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Full text of "Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins"

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Zeitschrift 



des 

Oeiilsclieii Palacstiiia-Vercins. 

Herausgegeben 

von dem geschäftsführenden Ausschuss 

unter der verantwortlichen Redaction 
von 

Prof. Lic. Hermann Gntlie. 



Band XIII. -- X I V 

Mit vier Tafeln und zweiundzwanzig Abbildungen im Text. 



-•»■"•- 



Leipzig 1890 

in Commission bei K. Baedeker 



Das weitere Comite des Deutschen Vereins zur Erforschung Palä- 
stina's besteht zur Zeit aus den Herren: 

Karl Bccdeher, Buchhändler in Leipzig. 

Dr. A. Berliner in Berlin. 

Dr. G. Bicliell, Professor in Innsbruck. 

Dr. JEd. Bold, Professor in Wien. 

Dr. Ad. Brüll in Frankfurt a/Main. 

Dr. O. Fr aas, Professor in Stuttgart. 

Dr. H. Kiej)ert, Professor in Berlin. 

Dr. A. W. Koch, Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Graf ?7. Moltkc, Exe, Feldmarschall, in Berlin. 

Dr. F. 3Iühluu, Professor in Dorpat. 

Dr. TT'. A. Neiimann, Professor in "NVicn. 

Dr. Th. Xöldeke, Professor in Strassburg. 

Dr. F. TF". M. Philippi, Professor in Kostock. 

Lic. Dr. Reinicke, Professor in Wittenberg. 

Dr. lieitz, kaiserl. deutscher Consul in Smyrna. 

Dr. B. von liiess, Domcapitular in Bottenburg a. N. 

Dr. C. Sandreczhi in Passau. 

C. Schick, königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

Dr. P. Schröder, kaiserl. deutscher Generalconsul in Beirut. 

G. Schumacher, Ingenieur in Ilaifa. 

Dr. Ph. Wolff, Stadtpfarrer a. D. in Tübingen. 



Der geschäfts führende Ausschuss besteht zur Zeit aus den 
Herren : 

Dr. Ä'. Furrcr, Professor u. Pfarrer zu St. Peter in Zürich. 

Jjic. Herrn. Guthe, Professor in Leipzig, Kramerstrasse 7. 

Dr. E. Kautzsch, Professor in Halle a. d. Saale, Wettinerstrasse 32. 

Dr. Otto Kersten in Berlin NW, Birkenstrassc 59. 

Dr. A. Soci/i, Professor in Leipzig, Querstrassc 5. 



Inhalt 

des dreizehuteu ßaudes der Zeitschrift des Deiitsclieu 

Palästina -Vereins. 



Seite 
Nachrichten über Angelegenheiten des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Palästina's I 

7 Johann Gildemeister III 

Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen VI. VII 

Verzeichniss der von Professor Dr. J. Gildemeister in Bonn der Bi- 
bliothek des Deutschen Palästina- Vereins überwiesenen Bücher, 

Karten und Pläne VIII 

Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 18S9 XVII 

Auszug aus der Rechnung über Einnahme und Ausgabe der Kasse 

des Deutschen Palästina -Vereins im Jahre 1889 XX 

Verzeichniss der vom 1. Oktober 1889 bis zum 31. December 1890 
für die Palästina-Bibliothek eingegangenen Bücher, Zeitschrif- 
ten u. s. w XXII 

Verzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Palästina's XXIV 

Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. Von 

f Professor Dr. J. Gildemeister in Bonn 1 

Inschrift der Vespasianischen Colonie Caesarea in Palästina. Von 

Professor Dr. Ä'. Za;/_f/ewew^e?- in Heidelberg 25 

Das Thalthor im alten Jerusalem. Von Baurath C. Schick in Jeru- 
salem 31 

Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 

Von Professor J^. .BiJ/Hn Kopenhagen . 37 

Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. Von Dr. Hans 

Fischer in Leipzig 44 

Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. Von Professor Dr. M. 

Hartmann in Berlin 60 

Von Tiberias zum Hüle-See. Zusammengestellte Reisebeobachtungen 

von G. Schumacher in Haifa 65 

Aus der Umgegend von Jerusalem. Von J. P. van Kasteren, S. J., 

in Beirut 76 

Schalcnsteine in Palästina und im Alten Testament. Von Professor 

H. Guthe in Leipzig 123 

Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen (Quellen. Von Dr. 

J/. Zt>«?/iera in Halle a/d. S 133 

Eine Felseninschrift aus Galiläa. Von J. P. van Kasteren in Beirut 148 



IV 

Seite 

Bewohnte Ortschaften in der Belkä. Von J. P. van Kasteren in Beirut 1 50 
Antonius deCremona, Itinerarium ad Sepulcrum Domini (1327, 1330). 

Mitgetheilt von Professor Dr. Reinhold Röhricht in Berlin . . 153 

Grabkammern bei Haifa. Von G. Schumacher in Haifa 175 

Nachträge. Mitgetheilt von Professor H. Guthe in Leipzig .... 181 
Noch einmal das Emmaus des Josephus, das Hammat der Bibel, 

Hammata des Talmud am See Genezareth. Von Professor Dr. 

K. Furrer in Zürich 194 

Zur ostjordanischen Topographie. Von Professor Ä'. -Fwrrer in Zürich 198 

Matth. 3, 12, Luc. 3, 17. Von Professor Dr. ^. i\^e«</e 201 

Was ein Fischer in Haifa fängt. Von Dr. Karl Völlers in Cairo . . 202 
Die echte und die gefälschte Siloah-Inschrift. Von Professor H. 

Guthe in Leipzig 203 

Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. Von 

J. P. van Kasteren, S. J., in Drongen (Belgien) 205 

Mittheilungen über starke Bäume in Syrien. Von Dr. Leo Anderlind 220 

Mittheilungen aus Jerusalem. Von Baurath C. Schick in Jerusalem. 228 
Griechische Inschriften aus Jerusalem. Von Professor IT. Guthe in 

Leipzig 233 

Das jetzige Nazareth. \ on G . Schutnacher in Yi?iii& 235 

Bericht über neue Erscheinungen auf dem Gebiete der Palästina- 
literatur 1888. Von Dr. J". Benzinger in Stuttgart 246 

Zur Lage von Taricheä. Von Professor fi". 6^!<^Äe in Leipzig. . . . 281 

Zur Lage von Gesur. Von Professor H. Guthe in Leipzig 285 

Das Schicksal der Siloah-Inschrift. Von Prof. H. Guthe in I^eipzig. 286 



Bücheranzeigeu : Johannes Gtldetneister, Antonini Piacentini Itine- 
rarium im un entstellten Text mit deutscher Übersetzung . 180 
Anonymi Gesta Francorum et aliorum Hierosolymitanorum. 

Mit Erläuterungen herausgegeben v. Heinrich Hagenmeyer 1 87 

Henrik Scharling, Hauran-Reisebilder aus Palästina. ... 191 

Karl Heinrich Christian Plath, Sieben Tage in Jerusalem . 1 92 



Berichtigung zu ZDPV. XIII, 66 204 



Tafel I: Plan der Citadelle von Jerusalem und der alten jüdischen 
Mauern. Entworfen von Baurath C. Schick in Jerusalem. Sep- 
tember 1889. Mit zwei Durchschnitten 31 fl". 

Tafel II: Palästina. Massstab 1 : 700 000. Mit 3 Cartons. Bearbeitet 

von Dr. 7/(r«w.s J'V.sc7<<i/- und Professor Lic. //. Guthe 44 ff. 

Tafel III : Grabkammern bei Haifa. Aufgenommen und gezeichnet 

von G. Schuntarher, Ingenieur in llaifä, Juni 1890 175 ff. 

Tafel IV: Nazareth, I*ln-Näsira. Aufgenommen und gezeichnet von 

G. Schumacher, Ingenieur in Ijaifä, Mai 1890 235 ff. 

Abbildungen im Texte: S. 25. 37. 68. 09. 71 (vier). 72 (drei). 73 (zwei). 
74. 79 (zwei). 82, 97. 148. 170. 178. 239. 



Nachrichten 



über 



Angelegenheiten des Deutschen Vereins 



zur 



Erforschung Palästina's. 



Ztscbr. d. Pal.-Vor. XlII 



t 



Johann Grildemeister. 

Johann Gustav Gildemeister war am 20. Juli 1812 
zu Klein-Siemen in Mecklenburg geboren. Nachdem er in 
Göttingen und Bonn sowohl Theologie als Philologie, be- 
sonders orientalische Sprachen studiert hatte, ging er ins 
Ausland; hernach habilitierte er sich im Jahre 1839 in Bonn. 
1844 wurde er daselbst zum Extraordinarius ernannt, erhielt 
jedoch schon im Jahre 1845 einen Ruf als Professor der 
Theologie und der orientalischen Literaturen an die Uni- 
versität Marburg; dort übernahm er im Jahre 1848 auch die 
Stellung als Oberbibliothekar. Im Jahre 1859 wurde er 
nach Bonn zurückberufen ; er gehörte letzterer Universität 
bis zu seinen am 11. März 1890 erfolgten Tode an. 

Keiner der noch lebenden Orientalisten kam Gilde- 
meister an AVissen und Belesenheit gleich. Er umfasste 
nicht nur das Gebiet der semitischen Sprachen im weitesten 
Umfang — vielleicht mit Ausschluss des Assyrischen, 
jedoch mit vollem Einschluss der alttestamentlichen Exe- 
gese — sondern auch das Gebiet der indischen und per- 
sischen Dialekte und nicht weniger auch das der klassischen 
Philologie. Er hatte alles gelesen undkannte die Literatur, 
auch was Bibliographie betrifft, in weitestem Umfange mit 
unvergleichlicher Sicherheit, sein Gedächtniss liess ihn fast 
nie im Stich. Neben dieser ungeheuren Receptivität hielt 
freilich die Productivität nicht ganz gleichen Schritt: 
Gildemeister hat relativ wenig geschrieben, aber alles. 



IV 



was er veröffentlicht hat , trägt den Stempel äusserster Sorgfalt 
und Akribie, neben der ein Kritiker oder gar Gegner niemals 
aufzukommen vermochte. Es sei hier bloss an seinen Theodosius 
(1882) und seinen Antonin von Piacenza (1889) erinnert, wahre 
Kabinetsstücke sorgfältiger und Avohlerwogener Herausgabe. 
Seine ausserordentliche Schärfe des Urtheils zeigte sich nicht bloss 
in seinen Werken, wie etwa seinen Streitschriften, sondern vor 
Allem auch im persönlichen Umgang : die Tage, die er auf den 
Philologenversammlungen verbrachte, werden den jüngeren Fach- 
genossen, an die er sich dann gerne anschloss, besonders auch 
manchen Mitgliedern des Palästinavereins, wegen, der unverwüst- 
lichen Heiterkeit und des sprudelnden Witzes in dankbarer Er- 
innerung bleiben. Es war ihm vergönnt, diese geistige Frische 
und Rüstigkeit bis in ein hohes Alter zu bewahren ; erst in der 
allerletzten Zeit konnte er nicht mehr so unermüdlich arbeiten, 
wie er es sein ganzes Leben gewohnt war. Noch bleibt übrig zu 
betonen, dass er mit seiner Gelehrsamkeit auch in hohem Grade 
praktisches Geschick verband , das sich in Allem zeigte , was er 
unternahm. 

Für unsere. Zeitschrift ist es ein empfindlicher Verlust, dass 
seine Mitarbeit an ihr nun zu Ende ist. Die Redaction insbesondere 
ist durch seinen Tod eines umsichtigen Berathers und stets ge- 
fälligen Helfers beraubt worden. Er betrachtete es »recht als die 
Aufgabe der Zeitschrift des Palästina -Vereins, der unphilologi- 
sehen Willkür in der Geographie von Palästina, die auch bei uns 
nicht selten zu Hause ist, entgegenzutreten und die Fragen dadurch 
beantwortbar zu machen, dass man sie auf festen Boden ein- 
schränkt« (Piriefvom 14. Dec. 1880). Dieses Streben, von dem 
fast jeder Brief Beispiele brachte, hat ihn aber nie zu unnützer 
Polemik verleitet. Er wollte nur den Thatbestand reden lassen, 
subjective Urtheile suchte er zu vermeiden. Mit dem reichen 
Schatze seines Wissens war er sehr freigebig. Es verdross ihn 
nicht, bogenlange Briefe zu schreiben, wenn er nur annehmen 
konnte, dass der Empfänger für Belehrung zuganglich war. Wo 
er dagegen »innere Unwahrhaftigkeit« wahrnahm, zog er sich 
am liebsten zurück; diese war ihm »widerwärtig«. 

GiLDEMKiSTER bcwics als Mitglied des »weiteren Comite's«f 
unseres Vereins stets das lebhafteste Interesse für alle Vereins- 
angelegenheiten. Als von Seiten der Redaction der Plan aufge- 



stellt ■sviude, die Kenntiiiss des alten Palästina durch Bearbeitung 
der in altjüdisclien, syrischen und arabischen Schriften enthal- 
tenen Nachrichten über dieses Land zu erweitern , griff Gilue- 
MEisTER diesen Plan lebhaft auf und begann sofort, ihn selbst an 
den arabischen Quellen auszuführen. Aus diesen Verhandlungen 
und Arbeiten erwuchsen nämlich theils die »Beiträge zur Palästina- 
kunde aus arabischen Quellencc (ZDP V. Bd. IV, VI, VII und VIII), 
theils der andere Plan, kürzere Angaben und Nachrichten in ein 
«Lexikon syrischer Ortsnamen aus arabischen Quellen« zu sam- 
meln. Auch an die Ausführung dieses Planes legte Gildemeister 
sofort seine Hand. Schon 1SS4 besprach er den Nutzen, den die 
Erwerbung von Corporationsrechten für den Verein haben würde, 
und Hess es an seinem bewährten Rathe nicht fehlen, als für 
diesen Zweck die Statuten umgearbeitet werden mussten. Die 
Revision der Jahresrechnungen hat er mit unermüdlicher Sorg- 
falt und Gründlichkeit besorgt. 

Die grossen Verdienste Gildemeister's um unsere Bestre- 
bungen hat der Verein durch seine Ernennung zum Ehrenmit- 
gliede 1886 anzuerkennen gesucht. Möge der Verein das An- 
denken an den Verschiedenen in Zukunft dadurch ehren, dass 
er seinen Forschungen stets den Fleiss, die Umsicht und die Sorg- 
falt der Arbeiten Gildemeister's zum Vorbild dienen lässt, 

Leipzig, den 12. Mai 1890. 

Im Namen des gescliäftsführeiideii Ansseliusses 

H. Guthe. 



Personaluachricliten und geschäftliche Mittheilungeii. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten : 

Bibliothek des bischöflichen Seminarium Clericorum in Brunn. 
Buhl, Dr. Franz, Professor in Kopenhagen. 
Geher, Dr. Heinrich, Professor in Jena. 

V. Mülinen, Graf, Kanzler-Dragoman am deutschen Konsulat in Beirut. 
Trumbull, Dr. H. Clay, Herausgeber der »Sunday School Times« in 
Philadelphia, N.-A. 

Durch den Tod verlor der Verein die Mitglieder : 

Delitzsch, Dr. Franz, Domherr, Geh. Kirchenrath und Professor in 

Leipzig. 
Gildemeister, Dr. Joh.^ Professor in Bonn. 
V. Himpel, Dr. F., Professor in Tübingen. 



Persoualuachrichten und geschäftliche Mittheilungen. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten : 

Federlin, Superieiir du Seminaire de St. Anne in Jerusalem. 
Hirsch, Rev. Dr. E. G., Rabbiner der Sinaigemeinde in Chicago. 
Hohammer, Dr., Professor und Regens am bischöflichen Seminar in 

Mainz. 
Schtyiitt, P. J., Rektor in Rome, New York. 
von Starch. Pastor in Leussow bei Ludwigslust. 
Völlers^ Dr.. Bibliotheque Khediviale in Cairo. 



Professor Dr. J. Gildemeistee in Bonn, das am 11. März 1890 
gestorbene Ehrenmitglied unseres Vereins, hat in seinen letzten Lebens- 
tagen den Wunsch ausgesprochen, dass dem Deutschen Vereine zur 
Erforschung Palästinas aus seinem Nachlasse die Palästina betreffenden 
Werke, soweit solche in der Bibliothek des Vereins nicht bereits vor- 
handen seien, und ein fast druckfeitiges »Ortsverzeichniss von Syrien« 
(274 S. in Quart) nebst einigen darauf bezüglichen Vorarbeiten über- 
wiesen werden möge. 

In Ausführung dieses Wunsches hat Frau Professor Gildejieisxeb. 
die oben erwähnten Werke und Schriften im Oktober 1890 nach Leipzig 
gesandt. Der geschäftsführende Ausschuss hat am 1 1 . Oktober dem 
wärmsten und aufrichtigsten Danke des Vereins für dieses so werthvolle 
Geschenk gegen die hinterlassene Familie Gildemeister' s Ausdruck 
gegeben. Auch an dieser Stelle sei der lebhafteste Dank für dieses 
doppelte Vermächtniss im Namen des gesammten Vereins ausgesprochen. 
Professor Glldemeister hat hierdurch seiner regen Mitarbeit an den 
Aufgaben unseres Vereins und seiner oft bewiesenen Opferwilligkeit 
für denselben ein bleibendes Denkmal gesetzt. 



VIII 



Die dem Verein überwiesenen Bücher, Karten und Pläne sind 
eine werth volle Bereicherung seiner Bibliothek, Sie sind inzwischen 
katalogisirt worden, und ihr Verzeichniss wird hiermit veröffentlicht. 
Über das » Ortsverzeichniss von Syrien« oder das Lexikon syrischer 
Ortsnamen aus arabischen Quellen, wozu die Leser ZDPV. IV. S. V f. 
vergleichen wollen, werden später nähere Mittheilungen erfolgen. 



Verzeichniss 

der TOn Professor Dr. J. Oildemeister iu Bouu der Bibliothek 
des Deutschen Palästina- Vereins überwiesenen Bücher, 

Karten und Pläne. 



/. Pilyerschrtften und Reiseherichte. 

541/546. Arvieux, des Herrn von, hinterlassene merkwürdige Nachrichten, im 
Französischen herausgegeben von demHerrnLabat, und iezt ins Deutsche 
übersetzt. Kopenhagen und Leipzig, bei Johann Benjamin Ackermann. 
80. 6 Bde, 1753-56. 

547. [Arvieux. Laurens d',] Beschreibung der Reise nach Palästina, zu dem 
Grossen P^mir, dem Oberhaupte unter den Fürsten der Araber in der 
Wüsten. Auf Befehl und VerordnungKünigl. Majestät Ludwigs des XIV. 
verrichtet. Benebst einer allgemeinen Beschreibung von Arabien, ver- 
fasst von dem Sultan Ismael Abulfeda, von dem Herrn De La Roque 
ins Französische nach den besten Manuscriptis übersetzt und mit Noten 
hin und wieder versehen. Nunmehr auch in teutsche Sprache übersetzt. 
Leipzig 1741. 286 S. 80. 

548/549. Buckingham, J. S., Reisen durch Syrien und Palästina. Aus dem 
Englischen übersetzt. Weimar, im Verlage des Grossh. Sachs, priv. 
Landes-Industrie-Comptoirs, 2 Bde, 1827 u. 28. 80. 

550. Burckhardt, Joh. Ludw., Reisen in Arabien, enthaltend eine Beschrei- 
bung derjenigen Gebiete in Hedjaz , welche die Mohammedaner für 
heilig achten. 54. Bd. der neuen Bibliothek der wichtigsten Reisebe- 
.schreibungen u. s. w. Weimar 1830. Grossh. Sachs, priv. Landes-In- 
dustrie-Comptoir. XIV, 704 S. 8o. 

551/552. Burckhardt, Joh. Ludw., Reisen in Syrien, Palästina und der Gegend 
des Berges Sinai. Aus dem Englischen. Herausgegeben und mit An- 
merkungen begleitet von Dr. Wilhelm Gesenius. 2 Bde. Weimar 1823 
u. 24. 80. 

553. Dandini, R. P. Jerome, Voyage du Mont Liban traduit de l'Italien. Par 
K. S. P. Paris, Louis Billaine 1685. 11, 356, 2 S. 12". 

554. Dicterici, Fr., Reiscbilder aus dem Morgenlande. Berlin 1853. Verlag 
von Wiegandt und Grieben. 2 Bde. 80, 



IX 

555. Döbel, Ernst Christoph, "Wanderungen im Morgenlande. Siebente ver- 
besserte Auflage mit vielen Stahlstichen und einer Übersichtskarte. 
Berterode bei Eisenaeh. Döbels Selbstverlag. 1863. XIV, 418 S. 80. 

556/558. Fabri. Fratris Felicis Evagatorium in Terrae Sanctae Arabiae et 
Egypti peregrinationem edidit Cunradus Dietericus Hassler. Stuttgar- 
diae, sumptibus Societatis Litterariae Stuttgardiensis. S Bde. 1843. 
184!). (Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart. IL III. XVIII). 

559. Furrer, Konrad, Wandenmgen durch Palästina. Zürich, Druck und 
Verlag von Orell, Füssli & Comp. 1865. XII, 414 S. 8o. 

560. Gamurrini, G. F., I misteri e gl' inni di S. Ilario Vescovio di Poitiers 
ed una perigrinazione ai Luoghi Santi nel quarto secolo scoperto in un 
antichissimo codice. Estratto dal periodico Studi e Documenti di Stoiüa 
e Diritto, anno V. 1881. Roma, tipographia Della Pace di F. Cuggiani. 
1884. 27 S. gr. 80. 

561. Hahn, Die Reise des Heiligen AMllibald nach Palaestina, in Jahresbe- 
richt über die Louisenstädtische Realschule. Berlin 1856, Druck von 
J. Petsch. 36 S. 40. 

562. von Harft", Ritter Arnold, Pilgerfahrt von Cöln durch Italien, Syrien, 
Aegypten, Arabien, Aethiopien,Nubien, Palästina, die Türkei, Frankreich 
und Spanien, wie er sie in den Jahren 1496 bis 1499 vollendet, beschrie- 
ben und durch Zeichnungen erläutert hat. Herausgegeben von Dr. E. 
von Groote. Cöln 1860, Verlag von J. M. Heberle (H. Lempertz). LI, 
280 S. 80. 

563. Hasselquist, D. Friedrich, Reise nach Palästina in den Jahren von 1 749 
bis 1752. Auf Befehl Ihre Majestät der Königinn von Schweden heraus- 
gegeben von Carl Linnäus. Aus dem Schwedischen. Rostock, Johann 
Christian Koppe, 1762. 8, 606 S. 8«. 

564. Hundt, Hans, Rechnung.sbuch (1493 — 1494). Herausgegeben und er- 
läutert von Reinhold Röhricht und Heinrich Meisner. Separatabdruck 
aus dem Iseuen Archiv für .sächsische Geschichte und Alterthumskunde. 
Bd. IV, H. 1. 2. Dresden. Wilhelm Baensch Verlagsbuchhandlung. S. 
37— lOU. S^ 

565/566. lucidents of travel in Egypt, Arabia Petraea and the Holy Land. 
By an American. With a map and engravings. In two volumes. New- 
Vork. Harper & Brothers 1837. 

567. Irby_ (Charles Leonhard) and (James) Mangels. Travels in Egypt and 
NulDia, Svria and the Holv Land. New edition. London: John Murrav. 
1868. VIII, 150 S. S'\ 

568. Körte, Jonas, Reise nach dem weiland Gelobten, nun aber seit siebeu- 
zehn hundert Jahren unter dem Fluche liegenden Lande, wie auch nach 
Egypten, dem Berg Libanon, Syrien und Mesopotamien, von ihm selbst 
aufrichtig beschrieben, und bei dieser zweiten Auflage mit zwey Supple- 
menten vermehret. Auf Kosten des Autoris. Halle gedruckt bei Joh. 
Christian Grunert 1743. 15, 712, 12 S. 80. Nebst dem dritten und vierten 
Supplement. 

569. Laurent, J. C. M., Mag. Tliietmari peregrinatio, ad tidem codicis Ham- 
burgensis cum aliis libris manuscriptis coUati edidit etc. Hamburgi 
1857. Typis Theod. Theoph. Meissneri. 80 S. 4o. 

570. Mariti, Johann, Reisen durch die Insel Cypern, durch Syrien und durch 
Palästina in den Jahren 1700 bis 1768, in einem Auszuge aus dem Itali- 
änischen übersetzt von M. Christian Heinrich Hase. Altenburg in der 
Richterschen Buchhandlung 1777. VIII, 572 S. 8o. 

571. (Mariti), Reise von Jerusalem durch Syrien. Aus dem Italienischen 
übersetzt. Strasburg. Im Verlage der akademischen Buchhandlung 1789. 
2 Bde. 80. 



572/575. de Marmont, Marschall Herzog von Ragusa, Reise durch Ungarn, 
Siebenbürgen, Südrussland, die Krimm, an den Küsten des asowschen 
Meeres, nach Constantinopel, Kleinasien, Syrien, Palästina und Egypten, 
in den Jahren 1834 und 1835. Authentische, unter Aufsicht und auf An- 
trag des Verfassers besorgte deutsche Ausgabe. Stuttgart, 1837. Erster 
Band 400 S. 80. Zweiter Band 352 S. 8«. Dritter Band 352 S. 80. Vier- 
ter Band 256 S. 8». 

576. Merrill, Selah, East of the Jordan : a rccord of travel and Observation in 
the countries of Moab, Gilead, and Bashan. London : Richard Bentley 
& Son. 1881. XV, 536 S. 8o. 

577/578. Noroff, Abraham von, Meine Reise nach Palästina. Aus dem Rus- 
sischen von A. Zenker. Leipzig, J. J. Weber, 18(i2. 80. 2 Bde. 

579. Palmer, M. A. E. H., Der Schauplatz der vierzigjährigen Wüstenwande- 
rung Israels. Fussreisen in der Sinai-Halbinsel und einigen angrenzen- 
den Gebieten. Mit Genehmigung des Verfassers aus dem Englischen 
übersetzt. Gotha, Friedrich Andreas Perthes. 1876. XVI, 460 S. 8o. 

580/586. Paulus, H. E. G., Sammlung der merkwürdigsten Reisen in den Orient 
in Übersetzvmgen und Auszügen mit ausgewählten Kupfern und Charten, 
auch mit den nöthigeu Einleitungen, Anmerkungen und kollektiven 
Registern herausgegeben. 8». 7 Bde, Jena, 1792 — 1803. 

587. Petermann, H., Reisen im Orient. Zweite Ausgabe. Leipzig, Verlag 
von Veit & Comp. 1865. 2 Theile in 1 Bde. 8». 

588/590. Pococke, Richard, Beschreibung des Morgenlandes und einiger andern 
Länder. Zwote Auflage nach der englischen Grundschrift genau durch- 
gesehen und verbessert von M. Johann Friedrich Breyer und mit An- 
merkungen erläutert von Christian Daniel Schreber. Erlangen verlegt 
von Wolfgang Walther. 3 Bde. 1771 — 73. 4o. 

591. Prokesch, A., Ritter von Osten. Reise ins heilige Land. Im Jahre 1829. 
Wien. Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold. 1831. 148 S. 8". 

592. Prutz, Hans, Aus Phönicien. Geographische Skizzen und historische 
Studien. Leipzig. F. A. Brockhaus. 1876. XVHI, 418 S. 80. 

593/594. Rath, G. vom, Durch Italien und Griechenland nach dem Heiligen 
Land. Reisebiüefo. In zwei Bänden. Heidelberg. Carl \A'inters Uni- 
versitätsbuchhandlung. 1882. 80. 

595. Röhricht, (Reinhold), und (Heinrich) Meisner, Die Pilgerreise des letz- 
ten Grafen von Katzenellenbogen. Zeitschrift für deutsches Alterthuni 
N. F. XIV, S. 348-371. 1882. 80. 

596. Briefe, die Jerusalemfahrt des Herzogs Albrecht von Sachsen be- 

treti'end. Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Aiterthumskunde. 
IV, 4, S. 343—346. 80. 

597. Ein niederrheinischer Bericht über den Orient. Halle 1886. 86 S. 

Gr. 80. 

598. Das Reisebuch der P'amilie Rieter. Gedruckt für den literarischen 

Verein in Stuttgart. Tübingen 1S84. 162 S. 8". (Bibliothek des litera- 
rischen Vereins in Stuttgart. CLXVIII). 

599. Röhricht, Reinhold, Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande. 
Gotha. Perthes. 1889. X, 352 S. 8o. 

600. Sachau, Eduard, Reise in Syrien und Mesopotamien. Leipzig, F. A. 
Brockhaus. 1S83. X, 478 S. Gr. 8o. 

601 . Mitteilungen über eine Reise in Syrien und Mesopotamien. Aus den 

Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1 882, no. 3. 
29 S. 80. 

602. Scholz, Dr. Joh. Mart. Augustin, Reise in die Gegend zwischen Alexan- 
drien und Paraetonium, die libysche Wüste, Siwa, Egypten, Palaestina 
und Syrien. In den Jahren 1820 und 1821. Leipzig und Sorau. Friedr. 
Fleischer 1822. IV, 305 S. 8". 



XI 

603/606. Seetzen, Ulrich Jasper, Reisen durch Syrien, Palaestina, Phoenicien, 
die Transjordaiilaender, Arabia Petraea und IJnter-Aegypten. Heraus- 
gegeben und eomuientirt von Dr. Fr. Kruse in Verbindung mit Prof. Dr. 
Hinrichs, Dr. G. Fr. Hermann Müller und mehreren andern Gelehrten. 
Berlin. Verlegt bei G. Reimer. 4 Bde, 1854—59. 8«. 

607. Syrien, Acht Wochen in. Ein Beitrag zur Geschichte des Feldzugs 1840. 
Stuttgart und Tübingen, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 
1841. VI, 155 S. 80. 

608. Tobler, Titus, De locis sanctis quae perambulavit Antoninus Martyr circa 
A. D. 570. Nach Hand- und Druckschriften mit Bemerkungen heraus- 
gegeben. St. Gallen, Huber und (!omp. (J. Fehr). 1863. 8". 50 S. Durch- 
schossen und mit zahlreichen Bemerkungen Gildemeister's versehen. 
(Enthält den Text der Pilger schrift). 

609. Dasselbe. 129 S. Mit Randbemerkungen Gildemeister's. (Enthält Tob- 
ler's »Einführung des Autors« und »Noten«). 

610/611. van de Velde, C. W. M., Reise durch Syrien und Palästina in den 
Jahren 1851 und 1852. (Aus dem Niederdeutschen übersetzt von K.Göbel, 
Pfarrer in Erlangen). Leipzig, T. O. Weigel. 2 Thle. 1855 u. 56. Gr. 8«. 

612/614. Volney, C. F., Voyage en Egypte et en Syrie, pendant les annees 
1783, 1784 et 1785. Sixieme Edition. Paris 1823. 3 ßde. 12". 

615. Wetzstein, Joh. Gottfr., Reisebericht über Hauran und die Trachonen 
nebst einem Anhange über die Sabaeisehen Denkmäler in Ostsyrien. 
Berlin, Dietr. Reimer 1860. IV, 150S. 80. 

616/617. Wilson, John, The lands of the Bible visited and described. Edin- 
burgh, William Whyte and Co. 1847. 2 Bde. Gr. 80. 

618. W'oltf, Philipp, Reise in das Gelobte Land. Stuttgart, Verlag der J. B. 
Metzler'schen Buchhandlung. 1849. VIII, 276. 8o. 

//. Bearbeitungen. 

619,620. Allatii, L., Symmikta sive opusculorum, Graecorum et Latinorum, 
vetustiorum ac recentiorum libri duo. Edente, nonnullis additis Bar- 
toldo Nihusio. Colouiae Agrippinae, apud Jodocum Kalcovium 1653. 
2 Bde. 80. 

621. Altmüller, F., Aegypten, Sinai-Halbinsel und Palästina. Begleitbericht 
zum Reliefplane der genannten Länder. Cassal, Theodor Fischer. 1861. 
76 S. 80. Mit einer Übersichtskarte von Sinai und Golgatha von H. W. 
Altmüller. 

622. Arnold, Fr., Palästina, historisch-geographisch mit besonderer Berück- 
sichtigung der Hellmuth'schen Karte. Mit einer Karte von Palästina. 
Halle, Eduard Anton 1845. XI, 306 S. 80. 

623. Archives de l'Orient latin publiees sous le patronage de la societe de 
l'Ürientlatin T. I. Paris, E. Leroux 1881. XVI, ■;67 S. Gr. 8". 

624. Baedeker, K., Palaestina und Syrien. Handbuch für Reisende. Mit 17 
Karten, 41 Plänen, 1 Panorama von Jerusalem und 8 Ansichten. Leipzig, 
Karl Baedeker. 1875. XIV, 585 S. 8o. 

625. Berghaus, Geographisches Memoir zur Erklärung und Erläuterung der 
Karte von Syrien (No. 5 von Berghaus' Atlas vonAsia). Gotha 1835, 
Justus Perthes. 48 S. 40. Mit einer kritischen Karte von Syrien. 
Berghaus, Geohydrographisches Memoir zur Erklärung und Erläuterung 
der General-Karte von Arabia und dem Nillande. [No. 6 von Berghaus' 
Atlas von Asia.) Gotha, 1835. Im Verlage von Just. Perthes. 128 S. 40. 

626. Bibliographie de l'Orient latin, I, 1878, 1879, 1880. Paris, E. Leroux 
1881. 75 S. Gr. 8. 



XII 



627. Büsching, Anton Friedrich, Neue Erdbeschreibung von Asia. Erste 
Abtheilung. Schaffhausen bei Benedikt Hurter. 1769. 480, XXXVI S. 80. 

628. Caspari, Ch. Ed., 1. Zion und die Akra der Syrer. Ein Beitrag zur Orts- 
bestimmung des antiken Jerusalem. S. 3(19 — 328 des Jahrg. 1864 der 
Theol. Stud. und Kritiken. 

629. Crome, Friedrich Gottlieb, Geographisch-historische Beschreibung des 
Landes Palästina. Erster Theil. Geographische Beschreibung des Lan- 
des' Palästina. Göttingen, bei Vandenhoeck und Ruprecht. 1S34. XX, 
348 S. 80. 

630. Deycks, Ferdinand, Über ältere Pilgerfahrten nach Jerusalem, mit be- 
sonderer Rücksicht auf Ludolf's von Suchen Reisebuch des heiligen 
Landes. Münster. Friedrich Pv-egcnsberg 1848. 64 S. 80. 

631. Delitzsch, Franz, Ein Tag in Kapernaum erzählt. Zweite bereicherte 
Auflage. Leipzig, Verlag von Justus Naumann. 1873. VIII, 1(54 S. 80. 

632. Derenbourg, J., Une stele du temple d'Herode. 20 S. 80. Extrait Nr. 9 
de l'annee 1872 du Journal asiatique. 

633. Dillmann, A., Über Pithom, Hero, Klysma nach Naville. {Sitzungsbe- 
richte der Königlich Preussischen Akademie der AVissenschaften zu 
Berlin. 1885. XXXIX. Sitzung der philosophisch-historischen Classe 
vom 30. Juli. 10 S. Gr. 8o. 

634. Eckstein, A., Geschichte und Bedeutung der Stadt Sichem. Inaugural- 
dissertation zur Erlangung der Doctorwürde der philosophischen Facul- 
tät der Universität Leipzig. Berlin. Druck von Itzkowsky 18S6. 49 S. 80. 

635. Forbiger, Albert, Handbuch der alten Geographie. Zweiter Band. Po- 
litische Geographie der Alten. Asia. Afrika. Leipzig, Maver«S:Wigand. 
1844. X, 920 S. Gr. 8". 

636. Grundt, Friedrich, Kaiserin Helenas Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande. 
(Programm des Gymnasiums zum heiligen Kreuz in Dresden). Dresden, 
Lehmannsche Buchdruckerei 1878. 36 S. 40. 

637/638. Heyd, AA'ilhelm, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. Stutt- 
gart. Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 2 Bde. 1879. Gr. 8o. 

639. Josephus (Flavius), Jüdische Alterthümer. Übersetzt von Dr. Fr. Kaulen. 
Zweite Auflage. Druck und Verlag von J. P. Bachem. Köln am Rhein. 
(1883:i. X, 696 S. Gr. 8o. 

640. Korth, Leonard, Die Reisen des Ritters Arnold von Harff in Arabien, In- 
dien und Ost-Afrika. Ein Beitrag zur Geschichte der Erdkunde. Zschr. 
des Aachener Geschichtsvereins V (1883), S. 191—218, 

641. Kugler, B., Reccnsion von Hans Prutz, Kulturgeschichte der Kreuz- 
züge. Berlin 1833. Göttingische gelehrte Anzeigen Stück 33. 15. August 
1883. S. 102.5—1056. 8". 

642. Mannert, Konrad, Geographie der Griechen und Römer. Sechster Theil. 
ICrstesHeft. Arabien, Palästina, Phönicien, Syrien, Cypern. Nürnberg, 
bei Ernst Christoph Grattenaucr. 1799. 4, 592 S. 8^». 

643. Mehren, A. F., Syrien og Palestina, Studie efter en Arabisk Geograph 
fra Slutningen af dct 13 de og Begyndelsen af dct 14 de Aarhundredu 
med en Indledning. In »ludbydclsesskrift til Ivjobcuhavns üniversitets 
Fest i anledning af Hans Majestät Kongens Fodselsdag den 6. October 
1862. Kjobcnhavn. trykt hos J. H. Schultz. ]*>62. 99 S. 4". 

644. Morgenstern, Dr. J., Die französische Academie und die »Geographie des 
Talmuds". Zweite vollständige Auflage. Berlin 1870. Druck von E. Schle- 
singer. 96 S. 80. 

645. Munk, S., Palacstina, geographische, historische und archaeologischc 
Beschreibung dieses Landes und kurze Geschichte seiner hebräischen 
und jüdischen Bewohner. Nach dem Französischen bearbeitet von Pro- 
fessor Dr. M.A.Levy. 1. Bd. Leipzig, 0.skar Leiner 1871. XIV, 500 S. SO. 



XIII 



646. Öhlmann, Ernst, Die Fortschritte der Ortskunde von Palaestina. 1 . Theil. 
Norden. Dietrich Soltau. 1887. 24 S. 40. 

647. Olshausen, Justus, Zur Topographie des alten Jerusalem. Kiel, Schwer's 
Wittwe. 1833. 76 S. 80. 

648. Onomastica Sacra, ed. Paulus de La^arde. I. Gottingae 1870. Adalberti 
Rente. VIII, 304 S. Gr. 8». II, 160 S. Gr. 80. 

649. Plessing, Johann Friedrich, Über Golgatha und Christi Grab. Halle, in 
der Buchhandlung des Waisenhauses 1789. XXXII, 542 S. 80. 

650. Prutz, Hans, Kulturgeschichte der Kreuzzüge. Berlin 1883. Mittler und 
Sohn. XXXI, 642 S. Gr. 80. 

651. Robinson, Edward, Physische Geographie des heiligen Landes. Leipzig, 
Brockhaus. 1S65. XIX. 405 S. 80. 

652/655. Ritter, Carl, Vergleichende Erdkunde der Sinai-Halbinsel, von Pa- 
laestina und Syrien. 4 Bde. Berlin, G. Reimer 1848 — 55. 80. 

656. Rey, E., Les colonies franques de Syrie au XH et XIII siecles. Paris, 
Alph. Picard, 1883. VI, 537 S. 8». 

657. Rohden, Paulus de. De Palaestina et Arabia provinciis Romanis quae- 
stiones selectae. Dissertatio historica quam consensu et auctoritate am- 
plissimi philosophorum ordinis in Alma Litterarum Universitate Friderica 
Guilelma Berolinensi ad summos in philosophia honores rite capessen- 
dos die V. m. Augusti a. MDCCCLXXXV, hora XII publice defendet. 
Berolini. Typis Emilii Dreyeri. 57 S. 8o. 

658. Röckerath, Pet. Jos., Ebal et Garizim ubi sint quaeritur. Im Jahresbe- 
richt über das Gymnasium zu Neuss während des Schuljahres 1867/68. 
Neuss, Druck von Leonard Schwann 1868. 37 S. 40. 

569. Sepp, Neue architektonische Studien und historisch -topographische 
Forschungen in Palästina. Würzburg, Druck und Verlag der Stahel- 
schen Buch- und Kunsthandlung. 1867. XLIV, 256 S. Gr. 80. 

660 661. Sepp, Jerusalem und das Heilige Land. Zweite vermehrte Auflage. 
Erster Band. Schaff"hausen. Fr. Hurther'sche Buchhandlung. 1873. 
XXXV, 923 S. Gr. 80. Zweiter Band. Regensburg, Verlas: von G. Joseph 
Manz. 1876. XII, 916 S. Gr. 8. 

662. Sepp, J. N. und Beruh., Die Felsenkuppel eine Justinianische Sophien- 
kirche und die übrigen Tempel Jerusalems. München 18S2. M. Kelleres 
Verlag (F. DeCrignis). XXIV, 176 S. Gr. 80. 

663. Socin, A., Palestine S. 170b— 178b, 10 S. Gr. 40. Separatdruck aus 
Encyclopaedia Britannica Bd. 18. 

664. Socin, A., The survev of western Palestine 1885. Separatdruck aus 
dem Expositor, Mai 1886 S. 241—262. 

665. Tuch, Friedrich, Masada, Die Herodianische Felsenfeste nach Fl. Josephus 
und neueren Beobachtern. Einladungsschrift zurFeier desReformations- 
fpstes und dem Rectoratswechsel. Leipzig, 1863. Druck von Edelmann. 
IV, 39 S. 

666. Tuch, Friedrich, Commentatio de Maioa/.öjft 'ev 'ApßT/.oi; 1. Macc. 9, 2. 
Leipziger Universitätsprogramm zum Rectoratswechsel. 1853. Lipsiae, 
litteris Edelmanni. 21 S. 40. 

667. Tuch, Friedrich, Reise des Sheikh Ibrahim el Khijäri el-Medeni durch 
einen Theil Palästina'«. Einladungsschrift zur Feier des Pfingstfestes. 
Leipzig 1850. W. Vogel. 19 S. 40. 

668. Tuch. Friedrich, Antoninus Martyr, seine Zeit und seine Pilgerfahrt 
nachdem Morgenlande. Leipziger Üniversitätsprogramm, Pfingsten 1^64. 
Leipzig, Alexander Edelmann 1864. 39 S. 4o. 

669. Villefosse, i\.nt. Heron de, Notice des monuments provenants de la Pa- 
lestine et conserves au Musee du Louvre (sallc Judai(}uc; . Deuxieme 
edition. Paris, Charles de Morgues frferes. 1879. VIII, 61 S. 8». 



XTV 



670. Wolff, Philipp, Jerusalem. Nach eigener Anschauung und den neuesten 
Forschunacen geschildert. Leipzig, Verlagsbuchhandlung von J. J. Weher. 
1857. XIV, 231 S. 80. 

671. Zsehokke, Hermann, Beiträge zurToi)ographie der westlichen Jordansau. 
Jerusalem, Buehdruckerei der PP. Franciscaner. 1866. 83 S. Gr. 80. 



III. Hebräische, aiahische, türliische und persische Schriften. 

672. Abu'l-barakät, Barakät el-ins. (persisch). 108 S. 80. (Reise eines persi- 
schen Pilgers zu den heiligen Stätten der Muslimen in Palästina. Jahr 
unbekannt! . 

673. Carmoli. Eljakim, r"rorn nbx. Reiserouten in Palaestina. Hebr. (de- 
feete Reisebeschreibung). 1841. 30 S. 160. Vgl. Röhricht u. Meisner, 
Deutsche Pilserreisen S. 622, Nr. 680. Auch Röhricht Bibliographie 
S. 398. 

674. Chajjim Hurwitz ha-I.evi. cVrili ran "iSö. Geographie Palästina's. 
Herausgegeben Aon Israel ben Abraham. Jerusalem 1844. 40. 120 S. 
(Vgl. Röhricht, Bibliographie S. 414V 

675. Dschurdschi Efendi Jeni, Kitäb ta'rich sürijä. Beirat 1881, el-matba'a 
el-adabije. 536 S. 80. 

676. Eljäs Dib Matar, Kitäb el-'uküd ed-durrije fi ta'rich el-memleke es-su- 
rlje. Beirut 1874, matba'at el-ma ärif. 192 S. 80. 

677. Eljäs Ferdsch Bäsil, Dalil ez-züwär'alal-amäkin el-mukaddase. Jeru- 
salem 1865 (Franziskaner:. 345 S. 120. 

678. Gurland, Jonas, Neue Denkmäler der jüdischen Literatur in St. Peters- 
burg. Erstes Heft. Aus der Krimm nach dem heiligen Lande ! 3 Reise- 
beschreibungen von 3 karäischen Gelehrten : 1) Samuel ben David 1641 
— 1642. 2 Moses ben Elijahu Halevy 1651—55. 3) Benjamin ben Eli- 
iahu 1785—86. Nach 3 Handschriften der Firkowitz'schen Sammlung 
zum ersten Mal herausgegeben. Lyck 1865, XXXI, 88 S. 8o. Hebräisch. 

679. Lemming, Paulus, commentatio philclogica exhibens specimen libri 
' '^, ^A.2,5 M L\..^>*^i^ J.jL»i2Äj LAÄ;>'b51 v_»L5^i auctore Kemaloddino 

Muhammede ben Abu Scherif ex codice manuscripto Niebuhriano bib- 
liothecae rcgiae Hauniensis excerptum. Hauniae. Excudebat director 
Johannes Fredericus Schultz 1817. XXXI, 92 S. 40. 
6««0 Muhammed ihn 'Abdallah cl-Huseini el-Mausawi, Rahlct esch-3chitä 
was-saif. Cairo 1293. (Wahabi». 146 S. 80. 

681. No'niän Efendi Kasätili, Kitäb er-rauda el-ghannä fi dimischk el-feihä. 
Beirut 1879. 162 S. 8". 

682. Pharchi, Caftor wa-phcrach liber in quo de ritibus Terram Sanctam 
spectantibus nee non deGeographia, Antiquitatibus, Nummis etc. eodem 
pertinentibus agitur. Denuo edidit etc. Hirsch Edelmann. Berolini, 1852. 
A. Asher et Soc. LXXII, 120 S. gr. 8". Hebr. 

683. Sälnämeh für das Wilajct Haleb 1302. Litliographirt. Staatsdruckerei. 
Türkisch. II, 210 S. 80. 

684. Sälnämeh für das AVilajet Syrien 1299. Lithographirt. Staatsdruckerei. 
398 S. 80. Türkisch. 

685/687. Schwarz, Rabbi Joseph, Seferdibrejösef. II. Theil; Tebu'öt'ha-äres. 
Jerusalem 5005(=1845). Unten deutscher Titel; Neueste Beschreibung 

von Palaestina vcrfasst von 156, 52 und 3 ungezählte Blätter. 8". 

III. und IV. Theil : Perl tebü'ä. Pardrlg, Teschüböt. III. Theil: Jeru- 
salem 562i;=1861), Blätter 247 und 7 ungezählte. 80. IV. Theil : Jeru- 
salem 5622(= 1862), 170 und 4 ungezählte Blätter. 80. (Der dritte und 
vierte Theil enthalten Nachträge zu dem zweiten Theil). 



XV 



IV. Karten und Fläne. 

688. Atlas von Palaestina und der Sinai-Halbinsel zu C. Ritter's Erdkunde 
Band XIV— XVI, 15 Blätter im Maaastabe von 1 : 333 333. 4. Heft des 
Atlas von Vorderasien 1. Hälfte). Bearbeitet von Carl Zimmermann. 
Berlin 1850. Verlag von Dietrich Reimer. 

689. Karten zu Ritter's Erdkunde von Asien, ein Band mit folgendem Inhalt : 
Atlas von Vorderasien [zu C. Ritter's Erdkunde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. 1. Heft in V Blättern. Berlin, Verlag von G. Reimer. 
1S41. Auf dem zweiten Blatt findet sich der Titel: Karte Inner-Asien's 
zu C. Ritter's Erdkunde Buch 3. Bearbeitet von Carl Zimmermann, Se- 
cond- Lieutenant im 21. Infanterie -Regiment. Herausgegeben durch 

C. Ritter und F. A. Oetzel. Berlin, G. Reimer 1841. 

Atlas von Vorderasien [zu C. Ritter's Erdkunde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. II. Heft. West-Persien und Mesopotamien zu C. Ritter's 
Erdkunde, Buch 3; Bearbeitet von Carl Zimmermann, Second-Lieute- 
nant im 21. Infanterie-Regiment. Herausgegeben durch C. Ritter und 
F. A. Oetzel. Berlin, G. Reimer. 1840—1843. 5 Blätter. 
Atlas von Vorderasien 'zu C. Ritter's Erdkvmde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. Heft HI, Blatt II : Versuch einer Darstellung von Kho- 
rassan zu C. Ritter's Erdkunde Drittes Buch. Ein Entwurf von Carl 
Zimmermann. Berlin 1840—1841. G. Reimer. Maasstab 1 : 2, 200 000. 
Fünf Karten zu C. Ritter's Erdkunde von Arabien. I. Darstellung der 
Küstengegend von Oman und Mahra. II. Hadramaut. Nebst Plan von 
Aden. III. Jemen. Nebst Karte der Insel Socotara und Karte des Land- 
strichs zwischen D.sjidda und Tavf in Hedschas aufgenommen von 
Schimper. IV. Entwurf zu dem iCriegsschauplatze in Asyr vor dem 
Jahre 1S24. V. Skizze einer Karte von Asyr und einem Theile von 
Hedjas und Nedjd nach Chedufeau's Materialien. Bearbeitet von Carl 
Zimmermann. Berlin 1847. G. Reimer. 

Karte über die geographische Verbreitung des Kameeis nach einer Hand- 
zeichnung von Carl Ritter reducirt und vermehrt mit der geographischen 
Verbreitung der Dattelpalme (Phönix Dactylifera) durch J. M. Ziegler. 
Zu Ritter's Erdkunde Bd. XIII, pag. 609—858. Berlin, D. Reimer. 
Atlas von Vorderasien [zu C. Ritter's Erdkunde von Asien, von Carl 
Zimmermann]. Heft III, Blatt IV. Maasstab 1 : 2, 200 000. Versuch 
einer Darstellung von Süd-Iran zu C. Ritter's Erdkunde VIII. Theil. 
Beludschistan und Seistan von Carl Zimmermann. Berlin, D. Reimer. 
1850. 

Atlas von Vorderasien zu C. Ritter's Erdkunde von Asien von Car. 
Zimmermann. VI. Heft. Das Stromgebiet des Indus, in 6 Blättern. 
Berlin 1851, D. Reimer. 

Atlas von Asien zu C. Ritter's allgemeiner Erdkunde. II. Abtheilung. 
Dritte Lieferung. Entworfen und bearbeitet von Dr. H. Kiepert. Her- 
ausgegeben durch C. Ritter. 1. Übersichtskarte von Arabien. 2. Karte 
vom südwestlichen Arabien. 3. Übersichtskarte von Iran. 4. AVest- 
Persien. 5. Karte von Turan. Berlin 1S52. D. Reimer. 

Atlas von Asien zu C. Ritter's allgemeiner Erdkunde. IL Abtheilung. 
Vierte Lieferung. Entworfen und bearbeitet von Dr. H. Kiepert. Heraus- 
gegeben durch C. Ritter. Blatt 1—4 : Die Euphrat-Tigris-Länder. oder 
Armenien, Kurdistan und Mesopotamien. Blatt 5 : Höhenverhältnisse 
des westlichen Hoch- Asiens. Berlin 1854, D. Reimer. 

Karte von Georgien, Armenien und Kurdistan. Aus Heft IV des Atlas 
von Asien zu C. Ritter s Erdkunde, bearbeitet von H. Kiepert. Berlin, 

D. Reimer 1854. 



XVI 

690. Fraas, Dr. Oscar, Plan geologique de la ville et des environs de Jeru- 
salem, public par Wurster, Randegger & Cie. Winterthur. 

691. Jerusalem, Plan der Stadt und Umgebung. Maasstab 1 : 20000. Verlag 
von Wurster, Randegger iS: Cie. Winterthur. 

692. Johnston, W. & A. K., Map of the holy land, with topographical plans 
of Jerusalem, Tyre, Sidon, 'Akkä and Beirut constructed for Dr. Wilsons 
Lands of the bible. Edinburgh 1847. 

693. Johnston, W. & A. K., Map of the peninsula of mount Sinai and Arabia 
Petraea, constructed for Dr. Wilson's Lands of the Bible. Edinburgh 1847 . 

694. Palestine reduced by arrangement with the committee of the Palestine 
Exploration Fund; embodying as much of the Great Survey of Western 
Palestine as the scale allows. Bv T. B. Johnston. Edinburgh and Lon- 
don, W. & A. K. Johnston. 1 : ^4,649. 

695. Plan des heutigen Jerusalem mit Umgebung nach Ingenieur-Major W. 
Wilson's Aufnahme von 1864 — 1865 und Baurath C. Schick's Ergän- 
zungen bis 1879. Bearbeitet von Dr. Carl Zimmermann unter Mitwir- 
kung von Prof. A. Socin. Maasstab 1 ; 5000. Topographische Anstalt 
V. \N'urster, Randegger & Co. in Winterthur. 

696. van de Velde, C. W. M., Karte von Palästina. Deutsche Ausgabe nach 
der zweiten Auflage der »Map of the Holy Land«. Maasstab 1 : 315,000. 
Acht Blätter in Farbendruck. Gotha, Justus Perthes 1866. 

697. Zimmermann, Dr. Carl, Karten und Pläne zur Topographie des Alten 
Jerusalem. Mit Begleitschrift. Basel, C. F. Spittler 1876. 



Bekanntmachung. 



Die nach § 12 der Statuten in der Regel alle zwei Jahre ab- 
zuhaltende Generalversammlung des Deutschen Vereins 
zur Erforschung Paläst in a's wird am Donnerstag den 21. Mai 
1891 in Verbindung mit der XLI. Versammlung deutscher Philo- 
logen und Schulmänner in München abgehalten werden. Die 
Mitglieder des Vereins werden hierdurch zu derselben eingeladen. 

Beabsichtigte Vorträge oder Mittheilungen bittet man thun- 
lichst bis Ende April 1891 bei Professor H. Guthe in Leipzig, 
Kramerstrasse 7, anzumelden. 

Der geschäftsführende Ausschuss 
des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's. 



Rechenschaftsbericht über das Yereinsjahr 1889. 



Im Jahre 1889 hat der Deutsche Verein zur Erforschung Palä- 
stinas, ähnlich wie im Jahre 1888, den Verlust einer nicht geringen 
Anzahl von angesehenen Mitgliedern zu beklagen gehabt. Neben Baur, 
Steiner, Thokbecke undWRiGiiT ist hier vor allen Anderen Dr. Carl 
Zimmermann in Basel zu nennen, derjenige Gelehrte, dessen Anregung 
im Jahrfr 1876 den Anlass zur Begründung unseres Vereins gegeben 
hat. Die mannigfaltigen Verdienste des Verschiedenen sowohl um 
die Förderung der Palästinakunde als auch insbesondere um unseren 
Verein hat Professor E. Kautzsch in einem ehrenden Nachrufe den 
Mitgliedern des Deutschen Palästina- Vereins ins Gedächtniss gerufen 
(s. ZDPV. XII, XVII flf.). 

Schon vor seinem Tode wünschte Dr. Carl Zimmermann aus 
dem geschäftsführenden Ausschusse des Vereins auszuscheiden. Die 
Neuwahl, welche desshalb vorgenommen werden musste , wurde auf 
Grund eines vom Ausschusse gemachten Vorschlages durch die fünfte 
Generalversammlung am 4. Oktober 1889 in Görlitz vollzogen und 
fiel auf Herrn Professor Dr. K. Fürrer in Zürich. Der Gewählte, 
durch sein Buch »Wanderungen durch Palästina« (1865) und durch 
zahlreiche Beiträge zur Geographie des heiligen Landes in Schenkel' s 
Bibellexikon und in imserer Zeitschrift den Fachgenossen wohl be- 
kannt, hat seit den ersten Anfängen an der Begründung und Aus- 
dehnung des Vereins den lebhaftesten Antheil genommen. Er ist 
Oktober 1889 anstelle Dr. C. Zimmermanns in den geschäftsführenden 
Ausschuss eingetreten. 

Das Jahr 1889 brachte uns aber auch die erfreuliche Kunde, dass 
Seine Majestät der Deutsche Kaiser Wilhelm IL Allerhöchst Sich zu 
entschliessen geruht habe, dem Deutschen Vereine zur Erforschung 
Palästina's an Stelle Seiner Majestätdes hochseligen Kaisers und Königs 
Friedrichs III. als Mitglied beizutreten. Demgemäss konnte bereits 

Ztschr. d. Pal.-Vßr. XIII. \y 



XVIII 



das letzte Mitglieder- Verzeichniss in ZDPV. XII wieder Seine Majestät 
den Deutschen Kaiser an der Spitze der ordentlichen Mitglieder nennen. 
Aus dem protokollarischen Bericht über die fünfte Generalver- 
sammlung unseres Vereins (ZDPV. XII, XXI f.) haben die Mitgliede-r 
ersehen, dass dort über eine Erweiterung der Statuten, um für den 
Verein die Rechte einer juristischen Person zu erwerben, Beschluss 
gefasst worden ist. Die abschliessenden Verhandlungen mit dem Re- 
gisterrichter in Leipzig, die behufs der endgültigen behördlichen Ge- 
nehmigung damals vorgesehen wurden, haben Ende des Jahres 1889 
statt gefunden. Der in Görlitz gefasste Beschluss, die neue Gestalt 
der Statuten nochmals vom weiteren Comite genehmigen zu lassen, 
konnte jedoch nicht sofort ausgeführt werden, da sich inzwischen die 
Anzahl der Mitglieder des weiteren Comite' s unter die von den Statuten 
geforderte Höhe (achtzehn) vermindert hatte. Die Vollendung dieser 
Angelegenheit blieb daher dem Vereinsjahr 1890 vorbehalten. 

Unter den Veröffentlichungen des Jahres 1889 nimmt die nach den 
Forschungen und Angaben Dr. Alphons Stübel's von Dr. Hans 
Fischer gezeichnete Hauränkarte mit den verschiedenen Beigaben den 
ersten Rang ein. Ich kann das Erscheinen dieser neuen Karte hier 
nicht erwähnen, ohne Hei*rn Dr. Alphons Stübel in Dresden für 
seine uneigennützige Bereitwilligkeit und freundliche Hülfe zur Ver- 
öffentlichung seiner Forschungen in unserer Zeitschrift nochmals den 
lebhaftesten Dank auszusprechen. 

Der Beitrag von 500 M ■, den der geschäftsführende Ausschuss 
Herrn Professor Dr. R. Röhricht in Berlin für den Druck der von 
ihm besorgten Neubearbeitung von Tobler's Bibliotheca geographica 
Palaestinae verwilligt hatte (s. ZDPV. XII, IV) , ist nicht zur Aus- 
zahlung gelangt. Da die Gesellschaft für Erdkunde in Berlin inzwischen 
einen grösseren Zuschuss angeboten und sich dagegen ausgebeten hatte, 
als alleinige Unterstützerin des Werkes auf dem Titel genannt zu 
werden, so glaubte der geschäftsführende Ausschuss alle Schwierig- 
keiten am einfachsten dadurch aus dem Wege zu räumen, dass er 
nach vorausgegangener Verständigung mit den Betheiligten die ver- 
willigte Summe zurückzog. 

Die von der englischen Palästina-Gesellschaft Juli 1889 uns zu- 
gesandte Karte über den nördlichen Theil des Adschlün (s. ZDPV. 
XII, V) wurde sofort verwerthet und soll demnächst herausgegeben 
werden, wenn auch die geologische Bearbeitung des Gebietes durch 
Herrn Dr. Noetling erst später nachfolgen kann. 



XIX 



über die im Jahre 1SS9 erfolgte Vermehrung unserer Bibliothek 
geben die Verzeichnisse Band XII, S. XIII ff. und Band XIII, XXII ff. 
Auskunft. Allen denen, die durch besondere Geschenke dazu beige- 
tragen haben, sei hier der herzlichste Dank ausgesprochen. 

Durch den Eintritt von Professor Dr. Führer in den geschäfts- 
führenden Ausschuss und durch den Tod Professor Dr. Gildemeister's 
war es nothwendig geworden, für die Revision der Jahresrechnung 
zwei Mitglieder des weiteren Comite's neu zu wählen. Die Herren 
Pfarrer Dr. A. W. Koch in Pfungstadt und Professor Dr. Reinicke 
in Wittenberg haben sich freundlichst bereit erklärt, diese Arbeit zu 
übernehmen. Für ihre erste Müh waltung, die sich auf die Prüfung 
der Jahresrechnung für 1889 bezog, sei den genannten Herren an 
dieser Stelle herzlichst gedankt. 

Leipzig, 9. März 1891. 

Für den Ausschuss : 

H. GUTHE. 



b* 



Auszug aus der Rechnung über Einnahme und 

Einnahmen. 

Jl 1896. 43 S^ Cassen-Bestand vom Jahre 1888. 

Jl 461. 80 3^ Rückständige Jahresbeiträge von 1886—1888. 

- 3317. 16 - Laufende Jahresbeiträge pro 1889. 

- 127. 90 - für div. Jahrg. u. einzelne Hefte d. Zeitschrift. 

- 530. — - für 63 Jahrg. XII. und 2 Jahrg. XI. durch den 
- 4442. 86 - Buchhandel abgesetzt. 



— . 90 - Netto-Erlös für 1 verkauften Gyps-Abguss der Siloah- 

Inschrift. 
Jl 45. — ^ für getrennte Coupons von M 1500 %% Sachs. 
Rente v. Oktober 1888 bis dahin 1889. 
75. — - desgleichen von Jl 2500 "6% Sächsische Rente 
120. pro 1889. 



Jl 6460. 19 ^ Summa der Einnahmen, 
- 4724. 5 - - der Ausgaben, also 

Jl 1736. 14^ Bestand baar. 

An Vermögen besitzt der Verein ferner : 

Jl 4000. ■ — ^ '6% Sächsische Rente zum Cours von 90, — . 
Jl 3600. — ^ 

Jl 5336. 14 3^ Summa. 

Ausserdem sind noch ca. Jl 630. — an Jahresbeiträgen 
rückständig. 



Die Jahresrechnung des Palästina - Vereins für 1889 ist nach 

Wittenberg, 3. August 1890. 
Pfungstadt, 7. August 1890. 



1 



Ausgabe der Kasse des DPV. im Jahre 1889. 



Ausgaben. 

M 3305. 56 ^ für Druck, Lithographie etc. der Zeitschrift, Band XII, und 

von Accidentien. 
102. 95 - - Buchbin der- Arbeiten. 

Honorare, als: 
Jl 500. — ^ für Redaction der Zeitschrift p. 1889, 
- 898. 5 - - 398. 5 - - Beiträge zur Zeitschrift. 

150. — - für Cassaführung. 

43. 25 - Ankäufe für die Bibliothek. 

215. 39 - für Porti, Correspondenzkosten etc. 

8. 85 - - diverse Ausgaben (Packpapier und Couverts). 



Ji 4724. 5 3^ Summa der Ausgaben. 



Karl B.'VEDEKER, d. Z. Kassirer. 



eingehender Prüfung richtig befunden worden. 

Reixicke. 
Koch. 



Verzeichniss 

der TOm 1. Oktober 1889 Ms zum 31. Deeember 1890 für die 

Palästina-Bibliothek eingegangenen Bücher, 

Zeitschriften u. s. w. 



Von den Redactionen : 

698/699. Österreichische Monatsschrift für den Orient. Herausgegeben von 
dem orientalischen Museum in Wien. Red. von A. von Scala. 15. Jahr- 
gang. Nr. 9 — 12. September bis Deeember. Wien 1889. 4. — 16. Jahr- 
gang. Nr. 1 — 12. Jänner bis Deeember. Wien 1890. 4. 

700/701. Neueste Nachrichten aus dem Morgenlande. Neue Folge. Heraus- 
gegeben von Lic. C. Hoffmann. 33. Jahrgang. Heft 5 u. 6. Berlin 1889. 
8. — 34. Jahrgang. Heft 1—6. Berlin 1890. 8. 

702/703. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Red. von 
Prof. Dr. E. Windisch. Band 43, Heft 3—4. Leipzig 1889. 8. — Band 
44, Heft 1—3. Leipzig 1890. 8. 

704/705. Orientalische Bibliographie. Herausgegeben von Dr. A. Müller, 
Prof. in Halle. 3. Jahrgang, Heft 4—8. Berlin 1889. 8. — 4. Jahrgang. 
Heft 1-6. Berlin 1890. 8. 

706/708. Revue archeologique publice sous la direction de M. M.Alex. Bert- 
rand et G. Perrot. Troisieme serie. Tome XIU, Juillet-Aoüt 1889. — 
Tome XIV, Septembre-Decembre 1889. — Tome XV, Janvier-Decembre 
1890. Paris 1889 u. 1890. 8. 

709. Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie. Herausgegeben von J. I. 
Kettler. Band VII, Heft 4—6. Weimar 1889 u. 1890. Gr. 8. 

710/711. Die Warte des Tempels. Wochenblatt zur Belehrung über die wich- 
tigsten Fragen unserer Zeit. Herausgegeben von Christoph Hoft'mann 
und Franz Paulus. 45. Jahrgang 1889. Nr. 38—52. Stuttgart 1889. 4. 
— 46. Jahrgang. 1890. Nr. 1—52. Stuttgart 1890. 4. 

712/713. Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Redigirt 
von C. Herrlich in Berlin. Jahrgang 30. Nr. 37—52. Berlin 1889. 4. — 
Jahrgang 31. Nr. 1—53. Berlin 1890. 4. 

Von dem Verein der Geograiihen an der Universität Wien : 

714. Bericht über das 15. Vereinsjahr (16. Oktober 1888 bis 24. Oktober 1889, 
erstattet von dem Vereine der Geographen an der Universität Wien. 
Wien 1889. 8. 

Von dem Verein vom hl. Grabe in Köln : 

715/716. Das heilige Land. Organ des Vereins vom hl. Grabe. 33. Jahrgang. 

1889. Heft 3—6. Köln 1889. 8. — 34. Jahrgang. 1890. Heft 1—6. Köln 

1890. 8. 



XXIII 



l'oti der Societe de Geographie in Paris : 

717/718. Bulletin de la Societe de Geographie. Septieme serie. Tome X, 1«'' 
— 4me Trimestre. 1889. Paris 1889. 8. — Tome XI, ler_4mc Trimestre. 
Paris 1890. 8. 

719/720. Compte rendu des seances de la commission centrale. Amiee 1889, 
Nr. 13—17. Paris 1889. 8. — Annee 1S90, Nr. 1—17. Paris 1890. 8. 

Von dem Palestiiie Exjjloi'ation Fund in London : 

721/722. Quarterly Statement. October 1889. London. 8. — January — Oc- 
tober 1890. London. 8. 

Von der Geographisclien Gesellschaft zu Greif stcald : 
723/724. m. Jahresbericht der geographischen Gesellschaft zu Greifswald. 
II. Theil. Herausgegeben von Prof. Dr. Credner. Greifswald 1889. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Bremen: 

725/726. Deutsche «jeographische Blätter. Herausgegeben von der geogra- 
phischen Gesellschaft in Bremen durch Dr. M. Lindemann. Band XII, 
Heft 3 u. 4. Bremen 1889. 8. — Band XIII, Heft 1—4. Bremen 1890. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft [für Thüringen) zu Jena : 

727/728. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu 
Jena. Zugleich Organ des botanischen Vereins für Gesamtthüringen. 
Herausgegeben von C. Kurze und Dr. F. Begel. Band VIII, Heft 1 — 4. 
Jena 1889. 8. — Band IX, Heft 1 u. 2. Jena 1890. 8. 

Von der GeograiMsch en Gesellschaft in Haniburg : 

729/730. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg. 1887 
— 1888. Heft in. Hamburg 1889. 8. — 1889—90. Heft I u. IL Ham- 
burg 1890. 8. 

Vo7i der k. k. Geographischen Gesellschaf t in Wien: 

731/732. Mittheilungen der kaiserlich- königlichen geographischen Gesell- 
schaft in Wien. Redigirt von Dr. Otto Stapf. XXII. Band (der neuen 
Folge XXIL) 1889. AVien 1889. 8. — 1890. Provisorischer Redakteur : 
Dr. J. M. Jüttner. XXIII. Band (der neuen Folge XXIII). Wien 1890. 8. 

Von Herrn Baiirath C Schick in Jerusalem .• 

733. Zehnter Bericht des Deutschen Vereins zu Jerusalem, 3 Jahre, Juli 1886 
bis Juli 18S9, umfassend. Jerusalem 1889. 

Von Herrn van Kasteren : 

734. De Geboorteplaats der Boanerges door J. P. van Kasteren. Amsterdam 
1890. 8. 

735. Appendice allo Emmaus di Palestina del P, Teofilo Domenichelli. Prato 

18S9. 8. 

Von der Smithsonian Institution in Washington. 

736. Annual Report of the board of regents of the Smithsonian Institution, 
showing the Operations, expenditures, and condition of the Institution 
for the year ending June ao, 1886. Part I. Washington, government 
printing Office. 1889. XVHI, 878 S. 8. 

737/738. Dasselbe, for the year ending June 30, 1887. Part I. XX, 735 S. 8. 

Part IL XVIII, 771 S. 8. Washington 1889. 
739. Smithsonian miscellaneous collections 745. Chek List of publications 

of the Smithsonian Institution, July 1890. Washington, 1890. 34 S. 8. 



Yerzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutsclieii Tereins 
zur Erforschung Palästina's. 



1. Ehrenmitglied. 
SchicJi, Conr., königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

2. Ordentliche Mitglieder. 

Seine Majestät der Deutsche Kaiser. 

Seine Majestät der König vox Wühttejiberg. 

Seine Hoheit Fürst Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen. 

Almkvist, Dr. Herman, Professor in Upsala. 

Antonin, Archimandrit in Jerusalem. 

Arndt, Dr. Theodor, Prediger an der St, Petrikirche in Berlin. 

Asc/ierson, Dr. P., Professor in Berlin. 

Auerbac/i, Dr. Z., Rabbiner in Halberstadt. 

Auning, Pastor in Sesswegen, Livland. 

Baedeker, Karl,^ in Leipzig. 

Baethcke, Pfarrer in Georgenthal (Thüringen) . 

Baethgen, Professor Dr. in Greifswald. 

Bättig, Niki., Vikar in Vitznau, Canton Luzern. 

V. Baudissin, Graf, Dr. W., Professor in ISIarburg. 

Baiir, J., Pfarrer in Dietershofen bei Klosterwald. 

Behrmann, Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg. 

Benzinger, Dr. Immanuel, Stadtvicar in Stuttgart. 

van Berchem, Dr. Max, in ChAteau de Crans (Schweiz). 

Berliner,, Dr. A., Docent am Rabbinerseminar in Berlin. 

Bertheau, Carl, Pastor an St. Michaelis in Hamburg. 



XXV 



Bibliotheken : 

der Akademie von Neuchätel (Schweiz), Dr. Domeier. 

de l'ecole des langues orientales Vivantes in Paris [Ch. Schefer). 

der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, 

Prof. Dr. Lazarus. 
der Synagogengemeinde in Breslau, 
der Israel. Cultusgemeinde in Wien, 
des bischöfl. Seminarium Clericorum in Brunn, 
des evangelisch-lutherischen Landes-Consistoriums in Dresden, 
des evangelischen Seminars in Tübingen. 

des Königlichen Lyceum Hosianum in Braunsberg (Ostpreussen) . 
des Rabbiner-Seminars in Berlin, Dr. A. Berliner. 
des theol. Seminars der Brüdergemeinde in Gnadenfeld, Ob/Schl. 
Gymnasialbibliothek in Rottweil. 
Jüdische Bibliothek [M. Adelmann) in Jerusalem. 
Königliche Bibliothek in Berlin. 
Kü:?igliche öffentliche Bibliothek in Stuttgart. 
Landesbibliothek in Wiesbaden. 

Library of Andover Theological Seminary in New York. 
Ministerialbibliothek in Schaffhausen, C. A. Bächtold, Pfarrer. 
Öffentliche Bibliothek in Basel, Dr. L. Sieber. 
Stadtbibliothek in Frankfurt a/Main. 

- in Hamburg, Dr. Isler. 

in Mainz, Dr. Velke. 
Universitätsbibliothek in Amsterdam. 

- in Bonn, 

- in Dorpat. 

- in Erlangen. 

- in Giessen. 

- in Halle. 

- . - in Leiden (Holland). 

- in Leipzig. 

- in Marburg. 

- in Prag. 

- in Strassburg i. E. 

- in Tübingen. 

- in Utrecht. 
Bickell, Dr. G., Professor in Innsbruck. 
Boehl, Dr. E., Professor in Wien. 



XXVT 



Bosse, Paul, Kartograph in Weimar. 

Bourgeois, Dr. G., Pastor in St. Mars-du-Desert, Frankreich. 

Brandt, Dr. A., Divisions-Pfarrer in Graudenz. 

Brüll, Dr. Adolf, in Frankfurt a/M. 

Brünnoiv, Dr. Rudolf E., Professor in Heidelberg. 

Budde, Dr. C, Professor in Strassburg i. E. 

Buhl, Dr. Franz^ Professor in Leipzig. 

Cassel, Dr. th. P., Professor und Pastor in Berlin. 

Chapuis, Dr. P., Pastor in Chexbres bei Lausanne. 

C/irisfmanfi, Vicedirector in Adana, Asiatische Türkei. 

C/iwolson, Dr. Dan., wirkl. Staatsrath und Professor in St. Petersburg. 

Clatisen, Consistorial-Rath in Brügge bei Bordesholm. (Holstein) . 

Dalton, Consistorial-Rath a. D. in Berlin. 

Dieckmann, R., Pastor in Beggerow bei Demmin. 

Dillmann, Dr. A., Professor in Berlin. 

Ebers, Dr. G., Professor in München. 

Eekardt, Karl, evang. Pfarrer in Prag. 

Ehinger-Heusler , AlpJi., in Basel. 

Einszier, Dr. med. A., Stadtarzt in Jerusalem. 

Euting, Prof. Dr. /. , Oberbibliothekar in Strassburg i. E. 

Fahrngruber , Johann, Theologie -Professor in St. Polten, Nieder- 

Österreich. 
Fay, F. R., Pfarrer in Crefeld. 

Federlin, Superieur du Seminaire de Ste. Anne in Jerusalem. 
Fehr, Dr. Fredrik, Pastor primarius in Stockholm. 
Fell, Dr. Win., Professor in Münster i. "W. 
Fischer, Dr. A., in Halle. 

Förstemann, Dr., Hofrath u. Oberbibliothekar in Leipzig. 
Fraas, Dr. O., Professor in Stuttgart. 
Fraidl, Dr. Franz, Professor in Graz. 
Frei, A., Pfarrer in St. Gallen (Schweiz). 
Fromme, Pastor in Wersabe (Post Sandstedt bei Bremen) . 
Frutiger if Comp., J., in Jerusalem. 
Furrer, Dr. K., Professor u. Pfarrer in Zürich. 
Gatt, G., kathol. Missionar in Gaza. 
Gautier, Dr. Lticien, Professor in Lausanne. 
Geiger , Hermann , Benefiziat und Ehren-Domherr vom heiligen Grabe 

in München. 
Geizer, Dr. Heinrich, Professor in Jena. 



XXVII 

V. Georpü, Dr., Prälat, in Tübingen. 

Gerber, Dr. W., in Prag. 

Geyser, N., Pfarrer in Elherfeld. 

de Goeje, Dr. M., Professor in Leiden. 

Goldziher, Dr. /., Docent an der Universität in Budapest. 

Goldmann, Samuel, Cantor in Gr. Kanizsa, Ungarn. 

Gottheil, Dr. Richard J. H., Professor in New- York. 

Grigor, A. B. M.^ in Glasgow. 

Grill, Dr. /., Professor in Tübingen. 

Grossmann, Dr. theol. u. phil., Superintendent in Grimma. 

Grünert, Dr. Max, Professor in Prag. 

Grundt, Dr. F. /. , Oberlehrer in Dresden. 

Gunning , J. H., Dr. theol., ref. Pred. in Gouda (Holland). 

Giithe, Lic. H., Professor in Leipzig. 

Hagenmeyer, H., Pfarrer in Ziegelhausen bei Heidelberg. 

Hagerup, H., Buchhändler in Kopenhagen. 

Halberstamm, S. J., in Bielitz, Österreich. 

Halevy, J., Professor in Paris. 

Harkavy, Prof. Dr. Alb., Bibliothekar an der k. öffentl. Bibliothek in 

St. Petersburg. 
Hartmann, Dr. M., Professor am Orient. Seminar in Berlin. 
Hechler, Rev. Dr. W. H., in Wien. 
Heinrici, Dr. G., Professor in Marburg. 
Hertz, H., in Winnington Hall, Northwich, Cheshire. 
Heussler, G., Pfarrer in Basel. 
Hildesheimer , Dr. /., Seminardirector in Berlin. 
Hildesheimer , Dr. H., in Berlin. 
Hildesheimer, A., in Halberstadt. 
Hildesheimer , Levi, in Odessa. 

Hillenbrand, Dr., Professor der h. Schrift in Fulda. 
Hirsch, Rev. Dr. E. G., Rabbiner der Sinai-Gemeinde in Chicago. 
V. Hitrmvo, B., kais. russ. wirkl. Staatsrath in Petersburg. 
Hofele, Dr., Pfarrer in Ummendorf bei Biberach. 
Hoffmann, Lic. C, Superintendent in Frauendorf bei Züllchow, 

R.-Bez. Stettin. 
Hoffmann, Christoph, Centralleitung des Tempels in Jerusalem, 
Hoffmann, Dr. G., Professor in Kiel. 
Hollenberg , J., Gymnasial- Oberlehrer in Bielefeld. 
Hohammer, Dr., Prof. und Regens am bischöfl. Seminar in Mainz. 



XXVIII 

Hommel, Dr. Fritz ^ Professor in München. 

Hoernle, Dr. A. F. Rudolf, OfFg. Principal Madrasah Calcutta. 

Jacob, Dr. phil. Georg, in Berlin. 

Jäger, Louis, Buchhändler in Basel. 

Janssen, Landrath z. D. in Burtscheid bei Aachen. 

Knftan, Dr. /. , Professor in Berlin. 

Kalmus, Julius, in Berlin. 

Kaempf, Dr. *S'. /., Professor in Prag. 

Kamphausen, Dr. A,, Professor in Bonn, 

Kautzsch, Dr. F., Professor in Halle. 

Kersten, Dr. phil. Otto, in Berlin. 

Kiepert, Dr. H., Professor in Berlin. 

Kiepert, Dr. phil. R., in Berlin. 

Kind, Dr. A., Archidiakonus in Jena. 

Kinter, P. Matirtis, O. S. B., Stiftsarchivar in Raigern bei Brunn. 

Kinzler, Adolph, Pfarrer im Missionshaus in Basel. 

V. Klaiber, Dr. K., Prälat in Stuttgart. 

Klein, Stadtpfarrer in Pforzheim. 

Klein, Rev. F. A., in Calro. 

Klose, Paul, Lehrer in Görlitz. 

Kober-Gohat, P. J. F., in Basel. 

Koch, Dr. A. W., Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Kfigel, Dr. R., Oberhofprediger in Berlin. 

Köhler, Dr. A., Professor in Erlangen. 

König, Dr. /., Professor in Freiburg i. Br, 

König, Dr. F., Professor in Rostock. 

Körten, Pfarrer in Rölsdorf bei Düren, 

Krafft, Dr. W., Professor in Bonn. 

Krähe, Dr. phil. Ed., Stadtschulrath in Halle a/S. 

Krehl, Dr. L., Geheimer Hofrath. Professor und Oberbibliothekar 

in Leipzig, 
Krenhel, Dr. Max, in Dresden. 
Kugler, Dr. B., Professor in Tübingen. 
V. Landberg, Dr. Carlo Graf, in Stuttgart. 
Lange, Geheimer Baurath und vortragender Rath im Ministerium der 

öffentlichen Arbeiten in Berlin. 
V. Leonhard, Friedr. Ritter, in Wien. 

Legrer, Pfarrer, in Salem bei Ludwigsburg i Württemberg] . 
Liebster, Georg, Diaconus in Gruna bei Dreden. 



XXIX 



Lievin de Hamnie, F., in Jerusalem. 

Lindner, Dr. Br., Professor an der Universität in Leipzig. 

Lorange, Dr. med., in Beirut. 

hortet^ Dr. Ad., Doyen de la faculte de medecine et de pharmacie in 

Lyon . 
Lotz, Dr. Wilhelm, Professor in Wien. 
Loytved, königL dänischer Vice-Consul in Beirut. 
Lütge, H., Pastor in Amsterdam. 

Lüttke, M., Superintendent in Schkeuditz bei Halle a/S. 
Maerker, Franz, Seminarlehrer in Alt-Döbern bei Cottbus. 
Mätzold, Rev. G., Pastor in London. 
Marti, Karl, Lic. theol., Pfarrer in Muttenz (Kanton Baselland), Do- 

cent a. d. Universität Basel. 
Merx^i Dr. A., Professor in Heidelberg. 
Meyer, Dr. Eduard, Professor in Halle. 
Mihälyfi, Dr. Achatitis, Professor in Budapest. 
V. Moltke, Graf, Exe, Feldmarschall in Berlin. 
Mond, Ludwig, in Winnington Hall, Northwich, Cheshire. 
Moore, Dr, G., Professor in Andover, Massachusetts. 
Mühlau, Dr. F., kais. russ. Staatsrath, Professor in Dorpat. 
von Mülinen, Graf, bei der kaiseii. deutschen Gesandtschaft in Con- 

stantinopel. 
Müller, Dr. A., Professor in Halle. 
Nestle, Lic. th. Dr. E., Professor in Tübingen. 
Neumann, Dr. W. A., Professor in Wien. 
Ney, Kaufmann in Beirut. 

Nöldeke, Dr. Th., Professor in Strassburg i. E. 
Noetling, Dr. Fritz, in Calcutta, Geological Survey Office. 
Nowack, Dr. W , Professor in Strassburg i. E. 
Oehlmann, Dr. phil. E., in Hannover-Linden. 
Oort, Dr. H., Professor in Leiden. 
V. Orelli, Dr. C, Professor in Basel. 
V. Ortenberg, E., Gymnasiallehrer in Verden, Hannover. 
Osgood, Howard, Professor in New- York. 
Paine, J. A., Professor in Tarrytown, New York, Amerika. 
Palm, August, Director in Maulbronn. 
Palmer, J. F., in Jerusalem. 
Paulus, Dr. med. Franz, in Stuttgart. 
Pein, Pastor in Gross-Leinungen bei Wallhausen (Helme). 



XXX 



Philippi, Dr. F., Professor in. Rostock. 

Photios, Professor am griechischen Priesterseminar auf d. Insel Chalke 

bei Constantinopel. 
Pick, Dr. B., Rev. in Allegheny, Pa. 
Pini, Dr. phil. Otto, Pastor in Braunschweig. 
Post, George E., in Beirut. 
Preistverk, S., Pfarrer an St. Alban in Basel. 
Prpn, Dr. E., Professor in Bonn. 

Patnt'ss, Julius, Professor und Pfarrer in Zircz, Ungarn. 
Rechendorf , Dr., Privatdocent in Freiburg i/Br. 
Reinicke, Lic. Dr., Professor am evangelischen Prediger - Seminar in 

Wittenberg. 
Reitz, Dr., kaiserl. deutscher Consul in Smyrna. 
Reusch, Dr. F. H., Professor in Bonn. 
Reuss, Dr. E., Professor in Strassburg i. E, 
V. Riess, Dr. R., Domkapitular in Rottenburg a. N. 
Riggenhach, Dr. /. , Professor in Basel. 
Ritter, Gustav, Pastor in Hamburg. 
Röhricht, Dr. R., Professor in Berlin. 
Röpe, H., Hauptpastor an St. Jacobi in Hamburg. 
Rösch, G., Pfarrer in Hermaringen im Brenzthal, Wg. 
V. Rosen, Baron V., Professor in St. Petersburg. 
V. Roth, Dr. R., Professor in Tübingen. 
Rothe, H., Seminarlehrer in Neuzelle. 
Rothstein, Lic. Dr., Professor in Halle a/S. 
Ruetschi, Dr. R., Decan u. Professor in Bern. 
Ryssel, Dr. V., Professor in Zürich. 

Salvendi, Dr. Adolfe Bezirks-Rabbiner in Dürkheim a/d. Haardt. 
Sandherger , V., Prälat in Heilbronn. 
Sandel, Theodor, Architect in Jerusalem. 
Satidreczki, Dr. C. , in Passau. 
Sarasin- Bischoff . Theodor, Kaufmann in Basel. 
Sarasin-Stehlin, Rud., Kaufmann in Basel. 
Sattler, Dr. E., Privatier in Coburg. 
Saupe, Marlin, Stud. theol. in Eisenberg, S. -Altenburg, 
fon Schack, Lehnsgraf zu Schackenburg bei Mögeltondern. 
Sehe/er, Ch., Prof., membre de ITnstitut in Paris. 
Schilling, P. Gottfried^ in Alexandrien, Egypten. 
Schlicht, Carl, Pastor der deutschen Gemeinde in Jerusalem 



XXXI 



Schmitt, P. J., Rector in Rome, New York. 

Schmoller, Dekan O., Lic. theoL, Pfarrer in Derendingen, Württem- 
berg. 

Schnall, Dr. theol. Carl, k. k. Hofburgpfarr-Vikar in Wien. 

Schnedermann, Lic. Dr. Georg, Professor in Leipzig. 

Schönecke, L., Kaufmann in Jerusalem. 

Schröder, Dr. E., Professor in Berlin. 

Schroeder , Dr. P., kaiserl. deutscher General-Consul in Beirut. 

Schröder, Dr. Carl Friedrich, Pfarrer a. D. in Cannstatt. 

Schröder, Dr. phil. C, Regierungs-Bibliothekar in Schwerin i. M. 

Schulte, Dr. Franz, Dom-Dechant in Paderborn. 

Schumacher, G., Ingenieur in Haifa. 

Schürer, Dr. F., Professor in Kiel. 

Sei/bold, Dr. phil. Ch., in Cannes. 

Siegfried, Dr. K., Kirchenrath u. Prof. in Jena. 

Sieveking, Dr. jur. Karl, in Hamburg. 

Sieveking, Dr. med. Wilhelm, in Hamburg, 

Sigrist-Weber, C, Kaufmann in Beirut. 

Smend, Dr. Rtid., Professor in Göttingen. 

Socin, Dr. A., Professor in Leipzig. 

Sommer, Dr. /. G., Professor in Königsberg. 

Spaich, PfaiTer in Höpfigheim bei Marbach a. N. 

Stahlberg, Vir., Pastor in Colmar i. Elsass. 

Staiger, Missionar in Beirut. 

von Starck, Pastor in Leussow bei Ludwigslust. 

Steck, R., Professor der Theologie in Bern. 

Stenglein, Reichsgerichtsrath in Leipzig. 

Stenhouse, Rev. Dr. Thomas, in Stocksfild on Tyne. 

Sterzel, K., Pastor an der deutschen evangelischen Gemeinde in Sofia. 

Stickel, Dr. J. G., Professor in Jena. 

Stockmeyer, Dr. /., Antistes und Professor in Basel. 

Strack, Dr. Herrn. L., Professor in (Gross-Lichterfelde bei) Berlin. 

Sülze, Dr. F., Pastor in Dresden-Neustadt. 

Sursock, Dragoman des kaiserl. deutschen Consulats in Beirut. 

von Tischendorf, Dr., kaiserl. deutscher Consul in Jerusalem. 
Trtimbull^ Dr. H. Clay, Herausgeber der »Sunday School Times« in 
Philadelphia. 

von Ustinoiv, Baron Plato, in Jafa. 

Valeton, Dr. J. J. P., Amersfoort, Niederlande. 



XXXII 

Vereine : 

Alliance Israel, universelle in Paris. 
Deutscher Verein in Jafa. 

Deutsch-Israelitischer Gemeindebund in Berlin. 
Jüdischer Lesezirkel in Fürth, Rabbiner Dr. Neuhürger. 
Lesegesellschaft der Loge zur aufgehenden Morgenröthe in Frank- 
furt a/M. 
Palestine Exploration Fund in London. 
Tübinger Diöcesan-Verein, Oberhelfer Demmler in Tübingen. 

Vogel, A., Superintendent in "Wollin, Pommern. 

Volck, Dr. W., kais. russ. Staatsrath und Professor in Dorpat. 

Völlers, Dr., Bibliotheque Khediviale in Cairo, Aegypten. 

Voss, Pastor in Kaddafer in Livland. 

Vuilleumier, Dr. H., Professor in Lausanne. 

Wackernagel, Rev. W., Prof. in Allentown, Pennsylvanien. 

Wagner if Debes, Geographische Anstalt in Leipzig. 

Waldmeyer, Missionar in Beirut. 

Weichelt, Victor, Diakonus in Chemnitz. 

Wellhausen, Dr. /. , Professor in Marburg. 

Werner, H., Dekan in Biberach, Württemberg. 

Weser, Lic. H., Pastor in Berlin. 

Wilson, Colonel Sir Charles, in London. 

Wolff, Dr. Ph., Stadtpfarrer a. D., in Tübingen. 

Wolters, Rev. Th. F., in Nazareth b. Haifa. 

Zeller, Rev. /., in Jerusalem, 

von Zieten-Schwerin, Graf zu Janow bei Clempenow, Kreis Anclam. 

Zschokke, Dr. Hermann, Professor in Wien. 



Geschlossen am 6. April 1891, 

Die Redaction. 



Die arabischen Nachrichten znr Geschichte der 

Harambanten.^) 

Von 7 Professor Dr. Gildemeister in Bonn. 

Es ist eine feststehende und von Niemandem bezweifelte 
Thatsache, dass der zweite Chalif, "^Umar, im Jahr 16 oder 17 
(63 S) von Madina nach Dschäbije. der aUen Hauptstadt der Ghas- 
saniden im Dschölän, gekommen ist, besonders um die staats- 
rechtlichen Verhältnisse des eroberten Syriens zu ordnen, dass er 
auf den speciellen Wunsch der Einwohner von Jerusalem ihre 
Capitulation persönlich entgegennehmen wollte und dass er zu 
diesem Zweck seine Reise bis nach Jerusalem hin ausdehnte (de 
GoEjE, Memoires dhist. et degcogr. Orient. 1S64 III, 112\ Über 
die Einzelheiten seines dortigen Aufenthalts sind war weniger 
authentisch unterrichtet. Die grösseren, nach politischen Ge- 
sichtspuncten verfassten Geschichtsbücher gehen nicht näher 
auf diese Dinge ein, die mehr die Lokalgeschichte interessiren. 

1 Ohne die Aufforderung der Redaction, welche die über die Urheber 
der Harambauten handelnden Stellen arabischer Autoren gesammelt vorgelegt 
zu sehen wünschte, hätte ich diesen Aufsatz nicht geschrieben, da ich über 
das Buch des Herrn Prof. Sepp in München, Die Felsenkuppel eine Justini- 
anische Sophienkirche, bereits im Jahr 1883, aufsein Verlangen mit ihm eine 
Correspondenz ähnlichen Inhalts geführt und daher eine öffentliche Polemik 
gern vermieden hätte. 

Die Unbestimmtheit der arabischen Ausdrücke und ihre verschiedene 
Auffassung bei uns macht es nöthig, sich vorab über ihren Gebrauch zu ver- 
ständigen. Bekanntlich (vgl. Le Stp.axge JRAS, ISS", XIX, 254) bedeutet 
masdschid nicht immer, was wir Moschee nennen, indem wir uns darunter 
ein einzelnes Gebäude denken, vielmehr oft einen ganzen Komplex von Cul- 
tusgebäuden und Höfen, woneben das eigentliche Moscheegebäude der be- 
dachte Theil des masdschid genannt wird. Ein schlagendes Beispiel bietet 
die Art und AVeise, wie Ulaimi in dem Capitel: Beschreibung des masdschid 
Ztschr. d. Piil.-Ver. XHI. 1 



2 Gildemeister, 

Ob z. B. Tabari. bei dem die Begebenheiten jenes Jahres eine 
zufällige Lücke bilden, davon Notiz genommen hat, ist zweifel- 
haft'); nicht einmal über 'Abdalmalik's Bauten, mit denen sich 
doch ein eminent politisches Interesse verknüpfte, findet sich 
etwas bei ihm. Wir haben darüber einige kurze Angaben bei 
Biläduri (7 279 = 892) und Ihn Wädih al-jäkübi (schrieb 259 
= 873), sowie von Späteren, Ibn al-atir II, 390, Abulfidä An. 
I, 228, Ibn Chaldün II, 106 etc. Die ausführlicheren Berichte 
finden sich namentlich in den grösseren Specialgeschichten von 
Jerusalem, dem Mutir al-gharäm des Schihäb al-din al-makdisi 
(sehr. 752 = 1351), dessen einschlägliche Stellen im Original 
von Guy le Strange JRAS N. S. XIX 18S7 p. 297—305 abge- 
druckt sind, dem Ithäf al-achissävon al-Sujüti (sehr. 875 = 1470), 
von dem derselbe Gelehrte das. p. 258 — 296 Auszüge in ver- 
trauenswürdiger Übersetzung gegeben hat, und dem al-Ins 

al-aljm und was darau f ist p. 365 ff. die Sache ausführlich darstellt. Er be- 
tont, dass dieser Name den ganzen Umfang der Ilaramarea, alles, Avas von den 
Aussenmauern umschlossen ist, in sich begreift 366, 9. 377, 13. In der Mitte 
des masdschid ul-alisä ist der Fels 371, 19. 377, 18; in der äussersten Moschee 
sind Bäume 376, 10, sind 34 Brunnen 377, 24; sind Arkaden 377, 18. Das 
Hauptgebäude, welches im Vordertheil der Moschee bei der Idbla ist, die 
Kathedrale [dschümC] wird, wie der Verfasser nicht müde wird zu wieder- 
holen, bloss im vulgären Gebrauch die Aksä (wie wir auch thun) genannt 366, 
G; 372, 16; 373, 7; 377, 13; 384, 13; 385, 11. — "Wo es der Zusammenhang 
unzweifelhaft macht, dass ein Gebäude gemeint ist, ist hier das Wort 
Moschee beibehalten; wo auch nur ein Zweifel entstehen könnte, ist der 
Ausdruck Betört gewählt. 31usallä, obschon gleicher Bedeutung im Allge- 
meinen, ist im speciellen Sprachgebrauch ein unter freiem Himmel gelegener, 
insbesondere zum Fest gebrauchter Gebetsort und desshalb durch Gebets- 
platz übersetzt. Dschämi' ist Kathedrale, die Moschee, üieemmmhar, 
eine Kathedra, in sich schliesst, von der die Freitags- und Huldigungspredigt 
erfolgt. Kuhhe ist nach arabischer Analogie mit Kuppel gegeben, wenn 
auch das mit einer Kuppel bedeckte Gebäude gemeint ist. Bau al-makdis 
ü;np jH t^z bezeichnet den (Salomonischen) Tempel, dann wird es Name von 
Jerusalem überhaupt. 

1) Nach seinem persischen Übersetzer Barami zu schliessen hat Tabari 
Weniges und kaum chronologisch Richtiges über die Reise nach Jerusalem. 
Die bekannte Geschichte von X'mar's zu Avaschcnden und auszubessernden 
Kleidern, die hundert Jahr vor 'rabari Tiiloi-hanes p. 281 P erzählt, hat 
Tubari auch im arabischen Text ganz ähnlich; nur verlegt er sie in das Jahr 18 
und nach der Stadt i^i [aila], was offenbar Verwechslung mit l^i-jj [ilijä] 

ist (ZOTKNKKRO III, 435). 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 3 

al-dschalil vonMudschir al-din al-'iüaimi (sehr. 901 = 1496) edirt 
Käh. 1283 = 1866 (Die Seitenzahlen dieser Ausgabe sind auch 
in Sauvaire's Hist. de Jerus. Par. 1876 angemerkt). Es sind 
durchgängig ältere Traditionen, die es uns aber auf ihre Her- 
kunft und Glaubwürdigkeit zu untersuchen an Mitteln fehlt. 

Die Capitulationsbedingungen sind nach übereinstimmender 
"Überlieferung schriftlich verfasst worden ; nur über den Ort, mo 
dies geschah, variiren die Angaben. Nach der einen wurde der 
Vertrag in ed-dschähije, nach der andern in Jerusalem geschlossen. 
Da uns zwei Formen des Wortlauts vorliegen, so lässt sich diese 
übrigens nicht w^esentliche Verschiedenheit unschw^er so ver- 
einigen, dass die eine Form, die welche auf Abd al-rahmän ibn 
Ghanm als Überlieferer zurückgeführt wird und die die Namen 
der syrischen Städte zur Ausfüllung vorbehält (es ist die zw^eite 
bei 'Ülaimi p. 225,3 aus Baihaki entlehnt, 458=1066, und nach 
ihm bei Hamaker Pseudo-Wäkidi p. 167, sonst bei Sujüti 
Lemming Commentat. philol. p. 9, 18, bei Tortüschi -{- 520 = 
1125. Sirädsch al-mulük Büläk 1 2 8 9 = 1 8 7 2 p . 1 3 5 bei Ibn Nak- 
käsch 759 = 1357, Journ. Asiat. 1852 XIX p. 127, 4 und 138, 
13) in ersterer Stadt, die andere (die erste bei 'ülaimi p. 224, 12 
— 225, 3, Sujüti p. 8 Lemm., de Goeje Mem. III, 122), die von 
Saif überlieferte mit den vier Zeugen, in Jerusalem ausgefertigt 
ist. Jene gilt nicht bloss bei den Muslimen, die sie als das Nor- 
malstatut über die Stellung der Schutzverwandten betrachten, 
sondern auch bei europäischen Gelehrten für acht. Sie macht 
jedoch den Eindruck einer spätem systematisirenden Darstellung, 
bei der die ursprünglichen Verhältnisse durch Hass und Chikane 
schon verkünstelt sind, während diese entschieden freundlichere 
waren. Auch giebt es manche Anstösse; z. B. lässt sich das 
Verbot des Koränstudiums schwer denken, ehe der Koran auch 
nur gesammelt war und in den ersten Jahren, wo sicher kein 
Andrang dazu Avar ; und wenn von 'Umar ein formelles "S'erbot 
erlassen W'äre, wde will man es erklären, dass die Häupter der 
grossen juristischen Schulen darüber hätten verschiedener Mei- 
nung sein können? Ibn Nakkäsch XIX, 132, 4 (XVIII, 508). 
Der für Jerusalem bestimmte Vertrag, der sich von dem ersteren 
durch die ihm ganz eigen thümliche Formel: lä tuskan {die Kirchen 
sollen nicht zu Wohngebäuden gemacht werden) , unterscheidet, 
bietet diese Zweifel nicht dar. Alles in ihm ^^orkommende sind 

1*^ 



4 Gildemeister, 

einfache, in der Natur der Sache begründete Bestimmungen. Für 
Unterwerfung und Tribut wird bürgerlicher und kirchlicher 
Schutz und, was besonders zu bemerken, Freiheit von Plackereien 
zugesichert; es w^ar zu ordnen, wie es gehalten werden solle mit 
den Nicht-Einheimischen und denen, die das Land zu verlassen 
vorzogen, was später wegfiel. Die nämliche Formel lä tushan 
kehrt in der gewiss ächten Capitulationsurkunde für Damaskus 
bei Biladuri p. 121, 9 und Eutychius II, 278, 8 wieder und wird 
für Jerusalem auch durch Jäkübi II 167, 18 und durch Eutychius 
285, 7 bezeugt. *) 

'Umar hatte durch die vertragsmässig zugestandene Unver- 
letzlichkeit der christlichen Kirchen auf jede Verfügung über sie 
A'erzicht geleistet. Für eine unumgänglich erforderliche mus- 
limische Cultusstätte bot ihm einen grossen und bis dahin wüsten 
Platz die Haramarea, bei der ohnehin eine Heiligkeit für den 
Islam schon durch Muhamed gegeben war. Über die hierauf be- 
züglichen Begebenheiten haben wir zwei auseinander zu haltende 
Berichte, einen von christlicher, einen von muslimischer Seite 
her ausgehenden. 

Der christliche findet sich bei Eutychius (7 328 = 940) II, 
285 — 298. Als die Muslimen mit *^Umar, heisst es dort, vor 
Jerusalem zur Belagerung angekommen waren, 

»ging der Patriarch Sophronius aus Jerusalem zu 'Umar hinaus, und 
'Umar gab ihm Sicherheit und schrieb ihm eine Urkunde, deren Abschrift 
diese ist: Im Namen Gottes, des Barmherzigen, Erbarmenden. »Von 'Umar 
ihn al-Chattäb dem Volk der Stadt Aelia, dass sie ihres Lebens, ihrer Kinder, 
ihres Vermögens und ihrer Kirchen sicher sind, dass die letzteren nicht zer- 
stört und nicht zu Wohngebäuden gemacht werden«, und er zog Zeugen bei. 

1) In dem für Härün al-raschid von dem grossen Juristen Abu Jüsuf 
geschriebenen Kitäb al-charädsch Büläk 1302 = 1884 p. 80 findet sich ein 
Kapitel über die Art, wie Abu 'Ubaida die ersten Capitulationen abschloss, 
nicht ohne sonst nicht erwähnte, aber naturgemässe Bedingungen, z. B. Ver- 
pflichtung zum Bau von strategischen Brücken auf Kosten der Schutzver- 
wandten, Zurechtweisen der Verirrten, Anzünden von Feuern für die Kämpfen- 
den. Sie enthielten mildere Buncte, z. B. das öfientliche Tragen von Kreuzen 
wenigstens an einem Festtage; ja Abu 'Ubaida gab den Unterworfenen, die 
sich gegen die früheren byzantinischen Unterdrücker den Arabern aufrichtig 
angeschlossen hatten, als er sie bei dem Heranrücken des grossen griechischen 
Heeres nicht schützen und somit seinerseits den Vertrag nicht halten konnte, 
die erhobene Kopfsteuer zurück was man schon, aber aus einer trüben Quelle, 
Azdl p. 1:5", wusstej. 'Umar allerdings ratificirte dies nicht. 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 5 

Das Stadtthor Murde geöffnet und X'mar mit seinen Genossen zog ein und 
nahm Platz im Hof der Auferstehungskirche. Als die Zeit des Gebetes da 
war, sagte er zum Patriarchen : Ich will beten, und der Patriarch erwiderte : 
O Fürst der Gläubigen, bete, wo du bist. X'mar sprach: nicht hier werde ich 
beten. Da führte ihn der Patriarch zur Kirche Constantin's und breitete ihm 
mitten in dieser ein Matte aus. 'Umar weigerte sich abermals hier zu beten, 
ging hinaus zu der Treppe, die vor der Thür östlich ist, und betete, er allein ; 
dann setzte er sich und sagte : A\^eisst du, o Patriarch, wesshalb ich nicht 
innerhalb der Kirche beten wollte? Er antwortete: O Fürst der Gläubigen, 
ich weiss den Grund nicht. 'Umar sagte: Wenn ich innerhalb der Kirche 
mein Gebet verrichtet hätte, so würde dir die Kirche verloren gehn und aus 
deinen Händen kommen ; die Muslimen würden sie dir vielleicht nach meiner 
Zeit entreissen und sagen : hier hat 'Umar gebetet. Aber bringe mir Papier, 
dass ich dir eine Urkunde aufsetze. Diese schrieb ihm 'Umar, dass kein 
Muslim auf den Stufen beten solle, als j e ein einzelner, sie sollten kein gemein- 
schaftliches Gebet halten und sollten nicht oberhalb zum Gebet rufen. Die 
Urkunde händigte er dem Patriarchen ein. Dann sagte er : Jetzt liegt dir 
noch eine Verbindlichkeit und Pflicht gegen mich ob, mir einen Platz anzu- 
weisen, wo ich einen Betört [masdschid) bauen (einrichten) kann. Der Patri- 
arch antwortete: Ich werde dem Fürsten der Gläubigen einen Platz anweisen, 
wo er einen Betört [masdschid) bauen kann, den zu erbauen die Könige der 
Byzantiner nicht vermochten, und dies ist der Fels, wo Gott zu Jakob redete, 
den Jakob die Pforte des Himmels genannt hat (Gen. 28, 17), die Kinder Israel 
aber das Allerheiligste, der in der Mitte des Erdkreises ist und ein Tempel 
der Kinder Israel war, den sie verehrten, und wohin sie beim Gebet ihre An- 
gesichter richteten, unter der Bedingung, dass du mir eine Urkunde ausstellst, 
dass in Jerusalem nur dieser eine Betört [masdschid] gebaut werde. Diese mit 
dieser Zusage schrieb er ihm und händigte sie ihm ein. Als die Römer Christen 
geworden waren und Helena, die Mutter Constantins, die Kirchen in Jerusa- 
lem gebaut hatte, war der Ort des Felsens und seine Umgebung wüst und 
wurde so gelassen; man hatte auf den Felsen Erde geworfen, so dass auf ihm 
ein grosser Schutthaufen entstanden war. Die Römer Hessen ihn so; sie ver- 
ehrten ihn nicht wie die Juden; sie hatten über ihm keine Kirche erbaut, 
wegen des Wortes des Herrn Christus in seinem heiligen Evangelium : »Siehe 
euer Haus wird euch verwüstet gelassen Averden (Mt. 23, 30)« und: »Es wird 
hier kein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerstört und verwüstet 
werde (Mt. 24, 2)«, und desshalb Hessen sie ihn wüst und hatten darauf keine 
Kirche gebaut. Der Patriarch Sophronius fasste 'Umar bei der Hand und 
stellte ihn auf den Kehrichthaufen, 'Umar aber nahm den Zipfel seines Kleides 
und füllte ihn mit dem Schutt, den er in das Thal Dschahannum warf, l.'nd 
als die Muslimen 'Umar den Schutt in seinem Busen wegtragen sahen, zögerte 
keiner den Schutt in seinem Busen und in den Kleidern, Schilden, Körben 
und Krügen wegzutragen, bis sie den Platz gereinigt und geklärt, und der 
Fels sichtbar geM'orden war. Und als einige den Betört [masdschid] so anlegen 
wollten, dass der Fels in die Gebetsrichtung komme, sagte 'Umar: Nein, 
sondern der Betört {masdschid) werde gebaut, dass er den Felsen im Rücken 
habe. Und es geschah so. « 



ß Gildemeister, 

Almakin (7 672 = 1273/74) p. 58 wiederholt das mit den- 
selben Worten und hat sichtlich keine andere Quelle gehabt. 
Barhebraeus p. 108 hat nichts von dem Inhalt des Contracts, als 
dass Juden in Jerusalem nicht wohnen sollen , kannte ihn also 
und erwähnt noch den Bau der Moschee und die Geschichte des 
Theophanes von den der Wäsche bedürfenden Kleidern 'Umar's. 
Elias von Nisibis ad a. 17 erwähnt bloss die Erbauung der 
Moschee. 

Endlich hat diese Form der Erzählung noch ein Muslim, 
nämlich Makrizi 7 S45 = 1441 in den Chitat II, 492 oder bei 
WÜSTENFELU, Gesch. der Gopten p. 21 (53) und zwar wörtlich 
mit EuTYCHius stimmend, daher aus ihm stammend, wde er ihn 
noch öfter benutzt hat. Wenn er sie geflissentlich bezeichnet als 
von den Geschichtsgelehrten unter den Christen berichtet, so ist 
zu schliessen, dass sie dem gelehrten Sammler aus keiner 
muslimischen Tradition bekannt war, und dass wir sie als aus- 
schliessend christlich zu betrachten haben. 

Die Geschichte vom betenden Chalifen scheint an grossen 
Bedenklichkeiten zu leiden. Sollte 'Umar schon damals eine 
solche Voraussicht von der Verehrung, die er bei dem grössten 
Theil der muslimischen Welt finden würde, gehabt und ihr einen 
solchen rücksichtsvollen Ausdruck gegeben haben? Gewiss 
waren wohl Urkunden des angegebenen Inhalts im Patriarchat 
zu Jerusalem vorhanden; es wäre ohne das gefährlich gewesen, 
sich darauf zu berufen. Aber dann waren sie eben fabricirt, wie 
so viele andere, mit denen sich jene alte Welt täuschen liess; die 
Furcht vor Entfremdung des grossen Heiligthums der Christen- 
heit mochte die Täuschung entschuldigen. Es mag allerdings 
eine richtige Voraussicht gewesen sein, wenn Eutychius' Er- 
zählung II, 201 richtig ist, dass zu seiner Zeit die Treppe und 
die Hälfte der Vorhalle der Constantinskirche von den Muslimen 
in l^esitz genommen sei, um darin einen Betört [masdschid] zu 
))erbauenrt, der der Betört {tnasdsr//id) 'Umars genannt sei. An- 
dererseits lag ein wirklicher Schutz darin. Als nach Saladin's 
Eroberung eifrige Muslimen in seinem Rath darauf drangen, die 
kirchlichen Baudenknuile alle zu zerstören, um die Christen 
fernzuhalten, wird dagegen geltend gemacht, da *Umar sie ge- 
lassen, dürfe man sie nicht abbrechen, ( Imäd al-din 69, 16 
Landherg. Vgl. Sujüti 27, pcnult (78) Lemming, 'Ulaimi 302). 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 7 

Die muslimische Form der Tradition findet sich am voll- 
ständigsten und rundesten bei 'Ulaimi p. 226 f. und auch bei 
seinen Vorgängern, dem Mutir c. VI p. 297 fF. und .Sujüti c. IX 
bei Lemming und le Strange p. 2 75 ff. Man kann annehmen, 
dass, den Citaten nach zu urtheilen, der Inhalt treu nach der 
etwas früheren, verlorenen oder ungedruckten Litteratur wieder- 
gegeben ist, die sich an Jerusalem nach der Wiedererobeiimg 
dieser Stadt geknüpft zu haben scheint, z. B. nach Ihn Asäkir 
(-]- 610 = 1213). Diese ist freilich noch verhältnissmässig jung; 
aber wenn der Inhalt auch für uns bei Älteren noch nicht nach- 
weisbar ist, so ist doch nicht zu bezweifeln, dass er in der frühe- 
ren Tradition ähnlich lautete. 

Wir geben also die Erzählung 'Ulaiml's p. 226: 

»Als 'Umar nach Bait al-makdis kam, lagerte er auf dem östlichen Berg, 
dem Ölberg. Es kam ein Bote ihres Patriciers und meldete : AVir gestehen 
zu, weil du da bist, was wir ausser dir keinem zugestanden hätten, und for- 
derte, dass er von ihm die Capitulation und die Kopfsteuer annähme und 
dafür ihm Sicherheit für ihr Leben, ihr Vermögen und ihre Kirchen bewilligte. 
'Umar gewährte dies. Der Bote begehrte noch sicheres Geleit für seinen Ab- 
sender, damit er die Unterhandlung undCorrespondenz mit ihm führen könne. 
Jener gewährte das, und der Patricius ging mit grosser Begleitung zu ihm 
heraus. Er unterhandelte mit ihnen vor Zeugen. 

»Als 'Umar mit der Aufzeichnung des Friedensvertrages zwischen sich 
und dem Volke von Bait al-makdis fertig war, sagte er zu dem Patricius : 
Führe mich zum Betört {masclschid) Davids. ') Er bejahte, und 'Umar ging 
mit seinem Schwert umgürtet an der Spitze von viertausend Genossen, die 
mit ihm gekommen waren, mit ihren Schwertern umgürtet und mit einer 
Schaar der Belagerer, die auch keine AVafl'en als Schwerter hatten, indem 
der Patricius mit seinen Genossen vor 'Umar herging, bis sie Bait al-makdis 
betraten, führte sie in die Kirche, die al-kumüma heisst und sagte : das ist 
der Betört [masclschid) Davids. 'Umar schaute betrachtend hin und her und 
sagte ihm: »Du hast gelogen. Der Gesandte Gottes hat mir den Betört 

1; Der Ausdruck d Moschee Davids« kommt gar nicht im Koran vor, 
wie Ilerr Sepp sich irriger "Weise S. 30. 34 einbildet, um darauf einen Theil 
seiner vermeintlichen Beweise zu gründen. Er ist auffällig, da die Muslime 
sehr gut wussten, dass David bloss die Vorbereitungen gemacht und Salomo 
den Tempel gebaut habe (s. um nur die legendarischen Berichte anzuführen, 
Ta'labi's Prophetengeschichte, Cairo 12S2, p. 322 , und kommt vielleicht nur 
an dieser Stelle vor. Gemeint ist das, was im Koran der entfernteste Betört 
heisst, die Stelle wo der längst zerstörte jüdische Tempel gestanden, d. h. die 
ganze Area, nach dem in der ersten Anmerkung Gesagten, nicht ein ein- 
zelnes Gebäude. 



8 Gildemeister, 

[masdschiä] Davids auf eine Weise besehrieben, welche diesem niclit entspricht.« 
Da ging er mit ihm zu der Kirche, welche Zion heisst, und nannte ihm diese als 
Betört [masdschid] Davids ; aber er sagte wieder : du lügst. Da führte er ihn 
zum Betört [masdschid) des Bait al-makdis und kam mit ihm zum Thore, 
welches das Thor Muhamed's heisst. Aller Unflath in dem Betört [masdschid) 
war auf die Stufen des Thors herabgeflossen, so dass er bis in die Gasse, in 
der das Thor Muhamed's lag, heraustrat, so viel dass er beinah an die Decke 
der Thorhalle reichte. Da sagte er zu ihm : Wir können bloss kriechend ein- 
treten. 'Umar erwiderte : Wenn auch kriechend. Er kroch vor 'Umar her 
und 'Umar kroch und seine Begleiter hinter ihm, bis sie auf dem Hof heraus- 
kamen und sich gerade aufrichteten. 'Umar schaute in voller Betrachtung 
und blickte rechts und links. Dann sagte er : Gott ist gross ; dies ist, bei 
dem, in dessen Hand meine Seele ist, der Betört [masdschid) Davids, von dem 
uns der Prophet erzählt hat, dass er zu ihm nächtlich gekommen. Er fand auf 
dem Fels vielen Kehricht, welchen die Byzantiner aus Hass gegen die Juden 
hingeworfen hatten. Da breitete er sein Obergewand aus und fing an, diesen 
Schmutz wegzufegen, und die Muslimen thaten das gleiche. Dann ging er 
zum Mihräb Davids, der am Thor der Stadt in der Citadelle ist, und betete 
darin, indem er die Sura 38 [welche von David handelt] recitirte und sich 
niederwarf. Es wird erzählt, dass er, als er den Schmutzhaufen von dem Fels 
gereinigt, gesagt habe : betet darin (sie) nicht eher, bis ihn drei Regen- 
güsse getroffen haben.« 

Diese Darstellung, welche durch einen namhaften Traditi- 
onisten al-Walid ihn Muslim (f 193) auf den dabei anwesenden 
Gefährten Muhamed's, Schaddäd ihn Aus (7 in Jerusalem 
ZAvischen 41 und 64), vermittelst der Nachkommen desselben zu- 
rückgeleitet wird, unterscheidet sich zu ihrem Vortheil von der 
christlichen darin, dass sie nicht den Patriarchen (der allerdings 
versehentlich von einigen, z. B. de Vogüe, Le Temple de Jerus. 
p. 73; LE Stkange a. a. O. p. 27() genannt wird), sondern den 
Patricius als den Nächsthetheiligten bei dem Capitulationsge- 
schäft bezeichnet, dem ohne Zweifel diese Eolle naturgemäss zu- 
fiel. Bedenklich ist die Verquickung mit dem Traum des Pro- 
pheten von seiner Himmelfahrt; doch kann man sie bestehen 
lassen. Zwar war Muhamed nie in Jerusalem gCAvesen, hatte 
aber doch durch Andere von der Lage und den Zuständen genug 
hören können, um dem 'Umar eine im Allgemeinen zutreffende 
Vorstellung davon zu geben. Aber dass der Patricius ihm die 
Auferstchungskirche für den Tempel Salomo's hätte ausgeben 
sollen, ist einfach unmöglich. Man muss doch annehmen, dass 
jedes Kind in Jerusalem wusste, wo der alte Tempel gelegen 
hatte, und wo die Auferstehungskirche lag; den X'mar absichtlich 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 9 

ZU täuschen, lag aber für den Patricius kein Grund vor; im 
Gegen theil konnte dadurch gerade der Besitz der Kirche ver- 
loren gehen. In sofern ist dieser Darstellung kein Glauben 
beizumessen, die auch in der Schilderung des Unflathes des Guten 
zu viel thut. Das Factum der Besitznahme selbst ist unwider- 
sprechlich, schon wegen der weiteren Geschichte ; die Christen 
selbst konnten nichts besseres thun. um ihren eignen Kirchen- 
besitz zu sichern, als die Aufmerksamkeit auf den leerliegenden 
Tempelplatz lenken. 

AVichtig ist derjenige Theil der Überlieferungen, der sich 
auf die Einrichtung der Haramarea zur islamischen Cultusstätte 
bezieht. Die Traditionen lauten übereinstimmend und haben am 
ersten den Anspruch auf Achtheit. Schon die christliche Fassung 
bei EuTYCHius kennt sie (s. o. p. 5), bei den Muslimen ist sie 
sehr verbreitet ; nicht bloss die drei Bücher über die Geschichte 
Jerusalems haben sie z. Th. mehrfach, sondern auch isolirt Ibn 
Hubaisch f 584 = 1188 (Leidener Ms 343, Catal. II, 158: über 
sein Buch vgl. De Goeje Memoires II, Leyd. 1864) und Bekri 
Y 481 = 1094 (Geogr. Wörterbuch ed. Wüstenfeld p. 599). 

Ibn Hubaisch (die Mittheilung der Stelle verdanke ich 
meinem Collegen Prym) beruft sich auf die Tradition des gleich 
näher zu besprechenden Eadschä ibn Hajät, und dieser auf Be- 
richte von Augenzeugen, die er nach zeitlicher Rücksicht aller- 
dings haben konnte. Am Tage, da "^Umar Jerusalem eroberte, 
begab er sich zum Mihräb Davids, d. h. der Citadelle, betete dort 
und Hess am andern Morgen den Mii'addin zum Gebet rufen, das 
er mit einer Recitation von Sur. 38 und dem Anfang von Sur. 17 
abhielt. 

»Dann ging er fort und sagte : her mit dem Ka'b. Man führte ihn ihm 
zu. Er fragte : Wo räthst du, dass wir den Gebetsplatz [musallä, besonders 
unter freiem Himmel, machen. Er antwortete : mit der Richtung) zum Fels 
hin. ' Umar sagte : du liebäugelst mit dem Judenthum, imd ich habe dich 
Avohl gesehn, wie du deine Schuhe auszogst. Ka'b sagte : ich wollte ihn gern 
mit meinem (blossen) Fuss berühren. ' Umar sprach : Ich habe dich wohl ge- 
sehen, aber Avir wollen seine (des masdschid, der Haramarea) Gebetsrichtung 
[hibla] vielmehr an seiner Vorderseite [sadr] anbringen, wie der Prophet die 
Gebetsrichtung ;Richtung nach Mekka, kihla] unserer ISIoscheen zu ihren 
Vorderseiten [sadr] gemacht hat ; geh ! uns ist nicht der Fels befohlen, son- 
dern die Ka'ba. Da nahm er die Richtung nach Mekka (kibla) zu seiner 
Vorderseite. Dann erhob er sich von seinem Gebetsplatz {musaUa zu dem 
Kehrichthaufen« (und begann die Reinigung). 



1 Gildemeister, 

Al-Bakri nach Abu ' Ubaid. Er stellt das Kehrichtfegen vor- 
an. 'Umar sagt zu Ka'b: 

»O Abu Ishäk, -vveisst du, wo der Felsen liegt? Er antwortete : So und 
so viel Ellen von der Mauer, die an das Thal Dschahannum stösst; dort grabe 
und du -wirst ihn finden. Es war damals ein Kehrichthaufen. Als sie gruben, 
kam der Fels zu Tage. X'mar sagte zu K.a'b : "Wo räthst du, dass wir den Bet- 
ört [masdschid: hinlegen? Nach andern gebrauchte er das "Wort: die l;ibla. 
Ka'b sagte: Lege ihn hinter den Fels, so bleiben die beiden Gebetsrichtungen 
[kibla] , dieMose's und die Muhamed's, zusammen. 'Umar sagte: du liebäugelst 
mit dem Judenthum ; das beste von den Moscheen ist die Vorderseite [muliad- 
dam), und er baute sie die kMa) in die Vorderseite [mukaddam) des Betorts 
[masdschid, der Haramarea ." 

Ganz dieselbe Fassung steht im Mutir 298, 8, aber nach 
einem andern Gewährsmann, al-Haitam ihn 'Umar ihn al- abbiisi, 
der sie von seinem Grossvater 'Abdallah ihn 'Abdallah gehört 
hatte beide sind nicht nachzuweisen). Sie ist abgeschrieben von 
al-Sujüti 27 7, 15 und mit Weglassung der Auctoritäten von "^Ulai- 
mi p. 227. 

Mutir 290, 16 aus al-Walid ihn Muslim nach Kultum ihn 
Zijäd: 

»' Umar sagte dem Ka'b: "Wo räthst du, an welche Stelle dieses Betorts 
[musdscJiid, also hier deutlich der ganzen Haramarea) wir den Gebetsplatz 
•musallü, der Muslimen machen (hinlegen ? Ka'b antwortete : An seine Hinter- 
seite [mu'achchar] nahe bei dem Thor al-asbät. Er dagegen sagte : Keineswegs, 
uns ziemt die Vorderseite miikaddam) des Betorts [masdschid, der Haramarea), 
und er ging zur Vorderseite« mukaddam), und nach Ibn Schaddäd von seinem 
Vater: »'Umar ging zur Vorderseite 'mukaddam], wo es an den "Westen (der 
Umfassungsmauer) stösst, und warf einige Hände voll Kehricht in sein Kleid; 
wir thaten dasselbe, und er ging und wir mit ihm und w^arfen es in das Thal 
Dschahannum; dann wiederholten er und wir dieses, so dass wir beten konnten 
dort auf der Area an dem Platze des Betorts [masdschid,. Es betete darin 
eine Menge und ' Umar betete vor. « 

Al-Sujüti hat dies ebenso p. 279 und *^Ulaimi, doch ohne 
Auctoritäten p. 367, 6. 

Um die Sache zu verstehen, muss man festhalten, dass man 
die Seite der Moschee, wo die kibla liegt, die Vorderseite [mii- 
Aaddam, sadr) nennt, dagegen die gegenüberliegende, im llücken 
der Betenden, wo in der Regel der Eingang ist, die Ilinterseite 
[mu'achchar, (Jahr). Ka'b, der zum Islam übergetretene Jude, will 
'Umar veranlassen, der Heiligkeit des altjüdischen Tempels noch 
einen Tribut zu bringen und dem zu gründenden Bctplatz die 
Gebetsrichtung auf den Felsen zu geben oder wenigstens den 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. ]] 

Betplatz in den Norden des Felsens in der Nähe des Thores al- 
asbät zu legen, ^vodurcli die Kiblen zusammenfallen würden, da 
die nach Süden gerichtete Linie über den Felsen gehen musste. 
'Umar -wollte nicht darauf eingehen imd die Folge war, dass die 
Cultusstätte, welche auch ihre Form gewesen sein mag, südlich 
vom Fels und in der südlichen Hälfte der Area an der Umfas- 
sungsmauer eingerichtet wurde. Es geht nicht, in der Weise 
des Herrn Skpp das Gegen theil von dem Gesagten herauszulesen 
und S. 22 den Betplatz nördlich von der Felsenkuppel zu legen. 

Die Frage, Avas an diesen Geschichten historisch ist, welche 
an die Verdeckung des Grabes Christi durch einen Misthaufen 
erinnern 1), kann hier unerörtert bleiben. Was uns interessiert 
und was wir als das Historische daran betrachten, ist, was sich 
als die Vorstellung ergiebt, welche man in den ersten Zeiten des 
Islam von der damaligen Beschaffenheit der Tempelarea hatte. 
Und da lässt sich nicht leugnen : der Eindruck ist, dass die ganze 
Area frei und offen lag. Nur unter dieser Voraussetzung konnten 
sich die Erzählungen, wie sie lauten, bilden. 

Den letzten Niederschlag dieser Vorstellungen entnehmen 
wir Xlaimi, der sich kurz und bündig dahin ausspricht p. 153: 
Helena habe den Tempel und was auf der Area sich befand, ver- 
wüsten lassen imd befohlen, den Kehricht und Schmutz der Stadt 
an seine Stelle zu werfen, und es sei dieser Zustand bis zur An- 
kunft 'Umar's geblieben. Dieser legt den Mihräb, die Gebets- 
nische, an, mag es in dem späteren Hauptschiff der Aksä oder in 
der nach ihm benannten Dschämi*^ oder in dem alten, jetzt auf- 
gehobenen Mihräb Davids in der Ostecke gewesen sein (Sujüti 
262, 264. 'Ulaimi 366, 369): jedenfalls in der südlichen Umfangs- 
mauer, wo also ein Hinderniss, wie ein verdeckendes Gebäude, 
nicht entgegenstand. Der Mutir hat eine Tradition, wonach die 
Reinigung in der Südwestecke in der späteren ^loschee der 
Maghribiner, also wo man Justinians Kirche vermuthet. erfolgt 
sei (le Strange 299, 4 v. u. Sujüti 279, 5 v. u. 'Ulaimi 37ü) und 
wo 'Umar zuerst gebetet habe -^j. 

1) Es gehört zum Costüm, wie auch Talabi Prophetengeschichte, Cairo 
12S2 p. 362 den Nebucadnezar seine Soldaten den altjüdischen Tempel mit 
Erde oder Staub überschütten lässt. 

2) Es darf nicht verschwiegen werden, dass bei Sujüti p. 280 an einer 
Stelle gesagt wird, dass 'Umar in der Kirche der Maria gebetet habe. Aber 



12 Gildemeister, 

Aber gegen diese Folgeiiing, dass kein Gebäude auf der 
Area vorhanden gewesen, wird die Justinianische Theotokos- 
oder Nevie Kirche geltend gemacht, welche die Stelle der heutigen 
Aksä-Moschee eingenommen habe. In so weit befinde ich mich 
in voller Übereinstimmung mit Herrn Sepp p. 63 und Früheren, 
z. B. ToBLER, Topogr. I, 5S1. wenn ich diese in das Reich der 
Träume zu verweisen mich genöthigt sehe. Frocopius kann nie 
in Jerusalem gewesen sein, dessen Bild er ganz falsch auffasst, 
wenn er das erbaute Heiligthum als auf dem höchsten Punct der 
Stadt liegend bezeichnet. Er hat von dem Salomonischen Bau. 
inid zwar mehr aus der Sage als aus dem Texte, gehört und 
dieser ist es, den er eigentlich beschreibt und zwar als Schmeich- 
ler des Kaisers, derSalomos Bauten zu übertreffen sich vorsetzte. 

Für das mit der neuen Theotokos- Kirche eng verbundene 
(Procop. de aedif. V, 6 am Ende) Doppelhospital haben wir 
das ausdrückliche Zeugniss des Zeitgenossen und Ortskundigen 
Cyrillus (Vita Sabae bei Cotelier Eccl. gr. monum. III, 16SG, 
p. 343), dass es sv -oi \1i30i ty,; «7101; -öXtoic [in der Mitte der 
heiligen Stadt^ lag. Ausserdem dient zur vollen Widerlegung das 
dem neunten Jahrhundert angehörende sog. Commemoratorium de 
casis dei, welches als offizielle Aufzeichnung vollen Glauben ver- 
dient. Wenn es in diesem heisst: In s. Maria Nova, quod [quaml 
Jiistinianus Imp. exstruxit, XII 'clerici , so hat die noch in mus- 
limischer Zeit existirende neue Kirche Justinians, also nicht auf 
der Ilaramarea. die der Islam besetzt hielt, liegen können. 

Es scheint wirklich, als habe eine religiöse Scheu jede Art 
von Bebauung gehindert. Es ist immer bei dem Zustand ge- 
blieben, den Eucherius, oder wer es sonst ist, Itin. Hierosol. 



diese Stelle ist ganz singulär. Le Strange bezeugt, dass sie nicht im Mutir 
stehe und ihre Herkunft ihm unbekannt sei. Sie enthält wunderbare Dinge, 
z. B. dass 'Umar vorher Caesarea erobert habe. Da auch Lemmikg p. öG nur 
Übersetzung ohne Text giebt und die Übersetzungen nicht recht stimmen, so ist, 
so lange man den vollständigen Passus nicht im Original hat, auf Erklärung zu 
verzichten. Indess scheint es, als ob die Grabkirche der Maria gemeint sei 
und die Stelle mit'Ulaimi S. 411 der Ausgabe inicht bei S.vfVAlUE, zu.samnien 
zu halten ist. Vgl. auch Sepp S. 57. — Robinson, Palaest. II, 82 sagt, So- 
phronius und Andere hätten den 'Umar, als er die Stelle des alten jüdischen 
Tempels erkundete, zu einer grossen Kirche hingewiesen ; eine qucllcnwidrige 
Behauptung. 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 13 

p. 52 in der Mitte des fünften Jahrhunderts schildert : Templum, 
ex quo parietis unius in rninis quaedam pinna superest, reliquis 
ad fundamenta usque destructis. Und in der That ist nirgends, 
Avenn nicht etwa bei Procopius, von einem Bau die Rede. 
Antonius Placentixus c. 23 kennt nach Justinians Zeit nur 
r u i n a e templi Salomonis. Eutychius betont auf das Lebhafteste , 
dass nie eine Kirche auf dem Tempelplatz errichtet sei (oben 
S. 5), und doch kennt er die Neue Kirche, die Justinian habe 
bauen lassen, recht gut (II, p. 15S, 11. 160, 1) und nennt sie mit 
ihrem griechischen Namen. 

Hätte die Theotokos-Kirche auf der Stelle der späteren Aksä 
gelegen — und ein paar Jahre vor 'Umar -war sie noch in vollem 
Gebrauch, da in ihr Sophronius seine berühmte Weihnachts- 
predigt hielt (Rhein. Museum XLI 1836, p. 514, 30) — so wäre 
sie unter dessen Schutzbrief gefallen, und da die Muslimen in 
der ersten Zeit die Vertragsbedingungen streng hielten, so hätten 
diese Geschichten einen andern Verlauf nehmen oder andere Er- 
zählungen sich bilden müssen. 

Wenn Theophanes p. 288 P. recht hat, so fing 'Umar zwei 
Jahre vor seinem Tode die beabsichtigte Moschee an zu bauen. 
Welcher Art dieser Bau gewesen ist, sehen Avir aus dem Bericht 
des Augenzeugen Arculfus I, 1 : er bestand aus aufgerichteten 
Brettern und grossen Balken auf einigen Ruinen, "war viereckig, 
eine domus, also nicht unter freiem Himmel, und konnte, wie es 
heisse, dreitausend Mann fassen. Auch daraus lässt sich folgern, 
dass gewiss kein Gebäude Avie eine Justinianische Kirche, die 
man benutzen konnte, auf der Area vorhanden war. ') 

Diese beiden Angaben erklären uns, Avie arabische Autoren 
von einer Moschee haben reden können, die 'Umar zu bauen be- 
fohlen habe und die so Avenig die Felsenkuppel. Avie ein regel- 
mässiges BauAverk in unserm Sinn gCAvesen ist: Al-muhallabi 



1; Herr Sepp 'Jerusalem und das heil. Land I, 364, 403. Felsenkuppel 
55 nimmt als Grund an, A\-esshalb Akculfus von der Existenz der A'ermeint- 
lichen Sophienkirche ganz schweige, dass er nicht hineingelassen sei, und 
desshalb sage er: ut fertur. Aber dies bezieht sich lediglich auf die 
Zahl dreitausend. Man schätzt ja sehr schwer nach dem Augenmass, Avie viel 
Personen ein Raum fasst, und beruft sich lieber auf Anderer Angabe, die es 
aus Erfahrung beurtheilen können. 



14 Gildemeister, 

citirt bei Abulfidä Geogr. p. 241 Reinaud, 87 Köhler; Ihn Chal- 
dün II, 2, p. lOü u. a. 

Festen Boden gewinnt man durch die bekannte (Baedeker, 
Syrien ~, p. 44) Inschrift, welche innerhalb des Felsendomes 
und zwar nach de Vogüe (Le temple de Jeriis. 1864 p. 85 und 
Taf. XXI) in den ältesten Theilen des Gebäudes noch heute den 
Bauherrn namhaft macht. Sie lautet zwar jetzt: »Es hat diese 
Kubba gebaut der Knecht Gottes, "^Abdallah der Imäm al-Ma'mün, 
der Fürst der Gläubigen, im Jahr 72«; aber es ist kein Zweifel, 
dass ursprünglich da gestanden habe »der Knecht Gottes 'Abdal- 
malik, Fürst der Gl.« Die andere Farbennuance und die ge- 
drängtere Schrift zeigen an, dass eine Veränderung vorgenommen, 
bei der verrätherisch, da Ma'mün von 198 bis 218 regierte, das 
Datum: Jahr 70, stehn geblieben ist, das eben nur zur Regie- 
rungszeit 'Abdalmalik's ((35 — 96) stimmt. Wir haben somit eine 
Fälschung vor uns. Ma'mün wollte sich das Verdienst des Baues 
aneignen und wählte ein Verfahren, wovon die Epigraphik aller 
Zeiten Beispiele darbietet (ein arabisches aus neuerer Zeit Journ. 
Asiat. XVIII, 1851, p. 84). Unglücklicherweise ist die nun- 
mehr falsche Jahreszahl nicht verbessert; aber auch glücklicher 
Weise, denn keinen besseren Bew^eis kann es für Authentie und 
Alter der Inschrift geben. ') 

1) Das Gewicht dieses Beweises hat Herr Sepp zu wohl gefühlt, als dass 
er nicht krampfhafte Anstrengungen hätte machen sollen, sich seiner zu ent- 
ledigen. Das eine Mal sagt er p. 83: »Die Inschriften sind alle erst nach 
den wiederholten Restaurationen aufgemalt« und das, ungeachtet die Palaeo- 
graphie, wie aus DE Vogüe's Abbildungen zu ersehen, für die Ursprünglichkeit 
Gewährleistet und einige von ihnen von arabischen Gelehrten, die sie früh 
copirten, bestätigt werden (Harawi, Archives de TOricnt Latin 1881, I, ö02). 
Das andere Mal, nachdem zuerst S. 28 richtig übersetzt M'ar : »diese Kuppel 
baute« erscheint S. 87. 140 »Hergestellt hat diese Kuppel«. Allerdings steht 
das arabische Wort nicht bloss von einem Neubau, sondern von Bauthätigkeit 
überhaupt und daher auch von llestaurationen. Aber man muss die Anwen- 
dung dieser Bedeutung immer von den Umständen abhängig machen, je nach- 
dem man diese kennt. Wenn z. B. der Mutir S. 303, 5 sich ausdrückt,« 'Abdal- 
malik hat den Felsendom und die Akaämoschee gebaut«, so hat er nicht 
gemeint: »er baute die Aksä, aber beileibe nicht den Fclsendom, an diesem 
stellte er nur die Kujipel wieder her«. Es wird fingirt, die Perser hätten 614 
die angebliche Sopliienkirche zerstört (EuTYCiliis II 21 :5 spricht von der Nea 
und wir wissen bereits, dass sie nicht auf dem Haram lag, s. oben S. 12j, die 
Kuppel sei eingestürzt (wir wissen davon nichts] und der Kehricht, den'Umar 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. ] 5 

Das inschriftliche Zeugniss muss. wie in andern Fällen, zur 
Feststellung der Thatsache ausreichen. Es bedarf kaum der 
Unterstützung durch literarische Denkmäler, es sei denn, dass 
diese über den Hergang bei dem Bau die nähern Umstände an- 
geben. Die ganze historische Tradition ist einig darüber, die 
Idee und Ausführung dem Chalifen "^Abdalmalik ibn Marwän 
zuzuschreiben. 

Jäküt (7 626 = 1229; erzählt II, 818 nach einem älteren 
Schriftsteller: der Chalif Sulaimän war durch seineu christlichen 
Secretair Ibn Batrik. der eine von den Einwohnern von Lydda 
erfahrene Zurückweisung rächen wollte, zur Gründung Ramie" s 
angestachelt Morden mit den Worten: Der Fürst der Gläubigen 
'Abdalnialik hat an dem Betört [masdscJiicl] von Bait al-makdis 
über diesen Fels eine Kubba erbaut, und das ist ihm zum Ruhm 
gerechnet worden, und Walid hat den Betört [masdschid] in Damas- 
kus gebaut, und das ist ihm zum Ruhm gerechnet worden : wenn 
du einen Betört [masdschid) und eine Stadt erbautest und die 
Leute von [Lydda] in [diese] Stadt versetztest ! Jäküt setzt hinzu: 
Da baute er die Stadt und den Betört [masdschid) von Ramla, 
und das Avurde der Anlass zur Verödung von Lydda. Gleiches, 
aber ohne das Dictum erzählen Biläduri (c. 255 = 864' p. 143 
und in übereinstimmenden AVorten Ibn al-fakih (c. 290 = 903) 
p. 102. Sie geben an, dass der Chalif über die Kosten einen 
christlichen Secretair, eben jenen Ibn al-batrik, den sie etwas 
anders nennen, gesetzt habe. Als Chalif habe Siilaimän den Bau 
fortgesetzt und Umar ibn ""abd-al-aziz ihn vollendet. Mukaddasi 
p. 165 (oben VII, 15Si schreibt den Bau (die Vollendung; dem 
Chalifen Hischäm zu. 

Es mögen nun die historischen Zeugnisse folgen, so weit sie 
aus der erhaltenen und gedruckten Litteratur ersehen werden 
können. 

Das älteste ist das des Ibn Wädih al-jäkiibi (um 260 = 874), 
eines sehr sorgfältigen Geschichtschreibers, der sich bemühte, aus 
den besten Quellen zu arbeiten : über ihn zu vgl. De Goeje, Über 

im Kleidzipfel fortgetragen, seien die Trümmer des Gewölbes gewesen idie 
man -wohl nicht im Kleidzipfel fortträgt: Sepp p. 55. 81. 83. An der nämlichen 
Stelle S. 55 wird dem Eutychius, der die Gethsemanekirche von den Persern 
zerstört werden lässt, in den Tag hinein eine Verwechselung Schuld gegeben : 
es werde wohl die geliebte Sophienkirche gewesen sein. 



10 Gildemeister, 

die Gesch. der Abbäsiden von al- Jäkübi Leiden 1S7S, 8 (oder 
Travaux de la 3® session du Congres des Orient, vol. II) und dessen 
Descr. al-magribi sumpta ex libro regionuni al-Jaqubii Lugd. 1860 
p. 5 — 8. Es lautet II, 311 Houtsma : 

»' Abdalmalik hielt die Syrer von der Wallfahrt nach Mekka ab und 
zwar, weil Ihn Zubair sie, wenn sie wallfahrteten, zur Huldigung nöthigte. 
Als' Abdalmalik dessen inne ward, wehrte er ihnen nach Mekka auszuziehen. 
Da schrie das Volk und sagte : Du hältst uns ab von der "Wallfahrt des Hauses 
Gottes des Haräm, und doch ist dieses ein uns auferlegtes Gebot Gottes. Er 
antwortete darauf: Dieser Ibn Shihäb al-zuhrl überliefert als Tradition, dass 
der Gesandte Gottes gesagt hat : »man reist nur zu drei Betorten [inasdschid], 
dem Betört [masdschid] des Haräm [in Mekka] und meinem Betört »irtsrfscÄiVi) 
[in Madina' und dem Betört 'masdschid; in Bait al-makdis [Jerusalem] « und 
dieser wird euch die Stelle des Betorts [masdschid] des Haräm vertreten, und 
dieser Fels, von dem überliefert wird, dass der Gesandte Gottes seinen Fuss 
auf ihn gesetzt, als er zum Himmel aufstieg, wird euch die Ka'ba vertreten. 
Da baute er über dem Fels eine Kubba, hing an sie Vorhänge von Brokat, 
setzte Thürhüter [wie in Mekka] für sie ein und hielt das Volk an, Pro- 
cessionen um ihn anzustellen, wie um dieKa'ba. Es blieb dabei während 
der Zeit der Umaijaden«. 

Das Motiv ist ein ganz angemessenes und wahrscheinliches. 
^\bdallah ibn Zubair benutzte gewiss alle Mittel, die syrischen 
Pilger zu sich herüber zu ziehen und durch den Handschlag zu 
verpflichten. ^Ibdalmalik hatte, was er zum Ersatz der Ka'ba 
bedurfte, in dem durch Muhamed geheiligten Stein zum Um- 
wandeln und bediente sich der Autorität eines höchst angesehenen 
Überlieferers al-Zuhri (7 124), der die Zulässigkeit durch einen 
Ausspruch des Propheten beglaubigen konnte. Um die alte 
Ceremonie des Umwandeins möglich zu machen, konnte der 
Felsendom gar nicht zweckmässiger eingerichtet werden. Es 
rausste bei den Dimensionen des Steines ein grosser Rundgang 
geschaffen werden und damit war die runde oder achteckige 
Form gegeben. Dies war, Avie Herr Sp:pp S. 106. 111 richtig 
sieht, keine Moschee: eine solche musste hinzukommen, sie war 
zum vollständigen Cultus unentbehrlich, und man war genöthigt, 
diese in Gestalt einer grossen Halle besonders zu bauen. Man 
darf daher mit Herrn Sepp S. 62 nicht sagen : wWäre die Sachra 
ein Chalifenbau, so könnte nicht die Aksa die eigentliche Pfarre 
der gottesdienstlichen Moschee auf dem Tempelberge sein« (viel- 
mehr: wäre die Sachra ein Chalifenbau, so müsste unabweislich 
die Aksä als jj Pfarre« daneben gebaut sein) und fragen S. 112: 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 17 

»Soll 'Abdalmalik zwei Moscheen erbaut haben, die eine im rein 
maurischen, die andere im reinsten byzantinischen Stil ? Der 
Felsendom "vvar ja zugestandener Massen keine Moschee, und 
die Anlage musste sich nach dem Zweck richten. Diese war also 
nicht «für den Islam so unzweckmässig als möglich« fS. 76), 
vielmehr die einzige zweckmässige. Einer Kibla bedurfte es 
nicht. 

Der Zeitfolge nach kommt zunächst Ibn al-faklh 290 = 903, 
den wir noch in dem Auszug des Schaizari besitzen (ed. de Goeje 
Leid. 1S85). Dort findet sich in der Beschreibung des Felsrn- 
doms die Angabe p. 101, 3, »die Kuppel baute "^Abdalmalik auf 
zwölf Pfeilern und dreissig Säulen « — ganz dem heutigen Zu- 
stand entsprechend, wenn man 30 als runde Zahl für 28 nimmt. 

EuTYCHius 32S = 937) II, 364, nachdem er erzählt hat, 
dass dem "^Abdalmalik im Jahr 65 Mai 6S5) gehuldigt sei, fährt 
sogleich fort: ))Und er schickte zum Bait al-makdis und ver- 
grösserte den Betört [masdscJtid] , so dass er den Fels innerhalb 
des Betörtes einbezog, und er hielt das Volk zur Wallfahrt zum 
Bait al-makdis an und hinderte die Wallfahrt nach Mekka wegen 
des 'Abdallah ibn Zubair. (c 

Das Hineinbeziehen des Felsens steht im Gegensatz zu der 
kümmerlichen i\[oschee,wenn man diese so nennen kann, *^Umars, 
wie wir sie aus Arctjlfus kennen : es heisst nichts weiter, als er 
machte sie durch seinen Bau mit zur Cultusstätte. 

Wenige Seiten weiter II, 273 sagt er von 'Abdalmalik's 
Nachfolger Al-Walid : >ilhm wurde gehuldigt und er schickte 
nach dem Bait al-makdis und baute den Betört 'piasdschid) des 
Bait al-makdis und zwar prächtig. Er brachte den Felsen in die 
Mitte des Betorts [7nasdschid ' , baute um ihn herum und beklei- 
dete das Gebäude mit Marmor. Er brach eine Kubba, welche 
die Christen in der Stadt Baalbek hatten, die von Kupfer und 
vergoldet war, ab, errichtete sie über dem Felsen und befahl dem 
Volke zum Felsen zu wallfahrten.« 

Will man keinen Widerspruch bei einem und demselben 
Autor annehmen, so würde dies sich mit der ersten Angabe ver- 
einigen, Avenn der Bau, wie wahrscheinlich, mancher Ergänzungen 
bedurfte, die dem Walid noch zu thun gaben. Im andern Fall 
würde man sich nicht bedenken, der ersteren Erzählung den 
Vorzug zu geben und zu vermuthen, dass die zweite aus anderer 

Ztsch.d. Pal.-Ver. Xni. 2 



18 Gildemeister, 

und schlechterer Quelle stammt, wie man denn bei arabischen 
Geschichtschreibern an dergleichen orewöhnt ist. Almakin. der 
auch hier (vgl. oben S. 6] mit denselben Worten, wie Eutychius 
berichtet p. 5S, lässt das über Walid Gesagte aus. eben so Ma- 
krizi, der p. 492 Büläk: 21. 15 .52) AVüstknfeld (»als die Tage 
'Abdalmaliks ihn Marwän gekommen Avaren, bezog er den Felsen 
in den Bezirk der Aksä ein und zwar im 65. Jahre der Hidschran) 
durch die Jahrzahl seine Abhängigkeit von Eutychius verräth. 

Al-mukaddasi (sehr, 375 = 985) hat zwar keinen geschicht- 
lichen Abschnitt, spricht sich jedoch in gelegentlichen Erwäh- 
nungen hinlänglich aus. 159, 10 (ZDPV. YII. 152) kommt in 
einem Gespräch, das er mit seinem Oheim führte, vor: »Du weisst, 
dass ^\bdalmalik, "als er die Pracht und edle Form der Kuppel 
der Auferstehungskirche sah, aus Furcht, dass sie auf die Mus- 
limen zu grossen Eindruck mache, über dem Felsen die gegen- 
wärtige Kuppel errichtete((. 168, 6 ^ZDFV. VII, 161): »Die 
Fundamente der Aksä rühren von David her, auf ihnen baute 
'Abdalmalik mit kleinen schönen Steinen«. Vgl. auch 171, 9 
iZDPV, VIL 164). 

Al-muhallabi (sehr, vor 3S6 = 996), citirt bei Abulfidfi 
p. 227. p. 10 Köhler: »Alwalid ihn *^Abdalmalik. nachdem er 
die Kubba über dem Fels gebaut, baute ebenfalls hier eine An- 
zahl Kuppeln und benannte sie mit einem Namen, z, B. Kuppel 
der Himmelfahrt [Muhamed's] u. s. w. Er that dies, um das An- 
sehn Jerusalems in den Augen der Syrer zu erhöhen und damit 
sie desshalb die Wallfahrt nach Mekka unterliessen. Er sagte, 
er wolle nicht . dass das Volk nach dem Hidschäz gehe, 
wegen des geistlichen Vorzugs der Familie des Propheten, 
und dass sie den F'maijaden und der geleisteten Huldigung ent- 
fremdet würden.« p. 239: S7 Köhler, der nach dem Leidener 
Codex die Worte als aus Muhallabi genommen bezeichnet: »Es 
blieb so (bei dem Zustand, in welchem X'mar die Haram-Area 
hinterlassen , bis Alwalid ihn "^Abdalmalik zur Herrschaft kam. 
F]r baute darin die Felsenkuppel, wie sie heute ist.« 

Dass die Nennung Walid" s statt 'Abdalmalik's ein Fehler 
sein muss, ergiebt sich aus der Motivirung. die nur auf 'Abdal- 
malik passt. Walid war im unbestrittenen Besitz der Herrschaft. 
In Mekka und Madina erneute und verschönerte er die grossen 
Moscheen, was er schwerlich gethan hätte, wenn er die Wall- 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 19 

fahrten nach dem Hidschäz hindern wollte. Er hat allerdings 
eingestürzte Theile der Moschee wieder aufbauen lassen. 

Dieses Zeugenverhör bis über das Jahr lOOOn. Chr. auszudeh- 
nen, ist nicht nöthig, wenn es auch thunlich wäre. Die Späteren 
wiederholen meist, und was etwa werthvoll wäre, ist nicht ge- 
druckt. Abulmahäsin (sehr. 860 = 1456) 1, 202 hat z. B. bloss: 
«In diesem Jahr (69) begann der Chalif *^Abdalmalik den Bau der 
Kubba über dem Fels des Bait al-makdis und den 13au der äusser- 
sten Dschämi*^; andere sagen im Jahr 70«. Aus einem Citat im 
Mutir ersieht man, dass in dem grossen Chronikwerk Mirät al- 
zamän des Sibt ihn al-dschauzi (4- 654 = 1256) der Sache gedacht 
war. Vornämlich käme in Betracht die ganze Fadäilliteratur, 
die besonders seit der Eroberung Jerusalem's durch Saladin 
Aufschwung genommen zu haben scheint, von der aber nur die 
drei geschichtlichen Werke, der Mutlr 752 = 1351, al-Sujüti und 
*^Ulaimi, einigermassen zugänglich sind. Am kürzesten übersieht 
man den Niederschlag der Traditionen in dem Letztgenannten, 
aus dem deshalb das Folgende (S. 240 — 242) wiedergegeben sein 
mag, das in wesentlicher Übereinstimmung mit dem Mutir p. 300 
und Sujüti p. 2 SO bei Le Strange steht. 

