(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins"

^ CtNTp 







AS 



Zeitschrift 



des 



Deutschen Palaestina-Vereins. 



Herausgegebe n 



von dem geschäftsführenden Ausschuss 

unter der verantwortlichen Kedaction 
von 

Prof. D. Hermann Guthe. 

Band XIX. 

Mit sechs Tafeln und neun Abbildungen im Text. 



Leipzig 1896 

in Commission bei K. Baedeker, 



— --m 



Inhalt 



des neunzeliiiteii Baudes der Zeitsclirift des Deutschen 

Palästina -Vereins. 

Seite 
Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. Von M. Blancken- 

liorn 1 

Arabische Sprichwörter. Von Lydia Einsler 65 

Die Jerusalemsfahrt des Christian Perband 1614 — 1616). Von 

R. Röhricht 102 

Arabische Inschriften aus Syrieu. Von M. van Berchem .... 105 

Ein böhmischer Palästinapilger des 15. Jahrhunderts. Von J. V. Präcek 1 1 4 

Zur EinT^yohnerzahl des Bezirks Jerusalem. Von C. Schick ... 120 

Neu erschienene Bücher zur Palästinakunde 1895. Von H. Guthe 129 
Gutachten, betreffend die Nothwendigkeit neuer photographischer 
Aufnahmen der Ruinen Palästinas und Syi-iens. Von Staatsrath 

von Hitrotco 137 

Namenliste und Erläuterungen zu Baurath Dr. C. Schick's Karte 
der weiteren Umgebung von Jerusalem. Von C. Schick und 

I. Benzinger 145 

Einige Ergebnisse aus Niese's Ausgabe des Josephus. Now A.Schlatter 221 

Zu Ehren von Baurath Dr. C. Schick 128 

Nachträge ( Guthe, Röhricht) 60 

Berichtigungen und Nachträge zu der Karte der näheren Umgebung 

von Jerusalem Band XVIII, Tafel 4 144 

Bücheranzeigen: A. Seidel, Praktisches Lehrbuch der arabischen 

Umgangssprache syrischen Dialekts 63 

Tafeln : Zn Seite 

Tafel I: Übersicht der Struckturlinien von Palästina und dem 

wädi el- araha 1 ff. 

Tafel II: Geologische Karte des Todten Meeres und seiner Um- 
gebung. Von M. Blanckenhorn 1 ff. 



IV 



Zu Seite 
Tafel III: Qiicrprofil durch das südpalästineusisclie Gebirge vom 

Mittelmecr (W.) durch das Todte ]Meer bis zum Gebirge Moab (O.)- 

Profil des linken (uördlicheuj Ufers des Kidronthales vou 

Jerusalem bis zum Todten Meer. 

Profil von Hebron nach lasr zuwera et-tahtä zum SW.-Ende 

des Todten Meeres 1 ff. 

Tafel IV: Querprofil durch das untere Jordanthal bei Jericho. 

Querprofil am Südende des Todten Meeres durch den dschebel 

usdum luid die sehcha 1 ff. 

Tafel V : Arabische Inschriften aus Syrien. Nach den Abklatschen 

photogr. von M. van Bereitem 105 ff. 

Tafel VI : Karte der weiteren Umgebung von Jerusalem, gezeichnet 

von C. Schick, redigirt von I. Benzinger 145 ff. 



Abbildungen im Text: 



^o 



Seite 

1. Blick in den \mteren icädi es-sennm 17 

2. xvndi en-när oberhalb mär säbä 21 

3. Die Oase ^ ain dschidi (Engedi) von N. gesehen 25 

4. Am Westufer des Todten Meeres nördl. von ivädi muhaglußak 33 

5. Nordspitze des dschebel usdum vou W. gesehen 37 

6. dschebel tisdum vom icüdi el-muhauivät im W. gesehen ... 39 

7. icädi el-am' äz im Süden des dschebel usdum 45 

8. wädi el-muhauwät im SW. des Todten Meeres 49 

9. Plan der Thermen von ' ammän 140 




I. Mittheilungen. 



Eeiseliericlit. 

Von Professor R. Brünnow. 

(Fortsetzung.) 

III. ""Amman — Jerusalem — D scholan. 

Von Mescbetta kehrten Avir noch am Abend des 3. April 
nach Madaba zurück und zogen dann am folgenden Tage nach 
'^ammän. Hier erkrankte unser alter Dragoman Josef Karam 
gefährlich, so dass wir schleunigst die Hülfe des liebenswürdigen 
Arztes der englischen Mission in es -Salt, Dr. Ibrahim Salihi, 
erbitten mussten. Die schweren Sorgen, die während dieser Zeit 
bis zur glücklichen Überführung des sich langsam erholenden 
Kranken nach Jerusalem auf mir lasteten, sowie heftiges IJegen- 
wetter Hessen mich während der neun Tage unserer unfreiwilligen 
Rast nur Avenig zu Forschungen in 'Amman und es-Salt kommen; 
auch konnte ich dscheräsch diesmal leider nicht besuchen. 

In betreff des Gebäudes auf der Citadelle von "Amman, 
dessen bereits MuN. 1895, 88 Erwähnung geschah, bemerke ich 
hier nur noch Folgendes. Vielen Motiven der in diesem Ge- 
bäude angebrachten Skulpturen begegnen wir auch in Hauran- 
bauten: es findet sich die Zackenverzierung der kleinen Rimd- 
bogen auch im Weissen Schlosse in der ruhhe und ein eigen- 
thümlich geformter Baum, der auf Fig. 2 zu sehen ist, auch auf 

MuN. des D. Pal.-Ver. 1S'.)G. 1 




Fig. 1. Blick auf 'Amman von der Citadelle. 




Fig. 2. Sog. Moschee auf der Citadelle von 'Amman. 



einem Bildwerke in temä (Euting, Nabatäische Inschriften S. 12). 
Das Gebäude selbst zeigt an der westlichen Aussenwand Spuren 
von eingemauerten Bogen und hing demnach vielleicht auch 
hier mit einem anderen Gebäude zusammen, wie Conder, The 
Survey of Eastern Palestine S. 61, dieses für die Nordseite ver- 
muthet. Ausser der bekannten Treppe in der Nordwestecke sah 




Fig. 3. Römischer Votivstein aus 'Amman. 



ich eine aufgebrochene Nische in der Nordostecke, deren Decke 
die untere Seite eines in der Nordwand befindlichen Treppen- 
ganges zu sein schien. Siehe hierüber auch Dieülafoy, l'Art 
antique de la Perse, 5. partie S. 100 ff., wo ein genauer Plan 
gegeben ist (besser als von Conder in The Survey of Eastern 
Palestine) ; der zweite Treppengang ist hier angegeben. Leider 
konnte ich wegen des an der Aussenseite aufgehäuften Schuttes 



durchsichtisrem Stein. 



keine genaueren Untersuchungen vornehmen, nur Ausgrabungen 
können hier Neues bringen. 

Der in Fig. 3 abgebildete Votivstein liegt in einem der 
Gärten im südlichen Theile von "^Amman und trägt folgende In- 
schrift: , -. .. 

I . O . M 

CONSERVA 
TORI . LAEMI 
LIVSCARVSLEG 
AVG PR PR 

In 'Amman .kaufte ich ein kleines Siegel aus grünem, halb 

Die Priestergestalt in der Mitte ist von 

folgender In- 
schrift in altphö- 
nicischen Buch- 
staben umgeben : 

Nach dem Ur- 
theil des Herrn 
Professor Eutixg 
stammt der Stein 
aus dem 7. vor- 
christlichen Jahr- 
hundert. — Sonst 
habe ich hier eine 
Menge römischer 
Münzen erwor- 
ben, die jedoch 
keinen grossen 
Werth zu haben 
scheinen. 

Am 19. April 
kamen wir glück- 
lich in Jerusalem 




Fig. 4. Siegel aus 'Amman. Vierfach vergrösserte 
Autotypie uach einem Abdruck. 



an und reisten am 24. weiter über sindschil, nühulus^ dscUemün 
und Nazareth nach Tiberias, von wo aus wir den Weg durch 
den Dscholan nach Damascus einschlugen. In chän-el- akabi 
besah ich die ZDPV. XVI, 85 mitgetheilte arabische Inschrift 
und überzeugte mich . dass das Schlusswort der zweiten Zeile 



nicht o-^^l sein kann, wie van Berchem annimmt, es schien 



etwas wie L«.*«'^! dazustehen 
Jiärih war leider durch 
Wolken etwas verhüllt, aber 
immerhin schön genug: der 
tief unten liegende blaue 
See, von den Bergen Gali- 
läas umrahmt und von dem 
Hermon im Hintergrunde 
überragt, bot einen an die 
Schweiz erinnernden An- 
blick. 

Inflk habe ich verschie- 
dene Inschriften kopiert, 
die aber bereits fast durch- 
gängig von Schumacher 
mitgetheilt worden sind. 
Hier werden schöne, grosse 



Die berühmte Aussicht vom kefr 



n o' 



Matten aus Schilf angefer- 



tigt; man 




bedeckt mit 
ihnen die kleinen Lehm- 
hütten, welche auf den 
ilachen Dächern errichtet 
werden, und welche während der heissen Jahreszeit als Schlaf- 



Fig. 5. Siegel ans 'Amman. Nach der vier- 
fach vergrösserten Photographie des Ab- 
drucks gezeiclmct. 



räume dienen fvgl. ZDPV. IX, 223) 



(Schluss foljrt. 



Gader, ßaiara, dedor. 

Von Professor H. Guthe in Leipzig. 
Die Karte, die Dr. G. Schumacher seiner Reise durch 
Haurän, "^Adschlün und el-Belkä im Herbst 1891 beigegeben hat, 
ZDPV. XVI, Tafel 1, verzeichnet zum ersten Male die Quelle bei 
es-salt^ die den Namen ''aifi dschadiir führt. Schon frühere ■ 
Reisende haben sie erwähnt, so J. L. Burckhardt-Gesenius 602 
mit der Schreibung dschedür, die auch in Baedeker's Palästina 
und Syrien 3 180 angenommen ist, und W. M. Thomson, The 
land and the book III (1880), 591 mit der gleichen Namensform, 
Es ist nun beachtenswerth , dass Schumacher auf der Karte 
dschadür^ in der Beschreibung von es-salt ZDPV. XVIII, 69 
dschedür (oder dschädUr) schreibt. 



In dieser Form ist der Name offenbar identisch mit dem in 
der Nähe des heutigen mukes vorkommenden Namen dschedur 
(Seetzen, Reisen etc. 1,367.372; vgl. IV, 187 fF.) oder dscliadnr 
(Baedeker Pal. und Syr. ^ 198), für den G. Schumacher in 
Northern 'Ajlün (London 1890) S. 197 dschedur [mukes] als Haupt- 
form, dschedur als Nebenform setzt. Schon Seetzen hat in 
dschedur oder dschedär bei mukes das Gadara der alten Deka- 
polis wiedererkannt. Der Wechsel der Formen dschedär und 
dschedur erinnert an die Namen ivädl dscheriir und ic. dscherär, 
die dem biblischen Gerar ("l'i5) im Süden Palästina' s entsprechen 
(vgl. Z DP V. VIII, 215). Man könnte daraus den Schluss ziehen, 
dass der alte semitische Name für mukes in der zweiten Silbe 
ein langes ä oder ein langes ö aufgewiesen hat, und darin ein 
neues Beispiel für den Lautwechsel finden, über den G. Kampff- 
MEYER ZDPV. XV, 94 f. 98 f. gehandelt hat. Die übliche Be- 
tonung bei JosEPHUs und im Onomastikon iFaSapa, jedoch 251, 
90 ed. DE Lagarde Faoapav) scheint allerdings nicht dafür zu 
sprechen, ebensowenig die arabische Form f/ir/caf/ar (ZDPV. VIII, 
139. Guy le Strange, Palestine under the Moslems 54, 461 . 

VTas nun für die Auffassung des Namens dschedur bei mukes 
gilt, das darf man auch auf ^ain dschedur [dschadür) bei es-salt ^) 
anwenden; d. h. auch in diesem heutigen Namen ist ein Zeuge 
für die alte Benennung dieses Ortes zu erblicken. Dschedur 
findet sich ebenso in Westpalästina, nämlich in cliirhet dschedur 
nördlich von bet mr\ es entspricht der judäischen Stadt Gedor 
Jos. 15, 58. Demnach wäre aus '^ain dschedur ein altes Gedor 
(Gador) als ehemaliger Name des heutigen es-salt zu erschliessen. 
Dieser Schluss ist in der That bereits von Professor Schlatter, 
Zur Topographie und Geschichte Palästina's (1893) 45, gezogen 
worden, indem er aus Baedeker Palästina - 287 als heutigen 
Namen »Djed-ur« entnimmt und diesen einem alten "^^1^ gleich- 
setzt. Wer nun nachschlägt, findet in Wahrheit bei Baedeker 
in allen Auflagen »Djedür«, eine Form, die sich nicht auf Gedor 
oder Gador zurückführen lässt. Erst die von Dr. Schumacher 
dargebotene Namensform dschedur oder dschadür gewährt das 
einwandsfreie Kecht, darin einen Zeugen für ein altes Gedor zu 

1) Fig. wird hier als Nachtrag zu dem Aufsatze von G. SCHUMACHER 
über es-salt ZDPV. XVIII, 65 ff. veröffentlicht, weil Dr. Schumacher dieses 
Bild als besonders Averthvoll bezeichnet. 



8 

erblicken. Die Nebenform dschüdür wird von Dr. Schumacher 
ZDPN'. XVIII, 69 ausdrücklich als eine Eigenthümlichkeit des 
in es-salt üblichen Dialektes bezeichnet und kommt daher für 
diese Frage nicht in Betracht. Gedor im Ostjordanlande ist wohl 
bezeugt durch die späteren jüdischen Gelehrten i) und durch 
Paotopa des Ptolemaeus (V, 15, 23). Es ist derselbe Ort, den 
JosEPHUs Bj IV 7, 3 unter dem Namen -a Paooipa die Metropolis 
von Peräa nennt. Also hier die doppelte Form mit a und mit o 
in der schriftlichen Überlieferung! Hat es schon in alter Zeit 
zwei Aussprachen dieses Ortsnamens gegeben, die hebräische mit 

und die aramäische mit ä? 

Es kann auffallen, dass wir zwei Orte dieses Namens im 
Osten des Jordans annehmen müssen. Blicken wir nach dem 
Westjordanlande, so finden wir dort noch mehr Ortsnamen, die 
auf denselben, aus dem Hebräischen wohlbekannten Wortstamm 
zurückgehen, nämlich Geder Jos. 12, 13, Gedera Jos. 15, 36, 
Gederoth Jos. 15, 41, Gederothaim (?) Jos. 15, 36, Beth Gader 

1 Chron. 2, 51 und Gedor Jos. 15, 58 (1 Chron. 4, 4. 18. 12, 7)2). 
Das Hauptwort </ac/rr (fem. gedera) bedeutet eine aus unbehauenen 
Feldsteinen ohne Mörtel aufgeführte Mauer, wie sie zum Schutze 
von Feldern, Weinbergen und Viehherden in alten Zeiten in 
Palästina hergestellt wurden und noch heute dort alljährlich neu 
entstehen und auch verfallen. Jeder, der das Land bereist hat, 
kennt sie, und häufig finden sie sich auf den Bildern aus dem 
heiligen Lande 3 . Das Zeitwort gadar bedeutet, eine solche 
Mauer herstellen. So ist z. B. Hos. 2, 8 davon die Rede, dass 
Gott seinem untreuen Weibe den Weg durch Dornen verzäunen 
und mit Mauern versperren will, dass sie ihre Pfade nicht finden 
soll. Ich lernte diese Stelle verstehen, als ich einmal aus dem 

1) Vgl. Sciii.ATTER a. a. O. 46 f. und das hebräisch geschriebene Buch von 
HlRSCHENSOHN T-izT. VI- Lemberg 1883) S. 87 f. 

2) Zu diesen Namen ans dem A. T. Hessen sich leicht noch einige aus 
der GegcnTTart hinzufügen. Selbst in der Nähe von safi ä in Südarabien 
giebt es einen Ort Xamens cischcuktr, wie mir Herr Dr. Ed. Glaser kürzlicli 
mittheilte ; freilicli macht man dort die Mauern aus Lehm. Bekannter dürfte 
sein, dass der heutige Name der Stadt Cadix im südlichen Spanien nichts 
anderes als ein semitisches f/aclir. hebräisches gader ist. Vgl. P. Schröder 
Die phönicische Sprache 18611 S. 130. 

3) Vgl. z. B. meine Ausgrabungen bei Jerusalem ZDPV. V, 17 f. ;S. i 1 f . 
des Sonderdruckes und Tafel IX. 



tüüdl bet hanlna nach nebl samioXl hinaxifritt. Ein noch deutlich 
erkennbarer Pfad war plötzlich durch eine hohe , aus grauen 
Feldsteinen errichtete Mauer gesperrt. Zur Hälfte etwa war sie 
niedergelegt oder eingerissen (]''1S Jes. 5, 5. Num. 22, 24. Prov. 
24, 31. Ps. 80, 13. Koh. 10, 8), sodass unsere Pferde hinübersetzen 
konnten. Hinter ihr lag ein abgeernteter Acker, der ringsum 
von solchen Mauern eingehegt war, und hinter diesem ersten 
eingehegten Felde ein zweites, drittes, viertes — alle mit luft- 
trockenen Mauern eingefriedigt. Der Weg war uns vollständig 
versperrt, von unserem Pfade war nichts mehr zu sehen. Wenn 
nicht mein Begleiter die Gegend genau gekannt und wenn wir 
nicht vom Rücken unserer Pferde die Umgebung einigermaassen 
hätten überblicken können, so wäre es uns unmöglich gewesen, 
den Weg fortzusetzen und, nachdem Avir wiederholt eine Bresche 
(l^"!!?) in die Mauern gerissen hatten, auf der anderen, höher ge- 
legenen Seite der eingehegten Acker den alten Pfad wiederzu- 
finden. So wird noch heute durch »Mauern« der Weg in Palä- 
stina versperrt. 

Solche Mauern waren ehemals wie in der Gegenwart von 
verschiedener Beschaffenheit. Es gab niedrige und hohe, schlech- 
tere und bessere, losere und festere. Solche, die man zum Aufent- 
halt und zum Schutz für das Vieh errichtete (Num. 32, 24. 36. 
1. Sam. 24, 3. Zeph. 2. 6), Avaren sicherlich von ziemlicher Höhe 
und Festigkeit. Der gader des Priestervorhofs im Tempel von 
Jerusalem Ezech. 42, 7. 10 war gewiss kein unschönes oder lose 
gefügtes Bauwerk'). Die Merkmale sind: unbehauene oder doch 
nur roh behauene Steine, trockene Herstellung, ohne Verwendung 
von Mörtel. In solchen Mauern lagern die Schlangen gern (Koh. 
10, 8), solche Mauern verhindern draussen auf freiem Felde 
den Überblick über die Gegend und gewähren ein willkommenes 
Versteck (1. Sam. 24, 3). Eine Festungsmauer im eigentlichen 
Sinne bezeichnet (jcuUr niemals im A. T., das ist vielmehr hömä. 

Hieraus ergiebt sich, welche Örtlichkeiten man ursprünglich 
mit Namen wie Geder i= gader), Gedera, Gederoth oder Gedor 
bezeichnet hat: durch leichte Schutzmauern verwahrte Stätten. 
Es ist desshalb wohl nicht zufällig, dass wir diesem Ortsnamen 
besonders, wie es scheint, in solchen Landstrichen begegnen, in 

1) An ihm oder an einer ähnlichen Maiier arbeiten die (jödertm 2 Kün. 
12, 13. 22, G. 



10 

denen man Viehzucht trieb und grösserer Pferche bedurfte, um 
die Thiere zu bergen, nämlich in Judäa und im Ostjordanlande. 
Zugleich begreift sich die Wiederholung der ähnlichen Namen 
in diesen Gegenden. Auch wenn aus dem Pferch längst eine 
grössere Stadt geworden war, so blieb doch der ursprüngliche 
Name, wie das namentlich die anfangs erwähnten Orte des Ost- 
jordanlandes beweisen. 

Der Name „Jordan". 

Von Dr C. F. Seybold in Tübingen. 
Die Form des Namens jarden wird fast allgemein als Er- 
weiterung \or\Järad aufgefasst; man deutet den Namen demnach 
als »der Herabkommende, Herabfliessende« (sc. Fluss), oder mit 
Hineinlegung einer intensiveren Bedeutung als »der Herab- 
stürzende« wegen des raschen Laufes und starken Gefälles (Aruch 
completum erinnert an arab. xoariid »schnell« vom Kamel . 
Letzteres kann aber im hebräischen Verbum keinesfalls gefunden 
werden, denn y«rac? kann nur »herabfliessen« im Allgemeinen 
bezeichnen (Deut. 9, 21), das »schnelle Laufen« wäre sicher 
anders ausgedrückt vgl. ptschmi^ daisän u. a. — Die massoretische 
Punktation y«rf/^^w ist von vorne herein auffallend und scheint in 
der That eine künstliche zu sein, indem man wohl an einen kon- 
trahirten aramäischen Dual dachte (sei es nun Avegen der durch 
den See Genezareth verursachten Zweitheilung des Jordan, oder 
wegen der Annahme von 2 [besser 3] Queliflüssen) und von 
emevß. Jei'ed »Fluss« ausging, wie ja auch der Talmud Bekorot55 
jarden als Contraction aus jered dän [q^qx jored dän) deutet. — 
Doch auch die allgemeine Bedeutung »Fluss« erscheint für den 
Jordan zu nichtssagend, kein charakteristisches Merkmal ent- 
haltend, wir müssten denn sagen: liajjarden bezeichnet den 
Jordan als den — einzig grösseren Haupt— Fluss Palästinas (vgl. 
ceres Jarden)^ wie hannaliar der Strom r= Euphrat und hajjeor 
(doch wohl semitisch, vgl. Ges. HW. i^) der Kanal, Fluss = 
Nil ist. — Vgl. Ewald, Ausführl. Lehrbuch ^ S. 426. Stade. 
Lehrbuch S. 176 sagt: »Eine Nebenform [zu der Endung äw] liegt 
möglicherweise vor \\\ Jarden^ wohl ^us jarden (mit Segol) ge- 
dehnt. Doch ist das Wort nicht hebräisch.« Allein der fast 
ständig damit verbundene Artikel scheint doch daraufhinzuweisen, 
dass das W^ort hebräisch ist. 



11 

Eine ältere und richtigere Aussprache des Wortes, welche 
auch von Josephus, Plinius, Tacitus bezeugt -wird, haben uns 
nun die LXX überliefert in 6 'lopSavy;:. Danach hätten Avir die 
Form jordcm, gebildet wie korbtin^ schuUiän; auch des Hieronymus 
Etymologie aus j'eör dän weist auf diese Aussprache hin (vgl. 
GGA. 1894, 85), sowie die targumisehe Form jörf/ewä (neben 
jardencb mit an jarden angelehnter Punktation) , ebenso syrisch 
jürdencm (selten jardetiU) ^ woran das arabische el-urdumm (auch 
mit einem w) sich anschliesst, welches dann freilich die Araber 
auf eine Wurzel radana »schnarchen« zurückführen; vgl. Kekri 90, 
Jäkütl, 200—204; zur Form: Kampffmeyer, ZDPV. XV, 27 f., 
KÖNIG, Lehrgebäude II 1, 461. 

Unter Abweisung obiger Etymologieen scheint mir nun die 
richtige von dem heutigen Namen des Flusses ausgehen zu sollen, 
der bekanntlich lautet : esch-schert a el-keblre »die grosse Tränke« 
(oder auch bloss escli-schefi a »die Tränke«) im Unterschied von 
sehen at el-menadire (Jarmuk), denn ausser diesen beiden und 
dem nalir ez-zerha (Jabbok) und etwa noch dem nähr dschliUid 
trocknen in der heissen Zeit alle Zuflussbäche und Wasserläufe 
des Jordanthals aus und heissen daher wädi= Wild- Winter-Bach. 
Des Wassers wegen stiegen deshalb im Sommer von jeher Men- 
schen und Herden in das tiefeingeschnittene, reichbewässerte 
(vgl. maschhe Gen. 13, 10) Jordanthal hinunter. Nun haben Avir 
im Arabischen zu schert a das Synonym maurid [wird] = Weg 
zur Tränke und Tränkstelle von warada »zur Tränke hin(ab)- 
gehen«; deshalb halte ich hajjordan für gleichbedeutend mit el- 
maurid [el-wird] = esch-schert a. — Aus dem ursprünglich spe- 
ziellen Begriff" »zur Tränke gehen« hat das arabische warada den 
allgemeinen I^egriff" »hingehen, hingelangen, ankommen, vor- 
kommen«, das hebräische yarac^ dagegen die Bedeutung »hinab- 
gehen« entwickelt.') 

1) Im Aramäisclien scheint die Wiu-zel ireä verloren zu sein, bis auf 
das Wort yarrZä 'Brockelmanx 1; rivus, ßumen 2; lacus , während Payxe- 
Smith nur die Bedeutungen lacus und puteus kennt;; auch im Phöuicischeu 
scheint sie zu fehlen, obwohl der kretische 'Idpoctvo; gewöhnlich davon ab- 
geleitet wird, ^■ergl. Ges. HW. i- ; dagegen liaben wir sie im Moabitischen 
(Mesainschrift , Assyrischen: arädu, Arabisclien, Sabäischeu und Äthiopischen: 
warada. — Im Assyrisclicn ist der Name für den Jordan, wie mir Bezold 
mittheilt, noch nicht gefunden. 



12 

Kurze MittlieilMgen. 

Unruhen in Syrien. ¥.s kann sich hier nicht darum handeln 
eine bis ins Einzehie gehende Beschreibung des Drusenaufstandes 
zu liefern, doch sollen die Ereignisse im Grossen und Ganzen ge- 
schildert werden und ist — wie die lledaktion hofft — im Fol- 
genden nichts Wichtiges übersehen worden. 

Die Drusen im Hauran, die seit den traurigen Vorgängen 
im Jahre 1860 den Bewohnern jener Gegenden noch in unlieb- 
samer Erinnerung stehen, hatten sich in bedeutender Stärke — 
ihre Zahl wird auf 15 — 20 000 angegeben — gegen die Regierung 
empört. Um den Aufstand niederzuschlagen, sandte die Regierung 
eine grosse Menge Linien-Truppen in das gefährdete Gebiet. Zu 
Schiff nach B eirut und von dort zu Fuss weiter wurden bis zum 
19. Nov. weit über 6000 Mann in den Hauran geschafft. Die 
Bahn wurde nicht zu Truppentransporten benutzt, obgleich die 
Verwaltung das Anerbieten gemacht hatte, die Truppen gegen 
eine äusserst niedrige Entschädigung zu befördern. Rief das Er- 
scheinen dieser bedeutenden Truppenmacht schon im mittleren 
Syrien bedeutende Aufregung hervor, so wuchs dieselbe und ver- 
breitete sich über das ganze Land dadurch, dassauch die Reserven 
ganz Syriens aufgeboten wurden — als höchste Zahl wird hier 
30 000 Mann angegeben. Die Unruhe wurde dadurch noch ge- 
gesteigert, dass man anfangs nicht genau wusste, zu welchem 
Zweck letztere Massregel erfolgt war. Es liefen im Volk die 
abenteuerlichsten Gerüchte darüber um. In einigen Orten ist 
es bei der blossen Erregung der Gemüther geblieben, in anderen 
sind auch Ausschreitungen des Pöbels vorgekommen. In Jeru- 
salem haben sich die Soldaten, deren Zahl zu Zeiten bis auf 
5000 Mann stieg — übereinstimmend nach allen Nachrichten — 
musterhaft betragen. In Nabulus ist es leider zu Unruhen ge- 
kommen : Ein grosser Volkshaufe , der sich den Soldaten ange- 
schlossen hatte, griff am 8. Nov. die englische Missionsstation, 
den lateinischen Konvent und die griechische Kircbe an; es blieb 
glücklicherweise bei Steinwürfen, welche allerlei Sachbeschädi- 
gungen verursachten, sonst aber keinen grösseren Schaden an- 
richteten; nur ein Angestellter der englischen Mission wurde 
durch einen Steinwurf am Kopfe verletzt. Später ist es hier 
leider nochmals zu Unruhen gekommen. Die englische Missions- 
station Avurde von einer fanatischen Menschenmenge angegriffen; 



13 

der Missionar Fallscheer, ein Württeniberger, entkam mit Mühe 
zudembefreundetenHohenpriesterderSamaritaner, während seine 
(christlichen) Diener niedergemetzelt wurden. Die Unsicherheit 
in und um Nabulus ist doch so gross gewesen, dass sich Niemand 
bereit finden wollte, Haus und Ort zu verlassen, um einige Damen 
nach Jafa in Sicherheit zu bringen. Aus Beirut wird gemeldet, 
dass in der Nacht des 9. Nov. an dem in Ras Beirut gelegenen 
amerikanischen College sämmtliche Fenster durch Steinwürfe 
zertrümmert worden seien, auch seien ein oder zwei Schüsse sre- 
fallen. Die Urheber dieses Skandals — wer sie gewesen, ist nicht 
angegeben — sind auf Betreiben des amerikanischen Konsuls 
sofort gefänglich eingezogen und bestraft worden. Aus Aleppo, 
Damaskus und Gaza gaben Kaufleute nach Beirut Weisung, 
ihnen wegen der herrschenden Unsicherheit keine Waaren zu 
senden. Vor kurzem ging ewdlich die Nachricht durch die 
Zeitungen, dass in P a j a s nördlich von Alexandrette und in 
Medschdel esch-Schems no. von Banias schreckliche Ge- 
metzel stattgefunden hätten. — Was nun die aufständischen 
Drusen selbst betrifft, so hatten sie sich unter ihrem obersten 
Schech el-atrasch in der Gegend von Bosra zusammensfezo^en. 
Sie sollen mit einer Menge von Martini-Henri Gewehren ver- 



'ö^ 



sehen gewesen sein. Es gelang den Regierungstruppen die Auf- 
ständischen, deren Zahl hier auf 16 000 angegeben wird, bei sal- 
cJtad und.' aere zu schlagen. Die katat salchad soll jetzt mit 
regulären Truppen besetzt werden. 

Hethitische Inschriften. Nach einem von Clermont-Ganneau 
in der Academie veröffentlichten Brief von Barthelemy, Dra- 
goman-Kanzler am französischen Konsulate in Aleppo, hat 
letzterer in Aleppo ausser einigen griechischen Inschriften, die 
nicht von grosser Bedeutung sind, auch vier palmyrenische Grab- 
inschriften aufgefunden, die »sich wahrscheinlich ursprünglich 
in Palmyra selbst befanden und erst neuerdings nach Aleppo 
gebracht worden sind«. Ferner hat er in Aleppo selbst zwei 
neue hethitische Inschriften gefunden. 

Die Bahn-Linie Beirut-Damascus ist eröffnet, die Fahrzeit 
beträgt acht Stunden. 

Nach dem uns vorliegenden Programm der billigen Sonder- 
fahrten des Rieseischen Reisecontors sind für das Jahr 1896 fol- 
gende Touren in den Orient geplant: 



14 

1) Genua, Messina, Patras, Athen, Piiäus, Konstantinopel, 
Smyrna, Beirut, Damaskus (Haifa, Nazareth, Tiberias), Jäfa, 
Jerusalem, Jäfa, Port Said, Ismallija, Sues, Kairo, Alexandrien, 
Neapel, Genua. Reisedauer: !). April bis 18. Mai (40 Tage), 
Preis: 950 — 1050 Mark. 

2) Triest, Korfu, Patras, Athen, Piräus, Beirut, Damaskus 
(Haifa, Nazareth, Tiberias), Jäfa, Jerusalem, Jäfa, Port Said, 
Ismailija, Sues, Kairo, Alexandrien, Triest. Reisedauer: Anfang 
Juli bis Anfang August (28 Tage). Preis: 575—650 Mark. 



Aus Zeilsclirinen. 

Quarterly Statement 1895. Heft 4. 

Notes and News S. 297 — 304. Hier findet sich wieder einmal die 
Warnung vor gefälschten ; moabitischen Alterthümern«. Alle Dragomans von 
Jerusalem sollen einer Prüfung unterzogen , resp. mit Diplomen versehen 
werden. Einladung zur Besichtigung des Musemns des Palest. Explor. Fund, 
geöfl^net von 8 — 12 und von 2 — (i. — Sixth Report on the Excavations 
at Jerusalem S. 30-5 — 320. Von Dr. Bliss. Über die Ergebnisse der Aus- 
grabungen wird Prof. GuTHE im Zusammenhange berichten. — Reports 
from Herr Baurath vox Schick S. 321 — 330. 1. Old Churches in 
Jerusalem. Schick geht bei diesem Aufsatz von einer Stelle aus dem 
Pilger von Bordeaux aus, an welcher von 7 Synagogen die Rede ist, die 
einst in der Nähe des Davidtlnu'mes existierten. Eine derselben war noch 
im 4. Jahrhiuidert vorhanden, die 6 anderen mögen schon damals zerstört 
oder, was wahrscheinlicher ist, in Kirchen oder sonstige kirchliche Gebäiide 
umgewandelt worden sein. Schick untersuchte nun 7 Gebäiide in der Nähe 
des Davidtlnu-mcs daraufhin, ob vielleicht das eine oder andere derselben 
zu jenen 7 Synagogen des Pilgers von Bordeaux gehört haben könnte. Über 
das auf dem beigegebenen Situationsplan mit Nr. 7 bezeichnete Ülbaum- 
kloster armenisches Nonnenkloster [Z. 11 üj 'j hat der Verfasser bereits früher 
gehandelt; es wird in diesem Aufsatz daher nicht weiter berücksichtigt. Be- 
sprochen werden folgende Gebäude : 1 . St. Thomas nördlich vom armenischen 
Kloster in der Nähe der türkischen Kaserne. Vgl. Toblkr, Topographie 
von Jerusalem I, 446 f. Das Gebäude wird nicht mehr benutzt; Schick 
konnte niu' mittelst einer Leiter durch ein Fenster in dasselbe gelangen ; er 
ist geneigt, dasselbe für eine der 7 Synagogen des Pilgers von Bordeaux zu 
halten. 2. Die Kapelle »Gefängnis Christi« iZ. 123' im kleinen armenischen 
Konvent, ist noch wohlerhalten; scheint nach Ansicht des Verfassers nicht 
zu den 7 Synagogen zu gehören. 3. Die Moschee Jakubije St. Jamesj [Z. 108], 
nur noch selten benutzt, hat mit den 7 Synagogen diu-chaus nichts zu thun. 
4. Mar Dschcrias [Z. 114] im kleinen gleichnamigen griechischen Konvent, von 
Pilgern ^iel besucht. 5. Dar Disse = Haus der Familie D., südöstlich von 
der Citadelle; vgl. Tobler I, 447 ff. Der östliche Theil ist durch Einziehen 
der nöthigen Mauern in ein Wohnhaus umgewandelt. Möglicherweise eine 
der 7 S3"nagogen. •>. St. Marcus [Z. 1 1 5] im Syrischen Konvent, wahrschein- 
lich aus vorbyzantinischer Zeit. Dem Aufsatze sind für die NNr. 1 — ß 
Pläne beigegeben. — 2. Mittheilung über ein Kreuz in Relief, wclclies sich 
in dem auf russischem Boden in der Nähe der Grabeskirche stehenden 
Bogeribaii befindet. — 3. Das Dorf Silwän bei Jerusalem hat sich in den 

1, Die in [1 beigefügten Zahlen verweisen auf Zimmermaxn's Karte 
des heutigen Jerusalem. 



15 

letzten 10 Jahren bedeutend rcrgrössert, reicht jetzt bis zum hlr eijüb. — 

4. In dem Kreuzgang auf dem Muristan ist ein weiteres Grab gefunden 
worden (s. MuN. 1895, 7> Es ist ein Einzelgrab, die Lage West-Ost. Der 
Leichnam war in Kalk eingebettet. Das Gleiche hat Schick vor Jahren 
auch bei einem Grabe auf dem Olberg gefiuiden. Das Volk meint, eine 
solche Art der Bestattung weise auf einen besonders hohen Rang des Ver- 
storbenen hin. — 5. Bei den Bauarbeiten, die von dem englischen Bischof 
Blyth ausgeführt werden (s. MuX. 1895,31. ist man auf ein senkrechtes 
Felsengrab gestosseu; in demselben fand sich eine Steinschaale, 10 Zoll im 
Durchmesser, deren Abbildung beigegeben ist. — Xotes on Dr. Bliss's 
Discoveries S. 330f. Von Coxder. — Notes on the July-Quarter- 
terly Statement S. 332. Von demselben. — Note on Dr. Bliss's 
Lejjun in Moab S. 332f. Von Rev. Caxon Dalton. Der Verfasser macht 
darauf aufmerksam, dass das in Hampshire gelegene Porchestcr Castle 

»zweifellos römischen Ursprungs« mit der Befestigung in Ledschun auf- 
fallende Ähnlichkeit habe. — Note on Lieut. -Col. Watson's Paper 
on the Stoppage of the Jordan S. 334. Eine Bemerkung zu dem Texte 
von Jos. 3, 16 von demselben. — The Stoppage of the River J ordan , 
a. D. 1267 S. 334—338. Von W. E. Stevenson. Gleichfalls eine Unter- 
suchung von Jos. 3, 16. — The Rock of Etam and the Cave of 
Adullam S. 338—341. Von W. F. BiRCH. Der Verfasser hält an der 
Identifikation der Höhle Adullam mit der inucihäret charetün fest, meint 
aber letzterer Name entspreche nicht — wie bisher angenommen wurde — 
dem griechischen Eigennamen Chariton ; diese Zusammenstellung passe gar 
nicht, denn der Chariton. nach welchem die Hölile benannt sein soll, sei nicht 
ein Einsiedler, sondern ein Scliwindler gewesen. Viel melir sei cJiarctün 
verstümmelt aus hebräischem »Chor Etam« Ri. 15, 8. 11 (vgl. zu diesem 
Orte ZDPV. X, 144 . — The Identification of the City of David 

5. 342 — 345. Von Lee Pitcairn. — Lapping of the Water S. 345. 
Von A. MooDY Stuart. Der Verfasser berichtet, er habe einst in Madeira 
einen Mann in der Weise seinen Durst stillen sehen, dass derselbe, an einer 
Quelle niederknieend, das Wasser durch rotierende Bewegung seiner Finger 
in beständigem Strahl in seinen Mund brachte, ohne seine Häude mehr als 
etwa IV2 Fiiss seinem Gesichte zu nähern. Der Verfasser bringt nun diese 
Art des Trinkens mit der Ri. 7, 5 ff. als nS"^N T^n tiri' charakterisierten 
in Zusammenhang. — Greek and other Inscriptions Collect ed in 
the Hauran S. 346 — 354. Von W. Ewing, Schluss (vgl. MuN. 1895, 59;. 
Unter anderen eine nabatäische Inschrift aus Bosra (Nr. 173 A; und eine eben- 
solche aus Deraah wohl = derüt Nr. 182;. — A Journey in the 
Ha\iran S. 355—368. Von AV. E^^^NG, Schluss vgl.MuN. 1895, 64 . Berührt 
werden u. a. die Orte: kefr schems, es-saiiamen, chaheh. In es-scmame» traf 
EwiNG die Ingenieure, die an der Bahn Damascus- Hauran arbeiteten; als 
Curiosum mag erwähnt werden, dass Ewing sich mit dem Leiter der Ar- 
beiten, einem Belgier, nur durcli Vermittelung eines arabischen Dolmetschers 
verständigen konnte. Am Schlüsse des Aufsatzes wird eine Liste der Orts- 
namen in dem Ledscha mitgetheilt (Arabisch und in Transscription ; der 
Verfasser bemerkt dazu, er gebe die Namen in der Form, wie er sie an Ort 
und Stelle gehört liabe. — Results of Meteorological Ob scrvations 
Taken at Jerusalem in the Year 1889 S. 368—370, mit Tabelle. Von 
J. Glaisiier. — Inscriptions CoUccted in Moab S. 371f. Von Dr. Bliss 
mit Bemerkungen von Murray. 1. Eine griechisclie Grabinschrift aus Kerak, 
2. eine lateiniselie Inschrift von einem Meilenstein im W. Wäleh 1 , 3. eine 
gi-iechische Grabinschrift aus Diban, 4. die Autotypie eines Abklatsches, der 
von einem in ein Haus in Kerak eingemauerten Steine genommen ist. — 
Jahresversammlung des Generalcomit es S. 373 — 383. 

1, Die Schreibung des Namens ist unsicher. 



16 

Der Bote aus Zion, Evangelische Quartalschrift aus dem 
syrischen Waisenhause. XI. Jahrgang-, 1895. 4 Hefte. 

Heft 1. Die heutigen Bewohner des Philisterlandes: Asdod und 
Askalon S. 1 — 7. — Jafa. das alte Joppe S. 7—9. Aus Sciixeixer's Apostel- 
fahrten. — Zu unserem Bilde Ansichten der Stadt Jafa und der Einfahrt 
durch die Klippen) S. 9—11. — Christi Himmelfahrt (m. Bild: S. 11—13.— 
Palästina -"Waren S. 13—16. — läebesgaben S. IH. — Heft 2. Jahresbericht 
des Syrischen "Waisenhauses in Jerusalem vom Jahre 1894 S. 17 — 22. — Die 
griechische Kirclie in der Türkei S. 22 — 32. — Nachrichten. Der «evan- 
gelische Verein für das syrisclic Waisenhaus in Jerusalem« hat diirch Erlass 
des Kaisers vom 22. Decbr. 1S94 die Rechte einer juristischen Person er- 
halten. — Liebesgaben S. 32. — Heft 3. Eine Reise nacli dem Ostjordan- 
land S. 33—46. Die Reise, die der Verfasser bis ed-Damijc in Gesellschaft 
des Herrn Dr. Ker.stex - Berlin ausgeführt hat, geht von Jerusalem über 
Teil er-Rame. Madaba nach es-Salt, zurück bei ed-Damije über den Jordan. 
Jericho, Jerusalem; — Zu unserem Bilde (Terrasse auf dem Tempelplatz 
in Jerusalem S. -16 f. — Nachrichten aus Jerusalem imd dem heil. Laude 
S. 47 f. — Heft 4. Unsere Konfirmation am 1. September dieses Jahres 
S. 49 — 58. — Von der Behandhmg der Geisteskranken im heil. I^aude S. 59 
bis 62. — Für Orientreiseude S. 62. — Nachrichten aus Jerusalem und dem 
heil. Lande S. 62 f. — Sammelstellen für Liebesgaben. Inhaltsverzeichnis 
für 1895 S. 64. 



IL Kächrichten. 



Die Karte der nähereu Umgebung von Jerusalem, die gleichzeitig mit 
dieser Nummer der MuN. in dem dritten letzten) Heft des XVIII. Bandes 
der ZDPV. erscheint, wird ebenso wie der begleitende Artikel ;>Namenliste 
imd Erläutenuigen zu Baurath C. Schicks Karte der nähereu Umgebimg von 
Jerusalem. Bearbeitet von Baurath C. Schick und Lic. Dr. J. Bexzinger« 
besonders abgegeben. Der Preis für die Karte 48 : 64 cm und die Begleit- 
schrift (24 S. 8°] eiuschliesslicli der Verpackung und des Porto's ist 1,75 M. 

Aufs Neue wird darauf aufmerksam gemacht, dass diese Karte der 
näheren Umgebung von Jerusalem. ZDPV. XVIII. Tafel IV. zugleich als 
Tafel VI des XVII. Bandes gilt, als Kartenbild zu dem letzten Abschnitt 
der »Baugescliiclite Jerusalems« von C. Schick. Ein besonderes Blatt als 
ZDPV. XVII. Tafel VI Avird nicht herausgegeben. 



Von Herrn Dr. Max Blaxckenhorn in Erlangen ist am 30. Decbr. 1 895 
die erste ausführliche Arbeit über seine Untersuchungen in Palästina ein- 
gegangen. Sie führt den Titel Entstehung rmd Geschichte des Todten 
Meeres« luid ist von mehreren Karten, Profilen und Photographieen be- 
gleitet. Ihr Umfang beträgt etwa 4—5 Druckbogen. Sie wird als erstes 
Heft des XIX. Bandes der ZDPV. etwa im März erscheinen. 



Seitdem die neue Aufnahme des liada ez-zedi Aon Dr. G. Schumacher 
vorliegt, ist die Herstellung der Karten des Ostjordanlandes wieder in 
Angriff genommen worden. Der Vorstand beabsiclitigt , zwei Blätter uacli 
einander herauszugeben. Das erste umfasst die nördliche Hälfte des auf- 
genommenen Gebietes, den Dscholän und westlichen Haurän, das zweite 
den nördlichen 'Adsclilüu imd das hada ez-zrdi. 



Geschlössen am 10. Januar 1896. 




I. Mittheitungen. 
Rejsebericlit. 

Von Professor R. Brünxow. 
(Schluss.) 

IV. Dscholan und Hauran. 
In chisfln kopierte ich die beiden folgenden Inschriften, 
die wohl noch unbekannt sind: 

1) 0APCI Vgl. zu dieser Inschrift die von Schumacher 
AAEZAN in ZDPV. IX, 322 and 244 mitgetheilten, auch 
APAETK Quart. Stat. 1895, January S. 44 Nr. 7. 

2) KAinAPOIKIAlOA AI N I hÄ^^JX. 
[^^ KAe CKAHCIAC T 6 R C K T I^CXNjhj 



Fig. 7. Griechische Inschrift aus Chisfin. 

In 'am dakar sahen wir viele schöne, essbare Pilze, was 
sonst in Syrien eine Seltenheit ist. 

Mein eigentliches Eeiseziel waren die Ruinen von ed- 
dschäbije,'^) die noch von keinem Reisenden untersucht Avorden 
sind. Leider fand ich bloss formlose Trümmer und konnte 
auch nicht einmal eine Spur einer Inschrift entdecken; nur 

1) Vgl. hierüber Wetzstein, Reisebericht 119 fF. • 

MuN. des D. Pal.- Vor. 1S96. 2 



18 



zwei Skulpturen, deren eine beifolgend abgebildet ist (s. Fig. 8), 
lassen auf einstige Prachtbauten schliessen. Noch vor wenigen 
Jahren sollen derartige Ornamente in weit grösserer Zahl vor- 
handen geAvesen sein; jetzt aber haben die Tscherkessen, welche 
die Ruinen als Steinbrüche zu benutzen anfingen, kräftig darin 
aufgeräumt. 

Ed-Dschäbije liegt auf drei Hügeln, von denen die beiden 
östlichen durch einen Sattel zusammenhängen, während der 
dritte im N., grösser als die beiden ersten, von diesen durch 
einen Bach getrennt ist. Auf dem nördlicheren der beiden 
Osthügel liegen die Hauptruinen ; hier wurden auch die beiden 

oben erwähnten Skulptu- 
ren gefunden. Die Grund- 
mauern eines grossen Ge- 
bäudekomplexes stehen 
noch; sie sind aus regel- 
mässigen, roh behauenen 
Basaltquadern aufgeführt, 
ihre Dicke beträgt durch- 
schnittlich 0,80 m, bei 




einigen 1,30 m. 



An d 



en 



umherliegenden Steinen 
sieht man hier und da 
einen tnizZtn^'^ das cha- 
rakteristische Zeichen 

Fig. 8. Ornament aus ed-Dschäbije. «ines Haurangebäudes. 

Das Bassin der Haupt- 
quelle [hirket ed-dschühije) ist ausgemauert und hat eine läng- 
liche, unregelmässige Gestalt; in der Nähe befinden sich meh- 
rere Nebenquellen mit besonderen kleinen Bassins. Das Wasser 
ist sehr gut und reichlich , und wird in einem gemauerten 
Aquädukt nach natoä und schccJi sacl geleitet. 

Am nordöstlichen Rande des Westhügels befindet sich 
eine cyklopische Mauer, die den Theil einer den ganzen Hügel 

1) Der mtzän (= Waage) ist ein kurzer Balken, ca. 1,5 m lang, der 
quer über der Mauer liegt, so dass er nach beiden Seiten gleichmässig 
hervorragt; bei einer Aussenmauer fällt die äussere Hälfte des mlzän fort. 
Die nebeneinauderlicgenden Mizäne bilden ein Gesims, auf welchem die 
Decke des Hauses ruht. Diese besteht aus eng aneinandergelegten Dolerit- 
balken, welche reh'ita heissen (vgl. Wetzstein, Keisebericht S. 56 1. 



19 

einfassenden Ringmauer bildet. Sie erinnert an die im Dschö- 
län so häufigen Dolmen, die sich auch am Nord- und Ost- 
abhang des Teil ed-Dschäbije finden. 

Überall in den Ruinen sahen Avir zahlreiche Schlangen, i) 
darunter sehr giftige; man muss sich bei der Untersuchung 
daher sehr in Acht nehmen. 

Der Teil ed-Dschäbije (s. Fig. 9) liegt ungefähr eine halbe 
Stunde südlich von den Ruinen. Er hat zwei Gipfel von un- 
gleicher Höhe, die durch einen ziemlich schmalen Sockel 
zusammenhängen. Ihre Lage zu einander ist SSO. zu NNW. 
Auf beiden Gipfeln sind Krater; derjenige des Südgipfels — 
etwa 50 m im Durchmesser — ist durch eine Felswand in 
zwei Hälften getheilt, deren eine Wasser enthielt. Auf dem 




Fig. 9. Teil ed-Dschabije von Norden. 

etwa 20 m höheren Nordgipfel befinden sich südlich von der 
ca. 20 m weiten Kratermulde Überreste von alten Bauten; 
auch ein paar ausgemauerte Zisternen sind zu sehen. Ein 
verwitterter Architrav zeigt ähnliche Formen, wie die Skulp- 
turen in ed-Dschäbije. Es scheint, dass eine Umfassungs- 
mauer um den Rand beider Gipfel herumlief. Die Aussicht 
ist herrlich: man hat den ganzen Dschölän und den ebenen 
Haurän zu seinen Füssen.- — Als wir vom Berge herabstiegen, 
wurden uns von Beduinen, die uns oben auf dem Gipfel Geld 
abverlangt hatten, Steine nachgeworfen; zum Glück wurde 
niemand getroifen. 

1) Vgl. Jäküt II, 3. 18. 

2) Vgl. Schumacher, Across the Jordan 5. 20 und 230. 

9 * 



20 



Südwestlich von dem Teil ed-Dschribije liegt eine alte 
Mühle (s. Fig. 10). Sie ist vollständig im Hauranstil gebaut, 
mit steinernen Thüren, mlzan und rehlta; die Steine sind roh 
behauen, wie in ed-l)schäbije. Eine zweite, neuere Mühle 
liegt etwa 10 Minuten weiter nördlich; beide Mühlen liegen 
auf dem Westufer eines Baches, der im Norden des Teil ed- 
Dschäbije entspringt und, sich nach Westen wendend, am 
Fusse des Berges hinfliesst. Unterhalb der Mühlen schwillt er 
zu einem reissenden Flüsschen an; denn die Mühlenaquadukte 




l'if^. lu. Thor der Mühle bei ed-Dschabije. 

führen ihm hier von Westen her zwei Bäche zu, von denen 

der nördlichere, bei der neuen Mühle, der wasserreichere ist. 

Von ed-Dschabije ritt ich nach nawä hinüber, in der 

Hoffnung, hier vielleicht auf aus ed-Dschäbije verschleppte 

Inschriften zu stossen. Es gelang mir auch, eine griechische 

Inschrift zu entdecken, die sich auf zwei, offenbar ursprünglich 

zusammengehörige, jetzt aber über zwei verschiedene Thüren 

eines Hauses eingemauerten Steinen befindet.') 

1) Herr Professor Gelzer in Jena hat die Bearbeitung dieser und 
anderer Inschriften aus dem Haurän nach uns zur Verfügung gestellten 



21 



Im Osten der Stadt wurde mir ein wohlerhaltenes Gebäude') 
mit schöner Fassade gezeigt. Des Innere desselben wies Spitz- 
bogen mit reichen Kapitalen auf; an der Decke war die be- 
kannte Verzierung ^ [O] in sehr sorgfältiger Ausführung an- 
gebracht. 

Im Tempel der Tyche zu es-sanamen kopierte ich die 
folgenden beiden Inschriften, die bei Waddington fehlen. Sie 
befinden sich auf Konsolen. 



a) 



ponoN 

DBTOKOINO 

ArNCjüceniT 

BANTATeiMHC 
XAPIN 



TOKOI AIPH . . . 

eniTPonoNT . . 

YOGBTeiM HOC 
AP IN 




Zu a) vergl. Quart. 
Stat. January 1895, S. 59 
Nr. 47 b. Das B der vierten 
Zeile ist unsicher, b) ist 
von einer modernen Mauer 
fast ganz verdeckt, so dass 
die Inschrift nur mittelst 
eines Spiegels gelesen wer- 
den konnte. x\uf Zeile 1 
haben wir in Atprj(aitov) 
wieder den alten Namen 
von Nawa: Acre. In der 
letzten Zeile steht wirklich 
kein X[apiv]. 

Auf meiner Weiter- 
reise nach Beirut verfolgte 

ich die bekannte Strasse ^^S"^^" Siegel aus 'Amman. Vierfach ver- 

1 1, c 1 grösserte Autotypie nach einem Abdruck. 
über Damascus und Baal- Y , « 9if 

bek. Dieser letzte Theil 

der Keise bot nichts Erwähnenswerthes. 

Nachtrag der Redaktion. Die Figuren 4 und 5 in Nr. l 
der MuN. 1896 bieten kein hinreichend genaues Bild des alten 
Siegels. An Mühe und Sorgfalt für ihre Herstellung hat es 

Abklatschen freundlichst übernommen. Wir verzichten daher darauf, diese 
Inschrift hier vorläufig wiederzugeben. [Die Red.] 

1) Von Schumacher a. a. O. S. Iü9 nicht erwähnt. ' i 



">*.. 



22 



weder die Redaktion noch die rühmlichst bekannte Firma 
Giesecke & Devrient fehlen lassen. Der damals vorliegende 
Abdruck war ungenügend und ein besserer nicht zu beschaffen, 
weil Professor 1)RÜnkow auf einer längeren Reise von seiner 
Heimath abwesend war. Nach seiner Rückkehr hat er der 
Redaktion bereitwilligst neue Abdrücke zur Verfügung gestellt, 
nach denen die auf 8.21 stehende Figur 1 1 angefertigt und hier 
beigefügt wurde, um den Reisebericht nicht unvollständig zu 
lassen. 

Anhang: Itinerare. 
I. Um das Todte Meer. 



März 21 


Jerusalem 
Hebron 


Marsch 
in Einzelangabeu 

6 St. M. 


d a n e 
am 

6 St. 


r 
Tage 

M. 


- 22 


nebl jakin 

wädl el-mucTiarras 


1 - 45 - 
i - 30 - 








blr el-hubruslje 


35 - 


3 - 


50 - 


- 23 


teil- ed-deJfiJe 

^ akabat ain dschidi 


1 - 35 - 

2 - 20 - 








^ ain dschidi 


50 - 


4 - 


45 - 


- 24 


Masada (Fuss) 

^Masada hinauf 
1 - hinab 


4 - 30 - 

— 55 -: 

55 -) 






• 


umm büghek^) 


3 - 35 - 


8 - 


05 - 


- 25 


w. nuchbär (Anfang; 
w. nuchbär (Ende) 
Anfang der sehcha 


2 

1 








Anfang des ghö?- es-säfije 
Lager am w. eJ-hesi 


1 - 50 - 
l - 45 - 


8 - 


35 - 


- 26 

- 27 


ghör es-sUßje 
Ende des ghm- 
icüdi nimeira 


1 - 40 - 








dra a 


3 - 15 - 


5 - 


55 - 


März 28 


kciHi' Ji arasch a 


- 35 - 








kerak 


4 - 30 - 


5 - 


05 - 


- 29 


kerak 


— _ — - 






- 30 


Rabbat Moab 


2 - 45 - 








kasr rabha 


— - 55 - 


3 - 


40 - 



1) Nach Anderen: mbuyheh; s. Karte; mubarrak. 



23 







Marschdaue 


r 






in Einzelangaben 


am 


Tage 


März 3 1 


tmdi nwdschib-^xv(\x?inA 


2 St. 35M. 








hinab 


1 - 30 - 








- hinauf, Xordrand 


1 - 30 - 








dibän 


30 - 


6 St 


. 05 M. 


April 1 


ivcidl waleh 

libb 

maln 


1 - 40 - 
1 - 20 - 
1 - 50 - 








niädabä 


1 - 30 - 


6 - 


20 - 


April 2 


mädabci, 


— _ — _ 






- 3 


mendscha 

el-kastal 

darb el-haddsch 


1 - 30 - 
— - 50 - 








mschetta 


20 - 


3 - 


40 - 




mädabä 


3 - 15 - 


3 - 


15 - 


- 4 


kfer abü sarbüt 

kfer el-wastä 

Ruine zur Linken 

Südende von hesbän 

el-al 

bei "at 

umm es-simäk 


25 - 

— - 6 - 

20 - 

41 - 

27 - 

56 - 

30 - 








'^ammän 


2 - 7 - 


5 - 


32 - 


- 13 


Quelle 


2 - 43 - 








es-salt 


2 - 45 - 


5 - 


28 - 


- 18 


Anfang des ghor 
Jordanbrücke 


4 - 45 - 
1 - 23 - 








" ain es-suUän 


1 - 51 - 


7 - 


59 - 


- 19 


cJiän el-ahmar 


1 - 56 - 




.. 




Damaskusthor Jerusalem | 


2 - 47 - 


4 - 


43 - 


II. Tiberias — Damas 


cus. 




Mai 1 


Tiberias 

bäb et-tumm 

samach 

Beginn der \ikabat f'iJi 

chan el-akabe 

kafr härib 


1 St. 30M. 
- 12 - 

40 - 

30 - 

1 - 40 - 








flk 


— - 50 - 


5 - 


22 - 



24 









Marschdaner 






in E 


iuzelangaben 


am Tage 


Mai 2 


el-äl 


1 St. — M. 






näh 


l 


- 5 - 






cMsf'm 




- 40 - 






Ruinen 


— 


- 30 - 






Bach, nach S. fliessend 




- 5 - 






Steinhaufen (Ruinen?) 




- 25 - 






Kleiner Bach, rechts Ruine 










[chirhet seda ?) 




- 20 - 






Römerstrasse (W. nach 0.) 




— 7 — 






Bach, nach S. fliessend 




- 3 - 






dschisr er-rukhcid (Furt) 




- 13 - 






" ain dakar 




- 30 - 


4 St. 58 M. 


- 3 


Römerstrasse (WSW. nach 










. . [ONO.) 


1 


- 37 - 






grosser Teich 




- 3 - 






Fluss, ca. 10 m breit [nähr 










, - [el- allem'?) 




- 5 - 






Dolmen 




5 - 






alte Mühle von ed-dschabije 










links 




- 10 - 






Fuss des teil ed-d&chabije 








• 


(Südseite) 




- 20 - 






Karawanenroute 




- 1 - 






zwischen teil ed-dschübije u. 






• 




teil ed-dschamuu 




- 21 - 






ed-dschähije 


1 


_ — _ 


3 - 42 - 


- 5 


naioa 


l 


- 4 - 






ed-dschZibije 


— 


_ — _ 


1 - 4 - 


. - 6 


dschüsim 


1 


- 30 - 






iimm et-turra 




- 53 - 






inclnl 




- 34 - 






es-sanamen 


1 


- 20 - 






el-gliahagh'ib 


2 


- — - 


ü - 17 - 


- 7 


el-kisive 


3 


- 27 - 






Damascus 


ca. 


4 St. 


7 - 27 - 



25 



Lateinisclie Insclirin aus Jerusalem. 

Heim J^au des neuen Grand Hotel, welches noch inner- 
halb der Stadt im Norden des Davidsthurmes und östlich vom 
Jafathore liegt, wurde im Schutt ein Säulenstück mit lateini- 
scher Inschrift gefunden, worüber ZDPV. X, 49 fr. und XI, 138 
berichtet worden ist. 

Nun ist auch Erde und Schutt zwischen 
dem neuen Hotel und der westlichen Stadt- 
mauer zu einem guten Theil weggeschafft 
worden. Dabei stiess man im Oktober 
vorigen Jahres auf das Bruchstück einer 
weiteren lateinischen Inschrift, deren Kopie 
ich beifolgend einsende. Der Stein, auf 
welchem die Inschrift sich befindet, war 
einst in eine Mauer eingefügt. Da die 
Oberfläche desselben nicht glatt ist, würde 
ein Abklatsch nur ein undeutliches Bild 
geben; zudem sind die Buchstaben so 
deutlich zu erkennen, dass man nicht irren 
kann. 



JIA-EA\ 
OPH 
OVEL 
VSFl 

C06N 







Jerusalem, 18. 



December 1895. 

C. Schick. 



Fig. 11. Lateinische In- 
schrift aus Jerusalem. 
'/ß der natürl. Grösse. 



Za dem Namen 'id el-ia und zu der Lage von 'azeka. 

Gegen '^icl el-?7iä der FiscHER-GuTHK'schen Karte und Blan- 
ckenhorn's (MuN. 1S95 S. 3) und gegen die von Nestle (ebenda 
S. 43) versuchte Identifizirung desselben mit efes dammim = 
einem nach Lagarde aus LXX -Varianten zu lesenden W^fl 1ED 
[sfr majim] (wegen des »höchst bedeutsam« erscheinenden Zu- 
sammentreffens von mä und majim] betont Clermont-Ganneau 
in der Revue archeol., Sept.-Okt. 1895 S. 262: »mais la vraie forme 
du nom est 'Id-el-Miye — et la localite semble bien plutot cor- 
respondre, comme je Tai montre, ä celle de "^Adullam«. Ist nun 
Ganneau s Form mit mlje wohl die richtige, so ist Nestle's obiger 
Einfall hinfällig. Auch hat die Gleichsetzung % on chirhet'^ul el- 
mlje mit '^adullcmi alle Wahrscheinlichkeit für sich (vgl. nur Jos. 
15, 35), selbst das Konsonantengerippe scheint das gleiche zu 
sein; vgl. schon Ges. H W.'i unter Adullam ;wo freilich noch 
''Aid el-Medije steht) und H W.^^ ^ j^id el-mije). — Zudem wissen 



26 

wir aus 1. Sam. 17, 1, dass Efes dammim (sfr majim) zwischen 
Socho und Azeka lag. Dieses Socho wird allgemein mit dem 
nördlichen chirhet esch-scimweke im oberen icädl es-sant identi- 
fiziert, während 'a^:^?^-« nach allen Stellen, wo es vorkommt, mehr 
westlich gegen die Philisterebene hin zu suchen ist. Jos. 15, 35; 
vgl. bes. Dillmann zu Jos. 10, 10. ^Id el-mlje liegt nun aber nicht 
westlich, sondern südsüdöstlich von Socho! 

Wenn wir über die g-enauere Laije von '^azeka eine Ver- 
muthung aussprechen dürfen, so möchten wir es gerade westlich 
von Socho, im Thale des ic. es-sant abwärts, auf der letzten von 
N. nach S. ziehenden, der eigentlichen Philisterebene vorgelager- 
ten Hügelkette suchen, über welche mehrere Wege und Pässe 
vom jüdischen Hochland zur Küste führen, speziell von Jerusalem 
nach Asdod und Askalon. Nach 2. Chron. 11,9 i Befestigung 
durch Rehabeara) und .Jerem. 34,7 (Belagerung durch Nebu- 
kadnezar), wo es neben Lachis, der südwestlichen Hauptfestung 
Judas gegen Philistaea, genannt wird, muss es ein wichtiger, be- 
herrschender Punkt gewesen sein. Am nächsten läge es, laLUchirbet 
''askalT(7i zu denken, oder an den diesem gegenüberliegenden, 370m 
hohen Bergkegel teil zakarjä, auf welchem sich gleichfalls Ruinen 
befinden. Weiter nach NNW. könnten nur noch die Ruinen von 
der el-äschik, welcher Punkt den oberen ic. es-sarcir beherrscht, 
für Bestimmung der Lage von '^ azeka in Betracht kommen. 

Tübingen, 24. Februar 1896. C. F. Seybold. 



Der Name Jorto". 

Nachträge zu MuN. 1S96, S. 10 1. 

Den aegyptischen Namen des Jordan bietet uns der Papyrus 
Anastasi I (Neues Reich): Y-ira-du-na, siehe W. Max Müller, 
Asien und Europa. S. 97 f 196 (auf der da beigegebenen Karte: 
Yardun . 

Zu S. 10 Z. 5 v. u. Dagegen sagt Stade, Geschichte des 
Volkes Israeli, 102 Anm. 1: »Der Name ist seinem Ursprünge nach 
ohne Zweifel kananäisch. Er bedeutet den »Herabsteigenden«. 
Er heisst so wegen seines rapiden Falles«. Da nun nach S. 1 1 
Anm. 1 die Wurzel/ärac/ im Phönicischen wie Aramäischen ver- 
loren gegangen zu sein scheint, so schliesst der Name Jordan 
wohl näher eben an das Hebräisch-Moabitisch-Arabische an und 



27 

ist somit spezifisch Hebräisch, vielleicht auf die Zeit des Nomadi- 
sirens der Hebräer zurückgehend. 

In S. 11,10 radan [a] = schnurren (von der Katze) ist 
modern vulgär; eher könnte der Araber an radn = Waffen- 
geklirr denken: der »Brausende«, vgl. arnön = der »Lärmende«. 
BekrT und Jäküt geben vielmehr dem Wort »wdunn«- die Bedeu- 
tuns- von »Schläfrigkeit« = nuäs, was aber von den arabischen 
Lexikographen nur aus einigen Dichterstellen erschlossen ist, 
z. B. wahad^ alatni na satu l-urdunni und hannat kaliisi amsi hil- 
urdunni. 

Zu S. 11,15. Besser: [esch-] schert at el-keh'ire. 
Tübingen, 24. Februar 1896. C. F. Seybold. 

Zusatz der Redaktion. Clermoxt-Ga^vXeau macht im 
Anschluss an Seyuold's Ausführungen darauf aufmerksam, dass 
der Name der Quelle von dschezer a ainjardi'^ lautet, was für die 
Erklärung des Namens Jordan ebenfalls in Erwägung gezogen 
werden könnte. 



Kurze MiüliellnngeL 

* Die Unruhen im Hauran scheinen allmählich wieder ge- 
ordneten Verhältnissen Platz zu machen. Allerdings laufen noch 
Nachrichten über mancherlei Gefechte ein. Doch sind die Be- 
richte theils verspätet, theils wohl auch nicht sehr zuverlässig. 
Die Beduinen und Tscherkessen nutzen die allgemeine Aufregung 
aus und betheiligen sich bald hier bald dort an Treffen. Bei el- 
mamüra und medschdel esch-schems haben die Drusen nach tapfe- 
rer Gegenwehr Niederlagen erlitten. In letzterem Ort und in ''ain 
kanja wurden die amerikanischen Missionsstationen geplündert 
und zerstört. Die Niederlassung der Christen in \iin esch-schara 
wurde von Arabern geplündert und in Brand gesteckt. 

G. lieber die Angriffe der Drusen im dschehel haurän verlautet 
nachträglich, dass sie drei Dörfer der Fellachen zerstört und eine 
Anzahl Einwohner getödtet haben. Auch/7/c im Dschöhm. er- 
rüme in Galiläa, chäti minje und c/tcm dschisr henät ja Jßb wurden 
von den Drusen belagert und zum Theil geplündert. 

G. Unterwerfung der Drusen. Die Schechs der Drusen im 
Haurän haben sich grösstentheils schon unterworfen und die 
Waffen abgeliefert. Die Regierung hegt den Plan, nach sieg- 



28 

reicher Niederwerfung des Aufstandes den chchehel haurän [ed- 
drüz) vollständig von Drusen zu säubern und diese in die Steppe 
oder in den Libanon zu versetzen, dagegen den Fellachen des 
Haurän das Gebirge als Wohnort anzuweisen. 

G. Unter den türkischen Soldaten im Haurängebirge herrsch- 
ten allerlei Nothstände. Am Fusse des teil cl-kleb und bei salchad^ 
wo sie ihre Standquartiere haben, leiden sie sehr bei einer Kälte 
von mehreren Graden unter Null, bei Schnee und Eis; dazu 
kommt, dass sie mit Nahrung und Kleidung schlecht versorgt 
sind und der holzarme Ilaurän ihnen kein Brennmaterial liefern 
kann. Es ist daher nicht zu verwundern, dass sich Krankheiten 
unter den Soldaten eingestellt haben. Man spricht sogar schon 
von der Cholera. Hoffentlich bewahrheitet sich das Letztere nicht. 

G. Vorgänge im Dseholan. Auch im Dschölän sind einige 
xlbtheilungen türkischer Truppen zusammengezogen. Sie sollen 
die Drusen in medschdel esch-schems im Schach halten und den 
Zuzug von Drusen aus dem Libanon nach dem Haiirän ver- 
hindern. Frieren müssen die Soldaten im kalten, schneeigen häb 
el-liawä bei el-kunetra im nördlichen Dschölän auch, zumal sie 
unthätigsind. Doch haben sie dort wenigstens genug Brennholz; 
avisserdem haben sie sich aus den kalten Zelten in die Hütten 
der Tscherkessen geflüchtet. Auch bei besän vmd an den Jordan- 
furtheu ist ein Cordon von Soldaten aufgestellt worden. 

