben wird mit dem gewöhnlichen Ideogramm für »Knecht« geschrieben, 
das aber in ])alästinensischen Eigennamen gewiss Ahdi und nicht Ardi zu 
lesen ist ; der zweite Bestandtheil abwechselnd hi-ha und he-ba. Letztere 
doppelte Schreibweise schliesst indessen die Möglichkeit nicht unbedingt aus, 
dass hi, he Ideogramm für tabu »gut« ist, der ganze Name also Abdi-tdha zu 
lesen wäre. 

3) Sayce gebührt das Verdienst, das Vorkommen des Namens Jerusalem 
unter der Form Urusalim in den Briefen aus Teil el-Amarna zuerst geahnt 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 139 

als Jerusalem. Schon die Thatsache an sich ist von Interesse, 
dass Jerusalem in diesen Texten mit Namen erwähnt wird, und 
zwar bereits unter diesem seinem bekanntesten Namen, nicht 
etwa, Avie wir nach den alttestamentlichen Angaben vielleicht 
eher erwartet hätten, unter dem Namen Jebus. Aber auch inhalt- 
lich bieten gerade diese Briefe des Abdi-cJdba aus Jerusalem — 
im Köniffl. Museum in Berlin befinden sich allein sechs der- 
selben ') — gar manche werthvolle Angaben. Es geht aus den- 
selben hervor, dass Jerusalem schon damals eine hervorragende 
Stelle unter den Städten Südpalästina's einnahm, ferner aber 
auch, wie es scheint, dass der damalige Machthaber Jerusalems 
in einem grösseren Abhängigkeitsverhältnisse zum ägyptischen 
Könige stand, als manche andere palästinensische Gaufiirsten. 
Denn, wenn ich die betreffenden Worte des Briefes recht ver- 
stehe, so hebt Abdi-cJdha ausdrücklich hervor, dass er kein erb- 
liches Fürsten thum bekleide, sondern dem Könige von Ägypten 
seine Einsetzung verdanke. Auch hier möchte ich zur Begründung 
und Veranschaulichung des Gesagten einige Avörtliche Auszüge 
aus diesen Briefen Äbdi-chibd ^ geben. So beginnt einer der- 
selben folgendermassen : »An den König, meinen Herrn, von 
Abdi-cJtiba, deinem Knechte. Zu den Füssen meines Herrn, des 
Königs , falle ich siebenmal und (abermals) siebenmal nieder. 
Was habe ich gethan gegen den König, meinen Herrn? Man 
verläumdet mich bei dem Herrn König also : ,Abdi-cMba ist 
abtrünnig von dem Könige, seinem Herrn'. Siehe, was mich be- 
trifft, so hat nicht mein Vater und nicht meine Mutter mich an 
diesem Orte eingesetzt, sondern der Arm des mächtigen Königs 
hat mich eintreten lassen in mein Vaterhaus. Warum sollte ich 
also Sünde thun gegen den Herrn König? So lange der König, 
mein Herr, lebt, spreche ich zu den Boten des Königs, meines 



[s. Proc. Soc. Bibl. Arch. XI, 18SS/80, p. 347) und sodann wirklich nachge- 
wiesen zu haben s. Aeademy Apr. 19, 1890). Dass das Berliner Museum eine 
Reihe von Tafeln besitzt, in welchen Jerusalem nicht nur beiläufig erwähnt 
wird, sondern welche geradezu aus Jerusalem herrühren, habe ich zuerst in 
der oben S. 137, Anm. 5 genannten Notiz ausgesprochen, nachdem ich durch 
bereitwillige Überlassung der Aushängebogen des jetzt erschienenen letzten 
Heftes der Publication von Seiten des Herausgebers, Dr. WixckleR, in 
den Stand gesetzt war, von den betreffenden Texten Kenntnis zu nehmen. 
1) W. No. 102—106 und No. 174. 



140 Zimmern, 

Herrn: ."Warum begünstigt ihr die C/iabiri-Ijente und handelt 
feindselig gegen die PräfectenV ^j« Die Schlussworte dieses l^riefes 
lauten : » Umgekommen sind alle Präfecten ; nicht ist mehr vor- 
handen ein Präfeet des Herrn Königs. Darum möge der König 
.sein Angesicht auf seine Leute richten und Truppen 2) aus den 
Garnisonen meines Herrn Königs senden. Nicht sind mehr vor- 
handen die Länder des Königs: Die C/uiMt-u-Ijente haben alle 
Länder des Königs geplündert. Wenn noch Truppen in diesem 
Jahre eintreffen, so könnten noch erhalten bleiben die Länder des 
Herrn Königs; wenn aber keine Truppen eintreffen, so werden 
die Länder des Königs, meines Herrn, verloren gehen«. — 
Ahnlich schreibt derselbe Ahdi-cJtiba in einem andern Briefe an 
den König: »Der König möge Truppen senden gegen die Leute, 
welche Sünde begangen haben gegen den König, meinen Herrn. 
Wenn die Truppen noch in diesem Jahre eintreffen, so könnten 
die Länder und die Präfecten für den König, meinen Herrn, er- 
halten bleiben ; wenn aber keine Trup])en eintreffen, so wird es 
keine Länder und Präfecten meines Herrn Königs mehr geben. 
Siehe, was das Land dieser Stadt Jerusalem betrifft, so hat nicht 
mein Vater, nicht meine Mutter es mir gegeben : Der Arm [des 
mächtigen Königs] hat es mir gegeben. Siehe, diese That ist eine 
Thatdes Milki-il und eine That der SöhneZo/Jo/jf s^), welche preis- 
gegeben haben das Land des Königs den Chahiri-hewiew. « Die 
Schlussworte lauten: «Siehe, der König hat niedergelegt seinen 
Namen auf das Land von Jerusalem auf ewig ; darum kann er nicht 
im Stiche lassen die Länder der Stadt Jerusalem «••). — Ein weiterer 
Brief desselben Ahdi-chiha beginnt nach der üblichen Eingangs- 
formel mit den Worten : «Siehe, der König, mein Herr, hat nieder- 
gelegt seinen Namen im Aufgang der Sonne und im Untergang 



1) "W. No. 102, 1 — 20. Eine vollständige Transcription und Übersetzung 
der sechs Briefe aus Jerusalem nebst begründenden philologischen Anmer- 
kungen beabsichtige ich demnächst an einem anderen Orte zu geben. 

2 .sa6t/^j<-(/«-</ ist nichts anderes als eine curiosc Schreibung für .sa6e 
/n-<a-^t »Krieger der Häuser d. i. der Garnisonen'. Beachte dafür die ideo- 
graphische Schreibung von hitdti in dem gleichen Ausdrucke W. No. 48, 13; 
No. 70, 12; No. 89,39. 

3) oder Jjuha, Lavaj: genaue Lesung unsicher. 

■1 w. No, m:}, IS— ;U; CO— •;:}. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 141 

der Sonne . . . Siehe, ich bin nicht ') ein Präfect, (sondern, ein 
[amel] u-e-u 2) des Königs, meines Herrn ; siehe ich bin ein [amel] 
ru-hi des Königs, nnd einer, der Tribut darbringt dem Könige, 
bin ich. Nicht Mar es mein Vater, nicht war es meine Mutter, 
sondern der Arm des mächtigen Königs hat mich eingesetzt in 
mein A'aterhaus'f. Im Aveiteren A^ erlaufe des Briefes heisst es 
dann : » Wenn nur ein Schiff auf dem Meere ist, nimmt der Arm 
des mächtigen Königs in Besitz das Land Nari7na (Euphrathland) 
und das Land Kasi^] (Babylonien). Und jetzt sollten die Chahiru- 
Leute die Städte des Königs einnehmen ? Nicht ist mehr vorhanden 
ein einziger Präfect des Königs, meines Herrn ; umgekommen sind 
sie insgesammt . . . Darum möge der König seinem Lande helfen 
inid es möge der König sein Angesicht auf seine Leute richten 
und Truppen für sein Land senden. Wenn nicht Truppen noch 
in diesem Jahre eintreffen, so werden alle Länder des Königs, 
meines Herrn, verloren gehen «^). — Endlich beginnt ein letzter 
Brief des Abdi-c/nba nach der Eingangsformel : «Siehe die Thaten, 
welche gethan haben 31ilkilu und Schuardatum gegen das Land 
des Königs, meines Herrn. Sie haben anrücken lassen ^^ die 
Kriegsleute der Stadt Gazri (d. i. Geser, die Kriegsleute der 
Stadt Gimti (d. i. Gath) und die Kriegsleute der Stadt Kilti (d. i. 

Ij möglicherweise fragend zu übersetzen: Siehe, bin ich nicht ein Prä- 
fect (und) . . . •? 

2; Vgl. zu diesem Titel, den ich leider, ebenso -wie den folgenden [amel 
ru-ht, nicht erklären kann, No. 103, 69 und Z. -4"'^^ No. 1T4, 6 hier ge- 
schrieben u-i-u). 

3) In [mät) Ka-jia-si-iki) liegt sicher ein auf Dittographie zurückzufüh- 
rendes Versehen des Schreibers vor für [mät] Ka-si-[ki). Vgl. [mät] Ka-si No. 
103, 72, [mät] Ka-si ibid. Z. 74 und Z. 33. Für Nd rima s. No. 91, 32. 

4; W. No. 104, 5—15; 33—40; 49—54, 

5) oder: »sie haben versammelt«, falls ^Ji</j«VM zu lesen. Die Permansiv- 
Formen mit i statt u in der zweiten Sylbe hier wie anderwärts verrathen 
kanaanäischen Einfluss, ebenso die sich in diesen Briefen sehr häufig finden- 
den Permansiv-Formen der 1. Person auf -<i statt awi-kii, z. B. in dem passim 
vorkommenden ussirti »ich habe geschickt« (statt ussuräku]. Ganz eigenthüm- 
lich und für die Frage nach dem Ursprünge des Perfect-Permansivs von hohem 
Interesse sind die wiederholt auftretenden Verbalformen, in welchen vorn das 
gemeinsemitische Imperfectpräfix und hinten das gemeinsemitische Perfect- 
suffix sich zeigt, z.B. »•;7<6«V< »ich bin eingetreten« = "TC.^'X No. 112, 21 
oder irtihat »sie ist übrig geblieben« von rikü No. 56, 21 (vgl. No. 53, 8); No. 
62, 10 etc. 



142 Zimmern, 

wohl Kegila) ^) und haben eingenommen das Gebiet der Stadt 
Mubute (d. i. viell. Harabba Jos. 15, 60)2,. Übergegangen ist das 
Land des Königs an die Cliahiri-h^wt^. Und jetzt ist noch über- 
dies eine Stadt des Gebietes von Jerusalem, die Stadt BU-Ninip 
= jSurm(su{'!) ^] id. i. Beth-Semes?), eine Stadt des Königs, über- 
gegangen gleichwie die Leute von Kilti. Darum möge hören 
der König auf Ahdi-chiba, seinen Knecht, und möge Truppen 
senden, auf dass ich das Land des Königs dem Könige wieder 
zurückerobere. Wenn aber keine Truppen eintreifen, so wird 
das Land des Königs an die Chabiri-hewte übergehen^).« 

Ich habe Ihnen soeben mit Absicht etwas längere wörtliche 
Auszüge aus diesen Briefen von Jerusalem mitgetheilt. um Sie in 
den Stand zu setzen, sich möglichst ein eigenes Urtheil über den 
historischen Werth dieser Briefe zu bilden. Freilich zu einem 
abschliessenden Lrtheile ist jetzt, nachdem gerade diese Briefe 
erst vor kurzem im Originaltexte veröffentlicht Avorden sind, die 
Zeit noch nicht gekommeu. Vor allem wird eine künftige nähere 
Erforschung des Fundes genau festzustellen haben, wen wir 
unter den Chabiru-hewiew zu verstehen haben. Möglicherweise 
bringen die im britischen Museum liegenden, bis jetzt leider noch 

1) So, wohl richtig, Sayce in Proc. Soc. Bibl. Arch. X, 1887/88, 
p. 496. 

2] So Sayce a. a. O. ; oder sollte am Ende [kirjat] arhd in Frage kommen ? 

3) Hinter Bü-[ilu) Nin-ip folgt ein schräger Keil, der, ausser andren 
Funktionen, wiederholt auch dazu dient, kanaanäische Glossen (s. dazu unten) 
einzuführen. Ich vermuthe daher, dass in m-mu-su '?) eine Glosse zu Nin-vp 
steckt, dann natürlich Nin-ip = scetties, was insofern nicht ungereimt wäre, 
als Ninip ja auch Sonnengott ist. Leider ist das letzte Zeichen von su-mu-sii 
unsicher. Nach gütiger Mittheilung Wixckler's ist us ausgeschlossen, is eher 
wahrscheinlich. Da is und zu 'sti] in diesen Briefen sehr ähnlich sein müssen, 
so vermuthe ich sit. Vielleicht ist aber auch su-mn-su »ihr Name« zu lesen. 
Ganz ausgeschlossen ist, nach Winckler, die SAYCEsche Lesung su-?nu Mar- 
rum, da es sich nur um drei, nicht um vier Zeichen handelt. 

4) W. No. 106, 4—23; die Übersetzung, welche Sayce, Proc. SBA. X^ 
p. 494 f. und sodann auch Records of the Past, N. Ser. II, 65 gibt, beruht 
vielfach auf unrichtiger Lesung des Originals durch Sayce und ist in- 
folge dessen mehrfacli unlialtbar. Desgleichen basiren die weitgehenden 
Schlüsse, welche Sayce in der Academy vom 2.5. Oct. 1890 für eine älteste 
Cultusstättc in Jerusalem aus diesem Texte zieht, auf falscher Übersetzung 
bezw. der in der vorhergeliendcn Anmerkung als unrichtig erwiesenen Lesung 
Mar-rum. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 143 

unverüiFentlichten Briefe, unter welchen sich gerade auch mehrere 
Sendschreiheu des genannten Chabiru-Frenndes 3Iilki-iI heünden, 
den erwünschten endgültigen Aufschluss. Sollten sich die C/ui- 
biru-Ijewte am Ende doch als die Hebräer herausstellen, so würde 
damit der Kampf der einwandernden Israeliten gerade mit Adoni- 
besek, dem Könige von Jerusalem, wie er in der textkritisch 
richtig hergestellten und gewiss der ältesten Traditionsschicht 
angehörenden Stelle in Richter 1 geschildert ward ^) , in ganz 
neuem Lichte erscheinen. Indessen ist, wde gesagt, jedes weitere 
Wort in dieser Sache müssig, bevor Avir nicht mit Sicherheit 
wissen, wer die C/mbiru-Lente denn wirklich sind. 

Nachdem ich Ihnen so an zwei charakteristischen Beispielen 
aus dem tiefen Süden und dem hohen Norden Palästina's gezeigt 
habe, in welcher Weise uns etw^a diese Briefe aus Palästina hi- 
storisch werthvolle Aufschlüsse über die damaligen politischen Zu- 
stände des Landes gewähren, möchte ich Ihnen in der gleichen Ab- 
sicht noch einige Stellen aus jenen Briefen babylonischer Könige an 
Amenophis IV. mittheilen, in welchen gleichfalls von Angelegen- 
heiten in Palästina die Rede ist. Insbesondere kommt hier ein 
Brief des Königs Burraburjasch von Babylonien an Amenophis IV. 
in Betracht, in welchem der babylonische König den Pharao 
bittet, den sich an ihn wendenden Assyrern kein Gehör zu schen- 
ken und ihnen keine Unterstützung in ihrem Bestreben, sich von 
Babylonien unabhängig zu machen, zu gewähren, mit der Begrün- 
dung, dass seiner Zeit im umgekehrten Falle durch seines Vaters 
Kurigalzu loyales Verhalten ein geplanter feindlicher Verstoss 
der Kanaaniter gegen ägyptisches Gebiet vereitelt worden sei. 
Die betreffenden Worte lauten: »Zur Zeit Kurigalzu's, meines 
Vater s, sandten die Kunachiier id. i. die Kanaaniter) insgesammt 
zu ihm und Hessen ihm sagen: ,Nach Kcmnizat (d. i. wohl das 
biblische Kenissiterland -; ganz im Süden Palästina's) wollen wir 
hinabziehen und einen Einfall machen ; mit dir wollen wir ge- 
meinschaftliche Sache machen'. Mein Vater aber schickte zu 
ihnen mit folgender Antwort : ,Lass davon ab, mit mir gemein- 

1) S. dazu Bi'DDE, die Bücher llichter und Samuel, Giessen 1890, S. 63 ff. 

2) So HoMMEL nach briefi. ]Mittheilung vom 16. Oct. 1890. Freilich ist 
es etwas gewagt, dem betr. Zeichen den LautAverth zat zw geben und kaiuu'zat 
zu lesen. Aber in diesen Texten ist in Bezug auf ungewöhnliche Schreibungen 
allerdings nachgerade Alles möglich. 



144 Zimmern, 

schaftliche Sache machen zu wollen. Wenn du aber mit dem 
Könige von Ägypten, meinem Bruder, dich verfeinden und mit 
einem andern gemeinschaftliche Sache machen Avillst, so hütet 
Euch, dass ich alsdann nicht ausziehe und Euch ausplündere ! 
Denn mein Bundesgenosse ist jener.' So schenkte mein Vater um 
Deines Vaters Willen jenen kein Gehör. Was nun die unter 
meiner Oberhoheit stehenden Assyrier betrifft, so habe ich sie 
Dir nicht geschickt, sondern aus ihrer eigenen Initiative geschah 
es, warum sie nach Deinem Lande gingen. Wenn Du aber mit mir 
Freundschaft halten willst, so dürfen sie nichts erreichen, sondern 
mit leeren Händen lass sie Avieder abziehen ! « i) — Die Koten der 
babylonischen Könige mussten auf ihrem Wege an den ägypti- 
schen Hof regelmässig Palästina passiren. Da hier in jener Zeit die 
eigentliche Macht in den Händen der einzelnen Gaufürsten lag, 
Ägypten dagegen nur eine gewisse Oberheit über das Land aus- 
übte, so ist es begreiflich, dass in einem politisch so zerrissenen 
Territorium der durchziehende Fremde besonders leicht feind- 
lichen Unbilden ausgesetzt war. So hören wir denn auch in den 
Briefen der Könige Babyloniens von Überfällen, Avelche ihre Ge- 
sandten gerade innerhalb Kanaans zu bestehen hatten. Burra- 
burjasch von Babylonien schreibt in dieser Hinsicht an Ameno- 
phis IV. : »Beamte von mir, welche mit Achitäbu ausgezogen 
waren, haben im Jydnde Kinachc/n (d. i. Kanaan) sich aufgehalten (?). 
Nachdem aber Achitäbu zu meinem Bruder weiter gezogen war. 
da haben in der Stadt Kitmnatuni (viell. Katanaton, falls so Jud. 
1, 30 statt kitrÖ7i zu lesen) 2) im hsiiide Kinac/ic/n Schumadda, der 
Sohn Balummes 3), und Schutadna, der Sohn SchanUu's, aus Ahka 
(d. i. Akko), nachdem sie ihre Leute ausgesandt hatten, meine 
Beamten getödtet und ihr Geld weggenommen. . . Nun ist aber 
das Land KinucJtcJii dein Land. Darum zieh jene Könige, da ich in 
deinem Lande von ihnen vergewaltigt worden bin, zur Rechen- 
schaft und das Geld, das sie weggenommen haben, lass sie wieder 

1) S. die vollständige von mir gegebene Transeription und Übersetzung 
dieses Briefes in Zeitschr. f. Assyr. V, 150 ff. In den Schhisszcilen ist, wie 
Halevy in dem Eingangs citirten Aufsatz richtig gesehen hat, nicht mehr 
von den Kanaanitern, sondern von den Assyrern die liede. 