»Als das Jahr 66 (= 6S5 '6) gekommen war, begann er mit dem Bau 
der edlen Felsenkuppel und der Errichtung der Aksämoschee und zwar, weil 
er dem Volk die Wallfahrt nach Mekka gewehrt hatte, damit es nicht zum 
Ibn al-zubair neige. Da schrieen sie und er bezweckte, die Leute mit der Er- 
richtung dieses Betörtes [masdschid] der Wallfahrt [nach Mekka] abspenstig 
zu machen. Ibn al-zubair fand das vom 'Abdalmalik schlecht gehandelt. In 
Sachen des Baues schickte ' Abdalmalik, als er nach Jerusalem gegangen war 
und den Bau der Kuppel über dem noblen Fels befohlen hatte, durch sein 
ganzes Gebiet und in alle Hauptstädte Briefe: » x\bdalmalik hat die Absicht, 
eine Kuppel über dem Fels des Bait al-makdis zu bauen, welche die Muslimen 
vor Hitze und Kälte schütze und den Betört [masdschid, die Aksä) zu bauen ; 
er will aber dies nicht thun ohne das Gutbefinden seiner Unterthanen. Es 
mögen ihm also seine Unterthanen ihre Meinung, und wie sie gesinnt sind, 
schreiben.« Er erhielt die Briefe sämmtlicher Statthalter der Hauptstädte. 
»Wir finden die Absicht des Fürsten der Gläubigen passend und richtig. 
Wenn Gott will, vollende er den Bau des Hauses Gottes und seines Felsens 
und seiner Moschee, den er sich vorgenommen hat, und lasse dies durch ihn 
[Gott] gelingen und mache es zum Gedächtniss für sich und seine Vorgänger.« 

»Er versammelte die Arbeiter zu seinem Werk und sorgte zum Bau für 
viel Geld — man sagt, [dass es die Grundsteuer Aegyptens sieben Jahre hindurch 
■war — und legte es in der Kuppel nieder, die sich vor dem Fels nach Osten zu 
befindet, nachdem er sie erbauen lassen sie liegt an der Seite der Oelbäume), 

2» 



20 Gildemeister, 

und er machte sie zu einem Entrepöt, das er mit Geld füllte. Er betraute mit 
der Verwendung des Geldes zum Bau des Betörtes [masdschid, und allem 
Nöthigen den Radschä ihn Hajät ibn Dschai'val al-kindi, der zu den ersten 
Gelehrten und zu den Commensalen des'Umar ibn 'abd al-aziz gehörte, und 
gab ihm bei einen Mann, der Jazid ibn Salläm hiess, einen dienten des 
Abdalmalik, aus den Einwohnern Jerusalems. 'xVbdalmalik soll den Bau der 
Kuppel und ihre Form, wie er sie wünschte, den Arbeitern selbst beschrieben 
und sie es ausgeführt haben. Es ist im Bait al makdis (der Haram-Area) die 
kleine Kuppel, welche östlich der Felsenkuppel liegt und die die Kettenkuppel 
heisst, deren Form ihm gefiel und nach deren Modell er zu bauen befahl. Er 
befahl dem Radschä und Jazid, die Ausgaben zu besorgen und der Sache vor- 
zustehen; sie sollten das Geld darauf verwenden, ohne es zu verschwenden. 
Sie fingen den Bau an bei der Kuppel an der Ostseite des Betorts masdschid) 
bis zur AVestseite desselben, bis sie das Werk vollendet hatten imd der Bau 
zu Ende war und dem, der darüber raisonniren wollte, kein "Wort blieb.« 

«Der Bau, welcher im Vordergrund des Betorts [masdschid bei der Kibla 
von der Ostseite der Moschee bis zu ihrer "Westseite sich erstreckte, lief von 
der Mauer, welche bei der "VN'^iege Jesu ist, bis zu der Stelle, welche heute 
Dschämi' der Maghribiner heisst. « 

«Radschä und Jazid schrieben an 'Abdalmalik nach Damask: Gott hat 
den Bau der Kuppel des Felsens von Bait al-makdis (Haram-Area) und des 
äussersten Betorts imasdschid] vollendet, den der Fürst der Gläubigen be- 
fohlen hat, und nicht bleibt dem, der raisonnieren will, etwas zu sagen. Übrig 
geblieben von der angewiesenen Summe sind, nachdem der Bau zu Ende und 
gelungen ist, 100 000 Dinar, über die der Fürst der Gläubigen nach Belieben 
verfügen kann! Der Chalif schrieb zurück : Ich verfüge über sie zu euren 
Gunsten als ein Honorar, nachdem ihr den Bau des hehren Gotteshauses be- 
sorgt habt. Sie antworteten ihm : Es käme uns mehr zu, ■ die Summe] mit dem 
Schmuck unserer Frauen zu mehren, geschweige denn dass es unser Geld 
werde (?) ; so wende es denn an zu dem, was dir am meisten gefällt. Er schrieb 
ihnen : [die Dinare] mögen eingeschmolzen und damit die Kuppel vergoldet 
werden. Und das geschah 

»Dann nachdem das Chalifat auf al-'V\''alid ibn 'Abdalmalik überge- 
gangen war, stürzte der östliche Theil der Moschee ein. Da im Fiscus keine 
Summe war, befahl er daraus Münzen zu schlagen und sie für den eingestürz- 
ten Theil zu verwenden « 

»Die Vollendung des Baues der Felsenkuppel und der Moschee al-Ak^ä 
fand 73 statt, in dem Jahr, in dem 'Abdallah ibn al-zubair getödtet ward . . .« 

»Radschä ibn Hajät starb 112. Er hatte einen rothen Kopf und weissen 
Bart. « 

Zur Erläuterung dient : Die Schreiben ^\l)dalmalik's haben 
ihre Parallele in der Handlungsweise des Chalifen 'Utmän, der 
über die von ihm beabsichtigte Vergrössevung der Moschee zu 
Medina auch erst die Meinung der islamischen Gemeinde einzog. 
Samhudi. Gesch. von Medina, liüläk 12S5 p. 131, 17. Allerdings 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 21 

war 'Abdalmalik zur Erreichung seiner Pläne von dem guten 
Willen des Volkes abhängig, so dass er diese Komödie einer 
Volksabstimmung durch Landräthe ins Werk setzte. Aber das 
erhöht die Wahrscheinlichkeit des Berichtes. Im übrigen zeigt 
auch dieser, dass es sich nicht um die blosse Restauration einer 
eingefallenen Kuppel gehandelt haben kann; dazu bedurfte es 
sicher keiner Einwilligung des ganzen Volkes. Über Radschä 
ihn Hajät ergeht sich Herr Sepp in enthusiastischen und leider 
phantastischen Lobeserhebungen. «Der greise Eadschäap. 110 (da 
der Mann bis 112 gelebt hat, wie auch S- 121 richtig steht, so 
wäre er, wenn er auch etwa SO Jahre erreicht hat, im Jahr 66 
erst 34 Jahre alt gewesen), «der Baumeister Abdalmaliks« p. 121, 
»der noch mit 'Umar gelebt hatte« (jawohl, mit 'Umar II, der 
99 — 101 regierte, nicht mit X'^marl, 13 — 23), »einer der weisesten 
Meister« p, 94, > der Vorläufer Michel Angelo's p. 1 10. 121 verdient 
einen grossen Namen in der Kunstgeschichte (c Etwas anders ver- 
hält sich die Sache nun wohl. Radschä war kein Baumeister, er 
war Rechts- und Traditionskundiger ; er galt seiner Zeit als erster 
Jurist Syriens, und diejenige Bildung, welche er als solcher ge- 
nossen, konnte ihn unmöglich zum Architecten machen. Er war 
vielfach an Staatssachen betheiligt, Vertrauter des 'Ümar ihn "^Abd- 
alaziz, dem er selbst das Chalifat verschafft zu haben scheint. 
Seine Rolle bei dem Bau spielte er lediglich als Verwalter der 
Fonds, wie nirgendwo ihm etwas anderes zugeschrieben wird. Eben 
so wenig kann Jazid ihn Salläm Baumeister gewesen sein, worauf 
kein Wort in den Berichten führt; vielmehr hat er denselben 
Auftrag wie Radschä. Er wird mit der Führung des Rechnungs- 
wesens, wo die damals und viel später noch ganz ungeschickten 
Araber ja auf die Hülfe der dienten angewiesen waren, betraut 
worden sein, wie z. B. der Chalif Suleimän einem christlichen 
Secretair die Fondsverwaltung bei dem Bau der Moschee zu Ramla 
überliess, s. oben S. 15^), 

1) Auf Jazid ist Herr Sepp nicht gut zu sprechen. Er nennt ihn Leib- 
eigenen, Sclaven, ■während er doch ein maitlä, ein in ein bestimmtes staats- 
rechtliches Clientelverhältniss und dadurch in einen arabischen Stamm und 
den Schutz Aufgenommener war, und möchte ihn gebrauchen, um die Acht- 
heit der Inschrift ' Abdalmalik's zu verdächtigen. «Hätte je, heisst es S. 83, 
ein Chalif sich dazu verstanden, den Namen eines Baumeisters, der einen 
Sclaven zum Gehülfen nahm, neben den seinen zu setzen ! Diese Inschriften 



22 Gildemeister, 

Das Resultat ist also : Die arabischen Schriftsteller stimmen 
ausnahmslos darin überein, dass *^Abdalmalik sowohl den Felsen- 
dom als die Aksä gebaut habe : wenn nur eins von diesen er- 
wähnt wird, so ist dies immer der Dom. Herr Sepp gründet 
darauf sein gegen die Justinianskirche gerichtetes Argument 
S. 110 : »Der Bau der Aksä durch Abdelmalik ist durch Moham- 
med el Bashari bis auf Mugireddin fest bezeugt«. Aber das 
Gleiche gilt von dem Dom; man kann nicht die Hälfte eines 
Zeugnisses für glaubwürdig erklären und die andere Hälfte, weil 
gewisse Lieblingsmeinungen sich nicht damit vereinigen lassen, 
verwerfen. Allerdings, die architectonischen Gründe bin ich 
weit entfernt für irrelevant zu erklären, wenn ich auch gestehen 
muss, zu der architectonischen Beurtheilungskraft eines Schrift- 
stellers, der die Aksä selber gesehen hat und doch S. 116 ein 
Bild von ihr mit der Unterschrift »Querbalken der Aksäraoscheea 
zu bringen im Stande ist, welches jeder, der auch nicht in Jeru- 
salem gewesen ist, für ein Bild aus der Umaijadenmoschee zu 
Damaskus erkennen muss, herzlich wenig Vertrauen habe. Aber 
im vorliegenden Fall kommt es darauf gar nicht an. Der Stil ist 
und bleibt gewiss byzantinisch. Byzantinische Meister konnte 
man damals noch nicht entbehren. 'Abdalmalik musste einen 
christlichen, also griechisch gebildeten Architecten bei dem 
Wiederbau der durch eine Fluth zerstörten Moschee von Mekka 
verwenden (Azraki 396 Wüstenf.) ; von Jerusalem sagt es aus- 
drücklich Ibn Chaldün (Prolog. II, 323 Quat.). Walid Hess von 
Byzanz für seine grossen und prächtigen Bauten der Moscheen 
in Madina (Samhüdi p. 139, 9. Abän, der Sohn des Chalifen 

sind alle erst nach der wiederholten Restauration aufgemalt.« In diesem Fall 
hätten die Fälscher, wenn die Sache so gegen die Etikette lief, sich um so 
sorgfältiger gehütet, diese nicht zu verletzen. Aber nun weiss oder beachtet 
man nicht, dass man in nächster Nähe, auf dem Haram selbst, die besten Bei- 
spiele hat, dass sich auf den Inschriften, dieMa'mün in Baghdäd hatte fertigen 
lassen (el-Näsir Khusrau p. 81 Übsg.), der Name eines Maulä neben dem 
eines Chalifen findet, und dass in der von Harawi copirten (Archives de Tor. 
lat. I, 602) der Name des aegyptischen Chalifen Zähir li-i'zäz-din alläh neben 
dem Namen seines Wazirs und dem Namen des Vergolders Abdallah ibn 
Hasan, bei dem zum Zeichen, dass er ein Mann aus dem Volke ist, die Kunja 
fehlt, ganz unbekümmert steht und dass es die allgemeine Sitte ist (vgl. van 
Berchem Joum. asiat. 1888, XII, 459) — und will mitreden. Das Schönste ist, 
dass der Name des Jazid gar nicht auf der Inschrift vorzukommen scheint. 



Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten. 23 

'Utmän, sagte ihm missbilligend auf die Frage, ob es nun nicht 
schöner sei : «Wir bauten in der BauAveise der Moscheen, ihr in 
der der Kirchen«. Das. 140, 12) und Damask (Ihn Shäkir bei 
QuATREMERE Maml. II, 1, 263) Schaaren von Arbeitern und 
Künstlern kommen, wie bekannt ist. Es heisst nun ZAvar S. 112. 
138 : »150 Jahre nach Justinian gab es im ganzen Reiche keinen 
Meister der Baukunst, der einer so unverfälschten Reinheit des 
Stiles mächtig gewesen wäre « ; aber wo ist der Beweis für einen 
so kühnen Satz? Gesetzt es verhielte sich Avirklich so, wie die 
historischen Quellen aussagen, so sähe er doch der schönsten 
petitio principü verzweifelt ähnlich. Und zwanzig Jahre später 
finden wir denselben Stil, nur noch entwickelter, besonders in 
den Mosaiken, in der Moschee zu Damask ^) . 

1) Einige zu der Baugeschichte in Beziehung stehende Äusserungen, 
Avelche sich in obigen Zusammenhang nicht ohne Weitläuftigkeit einfügen 
Hessen, mögen besonders zusammengestellt werden. Eine Umvahrheit ist, 
wenn S. 3-5 gesagt wird : »Die alte Aksä ist mit der Kubbet es Sachra, die 
den Fels in der Mitte einschliesst, eine und dieselbe Moschee", um unter dieser 
Benennung die angebliche Sophienkirche unterzubringen. Die »alte Aksä« 
heisst nach X'laimi p. 379 ein gewölbter Raum unter der s. g. Aksä, von dem 
Verfasser meint, dass er zu den ursprünglichen Salomonischen Bauten gehört 
haben möge. — S. 36 : »Auf der Höhe des Prachtpflasters des Felsen, wie 
Mudschireddin die Hochterrasse nennt«] ist zu übersetzen : als der Boden des 
Betörtes gepflastert wurde, wurde die Kuppel des Propheten auf dem Boden 
ringsum mit rothem Marmor in der "Weise des Pflasters der Sachra 
belegt p. 374, 4. Dass die »Hochterrasse« so genannt sei, ist Phantasie. — 
S. 39. Einheimsen für seine Sophienkirche möchte der Verf. gern, was er 
S. 39 aus Ibn Batüta citirt findet, und was S. IH'Abdalmalik's Bau betreffend 
aus Theophaxes ad a. 6S2 erzählt wird. Aber der erstere spricht von der 
Sophienkirche in Constantinopel (statt Archas muss es heissen Asäf ben Be- 
rechja, eine bekannte apokryphische Persönlichkeit, , und bei Theoph.\nes 
steht ganz deutlich da, dass dieser Bau in Mekka — zur "Wiederherstellung 
der zerstörten Moschee — in dem auf die Bezwingung Ibn Zubair's folgenden 
Jahr geschah, als die Felsenkuppel längst fertig war. Überhaupt sagt ja 
Theophanes von 'Abdalmalik's Bauten in Jerusalem nichts. — S. 38. Auf 
die speculative Übersetzung von platea durch Plattform mag nur auf- 
merksam gemacht werden. Seit wann heisst platea je Plattform? 

Ein andrer Fall, wo die Übersetzung eines lateinischen Ausdrucks irre 
führt, ist mit dem "Worte petra vor sich gegangen, das an die Stelle des all- 
mählich absterbenden 1 a p i s trat, wie pietra, pierre zeigt, und bei AxTOXixus 
c. 23 nicht durch Fels, mit welchem der Begriff" des Unbehauenen untrennbar 
verbunden ist, sondern durch Stein, da dabei quadrangulis steht, also von 
Behauenem die Rede ist, übersetzt werden muss. Es nimmt sich wunderlich 



24 Gildemeister, Die arabischen Nachrichten zur Geschichte etc. 

aus, dass der älteste und neueste Beschreiber, der Perser Näsir Khusrau, der 
den Fels 437 = 1045 sah ,p. 29 = 89 »er hat keine gerade Form, ist nicht 
viereckig noch rund, sondern unregelmässig wie ein Stein im Gebirge«), und 
Baurath Schick (Beit al-makdas S. 7 »er hat keine regelmässige Form, 
man kann ihn weder rund, noch viereckig heissen, es ist ein unebener rauher 
nackter Fels«] die viereckige Gestalt so bestimmt leugnen und er jetzt bei einer 
Länge von über 50 Fuss und einer Breite von 40 mit der petra quadrangulis 
identificirt vrerden soll, die als Postament gedient für einen einzelnen Ange- 
geklagten. Auch die Combinirung mit der Fussspur Muhameds, die als 
isolirt von der Sachra bei X'laimi p. 371 bezeugt ist, und der christlichen 
Fussspur, die von Jesus zurückgelassen sein soll, als er zwölfjährig den 
Tempel verliess oder als er die AVechsler austrieb (Tobler, Topogr. I, 544) 
und die unmittelbar neben der Muhameds war (also nicht auf dem Felsen 
selbst), ist unzulässig. 

S. 55 »Keniset el Ine, mit " geschrieben, heisst im Vulgärarabischen 
die Schöne«. Die nöthige Begründung oder Nachweisung eines solchen 
unbekannten Factums ist weislich gespart; im besten Fall wird es eine Ver- 
wechslung mit dem schriftarabischen substantivischen (nicht adjectivischeni 
'ö?a, »das in dieAugenFallen, das Aussehn« sein , vermöge dessen 
man sagen kann: tauhu^lnatin, ein Kleid von [gutem] Aussehn. Es ist 
aber nicht abzusehn, was dadurch bewiesen wird : die gedruckte, nur in den 

Puncten falsche Lesart bei Eutychius II, 108, 13. 158, 11. 213, 10. >JLJI 
ist ja gar nicht mit r geschrieben und müsste, was selbst ABC-Schützen im 
Arabischen wissen sollen, um in el-lne zerlegt werden zu können, *«-o"i' ge- 
schrieben sein. Combinirt wird damit eine sanft gefälschte Stelle des 
Jäküt (es ist IV, 594, 7. ZDMG XVIII, 461, 27), die angeblich heisst: 
»Schöneres giebt es in aller "Welt nicht als die Kubbet es 
Sachra«, aber die lautet »als die [ganze] masdschid al-aksü. Man soll 
glauben, die Felsenkujjpel sei arabisch die Schöne benamt worden. Auch 
sonst erhält man unerwartete sprachliche Belehrungen. Kubba ist S. 35 der 
»Audienzsaal orientalischer Fürsten«. »Kibla kommt von Icabal empfangen 
(vielmehr hibbel,, der Ort, wo das Gebet aufgenommen wird«. Wir dachten, das 
Verbum heisse vorn sein. P. 130: der Semite braucht fürPförtchen, die Be- 
zeichnung Nadelöhr; das ist etwas stark, nachdem "Wetzstein Sitzungsber. 
der Acad. zu München 1873, p. 581 ff. die Sache in einem eignen Aufsatz klar 
gelegt hat. — S. 91. »Der Chalif Hakem Hess in die Omarmoschee einen 
silbernen Ofen (■.',; um den Preis von lOOOO Dirhem setzen«. Es steht im Text 
tannür. Das heisst allerdings Ofen, aber auch was Avir Kronleuchter nennen 
würden, nämlich ein einem orientalischen Ofen oder Feuertopf ähnliches Ge- 
fäss mit sehr vielen Lampen. Er hat einen solchen nicht in die Omarmoschee 
setzen lassen, sondern in die Amrumoschee in Fostat, wie der Text in Eich- 
horn llepertorium XV. 2S1 richtig angiebt. Vgl. de S.\cv Druzes I, ccclxv. 

Bonn, December 18S9. 



Inschrift der Yespasianischen Colonie Caesarea 

in Palästina. 

Von Professor Ur. K. Zangenieister in Heidelberg. 

Nach einer IVIittheilung des Herrn G. Schumacher in Haifa 
an Prof. Guthe vom 14. Juli ISS'J hat man in neuester Zeit 
in mijatnäs oder ?nämäs, ca. 6 Kilometer nordöstlich von Caesarea 
entfernt, Gebäudereste zu Tage gefördert und in diesen eine 
Granitsäule mit der Inschrift aufgefunden, welche hiermit ver- 
öffentlicht -svird. Die Säule ist unten gerade abgeschnitten und 
hat einen Durchmesser von 0,58 m; oben, wo sie in einen Anlauf 
mit einem 0,04 m hohen Steg oder Band endigt, beträgt der 
Durchmesser 0,68 m; einschliesslich dieses Bandes ist das Ganze 
0,80 hoch. Nachstehend gebe ich die Abzeichnung des Herrn 
Schumacher. 



^ ■ 

rvmxL 



'1-2 der natürlichen Grösse. 



26 ^- Zangemeister, 

Die Inschrift ist dank dem harten Stein augenscheinlich sehr 
gut erhalten, und die Feststellung der Lesung macht daher 
keine Schwierigkeit. Auffallend ist in der 1 . Zeile der Zwischen- 
raum zwischen A und M; ob die Stelle schadhaft war und dess- 
halb vom Steinmetz gemieden Avurde, oder was sonst ihn hierzu 
veranlasste, lässt sich nur an dem Originale selbst feststellen. 
Interpunktionen am Zeilenende, wie hier Z. 1 und 4, wider- 
streiten der Regel, kommen aber hin und wieder vor. Z. 4 zeigt 
die Abbildung vor PEG eine beschädigte Stelle mit ein paar 
Strichen, welche einem X ähnlich sehen. Auf dem Steine selbst 
wird sich leicht feststellen lassen, ob hier wirklich ein X getilgt 
ist. Für EX scheint der Raum nicht auszureichen. Der blosse 
Ablativ pecunia publica kommt häufiger vor als ex p. p. An 
dieser Stelle geht zudem schon eine andere Formel mit ex voraus. 
Nach der Zeichnung haben die Buchstaben die Form der 
Aktenschrift, wie sie sich beim Schreiben mit dem Rohr oder 
Pinsel ausgebildet hatte. Sie findet sich häufig zu Urkunden 
auch auf Bronze und Steint) verwendet, bisweilen auch zu 
sonstigen Steindenkmälern und zwar gerade auch im Orient. 
Es genügt für diesen letzteren Gebrauch zu verweisen auf den 
offenbar aus Beirut stammenden Grabstein mit der Erwähnung 
des Sulpicius Quirinius: Corp. I. Lat. III (suppl.) n. 6G87, ab- 
gebildet von DE Rossi, Bull. arch. crist. 1880 tav. IX; ferner 
auf die Hadrian-Basis von Athen, abgeb. Annali delV Inst. 1862 
tav. L(Z.l — 2beiHiJi5iNER,Exemplan. 365), auf welcher Z. 1. S — 10 
Lapidarbuchstaben, Z. 2 — 7 dagegen diese Aktenschrift zeigen. 
M(arcum) Fl(avium) Agrippam pontif (icem) , 
II viral(em) col(oniae) (primae) Fl(aviae) Au- 
g(ustae) Caesareae oratorem ex dec(urionum) 
dec(reto) pec(unia) publ (ica). 
Wichtig ist die Inschrift zunächst als die erste, Avelche sich, 
soviel ich weiss, hier gefunden hat; sicherlich ist es die erste 
Steininschrift, in welcher der volle Name dieser Vespasianischen 
Colonie erscheint. Aus der bekannten Geschichte der berühmten 
Stadt genügt es hier kurz zu erwähnen, dass der Ort ursprünglich 
Stratonsthurm (iiTpaiiuvo; -upYo:) hiess, dass Herodes der Grosse 
eine Stadt mit grossartigen Hafenbauten anlegte und zu Ehren 

1) Viele Facsimiles bei Hübnek, Exempla 1885, z. B. n. 1104. 



Inschrift der Vespasianischen Colonie Caef3area in Palästina. 27 

des Augiistus jene Kaioapiia, diesen ^z'^olo-o^ Äijj-TjV nannte ') . Da- 
nach heisst sie auf einer Münze des Nero Kaiaapia r^ irpoc -sjSaaToi 
Xtfisvi (bei DE Saulcy Nuraism. de la Terre Sainte 1S74 p. 116). 
Caesarea ludaeae caput est, sagt Tacitus hist. II, 78, 
d. h. sie war Landeshauptstadt (Mommsen Rom. Gesch. V, S. 540) 
als Eesidenz der einheimischen Könige, resp. Sitz der römischen 
Verwaltung. Hierher, wo Vespasian von dem Heere Judaea's am 
5. Juli 69 zum Kaiser ausgerufen worden war 2). deducirte Ves- 
pasian -^j eine Colonie und nannte dieselbe »colonia Prima Flavia 
Augusta Caesarea«. AVir besitzen viele Münzen aus der Zeit von 
Domitianus an, welche diese Namen aiifweisen ^) ; auf einigen 
erscheint die Variante «Caesarensis«, die wohl nicht anzuzweifeln 
ist, aber bei manchen Exemplaren vermuthlich nur auf falscher 
Lesung oder willkürlicher Auflösung beruht. 

Die Gründung dieser Colonie erfolgte ohne Zweifel bald 
nach Beendigung des jüdischen Krieges, und es lässt sich an- 
nehmen, dass Vespasian hierhin Veteranen seines Heeres dedu- 
cirte. In dem Militärdiplom Vespasians vom 5. April 71 wird 
diese Stadt als Heimath eines Zeugen erwähnt, aber noch Cae- 
sarea Straton(is) genannt; daraus darf man wohl schliessen, dass 
damals die Colonie noch nicht existirte, obwohl die Möglich- 
keit nicht ausgeschlossen ist, dass der Ausdruck dem gleichzeitigen 
Status nicht entspricht. — Die Bezeichnung als prima will off'en- 
bar besagen, dass dies die erste Colonie war, welche Vespasian 
gründete, — und ZAvar die erste im röm. Reiche, nicht in Palä- 
stina, denn hier war dies überhaupt die einzige. Neapolis (= 
Sichern, j. Näbulus) führt nur den Titel Flavia, ebenso wie z. B. 
die civitas Nemetum^), vielleicht in Folge einer Reorganisation 
durch Vespasian oder einen seiner Nachfolger, aber als Colonie er- 
scheint sie erst seit Philippus (de Saulcy p. 265). — Die Geschäfts - 



1) Joseph. Ant. XV. S, 5 ; 9, 6; Bell. Jud. I. 21, 5. — Ant. XVII. 5, 1, 
Bell. I. 31, 3 ; PLiNirs n. h. V § 09 u. A. — Vgl. Kubitschek, imp. Romanum 
tributim descr. 18^9 p. 258. 

2) Tacitus hist. 11 79 ; Sueton Vesp. 6. 

3) Plinius n. h. V § 69 : nunc colonia Prima Flavia a Vespasia- 
no imp. deducta. Vgl. Paulus Dig. 50, 15, S, 7; Ulpl\n 50, 15, 1, 6; 
Justin. Novell. 103 pr. 

4) de Saulcy p. 120 ff. Vgl. Eckhel III 430. 

5) 8. meinen Nachweis in den Bonner Jahrb. 76 1883; p. 88. 



28 ^- Zangemeister, 

spräche der Colonie war selbstverständlich die lateinische : ausser 
den Münzen (de Saulcy p. 117 bezeugt dies nun auch noch 
ausdrücklich diese von Gemeinde wegen gesetzte Inschrift. — 

Die Fundstelle der Inschrift ist in der Beziehung von be- 
sonderer Wichtigkeit, weil sie lehrt, dass das Territorium der 
Colonie sich bis hierher erstreckt haben muss. Ausgrabungen 
haben auf diesem Terrain noch nicht stattgefunden : bekannt ist, 
dass in mijamäs Ruinen eines römischen Theaters und Bogen 
eines k quaeducts existiren, welcher das Wasser von den Quellen bei 
sahhärin und sindjäne über mijamäs nach kaisärije führte. Die 
Beschreibung dieser Ruinen mit Zeichnungen giebt das grosse 
englische Palästinawerk^). Neuerdings haben sich in Caesarea 
Bosniaken und Herzegowiner angesiedelt 2) . 

M. Flavius Agrippa war also Pontifex der Colonie und duum- 
viralis ^), d.h. er hatte früher das Amt eines Duumvir in derselben 
bekleidet; als solcher gehörte er ohne Zweifel den decuriones, 
dem Gemeinde -Senat, an. — Der folgende Genetiv coloniae 
Primae Flaviae Caesareae würde in regulärem lateinischen 
Stil mit zu dem Vorigen zu ziehen sein: wegen des grösseren 
Zwischenraumes aber zwischen Zeile 2 und 3 ist, wie mirMoiMSEN 
bemerkt, wohl die Verbindung der Worte mit dem folgenden ora- 
torem vorzuziehen, und eine solche Voranstellung darf bei der 
gräcisirenden Inschrift nicht auifallen. Sachlich ist es natürlich 
irrelevant, welche Verbindung man wählt. Die Worte ex de curi- 
onum decreto gehören ohne Zweifel ebenfalls zu oratorem. 
Agrippa wird also genannt orator der Colonie inid hatte danach 
bei einer Gesandtschaft der Colonie. z. B. an den Kaiser, als 
»Sprecher« fungirf*). Für die römischen Staatsboten war orator 
in der republikanischen Zeit die gewöhnliche Bezeichnung, 
später trat aber dafür legatus ein (Mommsex, Staatsrecht 11^ 
S. 676;. Dies letztere Wort findet sich als amtlicher Titel auch 

1) Survey of western Palestine, Memoire II. 20 ff., wo die "Wasser- 
leitung von mhbänn über 7uüniäs nach Caesarea, und 6b f., wo das Theater- 
von mämäs unter Beigabe eines Plans beschrieben ist. 

2) Vgl. Warte des Tempels 1888, Nr. 7, 51. Nr. 10, 74 f. G. 

3) Ausserdem kommen die Formen vor: duoviralis und duo- oder 
duumviralicius. 

4) Vgl. die lex col. Genet., cap. 92, Ephem. epigr. II p. 108 und dazu 
MOMM.SEN p. 137. 



Inschrift der Vespasianischen Colonie Caesarea in Palästina. 29 

bei Provinzialgemeinden in Inschriften der Kaiserzeit nicht 
selten; vgl. z. B. im Corpus I. Lat. III p. 1182: YIII p. 1101. 
Orator findet sich in dem Titel der Digestende legationi- 
bus (50, 7) nie gebraucht ; Ulpian, Dig. 4S, 6, 7 führt legati 
und oratores nebeneinander auf als synonyme Ausdrücke ; ein 
epigraphisches Beispiel aber für dieses Wort in dieser Verwen- 
dung ist mir aus der Kaiserzeit nicht bekannt ausser dem hier 
vorliegenden. Ohne Zweifel wurde dem Agrippa dies Ehren- 
denkmal auf Gemeindekosten gesetzt eben wegen der Ver- 
dienste, welche er sich auf einer solchen Mission erworben 
hatte. Auf der Säule war eine Statue des Agrippa aufgestellt, 
wie der Akkusativ zeigt. Die Unterschriften der Bildnisse von 
Göttern und Menschen finden sich in dieser Weise nicht selten 
gefasst auf lateinischen Inschriften des Orients wie des Occi- 
dents, wofür folgende Beispiele genügen mögen: Genium 
Corp. III 66 7 2 (Beirut) und Bramb. C I. Rhen. 1444 Heddern- 
heim ; die Statue ist noch vorhanden), Bonum Eventum Bramb. 
1034 (Mainz); Q. Maarcium [Regem], lateinisch -rmd grie- 
chisch, Corp. I 596 = III 532 (Argos), L. Cornelium Scipi- 
onem Corp. I 533 =X 7459 (Sicilien), L. Petronium Verum 
Corp. III 6754 (Ancyra), L. Septimium Se verum, M. Aurel. 
Antoninum, lul. Domnam auf drei Säulen, Corp. III 6712 — 
6714 (Commagene). Diese Formulierung findet sich aber beson- 
ders häufig in griechischen Inschriften und muss als die specifisch 
griechische betrachtet werden, Avie schon Mommsex, Corp. I zu 
n. 533 hervorgehoben hat: diesem Gebrauch folgen gräcisirende 
lateinische Inschriften auf griechischem Gebiete. 

Für die Zeitbestimmung unseres Monumentes haben wir 
bereits den terminus a quo kennen gelernt. Was die andere 
Zeitgrenze betriift, so darf man wegen der schlichten Fassung 
des Textes schwerlich weiter hinab gehen als zur Regierung 
Trajan s oder Hadrians, und dazu stimmen auch die Schrift- 
formen. Einen Aveiteren Anhalt bieten die Namen des M. Flavius 
Agrippa. Flavius heisst derselbe offenbar nach einem flavischen 
Kaiser; die beiden anderen Namen weisen auf die nach dem M. 
(Vipsanius) Agrippa benannten Mitglieder der einheimischen 
Dynastie hin: M. .lulius Agrippa (f 44), Enkel Ilerodes des 
Grossen, oder vielmehr, da es sich hier um flavische Zeit handelt, 
aiif dessen gleichnamigen Sohn Agrippa II. ^j 99/100), den 



30 K.. Zangemeister, Inschrift der Vespasianischen Colonie Caesarea etc. 

letzten dieser idumäischen Könige. Unser Agrippa hat also augen- 
scheinlich seinen Namen (sei es bald nach seiner Geburt oder 
bei der Ertheilung des römischen Bürgerrechtes an ihn oder 
seinen Vater] erhalten unter einem der flavischen Kaiser, 
und vermuthlich stand sein Vater zu einem derselben, sowie zu 
Agrippa II. in naher Beziehung. Danach ist es sehr wohl möglich 
(wenn auch natürlich nicht beweisbar , dass unser Agrippa iden- 
tisch ist mit dem gleichnamigen Sohne des Josephus^). Fla- 
vius hiess er wie sein Vater, welcher, als er von Vespasian bald 
nach 70 das römische Bürgerrecht erhielt (vita c, 76), das Gentile 
des Kaisers annahm. Josephus nennt ihn in seiner Vita c. 76 : 
^LijjLOiviÖrj? 6 xal W^piK-a; £7riy.Xr,i>ci;, aber c. 1 nur 'A^piT-a;, wie 
unsere Inschrift. Solche Doppelnamen finden sich bekanntlich 
bei Griechen, Römern und römisch gewordenen Griechen nicht 
selten. Der zweite Name wird in lateinischen Inschriften ent- 
sprechend diesem ö /ai mit qui et oder mit sive oder idem ange- 
fügt (WiLMANNs, Exempla II p. 406) . Wir wissen nun, dass 
Josephus mit Agrippa II. in Verbindung stand, und es begreift 
sich, dass dieser Name den er seinem Sohne vielleicht nach- 
träglich auf Wunsch des Königs noch beigelegt hatte; als der 
ehrenvollere den anderen allmählich verdrängte. — Dieser Agrippa 
war ihm von seiner dritten Frau 2; im 9. Jahre des Vespasian, 
also zwischen dem 1. Juli 77 und dem 30. Juni 78 geboren. 
Duumvir konnte er ordnungsgemäss frühestens in seinem 25. 
Lebensjahre, also 101/102, werden; tinsere Inschrift würde also 
in die Zeit von Trajan oder Hadrian gehören. 

1) MOMMSEN, dem ich diese meine Vermuthung mitgetheilt habe, hält 
sie für sehr probabel. 

2; Die er 73 oder "4 geheirathet hatte. S. vita c. "5 und 7t). 



Das Tlialtlior im alten Jerusalem. 

Von Baurath C. Schick in Jerusalem. 

(Hierzu Tafel I.) 

Durch die folgende Darstellung möchte ich dem Wunsche 
entsprechen, den der Herausgeber dieser Zeitschrift in den Be- 
merkungen zu meinem Aufsatze über »das Stadtviertel der Grabes- 
kirche« etc. ZDPV. YIII, 259 ff. aussprach (S. 2S7) , nämlich 
meine Gründe für die Ansetzung des Thalthores auf Tafel YIII 
des genannten Bandes mitzutheilen. Bekanntlich hat man die 
Lage dieses Thores verschieden bestimmt; Dr. Schultz z. B. 
setzte es an die O. -Seite der Stadt. Caspari an die S. -Seite, die 
meisten jedoch an die W. -Seite. Diesen hatte auch ich mich in 
dem genannten Aufsatz angeschlossen. Die Gründe für meine 
Auffassung lassen sich jedoch nicht in wenigen Worten sagen, 
sondern bedürfen einer näheren Ausführung, die ich zugleich 
durch einen Plan und durch zAvei Durchschnitte veranschauliche 
(Tafel I). 

Das Thalthor wird im alten Testament 2 Chr. 26, 9 und 
Neh. 2, 13. 15 u. 3, 13 erwähnt. Es ist bisher der Name so ge- 
deutet worden,, dass das Thor in ein Thal hinabgeführt habe. 
Das war aber bei allen anderen Thoren auf der W.-, S.- luid O.- 
Seite in gleicher Weise der Fall, und dennoch haben sie sämmt- 
lich andere Name bekommen. Ich nehme daher an, dass das Thor 
seinen Namen i) erhalten hat. weil es im Unterschiede von den 
anderen im Thale selbst stand. In der salomonischen Ring- 
mauer war es noch nicht; erst Usia baute dasselbe und versah 
es mit starken Thürmen, so dass die NW. -Ecke der Stadt, wo 

1) Das Thal, hebr. haggaj, ist das Thal Hinnom, ge [ben, bne] hinnöm. 
Ich werde mir erlauben, in dem nächsten Hefte die Lage des Thalthores 
meinerseits zu besprechen. GuTUE. 



32 Schick, 

auch heute noch die kaVa^ das Kastell, sich befindet, durch ein 
starkes Bollwerk geschützt wurde. 

In der Schilderung des Zuges der beiden Dankchöre Neh. 12, 
die oiFenbar im \V. der Stadt, an der dem Tempel gegenüber 
liegenden Seite, sich versammelten und, nachdem jeder von 
ihnen eine Hälfte der Stadt umschritten hatte , am Tempel 
wieder zusammentrafen (V. 40), ist zwar der Ort der Versamm- 
lung nicht genau bezeichnet; es kann aber kaum ein anderer 
Ort als das Thalthor gemeint sein. Das Volk hatte sich in der 
Thalebene ausserhalb des Thores versammelt ; es trat dann durch 
das von Hanun und den Bürgern von Sanoah Neh. 3,13 wieder- 
hergestellte Thor in die Stadt ein, innerhalb des Thores gingen 
beide Chöre nicht nur auf die Mauer hinauf, sondern auch nach 
Neh. 12, 38 (»die Mauer hinan zum Ofenthurm hinauf«) noch 
weiter hinauf zu den eigentlichen Hefestigungswerken, die auf 
der Höhe standen, der eine nordwärts zum Ofenthurm hinauf, 
der andere südwärts nach dem Mistthore zu. So scheint mir die 
Annahme, dass das Thalthor im Thale, also tief lag, wohl zu 
dieser Darstellung des Nehemia zu passen. 

Bei diesem Thalthor, bei dem Eckthor und am »Knick« hat 
nun Usia nach 2 Chr. 26, 9 Thürme gebaut. Die Zahl derselben 
ist nicht angegeben; es wird daher gestattet sein, einen oder zwei 
Thürme anzunehmen, etwa auf jeder Seite des Thores einen, wie 
ich es ZDPV. VIII, Tafel VIII angegeben habe. Ich lasse mich 
hierin durch dasjenige, was sich an Ort und Stelle vorfindet, 
leiten. Das heutige Kastell hat im ganzen vier Thürme. Zwei 
derselben ruhen sicher auf alten Grundlagen, der sogenannte 
Davidstlnirm oder der Phasael des Herodes und der Thurm neben 
dem Jafathor, an der Stelle des herodeischen Ilippikus. Die 
anderen beiden sind viel kleiner und können nicht mit Sicher- 
heit als antik bezeichnet werden; wenn der grössere derselben auf 
alten Grundlagen ruht, so könnte man darin den Mariamne-Thurm 
des Herodes erkennen, der dann weniger zum Schutze der Stadt, 
als zum Schutze des Palastes gedient hätte. Da ich glaube, dass 
Herodes die Thürme Phasael und Hippikus auf alten Grundlagen 
geballt und n\ir die oberen Prachtgemächer hinzugefügt hat, so 
betrachte ich als den eigentlichen Gründer dieser massiven Bauten 
den König Usia. Es sind die Thürme am Eckthor, das zwischen 
beiden lag (Tafel I) und von ihnen gedeckt wurde. Der westliche 



Das Thalthor im alten Jerusalem. 38 

Thurm erhielt später den Namen Ofenthurm. Die alte salomo- 
nische Mauer lief vom Eckthor gerade aus nach O., während die 
von S. her kommende, auf der Höhe des Bergrandes laufende 
Mauer in einem stumpfen ^yinkel gegen das Eckthor stiess (vgl. 
Tafel I]. 

Wo sind nun die Thürme am Thalthor? Hierüber glaube 
ich auf Grund von Nachgrabungen, die ich im Jahre 1888 aus- 
geführt habe, Auskunft geben zu können. Ungefähr 28 m süd- 
westlich von der SW.-Ecke des heutigen Burggrabens finden sich 
im Thale die Ruinen eines alten Thurmes. Sie sind seit Herbst 
1889 freilich völlig verschüttet. Durch meine Ausgrabungen 
habe ich festgestellt, dass dieser Thurm ganz massiv war, wie es 
die alten jüdischen Thürme in ihrem unteren Theile zu sein 
pflegten, und dass die Aussenmauer böschungsartig aufgeführt 
war. Die äusseren behauenen Steine müssen später jedoch ein- 
mal weggenommen worden sein. In seiner ursprünglichen Ge- 
stalt muss dieser Thurm 1 5 m breit gewesen sein und etwas mehr 
an Länge gemessen haben. Seine Grösse ist demnach fast die- 
selbe wie die des Hippikus oder des alten Ofenthurms. Dieser 
Thurm diente dem Thalthore als Schutz und starke Wehr. In 
der Mauer, die von ihm nach dem Ofenthurm hinaufführte, lag 
wohl noch — etwa in ihrer Mitte — ein anderer kleinerer Thurm, 
dessen Fundamente nun durch die von den Türken hergestellten 
neuen Batterien bedeckt werden. 

Das Thalthor lag nach meiner Auffassung in dieser Mauer 
und zwar da, wo der Felsboden des heutigen Burggrabens am 
niedrigsten ist. Innerhalb des Thores gab es gewiss Treppen, 
um auf die Mauer und die Thürme hinaufsteigen zu können. 
Auch vermuthe ich, dass vom Thore aus ein Weg unterirdisch 
zur alten salomonischen Mauer hinauf und in die Stadt geführt 
hat. Dieser ging in den südlichen Burggraben, w^o dieser so sehr 
tief ist, aufwärts und wandte sich dann vor der Felswand, die 
noch heute den Burggraben durchschneidet und die alte Mauer 
trug, nach rechts und mündete südwärts in die in die Stadt führende 
Strasse. Als Herodes seinen Palast hier aufführte, wurde dieser 
Weg versperrt. Das Thalthor kam als Stadtthor ausser Gebrauch 
und blieb nur eine geheime Pforte, die von Josephus Bell. jud. 
V. 6, 5 erwähnt zu sein scheint. Als Agrippa die dritte Mauer 
baute, kam dafür das heutige Jafathor in allgemeinen Gebrauch. 

Ztschr. a. Pal.-Ver. XUl. 3 



34 Schick, 

Für das Eckthor scheint der Name Gennath-Thor ühlich geworden 
zu sein. Einige übersetzen ihn durch Gartenthor; und wirkUch 
lagen vor demselben zur Zeit der Belagerung unter Titus zwischen 
den beiden Mauern keine oder doch nur wenige Häuser, sondern 
Gärten ! 

Von dem im Thale stehenden Thurm des Usia ging ent- 
weder ostwärts oder südwärts — etwa so wie ich auf Tafel I 
angegeben habe — eine Mauer zu der älteren salomonischen 
Stadtumwallung hinauf. Ihren Lauf habe ich aus zwei Anzeichen 
erschlossen: 1) aus altem, noch vorhandenen Mauerwerk mit 
einer Cisterne, 2 aus einem sehr weit vorstehenden Thurm in 
der heutigen Westmauer der Stadt, der auf seiner Westseite in 
einzelnen Absätzen zurückgesetzt ist und die völlige Grösse der 
anderen alten Thürme hat. Auch seine Anlage möchte ich in 
ihren Anfängen auf Usia zurückführen und in ihm den am 
)) Knick« errichteten Thurm erkennen. 

Ich benutze diese Gelegenheit, um über den heutigen Plan 
des Kastells noch einige Bemerkungen zu machen. Dieser muss 
jedem also sehr sonderbar erscheinen. Er wird nur durch die 
Annahme erklärlich, dass der Bau in Folge verschiedener Ver- 
änderungen im Laufe der Jahrhunderte allmählich die jetzige 
Beschaffenheit erlangt hat. In seiner Mitte liegt ein grösseres, 
jetzt meist zerfallenes Bauwerk, dessen Front in einer sehr ge- 
neigten Linie nach S. läuft. In ihm erkenne ich einen alten 
Palast, der sich an die Innenseite der Stadtmauer lehnte, im N. bis 
an das alte Eckthor reichte und nach S. hin einen Mauerthurm 
hatte, der sich bis in unsere Zeit erhalten hat und gegenwärtig das 
Minaret trägt. Ich zweifle nicht daran, dass man im Hofe der süd- 
lich benachbarten Kaserne bei Nachgrabungen die Beste der Fort- 
setzung dieses Palastes finden wird ; ja bis zu dem Thurm am Knick 
erstreckte sich gewiss der Palast des Herodes — denn dessen Re- 
sidenz habe ich im Auge. Aus dem heute noch stehenden Stück 
im Hofe der haV a erkenne ich zugleich die Richtung, die die 
Stadtmauer hier hatte. Der Weg vom Thalthore her ging durch 
den Hof des Palastes und setzte sich in der heutigen Strasse des 
armenischen Viertels fort. Eine andere, vermuthlich schmalere 
Strasse führte vom einstigen Eckthore ostwärts, etwa in der 
Richtung der heutigen Thore des Kastells. 

Wenn nun auch die Römer die westlichen Theile der Stadt- 



Das Thalthor im alten Jerusalem. 35 

mauer stehen Hessen, so dürfen wir doch kaum annehmen, dass 
damals (70 n. Chr.i alles unversehrt geblieben Mar oder dass sich 
die Befestigungen des Usia noch vollständig erhalten hatten. 
Den Römern — so vermuthe ich — verdankt jedoch die jetzige 
Burg im wesentlichen ihre Existenz, zugleich die nach S. laufende 
salomonische Ringmauer ihre AViederherstellung oder Erhaltung. 
Auf Tafel I sind alle diejenigen Theile, die meiner Meinung 
nach auf die Römer zur Zeit des Hadrian zuriickzuführen sind, 
durch einfache Schraffirung bezeichnet. Die Umrisse zeigen das 
Bestreben, ein Oblongum herzustellen, dessen beide schmäleren 
Seiten freilich tlivergiren. Doch wurden durch diesen Umbau 
nicht nur alle Thürme mit einander verbunden und ein grösseres 
Bollwerk geschaifen, sondern auch ein Inneres hergestellt, wie 
es Burgen zu haben pflegen. Wahrscheinlich wurde schon da- 
mals das Kastell mit Gräben versehen. Jedoch sind die 
jetzigen Gräben, wie man sie mit ihren Boschungsmauern und 
Batterieen vor sich sieht, erst von den Muslimen eingerichtet 
und zwar, wie eine arabische Inschrift besagt, nicht einmal vor 
sehr langer Zeit. Die Muslimen werden wohl mehr erneuert und 
geändert, als völlig neu angelegt haben. Ihre Werke tragen auf 
Tafel I punctirten Ton. Die durch einfache Schraffirung ausge- 
zeichneten Bauwerke zeigen in ihren unteren Theilen ganz 
gleiche Arbeit, in den oberen Theilen ist es häufiger verschieden. 

Nach JosEPHUs zweigte die zweite Mauer von der ersten in 
der Nähe des Gennaththores ab. Was man vor einigen Jahren 
von der zweiten Mauer fand, führte direkt gegen die NW. -Ecke 
des Davidsthurmes. des alten Phasael, der auf der ersten Mauer 
steht. Diese erste Maiier ging nach W. bis zum Hippikus, dem 
früheren üfenthurm, und wurde durch die Mauer des Agrippa, 
die dritte Mauer, längs des jetzigen Jafaweges fortgesetzt. Die 
Türken haben bei der Wiederherstellung dieser Mauer dieselbe 
etwas nach O. eingerückt und sie dabei nicht auf den Felsen, 
sondern auf Erdboden aufgesetzt, Avie das in den letzten Jahren 
festgestellt worden ist. — Meine frühere yVnnahme, dass das 
Gennaththor sich in der heutigen Kaserne befunden habe (ZDPV. 
VIII, Tafel VIII) , halte ich nicht mehr aufrecht. Diese Kaserne 
wurde erst unter Hadrian erbaut. 

Ich erhalte auf diese Weise schon im alten Jerusalem auf 
dessen W.- Seite einen doppelten Mauerzug. Manche werden 



36 Schick, Das Thalthor in Jerusalem. 

Zweifel daran hegen. Ausser dem oben Gesagten möchte ich zur 
Stütze meiner Auffassung noch anführen, dass auch die heutige 
Festung an dieser Stelle nach Westen zwei Mauern hat, die 
freilich einen regelmässigeren Lauf haben, nämlich die eigent- 
liche Festungsmauer (einfach schraffirt) und die Böschungs- oder 
Batteriemauer (punctirt). Ferner lesen wir Neh. 3, 11, dass 
Hasub »zwei Stücke« [richtiger »eine zweite Strecke (c G.] baute, 
ebenso wie in V. 24 u. 30 dieser Ausdruck für die Ostraauer der 
Stadt vorkommt. Warum sollten gerade diese Stücke, wenn sie 
in einer Linie neben einander lagen, in zwei Theile getheilt 
gewesen sein, die übrigen Stücke jedoch nicht? Es liegt doch 
näher anzunehmen, es habe an dieser Stelle, wie auch im O, der 
Stadt (V. 24 u. 30), eine doppelte Mauer gegeben, eine äussere 
und eine innere oder eine obere und untere, da bei der Ab- 
schüssigkeit des Terrains die eine Mauer wie eine höhere Terrasse 
die andere Mauer überragen musste, ähnlich den jetzigen Ver- 
hältnissen am Kastell. 

Jerusalem, 1. Oct. 18S9. 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der 
Palästina-Zeitschrift. 

Von F. Buhl, Professor in Kopenhagen. 



Zu Bd. IX, 84. In seiner Beschreibung von Tiberias er- 
wähnt Frei zwei Basaltsteinthüren mit hauränitischen Orna- 
menten, die in einem als Post- und Telegraphenbureau dienenden 
Hause eingemauert sind, und giebt eine Zeichnung von einem 
dieser Thürflügel. Es sei hier kurz bemerkt, dass das betreffende 
Haus nicht mehr als Postbureau benutzt wird, indem dies letztere 
sich jetzt in der Nähe in einer mehr östlichen Gasse befindet. 
Von grösserem Interesse ist es, dass sich eine ganz ähnliche Stein- 
thür, wie mein Führer in Tiberias, ein im Dienste der Medical 
Mission stehender Jude, mir zeigte, südwestlich von der Stadt 
auf dem Abhänge des Herodesberges befindet. Sie liegt halb 
versteckt in der Erde, rechts von einem Pfade, der den Berg 
hinauf führt, vmd ist in dem Grade von grossen Disteln über- 
wachsen, dass man dicht daran vorübergehen kann, ohne sie zu 
bemerken. Der Theil, der aus der Erde hervorragt, hat das Aus- 
sehen der nebenbei stehenden Zeichniing. 

Bei a befinden sich die Überreste eines 
Handgriffes, bei h zwei Löcher für die 
Thürangel. 

Die Herkunft dieser interessanten 
Stücke ist, Avie Frei bemerkt, schwer zu 
bestimmen. Doch glaube ich nicht, dass 
diese »hauränitische« Ornamentik über- 
haupt sehr alt sein kann, so alt auch die 
AuAvendung der steinernen Thorfiügel in den transjordanischen 



o o 
o 

O O 



D 



o o 
o 



UO o 

o 
o o 



D 



o o 
o 



38 Buhl, 

Gegenden sein mag^). Offenbar ist nämlich diese Ornamentik 
mit ihren Halbkiigeln nnd Leisten eine Imitation von hölzernen 
Thüren mit Leisten und Nagelbeschlag und kann folglich nur 
von Künstlern erfunden sein, die solche Thüren gut kannten, 
also wahrscheinlich von fremden, in den Hauran eingewander- 
ten Künstlern. Ausserdem ist noch daran zu erinnern, dass ganz 
dieselbe Ornamentik sich auch weit nördlicher in Syrien findet, 
z. B. in Häss und Der Sanbil, östlich von Ladakije, s. deVogüe, 
Syrie centrale, architecture civile et religieuse, PI. 71. 81. 83. 
Also ist sie wohl ebenso wenig alterthümlich wie specifisch 
hauranitisch. Dass man sie östlich vom Jordan an Thüren vor 
Höhlenwohnungen angewendet findet, beweist wohl nur, dass 
man die Steinthüren solcher Höhlen später damit verziert hat. 

Zu Bd. XL 241 ff., Xn, 145 ff. Da es in der Wissenschaft 
nicht selten vorkommt, dass eine Hypothese, die von sehr be- 
deutenden Forschern vertreten wird, durch die Autorität ihrer 
Vertreter nach und nach den Character einer sicheren Thatsache 
annimmt, deren Acten als geschlossen zu betrachten sind, muss 
man gewiss Herrn van Kasteken dafür dankbar sein, dass er 
die Hypothese von der nördlichen Lage Tarichäas einer scharfen 
Kritik unterzogen, die jedenfalls das noch recht Hypothetische 
dieser Hypothese aufgedeckt hat. Nicht am wenigstens dankbar ist 
derjenige, der, wie Schreiber dieser Zeilen, immer noch die Lage 
Tarichäa's an der Südwestecke des Sees als die wahrscheinlichere 
betrachten muss. Ohne mich in die Behandlung dieser ganzen 
topographischen Frage einzulassen, erlaube ich mir ein paar ein- 
zelne Punkte derselben nochmals zu berühren. Mit Recht hat 
VAX Kasteren auf einen Zug in Josephus' Darstellung von dem 
Marsche Vespasians von Bethsean nach Tiberias aufmerksam ge- 
macht, der sehr glaubwürdig klingt, und den man früher nicht 
hinlänglich beachtet hatte. Nach Josephus (Hell. III. 9, 7) 
schlug A'espasian sein Lager 30 Stadien von Tiberias auf, sOauvoTTrov 



1) Vgl. die interessante Stelle 1 Makk. 5, 47 : die Bewohner der Stadt 
Efron verschlossen ihre Thore gegen Judas und seine Krieger »mittelst 
Steinen". Efron, das deutlich in einem Engpasse in den östlichen lland- 
bergen des Ghor, ungefälir Bethsean gegenüber, zu suchen ist, hat AVetzsteix 
wohl richtig mit hehräs an der Nordwestecke der liandschaft liefTiräl südlich 
vom Jarmuk zusammengestellt (s. das batanäische Giebelgebirge 1884, 27). 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 39 

-ou Vi«)-cpi^öU3i an einem aTa.\}\i6c. dessen Name Sennabris war. 
Wenn van Kasteren hier die v£a)T£pi!Iovt£; von den Tarichäern 
verstehen will, so ist das, wie ich glaube, eine durch den klaren 
Zusammenhang der Erzählung vollständig ausgeschlossene An- 
nahme. Aber gerade die durch den Context geforderte Beziehung 
auf das aufrührerischen Tiberienser ist der beste Beweis dafür, 
dass man das hier erwälmte Sennabris nicht an der Südwestecke 
des Sees suchen darf, woraus weiter folgt, dass die aus dem Auf- 
schlagen des römischen Lagers an dieser Stelle gefolgerten 
Schlüsse gegen Tarichäa's Lage südlich von Tiberias entkräftet 
werden. Von Tiberias aus ist nämlich die Südwestecke des Sees 
wegen der hervortretenden Berge südlich von den heissen Bädern 
ganz unsichtbar, wovon auch diejenigen sich überzeugen können, 
die den See nicht besucht haben, wenn sie die Photographie von 
Bonfils No. 109 (Vue generale de Tiberiade prise de la forteresse) 
betrachten. Da es nun nicht wahrscheinlich ist, dass zwei 
Ortlichkeiten so nahe aneinander beide den Namen Sennabris ge- 
tragen haben, scheint man einen Irrthum in Josephus' Namens- 
augabe annehmen zu müssen. Indessen verhält es sich mög- 
licherweise auf eine andere und einfachere Weise. Josephus 
gebraucht in der angeführten Erzählung das Wort oTaöfxoc. das 
imgefähr dasselbe bedeuten kann wie jetzt das W^ort »Chan«. 
Da es nun nicht selten vorkommt, dass ein nach einem Dorfe 
oder Städtchen benannter Chan ziemlich weit entfernt von diesem 
liegt, nämlich wenn die Hauptstrasse das betreffende Städtchen 
nicht berührt — man denke z. B. an c/iä?i j'ebnä ziemlich weit 
südlich von j'ebfiä (Jamnia) in der judäischen Küstenebene, oder 
an chäti lubhän südlich von Näbulus — so macht die Annahme 
gewiss keine grosse Schwierigkeit, dass es dazumal auf den west- 
lichen Randbergen des Sees, wahrscheinlich an einer Haupt- 
strasse, einen Chan Sennabris gegeben habe, und dass gerade 
dieser an der oben erwähnten Stelle in Josephus' Bericht gemeint 
sei. Sennabris an der Südweststrecke des Sees nennt er dagegen 
eine y.iojxr,. 

Was die Ammausfrage betrifft, die für die Feststellung der 
Lage Tarichäa's von Bedeutung ist, scheint mir 'gegen Ftkrek 
Bd. XII, 14 7) so viel sicher, dass das Hamata des palästinen- 
sischen Talmuds (Neubauer 207) nicht im icüdi "ammas gesucht 
werden darf. Da nämlich die Berge nördlich von der tiberiensi- 



40 Buhl, 

sehen Straiidebene sehr nahe ans Wasser treten, kann eine im 
loädi ^ammas liegende Ürtlichkeit sicher nicht mit Tiberias eine 
Stadt gebildet haben, wie es im Talmud von Hamata gesagt wird; 
nicht einmal für eine einzige Strasse wäre hier Platz genug. Das 
talmudische Hamata kann allein mit den berühmten Bädern 
südlich von der Stadt zusammengestellt werden, wie ja auch die 
Stiandebene zwischen Tiberias und diesen Quellen viele Spuren 
von alten Gebäuden zeigt. Wenn nun Josephus (Arch. XVHI. 
2, 3) von den »Thermen unweit Tiberias« spricht und sie offen- 
bar als eine Merkwürdigkeit betrachtet, die der Stadt ihre beson- 
dere Bedeutung gab, so sind ohne Zweifel darunter dieselben 
berühmten Bäder zu verstehen, die an Wasserfülle diejenigen im 
ivädi 'ammäs bei weitem übertreffen. Man wendet zwar ein^i, 
dass Josephus an andern Stellen von den jiThermen in Tiberias« 
spricht, worunter die südlichen Quellen zu verstehen sein sollen. 
Aber hat dieser Gegenbeweis wirklich die Bedeutung, die man 
ihm beilegt? An zwei Stellen (Vita 16. Bell. II. 21, 6; erzählt 
Josephus, dass Johannes eine Krankheit als Vorwand benutzte 
und ihn um Erlaubniss bat, die iheissen Quellen in Tiberias« zu 
gebrauchen. Darf man wirklich hier, wo die genauere Ortsan- 
gabe ganz gleichgültig war, die Präposition so sehr pressen, dass 
nothwendig eine andere Ürtlichkeit gemeint sein muss als die 
Arch. XVHI. 2, 3 erwähnte, wo doch von denjenigen Quellen 
die Rede ist, die durch ihre Heilkraft Tiberias berühmt machten? 
Waren die Qellen im wädi 'ammäs damals als heilkräftig bekannt, 
warum liess Josephus denn nicht den immerhin verdächtigen 
Mann diese Bäder benutzen, wodurch er ganz ausserhalb der 
Stadt geblieben wäre? Dazu kommt, dass die doppelte Ausdrucks- 
Aveise nach der Lage der Quellen sehr erklärlich ist. »In« der Stadt 
selbst, im strengen Sinne des Wortes, lagen die südlichen Quellen 
nicht; das wissen wir jetzt bestimmt, nachdem Schumacher die 
alte Stadtmauer von Tiberias aufgedeckt hat-^j . Also ist der Aus- 
druck »Thermen unweit Tiberias« vollständig correct. Andrerseits 



1) Üiii.MANN, Die P'ortschritte dtr Ortskunde von Palästina I, 12. 

2) S. The Athenaeum 1887, IG. April p. 517a : «at its (the walls) South- 
west Corner there rises a lofty hillock, five hundred feet in height . . . The 
ancient wall of Tiberias ran up, and was connected with a streng wall round 
this hill". 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 4 1 

war gewiss die kurze Strecke zwischen Tiberias und den südlichen 
Bädern, Avie aus den noch vorhandenen Trümmerresten und 
der oben erwähnten Mittheilung im paläst. Talmud hervorgeht, 
mit allerlei Gebäuden, Villen, Säulengängen u. s. w. bedeckt, 
so dass JosEPHUS in dem kurzen historischen Bericht dieselben 
Quellen als »in« Tiberias im weiteren Sinne) gelegen bezeichnen 
konnte. Gar zu leicht darf man es wohl auch nicht mit Josephus' 
Übersetzung von Ammaus durch Ospixa Bell. IV. 1, 3) nehmen: 
höchstens könnte eine Namensverwechselung von nAmmaus« mit 
dem richtigeren »Hamat« vorliegen. 

Dass endlich Josephus (Bell. IV. 8, 2) die grosse .Jordan- 
ebene bei Sennabris und nicht bei Tarichäa beginnen lässt, was 
man auch als Instanz gegen die Lage Tarichäa's an der Südwest- 
ecke anführt, Avird völlig paralysirt dadurch, dass der Talmud 
(Neubauer 215) den Jordan seinen Namen «Jordan« bekommen 
lässt »unterhalb Betirach«, worin kein Mensch einen Beweis 
gegen die vom Talmud selbst bezeugte Lage von Sennabris neben 
Betirach finden wird. Lag Tarichäa an der Südwestecke des Sees, 
so wird es ja eben mit Betirach zu identificiren sein. 

Die einzige wirkliche Schwierigkeit bieten die von Josephus 
erwähnten, unglücklichen Bogenschützen auf dem Berge (Bell. 
III. 10, 3), deren Aufgabe bei Kerak allerdings sehr dunkel ist; 
aber ich finde es nicht berechtigt, wegen dieser einen Angabe 
ein sonst recht sicheres Resultat umzustürzen, wenn sie auch den 
modernen Vertheidigern der südlichen Lage Tarichäa's nicht 
weniger beschwerlich sind, als sie es nach Josephus und nach 
Titus' Schlachtplan den Vertheidigern des alten Tarichäa's sein 
sollten . 

Zu Bd. XII. 151. An dieser Stelle macht Furrer mit Recht 
auf die Bereicherungen aufmerksam, welche die historische Palä- 
stinakunde Schumacher's Karten von Dschölän und West-Haurän 
verdankt. Unter anderen bespricht er den wichtigen Bericht 
1 Makk. 5, 26 ff. von Judas Makkabäus' Zuge im Ostjordanlande. 
Dass bei diesem Zuge an den südlichen Haurän und Dschölän 
zu denken ist, ist jetzt nicht mehr zweifelhaft, wie es noch war, 
als Grimm seinen vortrefflichen Conimentar schrieb. Nur zi 
zwei Identificirungen Furrer's möchte ich mir ein bescheidenes 
Fragezeichen erlauben. Bosor stellt Furrer mit baslr westlich 
der Ledschä zusammen. Indessen dürfte diese Stadt doch etwas 



42 Buhl, 

zu Aveit nördlich liegen. Wäre es nicht sicherer, an biisr el-harirl 
zu denken, das südlicher liegt i Der zweite Theil el-harlrt ist 
späterer Zusatz, einem benachbarten Dorfe entnommen, wie auch 
Jäküt (Geographisches Wörterbuch ed. Wüstenfeld I, (321) nur 
husr schreibt. Unsicher würde die Identification nur werden, 
falls NÖLDEKE in seiner Bearbeitung der interessanten mono- 
physitischen Urkunde aus dem 6. Jahrhunderte (ZDMG XXIX, 
435) Recht haben sollte, wenn er das syrische \iij]i.iDQO als den 
ursprünglichen Namen der Stadt zu betrachten. 

Entschiedener muss wohl Furrer's Zusammenstellung von 
Alema mit kafr el-mä im Dschölän, W. vom nähr er-ruhhüd^ be- 
anstandet Averden, weil dieser letztere Name ein zu arabisches 
Gepräge hat (»Wasserdorfcf vgl. ZDPY. IX, IS 3); selbst die volks- 
thümliche Betonung hefrehna (ebend. 336) scheint mir eine zu 
schwache Stütze der Combination zu sein. Dagegen findet sich 
im mittleren Ilaurän, südAvestlich von husr el-harxri^ eine Stadt 
"ilmä (Wetzstein ZDPV. XII, 287; bei Robinson, Pal. III, 904 
Uic), in der erwähnten syrischen Urkunde Av>Xv (ZDMG XXIX. 
432), die dem Namen und der Lage nach sehr gut passt. 

Zu den von Judas eroberten Städten gehörte auch Karnain. 
Ich glaube in Betreff dieser Stadt den Lesern dieser Zeitschrift 
einen Dienst zu eiAveisen, wenn ich sie auf eine Bemerkung 
Kuenen's aufmerksam mache, die einigen von ihnen vielleicht 
unbekannt geblieben ist'). Bekanntlich ist Gen. 14, 5 von einer 
Stadt Aschterot-Karnaim die Rede, jedenfalls im masoretischen 
Texte. Kuenbn erinnert indessen daran, dass LXX (Cod. Yat. 
und einzelne andere Handschriften) 'Aarapioi) xat Kapvatv haben, 
welche Lesart in dem sonstigen Sprachgebrauch eine Avesentliche 
Stütze findet. Im A. T. ist nämlich sonst nur von einer Stadt 
''aschtüröt (oder he eschtenv) die Rede, während wir im Makka- 
bäerbuche nur die Form Karnain treffen. Hiernach werden <lie 
zwei Städte von einander zu trennen sein. Was ihre Lage betrifft, 
so spricht wohl nichts gegen die gewöhnliche Zusaramenstelhnig 
von ^aschtäröt mit teil '^ aschtere im westlichen Ilaurän 2) . Dagegen 



1) Sie steht in Verslagen en Mededeelingen der Koninglijke Akademie 
III, 5. 1888, S. 183. 

2) S. Schumacher, Across the Jordan 200. 



Bemerkungen zu einigen früheren Aufsätzen der Palästina-Zeitschrift. 43 

ist die Lage von Karnaim noch nnsicher. Aus 1 Makk. 5, 39 fF. 
geht hervor, dass sie nicht weit von einem tiefen , schwer zu pas- 
sirenden Wadi lag, also wahrscheinlich im südlichen Theile vom 
Dschölän. Wetzstein i) identificirt es mit Capitolias und sucht 
es in der Südwestecke von Dschedür, östlich vom tvädi hlt — leider 
aber ohne eingehendere Gründe für diese Vermuthung zu geben. 
Der Name Astharoth Karnaim im Onomastikon (vgl. ZDPV. XII, 
235) wird wohl einfach der nach dem Hebräischen corrigirten 
Septuaginta sein Dasein verdanken. 

1) In Delitzsch, Das Buch Job ^ 567. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte Yon Palästina. 

Von Dr. Hans Fischer in Leipzig. 

Die geographische und speciell die topographische Erfor- 
schung Palästin a's hat in den letzten Jahrzehnten ausserordent- 
liche Fortschritte gemacht. Dieselben sind aber kartographisch 
noch nicht in der Weise verwerthet worden, wie dies der heutige 
Standpunkt der Geographie verlangt. Die vorliegende neue 
Handkarte von Palästina im Massstabe von 1 : 700 000 (s. Tafel II) 
soll diesem Mangel abhelfen, und wir betrachteten es als unsere 
Hauptaufgabe, die orohydrographischen Verhältnisse dieses Ge- 
bietes möglichst klar und richtig zur Anschauung zu bringen. Die 
Nomenklatur und besonders die historischen Namen rühren von 
Professor H. Guthe her, dem ich zugleich für seine sonstige 
vielfache und rege Unterstützung bei meiner Arbeit hiermit mei- 
nen verbindlichsten Dank ausspreche ^j . 

Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die Entwicklung der 
geographischen Kenntniss Palästina' s und seiner Nachbargebiete 
genauer zu verfolgen. Für einen nicht unbeträchtlichen Theil 
der Karte haben wir unlängst einen derartigen Versuch gemacht, 
und es braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, dass die in 
den letzten Tagen vollendete Karte Dr. Stübel's vom Haurän^) 
als ein höchst willkommener lieitrag für die vorliegende Arbeit 
verwerthet wurde. 

Die Hälfte des ganzen hier in lietracht kommenden Gebietes 
ist topographisch aufgenommen, und zwar zum grössten Theile 

1) Die Schreibung der Namen in diesem Aufsatze schliesst sich selbst- 
verständlich genau an die Karte an. Sie stimmt mit der in ZDPV. üblichen 
überein, ausser dass für yh (t) r gesetzt und in Kücksicht auf die Gewöhnung 
unserer Augen grosse Anfangsbuchstaljen verwendet worden sind. GuTHE. 

2) S. ZDPV. XII fl889), Heft 4. 



Begleit Worte zur Neuen Handkarte von Palästina. 45 

mit ausreichender Sorgfalt. Da nun derartige Vermessungen und 
Aufnahmen die Forschung zum Abschluss bringen und für alle 
früheren Arbeiten nur noch historisches Interesse übrig lassen, 
so wollen wir uns weiter unten darauf beschränken, die Erfor- 
schung der nicht aufgenommenen Gebiete historisch zu ver- 
folgen. 

Das bei Weitem wichtigste Material zur vorliegenden Karte 
bot die grosse Aufnahme des Westjordanlandes durch die eng- 
lische Palästina-Gesellschaft, welche 1880 in dem grossen Mass- 
stabe von 1:63360 in 26 Blättern veröffentlicht wurde und 
vom Nähr el^Käsimlje im Norden bis zum Wädi es-Seba und 
TVädi es-SeJäl im Süden reicht. Dieselbe Genaviigkeit und die- 
selbe Schönheit der Ausführung können wir natürlich von ihr 
nicht erwarten wie von den topographischen Kartenwerken unserer 
europäischen Generalstabsbüreaux, und was die Terraindarstellung 
anlangt, so beruht sie nicht auf Isohypsen, mit deren Hilfe man 
sich allein ein genaues Bild vom Relief der Erdoberfläche machen 
kann; dass die Grenze der Jordan-Depression nicht aufgenommen 
wurde, müssen wir geradezu als einen Mangel beklagen. Die 
meist recht zahlreich eingetragenen Höhenzahlen lassen uns 
allerdings diese Unvollkommenheit weniger empfinden, und wir 
glauben auf Grund derselben das Bild annähernd richtig gestaltet 
zu haben. Ob die Stufen, die Saunders auf seiner Reduction der 
grossen Karte hervortreten lässt, der Wirklichkeit durchweg ent- 
sprechen, erschien sehr zweifelhaft ; giebt er doch selbst zu, dass 
stellenweise ihr Verlauf wegen Mangels an Höhenmessungen 
noch nicht mit genügender Sicherheit zu bestimmen sei^). Die 
Unterscheidung endlich von perennirenden und periodischen 
Gewässern beruht auch nicht durchweg auf ausreichenden Be- 
obachtungen; denn wie aus den der Aufnahme beigegebenen 
Memoirs hervorgeht, sind manche Flüsse nur einige wenige Male 
besucht worden 2). 

Wie bekannt, nahm Capt. Conder die Aufnahme des Ost- 
jordanlandes im Jahre 1881 in Angriff; da der türkische Gouver- 



1) Trelawney Saunders, An introduction to the survey of Western 
Palestine (1881) S. 197. 

2) So z. B. Wädi el-Blre, der nach Memoirs II, 80 »wahrscheinlich« ein 
perennirender Fluss ist. 



46 Hans Fischer, 

neur von es-Salt dieselbe aber nach wenigen Monaten suspendirte 
und an eine Fortsetzung in nächster Zeit wohl nicht zu denken 
ist, gab der Palestine Exploration Fund die Karte des bisher 
aufgenommenen Gebietes im Jahre 1889 heraus i). Dieselbe 
giebt die Gegend zwischen Wäcli esch-schdtb ^ Mähas^ Adschhehät^ 
dem WZuli el-Hammüm und WcuU ^ Amman (bis zur Einmündung 
des Wäcli el-Kittär] im Norden und Wädi el-Habls und Wädi 
ZerJfci Ma In im Süden wieder, reicht im Westen bis zum Jordan 
und dem todten Meere, im Osten bis es-Sämik und Reis el-Mu- 
scherfe und enthält noch einzelne Positionen, wie Dschehel 
Öscha , Mesclntä, KaVatZizci und Dschehel Dschelül. Die Höhen- 
zahlen müssen uns auch bei dieser Karte über die verständniss- 
lose Wiedergabe des Terrains hiuAveghelfen . Auch hier sind die 
periodischen Flussläufe von den Wädis unterschieden. 

Die übrigen Aufnahmen im eigentlichen Palästina verdanken 
wir dem Ingenieur G. Schumacher in Haifa, welcher 1885 den 
Dschvlän und westlichen Haurän aufnahm; im Sommer des 
darauffolgenden Jahres setzte er in erwünschtester Weise die 
englische Aufnahme über llazze nach Südwesten bis zum Rande 
der Wüste fort'^) und arbeitete in demselben Jahre 1886 in 
gleicher Weise im nördlichen ^Adschlün. Die noch nicht ver- 
öffentlichte Karte dieser letzten Aufnahme, welche im Süden bis 
Tibne, im Osten bis Satnar, SemU, Bet er-Räs und Irbid reicht, 
ohne jedoch im Westen das JRdr einznschliessen , konnte im 
Manuscript für unsere Zwecke verwerthet werden. 

Im Norden fällt die Hälfte des Libanon- und Antilibanus- 
Gebietes in den Rahmen unserer Karte. Hier kamen zunächst 
die Arbeiten Mansell's in Betracht, welcher 1859 — Ol die syri- 
sche Küste und das Gebiet östlich bis zum Nähr el-Llfäm auf- 
nahm; darüber hinaus bestimmte er noch mehrere Positionen, 
so Ba albek, Damaskus und den Gipfel des Ilermon-'). Nicht 
minder wichtig erscheint die topographische Karte, welche das 
französische Expeditionscorps 18G0 — Gl aufnahm. Über die Art 

1) Portion of Eastern Palestine, surveyed by Capt. CoNDER and Lieut. 
Mantell in 1881. Massstab 1 : 166,433. 

2) Quart. Statement Pal. Expl. Fund for 1886, S. 171 ft'. 

3) Coast of Syria, Sheet 2: Markhab to Käs en-Näkfira, 1860 (No. 2633) 
und Sheet 3: Ras en-Näküra to el-'Arisch, 1862 (No. 2634). Diese beiden 
Blätter wurden auch bei der Zeichnung der Küstenlinie Palästinas benützt. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 47 

und Weise dieser Vermessungen sowie über die Art der Höhen-^ 
messungen wissen wir freilich nichts, und in der Küstengegend 
ist ihre Übereinstimmung mit den englischen Seekarten nicht 
überall befriedigend ; das Innere aber gibt sie detaillirter und 
offenbar genauer als jene und hat den Vorzug, im Osten bis zum 
Kücken des Hermon und Antilibanus zu reichen und das Thal 
des Nähr Baradci bis Damaskus einzuschliessen i). Die vorliegende 
Karte gibt nun die hauptsächlichsten Positionen nach Mansell, 
und mit Berücksichtigung dieser sowie der Endpunkte ('er 
grossen Survey [Katat esch - Schaklf , el-Chij'äm und Bänijäs) 
wurde das Detail der französischen Karte entlehnt. Die Höhen- 
angaben beruhen meist auf Mansell, so auch die für den Her- 
mon ; ausserdem verdanken wir Dr. Diener eine ganze Reihe 
von Messungen, die für den eigentlichen Antilibanus von be- 
sonderer Wichtigkeit sind. Die Darstellung dieses Gebirges mit 
seinen Terrassen, die etwa von dem Derb es-Sultam an als Ketten 
nach Nordosten sich fortsetzen und in Virgation allmählich 
auseinander treten, beruht fast ausschliesslich auf Diener's 
Forschungen - 1 . 

Die Wasserscheide in der Bika scheint noch nicht endgiltig 
festgestellt; wir geben sie hier nach Bürtox und Drake, die die 
Quellen des Nähr el-Llfüm und Nähr el-'Äst circa 6 englische 
Meilen fast genau westlich von Ba alhek und nur eine kleine 
englische Meile von einander entfernt ansetzen 3] . 

Wenden Avir uns nun nach Süden, um die geographische 
Erforschung des Ostjordanlandes und der Umgebung 
des Todten Meeres zu verfolgen. Die erste Kunde von diesen 



Ij Carte du Liban d'apres les reconnaissances de la brigade topographi- 
que du Corps expeditionnaire de Syrie en 1S60 — 61, 1 : 200 000. Wilson und 
Anderson fanden diese Karte sehr correct, aber ihre eigenen Positionen 
näherten sich mehr denen der MAN>;ELL'schen Seekarten; die beiden eng- 
lischen Offiziere sagen, sie sei sehr sorgfältig gemacht, und soweit sie sehen 
könnten, sei die Gegend gründlich erforscht und kein Zug übersehen worden 
(Quart. Statements, Heft 1 u. 2, S. 25). 

2) Mitth. d. Geogr. Gesellsch. in Wien, XXIX (1886) S. 1 ff. Mit Karte. 
S. auch Diener, Libanon, Wien 1886. 

3) BuRTON and Drake, Unexplored Syria, Bd. I, S. 41. Nach der Carte 
du I-iban und früheren Reisenden, wie Seetzen und Robinson, würde sie 
nördlicher zu liegen kommen. 



48 Hans Fischer, 

Gebieten in neuerer Zeit erlangte vor hundert Jahren Volney, 
welchem die Araber von Bakir und die Leute in Razze, die nach 
Maän und el-Kerak gehen, erzählten, dass im Südosten des 
Todten Meeres in einem Räume von drei Tagereisen über dreissig 
ruinirte und jetzt ganz verlassene Städte seien, und dass die 
Araber sie wegen der dort hausenden Scorpione fast ganz meiden. 
VoLNEY beschreibt auch zuerst die Gegend südlich von Bazze, 
wie die Cultur dort gegen die Wüste hin endigt, wie die Winter- 
wasser und einige Ih'unnen eine Anzahl Bauern zur Niederlassung 
und zur Cultivirung von Palmen und Durra veranlassen, wie 
diese in beständiger Angst vor den Beduinen leben und sich nach 
der Ernte in den Felsen am Südende des Todten Meeres ver- 
bergen. Das Land sei noch von keinem Reisenden besucht, aber 
des Besuches werth ^). 

Die Erforschung dieser Gebiete wurde durch Seetzen ein- 
geleitet. Derselbe gelangte im Jahre 1S06 von Damaskus aus 
nach dem '^Adschltm, Dscherasc/i, es-Salt, '^ Amman und drang von 
da über Hesbän^ Dlhün und Bahba nach el-Kerak vor. Über el- 
Cha7is'ire wandte er sich direct in das Ror hinab, umzog den süd- 
lichsten Theil des Todten Meeres und gelangte über den Doppel- 
pass von ez-Zuivera nach Hebron und Jerusalem, Seine zweite 
Reise führte ihn 1807 von der Jordanfurth bei Jericho nach 
Callirrhoö (den heissen Quellen im Thale des Zerkä Main), 
auf den Dschebel 'Affärüs und nach der Mündung des Wüdi el- 
Kerak. von wo er abermals um das Südende des Todten Meeres 
nach Jerusalem zurückkehrte, um von da über Hebron und Kur- 
mib den Dschebel Madera zu besuchen und endlich von Beerseba 
über die Ruinen von Abde nach dem Sinai zu reisen 2) . 

Dieselben Gegenden wurden wenige Jahre später von Burgk- 
HARDT wieder bereist. Im Jahr 1812 besuchte dieser von el-Mu- 
zertb aus er-Re7nle, gelangte von da über den Dschebel Kafkafä 
nach ST(f und Dscherascli und kehrte durch den ' AdschlTm über 
Ii'bid zurück. Noch in demselben Jahre unternahm er seine 
zweite Reise, die ihn von der Jordanfurth bei Besün durch das 
Rör zunächst nach cs-Salf und ' Amman führte. Über Hesbün 



1) VoLXEY, Voyage en Syrie et en Egypte 1783—85, Bd. II, S. 307. 

2) Seetzen's Reisen durch Syrien, Palästina etc., hrsgeg. von Kruse, 
4 Bände, 1854—59. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 49 

und ^Arair gelangte er als der Zweite nach el-Kerak und el- 
Chatis'ire und drang über Ime nach Süden vor, wobei es ihm ge- 
lang, Petra, von dem bereits Seetzen gehört, zu entdecken i) . 

Da Seetzex. dem es bekanntlich leider nicht vergönnt w'ar, 
seine Tagebücher selbst herauszugeben, die "Araha nicht be- 
schrieben hat. obwohl er sie doch gesehen haben muss, so fällt 
der Ruhm, dieses grosse, die Jordanspalte nach Süden bis zum 
Rothen Meere fortsetzende Thal wiederentdeckt zu haben, auf 
BuRCKHARDT. Die erste Beschreibung der 'Araba hat aber Carl 
Ritter geliefert und zwar allein auf Grund der Nachricht des 
Abulfida2). 

Im Jahre 1816 reiste Buckingham von der Jordanfurth bei 
Jericho nach Dscherasch und Mukes ; einen zweiten Vorstoss in 
das Ostjordanland unternahm er von Nazareth aus, indem er zu- 
nächst nach eS'Salf und '^Am7ncm reiste. Von hier drang er in 
südlicher Richtung bis Vmm el-Wel'id. el-Herri und ümm er- 
Hams vor und durchzog auf der Rückreise das ganze Ostjordan- 
land der Länge nach bis el-BIuzeinh'^). 

Bald darnach, im Jahre 1818, reisten Irby und Mangles mit 
Lech und Bankes von Jerusalem über Hebron nach dem Rör 
es-Säßj'e und stiegen nach el-KeraJc hinauf. Von hier drangen sie 
über den Wädi el-Hasä nach esch-Schöhek und Petra vor. Nach 
el-Kerak zurückgekehrt, wandten sie sich nördlich und über- 
zeugten sich, dass das Todte Meer bisher viel zu lang auf den 
Karten dargestellt wurde ; sie besuchten Main., Callirrhoe und 
Umm er-Bams und kehrten über Hesbän, '^Aräk el-Ermr. es-Salt, 
Amman und Bscherasch nach "^ Akkci zurück 4). Eine ganz ähn- 
liche Reise machte kurz darauf John Hyde, jedoch ein Tlieil 
seines Tagebuches, welchen er Henniker geliehen hatte, ging 



Ij Bubckhardt's Reisen in Syrien, Palästina etc., Weimar 1823 u. 1824 
2, S. seine Erdkunde Th. II, S. 218, Berlin 1818; Burckhardt's Be- 
schreibung wurde erst 1819 bekannt, (Nach RoBlNSOX, Palästina, Bd. III, 
S. 161,. 

3) Buckingham's Reisen durch Syrien u. Palästina, "Weimar 1827. 

4) Legh's Berichte machen das 4. Capitel von Macmich.\el, Journey 
from Moscou to Constantinople, London 1819, aus. Das Werk von Irby 
and M.\NGLES, Travels in Egypt and Nubia, Syria and Asia Minor during 
the years 1817 and 1818, London 1822, ist leider höchst selten. 

Ztschr. a. Pa!.-Ver. XUI. 4 



50 Hans Fischer, 

auf des Letzteren unglücklicher Fahrt nach Jericho verloren ^) . 
Während es Hexniker 1S21 geglückt war, die noch nicht be- 
kannte Route vom Sinai nach JRazze zurückzulegen, musste 
Berggren seinen Plan, von Jericho aus die Ostjordanländer zu 
bereisen, leider aufgeben, da er keine Führer bekommen konnte. 
1833 gelangte Catherwood als der zweite vom Sinai nach Razze, 
Im Jahre 1S37 reisten v. Schubert und J. Eoth von Petra 
nach Hebron und machten die überraschende, allen bisherigen 
Reisenden völlig entgangene Wahrnehmuug, dass das Niveau des 
Todten Meeres weit unter dem des Mittelländischen Meeres liegt. 
Während sie bereits im TVädi el-Fikra — 5 Pariser Fuss ge- 
messen hatten, fanden sie, dass der Spiegel des Todten Meeres 
wenigstens 598.5 Par. Fuss unter dem Meeresniveau gelegen 
sei; für die Messung noch bedeutenderer Depressionen reichte ihr 
Instrument nicht aus. Freunde v. Schubert's veröffentlichten 
diese Entdeckung in der Allgemeinen Zeitung, und bald fand 
dieselbe öffentliche Bestätigungen- . Zuerst durch Moore und 
Beke, die im März 1837 ein Boot von Jäfä zum Todten Meere 
brachten, einen grossen Theil von dessen Küsten aufnahmen, 
seine Breite und Tiefe massen und durch Beobachtung des Siede- 
punktes des Wassers fanden, dass der Seespiegel ca. 500 eng- 
lische Fuss unter dem Mittelmeer liege ^j . - Genauere Resultate 
erlangten bald darnach Russegger ( — 1341 Par. Fuss)"*) und 
Symond's ( — 1313 Par. Fuss). Nur wenige Monate, nachdem 
Russegger den Weg vom Sinai nach Hebron zurückgelegt hatte, 
reiste E. Robixsox i^im Frühjahre 1838) von " Akaha über das 
westlich vom Wcidi el-Araba gelegene Plateau nach Hebron; 
die Routen beider Reisenden fallen, soweit sie hier in Betracht 
kommen, zusammen. In demselben Jahre unternahm Robinsok 
eine Excursion nach Petra, die ihn von Hebron zunächst nach 



1) Berggrex, Reisen im Morgenlande, Ed. III, S. lü'J. 

2) V. ScHUHERT, Reise ins Morgenland, Bd. III, S. 87. Diesen beiden 
Reisenden fällt wohl zweifellos die Priorität dieser wichtigen Entdeckung zu. 
Derselben Ansicht ist HuLL in seinem Memoir on the phys. Geology and 
Geography of Arabia Petraea, Palestine etc., 1886, S. 12. 

3) Journal of the Royal Geogr. Soc, Bd. VII (1837), S. 45Ü. Ausführ- 
licheres über die Beschittungen des Todten Meeres s. RlTTEK, Erdkunde 
Bd. XV A, S. 698 ff. Costigan's Fahrt 1835 blieb ohne jeden Gewinn. 

4) Russegger, Reisen in Europa, Afrika und Asien, 3. Bd. 1S47. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 51 

deiir-Südende des Todten Meeres und dann den Wädi ed-BscMh 
hinauf führte ; den Rückweg nahm er etwas westlicher über den 
Nakh es-Sufej. Seine Reisen sind durch die Festlegung und 
meisterhafte Beschreibung der Routen von hervorragender Be- 
deutung 1) . Gleichzeitig hatte de Bertou als der Erste die " Ar aha 
in ihrer ganzen Länge durchzogen ; im Übrigen ist, wie Robin- 
son 2) gezeigt hat, diese Reise ohne grössere Bedeutung 3). Über 
seine Reise in Ammon und Moab Avissen wir nichts, und auch 
von Layard, welcher 1839 in Moab war, den Haddschbei KaTat 
Zizä erreichte und bis el-Kerak gelangte, ist, wie es scheint, 
etwas Weiteres nicht bekannt geworden. Der Weg von Petra über 
den Nakh es-Sufej nach Kurnuh wurde später auch vom Lord 
LiNDSAY ziirückgelegt : derselbe besuchte auch ''Adschlün, Mukes, 
Malkä, Irhid, Dscherasch, "Amman. es-Salt^ Burma^). 

Nach einem längeren Stillstande in der Forschung war man 
besonders bemüht, genauere Kenntniss vom Todten Meere zu 
erlangen. Molyneux befuhr 1847 den See und mass einige 
Tiefen^]. Dann sehen wir im Jahre 184S zum ersten Male eine 
Expedition auf dem Schauplatze erscheinen, die vermöge ihrer 
trefflichen Ausrüstung unsere Kenntnisse in grossartiger Weise 
bereicherte. Die amerikanische Aufnahme des Jordanlaufes und 
des Todten Meeres, sowie dessen Auslothung unter Lieut. Lynch 
1848 bezeichnen den Beginn einer neuen Epoche. Daran schlössen 
sich Excursionen nach dem 1842 von Wolcott und Tipping ent- 
deckten Sehhe (Masada) und nach el-Kerak ^) . 

Im Jahre 1850 besuchte de Saulcy den Salzberg am Süd- 
ende des Todten Meeres, Avelches er umwanderte, und stieg nach 
Bet el-Karm und el-Kerak hinauf'). 



1) RoBixsoN, Palästina und die südlich angrenzenden Länder, ßd. I, 
S. 285 ff. : Von "Akabu nach Jerusalem ; Bd. III, S. 1 ff. : Von Hebron nach 
Wädi Müsü und zurück. Mit Karten von H. Kiepert. 

2) a. a. O. Bd. III, S. 767 ff. 

3) De Bertou's Reisebericht im Bull, de la Soc. de Geogr. Paris 1839 
und im Journal of the Roy. Geogr. Soc. London IX (1839), S. 277 ff. 

4) LixDSAY, Letters on Egypt, Edom and the Holy Land, 5th ed. 18-58. 

5) Journal of the Roy. Geogr. Soc. of London, Bd. XVIII, S. 126 ft'. 

6) Lynch, Official Report of the United States' Expedition to exi^lore 
the Dead Sea and the River Jordan, Baltimore 1852. 

7) De Satjlcy, Voyage autour de la Mer Morte, 2 Bde., Par. 1 853. M. Atlas. 



52 Hans Fischer, 

Einen kurzen Ausflug in das Ostjordanland machte 1852 
E. Robinson mit van de Velde, und zwar nach den Ruinen von 
Kurkume und TahakM Fähil (dem alten Pella) i). 

Es folgen nun die beiden Reisen Professor Roth's, des 
früheren Reisegefährten v. Schubert's. 1857 ging er zunächst 
über den Doppelpass von ez-Zutvera nach dem Südende des 
Todten Meeres und führte von da durch den IVädi ed-Dscheb 
eine erfolgreiche Reise über Petra nach "Akaha aus; den Rück- 
weg nahm er über den /So/ä-Pass bei Kurnuh. Im darauffolgen- 
den Jahre gelangte Roth über den Dschebel Usdmn wiederum 
in's TiÖTj um von da über es-Säßje und durch den Wädi el-Kerak 
nach el-Kerak hinaufzusteigen. Von hier aus drang er in süd- 
licher Richtung bis et-Taflle vor und kehrte über '^Ime direct 
nach dem Ilor es-Safije zurück ^j . 

Zu Anfang des Jahres 1858 hatte G. Rey vom Rör es-Sesa- 
bäti aus es-Salt und Dscherasch besucht, war dann an der Ost- 
küste des Todten Meeres bis zur Mündung des Wüdi Zerkci Main 
gelangt und hatte darnach eine ähnliche Küstenwanderung von 
Engedi bis hinab zum Dschebel TJsdum ausgeführt 3). 

Für unsere Kenntniss des Ost Jordanlandes brachte die Reise 
von Dr. Wetzstein und Dörgens wichtige Hereicherungen. 
Dieselben reisten 1860 von Derät über den Dschebel ez-Zumle 
nach er-Remte und von da über das hochgelegene el-MezZir nach 
Tibne. Dann besuchten sie "Am Dschenne, " Adschlun und Ke- 
frendschi^ überschritten von Burme aus die gewaltige Schlucht 
des Nähr ez-Zerkä, um über es-Salt durch den IVädi esch- 
Schalb nach Jerusalem weiter zu reisen. Nach es-Salt zurück- 
gekehrt, besuchten sie zunächst '^Ammern und DscJierasch und 
kehrten über Äbil und Bet er-Räs, die seit Seetzen und Burck- 
HARDT nicht wieder besucht worden waren, nach Damaskus zu- 
rück. Es ist sehr zu bedauern, einmal dass der Rückweg der 
beiden Forscher sehr beschleunigt werden musste, und anderer- 
seits, dass nur wenig über diese Expedition vcroftentlicht worden 
ist. Besondere Wichtigkeit erlangte sie durch die Ilöhenmes- 



1) RoiUNSON, Neuere biblische Forschungen in Palästina, 1857, S. 
414 ff. 

2J Petermann's Mittheilungen, 1857, S. 260 ff. und 1858, S. 267 ff. 
3) Key, Voyage dans le Haouran et aux bords de la Mer Morte, S. 216 ff. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 53 

sungen von Dörgens mit einem Quecksilberbarometer und durch 
seine astronomischen Ortsbestimmungen i). 

Im Jahre 1863 vollführte de Saulcy seine zweite Reise, die 
ihn nach '^Arüh el-Emi9\ ^ Amman, HesbZm und dem Dschehel 
Nebä brachte 2). 1864 reiste Guarmani von Jerusalem über Umm 
er-Rasäs nach dem Nedschd^). 

Es folgt nun die grossartige Expedition des Herzogs von 
LuYNES vom Jahre 1864, welche zum ersten Male Moab und 
Ammon wissenschaftlich erforschte, welche das Todte Meer 
auslothete und in der 'Araba wichtige Höhenmessungen aus- 
führte. Im März wurde zunächst der See befahren, woran sich 
ein Ausflug nach el-Kerak und Rabba schloss. Im April gelangte 
sie in v..er Gegend von Abu ''Obede in das Ostjordanland und zog 
von da im Rör südwärts bis zum Wädi Nimrln. Dann wandte 
sie sich hinarif nach '^ ArZik el-Emlr und zog von da über Heshän 
imd das bis dahin selten besuchte Callirrhoe nach Mukaur und 
dem Dschebel '^Affürüs, überschritt die kolossale Schlucht des 
Wädi el-Mödschib und bestieg den Dschebel Sclühän. Über das 
Buor es-Sesahän nach Jerusalem zurückgekehrt, trat im Mai der 
Herzog die Reise nach '^Ahaba an, die ihn auf der Hinreise über 
ez-Zuioera und es-Säßj'e, auf der Rückreise über den Nakb es- 
Safä führte. Endlich überschritt er im Juni den Jordan an der 
Mündung des Zerkä abermals , um Dscherasch zu besuchen 
und von da über Mukes den See Genezareth zu erreichen. An 
diese Expedition schloss sich die wichtige Reise von Mauss und 
Sauvaire, welche von Jerusalem um das Südende des Todten 
Meeres herum nach el-Kerak und von da südlich nach esch- 
Scliöbek gelangten''). 

Die Arbeiten der beiden englischen Offiziere Wilson und 
Anderson fallen aiasserhalb unseres Gebietes ; hier könnte nur 
bemerkt werden, dass sie 1866 die Frage der Mündung des Nähr 

1) Zeitsehr. für allg. Erdkunde, Neue Folge, Bd. XI, S. 104 ff. u. Bd. 
IX, S. 402 ff. (mit vorläufiger Kartenskizze von H. Kiepert). S. auch Pet. 
Mitth. 1866, S. 97 ff. 

2) DE Saulcy, Voyage en Terre Sainte, 1. Bd., 1865. 

3) Zeitsehr. f. allgem. Erdkunde, Neue Folge, Bd. XVIII, S. 201 ff 

4) Voyage d'exploration ä la Mer Morte, a Petra et sur la rive gauche 
du Jourdain par M. le Duo DE LuYNES, herausgegeben vom Comte de Vogüe. 
1874 ff. Die Reise von Mauss u. Sauvaire steht im 2. Bande (auch im Bull, 
de la Soc. de Geogr. a Paris 1867 II, S. 449 ff). Mit Karten. 



54 Hans Fischer, 

ez-Zerkci in den Jordan definitiv lösten ^). Dagegen entwickelte 
Lieut. Warren eine regere Thätigkeit. Er besuchte 1867 Hes- 
bän und Nehä und gelangte bis Main im Süden und 'Amman 
und es-SaJt im Norden. Auf Grund seiner Aufnahmen entwarf 
er eine Karte dieses ganzen Gebietes 2). Im folgenden Jahre 
durchzog er das ganze östliche Rör von der Dschisr el-Muclschä- 
mi bis zum Todten Meere, an dessen Ostseite er bis Wädi Men- 
schala und Callirrhoe vordrangt). E. Prym und A. Socin reisten 
1S69 von Dscherasch nach Bosrci im Haurän. 

Zu Anfang 1870 waren Palmer und Drake von Suez über 
er-RuJiebe, el-Chalasa und Beerseba nach Hebron gereist; auf 
dem Wege nach Petra verfolgten sie dann die Route über Ch. el- 
Milh, 'Arära und Dschebel Madera, so dass sie also viel neues 
topographisches Material beibringen konnten. Von Petra reisten 
sie in der '^Araba nach dem Mo)' cs-Säßje, untersuchten ferner 
die Halbinsel el-Liscm und stiegen im Wädi Beni Hammäd nach 
Moab hinauf. Sie drangen bis Umm er-liasäs vor und gelangten 
von da über das JRör es-Sesabän zum Jordan ^) . 

Gleichzeitig reisten die beiden Kiepert im Ostjordanlande. 
Sie untersuchten '^ Amman und Dscherasch. Durch den "AdschlTm 
gelangten sie nach Mukes und el-Muzerlb ^) . 

Ferner besuchte Northey's Expedition 1871 vom Jlör es- 
Sesabän aus "Aräk el-Emlr und U7nm es-Summäk, drang in süd- 
licher Richtung bis Jlesbän vor inid durchzog alsdann das Ost- 
jordanland \ns,Kefrendschi^ wobei sie " Amman ^ es-Salt, Dscherasch 
und '^Adschltm berührte ^) . 

Von den Reisen, welche im Jahre 1S72 ausgeführt wurden, 
ist die Expedition des Dr. Tristram mit Dr. Ginsburg und Klein 
bei Weitem die wichtigste. Dieselbe ging zunächst von Hebron 



1) The Palestine Explor. Fund, Heft 1 u. 2, S. 20. 

2) Keconnaissance of the Jordan Valley by "NA'amuex 1867. Vom Pal. 
Expl. Fund herausgegeben. 

3) The Pal. Expl. Fund, Heft 3 und 6. 

4) Palmek and Drake, The desert of the Tlh and thc country of Moab 
.'im Pal. Expl. Fund, Quart. Stat. for 1871), mit 2 Karten, die in dem deutschen 
Buche Pal.mku, Der Schauplatz der 4üjähr. Wüstenwanderung Israels, repro- 
duzirt sind. 

5) Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde, Berlin, V, S. 261. 

6) Quart. Stat. for 1872, 8. 57 ff. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 55 

nach Masada, von da um das Todte Meer herum nach dem Röi- 
es-SaJije und el-Kerah. Nach einem kurzen Ausflug in die süd- 
hche Umgebung dieser Stadt wandte sie sich nach Norden und 
gelangte über 'Arair nach Umm er-Hasäs, dessen Umgebung 
ebenfalls erforscht wurde. So besuchte Tristram Mesch'itä als der 
Erste (schon Seetzen hatte davon gehört), berührte alsdann 
Callirrhoe und Kurejät, '^Am es-Sara am Todten Meere und Mu- 
kaur ; dann erforschte er die Gegend zwischen Müdebä und dem 
Rande des Plateaus und kehrte nach Jerusalem zurück *) . 

Ausserdem mag hier noch die Reise erwähnt werden, die 
Weser und Shapira nach Umm er-Rasäs ausführten 2) . Sie be- 
rührten Heshün und Dibün und fanden, dass Wädi el-Wqle die 
Fortsetzung des TVädi Tamad sei. 

Es folgt nun Porter's Reise (1874) von Dscherasch nach 
er-Remte und Deräf^). Die Wanderung O. Kersten's um das 
Todte Meer (im Jahre 1874) verlief an der Küste und war in ihrer 
Art die erste; daran schloss sich der Besuch von Callirrhoe und 
Mukaur sowie eine Durchkreuzung der Halbinsel el-Lisün^). 

In das Jahr 1876 fallen die ausgedehnten Forschungen der 
Amerikanischen Expedition unter Merrill, welche nicht nur 
die östliche Hälfte des Jordanthaies, sondern auch grosse Theile 
des östlichen Hochlandes erforschte. Von seltener besuchten 
Punkten berührte sie Callirrhoe, Kafat ez-Zerkä und Meschltä. 
Die jedenfalls bedeutenden Resultate dieser Expedition sind bis 
jetzt noch nicht genügend bearbeitet und veröffentlicht worden ^]. 

Eine Reise nach Moab führte Schick 187 7 aus, die ihn bis 
^Arä'^ir an die Schlucht des Wcldi el-Mödschib brachte o). Im 
Jahre 1881 reiste S. Langer \o\\ es-Salf xxhex Kal'^at Zizä zur 
Pilgerstrasse; er berührte ChU7i Zeb'ib, Katräne und Kafat el- 



. . 1) Tristram, The Land of Moab, 1874. Mit Karte. Klein veröffent- 
lichte einen Bericht in der Zeitschr. d. Deutschen Pal. -Ver., Bd. II, S. 124 ff. 
2; Mitth. d. Ver. f. Erdkunde zu Leipzig, 1872, S. 60 ff.; Zeitschr. d. 
Ges. f. Erdkunde, Berlin, Bd. VIII, S. 210 ff. 

3) Pal. Expl. Ed., Quart. Stat. for 1881 S. 77. 

4) Zeitschr. d. Deutschen Pal.-Ver. Bd. II, S. 201 ff. 

5) Merrill, East of the Jordan, 1881. Näheres s. Zeitschr. d. Deutsch. 
Pal.-Ver. Bd. XII, S. 254. 

6) Zeitschr. d. Deutsch. Pal.-Ver. Bd. II, S. 1 ff., mit Karte. 



56 Hana Fischer, 

Hasä, die sämratlich an der Pilgerstrasse liegen. Der südlichste 
Punkt seiner Reise Avar Maän in Edom '). 

Wie schon oben erwähnt, hatte der englische Palestine Ex- 
ploration Fund mit der Aufnahme des Ostjordanlandes im Jahre 
1881 nur theihveise einen Erfolg. Dagegen gelang es dieser Ge- 
sellschaft, unsere Kenntniss der südlicheren Gegenden in ganz 
erheblicher Weise zu fördern. Die Expedition unter dem Geo- 
logen HiJLL erforschte im Winter 1883/84 nicht nur die ganze 
'Araba, sondern es gelang auch dem Major Kitchener, die Tri- 
angulation des Sinai-Districtes längs dieses Thaies mit der grossen 
Survey des Westjordanlandes zu verbinden. Der zehntägige 
Aufenthalt im ^ör es-SZißJe hatte die genauere Erforschung der 
Umgegend zur Folge; die Gestalt des südlichsten Theiles des 
Todten Meeres sowie der Halbinsel eZ-Z^«ö/^ ist wesentlich anders, 
als sie bisher dargestellt wurde. Leider war die Ebene am Süd- 
ende des Sees so schlammig, dass Kitchener eine l^asismessung 
nicht ausführen konnte. Auf dem Weitermarsche wurde der 
Salzberg genauer erforscht und bestiegen -] und auf dem Ras ez- 
Zuwera eine vollständige Reihe von Positionen gemessen 3). 
Während Hüll sich nach Razze wandte, kehrte Kitchener vom 
Teil Abu Harere aus direct nach I&mdxllje zurück ; leider be- 
schrieb er diesen interessanten Weg nur sehr kurz •*) . 

Im Jahre 1884 gelang es Guy le Strange, eine kurze Reise 
durch den " Adscldxm und die Belka auszuführen. Er gelangte zu- 
nächst von Nazareth nach Pella und fand, dass die Karten die 
Gegend des TVädi Jäbis sehr ungenau wiedergeben. Über 'Adsr//- 
lim und '^Ain Dschenne ging er alsdann nach Dscherasch und von 
da über en-Nehi Und direct nach " AmmZin •'' . Der Arbeiten Schu- 
macher's im nördlichen '^Adachlmi vom Jahre 1880 geschah oben 
Erwähnung. — Für den Haiuän möchten wir hier nachtragen, 

1) Diese Reise wurde leider nur kurz beschrieben, s. Mitth. d. Geogr. 
Ges. in Wien, 18S2, S. 281. 

2) Aber nicht zum ersten Male. In den Mitth. d. Geogr. Ges. in Wien 
1873 findet sich eine Karte des Salzbergs, die ein Ungenannter aufgenommen 
hat; die Beschreibung siehe ebenda S. 529. 

3) Edward Hüll, Memoir on the physical Geology and Geography of 
Arabia Petraca, Palestine and adjoining districts, 188G. Mit einer Karte der 
'Ar aha in 1 . KJ'JOOÜ. 

4) Pal. Kxpl. Fd., Quart. Stat. for 1S84 S. 219. 

5) Pal. Expl. Fd., Quart. Stat. for 1885 S. 157. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 57 

dass im Frühjahr 1889 Professor H. Scharling und Professor 
Buhl von Bümjäs über die Dörfer el-IIära^ IncJiil und »Sc/ia/crä 
nach Ezra reisten; sie besuchten von da aus Bosrä, cl-Kureje, 
Hebrän, el-Kanaimt und Srhuhba und kehrten von da längs des 
Ostrandes der Ledschäh nach Damaskus zurück'). Die Beschrei- 
bung des theilweise neuen Weges ist leider sehr kurz. 

Hoffen wir, dass der Stillstand der Forschung im Ostjordan- 
lande bald zu Ende sein möge. Dann steht zu erwarten, dass 
die noch gebliebenen Lücken in der geographischen Forschung 
schnell ausgefüllt werden. — 

Es mögen nun noch einzelne Punkte erörtert werden. Die 
Darstellung der südlich vom Wiidi es-Seha nach Westen gehen- 
den Wadis weicht von der bisherigen ab. Robinson hatte für 
das Wahrscheinlichste gehalten, dass Wädi el-Karn mit Wädi 
er-Ruhebe zusammen den Wädi Chahra bilde, der weiter unten 
den Wädi el-Martabe aufnehme und so Wädi es-Sanl bilde, 
der sich mit dem Wädi esch- Schert a in der Nähe des Meeres 
vereinige 2) , Russegger dagegen wurde allgemein versichert, 
dass Wädi er-Ruhebe und die nördlicheren Wadis unmittelbar 
zum Mittelmeere sich hinziehen 3), und Palmer und Drake geben 
auf ihrer Karte den grossen Wädi el-Fära an, der etwas südlich 
vom Wädi Razze münde. Die englische Seekarte No. 2634 zeigt 
nun zwischen dem letztgenannten und dem Wädi el-'' Arisch 
keinen einzigen grösseren Wädi, und in demselben Sinne fiel 
auch Schumachbr's Aufnahme an dieser Küstenstrecke aus. 
Kitchener endlich berichtet, er sei vom Teil Abu Harere zu- 
nächst nach dem grossen, tiefen Wädi el-Fcira gelangt und habe 
darnach einen grossen Wadi erst Avieder im Wädi el-Abjad an- 
getroffen^), der bereits beträchtlich südlicher verläuft. Theils die 
Angabe Kitchener's, dass an dem Punkte, avo er den Wädi e/- 
i^är« überschritt, der hervorragende Teil el-Fära gelegen sei, 
theils der Umstand, dass Guerin auf seiner Karte diesen von 
ihm selbst besuchten Teil cl-FZira an den Wä.di Razze i>etzt^), 

1) Hauran, Reisebilder aus Paläst. v. Henrik Scharling, Brem. 1890. 

2) Robinson, Palästina, Bd. I, S. 335. 

3) RussEGGER, Reisen in Europa, Asien u. Afrika, Bd. III B, S. 69. 

4) Pal. Expl. Ed., Quart. Stat. for 1884 S. 219. 

5) Guerin, Carte de la Palestine, 1881. 



5S Hans Fischer, 

hat uns veranlasst, den IVädi el-Fära für einen Abschnitt des 
grossen JVcidi Razze anzusehen. Im Übrigen stützt sich die 
Zeichnung dieser Wadi's besonders auf Palmp:r und Drake. 

Die Darstellung des Todten Meeres begegnet manchen 
.Schwierigkeiten, da der Spiegel dieses abflusslosen Sees sich 
jährlich und offenbar auch in grösseren Perioden ändert. Daher 
mag auch die abweichende Darstellung des südlichen Theils bei 
den verschiedenen Reisenden herrühren. Nach Lynch beträgt 
die jährliche Differenz des Wasserstandes etwa 6 Fuss oder etwas 
mehr. Die Schwankungen in grösseren Zeiträumen dürften aber, 
wenn wir hier von anderen Ursachen absehen wollen, grösser sein. 
So gibt Lynch an der schmälsten Stelle des See's (etwas nord- 
Avestlich vom Kap Molyneux) eine Tiefe von 5,5 m, der Duc de 
LuYNES fast an derselben Stelle eine von 6 m an. Nun besteht 
aber kein Zweifel daran, dass im ersten Viertel unseres Jahr- 
hunderts der See in dieser Gegend durchschritten werden konnte. 
So war Hyde im Jahre 1819 durch die Fürth in G Stunden ge- 
ritten i) , Irby" und Mangles sahen eine Karawane, in der sich 
auch Esel befanden, hindurchziehen 2), und Klein berichtet, 
dass der alte Schech Saläme als junger Mann oft vom Wädi 3Iti- 
harrak nach dem Rör el-Mezraa hinübergegangen sei, wobei ihm 
das Wasser bloss bis an die Knöchel gereicht habe 3' . 

Für die Eintragung der jetzigen Grenze sesshaften 
Wohnens bot zunächst die grosse Aufnahme des Westjordan- 
landes das Material. Die dem Kartenwerke beigegebenen Me- 
moirs enthalten auch die Einwohnerzahlen, aber nur schätzungs- 
weise. Das südlichste bewohnte Dorf in Judäa war nach Seetzen 
Sanute (also wohl Zämdä). Duc nE Luynes führte es-Semua als 
letzten Ort auf. und so ist es noch jetzt der Survey ziifolge. Das 
etwas westlichere er/- Z)«7/ar7;e, im Jahre 1S74 noch ein Dorf von 
3_400 Einwohnern, war 1877 verlassen'*). An der Küste südlich 
von Razze wurde die Linie nach Schumacher gezogen ; der letzte 
Ort gegen die Wüste hin ist hier schon seit sehr langer Zeit Chan 



1) s. Bergorex, Ileisen in JAiro])a etc., Bd. III, S. llö. 

2) Nach Koi'.ixsox, Palästina, Bd. II, S. 471. 

3 ZDPV. Bd. II, S. 127. Von ungewöhnlichen Austretungen des Sees 
im J. 1738 spricht Pococke (nach Robin.sox, Paliistina, Bd. II, S. 459 . 

4 Nach dem Memoir des Pal. Expl. Fd. Bd. 111 Judaea;. 



Begleitworte zur Neuen Handkarte von Palästina. 59 

Junis. Im DscJiTdäti beruht die Linie natürlich ebenfalls auf 
Schumacher's Angaben. Für das Ostjordanland standen uns 
viele Angaben bereits vom Anfang dieses Jahrhunderts an zu 
Gebote; es scheint, als ob die Sesshaftigkeit in letzter Zeit hier 
gewonnen habe. So hat neueren Berichten zufolge die türkische 
Regierung circassische Colonisten in '^ Amman und Dscherasch an- 
gesiedelt, Mädehä ist nach Conder (1881) von fünfzig christlichen 
Familien bewohnt i), und wie Langer angiebt, ist Chirhet Naür 
im Wädi Na ür ieizt ebenfalls bewohnt. Im Frühjahr führen aber 
die Bewohner der Dörfer vielfach ein halb nomadisches Leben ; 
Roth fand z. B, ''Ime ganz verlassen vor, da die Bewohner ein 
Zeltlager bezogen hatten, und als Tristram el-Kerak besuchte, 
campirte der grösste Theil der Bewohner mit den Viehheerden 
im Freien. Nördlich von Damaskus endet das bewohnte Gebiet 
bei Dscherüd und el-Atnl. Der letzte bewohnte Ort gegen Pal- 
myra hin ist Karjaten 2). Von der Veränderlichkeit der Topographie 
auf den östlichen Stufen des Antilibanus hat Dr. Diener einige 
Beispiele gegeben 3). In dem Räume der Karte Dr. A. Stübel's 
verdanken wir einige neue Angaben Professor Scharling. der 
im Frühjahre 1889 Deklr am Ostrande der Ledschäh von Drusen 
bewohnt vorfand; Biiräk war wegen der unaufhörlichen Überfälle 
der Beduinen fast verlassen. 

Die politische Ein th eilung schliesst sich an die von der 
»American Press« in Beirut im Jahre 1889 herausgegebene ara- 
bische Karte von Syrien an. 

Für die Angabe der fahrbaren Strassen sowie für den Plan 
von Jerusalem konnten wir die neuesten, in der Redaction von 
Baedeker's Reisehandbuch eingegangenen Berichte benützen: 
die projektirte Eisenbahn Jäfä-Jerusalem wurde nach einer Notiz 
in der «Warte des Tempels« (1889, S. 321) eingetragen. 

1) Pal. Expl. Fd., Quart. Stat. for 1881, S. 276. 

2) Nach Baedeker-Socin's Palästina u. Syrien. 

3) Diener, Libanon S. 323 ; Mitth. d. Geogr. Ges. in "Wien, Bd. XXIX, 
S. 160. 



Bemerkungen zn der neuen Haurankarte. 

Von Prof. Dr. Martiu Hartmann in Berlin. 



Die Ortschaft 'adrä wird ZDPV. XII. 2G4 als unbewohnt 
bezeichnet; ob er-ruheibe bewohnt sei, wird ungewiss gelassen. 
Am 16. Mai 1S87 notirte ich an einem Punkte der Strasse Da- 
maskus-IIöms, 1 Stunde nachdem ich dTimä passirt: »ca. 300 ni 
rechts \tdrci, ein kleines Dorf mit ca. 20 Häusern«. In el-hutefe 
verliess ich die Strasse, um über el-mii addamije nach dscherüd zii 
reiten; aus el-mu addanüje hinausreitend notirte ich : »rechts zeigt 
sich am äussersten (östlichsten) Abbange des Höhenzuges, hinter 
dem in weiterer Ferne der dschebel esch-scherki Diener s sich 
zeigt, ein weissglänzendes Wuli, zu dessen Füssen in der Ebene 
die bedeutende, namentlich durch 'Abäjen-Industrie berühmte 
Ortschaft er-ruhaibe gelegen ist, ca. V4 ('?) St. entfernt ; sie gilt 
als hübsch gelegen, gesund, hat gutes Wasser.« 

Administrativ ist die Eintheilung des Haurän nach dem 
letzten mir zugekommenen türkischen Staatskalender für das 
Vilajet Süiijai auf das am 1/13. März 18S9 begonnene türkische 
Finanzjahr 1305 folgende: 

Dem Mutesarrif , der seinen Sitz in Schech Sa'd (B 4) hat. 
unterstehen direkt folgende Nähijen: ghabUghib-] ,B 3), schech 
miskin (B 4' und dschäsim (B 4). Kadä's: 1) 'adschlTm mit Kä- 
jimmakäm in irbid\ Nähijen: kafrandscha^] . 2) dschebel ed-drüz 

I) Umfasst seit dem 1/13. März 18S8 nur einen Thcil dessen, was früher 
darunter verstanden wurde. Damals wurde Beirut zum Hauptort eines be- 
sonderen Vilajets gemaclit mit den Mutesarrifliks Beirut, Tripolis, Lattakije, 
'Akkä. Das Vilajet Siirlja hat jetzt nur noch die Mutesarrifliks Damaskus, 
Hama, Ilaurän. Das Mutesarriflik Belkä wurde, wie mir «geschrieben worden, 
bis auf einen kleinen Theil zu Jerusalem geschlagen ; näheres hofte ich später 
mittheilen zu können. 

2 Als 17. Station der Strasse Ghazza-Damaskus erwähnt von Makrizi 
Maml. (Quatremere; II, 2, 'J2 Anm. 

3) Nach S. 142 dieses Staatshandbuches liegt a.\\c\id scher aschin diesem 
Kadä, und nach S. 145 ist hier eine Elementarschule für Knaben eingerichtet. 



Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. 61 

mit Käjiramakäm in nsmcedlje<-^ (sie; gemeint ist sicher es-suwedä 
D 5); Nähijen: medschdel C 4 , salchad (D 6), sulem (D 4), 
"ormän (D 5), %-e ^C 5), schuhbü (D 4), säle (sie! = sälä D 5), 
lähite (D 4 . Von den Hauptorten dieser Nähijen liegen salchad, 
'^ormün und Itihite nach der Karte avisserhalb der «jetzigen Grenze 
sesshaften Wohnens«. Das wird nicht richtig sein ; denn ist auch 
der Ernennung von Mudiren in diesen Orten seitens der türkischen 
Regierung nicht eine übergrosse Bedeutung zuzuschreiben — 
drei derselben gehören der bekannten Familie Atrasch an : die 
Verleihung solcher Ämter hat hauptsächlich politische Zwecke; 
ihre Annahme seitens der Bevölkerungshäupter in unabhängigen 
Gegenden ist meist der Anfang des Endes — so sind doch sicher 
die Sitze dieser Mudire festbewohnte Plätze. Nach demselben 
Staatshandbuch S. 145 sind neuestens in salchad, %'e, säle, 
7nedschdel, es-suic^dä hier suicede geschrieben und auch in dem, 
hier als eine zu den Dependenzen des dschebel ed-drüz gehörige 
Näliije ^ bezeichneten, ""ähire (C 4) Elementarschulen für Knaben 
errichtet worden. 3) el-kimetra mit Käjimmakära in el-kunefra 
(A 4) ; Nälüjen: medschdel schems: nach S. 143 gehört zu diesem 
Kadä auch bcinijäs. 4) derä (sie; vgl. ZDPV XII, 280 mit Kä- 
jimmakäm in derä (= derät B 5); Nähijen: hosra eski schäm. 
5) busr el-har'ir (sie, nicht el-harlrl : die Bemerkung Wetzstein's 
S. 279 lässt die Schreibung el-harirl als die richtigere erscheinen) 
mit Käjimmakäm in busr el-harlr (C 4), 6) es-salt : früher zum 
Mutesarriflik Belkä gehörig). 

Hier möge auch der Abschnitt Ilaurän aus einem von Schä- 
hin Makärijüs in r, el-madschmct el-ilml esch-scharkl«, der orien- 
talischen wissenschaftlichen Gesellschaft, die etwa 1S81 — 1SS3 
in Beirut bestand, gehaltenen und in den »Verhandlungen der 
Gesellschaft für das Jahr 1S82, 79 — 106 abgedruckten Vortrage 
über das Bildungswesen in Syrien mitgetheilt sein; ich übersetze 
auch das, was sachlich geringeres Interesse hat ; denn wir haben 
hier die Darstellung eines Syrers, welche im Lande selbst — sie 
erschien zuerst im Bericht über die betreffende Gesellschaftsitzung 
in der Zeitschrift el-mukfafaf — vielfach gelesen worden ist und 
die Vorstellungen von dem Haurän beeinflusst haben wird. 

»Der Haurän«, sagt Herr Makärijüs S. 100 f.. »liegt südöst- 

]) dschehel-i-drüz mulhakätindan ^äliire nähijesi. 



ß2 Hartmann, 

lieh von Damaskus, ca. 20 Meilen entfernt; Dr. van Dyck theilt 
ihn in seiner Geographie in zwei Theile : en-nukra und el-ledschät. 
Andere theilen ihn in fünf Theile : en-nukra, der mittlere Theil 
des Landes, eben; el-dschedür; Wsc/^/ww am westlichen Rande; 
el-ledschät: dschehel ed-drüz. Grenzen: im N. Damascus, im O. 
die Wüste, im W. der Jordan bis hinter den See von Tiberias, 
bis hinunter zu den Gegenden von es-salt. Andere sagen, die 
Avestliche Grenze sei der Dschölän. An Ortschaften, kleinen 
und grossen, hat der Haurän 230 ; sämmtlich gehören sie zu einer 
Mutesarrifije, welche in vier Kadä's getheilt ist: 1) escJi-schech 
seid, Sitz der Centralbehörde ; 2) el-kunetra; 3) "adschlün; 4) dsche- 
bel ed-drüz. Zahl der Einwohner: 90 000, wovon 27 450 auf den 
dschebel ed-drüz kommen. Die Bodenerzeugnisse sind bekannt; 
das Klima ist gut ; an manchen Orten wie im dschehel ed-drüz 
steigt die Hitze nicht über 87° Fahrenheit. Die Alterthümer 
sind sehr zahlreich. Manche sagen, dass die Quelle die von Ire 
aus ca. eine Stunde weit läuft, in Kanälen bis nach hosrü und 
anderen Orten geleitet war, und einige Kenner haben behauptet, 
dass diese Quelle jenes mau ghassän sei, das in den Geschichts- 
werken erwähnt wird. Die mächtigen Bauwerke, deren Ruinen 
noch vorhanden sind, lassen uns schliessen, dass der Haurän zu 
Zeiten der Ghassaniden-Könige und anderer sehr bedeutend war. 
Das Kildungswesen ist im Haurän sehr zurück. Ein Theil 
der Bewohner lebt noch im Nomadenzustande. Verfolgen wir 
die Geschichte des Wissens im Haurän in den letzten fünfzig 
Jahren, so sehen wir, dass es sehr unbedeutend Avar; denn die 
Unwissenheit hatte bei Weitem die Übermacht dort. ISur einige 
Ortschaften hatten »Prediger« [chutahä, die dort wohl den Dienst 
von Lehrern , Schulmeistern versahen) , die aus Ägypten ge- 
kommen Avaren, um ihren Lebensunterhalt zu suchen, und einige 
Schech-Sühne im Lesen unterrichteten. Oft kam es vor, dass in 
mehr als zehn Ortschaften kein Prediger und kein Geistlicher 
[chürl] war. Bei den Christen war die Kunst des Lesens auf den 
Priester und seine Kinder und die Diakonen beschränkt. Zur 
Zeit des [griechisch-katholischen] Patriarchen Maximus Mazlum 
und des Patriarchen Ilierotheus wurde der Ausbildung der Diener 
der Kirche im llaurän Sorgfalt zugewandt und mit Eifer an die 
Verbreitung elementarer Kenntnisse gegangen. Das hatte auch in 
gewissem Grade Erfolg ; eine Anzahl Elementar-Schulen Avurde 



Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. 63 

in den katholischen Ortschaften "wie chaheh (B 3) und el-habib 
(sie I wohl verschrieben für el-dschuheh = ecl-dschuheb C 5 ; eine 
karja-i-dscliuheh finde ich auch in dem Staatshandbuch für 
Syrien 1288 — vgl. ZDPV. VI, 102 ff. — unter den Ortschaften 
des liwZi haurlin und anderen und in racham (C 5) und ''urä 

[^f- == iTe C 5 und = aere S. 265) und andern orthodoxen 
Dörfern eingerichtet. Die Lehrer Avaren Religionsdiener, über 
welche sich die Patriarchate untereinander oder die Bewohner 
der Ortschaften mit den Patriarchaten geeinigt hatten. 

Im Jahre 1S65 errichteten die Muslims in einigen Ort- 
schaften Elementarschulen, wie die Schule von hafr schems 
(B 3) im el-dschedür und die Schule von tafas^] (Itinerar 2S. Mai: 
tafas. die Karte B 4 tafas] im hiläd en-nukra\ die Kenntnisse 
breiteten sich dort aus inid die Muslims haben ca. 35 Schulen, 
die über die Ortschaften des Haurän und des Dschedür zerstreut 
sind, mit mehr als 600 Schülern und ca. 40 Lehrern, doch keine 
einzige Mädchenschule. Aus Mangel an Raum muss ich von der 
Aufzählung der einzelnen Ortschaften mit Namen der Lehrer und 
Zahl der Schüler Abstand nehmen. Die Christen haben im 
Haurän ca. 20 Schulen mit ca. 400 Schülern und 20 Lehrern, aber 
auch keine Mädchenschule. 

Im dschehel ed-drüz konnten Viele von den '^uhkül (den in 
die Geheimlehre eingeweihten Schech's) lesen und lehrten es 
ihre Sühne. Nach 1863 errichteten sie einige wenige Ele- 
mentarschulen mit chufahä (s. oben) als Lehrern. Später wünschte 
eine englische Gesellschaft Schulen unter ihnen zu errichten, 
was sie auch annahmen. So wurden in ihren Dörfern und denen 
der Christen acht Schulen gegründet, die ca. 150 Schüler, Knaben 
und Mädchen, mit neun Lehrern haben ; die Zahl der Schulen 
wächst und der Andrang ist gross. Auch in ""Adschlün breiteten 
sich die Kenntnisse durch eine englische Gesellschaft aus, die 
dort eine Anzahl Schulen errichtete ; die Resultate sind recht 
gut, namentlich in dem Dorfe el-husn. Diese Schulen haben 
mehr als 300 Schüler, 150 Schülerinnen und 10 Lehrer. 

Die Schulen, welche die Muslims auf ihre Kosten errichtet 
haben, sind ca. 15 an Zahl mit ca. 17 Lehrern und 200 Schülern 

1) Tafas noch genannt als 14. Station auf der Strasse Ghazza-Damaskus 
bei Makrizi Maml. Quatrem.) II, 2, 92 Anm. 



ß4 Hartmann, Bemerkungen zu der neuen Haurankarte. 

(diese Angabe bezieht sieh wohl nur auf "adschlün. obwohl sie 
durch Absatz getrennt ist . 

Es ergiebt sich aus dem Gesagten, dass 1S54 das Wissen in 
den Haurän einzudringen begonnen und seit 1865 sich erheblich 
ausgebreitet hat«. 

Über die x\nlegung von Garnisonen (ZDPV. XII, S. 265) 
im Haurän brachten die syrischen Zeitungen öfters Berichte. So 
schrieb das Damaszener Regierungsblatt Sürija in einem von der 
Beiruter Zeitung 7/ a(/7Ä-«^ el-achbär vom 15, November 1883, Nr. 
1315 abgedruckten Artikel, betreffend die Verdienste des Walis 
Hamdi Pascha um den Haurän, er habe drei grosse Kasernen im 
dschebel ed-drüz und an den wichtigen Punkten gebaut und 
kaiserliche Truppen hineingelegt. Hamdi Pascha richtete auch, 
nach derselben Quelle, die Mudirije ghahUgJiib (s. oben) ein und 
legte eine genügende Anzahl Gensdarmen dorthin, »so dass jetzt 
die früheren Bewohner in ihre Wohnungen zurückgekehrt sind 
und ihren Landbau wieder aufgenommen haben«. 

In demselben Artikel heisst es , Hamdi Pascha habe den 
Telegraphen nach den Mittelpunkten der neugebildeten Kadä's, 
busr el-liarlri (sie) und derci. leiten lassen. 

Zu ghahäghib sei bemerkt, dass nach ihm auch der Berg- 
rücken benannt wurde, der nordwestlich von dem Orte, westlich 
von der Pilgerstrasse liegt (auf der Karte keinen besonderen 
Namen tragend). Bei schakhab am Fvisse desselben [teil schak- 
hab B 3) fand die Schlacht zwischen Ägyptern und Tataren i. J. 
702 statt (Makrizi Maml. [Quatremere] II, 2, 199). — 

Charakteristisch für die Zustände im südlichen Haurän noch 
vor Avenigen Jahren ist die Notiz in einer Correspondenz aus 
husn 'adscJilün vom 29. Oktober 1SS3 in Usän el-hal Nr. 022 vom 
12. November 1&S3, wonach die Einwohner einzelner Ortschaften 
von ihrer Heimath weggezogen sind, iim die Kinder nicht in die 
türkischen Schulen schicken zu müssen, ^'ielleicht waren den 
drusischen Iranern die türkischen Schulen ein Anstoss; vielleicht 
war es aber auch nur bäuerische Verstocktheit gegen alles Neue 
und die nicht ungegründete Vermuthvnig, dass die Schule auch 
nur eine der Ilintertliüren sei, durch die ein strafferes türkisches 
Regiment eingeschmuggelt werden sollte. 

Berlin, April 1890. 



Von Tiberias ziiiu Hiile-See. 

Zusammengestellte Eeisebeobachtuiigen von G. Sclnimacher 

in Haifa. 



Mit 12 Abbilduiiffen 



o"- 



Die folgenden Bemerkungen sind eine Zusammenstellung 
meiner Beobachtungen am See Genezareth und in dem Lande 
nördlich davon bis zu den Hüle-Marschen, die ich in den letzten 
Monaten gelegentlich meiner Berufsreisen in jene Gegenden 
machte. 

Zunächst erlaube ich mir einige Anmerkungen zu machen 
zu den Aufsätzen von A. Frei, »Beobachtungen vom See Gene- 
zareth« ZDPV. IX, Sl ff. und von J. B, van Kasteren »Am See 
Genezareth« ZDPV. XI, 212 ff. 

Sitt iskene^ dieses von beiden Forschern genannte Weli oder 
muslimische Heiligthum, besuchte ich wiederholt, um die von 
Frei genannte kufische Inschrift zu copiren. Dieselbe ist jedoch 
wohl übertüncht worden ; denn ich konnte sie trotz eifrigen 
Suchens nicht entdecken^). Dagegen fand ich in der westlichen 
Wand des inneren (südlichen) Baumes eine ebenfalls übertünchte 
arabische Inschrift, aus der ich, soweit es der Fanatismus der 
anwesenden Andächtigen zuliess, entziffern konnte, dass der Bau 
aus dem Jahre 694 der Hedschra stamme (ca. 1295 n. Chr.) und 
ausserdem die folgenden Worte enthalte : 

.... ihn hasan xod ahdalläh ihn '^ahhüs ihn '^uli ihn ahi tTilih, 
'aleihim al-salüm 

1) Inzwischen hat auch VAX Kasterex (ZDPV. XII, 130) die Ansicht 
ausgesprochen, dass nur eine arabische Inschrift existiere. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XIII. 5 



66 Schumacher, 

.... färis al-dunjü al-häsl ileina f'i ^l-ädil [?] el-mansüri tmib 

es-sultZm himulk .... 
. . . . . . ß gkurrat radschah sanat arhci loatuln wasitte mije. 

Der Bau des VVeli geschah zu Ehren der sitt sickene, welche 
nach Angabe gelehrter Muslimen die Grossenkelin der Fätime, 
der bekannten Tochter des Propheten, Mar. Der Vater der sitt 
siikene war zen el-ähid'tn, der Sohn des '^ali ihn ahu Uilih. Grosse 
Verehrung wird jetzt noch dem Weli namentlich (aber nicht aus- 
schliesslich) von Seiten der muslimischen Frauen gezollt; in allen 
Anliegen wenden sie sich hilfesuchend dahin, küssen das ein- 
fache, mit einem Holzkasten und einem grünen Tuch überdeckte 
Steingrab und blicken misstrauischen Auges jeden unberufenen 
Fremdling an, vor dem sie sich eilig verschleiern. Auch einen 
jungen Mann sah ich betend zu den Füssen der »Prophetin- 
Tochter«. Im A'orhofe des kleinen Gebäudes pflegen sich Frauen 
und junge Mädchen zu lagern, die durch ihren kreischenden 
Lärm die Andacht der Betenden stören. Eine alte Frau bedient 
das Weli und verabreicht gegen geringe Entschädigung Kaffee an 
die Andächtigen. Auch im Ostjordanland (Schumacher, Dschö- 
län 183) fand ich ein kleines Grabmal, das zu Ehren der sitt iskcne 
errichtet worden war, und neuerdings nannte man mir einen 
Platz beim Hause des Challl Meheschem in Haifa, der früher als 
Weli der sitt neflsi oder auch sitt iskme verehrt worden war. 
Heute noch lieisst das dort liegende Stadtviertel in Haifa härat 
es-sitt neflsi. 

Der Spiegel des Sees von Tiberias stieg durch die rnrge- 
wöhnlich starken Regengüsse des verflossenen AVinters um 1,55 m 
höher, als er im October 1 888 war — eine Niveau-Differenz, die ich 
in den sieben Jahren meiner Beobachtungen, die ich seit 1881 
durch Linien an der seewärts liegenden Stadtmauer vollzogen 
habe, nicht übertroffen sah. Da nun der Sommer 1889 mit be- 
sonders starker Hitze aufgetreten ist, mögen sich die Niveau- 
Schwankungen gegen Ende des Jahres noch auffallender gestalten. 

Das von J. van Kasteren S. 214 genannte neue Bad ist 
seit März d. J. dem öffentlichen Gebrauch übergeben; es enthält 
eine Anzahl getrennter Zimmer für Reisende und zwei abgetheilte 
Einzelbäder, daneben Stallungen und Cafe in anstossenden Ge- 
wölben. Da hierdiirch in anerkennenswerther Weise für die Be- 
quemlichkeit auswärtiger Besucher gesorgt ist, und ausserdem ein 



Von Tiberias zum Plüle-See. (J7 

guter Wagen den Verkehr zwischen der 1900 m entfernten Stadt 
auf guter Strasse regelmässig vermittelt, so ist der Fremdenver- 
kehr am Warmbade von Tiberias in dem Masse gewachsen, 
dass die Regierung die jährliche Pacht auf 7700 Francs erhöhen 
konnte. Neben diesem neuen Bade blieben das alte, grosse, von 
Ibrahim Pascha erbaute und das noch ältere, südliche Hammäm 
Sejidna Suleraän nicht nur fortbestehen, sondern beide wurden 
ausgebessert und theilweise erweitert. Dank dem seltenen Eifer 
und der Baulust des Kaimakäm von Tiberias, Selim Effendi 
Milki, nahm überhaupt Tiberias durch Strassenpflasterung und 
Wegearbeit, Moscheen- und Schulbau einen überraschenden Auf- 
schwung. 

Dscheramän (van Kasterex XI, 219) ist die Bezeichnung 
einer Taucherente, die auch kurzweg batf oder batfa (Ente) ge- 
nannt wird. Uem Herrn Verfasser wurde wohl von seinem Führer 
irrig wata {[^^^) angegeben. Dergleichen Vögel sind an der sy- 
rischen Küste wie namentlich auch im See Tiberias zwischen 
November und April häufig. 

Ekla el-ghül. Diesen Namen tragen ursprünglich bei den 
Beduinen eine Menge i;ngewöhnlich grosser Basaltblöcke am 
Wege zwischen Tiberias und dem Südende des Sees. Nicht der 
Bergrücken, sondern eben diese mächtigen, riesigen Quader 
geben Anlass zu der Bezeichnung ghül, d. i. Dämonen, Riesen. 
Kala oder in der Beduinensprache ekla bezeichnet vereinzelte 
mächtige Felsen (vergl. Dschölän, el-kalai^ S. 139). Die Wort- 
form el-Td ist daher nicht richtig (ZDPV. XI, 241). Ferner ist 
ebendort kadls durch chirhet kecllsch zu ersetzen. Kedisch be- 
zeichnet ein rasseloses, gewöhnliches Pferd. 

Wäcl el-hamäm. Diese von beiden Forschern besuchte felsige 
Schlucht war mehrmals auch mein Reiseziel, zunächst für eine 
Taubenjagd; denn unzählige wilde, blaugraue Tauben nisten in 
den vielfach durchlöcherten Steilwänden. Bei der Verfolgung 
von Tauben fiel es mir auf, dass Schaaren im Innern der Abhänge 
plötzlich verschwanden, und nachdem ich einige der engen, senk- 
rechten Schächte hinaufgestiegen war, Avurde mir durch den 
Luftzug von oben und die eigenthümliche Beleuchtung klar, dass 
die Schächte sich trichterförmig nach oben verengen und an die 
Oberfläche münden. Bestätigt wurde diese Annahme durch die 
an den Schachtwänden befindlichen Wasserabsätze, die jedenfalls 



68 Schumacher, 

cUirch das angesammelte Regenwasser der Oberfläche gebildet 
worden waren. Einige Höhlen, zu denen ich hinaufkletterte, 
zeigten rechtwinkeligen Querschnitt und cementirte Vertiefungen, 
wohl Cisternen; eine andere am Südabhang, 130 m über dem 
Flussbette, schien mir einst als Wohnung oder als Grabkammer (?) 
gedient zu haben. Diese Höhle war 2,80 m weit, 3,20 m tief, von 
ziemlich rechteckigem Querschnitt und noch 1,50 m hoch, künst- 
lich und regelrecht ausgearbeitet. Verputz war nicht zu ent- 
decken. Im südlichen Hintergrund entdeckte ich zwei nischen- 
artige Vertiefungen, 0,90 ra weit, 0,80 m tief und 1,40 m hoch, 
mit oben abgerundetem Abschluss, welche ziemlich kunstvoll in 
den Felsen eingehauen waren und nach ihren Dimensionen zu 
schliessen nicht als Gräber, sondern etwa als Vorrathskammern 
einer menschlichen Behausung gedient haben mögen. Der Ein- 
gang zur Höhle war 0,80 m weit, aber offenbar verwittert. Die 
Hauptachse zeigte eine Abweichung der Magnetnadel gegen W. 
von 19°. Die Höhe von 1,50 m scheint nicht die ursprüngliche 
gewesen zu sein. Ich stieg von dieser Höhle noch 15 Meter höher 
an den steilen Felswänden hinauf und gelangte an eine Reihe 
von rechteckig ausgehöhlten Räumlichkeiten, deren Vorderseite 
gänzlich verwittert war, so dass nur noch drei Seiten des Raumes 
erhalten blieben. Jeder Raum mass 3 — m Weite Tind noch 
2 — 5 m Tiefe bei 2 m Höhe und war von dem anderen durch 
schmale und breite Wände von 0,80 — 3 m getrennt. Die ur- 
sprüngliche Offiiung sah gegen Norden. Am westlichen und öst- 
lichen Ende dieser Wohnungsgruppe entdeckte ich je eine ziem- 
lich kreisrunde verpvitzte Cisterne von 3 m Durchmesser, deren 
Verputz aus Thonscherben mit Aveissem Mörtel bestand. Weiter 
gegen Westen, neben der auf Figur 1 angegebenen Cisterne, 




Fe l s a b U a II t> 

Xonl 

Figur 1. 



kletterte ich über ein abgesprungenes Felsstück zu einem in die 
senkrechte Felswand eingehauenen Gang, der sich von hier aus 
eine Strecke weit an der Krümmung des Felsberges nach W. hin- 
zog, 'iheilweise war auch hier die nördliche Vorderwand ver- 



Von Tiberias zum Hüle-See. 



69 




Avittert, so dass der Querschnitt des Ganges A (Figur 2) zwei 
Schenkeln eines sphärischen Dreiecks von je 2 m Länge glich. 

Über dem Gang sah man hin und wieder halbrunde Ver- 
tiefungen von 2,20 m Weite und 1,50 m Höhe in den Felsen ge- 
hauen. Der Gang oder Canal 
A diente entweder der Wasser- 
zuleitung zu den Cisternen, da 
diese sich nicht von oben herab 
füllen konnten, oder dem Ver- 
kehr mit der Aussenwelt oder 
vielleicht beiden Zwecken \) . 
Von den oben beschriebenen 
Räumlichkeiten, in denen doch 
wohl Räuber- und Anachoreten- 
Wohnuna^en zu erkennen sein 
werden, ist der Fels bis auf eine 
Breite von 2 — 3 m horizontal Figur 2. 

geebnet, offenbar um den Verkehr zwischen den einzelnen Woh- 
nungen zu ermöglichen. Etwa 10 Meter über diesem Gang führt 
ein zweiter dem ersten parallel an der Felswand entlang und ist 
auch über der defecten Stelle des unteren verwittert : er mün- 
dete einst in eine der grössten Höhlen der Hamäm-Schlucht. die 
etwa 10 m höher xind wenig östlich von den obenbezeichneten 
Wohnungen sich öffnet. Senkrechte Felswände verhinderten 
mich jedoch, diese Höhle zu untersuchen, was nur mittelst Strick- 
leitern geschehen könnte. Auch fand ich noch mehrere andere 
Cisternen längs des Bergabhangs, die meistens durch Tauben- 
und Schwalbendünger — denn auch diese Vögel nisten in Schaaren 
an den Felswänden — halb angefiillt waren. 

Chan niinj'e und et-täbigha. Die Ansiedelung des deutschen 
katholischen Palästinavereins bei et-Täbigha macht höchst er- 
freuliche Fortschritte. Bereits erheben sich drei provisorische 
Häuschen mit gut gepflegtem Garten am Strande des galiläischen 
Sees, ein schönes Zeichen deutscher x\rbeit und deutschen Fleisses. 
Gelegentlich der Fundamentirung der genannten Gebäude stiessen 
die Arbeiter in einer Tiefe von nur 50 cm unter der Erdoberfläche 

1) Vergl. hierzu JosEPHl's Bell. jud. I, 16,4: »Diese Höhlen an steilen, 
fast völlig unzugänglichen Bergabhängen gelegen waren nur auf äusserst 
schmalen Q u e r p f a d e n zu erreichen ». 



70 Schumacher, 

auf sorgfältig behauene Basalt-Bausteine, Grundmauern und Mo- 
saikstücke, ferner auf eine grosse, gut gebaute Mauer von 1,50 m 
Dicke, die der Huchtung der mittet en-naclile parallel läuft. Diese 
mme^ d. i. Hafen, hat ihren Namen von den Überresten eines 
kleinen Palmenhains hart am Ufer des Sees in der Nähe der 
Täbigha-Mühlen. Auch ein mit einer fünfstrahligen Rosette 
ornamentirter Stein, wohl ein ehemaliger Thürsturz, wurde zu Tage 
gefördert. Es ist mir sehr wahrscheinlich, dass die Halde zwischen 
dem über dem chän minje sich erhebenden teil el-oreme und dem 
Mühlbach von et-tahigha eine von den verschiedenen hier sich 
vereinigenden Wadis zugeschwemmte alte Ortslage in sich 
birgt. Der nördliche Abhang des teil el-oreme wurde mir von den 
Eingeborenen mit dalir es-sillam^ «Rücken der Leiter (Treppe)«, 
die genannte Halde selbst mit ard es-siJfi (Bewässerung) benannt. 
Nördlich \oxi et-tühigha i^wA ich am Abhang mehrere Ruinenhau- 
fen, die von den Beduinen Umm Dsche'ade (?) genannt wurden. 

Die ''am et-t'me am Fusse des teil el-oreme, nahe am Chän, 
gilt bei den Beduinen trotz ihres crystallhellen Wassers als 
äusserst ungesund und fiebererzeugend. Der Name minje wird 
von manchen Beduinen 7nanje ausgesprochen. 

Von et-tabigha aus machte ich einen Abstecher nach dem 
.Jordan nördlich vom See Genezareth. Nahe der Jordanmündung 
führt ein Pfad am rechten Flussufer entlang, kreuz und quer über 
Stock und Stein, an kleinen Gemüsegärten vorbei, die hart am 
Flusse angelegt sind und aus diesem bewässert werden. Der 
Jordan theilt sich in der Nähe der Dorfruine et-tell in mehrere 
Arme und hat hier nur einen massig schnellen Lauf, ^yir über- 
schritten dieselben mehrmals, wanden uns durch das dichte Ufer- 
gebüsch hindurch und kletterten alsdann auf unaussprechlich 
schlechten Pfaden, über Basaltblöcke und durch ])ornengestrüppe 
eine Anhöhe hinauf bis zur Ruine ed-dihki im Dschölän. Diese 
schon früher (vergl. Dschölän S. 114 ff.) beschriebene Ortslage 
schien mir seit meinem letzten Besuch im Jahre 1S83 und 84 er- 
heblich verändert zu sein. Auf den Grundmauern des dort be- 
schrielK'nen Gebäudes, wahrscheinlich einer früheren Synagoge, 
erhebt sich nun ein Getreidemagazin. Die vielen interessanten 
Baureste sind theils in die Mauern eingemauert, theils zerschlagen 
worden. Zu den damaligen vier Winterhütten gesellten sich noch 
ein halbes ])utzend anderer der 'arah et-tellatülje . Hart am süd- 



Von Tiberias zum Hule-See. 



71 



liehen Kaude des Dorfes sehen wir vier mächtige alte Üöm-Bäume 
(eine Dornart), die das prunklose Grab oder Weli des schech \ih- 
dalläli cd-dikJci beschatten. Unter den Trümmern der alten Ruine 
fand ich den nebenstehenden ornamentirten Bogenstein aus Ba- 
salt mit sorgfältig ausgeführtem Eierstab, Trauben- und Schling- 
verzierungen (Fig. 3, a u. b). Von ed-diA-ki ritten wir weiter den 







i3 







—o^^if-m 



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'S- 



J^ 



Figur 3 a. 



Figur 3 b. 



Abhang hinauf. Die Gegend blieb immer gleich steinig ; nur hin 
und wieder sprosste ein langer Grashalm zwischen den Basalt- 
blöcken hervor. Eine schmale, äusserst fruchtbare Ebene zeigte 
sich endlich auf der Anhöhe und damit auch die Ruine er-rafld 
(s. meine Karte des Dschölän) . Die schöne Lage dieses Ortes 
unmittelbar über dem Jordan, die bedeutenden Überreste an alten 
Bausteinen und Säulencapitellen , Säulentrommeln, verzierten 
Thierstürzen u. s. w., sowie die räumlich grosse Ausdehnung der 
Ruinen sprechen für eine Ortslage von einiger Bedeutung. Etwa 
25 Winterhütten der Beduinen erheben sich aus dem Bauschutt : 
zahllose Fragmente alter Kunst sind darin eingemauert. In Figur 
4 — 10 gebe ich einige der interessantesten jonischen Kapitelle, 
eine Doppelsäule und zwei Thürstürze wieder, deren einer zwei 
gekreuzte Fische und ein Blumenornament, der andere eine hau- 



ranische Traubenverzierung zeigt. 



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Figur 4. 



72 



Schumacher, 




6e€) ® €ilt) ©Ä) «) «) ® €)€) 



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^ 0,90 



Figur 0. 




0,1/0 >| 



Figur 7, 




Figur 8. 



Von Tiberias zum Hüle-See. 



73 




0,2o 



Figur 9. 



-03S 




Figur 10. 



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20 



30 



W 



SO 



dm. 



Figur 11. 



Massstab zu den vorstehenden Figuren. 



Die Gegend weiter nördlich Avird nun sanfter. Westlich 
vom Wege fand ich einige zerfallene Dolmen, östlich beginnt 
ein hübscher Eichenwald. Unweit "ehiün (s. Dschölän 
S. 147) passirten wir ein Zeltlager der '^arab el-icesije\ dicht da- 
bei fanden Avir einen von ihnen erlegten weissen Wolf, der 
an den Quellen von '^ehnln geschossen worden war. Die 
Gegend ist wasserreich; eine prächtige Quelle, die zwischen 
Brombeersträuchern hervorquillt, labte uns an jenem heissen 
Sommertag. Von hier geht es der Jordanbrücke entgegen 
wieder bergab ; zahlreiche Quellen brechen rechts und links vom 
Wege hervor. Endlich sind Avir am. dscMsr benät ja kab a.nge- 
kommen (s. Fig. 12). Der Sultan hat einen neuen grossen Chan 
auf dem linken Ufer erbaut, der auch zur Aufnahme von Keisen- 
den bestimmt ist. Die Umgebung dieser Brücke ist nämlich 
Dschiftlik Hamajüni, d. i. PriA'ateigenthum des Grossherren. 
Figur 12 zeigt uns die Brücke in ihrer jetzigen Gestalt. 

Von hier hatten Avir noch eine halbe Stunde bis zu der neuen 
jüdischen Niederlassung Jesüd ha-mala zu reiten. In uneigen- 
nütziger Weise unterhält Baron Edmond von Rothschild aus Paris 
auch diese Colonie, die sich noch im ersten EntAvickelungsstadium 
befindet. Sie ist an Stelle der rliirbet zubecl, eines Avenig auffälligen 
Ruinenhaufens, hart am Strande des Ilüle-Sees erbaut. Ein grosser 
Chan grenzt die aus armseligen Strohmatten-Hütten erbaute Colo- 
nie gegen das Ufer ab, AAähreiid südlich daA^on ein schöner Garten 



74 



Schumacher, 












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Von Tiberias zum Hüle- See. 75 

mit Rosen und aromatischen Kräutern zur Gewinnung von Par- 

CT 

fümerien angepflanzt ist. Einige Steinhäuser und eine Hannäni 
(Wasserschöpfwerk) sind ebenfalls im Entstehen begriffen. Nach 
langer Zeit befährt jetzt wieder ein Ijoot den Hüle-See und lieferte 
uns ein Gericht aus schmackhaften Seefischen. 

Auch diese untere Gegend des Hüle-Sees ist sehr ungesund. 
Die Colonie, die meist aus eingeborenen Juden aus Safed zu- 
sammengesetzt ist, hat daher viel durch Fieber zu leiden, wozu 
namentlich die ausserordentliche Hitze bei Tag und die rasche 
Abkühlung bei Nacht beiträgt. Am 20. April betrug beispielsweise 
die Temperatur im Maximum bei Tage -[-42° Celsius und kühlte 
sich in der Nacht auf -(- 26° C. ab. 

Haifa. Oktober 1889. 



Aus der Umgegend you Jerusalem. 

Von J. P. Yan Kastereii, S. J., in Beirut. 



Mit 4 Abbildungen. 

Während eines Aufenthaltes in Jerusalem im April und Mai 
1889 machte ich mehrere kleine Ausflüge in die östliche und süd- 
östliche Umgebung der heiligen Stadt, nicht nur um die aus 
Büchern geschöpfte Kenntniss dieser Gegend durch die eigne 
Anschauung zu bestätigen oder nöthigenfalls zu berichtigen, 
sondern auch in der Vermuthung, dass vielleicht hier oder dort 
noch etwas Neues oder wenigstens nicht genau Bekanntes aufzu- 
decken sei. Letzteres konnte aber nach den sorgfältigen Unter- 
suchungen von l>aurath Schick u. A., speciell der englischen 
»Survey«, natürlich nur eine dürftige Ährenlese nach der Ernte 
sein. Und wenn ich dennoch es wage, die wächtigeren Ergeb- 
nisse dieser Ährenlese den Freunden der Palästina-Forschung 
mitzutheilen, kann ich nicht umhin, ganz ausdrücklich darauf 
hinzuweisen, dass diese Seiten auch nichts Weiteres beanspruchen. 

Silioän. Man kennt die von Condeh ') bestrittene Ansicht 
Clermoxt-GanjSteau's^), dass die Thüre des hiesigen »ägypti- 
schen« Monumentes urs])rünglich niedriger gewesen sei, und sich 
damals über dieser niedrigeren Thüre eine althebräische Inschrift 
befunden habe. Nach genauer Prüfung des Sachverhalts muss 
ich dem französischen Gelehrten unbedingt beipflichten. Der 
obere Theil der Thüröff"nung, der seiner Ansicht nach spätem 



1) Memoirs of the Survey, Jerusalem, S. 4 IG. Uuarterly Stateni. 1887, 
S. 108. 

2) Mission en Phen. et en Pal., 5"'« rapport. Vgl. Pekuot et Cnn'iEZ, 
Tust, de l'Art IV, S. 34ü ss. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 77 

Ursprungs sein soll, zeigt wirklich zu beiden Seiten eine Art ge- 
glätteten Randes, der zur Linken 5 cm, zur Rechten unten 
weniger, oben etwas mehr Breite hat. Auf dem linken Rande 
ist das von Ganneau verzeichnete althebräische Resch und ein 
Theil eines zweiten Buchstabens klar ersichtlich. Das Resch ist 
13 cm hoch. Die Felswand hat hier eine Dicke von 56 cm und 
zeigt an der innern rechten Seite der Thüröffnung gerade unter 
dem oben erwähnten Rande einen horizontalen Einschnitt, 40 cm 
lang, 8 cm hoch und 4 cm tief. Weiter nach oben in der Aus- 
dehnung dieses Randes sieht der Felsen jetzt auch etwas dunkler 
aus, und die Thüröffnung ist etwa einen Centimeter breiter. Kurz 
wer die Thüröffnung genau angesehen hat, kann sich des Ein- 
drucks nicht erwehren, dass der obere Theil (etwa 2S cm hochj 
späteren Ursprungs ist und vorher dort auf einer glatten, etwa 
10 cm breiten Fläche die althebräische Inschrift gestanden hat, 
deren spärlicher Rest die wissenschaftliche Neugier des Forschers 
wohl erregen, aber nicht mehr befriedigen kann. 

Die Leute behaupteten, dass der Monolith den Russen ge- 
höre, und der Schlüssel nur «bei den Russena zu haben sei; ich 
hörte sogar das Monument selbst wiederholt el-muskühije nennen. 
CoNDER^) dagegen meint, es sei »französisches Eigenthum«. ^^ er 
Recht hat. kann ich nicht ausmachen; weil ich damals letztere 
Aussage nicht kannte, habe ich nicht weiter nachgefragt. 

Er-rüs. Diesen Namen gab ein Mann aus silivan dem Hügel- 
rücken, der sich von der NO. -Seite des ahu tdr zwischen dem 
tvädi esch-schamd und dem wüdijcmd ostwärts hinzieht 2) . Beide 
Thäler werden zur Zeit von den Silwänern bebaut und ebenso 
die östlichen Abhänge beider Hügel ; auf dem des ahu Vor finden 
sich bis an die von Israeliten bewohnten Häuser an der Ostseite 
des Gipfels üppige Weingärten. Der obere Theil des ras ist sehr 
felsig und zeigt nur spärliche Spuren menschlicher Arbeit, Ich 
bemerkte nur ein einzelnes in der Felsenoberfläche gehauenes 
Grab ■') und eine kreisrunde, in den Felsen eiugehauene offene 



1) Memoirs of the Survey, Jerus. S. 412. 415. 

2) Auch Schick giebt diesen Namen: Quarterly Statem. 18ST, 102. 

3) Dass solche Gräber in AVest-Palästina nicht so selten sind, wie CoN- 
DER Syrian Stone Lore 308 zu sagen scheint, habe ich schon anderswo (ZDP\ . 
XII, 31) bemerkt. Später sah ich noch andre bei chirbet meskeue , Survey 



78 Kasteren, 

Vertiefung von etwa 8,30 m Durchmesser. Sie ist sehr regehnässig, 
aber nicht tief ausgehaiien; der ihn umittelbar umgebende Fel- 
sen ragt an der höchsten Stelle nur einen halben Meter empor. 
War hier in alter Zeit eine Bet- oder Opferstelle, vielleicht eine 
der in der Geschichte Israels so traurig bekannten »Höhen«? Mir 
fällt wenigstens keine bessere Hypothese ein ; für eine Dresch- 
tenne nach orientalischer Art ist der Raum jedenfalls zu 
gering. 

Eine Grotte von etwa 20 m Länge und 3 — 4 m Breite dürfte 
w^enigstens zum Theil natürlich sein. Der östliche und südöst- 
liche Abhang zeigt mehr Reste aus alter Zeit. Gleich über der 
höchsten Terrassen- oder Gartenmauer bemerkte ich eine 
Cisterne und gleich unter dieser Mauer eine zweite, grössten- 
theils verschüttete, mit einer Treppe. Eine Terrasse niedriger, 
also etwas weiter östlich, ist ein Felsen bemerkbar, der W.-O. 
ungefähr 41/2 m Länge, S.-N. etwa 3, 80 m Breite hat. Auf der 
rohen, etwas nach Osten abfallenden Oberfläche finden sich 
einige, theilweise durch Kanälchen verbundene schüsselartige 
Vertiefungen, nicht ungleich denen, welche man anderswo ^) mit 
uraltem Opferkultus in Verbindung zu setzen versucht hat. An 
der XO.-Ecke ist der Felsen auf etwa 1/2 m Breite stufenweise 
behauen ; auch ist der östliche Theil zur Seite dieser Stufen etwa 
40 cm niedriger. Dieser niedrigere Theil ragt aber über den 
jetzigen Boden noch etwa 80 cm empor. Der Felsen ist endlich 
an der Ostseite in einer Breite von mehr als 2 m senkrecht abge- 
hauen, und an diese senkrechte Wand schliesst sich nördlich eine 
andere, ganz ähnliche, von 1,20 m Breite rechtwinklig an. Eine 
gleichartige, noch grössere, gleichfalls nicht sehr ebene Felsen- 
oberfläche mit Schüsseln und Kanälchen liegt etwas weiter nach 



Ma]), Blatt VI, Oh und chirbet husche fBlatt V, Lh\ AVilsox (Menioirs, Spe- 
cial Papers 2SUj hat noch andere verzeichnet. lis ist darum -wahrscheinlich, 
dass die Aussage Conder's a. a. 0. sich auf etwas Anderes bezieht, und zwar 
auf »sarcophagi sunk in the rock, and covered with the usual lid«, wie er 
Spec. Pap. 201 sich ausdrückt. 