G. Gegen die ägyptischen Häfen ist die Quarantäne verhängt. 
In Folge dessen ist der Postdienst nach Syrien erschwert. 

Ks. Wie schon früher berichtet worden ist (MuN. 1895, S. 6), 
haben die neuen Fundamente bei dem Bau der Erlöserkirehe auf 
dem Muristän grosse Schwierigkeiten verursacht. Die ganze alte 
Südmauer der Kirche mit den Gewölben des oberen Kreuzganges 
musste niedergelegt werden, alles Stützen mit vielen starken 
Balken half nichts. Nachdem die Fundamente aus einer grossen 
Tiefe neu aufgeführt worden sind, hat der Bau rasche Fort- 
schritte gemacht. Es sind bereits schon einige Eindeckungen der 
Seitenschiffe vollendet. Der Nordeingang wird mit den alten 
Steinen wieder aufgebaut; neue Steine werden nur dann ver- 
Avandt, wenn die alten unbrauchbar sind. 

Bs. Bau der englischen Kirche. Auf dem von dem englischen 
Bischof Blyth gekauften Platze südlich von den sogenannten 



29 

Königsgräbern wird gegenwärtig die Kirche gebaut. Als man den 
Grund ausgrub, fand man einige senkrecht in den Felsen ge- 
hauene Gräber, sonst nichts von Bedeutung. Es liegt eben 
dort nur wenig Schutt. 

Bs. Die kleine englische Gesellschaft, die vor zwei Jahren 
von Frutiger & Co. das Stück Land mit dem Grabe Christi nach 
Gordon (s. Schick's Nähere Umgebung von Jerusalem 1895, Nr. 
59) neben der Jeremiasgrotte gekauft hat, hat dasselbe nun mit 
einer Grenzmauer umfriedigt. Bei ihrer Herstellung wurde gegen 
den Hügel zu ein in den Felsen gehauener Gang entdeckt, der mit 
Erde angefüllt war. Da man jedoch den Gang nicht geleert hat, 
so ist noch nicht festgestellt worden, wohin er führt. Vermuthlich 
führte er zu einer ähnlichen Höhle, wie es die Jeremiasgrotte 
ist, die aber wohl eingestürzt sein mag, so dass sich daraus die 
eigenthümliche Form der Felsen oben auf dem Hügel erklären 
würde, deren Curvenlinie einem Schädel ähnlich sieht. Dieser 
Umstand brachte ja bekanntlich einst Gordon avif den Gedanken, 
dass hier Golgatha, die »Schädelstätte«, und Christi Grab zu 
suchen wären. 

Bs. Die Siloahquelle fliesst seit Herbst 1895 wieder, doch 
nur mit geringer Wassermenge (vgl. MuN. 1895, S. 9). Dagegen 
ist der hlr eijüb leer. 

Bs. Das neue Grand Hotel innerhalb des Jafathores dem 
Davidsthurme nördlich gegenüber ist um ein Stockwerk erhöht 
worden, so dass es nun den Davidsthurm überragt — ein wahrer 
Palast. Überhaupt nimmt die Zahl der Hotels zu. 

G. Stein mit Inschrift. Bei der Untersuchung des Terrains 
zwischen der Grabeskirche und dem Seräj wurde Herrn Baurath 
Schick von einer koptischen Frau das Bruchstück eines Steins ge- 
zeigt, auf dem sich mehrere Schriftzüge befanden. Der Stein ist 
rother mizze und hat auf der einen Seite sehr harten alten Mörtel. 
Baurath Schick hat einen Abdruck und eine Kopie eingesandt. 
Die Schriftzüge sind sehr eigenthümlich und konnten bisher nicht 
entziffert werden. 

Ans Zeltsclirlfteu. ' • 

Quarterly Statement 1896, Heft 1. 

Notes and News. S. 1—8. Aus dem »Jewish Chronicle« vom 27. Sept. 
V. J. wird S. 3 f. ein Aufsatz über die Lage von Ophir abgedruckt. L)r. 



30 

C. Peters hat nach demselben einen historischen Atlas aufgefunden, welcher 
zu Anfang des 18. Jahrhunderts in Amsterdam gedruckt worden ist. Auf 
Grund unerwartet genauer Angaben, die dieser Atlas über die Ostküste 
Afrikas bietet, soll Peteks üphir mit Entschiedenheit hierher und zwar in 
die Gegend am Zambesi setzen. Die Kombination Ophir-Afrika ist übrigens 
nicht neu (S. Delitzsch, Neuer Commentar über die Genesis 1887. S. 226 
Anm.). — Seventh Report on the Excavations at Jerusalem. S. 9 
bis 22. Mit 4 Plänen. Von Dr. Bliss. — Report on Tombs Dis- 
covered near Sür Bähir. S. 22 — 24. Mit Plan. Von A. C. Dickie. 
Etwa eine Stunde südlich von Jerusalem liegt das Dorf sür bähir; nur 
durch eine Schlucht von ihm getrennt, erhebt sich im Osten ein Hügel. 
Hier waren im Herbst vorigen Jahres Fellachen beim Graben auf alte 
Mauerreste gestossen. Nachdem Dr. Bliss, dem die Leute ihre Entdeckung 
mitgetheilt hatten, den Hügel vorläufig besichtigt hatte, untersuchte der 
Verfasser im Beisein Ibrahim Etfendis denselben genauer am 12. Oktober. 
Es handelt sich um eine alte Begräbnisstätte. Das Gebäude, in welchem 
sich die Gräber befinden, liegt unter der Erde; es ist rechtwinkelig an- 
gelegt, die Decke ist gewölbt. Von den insgesammt 24 Grabstellen liegen 
12 in 2 Reihen unter dem in der Mitte des Gebäudes befindlichen Gange; 
je 6 Grabstellen sind rechts und links von diesem Gange in rechteckigen, 
nach oben bogenförmig abgeschlossenen Einzelnischen. Die Lage des Ge- 
bäudes ist Ost-West. Auf 5 Stufen steigt man in dasselbe hinab; dem 
Eingange gegenüber befindet sich im Westen eine fensterartige Öffnung. 
Das Gebäude ist 15 m lang, 3 m hoch, der Gang ist fast 2 m breit; die 
Nischen sind Im tief, 2 m lang und 1,6 m hoch. Das Grabgewölbe stammt 
nach Ansicht des Verfassers Mohl aus byzantinischer Zeit und befand sich 
unter einem grösseren Gebäude, dessen Spuren noch zu sehen sind. — A 
Journey East of the Jordan and the Dead Sea. S. 24 — 46. Von 
Gray Hill. Nachdem der Verfasser in den letzten Jahren schon dreimal 
vergebliche Anläufe gemacht hatte, um bis Petra vorzudringen, versuchte 
er es im April vorigen Jahres zum vierten Male. Diesmal scheiterte seine 
Absicht daran, dass er die Erlaubnis zu dieser Tour aus Konstantinopel 
nicht erwirken konnte. So begnügte er sich mit einer Reise um das Todte 
Meer. Einen weiten Vorstoss machte die Reisegesellschaft nach Osten ; 
der Verfasser giebt Schilderungen und Abbildungen von 2 Orten, östlich 
von der Pilgerstrasse, die er »Umm Moghr» und »Khauranee« nennt. Dem 
Aufsatz ist ein Verzeichnis von Örtlichkeiten östlich und westlich des derb 
el-haddsch und eine Analvse von an der Quelle Callirrhoe geschöpftem 
Wasser beigegeben. — The Site of the Tempi e. S. 47—60. Mit 3 Tafeln. 
Von C. M. Watson. — The Syrian Language. S. 60—78. Von C. R. 
CoNDER. Auf Grund der beiden grossen Sendschirli -Inschriften, die in 
hebräischen Buchstaben wiedergegeben und mit Übersetzung und Noten ver- 
sehen sind, handelt der Verfasser über syrische Kunst, Religion, Sprache 
und Geschichte, soweit sie sich aus diesen Lischriften erschliessen lassen. 
Sachau's Arbeit wird erwähnt, dagegen fehlt jeder Hinweis auf die aus- 
führliche Abhandlung von D. H. MÜLLER im 7. Bande der Wiener Zeit- 
schrift für Kunde des Morgenlandes. Über frühere Bearbeitungen der In- 
schriften geht CoNDER mit dem Satze hinweg: »The later text has heen 
translated (with ommissions) by E. Sachau; but the older text is less fuUy 
treated.« — Notes on the »Quarterlv Statement» for October 
1895. I, S. 79 — 81. Von Clermont GanneÄu. II, S. 82. Von Conder. — 
»Adam, that is beside Keri at^:, Jos. 3, 16. S. 82f. Von E. Stevenson. 
— The Coronation Stone. S. S4. — Ebal and Gerizim. S. 85 f. Von 
H. A. Harper. — Bibliotheca curiosa. S. 86 f. Von demselben. — In- 
scription found at Caesarea. S. 87 f. Die Kopie der griechischen In- 
schrift ist von F. T. Ellis angefertigt, die Bemerkungen dazu giebt A. S. 
MuRR.w. — Results ofMeteorologicalObservations taken at Je- 
rusalem andTiberias in the Year 1890. S. 88-99. Von J. Glaisher. 



31 

Neueste Nachrichten aus dem Morgenland e. 39. Jahrg. 1895. 

Heftl. Bericht von LicWeseu. S.l-Iü. Zunahme der evangelischen Ge- 
meinden in let dschälä und het säkür. — ZurGeschichte desJerusalems- 
Vereins. Von Lic. Weser. S. 19- 37. — Heft 2. 38. Jahresbericht der 
e van gelisch en Gemeinde Beirut, 1893 — 94; nebst Zusatz. S. 39 — 40. 
Von Pastor O. Fritze. — Heft 3. Bericht über das Aussätzigen- 
Asyl in Jerusalem von 1894. S. 65 — 78. Von den Hauseltern K. und 
A. Schubert; nebst Nachtrag von der Direction der evangelischen Brüder- 
Unität. H.MÜLLER, Präses. — Vermischtes. S. 88 — 91. Die schottische 
Freikirche hat für Zwecke der Judenmission ein Hospital in Tiberias erbaut 
und am 1. Januar 1894 eingeweiht. Die Londoner Gesellschaft für Juden- 
mission baut in Jerusalem ein neues Hospital. Die presbyterianisehe Kirche 
Kanadas hat in Haifa eine Missionsstation errichtet (Dr. Webster). — Heft 
6. Die zionistische Bewegung. S. 133 — 136. — Aus Jerusalem. 
S. 136 — 139. — Arbeit und Aufgabe der evangelischen Kirchen in Jerusalem. 
S. 139—140. — Vom See Genezareth. S. 141—144. — Bekannt- 
machung. S. 146 — 147: »Laut Beschluss des Vorstandes des Jerusalems- 
Vereins vom 29. November d. Js. hört mit dieser Nummer das Erscheinen 
der »Neueste Nachrichten aus dem Morgenland. (Neue Folge)« auf. Statt 
dessen wird ein Correspondenzblatt erscheinen, von Herrn Pastor Schlicht 
in Rudow bei Berlin redigirt, welches nur für die Mitglieder des Jerusa- 
lems -Vereins bestimmt ist und den Mitgliedern direct zugeschickt werden 
wird«. 



IL Kachrichten. 



Verzeicliniss der yom l. Jannar 1894 Ms zum 31. Decemkr 1895 für die Palästina- 
BlMlotliek eingegangeaen Biiclier, Zeltsclirinen n. s. w. 

T'o» den Redactionen : 

1022/1023. Österreichische Monatsschrift für den Orient. Herausgegeben vom 
k. k. österreichischen Haudels-Museum in Wien. Pved. von A. von 
Scala. 20. Jahrgang. Nr. 1 — 12. Jänner bis December. 1894. — 21. Jahr- 
gang. Nr. 1—12. Jänner bis December. Wien 1895. 4. 

1024/1025. Neueste Nachrichten aus dem Morgenlande. Neue Folge. Heraus- 
gegeben von Lic. C. Hoffmann. 38. Jahrg. Heft 1 — 0. Berlin 1894. — 
39. Jahrg. Heft 1—6. Berlin 1895. 8. 

1026/1027. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Red. 
von Prof. Dr. E. AVindisch. Band 48, Heft 1—4. Leipzig 1894. — Band 
49, Heft 1—4. Leipzig 1895. S. 

1028/1029. Orientalische Bibliographie. Herausgegeben von Dr. E. Kuhn, 
Prof. in München. 7. Jahrgang. 1. und 2. Halbjahrsheft. Berlin 1894. — 
S.Jahrgang. 1. Halbjahrshcft. Berlin 1895. 8. 

1030/1033. Revue archeologique publice sous la direction de MM. Alex. 
Bertrand et G. Perrot. Troisieme serie. Tome XXIIL Janvier — Juin 
1894. — Tome XXIV, Juillet— Decembre 1894. — Tome XXV, Janvier 
— Juin 1895. — Tome XXVI, Juillet — Decembre 1895, Paris 1895. 8. 

1034/1035. Die Warte des Tempels. Wochenblatt zur Belehrung über die 
wichtigsten Fragen unserer Zeit. Herausgegeben von C. Rohrer und 
Christoph lioffmann. 50. Jahrgang. 1894. Nr. 1—52. Stuttgart 1S94. — 
51. Jahrgang. Nr. 1—52. Stuttgart 1895. 4. 

1036/1037. Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Redi- 
giert von C. Herrlich in Berlin. Jahrgang 35. Nr. 1 — 52. Berlin 1894. — 
Jahrgang Nr. 1—52. Berlin 1895. 4. 



Heft 1-6. Köln 1894. — .39. Jahrgang. 1895. Heft 1—2. Köln 



32 

1038/1039. Revue de l'Orient Latin. Piibliee sous la direction de MM. le 
Marquis de Vogue et Ch. Schcfer, Mcmbres de l'Institut. Deuxieme 
Annee. Nr. 1 — 4. Paris. Ernest Leroux. 1894. — Troisieme Annee. 
Nr. 1—2. 1895. Gr. 8. 

Von dem Verein vom hl. Grabe in Köln: 

1040/1041. Das heilige Land. Organ des Vereins vom hl. Grabe. 38. Jahr 
gang, r " " " - - . — . _ _ . 

1895. 8 
Von der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena : 

1042. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena. 
Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben von G. Kurze und Dr. 
F. Regel. Band XIII. Mit einer Karte und 6 Abbildungen im Texte. 
Jena. Verlag von G. Fischer. 1894. 8. 

1043. Inhaltsübersicht der Bände I — XII der Mittheilungen der Geogra- 
phischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena. 1882 — 1893. Jena. Ver- 
lag von Gustav Fischer. 1894. 8. 

Vo}i dein Verein für Erdkunde zu Metz : 

1044/1045. XVI. Jahresbericht des Vereins für Erdkunde zu Metz für 1893 — 
94. Metz. G. Scriba. 1894. — XVIL Jahresbericht für 1894—95. Metz 
1895. 8. 

Voti dem Verein für Erdkunde zu Halle a. S. : 

1046/1047. Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a. S. Zugleich 
Organ des Thüringisch-Sächsischen Gesammtvereins für Erdkunde. 
1894. Halle a. S. Tausch &- Grosse. 1894. — 1895. 8. 

Von der k. k. Geographischen Gesellschaft in Wien. 

1048. Mittheilungen der k. k. Geographischen Gesellschaft in Wien 1894. 
Herausgegeben vom Redaktions- und Vortrags-Comite. Red. von Dr. 
J. M. Jüttner. XXXVII. Bd. (Der neuen Folge XXVII.. Wien. R. 
Lechner. 1894. 8. Fortsetzung folgt.) 

GescMitliclie Mittlieiliingen nM Personalnacliricliteii. 

Der Vorstand hat Herrn Dr. G. SCHi'MACHER in llaifä beauftragt, die 
Landschaft el-kefärät im Süden des Jarmük aufzunehmen, und für diesen 
Zweck eine Summe von 600 J/ zur Verfügung gestellt. Es handelt sich 
darum, durch diese Aufnahme eine Lücke der in Arbeit befindlichen Karten 
des Ostjordanlandes auszufällen. 

»Dr. Max Blaxckexiiorn, Entstehung und Geschichte des Todten 
Meeres. Ein Beitrag zur Geologie Palästina's. Mit 4 Tafeln und 8 Ab- 
bildungen im Text« 59 S. wird binnen Kurzem in dem ersten Heft der 
ZDPV. XIX (1896) erscheinen. Die Arbeit wird gleichzeitig auch als Sonder- 
druck aus der ZDPV. herausgegeben. 



Dem Verein sind als Mitglieder beigetreten: 

Bauer, L., Lehrer am Syrischen Waisenhause in Jerusalem. 

Buege, Dr. E.. in Jerusalem. 

Bschara, F., Kaufmann, in Jerusalem. 

Hoppe. P., Pastor, in Jerusalem. 

Josig, TJi.. in Jerusalem. 

Schiffers, Dr. 31., in Aachen. 



Geschlossen am 2. März 1S96. 




1. Mittheilungen. 



Eine Füsslour iE das OstiordaEläEd. 

Von F. Frank. 

Der Ausflug, über welchen ich im Folgenden berichten will, 
unterscheidet sich dadurch wesentlich von anderen, dass wir den 
ganzen Weg zu Fuss zurücklegten, was bisher noch von keinem 
Kolonisten ausgeführt wurde. 

Ich hatte mich mit einem Gefährten aus Jerusalem zusammen- 
gethan; wir nahmen einen Packesel mit einem Mukari (Treiber) 
mit. Den Esel braxichten wir zum Tragen der nöthigen Uten- 
silien, besonders der Apparate zum Vögelausstopfen; denn mein 
Gefährte wollte den AusÜug nebenbei auch zur Jagd auf Vögel 
benutzen, deren Bälge er dann gleich an den Haltestellen präpa- 
rieren und später nach Europa senden wollte. 

Am Montag den 15. Oktober 1894 brachen wir um 3^'2 ^^^ 
morgens von der Kolonie Rephaim bei Jerusalem auf. Um 
71/2 Uhr erreichten wir den chän hadrür. Nach einstündiger Rast 
wanderten wir weiter, der '^ain es-sultän zu, welche wir bis zum 
Mittag zu erreichen hofften. Die Sonne brannte recht warm vom 
wolkenlosen Himmel , als wir in die Jordanebene hinabstiegen. 
Um IIV2 Uhr kamen wir an der erwähnten Quelle an; sie ent- 
springt ganz dicht am Fusse des Gebirges. Nach einem erfrischen- 
den Bade und längerer, dreistündiger Rast ging es im Eilmarsch 

MnN. des D. Pill. -Ver.lSgii. 3 



34 

durch Jericho und die Jordanebene. Um 4 Uhr überschritten wir 
nach Entrichtunor des l^rückengekles den Jordan und richteten 
etwa 500 m oberhalb der Brücke el-ghöränlje am ivädl schalb 
unser Nachtlager her. Die Zeit bis zum Anbruch der Dunkel- 
heit verbrachten wir mit Besichtigung der Gegend, mit Präpa- 
rieren der unterwegs geschossenen Vögel und mit dem Putzen 
unserer Gewehre ; letzteres war deswegen besonders angebracht, 
weil es sehr feucht an dem Orte war. Wir wollten abwechselnd 
schlafen; daraus Avurde aber nichts: das Geheul der Schakale 
liess uns zu keiner ordentlichen Ruhe kommen, und dazu näher- 
ten sich einige Male Beduinen, durch unser Wachtfeuer ange- 
lockt, mit grosser Dreistigkeit unserem Lager, was wir uns je- 
doch mit der Flinte in der Hand aufs Entschiedenste verbaten. 

Am folgenden Tage, dem 16. Oktober, brachen wir schon 
um 41/2 Uhr auf, denn Avir hatten bis zu unserem nächsten Nacht- 
lager es -Salt einen tüchtigen Marsch vor uns [Luftlinie 22 km]. 
Bei Sonnenaufgang kamen Avir an den Fuss des Moabitergebirges. 
Zu unserem Aufstieg benutzten Avir das um diese Zeit vollkommen 
trockene und öde ^\. nimrln. Nach Aveiterem, halbstündigem 
Marsche, machten Avir eine kurze Frühstückspause. Bei unserem 
Weitermarsch sahen Avir als einziges Grün hier und da eine 
Kapernstaude. Unsere Hoffnung, grösseres Wikl (Steinböcke 
oder Gazellen) zu sehen, erwies sich als trügerisch. Nach einigen 
Stunden kamen Avir an die "ain et-ün (Feigenquelle) ; hier füllten 
wir unseren unterwegs ausgelaufenen Wasserschlauch, denn Avir 
kamen — Avie Avir Avussten — bis es-Salt an keiner Quelle mehr 
vorüber. Noch ein paar Stunden bergan und wir hatten für heute' 
die grösste Hitze hinter uns. Wir kamen nun an etAvas bewaldete 
Berge, auch bemerkten Avir an den Abhängen der tiefen Schluch- 
ten Weinberge , Avelche jedoch ziemlich verwildert AA-aren. Um 
2Y2 Uhr sahen Avir endlich die Ruine einer Burg, Avelche direkt 
über es-Salt liegt; nun hatten Avir nur noch in das Thal hinab- 
zusteigen. Wir miethetcn uns einen Wächter für die Nacht, 
Avickelten uns in unsere Teppiche und verbrachten die Nacht in 
ruhigem Schlummer. 

Am 17. Oktober brachen wir erst um 9 Uhr auf. Nach ein- 
stündigem Marsche hielten AA'ir auf dem dscJiehel dscha (Hosea- 
berg) bei ein paar mächtigen, uralten Eichen in der Nähe eines 
Weli kurze Rast. Dieser Berg ist die höchste Erhebung in jener 



35 

Gegend [1096 m], AVir sahen ziemlich deutlich die alte Militär- 
kaserne von Näbuliis zwischen Ebal und Garizim, glaubten auch 
den nehi sannml bei Jerusalem zu erkenil^n. Hier ass ich so 
grosse und schöne Trauben, wie ich sie bei Jerusalem nie gesehen 
habe. Von hier aus wanderten wir mit unserem in es-Salt ge- 
mietheten Führer durch den über die nördlichen Gebirgsrücken 
sich hinziehenden Wald in der Hoffnung, ein grösseres Wild zu 
Schuss zu bekommen. Doch umsonst; das Wild hat sich wohl 
vor dem Treiben der Tscherkessen, die das Holz der Bäume zum 
Kohlenbrennen benutzen, in weniger von Menschen besuchte 
Gegenden zurückgezogen. Bei unserem Austritt aus dem Walde 
hielten wir bei der Quelle \im '"allem Mittagsrast. Hier stiess ein 
reichgekleideter Araber aus hurme auf uns, welcher einen chaijal 
(berittenen Landjäger) zu seinem Schutze bei sich hatte. Mit 
letzterem begann ich ein Gespräch, bei welchem wir einander 
unsere W^aifen zeigten. Zu meinem nicht geringen Erstaunen be- 
merkte ich, dass an seinem Gewehr — und zwar, wie der Rost 
zeigte, schon seit Monaten — der Schlagbolzen abgebrochen war. 
Unter anderem rieth er uns, heute noch Burme zu erreichen, da 
das Übernachten am Jabbok gefährlich sei. Ich lachte ihn aber 
aus, denn ich verliess mich auf unseren, uns von früher her wohl- 
bekannten Führer und auf unsere gute Bewaffnung. — Von hier 
ging es scharf bergab; zuletzt wurde am Jabbok der Weg so steil, 
dass unser Führer Mühe hatte, sein Pferd bis zum Fluss hinunter- 
zubringen, üas Ufer des Jabbok war dicht mit — gerade in 
voller Blüthe stehendem — Oleander bewachsen, so dicht, dass 
man nur an einigen wenigen Stellen an das Wasser gelangen 
konnte. Das Thal war an der Stelle , wo wir es betraten , sehr 
schmal; zu beiden Seiten erheben sich fast senkrecht die Berge, 
meist Dolomitfelsen. Der Jabbok ist hier schon ziemlich stark 
und sehr reissend, dabei fischreich. Wir fingen einen etwa 25 cm 
langen Fisch. Etwa 500 Schritt oberhalb unseres Lagerplatzes 
sieht man noch die Überreste einer wohl aus der Römerzeit stam- 
menden Brücke. Da unser Führer zu wachen versprochen hatte, 
legten wir uns ruhig zum Schlafen nieder. 

Am Morgen des 18. Oktober brachen wir um 61/2 ^l^i' auf. 
Der Aufstieg am Nordufer war fast noch steiler als der Abstieg 
am Abend vorher. Immer bergan steigend langten wir gegen 
11 Uhr in Burme an. Der Weg hatte seit etwa einer Stunde 

3* 



36 

durch ziemlich dichten OUvenwakl geführt; die Eigenthümer 
waren gerade dabei, die reifen Früchte einzuheimsen. Der Berg 
war bis zu seiner Spitze — etwa noch V2 Stunde hinter Burme — 
mit OUven bepflanzt. Nach zweistündiger Rast ging es Aveiter. 
Nach kurzer Zeit kamen wir in mit Eichen und Pinien stellen- 
weise sogar recht dicht bestandene Berge. Aus dem Walde tre- 
tend hatten Avir eine bewohnte Gegend vor uns : überall sah man 
Spuren der Menschenhand. Einige Hirten, die ihre Ziegen- 
heerden weideten, betrachteten unsere Gewehre mit lüsternen 
Blicken, um 5 Lhr erreichten wir endlich ziemlich ermüdet die 
Ruinen von dscheräscJt. An zwei verfallenen Amphitheatern 
vorbei ging es in die Tscherkessenniederlassung. Hier schlugen 
wir auf einem geeigneten Platze mitten im Dorf unter einigen 
Bäumen unser Lager auf. Ich begab mich sogleich zu dem 
Schech der Ansiedelung Hamid Bey, mit welchem mein Vater 
befreundet ist. Er bewirthete mich sehr freundlich, ehe er nach 
meinem Namen fragte. Auf meine Bitte versprach er mir, für die 
Sicherheit unserer Sachen sorgen zu wollen. Er forderte uns so- 
gar auf, als Gäste seines Hauses bei ihm einzukehren, was ich 
jedoch mit Dank ablehnte. Auch das Anerbieten, mir ein Schrei- 
ben nach Rummäna , einer anderen Tscherkessenniederlassung, 
mitzugeben, nahm ich nicht an, da wir einen anderen Weg zu 
machen beabsichtigten. Er entliess mich sehr freundlich mit 
der Aufforderung, bald wiederzukommen. So gab mir dieser Be- 
such ein schönes Zeugniss für die Ehrenhaftigkeit und Gast- 
freiheit dieses noch halbwilden Volkes. 

Nach einer ruhig verbrachten Nacht machten wir uns am 
Morgen (19. Okt.) sogleich an die Besichtigung der Ruinen 1, 
welche wir nach allen Seiten durchstreiften. Beim Beschauen, 
Zeichnen und Messen verging uns rasch die Zeit. Einige In- 
schriften malte ich nach, so gut ich es vermochte. 

Nach Besichtigung der Alterthümer kehrten wir zu unserem 
Lagerplatz in der Ansiedelung auf der östlichen Seite des Baches 
zurück; die Ruinen befinden sich zum grösseren Theil auf der 
westlichen Seite. 

Nun noch einige Worte über die Ansiedelung selbst! Es 

1) Unter Hinweis auf den Aufsatz Schumachers, Dscheraseh in ZDPV. 
1S95, 126 fF. übergehen wir die Beschreibung, die der Verfasser von den 
Piuinen giebt. Die Redaction. 



37 

fiel uns auf, dass die Häuser nicht nahe aneinander gebaut sind, 
wie in arabischen Dörfern, sondern dass jedes Haus von einem 
.freien Kaum für Hof und Garten umgeben ist. Es sind natür- 
lich nicht Häuser, wie man sie in Europa sieht, sondern einfache 
Hütten; nur der Schech hat ein zweistöckiges Haus mit Glas- 
fenstern. Die Häuser sind meist aus Steinen erbaut, oft mit den 
schönsten, aus den Ruinen stammenden Kapitalen als Eckver- 
zierung. Die Regierung hat jetzt übrigens verboten. Steine von 
der Westseite des Baches zu Bauzwecken zu verwenden. Die 
Dächer bestehen aus Schilf, welches auf Eichenstämme, deren es 
ja in der Umgebung genug giebt, festgebunden und mit festge- 
tretenem Lehm bedeckt ist. Ich sah hier die schönsten Eichen- 
stämme, die in Jerusalem theuer bezahlt werden würden; wäre 
nur der Transport nicht zu mühsam und kostspielig. — Die Leute 
tragen alle, auch in der grössten Hitze, den aus ihrer alten Hei- 
mat am Kaukasus mitgebrachten langen, mit Pelz besetzten Rock. 
— In Dscheräsch entspringt eine sehr starke und schöne Quelle 
mit gutem, frischem Wasser; sie treibt, mit einer anderen ver- 
bunden, drei Mühlen, die folgendermassen eingerichtet sind: 
Das Wasser wird in ein thurmartiges Gebäude von ca. 5 m Höhe 
und 50 — 60 cm Lichtweite hineingeleitet, an welchem sich unten 
ein wagrechtes Abflussrohr in der Stärke von 12 — 15 cm befindet. 
Das Mühlrad liegt wagrecht und hat vier Flügel, die Achse dient 
zugleich als Mühleisen. Auch alle anderen Mühlen, die wir an- 
trafen, zeigten die gleiche Konstruktion. — An unserem Lager- 
platz hatte mein Kamerad ein Ichneumon, das sich bis dorthin 
gewagt hatte, geschossen. Er präparirte dasselbe nebst einigen 
anderen Thieren. Mittlerweile war es Abend geworden und wir 
legten uns für die zweite Nacht in Dscheräsch zur Ruhe nieder. 
Am anderen Morgen (20. Okt.) waren wir um ßi/.j Lhr reise- 
fertig. Zuerst ging es über den Bach, dann in südlicher Richtung 
etwa zwei Stunden lang im W. Dscheräsch, hierauf rechts ab. 
Um 9 Uhr kamen wir an den Jabbok, einige Stunden oberhalb 
unseres früheren Lagerplatzes. Nachdem wir uns hier durch ein 
Bad und ein kräftiges zweites Frühstück erfrischt und gestärkt 
ging es den Südabhang des Jabbokthales hinauf, dann über eine 
etwa eine Stunde breite Hochebene. Nachdem wir dieselbe durch- 
wandert, schlugen wir dicht bei einer Quelle Abu Murrhaff" unser 
Lager auf. Das Wasser der Quelle war nicht ganz rein, uns aber, 



38 

die wir müde und durstig waren, willkommen. Über dem Kochen 
unseres Nachtessens war es dunkel geworden ; als wir gerade da- 
bei waren, dasselbe zu verzehren, erhob sich plötzlich hinter dem 
Felsen, avo unser Esel angebunden war, ein Geschrei und zu glei- 
cher Zeit tauchten an verschiedenen Seiten Köpfe auf. Unser 
Führer Schukri, der mit uns ass, riss mir die Flinte, die ich schon 
ergriffen hatte, aus der Hand, und ich zog meinen Revolver, üa 
standen auch schon etwa zehn Beduinen dicht vor uns. Ihr 
Schreck war aber ebenso gross wie der unserige, denn sie hatten 
uns nicht gleich bemerkt und sahen sich nun plötzlich einigen 
gut bewaffneten Leuten gegenüber. Bald erwies es sich, dass sie 
gute Bekannte unseres Führers waren; sie kamen weit her und 
hatten noch ein tüchtiges Stück Weges vor sich. Wir beschlossen 
in Folge dieses Ereignisses, die Nacht über alnvechselnd zu wa- 
chen, da ja noch andere Leute desselben Weges kommen konnten. 
Es blieb aber alles ruhig, nur in der Ferne liess sich das Schreien 
einiger Raubthiere hören. 

, Am 21. Okt. brachen wir bald nach Sonnenaufgang wieder 
auf. Es ging immer bergauf, bergab. Noch am Vormittag er- 
reichten yvir '^ ain Jüdschüz , wo wir liUYze Rast hielten. Bei der 
Quelle stehen vier oder fünf sehr grosse und alte Terebinthen. 
Wir fanden Überreste alter Bauten und auf Steinen einen Adler 
und Löwen ausgemeisselt. Um II/2 Uhr langten Avir in ^\mmän 
an und schlugen direkt am Nähr *^Ammän unser Lager auf. Den 
Rest des Tages verbrachten Avir mit Jagen und Fischen. Unsere 
Fische fingen Avir auf eine eigenthümliche Art ^) mittelst einer 
runden Friicht von der Grösse einer Heidelbeere, aber mit Schaale 
und Kern gleich einer Haselnuss. Unser Führer stiess die Kerne 
derselben mit ein Avenig Fleisch zu einem Brei, Avelcher ins 
Wasser geAvorfen Avurde. Nach kurzer Zeit kamen alle Fische, 
die von dem Brei gefressen hatten, berauscht an die Oberfläche, 
Avo Avir sie dann mit den Händen fingen. In der Nähe unseres 
Lagers Avar ein ganz zerfallenes Amphitheater, das viel grösser 
ist als diejenigen, die Avir in Dscheräsch sahen. Die Tscher- 
kessen beAvohnen hier viele von den Ruinen. Dscheräsch schätzte 

1) Siehe hierüber schon bei Seetzen, Reisen etc. I, 424: «Die Danias- 
cener Krämer bedienen sich bisweilen gewisser betäubender Körner, um in 
dem Teiche von Mserib die Fische zu fangen«; auch Gray Hill in Quart. 
Stat. 1896, S. 39. Die Redaction. 



39 

ich auf 300 Seelen, "^ Amman hat etwa um die Hälfte mehr, auch 
wird hier schon etwas Handel getrieben. 

Nach einer ziemlich ruhigen Nacht, während welcher wir 
abwechselnd Wache gehalten hatten, brachen wir am 22, Okt. 
erst um 10 Lhr auf. Am Bache aufwärts wandernd, kamen wir 
— an ein paar Mühlen vorüber — nach einer halben Stunde an 
dessen Quelle. Mitten im Thale quillt sie stark aus dem Boden 
hervor. Allem Anscheine nach war sie früher in ein schönes 
Becken gefasst, das aber jetzt zerfallen ist. Nach einer Stunde 
kamen wir auf eine baumlose Hochebene, die zum Getreidebau 
wohl geeignet schien, und um 2 Ühr zu der Tscherkessenkolonie 
fir am gleichnamigen Wadi. Ausser einem zerfallenen Viadukt 
sahen wir keine Ruinen. Die Ansiedelung ist grösser als die in 
"^Ammän, auch betreiben die Tscherkessen ein wenig ^ iehzucht. 
Unser Lager schlugen wir etwas am Berge hinauf im Walde 
unter einigen schönen Eichen auf, aus deren Zweigen bei un- 
serer Annäherung ein grosser Schwärm Dohlen aufflog. Etwa 
200 Schritt unterhalb unseres Lagers entsprang im Thale eine 
Quelle, die grösste und schönste, die ich je gesehen (etwa 150 1 
in der Sekunde). Es war der schönste Platz, den ich bis dahin 
gesehen hatte: auf beiden Seiten des Thaies dichtbewaldete Berge 
und unten der schöne Bach. Es war auch die schönste Nacht 
auf unserer ganzen Tour, die wir hier zubrachten bei einem rie- 
sigen Wachtfeuer, das wir mit ganzen Baumstämmen nährten, 
die unser Führer herbeischleppte. 

Am nächsten Morgen (23. Okt.) brachen wdr um 6 Uhr auf. 
Es ging dem Bache entlang thalabwärts. Nach ein paar Stunden 
erblickten wir in einer Felswand einige Löcher, welche sich bei 
näherer Besichtigung als Eingänge zu einem grossen, ausgehaue- 
nem Raum herausstellten. Die Wände und ein in der Mitte 
stehender Pfeiler Avaien mit Tausenden von kleinen, viereckigen 
Löchern bedeckt, welche jedenfalls einmal Opfertauben als Nist- 
plätze dienten. Nachdem wir das schöne Thal verlassen, kamen 
wir um 10 Uhr an die Ruine von kasr el- ahdA) Es steht nur noch 
die Front, an welcher noch deutlich die erhaben ausgehauenen 
Gestalten von ein paar LÖAven zu erkennen sind. Die umher- 
liegenden Steinblöcke der Ruine zeigen kolossale Dimensionen 

1) Vgl. BÄDEKER3 S. 190. 



40 

(51/4 — 51/2 ni Länge, 2 m Höhe und 1 m Dicke'. Es war jeden- 
falls einmal ein sehr fester Platz. Wir fanden an den Enden der 
Steinblöcke noch Spuren von sog. Schwalbenschwänzen, welche 
mit Blei eingegossen waren. An der unteren Seite waren die 
einzelnen Blöcke mit Zapfen versehen. Allem Anscheine nach 
ist die hiesige Anlage viel älter, als die von Dscheräsch und 'Am- 
man. Nach kurzer Käst Avanderten wir weiter, durch ein kahles, 
trockenes Gebirge, dem Jordan zu. Um 3 Uhr betraten wir beim 
Austritt des ivädl schdlb die Jordanebene. Nach kurzer Rast 
ging es im Eilmarsch an den Jordan, Avelchen wir um 6 Uhr er- 
reichten. Wir übernachteten noch zweimal am Jordan und ZAvei- 
mal am w. el-kelt beim St. Georgskloster, und langten nach 
1 3 tägiger Abwesenheit am 2 7. Okt. wohlbehalten wieder in Jeru- 
salem an. 

BemeröMgeü nud Nachträge. 

I. Von Professor L. Gautier. 

Mit besonderem Interesse habe ich die beiden Artikel der 
Herren Schumacher und Buresch über Dscheräsch und die In- 
schriften daselbst in der ZDPV. 1895 Heft 3 gelesen. Gestatten 
Sie mir, Ihnen ein paar Bemerkungen zu denselben mitzutheilen. 
In Bezug auf die beiden zweizeiligen griechischen Inschriften 
auf S. 131, halte ich die von Dr. Buresch auf S. 148 gegebene 
Erklärung — Erfüllung eines Gelübdes — für vollkommen rich- 
tig, muss aber die Yermuthung zurück^ eisen, wonach »vielleicht 
die Säulen, auf av eichen nach dem Fundbericht i;nsere Inschriften 
stehen, die Basen von NYeibgeschenken sind«. Diese Säulen ge- 
hören nämlich zu der Zahl der grossen Säulen des sogenannten 
»Forum« von Dscheräsch, und sind keineswegs Basen von irgend 
einem Gegenstand. Ihre eigene Aufstellung kann hingegen sehr 
wohl die Erfüllung eines Gelübdes gewesen sein. Ahnliche Fälle 
findet man noch heutzutage z. B. im Bau der grossen Kirche des 
Heiligen Herzens in Paris (Montmartre:. 

Jene beiden Inschriften habe ich zwar nicht selber in Dsche- 
räsch gesehen, wohl aber eine dritte ganz analoge : 

AHMHTPIANOC 
EnAHPÜÜCEN 

Diese ist auf einer der erwähnten grossen Säulen zu lesen , und 



41 

Germer-Durand bezeugt, dass die drei Inschriften »sur trois co- 
lonnes de la place circulaire de Gerash« sich befinden. Siehe 
Revue biblique internationale, 1895, S. 380. 

Meine zweite Bemerkung bezieht sich auf die auf S. 126 
mitgretheilte und auf S. 141 erklärte lateinische Inschrift. Anstatt 
ZENOBHIL, was Buresch durch ZENOHms Hlharus? er- 
klärt, habe ich abgeschrieben: ZENOPHIL, was den Eigen- 
namen Zenophilus ergiebt; und ich sehe, dass Germer-Duraisd 
gerade so gelesen hat, a. a. O. S. 391. 

Weitere persönliche Bemerkungen habe ich nicht zu machen, 
da die andern Inschriften , die ich in Dscheräsch abgeschrieben 
habe, alle von denjenigen verschieden sind, die Schumacher ge- 
sammelt hat. Ich erlaube mir aber, die Leser der ZDPV. auf den 
schon zweimal angeführten Aufsatz von Germer-Durand auf- 
merksam zu machen, welcher eine grosse Anzahl — 35 — Dsche- 
räscher Inschriften veröffentlicht und interpretirt , und auch für 
einige derjenigen interessante Beiträge liefert, die in den Artikeln 
von Schumacher und Buresch behandelt werden. 

Lausanne, 29. Februar 1890. 



IL Von Clermont-Ganneaü : 

Mit der Inschrift aus Dscheräsch (ZDPV. 1895, S. 127 Fig. 3 
und S. 141 f.) habe ich mich schon früher beschäftigt, da dieselbe 
bereits in der Revue biblique (189 5, S. 384 No. 24) veröffentlicht 
war. Ich hatte folgende Lesung von Zeile 3 an vorgeschlagen : 
oioc ETTtfjLcXrjTüJV Nixo[jLayoo Auoa tou Nr/o'xaj^ou xal Ajxuvtou MaXxa 
. . . Auaa? und MaXxa? sind griechisch- nabatäische Patronymica 
= Auao? und MaXyrjc. Auf Grund der jetzt vorliegenden neuen 
Kopie von Schumacher bin ich geneigt, die unsicheren Buch- 
staben hinter MaXxa (vgl. die Transscription von Buresch) 
T61NIK — TOYNIK zu lesen = tou Nt7.[otjLayou]; dann wären 
die Väter der beiden »Vollstrecker«, Ausas und Malkas Brüder, 
die Söhne eines Nikomachos; die beiden »Vollstrecker« mithin 
Vettern. 

Die letzte Zeile der von Buresch nicht erklärten lateini- 
schen Inschrift (a. a. O. S. 130, Fig. 8) ist offenbar zu lesen: 
leg[atum] Ai;g[usti] pr[o]pr[aetorej ; dieser Severus muss der An- 
gabe gemäss Gouverneur der Provinzen Arabien und Syrien ge- 
wesen sein. 



42 

Bezüglich der Namenliste zu Schicks Karte (a. a. O. S. 149 ff,) 
erlaube ich mir zu bemerken : 

1) In den Zusammensetzungen: dschehel und der abu tor ist 
tor {^yy^\ in ior i^-^y^ zu korrigiren. Über den Ursprung des Na- 
mens giebt es eine muslimische Tradition, die sich bei Mudschir 
ed-d!ni) findet (S. S. 410 und 487 ff. der Bulaker Ausgabe). Es 
Avar einst ein Kloster, dessen Geschichte Avohl eine eingehendere 
Notiz verdiente; ich habe über diesen Gegenstand eine Reihe von 
Angaben gesammelt. 

2) Hakeldama heisst nach der Legende auch »Chournein« 
[d. i. nach unserer Transcription: schurnen. Die Red.] (:= dem 
charnel der Kreuzfahrer = charnier). Es ist das »Carnelium s. 
Johannis, ubi sepeliuntur Anglici« des alten Planes aus dem 
13. Jahrhundert, veröffentlicht von Röhricht ZDPV. XIV, 1891, 
S. 141 und Plan 5. Die dort angegebene Lage stimmt vollständig 
mit der des Hakeldama. 

3) Im Dorfe Silwän ist zahiceüe ausgelassen. Der Name hat 
doch einige Bedeutung, wenn man ihn mit dem biblischen zohelet 
iL Reg. 1, 9) zusammenhält. 

Paris, Februar 1896. 



'? 



III. Von Professor Nestle in Ulm: 

Wie ist die griechische Inschrift aus Madaba (ZDPV. 1895, 
S. 116) zu lesen? 

nc/.[jihvixrjV Mapi'r^v ilsotxrjropa xai ov stixtsv 
XoiaTov TrajXjSaaiXrja ilsou ijlovov uiia [xou'vou 
Aöpy.ojj-svoc y.aiJapö'j svoov xal oapxa xai sp','« 
ßc xaöapaT; zxi'/ait autov ösov .... Xaov. 

Um diese Lesung zu erzielen, muss in Z. 3 der dritte, in Z. 4 
der zehnte, in Z. 8 der zweite, in Z. 9 der zehnte Buchstabe korri- 
girt und in Z. 10 eine Lücke angenommen werden. Keine dieser 
Korrekturen wird einem Anstand unterliegen; aber die Konstruk- 
tion, erst Akkusativ, dann Nominativ, ist unklar, xaöapsu keine 
richtige Form, und die Lücke (mit einem vokalisch beginnenden 
Daktylus) schwer zu ergänzen. [Vgl. S. 47. Anm. der Red.] 

1) In der That hat der arabische Text a. a. O. ,_jj!. in der ed. Sauvaire 

steht es nicht. Übrigens kommt für ,«j , ,_».j {taur, tör) auch tör mit Jo 

für »Stier« in der Sprache vor. In Jerusalem hört man tör^ vgl. Bädeker. 

So CIN. 



43 

Die angeblichen Steinmetzzeichen im Theater von Dsche- 
räsch, die G. Schumacher (ZDPV. 1895, S. 131 und 134) auf 
jedem Steinsitz beobachtet hat, sind einfach die Nummern der 
Sitze mit griechischen Zahlbuchstaben : 

1) ZAO 5) AM 

2) HAO 6) FmO 

3) OAO (lies GAO) 7) T (Z?) O 

4) MO 8) 03: (Z?) O 

1) = 37, 2) = 38, 3) = 39, 4) = 40, 5 = 41, 6 = 43, 7) Avohl 7, 
8) wohl 69. Ob das O, das allen — mit Ausnahme von 5; — 
vorangeht, die 70. Sitzreihe bezeichnet, oder wie es sonst zu 
deuten ist, kann ich nicht sagen. 

Auf der Umgebungskarte von Jerusalem ist mir als einziger 
Fehler bis jetzt aufgestossen in B4 die Zahl 849 bei Gethsemane 
statt 649 [in Wahrheit 697. Die Red.]. Das mehrfach vorkom- 
mende smcTm C ain es-süwän, '^aJiCibet es-smcä/i, b'ir es-smcän 
»Feuersteine«) legt die interessante Frage nahe, ob damit nicht 
ein Fingerzeig für die Erklärung des Namens »Zion« gegeben ist. 



Kurze MittliellnflgeL 

Sa. Die Redifs (Landwehr) sind Mitte Februar von dem 
Kriegsschauplatz im Hauran zum grössten Theil nach Jerusalem 
zurückgekommen und von der Bevölkerung mit grosser Freude 
empfangen worden. Als sie von Jericho her der Stadt sich 
näherten, zogen ihnen die Frauen und Verwandten mit Gesang 
und im Festgewand entgegen [vgl. 1 Sam. 18, 6 f.]. Die Verluste 
der Mannschaften sollen nicht bedeutend sein. 

Dr. S. In dschillm, einer RoTHSCHiLD'schen Kolonie im hau- 
ran, fand ich ein römisches Denkmal mit Büsten und Bruch- 
stücke einer griechischen Inschrift, am teil "ajneidün südlich von 
tsil mehrere Dolmen, von denen eine menschliche Knochenreste 
und das abgebrochene Stück eines Steinmessers (?) enthielt. 

Dr. S. In hebräs in der Landschaft el-kefärcU kopirte ich 
eine arabische Inschrift aus dem Jahre 680 der Hedschra. Auf 
dem Tabor klatschte ich mehrere arabische Inschriften aus den 
Jahren 608—612 der H. ab. 

Dr. S. In haurän sind einige Ruinen aufgebaut und drei 
Dörfer von Israeliten besiedelt worden. 



44 

* Beiruter Handel. Anlässlich der Unruhen in Hauran war 
bei dem Abschluss von Geschäften mit Beirut zur Vorsicht ge- 
mahnt worden. Demgegenüber veröifentlicht eine Bremer Firma; 
»Die Wirren im Norden haben hier zu Lande keinen Widerhall 
gefunden, und es liegt kein Grund zu Befürchtungen vor, dass 
sich darin etwas ändern Avird, allerdings lässt sich nicht ver- 
kennen, dass auf dem hiesigen Handel eine gewisse Depression 
liegt, doch werden die Geschäfte bereits wieder lebhafter.« 

S. Irrenhaus in Beirut. Nach Mittheilungen aus Beirut wird 
beabsichtigt, daselbst eine Irrenanstalt zu gründen. Provisorische 
Erhebungen ergaben für das Libanongebiet weit über tausend 
Irre; auch im Stadtgebiet fehlte es nicht an Leidenden. An die 
Spitze des Unternehmens stellt sich Missionar Waldmeier. Am 
25. April wurde bei Herrn Dr. Wortabet eine konstituirende 
Versammlung abgehalten und ein Comite gewählt, bestehend aus 
Dr. Wortabet (Präsident), Dr. .Iessup (Sekretär), Dr. Beigstoke, 
Dr. Graham, E. Schoukair, Chr. Smith (Cassirer). Es waren 
auch Deutsche, Schweizer und Griechen, sowie Eingeborene, 
auch Muhammedaner anwesend. Zur Ausführung genügt ein 
Fond von 5000 M; als Platz des Etablissements ist das gesunde 
*^Areija in Aussicht genommen. — Wir wünschen dem sehr zeit- 
gemässen unternehmen den besten Erfolg; Beiträge nimmt 
Dr. Wortabet in Beirut entgegen. 

* Über einen Meteor, dessen Fall in Beirut beobachtet wurde, 
schreibt Dr. G. E. Post in Beirut an Herrn Sigrist, der uns 
den Bericht freundlichst zur Verfügung stellt, folgendes: 

»Am Sonnabend, 18. April, etwa um Y48 Uhr abends, be- 
merkten wir ein blitzähnliches Aufleuchten im Nordwest. Es 
hinterliess einen fast senkrechten Lichtstreifen von scharfbe- 
grenzten Umrissen, welcher w'ohl 20 Minuten lang sichtbar blieb. 
Der obere Theil des Streifens, etwa ^/^ der ganzen Länge, war 
mattgelb und zackig, genau wie von einem Blitz herrührend. 
Der untere Theil war feuerroth, bedeutend breiter, unregel- 
mässig, aber gleichfalls scharf in den Umrissen. Der Streifen 
reichte von ungefähr 30 Grad unter dem Zenith bis zu 15 Grad 
über dem Horizont. Die Schärfe der Umrisse war deutlich sicht- 
bar, so lange die Erscheinung dauerte. Der fahle, obere Theil 
verschwand zuerst, während der breite rothe Theil allmählich 
gelb wurde, um dann langsam zu verlöschen.« 



45 

Ok. Aus Jerusalem. Der deutsche Verein zu Jerusalem tagt 
jetzt nicht mehr in den Räumen der deutschen Schule, wodurch 
manche der früheren ünzuträglichkeiten beseitigt worden sind. 
Der gemischte Chor, welcher eine Zeit lang verstummt war, hat 
seine Thätigkeit wieder aufgenommen. Die Feier des Kaiser- 
festes fand in den Räumen des »Europäischen Hofes« statt und 
ist sehr befriedigend verlaufen. 

Ok. In Jafa besteht zur Zeit ein Überfluss an Dampfmühlen, 
von denen einige für die dortigen Verhältnisse sehr gross und 
leistungsfähig sind: je 1 mit 6, 5 und 4 Paar grosser Steine, 2 mit 
3 Paar und 1 mit 1 Paar Steinen. xVusserdera giebt es noch 
2 Tretmühlen und am nähr el-audschä viele kleine Wasser- 
mühlen. Es schweben jetzt Verhandlungen über Verlegung der 
einen Mühle von mittlerer Grösse, welche vor Kurzem aus natio- 
nalen und wirthschaftlichen Gründen von Herrn Dr. O. Keksten 
in Berlin erworben worden ist. 

Sd. Aus Kerak. Inhaltlich einer Korrespondenz der neuesten 
Nummer der arabischen Zeitung el-Baschir zu Beirut No. 1225 
vom 14. April aus Damascus erweist sich die Nützlichkeit der 
vor einigen Jahren erfolgten Errichtung eines eigenen Verwal- 
tungsbezirkes (Liwä) in Kerak unter Anderem auch daran, dass 
unter den dortigen Eingeborenen die Neigung zur Agrikultur 
immer mehr zunimmt. So sind bereits gegen 8000 fecldän = 
72000 Hektar Landes mit Getreide besäet und circa 100 000 
Fruchtbäume, wie Weinstöcke u. a. gepflanzt. Auch die dort von 
jeher so häufigen Streitigkeiten vermindern sich, und es Avurden 
im vorigen Jahre solche beigelegt durch Vertheilung von Lände- 
reien, welche schon seit wohl 30 Jahren zwischen einheimischen 
Stämmen und den Griechen streitig und wegen deren schon 
über 20 Personen auf beiden Parteien getötet oder verwundet 
worden waren. 



Israel auf einer altägyptisclien Insclirlfi. 

Von Prof. G. Steindorff. 

Der bekannte englische Archäologe, Prof. Flinders Petrie 
hat in diesem Winter Ausgrabungen auf dem Boden des alten 
Theben, auf der Westseite des Nil, unternommen und hier eine 
Stele (aus schwarzem Granit) des Königs Amenophis III. (um 
1400 V. Chr.] gefunden, auf deren Rückseite später der König 



46 

Merenptah (um 1 230 v. Chr.; eine Inschrift hat einmeissehi lassen. 
In diesem letzten Texte berichtet der Köniff von einem Feldzuge 
in Syrien und erzählt, dass er die Städte Askalon, Gezer, Jenu*^amu, 
das Land Charu und die Jesiral besiegt habe. Von den Städten 
sindGezer und Askalon bekannt ;Jenu*^amu haben wir wahrschein- 
lich in Nordpalästina, westwärts von Tyrus zu suchen; unter dem 
Lande Charu verstehen die Ägypter das südwestliche Palästina, 
und die Jesira'l — daran kann kein Zweifel bestehen — sind 
unbedingt die Israel. Wir haben also hier die erste Erwäh^ 
nung der Israeliten auf einem altägyptischen Denkmale, 
und den ersten inschriftlichen Beweis für ein kriegerisches Zu- 
sammentreffen der Ägypter mit den Israeliten auf dem Boden 
Palästina's. Während man früher vielfach auf Grund der ersten 
Kapitel des Exodus angenommen hatte, dass die Bedrückung der 
Hebräer in Gosen, die Erbauung der Vorrathstädte Pithom und 
Ramses unter König Ramses II. stattgefunden und dass der Aus- 
zug aus Ägypten sich unter Ramses' Sohn und Nachfolger, dem 
oben erwähnten Könige Merenptah i), vollzogen habe, werden wir 
durch die neugefundene Inschrift belehrt, dass die Israeliten zur 
Zeit des Merenptah bereits in Palästina eingerückt waren. Nach 
den von Merenptah als besiegt angegebenen Städten muss sich 
der Feldzug vom südwestlichen Palästina bis in die südliche 
Libanongegend erstrekt haben, und es ist deshalb schwer zu sagen, 
an welcher Stelle der Zusammenstoss zwischen Ägyptern und 
Israeliten stattgefunden hat, ob im Süden oder Norden des Lan- 
des. Bleiben hier also zunächst noch manche Fragen offen, so 
steht doch das Eine jetzt fest, dass gegen Ende des 13. vor- 
christlichen Jahrhunderts die kriegerischen Stämme von 
Israel im Westjordanland bereits erschienen und die Okkupation 
des Landes durch diese Nomanden wenn auch noch nicht voll- 
zogen , so doch im Werke war. Wir kommen auf die wichtige 
Inschrift noch einmal zurück, sobald ihr Text vollständig ver- 
öffentlicht sein wird. 

1) Irrthümlich vielfach Menephthes genannt. 



47 

Ans Zeltsclirineii. 

Revue biblique internationale. 1) 4. Jahrg., 1895. Heft 1 — 4. 

Heft 1. La frontiere sep tentrionale de la terre promise. 
S. 23 — 36. Van Kasteren sucht die Num. 34, 7 — 12 und Ez. 47, 15 — 18 an- 
gegebene Nordgrenze des gelobten Landes weit südlicher als sie sonst — z.B. 
von Fi'RRER — angesetzt wird. Den Ausgangspunkt setzt der Verf. zwischen 
Sidon und Tyrus an {hetlön = ' adlüii); von dort aus laufe die Grenze in west- 
licher Richtung bis in die Gegend von hünijäs und folge dann dem Laufe des 
nähr er-ruhhüd. — Les murs de Jerusalem. S. 37 — 48. Von P. Sejol'RNE. 
Siehe ZDP'V. XVIII, 221 No. 241. — Inscription grecque chretienne 
d'Yaththa. S. 66 — 68. Die Inschrift befindet sich auf einem in eine Mauer 
eingefügten Steine in Jutta, 21/2 Stunden südlich von Hebron. Jean Marta 
erkennt in ihr Psalm 117, 20. — Inscription s romaines et byzantines 
de Palestine. S. 68 — 77. Von Germer-Durand. — Galatie etituree. 
S. 78 — 87. Von Van den Wildenberg. Im 2. Theile handelt der Verf. über 
Ituraea und die Trachonitis. — Chronique de Jerusalem. S.88 — 96. Von 
Lagrange. Inhalt: Ausgrabungen der Engländer; Griechische Inschrift 
(MuN 1895, 17 ff.); Untersuchung über den Ort der Heldenthat Jonathans 
I. Sam. 14; Beschreibung eines in Sidon gefundenen Riechfläschchens ; In- 
schrift auf einem in Dschifna gefundenen Sarge; kurze Mittheilungen. — 
Heft 2. Inscriptions romaines et byzantines. S. 239 — 241. Von 
Germer-Durand und S. Darunter die MuN. 1895, S. 21 und ZDPV. 1895, 
S. 116 mitgetheilten Inschriften. Für die in diesem Heft S. 42 von Nestle 
besprochene Inschrift hat Prof. Kaibel in Strassburg folgende Lesung vor- 
geschlagen (vgl. Byzantinische Zeitschrift IV, 2. S. 345) : 

—rxptlevixrjV Maptrj-^ i}£0[j.'f]Topa -/.cit ov l-iy.TSV 
Xptctöv — ajj-ßoiotÄla Ssoij fjiovov uisa |j.o6vo'j 
o£py,6[j.£voc, 'AoMdiJt'je \6ov %a\ sdp-/.o. -mi spfot, 

Dip Inschrift war bereits in der Rev. bibl. 1892, S. 640 und in der byz. Ztsehr. 
IV, 1. S. 141 publizirt. — Chronique de Jerusalem. S. 253 — 269. 
SE.IOURNE beschreibt eine von der ecole biblique im November 1894 ausge- 
führte Tour von Jerusalem nach Beerseba. — Besprechung einer Karte Palä- 
stinas von M. Legendre, Paris 1894. S. 275 f. — Heft3. Exploration 
epigraphique de Gerasa. S. 374 — 400. Germer-Durand theilt 35 In- 
schriften aus Dscherasch (darunter auch die Mehrzahl der von Schumacher 
ZDPV. 1885, 126 ff. veröffentlichten) und eine Anzahl von Inschriften 
auf Meilensteinen im Ostjordanlande mit. — Chronique de Jeru- 
salem S. 437 — 447. Von Sejourne. Inhalt: Eine auf dem Ölberge entdeckte 
Kirche. — Entdeckung einer christlichen Begräbnisstätte in Bethlehem. — 
Eine (griechische) Inschrift von der Mauer der Grabeskirche. — Heft 4. 
Origene, la critique textuelle et la tradition topo gra])hique. 
S. 501 — 524. Von Lagrange. 1. Bethania (Joh. 1, 28) oder Bethabara; 2. Ge- 
rasener oder Gergesener. — Inscriptions romaines et byzantines de 
Palestine. S. 587 — 592. Von Germer-Durand und S. Inschriften aus 
Amman, Hesban, Madaba und Dscherasch (die letztere ist eine kufische). — 
Chronique de Jerusalem. S. 611 — 628. Von Sejourne. Studienreise 
der ecole biblique zu den Quellen des Jordan. Ausgrabungen der Engländer. 
Zwei lateinische Inschriften aus Kerak und kasr bscher und eine griechische 
aus Bethlehem. — Besprechung von: Les eglises de Jerusalem, la discipline et 
la liturgie au 4. siecle von Fernand Carbol, Paris, Oudin, 1895. S. 635 f. Im 
Bull etin : Wo lag Ascalon ? S. 652 ; Die Legenden über das Heilige Grab, 
S. 654. 

1) Aus der Revue bibl. werden selbstverständlich nur die einschlägigen 
Aufsätze besprochen. 



48 



IL )^achrichten. 



ßescliäniiclie MMelliingeE und Personalnacliricliten. 

, »Dr. Max Blaxckenhorn, Entstehung und Geschichte des Todten 
Meeres. Ein Beitrag zur Geologie Palästinas. Mit 4 Tafeln und 8 Abbildungen 
im Texte«, 59 S. 8° ist auch als Sonderdruck erschienen und für den Preis von 
M. 2.40 durch die Buchhandlung von Karl Btiedeker in Leipzig zu beziehen. 



Herr Dr. G. Schumacher in Haifa hat den Auftrag des Deutschen Ver- 
eines zur Erforschung Palästinas betreffend die Aufnahme der Landschaft el- 
kefärät im Ostjordanlande in der ersten Hälfte des April glücklich ausgeführt. 
Diese rasche Erledigung des Auftrages verdient um so mehr Anerkennung, 
als nicht ganz geringe Hindernisse zu überwinden waren. Die Wege und 
Flussübergänge waren sehr schlecht, da es am 8., 9. und 10. April stark reg- 
nete. In der Landschaft el-kefürät fand Dr. Schumacher mehrere grosse, 
bisher ungenannte Dörfer und P^uinen; auch legte er den Lauf des grossen 
tcädi el- akrahe , eines Zuflusses des Jarmük , fest und verfolgte den Lauf des 
jarmük von ed-dnebe bis hinauf an die Strasse von irbid nach er-remtj. Zu- 
gleich hat Dr. Schumacher diese Reise dazu benutzt, seine früheren Auf- 
nahmen im dschölän und hauran zu revidiren. 



Meteorologische Beobachtungen sind eingegangen von den Herren Gerh. 
Duck, Lehrer in Jerusalem, JoH. Dreher, Lehrer in Sarona, Fr. Lange, 
Vorsteher in Haifa, Friedr. Pross, Hotelbesitzer auf dem Karmel, C.Maass, 
Tischlermeister in Safed, und Em. Müller, Prediger in Bethlehem. 

Antworten zu den Fragebüchern für landwirthschaftliche und botanische 
(phänologisehe) Beobachtungen sind eingegangen von den Herren JoH. Dreher 
in Sarona und C.SiGRiST in Beirut. 

Allen diesen Herren spricht der Vorstand des Deutschen Vereins zur 
Erforschung Palästina's für ihre bereitwilligst den Zwecken des Vereines ge- 
widmeten Dienste den herzlichsten Dank aus. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten: 



Dreher, Joh., Lehrer in Sarona bei Jäfa. 

Duck, Gerh., Lehrer an der Tempelkolonie in Jerusalem. 

Semitischer Verein (Dr. Ä. L. Tallquist) in Helsingfors. 

Synagogen-Bibliothek in Petersburg. 

Szlagoicski, Ant., Professor in Warschau. 



Geschlossen am 15. Mai 1896. 




I. Mittheilungen. 



Römisclier Greiizwall in der Provinz Aral)ia. 

Von Prof. Dr. Karl Zangemeister. 

Aus uni7n cl-dscldmal im Hauran, südwestlich von Bostra, 
hat Dr. phil. G. Schumacher in Haifa den Abklatsch einer In- 
schrift mitgebracht, der mir von Professor Dr. Guthe mitge- 
theilt worden ist. Der Text ist nach meiner Lesiin» folojender: 



A V R 



I M P C A E S • M 

AVG ARM PART • MED GERM 

miiiimmiiiiiiim 



A N I O N \no 
c 



o /\rm 

'iiiim 



(( OPVS VALLI PERFEC'VM SVB 
. S EV E R O LEG A GG RR G.v des 



Die Buchstaben haben schmale Form und nähern sich, wie 
oft im Orient, der l^ronze- oder Pinselschrift. Die Höhe der 
Buchstaben beträgt in den 5 Zeilen: 72, 60, 58(?), 55 — 50, 55 — 
50 Millimeter. Von dem Horizontalstrich des T in Z. l [Äntoiiino) 
ist wenigstens auf dem Abklatsche nichts zu sehen; dasselbe ist 
der Fall bei dem kleinen T in Z. 4 \perfectwni\. 

Ohne Zweifel ist dies dieselbe Inschrift, die bereits durch 
Cyril Graham bekannt geworden ist (Transactions of tlie Royal 
Society of Literature ser. 2, vol. VI, 1859, S. 301 No. 33 imd 34), 
und die nach seiner Abschrift Waddington No. 2057^ 2057*' und 

MuN. des D. Pid.-Ver. ISOli. 4 



50 

MoMMSEN im Corpus Inscr. Lat. III No. 6027. 6028 veröffent- 
licht haben. Graham hat Z. 3 ausser Acht gelassen und Z. 1/2 
und Z. 4/5 als zwei verschiedene Inschriften betrachtet; auch ist 
er in der Lesung nicht ganz glücklich gewesen. Seine Abschrift 
ist aber deshalb von Werth, w^eil sie die Enden von Z. 1. 2. 5 
aufweist, die auf dem Abklatsche fehlen, da dieser nur bis Z. 1 m, 
2 sa und 5 co reicht. Für den von ihmi mit No. 33 bezeichneten 
Stein [= Z. 1 — 2] giebt Graham an, dass er lag »on the ground 
(but much injured), under an arch, evidently Roman«. Seine 
Copie lautet: 

1) IMPCAESMAVPANTONINO 
AVGARIMAPIMEICEB M 

2) GROS VALLIPERHOMNSVR .... 

SEVEROLEGAM RPCOCDM). 
Waddington vermuthete richtig die Zusammengehörigkeit 
beider Inschriften, und seine Restitution der zwei ersten Zeilen 
erweist sich als zutreffend, desgleichen die der letzten Zeile, mit 
der einzigen Ausnahme, dass er vor Severo keine Lücke für das 
Praenomen und Gentilicium einsetzte. Für oros valli gelang es 
MoMMSEN das Richtige zu finden, dagegen spottete die verfehlte 
Lesung des folgenden perliomnsur der Emendation. Vor allem 
ergiebt nun der Abklatsch auch, dass in der Mitte eine Zeile aus- 
radirt ist. Leider hat dies der Steinmetz so gründlich besorgt, 
dass nur noch ein Rest sichtbar ist, nämlich die untere Hälfte 
einer Hasta über dem B von SVB. Auf Rasur ist gewiss auch 
die (etwa 7 Buchstaben fassende) Lücke zu Anfang von Z. 4 zu- 
rückzuführen, obgleich der hier Aveniger scharfe Abklatsch dies 
nicht erkennen lässt. Dass die zwei ersten Zeilen den Kaiser 
Marcus nennen, ergiebt die Titulatur. Danach sind also im Fol- 
genden die Namen und Titel des Commodus ausradirt. Den 
Titel »Sarmaticus« erhielt Marcus im J. 175; Commodus war 

1) G. Robinsox-Lees (Geogr. Journal 1895 vol. V S. 19; sah im J. 1893 
dort ebenfalls »under an arcliAvay .. a stone with a Latin inscription of six \sic\ 
lines, the only legible part being IMP CAES MAVR ANTONINO | AVG ARNIM- 
PARIMID M M I PASV ROI M S« und hält diese Inschrift für ähnlich (»similar<r) 
der AVAUDiNCiTON's No. 2057^ [= Z. 1—2]. Sicherlich ist es aber dieselbe. In 
der dritten Zeile bei Lees lässt sich trotz der mangelhaften Copie unsere 
vierte wiedererkennen. Danach steht die ganze Inschrift in der That auf 
einem Steine, nicht (wie man nach Graham annehmen musste) auf zwei 
getrennten Blöcken. 



51 

Augustus seit dem J. 177 oder seit dem 27. November 17G 
(MoMMSEN, Staatsrecht II^ S. 801,2). Da nun Marcus am 17. März 
180 gestorben ist, so gehört die Inschrift in die Zeit zwischen dem 
27. November 176 und dem 17, März 180. 

In AVGG der fünften Zeile erscheint das zweite G, wenn 
auch völlig sicher, aber doch etwas schwächer; vielleicht ist es 
also ausradirt. Die Abkürzung mit doppeltem G für »Augusti 
duo« findet sich demnach hier im Orient ausnahmsweise schon 
für Marcus und Commodus, während sie in allgemeiner Verwen- 
dung und namentlich auf Münzen erst seit Septimius Severus 
vorkommt. Die Inschrift Corp. Inscr. Lat. III No. 11543, die 
ebenfalls AVG G bietet, setzt v. Domaszewski (Arch.-epigr. Mitth. 
IV S. 208) wegen der Nennung des »regnum Noricum« mit 
Recht in die Zeit von Marc Aurel. Vgl. meine Bemerkung 
ZDPV. X S. 51; MoMMSEN, Ephem. epigr. V S. HO; VII S. 393. 

Der Statthalter Severus ist vorläufig nicht zu identifiziren, 
zumal nur sein Cognomen lesbar ist. Ich glaube vor Severo zu 
Anfang der fünften Zeile /^/-\'—['i',/Z/ zu erkennen (der erste 
Rest steht unter dem Anfang von Z. 2), aber diese Spuren sind 
nicht sämmtlich unzweifelhaft. Nicht unmöglich ist auch, dass 
das Praenomen vmd etwa der Anfang des Gentilicium am Ende 
der vierten Zeile gestanden haben. 