2) So scharfsinnig vermutet von H.vlevy a. a. O. p. 508 ff. Allerdings 
ist die Lesung Kifitinatuni statt Kihinnatuni für diese Texte etwas gewagt. 

'V Die Lesung lidltimmc ra-a-hi-u-ma W. No. {(2. llcv. 31. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 145 

ersetzen. Die Leute aber, "welche meine Leute getödtet haben, die 
tödte du und räche so das Bhit jener! Wenn du aber diese Leute 
nicht tödten würdest, so würden sie sowohl mir wieder in den Weg 
kommen, als auch deine Boten tödten, so dass es zwischen uns 
mit dem Boten-Schicken ein Ende haben müsste ').« 

Wie für die politischen Zustände Palästina's um diese Zeit, 
so ergiebt sich auch für die geographischen Verhältnisse manches 
interessante Material aus diesen Briefen. Ausser den bereits ge- 
nannten Städten Jerusalem, Geser, Gath, Akko, Byblos werden 
von solchen Orten, die ohne weiteres mit biblisch bekannten zu 
identificiren sind, in den bis jetzt veröffentlichten Texten noch 
genannt Gaza, Askalon, Lachis, Zarea, Ajalon, Gath-Rimmon, 
Megiddo, Chazor, Tyrus. Sidon, Beirut-) und von den noch weiter 
nördlich gelegenen phönicischen Städten ausser Byblos noch 
Arka, Arados und besonders häufig Sumur, das biblische Zemar 
und griechische Simyra. Von den aufgeführten Orten w^erden 
Briefe theils selbst datirt, theils werden sie gelegentlich inner- 
halb der Sendschreiben ei^wähnt. Ausserdem werden noch mehrere 
Ortschaften genannt, bei denen die Identifikation entweder noch 
zweifelhaft ist, oder welche überhaupt weder unter historischen 
noch unter heutigen Ortsnamen ihr Aequivalent finden werden. 

In mehrfacher Hinsicht ganz unerwartete Aufschlüsse hat 
rms der Fund von Teil el-Amarna über die Kulturverhältnisse 
Palästinas in jener Zeit gebracht. Wer hätte noch vor wenigen 
Jahren nicht ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn man ihm 
hätte sagen W'ollen, dass ein Machthaber von Jerusalem, der um 
das Jahr 1400 vor Chr. einen Brief an den König von Ägypten 
schreiben wollte, dies auf einer Thontafel that und die baby- 
lonische Keilschrift und assyrische Sprache zu diesem Zwecke 
benutzte I Weit eher hätten wir, w-enn wir überhaupt an eine 
derartige Correspondenz gedacht hätten, in diesem Falle auf 
ägyptische Schrift und Sprache gerathen. Schon aus diesem 
einen Umstände, dass man in Palästina um diese Zeit Assyrisch 
als officielle Schriftsprache gebrauchte, ergiebt sich der weit- 



1) S. die vollständige Transcr. und Übersetz. Zeitschr. f. Ass. V, 14Gff. 

2) Be-rii-ta "W. No. 54, 20. 23, aber gewiss auch das häu^geve Be-)-u-t>a ; 
ferner ist die »Brunnenstadt« W.No. 58, II. 21. 52. 77. 92.96. 135; No. 203, 
IS ebenfalls sicher Beirut! 



146 Zimmern, 

gehende Einfluss, den damals die Cnltur Babylonieus auf ganz 
Vorderasien ausübte. Eine ganz ungeahnte Perspective eröffnet 
sich von hier aus auch für die Erklärung so mancher Entleh- 
nungen babylonischer Vorstellungen innerhalb des Alten Testa- 
mentes, sofern dieselben bereits vor der späteren Königszeit und 
dem Exil stattgefunden haben müssen. — Dass übrigens die 
assyrische Sprache, deren sich die palästinensischen Briefschreiber 
bedienen, nicht ihre eigentliche Mvittersprache ist, das geht, wie 
es ja an sich schon selbstverständlich ist, auch aus den Briefen 
selbst klar hervor. Denn wiederholt begegnet es den Schreibevn, 
dass sie anstatt der für das Assyrische allein zulässigen Formen 
einheimische kanaanäische setzen. So lautet z. B. das selbstän- 
dige Pronomen der ersten Person im Assyrischen ausnahmslos 
anäku mit ursprünglichem, ungetrübtem langem a in der zweiten 
Sylbe und dem w- Vokal am Schluss. Abdi-chiba aus Jerusalem 
gebraucht aber neben diesem andku auch noch die Form anüki 
bezw. (muki, d. i. natürlich die ihm geläufige einheimische kanaa- 
näische Form dieses Pronomens, die demnach mit der hebräischen 
Form anöki identisch ist. Ja, wir bekommen aus diesen Briefen 
noch ausdrücklichere Aufschlüsse über den Charakter der vor- 
hebräischen, kanaanäischen Sprache Palästina's, aus denen sich 
klar ergiebt, was man bisher zwar schon vielfach vermuthet 
hat, aber doch noch nicht ausreichend zu beweisen vermochte, 
dass die Sprache der Kanaanäer bereits vor der Einwanderung 
der Hebräer mit der hebräischen im Wesentlichen identisch war. 
Denn es finden sich in diesen Briefen mehrfach einheimische 
Glossen zu den entsprechenden assyrischen Wörtern. So wird 
z. B. ass. epru »Staub« durch hapani^) glossirt, ass. senu »Schafe« 
durch fiirmi bezw. sunu"^] , ass. shü »Pferd« durch siisu ^), ass. abullu 
jjStadtthor« durcli mari^), ass. lähi »Hand, Arm« durch zurifu^], 
ass. huhäru »Vogelkäfig« durch kiltibi^), ass. Imidku »zu Grunde 
gehen« durch «irtf/a ^j u. s. av. ; Moraus mit Evidenz hervorgeht, 
dass die hebräischen Wörter •\t,'S, "JSS, C^D, ni^TlJ , ^ilT, n^bs, na» 

1) W. No. 203, 3. 2) W. No. 169, 1(». 

3) W. No. 100, 23. 4) W. No. 115, lü. 

5) W. No. Iü3, 27; No. 1U4, 34. 14; No. 102, 12. 

6) W. No. 75, 3ü; No. 89, 35; No. 51, Obv. 9; No. ül, 20; vgl. No. 
84, 14. (Diese Glosse in Briefen aus Phönicien). 

7) "VV. No. 104, 53. 



Palästina um das Jahr 14(10 vor Chr. nach neuen Quellen. 1 47 

auch bereits der vorhebräischen, kanaanäischen Sprache Palä- 
stinas angehören, dass ferner dieser Dialekt, ebenso wie das 
Hebräische, die charakteristische Trübung des langen ä zu ö 
bezw, « aufweist, wie dies die beiden Worte anühi [anöki] »ich« 
und sünu [sönu) » Schafe (t lehren. Dass übrigens diese »Sprache 
Kanaans« doch Aviederum nicht völlig identisch war mit dem 
Hebräischen, sondern wenigstens im Wortschatze Besonderheiten 
aufwies, lehren ebenfalls Glossen in diesen Briefen. So wird 
z. B. das assyrische shni »Rücken« durch zithru^) glossirt, ein 
Wort, das zwar dem Arabischen, nur mit anderer Vocalisation. 
in derselben Bedeutung ganz geläufig, dem Hebräischen aber 
durchaus fremd ist. 

Auch noch nach manchen andern Seiten hin Hesse sich der 
Fund von Teil el-Amarna für die damaligen Zustände Palästinas 
verwerthen. So z. B. ergeben die zahlreichen in diesen palästi- 
nensischen Briefen vorkommenden Personennamen schätzbares 
Material für die Religion der Kanaaniter um jene Zeit. Indessen 
befürchte ich mit meinen Ausführungen für die vorliegende Ge- 
legenheit schon fast zu weitläufig geworden zu sein. W^as auch 
immer eine genauere Durchforschung dieses unerwarteten keil- 
schriftlichen Fundes noch ergeben ward, so viel hoffe ich durch 
meine Darlegungen auf alle Fälle gezeigt zu haben, dass wir es 
hier mit einem für die Frühgeschichte Palästina's sehr schätzens- 
werthen neuen Quellenmateriale zu thunhaben, und dass, da diese 
Quellen nun einmal in assyrischem Gewände vorliegen, dadurch 
an die Assyriologie von Neuem die Aufgabe herantritt, speciell 
der alttestamentlichen Forschuno- Handlanijerdienste zu leisten. 

1) W. No. Ita, 11; vgl. No. 175, 5; No. 190, 7. 



Eine Felseninsclirift ans Galiläa. 

Von J. P. vau Kastereu in Beirut. 

Der Weg von chirhet husche östlich von Haifa nach schefä 
\imr läuft nicht weit vom erstgenannten Ort in eine kleine Ebene 
hinunter, an deren Ende man ein unansehnliches Olivenwäldchen 
erblickt. Links vom Wege ist diese Ebene bebaut. Zur rechten 
hat man meistens einen unbebauten, theilweise mit Gestrüpp be- 
wachsenen, sanft ansteigenden Hügelabhang. Nur ein kleines 
Stück bebauten Landes liegt an dieser Seite des Weges, gut 100 m 
von den erwähnten Oliven entfernt. Ist man an diesem bebauten 
Grundstücke eben vorüber gegangen, so findet man nur wenige 
Schritte rechts vom Wege und 112 Schritte von dem ersten 
Olivenbaume auf einem noch vor Kurzem mit Gestrüpp bedeckten, 
neuerdings aber völlig entblössten Grunde die folgende im hori- 
zontalen natürlichen Felsboden eingehauene Lischrift: 



GAB 
^OY^/PCBA 

Die drei oberen Buchstaben haben 1 7 cm Höhe, die übrigen 
sind von verschiedener Grösse, einer bis zu 27 cm. Der Strich, 
der im M ein A bildet, kann vielleicht durch einen Zufall ent- 
standen sein : sonst sind die gegebenen Buchstaben völlig sicher, 
Ihre Stellung ist so, dass man sich, iim sie zu lesen, chirhet husche 
zuwenden muss. 

Wie sind diese Buchstaben zu lesen? Als ich meine erste 
Kopie machte, hatte ich den jedenfalls nicht stark hervortreten- 
den Rahmen nicht bemerkt und demzufolge vor und hinter 



Eine Felseninschrift aus Galiläa. 149 

der unteren Linie ein I notirt. Einige Ähnlichkeiten mit der von 
Clekmoxt-Gax>:eau (und Chaplix) in der Nähe vom teil dscJiezer 
entdeckten Inschriften *) — die einzigen auf horizontalem Fels- 
boden, die mir in Palästina bekannt sind — und die Lage 
zwischen zwei Städten, die einmal der Sitz des Sanhedrins waren, 
brachten mich auf die Yermuthung, dass vielleicht die untere 
Linie Tyou|H FcrßaT zu lesen, und darin der bekannte talmudische 
Ausdruck rDTlTI Dinri, »Sabbatgrenze« zu erkennen sei 2). Und 
in der Hoffnung, hier ein neues Datum für die Länge des Sabbat- 
weges zu finden, habe ich später mit freundlicher Hilfe von Herrn 
Schumacher in Haifa die Entfernung der Stelle von chirhet 
husche unter Beachtung der Erubin 5, 4 gegebenen Vorschriften 
zur Bestimmung der Sabbatgrenze genau vermessen. Sie beträgt 
nur 508 m (bei 2^2 l'is 3 Kilometer Entfernung von schefZi^amr). 
Schon dieses Ergebnis machte meine Hypothese hinfällig, über- 
dies gehörten die vermeintlichen Endbuchstaben bei genauerer 
Aufnahme dem Rahmen an. Es bleibt zwar die Möglichkeit, 
dass der Rahmen späteren Ursprungs sei. Jullien schreibt auch 
die oberen Buchstaben einer späteren Hand zu, und daraus würde 
das Nämliche für den Rahmen zu folgern sein, weil es höchst 
unwahrscheinlich ist, dass ein so ungleich hoher Rahmen über 
die einzige ganz unten stehende Linie angebracht worden wäre. 
Allein auch bei dieser Annahme ist wenigstens für den Anfangs- 
buchstaben kein T herauszuholen, und das A und P bieten weitere 
SchAvierigkeiten. Kurz ich kann die anderswo auf meinen Namen 
(freilich nicht ohne meine Genehmigung) veröffentlichte Hypo- 
these nicht aufrecht erhalten. Andererseits hat sich mir bis jetzt 
nichts Besseres dargeboten, und nur in der Hoffnung, dass Andere 
glücklicher sein mögen, habe ich die Inschrift hier mitgetheilt. 

1)- Survey of AYestern Palestine, Mem. II, 434 ff. 

2j Vgl. Jullien, Une visite k Chefa 'Amer (Missions Catliol. 1889, 383; 
The Lamp 1889, 156). 



Ztsclir. d. Pal.-Ver. XIIL ] 1 



Bewohnte Ortschaften in der Belka. 

Von J. P. yan Kastereii in Beirut. 



Es ist eine beim ersten Anblick erfreuliche Erscheinung:, 
dass die festen Ansiedlungen im Ostjordanlande südlich vom 
Zerkä allmählich zahlreicher werden. Ob dieses aber ein Zeichen 
Avirklichen Fortschrittes der Civilisation ist oder vielmehr eine 
traurige Folge der alle Begriife übersteigenden Ausbeutung der 
Fellachen durch gewissenlose Wucherer (um nur diese zu nennen) 
— wodurch die armen Leute genöthigt werden, Haus und Habe 
Letzteren zu überlassen und sich in der Ferne eine neue Heimath 
zu suchen — mag dahingestellt bleiben. In einigen Fällen mag 
beides zusammenfallen. So war die Übersiedlung von einigen 
Hunderten von Christen aus el-kerak nach mädebä die Folge 
eines »förmlichen Vernichtungskrieges« 1). Seitdem aber haben 
die Kolonisten oft unter hartem Streite mit den Beduinen sich in 
ihrer neuen Heimath zu einem materiellen Wohlstand erhoben, 
den sie in el-kerak nicht kannten, und den überhaupt nur wenige 
Dörfer in Palästina aufweisen. Knaben- und Mädchenschulen 
haben durch die Bemühungen eines eifrigen Luxemburger 
Missionars einen Fortschritt christlicher liildung hervorgebracht, 
der schon längst von unverdächtiger Seite laut anerkannt 
wurde 2). 

1) Vgl. IJiEVER, Madaba (Das h. Land 1689, 11). 

2) »We visited the Latin chnrch, a disnial enough sanctuary as com- 
])ared with thosc of civilised countries, and yet an elcvating and educating 

force in such a desolate land as Moab We could not but remark 

what Christianity, even in its impcrfcct form, had done for Madeba«. (Dr. 
Post, Quarterly Statements for 1888, l'JO). 



Bewohnte Ortschaften in der Belka. 151 

Indessen zeigt mir die »Neue Handkarte von Palästina« ^) , 
dass diese neuen Ansiedlungen den letzten Jahre noch nicht 
genügend bekannt sind. Den dort verzeichneten bewohnten 
Ortschaften südlich vom Zerkä [es-salt, el-J^uhes, '^ammän und 
mädebä] sind wenigstens eine gleiche Zahl andere hinzuzufügen. 

1) Eine Ansiedlung der Tscherkessen bei 'ain es-slr auf der 
linken Seite des gleichnamigen Wadi, nach dem auch das Dorf 
mit dem Namen tväcU es-slr bezeichnet wird 2) . 

2) Das von Muslimen bewohnte Dorf müJias^ eine gute 
halbe Stunde südlich von el-fuhes. Es liegt am nördlichen 
Rande des von der englischen Gesellschaft aufgenommenen Ge- 
bietes. 

3) Ei'-rumämm (oft wie ermemm gesprochen) etwa 21/., Stun- 
den östlich oder nordöstlich von es-salt, aber noch westlich 
von der bukea-Yjheue. Schon seit 1873 besteht hier eine katho- 
lische Mission mit einem maronitischen Geistlichen und einer 
Schule. Diese Gemeinde zählte im vergangenen Jahre 70 Mit- 
glieder 3) . Die Anzahl und Confession der weiteren Einwohner 
ist mir unbekannt. 

4) Etwa zwei Stunden Aveiter nach Norden liegt das eben- 
falls bew^ohnte Dorf er-rummcin. Auf dem Wege von es-salt nach 
dscherasch berührte ich am 27. April d. J. ^ai7i er-rummän andert- 
halb Stunde, bevor ich den Zerkä erreichte. Das Dorf sahen 
wir in einiger Entfernung westlich von der Quelle auf einem 
Bergplateau. Die Einwohner Avurden mir als Turkomanen be- 
zeichnet. 

Auch zwischen ^aräk el-emir und hasr el-ahd fand ich einige 
Häuser; allein ich weiss nicht, ob sie das ganze Jahr hindurch 
bewohnt Averden. 

Einige der BeAvohner von mädebä nomadisiren noch im Som- 
mer; ihre Anzahl nimmt jedoch ab, und sie Averden sich allmählich 
Avohl alle fest ansiedeln. Ich bemerkte im Dorfe verschiedene 

1> ZDPV. XIII, Tafel II. 

2) Vgl. Guy le Strange, A ride through 'Ajlun and the Belka in ScHU- 
MACHERS Across the Jordan, 312. 

3) Nach einer Statistik des lateinischen Patriarchates A'on Jerusalem in 
der Beiruter Zeitung el-hasclär, 2. Oct. 1889 (Auch in »La Terra Sainte« ab- 
gedruckt). 

11* 



152 Kasteren, Bewohnte Ortschaften in der Belka. 

neue Häuser, die im Bau l)egiifFen waren. Etwas Ähnliches 
möchte wohl von den bekannten Halbbeduinen im südlichen Ghör 
zu erwarten sein. 

Dass auch in West-Palästina an mehreren Ruinenstellen sich 
in den letzten Jahren neue Ansiedlungen gegründet haben, ist 
bekannt ^) . 

Beirut, 22. Juli 1890. 

1) Vgl. z. B. Schumacher, Quarterly Statements for 1887, 83. 



Antonius de Cremona, 

Itinerarium ad Sepulcrum Domini (1327, 1330). 



Mitgetheilt 
von 

Reiuliold Röhricht. 



Der Text, welchen wir hier zvim ersten Male veröffentlichen, 
ist nur in einer Handschrift der Bodlejana zu Oxford (Canon. Ms. 
Miscell. 220 fol. 18 — 22 saec. XIV) erhalten und hat zum Ver- 
fasser den Minoriten Antonius de Reboldis aus Cremona, welcher 
1327 und 1330 das heilige Land und Ägypten bereiste. Alle 
Versuche, über ihn irgend etwas Genaueres aus den die Ge- 
schichte der Minoriten betreffenden Werken zu ermitteln, waren 
vergeblich, und auch in den die Literaturgeschichte Cremona's 
behandelnden Schriften, wie Arisius, Cremona literata, Lancetti, 
Biografia Cremonese, war nichts zu entdecken. Der Herausgeber 
Avandte sich direct nach Cremona und zwar an Herrn Canonicus 
Dr. Brazzi, Secretär des dortigen Bischofs, um über die Person 
unseres Reisenden und die im Texte erwähnte Abbildung der 
heiligen Catharina, welche ein Kaufmann Job. de Rozal im 
Minoritenkloster herstellen Hess, etwas zu erfahren. Aber der 
freundliche Bescheid stellte auch nur fest, dass über unsexn An- 
tonius nichts bekannt und das Minoritenkloster mit jener Ab- 
bildung längst zerstört sei. 