1) Scillf K, ZDPV. X, 140 ff. Etwa dreissig solche Schüsseln von ver- 
schiedener Form und Grösse (bis zu etwa 3/4 Quadratmeter) fand ich auf einer 
felsigen Anhöhe östlich über dem bir el-huwära, zwischen bct süsin und dem 
bir el-kantara (Survey Map, Blatt XVII, Jt.). 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 



79 



imten in südöstlicher Richtung. Ich bringe von beiden eine rohe 
Skizze mit einigen Massen. (Fig. 1 und 2) . 




Figur 1. 



a 20 cm im Durchmesser und 20 cm tief. 
6 15 - - - . 5 - - 

c 20 - - - - 12 - - 

d 10 - - - - 10 - - 

e 30 - - - 30 - - 



b 

« O 





Figur 2. 
a 20 cm im Durchmesser uud 15 cm tief. 



^}20 
c 80 
e SO 



- 20 - - 

lang, 00 cm breit; Tiefe gering. 
10 - - ; 8 cm tief. 



Unter dem letzteren Felsen ein paar Schritte nach Osten 
zeigt sich eine kleine, oifenbar künstliche Höhle, cistemenartig 
und in der Form einer Flasche. Sie ist nur 2 m lang und 1,20 m 
breit, hat oben eine runde OefFnung von 80 cm Durchmesser und 
an der Ostseite einen 60 cm breiten Eingang, der, obAvohl er bei 
einer horizontalen Länge von 2 m etwa 2 m abfällt, doch keine 
Treppe hat. Südlich daneben ist eine ähnliche, noch kleinere 
Höhle und nördlich daneben ein tiefer, alter Steinbruch von un- 
gefähr viereckiger Form. 

Nicht weit nach Norden hat man eine Menge von ansehn- 
lichen Bausteinen ausgegraben und Säulenstücke der nämlichen 
Steinart. Ich meine, dort oder noch etwas weiter nach Norden, 
wo der Boden in westlicher Richtung sanft und regelmässig an- 
steigt, müsste die Stelle sein, wo Schick i) das herodianische 
Theater gesucht hat. Was ich mir nämlich aus der ScHicK'schen 
Beschreibung zur Orientirung aufgezeichnet hatte, genügte mir 
nicht, um die Stelle mit GeAvissheit zu ermitteln. 

Wendet man sich in entgegengesetzter Richtung nach Süden 
zum icäcli jüsTil hinunter, so begegnet man bald am Südostab- 



Quarterly Statem. ISS", 101 tf. 



80 Kasteren, 

hange ziemlich ausgedehnten Weingärten, deren östlichen Theil 
man kann ahn schuteije nennt. Nach Westen liegt der karm 
kamar^ wo sich wieder Cisternen, deren eine noch Wasser hält, 
ausgegrabene IJausteine mit einem Säulenstück und eine kleine 
Grabgrotte befinden. Letztere hat einen mit Steinplatten be- 
deckten Schacht. Das Innere ist grösstentheils zerstört, doch ist 
ein Arcosolium mit drei Senkgräben noch sichtbar. In einem 
Grabe liegt ein Haufen Mosaikwürfel, die in den Ruinen aufge- 
funden wurden. Dieser ganze Ostabhang des ras ist in besseren 
Zeiten wohl bewohnt gewesen. 

Noch weiter nach Süden, geradezu unten im Wädi, wo eine 
gute Anzahl Feigenbäume steht, nennt man die Stelle el klia. 

Auch Aveiter westlich, wo der Boden aus der Tiefe des Thaies 
in mehreren Terrassen bis zu der Höhe des KethlebeniAveges — 
wo jetzt das neue Klarissenkloster gebaut wird — ansteigt, habe 
ich eine grosse künstliche Höhle und eine Cisterne bemerkt. 

Wädi es-micähire. Mit diesem Namen, den Lievin^) einem 
südlicheren Wadi beilegt, nannte mein Führer eine etwas breitere 
Stelle im wädi en-när, wo dieser den von der Südseite des Oel- 
berges herabfallenden wädi kadiim'^) aufnimmt. Es muss die 
Stelle sein, welche bei Schick 3) der es-senne heisst und von 
FuRRER^) mit dem alten Kloster Zann zusammengestellt wird. 
Rechts vom Wege nach mär säba findet sich hier am ziemlich 
steilen und hohen Bergabhang eine Anzahl alter Grabhöhlen, die 
ich nur ungenügend aufgenommen habe, in der Voraussetzung, 
dass sie wegen ihrer Lage in der Nähe von .Jerusalem und zur 
Seite des von allen Reisenden benutzten Weges allgemein be- 
kannt sein würden. Weil ich sie aber jetzt nirgends verzeichnet 



1) Guide 3 II, 273. Er meint, so viel mir ersichtlich ist, das von SociN 
(B.\EDEKEk's Handbuch - 164) und ScniCK (Zl)PV. III, 32) als icädi el-lcben 
verzeichnete Seitenthal, Avofür ich an Ort und Stelle ebenfalls letzteren Namen 
hörte. Ich finde ihn nicht in der »Survey«. Die satcähire sind ein Beduinen- 
stamni. (Vgl. Survey, Name Lists 340). 

2) So die Survey, Name Lists, 319; SociN (a. a. O.) und Schick (ZDPV. 
III, 32): lattün. Ich meinte zur Stelle kaddiim zu hören. Das Thal hat die 
«?v/ es-suweih (ScilICK, Quarterly Statem. 1SS7, 152) westlich, den (Jahr csch- 
schijäh (Name Lists, 294) östlich. 

3) ZDPV. III, 32. 

4) ZDPV. III, 235. Ob richtig? Vgl. von Riess Bibelatlas 2, 31. 



Aus der Umgegeud von Jerusalem. gl 

finde \;, gebe ich hier, Avas meine Noten darbieten, um so mehr, 
weil es theilweise in ihrer Art grossartige Anlagen sind, die nächst 
den Jerusalemer Königs-, Richter- und Prophetengräbern ge- 
nannt zu werden verdienen. Namentlich finden sich mehrere 
Eigenthiimlichkeiten der kubUr el-mulük hier an einer oder meh- 
reren Stellen wieder: so der im Felsen gehauene unbedeckte 
Vorplatz, die weite offene Vorhalle mit Pfeilern und Felsan- 
sätzen zu beiden Seiten, im Innern die geräumige Vorkammer 
ohne Gräber und die Lage einiger Kämmerchen in verschiedener 
Höhe, so dass eines sogar theilweise unter dem anderen liegt. 
Die Grotten finden sich in drei Abstufungen am Abhänge : 
zwei unten am AVege, zwei auf der ersten und drei auf der zweiten 
Terrasse des Abhanges. Die erste (nördliche) unten im Thal ist 
von den anderen völlig verschieden. Sie öffnet sich in einem 
2,60 m tiefen Schachte, in den man auf fünf Stufen hinunter- 
steigt ; sie besteht nur aus einer Kammer und hat an drei Seiten 
Arcosolien mit Loculi. Unter jeder Bogenwölbung finden sich 
zwei Loculi und zwischen beiden eine hohe Bank, welche eben 
so breit ist Avie die Gräber 2). Die zweite, nur wenige Schritte 
weiter nach Süden, kann keinem Reisenden, der dieses Weges 
nach rriär siihä geht, verborgen bleiben und ist in der That so gut 
bekannt, dass sie im Legendenkreise der Jerusalemer Muslimen 
eine Rolle spielt. Mein Gefährte versicherte mir wenigstens, 
dass hier seijidnä 'isä von seiner ^Mutter verborgen wurde, als 
derfarün el-jehüd ihn tödten Avollte 3j . Der etAva 5 m lange in 
Felsen gehauene Eingang und die 4 1/2 ni breite Vorhalle mit 
einem Pfeiler in der Mitte und Felsansätzen zur Seite scheint 
etwas Grosses zu versprechen. Doch fand ich im Innern nur 
Eine Kammer mit neun Kokim (Schiebgräbern). 

1) Vielleicht möchte »a large tomb discovered by Lieutenant Warren in 
the Kedron Valley, below Bir Eyub« (Spec. Pap. 283) hierher gehören. Es ist 
mir hier nicht möglich, diese Spur weiter zu verfolgen. 

2) CoNDER behauptet Memoirs II, 326: Solche »arcosoHa 

divided lengthwise into two graves, Avhich have their length direction at right 
angles to the Avall of the central chamber« finden sich in jüdischen Grabkam- 
niern von ungefähr 15ü v. Chr. 

3) Vgl. Schick-Marti a. a. O. S. 32 : «Es finden sich nahe dabei auch 
Cisternen, und gegenüber (auf der Ostseite des tcädi kattimV eine Höhle, die 
lueghäret 'isä Jesushöhle^ genannt wird«. Die Lage ist, nach dem oben Ge- 
sagten, auf der Westseite des irädi en-när. 

Ztsch.d.P.il.-Ver. XIII. 6 



82 



Kasteren. 



f^ 



'Uw' 




Figur 3. 



Von dem nördlicheren 
Gräbercomplex der ersten Ter- 
rasse kann ich einen schHchten 
Grundriss beigeben (Fig. 3 . Er 
ist bei -weitem der geräumigste 
lind schönste und von ausge- 
zeichnet symmetrischer Aulagre. 
Eine Öffnung von etwa 3 m 
Breite führt in die Vorhalle, 
die 14.50 m lang und 4,35 m 
breit ist. Durch eine niedriore 
Thüre ■ 1 m bei 90 cm) gelangt man weiter in die etwa 5 m 
hohe Vorkammer, deren Breite und Tiefe die gleiche Aus- 
dehnung von je 6 m hat. Von hier leiten drei Gängelchen von 
3,20 m Länge, 00 cm Breite und ungefähr 2 m Höhe in die 
eigentlichen Grabkammern, von denen zwei 1 1 Schiebgräber, die 
dritte 9 Schiebgräber enthält. Diese Grabkammern habe ich 
nicht vermessen oder wenigstens die Masse nicht aufgezeicluiet. 
Sie sind kleiner als die Vorkammer, aber die Höhe Avar ziemlich 
gleich. Eine Bank von 40 cm Höhe xmd 60 cm Breite läuft in 
allen Grabkammern an den AVänden hemm. Das Ganze zeigt 
eine sorgfältige Arbeit, aber von Sculpturen oder Inschriften fand 
ich keine Spur. 

In gleicher Höhe etwas nach Süden liegt die vierte Graban- 
lage, deren Plan im allgemeinen dem vorigen fast ganz ähnlich 
ist^ jedoch sind die Masse viel kleiner, die Kämmerchen äusserst 
niedrig und vielleicht nicht vollendet. Nur in der linken Kammer 
finden sich einige Kokim. 

Von dieser Gruft aus sieht man den llussenthurm inid das 
Karmelkloster auf dem Olberg. A on der zweiten Terrasse ist 
auch ein Theil der Mauer Jerusalems und die Aksä-Moschec sicht- 
bar. Hier fcind ich, wie gesagt, noch drei Grotten. Die südlichste 
hat wieder einen im Felsen ausgehauenen A'orplatz von etwa 1 m 
und 6 m Ausdehnung. ]3och finden sich hier ausser dem liaum, 
den ich oben als die Vorhalle bezeichnete, nur zwei nicht grosse 
Kämmerchen mit Schiebgräbern. Von der zweiten Grotte, weiter 
nördlich, ist nur diese hier merklich kleinere Vorhalle zugäng- 
lich, und die weitere Thüre ganz verschüttet. Die nördliche 
Grotte endlich ist wohl die complicirteste. aber nur ungenau von 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 83 

mir aufgenommen. Die Vorlialle hat einen Pfeiler in der Mitte 
und zeigt ausser der gewöhnlichen Thüre in der Front eine zweite, 
jetzt verschüttete in der rechten Seitenwand. Durch erstere ge- 
langt man in eine Grotte mit Kokim, und aus dieser durch ein 
schmales niedriges Gängelchen der Thüre gegenüber in eine 
zweite ungleich tiefer gelegene Kammer. Hier finden sich ausser 
mehreren Kokim wieder drei Gängelchen, den Kokim selbst ganz 
ähnlich, aber immer tiefer hinabführend. Zwei dieser Gänarelchen 
laufen zu beiden Seiten des erstei"«ähnten zurück und führen 
uns somit etwa unter die erste Grabkammer in ähnliche kleme 
und niedrige Kämmerclien mit Kokim. In einem schmalen Seiten- 
kämmerchen sah ich auch bogenartige Nischen von verschiedener 
Grösse. 

Der Bergabhang ist hier zum Theile bebaut. Nicht viel 
weiter nach Süden bemerkt man, wenn man von der anderen 
Seite hierher kommt, in einiger Entfernung westlich vom Wec^e 
ein paar Häuser, die mir als süicän el-aflla (das alte sihcüti) be- 
zeichnet wurden. 

In der Tiefe der hier sich vereinigenden Thäler giebt es 
mehrere Überreste uralter Felsenarbeit ; in Felsen gehauene 
Becken verschiedener Grösse und mehrere grosse und tiefe Cis- 
ternen. In einer dieser letzteren notirte ich eine Treppe- au der 
Südseite und eine breite Felsenbank, die sich um den grösseren 
Theil der Cisterne herumzieht. In den Wänden, mit Ausnahme 
der südlichen, befinden sich eine Unzahl kleiner Nischen, wie 
diese oft in Gräbern imd Höhlen, weniger aber in Cisternen vor- 
kommen. Sie sind theiiweise zerstört: doch sind avoIiI GO noch 
sichtbar. 

Von dieser Stelle führt ein Weg ostwärts nach abu dls. Nach 
einem ziemlich steilen Aufstieg kommt m^n auf eine Hochebene, 
die vielleicht einer genaueren Durchforschung nicht unwerth 
sein möchte. Nördlich vom Wege entdeckte ich eine Felseugrube 
— wie ich glaube, nur ein einziges Grab, aber von ungewöhn- 
licher Form und Grösse. Ein regelmässig abfallender Eingang 
von etwa 21,2 m Länge führt durch eine niedrige Thüre in einen 
Raum von 2, SO m Länge, 1,70 m Breite und mehr als 2 m Tiefe. 
Aus diesem oben ganz offenen Räume wachsen zwei Feigenbäume 
heraus. In einiger Entfernung nach Süden bemerkte ich mehrere 

0* 



§4 Kasteren, 

solcher Bäume, die in der immlichen Weise aus künstlichen 
Pelsengruben hervorzuragen schienen. 

Ein anniuthiger Olivenhain liegt weiter östlich, wo sich unser 
Weg mit dem von Jerusalem nach ahu dls vereinigt; dieser hat 
sich in kurzer Entfernung nach Norden von dem Jerusalem- 
Kethania-Wege abgezweigt. 

El-murassas. Auf letzterem Wege gelangen wir bald nach 
el-äzarlje, und eine kurze Strecke Aveiter östlich über felsigen, 
vielfach behauenen Grund nach ed-dscJmneini ^), dem traditionellen 
IJegegnungsort des Heilands mit der heiligen Martha. Die ortho- 
doxen Griechen haben hier seit einigen Jahren eine neue Kirche 
gebaut, die aber, nach ihrer Aussage, auf alten Grundmauern 
steht. Die Kreuzform mit von Apsiden gebildetem Querschiffe 
ruft die Reste der alten Kirche von der dösl^) ins Geduchtniss. 
Die Kirche sieht hübsch und reinlich aus. In der südlichen 
Seitenapsis zeigt man den schildkrötenförmigen Stein, auf dem 
der Heiland gesessen haben soll, als er mit der Schwester des 
Lazarus redete 3). Er ist 65 cm lang, 40 cm breit, und erhebt sich 
36 cm über den Boden der Kirche. Die Geschichte dieses Steines 
ist aus LiEviN bekannt ^) . Der ältere, etwas grössere j)Stein des 
Zwiegespräches«, dem dieser nachgebildet ist, liegt in einiger 
Entfernung nordwestlich von der Kirche, nahe am Wege. 

Ein Wadi, der sich südlich von der Kirche und nördlich von 
abu dls hinzieht, soll wädi ez-zeitün heissen. In diesen mündet 
weiter westlich der tvüdi ahu dls, der die Anhöhe, worauf das 
gleichnamige Dorf liegt, von Westen begrenzt. 

Der alte, jetzt nicht mehr benutzte Jerichoweg, den nach der 
eben erwähnten Tradition der Heiland gegangen sein soll, führt 
bald auf ein sehr steiniges Plateau. Eine Anhöhe von weit 
schimmerndem Kalkstein in einiger Entferninig nach Norden 
trägt die chirbet er-rüs. Weiter, ebenfalls links vom Wege, giebt 

1) Dieser Name (= Gärtchen] ist offenbar modern und den Anpflanzungen 
"bei der neuen Kirche entnommen. Lnh'ix (Guide 3 II, 318) giebt den Namen 
»el(?)-Bordj el-Aamar (forteresse d'Aamar «. 

2) Vgl. ZDPV. III, Taf. II. 

3) Job. 11, 21 ff. 

4) »Cette pierre est un fac-simile mal reussi de la veritable pierre du 
cülloque. Elle provient d'une grande pierre qui jusqu' en 18S0 couvrait un 
tombeau" 'a. a. O.;. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. g5 

es ein paar Cisternen, die hijär ahu sad, und die gleichnamige 
chirhe, die aus Steinhaufen und einigen jetzt für die Heerden 
benutzten Grotten besteht. Weiter hat man den hlr es-sitt, der 
noch AVasser hält, am Wege, die bebaute Ebene merdsch es-sitt 
von etwa 200 m Breite links und rechts erst die clnrhet es-sitt 
und dann eine andere ebenfalls mit Weizen besäete Ebene. 
Letztere hat etwa einen halben Kilometer (west-östliche) Breite, 
und die Länge (süd-nördlich) mag noch mehr betragen . Sie heisst 
kasästm es-sitt, ein Name, der mich an die Ebene (emek) kests^] 
erinnerte. Allein mein Führer sprach den Namen mit sin, und 
leitete ihn von hasama (theilen her: der Ort heisse so, «weil die 
Fellachen ihn unter sich getheilt haben«. Wir sind hier übrigens 
auch w^ohl ausserhalb des Gebietes des Stammes Benjamin, w^o- 
zu die "^emek kefis gehörte. 

Bald folgt, wieder südlich vom Wege, die chirhet ed-dikke, 
wo Ijeute aus ahu dls, die sich ))%/rab fellä/fin« nennen, ihre Gerste 
dreschen. Die chirhet er-raghähnc zeigt man weiter nach Süden 
auf einem kahlen, felsigen, runden Hügel. Den wädi ed-dschemel-) 
lassen wdr zur Linken, den ^cüdi turdschamänlje, der in süd-öst- 
licher Richtung zum tvädi ahu hindl abfällt, zur Rechten. Das 
challet el-makahir, wozu der Weg etwas hinuntersteigt, ist wie- 
derum bebaut. Der tiefe wädi ahu t'trän läuft zur Linken in nörd- 
licher Richtung. Weiter, am hir er-rijäsi vorüber, kommen wir 
in die merdsch ez-zeihün, die hier äusserst felsig aussieht, aber 
doch in ihrem südlichen Theile ihre Gerstenernte verspricht. Ein 
anderes tiefes Thal, loädi el-harik, fällt von hier in nördlicher 
Richtung ab. 

Obwohl man hier die chirhet €l-7nurassas gerade östlich vor 
sich hat, muss man erst eine rauhe felsige Anhöhe südlich um- 
gehen, über die fruchtbare ard el-kuseir. Wo das «Schlösschen« 
stand, dem sie den Namen verdankt, konnte ich nicht ermitteln : 
vielleicht ist es der Thurni der chirhet el-inurassas selbst, die 
wir nun bald in geringer Entfernung links vom Wege vor uns 
haben. 

Das Wichtigere, was über diese Stätte zu sagen wäre, ist 



1) Jos. 18, 21. 

2) So The Survey, Name Lists, 334 und Socix a. a. O. S. 149. Ich hörte 
wiederholt : icädi dschimmil. 



86 Kasteren, 

schon von Schick-Makti ') und Conder-) vorgeführt -worden. 
Mir fielen besonders die Wasserleitungen auf, die das Regen- 
wasser von den westlichen Höhen zu den hier befindlichen grossen 
Cisternen führten und theilweise noch zviführen. Solche srross- 
artige Vorrichtungen zur Sammlung des RegenAvassers finden 
sich vielleicht n\ir in dieser wasserlosen Gegend. Bei dev chirbet 
el-merd sollte ich ähnliche wiederfinden : aber hier begegnete ich 
ihnen zum ersten Male . Zwei dieser Kanälchen kommen von der 
westlichen Anhöhe herunter und laufen an einem Punkt gut 100 m 
von den Ruinen zusammen. Sie sind im Innern etwa 20 cm breit, 
theilweise gebaut, theilweise in Felsen gehauen ; sie waren ur- 
sprünglich mit Cement beworfen und mit rohen Steinen fest 
überdacht. Jetzt sind sie an mehreren Stellen zerstört, an andern 
noch ganz gut erhalten, selbst mit der erwähnten Bedeckung. 
Nur für eine sehr kurze Strecke scheinen beide Kanäle ihr Wasser 
gemischt zu haben. Bald zweigen sich drei Arme, einer nach 
dem andern, südwärts ab. Der südlichste nährte eine Cisterne, 
welche südlich von den Ruinen, in der Nähe der Kirche, liegt, 
und noch eine andere etwa 200 m weiter östlich. Die übrigen 
führen ihr Wasser den andern vier Cisternen zu, die auf dem 
Plane der »Survey« verzeichnet sind, mid deren eine westlich 
von den Ruinen, die andern in deren Mitte sich befinden. 
Dass all diese sechs Offnungen nur einer, mithin beispiellos 
grossen Cisterne angehören sollen, wie Tohler^) meinte, kommt 
mir höchst unwahrscheinlich vor. Wozu hätte man in diesem 
Falle das Wasser in' all die Öffnungen zugleich hingeleiteit ? 
Auch finde ich dieses bei keinem der späteren Forscher mehr 
deutlich behauptet ■*). 

Das Mosaik, vonCoNDER in dem südlichen Schiffe der Kirche 
aufgefunden, habe ich nicht mehr gesehen. Was das nördliche 
Schiff anlangt, so erscheint mir sogar die ehemalige Existenz als 
fraglich. Von der dritten, nördlichen Apsis ist niclit nur nichts zu 
entdecken, sondern es finden sich vielmehr an ihrer Stelle zwei 

1) ZDPV. III, 28 f. 

2) MemoirsIII, 121 f. 

3) Topogr. II, 764. Eine Cisterne mit sie1)en Schöpflöchern, deren aber 
jetzt eines verschlossen ist, findet sich wirklich an der Ostseite des cfiän es- 
sahl. Aber die (jfi'nungen Hnden sich dort «^leichsam neben einander. 

4) Die Aussage von Dr. v. KiEss (Bibelatlas 2, 14) ist mir nicht klar. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 87 

süd-nördliche Mauern, die mir keine iSpur von geringerem Alter 
zeigten als die Keste der Kirche selbst. Vielleicht haben wir 
hier also eine ziemlich genaue Parallele der Doppelkirche el-chadr 
bei et-faij'ibe^). Auch dort hat man zwei orientierte Schiffe von 
ungleicher Breite, und zwar das breitere an der Nordseitc. Nur 
vermisst man in el-murasms den schmalen Raum zwischen den 
beiden Apsiden, der jetzt in der eZ-c/mr/z-Kirche eine Art Heilig- 
thum bildet, wo die Leute — sie wissen nicht wem zur Ehre — 
kleine Lämpchen anzünden. 

Eine kleinere Kapelle, von der »Survey party« nicht bemerkt, 
findet sich südöstlich von der (offenbar späteren) Thurmruine. 
Sie nimmt den südlichen Theil des Eaumes ein, wo die eng- 
lischen Forscher ein »Pebble Pavement« verzeichnen. Von der 
Apsis an der Ostseite sind nur noch 4 schöne Steinquadern in 
situ. Die Breite beträgt etwa 10, die Länge kaum 1.5 Schritte. 

Den kleinen Wädi nördlich von der Ruinenstelle, der von 
Leuten aus el-äzimje bebaut wird, nennt man loZidi harh ; ein 
tieferes Thal, das in einiger Entfernung nach Osten sichtbar ist, 
soll lüäcli en~nalde heissen. 

Die Frage, wem die chirbe gehöre, war während meiner An- 
wesenheit an Ort und Stelle der Anlass zu einem lebhaften Wort- 
wechsel. Ein gcAvisser Hasan Beg aus el-äzarlje, der sich im 
lüüdi harh mit der Ernte beschäftigte, behauptete von seinen Ge- 
fährten und meinem Führer unterstützt, dass er der Eigenthümer 
sei. Allein einige Beduinen, "arah ahu nuseir, meinten, es gehöre 
ihrem Stamme an. Die theoretische Rechtsfrage hätte gewiss 
weniger Lrteresse erregt, allein die '^arah meinten, der Frandschi 
mache nur seine Beobachtungen und Vermessungen, weil er die 
cJiirhe kaufen wolle, und so wurde die Frage äusserst praktisch. 
Auch begnügte man sich schliesslich mit der Lösung dieses prak- 
tischen Theiles, und zwar in einer ganz originellen Weise. Mein 
Führer bedeutete den Beduinen, dass vom Kaufe der Stelle keine 
Rede sei. Allein der Chawädscha besuchte, vermass und zeich- 
nete alle Ruinen in der Umgegend ; er hatte Bücher, Karten imd 
Zeichnungen bei sich imd kannte die Ruinenstellen u. s. w. 

1) Ich schreibe dieses nach meinen Beobachtungen. Gukrin (Judee III, 
46) hat die kleinere Apsis nicht gesehen ; Conder (Mem. II, 325) hält sie für 
den Rest einer älteren Kirche. Er legt sie jedoch zu weit nach Süden. 



88 Kasteren, 

besser, als die Beduinen selbst. Letzteres war ihnen natürlich 
unglaublich — aber man konnte die Sache prüfen, den Frandschi 
ein Examen bestehen lassen. Der Führer hatte, bevor ich ihn 
mitnahm, selbst ein ähnliches geographisches Examen bestanden 
und war seiner Sache gewiss. So wurde der Chawädscha feier- 
lich zu einem Examen eingeladen, und als er mit seinen Beob- 
achtungen fertig war, stellte er sich der sonderbaren Examens- 
kommission zur Verfügung. Von den vielen Examina, die ich 
durchgemacht habe, ist dieses zweifelsohne das am besten ge- 
lungene. Jede Antwort Avurde mit lauten Beifallsbezeugungen 
begrüsst, und zwar am meisten, wenn ich zur genaueren Be- 
stimmung einer Ortslage die Karte zur Hand nahm. Es erregte 
Erstaunen, dass die ganze harrije (Wüste) so auf einem Blatte 
Papier stehe, viel mehr als dass ein Frandschi sie im Kopfe habe, 
wie sie selbst. Die Examinatoren waren also bald zufrieden ; ein 
paar vom Examinandus an sie gerichteter Fragen setzten den 
Sieg meines Führers noch mehr ausser Zweifel. Einige Cigar- 
retten, die mit Dankbarkeit angenommen, doch wegen des 
Bamadän zum Abend aufbewahrt wurden, besiegelten Aveiter den 
Frieden, und nach vielen freundschaftlichen Grüssen bestiegen 
die Beduinen ihre Pferde. 

Der Leser mag sich inzwischen Avohl mehr für die andere 
Frage interessirt haben, wem die Stelle in alter Zeit angehörte, 
mit andern Worten, ob wir mit Furrer^) und von Riess^) die 
von KyrilloS"*] erwähnte St. Peterskirche mit der »grossen 
Cisterne« hierher versetzen können. Die Sache scheint mir be- 
denklich. Das Kloster des h. Euthymius — auch nach Furrer 
und VON Riess mit dem clmn es-sahl identisch — war von der 
Stelle dieser St. Peterskirche sichtbar. In el-miirassas habe 
ich mich aber vergebens bemüht, den chün zu Gesicht zu be- 
kommen, und umgekehrt. Die zwischen beiden sich erhebende 
Hügelmasse macht es unmöglich. Diese Schwierigkeit ist zwar 
durch die Annahme zu umgehen, dass Eudoxia nur oben vom 
Thurme die Laura gesehen hat; jedoch möchte man um so 
mehr geneigt sein, ihr einiges Gewicht beizulegen, weil zwei 



1) ZDl'V. 111, 235. 

2) liibelatlas -i S. 14. 30. Bl. VIll. 

3) Vita S. Euthj-mii (Acta SS. Jan. II [Paris, 1863] S. 681) 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 89 

andere alte Klosterstellen ihre Ansprüche geltend machen. 
ConderI; soll hier nämlich die Tradition «eines gewissen 
laddls chciretUn oder »Priester Chariton.i gefunden haben, «der 
seine Feinde vertilgte mit einem Tränkchen von Schlangen- 
blut«. Es ist dieses zweifellos ein Widerhall der vom Biographen 
des h. Chariton^) mitgetheilten Erzählung. Der Heilige — so 
lesen wir dort — war von Räubern in der Nähe von Jerusalem 
in eine Höhle geschleppt worden und wurde dort gefangen ge- 
halten. In ihrer Abwesenheit aber kam eine Natter, kroch einem 
mit Wein gefüllten Gefässe zu, trank davon und Hess — »wie 
böse Menschen Wohlthaten mit Übel vergeltend« — Gift zurück. 
Und als nun die Räuber in die Höhle zurückkehrten, tranken sie 
vom Wein und starben. Auf Grund der Conder sehen Tradition 
wäre hier also die erste Laura des h. Chariton zu suchen. Allein 
der Werth dieser Tradition ist ziemlich unbestimmbar. Wer sie 
dem englischen Forscher erzählte, wird nicht raitgetheilt, und an 
eine eigentliche Localtradition ist nicht zu denken, weil der Ort 
v.nd die ganze Umgegend bis el-üzarije und ahu dls schon lange 
unbewohnt ist. Und überdies ist diese »Tradition« hier in offen- 
barem Widerspruch mit der weiteren Angabe des genannten 
Biographen, dass die bald vom h. Chariton in eine Kirche umge- 
wandelte Höhle — zur Zeit des Verfassers «die alte Kirche« ge- 
nannt — »bei der Laura Pharan« liege ^) . 

Besser entspricht die Lage von el-murassas den bekannten 
alten Daten in Bezug auf das Martyriuskloster. Dieses lag nach 
Kykillos*) 15 Stadien von der Laura des h, Euthymius und zwar 
westwärts : auf dem Wege nach Jerusalem hat man nämlich das 
Kloster sich gegenüber^). Ich möchte also am liebsten hier das 
Martyriuskloster suchen inid die St. Peterskirche den von 
Führer ''y verzeichneten noch unbekannten Klosterstellen an- 
reihen oder es etwa bei dem scJiech el-cJmJr ansetzen, wo Furrer 
das von Dr. vox Riess weiter nih'dlich verzeichnete Martvrius- 



1) Memoirs III, 165. 

2) Acta SS. Sept. VII, 575 f. 

3) rpo; T^ £yaY£5TaT7) Xaüpa ir^ '}.Z'[0\}.vir^ cpapo; (S. 576). 

4) Acta SS. Jan. II, 680. 

5) A. a. O. S. 6S7. 

6) a. a. O. S. 236. 



90 Kasteren, 

kloster sucht. Leider habe ich schech el-chidr nicht besuchen 
können ^). 

Chan es-sahl. Eine Beschreibung dieser Ruinenstelle, die 
hauptsächlich aus halb zerstörten Gewölben besteht, deren Steine 
an einzelnen Stellen die Diagonalstreifen der Kreuzfahrer zeigen, 
brauche ich nicht zu wiederholen. Ich wendete meine Beobach- 
tungen hauptsächlich der Frage zu, ob die aus alten Schrift- 
stellern, besonders aus Kyrlllos, bekannten Merkmale des St. 
Euthymius - Klosters hier zutreffen. Im Grossen und Ganzen 
kann ich solches bestätigen. Der Chan liegt auf einer niedrigen 
Anhöhe mit kleinen Thal eben rechts und links, die sich an der 
Südseite zu einem ebenfalls unansehnlichen Wadi vereinigen"^). 
Die Stelle sollte vom Wege von Jericho nach Jerusalem sichtbar 
sein 3). Ich habe mich überzeugt, dass der Chan vom heutigen 
Jerichowege über 13ethania nicht zu sehen ist, wohl aber von 
mehreren Stellen des älteren nördlichen Weges über denÖlberg^). 
Die »Ebene von drei Stadien Länge nach Norden hin« ^) ist vor- 
handen. Allein der hier von einem hohen östlichen Hügel mitten 
durch die Ebene lliessende Giessbach des Kyuillos'', muss theil- 
Aveise ungenau sein. Die östlichen Hügel sind da, der Giessbach 
am Nordende der eben erwähnten Ebene ist auch da, allein er 
ist die Fortsetzung des bekannten wTidi el-höd, hier von einem 
Beduinen v:iidi el-mudauicar, von meinem Fülu*er tcädi es-sikke 
genannt, der nach Osten, zum Jordan, abfällt. Auch die Rich- 
tungs- und Entfernungsangaben des Epiphanius'), Puocas^) und 
des griechischen Anonymus ^) lassen sich gleichfalls ziemlich gut 

1; Dr. VON RiESS (S. 20) findet in el-tnuras.sa.s auch die von Epiphanius 
Hagiopol. (Enarratio Syriee, Migxe Patr. Gr. 120, S. 268) erwähnte Quelle 
Mera wieder. Der Namensanklang verdient Beachtung, aber das Wort Q.uell e 
•wäre dann jedenfalls ein Irrthum. 

2) Kyhii.i.os, Acta SS. Jan. II, S. ü85. Vgl. Toblek Topogr. II, ;»65. 
Ich muss aber hinzulugen, dass die Tiefe dieser Thälchen sehr gering ist, und 
sie nördlich vom Chan, wo Dreschtennen liegen, jetzt kaum eine Fortsetzung 
zeigen, so dass man versucht wird, an Reste eines alten Grabens zu denken. 

:i) Kyrillos, a. a. (). S. (191. 

4) Vgl. unten S. 93 f. 

5) KvKiLLos a. a. O. S. 685. 
6 a. a. O. 

7' MiGNE, Patrol. gr. 120, S. 269. 
b 18, 19; ibid. 133, S. 949. 
9) Ibid. 133, S. 988. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 91 

erklären. Die zwei Cisternen, 2 Stadien vom Kloster entfernt '), 
sind noch aufzufinden, 

LiEViN DE Hamme (a. a. O. S. 279) hält nehi niüsä für die 
Stelle des Eiithyminsklosters . T^ach einer gefälligen mündlichen 
Mittheilung stützt er sich auf »die Tradition der Griechen«. Und 
wirklich hörte ich die nämliche Behauptung von einem Mönche 
in mZü- sähä. Die Hypothese möchte Aveitere Prüfung verdienen ; 
nur sind die topographischen Details von nehi müsU mir imbe- 
kannt. Ich habe oben die Identität des Euthymiusklosters mit 
dem chciit es-sahl nach dem Vorgange von Furrer und von Riess 
als die wahrscheinlichste vorausgesetzt, muss aber gestehen, dass 
mir hier noch vieles dunkel bleibt. Der Name »Heptastomos« 
(bei vonRiess a. a.O.) möchte uns nach dem oben (S. 86, Anm. 3) 
Gesagten mit der Petruskirche zum chän es-sahl führen. Einzelnes 
aus den topographischen Daten des Kyrillos in Bezug auf das 
Euthymiuskloster bleibt an letzterer Stelle unerklärt. Das einst 
in hoher Verehrung stehende Grab des h. Euthymius ist ver- 
schwunden. Könnte es nicht zum Mosesgrab umgestaltet worden 
sein? Dass wir mit Schick (ZDPV, III, 16) auch in 7iebi 
mnsä eine alte Laura zu suchen haben, ist nicht unwahrscheinlich : 
aber ausser Lievin hat noch niemand, so viel mir bekannt, einen 
alten Namen genannt. 

Der Pilgerweg nach nebt mUsä zieht sich durch den nörd- 
lichen Theil der Ebene ostwärts. An der Südseite des AVeges steht 
eine Tränkstelle, ein steinerner Bau von 3,40 m zu 1,54 m, der 
nur einen sargförmigen Trog (1,85 m zu 0,75 m) enthält. Beim 
Vorüberziehen der bekannten Pilgerkarawane wird der Trog aus 
der Cisterne des Chän mit AVasser gefüllt. Etwas weiter -nach 
Westen, geradezu nördlich vom Chän, sind Spuren einer kleinen 
Ruine übrig, mehr unten ein Stück Marmor mit mathematischen 
Figuren. Man nennt die Stelle dcLi' el-kasr, und mein Führer be- 
hauptete, es habe dort ein Thurm gestanden, zum Schutze des 
Chän. Eine andere besser erhaltene Ruine liegt nordwestlich 
vom Chän und eine Strecke südlich vom Pilgerweg. Der nörd- 
liche Theil der Ebene, z-wischen dem Wege und dem genannten 
ivädi el-mudauicar soll mukeb'b es-semen heissen-) . Weiter östlich 
kennt man ein challet misr. 

1 Kyrillos, Act. SS. Jan. II, 689. 

21 Ich hörte die Beduinenaussprache mutschcb. Ob vielleicht muscheh? 



92 Kasteren, 

Die Ebene ivird von den Silwänern bebaut. Schon Anfangs 
Mai beschäftigt man sich mit der Weizenernte. Die Halme sind 
kurz, die Ähren aber relativ gross und voll. 

Rück-weg nach el-üzarlje. Wenn -wir vms hier dem etwa 
eine Viertelstunde entfernten Jericho-svege zuwenden und uns auf 
diesem nach el-äzar'ije begeben, behalten wir den Giessbach des 
tvädi el-mudaincar (später imdi el-liod genannt) immer zur Seite, 
und dieses ist wohl der Grund, wesshalb mein Führer dieses Thal 
imdi es-sikke (= des Weges] nennt. Übrigens kennt er hier die 
Namen der einzelnen Berge und Thäler besser als anderswo: ein 
Theil dieser Gegend ist sein Eigenthum. 

Das erste Thal, das hier von der Südseite in den wädi el-mu- 
dauwar einmündet, ist der oben erwähnte wädi en-nahle. Bald, 
wo der Hauptwadi sich nach Norden umbiegt, kommt von Westen 
der wädi abu kara her. Etwas weiter, auf dem Jerichowea: ange- 
langt, lassen wir den von NW. einfallenden wädi ez-zamhl zur 
Rechten, den dschebel el-tcizu'äzi und eine scJabe ') desselbigen 
Namens, vom dschebel ischmls'^) gefolgt, zur Linken. Eine 
scJabet el-fid liegt zur Seite des Olberges, und fast gerade diesem 
gegenüber der imdi el-harlk, den wir auf dem Wege nach el-mit- 
rassas schon kennen gelernt haben. Den folgenden dsc/tebel 
"iidscli ed-cTib lassen wir ebenfalls links vom Wege. 

Eine Strecke weiter zeigt man zur Rechten, wo ein loädi 
mudauwäd in unser Thal einmündet, einen grossen Felsblock, 
dem man den Namen hadschar (Stein des) abu dahür beilegt. Ein 
Mann dieses Namens soll den ungeheuren Stein dort hingetragen 
haben, gleichwie eine scliAvangere Frau aus Ba'albek dort den 
2.S m langen hadschar el-hible (»Stein der schwangeren Frau«) an 
seine Stelle gelegt hat. Solche Märchen bilden die Ideen der 
Orientalen über ihre Vorfahren aus. In Ba*^albek sagte man mir 
auch von den bekannten grossen Gewölben unter dem Tempel : 

1 Schi' he scheint eine schmale, untiefe Spalte zwischen zwei Bergen zu 
bedeuten, ähnlich wie challet. Die ursprüngliche Bedeutung beider Worte 
ist: Spalte, Bresche. Palmer (Name Lists 350) übersetzt »spur«; SociX 
(ZDPV. IV, 7) »Abzweigung eines Thaies«. 

2) So spricht mein Gewährsmann. Ol) dieser Name von Andern aräli 
esch-schems (engl. Karte' gesprochen oder verstanden wurde? ]Jie »Name 
Lista« (347) kennen anderswo die mughfiir esch-scheims (»caves of sunlight«.). 
Vielleicht haben wir hier auch dschebel esch-sehenüs zu schreiben. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 93 

»Unsere Väter füllten sie mit Korn ; könnten wir sie nur mit 
Stroh füllen !« Man sieht, die Hypothese des ewigen Fortschrittes 
der Menschheit ist kein orientalischer Gedanke. 

Fast gegenüber diesem, übrigens durch nichts ausgezeich- 
neten Felsen bemerkt man links vom Wege mitten im trockenen 
Bachbette eine kreisrunde Vertiefung im Felsengrund: das ist 
der dschubb er-riim, sagt man. Den wädi ed-dschemel und den 
dschebel er-räs kennen wir schon. Letzterer trägt die gleich- 
namige Chirbe. Ein kleines Thälchen hingegen, das wir rechts 
lassen, hat den Namen schibet el-chirbe, obwohl von einer dor- 
tigen Ruinenstelle nichts bekannt ist. Ein hoher runder Berg 
links heisst dschehel selmü] er hat eine doppelte schibet selmä, 
esch-scliarlfije und el-gharb'ije (die östliche und die westliche), zur 
Seite. Ein imdi misläk liegt auf der nämlichen Seite, noch be- 
vor man die Apostelquelle erreicht. Zur Rechten notirte ich in 
der nämlichen Gegend einen wZidi '^aräh mäzil^), der im Winter 
einen ansehnlichen Giessbach bilden muss, und eine schibet 
nalm^ neben welcher ein kürzerer, von den Heerden benutzter 
Bergpfad nach el-Zizary'e aufsteigt. 

Der Apostelquelle gegenüber läuft ein ivädi icabe eine kurze 
Strecke in südlicher Richtung fort, um dann nach Westen umzu- 
biegen. Unser Weg nimmt hier ebenfalls eine mehr westliche 
Richtung durch den imdi michlcis. Dieses Thal zieht sich weiter 
nach der '^ain el-muhendis hin. Allein unser Weg Avendet sich 
bald links und lässt einen steilen, Aveissen, wie vermodert aus- 
sehenden Kalksteinhügel, den dahr mich/äs, zur Rechten, Der 
schlechte und stark ansteigende Pfad führt uns hier an den be- 
kannten b'ir el-edd'^) mit einigen Gärten vorüber und bald, in der 
Nähe von ed-dschuneini, zu der Stelle, wo er in den oben ver- 
zeichneten Weg nach el-miirassas einläuft. 

Der alte Jericho weg. Eines andern Tages (8. Mai) 
hatte ich, von mZir säbü kommend, wieder den ckän es-sahl be- 
sucht, um Aveiter nördlich den alten Weg von Jericho über 
den Olberg nach Jerusalem zu verfolgen, der auch bei den Ein- 
geborenen als »der alte Pilgerwega (nach nebi müsä) bekannt ist. 
An der Stelle, avo A\ir oben auf den jetzigen Jerichoweg gelang- 



1 So die englische Karte. Ich schrieb näzil. 

2; Nach »Name Lists« 2SS. Ich meinte el-'id zu hören. 



94 Kasteren, 

ten, hat man den älteren kaum ein paar hundert Meter nach 
Norden. Durch eine sanft ansteigende chaUe kommt man auf 
den dort kaum erkennbaren Pfad. An dieser Stelle ist der chtin 
es-sahl nicht sichtbar, wohl aber eine kurze Strecke "weiter und 
später ziemlich lange. An letzterem Ort sieht man ebenfalls den 
chän el-hatrüra und die röthliche Farbe jener Gegend, welche 
von Alters her den Namen Adummim (das palästinensische »Land 
der rothen Erde«) veranlasste. Der Weg führt hier nämlich über 
hohe Hügelrücken, die sich wiederholt zu Hochebenen ausbreiten, 
und hat den ansehnlichen icüdi es-suneisil lange Zeit zur Linken. 
Die Gegend ist öde, der Boden felsig; wir sind noch in der »Wüste 
Juda(c, obgleich in grader Linie nur eine gute AYegstunde von der 
Hauptstadt. Bis an die Ruinenstelle, die auf der englischen 
Karte als kasr ''all verzeichnet ist und hier von einem Hirten- 
knaben aus el-lsmcije chirhet arliüb es-saffä genannt ward i), traf 
ich auf nichts Bemerkenswerthes. Diese Ruine liegt auf einer 
Anhöhe, die im Süden oder Südwesten von einem viel höheren 
Hügel, dem riis arküh es-saffit, beherrscht wird. Südlich vom 
Wege zeigen sich die Mauern eines länglichen Gebäudes, das 3S 
Schritte in der Länge und etwa 10 Schritte in der Breite misst. 
Die übrigen Ruinen liegen zur Rechten des Weges und haben 
nichts Bemerkenswerthes. Bald stösst man gerade am Wege auf 
eine Art Plattform, 18 Schritte lang und IG Schritte breit. Es 
findet sich dort eine schöne Cisterne. Die ganze Plattform hatte 
einmal und hat vielleicht sogar noch jetzt ein feines weisses 
Mosaikpflaster, allein die Zeit hat eine tiefe Schicht Erde und 
Schutt darübergestreut. Nur zur Seite des Weges ist ein Viereck 
von SO cm Ausdehnung aufgedeckt. Soll man hieraus schliessen, 
dass die Stelle einmal in ein Gebäude, vielleicht in eine Kirche, 
eingeschlossen Avar? Man könnte wohl einer solchen Annahme 
zuneigen, allein ich fand in dieser Gegend'-^) eine ähnliche Aus- 
schmückung einer Cisterne, für welche die Bodengestaltung eine 
solche Hypothese unbedingt ausschliesst. Ich glaube, in dieser 
öden, wasserlosen Gegend ist die (Zisterne selbst von Alters her ein 
Gegenstand gewisser Liebe und Verehrung gewesen, und es be- 
fremdet nicht, dass das byzantinische Zeitalter, in dem di« Mosaik 



1) Letzteren Namen {»eben auch die Name Lists S, 321. 
2 Siehe unten S. 111 f. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 95 

in l*alästina fast verscliAveiiderisch angewandt Avurde. in dieser 
"Weise auch die Cisternen veraiert hat. Hier im Orient ist Wasser 
Leben und Wassermangel Tod : die UuQ|le ist eine Gottesgahe. 
die Cisterne die beste Gabe des Menschen. Der Dichter hat 
Recht : in Gegenden wie diese bricht man keine Frucht vom 
Baume und schöpft kein Wasser aus dem Brunnen ohne den 
Gedanken : «Ein guter Mensch ist dieses Wegs gefahren« i) . Ein 
Mosaikpflaster über einer Cisterne mag anderswo sonderbar er- 
scheinen: hier in der »Wüste« Hegt die Bedeutung auf der 
Hand. — 

Über breite Felsenplatten nähert sich der hier links um- 
biegende Weg den steilen Abhängen des reis '^arkäb es-sajfu. wo 
eine Cisterne zwischen rauhen Felsen noch jetzt die Heerden 
tränkt. Zur Hechten hat man den tiefen icädi er-rawahl. den man 
an Ort und Stelle aber xL-adi mughZnr ed-duha nannte, und der 
namentlich zur Seite der erwähnten Ruinenstelle, die er nach 
Norden umzieht, hohe senkrechte Abhänge zeigt-). 

Jenseits des Wädi erblickt man einen öden traurigen Hügel- 
complex; nur hier und dort ist ausnahmsweise ein Stückchen 
Landes bebaut: wie ich dort notirte, «einzelne grüngelbe Fetzen 
einem breiten dunkelfarbigen, faltenreichen Mantel, nicht zur 
Zierde, aufgenäht«. Einen Rücken nennt man dahrat hmvädschl. 
einen andern weiter südlich dahr ed-deisi [dahrat deisi'l). 

Nur an dieser Stelle zeigt der Weg unzweideutige Spuren 
der alten Römerstrasse, welche mehr noch, als die Tradition des 
«alten Pilgerwegesa. es ausser Zweifel setzen, dass hier die alte 
Heerstrasse von Jerusalem zum Jordan hinunterging. Die chi'ist- 



1) Weber, Eine That. 

2' Sonderbar ist,' was man mir später in el-lsaicije erzählte. Essoll 
sich nämlich weiter nordöstlich in diesem Wadi eine Quelle vorfinden, 'a«« 
cr-7-aicäbl genannt, welche nicht mir immer AVasser hält, sondern sogar 
Wasser genug hat, um zur Tränlcung der Heerden benutzt zu Averden. Nahe- 
bei ist in einer hohen senl^rechten Felswand ein »grosses Fenster« mit 
einer Höhle, »deren Inneres nur den Vögeln des Himmels bekannt ist^<. Sollte 
wirklich in einer so wasserarmen Gegend eine immer fliessende Quelle sogar 
den systematischen Forschungen der »Survcv" cutgangen sein? Ich glaubte 
damals die Aussage so wenig, dass ich nicht den Gedanken hatte, weiter nach- 
zuforschen und die Mittheilung nur als ein Curiosum notirte. Später habe 
ich mich doch gefragt, ob die so bestimmte Aussage eines ehrwürdigen Greises 
nicht nähere Prüfung verdient hätte. (Vgl. den Nachtrag S. 114 ft'. Die Ked.] 



96 Kasteren, 

liehen Pilger hat wohl die Anziehungskraft, die vom Grabe des 
Lazarus ausging, schon frühzeitig Aveiter nach Süden über Be- 
thania geführt ; anderMnochte die Schwierigkeit der Besteigung 
des Ölberges auf den leichteren Umweg lenken. 

Ungefähr zwanzig Minuten läuft hier der Weg einerseits 
ziemlich hoch über dem Wädi, andererseits am Fusse einer un- 
unterbrochenen Hügelreihe hin, worauf sich sechs abgesonderte 
Gipfel, von unbedeutenden Einsattelungen getrennt, bemerkbar 
machen. Der erste (östlichste) ist der schon erwähnte ras '^arküb 
es-saffü. Auf diesem fand ich oben ein viereckiges Becken von 
nahezu 2 D m. Südlich von der Hügelkette zieht sich hier am 
Abhänge über den lüüdi es-suneisil ebenfalls ein Pfad hin. Der 
ZAveite bedeutend höhere Gipfel trägt den landläufigen Namen 
el-muntlir und zeigt auf einem südöstlichen Ausläufer, den der 
eben erwähnte Pfad berührt, eine kleine Ruine mit Resten einer 
Pressvorrichtung. Man nennt sie chirbet ras el-munfär. 

Auf der folgenden Einsattelung bemerkte ich am Nord- 
abhange drei natürliche Höhlen von ungleicher Grösse. Der 
dritte Gipfel ist von merkbar geringerer Höhe und zeigt nichts 
Bemerkenswerthes ausser an der Westseite ein einziges Beduinen- 
grab. Ich hörte keinen andern Namen als ed-dahr. Wohl inte- 
ressanter ist der jetzt folgende Sattel. Der Nordabhang ist eine 
rohe Felsenmasse. Zwischen den Felsen aber findet sich eine 
grosse, jetzt noch mit Wasser gefüllte und von den Hirten be- 
nutzte Cisterne, der hir zentiäJcl. Unter mehreren Vorrichtungen 
für die Wasserzufuhr zur Cisterne ist eine in den Felsen gehauene 
Rinne zu verzeichnen, die bei 4 m Länge oben 38 cm, unten etwa 
12 cm Breite hat. Der südliche Abhang des Sattels und ein 
Theil des folgenden Rückens [rüs ez-zambl) wird von Leuten aus 
el-lsaioije bebaut, und diese Avissen, dass ihr Gerstenfeld die 
Stelle eines alten Dorfes einnimmt, dessen Name meinen Ge- 
Mährsmännern jedoch unbekannt war. Wirklich sind die Spuren 
dieses verschwundenen Dorfes nicht schwer zu erkennen. Es sind 
nicht nur mehrere Höhlen und Cisternen vorhanden, sondern 
auch eine ansehnliche Menge Näri-Steine, die aber jetzt für die 
Terrassenmauern verwendet sind. Von einem Fragmente einer 
sculptirten Platte, aus einer gelbgrauen marmorartigen Steinart, 
füge ich eine Skizze hinzu (Fig. 4). Der am besten erhaltene 
Theil der Ruine liegt an der Ostseite, am Südwestfusse des 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 



97 




Figur 4. 



Massstab 1 : 20. 



Östlichen (Jah'^ Avas offenbar darin seinen Grund hat, dass 
diese Stelle axisserhalh des Umfanges des bebauten Landes 
liegt. Zwischen zerstreuten, grossen, 
aber von der Zeit und Witterung 
schon stark zerfressenen Quadern aus ge- 
wöhnlichem Näri zeigen sich mehrere 
Grundmauern der nämlichen Steinart noch 
in situ. Sie sind verschieden gerichtet, 
haben aber gewiss ein in sich abgeschlos- 
senes Ganze gebildet, das (ungefähr nord- 
west-südöstlich) etwa 50 Schritte Länge 
und 30 Schritte Breite hatte. — Eine Ver- 
muthung über den alten Namen dieser 
Stelle werde ich unten besprechen. 

Von dem ras ez-zamhl i), den ein Felläch auch dschehel zen- 
nZikl nannte, hat man eine herrliche Aussicht: nördlich sind 
el-isatclje und*^awä^ä, östlich hinter dem tantür el-hadeidün und 
dem munfür das Todte Meer sichtbar, und westlich erhebt sich 
über einer schönen, sanft ansteigenden Ebene der Ölberg mit 
seinen alten Heiligthümern und seinem modernen »Russenthurm« 
von etwa 60 m Höhe. Bevor man aber von hier in die westliche, 
vor dem Ölberg sich ausdehnende Ebene himmtersteigt, hat man 
erst noch den dschehel el-azwar mit einem Tür el-azioar und den 
ras zaijim zu überschreiten. 

Die alte Römerstrasse steigt diesseits des blr zennaki all- 
mählich in den icZidi er-rmvühl^ den man hier tvcidi rascJml nannte, 
hinunter. Das felsige Bachbett breitet sich bald zu einem schma- 
len bebauten Felde aus. Der Hügelabhang an der Südseite wird 
allmählich weniger steil und geht an dem Punkte, wo der Weg 
das Bett des Wadi überschreitet, in eine kleine bebaute Ebene 
mit dem Namen ard el-huicar über. Auf diesem sanften Abhänge 
bemerkte ich noch zwei Cisternen und einige in den Felsen ge- 
hauene runde Trinktröge. Die untere dieser Cisternen hält noch 
Wasser. Diese hörte ich hlr el-keJb nennen. 

Dem W^ege an der Nordseite des Wadi weiter folgend. 



1) So die »Survey«. Ich hörte ras zambl ohne Artikel) und suwän r.a»tbl 
und anderswo zijamb'i. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XHI. 7 



98 Kasteren, 

bemerkt man bald die Ruinenstelle bukei'^ dän. zu der die Siirvey 
richtig bemerkt: »Spuren von Ruinen und Cisternen«. Die An- 
höhe rechts hörte ich dscJiehel hul>ei^ dän und ms esch-schech 
nennen. Diese letztere Bezeichnung meint den schech 'ombar. 
dessen von einem Baume überschattetes Weli sich am südlichen 
Abhänge befindet. Nach Osten liegt diesem ras ein zweiter 
Hügel, 7-äs el-Jjatnrä, gegenüber. — Nach dem schönen bebauten 
wädi el-lahhäm ') steigt der Weg wieder an und lässt bald zur 
Seite eine Cisterne mit einer Plattform in der Art der oben er- 
Avähnten. Wer nach dem Namen trägt, erhält die Wahl zwischen 
hlr huhei dän und hlr el- ahabi. Der erstere Name verbindet sie 
mit der östlich in einiger Entfernung gelegenen Ruine, der letz- 
tere mit der '^akabet cs-suicän, dem Aufstieg, auf dem wir uns 
gerade befinden, und der auch der Quelle ''ain 'ahahet es-siiwän 
(in der Survey 'am es-suwän) ihren Namen giebt. Diese Quelle 
liegt eine kurze Strecke weiter westlich am Wege, am Fusse einer 
geringen nördlichen Anhöhe. Der bekannten ''ain el-lauze (süd- 
lich vom blr eijüb) ähnlich, hat sie nur im Winter W^asser und 
ist jetzt nur ein Loch im Sande von kaum \/2 m Tiefe. Gerade 
südlich von der Quelle fand ich in einiger Entfernung vom Wege 
eine kleine Ruinenstelle, nach deren Namen ich aber vergebens 
forschte. Es ist ein grosser Haufe gut behauener Näri-Steine. 
die man hier aus dem l^oden gegraben hat, und die allem An- 
scheine nach von einem ansehnlichen Gebäude herrühren. Eine 
Cisterne befindet sich in der Nähe. 

Nur ein modernes Curiosum ist auf diesem Wege vielleicht 
noch erwähnenswerth. Ein Landha\is des griechischen liischofs 
mit andern Gebäuden mid geräumigen Gärten krönt bekanntlich 
den ilachen Gipfel des nördlichen Theiles des Olbcrges, dem man 
oft den Namen »Viri Galilaei« beigelegt hat, freilich ohne zu be- 
denken, dass die Engel erscheinung Apostelgesch. 1,11 doch 
wohl an die Stelle der Himmelfahrt zu versetzen ist. Nach einer 
älteren, aber kaum besser verbürgten Meinung 2) wäre hier der 
Berg ))in Galilpea« zu suchen, »dahin Jesus die Jünger (nach 

1) Auf der englischen Karte steht dieser Name weiter nach Süden. 

2) Vgl. Breviarius de Hierosolyma Ausg. von Gli.DKMEisTEU, Bonn 1882, 
S. 33. 35) : »Inda (vom Thalc Josaphat) venia ad Galilfcam, ubi discipuli vide- 
runt dominum Jcsum, postquam resurrexit a mortuis«. Tohler, Die Siloahqu. 
und der (Hherg, S. 72 ft'. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 99 

seiner Aufersteliiino; beschieden hatte(f ^ . und ^^'o Er nach der 
ziemlich allgemeinen Ansicht «von mehr denn fünfhundert 
Brüdern« gesehen wurdet] . Diese ältere Annahme scheint 
nun bei den Griechen wieder frisch aufzutauchen. Man liest 
wenigstens jetzt über dem östlichen Thore dieses Landhauses, 
wo unser Weg vorüberführt, die nur in dieser Voraussetzung mir 
verständliche Inschrift: Oi svosxa ixoMr^rai iTropeuUr^oav sie tyjv Fc- 

Nach el-'ismtije. Von dem oben erwähnten hlr zennüWi ver- 
folgte ich eines Tages einen Weg nach el-lsavfije. Er durch- 
schneidet in nordwestlicher Richtung die Römerstrasse und den 
parallelen u-Udi er-rawühl ; er hat dann fortwährend felsige An- 
höhen zur Rechten und einen untiefen, von el-tsavüje heral)- 
fallenden Wadi in einiger Entfernung zur Linken ^1 . Jenseits 
dieses Wädi läuft ein zweiter Weg, der wohl die chirhet huhef 
dän berühren muss, in etwa gleicher Richtung nach el-ismvije. 
Dort, zwischen dem obengenannten ras esch-schech und dem auch 
auf der englischen Karte verzeichneten ras es-sillüm öffnet sich 
eine kleine anmuthige Ebene, die im Westen von einem ähn- 
lichen iimdenHügel, iinim et-fala', beherrscht wird. Ich fand gerade 
am Wege eine grosse Höhle, deren kohlschwarze Wände und 
Wölbung besagen, dass sie im Winter menschlichen Wesen zum 
Aufenthalt diente. Etwas weiter, in der Nähe der Stelle, avo der 
Wadi zur Linken etwas nach Westen umbiegt, liegt eine unan- 
sehnliche Ruine, deren Namen ich nicht erfahren konnte. Ich 
notirte eine Cisterne mit Trinktrog und dem üblichen grossen 
Decksteine, Reste einer Presse, Grundmauern eines Gebäudes 
von 20 Schritten Länge und 10 Schritten Breite aus grossen unbe- 
hauenen Steinen mit hartem Mörtel und Steinstückchen : andere 
Steine lagen auf dem felsigen Grunde zerstreut oder weiter nach 
Norden zu beiden Seiten des Weges aufgesetzt. Wir stossen hier 
nämlich auf einen grösseren Weg, der von el-isamje herkommt 
und zu einer ostwärts gelegenen Höhe ansteigt. Auch dieser soll 
»ein alter Pilgerweg« sein (?) und durch i>el-barrlje<-^ (die Wüste) 



i; Mtth. 28, 16: vgl. 2f), 32; 28, 7. 10. 2) 1 Cor. 15. G. 

3) »Die elf Jünger gingen nach Galiltra« (Mtth. 28, 16.). 

4) Es ist vielleicht der tcädi es-sikhe »near Sheikh 'Amber« (Name 
Lists S. 337). 



100 Kasteren, 

nach Jericho laufen. Es ^vircl Avohl der von Schick' verzeich- 
nete »alte Weg« nach \tin füra sein. Bei einem Ausflüge nach 
dieser Quelle habe ich mich aber vergebens bemüht, diesen Weg 
bei der Rückkehr aufzufinden. Hirten behaupteten, es gebe dort 
keinen anderen Weg nach Jerusalem als den über '^anZUü. Die 
erwähnte Cisterne heisst blr el-haddsch : daraus ist vielleicht der 
Name dieses ))alten Pilgerweges« entstanden. Auf einer östlichen 
Anhöhe kennen die Leute eine chirhet machlüf. 

Eine kurze Strecke weiter nach el-lsaidlje fällt zur Linken 
des W^eges ein roher Steinkreis auf oder vielmehr eine Steinreihe; 
denn die Steine liegen in fast gerader Linie, etwa von X. nach 
S., mit nur einer geringen Curve in der südlichen Hälfte. Ich 
zählte 20 Steine von ungleicher Grösse; die drei ersten am Nord- 
ende haben 1,25 m bis 1,50 m Länge, 50 bis 80 cm Breite und 
So bis 90 cm Höhe, aber keine bestimmbare Form. Die übrigen 
sind kleiner, ausgenommen der mittlere. Dieser ist der grosseste 
und regelmässigste; er hat eine rohe pyramidale Form, am Boden 
eine Länge von 1,50 m, eine Höhe von 1,50 m und eine Dicke 
von 70 unten) bis 20 cm oben. Seine Vorderseite ist offenbar 
die östliche, die einem offenen Platze zugewendet ist; sie ist ganz 
glatt und hat theil weise eine helle röthliche Farbe. Nach dieser 
Seite sind noch acht kleinere Steine ebenfalls in einer Reihe hin- 
gelegt. Ob sich an diese sonderbare Steingruppe eine Tradition, 
ein Aberglaube oder irgend ein Brauch des Volkslebens knüpft, 
habe ich von den wenigen Leuten, die ich im Dorfe sah, nicht 
erfahren können. Es wäre doch vielleicht interessant, dieses in 
Erfahrung zu bringen. 

Bald hat man wieder eine Cisterne mit in den Felsen ge- 
hauenen Rinnen zur Tränkung der Herden und alten Pressvor- 
richtungen zur Recliten. Eine Anhöhe mit Olivenbäumen eben- 
falls rechts vom Wege heisst harikat hasan. 

El-isawlj'e selbst zeigt viele Spuren hohen Alterthums. Das 
Dorf sieht relativ wohlhabend aus: es hat steinerne Häuser mit 
Fenstern^ viele Oliven- und Feigenbäume, und das hier sich breit 
ausdehnende Thal an der Südseite verspricht eine reiche Weizen- 
emte. 

Ob el ^ismmj'e und zwar auch dem Namen nach mit dem 

1) ZDPV. III, Tafel I. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 101 

Laischa Jesaia 10,30 identisch ist?') Das W«, mit dem die Sin- 
vey den Namen schreibt, wäre dann ein völlig fremder Eindring- 
ling, und die ganze moderne Form müsste etwa dem nicht weit 
entfernten el-äzarije mechanisch nachgebildet sein. Soviel ist 
wohl gCAviss. dass letzterer Name ein Beispiel eines aus blossem 
Missverständniss entstandenen arabischen Artikels ist 2) : denn er 
ist zweifelsohne dem Namen des Lazarus (ursprünglich Eleasar. 
hebräisch etcizcir) entnommen. 

Die B a h u r i m f r a g e . Zu einer genaueren Durchforschung 
der beschriebenen Gegend veranlasste mich vorzüglich die fast 
zur Überzeugung gesteigerte Vermuthung, dass hier irgendwo die 
Lage des alten Bahurim zu suchen sei. Von der Flucht David' s 
wissen wir nur mit Gewissheit, dass er über den Olberg zum 
Jordan eilte 3] . »Zu einer Digression — sagt richtig Marti *) — 
auf diese oder jene Bergspitze, die vom Wege ablag, ergab sich 
dem fliehenden König keine Veranlassung, mindestens müsste 
dieselbe angeführt sein«. In gleicher Weise haben wir kein 
Recht, ihn einen langen Umweg machen zu lassen, sondern bei 
dem Mangel positiver Gegenbeweise sollte man annehmen, dass 
er die gewöhnliche kürzeste und leichteste Strasse gewählt hat. 
die vom Olberg zum Jordan führte. Und diese war, so viel 
wir wissen, die oben beschriebene spätere Römerstrasse. Damit 
stimmt auch, dass wir den beiden Eilboten. Jonathan und Ahi- 



1) Vgl. KiTCHEXER, Survey, Mem. III, S. 34. 

2) An etwas Ahnliches haben wir ^yohl bei ez-zib (für ezüh] zu denken. 
FURRER hat diesen Namen wiederholt iZDPV. II, 66; III, 236; VIII, 32, 
neben teil Mim als ein Beispiel beliebter Wegwerfung einer Anfangssilbe vor- 
geführt. Allein es scheint mir natürlicher, hier an eine Assimilation ,'Ezzib 
für Achzibi und eine irrige Schreibung zu denken, so dass die ursprüngliche 
Vorsilbe nicht abgeworfen, sondern zum arabischen Artikel umge- 
staltet worden wäre. Man spricht jedenfalls noch jetzt ezzlh (vgl. Survey, 
Name Lists, S. 60; Schumacher in Quarterly Statem. 1887, S. 172), und der 
Araber konnte darin leicht irrthümlich den assimilierten Artikel erblicken, 
wie freilich schon Bohä ed-din (Vita Saladini, Lugd. Batav. 1732, S. 98) ge- 
than hat. Es ist mir überhaupt in Palästina kein sicheres Beispiel eines se- 
mitischen Namens bekannt, der ohne Weiteres die Anfangssilbe verloren 
hat. Über tellhüm vgl. meine Anm. ZDPV. XI, S. 219. — Die »Nisbe« zlh'i 
{zibüu'i) bei BiSTANi und DoZY beweist freilich, dass die heutigen Araber die 
Silbe ez als den Artikel auffassen, aber auch nichts Weiteres. 

3) ZDPV. III, S. S. 4) Vgl. 2 Sam. 15, 30 ff. 



102 Kasteren, 

maaz, die doch gewiss keine Zeit zu verlieren hatten, ebenfalls 
in Bahurim begegnen *) . An eine grössere Entfernung von Jeru- 
salem, z. B. an die Gegend des chUn hatnira, ist nicht zu denken, 
zunächst weil üavid erst jenseits Bahurim seinen Kastort : Aje- 
fim?) erreicht 2), besonders aber wegen 2 Sam. 3,16 vgl. 1 8am. 
25, 44, Avonach Bahurim auf dem Wege von Gallim nach He- 
bron zu liegen scheint. — Der Umstand, dass Simei aus Bahu- 
rim herauskam und dem flüchtenden König eine Strecke Weges 
an dem Hügelrücken fluchend und mit Steinen werfend zur 
Seite ging, lässt auf dem von uns beschriebenen Wege nur ge- 
ringen Spielraum. Nur der Höhenzug, der sich westlich vom 
ras "arhiih es-saffZi gleich oberhalb des Weges beflndet, entspricht 
dieser sehr characteristischen topographischen Angabe. Dass die 
Ortlichkeit dem Wege ganz nahe lag, ist imbestritten ; dass die 
Strasse sie dennoch nicht durchschnitt, sondern höchstens nur 
zur Seite berührte, Avar wenigstens die Ansicht des Josepiius, der 
die Kundschafter David's «vom Wege abbiegen« lässt ^), um sich 
in Bahurim zu verstecken. Fragt man weiter, an welcher Seite 
des Weges das Dorf zu suchen sei, so hat man wohl in 2 Sam. 
16, 5 verglichen mit V. 13 einen Fingerzeig, es zur Seite des 
Höhenzuges, also südlich vom Wege, anzusetzen : «Da aber der 
König David bis gen Bahurim kam, da ging ein Mann daselbst 

heraus und fluchte, und warf David mit Steinen • 

Also ging David mit seinen Leuten des Weges, aber Simei ging 
au des Berges Seite neben ihm her.« Diese Darstellung giebt 
gewiss keinen Anlass zu der Voraussetzung, dass Simei aus einem 
Dorfe an der andern Seite des Weges herausgegangen sei und den 
Weg Davids gekreuzt habe, um jenseits dieses Weges an »des 
Berges Seite« hinaufzusteigen. — Wenn wir endlich ins Auge 
fassen, dass Michal, die Frau Davids, aus dem nicht genau be- 
'kannten, aber gewiss nach Norden gelegenen Gallim über Ba- 
hurim nach Hebron geführt wurde ^, finden Mir vielleicht einen 
neuen Leitfaden in dem oben erwähnten Wege von el-iscnclje^ 
dem einzigen, wenn ich nicht irre, der jetzt den imdl er-rmcübl 
und den erwähnten Höhenzug kreuzt^). Und dieser Leitfaden 

1) 2 Sam. 17, 18. 2) 2 Sam. 16, 14. 

3) £xTpa-£vTe; TT,; 6ooi fAltcrth. VII. 9, 7). 4) 2 Sam. .i, IC. 

5' Südlich vom Hügelrüeken geht der AVeg in ein kleines Thal hinunter ; 
über die Richtung, die er weiter nimmt, erhielt ich von den Bauern, die dort 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 103 

würde uns mit so zu sagen mathematischer Genauigkeit zum 
Sattel des hlr zennüJfi führen, gerade dort, wo Avir eine nicht un- 
ansehnliche Ruinenstelle auffanden. 

Noch ein anderer auffallender Umstand des biblischen Be- 
richtes findet in dieser Hypothese eine auf der Hand liegende 
Erklärung. Jonathan und Ahimaaz ziehen »eilend« zum Jordan 
hin; ein Knabe hat sie gesehen und verrathen; die »Knechte Ab- 
saloms« setzen ihnen nach — und die Flüchtenden verbergen 
sich vor ihnen in Bahurim. Es fragt sich aber, wie es ihnen auf 
ihrer »eilenden« Flucht kund geworden, dass die Verfolger auf 
ihrer Spur seien ' . Bei Annahme dieser Lage von Bahurim ist 
die Antwort leicht : so bald die Verfolger den Gipfel des Ölberges 
hinter sich hatten, waren sie auf der ganzen Länge des Weges 
bis Bahurim völlig sichtbar und konnten ihrerseits die Flüch- 
tenden vom Wege nach Bahurim abbiegen und aufsteigen sehen, 
so dass sie vielleicht sogar keine weitere Nachricht brauchten, 
um »zu dem Weibe ins Haus« zu kommen und zu sagen : «Wo ist 
Ahimaaz und Jonathan?« — Nur die Antwort der Frau, »sie gin- 
gen über das Wässerlein« — wenn überhaupt diese Auffassung 
richtig ist — wird mir nicht klar. Ein solches »Wässerlein« ist 
auf diesem Jordanwege nicht aufzufinden. Ob vielleicht nur der 
wcidi er-raiciihi gemeint ist? Man hat jedenfalls keinen sicheren 
Beweis, dass das »Wässerlein«, Avohin sie die »Knechte Absa- 
loms« irreführen wollte, auf dem Wege nach dem Jordan zu 
suchen ist, mit anderen Worten, dass der Sinn sein soll: Sie sind 



arbeiteten, keine genügende Antwort und dachte im Augenblick nicht daran, 
selbst weiter nachzuforschen. 

1) Keil Bücher Sam. -, 336) schreibt:' »Die beiden Söhne, die den 
Späher auch bemerkt hatten, gingen eilends in das Haus eines Mannes in 
Bahurim» — allein der Umstand, dass sie. sich ganz in der Nähe des (auch von 
David begangenen) Jordanweges verstecken, macht es nicht wahrscheinlich, 
dass sie »den Späher« selbst gesehen haben. Denn hätten sie ihn in der Nälie 
von Jerusalem bemerkt, so wären sie wohl nicht, um sich zu verstecken, den 
Weg gegangen, wo man sie am wahrscheinlichsten suchen würde ; und wären 
sie erst in der Nähe von Bahurim von dem Knaben gesehen worden, so hätten 
sie, bevor dieser es »Absalom erzählen« konnte, einen so grossen Vorsprung 
gewinnen können, dass sie allem Anscheine nach wohl entweder dem Jordan 
oder doch einer vom Wege entfernteren Zufluchtsstätte zugeeilt wären. Jo- 
SErnu.s a. a. O.) lässt sie »zwei Stadien von Jerusalem« »von Reitern« ge- 
sehen werden. 



104 Kasteren, 

schon so lind so weit fort. Es Aväie ebenso natürlich, dass das 
Weib die Absicht hatte, sie in eine ganz andere Richtung zu 
"weisen i) . Übrigens ist die Existenz dieses unbekannten Wässer- 
leins im Urtexte äusserst fraglich, und am liebsten möchte ich 
mit VON HuMMELAUER -j , der auf Sept., Chald. und Vulg. hin- 
weist, die schwierige Stelle übersetzen: «Brevi transierunt flu- 
vium«, sie werden bald über das Wasser (d. h., wie in V. 21, den 
Jordan) gekommen sein«. 

Ist hiermit die Identität von Bahurim mit der erwähnten, 
noch namenlosen Ruine ausser Zweifel gesetzt? Man soll in der- 
gleichen Fragen nicht zu leicht sich über allen Zweifel empor- 
heben ; aber die Hypothese verdient wenigstens der weiteren 
Prüfung, zumal in Bezug auf den Namen der Chirbe empfohlen 
zu werden, und (was hier noch zu erörtern bleibt) ich kenne bis 
jetzt keine andere, der ich vor dieser den Vorzug geben möchte. 

Abu dls'') liegt wohl nicht, Avie Bahurim ■*), im Gebiete Ben- 
jamins. Das nämliche gilt von el-muras,sas^). Andere im INlittel- 
alter auf Bahurim gedeutete Stellen in dieser Gegend*») sind un- 
genau bekannt, liegen gewiss nicht am Wege vom Olberg zum 
Jordan und haben keinen ersichtlichen Vorzug vor unserer 
Chirbe. 

Mehr Beachtung verdient »die Vermuthung des Rabbi 

ScHWAKZ dass Bahurim, Almon"), Alemeth'') und Asma- 

veth ") identisch und von dem heutigen \(lml/ östlich von 'atiätU 
zu verstehen sei«^*^*), — eine Ansicht, der in Bezug auf Bahurim 
auch CoxderI') und von Hummelauer^^j beizutreten scheinen. 

1) Wenn die oben erwähnte '«i« er-ratcäbi wirklich vorhanden ist, möchte 
diese vielleicht üher dass »Wässerlein« näheren Aut'scliluss geben können. 

2) Comment. in libros Samuelis (Paris, Lethielleux ISSGj S. ;{94. [Vgl. 
auch Klo.steumaxn zur Stelle. G.], 3) Scuuhkrt, Gukrin, Likvin. 

4) Vgl. 2 Sam. 19, IG und 1 Kön. 2, 8. von Hummelauer (a. a. O, 286) 
vermuthet, dass Abner aus Bahurim Paltiel zurückschickte, weil er diesen 
»im Gebiete Davids nicht siclier glaubte«, — und schlicsst daraus richtig, dass 
die ürtlichkeit »probabilius tribui Juda contermina« sein müsse. Auch dieses 
führt uns vielmehr westlich als nördlich von Jerusalem, und ist der auch von 
ihm (s. unten) angenommenen Identität von Bahurim und Alemeth gar nicht 
günstig. 5) Vgl. Mauti a. a. ü. S. 8. 0; Vgl. 'J'ohlku, Topogr. II, T(i7. 

7) Jos. 21, 18. 8; 1 Chron. 7, (lü (hebr. 6, 45). 

9) 1 Chron. 9, 36 (8, 36) •, Esr. 2, 24 ; Neh. 7, 28. 
10) Marti a. a. O. S. 9. lly Mcmoirs III, 3.31. 12, a. a. O. S. 286. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. -j 05 

Allein eine Hypothese, die uns aus acht Bibelstellen für Einen 
Ort vier Namen vorführt '). -wird schon aus diesem Grunde ver- 
dächtig. Die Entfernung von dem kürzesten Wege zum Jordan 
haben wir schon genügend betont. Welchen Anlass hatten doch 
die Flüchtlinge, zumal die von dem "^Ain Rogel bei sihcün fort- 
eilenden Boten, diesen eben so schwierigen als langen Weg durch 
die tiefen y(/;Y/-Schluchten zu wählen 1 Und wenn die Scrick'- 
sche Karte 2) zuverlässig ist, würde auch die alte Strasse vom 
Ölberg nach dem wüdi fära nicht einmal ''ahmt berühren. — 
Über 2 Sam. 16, 13 schreibt Marti ^j: »Auch diese Erzählung 
stimmt zu der von uns angenommenen Örtlichkeit am alten 

Wege ; denn nahe bei "ahmt überschreitet der Weg das 

tiefe Thal von fära, und hier am Abhänge wäre dann die Stelle 
zu finden, wo Siniei, an der Seite des Berges neben David her- 
gehend, mit Steinen und Erde nach dem König geworfen hat (f. 
Ich habe mir aber "almlt gerade in Bezug auf diese Begebenheit 
ziemlich genau angesehen und finde den Ort auch in dieser 
Hinsicht wenig befriedigend. Wer in der Richtung der "ain fZira 
von '^ahyiif ausgeht, kann nöthigenfalls nördlich vom Wege über 
einen niedrigen Sattel einen andern Hügel besteigen, der, Avie die 
Leute mir sagten, «noch ZM^ahiiif gehört« und also keinen eignen 
Namen hat. So könnte man etwa 200 m lang neben einem, der 
auf dem Wege fortgeht, »an des Berges Seite« hergehen; allein 
der Sattel ist sehr niedrig und in einiger Entfernung vom Wege. 
Dem Fusse des Hügels kommt der Weg zwar näher, aber der 
Abhang steigt an dieser Seite so sanft an, dass hier die »Seite des 
Berges« kaum eine vortheilhafte Position darbietet, um den Wan- 
derer auf dem Wege mit Steinen zu werfen. Kurz, der biblische 
Ausdruck, der allem Anscheine nach auf eine den Weg beherr- 
schende Position hindeutet, rief mir immer ein anderes Bild vor 
die Augen. Und die Annahme von Marti, dass die Begebenheit 
im xcZidi fära stattfand, m. a. W. dass Mir in 2 Sam. 16, 13 uns 
etwa eine halbe Stunde weiter östlich befänden als in V. 5, hat 
doch gewiss im Texte keine Stütze. — Seinen Hauptbeweis sucht 
Marti denn auch wohl in der Reise Abners mit Michal von Gallini 
über Bahurim nach Hebron : » Obschon nun die Lage von Gallim 

1) Azmaveth ist wohl das heutige hizmä N. von "alnüt. Bleiben noch 
d r ei Namen aus fünf Stellen. 

2; ZDPV. III, Tafel I. .'i, a. a. 0. 



106 Kasteren, 

nicht genau zu bestimmen ist, so unterliegt es keinem Zweifel, 
dass es im Norden von Jerusalem in der Nähe von Rama [er-rüm] 
und Gibea SauVs [tulel el-ffcl!) gestanden haben muss'). Wollte 
eben Abner von da nach Hebron gelangen, so hat er doch wohl 
die über das allerdings noch in jebusitischem Besitz stehende 
Jerusalem führende Strasse nach Süden eingeschlagen, und es 
wird daher Eahurim irgendwo zwischen Jerusalem und Gallim 
zu suchen sein. Es hat darum die Vermuthung des Rabbi 

Schwarz grosse "Wahrscheinlichkeit « 2) . Einen sicheren 

Anhaltspunkt für 'almtf finden wir aber hier um so weniger, weil 
erstens die LageGallim's unbekannt ist, und es zweitens fraglich 
bleibt, ob schon in jener Zeit die Hauptstrassen, wie jetzt, über 
Jerusalem führten. Seit Jerusalem fast drei Jahrtausende hin- 
diirch die Hauptstadt des Landes gewesen, mag sich in dieser 
Hinsicht vieles geändert haben. Um 'almlf »zwischen Jerusalem 
und Gallim« zu finden, muss man letzteres überdies wenigstens 
nicht ganz »in der Nähe von er-räm und tulel el-fTiUi, sondern 
östlich von hizmä und mithin von dscheba ansetzen, wozu Jos. 10, 
2S ff. wenig Anlass giebt. Wenn überhaupt die Reihenfolge bei 
Jesaia^) ein treues Rild der Lage ist, wäre Gallim vielmehr zwischen 
tulel el-fid und el-lsmvije (Laisa?) oder wenigstens zwischen erste- 
rem und ^anütü zu suchen. Li diesem Falle würde die Voraus- 
setzung, dass Abner » doch wohl die über . . . Jerusalem führende 
Strasse nach Süden eingeschlagen«, wahrscheinlicher werden, aber 
^almlt nicht auf diesem Wege liegen. Je weiter man im Gegen- 
theil mit Gallim nach Osten fortrückt, desto haltloser wird die 
Annahme dieses Jerusalemweges. Und wenn es endlich auch 
feststände, dass die natürliche Strasse von Gallim nach Hebron 
über Jerusalem führte, so möchte man doch noch eher bei der 
Reise Abner's einen Umweg voraussetzen, als einen solchen bei 
dem flüclit enden David und zugleich bei seinen »eilends« 
flüchtenden Boten annehmen. — Auch der Ausdruck des Jo- 
SEPHUS »nicht weit von Jerusalem« (a. a. O.) lässt sich leichter 
auf unsere Stelle als auf \ilmif beziehen. — Es bleibt also, als 
bestimmt für \dmlf sprechend, nur die von Marti nicht einmal 
geltend gemachte Autorität des Targum Jonathan^), ohne welche 

I; Jos. 10, 28— 32. 2) a.a.O. 3) Geha, Rama, Gibeath Sauls, 

Gallim, Laisa, Anatlioth. 4; Zu 2 Sara. 3, Itl. Vgl. Smiths Diction. of 

the Bible s. v. Bahurim ; Schwarz, das H. Land 0!» ; V. Hummelaler 280. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 107 

wohl niemals ein ernsthafter Forscher sich für Bahurim nach 
\dmlf würde umgesehen haben. Der Werth oder Unwerth eines 
solchen Zeugnisses ist schwer zu bestimmen; allein gegenüber 
dem vorgeführten Gesammtbeweis ist es wohl kaum gewagt zu 
nennen, wenn man es einfach Preis giebt. Der Umstand, dass 
«Bahurim« und ))Alemeth(( die Bedeutung «Jugend« gemein 
haben'), könnte einerseits die Existenz eines solchen Doppel- 
namens, aber andrerseits auch einen Irrthum des aramäischen 
Übersetzers erklären. 

Wir sind übrigens nicht die ersten, welche Bahurim in der 
östlichen Umgegend des Olberges gesucht haben. Schon Bar- 
clay -) wollte es in dieser Gegend finden, dort «wo noch einige 
Ruinen bestehen, nahe bei einem toüdi {er-) ruicäbi.« So viel ich 
sehe, ist hier wohl die cldrhet httkei dün gemeint ; und wer dieses 
festhalten wdll, mit dem wollen wir lieber gar nicht streiten. Ein 
Weg von el-isaiifije berührt diese Stelle, und eine Reise aus der 
Umgegend von 'anätä nach Hebron über diesen Ort hat nichts 
Befremdendes. In dieser Hinsicht ist diese chirhe sogar der 
oben erAvähnten unbedingt vorzuziehen. Andererseits ist aber die 
Angabe des Josephiis, welche Jonathan und Ahimaaz «vom Wege 
abbiegen« lässt, und die allem Anschein nach enge Verknüpfung 
von 2 Sam. 16, 5 mit V. 13 dieser Annahme gar nicht günstig. 
— Jedenfalls meinen wir, dass bei dem heutigen Stande unserer 
Kenntnisse nur zwischen diesen beiden Ruinen zu wählen ist, 
und dass die Stelle, wo Simei dem flüchtenden David fluchend 
und mit Steinen werfend zur Seite ging, auf irgend einem Theil 
der von uns beschriebenen Hügelreihe liegt. 

Nach el-kafar ^). Den 7. Mai benutzte ich zu einem Ausfluge 
von mar säbä nach der chirbet el-merd^ el-kafür, dem muntcir und 
chirbet dschindschis. Zwei *^Ubedije-Beduinen, deren einer — 
nicht ganz unrichtig — den Namen '^äsi (widerspenstig) führte, 
waren meine Begleiter. Der Weg nach el-merd bot wenig Neues 
dar, soAvohl an Sachen als auch an Namen; nur ein östliches 
Seitenthal des ivädi bakük kannte man als icüdi er-rtmä.dt. Die 
ganze Gegend ist einsam und öde, ohne BeAvohner, ohne Cultur, 

1) Von HuM^iELAUER a. a. O. 2S0. 2) Vgl. Smitii's Dict. a. a. O. 

3) So Name Lists 341 ; ich meinte, wie ScniCK (ZDPV. III, 24) dop- 
peltes t zu hören. 



108 Kasteren, 

ohne Wasser, ohne lieben jedweder Art. Menschen treffen Avir 
hier nur einmal; es sind ein halbes Dutzend Beduinen. Be- 
kannte meiner Führer. Sie gehen zum Ghör hinunter und ant- 
worten nicht auf die Frage, Avas sie dort hinführe. Die Wärme, 
namentlich in den Thälern, ist jetzt, im Anfang Mai, schon 
drückend. Selbst auf dem hohen Gipfel des meixl wehte Mor- 
gens 10 Uhr kein Lüftchen, inid schon bevor wir diese Höhe be- 
stiegen, hatten meine Gefährten den W^asserkrug geleert und 
trösteten den ChaAvädscha mit der Angabe, dass es in el-Jcatcir 
Wasser gebe. Aber alles dieses gehört nun einmal zur Wüste. 
Es passt ganz und gar zu der Umgebung, zu den grauen, mit 
Steinen bestreuten Hochebenen, den Bergabhängen mit aufge- 
richteten Steinschichten, den tiefen felsigen Thälern, die ebenso 
wasserlos wie die Gipfel, zu dem Todten Meer, das dort unten 
"wie im ewigen Schlafe liegt, und den kurTin el-hadschar, die in 
der nämlichen Richtung ihre zackenartigen Gipfel wie Gespenster 
emporheben. Es passt ebenso zu den Überresten der alten Kloster- 
bauten, den einzigen Spuren vergangener Cultur. Letztere be- 
stehen fast einzig aus Cisternen, Wasserbehältern und Wasserlei- 
tungen, die in Aveiter Ferne nicht einmal den hellen Quellstrahl 
lebendigen Wassers, sondern nur den winterlichen Regen aus 
dem Giessbach sammelten — alles zum BcAveise, dass man auch 
damals nur durch in ihrer Art grossartige Anlagen der Bewohner 
sich das erste Lebensbedürfniss, einen Trunk reinen AVassers, 
sichern konnte. Und ein einziger Blick auf die Gegend macht 
es begreiflich, dass es hier niemals andere sesshafte liewohner 
gegeben hat. als solche, die nur nach dem Jenseits trachteten 
und zwar ernsthaft genug, um all dem, das das Herz an das 
Erdenleben knüpft, möglichst Aveit zu entfliehen. 

Den bekannten Beschreibungen von el-merd habe ich nichts 
Neues hinzuzufügen. Vielmehr muss ich gestehen, dass ich mit 
dem SciiiCK'schen Plane ^y in der Hand sogar die dort verzeich- 
neten Umrisse des Klosters und Aorzüglich der Kirche nicht mehr 
verificiren konnte. Nur sei mir gestattet, auf eine Eigenthüm- 
lichkcit der Avestlichen, von Schick angegebenen und schon ziem- 
lich tief am Abhang liegenden «Begräbnissgrotte« aufmerksam zu 
machen. Die Richtung dieser Höhle ist süd-nördlich : der Ein- 

1; ZDPV. III. Tafel II. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 109 

gang findet sich an der Westseite, bei dem süd-westlichen Winkel. 
Der südliche Theil ist unbenutzt gelassen, der nördliche enthält 
zwei Reihen von je vier Senkgräbern im Boden, die im Innern 
2 m lang und 82 cm breit sind. Die einzelnen Gräber sind in 
der Längsrichtung von einer 25 cm breiten Zwischenwand ge- 
trennt; die Wand zwischen den beiden Reihen hat 40 cm Breite. 
Das Auffallende aber ist, dass diese Gräber nicht in Felsen ge- 
hauen, sondern ganz gebaut sind') und zwar von sehr regel- 
mässigen, mit Sorgfalt behauenen Steinen, die dennoch mit Ce- 
ment bekleidet worden sind. Ob und wie diese jetzt ziemlich 
beschädigten Gräber zugedeckt wurden, kann ich nicht sagen. 
Anderswo in Palästina sind dergleichen Höhlen mit gebauten 
Senkgräbern im Boden mir unbekannt. Häufig sind sie jeden- 
falls wohl nicht. 

Wir verlassen den merd auf dem Wege, auf dem wir ihn er- 
reicht haben. Er führt, wie Schick angegeben hat, »in Curven 
westwärts«, d.h. er umgeht den nördlichen Abhang zweier Hügel- 
rücken. Die bekannte Wasserleitung durchschneidet die beiden 
Anhöhen und kommt nur auf den Satteln wieder zum Vorschein. 
Unser Weg bleibt ihr noch eine kurze Strecke zur Seite bis dahin, 
Avo ein kleines Seitenthälchen jäh zum wädi abii scliöle (von 
meinen Begleitern ahu scheue gesprochen) hinabfällt. Dort wendet 
sich die Wasserleitung nach Süden, läuft um den Anfang dieses 
Thälchens und weiter in einer grossen Curve in ungefähr nord- 
westlicher Richtung an dem nördlichen Abhang eines- höheren 
Rückens entlang, wo sie in einem seichten Einschnitt zwischen 
den Berghöhen ihr Ende oder richtiger ihren Anfang nimmt. 
Unser Weg nach el-hatZir, wenn er den Namen eines Weges ver- 
dient, durchschneidet das erwähnte Thälchen und führt dann 
zunächst über eine felsige Anhöhe und weiter zum Theil über 
im Felsen ausgehauene Stufen, zu dem xcädi ahu schäle hinab, 
der an dieser Stelle etwas nach Norden umbiegt. An der anderen 
Seite, an einem sehr steilen Abhänge, liegt die katär-R\x\nQ, ein 
unbeschreibliches Gewirr von natürlichen und künstlichen Höh- 
len mit höchst primitiven Bauten — so primitiv, dass ich an ein- 
zelnen Stellen kaum unterscheiden konnte, ob ich eine ganz rohe 



1) CoxDER (Memoirs III, 212) hatte zuverlässige Nachricht : »Masonry 
tombs are Said to exist among the ruins«. 



110 Kasteren, 

Mauer vor mir hatte odor ein Stück der sonderbaren Mischung 
des natürlichen Gesteins, die in dieser Gegend an mehreren 
Stellen zu Tage tritt, indem nämlich dünne Schichten einer harten 
grauen Steinart mit einem -weichen, bröckeligen Gestein von 
weissgrauer Sandfarbe in höchst eigenthümlicher Weise ab- 
■vvechseln. 

Nahe bei dem Punkte, avo unser Pfad das Bachbett über- 
schreitet, zieht ein kleiner Kanal von 60 cm Breite und 50 cm 
Höhe die Aufmerksamkeit auf sich. Mit Mörtel verbvindene 
Steine decken ihn bis zu einer Höhe von 10 cm. Er ist an dieser 
Stelle nur auf ein paar Meter Länge erhalten, kommt aber höher 
am Abhänge, nach etwa 25 m, wieder zum Vorschein und setzt 
sich dort erst in einem unterirdischen Gange und dann weiter, 
mit viel geringerem Durchschnitt, im Bergrücken tunnelartig 
fort. Oberhalb des Kanallaxifes befinden sich Ruinen und Höhlen. 
"Woher der Kanal kommt und wo er unten im Thalbette endigt, 
konnte ich nicht ermitteln; an der gegenüberliegenden Seite des 
Wadi fand ich keine Fortsetzung. — Gleich bei dem unteren 
Reste dieser Leitung steigt ein Pfad den Abhang hinauf. Die 
Steinschichteu des Terrains bilden hier einige regelmässige 
Stufen. Bald hat man in dieser Richtung ein Gebäude von 
6,60 m JJreite (WO.) und etwa 10 m Länge vor sich. Die Höhe 
ist an der freien Südseite etwa 5 oder 6 m, wird aber nach Norden 
wegen des ansteigenden ]5odens allmählich gleich Null. An der 
Nord- und Ostseite lehnt es sich an eine theilweise überhängende 
Felswand. Die Mauern bestehen aus kleinen weissgrauen Stein- 
chen, die durch eine Menge von rohem Mörtel und Steinstückchen 
verbunden sind. Wenn man an der Westseite, theihveise auf 
einer künstlichen Treppe, hinaufsteigt und sich auf das hier und 
dort zerbrochene, etwas gewölbte Dach wagt und hinunterschaut, 
erkennt man in dem halb in der Erde steckenden Gebäude eine 
leere Cisterne. 

Wer dann weiter, au der senkrechten, ungefähr nordwest- 
lich sich hinstreckenden Felswand entlang, hinaufsteigt, findet 
auf A erschiedenen Terrassen eine Anzahl entweder ganz natür- 
licher oder zum Theil künstlich erweiterter Höhlen. Einige sind 
theilweise vermauert; bei anderen ist die Felswand nur unter 
dem Eingänge mit Mauerwerk etwas angefüllt. Li eine geräu- 
mige Doppclhöhle in der Nähe der erwähnten Cisterne und zwar 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 1 1 1 

in ihren unteren Theil konnte ich nur über die Schultern meines 
Führers gelangen, und der Aufstieg zu der anderen, von aussen 
her unzugänglichen Hälfte forderte noch ungleich grössere An- 
strengung. Die darauf folgende Grotte bildet erst einen Gang 
von mehr als 1 m Breite und etvAa 5 m Länge und dann, nach der 
linken Seite zu, einen etwas breiteren Raum. Hier ist es ein 
breiter Spalt in der Felsv^-and. durch den aus einer oben am 
Rande des Plateau's gelegenen Cisterne Wasser herabzuträufeln 
pflegt. Dies ist der kafär, »die Traufe«. Avovon die Stelle den 
heutigen Namen erhalten hat, wie mein Begleiter mir sagte. 
Zur Zeit meines Besuches war nicht ein Tropfen zu entdecken, 
ein Umstand, aus dem mein Begleiter den richtigen, aber wenig 
angenehmen Schluss zog, dass die Cisterne oben nur wenig oder 
gar kein Wasser habe. Einen zweiten gleichartigen kafUr finden 
wir einige Schritte weiter in einer geräumigen Höhle, die eine 
grosse, fast ganz in Felsen ausgehauene Cisterne zur Seite hat. 
Alles dieses und vieles Ahnliche weiter nördlich auf allen Ter- 
rassen des Abhanges giebt wohl ein ziemlich anschauliches Bild 
einer primitiven Laura, bei der die nach aussen vielleicht ver- 
mauerte Felsenhöhle mit der unentbehrlichen Cisterne die 
Hauptrolle spielte, und weitere Bequemlichkeiten, sowie Ord- 
nung und Regelmässigkeit der Anlage ganz in den Hintergrund 
traten. 

Mit mehr Sorgfalt wurde die schon erwähnte obere Cisterne 
behandelt, zu der man nicht ohne Anstrengung auf einem üm- 
Avege emporsteigt. Auch diese mag ursprünglich eine natürliche 
Höhle gewesen sein; denn die Wand neben demWadi ist wenig- 
stens zum Theil oder wohl zum grössten Theil gemauert und wird 
ohne Zweifel das von Schick ') auf dem Wege von merd nach 
dem muntZir wahrgenommene Mauerwerk sein. Dieses hat viel- 
leicht 5 oder 6 m Höhe xmd schliesst sich unten und zu beiden 
Seiten in Kurven und Winkeln an die Felswand an. Was von 
der innern Wand durch das Schöpf loch sichtbar ist, ist mit Sorg- 
falt behauener Felsen. Das Schöpf loch findet sich auf einer 
ebenen Plattform von 13 Schritten Länge und 10 Schritten Breite: 
dieser Raum war einstmals von einer soliden Mauer umgeben 
und mit kleinen MosaikAvürfelchen gepflastert. Letztere sind von 

1, ZDPV. III. 24. 



112 Kasteren, 

ungleicher Grösse, meistens etwa 1 Dem. An drei Stellen, avo 
sich noch Reste in situ finden, bemerkte ich nur die blaue Farbe ; 
an einer vierten Stelle aber blaue, rothe und weisse Steinchen. 
Eine Zeichnung war jedenfalls nicht mehr daraus zu entnehmen. 
Dem, Schöj)f loch zur Seite befindet sich ein verschütteter Teich 
von 3 '2 zu 2 m Grösse. Die Cisterne hatte jetzt nur in einer 
Ecke ein wenig schmutziges Wasser oder richtiger Schlamm. 
Der Beduine, der nur mit grosser Mühe etwas schöpfen konnte, 
trank davon, zu meinem Erstaunen ohne merkbaren Widerwillen. 
Ich nahm nur einige Tropfen, um mir den Mund zu erfrischen, 
und musste es mit Erbrechen büssen. Glücklicher Weise wurde 
jetzt die Hitze, wenigstens auf den Höhen, von einem gelinden 
Westwinde gemildert ; so hatte ich nicht zu sehr darunter zu 
leiden, dass ich erst gegen Abend bei der chirbet dschindschis 
trinkbares Wasser fand. 

In der Umgebung dieser Plattform, wo das Plateau noch all- 
mählich ansteigt, fand ich nichts Erwähnenswerthes. Gebäude 
haben sich in nächster Umgebung Avohl niemals befunden. Auch 
behauptete mein Begleiter, dass dort nichts Anderes zu sehen sei. 
Allein später auf dem mimfUr hörte ich von seinem Gefährten, 
den ich wegen des schlechten Weges mit dem Pferde in einiger 
Entfernung von el-hatlir hatte zurücklassen müssen, dass sich 
dort auf der Höhe, in geringer Entfernung von der Cisterne, noch 
);Ruinen von Häusern« vorfänden. Ich bedauere, diese nicht ge- 
sehen zu haben ; denn ich vermuthe darin die Reste vom ))Kloster 
der Höhle« ^). wenn das AVort ^»Kloster« hier überhaupt das rich- 
tige ist. Denn die einzelnen zerstreuten Zellen oder Höhlen am 
Abhänge bildeten wohl niemals ein eigentliches Kloster ; oft aber 
blieb in der Nähe eines später gegründeten Klosters eine ältere 
Laura fortbestehen. Und wenn weiter oben wirklich ein Kloster 
sich vorfand, mag diese obere mit Mosaik geschmückte Cisterne 
wohl den Bedürfnissen des Klosters und der Laura zugleich ge- 
dient haben. -) 

Den Weg nach el-munfär nehmen wir südlich vom wädi abu 
schäle über einen Berg, den man dschebel el-mirzämi nennt, und 

1) FURHEK, ZDPV. III, 235 ; VON RiESS a. a. O. schreibt S. 30 Laura, 
aber Bl. VIII >>C. Speluncae«. 

2) Die englischen Name Lists 341 kennen eine Wasserleitung, die dieser 
Cisterne das Wasser zuführt. Ich habe sie nicht gesehen. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 1 1 3 

an dessen Westseite sich ein Weg nach Norden zum Ghör hin- 
zieht. Den muntär selbst besteigen wir auf einem nicht allzu 
steilen Abhänge von grauem, fast basaltfarbigem Gestein und 
gelangen so auf einen Sattel zwischen zwei Gipfeln. Der nörd- 
liche zeigt einige Ruinen, von Guerin ') chirhet el-muntßr ge- 
nannt, in denen man wohl mit Führer 2) die Reste des Schola- 
riusklosters beim Thurme der Eudokia erblicken wird'^). Diese 
Reste sind jetzt unbedeutend; auch Schick 4) meinte, dass »aus 
ihnen ohne Ausgrabungen kein Plan zu entnehmen« sei. Ich 
notirte Reste einer Einfassungsmauer, die wohl den ganzen, frei- 
lich nicht grossen Gipfel einschloss, eine Cisterne an der Nordost- 
Seite und an der Südwestseite ein Viereck, das an drei Seiten 
über 1 m breite Grundmauern hatte. Die östliche Mauer dieses 
Vierecks hat nur 80 cm Breite, wie andre Mauern, die sich dort 
Aveiter östlich anschliessen. Es lässt sich denken, dass wir hier 
die ursprünglichen Fundamente des erwähnten Thurmes vor uns 
haben. Auch auf drei kleinen Terrassen, die nach NW. von 
dem oberen Plateau abfallen und wohl ausserhalb der Einfassungs- 
mauer lagen, finden sich einige spärliche Baureste, weiter unten 
einzelne grosse und schöne Steinquadern. 

Der weitere Weg südlich am südlichen Muntär-Gipfel vor- 
über, auf dem man einen Augenblick die Thürme von mär säbä 
erblickt, und westlich nach der chi)'bet dschindschis hatte wenig 
Interessantes, 

Gerne hätte ich meine Ausflüge in dieser noch nicht völlig 
durchforschten Gegend weiter nach Norden, namentlich nach 
dem der mukelik und fiebi müsä ausgedehnt; doch waren meine 
Begleiter nicht dazu zu bewegen. Die Gegend von mär tnüsä 



1) Judee III, 101. Er sehreibt chirbet muntär. 

2) A. a. O. S. 235. So auch vo.v Rte<;s a. a. O. Bl. VIII. 

3^ Setzt Kyrillos diesen Thurm wirklich »westlich« vom Kloster des 
h. Euthymius JMarti a. a. O. S. 23) oder letzteres »30 Stadien .... östlich 
vom Thurme« (Tobler, Topogr. II, 965) ? Ich finde keinen BeM'eis dafür, und 

S. "65 sagt Tobler selbst nur hypothetisch : »AVenn der Thurm 

zwischen Jerusalem und dem Euthymiuskloster lag i< Die Mitthei- 
lung: »Turrim in solitudine, quie vergitadOrientem, in altissimo «di- 
ficat promontorio (Ktr. Acta SS. Jan. II, 679; bei Tobler, a. letzt a. O.) 
führt vielmehr zu der entgegengesetzten Ansicht. 

4) ZDPV. III, 25. 

Ztsehr. (J.Pal.-Ver. Xin. 8 



114 Kasteren, 

und Jericho, sagten sie, sei unsicher ; es gebe dort » Beduinen 
aus dein Süden, von el-kerali'i ; ich solle wenigstens zehn Männer 
der X'bedije mitnehmen. Ich sah in diesen Keden nichts anderes 
als aus finanziellen Gründen ersonnene Lügen und kehrte, wenig 
erbaut von der Ehrlichkeit meiner Leute, mit nur Einem Be- 
gleiter über den chän es-sald und den Ülberg^) nach Jerusalem 
zurück, um eine bessere Gelegenheit abzuwarten. Diese Ge- 
legenheit bot sich nicht mehr dar. Aber nach einigen Tagen 
stellte es sich heraus, dass die Beduinen Recht hatten. Am 
13. Mai raubten die »Beduinen aus dem Süden« zwischen enÄä 
und ef-taijibe den Bauern des letzteren Ortes, die sich dort mit 
der Ernte beschäftigten, 40 Esel und tödteten drei Männer, zwei 
von denen Wächter von 7iehi müsü waren. So wenigstens er- 
zählte man damals in Jerusalem und fügte hinzu, dass die Re- 
gierung Avohl Truppen gegen sie absenden würde, »wenn es nur 
nicht im E-amadän wäre«! 



Nachtrag. 

Am 18. April ISÜO hatte ich wieder Gelegenheit, von Jerusa- 
lem einen kleinen Ausflug nach Osten zu machen, imd zwar in 
Gesellschaft seiner Hochwürden des Herrn Germer -Durand, 
dessen interressante »Nouvelles archeologiques de Jerusalem« im 
Pariser »Cosmos« den Freunden der Palästinakunde wohl nicht 
unbekannt sind. Mein Zweck war besonders, die mir bis dahin 
recht räthselhaft erschienene 'ain er-rawiibl aufzufinden. 

Wir ritten über el-tsaimje, wo wir einen Führer mitnahmen, 
zum htr el-haddsch , der von einem Iladdsch Selim aus Nazareth 
seinen Namen haben soll. Die grossen von mir erwähnten Steine 
in der Nähe hielt der Führer für alte Grenzsteine. Der Wadi, 
der sich von el-ismc'tje nach Süden hinzieht \uu\ östlich vom reis 
scJiach ^amhar in den wüdi er-raicäbl hinabfällt, nannte er ^arälf 
111)17)1 e]-fa<ll. 

Die östliche Anhöhe, wo chi)-bet machlTif liegt, heisst (Jahr 
el-himür (Eselsrückcn). Die Ruinenstelle hat nichts Interessantes ; 
ich verzeichnete eine Höhle, einige kleine, runde Vertiefungen 
im Felsen und einige grössere viereckige ; zerstreut liegende rohe 

1) Vgl. oben S. 93 f. 



Aus der Umhegend von Jerusalem. ]]^ 

Steine, endlich amOSO.-Abhant^e einen blr \irrHhbet [lYaudi, der 
noch Wasser hält. Die Lage ist hoch genug, nm die Aussicht 
auf abü diu und die Kuppel der griechischen Kirche am »Begeg- 
nungsorte« S. oben S. 84) zu gewähren. 

Nach Osten haben wir einen höheren Kücken, ras el-liheid. 
Südlich von dieser Anhohe führt der Pfad über eine nach Süden 
abfallende, theilweise bebaute Hochebene, die im Anfange den 
Namen el-milisä trägt und weiter nach SO. el-ibklje (wohl = el- 
hiikeia. die kleine Ebene [?!) heissen soll, zu einem rauhen felsigen 
Hügel. el-l}av:äzim ^). Hier befinden wir uns gerade südlich von 
el-inunfär und über dem ?mf7/ er-raicühl, dessen Abhänge hier 
sehr steil sind. Auch der Weg fällt hier eine Weile steil ab und 
ist äusserst beschwerlich. Dass er aber in alter Zeit mehr be- 
gangen wurde als jetzt, lässt sich aus einer zur Seite des Weges 
befindlichen Cisterne schliessen. 

Einen schmalen west-östlichen Ausläufer, genannt '^alälijäf 
er-ravMhl, der aus grossen, M'ild durcheinander geworfenen Fels- 
massen besteht, umreiten wir an der Ostseite und befinden uns 
dann oberhalb eines schmalen, tiefen Seitenthaies, das hier in 
den icädi er-raiväht fällt. Es soll von ^anätü herkommen und 
demzufolge er-ratcähi el-anciüje heissen. 

Am Nordabhange der 'alälijät sind Überreste einer kleinen 
Laura. Auffallend ist ein sonderbarer Spalt im Felsen, den der 
Führer meghürat el- atra — vielleicht für el-adm, d.i. »der Jung- 
frau« (Maria) — nannte. Er hat nur etwa 1 m Breite bei vielleicht 
20 m Länge und 8 m Höhe, Gleich beim östlichen Eingange 
öffnet sich in einer Höhe von etwa 2 m in der südlichen Wand 
dieses Felsenganges eine künstliche Höhle. Auch an der rechten 
Seite finden sich in beträchtlicher Höhe kleine, jetzt unzugäng- 
liche Kämmerchen, mit kleineu Fenstern in der äusseren (nörd- 
lichen) Felswand. Der Boden besteht jetzt aus theilweise zu 
Staub verwittertem Gestein und steigt nach Westen stark an. 
Am Avestlichen Ende befindet sich oben eine Öffnunsr, zu der 
man über die rauhen Wände und hinabgestürzten Felsstücke nicht 
ohne Mühe hinauskriechen kann. 

Eine andere ebenfalls künstlich hergestellte oder wenigstens 
vergrösserte Höhle liegt etwas weiter nach Westen. Sie ist über 
"i ra lang und nahezu 3 m breit. 



*o 



So notirte ich jetzt; früher: el-haivädschi. 



116 Kasteren, 

Hier im Gebiete der früheren Laiiren liegt der Gedanke 
nahe, dass auch diese Grotten in der Vorzeit fromme Einsiedler 
beherbergten. Es mag solcher Höhlen damals noch mehrere ge- 
geben haben, die jedoch jetzt durch Einsturz der Decke oder 
einer Wand — wovon unverkennbare Spuren sich zeigen — ver- 
schwunden sind. 

Auf der andern (nördlichen) Seite des erwähnten Seiten- 
thaies fanden wir die ^ain er-rmccibi, einen kleinen Brunnen, der 
«im Sommer wie im Winter« reines frisches Wasser bietet. Die 
Wasserhöhe war damals etwa 2 m unter dem jetzigen Hoden. In 
früherer Zeit — so versicherte man uns, und die Anschauung der 
Gegend bestätigt es — war die Sachlage wohl eine ganz andere. 
Das Wasser quoll aus der Felswand hervor und bildete einen 
Bach. Allein in Folge eines Bergsturzes wurde die ganze Quelle 
auf lange Zeit völlig verschüttet und erst vor 5 oder ü Jahren 
wieder gefunden. Dadurch erklärt sich auch, wie sie der Eng- 
lischen Survey und überhaupt allen mir bekannten Reisenden 
und Forschern bis jetzt unbekannt geblieben ist. 

Ob wir in dieser Quelle die ~rc'\ rr^; Mepac bei Epiphanius 
MoNACHUs^) erblicken dürfen? In el-murassas, worauf der Name 
hinzuweisen scheint 2), giebt es jedenfalls keine wirkliche Quelle. 
Jedoch erscheint es nicht rathsam, auf jedes Wort des Epiphanius 
grosses Gewicht zu legen, m. a. AV. eine diplomatische Genauig- 
keit des Ausdrucks in einer Beschreibung vorauszusetzen, die so 
viele sachliche Irrthümer zeigt. Interessanter ist es vielleicht, 
dass durch die Auffindung dieser Quelle die herkömmliche Zu- 
sammenstellung der alten Sonnenquelle ^) mit der 'ain el-höd 
fraglich zu werden scheint, um so mehr als die 'ain er-raicähi 
vor ihrer Verschüttung vielleicht einen grösseren Wasservorrath 
hatte, also werthvoller war, und der alte Jerichoweg mit dem uädi 
er-rawäbi. der hier ganz in der Nähe liegt, eine sehr natürliche 
Grenzlinie bildete. 

In geringer Entfernung östlich von der Quelle liegen auf 
einer kleinen Anhöhe in einem Thalbecken die Ruinen einer 
kleinen Kirche mit den Namen chirbet incheile (vielleicht en-nu- 
cheile, ;>der kleinen Palme«?) Sie ist in der gewöhnliclicn Weise 

1) MiGNE, Patr. Gr. 120, 26S. 2) von Htess, Bibel- Atlas 2, 20. 

3) Jos. 15, 7, wo die nördliche Grenze des Stammes Juda verzeichnet ist. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. ] \ 7 

orieutirt und misst 30 Schritte in der Länge, ausser der 3,70 m 
tiefen Apsis, und 7 m in der Breite. An die Nordseite schliefst 
sich ein Anbau von 6. SO m Breite an, der bis an die Apsis reicht. 
Einige Meter westlich von der Apsis zeigt er eine Quermauer 
und am westlichen Ende eine tiefe Cisterne, welche später als 
Kalkofen benutzt worden ist. Von den Mauern ist wenig mehr 
als die Fundamente übrig. Es finden sich viele kleine Mosaik- 
würfel von ungleicher Grösse: ich sah deren von IS : 15 und von 
10:8 mm. 

Von andern Ruinen in der Nähe wusste man nichts. Dieser 
Umstand befestigte mich in der Meinung, dass Avir es hier mit 
den Überresten einer alten Laura zu thun haben, und die Kirche 
wohl vorzüglich den Kultuszwecken der einstigen Einsiedler ge- 
dient hat. 

Jetzt fanden wir in der kleinen Ebene hinter der Kirchen- 
ruine nur ein einziges Beduinenzelt. 

Nur eine kurze Strecke kehrten war auf unserem Wesre zu- 
rück, um bald in den tvädi er-rawäht hinunterzusteigen und an 
dessen steilem südlichen Abhang Avieder hinaufzuklettern. Hier- 
bei konnten wir die Reste eines alten Zickzackweges benutzen, 
die in einiger Entfernung wie Terrassenmauern aussahen und 
eine mit Sorgfalt ausgeführte und in ihrer Art bedeutende Arbeit 
zeigen. Wurde dieser Weg vielleicht von den Einsiedlern unserer 
Laura hergestellt, um den Gläubigen ihre Kirche leichter zu- 
gänglich zu machen, oder zum Besten der Wohlthäter, die sie mit 
Lebensmitteln versahen? Oder waren es die Bewohner vom kasr 
\ili. die, ungeachtet ihrer mit Mosaik überpflasterten Cisterne, 
das Wasser der Quelle benutzten und sich dorthin einen beque- 
men Pfad herstellten? Diese Fragen kann ich nicht beantworten. 
Wohl würde man bei der letzteren Hypothese den Weg etwas 
näher bei der Kuinenstelle erwarten: jetzt führt er nämlich etwas 
Aveiter südlich, nahe beim h'ir ' arküh es-najfa auf dem alten Rö- 
merweg. Allein gerade unter dem Imr war der Abhang wohl 
zu steil.] 

Wir besuchten, ausser dem genannten kasr noch einmal die 
von mir'-; er^vähnte Ruinenstelle beim blr zennük'i, die ich. 'so 
lange sich nichts Besseres findet, mit dem alten Bahurim zu- 

1 ) Seite 96 f. 



Hg Kasteren, 

saramenzustellen geneigt bin. Diesmal hörte ich ihr den Nameu 
chirhet zijambl beilegen. Den Wädi, der sich südlich von dieser 
Hügelreihe hinzieht, nannte man jetzt ivüdi zijambl] den Namen 
wädi es-suneisil, den ich früher gehört hatte, soll er erst weiter 
östlich annehmen. Für andere Gipfel u. s. w. aus der Umgegend 
Aviederholte man mir die früher gegebenen Namen. 

Einige Tage später, auf dem Wege nach der Kelkä, besuchte 
ich das bekannte muslimische Heiligthum nebi tnüsä, das die 
griechische Tradition, wie gesagt*), mit dem Euthymiuskloster 
identificirt. Allein von den topographischen Angaben des Ky- 
KiLLOS von Skythopolis lässt sich dort wohl nichts nachweisen. 
Und die jetzige »Cisterne mit sieben Mündungen« beim c/iä?i es- 
saJd berechtigt uns auch nicht, dort die Laura Heptastomos zu 
suchen, weil diese fünf Stadien vom gleichnamigen »Lakkos« 
lag ■-) . Aber aus dem nämlichen Grunde können wir auch diesen 
«siebenmündigen Lakkos« nicht mit der Laura gleichen Namens 
in el-murassas zusammenstellen. Ich meine demnach, das Eu- 
thymiuskloster sei im chän es-sahl festzuhalten und das Martyrius- 
kloster (am Wege vom Euthymiuskloster nach Jerusalem) lieber 
mit el-murassas zusammenzustellen, dagegen die Lage der Laura 
Heptastomos und des gleichnamigen »Lakkos« als noch nicht ge- 
funden zu bezeichnen. 



1) Vgl. S. 91. 

2) S. Sabae vita in Cotelerii Eccl. Graeca> Monum. III, 282. 

Heirut, den 21. Juli 1890. 



Aus der Umgegend von Jerusalem. 



119 



Verzeichniss 

der oben genannten Ortsnamen, die in den Name 

Lists der Snrvey nicht angegeben sind. 



Transcription 


Arabisch 


Seite 


Erklärungen 


'ai7i el-lauze ') 


«;>'' O^ 


98 


Quelle des Mandel- 
baums. 


» er-ratmhl 
"^ alälijäter-rau-ähl 




95 u. 

116 

115 


Quelle der Anhöhen 
(Hügel). 


'^aräJc umm el- 

fadU) 
ard el-hmvar 

» el-kuseir 


-AASäii )) 


114 

97 

85 


Land des Schlösschens. 


« es-suweiJi 

h'ir \irruhhet [?] 
^aiidi 3) 


^^y*^\ )) 


80 
115 




h'ir el-akahe 




98 


Brunnen des Aufstiegs. 


» el-azwar 


^^j-^i ,) 


97 


Schiefer[?]-Brunnen. 


» hukei^ dän 
» el-haddsch 


qUd ^KjJij )) 


98 
100 


Brunnen der kleinen 

Schaf ebene. 
Brunnen d. Pilgerfahrt. 


» el-hmcärä 
n el-kelb 




78 
97 


Brunnen des Hundes. 


» er-rijäsi 


ÄA^Ijyi )) 


85 




M zennükl 
htirdsch el-ämir 




96 
84 


Thurm des 'Ämir(?) 


challet el-mu- 
kühir 


jLäI! iÜLi> 


85 


Thälchen der Grab- 
stätten. 


challet misr 




91 { 


Thälchen v. Aegypten. 



1) Vgl. Survey, Jerusalem 372. 

2) Für 'aräA: giebt SociN ZDPV. IV, 2 nur »Höhle«. Die Name Lists 
S. 106 »shore«, S. 198 u. ö. » cliff or bank«. 

3) 'Audi ist ein bei den Beduinen gebräuchlicher Mannesname. 



120 



Kasteren, 



Transcription 


Arabisch 


Seite 


Erklärungen 


chän es-saJd^) 


^^\ ^^l:> 


90 


KaraAvanserai d. Ebene. 


chirhet incheile 


(^) i^LJ>,^j\ Äj-^i« 


Hb 


Ruine der kl. Palme(?). 


)) machlüf 


^^ » 


100 




)) el-muntär 


^LIjäII )) 


113 




)) ras el- 


Jl2Xl\ ^J^\. » 


96 




muntär 








chirhet es-sitt 




85 


Ruine der Dame. 


)) zijamhi'^) 
(Jahr ed-deisi 




97 u. 
118 
95 




» el-himär 


jl^\ ">, 


114 


Eselsrücken. 


» michlüs 


U^"^:^ )> 


93 




dahrat hawcidschi 
dar el-kasr 




95 
91 


Haus des Schlosses. 


dschehel el-azwar 
)) el- isch- 




97 
92 


Schiefer-Berg. 


mis 








dschehel el-mir- 




112 


Berg der muntern 


zämi 






Kamelstute. 


dschehel '^üdsch 
ed-dlh 


w'JiÄ'i r*->^ " 


92 




dschehel el-iviz- 


»jlj_;_^l » 


92 




wüzi 








dschehel zennakl 


^h '• 


97 




dschuhh er-riim 


f^/ ^ 


93 


Brunnen der Griechen. 


ed-dahr 


(.-*^1) .--Jl 


96 


Der Hügelriicken. 


ed-dschimeine 


*.ÄaÄ^) 


84 


Das Gärtchen. 


el-ihk'ije 


— 


115 




el-miksü 


Lä^I^ 


115 




el-musJßh'iJe 




77 


Eigenthum der Russen. 


er-räs 


ltV' 


77 


Der Gipfel. 



1) In der Survey chän el-ahnar. Bei Schick (ZDPV. III, 27): chän 
cl-achdar oder chän es-sahl. Von Rikss: cliän es-sahl. 
i) Die Survey hat ras ez-zambi. 



Aus der Umgeojend von Jerusalem. 



121 



Transcription 


Arabisch Seite 

1 


Erklärungen 


er-rmvühi el-anä- 




115 


Die Hügel von ' Anätä. 


tlje 








hadschar abu da- 
hür 


)y^ ^'^ j^ 


92 


Der Stein des Abu 
Dahür. 


harlkat hasan 


■ y*t~:^ i>»ftJ.S»- 


100 


Die Brandstätte (?) des 
Hasan. 


el-haa 


KcLäi! 


80 




kasäslm es-sitt 


\,;^^\,M**dS ^^awLam5 


85 


Getheilte Grundstücke 




" 




der Dame. 


härm ahü schu- 


^^ <s^^ ^/ 


80 




teije 








karm haniar 


/^ r/ 


80 




hurwi el-ha-- 


^^ 05j'^ 


108 


Steinhörner. 


dschar 








meghürat 'isä 


L5-^= ä^Lix 


81 


Jesushöhle. 


merdsch es-sitt 


-~'s^ 


85 


Ebene der Dame. 


» ez-zeibün 


O^i^'' » 


85 




mukehh es-semen 


..♦/<»w' WA.X./5 


91 


Ausguss(?) geschmol- 
zener Butter. 


ras el-hamrü 


.L^5 o-b 


98 


Der rothe Gipfel. 


» el-libeid 


(A^aÜI » 


115 




» esch-schech 


^ci.i5 )) 


98 




» zaij'im 




97 




schech el-chidr ^] 


89 




sohl bei el-chirbe 


Aj.ii^ Xx*.w 


93 


Thal eben der Ruine. 


» el-fül 


J».Ä-5 )) 


92 


Bohnenthälchen. 


» na im 


1 ■• 


93 




schibet selma el- 


XäJ^J). ^4^Md i^AÄXv 


93 

1 


Westliches Selma- 


gharblje 


• • •_^ ^^ 


1 


Thälchen. 


schiebet sehiiä 


» )) 


93 


Östliches Selma-Thäl- 


esch-scharlfije 


1 ^>k5.*N>V«^) 




chen. 



1) FURRER, ZDPV. III, 235 und Schick's Karte. 



122 



Kasteren, Aus der Umgegend von Jerusalem. 



Transcription 


Arabisch 


Seite 


Erklärungen 


schibet el-iüiz- 


^■j\^-^y\ 


^xXÄv 


92 




ivüzi 










sihcän el-atlka 


».AxÄX«^ 


ü'>- 


S3 


Das alte Silwäii. 


suwün ez-zamhl 

lüädi abu ürün 
» harb 


• > 


> 


97 

85 
87 


Die Feuersteine •) des 
Zambi. , 


» Jüsül 2) 


.5>^i^ 


)) 


77 




« el-leben 


a^^' 


)) 


80 


Milch thal. 


» micMäs 


uo^iL^ 


)) 


93 




» mislak . 


^"^l^M./! 


)) 


93 




» mudauioäd 


^t^Ax 


)) 


92 




n el - mtidau- 


,;a:^ 


)) 


90 f. 


Rundes Thal. 


icar 










wüdi mughiiir ed- 




» 


95 


Thal d. Hyänenhöhlen. 


duba 










wcidi en-nalde 


xlsrJI 


» 


87 


lUenenthal. 


» rascJüd 




)) 


97 




» er-rimädi 


i 


» 


107 


Aschenthal. 


» es-saicähire 


»^>\^^;^:^ 


)) 


80 


- 


» esch - scha- 


"C^-CiX-l 


» 


77 


Kerzenthal. 


ma ^) 


w 








lüädi es-sikJce 


\.^.*«J! 


)) 


92 


Thal des Weges. 


wädi es-suneisil 


iV.^«Vh^Aam^ I 


^->^3 


94 


Kettenthal ») . 


» turdscha- 


* > 


)) 


85 




nuiny'e 










wädi loabe 


iOw£r 


» 


93 




» ez-zambl 
» ez-zeitün 




)) 


92 

84 


OHventhal. 



1) Nach mehreren Stellen der Name Lists. 

2j Schick s Karte in Statements für lb&7, 150. 

3) Schick's Karte in Statements a. a. O. 

4) Nach den Name Lists ;}2!» bedeutet snneisil auch «streams.« Ich hörte 
die oben beschriebenen alten Kaniilchcn l)ei cl-mura.^sas so nennen. Für 
trockene Steinmauern kommt das Wort in Palästina häufig vor. Vgl. 
Klein ZDPV. IV, TU. 



Sclialensteiiie in Palästina und im Alten Testament. 

Von Professor H. Guthe in Leipzig. 

Salomon Reinach hat in seiner vortrefflichen Chronique 
(VOrient in der Revue archeologique 18S8, S. 96 f. zu dem Felsen- 
altar bei sara und dem Opferstein bei cJiirhet marmltZi ZDPV. 
X, 140 fF. 157 f. und Tafel III und IV die Bemerkung gemacht, 
dass die eingegrabenen Figuren dieser Steine ganz denjenigen 
gleichen, welche gegenwärtig auf einer grossen Anzahl von 
Steinen in Europa. Asien und Amerika beobachtet worden sind 
und diesen den Namen )> Schalensteine«, französisch »pierres ä 
ecuelles«, englisch »cup-stones« gegeben haben. 

Ich bin Herrn Reinach für seine Bemerkung recht dankbar ; 
sie kam zur rechten Zeit. Denn gerade in den letzten Jahren 
sind solche künstliche Grübchen auf Steinen oder im lebenden 
Felsen in Palästina von verschiedenen Forschern beobachtet 
Avorden, so dass jetzt auch Palästina zu denjenigen Ländern ge- 
rechnet werden muss, in welchen diese merkwürdigen Zeugen 
aus vorgeschichtlicher Zeit vorhanden sind. Auch zweifle ich 
nicht, dass sich die Zahl solcher Beobachtungen noch vermehren 
wird, sobald nur die Aufmerksamkeit der Forschenden dort darauf 
gerichtet ist. Daher scheint es mir der Mühe Merth zu sein, die 
bisher bekannt gewordenen Thatsachen über das Vorkommen 
solcher Schalen oder Näpfchen in Palästina kurz zusammenzu- 
stellen und daran die Frage zu knüpfen, ob das Alte Testament 
eine Kenntniss derselben verräth. 

Ich lenke die Blicke der Leser zuerst auf das Westjordan- 
land. 

1. Auf dem niedrigen Rücken von chirhet (Jahr es-sagJiir 
westlich von teil el-kädl finden sich Dolmen oder Steintische aiis 
Basalt, darunter eine Steintafel von 1,55 m Länge und Od cm 



1 24 Guthe, 

Breite, die von kleineren Steinen getragen wird, so dass ihre 
01)erfläche sich 60 cm über dem Boden befindet. An dem einen 
Ende hat die Steintafel eine flache Grube '). 

2. Nördlich von meron in Obergaliläa stehen drei Dolmen, 
deren eine den Namen hadschar \el-\muneTxi trägt. Aus der 
Bedeutung dieses Namens, »Stein mit dem kleinen Mörser«, sollte 
man auf das Vorhandensein einer runden Grube schliessen ; doch 
finde ich keine ausdrückliche Angabe darüber-). Ich selbst 
habe diese Dolmen nicht gesehen. 

3. Der heilige Felsen des Garizim hat, wie Conder 1882 
beobachtet hat, etwa in der Mitte eine kleine künstliche Grube. 
Die Samaritaner behaupten, dass dort die Stelle sei, wo das 
eherne Becken in dem Hofe des von Josua auf dem Garizim er- 
bauten Tempels gestanden habe ^j . 

4. Der Felsen in der kuhhet es-sachra in Jerusalem hat an 
seinem Nordende eine ausgehöhlte Grube ^). 

5. Die Gruben und Verbindungskanäle auf dem Stein von 
sara sind in ZDPV. X, 140 f. 157 f. von Schick und mir be- 
sprochen worden. 

6. Die ähnlichen Vertiefungen auf dem Stein von martnlfä 
s. ebendort S. 141 f. 157 f. In der Nähe befindet sich ein Stein- 
kreis (Kromlech). 

7. .1. P. VAN Kasteren erwähnt S. 78 dieses Heftes etwa 
30 Schüsseln von verschiedener Form und Grösse — bis zu 
3/4 Quadratmeter — auf einer felsigen Anhöhe östlich über dem 
blr el-huwära zwischen bei süsm und dem blr cl-hantara, mithin 
nördlich von sara. 

8. Derselbe Forscher hat auf der er-räs genannten Höhe 
südlich von Jerusalem westlich oberhalb des Kidronthales eine 
Anzahl ähnlicher Schalen und Kinnen bemerkt, s. oben S. 7 7 ff. 
Vgl. auch S. 93. 114. 

Im Ostjordanlande shid solche Vertiefungen durch 
Conder und Manjell zahlreicher beobachtet worden. Condeu 
hat im ersten Bande der Survey of Eastern Palestine (1889) und 

1) CoNDEK, Heth and Moab. Explorations in Syria in 1881 und 1882 
(London 1S89; S. 247 f. 

2) Survey of AVestcrn Palestine, Memoirs I, 253. Condkk, Ueth and 
Moab, 249. 

3) Conder, a. a. O. 237. 4) Quarterly Statements for 18S7, 74 f. 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 125 

in dem Buche »Heth and Moab« seine Beobachtungen zusammen- 
gestellt. Er fand Schalen und Rinnen : 

1. Auf dem nach O. geneigten Deckstein einer Dolme im 
SW. von \tmmäu. Der Deckstein misst 4 m zu 3,40 m; er ruht 
im W. auf einem Stein von 1,80 m Höhe und 1,57 m Breite, im 
O. auf dem Abhänge des Berges. In der Mitte des Decksteins 
befindet sich eine Schale von etwa 60 cm im Durchmesser und 
30 cm Tiefe. Eine Anzahl Rinnen leiten von dem höheren west- 
lichen Ende der Platte, zum Theil wieder voq Schalen ausgehend, 
zu der in der Mitte befindlichen. Ausser dieser giebt es noch 
zwei andere grosse und neun kleinere Schalen auf demselben 
Stein, einige mit zuleitenden Rinnen. Einige Gruben befinden 
sich auch in dem Felsboden unmittelbar neben der O. -Seite des 
Steins, eine Beobachtung, die auch an anderen Orten gemacht 
wurde'). 

2. Auf dem Deckstein (2,40 Dm) einer kleineren Dolme 
NW. von ^ammän ist neben mehreren kleineren Gruben eine 
grössere an der Westseite des Steins, die 78 cm zu 30 cm bei 
einer Tiefe von fast 10 cm misst 2). 

3. Die Kopffläche eines Malsteius (Menhir) im W. des vor- 
hergenannten Denkmals, zeigt eine kleine aber regelmässige 
Gnibe. Der Malstein ist 1,40 m hoch, 1,25 m breit und nahe an 
50 cm dick. Die Grube hat einen Durchmesser von 20 cm und 
eine Tiefe von 1 4 cm 3) . 

4. Im NO. dev.kaVat 'aniniän liegt ein zu Boden gefallener 
Malstein ; er hat eine Länge von 3,70 m, eine Breite von 2 m und 
eine Dicke von GO cm. An der einen Seite des Steins befindet 
sich eine 28 cm tiefe Grube ^). Ahnlich ist das Beispiel am teil 
el-matliha am wZidi herbän^), sowie die Gruben an der Breitseite 
des Malsteins hadschar el-mansüh am Nordrande des tvädi zerkä 

\ maln ^] . 

11 1) Eastern Palestine I, S. 20 mit Abbildung. Heth and Moab 252. 

"l 2) Eastern Palestine I, 21 f. Heth and Moab 253. Hier wie anderwärts 

IJl stimmen die Masse in den beiden Büchern nicht ganz genau ; in solchen 
Fällen habe ich die x\ngaben des Survey-Bandes vorgezogen. 

3) Eastern Palestine I, 23. Heth and Moab 253. 

4) Eastern Palestine I, 24. Heth and Moab 253. 

5) Eastern Palestine I, 233. 

6) Eastern Palestine I, 185 f. Heth and Moab 260. Der hadschar el- 
mansüb ist bereits von ScmcK ZDPV. II, 10 erwähnt und dort Tafel II, Nr. 7 
abgebildet worden. 



1 26 • Guthe, 

5. Auf dem felsigen Rücken el-JmrmlJe nordwestlich von 
hesbän^n(\.e\\ sich unweit der Mitte eines grossen, jetzt zerstörten 
Steinhaufens mit mehreren Kreisen viele runde Gruben im Fels- 
boden, die im Durchmesser 30 bis 60 cm halten und eine Tiefe 
von 20 cm haben ') . 

6. Auf dem Deckstein einer ausgezeichnet regelmässigen, 
aus drei Steinen gebauten Dolme am Nordabhange des htirm'ije- 
Rückens finden sich 6 oder 7 Gruben, deren Durchmesser zwi- 
schen 30 und 55 cm w^echselt 2) . 

7. Ausser einzelnen Gruben auf Dolmen-Decksteinen bei 
sümije am S. -Rande des imdi hesbZtn und el-kalua gegenüber 
am N.-Rande sind sechs sorgfältig gearbeitete, runde Schalen 
auf dem 1,40 zu 1,25 m messenden Deckstein einer zerfallenen 
Dolme an dem zuletzt genannten Orte zu bemerken. Ihr Durch- 
messer Avechselt zwischen S und 30 cm, ihre Tiefe beträgt nur 
S cm und weniger 3). 

8. In den Anfängen des wädi dschidech südlich vom dschehel 
nehZi, westlich von mädehä, trägt der 2,45 zu 1,70 m messende 
Deckstein einer Dolme nicht weniger als 40 Gruben, deren grösste 
30 cm im Durchmesser hat und 28 cm tief ist. Fünf der grösseren 
Gruben sind durch eine Rinne verbunden; die übrigen befinden 
sich grösstentheils an den äusseren Ecken des Steins 4), 

y. In einer unweit nördlich von der vorigen gefundenen 
Dolme, deren Steine einen Raum von 2,70 m Länge, 1,60 m 
Höhe und 1,10 m Breite unischliessen, ist der den Boden dieses 
Raumes bedeckende, unmittelbar auf dem lebenden Felsen ru- 
hende Stein mit einer Grube von 30 cm Durchmesser und 15 cm 
Tiefe versehen ^). An einer nördlicher gelegenen Dolme ist die 
Schale ebenfalls in den unten liegenden Stein eingegraben'"'). 

10. In derselben Gegend drei Gruben in dem Deckstein 
einer Dolme, 10 bis 12 cm im Durchmesser, 8 cm tief) ; in einem 
anderen Deckstein eine Vertiefung von 90 cm zu 60 cm bei einer 
Tiefe von 20 cm s). 

1) Eastern Palestinc I, 150 f. Heth and Moab 254. 

2) Eastern Palestinc I, 163. 

3) Eastern Palestine I, 12S. lleth and Moab 25(i. 

4) Eastern Palcstine I, 268 f. 

5) A. a. O. 270. Ileth and Moab 258. 6) Eastern Palestine I, 27H. 
7) Eastern Palestine I, 273. 8) A. a. O. 271 f. 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 1 27 

11. Schumacher hat auf dem Dolmenfelde el-eklä el-mutru- 
kibät im nördlichen '^adscJilün zwischen samtna und et-taijibe auf 
einem grossen Dolmendeckstein, etwa in der Mitte desselben, eine 
runde Schale von 30 cm Durchmesser und 1 2 cm Tiefe gefunden ^). 
Auch auf einigen Decksteinen der Dolmen bei kafr jühti hat 
Schumacher Vertiefungen von verschiedener Gestalt gefunden : 
doch lässt er hier die Frage oifen, ob sie natürlich entstanden 
oder künstlich hergestellt worden seien '-) . 

Hiermit dürften die nach ihren Stätten und nach ihrer Art 
wichtigsten Beispiele von Schalen- oder Näpfchensteinen im 
West- und Ostjordanlande aufgezählt sein. Auffallend ist, dass 
G. Schumacher auf den von ihm beschriebenen ansehnlichen 
Dolmenfeldern des Dschölän und des westlichen Haurän nichts 
derartiges beobachtet hat 3). Es ist kaum anzunehmen, das solche 
künstlichen Gruben dem sonst sorgfältig beobachtenden For- 
scher entgangen sein sollten. Eher könnte man vermuthen, 
dass das harte Material der Dolmen nördlich vom Jarmük, der 
Kasaltstein, das Eingraben der Schalen oder Schüsseln dort ver- 
hindert hat. Die Stein denkmäler Palästina's bestehen nämlich 
meistens aus dem vorherrschenden Kalkstein, dessen liearbeituns: 
nicht schwer fällt. Jedoch haben wir schon oben S. 123 f. den 
Schalenstein einer l^asaltdolme kennen gelernt. Dieser Um- 
stand lässt auch andere Gründe für das Fehlen der Schalensteine 
nördlich vom jarmük zu, die vielleicht in dem Zweck der Dolmen 
gesucht werden könnten, nämlich ob sie Grabmäler oder Altäre 
sein sollen. Diesen Gedanken zu verfolgen, liegt jedoch ausser- 
halb der Aufgabe, die ich mir hier gestellt habe ^) . 

1) Schumacher, Northern 'Ajlün (London 1890) 131 fF. 

2) A. a. O. 171 ff. 175. 

3) Für den Dschölän und Haurän s. ZDPV. IX, 267 ft". und ScHU- 
macher's Across the Jordan (1886 S. 62 ff. 149 ff. 

4) In Kürze möge bemerkt werden, dass Noktlixg und Schumacher 
durch Untersuchung einiger unverletzten Dolmen festgestellt haben, dass sie 
Asche, kleine Kohlenstücke und Knochenreste enthielten. In einem Falle 
sind auch zwei Ringe aus Kupferdraht gefunden (ZDPV. IX, 268. Northern 
Ajlün 176. Zeitschr. f. Ethnologie XIX, 37 f.). CoNDER hebt dagegen hervor, 
dass die von ihm und Mantell untersuchten Dolmen keinesAvegs Grabstätten 
gewesen sein können ; er zieht es daher vor, sie als Opferstätten zu erklären. 
Demnach wäre ein verschiedener Zweck dieser Steindenkmäler, je nach ihrer 
Beschaffenheit, anzunehmen. Vgl. Heth and Moab 238 ff. 266 f. 27ü. 



] 28 Guthe, 

Es würde lehrreich sein, wenn von den Bewohnern Palästi- 
na's seihst noch gewisse Gebräuche oder Überlieferungen mit 
diesen Schalensteinen verbunden würden. Leider ist bisher nichts 
derartiges bekannt geworden. Natürlich kommt hier nicht in 
Betracht, wenn grössere Gruben im Gestein zur Zermalmung 
von Getreidekörnern oder zur Bereitung von Pulver gebraucht 
werden. Nur auf die Steindenkmäler, an denen oder neben 
denen sich die Schalen oder Schüsseln linden, muss unsere 
Aufmerksamkeit sich richten. Eine Steinsäule [sai'büt) nördlich 
von ^ajün müsä gilt als Wunschstein und hat den entsprech- 
enden Namen hadschar el-m.enä\ eine Dolme bei chirhet el-aljci 
nördlich vom See Genezareth heisst Blutstein, liadschar ed-damm\ 
die Dolmenstätte am Nordrande des imdi zerkä ma'ui hat den 
Namen el-mareighZit^ den Conder erklärt: »the things smeared« 
Avith oil or blood or other thick liquid und auf den alten Brauch, 
heilige Steine mit Blut oder Ol zu bestreichen, deutet ^) . AVenn 
ich nun auch die Übersetzung und Deutung des letzten Namens 
dahingestellt sein lasse, so legen die ersten beiden Namen doch 
den Gedanken an eine Bestimmung der Steine für den Kultus 
nahe. Eine Dolme aus drei Steinen auf dem A;wrm«/'e-Rücken 
bei hesbim hat vor dem einen Seitensteine noch einen kleineren 
Stein, der wie eine Stufe dazu bestimmt zu sein scheint, die 
obere Fläche des Decksteins für die Hände erreichbar zu machen. 
Hieraus würde sich ergeben, dass die Dolme doch wie ein Tisch 
hat dienen sollen 2) . Neuere Steinkreise der Araber, wie der bei 
ItadZmiJü oberhalb der ^ain dschideid, die um ein Grab errichtet 
zu werden pflegen, haben an der einen Seite Avohl eine kleine 
Dolme ^ , die als Altar dient, indem man Kupfermünzen und 
andere Dinge darauf darbringt ''). Auch diese beiden letzteren 
Züge weisen auf den Kultus ; denn der Altar ist nichts Anderes 
als der für die Gottheit bereitete Tisch, und wollte man mit 
Flüssigkeiten den Tisch der Gottheit versehen, so musste eine 
Schale vorhanden sein, die das Trankopfer aufnahm. Daraus 
würde sich die Ansicht ergeben, dass die Schalen zur Aufnahme 

1) Eastern Palestine I, 214. 184. Heth and Moab 261^. 250. 202. 

2) Eastern Palestine I, 102. Ueth and Moab 2.54. 

3) Vgl. die Abbildung ZI )PV. IX, 271. Statt der giebelartigen Deck- 
platte finden sich auch häufig vollkommen flache Decksteine. 

4! Eastern Palestine I. '.t9. Hcth and Moab 257. 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 1 29 

von Trankopfern bestimmt gewesen wären. Sie Avird auch von 
CoNDER vertreten ^] . Doch vermag sie die Thatsache nicht zu 
erklären, dass die Gruben nicht nur auf horizontalen, sondern 
auch an vertikalen Flächen sich finden (vgl. oben S. 125). Man 
kann gewiss zugeben, dass die Näpfchen, namentlich wenn sie 
diirch Rinnen verbunden sind, für Opferzwecke gebraucht wurden. 
Aber man muss doch Bedenken tragen, darin ihre ursprüng- 
liche Bestimmung zu erkennen 2]. — 

Verräth das Alte Testament eine Kenntniss von diesen in 
Stein gegrabenen Schüsseln oder Schalen? 

Es ist längst bekannt, dass die rohen Steindenkmäler, die 
wir im heutigen Palästina vorfinden, im Alten Testament wieder- 
holt genannt rmd besprochen werden. Der Malstein oder Men- 
hir ist im A. T. die masseha, von Luther mit Mal (z. B. Gen. 28, 
15. 22) oder Malstein (Jes. 19, 19) oder Säule ;Deutr. 12, 3. 16, 
22) übersetzt. Der Steinkreis oder Kromlech heisst im A, T, 
sehr wahrscheinlich gilgal, ein Name, den wir nicht nur als 
Ortsnamen kennen und der, da er stets mit dem Artikel ge- 
braucht wird, von der Sprache als' Eigenname nicht gefühlt 
worden ist. Es ist ja auch lehrreich zu sehen, wie in Jos. 4 die 
aufgerichteten zwölf Steine von der «Gilgal« genannten Stätte 
verstanden werden. Der Steinhaufen (»cairn«) ist im A. T. die mar- 
gema Prov. 26, 8 3). Der Steintisch oder die Dolme ist an vielen 
Stellen des A. T. ohne Zweifel der mizheVi, gewöhnlich mit Altar 
übersetzt. Von welcher Gattung dieser Steindenkmäler die ceheti 
masklt Lev. 26, 1 zu verstehen ist, lässt sich jedoch nicht sicher 
erkennen; vielleicht ist es ein Ausdruck von allgemeinem Sinne. 
Aber jene runden Vertiefungen an oder neben diesen Denk- 
mälern, besonders an und neben den Dolmen, werden meines 
Wissens im A. T. nirgends ausdrücklich erwähnt. Nur einmal 
ist von »einem Stein mit sieben Augen« die Eede, nämlich 
Sacharja 3, 9. 

Die Ausleger gehen allerdings in ihrem Urtheil darüber, 
was unter dem Stein mit sieben Augen zu verstehen sei, ausein- 

1) Heth and Moab 267. Ebenso in Sjnrian Stone Lore (London 18SG) 47. 

2) Vgl. Charles Kau, Observations on ciip-shaped and other lapida- 
rian sculptures in the old -world and in America ;Washington 1881) 84. 

3) Gewöhnlich wird das Wort durch »Schleuder« erklärt. Nur Rohling 
macht nebenbei den Versuch, das "Wort auch vom Steinhaufen zu verstehen. 

Ztschr. a. Pal.-Ver. XHI. 9 



130 Guthe, 

ander. Maurer, Bürger, Ewald verstehen darunter den Schluss- 
oder Giebelstein des Tempels (4, 7). auf dem Gott selbst sieben 
Augen als bedeutsame Verzierung eingraben werde; andere, z. B. 
RosEXMÜLLER, HiTziG und Xeumakx, den Grundstein des Tem- 
pels. Noch andere, wie neben älteren Auslegern Hengstenberg 
und Köhler, denken überhaupt nicht an einen wirklichen Stein, 
sondern fassen den Stein als Symbol, entweder des Messias oder 
Israels, und erkennen in der iVussage von den sieben Augen den 
Sinn, dass die sieben Augen Gottes auf den Steiu gerichtet sind, 
d. h. dass der Stein Gegenstand seiner schützenden Liebe ist. 
Bei dieser Deutung der sieben Augen wird demnach eine augen- 
artige Verzierung des Steins, sei es eines wirklichen oder nur 
eines in der Vision geschauten, ausgeschlossen und jede Ver- 
wendung dieser Stelle in dem von mir angedeuteten Sinne un- 
möglich. Jedoch scheint mir der Wortlaut der Stelle durchaus 
zu Gunsten der anderen Auffassung zu sprechen, dass nämlich 
mit den sieben Augen die Verzierung des Steins gemeint ist. £s 
ist hierbei gleichgültig, ob man sich den Stein als einen wirklich 
oder nur im Gesicht des Propheten vorhandenen deakt. Denn 
auch in letzterem Falle sieht man sich zu der Annahme ge- 
nöthigt, dass der Seher sowohl als auch seine Glaubensgenossen 
doch Steine mit solchen Verzierungen kannten; sonst hätte ihnen 
ja die Anschauung und das Verständuiss für die dargestellte 
Sache völlig gefehlt. Was endlich die Wahl zwischen dem Giebel- 
stein oder dem Grundstein anlangt, so wird es nicht schwer 
fallen, sich für den ersteren zu entscheiden, wenn man bedenkt, 
dass die sicherlich bedeutsame Verzierung au dem Grundstein 
jederman verborgen gewesen wäre. 

Wer also die von mir bevorzugte Auffassung von Sach. 3, 9 
theilt und sich fragt, ob wir irgend ein Stück Alterthum des 
heiligen Landes zu dem Inhalt in Beziehung setzen können, wird 
schwerlich im Stande sein, an den besprochenen Schalen- oder 
Näpfchensteinen vorüberzugehen. Es liegt auf der Hand, dass 
diese Gruben ebensogut als lAugcn« wie als «Schalenic aufgefasst 
werden können. Die sieben Augen auf dem einen Stein, dem weit- 
hin sichtbaren Giebelstein, bedeuten die über dem Tempel und 
über der ganzen Gemeinde offenen, gnädigen Augen Gottes, wie 
aus Sach. 4,10 und 2 Chron. 16,9 hervorgeht. Der Stein ist dem- 
nach eine symbolische Darstellung des l Kön. 8, 29. 9, 3 mit 
Bezug auf den Tempel in Jerusalem ausgesprochenen Gedankens. 
Er wird nicht dem Scrubaliel, der gewissermassen als Bauherr des 
zweiten Tempels betrachtet werden kann, sondern dem Josua 



Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 131 

vorgelegt (Sacli. 3, 9), weil dieser als Priester der sacli- und 
kunstverständige Mann ist und für die richtige Herstellung des 
Steins nach dem von Sacharja geschauten Muster Sorge zu 
tragen hat. 

Wir besitzen noch einen merkwürdigen Beleg aus dem 
semitischen Alterthum für die Ausstattung eines Gotteshauses 
mit solchen augenartigen Vertiefungen. In Perrot et Chipiez, 
Histoire de lart dans l'antiquite III, 277 und danach bei Th. 
Friedrich, Tempel und Palast Salomos (Innsbruck 1SS7) 5S ist 
das Thonmodell eines phönicischen Tempels, das sich im Louvre 
in Paris befindet, abgebildet. In der Vorderwand des Tempels 
befinden sich über der Thür 11 kleine Löcher oder Gruben, auf 
der ebenfalls zur Anschauung gebrachten Seitenwand in gleicher 
Höhe und etwas tiefer 12 solche Vertiefungen. Perrot hat sie 
a. a. O. als »trous de colombier« erklärt; aber für diesen Zweck 
scheinen sie mir wenig geeignet zu sein. Friedrich lässt sie den 
Fenstern des von ihm rekonstruirten salomonischen Tempels 
(vgl. ZDPV. XII. 140 ff.) entsprechen, «die schiessschartenähn- 
lich die Einbaue erhellen«. Aber flache Gruben in der Wand 
können nicht als Fenster erklärt werden. Meiner Meinung nach 
sind diese kreisrunden Löcher oder Gruben mit den Schalen an 
Dolmen oder im lebenden Felsen und namentlich mit dem 
»Augenstein« des Sacharja am zweiten Tempel in Jerusalem zu- 
sammenzustellen und ebenso wie dort zu erklären, nämlich als 
die Augen der im Hause wohnenden und von dort aus wirksamen 
Gottheit. 

Giebt es in der Literatur ein zweites, auf solche Denkmäler 
bezügliches Zeugniss. das sich an Alter und an Bedeutung mit 
den Worten des Sacharja (3, 9) messen kann? Ich glaube kaum. 
Es stammt nach Sach. 1,1.7 aus dem zweiten Jahre des persi- 
schen Königs Darius Hystaspis, d. i. 519 v. Chr., und rührt von 
einem hervorragenden Manne Israels her. der priesterliche Bil- 
dung besass (Nehem. 12, 12. IG), Es fallt demnach diese Äusse- 
rung über die »Schalensteine« sicherlich ins Gewicht. Sie hat es 
allem Anschein nach mit solchen Gruben zu thun, die an der 
vertikalen Seite eines Steins angebracht waren, und schliesst die 
S. 128 f. besprochene Deutung wenigstens für diesen und ähn- 
liche Fälle aus, da sie die Gruben als «Augencc auffasst. Ob aber 
die Deutung, die Sacharja der Verzierung des Steines giebt, 
ganz und gar sein Eigenthum ist oder etwa eine uralte, schon im 
semitischen Heidenthum vorhandene Sitte in israelitischer Weise 
verwerthet , diese Frage muss mit Rücksicht auf das oben 



132 Guthe, Schalensteine in Palästina und im Alten Testament. 

erwähnte Thonmodell'n'ohl in letzterem Sinne entschieden werden. 
Wenn ich seine Gruben recht gedeutet habe, so bezeugen sie das 
Vorhandensein einer solchen Sitte auch hei den Phöniciern oder 
Kanaanitern, und obgleich das Alter jenes Modells im Verhält- 
niss zu Sacharja unbekannt ist, so ist doch in Anbetracht vieler 
ähnlicher Fälle und des kulturgeschichtlichen Verlaufs über- 
haupt als wahrscheinlich anzunehmen, dass die »Augensteiue« 
nicht im israelitischen, sondern im kanaanitischen oder phöni- 
cischen Cultus eine ältere Heimath haben. Immerhin darf aber 
im Anschluss an die Stelle des Sacharja die Frage aufgeworfen 
werden, ob die Bezeichnung dieser Grübchen als Augen nur 
eine Deutung des Vorhandenen ist und nicht vielmehr mit dem 
ursprünglichen Sinne dieser merkwürdigen Ausstattung der Stein- 
deukmäler, des lebendigen Felsens und der Tempelwände nahe 
zusammenhängt. Bisher ist es noch nicht gelungen, sie in be- 
friedigender Weise zu erklären. Die verschiedenen Versuche hat 
Charles Kau in dem oben genannten Buche zusammengestellt. 
Erst nachträglich ersehe ich, dass bereits E. Friedel aus 
Anlass der Besprechung der Schalensteine in der Berliner An- 
thropologischen Gesellschaft auf die Stelle Sach. 3, 9 hinge- 
wiesen hat, doch mit der meines Wissens unrichtigen Bemerkung, 
dass bei den Juden die »gesalbten« Steine wegen der augen- 
artigen Höhlungen überhaupt xiugensteine gehiessen hätten '). 

1) Vgl. Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, 
Ethnologie und Urgeschichte, Jahrgang 1878, S. 50 ff. Dort macht Friedel, 
wie schon vor ihm Dr. Veckenstedt, Woldt und Rosenberg, darauf auf- 
merksam, dass die unteren Mauerschichten einer nicht geringen Anzahl von 
Kirchthürmen in Schweden, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg etc. 
ähnliche Näpfchen aufweisen, und meint, dass hierin die Aufnahme eines 
heidnischen Brauchs in das Christenthum vorliege — also eine gewisse Pa- 
rallele zu Sacharja. Ich füge dem hinzu, dass auf einer kyprischen Münze, 
die bei Perrot et Chh'Iez a. a. O. III, 266 und bei Friedrich a. a. O. 59 
abgebildet ist, die Mauer des Tempels dem Anscheine nach ganz ähnliche 
»Näpfchen« aufweist, wie z. B. die Marienkirche in Greifswald. "Wenn ich 
die nicht ganz deutliche Abbildung recht auflasse, so sind diese Gruben ebenso 
zu bcurtheilen wie an dem oben erwähnten Tempelmodell. — In den genann- 
ten Verhandlungen sind jedoch auch andere Erklärungen aufgestellt worden: 
Jahrgang 1875, 135 f. 1878, 334 f. 379 ff. 436 ff. 



Palästina um das Jalir 1400 vor Chr. nacli neuen 

Quellen. 

Von Dr. H. Zinmieru in Halle ad. S. 