Der Text wird also zu ergänzen sein wie folgt: Imp[eratori) 
Caes[ari) M[arco] Aur[elio) Ati[t]onrno | Aug{iisto) Arm[eniaco) 
Part[hico) Med{ico] Germ[anico] Sa[r]m[atico) \ [et imp. Caes. L. 
Aur. Commodo Aug. Ann. Part. Med. \ Germ. Sarm.] ojms valli 

perfec[i\um suh \ Severo leg[ato) Augg. — d. h. Aiigusto- 

rum duorum — P^Xo] pr{aetore) co[n)[s{ule)] d\es{ignato)]. 

Für die Formulirung vergleiche man z. B. die beiden In- 
schriften desselben Kaiserpaares: Corp. Inscr. Lat. VI No. 10 IG'' 
und VIII No. 2488. 

Umm el-dschhnal liegt i) etwa 25 km südlich (gegen West) 
von Bostra, dem damaligen Hauptquartier der Provinz Arabia 
mit dem Lager der legio III Cyrenaica^). Diese von Trajan im 

1) Vgl. die Kartenskizze von G. Kobinson-Lees, Geogr. Journal 1895, 
V, S. 14 und dazu KiCH. Kiepert, Mitth. des DPV. 1895 S. 25, nach dessen 
Erörterung das südwestlich von umm cl-dschimäl gelegene el-chab an der 
Stelle des antiken Thantia oder Thainatha liegt. 

2) Vgl. meine Bemerkung in den Mittli. des DPV. 1895 S. 23. 

4* 



52 

J. lOG gebildete Provinz stand unter einem prätoriscben »legatus 
Augusti pro praetore«, wie auch unsere Inschrift zeigt, nach wel- 
cher Severus damals erst designirter Konsul war. Der Lauf der 
Grenze zwischen Syria und Arabia, wie er von Mommsen ange- 
nommen worden ist i), wird durch unsere Inschrift wieder bestätigt. 

Das Denkmal, dem dieser Stein angehörte, vermuthlich ein 
nach Abschluss des betreffenden Werkes errichteter Bogen, be- 
zieht sich m. E. auf einen Grenzwall 2), den der Kaiser Marcus 
gegen die arabische Wüste aufführen liess zur Absperrung und 
Sicherung des römischen Gebietes, da eine natürliche Schranke 
dort fehlte; denn das in jener Richtung liegende Wadi-Bett ist 
meist oder stets wasserleer. Noch im Jahre 371 war dieser Limes 
von den Römern besetzt, da eine Inschrift desselben Fundortes 
von der Erbauung eines Wachtthurmes spricht: »fabricatus est 
burgus ex fundamento« (Corp. Inscr. Lat. III No. 88). 

Der Kaiser Marcus hielt sich 175/6 im Orient und speziell 
auch in Syrien auf. Vielleicht dürfen wir daher seiner persön- 
lichen Initiative diese Anlage einer \^"all-Linie zuschreiben, die 
zugleich geeitfnet war, der nicht Aveit entfernten Ostgrenze der 
syrischen Provinz Schutz zu verleihen. 

Wahrscheinlich ist der Wall mit seinen Wachtthürmen und 
Kastellen theilweise noch jetzt zu erkennen, und es wäre sehr 
dankenswerth, wenn bald einmal ein gelehrter Reisender diesen 
Limes zunächst wenigstens nach den über der Erde erhaltenen 
Resten beschriebe. 



AM AMallali el-Knrasclii. 

Unter den auf dem muhammedanischen Begräbnissplatze 
am Mamilla-Teiche im Westen von Jerusalem begrabenen from- 
men und heiligen Muhammedanern erwähnt Mudschir ed-din 
(ed. Kairo 3) 1283) S. 4Sb den ahü'' ahdallüh muhamined ibn ibräMm 

1) Mommsen, Corp. Inscr. Lat. III S. IT und KiEPERT's Karten ebendas. 
tab. I und zu Mommsen's Rom. Gesch. V Karte IX. 

2; Der Ausdruck oj)us valli findet sieh auch in Bauinschriften vom 
schottischen Grenzwalle des Pius (Corp. I. Lat. VII No. 1135. 1140,, und auf 
dem Bausteine von Öhringen am obergermanischen Grenzwalle (Brambach, 
Corp. I. Rhen. No. 1554) steht, wie hier, die Formel opus per [fecttim); denn so 
ist offenbar die Abkürzung aufzulösen. 

3) nicht Bulak. wie Mu N. IsVtü. 42. Z. 6. 



53 

el-7mraschl. Derselbe war aus Algeciras im südlichsten Spanien 
zuerst nach Ägypten und von dort weiter nach Jerusalem einge- 
wandert, wo er im Jahre 599 d. H. (1203) im Alter von 55 Jahren 
starb. Er stand im Kufe der Heiligkeit und es sammelte sich um 
ihn eine grosse Schaar von Muriden (Schülern). Sowohl er als 
auch seine Gattin und seine Genossen sollen viele Wunder ver- 
richtet haben. 

Der Volksglaube der Muhammedaner in Palästina und Ägyp- 
ten nahm seine Wunderkraft noch lange nach seinem Tode in 
Anspruch. So erzählt Mudschir ed-din das folgende mit seinem 
Namen verknüpfte Volksmittel: Fürchtete jemand nach einer 
üppigen Mahlzeit die Folgen der Unmässigkeit, so hatte er zur 
Verhütung derselben nichts weiter zu thun, als nach Aufhebung 
der Tafel die Worte zu sprechen: kcila ahü "abdallcih el-huraschi 
el-jaum jaum "idi d. h. Es sagte Abu Abd. el-K. : der heutige Tag 
ist ein Feiertag. Dann wird er — setzt Mudschir ed-din hinzu — 
nichts von Indigestion zu leiden haben. 

Dieser Heilsprucb scheint zu einem Detail aus dem Leben 
des Heiligen in Beziehung zu stehen, welches wir aus der Lite- 
ratur nicht mehr ermitteln können. Hingegen wissen wir, dass 
jener Heilspruch in der Form, wie ihn der arabische Geschichts- 
schreiber Jerusalems mittheilt, bloss das verstümmelte Fragment 
eines vollständigeren Spruches ist, welchen wir aus anderer Quelle 
kennen. 

Abu Abdallah lebte, bevor er sich in Jerusalem niederliess, 
in Ägypten, wo sich viele Legenden über ihn, der im ständigen 
Verkehr mit Chidr gestanden, und über seine Wunderthaten 
erhalten haben i). Der ägyptische Schriftsteller el-Damiri, 
Verfasser der bekannten zoologischen Encyclopädie hajät el- 
haiiccm (gest. 1405), in Avelcher er sehr viel Sorgfalt auf die Mit- 
theilung von allerlei Volksaberglauben verwendet, berichtet 
100 Jahre vor Mudschir ed-din, welcher 1495 schrieb, in dem 
Artikel ed-dadschädsch (ed. Bulak- 1284 I, 412) folgendes: »Es 
erzählt ein Gelehrter : Wer viel gegessen hat und Indigestion 
[tuchama] befürchtet, der streiche seinen Bavich mit der Hand 
und sage dabei: el-lele lelet'^tdljä Idrschi loa radi "lläh ''an aldi 

1) S. den Artikel iu den Imväkih cl-ainvür von el-scharüm (Kairo 1249j 
S. 212. — AVie er sich aus einem blinden, aussätzigen Manne in einen 
schmucken Jüngling verwandelte, meine Muhamm. Studien II, 293. 



54 

ahi ''abdalläh el-kurasch'i [d. h. diese Nacht ist meine Festnacht 
— o mein Bauch — und Gott habe selig unseren Herren Abu 
Abd. el-K.]. So thue er dreimal; dann wird ihm [seine Unmässig- 
keit] nicht schädlich sein. Dies ist merkwürdig und erprobt«. 
Man sieht aus der gereimten Form dieses Spruches, dass wir hier 
die vollständigere Fassung haben, während die bei Mudschir ed- 
din erhaltene aus ihr (oder einem ähnlichen Spruche) verstümmelt 
ist. Ob dieser Volksabcrglaube noch heute lebendig ist, ob sich 
überhaupt die Verehrung des Abu Abdallah unter den Muham- 
medanern Jerusalems erhalten hat, könnte wohl an Ort und 
Stelle erkundet Avcrden. — Zur Zeit des Mudschir ed-din hielten 
die Leute das Grab des Heiligen in hohen Ehren und glaubten 
fest, dass jedes Gebet unfehlbar Erhörung finde, das an dieser 
weihevollen Stätte verrichtet werde, 

Budapest, 13. Juni 1896. I. Goldziher. 



Zn Mattli. 3, 12, LüC. 3, 17. 

Bereits früher einmal (ZDPV. XIH, 201) habe ich zu Holtz- 
mann's Erklärung der im Titel angeführten Bibelstellen die Frage 
aufgeworfen, was heutigen Tages mit dem beim Worfeln in einiger 
Entfernung von der Tenne sich ansammelnden zerbröckelten 
Stroh geschehe. Insbesondere fragt es sich, ob dasselbe mit den 
Stoppeln zur Düngung des Feldes verbrannt wird, oder ob es 
auch als »Feuerungsmittel« im eigentlichen Sinne gebraucht, in 
die Wohnungen geschafft und dort zum Heizen verwendet wird. 
Die dafür citirten Stellen Sabbat 3, 1, Para 4, 3 dürften als Be- 
weis doch nicht ganz genügen. 

J. Benzinger geht in seiner Archäologie (S. 210) über das 
Verbrennen stillschAveigcnd hinweg, im Artikel Ackerbau (PRE.^ 
I, 138) sagt er nur: »nach Matth. 3, 12 scheint er (dieser Häcksel) 
vielfach verbrannt worden zu sein«. — Ein Beleg für die von mir 
bezweifelte Verwendung als Feuerungsmittel findet sich in Wes- 
SELYS neuen griechischen Zauberpapyri, wo S. 9 A. 2 eine — 
Avahrscheinlich aus dem Jahre 345 stammende — Quittung an- 
geführt ist, in welcher einer gewissen Charite, Tochter des Ama- 
zonios, bescheinigt wird, dass sie für die 21 Steuereinheiten, auf 
die sie abgeschätzt war, 75(5 Pfund Spreu als Brennstoff ge- 
liefert habe, auf jede Einheit [jugum] 36 Pfund (a/upou Avrpa? 



55 

£7iT7.xocjta? TTcVtrjXovTa sc,). Wessely's VeröfFentlichung ist mir nicht 
zur Hand, die Stelle ist citirt von O. Seeck (die Entstehung des 
Indictionencyclus, deutsche Zeitschrift für Geschichtswissen- 
schaft 1896, 12,2 S. 290), sie wird durch ihre Bestimmtheit man- 
chem Leser erwünscht sein. 

Ulm, 20. Juni 1S96. E. Nestle. 



Knrze Mittlieilniigen. 

G. Baurath C. Schick schreibt unter dem 1 5. Juni aus Je- 
rusalem : Bei meinen letzten Untersuchungen in der Grabeskirche 
habe ich mich davon überzeugt, dass unter dem jetzigen Golgatha 
in der Grabeskirche wirklich ein Felsen ist. Ich habe auch die 
Spalte gefunden, von der frühere Pilger erzählen, dass sich ein 
Mann in sie hineinlegen könne. Ferner habe ich im NW. des 
heiligen Grabes unter dem griechischen Patriarchat die Höhle 
entdeckt, wo einst ein Einsiedler gewohnt hat. 

G. Baurath C. Schick in Jerusalem arbeitet an einem Mo- 
dell, das die Bodenverhältnisse der Grabeskirche und ihrer Um- 
gebung, namentlich nach O. zu, darstellt. Es veranschaulicht 
den Untergrund nicht nur der russischen Neubauten im O. der 
Grabeskirche, sondern umfasst auch das angrenzende Gebiet bis 
über das frühere deutsche Consulat hinaus. Das Modell, das 
binnen kurzem vollendet ist, stellt demnach gerade die Gegend 
dar, deren ursprüngliche Beschaffenheit bei der Frage nach der 
Echtheit der Grabeskirche in Betracht kommt. 

Bs. Der Bau der neuen Erlöserkirche auf dem Muristan ist 
soweit vorgeschritten, dass die Decken eingewölbt sind. Der 
Thurm erhebt sich schon einige Meter über das Dach der Kirche. 
Die Kuppel fehlt noch. Es ist aber alles noch von Gerüsten 
umgeben. 

Bs. Bei dem Bau eines neuen Hauses wenig nördlich von 
dem französischen Pilgerhaus (vgl. Karte der nälieren Umgebung 
von Jerusalem G 2, Nr. 22) sind christliche Gräber aufgedeckt 
worden, die aber nichts von Bedeutung darboten. 

Bs. Da der Firman für die englischen Ausgrabungen bei Je- 
rusalem abgelaufen und noch nicht erneuert worden ist, so ruht 
gegenwärtig die Arbeit. Dr. Bliss wartet auf das Eintreffen des 
neuen Dekrets. Inzwischen sind für die Fortsetzung der Arbeiten 



56 

einige Schwierigkeiten eingetreten. Zuerst starb die Hauptper- 
son bei den A\isgrabungsarbeiten selbst, ein gewisser Jüsef vom 
Libanon. Dann starb der türkische lievolhnächtigte für die Aus- 
grabungen, Ibrahim EfFendi. Ende Mai wurden Dr. Bliss und 
sein Gehülfe DiCKii': bei Nachtzeit überfallen. Beide Herren 
waren im Begriff, von einem Besuch bei dem englischen Augen- 
arzt Dr. Cant, der in der Augenklinik am Wege nach Bethlehem 
wohnt, Nachts 10 Uhr nach ihren Zelten auf dem Abhang ausserhalb 
des Zionsthores zurückzukehren, als sie auf dieser kurzen Strecke 
unten im Thale von zwei Männern überfallen wurden. Herrn 
Dr. Bliss scheint es gelungen zu sein, zu entkommen, während 
Herr Dickik, ein starker Mann, zuerst den Angreifer auf die 
Seite warf, dann aber, als sich beide Gegner gegen ihn wandten, 
im Ringkampf eine schw^ere Verletzung des Armes davontrug. 
Erfreulicherweise ist jedoch die beste Aussicht auf Heilung des 
Schadens vorhanden; Herr Dickie kann jetzt schon wdeder aus- 
geheD, tragt freilich noch den Arm in der Binde. 

Überhaupt ist es gegenwärtig in Jerusalem etwas unsicher. 
Vor Kurzem Avurde Abends 10 Uhr in der jüdischen Gasse in der 
Stadt selbst ein Jude überfallen und durch Messerstiche verletzt; 
jedoch w'aren die Verletzungen nicht gefährlich. Auch eine eng- 
lische Dame, die in einem Hause bei Bethanien wohnt, wurde 
angegritfen. Das hat sie aber nicht abgehalten, sich w'ieder nach 
Bethanien hinauszubegeben, sobald es ihre Kräfte erlaubten, trotz 
der Abmahnungen des englischen Consuls und der Erklärung 
des Pascha's, dass er sie dort draussen nicht schützen könne. 

Bs. Am 2. und 3. Juni sind die Neubauten der Russen im O. 
der Grabeskirche, eine Art Kirche mit Pilgerhaus, mit feierlichem 
Gepränge durch den griechischen Patriarchen eingeweiht worden. 
Der Patriarch Avollte sich anfangs nicht dazu verstehen, vielleiclit 
aus Besorgniss, dass das Ansehen oder auch die Einkünfte der 
Grabeskirche darunter leiden möchten; jedoch muss Avohl eine 
Verständigung erreicht worden sein. • 

Bs. In dem letzten regenreichen Winter (1895/96) hat sich 
eine grosse Menge Wasser in dem sogen. Sultansteich hirket es- 
sultä?i) am Wege nach Bethlehem angesammelt. Als das Wetter 
dann gut wurde, haben einige Leute dort ihr Vieh getränkt, 
andere sich dort gebadet. Dabei ist es vorgekommen, dass drei 
Menschen kurz nach einander in dem Wasser ertranken, zuerst 



57 

ein junger Fellach ans Silwän, darauf zwei jüdische Knaben. 
Sie geriethen immer tiefer in den Schlamm und konnten sich 
nicht wieder herausarbeiten. 

* Die Industrie des heiligen Landes. Über die Produktion 
der sogenannten Devotionalien in Jerusalem und Bethlehem er- 
halten Avir folgende statistische Angaben: Produzirt werden im 
Jahre Waaren im Werthe von etwa 1 Million Francs, wovon im 
Jahre 1804 gegen 75^/q exportirt wurden. Die Olivenholz-Indu- 
strie in Jerusalem Avird in ungefähr 20 Werkstätten von 150 Ar- 
beitern betrieben; die Perlmutter-Industrie in liethlehem (siehe 
hierüber ZDPV. XVIl, 89 ff.) in 68 Werkstätten von etwa 330 
Personen. Die Hauptabsatzgebiete sind England, Deutschland, 
Nordamerika für Olivenholzgegenstände, Mittel- und Südamerika, 
Frankreich und Spanien für Perlmutterwaaren. Der Verkauf der 
Erzeugnisse findet theiis an Ort und Stelle statt, theils wird er 
durch reisende Händler vermittelt. Besonders finden die Beth- 
lemiten am Hausirhandel Gefallen. So sollen sich gegenwärtig 
50 bethlemitische Händler in Europa, 25 in Indien und den Phi- 
lippinen, 50 in Südamerika und den Antillen und 6 in Dschedda 
befinden. 

* Süddeutsche Orienttouren. Der Eedaktion ist das Pro- 
gramm einer billigen Herbst-Ferien-Keise zugegangen, welche 
von württembergischen Freunden Palästinas geplant, 31 Tage 
( 1 8. Aug. — 1 7. Sept.l dauern soll. Ägypten wird der Cholera wegen 
nicht berührt. Die Tour geht über Genua, Athen, Beirut, Damascus 
(neue Bahn), el-Hösn, Galiläa, Jafa nach Jerusalem (4 Tage Auf- 
enthalt, event. Jordan und Todtes Meer); zurück über Neapel 
und Genua. Der Preis schwankt je nach der Zahl der Theil- 
nehmer und nach der Lage der SchifFskabine zwischen M. 825 
und 675. Zu dem Programm hat Dr. Benzinger ein kurzes Vor- 
wort geschrieben. Anmeldung bis zum 20. Juli bei A. Klett in 
Stuttgart, Eberhardstrasse 1 1 . 

M. Aus Bethlehem. Im März, d. i. zu Beginn des Keffierungs- 
Jahres, 1895 bildete sich in Bethlehem gemäss höherer Verfügung 
eine Beledije Stadtrath), bestehend aus 7 Gliedern. Er wurde 
aus den bestbeleumundeten Bürgern Bethlehems zusammen- 
gesetzt. Einer von den Sieben ist Muhammedaner, die anderen 
gehören der griechischen und römischen Kirche an; ein Katholik 
ist Vorsitzender. Die Beledije entfaltete bald eine lebhafte Thätig- 



58 

keit: es wurde eine Strassenbelenchtung eingerichtet, welche 
zunächst allerdings noch vieles zu wünschen übrig lässt; ferner 
wurde Nachtwächterdienst und regelmässige Strassenreinigung 
angeordnet. Dafür haben die Laden- und Hausbesitzer monat- 
lich eine entsprechende Zahlung zu leisten. Seitdem der Nacht- 
Avächterdienst besteht, herrscht ersichtlich mehr Ruhe und 
Sicherheit als früher, wo es oft sehr ungemüthlich gewesen war. 
Unterirdische Kanäle sind bereits in drei Strassen angelegt. An 
der Verbesserung der Strassen wird eifrig gearbeitet; die Strassen 
werden, wo es irgend angeht, bis zu 8 Ellen verbreitert und durch 
Aufschüttung kleiner Steine fester gemacht; zum Abzug des 
Wassers werden gepflasterte Rinnsteine angelegt; viele Haus- 
besitzer haben in ihren Häusern Aborte eingerichtet: so steht zu 
hoffen, dass die Wege in Zukunft immer besser werden. Der 
Hohlweg, der von der deutschen Kirche zu der Hebronstrasse 
herabführt, wird nächstens in eine schöne, breite Fahrstrasse 
umgewandelt sein. Da die Beledije zunächst nur über geringe 
Mittel verfügt, hat sie das Geld für diese Verbesserungen borgen 
müssen; zur Bezahlung der Schuld werden nicht nur die Bürger, 
sondern auch namentlich die Klöster und Wohlthätigkeitsanstal- 
ten herangezogen werden. Mit der Verbreiterung der Wege sind 
übrigens die durch Landabtretung Geschädigten durchaus nicht 
immer zufrieden; hin und wieder erhebt sich ein mächtiges 
Zanken und Schimpfen der Leute gegen einander und gegen die 
Glieder der Ortsbehörde. Das hilft ihnen aber nichts; nach und 
nach gewöhnen sie sich an die Nothwendigkeit geregelter Ver- 
hältnisse und lernen selbst die Vortheile einer besseren Ordnung 
schätzen. ' Dezember 1895. 



Ais Zeitsclirinen. 

Quarterly Statement 1896, Heft 2. 

Notes and News. S. 101—108. — Eighth Report of the Ex- 
cavations at Jerusalem. S. 109 — 122. Mit Plan. Von Dr. Bliss. — Re- 
ports from Herr B au rath vox Schick. S. 122 — 133. 1. Deir el 'Adas. 
Beschreibung einer eigcnthümlichcn »Doppelkirche«; auf dem Daclie der 
unteren Kirche befindet sich eine kleinere, obere Kirche. Das dem griechi- 
schen Konvent gehörige (iebäude liegt nördlich von der Geisselungskapelle 
(Nr. 50 der Karte von Scuick-Zimmerm.\nn; dort als der el-ades angegeben). 
— 2. The Quarter Bab Hytta. Jerusalem. Der Verfasser beschreibt eine Anzahl 
von jetzt unter der Erde befindlichen Gebäuden im NO. Jerusalems. »Sie 
stammen zum Thcil sicher aus byzantinischer Zeit, während einiges noch 
älter zu sein scheint«. — 3. A llemarkable Marble Slab. Beim Bau der 
Dampfmühle nördlich vom Damascusthor (auf dem neuen Plan von Schick 



59 

angegeben) wurde eine Marmorplatte gefunden, von welcher Schick meint, 
dass sie zu einem Taufstein gehört habe, vielleicht dem der Stephanskirche. — 

4. On Springs, etc. Die Quellen in der Umgebung Jerusalems fliessen immer 
spärlicher (vgl. MuN. 1895, 9 f.) — ■ 5. A large Stoan Basin. Von den vielen 
Alterthümern, die der Verf. in früheren Jahren auf dem Ölberge gesehen hat, 
ist nur noch weniges vorhanden. Zu letzterem gehört ein schön gearbeitetes 
Bassin aus röthlichem Stein, 7V2 Fuss im Durchmesser und über einen Fuss 
tief. Schick meint, dasselbe habe vielleicht einem vornehmen Manne gehört, 
der darin seltene Fische gehalten haben mag. — The Latin Inscription 
atNebyDaüd. S. 133— 147 von Dalto n; S. 147 — 152 von Davis. Gegen- 
über den beiden Berichten über die Entdeckung dieser Inschrift von Germer- 
DURAND (Rev. bibl. 1895, 239) und Schick (MuN. 1895, 21) ist es auffallend, 
dass die Inschrift nun doch von Dr. Blis.s »gefunden« sein soll. — De- 
scription of some Bible Coins found in Palestine. S. 152 — 160. 
Von T. E. DowLiNG. — The Rock Etam and the Cave of Addullam. 

5. 161 — 162 von Birch; S. 162—164 von Haxaier. — A Visit to Arsuf. 
S. 165. Von Hanauer. Eine Anfrage, wie das Vorkommen von zahlreichen 
Klumpen geschmolzenen Glases in Arsüf zu erklären sei. — Barometrical 
Determination ofHeights in Lebanon. S. 165 — 168. Von R. H. West. 

— Notes on the last Quarterly Statement«. S. 168 — 171. Von 
Conder. — Notes by Professor T. F.Wright. S. 172—174. 1. Nehemias 
nächtlicher Ritt. 2. Die Inschrift von Kalonije (mitgetheilt in Statement 1887, 
Januar). — The Route of the Exodus. S. 175 — 186. Von A. E. Haynes. 

— The Season of Calebs Reconnaissance. S. 1S6 — 187. Von dem- 
selben. Der Verf. sucht die Jahreszeit, in welcher die Num. 13 berichtete Er- 
forschung Palästinas geschah, nach der Reifezeit der von den Kundschaftern 
mitgebrachten Früchte näher zu bestimmen. — Remarks on theDeserts 
of the Holy Land. S. 187—188. Von Tepper. Der Verf stellt die Ver- 
muthung auf, dass das Gebiet des Wüstenzuges früher viel fruchtbarer ge- 
wesen sein mag und erst durch Vernichtung der perennirenden Vegetation, 
besonders des Baumwuchses ■ — vielleicht gerade zur Zeit der vierzigjährigen 
Wüstenwanderung — zu der Einöde geworden sei, als welche sie heute er- 
scheint. — On the Structure of the Tab crnacle. S.189. Von Brryman- 
Ridges. — Results of Meteorological Observations taken at 
Jerusalem and Tiberias in the Yearl891. S. 190 — 199. Von James 
Glaisher. — 



II. Kacfiricfiten. 



Reclienscliansl]erlclit über das Vereinsjalir 1895. 

Die Einrichtung der meteorologischen Stationen hat den Vor- 
stand während des Jahres 1895 wiederholt beschäftigt. Sehr vortheilhaft für 
ihre Förderung war der Umstand, dass Dr. Otto Kersten im April und Mai 
1895 persönlich an Ort und Stelle mit den betreffenden Personen Rücksprache 
nehmen , Anweisungen geben und Verabredungen treffen konnte. Die Fort- 
schritte in der Sache sind danach deutlich hervorgetreten: mit den von unse- 
rem Verein gelieferten Instrumenten haben im Jahre 1895 bereits beobachtet 
die Herren G. Duck in Jerusalem, JoH. Dreher in Sarona, Fr. Lange in 
Haifa, Friedr. Pross auf dem Carmel, C. Maass in Safed und Em. Müller 
in Bethlehem. Insbesondere hat Herr Lehrer G. Duck in Jerusalem diesem 
Unternehmen des Vereins seine volle Theilnahme geschenkt. Für die mannich- 
fachen Dienste, die er bis jetzt dieser Sache geleistet hat, scji ihm au dieser 



60 

Stelle der wärmste Dank des Vereins ausgesprochen. Doch ist es im ver- 
flossenen Jahre noch nicht gelungen, die nicht geringen und im Einzelnen 
sehr verschiedenen Schwierigkeiten, die der völligen Durchführung des Planes 
im Wege stehen, zu überwinden. Es handelt sich noch darum, die Beobach- 
tungsstationen in Palästina so unter einander zu verbinden, dass sie ihre Ar- 
beit selbst, ohne besonderes Eingreifen des Vorstandes, im Gange erhalten, 
und für die geregelte Bearbeitung des eingehenden Materials Sorge zu tragen. 

Auch haben bereits im Jahre 1895 die von dem Vorstande ausgearbeite- 
ten Fragebücher über botanisch-landwirthschaftliche (phänologi- 
sche) Verhältniss e von einzelnen Lanclsleuten in Palästina freundliche 
Beachtung gefunden. Ihnen gebührt für ihre Mühwaltung ebenfalls der 
wärmste Dank des Vereins. Der Vorstand giebt sich der Hofi'nung hin, dass 
diese Beobachtungen zugleich mit der endgültigen Ordnung der meteorologi- 
schen Stationen in ein festes Geleis gerathen, und glaubt erwarten zu dürfen, 
dass alle diese Beobachtungen dazu beitragen, die Kräfte der in Palästina 
wohnenden Mitglieder in grösserem Umfange als bisher für die Mitarbeit an 
den Aufgaben des Deutschen Palästina-Vereins zu gewinnen. 

Die Sammlung von ausserordentlichen Beiträgen für weitere 
Forschungen im Ostjordanlaude, die im Herbst 1894 begonnen wurde, ist im 
Mai 1895 geschlossen worden. Einschliesslich einiger später eingelaufenen 
Gaben beziffert sich ihr Gesammtertrag nunmehr auf 1413 Jl. Allen denen, 
die durch ihre Beiträge dieses erfreuliche Ergebniss der Sammlung herbei- 
geführt haben, spricht der Vorstand an dieser Stelle den herzlichsten Dank 
aus. Es konnte damit die Rückzahlung der Summe, die der Vereinskasse von 
einem Mitgliede des Vorstandes gütigst vorgeschossen war (vgl. MuN. 1895, 
S. 47 f. 89 f.), nahezu bestritten werden. Jedoch haben die an Dr. G. Schu- 
macher in Haifa für 1S94/95 zu zahlenden Reisekosten diesen Betrag um 
mehrere hundert Mark überstiegen, da ausser der ersten grösseren Reise im 
Juni und Juli 1894 Herr Dr. Schumacher noch eine zweite kleinere Ergän- 
zungsreise im April 1895 unternahm, durch die der Anschluss der neuen Auf- 
nahme im hadä ez-zedi an die früheren nochmals geprüft und gesichert wurde 
(vgl. MuN. 1895, S. 33 — 35. 48). Eine Anzahl Abklatsche von Inschriften, 
die Herr Dr. Schumacher auf diesen Reisen angefertigt hatte, sowie die 
Karte des untersuchten Gebietes kamen im Oktober und im November 1895 
in die Hände des Vorstandes. In Folge dessen ist die Herstellung von Karten 
des Ostjordanlandes, im Anschluss an die 1886 veröffentlichte Dschölänkarte. 
wieder aufgenommen worden. Das erste Blatt soll der Dschölän und der 
westlichste Theil des Ilaurän füllen, das zweite Blatt der nördlichste Theil 
des 'Adschlün und die östlich daran grenzende Nukra bis nach Bosrä; die 
älteren Aufnahmen Dr. Schumacher's werden mit Nachträgen und Ver- 
besserungen auf diesen Blättern neu herausgegeben. 

Von anderen Arbeiten, die schon früher im Auftrage oder mit Unter- 
stützung des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas ausgeführt wur- 
den, sind mehrere im Jahre 1895 im Druck vollendet worden. Zuerst sind diu 
werthvollen Mittheilungen Dr. Sctiumacukr's über es-Salt, Mädabä und 
Dscheräsch zu nennen , die zusammen mit der wichtigen Entdeckung in Be- 
treff des Hiobsteines (ZDPV. XIV, 142 fi'.j die hauptsächliche Ausbeiite der 



61 

1891 unternommenen Reise im O. des Jordans bilden. Sodann ist die erste 
der Karten, die unser Ehrenmitglied, Herr Baurath C. Schick, dem Vereine 
zur Veröffentlichung übergeben hat, die Karte der näheren Umgebung von 
Jerusalem (1:10,000), Ende 1895 fertig geworden, Sie ist auf Rechnung des 
Vereins auch in einer Separatausgabe mit begleitendem Text (»Namenliste 
und Erläuterungen« u. s.w.) veröflentlicht worden, deren Preis sich ein- 
, schliesslich der Verpackung und des Portos auf 1,75^// stellt. Die Karte 
bringt zum ersten Male die weitausgedehnten Neubauten ausserhalb der Ring- 
mauern der alten Stadt in vollständiger Weise zur Darstellung, sie enthält 
die arabischen Namen in möglichst genauer und sorgfältig geprüfter Form; 
daher darf sie wohl den Anspruch erheben, zur Zeit das vollständigste und 
zuverlässigste Bild der näheren Umgebung von Jerusalem darzubieten. End- 
lich sind einige interessante Nachträge zu der Sammlung von »Karten und 
Plänen zur Palästinakunde aus dem 7. — 16. Jahrhundert«, von Herrn Pro- 
fessor Dr. R. Röhricht in Berlin ZDPV. XVIII, 17."^ ff. mit Unterstützung 
des Vereins veröffentlicht worden. 

Im Jahre 1895 sind zum ersten Male neben der Zeitschrift die »Mit- 
theilungen und Nachrichten des Deut sehen Palästina -Vereins« 
in 6 Nummern getrennt herausgegeben worden. Ob sich diese Änderung be- 
währt, wird sich erst auf Grund der Erfahrung von einigen Jahren entschei- 
den lassen. Eine ihrer Folgen ist die, dass der alljährliche Literaturbericht 
in der bisherigen Weise aufhört. Nach Beschluss des Vorstandes vom 1 1 . März 
1895 soll er in der Gestalt fortgesetzt werden, dass einmal jährlich die Bücher- 
titel, mit Ausscheidung des Werthlosen, in der ZDPV. mitgetheilt werden 
und über den Inhalt der wichtigsten einschlägigen Zeitschriften fortlaufend 
in den MuN. berichtet wird (vgl. MuN. 1895, S. 32). Herrn Stadtpfarrer Lic. 
Dr. Benzinger, der die Güte gehabt hat, seit 1890 über die neuen Erschei- 
nungen in den einzelnen Jahren zu berichten, spreche ich als Redakteur und 
zugleich im Namen des Vorstandes den aufrichtigsten Dank für die geschickte 
und umfassende Erledigung dieser mühevollen Aufgabe aus. 

Herr Professor Dr. R.Brünnow hat der Bibliothek des Vereins ein werth- 
volles Geschenk gemacht, indem er ihr eine Sammlung von 64 selbstgefertig- 
ten Photographieen zusandte. Ich spreche ihm auch an dieser Stelle den 
herzlichsten Dank des Vereins aus. Ausser dieser »Sammlung Brünnow« 
besitzt die Vereinsbibliothek bereits eine Anzahl anderer Photographieen, 
die hauptsächlich in zwei andere Gruppen zerfallen, in eine »Sammlung 
Schick« und eine »Sammlung Schumacher«. Auch den übrigen Herren, die 
den Bestand der Palästinabibliothek im Laufe des Jahres 1895 durch Ge- 
schenke vermehrt haben, sei hier der wärmste Dank des Vereins ausge- 
sprochen. 

Die Herren Professor Dr. Reinicke in Wittenberg und Pfarrer Dr. A. 
W. Koch in Pfungstadt haben auch in diesem Jahre die Jahresrechnung des 
Vereins einer sorgfältigen Prüfung unterzogen. Der Vorstand spricht beiden 
Herren an dieser Stelle den herzlichsten Dank des Vereins aus. 

Leipzig, 12. Juli 1896. Für den Vorstand: 

H. GUTUK. 



62 

Reclinimgs-Auszug 1895. 

Eiuiiahuieii. 

Jl 110. Ol ^ Cassa-Bestand. 

Jl 370. — 3^. llückstündige Beiträge von 1894 und früher. 

- 2974. G2 - Laufende Jahresbeiträge von 1895. 

60. — - Jahresbeiträge für 1890. 

- 751. 95 - für div. Jahrgänge und einzelne Hefte durch 

- 4156. 57 - den Buchhandel bezogen. 

558. — - Ausserordentliche Beiträge. 
10. 66 - für 1 Schumacher, Dscholan mit Porto. 

Ji 45. — ^ für getrennte Coupons von Jl 1500 3X Sachs. 

Reute von Oktober 1894 bis ult. Sept. 1895. 

7. 50 - desgl. von Jl 500 'i% Sachs. Rente Januar 

ultimo Juni. Die Zinsen des II. Semesters 

52. 50 - -werden in neuer Rechnung gutgebracht. 

- 1965. für gelöste M 2000 Sachs. Rente. 

— . 60 - »1 Kersteu. Klima. 

7. 50 - »1 Siloah-Inschrift. 

— . 35 - Rückerstattung von Porto. 

1. 60 - für 1 Haurankarte. 

10. — - » Beilegen von Prospekten. 

604. 80 - Übertrag in neue Rechnung. 



Jl 7477. 59 ä^. 

Ausgaben. 

Jl 367. 98 3^ Saldo -Vortrag aus voriger Rechnung. 

- 2076. 71 - für Druck, Lithographie, Papier etc. der Zeitschrift und Mit- 

theilungen incl. Accidentien im Jahre 1895. 
131. 10 - » Buchbinder- Arbeiten. 
Honorare: 
Jl 500. — ^ für Redaction der Zeitschrift 1895. 

- 822. — - - 322. — - - Beiträge zur Zeitschrift 1895. 

Für Unternehmungen in Palästina: 
J/2024. — 3^ an Dr. Schumacher-Haifa. 
- 1200. — - Dr. Kersten-Berlin. 

- 3470. 92 - - 246. 92 - Palmer-Jerusalem. 

150. — - für Cassafülirung. 

63. 20 - Anschaffung für die Bibliothek. 

262. 96 - Porto-Auslagen. 

17. 72 - Steuern, Kouverts 

6. — - für 1 Siloah-Inschrift. 

60. — - » 2 Titelblätter zu den Mittheilungen. 

28. — - Baar zurückgenommen 2 Bd. 18, 1 Bd. 3 Heft 4 und 1 Mit- 
gliedsbeitrag zurückgezahlt Jl 10. 

21. — - f ür Beitrag p. 1894 u. 1895 an den Palestine Explorat. Fund. 

.// 7477. 59 3^. 

An Vermögen besitzt der Verein : 
Jl 1500 'i% Sachs. Rente z. Cours (v. 15. Juni 1895; von 98,65. Jl 1479. 75 ^ 

- 500 desgl. ä 98,65 - 493. 25 - 
An Passiven sind vorhanden: Vorschuss von Karl Baedeker - 604. 80 - 



uSrl368. 20,f 
Aiisserdem sind noch Jl 960 an Jahresbeiträgen pro 1895 und früher 
rückständig. ^^^^ B.\i:deker, z. Z. Kassirer des Vereins. _ 

Die Jahres-Rechnung des Deutsclien Palästina -Vereins pro 1895 ist 
nacli eingehender Prüfung richtig befunden. 

Wittenberg, den 19. Juni lb96. Dr. Reinicke. 

Pfungstadt, den 20. Juni 1896. Pfarrer KocH. 



63 

Verzelcliniss ier vom 1. Januar 1894 Ms m 31. Decemlier 1895 für iie Palästliia- 
Biöllotliek eingegangenen Biiclier, Zeitscliriflen n. s.w. 

(Fortsetzung.) 
Vofi de)' Socii'te de Geographie de Paris : 

1049/1050. Comptes rendus des seances de la comission centrale. Annee 1894. 

Nr. 1—19. Paris 1894. — Annee 1895. Nr. 1— IG. Paris 1895. 8. 
1051/1052. Bulletin de la Societe de Geographie. Septieme Serie. Tome XIV. 

1893. 4eTrimestre. Paris 1894. — Tome XV. 1894. le'— 2« Trimestre. 

Paris 1895. 8. 

Von dem Palestine Exploration Fund in London : 

1053/1054. Quarterly Statement. January-Octobre. 1894. London. — January- 
October 1895. London. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Bremen: 
1055. Deutsche Geographische Blätter. Herausgegeben von der Geographi- 
schen Gesellschaft in Bremen durch Dr M. Lindemann. — Band XVII. 
Heft 1—4. Bremen 1895. 8. 

Voti dem Historisch- Philosophischen Vereine zu Heidelberg : 
1056/1057. Neue Heidelberger Jahrbücher. Herausgegeben vom Historisch- 
Philosophischen Vereine zu Heidelberg. Jahrgang IV. Heft 1 — 2. 1894. 
Heidelberg. G. Köster. 8. — Jahrgang V. Heft 1—2. 1895. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft von Bern : 
1058/1059. XII. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern, 1893. 
Redigiert von C. H. Mann. Bern 1894. 8. — XIII. Jahresbericht 1894. 
Bern 1895. 8. 

Von dem Verein für Erdkunde zu Leipzig: 

1060. Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig. 1893. Mit einer 
Karte. Leipzig, Dunker & Humblot. 1894. 8. 

1061. Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Vereins für Erdkunde zu 
Leipzig. Zweiter Band. Anthropogeographische Beiträge. — Zur Ge- 
birgskunde, vorzüglich Beobachtungen über Höhengrenzen und Höhen- 
gürtel. Herausgegeben von Friedrich Ratzel. Mit 10 Karten und zahl- 
reichen Illustrationen. Leipzig, Verlag von Duncker & Humblot. 1895. 
Gr. 8. 

Von der Mittelschiceizerischen Geographisch-Xominerziellen Gesellschaft 

in Aarau : 

1062. Fernschau. Jahrbuch der Mittelschweizerischen Geographisch-Kommer- 
ziellen Gesellschaft in Aarau. Sechster Band. Mit 11 Tafeln. Wirz, vorm. 
J. J. Christen. 1894. 8. 

Von dem Germanischen 3fuseum in Nürnberg: 
1063/1064. Anzeiger des germanischen Nationalmuseums. 1894. Nr. 1 — 6. 
Nürnberg, 1894. Verlagseigentum des germanischen Museums. Gr. 8. — 
1895. Nr. 1—6. Gr. 8. 
1065/1066. Mittheilungen aus dem germanischen Museum. Jahrgang 1894. 
Nürnberg. Verlagseigentum des germanischen Museums. Gr. 8. — Jahr- 
gang 1895. Gr. 8. 

Von der historischen Gesellschaft zu Lemberg ; 
1067/1068. Kwartalnik Historyczny. Organ Towarzystwa Historyczncgo 
zalozony przez Xawerego Liskego pod redakcva Oswalda Balzera. 
Rocynik VIII. Zeszyt I— IV. 1894. We Lwowie. Gr. 8. — Rocznik 
IX. Zeszyt I— IV. 1895. Gr. 8. (Fortsetzung folgt.) 



64 



GescMftliclie litllieiluMeii und Personalnacliricliten. 

Am 22. Mai 1896 traten die Herren GUTIIE, KersteN und SociN zu 
einer kurzen Sitzung des gescluiftsführendcn Ausschusses in AVittenber» zu- 
sammen; an der Berathung nahmen auch Herr Professor Reinicke und Pfarrer 
Benzincer Theil. Ks handelte sich hauptsäclilich darum, Dr. Kerstex, 
dessen Abreise nach Jerusahnn nahe bevorstand, mit Instruktionen in Betrefl' 
dessen, was er während seines Aufenthaltes in Palästina für den Verein würde 
ausrichten können, zu versehen. Vor allem wurde eine festere und dauer- 
haftere Organisation der meteorologischen, sowie der botanisch -landwirth- 
scliaftlichen Stationen in Aussieht genommen. Audi wurde Dr. Kerstex 
beauftragt, Verhandlungen betreuend die Übernahme ständiger Bericht- 
erstattung für die MuN. in Palästina anzuknüpfen. 



Die Verhandlungen, zu welchen der geschäftsführende Ausschuss durcli 
die letzte Generalversammlung ermächtigt war, haben dazu geführt, dass zu 
Mitgliedern des weiteren Comites folgende Herren gewählt wurden: 
Herr Dr. J. 'Bcnr.incjcr, Pfarrer in Neuenstadt a. Kocher; 
Herr T. Biever, Direktor des katholischen deutschen Hospizes in et-Ta- 

bigha bei Tiberias; 
Herr P. Schmidt, Kektor des katholischen deutschen Hospizes in Je- 
rusalem. 



Am 29. Juni d. J. traf der ausführliche Bericht des Herrn Dr. G. Schu- 
macher in Ilaifa über seine im Jahre 1894 unternommene Reise in denHaurän 
in Leipzig ein. Er ist von vielen Zeichnungen und Photographieen begleitet. 
Da die dazu gehörende Karte schon seit dem A'origen Herbst in den Händen 
der Redaktion ist, so werden die Vorbereitungen für den Druck in den 
nächsten Monaten beginnen. 



-"O' 



Durch einige nachträglich noch eingelaufene Beiträge hat sich der Ge- 
samratbetrag der Sammlung von ausserordentlichen Beiträgen für die Er- 
forscliung des Ostjordanlandes auf 1413^/ erhöht, was der Vorstand hier- 
durch mit wiederholtem herzlichem Dank an die Geber feststellt. 



Herr Dr. Otto Kerstex ist am 19. Juni d. J. in Jerusalem eingetroffen. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten: 

Lange, Fr., Vorsteher in Haifa. 

Maass, Com:, Tischlermeister in Safed. 

Fross, Fried):, Hotelbesitzer auf dem Karmel. 

3Iüller, Em., Prediger in Bethlehem. 

Schiviccjer, Pastor in Hamburg. 

Sein», Dr. Ernst, Privatdocent in Erlangen. 

Durch den Tod verlor der Verein das Mitglied: 
Dreher, Joh. , Lehrer in Sarona bei Jäfa. 

Der Vor.stand bedauert, in Herrn Joh. Dreher einen geübten, gewissen- 
haften Beobachter der "Witterungserscheinungen in Palästina verloren zu 
haben. 



Geschlossen den 17. Juli 1S9G. 




I. Mittheilungen. 



Eine Eene Wandkarte voE Palästina. ■■ ^ - .' 

Von Professor H. GuTHE. . - • 

Voran schicke ich das offene Geständniss, dass ich an der 
Herstellung der neuen Wandkarte von Palästina') selbst bethei- 
ligt bin. Wenn ich mir dennoch erlaube, sie bei den Lesern mit 
einigen Worten einzuführen, so treibt mich dazu nicht der Ge- 
danke, sie der Aufmerksamkeit unserer Mitglieder und Leser zu 
empfehlen; vielmehr ist es meine Absicht, meinen Antheil an der 
Herstellung dieser Karte durch einige Worte zu erläutern. 

Die sechs Blätter, in die die Karte zerfällt, haben eine Grösse 
von je 85 X 63 cm und stellen Palästina oder das südliche Syrien 
dar vom Nakb el-Jemen (= Steige Akrabbim) bez. vom Todten 
Meere an im S. bis zum Nähr el-Kelb (= Lykusfluss) bez. Ba*^al- 
bek (= Heliopolis) in N. und von Teil Refah (= Raphia) in SW. 
bis zum Dschebel Haurän (= Zalmon, Asalmanus) bez. bis zur 
Diret et-Tulül (= östlicher Trachon) im NO., d. h. sie umfasst 
dasselbe Gebiet wie die 1890 erschienene Handkarte von Palä- 

1) Wandkarte von Palästina zur biblischen Geschichte. Nach den An- 
gaben der Bibel bearbeitet von Dr. H. Fischer und Prof. Dr. H. Guthe. 
Massstab 1 : 200 000. Verlag der Geographischen Anstalt von H. Wagner & 
E. Debes in Leipzig. 6 Blätter. Ladenpreis 6 JL Aufgezogen und an Stäben 
befestigt 13 JL 

MnN. des D. Pal. -Ver. 1890. 5 



66 

stina. In der oberen linken Ecke befinden sich zwei Neben- 
karten: 1) das alte Jerusalem. Massstab 1 : 3S00. 2 Jerusalems 
Belagei'ung durch die Römer. Nach den Annahmen von F. 
Spiess 1). Massstab 1 : 20 000. Die untere rechte Ecke hat als 
Nebenkarte: Die Sinaihalbinsel und ihre Nachbargebiete. Mass- 
stab 1 : 1 000 000. Sie iimfasst im W. das Nildelta bis Saft el-Henna 
(= Phakusa, Gosen), im O. Petra, im N. Acco und den See Ge- 
nezareth. 

Die Auffassung des Terrains ist die gleiche wie auf der von 
Dr. H. Fischer und mir herausgegebenen Handkarte. Nur im 
O. haben sich mit Rücksicht auf die neuen Aufnahmen Dr. 
Schumacher's einige Veränderungen als nothwendig erwiesen. 
Wie es der Zweck einer Wandkarte fordert, sind jedoch die 
Hauptzüge der Oberflächengestaltung hier theils kürzer zusam- 
mengefasst, theils schärfer hervorgehoben. Die verschiedenen 
Höhenlagen sind durch leicht gehaltene Farbentöne bezeichnet, 
Avas namentlich die Nebenkarte unten rechts (Sinaihalbinsel etc.) 
zu einem sehr anschaulichen 13ilde oremacht hat. Über diesen 
Theil der Karte will ich jedoch hier nicht sprechen ; ich habe 
sehr wenig mit ihm zu thun gehabt. Die Zeichnung stützt sich 
auf die Arbeiten des Herrn Dr. H. Fischer (vgl. ZDPV. XIII, 
44 ff.), und der Farbendruck, der die Gestaltung der Bodenober- 
fläche in angenehmer Deutlichkeit vor die Augen führt, ist eine 
schöne Leistung der Geographischen Anstalt von W^agner&Debes. 

Während die Handkarte von Palästina d\irch ihre Legende in 
der Hauptsache die gegenwärtigen Verhältnisse der Besiedelung 
und Bebauung des Landes zur Anschauung bringt, soll die Le- 
gende der Wandkarte ausgesprochener Maassen geschichtlichen 
Zw'ecken, nämlich der biblischen Geschichte dienen. Hierdurch 
standen die Grenzen für die Auswahl der Namen im Allgemeinen 
fest. Jedoch habe ich sie nicht selten überschritten. Entweder um 
durch die spätere Geschichte und durch die Gegenwart allgemein 
bekannt gewordene Örtlichkeiten nicht ohne Bezeichnung zu 
lassen, da sie dem Auge, das die Karte des jetzigen Palästina 
kennt, willkommene Stützen gewähren ; alle aus diesem Grunde 
eingesetzten Namen, die theils dem Mittelalter theils der Neuzeit 
angehören, sind in Klammern eingeschlossen, ihre Lage nur durch 

1) Vgl. F. Spiess, das Jerusalem des Josephus. Berlin 1S81. Mit zwei 
lithographirten Tafeln. 



67 

einen Kreis bezeichnet worden, z. B. Beifort, Belvoir, Castellum 
Peregrinorum, Nähr Ruhin, Nähr Sukrer etc. Oder weil Namen, 
die für uns erst in der nachbiblischen Zeit auftauchen, zweifellos 
schon früher vorhanden gewesen sind und z. Th. für die Fest- 
stellung der V)iblischen Geographie ihre Wichtigkeit haben — 
ich brauche nur an das Onomastikon des Eusebius und Hierony- 
Mus zu erinnern ; solche Namen sind äusserlich nicht von den in 
der Bibel wirklich erwähnten unterschieden, z. B. Elusa, Majumas, 
Anthedon, Hethogabra = Eleutheropolis, Sepphoris ^ Diocaesarea, 
Kyamon (Castrum Fabae^, Karn Hai ja, Kephar Hananja etc. 
Oder endlich weil das in die Karte eingetragene Strassennetz 's. 
unten) die Bezeichnung wichtiger Kreuzungspunkte durch Na- 
men wünschenswerth machte, auch wenn alte Namen nicht zur 
Verfügung standen; hier blieb nichts Anderes übrig, als wieder 
zu den neuen Namen zu greifen, die ebenfalls in der vorhin er- 
wähnten Weise kenntlich gemacht wurden, z. B. Chirbet es-Sumrä 
und Zetä im W. und SW. von Caesarea palästina, ed-Dawä^ime 
und Der el-'Asal im südlichen Judäa. 

Viel Schwierigkeiten hat mir die Frage bereitet, wieweit man 
bei der Aufnahme von Namen in die Karte die Grenze des Siche- 
ren überschreiten und in das Gebiet des Wahrscheinlichen und 
Unsicheren hineingreifen dürfe. Die Frage beantwortet sich 
leichter, wenn man für rein wissenschaftliche Zwecke arbeitet. 
Das ist bei einer Wandkarte nicht der Fall. Die Wandkarte soll 
dem Zweck des Unterrichts in weiten Grenzen dienen, von der 
Volksschule an bis zur Universität. Aus praktischen Rücksichten 
ist es für diesen Zweck unthunlich, die weniger wahrscheinlichen 
oder unsicheren Annahmen sänimtlich durch ein hinter den 
Namen eingetragenes Fragezeichen kenntlich zu machen. In 
vielen Fällen habe ich daher stillschweigend auf das Fragezeichen 
verzichtet, nur in einigen findet es sich, z. B. bei Adullam, Salisa, 
Eamathaim, Thirza, Bethabara im Westjordanlande, bei Gamala, 
Mizpa, Bach Krith, Sukkoth, Pnuel im Ostjordanlande. Hätte 
ich ausschliesslich meiner eigenen Neigung folgen wollen, so 
würde ich es noch zu manchem anderen Namen gesetzt haben. 
Bisweilen habe ich mir auf andere Weise zu helfen gesucht. 
Wenn über die Gegend eines Ortes im Allgemeinen nicht gezwei- 
felt werden kann, aber die bestimmte Ortslage unsicher ist oder 
• ganz fehlt, so habe ich nur den Namen des Ortes ohne Punkt 



G8 

in die betreifende Gegend gesetzt; so z. B. bei Gatli, Nob, Abel 
Mehola. Oder ich habe, falls mehrere Annahmen über eine alte 
Ortslage vorhanden sind, die für beide in Betracht kommenden 
Namen verzeichnet, z. B. zu Enon und Salim auch die jetzigen 
Orte *^Ainün und Sälim, neben Gitta bei Sichem auch das heutige 
Dschett sw. von Caesarea palästina, für den Sinai neben der 
Gegend zwischen dem Dschebel Jelek und *^Ain Kadis auch 
Dschebel Müsä und Dschebel Serbäl. Die Karte bietet somit 
zugleich dem Lehrer nützliche Stützpunkte für die Behandlung 
solcher Fragen. Einer ausgedehnteren Anwendung dieses Ver- 
fahrens setzte der Raum schon Schranken. 

Besondere Beachtung wünsche ich dem Strassennetz, das 
auf der Hauptkarte mit doppelten und einfachen rothen Linien, 
auf der Nebenkarte der Sinaihalbinsel durchweg mit einfachen 
rothen Linien bezeichnet ist. In der Ausdehnung und Sorgfalt, 
mit der ich es darzustellen versucht habe, glaube ich den Be- 
nutzern der Karte etwas Neues zu bieten. Das Strassennetz ist 
von grosser Wichtigkeit für die richtige Auffassung der Natur 
und der Geschichte eines Landes ; es vermehrt und erleichtert 
die Einsicht in die natürliche Beschaffenheit der Oberfläche, weil 
die Strassen doch zunächst den Bahnen folgen, die die Natur 
weist ; sodann lässt es die in der Geschichte wichtig gewordenen 
Orte deutlich hervortreten und zwar um so schärfer, je weniger 
diese von Natur leicht zugänglich sind. Beide Umstände sind 
von hervorragender Bedeutung, um das Verhältnis richtig zu er- 
kennen, in dem die natürliche Oberflächengestalt und die Ge- 
schichte des Landes zu einander stehen. Endlich liefern die 
Linien des Strassennetzes , namentlich ihre Kreuzungen, ein 
neues Merkmal für die Wichtigkeit alter Ortslagen, das sonst 
leicht der Beobachtung entgeht. 

Es würde zu weit führen, diese Dinge an geeigneten Bei- 
spielen näher zu erläutern. Hier ist vielmehr am Orte, dass ich 
noch Einiges über den Umfang des von mir benutzten Materiales 
sage. Ausgegangen bin ich von den Wegen, die durch die neue- 
ren Aufnahmen des Landes als alt und wichtig festgestellt worden 
sind. Damit habe ich die Angaben der Bibel, der alten Schrift- 
steller bis auf EusEBius undHiEHO^YMUsunddieTabulaPeutinge- 
riana sowie die Beobachtungen der Reisenden dieses Jahrhunderts, 
auch Sammelwerke (Relaisd, Ritter, Raumek, Buhl) verglichen« 



69 

Ganz abgesehen davon, dass es zwei verschiedene Dinge sind, 
eine Strasse zu beschreiben und eine Strasse in die Karte einzu- 
tragen, Hess mich mein Material doch öfters im Stich. Haupt- 
sächlich war dies der Fall bei den Strassen, die vom Berglande 
nach Caesarea palästina sowie nach Askalon und nach Gaza 
führten. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sich in der Ebene 
die Spuren der alten Strassen verloren haben; vielleicht sind sie 
dort auch niemals so fest und dauerhaft hergestellt gewesen Avie 
im Berglande. Solche Lücken musste ich nach Vermuthung aus- 
füllen, unter Beobachtung der Oberflächengestalt, unter Ver- 
werthung von alten Ik'ückenrestenoder von Brunnen und Gräbern, 
die bekanntlich oft noch für den Lauf einer wichtigen Sti'asse 
zeugen, auch wenn schon jede andere Spur davon verschwunden 
ist. In Rücksicht auf die Unterrichtszwecke, denen die Wand- 
karte dienen soll, habe ich darauf verzichtet, diese Lücken äusser- 
lich kenntlich zu machen, etwa durch Unterbrechung der Linien. 
Ich hoffe, bei anderer Gelegenheit Näheres über diese Lücken 
des Strassennetzes mittheilen zu können, und Avill hier nur noch 
daraufhinweisen, wie lehrreich die alten Wege zwischen dem 
Nildelta und Syrien (Nebenkarte unten rechts) für die Frage nach 
der Strasse des Auszugs der Israeliten aus Ägypten und der 
Wüstenwanderung sind — für diese viel verhandelte Lieblings- 
frage so mancher Bibelfreunde! 

Viele Beschauer der Karte werden es voraussichtlich als 
einenbefremdenden Mangel empfinden, dass politische Grenzen für 
Reiche oder Völker und Stämme nicht angegeben worden sind. 
Das Einzige, was man von der Art findet, ist die Abgrenzung der 
Landschaften Judäa, Samaria, Galiläa undPeräa durch ein leichtes 
violettes Band, das nach den Angaben bei Josephus und im 
Talmud, so gut es eben ging, gezogen worden ist. Auch hier 
habe ich wieder dem praktischen Bedürfnis des Unterrichts 
Rechnung getragen. Noch andere Abgrenzungen vorzunehmen, 
habe ich nach reiflicher Überlegung unterlassen. Von den Gren- 
zen der zwölf Stämme ist die einzige, die man mit einiger Sicher- 
heit eintragen könnte, die zwischen Juda und Benjamin (Jos. 15 
und 18); bei allen anderen Stämmen aber wird sich der beste 
Scharfsinn vergeblich anstrengen, er muss doch endlich der — 
Phantasie das Feld räumen, und Karten, insbesondere Wand- 
karten in grösserem Umfange zur Darstellung von Phantasien zu 



70 

benutzen, scheint mir weder wissenschaftlich erlaubt noch für 
den Zweck des Unterrichts erwünscht zu sein. Der Vortheil der 
Anschaulichkeit, den man wohl zu Gunsten der farbigen Abgren- 
zung geltend macht, ist doch im genau steigendem Maasse um 
so mehr eine Sache der Einbildung, je geringer die Sicherheit 
und Richtigkeit dessen ist, was zur Anschauung gebracht werden 
soll. Man muss offenbar danach trachten, beiden Gesichtspunkten, 
der Anschaulichkeit und der geschichtlichen Wirklichkeit, in der 
Weise Rechnung zu tragen, dass man der ersteren nur da Raum 
giebt, wo die geschichtliche Wirklichkeit auch genügend für uns 
in Erscheinung tritt. Das ist eben bei den Grenzen der zwölf 
Stämme überwiegend nicht der Fall; daher habe ich die Abgren- 
zung ihrer Gebiete unterlassen und ihre Wohnsitze, ähnlich wie 
Dr. VON RiESS das in seinem Bibelatlas Bl. III gethan hat, nur 
durch die Namen — hier in Rothdruck — bezeichnet. 

Was ich soeben von den Grenzen der zwölf Stämme ge- 
sagt habe, gilt in gleicher Weise von den Gebieten der kleinen 
Machthaber und der freien Städte im Anfang unserer Zeitrech- 
nung: eine leidlich zutreffende Bestimmung der Grenzen ihrer 
Gebiete ist nicht möglich. Ich will damit nicht jeden Versuch, 
die geschichtlichen Verhältnisse z, B. der beiden Jahrhunderte 
vor und nach Christi Geburt darzustellen, als iniberechtigt er- 
klären. Im Gegentheil bin ich von dem Nutzen geschichtlicher 
Karten, w-ie sie sich in Dr. Th. Menke's vortrefflichem Bibelatlas 
(Gotha 186S) zahlreich linden und wie sie Dr. Sieglix in der 
neuen Ausgabe desSpRUNER-MENKE'schen Atlas x\ntiquus so reich- 
lich darbietet, durchaus überzeugt. Nur vergesse man nicht, 
dass jeder Sache der für sie passende Maassstab gebührt. Dort 
handelt es sich um sehr kleine Maassstäbe (l : 4,000 000 und 
1 : 2,500 000), auf der Wandkarte dagegen um einen verhältnis- 
mässig grossen (1 : 200 000). Es lässt sich nicht Alles, was man 
in kleinem Maassstabe zeichnen oder malen kann, in grossem 
Maassstabe wiedergeben; dazu gehört namentlich die Andeutung 
von solchen Grenzen, deren Verlauf in Wahrheit nicht bekannt 
ist. Solche Erwägungen haben dazu geführt, die Abgrenzung 
der Gebiete des llerodes Philippus, des Archelaus, des Lysias 
von Chalcis und von Abilene auf der Wandkarte zu unterlassen. 

Der geschichtliche Gehalt der Karte ist schliesslich doch 
grösser geworden, als ich anfangs dachte. Wenn die nicht weni- 



71 



gen Namen alle glücklich untergebracht und geschickt gestellt 
sind, so ist das der Umsicht und Mühe meines hochgeschätzten 
Mitarbeiters, des Herrn Dr. H. Fischer, zu verdanken. - 

Leipzig, 24. September 1896. 



Die Syiiodalzimmer des griecMsclien Klosters lii Jerusalem, r.'; ," 

Von Baurath C. Schick. 

Bei den Untersuchungen, die ich für mein Modell von der 
Grabeskirche und ihrer Umgebung anstelle (vgl. MuN 189G, 
S. 55), habe ich mein Augenmerk auch auf die drei Kapellen im 
W. des Vorplatzes der Grabeskirche gerichtet, besonders um in 
Erfahrung zu bringen, was sich hinter, d.h. im W. von diesen 
drei Kapellen befindet. 

Hinter der ersten Kapelle im N. , der Kapelle der vierzig 
Märtyrer, über der sich bekanntlich der Glockenthurm der Gra- 
beskirche erhebt, fand ich ein verhältnissmässig niedriges Ma- 
gazin. Der südwärts daran anstossende Raum dehnt sich in glei- 
cher Breite und Höhe bis an die Mauer der grossen Freitreppe 
aus, die von W. her zudem Vorplatz der Grabeskirche herabführt, 
und bildet eine niedrige Fortsetzung der südlichsten der drei 
Kapellen, der Jakobskapelle, mit dem besonderen Namen Thekla- 
kapelle. Über diesen beiden Räumen, in ihrer vollen Länge von 
der genannten Freitreppe an bis zur Mauer der Rotunde , sind 
zwei Stockwerke aufgebaut. Das untere dient als Weizenkammer 
für das griechische Kloster, das obere ist in drei Räume getheilt, 
die sämmtlich für die in Jerusalem abzuhaltenden Synoden be- 
stimmt waren. 

Der grösste Raum ist der nördliche, ein Refektorium mit 
Steintischen, an denen die Bischöfe und andere Mitglieder der 
Synoden zu speisen pflegten. Für den Patriarchen ist ein beson- 
derer runder Steintisch am Nordende des Gemaches hergerichtet; 
er steht gerade über dem Gewölbe der südlichen von den drei 
Apsiden, die sich in der Rotunde befinden, und ist am Rande mit 
einer griechischen Inschrift verziert. Dieser Raum erhält durch 
eine Off"nung in der gewölbten Decke Oberlicht; daneben kann 
man auch durch die nach dem Kloster führende Thür an der 
Westseite Licht in das Zimmer hereinlassen. Das südlich an- 
grenzende Zimmer ist viel kleiner. Die Holzvertäfelungen der 



72 

Wände sind schön geschnitzt nnd bemalt, z. Th. auch vergoklet, 
ebenso die nach W. führende Thür, die den Zugang zu einem 
kleinen allerliebsten Korridor eröffnet. In diesen Holzverscha- 
lungen befinden sich viele, ebenfalls in Holz hergestellte Fächer, 
in denen die Akten der Synode aufbewahrt werden. Dieses Zim- 
mer, das man demnach das i\.rchiv der Synode nennen könnte, 
hat in der östlichen Wand ein Fenster, aus dem man in die mitt- 
lere der drei Kapellen , die z. Th. unbedeckt ist , hinausschaut. 
Das äusserste Zimmer nach S. ist der Sitzungssaal der Synode. 
Es hat in der Südwand ein Fenster, aus dem man also auf die 
Freitreppe hinabsieht, und in den Längswänden (O. u. W.) je 
eine Thür. Die östliche Thür ist sehr schön; man gelangt durch 
sie zu einer Treppe, die zunächst auf eine Galerie der südlichsten 
Kapelle, der Jakobskapelle, und von dort in die Kapelle selbst 
hinabführt. Die westliche Thür öffnet sich in einen Gang, der 
ursprünglich längs den drei beschriebenen Zimmern hinführte, 
jetzt aber von dem erwähnten kleinen Korridor durchschnitten 
und nördlich davon zu einer Cisterne ausgebaut ist.. An der W.- 
Seite dieses Ganges war einst eine Reihe von Säulen; das be- 
weisen drei noch in situ erhaltene Säulen, zwei im S., eine im 
N. bei der Cisterne. Sie stehen auf dem natürlichen Felsen; der 
Haum von hier bis zur nächsten Gasse im W. bildete einst eine 
ebene Terrasse. 

Jetzt werden freilich die Sitzungen der Synode nicht mehr 
in diesen lläumen abgehalten, sondern im Patriarchat. Dass man 
sie völlig unverändert gelassen hat, macht diesen Theil des grie- 
chischen Klosters eines Besuches wohl werth. 

Jerusalem, 28. August 1896. 



: - .' Bemerküngei Mi NacWräge. 

1) Zu MuN 1896, Heft 3, S. 38. 

Die von F. Frank, Seetzen (Reisen I, 424) und Gray Hill 
(Quart. Statem. 1896, S. 39) genannten F'rüchte oder Körner, die 
von den Eingeborenen zum Betäuben der Fische in's Wasser ge- 
worfen werden, sind die haselnusss^rossen Früchte des "abhar- 
Strauches, des Styrax officinalis oder spanischen Holkmders, der 
überall in Syrien gedeiht ; vgl. meine Beschreibung des Dschö- 
län, ZDPV. IX (1886), 210. Schale und Kern werden zusammen 



73 

gestossen, mit Mehl vermischt und dann in's Wasser gestreut; 
die meisten Fische werden nicht nur betäubt, sondern gehen am 
Genuss des "ahhar zu Grunde; in den Küstenstädten, namentUch 
in "^Akka und Haifa, und in den Orten am untern Kison ist diese 
3Iethode des Fischfanges bei den ärmeren Klassen sehr beliebt; 
Bemittelte essen den so getodteten Fisch nicht, obwohl das Fleisch 
dadurch nicht schädlich, wohl aber weniger geschmackvoll ge- 
worden ist. 

Haifa, 28. Juni 1896. G. Schumacher. 

2) Zu ZDPV. Xm, S. 201 und MuN 1896, S. 54. 

Die von Professor Nestle zu Matth.3,12. Luc. 3,17 gestellte 
Frage dürfte vielleicht in Folgendem Beantwortung finden: 

Beim Worfeln des Getreides im Abendwind fallen die vom 
Vieh oder dem Dreschschlitten kurzgetretenen, zerschlitzten und 
zerriebenen Strohtheilchen je nach Grösse und Schwere näher 
oder ferner. Die Aveichen Stücklein {tib7i = Häcksel und das 
Getreide werden eingeheimst, die hartgebliebenen Theile aber, 
meist Wurzel-ijoder Knotenstücke, welche den Hufen derThiere 
und der Keibung des Schlittens widerstanden haben, auf die 
Seite geworfen. Dieser harte Rest, den das Vieh nicht frisst, 
heisst beim Volke liaswal (für hamJ). Er ward da und dort von 
der Hausfrau zum Anfachen des Feuers im täbün benützt, vom 
Hausherrn in Vermengung mit Lehm zur Ausbesserung des 
Daches verwendet, nie aber vom Landmann zur Düngung des 
Feldes verbrannt; denn Felderdüngung und Derartiges übersteigt 
die landwirthschaftlichen Kenntnisse des Morgenländers. Wo 
man indes den Überrest nicht zu verAvertheu weiss noch es thun 
will, da überantwortet man ihn, freilich nur zum ergötzlichen 
Schauspiel, dem Feuer, Der Fellach häuft den haswal aiif der 
Tenne zusammen und zündet ihn bei einbrechender Nacht an. 
Bald schlagen die Flammen w^eithin sichtbar zum Himmel em- 
por. Dieser Vorgang ist dem Herrn ein Sinnbild des endlichen 
Gerichts, in welchem er die »Spreu« (aj(o[>ovj, den meist nichts- 
werthigen kuswal'^)^ mit ewigem Feuer verbrennen wird. , - 

Jerusalem, Syr. Waisenhaus, 1. September 1896. 

L. 1?AUER. 

1) Von »Stoppeln« in unserem Sinne kann nicht geredet werden, da der 
Fellach die Halme nicht abschneidet, sondern herausreivsst. 

2) Die arabische Bibel bedient sich in beiden Stellen des Ausdrucks 



74 

3) Zu MuN 1896, S. 44. 

In Betreff der von einer Bremer Firma herrühi-enden Mit- 
theilung über die Lage des Beiruter Handels, die MuN 1S96, 
S. 44 abgedruckt worden war, geht der Redaction von einem 
bewährten Kenner der dortigen Verhältnisse folgende Berich- 
tigung zu. 