Wir bieten also hiermit der Literaturgeschichte des Mino- 
ritenordens und (/remonas und zugleich der Geographie Paläs- 
tina s einen neuen Beitrag, der in letzterer Hinsicht noch dadurch 
an Werth gewinnt, dass er das erste Drittel im vierzehnten Jahr- 
hundert, also eine verhältnissmässig frühe Zeit betrifft, in welcher 
wenig Pilgerberichte uns begegnen, die Bedeutung jedes einzelnen 



154 Köhricht, 

also grösser wird. Ausserdem erfahren wir hier mancherlei De- 
tails über heilige Stätten und persönliche Erlebnisse, deren Kennt- 
niss wichtig und interessant genug ist. 

Zum Schluss spricht der Herausgeber Herrn George Parker, 
Custos der Bodlejana, -welcher die sehr sorgfältige Copie herstellte, 
ebenso den Herren Professor Dr. Gildemeister G. [inzwischen 
verstorben]) und Dr. Matthias Sollweck, Präfect des Studien- 
seminars zu Neuburg (S.), welche durch freundliche Beiträge die 
Erklärunsf einzelner Stellen fördern halfen, seinen besten Dank 
aus. 



* 



In nomine Domini. Amen. Itinerarium ad sepvilcrum Do- 
mini. 

Ego frater Antonius de Cremona de Keboldis i) ordinis Mino- 
rum, ut posteris memoriam relinquam et legentium corda Christi 
amore accendam, ea, quae in terra sancta meis oculis contemplatus 
fui, licet indignus, scribere curavi, quae hie iuferius contineutur. 

Anno Domiui MCCCXXVIJ die XVIJ Marcii ascendi mare 
in sero in Famagusta et XVIIIJ die ejusdem mensis, die scilicet, 
quo cantatur oratio: Magnificat te Dens sanctorum tuorum Gosme 
et Damiani etc. -) pervenimus Acon, civitatem Syriae, quae alio 
nomine dicitur Tholomayda. Die festo Sancti Benedict! 3] recessi- 
mus de Acon, ut veniremus Nazareth et veniendo Nazareth tran- 
sivimus per Saphoriam^), quondam civitatem, unde fuit oriunda 
beata Anna ^] , mater Dominae nostrae, perveuimus autem Domi- 
nica de Lectare '') seu dominica de Koxa"] pervenimus'^} Nazareth, 
civitatem Galilaeae, quae flos'*) interpretatur ; Dominica de Roxa 
pervenimus ad locum Poxae^ö). in Nazareth fecinius festum An- 

1) d. i. wohl Riboldi bei Corao. 

2i Diese oratio fällt auf den Donnerstag der dritten Fastenwoche 
(Donnerstag vor Laetare), der genau auf den 19. März trifft ,S., . 
3) 21. März. 4) SaöQrije. 

5) Sie soll die Tochter des Priesters Matthan (Matth. 1, 15; gewesen sein; 
vgl. WiNER, Kealwürterb. s. v. Maria. 

6) 22. März. 7) Dies rosae ist der vierte Fastensonntag, Laetare. 

8) Hier folgt überflüssig noch einmal das Verbuni pervenimus im Texte. 

9) So etymologisirt schon Hikronymus, Ep. 46 ad Marceil. 
10) Also Marias. 



Antonius de Cremona. 155 

nuntiationis virginis Marie -i) eo scilicet loco, quo fuit animnti- 
ata^^). lu quo quidem loco feci mille genuflexiones cum Ave 
Maria et ter celebiavi ibidem. 

Super omiies civitates ipsa Nazaretli est civitas Christi, ubi 
scilicet fuit nutritus, unde et Yhesus Nazarenus dictus est. In 
Nazaretli est fons ^^) , unde puer Yhesus auriebat aquam et porta- 
bat matri suae. Extra Nazaretli per tria milliaria est locus, qui 
dicitur Saltus^*;, unde voluerunt Judaei Christum praecipitare. 
ut legitur in evangelio,unde dicitur : Yhesus transiens per medium 
illorum ibat^^j. In crastinum annuntiationis i^i vidimus niare 
Galilaeae vel Tiberiadis vel Genesareth, quae tria nomina in 
evangelio leguntur, Dicitur mare propter multitudinem aquarum, 
quia Judaei congregationes aquarum appellant maria, dicitur Ti- 
beriadis propter Tibaream civitatem, quae est supra mare, sicut 
Ferraria est supra Padum, dicitur Genezaretli propter ventos ibi- 
dem spirantes ^'). Supra istud mare Christus ambulavit. Inde 
Petrum revocavit etc., ut legitur in evangelio'*). Nunquam bibi 
tam bonam aquam et tani dulcem, sicut est aqua illius maris. In 
istud mare intrat sacer Jordanis et inde exit, postea absorbetur 
a mari mortuo, ubi fuit Sodoma et Gomorra subversa. Ubi scili- 
cet non potest aliquod vivum esse nee per mare^^j^ cujus aqua 
fecit^o) de sulphure et est amarissima. Prope istud mare mortu- 
um sive Sodomorum est mens, ubi est civitas Segor, ad quam 
confugit Loth dicens: Numquid non modica est? Et est ibi 
statua sallis; quae quondam fuit uxor Loth; lege libruni Ge- 
nesis -i). 

Sabbato^-) discedentes pervenimus Damaschum, civitatem 
maximam. quae, ut puto, est per duas Bononias cum dimidio, et 
sunt ibi decem millia hominum in equis, populus vero infinitus; 
caput Syriae Damascus dicitur; Y^sayas propheta -3). Prope Da- 
mascum per milliare est locus, ubi apparuit Christus. Salve 

11) 25. März. 12) Vgl. Tobler, Nazareth 127 ff. 13) Ibid. 206—215. 
14) Ibid. 268 ff. 15) Luc. 4, 30. 16) 26.' März. 

17) Ähnlich durch JoH. VON WÜRZBURG (ToBLER, Descript.) 188 und 
Odoricus de Foro Julu (Laurent Quatt. peregrin.) 147 als : auram gene- 
rans aus dem griech. Y^vväv und aüfiav erklärt. 

18) Matth. 4, 18 — 19. 19) Hier fehlt wohl ein Verbum wie natare. 
20) Wohl in fuit, oder foetat zu verwandeln. 21) Genes. 19, 20. 26. 
22) 28. März. 23) Jes. 7, 8. Die Construction, wie sie steht, ist hart. 



15(3 Röhricht, 

Domine, salve etc. 2^) Postea venimus ad Sardenal-'') , ubi est 
ymago beatae virginis emanans oleum, postea Ramam, postea 
Gazagam, civitatem quondam Phylistinorum, unde Sanson abs- 
tulit portas et in montem portavit media nocte. Ibi fecimus 
pascha Resiirrectionis '^^'), ubi scilicet figura Resurrectionis scilicet 
Sansonis, quando scilicet portas abstulit. Die vero Martis post 
pascha in 2') Sanctorum Tiburcii et Valeriani pervenimus Jeroso- 
limam, civitatem sanctam, que per prophetam Ysayam dicitur 
civitas sancta^is). Ubi venerati fuimus saxum, ubi Christus sedit, 
quando portavit crucem^o), vidimus domum Herodis, vidimus 
domum Pylati, visitavimus ecclesiam sanctae iVnnae pulcerrimam, 
ubi quondam fuit domus Johachim et sanctae Annae ^o) ; ibique 
peperit ipsa sancta Anna matrem Dei. Juxta ecclesiam sanctae 
Annae est probatica piscina,jin qua, ut dicit evangelium, descende- 
bat angelus et movebatur aqua et sanabatur unus^i]. Vidimus 
natatoria Syloe, de quibus evangelium : vade lavare ad natatoria 
Syloe32] ! Vidimus portam auream, per quam Christus intravit die 
palmarum super asinum. Haec est porta templi, quae non fuit 
destructa a Romanis cum suo pariete, et est ferrea et semper est 
clausa nee eam aliquis fuit ausus apperire, quia judicio Dei per- 
territi sunt, qui ipsam voluerunt apperire "^^). Vidimus montem 
Syon, cujus Dominus portas diligit super omnia tabernacula 
Jacob 34) ; hie dicitur ars David et contiguus est civitati. Ibi mora- 
batur beata virgo post mortem filii ibique mortua est ^'') . Extra 
civitatem est monsGion, de quo dicitur in secundo libro Regura, 
quod scilicet cecinit tubaGion^''). Prope montem Syon est locus, 
qui vocatur Galicantus^"), ubi est fovea, in qua beatus Petrus 
egressus atrium intravit et flevit, quousque dictum fuit sibi, quod 

24) Welcher Hymnus hier gemeint ist, lässt sich nicht bestimmen (S.). 

25) Saidanäjä; zur Legende vgl. Thietmar 14 ff. u. RÖHRICHT, Biblioth. 
48, No. 119. 

26) 12. April. 27) festo zu ergänzen (14. April). 28) Jes. 48, 2. 
29) Hier folgt im Text das unverständliche portare, -welches in prope 

umzuändern sein wird. 

30j Ein wichtiges Zcugniss aus späterer Zeit für die nach Torler, Topogr. 
I, 429 — 130 im achten Jahrhundert fixirte, später wieder verlassene Annahme 
der Lage der St. Annakirchc. 

31) Joh. 5, 4. 32) Joh. 9, 7. 

33) vgl. ToBLER, Topogr. I, 155—157. 177. 34) Psalm SC, 1—2. 

35) Diese Angabe ist sonst nicht zu belegen ; vgl. Tobler, Topogr. H, 114. 

36) 2 Kon. 20, 22. 37) vgl. Tobler, Topogr. H, 174—176. 



Antonius de Cremona. 157 

rediret: Ite, inquit, dicite (Uscipulis ejus et Petro etc. 3*) I Juxta 
montem Syon est locus, in quo aliqui Judaeorum puniti sunt, qui 
volebant corpus beatae Mariae rapere, quando scilicet apostoli 
ipsum portabant ad sepeliendum in valle Josaphat^''). Nolo vos 
ignorare, quod in illo sacratissimo monte Syon, de quo superius 
memoriam feci, est ecclesia pulcerima, ubi scilicet Christus lavit 
pedes discipulorum suorum^o). Est et alia satis nimis pvilcra, 
ubi fuit Christus tota nocte flagelatus, scilicet in domo Cayphae. 
Ideo vocatur domus illa, quae modo est ecclesia sancti Salvatoris, 
et est ibi in muro ecclesiae magna pars columpnae, ubi fuit liga- 
tus Christus noster^^). Item est una alia maxima ecclesia, quae 
continet ista loca: locum, ubi descendit Spiritus sanctus in pente- 
costes*^), ubi Christus apparuit Tomae ^3j dicens: Infer digitum 
etc.^^), ubi est sepulcrum David et regum^ö] Judae, de quo ait 
beatus Petrus ^^): cujus sepulcrum aput nos est. Et ut breviter 
loquar, illa sacra ecclesia continet totum cenaculum 4^), ubi ascen- 
derunt apostoli post ascensionem et manserunt cum Maria, matre 
Yhesu. Ibi etiam mater Dei de hoc seculo migravit ad celos, se- 
pulta postea in valle Josaphat. Ista ecclesia in magna parte dir- 
rupta est et dirruebatur^s). De monte Syon satis est dictum, nixi 

quod ibidem est locus, ubi scilicet beatus Johannes ^ö) 

Visitavimus vallem Josaphat, quae est inter muros Yerusalem et 
montem Oliveti, in cujus medio est torrens Cedron, de quo, ut in 
evangelio, abiit Yhesus trans torrentem Cedron 50)^ ubi erat ortus. 
Ibi est locus orti, iibi fuit captus, ibi est locus, ubi orans factus 
est in angonia, ubi dormiebant apostoli, quando dixit: Dormite 
jam et requiescite^^) ! Dicitur autem vallis Josaphat, quia rex Ye- 
rusalem, qui vocabatur Josaphat, fuit ibidem sepultus^^). In ista 

38) Marc. 16, 7. 

39) Über den Ursprung und die Verbreitung dieser Sage vgl. Coxrady, 
Vier rhein. Pal. Pilgerschr. 129 ; Tobler, Topogr. II, 128 ff. 

40) Tobler, Topogr. 11, 106. 109. 111. 115. 121. 

41) Vgl. Tobler, Golgatha 364—6; Tobler, Topogr. II, 114. 163—164. 

42) Tobler, Topogr. II, 108—115. 43) Ibid. 108. 120. 
44) Joh. 20, 27. 45) Der Text liest fälschlieh regnuni. 

46) Act. 2, 29; vgl. ToBLER, Topogr. II, 145 ff. 

47) Tobler, Topogr. II, 108 ff. 48) Ibid. 115. 

49) Lücke, wohl zu ergänzen durch missam cantavit (vgl. ibid. 1 14. 127 f.). 

50) Joh. 18, 1. 51)Matth. 26, 41. 

52) Tobler, Topogr. II, 14—16; vgl. Siloah 304 ff. 



158 Röhricht, 

valle fiet Judicium in fine seculorum juxta prophetam ^^j dicentem: 
Congregabo vos omnes in valle Josapliat. In medio istius sacra- 
tissimae val(l)is apostoli sepelierunt beatani Mariam, ubi est eccle- 
sia mirae pulcritudinis miro lapide tabulata^*), ut dicit Jeronimus 
in sermone. In qua ecclesia ostenditur ejusdem Virginis sepul- 
crum et tantae quantitatis in longitvidine, latitudine, profundi- 
tate, formositate, sicut est sepulcrum filii sui scilicet Yhesu 
Christi. Supra istud celebravi sepulcrum missam Assumptionis 
beatae Mariae virginis. 

Visitavimus Montem Oliveti, in cujus cacumine est ecclesia 
rotonda, in illo scilicet loco, ubi ascendit Christus in celura. Prope 
montem Oliveti est mons collateralis, q\ii olim dictus est mons 
offenssionis, eo scilicet quod rex Salamon quondam posuit ibi 
ydolum Moloch adorans illud^s). In eodem monte offenssionis est 
locus, qui vocatur Galilaea-''^), ubi apparuit Christus discipulis 
suis, quaudo praedixit dicens : Praecedam vos in Galilaeam ^'j, ita 
quod est Galilaea provincia, de qua omnes apostoli et Christus 
fuerunt, unde scriptum est^^) : Numquid omnes isti Galilaei sunt'? 
Est ista Galilaea prope Jerusalem, ubi apparuit Christus discipulis 
suis, alia vero Galilaea est provincia, quae distat per tres dietas, 
ubi est civitas Samariaa-') et Capharnaum etMagdalum,unde dicitur 
Magdalena, et lietulia, unde fuit Judith, et puteus Samaritanae 
et Cana Calilaeae, ubi fecit Christus de aqua vinum, et Mons 
Tabor, ubi fuit Dominus transfiguratus corani Petro, Jacobo et 
Johanne. Ad radices montis Tabor est torrens Cison, ubi inter- 
fecit Helyas sacerdotes Baal, ubi principes gentium scilicet Oreb, 
Ceb et Zebee et Salmana fuerunt mortui; lege librum Judicum*^*^). 

Juxta montem Tabor est civitas Nayn, ubi suscitavit Christus 
filium viduae dicens ''') ; Noli flere I Prope illum locum est locus 
Melchisedech *'2) obvians Abrahae redeunti de prelio obtulit panem 
et vinum. 

53) Joel 3, 2 ; vgl. Tobleh, Topogr. II, 26. 

54) ToBLEK, Siloah 177—186. 55) Ibid. 77—79. 

56j Ibid. 72—1 ; vgl. Hoi'.MANN, D. Leben Je.su nach den Apocrvphcn 
395—366. 

57j Matth. 26, :<2. 58) Act. 2, 7. 

59) Es ist auffallend, dass der Ilcisende Samaria und den gleich darauf 
folgenden Jacobsl)runnen mit zu Galilaea rechnet. 

60^ Jud. 7, 25; 8, 1—6. 61) Luc. 7, 13. 

62; Nach Jon. v. "Wükzbuug HO u. Biuchaudus 47 bei Endor; wohl 
qui zu ergänzen. 



Antonius de Cremona. 1 59 

Redeamus ad montem Oliveti. Aliquaiitulum in descensii 
montis Oliveti est lapis praegrandis, super quem Christus ascen- 
dit coutemplans civitatem et ipsam videns et contemplans ejus 
pulcritudiuem flevit '>^) dicens : Si cognovisses et tu ^''^) ! 

Item vidimus cimiterium peregrinorum scilicet campum 
Acheldemach emptum de precio sanguinis Christi exeundo de 
porta sancti Stephani, quae ducit ad vallem Josaphat, quae ideo 
vocatur porta sancti Stephani per totam illam viam usque quasi 
ad torrentem Cedron, quia ibi fuit lapidatus sanctus Stephanus 
et tota illa via fuit suo sanguine consecrata, et adest lapis ß^), ubi 
genuflexit dicens : Ne statuas illis hoc peccatum ^^) ! 

Yisitavimus Bethaniam, ubi fuit Lazarus sepultus, et extra 
castrum Bethaniae est unus lapis, ubi Christus sedit, quando 
Martha occurrit ei obviam Christo scilicet venientiß") et dixit: 
Domine, si fuisses hie etc.*^^) ! Sepulcrum Lazari est pulcerrimum. 

De Bethania descendimus Jericho, ubi incidit homo in la- 
trones, quae vere est via latronum juxta Jericho. Juxta viam, quae 
ducit Jericho, est ecclesia ß'-') , ubi scilicet cecus clamabat secus 
viam dicens'^; : Yhesu. fili David, miserere mei! Jericho est 
civitas Zachei, qui Christum recepit hospitio. Jericho est civitas, 
quam Josue maledixit dicens : Maledictus homo, qui hedificavit 
Jericho ! Lege librum Josuae '') , ubi multa sunt de Jericho. Prope 
Jericho est desertum, ubi Christus jejunavit XL diebus, ubi est 
pulcra ecclesia seu oratorium. Et est ibi mons, ubi in cacumine 
dyabolus portavit Christum, sicut dicitur in evangelio, quod scili- 
cet duxit illum in montem excelsum valde. Super cacumen illius 
montis ascendi non sine magno periculo, ubi est Oratorium chris- 
tianorum '^j . Ad radices illius montis est fluvius Helyseus, ubi 
scilicet misit sal et dulce factum fuit; lege librum Regum'^^j, 

Prope Jericho per IV milliaria est Jordanis et locus, ubi be- 
atus Johannes baptizabat. ubi est pulcerrimum monasterium 
Graecorum ad honorem beati Johannis Baptistae et est super 

63) ToBLER, Siloah 231 if. 64) Luc. 19, 42. 

65) ToBLER, Topogr. II, 187— S. 66) Act. 7, 59. 

67) ToBLER, Topogr. U, 436. 68) Joh. 11, 21. 

69) ToBLEK, Topogr. II, 657— S. 70) Matth. 15, 22. 

71) Jos. 6, 26. 72) TOBLER, Denkblätter 702 ft'. 

73) 2 Kön. 2. 19 ff.; vgl. ToBLER, Topogr. II, 558—563. 



1(30 Röhricht, 

lipam Jordanis "^) . Prope istucl monasteriimi per VI milliaria est 
mare mortuimi, ubi scilicet fuenint IV civitates, scilicet Sodoma 
et Gomorra, Adama et Soboym ; lege Genesim ~^] . In ipso male- 
dicto mari totus absorbetur sacer ille Jordanis. 

Veniendo de Bethleem juxta viam est sepulcrum Racbelis, 
nxoris Jacob, mirabiliiis sepulcrum, quod unquam viderim. 
Xon credo per XX paria bovum possent unum de lapidibus illis, 
qui sunt ibi, trahere, set nee movere ''^ . 