Wenn ich es heute unternehme, zu Ihnen über die Zustände 
in Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. zu sprechen, so bedarf 
dies zuvor einer kurzen Eechtfertigung. Es stände mir schlecht 
an, mich bei der heutigen Gelegenheit über die Frühgeschichte 
Palästina' s zu verbreiten, falls ich dies nur auf Grund desselben 
Quellenmaterials thun könnte, welches hervorragende Vertreter 
des Alten Testamentes und der altorientalischen Geschichte ihren 
diesbezüglichen Darstellungen bisher zu Grunde zu legen ver- 
mochten. Denn das, was wir über die Zustände in Palästina in 
dieser frühen Zeit auf Grund der Nachrichten des Alten Testa- 
mentes und vor allem mit Hülfe ägyptischer Berichte mit Sicher- 
heit aussagen können, das ist von berufenster Seite bereits in so 
mustergültiger Weise dargelegt Avorden, dass eine erneute Unter- 
suchung hierüber, zumal von Jemandem, dessen Studien sich 
nicht unmittelbar mit diesen Fragen befassen, als äusserst gewagt 
erscheinen müsste. Wenn ich es gleichwohl unternehme, mich 
heute wenigstens mit einem Ausschnitte aus der ältesten Ge- 
schichte Palästina" s zu beschäftigen, so geschieht dies darum, 
weil gerade in jüngster Zeit neue Quellen für dieses Gebiet auf- 
getaucht sind und zwar Quellen in einer solchen Form, dass sie 

1) Antrittsvorlesung, gehalten in Halle am 27. Oktober 1890. — Die 
Form des Vortrags wurde um so lieber unverändert beibehalten, als eine er- 
schöpfende systematische Behandlung dieses Themas im gegenwärtigen Augen- 
blicke noch als verfrüht erscheinen rauss. — Vergl. jetzt auch J. Halevy, 
La correspondance dAmenophis IV et la Bible (Recherches bibliques XX j 
Extrait de la Revue des Etudes juives 1890). 

Ztsehr. d. Pal.-Ver. XUI. 10 



134 Zimmern, 

speciell auch an mich vermöge des Ganges, den meine Studien 
genommen haben, die Anforderung stellen, mich eingehender mit 
denselben zu befassen. 

Sie haben wohl Alle schon gelegentlich von dem interessan- 
ten Funde gelesen, der vor drei Jahren in Teil el-Amarna in 
Ägypten gemacht worden ist, woselbst mehrere Hundert Briefe 
in Keilschrift und fast ausschliesslich auch in assyrischer Sprache 
aufgefunden wurden. Wenigstens ist in Zeitungen und Zeit- 
schriften jeglichen Genres in fast überreichlicher Weise dafür 
Sorge getragen worden, die Kunde von diesem Funde in Aveitere 
Kreise zu tragen. Vor allem waren es die Briefe babylonischer, 
assyrischer und anderer vorderasiatischer Könige an die beiden 
ägyptischen Könige Amenophis III. und Amenophis lY., welche 
von Anfang an das lebhafteste Interesse an diesem neuen Funde 
erweckten. Für unseren vorliegenden Zweck kommen zwar auch 
diese Königsbriefe mehrfach in Betracht: lag doch gerade zwischen 
Ägypten und den vorderasiatischen Reichen Palästina als ein 
Landcomplex, um dessen Besitz sich leicht Streitfragen erheben 
konnten, und musste doch gerade durch diesen schmalen Streifen 
Kulturlandes jener Briefverkehr zwischen den Euphrat- und Nil- 
ländern seinen Weg nehmen. Doch noch näher berühren uns im 
gegenwärtigen Falle diejenigen Briefe aus dem Funde von Teil 
el-Amania, "welche aus Phönicien und Palästina selbst herrühren. 

Die Verfasser dieser letzterwähnten Gattung von Briefen 
sind der Mehrzahl nach einheimische Machthaber, die aber in 
Vasallenverhältnis zu dem ägyptischen Könige standen. Dass aus 
diesen Briefen, die naturgemäss vorwiegend von Vorgängen in 
der Umgebung der Ikiefschreiber handeln, sich mancher inter- 
essante Aufschluss über die Zustände in Palästina um diese Zeit 
ergeben würde, ist darum schon von vorne herein zu erwarten. 
Leider sind freilich gerade diese ]>riefe theilweise in einem sehr 
schlechten Zustande auf uns gekommen, so dass bei einzelnen 
derselben nicht einmal mehr der allgemeine Zusammenhang des 
Inhalts erkannt Averden kann. Ausserdem ist bis jetzt erst ein 
Thcil dieser Briefe, nämlich die in den Museen zu Berlin und zu 
P)ulak befindlichen, dem Studium durch Veröffentlichung zugäng- 
lich gemacht worden '], während der zwar kleinere, aber immerhin 

ii H. WlxcKLKK, Der Thontafelfund von el Amarna, Berlin 1889—90. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 1 35 

beträchtliche und, wie es scheint, besser erhaltene Theil derselben 
im Britischen Museum in London noch der Veröffentlichung 
harrt ^). Doch lässt sich auch schon aus dem bis jetzt veröfFent- 
lichten Theile des Fundes ein gewisses Gesamratbild von den 
Zuständen in Palästina und Phönicien zu der Zeit, aus welcher 
die Briefe herrühren, entnehmen. 

Diese Zeit aber ist die Wende des 15. und 14. vorchrist- 
lichen Jahrhunderts. Denn diese Briefe aus Palästina stammen 
aus derselben Zeit, wie die Briefe der vorderasiatischen Könige, 
d. h. aus dem Ende der Regierungszeit Amenophis' III. und dem 
Anfange der Regierung seines Sohnes und Nachfolgers Ameno- 
phis' IV., d. i. aber, wie wir jetzt mit ziemlicher Genauigkeit 
wissen, die Zeit um das Jahr 1400 vor Chr. Gerade aus diesem 
speciellen Zeitraum wussten wir bisher über Palästina aus ander- 
weitigen Quellen so gut wie nichts. Denn während wir aus der 
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch die Annalen Tliut- 
mosis' III. im xlUgemeinen über die Verhältnisse in Vorderasien 
leidlich imterrichtet sind und ebenso später durch die Berichte 
Kamses' II. über die Ereignisse im 14. Jahrhundert, so klafft ge- 
rade zwischen Thutmosis III. und Ramses IL in der ägyptischen 
Berichterstattung eine Lücke, welche jetzt durch diese Briefe aus 
der Zeit der zwischen jene Pharaonen fallenden Könige Ameno- 
phis III. und Amenophis IV. in Avünschenswerther Weise aus- 
gefüllt wird. 

Die allgemeine politische Lage Palästina' s und seiner Nach- 
barländer um diese Zeit lässt sich im Anschluss an diese Briefe 
etwa dahin kennzeichnen, dass die ägyptische Oberherrschaft 
über Palästina, obwohl officiell noch zu Recht bestehend, doch 
überall bereits die Spuren ihres baldigen Verfalles aufweist, 
während die Hethiter und die mit denselben verbündeten Völker- 
schaften ihre Herrschaft immer weiter nach Süden und Westen 
ausdehnen und auf dem besten Wege sind, die Ägypter aus ihrer 
leitenden Stellung in Phönicien und Palästina zu verdrängen und 
ihrerseits die führende Rolle in diesen Ländern zu übernehmen. 
Erleichtert wurde dieses Vordringen der Hethiter dadurch, dass 
sie von Seiten mehrerer Gaufürsten im Norden Palästinas bei 

1) Nur einige Briefe daraus sind veröffentlicht von BUDGE in den Pro- 
ceedings of the Soc. of Bibl. Arch. Vol. X, 18ST/88. 

10* 



136 Zimmern, 

diesen Unternelimiiiigen unterstützt Aviirden. Zwar wagt es um 
diese Zeit noch Niemand, offen die Fahne der Empörung gegen 
die ägyptische Herrschaft in Palästina zu erheben — so stark 
ist doch noch der Nimbus des ägyptischen Namens, wenn auch 
die gegenwärtig auf dem Throne sitzenden Pharaonen wenig für 
die Aufrechterhaltung desselben nach aussen hin thaten. In 
ihren officiellen Schreiben versichern vielmehr die palästinen- 
sischen Vasallen den ägyptischen König sämmtlich ihrer tiefsten 
Ergebenheit. Hinter dem Rücken des Königs conspiriren 
jedoch mehrere derselben frischweg mit den Hethitern. Dazu 
bietet diese Correspondenz das Bild einer beständigen Rivalität 
zwischen den einzelnen Vasallen unter einander, was bei der Art 
und Weise, in welcher Palästina damals in lauter Kleinstaaten 
zerrissen war, kaum anders zu erwarten ist. Darum nehmen die 
gegenseitigen Anklagen und die darauf bezüglichen Rechtfer- 
tigungsschreiben einen breiten Raum in dieser Correspondenz 
ein. Um Ihnen ein einigermassen anschauliches Bild von dem 
eben Gesagten zu geben, greife ich eine Stelle heraus aus einem 
Briefe eines gewissen Rib-Addi aus Guhla (alttestamentlich 
gehäl^ griechisch Ryblos, heute dschehel, etwas nördlich von Bei- 
rut) an der phönicischen Küste. Die Briefe gerade dieses Rib- 
Addi sind besonders zahlreich in dieser Correspondenz vertreten. 
Er beklagt sich in denselben wiederholt vor allem über einen ge- 
wissen Ahdi-Aschirti (ein Name, der einem hebräischen ^Abd- 
Asclterä entsprechen würde), gleichfalls, wie Rib-Addi, ein Vasall 
des ägyptischen Königs, indem er ihn beschuldigt, dass er im 
Interesse der Hethiter der Macht Ägyptens in Phönicien und 
Palästina Abbruch thue. So schreibt Rib-Addi in dieser Hinsicht 
u. a. an den Pharao: »Der König, mein Herr, möge erfahren, 
dass die Feindschaft Abdi-Aschirtts gegen mich gar heftig ist. 
Jetzt sucht er die Städte, welche mir allein übrig geblieben sind, 
aus der Hand des Königs zu entreissen«. Ferner: ,Wie kommt 
denn aber Abdi-Aschirti, der Knecht, dazu, dass er alle Städte 
des Königs, der Sonne, einzunehmen trachtet?': ,Ein Knecht des 
Königs vom Lande Mitana und des Königs vom Lande Kaschsche 
(Parallelstelle noch : und des Königs vom Lande Chata, d. i. vom 
Hethiterlandc) ist er, indem er das Land des Königs für sich 
einzunehmen trachtet." Am Schlüsse dieses Briefes bittet darum 
Rib-Addi den König, dass er zahlreiche Truppen entsende, 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 137 

»damit diese vertreiben die Feinde des Königs aus dessen Lande, 
auf dass alle Länder wieder in den Besitz des Königs kommen i).« 
Derselbe Abdi-Aschirfi, der in diesen Briefen Mib-Addi's des 
offenbaren Landesverrathes angeklagt wird,, erklärt dagegen 
seinerseits in Schreiben an den ägyptischen König: «Siehe, ich 
bin ein Knecht des Königs und ein Diener seines Palastes; das 
^yestland in seiner Gesammtheit halte ich für den König, meinen 
Herrn, in Obhut «2). Speciell in Bezug auf das Vordringen des 
hethitischen Königs schreibt ein anderer wiederholt etwa mit fol- 
genden Worten : » Der König des Landes Chatti steht im Lande 
NucJiaschscJie'^j , und ich fürchte mich vor ihm, dass er nach dem 
Westlande, dem Lande des Königs, meines Herrn, ziehe. Darum 
möge der König Truppen und Wagen mir zur Hilfe schicken, 
damit ich das Land des Königs, meines Herrn, beschützen kann« ^). 
Während so aus den phönicischen Küstenstädten dringende 
Kufe um Hilfe gegen die Hethiter und die mit denselben ver- 
bündeten Staaten, bezw. die dieselben unterstützenden Vasallen 
des ägyptischen Königs erschallen, ist es im Süden Palästinas 
ein anderer Feind, welcher der ägyptischen Oberherrschaft und 
den dem Pharao noch treu ergebenen Vasallen zu schaffen macht. 
Dieser Feind wird bezeichnet als Chabiri-hQwte . Es ist zwar 
noch durchaus ungewiss, aber manches spricht dafür, die Leute 
von Chahiri oder die Chahiri-l^ewXe einfach mit den "Ibrhn, den 
Hebräern, zu identificiren^). Würde sich diese Annahme be- 

1) WiNCKLER No. 74; vgl. No. 60, 17 ff. ; No. 61, 6S ff. 

2) W. No. 97; möglicherweise ist anstatt ?na^ ^Äarrt »Westland« ?««'< 
Amurri « Amoriterland« zu lesen. 

3) Vielleicht identisch mit dem Lande Anauyas der ägyptischen In- 
schriften? Die von Halevy in der angeführten Abhandlung entwickelte An- 
sicht, dass »laY ^"wÄasse eigentlich das »Kupferlaud« bedeute und weiterhin 
begrifflich und geographisch identisch mit Aram-Zoba und Chalcis sei, er- 
scheint mir sehr einleuchtend. 

4) W. No. 31, 21 ff.; No. 32, 20 ff. etc. ; No. 36, 29 ff. 

5) Sayce (PSBA X, 496 ; XI, 347 , Records of the Fast, N. Ser. 
II, 64) betrachtet {amehiü) ha-hi-ri als eine appellativische Bezeichnungsweise, 
»die Verbündeten", und bringt damit weiter den Namen von Hebron zu- 
sammen. — Eine Zusammenstellung mit den Hebräern habe ich selbst zuerst 
in einer Notiz in der Kölnischen Zeitung vom 1. Oct. 1890 (»die ältesten 
Schriftstücke aus Jerusalem«) in Erwägung gezogen, ohne mich daselbst für 
diese Zusammenstellung zu entscheiden, wie letzteres in einer an meine Mit- 



138 Zimmern, 

währen, so wären die betreiFenden Briefe, in welchen von diesen 
C^uibiri-Ijeuten die Eede ist, natürUch von höchster Wichtigkeit 
für die so vielfach ventilirte Frage nach der Zeit und der Art 
und Weise der EinAvanderung der Hebräerin das Westjordanland. 
Ich bemerke, dass von sprachlicher Seite aus eine Zusammen- 
stellung von Chahiri mit Ibrtm nicht unmöglich wäre, da gerade 
in palästinensischen Eigennamen Aviederholt "^Ajin und speciell 
sylbenanlautendes 'Ajin im Assyrischen durch Cheth wiederge- 
geben wird, so z. B. in Ghazzatu für Gaza und in Chumri für 
Omri 1) . Wie im Norden Palästinas dem Landesfeinde, den He- 
thitern, durch Ahdi-AscJm-ti der Weg geebnet wurde, so geschah 
dies gleichermassen im Süden den Chahiri-hewien gegenüber 
durch einheimische Vasallen des ägyptischen Königs, unter denen 
insbesondere einer Namens Ili-niilki (das Aväre hebräisch Eli- 
mwlek), oder auch mit Umstellung der beiden Namensbestand- 
teile Milki-il, häufig genannt wird. Und auch hier im Süden ist 
es wieder vor allem ein Vasall, der wäe Rih-Addi oben im Norden 
gegenüber dem Ahd-Aschirti und seinen Hintermännern, den 
Hethitern, so hier dem lU-milJd und seinen Hintermännern, den 
67?a5m-Leuten , gegenüber an seinem ägyptischen Oberherrn 
festhält. Dieser Vasall, Samens Ahdi-chiba^), schreibt von einem 
Orte aus, welcher den Namen Urusalim •') führt, d. i. nichts anderes 

theilungen anknüpfenden Notiz der »Vossisehen Zeitung« vom 16. Oet. ge- 
schieht. — AVie ich aus dem vor kurzem erschienenen October-Heft des Palest. 
Expl. Fund, Quart. Stat. 1S90, 327 entnehme, hatte auchCap. Coxder bereits 
die Hubiri-l^evitG mit den Hebräern identificirt. 

1) Vgl. dazu speciell aus den Tell-el-Amarna-Tcxten noch. Hib-JJaddi 
W. No. 80, 1 neben sonstigem Rih-Addi is. dazu Wixckler ZA. IV, 105); 
^arha als "Wiedergabe von sor'a W. No. 137, 21 fgenannt unmittelbar neben 
Ajaluna, wodurch die Identification gesichert ist); ferner die Wiedergabe von 
kencl an dmrch. Kiiiahhi; endlich die Glosse haparu zu t"^;?« »Staub« (s. dazu 
unten S. 14(v. 

2) Die Lesung des Namens ist nicht ganz sicher. Der erste Bestandtheil 
desselben wird mit dem gewöhnlichen Ideogramm für »Knecht« geschrieben, 
das aber in ])alästinensischen Eigennamen gewiss Ahdi und nicht Ardi zu 
lesen ist ; der zweite Bestandtheil abwechselnd hi-ha und he-ba. Letztere 
doppelte Schreibweise schliesst indessen die Möglichkeit nicht unbedingt aus, 
dass hi, he Ideogramm für tabu »gut« ist, der ganze Name also Abdi-tdha zu 
lesen wäre. 

3) Sayce gebührt das Verdienst, das Vorkommen des Namens Jerusalem 
unter der Form Urusalim in den Briefen aus Teil el-Amarna zuerst geahnt 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 139 

als Jerusalem. Schon die Thatsache an sich ist von Interesse, 
dass Jerusalem in diesen Texten mit Namen erwähnt wird, und 
zwar bereits unter diesem seinem bekanntesten Namen, nicht 
etwa, Avie wir nach den alttestamentlichen Angaben vielleicht 
eher erwartet hätten, unter dem Namen Jebus. Aber auch inhalt- 
lich bieten gerade diese Briefe des Abdi-cJdba aus Jerusalem — 
im Köniffl. Museum in Berlin befinden sich allein sechs der- 
selben ') — gar manche werthvolle Angaben. Es geht aus den- 
selben hervor, dass Jerusalem schon damals eine hervorragende 
Stelle unter den Städten Südpalästina's einnahm, ferner aber 
auch, wie es scheint, dass der damalige Machthaber Jerusalems 
in einem grösseren Abhängigkeitsverhältnisse zum ägyptischen 
Könige stand, als manche andere palästinensische Gaufiirsten. 
Denn, wenn ich die betreffenden Worte des Briefes recht ver- 
stehe, so hebt Abdi-cJdha ausdrücklich hervor, dass er kein erb- 
liches Fürsten thum bekleide, sondern dem Könige von Ägypten 
seine Einsetzung verdanke. Auch hier möchte ich zur Begründung 
und Veranschaulichung des Gesagten einige Avörtliche Auszüge 
aus diesen Briefen Äbdi-chibd ^ geben. So beginnt einer der- 
selben folgendermassen : »An den König, meinen Herrn, von 
Abdi-cJtiba, deinem Knechte. Zu den Füssen meines Herrn, des 
Königs , falle ich siebenmal und (abermals) siebenmal nieder. 
Was habe ich gethan gegen den König, meinen Herrn? Man 
verläumdet mich bei dem Herrn König also : ,Abdi-cMba ist 
abtrünnig von dem Könige, seinem Herrn'. Siehe, was mich be- 
trifft, so hat nicht mein Vater und nicht meine Mutter mich an 
diesem Orte eingesetzt, sondern der Arm des mächtigen Königs 
hat mich eintreten lassen in mein Vaterhaus. Warum sollte ich 
also Sünde thun gegen den Herrn König? So lange der König, 
mein Herr, lebt, spreche ich zu den Boten des Königs, meines 



[s. Proc. Soc. Bibl. Arch. XI, 18SS/80, p. 347) und sodann wirklich nachge- 
wiesen zu haben s. Aeademy Apr. 19, 1890). Dass das Berliner Museum eine 
Reihe von Tafeln besitzt, in welchen Jerusalem nicht nur beiläufig erwähnt 
wird, sondern welche geradezu aus Jerusalem herrühren, habe ich zuerst in 
der oben S. 137, Anm. 5 genannten Notiz ausgesprochen, nachdem ich durch 
bereitwillige Überlassung der Aushängebogen des jetzt erschienenen letzten 
Heftes der Publication von Seiten des Herausgebers, Dr. WixckleR, in 
den Stand gesetzt war, von den betreffenden Texten Kenntnis zu nehmen. 
1) W. No. 102—106 und No. 174. 



140 Zimmern, 

Herrn: ."Warum begünstigt ihr die C/iabiri-Ijente und handelt 
feindselig gegen die PräfectenV ^j« Die Schlussworte dieses l^riefes 
lauten : » Umgekommen sind alle Präfecten ; nicht ist mehr vor- 
handen ein Präfeet des Herrn Königs. Darum möge der König 
.sein Angesicht auf seine Leute richten und Truppen 2) aus den 
Garnisonen meines Herrn Königs senden. Nicht sind mehr vor- 
handen die Länder des Königs: Die C/uiMt-u-Ijente haben alle 
Länder des Königs geplündert. Wenn noch Truppen in diesem 
Jahre eintreffen, so könnten noch erhalten bleiben die Länder des 
Herrn Königs; wenn aber keine Truppen eintreffen, so werden 
die Länder des Königs, meines Herrn, verloren gehen«. — 
Ahnlich schreibt derselbe Ahdi-cJtiba in einem andern Briefe an 
den König: »Der König möge Truppen senden gegen die Leute, 
welche Sünde begangen haben gegen den König, meinen Herrn. 
Wenn die Truppen noch in diesem Jahre eintreffen, so könnten 
die Länder und die Präfecten für den König, meinen Herrn, er- 
halten bleiben ; wenn aber keine Trup])en eintreffen, so wird es 
keine Länder und Präfecten meines Herrn Königs mehr geben. 
Siehe, was das Land dieser Stadt Jerusalem betrifft, so hat nicht 
mein Vater, nicht meine Mutter es mir gegeben : Der Arm [des 
mächtigen Königs] hat es mir gegeben. Siehe, diese That ist eine 
Thatdes Milki-il und eine That der SöhneZo/Jo/jf s^), welche preis- 
gegeben haben das Land des Königs den Chahiri-hewiew. « Die 
Schlussworte lauten: «Siehe, der König hat niedergelegt seinen 
Namen auf das Land von Jerusalem auf ewig ; darum kann er nicht 
im Stiche lassen die Länder der Stadt Jerusalem «••). — Ein weiterer 
Brief desselben Ahdi-chiha beginnt nach der üblichen Eingangs- 
formel mit den Worten : «Siehe, der König, mein Herr, hat nieder- 
gelegt seinen Namen im Aufgang der Sonne und im Untergang 



1) "W. No. 102, 1 — 20. Eine vollständige Transcription und Übersetzung 
der sechs Briefe aus Jerusalem nebst begründenden philologischen Anmer- 
kungen beabsichtige ich demnächst an einem anderen Orte zu geben. 

2 .sa6t/^j<-(/«-</ ist nichts anderes als eine curiosc Schreibung für .sa6e 
/n-<a-^t »Krieger der Häuser d. i. der Garnisonen'. Beachte dafür die ideo- 
graphische Schreibung von hitdti in dem gleichen Ausdrucke W. No. 48, 13; 
No. 70, 12; No. 89,39. 

3) oder Jjuha, Lavaj: genaue Lesung unsicher. 

■1 w. No, m:}, IS— ;U; CO— •;:}. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 141 

der Sonne . . . Siehe, ich bin nicht ') ein Präfect, (sondern, ein 
[amel] u-e-u 2) des Königs, meines Herrn ; siehe ich bin ein [amel] 
ru-hi des Königs, nnd einer, der Tribut darbringt dem Könige, 
bin ich. Nicht Mar es mein Vater, nicht war es meine Mutter, 
sondern der Arm des mächtigen Königs hat mich eingesetzt in 
mein A'aterhaus'f. Im Aveiteren A^ erlaufe des Briefes heisst es 
dann : » Wenn nur ein Schiff auf dem Meere ist, nimmt der Arm 
des mächtigen Königs in Besitz das Land Nari7na (Euphrathland) 
und das Land Kasi^] (Babylonien). Und jetzt sollten die Chahiru- 
Leute die Städte des Königs einnehmen ? Nicht ist mehr vorhanden 
ein einziger Präfect des Königs, meines Herrn ; umgekommen sind 
sie insgesammt . . . Darum möge der König seinem Lande helfen 
inid es möge der König sein Angesicht auf seine Leute richten 
und Truppen für sein Land senden. Wenn nicht Truppen noch 
in diesem Jahre eintreffen, so werden alle Länder des Königs, 
meines Herrn, verloren gehen «^). — Endlich beginnt ein letzter 
Brief des Abdi-c/nba nach der Eingangsformel : «Siehe die Thaten, 
welche gethan haben 31ilkilu und Schuardatum gegen das Land 
des Königs, meines Herrn. Sie haben anrücken lassen ^^ die 
Kriegsleute der Stadt Gazri (d. i. Geser, die Kriegsleute der 
Stadt Gimti (d. i. Gath) und die Kriegsleute der Stadt Kilti (d. i. 

Ij möglicherweise fragend zu übersetzen: Siehe, bin ich nicht ein Prä- 
fect (und) . . . •? 

2; Vgl. zu diesem Titel, den ich leider, ebenso -wie den folgenden [amel 
ru-ht, nicht erklären kann, No. 103, 69 und Z. -4"'^^ No. 1T4, 6 hier ge- 
schrieben u-i-u). 

3) In [mät) Ka-jia-si-iki) liegt sicher ein auf Dittographie zurückzufüh- 
rendes Versehen des Schreibers vor für [mät] Ka-si-[ki). Vgl. [mät] Ka-si No. 
103, 72, [mät] Ka-si ibid. Z. 74 und Z. 33. Für Nd rima s. No. 91, 32. 

4; W. No. 104, 5—15; 33—40; 49—54, 

5) oder: »sie haben versammelt«, falls ^Ji</j«VM zu lesen. Die Permansiv- 
Formen mit i statt u in der zweiten Sylbe hier wie anderwärts verrathen 
kanaanäischen Einfluss, ebenso die sich in diesen Briefen sehr häufig finden- 
den Permansiv-Formen der 1. Person auf -<i statt awi-kii, z. B. in dem passim 
vorkommenden ussirti »ich habe geschickt« (statt ussuräku]. Ganz eigenthüm- 
lich und für die Frage nach dem Ursprünge des Perfect-Permansivs von hohem 
Interesse sind die wiederholt auftretenden Verbalformen, in welchen vorn das 
gemeinsemitische Imperfectpräfix und hinten das gemeinsemitische Perfect- 
suffix sich zeigt, z.B. »•;7<6«V< »ich bin eingetreten« = "TC.^'X No. 112, 21 
oder irtihat »sie ist übrig geblieben« von rikü No. 56, 21 (vgl. No. 53, 8); No. 
62, 10 etc. 



142 Zimmern, 

wohl Kegila) ^) und haben eingenommen das Gebiet der Stadt 
Mubute (d. i. viell. Harabba Jos. 15, 60)2,. Übergegangen ist das 
Land des Königs an die Cliahiri-h^wt^. Und jetzt ist noch über- 
dies eine Stadt des Gebietes von Jerusalem, die Stadt BU-Ninip 
= jSurm(su{'!) ^] id. i. Beth-Semes?), eine Stadt des Königs, über- 
gegangen gleichwie die Leute von Kilti. Darum möge hören 
der König auf Ahdi-chiba, seinen Knecht, und möge Truppen 
senden, auf dass ich das Land des Königs dem Könige wieder 
zurückerobere. Wenn aber keine Truppen eintreifen, so wird 
das Land des Königs an die Chabiri-hewte übergehen^).« 

Ich habe Ihnen soeben mit Absicht etwas längere wörtliche 
Auszüge aus diesen Briefen von Jerusalem mitgetheilt. um Sie in 
den Stand zu setzen, sich möglichst ein eigenes Urtheil über den 
historischen Werth dieser Briefe zu bilden. Freilich zu einem 
abschliessenden Lrtheile ist jetzt, nachdem gerade diese Briefe 
erst vor kurzem im Originaltexte veröffentlicht Avorden sind, die 
Zeit noch nicht gekommeu. Vor allem wird eine künftige nähere 
Erforschung des Fundes genau festzustellen haben, wen wir 
unter den Chabiru-hewiew zu verstehen haben. Möglicherweise 
bringen die im britischen Museum liegenden, bis jetzt leider noch 

1) So, wohl richtig, Sayce in Proc. Soc. Bibl. Arch. X, 1887/88, 
p. 496. 

2] So Sayce a. a. O. ; oder sollte am Ende [kirjat] arhd in Frage kommen ? 

3) Hinter Bü-[ilu) Nin-ip folgt ein schräger Keil, der, ausser andren 
Funktionen, wiederholt auch dazu dient, kanaanäische Glossen (s. dazu unten) 
einzuführen. Ich vermuthe daher, dass in m-mu-su '?) eine Glosse zu Nin-vp 
steckt, dann natürlich Nin-ip = scetties, was insofern nicht ungereimt wäre, 
als Ninip ja auch Sonnengott ist. Leider ist das letzte Zeichen von su-mu-sii 
unsicher. Nach gütiger Mittheilung Wixckler's ist us ausgeschlossen, is eher 
wahrscheinlich. Da is und zu 'sti] in diesen Briefen sehr ähnlich sein müssen, 
so vermuthe ich sit. Vielleicht ist aber auch su-mn-su »ihr Name« zu lesen. 
Ganz ausgeschlossen ist, nach Winckler, die SAYCEsche Lesung su-?nu Mar- 
rum, da es sich nur um drei, nicht um vier Zeichen handelt. 

4) W. No. 106, 4—23; die Übersetzung, welche Sayce, Proc. SBA. X^ 
p. 494 f. und sodann auch Records of the Past, N. Ser. II, 65 gibt, beruht 
vielfach auf unrichtiger Lesung des Originals durch Sayce und ist in- 
folge dessen mehrfacli unlialtbar. Desgleichen basiren die weitgehenden 
Schlüsse, welche Sayce in der Academy vom 2.5. Oct. 1890 für eine älteste 
Cultusstättc in Jerusalem aus diesem Texte zieht, auf falscher Übersetzung 
bezw. der in der vorhergeliendcn Anmerkung als unrichtig erwiesenen Lesung 
Mar-rum. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 143 

unverüiFentlichten Briefe, unter welchen sich gerade auch mehrere 
Sendschreiheu des genannten Chabiru-Frenndes 3Iilki-iI heünden, 
den erwünschten endgültigen Aufschluss. Sollten sich die C/ui- 
biru-Ijewte am Ende doch als die Hebräer herausstellen, so würde 
damit der Kampf der einwandernden Israeliten gerade mit Adoni- 
besek, dem Könige von Jerusalem, wie er in der textkritisch 
richtig hergestellten und gewiss der ältesten Traditionsschicht 
angehörenden Stelle in Richter 1 geschildert ward ^) , in ganz 
neuem Lichte erscheinen. Indessen ist, wde gesagt, jedes weitere 
Wort in dieser Sache müssig, bevor Avir nicht mit Sicherheit 
wissen, wer die C/mbiru-Lente denn wirklich sind. 

Nachdem ich Ihnen so an zwei charakteristischen Beispielen 
aus dem tiefen Süden und dem hohen Norden Palästina's gezeigt 
habe, in welcher Weise uns etw^a diese Briefe aus Palästina hi- 
storisch werthvolle Aufschlüsse über die damaligen politischen Zu- 
stände des Landes gewähren, möchte ich Ihnen in der gleichen Ab- 
sicht noch einige Stellen aus jenen Briefen babylonischer Könige an 
Amenophis IV. mittheilen, in welchen gleichfalls von Angelegen- 
heiten in Palästina die Rede ist. Insbesondere kommt hier ein 
Brief des Königs Burraburjasch von Babylonien an Amenophis IV. 
in Betracht, in welchem der babylonische König den Pharao 
bittet, den sich an ihn wendenden Assyrern kein Gehör zu schen- 
ken und ihnen keine Unterstützung in ihrem Bestreben, sich von 
Babylonien unabhängig zu machen, zu gewähren, mit der Begrün- 
dung, dass seiner Zeit im umgekehrten Falle durch seines Vaters 
Kurigalzu loyales Verhalten ein geplanter feindlicher Verstoss 
der Kanaaniter gegen ägyptisches Gebiet vereitelt worden sei. 
Die betreffenden Worte lauten: »Zur Zeit Kurigalzu's, meines 
Vater s, sandten die Kunachiier id. i. die Kanaaniter) insgesammt 
zu ihm und Hessen ihm sagen: ,Nach Kcmnizat (d. i. wohl das 
biblische Kenissiterland -; ganz im Süden Palästina's) wollen wir 
hinabziehen und einen Einfall machen ; mit dir wollen wir ge- 
meinschaftliche Sache machen'. Mein Vater aber schickte zu 
ihnen mit folgender Antwort : ,Lass davon ab, mit mir gemein- 

1) S. dazu Bi'DDE, die Bücher llichter und Samuel, Giessen 1890, S. 63 ff. 

2) So HoMMEL nach briefi. ]Mittheilung vom 16. Oct. 1890. Freilich ist 
es etwas gewagt, dem betr. Zeichen den LautAverth zat zw geben und kaiuu'zat 
zu lesen. Aber in diesen Texten ist in Bezug auf ungewöhnliche Schreibungen 
allerdings nachgerade Alles möglich. 



144 Zimmern, 

schaftliche Sache machen zu wollen. Wenn du aber mit dem 
Könige von Ägypten, meinem Bruder, dich verfeinden und mit 
einem andern gemeinschaftliche Sache machen Avillst, so hütet 
Euch, dass ich alsdann nicht ausziehe und Euch ausplündere ! 
Denn mein Bundesgenosse ist jener.' So schenkte mein Vater um 
Deines Vaters Willen jenen kein Gehör. Was nun die unter 
meiner Oberhoheit stehenden Assyrier betrifft, so habe ich sie 
Dir nicht geschickt, sondern aus ihrer eigenen Initiative geschah 
es, warum sie nach Deinem Lande gingen. Wenn Du aber mit mir 
Freundschaft halten willst, so dürfen sie nichts erreichen, sondern 
mit leeren Händen lass sie Avieder abziehen ! « i) — Die Koten der 
babylonischen Könige mussten auf ihrem Wege an den ägypti- 
schen Hof regelmässig Palästina passiren. Da hier in jener Zeit die 
eigentliche Macht in den Händen der einzelnen Gaufürsten lag, 
Ägypten dagegen nur eine gewisse Oberheit über das Land aus- 
übte, so ist es begreiflich, dass in einem politisch so zerrissenen 
Territorium der durchziehende Fremde besonders leicht feind- 
lichen Unbilden ausgesetzt war. So hören wir denn auch in den 
Briefen der Könige Babyloniens von Überfällen, Avelche ihre Ge- 
sandten gerade innerhalb Kanaans zu bestehen hatten. Burra- 
burjasch von Babylonien schreibt in dieser Hinsicht an Ameno- 
phis IV. : »Beamte von mir, welche mit Achitäbu ausgezogen 
waren, haben im Jydnde Kinachc/n (d. i. Kanaan) sich aufgehalten (?). 
Nachdem aber Achitäbu zu meinem Bruder weiter gezogen war. 
da haben in der Stadt Kitmnatuni (viell. Katanaton, falls so Jud. 
1, 30 statt kitrÖ7i zu lesen) 2) im hsiiide Kinac/ic/n Schumadda, der 
Sohn Balummes 3), und Schutadna, der Sohn SchanUu's, aus Ahka 
(d. i. Akko), nachdem sie ihre Leute ausgesandt hatten, meine 
Beamten getödtet und ihr Geld weggenommen. . . Nun ist aber 
das Land KinucJtcJii dein Land. Darum zieh jene Könige, da ich in 
deinem Lande von ihnen vergewaltigt worden bin, zur Rechen- 
schaft und das Geld, das sie weggenommen haben, lass sie wieder 

1) S. die vollständige von mir gegebene Transeription und Übersetzung 
dieses Briefes in Zeitschr. f. Assyr. V, 150 ff. In den Schhisszcilen ist, wie 
Halevy in dem Eingangs citirten Aufsatz richtig gesehen hat, nicht mehr 
von den Kanaanitern, sondern von den Assyrern die liede. 

2) So scharfsinnig vermutet von H.vlevy a. a. O. p. 508 ff. Allerdings 
ist die Lesung Kifitinatuni statt Kihinnatuni für diese Texte etwas gewagt. 

'V Die Lesung lidltimmc ra-a-hi-u-ma W. No. {(2. llcv. 31. 



Palästina um das Jahr 1400 vor Chr. nach neuen Quellen. 145 

ersetzen. Die Leute aber, "welche meine Leute getödtet haben, die 
tödte du und räche so das Bhit jener! Wenn du aber diese Leute 
nicht tödten würdest, so würden sie sowohl mir wieder in den Weg 
kommen, als auch deine Boten tödten, so dass es zwischen uns 
mit dem Boten-Schicken ein Ende haben müsste ').« 

Wie für die politischen Zustände Palästina's um diese Zeit, 
so ergiebt sich auch für die geographischen Verhältnisse manches 
interessante Material aus diesen Briefen. Ausser den bereits ge- 
nannten Städten Jerusalem, Geser, Gath, Akko, Byblos werden 
von solchen Orten, die ohne weiteres mit biblisch bekannten zu 
identificiren sind, in den bis jetzt veröffentlichten Texten noch 
genannt Gaza, Askalon, Lachis, Zarea, Ajalon, Gath-Rimmon, 
Megiddo, Chazor, Tyrus. Sidon, Beirut-) und von den noch weiter 
nördlich gelegenen phönicischen Städten ausser Byblos noch 
Arka, Arados und besonders häufig Sumur, das biblische Zemar 
und griechische Simyra. Von den aufgeführten Orten w^erden 
Briefe theils selbst datirt, theils werden sie gelegentlich inner- 
halb der Sendschreiben ei^wähnt. Ausserdem werden noch mehrere 
Ortschaften genannt, bei denen die Identifikation entweder noch 
zweifelhaft ist, oder welche überhaupt weder unter historischen 
noch unter heutigen Ortsnamen ihr Aequivalent finden werden. 

In mehrfacher Hinsicht ganz unerwartete Aufschlüsse hat 
rms der Fund von Teil el-Amarna über die Kulturverhältnisse 
Palästinas in jener Zeit gebracht. Wer hätte noch vor wenigen 
Jahren nicht ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn man ihm 
hätte sagen W'ollen, dass ein Machthaber von Jerusalem, der um 
das Jahr 1400 vor Chr. einen Brief an den König von Ägypten 
schreiben wollte, dies auf einer Thontafel that und die baby- 
lonische Keilschrift und assyrische Sprache zu diesem Zwecke 
benutzte I Weit eher hätten wir, w-enn wir überhaupt an eine 
derartige Correspondenz gedacht hätten, in diesem Falle auf 
ägyptische Schrift und Sprache gerathen. Schon aus diesem 
einen Umstände, dass man in Palästina um diese Zeit Assyrisch 
als officielle Schriftsprache gebrauchte, ergiebt sich der weit- 



1) S. die vollständige Transcr. und Übersetz. Zeitschr. f. Ass. V, 14Gff. 

2) Be-rii-ta "W. No. 54, 20. 23, aber gewiss auch das häu^geve Be-)-u-t>a ; 
ferner ist die »Brunnenstadt« W.No. 58, II. 21. 52. 77. 92.96. 135; No. 203, 
IS ebenfalls sicher Beirut! 



146 Zimmern, 

gehende Einfluss, den damals die Cnltur Babylonieus auf ganz 
Vorderasien ausübte. Eine ganz ungeahnte Perspective eröffnet 
sich von hier aus auch für die Erklärung so mancher Entleh- 
nungen babylonischer Vorstellungen innerhalb des Alten Testa- 
mentes, sofern dieselben bereits vor der späteren Königszeit und 
dem Exil stattgefunden haben müssen. — Dass übrigens die 
assyrische Sprache, deren sich die palästinensischen Briefschreiber 
bedienen, nicht ihre eigentliche Mvittersprache ist, das geht, wie 
es ja an sich schon selbstverständlich ist, auch aus den Briefen 
selbst klar hervor. Denn wiederholt begegnet es den Schreibevn, 
dass sie anstatt der für das Assyrische allein zulässigen Formen 
einheimische kanaanäische setzen. So lautet z. B. das selbstän- 
dige Pronomen der ersten Person im Assyrischen ausnahmslos 
anäku mit ursprünglichem, ungetrübtem langem a in der zweiten 
Sylbe und dem w- Vokal am Schluss. Abdi-chiba aus Jerusalem 
gebraucht aber neben diesem andku auch noch die Form anüki 
bezw. (muki, d. i. natürlich die ihm geläufige einheimische kanaa- 
näische Form dieses Pronomens, die demnach mit der hebräischen 
Form anöki identisch ist. Ja, wir bekommen aus diesen Briefen 
noch ausdrücklichere Aufschlüsse über den Charakter der vor- 
hebräischen, kanaanäischen Sprache Palästina's, aus denen sich 
klar ergiebt, was man bisher zwar schon vielfach vermuthet 
hat, aber doch noch nicht ausreichend zu beweisen vermochte, 
dass die Sprache der Kanaanäer bereits vor der Einwanderung 
der Hebräer mit der hebräischen im Wesentlichen identisch war. 
Denn es finden sich in diesen Briefen mehrfach einheimische 
Glossen zu den entsprechenden assyrischen Wörtern. So wird 
z. B. ass. epru »Staub« durch hapani^) glossirt, ass. senu »Schafe« 
durch fiirmi bezw. sunu"^] , ass. shü »Pferd« durch siisu ^), ass. abullu 
jjStadtthor« durcli mari^), ass. lähi »Hand, Arm« durch zurifu^], 
ass. huhäru »Vogelkäfig« durch kiltibi^), ass. Imidku »zu Grunde 
gehen« durch «irtf/a ^j u. s. av. ; Moraus mit Evidenz hervorgeht, 
dass die hebräischen Wörter •\t,'S, "JSS, C^D, ni^TlJ , ^ilT, n^bs, na» 

1) W. No. 203, 3. 2) W. No. 169, 1(». 

3) W. No. 100, 23. 4) W. No. 115, lü. 

5) W. No. Iü3, 27; No. 1U4, 34. 14; No. 102, 12. 

6) W. No. 75, 3ü; No. 89, 35; No. 51, Obv. 9; No. ül, 20; vgl. No. 
84, 14. (Diese Glosse in Briefen aus Phönicien). 

7) "VV. No. 104, 53. 



Palästina um das Jahr 14(10 vor Chr. nach neuen Quellen. 1 47 

auch bereits der vorhebräischen, kanaanäischen Sprache Palä- 
stinas angehören, dass ferner dieser Dialekt, ebenso wie das 
Hebräische, die charakteristische Trübung des langen ä zu ö 
bezw, « aufweist, wie dies die beiden Worte anühi [anöki] »ich« 
und sünu [sönu) » Schafe (t lehren. Dass übrigens diese »Sprache 
Kanaans« doch Aviederum nicht völlig identisch war mit dem 
Hebräischen, sondern wenigstens im Wortschatze Besonderheiten 
aufwies, lehren ebenfalls Glossen in diesen Briefen. So wird 
z. B. das assyrische shni »Rücken« durch zithru^) glossirt, ein 
Wort, das zwar dem Arabischen, nur mit anderer Vocalisation. 
in derselben Bedeutung ganz geläufig, dem Hebräischen aber 
durchaus fremd ist. 

Auch noch nach manchen andern Seiten hin Hesse sich der 
Fund von Teil el-Amarna für die damaligen Zustände Palästinas 
verwerthen. So z. B. ergeben die zahlreichen in diesen palästi- 
nensischen Briefen vorkommenden Personennamen schätzbares 
Material für die Religion der Kanaaniter um jene Zeit. Indessen 
befürchte ich mit meinen Ausführungen für die vorliegende Ge- 
legenheit schon fast zu weitläufig geworden zu sein. W^as auch 
immer eine genauere Durchforschung dieses unerwarteten keil- 
schriftlichen Fundes noch ergeben ward, so viel hoffe ich durch 
meine Darlegungen auf alle Fälle gezeigt zu haben, dass wir es 
hier mit einem für die Frühgeschichte Palästina's sehr schätzens- 
werthen neuen Quellenmateriale zu thunhaben, und dass, da diese 
Quellen nun einmal in assyrischem Gewände vorliegen, dadurch 
an die Assyriologie von Neuem die Aufgabe herantritt, speciell 
der alttestamentlichen Forschuno- Handlanijerdienste zu leisten. 

1) W. No. Ita, 11; vgl. No. 175, 5; No. 190, 7. 



Eine Felseninsclirift ans Galiläa. 

Von J. P. vau Kastereu in Beirut. 

Der Weg von chirhet husche östlich von Haifa nach schefä 
\imr läuft nicht weit vom erstgenannten Ort in eine kleine Ebene 
hinunter, an deren Ende man ein unansehnliches Olivenwäldchen 
erblickt. Links vom Wege ist diese Ebene bebaut. Zur rechten 
hat man meistens einen unbebauten, theilweise mit Gestrüpp be- 
wachsenen, sanft ansteigenden Hügelabhang. Nur ein kleines 
Stück bebauten Landes liegt an dieser Seite des Weges, gut 100 m 
von den erwähnten Oliven entfernt. Ist man an diesem bebauten 
Grundstücke eben vorüber gegangen, so findet man nur wenige 
Schritte rechts vom Wege und 112 Schritte von dem ersten 
Olivenbaume auf einem noch vor Kurzem mit Gestrüpp bedeckten, 
neuerdings aber völlig entblössten Grunde die folgende im hori- 
zontalen natürlichen Felsboden eingehauene Lischrift: 



GAB 
^OY^/PCBA 

Die drei oberen Buchstaben haben 1 7 cm Höhe, die übrigen 
sind von verschiedener Grösse, einer bis zu 27 cm. Der Strich, 
der im M ein A bildet, kann vielleicht durch einen Zufall ent- 
standen sein : sonst sind die gegebenen Buchstaben völlig sicher, 
Ihre Stellung ist so, dass man sich, iim sie zu lesen, chirhet husche 
zuwenden muss. 

Wie sind diese Buchstaben zu lesen? Als ich meine erste 
Kopie machte, hatte ich den jedenfalls nicht stark hervortreten- 
den Rahmen nicht bemerkt und demzufolge vor und hinter 



Eine Felseninschrift aus Galiläa. 149 

der unteren Linie ein I notirt. Einige Ähnlichkeiten mit der von 
Clekmoxt-Gax>:eau (und Chaplix) in der Nähe vom teil dscJiezer 
entdeckten Inschriften *) — die einzigen auf horizontalem Fels- 
boden, die mir in Palästina bekannt sind — und die Lage 
zwischen zwei Städten, die einmal der Sitz des Sanhedrins waren, 
brachten mich auf die Yermuthung, dass vielleicht die untere 
Linie Tyou|H FcrßaT zu lesen, und darin der bekannte talmudische 
Ausdruck rDTlTI Dinri, »Sabbatgrenze« zu erkennen sei 2). Und 
in der Hoffnung, hier ein neues Datum für die Länge des Sabbat- 
weges zu finden, habe ich später mit freundlicher Hilfe von Herrn 
Schumacher in Haifa die Entfernung der Stelle von chirhet 
husche unter Beachtung der Erubin 5, 4 gegebenen Vorschriften 
zur Bestimmung der Sabbatgrenze genau vermessen. Sie beträgt 
nur 508 m (bei 2^2 l'is 3 Kilometer Entfernung von schefZi^amr). 
Schon dieses Ergebnis machte meine Hypothese hinfällig, über- 
dies gehörten die vermeintlichen Endbuchstaben bei genauerer 
Aufnahme dem Rahmen an. Es bleibt zwar die Möglichkeit, 
dass der Rahmen späteren Ursprungs sei. Jullien schreibt auch 
die oberen Buchstaben einer späteren Hand zu, und daraus würde 
das Nämliche für den Rahmen zu folgern sein, weil es höchst 
unwahrscheinlich ist, dass ein so ungleich hoher Rahmen über 
die einzige ganz unten stehende Linie angebracht worden wäre. 
Allein auch bei dieser Annahme ist wenigstens für den Anfangs- 
buchstaben kein T herauszuholen, und das A und P bieten weitere 
SchAvierigkeiten. Kurz ich kann die anderswo auf meinen Namen 
(freilich nicht ohne meine Genehmigung) veröffentlichte Hypo- 
these nicht aufrecht erhalten. Andererseits hat sich mir bis jetzt 
nichts Besseres dargeboten, und nur in der Hoffnung, dass Andere 
glücklicher sein mögen, habe ich die Inschrift hier mitgetheilt. 

1)- Survey of AYestern Palestine, Mem. II, 434 ff. 

2j Vgl. Jullien, Une visite k Chefa 'Amer (Missions Catliol. 1889, 383; 
The Lamp 1889, 156). 



Ztsclir. d. Pal.-Ver. XIIL ] 1 



Bewohnte Ortschaften in der Belka. 

Von J. P. yan Kastereii in Beirut. 



Es ist eine beim ersten Anblick erfreuliche Erscheinung:, 
dass die festen Ansiedlungen im Ostjordanlande südlich vom 
Zerkä allmählich zahlreicher werden. Ob dieses aber ein Zeichen 
Avirklichen Fortschrittes der Civilisation ist oder vielmehr eine 
traurige Folge der alle Begriife übersteigenden Ausbeutung der 
Fellachen durch gewissenlose Wucherer (um nur diese zu nennen) 
— wodurch die armen Leute genöthigt werden, Haus und Habe 
Letzteren zu überlassen und sich in der Ferne eine neue Heimath 
zu suchen — mag dahingestellt bleiben. In einigen Fällen mag 
beides zusammenfallen. So war die Übersiedlung von einigen 
Hunderten von Christen aus el-kerak nach mädebä die Folge 
eines »förmlichen Vernichtungskrieges« 1). Seitdem aber haben 
die Kolonisten oft unter hartem Streite mit den Beduinen sich in 
ihrer neuen Heimath zu einem materiellen Wohlstand erhoben, 
den sie in el-kerak nicht kannten, und den überhaupt nur wenige 
Dörfer in Palästina aufweisen. Knaben- und Mädchenschulen 
haben durch die Bemühungen eines eifrigen Luxemburger 
Missionars einen Fortschritt christlicher liildung hervorgebracht, 
der schon längst von unverdächtiger Seite laut anerkannt 
wurde 2). 

1) Vgl. IJiEVER, Madaba (Das h. Land 1689, 11). 

2) »We visited the Latin chnrch, a disnial enough sanctuary as com- 
])ared with thosc of civilised countries, and yet an elcvating and educating 

force in such a desolate land as Moab We could not but remark 

what Christianity, even in its impcrfcct form, had done for Madeba«. (Dr. 
Post, Quarterly Statements for 1888, l'JO). 



Bewohnte Ortschaften in der Belka. 151 

Indessen zeigt mir die »Neue Handkarte von Palästina« ^) , 
dass diese neuen Ansiedlungen den letzten Jahre noch nicht 
genügend bekannt sind. Den dort verzeichneten bewohnten 
Ortschaften südlich vom Zerkä [es-salt, el-J^uhes, '^ammän und 
mädebä] sind wenigstens eine gleiche Zahl andere hinzuzufügen. 

1) Eine Ansiedlung der Tscherkessen bei 'ain es-slr auf der 
linken Seite des gleichnamigen Wadi, nach dem auch das Dorf 
mit dem Namen tväcU es-slr bezeichnet wird 2) . 

2) Das von Muslimen bewohnte Dorf müJias^ eine gute 
halbe Stunde südlich von el-fuhes. Es liegt am nördlichen 
Rande des von der englischen Gesellschaft aufgenommenen Ge- 
bietes. 

3) Ei'-rumämm (oft wie ermemm gesprochen) etwa 21/., Stun- 
den östlich oder nordöstlich von es-salt, aber noch westlich 
von der bukea-Yjheue. Schon seit 1873 besteht hier eine katho- 
lische Mission mit einem maronitischen Geistlichen und einer 
Schule. Diese Gemeinde zählte im vergangenen Jahre 70 Mit- 
glieder 3) . Die Anzahl und Confession der weiteren Einwohner 
ist mir unbekannt. 

4) Etwa zwei Stunden Aveiter nach Norden liegt das eben- 
falls bew^ohnte Dorf er-rummcin. Auf dem Wege von es-salt nach 
dscherasch berührte ich am 27. April d. J. ^ai7i er-rummän andert- 
halb Stunde, bevor ich den Zerkä erreichte. Das Dorf sahen 
wir in einiger Entfernung westlich von der Quelle auf einem 
Bergplateau. Die Einwohner Avurden mir als Turkomanen be- 
zeichnet. 

Auch zwischen ^aräk el-emir und hasr el-ahd fand ich einige 
Häuser; allein ich weiss nicht, ob sie das ganze Jahr hindurch 
bewohnt Averden. 

Einige der BeAvohner von mädebä nomadisiren noch im Som- 
mer; ihre Anzahl nimmt jedoch ab, und sie Averden sich allmählich 
Avohl alle fest ansiedeln. Ich bemerkte im Dorfe verschiedene 

1> ZDPV. XIII, Tafel II. 

2) Vgl. Guy le Strange, A ride through 'Ajlun and the Belka in ScHU- 
MACHERS Across the Jordan, 312. 

3) Nach einer Statistik des lateinischen Patriarchates A'on Jerusalem in 
der Beiruter Zeitung el-hasclär, 2. Oct. 1889 (Auch in »La Terra Sainte« ab- 
gedruckt). 

11* 



152 Kasteren, Bewohnte Ortschaften in der Belka. 

neue Häuser, die im Bau l)egiifFen waren. Etwas Ähnliches 
möchte wohl von den bekannten Halbbeduinen im südlichen Ghör 
zu erwarten sein. 

Dass auch in West-Palästina an mehreren Ruinenstellen sich 
in den letzten Jahren neue Ansiedlungen gegründet haben, ist 
bekannt ^) . 

Beirut, 22. Juli 1890. 

1) Vgl. z. B. Schumacher, Quarterly Statements for 1887, 83. 



Antonius de Cremona, 

Itinerarium ad Sepulcrum Domini (1327, 1330). 



Mitgetheilt 
von 

Reiuliold Röhricht. 



Der Text, welchen wir hier zvim ersten Male veröffentlichen, 
ist nur in einer Handschrift der Bodlejana zu Oxford (Canon. Ms. 
Miscell. 220 fol. 18 — 22 saec. XIV) erhalten und hat zum Ver- 
fasser den Minoriten Antonius de Reboldis aus Cremona, welcher 
1327 und 1330 das heilige Land und Ägypten bereiste. Alle 
Versuche, über ihn irgend etwas Genaueres aus den die Ge- 
schichte der Minoriten betreffenden Werken zu ermitteln, waren 
vergeblich, und auch in den die Literaturgeschichte Cremona's 
behandelnden Schriften, wie Arisius, Cremona literata, Lancetti, 
Biografia Cremonese, war nichts zu entdecken. Der Herausgeber 
Avandte sich direct nach Cremona und zwar an Herrn Canonicus 
Dr. Brazzi, Secretär des dortigen Bischofs, um über die Person 
unseres Reisenden und die im Texte erwähnte Abbildung der 
heiligen Catharina, welche ein Kaufmann Job. de Rozal im 
Minoritenkloster herstellen Hess, etwas zu erfahren. Aber der 
freundliche Bescheid stellte auch nur fest, dass über unsexn An- 
tonius nichts bekannt und das Minoritenkloster mit jener Ab- 
bildung längst zerstört sei. 

Wir bieten also hiermit der Literaturgeschichte des Mino- 
ritenordens und (/remonas und zugleich der Geographie Paläs- 
tina s einen neuen Beitrag, der in letzterer Hinsicht noch dadurch 
an Werth gewinnt, dass er das erste Drittel im vierzehnten Jahr- 
hundert, also eine verhältnissmässig frühe Zeit betrifft, in welcher 
wenig Pilgerberichte uns begegnen, die Bedeutung jedes einzelnen 



154 Köhricht, 

also grösser wird. Ausserdem erfahren wir hier mancherlei De- 
tails über heilige Stätten und persönliche Erlebnisse, deren Kennt- 
niss wichtig und interessant genug ist. 

Zum Schluss spricht der Herausgeber Herrn George Parker, 
Custos der Bodlejana, -welcher die sehr sorgfältige Copie herstellte, 
ebenso den Herren Professor Dr. Gildemeister G. [inzwischen 
verstorben]) und Dr. Matthias Sollweck, Präfect des Studien- 
seminars zu Neuburg (S.), welche durch freundliche Beiträge die 
Erklärunsf einzelner Stellen fördern halfen, seinen besten Dank 
aus. 



* 



In nomine Domini. Amen. Itinerarium ad sepvilcrum Do- 
mini. 

Ego frater Antonius de Cremona de Keboldis i) ordinis Mino- 
rum, ut posteris memoriam relinquam et legentium corda Christi 
amore accendam, ea, quae in terra sancta meis oculis contemplatus 
fui, licet indignus, scribere curavi, quae hie iuferius contineutur. 

Anno Domiui MCCCXXVIJ die XVIJ Marcii ascendi mare 
in sero in Famagusta et XVIIIJ die ejusdem mensis, die scilicet, 
quo cantatur oratio: Magnificat te Dens sanctorum tuorum Gosme 
et Damiani etc. -) pervenimus Acon, civitatem Syriae, quae alio 
nomine dicitur Tholomayda. Die festo Sancti Benedict! 3] recessi- 
mus de Acon, ut veniremus Nazareth et veniendo Nazareth tran- 
sivimus per Saphoriam^), quondam civitatem, unde fuit oriunda 
beata Anna ^] , mater Dominae nostrae, perveuimus autem Domi- 
nica de Lectare '') seu dominica de Koxa"] pervenimus'^} Nazareth, 
civitatem Galilaeae, quae flos'*) interpretatur ; Dominica de Roxa 
pervenimus ad locum Poxae^ö). in Nazareth fecinius festum An- 

1) d. i. wohl Riboldi bei Corao. 

2i Diese oratio fällt auf den Donnerstag der dritten Fastenwoche 
(Donnerstag vor Laetare), der genau auf den 19. März trifft ,S., . 
3) 21. März. 4) SaöQrije. 

5) Sie soll die Tochter des Priesters Matthan (Matth. 1, 15; gewesen sein; 
vgl. WiNER, Kealwürterb. s. v. Maria. 

6) 22. März. 7) Dies rosae ist der vierte Fastensonntag, Laetare. 

8) Hier folgt überflüssig noch einmal das Verbuni pervenimus im Texte. 

9) So etymologisirt schon Hikronymus, Ep. 46 ad Marceil. 
10) Also Marias. 



Antonius de Cremona. 155 

nuntiationis virginis Marie -i) eo scilicet loco, quo fuit animnti- 
ata^^). lu quo quidem loco feci mille genuflexiones cum Ave 
Maria et ter celebiavi ibidem. 

Super omiies civitates ipsa Nazaretli est civitas Christi, ubi 
scilicet fuit nutritus, unde et Yhesus Nazarenus dictus est. In 
Nazaretli est fons ^^) , unde puer Yhesus auriebat aquam et porta- 
bat matri suae. Extra Nazaretli per tria milliaria est locus, qui 
dicitur Saltus^*;, unde voluerunt Judaei Christum praecipitare. 
ut legitur in evangelio,unde dicitur : Yhesus transiens per medium 
illorum ibat^^j. In crastinum annuntiationis i^i vidimus niare 
Galilaeae vel Tiberiadis vel Genesareth, quae tria nomina in 
evangelio leguntur, Dicitur mare propter multitudinem aquarum, 
quia Judaei congregationes aquarum appellant maria, dicitur Ti- 
beriadis propter Tibaream civitatem, quae est supra mare, sicut 
Ferraria est supra Padum, dicitur Genezaretli propter ventos ibi- 
dem spirantes ^'). Supra istud mare Christus ambulavit. Inde 
Petrum revocavit etc., ut legitur in evangelio'*). Nunquam bibi 
tam bonam aquam et tani dulcem, sicut est aqua illius maris. In 
istud mare intrat sacer Jordanis et inde exit, postea absorbetur 
a mari mortuo, ubi fuit Sodoma et Gomorra subversa. Ubi scili- 
cet non potest aliquod vivum esse nee per mare^^j^ cujus aqua 
fecit^o) de sulphure et est amarissima. Prope istud mare mortu- 
um sive Sodomorum est mens, ubi est civitas Segor, ad quam 
confugit Loth dicens: Numquid non modica est? Et est ibi 
statua sallis; quae quondam fuit uxor Loth; lege libruni Ge- 
nesis -i). 

Sabbato^-) discedentes pervenimus Damaschum, civitatem 
maximam. quae, ut puto, est per duas Bononias cum dimidio, et 
sunt ibi decem millia hominum in equis, populus vero infinitus; 
caput Syriae Damascus dicitur; Y^sayas propheta -3). Prope Da- 
mascum per milliare est locus, ubi apparuit Christus. Salve 

11) 25. März. 12) Vgl. Tobler, Nazareth 127 ff. 13) Ibid. 206—215. 
14) Ibid. 268 ff. 15) Luc. 4, 30. 16) 26.' März. 

17) Ähnlich durch JoH. VON WÜRZBURG (ToBLER, Descript.) 188 und 
Odoricus de Foro Julu (Laurent Quatt. peregrin.) 147 als : auram gene- 
rans aus dem griech. Y^vväv und aüfiav erklärt. 

18) Matth. 4, 18 — 19. 19) Hier fehlt wohl ein Verbum wie natare. 
20) Wohl in fuit, oder foetat zu verwandeln. 21) Genes. 19, 20. 26. 
22) 28. März. 23) Jes. 7, 8. Die Construction, wie sie steht, ist hart. 



15(3 Röhricht, 

Domine, salve etc. 2^) Postea venimus ad Sardenal-'') , ubi est 
ymago beatae virginis emanans oleum, postea Ramam, postea 
Gazagam, civitatem quondam Phylistinorum, unde Sanson abs- 
tulit portas et in montem portavit media nocte. Ibi fecimus 
pascha Resiirrectionis '^^'), ubi scilicet figura Resurrectionis scilicet 
Sansonis, quando scilicet portas abstulit. Die vero Martis post 
pascha in 2') Sanctorum Tiburcii et Valeriani pervenimus Jeroso- 
limam, civitatem sanctam, que per prophetam Ysayam dicitur 
civitas sancta^is). Ubi venerati fuimus saxum, ubi Christus sedit, 
quando portavit crucem^o), vidimus domum Herodis, vidimus 
domum Pylati, visitavimus ecclesiam sanctae iVnnae pulcerrimam, 
ubi quondam fuit domus Johachim et sanctae Annae ^o) ; ibique 
peperit ipsa sancta Anna matrem Dei. Juxta ecclesiam sanctae 
Annae est probatica piscina,jin qua, ut dicit evangelium, descende- 
bat angelus et movebatur aqua et sanabatur unus^i]. Vidimus 
natatoria Syloe, de quibus evangelium : vade lavare ad natatoria 
Syloe32] ! Vidimus portam auream, per quam Christus intravit die 
palmarum super asinum. Haec est porta templi, quae non fuit 
destructa a Romanis cum suo pariete, et est ferrea et semper est 
clausa nee eam aliquis fuit ausus apperire, quia judicio Dei per- 
territi sunt, qui ipsam voluerunt apperire "^^). Vidimus montem 
Syon, cujus Dominus portas diligit super omnia tabernacula 
Jacob 34) ; hie dicitur ars David et contiguus est civitati. Ibi mora- 
batur beata virgo post mortem filii ibique mortua est ^'') . Extra 
civitatem est monsGion, de quo dicitur in secundo libro Regura, 
quod scilicet cecinit tubaGion^''). Prope montem Syon est locus, 
qui vocatur Galicantus^"), ubi est fovea, in qua beatus Petrus 
egressus atrium intravit et flevit, quousque dictum fuit sibi, quod 

24) Welcher Hymnus hier gemeint ist, lässt sich nicht bestimmen (S.). 

25) Saidanäjä; zur Legende vgl. Thietmar 14 ff. u. RÖHRICHT, Biblioth. 
48, No. 119. 

26) 12. April. 27) festo zu ergänzen (14. April). 28) Jes. 48, 2. 
29) Hier folgt im Text das unverständliche portare, -welches in prope 

umzuändern sein wird. 

30j Ein wichtiges Zcugniss aus späterer Zeit für die nach Torler, Topogr. 
I, 429 — 130 im achten Jahrhundert fixirte, später wieder verlassene Annahme 
der Lage der St. Annakirchc. 

31) Joh. 5, 4. 32) Joh. 9, 7. 

33) vgl. ToBLER, Topogr. I, 155—157. 177. 34) Psalm SC, 1—2. 

35) Diese Angabe ist sonst nicht zu belegen ; vgl. Tobler, Topogr. H, 114. 

36) 2 Kon. 20, 22. 37) vgl. Tobler, Topogr. H, 174—176. 



Antonius de Cremona. 157 

rediret: Ite, inquit, dicite (Uscipulis ejus et Petro etc. 3*) I Juxta 
montem Syon est locus, in quo aliqui Judaeorum puniti sunt, qui 
volebant corpus beatae Mariae rapere, quando scilicet apostoli 
ipsum portabant ad sepeliendum in valle Josaphat^''). Nolo vos 
ignorare, quod in illo sacratissimo monte Syon, de quo superius 
memoriam feci, est ecclesia pulcerima, ubi scilicet Christus lavit 
pedes discipulorum suorum^o). Est et alia satis nimis pvilcra, 
ubi fuit Christus tota nocte flagelatus, scilicet in domo Cayphae. 
Ideo vocatur domus illa, quae modo est ecclesia sancti Salvatoris, 
et est ibi in muro ecclesiae magna pars columpnae, ubi fuit liga- 
tus Christus noster^^). Item est una alia maxima ecclesia, quae 
continet ista loca: locum, ubi descendit Spiritus sanctus in pente- 
costes*^), ubi Christus apparuit Tomae ^3j dicens: Infer digitum 
etc.^^), ubi est sepulcrum David et regum^ö] Judae, de quo ait 
beatus Petrus ^^): cujus sepulcrum aput nos est. Et ut breviter 
loquar, illa sacra ecclesia continet totum cenaculum 4^), ubi ascen- 
derunt apostoli post ascensionem et manserunt cum Maria, matre 
Yhesu. Ibi etiam mater Dei de hoc seculo migravit ad celos, se- 
pulta postea in valle Josaphat. Ista ecclesia in magna parte dir- 
rupta est et dirruebatur^s). De monte Syon satis est dictum, nixi 

quod ibidem est locus, ubi scilicet beatus Johannes ^ö) 

Visitavimus vallem Josaphat, quae est inter muros Yerusalem et 
montem Oliveti, in cujus medio est torrens Cedron, de quo, ut in 
evangelio, abiit Yhesus trans torrentem Cedron 50)^ ubi erat ortus. 
Ibi est locus orti, iibi fuit captus, ibi est locus, ubi orans factus 
est in angonia, ubi dormiebant apostoli, quando dixit: Dormite 
jam et requiescite^^) ! Dicitur autem vallis Josaphat, quia rex Ye- 
rusalem, qui vocabatur Josaphat, fuit ibidem sepultus^^). In ista 

38) Marc. 16, 7. 

39) Über den Ursprung und die Verbreitung dieser Sage vgl. Coxrady, 
Vier rhein. Pal. Pilgerschr. 129 ; Tobler, Topogr. II, 128 ff. 

40) Tobler, Topogr. 11, 106. 109. 111. 115. 121. 

41) Vgl. Tobler, Golgatha 364—6; Tobler, Topogr. II, 114. 163—164. 

42) Tobler, Topogr. II, 108—115. 43) Ibid. 108. 120. 
44) Joh. 20, 27. 45) Der Text liest fälschlieh regnuni. 

46) Act. 2, 29; vgl. ToBLER, Topogr. II, 145 ff. 

47) Tobler, Topogr. II, 108 ff. 48) Ibid. 115. 

49) Lücke, wohl zu ergänzen durch missam cantavit (vgl. ibid. 1 14. 127 f.). 

50) Joh. 18, 1. 51)Matth. 26, 41. 

52) Tobler, Topogr. II, 14—16; vgl. Siloah 304 ff. 



158 Röhricht, 

valle fiet Judicium in fine seculorum juxta prophetam ^^j dicentem: 
Congregabo vos omnes in valle Josapliat. In medio istius sacra- 
tissimae val(l)is apostoli sepelierunt beatani Mariam, ubi est eccle- 
sia mirae pulcritudinis miro lapide tabulata^*), ut dicit Jeronimus 
in sermone. In qua ecclesia ostenditur ejusdem Virginis sepul- 
crum et tantae quantitatis in longitvidine, latitudine, profundi- 
tate, formositate, sicut est sepulcrum filii sui scilicet Yhesu 
Christi. Supra istud celebravi sepulcrum missam Assumptionis 
beatae Mariae virginis. 

Visitavimus Montem Oliveti, in cujus cacumine est ecclesia 
rotonda, in illo scilicet loco, ubi ascendit Christus in celura. Prope 
montem Oliveti est mons collateralis, q\ii olim dictus est mons 
offenssionis, eo scilicet quod rex Salamon quondam posuit ibi 
ydolum Moloch adorans illud^s). In eodem monte offenssionis est 
locus, qui vocatur Galilaea-''^), ubi apparuit Christus discipulis 
suis, quaudo praedixit dicens : Praecedam vos in Galilaeam ^'j, ita 
quod est Galilaea provincia, de qua omnes apostoli et Christus 
fuerunt, unde scriptum est^^) : Numquid omnes isti Galilaei sunt'? 
Est ista Galilaea prope Jerusalem, ubi apparuit Christus discipulis 
suis, alia vero Galilaea est provincia, quae distat per tres dietas, 
ubi est civitas Samariaa-') et Capharnaum etMagdalum,unde dicitur 
Magdalena, et lietulia, unde fuit Judith, et puteus Samaritanae 
et Cana Calilaeae, ubi fecit Christus de aqua vinum, et Mons 
Tabor, ubi fuit Dominus transfiguratus corani Petro, Jacobo et 
Johanne. Ad radices montis Tabor est torrens Cison, ubi inter- 
fecit Helyas sacerdotes Baal, ubi principes gentium scilicet Oreb, 
Ceb et Zebee et Salmana fuerunt mortui; lege librum Judicum*^*^). 

Juxta montem Tabor est civitas Nayn, ubi suscitavit Christus 
filium viduae dicens ''') ; Noli flere I Prope illum locum est locus 
Melchisedech *'2) obvians Abrahae redeunti de prelio obtulit panem 
et vinum. 

53) Joel 3, 2 ; vgl. Tobleh, Topogr. II, 26. 

54) ToBLEK, Siloah 177—186. 55) Ibid. 77—79. 

56j Ibid. 72—1 ; vgl. Hoi'.MANN, D. Leben Je.su nach den Apocrvphcn 
395—366. 

57j Matth. 26, :<2. 58) Act. 2, 7. 

59) Es ist auffallend, dass der Ilcisende Samaria und den gleich darauf 
folgenden Jacobsl)runnen mit zu Galilaea rechnet. 

60^ Jud. 7, 25; 8, 1—6. 61) Luc. 7, 13. 

62; Nach Jon. v. "Wükzbuug HO u. Biuchaudus 47 bei Endor; wohl 
qui zu ergänzen. 



Antonius de Cremona. 1 59 

Redeamus ad montem Oliveti. Aliquaiitulum in descensii 
montis Oliveti est lapis praegrandis, super quem Christus ascen- 
dit coutemplans civitatem et ipsam videns et contemplans ejus 
pulcritudiuem flevit '>^) dicens : Si cognovisses et tu ^''^) ! 

Item vidimus cimiterium peregrinorum scilicet campum 
Acheldemach emptum de precio sanguinis Christi exeundo de 
porta sancti Stephani, quae ducit ad vallem Josaphat, quae ideo 
vocatur porta sancti Stephani per totam illam viam usque quasi 
ad torrentem Cedron, quia ibi fuit lapidatus sanctus Stephanus 
et tota illa via fuit suo sanguine consecrata, et adest lapis ß^), ubi 
genuflexit dicens : Ne statuas illis hoc peccatum ^^) ! 

Yisitavimus Bethaniam, ubi fuit Lazarus sepultus, et extra 
castrum Bethaniae est unus lapis, ubi Christus sedit, quando 
Martha occurrit ei obviam Christo scilicet venientiß") et dixit: 
Domine, si fuisses hie etc.*^^) ! Sepulcrum Lazari est pulcerrimum. 

De Bethania descendimus Jericho, ubi incidit homo in la- 
trones, quae vere est via latronum juxta Jericho. Juxta viam, quae 
ducit Jericho, est ecclesia ß'-') , ubi scilicet cecus clamabat secus 
viam dicens'^; : Yhesu. fili David, miserere mei! Jericho est 
civitas Zachei, qui Christum recepit hospitio. Jericho est civitas, 
quam Josue maledixit dicens : Maledictus homo, qui hedificavit 
Jericho ! Lege librum Josuae '') , ubi multa sunt de Jericho. Prope 
Jericho est desertum, ubi Christus jejunavit XL diebus, ubi est 
pulcra ecclesia seu oratorium. Et est ibi mons, ubi in cacumine 
dyabolus portavit Christum, sicut dicitur in evangelio, quod scili- 
cet duxit illum in montem excelsum valde. Super cacumen illius 
montis ascendi non sine magno periculo, ubi est Oratorium chris- 
tianorum '^j . Ad radices illius montis est fluvius Helyseus, ubi 
scilicet misit sal et dulce factum fuit; lege librum Regum'^^j, 

Prope Jericho per IV milliaria est Jordanis et locus, ubi be- 
atus Johannes baptizabat. ubi est pulcerrimum monasterium 
Graecorum ad honorem beati Johannis Baptistae et est super 

63) ToBLER, Siloah 231 if. 64) Luc. 19, 42. 

65) ToBLER, Topogr. II, 187— S. 66) Act. 7, 59. 

67) ToBLER, Topogr. U, 436. 68) Joh. 11, 21. 

69) ToBLEK, Topogr. II, 657— S. 70) Matth. 15, 22. 

71) Jos. 6, 26. 72) TOBLER, Denkblätter 702 ft'. 

73) 2 Kön. 2. 19 ff.; vgl. ToBLER, Topogr. II, 558—563. 



1(30 Röhricht, 

lipam Jordanis "^) . Prope istucl monasteriimi per VI milliaria est 
mare mortuimi, ubi scilicet fuenint IV civitates, scilicet Sodoma 
et Gomorra, Adama et Soboym ; lege Genesim ~^] . In ipso male- 
dicto mari totus absorbetur sacer ille Jordanis. 

Veniendo de Bethleem juxta viam est sepulcrum Racbelis, 
nxoris Jacob, mirabiliiis sepulcrum, quod unquam viderim. 
Xon credo per XX paria bovum possent unum de lapidibus illis, 
qui sunt ibi, trahere, set nee movere ''^ . 

Venimus Bethleem, quae dicitur EiFrata et civitas David di- 
citur, quia ibi David natus, ubi est fons, de quo dixit David '^"): 
O quis daret mihi potum aquae de cisterna, quae est Bethleem 
juxta portam ! De istius putei aqua bibi valde optima "*). In 
Bethleem est ecclesia in loco, ubi Christus fuit natus, quae dici- 
tur Sancta Maria, tarn pulcra, quod nunquam vidi tarn pulcram, 
tarn curiosam, tarn sculptuosam in columpnis et picturis tam 
magnam, sicut est ista venerabilis ecclesia Bethleemitica toto orbe 
terrarum veneranda. Narrare siquidem seriöse et sigilatim ipsius 
per totum mondum venerandae ecclesiae magnitudinem, latitu- 
dinem, longitudinem et diversorum lapidum marmoreorum orna- 
tum, ordinem mirabilium et multiplicum colompnarum marmore- 
arum, picturarum varietatem, ordinem et curiositatem et pavimen- 
tum miro lapide tabulatum, tectiim metallo plombeo'^) copertum, 
nimis esset longum enarrare ^^) . Set temporalia transeamus et 
solum, quae sunt in ipsa sacratissima ecclesia spiritualia, dicamus. 

In ecclesia EufFrata seu Bethleem est locus, ubi Christus 
fuit natus, ubi est altare suum*^), super quo celebravi missam 

trium regum. Juxta ipsum altare est^-) , ubi fuit praese- 

pium ^3 . In eadem ecclesia est altare, ubi fuerunt sepulta multa 
Corpora innocentium*^). Extra ecclesiam in claustro est capela, 
ubi morabatur sanctus Jeronimus, et ibi expiravit, et ejus cella 
ostenditur, ubi bibliam correxit-^). Non multum ab ecclesia 
praedicta est ecclesia sancti Nicolai, scilicet. ubi sancta Paula 

74) TonLKR, Topogr. II, (Jbö — G86. 75 Genes. 19. 

76) ToiiLEU, Topogr. II, 788. 77) 1 Chron. 12, 17. 

78) ToBLER, Bethlehem 263— 264. 79) Der Text liest: pombleo. 

SO") Zur Geschichte der Kirche im XIV. Jahrhundert vgl. die ausführ- 
liche Schilderung in ToiiLLU's Bethlehem 109 ff. 

81; Ibid. 124 — 144. 82; Lücke, wohl durch locus zu ergänzen. 

83) Ibid. 159 ff. 84) Ibid. 180 ff. 85) Ibid. 131. 191 ff. 



Antonius de Cremona. j (jl 

cum Eustochia, filia sua virgine, addiictae de Roma per beatum 
Jeronimum feceiunt penitentiam ^'^) . Supra Bethleem versus ori- 
entem ad unum milliare est locus, qui dicitur ad pastores, in quo 
loco pastores custodiebant vigilias noctis supra gregem suam ''^), 
ibique apparuit eis angelus dicens^'S) : Annuntio Yobis gavidium 
magnum etc. Inde recesserunt ipsi pastores festinantes dicentes : 
Transeamus usque in Betbleem etc^^ji i\)[ est ecclesia et fuerunt, 
ut dicit Beda, sepulta corpora istorum pastorum, quae fuerunt 
tantum tria corpora 'j^). 

Reversi de Betbleem et de Jordane ultimo intravimus eccle- 
siam sepulcri die sancti Georgii^i) martyris in vesperis et stetimus 
tota nocte et die sequenti usque ad tertiara tota nocte illuminata 
candellis et ipsa nocte stetimus media nocte in sepulcrum. Mane 
celebravimus in monte Calvariae in loco, ubi fuit Christus cruci- 
fixus, ubi primani cantavit missam, ubi cum clamore valido et 
lacrimis orans, ut dicit apostolus, exauditus est pro sua reverentia. 
Cantavi autem missam de crüce. Ecclesiam autem praedictam 
sepulcri si vultis scire. quomodo facta est, videatis ecclesiam Bo- 
noniae sancti Stefani 92) . Non eadem est una ecclesia set multae 
ecclesiae contiguae, quae diversa continent loca sacra toto orbe 
veneranda. Primo continet montem Calvariae, qui est super om- 
nia mondi loca devotus et reverentia dignus, ubi mediator Dei et 
hominum Adae debitum solvit et veteris piaculi captionem pio 
cruore deterxit'^^). Ibi adhuc est foramen, ubi crux fuit fixa. Ibi 
depictus est Habraam in eodem loco ofFerens filium Ysaac-'^ . To- 
tus ille mons est in pavimento ornatus lapidibus marmoreis valde 
politis, superius totus testudinatus artificialiter et totus depictus 
ymaginibus mosaycis, inter quas sunt ymagines sancti Constan- 
tini et Ellenae, matris suae, et Heraclii Imperatoris, David, Sala- 
monis etc. ^5). 

86; Ibid. 12>>. 199-204. 238 flf. 87) Tobler, Bethlehem 251 ff. 

88] Lue. 2, 9. 89) Ibid. 15. 

90) Beda, De locis sauctis 223 (Tobler-Molixier, Itinerar. I). 

91) 23. April. 

92) Vgl. DoxATO Pi'LLlEXl DE" LvPARl DA SlDERXO : Relatione historiea 
overo chronica della misterios a chiesa di San Stefano di Bologna, Bologna 
1600, 80; AxTONio Caxaee: Nuova Gierusalemme detta la Sacra Basilica di 
San Stefano di Bologna, Bologna 1637, 40; Petrakchi: Della insigne abba- 
ziale basilica di San Stefano di Bologna, Bologna 1747, 40. 

93) Tobler, Golgatha 254. 91) Ibid. 273. 95, Ibid. 275 f. 



162 Röhricht, 

Sub monte Calvariae sunt cliio sepiilcra solempnia, quorum in 
uno sie scriptum est ''**'): Hie jaeet inelitus dux Godofredus de 
Bolion, qui totam istam terram acquisivit eultui ehristiano, eujus 
anima regnet cum Christo. Amen. Hie Godofredus nunquam 
voluit coronari dicens: Ubd Dominus mens Yhesus Christus fuit 
coronatus ciim Corona spinea nunquam coronabor Corona aurea! 
Ita quod fuit rex sine Corona. Aliud sepulcrum talem habet ti- 
tuhim'^' : Rex Balduynus, Judas alter habeus •''•), Spes patriae, 
vigor eeelesiae, virtus utriusque. Quem formidabant, cui dona, 
tributa ferebant, Cedar et Egyptus, Dan, Alcomicida'^^;, Damas- 
cus. Froh dolor, in modico clauditur hoc tumulo ! Est in eadem 
ecclesia chorus pulcerimus et altare patriarchale, in cujus chori 
medio est medium mondi '*'''), ubi scilicet Christus ponens digitum 
dixit: Hie medium mondi est! In cujus rei testimonium est lapis 
in circulum errectus, ubi cantatur Alleluia. Est in eadem ecclesia 
locus, ubi fuit crux repperta, ubi est altare. Est locus in eadem 
ecclesia, ubi stabat Domina nostra juxta crucem, item locus, ubi 
stabant noti ejus a longe cum mulieribus, inter quas erat Maria 
Magdalena, item locus, ubi Josep et Nicodemus laverunt corpus 
Yhesu. Ibique eodem loco in titulum unus lapis, quem feriticus 
secundum mensuram longitudinis Christi i'^') mensuravi, et est 
ejusdem mensurae sicut sepulcrum Christi i"-). Item locus, ubi 
apparuit primo Mariae Magdalenae. 

Reversi sumus de Yerusalem, ut rediremus Cyprum. Per 
viam est Kamacha, terra Samuelis, et sepvilcrum ejus ostenditur, 
et castrum Emaus et civitas Machabaeorum. Ex parte fratris An- 
tonii fratribus Uberto et Andriolo haec pauca dicta sufficiant. 
Valde subito feci, quia cito vado ad contemplanda et longe plura 
Domino disponente et vobis iterum scribenda vestris orationibus 
adjuvantibus. Amen. Datus die XVJ Septembris. 

MCCCXXX in festo sancti Calixti'03j ego frater Antonius 

06,1 Ibid. 147 — 14S, Beilage I, besonders aber de Hody, Les tombeaux de 
Godef. de Bouillon et des rois latins ii Jerusalem, Bruxelles 1855, 448 — 469 
und planche IV. V. 

97) ToBLER, Golgatha, Beilage I; de Hody 469—475 und planche V. 

98) Statt habeus ist zu lesen Machabeus. 

99) Es ist zu lesen Dan ac homicida. 

100) ToHLEli, Golgatha ;J2S— .'330. 101) Hier folgt im Texte: quem. 

102) ToBLER, Golgatha 444 — 146. 103) 14. October. 



Antonius de Cremona. 163 

recessi de Famagiista et die XXIIIJ ejusdem mensis Octobris 

perveni Damiatam, terram Egypti. Ipsa est terra Gerse, quam 

petierunt filii Ysraelis a Pharaone pro pascendis gregibus suis. 

Ibidem beatus Francischus fuit et conflictum futurum christianis 

praedixit 10^), ibique beatus Ludovicus, rex Franciae, fuit captus 

et de carcere Egyptiaco pro centum millibus marchis argenti 

redemptus est, ibidem est pons, quem idem sanctus Ludovicus 

fecit fieri lo^j. in Damiata fui diebus XXXVJ, inde recessi in 

vigilia sancti Andreae ^o^), ut venirem Alexandriam, ad quam 

perveni V. die mensis Decembris, scilicet in festo sancti Sabae 

abbatis. Alexandriae est ecclesia pulcerrima ejusdem Sabae ab- 

batis 10' j. Alexandriae visitavi loca bucula, ubi evangelista Marcus 

fuit tractus et martyrizatus i^*) et sepultus et inde Yenetias trans- 

latus. Alexandriae visitavi locum, ubi sancta Katerina fuit deca- 
pitatai09). 

De Alexandria recesi VIIJ die Decembris iturus Babiloniam, 
ad quam pervenimus XVIIJ die ejusdem mensis Decembris. 
Ascendimus autem Babiloniam per fluvium Paradixi, qui est 
major quam sit Padus et vocatur Nilus. In mondo non est sanior 
aqua ad bibendum, quae nunquam laedit, quantumcunque bibatiu- 
de ea. In Kabilonia sunt tres civitates, id est Kayrum, Babilonia 
et castrum Soldani, et una distat ab alia, quae plus distat per me- 
dium milliare. In Castro moratur Soldanus cum decem millibus 
militum. In Kayro et Kabilonia babet et tenet continue ipse Sol- 
danus XIV millia militum, item habet sex elephantes, quos vidi 
et tetigi, et leones YIIJ etunam bestiam, quae vocatur Zarapha^io). 

104) 1219; Tgl. Quinti belli sacri testimonia minora ed. R. RÖHRICHT 
214. 249—251. 254—256. 

105) Offenbar eine Verwechslung mit Bibars, über dessen grosse Brücken- 
anlage Reixal'D, Extraits 481 — 2, Note 3 handelt. 

106) 29. Nov. 

107) Über diese Kirche vgl. SiGOLl, Viaggio al Monte Sinai, Firenze 
1829, 117. 

108) SiGOLi 97 u. 117: »e che si trova vicino al mare sotto il nome di 
Boccoli, ove Tevangelista fu sepolto«; vgl. NiccoLO da Poggibonsi, Libro 
d'oltramare, Bologna 18S1, II, 49 — 50 u. SuRIüs, Historiae seu vitaeSS., Tau- 
rini 1875, IV April, 588. 

109) Poggibonsi II, 48—49; Sigoli 97.: Eine ausführliche Behandlung 
der ganzen Katharinensage siehe bei Conrady 346 — 359. 

110) Also eine Giraffe, ital. girafa. 



1 64 Röhricht, 

In mondo non est ita similis bestia; habet pillum orbiculatum 
pulcenimum et pedes sicut pedes bovis et collum longum per XX 
bracchia, caput sicut caput eqvii. In Babylonia vidi granaria 
Josep, de quibiis loqiiitur Genesis"^). Et Babilonia est supra 
liuvium Paradixi syta, et illuc veniunt naves de India portantes 
species et ellephantes. Soldanus vadit ad venationem cum XL 
millibus hominum. Dromedarii, qui velocius currunt prae Omni- 
bus animalibus, ibi sunt sine uumero, similiter camelli sine nu- 
mero. Ibi prope Babiloniam nascitur balsamum adlV^ milliariai'^]^ 
et ibidem fui die Dominico et nunquam potest'^-') crescere seu 
fructum facere. si irrigantur die Dominico, ita quod oportet, quod 
die Dominico, velint nolint, desistant ab opere, alibi vero semper 
operantur die Dominico. Item non potest crescere balsamum, 
nixi irrigatur non de omni aqua set de aqua fontis beatae virgi- 
nis, quem fecit isto modo. Nam cum fugisset persecutionem 
Herodis et Egyptum venisset et in uno casali aquam petisset et 
illi negassent, processit ulterius et facta oratione fecit ipsum fon- 
tem dicens : De isto fönte possint omnes bibere exceptis hiis, qui 
nascentur in isto casali ^'^)! Et factum est in futurum, quod vi- 
neae Egadi, quae faciunt balsamum, fuerunt translatae de terra 
sancta in Egyptum"^) et juxta istum fontem plantatae fuerunt, 
et quantum potest se extendere aqua istius fontis, tantum dilatant 
se ipsae sacrae vineae seu arbusculae et faciunt balsamum. Et 
sub celo non nascitur nisi ibidem. De ipso optimo balsamo habeo 
modicum valde, de mediocri plus, de viliori longe plus. 

In Babilonia est ecclesia beatae virginis, ubi scilicet mansit 
annis YII, secundum quosdam vero tantum una nocte, et vocatur 
ipsa ecclesia sancta Maria de cava*'''), et ibidem feci festum 

111) Genes. 41, 48. 

112) Bei Malaria; vgl. LtDOLF VON Sudheim 52—54. 

113) Der Codex liest : postei'o. 

114) Vgl. Run. IIoFMANN, Das Leben Jesu nach d. Apoeryphen ISO f. 

115) Vgl.TniETMAii34; BuRcnAKDLs 04 ; RoBlN.sON, Palaest. II, 537—8 
Note 5. 

116) Santa Maria della Cava, welche Poggibonsi II, 89— !ll und SiGOLI 
96, 149 beschreiben (oftenbar identisch mit »Domina nostra de Chana Baby- 
loniac" bei Poi.o.NKli in Toiu.KR, Descriptioncs Terrae Sanctae 2SU). Makuizi, 
Gesch. d. Kojjten in d. Göttinger Acad. Abhandl. 1S47, 118. 119 erwähnt 3 
Marienkirclien : auf der Strasse Zmveila, auf der Griechenstrasse und in der 
Nähe der Kirche des Sclianuda. 



Antonius de Cremona. 165 

nativitatis Christi et Epypbaniae ^'' . Item est una alia ecclesia 
major in Babylonia, que vocatur sancta Maria de Cascliala ^'^). 
Item est una alia ecclesia pulcerrima, quae vocatur sancta Bar- 
bara ^i^), et ibidem est corpus sanctae Barbarae, quod tetigi et os- 
culatus fui. In Babilonia fui XXX diebus. 

Anno vero Domini MCCCXXXI die XVJ Januarii in feste 
sancti Marcelini papae recessi de Kayro Babiloniae, ut venirem 
ad desertum iiUorum Ysraelis ad montem Synay ad sanctam Ka- 
terinam cum YIIJ peregrinis latinis. In qua quidem via multa 
substinuimus adversa exterius laboris viae et interius timoris 
mortis nobis intentatae ab illis Arabis, qui nos ducebant, qui 
sunt Saraceni et non timent Soldanum, cum haberemus literam 
Soldani. Nee aliquos timent, quia, postquam sunt in deserto, ubi 
nullus hominum habitare potest. nulluni timent. Et habebamus 
bonam plenariam in Babilonia de eis, set nullus potest cum eis 
transire nisi in virga ferrea et nullus hominum audet se ponere 
in deserto, nisi ipsi solum Arabes. Die XX ejusdem mensis in 
festo Sanctorum Fabiani et Sebastiani in sero in interioribus de- 
serti juxta fontem Moysis'^Oj^ quem fecit ipse Moyses pro filiis 
Ysraelis. voluerunt nos invadere et jugulare et nos viriliter cum 
arcu et sagittis, lapidibus et baculis fecimus custodiam illa nocte, 
quod videntes continuerunt se, quia non erant nixi quatuor cum 
singulis lanceis et duabus mulieribus et duobus pueris parvis. Et 
nos habebamus bonum arcum et spicula XU et eramusYIIJ per- 
sonae viriles et bene inducti. ipsi vero in camisia nudi. In aurora 
diei scilicet in crastinum in festo sanctae Agnetis ^-^) visi sunt nos 
velle invadere. set Deus semper pervertit, nam si incepissent, 
putabamus sine dubio omnes trucidare, set prob postea fuissemus 
omnes mortui in deserto, quia viam nesciebamus. Adhuc suam 



11") 2.5. Dec. 1330 u. 6. Jan. 1331. 

118) Santa Maria della Scala |»perö quando vai alia detta chiesa, si sali 
per una scala di trenta sei scaglioni di pietra^) bei Poggibonsi II, 91 u. Sigoli 
95, 148 beschrieben (ob «domina nostra de Laza« bei Poloner 279?;. 

119) Bei POLOXER 2SÜ, PoGGiEOXSi II, 92, Sigoli 9-5, 14S beschrieben, 
bei Felix Fabri III, 51 u. M.\krizi US kurz erwähnt (nach dem letzteren 
lag diese Kirche in der Griechenstrasse und ward 718 der Hedschra zerstört; 
eine gleichnamige Kirche wird S. 120 ebenda erwähnt). 

120; 'Ajün Müsä söö. von Suez auf der Sinai-Halbinsel. 
121) 22. Jan. 1331. 
Zlscbr. d. Pal.-Ver. Xm. 12 



1 66 Röhricht, 

malitiam exercentes couati sunt ducere per devia quaeqiie non 
per viam rectam, utpossent nos in montibus interficere, set gratia 
Dei unus erat nobiscum Latinus, qui aliarum ^'^-; fuerat ad sanc- 
tam Katerinam et habebat aliqualem notitiam viae, qui clamavit 
de nocte dicens liora luchana: i-3) Succurrite, quia nos ducunt 
extra viam in montibus et rupibus ! Et tunc omnes violentiam 
fecimus eis eripientes de manibus eorum lanceas et angariaviraus 
eos in virga ferrea non tarnen mutilando eos, qui iverunt et nos 
duxerunt in montem Synay juxta scientiam praedicti nostri socii, 
qui de ipsa via habebat aliqualem peritiam. Tandem non nostris 
meritis, set Dei misericordia, orante pro nobis sancto Moyse 
et beata Katerina, cujus peregrinationem agebamus , sabbato 
LXX'^® i24j pervenimus ad monasterium sanctae Katarinae, quod 
est juxta radicem montis Synay. 

In ipso monasterio est ecclesia sanctae Sophyae pulcra valde, 
quam fecit iieri Justinianus, christianissimus imperator, in qua 
est una pulcerrima archa lapidea et in ipsa archa ossa beatae 
Katerinae de cacumine montis ad ipsum monasterium translata 
per revelationem hoc modo'^^). Cum per CCCC annos fuit in 
cacumine unius montis juxta montem Synay ipsum sacrum corpus 
portatum et custoditum et ignotum esset hoc mortalibus, set neque 
accessus humanus ad ipsam rupem montis, monachi, qui per di- 
versa montis Synay habitabant, videbant de nocte super ipsam 
rupem descendere de celo ignera et cantus audiebant saepe et 
orationi se dantes, quid hoc esset, a Deo postulantes, responsum 
fuit ibidem esse et ante CCCC annos et per angelos portatum 
fuisse corpus unius sanctae mulieris in Alexandria martyrizatae 
pro nomine Yhesu nomine Katerina et addidit angelus: Ascen- 
datis et illud transferatis ad monasterium et ho(no)re digno habeatis, 
quia sie est voluntas Dei! Quod et factum est. Juxta ipsum mo- 
nasterium est una capella syta in loco, ubi vidit sanctus Moyse 
rubum et in rubo Deum, et nos et omnes, qui ipsam sacram capel- 
lam intrant, discalciant se more Moysis, cui dictum fuit a Deo: 
Solve calciamenta de pedibus tuis, quia locus, in quo stas, terra 
sancta esti '2«] DieXXVIIIJ Januarii ascendimus sacrum montem 



122) Wohl verschrieben für alias. 123) Am frühen Morgen. 

124) 26. Januar. 125) Vgl. SiGOLl 161 — 172. 

126) Exod. :i, 5; vgl. KouiNSON I, 100. 



Antonius de Cremona. Iß7 

Synay, ad cujus modicum ascenssum est una ecclesia beatae vir- 
ginis, ubi tale dicitur fuisse miraculum seu visio'^^). Nam. cum 
monachi propter peiiuriam et multitudinem pulicum et sexe- 
pedvim proposuissent monasteriuni dimittere et prius vellent 
sacium montem visitare quasi licentiam petendo, in ipso primo 
montis ascenssu, ubi est ecclesia supradicta, apparens beatavirgo, 
mater Dei, dixit monachis : Revertimini et monasterium non di- 
mittatis, quia voluntas filii mei est, quod semper hie sint chvisti- 
colae et nunquam defficient vobis necessaria vitae, et quod recedet 
vermium plaga fide jubeo et fideijutrix sum, inquit mater Dei. 
Qui revertentes granaria plena invenerunt et pulices nusquam 
in monasteiio apparuerunt, quod ego probavi. Nam in Babilonia 
vixpoteram dormire propter pulices, set in sacro monasterio nullum 
sensi pulicem. Et cum distent ab habitatione humana per CL 
milliaria in deserto, tarnen semper habondanter Dens mittit eis, 
cum sint in medio Arabum et infidelium. Omni namqvie die 
faciunt coquinam pro CCCC personis, habent lebetes magnos in 
Venetiis factos et de Yenetiis ibidem super camellos portatos. 
Postpraedictam ecclesiam sanctae Mariae invenimus post magnum 
ascenssum sacrum montem Dei Oreb, ad quem misit Deus Helyam 
et ibidem pavit ipsum corvus, et ibi est ecclesia sancti Helyae et 
caverna in rupe ^^s) ^ ^bi faciebat penitentiam, ubi fugerat a facie 
Yezabel. Et sicut illic ipsum pascebant corvi ita et nunc('?) in mo- 
nasterio omni die veniunt C corvi ad minus silvestres ad monas- 
terium juxta coquinam monachorum et petunt annonam eorum, 
et cottidie datur eis annona, et post cibum volant ad rupes mon- 
tium et hora prandii omni die revertuntur. 

In cacumine ipsius montis Synay est ecclesia loco^^gj^ xibi 
fuit data lex Moysi, et est ibi rupis una, ubi latuit Moyses, quando 
vidit claritatem Dei, quam substinere non Valens intravit et abs- 
condit se, et cum rupis illa sit ita dura, quod nee cum malleo nee 
celte potuerim aliquod de ipsa habere seu evellere, remanet tamen 
ibidem in rupe ymago Moysis, cui cessit rupis illa, ac si esset terra 
et ipsius effigies in rupe apparet, quod fuerit homo magnusstatura 



127) Ritter 570 f., 617. Die nun folgende Flohgeschichte erscheint in 
den meisten mittelalterlichen Beschreibungen (Robinson I, 167 f.). 

128) Vgl. Makrizi 116; RlTTER 522, 524, 571, 574—576, 579, 617. 

129) Vgl. Makrizi 116; Ritter 576, 581—2. 

12* 



16S Röhricht, 

et latus in humeris. Set proh dolor in ipso saeratissimo 
monte est ydolnm abhominationis, id est moscheta Machometi, 
pseudoprophetae Saracenorum i^^), ubi veniunt ad peregrinatio- 
nem et vocant Moysem prophetam Dei. Set Machometus major 
Moyse et Habraam et omnibus prophetis et Christo nostro et 
omnes, ut dicunt, peccaverunt prophetae et in judicio dicent cul- 
pam siiam, et Machometus rogabit pro eis, et parcet illis Dens. Et 
dicunt, quod nisi fuisset Machometus. Dens non fecisset celum 
et terram, nee solem, nee lunam etc., et praecipue arguetur a Deo 
Christus noster in judicio illiipie dicet: Quare tu Yhesu, cum 
te miserim, dicit Dens, usurpasti gloriam meam dicens. te esse 
])eum'? Et dicet culpam suam. Machometus. dicet Dens, solus 
mihi fuit fidelis non usurpans gloriam meam et Yhesu parcet 
propter preces Machometi etc. '3i| 

Die XXX. Januarii ascendimus montem sanctae Kate- 
rinae. Siquidem non fuit portata ab angelis. ut dictum est, in 
loco, ubi fuit data lex, set in alio monte prope illum altiore illo, 
et non est prope alius mons, set est una pena ejusdem montis 
Synay, sicut in digitis manus meae unus digitus est altior alio. 
est tantum una manus. Istum montem seu istani penam montis 
Synay, que non vocatur mons Synay set mons sanctae Katerinae, 
ascendi, et est ascenssus inhumanus, etvixpotest aliquis ascendere 
cum manibus et pedibus, et in cacumine montis talis est in super- 
hcie rupis durissima. quam vix potui frangere cum malleo et celte. 
Super ipsam rupcm posnerunt angeli corpus sanctae Katerinae et 



130) Ritter 580—1. 

131) Die Sache steht in oder bezieht sich auf Sur. 5, 116 (Verszählung 
Flügel s und Hixckelmann's) und Sur. 7, ö, in denen von der Prüfung am 
Gerichtstage die Rede ist. Es ist aber ein grosser Unterschied: in der Koran- 
stelle weist Jesus den Vorwurf ab, und Gott erkennt dies als richtig an, bei 
Antonius bekennt er sich dazu und bedarf der Intercession Muhamed's zur 
Verzeihung. Ersteres ist die Lehre der orthodoxen Dogmatik ; vgl. Ghazäli, 
La perle precieu.se publ. par B. Gautier (Geneve 1870; S. 64 fl". der Über- 
setzung. Dass Muhamed im Gericht überhaupt Fürbitter sei, ist nicht aus- 
drücklich im Koran gesagt, aber nicht ausgeschlossen; erst die Tradition 
behauptet es. Auch die Propheten werden im A^'eltgericht geprüft (vgl. Galtier 
a. a. O.). üb nun die Lehre, die Antonius gehört haben will, irgendwo wirk- 
lich vorgekommen sei, lässt sich aus Mangel an Material niclit ausmachen; 
sie wird wohl von ihm missvorstanden sein. Entschieden ist das der Fall mit 
der Vorstellung, Gott habe um Muliamed's willen die Welt erschaffen (G.). 



Antonius de Cremona. 169 

usque hodie apparet in rupe quasi concavum secundum longitu- 
dinem et altitudinem corporis sanctae continentem ^3'-^). Ibi rupes 
illa durissima cessit sacro corpori, sicut cera cedit ignito ferro. 
Inde fuit translatiim ad monasterium per revellationem, sicut 
praedictum est. In festo sancti Blaxii '^sj f^^it nobis apperta archa 
sanctae Katerinae, in qua vidi et conteniplatus fui ad libitum et 
osculatus fui sacra illa ossa beatae Katerinae ^^■^). Est in archa 
illa caput et ossa tibiarura ambarum et aliqua ossa parva, reliqua 
vero sunt oblata. De ipsis sacris ossibus manat oleum valde mo- 
dicum, ymo quasi nichil ad praesens, quae consueverunt emanare, 
quod ardebant lampades de ipso sacro liquore. De ipso sacro 
liquore vix potui tantum coUigere, quantum est granum ciceris, 
quia durus est seu spissus talis liquor, et ipsum habeo in una am- 
puleta. Et tum obtuli ipsis sacris reliquiis unam candelam mag- 
nam et extra candelam X venetos albos novos infixos in candela, 
et per ossa tibiarum apparet, quod fuit magna mulier statura, ossa 
ejus omnia sunt nigra propter liquorem, qui emanat. 

Quarta Februarii recessimus de ipso sacro monasterio ituri 
versus Jerusalem, videlicet Gaza(m) et de Gaza Jerusalem. Et in 
ipsa via de Monte Synay usque ad Gazam fuimus XV diebus in 
deserto, in qua quidem via longo plures tribulationes et angustias 
substinuimus quam in prima via scilicet in veniendo ad montem 
Synay de Kabilonia ; nam erraverunt in via conductores nostri ; 
panem ad mensuram habebamus, aquam minus, ymo propter 
deifectum aquae quasi fuimus mortui. Nam in festo sancti Valen- 
tini ' 3ä) invenimus aquam corruptam et stercoribus camellorum 
infectam, colore viridem, spissam, fetidam et salsam, potum mor- 
tis, quem bibimus eo die et die Veneris sequenti usque ad vesperam 
propter deffectum melioris. Et cum ipso die ^"eneris scilicet XV 
die mensis Februarii quasi deifecerimus prae siti, quare illam cor- 
ruptam non audebamus bibere, quia bibere mors erat sitis. post 
preces, singultus^ lacrimas et suspiria, orante pro suis peregrinis 
beata Katerina, divina dementia exinsperato non sine omnium 
admiratione et stupore miraculose nobis providet de bona aqua 

132) Vgl. Ritter 580, 598 ff. 

133) 3. Februar. 

134) Vgl. Conrady a. a. O. 277 ff. 

135) H.Februar. 



170 Röhricht, 

set modica, propter quod miraculuni dipingitur ystoria sanctae 
Katerinae in ecclesia iiostia, quod votiim fecit unus merchator, 
qiii erat nobiscum, natione Placentinus noraine Johannes de Ro- 
sal'36). qiii dicit fratiem Ubertum consanguineiim suum; modum 
autem, quomodo ipsam aquam habuimus, nimis esset longum 
enarrare, ideo taceo. Quid plura? Cum illo modico poculo aquae 
a Deo nobis missae ambulavimus usque sero, sequentes vero 
vestigia leonis in sero invenimus aquam optiraam et multam non 
sine Arabum admiratione dicentium, se nunquam ibidem rece- 
pisse aquam et forte altam per grositiem imius digiti, set suffecit 
nobis. In crastinum die Sabbati invaserunt nos praedones Arabes 
in equis cum lanceis volentes nos spoliare et occidere propter ro- 
bam ipsam. ne unquam posset scire; quibus cum diceremus, nos 
habere literamSoldani. responderunt, Soldanum esse adversarium 
ipsorum, ac per hoc volle nos occidere, nee erat spes alicujus def- 
fenssionis nee fugae et distabamus a Gaza per tres dies. Quid 
plura ? Quae nos liberavit de morte sitis et de manibus illorum 
Arabum, sicut praedictum est, scilicet sancta Katerina, cujus 
peregrinationem agebamus, post multorum vota, preces et lacri- 
mas, inter quos vovi, quod ego ad honorem sanctae Katerinae XVIIJ 
Ave Maria, genuflexiones propter illum numerum annorum aetatis 
ipsius, que fuit puela annorum XVIIJ, similiter vovi matri Dei 
semper vigilias ipsi\is IV'"^^ et beatae Katerinae jejunare in pane 
et aqua, si ipsius meritis non periremus in manibus canum ini- 
micorum crucis Christi. Quid plura? Post aliquas horas Dens 
mutavit furiam cordis eorum in mansuetudinem ita, quod nee 
personas laexerunt nee res rapuerunt excepto pane, quem humi- 
liter petierunt a nobis. Post illud periculum statim eodem die et 
hora nona catharathae celi, ut ita loquar, appertae fuerunt, et des- 
cendit super nos inundatio aquarum et grandinum et viam nes- 
ciebamus et modicum panem habebamus, sed, perseverante in 
oratione pro suis peregrinis sancta Katerina, ambulavimus bonam 
viam casu non alicujus scientiae set dirigente nos angelo, qui direxit 
Tobiam. Insuper habuimus tan tum frigus in via, quod aqua, 

]'AC>) Dieser Name ist nicht weiter nachzuweisen; über die Nachbildung 
heil. Stätten in Piacenza A'gl. Lorexzo Longo, Gerusalemmc Piacentina ciofe 
chiese e luoghidi Piacenza corrispondenti in sito ä luoghi Santi di Gcrusa- 
lomme. Piacenza 1659, 40. 



Antonius de Cremona. 171 

quam bibebamus, congelata erat, de nocte cruciabamur a fri- 
gore et de die urebamur. 

Die XVI IJ Februarii pervenimus Gaza'm et, si plus uno die 
fuissemus in deseito, fame perissemus. Majus periculum est per 
desertum viae quam per mare. In mondo non est durior peregri- 
natio quam ad montem Synay et, si praeseivissem ipsa pericula, 
nunquara pedem posuissem, set multum gaudeo, quod feci, quia 
rogare deum didici, quia nun quam fui in periculo nixi ibi. Set 
semper una radix spei erat in corde meo, quod beata Katerina 
non permitteret nos perire, quae ita exaudibilis sancta est. 

Gaza fuit terra Phylistinorum ; prope Gazam hodie est donius 
Philistinorum, quam fecit Sanson dicens ^^'j : Moriatur anima mea 
cum Phylistim ! Portas Gazae portavit Sanson super unum mon- 
tem, qui ibi est. Prope Gazam per Y milliaria est vicus nomine 
Thabata, ubi sanctus Hylarion fuit natus, et est ibidem ecclesia, 
quae vocatur sanctus Hylarion *3Sj. 

Die XXJ Februarii recessimus de Gaza, quae vocatur vulga- 
riter Gazaria, et in crastinum scilicet in cathedra sancti Petri i^^) 
pervenimus in Ebron, ubi factus fuit Adam et inde translatus 
in Paradixum fuit et post expulsionem de Paradixo in terram 
illam, de qua assumptus fuit ad literam reversus et semper ibidem 
stetit faciens poenitentiam de suis peccatis ^^'>). Ibidem est campus 
damascenus, in quo fecit Dens Adam, ibidem est fovea, in qua 
mansit C annis Adam cum Eva plorantes filium suum Abel, ibi- 
que mortuus est et sepultus. Hunc locum super omnia loca mondi 
veneratus fuit Habraam propter reverentiam sancti Adam et cog- 
noscens per revelationem ibi esse ossa sancti Adam primi hominis, 
emit agrum illum et faciens ibidem speluncham duplicem sepeli- 
vit uxorem suam, matrem Ysaac i^'). Postea voluit ibidem sepeliri 
similiter Ysaac et Rebecha, uxor sua, similiter et Jacob et Lia, 
uxor sua, unde Saraceni vocant lingua eorum Cariacharbe^^^j^ id 



137i Jud. XVI, 30. 

138) Et-Tabaka, der Sage nach d. Geburtsort des Hilarion (vgl. Ax- 
Toxixus Martyr (Itin. lat. I, 109); CoNRADY 164). 

139) 22. Februar. 

140) Vgl. CoxRADY 143—144 u. 160; Anmerk. 382 u. 480. 

141) Vgl. die erschöpfenden Nachweise von P. RiANT in Les archives I, 
411 ff. 

142) Vgl. BuRCH.\RDUS 81 ; siehe auch Ritter, Asien XVI, 211 ff. 



172 Röhricht, 

est civitas IV**'^ patrum, scilicet Adam, Abraam, Ysaac et Jacob, 
sive Israel cum uxoribus ipsorum, scilicet Eva, Sara, Rebecha et 
Lia. Ibidem etiam omnes ülii Israelis patriarchae de Egypto 
translati sepulti sunt facientes reverentiam summo patriarchae 
scilicet saucto Adam. Ibidem est ylex mambre id est locus, qui 
vocatur Mambre^^^i, de quo scribitur: cum staret Habraam ad yli- 
cem Mambre, tres vidit et unum adoravit. Mambre erat domus 
Habraam, ylex erat vana quaerens, quae hodie non est, set in 
eodem loco antiqua radix arboris unius. In Ebron unxit domus 
Juda David in regem, ubi regnavit vij annis, quia est ipsa Ebron 
in tribu Juda. De ipsa valle Ebron misit Jacob Josep, filium 
suum, ad fratres suos; scriptum est eidemi44j ; Missus igitur de 
valle Ebron etc. Ibi usque hodie est speluncha duplex, et habent 
ipsam speluncham in maxima reverentia Saraceni, quia sunt filii 
Abraam, scilicet Ysmahelis, filii iVbraara, et vocant locimi illum 
sacrum sancti Abraam, et est pulcerrimus fons ibi, quem fecit 
Habraam ^■^■'). Tota illa civitas irrigatur aquis; sunt ibidem vineae 
infinitae. 

Eodemque die de Ebron venimus Bethleem Judae ibique in 
crastinum scilicet in vigilia sancti Mathey ^^*'] celebravimus mis- 
sam in loco nativitatis Christi et fuit missa noctis nativitatis. Item 
sub ecclesia ßethleemitica est una fovea, quam modo vidi, alianim 
nonvideram,ubiprojectafueruntcadavera sanctoruminnocentium. 
Cetera, quae sunt in liethleem et ad locum pastorum, aliarum vobis 
scripsi. Intrantes autem civitatem sanctam Yerusalem in vigilia 
sancti Mathey tam cito quam cito posui pedem in platea sancti Se- 
pulchri, tres mulieres de Cremona, quae ibidem erant, me cogno- 
verunt et statim alta voce clamantes dixerunt ; Salutant vos fratres 
vestri et vobis literas ex parte domini Francischini fratris vobis 



143) Über die.se Abrahamseichc vgl. Kobinson I, 338; II, 706, über die 
Sagen, welche sich daran knüpfen, vgl. RömucHT, Beitr. I, 111 f.; Sepp, 
Jerusalem u. d. heil. I>and I, ßOO ff. ; Yi'LE, The book of Sir Marco Polo I, 
132 ft'.; Jacob Guimm, Deutsche Mythologie 4. Aufl. 7'.)9 fl". ; V. Zezscuwitz, 
Vom römischen Kaisertum deutscher Nation, 162 — 166; Lotus DE Backer, 
L'extreme Orient, 364 — 367 ; Zauncke, I). Presbyter Johannes 1004 ff. 

144,1 Genes. 37, 14. 
, 145) Oflenbar ist die bei Robixson II, 705—6 beschriebene Quelle ge- 
meint. 

146) Lies Matthiae (23. Febr.). 



Antonius de Cremona. 173 

apportavimus, de quo fui valde miratus, quo modo scilicet me 
cognoverunt. eo quod barbam valde prolixam habebam et dixi 
a. a. a., Domine Deus I In ista sacratissima civitate Dei inveni, 
qui mihi nova refterat de carne mea ! Non vacat, dixi ego, a mi- 
nisterio; \ina de ipsis peregrinis erat mater magistri Rapbaelis, 
quae dedit mihi ipsam literam nomine Francischini fratris vestri; 
ipsa fuit facta litera de Julio. 

Anno Domini MCCCXXX in crastinum scilicet die Domi- 
nico in festo sancti Mathyae'*'') apostoli celebravi in monte sacro 
Syon, ubi ipse Mathyas ellectus fuit ad apostolatum ab apostolis 
etc. De Calvaria et de monte Syon aliarum vobis scripsi. Eodem 
die intravi sepulcrum hora vesperarum, et fuimus in Sepulcro 
nocte tota sequente usque ad diem sequentem in tertiis, ubi cantavi 
missam in altare, ubi apparuit Magdalena, et dixi missam noctis 
Eesurrectionis, scilicet quae dicitur in Sabbato sancto. lila sancta 
loca, quae continet ipsa ecclesia, aliarum vobis scripsi. Multum 
longo plus habui de consolatione spirituali secunda vice quam 
habuerim prima, et nullus intravit nobiscum ecclesiam Sepulcri 
nisi soli Latini, ita quod potui cantare alta voce in monte Calvariae 
et Sepulcro, nemine prohibente, ita quod benedicantur illi vij flo- 
reni, quos dedi eis. O quam dulces fuerunt illi iloreni ! 

Item eadem die visitavi locum nativitatis beatae virginis, et 
vocatur sancta Anna, et est Yerusalem juxta probaticam piscinam. 
Omnia Sanctuaria Yerusalem aliarum vobis scripsi. Die XXVIIJ 
visitavimus locum, qui dicitur Sanctus Zacharias^^s), quem primo 
non visitaveram, ibique est domus Zachariae, illucque venit beata 
INJaria de Nazareth in montana Judaeae cum festinatione et in- 
travit domum Zachariae et salutavit Helysabeth. Et distat hie 
sacer locus a Yerusalem VJ milliaribus. Ibi mansit beata virgo 
mensibus tribus, et ubi dixit'^*'): Magnificat anima mea Domi- 
num, natus est pulcerrimus et magnus fons constat usque hodie, 
Ibique natus est beatus Johannes baptista, ubi est una pulcra 
ecclesia '^oj 'Son multum longo ab ista domo Zachariae est una 
ecclesia versus montes in loco silvestri, ubi sancta Helysabeth abs- 
condit ipsum beatum Johannem l^aptistam, quando Herodes 



147) 24. Febr. 148) Tobler, Topogr. II, 357. 

149) Luc. 1, 46. 150) Toijlek, Topog;r. II, 359—361. 



174 Röhricht, Antonius de Creniona. 

jussit interfici pueros in finibus Judaeae, ibi permissioue divina 
abscondit eum mater sua in una rupe ad radicem montis'^^). 

Redeundo Yenisalem de istis montaneis in media via est 
nna pulcerima ecclesia et monasterium coriigianorumi52j niona- 
chorum, in quo loco nactum fuit lignum crucis ^^3) , set an verum 
Sit, non adhibeo fidem, quia legendae videntur sentire oppositum. 
Item de peregrinationibus Jordanis, Bethaniae, Montis Oliveti, 
Valis Josaphat, Bethfage, Jechamari^54]^ Alchedemach aliarum 
vobis scripsi. Celebravi in valle Josaphat in sepulcro Dominae, 
in sancta Katherina. Item vidimus mare rubrum, quod divisum 
fuit filiis Israelis, item comedi de piscibus ipsius maris, item vi- 
dimus in deserto Synay montes Faram, de quibus adhuc propheta 
diciti^^): Dens ab austro veniet et Sanctus de monte Faram. 

In Kallendis Martii recessimus de Yerusalem et venimus 
Eamam, quarto die Martii recessimus de Rama ituri Nazareth, 
nbi in crastinum celebrantes recessimus et venimus Acon. De 
Acon in festo sancti Benedicti ^^ej recedentes Dominica Palma- 
rumi'''') intravimus Famagustam etc. Explicit Itinerarium ad Se- 
pulcrum Domini. Deo gratias. Amen. 

151) ToBLER, Topogr. II, 357. 

152) Aus -/.aXoYTipo; entstanden, (Griechischer) Mönch. 

153) Das heil. Kreuzkloster, eine halbe Stunde w. von Jerusalem (Tobler, 
Topogr. II, 726 ff.). 

154) Das Wort ist so arg verstümmelt, dass sich nichts daraus erkennen 
lässt; ob Chaudemar? 

155) Habak. 3, 3. 156) 21. März. 157) 24. März. 



Grabkammern bei Haifa. 

Von G. Schiimaclier in Haifa. 

(Hierzu Tafel III.) 



Gegen Ende des Winters d. J. stiessen Steinbrecher, die in 
der Nähe der hiesigen deutschen Kolonie einen Sandsteinfels be- 
arbeiteten, auf unterirdische Grabhöhlen, die durch den Flugsand 
vollständig verschüttet worden waren. Sobald die Ortsbehörde 
davon in Kenntnis gesetzt war. verbot sie den Steinbrechern, ihre 
Arbeit fortzusetzen, und legte das Innere der Grabkammern, durch 
Hinwegräumen der Sandmassen theilweise frei, so dass ihre ur- 
sprüngliche Anlage ziemlich unverletzt zu Tage trat. 

Die Nekropole liegt in einer Sandfläche etwa 300 m vom 
Meere entfernt, 150 m nördlich von der von Haifa nach Jafa 
führenden Strasse, 1 Kilometer westlich von der deutschen Ko- 
lonie, also hart an den Ruinen des alten Haifa [haifä el-aüka) 
und ist von alten Feigenbäumen umgeben. Ich begab mich un- 
verzüglich an Ort und Stelle, nahm das Ganze auf, photographirte 
die einzelnen Theile und gebe danach die folgende kurze Be- 
schreibimg. 

Ein viereckiger Raum, der 4,75 m von N. nach S.. 3,97 m 
von O. nach W. misst und von sieben freistehenden, durch Ge- 
wölbebogen miteinander verbundenen Säulen umgeben ist. ist 
der Mittelpunkt der ganzen Anlage. Unter den Bogen befindet 
sich ein 1,40 m resp. 0,90 m breiter Umgang, von dem aus man 
die vier, an je eine Seite des viereckigen Raumes sich anschlies- 
senden Grabkammern betritt. Im Norden führt eine bequeme 
Treppe von 1,50 m Breite von der Felsoberfläche zu dem 3.90 m 
tief gelegenen Boden des mittleren Raumes oder Hofes hinab, 
der niemals überdeckt gewesen, sondern stets offen geblieben ist. 



176 



Schumacher, 



Die einzelnen Säulen haben einen unteren Durchmesser von 
45 cm, einen mittleren von 35 cm und einen oberen von 40 cm, 



3 



c 

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CB* 




bei einer durchschnittlichen Jlöhe des JSäulenschaftes von 1,30 m. 
Die geschwungenen Linien des Schaftes, der in der Mitte den 
geringsten Umfang hat, sind charakteristisch. Am oberen Ende 



Grabkammern bei Haifa. 177 

der Säule finden wir eine einfache, ^enig vorstehende, abgeschrägte 
Platte und unten einen viereckigen Fuss von 45 cm Höhe. Die 
die Säulen verbindenden liogen sind etwas weniger als halbkreis- 
rund. Die Entfernung der Säulen von einander beträgt im Mittel 
1,70 m. Der Hof, der Bogengang nebst den Säulen und der 
Treppe sind vollständig in dem anstehenden feinkörnigen, harten 
Sandsteinfelsen ausgehauen; auch nicht ein Mauerstein ist be- 
merklich. Sämmtliche Theile waren verputzt (vgl. hierzu Fig. 1). 
Von dem genannten Bogen-Umgang betreten wir zunächst 
durch eine S5 cm weite und kaum 85 cm hohe Öffnung die öst- 
liche, wohl erhaltene Grabkammer. Eine Steinthür aus Basalt, 
genau nach den römischen Mustern von muJi^s etc. gearbeitet, 
mit Steinangeln und Kupfergriff Klöpfel) ;s. Tafel HI), wurde 
abseits vorgefunden, gehörte jedoch zweifellos zu dieser Öffnung, 
die eine seitliche Erweiterung zur Aufnahme der Steinaugeln zeigt. 
Die östliche Grabkammer enthält zunächst in der Mitte einen 
rechteckigen Raum von 5,1 S m bei 4,95 m, an dessen drei Seiten 
sich je vier Einleggräber befinden, so dass die ganze Anlage 
kreuzförmig erscheint. Je zwei Gräber sind durch ein Arcosolium 
von 2,20 m Weite verbunden, jedoch durch einen schmalen Schlitz 
von 18 — 20 cm Weite von einander getrennt (vgl. Fig. 2). Durch 
diese Anordnung tritt jedes einzelne Grab besonders hervor und 
ist auch den Verhältnissen entsprechend sorgfältiger oder nach- 
lässiger behandelt worden. Kerben zur Aufnahme eines Grab- 
deckels fand ich nirgends, dagegen Spuren von Mörtel, die darauf 
hinweisen, dass die Gräber durch mehrere quer über die Öff- 
nung gelegte Steinplatten verschlossen wurden. Jedes Grab hat 
im Innern eine Länge von 2 m, eine Weite von 0,55 m und eine 
Tiefe von 0,70 bis 0,73 m. Das Kopfende ist durch ein schräges, 
dem Gestein noch anhaftendes Ruhekissen von 0,30 m Höhe und 
0,30 m Weite angedeutet. (Vergl. mein Abila, Quarterly Statem. 
July 1889, 42 und 43, wo sich ähnliche Anlagen finden . Eine 
Stufe von 0,55 m Breite und 0,25 m Höhe ist rings um den mitt- 
leren Raum herumgeführt und vermittelt den Aufstieg zu den 
Gräbern. Die Höhe des Raumes ist 2,05 m vom Boden, die Decke 
ist horizontal ausgehauen. Der Boden besteht noch aus einem 
sorgfältig behandelten Mosaik aus gleichen Steinen, ohne archi- 
tectonisches Muster. Auch in dieser Grabkammer ist jeder ein- 
zelne Theil sauber verputzt. Der Verputz hat eine röthliche Farbe 



178 



Schumacher, 



und ist aus der noch gebräuchlichen Jmmra (zerstossene Töpfer- 
scherben) und Kalkmörtel gemischt; er ist äusserst widerstands- 




fähig gegen Feuchtigkeit, daher nur wenige Stellen des Innern 
defect erscheinen. Über den Arcosolien iinden wir griechische 
Buchstaben in rother Farbe (wohl mit einem Pinsel) aufgetragen, 



Grabkammern bei Haifa. 179 

ein Tj und 6, £, auch ein -j-; diese müssen jedoch modern sein. Ferner 
sind überall an den Wänden herum Koransprüche mit Bleistift 

geschrieben, auch primitive Zeichnungen, wie_ _|_i_, und Kreuze 

aufgetragen — wohl das Erzeugnis müssiger Besucher, denn einen 
geschichtlichen Werth können diese Zeichnungen schwerlich 
haben. Die unmittelbare Nähe eines erst in neuester Zeit wieder 
aufgebauten muslimischen Weli, des Schech ^isä (eines Negers), 
der sich in früherer Zeit eines grossen Ansehens erfreut haben 
soll, mag dazu beigetragen haben, dass diese antike Grabstätte 
wieder als solche benützt worden war, wenn auch nur von Christen, 
da sich Muslimen alter Gräber nicht wieder bedienen sollen. 

Im Westen des mittleren Hofes befindet sich ein dem öst- 
lichen ähnlicher Eingang zu einer Grabkammer von wahrschein- 
lich gleicher Einrichtung wie die eben beschriebene ; das Innere 
ist jedoch zum grössten Theil noch von Sandmassen angefüllt. 
Im Süden dringen wir durch eine Thür ohne Verschluss von 
0;55m Weite und 0,90 m Höhe in eine kleinere Grabkammer 
von 2,75 m Länge bei 1,60 m Weite und 1,50 m innerer Höhe; sie 
enthält 2 Senkgräber im Boden des Raumes, 1,80 m im Inneren 
lang und 0,70 tief, mit Ruhekissen am Kopfende. Auch hier ist 
alles verputzt ^). Diesem Raum gegenüber, also unter der Treppe, 
finden wir eine vierte Grabkammer, von ähnlicher Anlage wie 
die südliche; auch sie ist jedoch vom Sand noch nicht ganz be- 
freit. Man gelangt zu ihr durch einen runden Bogen, in dessen 
Mitte ein quadratisches Loch von 0,45 m Weite eingehauen ist. 
Von der Treppe aus führt eine Öfi'nung von 0,40 m Weite nach 
dem Bogen des Eingangs, deren Zweck mir nicht deutlich ist; 
vielleicht mag sie als Abschlussvorrichtung gedient haben. In 
der südöstlichen Ecke des mittleren Hofes entdeckte ich Über- 
reste einer zerbrochenen Thür, die nach den einzelnen Gräbern 
geführt haben mag, die an jener Seite der Anlage ohne Ordnung 
beliebig in die Felsen eingehauen sind und nach Dutzenden 
zählen. Sie sind 1,80 m lang, 0,45 m breit und 0,60 — 0,70 m 
tief und waren mit Steinplatten gedeckt. Die Hauptaxe der 
ganzen Anlage der Grabkammern ist ziemlich von O. nach W. 
orientiert. 

1) In diesen Gräbern fanden sich menschliehe Knochenreste, die jeden- 
falls nicht von den zuerst hier Bestatteten herrühren. 



180 Schumacher, Grabkammern bei Haifa. 

In südlicher Fortsetzung über die vereinzelten Gräber hinaus 
bemerkten die Steinbrecher Spuren noch anderer Grabstätten, 
die vom Sand verschüttet waren und in der nächsten Zeit auf- 
gedeckt werden sollen. Dabei fand man umherliegende Thür- 
stücke aus Kalkstein, ähnlich wie die oben erwähnte aus Basalt 
gearbeitete. 

Nach meiner Meinung hat man es hier mit einer Nekropole 
von grösserer Ausdehnung zu thun; denn in geringer Entfernung 
gegen Osten beginnen die jüdischen, alten und neueren Fried- 
höfe, von denen die Memoirs des Palestine Exploration Fund 
Aufzeichnungen enthalten und wo ich im Spätjahr 18S7 (s. Quar- 
terly Statements April 1S88, 104 mehrere Sarcophage von ausser- 
gBAvöhnlicher Grösse und wohl jüdischen Ursprungs vorfand, die 
wie die obenbeschriebenen Grabkammern von meterhohem Flug- 
sand bedeckt waren. Die vorliegenden Gräber halte ich, wenn 
nicht für römischen, so doch frühchristlichen Ursprungs ; der auf- 
gefundene Mosaikboden dürfte eher für die erstere Annahme 
sprechen. 

Haifa, im Juni 1890. 



Nachträge. 

Mitgetheilt von Professor H. Giithe in Leipzig. 

Als ich im Sommer 18S9 den Aufsatz von Frau Dr. Lydia 
EiNSZLER, «das böse Auge« (ZDPV. XII, 200 ff."', für den Druck 
vorbereitete, war mir noch nicht bekannt, was Dr. C. Sxouck 
HüRGROXjE in dem zweiten Bande seines interessanten Buches 
»Mekka« (Haag, M. NijhofF, 1SS9) S. 166 f. über ein solches 
Amulet sagt, wie es Frau Dr. L. Ei]s*szler unter dem Namen 
maschchas ZDPV. XII, 204 f. erwähnt und bespricht. Ich setze 
die Stelle hierher : 

»Eine andere, seltenere und ziemlich kostbare, von den Wei- 
bern auch als Amulet hochgeschätzte Münzsorte verdient hier 
erwähnt zu werden, zumal man sie sehr gern zum Haarschmuck 
verwendet ; sie heisst in Mekka mischchas^ Plur. meschcichis^ was 
nichts anderes als Bildraünze bedeutet. Es liegt daher die Yer- 
muthung nahe, dass in früheren Zeiten diese Goldstücke die ein- 
zigen mit menschlichen Bildern versehenen gewesen seien, die 
in Mekka umliefen. Jetzt sieht man fast nur diuchlöcherte Exem- 
plare, und auf den meisten ist die Legende sehr schwier zu ent- 
ziffern. Man kauft sie bei Geldwechslern und Goldschmieden 
nur zum Gebrauch für Weiber. Aus einem sehr gut erhaltenen 
Exemplare, das ich besitze, und dem die übrigen von mir ge- 
sehenen in der Hauptsache ähnlich sind, erhellt, dass wir es mit 
venetianischen Sechinen zu thun haben. Die Ironie der Ge- 
schichte war also nicht damit zufrieden, dass in Medina das Grab 
Muhammeds, der die Prophetenverehrer verfluchte, zum Ziel der 
Wallfahrten geworden ist; sie lässt ausserdem in Mekka die 
Weiber der Muslime, die bildliche Darstellungen lebendiger Ge- 
schöpfe verpönen und den Christus gewidmeten Kultus als Un- 
glauben verdammen, abergläubische Verehrung zeigen flir die 
Bilder Jesu und eines Evangelisten. Dass die Damen selbst keine 
Ahnung davon haben, versteht sich von selbst«. 

Ztsch.d. Pal.-Ver. Xin. 13 



Ig2 Nachträge. 

Dazu giebt Dr. Sxouck Hurgrokje die Abbildung des in 
seinem Besitze befindlicben müchchas, die bei weitem deut- 
licher ist, als die 1889 in unserer Zeitschrift gegebene, und 
lehrt, dass der mischcJias aus der Zeit des Dogen Aloys Mocenigo I 
(1570 — 77) herstammt. Die Abbildung in unserer Zeitschrift 
XII, 204 ist danach leicht zu deuten. Das Bild auf der Seite a 
stellt Christus, von Sternen umgeben, dar: das Bild auf Seite b 
den vor dem heiligen Marcus knieenden Dogen. Dieser ist durch 
die drei Buchstaben DUX bezeichnet, während die Buchstaben 
links neben Marcus wahrscheinlich SM (= St. Markus VEN ET 
(= Venetus) bedeuten sollen. Die Legende am Rande rechts 
LUDOV MANI muss den Namen des Dogen enthalten. 



In demselben Aufsatze findet sich Aviederholt in den arabi- 
schen Zaubersprüchen die Form haufak oder Jiamvattak, die in 
dem Arabischen des Manuskriptes a'^Ä/i3j.> geschrieben war (vgl. 
ZDPV. XII, 209). Zur Erklärung derselben schrieb mir Professor 
Gildemeister aus Bonn 26. Oktober 1889: »Bistäni giebt in 

seinem Lexikon als Volksausdruck: -.^-'Ij ^'^hy>- [hauwattuka hil- 
läJii]. liamcat, Denominativ von ÄmV «Mauer«, ist «ummauern«, 
leicht verständliche Metapher für »Schutz«. Also: ich mnmauere 
dich (oder deklarativ • lasse dich ummauern) durch Gott. Dazu 
die Erklärung: ich bete für dich, dass er dich ummauere. Dies ist 
also das Ä«m6-a«aZ; ZDPV. XII, S. 214. iiU^^> S. 209 ist Schreib- 

fehler für e^Ä-j^. Es kann die Form i^h^z^ gemeint sein, die 
von den arabischen Lexikographen als nomen actionis zur 
A'III. Form -blxs*( betrachtet wird = »Schutz«, Es ist eine 
seltenere Form ; daher ist wahrscheinlicher, dass auch hier [S. 209] 
die Vcrbalform gemeint ist. Dagegen ist das S. 209 letzte Zeile 
und Bd. X, 107 vmd 177 stehende haufuk und liuutna wohl das 
gewöhnliche nomen actionis haut = dein (unser; Geschützt- 
werden (sei) durch Gott. Übrigens Hesse sich selbst die Schrei- 
bung a^Ä/i3j.s> erklären, da {j^j-=> nach Lane ähnliche Bedeutung 
hat«. 



Nachträge. 1 83 

Auf der neiien Karte des dschehel haurän ZDPV. XII, Taf. VI 
ist nordöstlich von el-hanawät der Rninenort se (oder si) ange- 
setzt worden. Das ist ein Irrthum. Dieser ist daraus entstanden, 
dass die arabische Namenliste (vgl. XII, 293) ^^ aufwies, das 
vielleicht 8ehd zu lesen ist, von Dr. M. Hartmann jedoch und 
darauf von Dr. Wetzstein als ^*^, d. i. se oder si ^ gedeutet 
wurde. Ich wurde auf die Möglichkeit eines Irrthums aufmerk- 
sam durch die bestimmte, doppelt vorkommende Angabe bei 
ScHARLiNG, Hauran (IS90) S. 68 vmd 71 '), dass st oder st etwa 
eine Meile südlich von el-hanaimt liege, und richtete eine darauf 
bezügliche Anfrage an Herrn Dr. J. G. Wetzstein. Derselbe 
hatte die Güte, mir unter dein 22, Juli 1890 Folgendes darauf zu 
erwidern : 

»Was Ihre auf die Lage von si bezügliche Frage betrifft, so 
hat es ScHARLiNG richtig südlich von kanawcii gesetzt; ge- 
nauer wäre südlich mit geringer Neigung nach Osten. Doch ist 
die Entfernung zwischen den beiden Orten keine Meile, wenn 
darunter die deutsche Meile gemeint ist, sondern nur eine knappe 
halbe Meile; auch liegt si auf der östlichen, dagegen kanawät 
auf der westlichen Wand des hadar. So, nämlich el-hadar'^] , 
heisst wegen ihrer hohen und steilen Wände die gewaltige 
Schlucht, welche etwa 4 Stunden südöstlich von kanaivät am 
Westabhang des Gebirges und zwar kaum 150 m unterhalb des 
Hochplateaus beginnt, eine nordwestliche Richtung nimmt und 
an kanawät und "atll vorüber sich in die Ledschäh hinabzieht. 
Auf dieser Strecke nimmt der hadar alle Rinnen auf, welche, 
vom Hochplateau aus, den Westabhang des Gebirges herabgehen. 
Diese Rinnen sind ursprüngliche Lavaströme, die also der hadar 
in sich vereinigte. 

»Diese Schlucht ist von bedeutender Tiefe und Breite, ihre 
Wassermenge ist aber nicht gross. Doch reicht sie noch im 
wasserlosen Spätsommer hin, um eine Mühle von 2 — 3 Mahl- 
gängen zu treiben. Nur im März, wenn der Schnee des Haurän- 
gebirges schmilzt, ist der tiahr el-kanaimt — so heisst der Bach 
des hadar — ein stattlicher Fluss, mit dessen AVasser dann alle 
Cisternen der vielen Dörfer der westlichen Ledschäh gefüllt 

1) S. die Anzeige dieses Buches S. 191 f. G. 

2) Hiernach ist hadar ZDPV. XII, 293 in hadar zu verbessern. G. 

13* 



1 84 Nachträge. 

Averden. Zu diesem Behufe sind eine Menge Kanäle, arabisch 
kanatccit^ aus dem Flusse abgeleitet, der davon seinen Namen 
hat. Die Stadt kanaicät Aviederum hat vom Flusse den Namen, 
der also vollständig kafr nähr el-kanaiorit lauten Avürde — analog 
der Ortschaft nimrm, die noch zu Eusebius Zeit bet n^marln^ 
» Quellenbachhausen « , hiess . 

»Der mächtige Strom des hadar behält von kancnoät aus die 
nördliche Richtung bei und ergiesst sich schliesslich in die 
Niederung, wo er in der Zeit der Eruptionen den westlichen Theil 
des Lavafeldes Ledschäh bildete. Bei der Ausmüudung einer der 
genannten Rinnen in den hadar liegt si hoch auf der durch die 
Mündung gebildeten Ecke. Ich war nicht selber in s~i, habe 
jedoch den dortigen Theil des hadar auf einem Hügel südlich 
von kanaicät skizzirt. Dieses 57*, wo Wai)DINgto:n und Graf de 
VoGÜE die Inschrift zu einer Herodes-Statue gefunden, mag in 
alter Zeit eine Ortschaft von Bedeutung gewesen sein ; vielleicht 
gehörte es zu den (wohl befestigten) Militärkolonien, Avelche der 
edomitische Judenkönig, nach dem Berichte des Josephus, in 
der Trachonitis anlegte. 

»Ein kleines elegisches Gedicht, das sich mit s'i beschäftigt, 
habe ich an Ort und Stelle nach dem Diktat eines meiner Führer, 
eines Nomaden vom kleinen Stamme der schenZihiJe niederge- 
schrieben. Das Gedichtchen kann Jahrhunderte alt sein.« 



Mit Bezug auf den in ZDPV. XII, 136 ff. besprochenen Ver- 
such des Herrn Prior Od. Wolff, die Maasse des J er usalcmi sehen 
Tempels auf ein einheitliches Gesetz zurückzuführen, schreibt 
Herr Pfarrer A. Beck in Lohn bei Schaff hausen (Schweiz) am 
V.S. Mai ]S90 Folgendes: 

»Sie haben in der Paläst. Zeitschrift XII, 136 ff. das Buch 
des P. Odilo Wolff über den Tempel zu Jerus. besprochen. 
Ich weiss zwar nicht, was Wolff mit dem Tempel Ezechiel's 
macht; aber interessieren wird es Sie, dass schon 300 Jahre früher 
das gleiche Verhältniss von Kreis und Hexagramm auf den 
Tempel Ezechiels angewendet worden ist, sogar mit der Behaup- 
tung, dass die Quadratur des Cirkels dort verwirklicht sei. Und 
zwar ist, der das behauptet, kein Geringerer als der grosse Astro- 
nom Jon. Kepler. Da ich nicht Mathematiker bin, so verstehe 



Nachträge. IJiS 

ich von der Beweisführung Kepler s nichts, will Ihnen aber doch 
die ganze Stelle hersetzen. Avie sie sich in dem Buche eines an- 
deren tiefsinnigen Geistes, des Prälaten J. Christoph Oetingkr, 
findet. Derselbe schreibt in seinem biblischen Wörterbuch unter 
Tempel EzechieFs Folgendes : 

»Es wird aber auch der Architectonisch-Geometrische Grund 
von der Quadraturae Circuli an des Tempels Viereck, wüe es in 
Riuidung zu bringen, sehr leicht zu begreifen seyn. Die Priester 
werden diss vor allen anderen wissen, wie sich jetzt die Oberste 

der Freimaurer dessen rühmen Lasst uns hören was 

Keppler andere schreiben « Kepler (f) an D. ILifenreffer, der 
dergleichen Gedanken zuerst über Ezechielis Tempel gehabt, ge- 
schrieben. Hafexreffer Templum Ezech. p. 341. Dico ego, 
nunquam mihi oblatum esse a quoquam, qui Quadraturam Cir- 
culi attentaret, neque probabiliorem neque certiorem modum sc. 
illo, quem ex Templo Ezech. eruit, seil. Circulus, cujus seraidia- 
metri quadratum componitur ex coacervatione quadratorum trium 
rectarum : 1 ) ex rectae quadrato a porta ingressus in Templum 
ad ejus Centrum, locum altaris; 2) ex rectae a Centro ad statio- 
nem propitiatoris quadrato : 3) ex rectae a Basi e directo sursum 
versus Coelum ad duas tertias s. sanctorum quadrato; is Circulus 
est aequalis totius Templi areae. « 



Bücheranzeigen. 

Johannes Gildemeister: Antonini Piacentini Itinerarium im unent- 
stellten Text mit deutscher Übersetzimg . Berlin, Reuther 1SS9 

XXIV, 68 pp. (SO. 

Es ist bekannt, dass die mit ihrem Stifter, dem hochver- 
dienten Grafen Kiant, zu Grabe getragene ') Societe de l'Orient 
latin eine Sammlung von lateinischen Palästinaschriften ver- 
öffentlicht hat, deren Ausgabe Titus Tobler und nach dessen 
Tode Aug. Mulinier besorgte. Ebenso ist bekannt, dass Gilde- 
meister in einer neuen Ausgabe des Theodosius bewies, wie 
unkritisch die französische, und wie nothwendig eine wirklich 
kritische war. Ganz dasselbe zeigt er jetzt in Bezug auf das 
Itinerarium Antonini Piacentini, das er an der Hand der 
von Tobler-Molinier gebotenen Materialien und neuer Collatio- 
nen in einer durch peinliche Sorgfalt in der Textbehandlung und 
sachkundige Erläuterungen, wie sie nur ein Mann von solcher 
kritischen Schärfe und umfassender Gelehrsamkeit bieten kann, 
in neuer resp. wahrer Gestalt uns vorlegt. Dass die Handschriften, 
in Lüttich (Universit. 720 saec. XVI) und Venedig (Collection 
Farsetti; vgl. Le Kret, Magazin zum Gebrauch der Staaten- 
und Kirchen-Geschichte IV, 1774, Ibü, wo sie als sehr schlecht 
characterisiert wird nach Dr. Meisner) nicht herbeigezogen 
wurden, ist kein Fehler; hingegen wäre vielleicht die Benutzung 
einer Handschrift in Zwettl (No. 310 saec. XII — XIII), auf die 
mich Herr Prof. Neumann in Wien aufmerksam gemacht hat, 
erwünscht gewesen (vgl. Bibl. geogr. Pal., 10 — 11, No. 15). Eine 
Studie über die Latinität unseres Reisenden bereitet Herr Prof. 
Geyer in Augsburg vor, dem wir auch eine sorgfältige Arbeit 
über die Peregrinatio S. Sylviae (Augsburg 189U) verdanken. 

R. Röhricht. 

1) Neuerdings hat Professor Charles Schefer in Paria die Neuorgani- 
sation der Gesellschaft übernommen. 



Bücheranzeigen. 1S7 



'D 



Anomjmi Gesta Francorum et aliorum Hierosolymitanornm. Mit 
Erläuterungen herausgegeben von Heinrich Hagenmeyer. Heidel- 
berg^ Carl Winters Universitätsbuchhandlimg 18S9. 8^. IX und 

574 S. S. 
Hage>-meyer's Name ist in erster Linie zu nennen, wenn es 
sich um quellenmässige kritische Behandlung der Kreuzzugszeit, 
namenthch des ersten Zuges, handelt. Hatte sich Hagenmeyer 
durch die commentirte, handliche Ausgabe des Ekkehardus 
Uraugiensis »Hierosolymita« ein bleibendes Verdienst erworben, 
so sieht man auf den ersten Blick, dass die uns vorliegende Aus- 
gabe der Gesta Francorum nach allen Seiten hin einen Fortschritt 
der Wissenschaft bedeutet. Nicht als ob die Gesta bisher unbe- 
kannt oder unbeachtet gewesen wären; wir besitzen sogar zwei 
Ausgaben derselben. Im grossen Sammelwerk des Bongars: 
Gesta Dei per Francos steht das Büchlein an dem ihm gebühren- 
den ersten Platze; im Recueil des Historiens des Croisades III ist 
es von diesem früheren Platze verdrängt, Aveil in seiner Bedeutung 
völlig verkannt. In der Einleitung zur HAGENMEYER'schen Aus- 
srabe handelt es sich zunächst darum, den Autor der Gesta soweit 
kennen zu lernen, als sein Büchlein es zulässt. dann ihm die ge- 
bührende Stellung wieder zu verschaffen, schliesslich Rechen- 
schaft zu geben über die Grundsätze, wie der kritische Apparat 
verwendet wurde. — Es bedarf scharfen Zusehens, um auch nur 
Avenige individuelle Züge über den Autor aus dem ganz in Ob- 
jektivität aufgehenden anonymen Werke herauszulesen. Der 
Mann war ein den Feldzug mitmachender, wahrscheinlich nicht 
sehr hochgestellter Laie, normannischer Unterthan aus dem süd- 
lichen Italien, der wohl lateinisch schrieb — aber fragt nur nicht, 
wie ? — und der trotz der heftigen Kämpfe und harten Entbeh- 
rungen des Kreuzzuges immer wieder sich Zeit nahm, die Erleb- 
nisse und sonstigen Nachrichten niederzuschreiben. Das AVerk 
reicht bis zur Rückkehr des Christenheeres aus der am 12. Aug. 
1099 stattgehabten Schlacht bei Askalon, war also im Spätjahr 
1099 vollendet und blieb in Jerusalem verwahrt, wo es seine 
Leser, Avohl auch Copisten, und schliesslich seine Plagiatoren 
fand, deren einer seinen eigenen Namen, Tudebodus, in das 
«entlehnte« Werk hineinschrieb, so dass es eine Zeit gab, in 
welcher der geplünderte Anonymus, als »Tudebodus abbreviatus« 
galt. Als solcher erscheint er noch im obgenannteu Recueil. 



1 3§ ßüeheranzeigen. 

Nuu hat wohl schon aon Sybel die Priorität unseres anonymen 
Normannen nachgewiesen, und ihm sind hochhedeutende, scharf- 
sehende Gelehrte gefolgt. Allein da auch nach der SYBELschen 
Geschichte des ersten Kreuzzugs noch immer eine Reihe Ge- 
lehrter sich für Tudebodus aussprach, war es sicher nicht über- 
flüssig, dass Hagexmeyer ausführlich zeigte, Avie devitliche Spuren 
unseres Anonymus in den sonstigen Quellwerken des ersten 
Kreuzzuges erkennbar sind, und wie er von zwei oder drei Plagia- 
toren, voran von Tudebodus von Sivrey, geradezu ausgeschrieben 
worden sei. — Und das Werk ist solcher Ehrenrettung völlig 
Avürdig. Denn selbst dort, wo es sicher nicht als gegenwärtiger 
Zeuge spricht, sondern erdichtete, hie und da gar nicht zu- 
treffende Gespräche erzählt, ist es der Ausdruck der Stimmung, 
der Anschauung, die im Lager und sonst in der Christenheit 
herrschte, und verdient mindestens culturhistorisches Interesse; 
ich führe nur das Gespräch der Mutter Kerl)oga"s an. — Dies 
mag über die Einleitung Hagenmeyer's genügen. Nur einen 
kleinen, an sich unbedeutenden Wunsch kann ich nicht unter- 
drücken : es hätte im A'erzeichnisse der kritischen Hilfsmittel 
S. 100 der Buchstabe F (vgl. S. 90) aufgeführt werden sollen, da 
ja doch schon S. 101 der Codex F (= Mspt. Cambridge, Corpus 
Christi N 281) angeführt ist. Der Herausgeber arbeitete, Dank 
den Collationen des leider so früh dahingeschiedenen Grafen 
Paul Hiant, mit einem den des Recueil weit überholenden 
Apparatus criticus. 

In den Anmerkungen zum lateinischen Texte liefert 
Hagenmeyer einen so reich ausgestatteten Commentar, dass man 
eine sehr vollständige Geschichte des ersten Kreuzzuges heraus- 
zulesen im Stande ist. Wenn Hagenmeyer die Geschichte der 
Fatimiden-Chalifen nach arabischen Quellen von Wlstenfeld 
(Göttingen ISSl) benutzt hätte, Aväre manches bestimmter ge- 
geben worden (vgl. S. 485, Anm. 21, mit Wlstenfeld o. c. S. 
278 S. A.;. Ich möchte nur wenig hinzufügen oder richtig- 
stellen: Zu Seite 131 fällt mir auf, dass der Namen S. Aegydii 
oder de S. Aegydio noch heute in der arabischen Form Sindschil. 
als Dorfnamen fortexistirt auch im Meräsid el ittilä*^ ed Juynboll. 

1852. II, S. OA erwähnt als ^:^Ijav.U ^^=^\^^■■^ er '^^^) — Zu S. 437. 
Anm. 2S möchte ich aus meinen eigenen Reisen beifügen, dass 



Bücheranzeigen. 1^9 

ich am 25. Mai IS 69 in Zagharta bei Tripolis den Weizen soweit 
reif getroffen habe, dass ich, -wie man es in Palästina von den 
Landeskindern lernt, die abgerissenen Ähren in den Händen zer- 
reibend die Kerne ablösen konnte (vgl. Matth. 12, 1 fg.), um 
sie zu essen, da sie weich und noch fast milchig waren. Die 
Dura war schuhhoch, grün ; die Frucht des Granatapfelbaumes 
schwoll. — S. 440. Die Entfernung von Dschebeil (Byblus) nach 
Batrün (Botrys) ist entschieden zu gross angegeben: ich gebrauchte 
(eingerechnet eine East von 30 Min. in einem Chan) nur 3 Stun- 
den 53 Min., entsprechend ist auch die Entfernung nach Beirut 
zu gross, trotz der Angabe des Abulfeda ;in seiner Geographie, 
ed. Reixaud et Slaxe, p. l'f'i) . — Auf derselben Seite Note 11 
ist es richtig, dass der iccidi feidär nicht in die Berechnung ge- 
zogen worden ist ; denn dieser Wädi ist so schluchtartig, dass an 
einen Aufenthalt nicht zu denken ist, während südlich vom Nähr 
Ibrahim, von diesem Flusse beleckt, eine schöne heitere Ebene 
wie zum Rasten einladet, und die übrige Strasse von Tripolis bis 
zur Bucht von Dschüni bis heute in meiner Erinnerung als 
schrecklich schlecht sich eingeprägt hat. Die hohe Brücke über 
dem Nähr Ibrahim liegt etwas östlich, landeinwärts in einem 
malerischen Thale, das der Fluss wie ein Silberband in starken 
Krümmungen durchströmt. Ich sah das Wasser ganz blau: 
Binsengestrüpp an sumpfigen Stellen. — S. 443. Die Lage von 
Eäs el-'ain gewiss nicht richtig angegeben. Ebendaselbst kommt 
der Namen «Hisnet Zib« vor, der auch einer kleinen Correctur 
bedarf. — S. 444 u. 445. Dass an einen Zug nach Damaskus 
nicht zu denken war. ist klar; aber auch den Zug durch das 
Jordanthal konnte Ende Mai kaum irgend Jemand als möglich 
in Betracht ziehen, der das Land nur halbwegs kannte. Dazu 
den riesigen Anstieg von Jericho nach Jerusalem! Wenn je etwas 
in Erwägung gezogen werden konnte, war es der Marsch mitten 
durch Samaria, wie heute noch die Strasse von Nazareth nach 
Jerusalem führt. — S. 445 Anm. 20 lies: Tantüra statt Tortura. 
— S. 447. Ich fand die S. Georgskirche, als ich das zweite Mal 
Palästina besuchte (1SS4), restaurirt: es sind byzantinische und 
Kreuzfahrerbaubestandtheile deutlich zu erkennen. Die Griechen 
haben freilich nur die alte Chorapside zur jetzigen Kirche ver- 
Avendet und eine geradezu geschmacklose Empore hineiiigesetzt. 
Den ganzen Dum wieder aufzubauen, reichten wohl die Mittel 



1 90 Bücheranzeigen. 

nicht. In einer Krypta zeigen sie das Grab des h. Georg. — 
Was der Anonymus über den Zug des Tancred und Eustachius 
nach. Näbulus mid von da nach Caesarea erzählt, beruht auf Be- 
richten, die er erhalten. Daher die Unklarheit des Ausdrucks, 
so dass man sich von Tancreds Zug von Näbulus nach Caesarea, 
von da nach er-Ramle kein rechtes Bild machen kann. Ich selbst 
bin 1884 von Itschzim (Ikzim) aus, an Caesarea östlich im Ge- 
birge vorüber nach ""Anebte und von da den allerdings recht ange- 
nehmen Thal weg nach Näbulus (Sichern) gezogen, Tancred, der 
doch die Weisung hatte, sich dem bei Askalon stehenden »Emir« 
admiravisus von Kairo entgegenzustellen, hätte dies durch einen 
Zug nach Caesarea und von da die Küste entlang nach er-Rarale 
gemacht! Und das so, dass er am 6. Aug. in Näbulus aufbrach, 
den bei 'Anebte beschwerlich werdenden Weg nach Caesarea 
nahm (denn das ist der nächste Weg), vor Caesarea plünderte, 
eine Art Vertiag mit der Besatzung schloss und am 8. Aug. noch 
zeitig genug schon in er-Kamle die Boten nach Jerusalem 
senden konnte, so dass am 9. die Hilfe von Jerusalem aufzu- 
brechen im Stande war. Ich selbst habe auf dem Wege von 
Itschzim nach Näbulus in *^Anebte übernachtet; eine Truppe 
marschiert aber langsamer als ein einzelner Reisender. Mir er- 
scheint es wahrscheinlich, dass Tancred gar nicht gefürchtet habe, 
der Feind sei schon auf dem Wege von Askalon nach Caesarea, 
sondern dass er durch einen Trupp die ganze Küstengegend von 
Joppe nördlich in Schach habe halten wollen, Avährend er direct 
von Näbulus in derRiclitung(von Joppe und) er-Ramle zog. Aber 
die ganze Darstellung ist unklar, w-eil der Anonymus eben nicht 
bei Tancred war, sondern sich referiren Hess. — Was Hagen- 
MEYKR S. 485, Note 23 sagt, Avird durch den Anonymus selbst 
widerlegt: venirent ad bellum, quod admiravisus Bab. preparat 
urbi Scaloniae. Also stand der Feind nicht so weit nördlich, 
dass Tancred fürchten musste, ihn im Rücken zu haben, — Die 
■wenigen Druckfehler, die ich mir notirt habe (z. B. S. 459 Z. 5 
lies perterriti; S. 473, Z. 1 lies utriusque ;jS. 48ü, Z. 17 lies sc), 
sind leicht zu corrigiren. Die Ausstattung ist sehr würdig. Ich 
brauche das werthvolle Buch nicht erst besonders z\i empfehlen; 
meine ganze Besprechung ist ein Zeichen der Anerkennung für 
den Autor und sein Werk. 