»Jene Notiz mag eher den Interessen der Bremer Firma ent- 
sprechen, als sie mit den thatsächlichen Handelsverhältnissen 
und anderen Zuständen in Beirut übereinstimmt. So lange die 
politischen Verhältnisse des Orients nicht in ein etwas normaleres 
Geleis kommen, ist es müssig und ungerechtfertigt, von erhöhter 
Vorsicht in Geschäften mit hier und dem übrigen Orient abrathen 
zu wollen.« 



" ■ Knrze Mlttliellungen. 

* über die Unruhen im Haurän sind sehr verschiedene 
Nachrichten der Redaction zugegangen. Da sie sämmtlich aus 
Syrien stammen, so können sie defti Leser ein Bild davon geben, 
wie in jenem Lande selbst die Nachrichten sich widersprechen, 
und ein Beispiel dafür liefern, wie schwierig es ist, zuverlässige 
Nachrichten aus jenem uns doch gar nicht so fern liegenden Ge- 
biete zu erhalten. Der eine (Korrespondent schreibt: 

19. Juli 1S96. Die Drusenhändel wurden diesmal rasch be- 
endet. Die Regierung schritt energisch ein und soll angeblich 
die Aufständischen nach dem ersten Gefecht zu Boden geworfen 
haben. Die Drusenschechs sind gefangen genommen worden. 
Auch die Beduinen des Haurän , die sich ebenfalls erhoben hat- 
ten, haben sich wieder unterworfen. Sie weigerten sich nämlich, 
die '^askarlje und den ^uschr, die Militärsteuer und den Zehnten, 
zu entrichten, die die Regierung seit dem letzten Drusenaufstand 
auferlegt hatte. Als sie jedoch sahen, das die türkische Regierung 
blutigen Ernst machen wollte, gaben sie ohne Weiteres nach. 

10. August. Der Aufstand im Haurän ist noch nicht be- 

it. Der'A 
nicht berührt. 



endet. Der "^Adschlun und die Belka werden von der Bewegung 



tibii, weil tibn das umfassende Wort für das gedroschene weiche und harte 
Stroh ist, während kasal im Hocharabischen eigentlich nur die zur Fütterung 
der Thiere grün abgemähten Halme bedeutet. 



75 

17. August. Der Aufstand der Drusen ist zu Ende, Die 
Drusen müssen 1000 Gewehre abliefern, die Regierung gewährt 
ihnen völlige Steuerfreiheit auf sieben Jahr. 

14. Sept. Die Drusen haben sich aufs neue erhoben, ' . 

Von anderer Seite sind folgende Mittheilungen eingetroffen: 

20. Juli 1S9(5. Dem diesjährigen Aufstand der Drusen im 
Haurän stehen die Beduinen wohlwollend gegenüber. Er ist 
von türkischer Seite verschuldet und wird eine Verschärfung der 
unter den Bewohnern herrschenden Gegensätze zur Folge haben. 

27. August. Im Ilauräu ist die Ruhe immer noch nicht wie- 
der eingekehrt, trotz aller Nachrichten, die verbreitet werden und 
das Gegentheil besagen. Die Regierung, muss jetzt Verstärkungen 
abwarten, die aber schwer aufzutreiben sind, und sich in. der De- 
fensive halten. Es macht grosse Schwierigkeiten , den dort ver- 
bliebenen Rest der Truppen zu verpflegen , da es an Mitteln 

fehlt. • ; , :.■ 

2. September, Die Lage der Türken im Haurän wird immer 
schwieriger. Es ist daher nicht unmöglich, dass die Drusen 
scliliesslich ihre Wünsche erlangen: Freilassung der Gefangenen 
und Verbannten, die gleiche Selbstverwaltung wie früher und 
Feststellung der Übereinkunft durch die Konsulate, um für die 
Zukunft sicherer zu sein. Im Libanon herrscht Ruhe; doch 
scheinen sich viele Drusen nach dem Haurän begeben zu haben, 
um ihren Brüdern zu helfen. 

St. Der Bau der Eisenbahn nach Aleppo und via Ba'^albeck 
nach Höms [vgl. ZDVP. XVII, 62 ff.] kommt unter den gegen- 
wärtigen Verhältnissen nicht vorwärts. Dagegen sind die Ar- 
beiten für die üferbahn an der Libanonküste [MuN 1S95, 30 f.] 
langsam im Gange. ■ . ;■ . 

— . Studenten von der Universität der Azhar-Moschee in 
Kairo sind ausgewiesen und haben sich nach Beirut begeben. 
Sie verhalten sich dort ziemlich ruhig. 

— . Die ägyptische Zeitung el-Moajjad brachte eine Reihe 
von Artikeln über die Geschichte der Araber seit der Gründung 
des Islam. Die türkische Censur hat die Zeitung für das Gebiet 
der Türkei verboten. 

— . Kürzlich wurde in Beirut beim Abbruch von Häusern, 
die für die Herstellung der neuen Querstrasse durch Alt-Beirut 
niedergelegt wurden, ein Krug voll Goldmünzen gefunden. Als 



76 

die Polizei mit einiger Verspätung sich einstellte, war der grösste 
Theil von dem betreffenden Arbeiter, einem Drusen, bereits in 
Sicherheit gebracht worden. Nur Avenige Stücke gelangten in 
den liesitz bekannter Personen. Wahrscheinlich werden die 
Münzen später in Umlauf gesetzt werden; es befinden sich kufi- 
sche Inschriften darauf. 

— . Seit 35 Jahren ist das Wetter in Beirut nicht so abson- 
derlich gewesen, wie in diesem Sommer. Die Hitze ist enorm, 
unerträglich schwül ; daneben plötzlich ein Regen , der wie eine 
Dampfdouche wirkte. Es scheint in diesem Jahr Alles hier ab- 
norm sein zu wollen, nicht nur das Wetter, sondern auch die Ge- 
müther der Bevölkerung. 

— . Die Hülfsgelder, die die französische Regierung an Schu- 
len und andere Anstalten in Beirut zahlt, sind bedeutend erhöht 
worden. Die Rundreisen des französischen Geueralconsuls im 
Libanongebirge finden mit auffallendem Gepränge statt, so dass 
man nicht umhin kann, von dem »Protecteur des chretiens« 
zu reden. 

— . In Beirut kommen zahlreiche Reibereien zwischen Tür- 
ken und Christen vor. Mit der Zeit werden solche Vorkommnisse 
sehr lästig. Man fragt unwillig , wesshalb ihnen nicht ernstlich 
ein Ziel gesetzt wird, und befürchtet, dass diese übel angebrachte 
Nachsicht eines Tages schlimmere Folgen nach sich ziehen 
könnte. 

Dr. S. Am 29. Juni Nachts III/2 Uhr wurden in Tiberias, 
Safed, et-Täbigha und auch in Haifa fünf bis sechs Erdstösse in 
rascher Aufeinanderfolge verspürt. Zwar wurde kein Schaden 
angerichtet; aber die Stösse waren doch so stark, dass verschie- 
dene Leute in allen genannten Orten davon aufwachten und 
Schlimmes befürchteten. 

— . Von Kerak soll man jetzt unbehelligt nach Petra reisen 
können. Verschiedene Deutsche und Engländer, die im Juni 
Petra besucht haben, hatten keine andere Begleitung als zwei 
Tscherkessen- Soldaten , die ihnen zur Sicherheit beigegeben 
worden waren [vgl. MuN 1896, S. 45]. 

Bs. Die Ausgrabungen des English Palestine Exploration 
Fund sind unter Leitung von Dr. Bliss wieder begonnen worden. 
Man hat eine Treppe, die in den älteren, grösseren Siloahteich 
hinabgeht, a\ifgedeckt, auch Mauerreste gefunden, deren Zuge- 



77 

hörigkeit zur alten Stadtmauer jedoch noch zweifelhaft erscheint. 
Ich selbst habe die Funde nicht in Augenschein genommen, da 
ich bei der Hitze in Folge meines Alters nicht hinunter gehen 
kann. 

— . Der Avechselnde Wasserstand der Siloahquelle beschäf- 
tigt immer noch lebhaft die Gemüther, besonders die der Be- 
wohner von Silwän. Im Anfang des Sommers lief sie wiederholt 
und auch längere Zeit, so dass die Fellachen ihre Gärten bewäs- 
sern konnten. Seit einigen Monaten ist sie aber Avieder ganz 
trocken. Niemand weiss die Ursache davon. Die Silwaner blei- 
ben dabei, seit die Inschrift weggenommen worden, sei auch »der 
Segen« dahin. Vgl. MuN 1895, 9 f. 

— . In Jerusalem wird immer noch munter gebaut. Neben 
dem neuen Thore an der NW. -Ecke der Stadt, dem hüb "ahcliU- 
hamul^ wurde vor einigen Jahren eine grosse Cisterne in dem in 
Felsen gehauenen Stadtgraben hergestellt. Jetzt baut ein fran- 
zösischer Männer- oder Frauenorden — seinen Namen kenne ich 
nicht — ein palastartiges Kloster über die Cisterne. Der Bau 
überragt schon bei Weitem die Stadtmauer, obwohl sein zweites 
Stockwerk noch nicht die volle Höhe erreicht hat. Der alte 
Stadtgraben verschwindet hier nun ganz; das neue Gebäude ver- 
deckt sogar die Stadtmauer, sodass der Reisende in Zukunft den 
»Tancredsthurm« (Tobler, Topographie von Jerus. I, 69) ver- 
geblich suchen wird. Zwischen der Stadtmauer und dem neuen 
Gebäude ist ein Gang von kaum 2 m Breite frei gelassen worden. 

— . Die neue Stephanskirche auf dem Gebiete des Domini- 
kanerklosters (Schick- Benzinger's Plan 30a, B3) nördlich von 
dem Damaskusthore erhebt sich in Folge eifriger Arbeit rasch in 
die Höhe. Von neuen dort gemachten Funden ist mir nichts be- 
kannt geworden. 

— . Das griechische Kloster MärDschirjis, im O. des grossen 
armenischen Klosters (s. Zimmermanx-Schick's Plan Nr. 114), 
von dem ich im Qviarterly Statement 1895, 325 eine Beschreibung 
mit Plan gegeben habe [vgl. MuN 1896, S. 14. Red.], ist neuer- 
dings vergrössert und seine Kirche mit einem kleinen schönen 
Thurm versehen worden, in dem zwei Glocken hängen. Die 
Stadtgegend hat dadurch ein viel freundlicheres x\ussehen er- 
halten. 



78 



II. J^achrichten. 



Verzeicliniss kr vom 1. Januar 1894 Ms züm 31, Decemlier 1895 für üie Palästina- 
Biüliotliek eingegangenen Biiclier, Zeitsclirinen n. s.w. 

(Forlsetzung und Schluss.) 

J"o7) den Bolla7idisten in Brüssel: 

1069. Analecta Bollandiana. Ediderunt Carolas de Smedt, Josephus de Backer, 
Franeiscus von Ortroy, Josephus van den Gheyn, Hippolytus Delehaye 
et Albertus Pongelet Presbyter! Societatis Jesu. Tomas XIV. Fase L 
II. Bruxelles 1&95. Gr. 8. . 

Von Herrn Professor Dr. JR. Röhricht in Berlin : 

1070. Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern. XIV. Band. Zweites 
Heft. Bern 1894. 8. 

1071. Die Deutschen im Heiligen Lande. Chronologisches Verzeichnis der- 
jenigen Deutschen, welche als Jerusalempilger und Kreuzfahrer sicher 
nachzuweisen oder wahrscheinlich anzusehen sind. (c. 650 — 1291). Von 
Reinhold Röhricht. Innsbruck. Verlag der Wagner'schen Universitäts- 
Buchhandlung. 1894. 8. 

1072. Le Pelerinage du n.oine Augustin Jacques de Verone (1335). Publie, 
d' apres le Ms. de Cheltenham Nr. 6650, par Reinhold Röhricht. (Extrait 
de la Revue de l'Orient latin, t. III (1895) no. 2]. Paris. Ernest Leroux, 
Editeur. 1895. 8. 

1073. Briefe des Jaeobus de Vitriaco (1216 — 1221). Herausgegeben von Rein- 
hold Röhricht. III — V. Mit einem Nachtrage. Zeitschrift für Kirchen- 
geschichte. Bd. XV, S. 568—587. — VI. VII. Mit einem Nachtrag. 
Ebendort, Bd. XVI. S. 72-114. 8. 

1074. Der Untergang des Königreiches .lerusalem. Von Reinhold Röhricht. 
58 S. 8. Sonderabdruck aus den »Mittheilungen des Instituts für öster- 
reichische Geschichtsforschung«, Band XV. 

Von Herrn Grafen von Landberg in Tuizing : 

1075. i.\rabica par leComte de Landberg. No.III. Der Dialekt von Hadramüt. 
Les Metiers de Hadramüt. D. H. Müller: Die Burgen und Schlösser 
Südarabiens. A. Seidel: Praktisches Handbuch der arabischen Umgangs- 
sprache des ägyptischen Dialekts. Leyde, E. J. Brill. 1895. 8. 

Von Herrn Dr. phil. Otto Kersten in Berlin .- 

1070. Pilgerfahrt des Landgrafen Wilhelm des Tapferen von Thüringen zum 
heiligen Lande im Jahre 1461. Herausgegeben von J. G. Kohl. Bremen. 
1868. Verlag von C. Ed. Müller. 8. 

Von Rev. J. Jrw. Whitty, LL. D., in Ramsgate: 

1077. Who Originated the Palestine Exploration Fund? By Rev. John Ir- 
wine Whitty, LL. D. Dublin. 8. 

1078. Discovery uf »Whitty's Wall« at Jerusalem (King Solomons Rampart), 
with map. By Rev. John Irwine Whitty, LL. D., London. 1895. 8. 

1079. Water Supply of Jerusalem, Ancient and Modern. By John Irwine 
Whitty, Civil Enginecr. 'Reprinted from »The Journal of Sacred Litera- 
ture and Biblical Record« for April 1864.) London. AVilliams and Nor- 
gatc. 1864. 8. 



79 

1080. Jerusalem Water Relief Society. Established 1864. London: Mitchell 
and Hughes, Printers. 8. 

1081. Proposed Water Supply and Sewerage for Jerusalem. With Description 
of its Present State and Former Ptesources. Bv John Irwine Whitty, 
LL. D. London: Published by W. J. Johnson. 1863. gr. 8. 

1082. The Gods of Greece, from the Germain of Schiller: With the Celebrated 
Supressed Stanzas liestored. Also Prologue and First Canto of Goethes 
Hermann and Dorothea, accurately translated. And Other Poems. Bj" 
John Irwine Whitty, LL. D. London: Grocock and Condlitf. 1892. 8. 

Von Herrn Prof. H. G. 3Iitchell in Boston [Nordamerika): 

1083/1085. Journal ofBiblicalLiterature Vol. XII. Part. II. 1893. — Vol. XIIL 
Part. I. IL 1894. — Vol. XIV. Part. I. IL 1895. 8. Published by the 
Society of Biblical Literature andExegesis (W. H. Cobb, Congregational 
Library, Boston, Mass.). 

Durch die Redaktion der ZDPV.: 

1086. Krayenbelt, J., Het heilige Land. Reis door Egypte, Palestina en Syrie 
met kaart en platen. Tweede druck. Ten voordele van het Kinderhuis 
der Ned. Herv. Gem. te Rotterdam en van het Protest. Kinderziekenhuis 
»Marienstift« te Jerusalem. Rotterdam, Wenk & Birkhoff. 1893. 364. 
XV S. Gr. 8. 

1087. Ba' albeck. Histoire et Description. 1895. Librairie de l'imprimerie 
catholique. Beyrouth. 87 S. kl. 8. 

1088. Litterarischer Palästina -Almanach für das Jahr 5656—1895/96. Mit 
4 Holzschnitten herausgegeben von A. M. Luncz, Herausgeber des Jahr- 
buches »Jerusalem«. 1. Jahrgang. Jerusalem 1895. Druck und Verlag 
des Herausgebers. 32, 144, 54 S. kl. 8. (Hebräisch). 

1089. A. Seidel, Praktisches Lehrbuch der arabischen Umgangssprache syri- 
schen Diafects. Erläutert durch zahlreiche mit Übersetzung und Wörter- 
verzeichnis versehene Übungsstücke. Wien. Pest. Leipzig. A. Hart- 
leben's Verlag. (OhneJahr). [Die Kunst der Polyglottie. 47.Theil]. VIII, 
190 S. 8. 

1090. Geyer, Dr. Paulus, Adamnanus, Abt von Jona. I. Theil. Sein Leben. 
Seine Quellen. Sein Verhältniss zu Pseudoeucherins de locis sanctis. 
Seine Sprache. Programm zu dem Jahresberichte des k. h. Gymnasiums 
bei St. Anna in Augsburg für das Schuljahr 1894/95. Augsburg, Druck 
von Ph. J. Pfeiffer. 1895. 47 S. S. 

Von der kaiserliehen (russischen) orthodoxen Palästinagesellschaft. 

NB. Vgl. hierzu das Verzeicliniss ZDPV. XVII, S. VII— XI. Dort sind 81 Nrn. aufgezählt; 

daher wird hier fortgefahren mit Nr. 

1171/1172. Mittheilungen (6 Hefte im Jahr,: Bd. V Juni — December 1894. 
Bd. VI Febr. — Decbr. 1895. Beilagen zu Bd. V und VI. 

1173. Die Onomastica des Eusebius und Hieronymus. Übersetzung und An- 
merkungen von J. Pomialowski. 1894. Sbornik (d. i. Sammlung) Lief. 37. 

1174. Erzählung des königlichen Klerikers Xicetas über das heilige Feuer; 
geschrieben i. J. 947. Beilage: Erzählung eines Wunders, das sich mit 
dem heiligen Feuer i. J. 1634 zugetragen. Vorwort und Ausgabe des 
griech. Textes von A. Papadopulos-Kerameus , Übersetzung von G. 
Destunis. 1894. Sbornik, Lieferung 38. 

1175. Antonini Piacentini Itinerarium. Ausgabe des lateinischen Textes, 
Übersetzung und Anmerkungen von Pomialowski. 1S95. Sbornik, Lie- 
ferung 39. 

1176. Kurzer Bericht über die heiligen Stätten in Jerusalem. Von einem 
Anonymus aus den Jahren 1253 — 54. Griechischer Text, nach einer in 
Neapel befindlichen Handschrift zum er-sten Male veröffentlicht von 
Papadopulos-Kerameus. Übersetzung von Destunis. 1895. Sbornik, 
Lieferung 40. 



so 



1177. Die megalithischen Denkmäler des heiligen Landes. Von A. Olesnitzki. 
1895. Sbornik, Lieferung 41. 

1178. Jonas des Kleinen Bericht und Erzählung über seine Reise nach Je- 
rusalem und Zargrad. Ausgabe der beiden Handschriften in Petersburg 
und Moskau von S. Dolgow. Sbornik, Lieferung 42. 

1179. Die Beziehungen der Patriarchen von Jerusalem zu der russischen Re- 
gierung, von der Hälfte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 
Von N. Kapterew. 1895. Sbornik, Lieferung 43. 

1180. Das Buch meines Lebens. Tagebücher -und autobiographische Notizen 
des Bischofs Porphj^rios Uspenski. Theil II: Die Jahre 1814 und 1845. 
Ausgabe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften auf Kosten des 
kaiserl. orthodoxen Pal. -Vereins, besorgt von P. A. Sirky. 1895. 

1181/1184, Biographieen palästinenischer Heiliger. Hrsgeg. von Pomialowski 
1895. Lieferung 5: Porphyrius, Bischof von Gaza 393 — 4"21. 6: Ge- 

rasimus vom Jordan, gest. 475. 7: Kyriakos, der Einsiedler 449 — 

, 556. 8: Theodosius der Grosse. 

1185. Palästina und Sinai. 3. Lieferung: Verzeichniss der im Besitze des 
kaiserl. orthodoxen Pal.-Verein.? befindlichen photographischen Auf- 
nahmen. Von W. Juschmanow. 1891. 

1186/1188. Die ältesten Klöster und die berühmtesten Vertreter des Mönch- 
thums in Palästina. Von P. Sladkopewzow. 1895. Lieferung 1: Die 
Klöster des 4. Jahrhunderts. 2: Die Klöster des 5. Jahrhunderts. 3: 
Die Klöster des 5. Jahrhunderts. 

1189. Zum belebenden Grabe des Herrn. Erzählung eines alten Pilgers. Von 
Hitrowo. 7. Aufl. 1895. 

1190, Das heilige Land und der kaiserl. orthodoxe Palästina -Verein. Von 
M. Solowjew. 1895. 

Sämmtliche Schriften sind bei AV. Kirschbaum in Petersburg gedruckt. 



'GescMflliclie Mittliellnngen und Personalnacliricliten. 

Am 1. September traf von Herrn Dr. Schumacher aus Haifa die Karte 
und die Beschreibung der Landschaft el-kefürüt ein, das Ergebniss der Reise, 
die Di\ Schumacher im April d. J. im Auftrage des Deutschen Vereins zur 
Erforschung Palästina's unternommen hatte. Begleitet war die Sendung auch 
von mehreren Berichtigungen und Ergänzungen der früheren Aufnahmen im 
Dschölän und Haurän. 



Noch in diesem Herbst wird voraussichtlich Herr Dr, G, Schumacher 
seine Aufnahme des Ostjordanlandes zunächst im'Adschlün fortsetzen. Nach 
den letzten Nachrichten beabsichtigte Dr. Schumacher in diesen Tagen von 
Haifa aufzubrechen. Das Nähere soll im nächsten Heft der MuN mitgetheilt 
werden. 



Durch den Tod verlor der Verein das Mitglied: 

Schiffers, Dr. M., Pfarrrektor an der Marienkirche in Aachen, 



Geschlossen am 24. September 1896. 



1896, 



# <L 



irKi 



-^1--, 



,o 



i^mg 



<= /^ 



rÄ 



DEUTSCHEN PALAESTINA- 



f( VEREINS 









ij 



lMS©l©Ei[ 



C.l>\ V0K1 

Dr. O. SEESEMANN. 



LEIPZIG 
^fTconnissioN bei 

K.B/£DEKER. 



m^^ 



1896. 



Das weitere Comite des Deutschen Vereins zur Erforschung Palä- 
stina's besteht zur Zeit aus den Herren : 

Karl Bcedeker, Buchhändler in Leipzig. 

Dr. J. Benzinger, Pfarrer in Neuenstadt a/Kocher. 

Dr. G. Bickell, Professor in Wien. 

P. Biever, Direktor des Hospizes in et-Täbigha bei Tiberias. 

Dr. £d. Bühl, Professor in Wien. 

Dr. Ad. Brüll in Frankfurt a/Maiu. 

Dr. Fr. Buhl, Professor in Leipzig. 

Dr. O. Fraas, Professor in Stuttgart. 

Dr. H. Kiepert, Professor in Berlin. 

Dr. A. W. Koch, Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Dr. F. Mühlau, Professor in Kiel. 

Dr. W. A. Neumann, Professor in Wien. 

Dr. Th. Nöldeke, Professor in Strassburg. 

Dr. F. W. M. Philipen, Professor in Rostock. 

Dr. Reinicke, Professor in Wittenberg. 

Dr. R. von Riess, Domcapitular in Rottenburg a. N. 

Dr. C Schick, königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

P. Schmidt, Rektor des katholischen deutschen Hospizes in Jerusalem 

Dr. P. Schröder, kaiserl. deutscher Generalconsul in Beirut. 

Dr. G. Schumacher, Ingenieur in Haifa. 



Der geschäfts führ ende Ausschuss besteht zur Zeit aus den 
Herren : 

Dr. K. Furrer, Professor u. Pfarrer zu St. Peter in Zürich. 

Dr. Herrn. Guthe, Professor in Leipzig, Kramerstrasse 7. 

Dr. F. Kautzsch, Professor in Halle a. d. Saale, Wettinerstrasse 31. 

Dr. Otto Kersten, in Altenburg, S. -Altenburg. 

Dr. A. Socin, Professor in Leipzig, Schreberstrasse 5. 



Inhalt 

des zweiten Jahrganges der Mittheihiugen und Nachrichten 
des Deutscheu Palästina-Vereins. 



I, Mittheilungen, Sgj^p 

Reisebericht. Von Professor R. Bkünnow. (Fortsetzung.) III. 'Amman- 
Jerusalem — Dscholan 1 

Gader, Gadara, Gedor. Von Professor H. GuTHE in Leipzig ö 

Der Name »Jordan«. Von Dr. C. F. Seybold in Tübingen 10 

Reisebericht. Von Professor R. BrÜNNOW. (Schluss.) IV. Dscholan 

und Hauran 1" 

Lateinische Inschrift aus Jerusalem. Von C. SCHICK 2ö 

Zu dem Nameu 'id el-mä und zu der Lage von 'azrl-a. Von Dr. C. F. 

Seybold in Tübingen 2.5 

Der Name »Jordan«. Von Dr. C. F. Seybold in Tübingen 26 

Eine Fusstour in das Ostjordanland. Von F. Frank 33 

Israel auf einer altägyptischen Inschrift. Von Professor G. Steindorff 4.5 
Römischer Grenzwall in der Provinz Arabia. Von Professor Dr. Karl 

Zangemeister 49 

Abu Abdallah el-Kuraschi. Von Professor Dr. I. GoLDZiHER .... 52 

Zu Matth. 3, 12. Luc. 3, 17. Von Professor Dr. E. Nestle 54 

Eine neue Wandkarte von Palästina. Von Professor H. Guthe . . . ßö 
Die Synodalzimmer des griechischen Klosters in Jerusalem. Von Bau- 

rath C. Schick "?! 

Unsere Arbeiten im Ostjordanlande. Briefe Dr. Schumacher's in flaifa 81 
Ein muslimischer Schwur. Von Bruno Hextschel z. Z. in Leipzig . 85 

Kurze Mittheilungen 12. 27. 43. 55. TL 86 

Aus Zeitschriften 14. 29. 47. 58 

Bemerkungen und Nachträge L. GauTIER, Clermont- Ganneau, 

E. Nestle, G.Schumacher, li. Bauer) 49. 72 

Abbildimgeu im Texte: S. 2 (zwei;. 3. 4. 5. 7. 17. 18. 19. 20. 21. 25. 



II. Nachrichten. 

Geschäftliche Mittheihuigen und Personalnachrichten K!. 32. 48. 64.80.96. 
Verzeichniss der vom 1. Januar 1894 bis zum 31. December 1895 für 
die Palästina-Bibliothek eingegangenen Bücher, Zeitschriften u. s.w. 

31. 63. 78 

Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1895 59 

Rechnungsauszug 1895 62 

Verzeichniss sämmtliclicr Mitglieder des Deutschen Vereins zur Er- 
forschimg Palästina's 88 



Alphabetisches Sachregister. 



Seite 

'Adsclilün, Vermessimg . . . 81 ff. 

'Ain dschadür 5 ff. 

'Ain Jädschüz 38 

'Amman: 

Fischfang ."iS 

sog. Moschee 1 ff. 

Siegel mit Inschrift . . . 4 f. 21 f. 

Votivsteiu i 4 

Aseka 26 

Beirut: 

Censur 75 

Eisenbahnen 75 

Goldmünzen . 75 f. 

Irrenhaus 44 

Unsicherheit 76 

Wetter . • • 76 

Bethlehem: . . 

Industrie .......... 57 

Stadtrath 57 f. 

Brückcnbauteu 87 

Bnrme 35 f. 

Drusenaufstand 12f. 27 f. 43. 74f. 86 

Dscheräsch 36 f. 

Dschillm, röm. Denkmal . . . 43 

ed-Dschäbije 16 ff. 

Eisenbahn Beirut-Damaskus . . 13 

Erdbeben 76 

Erdsalamauder 86 

es-Salt 5 ff. 

es-Sanamen, Inschriften .... 21 

Fischfang 38. 72 f. 

Gcdor 5 ff. 

Getreideausfuhrverbot 86 

Jabbok 35. 37. 

Jafa, Dampfmühleu 45 

Jerusalem : 

Ausgrabungen . . . . 55 f. 76 f. 

Ausstellung 87 

Caruelium 42 

Golgathafelsen 55 

Grabeskirche, Modell .... 55 
Grand Hotel 29 



Seite 
Jerusalem: 

Hakeldama 42 

Industrie 57 

Inschrift, lateinische .... 25 

Kirchen, Alte 14. 58. 

» Englische 28 f. 

Erlöserk 28. 55. 

Neubauten 77. 87 f. 

Russische Neubauten .... 56 

Siloahquelle 29. 77. 

Synodalzimmer im gr. Kloster 71 f. 

Unsiclicrhcit 56 

Volksaberglaube 52 ff. 

Inschriften : 

altägyptische 45 f. 

altphoenicische 4f. 21f. 

griechische. . . 17. 21. 40 f. 42 f. 

hethitische 13 

lateinische . . . .4. 25. 41. 49 ff. 

Jordan 10 f. 26 f. 

Israel auf der Inschrift des 

Merenptah 45 f. 

Kasr el-'Abd 39 f. 

Kerak : 

Ackerbau 45 

Gouverneur 87 

Madaba, Inschrift 42. 47 

Meteor 44 

Nawä, Inschriften 20 f. 

Orientreisen 13. 57 

Ostjordanland, Vermessung . 81 ff. 

Petra, Reisen nach 76 

Quarantäne 28 

Schwur bei den Muslimen. . . 85 

Sir 39 

Stationen, botanisch -landwirth- 

schaftlische . . . 48. 64 

» meteorologische. . 48. 64 

Stroh als Feuerungsmittel . 54 f. 73 

Teil ed-Dschäbije 19 

Umm el-dschimal, Inschrift . 49 ff. 
Wandkarte von Palästina . . .65 ff. 




I. Mittheilungen. 
Unsere Arlieiteii im OsljorilaiilaMe, 

Briefe Dr. Schumacher's in Haifa. 



Zeltlager bei et-taijihe im " adschlün, 4. October 1896. 

Meinem Versprechen gemäss, Ihnen vom Fehle aus über die 
Vermessung des *^Adschh"in zu berichten , schreibe ich Ihnen 
heute über den gUicklichen Anfang der Arbeiten. 

Am 29. September Morgens 4 Uhr verliessen wir Ilaifa und 
zelteten in dehürije am Fusse desThabor. Am 30. September ritten 
wir nach kokah el-haicci^ von wo aus ich eine Anzahl Visuren 
machte ; Abends 5Uhr schlugen wir am tcüdiel-htre unser Lager auf. 
Am 1. Oktober begann ich das Nivellement beim dschisr el-mu- 
dschämi und setzte es an jenem Tage bis esch-scimni unweit des 
wädi el- arab fort. Am 2. Oktober gelangten wir mit dieser Arbeit 
bis teil zahar^ am 3. Oktober bis sammä, das bereits auf der Höhe 
liegt. An demselben Tage ritt ich noch nach irbid, um dem dor- 
tigen Käimmakäm das Schreiben der türkischen Provinzial- 
regierung in Damaskus zu übergeben. Dieser war sehr entgegen- 
kommend und gab mir sofort die nüthigen schriftlichen Wei- 
sungen an den Mudir von keß- indscJd sowie an den Mudir von 
dscheräsch mit, dazu einen zuverlässigen Tscherkessensoldaten. 
Die Befehle aus Konstantinopel scheinen völlig ausreichend zu 

MuN. des D. Pal.-Ver. 1S9IJ. (J 



82 

sein, jedoch nur für eine Eeise zu gelten; ich werde daher darauf 
bedacht sein, dass ich vor der Eegenzeit bis zum nalvr ez-zerhU 
mit der Arbeit fertig werde. Morgen will ich mit den Messtisch- 
aufnahmen beginnen; mit der Umgegend von tibne mache ich 
den Anfang. 

Die Bevölkerung verhält sich uns gegenüber gutmüthig. 
Vom Drusenaufstand weiss man hier fast nichts, die ]ieweguns 
ist offenbar vollkommen lokalisirt. 

Wir hatten bisher jeden Tag Ostwind, es war daher sehr 
heiss ! Weitere Nachrichten lasse ich mit dem nächsten Schiff in 
14 Tagen folgen. G. Schumacher. 

Zeltlager bei cl-chanzire, 11. Oktober 1S9G. 

Nachdem wir das Nivellement bis scheclscharat betjUfu fort- 
gesetzt hatten, gingen wir über den loüdi tihni und begannen die 
Messtischaufnahmen sowie die Triangulationen mit dem Theo- 
dolit. Diese Arbeiten haben wir heute bis el-clianzlre gegenüber 
von heisün vollendet. Die Gegend ist von Ruinen förmlich besät, 
viele neue Namen wurden gesammelt. Auch haben wir die 
Trümmer nach Inschriften und anderen Denkmälern untersucht, 
doch leider vergebens! Denn der weiche" Närikalkstein verwittert 
zu schnell, als dass sich die Inschriften auf ihm erhalten 
könnten. In jeder Ruine finden sich eine Menge Cisternen und 
Grabhöhlen. 

Die Gegend el-küra ist an Quellen sehr arm. Wir leben 
daher nur von Cisternenwasser, das zwar kühl ist, aber ein limo- 
nadenartiges Aussehen hat und stark nach Dünger riecht. Nichts 
destoweniger soll es nach der Aussage der Eingeborenen sehr 
gesund sein! Das Land ist im O. von el-chanzire stark bewaldet; 
meist fanden wir Eichen, daneben auch 'ahhar und lutm-Qi^\i\\%Q\\. 
An Wild haben wir jetzt nur Rebhühner und Gazellen getroffen, 
üebrigens ist die Gegend von Thälern weit mehr zerrissen , als 
ich mir vorgestellt hatte. Es nimmt oft Stunden in Anspruch, 
bis ich einen 3 — 4 km entfernten Punkt erreicht habe. Dabei 
erschwert der harte Feuerstein und zackige Kalkstein das Reiten 
sehr, die Wasserrinnen muss man meist zu Fuss überschreiten. 

Die Bevölkerung ist zwar zurückhaltend, da sie neue Steuern 
als die Folge unserer Vermessungen vermuthet, aber doch nicht 
feindselig. Schwer ist es, zuverlässige Führer zu finden. Die 



Leute verstehen sich nur dann zur Mitarbeit, wenn ich mehrere 
zugleich aus einem Dorfe mitnehme. Sie beanspruchen hohen 
Lohn, 41/4 Frcs. täglich, dazu die Kost. Oft muss auch ein Pferd 
für sie gemiethet werden , da die Leute meist keine madcisiit 
(Schuhe) besitzen. An dem Schech von el-chanzlre habe ich einen 
aufgeweckten Mann und ortskundigen Führer gefunden. Man 
beschäftigt sich in der küra noch viel mit der Herstellung von 
busät (Teppichen) aus Ziegenhaaren. Jedes Dorf besitzt Ölbäume, 
dagegen wenig Ackerland, seitdem die im Ghör liegenden Felder 
zum Krongut des Sultans geschlagen worden sind. 

Noch immer weht der dürre, erschlaffende Ostwind, der 
dem Regen vorangeht. Nachts ist es kühl, -]-10 C, am Tage 
steigt die Hitze im Waldschatten bis 30** und 33" C. Wir sind 
bisher alle gottlob gesund geblieben, einige Erkältungen und 
Kopfschmerzen abgerechnet. Unsere Mukäri leiden unter der 
Nachtkühle, da sie der Unsicherheit Avegen des Nachts ihreThiere 
bewachen müssen. Unser Soldat ist willig und energisch. Wir 
leben von Reis und Hühnerfleisch. Gemüse gibt's wenig, die 
Trauben sind zu Ende. Das Brot müsste Pfarrer Kneipp entzücken, 
es besteht zu zwei Dritteln aus Kleie und sieht schwärzlich aus. 

Wie weit ich mit der Aufnahme in diesem Spätjahr noch 
kommen werde, erscheint mir jetzt unsicher. Nur soviel ist mir 
gewiss, dass sich in diesem Herbst die Vermessungen nicht mehr 
bis zum nähr ez-zerJfä fortführen lassen. Das Gebirge ist zu sehr 
zerschnitten; je weiter man nach S. kommt, desto höher werden 
die Berge, desto tiefer die Schluchten. Damit wachsen die 
Schwierigkeiten der Aufnahme. Ich gedenke aber die Arbeiten 
bis zum Eintritt der Regenzeit fortzusetzen. Ichhofte, Sie werden 
mit dem, was wir bisher erreicht haben, zufrieden sein; die Karte 
wird eine Fülle von alten Ortsnamen aufweisen. Ich lasse hier 
eine Anzahl von Namen der bis jetzt gefundenen Ruinen und 
Ortschaften folgen: 

rackern, el-mucteihis, ^afcir, dscliuffen, hazzör, sarüdschäjä, 
naki , dschahZitön, der abu sald, kefr el-mli, el-chanzlre, el-mach- 
rüki, basbüs, teile, haf'ire, el-hedd, ed-dahüblr, elab, nasab, rahahU, 
abu Schwall, lirkisch, el-emsalle, bellnn, sartaba, el-hZiwl, manua, 
kalamsa, skaln, u. a. m. G. Schumachek. 



6* 



84 

Zeltlager samad bei en-niieme, 18. Oktober 1896. 

Von el-chanzire wandte ich mich südwärts bis an den wädi 
Jähis und nahm den Lauf dieser bedeutenden Wasserrinne bis 
zur Quelle '^ ain el-hedä auf. Unter anderen Ortslagen legte ich auch 
mär eljäs und listib oder Vistib fest. Zübijä und das naheliegende 
kählü gehören zu den bedeutendsten der aufgefundenenOrte. Eines 
der grössten Dörfer der kü7'a^ die jetzt ganz festgelegt ist, ist el- 
mezclr. Die Bewohner sind jedoch so fanatisch , dass ich trotz 
meiner Regierungsbriefe und trotz des Soldaten keinen Führer 
bekam. Auch samad ^ wo wir heute zelten, ist ein grosses Dorf; 
es liegt IY2 Stunden westlich von el-husn oder von en-niieme. 
Wir befinden uns jetzt im Distrikt beni ^ obed. Fast jedes Dorf 
hat christliche Familien. 

Von hier gehen wir nach SO. in den »Urwald« des *^Adschlün 
und arbeiten von der Wasserscheide an — schon jetzt sind wir 
auf der Wasserscheide zwischen dem Jordan und dem Schelläle 
(Jarmük) — dann wieder dem Jordan zu. Die Arbeit schreitet 
gut vorwärts, allein die Wädis wollen kein Ende nehmen, 
namentlich hier an der Wasserscheide. Ichhoffe noch 8 — lOTage 
weiter arbeiten zu können, dann werden unsere Kräfte und auch 
unsere Mittel aufgebraucht sein. Schade, dass wir nicht früher 
anfangen konnten! In el-chanzire klatschte ich eine griechische 
Inschrift ab, in Jmblä und sokal fand ich Grabsteine mit grie- 
chischen Inschriften. 

Am 11. und 13. Oktober hatten wir starken Regen mit Ge- 
witter. Die Donnerschläge waren herrlich und grossartig im 
Hochgebirge , dazu blitzte es unaufhörlich. Hin und wieder 
leuchteten die Feuer der im Freien campirendeu Hirten auf. 
Morgens weht ein kalter, starker Wind. Die Luft ist beständig 
feucht bis gegen 10 Uhr Morgens, die Morgennebel dauern bis 
9 Uhr an. Das ist für die Messtischaufnahmen nicht günstig. 
Mit unserem Befinden können wir zufrieden sein; das schwere 
Brot verursacht einige Beschwerden. 

Ich habe eine grosse Anzahl alter Ortsnamen gesammelt; 
der 'Adschlün muss einst dicht bevölkert gewesen sein. 



G. Schumacher. 



(Fortsetzung folgt.^ 



85 

Ein msliniisclier Scliwnr. 

Von Bruno Hentschel, z. Z. in Leipzig. 

In Jerusalem ereignete sich kürzlich folgender Vorfall, der 
ein characteristisches Licht auf die türkische Rechtspflege sowie 
auf die Beachtung eines Schwures bei den Muslimen wirft. 

Am Bäb Chan ez-Zet, in der Nähe des Johanniter- Ordens- 
Hospizes, wohnt ein Muslim aus Damaskus, dessen einziger 
13 jähriger Knabe beim Spiel mit seinen Kameraden Streit hatte. 
Diese verklagten den Knaben bei seinem Vater, der seinerseits 
die Bagatelle über die Maassen ernst nahm und im Beisein 
anderer Glaubensgenossen ausrief: Allahi it-talak min et-talate 
lasim atbatak, d. h. : Sollte ich dich nicht töten, so schwöre ich, 
dass ich mich dreimal von meiner Frau scheide ') . Da er nur 
eine Frau besitzt, so hätte er sich scheiden und noch zweimal 
heivathen und sich wieder scheiden lassen müssen. Nachdem er 
dieWorte gesagt hatte, wurde es ihm erst klar, welches Verhängniss 
er über sich und seine Familie heraufbeschworen hatte. Da von 
seinen sieben Kindern ihm nur dieser einzige Sohn übrig ge- 
blieben war, kam ihm das Einlösen seines Schwures betreffs des 
Kindes unmöglich vor, und doch Avar er sich auch der Folgen 
bewusst, wenn er seinen Schwur nicht halten würde: er wäre 
unter seinen Glaubensgenossen einfach unmöglich gewesen. 

In seiner Verzweiflung wandte er sich an einen schrift- 
gelehrten Muslimen, trug ihm die Angelegenheit vor und fragte 
um Rath. Derselbe ging nun dahin, dass es nicht unbedingt 
nöthigwäre, den Jungen zu töten; doch müsse er die Ausführung 
seiner beschworenen Absicht dadurch andeuten, dass er vor 
seinem Sohn das Schlachtmesser schleife, ihn dann hinlege und 
ihn mit dem Messer den Hals ritze, damit etwas Blut fliesse. Der 
unglückliche Vater befolgte diese Anweisung genau, und als er 
seinen Knaben unter dem Messer hatte, verfiel derselbe aus 
Todesangst in Krämpfe, an denen er am andern Tage verstarb. 
Der Vater wurde nun eingesperrt, nach drei Tagen aber infolge 
seines seelischen Schmerzes derartig krank, dass man ihn aus 
dem Gefängniss entliess. Er lebt jetzt noch unbestraft weiter. 

1) Ich kann die Worte nur lesen: aUülti iUulcth min ettalüte läzim adba- 
halc, und übersetzen : »Bei Gott (sei's geschworen), von dreien muss ich mich 
scheiden: ich bin gezwungen, dich zu töten.« Auch diese Uebersetzung ist 
indess noch unsicher, wie die ganze Sache etwas räthsclhaft ist. SociN. 



86 



Kurze Mlttlieiliiiigen. 

* Die Wirren im Haurän und Dschehel ed-Drüz haben sich 
etwas gelegt. Einige Redif-Regimenter (Landwehr) wurden ent- 
lassen und kehlten in ihre Heimathdörfer zurück. Im Ganzen 
sollen seit Juni 1896 1300 Mann regulärer türkischer Truppen 
im Drusenaufstande gefallen sein. Der wackere und geschulte 
Oberst Bedri Be Besfi, Generalstabsofiizier, ist nach Acco zurück- 
gekehrt , der im Haurän kommandirende Brigadegeneral ist da- 
gegen vor das Kriegsgericht gestellt worden, weil ihm Unter- 
schlagung von Geldern und mangelhafte Kriegsführung zur Last 
gelegt wurden. 8000 Mann Linientruppen bleiben im Haurän 
zurück, um erneuten Aufständen der Drusen sofort begegnen zu 
können. 

— Seit einem Monat ist die Ausfuhr von Getreide (Waizen) 
aus Syrien verboten, Aveil die Ernte im Allgemeinen eine mittel- 
mässige, zum Theil eine geringe war. Der Waizen steigt bedeu- 
tend im Preise ; die fahhe oder der mudd = 1 G kg = 1/2 ^^le 
gilt jetzt ISY2 Marktpiaster auf dem Getreidemarkt {dschreni) in 
Haifa, während er zur gleichen Zeit des vorigen Jahres nur die 
Hälfte kostete. Hauränwaizen bleibt schon ganz aus, weil er zum 
grossen Theil von den dortigen Truppen verzehrt wird und die 
Kamele an der Küste Frohndienste leisten müssen. Handel 
und Verkehr liegen sehr darnieder. Der bevorstehende Winter 
und die hohen Getreidepreise rufen einen Nothstand unter den 
Fellachen hervor. Dazu kommt noch die Zwangskopfsteuer, die 
zur besseren Ausrüstung des muslimischen Heeres verwandt 
werden soll. Sie beläuft sich auf 5 — 250 Regierungspiaster pro 
Kopf und wird trotz der Einsprache der Botschafter vomMushm 
so gut wie vom Christen erhoben. 

Dr. S. Am 1 5. November brachten mir einige Araber zwei 
schwarze, gelb gefleckte, 25 cm lange Erdsalamander, die an- 
geblich beim Kison gefangen wurden. Nachts brachten sie einige 
Junge zur Welt. Es sind die ersten Salamander dieser Art, die 
mir hierzulande in die Hände kommen. In den Jahren 1881 und 
1882 suchte ich im Auftrage einer deutschen Gesellschaft den 
ganzen westlichen Libanon und die Ebene beim Kison nach 
echten Salamandern ab, fand jedoch keinen einzigen. Sie sind 
jedenfalls sehr selten. 



87 

— t. Zwischen Jafa und Gaza werden jetzt mit einem Kosten- 
aufwand von 5000 Goldstücken Brücken über die Flussläufe 
gebaut. 

Sa. Der tüchtige Gouverneur von Kerak, Hilmi Be, ist von 
dort abberufen und durch den bisherigen Gouverneur von Lädi- 
kije, früher von Acco, einen Bruder des ehemaligen Wesirs 
Kiamil Pascha, ersetzt worden. 

— . In diesem Herbst tauchte in Jerusalem der Plan auf, 
dort eine Ausstellung zu veranstalten. Ein belgischer Herr, 
Honore Delisle, suchte bei den hervorragenden Persönlichkeiten 
dort Stimmung für das Unternehmen zu machen. Der Plan klingt 
doch etwas abenteuerlich. 

Bs. Bekanntlich standen einst die Hütten der Aussätzigen, 
ehe von der türkischen Regierung für sie das Haus in Siloah ge- 
bautwurde, innerhalb Jerusalems, imO. des Zionsthores, zwischen 
der Stadtmauer und den südlichsten Häusern des armenischen 
Quartiers [vgl. die anschauliche Zeichnung bei Tobler, Denk- 
blätter (1853), Blatt III, dazu S. 412. Eed.]. Auf diesem Platz, 
der sich ziemlich weit nach O. hin ausdehnte, wurde theils schon 
vorher, ehe die Aussätzigen ihn verliessen, theils nachher eine 
Menge Schutt und Unrath aufgehäuft, sodass schliesslich die 
Schutthaufen höher wurden als die Stadtmauer, und die Unter- 
bauten, die in dem Winkel am hurdsch el-kibrit zu Tage lagen, 
verdeckt wurden. Doch das war noch nicht das Schlimmste. Die 
Häuser an zwei stadteinwärts führenden Gassen wurden mehr 
als zur Hälfte in Schutt begraben, die Oberfläche der Gassen war 
bis zur Decke der Zimmer erhöht worden, so dass man zu den 
Hausthüren hinabsteigen musste. Als man nun bei dem Regu- 
liren und Pflastern der Strassen in diese Gegend kam , wurden 
zwei heilsame Verordnungen erlassen: 1) dass in Zukunft Schutt 
und dergl. dort nicht mehr abgelagert werden dürfe, 2) dass jeder, 
der für Bauten oder andere Zwecke Erde gebrauche, sich diese 
von dem besprochenen Platze holen solle. Neulich besuchte ich 
die Stätte, um mich von dem Erfolge der Verordnungen zu über- 
zeugen. Es war schon viel Erde weggeschaff't worden, doch lag 
dort immer noch eine Schicht von 25 — 30 m Höhe. Das arme- 
nische Kloster, dem der Platz hauptsächlich gehört, hatte darauf 
Mauern aufführen lassen, und schon war der Anfang zu einer 
neuen Strasse gemacht , an der Werkstätten und Verkaufsläden 



88 

gebaut werden sollen. Das ist ja alles ein verheissungsvoller An- 
fang zur Besserung; aber es wäre doch zu wünschen gewesen, 
dass man den Schutt noch tiefer, bis auf die alten darunter be- 
grabenen Baureste hinweggeräumt hätte. Wieweit das geschehen 
ward, ist heute noch fraglich. 

— . Da in der neueren Zeit mehr Holz bei dem Bau von 
Häusern in Jerusalem verwandt wird, so wächst die Feuersgefahr. 
Das ist in einem Lande, in dem die grosse Wärme des Sommers 
das Holz so sehr austrocknet und die Leute von früher her gar 
nicht daran gewohnt sind, mit Feuer vorsichtig umzugehen, 
durchaus nicht ohne Bedenken. Kürzlich sind denn auch einige 
'kleine jüdische Häuser ausserhalb der Stadt abgebrannt. 

— . Die Griechen haben, als sie nördlich gegenüber dem 
Muristan das neue Pilgerhaus bauten, eine sehr grosse und 
eigenthümliche Cisterne gefunden, die sie reinigen und in 
brauchbaren Zustand setzen liessen, so dass sie jetzt stets Wasser 
hält. Da jedoch der Zugang sehr unbequem war, so hat der 
griechische Archimandrit der Grabeskirche einen andern Ein- 
gang hergestellt , der auf einem eisernen Steg über das Wasser 
hinführt. Dank dieser trefflichen Einrichtung kann nun jeder, 
der die Anlage der Cisterne in Augenschein nehmen will, bequem 
dorthin gelangen. 



IL Kachrichten. 



Verzeichniss sämnitlicher Mitglieder des Deiitsclieii Vereins 
zur Erforschung Palästina's. 



1. Ehrenmitglied. 
Schick, Conr., königl. Württemberg. Raurath in Jerusalem. 

2. Ordentliche Mitglieder. 
Seine Majestät der Deutsche Kaiser. 
Seine Hoheit Fürst Leopold von Hohenzollebn-Sigmaringen. 

Almkvisi, Dr. Herman, Professor in Üpsala. 

Arndt, Dr. Theodor, Prediger an der St. Petrikirche in Berlin. 

Ascherson, Dr. P., Professor in Berlin. 

Auerbach, Dr. L., Rabbiner in Halberstadt. 

Baedeker, Karl, in Leipzig. 



89 

Bailcij, Charles, F. L. S., Ashfield, Coli. Road, Whalley Range, 

Manchester. 
Balmer, Dr. in Basel. 

Baethgen, Dr., Professor in Berlin (Charlottenburg). 
Bättig, Niki., Pfarrer in Vitznau, Canton Liizern. 
V. Baudissin, Graf, Dr. W., Professor in Marburg. 
Bauer ^1 L., Lehrer am Syrischen Waisenhause in Jerusalem. 
Behrmann, Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg. 
Benzinger, Dr. Immanuel, Stadtpfarrer in Neuenstadt a/Kocher. 
van Berchem, Dr. Max, Privat- Docent an der Universität in Genf. 
Bertheall, Carl, Pastor an St. Michaelis in Hamburg. 

Bibliotheken : 

der Akademie von Neuchätel (Schweiz), Dr. Domeier. 

de l'ecole des langues orientales Vivantes in Paris [Ch. Schefer) 

der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, 

Prof. Dr. Lazarus. 
der israel. Cultusgemeinde in Wien, 
des bischöfi. Seminarium Clericorum in Brunn, 
des evangelisch-lutherischen Landes-Consistoriums in Dresden, 
des evangelischen Seminars in Tübingen, 
des herzoglichen Predigerseminars in Wolfenbüttel. 
Hofbibliothek, K. K. in Wien. 

des Königlichen Lyceum Hosianum in Braunsberg (Ostpreussen) . 
des Rabbiner-Seminars in Berlin, Dr. A. Berliner. 
Gymnasialbibliothek in Rottweil. 
Jüdische Bibliothek [M. Adelmann) in Jerusalem. 
Königliche öffentliche Bibliothek in Stuttgart. 
Landesbibliothek in Wiesbaden, 
der Kgl. Museen in Berlin. 

Library of Andover Theological Seminary in New York. 
Ministerialbibliothek in SchafFliausen, C. Ä. Bachtold, Pfarrer. 
Öffentliche Bibliothek in Basel. 
Stadtbibliothek in Frankfurt a/Main. 

in Hamburg, Dr. Isler. 

in Mainz, Dr. Velke. 
Synagogenbibliothek in St. Petersburg. 
Universitätsbibliothek in Amsterdam. 

- in Bonn. 

- in Dorpat. 

- in Erlangen. 

- in Giessen. 
in Halle. 

- in Leiden (Holland) . 

- in Leipzig. 

- in Marburg. 

- in Prag. 



90 

Universitätsbibliothek in Strassburg i. E. 

- in Tübingen. 

- in Utrecht. 
Bickell, Dr. G., Professor in Wien. 

JBiever, P. Zephyrin, Direktor des katholischen deutschen Hospizes in 

et-Täbgha bei Tiberias (Syrien). 
Blancken/iom, Dr. phil. 31., in Erlangen. 
Boehl, Dr. E., Professor in Wien. 
Bosse, Paul, Kartograph in Weimar. 
Boettcher, Imm., Pastor in Jerusalem. 

Bourgeois, Dr. G.^ Pastor in Mars par St. Agreve (Ardeche) Frankreich. 
Brandel, Robert, Dr. phil. in Upsala. 
Bratidi, Dr. A., Divisions-Pfarrer in Graudenz. 
Brüll, Dr. Adolf, in Frankfurt a/M. " 
Brünnow, Dr. Rudolf E., Professor in Vevey. 
Bschara, Fata, Kaufmann in Jerusalem. 
Bndde, Dr. C. , Professor in Strassburg i. E. 
Buege, Dr. E., in Jerusalem. 
Buhl, Dr. Franz^ Professor in Leipzig. 
Brunswick, Frl. Bertha in Rom. 
von Bulmerinrq, Mag. theol. in Dorpat. 
Burchard, Alex., stud. theol. in Riga. 
CJiapuis, Dr. P., Pastor in Chexbres bei Lausanne. 
Christmann^ Kaisevl. Deutsch. Consul in Mersina, Asiatische Türkei. 
Chivolson, Dr. Dan,, wirkl. Staatsrath und Professor in St. Petersburg. 
Claiisen, Consistorial-Rath in Brügge bei Bordesholm (Holstein) . 
Giemen, Prof. Dr. in Grimma. 

V. Dalhercj, Frdr. Frhrr., K. K. Lieutenant a. D. in Wien. 
Dahnan, Lic. Dr. G. H.^ Professor in Leipzig. 
Dalto7i, Consistorial-Rath a. D. in Berlin. 
Delitzsch, Dr. Friedr.^ Professor in Breslau. 
Derenbourg, Dr. Hartwig, Professor in Paris. 
Dieckmann, R., Pastor in Beggerow bei Demmin. 
Dieter, David, Plarrer in Stuttgart. 

Duck, Gerh., Lehrer an der Tempelkolonie in Jerusalem. 
Ehinger-Hcusler, Alph., in Basel. 
Ehni^ Pastor in Genf. 

Einsler, Dr. med. A., Stadtarzt in Jerusalem. 
Euting, Prof. Dr. /. , Oberbibliothekar in Strassburg i. E. 
Favre, Ernest in Genf. 

Federlin, Superieur du Seminaire de Ste. Anne in Jerusalem. 
Fell, Dr. Win.. Professor in Münster i. W. 

Fischer, Dr. A., Bibliothekar am orientalischen Seminar in Berlin N. 
Forsiemann, Dr., Hofrath u. Oberbibliothekar in Leipzig. 
Fraas, Dr. 0., Obers tudienrath in Stuttgart. 
Frei, A., Pfarrer in St. Gallen (Schweiz). 
Fries, Samuel^ Pastor in Stockholm. 



91 

Frohnmeyer, J., Oberkonsistorialrath in Stuttgart. 

Ftirrer, Dr. K., Professor u. Pfarrer in Zürich. 

Gatt, G., kathol. Missionar in Gaza. 

Gautier , Dr. Luden, Professor in Lausanne. 

Geiger, Hernmnn , päpstl. Geheimkämmerer und Ehren-Domherr vom 
heiligen Grabe in München. 

Geizer, Dr. Heinrich, Professor in Jena. 

Germer^ B.P., Superieur de l'Hotellerie de N. D. de France in Jerusalem. 

Geyser, N., Pfarrer in Elherfeld. 

Glaser, Dr. Eduard in München. 

de Goeje, Dr. M.., Professor in Leiden. 

Goldmann, Samuel, Cantor in Gr. Kanizsa, Ungarn. 

Goldziher, Dr. /. , Professor an der Universität in Budapest. 

Gottheil, Dr. Richard J. H., Professor in New- York. 

Grill, Dr. /. , Professor in Tübingen. 

Grossmann, Dr. theol. u. phil., Superintendent in Grimma. 

Groth^ P., Regierungsbaumeister in Jerusalem. 

Gri'mert, Dr. Alax, Professor in Prag. 

Guthe, Dr. H., Professor in Leipzig. 

Hagenmeyer, JH., Pfarrer in Ziegelhausen bei Heidelberg. 

Hagenmeyer, Karl Ernst^ Pfarrer in Tütschfelden b/Freiburg (Baden). 

Halevy, J ., Professor in Paris. 

Harkavy, Prof. Dr. Alb., Biblioth. a. d.k.öffentl. Bibl. in St. Petersb. 

Hartmann, Dr. M. , Professor am Orient. Seminar in Berlin (Char- 
lottenburg.) 

Hechler, Rev. Dr. W. H. , in Wien. 

Heinrici, Dr. G,, Professor in Leipzig. 

Heusskr, G., Pfarrer in Basel. 

Hildesheimer , Dr. /. , Seminardirector in Berlin. 

Hildesheimer , Dr. H., in Berlin. 

Hildesheimer, A., in Halberstadt. 

Hildesheitner, Levi, in Wien. 

Hirsch, Kev. Dr. E. G., Rabbiner der Sinai-Gemeinde in Chicago. 

V. Hitrowo, B., kais. russ. wirld. Staatsrath in Petersburg. 

Hoffmann, Lic. C, Superintendent in Frauendorf bei Züllchow, 
Reg.-Bez. Stettin. 

Hoffmann, Christoph, Centralleitung des Tempels in Jerusalem. 

Hoffmann, Dr. G., Professor in Kiel. 

Hohammer, Dr., Prof. und Regens am bischöfi. Seminar in Mainz. 

Holzinger.^ Lic. Dr. H., Diaconus in Münsingen (Württemberg), 

Hommel, Dr. Fritz, Professor in München. 

Hwppe^ P., Pastor in Jerusalem. 

Hoernle, Dr. A. F. Rudolf, Offg. Principal Madrasah Calcutta. 

Jacob, Dr. phil. Georg, Privatdocent in Greifswald. 

Jäger, Louis, Buchhändler in Basel. 

Jelowicki, Professor de l'ecole reale in Warschau. 

Jeremias, Dr. Friedr., in Leipzig. 



92 

Trsig^ Th.^ Brit. Ausländ. Bibelgesellschaft in Jerusalem. 

Jullien, M., Rev. P., Universite St. Jose])h in Beirut. 

Kaftan, Dr. /. , Professor in Berlin. 

Kalmus, Julius, in Berlin. 

Kamphausen, Dr. A., Professor in Bonn. 

van Kasteren, J. P., S. J., in Maastricht. 

Kautzsch, Dr. E., Professor in Halle. 

Kersten, Dr. phil. Otto, in Altenburg (S. -Altenburg). 

Kiepert, Dr. H., Professor in Berlin. 

Kiepert, Dr. phil. R., in Berlin. 

Kind, Dr. A., Prediger in Berlin W. 

Kintcr, P. Maurus, O. S. B., fürsterzb. geistl. Rath und Stiftsarchivar 

in Raigern bei Brunn. 
Kinzler, Adolph, Pfarrer im Missionshaus in Basel. 
Klein, Stadtpfarrer in Pforzheim. 
Klein, Rev. F. A., in Cannstadt (Württbg.). 
Klose, Paul, Lehrer in Görlitz. 
Koher-Gobat, P. J. P\, in Basel. 

Koch, Dr. A. W., Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 
Kocüurek, Albin, Professor in Brunn. 
Köhler, Dr. A., Professor in Erlangen. 
König, Dr. /. , Professor in Freiburg i. Br. 
Karten, Pfarrer in Rölsdorf bei Düren. 
Kraßt, Dr. W., Professor in Bonn. 
Krähe, Dr. phil. Ed., Stadtschulrath in Halle a/S. 
Kraetzschmar , Dr. phil. Rieh., Privatdocent in Marburg. 
Krehl, Dr. L., Geheimer Hofrath, Professor in Leipzig. 
Krenkel, Dr. Max, in Dresden. 
Kucjler, Dr. B., Professor in Tübingen. 
Lagrange, P. des Freres Precheurs in Jerusalem. 
V. Landberg, Dr. Carlo Graf, Schloss Tutzing (Ob. Bayern). 
Lange., Fr., Vorsteher in Haifa (Syrien). 

Lrpsius, Dr. Joh., Pastor in Friesdorf bei Wippra (Prov. Sachsen). 
Liebster, Georg, Diaconus in Leipzig. 
Lievin de Hamme, F., in Jerusalem. 

Liiulner, Dr. Br., Professor an der Universität in Leipzig. 
Lorange, Dr. med., in Beirut. 
Lotz, Dr. Wilhelm, Professor in Wien. 
Loylved, Consul für Dänemark-Schweden in Beirut. 
Lütge, H. A. J., Pastor in Amsterdam. 
Lüttke, 2f., Superintendent in Schkeuditz bei Halle a/S. 
Maass, Konrad., Tischlermeister in Safed (Syrien). 
Maerker, Franz, Seminarlehrer in Alt-Döbern bei Cottbus. 
Mastermann, Dr. E., in Damaskus (Syrien). 
Mätzold, Rev. G., Pastor in London. 
Marti, Dr. Karl, Professor in Bern. 
Melandtr, H., Ingenieur in Stockholm. 



93 

Menden, Fr. Wendelino da, O. S. F., Convento S. Salvat. in Jerusalem. 

3ierx, Dr. A., Professor in Heidelberg. 

Met/er, Dr. Eduard, Professor in Halle. 

Ministerium für geistliche etc. Angelegenheiten in Berlin. 

Mommert, C, Pfarrer in Schweinitz, Bez. Liegnitz (Schlesien). 

Moore, Dr. G., Professor in Andover, Massachusetts. 

Mühlau, Dr. F., kais. russ. Staatsrath, Professor in Kiel. 

V071 Müline7i, Graf, bei der kais. deutsch. Botsch. in Constantinopel. 

Müller^ Fm., Prediger in Bethlehem bei Jerusalem. 

Nestle, Dr. F., Professor in Ulm. 

Neuniann, Dr. W. A., Professor in Wien. 

Ney, Kaufmann in Beirut. 

Nöldeke, Dr. Th., Professor in Strassburg i. E. 

Noeiling, Dr. Fritz, in Calcutta, Geological Survey Office. 

Noicacl-, Dr. W., Professor in Strassburg i. E. 

Oherhummer jr. , Roman, in München. 

Oehlmann, Dr. phil. F., in Hannover-Linden. 

Oettli, Prof. Dr. in Greifswald. 

Oort, Dr. H., Professor in Leiden. 

V. Oppenheim, Max, am kais. deutsch. Generalconsulat in Alexandrien. 

Orban, Rev. A., in Washington. 

V. Orelli, Dr. C, Professor in Basel. 

V. Ortenberg, F., Gymnasial-Oberlehrer in Verden, Hannover. 

Paine, J. A., Professor in Tarrytown, New York, Amerika. 

Palm, August, Ephorus in Maulbronn. 

Palmer j J. F., in Jerusalem. 

Paulus, Dr. med. Franz, in Winterlingen O.-A. Balingen. 

Pein, Pastor in Zschortau bei Delitzsch. 

Philippi, Dr. F., Professor in Rostock. 

Post, George F., in Beirut. 

Preiswerk, S., Pfarrer zu St. Alban in Basel. 

Pross, Friedr.j Hotelbesitzer auf dem Karmel bei Haifa. 

Prym, Dr. F., Professor in Bonn. 

Reckendorf, Dr., Privatdocent in Freiburg i/Br. 

Reinicke, Dr. , Prof. am evangel. Prediger - Seminar in Wittenberg. 

V. Riess, Dr. R., Domkapitular in Pottenburg a. N. 

Riske, J., Dragoman in Jerusalem. 

Rogers, Prof. Dr. Rob., Drew Theological Seminary, Madison, New 
Jersey, U. S. A. 

Röhricht, Dr. R., Professor in Berlin. 

Röpe, H., Hauptpastor an St. Jacobi in Hamburg. 

V. Rosen, Baron V., Professor in St. Petersburg. 

Rothe, H., Seminar-Oberlehrer in Neu-Ruppin. 

Rothstein, Lic. Dr., Professor in Halle a'S. 

Ruetschi. Dr. R., Decan u. Professor in Bern. 

Rassel, Dr. V., Professor in Zürich. 

Sachsse, cand. phii. i?., in Blasewitz bei Dresden. 



94 

^alvendi, Dr. Adolf., Bezirks-Rabbiner in Dürkheim a/d. Haardt. 

V. Sandherger , V., Prälat in Heilbronn. 

Saiidel, Theodor, Architect in Jerusalem. 

Sandreczki, Dr. med. AI., in Jerusalem. 

Sarasin- Bisch off, Theodor, Kaufmann in Basel. 

Sarasin-Is:elin, W., in Basel. 

Sarusin-Stehlin, Rtid., Kaufmann in Basel. 

Sattler, Dr. E., Privatier in Coburg. 

Saitpc, Martin, Diakonus in Gössnitz (S.A.). 

von Schade, Lehnsgraf zu Schackenburg bei Mögeltondern. 

Sehaefer, Dr. Bernh., Professor an der Universität in Wien. 

Sche/'er, Ch., Prof., membre de Tlnstitut in Paris. 

Schilling, P. Gottfried., in New York. 

Schlicht, Carl, Pastor in Rudow b/Berlin. 

Schmid, Sim., Pfarrer-Kapitelkämmerer in Tutzing (Oberbayernj. 

Schmid, Joh. Mich., Pfarrer, Ehrenkanonikus in Frohnstetten, Post 

Deggendorf (Niederbayern). 
Schmitt, P. J., Rector in Rome, New York. 

Sauvebois, Abbe, Prof. a. Grand Semin. i. Gap (Hautes Alpes) Frankreich. 
Schnahl, Dr. theol. Carl, k. k. Ober-Hofkaplan in Wien. 
Schnedermann, Lic. Dr. Georg, Professor in Leipzig. 
Schneller, Ludwig, Pastor in Köln a/ Rhein. 
Schöneche, L., Kaufmann in Jerusalem. 
Schrader, Dr. E., Professor in Berlin. 

Schröder, Dr. P. . kaiserl. deutscher General-Consul in Beirut. 
Schröder, Dr. phil. C, Regierungs-Rath in Schwerin i. M. 
Schumacher, Dr. phil. G., Vice-Consul von America in Haifa. 
Schürer, Dr. E., Professor in Göttingen. 
Schwieger.1 Pastor in Hamburg. 
Seesemann, Dr. phil. 0., in Leipzig. 
Seesemann, H., Propst in Grenzhof, Kurl. Russl. 
Seesnmann, L., Pastor in Kursieten, Kurl. Russl. 
Sellin, Dr. Ernst, Privatdocent der Theologie in Erlangen. 
Sewing, Herrn., Hilfsprediger in Jerusalem. 
Seyhold, Dr. phil. Ch., Privatdocent in Tübingen. 
Siegfried, Dr. K., Geh. Kirchenrath u. Prof. in Jena. 
Sieveking, Dr. jur. Karl, in Hamburg. 
Sievehing, Dr. med. Wilhelm, in Hamburg. 
Sigrist-Webcr, C, Kaufmann in Beirut. 
Simonscn, D., Ober-Rabbiner in Kopenhagen. 
Smend, Dr. Pud., Professor in Göttingen. 
Smith, Rev. George Adam, in Glasgow. 
Socin, Dr. A., Professorin Leipzig. 
Sommer, Dr. /. G., Professor in Königsberg. 
Spaich, Pfarrer in Höpfigheim bei Marbach a. N. 
Speiser, Dr. Paul, Regierungsrath und Nationalrath in Basel. 
Spiess, Superintendent F., in Grossrudestedt. 



95 

Sta/dberff, Vir., Pastor in Schwerin i/Mecklbg. 

Staiger, Missionar in Beirut. 

von Starck, Pastor in Leussow bei Ludwigslust. 

Stave, Erik, Privatdocent an der Universität in Upsala (Schweden) . 

Stech, R., Professor der Theologie in Bern. 

Sieindorff, Dr. G., Professor in Leipzig. 

Stenhouse, E,ev. Dr. Thomas, in Stocksfield on Tyne (England). 

Sterzel, K., Pastor an der deutschen evangelischen Gemeinde in Sofia. 

Stockmayer, Th., cand. theol. in Tübingen. 

Strack, Dr. Herrn. L., Professor in (Gross-Lichterfelde bei) Berlin. 

V. Stryk, Alex, in Fellin, Livl. Russl. 

Stumme, Dr. Hans, in Leipzig. 