Venimus Bethleem, quae dicitur EiFrata et civitas David di- 
citur, quia ibi David natus, ubi est fons, de quo dixit David '^"): 
O quis daret mihi potum aquae de cisterna, quae est Bethleem 
juxta portam ! De istius putei aqua bibi valde optima "*). In 
Bethleem est ecclesia in loco, ubi Christus fuit natus, quae dici- 
tur Sancta Maria, tarn pulcra, quod nunquam vidi tarn pulcram, 
tarn curiosam, tarn sculptuosam in columpnis et picturis tam 
magnam, sicut est ista venerabilis ecclesia Bethleemitica toto orbe 
terrarum veneranda. Narrare siquidem seriöse et sigilatim ipsius 
per totum mondum venerandae ecclesiae magnitudinem, latitu- 
dinem, longitudinem et diversorum lapidum marmoreorum orna- 
tum, ordinem mirabilium et multiplicum colompnarum marmore- 
arum, picturarum varietatem, ordinem et curiositatem et pavimen- 
tum miro lapide tabulatum, tectiim metallo plombeo'^) copertum, 
nimis esset longum enarrare ^^) . Set temporalia transeamus et 
solum, quae sunt in ipsa sacratissima ecclesia spiritualia, dicamus. 

In ecclesia EufFrata seu Bethleem est locus, ubi Christus 
fuit natus, ubi est altare suum*^), super quo celebravi missam 

trium regum. Juxta ipsum altare est^-) , ubi fuit praese- 

pium ^3 . In eadem ecclesia est altare, ubi fuerunt sepulta multa 
Corpora innocentium*^). Extra ecclesiam in claustro est capela, 
ubi morabatur sanctus Jeronimus, et ibi expiravit, et ejus cella 
ostenditur, ubi bibliam correxit-^). Non multum ab ecclesia 
praedicta est ecclesia sancti Nicolai, scilicet. ubi sancta Paula 

74) TonLKR, Topogr. II, (Jbö — G86. 75 Genes. 19. 

76) ToiiLEU, Topogr. II, 788. 77) 1 Chron. 12, 17. 

78) ToBLER, Bethlehem 263— 264. 79) Der Text liest: pombleo. 

SO") Zur Geschichte der Kirche im XIV. Jahrhundert vgl. die ausführ- 
liche Schilderung in ToiiLLU's Bethlehem 109 ff. 

81; Ibid. 124 — 144. 82; Lücke, wohl durch locus zu ergänzen. 

83) Ibid. 159 ff. 84) Ibid. 180 ff. 85) Ibid. 131. 191 ff. 



Antonius de Cremona. j (jl 

cum Eustochia, filia sua virgine, addiictae de Roma per beatum 
Jeronimum feceiunt penitentiam ^'^) . Supra Bethleem versus ori- 
entem ad unum milliare est locus, qui dicitur ad pastores, in quo 
loco pastores custodiebant vigilias noctis supra gregem suam ''^), 
ibique apparuit eis angelus dicens^'S) : Annuntio Yobis gavidium 
magnum etc. Inde recesserunt ipsi pastores festinantes dicentes : 
Transeamus usque in Betbleem etc^^ji i\)[ est ecclesia et fuerunt, 
ut dicit Beda, sepulta corpora istorum pastorum, quae fuerunt 
tantum tria corpora 'j^). 

Reversi de Betbleem et de Jordane ultimo intravimus eccle- 
siam sepulcri die sancti Georgii^i) martyris in vesperis et stetimus 
tota nocte et die sequenti usque ad tertiara tota nocte illuminata 
candellis et ipsa nocte stetimus media nocte in sepulcrum. Mane 
celebravimus in monte Calvariae in loco, ubi fuit Christus cruci- 
fixus, ubi primani cantavit missam, ubi cum clamore valido et 
lacrimis orans, ut dicit apostolus, exauditus est pro sua reverentia. 
Cantavi autem missam de crüce. Ecclesiam autem praedictam 
sepulcri si vultis scire. quomodo facta est, videatis ecclesiam Bo- 
noniae sancti Stefani 92) . Non eadem est una ecclesia set multae 
ecclesiae contiguae, quae diversa continent loca sacra toto orbe 
veneranda. Primo continet montem Calvariae, qui est super om- 
nia mondi loca devotus et reverentia dignus, ubi mediator Dei et 
hominum Adae debitum solvit et veteris piaculi captionem pio 
cruore deterxit'^^). Ibi adhuc est foramen, ubi crux fuit fixa. Ibi 
depictus est Habraam in eodem loco ofFerens filium Ysaac-'^ . To- 
tus ille mons est in pavimento ornatus lapidibus marmoreis valde 
politis, superius totus testudinatus artificialiter et totus depictus 
ymaginibus mosaycis, inter quas sunt ymagines sancti Constan- 
tini et Ellenae, matris suae, et Heraclii Imperatoris, David, Sala- 
monis etc. ^5). 

86; Ibid. 12>>. 199-204. 238 flf. 87) Tobler, Bethlehem 251 ff. 

88] Lue. 2, 9. 89) Ibid. 15. 

90) Beda, De locis sauctis 223 (Tobler-Molixier, Itinerar. I). 

91) 23. April. 

92) Vgl. DoxATO Pi'LLlEXl DE" LvPARl DA SlDERXO : Relatione historiea 
overo chronica della misterios a chiesa di San Stefano di Bologna, Bologna 
1600, 80; AxTONio Caxaee: Nuova Gierusalemme detta la Sacra Basilica di 
San Stefano di Bologna, Bologna 1637, 40; Petrakchi: Della insigne abba- 
ziale basilica di San Stefano di Bologna, Bologna 1747, 40. 

93) Tobler, Golgatha 254. 91) Ibid. 273. 95, Ibid. 275 f. 



162 Röhricht, 

Sub monte Calvariae sunt cliio sepiilcra solempnia, quorum in 
uno sie scriptum est ''**'): Hie jaeet inelitus dux Godofredus de 
Bolion, qui totam istam terram acquisivit eultui ehristiano, eujus 
anima regnet cum Christo. Amen. Hie Godofredus nunquam 
voluit coronari dicens: Ubd Dominus mens Yhesus Christus fuit 
coronatus ciim Corona spinea nunquam coronabor Corona aurea! 
Ita quod fuit rex sine Corona. Aliud sepulcrum talem habet ti- 
tuhim'^' : Rex Balduynus, Judas alter habeus •''•), Spes patriae, 
vigor eeelesiae, virtus utriusque. Quem formidabant, cui dona, 
tributa ferebant, Cedar et Egyptus, Dan, Alcomicida'^^;, Damas- 
cus. Froh dolor, in modico clauditur hoc tumulo ! Est in eadem 
ecclesia chorus pulcerimus et altare patriarchale, in cujus chori 
medio est medium mondi '*'''), ubi scilicet Christus ponens digitum 
dixit: Hie medium mondi est! In cujus rei testimonium est lapis 
in circulum errectus, ubi cantatur Alleluia. Est in eadem ecclesia 
locus, ubi fuit crux repperta, ubi est altare. Est locus in eadem 
ecclesia, ubi stabat Domina nostra juxta crucem, item locus, ubi 
stabant noti ejus a longe cum mulieribus, inter quas erat Maria 
Magdalena, item locus, ubi Josep et Nicodemus laverunt corpus 
Yhesu. Ibique eodem loco in titulum unus lapis, quem feriticus 
secundum mensuram longitudinis Christi i'^') mensuravi, et est 
ejusdem mensurae sicut sepulcrum Christi i"-). Item locus, ubi 
apparuit primo Mariae Magdalenae. 

Reversi sumus de Yerusalem, ut rediremus Cyprum. Per 
viam est Kamacha, terra Samuelis, et sepvilcrum ejus ostenditur, 
et castrum Emaus et civitas Machabaeorum. Ex parte fratris An- 
tonii fratribus Uberto et Andriolo haec pauca dicta sufficiant. 
Valde subito feci, quia cito vado ad contemplanda et longe plura 
Domino disponente et vobis iterum scribenda vestris orationibus 
adjuvantibus. Amen. Datus die XVJ Septembris. 

MCCCXXX in festo sancti Calixti'03j ego frater Antonius 

06,1 Ibid. 147 — 14S, Beilage I, besonders aber de Hody, Les tombeaux de 
Godef. de Bouillon et des rois latins ii Jerusalem, Bruxelles 1855, 448 — 469 
und planche IV. V. 

97) ToBLER, Golgatha, Beilage I; de Hody 469—475 und planche V. 

98) Statt habeus ist zu lesen Machabeus. 

99) Es ist zu lesen Dan ac homicida. 

100) ToHLEli, Golgatha ;J2S— .'330. 101) Hier folgt im Texte: quem. 

102) ToBLER, Golgatha 444 — 146. 103) 14. October. 



Antonius de Cremona. 163 

recessi de Famagiista et die XXIIIJ ejusdem mensis Octobris 

perveni Damiatam, terram Egypti. Ipsa est terra Gerse, quam 

petierunt filii Ysraelis a Pharaone pro pascendis gregibus suis. 

Ibidem beatus Francischus fuit et conflictum futurum christianis 

praedixit 10^), ibique beatus Ludovicus, rex Franciae, fuit captus 

et de carcere Egyptiaco pro centum millibus marchis argenti 

redemptus est, ibidem est pons, quem idem sanctus Ludovicus 

fecit fieri lo^j. in Damiata fui diebus XXXVJ, inde recessi in 

vigilia sancti Andreae ^o^), ut venirem Alexandriam, ad quam 

perveni V. die mensis Decembris, scilicet in festo sancti Sabae 

abbatis. Alexandriae est ecclesia pulcerrima ejusdem Sabae ab- 

batis 10' j. Alexandriae visitavi loca bucula, ubi evangelista Marcus 

fuit tractus et martyrizatus i^*) et sepultus et inde Yenetias trans- 

latus. Alexandriae visitavi locum, ubi sancta Katerina fuit deca- 
pitatai09). 

De Alexandria recesi VIIJ die Decembris iturus Babiloniam, 
ad quam pervenimus XVIIJ die ejusdem mensis Decembris. 
Ascendimus autem Babiloniam per fluvium Paradixi, qui est 
major quam sit Padus et vocatur Nilus. In mondo non est sanior 
aqua ad bibendum, quae nunquam laedit, quantumcunque bibatiu- 
de ea. In Kabilonia sunt tres civitates, id est Kayrum, Babilonia 
et castrum Soldani, et una distat ab alia, quae plus distat per me- 
dium milliare. In Castro moratur Soldanus cum decem millibus 
militum. In Kayro et Kabilonia babet et tenet continue ipse Sol- 
danus XIV millia militum, item habet sex elephantes, quos vidi 
et tetigi, et leones YIIJ etunam bestiam, quae vocatur Zarapha^io). 

104) 1219; Tgl. Quinti belli sacri testimonia minora ed. R. RÖHRICHT 
214. 249—251. 254—256. 

105) Offenbar eine Verwechslung mit Bibars, über dessen grosse Brücken- 
anlage Reixal'D, Extraits 481 — 2, Note 3 handelt. 

106) 29. Nov. 

107) Über diese Kirche vgl. SiGOLl, Viaggio al Monte Sinai, Firenze 
1829, 117. 

108) SiGOLi 97 u. 117: »e che si trova vicino al mare sotto il nome di 
Boccoli, ove Tevangelista fu sepolto«; vgl. NiccoLO da Poggibonsi, Libro 
d'oltramare, Bologna 18S1, II, 49 — 50 u. SuRIüs, Historiae seu vitaeSS., Tau- 
rini 1875, IV April, 588. 

109) Poggibonsi II, 48—49; Sigoli 97.: Eine ausführliche Behandlung 
der ganzen Katharinensage siehe bei Conrady 346 — 359. 

110) Also eine Giraffe, ital. girafa. 



1 64 Röhricht, 

In mondo non est ita similis bestia; habet pillum orbiculatum 
pulcenimum et pedes sicut pedes bovis et collum longum per XX 
bracchia, caput sicut caput eqvii. In Babylonia vidi granaria 
Josep, de quibiis loqiiitur Genesis"^). Et Babilonia est supra 
liuvium Paradixi syta, et illuc veniunt naves de India portantes 
species et ellephantes. Soldanus vadit ad venationem cum XL 
millibus hominum. Dromedarii, qui velocius currunt prae Omni- 
bus animalibus, ibi sunt sine uumero, similiter camelli sine nu- 
mero. Ibi prope Babiloniam nascitur balsamum adlV^ milliariai'^]^ 
et ibidem fui die Dominico et nunquam potest'^-') crescere seu 
fructum facere. si irrigantur die Dominico, ita quod oportet, quod 
die Dominico, velint nolint, desistant ab opere, alibi vero semper 
operantur die Dominico. Item non potest crescere balsamum, 
nixi irrigatur non de omni aqua set de aqua fontis beatae virgi- 
nis, quem fecit isto modo. Nam cum fugisset persecutionem 
Herodis et Egyptum venisset et in uno casali aquam petisset et 
illi negassent, processit ulterius et facta oratione fecit ipsum fon- 
tem dicens : De isto fönte possint omnes bibere exceptis hiis, qui 
nascentur in isto casali ^'^)! Et factum est in futurum, quod vi- 
neae Egadi, quae faciunt balsamum, fuerunt translatae de terra 
sancta in Egyptum"^) et juxta istum fontem plantatae fuerunt, 
et quantum potest se extendere aqua istius fontis, tantum dilatant 
se ipsae sacrae vineae seu arbusculae et faciunt balsamum. Et 
sub celo non nascitur nisi ibidem. De ipso optimo balsamo habeo 
modicum valde, de mediocri plus, de viliori longe plus. 

In Babilonia est ecclesia beatae virginis, ubi scilicet mansit 
annis YII, secundum quosdam vero tantum una nocte, et vocatur 
ipsa ecclesia sancta Maria de cava*'''), et ibidem feci festum 

111) Genes. 41, 48. 

112) Bei Malaria; vgl. LtDOLF VON Sudheim 52—54. 

113) Der Codex liest : postei'o. 

114) Vgl. Run. IIoFMANN, Das Leben Jesu nach d. Apoeryphen ISO f. 

115) Vgl.TniETMAii34; BuRcnAKDLs 04 ; RoBlN.sON, Palaest. II, 537—8 
Note 5. 

116) Santa Maria della Cava, welche Poggibonsi II, 89— !ll und SiGOLI 
96, 149 beschreiben (oftenbar identisch mit »Domina nostra de Chana Baby- 
loniac" bei Poi.o.NKli in Toiu.KR, Descriptioncs Terrae Sanctae 2SU). Makuizi, 
Gesch. d. Kojjten in d. Göttinger Acad. Abhandl. 1S47, 118. 119 erwähnt 3 
Marienkirclien : auf der Strasse Zmveila, auf der Griechenstrasse und in der 
Nähe der Kirche des Sclianuda. 



Antonius de Cremona. 165 

nativitatis Christi et Epypbaniae ^'' . Item est una alia ecclesia 
major in Babylonia, que vocatur sancta Maria de Cascliala ^'^). 
Item est una alia ecclesia pulcerrima, quae vocatur sancta Bar- 
bara ^i^), et ibidem est corpus sanctae Barbarae, quod tetigi et os- 
culatus fui. In Babilonia fui XXX diebus. 

Anno vero Domini MCCCXXXI die XVJ Januarii in feste 
sancti Marcelini papae recessi de Kayro Babiloniae, ut venirem 
ad desertum iiUorum Ysraelis ad montem Synay ad sanctam Ka- 
terinam cum YIIJ peregrinis latinis. In qua quidem via multa 
substinuimus adversa exterius laboris viae et interius timoris 
mortis nobis intentatae ab illis Arabis, qui nos ducebant, qui 
sunt Saraceni et non timent Soldanum, cum haberemus literam 
Soldani. Nee aliquos timent, quia, postquam sunt in deserto, ubi 
nullus hominum habitare potest. nulluni timent. Et habebamus 
bonam plenariam in Babilonia de eis, set nullus potest cum eis 
transire nisi in virga ferrea et nullus hominum audet se ponere 
in deserto, nisi ipsi solum Arabes. Die XX ejusdem mensis in 
festo Sanctorum Fabiani et Sebastiani in sero in interioribus de- 
serti juxta fontem Moysis'^Oj^ quem fecit ipse Moyses pro filiis 
Ysraelis. voluerunt nos invadere et jugulare et nos viriliter cum 
arcu et sagittis, lapidibus et baculis fecimus custodiam illa nocte, 
quod videntes continuerunt se, quia non erant nixi quatuor cum 
singulis lanceis et duabus mulieribus et duobus pueris parvis. Et 
nos habebamus bonum arcum et spicula XU et eramusYIIJ per- 
sonae viriles et bene inducti. ipsi vero in camisia nudi. In aurora 
diei scilicet in crastinum in festo sanctae Agnetis ^-^) visi sunt nos 
velle invadere. set Deus semper pervertit, nam si incepissent, 
putabamus sine dubio omnes trucidare, set prob postea fuissemus 
omnes mortui in deserto, quia viam nesciebamus. Adhuc suam 



11") 2.5. Dec. 1330 u. 6. Jan. 1331. 

118) Santa Maria della Scala |»perö quando vai alia detta chiesa, si sali 
per una scala di trenta sei scaglioni di pietra^) bei Poggibonsi II, 91 u. Sigoli 
95, 148 beschrieben (ob «domina nostra de Laza« bei Poloner 279?;. 

119) Bei POLOXER 2SÜ, PoGGiEOXSi II, 92, Sigoli 9-5, 14S beschrieben, 
bei Felix Fabri III, 51 u. M.\krizi US kurz erwähnt (nach dem letzteren 
lag diese Kirche in der Griechenstrasse und ward 718 der Hedschra zerstört; 
eine gleichnamige Kirche wird S. 120 ebenda erwähnt). 

120; 'Ajün Müsä söö. von Suez auf der Sinai-Halbinsel. 
121) 22. Jan. 1331. 
Zlscbr. d. Pal.-Ver. Xm. 12 



1 66 Röhricht, 

malitiam exercentes couati sunt ducere per devia quaeqiie non 
per viam rectam, utpossent nos in montibus interficere, set gratia 
Dei unus erat nobiscum Latinus, qui aliarum ^'^-; fuerat ad sanc- 
tam Katerinam et habebat aliqualem notitiam viae, qui clamavit 
de nocte dicens liora luchana: i-3) Succurrite, quia nos ducunt 
extra viam in montibus et rupibus ! Et tunc omnes violentiam 
fecimus eis eripientes de manibus eorum lanceas et angariaviraus 
eos in virga ferrea non tarnen mutilando eos, qui iverunt et nos 
duxerunt in montem Synay juxta scientiam praedicti nostri socii, 
qui de ipsa via habebat aliqualem peritiam. Tandem non nostris 
meritis, set Dei misericordia, orante pro nobis sancto Moyse 
et beata Katerina, cujus peregrinationem agebamus , sabbato 
LXX'^® i24j pervenimus ad monasterium sanctae Katarinae, quod 
est juxta radicem montis Synay. 