Wien, 5. Nov. lbi)ii. W. A. Neumann, 



Bücheranzeigen. \^\ 

Hauran - ReisebiJder aus Palästina von Henrik Scharling, Pro- 
fessor der Theologie an der Universität Kopenhagen. Mis Ge- 
nehmigung des Verfassers aus dem Dänischen übersetzt von 
P. J. Willatzen. Bremen^ 31. Heinsius Nachfolger. 1890. Kl. <S'ö. 

87 ^'. 

Der Verfasser schildert die wichtigsten Beobachtungen und 
Eindrücke, die sich ihm bei einem Besuch des Haurän im 
Frühjahr 1889 aufgedrängt haben. In lebendiger und anschau- 
licher Sprache redet er z. B. von dem Gegensatz der Farben, in 
dem sich die düsteren Basaltdörfer des Haurän Avenigstens im 
Frühling bei hellem Sonnenlicht von der saftig grünen Umgebung 
abheben. Mit besonderer Vorliebe jedoch verweilt er bei den 
merkwürdigen Ruinen des Haurän, bei den Theatern, Tempeln, 
Säulenstrassen, Kirchen und Moscheen. Er sucht die Sprache, 
die diese Bauten nicht nur durch sich selbst, sondern auch durch 
ihre zahlreichen, namentlich von Dr. Wetzstein, M. de Vogüe 
und Waddington gesammelten Inschriften zu uns reden, zu 
deuten und findet deren Wichtigkeit darin, dass sie eine der 
wichtigsten Perioden der Weltgeschichte, die des Übergangs 
vom Heiden thum zum Christenthum, für mehrere Jahrhunderte 
uns vor die Augen führen — «ein neues Pompeji, nicht unter, 
sondern über der Erde « (81). Er bemerkt in den Ruinen nicht 
nur die Zeichen des Verfalls der klassischen Kunst, »den Herbst- 
und Winterschlaf der Kulturtr, sondern auch einen »spriessenden 
Frühling«, die ersten Elemente eines neuen Kunststils, der sich 
namentlich in den Kirchen während des Mittelalters vollständig 
entwickelt hat. Ich verzeichne diesen Hinweis auf die alten 
Kirchen und Dome Syriens gern, da es auch mir so scheint, als 
ob diese Gebäude in der Geschichte der Kirchenbaukunst zu 
wenig l^eachtung finden. Wer sich darüber näher unterrichten 
will, Avird allerdings zu dem schönen Werke M. de Vogüe's, La 
Syrie centrale (Paris 1865 — 1877) greifen müssen. Scharling s 
anziehende »Reisebilder« können aber wohl dazu dienen, zu einem 
solchen Studium anzuregen. 

Der Weg der Reisenden ging von bänijas über el-hära, in- 
chil, schah% ezra ^ racham nach bosra; von hier über el-kureje, 
hebrän und es-suwedä nach el-kanaicät. Mach einem Abstecher zu 
den Ruinen von sia isi) wurde die Reise nach schuhba fortgesetzt. 
Am Ostrande der ledschah entlang ziehend, hielten sich die 



192 Bücheranzeigen. 

Reisenden in cleh'ir nncl huräk auf; von letzterem Orte ritten sie nach 
Damaskus. Es ist schade, dass das Buch so wenige und ganz all- 
gemeine Angaben über den zurückgelegten Weg enthält, da dieser, 
wenigstens in seinem ersten Theile bis schuhba. durchaus nicht 
näher bekannt ist. Die Reisegesellschaft war zahlreich genug, so 
dass es bei geordnetem Zusammenwirken aller Kräfte mit geringer 
Anstrengung leicht möglich gewesen wäre, ein genaueres Itinerar 
mit nach Hause zu bringen. Sollte jedoch ein solches vorhanden 
und nur in diesen »Reisebildern« aus Zweckmässigkeitsrück- 
sichten nicht mitgetheilt worden sein, so wäre seine anderweitige 
Veröffentlichung durchaus wünschenswerth. Die Herausgabe 
der SxÜBEL'schen Karte (ZDPV. XH) hat es mir lebhaft zum Be- 
wusstsein gebracht, wie lückenhaft imsere Kenntnisse dieser 
Gegend trotz des durch Dr. Stübel herbeigeführten Fortschrittes 
noch sind. Es ist daher dringend zu wünschen, dass Reisende, 
die einen z. Th. noch unbekannten Weg durch den Haurän ein- 
schlagen, die Mühe daran wenden, genaue Angaben über Rich- 
tung und Dauer des Weges aufzuzeichnen und wenn möglich 
aiich einige Messungen anzustellen. 

Unter den arabischen Ortsnamen ist »Scluibba« in Schuhba, 
»Rachan« in Racham zu verbessern. S. 39 wird behauptet, der 
Name Bosra sei mit »Bazar« verwandt. Dem ist nicht so; bäzär 
»Markt« ist ein persisches Wort und hat mit bosrä [bosra] nichts 
zu thun. Statt »Scheik« hätte der Übersetzer stets Scheich oder 
Schech schreiben sollen. Meidun S. 80 statt Meidän (Vorstadt 
von Damaskus) ist wohl nur ein Druckfehler. — Kenner des 
Haurän wird die Mittheilung S. 87 interessiren, dass der schöne 
Tempel von el-mismij'e »jetzt niedergebrochen sein soll, um einer 
Kaserne Platz zu machen.« 

H. GUTHE. 



Sieben Tage in Jerusalem. Von Carl Heinrich Christian Platli, 

Lic. theol. Missionsinspektor und Professor. Berliti, TV. 18S0. 

Buchhandlunxj der Gossner'schen Mission. S^. 34 S. 

Der A'erfasser erzählt in unterhaltender Form, was er während 

7 Tagen, die er aiif der Rückreise von Indien') begriffen in 



1) K. H. Chr. Platii, Eine neue Reise nach Indien für Jung und Alt 
beschrieben. Berlin 1889, Gossnerische Mission. 8. 170 S. 



Bücheranzeigen. 193 

.Jerusalem zubrachte, dort gesehen und erlebt hat. Damit ist 
schon gegeben, dass er in seinem Buche nicht wissenschaftliche 
lieobachtungen oder statistische Nachrichten mittheilen will. Er 
fügt dem Gesehenen die Eindrücke, die dieses auf ihn gemacht 
hat, hinzu. Mit warmem Herzen redet er von dem Erhebenden, 
das ihm in Jerusalem begegnet ist; aber er verschweigt auch 
nicht die befremdenden, unangenehmen Eindrücke, die er em- 
pfangen hat. Somit unterscheidet sich das Büchlein vortheilhaft 
und der Wahrheit zu Ehren von vielen anderen Berichten, die 
Jerusalem gegenüber nur eine Sprache kennen. — Es sei mir 
gestattet, einiges, das mir aufgefallen ist, hervorzuheben. Die 
Kuppel der Grabeskirche liegt im Westen, nicht im Süden des 
Johanniterhospizes (S. 5); der Satz, »die Gebäude des jetzigen 
Jerusalems stehen auf einem Schutthaufen, welcher mehr als 
hundert Fuss hoch ist« (S. 9), ist übertrieben und giebt ein un- 
richtiges Bild ; in der birket israJn neben dem Stephansthore den 
Teich Bethesda zu erkennen, ist mangelhafter begründet, als 
Verf. meint, und hat durch die Nachgrabungen Warre]N''s durch- 
aus nicht eine Beglaubigung erfahren (S. 25). 

H. GUTHE. 



Noch einmal das Emmaus des Joseplms, das Haminat 
der Bibel, Hammata des Talmud am See Genezaretli. 

Von Professor K. Furrer in Zürich. 

Dass auch nach meiner Darlegung in ZDPV. XII, S. 145 ff. 
die Lage von Taricheä immer noch als eine problematische an- 
gesehen werde, erwartete ich nicht. Sicherlich Aväre ohne die 
doch sehr fragwürdige Autorität des Plinius niemandem einge- 
fallen, diesen Ort am südwestlichen Ausgang des Sees zu suchen. 
Auch nicht Ein Argument kann aus Josephtts dafür angeführt 
werden. Ich halte die Identification von Taricheä mit Magdala 
in der Ebene Gennesar für eines der gesichertsten Ergebnisse der 
historischen Topographie Palästinas. 

Doch nicht minder steht mir die Lage von Emmaus fest, das 
einstimmig als dieselbe Ortschaft wie das biblische Hammat, das 
talmudische Hammata, betrachtet wird. Dieser Ort lag am Aus- 
gang des Wadi 'Ammäs, zwei römische Meilen, also etwas mehr 
als eine halbe Stunde, nördlich von Tiberias und etwa 22 Mi- 
nuten oder 9 Stadien südlich von Magdala. Er hiess in sehr alter 
Zeit schon Hammat »Warmquelle«, weil hier eine sehr reiche 
Quelle sprudelt von süssem Wasser, das durchschnittlich 20° F. 
wärmer ist als das Seewasser. Diese süsse Qtielle von massiger 
Wärme lud früher als die sehr heissen und widerwärtig schmek- 
kenden und riechenden Quellen von Tiberias zum Gebrauche ein 
und wurde darum mit dem Namen Jlammat ausgezeichnet. Für 
diese Lage von I lammat giebt eine Stelle im jerusalemischen Tal- 
mud, dessen Verfasser am See Genezaretli gelebt haben, einen He- 
weis von nahezu mathematischer Schärfe: Tractat Erubin 5, 8. 
Kleine Orte hatten gemäss dieser Stelle nicht das gleiche Sabbath- 
recht wie grosse. So durften die licwohner von Gadara am Sab- 
bath zu den heissen Quellen am Jarmuk hinunterspazieren, aber die 



Noch einmal das Emmaus des Josephus etc. ]Qq 

Leute, die da unten Avohnten, nicht nach Gadaia hinaufsteigen. 
Gleicherweise war den Tiberiensern erlaubt, am Sabbath ganz 
Hammata zu durchwandern, während die Bewohner dieses 
Ortes nur bis an das gewölbte Thor von Tiberias ihren Spazier- 
gang ausdehnen durften. Ein alter Hirte berichtete dem Eabbi 
Jeremias: »Ich erinnere mich, dass die Bewohner von Mag- 
dala sich am Sabbat nach Hammata begaben und den 
Ort bis zu seinem äussersten Ende bei der Brücke 
durchwanderten«. Auf Grund dieses Zeugnisses entschied 
der Kabbi, dass die Leute von Magdala auch fiirder so thun 
durften. Li Folge zahlreicher Neubauten wurden späterhin Ti- 
berias und Hammata wie ein Ort betrachtet. Es wird nicht ge- 
sagt, dass etwa beide Orte von der gleichen Mauer wären um- 
spannt worden, oder dass Hammata aufgehört hätte als besonderer 
Ort zu existiren, sondern ihre Einheit war eine mehr ideelle; sie 
wurden, wie A. Neubauer (Geogr. du Talmud S. 208) sehr richtig 
bemerkt, vom Standpunkt des Sabbathgesetzes aus als Einheit 
behandelt. Einer materiellen V^erschmelzung stand, wie ich aus 
eigener Anschauung Avohl weiss, der Steilabsturz entgegen, der 
eine Strecke weit zwischen Tiberias und dem Wadi 'Ammäs nur 
einen schmalen Pfad über dem Seestrand offen lässt. Immerhin 
ist zu bedenken, dass seit den Tagen des Alterthums das Ufer an 
jener Stelle sich bedeutend gesenkt hat, so dass einzelne Häuser 
da stehen konnten, wo jetzt die Wellen über halbverdeckte Fel- 
sen schäumen. 

Wir sehen, der Talmud unterscheidet mit aller wünschbaren 
Deutlichkeit zwischen Tiberias und Hammat; daher geht es nicht 
an, da, wo er von den heissen Quellen der Stadt Tiberias redet, 
an solche von Hammat zu denken. Auf die Tiberiasthermen 
kommt er öfters zu sprechen, z. B. Tract. Schabbat: VII, 2: 
»Darf man etwas im heissen Wasser von Tiberias kochen?« [XIV, 
3:) »Es ist erlaubt in den Thermen von Tiberias sich zu baden«, 
Neubauer (a. a. O. S. 212) berichtet, Rabbi Simeon Ben-Jochai 
habe die Stadt Tiberias Avegen ihrer heissen Quellen rein erklärt, 
doch gewiss nicht wegen Quellen, die, wenn man dem alten Ti- 
berias nur die Ausdehnung des jetzigen geben will, eine halbe 
Stunde fern von den Mauern der Stadt lagen. 

Gewiss wenn die 'Iliermen nicht innerhalb der Stadtmauern 
sich befunden hätten, nimmer hätte auf antiken Münzen als Sinnbild 



196 Furrer, 

von Tiberias Hygiea figurirt mit der Schlange auf einem Felsen 
sitzend, aus dem eine Quelle hervorbricht (s. ZDPV. II, 54). 

Verschmilzt aber etwa Josephus Emmaus mit Tiberias? 
Antiq. XVIII. 2, 3 berichtet er, nicht weit von Tiberias entfernt 
gebe es eine Therme in einem Dorf genannt Emmaus. Bell.jud. 
II. 21, 6 erzählt er, Johannes von Gischala habe ihn gebeten, 
die warmen Bäder von Tiberias zur Heilung seiner Krankheit 
besuchen zu dürfen. Johannes gab sich für einen bettlägerigen 
Kranken aus und spielte diese Rolle eine Zeitlang in Tiberias. 
Hat sich dieser Kranke bei den damaligen gefährlichen Zeit- 
läufen jeden Tag eine halbe Stunde vor die Stadt hinaus tragen 
lassen ? Sicherlich hätte dann Josephus den verdächtigen Mann 
auf der offenen Strasse abfangen lassen. Nach Bell. jud. IH. 10, l 
schlug Vespasian sein Lager zwischen Tiberias und Taricheä auf 
und zwar, wie Bell. IV. 1, 3 deutlich ergibt, in Emmaus. Wenn 
aber Josephus Emmaus und Tiberias so klar auseinander hält, 
wie darf man da sagen, wo er von den Tiberiasthermen rede, 
meine er die von Emmaus? 

Antoninus Placextixus c. 570 n. Chr. schreibt: Wir kamen 
in die Stadt Tiberias, in welcher von selbst sich erhebende Quel- 
len ^) sich befinden. 

Ja'kübi 891 nach Chr.: »In der Stadt Tiberias sind heisse 
Quellen, welche aufsprudeln«. 

Mukaddasi c. 985: »Die Stadt Tiberias ist fast eine Para- 
sange lang (d. h. eine Stunde. Darnach hat sich damals noch die 
Stadt bis über die Thermen ausgedehnt). In Tiberias giebt es 
eine siedende Quelle«. 

Idrisi 1154 nennt Tiberias eine Stadt von fast zwei (röm.) 
Meilen Länge und berichtet ausführlich von den heissen Bädern 
in der Stadt. 

BüNiiAzio Stefam c. 1553, einst Guardian des h. Landes, 
erzählt: «In dieser Stadt (Tiberias) befinden sich heilsame Wasser, 
sehr gute Bäder, deren Tugend die Itömcr der Nachwelt durch 
eine Inschrift verkündeten, deren vom Zahn der Zeit zernagte 
Schriftzüge ich nicht mehr vollständig entziffern konnte.« Vgl. 



1) GiLDEMElsTKK, auf (Icsseii meisterhafte Edition und Übersetzung 
des Antonixus ich hiermit hinweise, schreibt : ex se lavantcs »aus sich ab- 
waschend«. Ich proponire : ex se levantes »aus sich erhebend«. 



Noch einmal das Emmaiis des Josephus etc. •} 97 

QuAKESMius, Elucid. - II, (j5U. Quakksmius (zwischen Ißlü — 
162G) bezeugt, dass sich grosse Ruinen zwei Meilen von der da- 
maligen Stadt Tiberias an nach Süden hin ausdehnten (also bis 
zu den Thermen). Quakesm. a, a. O. 

Irby und Maxglbs trafen 1817 südlich von den liädern eine 
Mauer, welche vom See bis zur lierglehne reichte :Irby and 
Mangles, Travels S. 89). Wilson Recovery of Jerusalem S. 362 
gibt die Dicke dieser Mauer auf 1 1 Fuss 6 Zoll an. also auf 31/2 m. 
Diese Dicke stimmt zu derjenigen, Avelche die Seemauer der alten 
Stadt besass, indem Wilson (S. 361) die Dicke der Seemauer auf 
12 Fuss schätzt. Nach Guerin (Galilee I, 270) sieht man, dass 
der Bezirk der Thermen südlich durch eine dicke Mauer abge- 
grenzt war, während eine dünnere Mauer ihn von Tiberias schied. 
Das ist in Analogie zur Baugeschichte Jerusalems so zu erklären, 
dass nach Zertrümmerung der einstigen Herodesstadt Tiberias 
nach reducirtem Plan -vvieder mit Mauern umzogen wurde. Der 
Unterschied beträgt aber nur etwa 600 Meter. Einst bildete Kasr 
Bint el-MeJik, die auf steil abfallenden Felsmassen thronende 
Feste, 175 Meter über dem Seespiegel erhaben, die Akropolis 
von Tiberias. Von dort aus konnten die tiberiensischen »Neuerer« 
schon eher die Bewegungen des von Süden heranrückenden 
Feindes beobachten. Die Lage dieser Akropolis zeigt aber auch, 
dass der Schwerpunkt von Tiberias einst weit mehr nach Süden 
lag als heutzutage. 

Möge es mir gelungen sein, die Frage über Emmaus-Ham- 
mat unter den Sachverständigen zur endgültigen Erledigung ge- 
bracht zu haben. 



Nachtrag'): Nach der neuen Ausgabe des Josephus durch 
B. Niese in Marburg ist für Ammaus Jos. Antiqu. XVIII. 
2, 3 Ammathus zu lesen, ebenso wahrscheinlich auch Jos. jüd. 
Krieg IV. 1,3. Für die Streitfrage ist die Variante ohne Belang, 
da es sich ja bei der einen oder anderen Lesart nur um das im 
Talmud oft genannte Ilammat handeln kann. Dass aber das 
talmudische Hammat zwischen Tiberias und Magdala lag, glaube 
ich gezeigt zu haben. Die warmen Quellen sind in den uns 

1) Dieser Nachtrag ging in Folge eines Briefes der Redaction ein. G. 
Ztschr. d. Pal.-Ver. XllL I4 



198 Furrer, 

erhaltenen Zeugnissen ans dem Altertlium nie als besondere 
Localität benannt, indem auch Jos. 19, 35 unter Hammat das 
talmudische Hammat zu verstehen ist, also das Hammat im Wadi 
'Ammäs. Sind auch die dortigen Quellen jetzt nur lauwarm, so 
schliesst das nicht aus, dass sie im Alterthum einen höheren 
Wärmegrad besassen, nie wohl denjenigen der Tiberiasquellen: 
aber nur so waren sie für den unmittelbaren Gebrauch von Hirten 
und Bauern geeignet. 



Zur ostjordauischeii Topographie. 

Von Professor K. Furrer in Zürich. 



Durch die Bibel sind uns nur wenige Namen aus dem nörd- 
lichen Theil des üstjordanlandes übermittelt worden. Um so 
reichere Ausbeute gewähren ausserbiblische Quellen, namentlich 
alte Verzeichnisse von liischofssitzen und vor Allem die durch 
Waddington und AVetzstein im Ilauran gesammelten Inschriften. 

Mit vollem Kecht hat Professor Buhl (S. 42 dieses Bandes) 
Karnaim von Astharoth getrennt und die Identität letzteren Ortes 
mit Teil 'Aschtere festgehalten. Karnaim (Gen. 14, 5), Karnain 
(LXX a. a. O. und 1 Makk. 5, 26. 43. 44), Karnion (2 Makk. 
12, 21), Agraena, Graena in den Inschriften (s. Le Bas und Wad- 
dington III, 561) ist das heutige Kren (Andere schreiben Dschren, 
Dschuren in der Ledschäh. Sehr richtig heisst es von diesem 
Orte 2 Makk. 12, 21, er sei schwer zu belagern und schwer zu- 
gänglich wegen der Enge aller Örtlichkeiten (oiä tyjv iravTcuv t<uv 

über die aramäische Landschaft Gesur (2 Sam. 15, 8) war 
man bis jetzt stets im Ungewissen. Seiner Zeit konnten die 
Israeliten dieselbe nicht erobern (Jos. 13, 13). Im Gegentheil 
dehnten die Ge.suriter bisweilen ihre Herrschaft auch über ihre 
Nachbarn aus (l Chron. 2, 23). Nach Gesur flüchtete sich Absa- 
lom vor dem Zorn seines Vaters (2 Sam. 13, 37). Gesur ist iden- 
tisch mit der Ledschah. Der alte Name der Landschaft hat sich 
auch in dem mitten in ihr gelegenen Dschisre erhalten. Gesur, 



Zur ostjordanischen Topographie. \QQ 

d. i. »Ihückenland«, war eine für dieses mit geborstener Lava über- 
deckte Gebiet vortreffliche liezeichnung. Bei der Abkühlung 
der riesigen Lavafluth hatten sich seiner Zeit iinzähhge vielge- 
Avundene, kleine, enge Schluchten gebildet, die an vielen Stellen 
durch Spannung der Lavadämpfe von Naturbrücken waren über- 
brückt worden. Begreiflich, dass dieses Land, das in unserem 
Jahrhundert sogar dem genialen Schlachtenmeister Ibrahim 
Pascha erfolgreichen Widerstand leistete, von den Israeliten nicht 
bewältigt Averden konnte. Begreiflich auch, dass sich in diesem 
Schluchtengewirr Absalom bei seinem Schwiegervater Thalmai 
vollständig sicher fühlte. 

Dass die Eroberung des Ostjordanlandes durch die Assyrer 
tiefe Spuren zurückgelassen, geht schon aus den betrefl'enden 
Siegesberichten hervor. Bei Chulchula am Ostrand der Le- 
dschäh, einem Orte, der noch denselben Namen trägt wie in assy- 
rischer Zeit \clialchale\, wvirden arabische Stämme vonAssurbani- 
pal auf's Haupt geschlagen (s. Hommel. Geschichte Babyloniens 
und x\ssyriens S. 710 f.). Merkwürdigerweise haben sich auch 
eine Reihe assyrisch-babylonischer Götternamen in hauranischen 
Ortsnamen erhalten, so Merodach (Marduk) in Murduk, Adar in 
Hadar, Sola in Sälä, Adad in Iladid, Nergal in Nedschrän, Barku 
in Buräk, Dada in Didi, Nebo in Nebä. 

Von Ortsnamen der Makkabäerbücher und des Josephus 
erwähnen wir noch : Raphon (l Makk. 5, 37 ; aber Bell, jud. III. 
3, 5 Arpha). Es ist das jetzige er-Räfe im Osten von AVädi el- 
Ehreir *). Josephus erzählt Vita 1 1 von der Gefahr, welcher einst 
die babylonischen Juden in Ekbatana ausgesetzt gewesen seien, 
und der sie entrannen, indem sie nach der Festung Gamala 
sich zurückzogen. Da die Gefahr von Norden und Nordosten 
drohte, so muss man annehmen, dass die Rückzugslinie südlich 
gegangen sei, und daher Ekbatana im Norden von Gamala ge- 
legen habe. Darauf gestützt darf man vielleicht Ekbatana in dem 
einige Stunden nördlich von Dschemle sich findenden el-Butmije 
wiedererkennen. Bekanntlich formte der Volksmund an fremden 
Namen oft so lange, bis sie einen appellativen Sinn in der 
Sprache der Gegenwart ergeben. El-Butmije bedeutet der Tere- 
binthenplatz. 

1) Plinius, Hist. nat. V, 18 erwähnt Raphon in der Form Raphaua als 
eine Stadt der Dekapolis. 



14 



* 



200 Furrer, Zur ostjordanischen Topographie. 

Nach 2 Makk. 12, 13—17. 20—26 zog Judas von Kaspln 
(Chisfin) nach Charaka, von dort nach Karnain. ('haraka ist el- 
Haräk am Wadi el-Ghär. Schreibt man 2 Makk. 12, 17 anstatt 
750 bloss 75 Stadien, so trifft die Angabe auf die Entfernung 
zwischen Chisfin und el-Haräk zu. 

1 Makk. 5, 9 wird ein Ort Dathema in Gilead erwähnt. 
Ob er mit "^Ataman nördlich vom Wädi Talit identisch sei, wage 
ich nicht zu entscheiden. Hingegen dürfen wir wohl den auf 
Münzen erwähnten Ort der Gabener. der zur Tetrachie des Phi- 
lippus gehörte (s. Schürer, neutest. Zeitgesch. 2 n, 113) mit 
Dschibin am Nähr er-Rukkäd identificiren. 

JosEPHUs erwähnt Vita 37, dass die Landschaft Gaulanitis 
bis an den Flecken Solyma abgefallen sei. Dieser Ort, in den 
Inschriften Seleima genannt (s. Waddington III, 543), findet sich 
unter dem Namen Sulem am Westfuss des Haurangebirges. 

Die im Synekdemus des Hierocles, bei Stephanus von By- 
zanz, in den alten Bisthumsverzeichnissen aufgezählten Ort- 
schaften, die zur Metropolis in Bostra gehörten, lassen sich 
grösstentheils mit aller Sicherheit nachweisen. Die grosse Zahl 
von Bischofssitzen auf einem relativ kleinen Gebiet zeugt für ein 
reges kircliliches Leben in byzantinischer Zeit. 

Betreffend Gamala füge ich bei, dass Jäküt (II, 10) mittheilt, 
ed-Dschamila liege eine Tagereise von Tiberias entfernt, was für 
Dschamle zutrifft. 



Matth. 3, 12, Luc. 3, 17. 

Von Professor Dr. E. Nestle. 

Im »Hand-Kommentar« S. 63 schreibt Professor J. Holtz- 
MANN in Strassburg zu den obigen Stellen wie folgt: 

»Wenn der Landmann auf der Tenne (aXwv = I^S kreis- 
förmiger, festgestampfter Platz auf offenem Feld) mit der Wurf- 
schaufel die ausgetrockneten Früchte seines Ackers in den 
Wind wirft, vgl. Jer. 15, 7, fallen wohl noch manche schwere 
Weizenkörner in seiner Nähe nieder, die er sogleich sammelt. 
Das Meiste aber fliegt weit hinaus, und diese ausgekörnten 
Ähren und Halme (a^^upov = l^i?) dienen dann als Feue- 
rungsmittel. « 

Welche falsche Vorstellungen durch die von mir gesperrten 
Worte erweckt werden können, brauche ich nicht zu sagen. So 
populäre Bücher wie die Calwer »Biblischen Alterthümera und 
andere haben längst das Richtige geboten, ehe Kleix, in der Zeit- 
schrift unseres Vereins, seine so dankenswerthen »Mittheilun- 
gen über Leben, Sitten und Gebräuche der Fellachen 
inPalästina« machte. Über das Worfeln s. Bd. 4 (1881) S. 76 f. ; 
weiter Anderlind IX, 40 ff., bes. 46; Schumachet XH, 162. 
Ich weise nur deswegen hier auf diese Stellen hin, um die Frage 
anzuknüpfen, die dort nicht ausdrücklich beantwortet wird: 
was geschieht heutigen Tags mit dem in einiger Entfernung von 
der Tenne sich zu Haufen ansammelnden zerbröckelnden Stroh? 
Ist dies das von Klein vorher erwähnte tibn, das als Viehfutter 
dienen kann, und dient es als solches? Oder ist es von diesem 
noch zu unterscheiden, und wird es noch heute mit den Stoppeln 
zur Düngung des Feldes verbrannt? Oder dient es auch als 
»Feuerungsmittel« im eigentlichen Sinn dieses Worts ? Pflegt man 
es in die Wohnungen zu schaffen und doi-t zu verwenden? Die 
dafür citierten talmudischen Stellen Sabbat 3, 1 . Para 4, 3 dürften 
als Beweis doch nicht ganz genügen. 

Ulm, 29. September 1889. 



Was ein Fischer in Haifa fängt. 

Von Karl Völlers. 

Im Juni dieses Jahres [1890] brachte ich einen Tag in Haifa 
/u. liei Gelegenheit eines Spazierganges längs dem Strande fand 
ich auf der Stätte des einstigen Sykaminon einen Fischer, der 
mir auf meine Frage nach dem, was man dort fangen könne, die 
nachfolgenden Namen mittheilte. Die Vollständigkeit dieser 
Liste von Seethieren war mir um so willkommener, als ich wenige 
Tage zuvor an der Mündung des Dämür an sidonische Fischer 
dieselbe Frage ohne viel Erfolg gestellt hatte. Ich zähle zunächst 
die Namen der Thiere auf: 1) hur'i, 2) saryhvs, 3) sulbe, 4) mus^är, 
f)) g]mmhm\ 6) ferldi/i, 7) sämiik sultün ibriiJüm, 8) sümük mf/sä, 
9) 'u\ir, 10) tubärä, 11) kebhän, 12) dahabän^ 13) silün, 14) sillün, 
15) dawair, 16) intiJZts, Plur. intijäsiit, 17) tarclnm^ 18) zidle , 
19) haddüdät, 20) hardön, 21) kart, 22) mukschul, 23) htvefisl, 
24) marniür. 

Zur Deutung dieser Namen kann ich nur wenig beitragen. 
Nr. 1 ist koptisch (L. Stern) und bedeutet nach Klunzinger im 
Nilgebiet den Härder [mugil). Nr. 2 ist griechisch oa^j-^/jt. Die 
von Klunzinger in seiner Synopsis der Fische des Rothen Meeres 
(1870 — 71) mitgetheilten arabischen Namen bieten kaum eine 
einzige Parallele, nämlich Jßt seij'idna müsä, rhomboidichthys 
pantherinus, = Nr. 8 (Klunzinger II, 131). In der von J. L. 
HuRCKHARDT in der Gegend des syrischen Taräbulus gesammelten 
Liste (Travels in Syria, 1822, S. 16G) kehren Nr. 1. 7. 10 xmd 
vielleicht Nr. 17 (bei Burckhardt j,j.i>ijj, tarächör = severelle) 
wieder, liezüglich der Transkription der obigen Namen beachte 

man, dass das Hamzä-Zeichen (') sowohl einem \ als einem /ö 

entsprechen kann, da dieser Laut in l.Iaifa wie im mittleren Sy- 
rien mit Ilamzä zusammenfällt. 



Die echte und die gefälschte Siloah-Iüschrift. 

Von Professor H. Gilthe in Leipzig. 

Am 14. August 1890 ging mir aus Jerusalem ein Brief zu, 
dem die Bleistiftkopie einer Inschrift beilag, die in dem seit 1880 
viel genannten Siloahkanal gefunden worden sein sollte. Einige 
Fellachen aus Silwän — so schrieb man mir — sollen die 1880 
entdeckte Inschrift in dem Siloahkanal bei Nacht ausschauen 
und dabei eine zweite Inschrift entdeckt haben, die sich etwa 
2 m schräg über der alten befindet. Die Kopie, die diese neue 
Siloahinschrift wiedergeben sollte, erwies sich mir sofort als ein 
Yon der bekannten Inschrift abhängiges Machwerk. 

Am 19. August 1890 erhielt ich durch die Güte des Herrn 
Dr. Steindoeff aus Berlin eine andere Bleistiftkopie zuge- 
sandt, die dem Berliner Museum aus Jerusalem zugegangen war 
mit der Angabe, dass das Original am 26. Juli in »Soloham bei 
Jerusalem« entdeckt worden sei. Diese Kopie stimmte zum Theil 
mit der mir zugekommenen überein, zum Theil wich sie von der- 
selben ab. Im ganzen zeigte sie einen mehr selbständigen Cha- 
rakter gegenüber der 1880 entdeckten Siloahinschrift. Gelesen 
werden konnte weder die eine noch die andere, obwohl die ein- 
zelnen Zeichen deutlich genug zu sein schienen. 

Am 20. September 1890 erhielt ich endlich einen Abklatsch 
von derselben Inschrift, der mit der Berliner Kopie fast voll- 
ständig übereinstimmte. Der Abklatsch enthält in 6 1/2 Zeilen 
146 — 150 Zeichen, je nachdem man 4 — 5 Ligaturen einfach oder 
doppelt zählt. Die Form der Zeichen erinnert hauptsächlich an 
die Siloahinschrift von 1880; einige neigen mehr dem Typus der 
Mesa-Inschrift zu. Die Ligaturen zeigen höchst seltsame Formen, 
die jedoch einem Kenner der Moabitica durchaus nicht als fremde 
Gestalten erscheinen. Mehrere Buchstaben sind verkehrt gestellt; 
die Gutturalen in höchst auffallender Weise gehäuft. Auch der 
Abklatsch spottete jedes EntzifFerungsversuches. 

Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, dass diese an- 



204 Guthe, ])ie echte und die gefälschte Siloah-Inschrift. 

geblich in dem Siloahkaual gefundene Inschrift eine Fälschung 
ist. Wie der Mesa-Inschrift der fast unerschöpfliche Vorrath der 
Moabitica folgte, so tritt hier der erste Versuch an die Öftentlich- 
keit, die echte Siloahinschrift von 1880 zum Gegenstand der 
Speculation zu machen. Da die jüngste Fälschung einige ver- 
wandte Züge mit den früheren -Fälschungen, den sogenannten 
Moabitica. aufweist, so wird sie wohl denselben Händen ihren 
Ursprung verdanken. 

Was die echte Siloahinschrift betrifft, so scheint es sich zu 
bestätigen, dass sie wirklich aus dem Felsen herausgehauen Mor- 
den ist. Wenigstens erfahre ich aus Jerusalem, dass die dortige 
Regierung eine Untersuchung über das Verschwinden der Siloah- 
inschrift aus dem Felsentunnel angestellt hat. Sie Hess mehrere 
Fellachen aus Silwän daraufhin verhaften und vernehmen, konnte 
jedoch nicht in Erfahrung bringen, wohin die Inschrift gekom- 
men ist. 



Berichtigung zu ZDPV. XIII, 66. 

Nach den arabischen Historikern war die sät snkene die Tochter husains, 
des Sohnes des Chalifen 'ali\ zm el-'äbidtn war der Bruder der sukene. 

SociN. 



Bemerknugen über einige alte Ortscliafteu 
im Ostjordaulaude. 

Von J. P. Tau Kasteren, S. J., in Drongen (Belgien). 



1. Mahanaim. 

Diese alte Ortschaft wurde schon im Mittelalter (von Parchi) 
mit dem heutigen chirhet tnihne zusammengestellt, und es hält 
wirklich schwer, für ihre Lage irgendwelchen andern Anhalts- 
punkt zu finden als diesen Namensanklang. In unserem Jahr- 
hundert wurde die Ruinenstelle von SEETzen i) und anderen 
genannt. Ob ein moderner Reisender sie gesehen hat, ist mir 
unbekannt 2). Ich besuchte sie am 30. April d. J. in Gesellschaft 
des lim die deutschen Pilgerkarawanen wohlverdienten Dom 
Heydet aus dem »Deutschen Hause« in Jerusalem. Die Trüm- 
mer liegen in einer anmuthigen und waldreichen Gegend, am 
nordAvestlichen steilen Abhänge eines hohen länglichen Hügels 
und bis unten in den wäcll eJ-mihne. Sie sind leider wegen des 
üppigen Avilden HolzAvuchses schwer zu erforschen. Wir fanden 
nur Steinhaufen und Mauerstücke von roher Arbeit und eine 
einzige uninteressante Höhle. Hoher auf dem Hügel findet man 
am Wege zwei Vertiefungen im Felsen, die ganz wie Senkgräber 
aussehen, jetzt aber mit Wasser gefüllt sind ; ferner unter einer 
Gruppe riesenhafter Eichen einen sehr einfachen Steinkreis, der 
das Grab eines schech el-mihnäioi bezeichnen soll. 

Einen neuen Anhaltspunkt für die Identification mit Maha- 
naim fanden wir nicht. Der Ort soll nach Gen. 32, 2 an einer 

1) I, 385. 

2^ Selah Merrill besachte die Stätte JST7. S. S. Merrill, East of 
the Jordan 355 ff. 433 ff. Gutue. 

Ztsch. d. PaL -Ver. XIII. 15 



206 Kasteren, 

der grossen von Norden — ^vohl vom uralten Damaskus — 
kommenden Strassen gelegen haben. Ich muss aber gestehen, 
dass der Weg, der uns von Mm " adscMün hierher führte, so weit 
er nicht mit dem AVege von irhid nach '^adscldiin zusammenfällt 
(d. h. nahezu die letzten zwei Stunden), jetzt gar nicht wie eine 
grosse Heerstrasse aussieht, obwohl er andrerseits auch nirgends 
allzu stark ansteigt oder abfällt. Nur fanden wir auf dieser 
Strecke, 22 Minuten vom Scheidepunkte des '' adschlün-V^^ eges 
im challet eJ-hijUr einige alte Cisternen, deren eine noch Wasser 
hält, und später zwei andre an einem Abhänge in der Nähe wxv- 
severc/ih'be. Es hält allerdings schwer, darauf allein die Annahme 
einer alten Heerstrasse zu stützen. Allein die Voraussetzung, 
dass in den Waldungen "adscMüns, die Heerstrassen aus der Zeit 
Jakobs mit den jetzigen zusammenfallen oder wenigstens noch 
als solche nachzuweisen sein sollen, lässt sich nicht besser be- 
gründen. 

Für die weitere Richtung dieses Weges, d. h. westlich von 
der cJiirhe, theile ich aus meinem Tagebuche Folgendes mit : 
7 Min. Die V/m el-mihne, eine unansehnliche Pfütze, links am 

Wege. Der Weg wendet sich rechts und steigt stark an. 
1 5 Min. chirhet Heidamiis. ]5ald herrliche Aussicht auf den grossen 

Hermon. 
45 Min. chirhet istib links, jenseits eines tiefen Wadi. 
30 Min. bami rechts, ganz nahe. Der Weg wendet sich links 

und steigt in den wcidi jabis hinunter. 
25 Min. Am Wasser. Mühle. Der Weg wendet sich links, folgt 

dem Wadi. Reste alter Mühlen. 
10 Min. Höhlen an beiden Abhängen, tlieil weise unzugänglich. 

Eine grosse Hohle links heisst 'arä/»; ed-dlb ') . 
13 Min. Wir setzen über den Strom. Hier und weiter Gärten 

und Olivenpfianziingen. 
12 Min. Häuser rechts auf der Höhe. Sie sollen dschedeita an- 
gehören. 



1) Es könnten die.ses lleste einer alten Laura sein. Eine solche wird 
etwa in dieser Gegend von der li. Silvia fSt. Hilarii Tractatus de Mysteriis, 

. . . . S. Silviae Peregrinatio edidit Gamuuuini, S. üO) erwähnt; eine 

andre von Kyrillos Skythopolitanos heim »Flusse von Gadara« (Vita S. Sa- 
bae in Cotelerii Monum. Eccl. Gr. III, 266 ff.). 



Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. 207 

13 Min. Wir verlassen den Wadi, steigen rechts und dann 

links an. 
20 Min. Plateau. 
12 Min. kafr-ahU. 



2. Thisbe. 

Thisbe, die Vaterstadt des Propheten Elias, lag- allem An- 
scheine nach im Ostjordanlande, im Lande Gilead. Dorthin führt 
uns die von der Septuaginta, JosephusI) und dem Targum^) ge- 
stützte und durch den Mangel eines Waw empfohlene Punktation 
von '^3'ün'a (1 Kön. 17, 1), und auch die Vocalisation der Masora 
steht dieser Annahme nicht entschieden entgegen. Die zwar 
nur von spärlichen Zeugen vertretene Tradition bietet ihrerseits 
eine neue Stütze. Das dem Epiphanius zugeschriebene »Buch 
vom Leben der Propheten« sagt, er stammte i/. 0£3[jtov im Lande 

der Araber und wohnte in Gilead, denn tj öeoßi; war ein 

Wohnort der Priester 3). Die occidentalische Tradition, wie An- 
DRiCHOMius und QuARESMius, wusstcu uichts besseres; mehrere 
israelitische Schriftsteller, welche Elias dem Stamme Gad oder 
Manasse zuweisen^), stimmen damit überein, vindauch im christ- 
lichen Orient war diese Meinung vertreten. In einer handschrift- 
lichen Sammlung von Heiligenleben und -legenden in der Bib- 
liothek der Beiruter St. Josephs-Universität, deren Alter und 
Verfasser mir unbekannt sind^), heisst es: «Dieser Prophet 
stammte aus dem Stamme Härün's, und seine Stadt war Nisni 
(sie) im Distiicte Dschiräd; der Name seines Vaters war Asün"), 
und seiner Mutter Bitä (Beitä ?) "j . 



1) Jüd. Alt. VIII. 13, 2. 

2) Vgl. SiilTH's Dict. of the Bible, Art. Tishbite. 

3) MiGNE, Patr. Gr. 43, 396. 

4) Vgl. Acta SS, T. 5, Jul. p. 10; Schwarz, das H. Land, 147, Anra 

5) Die Handschrift selbst rührt von zwei Kopisten her; der jüngere Theil 
wurde geschrieben von einem Juhannä ihn Suleimän ihn Anime ('Oneime?) 
und geschlossen am 20. Januar »7185 nach Adam« (wohl 1677 nach Chr.). 

6) Vgl. die Varianten bei EpnniANIUS (1. c). 

7) o,».JCj ^Xjm^ U.4.^1 ükÄäjiA/!», (m»jL^ ^^^^ CT* *-^t L?^^ \^^ 

.LX-^j \/ji *.'w^» oy*^^ (^^'^^ ^^^ (*"**^3 i3L*L> (sie) 

15* 



208 Kasteren, 

In der interessanten Pilgerreise der H. Silvia i) wird »Thesbe« 
erwähnt, kurz nach ihrer Abreise von Salem dem Taufort des 
h. Joannes irgendwo südlich von hemm) nach »Carneas« (Kar- 
naira) . Sie sieht den Ort vom Jordanufer und spricht von einer 
Grotte des Elias und einem Grabmal des h. »Getha, dessen Namen 
wir im Buche der Eichter lesen«. Ganz klar will es mir aber 
nicht werden, ob sie die Stelle wirklich besucht oder nur aus der 
Ferne gesehen hat, und ob dieser ganze Abschnitt dies- oder 
jenseits des Jordans spielt. Für letzteres spricht jedenfalls wohl 
das Grabmal des h. »Getha«, worin Avir mit Gamurrini nur 
Jephtah erkennen können, und der Umstand, dass in der Fort- 
setzung des freilich lückenhaften Textes vom Überschreiten des 
Flusses keine Kede ist, was man doch erwarten sollte, da vor ihr 
der grosse Hermon sichtbar wurde. Denn der »plötzlich« er- 
scheinende mons ingens, altus infinitum, qui tendebatur in 

longo wird wohl nicht die einzelne runde Kuppe des 

Thabor'^:, sondern die imposante Masse des hier und dort vom 
'x\dschlün-Gebirge sichtbaren dschehel esch-schech sein. So auf- 
gefasst Avürde diese Nachricht uns etwa heisTm gegenüber in die 
Umgegend vom cJiirhet fühil^ mihne und " adsclilün führen. Mit 
Gewissheit ergiebt sich jedenfalls, dass der Ort imd der alte 
Name gegen Ende des vierten Jahrhunderts bekannt war und 
vom '1 hisbe des Tobias im Stamme Naphthali unterschieden Avurde. 



1) »Ac sie ergo euntes aliquaudiu per vallcm Jordanis super ripam fiu- 
minis ipsiiis, quia ibi nobis itcr erat aliquaudiu, ad subito vidimus eivitatem 
sancti propheta) IIcli;r, id est Thesbe, undc ille habuit iiomeu Ilelias thesbites. 
Inibi est ergo usque in hodie spelunca, in qua sedit ipse sanetus, et ibi est 
memoria sancti Getha^, cujus nomen in libris Judicum legimus. Ac sie ergo 
et ibi gratias ])eo agentcs, juxta consuetudinem perexivimus iter nostrum. 
Item euntes in eo itinere vidimus vallem de sinistro nobis vcnientem amenis- 
simam, qutc vallis erat ingens mittens torrentcm in Jordanem infinitum: et 
ibi in ipsa valle vidimus monasterium cujusdam fratris nunc id est monachi 

Ilic torrens quem vides de ipsa valle percurrentem in Jordanem, 

hie est Corra. Ac sie ergo nichilominus l)eo gratias agentes, qui nobis non 
mcrentibufl singuhx (jua- desidcrabamus dignabatur ostendcre : itaque ergo irc 
cepimus iter nostrum, sicut singulis diebus. Ac sie ergo facientes iter sin- 
gulis diebus ad subito de laterc sinistro, unde e contra partes Fenicis vidc- 
baraus, apparuit nobis mons ingens et altus inttnitum qui tendebatur in longo 
Unum foliu m s i VC pagcll a d i sei ssa^ sun t (A. a. O.). 

2) Gamuuuini, 1. c. 



Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. 209 

In der neueren Palästinaliteratur su.clite ich umsonst nach 
■weiteren Nachrichten. Auch in Coxder's neuester Liste von 
ideutificirten biblischen Ortschaften *) , die sonst mehrere noch 
ziemlich fragliche Identificationen aufweist, fehlt der Name. 

Doch wage ich es, die Yermuthung zu äussern, dass der alte 
Name, nur durch eine Metathesis und einen Arabischen Artikel 
unkenntlich gemacht, noch an der Stelle haftet. Robinson 2) 
kannte in dieser Gegend den Namen lestib. Auf dem " Adschlün- 
gebirge hörte ich sowohl istib und chirhet istib als auch [chirbet] 
el-istib. Und auch aus der mittelalterlichen Schreibart Seetip 
(und Seecip)3) geht hervor, dass dieses el oder l nur der Arabische 
Artikel ist, der — wie oft, z.B. in el-atrün = latrmi — mit dem 
Namen zusammenfloss. 

Der Übergang von hebräischem Schin in arabisches Sin ist 
viel mehr Regel als Ausnahme. Die Metathesis [st für ts) ist 
freilich seltener, aber doch auch der arabischen Sprache nicht 
ganz fremd ^j. Von palästinensischen Eigennamen Hessen sich 
für das erstere — ausser einigen fraglichen Fällen, wie teil es- 
semak^ Sycaminos, — schefä '' amr und '^amivas anführen. Im 
Hebräischen und Aramäischen ist die Metathesis gerade beim 
Zusammenstoss eines Tau mit einem Zischlavite in gewissen 
Fällen Regel ^) , — imd wenn Thisbe nur aus irgendwelcher Ur- 
sache eine Vorschlagssylbe mit Alef prostheticum erhalten hatte, 
war mithin ein Übergang von Itschebe in istib ganz natürlich. 
Die Hypothese, dass ein solcher Übergang theilweise von dem 
irrigen, aber in der Septuaginta und Vulgata^j vorkommenden 
Istob in Verbindung mit dem erwähnten Grabmale Jephtah's, 
beeinflusst M'erden konnte, scheint mir zu gewagt. Und ich würde 



1) Palestinc (George Pliilip and son, London, 1889). 

2) Palästina III, 920. 

3) Röhricht, ZDPV. X, 233. Die Bemerkung AVetzstein's »ganz nahe 
bei 'ain dschennen ist nicht sehr genau ; die Entfernung beträgt über 2 Stunden. 
Das nächste Dorf ist wohl haün, das "wir von istih in nördlicher oder nord- 
westlicher Richtung in einer Stunde erreichten. 

4) Vgl. Lammexs, Remarques sur les mots franc. derives de 1' arabe 
Beyrout 1890, p. XLVI. n. 2. 

5) Gesenius-Kautzsch 24, 60.138; Nöldeke, Syr. Gramm. 19: «nach 
gemeinsemitischer Weise«. 

6j 2. Sam. 10, G. S. 



210 Kasteren, 

sogar diesem ganzen Namensanklang weniger Gewicht beilegen, 
wenn nicht ein sachlicher Umstand hier eine neue Stütze darböte. 

An der Südostseite der Ruinen von istib und etwas niedriger 
liegen die Reste einer viereckigen Kapelle von etwa 14 Schritten 
Seite. Es war einmal ein solider Bau mit zwei Thüren, an der 
N.- und S. -Seite. Das Innere und ein Theil der äusseren Um- 
gebung ist jetzt ein wildes Gewirr von Steinen, Gestrüpp und 
Bäumen; nur zAvei Säulchen von etwa 40 cm Durchmesser und 
etwa 1,25 m Höhe (über dem jetzigen Boden) stehen in einiger 
Entfernung von einander im innern Raum, allem Anscheine 
nach noch in situ. Diese Ruine hat den Namen mär elj'äs. und 
in der Nähe, etwas nach Südosten, liegt ein imansehnliches 
Grab, das man für das Grab des Propheten ausgiebt. Der Name 
7nUr eljcis wird sogar dem ganzen chirbet istib beigelegt ^), und aus 
der altgewohnten Zusammenstellung von Moses und Elias ist 
wohl zu erklären, dass ein weiter östlich liegender konischer 
Hügel den Namen ras niTisä führt. Am nördlichen Abhänge des 
Sattels zwischen beiden Hügeln liegt ein grosser Wasserbehälter, 
birket el-istib. 

Die Ruinen von istib selbst nehmen den östlichen Theil 
eines länglichen Rückens ein und sind mit üppigem Grase, wildem 
Gebüsch und schönen Eichenbäumen überwuchert. Ich fand fast 
nichts, was aus dem Alterthume stammt; einiges ist sogar sehr 
modern ; über das Alter der Kapelle darf ich kein Urtheil aus- 
sprechen. 

Der westliche Theil des ^s^^i-Rückens ist völlig baumlos 
und wird von den Leuten von ^ardschän bebaut. Die Aussicht 
von dort ist eine der schönsten des ganzen "^Adschlüngebirges 
und möchte mit der des Berges Nebo zu vergleichen sein. 

Nachtrag: Dom Heydet, jetzt Professor an der neuerdings 
von den Dominikanern in Jerusalem gegründeten Ecole pratique 
d'etudes bibliques, schreibt mir am 17. Dec. 1890 Folgendes: 
»J'ai trouvc mentionne dans les Arehives de 1' Orient latin II, T® 
partie, parmi les manuscrits de la Bibliothcque nationale de Paris, 
aux Fonds orientaux, anciens Fonds arabes : 



1) Vgl. Seetzen I, 385 und Map to illustrate the jonrney of Guy le 
Strange in ScHUMAcnEu, Across the Jordan, 208. 



Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. 211 

»73 eh. 5 XV fF. 231—232. Histoire de la fondation de St. 
Elie al-Astabi, pres de Jerusalem.« 

»Je me demande si le titre d' al-Astabi est attribiie au 
Saint ou au couvent. Si cest au saint, et si ce saint est le pro- 
phete, vous voyez la valeur qu' a ce titre pour notre Lesteb. Ce 
couvent de St. Elie me parait etre celui qui se trouve sur la route 
de Jerusalem ä Bethlehem, et c'est bien le prophete qu'on y 
venere « 

3. Jabes in Gilead. 

Nach dieser Ortschaft forschte ich vergebens ^) . Der Name 
wird wohl im icüdi jTibis (nicht Jab'is^ wie auf Guy le Strange's 
Map) erhalten sein. Und wenn die Angabe des Onomastiken: 
sechs römische Meilen von Pella auf dem Wege nach Gerasa^)^ 
richtig ist, lag der Ort wohl nicht ganz am obern Laufe desWadi 
(in der Gegend von ^ardschä7i)^), sondern irgendwo in der Nähe 
von kafr ahll. Ich schliesse dieses aus dem Umstände, dass ich 
auf dem südlichen Wege von Pella nach kafr ab'il an der Nord- 
seite des teil ahu neer^) einen Römischen Meilenstein fand, au 
einer Stelle, die ich von der ''ain ed-dschirm (bei Pella) in 40 Min. 
erreichte. Der Stein — wohl der zweite von Pella an — steckt 
grösstentheils in der Erde, und auf dem sichtbaren Theile findet 
sich keine Inschrift. Den Römerweg meine ich demnach süd- 
licher ziehen zu müssen als Schumacher, der ihn den Wadi ent- 
lang führt, den er loädi kafr ahil nennt, und der von Guy le 
Strange^) wctdi fahl^ von unsren Führern aus kafr ab'il }ed.och. 
loüdi aartaba ojenannt wurde. Richtioj ist wohl die Bemerkung 
Schumacher's, dass kein Wadi der Umgebung so gleichmässig 
ansteigt, falls man wenigstens nur die nähere Umgebung des 
chirbct fahil ins Auge fasst. Der südliche Weg, den ich für die 



1) "Was ich in »deWetenschappelijkeNederlauder«, 1890, 349, über Osara 
gesagt, beruht auf einer ungenauen Erinnerung an den Artikel Api3u)!> aus 
dem Onomastikon und an Kruse's Anm. zu Seetzex IV, 196; es ist völlig 
zurückzuziehen. 

2) Art. Apii3(«& und 'laßeis FaXado. 

3) Kruse zu Seetze:n IV, 196. 

4) Vgl. den Plan in Schumacher's Pella. 

5) a. a. O. 277. 



212 Kasteren, 

Eömerstrasse lialte. steigt im Anfange über eine kiuze Strecke 
sehr steil an, führt dann aber durch eine lange, gerade, äusserst 
sanft ansteigende challe auf die Hochebene und, dem hir el-hal- 
lüta entlang, nach kafr ahll. Der nördliche Weg vom Dorfe nach 
dem chirbet fahil durch den icctdi habih, den icüdi et~Üne (mit 
einer ''ain et-üne) und den genannten ilkicU sartaha, den ich am 
nämlichen Tage zurücklegte, war im Ganzen ungleich schwie- 
riger und demzufolge in Wirklichkeit nicht viel kürzer. Auf der 
südlichen Strasse brauchte ich bis kafr abil 1 St. 50 Min,, was 
den sechs römischen Meilen des Eusebius schon nahe kommen 
würde. 

4. Ephron. 

Was von dem Wege Jakobs über Mahanaim zu halten sei, 
muss ich dahingestellt lassen (s. oben). Allein der erwähnte 
Kömerweg nach Gerasa lief nach dem Gesagten wohl südlich 
von chirhct el-mihne — etwa an istib vorüber? — nach. 'adsc/tlmi, 
Avo Irby und Mangles^) einen Komischen Meilenstein sahen. 
Dieses führte mich auf den Gedanken, dass höchst wahrschein- 
lich auch Judas der Maccabäer, als er die Juden aus Gilead nach 
Judäa geleitete, auf diesem Wege zur Jordanfurth »gegenüber 
beisän«^) hinuntergestiegen sei. Das von ihm auf dem Wege ein- 
genommene und zerstörte Ephron wäre demnach in '^adschlTm 
oder 'am dschenne — beides offenbar alte Ortschaften — anzu- 
setzen. Und wer von dem Punkte, wo die Wege aus süf und 
irbid nach ''adschlnn zusammenlaufen, zwischen steilen, wenn 
auch niedrigen Felswänden inid dicht bewaldeten Anhöhen, 
über 'am dscJiemie nach '^adschlün hinuntersteigt, wird sich leicht 
die Stadt vergegenwärtigen, die der jüdische Heerführer, einmal 
so weit nach Süden vorgerückt, «weder rechts noch links um- 
gehen konnten ^, wenn er »gegenüber beisänv über den Fluss 
setzen Avollte. Ob das von Wetzstein vorgeschlagene hebräs 
bessere Ansprüche geltend machen kann, muss ich jedoch Andere 
entscheiden lassen. 



1) Nach Kruse zu Seetzen IV, 198. 

2) 1 Macc. 5, 52. 
.'*) Vers 4ti. 



Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. 21 3 

5. Astliarotli-Karnaim und Karnaim-Astharoth. 

Die Bemerkung Küenen's'), nach welcher Astharoth vind 
Karnaim zwei verschiedene Städte sein sollten, scheint mir von 
den freilich etwas dunkeln Mittheiluugen des Onomastiken eher 
bestätigt als widerlegt zu werden. Ich lasse dahingestellt, ob 
mit den »zwei Dörfern in Batanaea und Batolua, 9 Meilen von 
einander entfernt, zAvischen Adara und Abilatc^j ein doppeltes 
Astharoth (etwa teil el-ascJiar~i und teil ''aschtara), oder ein 
Astharoth und ein Karnaim gemeint sei. Der griechische 
Text ist mir nicht klar, und das Lateinische »hoc vocabulo« giebt 
ihm kein neues Licht. Aber die beiden Doppelnamen Astharoth- 
Karnaim^) und Karnaim-Astharoth 4] weisen doch wohl auf zwei 
Ortschaften hin, die in geringer Entfernung von einander lagen 
und zum Unterschiede von andern gleichnamigen nach einander 
benannt wurden. Der Umstand, dass in Karnaim oder Carneas 
»nach der Überlieferung das Haus Hiobs gezeigt«^) und »das 
Grab Hiobs besucht« wurde o), führt uns mit Karnaim gebiete- 
risch nach Scheck sad''), und Astharoth (bei) Karnaim haben wir 
demnach mit Guthe und Anderen auf dem 4 oder 5 Kilometer 
entfernten teil '^aschtara zu suchen. Die beträchtlicheren Ruinen 
des teil el-ascUarl können immerhin dem andern Astharoth, der 
alten Hauptstadt Og's, angehören sj. Die Distanzangabe des 
Onomastikon, 6 römische Meilen von Edrei, ist hier jedenfalls 
weniger ungenau als für den teil el-aschtara. Wir hätten hier 
also, auch nach dem Onomastikon, drei biblische Städte, statt 
zweier oder sogar einer, wie vo]^ Riess meint 0). Allein nur eine 
dieser, Karnaim, wird vom Onomastikon als ein damals noch 



1) Vgl. ZDPV. XIII, 42. 

2; Art. Astharotli-Karnaim. (De Lagarde hat S. 209 der Ausgabe 
von 1870 folgenden Text: irX ty,; BaTavaia; tt,; v.al Baaocv'iTioo;. GuTHE.). 
3; Ausgabe von Laksox und PARTnEV, 76. 

4) a. a. O. 254. 

5) Onomastikon. 

6) S. Silvia; Peregrinatio a. a. 0. 50. 

7) Vgl. GuTHE, ZDPV. XII, 235. 

8) Vgl. Schumacher, Across the Jordan, 203 ff.; von Riess, Bibel- 
Atlas -, 3. Zwischen dem teil el-ascliari und der dschisr el-ehrer fand ich 
Reste eines schönen alten Weges. 

9) a. a. O. 



214 Kasteren, 

«selir grosses Dorf« bezeichnet. Für die Voraussetzung Schu- 
machers, dass Astharoth-Karnaim die grössere Stadt sein 
sollte, ist mir kein Grund ersichtlich. 

Auffallend ist der Ausdruck des Hieronymus »Carnaim . . . 
im Winkel von Batanäa«, womit -svohl der »Winkel von Arabia« 
bei EusEBius ') zusammenfällt. Die jetzt auf den dschölän be- 
schränkten Benennungen ez-zäzcij'e escli-scharMje \\i\^ el-gharblje ^ 
»der östliche und der westliche Winkel«, finden hier einen sehr 
alten Anhaltspunkt. 

6. Der Berg Mis'^ar. 

Dieser »mons modicus« der Vulgata^j wird jetzt ziemlich 
allgemein für einen Eigennamen gehalten, und es kann diese 
Ansicht kaum ein Bedenken erregen. Allein, wo dieser Berg zu 
suchen sei, fand ich nirgends angedeutet. Es ist darum vielleicht 
der Erwähnung werth, dass die Karte des «Guide-Joanne« und 
die «Neue Handkarte von Palästina« NNW. von es-salt einen 
dschehel mesara verzeichnen. Es ist mir indessen in es-salt nicht 
gelungen, über diesen Berg und seinen Namen nähere Nachricht 
zu gewinnen. 

7. Juda am Jordan^]^ Judaa jenseits des Jordans*). 

Möchte nicht vielleicht die von Schumacher s] beschriebene 
Ruinenstelle el-jehTidy'e, etwa IY2 Stunde östlich vom Jordan, 
hier eine doppelte «crux interpretumu beseitigen? Es ist dieses 
freilich nur eine bescheidene Vermuthung; allein die Frage ist, 
ob andere Erklärungen der betreffenden Bibelstellen besser sind. 
Nicht jedermann wird z. B. der neuesten mir bekannten bei- 
pflichtet!, die für Juda (am Jordan) Hora liest und diesen Namen 
in el-(jhor wiederfindet ^j. Die Ruinen von el-jehüdlje weisen 
auf eine alte Niederlassung hin: die Ortschaft und ihr Gebiet 
möchte den Beinamen »am Jordan« oder »jenseits des Jordans« 

1; Ononiastikon Art. Nive'jy]. Vgl. Wetzstein's Hiobskloster in De- 
litzsch' H i b - C o m m e nt a r 2, .567. 

2) Ps. 42, 7. 

3) Jos. 19, :i4. 

4) Mtth. 10, 1.; vgl. Marc. 10, 1 mit den Varr. 

5) The Jaulan, 270; ZDPV. IX, 302 f. 

6) Der Einfall rührt, so viel mir erinnerlich ist, von Coxder her; nur 
finde ich die Stelle im Augenblick nicht wieder. 



Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. 215 

erhalten und bewahrt haben, zum Unterschiede nicht nur vom 
Stammgebiete Juda und der spätem Provinz Judeea, sondern zu- 
nächst vielleicht von Jehud in Dan ^), jetzt ebenfalls el-jeläidlje. 
Der neutestamentliche Name Hesse in dieser Voraussetzung ver- 
muthen, dass die Verlängerung des Namens, deren semitische 
Form dann wohl Jehuditha sein Avürde, schon alt wäre. Indessen 
braucht man die Beziehung von el-jehiicUJe ?Lui Jos. 19, 34 nicht 
von der andern auf Mtth. 19, 1 abhängig zu machen 2). 

8. Gamala. 

Meine früheren Bemerkungen über diesen Ort 3, führten 
mich zu dem Schlüsse, bei katat el-hösn «wenigstens stehen zu 
bleiben, bis Besseres sich darbietet«. Seitdem hatFuRRER*] den 
ras el-häl und Schumacher^) el-ehsun vorgeschlagen. Erstge- 
nannten Ort habe ich am 9. Mai d. J. besucht und den Eindruck 
erhalten, dass in der neuen Hypothese Furrer's sich wirklich 
»Besseres darbietet c Die meisten hierfür sprechenden Gründe 
sind schon von ihm selbst in ausgezeichneter Weise besprochen. 
Die Form des Kameelhöckers ist sowohl von Norden als auch 
von Süden her (vom heutigen dschamle) ersichtlich. Die Ruinen 
liegen fast ausnahmslos auf dem sehr steilen südlichen Abhänge, 
wo nothwendig »die Dächer der unteren Häuser zugleich die Gasse 
der oberen Häuserreihe bildeten«. Sie sind ungleich roher und 
weniger gut erhalten als die Beste der kaVat el-höm, ganz im 
Einklang mit der späteren Blüthe von Hippos in der christlichen 
Zeit. Mancher Steinhaufen sieht aus wie die natürlichen Basalt- 
haufen, die weiter östlich auf der Hochebene der züicije esch- 
scharklje zerstreut liegen: nur bemerkt man dazwischen auch 
Avirkliche Mauerstücke. Ein einziger westöstlicher Mauerlauf 
war etwa über 40 m zu verfolgen. Als ich den südlichen Abhang 
erkletterte, fand ich nur Einen Stein, der deutlich behauen war 
— vielleicht ein Thürpfosten — , einen runden Trog und später 
das Bassin einer Ölpresse, von etwa 1 1/2 «i Durchmesser. 

1) Jos. 19, 45. 

2) Interessant ist die Besprechung des Namens in Jos. 19, 34, die Wetz- 
stein bei Delitzsch, Jesaia 3 693 ff. geboten hat. Guthe. 

3) ZDPV. XI, 220 ff. 

4) ZDPV. XII, 148. 

5) Northern 'Ajlün, 116. 



216 Kasteren, 

Der ganze Ausläufer ist von ONO. nacli WSW. gerichtet 
und an der Nordseite völlig unzugänglich. Er hat drei hohe 
Gipfel. Gegen den östlichen lag die Stadt. 

Westlich von diesem Gipfel ist ein stark markirter Sattel- 
einschuitt, den man für einen künstlichen Graben halten möchte, 
■wenn er nicht zu überaus breit Aväre. Wenn man von dort aus 
nach Osten die Höhe besteigt, hat man erst nach etwa 100 m die 
ersten Euinenhaufeu zur Rechten. Etwa 60 oder 70 m weiter lag 
auf dem Rücken selbst ein ansehnlicheres Gebäude von etwa 
25 : 20 m. Hier meinte ich auch am Rande des nördlichen Ab- 
hanges Reste einer Umfassungsmauer zu bemerken, l^ald kommt 
man über einen äusserst steilen Abhang ohne ersichtliche Ruinen- 
reste auf den Höhepunkt, wo sich ebenfalls keine Spur mensch- 
licher Arbeit zeigt. Dieser nicht sehr ebene Gipfel, von etwa 
30 m Länge und kaum 5 m Breite, mag zugleich nach Furrer^) 
der Tsvojv und die Akra des Josephus sein. Der zweite Gipfel 
des Ausläufers scheint mir für die Akra wohl zu weit entfernt 
und lag schliesslich auch mehr westlich als südlich von der Stadt, 
so dass in dem «südlicheuK Akrahügel jedenfalls ein lapsus calami 
zu sehen ist. 

Eine niedrigere Terrasse weiter östlich zeigt an der Ostseite 
zerstreute Steine, die möglicherweise von einem Gebäude her- 
rühren. Ein steiler Abstieg führt hier wieder auf eine Ein- 
sattelung von etwa 100 m Breite, wo Grundmauern eines Ge- 
bäudes (ob etwa des östlichen Thurmes bei Josephus?) erhalten 
sind. Von alten Bausteinen hat man hier, Avie an der Südseite, 
den Wadi entlang, offene Schafhürden errichtet, wodurch es 
schwer wird zu entscheiden, wie weit die eigentlichen Stadtruinen 
sich erstrecken. Auf einer kleinen Anhöhe, östlich von der er- 
wähnten Einsattelung, und Aveiterhin nach Osten fand ich von 
Ruinen jedenfalls keine Spur mehr. Die Stadt nahm mithin nur 
den steilen südlichen Abhang ein, ganz in Übereinstimmung mit 
dem Ausdruck des Josephus, nach welchem »die Stadt nach 
Süden abfiel«. 

Im östlichen Theile der Ruinen und ziemlich hoch fand ich 
eine grosse, mit Ausnahme eines kleinen Hinterzimmers wohl 
natürliche Ilöhle und ganz in der Nähe eine Cisterne. Nach 

1) A. a. (). S. 50. 



Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. 21 7 

dem von Josephus an der Ostseite verzeichneten Quergraben 
suchte ich vergebens. 

Der Wadi, der sich an der Südseite der Stadt hinzieht, Avar 
damals schon lange trocken, und nur einige spärliche Oleander- 
sträuche Hessen vermuthen, dass er im Frühling einige Zeit 
Wasser hält. Es scheint mir demnach bedenklich, mit Furrer 
in diesem Bach die «Quelle« des Josephus wiederfinden zu wollen. 
Vielmehr möchte ich annehmen, dass die Bewohner von Gamala 
das Wasser der oben am Rande der Hochebene unterhalb r/sc/mm/e 
befindlichen Doppelquelle, das sich jetzt in den dortigen Gärten 
verliert, zum untern »Ende der Stadt« geleitet, und sich so dort 
eine künstliche «Quelle« geschaffen hatten. Auch heutzutage 
würde diese Quelle für die ganze Stadt nicht genügen ^) . 

Dass die Stadt von Natur besser befestigt war als Jotapata, 
kann in Wahrheit nur von der Nordseite des Ausläufers gelten. 

Man muss gestehen, dass kaVat el-hösn im Grossen und 
Ganzen dem Eindruck, den die Beschreibung des Josephus 
hinterlässt, eben so gut entspricht wie der rZis el-hal. Einzelne 
Züge, wie der östliche Quergraben, sind dort sogar leichter nach- 
zuweisen. Allein was uns bei kaVat el-hösn die grösste Schwierig- 
keit machte — die Quelle, der südliche steile Abhang, der Akra- 
hügel^) — findet hier, mit Voraussetzung eines einzigen lapsuscala- 
mi 3), eine sehr natürliche Erklärung. Überdies begegnen wir hier 
dem alten Namen ganz in der Nähe, jenseits des Wadi. Dem Aus- 
druck des Josephus u-sp tyjv Äi[i,vr^v die von Furrer^) gegebene- 
Deutung beizulegen, bin ich jetzt um so mehr geneigt, Aveil ich 
anch das Jazer des Onomastiken (zAveifel söhne cMrhet es-slr', mithin 
mehrere Stunden vom Jordan entfernt und vom Ghör aus unsicht- 
bar) als u-sp -ov lopoavTjV verzeichnet finde. Wenn ich dabei die von 
Furrer angeführten Gründe für eine «stolze Lage« von Hippos ins 
Auge fasse und mit den Umständen combinire, dass die kleine 
süsij'e-Yihene nicht einfach süsij'e, sondern ard süsij'e heisst, und 
dass die in meiner früheren Anschauung vorauszusetzende fast 
unmittelbare Nachbarschaft von Gamala-Äö5w und Hippos-swsye 
bei der Belagerung von Gamala und überhaupt im ganzen Alter- 

1) Vgl. Josephus Bell. jud. IV. 1, 4. 

2) Vgl. ZDPV. XI, 230. 

3) Vgl. Furrer, a. a. O. 150. 

4) a. a. O. 149. 



21 S Kasteren, 

thume kaum unenvähnt hätte bleiben können, so trage ich kein 
]5edenken. dieser neuen Ansicht Furker's betreffs Gamala und 
selbstverständhch auch seiner altern betreffs Hippos beizupflich- 
ten, und zwar mit grösserer Zuversicht, als ich letztere früher 
meinte beanstanden zu müssen. 

Damit ist auch besagt, dass ich keinen Anlass finde, das 
von Schumacher als »an alternative site« vorgeschlagene ehsün 
hier weiter in Betracht zu ziehen, und dass ich mit vox Riess*) 
die »Schlucht des Antiochus« im untern Laufe des n^Äär/ suchen 
möchte. 

9. Betharampta-Julias. 

Die Identification dieses Ortes mit Betharampta-Livias wird 
öfters als über allen Zweifel erhaben dargestellt oder vielmehr 
vorausgesetzt. Es bleibt mir aber fraglich, ob diese Meinung 
nicht eine der Hypothesen sei, die — um mit Buhl 2j zu reden 
— »von sehr bedeutenden Forschern vertreten werden und durch 
die Autorität ihrer Vertreter nach und nach den Character einer 
sicheren Thatsache annehmen, deren Acten als geschlossen zu 
betrachten sind« — ohne dass die sich erhebenden Schwierigkeiten 
durch die allgemeine Annahme eine genügende Lösung finden. 

Die Identität der beiden semitischen Namen giebt an und 
für sich nicht mehr Grund, die beiden Betharampta zusammen- 
zustellen, als der Name Julias Coxder berechtigt, Betharampta- 
Julias mit Bethsaida Julias zu identificiren 3). Nur wird letztere 
Zusammenstellung gerade in der von Conber berücksichtigten 
Stelle des Josephus''], w^o die beiden Julias als zu verschiedenen 
Tetrarchien gehörig einander gegenüber stehen, kurz und klar 
ausgeschlossen. 

Verführerisch ist zwar die Erwähnung von Julias und Abila 
und l^esimoth als «naheliegende Städtchen« (rot; TrspiE -oXi'/va;) 
nach einer Schlacht am Jordan, irgendwo zwischen Gadara und 
Jericho^). Es liegt hier nämlich nahe, an die anderswo ^j von 
Josi'.PHUS erwähnte und mit Abel haschittim Num. 25, 1 ideu- 

1) Bibel- Atlas -2, 20. 

2) ZDPV. XIII, :j8. 

3) Survey of Eastern Palestine 258. 

4) Antiq.' XVIII. 2, 1 ; vgl. Bell. jud. II. ;t, 1. 

5) Jü.sKHlus Bell. jud. IV. 7, 5 f. 

6) JOSEPHLS Antiq. IV. S, 1 ; V. 1,1. 



Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande. 219 

tische »^Stallt Abila«, 60 Stadien vom Jordan, und an Beth Jesi- 
nioth zu denken — zwei Städte in der Nachbarschaft von Livias. 
Allein es bleibt doch wohl möglich, dass nicht die dem 
Schlachtfelde, sondern die Gadara — der eben besetzten 
»Hauptstadt von Peräatc — naheliegenden Städtchen und mit- 
hin das nördliche Abila gemeint sei, dessen beträchtliche Ruinen 
vor kurzem von ScHraiACHER in den Quarterly Statements be- 
schrieben wurden. Gegen diese Auffassung spricht freilich die 
Erwähnung von Besimoth. Aber andererseits finden wir Bell, 
jud. II. 13. 2 (vgl. Antiq. XX. 8, 4) wieder Julias mit Abila zu- 
sammen, in einem Zusammenhange, der sich viel leichter vom 
nördlichen Abila verstehen lässt. Dort werden Julias und Abila 
in Peräa dem Gebiete Agrippas II. hinzugefügt, dessen südlichen 
Theil die Trachonitis mit Batanäa und der Gaulanitis bildete ^). 
Einerseits ist hier also nicht an Bethsaida-Julias zu denken, 
weil dieses schon der Gaulanitis angehörte -) ; andererseits ist es 
kaum denkbar, dass gerade der südliche Theil der Jordanebene 
zu dem weit entfernten Gebiete Agrippas geschlagen wurde. 
Das andere Abila lag im Gegentheil ganz an der Grenze des 
Gaulanitischen und des Batanäischen Gebietes, und für Betha- 
rampta- Julias wäre in dieser Auffassung er-re?7ife sehr ent- 
sprechend. 

Zu beachten ist weiter, dass das südliche Betharampta auch 
bei JosEPHUs^) als Livias vorkommt, ohne dass er hier oder 
anderswo auf einen griechischen Doppelnamen aufmerksam 
macht, sowie dass andere Schriftsteller des Alterthums ^) n u r den 
Namen Livias erwähnen. In der Voraussetzung, dass Livias und 
Julias Eine Stadt seien, wäre Letzteres um so auffallender, weil 
JosEPHUs ihr dann fast ausschliesslich den Namen Julias 
beigelegt haben würde. 

Kurz ich glaube nicht, dass wir hier schon mit »geschlosse- 
nen Acten« zu thun haben. 

1) Bell. jud. II. 12, 8. 

2) Bell. jud. II. 9, 1. 

3) Antiq. XIV. 1, 4. 

4) Ptolemaeas, Eusebius, Hieronymus, Silvia etc. Der Name Betha- 
rampta ist für Livias durch das Onomastikon und den Talmud gesichert. 



Mittlieilimgeu über starke Bäume in Syrien. 

Von Dr. Leo Aiiderliud. 



Syrien, und zwar besonders der südlich vom 35. Breiten- 
grade gelegene Theil, hat eine Anzahl Wildbaum- nnd Frucht- 
banmarten aufzuweisen . von denen viele Exemplare eine ver- 
gleichsweise sehr beträchtliche Stärke, theilweise auch bedeutende 
Höhe und einen stattlichen Kroneniimfang erreichen. Man 
könnte daher versucht sein, Svrien für die Heimath dieser oder 
doch einzelner von diesen Kaumarten zu halten. Ich werde den 
Leser mit denjenigen Baumarten etwas bekannt machen, welche 
ExemjDlare von hervorstechender Stärke erzeugen, und ihm die 
Ergebnisse meiner diese Bäume betreffenden Messungen und 
Schätzungen mittheilen : 

I. Laubholzarten. 

a) Die Kermeseiche (Quercus coccifera, umhisch sindjün). 
Man bezeichnet sie auch als Q. ilex pseudococcifera. Ob aber 
die Abweichungen, welche einzelne alte Bäume, so die Abra- 
hamseiche, sowie die '/2 Gehstunde südlich vom Sarauelsberge 
bei Jerusalem auf dem Felde stehende Eiche von der gewöhnlich 
vorkommenden Q. coccifera zeigen, ausreichen, um diese Bäinne 
als besondere Art zu unterscheiden, möchte zweifelhaft sein. Den 
wintergrünen Blättern der erwähnten Bäume fehlen allerdings 

1) Diese Mittheilungen sind zuerst in der Zeitschrift »die Natur« 1889, 
Nr. 14 (Halle ad. Saale, G. Schwetscke'seher Verlag) erschienen. Auf An- 
regung des den Lesern unserer Zeitschrift wohl bekannten Verfassers und 
mit Genehmigung der Verlagsbuchhandlung Avird der Aufsatz in einer ge- 
kürzten Form hier abgedruckt. Über den Ölbaum und Maulbeerfeigenbaum 
s. ZUPV. XI, G9 H'., über die T.ibanonceder ZDPV. X, SO ff. Guthe. 



Mittheilungen über starke Bäume in Syrien. 221 

"sehr häufig an den Rändern die Stacheln, av eiche Q. coccifera 
gewöhnlich zeigt. Auch erscheinen die Blätter meist schmaler, 
als die volloval gestalteten Blätter der Q. coccifera. Indess 
können diese Verschiedenheiten leicht entspringen der Verschie- 
denheit der Pflege vind des Standortes. Die Abrahamseiche er- 
hält eine besonders gute Pflege; und die andere oben bezeichnete 
Eiche wurzelt in regelrecht bebautem Felde. 

Die Abrahamseiche steht etwa 8 Gehstunden südlich von 
Jerusalem, V2 Gehstunde nordwestlich von Hebron, nahe beim 
russischen Hospize an einem nach Süden massig geneigten 
Hange *) . Nach Abraham ist die Eiche M'ohl erst in neuerer Zeit 
benannt worden. Der Name dürfte von der sehr alten riesigen 
Terebinthe zu Mamre bei Hebron, nachdem diese verschwunden 
war, auf die Eiche übertragen worden sein. Die Terebinthe ent- 
sprang, der Sage nach, aus dem Stabe eines Engels, welcher den 
in Mamre unter einem Zelte wohnenden Abraham besucht hatte. 
Die Terebinthe war zur Zeit des i. J. 37 nach Chr. in Jerusalem 
geborenen jüdischen Geschichtsschreibers Josephus bekannt. 
Auch EusEBius, Bischof von Cäsarea, welcher im vierten Jahr- 
hundert in seinem »Onomastiken« die biblischen Ortsnamen 
behandelte, berichtet in demselben, dass die Terebinthe bis auf 
seine Zeit gezeigt werde und bei den Heiden in Verehrung stehe. 
Bei Lebzeiten des Eusebius scheint jedoch die Terebinthe einge- 
gangen zu sein. Noch in seiner Schrift selbst kommen Ver- 
wechselungen vor zwischen Terebinthe und Eiche, und Hie- 
RONYTSius, welcher eine lateinische Bearbeitung des»Onomastikona 
veröfl"entlicht hat, ersetzt an einer Stelle seines Buches die Tere- 
binthe durch die Eiche. Angenommen nun die Eiche wäre im 
vierten Jahrhundert entstanden, so ist damit keineswegs gesagt, 
dass sie die Abrahamseiche der Jetztzeit darstelle. Alle Nach- 
richten und Beobachtungen, welche über das Alter der Eiche 
bekannt geworden sind, sprechen nicht dafür, dass dieselbe ein 
Alter von etwa 1500 Jahren erreichen könnte. Überdies erwähnt 
der Mönch Bukkhard 1283, dass die alte Eiche bei Hebron ver- 
trocknet, aber aus ihrer Wurzel ein neuer Baum hervorgewachsen 
sei. ^yäre die Beobachtung Burkhard's richtig, dass die neue 

1) Die Abrahamseiehe bei Hebron ist im Winter 18S8,S9 vom Sturme 
gebrochen worden. G. 

Ztschr. d. Pul.-Ver. Xm. 16 



222 Anderlind, 

Eiche aus Stock- oder aus Wurzelausschlag entstand, so unter- 
läge es kaum einem Zweifel, dass die jetzige Abrahamseiche nicht 
einmal dem 13. Jahrhundert entstammt, weil aus Stock- und 
Wurzelausschlag hervorgegangene Eichen nur eine verhältniss- 
mässig kurze Lebensdauer erreichen, welche schAverlich auch nur 
200, geschweige 600 Jahre beträgt. Solche Bäume verfallen der 
Fäulniss viel rascher, als aus Samen hervorgegangene. Leicht 
möglich wäre es aber, dass Burkhard's Angabe nicht ganz genau 
ist, dass nämlich die neue Eiche nicht aus Stock- oder Wurzel- 
ausschlag, sondern aus einer nahe dem Stamme der eingegangenen 
Eiche in den Boden gelangten Eichel entstanden ist. Dann wäre 
es möglich, dass die gegenwärtige Abrahamseiche aus dem 13. 
Jahrhundert herrührte, also etwa ein Alter von 600 Jahren hätte. 

Im Jahre 1838 ist die Abrahamseiche von dem nordameri- 
kanischen Professor der Theologie Dr. Robinson gemessen worden. 
Es ergab sich ein Stammumfang von 6,84 Meter und ein Kronen- 
durchmesser von 27,06 Meter. 

Ich berichte nun über die von mir am 19. Nov. 1883 betreffs 
des Baumes vorgenommene Untersuchung, 

Um die Eiche möglichst lang am Leben zu erhalten, hat man 
den unteren Theil des Stammes mit Erde umgeben. Diese ist ein- 
gefasst mit einer Mauer, welche die Form eines Hufeisens zeigt, 
dessen offene Seite bergaufwärts gekehrt ist. Die Mauer hat etwa 
10 Meter im Durchmesser und an der unteren Seite eine Höhe 
von 1,5 Meter. Der Umfang der Eiche, etwa 30 Centimeter über 
der Obei-fläche der Mauerfüllung gemessen, betrug 7,50 Meter, 
die Höhe (geschätzt) etwa 15 Meter. Der Umfang des Baumes 
hätte sonach seit dem Jahre 1838, wo Robinson ihn mass, bei 
der Annahme, dass dessen Messung an gleicher Stelle wie die 
meinige vollzogen Avurde, noch um 66 Centimeter zugenommen. 
Nicht hoch über der Oberfläche der Mauerfüllung theilt sich der 
Stamm in vier starke Aste. Die zwei untersten zweigen sich etwa 
1 Meter hoch über der Oberfläche der Mauerfüllung vom Stamme 
ab. 1 Meter höher spaltet sich letzterer vollends in zwei weitere 
Aste. Von diesen vier Ästen mass der schwächste nahe der Aus- 
la\ifstelle 2,17 Meter, der drittstärkste 2,40 Meter, der zweit- 
stärkste 2,47 und der stärkste 3,40 Meter im Umfange. 

Die ]?aumkrone war sehr lückig. An den Ästen fanden sich 
nur noch vereinzelte, mehr oder weniger umfängliche Büsche 



Mittheilungen über starke Bäume in Syrien. 223 

von grünen Zweigen. Die von mir auch an anderen alten Bäumen 
derselben Holzart, wenn auch in erheblich schwächerem Masse, 
beobachtete Lückenhaftigkeit der Krone bildet ein Merkmal für 
die Unterscheidung der Baumkronen dieser Eichenart von den- 
jenigen anderer Eichenarten. 

b) Von der sommergrünenKnopperneiche (Quercus aegi- 
lops, avahischmeUrd, ballüt, 'a/s), welche namentlich im Ostjordan- 
lande, in Samaria und Galiläa sehr häufig hutewaldförmig auftritt, 
habe ich ein ziemlich starkes Exemplar angetroffen an dem nach 
der Ebene Esdrelon abfallenden Nordostabhang des Karmels, 
tief unterhalb der römisch-katholischen Kapelle el-Muchraka. 
Der Baum steht auf einem Feldgrundstücke und hatte bei Brust- 
höhe einen Umfang von 455 Centimeter. Die Beastung begann 
bei etwa zweifacher Manneshöhe. Die Höhe des Baumes schätzte 
ich auf 15 Meter. 

c) Die Terebinthe (Pistacia Terebinthus, arahisch bti/m). 
Dass diese Holzart zu biblischer Zeit in Palästina nicht selten 
gewesen sein muss, scheint mir aus mehreren Stellen der Bibel 
hervorzugehen. So wird in 1 Sam. 17, 2. 19, ein Terebinthenthal 
erwähnt, w'o David und Goliath kämpften, 2 Sam. 18, 9. 10. 14 
eine Terebinthe, an welcher Absalom hing. Der alten Abrahams- 
terebinthe wurde oben bereits gedacht. Und gegenwärtig noch 
ist die Terebinthe im südlichen und mittleren Syrien ziemlich 
verbreitet. Auch einzelne starke Exemplare giebt es, vorzüglich 
in Judäa. Robinson fand 1838 im Wadi es-Sant, welches er für 
das Terebinthenthal Davids hält, eine sehr starke Terebinthe. 
Ob dieselbe jetzt noch steht, weiss ich nicht. Erwälinung ver- 
dient auch die im Nordwesten von Jerusalem nahe der Stadt- 
mauer, beim französischen Hospital, stehende riesige Terebinthe. 
Ihr Umfang betrug in Brusthöhe gemessen, wobei freilich der 
AVulst eines alten starken, nicht mehr vorhandenen Astes mit 
eingeschlossen werden musste, 4,93 Meter. Die Höhe des mit 
sehr starken Ästen und umfangreicher Krone ausgestatteten 
Baumes schätzte ich auf 9 Meter. 

Dieser Baum war im Herbste 1883 für mich noch aus einem 
anderen Grunde anziehend. Die Zweige hingen voll rother 
Früchte; daneben gab es an den Blättern eine Menge schöner 
Auswüchse, welche die grösste Ähnlichkeit mit rothen Korallen 
hatten. Diese Erscheinung ist an demselben Baume übrigens 

16* 



224 Anderlind, 

schon früher beobachtet worden. Und Dr. Kerstex hat sie bei 
seiner im Frühjahr 1874 avisgeführten Umwanderung des Todten 
Meeres aiich am Christusdornbaume (Zizyphus spina Christi "W., 
arab. 7iahk), sowie an der »Schirm- oder Sejalakazie (Acacia tor- 
tilis, Ilayne) beobachtet. Die Auswüchse waren durch den 
Schmarotzer Viscum cruciatum hervorgerufen. 

d) Der Zürgelbaum (Celtis austrahs^ arab. m^s). Erfindet 
sich in der einen Gegend Syriens gar nicht (beispielsweise, wenn 
ich richtig beobachtet habe, in der IJekä') oder spärlich, in der 
anderen nicht selten (Jerusalem, Safed, Alep])o), in der dritten 
häufig (Beirut, Antiochien). In dem letztgenannten Orte, wo er 
zur Einfassung von Gärten und Feldern dient, erschien er mir 
wenig schlank und schon. 

Der schwächste der von mir gemessenen Zürgelbäume steht 
am Nordostabhange des Schlossberges von Safed. Der Stamm, 
gesund, ziemlich glatt und gerade, bei 2 Meter Höhe Aste bil- 
dend, zeigte in Brusthöhe einen Umfang von 235 Centimeter. 
Die Höhe schäzte ich auf 1 1 Meter. Etwas stärker, jedoch weniger 
schön, ist der auf dem Gipfel des 7 70 Meter hohen Berges des 
Bösen Rathes bei Jerusalem stockende Judasbaum, an welchem 
sich der Sage nach Judas erhängt hat. Ich sah den Baum am 
13. Dezember 1883. Auf der Westseite waren in Folge von Ein- 
wirkung des Windes einige Aste abgestorben. Einen überraschen- 
den Gegensatz bot der gesunde Theil der Baumkrone dar. Er 
hing so voll schwarzer, vogelkirschgrosser Früchte, dass man bei 
oberfiächlicher Betrachtung wähnen konnte, einen mit Früch- 
ten beladenen Vogelkirschbaiim vor sich zu haben. Nahe dem 
Baimie am ])oden habe ich, besonders axif der Ostseite jungen 
Ausschlag wahrgenommen. Da aber die Bodenfläche mit der 
Rebe bebaut ist, so wird man denselben, vielleicht mit Ausnahme 
eines Exemplares, welches einst als Ersatz für den altersschwachen 
Haum zu dienen haben dürfte, schwerlich fortwachsen lassen. 
Der Stamm ist hohl, der Kronenumfang, wie bei den meisten 
Zürgelbäumen Syriens, verhältnissmässig unbedeutend. Es betrug 
der Stammumfang in Hrusthöhe 2,47 Meter, die Baumhöhe etwa 
11 Meter. Ein stattlicher Zürgelbaum steht fast inmitten des 
Hinnomgrundes, halbwegs zwischen Jafathor und Sultansteich. 
Er ist anscheinend gesund und hat bis etwas über Manneshöhe, 
wo die Astbildung beginnt^ einen schönen, ziemlich glatten, 



Mittheilungen über starke Bäume in Syrien. 225 

runden Schaft. Dieser hatte bei Brusthöhe 3 Meter Umfang. 
Die Höhe des Baumes betrug nach meiner Schätzung 10 Meter. 
An Stärke übertroffen v,hd derselbe noch durch einen an der 
Stadtmaiierecke zwischen dem Stephans- und Daraaskusthore von 
Jerusalem stockenden Zürgelbaum. Freilich ist der Stamm hohl. 
Letzterer mass bei Brusthöhe 3,62 Meter im Umfange. Der Baum 
dürfte ungefähr 13 Meter hoch gewesen sein. Der stärkste und 
höchste Zürgelbaum, welchen ich in Syrien wahrgenommen habe, 
steht innerhalb des Weichbildes der prachtvollen Stadt Damas- 
kus, etwa zehn Minuten südlich von dem Hauptplatze der Stadt 
und dem Regierungsgebäude in einem Hofe. Der gesunde, aber 
riesige Stamm gestaltet sich bei etwa 3,5 Meter Höhe zu einem 
Stammzwiesling. Die Krone ist, was beim Zürgelbäume selten 
vorkommt, umfangreich. Der Stammumfang betrug etwa 3,95 
Meter, die Höhe des Baumes ungefähr 20 Meter. 

e) Die morgenländische Platane (Platanus orientalis 
L., arab. cliilb). Ich habe diese Platane in dem westjordanischen 
Palästina, einem sehr trockenen Landstriche Syriens, nicht zu 
sehen bekommen. Häufig ist sie dagegen in den bewässerten Ge- 
genden Mittel- und Nordsyriens, wie bei Schtöra, Aleppo. An 
letzterem Orte erschien mir jedoch ihr Wuchs mangelhaft. 

Eine ausserordentlich starke Platane sah ich im Sommer 
1884 an einer Strasse der Stadt Damaskus, etwa 400 Schritte 
östlich vom Rossmarkte. Der Baum hat in Folge hohen Alters 
bereits mehrere Aste verloren. Eine ansehnliche Öffnung, welche 
der Stamm nahe der Erde zeigt, liess auch erkennen, dass dieser 
theilweise hohl ist. Die Platane erreichte in dem höchsten der 
noch stehenden Aste eine Höhe von ungefähr 15 Meter. Der 
Stammumfang bezifferte sich mit etwa 1 1 Meter. Hierzu bemerke 
ich, dass ich einen kleinen Theil des Umfanges, nämlich 50 Centi- 
meter geschätzt habe, weil der l^aum so dicht an einem Hause 
steht, dass eine Anlegung des Bandes an dieser Stelle nicht mög- 
lich war. 

n. Nadelholzarten. 

f) Die Cy presse. Li der ]Jibel findet die Cypresse, wofür 
Luther meistens Tanne gesetzt hat, häufig Erwähnung, insbe- 
sondere wird uns berichtet, dass die Thüren des Salomonischen 
Tempels und dessen Täfelung, ebenso die tyrischen Schiffe aus 



226 Anderlind, 

Cypressenholz hergestellt gewesen sind. Die Cypresse wird auf- 
fallender Weise oft mit der Ceder zusammen genannt (so Hohes 
Lied 1, 17; Jes. 14, 8; 37,24; 60, 13: Sach. 11, 2). Von diesem 
Neheneinandemennen darf man vielleicht auf das Nebenein- 
andervorkommen dieser beiden Holzarten schliessen. Ist dieser 
Schluss richtig, so wird die biblische Cypresse Cupressus hori- 
zontalis (arab. schirhm), nicht Cupr. pyramidalis gewesen sein; 
denn nur jene kommt so hoch und höher im Gebirge vor wie die 
Ceder, indem sie in einer Höhe von 1000 bis 1200 Meter gut ge- 
deiht und selbst auf Höhen von 2000 Meter sich zeigt. Ein etwa 
30 Meter hohes Prachtexemplar von dieser Cypressenart, dessen 
Gipfel demjenigen einer alten Kiefer ähnelt, findet sich zu Da- 
maskus, etwa 200 Schritte vom Regierungsgebäude. Sie steht an 
verschlossenem Orte, sodass ich sie nicht messen konnte. Mehrere 
schöne, sehr hohe Scherbinen mit fast halbkugelförmiger Krone 
ragen an verschiedenen Punkten aus dem Häusermeere von 
Aleppo empor. 

Nebenbei sei hier der Py r a m i d e n c y p r e s s e gedacht. Man 
begegnet ihr nicht selten in Syrien, besonders zu Beirut. Sie 
wurde an manchen Orten, wie im Garten Gethsemane, wo ich 
10 Stück vorfand, hauptsächlich in neuester Zeit angebaut. 
Indess hat sie sehr durch Wipfelbruch zu leiden. Sie ist aber 
auch da meist kurzstämmig, wo dieser nicht vorkommt. Jeden- 
falls bleiben die Pyramidencypressen Syriens, bezüglich Stärke 
imd Höhe des Stammes, wie Schönheit der Krone weit zurück 
hinter den alten Cypressen auf dem türkischen Friedhofe von 
Skutari. 

g) Die Seestrarids- oder Aleppokiefer (Pinus halepen- 
sis, Ait., arab., wie die Pinie, snöbar). Sie kommt stellenweise, 
wie im Musagebirge (Nordsyrien), am Karmel (Südsyrien), ziem- 
lich häufig vor, indem sie da und dort in den Beständen die 
herrschende Holzart bildet. Da aber der Abtrieb gewöhnlich 
schon bei 10- bis lajährigcm Alter erfolgt, so scheinen in beiden 
Gebirgen sehr starke Aleppokiefern zu fehlen. Dagegen hat Ju- 
däa, obwohl hier Wald so gut wie gar nicht vorhanden ist, schöne 
starke Seestrandskiefern aufzuweisen, besonders das Weichbild 
der Stadt Jerusalem. Hier habe ich 9 alte starke Aleppokiefern 
wahrgenommen, 7 in dem Garten des armenischen Klosters, 
eine in einem Gärtchen des lateinischen Klosters und eine auf 



Mittheilungen über starke Bäume in Syrien. 227 

einem Felde ausserhalb der Stadtmauer, nordöstlich vom Damas- 
kusthore, einige Hundert Schritte von der Höhe, welche von 
manchen für das richtige Golgatha gehalten wird. Der letzt- 
bezeichnete Baum, der stärkste unter den von mir in Syrien an- 
getroffenen Aleppokiefern, hatte bei Brusthöhe 3,33 Meter Um- 
fang. Die Beastung begann bei 5 Meter Höhe. Die Äste des 
unteren Theiles der Krone neigten sich jedoch so weit abwärts, 
dass man dieselben theilweise mit der Hand erreichen konnte. 
Die halbkugelförmige Krone war, wie bei allen frei stehenden 
alten Seestrandskiefern, nicht dicht geschlossen, sondern lückig. 
Der Durchmesser der Krone betrug 13,3 Meter, die Höhe des 
Baumes nach meiner Schätzung 16 Meter. 



Mittlieiliingen aus Jerusalem. 

Von Baurath C. Schick in Jerusalem, 



Jerusalem, 7. August 1889. 

In der Krypta über dem Bethesdateiche bei der Annenkirche 
— s. ZDPV. XI, 178 fF. — hat man noch Reste eines Fresko- 
gemäldes gefunden, das den Engel darstellt, wie er das Wasser 
bewegt. 

Bei den Ruinen der Stephanskirche sind zwei Felsengräber 
aufgedeckt worden, von denen das eine mit einer beweglichen 
Steinthür, das andere mit einem Rollstein — ■ wie bei den soge- 
nannten Königsgräbern — verschlossen werden konnte. Man 
fand noch die Gebeine und vermoderte Reste darin. An dem 
Grab mit der Steinthür haben sich zwei Inschriften gefunden, 
die ich Ihnen später mittheilen zu können hoife. 

Am Ostpbhang des Pseudo-Zion, ungefähr in der Mitte zwi- 
schen nebi claiid und dem Siloahteiche, hat eine religiöse fran- 
zösische Gesellschaft ein Stück Land gekauft. Bei der Abräumung 
hat man Zimmer und Cisternen gefunden, die in den Felsen ge- 
hauen waren, wie es auf dem Boden des alten Jerusalem häufig 
der Fall ist. Ich vermuthe, dass man es auf den Platz der Peters- 
kirche oder der Kirche des Hahnenschreis abgesehen hat. Doch 
hat sich bis jetzt dort nichts von ihr gefunden. 

27. August 1889. 

Im Dorfe Siloah ist eine in den Felsen gehauene Kapelle 
entdeckt worden. Über der Nische in der grossen halbrunden 
Apsis steht eine griechische Inschrift, die ich in natürlicher 
Grösse kopirt habe. Eine um das Sechsfache verkleinerte Kopie 
lege ich bei. 



Mittheilungen aus Jerusalem. 229 

21. Oktober 1890. 

1. "Wasserversorgung. Schon Anfang Oktober hörte ich, 
dass Jerusalem nun mit Wasser versehen werden solle; es habe 
sich eine kleine Gesellschaft gebildet, zu der unter Anderen ein 
Grieche, ein sogenannter "Wasserschmecker, gehöre : diese wisse 
um einen Wasserstrom bei Jerusalem, dessen Stärke eine Lei- 
tungsröhre von 15 cm Durchmesser erfordere. Die Stadtbehörde, 
mit der verhandelt wurde, versprach in amtlicher Weise, durch 
das Bankhaus Frutiger & Co. den Entdeckern eines solchen 
AVasserlaufs die Summe von 3000 Napoleonsd'or zu zahlen. Ich 
betrachtete die Sache mit grösstem Misstrauen und hielt es für 
höchst unwahrscheinlich, dass ein solcher Wasserzufluss bei 
Jerusalem gefunden werden könnte. Man begann zu suchen. 
Zuerst wurde ausserhalb desDamaskusthores gegraben, wo früher 
schon die Engländer Untersuchungen angestellt hatten; man stiess 
auf Mauerwerk, aber nicht auf Wasser. Dann soll ein Versuch in 
der Nähe der Königsgräber gemacht worden sein ; dort kam man 
auf ein Grab. Darauf grub man innerhalb des Damaskus- 
thores, vor der "Wendeltreppe des östlichen Thurmes; hier fand 
man Avirklich "Wasser, jedoch dem Anschein nach nur das einer 
kleinen Cisterne. Was weiter geschehen soll, ist mir unbekannt. 
Die Gesellschaft verlangte von mir, dass ich mich an der Sache 
betheiligen und die Hälfte der Kosten auf den Enghsh Exploration 
Fund übernehmen sollte. Ich lehnte natürlich dies Ansinnen ab, 
da ich dazu vom Fund kein Geld erhalte. Die Concession, nach 
"Wasser zu graben, dauert drei Monate. Ist nach Ablauf dieser 
Frist kein Wasser gefunden, so ist das Abkommen gelöst. 

2. Der zweite Sil oahk anal. In den Quarterly State- 
ments 1886, 197 ff. habe ich über meine Forschungen nach einem 
zweiten Siloahkanal berichtet und sie durch einige Zeichnungen 
erläutert. Diese finden sich Statements 18S9, 34 fi". noch einmal. 
Ein erneuerter Auftrag, die Sache weiter zu untersuchen, veran- 
lasste mich zu weiteren Nachgrabungen. Da das, was ich früher 
gefunden, zum Theil ein ofi"ener, nur mit Steinen zugedeckter 
Kanal war, so gründete ich darauf die "Vermuthung, dass der 
ganze Kanal auf diese Weise hergestellt sein würde. Ich grub 
zunächst an drei nicht Aveit von einander entfernten Stellen, wo 
ich den Kanal glaubte wiederfinden zu müssen, etwa in der Mitte 
zwischen dem zuletzt gefundenen Punkt und der Marienquelle, 



230 Schick, 

an dem -westlichen Abhang des Kidronthales. In einer Tiefe von 
nicht ganz G m stiess ich auf den Felsen, der dort etwas höher 
lagerte, als der Wasserspiegel der Marienqnelle ist, ohne von dem 
Kanal etwas zu finden. Desshalb grub ich einen Schacht weiter 
abwärts ; dort traf ich aber den Felsen erst tief unter dem Niveau 
der Marienquelle, ebenfalls ohne den Kanal zu finden. Nun 
wählte ich die Mitte zwischen diesen beiden Schachten für den 
dritten Versuch. Hier fand ich den Felsen wohl in der gewünsch- 
ten Höhe, aber wieder keine Spur von dem Kanal. Da blieb mir 
nichts Anderes übrig, als den zuletzt gefundenen Punkt des 
Kanals wieder aufzudecken und von da aus dem Kanäle zu folgen. 
Nachdem ich von dort aus 7 m nach Norden vorgedrungen war, 
kam ich an eine Art Thür, jenseits welcher der Kanal ein Tunnel 
wurde, d. h. ganz in den Felsen gehauen war. Der Kanal ist so 
hoch, dass man bequem darin gehen kann, und windet sich viel- 
fach, wenn er auch in der Hauptrichtung, nach Norden sich 
gleich bleibt. Ich habe ihn von der erwähnten Thür auf 45 m 
Länge ausgeleert. In angemessenen Entfernungen von 6 — 10 m 
findet sich in der Decke ein Loch, das ich durch einen Schacht 
zu erreichen suche, um durch ihn die Erde hinaufzubefördern. 
Auch bin ich schon auf einige Treppen gestossen, die von der 
Seite her in den Kanal hinabführen. Wenn der längst bekannte, 
jetzt noch vom Wasser durchflossene Kanal auf den neueren 
Karten richtig gezeichnet ist, so läuft dieser zweite Kanal da, wo 
der erste die grösste Biegung nach Osten macht und darauf eine 
Strecke lang gerade südwärts zieht, nahe, bis auf ganz wenige 
Meter, demselben entlang. Doch ist das Niveau etwas verschie- 
den ; der Boden dieses zweiten Kanals ist etwas höher als der des 
ersten. Auch ist das Gefälle grösser, so dass nach meiner Be- 
rechnung das Nordende oberhalb der untersten Treppe der Marien- 
quelle herauskommen muss. Eine Zeit lang hoffte ich, den Kanal 
vermauert zu finden und nach Durchbrechung der Mauer in den 
längst bekannten Kanal vorzudringen. Darin habe ich mich 
jedoch getäuscht; wir sind jetzt Avieder weit von demselben ent- 
fernt. 

Es ist ein noch ungelöstes Eäthsel, warum der noch jetzt 
vom Wasser durchflossene Kanal so weit nach Osten ausbiegt, 
lim dann wieder ebenso weit nach Westen zu ziehen, da doch 
die Länge dadurch sehr vergrössert und die Arbeit vermehrt 



Mittheilungen aus Jerusalem. 231 

wurde. Warum sind gerade die nach Osten ausbiegenden Strecken 
so niedrig, dass man nur kriechend hindurchkommen kann? 
Wesshalb wurde überhaupt ein zweiter Tunnel angelegt? Ich 
halte den von mir aufgedeckten Kanal für den altern. Eine In- 
schrift habe ich bisher noch nicht entdeckt. 

3. De7' es-senne. Van EL\steren erwähnt in ZDPV. XIII, 
80 die Örtlichkeit der es-senne^ die ich ZDPV. III, 32 genannt 
habe und Dr. Furrer ebend. 235 mit dem Kloster Zaun (Vita 
Sabae § 42) zusammengestellt hat. Diese neuerliche Erwähnung 
der Stelle veranlasst mich, hier nachzutragen, was ich weiter über 
sie weiss und dort gesehen habe. Ein Mann aus Siloah meldete 
mir, er habe in seinem Weinberg hinter dem hatn el-hawä, dem 
südlichen Gipfel des Ölberges, beim Graben Mauerwerk von 
Ziegelsteinen gefunden, und forderte mich auf, es anzusehen. 
Als ich mit ihm ging, führte er mich vom hatn el-hawä hinab 
bis dahin, wo man die Weinberge der es-senne nennt. Ich be- 
merkte einen in Felsen gehauenen Teich und im Weinberg selbst 
das mir beschriebene Mauerwerk. Es hatte nur geringen Umfang 
und brachte mich auf den Gedanken, dass es einer begonnenen, 
aber nicht vollendeten Badeeinrichtung angehöre; jedoch fand 
ich nirgends eine Spur von Feuer. Die Backsteine sind ohne 
Marke und Zeichen, aber jedenfalls älteren Datums. Ich nahm 
den Fund auf und legte ihn in einer Zeichnung nieder, die nach 
England gegangen ist. Inzwischen war ein Nachbar herange- 
kommen, um mich aufzufordern, mir die Örtlichkeit Boberije 
anzusehen. Dieser führte mich an den Felsenabhang und durch 
Trümmer in eine ungemein grosse Cisterne von 22,5 m Länge, 
15,5 m Breite und 16 m Höhe. Sie ist ohne jede Stütze wohl in 
den Felsen gehauen, aber ringsum mit Mauerwerk gefüttert, das 
jedoch nicht ganz bis an die Decke reicht, so dass ein Mann 
oben auf dem Mauerwerk herumgehen kann. Auf dem Boden 
liegt viel Mist und auch Steine, die von dem sich lockernden 
Mauerwerk herabgefallen sind. Gegenwärtig treiben Hirten ihre 
Heerden hinein, da ein Theil der Südseite eingebrochen ist und 
man über den Schutt hinuntersteigen kann. In der Decke be- 
merkt man von unten zwei Öffnungen, die oben mit Steinen 
verschlossen sind. Über der Felsdecke wachsen jetzt Weinstöcke. 

Der Name Boberije ist auffallend; er führt auf die Ver- 
muthung, dass man es mit einem Anwesen zu thun hat das einst 



232 Schick, Mittheilungen aus Jerusalem. 

ein gewisser Bober angelegt oder besessen oder vielleicht zer- 
stört hat. Die Fellachen antworteten mir auf die Frage, -was der 
Sinn des Wortes sei, es bedeute «gross« oder »ungeheuer«. Aber 
diese Etymologie verdient wohl keine Beachtung. 

Die Leute erzählten mir ferner mehrere Geschichten von 
diesem Orte. Der es-senne wäre nicht eigentlich ein Dorf ge- 
Avesen, wie Siloah eines sei; seltsame Menschen hätten es bewohnt. 
Als einmal der Mond nicht zur rechten Zeit aufgegangen wäre, 
hätten sie angenommen, die Bew^ohner von ahu cl'is hätten ihn 
zurückgehalten, und wären bewaffnet ausgezogen, um jene zu 
zwingen, den Mond loszulassen. Als sie aber in die Nähe von ahu 
dls kamen, ging der Mond auf. Da sagten sie : Seht ! sie haben 
Angst vor uns gehabt und desshalb den Mond losgelassen. — 
Ein ander Mal hatten sie beim Kochen den Topf oder Kessel so 
hoch über das Feuer gehängt, dass dessen Hitze den Topf nicht 
erreichte. Sie frugen den Koch wiederholt, ob die Speise bald 
koche; aber er verneinte es stets. Endlich meinten sie, es ge- 
schähe eben ein Wunder vor ihren Augen und sie müssten die 
Speise ungekocht verzehren. Aber von dem Genuss derselben 
starben sie, und in Folge der dadurch ausgebrochenen Krankheit 
starb der ganze Ort aus. Die Ländereien fielen darauf den Be- 
wohnern von Siloah zu. 

Diese Erzählungen und der Name des Ortes haben mich auf 
den Gedanken gebracht, dass dort einst eine Niederlassung der 
jüdischen Sekte der Essener gewesen sei. Diese lebten ja kloster- 
artig zusammen; für ihre Waschungen gebrauchten sie viel 
Wasser, wozu die ungeheuere Cisterne wohl stimmen würde ; in 
jenen wunderlichen Erzählungen steckt vielleicht eine dunkle 
Erinnerung an ihre eigenthümlichen Gebräuche. 



Griecliisclie luscliriften aus Jerusalem. 

Von Professor H. Giithe in Leipzig. 



Die in den Mittheilungen Baurath Schick's S. 228 erwähnten 
Inschriften schickte ich, da ich sie nur zum Theil lesen konnte, 
im Oktober 1889 an den inzwischen verstorbenen Professor Dr. 
Gildemeister in Bonn mit der Frage, ob es ihm vielleicht mög- 
lich sei, ihren Sinn völlig zu enträthseln. Das Ergebniss meines 
Briefwechsels mit ihm über diese Frage theile ich im Folgenden 
kurz mit. 

Das Felsengrab neben der Stephanskirche nördlich vom 
Damaskusthore — vgl. ZDPV. XI, 249 ff. — hat eine Inschrift 
auf der den Zugang deckenden Steinplatte. Sie zu entziifern ist 
nicht gelungen. Die zweite steht über der Steinthür des Grabes. 
Diese führt auf den Spruch Psalm 91,1: 

= Luther: »Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt«. 
Jedoch fehlen die in Klammern eingeschlossenen Worttheile. 
Die Lesung bleibt daher unsicher — vorausgesetzt dass die Kopie 
zuverlässig ist. 

Die Inschrift aus der Felsenkapelle in Siloah hat Dr. A. 
Papadopoulos, Sekretär des griechischen Patriarchen, gelesen: 

ixtio&ir] TO ispov 'laai'a 7rpo.(pr|70u 

= . . . »wiirde gegründet das Heiligthum des Propheten 
Jesaiatt. Die Lesung wird das Richtige treffen, obschon die Züge 
der Kopie zum Theil sich schlecht dazu fügen. Die Inschrift 
scheint am Anfang nicht vollständig zu sein. 

Zugleich sandte Baurath Schick noch eine Kopie der In- 
schrift, die sich in den ZDPV. 1886, 74 ff. beschriebenen Gräbern 



234 Gutlie, Griecliische Inschriften aus Jerusalem. 

neben der Jeremiasgrotte gefunden hat. Sie ist bis auf die letzten 
Buchstaben leicht zu lesen : 

07)7.7] oiacpipouaa 

Eu&u[xiou Biaxovou 
d. i. »vortreffliche Gruft des Diakons Euthymius «. Die letzten 
sieben Buchstaben scheinen deutlich TivöupTj zu liefern. Doch 
ist das unerklärbar. 

Schick bemerkt nichts darüber, ob die Inschriften aufgemalt 
oder eingemeisselt sind. Von einer Wiedergabe der Kopien sehe 
ich ab. Wer sie genauer prüfen will, findet sie in Quarterly 
Statements 1S90, Tafel S. 10/11 und S. 17. 



Das jetzige Nazaretli. 

Von G. Schumacher in Haifa. 

(Hierzu Tafel IV i)). 



Die Altstadt Nazareth^ arabisch en-näsira^ liegt in einem von 
hohen Bergen umschlossenen Kessel, die neueren Stadttheile 
dagegen streben einerseits die nördlichen und nordöstlichen Berg- 
abhänge, den chanük, hinauf, andererseits folgen sie im Süden 
einer kleinen Thalerweiterung. Die hierdurch bedingte terrassen- 
artige Lage der Gebäude gewinnt noch durch das da und dort 
gepflegte Grün der Bäume und Cacteen, die zwischen den platten, 
weissgetünchten Dächern hervorlugen, an Schönheit. Die Strassen 
sind Dank dem Eifer eines regen Gouverneurs zum grössten Theil 
gepflastert und zwar derart, dass in der Mitte der 1 1/2 — 4 m breiten 
Strassen und Gassen eine vertiefte Rinne angebracht ist, während 
das Übrige zu beiden Seiten ein erhöhtes Trottoir bildet. Zur 
Regenzeit füllen Ströme von Bergwasser die steil ansteigenden 
Strassen. Der niedrigste Punkt der Stadt, das lateinische Kloster 
oder der chä7i el-häsclici^ befinden sich etwa 360 m über dem Meer; 
die höchsten Stadttheile dagegen erreichen eine Höhe von 420 
und 450 m. Nach eingehenden Erkundigungen und eigenen 
Wahrnehmungen hat sich die Stadt in den letzten 20 Jahren um 
stark ein Drittheil vergrössert. Die Einwohnerzahl hatte nach 
von mir i. J. 1887 (zum Zwecke von Regierungs-Frohnarbeiten) 
vorgenommenen Zählungen die Zahl von 6575 Seelen erreicht 2), 
Meine letzte, im Januar 1891 eigens für diesen Bericht nochmals 



1) Tafel IV ist bereits mit dem dritten Hefte ausgegeben worden. G. 

2) Vgl. hierüber Population list of the Liva of Acca by G. Schumacher 
in Quarterly Statement July 1887. 



236 Schumacher, 

vorgenommene Zählung ergab mit Znliülfenahme des Seelen- 
registers [deftar en-nefüs) und nach eingehenden Besprechungen 
mit Regierungsbeamten und Gemeindevorstehern, das man mir 
damals doch noch manche Familie verschwiegen hatte. Ich kann 
hiernach folgende Zusammenstellung, nach Religionsbekennt- 
nissen geordnet, geben : 

Protestanten 212 Seelen 

Lateiner 1310 

Ünirte Griechen (Katolik, Katlük) . 950 
Griech.-Katholische (Orthodoxe) . . 2870 

Muslimen 1S25 

Maroniten (Mawärni) 252 

zusammen 7419 Seelen. 

Ich glaube, dass diese Zahl von ca. 7500 Seelen als eine der 
Wirklichkeit sehr naheliegende angesehen werden darf. Der Zu- 
zug von Fremden, die in der Stadt ansässig werden, ist gegen- 
über andern Städten, wie Haifa, Jäfä etc., ein auffallend geringer. 
Die Stadt vergrössert sich desshalb aus sich selbst; man ver- 
sicherte mir, dass in den letzten 20 Jahren nicht mehr als 18 oder 
20 Familien, die man mir alle einzeln aufführen konnte, zuge- 
zogen seien. Einwohner israelitischer Religion werden nicht ge- 
duldet; nur hin und wieder und unter dem Schutze der Regierung 
wagen es wandernde Ellen waarenhändler, sich vorübergehend in 
Nazareth aufzuhalten. "Wohl aber befinden sich zwei deutsche 
und mehrere englische Familien unter den Einwohnern der Stadt. 

Die Stadt ist in verschiedene Viertel oder Jiüra [hürät] ein- 
getheilt (s. unten); jedes Viertel erhält einen oder je nach der 
Grosse auch mehrere Muchtfirije oder Bevollmächtigte, die die 
nach Religionsbekenntnissen geordneten Gemeinden zur Ent- 
richtung der Regierungssteuern anhalten müssen und auch alle 
anderen Gemeindcangelegenheiten mit der Regierung zu regeln 
haben. Jede religiöse Gemeinde hat einen ersten, oberen much- 
tär, dem die Regierung ein Amtssiegel übergibt und dei- dadurch 
auch eine amtlich verantwortliche Stellung einnimmt. Beneidens- 
werth sind diese Muchtärsstellen gerade nicht; denn obwohl die 
Inhaber von der Gemeinde entschädigt werden, haben sie einer- 
seits die Drohungen der Obrigkeit wegen mangelhafter Steuer- 
zahlung, ja sogar Gefängnisstrafen, andererseits den Unwillen 



Das jetzige Nazareth. 237 

der Gemeindemitglieder, der bisweilen in Schimpf und in Schläge 
ausartet, zu ertragen. 

Eigenartig wie manche Sitte ist auch die Sprache der Naza- 
rener. Nazareth bildet eine Sprachinsel in gewissem Sinne. 
Während in den umgebenden Städten, wie Haifa, Akko, Safed, 
Tiberias und Dschenin, die Aussprache die gleiche genannt werden 
kann, z. B. das li kurz abgestossen ausgesprochen oder ganz ver- 
schluckt wird, ist der Nazarener sofort an der scharfen, harten 
Aussprache des h als k erkenntlich. Er spricht helb »Herz« voll- 
ständig wie kelh »Hund« aus. Ausserdem hört man ihn häufig 
das h ganz und gar vernachlässigen. Allgemein beliebt ist ferner, 
das u wie das türkische Vi auszusprechen, z.B. ana kültlak anstatt 
kuhlak. Obsbon der Fellache das k härter ausspricht, als der 
Bewohner der Küstenstädte, so klingt es bei ihm doch ganz 
richtig wie ein deutsches g in Gold. Fellachendialekt und der- 
jenige der Nazarener sind daher sofort zu unterscheiden. 

Der Charakter des Nazareners im allgemeinen ist ein auf- 
richtiger, angenehmer. Wie es eine Binnenstadt mit sich bringt, 
herrscht noch die schöne Sitte der Gastfreundschaft voll und ganz. 
Den Nazarener freut es. Fremde beherbergen zu dürfen, und er 
ist stolz, wenn sein Haus voll ist und er Betten entlehnen muss. 
Des Abends versammeln sich alsdann die Nachbaren um die 
Gäste ; diesen Besuch nennen sie sahra. Abendunterhaltung etwa. 
Das Sprichwort: kermi el-jadd nasrctwl^ »d. i. ein Nazarener 
giebt mit vollen Händen«, erscheint daher als gerechtfertigt. 

Das Einvernehmen zwischen Christen und Muslimen war 
bis vor kurzem ein ziemlich gutes. Die überwiegende Zahl der 
christlichen Bevölkerung trug das Ihre dazu bei. Seit kurzem 
klagt man jedoch wieder, dass durch den Avachsenden Einiluss 
des reichen muslimischen Grossgrundbesitzers Schecli Jüsuf Fah- 
hüm auch der Fanatismus sich wieder rege und die Christen 
unterdrückt werden, wo nur eine Möglichkeit vorhanden sei. 
Der Vater des Genannten wurde seinerzeit wegen Aufruhrs gegen 
die Christen in Nazareth aus der Stadt verwiesen. Um den bei 
Abwickelung von Geschäften mit den Fellachen nothwendigen 
Einiluss bei der Regierung zu erhalten, nehmen reiche Christen 
wohl einflussreiche Muslimen zu Geschäftstheilhabern und sollen 
sich dabei gut Viefinden. 

Nazareth ist der Sitz eines türkischen Kaimmakäm's oder 

Ztsch. d. Pal. -Ver. XIII. 17 



238 . Schumacher, 

Vize-Statthalters zweiten Ranges. Das Seräj oder Eegierungs- 
gebäude wurde vor drei Jahren neu aufgeführt. Militär gibt es 
ausser einigen Polizeisoldaten und 10 — 12 chaijcd mlr'i oder be- 
rittenen Gensdarmen in Nazareth nicht. Dagegen besitzt die 
Stadt ein Post- und Telegraphenbureau mit internationalem Ver- 
kehr, ferner ein Bureau der Tabaks-Regie mit fünf Wächtern 
zum grossen Leidwesen der rauchlustigen Nazarener. 

Die Bevölkerung von Nazareth beschäftigt sich mit Ackerbau 
(die Zehnten der Stadt liegen in der Ebene Jesreel), Viehzucht, 
mit Handel und namentlich auch mit Gewerben mancherlei Art. 
Wohl kein zweites Städtchen in Palästina mit Ausnahme von 
l^ethlehem kann eine solche rege Entfaltung lokaler Industrie 
aufweisen wie Nazareth. Aus der folgenden Zusammenstellung 
der Gewerbe etc., die ich mit grosser Sorgfalt gesammelt habe, 
mag das oben Gesagte seine Bestätigung finden. Dennoch verarmt 
die Stadt seit 10 Jahren von Jahr zu Jahr mehr, weil eben ihre 
Quelle des Einkommens, der Bauernstand, Avie überall im Lande 
so auch hier zu Grunde gerichtet ist. 

In neuester Zeit dehnen sich die R u s s e n in Nazareth immer 
mehr aus. Eine Schule nach der andern haben sie errichtet und 
die Erziehung der griechisch-orthodoxen Jugend ganz in die 
Hand genommen. 

An Wassermangel leidet die Stadt nach wie vor. Die von dem 
Käimmakäm As'ad Effendi gefasste neue Quelle eti-neha, auch*^a^;^ 
et-ttne genannt, erwies sich nicht als eine Dauerquelle; zur Zeit 
des grössten Wassermangels, im Hochsommer, versiegt sie ganz. 
So bleibt der Stadt nur die Marienquelle, '«m es-sitt mirjam^ im 
Nordosten, und auch diese liefert in den Hochsommermonaten 
kaum mehr als 600 Liter die Stunde, was für eine Stadt von 7500 
Einwohnern mehr als spärlich ist. Vgl. die Abbildung S. 239. 

Die folgende Übersicht enthält die Ergebnisse meiner statis- 
tischen Erhebungen : 

Stadtviertel, harZit : häret esch-schao'hlj'e im Osten, ausschliess- 
lich von Muslimen bewohnt. 
häret el-gharh'tje im Westen, von unirten 
Griechen, Lateinern und Muslimen l)e- 
wohnt; ■aixtxxwiex häret el-gJuiräba o(S.ev 
auch häret el-imdZin genannt, weil nahe 
am Rennphitz. 



Das jetzige Nazareth. 



239 




17^ 



240 Schumacher, 

Stadtviertel, hZircit : häret el-lciiln im Nordwesten, auch häret 

ez-zvnib genannt, von Lateinern und 
Maroniten bewohnt, 
daneben nordwestl. Juwet esch-schaivUfni^ auch häret es-srii- 

dsc/ügen. ; Maroniten, unirte Griechen, 
Lateiner und Muslimen. 

hä)'et el-Ztibli, auch häret escli-scliech jü- 
^^^Z" genannt, ausschliesslich von Mus- 
limen bewohnt; bei der Moschee. [Auf 
dem Plan häret el-islä,m.'\ 

häret er-rüm im Norden, von griechischen 
Katholiken, Orthodoxen, Russen, Pro- 
testanten und Muslimen bewohnt. 
Die häret el-hösch\ieii\.e.xn lateinischen Kloster 
ist eigentlich mehr ein Spottname auf 
die dortigen Bewohner. 

Kirchen: 1 ) Kirchen der Lateiner : 

a) Kirche der Verkündigung, ke7Üset el-bischära 
(PI. 2). 

b) keniset mär j'astif, Werkstatt Josephs. 

c) keniset el-baläta, mensa Christi. 

d) hemset der el-benät^ früher ein kleines Non- 
nenkloster am Südende der Stadt auf dem 
l^erge gelegen. 

2) Die Maronitenkirche, hentset el-r)iaiocirni . 

3) Die Synagoge, in der Christus lehrte, medreset 

el-mesih, daneben hemset el-katlTiky'e\ beides 
Kirchen der unirten Griechen. 

4) Kirchen der orthodoxen Griechen : 

a) hemset el-bischüra bei der Marienquelle, auch 
keniset er-rüm genannt. 

b) keniset el-muträn, im griechischen Kloster. 

c) keniset el-7cafzi, Kirchlein des Absturzes (im 
Süden ausserhalb der Stadt) . 

5) Die protestantische Kirche, keniset el-bri(,testant\ 

sclion im gothischen Styl ausgeführt. 

Moschee: Ed-dschämi. 



Das jetzige Nazareth. 241 

M US lim i sc he H ei li gtliüme r : 

a) nebi saln auf dem Nordberge, ein Weli. 

b) weli schihüh ed-d'in^ südlich vom lateinischen 
Kloster. 

c) weli Scheck %mir, zerfallen, in der hiiret el- 
gharhlje. 

d) el-mezür^ ein zerfallenes "Weli beim Kloster 
der Dames de Nazareth. 

e) maJicim el-arhaln, ein Weli im alten musli- 
mischen Friedhof. 

Klöster: 1) Casa nuova, der el-lätm, lateinisches Pilgerhaus 
(Plan 3). 
2 Terra Santa, das grosse, alte lateinische Kloster 
bei der lateinischen Kirche. 

3) dei' er-rum^ Kloster der orthodoxen Griechen. 

4) der rahihät en-7msira^ Kloster der französischen 

Schwestern, Dames de Nazareth (Plan 4). 

5) der el-maJßhts , grosses neues Clarissenkloster 

(Soeurs oder Religieuses de St. Clair) . 

6) rähibät mär jTisuf , Soeurs de St. Josejoh. Diese 

■wohnen noch in einem gemietheten Hause. 

7) dar el-hatrak, Patriarchatshaus der Lateiner, auch 

französisches Priesterhaus genannt. 
Schulen: 1) eine grosse muslimische, neu erbaut, bei der Mo- 
schee. Ein Kfitib. lehrt nur arabisch. 
2) der orthodoxen Griechen : 

a) zwei Schulen der Russen, eine interne sammt 

Pension und Industrieschule zur Erlernung: 

von Handwerken, und eine zweite externe 

Avie die obige, beide »Seminar« genannt. 

b^ gewöhnliche Tagesschulen für Knaben und 

Mädchen im griechischen Klosterbau. 
c) eine höhere Mädchenschule im Gebäude des 
russischen Consulats. Sämmtliche Schulen 
werden durch russische Lehrkräfte geleitet. 
3j der Lateiner: eine gewöhnliche Knabenschule im 
lateinischen Kloster mit arabischem Unterricht 
und eine zweite ebendaselbst, in der auch euro- 
päische Sprachen gelehrt werden. 



242 Schumacher, 

4) der englisch-protestantischen Mission: 

a) eine Knabenschule in der Stadt mit arabischem 
Unterricht. 

b eine Mädchenschule im Waisenhaus, für ex- 
terne Schüler. Arabisch und Handarbeiten. 

c) eine Mädchenschule im Waisenhaus, für in- 
terne Schüler. Arabisch, Englisch und Hand- 
arbeiten. 

d) ausserdem unterhalten die Lehrerinnen des 
englischen Waisenhauses zwei Kleinkinder- 
schulen für Mädchen, eine in der Jiäret er- 
rüm, die andre in der häret esch-schtoaicäfni. 

5) Eine Kleinkinderschule für Mädchen, von den 

Dames de Nazareth gehalten. 
G) Eine Kleinkinderschule für Mädchen, von den Soeurs 
de St. Joseph gehalten. Beide Klöster unter- 
halten auch Mädchen-Arbeitsschulen. 

Wohlthätigkeitsanstalten und Arzte: 

a) The syrian protestant Orphanage, das englisch- 
protestantische Mädchen- Waisenhaus, von den Ein- 
gebornen el-brusjcimje genannt, weil das stattliche 
Gebäude von einem deutschen Architecten, Jacob 
Schumacher, und durch deutsche Handwerker aufge- 
führt wairde. Englische und arabische Lehrerinnen. 

b) Das österreichische Spital der fate bene fratelli (St. 
Johann von Gott) mit österreichischem Arzt, en-nam- 
mioije genannt. 

c) Das Hospital der schottischen Mission, Edinbourgh 
medical missionary hospital, im Norden der Stadt, 
von Dr. Vartan geleitet und daher gewöhnlich dcir 
wartan genannt. Die Apotheke liegt in der Stadt. 
Die liegierung hat neuerdings das Besitzrecht ange- 
fochten und droht mit Confiscation des Hauses, weil 
dasselbe auf Kegierungsland gebaut worden sei. 

d) Ausserdem practicircn ein russischer Arzt theil weise 
unentgeltlicli und drei russische Aveiblichc Ärzte in 
verschiedenen Stadttheilen ohne jedes Entgelt. 

Hebammen, eingeborene, zählt die Stadt zwölf. 



Das jetzige Nazareth. 



243 



Karawanse-raien: 1) dum el-hüschü in der unteren Stadt. 

2) chün der el-lcWin. 3) chZin el-kütlTik. 
4) chän '^azar liabih. 5) chän fatmüs kawär. 
Hotels, lukanda genannt, 1) deutsches Hotel Heselschwerdt. 

2) Hotel Nazareth, gehalten von 
einem Eingebornen Jüsuf Zeitün. 
Türkische Bäder: eines, Jirnnmäm tannüs kaivür. 
Öffentliche Backöfen, y^r«;?, besitzt Nazareth acht. Ausser- 
dem besitzen viele, namentlich alte Häuser Privat- 
öfen, täbün [tmücibln] genannt, welche mit Dünger 
geheizt werden nach Fellachenart. 
Schank- Wirthschaften , chammarZit, in denen geistige Ge- 
tränke, Kaffee und Nargile verabreicht werden, bestehn 
zehn. Solche, in denen nur Kaffee und Nargile zu 
haben sind, also eigentliche Cafes [kahice] giebt es 
drei. Sämmtliche Wirthe sind Christen. 
Gewerbe und Handel. Die Zahlen bedeuten selbständige 
Kaufleute und Meister; Gesellen und Commis sind 
nicht aufgezählt. 

1 ) Kaufmannschaft : 

a) Getreidehändler, tuddschar kamli ^), zugleich Gross- 
grundbesitzer, 24: die angesehenste Classe. 

b) Eisen-, Glas-, Porzellanhändler tuddschar 10 

c) chaicädschät^ Ellenwaarenhändler ... 43 

d) Spezereiwaarenhändler, 'affära, und 
Schmalz-, Ol- und Käsehändler, sammäni, 
zusammen 56 

e) Gemüsehändler, chudardscJüje 15 

f) Brotverkäufer u. Restaurateure,Wc/^sc/<7/e 5 

2) Schmiede : a) Grob- und Nagelschmiede, haddädin S 

b) Hufschmiede, bajüfrlje 12 

c) Messerschmiede, muiväsäüje . ... IS 

d) Kupferschmiede, nahhüsin .... 7 

3) Büchsenmacher, kardahdscJäJe (arbeiten meistens 

Reparaturen) S 

4) Pfeifenkopffabrikanten , ghalalm, (berühmtes 

Handwerk) 7 

5) Metzger, lahhZmün S 



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i P> N 






P 

IIb 
P 



1 ) Die arabischen Benennungen stehen stets in der Mehrzahl. 



244 Schumacher, 

6) Schreiner : a) Möbelschreiner, naddscliärm 15 (ein Deutscher 

lind 14 Eingeborne). 
b) Stellmacher, naddscharln el-midän, S (verfertigen 
ausschliesslich arabische Pflüge und Joche, 
was ein Spezialhandwerk der Nazarener ist). 

7) Müller, welche betreiben: 

a) Tretmühlen, dahhaki, 2 (ein deutscher und ein ein- 
geborener Müller). 

b) Dampfmühlen, hohorüt (vapore) tawTiJfm 5, 

c) Pferdemühlen, tawälnn hagliäl 2 (und eine im latei- 
nischen Kloster). 

8) Gerber: dahhägJün, 12. 

9) Färber: sahhäglän^ 10. 

10) Schuster: a) sküflje, 20. Diese verfertigen nur Fellachen- 

schuhe aus farbigem Leder. 

b) kundardsch'lje. 14. Sie verfertigen europäisches 
Schuhwerk. 

c) surmZijt'iJe ^ 5. Sie verfertigen eine Art Schuhe 
surmäj scJmmi genannt. 

11) Sattler: ii] srüdschlje^l . Sie verfertigen Reitsättel im Allge- 

meinen, Reitriemen etc. 
b dschelülüftje^ 2. Pack- und Tragsättelmacher. 

12) Filzmacher: lihbädlje, 8. Sie verfertigen Filzdecken für 

Reitthiere etc. 

13) Seckler: fet'itxidschlje^ 8. Sie verfertigen Pelzwerk etc. für 

Sattelzeug. 

14) Siebmacher: gharäbllje^ 3. 

15) Klempner (Flaschner : sankarlje^ %. 

16) Weber: hijjäk, 10. 

17) Schneider: chajjüfÄ,n 0. 

18) Goldschmiede: sljügh, 6. 

19) Maurermeister: mdmardschljc, 10. 

20) Steinliauermeister: dakküka, 53. 

21) Steinbrecher: haddsc/iüra, 22. 

22) Kalkbrenner: taicicüni, Ü. 

23) Gypser (Weissputzer) : kasmra. 1 5. 

24) Gärtner: hustcmdscJnJe^ 24 (darunter ein Deutsch-Amerikaner 

im Waisenhaiise) . 



Das jetzige Nazareth. 245 

25) Barbiere: halläkln^ IG. 

26) Seifensiederei: mashani, 1. 

27) Conditor: halciivcml, \. 

Ausserdem beschäftigen sich etwa 300 Leute mit Landwirth- 
schaft, und etwa ein Dutzend leben davon, dass sie Ol, Schmalz 
und Oliven bei den Fellachen aufkaufen und in den Häusern 
der Stadt zum Verkauf anbieten. Diese letzteren werden zeijci- 
tlj'e genannt. Von dem starken Verkehr der Reisenden aus dem 
Auslande leben 8 — 10 Personen als emkarlje, d. i. als Vermiether 
von Pferden und Eseln. Auch giebt es einige gewerbsmässige 
Jäger und Tabakschmuggler; die ersteren werden seijädtje^ die 
letzteren niuJiarrehm tutun genannt! 

Aus dem Vorstehenden wird ersichtlich, dass Nazareth den 
Fellachenmarkt der ganzen Umgebung bildet. Aus weiter Ferne 
kommt mancher Batiersmann, um sich ein müs nasrciicl (Messer) 
oder e\\\e\\ f/halj'un (thönernen Pfeifenkopf) oder gar einlud ehrät 
(Pflug) zu erwerben. Trotz der wahrzunehmenden Verarmung der 
Einwohner ist Nazareth dennoch wohlhabend zu nennen, da der 
besitzende Mittelstand weit zahlreicher ist, als z. B. in Haifa 
und Akko. Wenn man den grössten Theil des ärmsten Standes 
der Tagelöhner ausnimmt, besitzt jeder Familienvater ein eigenes 
Heim. Der Miethswohnungen sind verhältnissmässig ganz wenige, 
und wenn es irgend anging, dachte bisher ein junger Nazarener 
nicht eher ans Heirathen. als bis er im Stande war, wenigstens 
ein '«M (gewölbtes Zimmer) nebst Jiäküra (Gartenplatz) sein eigen 
zu nennen. 



Bericht über neue Erscheiuimgeu auf dem Gebiete 
der Palästiualiteratur 1888. 

Von Dr. J. Benziuger in Stuttgart. 



Indem ich es unternahm; die Literaturberichte für die Leser 
unserer Zeitschrift und zwar zunächst für den Jahrgang 188S 
fortzusetzen, glaubte ich mich, was die Begrenzung und Anord- 
nung des Stoffes betrifft, an die früheren von Prof. Socin erstat- 
teten Berichte anschliessen zu sollen. Bei den immerhin be- 
schränkten Hilfsmitteln der Kgl. Bibliotheken in Stuttgart und 
Tübingen, die mir zu Gebote standen, bin ich Herrn Professor Dr. 
SociN in Leipzig für eine Reihe von Beiträgen zu diesem Bericht 
zu doppeltem Dank verpflichtet. Über die russische Literatur, 
die mir unzugänglich ist, wird Plerr Professor Guthe unseren 
Lesern Bericht erstatten. 
Allgemeines. Was die bibliographische Literatur anbelangt, so seien hier 

graphie. ein für alleraal die beiden neueren periodisch erscheinenden Haupt- 
werke, August Müllers Orientalische Bibliographie^) und Lip- 
sius' Theologischer Jahresbericht'-), angeführt. Moore 3) in seinem 
interrcssanten Überblick über die Anfänge gelehrter orientalischer 
Studien in Amerika streift die Palästinakunde nur kurz. — 
Von Katalogen sei nur erwähnt der Katalog der Druckerei der 



] Orientalische liibliographic. Unter der ^Mitwirkung der Herren A. 
Bezzenberger, Joh. Müller, II. L. Strack, Th. C.L. Wijnmalen herausgegeben 
von A. Müller I. Jahrg. (1S87;. 4 Hefte. Berlin, Reuther, 1887—1888. 

2) Lipsius, Theologischer Jahresbericht. VIII. Bd. enthaltend die Lite- 
ratur des Jahres 18S8. Freiburg i. B. 1889. (Darin die Literatur zum Alten 
Testam. bearbeitet von C Siegfried). 

3) G. Moore, Alttestamentliche Studien in Amerika: Zeitschr. f. alttest. 
Wissenschaft 1888, S. 1—42, vgl. besonders S. 30 u. S. 41, 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 247 

Jesuiten^) in Beirut, ein interessantes Zeugniss der grossen Ver- 
dienste, welche sich die Jesuitenanstalt in Beirut um die arabische 
Literatur erworben. — über die Fortschritte der geographischen 
Wissenschaft liegen verschiedene zusammenfassende Berichte''-') 
aus dem Jahr 1888 vor, die auch mehr oder weniger auf Palästina 
und Syrien Bezügliches enthalten. Von periodischen Werken ist 
als neu erschienen zu begrüssen das Internationale Archiv für 
Ethnographie s), das auch für die Kenn tniss des semitischen Orients 
ein werthvolles Förderungsmittel zu werden verspricht (vgl. unten 
No. 284). 

Eine grosse Wohlthat ist für jeden, der auf dem Gebiete der 
Palästinakunde zu arbeiten hat, dass nunmehr ein ausführlicher 
Index ') zu dem grossen Werk The Survey of Palestine erschienen 
ist. Dadurch wird der Gebrauch des nicht gerade sehr übersicht- 
lich angelegten Werkes Avesentlich erleichtert. Der Inhalt und 
die Anlage des zweitheiligen Index ist aus dem genauen Titel 
unten zu ersehen. Beide Register enthalten bei Ortsnamen die 
Angabe der Ortslage auf der grossen Karte, das zweite zugleich 
eine englische Übersetzung der übersetzbaren Namen. Meiner 
Ansicht nach hätte eine Zusammenarbeitung beider Indices zu 
einem einzigen den Vorzug verdient. — Dr. Ph. Wolff^*^) hat 

4) Catalogue de l'Imprimerie Catholique des PP. Missionaires de la 
Compagnie de Jesus en Syrie. A. M. D. G. Ouvrages arabes. Beyrouth, Impr. 
Cathol. 1S8S. 

5) L. Friedrichsen, Über die Fortschritte der geographischen Forschung 
während der Jahre 1883 — 18S8. Mittheilungen der Geogr. Gesellschaft in 
Hamburg 1887—1888 I, S. 41—52. 

6) Der Fortschritt der geographischen Forschungen und Reisen im Jahre 
1887. 3. Asien. Von J. M. Jüttner: Deutsche Rundschau für Geographie und 
Statistik X (1888), II, S. 507—511 [nicht gesehen]. 

7) Maunoir, Rapport sur les progres des sciences [geographiques. Bul- 
letin de la societe de geographie 1SS8, S. 5 ff. (den Orient betreffend S. 87 ff. 

8) Internationales Archiv für Ethnographie, herausgegeben unter der 
Redaktion von Schmeltz. I. Bd. Leiden etc. 18SS. 

9) The Survey of Western Palestine. A General Index to 1. The Me- 
moirs Vol. I— III. 2. The Special Papers. 3. The Jerusalem Volume. 4. The 
Flora and Fauna of Palestine. 5. The Geological Survey and to the Arabic 
and English Name Lists. Compiled by Henry C. Stewardson. London, Palest. 
Explor. Fund, 1888, 165 SS. 4. 

10) Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins, Register zu Band VI — X 
angefertigt von Dr. Philipp Wolff. Leipzig 188». 



248 Benzinger, 

sich um unsere Zeitschrift verdient gemacht durch Abfassung 
eines Registers zu Band VI — X. 
Poiitiscbe Beginnen wir nach diesen allgemeinen Notizen unsere Rund- 

und Sociale ö » 

Zustände, schau mit denjenigen Veröffentlichungen, welche die gegenwärtige 
Lage Palästina s zum Gegenstand haben, Ich kann mich in der 
Hauptsache wohl auf einfache Nennung der betreffenden Auf- 
sätze etc. beschränken ; denn über politische und sociale Zustände, 
neue Strassenanlagen, Bauten und Bauprojekte und dergl. ledig- 
lich auf Grund der Literatur des Jahres 1888 hier zu berichten, 
dürfte wenig Werth haben, da sich inzwischen doch wieder vieles 
verändert hat. Ich hoffe, im nächsten Jahre einen zusammen- 
fassenden Bericht über die letztverflosseueu Jahre an dieser Stelle 
geben zu können. 

Ein Zeichen des wachsenden deutschen Ansehens ist die 
Trauerode eines christlichen Syrers, Nedschib Sallum^'), auf 
Kaiser Wilhelms I. Tod. 

Dr. Pii. WoLFF 12) erstattet in gewohnter Weise über Jeru- 
salemer Verhältnisse im Jahre 1887 seinen zusammenfassenden 
Jahresbericht. Allerhand einzelne Kleinigkeiten erzählen jeweilig 
die »Orientposten« der Warte des Tempels ^^), die »Neuesten Nach- 
richten« i*)^^), die Allgemeine Zeitung ^ß) und das Heilige Land i"). 

Aus der Verwaltung ist das wichtigste, dass nunmehr Beirut 
ein eigenes Wiläjet bildet, das den Küstenstrich südlich von der 
Orontesmündung, das Nusairiergebirge und den Libanon bis süd- 
lich von Tripolis, die Stadt Beirut und die Gegend zwischen 
Meer und Jordan von Saidä (einschliessl.) bis nördlich von Jäfä 

11) C. Lang, Nedschib Sallum'.s Trauerode auf den Tod Kaiser Wil- 
helm's I. Berlin, Decker, 1S88 [nicht gesehen]. 

12] "\V[olfi], Jahresbericht über Jerusalem. Schwäbischer Merkur No. 4. 
(Donnerstagsbcilage) vom 5. Jan. 1888, S. 17. 

13) Orientposten der Warte des Tempels 1888: Jerusalem S. 2. 20. 25, 
91. 113. 114. 121. 129. 137. 146. 154. 209. 217. 225. 250. 305. 340. 346. 3GI. 
40'J. Haifa S. 41. 169. 170. 193. 2U3. 225. 356. Beirut S. 81. Sarona S. 241. 

14) Vermischtes: Neueste Nachrichten a. d. Morgenlande 1888, S. 48 u.a. 

15) Schliclit, AVasscrhandel und Wassersnöthe in Jerusalem: Neueste 
Nachr. a. d. Morgenlande 1888, S. 91. 

16) Allgemeine Zeitg. 20. Febr. 1888; abgedr. "^^'arte des Tempels 1888, 
S. 75. 

17) Gatt, Nachrichten aus dem Orient: Das Heilige Land 1888, S. 86 — 91; 
S. 167—169. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 249 

umfasst. — Über die verschiedenen Projekte einer die syrische 
Küste mit dem persischen Golf verbindenden Eisenbahn berichtet 
Dumas i*) und spricht sich dabei für die Linie Orontesmündung- 
x\leppo-Baghdad aus. Mit der Ausführung hats aber noch gute 
Weile. Vollends reiner Schwindel ist, wenn in einigen Blät- 
tern i'J) die Notiz zu lesen steht, dass der Bau einer Pferdebahn 
in Damaskus schon begonnen worden sei. Sehr betrübend ist 
die Verwahrlosung der Kuinenstätten unter der türkischen Re- 
gierung. Die schonen grosseu Ruinen werden fortdauernd als 
bequeme Steinbrüche von den Bewohnern der Umgegend benutzt, 
ja es wird sogar ein schwunghafter Handel mit Steinen betrieben, 
so z. B. in Caesarea 2öj. 

Am meisten Interesse haben für uns natürlich unsere deut- 
schen Kolonien, Plierfür begnüge ich mich, auf den Gesammt- 
bericht der Centralleitung des Tempels ^i), sowie auf die Einzel- 
jahresberichte zu verweisen, welche aus .Jerusalem, Jäfä, Haifa 22]^ 
undBeirüt23j vorliegen. Gegenüber den vielfach kursirenden, auch 
in dem vorletzten Literaturbericht fZDPV. XI, 1888, S. 134) an- 
geführten Gerüchten von einer bevorstehenden Auflösung der 
Temjielgemeinden freue ich mich constatiren zu können, dass jene 
Gerüchte sich als ganz irrig erwiesen, wenngleich die Lage der 
Kolonien noch immer als eine drückende geschildert wird 2^). Der 
vielbesprochene Karmelprozess hat durch Vergleich Ausgang 1887 
das beste Ende gefunden 25). 



18) Dumont, Le Chemin de fer de la vallee de l'Euphrate : Bulletin de 
ia Societe de Geographie, Paris 1888, S. 557 ff., vgl. dazu den Bericht der 
Allgemeinen Zeitg. vom 10. Jan. 1888 abgedr. in Neueste Nachrichten a. d. 
Morgenlande 1S8S, S. 52 und Warte des Tempels ISSS, S. 46. 

19) Die Strassenbahn im Orient: Das Ausland. Stuttgart 1888, S. 486; 
frei übersetzt aus dem Evening Standard von Rittner. 

20) Die Bosnische Kolonie in Caesarea: "Warte des Tempels 1SS8, S. 75. 

21) Bericht über die Altesten- u. Volkswirthschaftsrathssitzung der vier 
Tempelgemeinden in Palästina zu Jerusalem vom 10. — 12. Sept. 1888: Warte 
des Tempels 1888, S. 321. 329. 338. 345. 

22) Jahresberichte der Tempelkolonien: Warte des Tempels 1888: Jeru- 
salem S. 33, Jäfä S. 42, Haifa S. 49. 

23) Jahresbericht der Evangel. Gemeinde zu Beirut für 1885—1887: 
Neueste Nachr. a. d. Morgenlande 1888, S. 108. 

24) Deutsches Handelsarchiv 1S88, II, S. 661. 

25) Orientposten: Warte des Tempels 1S8S, S. 20. 



250 Benziuger, 

Über die evangelische Mission sthätigkeit und humanitäre 
Anstalten, namentlich der Deutschen, liegen eine Reihe von Be- 
richten vor26— 34j j)as deutsche Aussätzigenasypsjse) hat im April 
18S7 sein neues, hübsch eingerichtetes Haus vor der Terapel- 
kolonie bezogen. Die englische Missionsthätigkeit in Jäfä^') und 
namentlich die Arbeit der englischen Judenmission 3S) wird von der 
Warte des Tempels einer sehr scharfen, aber voll berechtigten 
Kritik unterzogen. Dass die Juden sich nicht zum Ackerbau in 
Palästina eignen, beweist der Umstand, dass nicht blos die eng- 
lische Judenmissionskolonie in "^Artüf, sondern auch die übrigen 
Ackerbau treibenden Judenkolonien sich nur durch grosse Geld- 



26) Schlicht, Ein Gang durch die deutsche evangel. Gemeinde in Jerusa- 
lem: Neueste Nachr. a. d. Morgenlaude 1SS8, S. 65. 

27) Bschara Canaan, Nachrichten aus Bet Dschäla : Neueste Nachr. a. d. 
Morgenlande 1888, S. 165. 

28) Müller, Nachrichten aus Bethlehem : Neueste Nachr. a. d.'Morgeu- 
lande 1888, S. 159. 

29) 27. Jahresbericht des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem vom Jahr 

1887. Auch abgedr. in Neueste Nachr. a. d. Morgenlande 1888, S. 21 — 37. 

30) Jahresbericht über das deutsche Krankenhaus des Tempels in Jäfä : 
Warte des Tempels 1SS8, S. 42. 

31) Schlicht, die Arbeit der englischen »kirchlichen Missionsgesellschaft« 
im Heiligen Lande: Neueste Nachr. a. d. Morgenlande 1888, S. 151, aus 
dem mir nicht zugänglichen Jahresbericht der Church Missionary Society 
1887/88. 

32) A Syrian Commencement, Scenes at the American College at Beirut 
from an occasional correspondent •" New -York Tribüne, 12. August 1888 
[nicht gesehen]. 

33) Das Evangelium unter den Juden Jerusalems. Von einem Veteranen. 
Aus der Zeitschrift Nathanael abgedr. in Neueste Nachr. a. d. Morgenlandc 

1888, S. 132—149. 

34) Aus dem 79. Jahresbericht der Londoner Judenmissionsgesellschaft : 
Neueste Nachrichten a. d. Morgenlande 1888, S. 53. 

35) Schlicht, Bericht über das Aussätzigen-Asyl in Jerusalem für das 
Jahr 1887: Neueste Nachr. a. d. Morgenlandc 1888, S. 75 — 88. 

36) H. G. Schneider, Das Aussätzigen-Asyl in Jerusalem: Geschicht- 
liche Darstellung seines nunmehr 20jähr. Bestehens. Berthelsdorf (Leipzig, 
Buchhandl. d. Vereinshauses\ 18S8. 46 SS. 

37] Orientposten Jäfä (Thätigkeit der englischen Mission) : Warte des 
Tempels 1888, S. 26. 

38; Die englische Kolonie Artuf in Palästina: Warte des Tempels 188S, 
S. 102. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1S88. 251 

Zuschüsse aus Europa halten können, "wie auch der Bericht der 
Kolonie Gederah bei Jäfä zeigt 3'-' . 

Aus den verschiedenen Berichten ^f'"~^^) der lateinischen Mis- 
sionen und Schulen ist zu ersehen, dass namentlich die italienische 
Regierung grosse Anstrengungen macht, durch Neugründung von 
Schulen ihren Einlluss im Orient zu verstärken ^ß) 4''). Ich erwähne 
hier auch gleich einige Aufsätze ■is— 52j ^ ^[q {i^ (jas Gebiet der Mis- 
sionsgeschichte gehören. 

Das Deutsche Handelsarchiv berichtet über den Handel von 



39) Zur Geschichte der Kolonie Gederah. Separat-Abdruck aus dem XIII. 
Jahrgange der »Spendenverzeichnisse« herausgeg. von Dr. Adolf Salvendi. 
Mainz 18S8. 

40j Vincenz (Patriaeh v. Jerusalem- . Jahresbericht: Das Heilige Land. 
1S88, S. 161. 

41) Ph. Bernardet, Die Missionen der Jesuiten in Syrien : Das Heilige 
Land 1888, S. 161. • . 

42) G. Grabinski, La missioni dei Gesuiti in Siria: Eassegna Nazionale 
1888, 1. Juli, [nicht ges.]. 

43) Der deutsch-katholische Palästinaverein: Warte des Tempels 1888, 
S. 218. 

44) J. Simon, Ecoles dOrient : Eevue francaisedel'Etranger ISSS, 1. juin 
[nicht ges.[. 

45) Missioni Cattoliche. — Album : Asie Occidentale — Asie Orientale 
— x\frique — Amerique et Oceanie. Parigi (Bruges-Lille), Societe de S. Au- 
gustin. 1SS8. 4 vol. in 40, con illustrazioni nel testo [nicht ges.]. 

46) Le Missioni e le scuole italiane in Oriente, confereuza del prof. E. F. 
Restagno : Bolletino della Societa Geografica Italiana Vol. 25, Serie III, 1. 
1888, S. 3o9— 347. 

47) Gli interessi italiani in Oriente, conferenza del prof. cav. E. Schia- 
parelli : Bolletino della Societä Geografica Italiana Yol. 25. Serie HI, 1. 1888, 
S. 347—364. 

48) Dr. Wolfsgruber, Das österreichische Pilgerhaus und Cardinal Rau- 
scher's Wirken für das heilige Land: Das Heilige Land 1888, S. 186 ff. (Ab- 
druck aus einer Biographie des Cardinal Rauscher). 

49) Gelüen, Die Auffindung des heil. Grabes und des wahren Kreuzes 
Christi durch die heil. Helena in ihrer Bedeutung für die Kirche V, VI : Das 
HeiUge Land 1888, S. 121 ff. u. S. 141 ff. 

50) P. Berliere, Die alten Benediktiner-Klöster im heiligen Lande : Das 
Heilige Land 18SS, S. 173—186. 

51) G. Gatt, Eine Episode aus der Geschichte des Zionsklosters : Das 
Heilige Land 1888, S. 36—38. 

52) P. Gratus Bscheider, Der heil. Franziskus und sein Orden im heil. 
Lande: Das Heilige Land ISSS, S. 28—35. 



252 Benzinger, 

Alexandrette, Beirut, Haifa und Jerusalem ^3) für das Jahr 1887 
sowie über Geld- und Creditverhältnisse von Syrien ^^) im allge- 
meinen. Durch alle Berichte zieht sich die Klage hindurch, dass 
die Handelsbewegung sich wesentlich verringert hat in Folge 
der durch schlechte Ernte und mangelhafte Verkehrsmittel her- 
beigeführten Abnahme der Kaufkraft des Landes. Sonst ist von 
statistischen Angaben zu nennen ein Artikel über Beirut ^^), der 
mir aus einem Beirüter Kalender zusammengestellt scheint, wahr- 
scheinlich aus dem »Guide de Beyroutha^ej^ der sehr gutes sta- 
tistisches Material enthält, 
(febräudle^ Gehen wir über zu den Werken, die uns Sitten und Ge- 

bräuche des heiligen Landes darstellen. Li erster Linie ist hier 
zu nennen ein Buch des (damaligen) Bethlehemer Pastors Schnel- 
ler s^), das ausserordentliches Aufsehen erregt hat (erscheint in 
diesem Jahr schon in 6. Aufl.). Dasselbe ist populär geschrieben, 
darf also — besonders avo sich der Verfasser auf alttestament- 
lichem Boden bewegt — nicht mit dem Maasstab strenger Wissen- 
schaft gemessen werden. Abgesehen davon verdient das Buch 
das ihm reichlich gespendete Lob, insofern es reiche Beiträge zur 
Kenntniss des LIeiligen Landes und zu lebendigem Verständniss 
der Heiligen Schrift darbietet. Die Aufschlüsse, welche Cardahy^^) 
über eine neue muslimische Sekte in'Akkä gegeben hat, betreffen 
eine Art Derwischorden, der unseres Wissens in Nordafrika schon 
länger verbreitet ist; der richtige Name ist Schäzili (Schäzli) . Die- 
selben scheinen sich namentlich durch sehr lockere Sitten aus- 
zuzeichnen. 