Sülze, Dr. E., Pastor in Dresden-Neustadt. 

Siirsock, Dragoman des kaiserl. deutschen Consulats in Beirut. 

Sdagoivski, Antoine, Abbe, professeur au Grand Seminaire, Warschau. 

Tarchj, P. A., S. L, Univ. St. Joseph in Beirut. 

von Tischendorf, Dr.. kaiserl. deutscher Consul in Jerusalem. 

Trumbull^ Dr.H. C7ay,Herausg. d. »Sunday School Timesa i. Philadelphia. 
von Ustinow, Baron Plato, in Jafa. 

Valeton, Dr. /. /. P., in Amersfoort, Niederlande. . 

Vereine : 

Alliance Israel, universelle in Paris. 

Deutscher Verein in Jafa. 

Deutsch-Israelitischer Gemeindebund in Berlin. 

Palestine Exploration Fund in London. 

Semitischer Verein in Helsingfors (Dr. K. L. Tallquist). 

Vogel, A., Superintendent in "Wollin, Pommern. 

Volck, Dr. W., kais. russ. Staatsrath und Professor in Dorpat. 

Völlers, Dr., Professor in Jena. 

Voss, Pastor in Kaddafer in Livland. 

Vuilleumier, Dr. H., Professor in Lausanne. 

Wagner if Dehcs, Geographische Anstalt in Leipzig. 

Waldmeyer, Missionar in Beirut. 

Wallach, Dr. med. M., in Jerusalem. 

Wedemann, S., Pastor in Cairo. 

Weichelt, Victor, Diakonus in Zwickau. 

Wellhausen, Dr. /. , Professor in Göttingen. 

Werner, H., Dekan in Biberaeh, Württemberg. 

Weser, Lic. H., Pastor in Berlin. 

Wilson, Major General Sir Charles, in London. 

Wolters, Rev. Th. F., in Jafa. 

Wright, Professor T. J., in Cambridge, Mass. U. S. Amer. 

TVurst, Alb., stud. theol. et phil. in Leipzig. . 

Zeller, Rev. /. , in Jerusalem. 

von Zieten-Schwerin, Graf zu Janow bei Clempenow, Kreis Anclam. 

Zimmern, Dr. H., Professor in Leipzig. 

Zschokke, Dr. Herrn., K. K. Hoirath und Domprälat, Prof. in Wien. 



96 



Gescliäniiclie Mlttliellungen und PersonalnacliricliteE. 

Dr. Schumacher ist am 29. September d. J. von Haifa aufgebrochen, 
um die Vermessung des 'Adschlün im Auftrage des Deutschen Palästina- 
Vereines in Angriff zu nehmen. Durch die gütige Verwendung der kaiserlich 
deutschen Botschaft in Konstantinopel hatte das Auswärtige Amt der Hohen 
Pforte Empfehlungsbriefe für Dr. Schumacher an den Wäli in Beirut und 
an den Wäli in Damaskus ausgestellt. Leider trafen diese Briefe, die schon 
am 2. Juli 1S96 ausgefertigt waren, erst am 31. August auf dem kaiserlich 
deutschen Generalkonsulate in Beirut ein, und Dr. Schumacher selbst em- 
pfing erst Ende September die Empfehlungen der türkischen Provinzial- 
regierung in Damaskus an die Beamten des 'Adschlün. Da alles zur Abreise 
vorbereitet war, so konnte der Aufbruch sogleich erfolgen. Ueber die Arbeiten 
selbst geben die Briefe Dr. Schumacher's, von denen die ersten in dieser Nr. 
der MuN mitgetheilt werden, Auskunft. Dr. Schumacher ist am 29. Ok- 
tober mit seinen Begleitern wohlbehalten nachHaifä zurückgekehrt, nachdem 
er ein Gebiet vonSlO Quadratkilometer aufgenommen hat. Die Anstrengungen 
der Reise waren nicht gering, doch sind die Arbeiten ohne Störung gut von 
Statten gegangen. 

Die Kosten des Unternehmens sind bedeutend höher geworden, als 
vorauszusehen war. Das jetzt vermessene Gebiet beträgt nur etwas mehr als 
ein Drittel des gesammten Adschlün , soweit er bisher noch nicht gründlich 
erforscht war. Es sind demnach noch bedeutende Mittel und mühevolle Ar- 
beiten erforderlich, ehe die Oberfläche des Ostjordanlandes genügend unter- 
sucht ist. Der Vorstand des Vereins wünscht auf das Lebhafteste, dass diese 
wichtigen Arbeiten im nächsten Jahre fortgesetzt werden können. In erster 
Linie wird die Verwirklichung dieses Wunsches freilich davon abhängen , ob 
die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. 



Am 26. November traf die erste Sendung Dr. Schumacher's mit Ergeb- 
nissen seiner letzten Forschungsreise ein, einige Abklatsche von griechischen 
und arabischen Inschriften sowie 41 Photographien aus dem erforschten 
Gebiet. 

Dem Verein sind als Mitglieder beigetreten: 

Mastermann, Dr. E.. in Damaskus. 
Wallach, Dr. med. 31., in Jerusalem. 

Der Verein verlor durch den Tod die Mitglieder: 
Gerber, Dr. W., Professor in Prag. 
Stichel, Dr. F. G-, Professor in Jena. 



Geschlossen am 12. Dezember 1896. 



Druck von Bieitkopf k Härtel in Leipzig. 



Entsteliiiug und Geschichte 

des 

Todten Meeres 

Ein Beitrag zur Geologie Palästinas. 

Von 

Dr. Max Blanckenhorn. 



Mit 4 Tafelu und 8 Abbilduno;en im Text. 



Ztschr. d. r'al.-Ver. XIX. 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung 5 

1. Die älteste Zeit vor dem Einsturz des Jordanthalzuges 6 

A. Das vorkretaceische Gebirge 7 

B. Die Obere Kreideperiode 9 

1. Der Nubische Sandstein 9 

2. Die cenomanen Dolomite, Kalke und Mergel 10 

3. Die senonen Kreidemergel, bituminösen Kalke, Gyps- 
mergel und Feuersteinbänke 11 

C. Die Tertiärperiode 14 

II. Der Einsturz des alten Gebirges und die Entstehung 

derJordanthal furche 16 

A. Bedeutung der Dislokationen und Strukturlinien 16 

B. Ein Querproftl durch Judäa 19 

C. Die Strukturlinien der Wüste Juda 23 

D. Die Randspalten des Wädi el-'Araba, Todten Meeres und 
Jordanthaies 24 

III. DieGeschichte des Todten Meeres in der Quartärperiode 28 

A. Das Diluvium 30 

1. Die erste Eiszeit oder Regenepoche 31 

2. Die erste Interglazialzeit oder Trockenepoche. Der 
Dschebel Usdum oder Salzberg 32 

3. Die zweite Eiszeit. Bildung der Hochterrasse 38 

4. Die zweite Interglazialzeit. Lavaergüsse 41 

5. Die dritte Eiszeit. Bildung der Niederterrasse .... 43 

Der Schwefel in den Lisänschichten am Todten Meere 44 

Der Asphalt 48 

Thermen 51 

B. Das Alluvium. Der Untergang von Sodom und Gomorrha 
und spätere Naturerscheinungen 51 



1* 



Einleitung. 

Jus gibt kaum einen Binnensee auf der ganzen Welt, der 
ein so eigenartiges Interesse für sich in Anspruch nimmt, wie das 
Todte Meer^), von dem Jeder als Kind schon wundersame Kunde 
vernimmt, dessen Entstehung von jeher mit der strafenden Hand 
Gottes in Verbindung gebracht worden ist, und den wir uns als 
fluchbeladene Stätte in unserer Kinderphantasie mit allen Schreck- 
nissen der Hölle umgeben vorgestellt haben. 

Und in der That nimmt dieser See unter allen Seen der Erde 
eine ganz besondere Stellung ein. Die tiefste Furche im Antlitz 
der festländischen Erde ist es, die seine Gewässer ausfüllen. In 
Folge dieses ungewöhnlichen Tiefenniveaus herrscht daselbst eine 
wirklich tropische Temperatur, die unter dem Einflüsse der von 
den Felswänden abprallenden Sonnenstrahlen zu einer Hackofen- 
hitze ansteigt und bei der herrschenden Trockenheit eine Ver- 
dunstungr hervorruft, wie sie nur die reine Wüste kennt. In 
der Umgebung zeigen sich die grössten Gegensätze. Hohe 
Plateaus, die durch schreckliche Erosionsfurchen zu einem wil- 
den, zackigen, vielgestaltigen Gebirge umgewandelt sind und steil 
zu seinen Ufern abfallen, umgeben ihn zu beiden Seiten im O. 
und W., während im N. sich die wüste Jordanthalebene, im S. 
die salzdurchtränkten, vegetationslosen Moräste der sumpfigen 
Sebcha anschliessen. Der Mangel au trinkbarem Wasser in seiner 
Umgebung, die vielfach herrschenden ungesunden Dünste von 
Schwefelwasserstoff und Kohlenwasserstoff, welche die vielerorts 
aufsteigenden Thermen in und um den See aushauchen, der häufig 
wehende glühend heisse Scirocco und schliesslich, nicht zu ver- 
gessen, die in der Gegend von Jericho wie in I\ör es-Säfije"'^) 

1 Im Folgenden immer mit T. M. abgekürzt. 

2) Die Schreibung der arabischen Namen richtet sich nach der Fischer- 
GUTHE'schen Handkarte von Palästina. 



ß Blanckenhorn. 

endemische heftige Mahxria erschweren den Aufenthalt des 
Menschen und theilweise auch der Thiere an seinen Ufern und 
machen eine dauernde Ansiedhing fast unmöglich. Man kann 
die ganze Umgegend im vollen Sinne als Wüste mit einigen Oasen 
bezeichnep. Im See selbst wird alles organische Leben i) mit 
Ausnahme von einigen mikroskopischen Protophyten, nämlich 
Diatomeen des Süsswassers^) und pathogenen Bakterien *), die in 
dem Oberflächenwasser und Schlamm am nördlichen Seeufer 
nachgewiesen worden sind, durch den ungewöhnlichen Salzgehalt 
vernichtet, der sechsmal stärker ist als im Ozean. Bei der Schwere 
des Wassers würden übrigens grössere Thiere überhaupt gar nicht 
dauernd im Wasser einsinken können, sondern immer wieder an 
die Oberfläche emportauchen. 

Das sind die wirklichen Thatsachen, die dem Grauen, das 
uns schon das Aussprechen seines Namens verursacht, zu Grunde 
liegen. 

Sagen und geschichtliche Tradition knüpfen mehrfach an 
diesen See und dort geschehene Naturereignisse an. Wir werden 
darauf später zurückkommen und zunächst den Versuch machen, 
die vorhistorische oder geologische Vergangenheit des Sees zu ent- 
hüllen. Die Vorgeschichte des T. M. ist z. Th. identisch mit der 
Geschichte des übrigen Palästina, deren wichtigsten Bestandtheil 
sie ausmacht; sie ist also von jener nicht zu trennen. 

I. Die älteste Zeit vor dem Einsturz des 
- Jordanthalzuges. 

Wenn wir die Geschichte jenes Fleckens der Erde, an dem 
wir heilte das T. M. erblicken, bis zu ihren ersten Anfängen 
zurückverfolgen wollen, müssen wnr bis in jene grauen Urzeiten 
dringen, in denen die tiefe Jordansenke oder das Rör noch nicht 
als solches existirte, aber doch schon die Bildung des Materials 

1) Vergl. Credneu, R., Die Relictenseen. Ergänzungsheft z. Petermann's 
Mitth. XIX, 1889, p. 53. 

2) Ehrenberg, Heb. mikroskop. Untersuch, d. Jordanwassers u. d.Wass. 
und Bodens d. T. M. Monatsber. d. K. P. Ak. d.Wiss. Berlin 1849, p. 187. 

3) LoRTET, Microbes pathogcncs des vases de la Mer Morte. Lyon med. 
1891 No. 33. — liesearches on the pathogenic microbes of the mud of the Dead 
Sea. Quart. Stat. 1892 p. 48—50. — ZDPV 1894, p. 142. 



Entstehung; und Geschichte des Todten Meeres. 



'& 



an Gesteinen vor sich ging, die seine Umgebung zusammensetzen. 
Es war das Meer der Oberen Kreide, aus welchem hauptsächlich, 
wenn auch, wie wir gleich sehen werden, keineswegs ausschliess- 
lich die Niederschläge stammen, die Avir jetzt als Sandsteine, 
Kalke, Dolomite, Mergel und Feuersteine verfestigt sehen. 

A. Das vorkretaceische Gebirge. 

Vor dieser Zeit, wenigstens während der Unteren Kreide- 
periode, während des Jura und der Trias haben wir uns diese 
Gegend als Festland zu denken, bestehend wie der heutige Sinai 
aus einer wohlgeschichteten Decke von palaeozoischen 
Sandsteinen und einem archäischen Grundgebirge von 
Granit, altkrystallinischem Schiefer, Gneiss, Glimmerschiefer 
und Fhyllit, durchsetzt von zahllosen Gängen und mächtigen 
Stöcken von Porphyren, Porphyr iten und Dioriten. Aus der 
Zertrümmerung der letztgenannten Ur- oder Grundgebirgsmassen 
ging noch vor der Bildung der Sandsteindecke an manchen 
Orten ein breccienartiges Konglomerat, von Lartet als 
»grüne ägyptische Breccie« bezeichnet, hervor, das als ein 
Haufwerk von Gerollen und eckigen Fragmenten von Granit, 
Quarzporphyr, Felsit, Diorit und krystallinischem Schiefer er- 
scheint und seinerseits auch von Eruptivgesteinen gangartig 
durchsetzt ist. Es ist dies Gestein aus dem Grunde hier zu er- 
wähnen, weil es abwechselnd mit altvulkanischen Tuffen 
und Lagern massiger Gesteine und durchzogen von Por- 
phyritgängen als älteste Gesteinsart im SO. des T. M. am Fusse 
des Westabfalls des Gebirges Moab an mehreren Stellen auftritt'). 
Lartet 2) und besonders Hüll 3) haben dieses Vorkommen genauer 
beschrieben und abgebildet. Nach ihnen bilden diese altvulkani- 
schen Gesteinsarten die Basis und Flanken des Dschebel esch- 
Schomra im O. von dem Zeltdorf es-Säfije auf dem rechten Ufer 
des Wädi es-Säfije oder el-Hasä. Dieselben Gesteinsarten, 
Breccienkonglomerat von Gneiss, Granit und Grünsteineu von ver- 

1) Man vergleiche die beifolgende geognostische Kartenskizze der Um- 
gegend des T. M., Tafel IL 

2) Lartet, ExpL geol. de la Mer Morte, 1877, p. 29— 3L 

3) HULL, Memoir on the Geology and Geography of Arabia Petraea, 
Palestine etc. 1889, p. 38. " . . , . .. 



g Blanckenhorn, 

schiedeuartiger KeschafFenheit fanden Seetzen') und Tristram 2) 
in grossen Massen auf dem Wege von es-Säfije um die SO. -Ecke 
des T. M. herum l)is zum Wadi NumOia. Nicht anstehend, son- 
dern bisher nur als FhissgeröUe hat man schhesslich Blöcke von 
Porphyr, (iranit und Serpentin noch in den Alluvionen an der 
Mündung: des Wädi ed-Dscheb in das Rör und am Delta des Wadi 
el-Kerak auf der Ostseite der Lisänhalbinsel vorgefunden 3). 

Am Dschebel Schomra hei es-Säfije folgt nun wie am Sinai 
über dem alten Grundgebirge von krystalliuischen Gesteinen mit 
einer iniebenen Auflagerungsfläche zunächst ein Komplex von 
Sandsteinen, die wir am l)esten mit Hüll bei ihrer Hauptver- 
breitung in der Wüste am Sinai und Ostägypten als »Wüsten- 
sandstein« bezeichnen, in denen man am Sinai Reste von 
Pflanzen der Steinkohlen- oder Karbonformation gefun- 
den hat. Ihnen ist ebendaselbst oft ein mächtiges Lager von 
Kalkstein oder Dolomit eingeschaltet oder aufgelagert, aus 
dem Salier^), Bauermann &), Täte"), Schweineurth''), Hull^), 
Walthe;r-^), Eothpletz 1") und Schellavien ^') eine Anzahl 
thierischer Fossilien von theils karbonischem, theils permi- 
schem Alter namhaft machten. Auch am T. M. hat Hull^") 
am genannten Wädi es-Säfije oder el-Hasä bei den Ruinen 

1) Vergl. Ritter, Erdkunde, 15. Theil, Bd. 8 b p. 5S9. 

2) Tristram, The Land of Moah, 1874, p. 59. 

3) Irby und Mangle.s in Kitter's Erdkunde, l. c. p. 691, und Lartet, 
1. c. p. 29. 

4) Salter, Oa a true Coal-plant from Sinai. Quart. Journ. Geol. Soc. 
London, vol. XXIV, 1807, p. 509. 

5j Bauermann, H., Note on a Geological Reconnaissance made in Arabia 
Petraea in the Spring of 18G8. Quart. Journ. Geol. Soc. London, XXV, i8(>S,p. 27. 

6) T.A.TE, R., Un tlie age of the Nubian Sandstone. Quart. Journ. Geol. 
Soc. London, XXVII, 1870, p. 404. 

7) Schweinfurth, Bull, de linst. Egyptien, 1885, p. 14. 

8) Hui.L, E., The Survey of "Western Palestine. Memoir on thePhysical 
Geology a. Geography of Arabia Petraea, Palestine and adjoining Districts. 
1889, p. 49. 

9) Walther, J., Über eine Kohlenkalkfauna aus der ägyptisch-arabi- 
schen Wüste. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges., XLII, 1890, p. 419. 

10) RüTUI'LETZ, Stratigraphisches von der Sinaihalbinsel. Neues Jahrb. 
f. Min. etc., 1893, p. 102. 

11) Scuellwien, E., Über e. angebl. Kohlenkalkfauna aus d. äg.-arab. 
Wüste. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges., XLVI, 1S94, p. 08. 

12) Hüll, I.e. p. 47. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 9 

von Labrusch in der Oberregion des Wüstensandsteins die 
fossilführende Kalkbank wiedergefunden in einer Mächtigkeit 
von 45 — 64 m; doch gelang es ihm nicht, die dort gesehenen 
Petrefacten (Crinoidenstiele und Brachiopoden) aus dem harten 
Gestein herauszuschlagen. Zur Zeit des Karbons und Unteren 
Perms war also diese Gegend zum ersten Male von einem von 
Organismen belebten Meere bedeckt. Die damals zum Absatz 
gekommenen Schichten wurden allerdings in der folgenden 
langen Festlandsperiode theilweise ein Opfer der Denudation, so 
dass das alte Grundgebirge an vielen Orten (Berg Hör) auf diese 
Weise wieder zu Tage trat. 

B. Die Obere Kreideperiode. 

Alle diese vorkretaceischen Gebilde des früheren postkarboni- 
schen oder besser postpermischen Festlandes wurden nun während 
der neuen allgemeinen Meeresbedeckung in der Oberen Kreide 
gleichmässig von einer ganzen Reihe von submarinen Sedimenten 
bedeckt. In seiner ganzen Vollständigkeit sehen wir diesen 
Schichtenkomplex jetzt auf der Ostseite des T. M. 

' 1. Der Nubisclie Sandstein. 

Es ist da zunächst noch eine Wiederholung von Sand- 
steinen von wechselnder, weisser, rothlicher, brauner oder 
grüner Farbe, welche sich an der SO.-Ecke des T, M. direkt auf 
die angeführten, zum Karbon und Perm gestellten Sandsteine 
und Kalksteine auflagern und hier schwer von diesen zu trennen 
sind. Nach dem Vorgänge E.ussegger's und anderer Geologen 
wollen wir diesen oberen Sandstein als »N üb i sehen« bezeichnen. 
Die dazu gehörigen Lagen ziehen sich als zusammenhängendes 
Band an dem ganzen Ostufer entlang bis zum Jordanthal auf- 
wärts, wo man sie z. B. am Wege von Jericho nach Mädebä kreuzt. 
Fossilien enthalten diese Sandsteine hier nicht. Im Libanon aber 
tritt in ganz entsprechenden Sandsteinlagen eine Fauna von 
Schnecken und Muscheln auf, welche für ein cenomanes Alter 
dieser Schichtenstufe spricht. Lartet'sI) Hypothese, dass der 
Sandstein in der Tiefe unter dem linken Ufer des T. M. ein 
Braunkohlenlager enthält, wodurch er die Imprägnirung der 

1) Lartet, Exploration gcologique delaMerMorte, 1S"7,p. 322, u.t. 3,f.8. 



] Blanckenhorn, 

Kreidekalkmassen mit l^itumen und das Auftreten von Asphalt 
erklären will, ist, wie ich später zeigen Averde, unnüthig. 

In die ältere Cenomanzeit fallen noch die ersten Ergüsse 
basaltartiger Lavamassen, der »Mimosite« Lartet'sI), an einigen 
Punkten der Umgegend des T. M., z. B. am Wädi ed-Derä^'a oder 
el-Kerak. Sie sind hier Avie im Libanon entweder den Schichten 
des Sandsteins lageiförmig eingeschaltet und gehen oft durch 
Tuffe allmählich in letztere über, oder sie liegen noch höher und 
sind direkt von horizontalen Kreidekalkschichten überlagert, so 
bei Kerak am Nordabhang des Hügels der Stadt. 

2. Die cenomanen Dolomite, Kalke und Mergel. 

Über den versteinerungslosen Sandsteinen findet man dann 
eine mächtige Reihe von vorherrschend grauen Kalken, Mer- 
ü-eln und Dolomiten, die sich zuweilen durch eine Fülle von 
Versteinerungen, Schalen von Korallen, Seeigeln und Austern, 
sowie Steinkernen von Bivalven, Gastropoden und Ammoniten 
auszeichnen. Diese Fossilien sind z. Th. identisch mit Arten, die 
in Algerien oder Europa als leitend für die cenomane Schichten- 
abtheilung angesehen werden. An den meisten Stellen Süd- 
palästinas gelingt es, innerhalb dieses mächtigen Komplexes noch 
eine Zweitheilung vorzunehmen in eine tiefere Abtheilung 
von wechselnden Mergeln, Kalken und Dolomiten mit 
häufigen, echt cenomanen Seeigeln { Heterodiadetna lybictim, 
Holectypus Larteti^ Diplopodia hermonensis^ Hemiaster hatnensis 
und andere), Austern [Exogyra Mermeti, flahellaia und olui- 
ponensis) und Ammoniten [Aca7itlioceras rotomagense und har- 
pax) und höhere sogenannte lludisten- oder Nerineen- 
kalke bezw. Marmore, Dolomite oder Kieselkalke mit 
einer Fauna von liiidisten^ Nerineen und Actaeonellen'^\ Die 
letzteren massigen, dickbankigen Schichten bilden hauptsächlich 

1) Lartet, Essai sur la geologie de la Palestine. Ann. des sciences geol. 
I, Paris 18G9, p. 79. 

2) Nur in den allcrobersten Bänken des Nerineenkalkes dicht unter der 
folgenden senonen Schiehtenabtheilung gelang es mir, zwischen Jerusalem 
und Jericho Fossilien von echt t u r o n e m Charakter ( Cyphosoma BayleiCoTT.] 
zu entdecken. Abgesehen von dieser einen Seeigel -Bank im »Mizzi helu« 
scheint das Turon in Palästina in typischer Ausbildung nicht vertreten 
zu sein, ebenso wenig wie am Sinai. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 1 \ 

hohe, steile Abfälle und schwer ersteigbare Stufen an den Ge- 
hängen. In ihnen liegen nicht nur die wichtigsten natürlichen 
Kalkhöhlen des Landes, sondern sie sind auch mit Vorliebe 
überall zu künstlichen Aushöhlungen von Eremitenklausen und 
Grabkammern benutzt worden. Zugleich lieferten sie von jeher 
die geschätztesten Bausteine Jerusalems. Am Westufer des T. M. 
ist die höhere Abtheilung durchweg dolomitisch ausgebildet. 
Mit ihr dürfte an dem dortigen Steilabfall der Kreideschichten- 
komplex theilweise überhaupt erst beginnen. Nur bei Masada, 
Engedi und am Dschebel Karantal bei Jericho ist noch unter dem 
Rudisten-Nerineenkalk die tiefere cenomane Abtheilung ent- 
wickelt, und zwar in Form von austern- oder korallenreichen 
Kalkbänken, mit Spuren von Gyps, Mergeln und Dolomiten, die 
sich mitunter durch ihren Kocbsalzgebalt auszeichnen. 



3. Die seuonen Kreidemerftel, titnniinöson Kalke. Gypsmeigel 
und Feuei'steinljünke. 

Auf den Horizont der E-udisten und Nerineen folgt nun ein 
weiterer grosser Komplex von Schichten des Kreidesystems, der 
durch seine reichhaltige Fauna entschieden als Repräsentant der 
obersten Etage der Kreide, des S e n o n , gekennzeichnet ist. Auf 
dem Plateau im O. des T. M. und Jordanthaies nehmen diese 
Schichten gleichmässig relativ die höchsten Regionen ein. Im W. 
herrschen sie als Decke wenigstens auf dem zum T. M. gerich- 
teten Abfall bis zur Wasserscheide vor, also in der wasserlosen 
Wüste Juda. Die tiefere Hälfte dieser Senonschichten besteht 
aus auffallend licht gelblich-weissen, weichen Kreide- 
mergeln, die mit ähnlich gefärbten, härteren Kalklagen von 
muschelig splittrigem liruch oder, wie in der Wüste Juda, auch 
mit grauen Dolomitbäuken wechsellagern. In der oberen Hälfte 
des Senons stellen sich mehrfach mächtige Feuersteinlager 
zwischen den weissen Kreidemergeln ein. 

An der Basis der ganzen Senonstufe erscheint in der Jeru- 
salemer Gegend der sogenannte Kalküle, eine etwa 5 — 10 m 
mächtige Kalklage, die als leicht mit Säge und Messer zu be- 
arbeitendes Material zu Grabsteinen und Inschriften verwandt 
wird und sich durch häufiges Vorkommen von Ammoniten des 
tieferen europäischen Senons, der Gosauschichten bezw. auch der 



12 Blanckcnhorn 



Emscher Mergel auszeichnet [Schloenhacliia quinquenodosa Redt., 
verwandt mit S. texana Rom.). 

Die folgenden weichen Kreidemergelbänke enthalten 
in einzelnen Lagen einen ungewöhnlichen Reichthum an 
organischen Resten, besonders von kleinen Muscheln [Lecla^ 
Nucula u. a.), zierlichen Schnecken, Denidlien^ Baculiten und 
Fischen. Das Vorkommen solcher Thierrestanhänfungen in die- 
sem Horizont ist desshalb von Wichtigkeit, weil mit ihnen das 
Auftreten von Bitumen Substanzen in Palästina in ursächlichem 
Zusammenhang steht. Überall gerade in den unteren und mitt- 
leren Theilen der palästinensischen Senonschichten, speciell an 
der ganzen Westseite des T. M., trifft man schwarze bituminöse 
Kalke, Stinkkalke, auch Asphaltkalke genannt, die bald mehr, 
bald weniger reich an Bitumen oder stinkenden Kohlenw-asser- 
Stoffen sind. Auch Kieselkalke, Dolomite, ja Feuersteinlagen er- 
scheinen oft bitumenhaltig. Am bekanntesten ist dieses Gestein 
von Nebi Müsa.^ von wo es als »Mosesstein« oder »Stein vom 
Todten Meere« für die Bethlebemer Schmuckwaarenindustrie 
bezogen wird. L artet, der genaueste Erforscher der Umgegend 
des T. M., hat die allgemeine Verbreitung dieser bituminösen 
Kalke und zugleich des Petrefactenreichthums im Senon nicht 
erkannt und gewürdigt und zur lokalen Erklärung des Bitumen- 
gehalts der Asphaltkalke von Nebi Müsa eine nachträgliche Im- 
prägnirung von unten her angenommen. Wohl hat auch ein 
solcher Voro^ano^ weniorstens an den Ufern des T. M. statt^fefun- 
den, aber anders als es Laktbt dachte. Die bituminösen Sub- 
stanzen, Avie Asphalt, die später aus der Tiefe z. T. wohl auf 
demselben Wege wie die Thermen aufstiegen, stammten nicht aus 
Braunkohlenflötzen des Nubischen Sandsteins, sondern aus dem 
unter dem T. M. in der Tiefe in Folge des grabenartigen Ein- 
sturzes lagernden petrefactenreichen Senon mit seinen Asphalt- 
kalken. Die Kohlenwasserstoffe des bituminösen Kalkes sind 
hervorgegangen aus den Fetten der Fische und Mollusken, und 
zwar initer A'ermittlung von Fettsäuren, die zunächst bei der 
Zersetzung der Fette unter Abspaltung von Glycerin entstanden. 

Die geschilderten bituminösen Kalke sind namentlich gegen 
die Mitte der Senonetage hin, bevor die Region der Feuerstein- 
bänke beginnt, meist vergesellschaftet mit möglichst bunt- 
gefärbten Gvpsmergeln von bald grellrother, bald grau- 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 1 3 

grüner, gelber oder weisser Farbe. Der Gypsspath ist entweder 
ziemlich gleichmässig im Mergel- oder Kalkgestein in schwach 
glitzernden Krystallen vertheilt, oder er konzentrirt sich in un- 
regelmässigen Nestern, regelmässigen dünnen Bändern oder 
dicken Lagern oder schliesslich senkrechten Adern, d. li. Kluft- 
ausfüllungen. Aus dem Gesagten geht schon hervor, dass diese 
Region der Gypsmergel und bituminösen Kalke in der Mitte der 
Senonschichten Palästinas unter den ersten Feuersteinschichten 
durch Mannigfaltigkeit in der Färbung leicht ins Auge fällt. 
Blendendweisse Kreidemergel sieht man dort abwechseln mit 
grauen bis schwarzen Stinkkalken, die oft ein wahres »Bonebed« 
von Fischknochen und Koprolithen, Schnecken, Austern und 
zahlreichen Foraminiferen führen, röthlich- grauem, tuffartigem 
Kalk mit grünen Adern von unreinem Kalkspath und Gyps, die 
ihre Farbe einer fremden l)eimengung verdanken i), intensiv 
rothen und grünen Gypsmergeln mit Adern von schneeweissem 
Gyps. Solche rothen Mergel am Chan el-Hatrüra auf dem 
Wege von Jerusalem nach Jericho haben den Geologen Russegger 
früher zur Annahme einer Eisenerzlagerstätte und Hüll soo-ar 
zu derjenigen eines dortigen Eruptivstockes verleitet. 

Das bunte Kolorit dieses Schichtenkomplexes, im allgemei- 
nen wohl bedingt durch den verschiedenen Gehalt und Vcrthei- 
lung von Eisenoxyd- und Eisenoxydulverbindungen, wird noch 
erhöht durch häufig vorhandene Chrom Substanzen. Auf diese 
dürfte z. B. der nicht selten beobachtete ganz charakteristisch 
schwefelgelbe Auflug auf Kalkstein. Gyps und Asphaltkalk zurück- 
zuführen sein, der auf den ersten Blick für elementaren Schwefel 
oder für den krustenförmigen Thallus der Schwefelflechte ( Co/^/o- 
cybefurftiracea] gehalten werden könnte, sich alier chemisch als 
besondere Mineralsubstanz erwies. Auch intensiv grüne Adern 
in gypshaltigem Kalkstein erwiesen sich nach der chemischen 
Analyse ^j als chromoxydhaltig. 

1 ) Lartet (Explor. geol. de la Mer Morte p. 8G) führt die grüne Farbe 
der Adern im Gyps (wohl irrthümlich) auf Nickelverbindungen zurück. Die 
mehrfach von mir gesammelten derartigen Proben enthielten niemals Nickel. 

2) Mit der chemischen Untersuchung der verschiedenartigsten von mir 
mitgebrachten Gesteinsproben ist augenblicklich Herr E. Sachsse, ein Schüler 
von mir, im Mineralogisch-geologischen Institut zu Erlangen beschäftigt. Die 
z.Th. recht interessanten Resultate dieser Untersuchung sollen später auch in 
dieser Zeitschrift ausführlicher mitgetheilt Averden. . 



14 Blanekenhorn, 

Als eine weitere Gruppe von färbenden Mineralsubstanzen 
sind hier noch die Phosphate zu erwähnen, beziehungsweise 
der Phosphor gehalt der Kalke, Mergel und Feuersteine, der 
in unmittelbarer l)eziehung steht zu dem. Reich thum an thieri- 
schen Resten (Fischen) im Senon Palästinas. Ein grosses Lager 
eines neuen, blaugrünen, türkisähnlichen Minerals, das sich in der 
durch Herrn Sachsse vorläufig ausgeführten Analyse hauptsäch- 
lich als eine Verbindung von phosphorsaurer Kalkerde und eben- 
solcher Thonerde, aber ohne Wasser und ohne Kupferoxyd, heraus- 
stellte, wurde von mir auf meiner Reise von es-Salt nach Mädebä 
beobachtet. In Deutschland würde dasselbe sicher sofort als 
Düngemittel vollständig ausgebeutet werden. Eine andere grüne 
phosphorhaltige Substanz fand ich auf Feuersteinen zwischen 
Bethlehem und Mär Säba und im Wädi en-När. An der Jericho- 
strasse sammelte ich ein Stück halb grünlichen, halb schwärz- 
lichen, an Bitumen relativ armen Mergelkalks mit viel Fisch- 
schuppen und Koprolithen, dessen Phosphorsäuregehalt 12^ 
ausmachte. 

Mit dem Absatz der Feuer steinlager schloss die Sediment- 
bildung des Kreidemeeres in Palästina ab. 

C. Die Ter tiär p e riode. 

Mit Beginn der Tertiärzeit im sogenannten Eocän zog 
sich das Meer bald ganz zurück. Nur im SW. von Judäa, in 
Samaria und Galiläa hinterliess es noch eocäne Ablagerungen in 
Gestalt von z. Th. kieseligen Nunimulitenkalken. 

Vorläufig waren die nunmehr fest gewordenen Sedimente 
der Kreide an Stelle des heutigen T. M. und so auch in Palästina 
noch horizontal gelagert, und es gab keine tiefen Furchen, die 
den Zusammenhang der Schichten unterbrachen. Dieser Zustand 
dauerte bis gegen den Schluss der Tertiärzeit. Während dieser 
langen Festlandsperiode gingen natürlich auf der bis dahin ebe- 
nen plateauformigen Oberfläche mannigfache Veränderungen vor 
sich. Die atmosphärischen Niederschläge und die Flüsse wirkten 
erodirend und denudirend ein und griffen namentlich die obersten 
zuletzt abgesetzten Schichtmassen an. Die Nummulitenkalke 
wurden in Judäa, bis auf geringe Spuren in Gerollen, vom Erd- 
boden weggefegt. An der folgenden Decke von Feuersteinlagen 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. -1 5 

fanden die zerstörenden Kräfte einengrossen, aber nicht unüber- 
windlichen Widerstand. Während die Wasser auf den Feuerstein 
selbst chemisch gar nicht und mechanisch direct nur wenig ein- 
wirkten, wurden die zwischengelagerten und sie unterteufenden 
Kalk- und Mergelstraten, zumal bei ihrem reichen Gyps- und 
Salzgehalt, um so sicherer angegriffen und theilweise fortgeführt 
und so jenen der Boden unter den Füssen entzogen. Locale kleine 
wellige Einbiegungen der widerstandsfähigen Decke oder, wenn 
der Zusammenhang riss, Einstürze waren die Folge, und die 
Feuersteintrümmer wurden in die Residuen der Kreidemergel 
eingebettet und so mörtelartig verkittet. So entstand die Feuer- 
steinbreccie, welche wir heute überall vom Mons Scopus, vom 
Ölberg und vom Berg des bösen Eathes an den zum T. M. ge- 
richteten Abfall von Judäa, die Wüste Juda, bedecken sehen. Es 
ist eine Oberflächenkruste aller jeweilig oben liegenden kalkigen 
Sedimente, hauptsächlich aber über dem Senon, bestehend be- 
sonders aus den Resten der einst vorhanden gewesenen, jetzt 
zerstörten Schichten, gebildet seit der Trockenlegung dieses 
Landstriches nach der Kreideperiode und noch heute im Fort- 
gange begriffen. Wegen seiner Feuerfestigkeit und Verwendbar- 
keit zum Herdbau wird das Gestein bei Jerusalem Näri genannt. 
Dass es in dieser verflossenen Tertiärzeit, als das Terrain wohl 
noch ziemlich eben war, doch nicht an Flüssen fehlte, beweisen 
die Anhäufungen von wohlgerundeten schwarzen Feuerstein- 
geröllen im Nüri, die ich im S. an manchen Stellen der idu- 
mäischen Hochebene bei Kasr ez-Zuwera el-Fökä und Teil ""x^räd 
antraf. 

Als weitere Festlandsgebilde aus jener Zeit sind hier noch 
die älteren Basaltergüsse im O. des T. M. zu nennen, d. h. die- 
jenigen, Avelche sich nur deckenförmig auf den höheren Theilen 
des Kreideplateaus und einzelnen heute isolirten Tafelbergen 
ausbreiten. Denn die heutigen zum T. M. gerichteten Thal- 
furchen, in welche sich alle jüngeren (quartären) Basaltströme 
hinab ergossen, waren in jener Zeit noch nicht vorhanden, ebenso 
wenig wie das T. M. Als Beispiele sind die Hasaltdecken des 
Dschebel Schihän, Ruwera und Hüra zu nennen. 



1 6 Blanckenhorn, 

n. Der Einsturz des alten Gebirges und die Entstehung 

der Jordanthalfurche. 

Mit dem Schhiss der Tertiärporiode tiat das ^gewaltigste Er- 
eigniss ein, das die geologische Gescdiichte Palästinas kennt. Das 
ganze syrische Land vom äussersten S. bis zum N. zerriss durch 
Bildung von Spalten in S.-N.- oder SSW.-NNO.-Richtung, und 
als Streifen sanken die zwischenliegenden Partien in verschie- 
denster Weise in die Tiefe. In der Entstehung der grabenartigen 
Einsenkung des Ilör oder Jordanthaies fand diese Reihe von 
Katastro])hen, die dem ganzen Lande erst seine heutige so 
charakteristische Physiognomie verliehen, nur ihren prägnan- 
testen Ausdruck. Ihre Wirkungen spiegeln sich ab im Ober- 
flächenrelief, das seitdem nur unwesentlich durch die Erosion der 
meisten Flusstliäler noch verändert worden ist. Um dieses eigen- 
thümliche Relief des Landes und damit dessen hervorstechendsten 
Charakterzug richtig zu verstehen, müssen wir daher die Folgen 
jener Ereignisse genauer ins Auge fassen. 

A. Die Bedeutung der Dislokationen und 
Strukturlinien. 

Eine der wichtigsten Aufgaben des in Palästina kartirenden 
Geologen beruht in der genauen Ergründung und kartographi- 
schenFixirung der » Struktur- oderDislokationslinien« (vgl.Taf. I). 
Was unter einer Dislokationslinie oder besser Zone zu verstehen 
ist, ersehen wir am besten aus Querprofilen, wenn wir dieselben 
zugleich mit einer guten, wenn auch nur topographischen Karte 
vergleichen, auf der diese Linien verzeichnet sind. Es handelt 
sich in Palästina keineswegs immer, wie man nach O. Fraas' 
Schildenuigen erwarten sollte, um Brüche, Spalten, an denen der 
Zusammenhang der Schichten ganz unterbrochen ist, sondern in 
den meisten Fällen sogar niu- um sogenannte Flexuren, d.h. be- 
deutende Schichtenbiegungen ohne Bruch. Wir sehen die Schich- 
ten einer solchen zwischen zwei Flexuren gelegenen Scholle im 
allgemeinen vielleicht horizontal gelagert oder nur schwach zum 
Jordanthal geneigt. Plötzlich aber beginnt mit der Annäherung 
an die Flexur ein steiles Einfallen aller Schichten, das erst nach 
einiger Zeit, Avenn wir auf der folgenden tieferen Scholle ange- 
langt sind, wieder einer mehr söhligen Lagerung Platz macht. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 




SD 

O 

o 

s . 

Ö CO 

'S ^ 

^ I' 



^ 



Ol 

72 









CD 

C/2 






3 



'TS 






bC 



Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. 



1 8 Blanckenhorn. 

Bei dieser Wanderung sind wir zuletzt schnell um ein heden- 
tendes Stück abwärts gekommen, wir sind die schief geneigte 
Stufe einer Treppe hinabgestiegen. Die Flexur bezeichnete 
die steilste Partie der Oberfläche. So kann in der That eine 
verhältnissmässige Absenkung eines ganzen Erdstreifens bis zur 
Oberfläche hin stattfinden ohne bemerkbaren Riss. Ist aber die 
Spannung an der Umbiegungsstelle zu gross, was natürlich bei 
beträchtlicheren Höhenunterschieden der beiden Stufenterrassen 
der Fall ist, so zerreisst der Zusammenhang und eine Spalte er- 
scheint, begleitet beiderseits von sogenannten Schichtenschlep- 
pungen. Diese bestehen in einem Hinaufziehen der Schichten 
der gesunkenen Scholle oder einem Hinabziehen der stehen- 
gebliebenen längs des Verwerfers. Besonders letzteres ist recht 
häufig zu beobachten, z. B. an dem grossen Abfall im O. ') und W. 
des T. M. zu dessen Randspalten hin. Seltener ist schon der Fall, 
dass diese Abwärtsbewegung zur Spalte hin stufenweise als eine 
Kette von Flexuren erscheint. Ein schönes Beispiel hierfür bietet 
die Ost seite einer Längs Verwerfung, aufgeschlossen am Wädi es- 
Sennen, einem nördlichen Zufluss des Wädi iss-Sejäl. Es wird 
durch Figur 1 illustrirt. Ganz links im W. im folgenden Quer- 
thal el-Chusebije hat man die von S. nach X. gehende Ver- 
Averfung zu denken, gegen welche die im Bilde sichtbare Erd- 
scholle an ihrem E,ande sich hinabzieht. Der Gegensatz zwischen 
den dunklen Kalkbänken und den lichten Mergeln lässt die 
gleich einer Treppe auf einander folgenden kleinen Flexuren 
scharf hervortreten. 

Oft kann man längs ein und derselben Linie an einer Stelle 
eine ungebrochene Flexur und in der Fortsetzung eine Verwerfung 
beobachten. Die Wirkung braucht desshalb noch nicht wesentlich 
verschieden zu sein. Häufig erscheint auch statt einer einzigen Ver- 
Averfungsspalte ein ganzes System von Spalten, die die Wirkung 
unter einander theilen, aber jedenfalls die Verhältnisse kompliziren. 

Solche Stufen folgen nun in Palästina in der Richtung von 
W. nach O. mehrfach aufeinander, so dass man über zwei bis 
drei Stufen zum Plateau von Judäa hinauf- und über vier Stufen 
zum T. M. hinabsteigt. Die Stufenlinien oder Strukturlinien sind 

1) Vergl. Tristkam, The land of Moab, p. 65, avo ein anfängliches Ein- 
fallen der Schichten unter 60° und eine folgende Horizontalität beim Auf- 
stieg vom T. M. nach Kerak erwähnt wird. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 19 

auf der geognostisclien Karte des T. M. (s. Tafel II) sowie beson- 
ders auf dem Übersichtskärtchen (s. Tafel I) mit dicken schwarzen 
bezw. rothen, theilweise unterbrochenen oder nur punktirten 
Linien eingetragen. Freilich sind es in der Natur keine Linien, 
sondern breite Zonen. Die Region des Steilabsturzes oder der 
stärkeren Schichtenneigung kann oft ganz erheblich sich aus- 
dehnen und auf der Horizontalprojektion einer Karte eine Ent- 
fernung von 3 km ausfüllen. Es Avürde also genauer ein bald 
schmaler, bald breiter Streifen auf der Karte den Zonen der 
Störungen und Unregelmässigkeiten entsprechen. Das könnte 
freilich nur bei sehr detaillirter Aufnahme alles genau eingetragen 
werden. Ausser den grossen, weithin ausgedehnten Flexuren 
oder den ihnen entsprechenden Verwerfungen kommen auch un- 
abhängig davon kleinere Dislokationsspalten auf kürzere Ent- 
fernungen hin vor, so besonders Querspalten quer zu der Richtung 
der Längseinbrüche des Gebirges. 

B. Ein Querprofil durch Judäa. 

Das Gebirge von Judäa zeigt im Ganzen einen treppen- oder 
staffeiförmigen Abfall nach beiden Längsseiten O. und W. Auf 
dem Wege von Jafa nach Jerusalem'), sei es auf der Strasse oder 
der Eisenbahn, haben wir drei in ihrer F.eschaffenheit leicht zu 
unterscheidende Zonen zu überschreiten, die hier, wie es scheint, 
durch wirkliche einfache Verwerfungen getrennt sind. Die erste 
Zone ist die Küstenebene, bedeckt von jungen kalkig-sandigen 
Ablao^erungen des Diluvialmeeres 2), das einst nach erfolgtem 
Absturz der tiefsten Gebirgsscholle dieselbe dann eine Zeit lang 
überfluthete. Gegen N. verschmälert sich diese niedere Ebene; 
gegen S. verbreitert sie sich, steigt zugleich empor und umfasst 
so das Gebirge Judäas, indem sie am Wädi es-Seba*" bis über 
Beerseba mehr als 300 m hoch hinaufreicht. (ImW. von Chirbet 
el-Milh traf ich die betreffenden jungmarinen Sandsteine noch 
bis zur Meereshöhe von -{- 330 m.) 

Die zweite Zone ist die der weissen, senonen Kreide, in der 
die beAvohnten Höhlen von Bet Dschibrin eingegraben sind. Sie 

1) Vergl. hierzu Profil I auf Tafel III. 

2) Nicht aber des Tertiärs (Eocäns), wie es Hlll auf seiner Karte auf- 
fasst, ein Irrthum, der ebenso wie manche andere auch in den geologischen 
Theil des BERGHAUs'schen phys. Atlas und andere Bücher übergegangen ist. 

9* 



20 Blanckenhorn, 

endigt im O. an der von S. nach N. gerichteten Störung von*^Artüf, 
deren Verlauf deutlich durch eine Reihe von Thalanfängen in 
dieser Richtung gekennzeichnet ist. 

Plötzlich und unvermittelt treten Avir hier aus der weissen, 
weichen Kreide auf harte, ältere Kalke. Dass die weissen Kreide- 
mergel im W. jünger sind, also an jener Verwerfung abgesunken 
sein müssen, erkennt man bald beim weiteren Aufsteigen mit der 
Bahn im Wädi es-Sarär, bei dem sich allmählich hoch oben über 
dem grauen Kalk wieder jene weissen Kreideschichten einstellen. 
Mit der Kalkregion an der*^Artüfstörung beginnt auch das eigent- 
liche Gebirge mit seinen wilden Thalfurchen. 

Die Mittelscholle des Hochplateaus endigt in Jerusalem 
bezw. Bethlehem an der grossen Wasserscheide. Während bis 
vor Jerusalem die Neigung der Schichten gegen die Mitte gerichtet 
gewesen war, ändert sich das Verhältniss in Jerusalems Umgegend, 
wo allgemein Ostftillen herrscht. Es liegt also ein sogenannter 
Sattel, eine Antiklinale auf der Höhe des Gebirges vor. 

Plötzlich sehen wir uns auf dem Olberg oder in Bethlehem 
imO. einem steilen Abfall gegenüber. Hier ist die erste Flexur zum 
T. M. Wir wandern das Kidronthal oder Wädi en-När hinab ^). 
Steil geht es abwärts in dessen Grund, bis der Olberg bezw. Berg 
des Ärgernisses auf der linken Seite passirt ist. Jäh fielen die 
Schichten gegen OSO. ein, bis wir aus den Kalkschichten am 
BirEijüb in die weichen Kreidemergel gelangt sind. Jetzt nimmt 
das Gefälle der Schichten wieder ab. Horizontale Lagerung tritt 
ein. Wir sind am Fusse der Flexur auf der folgenden Schichten- 
terrasse. Die zunehmende Tiefe der Thalsohle entblösst da, avo 
der Weg nach Mär Säbä dieselbe verlässt und sich nach links den 
Berg hinaufzieht, unter den weissen Schichten bald wieder graue, 
austernreiche Mizzi-Kalke. Doch nach einiger Zeit stellt sich etwa 
da, wo das Thal einen rechten Winkel bildet, ein zweites steiles 
Einfallen der Schichten ein, und damit tauchen die Kalke in die 
Tiefe und senone Kreideschichten decken den Grund des Thaies. 
Wir befinden uns in einer zweiten Flexur, die in der Richtung 
vom Frankenberg oder Dschebel Furedis herkommt. 

Von neuem wechselt das Bild und graue Kalke schauen wie 
oben in horizontaler Lagerung ein wenig hervor, sofort allerdings 

1) Vergl. hierzu Profil II auf Tafel III unter Beachtung der punktirten 
Linie, die den Verlauf der Thalsohle anzeigt. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 



21 




O 



ii 



o a 



"^ 


=r^ 




P a 




iJOM 


iri 


■" !K 


-2 




'/7 










TS . 


-3 


5 1:3 


























o 




^ 


C--^ 


o 


J 








~^ 


-s 


1 


u 






0) 


z: 










-3 




.>J 


y> 


> 






o 












•j 








c> 






=(J 


'" 



22 Blanckenhorn, 

von Aveissen Kreideschicliten mit sanftem Gefälle verhüllt. Die 
zweite Terrasse des Ostabfalls ist erreicht. Eine halbe Stunde 
oberhalb Mär Säbä leitet plötzlich an denlhalwänden eine augen- 
fällige Querverwerfung (vgl. die umstehende Darstellung Fig. 2) 
die dritte gewaltige Flexur ein, die die furchtbare Schlucht am 
Kloster Mär Säbä beherrscht, und durch weitere Verwerfungen 
am Bir es-Safäfi wird dann die Flexur beschlossen. Unterhalb des 
Klosters von genanntem Brunnen an wird das Terrain w'ieder 
Hacher, die Bergformen gerundeter. Es ist die dritte Terrasse, 
der die Ebene el-Buke'a angehört. Sanft schneidet der Kidron mit 
langsamem Lauf seine Furche ein, bis mit dem Aussenrand der 
Terrasse die letzteDislokationszone in Gestalt einesplötzlichen und 
unvermittelten Abbruchs erscheint. Mehr als 550m müssen wir vom 
erhöhten ßande der letzten nach innen zu vertieften Terrasse, 
dem Ras el-Feschcha, jäh zum Spiegel des T. M. hinabsteigen. 

Das Gefälle, das die Thalsohle des Wädi en-När und unser 
\Veg von Jerusalem an zu überwinden hatte, vertheilt sich 
grösstentheils auf die vier Absätze der Terrassen, unsere Dis- 
lokationszonen oder Strukturlinien. Als Maassstab hierfür dienen 
uns die Zahlen für die verschiedenen Höhenlagen der Grenzfläche 
zwischen dem grauen Mizzi oder den Eudisten- und Nerineen- 
kalken imd den weissen Ka*^külelagen, welche wir an mehreren 
Punkten zu Tage treten sehen oder mindestens berechnen können. 
Dieser Horizont ist an der ersten Flexur am Ölberge vom Dorfe 
Siloah bis unterhalb Bet Saliür um ca. 200 m gesunken, an der 
zweiten Flexur am Knie des Kidron um ca. SO m, an der dritten 
von Der Mär Säbä um etwa 220 m trotz der anfänglichen Ver- 
werfung oberhalb des Klosters mit entgegengesetzter Wirkung, 
schliesslich an dem Absturz zum T. M. um mindestens vielleicht 
700 m. Hier fehlt zur genauen Berechnung die muthmassliche 
Tiefenlage des verfolgten Horizonts unter dem Spiegel des T. M. 
an dessen AVestseite, die sich natürlich nicht feststellen lässt. 
Immerhin gäbe eine Summirung dieser Zahlen eine gesammte 
Einsenkung an den Stufen um 1200 m. Da die Höhe von Siloah 
über dem T. M. G40 + 394m=: 1034m beträgt, so geht daraus 
hervor, dass den zwischen den Stufen liegenden und sie ver- 
mittelnden Flächen der Terrassen nur eine minimale Absenkung 
jenes Horizonts auf Kechnung zu setzen ist. Ja bei der breitesten 
letzten Terrasse von el-Buke"^a, deren Aussenrand (Ras el-Feschcha) 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 23 

beträchtlichere Höhen als der Iniienrand aufweist, kann über- 
haupt von einer Neigung der Schichten vom Innenrand gegen 
das T. M. zu kaum die Rede sein. 

C. Die Strukturlinien der Wüste Juda. 

Verfolgen wir nun die auf unserem Querwege von Jerusalem 
zum T. M. überschrittenen Strukturlinien in ihrer Längs- 
erstreckung nach S. zu. {Vergl. Taf. I und II). 

Die erste Flexur vom Ölberof verschwindet als solche im S. 
jenseits Bethlehem und verschmilzt offenbar mit dem breiten 
Sattel des Hochplateaus zu einem grossen Gewölbe, das sich von 
der Linie "^Artüf-Bet-Nettif bis Thekoa und Hebron ausdehnt und 
so ziemlich auf seinem Scheitel die Wasserscheide trägt. Die 
beiden mittleren Flexuren, vom Dschebel Furedis und Mär Säbä, 
haben eine Richtung von SW. nach NO. und laufen als Wall mit 
jedesmal tiefen Thaldurchbrüchen um das ganze Hochplateau 
von .Judäa herum durch die Wüste Juda, letztere so in drei Ab- 
schnitte theilend. Im N. endigen sie in spitzem Winkel am Jor- 
danthal und vereinigen sich hier mit der westlichen Randspalte 
des T. M. . 

Ihnen parallel zeigt sich im südlichen Theil der Wüste Juda 
eine weitere Flexur, die noch charakteristischer als die beiden 
anderen ausgebildet ist und nahe Masada an der Mündung des 
Wädi es-Sejäl auf die Randspalte desT. M. trifft, da wo der West- 
abfall vom T. M. einen stumpfen einspringenden Winkel macht. 
Zwischen ihr und der Flexur von Mär Säbä senkt sich eine flache 
Hochebene ein, nach NO. zuniT. M. entwässert vom Wädi es-Sejäl, 
nach SW. zum Mittelmeer vom Wädi el-Milh. Eine einförmige 
grasbewachsene Hochebene mit sanften welligen Erhebungen, 
ein Weideplatz zweier Beduinenstämme, verbindet bei einer un- 
merklichen Wasserscheide von 524 m diese beiden Thalsysteme. 
Die Scheide ZAvischen Todtem und Mittelmeer folgt von da an 
dem südöstlichen Aussenrand dieser Terrasse, dem Gebirgswall 
Dschebel Umm Rudschüm, der in seiner Fortsetzung Kubbet el- 
l^aul heisst. 

Die Reihe der von SW. nach NO. gerichteten Dislokationen 
im südlichen Westpalästina ist aber damit nicht erschöpft. Süd- 
östlich und parallel dem Gebirgswall Kubbet el-Baul finden wir 
auf dem Wege von Teil el-Milh nach Petra nach Durchschreitung 



24 Blanckenhorn, 

der Terrasse von Thamar eine breite Regrion von bastionenartisen 
Bergvorsprüngen und Abhängen mit steil gegen SO, geneigten 
Schichten, unter denen oben Nerineenkalke und an der Basis 
Cenomanschichten mit Heterodiadema lybicum, erkannt werden. 
Plötzlich mit dem Wädi el-Fikra steht man auf vollkommen hori- 
zontal gelagerten, Feuerstein führenden Senonmergeln. Hier 
liegt eine grosse Flexur mit bedeutender Verwerfung an ihrem 
einspringenden AVinkel vor. Die grosse Störung folgt dem Laufe 
des Wädi el-Fikra einerseits aufwärts nach SW. in's Plateau 
et-Tili gegen die Kuinen von Kades Barnea und verliert sich hier 
offenbar allmählich im Innern, indem sie zunächst in Flexur ohne 
Bruch übergeht. Andererseits aber setzt sie sich fort in der 
Richtung zur Südwestecke des T. M., indem sie nach NNO. und 
N. umbiegt in der Verlängerung des Westrandes des Wädi el- 
"^Araba. Mit dem Eintritt des Wädi el-Fikra in letzteres erscheint 
sie als Randbegrenzung der "^Araba-Senke bezw. der Salzebene 
Sebcha luid weiterhin des T. M. selbst. Die gesunkene Senon- 
scholle im SO. des Wädi el-Fikra wird im weiteren Verfolg längrs 
der Störungslinie von jungen Alluvionen des T. M. verhüllt. Nur 
im W. des Dschebel Usdum, dessen Entstehung einer späteren 
Zeit angehört, sah ich der Mündung des Wädi el-Muhauwät noch 
ein grosses Stück dieser Senonscholle i) mit Mergellagen und 
Feuersteinbänken vorgelagert, einen von der einstigen Diluvial- 
bedeckung blossgelegten Überrest derselben Scholle, die w^eiter 
nördlich unter den salzigen Fluthen des Sees begraben ist und 
von der wir weitere Überreste noch nördlicher bei Jericho unter 
den Ruinen der alten Stadt bei "^Ain es-Sultän vorfinden 2j. 

D. Die Randspalten des Wädi el-'^Araba, Todten 
Meeres und Jordanthaies. 

Südlich von dem Wädi el-Fikra scheint die Westseite des 
Wädi el-'Araba bis zur Wasserscheide zum Rothen Meer über- 
haupt keine besonderen Randspalten aufzuweisen. Das Kreide- 
gebirge rückt aus dem westlichen Tih-Gebirge bis mitten ins 
Thal vor in derselben Beschaffenheit wie dort. Den Beginn der 
westlichen Randspalte des T. M. haben wir daher nicht im Wädi 

1) Vergl. das Profil V auf Tafel IV und die geogn. Karte. 
2; Vergl. Profil IV auf Tafel IV. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 



2 b 




26 Blanckenhorn, 

el-^\raba, sondern im Wädi el-Fikra in der dortigen Flexnr mit 
Bruch zu suchen, die ihre Umwandhing bei ihrer Krümmung 
aus NO.-Richtung in N.-Richtung erfährt. 

In der westlichen Avie auch der östlichen Randspake des T. M. 
sehen wir einen einfachen jähen Abbruch des Gebirges. Die 
Schichten sind an den stehengebhebenen Schollen meist horizontal 
geblieben. Zwei senkrechte Spalten sind einst hier aufgerissen 
in der Verlängerung südlicher Flexuren, und ohne Verschleppung 
der Flügel sank die zwischengelegene Scholle grabenartig ein. 
Dass der Abhang nun im W. weniger einförmig sich gestaltet als 
im O., liegt an der häufigen Schaarung oder dem Zusammen- 
treiFen mit den erwähnten schräg von SW. kommenden Flexuren 
oder mit Querverwerfungen. 

Am Pass von Zuwera et-Tahtä beträgt der Absturz etwa 
444 m, indem der Weg nach Ersteigung der Passhöhe etwa +50m 
Höhe über dem Mittelmeere besitzt ^j. Allerdings erheben sich 
rechts und links von dem hier im oberen Zuwerathal führenden 
Weg noch mächtige Bergbastionen aus Feuersteinschichten, 
deren Höhe unbekannt ist. Die tiefsten bei Kasr ez-Zuwera zu 
Tage tretenden Kreideschichten sind harteDolomiteundKalke, in 
denen sich etwas nördlicher am Seestrande viele Nerineen und 
Rudisten einstellen. Der Felsen von Masada erhebt sich schon 
5 1 9 m über dem See bezw. 125m über dem Mittelmeer und entblösst 
an seiner Basis Austern führende Cenomanschichten, über denen 
Rudisten- und Nerineenkalke den Felsblock zusammensetzen. 

An der Mündung des Wädi es-Sejäl liegt der Rand des 
Plateaus 744m über demT.M. (= + 350m absolute Höhe). Hier 
hat sich eine Flexur '), die von SW. vom Ras ez-Zuwera el-Fökä 
herkommt, mit der Randspalte geschaart, und dadurch ist hier der 
Randabfall durch die vereinigte W^irkung, die Addirung der bei- 
den Terrassen, etwas erhöht. Beim Aufstieg über 'Ain"^Onebe zum 
Wädi el-Farüdsche kann man die Spuren jener Flexur noch deut- 
lich erkennen. Bei der Quelle Dschidi"^), die am Bergeshange 
über fossilfreien, salzdurchtränkten Dolomiten und unter austern- 
reichen Cenomankalken und Mergeln hervorsprudelt, steigt der 
Abfall wieder nur zu 595m Höhe an (= -\- 201). Der steile Auf- 
stieg führt in seinen höheren, schwierigeren Theilen über Neri- 

1) Vergl. Profil III auf Tafel III. 

2) Vergl. Figur 3 S. 25. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 27 

iieen- und Rudistendolomite. Erst auf der Passhöhe erreicht man 
die Seuonschichten. 

Nördlich vom Käs el-Feschcha, das selbst 556 m (= + 162 ml 
hoch sich über dem T. M. erhebt, beeinliusst am Hadschar el-Asb<"ih 
eine von WS\y. kommende Querverwerfung die Beschaffen- 
heit des Abfalls. Hier ist der nördliche Theil eingesunken. Die 
massigen dolomitischen Kalke hören auf und Senonschichten 
herrschen mit dem Ausgang des Wridi el-Kunetra allein. Auf 
ihnen erhebt sich der Chan von NebiMüsa auf dem Plateau nahe 
dem Rand mit nur — 40 m Meereshöhe ^j. Dieses Verhältniss 
dauert bis zum Aufstieg der Strasse Jericho- Jerusalem, wo in 
Folge Schaarung mit der Flexur von Mär Säbä und Dschebel el- 
Muntär wieder der Abfall erhöht und die tiefsten Cenoman- 
schichten von neuem zu Tage treten. Tief gräbt sich der Wädi 
el-Kelt in diese Kalke ein. In die Kudistenkalke siud in halber 
Bergeshöhe die Höhlen des Dschebel Karantal eingenagt wie am 
Der Mär Säbä. Die Spitze des Berges (ca. + 100 m) besteht aus 
Senonschichten -). Den Übergang zur Jordanebene vermittelt hier 
eine dem Dschebel Karantal vorgelagerte abgestürzte Senon- 
scholle, auf der die Ruinen von Jericho stehen und an deren Ost- 
fuss die Quelle "^Ain es-Sultän herausquillt^). Eine als Verwerfung 
zu denkende Linie, die diese Scholle umzieht, würde in ihrer Ver- 
längerung genau sich mit der Flexur von Mär Säbä decken. 

Die eigentliche Jordansenke erfährt nun eine Erweiterung 
nach W. Die + m Linie greift sehr zurück. Von diesem ein- 
springenden Winkel an tritt auch die Flexur vom Dschebel 
Furedis und dem Knie des Wädi en-När an den Rand heran und 
übernimmt nun den jetzt als Flexur sich zeigenden Abfall des 
Plateaus zur Jordanebene. 

Wir haben das Plateau von Judäa und Idumäa in eine oranze 
Anzahl paralleler Streifen, die durch Flexuren oder Verwerfungen 
von einander getrennt und von der Höhe gegen das T. M. zu 
immer tiefer in die Erdkruste eingesunken sind, zerlegen 
können. Ein ebensolcher Streifen ist nun unter dem Boden des 
T. M. bezw. der nördlichen Fortsetzung desselben, dem Jordan- 
thal, zu denken, beiderseits von Verwerfungen begrenzt. 

1) Die Angabe -)- 218 engl. Fuss (= -1- 66 m) auf der englischen Karte 
seheint mir sehr der Prüfung bedürftig. 

2) Vergl. Proül IV auf Tafel IV. 



28 Blanckenhorn, 

Es bleibt uns nun noch übrig, die östliche Eandspalte zu 
besprechen. Sie stellt sich dar als ein ganz einförmiger Abbruch, 
der längs des oranzen T. M. in seiner lieschafFenheit keine merk- 
liehen Änderungen erfährt. Da sich hier der Abbruch an einer 
einzigen Linie vollzog und nicht auf mehrere Stufen vertheilt, so 
erscheint natürlich der Austrag dieser Bewegung gewaltiger. Die 
Höhen an dem Eande des Moabiterplateaus erreichen + 800, ja 
+ 1000 m über dem Mittelmeer, also 1200 — 1400 m über dem 
Spiegel des T. M. Im Gegensatz zum Westufer tritt hier an der 
Basis im S. das alte Grundgebirge und — von der Lisänhalbinsel 
an — der cenomane Sandstein auf, über dem erst die Kalke und 
Kreidemergelschichten folgen. 

Erst südwärts vom T. M. am Edomitergebirge wird diese 
Spalte als einzige Randspalte des nördlichen Wädi el-'^Araba 
complizirter. Unter vielfachem Wechsel, darunter auch Über- 
gängen in Flexuren, setzt sie sich fort bis zum Golf von "^Akaba, 
nachdem sie vorher in spitzem Winkel an der die Wasserscheide 
bildenden Bodenschwelle eine zweite Hauptspalte abgezweigt, 
die dann den Westen des südlichen Wädi el-*^Araba und Golfs 
von 'Akaba umsäumt i). 

III. Die Geschichte des Todten Meeres in der 
Quartärperiode. 

Ich habe im Vorhergehenden gezeigt, wie die eigenthüm- 
lichen Einsenkungen, die die Furche des Jordanthals im all- 
gemeinen bedingten, vor sich gingen. Die durch jene Katastrophen 
hervorgerufenen Oberflächenformen waren nun der Boden, auf 
dem sich weitere Ereignisse abspielten. 

Zunächst sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich her- 
vorgehoben, dass das neugebildete Thal, obwohl seine Sohle wohl 
schon von Anbeginn an grösstentheils tiefer als der Meeresspiegel 
gelegen war, vom offenen Meere niemals überfluthet worden ist. 
Die aus Kreidegesteinen gebildete Schwelle von + 250m Meeres- 
höhe, welche mitten im Wädi el-"^Araba die Wasserscheide zwi- 

1) Vergl. das beigefügte Übersichtskärtchen der Strukturlinien von 
Palästina und dem Wädi el-'Araba; eine ausführlichere Beschreibung findet 
sich in meiner Abhandlung: Die Strukturlinien Syriens und des Rothen 
Meeres. Eine geotektonische Studie. (Festschrift, Ferd. Freiherrn v. RlCHT- 
noFEX zum 60. Geburtstag dargebr. v. s. Schülern. Berlin 1S93.) 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 29 

sehen dem Todten und Rothen Meere bildet, ist niemals von 
Meeres wogen überschritten worden. 

Freilich scheinen schon in früheren Zeiten der Existenz des 
Jordanthaies die Gewässer, welche dasselbe erfüllten, recht salzige 
gewesen zu sein, ganz wie auch heute noch das vorhandene Sam- 
melbecken in dem tiefstgelegenen Theil, das T. M., eine äusserst 
konzentrirte Mutterlauge darstellt. Aber dieser Salzgehalt kann 
nicht im mindesten als Beweis dafür herangezogen werden, dass 
das T. M. oder ähnliche heute unter dem Meeresspiegel versenkte 
Salzpfannen (die Chotts im S. des Atlasgebirges, die Natronseen 
in Ägypten, die Salzseen Assal und Alelbad im *^Afarlande) Re- 
liktenseen seien, also Residuen des später zurückgezogenen 
Meeres darstellen, Avie es früher versucht wurde ^). Aus den bis- 
herigen chemischen Untersuchungen der Bäche und Quellen des 
Jordanflussgebietes, besonders der überall in der Umgebung des 
T. M. vorhandenen kochsalzreichen Thermen geht vielmehr, wie 
speciell Lartet^) nachgewiesen hat, hervor, dass der Salzgehalt 
des T. M. nur eine unausbleibliche Folge des Zuflusses der be- 
treff'enden Binnengewässer ist. Ihren Mineralreichthum ent- 
nehmen die letzteren den gerade an Chlornatrium, Magnesium- 
karbonat und Calciumsulfat relativ reichen Ablagerungen der 
einst im Meere abgelagerten kretaceischen Kalke, Dolomite, 
Mergel und Gypse. Auch die für die Mutterlauge des T. M. so 
charakteristische Anwesenheit von Brommagnesium und Brom- 
kalium findet ihre genügende Erklärung in dem Bromgehalt der 
Schwefelthermen von el-Hammi bei Tiberias und noch mehr der 
Wasser von ""Ain el-Meräha unmittelbar am Westufer des T. M. 
zwischen den Mündungen des Wädi es-Zuwera und Wädi Mu- 
barrak^). Nach der sorgfältigen von meinem Schüler Herrn 
R. Sachsse ausgeführten Analyse der von mir entnommenen 
Probe enthält ein Liter des letztgenannten Wassers 85 mg Brom, 
also 0,0085^, das an Magnesium oder Alkalien gebunden ist. 

1) Angelot, Recherches sur l'origine du haut degre de salure de divers 
lacs places dans le fond de grandes depressions du sol des continents et en 
particulier de la Mer Morte, suivies de eonsideration du sei gernme en couches 
Bull. soc. geol. France. 1. ser. t. XIV, 1843, p. 356. 

2) Lartet, Geologie de la Palestine. Ann. des seiences geol. tome 1, 18611, 
p. 297 sq. 