In ipso monasterio est ecclesia sanctae Sophyae pulcra valde, 
quam fecit iieri Justinianus, christianissimus imperator, in qua 
est una pulcerrima archa lapidea et in ipsa archa ossa beatae 
Katerinae de cacumine montis ad ipsum monasterium translata 
per revelationem hoc modo'^^). Cum per CCCC annos fuit in 
cacumine unius montis juxta montem Synay ipsum sacrum corpus 
portatum et custoditum et ignotum esset hoc mortalibus, set neque 
accessus humanus ad ipsam rupem montis, monachi, qui per di- 
versa montis Synay habitabant, videbant de nocte super ipsam 
rupem descendere de celo ignera et cantus audiebant saepe et 
orationi se dantes, quid hoc esset, a Deo postulantes, responsum 
fuit ibidem esse et ante CCCC annos et per angelos portatum 
fuisse corpus unius sanctae mulieris in Alexandria martyrizatae 
pro nomine Yhesu nomine Katerina et addidit angelus: Ascen- 
datis et illud transferatis ad monasterium et ho(no)re digno habeatis, 
quia sie est voluntas Dei! Quod et factum est. Juxta ipsum mo- 
nasterium est una capella syta in loco, ubi vidit sanctus Moyse 
rubum et in rubo Deum, et nos et omnes, qui ipsam sacram capel- 
lam intrant, discalciant se more Moysis, cui dictum fuit a Deo: 
Solve calciamenta de pedibus tuis, quia locus, in quo stas, terra 
sancta esti '2«] DieXXVIIIJ Januarii ascendimus sacrum montem 



122) Wohl verschrieben für alias. 123) Am frühen Morgen. 

124) 26. Januar. 125) Vgl. SiGOLl 161 — 172. 

126) Exod. :i, 5; vgl. KouiNSON I, 100. 



Antonius de Cremona. Iß7 

Synay, ad cujus modicum ascenssum est una ecclesia beatae vir- 
ginis, ubi tale dicitur fuisse miraculum seu visio'^^). Nam. cum 
monachi propter peiiuriam et multitudinem pulicum et sexe- 
pedvim proposuissent monasteriuni dimittere et prius vellent 
sacium montem visitare quasi licentiam petendo, in ipso primo 
montis ascenssu, ubi est ecclesia supradicta, apparens beatavirgo, 
mater Dei, dixit monachis : Revertimini et monasterium non di- 
mittatis, quia voluntas filii mei est, quod semper hie sint chvisti- 
colae et nunquam defficient vobis necessaria vitae, et quod recedet 
vermium plaga fide jubeo et fideijutrix sum, inquit mater Dei. 
Qui revertentes granaria plena invenerunt et pulices nusquam 
in monasteiio apparuerunt, quod ego probavi. Nam in Babilonia 
vixpoteram dormire propter pulices, set in sacro monasterio nullum 
sensi pulicem. Et cum distent ab habitatione humana per CL 
milliaria in deserto, tarnen semper habondanter Dens mittit eis, 
cum sint in medio Arabum et infidelium. Omni namqvie die 
faciunt coquinam pro CCCC personis, habent lebetes magnos in 
Venetiis factos et de Yenetiis ibidem super camellos portatos. 
Postpraedictam ecclesiam sanctae Mariae invenimus post magnum 
ascenssum sacrum montem Dei Oreb, ad quem misit Deus Helyam 
et ibidem pavit ipsum corvus, et ibi est ecclesia sancti Helyae et 
caverna in rupe ^^s) ^ ^bi faciebat penitentiam, ubi fugerat a facie 
Yezabel. Et sicut illic ipsum pascebant corvi ita et nunc('?) in mo- 
nasterio omni die veniunt C corvi ad minus silvestres ad monas- 
terium juxta coquinam monachorum et petunt annonam eorum, 
et cottidie datur eis annona, et post cibum volant ad rupes mon- 
tium et hora prandii omni die revertuntur. 

In cacumine ipsius montis Synay est ecclesia loco^^gj^ xibi 
fuit data lex Moysi, et est ibi rupis una, ubi latuit Moyses, quando 
vidit claritatem Dei, quam substinere non Valens intravit et abs- 
condit se, et cum rupis illa sit ita dura, quod nee cum malleo nee 
celte potuerim aliquod de ipsa habere seu evellere, remanet tamen 
ibidem in rupe ymago Moysis, cui cessit rupis illa, ac si esset terra 
et ipsius effigies in rupe apparet, quod fuerit homo magnusstatura 



127) Ritter 570 f., 617. Die nun folgende Flohgeschichte erscheint in 
den meisten mittelalterlichen Beschreibungen (Robinson I, 167 f.). 

128) Vgl. Makrizi 116; RlTTER 522, 524, 571, 574—576, 579, 617. 

129) Vgl. Makrizi 116; Ritter 576, 581—2. 

12* 



16S Röhricht, 

et latus in humeris. Set proh dolor in ipso saeratissimo 
monte est ydolnm abhominationis, id est moscheta Machometi, 
pseudoprophetae Saracenorum i^^), ubi veniunt ad peregrinatio- 
nem et vocant Moysem prophetam Dei. Set Machometus major 
Moyse et Habraam et omnibus prophetis et Christo nostro et 
omnes, ut dicunt, peccaverunt prophetae et in judicio dicent cul- 
pam siiam, et Machometus rogabit pro eis, et parcet illis Dens. Et 
dicunt, quod nisi fuisset Machometus. Dens non fecisset celum 
et terram, nee solem, nee lunam etc., et praecipue arguetur a Deo 
Christus noster in judicio illiipie dicet: Quare tu Yhesu, cum 
te miserim, dicit Dens, usurpasti gloriam meam dicens. te esse 
])eum'? Et dicet culpam suam. Machometus. dicet Dens, solus 
mihi fuit fidelis non usurpans gloriam meam et Yhesu parcet 
propter preces Machometi etc. '3i| 

Die XXX. Januarii ascendimus montem sanctae Kate- 
rinae. Siquidem non fuit portata ab angelis. ut dictum est, in 
loco, ubi fuit data lex, set in alio monte prope illum altiore illo, 
et non est prope alius mons, set est una pena ejusdem montis 
Synay, sicut in digitis manus meae unus digitus est altior alio. 
est tantum una manus. Istum montem seu istani penam montis 
Synay, que non vocatur mons Synay set mons sanctae Katerinae, 
ascendi, et est ascenssus inhumanus, etvixpotest aliquis ascendere 
cum manibus et pedibus, et in cacumine montis talis est in super- 
hcie rupis durissima. quam vix potui frangere cum malleo et celte. 
Super ipsam rupcm posnerunt angeli corpus sanctae Katerinae et 



130) Ritter 580—1. 

131) Die Sache steht in oder bezieht sich auf Sur. 5, 116 (Verszählung 
Flügel s und Hixckelmann's) und Sur. 7, ö, in denen von der Prüfung am 
Gerichtstage die Rede ist. Es ist aber ein grosser Unterschied: in der Koran- 
stelle weist Jesus den Vorwurf ab, und Gott erkennt dies als richtig an, bei 
Antonius bekennt er sich dazu und bedarf der Intercession Muhamed's zur 
Verzeihung. Ersteres ist die Lehre der orthodoxen Dogmatik ; vgl. Ghazäli, 
La perle precieu.se publ. par B. Gautier (Geneve 1870; S. 64 fl". der Über- 
setzung. Dass Muhamed im Gericht überhaupt Fürbitter sei, ist nicht aus- 
drücklich im Koran gesagt, aber nicht ausgeschlossen; erst die Tradition 
behauptet es. Auch die Propheten werden im A^'eltgericht geprüft (vgl. Galtier 
a. a. O.). üb nun die Lehre, die Antonius gehört haben will, irgendwo wirk- 
lich vorgekommen sei, lässt sich aus Mangel an Material niclit ausmachen; 
sie wird wohl von ihm missvorstanden sein. Entschieden ist das der Fall mit 
der Vorstellung, Gott habe um Muliamed's willen die Welt erschaffen (G.). 



Antonius de Cremona. 169 

usque hodie apparet in rupe quasi concavum secundum longitu- 
dinem et altitudinem corporis sanctae continentem ^3'-^). Ibi rupes 
illa durissima cessit sacro corpori, sicut cera cedit ignito ferro. 
Inde fuit translatiim ad monasterium per revellationem, sicut 
praedictum est. In festo sancti Blaxii '^sj f^^it nobis apperta archa 
sanctae Katerinae, in qua vidi et conteniplatus fui ad libitum et 
osculatus fui sacra illa ossa beatae Katerinae ^^â– ^). Est in archa 
illa caput et ossa tibiarura ambarum et aliqua ossa parva, reliqua 
vero sunt oblata. De ipsis sacris ossibus manat oleum valde mo- 
dicum, ymo quasi nichil ad praesens, quae consueverunt emanare, 
quod ardebant lampades de ipso sacro liquore. De ipso sacro 
liquore vix potui tantum coUigere, quantum est granum ciceris, 
quia durus est seu spissus talis liquor, et ipsum habeo in una am- 
puleta. Et tum obtuli ipsis sacris reliquiis unam candelam mag- 
nam et extra candelam X venetos albos novos infixos in candela, 
et per ossa tibiarum apparet, quod fuit magna mulier statura, ossa 
ejus omnia sunt nigra propter liquorem, qui emanat. 

Quarta Februarii recessimus de ipso sacro monasterio ituri 
versus Jerusalem, videlicet Gaza(m) et de Gaza Jerusalem. Et in 
ipsa via de Monte Synay usque ad Gazam fuimus XV diebus in 
deserto, in qua quidem via longo plures tribulationes et angustias 
substinuimus quam in prima via scilicet in veniendo ad montem 
Synay de Kabilonia ; nam erraverunt in via conductores nostri ; 
panem ad mensuram habebamus, aquam minus, ymo propter 
deifectum aquae quasi fuimus mortui. Nam in festo sancti Valen- 
tini ' 3ä) invenimus aquam corruptam et stercoribus camellorum 
infectam, colore viridem, spissam, fetidam et salsam, potum mor- 
tis, quem bibimus eo die et die Veneris sequenti usque ad vesperam 
propter deffectum melioris. Et cum ipso die ^"eneris scilicet XV 
die mensis Februarii quasi deifecerimus prae siti, quare illam cor- 
ruptam non audebamus bibere, quia bibere mors erat sitis. post 
preces, singultus^ lacrimas et suspiria, orante pro suis peregrinis 
beata Katerina, divina dementia exinsperato non sine omnium 
admiratione et stupore miraculose nobis providet de bona aqua 

132) Vgl. Ritter 580, 598 ff. 

133) 3. Februar. 

134) Vgl. Conrady a. a. O. 277 ff. 

135) H.Februar. 



170 Röhricht, 

set modica, propter quod miraculuni dipingitur ystoria sanctae 
Katerinae in ecclesia iiostia, quod votiim fecit unus merchator, 
qiii erat nobiscum, natione Placentinus noraine Johannes de Ro- 
sal'36). qiii dicit fratiem Ubertum consanguineiim suum; modum 
autem, quomodo ipsam aquam habuimus, nimis esset longum 
enarrare, ideo taceo. Quid plura? Cum illo modico poculo aquae 
a Deo nobis missae ambulavimus usque sero, sequentes vero 
vestigia leonis in sero invenimus aquam optiraam et multam non 
sine Arabum admiratione dicentium, se nunquam ibidem rece- 
pisse aquam et forte altam per grositiem imius digiti, set suffecit 
nobis. In crastinum die Sabbati invaserunt nos praedones Arabes 
in equis cum lanceis volentes nos spoliare et occidere propter ro- 
bam ipsam. ne unquam posset scire; quibus cum diceremus, nos 
habere literamSoldani. responderunt, Soldanum esse adversarium 
ipsorum, ac per hoc volle nos occidere, nee erat spes alicujus def- 
fenssionis nee fugae et distabamus a Gaza per tres dies. Quid 
plura ? Quae nos liberavit de morte sitis et de manibus illorum 
Arabum, sicut praedictum est, scilicet sancta Katerina, cujus 
peregrinationem agebamus, post multorum vota, preces et lacri- 
mas, inter quos vovi, quod ego ad honorem sanctae Katerinae XVIIJ 
Ave Maria, genuflexiones propter illum numerum annorum aetatis 
ipsius, que fuit puela annorum XVIIJ, similiter vovi matri Dei 
semper vigilias ipsi\is IV'"^^ et beatae Katerinae jejunare in pane 
et aqua, si ipsius meritis non periremus in manibus canum ini- 
micorum crucis Christi. Quid plura? Post aliquas horas Dens 
mutavit furiam cordis eorum in mansuetudinem ita, quod nee 
personas laexerunt nee res rapuerunt excepto pane, quem humi- 
liter petierunt a nobis. Post illud periculum statim eodem die et 
hora nona catharathae celi, ut ita loquar, appertae fuerunt, et des- 
cendit super nos inundatio aquarum et grandinum et viam nes- 
ciebamus et modicum panem habebamus, sed, perseverante in 
oratione pro suis peregrinis sancta Katerina, ambulavimus bonam 
viam casu non alicujus scientiae set dirigente nos angelo, qui direxit 
Tobiam. Insuper habuimus tan tum frigus in via, quod aqua, 

]'AC>) Dieser Name ist nicht weiter nachzuweisen; über die Nachbildung 
heil. Stätten in Piacenza A'gl. Lorexzo Longo, Gerusalemmc Piacentina ciofe 
chiese e luoghidi Piacenza corrispondenti in sito ä luoghi Santi di Gcrusa- 
lomme. Piacenza 1659, 40. 



Antonius de Cremona. 171 

quam bibebamus, congelata erat, de nocte cruciabamur a fri- 
gore et de die urebamur. 

Die XVI IJ Februarii pervenimus Gaza'm et, si plus uno die 
fuissemus in deseito, fame perissemus. Majus periculum est per 
desertum viae quam per mare. In mondo non est durior peregri- 
natio quam ad montem Synay et, si praeseivissem ipsa pericula, 
nunquara pedem posuissem, set multum gaudeo, quod feci, quia 
rogare deum didici, quia nun quam fui in periculo nixi ibi. Set 
semper una radix spei erat in corde meo, quod beata Katerina 
non permitteret nos perire, quae ita exaudibilis sancta est. 

Gaza fuit terra Phylistinorum ; prope Gazam hodie est donius 
Philistinorum, quam fecit Sanson dicens ^^'j : Moriatur anima mea 
cum Phylistim ! Portas Gazae portavit Sanson super unum mon- 
tem, qui ibi est. Prope Gazam per Y milliaria est vicus nomine 
Thabata, ubi sanctus Hylarion fuit natus, et est ibidem ecclesia, 
quae vocatur sanctus Hylarion *3Sj. 

Die XXJ Februarii recessimus de Gaza, quae vocatur vulga- 
riter Gazaria, et in crastinum scilicet in cathedra sancti Petri i^^) 
pervenimus in Ebron, ubi factus fuit Adam et inde translatus 
in Paradixum fuit et post expulsionem de Paradixo in terram 
illam, de qua assumptus fuit ad literam reversus et semper ibidem 
stetit faciens poenitentiam de suis peccatis ^^'>). Ibidem est campus 
damascenus, in quo fecit Dens Adam, ibidem est fovea, in qua 
mansit C annis Adam cum Eva plorantes filium suum Abel, ibi- 
que mortuus est et sepultus. Hunc locum super omnia loca mondi 
veneratus fuit Habraam propter reverentiam sancti Adam et cog- 
noscens per revelationem ibi esse ossa sancti Adam primi hominis, 
emit agrum illum et faciens ibidem speluncham duplicem sepeli- 
vit uxorem suam, matrem Ysaac i^'). Postea voluit ibidem sepeliri 
similiter Ysaac et Rebecha, uxor sua, similiter et Jacob et Lia, 
uxor sua, unde Saraceni vocant lingua eorum Cariacharbe^^^j^ id 



137i Jud. XVI, 30. 

138) Et-Tabaka, der Sage nach d. Geburtsort des Hilarion (vgl. Ax- 
Toxixus Martyr (Itin. lat. I, 109); CoNRADY 164). 

139) 22. Februar. 

140) Vgl. CoxRADY 143—144 u. 160; Anmerk. 382 u. 480. 

141) Vgl. die erschöpfenden Nachweise von P. RiANT in Les archives I, 
411 ff. 

142) Vgl. BuRCH.\RDUS 81 ; siehe auch Ritter, Asien XVI, 211 ff. 



172 Röhricht, 

est civitas IV**'^ patrum, scilicet Adam, Abraam, Ysaac et Jacob, 
sive Israel cum uxoribus ipsorum, scilicet Eva, Sara, Rebecha et 
Lia. Ibidem etiam omnes ülii Israelis patriarchae de Egypto 
translati sepulti sunt facientes reverentiam summo patriarchae 
scilicet saucto Adam. Ibidem est ylex mambre id est locus, qui 
vocatur Mambre^^^i, de quo scribitur: cum staret Habraam ad yli- 
cem Mambre, tres vidit et unum adoravit. Mambre erat domus 
Habraam, ylex erat vana quaerens, quae hodie non est, set in 
eodem loco antiqua radix arboris unius. In Ebron unxit domus 
Juda David in regem, ubi regnavit vij annis, quia est ipsa Ebron 
in tribu Juda. De ipsa valle Ebron misit Jacob Josep, filium 
suum, ad fratres suos; scriptum est eidemi44j ; Missus igitur de 
valle Ebron etc. Ibi usque hodie est speluncha duplex, et habent 
ipsam speluncham in maxima reverentia Saraceni, quia sunt filii 
Abraam, scilicet Ysmahelis, filii iVbraara, et vocant locimi illum 
sacrum sancti Abraam, et est pulcerrimus fons ibi, quem fecit 
Habraam ^â– ^â– '). Tota illa civitas irrigatur aquis; sunt ibidem vineae 
infinitae. 

Eodemque die de Ebron venimus Bethleem Judae ibique in 
crastinum scilicet in vigilia sancti Mathey ^^*'] celebravimus mis- 
sam in loco nativitatis Christi et fuit missa noctis nativitatis. Item 
sub ecclesia ßethleemitica est una fovea, quam modo vidi, alianim 
nonvideram,ubiprojectafueruntcadavera sanctoruminnocentium. 
Cetera, quae sunt in liethleem et ad locum pastorum, aliarum vobis 
scripsi. Intrantes autem civitatem sanctam Yerusalem in vigilia 
sancti Mathey tam cito quam cito posui pedem in platea sancti Se- 
pulchri, tres mulieres de Cremona, quae ibidem erant, me cogno- 
verunt et statim alta voce clamantes dixerunt ; Salutant vos fratres 
vestri et vobis literas ex parte domini Francischini fratris vobis 



143) Über die.se Abrahamseichc vgl. Kobinson I, 338; II, 706, über die 
Sagen, welche sich daran knüpfen, vgl. RömucHT, Beitr. I, 111 f.; Sepp, 
Jerusalem u. d. heil. I>and I, ßOO ff. ; Yi'LE, The book of Sir Marco Polo I, 
132 ft'.; Jacob Guimm, Deutsche Mythologie 4. Aufl. 7'.)9 fl". ; V. Zezscuwitz, 
Vom römischen Kaisertum deutscher Nation, 162 — 166; Lotus DE Backer, 
L'extreme Orient, 364 — 367 ; Zauncke, I). Presbyter Johannes 1004 ff. 

144,1 Genes. 37, 14. 
, 145) Oflenbar ist die bei Robixson II, 705—6 beschriebene Quelle ge- 
meint. 

146) Lies Matthiae (23. Febr.). 



Antonius de Cremona. 173 

apportavimus, de quo fui valde miratus, quo modo scilicet me 
cognoverunt. eo quod barbam valde prolixam habebam et dixi 
a. a. a., Domine Deus I In ista sacratissima civitate Dei inveni, 
qui mihi nova refterat de carne mea ! Non vacat, dixi ego, a mi- 
nisterio; \ina de ipsis peregrinis erat mater magistri Rapbaelis, 
quae dedit mihi ipsam literam nomine Francischini fratris vestri; 
ipsa fuit facta litera de Julio. 