53] Deutsches Handelsarchiv 188S, II. S. 179 ff., S. 221 ff., S. 329 ff. 

54) Deutsches Handelsarchiv 18&8, II. S. 180, Geld- und Kreditverhält- 
nisse in Syrien. 

55) Statistisches aus Beirut: Das Heilige Land 1888, S. 165. 

56) Aljamiali ou Guide de Beyrouth. Par Amin Khouri. Beyrouth, T.i- 
brairie universelle Der Jahrgang 1888 ist mir nicht zu Gesicht gekommen). 

57) Ludwig Schneller, Kennst du das Land'? Bilder aus dem gelohten 
Lande zur Erklärung der heil. Schrift. Jerusalem, Buchhandlung des Syri- 
schen Waisenhauses, 1888. XIII, 386 SS. 8. — Aus der Menge der Kecensionen 
führe ich nur an die von Furrcr: Theolog. Literaturzeitung 1889, 10, Sp. 249. 

58) Bschara Cardahy, Der Schech el-Muglirabi oder die Sekte der 
Dschasli, eine Art rauhammedanischer Freimaurer in Aeco: Warte des Tem- 
pels 1888, S. 292 ff. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. ISSS. 253 

Wenig neues bietet ein Aufsatz des Boten aus Zionäo) über 
die Milch als Nahrungsmittel in Palästina, die Beschreibung der 
Jerusalemer Häuser durch Gatt ^^] , die Mittheilungen Fritz- 
sche's^^) über Derwische und andere Aufsätze ö2—64j^ — j)as grosse 
Werk von Racinet^s] über die Geschichte des Kostüms, das sich 
durch vorzügliche Bildertafeln auszeichnen soll, ist im Berichts- 
jahr mit Lieferung IS — 20 und Textband vollständig geworden. 
Flügel 66) stellt die Aussprüche des Talmud und der Rabbinen 
über die altorientalische Sitte, im Gotteshaus den Kopf zu be- 
decken, zusammen. — Aus einem Werk von A. Zagarelli^^) theilt 
GuTHE mit, dass die Bewohner von el-Mäliha (nahe dem Kreuz- 
kloster) Abkömmlinge grusinischer Einwanderer sind, die sich 
noch z. Th. in Typus und Gebräuchen von den Fellachen unter- 
scheiden. 

Manchem Leser unserer Zeitschrift ist vielleicht damit ge-Sprach- 
dient, wenji wir ihn darauf aufmerksam machen, dass aus dem 
Nachlasse Rückert's Theile einer Übersetzung des Koran von A. 
Müller herausgegeben worden sind 68) . Müller hat in der Ein- 
leitung alles zusammengestellt, was für den Laien über die Ent- 
stehungsgeschichte etc. des Koran zu wissen von Interesse ist. 



'o"ö^ 



59) Die Milch im heil. Lande: Bote aus Zion 1888, abgedr. in Neueste 
Nachrichten a. d. Morgenlande ISSS, S. 116—120. 

60) G. Gatt, Die Häuser in Jerusalem: Das Heil. Land 1888, S. 6—10. 

61) Fritzsche, Die Derwische: Österr, Monatsschrift f. d. Orient 1888, S. 54. 

62) Umgang und Verkehr mit den Orientalen. Aus einem Vortrag von 
Prof. Brugsch: Das Heilige Land 1888, S. 13.3. 

63) Das Nebi Musa-Fest: Warte des Tempels ISSS, S. 177. 

64) The Mohammedan Lent, Scenes during Kamadan. (Correspondence 
from Beirut) : The Evening Post (New- York) July U, 1888 [nicht ges.]. 

65) A. Racinet, le costume historique. 500 planches etc. Avec notices 
explicatives et une etude historique. Livr. IS — 20. Pari§, Didot & Cie., 1S88. 
Dass. Tome I .'XLIII, 292 SS. 4., 12 Tafeln und Inhaltsübersicht). Bespr. 
Literar. Centralbl. 1888, Sp. 190. Deutsche Ausgabe: Geschichte des Kos- 
tüms bearbeitet von Rosenfeld. Berlin 188S. 

66) IM. Flügel, Kopfbedeckung und -Entblössung im Gotteshause. Ein 
Beitrag zur Culturgeschichte des [Morgen- und Abendlandes : Jüd. Litt.-Blatt 
XVn, No. 40, 43—45 [nicht ges.]. 

67) A. Zagarelli, Grusinische Kolonisten in Palästina: ZDPV. XI, S.259. 

68) Friedr. Rückert, Der Koran, im Auszuge übersetzt. Herausgegeben 
von A. Müller. Frankfurt a. M., Sauerländer, ISSS. Bespr. von Suouck Hur- 
gronje in D. Lit. Ztg. 1888. 42; Gustav Karpeles in Gegenwart 1.8SS, 45. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. Xm. jg 



254 ■ Benzinger, 

Hoffentlich wird das Werk dazu beitragen, die so vielfach be- 
liebte Geringschätzung der geistigen Macht des Islam etwas zu 
corrigieren. 

Von Arbeiten, die sich mit dem syrischen Yolksdialekt be- 
schäftigen, ist nur ein Aufsatz von David ^9) zu nennen, dessen 
Bemerkungen übrigens theilweise verfehlt sind und wenig neues 
bringen. 
eschichte ^011 den naturwissenschaftlichen Abhandlungen, welche 

sich auf die Landeskunde Palästinas beziehen, seien zunächst 
zwei Aufsätze von Russell '^oj ^m^ Hull"^) erwähnt, ersterer 
eine »zusammenfassende Darstellung« der bisherigen Ergebnisse 
betr. die Jordan-*^ Araba-F rage. Aus letzterem erfahren wir, dassdie 
höchsten Ablagerungen des Todten Meeres nur 394 m über dem 
jetzigen Spiegel sich finden, also eine einstige Verbindung mit dem 
Golf von *^Akaba nicht möglich war. Zur Geologie vgl. aucliNo. 2S6. 
Zahlreicher sind die botanischen Abhandlungen. PosT^^j 
hat die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Heise im Ost- 
jordanland veröffentlicht. Die reiche Liste der gesammelten 
Pflanzen ist ein werthvoller Beitrag zur Botanik jener Gegenden. 
Nicht minder dankenswerth sind die Arbeiten von Ander- 
lind '^3j74j_ Derselbe bespricht eingehend die Bedingungen für 
Anpflanzung und Aufziehung, den Ertrag und die Verbreitung 
der Fruchtbävime (besonders Ölbaum, Aprikosen-, Feigen-, Maul- 
beer-, Orangenbaum, Sykomoren etc., sowie der Rebe). Ein grosser 
Theil des Weinbaues und der Weinbereitung und fast der ganze 
bedeutendejWeinexport liegt in den Händen der deutschen Kolo- 

69) David (Mg"", Archeveque Syrien de Damas), Etüde sur le dialecte 
arabe de Damas. Journal asiatique 18SS, X, S. 165 — 199. 

70) J. C. llussell, The Jordan- Arabah Dejjression and the Dead Sea, Geo- 
logical Magazin Aug. and Sept. 1888, S. 337—344 und 387—395 [nicht ges.]. 

71) Edward HuU, Note on Mr. J. C. Russel's papcr on the Jordan Arabah 
and the Dead Sea. (Extr. from the Geological Älag. Dec, III. Vol. V. No. 1 1 , 
1888). Quart. Statements 1889, S. 32—34. 

72) George E. Post, Narrative of a scientific expedition in the Trans- 
Jordanic region in the spring of 1886: Quart. Statements 1888, S. 175 — 237. 

73) Leo Anderlind, Die Fruchtbäume in Syrien, insbesondere Palästina. 
ZDPV. XI (1888), S. 09—104. Daraus ein Abdruck »Der Aprikosenbaum« in 
Österreich. Monatsschrift für den Orient 1SS8, S. 124. 

74) Leo Anderlind, Die Hebe in Syrien, insbesondere Palästina: ZDPV. 
XI (1888), S. 160— 177. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 255 

nisten. Akuerlind selbst hat sich, wie ich aus eigener Anschau- 
ung bezeugen kann, um den deutschen Weinbau in Palästina 
ein grosses Verdienst erworben, dadurch dass er den Kolonisten 
das erfolgreiche Mittel gegen eine verheerende Traubenkrankheit 
in die Hand gab. Den Temperenzlern, die immer wieder in allem 
Ernst sich auf Christi Vorbild berufen, seien Anderlind' s Aus- 
führungen a. a. O. S. 169 f. zur endlichen Beherzigung empfohlen. 
Wie bedauerlich es ist, dass über Ertrag, Export etc. so wenig 
statistische Notizen zur Verfügung stehen, zeigen diese Aufsätze 
aufs neue. Einige andere verwandte Aufsätze populärer Natur, 
auf Anderlind's Arbeit beruhend, seien nur genannt '^^) '6). Das 
Heilige Land begnügt sich mit dem Abdruck alter Aufsätze ^^) . 
Vgl. ausserdem als hierhergehörig No. 289. Coxder'^) theilt aus 
dem 13. Jahrhundert eine Erzählung über das Vorkommmen von 
Krokodilen im Nähr ez-Zerkä mit. Meteorologische Beobach- 
tungen aus Jäfä für die Jahre 1880 und 1881 veröffentlicht Glai- 
siiER '^'J) 80) ; auch die Warte des Tempels setzt ihre monatlichen 
Wetterberichte fort^i). 

In drei Artikeln ^2— 84j ^ von denen uns jedoch bloss einer §2] 1^^^^^°' 
vorliegt, macht Sayce darauf aufmerksam, dass nach den ägyp- 
tischen Denkmälern die Amoriter weisse Haut, blaue Augen, 

75) Der Oliven- oder Ölbaum: ^Yarte des Tempels 18S8, S. 366, nach 
No. 73. 

76) [Hoffmann] Die Fruchtbäume des heil. Landes: Neueste Nachr. a. d. 
Morgenlande 1888, S. 97 nach No. 77. 

77) Anderlind, Die Cedern auf dem Libanon (aus ZDPV. X 1887) : Das 
Heilige Land 1888, S. 24 S. u. a. 

78) C. R. Conder, The crocodils in the Nähr ez-zerka: Quart. State- 
ments 1888, S. 166. 

79) James Glaisher, Meteorological observations 1880 : Quart. Statements 
1888, S. 167—169 mit 1 Tab. 

80) James Glaisher, Meteorological observations 1881 : Quart. Statements 
1888, S. 237—239 mit 1 Tab. 

81) Wetterberichte: Warte des Tempels 1888, S. 8. 72. 96. 120. 152. 184. 
216. 248. 288. 328. 376. 392. 

82) A. H. Savce, The White Race of Ancient'Palestine : Aeademv 1888, 
28. July, S. 55. 

83) A. H. Sayce, The White Race of Ancient Palestine : The Expositor 
1888, July, S. 48 — 57 [nicht ges.]. 

84) A. H. Sayce, The White Race in Palestine: Nature (London; 1888, 
Aug. 2, S. 321 fif. [nicht ges.]. 

18* 



256 Benziger, 

helle Haare und dolicbocephale Schädel hatten, nnd dass. diese 
Easse in Juda bis auf Sisak's Zeit vorherrschte. Interessant ist 
auch CoNDEKS ^^j Vergleichung alter Eassentypen, die ihn zu dem 
gewiss sehr richtigen Eesviltat führt, dass man nicht vorsichtig 
genug sein kann, wenn es sich um Bestimmung der alten Be- 
völkerung handelt. Hierher ist wohl auch eine Arbeit Bertin's ^^) 
zu rechnen. 
Archäologie. \yir kommen zur Archäologie. Babelon's Handbuch der 

orientalischen Archäologie^") kenne ich nicht. Dasselbe wird 
wegen seiner Kürze und Genauigkeit gelobt. Wenn aber darin 
dieselbe Weisheit wie in dem unter No. 138 zu besprechenden 
Werk vorgetragen wird, so dürfte dieses Ürtheil ganz bedeutend 
zu modificiren sein. Die Neubearbeitung der israelitischen Ar- 
chäologie in der zweiten Auflage des ZöcKLER'schen Handbuchs 
stammt von Strack**). Das archäologische Sammelwerk, welches 
Smith *ö) herausgegeben hat, liefert wohl eine der jetzt üblichen 
Zusammenstellungen des Materials und trägt vermuthlich nicht 
streng wissenschaftlichen Charakter. Eine lange Keihe kleiner 
Abhandlungen und Notizen , welche Ganneau im Laufe des 
letzten Jahrzehnts in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht 
hat, liegen nun gesammelt in einem stattlichen Bande '^'') vor; be- 
sonders epigraphische, jedoch auch sprachliche und religions- 



. 85) C. R. Condcr, Early racial Types : Quart. Statements 1888, S. 160 
—165. 

86) G. Bertin, The Races of the Babylonian Empire : Journ. Anthr. Inst. 
London 18S8, XVIII, S. 104 (mit 15 Profiljcöpfen aus assyr. und babylon. 
Monumenten). Bespr. in Petermann's Mittheil. 1889, Literaturbericht No. 
663 [nicht ges.]. 

87) Ernest Babelon, Manuel d'archeologie Orientale. Chaldee, Assyrie, 
Perse, Syrie, Judee, Phenicie, Carthage. Paris, Qu antin [1888]. 318 SS. 8. (ill.). 
Davon eine englische Übersetzung v. E. Evetts, Grevel & Co., 1888. Bespr. 
Athenäum 1889, I, S. 63 [nicht ges.j. 

88) H. Strack, Israelitische Archäologie. Zöckler'a Handbuch der theol. 
Wissenschaften Bd. I, 1. S. 373—421. Nördlingen, Beck, 1888. 

89) A. Dictionary of the Bible. Its antiquities, biography, geography 
and natural history. By various writers. Ed. by "\Vm. Smith. London, Mur- 
ray, 1888 [nicht gcs.]. 

90) ]{ecueil d'archeologie Orientale par Ch. Clermont-Ganneau, correspon- 
dant de l'Institut etc. Tome premicr. Avee 21 jdanches et de nombreuses gra- 
vures dans le texte. Paris, Leroux, 1888. 404 SS. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 257 

geschichtliche Fragen versteht GAN^'EAU in scharfsinniger Weise 
zu behandehi, wenn auch nicht immer zu erledigen. Der zweite 
Theil der Archäologie Sciiegg's'JM behandelt die sacralen Alter- 
thümer der Israeliten ; auch darin ist das Material Heissig zu- 
sammengestellt. Doch macht sich hier der Mangel an Kritik mehr 
fühlbar, als bei den im ersten Theil (s. d. letzten Bericht No. 141) 
behandelten Gegenständen der Ethnographie, Geographie, Bo- 
tanik und Zoologie des Heiligen Landes. 

Das zu apologetischen Zwecken verfasste, aber für weitere 
Kreise nicht uninteressante Buch von Sayce^^Jj in welchem be- 
sonders eine Reihe der für die israelitische Geschichte wichtigen 
Inschriften erörtert werden, ist in französischer Übersetzung er- 
schienen. 

Noch immer ungelöst ist die Frage nach Zweck und Her- 
kunft der Dolmen, v. Löher ^^) will nachweisen, dass die Dolmen 
alle einem und demselben Volk angehören, das dieselben auf 
seinen verschiedenen Wanderzügen errichtet habe. Und zwar 
müsse das ein germanisches Volk sein ; die Dolmen -in Europa 
sind Wikingergräber, die im östlichen Bereich des Mittelmeers 
Gothengräber. Sein ganzes Resultat wird durch die einfache 
Thatsache hinfällig, dass, wie Schumacher und die Forscher des 
Palestine Exploration Fund festgestellt haben, in Syrien und zwar 
im Ostjordanland, die Dolmen sich keineswegs bloss vereinzelt, 
sondern recht zahlreich finden. 

Die Hethiter und die Hethitischen Inschriften bilden noch 
immer einen dankbaren Gegenstand für gelehrte und ungelehrte 
Forscher. Wer sehen will, wie viel man aus diesem Stoff machen 
kann, der lese aus dem unten (unter No. 138) angeführten Werk 
von Lenormaxt-Babelon den betreffenden Abschnitt (S. 121 ff.). 



91) Peter Schegg, Biblische Archäologie; herausgeg. von Z. B. Wirth- 
müller, 2. Abth. IV, S. 389—716. Freiburg, Herder, 1888. 

92) A. H. Sayce, Lalumiere nouvelle apportee parles monuments anciens, 
apercu des preuves les plus frappantes de la veracite de la Bible d'aprcs les 
recentes decouvertes en Egypte, Palestine, Assyrie, Babylonie, Asie Mineure. 
Ouvrage trad. sur la 3e ed. par l'abbe Ch. Trochon, Paris, Lethiellcux, 1888. 
240 SS. [in dieser Übersetzung nicht ges.]. 

93) V. Löher, Über Dolnienbauten : Sitzungsber. der philos.-philol. -bist. 
Abtheilung der Kgl. bayr. Akad. in München ISSS I. S. 216—247. 



258 Benzinger, 

Damach kann man »sans se perdre en folles conjectures« be- 
haupten, dass die Hethiter es waren, die unter dem Namen der 
Hyksos Ägypten eroberten und dergleichen. Eine weitere Auf- 
zählung der Arbeiten ^^) über die noch immer ungelöste Frage der 
Entzifferung der hethitischen Inschriften wollen wir unsern Le- 
sern erlassen. Am ehesten wäre das orientierende Werk von 
Sayce^^) zu nennen. "Was aus Conder's Feder über diesen Gegen- 
stand in den Statements erschienen ist^ß—'ooj^ beweist, wie ge- 
fährlich es ist, wenn sich Unberufene mit solchen schwierigen 
philologischen Fragen beschäftigen. 

Die 1887 neu aufgefundenen Sarcophage von Sidon haben 
viel von sich reden machen. Über den Sarg Alexanders des 
Grossen brachte die politische Correspondenz einen Artikel, 
der nachher durch eine Reihe von Zeitschriften die Runde 
machte ^0^"^*''*). Hamdi Bei's Bericht ^osj üi3er seinen Fund ist 
auch in den Statements abgedruckt; dazu liefert Lewis ^o^j gf^e 
genaue Beschreibung der Sarcophage, die er z. Th. selbst ge- 
sehen hat. Der Fund des Sarcophags des sidonischen Königs 



94) Für die Literatur betr. die Hethiter verweise ich auf Müller's Biblio- 
graphie II unter IV, 3. S. 49. 141. 242. 341. 

95) A. H. Sayce, The Hittites, or the story of a forgotten people. Lon- 
don, Tract. Soc, 1888 (ilL). Bespr. Saturday Rev. 1889, Jan. 26, S. 104 f. 

96) Conder, The Hittite Language: Quart. Statements 1888, S. 77 — 103. 

97) Conder, The Hittite monuments : Quart. Statements 1888, S. 150—160. 

98) Conder, Altaic Cylinders : Quart. Statements 1888, S. 239—246. 

99) Conder, Chinese and Hittite: Quart. Statements 1888, S. 246—249. 

100) Conder, The Speech ofLycaonia: Quart. Statements 1888,8.250—251. 

101) Der angebliche Sarcophag Alexanders des Grossen : Berliner philolog. 
Wochenschrift 1888, Sp. 387. 

102) Salomon Reinach, Chronique d'Orient: Revue archeologique, 1888, 
mai-juin, S. 357 — 391, 

103) Der Sarg Alexanders des Grossen: Warte des Tempels 1888, S. 108. 
(aus der Polit. Korrespondenz). 

104) Fund in Constantinopel : Das Heilige Land 1888, S. 136. 

105) Hamdi Bey, Account of a royal Necropolis discovered at Saida: 
Quart. Statements 1888, I, S. 9 — 13, abgedr. aus Revue d'ethnographie VI, 
S. 444 ff. 

106) T. Hayter Lewis, The Sarcophagi of Sidon: Quart. Statements 1888, 
S. 5 — 8. — Derselbe, Sidon's sarcophagi, Three Phoenician and seven Greek 
works in marble: New-York, Times 1888, Jan. 18. [nicht ges.]. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 259 

Tabnit 107-110) ist wichtig, weil wir in der phöiiicisclien Inschrift, 
welche darauf steht, die Vorlage zu der oft wörtlich übereinstim- 
menden, nur breiteren Grabinschrift seines Sohnes Eschmuna- 
zar vor uns haben. Clermont-Ganneau bespricht den Sarg 
des Hermogenes mit seinen Abbildungen aus dem Marsyas-My- 
thusi"). 

R.eckendorf's Erklärung des grossen Zolltarifs ^i^j^ welcher 
1881 in Palmyra gefunden wurde, ist von hohem wissenschaft- 
lichen Werth. Derselbe Gelehrte hat einige Nachträge zur 
Erklärung der Palmyrenischen Inschriften veröffentlicht ^^ 3) _ 
Ganneau^*^) hat eine Palmyrenische Bilinguis besprochen. His- 
torisch von Belang ist van Berchem'sII^) Untersuchung der drei 
Inschriften von Kafat es-Subebe bei Bänijäs, durch welche die 
Forschungen Ganneau's bestätigt werden. Wir wissen jetzt ganz 
genau, dass eine der Hauptwiederherstellungen dieser auch für 
die Kreuzfahrer wichtigen Festung aus dem Jahre 627 d. Fl. (1229) 
datirt. Von Interesse ist auch die arabische Inschrift aus dem Jahre 
671 d. Fl., die sich an der Brücke von Lydda befindet i"'^). Pog- 



107) Renan et Maspero. Le sarcophage de Tabnith, roi de Sidon. Paris, 
Leroux, 1888, 8. (2 pl.) [nicht ges.]. 

108) J. Halevy, Un mot important dans l'inscription phenicienne de Tab- 
nit: Eev. des Etudes juives 1888, XV, S. 292—295. 

109) J. Derenbourg, Le sarcophage de Tabnit : Rev. des Etudes juives 1888, 
XV, S. 109—112. 

110) J. Derenbourg, L'inscription de Tabnit: Revue de l'histoire des reli- 
gions 1888, X\l, 7 S. [nicht ges.]. 

111) Clermont-Ganneau, Sarcophage de Sidon representant le mythe de 
Marsyas: Revue archeologique XI, 1888, S. 160-^167, vgl. Recueil d'archeo- 
logie S. 285—292. 

112) Reckendorf, Der aram. Theil des palrayren. Zoll- und Steuertarifs: 
Z. der D. Morgenl. Ges. 1888, S. 370—415. 

113) Reckendorf, Palmyrenisches : Wiener Ztschr. für Kunde des Mor- 
genlandes II, S. 325—327. 

114) Über eine Palmyrenische Bilinguis. Clermont-Ganneau: Journal asia- 
tique 1888 (VIII, 11) S. 303—304. Vgl. Recueil d'archeologie S. 300—302. 

115) M. van Berchem, Le chateau de Bäniäs et ses inscriptions : Journal 
asiatique 1888 (VIII, 12), S. 440—470. Vgl. Inscription arabe de Banias : 
Clermont-Ganneau, Recueil d'archeologie S. 241 — 2G1. 

IIG) Notes d'epigraphie et d'histoire arabes par M. Clermont-Ganneau: 
Journal asiatique 1888 (VIII, 12), S. 305—310. Vgl. Le pont de Beibars ä 
Lydda ; Recueil S. 262—279. 



260 Benzinger, 

non'*'') berichtet über die beiden im Wädi Brissa aufgefundenen 
Inschriften des Nebukadnezar ; leider sind dieselben fast ganz un- 
leserlich. GiLDEMEiSTER^^*) gibt Verbesserungen und Erklärungen 
zu den in ZDPA". IX von Frei und Schumacher veröffentlichten 
Inschriften. Ein Nachtrag von Zangemeister i'^; berichtigt dessen 
Erklärunsr einer lateinischen Inschrift in Jerusalem dahin, dass 
der dort genannte M. Junius Maximus doch nicht als Statthalter 
anzusehen ist. — Eine französische Inschrift aus der Kreuzfahrer- 
zeit mit dem Namen des Hugo Revel, Grossmeisters der Hospi- 
taliter (7 127S), bespricht Ganneau^^o]. Das Fragment ist jetzt 
im Louvre. — Ins Gebiet der biblischen Archäologie gehören 
zwei hübsche Aufsätze von Franz Delitzsch i^i] über Purpur und 
^^"ein . 

Von neueren Entdeckungen sind zu nennen die Auffindung 
zweier schöner Viktorien in Askalon, nach EEiNACHi22j aus dem 
ersten vorchristlichen Jahrhundert (vgl. auch einen Aufsatz von 
ScHicK^2^)), sowie die eines römischen Meilensteins auf der Strasse 
Jerusalem-Näbulus, aus welcher Clermont-Ganneau ^^*] glaubte 
auf einen »goldenen Meilenstein« auch für Jerusalem schliessen 
zu dürfen. Schumacher ^25^ berichtet über eine Reihe kleinerer 
Funde von verschiedenen Orten, darunter zwei Inschriften in 
'Akkä und el-Ledschün. — Schliesslich seien noch Arbeiten von 

117) Rapport de M. Pognon: Archives des missions scientifiques XIV 
(1888), S. 345—349. 

118) J. Gildemeister, Bemerkungen zu den griechischen Inschriften Frei's 
und Schumachers: ZDPV. XI 1888;, S. 38—45. 

119) Karl Zangemeister, Römische Inschrift von Jerusalem. (Nachtrag zu 
ZDPV. X, S. 49 f.) : ZDPV. XI (1888), S. 138. 

120) Clermont-Ganneau. Lettres sur une inscription francaise dccouverte 
ä Saint-Jean-d'Acre : Academie des Inscriptions et Belles-Lettres. Comptes 
rendus 1888, S. 324—320. 371. 404. 

121) Franz Delitzsch, Iris. Farbönstudien und Blumenstücke, Leipzig 
18SS : S. 43 ff. über Purpur und Scharlach, S. 129 ff. die Bibel und der Wein. 

122) Th. Reinach, Sculptures d'Ascalon : Revue des Etudes juives 1888, 
XVI, S.2 1—27. 

123) C. Schick, Statues at Askalon: Quart. Statements 1888, S. 22—23. 

124) Clermont-Ganneau, A Roman milestone of Jerusalem: Athenaeum 
1888, 7. July, S. 39 f. ; vgl. ders., Une borne milliaire de Jerusalem: Recueil 
d'archeologie S. 28(»— 284. 

125j (i. Schumacher, Recent discoveries: Quart. Statements 1888, S. 103 
—106; 134—141. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 261 
GrAETZ t26aj 12Cbj ^ SCHLUMBERGER ^27) ^^^ EeINACH 12Sj aUS dem 

Gebiet der Numismatik erwälmt. 

Aus der Kunstojeschichte ist zunächst das Werk von Sybel^^o] Kunst- 

~ I geschiente. 

zu nennen, das aber über den Orient Avenig bietet. Mauss i^oj^ ein 
Fachgelehrter, bespricht Avichtige architektonische Fragen be- 
treffend den Felsendom und die Grabeskirche. Er weist nach, 
dass zwei ineinandergeschobene gleichseitige Dreiecke resp. Vier- 
ecke die Grundlage für die Grundrisse dieser Bauten gebildet 

haben. Eine Anzahl anderer Aufsätze begnüge ich mich zu 
nennen 131— 134), 

Zu der alten Geschichte des Landes und seiner Bewohner Geschichte. 
übergehend, nenne ich zuerst ein genealogisches Werk von Stock- 
visi35), das als wichtiges Hilfsmittel für das Studium des Orients 



126a) H. Graetz, Les monnaies de Simon du temps de l'insurrection des 
Juifs sous Adrien. Eevue des Etudes juives 1888, XVI, S. 161—169. 

126b) H. Graetz, Jewish coins : On the signification of the Jewish coins 
-n-ith the Lulab (Palm-branches) and Portal (Transl.byH. Montagu): Numism. 
Chronicle 1888, 3, S. 165—198 [nicht ges.]. 

127) G. Schlumberger, Sept sceaux de plomb de princes et prelats latins 
de Palestine et de Syrie au XII^ siecle : Eevue numismatique 1888 (III, 6), 
S. 461—469, PI. Xxi et XXII [nicht ges.]. 

128) Th. Eeinach, Les monnaies de Simon: Eevue des Etudes juives 1888, 
XVII, S. 42—45. 

129) Sybel, Weltgeschichte der Kunst bis zur Erbauung der Sofienkirche, 
Marburg 1888. 

13U) C. Mauss, Note sur la methode employee pour tracer le plan de la 
mosquee d'Omar et de la Eotonde du Saint -Sepulcre ä Jerusalem: Eevue 
archeol. 1888 (III, 12), S. 1—31. 

131) E. Eey, L'ordre duTemple en Syrie et äChypre: Eev. de Champagne 
et de Brie 1888, April und Mai. 

132) Ir. A. L. Frothingham, Archaeological News : Americ. Journ. of Ar- 
chaeol. 1888, IV, 1, S. 69 — 125 [nicht ges.]. — Derselbe, Notes on Christian 
mosaics. III. The lost mosaics of the East: Americ. Journ. of Archaeol. 1888, 
JV, 2, S. 127—148 [nicht ges.]. 

133) J. Leslie Porter, On the Connexion between Jewish, Phoenician, and 
Early Greek Art and Architecture : Journ. Transact. Victoria Institute 1888, 
(XXI) 8 I, S. 23—41, Discussion S. 41—52 [nicht ges.]. 

134) Die Architektur des heil. Landes: Das Heil. Land 1888, S. 65. Abdr. 
aus Organ für christl. Kunst 1864. 

135) Stockvis, Manuel d'histoire, de genealogie et de Chronologie de tous 
les etats du globe depuis les temps les plus recules jusqu'ä nos jours. Tomel. 
Asie, Afrique etc. Leide 1888 [niclitges.]. 



262 Benzinger, 

und seiner Geschichte gelobt wird. Von Josephus hat Niese ^3^) 
eine kleine Ausgabe (nach seiner grösseren, im Erscheinen be- 
griffenen) besorgt. 

Die verschiedenen Leitfaden und Lehrbücher, in denen die 
Geschichte Israels meist als Nebensache behandelt ist, lasse ich 
unerwähnt, um mich auf einige wenige Werke von wissenschaft- 
lichem Werth zu beschränken. Ob ich demnach ein Recht habe, 
Renax's Werki^'), von dem im Berichtsjahr eine englische und 
eine amerikanische Ausgabe erschienen sind, zu nennen, könnte 
bezweifelt werden (vgl. Wellhausen's Recension in der D. Litte- 
ratur-Zeitung 1888, 4 und Kuenen unter No. 141), Die neue 
Auflage von Lenormant ^^^), besorgt von Babelon, ist gleichfalls 
nichts weniger als eine Förderung der Wissenschaft. Von histo- 
rischer Kritik zeigt sie keine Spur. Da wird als geschichtlich er- 
zählt, dass die Kanaaniter in Folge der Invasion der Elamiter 
unter Kedorlaomer (2250 v. Chr. !) in Babylon vom persischen 
Meerbusen auf einem uns genau bezeichneten Weg nach Kanaan 
auswanderten. Dieselbe Invasion muss aiich daran Schuld sein, 
dass der arme Abraham sein Vaterhaus verlassen muss. Wir er- 
fahren genau, sogar auf einer Karte, wo die verschiedenen Unter- 
abtheilungen der Rephaim und die einzelnen Stämme der Ka- 
naaniter ihre Sitze hatten — ein neuer Beweis, wie nothwendig 
eine wissenschaftliche historische Geographie des alten Palästina 
ist. Was über die Israeliten von Abraham an gesagt wird, gehört 
in eine biblische Geschichte für Kinder. Auch über die Geo- 
graphie von Palästina erfahren wir manches Interessante, so dass 
das Todte Meer 530 m tief ist, dass die ganze Umgebung von 
Jerusalem aus vulkanischen Hügeln besteht und dergl. Ich glaube 
diese paar Mittheilungen genügen als Warnungstafel. 

Um so besser ist die deutsche Wissenschaft vertreten. 
Strack '39) hat den Abriss der Geschichte Israels im Handbuche 

136) Flavii Josephi Opera, recognovit Niese, Ed. min. 2 voll. Berlin 1888. 

1.37) Ernest Renan, History of the people of Israel tili the time of king 
David (Transl. from the Frcnch). London 1888. Zugl. amerikan. Ausgabe, 
Boston 1888 ^in dieser Ausgabe nicht ges.]. 

138) Fran^ois Lenormant, Histoire ancienne de l'Orient jusqu' auxguerres 
mediques. Continuee par Ernest Babelon 9^ ed. T. VI: Perses, Israelites et 
Chanancens, Arabes, Phenieiens et Carthaginois. Paris 1888. 

139j H. Strack, Die Geschichte Israels. Zücklcr's Handbuch der theol, 
Wissenschaften Bd. I, 1. S. 311—373. Nördlingen, Beck, 1888. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 18S8. 263 

Zöckler's neu bearbeitet — allerdings leider nicht völlig umge- 
staltet, wie wohl wünschenswerth gewesen wäre. Von Kittel's 
Geschichte der Hebräer ^^oj jg^ (|er erste Halbband erschienen. 
Treffend charakterisirt Siegfried im Theol. Jahresbericht seine 
Behandlungsw^eise als eine »vorsichtige«; der eigentlich geschicht- 
liche Inhalt kommt sehr kurz weg. Eine vorzügliche zusammen- 
fassende Kritik über Renan, Kittel und Baethgen gibt Kue- 
nen141). Stade's Werk ^^2^ ist an dieser Stelle schon in seiner Be- 
deutung gewürdigt worden. Im Berichtsjahr ist der zweite Band 
erschienen. Der erste Theil desselben, von Stade, reicht bis zur grie- 
chischen Zeit. Für die Palästinakunde von besonderem Interesse 
ist seine Untersuchung über den Besitz der jüdischen Gemeinde 
in der Zeit von 537 — 445 mit Karte, über den Bau des 2. Tempels 
und Nehemia's Thätigkeit, wobei Stade auch auf specielle topo- 
graphische Fragen eingeht. Der 2. Theil des zweiten Bandes, von 
O. Holtzmaxn, führt die Geschichte von der Diadochenzeit bis 
zur Zerstörung Jerusalems durch Titus herab. Sehr zu bedauern 
ist namentlich bei diesem Theil, dass der Gebrauch des vortreff- 
lichen Werkes durch das Fehlen eines Registers sehr erschwert 
•ward. Ungefähr von derselben Periode der jüdischen Geschichte 
gibt Graetz '43j eine ausführliche Darstellung. Würdig reiht sich 
an diese Deutschen Untersuchungen an das Werk eines italieni- 
schen Gelehrten, Castelli '^^), dem Siegfried das Zeugniss aus- 

140) R. Kittel, Geschichte der Hebräer I. Halbband: Quellen und Ge- 
schichte der Zeit bis zum Tode Josua's (Handbücher der. alten Geschichte I. 
Ser. 3. Abth. 1 Halbb.). Gotha 1888. Bespr. von Nowack: D. Literaturzeitung 
1888, 16; König: Theol. Literaturblatt 1888, 8; Horst: Theol. Literaturztg. 
1888, 22; A. Kamphausen: Studien und Kritiken 1889, S. 167—205; E. 
Nestle: Literar. Centralblatt 1888, 51 ; A. W. Benn : Academy 1889, 26. Jan., 
S. 60—62; F. Köstlin: Protest. Kirchenzeitung 1888, 49. 

141) A. Kuenen, Drie wegen een doel: Theol. Tijdschrift 1888, S. 473— 495. 
571—588. 

142) Bernhard Stade, Geschichte des Volkes Israel. Zweiter Band. I. Ge- 
schichte des vorchristlichen Judenthums bis zur griechischen Zeit von B. 
Stade. — II. Das Ende des jüdischen Staatswesens und die Entstehung des 
Christenthums von O. Holtzmann. Berlin, Grote, 18S8. 

143) H. Graetz, Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die 
Gegenwart. Aus den Quellen neu bearb. 3. Bd. Geschichte der Judäer vom 

-Tode Judas Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates. 4. verb. u. 
stark verm. Aufl. Leipzig, Leiner, 1888, XII, 857 SS. (1 Taf.). 

144) Davide Castelli, Storia degU Israeliti dalle origini fine alla Monarchia, 



264 Benzinger, 

stellt, dass er vollkommen auf der Höhe seiner Aufgabe stehe. 
Sonst ist von Gesammtdarstellungen etwa noch die von Peyre ^^^) 
zu nennen. Einzelarbeiten zur alten Geschichte liegen vor von 
CoRXiLLi-iö), Chatelanat 147) und Ee>\\]n' i-*^). Kellner 1^9) be- 
schäftigt sich mit den politischen und administrativen Zuständen 
in Palästina zur Zeit Christi. Sein Aufsatz über die kaiserlichen 
Prokuratoren von Judäa'^^^ gehört zusammen mit einer Studie 
von iMBERT^äi) xmd den Tabellen von ]\L\hler152j ing chrono- 
logische Gebiet. 

Für die spätere Geschichte der Juden ist vor allem Hecht i»^) 
zu nennen, dessen Werk als ein bequemes und gut geschriebenes 
Compendium gelobt wird. — Das Schicksal der zehn Stämme nach 
dem Exil lässt den Engländern bekanntlich keine Ruhe. Con- 
derI^'I) will Spuren von ihnen in (Jentralasien gefunden haben. 
Immerhin interessant — man muss sie ja nicht gerade glauben 
— sind die darauf bezüglichen Volkstraditionen, die Conder 



secondo le fönte biblielie criticamente espo.ste Vol. II, La monarchia. Milano 
ISSS [nicht ges., vgl. Theol. Jahresber. VIII, S. 50]. 

145) E,. Peyre, Histoire generale de l'antiquite. Orient, Grece, Home. 
Paris 1888 [nicht ges.]. 

146) Cornill, Die Entstehung des Volkes Israel und seiner nationalen Or- 
ganisation. Hamburg 1888 (Sammlung gemeinverständl. ■\vissenschaftl. Vor- 
träge herausgcg. von Virchow & Holtzendorff N. F. Heft 60) [nicht ges.]. 

147) R. Chatelanat, L'entree des Israelites en Canaan et l'Egypte: Rev. 
Chretienne 1888, S. 603 — 627 [nicht ges.]. 

148) E. Renan, Etudes d'histoire israelite, II. Le regne de David, III. Le 
regne de Salomon. Revue des deux mondes, 1888, S. 268 — 330; S. 536 — 570 
[nicht ges.]. 

149) Kellner, Politische und administrative Zustände von Palästina zur 
Zeit Christi: Der Katholik 1888, Jan., S. 47—63. 

150) H. Kellner, Die römischen Statthalter von Syrien und Judäa zur Zeit 
Christi und der Apostel. II. Die kaiserlichen Procuratoren von Judäa. An- 
hang: Die jüdischen Hohenpriester dieser Zeit: Zeitschrift f. kathol. Theo- 
logie 1888, 4, S. 630—655. 

151) J. Imbert, Le temple reconstruit par Zorobabel : Museon VII, S. 77 
—87; 221—235; 302—314. 

152) Ed. Mahlcr, Chronologische Vergleichungstabellen [nicht ges.]. 

153) Hecht, Handbuch der israelitischen Gescliichte von der Zeit des 
Bibel- Abschlusses bis zur Gegenwart 6. Aufl., bearb. von Kayserling. Leip- 
zig, Engel, 1888 [nicht ges.]. 

154) Conder, The ten Tribes : Quart. Statements 1888, S. 144—150. 



Bericht über neue Erscheinungen auf iL Gebiete d. Palästinalit. 1S88. 265 

anführt. Neubauer's Aufsatz ^■''') kam mir nicht zu Gesicht. — 
Prütz'5G|^ j\er bekannte Historiker der Kreuzzüge, hat der Ge- 
schichte des Templerordens eine ausführliche Darstellung gewid- 
met, worin ZAvar die Verhältnisse des Ordens in Palästina nur kurz 
zur Sprache kommen, aber sonst sehr viel w-erthvolles Material 
zu einer unparteiischen Beurtheilvmg des Ordens beigebracht 
wird, Roth 's'] veröffentlicht nach einer Darmstädter deutschen 
Handschrift den schon aus einer lateinischen Handschrift be- 
kannten Ijericht des Ludolf von Sudheim von der Einnahme 
von'Akkä. DasAVerk des Geheimschreibers ^Imäd ed-din{7 1201), 
welches uns Landberg ^^^) in einer vortrefflichen Ausgabe vor- 
gelegt hat, enthält eine Beschreibung der Kriege Saläli ed-din's 
gegen die Kreuzfahrer (11S7 — 1191). Bekanntlich ist es ein 
Muster schönen arabischen Stils ; doch ist die gereimte Prosa, in 
der es abgefasst ist, theilweise sehr schwierig. 

Die letztgenannten Werke leiten uns über zur älteren Geo- Ältere Geo- 

~ graphie und 

graphie Palästinas bezw. Syriens und ihren Quellen, arabischen Mgerreisen. 
Geographen und mittelalterlichen Pilgern. Eine stattliche Eeihe 
von werthvollen Veröffentlichungen weist dieses Gebiet diesmal 
auf. Guy le Strange '^'^) gibt eine Liste von 2 l arabischen bezw. 
persischen Geographen und Reisenden zwischen den Jahren 864 
und 1496. Ob die Liste vollzählig ist, vermag ich nicht zu beur- 
theilen. Kurze Bemerkungen zu jedem einzelnen geben Auskunft 
über Person und Stellung des Schriftstellers und über den Cha- 
rakter seines Werks. Derselbe gibt eine englische Übersetzung 



155) Adolf Neubauer, AVhere are the Ten tribes ? : Jewish Quart. Review I, 
1888, 1 u. 2. 

15()) H. Prutz, EntAvicklung und Untergang des Tempelherren-Ordens. 
Mit Benutzung bisher ungedrucktcr Materialien. Berlin, Grote, 1888. 

157) F. "NV. E. Roth, Bericht des Ludolf von Sudheim über die Einnahme 
von Acre 1294. Nach einer Darmstädter Handschrift: Zeitschr. der D.- 
Morgenl. Gesellschaft 1888 (42), S. 421—424. 

158) Imfid ed-din el-kätib el-isfahäui. Conquete de la Syrie et de la Pa- 
lestine par Saläh ed-dln. Public par le comte Carlo de I>andberg. Vol. I. 
Texte arabe. Leyden, Brill, 1888. Bespr. von Barbier de Meynard, Journal 
Asiatique 1888 (VIII, 11), S. 306 f. und Comptes rendus de lAcad. des Inscr. 
XVI, S. 168 f. 

159) Guy le Strange, Palestine according to the Arab Geographers and 
travellers: Quart. Statements ISSS, S. 23—30. 



266 Benzinger, 

von Idrisi ^^^) nach der Ausgabe von Gildemeister in ZDPV. 
VIII, 1885 (vgl. ZDPV. X. 1887, S. 103 No.47 und 48), sowie eine 
Übersetzung der Beschreibung Antiochiens von Ibn Butlän ^^i) , 
die uns bei Jäküt erhalten ist. Ibn Butlän, ein Naturforscher, 
Christ, gebürtig aus Baghdad, reiste 1047 n. Chr. nach Ägypten 
und von dort nach Constantinopel ; nach Antiochien kam er im 
Jahr 1051 und wurde dort Mönch. Wilson i^^j gibt eine ver- 
gleichende Übersicht über die Namen der Thore des Haram esch- 
Scherif bei den Arabern, aus welcher hervorgeht, dass die Be- 
nennung ziemlich stark gewechselt hat, namentlich zwischen dem 
11. und 15. Jahrhundert. Simpson ^^sj sammelt die Nachrichten 
über die sogen. «Mitte der Welt(f im Katholikon der Grabeskirche. 
Röhricht ^64j g^g^ nach neu veröffentlichten Urkunden wichtige 
Ergänzungen seiner Aufsätze »Syria Sacra« und »Studien zur 
mittelalterlichen Geographica in ZDPV. X. Auch Aufsätze von 
Clermokt-Ganneau i'^sj und von WandelI^^) sind hier zu nennen. 
Was Pilgerreisen anlangt, so hat Bovenschen^^'] das be- 
rühmte und berüchtigte Werk Mandeville's einer eingehenden 
Untersuchung auf seine Quellen hin unterzogen, deren Ergebniss 
ist, dass Mandeville zwar eine ausserordentliche Belesenheit und 
grosse Unverfrorenheit im Abschreiben besessen, dass ihm aber 
nur ganz wenige Partien des AVerkes, so z. B. die Notizen über 
den Hof des Sultans von Ägypten, zu eigen gehören. Vergl. über 

160) Guy le Strange, Idrisi's description of Jerusalem in 1154: Quart, 
Statements 1888, S. 31—35. 

161) Gu)- le Strange, Antioch in 1051 a. D.: Quart. Statements 1888, S. 
266—271. 

162) C. W. Wilson, On the transferenee of the Arab names of some of the 
gates of the Haram as-sherif betwcen the cleventh and fifteenth centuries : 
Quart. Statements 1888, S. 141—144. 

163) AA'illiam Simpson, The middlc of the world, in the Holy Sepulchre: 
Quart. Statements 1888, S. 260—263. (2 Abbildungen). 

164) 11. Kühricht, Nachträge: ZDPV. XI (1888), S. 139—142. 

165) Clcrniünt-Ganncau, Legendes et Traditions locales de Palestine au 
moyen ägc. llce. d arclieol. orient. (s. oben No. UOj S. 322—332. 

166) AVandel, [Ist Kadytis bei Herodot] Jerusalem oder Gaza? eine arehäo- 
logisch-biblisclie Studie: Schulblatt f. d. Provinz Brandenburg 1888, S. 428 
—442, S. 497—505 [nicht ges.]. 

167) Albert Bovensclien, Untersuchungen über Johann v. Maundeville und 
die Quellen seiner Kciscbeschreibung : Zeitschrift d. Gesellschaft f. Erdkunde, 
Berlin 1588 (XXIII), S. 177— 3(iü. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 267 

denselben Gegenstand auch einen Artikel der Saturday Review i68j_ 
Bruchstücke aus einer Pilgerreise des Minoritenbruders Paulus 
Walter (1482 — 83) sind im Wochenblatt des Johanniterordens 
mitgetheilt^'^'J). Röhricht i'^o) hat die Pilgerfahrt des Caspar von 
MüLiNEN (1506) herausgegeben, die nach seinem Urtheil zwar nicht 
durch Alter und Fülle der Angaben hervorragt, aber doch eine 
Reihe von interessanten Ergänzungen für unsre sonstigen Nach- 
richten über die Tradition der heiligen Stätten bietet. Die im 
vorigen Bericht (ZDPV. XII, 1889, S. 106 No. 97) erwähnte 
Pilgerreise der Silvia(in neuer, verbesserter Ausgabe ^''^) erschienen, 
auch französisch ^'2) gedruckt) hat Weymann ^^^j besonders für 
die Liturgie zu verwerthen gesucht. Von den Publikationen der 
Palestine Pilgrims Text Society gehören dem Berichtsjahr an die 
Hefte enthaltend die Reisen des Abts Daniel ^^'*), die älteste 
bekannte russische Pilgerreise [vergl. die Bemerkungen in den 
Quart. Statements i"^)], und ferner die Reisen des Näsir-i-Khus- 
raui^ß) aus dem Jahr 1047, übersetzt von Guy le Strange [dazu 

168) Maundeville, Voiage and Travayle .... toward Hierusalem: Satur- 
day Key. 1888, 21. Jan., S. 83. 

169) Die Pilgerreise des Minoritenbruders Paulus Walter von Guglingen 
nach Jerusalem (1482 — 1483): AYochenblatt der Johanniter- Ordens -Balley 
Brandenburg, 1888, S. 53. 

170) Die Jerusalemfahrt des Caspar von Mülinen (1506). Herausgegeben 
von R. Eöhricht: ZDPV. XI (1888), S. 184—196. 

171) J. F. Gamurrini, S. Silviae Aquitanae peregrinatio ad Loca Sancta 
annis fere 385 — 388: Studi e documenti di storia e diritto IV (Roma, Tip. 
Vatic, 1888), S. 99—174 [nicht ges.]. 

172) F. Cabrol, Le Manuscrit d'Arezzo. Ecrits inedits de Saint-Hilaire, 
et Pelerinage d'une dame gauloise de IVe Siecle aux lieux saints. Paris, 
Palme, 1888, 48 SS. [nicht ges.]. Vgl. dazu »Eine Pilgerfahrt nach dem gelobten 
Land«: Wochenbl. der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg 1888, S. 99. 

173) Karl Weymann, Über die Pilgerfahrt der Silyia in das heilige Land: 
Theolog. Quartalschrift 1888, S. 34—50. 

174) The Pilgrimage of the Russian Abbot Daniel in the Holy Land 1106 
— 1107 A. D. Annotated by Colonel Sir C. W. Wilson. London, Palestine 
Pilgrims Text Society, 1888. 

175) The Pilgrimage of the Abbot Daniel: Quart. Statements 1888, 
S. 35—39. 

176} Näsir-i-K.husrau. Diary of a Journey through Syria and Palestine 
(in 1047 a. d.). Transl. from the Persian and annotated by Guy le Strange. 
London, Palestine Pilgrims Text Society, 1888. Vgl. Clermont-Ganneau, 
Recueil d'archeologie S. 303—319. 



268 Benzinger, 

Verbesserungen von demselben in den Statements i''')], sowie 
Hugo Plagon's Beschreibung von Jerusalem und Umgegend i^sj 
vom Jahr 1 1 S 7 . 
Geographie: Eine kin^ze zusammenfassende Darstellung der Geographie 

Zusammen- ~ o l^ 

Darstei- P^lästiua's ist erschienen vou Strack i'^). Das Werk von Revel^^oj 
inngen. gQJj jjiehr ethnographischen, als speciell geographischen Inhalts 
sein. Die Arbeiten von Ai]\'sworth181)^ Daavson182)^ Hull^^sj 
und Miller ^^*) waren mir nicht erreichbar. Über das Buch von 
De Vogüe^^^). das in 3. Aufl. erschien, vgl. die früheren An- 
zeigen in ZDPV. I, S. 33 und II, S. 93. Ein anderes illustrirtes 
Werk von TempleI^bj bietet etwas neues: es enthält 32 kolorirte 
Bilder von Plätzen in Palästina mit beschreibendem Text. Letz- 
terer soll sich keineswegs über das niedrige Niveau der Touristen- 
literatur erheben. Den Bildern liegen Olfarbenstudien des Ver- 



177) Guy le Strange, Au inscription in the Aksa mosque: Quart. State- 
ments 1888, S. 278—280. 

178) The Cit}' of Jerusalem. Transl. from the old French with notes by 
C. R. Conder. London, Palestine Pilgrims Text Society, 1888 ; vgl. Tobler, 
Bibliographie S. 21; Röhricht, Bibl. Geogr. Palestinae (1890) S. 42. • 

179) H. Strack, Geographie Palästinas : Zöckler's Handbuch der theol. 
Wissenschaften Bd. 1. S. 298—318. 

180) J. Revel, Chez nos ancetres [Palestine, Syrie, Arabie). Paris, Char- 
pentier, 1888 [nicht ges.]." 

181) W. F. Ainsworth, On Certain Points in Syrian Geography: The An- 
tiquary 1888 (XVIII), Dec, S. 238—242 [nicht ges.]. 

182) J. W. Dawson, Modern science in Bible lands. London, Hodder & 
Stoughton, 1888, 610 SS. (Maps and lUustr.). Davon amerik. Ausgabe, New 
York, Harper & Brothers, 1 889 [nicht ges.] . 

183) -E. Hüll, Notes on some of the results arrived at by members of the 
Expedition sent out by the Committee of the Palestine Exploration Fund in 
1883 — 1884 to Arabia Petraea and Western Palestine: Journ. Transact. Vic- 
toria Institute XXI (1888^ 81, S. 11—20 [nicht ges.]. 

184) William Miller, The least of all lands ; sevcn chapters on the topo- 
graphy of Palestine in relation to its history. London, Blackie, 1888. 240 SS. 
[nicht ges.]. 

185) Vic. E. M. de Vogüe, Syrie, Palestine, Mont Athos. Voyage auxpays 
du passe, 3e ed. Paris, Plön, 1888. 

186) Richard Temple, Palestine illustratcd. London 1888, S. 304 SS. [nicht 
ges.] Besprochen: Athenaeum 1S88, 21. Ai)ril, S. 494; Saturday Rev. 1888, 
12. Maj-, S. 574; Academy ISSS, 4. August, S. 6G (von Cheyne) ; Asiatic 
Quart. Review V. 11, S. 235; The Spectator 1888, 11. May, S. 428; Procee- 
dings of the royal geographica! Society 188S, S. 474. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 269 

fassers zu Grunde ; während die Kolorirung gerühmt wird, soll 
die Zeichnung häufig viel zu wünschen übrig lassen, ja hie und 
da kaum kenntlich sein. Von grösseren illustrirten Werken sind 
noch zu nennen das von Thevoz'*"], das eine ziemliche Anzahl 
neuer ansprechender Bilder enthält, und das von HarperI^sj, - 

Ich schliesse diesen grösstentheils populär gehaltenen Büchern S"ratur." 
gleich die übrigen populär erzählenden Werke an, meist Keise- 
beschreibungen. Wesentlich höher als die Durchschnittsliteratur 
stehen die anspruchslosen Erzählungen von Budde^^^). Hier 
einmal einer der wenigen Reisenden, die nicht blos ihren rothen 
Baedeker ausschreiben, sondern mit eigenen Augen Neues sehen 
und mit gesundem Verstand urtheilen; dabei ist das Buch mit 
einem köstlichen Humor geschrieben. Frisch und hübsch soll 
LiETZOW i'J^*) seine Reiseeindrücke wiedergeben. Gelobt wird 
auch als wissenschaftlich von Interesse eine Reisebeschreibung 
von Stoppani^'JI). Ein grösseres holländisches Werk von De- 
LANCKER^'J^j -war mir nicht erreichbar. Dem Titel nach zu schliessen 
ist Havard's^^sj Bvich eine Beschreibung der grossen französi- 
schen Pilgerfahrt (»pelerinage de penitence«!) des Jahres 1882. 
Recht minderwerthig sind die Erzählungen von Sophie Christ i^*) 



187) La Palestine illustree. Collection de vues recueillies en Orient par 
F. et C. Thevoz de Geneve, reprod. par la phototypie et accompagnees d'un 
texte explicatif par Ph. Bridel. 1 — 5 Lieferung. Lausanne, G. Bridel, 1888. 

188) Henry A. Harper, Walks in Palestine. London, Kelig. Tract. Soc, 
1888, 4. (2-1 photogravures) [nicht ges.]. 

189) E. Budde, Erfahrungen eines Hadschi. Leipzig, Grunow, 1888, 

190) P. Lietzow, Jerusalem. Ein Besuch ,in der heiligen Stadt. Berlin 
1888. Daraus einiges abgedruckt in Neueste Nachrichten a. d. Morgenlande 
1888, S. 112 ff. 

191) A. Stoppani, Da Milano a Damasco : ricordo di una carovana mila- 
nese nel 1S74. Milano, L. F. Cagliati, 1888. Volume di pag. 645 cou ritratto 
deir autore. Bespr. in Bolletino della societä geografica italiana, Serie III, 
Volume I, 1888, S. 113S [nicht ges.]. 

192) A. Delancker, Brieven over het Heilig Land, of verhaal eener reis 
naar Egypte, Palestina en den Libanon. Thielt, K. Van Landeghem-Mi- 
naert; Gand, Leliaert, 1888, 442 SS. 8. [nicht ges.]. 

193) Havard, Le premier pelerinage de penitence etlaterre sainte. Tours, 
1888, 352 SS. 8. [nicht ges.]. 

194) Sophie Christ, Morgenfahrt auf dem galiläischen Meer. Aus »Orienta- 
lische Tageblätter« abgedr. : Das Heilige Land 1888, S. 149. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XIIL 19 



270 Benzinger, 

und Drammer^''^). An entsprechender Pilgeiiitteratur von pro- 
testantischer Seite scheint es übrigens auch nicht zu fehlen i96j i97j^ 
Es bleibt mir nur noch übrig, eine Reihe von populären Aufsätzen 
in englischen und amerikanischen Zeitungen anzuführen i9s~205j, 

schrmeent ^^^ Mittelpunkt der Specialforschungen steht Jerusalem. 

Jerusalem, Yqj. jiUem Verdient ein dem Jahre 18SG an gehöriger Plan der Stadt 
von Abbe Nicole ^ocj noch nachträglich hier genannt zu werden. 
Derselbe, in kleinerem Masstab (1 : 10 000) gezeichnet als der 
bekannte ZiMMERMANNsche, umfasst auch die nächste Umgebung 
der Stadt ( Ölberg bis IJethphage, Richtergräber, Kreuzkloster) . 
Die ganze Zeichnung mit Höhenkurven und sehr sorgfältiger 
Schattirung gibt besonders einen sehr deutlichen Gesammtein- 
druck von der Terraingestaltung. Auch der Baumbestand ist 



195) Drammer, Ein Ausflug an den Jordan und zum Toten Meer: Das 
Heilige Land 1S8S, S. 38—47. 81—84. 101—110. 

196) H. S. Newman, Palestine lessons to my class through the land of 
promise in the patliway of Our Lord. London, Partridge, 1888, 454 SS. 8. 
[nicht ges.]. 

197) J.A. Paine, Memorial Stones in the East: Sunday Schooi Times 1888, 
6. Oct. S. G27 [nicht ges.]. 

198) Cunningham Geikie, The Mount of Olives : The Sunday Schooi Times, 
1888, S.März [nicht ges.]. 

199) The last Journal of bishop Hannington : being narratives of jonr- 
neys through Palestine in 1884, and a journey through Masai-Land and W.- 
Soga in 1885. Ed. by E. C. Dawson. London 1888, 23S S. 8. (Illustr.) [nicht 
gesehen]. 

200) Henry A. Harper, The Sea of Galilee: Sunday Magazine (London), 
1888, S. 312 [nicht ges.]. 

201) Henry W. Hulbert, Bethlehem of Judaea: The Independent 1888, 
20. Dec, S. 1032 [nicht ges.]. 

202) James King, Visit to Mount Gerizim, in the Valley of Shechem: 
Evangelical Magazine (London) N. S. Nr. 80 (August 1888); S. 350—356. 
[nicht ges.]. 

203) Sclah Merrill, Syro-Phoenicia and the Tiand of Israel: The Sunday 
Schooi Times (Philadel])hia) 1888, 7. January [nicht ges.]. 

204) C. A. Siegfried, Tripoli to Alexandria: The Nation 1888, 12. Jan. 
S. 27 [nicht ges.]. 

205) E. S., Travel in Palestine: New- York Times 1888, 30, Sept. [nicht 
ges.]. 

206; Abbe H. Nicole, Plan topographique de Jerusalem et de ses environs 
Paris 1886. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 271 

sorgfältig verzeichnet. Brandt ^o"] gibt eine hübsche Übersicht 
namentlich über die neueren Forschungen in Jerusalem, haupt- 
sächlich an der Hand der Artikel in unserer Zeitschrift. Ähn- 
licher Art ist auch der Hauptinhalt von Wilson's^o») Werk, das, 
wie vermuthlich auch ein Buch von Lewis ^09) , eher zu den oben 
aufgezählten populären Werken zu rechnen ist. Das verdienst- 
volle und lehrreiche Buch von Besagt und Palmer ^lo) ist in 
neuer Auflage erschienen. So weit, wie Besant meint (S. VHI), 
dass wir den Bethesdateich rind das echte Golgatha, den 
Namen Zion im »Wadi Sahyüna westlich von der Stadt sicher 
gefunden hätten, sind wir aber doch noch nicht. — Schick s 
Ausgrabungen auf dem russischen Gebiet östlich von der Grabes- 
kirche, über die er Aveitere Berichte 2iij2i2j vorlegt, sind mehrfach 
besprochen worden-'^). Merrill 2i4j streitet sich mit Schick^i^j 
über den Lauf des Westendes der behaupteten zweiten Mauer. 
Wilson 2i6j hat ein paar bedenkliche Fragezeichen zu Sciiick's 
Aufstellungen zu machen, und Spiess'^'^), im ganzen mit Schick's 
Construction der zweiten Mauer einig, tritt für eine mehr öst- 
liche Lage des Gennatthores ein, das Schick westlich vom Davids- 
thurm sucht. 

207) Brandt, Studien über das alte Jerusalem: Deutsch -evang. Blätter 
1888, S. 671— 6S1. 742—759. 813—845. 

208) C. W. Wilson, Jerusalem, the holy City. "With a new introduction 
and numerous engravings. London, Virtue, 1S8S. 126 Bl. 4. [nicht ges., nach 
Athenäum 1888, S. 854.] 

209) Hayter Lewis, The holy places of Jerusalem. London, Murray, 1888, 
8. (111.) [nicht ges.]. 

210) W. Besant and E. H. Palmer, The history of Jerusalem: the city of 
Herod and Saladin. New and rev. ed. London, Bentley, 18S8. 8. (Map and 
woodcuts). Bespr. Guardian 25. Sept. 188S, S. 1437. 

211) C. Schick, The Byzantine pavement near the Church of the Holy Se- 
pulchre: Quart. Statements 1888, S. 17—20. 

212) C. Schick, New excavations at Jerusalem : Quart. Statements 1888, 
S. 57—60. 

213) J. H., Recent discoveries in Jerusalem: Athenäurh 1888, 9. Juni, 
S. 733 f. '■ 

214) Selah Merrill, A personal explanation : Quart. Statements 1S88, 
S. 15 f. Derselbe, Line of the second wall: Quart. Statements 1888, S. 63 — 65. 

215) C. Schick, Line of second Wall: Quart. Statements 1888, S. 62 f. 

216) New excavations in Jerusalem 11 : Quart. Statements 1888, S. 61 f. 

217) Spiess, Die neueste Construction der zweiten Mauer Jerusalems und 
Josephus: ZDPV. 1888 (XI), S. 46—59. 

19* 



272 Benzinger, 

Die Zionfrage betreffend, vertheidigt Klaiber^is) in einem 
Artikel unserer Zeitschrift seine im III. und IV. Band derselben 
gegebenen Aufstellungen (Zion, Davidstadt und Akra sind auf 
dem Osthügel südlich vom Haram zu suchen) mit Geschick und 
Glück gegen verschiedene erhobenen Einwendungen, namentlich 
von Seiten des katholischen Traditionalismus (Gatt^iö). Hoffen 
wir, dass damit nun das letzte Wort in dieser Angelegenheit ge- 
sprochen ist. Unter den Engländern verfolgt im wesentlichen 
die gleiche Linie Birch22oj^ auch George St. Clair^sij^ in einigen 
kleineren Artikeln der Statements. 

VON RiESs222) wendet sich in einer historischen Untersuchung 
gegen die vom Münchener Architekten- und Ingenieur -Verein 
gebilligte und von Baurath Schick in »Beit el Makdas« als zweifel- 
los und historisch begründet vorausgesetzte Hypothese von Sepp, 
dass die Kubbet es-Sachra als eine ursprünglich von Justinian 
erbaute Sophienkirche zu betrachten sei. Er prüft die von Sepp 
angeführten Zeugnisse auf ihren historischen Werth und kommt 
zu dem Resultat, dass der Felsendom weder den Namen Sophien- 
kirche verdient noch überhaupt justinianisch ist, sondern im 
Auftrag eines der ersten Chalifen durch byzantinische Künstler 
erbaut wurde. Gewiss sehr berechtigt ist der Wunsch, den Riess 
wie Klaiber (s. No. 218) ausspricht, es möchte in Fragen der 
Topographie Jerusalems die streng historische Methode mehr zu 
ihrem Recht kommen gegenüber der abenteuerlichen Hypothesen- 
macherei, wobei mit Ignorirung des Urtheils des Historikers ein 
ganzer Rattenkönig von Vermuthungen an irgend eine einzelne 

218) V. Klaiber, Noch einmal Zion, Davidsladt und Akra: ZDPV. 1888 
(XI), S. 1—37. 

219) G. Gatt und v. Klaiber, Berichtigung und Erwiderung: ZDPV. 1888 
(XI), S. 143 f. 

220) W. F. Birch, lleply to captain Conder's Notes on Zion : Quart. State- 
ments 1888, S. 42—44. Derselbe, The city of David III: Zion south not north 
of the Temple: Quart. Statements 188S, S. 44— 4G. Derselbe, The city of 
David and Acra: Quart. Statements 1888, S. 108. 

221) George St. Clair, Nehemias night-ride: Quart. Statements 1888, S, 
4ü f. Ders., Sepulchres of the Kings: Quart. Statements 1888, S. 48 — 50. 
Ders., Nehemias "Wall and the royal sepulchres: Quart. Statements 1888, 
S. 288 f. 

222j von Kiess, Zur Baugeschichte des Felsendomes in Jerusalem : ZDPV. 
1888 (XI), S. 197—211. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 273 

Wahrnehmung angeknüpft wird. Den etwas verspätet in ZDPV. 
erschienenen Aufsatz O. \Volff's223) über den Tempclplatz nenne 
ich nur der Vollständigkeit halber, da der Verfasser schon ISS 7 
seine Resultate in einem ausführlichen Werke niedergelegt hat 
(vgl. No. 173 des letzten Jahresberichts). Du Caillaud224) macht 
darauf aufmerksam, dass der Name Kubbet es-Sachra bei den 
arabischen Schriftstellern nicht der ganzen Moschee, sondern nur 
der mittleren Partie unmittelbar über dem heiligen Felsen zu- 
komme. Eine rein architektonische Studie siehe unter No. 130. 
Mit dem alten Tempel haben sich Orelli225)^ Guinaud226)^ Sul- 
ley227) und R. Smith 228j beschäftigt. Letzterer verlegt den Salo- 
monischen Tempel in die Südwestecke des heutigen Haram. 
Östlich vom Tempel sucht er den Palast Salomos, südlich (etwas 
unterhalb) von beiden das Libanonhaus, während die Baris 
westlich und nordwestlich vom Felsen zu liegen kommt. Es 
gibt doch immer Avieder Abwechslung in der Topographie Jeru- 
salems. 

Neue Ausgrabungen auf dem Gebiet der Dominikaner im 
N. der Stadt, über welche Schick 22») berichtet, haben Überreste 
(sehr schöne Mosaiken) einer Kirche zu Tage gefördert, die ent- 
weder als die Stephanskirche der Kaiserin Eudokia oder wahr- 
scheinlicher (vgl. die Nachschi-ift der Redaktion) als die Stephans- 
kirche der Griechen (im 8. Jahrh. erbaut, nach der Zerstörung 
von den Kreuzfahrern im 12. Jahrh. neu gebaut) betrachtet 
werden darf. Für die Identität mit der Kirche der Eudokia tritt 



223) Odilo WolfF, Der Salomonische Tempelplatz und das heutige Haram 
zu Jerusalem: ZDPV. 1888 (XI), S. 60—67. 

224) Romanet du CaiUaud, Note sur le Dome du Rocher (mosquee d'Omar, 
ä Jerusalem): Compte rendu de la societe de geographie 1888, S. 507. 

225) Das Buch Ezechiel und die zwölf kleinen Propheten, ausgelegt von 
C. V. Orelli. Nördlingen, Beck, 1888. VII, 416 SS. 8. S. 154 ff. mit Plänen 
des Tempels. 

226) Guineau, Monographie du Temple de Salomon, publie parR. P. Pail- 
loux. Lyon 1888 [nicht ges.]. 

227) H. Sulley, The Temple of Ezekiels Prophecy. London 1888 [nicht ges.]. 

228) W. Robertson Smith , Temple : Encyclopcedia Britannica, 9. Aufl., 
XXIII, 165—171. 

229) C. Schick, Die Stephanskirche der Kaiserin Eudokia bei Jerusalem : 
ZDPV. 1888 (XI), S. 249—257 (mit 1 Taf.). 



27-4 Benzinger, 

DE Vaux^^^) lebhaft ein in einem sehr interessanten, umfassenden 
Bericht über diese Ausgrabungen. 

Schick 231) 232j yy{Y[ j^n ganz sicher den echten Bethesdateich, 
wenigstens den des Mittelalters, aufgefunden haben und zwar 
unter dem französischen Platz, wenig nordwestlich von der St. 
Annenkirche. Ich gestehe, dass ich der apodiktischen Gewissheit, 
mit der die Engländer diese und andre Identifikationen sofort ver- 
kündigen -^3^ 234j ^ etwas skeptisch gegenüberstehe . ]Mit demselben 
Gegenstand beschäftigt sich Mauss^ss) und Simpson 236j^ IcJ^ 
nenne noch die mir unbekannten |Arbeiten von Braasch^S'), 
BusiRi23S) und Paine 239). 
juciäa uud Auch das übrige Judäa ausser Jerusalem' und der Süden des 

der Sudeu O . / 

des Lande.'^. Landes haben diesmal eine Reihe interessanter Untersuchungen 
aufzuweisen. Chaplin 2^^») will die Identität von Bet Iksä mit 
Ebenezer nachweisen; seine Bemerkung: »es ist nicht unmöglich, 
dass Iksä aus »lO/^upo?« (2 Chr. 6, 41 LXX: tj -/ißwio? -cr^c, ia}(uo? 
ooui corrumpirt ist«, ist zu charakteristisch für die englische Art 
und Weise, alte Ortslagen zu bestimmen, als dass ich sie unsern 

230) Ludovic de Vaux, Memoire relatif aux fouilles entreprises par les R. 
P. Dominicains dans leur domaine de Saint-Etienne, pres la porte de Damas, 
ä Jerusalem : Revue archeologique 1888, XII, S. 32 — 60. 

231) C. Schick, Der Teich Bethesda in Jerusalem aufgefunden: ZDPV. 
1888 (XI), S. 178— 1S3. 

232) C. Schick, The Pool of Bethesda I u. II, Recent discoveries at Jeru- 
salem : Quart. Statements 1888, S. 115—124, 

233) C. W. Wilson, The Pool of Bethesda III. From the Bordeaux Pil- 
grim (Appendix III) published for the Palestine Pilgrims Text Society : Quart. 
Statements 1888, S. 124—130. 

234) Conder, The Pool of Bethesda IV: Quart. Statements 1888, S. 131— 134. 

235) C. Mauss, La piscine de Bethesda ä Jerusalem. Lettre ä M. le Baron 
Ludovic de Vaux. Paris, Leroux, 1888, 83 SS. u. 12 Taf. 8. 

236) William Simpson, The conduit near the Pool of Bethesda : Quart. 
Statements 1888, S. 259 f. 

237) Ernst Braasch, Gethsemane. (Programm des Klosters U. L. Fr.) Magde- 
burg 1888 [nicht ges.]. 

238) Andrea Busiri-Vici, La colonna santa del tempio di Gerusalemme ed 
il sarcofage di Probo Anicio, prefetto di Koma: notizie storiche con docu- 
menti e disegni. Roma, tip. Civelli, 1888, 24 SS. 4. (3 tav.), [nicht ges.]. 

239) J.A. Paine, The Pool of the Serpents: The Independent 1888, 13. 
Sept., S. 1169 [nicht ges.]. 

240) Thomas Chaplin, The site of Ebenezer: Quart. Statements 18S8, S. 
263—265. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 275 

Lesern vorenthalten möchte. Kirjat Jearim ='Erma ist mir trotz 
Co^tder's^*^) Versicherungen sehr zweifelhaft. St. Clair2^2 sucht 
Kirjat Sepher in ed-Däberije [sie!] südwestlich von Hebron. Wohin 
Bassi^^^^) und BusELLi^^^i Emmaus verlegen, weiss ich nicht. 
Sehr dankenswert!! ist Gatts -^^) Plan von Ghazze und die aus- 
führliche Legende dazu, von Guthe herausgegeben. Derartige 
Pläne bilden eine werthvolle Ergänzung der ^Memoirs des Palestine 
Exploration Fund. Von Interesse ist die Beschreibung der Tour, 
welche Sayce^^c] von Jerusalem nach el-Kantara am Suezkanal 
gemacht hat; unter anderen wurden die Ruinen und Lischriften 
von el-*^ Arisch und Pelusium dabei aufs genaueste untersucht. 
Smith^^") gibt hierzu eineE-eihe ergänzender Bemerkungen, eben- 
so To3iKii!ss24&). Gkifeith2^9) berichtet über seine Eeise nach 
el-"^ Arisch und einen dort befindlichen Sarkophag mit hierogly- 
phischer Inschrift. Hier sei auch noch ein Aufsatz von Buttler 
Ogden^öo) genannt. 

Gehen wir nach Norden Aveiter. Zenner^si] weist nach ^amana und 
(was übrigens schon Sepp gewusst), dass die Gleichsetzung Do- 
thain = Teil Dötän nicht mit Broc.ardus übereinstimmt. St. 
Clair252j bringt einige Notizen über die Zahl der heutigen Sama- 
ritaner. Er gibt ihre Zahl auf 165 an; mir wurde sie Sommer 

241) C. R. Conder. Kirjath Jearim: Quart. Statements 1888, S. 259. 

242) George St. Clair, Kirjath-Sepher : Quart. Statements 1888, S. 281 f. 

243) AI. Bassi, Emmaus, citä della Palestina. 2^ ed. corretta e cresciuta con 
un' appendice. Torino, Bellardi, 1SS8, 183 SS. 8. [nicht ges.]. 

244) R. Buselli, Illustrazione del santuario d'Emmaus nel sito giä dimo- 
strato e difeso secondo il Vangelo, distante 60 stadi da Gerusalemme. Livorno, 
Vigo, 1888, XVI, 295 SS. 8. (4 Taf.) [nicht ges.]. 

245) G. Gatt, Legende zum Plane von Gaza : ZDPV. 1888 (XI), S. 149—159. 

246) A. H. Sayce, Letter from Egypt: Academy 1888, 18. Febr., S. 123 f.; 
25. Febr. S. 140 ; 24. March S. 211. 

247) W. Robertson Smith, The route from Sj-ria to Egj'pt : Academy 1888, 
25. Febr., S. 133 f. 

248) H. George Tomkins, The route from Syria to Egypt: Academy 1888, 
24. March, S. 206. 

249) F. L. Griffith, A visit to el Arish: Academy 1888, 12. May S. 331. 

250) Butler Ogden, Four Days in Petra: Bull. Ämeric. Geogr.'Soc. 1888, 
XX, S. 137 [nicht ges.]. 

251] J. K. Zenner, Dothain nach Brocardus: Ztschr. f. kath. Theol. 1888, 
S. 740—741. 

252) George St. Clair, The Samaritans: Quart. Statements 1888, S. 50 f. 



276 Benzinger, 

1889 vom Hohenpriester Ja'küb und dem Missionar Fallscheer 
daselbst einschliesslich Frauen und Kinder auf 190 bestimmt, 
während Socin (in Baedeker 2. Auflage 1883) nur 130 angibt. 
Demnach sind dieselben keineswegs in so raschem Aussterben 
begriffen. Von Schumacher 253) erfahren wir näheres über die 
neue Tscherkessenkolonie in Caesarea (vgl. auch oben No. 20). 
Ganneau254) gibt die Identifikation einiger Ortsnamen in der 
Umgebung von ""Akkä und Nazareth. Laurexce Oliphakt^^s) 
hat die Ruinen in der Nähe der Muhraka auf dem Karmel unter- 
sucht und ein christliches Felsgrab mit Inschrift gefunden. Wo 
GooDENOw^se) Betsaida und Fritschel^^') Kapernaum suchen, 
weiss ich nicht, vak Kasteren ^ssj gi\)t in seinen Reisenoten und 
Bemerkungen einige werthwolle Ergänzungen zu Freis »Beobach- 
tungen vom See Genezaretha (ZDPV. IX, 81 ff.). Die Identi- 
fikation von Gamala mit Karat el-Hösn dürfte durch seine und 
Schumachers (ZDPV. IX, S. 333) Ausführungen nunmehr sicher 
gestellt sein, ebenso Hippos = Süsije; die Taricheä- Frage 
sucht VAX Kasterex dadurch zu lösen, dass er den Ort an das 
Süd -Ende des Tiberiassees verlegt und mit Chirbet el-Kerak 
identificiert. 
otBjordan- Einen kurzen Überblick über die neueren Forschini gen im 

land. " 

Ostjordanlande gibt Mantell^ss). Schumacher 260' veröffentlicht 
die Ergebnisse seiner Untersuchung des alten Pella (jetzt Chirbet 
Fähil) und Umgebung mit einem hübschen Kärtchen. Auch 
einige interessante Beiträge zur Kenntnis des Beduinenlebens 



253) G. Schumacher, Recent discoveries at Caesarea, ümm el Jemal, and 
Haifa: Quart. Statements 1888, S. 134—141 (111.;. 

254) Clermont-Ganneau, Communication relative ä quelques noms de 
lieux: Journ. asiat. 1888, (VIII, 11) S. 534 f.; 537. 

255) Laurence Oliphant, Note: Quart. Statements, 1888, S. 106 f. 

256) S. B. Goodenow, Eeth.saida: Bibliotheca Sacra, London, Trübner & 
Co., 1888, S. 729—732 [nicht ges.J. 

257) S. Fritschel, Kapernaum, Teil Hum oder Khan Miniyeh : Zeitschrift 
der Deutschluth. Synode v. Jowa Bd. 12, I [nicht ges.]. 

258) J. B. van Kasteren, Am See Genezareth. Beobachtungen und Be- 
merkungen: ZDPV. 1888 (XI), S. 212—248. 

259, A. M. Mantell, Recent explorations east of the Jordan: Proceedings 
of the Royal Geografical Society, London 1888, S. 719. 

260) G. Schumacher, Pella. London, Palest. Explor. Fund, 1888. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1SS8. 277 

erhalten wir bei dieser Gelegenheit. Der Dschölän^ei] desselben 
Verfassers (vgl. Literaturbericht in ZDPV. XI, 18SS, Xo. 174) 
ist in einer englischen Ausgabe, übersetzt aus ZDPV. IX, er- 
schienen. HoFFMANN 262) hat tlaraus einige Auszüge von allge- 
meinerem Interesse veröffentlicht und Druitt263 knüpft daran 
einige Fragen die via maris betreffend. 

An Karten wüsste ich aus dem Berichtsjahr 1888 nichts Be- Karten, 
deutenderes anzuführen. Die verschiedenen neuen und neuauf- 
gelegten Atlanten zum Schul- und Hausgebrauch bieten ja doch 
für unsere Zwecke nichts Interessantes, ausgenommen etwa den 
mir nicht zugänglichen historischen Atlas von St. Martin und 
Schrader261) und den grossen physikalischen Atlas von Berg- 
HAUS^es). Aus dem Jahre 1887 nenne ich noch, weil im letzten 
Bericht nicht angeführt, den historischen Atlas von Dr FiEF^ee)^ 
den biblischen Atlas von A. Dumas ^67] und vor allem den Bibel- 
atlas VON RiESS 26S), Derselbe hat in unserer Zeitschrift schon 
eine sehr eingehende Würdigung von Seiten Guthes erfahren, 
so dass ich mich hier auf einen Hinweis darauf beschränken 
kann. 

Werfen wir von Palästina aus noch einen kurzen Blick auf Syrien. 

261) G. Schumacher, The Jaulan. Surveyed for the German Societj' for 
the Exploration of the Holy Land. Translated, by permission, from the 
Transactions of the German society, London 18SS, XI, 304 SS. 8. 

262) C. Hoffmann, Das Land »jenseit des Jordans«: Neueste Nachrichten 
a. d. Morgenlande 18S8, S. 37. 

263) Charles Druitt, The »via maris«: Quart. Statements 1888, S. 166 f. 

264) Vivien de St. Martin et Schrader, Atlas universel de geographie mo- 
derne, ancienne et du moyen age. livr. 1 — 7, Paris, Hachette [nicht ges.]. 

265) Berghaus' physikalischer Atlas. 75 Karten enthaltend Darstellungen 
über Pflanzenverbreitung, Tierverbreitung und Völkerkunde. Neu bearbeitet 
von O. Drude, G. Gerland, J. Hann, G. Hartlaub, G. Neumayer und K. v. 
Zittel; herausgeg. v. H. Berghaus, Gotha, J. Perthes (bis Ende 1888 in Lief. 
1 — 18 erschienen). 

266) J. du Fief, Atlas de geographie historique. 4. 51 Karten. Brüssel, 
Inst. Nat. de geogr., 1887 [nicht ges.]. 

267) F. Dumas, Atlas biblique. Fol. 12 Karten. Lausanne, Mignot, 1887 
[nicht ges.]. 

268) Dr. R. von Riess, Bibelatlas in 10 Karten nebst geographischem 
Index. Zweite, in typographischem Farbendruck hergestellte und erweiterte 
Aufl. Freiburg i./B. 1887. Bespr. von Guthe : ZDPV. 1888 (XI), S. 144—146; 
von Himpel: Tüb. Theolog. Quartalschrift LXX (1888), S. 702—704; von M. 
Flunk: Zeitschr. für kathol. Theologie 1888, 4. 



278 Benzinger, 

die angrenzenden' Länder, zunächst das übrige Syrien (vgl. auch 
No. 191). Eine Reihe von Aufsätzen in ausländischen Zeit- 
schriften waren mir nicht erreichbar : geschichtlichen Inhalts von 
CoMPTO]sr269) und j)^ MosTO 270j^ geographischen Inhalts von Bre- 
mond2"i) und ToMKiNs2'2)j erzählender Art von Beattie^'sj^ 
DuFF^^^j ^jnd PosT^'s). Chesti^,r's2"6) Beschreibung seiner Reise 
von Iskanderün nach Tripoli ist ganz interessant, wenn auch 
nicht gerade viel neues bietend. 
Ägypten. Von Ägypten ist nicht viel anzuführen, da die grosse Menge 

von Reisebeschreibungen hier nicht genannt werden kann. Die 
englische Forschung nimmt ihren Fortgang, wie ein viertes Me- 
moir277j beweist. Murray's^^sj Handbuch für Reisende ist in 
siebenter Auflage erschienen. Zur Abwechslung bekommen wir 
auch wieder einmal von einem Engländer ^^^j ([en Auszug der 

269) Compton, Palmj'ra: past and present: Fortnightly Rev, 1888, Nov., 
S. 611—628 [nicht ges.l. 

270) Andrea da Mosto, L'antico regno di Damasco. Roma, Centenari, 1888, 

61 SS. 8. [nicht ges.]. 

271) Aloys Bremond, Communication sur Sidon, Danias et Baalbeck : Le 
Globe, journ. geogr. 18S8 (XXVII), Bulletin No. 1, S. 30—34 [nicht ges.]. 

272) Henry George Tomkins, Notes on the geography of Northern Syria 
and some neighbouring lands, viewed from the Assyrian side : Bab. & Or. 
Record III, 1, S. 2—9 ; 2, S. 41—46 [nicht ges.]. 

273; Robert H. Beattie, Recent Changes in Syria (Some false Impressions 
corrected. — Those Opcn Gates. — An American Industry) : The Christian 
at Work, 24. May 1888, S. 586 [nicht ges.]. 

274) Mountstuart E. Grant DufF, A winter in Syria : Contemporary Review 
1888, Sept., S. 354—369; Oct., S. 522—542 [nicht ges.]. 

275) George E. Post, Among the Mountains North of Palestine (with maps): 
The New- York Evangelist 18S8, 10. May, 5. 12. July [nicht ges.]. 

276) Greville J. Chester, Notes on a journey from Iskanderün to Tripoli: 
Quart. Statements 1888, S. 65—76. 

277) Fourth Mcmoir of the Egypt Exploration Fund. Published by order 
of the Committee. London, Trübner&Co. 1888, 44 SS., 12 P1.& VIII, 116SS. 
51 PI. 4. vgl. dazu: Egypt Exploration Fund. Report of fifth annual general 
Meeting 1886—1887, frübner & Co., London; Arrowsmith Bristol (1888;, 

62 S., IBl. 8. [nicht ges.]. 

278) Murray's Handbook — EgA'pt, the Course of the Nile, through Egypt 
and Nubia; Aexandria, Cairo, the Pyramids and Thebes, the Suez Canal, the 
Peninsula of Sinai, the Oases, the Fayoom etc. New (7th) ed., London, Murray 
1888, 574 SS. [nicht ges.]. 

279) Map of the Exodus. By Surgeon-Gcneral R. F. Hutchinson, M. D. 
Beilage zu Quart. Statements 1888, Aprilheft. 



Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete d. Palästinalit. 1888. 279 

Israeliten aus Egypten und ihren Übergang über das rotbe Meer 
am 28. April 1491 v. Chr. auf einer Karte dargestellt. Hierher 
gehört auch ein Aufsatz von Müller '^so). 

Bei der engen Verbindung, in welcher Palästina von jeher Arabien. 
mit Arabien stand, ist es geboten, jeweilen auch einen Seiten- 
blick auf dieses Land zu werfen. Diesmal ist vor allem ein Buch 
zu nennen, das uns eine ungeahnte Fülle ganz neuer Aufschlüsse 
über Nordarabien bietet, die Reisebeschreibung des Engländers 
DouGHTY 281) . Unter unsäglichen Mühsalen und Entbehrungen 
hat sich dieser kühne Reisende in den Jahren 1876 — 1878 durch 
Nordarabien durchgeschlagen ; erst jetzt liegen die Früchte seiner 
Forschungen in zwei schönen reichhaltigen Bänden vor. Vor 
allem aber verdient auch die beigegebene Karte Hervorhebung, 
da sie nicht nur in topographischer, sondern vor allem auch in 
hypsometrischer und geologischer Hinsicht ungeahnte Aufschlüsse 
gibt, besonders auch was die Ausdehnung der Lavafelder (Harra) 
betrifft. Von ebenso hohem Werthe aber sind die Schilderungen 
von Land und Leuten, der uns hier gebotene Einblick in die Ver- 
hältnisse der Wanderstämme sowohl als der angesessenen Bevöl- 
kerung, kurz der socialen Zustände. Die halbwilden Menschen, 
in deren Gesellschaft uns Doughty's Tagebuch einführt, muthen 
uns theilweise wie Ursemiten an, der Islam hat sie nur mit einem 
oberflächlichen Firniss überzogen, d. h. ihnen einen groben Fana- 
tismus eingeflösst. Aber trotz dem engen Horizont dieser Leute 
gewinnt man den Eindruck, dass sie geistiger Entwicklung fähig 
wären. Als Doughty endlich in Täif bei Mekka ankam und in 
Sicherheit war, fühlte er sich, verglichen mit seiner Lage in Nord- 
arabien, beinahe wieder auf europäischem Boden. Nach Mekka 
kam Doughty nicht; die Aufgabe, es durchzusetzen, in diesem 
Centrum des Islam längere Zeit zu verweilen, blieb dem nieder- 



280) M. Müller, A contribution to the Exodus geography : Proceedings of 
the soc. bibl. archeol. (1887/88), S. 551—571 [nicht ges.]. 

281) Charles M. Doughty, Travels in Arabia Deserta. 2 volg. Cambridge 
1888, XX, 623 SS., XIV, 690 SS. 8. Bespr. : Petermanns Mittheilungen (Supan) 
1888, S. 65 f.; Scottish geogr. Magazine IV, 5, S. 284 f. ; New- York Times, 
1888, June 4; The Nation 1888, Apr. 5. S. 282. Vgl. auch A. Sprenger, Die 
arabischen Berichte über das Hochland Arabiens beleuchtet durch Doughty's 
Travels. ZDMG. 1888 (42), S. 321—390. 



280 Benzinger, Bericht über neue Erscheinungen auf d. Gebiete etc. 

ländiscben Gelehrten Sicouck-Hurgronje2S2j283j vorbehalten. 
Auch sein Buch ist von hohem allgemeinen Interesse, besonders 
der zweite Band, welcher das Leben und Treiben der mekka- 
nischen Gesellschaft schildert. — Auch die Forschungen über 
die Südaraber sind für Bibelkunde nicht unwichtig; die häufige 
Nennung der Sabäer bei den hebräischen Schriftstellern erklärt 
sich durch die weite Verbreitung der Südaraber. In dem lesens- 
werthen Artikel eines der hervorragendsten Fachgelehrten, D.H. 
Müller 284), wird sogar die Vermuthung ausgesprochen, dass Sa- 
bäer vielleicht bloss die südarabischen Handelsleute im Allge- 
meinen bezeichne. Walther 2^5)286) j^^t von seiner Reise an den 
Sinai eine Menge M-ichtigen Materials mitgebracht, das für die 
Beurtheilung des geologischen Aufbaus jener Gegend sowie für 
die Frage der Entstehung der Wüsten von grösstem Interesse ist, 
daneben hat er auch über Ethnographisches berichtet 287j . Bo- 
tanisches aus Arabien bietet Schweikfl-rth^ssj, Über den Sinai 
liegen auch Notizen von Wilson 289) vor. 

282) C. Snouck-Hurgronje, Mekka. Mit Bilder-Atlas. Herausg. von »Het 
Kon. Instituut voor de Taal-, Land, -en Volkenkunde van Ned.-Indie te's 
Gravenhage«. I. Die Stadt und ihre Herren. Haag, NijhofF 1888, XXHI, 
228 SS. 8. (2 Karten, 3 Stammtafeln); Bilderatlas: 17 Taf. fol. Bespr. von 
Socin in Theol. Lit.-Zeitg. von 1889, Sp. 393; Bulletin de la soc. geogr. 1888, 
S. 91 ; von Hein : Mittheilungen der Anthr. Ges. Wien 1888 (XVHI), S. 280 f. ; 
Rev. d'ethnografie 1888 (VIT), S. 390 f. ; Proceedings of the Royal Geografical 
Society 1889 (X), S. 736 f. 

283) C. Snouck-Hurgronje, Ethnographisches aus Mekka. Mit 4 Taf.: 
Intern. Archiv f. Ethnographie I, (1888), S. 14ü— 154. 

284) D. H. Müller, Yemen: Encyclopadia Britannica, 9. Auflage, XXIV, 
S. 738—741. 

285) Joh. Walther, Über Ergebnisse einer Forschungsreise auf der Sinai- 
halbinsel und in der arabischen Wüste: Verhandl. d. Ges. f. Erdkunde, Berlin 
1888, S. 244—255. 

286) Joh. Walther, Die Korallenriffe der Sinaihalbinsel, Leipzig, Hirzel, 
1888 [nicht ges.]. 

287) Joh. Walther, Beduinenleben am Sinai: AUg. Ztg. 1888, BeiL 128, 
129 S.. 1873— 1875, S. 1890—1892. Vortrag gehalten in der Geogr. Gesell- 
schaft zu München. 

288) G. Schwcinfurth, Ilecent Botanical Exploration of Arabia. (Scott. 
Geogr. Mag. 18S8, IV, Nr. 7, p. 212). [nicht ges.]. 

289) L.Wilson, Sinai and the AVilderness : The Century Magazine 1888, 
(XXXVI), No. 3, S. 323—340 [nicht ges.]. 



Zur Lage von Tariclieä. 

Von Professor H. Gllthe in Leipzig. 

Die Lage von Taricheä ist namentlich in den letzten Bänden 
dieser Zeitschrift so ausführlich besprochen Avorden, dass die 
Freiheit der Rede und Gegenrede reichlich zu ihrem Rechte ge- 
kommen ist. Wenn ich jetzt als Herausgeber der Zeitschrift das 
Wort in dieser Frage ergreife, so wird mir schwerlich jemand 
vorwerfen können, dass ich es Anderen zu früh abschneide. 

Ich knüpfe meine Bemerkungen an den von Professor Furrer 
ZDPV. XIII, 194 ausgesprochenen Satz: »Auch nicht Ein 
Argument kann aus Josephus dafür [nämlich für die südliche 
Lage Taricheä's] angeführt werden«. Dieser Satz kann meiner 
Meinung nach nur aufgestellt werden, wenn man die Dar- 
stellung des Josephus Bell. jud. III. 9 und 10 unvollständig 
berücksichtigt. Josephus nennt Tiberias und Taricheä neben 
einander, ohne über ihre Lage sich ausdrücklich zu äussern. 
Da das Ostufer des Sees Genezareth bei der Bestimmung Ta- 
richeä's nicht in Betracht kommt, so bleiben angesichts der 
Beschaffenheit des Westufers nur zwei Möglichkeiten: von dem 
feststehenden Punkte, nämlich Tiberias, aus kann Taricheä ent- 
weder nördlich oder südlich liegen. Um nun vermittelst der 
Angaben des Josephus zwischen diesen beiden Möglichkeiten 
zu entscheiden, ist zu beachten, dass derselbe wiederholt (Bellum 
jud. III. 10, 1 und 3) von einer unmittelbar an Taricheä gren- 
zenden Ebene redet, die nach seiner Darstellung nothwendig 
zwischen dem römischen Heere und Taricheä angesetzt 
werden muss. Das römische Heer lagerte »zwischen Tiberias und 
Taricheä« Bell. jud. III. 10, 1 oder — Avas doch wohl damit 
gleichgesetzt werden darf — «angesichts von Tiberias« Bell. jud. 
IV. 1, 3. Bekanntlich gehen ja auch die Meinungen betreffs des 
Ortes des römischen Lagers insofern aus einander, als die Einen 



282 Guthe, 

es nördlich, die Anderen es südlich von Tiberias ansetzen. Wir 
können jedoch diese Frage zunächst auf sich beruhen lassen und 
nehmen, um jene Ebene in ihrer deutlich bezeichneten Lage auf- 
zusuchen, zunächst nur an, dass sich das römische Lager in der 
Nähe von Tiberias befindet. Von dieser Gegend aus ist der letzte 
Satz Bell. jud. III. 10, 1 zu verstehen: )iVespasian hatte inzwi- 
schen gehört, dass eine grosse Schaar von Juden auf der Ebene 
vor der Stadt versammelt sei, und schickte gegen sie seinen Sohn 
Titus mit GOO auserlesenen Reitern aus.« Von Tiberias aus liegt 
also Taricheä hinter oder jenseits dieser Ebene. Dieselbe 
Beschaffenheit der Gegend fordert die Schilderung des Kampfes 
am Schluss von Bell. jud. III. 10, 3: Die Juden weichen vor dem 
Angriff der Reiter des Titus zurück, ihre Reihen lösen sich auf, 
die Flucht zur Stadt Taricheä beginnt ; Titus stürmt vor zwischen 
die Reihen der Fliehenden, sucht ihnen den Weg zur Stadt ab- 
zuschneiden und sie in die Ebene zurückzutreiben, freilich ver- 
geblich. Also auch hier nimmt Josephus deutlich eine Ebene 
zwischen dem Lager der Römer und Taricheä an, die für ein Ge- 
fecht genügenden Raum bietet. Nach Avelcher Seite von Tiberias 
finden wir eine so beschaffene ()rtlichkeit, im Norden oder 
Süden? 

Wenn wir zuerst versuchen, jene Ebene im N. von Tiberias 
zu finden, so müssen wir an el-medschdel vorübergehen; denn 
vor cl-medscJidel treten die Höhen von dem Seeufer nicht zurück. 
Erst hinter diesem Orte breitet sich die Ebene el-ghtaver zwi- 
schen dem See und dem l^erglande aus, und die erste Spur einer 
alten Ortslage dicht am Gestade, wie es für Taricheä erforderlich 
ist, treffen wir nicht vor dem bekaimten cMrhet mwje. Hier und 
nicht bei el-medschdel könnten wir demnach den Schauplatz des 
Kampfes vermuthen, w^enn wir Taricheä im Norden von Tiberias 
su.chen. 

AVandern wir hingegen von Tiberias nach Süden, so beginnt 
auf Grund der grossen englischen Karte Blatt VI und nach den 
Angaben tax Kastkuen's ZDPV. XI, 241 eine kleine Ebene, 
etwa 1 Kilometer breit, zwischen See und Bergland sich auszu- 
breiten unterhalb der Stätte chirhet hcdlsch ^j. Eine halbe Stunde 



1) So lautet nach der Bemerkung G. ScnUMACIlEli's ZDPV. XIII, 67 
der Name dieses Ortes. 



Zur Lage von Taricheä. 283 

weiter liegt der Hügel [sinn)en-nahra und die Trümmerstätte el- 
kerak. Hier fänden wir demnach ebenfalls eine solche Beschaffen- 
heit der Gegend, wie wil* sie zu den Angaben des Josephus a. a. 
O. fordern müssen. 

Die Vergleichung der Angaben des Josephus mit der Be- 
schaffenheit der hier in Betracht kommenden Gegend führt uns 
also in nördlicher Richtung nach chirhet minje , in südlicher 
Richtung bis el-kerak. Von diesen beiden Möglichkeiten ist die- 
jenige, dass Taricheä bei cJiirbet minje gelegen habe, von vorn- 
herein als vmwahrscheinlich zu bezeichnen. Sie hat zwar ihre 
Vertreter, aber recht wenig Anhänger gefunden i). Furrer zieht 
sie gar nicht in Betracht. Ich zweifle nicht, dass er daran recht 
gethan hat. Der Zusammenhang der Ereignisse weist einerseits 
nicht so weit nach Norden hin, und andererseits deutet Josephus 
mit keinem Wort seiner Darstellung darauf hin, dass wir uns als 
Schauplatz des Kamj^fes einen Theil der bekannten Ebene Ge- 
nezareth zu denken haben. Dann bleibt nur die zweite Möglich- 
keit übrig, nämlich Taricheä im Süden von Tiberias, und zwar bei 
el-kerak^ zu suchen. Mithin scheint mir die Darstellung des 
Josephus doch für die südliche Lage Taricheä'sverwerthet werden 
zu können. 

Bekanntlich besitzen wir das ausdrückliche Zeugniss des 
Plinius Hist. nat. V. 15, 2, dass Taricheä am südlichen Rande 
des Sees gelegen habe. Dieses fällt bei der letzten Entscheidung 
zwischen jenen Möglichkeiten meiner Meinung nach doch ins 
Gewicht. Stände ihm eine ausdrückliche Angabe entgegenge- 
setzten Inhalts bei einem Schriftsteller des Alterthums gegenüber, 
so hätten wir die Aufgabe, nach reiflicher Erwägung eine derselben 
zu wählen. Da das hier nicht der Fall ist, so erscheint es mir doch 
als zu gewagt, die Angabe des Plinius für einen Irrthum zu er- 
klären. Wir müssen vielmehr ernstlich versuchen, die Nachrichten 
bei Josephus mit der Angabe des Puiisiius in Einklang zu bringen, 
und nur, wenn dies unmöglich ist, eine andere Lösung suchen. 
Van Kasteren hat sich das Verdienst erworben, die Revision der 
Frage angeregt und sorgfältig ausgeführt zu haben. Er hat dabei 
gezeigt, dass die Darstellung des Josephus sich Avohl mit der 

1) Vgl. die Angaben bei F. Spiess ZDPY. Vni, 95. 



284 Guthe, 

Nachricht des Plixius vereinigen lässt, und auch das in meiner 
obigen Erörterung verwendete Beweismittel der Lage der Ebene 
zwischen dem römischen Lager und Taricheä bereits hervor- 
gehoben s. ZDPV. XI, 245 f.). Für die früheren Bespre- 
chungen dieser Frage in unserer Zeitschrift durch Furrer und 
Spiess ist besonders von Wichtigkeit, dass vax Kasteren die 
Annahme, Vespasian sei mit dem römischen Heere unmittelbar 
am Ufer des Sees Genezareth gezogen, als nicht noth wendig, 
ja als durchaus unwahrscheinlich gekennzeichnet hat. Diese 
Annahme war aber hauptsächlich die die Beweisführung von 
Furrer und Spiess tragende Voraussetzung. Wenigstens ist sie 
es gewesen, die mich bewogen hat, angesichts der grossen eng- 
lischen Karte Blatt VI, welche den Strandweg durch zwei Linien 
hervorhebt, alle anderen Wege nach Tiberias nur mit einer Linie 
bezeichnet, im Jahre 1SS2 in Ebers-Guthe, Palästina I, 317 f. 
501 der Meinung Furrer's beizutreten. Ich bin inzwischen an- 
derer Meinung geworden und halte dafür, dass sich die Angaben 
des JosEPHUS vonder südlichen Lage Taricheä's, die durch Plinius 
ausdrücklich bezeugt ist, wohl verstehen lassen, dass hingegen 
gewisse Züge in der Darstellung des Josephus von el-medschdel 
gar nicht verstanden werden können, sich aber wohl für die süd- 
liche Lage Taricheä's verwerthen lassen. Ähnlich wie van Kas- 
teren haben sich neuerdings auch Buhl (ZDPV. Xlll, 38 ff.) 
und Schürer (Geschichte des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu ^ 
I, 515) ausgesprochen. 

Mit der Ansetzung von Taricheä — ob nördlich oder südlich 
von Tiberias — hängt aufs engste die Antwort auf die Frage zu- 
sammen, wo das Emmaus oder Ammaus bei Josephus Antiq. 
XVIII. 2, 3 und Bell. jud. IV. 1, 3 gelegen habe. Hätte man 
nämlich Taricheä nicht im N. von Tiberias angesetzt, so würde 
man schwerlich daran gedacht haben, dieses Emmaus an dieselbe 
Seite von Tiberias zu verweisen. Meiner Meinung nach verändert 
nun die neue Ausgabe des Josephus durch B. Niese in INIarburg 
das der Frage zu Grunde liegende Material. Niese hat Bd. IV der 
grossen Ausgabe Berlin 1 S90) zu Antiq. a. a. O. die Form 'AixtiaOou; 
in den Text aufgenommen, da sie durch alle Zeugen mit Ausnahme 
einer Handsclnift geboten wird. Für Bell. jud. IV. 1. 3 liegt die 
neue Ausgabe noch nicht vor; doch ergiebt sich aus dem kriti- 
schen Apparat ILwerkamp's zu dieser Stelle, dass auch dort die 



Zur Lage von Gesur. 285 

Handschriften z. Th. 'A[xjxai)ouc oder 'A[xal)ou; haben'). Es kann 
keinem Zweifel unterliegen, dass damit das hebräische liammat 
gemeint ist, wie denn auch Josephus Ant. IX. 10, 1 für U^mZit 
in Syrien die verlängerte Form 'A[jl7.i>ou; gebraucht (vgl. auch 
Ant. XIII. 13, 3. XIV. 5, 4 und die entsprechenden Stellen Bell, 
jud. I. 4, 2. 8, 5). Demnach ist Ant. XVIII. 2, 3 und wahr- 
scheinlich auch Bell. jud. IV. 1, 3 nicht von einem Ammaus 
oder Emmaus = '^amwäs die Rede, sondern von dem Orte (xa);j.rj, 
Antiq. XVIII. 2, 3), der hebräisch hammat^ im Thalmud Ham- 
mata heisst. Die Deutung von Emmaus durch Warmbad, gegen 
die ich mich ausgesprochen habe, ist damit aus der Welt geschafft, 
zugleich aber auch die Frage, ob es ein Emmaus nördlich von 
Tiberias gegeben hat, hinfällig geworden. 



Zur Lage vou Gesur. 

Von Professor H. Gllthe in Leipzig. 

Als ich Dr. A. Stübel's Karte vom Haurän mit ihren Bei- 
gaben zum Druck beförderte, kam ich in den von mir hinzuge- 
fügten Bemerkungen auf die Landschaften Gesur und Beth 
Maecha zu sprechen und glaubte ihre Lage auf Grund einiger 
Stellen namentlich des Buches Josua mit Sicherheit bestimmen 
zu können (vgl. ZDPV. XII, 232 f.) . Das dort Gesagte wird durch 
die Ausführungen FuEREii's ZDPV. XIII, 198 f. in Frage gestellt. 
Professor Furrer schlägt nämlich dort vor, die Landschaft Gesur 
derLedschäh gleichzusetzen, weil ihr alter Name sich noch in dem 
mitten in ihr gelegenen Dschisre erhalten habe und die dortigen 
Lavaströme bei ihrer Abkühlung nicht nur Risse und Schluchten, 
sondern zugleich auch Brücken über dieselben gebildet hätten. 

1) Schürer führt Theol. Literaturzeitung 1890, Nr. 26 in seiner Be- 
sprechung der NiESE'schen Ausgabe auch die CoUationen von Hudson 
(1720) und Cardavell (1837) für Bell. jud. IV. 1, 3 an, die ich erst nachträg- 
lich eingesehen habe. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. Xm. 20 



286 • Guthe, 

Letzteres lasse ich dahingestellt. Ersteres kann ich jedoch als 
Grund für die Ansetzimg Gesurs nicht gelten lassen, znmal da 
die Deutung von Gesur als »Brückenland« ganz unsicher ist. 
Jos. 13, 13 sagt ausdrücklich, dass die Bewohner von Gesur und 
Maecha, da Israel die Gebiete nicht eroberte, »mitten in Israel« 
wolnien geblieben wären. Wie kann denn von der Ledschäh 
gelten, dass sie »mitten in Israel« liege? Haben etwa das Land 
östlich und nördlich von der Ledschäh auch noch Israeliten inne 
gehabt? Freilich haben Porter u. A. das biblische Basan mit 
dem heutigen Bezirk ard el-hetemje im O. der Ledschäh identi- 
ficirt ; aber Dr. Wetzstein hat bereits in seinem Reisebericht 
(1860) S. 83 — 87 diesen Irrthum endgültig berichtigt. Ferner 
nöthigt die Jos. 13, 11 gegebene Aufzählung von Landschaften, 
Gesur und Maecha zwischen Gilead und dem Hermon anzusetzen, 
also in dem heutigen Dschölän, wie ich ZDPV. XII, 232 ff. näher 
ausgeführt habe. Dieses Ergebniss kann schwerlich weder durch 
die blosse Vermuthung, dass Gesur »Brückenland« bedeute, noch 
durch den Hinweis auf den Ortsnamen Dschisre in der vom 
Dschülän scharf geschiedenen Ledschäh aufgehoben werden. 



Das Schicksal der Siloah-Iiischrift. 

Von Professor H. Guthe in I^eipzig. 

Kürzlich eingegangene Briefe melden, dass die echte Siloah- 
Inschrift sammt dem von mir in diesem Bande der ZDPV. S. 203 
kurz beschriebenen gefälschten Steine in die Hände der türki- 
schen Regierung gekommen ist. Dies veranlasst mich, nun voll- 
ständig dasjenige mitzuthcilen, was ich über das Schicksal des 
vielgenannten Steines erfahren habe. 

Im .hili des Jahres 1890 hat ein angesehener Einwohner 
Jerusalems die Siloah-Inschrift durch einige F(dlachen von Silwän 
aus der Wand des Felsentunnels, in dem sie mehr als 2000 .Jahre 
verborgen geblieben war, heraushauen lassen und in seinen Be- 



Das Schicksal der Siloah-Inschrift. 287 

sitz gebracht. Hei dieser Arbeit ist der Stein leider in sechs bis 
sieben Stücke zersprungen, von denen eines grossen Umfang hat, 
fünf bis sechs dagegen kleineren Umfangs sind. Es ist wohl die 
ganze beschriebene Fläche herausgemeisselt -worden , auch der 
Theil links vor der grossen, aus den Abbildungen ersichtlichen 
Spalte; jedoch sind mehrere Buchstaben an den Bruchstellen ver- 
letzt worden, wenn auch nicht wesentlich, wie man mir schreibt. 
Gelegentlich des Aushauens der echten Inschrift scheint auch die 
gefälschte Inschrift aufgetaucht zu sein. Die Fellachen gaben 
sie für eine ebenfalls im Siloahkanal gefundene aus. Jener Ein- 
wohner Jerusalems soll sie im besten Glauben für theueres Geld 
von den Fellachen aus Silwän erworben haben. 

Die türkische Regierung in Jerusalem merkte nichts von 
dem, was vorgegangen war. Anfang Oktober scheint dort die 
Sache überhaupt noch wenig bekannt gewesen zu sein. Gegen 
Ende des Jahres ^^'urde aber die Lokalregierung durch den Direktor 
des türkischen Museums in Konstantinopel auf das Verschwinden 
des Inschriftsteines aus dem Kanal aufmerksam gemacht. Nach 
türkischem Gesetz ist nämlich die Kegierung Eigenthümerin aller 
innerhalb des Reiches gefundenen alten Denkmäler. Die 1880 
entdeckte Siloah-Inschrift war daher gesetzlich Eigenthum der 
Regierung, und diese in ihrem vollen Rechte, wenn sie auf die 
Entwender der Inschrift fahndete. Mehrere Fellachen aus Silwän 
wurden verhaftet und vernommen ; allein sie verweigerten hart- 
näckig jede Auskunft. Die Bemühungen der Regierung blieben 
zunächst erfolglos ; und da Baurath Schick, der als Sachverstän- 
diger gehört wurde, dasUrtheil abgab, dass der Stein, da seine In- 
schrift zur Genüge bekannt sei, keinen grossen Werth mehr habe, 
so hielt man esi\.nfang 1891 für wahrscheiulich, dass die türkische 
Regierung von weiteren Ermittelungen Abstand nehmen werde. 
Neuerdings haben jedoch die Untersuchungen der türkischen 
Regierung zum Ziele geführt. Sowohl der echte als auch der 
gefälschte Stein ist dem Mutesarrif von Jerusalem, Ibrahim Had- 
dschi Pascha, übergeben worden. Viele Reisende haben beide 
Steine im Seräj in Augenschein genommen, bis des allzugrossen 
Zudrangs wegen die Erlaubniss dazu versagt wurde. Nach den 
letzten Nachrichten waren die Steine bereits in eine Kiste ver- 
packt, um nach Konstantinopel gesandt zu werden. Die Schuld 
wird auf einen Fellachen aus Silwän geschoben ; er soll mit einem 

20* 



288 Guthe, Das Schicksal der Siloah-Inschrift. 

halben Jahr Zuchthaus bestraft werden. Vielleicht aber hat man 
in der gewiss richtigen Erkenntniss, dass die Sache von einem 
Fellachen nicht ausgegangen ist, Erbarmen mit ihm und lässt 
ihn im Stillen bald wieder nach Hause gehen. 

Es ist sehr zu bedauern, dass das alte Denkmal durch ein 
so rohes, ungeschicktes Verfahren zerstört worden ist. Die sorg- 
fältigen Gypsabgüsse, die ich 1881 habe anfertigen lassen, haben 
dadurch einen höheren Werth erhalten, da sie jetzt allein ein ge- 
treues und vollständiges Bild der Inschrift vor ihrer Zerstörung 
darbieten. Von den beiden ersten, die ich vor der Reinigung 
der Inschrift anfertigen liess, befindet sich einer im Besitz des 
Herrn Schneller (Syrisches Waisenhaus) in Jerusalem; der 
zweite ist während des Transportes nach Deutschland zerbrochen. 
Ein dritter, der ebenso wie jene die ganze geglättete Fläche der 
Felswand, auch den nicht mit Schriftzeichen versehenen Theil 
derselben darstellt und nach der Reinigung der Inschrift ange- 
fertigt wurde, ist Eigenthum des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Fcjästina's \ind wird gegenwärtig auf der hiesigen 
Universitätsbibliothek aufbewahrt. Kleinere Abdrücke die nur 
die Inschrift wiedergeben, in der Grösse von 71:36 cm, sind für 
den Freis von 6 Mark (ohne Verpackung) durch die Buchhandlung 
von Karl Baedeker in Leipzig zu beziehen. 

Leipzig, 12. April 1891. 



l)rui:k vuri Üreitkopf k Uärlül in Leipzig. 



W^i§^M$: 



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Zeitschrift 



des 



Deutschen Palaestina-Vereiiis. 

Herausgegeben 

von dem geschäftsführenden Ausschuss 

unter der verautwortlicheii Kedaction 



von 



Prof. Lic. Hermann Outhe. 



Band XIV. 

Mit sechs Tafeln, drei Abbildungen im Text und zwölf 
meteorologischen Tabellen. 



Leipzig 1891 

in Commission bei K. Baedeker 



Inhalt 

des Yierzehuten Bandes der Zeitschrift des Deutsclieu 
Palästina-Vereins. 



Seite 
Nachrichten über Angelegenheiten des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Palästina's I 

Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen 11 

Protokoll der sechsten Generalversammkmg des Deutschen Vereins 
zur Erforschung Palästina's, abgehalten am 21. Mai 1891 in 

München HI 

Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1890 V 

Auszug aus der Rechnung über Einnahme und Ausgabe der Kasse 

des Deutschen Palästina -Vereins im Jahre 1890 VIII 

Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen X 

Verzeichniss der vom 1. Januar 1891 bis zum 31. December 1891 
für die Palästina-Bibliothek eingegangenen Bücher, Zeitschrif- 
ten u. s. w XI 

Verzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Palästina's XV 

Verzeichniss der Mitglieder des ■weiteren Comites und des geschäfts- 
führenden Ausschusses XXIV 



Über die Siebe in Syrien. Von Consul Dr. Wetzstein in Berlin ... 1 

Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. bis 16. Jahrhundert. 

Von Remhold Röhricht. I 8 

Die "Wallfahrt der Herzogin Maria Hippolyta von Calabrien nach 

dem heiligen Lande (1474). Mitgetheilt von Reinhold Röhricht 12 

Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten. Von Professor G'. ÄcÄepss in Speyer 17 

Das Gleichniss vom Kamel und Nadelöhr. Von Professor J. N. Sepp 

in München 30 

Zur Topographie der Grabeskirche in Jerusalem. Von Professor 

H. Guthe in Leipzig 35 

Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. Von Baurath C. Schick in 

Jerusalem 41 

Von Bänijäs nach Bosra. Von Professor Fr. Buhl in Leipzig ... 63 

Der heutige Zustand der alten Denkmäler in Syrien und Palästina. 

Von Dr. J. Benzinger in Stuttgart 69 

Bericht über die im Nachlass von Prof. Gildemeister vorgefundenen, 
auf die Geographie von Syrien und Palästina bezüglichen Ma- 
nuskripte. Von Professor A. Socin in Leipzig 75 

Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. bis 16. Jahrhundert. 

Von Rcinhold Röhricht. II 87 



IV 

Seite 
Das Klima von Jerusalem. Nach eigenen Beobachtungen dargestellt 
von Dr. med. Thomas Chaplin. (Bearbeitet von Dr. Otto Kersten 

in Berlin.) 93 

Beiträge zur Kenntniss der Palästina-Litteratur. Herausgegeben im 
Anschluss an Röhricht's Bibliotheca geographica Palaestinae. 

Von Professor W. A. Neumann in V[\&\i 113 

Geologisches 135 

Aus Briefen 135. 256 

Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. bis 16. Jahrhundert. 

Von Reinhold Röhricht. III 137 

Der Hiobstein, Sachrat Eijub, im Hauran. Von G. Schumacher, 

Ingenieur in Haifa 1 42 

Ein neues hebräisches Reisehandbuch. Von Lic. Dr. Gustav H. Dal- 

man in Leipzig 148 

Das Liwa el-Ladkije und die Nahije Urdu. Von Dr. Martin Hart- 
mann in Berlin 151 

I. Der AVeg . , 166 

II. Die Ortslisteai 193 

III. Die Namen der Karte und der »Ortslisten« alphabetisch 

geordnet 245 

Bücheranzeigen : De Sancta Cruce. Ein Beitrag zur christlichen 

Legendengeschichte von Eberhard Nestle 65 

Zu Seite 

Tafel I: Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. bis 
16. Jahrhundert. I. Karte Palästinas c. 1300. Im halben 
Maasstabe des in Florenz befindlichen Originals 8 ff. 

Tafel II: Nehemia's Mauerbau in Jerusalem und die übrigen Mauern 
der Stadt. Entworfen von Baurath Schick in Jerusalem 1890 — 91. 
Maasstab 1 : 5000 41 ff. 

Tafel III: Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. bis 
16. Jahrhundert, 2. Pläne aus einem Beda- Codex in Namur. 
IX. Jahrhundert. 2/3 (Jer Originalgrösse 87 ff. 

Tafel IV: Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. bis 
16. Jahrhundert, 3. Plan von Jerusalem nach dem in Cambrai 
befindlichen Original c. 1 ] 50 (3/4 der Originalgrösse) 137 ff. 

Tafel V: Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. bis 
16. Jahrhundert. 4. Wegkarte des heiligen Landes c. 1200. 
Nach dem in London befindlichen Original (3/4 der Original- 
grösse; 137 ff. 

Tafel VI: Das Liwa el-Ladklje nach den Reisewegen Martin Hart- 
mann's im Jahre 1881. Von ihm. selbst gezeichnet im Jahre 1891. 
Maasstab 1 : 225 000 151 ff. 

Abbildungen im Texte: S. 143. 145. 146. 

Zwölf meteorologische Tabellen, bearbeitet von Dr. Otto Kersten in 
Berlin, zu dem Aufsatz »Das Klima von Jerusalem« von Dr. 
med. Thomas Chaplin 93 ff. 



Nachrichten 



über 



Angelegenheiten des Deutschen Vereins 



zur 



Erforschung Palästina's. 



Ztschr. (1. Pal.-Ver. XIV. 



Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten: 

Blankenhorn, Dr. phil. ^., in Erlangen. 

Derenhoiirg . Dr. Hartwig^ Professor in Paris. 

Dieter, David, Pfarrer in Stuttgart. 

Frohnmeyer, J.. Ober-Consistorialrath in Stuttgart. 

Legendre, l Abbe, Professor in Le Mans. 

Schneller, Ludwig. Pastor in Cöln a/Rhein. 

Stave, Erik, Privatdocent der bibl. Exegese in üpsala. 

Durch den Tod verlor der Verein das Mitglied : 

V. Molthe, Graf, Exe, Feldmarschall in Berlin. 
Reuss, Dr. E., Professor in Strassburg i/E. 
Rigg€7ibach . Dr. /.. Professor in Basel. 



Der geschäftsführende Ausschuss des Deutschen Vereins zur Er- 
forschung Palüstina's hat dem Herrn Professor Dr. M. Hartmann in 
Berlin als Beihülfe für die Herstellung einer Karte zu seiner Reise im 
Nusairier-Gebirge den Betrag von 200 Ji verwilligt. 



Protokoll 

der seclisteu Generalversammlimg des Deutsclien Vereins 
zur Erforschimg Palästina's 

abgehalten am 21. Mai 1891 in München. 

Professor Dr. E. Kal'TZSCH eröffnet die Versammlung Vormittags 9 1/4 Uhr. 
Zum Vorsitzenden wird gewählt das Mitglied des engeren Vorstands. Professor 
Dr. KAUTZSCH-Halle, zum Schriftführer Dr. BENZIXGER-Stuttgart. Von der 
AVahl eines zweiten Vorsitzenden wird abgesehen. 

Der Vorsitzende gedenkt der seit der letzten Generalversammlung ver- 
storbenen Vereins-Mitglieder. Die Anwesenden erheben sich zum ehrenden 
Andenken. 

Dr. BENZIXGER-Stuttgart berichtet über die fortschreitende Zerstörung 
der alten Denkmäler in Palästina und Syrien i] . Die Versammlung ertheilt 
dem geschäftsführenden Ausschuss den Auftrag, die von Dr. Bexzinger an- 
geregte Frage im Auge zu behalten, ob sich nicht mit anderen Vereinen zur 
Erforschung Palästina's, besonders dem englischen, in dieser Angelegenheit 
ein gemeinsames Vorgehen zum Zweck genauer Aufnahme der noch bestehen- 
den Ruinen erzielen lasse. 

Professor Dr. SEPP-München ergriff darauf die Gelegenheit, seine An- 
sichten über die vom Deutschen Palästina-Verein zu pflegenden Aufgaben zu 
äussern. 

Professor Dr. A. SociN-Leipzig berichtet 2j über den Stand der Arbeiten 
für ein Ortslesikon von Syrien nach arabischen Quellen und im besondern 
über den darauf bezüglichen handschriftlichen Nachlass Professor Gilde- 
meister' s. 

Professor Lic. H. GiTHE-Leipzig berichtet über beabsichtigte neue Unter- 
nehmungen des Vereins im Ostjordanland. Derselbe theilt einen Antrag von 
Dr. O. KERSTEN-Berlin mit, betreffend die Errichtung von meteorologischen 
Stationen in Palästina, sowie einen Antrag von Professor Dr. FuRRER-Zürich, 
betreffend die Herstellung eines botanisch - landwirthschaftlichen Calen- 
dariums, zu welchem Zweck ebenfalls ßeobachtungsstationen zu errichten 
sind. Die Generalversammlung beschliesst dem Antrag von Professor Lic. H. 
GuTRE gemäss : 



o*- 



1) Der Vortrag wird in der ZDPV. abgedruckt werden. 

2) Der Vortrag wird in der ZDPV. abgedruckt werden. 



IV 



»Die VI. Generalversammlung des Deutschen Vereins zur Erforschung 
Palästina's genehmigt den Antrag des Herrn Dr. O, KERSTEN-Berlin, be- 
treffend die Einrichtung meteorologischer Stationen in Palästina, beschliesst 
den Vorschlag des Herrn Professor Dr. FuRREU-Zürich, betreffend ein bo- 
tanisch-landwirthschaftliches Calendarium Palästina's, durch die Einrichtung 
dieser Stationen auszuführen, und beauftragt den geschäftsführenden Aus" 
schuss, die dazu erforderlichen Verhandlungen zu eröffnen und im Einver- 
ständniss mit dem weiteren Comite die Mittel des Vereins, soweit sonstige 
Unternehmungen es zulassen, für diesen Zweck zu verwenden«. 

Hierauf wird zur Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten ge- 
schritten. Der Vorsitzende berichtet, dass gemäss § 9 der Statuten der weitere 
Ausschuss seit der letzten Generalversammlung sieh ergänzt hat durch Coop- 
tation der Herren Professor Dr. F. BuHL-Leipzig, Professor Dr. F. Mühlau- 
Dorpat, kaiserl. russ. Staatsrath, Professor Dr. Th. NÖLDEKE-Strassburg, 
Domkapitular Dr. R. von RiESS-Rottenburg a. N., Dr. P. ScHROEDER-Beirut, 
kaiserl. deutscher General-Consul, Ingenieur G. Schumacher -Haifa. Die 
Wahl derselben ist von der Generalversammlung zu, bestätigen, was einstimmig 
geschieht. 

Statutengemäss scheiden durchs Loos aus zwei Mitglieder des geschäfts- 
führenden Ausschusses: Professor Dr. FuRRER-Zürich und Dr. O. Kerstex- 
Berlin, ebenso 11 Mitglieder des weiteren Comites: K. Baedeker -Leipzig, 
Dr. A. Berliner- Berlin, Dr. A. Brüll -Frankfurt a/M. , Professor Dr. O. 
Fraas- Stuttgart, Pfarrer Dr. A. W. IvOCH- Pfungstadt, Professor Dr. F. 
MÜHLAU-Dorpart, Professor Dr. Th. NöLDEKE-Strassburg, Professor Lie. Dr. 
REINICKE-Wittenbcrg, Consul Dr. PiEITZ-Smyrna, Dr. C. SAXDRECZKI-Passau, 
Baurath C. SCHICK-Jerusalem. Die ausscheidenden Mitglieder werden sämmt- 
lich einstimmig wiedergewählt. 

Der Vorsitzende schliesst die Versammlung lO'/i Uhr. 

München, den 21. Mai IS'.tl. Zur Beurkundung 

der Schriftführer : der Vorsitzende : 
J. Benzixger. E. Kautzsch. 



Verzeichniss der Theilnehmer an der VI. Generalversammlung des Deutschen 

Palästinavereins i). 

* Dr. J. BENZINGER-Stuttgart. * Prof. Dr. li. BRÜxxow-Heidelberg. 

* Prof. Lic. H. GuTHE-Leipzig. G. Guthe München. 

* Prof. Dr. F. HoMMEL-München. * Prof. Dr. E. KAUTZSCH-Halle. 
Prof. Dr. SEi'P-München. * Prof. Dr. A. SociN-Leipzig. 

1) Nach der eigenhändigen Einzeichnung der Theilnehmer. Die mit * 
bezeichneten Herren sind Mitglieder des Vereins. 



Rechenschaftsbericht üher das Vereinsjahr 1890. 



Das Jahr 1890 hat uns den schmerzlichen Verlust eines unserer 
Ehrenmitglieder, des Professors Dr. J. Gildemeister in Bonn, ge- 
bracht. Die seinem Gedächtniss gewidmeten Worte, die der dreizehnte 
Band unserer Zeitschrift, S. III — V der «Nachrichten«, gebracht hat, 
haben versucht, Gildemeister' s Bedeutung im Allgemeinen zu zeich- 
nen und namentlich seine Thätigkeit und seinen Einfluss zum Besten 
des Palästina-Vereins gebührend zu würdigen. Wenn der Verstorbene 
sich schon hierdurch ein ehrendes und dankbares Andenken bei uns 
gesichert hatte, so hat er sich noch ein besonderes Anrecht auf unsere 
Dankbarkeit dadurch erworben, dass er der Bibliothek unseres Vereins 
aus seinem Nachlasse die Palästina betreffenden Werke, soweit solche 
nicht bereits in ihr vorhanden waren, vermacht und seine Vorarbeiten 
für ein Lexikon syrischer Ortsnamen aus arabischen Quellen dem Pa- 
lästina-Verein zur weiteren Verwerthung überwiesen hat. Frau Pro- 
fessor Gildemeister hat es sich angelegen sein lassen, diesen, von 
ihrem Gemahl in seinen letzten Lebenstagen ausgesprochenen Wunsch 
sobald, als es die Umstände gestatteten, auszuführen. Ich spreche 
daher ihr sowie der hinterlassenen Familie Gildemeister's nochmals 
auch an dieser Stelle den lebhaftesten Dank des Vorstandes, sowie des 
gesammten Vereins aus. Der Ausscheidung und Übersendung der für 
uns bestimmten Bücher und Aufzeichnungen Gildemeister's hat sich 
Herr Professor Dr. Prym in Bonn in freundlichster Weise angenommen. 
Dafür sei auch ihm hier der aufrichtigste Dank des Vereins ausge- 
sprochen. 

In welchem Grade die Bibliothek unseres Vereins durch das Ver- 
mächtniss Gildemeister's bereichert worden ist, haben die Mitglieder 
bereits aus dem ZDPV. XIII, S. VIII — XVI gegebenen Verzeichnisse der 
durch dieses Geschenk uns zugefallenen » Bücher, Karten und Pläne « 

Ztschr. d.Pal.-Ver.XIV. Ij 



VI 



ersehen können. Der gegenwärtige Bestand der Bibliothek darf nun 
als ein werthvoUer Grundstock für ihre künftige Ausdehnung und Er- 
gänzung gelten. Auch hat dieser letzte grössere Zuwachs Anlass ge- 
geben, einen Zettelkatalog des gesammten Bestandes unserer Bibliothek 
anfertigen zu lassen. 

Am Ende des Jahres 1890 schien sich durch den gleichzeitigen 
Aufenthalt einiger Gelehrten im Orient, die entweder an unserem Ver- 
ein betheiligt oder ihm doch freundlich gesinnt waren, eine günstige 
Gelegenheit zu einer grösseren Forschungsreise für die Zwecke unseres 
Vereins darzubieten. Der fast fertig gestellte Plan konnte jedoch nicht 
zur Ausführung gelangen, weil die betreffenden Herren durch Er- 
krankung an der beabsichtigten Ausdehnung ihrer Reise gehindert 
wurden. 

Unter den Veröffentlichungen des Jahres 1890 nenne ich die von 
Dr. H. Fischer und mir bearbeitete »Neue Handkarte von Palästina 
im Massstabe von 1 : 700 000 nebst alphabetischem Namenverzeichnis 
und Quellennachweis«. Durch eine freundliche Vereinbarung zwi- 
schen der Verlagshandlung (Geographische Anstalt von H, Wagner 
& E. Debes in Leipzig) und dem Unterzeichneten wurde es ermöglicht, 
die Karte und den dazu gehörigen Quellennachweis den Mitgliedern 
des Palästina -Vereins in der Zeitschrift zu liefern. Die Karte hat, um 
von anderen Vorzügen abzusehen, darin ihren eigenthümlichen Werth, 
dass sie eine nach den besten zugänglichen Quellen mit sorgfältiger 
Kritik gearbeitete Zeichnung des Terrains darbietet. Von den gegen- 
wärtig vorhandenen Handkarten dürfte ihr schwerlich irgend eine 
andere diesen Vorzug streitig machen. Auch ist auf eine sichere und 
gleichmässige Wiedergabe der geographischen Namen besonderer Fleiss 
verwandt worden. 

Leider hat die Herstellung des Literaturberichtes im Jahre 1890 
eine Verzögerung erfahren. Herr Dr. Jacob in Berlin theilte mir im 
August 1S90 mit, dass er sich durch Überhäufung mit anderen Ar- 
beiten leider genöthigt sehe, von der Lieferung des Literaturberichtes 
zurückzutreten. Da sich die Versuche, ihn zur Fortsetzung des Lite- 
raturberichtes zu bewegen, als vergeblich erwiesen, so war es der Ke- 
daction sehr angenehm, dass sich unter freundlicher Vermittlung des 
Herrn Professor Socm Herr Dr. Benzingeb, damals in Stuttgart, jetzt 
in Tübingen, bereit erklärte, die Abfassung des Literaturberichts für 
einige Jahre zu übernehmen. Die Leser unserer Zeitschrift kennen 
bereits aus ZDPV. XIIL 240 ff. den ersten von Herrn Dr. Benzingeu 



VII 



verfassten »Bericht über neue Erscheinungen auf dem Gebiete der 
Palästinaliteratur 1888«. Beiden Herren spreche ich hier im Namen 
des Vereins den wärmsten Dank aus, Herrn Dr. Jacob für die der 
Zeitschrift geleisteten Dienste, Herrn Dr. Benzingeb für die Bereit- 
willigkeit, mit der er die Fortsetzung der Literaturberichte übernom- 
men und besorgt hat. 

"Über die im Jahre 1890 abgesehen von dem Vermächtniss Gilde- 
meistek's erfolgte Vermehrung unserer Bibliothek giebt das Verzeichnis 
ZDP. XIII; XXII f. Auskunft. Allen denen, die durch besondere Ge- 
schenke dazu beigetragen haben, sei hier der herzliche Dank aus- 
gesprochen. 

Die Revision der Jahresrechnung ist wie bereits 1889, so auch 
1890 von den Herren Professor Dr. Reinicke in Wittenberg und 
Pfarrer Dr. A. W. Koch in Pfungstadt vollzogen worden. Beiden 
Herren sei für ihre freundliche Mühewaltung an dieser Stelle bestens 
gedankt. 



o 



Leipzig, 16. Januar 1892. 

Für den Ausschuss: 
H. Guthe. 



Auszug aus der Bechuung über Eiuualime und 

Einuahnieu. 

Jl 1736. 14 ^ Cassen-Bestand vom Jahre 1889. 

Jl 184. — ^ Rückständige Jahresbeiträge von 1887 — 1889. 

- 2794. 62 - Laufende Jahresbeiträge pro 1890. 

76. 40 - für div. Jahrg. u. einzelne Hefte d. Zeitschrift. 

- 545. 10 - für 60 Jahrgänge XIII und einige frühere Jahr- 
gänge durch den Buchhandel abgesetzt. 

— - Netto -Erlös für 1 verkauften Gyps-Abguss der Siloah- 

Inschrift. 
für 5 Fischer, Karte des Hauran und 4 Schumacher, Dscholan. 

- ein Inserat auf dem Umschlag der Zeitschrift. 
Jl 45. — ^ für getrennte Coupons von M 1500 Z% Sachs. 

Rente v. Oktober 1889 bis dahin 1890. 
75. — - desgleichen von Jl 2500 'i% Sachs. Rente von 
120. Januar bis ult. December 1890. 



3600. 


12 


1. 


— 


28. 


35 


2. 


25 



M 5487. h6 ^ Summa der Einnahmen. 
- 3686. 82 - - der Ausgaben. 

Jl 1801. 4 ^ Bestand baar. 

An Vermögen besitzt der Verein ferner : 
Jl 4000. — 3^ '6% Sächsische Rente zum Cours von 85, — . 
Jl 3400. — ^ 
Jl 5201. 4 ^ Summa. ' 

Ausserdem sind noch ca. Jl 1100. — an Jahresbeiträgen 
rückständig. 



Die Jahresrechnung des Palästina -Vereins für 1890 ist nach 

Wittenberg, 24. September 1891. 
Pfungstadt, 3. Oktober 1891. 



Ausgabe der Kasse des DPV. im Jahre 1890. 



Ausgaben. 

Jl 2252. 46 .^ für Druck, Lithographie etc. der Zeitschrift, Band XIII, und 

von Accidentien. 
68.60 - - Buchbinder- Arbeiten. 

Honorare, als: 
Jl 500. — 3^ für Redaction der Zeitschrift. 
- 1019. 68 - - 519. 68 - - Beiträge zur Zeitschrift. 

150. — - für Cassaführung. 

24. 80 - Ankäufe für die Bibliothek. 

164. 70 - für Porti, Fracht, Correspondenzkosten etc. 

6. 58 - - diverse Ausgaben (Packpapier etc.). 



Jl 3686. 82 ^ Summa der Ausgaben. 



Karl Baedeker, z. Z. Kassirer des Vereins. 



eingehender Prüfung durchaus richtig befunden worden. 

Reinicke. 
Koch. 



Personaluachrichten und gescliäftliclie Mittheilungen. 



Der Deutsche Verein zur Erforschung Palästina's betrauert 
den Tod 

Seiner Majestät des Königs Karl von Württemberg. 

Allerhöchstdieselbe haben den Deutschen Verein zur Erforschung 
Palästina's gleich nach seiner Begründung durch ihren Beitritt 
geehrt und die Zwecke desselben durch reichliche Beiträge in 
huldvollster Weise gefördert. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten: 

Kasteren, J. B. van, S. J., in Maastricht. 

Künzer, Julius, Pfarrer und Direktor des katholischen deutschen Hos- 
pizes in Haifa. 
Orbayi, Rev. A., Cath. University in Washington. 
Riske, /., Dragoman in Jerusalem. 



Herr Ingenieur G. Schumacher hat im Oktober 1891 im Auftrage 
des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's eine Reise in das 
Ostjordanland unternommen. Als erstes Ergebniss derselben liegt be- 
reits die genaue Beschreibung des Hiobsteins im Haurän vor. Weitere 
Mittheilungen werden folgen. 



Verzeichnis s 

der vom 1. Jauuar 1891 bis zum 31. December 1891 für die 

Palästina-Bibliothek eingegangenen Bücher, 

Zeitschriften u. s. w. 



Von den Redactionen: 

740. Österreichische Monatsschrift für den Orient. Herausgegeben vom 
k. k. österreichischen Handels- Museum in Wien. Red. von A. von 
Scala. 17. Jahrang. Nr. 1 — 12. Jänner bis December. Wien 1891. 4. 

741. Neueste Nachrichten aus dem Morgenlaude. Neue Folge. Heraus- 
gegeben von Lic. C. Hoffmann. 35. Jahrg.. Heft 1—6. Berlin 1891. 8. 

742/743. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Red. von 
' Prof. Dr. E. Windisch. Band 44, Heft 4. Leipzig 1890. 8. — Band 45, 
Heft 1—3. Leipzig 1891. 8. 

744. Orientalische Bibliographie. Herausgegeben von Dr. K. Müller, Prof. 
in Halle. 5. Jahrgang, Heft 1—2. Berlin 1891. 8. 

745/746. Revue archeologique publice sous la direction de M. M. Alex. Ber- 
trand et G. Perrot. Troisieme serie. Tome XYII, Jauvier-Juin 1S91. — 
TomeX^^^, Juillet-Decembre 1891. Paris 1891. 8. 

747,748. Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie. Herausgegeben von 
J. J. Kettler. Band VH, Heft 7—12. Weimar 1890. Gr. 8. — Band VIII, 
Heft 1—7. Weimar 1891. Gr. 8. 

749. Die Warte des Tempels. Wochenblatt zur Belehrung über die wich- 
tigsten Fragen unserer Zeit. Herausgegeben von Christoph Hoffmann 
und Franz Paulus. 47. Jahrgang 1891. Nr. 1—53. Stuttgart 1891. 4. 

750. Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Redigirt von 
C. Herrlich in Berlin. Jahrgang 32. Nr. 1—52. Berlin 1891. 4. 

Von dem Verein vom hl. Grabe in Köln : 

751. Das heilige Land. Organ des Vereins vom hl. Grabe. 35. Jahrgang 1891. 
Heft 1—4. Köln 1891. 8. 

Von der Societe de Geographie in Paris : 

752. Compte rendu des seances de la commission centrale. Annee 1891, 
Nr. 1—20. Paris 1891. 8. 

753. Bulletin de la Societe de Geographie. Septieme scrie. Tome XII, 
ler_3eTrimestre. Paris 1891. 8. 

Von dem Palestine Exploration Fund in London : 

754. Uuarterly Statement. January — Oetober 1891. London» 8. 



XII 



Von de)- Geographischen Gesellschaft in Bremen : 

755. Deutsche Geographische Blätter. Herausgegeben von der Geographi- 
schen Gesellschaft in Bremen durch Dr. M. Lindemann. Band XIV, 
Heft 1—3. Bremen 1891. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft [für Thüringen) zu Jena : 

756. Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena. 
Zugleich Organ des Botanischen Vereins für Gesamtthüringen. Heraus- 
gegeben von G. Kurze und Dr. F. Regel. Band IX, Heft 3 und 4. 
Jena 1891. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Hamburg: 

757. Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg. 1891 — 1892. 
Heft 1. Hamburg 1891. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft von Beiti : 

758. IX. Jahresbericht (1888—89) und X. Jahresbericht (1890) der Geogra- 
phischen Gesellschaft von Bern. Redigirt von C. H. Mann. Bern 1890 
u. 1891. 8. 

Von dem Verein für Erdkunde zu Metz: 

789. XIII. Jahresbericht des Vereins für Erdkunde zu Metz für 1890—91. 
xMetz, G. Scriba, 1891. 8. 

Von dem Verein für Erdkunde zu Halle a. S. : 

790. Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a. S. Zugleich Organ 
des Thüringisch - Sächsischen - Gesammtvereins für Erdkunde. 1891. 
Halle a. S., Tausch & Grosse. 1891. 8. 

Von dem Verein für Erdkunde zu Leipzig .- 

791. Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig. 189ü. Mit einer 
Karte. Leipzig, Duncker & Humblot, 1891. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft zu Greif sxcald: 

792. IV. Jahresbericht der geographischen Gesellschaft zu Greifswald. 1889 
— 1890. Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Prof. Dr. Rudolf 
Credner. Mit 2 Karten. Greifswald, Julius Abel, 1891. 8. 

Von dem Verein der Geographen an der Universität Wien : 

793. Bericht über das XVI. Vereinsjahr (25. Oktober 1889 bis 21. Oktober 
1890). Wien, Ed. Hölzel. 1891. 8. 

Vo7i der Buchhandlung der Diakonissen- Anstalt in Kaisersiverth : 

794. Jahrbuch für christliche Unterhaltung. Herausgegeben von der Diako- 
nissen-Anstalt zu Kaiscrswerth am Rhein für das Jahr 1 890. Kaisers- 
werth am Rhein, im Verlage der Diakonissen-Anstalt. Kl. 8. 

795. Dasselbe für 1891. Ebendort. (Die Bände enthalten u. A. Fünfmal auf 
biblischem Boden, von D. Disselhoff. Mit Abbildungen.) 

Von Herrn Dr. Max van Berchem in Genf: 

796. Notes d'archeologic arabe. Monuments et inscriptions fatimites. Extrait 
du Journal asiatique. Paris, Imprimerie nationale. 1891 . 8. 



XIII 



Von Herrn Fr. Liecin de Hammc in Jerusalem : 

797. Etüde topographique. Forteresse de Sion. Sion (Haute ville) Acra 
(Basse ville). Jerusalem, Imprimerie des PP. Franciscains 1891. 8. 

Von Herrn Dr. Max Blanchenhorn in Erlangen: 

798. Das Eocän in Syrien, mit besonderer Berücksichtigung Nord-Syriens. 
Ein Beitrag zur Geologie Syriens. Mit drei Tafeln. (Abdruck aus der 
Ztschr. d. Deutsch, geolog. Gesellschaft, Jahrg. 1S90.) 

Durch Herrn Consul Loytved in Beirut : 

799. Histoire de Baalbek par un de ses habitants Michel M. x\louf. 1890. 
Imprimerie des helles lettres, Beyrouth. 8. 

Von Herrn Professor Dr. R. Röhricht in Berlin : 

80Ü. Bibliotheca geographica Palaestinae. Chronologisches Verzeichuiss der 
auf die Geographie des heiligen Landes bezüglichen Literatur von 333 
bis 1878 und Versuch einer Kartographie. Herausgegeben von Reinhold 
Röhricht. Mit Unterstützung der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin. 
Berlin, H. Reuther 's Verlagsbuchhandlung. 1890. 8. 

801. Reizen van Cornelis de Bruyn, door de vermaardste Deelen van Klein 
Asia, de Englanden Scio, Rhodus, Cyprus, Metelino, Stanchis etc. 
Mitsgaders de voornaamste Steden van Agjq3ten, Syrien en Palestina, 
verrijkt met meer als 200. kopere konstplaten, vertoonende de be- 
roemdste Landschappen, Steden etc. Alles door den Autheur selfs na 
het leven afgetekend. Tot Delft, gedrukt by Henrik von Kroonen- 
veld. 1698. Folio. 

802. Studien zur Geschichte des fünften Kreuzzuges von Reinhold Röhricht. 
Innsbruck, Verlag d.Wagner'schen Universitäts-Buchhandlung. 1891. 8. 

S03. Die Jerusalemfahrten der Grafen Philipp, Ludwig (1-484) und Reinhard 
von Hanau i'1550). Herausgegeben von Reinhold Röhricht. Sonder- 
druck aus der Zeitschrift für hessische Geschichte 1891, S. 85 — 188. 8. 

804. Die Rüstungen des Abendlandes zum dritten grossen Kreuzzuge. Von 
Reinhold Röhricht. Sonderdruck aus der historischen Zeitschrift. 
XXXIV. Bd. 1875. 8. 

805. Hans Hundts Rechnungsbuch (1493 — 1494). Herausgeg. und erl. von 
Reinhold Röhricht und Heinrich Meisner. Sonderdruck aus dem Neuen 
Archiv für sächsische Geschichte und x\lterthumskunde Bd. IV. H. 1. 2. 
S. 37—100. 

806. Zur Geschichte der Kirche S. Maria Latina in Jerusalem. Von Reinhold 
Röhricht. Sonderdruck aus dem Neuen Archiv 1889, XIV. S. 203— 
206. 8. 

807. Die Pilgerreise des letzten Grafen von Katzenellenbogen. Herausgeg. 
von R. Röhricht u. Heinrich Meisner. Sonderdruck aus der Zeitschrift 
für Deutsches Alterthum 1SS2. XIV. S. 348— 371. 8. 

808. Bibliographische Beiträge zur Geschichte der Geissler. Von Reinhold 
Röhricht in Berlin. Sonderdruck aus der Zeitschr. f. Kirchengeschichte 
Jahrgang 1876. S. 313—321. 8. 

809. Aus den Regesten Honorius III. Mitgetheilt von Reinhold Röhricht. 
Sonderdruck aus dem Neuen Archiv 1887, XII. S. 415—418. 8. 

810. Briefe, die Jerusalemfahrt des Herzogs Albrecht v. Sachsen betreffend. 
Mitgetheilt von R. Röhricht und IL Meisner. Sonderdruck aus dem 
Neuen Archiv für sächsische Geschichte u. Alterthumskunde. Bd. IV, 4. 
S. 343—346. 8. 

811. Die Briefe des Kölner Scholasticus Oliver. Herausgegeben von Prof. 
Dr. Reinhold Röhricht. Sonderdruck aus Westdeutsche Zeitschrift für 
Geschichte und Kunst. Trier 1891. S. 161—208. S. 



XIV 



812. Der Kreuzzug des Königs Jacob I. von Aragonien (1269). Von Reinhold 
Röhricht. Separatabdruck aus den Mittheilungen des Instituts für 
österr. Geschichtsforschung. XI, Band, 3. Heft, S. 1—24. 8. 

813. Amalrich I., König von Jerusalem (1162—1174). Von Reinhold Röh- 
richt. Aus den »Mittheilungen des Instituts für österrr, Geschichts- 
forschung", XII. Band 3. Heft besonders abgedruckt. S. 1 — 62. 

814. Die Jerusalemfahrt des Herzogs Friedrich von Österreich, nachmaligen 
Kaisers Friedrich III. von Deutschland (1436). Ein mittelhochdeutsches 
Gedicht. Herausgegeben von R. Röhricht. Aus der Zeitschrift für 
Deutsche Philologie Bd. XXIII, S. 26-41. 8. 

815. Sagenhaftes und M}'thisches aus der Geschichte der Kreuzzüge. Von 
R. Röhricht, Aus der Zeitschrift für Deutsche Philologie Bd. XXIII, 
S. 412—421. 8. 

816. Zur Korrespondenz der Päpste mit den Sultanen und Mongolenchanen 
des Morgenlandes im Zeitalter der Kreuzzüge. Von Reinhold Röhricht. 
Sonderdruck aus den Theol. Studien und Kritiken, Jahrgang 1891, 
S. 359-369, 8, 

Von der geographischen Gesellschaft [für Thüringen) zu Jena : 

817. Mittheilungen der geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena, 
Im Auftrage der Gesellschaft herausgeg, von G. Kurze und Dr, F. Regel. 
Zehnter Band. Mit einer Kartenskizze. Jena, Verlag v, Gustav Fischer. 
1891. 8, 

Durch Ankauf: 

818. Palestine from the survey conducted for the committee of the Palestine 
Exploration Fund and othcr sources compiled by G. Armstrong and 
revised by Ch, W. Wilson and C, R. Conder. Stanford's geographical 
establishmcnt. London 1890. Maasstab 1 : 168900. 21 Blätter (West- 
und Ostjordanland, von Baalbek im N. bis Kades im S.). 



Verzeicbuiss sämintlicher Mitglieder des Deutschen Vereins 
zur Erforschung Palästina's. 



1. Ehrenmitglied. 
Schick, Conr., königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

2. Ordentliche Mitglieder. 

Seine Majestät der Deutsche Kaiser. 

Seine Hoheit Fürst Leopold von HoHENzoLiiERx-SiGMA.RiNGEN. 

Almlivist, Dr. Herman, Professor in üpsala. 

Antonin, Archimandrit in Jerusalem. 

Arndt, Dr. Theodor, Prediger an der St. Petrikirche in Berlin. 

Ascherson, Dr. P., Professor in Berlin. 

Auerbach, Dr. L., Rabbiner in Halberstadt. 

Auning, Pastor in Sesswegen, Livland. 

Baedeker, Karl, in Leipzig. 

Baethcke, Pfarrer in Georgenthal i^Thüringen) . 

Baethgen, Dr., Professor in Greifswald. 

Bättig, Niki., Vikar in Vitznau, Canton Luzern. 

V. Baudissin, Graf, Dr. W., Professor in Marburg. 

Baur, J., Pfarrer in Dietershofen bei Klosterwald. 

Behrmann, Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg. 

Benzinger, Dr. Immanuel, Repetent am ev.-theol. Seminar in Tübingen. 

van Berchcm, Dr. Max, Privat-Docent an der Universität in Genf. 

Berliner, Dr. A., Docent am Rabbinerseminar in Berlin. 

Bertheau, Carl, Pastor an St. Michaelis in Hamburg. 



XVI 



Bibliotheken : 

der Akademie von Neuehätel (Schweiz), Dr. Domeicr. 

de l'ecole des langues orientales Vivantes in Paris [Ch. Sehe/er). 

der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, 

Prof. Dr. Lazarus. 
der Synagogengemeinde in Breslau, 
der Israel. Cultusgemeinde in Wien, 
des bischöfl. Seminarium Clericorum in Brunn, 
des evangelisch-lutherischen Landes-Consistoriums in Dresden, 
des evangelischen Seminars in Tübingen. 

des Königlichen Lyceum Hosianum in Braunsberg (Ostpreussen) . 
des Rabbiner-Seminars in Berlin, Dr. A. Berliner. 
des theol. Seminars der Brüdergemeinde in Gnadenfeld, Ob/Schl. 
Gymnasialbibliothek in Rottweil. 
Jüdische Bibliothek [M. Adelmann) in Jerusalem. 
Königliche öflfentliche Bibliothek in Stuttgart. 
Landesbibliothek in Wiesbaden. 

Library of Andover Theological Seminary in New York. 
Ministerialb ibliothek in SchafFhausen, C. A. Bächtold, Pfarrer. 
Öffentliche Bibliothek in Basel. 
Stadtbibliothek in Frankfurt a/Main, 

in Hamburg, Dr. hier. 

in Mainz, Dr. Velke. 
Universitätsbibliothek in Amsterdam. 

- in Bonn. 

- in Dorpat. 

- in Erlangen. 

- in Giessen. 

- in Halle. 

- in Leiden (Holland) . 

- in Leipzig. 

- in Marburg. 

- in Prag. 

- in Strassburg i. E. 

- in Tübingen. 

- in Utrecht. 
Bivkell, Dr. G., Professor in Innsbruck. 
Blanchnhorn^ Dr. phil. M., in Erlangen. 
Boehl, Dr. E., Professor in Wien. 



xvn 



Bosse, Paul, Kartograph in Weimar. 

Bourgeois, Dr. G.^ Pastor in Mars, Commune de St. Romain-le-Desert, 
Frankreich (Ardeche) . 

Brandt, Dr. A., Divisions-Pfarrer in Graudenz. 

Brüll, Dr. Adolf, in Frankfurt a/M. 

Brünnoiv, Dr. Rtidolf E., Professor in Heidelberg. 

Budde, Dr. C, Professor in Strassburg i. E. 

Buhl, Dr. Franz^ Professor in Leipzig. 

Cassel, Dr. th. P., Professor und Pastor in Berlin. 

Chapuis, Dr. P., Pastor in Chexbres bei Lausanne. 

Christtnann^ Vicedirector in Adana, Asiatische Türkei. 

Chwolson, Dr. Dan., wirkl. Staatsrath und Professor in St. Petersburg. 

Clausen, Consistorial-Rath in Brügge bei Bordesholm (Holstein) . 

Dalton, Consistorial-Rath a. D. in Berlin. 

Derenbourg, Dr. Hartwig, Professor in Paris. 

Dieckmann, R., Pastor in Beggerow bei Demmin. 

Dieter, David, Pfarrer in Stuttgart. 

Dillmann, Dr. A., Professor in Berlin. 

Ebers, Dr. G., Professor in München. 

Eckardt, Karl, evang. Pfarrer in Prag. 

Ehinger-Heusler , Alph., in Basel. 

Einszier, Dr. med. A., Stadtarzt in Jerusalem. 

Euting, Prof. Dr. /. , Oberbibliothekar in Strassburg i. E. 

Fahrngruber , Johann, Theologie -Professor in St. Polten, Nieder- 
österreich. 

Fay, F. R., Pfarrer in Crefeld. 

Federlin, Superieur du Seminaire de Ste. Anne in Jerusalem. 

Fehr, Dr. Fredrik, Pastor primarius in Stockholm. 

Fell, Dr. Win., Professor in Münster i. W. 

Fischer, Dr. A., in Halle. 

Förstemann, Dr., Hofrath u. Oberbibliothekar in Leipzig. 

Fraas, Dr. 0., Professor in Stuttgart. 

Fraidl, Dr. Franz, Professor in Graz. 

Frei, A., Pfarrer in St. Gallen (Schweiz). 

Frohnmeyer, J., Oberkonsistorialrath in Stuttgart. 

Fromme, Pastor in Wersabe (Post Sandstedt bei Bremen) . 

Frutiger hf Comp., J., in Jerusalem. 

Furrer, Dr. K., Professor u. Pfarrer in Zürich. 

Gatt, G., kathol. Missionar in Gaza. 



XVIII 



Gautier, Dr. Luden, Professor in Lausanne. 

Geiger, Herrn anri , Benefiziat und Ehren-Domherr vom heiligen Grabe 

in München. 
Geher, Dr. Heinrich, Professor in Jena. 
Gerher, Dr. W., in Prag. 
Geyser, N., Pfarrer in Elherfeld. 
de Goeje, Dr. M., Professor in Leiden. 
Goldmann, Samuel, Cantor in Gr. Kanizsa, Ungarn. 
Goldziher, Dr. /., Docent an der Universität in Budapest. 
Gottheil, Dr. Richard J. H., Professor in New- York. 
Grill, Dr. /., Professor in Tübingen. 

Grossmann, Dr. theol. u. phiL, Superintendent in Grimma. 
Grünert, Dr. Max, Professor in Prag. 
Grundt, Dr. F. /. , Oberlehrer in Dresden. 
Gu7i7iing , J. H., Dr. theol., ref. Pred. in Gouda (Holland'. 
Guthe, Lic. H., Professor in Leipzig. 
Hagenmeyer, H., Pfarrer in Ziegelhausen bei Heidelberg. 
Hagerup, H., Buchhändler in Kopenhagen. 
Haiherstamm, S. J., in Bielitz, Österreich. 
Halevy, J., Professor in Paris. 
Harkavy, Prof. Dr. Alh., Bibliothekar an der k. öflfentl. Bibliothek in 

St. Petersburg. 
Hartmann, Dr. M., Professor am Orient. Seminar in Berlin. 
Hechler, Rev. Dr. W. H., in Wien, 
Heinrici, Dr. G., Professor in Marburg. 
Hertz, H., in Winnington Hall, Northwich, Cheshire. 
Heussler, G., Pfarrer in Basel. 
Hiklesheimer , Dr. /. , Seminardirector in Berlin. 
Hildesheimer , Dr. H., in Berlin. 
Hiklesheimer, A., in Halberstadt. 
Hildesheimer , Levi, in Odessa. 