3) Vergl. die geogn. Karte. 



30 Blanckenhorn, 

Aus den bisherigen geologischen Untersuchungen des Jordan- 
thaies und der Umgebung des T. M. ergiebt sich, dass mehrere, 
nach meiner Meinung sechs Abschnitte oder Phasen in 
der Geschichte des Jordanbinnensees und seiner Ablage- 
rungen zu unterscheiden sind, Phasen, welche wir genau mit den 
verschiedenen Abschnitten der Quartärperiode, die bei uns in 
Deutschland jetzt unterschieden werden, parallelisiren können. 
Der Einbruch der Jordan -*^Araba- Senke fällt nämlich augen- 
scheinlich ungefähr in die Zeit der Wende zwischen Tertiär und 
Quartär, in den Beginn der Diluvial- oder Glazialepoche. Das 
Diluvium aber ist bekanntlich für die ganze nördliche Hemi- 
sphäre eine Zeit grosser atmosphärischer Niederschläge gewesen. 
Der Palästinaforscher Hüll hat diese Epoche sehr richtig mit 
Vermeidung des Ausdrucks Glazial, da es in Palästina wohl nie- 
mals Gletscher gegeben hat, als »Pluvial«- d. i. Regen-» Periode« 

bezeichnet. 

A. Das Diluvium. 

In Europa unterscheidet die geologische Wissenschaft inner- 
halb des Diluviums jetzt allgemein nicht w^eniger als drei ver- 
schiedene Eiszeiten oder Zeiten von grösserer Vergletscherung, 
die durch zAvei trockene Interglazialzeiten getrennt werden. Auch 
an tiefer gelegenen Stellen Europas, die zu allen Zeiten frei von 
Gletscherbedeckung geblieben sind, kann man innerhalb der 
Festlandsablagerungen in den Flussthälern die Spuren dieser 
drei niederschlagsreichen Epochen und z. Th. auch der Inter- 
glazialzeiten oder Steppenepochen erkennen. Dasselbe gilt nun 
für Palästina. Die fluviatilen Absätze der drei verschiedenen 
Eiszeiten werden in der Schweiz und Deutschland unter dem 
Namen »Deckenschotter« oder »diluviale Nagelllue«, »Hoch- 
terrassenschotter« und »Niederterrassenschotter« beschrieben. 
Von allen dreien finden wir meiner x\nsicht nach Äquivalente im 
Jordanthal, und zwar in ganz ähnlicher Weise im gegenseitigen 
Verhältnisse ausgebildet Avie die Terrassen an den Flüssen 
Deutschlands. Man hat das Jordanthal sowie die Bikä' in 
Mittelsyrien in Bezug auf ihre Entstehung durch Längseinbruch 
mit dem Rheinthal, die umgebenden Plateaus von Palästina wie 
auch den Libanon und Antilibanon mit den Vogesen und dem 
Schwarzwald verglichen. Man kann die Parallele noch weiter 
ausdehnen auf die diluvialen Terrassen der Thäler, wenn man 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 31 

dabei nicht ausser Acht lässt, dass am Rhein glaziale, fluvio- 
glaziale und äolische, am Jordan nur lakustre und iluviatile Ab- 
lagerungen vorliegen, dass hier besonders der fiuvioäolische Löss 
o-anz fehlt, der am Rhein eine so grosse Rolle spielt. (In Palästina 
sah ich lössähnliche Bildungen nur im S. auf dem Plateau von 
Idumäa in grosser Verbreitung.) 

1. Die erste Eiszeit oder Regenepoclie. 
Nachdem durch den ungleichmässig erfolgten Einbruch der 
Jordan-" Araba-Senke die Bedingungen zur Existenz eines Binnen- 
sees gegeben waren, fanden die meteorischen Gewässer der Um- 
gegend in der tiefsten Region des Thaies ihr naturgemässes 
Sammelbecken. Die von den neugebildeten grossen Gebirgs- 
terrassen in Wasserfällen herabstürzenden Wassermassen ver- 
einigten sich bald in grösseren Rinnen, die dann von ihrer Mün- 
dung aus rückwärts allmählich immer tiefer und gleichmässiger 
eingegraben wurden. In jener ältesten Eiszeit gegen Beginn des 
Diluviums waren die Niederschläge ausserordentlich reichlich. 
Übrigens hatte der Boden des Thaies, speciell der unter dem 
heutigen T. M., noch keinesfalls überall die jetzige Tiefe, die 
theilweise erst durch nachträgliche Einstürze geschaffen wurde. 
Der Binnensee war seichter. Dazu kam das mit dem Aufreissen 
der Spalten innig verbundene Hervorbrechen der Thermen in 
der "^Araba-Jordan-Senke selbst und ihrer nächsten Umgebung. 
Diese Thermen zeichneten sich ehedem, wie Noetling ^) gezeigt 
hat, sowohl durch grössere Wasserfülle wie durch höhere Tem- 
peratur aus und konnten demgemäss auch viel mehr mineralische 
Salze in Lösung enthalten als heute, wobei ihr reichlicher Gas- 
und Salzgehalt selbst wieder ihre Fähigkeit, die durchflossenen 
Gesteinsarten zu zersetzen, erhöhte. Durch alle diese Umstände 
begünstigt, musste der Jordansee gerade in seinem ersten Stadium 
bald zu der grössten Avisdehnung anschwellen, die er jemals be- 
sessen. In dieser nahm sein Spiegel eine Höhe von 42G m über 
dem jetzigen ein, stand also noch ein wenig (ca. 30 m) höher als 
der des heutigen Mittel- und Rothen Meeres. Damals erstreckte 
sich der Binnensee von der Bodenschwelle, welche auch in jener 
Zeit die Wasserscheide gegen das Rothe Meer bildete, unter 
30" 42' nördl. Breite beginnend nach Norden wohl mindestens 

1) NoETLiNG, Geologische Skizze d.Umgeg. v.el-Hammi. ZDPV. X, 1887. 



32 Blanckenhorn, 

bis zum heutigen Tiberiassee unter 32° 55 ' nördl. Breite bei einer 
Hreite von 5 — 25 km. Aus dieser Zeit höchsten Wasserstandes 
kennt man Ablagerungen sicher allerdings bis jetzt nur aus dem 
äussersten S. im Wädi "^Araba. Hier in der heute wasserärmsten 
Gegend mochten sie sich freilich auch relativ am besten erhalten, 
während sie im Norden durch die Erosion des Jordan und an den 
Gehängen durch atmosphärische und andere Einflüsse verschie- 
dener Art eher der Zerstörung anheimfielen oder gar von späteren 
Lavaergüssen verhüllt und dem Auge entzogen wurden, wie viel- 
leicht (!) zwischen dem Tiberiassee und dem See el-Hüle. 

Hüll fand die höchstgelegenen Seeabsätze an der Quelle Abu 
Weride an der Westseite des Vorgebirges Samrat el-Fedan bei ca. 
1 400 engl. Fuss (= ca. 426 m über dem T. M., und zwar in Gestalt 
von weissen Mergeln, Sand und Thon. Letzterer enthielt bei 1300 
engl. Fuss (= 396 m) eine Anzahl von fossilen Schalen von Süss- 
wasserschnecken [Melania tuberculata Müll., Melanopsis Saulcyi 
BouiiG., buccmoidea Ol. und eremita Tristr.), von denen zwei 
Arten noch heute zu den gemeinsten noch lebenden Süsswasser- 
schneckenformen Palästinas gehören, während die zwei anderen 
seltener sind. Die Gewässer des grossen Sees bildeten also damals 
mindestens dort im Süden noch nicht eine solch salzgeschwän- 
gerte Mutterlauge Avie heute, so dass sie eine Süsswasserfauna 
beherbergen konnten. 

2. lUe erste Iiiterglazialzeit oder Trockenepoche. Der Dschel)el Usdniii 

oder Salzltei'g. 

Nach dieser Zeit höchsten Wasserstandes mit noch relativ 
süssem Wasser fand ein llückzus^ und Konzentration der Ge- 
Wässer, verbunden mit Versalzung statt, bis vielleicht zu einem 
Niveau von kaum 100 m über dem heutigen. Damals muss der 
Salzgehalt des Sees mindestens lokal schon ebenso stark gewesen 
sein als heute. In diese Trockenzeit müssen wir nämlich die 
Entstehung des Steinsalzlagers in der unteren Region des Dschebel 
üsdum setzen. . 

Dieser Salzberg erhebt sich im SW. des T. M. bis zu einer 
Höhe von etwa 180 m über dessen Spiegel. Die Basis des Hügels 
bilden wenigstens an dessen Ostseite (auf der Westseite sind 
keine Sälzmassen zu sehen, sondern an deren Stelle nur kreidige 
Gypsmergel und Schotter! grossentheils bläuliche, reine Salz- 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 



33 




't3 


^ 


O 


'^ 










m 


•-" 


0) 


t. 


-73 





Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. 



34 Blanckenhorn, 

felsen, die senkrecht zerklüftet erscheinen und reich an Höh- 
hmgen sind i). Bei 30 — 4 5 m Höhe hört die feste Salzmasse auf, 
und nun folgt bis zum abgeplatteten, von Schloten durchlochten, 
180 m hohen Gipfel des Hügels eine 125 — 140 m mächtige Decke 
von Gyps und weissen bis grünlich-grauen, gypshaltigen, dünn 
xmd eben geschichteten, kreidigen Mergeln oder »Tuffstein« 2], 
der erfüllt und übersät ist mit eckigen Dolomit- und Feuerstein- 
splittern und abgerundeten Gerollen. Diese Deckengebilde, die 
auch an dem Ostgehänge infolge Absinkens das liegende Stein- 
salzlager z. Th. verhüllen, sind identisch mit den später zu be- 
sprechenden Terrassenablagerungen im S., W. und O. desT. M., 
mit denen. sie auch im SO. des Berges direkt zusammenhängen. 
Der jähe, unvermittelte Abfall des plateauförmigen Dschebel 
an seiner langgezogenen Ostseite zwingt uns förmlich zu dem 
Schluss, dass die Natur hier einen späteren Schnitt vollzog, der 
erst das innere Geheimniss des Berges, die einst von einer 
schützenden Decke rings umgebenen Eingeweide vor unseren 
Blicken enthüllte, dass eine Verwerfung in der Längsrichtung 
des Berges das einst viel weiter nach O. ausgedehnte Salzlager 
in zwei Stücke zerriss, deren eines in die Tiefe sank. Es ist völlig 
undenkbar, dass ein Salzlager in dieser Weise in einem Seebecken 

1) Bei dieser senkrechten Absonderungsart. die HULL, Mount Seir etc. 
p. 130, durch eine charakteristische Abbildung illustrirt, lösen sich leicht ein- 
zelne prismenförniige Stücke an dem Steilabhange von der übrigen Berg- 
masse los, die, ATenn in Folge Verwitterung die Lücke sich erweitert, als 
isolirte Säulen aufragen. Es erscheint selbstverständlich, dass solche Säulen, 
zumal wenn sie eine etwas menschenähnliche Gestalt aufweisen, auf die leicht 
erregbare Phantasie der Bevölkerung in hohem Maasse einwirken mussten, 
so dass sie als versteinerte Menschen, besonders Frauen erschienen. Die Salz- 
säulen haben die Sage von Lot's "Weib erst hervorgerufen. Übrigens sind 
diese Säulen ihrer salzigen Natur nach sehr vergänglich und wechseln von 
Jahr zu Jahr. Bei meiner zweimaligen Anwesenheit im Jahre 1894 fiel mir 
amDsch.Usdum keine einzige Salznadel besonders auf; doch bin ich überzeugt, 
dass die nächsten Jahre wieder ein oder mehrere Weiber oder Töchter Lot's 
hervorbringen. Dieselbe Isolirung von Felsen findet übrigens auch bei Dolo- 
mit- und Sandsteinschichten am T. M. statt, nur dass die Nadeln hier länger 
Bestand haben. So zeigt sich auf Fig. 4 eine solche Dolomitnadel auf dem 
Westufer des T. M. zwischen Wädi Mubarrak und es-Sebbe, und Palmer fand 
als »BintSchech Lüt« einen Sandsteinfelsen von statuenähnlichem Umriss auf 
der Ostseite im S. der Arnonmündung. 

2) Der Djebel Esdoum, das Salzgebirge von Sodom, von E. L.S. (Mittb. 
d. k. k. geogr. Ges. Wien. XVL 1S73. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 35 

abgeschieden wurde, dass es nach Trockenlegung als steile ^yand 
^lossgelegt erscheint. Das Lager muss vielmehr gleichmässig 
unter jüngeren Diluvialabsätzen verhüllt gewesen sein und sich 
geo"en die Ränder des Beckens hin ausgekeilt haben, wo es durch 
mehr plastische und mergelige Bildungen vertreten wurde, so wie 
das an der West- und Südseite des Berges der Fall ist. Die Erosion 
durch Flüsse, verbunden mit Verwitterung unter dem Einfluss 
der Atmosphärilien, hätte auch kaum allein ein derartiges Resultat 
an der Erdoberfläche zur Folge haben können, wie es uns hier 
vorlieo-t in dem Gegensatz zwischen Steilabhang mit anstehendem 
Salzlager einerseits und Aveit ausgedehnter Ebene andererseits. 
Kurz erst ein Einsturz hat uns diesen in der ganzen Welt einzig 
dastehenden Anblick ermöglicht. Verrauthlich birgt der salz- 
durchtränkte Boden der morastigen, vegetationslosen Sebcha und 
derjenige der seichten, südlichen, salzreichen Bucht des T. M. die 
übrigen Theile dieses einstigen Salzlagers. Einen Überrest davon 
erkennen wir noch in dem Hügel der Lisänhalbinsel mitten im 
T. M., der uns so als niedrige (nach Hüll =300' hohe) nörd- 
liche Fortsetzung des Dsch.Usdum erscheint. In der That wurde 
daselbst auch Steinsalz von Dr. Kersten i) entdeckt, der an der 
Südspitze grosse Salzlager vermuthet. 

Es entsteht nun weiterhin die Frage: Warum sind ent- 
sprechend dem grossen hypothetischen Salzlager im S. des Sees 
nicht auch an nördlicheren Stellen des damaligen Sees, speziell 
in der gegenwärtigen Seeumgegend, z. B. auf der unteren Jordan- 
ebene gleichzeitig dieselben Niederschläge von Kochsalz erfolgt? 
Das Fehlen der letzteren deutet, wie Rüssel 2) hervorhebt, darauf 
hin, dass entweder der See einst nicht in seiner ganzen Ausdeh- 
nung so gesättigt war an Salz, oder dass seitdem tektonische Ver- 
änderungen in der Tiefe auch des heutigen nördlichen Seebeckens 
vor sich gingen, indem der Boden sich wenigstens theilweise 
später einsenkte. 

Es Hesse sich zunächst recht wohl annehmen, dass zur Zeit 
der Ablagerung der Salze des Dsch.U. ein südlicher Theil des da- 
mals auch seichteren Meeres durch eine weit vorspringende Barre 

1) Kersten, O., Umwanderung des T. M. im Frühjahr 1874. ZDPV., 
II, p. 230. 

2) Rüssel, J. C, The Jordan-Arabah-Depression and the Dead Sea. 
Geolog. Mag. III, 5. 1885, p. 387. 

3* 



36 Blanckenhoni, 

TiTiffefähr an Stelle des Lisän, die aber nichts direct mit der heu- 
tigen, zu niedrigen, selbst aus jungen Diluvialbildungen bestehen- 
den Halbinsel zu thun hätte, fast ganz abgeschnitten war von 
dem nördlichen Ilaupttheil. Der Verlust durch Verdampfung 
mochte dann wie auch heute im südlichen Becken grösser sein 
als die Zufuhr durch die randlichen Bäche, und so musste aus 
dem nördlichen Theil, welcher durch den Jordan reichlicher ge- 
speist wurde, stets Wasser zuÜiessen. Es herrschte dann hier 
dasselbe Verhältniss, wie man es heutzutage an vielen Stellen 
der Erdoberfläche zwischen zwei benachbarten Meeresbecken 
durch Beobachtung festgestellt hat, beispielsweise zwischen dem 
atlantischen Ocean und dem salzreichen Mittelmeer, oder zwischen 
dem Kaspischen Meer und dem versalzten Golf von Kara Bughaz. 
>Auf diese Weise konnte durch den eine Zeit lang fortgesetzten 
Vorgang im S. in einer abgetrennten Bucht eine Salzanreicherung 
resultiren.« 

Eine zweite Hypothese zur Erklärung der Beschränkung 
der Salzlager auf die heutige südliche Bucht wäre die, dass in 
jener zurückliegenden Zeit dieser Seetheil der ursprüngliche und 
einzige gewesen wäre als das tiefste Sammelbecken für alle Ge- 
wässer, während an Stelle des grossen nördlichen Beckens viel- 
leicht höherer Thalgrund des Jordans sich befunden habe, der 
erst in späterer Zeit in die Tiefe gesunken sei. 

Die Art und Weise, wie sich nun in dem betreifenden ein- 
trocknenden Becken die festen Substanzen ausschieden, wurde 
wie bei allen solchen Verdampfungen von Solutionen bestimmt 
dvirch die Löslichkeit der verschiedenen Salze. Den Anfang des 
Absatzes, als bereits der grössere Theil der ursprünglichen See- 
masse verdampft war, bildeten zweifellos die schwerer löslichen 
Erden, kohlensaurer Kalk und Magnesia und besonders schwefel- 
saurer Kalk. Es darf angenommen werden, dass sich ein solches 
Gypsmergellager in der Tiefe noch unter dem Steiusalz des Dsch.U. 
findet. Dann erst folgte der Niederschlag der leichter löslichen 
Chloride, und zwar zunächst des Steinsalzes. Jetzt blieb noch 
eine Mutterlauge übrig, welche in einer nur geringen Wasser- 
menge hauptsächlich noch die leichtest löslichen Salze Chlor- 
magnesium und Chlorkalium. Bromnatrium, Bromkalium und 
Brommagnesiiim und schwefelsaure Magnesia gelöst enthielt. 
Hier hat der Verdampfungsprocess in der Salzpfanne äugen- 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 



37 




iC 

O 






bC 












38 Blanckenhorn, 

scheinlich seiueii Höhepunkt erreicht. Denn bevor in Folge 
gänzlicher Austrocknung jene Salze als sogenannter Abraum zur 
Abscheidung gelangten, müssen geologische bezw, klimatische 
Veränderungen eingetreten sein. Die in der Technik so wichtigen 
Kalium- und Bromverbindungen sind am Dsch.U. bis jetzt leider 
nicht ermittelt worden, und das erklärt sich, wenn nicht etwa 
eine nachträgliche Auflösung dieser Salze durch die Atmosphä- 
rilien stattfand, auf folgende Weise. 

3. Die zweite Eiszeit. Bildung der Hocliterrasse. 
Es fanden nämlich Zuführungen neuer Mengen von Wasser, 
Kalksalzen und Schotter statt, und in Folge dessen entstand ein 
abermaliger Absatz von Gyps, weissem Kalkmergel und Geröll- 
massen, welche Schichten aber als Decke das liegende Steinsalz 
vor Zerstörung geschützt haben. Mit der Bildung dieser diluvialen 

■ kreidigen Gypsmergel und Schotter, die wir nach dem Vorgange 
von Lartet von jetzt an kurz als Lisänschichten bezeichnen 
wollen, treten wir in die zweite feuchte Diluvialphase, die zweite 
Eiszeit, ein. 

Vermehrte Niederschläge führten eine Vereinigung der bei- 
den üben angenommenen Seetheile und eine neue Ausdehnung 
des Jordansees herbei. Die Salzlager wurden unter Brackwasser- 
schichten begraben, welche vornehmlich in einer Höhe von 
180 — 210 m über dem heutigen Seespiegel eine Terrasse bildeten. 
Die erwähnte Terrasse des Gipfels des Dsch. U. ist von allen im 
Todtenmeergebiet vorhandenen Terrassen die auffallendste und 
beständigste. 

Im directen Anschluss an den Dsch.U. vermittelst des Plateaus 
Sad el-Am^lz (Passhöhe = ca. 100 m über dem T. M.) umsäumt 
sie im S. des T. M. in einer Höhe von 213 m über dem See steil 

. gegen N. abfallend den südlichen Theil des eigentlichen Rör, die 
Alluvialebene es-Sebcha. Längs der Westseite des T. M. ergaben 
meine Barometermessungen für die obere Grenze der Lisän- 
schichten am Pass von Zuwera 194 m, bei Masada 224 m, am Wädi 
es-Sejäl bei 'Ain 'Oncbe 290m (?), Wädi Debr bei Nebi Müsa^) 

1; In Bezug auf den mohammedanischen Wallfahrtsort Nebi Müsa selbst 
weichen meine Messungsergebnisse (= — 40 m unter dem Ozeanspiegel) ganz 
auffallend ab von den Angaben auf der englischen Karte (daselbst -j-218 engl. 
]"uss = + 06 m]. Das ganze Plateau von Nebi Müsa fällt meiner Ansicht 
nach noch unter den Meeresspiegel. 



Entstehunsr und Geschichte des Todten. Meeres. 



39 




<3 
li 
Öß 

O 

O 

a> 

a 






05 



;s: < 



icrt 


fct. 


^ 


GJ 






rt 


.-. 










a 




g 


r^ 






(U 


aj 




öl 




Cß 






P- 




s 


<^ 


o 


tJ 


> 









(-• 


l-H 


c 












'T3 




03 




P 





öü 



40 Blanckenhorn, 

268 m, Dschebel Karantal bei Jericho 244 m i) über dem Spiegel 
des T. M. Tristram^), der in den Quartärabsätzen von 'Ain 
Dschidi und Jericho sieben Terrassen unterschied, giebt die 
höchste derselben zu 750' = 228 m an. Hüll 3) fand die letztere 
am Dschebel Karantal bei den Zuckermühlen relativ 630'= 192m 
hoch. Auf der Ostseite des T. M. würden nach Tristram 4) und 
HuLL^) die Salzmergel an den Bergen von Moab im O. der Lisän- 
halbinsel nur 500 oder GOO' = 152 — 183 m hoch ansteigen. Die 
Hochterrasse ist in gleichbleibender Höhe auch beobachtet längs 
des ganzen unteren Jordanthaies bis zum See Tiberias, dessen 
8 — 10 m hoch steil aufragende Südküste, 194 — 196 m über dem 
T. M., noch von ihr gebildet scheint. Am T. M. und im Jordan- 
thal scheint diese Terrasse, deren Oberfläche, wie wir sahen, 
zwischen 180 und 270 m relativer Höhe schwankt, wirklich die 
höchste noch erhaltene zu sein. 

Versteinerungen sind in den zu dieser Terrasse gehörigen 
Absätzen mit Sicherheit bis jetzt nur von dem südlichen Ufer 
des Sees Tiberias bekannt. Beim Dorfe Samach und am Ausgang 
des Jarmukthales fand Noetling tief in einer den feinblätterigen, 
wohlgeschichteten Mergeln eingelagerten Geröllschicht mürbe 
Schneckenschalen von vier Arten von Melanopsis und je einer 
Art Theodozia^ Limnaeannd Helix, die, soweit bestimmbar, sämmt- 
lich noch in Palästina lebend vorkommen. 

Der Fund dieser fossilen Süsswasserschnecken (abgesehen von 
der einen Landschnecke Helix sp.) so ziemlich am Nordende des 
ehemaligen, grossen, zweiten Diluvialsees steht mit dem oben er- 
wähnten Funde Hull's am Südende des Sees in der ältestenTerrasse 
in Parallele. An den äussersten Enden Avaren die grösseren Seen 
der Diluvialzeit durch die daselbst einmündenden Flüsse relativ 
ausffesüsst, so dass eine Süsswasserfauna sich hier noch halten 
konnte, während sie weiter in der Mitte der Seen zu Grunde ging 
in Folge des zunehmenden Salzgehalts. Oder vielleicht stellen 
jene Reste nur die Leichen der von den Flüssen Jordan, Jarmuk 
und Wädi ed-Dscheb den Salzseen zugeführten Fauna dar, die 

1) Diese Aneroidbestimmung ist weniger zuverlässig. 
2] Tristram, Land of Israel. 

3) HuLL, Mount Seir, p. 161. 

4) Tristram, The Land of Moab, p. 60. 

5) HuLL, Memoir of üeology etc. 85. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 41 

schon an den Flussmündungen, ganz wie heute an der Jordan- 
miindung, dem vergiftenden Einfluss zum Opfer fielen und auf 
dem Boden sich anhäuften. In der Umgebung des T. M. und im 
unteren Jordanthal haben weder Lartet noch Hull^) und ich 
trotz eifrigen Suchens innerhalb der Lisänschichten echt fossile 
Molluskenreste entdeckt. In Bezug auf die zuweilen oberfläch- 
lich aufliegenden Schalen von Melanien und Melanopsiden^ die 
Tristram 2) von 'Ain Dschidi und anderen Punkten »rund um 
das T. M.« anführt, stimme ich vorderhand mit Lartet^) darin 
überein, dass ich sie nicht für fossil halte, sondern auf moderne 
ausgetrocknete Pfützen, Bäche und versiegte Quellen zurück- 
führe. 

4. Die zweite Iiiterglazialzeit, Lavaergüsse. 

Auf die zweite Terrasse des Jordansees, welche in der Art 
ihrer Ausbreitung an den Gehängen der Berge der Hochterrasse 
der europäischen Flüsse sehr ähnlich sich verhält und auch in 
der Zeit wie jene der zweiten Vergletscherung entsprechen mag, 
folgte von neuem in der zweiten Interglazialzeit eine Epoche des 
Rückzuges der Gewässer. Aus dieser Epoche der Lössbildung 
in Deutschland, in der der prähistorische Mensch zuerst erschie- 
nen ist, kenne ich an der Oberfläche des Jordangebietes bis jetzt 
keine Reste. Es muss diese Epoche eine Zeit der Erosion der 
bisherigen Seeabsätze durch einschneidende Flüsse, der lokalen 
Ausfurchung und Tieferlegung der Thalbetten gewesen sein. 
Möglich, ja wahrscheinlich ist es, dass diese Tieferlegung des 
Thalbodens in jener Zeit sich auch auf den heutigen Seeunter- 
grund erstreckte, dass der nördliche, grössere Theil des T. M. da- 
mals erst wenn nicht angelegt wurde, so doch seine jetzige Tiefe 
erhielt, und zwar durch weiteren Einsturz. Schon oben wurde 
die Hypothese aufgestellt, dass zur Zeit der Bildung der Salzlager 
am südlichen Becken, d. h. während der ersten Interglazialzeit, 
das nördliche Becken noch gar nicht oder wenigstens nicht in 
seiner ganzen Tiefe vorhanden gewesen sei. War dem so und 
hat es einen so bedeutenden Einsturz nachträglich gegeben, dann 
erscheint mir der Moment des Abschlusses der Hochterrassenzeit 

1) HuLL, Mount Seir, 1S85, p. 162. 

2) Tristram, Flora and Fauna of Palestine, Survey of Western Pal. 1884. 

3) Lartet, Exploration geologique de la Mer Morte, 1877, p. 178, An- 
merkung 1. 



42 Blanckenhorn, 

und die deu Übergang zur Niederteriasse vermittelnde zweite 
Interglazialzeit die einzig mögliche Zeit für jenes bedeutsame 
Ereisiiiss onewesen zu sein. 

Auch echt vulkanische Ereignisse, Erguss von Lavaströmen, 
fallen meines Erachtens in jene spätdiluviale Epoche. Durch 
Noetlixg's ') Untersuchungen wissen wir, dass sich bald nach der 
Ablagerung der Lisäuschichten der Hochterrasse im S. des 
Tiberiassees das Jarmukthal hinab ein gewaltiger Lavastrom er- 
goss, die Zeijätinlava, der sich vor der Mündung des Jarmukthales 
auf der bereits trockengelegten Jordanebene ausbreitete. In der 
folgenden Erosionsperiode wurde dann dieser Lavastrom, der das 
Thal ausaefüllt hatte, Avieder erodirt und in dem neu entstände- 
nen Thale »altalluviale Geröllmassen« abgesetzt. Letztere könn- 
ten sehr wohl unserer jungdiluvialen Niederterrasse entsprechen. 
So wie im Wädi Jarmuk scheinen damals auch im O. des T. M. 
gerade in der Umgebung des nördlichen Beckens in jener Zeit vul- 
kanische Eruptionen sich vollzogen zu haben, die der Mensch nicht 
mehr erlebte. »Ins Wädi Zerkä hat ein Lavastrom, vom Dschebel 
Mttärüs herabkommend, seine Massen bis fast zumUfer des T. M. 
vorgeschoben. Heutzutage ist er durch das nimmer rastende 
Wasser entzweigesägt; mitten durch die festen Gesteinsmassen 
hat sich der Fluss sein neues Bett gegraben, so dass jetzt die 
beiden Theile des Stromes in Form einer Terrasse an den beiden 
seitlichen Thalgehängen kleben. Südlich von der Ebene Sara 
bricht von den Ruinen von Mukaur her ebenfalls ein w^enn auch 
nicht bedeutender Lavastrom vom Plateau herab ins Thal« '-). 

Auf der Westseite des T. M. und südlichen Jordanthals und 
auf dem ganzen Ostabfall des Plateaus von Judäa und Samaria 
bis zum Nähr Dschalud giebt es nirgends Anzeichen von ehe- 
maligen vulkanischen Eruptionen in Gestalt von Lava, Schlacke, 
Asche, trotz aller entgegenstehenden Angaben der nicht geo- 
logisch geschulten Besucher 3). 

1) Üb. d. Lagerungsverh. einer quartären Fauna im Gebiete d. Jordan- 
tbales. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 2S. 1SS6, p. 820, und Geol. Skizze d. 
Umgegend v. el-Hammi, ZDPV. X, p. ST. 

2) XoETLiXG, Das T. M. u. d. Untergang v. Sodom u. Gomorrha. Deutsches 
Montagsblatt, Berlin 1886, Nr. 33. 

3) Vgl. VAX deVelde, Reise d. Syrien u. Pal., lS56,II,p.l23; deS.\ulcy's 
Schriften ; Sepp, Jerus. u. d. h. Land, I, p. ü6S— 7 1 ; dagegen Fra.4s, Orient, p. 209. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 43 



5. Die dritte Eiszeit. Bildung; der Niederterrasse. 

Es folgte schliesslich während der dritten Eiszeit eine aber- 
malige Wasseransammlung innerhalb des breiten Thaies und die 
Bildung der durch ihre grosse Flächenausdehnung wichtigsten, 
dritten oder tiefsten Diluvialterrasse. Sie spielt sowohl in der Um- 
randung desT. M., besonders bei Masada und an der östlichen Basis 
derLisänhalbinsel, als auch im Jordanthal eine grosse Kolle. üort 
erscheint sie als ein endloses Gewirr von blendendweissen Tafel- 
bergen, getrennt durch tiefe Schluchten, hier als einförmige, 
wüste Ebene, die auf der einen Seite mit steilem Gehänge zu der 
fruchtbaren, reich bewässerten Alluvialebene des Jordans abfällt. 
Von diesem Aussenrand, der im S. nahe der Flussmündung etwa 
50 m über dem T. M. gelegen ist, steigt sie langsam bis zu 150 m 
Höhe empor, um am Fusse der hier steil abgeböschten Hoch- 
terrasse zu endigen. Hier an dem durch seinen einspringenden 
Winkel kenntlichen Innenrand der Terrasse befand sich einst 
das Ufer des Sees der Niederterrasse, und die Brandung derWogen 
unterwühlte während der Periode des hohen Wasserstandes das 
Gestade, die Böschung der Hochterrasse. Die Ebene steigt übri- 
gens nicht allein von der Mittellinie des Thaies gegen die seit- 
lichen Ränder, sondern auch im Gegensatz zu der Hochterrasse 
langsam gegen N. mit dem Jordanflussbett empor. In der Ebene 
von Beisän dürfte sie indess ihr nördliches Ende erreichen. Der 
See Tiberias war damals schon vom T. M. getrennt. 

Innerhalb dieser ausgedehnten Niederterrasse lässt sich in 
der Breite von Jericho^) noch eine Scheidung vornehmen in zwei 
Unterstufen: eine schmälere, niedrigere Randzone von 40 — 60 m 
Höhe über dem Spiegel des T. M., deren Aussenrand durch das 
Kasr el-Jehüd bei — 356 m oder 38 m über deniT. M. bezeichnet 
wird, und eine breite, einförmige Fläche von etwa 75 — 160 m über 
dem Seespiegel mit der Stadt Jericho (bei — 250 m Meereshöhe 
= 144 m über dem T. M.) und dem ^Ain es-Sultän (ca. — 230 m) 
an ihrem Innenrand 2). 

1) Vergl. mein Querprofil IV auf Tafel III durch's Jordanthal bei 
Jericho. 

2) Vergl. HULL, Mount Seir, p. 162, und Memoir on the Geology and 
Geography of Arabia Petraea, Palestine etc., 1889, Section 1: From Sea Coast 
at Askalan by Jerusalem to the Jordan near Jericho. 



44 Blanckenhorn, 

Die hier so deutlich ausgeprägte Stufenbilduug innerhalb 
der Niederterrasse lässt schliessen auf eine Unterbrechung des 
ruhigen Absatzes derselben durch eine kurze Zwischenzeit des 
Rückgangs der Seegewässer und abermaliges, wenn auch bedeu- 
tend schwächeres Vordringen. Diese Vor- oder Zwischenterrasse 
vermittelt den Übergang zur Alluvialfläche. Es steht diese Er- 
scheinung einer Zweitheilung der Niederterrasse in einer ge- 
wissen Parallele zu entsprechenden Beobachtungen an der Nieder- 
terrasse in Deutschland, z. B. im Regnitzgebiet bei Erlangen^). 

Einen vortrefi'lichen Einblick in das gegenseitige Verhältniss 
der Niederterrasse zur Hochterrasse am T. M. gewährt ausser dem 
Querprofil IV von Jericho der Anblick der Umgebung des Wädi 
el-Am^iz im SW. des DschebelUsdum in Fig. 7. Im Vordergrund 
zieht sich das Thal mit steilen Wänden durch die Ebene der 
Niederterrasse. Im Hintergrund bauen sich die Hügel der Hoch- 
terrasse zu einem zerrissenen, höheren Plateau auf, das in seiner 
östlichen Fortsetzung nach links mit steilem Abfall die Sebcha 
im S. umgiebt. 

In ihrer Beschaffenheit entsprechen die Schichten der jüng- 
sten Diluvialterrasse ganz denen der älteren, nur führen sie 
w'eniger grobe Gerolle 2). Ausser durch ihren regelmässigen, fein 
vertheilten Gyps- und Salzgehalt zeichnen sich die Lisänschichten 
speciell der Niederterrasse noch durch das unregelmässige Vor- 
kommen von ScliAvefel und Asphalt aus. 

Der Schwefel in den Lisänschichten am Todten Meer. 

Der Schwefel erscheint in etwa wallnuss- bis eigrossen 
Knollen von weisslich-gelber Farbe, die lose im kreidigen Mergel 
liegen und gewöhnlich noch umgeben sind von einer härteren 
Schale aus Mergel mit einzelnen Gypskrystallen oder einer voll- 
ständigen Gypskruste. In dieser Weise findet er sich vielfach an 
den zerrissenen Hügeln des Aussenrandes der Niederterrasse oder 
richtiger innerhalb der niedrigen Vorterrasse oder Eandzone der 
letzteren im W. der Jordanmündung am NW. -Ende des T. M. 

1) Blanckenhorn, Das Diluvium d. Umgegend v. Erlangen. Sitzgsb. 
d. phys.-med. Soe. Erlangen 1895. 

2) In Bezug auf die von Tristr.\M in halbfossilem Zustand auf der Ober- 
fläche dieser Terrassenabsätze bei Jericho gefundenen Schneckenschalen gilt 
das oben bei der mittleren Terrasse Gesagte. 



Entstehuiiff und Geschichte des Todten Meeres. 



45 




46 Blanckenhorn, 

Nach den Angaben von O. Fraas»), Schneller, Chr. Paulus i) 
nnd Schick liegt »das Schwefelterrain 1 — 2 km vom rechten 
Jordanufer und eine schwache deutsche Meile vom T. M. ent- 
fernt«, also südwestlich vom Kasr el-Jehüd, »und hat eine theils 
ebene, theils hügelige Oberfläche«. »Die Luft ist dort von 
Schwefelgeruch erfüllt. Im Schwefelterrain hört alle Vegetation 
auf, man sieht nur den nackten Boden«. Es sind also zur Zeit 
auch keine Schwefelthermen mehr vorhanden, die ja sofort eine 
Vegetation in ihrer Umgebung ins Leben rufen würden. Herr 
Dr. Kersten theilte mir freilich persönlich mit, dass er den 
»oolithischen erdigen Schwefel« in der Nähe von warmen alkali- 
schen Quellen zwischen Kasr Hadschle und Kasr el-Jehüd sre- 
funden habe. 

Im Gegensatz zu Fr aas' und Schneller' s Angaben, wonach 
das eigentliche Vorkommen auf das Jordanthal beschränkt wäre, 
tritt der Schwefel auch rings um das T. M. auf. Seetzen, Irby 
und Mangles^), die amerikanische Expedition 3), sowie zuletzt 
E. H. Falmer i) fanden auf der Liscinhalbinsel, ich selbst am Ostfuss 
des Dsch.Usdum theils Schwefelkugeln (»grosse Massen«) neben 
losen Stücken von Asphalt, theils Schwefel in Pulverform zwi- 
schen den Mergeln eingemengt. In der Gegend von Masada, ''Ain 
Dschidi und vielen anderen Stellen des West- und Ostufers wer- 
den von den Beduinen Klumpen von Schwefel gesammelt. 

Die Entstehung dieses Schwefels hängt nach meiner Ansicht, 
die sich vollständig mit der von Fraasö) und Bronner ß) aus- 
gesprochenen Theorie deckt, direkt zusammen mit dem ehe- 
maligen oder jetzigen Emporsteigen des Schwefelwasserstoffs in 
den zahlreichen Thermen oder in Gasform in Verbindung mit 
Wasserdämpfen an den Ufern des T. M. und indirect mit dem 
Vorhandensein von Bitumen und Gyps in den Senonschichten 
der Grundschollen. Bei der hohen in dieser Gegend schon an 

1) O. Fraas, Der Schwefel im Jordanthal. ZDPV. II, 1879, p. 113. 

2) Ritter, Die Erdkunde, 15. Theil, Band 8 b, p. 5SS, 697 u. 736. 

3) Lynch, Official report of the U. St. Expedition to the Dead Sea, 
1852, p. 185. 

4) P.'^LMER, E. H., Der Schauplatz d. 40iähr. AVüstenwanderung Israels, 
1876, p. 3G3. 

■ ■ 5) 1. c. p. 116. 

6) Bei Fraas 1. c. p. 118, Anmerkung. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 47 

der Oberfläche herrschenden Temperatur wird die Zersetzung 
eines auch in massiger Tiefe liegenden bituminösen, beziehungs- 
weise mit Bitumen zusammen vorkommenden Gypslagers in 
Schwefelcalcium und durch heisse GcAvässer in Schwefelwasser- 
stofF und Kalkkarbonat nur zu wahrscheinlich ^). Die Zerklüftving 
des Gesteins, die vorhandenen grossen, weit in die Tiefe gehen- 
den Bruchspalten bedingten das Aufsteigen vieler Quellen, die 
gleichfalls eine hohe Temperatur mitbrachten. Treffen diese 
ununterbrochen in der Tiefe entwickelten Schwefelwasserstoff- 
gase dann auf den Sauerstoff der Luft oder auch des Wassers, so 
scheidet sich leicht reiner Schwefel ab. Hiermit haben indess 
die chemischen Processe noch nicht ihr definitives Ende erreicht. 
Da wo der elementare Schwefel längere Zeit in Berührung mit 
Calciumkarbonat bleibt, also in der Peripherie der Schwefel- 
knollen, muss sich bei Luftzutritt zunächst Schwefelcalcium und 
weiterhin durch die alsbald erfolgende Oxydation desselben Gyps 
bilden nach den Formeln : S2 + C O3 Ca-f- O = S Ca -f C O2 -|- S O2 ; 
SCa + 2 02 = S04Ca. 

Dass der letzte Vorgang in der That sich derart vollzog, dafür 
spricht der Umstand, dass sich, wie auch 13ronner angiebt, Cal- 
ciumsulfid, das wenig beständige Durchgangsstadium zum Gyps, 
sich noch in den Schwefelknollen neben Gyps und Calciumkar- 
bonat in geringen Mengen nachweisen lässt. Die eigenthümliche 
Gypskruste ist also sekundärer Entstehung amContakt des Schwe- 
fels, den sie umschliesst, mit dem umgebenden Calciumkarbonat, 
während der übrige Gyps der Lisänschichten primär im Seegrund 
sich abschied. 

Der in dem ersten Theil der obigen chemischen Formeln 
ausgedrückte Prozess dürfte auch die Erklärung abgeben für eine 
andere Erscheinung, den in der Jordanwüste östlich von Jericho 
mehrfach von Reisenden und so auch von mir wahrgenommenen 
schwachen Geruch nach schwefliger Säure, SO2. Eine direkte 

1) Der chemische Vorgang, der sich dabei abspielte, ist so zu denken, 
dass der Gyps sich zunächst durch Reduktion in Schwefelcalcium und dieses 
■wiederum durch die gleichzeitig gebildete Kohlensäure in kohlensaures Salz 
und Schwefelwasserstofl' zersetzte, der dann seinerseits sich an der atmosphä- 
rischen Luft zu AVasser oxjxlirte und Schwefel abschied. 'S04Ca + CH4 
[Methan als Beispiel genommen^ = SCa + 2H2O + CO2 = C OaCa + H2O 
4- SH,; 2SH2 + O2 = Sa + 2H2O. 



48 Blanckenhorn, 

einfache Oxydation des Schwefels an der Bodenoberfläche ist trotz 
der hier oft hohen Sciroccogluthen (45° C.) nicht wohl anzuneh- 
men, da eine allmähliche Verbindung mit Sauerstoff experimentell 
erst bei mindestens ISO" C. nachgewiesen ist. 

Eine zweite Theorie der Entstehung des Schwefels in den 
Lisänschichten könnte dahin lauten, dass der ganze Schwefel 
nicht aus dem Gyps der tiefen Senonschichten, sondern aus dem 
der Lisänschichten selbst herrühre und die Schwefelwasserstoff"- 
bildung erst hier oben durch die aufsteigenden Kohlenwasserstoffe 
bewerkstelligt werde. Ich glaube nicht an diese Theorie, erstens 
weil dann der Schwefel in den Lisänschichten besonders da zu 
erwarten wäre, wo viel primärer Gyps vorhanden ist, was ich 
nicht direkt beobachten konnte, dann auch weil die gerade aus 
der Tiefe kommenden Thermen stets bereits mit Schwefelwasser- 
stoff" noch mehr als wie mit bituminösen Stoffen beladen an die 
Oberfläche kommen. Beide Substanzen mögen schon in der Tiefe 
einen gemeinschaftlichen Herd besitzen. 

Das Vorkommen des in Staubform den Mergelschichten ein- 
gemengten Schw'Cfels erklärt sich jedenfalls am einfachsten als 
Abscheidung aus aufsteigendem Schwefelwasserstoff im Wasser 
des ehemaligen Diluvialsees während des Absatzes der Mergel. 
Die Kugelbildungen müssen mehr in späterer Zeit auf dem Ufer 
an den Quellen vor sich gegangen sein. 

Der Asphalt. 
Mit dem Vorkommen von Schwefel und Schwefelwasserstoff 
am T. M. hat dasjenige des Asphalts noch einen besonderen Zu- 
sammenhang, auf den die »Untersuchungen über natürliche 
Asphalte« durch E. Kayser') hinweisen. Der syrische Asphalt 
ist darnach gar nicht, wie man bisher geglaubt, durch Oxydation 
des Erdöls oder nur aus gewissen Bestandtheilen desselben ent- 
standen, da er gar keinen Sauerstoff enthält, hingegen Schwefel 
als wesentlichen Bestandtheil. Er besteht aus »schwefelhaltigen 
kohlenstoifreichen Kohlenwasserstoffen« von dreierlei Art : nach 
den Formeln »C^H9„_,fi , C„H2n_3o und C„H2„_sj in welchen 
H2 bezw. Hg und H4 durch S, S3 und S2 ersetzt sind«. Bei Er- 

1) K.AYSER, Dr., Unters, üb. nat. Asphalte m. bes. Berücksichtigung 
ihrer photochemischen Eigenschaften. (Mittheilung a. d. Laboratorium des 
Bayr. Gewerbemuseums zu Nürnberg.) Nürnberg 1879, Verlag der F. Korn'- 
Bchen Buchh. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 



49 




'oß 
o 



o - 



5J 



o ^ 



C/2 - 



I X 






Zt^chr. d. Pal.-Ver. XIX. 



50 Blanckenhorn, 

hitznng von »zerkleinertem Asphalt« »über seinen Schmelzpunkt« 
soll Schwefelwasserstoff als »gasförmiges Destillationsproduct« 
auftreten etc. Es mögen also einst bei der T^ildnng »des Asphalts 
aus Erdölbestandtheilen unter hoher Temperatur und Druck noch 
Schwefelverbindungen oder Schwefel mitgewirkt haben. « Wenn, 
was ebenfalls denkbar Aväre, der Schwefel der Asphalte aus der 
Zersetzung von thierischen Eiweissstoffen herrührte, dann müsste 
meiner Ansicht nach auch ein grosser Stickstoffgehalt in dem 
Asphalt anzutreffen sein, der aber nur in geringen Spuren nach- 
weisbar ist. An dieser Stelle sei auch bemerkt, dass sich andere 
Stickstoffverbindungen, Avie z. H. Salpeter oder Ammoniak, meines 
Wissens nicht am T. M., weder in dessen Wasser, noch in den 
Thermen, noch in den Lisänschichten vorfinden. 

Die Imprägnation der Oberflächengesteine von unten (!) her 
durch Kohlenwasserstoffe zeigt sich am auffälligsten an den 
sämmtlichen südlichen Lfertheilen des T. M. Die cenomanen 
Kreidedolomite der Steilgehänge weisen hier am Grunde sämmt- 
licher Wädis einen höchst unregelmässig vertheilten Bitumen- 
gehalt auf, während im Senon der Wüste Juda der schwarze oder 
braune Kalk von Nebi Müsa in regelmässigeren Bänken erscheint. 
Am Ufer des T. M., über den grossen, jetzt von den Diluvial- 
schichten verhüllten Spalten, sowie im See selbst, wo neben den 
Kohlenwasserstoffemanationen zugleich solche von Schwefel- 
wasserstoffen stattfanden, da hat das geschwefelte Bitumen, der 
echte Asphalt, seine Heimath, 

Das interessanteste Vorkommen ist in dieser Hinsicht am 
Ausgang des Wädi el-Muhauwat im W. des Dsch.Usdum. Hier 
ist reiner Asphalt zunächst auch in die harten Dolomite, welche 
die Thalsohle bilden, eingedrungen und hat ihre feinsten Spalten 
erfüllt. Aber er ist auch bis an die Oberfläche durchgedrungen, 
freilich in vergangener Zeit. Über dem Dolomit dient er als 
Bindemittel eines grossen aufliegenden Konglomerates (vergl. 
Fig. 8), dessen abgerundete Gerolle sich einst, wahrscheinlich zur 
Zeit der Niederterrasse, hier an der ehemaligen Einmündung des 
Flusses als Deltaschutt anhäuften. 

Auch auf der Ostseite des heutigen Dschebel Usdum, da wo 
jetzt die südliche Bucht des T. M. und ihre Fortsetzung, die 
Sebcha oder Salzpfanne liegt, mögen früher durch die einst hier 
vorhanden gewesenen Diluvialbildungen der Hoch- und Nieder- 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 51 

terrasse hindurch Petroleum- und Asphaltmassen sich ergossen 

haben. Davon lassen sich etwa die »Pechbrunnen« des Thaies 

»Siddim« verstehen, die in der Erzählung Gen. 14, 10 erwähnt 

werden. 

Thermen. 

Bei dem innigen genetischen Zusammenhang, der, wie er- 
wähnt, alle diese Kohlen- und Schwefelwasserstoffemanationen 
mit den Thermen verbindet, möchte ich aus dem Vorhergehenden 
besonders für die Zeit der Niederterrasse, die wir auch als prä- 
historisch oder vorsodomitisch bezeichnen können, auf eine er- 
höhte unterirdische oder Thermenthätigkeit in der ganzen Um- 
gebung des T. M. schliessen. Dieses Eesultat stimmt vortrefflich 
zu den genauen Untersuchungen, welche Noetling am Jarmuk 
und seinen Nebenflüssen im Dscholan angestellt hat, nach denen 
er den Ausbruch und die grösste Thätigkeit der Thermen, den Be- 
ginn und Höhepunkt der Ablagerung des mächtigen Quelltuffes 
bei el-Hammi, gerade in die prähistorische Zeit unmittelbar vor der 
Gegenwart oder historischen Zeit legen zu müssen glaubte^). 

B. Das Alluvium. Der Untergang von Sodom und 
Gomorrha und spätere Naturerscheinungen. 

Die Zerstörung der einstigen Diluvialmassen im S. des Sees 
durch ein mit Erdbeben verbundenes Einsinken, der Unterffansr 
von Sodom und Gomorrha ist ein Ereigniss aus dem Anfang der 
Alluvial- oder Postglazialepoche. Dieser sechste und letzte Ab- 
schnitt der Quartärperiode, der mit der historischen oder Jetzt- 
zeit zusammenfällt, stellt eine dritte Interglazialzeit dar, eine 
Trockenperiode, in welcher wie in den vergangenen die Gewässer 
zu einer so schweren Lauge konzentrirt sind, dass wieder chemi- 
sche Niederschläge im See vorherrschen und die mechanischen 
Sedimente zurücktreten. Dem Alluvium fällt die Hildunff der 
tiefsten Terrasse zu, das Thal des Jordan im engsten Sinne, das 
heute noch vom Fluss bei Hochffuthen z. Th. überffuthet Avird 
und das die üppigen tropischen Galleriewälder trägt. Am T. M. 
gehören hierher die niedrig gelegenen Uferpartien, die von der 
durch das ausgeworfene Treibholz gebildeten, zusammenhängen- 
den Fluthmarke so deutlich umkränzt sind. Im Süden aber finden 
wir die Schlammabsätze des Alluviums in der charakteristi- 

1) ZDPV. 1887, p. 87. 

4* 



52 Blanckenhorn, 

sehen Sebcha, die bei ihrer geringen Höhe noch ganz der Hoch- 
fluthregion des Sees zufällt und, wie es scheint, theilweise direkt 
ohne Vermittlung durch eine Niederterrasse an den plötzlichen 
Abfall der Hochterrasse anstösst. Ob der hier einst erfolgte Ein- 
bruch der Hochterrasse direkt mit dem in der Alluvialzeit erfolgten 
Untergang von Sodom in Zusammenhang zu bringen ist, bleibe 
dahingestellt. Man könnte ersteren der Hauptsache nach auch 
vor der Bildung der Niederterrasse ansetzen und an ein aber- 
maliges Versinken der auf dieser gefährlichen Stelle neugebil- 
deten Niederterrasse läugs derselben Pechbrunnenspalte im 0. 
des Dschebel Usdum denken. 

Der Untergang der ältesten bis jetzt bekannten menschlichen 
Kultur im Jordangebiet mit den vier Städten Sodom, Gomorrha, 
Adama und Zebojim wird uns in der Genesis als ein furchtbares 
Ereigniss geschildert, dessen Erinnerung sich durch Tradition 
von Geschlecht zu Geschlecht auch ohne schriftliche Aufzeich- 
nung ähnlich wie diejenige der prähistorischen Sintfluth erhalten 
konnte. Exegeten aller Nationen haben wiederholt sich dieses 
Themas bemächtigt und dabei oft die Erzählung des Alten Testa- 
ments nach ihrem Verständniss umgedeutet, ja einige geschilderte 
Einzelheiten oder sogar das ganze Ereigniss für eine Unmöglich- 
keit erklärt. Für den kritischen Geologen stellt sich die Sache, 
soweit sie überhaupt genau zu verfolgen ist, höchst einfach. 

Es war zunächst eine plötzliche Bewegung der den Thal- 
boden bildenden Scholle der Erdkruste im Süden des T. M. 
nach unten, ein selbstverständlich mit einer Katastrophe oderEr d- 
beben verbundenes E i n s i n k e n 1 ä n g s einer oder mehrerer Spal- 
ten, wodurch die Städte zerstört und »umgekehrt« wurden, so dass 
nun das Salzmeer davon Besitz ergreifen konnte. Dass letzteres 
überhaupt vorher noch nicht existirt habe und der Jordan damals 
ins liothe Meer geflossen sei, widerspricht vollständig allen geo- 
logischen und sonstigen naturwissenschaftlichen Feststellungen 
von der Beschaffenheit des ganzen Gebietes, die sich nun einmal 
durch dialektische Künste nicht wegleugnen lassen. 

Von einer vulkanischen Eru])tion i), dem Ausbruch eines Vul- 
kans unter den Füssen der Sodomiter oder deniErguss eines glühen- 
den Lavastromes, kann auch im Ernste nicht die Rede sein. Eher 

1) NoETLING, Das Todte Meer und der Untergang v. Sodom u. Gomorrha. 
Deutsches Montagsblatt, Verlag von ll.Mosse, Berlin 1886, Nr. 27, 31, 33. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 53 

noch ist der Fall diskutirbar, dass der grosse nördliche, bis 399 m 
tiefe Theil des Sees erst damals sich eingesenkt habe. Dagegen 
spricht aber die Erwägung, dass bei einer so gewaltigen plötzlichen 
Kaumvergrösserung und Vertiefung des bis dahin auf die südliche 
Region beschränkten Seebeckens in so jugendlicher Zeit auch ein 
schärferer Unterschied innerhalb der jüngsten Terrassen des Sees 
sich hätte ausprägen müssen, da ja als Folge davon das Wasser- 
niveau auf einmal so beträchtlich sank. Der Gegensatz zwischen 
unserer Niederterrasse z.B. und dem Alluvium aber ist keineswegs 
so erheblich, als wie ihn eine plötzliche Entstehung und Ausfüllving 
des nördlichen Beckens zur Folge gehabt hätte. Die Katastrophe 
hatte meiner Ansicht nach im Vergleich zu früheren Ereignissen 
relativ geringe Dimensionen und bestand in einer Senkung des 
ehemaligen südlichen Uferlandes um allerhöchstens 100 m. Die 
über die Städte so hereinbrechenden Wogen konnten dann die 
Ausebnung des Terrains weiter mit der Zeit herbeiführen. 

Ich denke mir also in der alluvialen Zeit Sodoms gerade den 
nördlichen Haupttheil des Sees als existirend, während an Stelle 
der südlichen seichten Bucht (1 — 6 m tief) von der Lisänhalbinsel 
an fruchtbares Uferland, das Ende des Thaies Siddim, sich befand, 
das vielleicht in dem nördlichen einspringenden Winkel der Lisän- 
halbinsel mündete. Der Dsch. Usdum konnte damals vielleicht 
noch mit dem Hügel im W. des Lisän zusammenhängen. 

Auch das vorherrschende Auftreten des Asphalts in der Um- 
gebung des südlichen Theils spincht für die Annahme der Lage 
des Thals Siddim mit seinen Pechbrunnen im Süden. Die Land- 
schaft »Sittim« (Josua 2, l u. 3, l ; Joel 3, 23) am unteren Jordan, 
aus der die Israeliten unter Josua auszogen über den Jordan, hat 
mit Siddim gar nichts (auch sprachlich nicht) gemein, ebenso 
wenig wie die Jesaia 16, 5 und Jeremia 48, 34 in Verbindung 
mit Zoar genannten Wasser zu Nimrim (höchst wahrscheinlich 
= Bennamerium des Hieronymus = Wädi Numera im SO. des 
T. M. im Lande Moab i)) mit dem heutigen Wädi Nimrin am alten 
Het Nimra im N, des T, M. 

Dass die Pentapolis einst im Süden, d.h. an Stelle der 
Sebcha oder auch der südlichen Seebucht gelegen hat, beweist 
schliesslich noch die höchst wahrscheinliche Lage von Zoar, des 

1) Beachtenswerth sind in dieser Beziehung die Angaben bei Tristkam, 
Land of Moab, p. 57. 



54 Blanckenhorn, 

alten der Vernichtung entgangenen Ortes im SO. des T. M. Wäh- 
rend des Alterthums, ja bis in das Mittelalter hinein erscheint 
Zoar als eine wiederholt von Schriftstellern (z. B. im Onomastikon 
und bei Mukaddasi) genannte Stadt, deren unzweifelhafte allge- 
meine Lage im S. des T. M. am entgegengesetzten Ende von 
Jericho und zugleich im Moabiterlande zwischen Kerak und Petra, 
ziemlich am Fusse des Gebirges, aber nicht in der Ebene selbst, 
in einer an Palmen und Balt^amstauden reichen Gegend sich aus 
einer Vergleiclumg ergiebt '). Es kann sich da überhaupt nur um 
zwei Lokalitäten handeln. Entweder lag Zoar am Wädi es-Säfije im 
oder unweit des Rör es-Säfije oder am Wädi Kerak oder ed-üerä'^a 
in der Nähe des Zeltdorfes el-Mezra'a. An dem erstgenannten 

1) Man vergl. über Zoar besonders: Flav. Josephus, de bell. jud. lib. 4, 
cap. 8, § 4 und Antiquit. 1 3. 1 5, 4 und 1 4. 1, 4. — Mukaddasi nach Gildemeister 
LZDPV.VII, 1884, p. 171 (Sughar). — Irby u.Mangles, Trav. 1817— 18, p.448 
(Derä'a). — BURCKHARDT, Travels in Syria and the Holy Land, 1822. p.391 
(Kör es-Säfije). — Kaumer, Palästina, 1835, p. 18ü, Anm.176. — Bertou, J.de, 
Voyage de l'extremite sud de la mar morte etc.. Bull. soc. geogr. X, 1838, p. 9U 
(Zuwera). — ROBINSON, Pal. 1841, II, p. 480, 648 Note 34, u. III, 755 (Kör el- 
Mezra'a). — RiTTER, Die Erdkunde, 15.Theil, Band Vlllb, 1850, p. 695 (am 
\V. ed-Derä'a). — Saulcy, F. de, Lettres Archives des Missions scient. et lit., 
1851, II, p. 55, und Note sur la Pentapole maudite, Revue areheolog. 1875, 
XXX, 295 (Zuwera). — Delessert, E., Voyage aux villes maudites Sodom etc. 
Suivi de notes scient. et d'une carte par Saulcy, 1853 (Zuwera). — Seetzex, 
Reisen, 1854—59, II, 353 und III, 18. — Fallmerayer, Das T. M., Abh. d. 
bayer. Ak. bist. Kl, VII, 1855, p. 48 u. 124 (SO.-Ende des T. M.). — Tuch, 
tJb. d. Urs])rung d. T. M. Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. bist. Kl. XV, 1863, 219. 
Z. D. Morgenl. Ges., I, 190 (el-Mezra'a). — Sepp, Jerusalem u. d. heil. Land, 
I, 1863, p.670 (Zuwera). — WiL.soN, Ch.W., On the site of Ai and the position 
of the altar whicli Abram built between Bethel and Ai. Quart. Stat. P.E. F. IV, 
1870, p. 126 (im NO. des T. M.). — Nöldeke, Die Entstehung des T. M. Im 
neuen Reich, 1871, II, p. 44. — GräTZ, Die Palmenstadt Zoar u. d. Salzberg 
a. T. M. Monatsschr. f. d. Gesch. d. Judentbums. XXI, 1872, p. 335 (im SO. 
d. T. M.). — Wetzstein in Delitzsch, Kommentar über die Genesis, 1S72, 
p. 564—74 (Rör es-Säfije) . — Tristram, The Land of Moab, 1873, p. 61 (Dera a), 
p. 333 (Sijara; über dessen Lage vergleiche mein Querprofil IV durchs Jordan- 
thal auf Tafel IV.). — Palmer, E. H., Der Schauplatz d. 4 Ojähr. Wüstenwan- 
derung Israels, 1876, p. 359 u. 371 (im NO.). — Selah Merkil, Cities of the 
Piain in American Statement 1877 (Teil Ektanu am Wädi Hesbän). — BiRCH 
i. P. E. F., 1879, ]). 15 (Teil esch-Shaghür amWädi He.sbän). — Dillmann, Die 
Genesis, 6. Aufl., 1882, p. 275 Kör es-Säfije). — Ebers u. Guthe, Palästina 
in Wort u. Bild, I, p. 494, Anm. 34. — Clermont-Ganxeau i. P. E. F. 1886, 
p. 19 (Kasr el-Beschärije und Tawälün es-Sukkar). — Riehms Handwörter- 
buch d. bibl. Alterth., 2. Aufl., 1894, Artikel Zoar, p. 1874 (Kal'at es-Säfije). 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 55 

dieser zwei perennirenden Flüsse auf dessen linkem Ufer beim 
Austritt aus dem Gebirge fand Tristram') zwei englische Meilen 
östlich von dem Zeltlager es-Säfije eine Ruinenstätte, genannt 
Schech ""Tsä, die er für die Reste eines römischen Dorfes des 
frühen Kaiserreichs ansieht. Hüll 2) bezeichnet dieselben als 
»Khasa el Hassa«. Darüber erhebt sich ein schönes verfallenes 
Fort aus späterer sarazenischer (?) Zeit Kasr el-Beschärije, das 
nach Tristram auch als Tawähin es-Sukkar (= Zuckermühlen 
bezeichnet wird. Die Mühlen scheinen später in einen Chan um- 
gewandelt zu sein, der jetzt als Begräbnissplatz dient. Es wird 
dasselbe Fort sein, dasauf LARTET'sKarte^) als »Kasr umScherieh« 
verzeichnet ist. Auf demselben linken Ufer des Wädi el-Hasä oder 
es-Säfije liegen noch einige 100 Fuss höher und eine engl. Meile 
aufwärts im Gebirge die Ruinen von Labrusch, deren Lage Hüll ^) 
zuerst beschrieb unter Beifügung einer topographischen Skizze 
von KiTCHENER Und Armstrong. Nach Hlll hätte man es hier 
mit einem Lagerplatz eines Heeres zu thun. Für die römische 
Garnison von Segor (vergl. Ganneau^) wäre dieser Punkt recht 
günstig gewesen, da er die Umgegend vollkommen beherrschte 
und zugleich gesunder war als das Fiebernest Rör es-Säfije. 

Viel weniger als diese Ortlichkeiten kommen für Zoar die- 
jenigen in Betracht, welche nördlich vomWädiNumera (Nimrim) 
auf oder an der Lisänhalbinsel an der Strasse nach Kerak sich 
befinden. Es sind dies das unten in der Ebene liegende Beduinen- 
dorf Mezra'a und in ca. 650 Fuss relativer Höhe die Ruinen von 
Derä'^a am gleichnamigen Fluss, Reste einer Stadt nebst Citadelle 
darüber. Völlig unhaltbar ist aber meiner Meinung nach die 
Annahme einer noch nördlicheren Lage von Zoar oder einer 
solchen auf der Westseite des T. M. 

Nichts Sicheres steht bis jetzt fest über die ehemalige Lage 
der vier anderen Städte Sodom''), Gomorrlia, iidama und Zebojim, 

1) The Land of Moab, p. 47. 
2; MountSeir, p. 119. 

3) Carte geologique des bords delaMerMorte dressee sous les auspices 
de Mr. le duc de Luy.\es. 

4) 1. c. p. 121. 

5) Clekmont-Ganxeau i. P. E. F. 1S86, p. 20. 

6) Auch in Bezug auf Saulcy's Ruinen der Stadt Sodom am Dschebel 
Usdum muss ich mich, nachdem ich selbst diesen Berg rings umwandert und 
erstiegen habe, skeptisch verhalten, ebenso wie Tristkam in The land of Moab, 



56 Blanckenhorn, 

deren Namen auch mit Ausnahme von Sodom im DschebelUsdum 
sich nicht mehr in Beziehung zu bestimmten LokaUtäten vor- 
finden. Es erscheint mir das, ganz abgesehen von dem kritischen, 
geologisch-geographischen Standpunkt, auch von dem eines ein- 
fachen Bibellesers gar nicht zu verwundern. Denn diese »ver- 
fluchten Städte« sollen ja nach der Genesis gänzlich vernichtet 
sein derart, dass nicht die geringste Spur, sondern nur eine Stätte 
des Grauens überblieb. Uass aber auch heutzutage noch das 
Siidende des T. M. ziemlich das Gegentheil eines Paradieses ist 
und seit jener Katastrophe wenig zur menschlichen Ansiedelung 
reizen konnte, das hat schon Mukaddasi gesagt, der die Gegend 
von Sughar direkt mit der Hölle (Sakar) verglich, und das wird 
auch jeder heutige Besucher des DschebelUsdum und der Sebcha 
nicht aber blos der Oase Jericho und des Pilgerbadeplatzes am 
Nordufer des T. M.) zugeben. Soll man an der erzählten gründ- 
lichen Zerstörung zweifeln und in diesem Sinne nach Ruinen 
suchen, sei es auf dem Lande, sei es unter dem Seespiegel, oder 
nach ein wenig ähnlich klingenden Ortsnamen im NW., NO., O. 
oder weit im S. des T. M. im Wädi el-*^Araba ? Da ich für meinen 
Theil das für vollkommen aussichtslos halte, folge ich diesen 
scharfsinnigen philologischen Ortsdeutungen, in welchen sich 
abgesehen von de Saulcy neuerdings mit Vorliebe Engländer und 
Amerikaner gefallen, weiter nicht. Mir scheint vielmehr die Schil- 
derung der Genesis mit den Anschauungen, die eine genaue Kennt- 
niss der Gegend an die Hand giebt, durchaus vereinbar zu sein. 
Die sodomitische Erdbebenkatastrophe wird übrigens nicht 
nur im Alten Testament, sondern auch von griechischen und 
römischen Schriftstellern erwähnt, und hier z.Th. in Verbindung 
gebracht mit einer Auswanderung bezw. Trennung dort wohnen- 
der Volksstämme. Das passt insofern zu dem Genesisbericht, als 
darin das Aufkommen und die Trennung der Moabiter und Am- 
moniter als eine Folge des Ereignisses geschildert wird. Nach 
Justin hatte mit dieser Katastrophe die Entstehungsgeschichte 
der verschiedenen Abzweigungen auch der kanaanäischen Mensch- 
heit begonnen. Er »berichtet in seinen Auszügen aus dem Ge- 
schichtswerk des PompejusTrogus: Das Volk derTyrier stammt 
von Phöniziern ab, welche, durch ein Erdbeben in Unruhe ver- 

p. 37, der sie für Reste einer Befestigung oder eines Hauses zum Schutz der 
Salzarbeiter hält. 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 57 

setzt, ihre erste Heimath an dem syrischen Binnensee verliessen, 
bald darauf am nächsten Gestade des Meeres sich ansiedelten und 
eine Stadt erbauten, die sie wegen des Reichthums an Fischen Sidon 
nannten« ^). Der abflusslose See syrium stagnum wäre nach Jos. 
BüASEN das T. M., das Erdbeben der Untergang der Städte Sodom 
und Gomorrha. »Der Erzählung vom Untergang dieser Städte liegt 
augenscheinlich unter anderm die Vorstellung zu Grunde, dass in 
jener Gegend vor undenklichen Zeiten eine höhere Kultur bestand 
als in geschichtlicher Zeit, und die andern Volksstämmen ange- 
hörte als denjenigen, die in geschichtlicher Zeit dort wohnten.« 
PiETSCHMANN ^) bringt mit dieser Angabe Justin's die Herodot's 
von der Herkunft der Phönizier vom erythräischen Meer inVerbin- 
dung. »Herodot horte vielleicht von einem binnenwärts gelegenen 
Meer und hielt das, da er sonst keines kannte, für das erythräische. « 

An Erdbeben hat es in der Bruchzone des Jordanthaies auch 
in der Folgezeit nach dem Untergang Sodoms nicht gefehlt, wenn 
auch seitdem keine so schreckenerzeugende Katastrophe ein- 
getreten ist. Bei all diesen Erdbeben hat sich nun, wie schon 
Strabo undDiODöR berichten, dieEigenthümlichkeit gezeigt, dass 
Massen von Asphalt unter blasenartigem Aufquellen des Wassers 
aus der Tiefe des Sees an die Oberfläche stiegen, wo sie durch 
den Wind allmählich dem Ufer zugetrieben wurden. Bei solchen 
Gelegenheiten, wie z. B. bei den Erdbeben in den Jahren 1834 
und 1837, haben die umwohnenden Beduinen durch Herbei- 
schwimmen oder vermittelst Flössen oft ungeheure Mengen von 
Asphalt in Sicherheit gebracht und verkauft. 

Die Erdbeben sind hier wie in allen zerklüfteten Schollen- 
gebirgen meist tektonischer Art, d. h. sie hängen mit Bewegungen 
von Schollen der Erdkruste an Spalten zusammen. Dazu kommen 
allerdings noch Einstürze des Oberflächenbodens in Folge unter- 
irdischer Aushöhlungen oder Auslaugung von Gyps-, Kochsalz- 
und Kalklagern ; doch sind solche nur von lokaler, mehr unter- 
geordneter Bedetitung. Der grosse gleichmässige und zugleich 
schnelle Einsturz im S. des T. M. lässt sich kaum als blosse Folge 
einer Auslaugung des dort einst neben dem Dschebel Usdum 
befindlichen Steinsalzlagers -j erklären. 