Anno Domini MCCCXXX in crastinum scilicet die Domi- 
nico in festo sancti Mathyae'*'') apostoli celebravi in monte sacro 
Syon, ubi ipse Mathyas ellectus fuit ad apostolatum ab apostolis 
etc. De Calvaria et de monte Syon aliarum vobis scripsi. Eodem 
die intravi sepulcrum hora vesperarum, et fuimus in Sepulcro 
nocte tota sequente usque ad diem sequentem in tertiis, ubi cantavi 
missam in altare, ubi apparuit Magdalena, et dixi missam noctis 
Eesurrectionis, scilicet quae dicitur in Sabbato sancto. lila sancta 
loca, quae continet ipsa ecclesia, aliarum vobis scripsi. Multum 
longo plus habui de consolatione spirituali secunda vice quam 
habuerim prima, et nullus intravit nobiscum ecclesiam Sepulcri 
nisi soli Latini, ita quod potui cantare alta voce in monte Calvariae 
et Sepulcro, nemine prohibente, ita quod benedicantur illi vij flo- 
reni, quos dedi eis. O quam dulces fuerunt illi iloreni ! 

Item eadem die visitavi locum nativitatis beatae virginis, et 
vocatur sancta Anna, et est Yerusalem juxta probaticam piscinam. 
Omnia Sanctuaria Yerusalem aliarum vobis scripsi. Die XXVIIJ 
visitavimus locum, qui dicitur Sanctus Zacharias^^s), quem primo 
non visitaveram, ibique est domus Zachariae, illucque venit beata 
INJaria de Nazareth in montana Judaeae cum festinatione et in- 
travit domum Zachariae et salutavit Helysabeth. Et distat hie 
sacer locus a Yerusalem VJ milliaribus. Ibi mansit beata virgo 
mensibus tribus, et ubi dixit'^*'): Magnificat anima mea Domi- 
num, natus est pulcerrimus et magnus fons constat usque hodie, 
Ibique natus est beatus Johannes baptista, ubi est una pulcra 
ecclesia '^oj 'Son multum longo ab ista domo Zachariae est una 
ecclesia versus montes in loco silvestri, ubi sancta Helysabeth abs- 
condit ipsum beatum Johannem l^aptistam, quando Herodes 



147) 24. Febr. 148) Tobler, Topogr. II, 357. 

149) Luc. 1, 46. 150) Toijlek, Topog;r. II, 359—361. 



174 Röhricht, Antonius de Creniona. 

jussit interfici pueros in finibus Judaeae, ibi permissioue divina 
abscondit eum mater sua in una rupe ad radicem montis'^^). 

Redeundo Yenisalem de istis montaneis in media via est 
nna pulcerima ecclesia et monasterium coriigianorumi52j niona- 
chorum, in quo loco nactum fuit lignum crucis ^^3) , set an verum 
Sit, non adhibeo fidem, quia legendae videntur sentire oppositum. 
Item de peregrinationibus Jordanis, Bethaniae, Montis Oliveti, 
Valis Josaphat, Bethfage, Jechamari^54]^ Alchedemach aliarum 
vobis scripsi. Celebravi in valle Josaphat in sepulcro Dominae, 
in sancta Katherina. Item vidimus mare rubrum, quod divisum 
fuit filiis Israelis, item comedi de piscibus ipsius maris, item vi- 
dimus in deserto Synay montes Faram, de quibus adhuc propheta 
diciti^^): Dens ab austro veniet et Sanctus de monte Faram. 

In Kallendis Martii recessimus de Yerusalem et venimus 
Eamam, quarto die Martii recessimus de Rama ituri Nazareth, 
nbi in crastinum celebrantes recessimus et venimus Acon. De 
Acon in festo sancti Benedicti ^^ej recedentes Dominica Palma- 
rumi'''') intravimus Famagustam etc. Explicit Itinerarium ad Se- 
pulcrum Domini. Deo gratias. Amen. 

151) ToBLER, Topogr. II, 357. 

152) Aus -/.aXoYTipo; entstanden, (Griechischer) Mönch. 

153) Das heil. Kreuzkloster, eine halbe Stunde w. von Jerusalem (Tobler, 
Topogr. II, 726 ff.). 

154) Das Wort ist so arg verstümmelt, dass sich nichts daraus erkennen 
lässt; ob Chaudemar? 

155) Habak. 3, 3. 156) 21. März. 157) 24. März. 



Grabkammern bei Haifa. 

Von G. Schiimaclier in Haifa. 

(Hierzu Tafel III.) 



Gegen Ende des Winters d. J. stiessen Steinbrecher, die in 
der Nähe der hiesigen deutschen Kolonie einen Sandsteinfels be- 
arbeiteten, auf unterirdische Grabhöhlen, die durch den Flugsand 
vollständig verschüttet worden waren. Sobald die Ortsbehörde 
davon in Kenntnis gesetzt war. verbot sie den Steinbrechern, ihre 
Arbeit fortzusetzen, und legte das Innere der Grabkammern, durch 
Hinwegräumen der Sandmassen theilweise frei, so dass ihre ur- 
sprüngliche Anlage ziemlich unverletzt zu Tage trat. 

Die Nekropole liegt in einer Sandfläche etwa 300 m vom 
Meere entfernt, 150 m nördlich von der von Haifa nach Jafa 
führenden Strasse, 1 Kilometer westlich von der deutschen Ko- 
lonie, also hart an den Ruinen des alten Haifa [haifä el-aüka) 
und ist von alten Feigenbäumen umgeben. Ich begab mich un- 
verzüglich an Ort und Stelle, nahm das Ganze auf, photographirte 
die einzelnen Theile und gebe danach die folgende kurze Be- 
schreibimg. 

Ein viereckiger Raum, der 4,75 m von N. nach S.. 3,97 m 
von O. nach W. misst und von sieben freistehenden, durch Ge- 
wölbebogen miteinander verbundenen Säulen umgeben ist. ist 
der Mittelpunkt der ganzen Anlage. Unter den Bogen befindet 
sich ein 1,40 m resp. 0,90 m breiter Umgang, von dem aus man 
die vier, an je eine Seite des viereckigen Raumes sich anschlies- 
senden Grabkammern betritt. Im Norden führt eine bequeme 
Treppe von 1,50 m Breite von der Felsoberfläche zu dem 3.90 m 
tief gelegenen Boden des mittleren Raumes oder Hofes hinab, 
der niemals überdeckt gewesen, sondern stets offen geblieben ist. 



176 



Schumacher, 



Die einzelnen Säulen haben einen unteren Durchmesser von 
45 cm, einen mittleren von 35 cm und einen oberen von 40 cm, 



3 



c 

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3- 






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CB* 




bei einer durchschnittlichen Jlöhe des JSäulenschaftes von 1,30 m. 
Die geschwungenen Linien des Schaftes, der in der Mitte den 
geringsten Umfang hat, sind charakteristisch. Am oberen Ende 



Grabkammern bei Haifa. 177 

der Säule finden wir eine einfache, ^enig vorstehende, abgeschrägte 
Platte und unten einen viereckigen Fuss von 45 cm Höhe. Die 
die Säulen verbindenden liogen sind etwas weniger als halbkreis- 
rund. Die Entfernung der Säulen von einander beträgt im Mittel 
1,70 m. Der Hof, der Bogengang nebst den Säulen und der 
Treppe sind vollständig in dem anstehenden feinkörnigen, harten 
Sandsteinfelsen ausgehauen; auch nicht ein Mauerstein ist be- 
merklich. Sämmtliche Theile waren verputzt (vgl. hierzu Fig. 1). 
Von dem genannten Bogen-Umgang betreten wir zunächst 
durch eine S5 cm weite und kaum 85 cm hohe Öffnung die öst- 
liche, wohl erhaltene Grabkammer. Eine Steinthür aus Basalt, 
genau nach den römischen Mustern von muJi^s etc. gearbeitet, 
mit Steinangeln und Kupfergriff Klöpfel) ;s. Tafel HI), wurde 
abseits vorgefunden, gehörte jedoch zweifellos zu dieser Öffnung, 
die eine seitliche Erweiterung zur Aufnahme der Steinaugeln zeigt. 
Die östliche Grabkammer enthält zunächst in der Mitte einen 
rechteckigen Raum von 5,1 S m bei 4,95 m, an dessen drei Seiten 
sich je vier Einleggräber befinden, so dass die ganze Anlage 
kreuzförmig erscheint. Je zwei Gräber sind durch ein Arcosolium 
von 2,20 m Weite verbunden, jedoch durch einen schmalen Schlitz 
von 18 — 20 cm Weite von einander getrennt (vgl. Fig. 2). Durch 
diese Anordnung tritt jedes einzelne Grab besonders hervor und 
ist auch den Verhältnissen entsprechend sorgfältiger oder nach- 
lässiger behandelt worden. Kerben zur Aufnahme eines Grab- 
deckels fand ich nirgends, dagegen Spuren von Mörtel, die darauf 
hinweisen, dass die Gräber durch mehrere quer über die Öff- 
nung gelegte Steinplatten verschlossen wurden. Jedes Grab hat 
im Innern eine Länge von 2 m, eine Weite von 0,55 m und eine 
Tiefe von 0,70 bis 0,73 m. Das Kopfende ist durch ein schräges, 
dem Gestein noch anhaftendes Ruhekissen von 0,30 m Höhe und 
0,30 m Weite angedeutet. (Vergl. mein Abila, Quarterly Statem. 
July 1889, 42 und 43, wo sich ähnliche Anlagen finden . Eine 
Stufe von 0,55 m Breite und 0,25 m Höhe ist rings um den mitt- 
leren Raum herumgeführt und vermittelt den Aufstieg zu den 
Gräbern. Die Höhe des Raumes ist 2,05 m vom Boden, die Decke 
ist horizontal ausgehauen. Der Boden besteht noch aus einem 
sorgfältig behandelten Mosaik aus gleichen Steinen, ohne archi- 
tectonisches Muster. Auch in dieser Grabkammer ist jeder ein- 
zelne Theil sauber verputzt. Der Verputz hat eine röthliche Farbe 



178 



Schumacher, 



und ist aus der noch gebräuchlichen Jmmra (zerstossene Töpfer- 
scherben) und Kalkmörtel gemischt; er ist äusserst widerstands- 




fähig gegen Feuchtigkeit, daher nur wenige Stellen des Innern 
defect erscheinen. Über den Arcosolien iinden wir griechische 
Buchstaben in rother Farbe (wohl mit einem Pinsel) aufgetragen, 



Grabkammern bei Haifa. 179 

ein Tj und 6, £, auch ein -j-; diese müssen jedoch modern sein. Ferner 
sind überall an den Wänden herum Koransprüche mit Bleistift 

geschrieben, auch primitive Zeichnungen, wie_ _|_i_, und Kreuze 

aufgetragen — wohl das Erzeugnis müssiger Besucher, denn einen 
geschichtlichen Werth können diese Zeichnungen schwerlich 
haben. Die unmittelbare Nähe eines erst in neuester Zeit wieder 
aufgebauten muslimischen Weli, des Schech ^isä (eines Negers), 
der sich in früherer Zeit eines grossen Ansehens erfreut haben 
soll, mag dazu beigetragen haben, dass diese antike Grabstätte 
wieder als solche benützt worden war, wenn auch nur von Christen, 
da sich Muslimen alter Gräber nicht wieder bedienen sollen. 

Im Westen des mittleren Hofes befindet sich ein dem öst- 
lichen ähnlicher Eingang zu einer Grabkammer von wahrschein- 
lich gleicher Einrichtung wie die eben beschriebene ; das Innere 
ist jedoch zum grössten Theil noch von Sandmassen angefüllt. 
Im Süden dringen wir durch eine Thür ohne Verschluss von 
0;55m Weite und 0,90 m Höhe in eine kleinere Grabkammer 
von 2,75 m Länge bei 1,60 m Weite und 1,50 m innerer Höhe; sie 
enthält 2 Senkgräber im Boden des Raumes, 1,80 m im Inneren 
lang und 0,70 tief, mit Ruhekissen am Kopfende. Auch hier ist 
alles verputzt ^). Diesem Raum gegenüber, also unter der Treppe, 
finden wir eine vierte Grabkammer, von ähnlicher Anlage wie 
die südliche; auch sie ist jedoch vom Sand noch nicht ganz be- 
freit. Man gelangt zu ihr durch einen runden Bogen, in dessen 
Mitte ein quadratisches Loch von 0,45 m Weite eingehauen ist. 
Von der Treppe aus führt eine Öfi'nung von 0,40 m Weite nach 
dem Bogen des Eingangs, deren Zweck mir nicht deutlich ist; 
vielleicht mag sie als Abschlussvorrichtung gedient haben. In 
der südöstlichen Ecke des mittleren Hofes entdeckte ich Über- 
reste einer zerbrochenen Thür, die nach den einzelnen Gräbern 
geführt haben mag, die an jener Seite der Anlage ohne Ordnung 
beliebig in die Felsen eingehauen sind und nach Dutzenden 
zählen. Sie sind 1,80 m lang, 0,45 m breit und 0,60 — 0,70 m 
tief und waren mit Steinplatten gedeckt. Die Hauptaxe der 
ganzen Anlage der Grabkammern ist ziemlich von O. nach W. 
orientiert. 

1) In diesen Gräbern fanden sich menschliehe Knochenreste, die jeden- 
falls nicht von den zuerst hier Bestatteten herrühren. 



180 Schumacher, Grabkammern bei Haifa. 

In südlicher Fortsetzung über die vereinzelten Gräber hinaus 
bemerkten die Steinbrecher Spuren noch anderer Grabstätten, 
die vom Sand verschüttet waren und in der nächsten Zeit auf- 
gedeckt werden sollen. Dabei fand man umherliegende Thür- 
stücke aus Kalkstein, ähnlich wie die oben erwähnte aus Basalt 
gearbeitete. 

Nach meiner Meinung hat man es hier mit einer Nekropole 
von grösserer Ausdehnung zu thun; denn in geringer Entfernung 
gegen Osten beginnen die jüdischen, alten und neueren Fried- 
höfe, von denen die Memoirs des Palestine Exploration Fund 
Aufzeichnungen enthalten und wo ich im Spätjahr 18S7 (s. Quar- 
terly Statements April 1S88, 104 mehrere Sarcophage von ausser- 
gBAvöhnlicher Grösse und wohl jüdischen Ursprungs vorfand, die 
wie die obenbeschriebenen Grabkammern von meterhohem Flug- 
sand bedeckt waren. Die vorliegenden Gräber halte ich, wenn 
nicht für römischen, so doch frühchristlichen Ursprungs ; der auf- 
gefundene Mosaikboden dürfte eher für die erstere Annahme 
sprechen. 

Haifa, im Juni 1890. 



Nachträge. 

Mitgetheilt von Professor H. Giithe in Leipzig. 

Als ich im Sommer 18S9 den Aufsatz von Frau Dr. Lydia 
EiNSZLER, «das böse Auge« (ZDPV. XII, 200 ff."', für den Druck 
vorbereitete, war mir noch nicht bekannt, was Dr. C. Sxouck 
HüRGROXjE in dem zweiten Bande seines interessanten Buches 
»Mekka« (Haag, M. NijhofF, 1SS9) S. 166 f. über ein solches 
Amulet sagt, wie es Frau Dr. L. Ei]s*szler unter dem Namen 
maschchas ZDPV. XII, 204 f. erwähnt und bespricht. Ich setze 
die Stelle hierher : 

»Eine andere, seltenere und ziemlich kostbare, von den Wei- 
bern auch als Amulet hochgeschätzte Münzsorte verdient hier 
erwähnt zu werden, zumal man sie sehr gern zum Haarschmuck 
verwendet ; sie heisst in Mekka mischchas^ Plur. meschcichis^ was 
nichts anderes als Bildraünze bedeutet. Es liegt daher die Yer- 
muthung nahe, dass in früheren Zeiten diese Goldstücke die ein- 
zigen mit menschlichen Bildern versehenen gewesen seien, die 
in Mekka umliefen. Jetzt sieht man fast nur diuchlöcherte Exem- 
plare, und auf den meisten ist die Legende sehr schwier zu ent- 
ziffern. Man kauft sie bei Geldwechslern und Goldschmieden 
nur zum Gebrauch für Weiber. Aus einem sehr gut erhaltenen 
Exemplare, das ich besitze, und dem die übrigen von mir ge- 
sehenen in der Hauptsache ähnlich sind, erhellt, dass wir es mit 
venetianischen Sechinen zu thun haben. Die Ironie der Ge- 
schichte war also nicht damit zufrieden, dass in Medina das Grab 
Muhammeds, der die Prophetenverehrer verfluchte, zum Ziel der 
Wallfahrten geworden ist; sie lässt ausserdem in Mekka die 
Weiber der Muslime, die bildliche Darstellungen lebendiger Ge- 
schöpfe verpönen und den Christus gewidmeten Kultus als Un- 
glauben verdammen, abergläubische Verehrung zeigen flir die 
Bilder Jesu und eines Evangelisten. Dass die Damen selbst keine 
Ahnung davon haben, versteht sich von selbst«. 

Ztsch.d. Pal.-Ver. Xin. 13 



Ig2 Nachträge. 

Dazu giebt Dr. Sxouck Hurgrokje die Abbildung des in 
seinem Besitze befindlicben müchchas, die bei weitem deut- 
licher ist, als die 1889 in unserer Zeitschrift gegebene, und 
lehrt, dass der mischcJias aus der Zeit des Dogen Aloys Mocenigo I 
(1570 — 77) herstammt. Die Abbildung in unserer Zeitschrift 
XII, 204 ist danach leicht zu deuten. Das Bild auf der Seite a 
stellt Christus, von Sternen umgeben, dar: das Bild auf Seite b 
den vor dem heiligen Marcus knieenden Dogen. Dieser ist durch 
die drei Buchstaben DUX bezeichnet, während die Buchstaben 
links neben Marcus wahrscheinlich SM (= St. Markus VEN ET 
(= Venetus) bedeuten sollen. Die Legende am Rande rechts 
LUDOV MANI muss den Namen des Dogen enthalten. 



In demselben Aufsatze findet sich Aviederholt in den arabi- 
schen Zaubersprüchen die Form haufak oder Jiamvattak, die in 
dem Arabischen des Manuskriptes a'^Ä/i3j.> geschrieben war (vgl. 
ZDPV. XII, 209). Zur Erklärung derselben schrieb mir Professor 
Gildemeister aus Bonn 26. Oktober 1889: »Bistäni giebt in 

seinem Lexikon als Volksausdruck: -.^-'Ij ^'^hy>- [hauwattuka hil- 
läJii]. liamcat, Denominativ von ÄmV «Mauer«, ist «ummauern«, 
leicht verständliche Metapher für »Schutz«. Also: ich mnmauere 
dich (oder deklarativ • lasse dich ummauern) durch Gott. Dazu 
die Erklärung: ich bete für dich, dass er dich ummauere. Dies ist 
also das Ä«m6-a«aZ; ZDPV. XII, S. 214. iiU^^> S. 209 ist Schreib- 

fehler für e^Ä-j^. Es kann die Form i^h^z^ gemeint sein, die 
von den arabischen Lexikographen als nomen actionis zur 
A'III. Form -blxs*( betrachtet wird = »Schutz«, Es ist eine 
seltenere Form ; daher ist wahrscheinlicher, dass auch hier [S. 209] 
die Vcrbalform gemeint ist. Dagegen ist das S. 209 letzte Zeile 
und Bd. X, 107 vmd 177 stehende haufuk und liuutna wohl das 
gewöhnliche nomen actionis haut = dein (unser; Geschützt- 
werden (sei) durch Gott. Übrigens Hesse sich selbst die Schrei- 
bung a^Ä/i3j.s> erklären, da {j^j-=> nach Lane ähnliche Bedeutung 
hat«. 