Hillenbrand, Dr., Professor der h. Schrift in Fulda. 
Hirsch, Rev. Dr. E. G., Rabbiner der Sinai-Gemeinde in Chicago. 
V. Hitrowo, B., kais. russ. wirkl. Staatsrath in Petersburg. 
Ho/ele, Dr., Pfarrer in Ummendorf bei Biberach. 
Hoffmann, Lic. C. , Superintendent in Frauendorf bei Züllchow, 

R.-Bez. Stettin. 
Hoffmann, Christoph, Centralleitung des Tempels in Jerusalem. 
H(ffmann, Dr. G., Professor in Kiel. 



XIX 



Hollmberg, J., Gymnasial-Oberlehrer in Bielefeld. 

Hokammer, Dr., Prof. und Regens am bischüfl. Seminar in Mainz. 

Hommel, Dr. Fritz, Professor in München. 

Hoernle, Dr. A. F. Rudolf, OfFg. Principal Madrasah Calcutta. 

Jacob, Dr. phil. Georg, in Zoppot bei Danzig. 

Jäger, Louis, Buchhändler in Basel. 

Janssen, Landrath z. D. in Burtscheid bei Aachen. 

Kaftan, Dr. /., Professor in Berlin. 

Kalmus, Julius, in Berlin. 

Kaempf, Dr. aS'. /., Professor in Prag, 

Kamphausen, Dr. A., Professor in Bonn. 

van Kasteren, J. P., S. J., in Maastricht. 

Kautzsch, Dr. E., Professor in Halle. 

Karsten, Dr. phil. Otto, in Berlin. 

Kiepert, Dr. H., Professor in Berlin. 

Kiepert, Dr. phil. Ä., in Berlin. 

Kind, Dr. A., Archidiakonus in Jena. 

Kinter, P. Maurus, O. S. B., fürsterzb. geistl. Rath und Stiftsarchivar 

in Raigern bei Brunn. 
Kinzler, Adolph, Pfarrer im Missionshaus in Basel. 
V. Klaiber, Dr. K., Prälat in Stuttgart. 
Klein, Stadtpfarrer in Pforzheim. 
Klein, Rev. F. A., in Calro. 
Klose, Paul, Lehrer in Görlitz. 
Kober-Gobat, P. J. F., in Basel. 

Koch, Dr. A. IV., Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 
Kögel, Dr. R., Oberhofprediger in Berlin. 
Köhler, Dr. A., Professor in Erlangen. 
König, Dr. /. , Professor in Freiburg i. Br. 
König, Dr.E., Professor in Rostock. 
Körten, Pfarrer in Rölsdorf bei Düren. 
Kr äfft, Dr. W., Professor in Bonn. 
Krähe, Dr. phil. Ed., Stadtschulrath in Halle a/S. 
Krehl, Dr. L., Geheimer Hofrath, Professor und Oberbibliothekar 

in Leipzig. 
Krenkel, Dr. Max, in Dresden. 
Kugler, Dr. B., Professor in Tübingen. 
Künzer, Julius, Pfarrer in Haifa. 
V. Landberg, Dr. Carlo Graf, in Stuttgart. 



XX 



Lange, Geheimer Baurath und vortragender Rath im Ministerium der 

öfifentlichen Arbeiten in Berlin. 
Legendr e, V Ahhe^ Professor in Le Mans. 
V. Leonhard, Friedr. Ritter, in Wien. 

Legrer, Pfarrer, in Salem bei Ludwigsburg (Württemberg). 
Liebster, Georg, Diaconus in Gruna bei Dresden. 
Lievin de Hamrne, F., in Jerusalem. 

Lindner, Dr. Br., Professor an der Universität in Leipzig. 
Lorange, Dr. med., in Beirut. 
Lortet. Dr. Ad., Doyen de la faculte de medecine et de pharmacie in 

Lyon. 
Lotz, Dr. Wilhelm, Professor in Wien. 
Loytved, Consul für Dänemark-Schweden in Beirut. 
Lütge, H. A. /. , Pastor in Amsterdam. 
Lüttke, M., Superintendent in Schkeuditz bei Halle a/S. 
Maerker, Fra7iz, Seminarlehrer in Alt-Döbern bei Cottbus. 
Mätzold, Rev. G., Pastor in London. 
Marti, Karl, Lic. theol., PfaiTer in Muttenz (Kanton Baselland), Do- 

cent a. d. Universität Basel. 
Merx, Dr. A., Professor in Heidelberg. 
Meyer, Dr. Eduard, Professor in Halle. 
Mihälyß, Dr. Achatius, Professor in Budapest. 
Mond, Ludwig, in Winnington Hall, Northwich, Cheshire. 
Moore, Dr. G., Professor in Andover, Massachusetts. 
Mühlau, Dr. F., kais. russ. Staatsrath, Professor in Dorpat. 
V071 Mülinen, Graf, bei der kaiserl. deutschen Gesandtschaft in Con- 

stantinopel. 
Müller, Dr. A., Professor in Halle. 
Nestle, Lic. th. Dr. E., Professor in Tübingen. 
Neumann, Dr. W. A., Professor in Wien. 
Ney, Kaufmann in Beirut. 

Nfildeke, Dr. Th., Professor in Strassburg i. E. 
Noetling, Dr. Fritz, in Calcutta, üeological Survey Office. 
Nowack, Dr. W., Professor in Strassburg i. E. 
Ochlmann, Dr. phil. E., in Hannover-Linden. 
Oort, Dr. H., Professor in Leiden. 
Orban, Rev. A., in Washington. 
V. Orelli, Dr. C, Professor in Basel. 
V. Ortenberg, E., Gymnasial-Oberlehrer in Verden, Hannover. 



XXI 



Osgood, Howard, Professor in New- York. 

Paine, J. A., Professor in Tarrytown, New York, Amerika. 

Palm, August, Director in Maulbronn. 

Palmer, J. F., in Jerusalem. 

Paulus, Dr. med. Franz, in Stuttgart. 

Pein, Pastor in Gross-Leinungen bei Wallhausen (Helme), 

Pkilippi, Dr. F., Professor in Rostock. 

Photios, Professor am griechischen Priesterseminar auf d. Insel Chalke 

bei Constantinopel. 
Pick, Dr. B., Rev. in AUegheny, Pa. 
Pini, Dr. phil. Otto, Pastor in Braunschweig. 
Post, George E., in Beirut. 
Preisiverk, S., Pfarrer an St. Alban in Basel. 
Prym, Dr. E., Professor in Bonn. 

Ruiniss, Julius, Professor und Pfarrer in Zircz, Ungarn. 
Reckendorf, Dr. , Privatdocent in Freiburg i/Br. 
Reinicke, Lic. Dr., Professor am evangelischen Prediger - Seminar in 

Wittenberg. 
Reitz, Dr., kaiserl. deutscher Consul in Tunis. 
Rensch, Dr. F. H., Professor in Bonn. 
V. Riess, Dr. R., Domkapitular in Rottenburg a. N. 
Riske, /., Dragoman in Jerusalem. 
Ritter, Gmtav, Pastor in Hamburg. 
Röhricht, Dr. R., Professor in Berlin. 
Röpe, H., Hauptpastor an St. Jacobi in Hamburg. 
Rösch, G., Pfarrer in Hermaringen im Brenzthal, Wg. 
r. Rose?i, Baron V., Professor in St. Petersburg. 
V. Roth, Dr. R., Professor in Tübingen. 
Rothe, H., Erster Seminarlehrer in Neuzelle, Reg. -Bez. Frankfurt 

a/Oder. 
Rothstein, Lic. Dr., Professor in Halle a/S. 
Ruetschi, Dr. R., Decan u. Professor in Bern. 
Ryssel, Dr. V., Professor in Zürich. 

Salvendi, Dr. Adolf, Bezirks-Rabbiner in Dürkheim a/d. Haardt. 
Sandberger, V., Prälat in Heilbronn. 
Sandel, TJieodor, Architect in Jerusalem. 
Sandreczki, Dr. C, in Passau. 
Sarasin- Bischoff, Theodor, Kaufmann in Basel. 
Sarasin-Stehlin, Rud., Kaufmann in Basel. 

Ztschr. d. Pl.-Ver. XIV. <, 



XXII 



Sattler, Dr. E., Privatier in Coburg. 
Satipe, Martin, Cand. theol. in Altenburg. 
von Schach, Lehnsgraf zu Sehackenburg bei Mögeltondern. 
Sehe/er, Ch., Prof., membre de l'Institut in Paris. 
Schüling, P. Gottfried, in New York. 

Schlicht, Carl, Pastor der deutschen Gemeinde in Jerusalem 
Schmitt, P. /. , Rector in Rome, New York. 

Schmoller, Dekan 0., Lic. theol., Pfarrer in Derendingen, Württem- 
berg. 
Schnabl, Dr. theol. Carl, k. k. Ho fburgpfarr- Vikar in Wien. 
Schiiedermann, Lic. Dr. Georg, Professor in Leipzig. 
Schneller, Ludwig, Pastor in Cöln a/Rhein. 
Schönecke, L., Kaufmann in Jerusalem. 
Schröder, Dr. JE., Professor in Berlin. 

Schroeder , Dr. P., kaiserl. deutscher General- Consul in Beirut. 
Schröder, Dr. Carl Friedrich, Pfarrer a. D. in Cannstatt. 
Schröder, Dr. phil. C, Regierungs-Bibliothekar in Schwerin i. M. 
Schumacher, G., Ingenieur in Haifa. 
Schürer, Dr. E., Professor in Kiel. 
Seybold, Dr. phil. Ch. 

Siegfried, Dr. K., Kirchenrath u. Prof. in Jena. 
Sieveking, Dr. jur. Karl, in Hamburg. 
Sieveking, Dr. med. Wilhelm, in Hamburg. 
Sigrist- Weber, C, Kaufmann in Beirut. 
Smend, Dr. Rtid., Professor in Göttingen. 
Socin, Dr. A., Professor in Leipzig. 
Sommer, Dr. /. G., Professor in Königsberg. 
Spaich, Pfarrer in Höpfigheim bei Marbach a. N. 
Stahlberg, Vir., Pastor in Colmar i. Elsass. 
S taiger, Missionar in Beirut. 
von Starck, Pastor in Leusso w bei Ludwigslust. 
Siave, Erik, Privatdocent an der Universität in Upsala (Schweden) . 
Steck, R., Professor der Theologie in Bern. 
Stenglein, Reichsgerich tsrath in Leipzig. 
Stenhouse, Rev. Dr. Thomas, in Stocksfield on Tyne. 
Sterzel, K., Pastor an der deutschen evangelischen Gemeinde in Sofia. 
Stickel, Dr. /. G., Professor in Jena. 
Stockmeyer, Dr. /., Antistes und Professor in Basel. 
Strack, Dr. Herrn. L., Professor in (Gfoss-Lichterfelde bei) Berlin. 



XXIII 

Sülze, Dr. E., Pastor in Dresden-Neustadt. 

Sursock, Dragoman des kaiserl. deutschen Consulats in Beirut. 

V071 Tischendorf, Dr.. kaiserl. deutscher Consul in Jerusalem. 

Trumbiill^ Dr. H. Claij, Herausgeber der »Sunday School Times« in 

Philadelphia. 
von Ustinow, Baron Plato, in Jafa. 
Valeton, Dr. /. /. F., Amersfoort, Niederlande. 

Vereine : 

Alliance Israel, universelle in Paris. 
Deutscher Verein in Jafa. 

Deutsch-Israelitischer Gemeindebund in Berlin. 
Jüdischer Lesezirkel in Fürth, Rabbiner Dr. Neubürger. 
Lesegesellschaft der Loge zur aufgehenden Morgenröthe in Frank- 
furt a/M. 
Palestine Exploration Fund in London. 

Vogel, A., Superintendent in Wollin, Pommern. 

Volck, Dr. W., kais. russ. Staatsrath und Professor in Dorpat. 

Völlers, Dr., Bibliotheque Khediviale in Cairo, Aegypten. 

Voss, Pastor in Kaddafer in Livland. 

Vuilleumier, Dr. H., Professor in Lausanne 

WackernageL Rev. W., Prof. in Allentown, Pennsylvanien. 

Wagner hf Debes, Geographische Anstalt in Leipzig. 

Waldmeyer , Missionar in Beirut. 

Weichelt, Victor, Diakonus in Chemnitz. 

Wellhausen, Dr. /. , Professor in Marburg. 

Werner, H., Dekan in Biberaeh, Württemberg. 

Weser, Lic. H., Pastor in Berlin. 

Wilson, Colonel Sir Charles, in London. 

Wolff, Dr. Ph., Stadtpfarrer a. D., in Tübingen. 

Wolters, Rev. Th. F., in Nazareth b. Haifa. 

Zeller, Rev. /., in Jerusalem. 

von Zieten-Schwerin, Graf zu Janow bei Clempenow, Kreis Anclam. 

Zschokke, Dr. Hermann, Professor in Wien. 



Geschlossen am 10. Januar 1892. 

Die Retlaction. 



Das weitere Comite des Deutschen Vereins zur Erforschung Palä- 
stina's besteht zur Zeit aus den Herren : 

Karl Bcedeker, Buchhändler in Leipzig. 

Dr. A. Berliner in Berlin. 

Dr. G. Bickell, Professor in Innsbruck. 

Dr. Ud. Bohl, Professor in Wien. 

Dr. Fr. Buhl, Professor in Leipzig. 

Dr. Ad. Brüll in Frankfurt a/Main. 

Dr. O. Fraas, Professor in Stuttgart. 

Dr. H. Kiepert, Professor in Berlin. 

Dr. A. W. Koch, Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Dr. F. Mühlau, Professor in Dorpat. 

Dr. W. A. Neumann, Professor in Wien. 

Dr. Th. Nüldeke, Professor in Strassburg. 

Dr. F. W. M. Philippi, Professor in Rostock. 

Lic. Dr. Reinicke, Professor in Wittenberg. 

Dr. Reitz, kaiserl. deutscher Consul in Smyrna. 

Dr. R. von Riesa, Domcapitular in Rottenburg a. N. 

Dr. C. Sandreczki in Passau. 

C. Schick, königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

Dr. P. Schröder, kaiserl. deutscher Gcncralconsul in Beirut. 

G. Schumacher, Ingenieur in Ilaifa. 

Dr. Ph. Wulff, Stadtpfarrer a. D. in Tübingen. 



Der gcschäfts führende Ausschuss besteht zur Zeit aus den 



Herren : 



Dr. K. Furrer, Professor u. Pfarrer zu St. Peter in Zürich. 

Lic. Herrn. Guthe, Professor in Leipzig, Kramerstrasse 7. 

Dr. E. Kuulzsch, Professor in Halle a. d. Saale, Wettinerstrasse 32. 

Dr. Otto Kcrsten in Berlin NW, Birkenstrasse 59. 

Dr. A. Socin, Professor in Leipzig, Querstrassc 5. 



über die Siebe in Syrien. 

Von Consul Dr. Wetzstein in Berlin i). 



Die im heuti«ren Syrien gebräuchlichen Siebe werden theils 
auf der Tenne, theils in der Mühle gebraucht. Sie theilen sich 
in Riemensiebe und Haarsiebe. 

I. Das Kiemensieb besteht aus einem Geflechte von 
schmalen Streifen, die aus der Haut eines geschlachteten oder 
gefallenen Kamels geschnitten und noch frisch, also ungegerbt, 
verarbeitet, d. h. mit dem hölzernen Reifen luad unter sich ver- 
knüpft werden. Beim Trocknen nehmen sie die Natur der Darm- 
saiten an und ziehen sich zusammen, Avobei sich die Maschen des 
Netzes unlöslich verbinden, so dass die Weite der Augen unver- 
ändert dieselbe bleibt. Ein solcher Lederstreifen heisst serld 
und das Geflecht derselben sered. Verfertigt werden diese Siebe 
von einem nichtsemitischen Wandervölkchen, das seine ärm- 
lichen Niederlassungen immer in der Nähe der grösseren Dörfer 
hat, ein nordindisches Idiom, in Syrien die Sperlingssprache [liscm 
el-asfüra) genannt 2), redet und zu den Zigeunern [namcar ge- 
rechnet wird, aber von einer andern, gleichfalls nauxvar genannten 
dortigen Menschenklasse"' durchaus verschieden ist, theils durch 
seine Sprache, theils durch seinen Erwerbszweig; von dem letz- 

1) Aus einem Briefe an Professor Socix. 

2) Diesen Namen erhielt die Sprache vermuthlich von der häufigen An- 
wendung des fZscÄ-Lautes. Sie ist von grosser "Weichheit, und in den vielen 
arabischen Wörtern, die sie selbstverständlich annehmen musste, spricht sie 
niemals einender harten semitischen emphatischen und guttui-alen) Laute aus. 

3) Diese andern namcar sprechen einen türkischen Dialekt und sind die 
Musikanten [tuhbäla, »die Trommler", genannt) bei den Festlichkeiten der 
Landleute, die Tänzer (rakliäsi/i' in den städtischen Katfeehäusern, die Täto- 
■wirer [mmvaschscJnnnn] der Bäuerinnen und Drusen. 

Ztsoh. <L Pal.-Yer. XIV. 1 



2 Wetzstein, 

teren heisseii sie die Getreidesiebmacher [el-gharähillja) . — Vom 
Riemensiebe hat man zwei Arten, das kirhäl und das gJiirhäl. 

a) Das kirhäl unterscheidet sich vom gliirhäl nicht immer 
durch den grösseren Umfang, jedoch immer durch die erheldich 
grössere AVeite seiner Augen, -wenn auch diese Weite bei den 
verschiedenen Arten desÄ/riä/'s (die dann auch ihre Sondernamen 
haben, wie mihtaf, wasat u. s. w.) nicht gleich ist. Das bei der 
Ä«ma?'c?m- Fabrikation verwendete i), in welchem die frischen 
Aprikosen von zwei Personen mit den Händen zerquetscht werden, 
hat einen Durchmesser von fast einem Meter, und seine Aiigen 
sind gerade so weit, dass keine Fruchtsteine durchschUipfen und 
in die Kelter fallen können. Etwas kleiner und engäugiger ist 
das auf der Tenne gebrauchte Weizen-/k-7rZ»ä^Ä-. e/-Äaw?ä//7). mit 
welchem das ausgedroschene und bereits geworfelte Getreide zum 
ersten Mal gesiebt wird, um grössere Steinchen, Erdklümpchen, 
unvollkommen zerriebene Ähren, längeres Stroh und Anderes 
auszuscheiden, was beim Worfeln mit der Worfgabel [mühäh^ 
ni7'53), zu schwer, als dass es vom Luftzuge bis zum Häckselhaufen 
getragen werden konnte, auf den Körnerhaufen niedergefallen 
war. Dies Alles bleibt beim Sieben, während die Körner durch 
das kirhäl fallen, in demselben zurück, wird mit der Hand ober- 
flächlich gereinigt und dann wieder auf die iarlia (die zum 
Dreschen ausgebreitete Halmenschicht) geworfen, um noch ein- 



1) Das in Ägypten kamurdln, in Syrien Jfamar ed-dhi genannte Fabrikat, 
■welches von Damask nach Kleinasien, Constantinopel und Nordafrika schiffs- 
ladungsweise, aber, so viel ich weiss, noch nicht nach Deutschland geht, wird 
in der ghüta in folgender Weise bereitet. Man nimmt dazu die beiden Arten 
der unveredelten Aprikose (der süss- und der bitterkernigen), zerquetscht sie 
im völlig reifen Zustande im kirhäl über einer steinernen, in jedem Apri- 
kosengarten vorhandenen Kelter, aus welcher, wenn sie voll ist, der Saft mit 
hölzernen Gefässen geschöpft und auf ca. ."J Klaftern lange, glatte und mit 
siredsch »Aprikosenkern-Öl") bestrichene Bretter, die nahe bei der Kelter an 
einer sonnigen Stelle in langen Reihen neben einander liegen, gegossen wird. 
Am dritten Tage, wo der Saft völlig getrocknet ist, lässt er sich mit der Hand 
leicht von den ]irettern abziehen und wie lange schmale Teppiche aufrollen 
oder zusammenlegen, ohne zu brechen oder zu kleben. Man macht aus dem 
kaniardm ein beliebtes Compot oder Muss, indem man ein Stück abreisst und 
in eine Schüssel mit reinem Wasser brockt, wo es sich in kurzer Zeit auflöst 
und für Europäer vor dem Essen nur noch einen massigen Zusatz von Zucker 
braucht. 



über die Siebe. 3 

mal unter die Dreschtafel zu kommen. Ausserdem bedient sich 
der Bauer des kirbül's alltäglich zu Hause, um das Quantum 
Häckerling [tihn) , das seine Ziigstiere [el-bakar el-ammZda «die 
arbeitenden Rinder«) jeden Abend bekommen, durch Sieben von 
Steinchen und Erde zu reinigen, während die tagsüber freiwei- 
denden Kühe [el-hakar el-baftäla »die müssigeu Rinder«) nur un- 
gesiebten tihn bekommen. 

b) Das ghirhrd tritt auf der Tenne in Funktion, nachdem 
die Körner einmal mit dem kirhäl gesiebt worden waren. Seine 
Augen sind so eng, dass es nur Staub, Erde, Spreu, flache oder 
beim Dreschen zerrissene Körner, aber keine guten, normal ge- 
bildeten durchfallen lässt: diese letzteren bleiben in ihm zurück. 
Auch in der Mühle braucht man das ghirhül. Wird der Weizen 
zum Mahlen dahin gebracht, so nimmt ihn der musainoil (»Wascher(f) 
in Empfang und schüttet ihn in den miswal (vergl. das hebr. 
nb*iST2;, ein mit Quadersteinen ausgemauertes Bassin von ca. 
IY2 wi Länge, 1 m Breite und etwa 3/4 m Tiefe, welches zum Zu- 
und Ablassen des Wassers oben und unten durch zwei Rinnen 
oder Röhren mit dem Mühlgraben in Verbindung steht. Ist das 
Getreide im miswal gewaschen, so bringt man es auf die masch- 
raÄ'« (wörtlich solarium. Söller, d. h. das flache Dach des Mühlen- 
gebäudesj, wo es auf einer Binsenmatte ausgebreitet und massig 
getrocknet wird ; denn ausgedörrt würde es beim Mahlen zu viel 
durch Staubmehl [ghuhär] verlieren. Dann kommt der mzigharhil 
»Sieber«, um es noch zweimal zu reinigen, zuerst mit dem. g//i?'bäl. 
darauf mit dem minsef. einem Reuter mit hölzernem, nicht durch- 
löcherten Boden, um die Steinchen aus dem Getreide zu ent- 
fernen, was mit einer solchen Geschicklichkeit geschieht, dass 
sich die Steine immer an einer Stelle im minsef sammeln und 
durch einen Ruck [nesfa genannt) herausgeschleudert werden, 
ohne Körner mitzunehmen. Ausserdem gebraucht man das^/^^V- 
häl noch bei der Hanfkultur. Nachdem die naffädin («die Aus- 
klopfercf) die reifen Samenbüschel auf der ad hoc festgestampften 
Tenne ausgeschlagen resp. mit der Hand ausgeklopft haben, 
reinigen sie den Hanfsamen [Jamhis] zuerst durch Sieben mit dem 
ghirbäl, wobei die Körner gleichfalls im Siebe zurückbleiben und 
nur die Spreu durchfällt, sodann noch einmal durch Reutern mit 
dem yninsef. 

II. Das Haarsieb [munclnd) besteht aus einem Gewebe von 

1* 



4 "Wetzstein, 

Rossschweif-Haaren und wird in den Städten von der Zunft der 
Haarsiebmacher ■el-menäcliihja verfertigt; dieselben machen 
auch den dazugehörigen Reifen, Avelcher durch Erhitzmig ge- 
bogen, mit Holznägeln genietet wird und bei allen Siebarten fära 
PI. txirüt) heisst. Das Haarsieb, wiewohl es auch der Bäcker 
nöthig haben wird, findet seine Verwendung hauptsächlich in der 
Getreidemühle ^) zum Sondern des Mehls [taJnn, in Xgy^tew dakik) 
von der Kleie [nuclüda] ; das Mehl fällt beim Sieben durch, die 
Kleie bleibt im munclml zurück. Jede Mühle hat für die ver- 
schiedenen landesüblichen Mehlsorten sechs bis acht mehr oder 
weniger enge Haarsiebe im Gebrauch, die alle, wie auch die durch 
sie ausgeschiedenen Mehlsorten, ihre Sondernamen haben. Ist 
der Weizen das erste Mal gemahlen, so wird das Gemahlene mit 
i[emtnadrib, einem weniger engen m^</^^/!^^/, gesiebt; dadurch ge- 
Avinnt man den senüd. welcher Name wohl auf das griechische 
jctxioaAoc zurückgeht, ein Mehl, das die Damascener Juden so 
massenhaft verbrauchen, dass man annehmen darf, sie befolgen 
dabei eine rabbinische Vorschrift. Um ein feineres Mehl, das 
harZi zu gewinnen, siebt man den semld mit einem engeren 
muncJml^ dem tanl. Darauf mahlt man den Rückstand des 
semld noch einmal und siebt ihn mit dem tei'bf, wodurch man 
ein sehr feines Mehl, die Jmmüdscha, erhält. Jetzt werden die 
Schalen [kischr] des Weizens gemahlen und mit dem tachmls ge- 
siebt, was ein schwärzeres Mehl giebt. das dukäk: es wird auch 
ndma «gemahlene Schalen« genannt, und aus ihm besteht das 
gewöhnliche Marktbrod der svrischen Städte. Es braucht nicht 



1) Die Getreidemühle ist in Palästina und Syrien fast immer eine AVasser- 
mühle; die AVindmühle ist selten, noch seltener die von einem Esel oder Pferde 
getriebene, und die Angabe der Reisenden, dass letztere dort häufig sei, un- 
richtig; sie mögen die Gypsmühlen [dschehhäsa] , die Olivenöl- oder dibs- 
Mühle zur Bereitung des Traubensyrups , flüchtig oder aus der Feme ge- 
sehen, für Getreidemühlen gehalten haben. Nur in Ägypten sind die von 
Thieren (auch von Pflugstieren^ getriebenen Getreidemühlen häufig, selbst in 
Kairo findet man sie sehr viel in den Häusern der Reichen. Die Handmühle 
der Bäuerin und Nomadin, welche in den Zeltlagern, wie im biblischen Alter- 
thume rvliä ,nn-; und in den Dörfern dschäruscha heisst und nur ein grobes, 
selten gesiebtes Mehl liefert, dient noch zu andern Zwecken, wie zum Mahlen 
der Tcrebinthen-Nüsse hizr el-butm), welche ein Speiseöl, und der Ricinus- 
Kömer {hizr el-chirtca , welche das Brennöl der Bauern liefern. 



über die Siebe. 5 

erwähnt zu werden, dass es in Syrien und Ägypten kein Eoggen- 
brod gibt, weil der Roggen in diesen Ländern keine Kulturpflanze 
ist. Zum Rückstand des diikUk wirft man etwas Mais {cha'ä] und 
Gerste (welch letztere dort zu Lande von Alters her das Pferde- 
futter ist) und. wenn die Getreidepreise hoch sind, noch etwas 
hersenna -eine Art der vicia sativa. das Futter der Pflugstiere und 
Kamele); mahlt es zusammen und siebt es mit dem terj'isch] da- 
durch erhält man das mureiJascJi . ein Mehl, aus Melchem das 
P)rod der Armen besteht. Von dem im terjisch zurückgebliebenen 
sondert man mit einem gröberen Siebe noch den schuf an ab^) : 
der Rest ist die Kleie. Den scJivfctn speichert der Müller in einem 
besonderen Schuppen auf, wo er durch die Feuchtigkeit des 
Bodens und durch den clelf (qbl, das durch das Estrich des flachen 
Daches sickernde Regenwasser allmählich zu einer compakten 
Masse wird, die man in Hungerjahren mit der Axt stückweise ab- 
haut und mit frischem Getreide zusammen mahlt. 

Im Kommentare zu Seetzex's «Reisen« (Bd. IV, 463) theilt 
Fleischer eine von Dr. Brugsch erhaltene xlngabe mit. nach 
welcher muncJml das grobe und gJnrhül das feine Sieb sein soll. 
Dr. Brugsch will diese Angabe von einem Ägypter haben, was 
natürlich unmöglich ist; denn der ungebildetste Araber kennt 
die beiden Siebe. Vermuthlich ist der Irrthum dadurch ent- 
standen, dass Dr. Brugsch die Beiwörter grob und fein aus Zer- 
streuung an die unrechte Stelle gesetzt, was er vermieden haben 
würde, wenn er mimchul (}idi% Mehl- oder Haarsieb und «//«Vi«/ das 
Körner- oder Riemensieb genannt hätte. 

Die beiden Namen kommen oft genug in den arabischen 
Sprichwörtern vor, so in Freytags Arabum Proverbia Bd. III, 
p. 505, wo mit Verwandlung von er» in J«.^^ zu lesen ist: ^*^ 
^asAJ jj;-*jr» «^-i-i^^-S A'-*,;. J^r5^'w*j( ;)er gleicht dem muncJnd, das die 
Kleie behält und das Mehl wegwirft«, d. h. er ist ein Thor, der 
das Werthlose dem Werthvollen vorzieht; ebendaselbst Bd. II. 
p. 709 : »^I^ o"*^*^' <^^^^^ er* »"^ver die Leute mit dem ghirhcil sichtet. 

1) Zu diesem gewiss uralten "Worte der sjTischen Müllersprache, Avelches 
■wohl auf die yz''C conterere zurückgeht, ist zu bemerken, dass arabisch auch 
der Hafer schuf im heisst, aber in Syrien keine Kulturpflanze ist, obgleich er 
im Ostjordanlande wild wachsend oft weite Strecken bedeckt; sein Samen ist 
flach und sehr wenig melilhaltig. 



Q Wetzstein, 

den sichten sie mit dem muuchuk, d. h. wer das Schlechte an 
ihnen rügt, an dem lassen sie nichts Gutes. Freytag' s Über- 
setzung wie auch seine Erklärung dieses Sprichworts sind irrig *). 
Diese beiden Sprichwörter sind, wie ich glaube, beachtenswerth 
zu Arnos 9, 9, in welcher Stelle, Avie der arabische llhetoriker 
sagen würde, ein S-'*^^ f"-^'-^, d. h. das flüchtige Streifen 
eines althebräischen Sprichworts unverkennbar ist. Ferner Bd. 

III, No. 2287 : ^3Lj.i-l.j ;j^4..iJ5 ^-^i: ,^^ij «er bedeckt das Sonnen- 
auge mit dem gJiirhciU (während es doch durch alle Öff'nungen 
des ghirbUl\)\\c^i), d. h. er sucht das Allbekannte zu läugnen oder 
zu verheimlichen; und Bd. III, No. 37: JLjj*«! q^ .a^aj U ^_5v3J5 
^♦c! Q^-V. »w^er nicht durchs ghirhül sieht, ist blind«, d. h. wer 
eine ungeschickte Ausrede oder Täuschung nicht durchschaut 
;oder auch : wer nicht zwischen den Zeilen lesen kann), ist nicht 
scharfsinnig. Dagegen ist das munchul zu eng, als dass man 
durchsehen, oder dass die Sonne durchscheinen könnte, wie die 
Verwendung desselben beim Seidenbau zeigt: Haben die Maul- 
beerblätter die Grösse eines Fingernagels, so beginnt man in 
Syrien mit dem kemr-), d. h. mit den das Beleben und Aus- 
kriechen der Seidenraupen-Eier bezweckenden Manipulationen, 
deren letzte und wirksamste der feschiük, »die Bestrahlung der 
Eier durch die Sonne«, ist und darin besteht, dass man die Eier 
auf ein weisses Tuch ausbreitet, in die Sonne stellt und durch ein 
munchiilheschRttet, so dass sie nicht unmittelbar von den Strahlen 
der Sonne betroifen werden, sondern nur die Wärme derselben 
erhalten. 

Professor Hoi-tmaxn billigt in seinem jjVersuche zu Amos« 



'o" 



1) Vgl. A. Socin, Arabische Sprichwörter und Redensarten (Tübingen 
1878' Nr. 173 und ZDMG. Bd. 37, S. 192 (Socix). 

2) Dieses Äemr (",pr), Avelches sich nicht an das arabische, sondern an 
das nordsemitische ~^3 anschliesst, bezeichnet bei der Tabakskultur das 
Fermentiren der Blätter, beim Hanfbau das Kosten der abgekörnten Hanf- 
stengel-Bunde durch Einlegen in den manl;a, d. h. in einen Tümpel klaren 
und wo möglich fliessenden Wassers, bei der AVallnusskultur das Aufschütten 
der frisch abgeschlagenen Nüsse zu grösseren Haufen, um dadurch eine Zer- 
setzung der Uulüfu {-/.{iJyYf^ , d. h. der äusseren fleischigen Schale, zu bewirken, 
damit sich die Nuss leichter von ihr ablöst. Bei gewissen harten übstarten 
ist es das Einlegen in Häckerling zur Erzeugung der süssen Gährung. 



über die Siebe. 7 

(Zeitschr. f. d. alttestamentl. Wiss. Ikl. III, 125) Aql'ILa's Er- 
klärung von Arnos 9, 9 und meint, nnzs sei wohl das Mehlsieb. 
Wenn aber Aquila diese Stelle so versteht, dass die Weizenkörner 
durch das Sieb fallen, und die Steinchen in ihm zurückbleiben, 
so kann seine ^1^2 nicht das Mehlsieb munchul) sein ; denn dieses 
hat es Aveder mit Körnern noch Steinchen, sondern nur mit Mehl 
und Kleie zu thun. Aber sie könnte auch nicht das heutige 
ghirhäl sein, welches zu eng ist, als dass ein Weizenkorn durch- 
fiele. Es blieben also nur >l7V Ja/ und mws^ übrig. Durch das 
erstere fallen allerdings alle Weizenkörner, aber keine Steinchen, 
wenn sie erheblich grösser sind als das Weizenkorn, und einer 
Zusammenstellung von minsef und TT^QD widei"spricht schon der 
Umstand, dass letzteres etymologisch ein Netz- oder Flechtwerk, 
also jedenfalls ein Sieb, ?)iinsef aher, obschon man damit sichtet, 
wie oben bemerkt, kein Sieb ist^). Ich selber habe zu Aquila's 
und HoFFMAX^''s Erklärung der Amosstelle noch nicht Stellung 
genommen-). 

1) Der minsef ist ein fersch, d. h. ein Diskus mit erhöhtem Rande, 
gerade wie das nicht anders als fersch genannte Tabulett, in -welchem der 
ambulirende Verkäufer seine Kurzwaaren oder Näschereien auf dem Kopfe 
trägt, und gerade wie der bei den Bauern hölzerne, bei den Nomaden kupferne 
Esstisch, welcher wahrscheinlich von seiner grossen Ähnlichkeit mit dem 
Weizen-Reuter selbst den Namen desselben 'nur mewse/" gesprochen) erhalten 
hat. Es ist ein Verbalnomen von dem Zeitwort nasaf herauswerfen ejaculari (vgl. 

auch Zeitschr. d. DMG. Bd. XXII, S. 75, Z. 4: iJ.X.\ ,^ S.i-\ oi^j^ 

»und er warf den Quersack auf das Kamel« ; aber die Piel-Formen sind Deno- 
minativa von mensif\ also nessef »den !M. handhaben«, und miinessif »der mit 
dem M. Reuternde«. AVenn es nun im FREYTAG'schen Lexikon heisst : nasaf 
ventilavit flatu motuque frumentum, Mit»««'/' ventilabrum, nusäfa quod venti- 
lando ejicitur, — so sind dies falsche Angaben, die es verschuldet haben, dass 
das arabische nasaf mit der irrigerweise angenommenen Bedeutung »wehen« 
[ßare] in Gesexius' Handwörterbuch z. A. T., Aufl. 9 und wohl auch in die 
späteren) zur Illustration des hebräischen rr: übergegangen ist. 

2) Nach dem Obigen scheint es doch wohl am gerathensten, unter der 
k^bärä bei Amos den ghirbäl (b) zu verstehen, falls nämlich die Bedeutung 
Korn für »sVör« wirklich gesichert ist. A. Socix. 



Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 
7. bis 16. Jahrhundert 0. 

Von 
Reiuliold Röliriebt. 

I. 

(Hierzu Tafel I.) 



In dem Nachlasse des der Wissenschaft leider so früh ent- 
rissenen Herrn Grafen Paul Riaxt2) findet sich eine Sammlung 
von Karten und Plänen Palästinas und einzelner Städte, -welche 
theils aus sehr schwer zugänglichen älteren Werken ausge- 
schnitten, theils aus Handschriften facsimilirt oder photographirt 
sind uhd durch die dankensAverthe Güte der Wittwe dem Heraus- 
geber zur Verfügung gestellt ■«'urden. Bei der grossen Wichtigkeit 
der letzteren glaubte derselbe unter Zustimmung von Professor 
GuTHE an eine Veröffentlichung gehen zu müssen und legt hier 
zunächst eine vollständige Karte Palästina" s aus dem K. Staats- 
archive zu Florenz vor, -welche ander^veitig schon nachge-wiesen^), 
aber nirgends edirt -worden ist ; Herr Graf Eiant liess sie von 
Herrn Dr. S. Lü-wenfeld in Florenz durch die bekannte Officin 
des Herrn ]3rogi in vier grossen J^lättern sorgfältig photogra- 
pliiren. 

Die Karte (0,52 X l,6ö m.) enthält die Stammeseintheilung 
und ist in Farben ausgeführt, das Wasser blassgelb, die Orts- 
marken, thurm- oder burgartig, blassroth (letztere zeigen die 
mannigfaltigsten Formen^, ebenso die Grenzlinien. In der linken 

1) Vgl. ZDPV. X, l'JÖ— 345; XI, 139—149; XII, 33— 34. 

2) Vgl. ZDPV. XII, 74-SO. 

3) Elenco dei documenti orientali e delle carte nautiche geografiche che 
si conscrvano negli archivi di stato di Firenze e di Pisa, Firenze 1878, 29 — 30, 
No. 14 ; vgl. Röhricht, Bibliotheca geogr. Palaestinae üü9, No. 14. 



Karten und Pläne zur Palästinakunde. 9 

oberen Ecke des ersten Blattes beginnt ein alphabetisches Re- 
sister von Ortsnamen, welches in zwei Columnen nach unten 
durchlänft, rechts unten sich fortsetzt und darüber in einer dritten 
endigt. Die Legende stammt von zwei verschiedenen Händen, von 
denen die jüngere, sicher dem fünfzehnten Jahrhundert ange- 
hörig, ziemlich selten und durch Sterne in unserer Ausgabe 
characterisiert ist, während die ältere aus der Zeit des ausgehenden 
dreizehnten oder anfangenden vierzehnten herrührt. Die Schrift 
nämlich ist keine Bücherschrift, sondern sehr stark cursiv, so 
dass sie für den ersten Blick jünger erscheint, als sie wirklich 
zu sein braucht ; zwei Autoritäten auf dem Gebiete der Palaeo- 
graphie. Herr Geh. Eegierungsrath Prof. Dr. Wattenbach und 
Herr Prof. Dr. Holder-Egger in Berlin, halten es für sehr mög- 
lich, dass der Text aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts 
stammt. Die Züge sind im Allgemeinen gut lesbar, nur an einigen 
Stellen, wo die Schrift verblasst, überfärbt oder in die Conturen 
der Ortsmarken hineingezogen ist, gar nicht oder nur annähernd 
erkennbar. Der Schreiber, welcher, wie aus der Form C für Z 
zu schliessen ist, ein Italiener gewesen sein muss, giebt den ein- 
zelnen Orten zum Theil wunderbare Namen, meist in Folge von 
Flüchtigkeit, verstösst auch gegen die Grammatik, ohne dass man 
daraus auf den Werth seiner Mittheilungen schliessen darf. 

Bisher galt als die älteste vollständige Karte Palästinas die, 
welche Marinus Sanütus im Anhange zu seiner Schrift : Secreta 
fidelium crucis, gegeben hat^j. Nun wissen wir aus den sorg- 
fältigen Untersuchungen von Simonsfeld 2, dass jenes Werk drei 
verschiedene Redactionen durchgemacht hat, dass die dritte, die 
allein die Karte enthält, c. 1321 anzusetzen ist, während unsere 
Florentiner Karte möglicherweise noch aus dem Ende des drei- 
zehnten Jahrhunderts stammt. Leider liegt bis jetzt seit der Aus- 
gabe von Bongars (1611) noch keine bessere, kritische vor, für 
die nicht weniger als 21 Codices heranzuziehen wären, während 
Bongars sich mit einem einzigen begnügen musste ^j ; und die 

1) Bei BoxGAKS, GestaDei per Francos, Hannov. 1611, 284 — 285 No. 3; 
die Erläuterungen dazu ibid. 243 — 252. Sonst vgl. Röhricht, Bibliotheca 
Ob— 69, No. 179; OUU— 601, No. 20. 

2) Neues Archiv für ältere deutsche Gesehichtswerke VII, 43 — 72. 

3) Nach SmoxsFELD der Codex Reg. Christ. 548 s. XIV aus: der Vati- 
cana in Rom. 



] (3 Röhricht, 

von der Deputazione Veiieta cli storia patria geplante Ausgabe 
wird, nachdem in Rom ein eigenes E.. Istituto für italienische 
Geschichtsforschung neu begründet -svorden ist, v.ohl als Ehren- 
pflicht von dem letzteren übernommen werden, aber jedenfalls 
nicht sehr bald ans Licht treten, so dass wir vor der Hand auf 
den Einen Druck angewiesen bleiben und auch nicht wissen 
können, ob eine Vergleichung rniserer Karte mit der, wie sie in 
den übrigen Handschriften enthalten sein mag, grössere oder ge- 
ringere Ähnlichkeiten, als wir jetzt zu finden vermögen, zu Tage 
fordert: wir enthalten uns daher auch jeder ausführlichen Com- 
mentirung des Materials , welches unsere Karte bietet. So 
viel steht jedoch fest, dass die Berührungspunkte, welche Dispo- 
sition und Legende betreffen, durchaus nicht ausreichen, um eine 
Abhängigkeit der beiden Karten von einander wahrscheinlich zu 
machen. In Bezug auf den Umfang ist unsere Karte der des 
Saxütus in sehr vielen Punkten überlegen; dass sie aber aus der 
letztern hervorgegangen sein sollte, wird widerlegt durch eine 
ganze Reihe wichtiger Ortsnamen, die unser Autor, wenn er eine 
solche Vorlage gehabt hätte, niemals ausgelassen haben würde, 
weil sie zu wichtig sind. So fehlen z. B. bei unserem Florentiner : 
Scandalium, Mons fortis. Judin, Jair, Mesra, Masfat, Eleale, cas- 
trum regium. castrum Fabae. Kakon, castrum Beroardi, torrens 
Zareth, Biahurira, castrum Domini, turris gregis, domus Zacha- 
riae etc. etc., alles Namen, die aus räumlichen Bedenken nicht 
ausgelassen wurden, aber niemals hätten fehlen dürfen. Demnach 
sind wir wohl berechtigt, unsere Karte als eine von Marixus 
Sanutus unabhängige, gleich werthvolle, vielleicht noch ältere 
Leistung anzusehen und ihr Studium einem künftigen Heraus- 
geber der Secreta zu empfehlen. 

Unsere lithographirte Ausgabe ist auf die Hälfte der Vor- 
lage verkleinert und giebt, um den Gebrauch zu erleichtern, 
die Legenden in gebräuchlicher Schrift, und zwar sind dieselben 
von dem Herausgeber unter freundlicher Unterstützung des Herrn 
Dr. Kahl Köhler mit allen Schreibfehlern ^) und Härten diplo- 

1) Z. B. Sophot (Saphet), Sincopolis (Scythopolis), Sethim (Gethin), Sul- 
lola (Sububa), Thet (Gethi, Achama (Adama , Alba spectacula Alba specula), 
Sephorum (Sephorim), Mons Abatim 'Abarim), Jociuel (Jezrecl , Gath ... ha 
(bei San. : Sarona ö. v. Azotus). Das auf unserer Karte und der des SANa'TUS 
befindliche Asasonthomar hat Dr. T. Toüleu ohne Einklammerung als Afas 



Karten und Pläne zur Palüstinakunde. 1 1 

matisch genau -wiederholt und durch mehrfache Nachcontrolle 
völlig sichergestellt, während die ToBLER'sche Eeproduction der 
SANUTUS-Karte am Schlüsse seiner Descriptiones Terrae Sanctae 
nur mit grosser A'orsicht zu gebrauchen ist, weil sie die Namen 
der Quelle nicht vollständig und in der Schreibung nicht immer 
genau Aviedergiebt. Zum leichteren Verständniss sind in längere 
Legenden einige Kommata eingesetzt, auch einige Beischriften 
ins Deutsche übertragen -worden (s. Tafel I). 

dommim erklärt: das Adoyno unserer Karte, das dort jfehlt, -wird Adum- 
mim, Ed-dem sein, die »terra Reol« 'Galilaea superior) ist offenbar »terra Roob« 
bei BuRCHARDUS 46 ; was aber ist C a p i r s o b o c und Bareanea (Bakar bei 
BuRCHARDUS 46,/? Leichtere Varianten, in denen die SANUTUS-Karte den 
Vorzug verdient, sind z. B. Bolos (Belos), Betiga (Betaglia), Bereth (Bezeth), 
Erumaim Oronaim resp. Othonaim, auf d. Karte wie im Texte des Saxutüs ab- 
weichend), Cedor Cedes), Estahel Scaol;, Gorsa (Gerasa), Maceda (Magedo , 
Modin (Medan;, Xeele Sochel 'Ne(hel;escol; u. s. w. 



Die Wallfahrt der Herzogin Maria Hippolyta y. Cala- 
bi'ieu nach dem heiligen Lande (1474). 

Mitgetheilt 
von 

Reiiihold Köhricbt. 

Die Reisende, deren Bericht -wir nach der einzigen bis jetzt 
bekannten Handschrift hier vorlegen, war die Herzogin Maria 
Hippolyta von Calabrien, Tochter des Herzogs Franz Sforza von 
Mailand') und seit dem 14. September 1465 Gemahlin Alfonso's des 
Sohnes Ferdinand's I. von Neapel; sie starb am 19. August 14SS 2). 
Was sie zu ihrer Heise nach Jerusalem bewogen hat und wie die 
Reise eigentlich verlaufen ist. erfahren wir durch den Verfasser 
des Berichts, einen Franziskaner Jacobus, nicht ; ja dieser bietet 
eigentlich nur eine Aufzählung der heiligen Stätten, die er mit 
seiner Herrin besucht hat oder besuchen wollte. Trotzdem schien 
es durch die Rücksicht auf die interessante Persönlichkeit der 
Reisenden genügend gerechtfertigt, wenn wir den Text hiermit zu 
veröffentlichen wagen. Derselbe ward durch Herrn Jeayes, Con- 
servator der Handschriften des Britischen Museums, aus dem 
Cod. Add. 254S9, fol. 142—144, s. XV (von anderer Hand ist die 
Jahreszahl 1474 hinzugefügt) dem Herausgeber mit grosser Sorg- 
falt copirt und mitgetheilt, wofür dieser hierdurch öftentlich 
seinen besten Dank ausspricht. 

In nomine Domini nostri Jesu Christi, beate Marie virginis, 
beati Francisci et omniiim sanctorum. Amen. Incipiunt pere- 

1, Steger, Gesch. Franz Sforza's. Leipzig 1874, 266—268. 
2) Passero, Giornale del regno di Napoli (Napoli 1785) 27, 52. 



Die "Wallfahrt der Herzogin Maria Hippolyta v, Calabrien etc. 13 

grinaciones terre sancte, quas Jacobus Servitor (?) lUustrissime 
(lomine Hippolyte Marie, diicisse Calabrie, visitavi. Et primo in 
civitate santa ^) Jerusalem visitavi santum sepulcrum Domini 
nostri Jesu Christi 7. Item in eaclem ecclesia visitavi montem 
Calvariae, ubi Christus fuit crucifixus 7. Item locum, ubi Christus 
fuit iinctus et linteamine invohitus 7. Item locum, ubi fuit in- 
venta santa crux Christi, Corona, clavi et ferrum lancee Longini 
a beata Helena 7. Item, ubi Christus apparuit Marie Magdalene. 
Item eapellam virginis Marie, in qua Christus apparuit matri sue 
in die resurrectionis sue, ut pie creditur. Item est ibi locus fra- 
trum minorum. Item in eadem capella est locus, ubi santa crux 
Christi stetit per CCC annos. Item in alio loco est pars columne, 
ad quam Christus fuit ligatus et verberatus in domo Pilati. Item, 
ubi santa crux resuscitavit mortuos. Item carcer Christi. Item, 
locum, ubi fuerunt divisa vestimenta Christi. Item capella 
sante Helene imperatricis, quae praedictum sepulcrum hedificari 
fecit. Item pars alterius columpne, ad quam Christus fuit liga- 
tus et coronatus in domo Pilatj. Item locum, ubi inventum fuit 
capud Ade. Item medium mundi. Item capella, ubi virgo Maria 
stabat cum sancto Johanne Evangelista in passione iilii sui. Haec 
omnia sunt in ecclesia Santi Sepulcri. Item intra civitatem 
ante portam santi sepulcri est locus, ubi Christus requievit cum 
cruce. (fol. 142^1 Item capella angelorum. Item capella santi 
Johannis Baptiste. Item capella beate Marie Magdalenae. Item 
domus divitis. Item trivium, ubi Judei angariaverunt Simonem 
Cirenensem, ut portaret crucem Christi, et ibi dixit Christus mu- 
lieribus : Nolite llere super me etc. Item locus, ubi beata Maria 
spasmavit, quando vidit Christum, iilium suum, cum cruce in 
coUo. Item scola, ubi beata virgo didicit litteras. Item domus 
Pilati, in qua Christus fuit verberatus et coronatus et morti tra- 
ditus et adjudicatus 7. Item domus Herodis, ad quam Christus 
fuit derisus, spretus et veste alba indutus. Item probatica piscina. 
Item ecclesiam sante Anne, in qua virgo Maria fuit nata. Item 
templum Domini, in quo virgo Maria fuit presentata. Item porta 
aurea, per quam Christus intravit templum in die palmarum. Item 
porta Santi Stefani, per quam fuit ductus ad lapidandum. Item 
in valle lossafat est ecclesia, ubi est sepulcrum beate virginis 

1) So immer statt sancta, daneben aber auch sanctus. 



14 Köhricht, ' 

Marie 7. Item locus, ubi santus Steplianus fuit lapiclatus. Item 
torrens Ceclron. Item crista ^), ubi Christus oravit ad patrem ante 
passionem suam. Item in pede montis Oliveti est ortus, in quo 
Christus fuit a Judeis captus et ligatus 7. Item, ubi Christus 
dixit Apostolis: Sedete hie etc. Item locus, ubi santus Thomas 
recepit zonam a beata Maria ascendente celum. Item locus, ubi 
Christus flevit super Jerusalem. Item locus, ubi angelus dedit 
pahnam beate Marie virginis et sibi annunciavit suam assump- 
cionem. Item locus, ubi apparuit discipulis in die resurrectionis. 
Item in cacumine montis est locus, ubi Christus ascendit in celum, 
et est ibi forma pedis Christi. Item sepulcrum sante Pelage. Item 
locus, ubi apostoli composuerunt : Credo unum Deum. Item lo- 
cus, ubi Christus docuit orare et dicere: pater noster, qui es in 
celis etc. Item locus, iibi beata Maria pausabat fastigata visitando 
ista loca santa filii sui. Item locus, in quo Christus apparuit 
sancto Jacobo minori. Item locus, qui dicitur Bethphage, ubi 
Christus dixit discipulis: Ite in castellum. quod contra vos est etc. 
Haec omnia in monte Oliveti. In valle Siloe est fons, in 
quo beata Maria virgo lavit panniculos Christi filii sui. Item nata- 
torium Siloe, ubi est qui cecus natus fuit illuminatus. Item locus, 
ubi fuit a Judeis sectatus isic) Ysayas propheta. Item campus 
sanctus emptus XXX argenteis. Item in monte Syon est locus 
fratrum minorum. in quo est cenaculum, ubi Christus praesens 
comedit pasca cum discipulis suis et ibi instituit altissimum sacra- 
mentum s. corporis et santissimi sanguinis sui. Item locus, ubi 
Christus lavit pedes discipulorum suorum et in die ascensionis 
ejus exprobravit incredulitatem illorum. Item locus, ubi Christus 
apparuit apostolis januis clausis et dixit: Thome, mitte digitum 
tuum in latus meum etc. Item locus, ubi discipuli cum virgine 
Maria receperimt spiritum sanctum in die pentecostes. Item 
locus, ubi virgo Maria migravit ab hoc seculo. Item locus, ubi 
virgo Maria vixit per XIIIJ annos post passionem filii sui. Item 
locus, ubi sanctus Johannes evangelista discebat missam beate 
virgini Mariae. Item locus, ubi Christus predicabat populo. Item, 
ubi sedebat beata Maria. Item locus, ubi fuit assatus agnus pas- 
calis. Item locus, ubi fuit electus sanctus Matthias in loco Jude. 
Item locus, ubi fuerunt divisi apostoli per spiritum santum per 

1) offenbar verschrieben für ital. cripta, crypta. 



Die "\A'allfalirt der Herzogin Maria Hippolyta v. Calabrieu etc. 15 

Universum orbem. Item locus, ubi sanctus Steplianus fuit sepul- 
tus secunda vice. Item clomus Cayplie pontificis, in qua Christus 
fuit contentus, sputo fedatus, velatus in capite, percussus et a 
Petro negatus, et in ista ecclesia est lapis. quae ;sic) fuit positus 
ad hostium monumenti Christi. Item domus Anne pontificis, in 
qua Christus fuit primo ductus examinatus etc. Item locus, ubi 
Judei voluerunt rapere corpus beate Marie, quando portabant in 
valle Josaphat ad sepulcrum. Item locus, ubi sanctus Petrus flevit 
amare de negacione Christi. Item ecclesia santi Jacobi, ubi fuit 
ipse decollatus. Item locus, ubi Christus apparuit tribus Mariis 
in die Pasce; haec omnia in monte Sion. 

In Bethlehem porro est locus, ubi Stella apparuit magis. 
Item ecclesia, ubi fuit natus santus Helias. Item sepulcrum Ra- 
chaelis. In Bethlehem est ecclesia Beate Marie Virginis, ubi est 
locus, ubi Christus Jesus dominus noster fuit natus. Item pre- 
sepe domini, ubi Christus fuit reclinatus. Item locus, ubi puer 
Jesus fuit circumcisus. Item locus, ubi Stella apparuit. Item 
capella santi Jeronimi et sepulcrum ejus. Item sepultura multo- 
rum Innocentium. Item ecclesia sante Marie, ubi angelus docuit 
eam et Josephum viam Egipti. Item ecclesiam angelorum, in qua 
angelus nunciavit pastoribus nativitatem Jesu Christi dicens: 
Annuncio vobis gaudium magnum; haec omnia in Bethlehem. 
In montana Judee est monasterium sante Crucis, in quo est 
locus, ubi crevit lignum crucis Christi, Item domus santi Sime- 
onis, qui Christum recepit in templo. Item ecclesia santi Johaunis 
Baptiste, in qua est locus, ubi ipse fuit natus. Item domus 
Zacchariae et templum, ubi apparuit angelus ei. Item locus, ubi 
Zaccharias et Elisabeth prophetaverunt dicentes : Benedictes do- 
minus, deus Israel etc. Item domus, ubi beata virgo Maria salu- 
tavit Elisabeth et fecit ei illud mirabile canticum : Magnificat 
anima mea dominum etc. Item ille fons aquae vive, qui est ibi 
prope in via et exivit de terra, quando virgo Maria fecit Magni- 
ficat; haec omnia in montana Judee. In Betthania est sepul- 
crum santi Lazari, de quo eum Christus vocavit de monumento : 
Jam qua triduanum etc. Item locus Simonis leprosi, in quo Maria 
Magdalena unxit pedes Christi. Item domus Marthe. ubi sepe 
comedebat. Item domus Marie Magdalene, in qua stabat, quando 
Malta dixit sibi: Magister adest et vocat te. Item locus. ul)i 
Christus sedebat, quando Martha dixit sibi: Domine, si fuisses 



1 6 Röhricht, Die Wallfahrt d. Herzogin Maria Hippolyta v. Calabrien etc. 

hic, frater meiis non fuisset mortuvis. Item locus, ubi Christus flevit ; 

haec omnia in Ketthania. Juxta Jordanum nionasterium 

sancti Johacchini, patris virginis (et Quaran) tene, ubi 

Christus jejunavit diebus XL et XL noctibus, et est in illo loco 
ecclesia parva. Item in summitate illius montis est locus, ubi dia- 
bolus temtavit Christum dicens : Ilaec omnia tibi dabo etc. Item 
civitas Jerico et domus Zacchei, qui Christum recepit. Item locus, 
ubi Christus illuminavit cecum. Item ecclesia santi Johannis 
Baptiste, in qua ipse Johannes baptizavit Jesum Christum. Item 
flumen Jordanis. Item nionasterium santi Jeronimi in vasta soli- 
tudine. Item mare mortuum, ubi fuerunt summerse V civitates. 
Item ultra Jordanem est desertum sante Marie Egiptiace. In 
Galilea sunt multa sacra loca, videlicet in Nazareth ecclesia et 
locus, ubi beata virgo Maria fuit annunciata ab angelo et fuit 
fecundata de spiritu santo. Item mons Tabor, ubi Christus fuit 
transfiguratus. Item mare Galilea, ubi Christus fecit multa 
miracula et aliis multis locis sanctis, sed haec non visitavi propter 
periculum Arabum. Item via maris est castrum Em aus, ubi 
duo discipuli cognoverunt Christum in fractione panis. Item 
ecclesia et sepulcrum 8amuelis prophete. Item civitas Ka- 
math, in qua fuit natus Joseph nobilis, qui Christum deposuit 
de cruce. Item prope Rama est ecclesia santi Georgii et locus, 
ubi fuit decoUatus. Item in Jaffa est locus, ubi santus Petrus 
suscitavit Tabitam, servitricem apostolorum. Ista (loca omjnia 
supredicta ego Jacob visitavi in praesentia Illustrissime Ducisse. 
(Dominus) me reducat salvum ad patriam etc. 



I 



Zu den Eyb'sclien Pilgerfahrten. 

Von Professor G. Schepss in Speyer. 

Sowohl über die Gesammtfamilie der Eye als auch über 
einzelne Glieder derselben hat sich eine nicht unbeträchtliche 
Literatur angesammelt. Obgleich nun ein besonderer Ruhm der 
Eyb in ihren Pilgerfahrten bestand, so ist doch die Handschrift, 
von der ich hier berichten Avill und die auf drei Eyß'sche Pilger- 
reisen Bezug hat, noch von niemand ausgenutzt worden. Freilich 
befindet sie sich auch an einem ziemlich entlegenen Standort, 
nämlich in der Bibliothek der protestantischen Kirche zu Neu- 
stadt an der AischM, für die sie durch G. M. Schnizer-i aus der 
freiherrlich Karg von Bebenburg "sehen Bibliothek erworben 
wurde. Durch eine Notiz bei HirschingS) aufmerksam gemacht, 
erhielt ich das Buch dank der Gefälligkeit des jetzigen Dekans 
zu Neustadt, H. Lehner, leihw^eise nach Würzburg gesandt und 
glaube meine Beobachtungen und Exzerpte nicht ganz unter- 
drücken zu sollen, wiewohl ich vorausschicken muss, dass die 
Handschrift den anfänglich von mir auf sie gesetzten Erwartungen 
nicht völlig entsprochen hat. 

Man Avird kaum fehl gehen, wenn man annimmt, der in allen 
seinen Theilen die gleiche Papiersorte 21 X 15 cm) und die 

1) Aus der Bibliothek zu Neustadt, welches zeitweise auch als markgräf- 
liche Residenz auftrat, stammen die 'epistolae reformatorum', die Fr. Linde 
in Brieger's Zeitschr. f. Kirchengesch. V, 18S2, S. 155 ff. behandelt hat. 

2) G. M. ScHNiZER, Der Kirchenbibliothek zu Neustadt a. d. A. erste 
Anzeige, Nürnberg 17S2, S. ['ki} 45, wo irrigerweise die beiden Ludwig v. Eyb 
konfundirt werden. — Der von mir erbetene Cypriankodex saec. XV, den 
ScHNiZER S. 19 aufführt, war in Neustadt nicht mehr zu finden. 

3; 'Versuch einer Beschreibung sehenswürdiger Bibliotheken Teutsch- 
lands', Erlangen 1TS7, II, 454; der im Kodex enthaltenen Statuten des 
Schwanenordens gedenkt HlRSCillNG nicht. 

Ztsch. d. Pal.-Ver. XIV. o 



j S Öchepss, 

gleichen kräftigen Schriftzüge aufweisende Band sei um das Jahr 
14S0 auf Betreiben^) jenes Ludwig v. Eyb des Altern geschrieben 
Avorden, den wir als hervorragenden Rathgeber der Markgrafen 
von Brandenburg, als Obmann des Schwanenordens, als *^Typus 
des Deutschen Beamten kennen ^] ; die in unserem Bande ver- 
tretenen AxsELM und Ludwig der Jüngere sind seine Söhne und 
somit die Neffen des berühmten deutschen Prosaisten Albrecht 
TON Eyb^). 

Der Inhalt des aus 302 Blättern (== 724 Seiten, die Seite mit 
je 25 Zeilen' bestehenden, durchweg Schriften in deutscher 
Sprache enthaltenden Quartbandes ist folgender: 

1. S. 3 — 34 Axselm's vox Eyb Pilgerbuch für das Morgenland. 

2. S. 35 — 91 Ludwigs vox Eye, des Jüngern, Beschreibung seiner Pa- 
lästinafahrt. 

3. a) S. 92 — 212 Ludwigs VOX Eye, des Altern, Pilgerbuch für Rom; 
b) S. 215—44.5 Peter (Ludolfj vox Suchem; c, S. 451 — 69u Marco Polo. 

4. S. G93 — 721 Statuten des Schwanenordens. 

Von diesen Nummern kommen 3 b] '] und 3c)^) für unsern 

4) Dass die Hs. ein Autographum Ey'b's sei . wage ich nicht zu be- 
haupten, wiewohl es an sich nicht unmöglich ist und zu der notorischen Neigung 
Eyb's zu Aufzeichnungen wohl passen würde ; auf eine Vergleichung der in 
unserm Kodex vorliegenden Schriftzüge mit andern EvB'schen Hss muss ich 
verzichten. Der Schreiber unserer Hs macht zuweilen sinnstörende Fehler ; 
so steht S. 71 und" statt 'von', S. S3 und 695 'von' statt 'und', S. 108 'ein stein 
wurtf dem andern' statt 'ein stein auf dem andern", S. 695 'kunst' statt 'zu- 
kunft'. Gleich auf S. 1 war zweimal Roma geschrieben, das dann in Rama 
korrigirt wurde. Vielleicht sind die S. 721 roth eingeschriebenen Buchstaben 
Jo . . H. auf den Sclireiber zu deuten. 

5; Die Literatur über denselben findet man in AV.Vogel's Habilitations- 
schrift 'Des Ritters Ludwig von Eyb des Alteren Aufzeichnung über das kaiser- 
liche Landgericht des Burggrafthums Nürnberg', Erlangen 1867 ; s. auch 
'Allg. Deutsche Biogr.' Bd. 6, S. 449 ff. 

G, Ül)er Albrecht von Eyb bereitet M.'\x HERU.^UA.XN ein umfassendes 
Werk vor ; s. vorläufig dessen Dissertation : Albr. v. Eyb, ein Bild aus der 
Zeit der Deutschen Frührenaissance, Berlin 1889, woselbst 'S. 21 ff.) auch über 
Albrechts Bruder, unseren Ludwig den Alteren, eingehender gesprochen wird. 

7; F. Dey< KS, der im 25. Band der ' Bibliothek des lit. Vereins in Stutt- 
gart' 185] denlat. Text von Ludolphi, rectoris ccclesiac parrochialis in Suchern, 
de itinere terrae sanctae Über' herausgegeben hat, sagt S. XX : »Die Deutsche 
Übersetzung des Feyerabendt'schen Reyssbuchs (Frankfurt 1584. Blatt 433 — 
454) nennt ihn Rudolf Kirchherr zu Suchen in AVcstplialen, woraus bei dem 
belgischen Gelehrten Schaycs sogar ein Rodol])h Kirchers von Zuchen wird. 
Auflallender ist, dass die zu Augsburg bei Zainer 1477 gedruckte hochdeutsche 



Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten. 19 

Zweck nicht Aveiter in Betracht, da sie blosse Abschriften von 
Druckwerken sind und keinerlei Aufschlüsse über die Familie 
Eye gewähren ; doch muss hervorgehoben werden, dass am 
Schlüsse des Peter von Suchem S. 445) als Jahr der Vollendung 
der Abschrift die Zahl '1479' und am Schlüsse des Marco Polo 
(S. 690) ""H&O' in rothen Ziffern beigeschrieben ist. 

Die im fokenden näher zu behandelnden Nummern 1 u. 2 
bilden eine Ergänzung zu Tobler's-') Bibliographia geographica 
Palaestinae, Leipzig 1S67, sowie zu dem Buche von Röhricht 
und MEIS^'ER, Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande, 
Berlin 1880; ausser der von mir mit M^ bezeichneten ersten Aus- 
gabe dieses letzteren Werkes citire ich öfters in Klammern auch 
die Seitenzahlen der zweiten, volksthümlich verkürzten Auflage, 
die 1889 erschienen ist. Anhangsweise sei es mir in dieser Zeit- 
schrift gestattet, auch über Nr. 3a einige Worte hinzuzufügen: 
über Nr. 4 werde ich anderem Orte handeln. 

1. AxsELM VON Eyb, dessen Bericht über die heiligen Stätten 
in Palästina und Ägypten unsern Band eröffnet, war i. J. 1444 
geboren, wurde zu Pavia Doktor der Rechte, bekleidete die Stelle 
eines kaiserlichen Landesgerichtsassessors zu Ansbach, stand in 
lebhaftem Verkehr mit Markgraf Albrecht Achilles und starb vor 
seinem Vater 1477^0). Seine Betheiligung an dem 1468 unter- 

Ubersetzung Ludolfs ihn sowohl in der Überschrift als in der Zueignung 
Petrus nennt, was sich in der neuen Ausgabe dieser Übersetzung, welche Sir 
Thomas Phillipps zu Middlehill in England 1 S44 theilweise (aus einer Hand- 
schrift erscheinen Hess, wiederfindet«. — Eybs Abschrift ist nachdem Druck 
genommen, den Hain, repert.bibl. unter nro*10311 aufführt; lü31Ü weist 128, 
Eyb und 10311 nur 127 Kapitel auf u. dergl. m. 

8) Die Angabe, dass die in unserer Hs gebotene deutsche Übersetzung 
des 'Marcho Polo' i. J. 1477 bei Fritz Creussner zu Nürnberg gedruckt sei, ist 
aus eben diesem Druck in den Kodex mit übergegangen (S. 690). Über den 
Druck vgl. H.'iix, repert. bibl. nro * 13245. Die Firma Creussner finden wir 
auch unter den Verlegern Albrechts vox Eyb. 

9) Gelegentlich bemerke ich, dass die bei Tobler S. 30 — 39 erwähnte 
Reisebeschreibuug des Ptitters Mauxdeville in einem Maihinger Kodex s. 
XV und in dem Würzburger Kodex M. eh. f. 32, die deutsche Übersetzung 
derselben von Otho von Diemeringen (Tobler S. 38) im "Würzburger Kodex 
^I. eh. f. 38 enthalten ist; ein lut. Marco Polo = M. eh. f. 60. 

10) Irrig ist die bei Ersch und Gruber, Bd. 39 (1S43) S. 434 vouBoyne- 
bl'rg gemachte Angabc, Anselm sei schon 1470 gestorben. Vgl. HÄNLE, Ur- 
kunden und Nachweise z. Gesch. des Schwanenordens, Ansbach 1876, S. 114. 



20 Schepss, 

nommenen Pilgerzug des württeniberg'schen Grafen Eberhard im 
Bart^^) ist zwar längst konstatirt^^j^ doch hat sich, so viel ich 
sehe, nur ein vages Gerücht über seine eigenen Aufzeichnungen 
erhalten*''). Die letzteren sind nun freilich geeignet, höher ge- 
spannte Hoffnungen zu enttäuschen. xInselm schildert nicht 
etwa die von der Sage poetisch ausgeschmückte i-") Reise des 
Grafen Eberhard, sondern gibt nur eine schmuck- und farblose, 
lediglich mit den hergebrachten Führer-Erklärungen ausgestattete 
Übersicht über die heiligen Stätten, an welchen Ablass zu ge- 
winnen sei. AxsELM nennt keinen einzigen seiner Eeisegefährten, 
die gleich ihm meist Ritter des Schwanenordens waren, und lässt 
auch die eigene Person völlig zurücktreten. Nur auf S. 23 sagt 
er von zwei verschlossenen Heiligthümern i-"») "^Do durff wir nit 
eingen ; sonst werden alle persönlichen ^ß) Erlebnisse und vor 
allem jede Kritik über die wundersamen SehensAvürdigkeiten ge- 
flissentlich ferngehalten. ¥>ei verschiedener Anordnung bietet 
Anselm's Bericht sachlich ungefähr das Gleiche, was bereits in 
älteren Itinerarien und besonders bei Dr. Hans Lochner ^') zu 
finden ist, der i. J. 1435 mit Johann und Albrecht von Branden- 
burg das heilige Land bereiste und den, wie Kamann nachwies, 
schon sein Landsmann Jörg Pfinzing^^), der 1436 nach Palästina 
zog, ausgeschrieben hat. Auch sprachlich ist manche Überein- 
stimmuno: zwischen Ey)! und Lüchxer wahrzunehmen. Für An- 



rj 



11) Auch Albrecht von Eyb hatte Beziehungen zu Graf Eberhard. 

12) Ri 486(150). 

13; Laurent im 35. Jahresbericht des hist. Vereins von Mittelfranken, 
1867, S. 131 : »veranlasst durch seinen Zug mit Eberhard entstand die Pilger- 
reise, welche von ihm — so viel ich weiss, noch ungedruckt — vorhanden 
sein soll". 

14; Vgl. Graf Eberhards Weissdorn von Uhland. 

15) S. 20 stellt AN8ELM diese verschlossenen Stätten zusammen; vgl. 
Ri 29 (25. 68). 

16) Sehr oft bedient sich Anselm des Ausdrucks 'man kom])t'. 

IT ])a mir die in Geisheim's Hohenzollern am h. Grabe befindliche Aus- 
gabe des LocHNEU schon Berichtes nicht zur Verfügung stand, habe ich den 
Abdruck in Kiedel's cod. dipl. Brandenb. III, I, p. 197—217 benutzt; vgl. 
Ri 472 (124). 

18 Pl'iNZiNG s Reisebericht ist herausgegeben von R' 65 — 96 und von 
J. Kamann im 2. Heft der Mittheilungen des Vereins f. Gesch. der Stadt 
.Nürnberg, 1880, S. 120—159. 



Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten. 21 

selms 13eschreil)ung des Zuges nach dem Sinai und nach Agypten^^) 
ist zwar nicht bei Lochker und Pfinzing, wohl aher u.a. bei 
Ulrich Bruxxer von Würzburg 20 ,, der im Jahr 1470 reiste, sowie 
bei Martin Ketzel, von dem wir in Absatz 2 mehr hören werden, 
ein Analogon zu finden ^i). 

Anselm's Bericht trägt keine Überschrift und beginnt: 

Nachdem und—) manich cristenmensch geren ■west23) und sehen wolt 
die hej'ligen stat Jherusalem, das heylig Grab und ander heiig stet in dem 
heyligen land und wyssen den grossen Ablas, den der heylig babst Silvester 
dahin geben hat, von bete 2*) wegen des keysers Constantini und seiner muter 
Elena, hab ich Ansshelm von Eyb rytter und doctor zu Su- 
merssdorff ein wenig davon verzaichet mit kurtzen worten und wo ein 
rotz Y stet--^), do ist Vergebung von pein und von schuld, und wo kein kreutz 
stet, ist gewonlich ablas VII jar VII quarenn^G). Zum ersten kompt man zu 
Jaffa, ligt am mere und sind zween turren und etlich offne gewelb, da selbst 
hat sant Peter von dem tode erkuckt-"} und lebendig gemacht Tabitta'-S , die 
was ein dienerin der zM'elfl'poten , und er hat auch da am mer gevischt-y). 
Item davon II teusch meyl ligt Rama, ist ein stat nit ser gross. Item von 
Ilama30) ist 1 teutsch [hier schliesst S. 1] meyl gen sanl Jörgen u. s. w. 

Die rothgeschriebenen Kapitelüberschriften von Anselm's 

lieiicht sind : 

S. 4: Von der heyligen stat Jerusalem; — S. 5: Die heyligen stet in 
dem tempel der sein zehen ; — S. II: Wie man im heyligen land ettlich stett 



19) R136 (29). 

20) Beunner's Beschreibung wird von Mergexthal benutzt, s. Serapeum 
1853, S. 190. 192; Ri 488 (154). 

21; Übrigens ist die Anordnung des ausführlichen KETZEL'schen An- 
hanges (S. 89 — 101 ed. RHE^■A^'U.s) eine andere als in dem knapperen Bericht 
des Anselm. 

22) 'Nachdem und' braucht Anselm auch S. 33. 

23) = wüsste, an andern Stellen = wusste. 

24) = Bitte. 

25) Solchen rothen Kreuzen begegnet man auch bei M. Ketzel S. 54. 

26) V. Lexer, mhd. Wörterbuch s. v. Kerrine = 40tägige Fasten (carena, 
quadragena) . 

27j Dieselbe Form (s. auch Ketzel S. 54) begegnet S.43u. 85; hingegen 
S. 29 u. 33 erweckt'. 

28) S. Apostelgesch. 9, 36 ff. 

29) Über Jafa handelt sehr ähnlich, aber ein wenig ausführlicher Ketzel 
S. 54 f. 

30) Vgl. oben S. 18, A. 4 g. E. 



22 Schepss, 

gewann^i); — S. 12; Von dem perg Syon; — S. 15: Das tall Josaphat3-) 
U.S.W. ; — S. 16: Von dem olpergk; — S. 25: Ein andre kyrclifart gen Beth- 
lehem; — S. 27: Ein ander kyrchfart von Bethlehem in dy perg Juda u. s. w. ; 
— S. 29: Ein kyrchfart gen Bethania; — S. 30 : Ein kyrchfart zu dem Jor- 
dan33] u. s. -vv. ; — S. 31 : Die heyligen stet von Beruthi piss gen Jerusalem 
und ander heiig stett^*); — S. 33: Von dem perg Synay. Dieses Schluss- 
kapitel endet S. 34 mit den Worten : Item auff dem selben perg ist Christus 
Moysi erschinen in einem feurin püsch, do er im dy X pot gab in II steinen 
tafelen geschriben, dy Christus selbs mit seinen heiligen vingeren dor ein ge- 
schriben het35). Amen. 

2. LiFDwiG VON Eyb der Jüngere (Lutz, auch zum Herten- 
STEiN genannt), geb. 1450, gest. 21. Mai 1521 ^6)^ stand in eich- 
städtischen, kurpfälzischen, brandenburgischen und nochmals 
kurpfälzischen Diensten 3'j und wird wegen seiner schriftstelle- 
rischen Thätigkeit gerühmt (Turnierbuch, Wappenbuch, Kunst- 
buch. Kriegsbuch) 3*) . In dem uns vorliegenden Falle fällt auf 
dieselbe allerdings kein besonders günstiges Licht. Wir besitzen 
von der im Jahr 147G unternommenen grossen deutschen Pilger- 
fahrt, an Avelcher sich wieder sehr viele Ritter des Schwanen- 
ordens betheiligten (s. oben S. 20), schon zwei andere J5erichte, 
den einen von Hans v. Mergenthal^ö), der im unmittelbaren 
Gefolge des Hauptunternehmers Herzog Albrecht des 
beherzten ''o) von Sachsen reiste, den andern von Martin 

31) Die in diesem Abschnitt vorkommenden, z. Th. falschen historischen 
Notizen (Gottfried von Bouillon, Balduin etc.) findet man auch anderwärts in 
Pilgerberichten, z. B. Ri 118 fl". 

32; Was Eyi! S. 10 über den Kidron-Steg u. über 'Königin' Sybilla er- 
zählt, ist ein Plus gegenüber Lochneu S. 203 (vgl. Pi'INZixg R' 75 f.), doch 
s. auch Ketzel S. 65. 

33; Ketzel (S. 89) kommt nicht an den Jordan. 

34) Vom 'gemarterten Crucifix , dessen EvB S. 31 gedenkt, spricht u. a. 
auch Ketzel S. 96; vgl. Ebeut, Lit. Gesch. I^ p. 574. 

35) Vgl. Ketzel S. 9S, der sich jedoch hier kürzer fasst. 

36) Nicht 12. März, wie Boynebuug bei Ersch und Grtjber S. 435 sagt. 

37) Nach dem, was Laurent a. a. ü. S. 123 aus Wolfg.AlNG Ac;ricol.\ 
aushebt, scheint es, als ob sich diese Dienste unter mehrere liudwig von Eyb 
vertheilten, s. jedoch das von Laurent S. 131 u. Hänle S. 117 citirte Heils- 
bronner Epitaph. 

38) H.\NLE a. a. O. 117 f.; VoGEL a. a. O. S. 36 f. 

39) Die Herausgabe ist besorgt von Hieronymus Weller, Leipzig 1586. 
Die grossartigen Vorbereitungen namentlich kulinarischer Natur, die für 
diesen Zug getroffen wurden, hatll^ 121 nach Mergentual zum Besten gegeben. 

40) Vgl. F. A. v. Langenn, 'Herzog Albrecht der Beherzte, Stammvater 
des königlichen Hauses Sachsen', Leipzig 1838 S. 1 K» — 1 IS. 



Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten. 23 

Ketzel^') einem Angehörigen der angesehenen "^ehrbaren, nicht 
rathsfähigen"*) FamiheKetzel, welche gleich den Eittern von Eyb im 
Laufe des 14. — 16. Jahrhunderts eine stattliche Anzahl von Paläs- 
tinafahrern aufzuweisen hat ^'-). Mit Ketzel's Bericht nun stimmt 
Ludwig von Eyb so auffallend überein, dass wohl keine an- 
dere Annahme möglich ist, als die, dass Eyb den ausführlichen 
Bericht Ketzel s nicht nur gekannt, sondern auch in starkem 
Maasse benutzt hat. Nur an wenigen unten von mir näher zu 
bezeichnenden Stellen finden wir bei Eyb eine Angabe, die bei 
Ketzel fehlt. Im allgemeinen hat er sich darauf beschränkt, den 
KETZEL'schen Bericht in etwas kürzerer Form zu wiederholen. 
Diese Benutzung der Ketzel' sehen Aufzeichnungen oder bessern 
Falls diese gemeinsame Abfassung der Reisememoiren kann 
recht Avohl gleich während der Fahrt selbst vor sich gegangen 
sein; wir finden nämlich in dem den beiden Berichten ange- 
hängten Pilgerverzcichniss^') Eyb und Ketzel als Reisegefährten 
auf einem und demselben Schiffe genannt, und wenn auch 
im Bericht selbst weder Eyb von Ketzel noch Ketzel von Eyb 
eigens erwähnt Avird, so können wir doch Schritt für Schritt ver- 



41) Nach der Heidelberger deutschen Hs nro 117 herausgegeben von 
Friedrich Rhenanus in Bothe und Vogler, Altes und Neues f. Geschichte 
und Dichtkunst, Potsdam 1S32, 1, S. 28 - 103. Das Buch scheint eine S elten- 
h e i t zu sein ; ich suchte es vergeblich auf den Bibliotheken zu Erlangen, Giessen, 
Heidelberg, München und Würzburg, bis ich es endlich durch die k. Biblio- 
thek zu Berlin zugeschickt erhielt. — Martix Ketzel ging, da er dieEnt- 
fernungsmaasse der Kreuzesstationen auf der 1. Reise verloren hatte, zum 
zweiten Mal (wohl 1488) in das h. Land (vgl. R^ 1^5]^ um dann 1490 durch 
Adam Krafft die Nachbildung der Stationen bewerkstelligen zu lassen. Die von 
Kamaxx, a. a. O. S. 83 vorgebrachten Zweifel über die Zeit, in welcher diese 
Reisen unternommen wurden, beruhen z. Th. auf dem Umstand, dass Kamaxn 
die Reisebeschreibung Ketzel's in welcher d. Jh. 1476 (nicht 1446) ausdrück- 
lich genannt wird, nicht genauer kennt ; die Angaben der von Kamaxn er- 
wähnten KETZEL'schen Gedenktafel sind sonacli unzuverlässig. 

42) Kamaxx a. a. O., S. 80—88; R^ 212. 

43) Das der Heidelberger Hs beigegebene Pilgerverzeichniss hat Rhe- 
XANUS a. a. O. leider nur im Auszüge zum Abdruck gebracht; jedoch gewann 
RÖHRICHT eine Kollation nach dem Original, die er im Zusammenhalt mit der 
MERGEXTHAL'schen Pilgerliste verwerthet, s. Ri 488 ff. 498 (R- 156 ff. 171). 
Auch in diesem PilgerverzeiShniss stimmt Eyb mit den KETZEL'schen An- 
gaben weit mehr überein als mit Mergexthal, der zwar wesentlich dieselben 
Namen bietet, aber in anderer Reihenfolge. 



24 Sehepss, 

folgen, dass sie alle Freuden und Leiden der Reise gemeinsam 
durchmachten. Ketzel schildert lebhafter als Eyk. und die Ent- 
rüstung über die schnöde Behandlung und gemeine Gewinnsucht, 
■welcher die Pilger im h. Lande ausgesetzt waren, tritt bei ihm 
öfter ^^i zu tage als bei diesem. 

Ich lasse den Anfang des EYB'schen Berichtes nunmehr im 
Wortlaut folgen und gebe in den Anmerkungen Hinweise auf 
die Parallelstellen bei Ketzel = K. 

Etb S. 35: Ihüs Maria MCCCC LXXVI jar. 

In der eren der hochlobwirdigen trivaltigkeyt als ich Ludwig von Eyb 
Kvtterzu Summer ssdorff mit meinem gesellen Jörgen von Schambers'*': 
Rytter und unserer bayder kneeht Heintz Sewbath^C'j gen Venedig*') kummen 
sein in willem über mer zu dem hayligen grab zu faren, kam w-ir da hin an 
sant Marx tag*8; . Und in kurtz darnach dingt wir uns mit andren brudern 
auss Schweben und Beyren, des gleichen von Mavlandt auff ein naffe*'^ von 900 



44) Ketzel thut dies freilieh meist nur in humoristischer Weise (52. 59. 
u. ö.) und ist weit entfernt von dem heiligen Zorne Herzog Christophs von 
Bayern, über welchen man R'- 24 vergleichen wolle. Der einzige Ausfall bei 
Eyb steht S. 76 : aufif den tag holten uns dy hayden Aveder herauss (aus dem 
Tempel z. h. Grab) ; welcher sych saumpt, den teylens her auss als das fich', 
ziemlich dasselbe hat K. 80 (vgl. K. 85). 

45] Dieser war Eyb's Schwager, indem er sich mit dessen Schwester Mar- 
garetha vermählte, welche 1491 verstarb ; s. Gurckfeldeivs Eyb'sche Chronik, 
."14. Jahresbericht des bist. Vereins für Mittelfranken 1866, S. 86 Absatz 18. 

46) In dem unserer Hs angehängten Pilgerverzeichniss S. 91 Heintz Sew- 
bolt genannt; K : Sewbold. Einen Brief von Heinzen Seybotten s. inHÖFLER's 
Ausg. des kaiserlichen Buch's des Markg. Albr. Ach. I, p. 1 38 tf. 

47) Vielleicht war Eyb schon vorher längere Zeit in Italien. L.\urent 
a. a. O. S. 123 erzählt nach Wolfgang Agricola (der mir nicht zugänglich 
ist) , ums Jahr 1480 hätten 5 Ludwig von Eyb in Italien studiert ; »ehe sie aber 
dann wieder heimzogen nach Deutschland, machten sie sich auf ins heilige 
Land und wurden zu Jerusalem zu Kittern des h. Grabes geschlagen, eine 
Begebenheit, welche dann in der Matrikel, darein die Barfüssermönche alle 
Kitter einschrieben, als ein sonderes Wunderwerk verzeichnet stand, denn 
noch war es nie vorgekommen, dass so viele Deutsche von Adel desselben 
Namens und Stammes auf einmal zu Rittern geschlagen waren.« Im Pilger- 
verzeichniss unserer Hs wird ausser Ludwig kein andrer Eyb genannt. (Sechs 
Doktoren Eyb zu Padua, darunter Ludwig der Altere, sind erwähnt bei 
B0Y->EnURG a. a. O. S. 430 oben;. 

48) D. h. am 25. April; Ketzel kommt am 7. Mai nach Venedig, s.K.33. 
49i Über den Unterschied vonGaleen und Waffen, den Evii indessen nicht 

streng einhält, s. W. Götz, die Verkehrswege im Dienste des "^^'elthandels, 
1888, S. 024 ; Kaman.n a. a. O. S. 92, Anm. 3. 



Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten. 25 

fassende, das lies 'des"; was der patroii'"'] genant Anthonius de Steffoany^-")^ 
der uns fureu solt biss an das heylig land gen Gafi'a Und do weyter mit uns 
gen Jerusalem zu reyten und wider gen Jaffa, darnach mit der bemelten naffe 
uns wider gen Venedig zu priugen. Darumb gab im unser jglieher funff und 
dreyssig duckaten für kost und für Ion, darnach solt ihm ein person geben 
sechzehen Ducaten^^^ für den trybut und eselgelt, so wir dan an das heylig 
land komen. Item darnach lagen wir zu Venedig biss in die fierd wochen und 
kafften da was uns in dye Galyen notturfft was. Item am fierundzweigisten 
tag des monats May was am freytag nach unsers Herrn auffart für wir zu 
Venedig aus der port weg 5*) u. s. w. 

Von hier an wird, kleinere Diskrepanzen ausgenommen, die 
Übereinstimmung mit Ketzel namentlicli nach der sachlichen 
Seite eine immer zutreffendere und Seite für Seite Hessen sich 
Parallelstellen Avie die soeben (Anm. 54 beigebrachte ausheben. 
Was die Reiseroute und die auf derselben bestandenen Gefahren 
betrifft, verweise ich kurz auf Ketzel und hebe nur noch jene 
Stelle in extenso aus, an welcher uns Eyb erzählt, wie es kam, 
dass sie sich von ihrem betrügerischen ^^) Patron lossagten und auf 
dem Schiffe des Grafen Wilhelm v. Henneberg^'*) bessere 
Unterkunft fanden; er erzählt dies S. 39 der Handschrift: 



50) K. 34: 'taussent Fuder'. 

51.) Die Namen solcher Patrone s. bei Ri 12 (49). 

52) K. 34 : 'und was unsser Patron genant Anthonio de Steffanf . 

53) Über ähnliche SchifTslohnverträge s. II i 34(50; ; KAMAXXa.a. O.p.94. 

54) K. 35 : Item am fierundzwaintzigsten Tag des Monats May, auf drey 
Stund auff den Tag, was am Freitag nach unsers Herren x\uflart für wir zu 
Venedig aus der Port; beiK. undEYB(S.37)wird betont, dass sie am gleichen 
Tag mit dem Herzog Albrecht ausfuhren; die Angabe Pti 492 (löO,, der Her- 
zog sei am 31. Mai von Venedig abgefahren, ist irrig. 

55; K. 46 : so was unsser Patron ain Pöswicht und ein Schalck. 

56) Ri 488 spricht von Eck 'de itineribus religiosis quorundam comitum 
ac principum Hennebergiae' ; Herr Direktor Laubjianx machte mich auf- 
merksam, dass vielmehr Chr. Alb. Erck zu setzen sei, und sandte mir eine 
in München befindliche Abschrift des offenbar seltenen Werkehens. Eyb und 
Ketzel schweigen gänzlich von der bei Mekgexthal und Erck kurz ge- 
schilderten Rückreise, die ziemlich gefahrvoll gewesen zu sein scheint; 
Erck schreibt: inde (a Rhodo' Corcyram Corsulam, Curzola petunt, qua re- 
licta adeo adversis usi ventis, ut in summumvitae periculum inciderint et per 
totam noctem tempestate et multo frigore vexati inter altissimos montes na- 
vem in ancoris tenuerint, aegre Venetias perveniunt .... Guielelmus noster, 
postquam ab Alberto "Wonsideliae discesserat, salvus ac incolumis ipsis calen- 
dis decembris (sie) Silusiam (Schleussingen) intrat. 



26 Schepss, 

Item darnach (d. h. nach Absmgung des Tedeumö"' in Jaffa, vgl. K. 46) 
verdingt wir uns auti' dy galyen und nam uns der hochgeboren fürst und herr 
Wilhalm graffzuHenberg in sein schirm und geselschaft, (S. 40:) wann 
wir mercklicher ursach halb in der naffe nit weiten (lies dialekt. "^Woltern ?) 
plevben mochten, das angesehen, das er uns der keins hielt, das er uns zuge- 
sagt und verschriben hett; auch das angesehen, das dy naffe nit fest was und 
zu fill ortern wasser dareiugieng, angesehen das wir besorgten das er gar lang- 
sam wurd faren, ee wir wyder heimfaren. Auch wolt er an das haylig landt 
nit mit uns, er wolt uns auch weder ratten noch helffen darzu, darumb wir 
gross ursach gnug hetten. 

Hierauf folgt bei Eye S. 40 die Angabe, wie viel Meilen die 
auf der Reise angelaufenen Häfen von einander entfernt sind, 
ein Kapitel, das bei K. erst S. 52 f. steht: Eyb 41 f. entspricht 
dann dem, was bei K. schon 46 — 52 steht; die hierauf folgenden, 
auf die verschiedenen heiligen Stätten und auf die Ablässe be- 
züglichen Kapitel '^^] stimmen in der Aneinanderreihung der ein- 
zelnen Ortlichkeiten und sonst in allem Wesentlichen bei Eyb 
und K. aufs genaueste überein, während Mergexthal's Anord- 
nung z. Th. eine andere ist. Von den Predigten s^) und Rath- 
schlägen, die der "^alt ^^ater Guardian den Pilgern zu hören giebt, 
machen Eyb und K. genauere Mittheilungen, Avährend Mergex- 
THAL sie weit kürzer abthut. In diesem Verhältniss geht es fort 
bis zum Schluss, der bei Eyb S. 8G lautet: 'Item darnach reyt 
wir wider gen Jerusalem und waren da ubernacht : am mitwoch 
reyt Avir von Jerusalem wider gen Rama und Jaffa wartzs^ womit 
man K. 88 zu vergleichen hat. AVas K. 89 — 101 nicht aus 
eigener Anschauung, sondern, wie er S. 89 erklärt^^^), nach 
den Belehrungen der Zionsmönche über die Jordanfahrt, Nazaret, 
Damaskus, Beirut, Sinai und Ägypten mittheilt, hat Eyb ganz 
weggelassen. Dass das bei Eyb S. 86 — 91 folgende Pilgerver- 
zeichnis s mit dem Ketzel sehen der Hauptsache nach genau 
übereinstimmt, wurde schon oben S. 23, A. 43 hervorgehoben; in 
der Rechtschreibung einzelner nomina propria bestehen allerdings 



57) Vgl. Ri 23, Anm. 1 ; R2 S9— 94. 

58) Auch die Überschriften dieser Kapitel harmonieren ; S. 73 z. B. 
schreibt K, : ' Vermerckt d(ie) hfeiligen) stjet, in dem tempel des h. Grabs, und 
da der Berg Calvarie ist, da u. IL gekreitzigt ward' ; der kürzende Eyh schreibt 
Vermerkt — h. Grabs' u. setzt dahinter etc.' 

59, Vgl. R » 29, A. ö (25. 68, Anm. 233). 
60) R > 498 (172) hat dies nicht beachtet. 



Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten. 27 

auch zwischen Eyb und K. gewisse kleinere Unterschiede. Was 
endlich das Verhältniss zwischen Anselm's und Ludwig's Be- 
schreibung betrifft, so stimmt die des letzteren weit genauer zu 
Ketzel als zu Anselm, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass ge- 
legentlich auch zwischen Anselm und Ludwig grosse Ähnlichkeit 
vorliegt: schon die Gesammt- Anordnung ist jedoch bei Anselm 
eine Avesentlich andere als bei Ludwig und Ketzel 6' ). 

Ich lasse auf diese mehr allgemeinen Züge noch ein paar 
Stellen folgen, an Avelchen Ludavig v. Eyb ausnahmsweise mehr 
bietet als Ketzel ; der Ertrag ist wohl nur ein dürftiger : 

S. 36 kam -wir gen Modon, da was wir mit der herberg zutz ein buchsen- 
maysterf"') genant meyster Sj-mon (nicht bei K. 36) ; — S. (65) 66 : giengen wir 
wider in das pilgrim hauss, nmb vesperzeyt kamen der heyden dreizehen 
mann und holten uns (die Zahl fehlt bei K. 73; ; — S. 67 6S : Item darnach 
gieng wir mit der process auss unsrer frawen capell, do sang man dy letaney 
(K. 74 nur : Item darnach gieng wir aus der capell ; — S. SO : als wir nun 
ubernacht zu Bethlahem gewesen waren übernacht sie) und vor tags het man 
mess, dar mit und uns dy hayden morgens nit uberlieffen (der 
Finalsatz fehlt bei K. S3). 

Auch mag hier eine auffallendere Diskrepanz zwischen dem 

EYB'schen und KETZEL'schen Bericht ausgehoben sein : 

Nach Eyb S. 36 betrug die zurückgelegte Strecke 'umb 400 welsch meyf, 
nach K 35 'über 500'; dann wird das Schiff nach Eye 'bey 60', nach K. 'woll 
150" Meilen zurückgeworfen. Eine Berichtigung des KETZEL'schen Textes '^'^j 
nach Eyb ergibt sich u. a. in folgenden Fällen : für Iv. 43 'Salnia' lies mit 
Eyb 39 'Salina'; für K 59 'Bida' lies mit Eye 49 Xyda Lydda)'; für K S3 
'der alt Saba' lies mit Ey'B SO 'der Abt S.' 

8 a. Ludwig von Eyb der Ältere, geb. 1417, gest. 1502, 
betreffs dessen ich obenS. 18, Anm. 5 u. 6 die wichtigste Literatur 
angegeben habe, lieferte fiir unsere Handschrift (S. 92 — 212) 
einen Führer durch Rom. Freilich sind es nur die einleitenden 
Worte, die von ihm selbst herrühren; sie lauten: 

S. 92. Item als man zalt von cristi gepurt MCCCC und im LXXV jar, 
was ich Ludwig von Eyb zu Summerssdorff ;hierzu am Rande von gleichalter 
Hand : der vorgeschriben hern Ansshelms und hern LudAvigs vatter) in dem 

Ol Vgl. oben S. 21, Anm. 21 bezüglich der von Ludwig nicht benutzten 
Appendix bei K. S. 89—101. 

62) Nach H- 59, nro 176 traf H.\rff, der die Xilquellen gefunden haben 
wiU, in Modon einen deutschen Büchsenmeister. 

63) Ich lasse dahingestellt, ob die betr. Fehler nur dem Herausgeber 
Rhexanx's zur Last fallen oder wirklich so in der Handschrift stehn. 



28 Schepss, 

gnadenreichen jar^"'*, zu Rom, do ward mir mit gedaylt was ablas do zu mall 
in der obersten kyrclien der hayligen cristenheyt geben ist nach inlialt des 
puchleins. Item indem puchlein stet geschriben, wy Rom gepawet ward 
und von dem ersten konig und von yegliehem konig zu Rome u. s. w., 

d. li. wir linden nun bis S. 212 eine Abschrift jener deutschen 
Übersetzung- der lateinischen Mirabilia vel potius historia et de- 
scriptio urbisRomae, die in Hain's repert. bibl. unter Nr. 1120S 
aufgeführt ^vird als ein Inkunabeldruck ohne Angabe von Ort, 
Jahr und Officin, dessen Entstehung Hain um das Jahr 1472 
setzt ^5). Fast könnte es befremden, dass Eyb, den wir im ganzen 
mehr als Mann des nüchternen Verstandes kennen, dieses Buch 
einer vollständigen Abschrift Averth hielt ; ist es doch ein mit Er- 
findungen und mirakulösen Mähren keckster Sorte angefülltes 
Machwerk, an welchem abgesehen von dem, was für die Topo- 
graphie abfällt, die Histörchen von der Päpstin Johanna (S. nS)*'^), 
von Vergil dem Zauberer (S. 133. 179), von dem Veronicabild 
(S. 102. 143)6"; noch das Interessanteste sein dürften. Aber wir 
finden bei Ludwig den strengkirchlichen Sinn viel stärker ent- 
wickelt, als seine neueren Biographen es merken lassen, und be- 
sonders auf Wallfahrten scheint Eyb grosse Stücke gehalten zu 
haben : als junger Mann erwarb er sich, wenn wir älteren Dar- 
legungen ^^ glauben, zu Jerusalem die Kitterwürde und pilgerte 
auch nach St. Jago de Compo Stella; unter allen Gnadenorten 



64; Gki-:gorovius, Gesch. d. Stadt Rom im Mittelalter VII, 245 bemerkt, 
zum Jubeljahr 1475 seien nur wenige Pilger in Rom erschienen. Eyb betheiligte 
sich 1474 — 1475 auch am Feldzug gegen Karl den Kühnen in Begleitung 
des Markgrafen Albrecht Achilles, welcher dann im Nov. 1475 in Landshut 
bei dem berühmten Hochzeitsfeste Georgs des Reichen weilte. 

65. Auch Hains uro 11209 — 11219 sind deutsche Übersetzungen der 
Mirabilia, jedoch sämmtlich erst nach 1475 gedruckt. — Vgl. NiK. Muffeus 
Beschreibung der Stadt Rom (aus dem Jahre 1452) herausgeg. v. "W. VoGT, 
Bibl. des lit. Vereins in Stuttgart Bd. 128; A. MiCH.VELls in den Mitthei- 
lungen des kaiserl. deutschen arch. Instituts in Rom III, S. 254—276. 

66; Döi.LiXGEU, Papstfabeln :1863) spricht S. 26 von der versöhnenden 
Lösung, die diese Historie in unsern Mirabilia findet, 

67) Vgl. Pearsox, Die Fronica, Strassburg 1887, S, 2. 71. u. ö. 

68) Vgl. BoYNEiuiu; bei Ersch und Gruijer, Bd. .'^9, S. 434 und 437 
(' als sich Ludwig V. v. Eyb durch seine Pilgerreisen nach Jerusalem, Compo- 
stella etc. berühmt gemacht, soll ilun Kaiser Friedrich IV ;i. e. III) die Er- 
laubniss ertheilt haben, anstatj; des Pfaues drei silberne Muscheln im Schilde 
zu führen ). 



Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten. 29 

aber wusste K o m , bei dessen Besuch er sich des in Rede stehen- 
den "^puchleins' der Mirabilia bediente, die ausgiebigsten Ablässe 
zu spenden. Ist die Notiz bei Eoynebürg richtig, dass er "^nach 
seiner Zurückkunft von Rom' zum fürsthch eichstädtischen Hof- 
meister imd Pfleger zu Auberg i'Hes Arberg, s. Häxle a. a. O. 
1161 ernannt worden sei , so wäre, da er in letzterer Eigenschaft 
urkundlich schon 1461 vorkommt, ein zweimaliger römischer 
Aufenthalt, der erste vor 1461, der zweite in unserer Ks. sicher 
bezeugte 1475 anzunehmen. 



Das Gleiclmiss Yom Kamel und IS^adelölir. 

Von Professor J. N. Sepp in München. 



Der sprachgelelirte College, Herr Gildemeister in Bonn, 
von welchem wir immer etwas lernen können, Hess sich vielleicht 
vom Widerspruche zu weit hinreissen, indem er in den »Ara- 
bischen Nachrichten zur Geschichte der Harambautenif zum 
Schlüsse (ZDPV. XIII, 24) über meine Äusserung hinsichtlich 
der Morgenpforte des äusseren Heiligthums, welche schon Ezechiel 
c. 44 verschlossen fand, sich absprechend erklärt. Ich sage 
(»Felsenkuppelfc S. 130): »Das goldene Thor blieb als Processions- 
pforte, wie in ähnlicher Weise das Säkularthor am Lateran 
vermauert. Zum gewöhnlichen Eingang diente nebenan das kleine 
Pförtchen Josaphat, das sich nach deutschem Ausdruck wie 
die Thüre zum Thore stellt, der Semite braucht sonst dafür die 
Bezeichnung Nadelöhr.« Darüber wird der Unwille des Arabo- 
logen laut: »Das ist etwas stark, nachdem Wetzstein in Sitzungs- 
ber. der Acad. zu München 1873. p. oSl ff. die Sache in einem 
eigenen Aufsatz klar gelegt hat.« Ich erfahre den Vorwurf, dass 
ich Anderes herauslese, als in den Urkunden gemeint ist, will 
aber nun den Spiess umkehren. Als Verfasser des Lebens Jesu 
gegen Dr, David Stralss sowohl , als auch gegen Ernst Renan 
durfte ich bei der Exegese der Evangelien mir doch keine 
]ilösse geben. Der Leser urtheile aus der Zusammenstellung von 
Zeugnissen, wer den richtigen Sinn erfasst. 

Gar zu hoch darf der Franke im gelobten Lande den Kopf 
nicht tragen. Avill er anders durch die Hausthüre, und nicht wie 
die Kamele durch das Hofthor eingehen. Es Avar von Alters her 
so. dass man den Zugang eng und ein paar Fuss hoch hielt, um 
bei der allgemeinen Unsicherheit Räubern das Eindringen zu 
erschweren und zxi wehren — selbst Bonaparte musste bei 



Das Gleichniss vom Kamel und Nadelöhr. 31 

seinem Eintritt ins Kloster von er- Ramie sich bücken und 
beugen, als ginge es durch einen kaudinischen Pass. Im 
Abendlande ist in den Grossstädten nicht selten eine eisen- 
beschlagene kleine Thüre für Personen in einen der Portalflügel 
eingesetzt, dessen Öfthung nur für Pferde und Wagen nöthig 
wird. Nun stellt mein Opponent in Abrede, dass solche Thüren 
bei den Semiten, sagen wir zunächst Arabern, »Nadelöhr« heissen? 
Wo ist der Irrthum '.' 

Der vielgereiste Desor schreibt »Aus Sahara und Atlas« 
S. 80 und stellt fest, dass solche Thüren bei den Bewohnern der 
Oase Suf in Algerien Nadelöhre genannt Avürden. Lady Duff 
Gordon versichert Letters from Egypt (Lond. 1865' p. 133: 
«Gestern habe ich ein Kamel durch ein Nadelöhr schlüpfen 
sehen. So nennt man nämlich die niedrigen Offnungen eines 
Pferches. Das Thier muss dabei auf den Knien rutschen und 
den Kopf beugen, um durch zu kommen.« Im Nilthale besteht 
diese Benennung für den niedrigen Eingang eines Pferches, und 
man kann dabei nicht selten beobachten, wie ein Kamel auf den 
Knien sich vorwärts schleppt und den lang gestreckten Hals mit 
dem Kopf so tief als möglich neigt. Wo es angeht, M'ird man 
ihm das Hofthor nebenan öffnen. Wer Kamele hält, macht seine 
Hausthür hoch, sagt ein arabisches Sprichwort; d. h. wer grosse 
Leute bei sich sehen Avill, muss ein grosses Haus machen. In 
Damaskus will Consul Wetzstein wohl den Ausdruck chöcJui 
(französ. guichet), Schlupf, gehört haben, stellt aber Nadelöhr 
für ganz Syrien in Abrede. Dann darf man Palästina nicht dazu 
rechnen ; denn Johannes Poloner, der 1422 nach Jerusalem kam, 
gibt von der Häret Mär Botrus oder dem Haus des Gefängnisses 
Petri an: »In eadeni platea est portula versus austrum, quae 
lingua Saracenorum foramen acus dicitur, de qua Dominus dixit : 
facilius est camelum ire per foramen acus.« 

Ebenso schreibt der gelehrte Jesuit Drexel am Hofe des 
Kurfürsten Maximilians I. von Bayern 1637 (Gazophyl. Chr. 
p. 10). in Jerusalem habe ein kleines enges Thor Nadelöhr ge- 
heissen. Der Missionsbericht in J. P. Lange s Bibelwerk I, 274 
lautet: »Das Nadelöhr ist im Morgenlande ein Nebenpförtchen 
für Eussgänger neben dem Hauptthor, durch welches die Kamele 
schreiten.« Soll dieses auf Missverständniss beruhen, so sind jeden- 
falls viele darein verwickelt. 



32 Sepp, 

Ganz aus dem Leben gegriffen nenne ich die Gleichnissrede 
Christi Matth. XIX, 24: ;)Eher geht ein Kamel (mit seiner 
Bürde) durch ein Nadelöhr, als ein Reicher (mit seinem 
Reichthum) durch die Himmelspforte ((. Der Prophet von 
Mekka fasste dies Bild einfach auf; denn so lesen wir wieder 
Sure VII, 39- »Die Ungläubigen werden nicht eher ins Paradies 
gelangen, als ein Kamel durch ein Nadelöhr geht.« Hierzu 
liefert Beidawi den schwachen Kommentar: Die Worte, bis 
ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, bedeuten: bis eines, was 
sprichAVÖrtlich als Gleichniss für Körpergrösse gilt, in das geht, 
was für Enge des Durchgangs Spruchsymbol ist, nämlich das 
Nadelöhr.« Was lesen wir vollends bei den Rabbinen? So steht 
im Midrasch Schir Haschirim in Cant. V, fol. 25, 1 : «Gott spricht 
zu den Israeliten : öffnet mir nur eine Thüre der Busse, so gross 
wie ein Nadelöhr, und ich will euch ein weites Thor zum Him- 
melreich aufschliessen, dass ihr im Viergespann durchziehn mögt.cc 

So natürlich diese Auffassung ist, macht gleichwohl eine 
andere Deutung und Lesart sich geltend. Schon in obiger Koran- 
stelle stossen wir hei ffemel, Kamel, auf die Variante ^6•»^/, Kabel. 
Der bedeutendste griechische Exeget des Mittelalters, Prophy- 
LAKT, dessen geschmackvolle Auslegung sich empüehlt, zieht 
anstatt xaar^Ao; die Leseart -/aaiAo;, Ankertau, Schiffseil herbei, 
das wir auch xajj'.Äoc, Kabel als ein gar zu grober Faden zur Nadel 
in nächster Beziehung stände. Quod non 1 Das winzige Öhr steht 
vielmehr in der Perspektive zum Thore, und wir brauchen dabei 
keine dritte Figur: die Person zum Einfädeln! Ein Schech 
der Nosairier erklärte vermittelnd sich für Kamelhaar. 

Dass das Kamel mit seiner Last gemeint ist und nicht 
länger in Frage stehen kann, lehrt der Vergleich mit einem an- 
deren Riesenthiere. Unsere A'orfahren hiessen die ersten Kamele, 
welclie ins Morgenland kamen, Elephanten. UnAvillkürlich ver- 
tauscht auch der Talmud beide Lastthiere. Denn Baba metzia 
fol. 3S, 2 spottet Rabbi Scheschetli über den R. Amram, welcher 
ihm etwas Unmögliches als glaubhaft vorspiegelte \) : »Bist du 
einer aus Pum Beditha, wo man einen Elephanten durch ein 



1) Schevuoth 'i, S. "]''in eitler Schwur, Schevuath Schav ist es, -wenn 
Jemand betheuert, eine Steinsilule sei von Gold, oder er habe ein Kamel flie- 
gen sehen«. 



Das Gleichniss vom Kamel und Nadelölir. 33 

Nadelöhr jagt? Beracoth. f . 55, 2 heisst es: jjMan weist nie- 
mand einen Palmbauni von Gold noch einen Elephanten, der 
durch ein Nadelöhr geht«. Dr. Fürst erläutert dies in den Perlen- 
schnüren aramäischer Gnomen : «Als wenn man glauben könnte, 
ein Elephant gehe durch eine enge Offnung(f. 

Der Heiland gebraucht auch Matth. 23, 24 dies lebendige 
Bild: j)Ihr Pharisäer seihet AVeinmücken und verschluckt ein 
Kamel ((^). Um wie viel anschaulicher und poetischer ist dieses. 
als der Vergleich eines Seiles mit Nadel und Faden! Wer streitet 
mit uns'? Jesus müsste die Jünger selber mit dem Schneider- 
faden verglichen haben, da er Matth. 7, 13. Luk. 13, 24 sprach: 
»Ringet einzugehen durch die enge Pforte, denn weit ist das 
Thor und breit der Weg, der zum Verderben führt ; aber eng die 
Thüre und schmal der Pfad, wo man zum Leben eingeht«. 

Unsere alten Künstler haben das Gleichniss richtig auf- 
gefasst. Albrecht Dürer's Schule und der kompositionsfreudige 
Niederländer Hemskerk versuchen die Scene darzustellen, wie 
das Kamel auf ein aus den Wolken niedergelassenes Nadelöhr 
zuschreitet. 

In deutschen Landen, Avie zu Einsiedeln und bei dem 
Kloster Ufeld am Harz heissen Nadelöhre offenbar aus germa- 
nischem Kult herrührende Felslöcher, die man durchkroch, um 
von Krankheitsübeln befreit zu werden; auch kommt dieser 
Ausdruck für die kleine Thüre neben dem grossen Thore bei 
Burgen vor, wenigstens bei Schloss Altspaur in Tirol 2). 

TiTUS ToBLER, mein Reisegefährte in Palästina 1845 — 46, 
bringt noch mit dem letzten Federstrich in seinem Forscher- 
leben die Erklärung vom Schiffstau ; ebenso besteht darauf der 
Specialist, mein in Streitschriften sehr produktiver Censor. 
Meinetwegen nur mache man meiner universellen Fassung nicht 
den Vorwurf: »Das ist etwas stark«. Mein Verhältniss zu den 
genannten Herren ist durchaus nicht, wie das des Schülers zum 

1) Es war pharisäisches Axiom Jer. Sehabbat f. 3, 2 »Wer am Sabbath 
auch nur eine L. . . tödtet, thut so viel, als hätte er ein Kamel umgebracht«. 
Wir sagen: aus einer Mücke einen Elephanten machen. 

2) Vgl. mein Leben J. Chr.- V, 330. Altbayerischer Sagenschatz S.89. 
693. Augsb. Allg. Z. 1882, S. 538. In' der Thierfabel schlüpft der Wolf auf 
die Anweisung des Fuchses .durch die enge Öflnung, kommt aber, nachdem 
er sich satt gefressen, nicht mehr heraus. 

Ztsohr. d. Pal.-Ver. ilV. 3 



"34 Sepp, Das Gleichniss vom Kamel und Nadelöhr. 

Schulmeister. Doch ich gedulde mich: ist mein Korrektor doch 
auch dem Arabologen Goergens scharf zu Leibe gegangen. 

Wenn Stahl und Stein sich stossen, stiebt es Feuer, 
Doch bleibt ein solcher Mann uns immer theuer. 

Und so ist der selige Gildemeister mit mir aneinander ge- 
rathen, nicht ohne dass einige Lichtfunken für den Leser heraus- 
sprangen. 



Nachsclirift. Schon um der Polemik willen, die in dem 
A'orstehenden Artikel gegen den verstorbenen Professor Gilde- 
meister gerichtet ist, hat die Redaktion mir das Manuscript vor 
dem Drucke zur Einsicht mittheilen zu sollen geglaubt. NacTi- 
dem ich es gelesen hatte , machte ich mich noch einmal an die 
Lektüre des bekannten Aufsatzes von Wetzstein und muss 
leider als Resultat meiner Studien bekennen, dass mich die 
neuen Gründe Sepps nicht zu überzeugen vermocht haben. 
Diese meine Ansicht mag ja eine subjective sein ; aber es kommt 
mir immer noch vor, als ob die angerufenen neuen Autoritäten, 
welche die Behauptung Poloner's stützen sollen, Drexel, Lady 
DuFF Gordon, Desor u. s. w., eben alle von der durch Wetz- 
stein mit so meisterhaftem Humor geschilderten Petitio aus- 
gingen, das Nadelöhr müsse um jeden Preis als kleine Thüre 
erklärt werden. Bis also genaue philologische Gründe vorliegen, 
glaube ich mit den Korankommentatoren und anderen Autori- 
täten dabei verharren zu sollen, das Nadelöhr buchstäblich zu 
fassen. Es müsste bewiesen werden, dass dasselbe Wort, welches 
im xVrabischen in buchstäblichem Sinne Nadelöhr bedeutet, in 
der gewöhnlichen Volkssprache, ohne dass Bibel oder Koran Ein- 
fluss geübt haben, auch für die neben dem grossen Thore be- 
ündliche kleine Thüre. die nach Wetzstein cliocha und nicht 
anders heisst. gebraucht wird. Dieser Beweis schien eben auch 
Gildemelster nicht erbracht zu sein. 

Auch möchte ich noch kurz auf das treffliche Buch von 
GoLDZiiiER, Muhammedanische Studien, Zweiter Theil (Halle 1 Süü) 
S. 385, Anm. 1 verweisen, woselbst sich über das Vorkommen 
des betreffenden Ausdrucks bei den Muslimen einige Bemer- 
kungen finden. Auch aus diesen geht hervor, dass es den Mus- 
limen niemals eiugefallen ist, an eine «kleine Pforte« zu denken. 

April IS91. A. Socin. 



Zur Topographie der Grabeskirclie in Jerusalem. 

Von Professor H. Guthe in Leipzig. 



In meinem ]iericht über »Russische Schriften zur Palästina- 
kunde« 1885— 18S7 ZDPy. XII (1889), 1 ff. habe ich erwähnt, 
dass der Staatssekretär B. Manssukov einige Einwände gegen 
die Darstellung Schick s, betreffend j)Das Stadtviertel der Grabes- 
kirche . den Lauf der zweiten Mauer Jerusalems und die Bauten 
Constantins am heiligen Grabe (f (ZDPV. VIII, 259 ff.), erhoben 
habe. Diese Einwände, in zwei Schriften Manssurov's i; ent- 
halten, bezogen sich nicht nur auf die Rekonstruktion der 
zweiten Mauer und der Basilika Constantins , sondern betrafen 
auch thatsächliche Verhältnisse, nämlich Beschaffenheiten des 
Bodens, auf dem die Rekonstruktionen stehen sollten. Indem 
ich mich von dem Wunsche leiten liess, aus den Verhandlungen 
einen Gewinn für unsere bisherigen Kenntnisse hervorgehen zu 
lassen, erbat ich mir von Baurath C. Schick in Jerusalem über 
die in Frage gestellten Punkte nähere Auskunft. Dieser hatte 
die Freundlichkeit, wiederholt eingehend mir zu antAvorten. Ich 
theile im Folgenden aus dem hierauf bezüglichen Briefwechsel, 
der in den Jahren 1886 — 1890 statt hatte, dasjenige mit, was 
auf allgemeineres Interesse Anspruch erheben kann. 

Zunächst hatte Manssurov darauf aufmerksam gemacht-), 
dass die Merkmale, nach denen Schick den muthmasslichen 



1) Russische Ausgrabungen in Jerusalem. Zwei Briefe an Herrn Prof. 
Dr. H. Guthe in Leipzig von B. Manssurov. Zweite Auflage. Heidelberg 
(G. Koester) 1888. — Die Kirche des heiligen Grabes zu Jerusalem in ihrer 



o^ 



ältesten Gestalt. Von B. MANSSUROV. Aus dem Russischen übersetzt von 
A. BOEHLENDORFF. Mit 4 Tafeln. Heidelberg (G. Koester' 1888. 
2) Russische Ausgrabungen S. 17 — 22. 

3* 



36 Guthe, 

Lauf der zweiten Mauer bestimmt (ZDPV. VIII, 204 f. 267), 
docli nicht genügend festgestellt seien , und namentlich darauf 
hingewiesen , dass nach der bisher üblichen Annahme die Nord- 
und Südwand der Helena-Kapelle, in der Schick einen Theil des 
alten Mauergrabens erkennt (ZDPV. VIII, Tafel VII, VIII und 
XJ), aus Felsen bestehen, während sie nach Schick's Voraus- 
setzung in dem alten Stadtgraben aufgemauert sein sollen. 
j)Es mangelt uns folglich jeder Beweis, dass der ScHiciv'sche 
Graben nicht durch Felsenblöcke im Norden und im Süden der 
Helena-Kapelle unterbrochen ist« (S. 21). 

Hiergegen macht Schick geltend, dass durch zwei Umstände 
ein auffallender Wechsel der Oberfläche des Felsbodens östlich 
von der Grabeskirche ausser Zweifel gesetzt ist, nämlich 1) durch 
eine Reihe von gemauerten Cisternen in unmittelbarer Nähe 
eines höheren Felsrandes (vgl. ZDPV. VIII, 264) und 2) durch 
die Thatsache, dass der von ihm 1873 angelegte Abzugs- 
kanal (s. ebend.) an einigen Stellen durch Felsen gehauen, an 
anderen Stellen in den Schutt hineingemauert werden musste 
und der Felsen nicht mehr zu finden war. Die Verbindung 
dieser Thatsachen mit anderen , erst später und allmählich ge- 
raachten Beobachtungen haben ihn dazu bewogen, den Lauf 
der zweiten Mauer 1883 — 1885 anders zu ziehen als 1876. 

Was besonders die Helena-Kapelle anlangt, so stützte Schick 
seine Annahme, dass die Nord- und Südwand gemauert seien, 
anfangs auf den Umstand, dass im Norden und namentlich im 
Süden der unterirdischen Kapelle, also in der Ebene der beiden 
fraglichen Mauern , auf eine längere Strecke hin der Felsen erst 
in grosser Tiefe sich finde, während er im Osten und Westen 
deutlich vorhanden sei. In einem Briefe vom 7. August 1889 
theilte Scfiick mir dann mit, dass er kürzlich bei einem Besuch 
der Helena-Kapelle die Nord- und Südwand genauer habe unter- 
suchen können, da der Bewurf an vielen Stellen abgefallen sei. 
Bei dieser Gelegenheit hat Schick festgestellt, dass beide Wände 
aus Mauerwerk, nicht aus Felsen, bestehen. »An der Nordwand 
kann man genau nenn Steinlagen zählen ; sie machen die ganze 
Höhe aus. Die Steine sind meistens gross, aber nicht gleich gut 
behauen. An den rauheren Steinen haftet der Bewurf fester, 
an den glatteren schlechter. Ein sehr glatter Stein mass in der 
Länge 1,20 m, in der Höhe 0,55 m. Auch an der Südwand 



Zur Topographie der Grabeskirche in Jerusalem. 37 

konnte ich einige Steinlagen zählen , aber nicht bis zur ganzen 
Höhe ; diese Seite scheint einmal restaurirt worden zu sein. Was 
den Boden anlangt, so besteht dieser nach Osten zu in der Mitte 
der Schranke , die zwischen die beiden östlichen Säulen ein- 
gestellt ist , in der x\psis oder dem Altarraum aus Felsen, des- 
gleichen theilweise oben an der Treppe. Im Übrigen wird der 
Boden aus Steinjjlatten und einer Gussmischung (Concret) gebildet. 
Wahrscheinlich bestand er ursprünglich ganz aus Steinplatten; 
diese barsten oder nutzten sich ab , und die im Laufe der Zeit 
entstandenen Lücken hat man dann mit Concret ausgefüllt «. 

Weiter hatte Manssurov die Lage der Helena-Kapelle, so 
wie sie von Schick ZDP\'. VHI, Tafel VH und XI dargestellt 
worden Mar, angezweifelt-^]. Auf den ScHiCK'schen Plänen der 
Grabeskirche läuft die Achse der Helena-Kapelle der Achse des 
griechischen Katholikon parallel ; auf dem durch Wilson im 
Jahre 1S65 herausgegebenen Plane der Grabeskirche dagegen 
weicht die Achse der Helena-Kapelle von der Achse des griechi- 
schen Katholikon ziemlich stark nach SO. ab. Dieser L^nter- 
schied hat für die von Schick gegebene Kekoustruktion der 
Basilika Constantins Bedeutung. Schick schreibt die »räthsel- 
haften Säulen unter der Erde« einem unteren Stockwerke zu, 
nämlich der Helena-Kapelle , und kann nach seiner Zeichnung 
die Stellung dieser Säulen unter der Erde denen über dem Boden 
genau entsprechen lassen (s. ZDPV. VIII. 276 und Tafel XI). 
Manssurov setzt ohne Weiteres die durch Wilson's Plan ge- 
gebene Lage der Natur gleich und erklärt die Zeichnung Schick's 
für unzuverlässig. Er thut dies nicht nur in Betreff der Helena- 
Kapelle, sondern auch in Betreff des Grundrisses der Grabes- 
kirche , den Tafel VII des achten Bandes der ZDPV. enthält, 
überhaupt. S. 23 der Russischen Ausgrabungen steht zu lesen: 

« Sehr interessant und wichtig für flüchtige Reisende und für allgemeine 
Beobachter, ist der Grundriss nicht richtig sogar in seinen Hauptlinien. Sie 
können sich, geehrter Herr Professor, leicht davon überzeugen, wenn Sie den 
Plan von Herrn Wilson (1865) vergleichen. Herr Wilson hat seinen Plan 
nach wirklich mathematischen architektonischen Messungen entworfen, und 
er ist der einzige Palästinologe, der es gethan hat«. 

«Es gab in 1865 und es giebt noch jetzt einzelne Theile des äusseren 
Perimeters der Grabeskirche , welche weder zur Ansicht gelangen noch be- 

3) Russische Ausgrabungen S. 22 f. 



38 Guthe, 

messen und untersucht werden können. In Folge dessen hat z. B. Herr 
"Wilson, als gewissenhafter Topograph, die westlichen und östlichen Mauern 
der Kirche in Betreff ihrer Dicke und Breite in dubio ohne trace gelassen. 
Kein Mensch weiss noch, wie man die Lücken im Plane des Herrn Wilson 
vervollständigen könnte. Ich selbst konnte nicht dazu gelangen, obgleich 
ich wegen meiner Verhältnisse zu der griechischen Geistlichkeit auf ganz 
besondere Erleichterungen hoffen konnte. Die Bestimmung der äusseren 
Mauerwerke in der Helena- Kapelle auf Tafel VII beruht bloss auf Ver- 
muthungen und auf einer gewissen Willkür«. 

Dieses entschiedene Urtheil eines Mannes, der wiederholt 
Jerusalem besucht und sich in seinen Studien gerade mit der 
Grabeskirche beschäftigt hat, überraschte mich nicht wenig. Da 
ich aber sehr wohl weiss, dass Schick seine Angaben, für die er 
an Ort und Stelle Jahre lang Beobachtungen angestellt hat und, 
was sehr Avichtig ist, gute Gelegenheiten benutzen konnte, nicht 
voreilig und unfertig ausgehen zu lassen pflegt, dass er vor 
mehreren Jahren den Auftrag gehabt hat , ein Modell von der 
Grabeskirche anzufertigen , und hierzu zahlreiche Messungen 
vollzogen hat , so zögerte ich doch, mich der Voraussetzung an- 
zuschliessen , von der aus offenbar Manssurov zu seinem Urtheil 
gekommen war, nämlich dass seit 1S65, dem Jahre des Erscheinens 
des WILso^''schen Planes , keine Fortschritte in der topographi- 
schen Kenntniss der Grabeskirche gemacht worden seien. Mit 
wie gutem Recht ich das that, haben die mit Schick gewech- 
selten Briefe bewiesen. 

Schick theilte mir mit, dass er anfangs Wilson's Plan ohne 
jedes Misstrauen seinen Arbeiten zu Grunde gelegt habe, sehr 
bald aber nicht mehr mit ihm ausgekommen sei. Was das Ver- 
fahren Wilsons, das Maxssurov als einzig hervorhebt, anlange, 
so bestehe zwischen diesem und dem von Schick angewandten 
kein Unterschied. Schick sei vollkommen in der Lage, dies zu 
beurtheilen , da er es mit eigenen Augen gesehen habe, wie die 
englischen Unterofficiere W^ii.son's die Grabeskirche vermessen 
hätten. Dieselben Mittel, die jene gebraucht hätten , wende er 
selbst auch an, nämlich Messband, llichtscheit und Kompass. 
Mathematische Berechnungen konnten für die Grabeskirche 
nicht viel helfen, da man viel zu wenig Visirlinien habe. Die 
Dicke der Mauern , falls dieselben nicht etwa , wie bei der 
Helena-Kapelle , in der Erde steckten , sei leicht festzustellen 
und auch bekannt. 



Zur Topographie der Grabeskirche in Jerusalem. 39 

Wie sich hieraus ergieht, zeigte Schick durchaus keine 
Neigung, vor dem AngriiF Manssurov's die Segel zu streichen. 
Unerwarteter Weise hatte er bald nachher die Beweise in der 
Hand, dass Sir Charles Wilson ganz anderer Meinitng über den 
von ihm selbst herausgegebenen Plan war als Maxssurov. 
Schick wurde nämlich 1890 von Wilson selbst gebeten, seinen 
1865 herausgegebenen Plan zu ergänzen und eine Anzahl un- 
sicherer Punkte zu bestimmen. Wilson fügte seinem Briefe 
Bemerkungen von Professor Hayter Lewis hinzu, in denen 
dieser fünfzig Punkte aufzählte, über die er von Schick Auskunft 
wünschte, da der Plan Wilson's sie ihm nicht gab. Hayter 
Lewis hatte bereits 1889 an Schick die Bitte gerichtet, die 
Lage der Helena-Kapelle aufs neue zu untersuchen , da deren 
Lage nach dem Plane Wilson's ihm bei einer Arbeit über die 
Basilika Constantins Schwierigkeiten bereite, Li Folge dieser 
Aufforderung hat Schick die Helena-Kapelle 1889 aufs neue 
untersucht. Das Ergebniss theilt er mir in folgenden AVorten mit : 

»Ich habe mit all den nöthigen Vorbereitung^en alles noch- 
mals gemessen. Ich spannte eine Schnur von der griechischen 
Kirche aus über die Stufen in die Kapelle hinab so weit, als die 
Linie gerade blieb. Von dieser Schnur aus habe ich nach beiden 
Seiten abgemessen und danach einen neuen Plan gezeichnet. 
Auf diese W^eise stellte ich fest, dass die Kapelle auf dem Plane 
Wilson's ungefähr drei Schuh [d. i. nicht ganz 1 m] zu weit nach 
Süden gesetzt ist. Meine frühere Einzeichnung, die ich damals 
nicht ohne Grund von Wilsons Plan abweichen Hess , ist also 
richtig«. 

Bei dieser Untersuchung hat Schick auch zugleich die Be- 
schaffenheit der Nord- und Südwand der Kapelle festgestellt, 
worüber ich schon oben S. 36 f. gesprochen habe. 

Endlich hatte Manssurov einen Unterschied in der Nivelli- 
rung des russischen Grundstückes imd der Grabeskirche gegen- 
über den Zeichnungen Schick's gefunden. Nach den Messungen, 
die JManssurov und Eppinger ausgeführt haben, soll die Platt- 
form vor der alten Schwelle auf dem russischen Grundstück 
(ZDPV. VIIL Tafel VI, F) um 39 cm niedriger sein als der 
Boden der Rotunde des heiligen Grabes; Schick dagegen be- 
misst in seinen Durchschnitten ZDPV. VIII, Tafel X und XII 
den Unterschied in der Erhebung des Terrains auf 2—3 m. Die 



40 Guthe, Zur Topographie der Grabeskirche in Jerusalem. 

Bedeutung des von IVIanssurov erhobenen Einwandes liegt darin, 
dass dadurch die Richtigkeit der ScHicK'schen Rekonstruktionen 
angegriffen -wird. 

Schick hatte in seiner Darstelhmg ZDPV. VIII, 262 die 
Verschiedenheit des Bodens im S. und O. der Graheskirche 
nicht näher bestimmt, sondern durch seine dort geAvählten 
Ausdrücke nur hervorheben Avollen, dass von einer in die Augen 
fallenden Hebung und Senkung des Bodens nicht die Rede 
sein könne. Jedoch schreibt Schick, dass das von Manssurov 
angegebene Maass wohl auf etwas Anderes gehe als das. was er 
(Schick) meine. Dass der in seiner Rekonstruktion den Propyläen 
zugewiesene Boden — bei den vielbesprochenen Säulenstümpfen 
am sük ez-zet — tiefer liege , als der Boden der Basilika oder 
der jetzigen Grabeskirche, nämlich in gleicher Höhe mit dem 
alten Pflaster des Marktes (vgl. ZDPV. XII, 11 f. und Tafel II), 
mithin 2 m tiefer als der Felsen auf dem russischen Platz , ist 
Schick wohl bekannt. Auch er hebt hervor, dass der Fels- 
boden des russischen Platzes . den er noch in die Basilika des 
Constantin hineinrechne . etwas höher liege als der Boden der 
Rotunde des heiligen Grabes. «Daraus folgt (f — so fügt Schick 
hinzu — »dass der Boden der Basilika durchgehends etwas 
höher lag als der Boden der Rotunde. Der letztere ist offenbar 
später niedriger gelegt Avorden, um das Grab mehr aus dem 
Boden hervortreten zu lassen. Zum Beweise dafür mache ich 
darauf aufmerksam . dass man jetzt aus der Rotunde in die 
Seitenräume ringsum etwas hinaufgeht, besonders in die nörd- 
lichen, liei der nördlichen Nische sind es mehrere Stufen, 
ebenso bei der Sakristei der Lateiner. Ob bereits in der Zeit 
Constantin's der Boden der Rotunde so niedrig war wie heute, 
ist freilich eine andere Frage. Der Boden der Adams- und der 
Dornenkronenkapelle ist noch heute höher, besonders der Boden 
des Griechenchorsc. 

Ob hierdurch die dritte Meinungsverschiedenheit zwischen 
Makssurov und Schick erledigt ist, scheint mir nicht ganz 
sicher. Betreffs des ersten und zweiten Punktes kann nach den 
obio:en Mittheilunu:en ein Zweifel nicht mehr obwalten. 



Neliemia's Maiierbau in Jerusalem. 

Ton Bauratli C. Schick in Jerusalem i). 
(Hierzu Tafel II). 

Nachdem ich mich ZDPV. XIII. 31 ff. über die Lage des 
Thalthores im alten Jerusalem geäussert habe, möchte ich jetzt 
den ganzen Lauf der Ringmauer, wie sie Nehemia 3, 1 — 32 be- 
schrieben wird, besprechen. Ich hoffe, dadurch manchem Leser 
der Zeitschrift nützen zu können, da ich versichern darf, dass 
ich mehr als zwanzig Jahre lang an Ort und Stelle meine Auf- 
merksamkeit auf diese Frage gerichtet habe. Ich weiss die 
Schwierigkeit, sie zu beantworten, sehr wohl zu würdigen und 
nehme für mich durchaus nicht das Verdienst in Anspruch, eine 
endgültige, irrthumslose Antwort gegeben zu haben. 

1) Der obige Aufsatz greift zum Theil auf die früheren Mittheilungen 
des verehrten Herrn Verfassers über die alte Ringmauer von Jerusalem zu- 
rück; vgl. über das Thalthor ZDPV. XIII, 31 ff.; über die zweite Mauer 
ZDPV. VIII, 266 ff. und die »Bemerkungen des Herausgebers« 278 ff. Jeder, 
der sich mit dem Mauerbau des Nehemia in Jerusalem beschäftigt hat, 
weiss, dass für dessen Erklärung eine doppelle Schwierigkeit vorliegt, die 
topographische und die philologische. Dass sich die zu einer gleichmässigen 
Überwindung beider Schwierigkeiten erforderlichen Kenntnisse in der Person 
eines Forschers vereinigen, ist kaum zu erwarten. Die Verdienste des Herrn 
Baurath C. Schick, unseres Ehrenmitgliedes, sind unseren Lesern so wohl 
bekannt, dass ich nicht hervorzuheben brauche, auf welche der beiden ge- 
nannten Schwierigkeiten er vermöge seiner einzigartigen Kenntnisse das Haupt- 
augenmerk richtet. Es ist daher bei einer so verwickelten Frage, wie der hier 
behandelten, wohl zu erwarten, dass philologische Einwände gegen die von 
Schick vorgetragene Auffassung nicht ausbleiben werden. Ich habe es jedoch 
für angemessen erachtet, ScHiCK's Darstellung auch dort, wo sie meiner 
Meinung nach aus philologischen Gründen wirksam in Frage gestellt werden 
kann, unverändert wiederzugeben. Nur einige Verweise habe ich um der Ver- 
vollständigkeit willen hinzugefügt. Gi'THE. 



42 Schick, 

Zur leichteren Übersicht zerlege ich meine Behandlung des 
Gegenstandes in mehrere Abschnitte. 

1. Die nächtliche Kecognoscirung des Nehemia. 

Als Nehemia diu'ch besondere Gunst des Perserkönig^s Statt- 
halter von Judäa geworden und in Jerusalem eingetroffen war — 
etwa 90 Jahre nach der ersten Rückwanderung aus Babylonien 
— fand er Jerusalem noch in Trümmern und die sie bewohnenden 
Juden in einem armen Zustande. Es wird ja Xeh. 7, 4 ausdrück- 
lich gesagt : »Die Häuser Avaren nicht gebauet«. Das Erste, was 
Nehemia zu thun für nöthig findet, ist die Wiederherstellung der 
Stadtmauer. Um ihren Zustand ungestört und von der Menge 
nicht bemerkt genau kennen zu lernen, reitet er des Nachts um 
die Stadt, von nur wenigen Männern begleitet Neh. 2, 12 — 15). 
Er begiebt sich durch den bedeckten Gang westwärts zum Thal- 
thor hinab ;vgl. ZDPV. XIII, 33), durch das Thor, das ohne 
Thür war und offen stand, ins Freie hinaus und folgt dem das 
Thal hinab führenden Wege am »Drachenbrunnen« vorbei. Diesen 
«Drachenbrunnen« vermögen wir heute nicht mehr nachzuweisen. 
Ich nehme an, dass er mit der hier in Schlangenlinien durch- 
führenden, damals schon alten Wasserleitung zusammenhing inid 
vielleicht ein xlusguss derselben war, wie noch heute ein solcher 
a\if dem Damm des Sultanteiches vorhanden ist. Ob etwa die 
schlangenartige Gestalt der Ausgussröhre oder die Leitung selbst 
wegen ihres gekrümmten Laufes dem Brunnen seinen Namen 
gegeben hatte, ist ebensowenig auszumachen, wie die genaue 
Lage desselben in diesem Thale. Nehemia reitet weiter am Mist- 
thore vorbei, d. h. unterhalb desselben. Er sieht in der nächt- 
lichen Beleuchtung die zerrissenen Mauern auf der Höhe und 
schaut durch die offenen Thore — sie waren ja »mit Feuer ver- 
zehrt' — auf die Trümmer der Stadt. Das thut ihm Avehe (V. 13;, 
Doch war der Weg gewiss frei, da die Steine nicht bis auf ihn 
herabgefallen waren und die Mauer hier auch weniger beschädigt 
war. Wo das Hinnomthal mit dem Kidronthal sich verbindet, 
wendet sich Nehemia nach N. So geht er V. 14) vom Thalgrunde 
nordwärts »hinüber« zum l>runnenthor, das am äussersten Fusse 
des SW. -Hügels nahe am Tyropöontliale lag, und zu des Königs 
Teich, den ich in dem grossen Siloahteich hirket el-hamrä) im 
untersten Theil des Tyropöonthales erkenne. Dort findet er jedoch 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 43 

SO viel Steine der eingestürzten Mauern und Häuser auf seinem 
Wege, dass er das Tyropöontbal nicht Aveiter hinaufgehen kann; 
sondern er sieht sich gezwungen, nach O. abzubiegen und im 
Kidronthal (Luther : »den Bach hinan« weiter hinaufzureiten. 
Aufs neue schmerzt ihn der üble Zustand der Mauern. In der 
J^ähe der Marienquelle, wo das Thal sich verengt, wird er um- 
gekehrt sein, um durch das Thalthor von W. aus w'ieder das 
Stadtgebiet zu betreten. 

2. Beschluss und Ausführung des Mauerbaus. 

Am folgenden Tage trägt Nehemia einer Rathsversammlung 
die Nothwendigkeit des Mauerbaus vor und erlangt ihre Ein- 
willigung zu seinem Vorhaben. Weil das Volk arm und seine 
Lage bedrängt war, der Bau aber mit einer gewissen Eile ausge- 
führt werden musste, so verzichtete man darauf, viel Kunst auf 
den Bau zu verwenden oder ihn besonders schön auszuführen. 
Man benutzte die alten Steine, wie man sie gerade fand, ohne 
sie neu zu bearbeiten oder zu sortiren. Theile der Mauer, die 
hoch standen. Avurden erhöht, so weit es nöthig war; die alten 
Fundamente Avurden sofort benutzt, Avenn sie erreichbar Avaren ; 
wo sie aber fehlten oder durch tiefen Schutt verdeckt Avaren, baute 
man ohne festen Grund in den Schutt hinein, w'ie es z, B. Charles 
Warren bei der Ophelmauer gefunden hat. Es handelte sich 
darum, die Ringmauer nur in einen vertheidigungsfahigen Zu- 
stand zu setzen. Man überliess es einer späteren und gelegeneren 
Zeit, schAvache Stellen zu vervollständigen. An einigen Punkten 
mag man Aor der eigentlichen Mauer noch eine Vormauer ge- 
zogen haben, so dass eine Doppelmauer entstand, wie dies bei 
Befestigungen nicht selten der Fall ist. 

Nehem. 4, 10 lesen Avir : ))Die Kraft der Träger ist zu schAvach 
und des Staubes (d. h. des Schuttes zu viel; wir können an der 
Mauer nicht bauen« — d. h. in der bisherigen Weise nicht weiter 
bauen. Die Arbeit schritt zu langsam vorAvärts; sie musste anders 
eingerichtet Averden, wenn man rascher zum Ziele kommen und 
vor den feindlichen Angriffen sicher sein Avollte. Die Hälfte der 
Knappen des Nehemia that von nun an Wächterdienste auf der 
ganzen Baustrecke, die andere Hälfte, ebenfalls beAvaffnet, blieb 
bei der Arbeit. Die Lastträger luden mit der einen Hand auf, 
mit der andern hielten sie die Waffe ; die Maurer thaten mit dem 



44 Schick, 

Schwert an der Seite ihre Arbeit. Sobakl sieh irgendwo eine 
Gefahr zeigte, hess Neheraia durch seinen Begleiter mit der Po- 
saune das Zeichen zur Sammlung an dem bedrohten Punkte 
geben. So kam der Bau rascher vorwärts. Die Arbeit musste in 
Folge dieser Einrichtung wohl recht ungleich werden. Kleine 
und grosse Steine kamen neben einander zu liegen; die Lagen 
waren von ungleicher Höhe : Mörtel scheint wenig gebraucht 
worden zu sein, wie ja die Mauern aus jener Zeit meist trocken, 
aber mit guten A erbindungssteinen aufgeführt zu sein pflegen. 
Steinmetzen hatten bei dieser Arbeit nichts zu thun. Gräber, 
Träger, Handlanger und Maurer hatte man für die Erneuerung 
der Mauern nöthig. Zimmerleute für das Holzwerk, Schmiede 
für die Eisensachen und die Geräthe. Aus Neh. 4, 22 sieht man, 
dass viele dieser Bauleute nicht in der Stadt, sondern auf dem 
Lande wohnten und daher Morgens zur Arbeit hereinkamen, 
Abends dagegen wieder nach Hause gingen. Noch heute machen 
es häufig die Arbeiter aus den Jerusalem benachbarten Dörfern 
ebenso. 

Die ganze Länge der Ringmauer einschliesslich der Thore 
betrug ungefähr S500 Ellen oder 40S0 m. Rechnet man hierzu 
die Strecken, wo die Mauer doppelt gewesen sein wird, nämlich 
2200 Ellen oder 1000 m, so belief sich die gesammte Länge auf 
etwa 10000 Ellen oder 5000 m in runder Summe. Diese wurde in 
ungefähr 70 Theile zerlegt; auf jede Theilstrecke kamen demnach 
durchschnittlich etwa 145 Ellen oder 72 m. Sicherlich hatten die 
einen eine kürzere, die anderen eine längere Strecke zu bauen, je 
nach der Beschaff"enheit und der Lage der Mauer. Da aber nach 
Neh. 3,13 eine Abtheilung allein mehr als 1000 Ellen ausführt, so 
bleiben für die übrigen Abtheilungen nur durchschnittlich 125 
Ellen. In der Aufzählung Neh. 3 ist offenbar mehr Gewicht gelegt 
auf die einzelnen Abtheilungen, insbesondere auf ihre Namen, als 
a^if ihren Antheil an der Arbeit. Dieser wird vermuthlich ziem- 
lich gleich vertheilt gewesen sein. Nur bei den Bewohnern von 
Sanoah wird ein besonders grosses Arbeitsmaass hervorgehoben. 

Leider vermissen wir in der Beschreibung des Mauerbaus 
Nehem. 3 viel, was zum vollen Verständniss der Sache unent- 
behrlich erscheint. Dennoch sind die Angaben für die Topo- 
graphie des alten Jerusalem von hervorragender Wichtigkeit und 
müssen nach Möglichkeit verwerthet werden. Ich Avill im Fol- 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 45 

genden versuchen, sie zu erklären und einer jeden von ihnen 
ihren Platz zuzuweisen. 

3. Der Lauf der Ringmauer nach Neheni. 3. 

Die Beschreibung beginnt Vers 1 mit dem Schafthor, das 
der Hohepriester nebst einem Mauerstück und nebst den Thürmen 
Mea und Hananeel baut. Dass die Arbeit in der Nähe des Tem- 
pels anfängt und dass der Hohepriester mit gutem Beispiele den 
Übrigen vorangeht, ist leicht verständlich. Weniger leicht aber 
ist es, die Lage des Schafthores festzustellen ^1 . Man setzt es 
freilich ziemlich allgemein in die Nähe der heutigen NO. -Ecke 
des Haram. Dabei stellen sich aber viele Schwierigkeiten ein. 
Ich setze dasselbe daher weiter nach W. und nehme an, dass es 
innerhalb des heutigen Haram lag, ungefähr in der Mitte 
zwischen der nördlichen Wand der Plattform und der nördlichen 
Ringmauer des Haram, ungefähr dem hZib el-atm südlich gegen- 
über, wo einst das nach O. sich senkende Thal seinen Anfang 
genommen hat. Es wird jetzt mit Erde bedeckt sein. Die nörd- 
liche Gegend des heutigen Haram lag noch in der ersten Hälfte 
des letzten Jahrhunderts vor Chr. ausserhalb des Tempelbe- 
zirkes. Nach den Erzählungen des Josephus Antiq. XIV. 4, 
2 — 4. Bell. jud. V. 5, 1 belagerte Pompejus von hier aus den 
Tempel. Er hatte zuerst die Stadtmauer zu nehmen, Avobei viele 
Häuser, nicht aber der Tempel zerstört wurde. Erst Herodes 
nahm diese Gegend, statt ihre Bauten wiederherzustellen, in den 
erweiterten Tempelbezirk auf. In dem dadurch verschwundenen 
Theile der Stadtmauer hat meiner Meinung nach das Schafthor 
als Stadtthor gelegen. Durch dasselbe führte der nächste Zu- 
gang von dieser Seite her zum Tempel. Daher hatte dieses Stadt- 
thor im Vergleich mit den übrigen einen mehr » kirchlichen « 
Charakter und Avurde desshalb »geheiligt«, Avas von den anderen 
Thoren nicht gesagt wird 2). 

Die Thürme Mea und Hananeel scheinen nicht zerstört ge- 
Aivesen zu sein, oder sie Avaren von den zurückgekehrten Juden 

1) Vgl. zu dem Folgenden: A'ON Alten, Die Antonia und ihre Um- 
gebungen in ZDPV. I, 60 ff. G. 

2) Das »Heiligen« oder »Weihen« sagt der hebräische Text auch von dem 
Thurme Mea aus. G. 



46 Schick, 

• 
schon früher -wohnlich eingerichtet worden, denn von ihrer 
Wiederherstelhmg redet die Beschreibung nicht, wohl aber von 
dem Neubau der Mauer zwischen ihnen und dem Schafthore. 
Diese Thürme standen auf der Höhe des Felsrückens, der wohl 
stets eine Befestigung getragen hat, später die Antonia (jetzt die 
Kaserne) . Die Wichtigkeit dieses Punktes , auch wohl seine 
Nähe am Tempel veranlassten eben den Hohenpriester und seine 
Genossen, diesen Theil der Mauer herzustellen. Ihre Häuser 
lagen ja an einem andern Orte, neben der früheren Davidstadt 
oder dem älteren Königshause am Ophel (V. 20 f.). 

Nach V. 2 bauten zwei Abtheilungen die Mauer von den 
genannten Thürmen bis in die Tiefe des Tyropöonthales, wo das 
Fischthor (V. 3) stand. Die Strecke misst 240 Ellen. Auf jede 
Abtheilung kamen daher 120 Ellen. 

Das Fischthor V. 3 stand in der Thalrinne und war mit seiner 
Umgebung völlig zerstört. Seine Lage genauer zu bestimmen, 
ist wiederum schwierig. Ich fasse sie so auf: Von den Thürmen 
oder von dem Antoniafelsen lief die Mauer auf dem Felsrande 
50 m südwärts ; dort ist heute der Felsen senkrecht abgehauen. 
Davor lag ein Teich, dessen N.- und "NV. -Seite die Mauer umgab, 
so dass er sich innerhalb derselben befand. Er wurde durch eine 
von N. her kommende und von mir erforschte Wasserleitung ge- 
speist. Wohl von der NW. -Ecke dieses Teichs zog die Mauer 
westwärts den Thalhang hinauf bis zu der später zu besprechen- 
den Stelle »Thekoa«. Manasse hatte aber bei dem Fischthore 
ein Vorwerk gebaut (2 Chr. 33, 14), so dass Thor und Mauern 
hier doppelt waren. Wahrscheinlich ist unter Nehemia nur die 
äussere Mauer hergestellt worden, da die andere nicht erwähnt 
wird. Es scheint hier viel Arbeit nöthig gewesen zu sein, da den 
Bewohnern von Senaa nur das Fischthor zugetheilt wurde. Der 
Name des Thores kam wohl daher, dass an demselben der Fisch- 
markt (vgl. Neh. 13, IG) war oder dass in dem benachbarten 
Teiche Fische gehalten wurden. Etwas südlich von der Stelle, 
wo ich das Thor angesetzt habe, befinden sich die Koste eines 
alten Thurmes: dort wird die Mauer das Thal überschritten 
haben. 

Westlich vom Fischthore bauten V.4 drei Abtheilungen und 
V. 5 die Thekoiten bis zum alten Thor \. G. Das letzte Stück 
dieser Mauerstrecke stand auf einer hohen FelsAvand; auch nach 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 47 

den anderen Seiten hin fiel die näeliste Umgebung in steilen Fels- 
Avänden ab. Die Forschungen und Nachgrabungen der letzten zehn 
Jahre haben es unAviderleglich bewiesen, dass sich hier im Osten 
der Grabeskirche eine erhöhte Fels])latte befand. Sie ist gegen- 
wärtig durch Verschüttung völlig unkenntlich geworden, war aber 
ursprünglich etwa 300 jüdische Ellen lang und breit, ein nicht 
ganz vollkommenes Viereck. Ich vermuthe mit Bestimmtheit, dass 
hier schon in alten Zeiten eine Burg stand ') : und zwar damals 
der »Stuhl des Landpflegers« (V. 7), die Wohnung des Nehemia. 
Den Ausdruck »Thekoiten't verstehe ich von den Bewohnern 
dieser Felsplatte, eines besonderen Stadtquartiers, das ich dem- 
nach »Thekoa« nenne, worauf ich auch Jerem. 6. 1 beziehe (vgl. 
unten S. 53). Die natürliche Festigkeit dieses Stadttheiles kann 
vielleicht zum A'erständniss der Bemerkung V. 5 dienen, dass ihre 
Familienhäupter oder »Gewaltige« sich nicht selbst zur Arbeit 
hergegeben hatten. Es mochten auch Eifersüchteleien gegen den 
Statthalter Nehemia, der in der dortigen Burg wohnte, obwalten. 
Doch wurde von diesem und den einsichtigeren Führern des 
Volkes die Befestigung des Felsrandes durch eine wenn auch nur 
niedrige Mauer durchgesetzt. 

Für meine Auffassung des Namens Thekoa möchte ich Fol- 
gendes hier einschalten : Die von Babel Zurückgekehrten theilten 
sich nicht nur nach Familien, sondern auch nach ihren früheren 
Wohnörtern, als Ortsgemeinschaften. Da sie aus verschiedenen 
■Ursachen nicht alle sogleich wieder in ihre alten Heimathsorte 
einwandern konnten, blieben vorläufig alle oder ein Theil der- 
selben in Jerusalem, wo sie gemeinsam, aber von den anderen 
Ortsgemeinschaften abgesondert, wohnten. Man konnte daher 
von einem Quartier oder einer Gasse der Leute von Jericho, von 
Thekoa, von Sanoah xi. s. w. reden. Manche blieben für immer 
in Jerusalem, andere begaben sich mit der Zeit in ihren eigent- 
lichen Heimathsort zurück. So erklärt sich meiner Meinung nach 
auch, dass von Obersten. Halbviertelobersten, von Bezirken in 
der Stadt Jerusalem geredet werden konnte. Später, nachdem 
die staatliche Ordnung durchgeführt worden war. waren alle 



1) Charles Warren hat vermuthet, das.? hier der Berg Zion mit der 
Residenz des David zu suchen sei. Diese Vermuthung vermag ich nicht zu 
billigen. 



48 Schick, 

Bewohner einfach »Jerusalemiten«, freihch nicht als Grund- und 
Häuserbesitzer, sondern als Lehnsleute des Staats, da ganz Jeru- 
salem eine Staatsgemeinde war. So hatte das Volk das volle 
Recht, während der Festzeiten, die sie in Jerusalem zubrachten, 
in den Staatsgebäuden zu wohnen, mit und neben den ständigen 
Einwohnern Jerusalems. Diese hielten alles in Ordnung und 
waren auch sonst für das Wohl des Volkes und Staates in jeder 
Hinsicht thätig, während die Bewohner des Landes und der an- 
deren Städte Landwirthschaft trieben. 

V. 6 handelt vom Neubau des alten Thores. Der Name 
dieses Thores ist freilich unsicher ^), aber er lehrt doch, dass von 
jeher an diesem Orte Etwas vorhanden war, das als »alt« bezeich- 
net werden konnte. Dieses Thor lag an der Nordseite der oben 
beschriebenen Felsplatte, die ich Thekoa genannt habe. Da die 
V. 6 genannte Abtheilung, ähnlich wie es sich V. 3 verhält, allein 
mit der Erneuerung dieses Thores zu thun hat, so dürfen wir ge- 
wiss annehmen, dass es stark beschädigt gewesen ist. Das er- 
scheint als ganz natürlich, da dieses Thor meiner Meinung nach 
der Zugang von aussen war zu diesem besonders festen Punkte. 

Nach V. 7 stellen vier Abtheilungen die W. -Mauer und einen 
Theil der S. -Mauer an dieser Felshöhe her. Den Zusatz «am 
Stuhle des Landpflegers« verstehe ich als eine Bezeichnung der 
Burg, in der der Statthalter Hof hielt und mit seinen Leuten 
wohnte. Die Burg stellte Nehemia wohl selbst mit seinen Leuten 
und in der Nähe angesiedelten Bewohnern der Stadt her. Nehem. 
5, 16 scheint darauf hinzudeuten, Avährend der Verfasser es hier 
aus Bescheidenheit nicht erwähnt. Die Felshöhe «Thekoa« muss 
auch im Süden ein Thor gehabt haben, das ich »Ephraimsthor« 
nennen möchte. Dasselbe ist hier zwar nicht erwähnt, wohl aber 
in Cap. 12, 39. Ich ziehe daraus den Schluss, dass es unversehrt 
war und keiner Erneuerung bedurfte. Aus 2 Kön. 14, 13 ergiebt 
sich freilich, dass schon in der ältesten, der sogenannten ersten 
Mauer Jerusalems ein Ephraimthor vorhanden war. Da nun Ne- 
hemia nicht die erste, sondern die zweite, von Hiskia gebaute 
Mauer wiederherstellte, so ist mir gelegentlich meines früheren 
Aufsatzes über die zweite Mauer eingewandt worden, dass das 
Ephraimthor der zweiten Mauer überhaupt nicht angehöre 2). 

1) Vgl. ZDPV. VIII, 27',t. G. 2) Vgl. ZDPV. VIII, 279 f. 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 49 

Ich gebe zu, dass dieses Thor ursprünglich der ersten Mauer an- 
gehört hat, der ältesten Nordmauer Jerusalems, und nehme aa, 
dass es sich ungefähr in der Mitte derselben befand. Als aber 
die zweite Mauer gebaut Avurde, musste auch sie ein Thor in der 
Linie des alten Ephraimthores haben. Auf das neue Thor AAurde 
der Name des alten Thores übertragen und dieses, da es nicht 
mehr ins Freie, sondern in eine Vorstadt führte, «Mittelthora ge- 
nannt (Jerem. 39, 3). Als die Chaldäer bei der Eroberung Jeru- 
salems das äussere Thor eingenommen hatten, fanden sie bei der 
ersten Mauer erneuten Widerstand, der ihr Vordringen aufhielt. 
Diese Zeit, während der die Chaldäer am Mittelthor beschäftigt 
waren, benutzte der König Zedekia. um die Stadt an ihrem S.- 
Ende durch das Thor zwischen den beiden Mauern beim Garten 
des Königs zu verlassen. 