1) PlETSCHMANN, Geschichte der Phönizier in Oxcken's AUgem. Ge- 
schichte in Einzeldarstellungen. 1889. S. 114 ff. 

2) Vergl. mein Profil V auf Tafel IV. 



58 Blanckenhorn. 

Solche grossen tektonischen Beben geben nun den in der 
Tiefe eingeschlossenen Gasen. Thermen, petroleum- und asphalt- 
artigen Massen ebenso wie auch den etwaigen feuerflüssigen 
Lavaraassen besonders günstige Gelegenheit, durch die frisch 
geöä'nete Gasse der Spalten emporzudringen zum Lichte des 
Tages. In erster Linie waren es jedenfalls Gase, und zwar, wie 
wir gesehen. Kohlenwasserstoffe und Schwefelwasserstoff, welche, 
durch die einsinkende Erdscholle zusammengepresst. den Ausweg 
benutzten. Beide sauerstofffreie Gasarten aber sind brennbar 
und die ersten ausserdem leicht entzündlich, ja können sich unter 
L'mständen von selbst entzünden, wie das in der Natur oft beob- 
achtet ist. Ein zündender Blitzstrahl, wie er durch Psalm 11. 6. 
sowie Tacitus hist.Y, 5 und Josephus bell. jud. IV. S. 4 nahegelegt 
wird, ist nicht unbedingt nöthig, um die Flamme hervorzurufen, 
wenn auch das Auftreten eines Gewitters keineswegs ausge- 
schlossen sein solk wie solches ja oft mit Erdbeben und vulkani- 
schen Eruptionen (am Vesuv gleichzeitig verbunden ist. Jeden- 
falls konnte die ganze Luft über der geöffneten Spalte leicht 
plötzlich in Flammen stehen, und die verheerende Katastrophe 
brach mit doppelter Gewalt über die unglücklichen >Einwohner 
der Städte und was auf dem Lande gewachsen war« herein. Mit 
den Gtisen aber mochte ganz wie auch bei den heutigen Erdbeben 
zugleich Asphalt und vielleicht Petroleum emporgestiegen sein. 
was natürlich ebenfalls in Brand gerieth. Bei deren Verbrennung 
stieg Rauch auf. den Abraham vom Judäaplateau her erblickt 
haben soll, und der aussah wie ein »Rauch vom Ofen«. Zugleich 
wird sich ein starker Schwefelgeruch entwickelt haben. Schwefel- 
dioxvdgase oder schwefelige Säure, die bei der \ erbrennung des 
Schwefelwasserstoffs entstand. Da nun die sonstigen atmosphäri- 
schen Erscheinungen, wie Regen. Hagel und Schnee, von oben 
herabzukommen pflegen, so sagt die Erzählung Gen. 19. 24. dass 
es Schwefel und Feuer >vom Himmel herab<: auf Sodom und 
Gomorrha » geregnet <: habe. 

Dass Bruchspalten, wie diejenige imO. des Dschebel Usdum. 
in der Tiefe vorhanden sind und auch unter dem T. M. durchgehen, 
bedarf keines Beweises mehr. Es fragt sich höchstens, wie viele 
und wo. MoLiXEUX hat bei seiner kurzen Beschiffung des T. M. 
im Jahre 1S47 in dieser Beziehung eine höchst interessante Be- 
obachtung: cremacht. die uns für die Lage einer solchen submarinen 



Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 59 

Spalte Anhalt giebt. »Die ganze Länge des Sees, fast von N. nach 
S. und in gerader Linie, war an der Oberfläche ein breiter Streifen 
von Schaum, der nicht etwa vom Jordaneiniluss ausging, sondern 
einige englische Meilen westlich davon seinen Anfang nahm und 
in konstantem Aufblähen und anhaltend blasiger Bewegung 
gleich einem reissenden Strome die stille Wasserfläche durchzog. 
Zwei Nächte bemerkte man, zu Schifi'e diesem weissen Schaum- 
streifen nahe bleibend, über demselben in der Luft gleichfalls 
einen weissen Streifen, gleich einer Wolke, die ebenso in der 
geraden Linie von N. nach S. so weit zog, als das Auge reichte i).« 
Die hierdurch wahrscheinlich gemachte Spalte im T. M. 
habe ich auf der dieser Arbeit beigefügten geognostischen Karten- 
skizze, sowie in dem Querprofil Nr. 1 anzudeuten versucht. Diese 
Thermen- und Aspbaltspalte, die sich unter dem Wasser durch 
einen Böschungswechsel im Untergrund kennzeichnet, würde in 
ihrer südlichen Verlängerung zwischen dem Vorsprung der Lisän- 
halbinsel und der Westküste durchlaufen und dann im W. des 
Dsch.Usdum der Mündung des Wädi el-Muhauwät zustreben, wo 
sie die eingesunkene schmale Senonscholle in dessen Delta öst- 
lieh begrenzen könnte 2). Mit dieser Hypothese steht es in einem 
gewissen Einklang, wenn Buhckhardt nach Erkundigungen an- 
giebt, dass an der Fürth zwischen dem Lisän- und dem Westufer 
das Wasser an einigen Stellen »ganz heiss« sei und der »Seegrund 
ganz rothe Erde zeige, daher er meint, hier möchten heisse Quellen 
im seichten Wasser sein« 3). Es wäre zu wünschen, dass solche 
Beobachtungen bestätigt und ergänzt würden. 



So lösen sich die vielen Eäthsel, welche von jeher die 
eigenartige Natur des T. M. und seiner Umgebung geboten hat, 
im Ganzen in befriedigender Weise. Auch alle^) Naturerschei- 
nungen, welche in der Genesis im Zusammenhange mit der 
Katastrophe von Sodom geschildert werden, der letzten und der 
einzigen, welche noch der Mensch erlebte, glaube ich im Vorher- 
gehenden genügend erklärt zu haben. 

1) Ritter, Die Erdkunde, 15. Th.. Bd. VIII, 2. is.50, p. TOß. 

2) Vergl. meine Karte, sowie Profil V auf Tafel IV. 

3) BuRCKHAEDT, Trav. p. 394 ; bei Gesenius II, 6G4 ; s. Robinson, Pal. 
II, 470. — Ritter, Erdkunde, 1. c. p. 698. 

4) In Bezug auf die Salzsäule I^ots "Weib vergl. die Fussnote S. 34. • 



Nachträge. 



Zu ZDPV. XVII, 23SfF.: Anfang dieses Jahres machte mich 
Herr Pfarrer H. Hagenmeyer in Ziegelhausen hei Heidelberg 
freundlichst darauf aufmerksam , dass Graf Riant den Text der 
lateinischen Handschrift, die die Untersuchung des Patriarchen- 
grabes in Hebron im Jahre 1119 erzählt, bereits im Jahre 1SS6 
herausgegeben habe. Er hatte ferner die Güte, mir die betreffen- 
den Druckbogen aus seinem Besitz zur Verfügung zu stellen. Ich 
gebe danach zu meinem Aufsatze ZDPV. XVII, 23S ff. einige 
Nachträge. 

Graf RiANT hat den lateinischen Text »Tractatus de inventione 
sanctorum patriarcharum Abraham, Ysaak et Jacob« herausge- 
geben in Recueil des Historiens des Croisades, Hist. occid. t. V, 
pars I, 303 — 314, und unmittelbar darauf noch einen kürzeren 
Bericht über denselben Vorgang p. 314 — 316. Riant hat seinen 
Mittheilungen in Archives de l'Orient latin den ausführlicheren 
Bericht zu Grunde gelegt. 

Der Name des Mönches, der die Hauptrolle bei der Unter- 
suchung spielt, ist Arnulph, nicht Arnold, wie ich nach Riaxt 
ZDPV. XVII, 240 ff. angegeben habe. Der lateinische Wortlaut 
lehrt, dass die Mönche bis zu der Höhle, in der sie zuerst Gebeine 
fanden, Mauerwerk durchbrochen haben. Es wird als ausser- 
ordentlich fest und fein gearbeitet geschildert, als ganz ähnlich 
dem Mauerwerk des zu Tage liegenden Baues. Erst von dem 
Eingang der kleinen Basilika aus erreichen sie den natürlichen 
Felsen. Übrigens bleibt es dabei, dass die Mönche aufs Gerathe- 
wohl die Knochenfunde nach den drei Erzvätern benannt haben. 
Sie haben auch später, w^e Riant in einem Nachtrage Archives 
de rOrient latin II, 512 f. bemerkt, niemals die Knochen der 
einzelnen Erzväter getrennt nach Europa versandt, sondern stets 
die Reliquien von allen drei zusammen. Wo die Mönche die 
ihnen unbekannten Schriftzeichen ZDPV. XVII, 24 1 f.) gefunden 



Nachträge. 61 

haben, lässt sich auch nach dem lateinischen Text nicht genau 
erkennen. Daran ist jedoch kein Zweifel, dass die Mönche, nach- 
dem sie den Boden der Kirche durchbrochen hatten, zuerst in 
gemauerte Räume (Gewölbe?) gelangten. 

November 1895. H. Guthe. 

ZuZDPV.X, 195— 345;XI, 139— 142; XII, 33— 35;XVI1L 
81 — 87. In Makrizi's Geschichte der Mamlukensultane i) wird 
eine Reihe von Ortschaften genannt, Avelche Sultan Bibars gleich 
nach der Eroberung von Caesarea unter seine Emire als Besitz 
vertheilte. Sicher bekannt sind von ihnen: "^Attil, Zeitä, Kalan- 
sawe, Tülkeräm, Umm el-Fahm, Baurin, Dschelama,'Ar'^ara, Den- 
nebe, Schuwaike, *^Allär, Saidä, Artäh, Kafr rä'i, Dschaldschülije, 
Far'^ün^), Kisfä, Chirbet Hänütä, Chirbet el-Kusair, Jammä 3), 
Tabräs^), Ihsäs^). Unsicher sind: das Gebiet von Afräsin^), 
Näme'^), Taijibe*) el-Ism, Tirin oder Tibrin, Tabän oder Bathän 
(qUo), Burdsch el-Ahmar, Derel-'^Asfiir(resp.Asür)'J), Sebahiaoder 
Istäbä'Ojj Sair Fükä, Fakin, Afräd Nesifä, Berdikaii), Dschebele 
(bei Arsüf)i2). 

An anderer Stelle (IIA, 131) erwähnt Makrizi als Geschenke 
1. an die Kubbet el-Mansurije in Kairo die Dörfer bei *^Akkä: 
Käbirai3]jTellel-Mutasuf (ohne arabische Schreibung), Kurdäne^^ ; 
aus der Nähe von Tyrus: Ma*^reka und Sarifain^^), 2. an die Me- 
drese el-Aschrafije im Sahel das Dorf el-Farah; aus der Nähe 
'Akkä's: Sa'^ar "^Omar^^j ^n^j Hamra; aus der Nähe von Tyrus: 
Tabarsije^^) (&>.A^,>-b). 

1) ed. QuATREMERE IB, 13—15; leider fehlt hier meist die Angabe der 
arabischen Schreibung. 

2) nicht Kar'ün. 3) nicht Bamä oder Tamä. 4; bei Makrizi Tabras. 

5) auf der engl. Karte mit dem Beinamen: el-Halebije (II, Qc.i. 

6) ob Feräsin? T) ob naäme, englische Karte II, Rc? 

8) deren es mehrere ohne Zusatz giebt. 

9) bekannt ist nur Bir 'asür, engl. Karte XI, Ln. 

10) ob verschrieben für Iktäbä, engl. Karte XI, Kn? 

11) ob Bir ed-Dika, engl. Karte XVIII, Nn? 

12) wir kennen Dschebelet el-'Arüs und Dsenebelet es.-Sefäif, engl. Karte 
IV, Oe, Of. 

13) offenbar chirbet käbrä. 14) als Teil u. Chirbet K. bekannt. 

15) ersteres ist bekannt; an den Namen des letzteren klingt Sarifä, engl. 
Karte II, Ob. 

16) offenbar Schefä Amr; Chirbet el-Hamra ist bekannt. 

17) ob Chirbet Tarabije, engl. Karte I, Nb.' 



62 Nachträge. 

Die umfangreichste Aufzählung von Orten aus der Umgegend 
vünTyrus giebt Makrizi illA, 213 — 221) bei Erwähnung des Ver- 
trages des Sultans Malik el-Aschraf mit Margarethe von Tyrus; 
viele sind uns bereits bekannt und sicher nachgewiesen. Demnach 
behält diese die 3 Pressen: »Muwaakah«, »Reschmun«') und die 
Gärten von "^Audscha, während die 5 Dörfer Känä, »Karubia«, 
»Asrifia«,Mahrüne,Miulschaidil, »Amradain« dem Sultan gehören 
sollen. Ferner behält Margarethe: 'Ain Abu "^Abdallah, »Kasemije« 
(el-Hamsije? , »Sedes« (Chirbet Siddain?), »Kahlab«, »Marfuf«, 
Chirbet el-Dschärüdije, »Dschemadie« (Chirbet Dschenadije?), 
»Madkalah«, Ras el-*^Ain, Burdsch el-Isbitär. Die übrigen Dörfer 
sollen getheilt werden, und zwar werden aufgeführt: »Talebia«, 
»Dartia«, »Dehriah«, »Funsunia«, 'Itit, \y;idi el-Chidschädsch, 
^\rabije, Malkije, »Deir Amran«, »Tatebia«, »Hanneh«, »Deir 
Kalun« (Der Känün?], »Sadifar«, Resch Kenänin, »Garaigal«, 
»Ziadet«, »BeniDufi«, »Atlit«, »Sahnuniah«. 2), Ferakije, »Deir«, 
»Malia«, »Hamivä«, »Fakiah«, »Baruriah« (wohl Bäzürije), »Kafr 
Digal«, »Huba«, »Sarkiah«, »Medschdel, »Beit-ruh«, Märün, 
»Tarsendschath«, »Kafar-nai«, "^Aschhür, »Alemz«, »Farzun«, 
»Durdaghiah« (Der Dughijä), Abrakhiah Abrichä), »Sawafi«, el- 
Ilallusije. M*^arüb, »Balith«, DerKänün, »Tardeba« TerDubba?), 
Bedias (Hidijäs), »Numania«, »Beduth«, Hamrania«, Türa, »Sar- 
kiat«, el-Dschudaide, Abbasa (*^Abbäsije?), »Hunain athah«, 
Aschhur (vgl. oben), »Alfäh ;, »Misriah< . 

Als Grenzen giebt die Urkunde: im Süden »Madkalah«, 

Deir Amran«, Burdsch Wädi el-Hidschädsch, Arabije, »Rif«, 
:> Barin«, im Osten: »Sakeniah«, »Madschdas«, »Scharkiah«, 

Sahnuniah«, im Norden: Känä, Mahrüna, Mudschaidil, Kafr 
Dünin, »Asrifia« und den Orontes, im Westen das Meer. 

1) Tgl. ZDPV. X,255: die in Anführungsstrichen eingeschlossenen Orts- 
namen sind noch zu identifiziren. 

2) vgl. Sahonye in ZDPV. X, 289. 

Berlin. • R. Röhricht, 



Bücher anzeigen. 

Praktisches Lehrhuch der arabischen Umgangssprache syrischen 
Dialekts. Erläutert durch zahlreiche mit Übersetzung und Wörter- 
verzeichniss versehene Übungsstücke. Von A. Seidel. Wien, Pest, 
Leipzig, A.Hartlebens Verlag. [Auch unter dem Titel: Die Kunst 
der Polyglottie u. s. xo. 47. Theil.) \Ohne Datum.]^ 

Eine Avissenschaftliche Bearbeitung der syro-arabisehen Dia- 
lekte, wie sie Spitta von der ägypto-arabischen Umgangssprache 
geliefert hat, gehört leider noch immer zu den Desideraten; frei- 
lich ist die Arbeit hier bedeutend verwickelter. Aber auch auf 
dem Gebiete der praktischen Lehrbücher ist es, was den syri- 
schen Dialekt betrifft, ziemlich schwierig, Regeln aufzustellen, 
welche für denganzen Bereich von Syrien, Palästina eingeschlossen, 
Geltung haben; in dieser Beziehung befriedigt auch das bekannte 
Buch Hartmann's nicht, da es wesentlich den Dialekt von Beirut, 
speciell der Christen, wiedergiebt. Auch das neue praktische Lehr- 
buch Seidel's hat die Aufgabe nicht ganz gelost. Der Verfasser 
bietet eingestandenermassen eine Kompilation aus Hartmann 
und Landbergs Werken; man merkt das seiner Arbeit nach allen 
Richtungen hin an. Es wäre entschieden zu wünschen gewesen, 
wenn sich Seidel noch in andern Büchern Kath geholt hätte; 
der alte vortreffliche Berggren wird wenigstens einmal angeführt; 
aber z. B. was Wetzstein über den Dialekt von Syrien hin und 
wieder mitgetheilt hat, ist durchaus unberücksichtigt geblieben. 

Was die innere Einrichtung des Buches betrifft, so ist die- 
selbe ganz gleich wie die in der früheren Arbeit des Verfassers 
über den ägypto-arabischen Dialekt: die Eintheilung des Stoffes 
in Lektionen ist nicht unpraktisch, aber man erhält doch den 
Eindruck, dass Seidel in den eigentlichen l^au der Sprache zu 
wenig eingedrungen ist, um ein praktisches Lehrbuch aus dem 
vorhandenen Material herstellen zu können. Der Referent weiss 
die Schwierigkeiten, die ein solches Unternehmen bietet, wohl zu 



64 Bücheranzeigen. . 

■würdigen; er weiss wohl, dass das Buch in erster und wohl auch 
einziger Linie für Nichtgelehrte, ja auch grammatisch wenig vor- 
gebildete Schüler und Autodidakten berechnet ist; um so weniger 
sind aber dann die Unterscheidungen berechtigt, die beispielsweise 
S. 29 und 65 dazu führen, dass dem Arabischen ein Infinitiv ab- 
gesprochen wird, während dann doch das »nomen verbi« auf- 
geführt wird. Was schon in dem früheren Werke Seidel's zu 
rügen war. fällt auch hier auf: die allzustarke Rücksichtnahme 
auf die grammatischen Kategorien des Deutschen; man vergleiche 
etwa S. 52, Nr. 6: Die af^al-Form dient gleichzeitig zum Aus- 
druck des Superlativs, z. B. irahsan der, die, das beste, die besten; 
ahsa7i darh (ohne Artikel) der beste Weg; dagegen darb ahsan ein 
besserer Weg. 

Im Einzelnen finde ich zahllose Versehen; so wird z. B. S. 11 1 
fihim (mit t\) Talisman unter den ^2/^/- Formen aufgeführt. — 
Das Buch füllt somit wohl gewissermassen eine Lücke aus; es 
kann aber in der That nur faute de mieux empfohlen werden, da 
derjenige, welcher es benutzt, von dem syrischen Dialekt kein 
klares und allgemeines, stellenweis sogar kein richtiges und zu- 
treffendes Bild bekommt. 

A. SociN. 



Arabische Sprichwörter. ■ 

Gesammelt, übersetzt und erläutert 
von Lydia Einsler in Jerusalem. 



Einleitung. 

Die Araber lieben es, im geschäftlichen Verkehr, in geselliger 
Unterhaltvmg, im Streit wie im Scherz, Sprichwörter anzuwenden, 
welche allgemein bekannt sind und stets voll und ganz zum 
Ausdruck bringen, was die Leute sagen wollen. Bei einer Unter- 
redung oder einem Streit dauert es in der Regel nicht lange, bis 
man ein Sprichwort zu hören bekommt. Den Arabern steht bei 
ihrem gut entwickelten Gedächtniss stets eine Anzahl von Sprich- 
wörtern und bildlichen Redensarten zur Verfügung, welche sie 
passend anzuwenden wissen; dass dieselben für die Beurtheilung 
des geistigen und sittlichen Charakters des Volkes von grosser 
Bedeutung und hervorragendem Werthe sind, braucht kaum her- 
vorgehoben zu werden. Es ist so viel Kraft und Ursprünglich- 
keit in diesen aus den ureigensten Anschauungen und Gewohn- 
heiten des ungebildeten Volkes hervorgegangenen Sprüchen, 
welche die verschiedensten Gebiete des menschlichen Lebens 
umfassen, dass ich glaubte, mit einer Sammlung derselben einen 
nicht unwichtigen Beitrag zur Kenntniss des Volkscharakter^^ 
zu liefern. 

Es ist mir bekannt, dass arabische Sprichwörter schon öfter 
gesammelt worden sind. Es kam mir bei meiner Sammlung nicht 
darauf an, gerade die besten Sprichwörter aufzunehmen; ich habe 
mir vielmehr hauptsächlich solche notirt, welche hier in Jerusalem 
und der nächsten Umgebung gebraucht werden und welche ich 
bei passenden Anlässen selbst zu hören bekam. Nicht selten 
habe ich diese Anlässe dem Leser vorgeführt. Einzelne unan- 
ständige Sprichwörter habe ich , obwohl sie manche andere an 

Ztschr. d. Pal.-Ver. \1X. 5 



66 Lydia Einsler, 

Witz übertreffen, geglaubt auslassen zu sollen. Dank schulde 
ich Herrn P. Schmidt, Direktor des deutschen katholischen 
Hospizes dahier, für Mittheilung einiger SpricliMÖrter; dieselben 
sind zunächst hier weggelassen worden, weil ich bloss solche 
Sprüche zu geben beabsichtige, welche hier allgemein bekannt 
sind; jene scheinen mehr in Syrien im Gebrauch zu sein. Herr 
F. Maroum, Uragoman des deutschen Konsulats, hatte die Güte, 
den arabischen Text zu den Sprichwörtern zu schreiben und mir 
auch bei der Feststellung der deutschen Übersetzung Hilfe zu 
leisten, wofür ich ihm an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank 
ausspreche. 

Ich gebe die Sprichwörter in der Reihenfolge, wie ich sie 
gehört und gesammelt habe; die kurzen erklärenden Noten, 
welche beigefügt sind, sollen das Verständniss der Sprüche er- 
leichtern. Freilich ist zu bemerken, dass dieselben den Sinn 
eines Spruches oft durchaus nicht erschöpfen; oft ist ein tieferer 
Sinn darin zu suchen, als man auf den ersten Blick vermuthet; 
ja manche sind geradezu doppelsinnig. Auf Vollständigkeit 
macht also die Erklärung keinen Anspruch. 

Anmerkung der Redaktion: Professor A. Socm hatte 
die Güte, die vorliegende Sammlung von Sprichwörtern einer 
genauen Prüfung zu unterziehen, wofür ich ihm meinen besten 
Dank ausspreche. Die Leser werden im Folgenden gern von 
ihm selbst vernehmen, Avas er über seine Arbeit zu sagen hat. 

G. 

Frau L. Einslek's Sammlung kann als ein wichtiger Beitrag 
zur arabischen Sprachkunde bezeichnet Averden; speciell in Jeru- 
salem hat unseres Wissens noch niemand Sprichwörter gesammelt. 
Die iiberwiegende Mehrheit dersell)en ist mir aus anderweitigen 
Quellen nicht bekannt; ich habe daher nicht angestanden, die 
Sprichwörter vollständig, Avie sie im Manuskript vorliegen, zum 
Abdruck zu bringen, obAvohl eine Anzahl derselben Aveit Aer- 
breitet und schon oft mitgetheilt sind, ja sich in den Sammlungen 
der Araber selbst finden. Leider mangelte mir die Zeit, mich 
nach Parallelen umzusehen; ich habe Avesentlich nur auf meine 
eigene Sammlung: Arabische SprichAvörter und Redensarten 
(Tübigen ISTS', verwiesen, mehr um darauf aufmerksam zu 



Arabische Sprichwörter. 67 

machen, dass dieser und jener Spruch auch in einer von der hier 
vorliegenden abweichenden Form vorkommt. Es ist hier nicht 
der Ort, zu der in jener Schrift aufgeführten Literatur (S. vi und 
vii) weitere Ergänzungen zu geben, nur was syrische Sprich- 
wärter betrifft, sei verwiesen auf 1) Kall, Arabum Philosophia 
popuhiris, Hafniae 1764; 2) ein Buch Teslijet elkäri ß madschmu 
elamtßl, Beirut 1869; 3) J. R. Jewett, Arabic proverbs and pro- 
verbial phrases (from vol. xv of the Journal of the American 
Oriental Society), New Haven 1891; und besonders 4) C. vox 
Laxdberg, Proverbes et Dictons du peuple arabe, Leide 1883. 
Auch aus diese?! Werken habe ich einzelne Citate hinzugefügt. 
Im Übrigen habe ich das Originalmanuskript möglichst 
genau w-iedergegeben. Den Text in arabischen Buchstaben, 
welchem ich bloss eine ganz sekundäre Bedeutung zuerkenne, 
habe ich genau so gegeben, wie er vorliegt; er ist ja insofern von 
Nutzen, als er bisweilen zeigt, wie einzelne grammatische Formen 
in der Schriftsprache aussehen. Dagegen habe ich die Tran- 
scription vielfach verbessert, im Original finden sich keine Längen 
der Vocale; selten ist die Doppelung der Cousonanten ange- 
merkt und dergleichen mehr. Dem Charakter meiner Studien 
entsprechend, erschien es mir von besonderer Wichtigkeit die 
Sprichwörter auch für die Erforschung des in Jerusalem ge- 
sprochenen arabischen Dialektes nutzbar zu machen; dies konnte 
nur durch Herstellung einer wissenschaftlichen Transcription 
geschehen. Auch in Bezug auf die Erklärung der Sprüche habe 
ich mir neben Stil und Ausdruck bisweilen etwas tiefer einzü- 
greifen erlaubt; meist aber nur, wo mir offenbare Miss Verständ- 
nisse vorzuliegen schienen. In zahlreichen Fällen fügte ich 
Bemerkungen (stets mit S. bezeichnet) bei, wo ich mit der Er- 
klärung, die das Manuskript bot, — dieselbe ist dann bisweilen 
in > « gesetzt — nicht ganz einverstanden sein konnte. Endlich 
habe ich mir hier und da Kürzungen gestattet, in Fällen, wo 
längst allgemein Bekanntes in die Erklärung aufgenommen w^ar; 
im Ganzen aber hütete ich mich, das persönliche Colorit der 
Arbeit zu verwischen. 

A. Sotix. 



68 Lydia Einsler, 

1 s\S ^,wj<^v]j' "bJ J^^£ Aa>-Lo Qi^^2)^ inkiin sühhak asal la tilha- 
sösch kullo. 

Ist dein Freund aus Honig, so lecke ihn nicht ganz ab, — 
D, h. brauche ihn in der Noth, aber misbrauche ihn nicht. 

2 Qj-i^S'vit d^>.=>LAj ^A ^^:>\ J-sLäJ ;iJ^L\c adüwak eVükil ahsan 
min mhbak ehnadschnün. 

Dein kluger Feind ist besser als dein verrückter Freund. 
— D. h. ein verrückter Freund ist für dich schädlicher (S.). 

3 joL:*=Vao1 ^c-^ si^j^\ ^Lw Q^ men scJiäf alibabo nisi a&lmho. 

Wer seine Verwandten wiedersieht, vergisst seine Freunde. 
D. h. im Kreise der Verwandten vergisst man die Freunde. 

4 »i)^io s- '1-J ^y^ *i)^L>d^*-iij^ 'ö! iza ahgliadak dschcirak hauicil hüb 
dZirak. 

Wirft dein Nachbar Hass auf dich, so verlege deine Haus- 
thüre. 

5 "Sy^ >^.b 1— jLj ^.c q^ (_5.l\>-! elhedaiül in aref bäb dürak gheiro 
(gheißrö S.j. 

Wenn der Beduine deine Hausthüre kennt, so verän- 
dere sie. 

Vj^'*^ ^'° Vj;r=- Vj,*-' eVarab dscharah ma binkarab. 

Der Beduine ist wie die Krätze ; man darf sich ihm nicht 
nähern. — Sprichwort 5 und 6 warnen davor, sich von Be- 
duinen (und anderen Leuten) ausbeuten zu lassen. Ein Be- 

■ duine, dessen Gastfreundschaft man genossen hat, berechnet 
meist, wie er wieder auf seine Kosten kommen und Gegen- 
leistungen beanspruchen kann; es wird daher empfohlen, dem 
Beduinen den Zugang zu erschweren. Zufällig ist mir eine 
Hegebenheit durch meine Magd bekannt geworden , welche 
für obige .Sprichwörter sehr bezeichnend ist. Sie erzählte mir, 
dass alle .Jahre zu einer bestimmten Zeit Beduinen in die 
Nähe ihres Dorfes kämen wegen des Futters für ihre Herden. 
Aus der Milch bereiten sie Butter und Käse, welche sie nach 
der Stadt verkaufen, die Buttermilch aber bringen sie ins 
Dorf, um sie zu verkaufen oder umzutauschen. So kamen 
auch eines Tages zur Schwiegermutter unserer Magd zwei 
Beduinenfrauen, um Buttermilch (Ji2-^:^ emchld) gegen Waizen 
umzutauschen. Die Frauen kamen bald in ein eifriges Ge- 



Arabische Sprichwörter, 69 

sprach; da sagte die eine der Beduinenfrauen zu unserer 
Magd: »Gott erhalte dich, deine Brüder, deinen Mann u.s.w. ! 
siebe mir doch den Waizen.« Nachdem sie damit fertig war, 
sasrte sie: »Vielleicht würdest du ihn mir noch schnell mah- 
len?« Währenddem sich die eine immer lebhafter mit der 
Schwiegermutter unterhielt, wurde unsere Magd auf die höf- 
lichste Weise veranlasst, nicht nur den Waizen zu sieben und 
zu mahlen, sondern sogar den Teig zu kneten und schliess- 
lich die ungesäuerten Fladen ('awcm, Sing, '^awisa '»-^^.j-^ 
[sie]) zu backen. Als alles fertig war, verliessen sie sie mit 
grossen Danksagungen , luden die Magd ein , sie morgen zu 
besuchen, und versprachen ihr, den Kuhmist [zibl ,3^jj , den 
die Fellachenfrauen sammeln und zur Feuerung des Back- 
ofens benützen) mitnehmen zu dürfen. Zur Wiedererkennung 
nannten sie ihre Namen, die eine hiess liedschar {^.:^^*.^\^ 

die andere fadda ''!>->^i = Silber . Auch bezeichneten sie 
ihnen den Ort ihrer Niederlassung. Als jene am anderen Tag 
hinkam, hatte die eine Beduinenfrau bereits ihr Zelt abge- 
brochen; die andere gab ihr das Versprochene, kam aber in 
den nächsten Tagen und bat um eine Nadel, dann um einen 
Faden und schliesslich noch um einen Flicken, um ihr Kleid 
damit zu flicken. Als unsere Magd nach einiger Zeit wieder 
zu ihr ging, merkte sie bald, dass auch die Kinder abgerichtet 
waren zu betteln ; sie frugen sie, was sie Essbares bei sich 
habe, was sie ihnen mitgebracht habe u. s. w. Ein Jahr später 
traf unsere Magd die Beduinenfrau hier in Jerusalem auf der 
Strasse. Nach der üblichen Begrüssung und nachdem jene 
erfahren hatte, dass sie inzwischen Wittwe geworden sei, auch 
ihr Kind verloren habe und nun wieder in ihren früheren 
Dienst getreten sei, sprach sie sie um Geld an und Avollte 
wissen, avo sie wohne. Nach den gemachten Erfahrungen und 
den beiden Sprichwörtern entsprechend, erklärte sie ihr. dass 
unser Haus so weit entfernt liege . dass es ihr unmöglich sei, 
den Weg dahin zu beschreiben. 

7 ^lAiS J.Ai ^L:^^ ^c Jn^a«! is'al an eld schär habel eddär. 

Erkundige dich zuerst nach dem Nachbar, bevor du dich 
nach dem Haus erkundigst. (Vgl. Socin, Ar. Spr. No. 157; 



Landberg S. 299 S.) 



70 Lydia Einsler, 

8 ^Up oiJ^ ^_5j-^j' ;l-> !lj^b(/ä;* halü dschcir biswä alf dinär. 

Ein Haus ohne Nachbar ist tausend Goldgulden werth. — 
(Im arabischen Text ist das Wort dar nach alter Weise als 
Femininum behandelt. S.) 

9 t^],L> \r\y^ ^ ij>"<-^ oij-2i=- r.*;*H ti)^i^J ,.•-> dauicer hetak saha 
chaträt kabl mä tchauwen dschärak. 

Suche deine Wohnung siebenmal durch, bevor du deinen 
Nachbar für einen Betrüger (d. h. Dieb) erklärst. 

10 iA-<«Ajf d)fci>^ ,.-^ .y^=>-\ »^j.ftj! ti) ,L> dschärak elkarlb ahsan 

min achük elbaid. 

Ein Nachbar, der dir nahesteht, ist einem Bruder, der dir 
ferne ist (steht', vorzuziehen. (Vgl. Jewett, No. 70 S.) 

1 1 w^^aIj ,L:^ j-^^-^J L'O j.! v*■.'^■^^ l5^*^" '■'' 3-^*^' eVadu mit Jebka 
hablb ila ma iffir elehmUr tablb. 

Ein Feind verwandelt sich nicht in einen Freund, bis aus 
einem Esel ein Doctor wird. — D. h. ein Feind kann niemals 

ein rechter Freund werden. (Arab. Text ^i ; Transcription 
illa^ was ich verbessert habe. S.) 

12 rr^'t^ is:Ai:A ,J,c d^j>> J^i kul dik ala mizbalafo saijäh. 

Jeder Hahn kräht auf seinem eigenen Misthaufen am lau- 
testen. — D. h. der Geringste fühlt sich in seinem eigenen 
Hauswesen gross. (Vgl. Socin, Ar. Spr. No. 190 S.) 

13 ^.^Aaj J-r^-5 v'-^ ic*^*^:^ ^'-^'*'-) u^3)'-^'*'^ Lx) Lxcä ascha ma 
"etidösch jefaschscha dschab ßdschel jetedaschscha. 

Ein Abendessen hat er nicht zu verzehren; aber er holte 
sich einen Rettig, um rülpsen zu können. — Bekanntlich gilt 
das Rülpsen nach einer Mahlzeit als eine Art Ehrenerweisung 
seg-enüber dem Gastgeber, als ein Zeichen, dass einem das 



o^o 



Essen geschmeckt hat. Nach dem Nachtessen pflegen die Fel- 
lahen in der medZife^ der Herberge, zusammenzukommen und 
über die Tagesangelegenheiten zu plaudern. Das iSprichwort 
redet von einem armen Grossthuer, der sich einen Rettig 
kauft, um rülpsen und seine Bekannten glauben macheu zu 
können, er habe ein gutes Abendessen genossen. 
14 (Lä^.) tjioLä.>: La J^*.>.j_^Jl£: w^i Jl» i}.*-^^ v*-=* elhubh loalhabal 
tcarrukub aldschamal ma bichfa. 



Arabische Sprich-wörter. 7 l 

Liebe, Schwangerschaft und Reiten auf einem Kamel 
lassen sich nicht verbergen. — D. h. alles dies sind Dinge, 
die nicht ungesehen und unbeachtet bleiben. 

15 xljCü S-i^ u^^^ (^-') ^'^''~r^' '■'' ^^^ ridschlo ma f'ihüsch lehüs 
Schakal schakle. 

Er hat unbekleidete Beine und hat sich doch mit Blumen 
geschmückt. — Von einem eiteln Manne. 

16 ►\lÄi ,^:>- v^::^ CT"*^ 5(A.;.£ iA.^£ --^^ ^^ min hah ahd ahado 
umiti hah hadschar nahalo. 

Wenn jemand sich in einen Sklaven vernarrt, so wird er 
zu dessen Sklave, und wenn jemand sich in Steine vernarrt, 
schleppt er sie fort. — Von thörichten Liebhabereien. 

17 xj^ uX! iAäj ^\ L\i>^5 .jC^j'S^ la tuschkor tvähed illa hcid ma 
tedscharho [tedscharrehö S.). ■ 

Lobe niemand, ausser nachdem du ihn erprobt hast. 

18 >.jjjuN.xi LääJI J;. f»L.^) x^}jA .\>j.i5 j ß-licudsch emrlii uß-lkafa 
medräi. 

Im Gesicht ein Spiegel, aber hinter dem Rücken eine 
Worfgabel. — Siehe No. 20. (Im Mscr. steht tcudsche S.). 

19 >^J>''^-o ,, !^»^ -v'-'' ^'^''-'^-j! (»^^ä Jyuddam e/mäs crnrrd uroaraJion 
(sie) surmcii. 

Vor den Leuten ein Spiegel und hinter ihnen ein Schuh. 
— S. No. 20. 

20 r^fj^ Lääi! j^i i?^>.=- !>^^ yl\ ,2^ ß-licudsch hahühon uß-Jkafa in- 
hahühon. 

Im Gesicht haben sie sie beschenkt, und hinter dem 
Rücken haben sie sie ausgeplündert. — IS — 20 für Heuchelei 
und Falschheit. Der Spiegel ist Ausdruck für etwas hübsches, 
etAvas wohlthuendes; Worfgabel und Schuh für etwas ver- 
letzendes. — (Die Oiiginalübers. von No. 20 lautet: »in das 
Gesicht haben sie sich vor ihnen gefürchtet« , was sprachlich 
nicht angeht. S.). 

21 ^*^\ ^^i Hj^ ^ <3^ '■^^ y^ dschZii hala azime kaltl clk'ime. 

Demjenigen, der uneingeladen zu einem kommt, wird 
wenig Ehre erwiesen. Vgl. No. 22. 



^ I. 



Lydia Einsler. 



22 »jrv^-s» iijjj ^^.'f- ^i" hala azime harr'it elhafire. 

Wer uneiiifreladen kommt, muss ausserhalb der Stroh- 
matte sitzen. — Strohmatten und Teppich werden bloss für 
die eigentlichen Tischgäste hingelegt. 

23 J-''-^^ d^jLi>J> u! ii.L>^ U A/i^x-} fdcimak ina adsclmni amma 
duchanak dmäni. 

Speisen erhielt ich nicht von dir vorgesetzt, aber der Rauch 
machte mich beinahe blind. — D. h. deine grosse Geschäftig- 
keit brachte uns Schaden statt Nutzen. (Vgl. Jewett No. 17 S.) 

24 jc'-^- rj'' L^£:_^'L^ 4>^-* j^"^ i^'^i * j^ÄS faklr ukalünio ikilr 
uh'ikTd hiitu hscha min JacJmi. 

Ein Bettler, der viele Worte macht und sagt: Tischt ein 
Abendessen, das aus Jachni besteht, auf! — Von einem armen 
anspruchsvollen Menschen gebraucht. Jachni ist bei den 
Fellachen eine Art Sonntagsessen; es besteht aus Gemüse mit 
Fleisch. (Vgl. Dozy Supplement; dazu Cuche und Sabbägh 
ed. Thorbeoke S. 70. S.) 

25 ,i-<-i o^^) *'-^^^ Id.^'.^'^* S^:^-,xi schalihad umetscharrif uhiddo 
rucjltflin ekhcir. 

Ein Bettler, der noch dazu Bedingungen macht und grosse 
Brotfladen haben will. — Von unbescheidenen Menschen. 
Dieses Sprichwort sagte einmal unsere Magd einem Bettler, 
der an der Hausthüre stand und auf uns alle erdenklichen 
Segenswünsche herabflehte, sowohl für die Lebenden als auch 
die Todten. Als ich ihm ein Stück Brot reichen Hess, gab er 
es zurück mit dem Verlangen, wir möchten ihm Geld geben, 
damit er sich rasieren lassen könne ; Brot brauche er keines. 
Er ging auch fort, ohne das Brot mitzunehmen. (Vgl. zum 
ersten Theil des Spruches Laxdbeg S. 29S. S.) 

26 ^i^j cjL^ j.-fcßÄj ujLxjS ^ ^i» ä..x;^äXj U ^'l.^ JJ'i vi^J^ 
tvakt akl eldschädsch ma htiftikrnnl, wakf kahh etträb betkülu 
hat idak. 

Zur Zeit des Hühneressens denkt ihr nicht an mich ; aber 
zur Zeit, da Erde fortzuschafl"en ist, sagt ihr: Leg Hand an. 

27 »jj ^J J..i^.Ä/c 'j »;'-=>Lj (jt'^' u'^^- lescli inti hilhära Ja munchol 
heia iura. 

Wozu bist auf der Strasse, du Sieb ohne Reif? — Von 
einem Faulen, Müssiggänger und Arbeitslosen. (Vielleicht ist 



Arabische Sprichwörter. 73 

eher zu übersetzen: wozu bist du im Quartier, d. h. in un- 
serem Quartier, überhaupt vorhanden ? S.) 

28 ■y^'^^^A Vj^- ryt:*''-^^ ^'--^^ cliuraf einen bichrah (sie) beten. 

Das Geschwätz von zwei Menschen kann zwei Häuser zu 
Grunde richten. — Ich hörte das Sprichwort von unserer 
Milchfrau und unserer Magd, die einmal im Hofe klatschten, 
Avährend in der Küche der Braten anbrannte und die Katzen 
einen Theil der Milch auffrassen. 

29 .y^X."L^c |..fAj iXx'i'S ^»^ ^fJ\LK~>^f.i (A»s^ ul/od ben chahhäzten 
icala ta\iod ben gliassalten. 

Setze dich lieber zwischen zwei Frauen, die Brot backen, 
als zwischen zwei, die waschen. — Von den ersteren erhältst 
du frisches Brot, von den letzteren wirst du bespritzt. Be- 
kanntlich wird bei den Fellachen die Wäsche stark mit Prü- 
geln geklopft und gewalkt. 

30 L^Jj (»-^ i}";^-'-^5 ^'^■^. ^-^ ^UäJLj ß-lenliär ebtechreb betha 
uß-llel ebfeJirek zetha. 

Bei Ta^ richtet sie ihr Haus zu Grunde und bei Nacht 
verbrennt sie ihr Ol. — Von einer unpraktischen Frau gesagt. 

31 si>^£:L> Lxi CJ.J3 -yA^ •^^■■.j^ '■'' o:^*Jj Q-^ emenrcüikaatma '^erjet 
€771671 dahba7'at ma dsclüiaf. 

»Wenn sie flickt, geht sie nicht blos, und wenn sie wirth- 
schaftet, hungert sie nicht.« — Von einer fleissigen, sorgsamen 
Frau gesagt. Nach einer Erklärung sollen die Fellaheu eme7i 
für men^ min^ wer, gebrauchen. (Jedoch kaum im Sinne des 
Pronomens, vgl. No. 126; es steckt wohl eine (componirte?) 
Partikel im Sinne von »so lange als, als« darin. S.) 

32 ^Lj x:^*»Jüi l^f^=>^ ^-^-^ 1\.-l\x,S -li.-^^ chet elernaddale drä 
uchet elkaslime ba . 

Der Faden der ordentlichen (fleissigen Frau) ist eine Arm- 
länge, der Faden der fa\ilen aber eine ganze Körperlänge 
lang. — Eine fleissige Frau nimmt einen kurzen Faden zum 
schnelleren und dauerhafteren Nähen, da derselbe weniger oft 
durchgezogen und deshalb auch Aveniger abgenutzt wird. Die 
Faule dagegen nimmt einen langen Faden um sich das öftere 
Einfädeln zu ersparen, bedenkt aber dabei nicht, Avie viel 
Zeit sie durch's Ausziehen des langen Fadens verliert, Avie 



74 Lydia Einsler, 

sehr sie durch das öftere Ausziehen den Faden abnützt, und 
wie leicht er reisst und Knoten bekommt, Avenn er so 
lang ist. (Lange Fädchen, faule Mädchen 8.) 

3 3 Ja-^s-! J. ^L*~*M.^^ ui^Aj L^i- ^'uo sär Ulm hei umusmär ß-lliet. 

Sie hat nun ein Haus und einen Nagel in der Wand. — 
Man sagt dies, Avenn jemand aus einer niedrigeren Stellung 
in eine höhere gelangt und gross thut. Es wird dies oft ge- 
braucht von einem Mädchen, welches eine vortheilhafte 
Heirat gemacht hat und sich in Folge dessen nicht mehr so 
bescheiden benimmt Avie früher in ihrer untergeordneten 
Stellung. Der Nagel in der Mauer soll etwas festes, solides 
bezeichnen, an welchem selbst schwere Gegenstände aufge- 
hängt werden können, vgl. Esra 9, 8. Jes. 22, 23 — 25. Nie- 
mand weiss es besser als wir hier zu Lande, welche Bedeu- 
tung ein Nagel in der Mauer hat, da damit gewissermassen 
ein Eigenthumsrecht auf diese Mauer ausgesprochen ist. 
Dies gilt besonders für Kirchen, Klöster und ähnliche Gebäude, 
welche nicht einer Confession als Ganzes angehören, sondern 
in welchen seit Jahrhunderten durch den Gebrauch sich 
Rechte herausgebildet haben, Avobei ein Theil der einen 
und der andere Theil einer anderen Confession angehört. 
Dies ist der Fall bei der Grabeskirche oder der Kirche in 
Bethlehem, auf Avelche Gebäude fast alle christlichen Con- 
fessionen Eigenthumsrechte haben, so ZAvar, dass einzelne 
Räumlichkeiten specielles Eigenthum der Griechen, Lateiner, 
Armenier u. a. sind, Avogegen andere Avieder im gemeinsamen 
Besitz sämmtlicher christlichen Confessionen sind. 

So Avurde mir beispielsweise erzählt, dass der Hof vor der 
Grabeskirche Gemeingut sei; da es nun sehr nöthig Aväre, 
dass er frisch gepflastert Avürde und jede Partei es thun 
möchte, so geschieht gar nichts aus Furcht, es könnten in 
Folge davon Eigenthumsrechte geltend gemacht Averden. 
Welche Bedeutung das Einschlagen eines Nagels hat, be- 
zeichnet folgender Vorfall: Bei der Vorbereitung zur Feier- 
lichkeit zur Fusswaschung am Gründonnerstag, Avelche von 
den Griechen im Hof vor der Grabeskirche vorgenommen 
wird, Avollten dieses Jahr die Griechen in eine den Armeniern 
gehörende Mauer einen eisernen Nagel einschlagen, um eine 



Arabische Sprichwörter. 75 

Laterne daran zu hängen. (Wie heute noch zu sehen ist, haben 
sie Nägel in ihre eigenen Mauern geschlagen und Laternen 
daran gehängt). Die Armenier erhoben dagegen Einspruch, 
die Griechen achteten nicht darauf, es kam zu einer Schlägerei 
und erst durch das Dazwischentreten des Paschas wurde 
Frieden gemacht und den Griechen bedeutet, dass sie kein 
Recht hätten, in eine den Armeniern gehörende Wand einen 
Nagel einzuschlagen. Eine hierher gehörige Geschichte wird 
auch in der arabischen Anekdoten von dschoha '), welcher 
als findiger Kopf bei den Arabern sprichwörtlich ist, er- 
zählt. Derselbe verkaufte sein Haus, eine aus einem Zim- 
mer bestehende Fellachenwohnung, behielt sich jedoch dem 
Käufer gegenüber das Recht vor, dass ein Nagel in dem Haus 
als sein Eigen thum bleiben solle; alles andere sollte dem 
Käufer gehören. Dieser ging ruhig auf die anscheinend 
leichte Bedingung ein. Als er aber das Zimmer beziehen 
wollte, fand er, dass dschoha mitten im Zimmer einen grossen 
Nagel eingeschlagen und an diesem ein Aas aufgehängt hatte. 
Er musste ihm natürlich viel Geld und gute Worte geben, 
damit er den Nagel aus der Mauer entferne. Daher kommt 
die übliche Redensart wated dschoha^ wenn z. B. jemand ein 
Stück Land verkauft, sich aber einen gewisssn Theil behält, 
weil er sich sagt, der Käufer werde mit der Zeit auch dieses 
Stückchen haben müssen und dann könne dafür jeder Preis 
verlangt werden. 

34 Q^i^Ji i,i:a.^\j K^lj ^ "^3, ^jlXJLj ÄJ.i'Lo ^ "^ lä hi mäkle bidden 

wala hi naime taht erridschlen. 

Sie nährt sich nicht, indem sie Schulden macht, und liegt 
niemand zu Füssen. — Von einer ehrlichen Frau, die sich 
auf achtbare Weise ihr Brot verdient. 

35 ^S' i_.Al>oi —\. Lo ^J^», 0;> Jo^i' J^y to ^j^i wen mä ruh essall 
dscharaf uwen ma reih elkelh haraf. 

»Wohin der Korb geht, arbeitet er, und wohin der Hund 
geht, bellt er. — Ein fleissiger Mensch findet stets Arbeit; 
ein fauler ist stets unnütz, wie das Hundegebell.« — (So die 
Originalerklärung. Statt »arbeitet er« wäre besser zu über- 

1) Diese Erzählung findet sich in den bekannten arabischen und tür- 
kischen Anekdoten von dschoha nasr-eddln meines Wissens nicht. S. 



76 Lydia Einsler, 

setzen: liest er zusammen: her ef i^t nur aus Cuche im Sinne 
vor »babiller« bekannt S.) 

36 li^Li-^ L_j 5; L-a Jjb. i^üi o^A^i^ e/(^e/ elli rahhäm ma harab 
uchallänt. 

Die Familie, die micli erzogen hat, ist nie davon gelaufen 
und hat sich mir nie entzogen. — Die Heimath geht über alles. 

37 J»AvCi.;;j Lxi Ja:<\.Äj Lxi (Jvji iAJ! elul elli ma hithott ma hitscMl. 

Die Hand, welche nichts hinthut (leistet), wird auch nichts 
davontragen (erwerben). 
3S .>^i> ^äJiÄj« .^3> tV.4-£^ emal eher uhfilhi eher. 

Thue Gutes, so wirst du Gutes ernten. (Die Aussprache 
tilJil statt des gewöhnlichen tilkä wurde ausdrücklich 
als dem Dialekt der Fellachen eigen bezeichnet. Das Sprich- 
wort ist häufig S.) 

39 .^^jS\ ^ [c'^)^ y>.^ i}-*-^^ emal eher uirmih ß-lbahr (Text u 
irmi ßl hahar). 

Thue Gutes und wirf es ins Meer. — Erwarte keinen 
Dank für erwiesene Wohlthaten. (Vgl. Socix, Ar. Spr. 
No. 544; Kall 291 S.) 

40 F-»i N^».-^ »*Aj p,».^ ^*.j.i-i elnharlh h'irüli hidclo tidet ruh 
(Mscr. roh). 

Der Fremde geht (reist ab); desshalb muss man Geduld 
mit ihm haben. 

4 1 ,AX2,j iJ\ jju ^*-!^^ w*.j^ii^ elgharlh ctma tcalaii (Mscr. uala) 
imio baslr. 

Ein Fremder ist blind, obwohl er Augen hat. (Vgl. Socin, 
Ar. Spr. No. 194; Kall, 325; Spitta, Gr. S. 501 S.) 

42 L*M.Xi-! L-o-ÄJi U u^Äc 'ukb mä inkarasu ehtarasu. 

Nachdem sie gebissen worden waren, nehmen. sie sich in 
Acht. 

43 d^X-^j u*""^^ Aä-y:^ (^»1.^ >^Aj Q-i" 7iä7i biddak ethäici clefaJc 
kaniiis betak. 

Wenn du deinen Gast fortjagen willst, so lass dein Haus 
kehren. — D. h. mache ihm seine Umgebung unangenehm. 
Das Kehren wird als Zeichen der Missachtung empfunden. 



Arabische Sprichwörter. 77 

44 ^_^ii! Li!!^ l^xA .^t o'^-^^ {^-^^■^A c5"^ '*•'* wia scAee lichclii baläsch 
gheir el^ama ivattrasch. 

Nichts kommt (bekommt man) umsonst als die Blindheit 
und die Taubheit. ^ - .. 

45 \j\^\ ^'.^=> ^^ I ir'_^ L.^ h^jäJI ^•l.v^.is- ehscib elkarüjü mä 
hncaßh ala ehscib essarcijä. 

Die Rechnung der Dörfer (Dörfler) stimmt nicht mit der 

der Regierung. — (Mscr. biwafku; viell. ist v'--^'^^ die Rechner 
zu lesen. Vgl. Jewett, No. 117 S.) 

46 ■yj.:<^h.l\ (J.C O-öil ijr^J '^cassi elkird al-teJfm (besser wohl 
\vttelnn S.). 

Lass den Kobold (Teufel) auf das Mehl Acht geben! — 
Mach den Bock zum Gärtner! 

47 ,*clxj\ «Axj *.jI-^^ JLxj ^^\ ^j .^\\ \^\\h Ij ja txdeb eschscharr 
bald asl faäl lassäim bad eVasr. 

Der du Streit suchst ohne Grund, komm zu dem, der 
fastet um die Vesperzeit. — Da die Muslimen im Ramadan 
den ganzen Tag über sich der Speisen enthalten müssen, sind 
sie gegen Abend missmuthig und schlechter Laune. 

48 l-i*-_^>-J" "^^ '-^J (j.^^ ( 'Y^'i^ ubsok al td ivala etbUsha. 

Spucke lieber auf die Hand, als dass du sie küssest. — Fühle 
berechtigten Stolz. 

49 JA^/XllJ L.j^ilc ic^'-^^^ ki^l_j (J^£ b.i:i:==- '-r^^ U.*:2*j ,Aääj. \.a ^^l\ iAJI 
elld ein ma btikdar (Mscr. btigdar\ so öfter) eCoddha busha 
hoUhd, ala rüsak uid'^i aleha lilkasr. 

Die Hand, welche du nicht beissen kannst, küsse, lege sie 
auf deinen Kopf und stosse den Wunsch aus, dass sie zer- 
brochen werden möge! — Die Hand des Nächsten sich auf 
den Kopf legen, ist Zeichen besonderer Ehrerbietung. (Zum 
Sprichwort vgl. Socin, Ar. Spr. No. 140; Landberg, S. 25; 
Kall 654; Vassalli, Motti 29Ü S.) 

50 ^-»-^ ^K^^L S,~>'j ^c^^^\ ^■^^ i3 ^_^lxil ,j*/j^ büs elkelb ß' tummo 
ta tochod (jharadak minno. 

Küsse den Hund auf die Schnauze, um deinen Zweck bei 
ihm zu erreichen! (Vgl. Jewett, No. ISS.) 



7S Lydia Einsler, 

51 i»c Ij «.A4.^xj w^Kji jLXx^j ^J^j\ ein biUäz eUcelb hisammlh [Mscr. 
hisami) Ja amm. 

Wer deuHund nothwendig braucht, ruft ihn mit Onkel an. 

52 ^c->j>.-i u^*t^^ ^l■♦.i^^^}.£: ^'-^ÄAj Lo jJJl e//2' W2ä bikdcir '^alelimlir 
hiodd elherdaa. 

Wer über den Esel nicht Meister wird, beisst dessen Sattel. 
(Vgl. SociN, Ar. Spr. No. 104; 165 S.) 

53 A:l./*^l.j dV-w.S^ «.LiÄJ' 'b5 ^r^v^l isha la tihtd rcisaJc ß-lsänak. 

Gieb Avohl Acht, dass du dir nicht mittelst deiner Zunge 
den Kopf abschneidest (durch unüberlegte Worte Schuld an 
deinem Unglück wirst). 

54 ■i)jS^ ^t dV*.^:^ ^iV..:>>j U ma hihohk dschismak gher dafrak 
(sie). 

Nur der eigene Nagel thut dem Körper, wenn er ihn kratzt, 
wohl. — (^^gl- SociN, Ar. Spr. No. 114; Kall 467; Spitta, 
Grammatik, S. 503, No. 131 S.) 

55 ^^j-ii^ H-^i ^ 5 »iJ^J -:^*-^ sche'ir haladak ivala kamh qha- 
rlh (sie). 

Die Gerste deiner Heimat ist besser als der Weizen aus- 
w'ärts. — Wenn einer zu Hause leben kann, soll er nicht aufs 
Ungewisse in die Fremde gehen, um seine Lage zu ver- 
bessern. Vgl. No. 56. 

56 ^_^yvUjt ^^i ^5^ liJAij .,Lj zuicän haladak wala kamh ennZis. 

Der Abfall deiner Heimat ist besser als der Weizen anderer 
Leute, — Die Fellachen sehen es nicht gern, wenn ein junger 
Mann ein Miidchen aus einem fremden Dorfe heiratet, zuivcm 
Al)fall aus dem Weizen, Geflügelfutter (eig. = Lolch; zum 
Sprichw. vgl. Sonx, Ar. Spr. No. 49S; Teslije S. 10 S.) 

57 ii]j>5Ai>^ ^£ -li=>3 iiAlj ^^ LXi> chod tln haladak uhott al- 
achdädak. 

Nimm Lehm deiner Heimath und leo^e sie auf deine Wange. 
— Deine eigene Erde 'Heimath) soll dir lieb sein. Vgl. 
No. 99. (Vielleicht steckt noch ein tieferer Sinn darin; 
übrigens steht im arab. Text q:^j ; in der Transcr. sind t und 
/ nicht unterschieden S.) 

58 v_ jLxjCj! jj.c »3^3 v''-^3 -^^ ^ '^^^ er* min hc d ma kiher uscliZih 
tcaddUh (Mscr. iiadu) alkuttüh. 



Arabische Sprichwörter. 79 

Nachdem er gross geworden Avar und graue. Ilaare be- 
kommen hatte, hat man ihn in die Leseschule geschickt. — 
(Vgl. 8ocm, No. 588 in ZDMG. 37, 199 S.) 

59 ^ V;*^ J-"^^' Jt^■^^^ l*r^*j taUm elekh'ir mitl darb elharmr. 

Einen in Jahren Vorgerückten etwas lehren zu wollen ist 
gerade so wie wenn man Esel prügelt. Es kommt nichts da- 
bei heraus. 

60 U'*^-*-;^^ ^ L/iXxAj ^j\ ein hinscharZi ma hinsclialiZi. 

Was sich (mit Geld) erkaufen lässt, ist am wenigsten begehrt. 

61 (j^wäi b d^<»^iJ '^» e/^Jj^ Äxbäj ihkafa karafs xoala halüneh ja 

nafs. 

Lieber bloss imi einen Para Sellerie (essen) als sich er- 
niedrigen (die Ehre preisgeben und betteln). — (Zu kafa eig. 
kit'^a vgl. DozY S. und ZDPV. 5, 2S; Seetzen, Reisen II, 
289; zum Sprichwort Socin, Ar. Spr. No. 363; Landberg 
S. 270 S.) 

62 --^äil 'L^■&'^ (c'-^^'^r ?-'■*■' '^»^^^ ihkafa tuffäh btikdi schahwet 
elf allall. 

Wenn der Fellach um einen Para Apfel hat, ist sein Gelüste 
befriedigt. — D. h. er ist genügsam. 

63 >_^A.>\^j ^}!^\ ii^-^^ ^r^rlj^ {'jy^'"^ essTik karlh usalümet elli 
hldschlh. 

Der Markt ist nahe, und Gott erhalte denjenigen, der holt! 
— D. h. Gott erhalte das Haupt der Familie, und lasse ihn 
so viel verdienen, dass man kaufen kann, was man sich 
wünscht. Die Araber halten sehr viel darauf, dass man, 
wenn nur irgend möglich, sich dasjenige, was man wünscht, 
kauft, z. B. Esswaaren. Sobald eine Frucht frisch auf den 
Markt kommt, soll man davon kaufen, Avenn es auch noch so 
wenig ist und den Kindern davon zu versuchen geben. Vgl. 
No. 64. 

64 ^Uü>5i i3^^J jl-*j"^' (J»^ amcal elatmär hitauivil elamär. 

Die Erstlinge der Früchte verlängern das Leben. — Aber- 
glaube. (Wahrscheinlich hängt damit auch die Sucht zu- 
sammen, die Früchte halbreif zu pflücken; vielleicht ist aber 
auch ein Zusammenhang mit Erstlingsopferu vorhanden S.) 



8 Lydia Einsler, 

65 'jL^ o.s^'^; 'jl-'«3 'jL^ q:^j him hZmä umäna rZthat elhcinä. 

Zwischen Haiia und Mana haben Avir unseren Bart ver- 
loren. — Ein Mann hatte zwei Frauen, eine junge und eine 
alte. Die junge, welche wünschte, ihr Maim möge jung aus- 
sehen, zog ihm alle grauen Haare aus, die andere alle schwarzen. 
— (Vgl. ZDMG. 37, 198 No. 578, woselbst sich die ent- 
sprechenden Citate zu diesem Spruche finden; dazu bes. 
Landberg, S. 216 S.) 

\y^i>^'J.^ <^\j.^:j\*, a^JS olj.*« ^\ x^^^i ja tüihben elbasale ulib- 
bJiä,^ Ja tctih ß-rriha elminitne walivähad ma bldschih (Mscr. 
bidschi) illa saioäd ehcudsch icalchaivät bitmlahü. 

O du, der du dich zwischen die Schale und den Kern der 
Zwiebel verirrst, dubegiebst dich in einen üblen Geruch, und 
hast nichts davon als Beschämung; denn die beiden (wört- 
lich Schwestern) versöhnen sich doch miteinander. — Warnung, 
sich in fremde Angelegenheiten einzumischen. Vgl. No. 67. 

67i^>■r^'^! ^.rs^. .JLj (}.^=>^-.> \> -»jH^-'» (J^^>-' ,-T*J J«'^*^ ^. ja dächet 
ben elbasal wattom^ ja dctchel birr'ilia eschschina (sie). 

O du, der du dich zwischen Zwiebeln und Knoblauch ein- 
drängst, wie begiebst du dich in einen üblen Geruch! — D. 
h. hast nichts als Undank. (Die Lesart des Traiiscriptions- 
textes ist wohl der des arabischen Textes vorzuziehen und in 
letzterem K*^^^ zu schreiben S.) 

68 ^.^'9 j^ f^}) qI-^ q^ inkUn rüjeh kalter malZijeh. 

Wenn du weggehst, so übe (zuvor) eine Anzahl guter 
Handlungen aus! — Wenn jemand sein Haus oder seine Stel- 
lung verlässt, soll er alles in Ordnung zurücklassen, 

69 ^oLä yS ^^}^ o'^o' i^^^^^^^^ rüjeh katter kabüjeh. 

Wenn du weggehst, kannst du (zuvor) noch eine Anzahl 
schlechter Handlungen ausüben. — Dies wird von einem 
schlechten Menschen gebraucht, der vor seinem Weggang 
noch alle möglichen Vortheile zieht. 

70 (_p)^ i_y^>Äj (xÄOjfiJL) [jp-s-^ '^^r^ Ijahbe iJjird (bilhirda) ebte- 
chreb ard. 



Arabische Sprichwörter. 81 

E in geborgtes Saatkorn zerstört ein Feld. — Der Lancl- 
mann, welcher anfängt Korn zu entleihen, kommt immer 
tiefer in Schuldenmacheu hinein. 

71 -Ä.» v.L>..=^^^^ U -^\ 1-^|>-^ li'^f^'? '■'' ^-^^ V?^ föb eVire ma 
hidaffi law-inneha immi ma estahat mintii. 

Das geborgte Kleid giebt nicht warm; wenn es meine 
Mutter wäre (die es mir geliehen hat), so hätte sie sich nicht 
geschämt (es zurückzuverlangen). — Ich war einst zu einer 
Hochzeit in Bethlehem geladen; wir standen nach der Trau- 
uno- vor der Kirchthüre, um zu sehen wie die Braut auf ein 
Pferd gesetzt und so durch die Strassen in ihr zukünftiges 
Heim geführt wird. Ihre Mutter kam auf mich zu und bat 
mich auf einige Augenblicke, ihr verschiedene Schmuckgegen- 
stände, die ich an mir trug, zu leihen. Als sie sogar meine 
goldene Uhr haben AvoUte, sagte ich: »nein, die gebe ich nicht 
aus der Hand, die ist mir zu werthvoll«. Da Hess sie mich 
in Ruhe; als Avir Abends nach Hause gingen, gab sie mir die 
entlehnten Schmucksachen zurück. Es that mir leid für die 
Braut; diese Avürde sich der Freude hingegeben haben, dass 
die Gegenstände nun ihr gehörten. Thatsache ist, dass sehr 
oft später der Bräutigam diese entlehnten Gegenstände er- 
setzen muss; die Bravit giel)t sie nicht her, bis sie ihre eigenen 
bekommt. 

Manche Leute sagen statt hidaffi: mit bidTim. (Die Bedeu- 
tung des Spruches Avird klar durch Socin, Ar. Spr. No. 72; 
vgl. dazu Zeitschrift der D. Morgenl. Ges. 37, 191; daraus ist 
auch ersichtlich, dass der ZAveite Theil des Spruches von dem 
ersten eigentlich zu trennen ist S.) 

72 »jax]5 ^J^•^^ ^^ »^AA*^^1 \j^-^ libs elhafire wala libs ef'ire. 

Es ist besser, sich mit einer Strohmatte zu bekleiden, als 
ein geborgtes GeAvand anzuziehen. 

73 Qr^-^f^»^^ pj-''--^ L?'^'^ O^"* l5"^ "^ hall seht den hattä dniTi ei- 
genen. 

Alles beruht auf Vergeltung; sogar dieThränen der^lugen. 
— Jede Gefälligkeit erfordert einen Gegendienst. Wie aus 
den Hochzeitsgeschenken, die jemand erhält, für ihn die Ver- 
pflichtung erwächst , gelegentlich ein Gegengeschenk zu 
machen, verhält es sich auch bei Traueranlässen. Bei einem 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. (> 



32 Lydia Einsler, 

Todesfall stellen sich alle Bekannten und Freunde, sogar aus 
den benachbarten Dörfern ein, um der Familie ihr Beileid 
auszudrücken. Sie Aveinen laut, schreien, raufen die Haare, 
zerreissen die Kleider, färben die Gesichter mit Russ, schlagen 
an die Brust; die Frauen fahren mit aufgelösten Haaren eine 
Art Tanz auf Auch dies erfordert, dass man bei Gelegenheit 
den Besuch in ähnlicher Weise erwidert. 

74 -r^Jt^ LPJs.j -aJ!j, Ä.jy.^1 elmoje ß-lhir hiddha tidlnr.] 

Mit dem Wasser im Brunnen muss man sparsam umgehen. 
— Bekanntlich versiegt, wenn der liegenfall spärlich war, 
das Wasser in den Cisternen oft ganz. 

75 ^j^s ^^^ ls^'- ^^ j— '' '^ ^j-^ er Jnati schirib min elbir lä 
jirmi hadschar f'ih (Mscr. ß). 

Wer von einem Brunnen getrunken hat, wirft keine Steine 
hinein. — Ermahnung gegen Undank. — (Vielleicht ist eher 
zu übersetzen: Wenn jemand aus einem Brunnen trinkt, so 
soll er keinen Stein hineinwerfen. (Vgl. Socik, Ar. Spr. 
No. 385; Kall GS; Vassalli, No. 72 S.) 

76 !>-^^^ ^^*J' ^ ißi^^xA ^AS d^j -/« A^S ^^^5 eschscJiaher elli mä 
ilaJcsch f'ih (Mscr. /') maüsch lä t'^iddsch ijämo. 

Zähle die Tage des Monats, an welchem du keinen Lohn 
erhältst, nicht. D. h. Man verhält sich gegen etwas, aus dem 
man keinen Nutzen zieht, gleichgiUig. (Vgl. Socix, Ar. 
Spr. No. 410 S.) 

77 .i^sLvJl Li*>».j "^ *.>».jA,5 sL^ji eschschü ehnadbüha lä j'u- 
^ . ■ ^ ■■ ^ • • </ 

dsclieliä essalch. 

Dem geschlachteten Schaf thut es nicht mehr weh, wenn 

man es abhäutet. — Wer viel Unglück hat, wird stumpf. 

78 ^*5^LC^Ji ^^y-^- LP^'^'iJ- «j^-' Q^^ ^'^' iza kän elbakara fi-lard 
biktaru essakükm. 

Wenn die Kuh am Boden lies^t. kommen viele Messer zum 
Vorschein. — Wenn jemand ins Unglück kommt, finden 
sich viele, die über ihn herfallen. (Vgl. Jewett, No. 43 S.) 

79 j^ÄA.i.i (*^*^:- j^^> jr>->-^-^ V/^^ udrob elekblr tä itallam elez- 
ghlr (sie). 

Schlage den Grossen (das ältere Kind), damit der kleine 
(das jüngere) lerne. 



Arabische Sprichwörter. 83 

80 ä./5 äj.Ai2i5 eddurra murra. 

Die Nebenfrau ist bitter. — In der Regel ist die erste 
Frau eines Muslim auf eine zweite, die ihr Gatte nimmt, im 
höchsten Grade eifersüchtig und trachtet darnach, sich die 
Liebe ihres Mannes zu erhalten. Man gebraucht das Sprich- 
wort dementsprechend auch, wenn man einen Gegenstand 
verloren oder verlegt hat und sich, nachdem man ihn lange 
vergeblich gesucht hat, dazu entschliesst, ihn durch einen 
neuen zu ersetzen, in demselben Augenblick aber den alten 
findet. Man meint, dass der alte Gegenstand sich finden Hess, 
weil er eifersüchtig geworden ist, dass man ihn durch einen 
neuen ersetzen wollte. 