Nachträge. 1 83 

Auf der neiien Karte des dschehel haurän ZDPV. XII, Taf. VI 
ist nordöstlich von el-hanawät der Rninenort se (oder si) ange- 
setzt worden. Das ist ein Irrthum. Dieser ist daraus entstanden, 
dass die arabische Namenliste (vgl. XII, 293) ^^ aufwies, das 
vielleicht 8ehd zu lesen ist, von Dr. M. Hartmann jedoch und 
darauf von Dr. Wetzstein als ^*^, d. i. se oder si ^ gedeutet 
wurde. Ich wurde auf die Möglichkeit eines Irrthums aufmerk- 
sam durch die bestimmte, doppelt vorkommende Angabe bei 
ScHARLiNG, Hauran (IS90) S. 68 vmd 71 '), dass st oder st etwa 
eine Meile südlich von el-hanaimt liege, und richtete eine darauf 
bezügliche Anfrage an Herrn Dr. J. G. Wetzstein. Derselbe 
hatte die Güte, mir unter dein 22, Juli 1890 Folgendes darauf zu 
erwidern : 

»Was Ihre auf die Lage von si bezügliche Frage betrifft, so 
hat es ScHARLiNG richtig südlich von kanawcii gesetzt; ge- 
nauer wäre südlich mit geringer Neigung nach Osten. Doch ist 
die Entfernung zwischen den beiden Orten keine Meile, wenn 
darunter die deutsche Meile gemeint ist, sondern nur eine knappe 
halbe Meile; auch liegt si auf der östlichen, dagegen kanawät 
auf der westlichen Wand des hadar. So, nämlich el-hadar'^] , 
heisst wegen ihrer hohen und steilen Wände die gewaltige 
Schlucht, welche etwa 4 Stunden südöstlich von kanaivät am 
Westabhang des Gebirges und zwar kaum 150 m unterhalb des 
Hochplateaus beginnt, eine nordwestliche Richtung nimmt und 
an kanawät und "atll vorüber sich in die Ledschäh hinabzieht. 
Auf dieser Strecke nimmt der hadar alle Rinnen auf, welche, 
vom Hochplateau aus, den Westabhang des Gebirges herabgehen. 
Diese Rinnen sind ursprüngliche Lavaströme, die also der hadar 
in sich vereinigte. 

»Diese Schlucht ist von bedeutender Tiefe und Breite, ihre 
Wassermenge ist aber nicht gross. Doch reicht sie noch im 
wasserlosen Spätsommer hin, um eine Mühle von 2 — 3 Mahl- 
gängen zu treiben. Nur im März, wenn der Schnee des Haurän- 
gebirges schmilzt, ist der tiahr el-kanaimt — so heisst der Bach 
des hadar — ein stattlicher Fluss, mit dessen AVasser dann alle 
Cisternen der vielen Dörfer der westlichen Ledschäh gefüllt 

1) S. die Anzeige dieses Buches S. 191 f. G. 

2) Hiernach ist hadar ZDPV. XII, 293 in hadar zu verbessern. G. 

13* 



1 84 Nachträge. 

Averden. Zu diesem Behufe sind eine Menge Kanäle, arabisch 
kanatccit^ aus dem Flusse abgeleitet, der davon seinen Namen 
hat. Die Stadt kanaicät Aviederum hat vom Flusse den Namen, 
der also vollständig kafr nähr el-kanaiorit lauten Avürde — analog 
der Ortschaft nimrm, die noch zu Eusebius Zeit bet n^marln^ 
» Quellenbachhausen « , hiess . 

»Der mächtige Strom des hadar behält von kancnoät aus die 
nördliche Richtung bei und ergiesst sich schliesslich in die 
Niederung, wo er in der Zeit der Eruptionen den westlichen Theil 
des Lavafeldes Ledschäh bildete. Bei der Ausmüudung einer der 
genannten Rinnen in den hadar liegt si hoch auf der durch die 
Mündung gebildeten Ecke. Ich war nicht selber in s~i, habe 
jedoch den dortigen Theil des hadar auf einem Hügel südlich 
von kanaicät skizzirt. Dieses 57*, wo Wai)DINgto:n und Graf de 
VoGÜE die Inschrift zu einer Herodes-Statue gefunden, mag in 
alter Zeit eine Ortschaft von Bedeutung gewesen sein ; vielleicht 
gehörte es zu den (wohl befestigten) Militärkolonien, Avelche der 
edomitische Judenkönig, nach dem Berichte des Josephus, in 
der Trachonitis anlegte. 

»Ein kleines elegisches Gedicht, das sich mit s'i beschäftigt, 
habe ich an Ort und Stelle nach dem Diktat eines meiner Führer, 
eines Nomaden vom kleinen Stamme der schenZihiJe niederge- 
schrieben. Das Gedichtchen kann Jahrhunderte alt sein.« 



Mit Bezug auf den in ZDPV. XII, 136 ff. besprochenen Ver- 
such des Herrn Prior Od. Wolff, die Maasse des J er usalcmi sehen 
Tempels auf ein einheitliches Gesetz zurückzuführen, schreibt 
Herr Pfarrer A. Beck in Lohn bei Schaff hausen (Schweiz) am 
V.S. Mai ]S90 Folgendes: 

»Sie haben in der Paläst. Zeitschrift XII, 136 ff. das Buch 
des P. Odilo Wolff über den Tempel zu Jerus. besprochen. 
Ich weiss zwar nicht, was Wolff mit dem Tempel Ezechiel's 
macht; aber interessieren wird es Sie, dass schon 300 Jahre früher 
das gleiche Verhältniss von Kreis und Hexagramm auf den 
Tempel Ezechiels angewendet worden ist, sogar mit der Behaup- 
tung, dass die Quadratur des Cirkels dort verwirklicht sei. Und 
zwar ist, der das behauptet, kein Geringerer als der grosse Astro- 
nom Jon. Kepler. Da ich nicht Mathematiker bin, so verstehe 



Nachträge. IJiS 

ich von der Beweisführung Kepler s nichts, will Ihnen aber doch 
die ganze Stelle hersetzen. Avie sie sich in dem Buche eines an- 
deren tiefsinnigen Geistes, des Prälaten J. Christoph Oetingkr, 
findet. Derselbe schreibt in seinem biblischen Wörterbuch unter 
Tempel EzechieFs Folgendes : 

»Es wird aber auch der Architectonisch-Geometrische Grund 
von der Quadraturae Circuli an des Tempels Viereck, wüe es in 
Riuidung zu bringen, sehr leicht zu begreifen seyn. Die Priester 
werden diss vor allen anderen wissen, wie sich jetzt die Oberste 

der Freimaurer dessen rühmen Lasst uns hören was 

Keppler andere schreiben « Kepler (f) an D. ILifenreffer, der 
dergleichen Gedanken zuerst über Ezechielis Tempel gehabt, ge- 
schrieben. Hafexreffer Templum Ezech. p. 341. Dico ego, 
nunquam mihi oblatum esse a quoquam, qui Quadraturam Cir- 
culi attentaret, neque probabiliorem neque certiorem modum sc. 
illo, quem ex Templo Ezech. eruit, seil. Circulus, cujus seraidia- 
metri quadratum componitur ex coacervatione quadratorum trium 
rectarum : 1 ) ex rectae quadrato a porta ingressus in Templum 
ad ejus Centrum, locum altaris; 2) ex rectae a Centro ad statio- 
nem propitiatoris quadrato : 3) ex rectae a Basi e directo sursum 
versus Coelum ad duas tertias s. sanctorum quadrato; is Circulus 
est aequalis totius Templi areae. « 



Bücheranzeigen. 

Johannes Gildemeister: Antonini Piacentini Itinerarium im unent- 
stellten Text mit deutscher Übersetzimg . Berlin, Reuther 1SS9 

XXIV, 68 pp. (SO. 

Es ist bekannt, dass die mit ihrem Stifter, dem hochver- 
dienten Grafen Kiant, zu Grabe getragene ') Societe de l'Orient 
latin eine Sammlung von lateinischen Palästinaschriften ver- 
öffentlicht hat, deren Ausgabe Titus Tobler und nach dessen 
Tode Aug. Mulinier besorgte. Ebenso ist bekannt, dass Gilde- 
meister in einer neuen Ausgabe des Theodosius bewies, wie 
unkritisch die französische, und wie nothwendig eine wirklich 
kritische war. Ganz dasselbe zeigt er jetzt in Bezug auf das 
Itinerarium Antonini Piacentini, das er an der Hand der 
von Tobler-Molinier gebotenen Materialien und neuer Collatio- 
nen in einer durch peinliche Sorgfalt in der Textbehandlung und 
sachkundige Erläuterungen, wie sie nur ein Mann von solcher 
kritischen Schärfe und umfassender Gelehrsamkeit bieten kann, 
in neuer resp. wahrer Gestalt uns vorlegt. Dass die Handschriften, 
in Lüttich (Universit. 720 saec. XVI) und Venedig (Collection 
Farsetti; vgl. Le Kret, Magazin zum Gebrauch der Staaten- 
und Kirchen-Geschichte IV, 1774, Ibü, wo sie als sehr schlecht 
characterisiert wird nach Dr. Meisner) nicht herbeigezogen 
wurden, ist kein Fehler; hingegen wäre vielleicht die Benutzung 
einer Handschrift in Zwettl (No. 310 saec. XII — XIII), auf die 
mich Herr Prof. Neumann in Wien aufmerksam gemacht hat, 
erwünscht gewesen (vgl. Bibl. geogr. Pal., 10 — 11, No. 15). Eine 
Studie über die Latinität unseres Reisenden bereitet Herr Prof. 
Geyer in Augsburg vor, dem wir auch eine sorgfältige Arbeit 
über die Peregrinatio S. Sylviae (Augsburg 189U) verdanken. 

R. Röhricht. 

1) Neuerdings hat Professor Charles Schefer in Paria die Neuorgani- 
sation der Gesellschaft übernommen. 



Bücheranzeigen. 1S7 



'D 



Anomjmi Gesta Francorum et aliorum Hierosolymitanornm. Mit 
Erläuterungen herausgegeben von Heinrich Hagenmeyer. Heidel- 
berg^ Carl Winters Universitätsbuchhandlimg 18S9. 8^. IX und 

574 S. S. 
Hage>-meyer's Name ist in erster Linie zu nennen, wenn es 
sich um quellenmässige kritische Behandlung der Kreuzzugszeit, 
namenthch des ersten Zuges, handelt. Hatte sich Hagenmeyer 
durch die commentirte, handliche Ausgabe des Ekkehardus 
Uraugiensis »Hierosolymita« ein bleibendes Verdienst erworben, 
so sieht man auf den ersten Blick, dass die uns vorliegende Aus- 
gabe der Gesta Francorum nach allen Seiten hin einen Fortschritt 
der Wissenschaft bedeutet. Nicht als ob die Gesta bisher unbe- 
kannt oder unbeachtet gewesen wären; wir besitzen sogar zwei 
Ausgaben derselben. Im grossen Sammelwerk des Bongars: 
Gesta Dei per Francos steht das Büchlein an dem ihm gebühren- 
den ersten Platze; im Recueil des Historiens des Croisades III ist 
es von diesem früheren Platze verdrängt, Aveil in seiner Bedeutung 
völlig verkannt. In der Einleitung zur HAGENMEYER'schen Aus- 
srabe handelt es sich zunächst darum, den Autor der Gesta soweit 
kennen zu lernen, als sein Büchlein es zulässt. dann ihm die ge- 
bührende Stellung wieder zu verschaffen, schliesslich Rechen- 
schaft zu geben über die Grundsätze, wie der kritische Apparat 
verwendet wurde. — Es bedarf scharfen Zusehens, um auch nur 
Avenige individuelle Züge über den Autor aus dem ganz in Ob- 
jektivität aufgehenden anonymen Werke herauszulesen. Der 
Mann war ein den Feldzug mitmachender, wahrscheinlich nicht 
sehr hochgestellter Laie, normannischer Unterthan aus dem süd- 
lichen Italien, der wohl lateinisch schrieb — aber fragt nur nicht, 
wie ? — und der trotz der heftigen Kämpfe und harten Entbeh- 
rungen des Kreuzzuges immer wieder sich Zeit nahm, die Erleb- 
nisse und sonstigen Nachrichten niederzuschreiben. Das AVerk 
reicht bis zur Rückkehr des Christenheeres aus der am 12. Aug. 
1099 stattgehabten Schlacht bei Askalon, war also im Spätjahr 
1099 vollendet und blieb in Jerusalem verwahrt, wo es seine 
Leser, Avohl auch Copisten, und schliesslich seine Plagiatoren 
fand, deren einer seinen eigenen Namen, Tudebodus, in das 
«entlehnte« Werk hineinschrieb, so dass es eine Zeit gab, in 
welcher der geplünderte Anonymus, als »Tudebodus abbreviatus« 
galt. Als solcher erscheint er noch im obgenannteu Recueil. 



1 3§ ßüeheranzeigen. 

Nuu hat wohl schon aon Sybel die Priorität unseres anonymen 
Normannen nachgewiesen, und ihm sind hochhedeutende, scharf- 
sehende Gelehrte gefolgt. Allein da auch nach der SYBELschen 
Geschichte des ersten Kreuzzugs noch immer eine Reihe Ge- 
lehrter sich für Tudebodus aussprach, war es sicher nicht über- 
flüssig, dass Hagexmeyer ausführlich zeigte, Avie devitliche Spuren 
unseres Anonymus in den sonstigen Quellwerken des ersten 
Kreuzzuges erkennbar sind, und wie er von zwei oder drei Plagia- 
toren, voran von Tudebodus von Sivrey, geradezu ausgeschrieben 
worden sei. — Und das Werk ist solcher Ehrenrettung völlig 
Avürdig. Denn selbst dort, wo es sicher nicht als gegenwärtiger 
Zeuge spricht, sondern erdichtete, hie und da gar nicht zu- 
treffende Gespräche erzählt, ist es der Ausdruck der Stimmung, 
der Anschauung, die im Lager und sonst in der Christenheit 
herrschte, und verdient mindestens culturhistorisches Interesse; 
ich führe nur das Gespräch der Mutter Kerl)oga"s an. — Dies 
mag über die Einleitung Hagenmeyer's genügen. Nur einen 
kleinen, an sich unbedeutenden Wunsch kann ich nicht unter- 
drücken : es hätte im A'erzeichnisse der kritischen Hilfsmittel 
S. 100 der Buchstabe F (vgl. S. 90) aufgeführt werden sollen, da 
ja doch schon S. 101 der Codex F (= Mspt. Cambridge, Corpus 
Christi N 281) angeführt ist. Der Herausgeber arbeitete, Dank 
den Collationen des leider so früh dahingeschiedenen Grafen 
Paul Hiant, mit einem den des Recueil weit überholenden 
Apparatus criticus. 

In den Anmerkungen zum lateinischen Texte liefert 
Hagenmeyer einen so reich ausgestatteten Commentar, dass man 
eine sehr vollständige Geschichte des ersten Kreuzzuges heraus- 
zulesen im Stande ist. Wenn Hagenmeyer die Geschichte der 
Fatimiden-Chalifen nach arabischen Quellen von Wlstenfeld 
(Göttingen ISSl) benutzt hätte, Aväre manches bestimmter ge- 
geben worden (vgl. S. 485, Anm. 21, mit Wlstenfeld o. c. S. 
278 S. A.;. Ich möchte nur wenig hinzufügen oder richtig- 
stellen: Zu Seite 131 fällt mir auf, dass der Namen S. Aegydii 
oder de S. Aegydio noch heute in der arabischen Form Sindschil. 
als Dorfnamen fortexistirt auch im Meräsid el ittilä*^ ed Juynboll. 

1852. II, S. OA erwähnt als ^:^Ijav.U ^^=^\^^■■^ er '^^^) — Zu S. 437. 
Anm. 2S möchte ich aus meinen eigenen Reisen beifügen, dass 



Bücheranzeigen. 1^9 

ich am 25. Mai IS 69 in Zagharta bei Tripolis den Weizen soweit 
reif getroffen habe, dass ich, -wie man es in Palästina von den 
Landeskindern lernt, die abgerissenen Ähren in den Händen zer- 
reibend die Kerne ablösen konnte (vgl. Matth. 12, 1 fg.), um 
sie zu essen, da sie weich und noch fast milchig waren. Die 
Dura war schuhhoch, grün ; die Frucht des Granatapfelbaumes 
schwoll. — S. 440. Die Entfernung von Dschebeil (Byblus) nach 
Batrün (Botrys) ist entschieden zu gross angegeben: ich gebrauchte 
(eingerechnet eine East von 30 Min. in einem Chan) nur 3 Stun- 
den 53 Min., entsprechend ist auch die Entfernung nach Beirut 
zu gross, trotz der Angabe des Abulfeda ;in seiner Geographie, 
ed. Reixaud et Slaxe, p. l'f'i) . — Auf derselben Seite Note 11 
ist es richtig, dass der iccidi feidär nicht in die Berechnung ge- 
zogen worden ist ; denn dieser Wädi ist so schluchtartig, dass an 
einen Aufenthalt nicht zu denken ist, während südlich vom Nähr 
Ibrahim, von diesem Flusse beleckt, eine schöne heitere Ebene 
wie zum Rasten einladet, und die übrige Strasse von Tripolis bis 
zur Bucht von Dschüni bis heute in meiner Erinnerung als 
schrecklich schlecht sich eingeprägt hat. Die hohe Brücke über 
dem Nähr Ibrahim liegt etwas östlich, landeinwärts in einem 
malerischen Thale, das der Fluss wie ein Silberband in starken 
Krümmungen durchströmt. Ich sah das Wasser ganz blau: 
Binsengestrüpp an sumpfigen Stellen. — S. 443. Die Lage von 
Eäs el-'ain gewiss nicht richtig angegeben. Ebendaselbst kommt 
der Namen «Hisnet Zib« vor, der auch einer kleinen Correctur 
bedarf. — S. 444 u. 445. Dass an einen Zug nach Damaskus 
nicht zu denken war. ist klar; aber auch den Zug durch das 
Jordanthal konnte Ende Mai kaum irgend Jemand als möglich 
in Betracht ziehen, der das Land nur halbwegs kannte. Dazu 
den riesigen Anstieg von Jericho nach Jerusalem! Wenn je etwas 
in Erwägung gezogen werden konnte, war es der Marsch mitten 
durch Samaria, wie heute noch die Strasse von Nazareth nach 
Jerusalem führt. — S. 445 Anm. 20 lies: Tantüra statt Tortura. 
— S. 447. Ich fand die S. Georgskirche, als ich das zweite Mal 
Palästina besuchte (1SS4), restaurirt: es sind byzantinische und 
Kreuzfahrerbaubestandtheile deutlich zu erkennen. Die Griechen 
haben freilich nur die alte Chorapside zur jetzigen Kirche ver- 
Avendet und eine geradezu geschmacklose Empore hineiiigesetzt. 
Den ganzen Dum wieder aufzubauen, reichten wohl die Mittel 



1 90 Bücheranzeigen. 

nicht. In einer Krypta zeigen sie das Grab des h. Georg. — 
Was der Anonymus über den Zug des Tancred und Eustachius 
nach. Näbulus mid von da nach Caesarea erzählt, beruht auf Be- 
richten, die er erhalten. Daher die Unklarheit des Ausdrucks, 
so dass man sich von Tancreds Zug von Näbulus nach Caesarea, 
von da nach er-Ramle kein rechtes Bild machen kann. Ich selbst 
bin 1884 von Itschzim (Ikzim) aus, an Caesarea östlich im Ge- 
birge vorüber nach ""Anebte und von da den allerdings recht ange- 
nehmen Thal weg nach Näbulus (Sichern) gezogen, Tancred, der 
doch die Weisung hatte, sich dem bei Askalon stehenden »Emir« 
admiravisus von Kairo entgegenzustellen, hätte dies durch einen 
Zug nach Caesarea und von da die Küste entlang nach er-Rarale 
gemacht! Und das so, dass er am 6. Aug. in Näbulus aufbrach, 
den bei 'Anebte beschwerlich werdenden Weg nach Caesarea 
nahm (denn das ist der nächste Weg), vor Caesarea plünderte, 
eine Art Vertiag mit der Besatzung schloss und am 8. Aug. noch 
zeitig genug schon in er-Kamle die Boten nach Jerusalem 
senden konnte, so dass am 9. die Hilfe von Jerusalem aufzu- 
brechen im Stande war. Ich selbst habe auf dem Wege von 
Itschzim nach Näbulus in *^Anebte übernachtet; eine Truppe 
marschiert aber langsamer als ein einzelner Reisender. Mir er- 
scheint es wahrscheinlich, dass Tancred gar nicht gefürchtet habe, 
der Feind sei schon auf dem Wege von Askalon nach Caesarea, 
sondern dass er durch einen Trupp die ganze Küstengegend von 
Joppe nördlich in Schach habe halten wollen, Avährend er direct 
von Näbulus in derRiclitung(von Joppe und) er-Ramle zog. Aber 
die ganze Darstellung ist unklar, w-eil der Anonymus eben nicht 
bei Tancred war, sondern sich referiren Hess. — Was Hagen- 
MEYKR S. 485, Note 23 sagt, Avird durch den Anonymus selbst 
widerlegt: venirent ad bellum, quod admiravisus Bab. preparat 
urbi Scaloniae. Also stand der Feind nicht so weit nördlich, 
dass Tancred fürchten musste, ihn im Rücken zu haben, — Die 
â– wenigen Druckfehler, die ich mir notirt habe (z. B. S. 459 Z. 5 
lies perterriti; S. 473, Z. 1 lies utriusque ;jS. 48ü, Z. 17 lies sc), 
sind leicht zu corrigiren. Die Ausstattung ist sehr würdig. Ich 
brauche das werthvolle Buch nicht erst besonders z\i empfehlen; 
meine ganze Besprechung ist ein Zeichen der Anerkennung für 
den Autor und sein Werk. 