Die eben besprochenen Thore standen in einer Linie mit 
dem heutigen Damaskusthor, das in der dritten Mauer Jerusalems 
zweifellos seinen Vorgänger gehabt hat. Von dem Thor der 
dritten Mauer führte eine Strasse in ziemlich gerader Linie durch 
das alte Thor, das Ephraim- und Mittelthor in die Stadt hinein 
und setzte sich südwärts bis zum alten Mist- oder Essenerthor 
fort (s. Tafel II). Dem I;auf dieser alten Strasse entsprach es, 
wenn das Zionsthor im Mittelalter weiter nach Osten stand als 
jetzt ^). Diese Strasse theilte die Stadt in eine westliche und öst- 
liche Hälfte. 

Nach V. 8 bauten Goldschmiede und Salbenhändler die 
Mauer in westlicher Richtung weiter bis zur «breiten Mauer«. 
Die »breite Mauer« ist nichts Anderes als die dicke dammartige 
Ostmauer des Hiskiateiches, die zugleich eine Verbindung zwischen 
der ersten und zweiten Mauer bildete und einen Verkehrsweg 
darbot, ehe die umliegende Gegend geebnet war. Sie war bei 
der Eroberung nicht zerstört worden und brauchte desshalb nicht 
wieder hergestellt zu werden, zumal da sie nicht zur eigentlichen 
Befestigung der Stadt diente. Demnach beträgt die von den 
beiden V. 8 genannten Abtheilungen gebaute Strecke etwa 300 
Ellen. Sehr merkwürdig ist, dass noch heute gerade die ge- 
nannten Kaufleute in dieser Gegend in dem dreifachen Sük ihre 
Geschäfte treiben. Es war ebenso zu der Zeit, als die Kömer 

1) Vgl. ToBLER, Topographie von Jerusalem I, 1G9. 
Ztschr. d. Pal.-Ver. XIV. 4 



50 Schick, 

Jerusalem eroberten. Josephus erzählt Bell. jud. V. 7, 4 und 8, 1, 
dass die Soldaten, nachdem sie den festen Punkt der zweiten 
Mauer — die Thekoahöhe — besetzt hatten, in die engen Gassen 
des Marktes eindrangen. Der Wollmarkt, die Schmiedewerk- 
stätten und der Kleidermarkt werden genannt, die zum Theil 
noch heute sich dort befinden. — Die in Vers S genannten 
Abtheilungen bauten bis zur breiten Mauer. Die ausserdem 
noch von ihnen berichtete Thätigkeit wird verschieden gedeutet. 
Luther übersetzt : «sie bauten aus Jerusalem bis (f — ; die eng- 
lische Bibel hat: »sie befestigten Jerusalem bis« — ; eine jüdisch- 
deutsche Übersetzung sagt : »sie pflasterten Jerusalem bis zur 
breiten Mauer«. Ich vermag diesen Übersetzungen keinen rechten 
Sinn abzugewinnen; das Wiederherstellen der Mauer war doch an 
allen Stellen ein ))Befestigen« der Stadt, und die Bauabtheilungen 
des achten Verses können doch nicht ganz Jerusalem »gepflastert« 
haben. Ich vermuthe in den betreff"enden Worten eher den Sinn: 
»sie ebneten oder glichen aus«, nämlich die Unebenheit der be- 
nachbarten Oberfläche innerhalb der Stadt. Einst senkte sich 
ein kleines Thal von hier nach (). hinab. In seinen Anfängen 
legte König Hiskia den Teich an, der meiner Meinung nach 
seinen Namen mit Recht trägt, da ihm laut 2 Chron. 32. 5 die 
Erbauung der zweiten Mauer zuzuschreiben ist. Den weiteren 
Lauf dieses Thaies, so weit er dem hier in Frage stehenden 
Mauerstück nahe war, ebneten die V. 8 genannten Leute aus. 
Gegenwärtig ist bekanntlich von diesem Thal nichts mehr 
wahrzunehmen, so dass mau über seine Existenz hat streiten 
können^). 

Von der breiten Mauer nach Westen baute V. 9 Repha ja, 
»der Oberste des halben Viertheils zu Jerusalem«. Hier begegnen 
wir zum ersten Mal dem Obersten eines Stadtbezirkes. Diese 
Benennung Aviederholt sich in den folgenden Versen. Zweimal 
finden wir ganze Viertheile genannt; nimmt man diese mit den 
halben Viertheilen zusammen, so erhält man acht Viertheile. 
Diese waren aber ohne den Tempel in fünf Bezirke eingetheilt, 
nämlich 1. Jerusalem (zwei Viertheile), 2. Beth Kerem, 3. Mizpa, 
•1. lieth Zur ein hall)es Viertheil). 5. Kegila (ein halbes Vier- 

i; Vgl. zu V. 8 meine Bemerkungen in ZDPV. VIII, 282 f., sowie 
RvssEL in Bertiieai'-Rv.s.sel, Esra, Nehemia und Esther (1887, S. 204. G. 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 5 1 

theil). Diese Eintheilimg entspricht fünf verschiedenen Quar- 
tieren der Stadt 1). 

Ausser Rephaja bauen Y. 10 noch zwei Abtheilungen an der 
Mauer westwärts den Berg hinauf und dann südwärts bis zum 
heutigen Davidsthurm. Hier schloss sich die zweite Mauer an 
die erste Mauer an. Die Reste hat man in neuerer Zeit gefunden^). 
Nun lautet 

V. 11 : j)Malchia und Hassub bauten zwei Stücke und den 
Thurm bei dem Ofenc. Was Luther hier mit »zwei Stücke« über- 
setzt, giebt die englische Bibel wieder durch > ein anderes Stückcf, 
eine jüdisch - deutsche Übersetzung durch »eine zweite Ab- 
theilung«. Dieser letztere Ausdruck scheint mir der Wahrheit 
am nächsten zu kommen 3; . Bei allen Festungswerken giebt es 
Stellen, an denen eine doppelte Mauer nöthig Avird, eine äussere 
am Graben und eine innere, die Hauptmauer, oder wenn ein 
Abhang befestigt werden soll, eine untere, die Vormauer, und 
eine obere. So niuss es auch bei der Ringmauer Jerusalems ge- 
wesen sein. Manasse baut z. B. noch eine Mauer ausserhalb der 
Stadt Davids [2 Chron. 33, 14) : zur Zeit der Kreuzfahrer hatte 
Jerusalem an einigen Stellen doppelte Mauern, und noch heute 
ist es so bei der KaFa, der Citadelle. Man darf daher wohl an- 
nehmen, dass es auch in alter Zeit so gewesen ist, und ich deute 
die in V. 1 1 vorkommenden Worte «zweite Abtheilungtc auf eine 
äussere Mauer, eine Vormauer. Diese und den Ofenthurm stellten 
Malchia und Hassub Avieder her, während Sallum V. 12 das ent- 
sprechende Stück der inneren, höher liegenden Mauer baute, 
nämlich bis zum Thalthor V. 13. Das Eckthor ist hier nicht ge- 
nannt; wahrscheinlich bedurfte es keiner Ausbesserung. Jeden- 
falls ist es an der Stelle des heutigen Kastells zu suchen. Die 
Thürme, die üsia zur Sicherung des Eckthores baute (2 Chron. 
26, 9). sind wohl die ältesten Vorgänger der noch heute dort 
stehenden Thürme ^) . 

Das Thalthor V. 13 bauten Hanun und die Bürger von Sanoah, 
ausserdem 1000 Ellen der Mauer bis zum Mistthore. Die Lage 

1) Vgl. Thexiis, Bücher der Könige ,1849), Anhang S. 12. 

2) Vgl.ZDPy. VIII, 271 f. 

3} Prof. GuTHE gebraucht in einer mir zugesandten Übersetzung den 
Ausdruck »zweite Strecke". 
4) S. ZDPV. XIII, 31 ff. 

4* 



52 Schick, 

dieses Thores habe ich, wie schon oben gesagt wurde, in dieser 
Zeitschrift XIII 1S90), S. 31 ff. behandelt. Die 1000 Ellen bis 
zumMistthore nehme ich nicht als gemessene Entfernung, sondern 
als Gesammtmaass der Breschen, die diese Leute in der sonst noch 
erhaltenen Mauer auszubessern hatten. Wie in dem ganzen Be- 
richt stets die Arbeit, nicht die Entfernungen, angegeben ist, so 
nluss auch dieses einzige Maass, das ausdrücklich genannt wird, 
von der Arbeitsleistung verstanden werden. Wollte man übrigens 
die tausend Ellen vom Thalthor ab messen, so käme man damit 
bis zur Schule des Bischofs (jrobat. Dort hat man jedoch bei 
allen Nachgrabungen Spuren eines Thores nicht gefunden. Auch 
ist es nicht wahrscheinlich, dass in der Nähe der die Höhe um- 
kreisenden Wasserleitung eine Kloake oder ein Mistplatz, von 
dem das Mistthor den Namen haben könnte, gewesen ist; wenig- 
stens findet sich dort heute nichts, das darauf hinwiese. Ferner 
folgt auf das Mistthor V. 14 gleich in V. 15 das Brunnenthor, 
das doch sicher nahe am Siloah zu suchen ist. Würde man nun 
das Mistthor bei der Schule des Bischofs Gobat ansetzen, so 
würde für eine Strecke von 2000 Ellen jede Angabe über den 
Mauerbau fehlen. Desshalb hat das Mistthor bestimmt weiter 
nach Osten gelegen. 

JosEPUus erwähnt Bell. jud. V. 4, 2 eine ÖrtlichkeitBethso da, 
wo die liingmauer nach Osten umbog, d. h. bei der Schule des 
Bischofs Gobat. Auch diesen Namen haben Einige auf das Mist- 
thor gedeutet und für seine Lage an dieser Stelle verwerthet. 
Aber zunächst giebt Josephus den Namen nicht als Bezeichnung 
eines Thores, sondern einer Gegend aus; und dann scheint mir 
die Bedeutung des Namens zweifelhaft zu sein. Dr. Schultz denkt 
z. B. an einen »besäeten Platz«, nämlich an den Garten des arme- 
nischen Klosters. Ich möchte es als Bethsur nehmen und an die 
hohe Felswand bei dem protestantischen Begräbnissplatz denken, 
die die hier besonders feste Mauer trug; das war ein wahres 
»Felsenhaus« ! Das nächste Thor, das Josephus erwähnt, ist das 
der Essener. Wenn man die ganze Lage der alten Stadt in Be- 
tracht zieht, so ergiebt sich ein Thor als wahrscheinlich an der 
Stelle, wo der seit den ältesten Zeiten bis heute über den 15erg- 
rücken führende Weg südwärts ins Thal hinabgeht. Dort nehme 
ich mit VON Rau.mer und Anderen das Essenerthor des Josephus 
an, das seinen Namen von den so genannten jüdischen Einsied- 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. '53 

lern erhielt, die in den gegenüberliegenden Felsenhöhlen wohnten. 
In früheren Zeiten hat es den Namen Mistthor gehabt, das 

nach V. 14 Malchia, der Oberste des Bezirks von Beth Kerem 
(Luther : des Viertheils der Weingärtner) baute. Das Thor hiess 
so, weil es nach der Stätte Topliet führte, die wegen ihres ab- 
scheulichen Kultus als unrein angesehen und zur Ablagerung 
von allerlei Unrath benutzt wurde. Nach dem Exil, als es keinen 
Götzendienst in Jerusalem mehr gab, verlor diese Stätte ihre üble 
Bedeutung, so dass mit der Zeit auch das Thor einen anderen 
Namen empfing \). Die hier auf dem Felsrande sich hinziehende 
Mauer war wenig beschädigt: desshalb ist von einer Erneuerung 
derselben nicht die Rede. Der Abhang ausserhalb der Mauer bis 
ins Thal hinab war wohl mit Weinreben besetzt und hatte davon 
den Namen Beth Kerem erhalten, »Weinbergstätte«. Dem heutigen 
ITakeldama gegenüber scheint ein ansehnliches Bollwerk sich 
erhoben zu haben, das von der Gegend den Namen Beth Kerem 
trug und Jerem. 6, 1 der Gegend Thekoa im Norden Jerusalems 
entgegengesetzt wird. Ein breiter runder Schutthaufen, der noch 
heute dort liegt, hat mich zu dieser Annahme geführt. 

Aiif das Mistthor folgt in Y. 15 das Brunnenthor, das Sallum, 
der Oberste des Viertheils von Mizpa, baute. Derselbe stellt zu- 
gleich die Mauer am Teich Siloah bei dem Garten des Königs bis 
an die Stufen, die von der Stadt Davids herabgehen, wieder her. 
X)a die Beschreibung von hier ab im allgemeinen von S. nach N. 
fortschreitet, muss das Brunnenthor, das früher als der Siloah- 
teich genannt wird, südlich von diesem gelegen haben. Ich ver- 
muthete anfangs, dass seine Stelle nicht weit südlich vom Jesaia- 
baume gewesen sei. Da aber Professor Guthe ISSl dasselbe 
dort nicht fand, so setzte ich es weiter südlich an. der Mauerecke 
näher, oberhalb der dort in den Felsen gehauenen Stufen - 1 . Da 
aber Nehemia nach Neh. 2, 14 vom südlichen Thal aus zum 

1) Jerem. 19, 2 lesen wir; »Gehe hinaus ins Thal Ben Hinnom, das vor 
dem Ziegelthor e liegte«. Dieses Ziegelthor, dessen Name von Anderen als 
Sonnen- oder Ostthor erklärt wird, schwerlich mit Recht, muss mit dem oben 
besprochenen Essener- oder Mistthor identisch sein. Der Name hängt viel- 
leicht damit zusammen, dass sich Ziegeleien dort befanden — Lehm und 
"Wasser ist in der Nähe — oder dass die dort befindlichen Altäre des Moloch- 
dienstes aus Ziegelsteinen hergestellt waren, da die gewöhnlichen Steine durch 
die Hitze nur zersprungen und zu Kalk, gebrannt worden wären. 

2; S. diese Stufen auf Tafel VIII in ZDPV. V u. S. 281 des Textes. G. 



54 Schick, 

Brunnenthor > hinübergeht^, so kann es doch nicht gar so -weit 
vom Jesaiabaiim entfernt gewesen sein. 

Die Mauer am Teich Siloah ist die Dammmauer des Teiches, 
auf der der Jesaiabaum steht und ein Weg über das verschüttete 
Tyropöonthal hinüberführt, der sich in nördlicher Richtung über 
die noch in einigen Eesten erhaltenen Stufen der Davidstadt zum 
Ophel hinaufzieht. Diese Mauer, die wie ein Damm das Tyro- 
pöonthal abschloss, trug wohl einst einen bedeckten Weg, der 
die Davidstadt im O. mit der Stadt Jerusalem im W. am äussersten 
Südrande verband. Der grosse Teich lag innerhalb der Mauer. 
Er hiess Siloah, weil das Wasser der Marienquelle durch unter- 
irdische Kanäle hierher geleitet wurde (Joh. 9, 7). Er dehnte 
sich rechts und links bis an die Felsenklippen aus und hatte nach 
der Stadt zu eine rundliche Form. An der X. -Seite floss während 
der trockenen Jahreszeit ein kleiner Bach in einer noch jetzt vor- 
handenen Felsrinne zu den Königsgärten hinab; an der S. -Seite 
führte ein schmaler Weg von der Stadt herab an dem Teiche 
hin und über die Anhöhe zum Brunnenthor, gerade aus dagegen 
zu einem kleinen Thor «zwischen den zwei Mauern«, durch das 
der König Zedekia mit wenigen Getreuen nachts in aller Stille 
vor den von N. her in die Stadt vordringenden Feinden zu ent- 
kommen suchte 2 Kön. 25, 4. 

V. 1(>. Neben Sallum baute Nehemia. der Oberste des halben 
Viertheils von Beth Zur, «bis zum Haus der Helden«. «Die Stufen, 
die von der Davidstadt herabführen« (V. 15), bildeten innerhalb 
der Mauer einen Zickzackweg den Berg hinauf. Die Oberfläche 
desselben war hier unten nicht bebaut, obwohl sie von der lling- 
mauer umschlossen wurde : sie enthielt den Begräbnissplatz der 
jüdischen Könige, der kurzweg j Gräber Davids« im A. T. genannt 
wird. Dort lag ferner der »Teich Asuja«. wie Luther gesetzt hat; 
richtig wäre »der gemachte, der Kunstteich«. So hiess er, Aveil er 
künstlich angelegt, in den Felsen gehauen worden war, während 
in der liegel das einfache Mittel eines Dammes genügte, um in 
einer Thalsenke einen Teich herzustellen. Ich vermuthe, dass er 
vor dem Eingange in die Königsgräber lag, wie man das bei 
Felsengräbern häufig trifft und es auch bei den sogenannten 
Königsgi-äbern im N. der Stadt der Fall ist. Das erste zur David- 
stadt gehörende Gebäude war das «Haus der Heldcni, d. h. eine 
(von David gebaute) Kaserne, wie wir sagen würden. Sie lag 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 55 

schon auf der zweiten Terrasse^) des SO.-Hügels, eine südliche 
Erweiterung der Feste Zion durch David, 

Mit der dritten Terrasse begann die alte Burg der Jebusiter, 
die David nach der Eroberung zu seiner Residenz machte, Sie 
erstreckte sich nördlich bis oberhalb des Gihon, der heutigen 
Marienquelle, Zunächst bauen hier Y, 17 und 18 die Leviten 
unter Rehum. ferner Hasabja, der Oberste des halben Viertheils 
von Kegila : weiter ihre Brüder Bavai, unter denen der Oberste 
des anderen halben Viertheils von Kegila genannt wird ; alle zu- 
sammen etwa eine Strecke von 300 Ellen, An dieser Strecke 
lag die Wohnung Davids und seiner Diener (Neh. 12, 37), auf der 
vierten Terrasse, Oberhalb derselben wurde die Mauer doppelt, 
die ^innere) Hauptmauer machte zunächst eine starke Biegung 
nach Westen. Die Beschreibung erwähnt die Wiederherstellung 
der (äusseren) Vormauer zuerst, insofern 

nach V. 19 Eser, der Oberste von Mizpa, ein Stück ))zweiter 
Abtheilungc d. i. der äusseren Mauer) baut »den Winkel hinan 
gegen dem Harnischhause«. Ich verstehe das hebräische Wort 
für Winkel nach Lewix, Siege of Jerusalem 312, von einem ein- 
springenden Winkel, In diesem Winkel befand sich das 
einstige (und einzige) Thor der alten Jebusiterfeste, das durch 
einen Weg, den Salomo 1 Kön. 1, 33. 3S benutzte, mit dem Gihon 
in Verbindung stand. Das Harnischhaus oder Zeughaus lag 
gleich innerhalb an der rechten Seite des Thores ; es w^ar ein 
Jebusitergebäude. das David ausbaute und zu Staatszwecken be- 
nutzte. David hat mit der Vergrösserung der Feste nach N. auch 
zugleich die dortigen Theile der Ringmauer angelegt, 

Barucli baute V. 20 ein Stück der ))zweiten Abtheilung«, d, i. 
der äusseren Mauer, Aveiter nördlich »bis an die Hausthür Eliasib, 
des Hohenpriesters.« Die von David der Burg Zion im X. hinzu- 
gefügten Gebäude waren nicht völlig zerstört worden, so dass sie 
nach der Rückkehr der Juden ohne grosse Mühe w^ieder herge- 
richtet werden konnten. In diesem vornehmen Stadtviertel nahm 
der Hohepriester seine Wohnung, während die niedrigeren Tem- 
peldiener näher am Heiligthum Avohnten. 

Meremoth setzt V. 21 diese äussere Mauer gegenüber dem 



1) Zu diesen Terrassen des SO.-Hügels vgl. ZDPV. V, Tafel VIII. Die 
Terrassen sind dort von N. nach S., hier dagegen von S. nach N. gezählt. G. 



56 Schick, 

Hause Eliasib's fort bis zu dessen Nordende. Hier hörte zvigleich 
die eigentliche Davidstadt auf. Jedoch hatte Salomo, durch den 
Bau des neuen Königspalastes dazu veranlasst, auch die fünfte 
Terrasse des SO. -Hügels behaut, die etwas höher lag als die 
vierte, dagegen ziemlich bedeutend von der sechsten Terrasse, 
die den neuen Königsbau trug , und der siebenten Terrasse, 
auf der der Tempel stand, überragt wurde. Auch diese durch 
die älteren davidischen Könige Jerusalems erbaute Vorstadt er- 
hielt mit der Zeit eine Doppelmauer, da Manasse zvi der von 
David und Salomo gebauten äusseren die innere Mauer hinzu- 
fügte. 

Die in V. 22 bezeichneten Priester stellten die innere Mauer 
her, etwa soweit, wie die vorher Genannten die äussere Mauer 
gebaut hatten. Ihre Arbeit an der inneren Mauer setzten nach 
V. 23 Benjamin und Hasub fort, jeder seinem Hause in der Vor- 
stadt gegenüber. Damit nähern wir uns der Gegend, wo Warren 
1868 — 1870 nach der Mauer des Ophelhügels gegraben hat. Er 
fand dort einen auf hoher Felsklippe stehenden doppelten Thurm, 
von dem eine doppelte Mauer ausging. Dieser Befund findet 
durch meine Auffassung seine Erklärung. Beide Mauern 
kommen sich bei diesem Doppelthurm sehr nahe, so dass der 
V. 23 ebenfalls erwähnte Asarja nicht mehr seinem Hause gegen- 
über, sondern «neben« demselben zu bessern gehabt hat. 

Von hier ab behandelt die Beschreibung wieder wie früher 
zuerst die Herstellung der äusseren Mauer. Denn V. 24 baut 
Bentii eine »zweite Abtheilung«, d. i. ein Stück der äusseren 
Mauer, »vom Hause Asarja bis an den Winkel und bis an die 
Ecke«. Bei dem Hause des Asarja theilte sich die Mauer wieder. 
Die äussere bog nach O. ab, bildete also einen Winkel. An der 
«Ecke«, bis zu der Benui baute, bog sie nach N. um. Diese Ecke 
Avurde durch einen Thurm gebildet, der auf einem Felsen stand 
und wohl noch grösstentheils erhalten war. In dieser Mauer- 
strecke setze ich das Nehem. 12. 37 genannte »Wasserthor gegen 
Morgenc an, d. h. das östliche, dem ein westliches im Bezirk des 
Tempels entsprach. Auch zu diesem Thor führte ein Weg von 
der jetzigen Marienquelle herauf, der noch heute vorhanden ist. 
Dieses Thor ist freilich Noh. 3 nicht erwähnt; vielleicht war es 
erhalten geblieben. 

Palal und Pedaja bauen V. 25 die innere Mauer, nämlich 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 57 

die von Ch. Warren 1868 — 1870 aufgedeckte und Ophelmauer 
benannte. Sie muss von Manasse (2 Chr. 33, 14) in einer Zeit 
gebaut Avorden sein, in der schon viel Schutt dort lag; denn 
Warren fand, dass sie nicht auf Felsengrund, sondern auf Schutt 
aufgeführt "worden ist. Von dieser Mauer kann wirklich gesagt 
werden, dass sie »dem Winkel und dem hohen Thurme, der vom 
Königshause heraussieht a , gegenüberliege. Der untere Theil 
dieses Thurmes steht meiner Meinung nach heute noch als 
die SO. -Ecke des Haram. die früher, wie sich an derselben 
nachweisen lässt, ein förmlicher Thurm war. Hier setze ich 
daher auch den »Kerkerhofe an, der dem königlichen Palaste 
nahe lag. 

V. 26 ist eine Zwischenbemerkung, aus der wir erfahren, 
dass der Eaum zwischen den beiden Mauern, der Ophel hiess, 
von den Nethinim oder Tempeldienern bewohnt war. Dieser 
Raum erstreckte sich südwärts bis zum Wasserthor und dem 
dort erwähnten Eckthurm (s. zu V. 24K Man sieht hieraus, dass 
von zwei Thürmen die Rede ist, von einem, der die Ecke bildet 
V. 24, und von einem anderen, der an der SO. -Ecke des hohen, 
d. h. oberen oder höher gelegenen Königshauses stand. 

Die von Thekoa bauen Y. 27 eine «zweite Abtheilungtf, d. h. 
ein Stück der äusseren Mauer. Ihr Antheil erstreckte sich 
gegenüber der eben genannten inneren Mauer nördlich von dem 
V. 24 genannten Thurme und beschützte den Ophel. 

V. 28 wendet sich die Beschreibung wieder zur inneren 
Mauer, der Ostmauer des äusseren Tempelvorhofes. Diese bauen 
die Priester, jeder seinem Hause gegenüber. Da das Königshaus 
nach dem Exil nicht wieder aufgebaut wurde, so wurde der Platz 
desselben zum Tempelbezirk gerechnet, wenn auch erst Herodes 
ihn wirklich darin einschloss. Der hohe Thurm am Königshause 
(V. 25) war stehen geblieben, ebenso ein Stück Mauer bis zum 
Rossthore. Daher beginnt die Baustrecke dieser Abtheilung erst 
vom Rossthore. Weiter nördlich bauen 

V. 29 Zadok, wohl auch ein Priester, und der Thorhüter 
Semaja bis an das Rathsthor (3. 31. Dieses war identisch mit 
dem späteren Thor Susan und dem heutigen Goldenen Thore, 
dessen Wächter Semaja war. 

In y . 30 ist wieder von einer Strecke der äusseren Mauer die 
Rede, die Hananja und Hanun bauten. Ferner baute Mesullam 



58 Schick, 

vor seiner Zelle. Diese drei Abtheilungen werden ungefähr eine 
Strecke von 400 Ellen wiederhergestellt haben. 

V. 31 baut Malchia bis an das Haus der Nethinim und der 
Krämer, eine Strecke von ungefähr 100 Ellen. In der Nähe des 
Kathsthores war ZAvischen beiden Mauern ein öffentliches Ge- 
bäude, das ein Amts- und Wachtzimmer für die Tempelpolizei sowie 
auch eine Markthalle enthielt. Auch später befanden sich solche 
Räume in dieser Gegend und führten in dem herodianischen 
Tempel den Namen Beth Hanoth. Bei diesem Gebäude bog die 
Mauer nach W. um. An der Ecke war ein grosser Saal oder rich- 
tiger ein Söller, ein Obergemach, das als Gerichts- oder Raths- 
zimmer diente, während die unteren Räume Amts- und Warte- 
zimmer oder auch Gefängnisse enthielten. 

Die Fortsetzung der äusseren ]Mauer — die innere Mauer 
gehörte zu einer Tempelhalle — bis zum Schafthor, demnach am 
nördlichen Abhang des Moriaberges, stellten V. 82 die Metall- 
arbeiter und die Krämer Avieder her. Damit ist der Lauf der 
Ringmauer um die ganze Stadt vollendet. 

Aus der obigen Darstellung geht hervor, dass ich zur Lösung 
der Schwierigkeiten namentlich die Annahme verwende, dass 
Jerusalem an mehreren Stellen eine doppelte Ringmauer gehabt 
hat. Diese Annahme wird durch folgende Gründe gestützt. 
Durch Ch. \yARKEX ist der Lauf der äusseren Mauer im O. des 
Goldenen Thores auf eine Strecke von 50 Fuss festgestellt. Sie 
war von einer solchen Stärke, dass sie nicht durchbrochen werden 
konnte. Ferner hat Warren am Üphel den doppelten Mauerlauf 
selbst 1868 — 1870 gefunden. Was die Beschreibung des Baues 
in Nehem. 3 anlangt, so mache ich darauf aufmerksam, dass in 
wiederholtem regelmässigen Wechsel zuerst die innere, dann die 
äussere Mauer behandelt Avird, und dass gerade im Westen bei 
der Kara, die noch heute ZAvei Mauern hat, und im Osten bei 
der Davidstadt und dem Tempel, bei Stadttheilen, die mehrfach 
erweitert worden sind, die j)ZAveite Abtheilungif, d. i. die äussere 
Mauer nach meiner Deutung, vorkommt. Endlich ist es kaum 
möglich, die Anthoile der einzelnen Gruppen am Bau in dem 
Lauf einer einzigen Mauer unterzubringen; man versuche es nur 
und Avird namenlich mit den Winkeln und vorspringenden 
Thürmen nicht auskommen, ohne der Mauer einen ganz unnatür- 
lichen Lauf zu geben. Für eine spätere Zeit lehrt die durch 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 59 

Wilhelm vox Tyrus erzählte Belageruno^ der Stadt, dass sie 
wenigstens an mehreren Stellen doppelte Mauern hatte. Ich er- 
achte es daher für höchst wahrscheinlich, dass es im alten Jeru- 
salem schon ebenso Avar. Durch den Neubau der Mauern, der 
1536 von dem Sultan Soliman angeordnet wurde, ist diese Eigen- 
thümlichkeit der Befestigung Jerusalems bis auf die Strecke an 
der KaFa verloren gegangen. 

4. Die Einweihung der Mauer. 

Den Bericht über die Einweihung der Mauer finden wir 
Nehem. 12, 27 — 43. Der Statthalter Nehemia und der Hohe- 
priester Eliasib versammelten sich mit den Bewohnern der Stadt 
und ihrer Umgebung, namentlich mit den in der Nähe der Stadt 
wohnenden Sängern und Leviten (vgl. V. 29), ausserhalb des 
Thalthores. Dieser Ort ist zwar in dem Berichte selbst nicht 
genannt ; doch ist er mit grosser Sicherheit aus der folgenden 
Darstellung zu erschliessen: nach V. 31 und 38 hat sich der 
Versammlungsort zwischen Mistthor und Ofenthurm befunden. 
Die Thalweitung im Westen der Stadt bot den geeigneten Raum 
dazu. Hier wurde das Volk in zwei Abtheilungen oder jj Chöre« 
getrennt; an die Spitze eines jeden Chores traten die Sänger und 
die Leviten mit ihren Musikinstrumenten. Die Chöre stiegen 
auf den Treppen, die sich innerhalb des Thalthores befanden, zur 
Mauer hinauf, um sie oben bei der Brustwehr zu vimgehen. Der 
nach S. gehende Zug berührt das Mistthor (V. 31) und das Brun- 
nenthor (V. 37), steigt vom Siloahteich aus auf den zur David- 
stadt führenden Stufen den östlichen Hügel hinan und zieht am 
Hause Davids vorbei bis zum Wasserthor südlich vom Tempel. 
Der nach N. gehende Zug stieg auf der Mauer zum Ofen- 
thurm hinauf, der höher lag als der Ausgangspunkt des Zuges, 
und bcAvegte sich auf der Mauer fort bis zur breiten Mauer, die 
er nur an ihrem nördlichen Ende berührte, aber nicht abschritt. 
Der Zug berührte weiter das Ephraimthor, das alte Thor, das im 
Thal liegende Fischthor und, über die Mauer Manasse's gehend, 
die Thürme Hananeel und Mea sowie das Schafthor. Er er- 
reichte seinen Endpunkt, das Kerkerthor, meiner Meinung nach 
so, dass er über den »Saal an der Ecke« auf der äusseren Mauer 
längs des Tempelbezirks zum Ophel hin sich bewegte. Das Ker- 
kerthor lag nämlich nach Nehem. 3, 2. 5. Jerem. 32. 2. 37, 



60 Schick, 

15. 21 in der Nähe des königlichen Palastes, nehen dem dort be- 
findlichen Gefängniss. Da nun der königliche Palast bestimmt 
im S. des Tempels lag, so müssen wir den Umzug des zweiten 
Dankchores auch hier erst enden lassen. Die Schlussworte des 
39. Verses: «und blieben stehen im Kerkerthore«, deute ich durch 
die Annahme, dass der von N. her kommende Chor früher an- 
langte und desshalb wartete, bis der von S. her kommende Chor, 
der einen etwas längeren und auch weniger ebenen Weg zu 
machen hatte" als der andere, das Wasserthor erreichte. Darauf 
stiegen beide Chöre von der Mauer hinab und begaben sich in 
parallelen Zügen, der eine durch das dreifache, der andere d\irch 
das zweifache Thor, in den Tempel V. 40, d. h. zunächst in den 
südlichen imd grösseren Theil des äusseren A'orhofs. So war die 
gesammte Ringmauer der Stadt von den Füssen derer, die am 
Zuge der Dankchöre theilnahmen , betreten und unter Musik 
und Lobgesang eingeweiht Avorden. 

5. Bemerkungen zu dem Plane (Tafel II). 

Der Plan ist eine verjüngte Kopie nach dem WiLSO>'"schen 
Plane von Jerusalem (Ordnance survey 1S64/65) im Maasstabe 
von 1 : 5000. Was für meinen Zweck, den Lauf der alten Mauer 
darzustellen, nicht nothw endig Avar. habe ich weggelassen. 

Die von David eroberte Zionsburg Avar eine kleine Felsen- 
festung, die auf Tafel II durch eine starke rothe Linie umgrenzt 
Avorden ist. David hat dieselbe nach zAvei Seiten hin vergrössert. 
Im Süden baute er auf der zAveiten Terrasse der Höhe eine Ka- 
serne, das »Haus der Helden« : auf der ersten Terrasse legte er 
den Kunstteich (Asuja und die Königsgräber an. Im Norden 
baute er eine jenseits des Grabens liegende A^orstadt auf der 
vierten Terrasse. Auch führte er die Ostmauer der Davidstadt 
von dem grossen einspringenden Winkel derselben, in dem sich 
«in altes Thor befand, Aveiter nach N. fort. Im Westen Avurde 
zum Schutze der Davidstadt der Millo gebaut, durch den das 
Tyropöonthal abgeschlossen Avurde. 

Salomo baute dann auf der sechsten und siebenten Terrasse 
den königlichen Palast und den Tempel. Der Tempel sollte 
ringsum eine Art von Vorstadt haben, die Parbar genannt AVurde. 
Daher Avurde im Osten von dem vorspringenden Thurm aus bis 
nordAvärts über das Goldene Thor hinaus eine äussere Mauer ge- 



Nehemia's Mauerbau in Jerusalem. 61 

baut. Es ist diejenige, welche Ch. Warren bei seinen Ausgra- 
bungen 1S68/70 gefunden hat. Ihre Fortsetzung bog nach W. 
um, lief am nördlichen Rande des Moria oder oberhalb der 
Kaphenata-Schlucht 1) (1 Maccab. 12, 3 7) zum Schafthor und 
stieg dann die Höhe hinan, die durch die Thiirme Mea und Ha- 
naneel zum Schutze des Tempels im N. besetzt war. An dieser 
Stelle erhob sich später die Bira und unter Herodes die Antonia. 
Die älteste Ringmauer zog von hier, dem natürlichen Felsrande 
folgend, nach S., schloss den Struthionteich im W. ein, berührte 
den westlichen Aufgang zum Tempel (2 Chr. 26, 16), lief dann 
zu dem Nordrande des SW. -Hügels hinauf, dem sie in westlicher 
Richtung folgte bis zum Abhang des westlichen Thaies, über 
dem das Eckthor sich öffnete. Von hier zog die alte Mauer in 
gerader Richtung nach S., so dass die Gebäude der heutigen 
Kara auf derselben stehen, von dem Lauf der heutigen ^[auer 
nur darin abweichend, dass sie etwas weiter nach W. vorgerückt 
war. wie Nachgrabungen bewiesen haben. Sie behielt die süd- 
liche Richtung bei, bis sie bei der Schule des Bischofs Gobat 
nach SO. umbog. Wo hier der Felsen für eine Strecke von 10 m 
senkrecht behauen ist, suche ich die Stätte Beth So. Etwa in 
der Mitte des SW. -Hügels stand das Mistthor, in dem die lange ; 
das westliche Jerusalem in zwei Hälften theilende Strasse mündete. 
In geringer Entfernung östlich von diesem Thor zweigte eine 
innere Mauer nach N. ab, die den Abhang der SW.-Höhe krönte 
und durch den Millo zum Anschluss an die Nordmauer gelangte; 
vor ihr lief die Wasserleitung nach dem Tempelberg zu. Die 
südliche Ringmauer setzte sich auf dem Rande der SW.-Höhe 
in östlicher Richtung fort bis zum Brunnenthor hinab. Für diese 
Strecke sind bisher gar keine Reste gefunden Avorden ; die gerade 
Richtung, die ich hier dem Mauerlaufe auf dem Plane gegeben 
habe, wird daher der Wirklichkeit schwerlich entsprechen. x\.us 
dem grossen Schutthaufen, der heute in der muthmasslichen 
Linie der Ringmauer wahrzunehmen ist, erschliesse ich das 
einstige Vorhandensein einer Burg, der ich oben S. 53 den Namen 
Beth Kerem beigelegt habe. Ich habe die Mauer so gezogen, 
dass die Cisterncn innerhalb ihres Laufs zu liegen kommen. 

I) Vgl. hierzu von Alten, die Antonia und ihre Umgebungen ZDPV. 
I, 81 ff. G. 



62 Schick, Neheinias Mauerbau in Jerusalem. 

Vom Briinnenthor bis zur SO. -Höhe miisste eine starke Damm- 
mauer gebaut werden, um das Tyropöonthal abzuschliessen. An 
der Ostseite derselben lagen die königlichen Gärten. An der 
Westseite entstand ein grosser Teich, der hauptsächlich durch 
einen in den Felsen gehauenen Kanal von der Marienquelle her 
gespeist 'v^•v^rde, jedoch auch das Wasser der beiden anderen 
grossen Leitungen, der von S. und N. her Jerusalem erreichenden, 
erhielt, wenn dasselbe auf dem Tempelplatz nicht verbraucht 
wurde. So viel über die Mauern Davids und Salomos. Sie sind 
auf Tafel II durch zwei schwache rothe Linien bezeichnet. 

Nach 2 Chron. 32, 5 baute Hiskia »draussen« vor der Stadt 
— es muss im N. gewesen sein — eine ^)andere(f, die sogenannte 
zweite Mauer. Sie begann bei dem Thurm Hananeel, lief in 
westlicher Richtung über das Tyropöonthal hinüber, in dem das 
Fischthor angelegt wurde, berührte die Felsenterrasse «Thekoa«, 
auf der man eine Burg erbaute, und die » breite (t) Dammmauer 
des von Hiskia angelegten Teichs ; in südlicher Richtung bog sie 
dann zur ältesten Ringmauer um, die sie in der Nähe des Eck- 
thores erreichte. 

Am Eckthor hatte Lsia bereits Thürme und ein Vorwerk 
mit dem Thalthore gebaut, so dass hier die Ringmauer eine 
Strecke lang doppelt wurde. Nach 2 Chron. 33, 14 baut Manasse 
an drei verschiedenen Stellen Verstärkungsmauern. Erstlich im 
Thal westlich von Gihon und der Davidstadt, d. h. bei dem Si- 
loahteich. In dieser Mauer nehme ich das »Thor zwischen den 
beiden Mauern« an, durch das der König Zedekia vor den Chal- 
däern floh. Oder soll man sich darunter eine kleine Pforte bei 
dem Jesaiabaume denken ? Zweitens baute Manasse auch beim 
Fischthor ein Vorwerk, eine äussere Mauer vom Hananeel zui 
Thekoaterrasse. Das Fischthor wurde dadurch doppelt. Jedoch 
wurde die innere Mauer durch Nehemia nicht wieder herge- 
stellt, falls sie überhaupt durch die Chaldäer zerstört worden 
war. Drittens baute Manasse am Ophel, so dass die Ostseite 
dieser Höhe zwischen der Davidstadt und dem königlichen Palast 
eine doppelte Mauer erhielt . wie die Davidstadt schon unter 
David für eine gewisse Strecke durch eine doppelte Mauer ge- 
schützt worden war. 



You Bauijas nach Bosra. 

Von Professor Fr. Buhl in Leipzig. 



S. 192 des vorigen (XIII.) Bandes dieser Zeitschrift schreibt 
der Herausgeber in einer Anzeige von Scharlixg's Hauran- 
ßeisebiklern: i sollte ein Itinerar vorhanden sein, so wäre seine 
Veröffentlichung \vünschenswerth(f. Um diesem gewiss sehr ge- 
rechtfertigten Wunsche entgegenzukommen, theile ich hier einen 
Auszug aus meinem auf jener Reise im Frühjahr 1889 geführten 
Tagebuche mit, in so fern es die Strecke zwischen hcmijäs mid 
hosra betrifft; die Wege von bosra nach scJwhha sind in Bae- 
dekers und Chauvet et Isambert's Reisebüchern so genau be- 
schrieben, dass eine Wiederholung des schon Bekannten nicht 
nöthig ist. 

Sonntag 28. April 1889. Durch das Thor auf der Süd- 
seite von hänijäs und dann in südlicher Richtung den nordwest- 
lichen Abhang des Hochlandes hinauf. Nach 30 Min. das trockene 
Bachbett von ivZidi zaora\ 8 Min. später liegt links vom Wege 
ein kleineres und unmittelbar darnach rechts vom Wege ein 
grösseres Dorf ^) ; als Name wurde für beide '^ain fit angegeben. 
Die prächtige Aussicht über das Jordanthal und Galiläa' s Berge 
umfasste nach weiteren 20 Min. auch das Gebiet des Aw/e-Sees. 
Der Weg führt am östlichen Abhänge der Hochebene hin durch 
niedriges Eichengebüsch mit Blick nach links auf den Bergkegel 
teil el-ahmar. Nach 1 Stunde ein grosses trockenes Bassin, nach 
5 Min. rechts ein verfallener Chan. Nach 5 Min. eingehegter 
Beduinenbegräbnissplatz und ein grosser theilweise gemauerter 
Wasserbehälter. Man erreicht jetzt das Plateau der Hochebene 
und hat vor sich gegen Süden die lange Reihe der grossen frei- 

1) Auf ScHUMACHER's Karte liegen beide Dörfer links vom Wege. 



64 Buhl, Von Bänijäs nach Bosra. 

stellenden Vulkankegel. Der Weg führt in südöstlicher Richtung 
in 1 St. 25 Min. nach dem von Tscherkessen bewohnten Dorfe 
mansüra und in Aveiteren 25 Min. nach der Tscherkessenstadt 
el-kunefra. Die Hauptstrassen wurden jetzt verlassen und eine 
ostsüdüstliche Eichtung eingeschlagen über eine flache, steinige, 
sehr wenig angebaute Ebene. Nach 15 Min. rechts in einiger 
Entfernung die Dörfer surramän, links schöner Blick auf den 
Hermon, während nach Nordosten sich der Berg bei dscheJjci mit 
seinem Weli zeigte. Nach 45 Min. wurde xoZidi er-ruhkäd über- 
schritten, und nach weiteren 3 Stunden über die steinige Ebene 
der grosse Vulkankegel teil el-hüra erreicht. Dahinter auf dem 
unteren Abhänge gegen Osten liegt das Dorf el-hcira ; einzelne 
ornamentirte Friese, z. Th. mit griechischen Inschriften, sind in 
die elenden Häuser eingemauert. 

Montag 29. April. Mit einem Führer in südöstlicher 
Richtung über eine theils steinige, theils sumpfige, unwegsame 
Ebene. Als Direktionspunkt diente das Dorf vidschü (so hörte ich 
den Namen aussprechen), das nach 3^4 St. erreicht wurde. Es 
enthält eine als Stall benutzte alte Basilika aus Basaltstein mit 
Portal, schönen Bogen und reicher Ornamentik. Nach 1 St. 
wurde der breite, vielspurige Pilgerweg überschritten und nach 
1 St. mahadsche erreicht. AVeiter, immer in südöstlicher Rich- 
tung, in iy2 St. nach schaJcra am Rande der ledschüh. Vor dem 
Eingange der von katholischen Christen bewohnten Stadt steht 
ein viereckiger Thurm; in der Stadt selbst die Überreste einer 
Kirche. Nach 1/2 St., dem Rande der ledschüh entlang, ezrci . 

Dienstag 30. April. In südlicher Richtung durch die 
fruchtbare Ebene in 2^/2 St. nach el-liarak und Aveiter in ^4 St. nach 
racham an einem isolirten Lavaplatcau, dem der ledschZih'k\m[\ch.. 
Weiter in südöstlicher Richtung, mit kcrak in einiger Entfernung 
rechts, in 35 Min. nach siküke. Die Ebene ist hier sehr fruchtbar 
und Avar theils angebaut, theils als Weide für Schafe und Rinder 
benutzt. Nach 45 Min. der ihn chidef. Das Terrain Avird jetzt 
etAvas belebter und bildet breite Wellen. Auf der Höhe südöstlich 
von der ihn cJiuli'f bekommt man charaha in Sicht, das in 1 '/2 St. 
erreicht Avurde. Von der nächsten Höhe aus sieht man das in 
dieser Entfernung ziemlich imponirende ho.sra, das in lY^ St. 
erreicht wurde, nachdem der Weg mittels einer steinernen lirücke 
über icädi ed-dcheh geführt hatte. — 



Von Bänijäs nach Bosra. 65 

In Betreff der angegebenen Distanzen bemerke ich, dass die 
Schnelligkeit, mit welcher wir ritten, durchgängig mit den in 
Baedeker's Handbuch befindlichen Angaben übereinstimmte. 
Ausserdem betone ich, da die Lage, welche indschil auf den Karten 
hat, mit obigen Angaben nicht ganz stimmt, dass die unter dem 
29. April gegebenen Zeitangaben als genau betrachtet werden 
dürfen, und dass wir zwischen el-hara und indschil die ganze Zeit 
so ziemlich dieselbe Richtung einhielten, wo nicht die Beschaffen- 
heit des Bodens zu kleinen Umw^egen nöthigte. 



Bücheranzeigen. 

De Sancta Cruce. Ein Beitrag zur christlichen Legendengeschichte 
von Eberhard Nestle. Berlin, H. Beuther s Verlagshuchh. 1SS9. 

VIII, 128 S. SK 

Wenn man für die Zeitschrift des Deutschen Palästina-Ver- 
eins eine Schrift, welche bisher unbekannte E-ecensionen der 
Ki'euzaiiffindungslegende bietet, besprechen soll, so hat man in 
erster Linie darüber Auskunft zu geben, ob irgend welche — 
historisch beglaubigte oder legendenhaft naive — Mittheilungen 
über den Ort, wo man das Kreuz Jesu aufgefunden haben sollte, 
darin enthalten sind. Da nun die den Sagenstoffen zu Grunde 
liegenden einfachen Berichte, welche dann die Legendenschreiber 
in ihrer Weise mit ihren Ausschmückungen bereichert haben, zu- 
meist bereits bekannt sind, so sind in neu zur Veröffentlichung 
gelangenden Ausgestaltungen der kirchlichen Sage in der Haupt- 
sache nur solche topographische Angaben zu erwarten, aus denen 
sich das Wissen der Zeit des Legendenschreibers erkennen lässt, 
sei es dass derselbe uns mittheilt, was man damals als aus alter 
Tradition geschöpfte Kunde über bestimmte Stätten der heiligen 
Geschichte zu wissen meinte, sei es dass er Gelegenheit fand 
oder sich nahm, das auszukramen, was ihm aus eigener An- 
schauung oder durch Berichte von Zeitgenossen bekannt ge- 
worden war. Immerhin fliessen uns aus solchen Veröffentlichungen 

Ztschr. a. Pal.-Ver. XIV. 5 



66 Bücherauzeigen. 

gelegentlich neue Aufschlüsse zu. So hatte man schon früher i) 
— zunächst aus dem Chronicon paschale — eine Stelle zur Be- 
stimmung der Lage der »Gräber Davidsff herangezogen, in welcher 
bei der Schilderung des Märtyrertodes des Propheten Jesaia und 
seiner Begräbnisstätte von der Lage der Königsgräber im Ver- 
hältniss zu der Quelle Siloah die Rede ist. Nun findet sich diese 
Stelle auch in den dem Epiphakius zugeschriebenen Vitae pro- 
phetarum, zeigt aber in dem zuerst von Nestle in seiner Sy- 
rischen Grammatik (1. Ausg. ISSO. S. 54. 2. Ausg. S. 87 der 
Chrestomathie^ mitgetheilten syrischen Texte eine abweichende 
Fassung, die sich durch ihren Inhalt gegenüber dem griechischen 
Texte empfiehlt und die um so wichtiger Aväre. wenn wirklich, 
wie neuerdings behauptet und auch vom Ref. geglaubt wird, die 
syrischen Texte das Original dieser Prophetenbiographieen, die 
griechischen nur Übersetzung sein sollten. Dieselbe lautet: »Es 
ist aber sein Grab zur Seite des Königsgrabes, hinter dem Priester- 
grabe auf der Südseite; denn Salomo hatte die Gräber gemacht, 
sie waren aber bezeichnet (d. h. ihrer Anlage nach vorgeschrieben) 
worden von David ostwärts des Ziontf. Es wird dadurch auch 
dem griechischen oiaypa'i^ac, das Klaiber nach LXX Jes. 22, 16 
in der Bedeutung »graben« fasst, eine andere, dem griechischen 
Sprachgebrauche entsprechendere Bedeutung zugewiesen, mag 
nun oiaYp^'fi'.v nur Übersetzung des syrischen Zeitwortes sein 
oder dieses uns lehren, wie ein unbefangener Kenner des Grie- 
chischen in jener Zeit das oiaYpa'^itv auffasste^). 

Al)er obgleich eine Schilderung der näheren Umstände der 
zweimaligen Kreuzesauffindung Gelegenheit genug zu ähnlichen 
Angaben dargeboten hätte, so findet sich doch in allen den ver- 
schiedenen Berichten nichts, was auf topographische Kenntnisse 
oder auch nur auf Interesse für die topographischen Umstände 
der Kreuzesauffinduns: schliessen lässt. Immerhin bieten diese 



"ö 



1) Zuerst Thenius in seinem Aufsatze »Die Gräber der Könige Judas« 
in Illgen's Zeitschrift für histor. Theologie 1844, S. 384; neuerdings Klaiber 
im Jahrg. 3 dieser Zeitschrift S. 210 f. 

2; Natürlich wird weder durch die andere Fassung dieses griechischen 
Zeitwortes noch durch die auf Grund des syrischen Textes für die Form oia- 
Ypa-V/? vorzuschlagende andere Lesart Kl.-viber's richtige Bestimmung der 
Davidstadt fvgl. auch meine Bearbeitung von Bkrtheaus Kommentar zu 
Esra, Nehemia, Esther, 1SS7, S. 190/92) irgendwie in Frage gestellt. 



Bücheranzeigen. 67 

syrischen Ausläufer der weitverbreiteten Kreuzeslegende, die von 
Nestle erstmalig in deiitsclier Übersetzung dargeboten werden, 
für die Mitglieder des Deutschen Palästina- Vereins und die Leser 
seiner Zeitschrift genug des Interessanten, wie sie auch schon 
durch ihre reichere subjektive Färbung, die uns hie und da an die 
moderne Schriftstellerei erinnert, eine unterhaltende und an- 
regende Lektüre bieten. Wir sehen davon ab, die vereinzelten 
kleinen Bedenken und Ausstellungen gegenüber Nestle's Über- 
setzung, die eigentlich nur bei kritischen Untersuchungen über 
die einzelnen Versionen und ihren Wortlaut von Bedeutung sein 
können, hier mitzutheilen und verzichten auch auf eine ursprüng- 
lich beabsichtigte Veröffentlichung der von Nestle nicht hinzu- 
gefügten Übersetzung des von ihm in einer Abschrift Bickell's 
aus cod. Bibl. Vatic. syr. 14S in der 2. Auflage seiner Syrischen 
Grammatik zum Abdruck gebrachten Abschnitts über Tag und 
Monat der Kreuzesauffindung in der Erläuterung der kirchlichen 
Officien von Georg von Arbela, welcher eigentlich nur eijie alle- 
gorische Ausdeutung der Zeit der Auffindung und ihrer Feier 
enthält, indem wir uns jedoch bereit erklären, beides gern jedem 
zur Verfügung zu stellen, welcher behufs kritischer Forschungen 
ein Interesse daran hat. Vielmehr begnügen wir uns mit einem 
kurzen Überblick über den Inhalt der kleinen Schrift. 

Den Kern bilden drei verschiedene Versionen der Kreuz- 
auffindungslegende : 1} aus cod. Mus. Brit. Add. 12174 in Ab- 
schrift von W. Wright und von Nestle selbst (syr. Text S. 7 — 20 
= Syr. Gramm, i, S. 61 — 7S. deutsche Übersetzung S. 39 — 50), 
2) aus cod. Mus. Brit. Add. 14644 in Abschrift von W. Wright 
(syr. Text S. 25—36 = Syr. Gramm. ^, S. 113—126, deutsch 
S. 55 — 64) und 3) aus cod. paris. 234 in Abschrift von Abbe 
Martin (syr. Text S. 21—25 = Syr. Gramm. ^, S. lOS— 113, 
deutsch S. 51 — 54). Ferner theilt der Verfasser die Varianten 
des einst von Loftus zu seiner englischen Übersetzung in dem 
16S6 zu Dublin erschienenen Büchlein über die Kreuzesauf- 
findung benutzten Handschrift ^ jetzt cod. Marsh 13 der Bod- 
leiana mit und spricht schliesslich noch von den Varianten der 
Petersburger Handschrift, aus welcher Phillips die Doctrina 
Addaei 1876 veröftentlichte. Innerhalb der nun folgenden Dar- 
legung über das gegenseitige Verhältnis sämmtlicherRecensionen 
der Legende, nachdem der Verf. soeben die der Petersburger 

5* 



68 Bücheranzeigen. 

Handschrift als die relativ ursprünglichste Form erklärt hat, 
bricht seine Darstellung mitten im Worte ab, gerade so wie sein 
Manuscript von 1881 mit dem Ende eines Blattes aufhörte. Den 
weiteren Inhalt seiner Schrift bilden die von ihm gesammelten 
Materialien, an welche sich drei Abschnitte mit den Überschriften : 
Litterarisches, Legendarisches, Reliquiarisches, anschliessen und 
denen ein kurzer Bericht über die Ergebnisse der Untersuchungen 
Düchesne's in der Einleitung zu Bd. I seiner grossen Ausgabe 
des Liber Pontificalis und eine Vergleichung der von Combefis 
herausgegebenen Acta Sancti Silvestri mit dem von Land in dem 
3. Bande seiner Anecdota Syriaca veröffentlichten syrischen Leben 
Sylvester s vorausgehen. 

Man findet es begreiflich, dass Nestle 1881 an seinem da- 
maligen Wohnorte Münsingen, »fern von allen Bibliotheken nicht 
Zeit, Lust und Gelegenheit hatte, diese abgelegenen und ver- 
wickelten religionsgeschichtlichen Untersuchungen forzusetzen« 
(vgl. S. YIII, 2 u. 73). Um so mehr begrüsse ich es mit Freude, 
dass diese Klagen durch Nestle's Berufung nach Tübingen 
gegenstandslos geworden sind, und gebe mich der Hoffnung hin, 
dass er jetzt, wo auch die »vielen Wochenstunden und kurzen 
Ferien« der Ulmer Zwischenzeit hinter ihm liegen, diese Unter- 
suchungen baldmöglichst zum Abschluss bringen werde. 

Zürich, den 24. Januar 1891. V. Ryssel, 



Der heutige Zustand der alten Denkmäler in Syrien 

und Palästina'). 

Von Dr. J. Beiiziuger in Stuttgart. 



Gestatten Sie mir, dass ich für wenige Minuten Ihre Auf- 
merksamkeit auf einen Punkt lenke, der nicht nur nach meiner 
Meinung, sondern auch nach der Ansicht der hervorragendsten 
Fachgelehrten der Palästinakunde nachgerade in diesen Jahren 
die Beachtung aller derer, die sich für den vorderen Orient und 
seine Denkmäler aus alter Zeit interessieren, wohl verdient. Ich 
meine den heutigen Zustand oder, besser gesagt, die heutzutage 
in auffallendem Grade fortschreitende Zerstörung der alten 
Denkmäler von Palästina und Mittelsyrien. 

Der Reisende, der mit wissenschaftlichem Interesse den 
Orient besucht, wird heutzutage in Ägypten aufs angenehmste 
sich berührt finden durch die Sorgfalt, mit welcher von Seiten 
der ägyptischen Regierung Land auf Land ab alles, was an Alter- 
thümern bekannt ist oder gefunden wird, sofort in Schutz und 
Verwahrung genommen, dem gewöhnlichen Touristen gegen 
massiges Eintrittsgeld gezeigt, dem wissenschaftlichen Forscher 
bereitwillig zur Verfügung gestellt und, was die Hauptsache ist, 
in Museen oder durch sonstige Einrichtungen wohl erhalten wird. 

Ganz anders, sobald man den Boden der eigentlichen Türkei 
betritt. Ich will mich da bei dem Punkt nicht läno-er aufhalten, 
dass dem Forscher statt bereitwilliger Unterstützung von den 
türkischen Behörden zum Theil nur alle möglichen Hindernisse 
in den Weg gelegt werden. Doch sei wenigstens kurz daran 

1) Vortrag, gehalten bei der VI. Generalversammlung des DPV. in 
München. 

Ztsclir. (1. Pal.-Yer. XIV. fi . 



70 Benzinger, 

erinnert, dass ganz neuerdings z. B. unserem Landsmann Professor 
Fell die Untersuchung der ausgehauenen Siloahinschrift nicht 
gestattet wurde. 

Weiterhin ist ein grosser Theil von alterthümhchen Bauten 
— allerdings die relativ weniger interessanten — dem Eeisenden 
überhaupt unzugänglich gemacht Avorden dadurch, dass die Re- 
gierung alle die «Burgen und Schlösser« in Syrien, die noch nicht 
ganz in Trümmern liegen, für Festungen erklärt hat, deren Be- 
sichtigung streng verboten ist. Wie viel oder wie wenig von 
diesen Kuinen vollends abgebrochen wird, entzieht sich demnach 
meiner Beurtheilung — wenig ist es jedenfalls nicht. 

Doch das alles, obwohl schon an sich ein Zeichen von hoch- 
gradig mangelhaftem wissenschaftlichen Sinn bei den dazu be- 
rufenen Behörden der Türkei, ist doch das Geringere. Weit 
wichtiger ist, dass unter der heutigen türkischen Verwaltung die 
herrlichen Überreste aus alter Zeit systematisch zerstört Averden. 
Geht die Sache so weiter wie heutzutage, so werden, was Jahr- 
hunderte der Barbarei nicht vollbracht, wenige Jahrzehnte des 
aufgeklärten Türkenthums vollenden: die Vernichtving aller 
schönen, beziehungsweise wissenschaftlich werthvolleu Ruinen 
von Palästina und Mittelsyrien. Dass diese Denkmäler für den 
türkischen Beamten unter den Bachschisch-Gesichtspunkt fallen, 
wäre ja selbstverständlich. Aber heutzutage hat eine noch nie- 
drigere Taxierung sich die Herrschaft errungen : alle die schönen 
Bauten aus alter Zeit werden nur noch geschätzt nach dem Werth 
der J3austeine, die sie liefern können. 

Das Museum für Alterthümer in Constantinopel beweist 
hiegegen nichts ; denn die Art und Weise, wie seiner Zeit die 
Ausgrabungen in Saidä vor jedermanns Augen verborgen ge- 
halten wurden, kennzeichnet das Ganze nur zu gut. 

Eine einzige Ausnahme ist nun allerdings, was die allgemein 
zugänglichen Kuinenstätten betrifft, glücklicherweise zu konsta- 
tieren, nämlich Ba'albek. Dort ist die Akropolis jetzt von Re- 
gierungswegeu abgeschlossen und wird nur gegen ein Eintritts- 
geld von einem Medschidi (ca. 1 Frcs) für die Person gezeigt. 
Damit ist sie zugleich gegen den Vandalismus der Eingeborenen 
und der Touristen geschützt. 

Alle anderen Ruinenstätten in Palästina und Mittelsyrien 
— Nordsyrien habe ich nicht besucht — theilen dasselbe traurige 



Der heutige Zustand der alten Denkmäler in Syrien und Palästina. 71 

Löos, das sich mit wenig Worten dahin schildern lässt : sie sind 
bequeme Steinbrüche für ihre Umgebung. Bis zu einem gewissen 
Grad ist das ja zu allen Zeiten so gewesen ; Städte wie *" Akkä, 
Saidä, Sür sind eben in den Ruinen und aus den Ruinen der 
alten Städte erbaut. Aber in den letzten Jahren hat nun gerade 
die schönsten und werthvollsten Ruinenstätten dieses Schicksal 
ereilt. Gestatten Sie mir, hiefür nur die bezeichnendsten Bei- 
spiele, die ich mit eigenen Augen angesehen habe, anzuführen. 

In *^Atlit, dem alten Castellum Peregrinorum, ist von dem 
Eigenthümer, dem vormaligen Wali von Syrien, ein ganz sauberes 
Dörfchen gebaut; dabei wird natürlich ein gut Stück der alten 
Ruinen ganz dem Erdboden gleich gemacht. 

In el-Kaisärije (Caesarea^ räumen die Bosniaken ganz schauer- 
lich unter den Ruinen auf. Dieselben sind in Folge der öster- 
reichischen Okkupation seiner Zeit ausgewandert; der Sultan, 
an den sie sich wandten, schenkte ihnen die Ruinen von Caesarea 
(im Jahre 18S5) und gewährte ihnen zehnjährige Steuerfreiheit. 
Vor zwei Jahren zählte man etwa 45 Familien. Da die Ansiedler 
meist wohlhabend waren, entstand nun sehr rasch ein verhältniss- 
mässig stattliches Dörfchen. So ziemlich das Ganze steht inner- 
halb der alten Festung, zum Theil auf deren Mauern, während 
die Gräben in Gärten verwandelt sind. Mit grossem Fleiss wurde 
während meines Besuchs daran gearbeitet, die noch stehenden 
Ruinen abzubrechen. Auf mein Befragen erhielt ich die Aus- 
kunft, dass das weniger zum Ausbau des Dorfes geschehe, als 
vielmehr um schöne Bausteine nach Jäfä verkaufen zu können, 
die dort theuer bezahlt werden. Ich habe dann auch in Jäfä 
ganze Schiffsladungen davon ankommen sehen. 

Derselbe schwunghafte Handel mit Bausteinen wird auf den 
Ruinen von Arsüf betrieben. 

Das moderne l^esän (Scythopolis) vergrössert sich nament- 
lich seit dem russisch -türkischen Kriege sehr bedeutend; hier 
wie anderwärts ist eine rege Bauthätigkcit zu beobachten, 
wiederum auf Kosten der schönen Ruinen. Viele alte Säulen 
sind in den neuen Chan verbaut, auch Sarkophage mit hübscher 
Bildhauerarbeit lassen sich passend verwenden. Von der Kirche, 
beziehungsweise Moschee, die in den Memoirs noch als zu einem 
ansehnlichen Theil bestehend geschildert wird, habe ich nur 
gerade noch den Lauf der Grundmauern im Boden verfolgen 

6* 



72 Benzinger, 

können ; eine eben dort erwähnte Inschrift konnte ich nirgends 
finden und auch nicht erfragen. 

Die sehr schönen und berühmten Sarkophage in Kades (Ke- 
desch in Galiläa) auf dem Wege zwischen Safed und Bünijäs 
wurden während meiner Anwesenheit gerade hergerichtet zu 
einer neu zu bauenden Wasserleitung, wozu sie wirklich wie ge- 
schaffen erscheinen, wenn man die schmalen Seitenwände aus- 
schlägt. Den Tempel eben dort traf ich ganz in Trümmern, 
während vor einem Jahrzehnt nach damaligen Berichten noch 
ziemlich viel gestanden haben muss. 

Die ziemlich spärlichen Tempel- und sonstigen Ruinen in 
Kafr Hauwar (zwischen Bänijäs und Damaskus) haben gerade 
ausgereicht, um einen neuen Cliäu daselbst zu bauen. 

Unlängst habe ich auch aus Safed die Nachricht erhalten, 
dass die grosse Synagoge in Kafr Bi/im (nahe bei Safed), viel- 
leicht die schönste Synagogenruine in Palästina, bedeutend ge- 
litten habe dadurch, dass einige Familien ihre Wohnung darin 
aufgeschlagen haben. Von der zweiten Synagoge in demselben 
Ort stehen heute nur noch spärliche Überreste. Ihre Inschrift 
und die schönen Steine des Portals sind jetzt in Fellachenhäuser 
verbaut. 

Was bei den eben genannten Orten im kleinen Massstabe 
sich vollzieht, das geschieht bei den grossen Iluinenstätten im 
Ostjordanland im grossen. So vernünftig und lobenswerth ja 
nach der einen Seite hin das Bestreben der Pegierung sein mag, 
in diesen Grenzlanden gegen die Wüste hin Ordnung zu schaffen 
und die Elemente der Kultur zu verbreiten, dadurch dass sie die 
ganzen Landstriche den Beduinen entreisst und feste Ansiede- 
lungen (namentlich durch Tscherkessen) dort gründet, — so 
schön das sich sonst ansehen mag, für die Iluinenstätten ist es 
ein -wahres Verderben. Es klingt paradox, aber es ist wirklich 
so: je grösser die Sicherheit im Lande dort, je mehr die Be- 
völkerung ansässig wird und Kultur annimmt, desto sicherer 
und rascher gehen die alten Iluinen dem gänzlichen Untergang 
entgegen. Dem Beduinen, der bald da, bald dort zeltet, sind 
diese Ruinen ziemlich gleichgiltig vmd werthlos ; höchstens wenn 
er einmal in einer scliönen Säule Gold vermuthet, zerschlägt er 
sie. Dem häuserbauenden Fellachen dagegen sind sie ausser- 
ordentlich willkommen : die besser erhaltenen lassen sich leicht 



Der heutige Zustand der alten Denkmäler in Syrien und Palästina. 73 

ZU Häusern umbauen, die anderen geben wenigstens das schönste 
Baumaterial umsonst und ohne viel Mühe, 

Die ausgedehnten Ruinen von Mädebä sind von Christen 
aus Kerak wieder besiedelt, die es meisterhaft verstehen, schöne 
Säulenkapitäle und sonstige hervorragende j)Antikät« in ihren 
Haus- und Hofmauern als Schmuck zu verwenden. Wenn aber 
auch bei dieser Gelegenheit dann und wann einmal ein neuer 
Fund gemacht wird (z. B. ein prächtiger Mosaikboden^, so wird 
das reichlich aufgewogen durch die theilweise Zerstörung und 
Verschleppung der sonstigen Überreste. 

"^Ammän und Dscherasch theilen genau das Schicksal von 
Caesarea, dass sie von der türkischen Regierung einer Tscher- 
kessenkolonie geschenkt worden sind, die durch den russisch- 
türkischen Krieg heimathlos geworden war; denen bieten die 
Ruinen einen bequemen Unterschlupf. In ^Ammän habe ich 
selbst in einem Haus gewohnt, das in die schönen Thermen ein- 
gebaut ist. Das wunderschön erhaltene, seiner Bedeutung nach 
noch nicht erklärte grosse Gebäude auf dem Burgberge* von 
Amman, das sich durch die ausserordentlich fein auss^eführten 
Verzierungen des Innern auszeichnet, dient einem Hirten mit 
seiner Heerde und Familie zur Behausung! Am meisten haben 
in Dscherasch die Theater gelitten, am wenigsten die grossen 
Säulenstrassen ; denn die Säulen mussten erst noch behauen 
werden, um als Bausteine zu taugen. Bei den Theatern holen sich 
in ihrer bekannten Trägheit die Bauern die Steine nicht aus den 
oberen, sondern aus den untersten Reihen, weil dieselben da nach 
Grösse und Gestalt ihnen am tauglichsten erscheinen. Das hat 
zur Folge, dass dann bald die oberen Theile einstürzen und das 
ganze völlig ruiniert wird. 

Ein Glück ist, dass der berühmte und berüchtigte Midhat 
Pascha bei seinen Reformen in Damaskus keine werthvollen 
Ruinenstätten zur Verfügrunor hatte und sich damit beffnücren 
musste, aus Moscheen und Grabsteinen seine Strassen herzu- 
stellen. 

Die Ruinenstätten des Haurän habe ich nicht besucht. Aber 
nach allem, was ich erfahren konnte, gilt von ihnen dasselbe, 
dass sie vom Untergänge mehr oder weniger bedroht sind. Die 
Ruinen des Hiobsklosters in el-Merkez sind in eine Baracke, 
die zum Regierungsgebäude geholt, verbaut. Der schöne Tempel 



74 Benzinger, Der heutige Zustand der alten Denkmäler in Syrien etc. 

in el-Mismije in der Ledschäh, der noch vor einem Jahrzehnt 
wohl erhaUen stand, ist jetzt abgebrochen, nm einer Kaserne 
Platz zu machen ^). 

Die angeführten Beispiele werden genügen, um als That- 
sache zu erweisen, dass die werthvollen Ruinen aus alten Zeiten 
in Palästina und Syrien einem bedenklich rasch fortschreitenden 
Zerstörungsprocess anheimgefallen sind. Demselben durch irgend 
welche Massregeln Einhalt zu thun, scheint mir bei der bekannten 
Haltung der türkischen Kegierung in absehbarer Zeit nicht mög- 
lich zu sein. Aber etwas anderes scheint mir möglich und 
wichtig unter diesen Umständen : dass nämlich die heute noch 
stehenden Ruinen noch einmal recht genau untersucht und ver- 
messen, dass namentlich auch gute photographische Abbildungen 
von ihnen genommen werden. Dann ist wenigstens für den 
Forscher ein sicheres Bild des Thatbestandes von heute ge- 
schaffen, das für spätere Zeit von hohem Werth sein wird. Ich 
möchte daher der General- Versammlung als Antrag zur Erwägung 
unterbreiten, 

»den geschäftsführenden Ausschuss zu beauftragen, die 
»Frage einer genauen Untersuchung und Aufnahme der 
»bedeutenderen Ruinenstätten im Auge zu behalten und 
»sich zu diesem Zweck mit dem englischen und dem 
»russischen Verein zur Erforschung Palästina's in Ver- 
»bindung zu setzen.« 



1) Vgl. SCHARLING, Hauran- Reisebilder, übersetzt von Willatzen 
1890, S. 87. 



Bericht über die im Naclüass Yon Professor Gilde- 

meister Yorgefiiiidenen, auf die Geograplüe you Syrien 

und Palästina bezüglichen Manuscripte. 

Von Professor A. Socin in Leipzig ^1 . 

Als auf der ersten Generalversammlung unserer Gesellschaft 
zu Trier i. J. 1879 angeregt wurde, unsere Kenntniss des alten 
Palästina durch ISearbeitung der in altjüdischen, syrischen und 
arabischen Schriften enthaltenen Nachrichten über dieses Land 
zu erweitern, schickte bald darauf der geschäftsführende Aus- 
schuss Anfragen an eine Reihe der namhaftesten Vertreter des 
Fachs und erhielt eine Anzahl Zusagen der Betheiligung an 
dieser Arbeit. Hierauf wurde auch ein vollständiger Plan des 
Unternehmens ausgearbeitet. Kein Gelehrter aber ging reger 
auf die ganze Angelegenheit ein, als Professor Gildembister in 
Bonn; ja man kann sagen, dass er die Seele des ganzen Unter- 
nehmens wurde und seit jener Zeit bis zu seinem Tode den 
grössten Theil seiner Arbeitskraft in den Dienst desselben stellte. 
Nach dem Tode dieses um unsere Wissenschaft so hoch ver- 
dienten Mannes ist es nun Zeit, zu überlegen, was von dem 
unter seinem Beirat ausgearbeiteten Programme einer solchen 
Arbeit bereits durchgeführt ist, und Avelche Wege einzuschlagen 
sind, um die Arbeit zu fördern und ihrer Vollendung^ entgrearen- 
zubringen. 

Es möchte nun zwar zunächst scheinen , dass das ganze 
Unternehmen durch die inzwischen erschienene Arbeit von Guy 
LE Strange, Palestine unter the Muslems 1890, überflüssig ge- 
worden sei. Wir wollen den Werth dieses höchst nützlichen 

1) Dieser Bericht lag dem von Professor SociN auf der VI. General- 
versammlung des DPV. in München gehaltenen Vortrage zu Grunde. Guthe. 



76 Socin, 

"Werkes durchaus nicht herabsetzen ; aber eines dürfen wir sagen: 
unsere Grenzen waren von vornherein weiter gezogen, als die 
des englischen Bearbeiters, sowohl geographisch als auch was 
die Ausbeutung der Schriftsteller betrifft. 

Bereits in dem ursprünglichen Programme war betont, dass 
ein solches Lexikon ganz Syrien umfassen müsste, da sich Pa- 
lästina absolut nicht abtrennen lässt und eine solche Arbeit, 
einmal unternommen, gleich für das Mittelalter und die Ge- 
schichte der Kreuzzüge mit derselben Mühe nutzbar gemacht 
werden kann, als wenn sie bloss aus dem Gesichtspunkt der 
biblischen Geographie unternommen wird. Aber auch Syrien 
ist nicht ganz leicht abzugrenzen. Im Norden müsste die Grenze 
am besten von dem Meerbusen längs des Gebirges bis zur Paral- 
lele von Ma/asch und Bahasna gezogen werden, sodann dem 
Euphrat bis Eakka folgen und von hier über Palmyra an der 
Grenze des Culturlandes obwohl die Wüste ja von den arabischen 
Geographen bis zu den Bergen Tai u. a. zu Syrien gerechnet 
wird) bis Aila laufen. Es müsste sich dann die sinaitische 
Halbinsel anschliessen, aus der ohnehin — mit Ausnahme der 
Pilgerstrasse — bei den Arabern wenig Namen genannt werden ; 
im Südwesten würde man das Gebiet durch eine von Suez nach 
el-' Arisch gezogene Linie abgrenzen, obwohl die Stationen 
zwischen el-*^Arisch und Cairo noch aufzunehmen wären. Alle 
in gedruckten arabischen Schriften genannten Orte, die inner- 
halb dieser Grenzen liegen, wären zusammenzustellen. Und 
zwar sollten nach jenem Programm aufgenommen werden: die 
Namen von Völkern, Stämmen. Landschaften, Bezirken, Ort- 
schaften, Weilern, Burgen, Ruinen, Höhlen und Grabstätten, 
Heiligthümern, Quellen, Brunnen, Bächen, Flüssen, Brücken, 
Führten, Seen, Bergen, Ebenen, Thälern, Schluchten, Buchten, 
Häfen, Vorgebirgen, Inseln. Ausgeschlossen sollten in der Hegel 
sein die Namen von Plätzen und Gebäuden, welche zu einem 
Orte oder zu einem Heiligthum gehören ; ausführlichere Beschrei- 
bungen dieser Art wären in der Zeitschrift in zuverlässiger Über- 
setzung besonders zu veröffentlichen. Dagegen würde es in vielen 
Fällen von Werth sein, im Ortslexikon die Thore einer Stadt 
den Nachrichten ü])er den betreffenden Ort beizufügen, falls sie 
namhaft gemacht worden. 

Wie den Umfang, so dachte sich Gildemeister auch die 



Bericht über d. im Nachlass v. Prof. Gildemeister vorgefundenen etc. 77 

Ausführ iiiif^ des Unternehmens anders gestaltet, als Guy le 
Strange' s Werk. Von vornherem fasste er emerseits das gegen- 
seitige Verhältniss und die Glaubwürdigkeit der Berichte der 
arabischen Geographen scharf ins Auge. Andererseits blieben 
seinem kritischen Blicke auch die Fehler in den Texten nicht 
verborgen : stets suchte er mit peinlichster Akribie zunächst die 
Texte philologisch herzustellen, bevor er sie sachlich benutzte. 
Diese Vorarbeiten nun waren es in erster Linie, welche ihn be- 
schäftigten. Zum ZAvecke der Feststellung solcher geographischer 
Texte Hess er sich oft in eine lange Correspondenz ein, oder er 
Hess sich die Handschriften mit Auswahl und Umsicht kommen. 
Dieser Thätigkeit verdanken wir ja auch — wir gestatten uns, 
eine Weile auf ein anderes Feld abzuschweifen — jene Muster- 
ausgaben des Antoninus und des Theodosius, in denen er seinen 
ganzen philologischen Scharfsinn selbst auf dem Gebiet des 
späten und schlechten Latein zeigte. In Vorbereitung hatte er 
nun, wie sich aus seinem Nachlass gezeigt hat, die Schrift des 
Arculfus. Nach seiner- letztwilligen Verfügung sollten seine 
Papiere mit Ausnahme der auf das Palästinalexikon bezüglichen 
vernichtet Averden; diese letztere wurden uns demnach von der 
Wittwe in dankenswerther Weise überlassen. Da nun nach 
einem Entwurf jener Arbeit auch ältere Namen in das Ortsver- 
zeichniss aufgenommen werden sollten, so haben wir wohl das 
Recht, diu Collation des Berner und des Rheinauer Codex des 
Arculfjs zu verwerthen. Ich bezeichne das Fascikel mit I; eine 
genauere Untersuchung wird ergeben, wie sich dasselbe etwa 
wird verwerthen lassen. 

Weit ausgedehntere Vorarbeiten hat Gildemeister auf dem 
Gebiete der arabischen Geographen unternommen. Den Lesern 
unserer Zeitschrift liegen vor : die Bearbeitungen des Ja'^kübi und 
Ihn 'Abd Eabbih (Band IV); des Istachri und Ihn Haukai (Band 
VI); des Mukaddasi (Band VII) — nebenbei bemerkt finden sich 
im Nachlass (II) eine Anzahl von Blättern, auf welchen Gilde- 
meister die Abweichungen der Übersetzung dieses Schriftstellers 
durch Guy. le Strange in der Pilgrims Text Society 1886 kritisch 
verzeichnet hat — und des Edrisi (Hand VIII) mit Beigabe des 
arabischen Textes. In der Zeitschrift der Deutschen Morgen- 
ländischen Gesellschaft (Band 36) ist die mittlere Reise des ""Abd 
el-ghani en-Näbulusi behandelt. 



78 Socin, 

Zunächst plante Gildemeister unzweifelhaft (No. III) eine 
Übersetzung der Schrift hai'k esch-schäm fl mahkäsin iklim esch- 
schüm. Diese Beschreibung von. Syrien stammt von dem Alep- 
penser Ibn Scheddäd. Die Übersetzung, die beinahe druckfertig 
vorliegt, ist aus dem Leidener Codex No. 1466 gefertigt. Da diese 
Handschrift in dem Verzeichnis der Leidener Codd. nicht zu 
finden ist, wandte ich mich an de Goeje; derselbe verwies mich 
auf die neue Ausgabe des Catalogus Codicum Arabicorum Bibl. 
Lugd. Bat. I, 18SS, S. XXXII, woraus hervorgeht, dass die be- 
treffende Handschrift längere Zeit verloren war. Als Name des 
Autors wird in der Handschrift angegeben : muhammed ihn ibrä- 
liim ibn esch - scheddäd el-halebi. Diesen Mann führt auch 
Wüstenfeld (Die Geschichtschreiber der Araber, Gott. 1SS2, 
S. 146) an und berichtet, derselbe sei im Jahre 684 gestorben; 
er verweist ausserdem auf Hadschi Chalfa (III, 203), wonach 
derselbe ein Buch ed-durrat el-chaüra fi asmä esch-schiim wal- 
dscJiezire verfasst habe. Nun wird im Catalog des British Museum 
die Handschrift No. 1323 (nach der Unterschrift) als erster Theil 
eines von diesem Scheddäd verfassten Werkes, Namens el-alcik 
elchafire (wovon No. 1324 der dritte Theil wäre) betrachtet. Die 
Handschrift No. 1323 stimmt inhaltlich überein mit einer anderen, 
die Gildemeister als seine eigene bezeichnet. Diese Hand- 
schrift ist mit den übrigen Büchern und Handschriften an die 
Bibliothek der DMG. (in Halle) gekommen, woselbst ich sie 
wieder aufgefunden habe. Merkwürdiger Weise wird das Werk 
aber auf dem Titel nicht dem obengenannten Autor, sondern 
einem bedr ed-d~in hasan ibn liab'ib el-halebi zugeschrieben. In- 
haltlich scheinen allerdings die beiden Werke dennoch nahe zu- 
sammenzugehören, wie auch aus dem Inhaltsverzeichniss im Cata- 
log des Brit. Mus. hervorgeht; das hier an zweiter Stelle (No. 1323) 
besprochene Werk enthält eine Beschreibung von Nordsyrien, 
die der von Mittelsyrien und Palästina parallel läuft. Für uns 
ist das an erster Stelle genannte Werk von grösserem Interesse ; 
eine Herausgabe oder Bearbeitung desselben ist entschieden ins 
Auge zu fassen, wobei die Leidener-IIandsclirift, die ausführlicher 
ist, als die des Brit. Mus., zu Grunde zu legen wäre. 

In zweiter Linie wollte Gildemeistek auf den Bericht auf- 
merksam machen, den uns Jahja Ibn Sa'id über die Zerstörung 
der Grabeskirche im Jahre 1009 hinterlassen hat. Diese inte- 



Bericht über d. im Nachlass v. Prof. Gildenieister vorgefundenen etc. 79 

ressante Notiz wird wohl demnächst veröffentlicht werden können 
(IV). Für die Genauigkeit, welche Gildemeister bei der Be- 
arbeitung dieser arabischen Autoren an den Tag legte , spricht 
nebenbei bemerkt der Umstand, dass er auf besonderen Blättern 
einzelne Termini technici (wie z, B. die Bauausdrücke bei Mu- 
kaddasi) verzeichnete (V), um bei der Übersetzung dieselben 
arabischen Ausdrücke mit denselben deutschen wiederzugeben. 
— Von Auszügen aus arabischen Schriftstellern findet sich einiges 
aus *^ülaimi (Mudschir ed-din) , und zwar der Bericht über den 
Process, der sich an die Wegnahme einer jüdischen Synagoge 
knüpft (S. 633 ff. der Cairenser Ausgabe) und einiges, was sich 
auf den Besitzübergang des Coenaculum an die Muslimen (Text 
S. 649 ff.) bezieht (15. Jahrb.). Letzeres (VI) verdiente wohl die 
Veröffentlichung. 

In Betreff anderer ungedruckter (bes. geographischer) Lite- 
ratur, die allenfalls zu verwerthen wäre, hat Gildemeister eben- 
falls Umschau gehalten, ist jedoch, wie dies natürlich ist, zu 
keinem iVbschluss gelangt. Ich habe geglaubt, das Verzeichnis, 
welches von seiner Hand vorliegt (VII) , einigermassen ergänzen 
und als Anlage zum Abdruck bringen zu sollen. Es ist ja nicht 
ausgeschlossen, dass jüngere Arabisten sich dazu entschliessen 
könnten, diesen oder jenen der hier genannten Schriftsteller zum 
Gegenstand ihres Studiums zu machen und dadurch zu dem Ge- 
lingen unseres ganzen Planes einen erwünschten Beitrag zu 
liefern. Allzu viel Wichtiges findet sich in dem Verzeichnis nicht. 
So sind besonders die an letzter Stelle aufgeführten Werke, 
welche hauptsächlich die muslimischen Cultusstätten Syriens im 
Auge haben, für die Topographie von geringem W^erth ; aber 
auch dies zu untersuchen und zu wissen, ist ja nicht ganz unwichtig. 

Wie aus der Aufzählung der Werke hervorgeht, die aus 
Gildemeister's Nachlass in den Besitz unserer Bibliothek über- 
gegangen sind (vgl. ZDPV. Bd. 14, p. XIV), hatte er auch be- 
gonnen, die jüdischen Eeisebeschreibungen zu sammeln. Be- 
reits in dem Prospect des ganzen Unternehmens war in Aussicht 
genommen, diese Literatur, die durchaus noch nicht vollständig 
ausgebeutet ist, zu verwerthen. Es wäre sehr dankenswerth, 
wenn jüdische Gelehrte an der Iland des Nachlasses, in welchem 
sich eine Anzahl einschlägiger literarischer Notizen finden (VIII), 
uns über diesen ganzen Literaturkreis, wo möglich Gedrucktes 



80 Socin, 

und Ungedrucktes, einen eingehenden kritischen Bericht liefern 
wollten. Die Schrift eile ha-mas'öt, welche als Additam. No. 673 
unserer Bibliothek a. a. O. verzeichnet ist, liegt demselben Fas- 
cikel handschriftlich in Übersetzung bei; doch finden sich hier 
und da noch Fragezeichen am Rande, so dass eine Durchsicht 
durch einen competenten Fachgenossen erwünscht wäre. 

Nach der langen Liste von Autoren, die noch durchzugehen 
und auszuziehen wären, könnte es manchem vorkommen, als ob 
für unser Unternehmen ein Abschluss noch für längere Zeit nicht 
in Aussicht genommen werden könnte; auch sind ja bis jetzt für 
die Sammlvnig von Ortsnamen aus syrischen Quellen gar keine 
Schritte gethan worden, und es muss hier ausdrücklich betont 
werden, wie erwünscht in dieser Beziehung Mittheilungen von 
Fachgenossen wären. Einigermassen zum Tro&te aber gereicht, 
besonders was die scheinbar unabsehbare Reihe arabischer Schrift- 
steller betrifft, der bekannte Umstand, dass die früheren von den 
späteren stark ausgeschrieben und ausgebeutet worden sind. Es 
handelte sich darum, zunächst einen einigermassen festen Rahmen 
für das Ortslexikon zu schaffen; diesen hat nun aber Gildemeister 
grösstentheils bereits fertig gestellt : in ein handschriftliches Ver- 
zeichnis (IX) sind aus den hauptsächlichsten Geographen die 
Ortsnamen Syriens alphabetisch geordnet eingetragen. 

Bereits dieses mit grossem Aufwand von Mühe und Zeit 
angefertigte Lexikon geht, was Genauigkeit, vor allem in philo- 
logischer Hinsicht, betrifft, schon seiner Anlage nach weit über 
die Arbeit von Guy le Strange hinaus ; ausserdem sind einzelne 
Schriftsteller benutzt, die diesem entgangen sind. Sonst stimmt 
natürlich das Verzeichnis (handschriftlich in Fase. VII) der ge- 
druckten Werke, die benutzt wurden, grösstentheils mit dem von 
Guy le Strange (vgl. bes. S. 13] überein ; nur enthält es 1) mehr 
Namen, 2) genauere Daten und 3) vor allem mit bibliographischer 
Genauigkeit und Kritik verfasste Literatur- und Druckangaben, 
die in der Vorrede unserer Arbeit natürlich verwerthet werden 
müssen. Den Grundstock der Arbeit bilden Jäküt und die Ma- 
räsid. Dem Fascikcl, in welchem der Plan der Arbeit sich ent- 
wickelt findet, entnehmen wir die Mittheilung, dass aus den 
Maräsid 975 Namen ausgezogen wurden, von denen 177 auf das 
cisjordanische Palästina bis zur Breite von Bänijäs fallen (gegen 
10000 der Name Lists). 



Bericht über d. im Nachlass v. Prof. Gildemeister vorgefundenen etc. 81 

In dieses Verzeichniss sind nun aber, wohl aus Mangel an 
Zeit , eine ganze Reihe von Angaben noch nicht eingetragen 
worden ; doch bietet ein umfangreicher Fascikel XI das Material 
dazu. Neben einem Brouillon, das den ersten Auszug aus den 
Maräsid und die Grundlage zu obiger Zusammenstellung enthält, 
sind besonders nicht benutzte Auszüge aus Beladhori, den Kreuz- 
fahrerautoren, der Mamlukengeschichte und 'Ulaimi zu nennen ; 
alle diese Namen wären nun in erster Linie in das Verzeichniss 
einzutragen. 

Auf einer Anzahl von Zetteln finden sich geographische 
Namen verzeichnet, von denen es unsicher ist, ob sie zu Syrien 
gehören; auf anderen Distanzangaben, denen Gildemeistek mit 
Recht grosse Aufmerksamkeit schenkte. Namentlich kommen ja 
hier die ausführlichen Berichte des Mukaddasi in Betracht. 

Mit Recht stellte Gildemeister in die erste Linie die 
arabischen Ortsnamenlexika, JäMt, Maräsid, sodann l^ekri, 
Zamachschari, sowie Kazwini, Lubb el-lubäb. Hierauf würden 
die Geographen Kudäma, Jä'kübi, Istachri. Ibn Haukai, Mukad- 
dasi, Abulfedä, Idrisi, Chalil, Ibn Ajjäs, besonders aber auch das 
Dschihannumä kommen, ebenso Ibn Schihna (für Nordsyrien), 
'ülaimi (Mudschir ed-din) und Quatremere's Makrizi (wegen der 
vielen absichtlich beigebrachten geographischen Daten). Eine 
weitere Abtheilung bilden die Reisenden Ibn Dschubair, Ibn 
Batüta, Chijäri, Kä'itbai, Näbulusi. 

Die zweite Schicht bildet die übrige arabische Literatur. 
Ein'^elne Notizen finden sich bei vielen Schriftstellern geleffent- 
lieh, ja auch absichtlich geographische Notizen, wie bei Ibn Chal- 
likän. Als Kategorien, welche in Betracht kommen, sind zu 
erwähnen 1) die alten Dichter der Ghassaniden, wie Näbigha 
und Hassan, der ümaijaden und der Hamdaniden, wie Mutanebbi; 
2i Beladhori und die anderen älteren Traditionssammler über 
die Geschichte der Eroberung; 3) die allgemeinen Historiker 
Tabari, Ibn el-atir, Abulfedä, auch Ibn Wadih, Mas'üdi, 
sowie Eutychius u. a. Diese werden nicht viel hinzufügen zu 
dem, was aus 4) der wichtigsten Kategorie zu gCAvinnen ist, 
den Specialschriftstellern über syrische Geschichte und besonders 
die in Syrien geführten Kriege, namentlich der mit Egypten und 
den Kreuzfahrern. Gerade aus diesen sind durch den Zusammen- 
hang der Erzählung genauere Ortsbestimmungen zu ermitteln. 



82 Socin, . 

In erster Linie stehen hier "^Imäd ed-din, Bohä ed-din und Abu 
Schäma, die zu excerpieren wären, sowie alles, was von Ibn el- 
'adim mitgetheilt ist. Auch Usäma käme hier in Betracht. 5) 
Dazu kommt manches Einzelne, z. B, die in der ZDMG. mehr- 
fach behandelte Geschichte des Libanon; auch liegt das Buch 
von Tannüs esch-Schidjäk gedruckt vor. 

unter allen Umständen muss es — damit wird jedermann 
einverstanden sein — als Ehrensache, sagen wir geradezu als 
Ehrenschuld bezeichnet werden, dass die Vorarbeiten, von 
denen eben berichtet worden ist, nicht verloren gehen, sondern 
dass die Arbeit weiter geführt werde. Es wird die Aufgabe des 
geschäftsleitenden Vorstandes und unter den Mitgliedern des- 
selben natürlicher Weise namentlich die Aufgabe des Bericht- 
erstatters sein, diese Arbeit nach allen Kräften zu fördern und 
zu ihrer Verfolgung anzuregen. Namentlich aber muss dabei 
auf Mitarbeiter gerechnet werden. So könnten beispielsweise 
diejenigen Arabisten, die sich mit Geschichte befassen, werth- 
volle Beiträge zu dem Unternehmen liefern. 

Von kleineren Untersuchungen, zu denen sich im Nachlasse 
GiLDEMEiSTEii's einiges Material fand, sind noch anzuführen : 

XII. Eine Untersuchung über die Ortschaft ä^t^» südlich 
von Ghazza, dass nach Gildemeister mit dem TiS von Genesis 
16, 14 zu identificiren ist. Der Fascikel enthält ein reiches 
Material für die Geographie der Gegend zwischen Palästina und 
Ägypten, die ja auch in den Bereich des Ortslexikons gezogen 
werden soll. 

XIII. Sprachliche Notizen über Kefr Tanchüm, mit Berück- 
sichtigung der Identificierung dieser Ortschaft mit Kapernaum. 

XIV. Über Kurus in Nordsyrien und seine Identification 
mit dem Cressum der Kreuzfahrer. 

XV. Über Dalmanutha. 

XVI. Über Susitha-IIippos. 

XVII. Über den Scopus. 

XVIII. Die Literatur über die Nosairier und die Metäwile. 



Bericht über d, im Nachlasa v. Prof. Gildemeister vorgefundenen etc. 83 



Anlage A. 

Verzeiclinis einiger auf Palästina und Syrien bezüglichen 
arabischen Werke, die handschriftlich vorhanden sind. 

Von Prof. Gildemeister mit Ergänzungen von A. Socin. 



el-alak en-neflse ^ geographisches Werk des Ihn Dustah 
(vor 300), enthält, wie aus der Inhaltsangabe des Codex British 
Museum No. 1310 hervorgeht, passim einiges über Syrien. 

el-mascdik wal-mamalik . historisch- geographisches Werk 
über Äg)T)ten, verfasst von "^Ubaidallah el-Bekri f 487, erhalten 
Cod. British Museum No. 374, soll nach Slane's Vorrede und 
Text ein Itinerar von Syrien enthalten. 

nuchhet el-adJiän^ eine kurze Eeisebeschreibung von Ihn 
R,abf aus Granada (ca. 512), in der Palästina ganz oberflächlich 
gestreift wird. Cod. Gothanus No. 1539. 

Die Geschichte von Damaskus von Ihn 'Asäkir enthält zwar 
namentlich Lebensbeschreibungen berühmter Damascener, dürfte 
aber doch wohl auch viel topographisches (und geographisches) 
Material bieten. Vgl. Cod. Gothanus 1775 (ff.), woselbst die 
Literaturangaben ; dazu kommt der Katalog der Cairenser Hand- 
schriften Bd. V, p. 25 und der von KREMER'schen Sammlung 
No. 22. 

tädsch el-mafrih, Titel einer Eeisebeschrcibung des Spaniers 
al-Balawi a. d. J. 736 ff. d. Fl, Nach der ausführlichen Beschrei- 
bung der Gothaer Handschrift No. 1540 berührte der Keisende 
Südpalästina auf seiner Pilgerfahrt zweimal. 

mutliir el-gharäm von Schihäb ed-din el-Makdisi um 750 
verfasst. Cod. Gothanus 1715 (Leiden, Paris u. s. w.); sowie Re- 
fa^ija (Leipzig, schöne Handschrift) No. 5. Vgl. Guy le Strange 
S. 11, No. 21 . Mit der Bearbeitung dieses Werkes ist ein jüngerer 
Orientalist, wie wir vernehmen, beschäftigt. 

Cod. Gothanus No. 1SS5 (o. T.) enthält unter anderem fol. 
130 — 171 eine Statistik von Syrien aus der Zeit der Mamluken- 



84 Soßin, , 

herrschaft, zwischen d. J. S5G und 872 verfasst. Unicum, — 
Eine Statistik Ägyptens aus der Mitte des 8. Jahrli. liegt frag- 
mentarisch in Cod. Goth. No. 1657 vor, möghcherweise sind 
auch darin Nachrichten über Syrien enthalten. 

ed-durr el-muntachah , Auszüge aus der Geschichte von 
Aleppo, die von Ihn esch-Schihna y 883 verfasst ist. Vgl. Cod. 
Gothanus No. 1724. Vgl. auch ausser den dort angeführten 
Handschriften und Bearbeitungen Cod. British Museum No. 436. 

naschak el-azJiür, kosmographisches Werk, verfasst von Ibn 
Ijäs, vollendet i. J. 922. Vgl. Cod. Gothanus No. 1518, woselbst 
andere Handschriften, sowie die bisher aus diesem Werke ge- 
machten Auszüge nachgewiesen sind. 

Beschreibung von Damaskus von *^Abd el-ljäsit el-*^Almawi. 
Cod. British Museum No. 9 70. Vgl. von Kremer, Über meine 
Sammlung orientalischer Handschriften (Wien 1885) No. 34. 

tuhfet el-cüicim, Beschreibung und Geschichte von Damas- 
kus, von el-Basrawi, der 1003 schrieb ; vgl. Cod. Goth, 93; Vind. 
902; British Mus. 1256; Cod. Leid. 816; Paris 823: Auszug aus 
Ibn Schakir. 

rahlet esch-schitä icas-saif \ou Kibrit. Der Verfasser reiste 
um das Jahr 1040 von Medina nach Cairo und Constantinopel, 
von dort auf dem Landweg über Aleppo, Damaskus und die 
syrische Pilgerstrasse wieder nach Mekka. Cod. Gothanus 
1543; ausserdem Exemplare in Cambridge und Kasan (nach 
Pertsch). 

nuzhat el-anäm fl niahäsin esch-schäm , Beschreibung von 
Damascus von Abul-bakä el-Badri (so G. — ) Eeinschrift der 
Abhdl. a. d. J. 1065. Cod. Vindob. 902; Bl. 93 v.— 198 v. ; Cod. 
Sprenger 186. und 187 2 Ex. 

talifet el-udahä von el-Chijäri (reiste um 1080). Cod. Go- 
thanus 1545, woselbst die Literatur über die Bearbeitung dieser 
Heise durch Seetzen und Tuch angegeben ist; vgl. auch Catalog 
von Cairo V, p. 29. Jedenfalls wäre das Mscr. noch einmal zu 
excerpieren. 

kitäh el-dscharäflja (Geographie), anonymes geographisches 
Werk. Cod. British Museum No. 1509 ; der Codex ist i. J. 1 151 
geschrieben, das Werk wohl überhaupt ziemlich modern. 

el-hark el-mutaaUih fl mahäsin dscJiülik. Über die Schön- 
heiten von Dschallik = den Umgebungen von Damascus, verfasst 



Bericht über d. im Nachlass v. Prof. Gildemeister vorgefundenen etc. S5 

von Ibn er-Eäi i. J. 1171. Cod. Viiidob. 1268. Auch in Cairo, 
vgl. Filmst V, p. 19. 

Cod. Goth. 1536 — 1538 enthalten Listen der Ausgaben des 
Franciskanerklosters in Jerusalem aus dem Anfang und der Mitte 
des 18. Jahrh. Dieselben sind wohl inhaltlich und sprachlich 
von einigem Interesse. 

Unter den von Gildemeistee. zur näheren Prüfung notierten 
Handschriften finden sich auch Cod. Refa'^ija No. 3 (ZDMG. 8, 
p. 579 unter No. 12). Diese Schrift enthält jedoch bloss eine 
Beschreibung der Eeise von Cairo nach Mekka von es-Senhüri 
und ist für Syrien nicht von Belang. No. 145 ebd. enthält eben- 
falls fast nichts Geographisches. No. 147 bloss Anekdoten. 

fadüil het el-mukaddas tvafcujciil esch-scJuim^ über die Vor- 
züge einzelner Städte in Syrien und Palästina, verfasst von Abu 
Ishäk Ibrahim el-Meknäsi. Tübingen, M. VII, 26. Viele Aus- 
sprüche berühmter Leute werden angeführt. Für Topographie 
ist die Schrift wenig werth. Cod. Tub. VII, 25 ist eine neuere 
ganz vollständige Abschrift desselben Werkes; fol. 137, Cod. 25 
entspricht fol. 61, Cod. 26. — Fol. 63, Cod. 26 beginnt eine 
neue ähnliche Schrift: fadüil bei el-mukaddas tcafadl es-salät 
fihä, die Vorzüge von Jerusalem und des Gebets daselbst, von 
Muhammed ibn Muhammed ibn Husein el-Kendschi (?) es-Süfi. 
Diese Schrift enthält einige Nachrichten über die Gebäude in 
Jerusalem und ihre Maasse. — Fol. 98 — 121 Cod. 26 (von fol. 
119 an mit neuerer Schrift) folgt ein drittes Werk eines unbe- 
kannten Verfassers über die fadtiil esch-srhUm ivafadml mudunliä 
waheit el-muladdas ; in allen diesen Werken sind besonders auch 
die Gräber von Propheten, Genossen Muhammed's und berühmter 
frommer Männer, aufgeführt. Auch Cod. Tub. Ma VI, 27 (123 
fol.) enthält ein ähnliches Werk: fadiiil het el-muladdas wal- 
challl . . . toafadäil esch-schäm; fol. 2^ heisst es j.l-'sbJl .i.\A/ixi! JL'j 
(Ji^lXäII ^*:^ji^ ^J (sie) (^r*-j^' Qt> .Jyisi^ ^LxU j.i\ Es liegt nahe, 
diesen Mann mit dem bei J;lküt I, p. 779 Z. 12 angeführten 
L>.x) .wj o-.is'' zusammenzustellen. Übrisrens enthält die Schrift 
hauptsächlich Traditionen und Gebetsvorschriftcu und sehr wenig 
Topographisches. Schliesslich gehört in diese Categorie noch 
der Cod. Refa'ija 21 1 (I^eipzig), ein kleines unbedeutendes Werk 
von 28 fol., betitelt muntachah fi fadnil hrf eI-?)///kaddas von 

Ztsfb. a. Pal.-Vor. XIV. 7 



86 Socin, Bericht üb. d. im Nachlass v. Prof. Gildemeister vorgef. etc. 

liurhän ed-diu, nach dessen eigenen Angaben grösstentlieils 
Auszug aus dem kitäh el-mustulysä von Behä ed-din ibn *^Asäkir 
(der nach Iladschi Chalfa IV, 448 i. J. 600 H. gestorben ist) 
und secundär aiis dem ]iuche des Abul-ma^ili ibn el-Muraddscha 
(s. o. el-Mukaddasi). Ob die Handschrift identisch ist mit 
Cod. Landberg 12, 2 (Berlin), ist zu untersuchen. Auch Cod. 
Landberg 12, 1 und 46C gehören hierher, sowie 153 über den 
Besuch der Höhle und des dschehel kcisijTm von el-Mawerdi. 

Nachträglich ist der obigen Liste der Papiere Gildemeister s 
noch hinzuzufügen ein erst vor kurzem uns übergebener Fasci- 
kel XIX, enthaltend einen alphabetisch geordneten Zettelindex 
zu den einschlägigen geographischen Namen des Dschihän-numä. 



Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 
7. bis 16. Jalirlmudert. 

Von 
Reiuliold Röhriclit. 

II. 

(Hierzu Tafel III.) 

Als Fortsetzung der Mittheilimgen, welche ich oben S. 8 — 1 1 
aus dem cartograpliischen Nachlasse des verewigten Grafen Riakt, 
der mir leider erst nach x\bschluss der Bibliotheca geographica 
Palaestinae zugänglich geworden ist. gemacht habe, möchte ich 
zunächst eine Reihe von Ergänzungen dazu geben, welche sowohl 
den Besitzern als auch jedem eventuellen Uberarbeiter dieses 
Buches von Nutzen sein werden. Ich ordne chronologisch. 

1. saec. XII. Kolorirte Karte Palaestina's (Ashburn- 
ham, Libri 1882). 

2. 1346. Compilatio historiarum totius Bibliae 
et historiarum scholasticarum a fratre Joanne de Utine vel de 
Morteglano orelin. Minor. (Venedig, San Marco; Catalogo ed. 
Valentinelli I, 272, cod. 150 saec. XVI); darin Abbildung von 
Jerusalem. 

3. s. XIV. Carta Terrae Sanctae (Glasgow Q. 9, 175 
s. XIV). 

4. De passagiis a Gothefrido vel Petro eremita 
(Venedig, San Marco XXII, No. 124; Valentinelli, Catal. VI, 
80) ; darin fol. 73 — 80 Abbildung von Antiochia und Karte des 
heil. Landes. 

5. De Templo Domini et Salomonis (Gent fol. 65; 
Catalogue ed. St. Genois 27). 

6. Icon Jerusalem Cheltonham 21562 s. XTV). 



88 Röhricht, 

7. Mappa mundi (Rom, Cod. Palatiii. 1356, fol. 113), 
darauf die 3 Städte Rom, Jerusalem und Carthago: Jerusalem 
mit einer zw eithürmigen Kirche, sehr roh) . 

S. Plan von Jerusalem (Marseille F. a. 1.; sehr roh, 
sechseckig) . 

9. Pläne von Antiochien und Jerusalem (London, 
Egerton 1500 saec. XIV, fol. 44^^). Innerhalb eines Tractats: 
Passagia et auxilia Terrae Sanctae. 

10. 1472. Jerusalem, Cairo, Damascus, Constanti- 
nopel und Rom. Abbildungen in einem Codex des Ptolemaeus 
(Rom, Urbin. 27 7). In einem anderen Ptolemaeuscodex (Paris, 
Bibl. nation. fonds lat. 4802 s. XV: »scripsit Ugo Comminelli ex 
Francia natus composuitque Petrus Massarius Florentinus«) An- 
sicht von Jerusalem Gütige Mittheil, des Herrn Archivdirectors 
Desimoni in Genua; vgl. Bibl. geogr. 603 — 4, No. 58). 

11. 1493. Jerusalem im Hintergrunde eines Hildes, 
welches Christum am Kreuze mit Maria und Johannes im Vorder- 
gründe darstellt (Florenz, 13ibl. Laurent. Messale del fondo degli 
Edili No. 109, 2 Seiten); am Ende des Codex steht die Bemer- 
kung, dass das Buch am 3. l)ec. 1493 durch den Priester Zenobio 
Moschini, die Miniaturen von Giovanni di Jora im gleichen 
Jahre hergestellt wurden (Mitth<;il. des Herrn Archivdirectors 
Desimoxi in Genua). 

12. 1582. Description de la Terre Sainte in dem 
Werk : Figurcs de la Bible declarees par stances par G. C. T. 
Augmentees de grand nombre de figures aux Actes des Apotres. 
A Lyon par Bartheiemi Honorati 1582. — Figures de Nouveau 
Testament, ibid. 1582. — Actes des Apotres, i\)id 1582. En tote 
de la seconde partie est une planche pliee: Description de la Terre 
Sainte (Catalogue de Yemeniz, Paris 1867, 45, No. 160). 

1 I. s. XAT. Chorographia Terrae Sanctae (Venedig, 
San Marco; Uiblioth. geogr. Palaest. 222, No. 849); darin Karte 
l'alästinas. 

15. Civitas Ilicrusalom, s. 1. et a. (L. P.) Querfolio mit 
italienischer liegende und Aufzählung von 16 heiligen Stätten; 
unter der Ansicht: Dispositio sepulturae Dominicae und Forma 
Capellae in Boptelem (sie). — 

16. Descriptio Hierosolymae et Tyri (Venedig, San 
Marco; Catal. rd. Valentinelli HI, 54, cod. 71, fol. 78 — 80). 



Karten und Pläne zur Palästinakunde II. 89 

13. 1583. Ansicht von Jerusalem in dem Original- 
codex der Reisebeschreibung des Kudolf Pfyffer (Bibliotheca 
208, No. 786), welchen Herr Bibliothekar Schiffmann zu Luzern 
besitzt (Schweizerblätter für Wissenschaft und Kunst 1890, 385). 

17. Ezechielis V. Haec est Jerusalem. Ego eam in 
medio gentium posui et in ejus circuitu terras. — Links unten: 
Hierosolyma Vrbs Sancta Jvdaeae Totivsque Orientis longe cla- 
rissima qva amplitvdine ac magnificentia hoc nostro aevo con- 
spicva est. 48 Nummern Erklärung, latein. Legende (aus einem 
gedruckten Werke) . 

18. 1612. Album of Benedict Cöler or Koler of 
Nurenberg (London. Egerton 1231 s. XVII) mit Plan von 
Jerusalem und einzelnen Ansichten, auch einem Certificat vom 
17. Juli 1612, worin der Besuch Jerusalems dem Reisenden offi- 
ciell bestätigt wird. Dieser ist offenbar der schon in: Deutsche 
Pilgerreisen, 1880, 96 u. 1889, 296 genannte Benedict Coller. 

19. 1658. GabrielBuzelin: Karte von Palästina, Ulm 1658. 

20. c. 1670. Karte von Jerusalem und Tabula geo- 
graphica Terrae Sauctae auctore Jacobe Bonfrerio in dem Mün- 
chener Cod. gallic. No. 1317, p. 42 — 43 und am Ende (Biblioth. 
geogr. 273, No. 1153). 

21. Das heutige Jerusalem. S. 1. et a. Paul Friedr. 
Engelbrecht sculpsit. Martin En gibrecht excud. August. Vin- 
delic. Thomas Scheffler ornament. inv. et delineavit .... mit 
lateinischem und deutschem Texte (In divinis et profanis His- 
toriis — Die in Göttlichen u. Profan-Schriften) über und unter 
der Ansicht mit Aufzählung von 81 heil. Stätten 1 Blatt, folio. 

22. s. XVn. Karte Palaestina's (Ashburnham, L. 1882). 

23. 1718. Delineatio quorundam locorum sacrorum 
Jerosolymae. Landerer fecit. Oben links: 1. Mons Oliveti. 
2. S. Sepulchrum. 3. Jerusalem in aspectu ad Meridiem ; darunter 
links und rechts je in einer Ecke Pläne, in der Mitte zwischen 
beiden 22 heilige Stätten axifgezählt. Darunter: Allen und jeden 
wird zur Genügen erinnerlich seyn ... 27 Zeilen. Darunter 
Aufzählung von 23 heiligen Orten. Darunter: Ad Instantiam 
R. P. Cassiani Grundler Commissarii Terrae Sanctae per Rom. 
Imp. Cum Facultate Superiorum. — Augspurg gedruckt bey 
Job, Michael Labhart, Hoch. Fürstlich Bischöffl. Buchdrucker, 
auf Unser Lieben Frauen-Thor 1718, 1 Bl. fol. 



90 Röhricht, 

21. 1763. Allen und jeden wird zu Genügen erinner- 
lich seyn, was Gestalten die Stadt Jerusalem . . . l IJlatt, folio ; 
oben Bild der Capelle des heil. Grabes, links und rechts : Ver- 
kündigung und Geburt. Unter dem Texte 27 Zeilen: Verzeich- 
nus aller heiligen Oerter, zu deren Unterhalt obgedachten Almosen 
angewendet wird (20 Orter des heil. Landes) ; darunter: Ad In- 
stantiam PP. Hieronymi Katzer et Chrysologi Paradeyser Vice 
Commissar. Terrae Sanctae 1763. 

25. s. XVm. Dessins de la ville de Tyr (Brüssel 11390). 

26. Plan du Saint Sepulcre de Nötre Seigneur 
Jesus Christ situe en la Terre Sainte sur le Mont Calvaire dans 
la Cite de Jerusalem. Le vray plan des fondements de l'eglise 
du S. Sepulchre et du Mont Calvaire de Nostre Seigneur Jesus 
Christ. — Darin rechts oben: Carte de la Terre Sainte avec les 
portes que N. S. J. C. a tenues par la Galilee, Samarie, Judee 
et Egypte. — Rechts unten: Plan de la ville de Jerusalem. 25 
Nummern Erklärung. Links unten in der Ecke : Plan du Temple 
de Saloraon dans Jerusalem. Vom linken inneren Rande oben 
herunter bis zum rechten inneren Rande hinauf: Chemin de la 
Croix. — Aeusserer Rand hellgelb, querfolio, s. loco et anno. 

27. Tabula itineris et stationum Israelitarum in 
Deserto ab eorum egressu ex Egypto ad transitum Jordanis. 
Delineata et incisa juxta Auctoris systema a P. Starck-Man. s. a., 
quer folio, schwarz. 

28. Jerusalem comme eile est a present. Fait par 
Aveline . . . ä Paris ches Carpentier, rue S. Jacques au Cocq, 
s. a., colorirt; 36 Nummern Erklärung. 

29. 1872 — 5. Copieen von kartographischen Origi- 
nal-Materialien behufs Herstellung einer neuen Specialkarte 
von Klein- Asien. Abtheilung L Wege- Vermessungen über Nord- 
Syrien und Klein-Asien (1872 — 1875), hergestellt unter Direction 
des Ober-Ingenieurs W. Pressel. A. 1. Alexandrette-Aleppo, 
1 : 100,000. 2. Orontes Mündung-Aleppo, 1 : 200,000; dazu Bei- 
lage: Plan von Antiochien, 1 : 15000 (Berlin, Königl. Biblioth., 
Karten- Abtheil. D. 4800). 

Wir schlicssen hieran die Mittheilung einzelner unedirter 
haiidscbviftlicher Pläne von Jerusalem und seinen liciligen Stätten 
und Ix'ginnen mit den Plänen, welche sich in einem vonTouLER- 



Karten und Pläne zur Palästiuakuade II. 91 

MoLiNiER ') nicht benutzten, aber sehr wichtigen Beda-Codex 
der Seminarbibliothek von Namur (No. 760 saec. IX) finden 2). 
Wie diese zu den in den übrigen Beda-Handschriften vorhan- 
denen, aber nirgend veröffentlichten Zeichnungen stehen, ver- 
mögen wir nicht zu sagen. Da aber Beda diese aus Arculf 
entlehnt hat und die Ausgaben desselben sie enthalten, so sind 
wir nur im Stande, die unsrigen damit zu vergleichen und die 
Unterschiede hervorzuheben, indem wir dringend empfehlen, die 
Iconographie Jerusalems und der wichtigsten Orte Palästina's 
planmässig einmal in Angriff zu nehmen und von der ältesten Zeit 
bis vielleicht zum Beginn des sechszehnten Jahrhunderts an der 
Hand der erreichbaren Codices zu erläutern; unsere Mittheilungen 
können nur dem Zwecke einer Materialiensammlung zunächst 
dienen . 

Die erste unserer Zeichnungen 3) giebt einen Plan der 
heiligen Grabeskirche und der daran stossenden Capellen, welcher 
im Grossen und Ganzen dem vielfach herausgegebenen Plane des 
Arculf^) sehr ähnlich ist, aber von ihm doch auch wieder sich 
unterscheidet. Unser Codex zeichnet in die ganze Nordhälfte 
der inneren Rotunde das Monumentum Domini (das heilige 
Grab) , während der Arculf-Plan in das obere Drittel das Sepul- 
crum Domini und darunter das Tugurium rotundum (die Rotunde) 
einträgt. Die von NO. und SO. nach dem Inneren führenden vier 
Zugänge fehlen unserem Plane, welcher auch die Nordwand der 
St. Marienkirche direct an die Südseite der äusseren Rotunde- 
mauer anlegt, während bei Arculf ein Zwischenraum zwischen 
beiden ist und auch vier nach N, gerichtete Ausgänge dahin 
gezeichnet sind. Ebenso stösst ohne Zwischenraum die Golgatha- 
capelle direct an die Westseite der Rotunde bei unserem Zeichner, 

1) ItineraHierosolymit. lat. 1879, 1,212—240; vgl. XXXIV— XXXVIII. 

2) RÖHRICHT, Biblioth. 14, No. 22 A 17. 

3) Zu Beda in Tobler-Molinier, Itin. I, 217, cap. 2. 

4) z. B. TOBLER-MOLINIEK I, 149 ; ToBLEK, Golgatha 1—2, 107—1 10 ; 
Feugusson, An essay of the ancient topogr. 149; Robeut Willis, The arehi- 
tectur. hist. of the church of the H. Sepulchre 129 — 140; Survey, Jerusalem, 
12 — 13, wo über die Bedeutung des Arculfplanes ausführlich gehandelt wird, 
der sich auch in den meisten Ausgaben des Arculf und Beda, aber immer in 
derselben Form wiederfindet. Unseren vier Plänen völlig identisch, bloss viel 
roher, sind die in dem Londoner Codex Addit. 22G32, fol. 44 entlialtenen, 
wesshalb wir auf ihre Wiedergabe verzichten können. 



92 Röhricht, Karten und Pläne zur Palästinakunde II. 

während Arculf den Abstand deutlich macht. Die Exedra cum 
calice Domini westlich von der Golgathacapelle und nördlich 
davon die Mensa lignea und darüber die Plateola, in qua die et 
noete lampades ardent, fehlen in unserer Zeichnung; ebenso die 
zwei Ausgänge aus der Kreuzfindungscapelle. Ahnlicher in 
der Anlage, in den Legenden fast völlig gleich, ist der Arculf- 
Plan, welchen Marquis dk Vogüe zum ersten Male veröffentlicht 
hat^), aber dabei sind doch wieder erhebliche Verschiedenheiten 
zu bemerken. Die Mariencapelle berührt hier nur im NW. die 
Südseite der äusseren Rotunde, hat ihren Ausgang in der Mitte 
der Nordmauer nach dem Vorraum und nach SWW. einen eigen- 
thümlichen schmalen gangartigen Fortsatz. Die Golgathacapelle 
liegt nicht innerhalb des Vorraums, sondern östlich in halbkreis- 
förmiger nach dem Vorraum westlich sich öffnender Gestalt; die 
drei Kreuze, welche die Kreuzfindungscapelle sonst characteri- 
siren, fehlen hier ganz, dafür stehen in der Abtheilung zwischen 
ihr und dem Vorraum nördlich von der Mariencapelle zwei 
Kreuze. Aus dem allen geht hervor, dass unser Plan in der 
Mitte steht zwischen den beiden oben erwähnten Typen iind 
einen neuen Typus repräsentirt. 

Unser Grundriss der Zionskirche (No. 3)-) giebt ausser ver- 
schiedenen Legenden auch verschiedene Ortslagen, so das Grab 
der Maria, mit einer dicht dabei emporsteigenden Säule, der 
Geisselungssäule Jesu, im S. und nicht im SO., den Marmorstein, 
an dem Stephanus gesteinigt wurde, im S. und nicht im O.; die 
Petra, supra quam stetit dominus Ihesus religatus ad columnam, 
ist auf den bekannten Plänen ^j nicht zu finden. In den Bau der 
Ilimmelfahrtskirche unseres Codex (No. 3) ') sind die sonst fehlen- 
den Fusstapfen Christi in nach W. sich öffnender Stellung ein- 
getragen; an Genauigkeit steht er den bekannten Plänen-^; im 
übrigen nach. Ebenso ist die vierte Zeichnung'') des Jacobs- 
brunnens bei Sichem^) olme Bedeutung. 

1) Les 6glises de la Terre Sainte 161 (aus dem Pariser Cod. lat. 2321); 
\^\. die Erläuterungen desselben 149 — 153, 154 — 155. 

2) Zu Bedti bei Toülkii-Molinikh I, 218, cap. 3. 

3) Ebend. I, 100; Tomleu, Topogr. II, 103. 

4) Zu Beda bei ToiiLi;u-MoLlNn:u I, 222, cap. 7. 

5) TOBLER, Siloahquelle 89—90; DE VoGÜK 316—317. 

6) Zu Beda bei Toülkk-Molinier I, 229, cap. 15. 7) Ebend. 180. 



Das Klima von Jerusalem. 

Nach eigenen Beobachtungen dargestellt 
von Dr. med. Thomas Chaplin •). 

(Bearbeitet von Dr. Otto Kersten in Berlin.) 

Hierzu Tabelle I— XII. 



I. Niederschlag. 

Der folgende Bericht über den Regenfall in Jerusalem um- 
fasst die Ergebnisse einer Reihe von Beobachtungen, welche im 
Verlauf von 22 Jahren (18G0— 1882) angestellt wurden. 

Die zur Messung des Regens gebrauchten Instrumente 
waren von verschiedener Art: 1) der altmodische Regenmesser 
von Newman mit Schwimmern, 2) Glaisher's Regenmesser, von 
Negretti und Zambra geliefert. 

Der Hauptnachtheil des erstgenannten Instrumentes ist der, 

1) Auf der VI. Generalversammlung des Deutschen Vereins zur Erfor- 
schung Palästina'» ist derBeschluss gefasst worden, meteorologische Stationen 
in Palästina zu errichten (vgl. S. III f.). Da die bisherigen Kenntnisse in 
dieser Beziehung hauptsächlich auf den von Dr. Cuaplin mit grosser Aus- 
dauer und Gewisscnliaftigkeit in Jerusalem angestellten Beobachtungen be- 
ruhen, die in Deutschland nur auszugsweise bekannt geworden sind, so halten 
wir es für angemessen, zunächst diese Arbeit als Grundlage aller weiteren 
Forschung in vollem Umfange zu veröffentlichen. Herr Dr. Otto Kersten 
in Berlin hat die Güte gehabt, die Beobachtungen Dr. Chaplin's, die in den 
Quarterly Statements des Palestine Exploration Fund 1883 zuerst verötl'ent- 
licht wurden, für unsere Zeitschrift zu bearbeiten; von ihm herrührende 
Zusätze sind durch K. kenntlich gemacht. Der Plan, nach welchem wir mit 
Errichtung von eigenen Stationen an anderen Orten Palästina'« und mit 
weiteren Veröffentlichungen vorzugehen gedenken, wird demnächst in der 
ZDPV. dargelegt werden. Die Itcdaction. 



94 Chaplin, 

dass durch dasselbe die Ablesung geAvöhulicli zu niedrig ange- 
geben wird, weil der Schwimmer durch sein Gewicht einen Theil 
des Wassers aus dem Cy linder verdrängt. Wegen dieses Übel- 
standes erhielt man oft gar keine Angabe, wenn die Regenmenge 
sehr gering war. Zum Sammeln des Niederschlags hat sich der 
erste Regenmesser oft wirksamer als der andre gezeigt, wenn 
schwerer Regen und Hagel bei starkem Winde fielen. 

Dielieobachtungen sind mit grösster Regelmässigkeit j eden 
Tag um 9 Uhr Vormittag gemacht worden, mit Ausnahme 
einer kurzen Periode im März 1863, wo die Zahl der Regentage 
dieses Monats nicht ermittelt ist. (Hier thunlichst ergänzt! K.) 

Während der 6 ersten Regenzeiten (seasons) wurde Newman's 
Regenmesser gebraucht, im Übrigen der GLAisHER'sche. Vier 
Jahre hindurch standen beide Instrumente nebeneinander, und die 
Ablesungen eines jeden wurden sorgfältig notirt. In dieser Zeit 
hatte der Regenmesser mit Schwimmer eine Niederschlags-Höhe 
von 2256,3 mm ergeben, derjenige Glaisher's etwa 2368,55 mm, 
und diese Vergleichsmessungen wurden benutzt, um die 
Ablesungen der ersten 6 Regenzeiten zu verbessern, in denen der 
Schwimmermesser allein gebraucht worden war. 

Die Instrumente waren in einem Garten in der Stadt auf- 
gestellt, etwa 762,0 m (2500 engl. F.) über dem Spiegel des Mittel- 
meeres, und zwar nach allen Seiten hin offen, indem die nach 
Süden und Westen angrenzenden Häuser allzuweit entfernt 
waren, um den Fall des Regens in die Pluviometer beeinflussen 
zu können. 

Da Palästina eines jener Länder ist, in welchen eine Regen- 
zeit regelmässig auf eine lange trockene Zeit folgt, so erscheint es 
nützlich, den nachstehenden Hericht nach den einzelnen Regen- 
zeiten, nicht aber nach Kalender-Jahren zu ordnen, weil jede 
Regenzeit die letzten Monate des einen und die ersten des näch- 
sten Jahres umfasst. Es ergaben sich so folgende Sätze : 

1) Die mittlere Dauer aller Regenzeiten betrug 188,5 
Tage, die der längsten 221, die der kürzesten 120 Tage; die 
trockene Zeit hingegen dauerte im Mittel 177 Tage (die längste 
211, die kürzeste 134 Tage). 

2) In 10 Jahren fiel der lieginn des Regens in die Zeit 
zwischen dem 1. und 28. Octobcr, in 12 Jahren zwischen dem 
1. und 28. November beidemal einscliliesslich der genannten 



Das Klima von Jerusalem. 



95 



Tage). In 4 Jahren fand schon im Monat September ein kleiner 
Regenfall statt, und es verdient bemerkt zu werden, dass jedes- 
mal in der unmittelbar nachfolgenden Regenzeit der Niederschlag 
beträchtlich unter dem Mittel blieb (und Octoberregen fehlte. K.). 

3) Der letzte Regen fiel in 8 Jahren zwischen dem 2. und 
und 29. April, in 14 Jahren zwischen dem 1. und 27. Mai, beide- 
mal einschliesslich jener Tage. Ein sehr schwacher Regen ist 
zuweilen noch im Juni gefallen. 

4) Die mittlere Zahl der Regentage in jeder Regenzeit 
war 52, die höchste 71, die niedrigste 37. 

5) Die mittlere jährliche Niederschlagshöhe in jeder 
Regenzeit betrug 581,9 mm, die höchste 1090,6 mm (42", 932), 
die niedrigste 318,5 mm (s. Tab. III). 

6) Die monatliche Regenmenge und die Anzahl der 
Regentage jedes Monats stellte sich im Durchschnitt aller 
21 Regenzeiten wie folgt: 



Monate : 


Anzahl der Regen- 
(Nieclerschlags-)tage. 


Niederschlagsmenge 
in Millimetern. 


October 

November 

December 

Januar 

Februar 

März 

April 

Mai 


1,50 
5,32 
9,04 
10,18 
10,45 
8,50 
5,45 
1,59 


13,1 

42,3 

119,8 

139,2 

134,6 

89,7 

36,8 

5,1 


ausserdem September 


52,03 
0,27 


580,6 

1,4 (s.Tab.I.) K.] 



7) Während der Regenzeit fällt der Regen an einem oder 
mehreren Tagen, worauf wieder ein oder mehrere regenfreie Tage 
folgen, und diese schönen Tage der Winter- und der ersten 
Frühlingsmonate gehören zu den genussreichsten im Klima von 
Palästina. Die mittlere Zahl dieser Regenperioden in jeder 
Regenzeit betrug 23, die höchste 30. die niedrigste 16; dieselben 
umfassen selten mehr als 7 oder 8 Regentage, und manchmal hat 
es in einer ganzen Regenzeit niemals mehr als 5 oder 6 aufein- 
anderfolgende Tage geregnet. Einmal nur regnete und schneite 



96 Chaplin, 

es 14 Tage lang (Januar 1801) und einmal 13 Tage (Februar 1882). 
Die Anzahl der Tage des Regens und der Zwischenzeit des darauf 
folgenden schönen Wetters in jeder Periode findet sich Tab. II 
zusammengestellt. 

8) Die Eegenzeit selbst theilt sich in 3 besondere Abschnitte. 
a) Die Zeit der »Frühregen« (im Herbste), von den eingebornen 
Bauern el-xoasvi el-hedri (»das frühe Zeichen«) genannt, welche 
das Land anfeuchten, es zur Aufnahme der Saat geeignet machen 
und somit das Zeichen zum Beginn des Pflügens geben ; b) die 
der starken Winter regen, welche das Erdreich sättigen, die 
Cisternen und Teiche füllen, die Quellen Avieder speisen; c) die 
Zeit der Spätregen (im Frühling), welche die Ähren des Kornes 
schwellen lassen, den Weizen und die Gerste befähigen, die 
trockene Hitze des Frühsommers zu ertragen, und ohne welche 
die Ernte missräth. 

Zwischen dem Beginn der Frühregen und dem Einsetzen 
der eigentlichen schweren Winterregen verfliesst eine beträcht- 
liche Zeit, und ebenso zwischen dem Ende des Wiuterregens und 
dem Aufhören der Spätregen; aber diese Zwischenzeiten werden 
gewöhnlich derart durch Regentage unterbrochen, dass es oft 
nicht leicht wird, zu entscheiden, zu welcher dieser drei Regen- 
Perioden ein besonderer Regenfall zu rechnen ist. So fielen z. B. 
im Jahre 188 1 die ersten Ilerbstregen am 5. November, und waren 
von den schweren, am 18. December anfangenden Winterregen 
durch eine Zwischenzeit von 3G trockenen Tagen getrennt; aber 
diese Zwischenzeit wurde durch drei nicht aufeinander folgende 
Regentage unterbrochen. Am Ende derselben Regenzeit hörte 
der schwere Regen am 15. April auf, und in die Zwischenzeit von 
36 Tagen, welche bis zum letzten Friihjahrsregen vcrfloss, fielen 
1 Regentage. Anfang und Ende der schweren Winterregen 
sind somit ebenso unbestimmt wie das Aufhören der Herbst- 
und der Beginn der Frühjahrsregen. Im Durchschnitt dauern 
die Herbst- oder Frühregen vom Anfang der Regenzeit im Oc- 
tober oder November bis Mitte December, die Winterregeu von 
Mitte December bis Mitte oder Ende März und die Spät- oder 
Frühjahrsregen von da an bis zum Ende der Regenzeit im April 
oder Mai. 

9) Obschon Regen bei jeder Windrichtung fallen kann, 
so werden die ergiebigen Regen doch fast unabänderlich vom 



Das Klima von Jerusalem. 97 

Südwest- oder Westwind gebracht. Von den 506 in diesem 
IJericlite enthaltenen Regenfällen kamen 8 von Nord, 14 von 
Nordost, 12 von Ost, 10 von Südost, 19 von Süd, 288 von Süd- 
west, 156 von West und 49 von Nordwest; in 149 Fällen ging 
ein östlicher Wind unmittelbar der Änderung voran, welche den 
Regen einleitete. Häufig dreht sich der Wind auch während des 
Regens; schlägt er nach Norden um, so hört der Regen auf. Eine 
Drehung aus irgend welcher Himmelsrichtung nach Südwesten 
zeigt geAvöhnlich eine Fortdauer des Regens an (s. Tab. IV). 

10) In 248 Fällen begann der Regen nach einem allmäh- 
lichen Sinken des Luftdrucks während zweier oder mehrerer 
Tage, 144 Mal nach einem Fallen während nur eines Tages und 
114 Mal nach einem leichten Steigen. Nicht selten beginnt der 
Regen nach allmählicher Verminderung des Luftdrucks gerade 
dann zu fallen, wenn das Barometer wieder zu steigen anfängt. 
Während des Regens stieg das Barometer 281 Mal; es fiel 69 
Mal, fiel zuerst und stieg dann in 132 Fällen, und bei 24 An- 
lässen blieb es stehen, bis der Regen aufgehört hatte i) . Gerade 
während der heftigen und stürmischen Regenperioden des Winters 
fällt der Luftdruck gewöhnlich, um nachher wieder zu steigen. 

11) Im Volke herrscht die Meinung, dass die Wärme der 
Luft bei Regen steige; das triff"t jedoch in der Regel nicht zu. 
Das Gefühl zunehmender Wärme wird veranlasst durch Vermin- 
derung der Verdunstung an der Körperoberfläche bei zunehmen- 
der Feuchtigkeit der Luft. In 369 Fällen wurde die Temperatur 
niedriger, wenn der Regen fiel, in 90 Fällen stieg sie ein wenig 
und in 47 Fällen blieb sie unverändert') bis der Regen aufhörte. 

12) Schnee ist in 14 Regenzeiten gefallen, und 8 sind 
ohne Schnee vorübergegangen. Die letzten Tage des December, 
die Monate Januar und Februar und Anfang März sind die ge- 
wöhnlichen Schneezeiten; nur 1870 hatten wir noch am 7. und 
8. April Schnee (46 mm), ein sehr bemerkenswerther, ausserge- 
wöhnlicher Fall. Meistentheils fällt der Schnee nur in geringer 
Menge und schmilzt bald ; zuweilen aber kommen sehr heftige 
Schneestürme vor, und dann kann der Schnee 2 — 3 Wochen 
lang in den Höhlungen der Hügelabhängc liegen bleiben. Der 
stärkste Schneefall war am 28. und 29. December 1879, wo eine 
Schicht von 432 mm fiel. Im Februar 187 1 Uip- der Schnee 

1) s. Tab. V. u. VI. 



98 



Chaplin, 



210 inm, am 14. März 1880 lag er 127 mm hoch. Zusammenge- 
•\vehte Mengen sind oft von sehr beträchtlicher Tiefe (s. Tab. P). 
13) Es ist bemerkenswerth, dass von 12 in diesen 22 Jahren 
beobachteten Erdbeben nicht weniger als neun in die Regen- 
zeit fielen^), nämlich je 1 imOctober,December, Januar und April, 
zwei im Februar und drei im März. Acht waren mit Sturm ver- 
bunden und vier kamen bei Schneefall vor. In nachstehender 
Zusammenstellung (Tab. VIII Pal. Expl. Fund) sind auch die Ab- 
lesungen des Barometers vor und nach den Erdbeben sowie die 
Windrichtungen während derselben angegeben. Nahezu jedesmal 
ging ein östlicher Wind einem Erdbeben voraus oder folgte ihm. 

Übersicht der Erdbeben-Beobachtungen. 



Eintritt der Erdbeben. 



Barometer- 
stand 9i> Vorm. 
vorher Inaclili. 



Wind- 
richtung. 



Wetter. 



1863 



1864 

1868 



1870 
1873 
1874 

1877 



1879 



April 22 

Sept. 24 

März 24 

Januar 24 

Februar 19 

October 7 

Juni 24 

Juni 2!) 

März 3 

Februar 15 

März 14 

Decbr. 31 



10h 45m Vm. 

8h 15'" Nm. 
2'' 30'n Vm. 
3I' 50'" Vm. 
Mitternacht 
7I' 30'" Nrn. 

7I'— Nm. 
2'' 30"! Vm. 
11' 40'" Vm. 
7'' 15"! Vm. 
6'' 15'" Vm 

9h— Vm. 



685,1 


693,6' 


699,1 


698,1 


697,8 


697,6 


600,3 


699,1 


692,4 


692,2 


699,2 


699,8 


697,8 


697,0 


697,8 


699,1 


697,8 


694,7 


697,8 


695,7 


6! 14, 7 


693,1 


698,8 


706,5 



West Veränderlich, mit heftigem 

Sandsturm von Osten. 
West Hell. 
Ost Wind Nachm. v. O. n. W. 
West Wechselt am folg. Tage n. O. 
West Regen und Schnee folgen. 
West Sturm, Donner und liegen, 
AVind wechselnd V. Sirokko. 
West Hell und still. 
West Hell und still. 
Süd West Schneesturm. 
Süd West Schnee folgend. 
Nordwest Wind änderte sich von O. am 
vorhergehenden Tage. 
Nord Schnee. 



14) Das Ueberfliessen des BirEijüb im Kidronthale 
wird von den Bewohnern Jerusalems als Zeichen betrachtet, dass 
während des folgenden Sommers kein ernstlicher Mangclan Trink- 
wasser eintritt. Sorgfältige l)eobachtinigen thun jedoch dar, dass 
das Ueberlaufcn des Iliobs-Brunnens nicht sowohl von der liegcn- 
mengc abhängt, welche seit Beginn der Begenzeit gefallen ist, als 
vielmehr von derjenigen, welche kurze Zeit vorher fiel. Die am 
Schlüsse folgende Zusammenstellung (Ciiaplin's Tab. IX) zeigt 

1) Dies scheint auf Einsturz von Höhlungen im Kalksteingebirge hin- 
zudeuten. K. 



Das Klima von Jerusalem. 99 

die näheren Umstände, unter denen der Bir Eijüb während der 22 
Jahre dieses Berichtes übergeflossen ist. In denjenigen 4 Regen- 
zeiten , in welchen schon im September Regen fiel, hat kein 
U eberlaufen stattgefunden (s. Tab. III). 

15) Einem sehr unzulänglichen Regenfall folgt stets auch 
eine mangelhafte Ernte; ein sich hoch über den Durchschnitt 
erhebender Regenfall zieht indessen nicht immer eine verhältniss- 
mässig reichliche Ernte nach sich. Die für ein gutes Erträgniss 
an Weizen und Gerste günstigsten Bedingungen sind: ein reich- 
licher Winterregen, der an vielen Tagen ohne längere Zwischen- 
zeiten von schönem, trockenem Wetter fällt, sowie ein ergiebiges 
Fallen von Frühjahrs- oder Spätregen. 

Nehmen wir den Preis des Weizens als Massstab für die Be- 
schaffenbeit der Ernte, so finden wir, dass nach den angeführten 
4 Jahren mit geringster Regenmenge (im Durchschnitt 356 mm), 
der Mittelpreis eines Masses ^) Weizen 31 Piaster war (100 kg = 
22,78 M., wenn 1 Pi= 16 pf). Nach den 3 Jahren des höchsten 
Regenfalls, dessen Mittel 940 mm war. betrug er 23 Piaster 
(100 kg = M. 16,90 bei 1 Pi= 16 pf) und nach den 4 Jahren mit 
dem nahezu mittleren Regenfall im Durchschnitt 231 — 584 mm 
betrug er nur 1 S Piaster (= M. 13,23 für 100 Ko.). Wenn der erste 
mittlere Theil der Regenzeit günstig gewesen ist, so hängt die 
Ernte fast ganz von einem genügendem Spätregeu ab; aber der 
günstigste Spätregen kann die Ernte nicht retten, wenn das Ge- 
treide bereits allzu sehr durch lange andauernde östliche Winde 
zusammengeschrumpft ist, und ebenso wenig wird die zu Anfang 
aussichtsvollste Ernte sich als befriedigend erweisen, wenn nicht 
ein genügender Regenfall vor Ende März oder während des 
Monats April eintritt. 

In der Zusammenstellung Tab. III (Dr. Chaplin's Tab. X) 
findet sich der gesammte Regenfall, die Anzahl der Regentage 
und der I^etrag des Spätregens in jeder Regenzeit, in derselben 
Reihe zusammengestellt mit dem durchschnittlichen Kornpreise 
während des folgenden Sommers. Hierbei darf übrigens nicht 

1) Nach Dr. CHArLiN wiegt 1 Mass (timmje?) etwa 48 Pfund englisch 
(ä 453,59 Gramm) = 21 Kilo 772,32Gramm, sodass der Masspreis mit 4,593 zu 
multipliciren ist, um denjenigen für 100 Kilo zu erhalten; will man den Preis 
in Pfennigen pro 100 Ko. erhalten, so hat man die Piaster fürs Muass mit 78,08 
zu multipliciren, wenn 1 Pi. = 17 Pf., mit 73,49 aher bei 1 Pi. = 16 Pf. K. 



1 00 Chaplin, 

vergessen Averden, dass in den letzten 20 Jahren ein allmähliches 
Steigen der Preise in Palästina stattgefunden hat, und dass auch 
andere Umstände als der Regenfall bisweilen den Weizenpreis 
beeinflussen. 

16) In den Schriften des alten Testamentes, wo das Wort 
matar (llitt) als allgemeine Bezeichnung für Regen gebraucht 
wird, scheint gceschem '^DTDä) den niederströmenden Winterregen 
zu bezeichnen, morce (JTli'a) aber den Frühregen und malJwsch 
(ICipb^; den Spätregen. An der bekannten Stelle Joel 2,23 
kommen die drei Wörter zusammen vor (in Luthers Übersetzung 
zusammengezogen !), und ihre Nebeneinanderstellung bezeugt die 
Nothwendigkeit aller drei Regenarten für das Erwachsen einer 
reichen Ernte: »Gott wird euch herabsenden den schweren 
»Winterregen [gceschem]^ den Frühregen [mörce] und den Spät- 
regen [malkösch], dass die Tennen voll von Weizen sein und 



«I 



■-&^ 



»die Keltern von Most und Ol überfliessen sollen«. Ebenso heisst 
es Hosea 6.3 : »Er Avird zu uns kommen auf die Erde wie der 
»schwere Winterregen, wie der Spätregen und [?] der Frühregen«, 
so dass alle drei ') als nothwendig für die Fruchtbarkeit bezeich- 
net werden und nicht einer allein genügend scheint. Die schöne 
Beschreibung des Frühlings in Hohelied 2, 1 1 f.: »Siehe der Winter 
»ist vergangen, der Regen ist weg inid dahin; die Blumen sind 
»hervorgekommen, der Lenz ist herbeigekommen und dieTurtel- 
» taube lässt sich hören in unserm Lande«, scheint hingegen (nach 
unserer Bibelübersetzung, der englischen sowohl wie der deutschen) 
nicht ganz den wirklichen Verhältnissen zu entsprechen, denn die 
Blumen brechen hervor und die Vögel beginnen zu singen min- 
destens sechs Woclien, bevor der Regen zu Ende ist; es ist dies 
vielmehr zur Zeit, wenn der schwere Winterregen aufhört'-^) und 
das warme Frühlingswctter beginnt, in derjenigen schönen Zeit, 
wo die Spätregen mit langen Tagen schönen Wetters zwisdien 
den einzehien (iüssen beginnen. (Thau s. S. I lOfl".) 

IL Dor Lurtdriick. 

l)(!r mittler«! Ijuftdruck in Jerusalem (762 m = 2500 
engl. Fuss über dem Spiegel des Mittelmeeres), berichtigt für 

n Das V^'oTtjiira- llos. G,3 ist hier doch wohl Verhalforni. ]). lled. 
2) Der Gnindtext hat (/f/schnn, Wiuterregen. Das würde doch zu dem 
oben Gesagten stimmen. Die ]{cd. 



Tabelle L 

Anzahl der Tage, an welchen Regen fiel, und Niederschlagshöhen in 

22 Regenzeiten von 1860/61 his 1: 



Kegeu- 


September 


October 


November 


1 December 

1 


Januar 


Februar 


zeiten 


Tage 


flöhe 


Tage 


Höhe 


Tage 


Höhe 


1 

Tage 


Höhe 


Tage 


Höhe 


Tage 


Höhe 


1860—61 


— 


— 




— 


2 


2,7 


7 


55,6 


14 


245,4 


7 


165,( 


1861—62 


— 


— 


— 


— 


3 


4,7 


13 


197,2 


14 


315,2 


7 


57, 


1862—63 


— 


— 


— 


— 


9 


75,1 


7 


65,7 


10 


231,4 


7 


61, 


1863—64 


— 


— 


7 


48,3 


1 


4,8 


12 


181,0 


8 


175,0 


5 


38, 


1864—65 


2 


2,3 


— 


— 


4 


67,2 


7 


41,9 


7 


115,3 


8 


129, 


1865—66 


— 


— 


— 


— 


11 


39,6 


11 


138,4 


14 


128,4 


9 


80; 


1866—67 


— 


— 


5 


44,3 


8 


46,6 


13 


75,4 


11 


234,8 


12 


154, 


1867—68 


— 


— 


— 


— 


4 


56,9 


10 


177,2 


9 


90,5 


18 


277; 


1868—69 


— 


— 


— 


— 


7 


30,1 


13 


204,4 


15 


196,0 


12 


82, 


1869-70 


1 


6,9 


— 


— 


6 


37,3 


5 


29,6 


9 


31,4 


1 


17 


1870 71 


— 


— 


4 


58,2 


1 


0,3 


4 


36,8 


9 


74,8 


11 


112 


1871—72 


— 


— 


2 


40,1 


1 


2,5 


13 


164,8 


6 


78,9 


17 


133 


1872— 7;i 


— 


— 


4 


7,9 


7 


86,1 


7 


158,4 


4 


3,3 


10 


153 


1873—74 


— 


— 


1 


0,3 


7 


112,0 


13 


236,2 


.6 


214,1 


12 


183 


1874—75 


— 


— 


— 


— 


6 


63,8 


6 


36,4 


14 


172,5 


12 


103 


1875-76 


1 0,8 


— 




6 


28,4 


9 


81,0 


7 


86,9 


10 


105 


1876—77 


— — 


1 


2,0 


7 


42,9 


3 


12,4 


9 


40,5 


13 


222 


1877—78 


— — 


5 


55,4 


11 . 


127,4 


13 


186,6 


14 


340,1 


13 


291 


1878—79 


2 20,1 


— 


— 


1 


0,6 


4 


76,2 


6 


24,9 


6 


5', 


1879—80 


— 


3 


20,7 


5 


17,4 


6 


107,6 


15 


152,3 


12 


m 


1880—81 


— 


1 


10,2 


5 


21,8 


15 


330,1 


3 


32,4 


12 


115 


1881—82 


— — 


— 


— 


5 


61,7 


8 


43,7 


11 


78,1 


16 


311 


Suiniiii'ii 


6 30,1 ! 


33 


287,4 1 


117 


929,9 


199 


2636,6 


224 


3062,2 


230 


2'.)6) 


Mittel 


0,27 


1,4 


1,50 


13,1 


5,32 


42,3 


9,04 


119,8 


10,18 


139,2 


10,45 


13< 



:n für jeden Monat während der 



April 



Tage 



Mai 



Höhe i] Tug-e 



Höhe 



Zusaininen 
(einschl. Septhr.) 



Tage Höhe 



1 

4 
7 
6 
3 
4 
3 

13 
8 

13 
3 
4 
2 
3 
4 
8 
3 
2 
3 
6 
8 

12 



120 



8,0 



25,5 



53,6 
41,9 
19,4 

7,4 
51,1 
49,0 
60,0 
94,5 
27,9 
10,7 
22,6 

3,3 
26,4 
49,9 

5,3 
13,0 
38,6 
52,5 
56,0 
92.7 



809,3 35 



111,5 



5,45 



36,8 



1,59 



5,1 



12,1 


40 


— 


44 


— 


48? 


— 


43 


9,4 


39 


— 


58 


18,5 


65 


3,6 


62 


10,1 


61 


— 


44 ' 


4,8 


49 


2,7 


53 


0,3 


46 


— 


71 


5,8 


57 


8,9 


52 


— 


41 


16,6 


68 


— 


39 


2,5 


55 


1,' 


56 


14,5 


60 



1151 



549,8 
616,4 
580,7 
516,7 
395,4 
482,4 
679,1 
738,1 
632,9 
318,5 
486,3 
469,3 
480,9 
1003,6 
675,9 
418,8 
347,9 
1090,6 
408,9 
598,6 
675,3 



635,1 



52,32 



12801,2 



Tabelle la. 
S chn e ef all. 



Tage mit Schneefall 



581,9 





erstei" und letzter 
Schneefall 


grösste 
Höhe 


1860—61 


4 


Jan. 5. Feb. 2. 


tief 


1861—62 


— 


— 




1862—63 


2 


Jan. 24. Feb. 22. 


25mra 


1863—64 


— 


— 




1864—65 


— 


— 




1865-66 


— 


— 




1866—67 


— 


— 




1867—68 


6 


Feb. 14. Feb. 27. 




1868—69 


— 


— 




1869—70 


2 


Apr. 7. A])r. 8. 


46rani 


1870—71 


1 


Feb. 19. 




1871—72 


— 


— 




1872—73 


1 


Feb. 18. 




1873—74 


12 


Dec.26. Märzl8. 


210mml) 


1874—75 


4 


Jan. 10. März 27. 


2i6'nm 


1875—76 


1 


Feb. 4. 




1876 77 


2 


Feb. 8. Feb. 17. 




1877—78 


4 


Jan. 28. Feb. 17. 


127«!'« 


1878—79 


— 


— 




1879—80 


4 


Dec.28. Märzl4. 


432mm 2) 


1880—81 


1 


März 20. 




1881—82 


3 


Jan. 22. Feb. 10. 


[3. Febr.! 

102 mm 



1) 210""ii am 0/7. Februar 1874. 
114mm am 18. März 1874. 

2) 432'»m am 28/29. Decbr. 1879. 
r27'"m am 14. März 18S0. 



Anzahl der Regentage und 
NB. September-Regen (in den 4 unterstrichenen Jahren) s. Tabelle I. 



Jahre 


1860/61 


1861/62 


1862/63 


1863/64 


1864/65 


1865/66 


1866/67 


1867/68 


1868/69 18( 




















Monate 


Nov./Mai 


NoT./Aiir. 


Nov./Ap . 


Oct./Apr. 


NOT./Mai 


Nov./Äpr. 


Oct./Mai 


NOY./Mai 


Kov./Mai Noi 


Tage 


mit ohne 
Regen 


mit ohne 
Regen 


mit ohne 
Regen 


mit ohne 
Regen 


mit ohne 
Regen 


mit ohne 
Regen 


mit ohne 
Regen 


mit ohne 
Regen 


mit ohne mit 
Regen R 






1 


6 


] 


7 




15 


■ 
1 2 


1 


11 


3 


10 


1 15 


1 


1 


2' 1 1 






1 


11 


1 


7 




1 


2, !' 


1 


2 


2 


4 


3 1- 


3 19 


2; 9 4 






1 


3 


1 


7 




2 


3 


1 


2 


9 


4 


1 


1 7: 


2 7 


1311 






2 


9 


1 


1 




3 


1 


9 


2 


3 


2 


12 


3 71 


2 


1 


1 4 1 




5 


1 


2 


6 


1 




4 


1 


22 


3 


1 


3 


11 


2 4 

1 


3 


9 


16 2 




1 


1 


1 


3 




4 


1 


7 


1 


8 


8 


6 


2 5 


3 


13 


4 3 2 






1 


1 


1 


2 




2 


7 


9 


1 


14 


7 


2 


1 9 


4 


1 


1 2 2 






1 


22 


1 


4 




2 


2 


1 


1 


2 


2 


3 


4 4 


2 


3 


4! 1 1 






3 


3 


2 


1 




11 


2 


6 


3 


11 


2 


1 


3 8 


2 


6 


2; 6 1 




10 - 


14 


4 


5 


4 




5 


4 


4 


3 





1 


2 


3 2 


1 


1 


2 12 2 




2 


7 


5 


7 




10 


3 7 


2 9 


1 


4 


1 1 


3 3| 


2 31 






1 


3 


4 


D 




5 


1 


12 


1 5 


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(8. Tab. 






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65 156 


62 138 


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29 


Daner der 


195 1 


167 ; 179 


197 


181 


172 


221 


200 1 


187 


llegenzcit 


Tage 


Tage i Tage 


Tage ' 


Tage 1 


Tage 11 Tage 


Tage 1 


Tage 


Naehfül- 
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172 


185 


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1 


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[I. 

;chentage ohne Niederschlag, 
nfangs- und Endzeiten s. Tabelle III. 



Ergänzte Zahlen in ( ). 



1871/72 


1872/73 


1873/74 


1874/75 


1875/76 


1876/77 


1877/78 


1878/79 


1879/80 


1880/81 


1881/82 
























i Oct./Mai 


Oct./Mai 


Oct./Äpr. 


Nov./Mai 


Nov./Mai 


Oct./Äpr. 


Oct./Mai 


NoT./Äpr. 


Oct./Mai 


Oct./Mai 


Nov./Mai 


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mit ohne 


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Regen 


Regen 


Regen 


Regen 


Regen 


Regen 


Regen 


Regen 


Regen 


Regen 


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1 17 


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1 


20 


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21 


2 




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2 
2 

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18 

12 

4 


















53! 162 


46 


164 


71 


93 


57 


123 


51 


135 


41 


161 


68 


132 


37 


89 


55 


133 


56 


161 


60 


140 


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ohne 


1 

mit ohne 

1 


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27 


27 


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22 


20 


215 


210 


164 


180 


186 


202 


200 


126 


188 


217 


200^ 


Tage 


! Tage 


Tage 


Tage 


Tage 


Tage 


Tage 


Tage 


Tage 


Tage 


Tage 


134 


173 


211 


195 


145 


174 


204 


208 


107 


167 


— 


T 


age 


T 


age 


T 


age 


T 


Ige 


T 


ige 


T 


ige 


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Ige 


Ti 


Ige 


T 


Ige 


Ti 


Ige 


Tt 


Ige 



1 



Tabelle III. Zusammenstellu 
nebst Beziehungen der Regenmenge zum ( 



Anfang und Ende de 


ir Regenzeiten (22), 


Anzahl der 


Regenperioden etc. I 


Regen- 


Datum des 


Anzahl 
der 

Regen- 
perioden 


Tage 


Dauer der J 

g 


zeiten 


Anfangs 


Endes 


mit 1 ohne 
ßegen 


Regenzeit 
insgesammt 


nachfolgenden 
trockenen Zeit (ii 


1860—61 


Novbr. 12. 


Mai 25. 


20 


40 


155 


195 


172 


1861—62 


„ 14. 


April 29. 


21 


44 


• 

123 


167 


185 


1862—63 


„ 1. 


„ 28. 


(23?) 


(48) 


(131) 


179 


167 


1863—64 


Octbr. 13. 


„ 26. 


22 


43 


154 


197 


197 


1864—65 


Novbr. 10. 


Mai 9. 


24 


37 


144 


181 


175 


1865—66 


« 1. 


April 21. 


22 


58 


114 


172 


165 


1866—67 


Octbr. 4. 


Mai 12. 


25 


65 


156 


221 


181 


1867—68 


Novbr. 10. 


„ 27. 


22 


62 


138 


200 


158 


1868—69 


„ 2. 


» '. 


29 


61 


126 


187 


191 


1869—70 


„ 15. 


April 22. 


21 


43 


116 


159 


173 


1870 71 


Octbr. 13. 


Mai 2. 


20 


49 


153 


202 


173 


1871—72 


„ 23. 


. 24. 


23 


53 


162 


215 


134 


1872—73 


„ 6. 


„ 3. 


22 


46 


164 


210 


173 


1873—74 


„ 24. 


April 5. 


27 


71 


93 


164 


211 


1874-75 


Novbr. 3. 


Mai 1. 


27 


57 


123 


180 


195 


1875—76 


„ 13. 


„ 16. 


27 


51 


135 


186 

1 


145 


1876—77 


Octbr. 9. 


April 28. 


22 


41 


161 


202 


174 


1877—78 


„ 20. 


Mai 7. 


30 


68 


132 


200 


204 


1878—79 


Novbr. 28. 


April 2. 


16 


37 

1 


89 


126 


208 


1879—80 


Octbr. 28. 


Mai 2. 


22 


55 


133 


188 


167 


1880—81 


„ 17. 


„ 21. 


22 


56 


161 


217 


167 


1881—82 


Novbr. 5. 


„ 23. 


20 


60 


140 


200 


— 


Mittel " ^^- ^^P^,^;"| 

II 8. iat 


jcr-llegen > 

). m. 1 


(23,0) 


(52,0) 


(136,5) 


188,5 


176,9 



















ifiederschlags-Beobachtungen 

epreis und zum Fliessen des Bir Eijüb. 



nge und Getreidepreis 


Fliessen < 


ies Bir 1 


Eijüb 




Hiervon 


Ein Maass 

Weizen kostete 

in Piastern 


Beginn des üeberfliessens 


E e ge n 


Erühjahrs- 
Spät-) Regen 


unmittelt 
Tage 


)ar vorher 
Höhen in ] 


hisgesamint 

vorhe