Wien, 5. Nov. lbi)ii. W. A. Neumann, 



Bücheranzeigen. \^\ 

Hauran - ReisebiJder aus Palästina von Henrik Scharling, Pro- 
fessor der Theologie an der Universität Kopenhagen. Mis Ge- 
nehmigung des Verfassers aus dem Dänischen übersetzt von 
P. J. Willatzen. Bremen^ 31. Heinsius Nachfolger. 1890. Kl. <S'ö. 

87 ^'. 

Der Verfasser schildert die wichtigsten Beobachtungen und 
Eindrücke, die sich ihm bei einem Besuch des Haurän im 
Frühjahr 1889 aufgedrängt haben. In lebendiger und anschau- 
licher Sprache redet er z. B. von dem Gegensatz der Farben, in 
dem sich die düsteren Basaltdörfer des Haurän Avenigstens im 
Frühling bei hellem Sonnenlicht von der saftig grünen Umgebung 
abheben. Mit besonderer Vorliebe jedoch verweilt er bei den 
merkwürdigen Ruinen des Haurän, bei den Theatern, Tempeln, 
Säulenstrassen, Kirchen und Moscheen. Er sucht die Sprache, 
die diese Bauten nicht nur durch sich selbst, sondern auch durch 
ihre zahlreichen, namentlich von Dr. Wetzstein, M. de Vogüe 
und Waddington gesammelten Inschriften zu uns reden, zu 
deuten und findet deren Wichtigkeit darin, dass sie eine der 
wichtigsten Perioden der Weltgeschichte, die des Übergangs 
vom Heiden thum zum Christenthum, für mehrere Jahrhunderte 
uns vor die Augen führen — «ein neues Pompeji, nicht unter, 
sondern über der Erde « (81). Er bemerkt in den Ruinen nicht 
nur die Zeichen des Verfalls der klassischen Kunst, »den Herbst- 
und Winterschlaf der Kulturtr, sondern auch einen »spriessenden 
Frühling«, die ersten Elemente eines neuen Kunststils, der sich 
namentlich in den Kirchen während des Mittelalters vollständig 
entwickelt hat. Ich verzeichne diesen Hinweis auf die alten 
Kirchen und Dome Syriens gern, da es auch mir so scheint, als 
ob diese Gebäude in der Geschichte der Kirchenbaukunst zu 
wenig l^eachtung finden. Wer sich darüber näher unterrichten 
will, Avird allerdings zu dem schönen Werke M. de Vogüe's, La 
Syrie centrale (Paris 1865 — 1877) greifen müssen. Scharling s 
anziehende »Reisebilder« können aber wohl dazu dienen, zu einem 
solchen Studium anzuregen. 

Der Weg der Reisenden ging von bänijas über el-hära, in- 
chil, schah% ezra ^ racham nach bosra; von hier über el-kureje, 
hebrän und es-suwedä nach el-kanaicät. Mach einem Abstecher zu 
den Ruinen von sia isi) wurde die Reise nach schuhba fortgesetzt. 
Am Ostrande der ledschah entlang ziehend, hielten sich die 



192 Bücheranzeigen. 

Reisenden in cleh'ir nncl huräk auf; von letzterem Orte ritten sie nach 
Damaskus. Es ist schade, dass das Buch so wenige und ganz all- 
gemeine Angaben über den zurückgelegten Weg enthält, da dieser, 
wenigstens in seinem ersten Theile bis schuhba. durchaus nicht 
näher bekannt ist. Die Reisegesellschaft war zahlreich genug, so 
dass es bei geordnetem Zusammenwirken aller Kräfte mit geringer 
Anstrengung leicht möglich gewesen wäre, ein genaueres Itinerar 
mit nach Hause zu bringen. Sollte jedoch ein solches vorhanden 
und nur in diesen »Reisebildern« aus Zweckmässigkeitsrück- 
sichten nicht mitgetheilt worden sein, so wäre seine anderweitige 
Veröffentlichung durchaus wünschenswerth. Die Herausgabe 
der SxÜBEL'schen Karte (ZDPV. XH) hat es mir lebhaft zum Be- 
wusstsein gebracht, wie lückenhaft imsere Kenntnisse dieser 
Gegend trotz des durch Dr. Stübel herbeigeführten Fortschrittes 
noch sind. Es ist daher dringend zu wünschen, dass Reisende, 
die einen z. Th. noch unbekannten Weg durch den Haurän ein- 
schlagen, die Mühe daran wenden, genaue Angaben über Rich- 
tung und Dauer des Weges aufzuzeichnen und wenn möglich 
aiich einige Messungen anzustellen. 

Unter den arabischen Ortsnamen ist »Scluibba« in Schuhba, 
»Rachan« in Racham zu verbessern. S. 39 wird behauptet, der 
Name Bosra sei mit »Bazar« verwandt. Dem ist nicht so; bäzär 
»Markt« ist ein persisches Wort und hat mit bosrä [bosra] nichts 
zu thun. Statt »Scheik« hätte der Übersetzer stets Scheich oder 
Schech schreiben sollen. Meidun S. 80 statt Meidän (Vorstadt 
von Damaskus) ist wohl nur ein Druckfehler. — Kenner des 
Haurän wird die Mittheilung S. 87 interessiren, dass der schöne 
Tempel von el-mismij'e »jetzt niedergebrochen sein soll, um einer 
Kaserne Platz zu machen.« 

H. GUTHE. 



Sieben Tage in Jerusalem. Von Carl Heinrich Christian Platli, 

Lic. theol. Missionsinspektor und Professor. Berliti, TV. 18S0. 

Buchhandlunxj der Gossner'schen Mission. S^. 34 S. 

Der A'erfasser erzählt in unterhaltender Form, was er während 

7 Tagen, die er aiif der Rückreise von Indien') begriffen in 



1) K. H. Chr. Platii, Eine neue Reise nach Indien für Jung und Alt 
beschrieben. Berlin 1889, Gossnerische Mission. 8. 170 S. 



Bücheranzeigen. 193 

.Jerusalem zubrachte, dort gesehen und erlebt hat. Damit ist 
schon gegeben, dass er in seinem Buche nicht wissenschaftliche 
lieobachtungen oder statistische Nachrichten mittheilen will. Er 
fügt dem Gesehenen die Eindrücke, die dieses auf ihn gemacht 
hat, hinzu. Mit warmem Herzen redet er von dem Erhebenden, 
das ihm in Jerusalem begegnet ist; aber er verschweigt auch 
nicht die befremdenden, unangenehmen Eindrücke, die er em- 
pfangen hat. Somit unterscheidet sich das Büchlein vortheilhaft 
und der Wahrheit zu Ehren von vielen anderen Berichten, die 
Jerusalem gegenüber nur eine Sprache kennen. — Es sei mir 
gestattet, einiges, das mir aufgefallen ist, hervorzuheben. Die 
Kuppel der Grabeskirche liegt im Westen, nicht im Süden des 
Johanniterhospizes (S. 5); der Satz, »die Gebäude des jetzigen 
Jerusalems stehen auf einem Schutthaufen, welcher mehr als 
hundert Fuss hoch ist« (S. 9), ist übertrieben und giebt ein un- 
richtiges Bild ; in der birket israJn neben dem Stephansthore den 
Teich Bethesda zu erkennen, ist mangelhafter begründet, als 
Verf. meint, und hat durch die Nachgrabungen Warre]N''s durch- 
aus nicht eine Beglaubigung erfahren (S. 25). 

H. GUTHE. 



Noch einmal das Emmaus des Joseplms, das Haminat 
der Bibel, Hammata des Talmud am See Genezaretli. 

Von Professor K. Furrer in Zürich. 

Dass auch nach meiner Darlegung in ZDPV. XII, S. 145 ff. 
die Lage von Taricheä immer noch als eine problematische an- 
gesehen werde, erwartete ich nicht. Sicherlich Aväre ohne die 
doch sehr fragwürdige Autorität des Plinius niemandem einge- 
fallen, diesen Ort am südwestlichen Ausgang des Sees zu suchen. 
Auch nicht Ein Argument kann aus Josephtts dafür angeführt 
werden. Ich halte die Identification von Taricheä mit Magdala 
in der Ebene Gennesar für eines der gesichertsten Ergebnisse der 
historischen Topographie Palästinas. 

Doch nicht minder steht mir die Lage von Emmaus fest, das 
einstimmig als dieselbe Ortschaft wie das biblische Hammat, das 
talmudische Hammata, betrachtet wird. Dieser Ort lag am Aus- 
gang des Wadi 'Ammäs, zwei römische Meilen, also etwas mehr 
als eine halbe Stunde, nördlich von Tiberias und etwa 22 Mi- 
nuten oder 9 Stadien südlich von Magdala. Er hiess in sehr alter 
Zeit schon Hammat »Warmquelle«, weil hier eine sehr reiche 
Quelle sprudelt von süssem Wasser, das durchschnittlich 20° F. 
wärmer ist als das Seewasser. Diese süsse Qtielle von massiger 
Wärme lud früher als die sehr heissen und widerwärtig schmek- 
kenden und riechenden Quellen von Tiberias zum Gebrauche ein 
und wurde darum mit dem Namen Jlammat ausgezeichnet. Für 
diese Lage von I lammat giebt eine Stelle im jerusalemischen Tal- 
mud, dessen Verfasser am See Genezaretli gelebt haben, einen He- 
weis von nahezu mathematischer Schärfe: Tractat Erubin 5, 8. 
Kleine Orte hatten gemäss dieser Stelle nicht das gleiche Sabbath- 
recht wie grosse. So durften die licwohner von Gadara am Sab- 
bath zu den heissen Quellen am Jarmuk hinunterspazieren, aber die 



Noch einmal das Emmaus des Josephus etc. ]Qq 

Leute, die da unten Avohnten, nicht nach Gadaia hinaufsteigen. 
Gleicherweise war den Tiberiensern erlaubt, am Sabbath ganz 
Hammata zu durchwandern, während die Bewohner dieses 
Ortes nur bis an das gewölbte Thor von Tiberias ihren Spazier- 
gang ausdehnen durften. Ein alter Hirte berichtete dem Eabbi 
Jeremias: »Ich erinnere mich, dass die Bewohner von Mag- 
dala sich am Sabbat nach Hammata begaben und den 
Ort bis zu seinem äussersten Ende bei der Brücke 
durchwanderten«. Auf Grund dieses Zeugnisses entschied 
der Kabbi, dass die Leute von Magdala auch fiirder so thun 
durften. Li Folge zahlreicher Neubauten wurden späterhin Ti- 
berias und Hammata wie ein Ort betrachtet. Es wird nicht ge- 
sagt, dass etwa beide Orte von der gleichen Mauer wären um- 
spannt worden, oder dass Hammata aufgehört hätte als besonderer 
Ort zu existiren, sondern ihre Einheit war eine mehr ideelle; sie 
wurden, wie A. Neubauer (Geogr. du Talmud S. 208) sehr richtig 
bemerkt, vom Standpunkt des Sabbathgesetzes aus als Einheit 
behandelt. Einer materiellen V^erschmelzung stand, wie ich aus 
eigener Anschauung Avohl weiss, der Steilabsturz entgegen, der 
eine Strecke weit zwischen Tiberias und dem Wadi 'Ammäs nur 
einen schmalen Pfad über dem Seestrand offen lässt. Immerhin 
ist zu bedenken, dass seit den Tagen des Alterthums das Ufer an 
jener Stelle sich bedeutend gesenkt hat, so dass einzelne Häuser 
da stehen konnten, wo jetzt die Wellen über halbverdeckte Fel- 
sen schäumen. 

Wir sehen, der Talmud unterscheidet mit aller wünschbaren 
Deutlichkeit zwischen Tiberias und Hammat; daher geht es nicht 
an, da, wo er von den heissen Quellen der Stadt Tiberias redet, 
an solche von Hammat zu denken. Auf die Tiberiasthermen 
kommt er öfters zu sprechen, z. B. Tract. Schabbat: VII, 2: 
»Darf man etwas im heissen Wasser von Tiberias kochen?« [XIV, 
3:) »Es ist erlaubt in den Thermen von Tiberias sich zu baden«, 
Neubauer (a. a. O. S. 212) berichtet, Rabbi Simeon Ben-Jochai 
habe die Stadt Tiberias Avegen ihrer heissen Quellen rein erklärt, 
doch gewiss nicht wegen Quellen, die, wenn man dem alten Ti- 
berias nur die Ausdehnung des jetzigen geben will, eine halbe 
Stunde fern von den Mauern der Stadt lagen. 

Gewiss wenn die 'Iliermen nicht innerhalb der Stadtmauern 
sich befunden hätten, nimmer hätte auf antiken Münzen als Sinnbild 



196 Furrer, 

von Tiberias Hygiea figurirt mit der Schlange auf einem Felsen 
sitzend, aus dem eine Quelle hervorbricht (s. ZDPV. II, 54). 

Verschmilzt aber etwa Josephus Emmaus mit Tiberias? 
Antiq. XVIII. 2, 3 berichtet er, nicht weit von Tiberias entfernt 
gebe es eine Therme in einem Dorf genannt Emmaus. Bell.jud. 
II. 21, 6 erzählt er, Johannes von Gischala habe ihn gebeten, 
die warmen Bäder von Tiberias zur Heilung seiner Krankheit 
besuchen zu dürfen. Johannes gab sich für einen bettlägerigen 
Kranken aus und spielte diese Rolle eine Zeitlang in Tiberias. 
Hat sich dieser Kranke bei den damaligen gefährlichen Zeit- 
läufen jeden Tag eine halbe Stunde vor die Stadt hinaus tragen 
lassen ? Sicherlich hätte dann Josephus den verdächtigen Mann 
auf der offenen Strasse abfangen lassen. Nach Bell. jud. IH. 10, l 
schlug Vespasian sein Lager zwischen Tiberias und Taricheä auf 
und zwar, wie Bell. IV. 1, 3 deutlich ergibt, in Emmaus. Wenn 
aber Josephus Emmaus und Tiberias so klar auseinander hält, 
wie darf man da sagen, wo er von den Tiberiasthermen rede, 
meine er die von Emmaus? 

Antoninus Placextixus c. 570 n. Chr. schreibt: Wir kamen 
in die Stadt Tiberias, in welcher von selbst sich erhebende Quel- 
len ^) sich befinden. 

Ja'kübi 891 nach Chr.: »In der Stadt Tiberias sind heisse 
Quellen, welche aufsprudeln«. 

Mukaddasi c. 985: »Die Stadt Tiberias ist fast eine Para- 
sange lang (d. h. eine Stunde. Darnach hat sich damals noch die 
Stadt bis über die Thermen ausgedehnt). In Tiberias giebt es 
eine siedende Quelle«. 

Idrisi 1154 nennt Tiberias eine Stadt von fast zwei (röm.) 
Meilen Länge und berichtet ausführlich von den heissen Bädern 
in der Stadt. 

BüNiiAzio Stefam c. 1553, einst Guardian des h. Landes, 
erzählt: «In dieser Stadt (Tiberias) befinden sich heilsame Wasser, 
sehr gute Bäder, deren Tugend die Itömcr der Nachwelt durch 
eine Inschrift verkündeten, deren vom Zahn der Zeit zernagte 
Schriftzüge ich nicht mehr vollständig entziffern konnte.« Vgl. 



1) GiLDEMElsTKK, auf (Icsseii meisterhafte Edition und Übersetzung 
des Antonixus ich hiermit hinweise, schreibt : ex se lavantcs »aus sich ab- 
waschend«. Ich proponire : ex se levantes »aus sich erhebend«. 



Noch einmal das Emmaiis des Josephus etc. •} 97 

QuAKESMius, Elucid. - II, (j5U. Quakksmius (zwischen Ißlü — 
162G) bezeugt, dass sich grosse Ruinen zwei Meilen von der da- 
maligen Stadt Tiberias an nach Süden hin ausdehnten (also bis 
zu den Thermen). Quakesm. a, a. O. 

Irby und Maxglbs trafen 1817 südlich von den liädern eine 
Mauer, welche vom See bis zur lierglehne reichte :Irby and 
Mangles, Travels S. 89). Wilson Recovery of Jerusalem S. 362 
gibt die Dicke dieser Mauer auf 1 1 Fuss 6 Zoll an. also auf 31/2 m. 
Diese Dicke stimmt zu derjenigen, Avelche die Seemauer der alten 
Stadt besass, indem Wilson (S. 361) die Dicke der Seemauer auf 
12 Fuss schätzt. Nach Guerin (Galilee I, 270) sieht man, dass 
der Bezirk der Thermen südlich durch eine dicke Mauer abge- 
grenzt war, während eine dünnere Mauer ihn von Tiberias schied. 
Das ist in Analogie zur Baugeschichte Jerusalems so zu erklären, 
dass nach Zertrümmerung der einstigen Herodesstadt Tiberias 
nach reducirtem Plan -vvieder mit Mauern umzogen wurde. Der 
Unterschied beträgt aber nur etwa 600 Meter. Einst bildete Kasr 
Bint el-MeJik, die auf steil abfallenden Felsmassen thronende 
Feste, 175 Meter über dem Seespiegel erhaben, die Akropolis 
von Tiberias. Von dort aus konnten die tiberiensischen »Neuerer« 
schon eher die Bewegungen des von Süden heranrückenden 
Feindes beobachten. Die Lage dieser Akropolis zeigt aber auch, 
dass der Schwerpunkt von Tiberias einst weit mehr nach Süden 
lag als heutzutage. 

Möge es mir gelungen sein, die Frage über Emmaus-Ham- 
mat unter den Sachverständigen zur endgültigen Erledigung ge- 
bracht zu haben. 



Nachtrag'): Nach der neuen Ausgabe des Josephus durch 
B. Niese in Marburg ist