81 ti^-=i -}•, La^Ic ^o» liX^iXj \.A i;>L> hüdsche ma hithinwiak 
wassi aleha dschöz immak. 

Eine Sache, auf die du keinen Werth legst, musst du 
deinem Stiefvater empfehlen. 

82 ü^L> |j li^Alü (5^»«'^ •^■*-i y ^(r^^ L5-^-^^ elhaki aleki Ja kinne 
walmana aleki Ja dscJiära. 

Die Worte sind an dich, o Schwiegertochter! gerichtet; 
sie gelten aber dir, o Nachbarin! — Vgl. No. S3. 

83 ^'-^S Lj ^^x■k.^j [^*-^ Lf"'"'*"^ " '^^■^ i-^j-äj bakuUek Ja hinü ta 
tümai Ja kintl. 

Ich sagte es dir, o meine Tochter! damit du es hörst, 
Schwiegertochter! — (Vgl. Socm No. 554 in ZDMG. 37, 197; 
Teslije S. 20 S.) 

elhamcd himmi ubint elltamiii akrabe emsammi ubint bint el- 
hamüi mä btetsammi . 

Eine Schwiegermutter ist ein Gift und ihre Tochter ein 
giftiger Skorpion; die Enkelin der Schwiegermutter aber lässt 
sich gar nicht benennen. (Statt Gift bietet die Orginalüber- 
setzung: Last, was sprachlich unmöglich ist S.) 

»— *.r?ö' '^_5 v^-^^'i' ^ Vy^ wva:2£ b-^l^ V*^' (äl^l) 'i^ mart eldb 
aleha ghadab errabb lä bethobb icaJa btenliabb. 

Auf der Stiefmutter ruht der Zorn Gottes; sie liebt nicht 



85 



und Avird nicht geliebt. 



6* 



84 Lydia Einsler, 

86 (^'5^ "^^ (J^^J ;»^ *-aJ^ «// i?n}7i tibJci ivalä immi. 

Tausend Mütter mögen weinen, nur nicht die meinige. — 
Ausdruck des Egoismus. (Vgl. Socm No. Ou5 in ZDMG. 37, 
200; Jewett, No. 163 S.) 

lömäni rakkahtak aduliri mä di'it scliu fi churdschi. 

Wenn ich dich nicht aufdem Rücken meines Thieres (wört- 
lich: meinem Rücken) hätte reiten lassen, so hättest du nicht 
erfahren, was in meiner Satteltasche steckte. — Ausbeutung 
der Gutmüthigkeit. Meine Eltern hatten eine Magd, welche 
sich seit Jahren ihren Lohn zurückgelegt und dadurch ein an- 
sehnliches Sümmchen erspart hatte. Sie wendete dieses Sprich- 
wort an, als sie mir erzählte, dass sie um ihr Erspartes ge- 
kommen sei, da sie unvorsichtig genug war, ihren Verwandten 
etwas davon zu sagen. Dieselben verstanden es, unter Vor- 
spiegelung von allerlei Nothlügen und Bedürfnissen ihr mit 
der Zeit die ersparte Summe abzuschAvatzen. 

88 ^J^AJJJ^ IJ..VO3, ^^jAiJ^ Üb 5 akalna elliadlje iikasarna ezzibdlje. 

Wir haben gegessen, was uns angeboten wurde, das Gefäss 
jedoch (in dem es war) zerbrochen. — Undankbarkeit, wenn 
man z. B. ein Glas eingemachter Früchte zum Geschenk er- 
hält, sich aber dafür nicht bedankt, und auch das Glas nicht 
zurückgiebt. (Vgl. Landbeeg S. 50 S.) 

89 \J^.f^^:^ ^^^- Lf"^^^ L/^:^.^ H \J^t^ '^ isch Ja igdiscJi ta Jetld 
elhaschisch. 

Du musst am Leben bleiben, Gaul! bis das junge Gras 
gewachsen ist. — Vertröstung, wenn man auf etwas lange, aber 
vergeblich wartet. Ebenso No. 90 und 91. 

90 / £f.Aixj^ li^r:-?-?. i^*-^ -^^ ti o_j.x) müt ja eJpnär ta idschlk el- 
lillk. 

Du kannst sterben, Esel! bis dein Futter (Futtersack) 
kommt. (Vgl. auch No. 173; dazu Jewett, No. 210 S.) 

91 oLx) ijo.^Äil 'ii\ i'j'^j*^^ er« n'i^j-^-^^ '•^^ L/5 mU adsrha etferjcik 
mm erircik ilä (Mscr. ile) elmakrliis mat. 

Bis das Lebenselixir aus Irak kam, war der Gebissene 
schon tot. — (Vielleicht wäre besser Wa zu lesen S.) 



Arabische Sprichwörter. 85 

92 (i^ÄÄj oLaäJ!^ J^ääj ,j.s./^xj\ efa^für hitfalla tvassaijäd hithallä. 

Der Vogel putzt sich die Federn ruhig, während der 
Jäger in der Hitze bratet. — (Vgl. Socm, Ar. Spr. No. 158; 
Kall 280 S.) 

93 n j^ ^h's6\ o'^^^^/ixil^) \l^x! |£.lx: c>•rv^•'^ w*.>La5 sä/n'6 elbTd amahlö 
ivaschschahhäd inkatd daliro. 

»Der Hauseigenthümer hats nicht eilig und dem Armen 
bricht der Rücken.« — (Der Hausbesitzer kann gemächlich 
leben, während ein armer Kerl von allen Mitteln entblösst 
ist S.) 

94 ^L.*xj JLi( i.^=>L<o saliih ehnZil fabcm. \ 

Wer Geld hat, ist lässig. — D. h. nicht strebsam und nicht 
gefällig. 

95 ,.,Lj,£ Lj \j^^i dU i--*.A> QL.:^xJi^ *.:>^l.j^ iJAj hadal ellahm 
walbetindschcm dsclnh-lak kamts ja arjcm. 

An Stelle von Fleisch- und Eierpflanzen schaff"e dir lieber 
ein Hemd an, o du der du bloss gehst! — Von Leuten gesagt, 
die schlechte Kleider tragen, aber gerne gut essen und gross 
thun. 

96 ö-l'-'j-'^ J- !h c-Lj (J>c c>.J^ Lx) 7nant ahall ja fax ghurhati. 

Du kommst mir nicht in den Sinn, du Schatten meines 
Siebes. — Von etwas Geringem, Gleichgiltigem. 

97 ^*i> (AjcX.il ^5 •A^\.A ^^ä-xXc d^ä'^Xc aükak, aükak, ma-lak ßl- 

edsrhdld eher. 

Hab Acht auf das Alte (was du schon besitzest), das Neue 
bringt dir kein Glück (ist nicht besser, als das Alte' . 

98 ^-J ;»«Aj \.a AjaII tikÄAXc iiä=>i ehfaz (Mscr. ehfan) aftkak 

eddschedul mä idüm-lak. 

Halte an dem Alten fest; das Neue bleibt dir doch nicht. 
— (Vgl. Landberg, S. 286 S.) 

99 5^JL> ^4.j■ ij. (»>i:iLAajj i^'Xi\ji cX.=>^ J^i kull \oiihad ebzakto fi 

tummo helwe. 

Jedem schmeckt der Speichel seines Mundes süss. 

100 \U*J^ J. t^l\ «^.j ^Ä> ^,j^Aii J. Vj-^^ udrob fi-lbür ta iridd 
ein fi-tamar. 

Rufe ins Brachland, damit man dir aus dem bebauten 
Lande Bescheid gebe. — Man hat sich, um an eine hohe Per- 



86 Lydia Einsler, 

son zu gelangen, an deren Untergeber zu wenden. (Hat 
udrob wirklich die Bedeutung: rufe? S.) 

101 ^-o-i wjLj ^X^Xj; xX.:^ J.Xft;=i'o ^'■^=^ tu tethaftal Imnne htet- 
sakkar häb eldschenne. 

Bis Hanna sich herumbewegt, geht die Thüre des Para- 
dieses zu. — Von einer Langsamen, Trägen; ebenso No. 102. 

1 02 JjÄ-^J j^^^sLäj! ^^ys.l\ oiäjs"^;j ^'^^ ta tethaffaf eVora elkädi 
hinezil. 

Bis die Blinde sich geschminkt hat, ist der Kadi abgesetzt. 
— (tS^j.ÄJi die Einäugige 8.) 

103 d^^jxj'i-ol (j^-r: ^^}-^ (^^'^ q5 in sallam alek '^idd ascihiek. 

»Wenn er dich grüsst, zälile deine Finger!« — Mahnung, 
vor gewissen Personen auf die Worte, die man spricht, Ach- 
tung zu geben. 

jZi räsi minnah tUsi tvaddinja mU minhä-schi, waddinja helwe 
murra tvalmerdscha ala alJah. 

»O du mein Kopf! aus dir ist eine Schale; von der Welt 
ist nichts zu erwarten; sie ist einmal süss, einmal bitter, und 
alles geht zu Gott zurück. — (Auf besondere Anfrage wurde 
erklärt, dass die Worte, welche mit: »aus dir ist eine Schale« 
übersetzt sind, nur des Reimes wegen da seien und keinen 
Sinn gäben. Ich habe schon der Reime wegen Bedenken 
gegen die Richtigkeit des Textes; übrigens reimt wohl auch 
der Schluss {murra-aUali)\ hehce murra ist ein Compositum 
= bittersüss S.) 

105 J>*äJS ^^^ u^-*"^' "^yj lola elamal enhata etamal. 

Wenn die Hoffnung nicht wäre, würde jedes Schaffen auf- 
hören. (Vgl. SociN, Ar. Spr. No. 501 S.) 

106 jA>*J») ^^c Li^s LieXi^ eddinja flha ^usrun icajusrun. 

»Auf dieser Welt haben die Dinge einen glücklichen und 
auch unglücklichen Verlauf«. 

107 ^3»-^-^' ^^ ^jt:^^. '■'» o-^•^•^^(i' ci^' eUi ß-lladan ma higheiro illa 
-Jhafan. 

»Was einem angeborene Gewohnheit ist, kann nur durch 
den Tod geändert werden.« (Vgl. Socin, Ar. Spr. No. 419; 
Kall 419; Vassallf, Prov. maltesi 63 S.) 



Arabische Sprichwörter. 87 

108 (Jl--i*-J^ c- ^^3 li'-^'o ^^■^^^.■x) raziten ß-lmcd icalZi fi-TejTil. 

Lieber zwei Calamitäten, die das Vermögen, als eine, 
welche die Angehörigen trifft. 

109^*ä-l qäj ,>:-^^j Q-r^-*'^' ^t^ [^^ \4X^^\ elJcilme elli hen etnen 
bitfir hen cdfen. 

Das Gespräch, welches zwischen zwei Menschen gewechselt 
wird, verbreitet sich bald unter zweitausenden. — Schwatz- 
haftigkeit; Mahnung, ein Geheimniss bei sich zu behalten. 

ilOi^cixjlc ;^ci^jLI:' b'^ J\:> La) nüidämu ana tUjescJi '^iijesch. 

So lange ich obenaufbin, bin ich am Leben. — So spricht 
jemand, dem es dem Anschein nach mit seinen Geschäften 
schlecht geht. (St. Li^^ j»'^ L/o ist wohl 1j5 ».xib U zu lesen. S.) 

111/ ^'t^Lj'Lj oi^.^ ( öj.av>,.'Lj (c-^^3 "^3 -^i^ {S^^} "^^ _b.cL.ü ^^s-^Aj ^ 
la tabicJd sehet et wala ibni '^üjet wala dschozi hizzehZth bddef 
bdicdd,h\ (die Lesart bizzekak verdient des Reimes wegen den 
Vorzug; dagegen steht in der Transcription^7 talak S.). 

Mein Essen brennt nicht an; mein Sohn heult nicht und 
mein Gatte schwört nicht auf der Strasse bei der Scheidung. 
— Dies ist einem älteren Mädchen in den Mund gelegt, das 
sorgenfrei lebt: mit dem Kochen braucht sie sich nicht zu 
beeilen; ein Kind hat sie nicht, und sie braucht auch nicht 
zu fürchten, dass ihr Mann in Folge eines unüberlegten, vor 
Zeugen ausgestossenen Fluches gezwungen werden könnte, 
ihr plötzlich die Scheidung zu erklären. 

xj^.xiiij, tlV.>:5»l müt taminni (Mscr.tand/d) abni akabrak kubbe\ 
mci bak'efsch ahobbalc. fiddmja^ sirt aliobbak fitturbe (schlechter 
Keim S.). 

Stirb! dann Avill ich dir auf deinem Grabe ein gewölbtes 
Grabgebäude errichten lassen; während du auf der Welt 
wärest, liebte ich dich nie: nun aber will ich dich im Grabe 
lieben. — So spricht ein Mann, der eine zweite Ehe einge- 
gangen ist, und sich in seinen Erwartungen getäuscht findet, 
in Bezug auf seine erste Frau. Der Spruch wird aber auch 
sonst von Leuten angewendet, die während ihres Zi\sammen- 
lebens nicht miteinander auskamen. 



Sg T.ydia Einsler, 

1 1 3 — -Ä-'^ "^S / i.r^J^ iA«j \.< mä bad edd'ih illa-lfaradsch. 

Nach der Nothlage kann nichts kommen, als die Erlösung. 
— Gottvertrauen. 
114—.»-^ „Lxä/5 ^AsJ^ essabr muftah elfaradsch. 

»Das geduldig Ausharren ist der Schlüssel zur Erlösung«. 
(Vgl. Socm, Ar. Spr. No. 373; Kall, 230; Teslije S. 12 S.) 
IIS.-.LT'J^ (J-» -AAjijt^ ...LL^.ii,ji ij-. Klji^^*-! efadschale min esch- 
scheitan icassahr min erruJimün. 

Übereilung kommt vom Teufel; geduldiges Ausharren von 
Gott. (Vgl. SociN, Ar. Spr. No. 271; Kall 271 S.) 
llCvS^^ "^^^ L>^'s. v.^-V>J^ Q^ Läj.5= harabna min eddalf iiu- 
ki%ia lallt elmuzräb. 

Wir flohen vor dem (durch das Dach) tröpfelnden Wasser; 
da geriethen wir unter die Dachrinne. (Vgl. SociN, Ar. Spr. 
Nr. 148; Vassalli, Prov. maltesi. No. 393; Landberg, S. 35 S.) 

117 ^L.":^! lfI-*5 ijl-'i^ (J^J;^^) 0";i^ "^ '-^:'j^ harabna min 
'^Ozrarn lähtma habbad elarivcili. 

Wir flohen vor Azrael; da begegnete uns der, welcher die 
Seelen in Empfang nimmt. — Azrael ist der Todesengel; es 
begegnete uns jemand, der noch schlimmer war, als der, 
w^elchem wir entfliehen Avollten. 

1 18 «;_j-=>l-Äj( o,*c L/o ».j.vwLjCI! "^i löma elküsüra ma "imret el- 

fUchüra. 

Wenns kein Zerbrechen gäbe, könnte das Töpferhandwerk 
nicht bestehen. 
119.^j .^xiS inkasar eschscharr. 

Das Unglück ist gebrochen. — Wenn etwas zerbricht, so 
tröstet man sich damit, dass man denkt, es habe ein Un- 
glück gedroht, nun sei aber das Schicksal versöhnt. 

120 4^^J ,..L.,«,il ^Ic ,.jL^^ ^XJ ^^^•'. ^ u^'T^i^-^ ^*:::^ dschaba! 
adichabal lä jelfaki, Icikin insTm ala insäfi jeltahi. 

Ein lierg kommt mit dem anderen nicht zusammen, wohl 
aber ein Mensch mit einem andern. — Die Welt ist klein; 
die Menschen begegnen sich überall. (Häufig; z. B. Jewett, 
No. 1()7 S.: 

121 (_>=ä,^ u^jjil "^5 i5^-=^ ij^Ä^lj ^ysa "bS lä teliid Jalemglianni ghanni 
walü larralkäs urkos. 



Arabische Sprichwörter. 89 

Sage nicht dem Sänger: singe, noch dem Tänzer: tanze! 
— Mache nicht zu viel Wesens aus den Leistungen eines 
Menschen ! 

122 l^j.^», ÄX;^iib ^J^ U^ifcj ^J^:> pß^^ '■'^■^r* clschihna elahrd 
ta juioannis7ia schalalt täJfifo uchauicafna. 

Wir hohen uns einen Kahlköpfigen herbei, damit er uns 
amusire; da zog er seine Schweisskappe vom Kopf und jagte 
uns einen Schreck ein. 

123 dV-^-:^^ i'i^^-^ ^ ^^'■^ ^4.^^A^ J.SC (ik/sio U mä dämah''cikil 
ivemsammä alek hol uhahlak enek. 

So lange du als klug giltst und der Name Gottes über dich 
gesprochen Avird (d. h. man dir Segen wünscht), so iss und 
mach die Augen gross auf! — Benutze deine angesehene 
Stellung und deinen guten Ruf! 

124 ^^c! ^'»■e c-^ÄJ^ \y=r- e^J -^^ sahh-lek dschoz uhetkuli anno 
divar. 

Du hast einen Gatten bekommen und behauptest von ihm, 
er sei einäugig? — Sei zufrieden und sprich nichts Schlimmes 
über ihn! 

125 »~^ v^.-^. *>J^j-^ ^) )^^^ eldschoz rahme latoinno idschlb 
fahme. 

Ein Ehemann ist eine Wohlthat, auch wenn er bloss ein 
Stück Kohle (als Verdienst nach Hause) brächte. — Eine 
Mutter ermahnt ihre Tochter, selbst unter bescheidenen An- 
sprüchen zu heirathen. 

r26c>^'i-XÄj \J>^^X^ö (q1) q^^ ^3i*"' L^-t-^-^ (o^) er fnen chata- 
büha efazzazat^ men dascJischarüha. etnaddamat. 

Wenn man sich um sie bewirbt, macht sie sich kostbar; 
wenn man sie ihres Weges gehen lässt, fühlt sie Reue. — 
(Vgl. Socm, Ar. Spr. No. 1 ; besonders aber Spitta, Gramma- 
tik S. 505; No. 153 S.) 

127 *>/*3^£ ^Lbl^i! ,i>^Äj \A*^ii Ja;<\^j ^ll\ elli hihott cflüso hint 
essulfän arüso. 

Wer Geld spendirt, erhält die Tochter des Sultans zur 
Braut. 

128 «.ijLs lXj Q-. c\i>'ü ^^ xjbU o^j Q^ iAi> chod mm td maläne 
walä tüchod min id färgha. 



90 Lydia Einsler, 

Begehre lieber etwas aus einer vollen, als aus einer leeren 
Hand! 

129 '^Ic '^ \j^^=>J\t; ^ILc i.lij\ ehjliäli ghüli icalerdßs Ici '^ascli. 
Was theuer ist, ist theuer; das Billige soll nicht erhalten 
bleiben. — Besser theuer und gut, als billig und schlecht. 

130 d^AÄÄJ^ L^ Ij dl-^i»;^ Lxi L i^^=>! L^ L ^i)!^Lc! \.a b ja, maghlak 
Ja malüalx^ ja 7narchasak ja manlasaJi. 

Je theurer, desto schöner, je billiger, desto mangelhafter. 

131 *\.^ä*l\ Q^ ^liLiP. L/a ^j^.\ ^^:^^i het essahe mä hichlctsch min 
etedZim. 

In der Wohnung des Löwen giebts immer Knochen. — 
D. h. Abfälle für die Bedürftigen. 

132 ^Xj^c U .\:>-» ^^ *.Äs.c j^' i<:>3, ivudsch en (sie) '^erifto tvalü 
wudsch mä '^erifto. 

Besser ein Gesicht, das du kennst, als ein Gesicht, das du 
nicht kennst. 

133v_jX<.1' „ .5 .>.-■>- O../0 möt eJhamlr feredsch lalekläh. 

Der Tod der Esel ist ein Glück für die Hunde. (Vgl. 
SociN, Ar. Sp. No. 126 S.) 

134 ^Z) ^\^\ %^ ^j.L\ ehywt md cnnlis rahme. 

Mit andern zusammen zu sterben ist ein Gnadengeschenk 
(Gottes). — Gebraucht bei Unglücksfällen, Avelche viele 
Leute treffen. 

135J>».äJ sj.iLX/i.j i^LaJI^ öy^ \fi-^\ Q-. min elhezme'^üdicalbäki 
jeschtZdüh eleh'üd. 

Aus dem Bündel ein Stück Holz; das übrige mögen die 
Teufel holen! — Dies wird von einer Familie gesagt, in 
welcher eine einzige Person ist, welche geehrt und geachtet 
ist, und in welcher die übrigen nichts taugen, 
136cjU^t ^y, |*A.A^j ^ l5^'-=^^ elhäici la jeslam min elhaijüt. 

(Selbst) der Schlangenbändiger ist nicht gegen (das Gift 
der) Schlangen gefeit. — Waghalsigkeit stürzt ins Verderben. 
137 Ä4.ij lw».*A2;c>^A^J (jiJCÄJS ^3 AÄ^j<"vi:i v_^<Äj j^lll ein binJcahb etlüno 
finnatesch bisfa/eb ilimmo. 

Derjenige, dessen Mehl in die Dornen verschüttet worden 
ist, wird es schwerlich wieder zusammenlesen können. — Für 



Arabische Sprichwörter. 91 

eine hoiFnungslose Sache. Eine Frau, welche man fragte, 
wie es ihrem schwerkranken Kinde gehe, gebrauchte dieses 
Sprichwort. 

138 *.J^'« (jj-c j_5^Äj (jj^>.i5 (oi-^j) ^_>2j nuss elhatn Jeghni an 
malMo. 

Den Bauch halb füllen genügt; er braucht nicht ganz voll 
zu sein. 

139 ^^xu\^ i^lc '^*.M^=>- ^j'^'S ^3 ;jj>:äf:ij ^li^ liULj ^^Ao darri 
hatnah ala ergh'ifen walct etdarri dschismak lila hidmen. 

Gewöhne eher deinen Bauch an zwei Brotfladen, als deinen 
Leib an zwei Kleidungen. — Sorge lieber für Nahrung, als 
für sonstigen Aufwand. 
140*.fiAai 1^.^ y*^ (jjl^äJi) jLj<.ü ii)jAi> ^^ci afi chuhzak lal- 
chabbäz (lalfarrän) walau sara/y nusso. 

Gieb lieber (als selbst zu backen) dein Brot (den Teig) 
dem Bäcker, wenn er auch die Hälfte davon stiehlt. (Vgl. 
SociN, Ar. Spr. No. 252 S.) 

141 i3l-> i^^j ^i ;l-^-'i '^j'-^^i 1"« tna hutrok ettär illa radlj-elchäl. 

Blutrache zu üben giebt bloss ein schlechter Kerl auf. — 
Wörtlich: einer, dessen mütterlicher Onkel schlecht ist. Man 
nimmt an, dass die Kinder dem Bruder der Mutter nach- 
schlagen. 

142 V*j-==" v'j-^ ^^ LivAÜ eddwj'a halü scharab charZib. 

Das irdische Leben wäre ohne Wein nichts werth. (Vgl. 
SociN, Ar. Spr., No. 521 S.) 

143 »>Jj.:>^ajS (J.£ ^ilS iL=> <Xi.\ ^A g-jJ^ Vj-^ (j^==- ta darah er- 
riJi ma ehnöje adscha elhamni albahrlje. 

Als sich der Wind mit dem Wasser schlug, litten die 
Schiifer darunter Noth. — Wenn ein dritter sich in den Streit 
zweier mengt, trägt er den Schaden. (? S.) 

144 |3^.^^^ c;^;i" bl ^-)) [j^-f'S^^ LI lamma ehlls zaraeh ana kunt 
msabbil. 

Als dich der Teufel ansäte , trug ich schon schöne Ähren. 
— Ich bin klüger, als du. 

145 t*)^ÄJiAAö (^>ai» ti^.w.fti ^^sc '^ukob nefsak cJniss essdikak. 

Nach dir selbst denke zuerst an deinen Freund! (Vgl. 
Landberg, S. 303 S.) . , • 



92 Lydia Einsler, 

146 xo.flj ^UjI ^i^. Jvs»!^ ^ kull vxüuid hidschurr ennar lakurso. 

Jeder zieht das Feuer zu seinem eigenen Brot. — Von 
Hirten auf dem Felde gesagt, welche an einem offenen Feuer 
Brot backen. Jeder sucht seinen Vortheil. (Vgl. Socix, Ar. 
Spr. No. 129; Vassalli, Motti, No. 440 S.) 

147 ^-i-A^Li- (i.£ ^Ax^j iiäJ! v^c^J. (i>J^ ein hila eb elkutt Jusbor 
\da charümlscho. 

Wer mit der Katze spielt, muss es sich gefallen lassen, 
von ihr gekratzt zu werden. 

148 ki.^*.lÄJ |^L^i5 ^^^jj o' ^''^ '"^*^Ä-J ^^;j'^t> '^^ i3-i /i'M// e//'i btizrao 
btiJylao amma in zarat inaan biklaah. 

Wenn du irgend etwas pflanzest, ziehst du die Früchte da- 
von aus dem Boden; aber wenn du einen Menschen pflanzest, 
zieht er dich heraus. — Von Undankbarkeit. Der Mensch 
ist im Stande, den, der ihm Verdienst verschafft hat, zu ver- 
drängen. Vgl. No. 165 (und Jewett, No. 2 S). 

149 i^^Ä^j ^i i^^LäjI dV.*j^i Q^ in gliarlmak elkädi lamin tischki. 
(Nach dem arab. Text tischfcki, was vorzuziehen ist S.) 

Wenn der Kadi dein Gegner ist, bei wem wdllst du dann 
Klage führen? — Halte es mit den Grossen. Einflussreichen! 



^o 



Jl 



150v^:>'-^' ;_c^= ^xXj L-0 ^;>äM efain mä htela alhädscheb. 

Das Auge kann nicht höher stehen, als die Augenbraunen, 
— Man soll bescheiden sein und jedem seinen Rang lassen. 

151 »^i:'?3 L/^Läii \^^. ^U^3) *;^ »sA-s*. U.P i^-« ^^. , c-Ui v'-^-^'' 
elbcih ein hidschik minno hawa siddo. la icallüli badscläb elf äs 
uhahiddo. 

Die Thüröffnung, durch welche dich Windzug trifft, musst 
du verstopfen. Nein, wahrlich, ich hole eine Axt und zer- 
trümmere sie. — Man muss die Ursache eines Übels gründ- 
lich aus dem Wege schaffen. (Vgl. Socin, Ar. Spr. No. 115; 
Teslije S. 13; Kall, No. 70; Landberg S. 260 S.) 

152 ^-.Ä^^^! i »^ ^^'^^ Lit ^^E ^ ^i. jlbXj ^]1\ ein bitt alle -li 
a ain ana baf lalle -lo ß-Uinten, 

»Wer mich mit einem Augen ansieht, den sehe ich mit 
zwei Augen an. — AVer für mich sorgt, den belohne ich 
doppelt. « (Die Erklärung scheint mir wegen der Construction 



Arabische Sprichwörter. 93 

der V. (?) Form von ^^^ mit ^^i und wegen •} an Stelle von 
V" nicht ganz sicher S.) 
153y>LXjS JU jit j^'^ftj' elfZuhclier akcil mlil ettädscher . 

»Der Streitsüchtige hat das Vermögen des Kaufmanns 
durchij;ebracht.« — Gesagt von einem, der sich durch unver- 
schämtes Auftreten fremdes Eigenthum aneignet. (Die Er- 
klärung ist kaum zutreffend, da fädschir speciell den 
»libertin« d. h. einen Menschen, der geschlechtliche Excesse 
begeht, bezeichnet; dann ist er wohl mit dem iüdschir ein und 
dieselbe Person S.) 

154 isi -j -j iÄÜ KaJJ) .^a s.».^ kcliara min dcmhat elchanzir harakc. 

Eine Borste aus dem Schwänze eines Schweines ist schon 
etwas. — Die kleinste Gabe von einem Geizigen ist schon viel. 

155 ■^'s-> |^j.A«J" s.x^iXj >s.Ä^ scharet ibscha ra hitsauioi daken. 

Ein Haar mit noch einem Haar machen einen Bart. — 
Man soll auch das Geringste nicht verachten und sparsam sein. 

156 iAIj i^'^'-^ ^'^^ jr^ ^h lXJ^jI elwalad walad laioinno kädi halad. 

Ein Kind bleibt ein Kind, wenn es auch der Kadi einer 
Ortschaft wäre. — Von einem dummen, u.nerfahrenen, unver- 
besserlichen Menschen. ' 
157^:^•^i^ ^y^ AijLäJI kO^^^LajI elhcirüde elfärgha hitchauwif 
einen. 

Ein ungeladenes Gewehr kann zwei Leute erschrecken. 
158^<^l2 ^^'^ ij>-^*J ^"^LÄji eJfädi he mal Judo kädi. 

Der Unbeschäftigte macht sich zum Richter. — Er hat 
Zeit über die Schwächen anderer nachzudenken und sie zu 
verurtheilen. 
159qL^^^j' 3^c ^,s!^l\ ettafrän adu essulfßn. 

Wer keinen Pfennig besitzt, ist der Feind des Sultans. — 
AVer aus Leichtsinn alles ausgiebt, Avas er erwirbt, kommt 
nie in die Lage, etwas für den Staat zu leisten; wenn er 
wegen eines Vergehen ins Gefängnis kommt, so muss der 
Staat noch die Kosten tragen. 

160 ^J/^<X^'S Va (j^j !^Lj .\ä^ cldscJtenne hula näs mti htendüs. 

Das Paradies, ohne dass Menschen darin sind, ist nicht zu 
betreten. — Der schönste Ort ohne Menschen ist nicht schön. 
Man braucht dies von Festen, die schwach besucht sind. 



94 Lydia Einsler, 

161 (^jr^i '^j^ J-^ <3;-^^ ^j»j l^ 77ia bteraf cheri gher tdschar- 
rih gheri. 

Du erkennst nicht, was Gutes an mir ist, bis du andere 
erprobt hast. (Vgl. SociN, Ar. Spr. No. 4 S.) 

162 8;.i^ö ^ 3,i=^./5 1^5 ^kA\ Q^ eme7i ammanek ß minharo 1a 
tinharo. 

Wer sich dir anvertraut, den darfst du nicht in die Kehle 
stechen. — (Gewöhnlicher ist das Sprichwort in der Form. 
Mie es sich bei Socix, No. 110 findet S.i 

163 ^J>1^ (ji:^xÄj v*^^ ^^^t-A ^ ^^^^ ßlli ^2ö! hinfa dschlh en- 
nciscJi icidfa. 

Wer nichts taugt, für den hole eine Todtenbahre und weg 
mit ihm! 

164 UjL:^! j-Lc «^JCj^ Lg.jLftAS ^J^>.L■J .^>.S ^aav ^Ic ;3i>-^^*J »j-c^J^ 
edda we hitdiir ala sähe ehhur ehtilhas kuhhahha uhtirdscha 
üla ashcihha. 

Ein Fluch geht durch sieben Gräber (Generationen) hin- 
durch ; dann zieht er seine Holzschuhe an und kehrt zu seinem 
Urheber zurück. — Der Mensch soll keinen Fluch aus- 
sprechen; derselbe trifft nach langer Zeit die eigene Familie. 
— Die kuhhZih sind bekanntlich die bis eine Spanne hohen 
hölzernen (oft mit Perlmutter eingelegten) Sandalen; bis vor 
einigen Jahren (jetzt kommt diese Sitte etwas ab) erhielt jede 
Braut solche und musste sie am Hochzeitstag, wenn sie 
geputzt wurde (bei der dschchce)^ tragen; sie stand dadurch 
erhöht da in der Gesellschaft und konnte von jeder Anwesen- 
den gesehen werden. 

165 \.£^A ^ji ^\ !5^,.>\AJi ,«-^ÄJ L/« ma bikta essadschara üla für on 
minha. (Lies farun S.) 

Den Baum haut bloss ein von ihm selbst hergenommener 
Schoss um. — Man hat dabei an den Stiel der Axt zu denken. 
Oft verdrängt ein Manu einen anderen, von dem er Vortheile 
genossen hat, aus seiner Stellung. (Vgl. Socin, Ar. Spr. 
No. 469; ZDMG. 37, S. 190 S.) 

166 v"-^^-^' -^'-*^ i_,wLww.Xj L^ ^3> UaS sAr^'^^wi ^^ j} laivititi-esch- 
schehde flha eher ma htistväsch ujZit elekläb. 



Arabische Sprichwörter. 95 

»Wenn die Bettelei von Nutzen wäre, so wäre sie kaum 
das Bellen der Hunde werth.<; ■ — In den Fellachendörfern 
halten sich stets eine Anzahl Strassenhunde und zwar in der 
Nähe der Häuser der Wohlhabenden auf. Wenn sich ein 
Bettler naht, hören die Hunde nicht auf zu bellen, bis er 
sich entfernt hat. Oft steht das, was der Bettler erhält, nicht 
im Verhältniss zu seiner Mühe, sieh der Hunde zu erwehren. 
(Man möchte darnach übersetzen dürfen: wenn beim Hetteln 
■ etwas heraus kommt, ist es oft nicht . . . Unsicher S.) 

167^^-jijAJ^ «.xb^i \^xi ^Laj) ^/j nie?i sär nadsc/ie aMatto eddijcib. 
Wer sich zum Schaf macht, wird von den Wölfen ge- 
fressen. 
168 waJ\ *.i£jJl i^JL\^ liadÄJet errdna zalaf. 

Das Geschenk der Thörin besteht aus kleinen Muscheln. 
— Wer jemand etwas unnützes, geringfügiges zum Geschenk 
anbietet und daraus viel Wesens macht, gleicht einer solchen 
Thörin. 

169q1-^>1 iCLii ^.jL^L! 8j.l> hihvet illesaii liolllet ihscln. 

»Süsse Zunge, wenig Mitleid. — Für Falschheit.« (Besser: 
eine Frau, die allzu schön redet, thut wenig Gutes S.) 

I70;j.ä-^j ^l\ v.i>n,a^aJ1 y^A *.iJi ezzalame mitl eddist elli hlfTir. 
Der Mann ist wde ein überkochender Topf — Von einem 
Jähzornigen. 

171 ^ilAJ^ ^xJCj ^j;> eV.-^äJi ^^ sakke daJpiak ta Jekhar tcaladak. 

Kühle deinen Bart, bis dein Sohn grösser wird. — Die 

Frau sagt dies zum Manne: bezähme deinen Zorn, bis 

dein Sohn älter und vernünftiger wird und sich dein Blut 

abkühlt, 

MI <^*;j\ *">j--'^ L5-' *.I^^U^ J«.*.xj (^■^jj esch tdmal elmüschfa ß 
-Iwudsch elhische. 

Was soll die Coiffeuse mit einem hässlichen Gesicht an- 
stellen? — Nutzloses Bemühen. Die müschta ist die Person, 
welche eine Braut frisirt und putzt. 

ns^ji^'^s* oj^aäj U ^^7 A*^ er* 'i^^^n hdd ehmäri mä Jinhet 
haschtsch. 

»Nach meinem Esel soll kein Gras wachsen. Für Selbst- 
sucht.« — (Besser wohl: Nachdem mein Esel krepirt ist . . . S.) 



96 Lydia Einsler, 

174 <i^;y»^j *>*^^'5 ^' '^f.^9^\ dV.jAJ5 edcllk elfaslhß-lbeda hisih. 

Der Hahn, der gut krähen wird, kräht schon im Ei. — 
(Vgl. SociN, Ar. Spr. Nr. 420; Landberg, S. 270; Kall 
No. 361; Jewbtt, No. (i ii. s. vv. Sehr verbreitet; jedoch 
scheint ;/?m richtiger als^ S.) 

175 U:;^ 5 ^5 ,jS^. 0^:^^> -^=>^ ^>-.:. J^^-^J c:/^>-Ji ^s ij^- o^-aI^^ 
^\A:?-! -ii' haftet hachti ß-lhaft battal imüt hada\ hattet hachti 
fi-lhenna hitru elehdäd. 

Als ich mein Glück mit (dem Verkauf von) Leinwand ver- 
suchen wollte, da starb niemand mehr; als ich mein Glück 
(mit dem Verkauf von) Henna versvichen wollte, fingen die 
Leute an zu sterben. — Henna verwendet man bei freudigen 
Anlässen. ( Die Übersetzung des letzten Satzes ist un- 
sicher; der Text ist wohl nicht in Ordnung S.) 
176^>.^-.i5 .=»■ Q-. v_iLi>o ^Jo^^Ä^^ elmakrüs blchcif min dscharr 
elhahl. 

»Der Gebissene fürchtet sich vor einem gezogenen Strick. « 
Der von einer Schlange Gebissene fürchtet sich, wenn er 
einen Strick, den jemand zieht, erblickt. — (Kaum annehm- 
bar; die Lesart bei Socin, Ar. Spr. No. 172 ist freilich eben- 
falls unsicher. Vgl. M. Grüxbaum, Neue Beiträge zur semi- 
tischen Sagenkunde. Leiden 1893, S. 43 S.) 
177 ^.f^i^ (^l.c ^\Äi j^:^^..^! ^/c ^.SJ.i> ^a min chofaho (sie, hoch- 
arabisch) min essuchun nafach allaban. 

Aus Furcht vor dem Heissen blies er die Dickmilch. 
(Bekanntes Sprich^vort S.) 

^^^Oo^ iiW.l-=-5 ^=^ ^\^M^l\ esskciß haß icalhäjek arjcin. 

Der Schuster geht barfuss und der AVeber ohne Kleider. 
— Jeder ist für seine Person und seine Familie am nach- 
lässigsten. (Vgl. Jewett, No. 7 3 S.) 

179 iA:^i->^ lAx ^x;.\.i ^lXs ^Ks. ala kudd efräschak midd ridschlek. 

Strecke deine Füsse nach der Länge deiner Matraze! 
(Häufig, vgl. Landberg S. 236 S.) 

180 ^J"^" ^^ *^i lA'^j^^ '^ v.i>.A^Ai! eddist ma birkabsch illa ala 
talcite. 

Der Kessel steht nur auf einem Dreifuss fest. (Wahr- 
scheinlich ist an drei Kochsteine zu denken S.) Dieser Spruch 



Arabische Sprichwörter. 97 

hängt mit dem Aberglauben zusammen, dass zwei kurz nach 
einander folgende Unglücksfälle einen dritten herbeiführen. 
Daher sagt man auch: 

181 i^ÄJLxil Q-. b .'^M^j sll\ allah justurna min ettalte. 

Gott bewahre uns vor dem dritten (Unglücksfall) ! Ereignet 
sich der dritte, so ist man beruhigt und wendet den Spruch 
No. 180 an: nun steht das Unglück fest, wie der Kessel auf 
drei Füssen. 

182U^i>t ^i>J.j j*.^i A^^.äJi y -^^ ehtifrah elkara ihschaer hint 

uchtha. 

Die Kahlköpfige freut sich über die Haare ihrer Nichte 
(Schwestertochter;. — Oft rühmt sich jemand seiner vor- 
nehmen Verwandten, die aber nichts von ihm wissen wollen 
oder freut sich über etwas, was er sich wünscht, was er aber 
nie erlangen kann. (Die erste Erklärung ist die richtigere; 
vgl die Parallelen Socik, Ar. Spr. No. 280; Spitta, Gramma- 
tik des arabischen Vulgärdialektes von Aegypten S. 514, 
No. 270 S.) 

183 qI-a'JS o-'^j 0-»j ^-^LA-I ediluhhäii heraf het ellahltZin. 

Die Fliegen kennen das Haus dessen, der saure Milch 
macht (verkauft S.) — Durch europäische Gebräuche wird 
die arabische Sitte, dass Mädchen nicht allein ausgehen sollen, 
immer mehr verdrängt. Es ist vorgekommen, dass eine Mutter 
der anderen Vorwürfe darüber macht, dass sie ihre Tochter 
allein ausgehen lasse; darauf erwiderte diese obiges Sjjrich- 
wort. Sie wollte damit sagen, ihre Tochter benehme sich 
derart sittsam, dass sie keinen Unannehmlichkeiten ausgesetzt 
sei. Anständige Personen laufen nicht Gefahr, unanständig 
behandelt zu werden, dagegen schlechte Personen, die sich 
auffallend benehmen, sind dieser Gefahr ausgesetzt. (Vgl. 
Socm, Ar. Spr. No. 197 S.) 

184 L^aI:^' 'lx ^jii ■6j>.>.A i<:>» ^^j ^'-^^ ittalla ß wudsch elhakara 
habl ma tehlehha. 

Sieh dir zuerst das Gesicht der Kuh an, bevor du sie 
melkst. — Man soll die Katze nicht im Sack kaufen. (Viel- 
leicht eher Mahnung, vorsichtig zu sein ; vgl. Socin, Ar. Spr. 
No. 26 S.) 

Ztsehr. d. I>al.-Ver. XIX. 7 



98 Lydia Einsler, 

185 J-:>J^ (^i^ o!.a«Läj oL^^ i}.*-^ eldschamal mat nefassafarrahel. 
»Das Kamel ist gestorben; sollen wir über den Sattel 
trauern ? « — Dieses Sprichwort hörte ich bei der Gelegenheit, 
dass einem Aussätzigen in unserem Spital die Nachricht ge- 
bracht wurde, seine Frau werde sich wieder verheiraten. Be- 
kanntlich werden Mann oder Frau, wenn sie das Zeugniss vom 
Arzt bringen, dass sie aussätzig sind, von ihren Verwandten 
als tot betrachtet; dieselben veranstalten für sie im Dorfe ein^^ 
Totenklage (aza), wie bei einem Todesfall. Der oder die 
Zurückgebliebene ist dann frei und darf sich wieder ver- 
heirathen. (Nach näherem Befragen hat der Spruch wesent- 
lich denselben Sinn, wie No. 186 S.) 

180 li:^^^^ 15'-'^ qXä^^ '>:>•r^•^■'^ ^^-^^ inJiadd elbet asfaten alchawabi. 
Das Haus ist eingestürzt; nun trauern sie über die Ge- 
treidebehälter. — Man soll nicht über eine unwichtige Sache 
trauern, wenn viel grössere Verluste vorausgegangen sind. 
Eine chühije (PL chawTihi,) ist ein ziemlich grosser unförmlicher 
Behälter, welcher aus Lehm in der Wohnung der Fellachen 
aufgebaut wird und zur Aufbewahrung von Weizen, Mehl, 
Gerste, Linsen und Feigen dient. — [asfaten wurde auf 
besondere Anfrage ausdrücklich bestätigt; sonst hätte man 
•»taassafuv. sagen müssen S.) 

187 •>'^*J.J "^3 A^xji {\,'^.^) 'i\'^^A mischtarät elahd walä tirbäito. 

Es ist vortheilhafter einen Sklaven zu kaufen, als einen 
gross zu ziehen. — Es macht weniger Mühe etwas fertig zu 
kaufen, als sich mit der Herstellung desselben abzumühen. 

188s_5yÄxi Uj ^1! ^b U^ KL^xj Ui '^S lXIj U mä balad illa ilha 
mizbale xoala dZir illa ilha misraf (masraf). 

Es giebt keine Ortschaft, die keinen Misthaufen, und kein 
Haus, das keinen Abzugscanal hat. — Man sagt das in Bezug 
auf einen missratbenen Sohn einer Familie, u. s. w. Jede 
Sache hat ihre Kehrseite. (\ gl. Landberg, S. 301 S.) 

189 -Äi J..:>.jü:^^ ^J^. ,As ^>.o ^j-. me7i sabar hadar umen isfd- 
dschal kafar. 

Wenn jemand Gediild hat, erreicht er sein Ziel; wenn 
jemand übereilt handelt, versündigt er sich. (Man erwartet 
für kafar eine andere Bedeutung S.) 



Arabische Sprichwörter. 99 

190 1-)'-^-' ^^' j^^SLäjI Q-. .vI.'Lj 3ys.\ dazu billah min elfallali iza 
etmedden. 

Gott bewahre uns vor einem Bauern, wenn er Civilisation 
angenommen hat! 

191 j.L^^5 *.Ii>», Q^j-^Äjl '-^^i ► Q^^y ^^^ ^-j'^^' er* ^'^^ "^^^ 
a'«72:w billah min taläte '^enäd erruhhän uked enni&wtm uzulm 
elJmkkäm. 

Gott bewahre uns vor drei Dingen: dem Eigensinn der 
Mönche, der List der Weiher und der Ungerechtigkeit der 
Gewalthaber! (Vgl. Jewett, No. 256 S.) 

192»>A'i ^ic ^xc^*aj «l\:>»i 8j.j^ 'wJJ*:^J t^^^-'' ßlH 1)6 raf abuli u- 
dschiddo bimschi ala kaddo. 

Wer seinen Vater und Grossvater kennt, benimmt sich 
wie sie. — Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, oder auch: 
man soll sich seiner Abstammung nicht schämen. (Man hat 
dabei zu denken, dass der Name des Vaters im Namen des 
Sohnes wiederkehrt z. B. husen ihn ali Husen Sohn Ali's S.) 

193 uX.jL.\.=^! "% L\jAr^i J.ftj ^ la jafill elJuuUd illu-lhadid. 

»Nur Eisen kann Eisen brechen« (besser: macht Eisen 
schartig S.) Für Ebenbürtigkeit, avich in geistiger Beziehung. 
Bisweilen macht ein gescheiter Mann seinen Einiluss zum 
Schaden der Bewohner eines Dorfes geltend; dann wenden 
sich die Geschädigten an einen Mann, der dem andern 
gewachsen ist. 

194-b^jj.'0 ^j^ "^^ v.i>,ili i»^K kelh fTdit wala sähe marbüt. 

Es ist besser ein freilaufender Hund zu sein, als ein ange- 
bundener Löwe. (Vgl. Socm, Ar. Spr. No. 2Uü; ZDMG. 37, 
192; Landberg S. 306 S.) 

195 8,^J ^-^l-r* er* Q.-v^-=>^ f^^' *"^:^^ beda eljom alisan min 
dschcbdsclie hukra. 

Lieber heute ein Ei, als morgen ein Hahn. (Vgl. SeeiN, 
Ar. Spr. No. 136 ff.; Teslije S. 14 S.) 

196 i>.5JLj ijU/^Ij^H J^i/fl 77iifl elatrasch hizzaffe. 

Wie ein Tauber im Hochzeitszug. — Beim Hochzeitszug 
geht es sehr laut her; wie ein Tauber von den Gesängen, 
Glückwünschen und Scherzen bei einer solchen Gelegenheit 
nichts hört, geht es jemand, der einem ihm unverständlichen, 



100 Lydia Einsler, 

vielleicht in einer fremden Sprache geführten Gespräche zu 
folgen gezwungen ist; er lacht dann mit, wenn die andern 
lachen. 

197 &lL>,i *.Äj 0-Äil_5 J_»;j JLJ &iU i^U öjS.l\ (Äi.^) LX.i>L/« [> jZi 

macJied elkird ala mälo, elmcil bizTil walkird hitamm ehhalo. 
O du der den Teufel (eine hässliche Frau) seines Reich- 
thums wegen nimmt, das Geld vergeht und der Teufel bleibt 
dir gegenüber. — (Im Arab. »ihm gegenüber« ; es steht nicht 
fest, dass in der ersten Hälfte des Spruches überhaupt eine 
Anrede vorliegt S.) 

198 »jj y "^^^ »)l^ lA^^ ^■'^ ein miisch kciro loilla ja näro. 

»Zu bedauern ist der, welcher etwas betreibt, was nicht 
zu seinem Fache gehört«. — i^^ij ^. ja nari o mein Feuer! 
gebraucht man, um ein lebhaftes Bedauern auszudrücken; 
wer z. B. ein Waisenkind bedauert, ruft ja näri aleh. — 
[lüilla ist nicht erklärt S.) 

199 x>.5. KkA ^j.^- ^»-^ düd eldschiben minno flh. 

Die Würmer des Käses entstehen aus ihm selbst. — Wenn 
z. B. etwas gestohlen wird, muss es jemand gethan haben, 
der den Ort kennt. (Besser wohl : entstehen von selbst S.) 

200 Qj.;i-rv^ Qry^"^'^ )i))^ ^j.Ä/^*J! J>.Äi kafel el '^isfür lazzar- 
zür tvalitneti taijür'in. 

Es verbürgte sich der Sperling für den Staren; aber beide 
flogen davon. In der Originalübers. ist das erste Wort im 
Sinn von »nimm zum Bürgen« gefasst, w^as kaum angeht; 
vgl. SociN, Ar. Spr. No. 218; in anderer Form im Mustazraf 
I, 45. . . 

201 r'^.*^ ^J |»j-i '■'«5 r-lj^' ^J j^-< ^ ma matar hala arjali umä 
kam hala sijäh. 

Kein Regen ohne Wind und kein Kampf ohne Geschrei. 
— (Zu vermuthen ist, dass statt [»j-'i, kom der Transcr. ^y^ 
d. h. kön zu lesen und die Übersetzung dann richtig ist S.) 

202 -'^»'^ ^X.:^ v^'-*^' eJghäjeb hedschto mao. 

Der Abwesende hat seine Entschuldigung bei sich. (Häu- 
fig; vgl. Jewett, No. 174 S.) 

203 J^.vA^Li-^ ^*ri*-^ :iJ>L*ii efiide iahta elcliamse. 

Gewohnheit ist die fünfte Natur. 



Arabische Sprichwörter. 101 

204 i^U'fl J. f^.y>^-^^ ^a\ji.Id j^ii kalKl taämaJc testenh fi ma- 

nämak. 

Wenn du wenig issest, wirst du um so besser schlafen. 

205 L^-t-^ ^V^ "^^ ;Ll:i»i^ lX^ (_ri: J.S^ kuU-scM ^end eVaftär illa 

tihlet hohhni. 

Alles giebt es beim Krämer (zu kaufen), nur nicht das 

Wörtchen: liebe mich. — (Vgh Socin, Ar. Spr. No. 103 S.) 

206,L^^ er» «-r^'^ÄJ' q^iAjI !^5 \-<-> //ß^-e ?6-ara ec?r/äw felfire 

min elenhär. 

Einmal sich hinter den Ohren zu kratzen ist schon eine 

Abkürzung vom Tag. 



Die Jerusalemfalirt des Oliristian Perband 
(1614—1616). 

Im Auszuge mitgetbeilt von Reiuhold Röhricht. 



Der Cod. germ. No. 1151, 4" 73 foll. der Köuigl. Bibliothek 
in Berlin, welcher Ende 1890 erworben ward'), enthält den bis- 
her völlig unbekannten Text einer Pilgerreise , von der wir nur 
durch den parallelen Bericht des Reisegefährten unterrichtet 
waren, nämlich des Aknd Gebhard "sox Stammer, mit welchem 
unser Pilger, Christian Perbaku aus Königsberg, von Constan- 
tinopel nach Ägypten, dem Sinai vind Jerusalem reiste, um^mit 
ihm dann überCypern den Heimweg anzutreten und erst in Leip- 
zig sich von ihm zu trennen. Unser Bericht ergänzt im Allge- 
meinen nur hier und da den bereits gedruckten und ausführ- 
licheren, wesshalb nur wenig nachzutragen ist, giebt aber eine 
scharfe Chronologie der Erlebnisse und vor allem das Reisejahr 
genau, das Stammer in seinem ganzen Bericht nicht nennt und 
Avir nur aus dem Atteste ersehen, welches ihm Fr. Ruffinus a 
Savoca, Vicar des Ende 1614 verstorbenen Guardians F. Angelus 
a Messana-), ausstellt. In diesem aber ist (20. Sept.) statt 1615 

1) Er enthält sieben farbige Abbildungen, von denen die ersten sechs 
Constantinopel und das türkische Leben betreffen, die letzte (fol. 60) das 
Todte Meer darstellt. Ich benutze diese Gelegenheit, hier einen Irrthum der 
Biblioth. gcogr. Pal. No. 388 zu berichtigen , wo der Text der Pilgerreise des 
Jacob Krey>X'K und Deryck Vogel als jetzt in Brüssel befindlich nach- 
gewiesen wird; er ist mit den MEERMAN'schen Codd. (No. 1982) im Besitz der 
Königl. Bibl. zu Berlin und enthält ohne Chronologie ein kurzes Itinerar von 
Zütphen bis Venedig, eine kurze Beschreibung dieser Stadt und Zusammen- 
stellung der im heil. I-ande zu zahlenden Tribute, einen Pilgerführer und 
kurzen Bericht über die Heimfahrt. 

2) Dieser stellt noch am 14. Mai 1614 ein Besuchsattest dem Hier. 
Scheidt (p. 85—86, aus. 



Die Jerusalemfahrt des Christian Perband (1(514 — 1016). 103 

das Jahr 1655, wenigstens in der zweiten Ausgabe (p. 165 — 166) 
seines Keiseberichts (Jena 1675), genannt, und da diese verbrei- 
teter ist als die erste, so haben L. Hoi-fmannI), Tobler^) und 
der Schreiber dieses 3) irrig als Reisejahr c. 1655 angesetzt, wäh- 
rend der Reisegefährte, unser Perband, mit dem vollen Tenor 
des Besuchsattestes den 19. Sept. 1615 als Datum giebt (p. 68a)*). 
Perbakd brach am 14. August 1614 von Amsterdam auf mit 
dem nach Constantinopel bestimmten niederländischen Gesandten 
und dessen Hofmeister Lambert ver Geer, erreichte am 5. Sept. 
Frankfurt am Main, wo der Vetter des letzteren, Stephan Weiss- 
mahn, sich anschloss, dann über Stuttgart, Innsbruck, Trient am 
24i Sept. Venedig, von wo er am 1. Nov. nach Spalato, am 
17. Nov. nach Ragusa kam, um von da zu Lande nach Constan- 
tinopel weiter zu reisen. In Saloniki traf er den früheren Pro- 
fessor des Griechischen und Hebräischen aus Marburg Conrad 
Victor als jüdischen Rabbi »Moses Pardo«^) an und brachte ihn 
in einer längeren Unterredung zur Reue über seinen Abfall. In 
Constantinopel langte er am 7. Januar 1615 an, fand Wohnung 
beim niederländischen Gesandten Cornelius Haga und blieb bis 
zum 17. Juni. An diesem Tage reiste er mit Arnd von Stammer, 
Wolf Wilhelm Laminger und Martin Opachowski nach x\lexan- 
drien ab, besuchte Kairo und das Sinaikloster, wo er den Namen 
seines Landsmannes Ludwig von Rauter •') an der Wand ge- 
schrieben fand, musste aber krank zurückbleiben, während seine 
Begleiter am 23. Juli wieder nach Kairo zogen, denen er erst am 
6. August nachfolgte. Am 14. August traf er daselbst den eben- 

1) Petzholdt, Anzeiger 186'\ ]>. T. . • . 

2) Bibliogr. p. 105—106. 

3) Bibliotheea No. 1095. 

4) Obgleich wir die erste Auflage in Berlin. München, Halle, Leipzig. 
Stuttgart und Jena vergeblich gesucht, also die Richtigkeit unserer Behaup- 
tung daraus nicht beweisen können, so ist sie doch aus dem Obigen bewiesen. 
Dazu kommt aber noch, dass Beckmann, Historie des Fürstenthums Anhalt 
1710, VII, p. 275 — 277 am Schluss eines längeren Artikels über die Person 
unsers Reisenden und seine Reise nach dem heiligen Lande das Besuchsattest 
mit der richtigen Jahreszahl 1615 (also sicher auf Grund der ersten Auflage) 
giebt. 

5 ) Über ihn sehr ausführlich WoLFius, Bibl. hebr. I, p. 886 — 887, 
No. 1630; vgl. III, p. 1110. 

6) Röhkicht-Meisner, Deutsche Pilgerreisen. Berlin 1880. p. 444, wo- 
nach R. im Februar 1569 das Sinaikloster besuchte. 



"104 K.Röhricht, Die Jerusalemfahrt des Christian Perband (1614 — 1616). 

falls krank zurückgebliebenen Wolf Laminger, am 25. August in 
Damiette die übrigen Gefährten, mit denen er am 9. September 
nach Jafa kam, auch Jerusalem vind Bethlehem besuchte. Er 
erwähnt hierbei noch, dass Laminger, obwohl Lutheraner, dem 
Pater Aegidius beichtete und von ihm den Ritterschlag empfing. 
Am 22. September 1615 segelten die Pilger wieder ab, trennten 
sich aber am 28. September auf Cypern; Perband fuhr mit dem 
Kölner Johann von Penen, Arnd von Stammer und Cornelius 
Snuk aus Leuwarden, während Laminger und Martin Opachowski 
direct nach Venedig sich einschifften, nach Genua und landete 
am 1. November. In Mailand verabschiedete sich Perband von 
Johann von Penen und Snuk, in Leipzig von Arnd von Stammer 
nnd traf eine Stunde nach dem Tode seines Bruders Heinrich 
am 25. März 1616 in seiner Vaterstadt Königsberg in Preussen 
glücklich wieder ein. 

Über die Person und Verhältnisse unseres Reisenden haben 
sich, wie die Verwaltung des königlichen Staatsarchivs zu Königs- 
berg gütigst mittheilte, nur dürftige, über Opachowski gar keine 
Nachrichten erhalten. Nach Gallandi, Königsberger Stadt- 
geschlechter (Altpreuss. Monatsschrift XX, p. 217), lebte ein 
Christoph Perbandt, Sohn des Bürgermeisters Dominicus P. und 
der Anna, Tochter des Bürgermeisters vom Kneiphof Joachim 
Cniper und Wittwe des Rathsherren Andreas Krause, im Jahr 
1602. Am 30. März 1623 wird einem Albrecht Christoph P. ge- 
stattet, aufsein Dorf Schliebenau »zu notturft seiner bevorstehen- 
den Reise in frembde Lande < eine Geldsumme aufzunehmen, 
imd am 6. Mai desselben Jahres auf Bitten der Dorothea geb. von 
Schlieben, Dietrich Perbands Wittwe, und ihres Sohnes Albrecht 
Christoph P. diesen beiden und den Vormündern der anderen 
unmündigen Kinder erlaubt, zur Bezahlung der Schulden ihres 
verstorbenen Mannes resp. Vaters und dann » zu bevorstehender 
des jungen Perbandts Reise in Deutschlandt und frembde Lande« 
das Dorf Kabickam bei Tapiau zu verkaufen ; aber diese letzteren 
Nachrichten beziehen sich ganz ohne Zw^eifel nicht auf unseren 
Reisenden und seine Jerusalemfahrt. 



Arabische luscliriften aus Syrien. 

Von Dr. Max Tan Bercliem in Genf. 

(Hierzu Tafel V.) 

I. Aus dem Hau r an. 

Von einer im Jahre 1894 ausgeführten Reise imHaurfm') 
brachte Dr. Schumacher, der rastlose Forscher im Ostjordanlande, 
einige Abklatsche arabischer Inschriften zurück, die ich hier kurz 
besprechen will. 

Die wichtigste darunter stammt aus al-miL^ arriha ^ einem in 
der Hauränebene, nordwestlich von Bosrä gelegenen Dorfe-). 
Der Abklatsch misst 121 cm Länge bei 25 cm Höhe. Er enthält 
drei Zeilen einer kufischen Schrift mit kleinen eingegrabenen 
Buchstaben'^]. Der Inhalt lautet also: 



»Es hat befohlen die Errichtung dieser gesegneten Moschee 
und deren Bau, aus dem rechtmässigen Bestand ihres Vermögens, 

1) Siehe MuNDPV. 1895, 33 fF. 

2) Siehe Stübel's Karte des Haurän, ZDPV. XII, Tafel VI. 

3) Siehe Tafel V, No. 1. Um den Abklatsch für die Photographie besser 
zu verwerthen, sind die Buchstaben mit Bleistift überzogen worden. Dieses 
sonst etwas gefährliche Mittel durfte hier angewendet werden, weil alle Buch- 
staben klar und scharf eingehauen sind und keine willkürliche Retouchierung 
zuliessen. Übrigens bleibt dabei die Rückseite des Papiers, welche am Steine 
klebte, für weitere Forschungen ganz tinberührt. Bei zweifelhaften Inschriften 
wird es immer besser sein, die unberührte Rückseite selbst zu photographiercn. 



106 van Berchem, 

die Mutter des Emirs 'Ali, Sohnes des Emirs, des vornehmen 

Kämmerers Färis ad-daula Ilusäm al-mulk. Sie ist die 

Sklavin des Emirs, des vornehmen Isfahsalär (GeneraV, des gros- 
sen Herrn, des wahrhaftigen, des auserwählten, 'Izz ad-din (Kraft 
der Religion), Rabi*^ al-isläm Frühling des Islam], Amin ad- 
daula (Vertrauter der Regierung) « 

Der Text ist leider unvollständig. Ausser den übrigen Titeln 
des letztgenannten Emirs fehlt sein eigener Name, sowie das Da- 
tum. Dies ist um so mehr zu bedauern, als die Inschrift paläo- 
graphisch und historisch interessant ist. 

Zunächst über die Paläographie. Die Schrift ist ein auffal- 
lendes, von den bekannten Arten etwas abweichendes Kufi. Ihre 
Eigenthümlichkeiten treten auf der beigelegten Tafel deutlich 
srenu» hervor. Man merke besonders die ,^ und "^, sowie das 
End-w7w. Die sonst einfachen, nüchternen Formen weisen un- 
gefähr auf den Beginn des 6. Jahrhunderts der Hidschra. Sie 
verrathen eine Abart der damals in den Hauptstädten üblichen 
kufischen Schrift. Dies beweist auch die ungeschickte Haltung 
der Linien und der einzelnen Winter, sowie die hie und da aus- 
gelassenen Ikichstaben, die als \'ersehen des Steinmetzen zu be- 
trachten sind. 

Der Text ist ganz klar, ausser dem letzten Worte der zweiten 
Zeile, welches durch einen Riss des Papiers beschädigt wurde. 
Dieses Wort ist entweder ein Titel oder der Eigenname der Er- 
bauerin. An den Ehrentitel ad-där »Prinzessin«, der auf späteren 
Inschriften öfters vorkommt, ist hier nicht zu denken, zumal da- 
hinter wenigstens noch ein Ikichstabe steht, nämlich ein Imf. 
Ob neben dem üblichen dar'ika ein Frauennarae ad-därika vor- 
kommt, w-eiss ich nicht. Befremdend ist die eckige Form des 
oberen Buchstabens, da alle r der Inschrift rundförmig gestaltet 
sind. Auf der Rückseite ist nichts weiteres zu entdecken. 

Die Erbauerin, sowie die zwei erstgenannten Emire sind mir 
unbekannt; ich weiss nicht, ob sie irgend eine Rolle in der Ge- 
schichte spielen. Die letztgenannten Titel ') aber weisen auf eine 
höhere Persönlichkeit hin. deren Name hier fehlt. Durch einen 



] Über diese und sonstige Titel auf Inschriften s. meine Materiaux 
pour un Corpus, passim. 



Arabische Inschriften aus Syrien. I(j7 

glücklichen Zufall lässt sich diese Lücke ausfüllen und dadui'ch 
ergiebt, sich dann das ungefähre Datum der Inschrift. 

In Rosrä copierte ich selbst vor zwei Jahren viele arabische 
Inschriften, unter denen sich die zwei folgenden, noch unedirten 
befinden. Die eine steht über derThüre der sogenannten Moschee 
■al-chidr^), im Westen der Stadt. Sie zählt sechs Zeilen einer 
kufischen Schrift mit kleinen Buchstaben und lautet also: 

(sie) ^^ (5) c^^^^-f-'""^ (sie) ^ö ^,..\^L^:i^.x^i: ij'yt^^j^ üv^l>^5 



»Es hat befohlen die Erneuerung (dieser Moschee?) der 
Emir, der vornehme Isfahsalär, der grosse Herr, der wahrhaftige, 
der auserwählte, "^Izz ad-din, llabf al-isläm, Amin ad-daula, u.s. w. 

Abu Mansür Kumuschtakin, der Mamlük des Atäbak 

Zahir ad-din (Tughtakin), der Beistand des Fürsten der Gläu- 
bigen, einer seiner eigenen Freigelassenen. Amen. Im Monate 
Kamadän des Jahres 528.« 

Die andere Inschrift ist über einem Fenster der Moschee 
al-mibräk'^)^ im Norden der Stadt eingemeisselt. Sie besteht aus 
zehn Zeilen derselben kufischen Schrift, mit kleinen, sehr un- 
deutlichen Buchstaben, und lautet also : 






1) Arabische Bezeichnung des heiligen Georg's. Also steht die Moschee 
vielleicht auf der Stelle einer älteren Georgiuskirche. Im heutigen Syrien 
ist dieser Name sehr häufig. 

2) Das ist die Stelle, wo nach der Legende die Kamelin des Propheten 
sich niederliess. 



108 ^'an ßerchem, 



(sie) 1^13 e>^-=r^ j=^ CT-^^ (^) ^^"'*' j:^r-^ L>-^1>^^ Oj-^ ii^xi'bS! 

iCäAÄ;:;- ^ji A.a^\ -^^^a ^s- %^ (8) ^^ v^^^ ä^^JV jJlxjI o'^;'^ 
xjl.äi» xÄ*5». 5 iö|^/;2.»; c^j! >— J^_^^' ^1^>^j5 (9) o>.j1^" .-^J iMk^^-*'^ 

»Es hat befohlen die Errichtung dieser gesegneten Ma- 
drasa, aus dem rechtmässigen Bestand seines Vermögens, der 
Emir, der vornehme, 'grosse Isfahsalär, der wahrhaftige, 'Izz 

ad-din, Rabf al-isläm, Amin ad-daula u. s. av Ku- 

muschtakin, der Mamlük des Atäbak (Tughtakin), der Beistand 

des Fürsten der Gläubigen als fromme Stiftung zu Gunsten 

der Rechtsgelehrten und Studenten, die den Vorlesungen der 
Wissenschaft und den ÜbuniJ^en im Koran beiwohnen, nach dem 

Ritus des Imäm Abu Hanifa, u.s.av im Monate Ramadan 

des Jahres 530.« 

Es ist hier nicht der Ort, diesen wichtigen Text zu erklären, 
den ich nur, wie den vorigen, wegen des Namens und der Titel 
des Erbauers angeführt habe. Wie man sieht, stammen diese 
beiden Inschriften von einem und demselben Erbauer, nämlich 
dem Emir^iü Mansür Kmmischfakln^ einem Sklaven des Atäbak 
Tiujhtakln, des Gründers der Dynastie der damascenischen Ata- 
beke, der sich, nach den Titeln zu urtheilen, zu einer bedeuten- 
den politischen Stellung erhoben hatte. Aus den arabischen 
Quellen erfahren Avir, dass dieser Emir, der selbst den Titel 
Atäbak führte, damals als Statthalter der Festungen Bosrä und 
Salchad fungierte. Bekanntlich hielt er sich in Salchad im Jahre 
531 auf, also kurz nach der Zeitangabe beider Inschriften, und 
starb im Jahre 54 1 2). 

1) '^^ o\i\ jiiicnfßliuhu (für u-affahahu) allälm mä schajjadahu , »Allah 
möge ihm helfen in dem. was er aufbauen wird«. 

2) Ibn al-Athir, ed. Tornberg, XI, 31 ult. ; Historiens orientaux des 
Croisades, I, 41S; Abu Schäma, I, 50; WÜSTENFELD, Fatimidenchalifen, 309; 
'Ilmawi bei Sauvaire, Description de Damas (Sonderabdruek aus Journal 
Asiatique^, Ti) und Mö; Ibn Chaddäd, Bark asch-scha'm, codex Leiden 146G, 



Arabische Inschriften aus Syrien. 109 

Vergleicht man jetzt den Anfang dieser beiden Texte mit 
der dritten Zeile der Inschrift aus al-miiarriba, so ergiebt sich 
sofort die vollständige Identität der aufgeführten Titel. Bedenkt 
man endlich, dass dieses Dorf kaum eine halbe Stunde nord- 
westlich von Bosrä liegt, und dass die Inschrift stilistisch den 
zwei bosrenischen sehr änlich ist, so wird man zugeben müssen, 
dass die fehlenden Zeilen den Namen des Emirs Kumuschtakin 
und das ungefähre Datum 530 enthielten. Weiteren Haurän- 
forschern möchte ich empfehlen, den Fundort genau zu unter- 
suchen ; vielleicht lässt sich die Inschrift noch ergänzen i) . 

Die drei anderen Abklatsche, die ich zugleich erhielt, stam- 

men aus De/ät (oic^öi)^ ungefähr sechs Stunden westlich von 

Bosrä. Der eine giebt eine Inschrift im Weil des Schech Wäsil. 
die ich selbst vor zwei Jahren copierte. Sie besteht aus fünf 
Zeilen eines einfachen Küfi mit kleinen Buchstaben : 

L\i^.^^ \Ö.P ^l\ ^jr^^ (3) ^l^ ^'^\ ^^^ *15 ^ (2) . . . ^Uw^J (1) 

»Im Namen Alläh's u. s. w, .... Dies ist die Moschee des 
Propheten, u. s.w.« 

Wie man sieht, ist dieser Text ganz unbedeutend. Der Stil 
der Buchstaben deutet ungefähr auf das 4. oder den Anfang des 
5. Jahrhunderts der Hidschra. Bei ihrer Nüchternheit ist die 

fo 51 vO ; Derexboukg, Autobiographie d'üusama, 178, Anm. 5, wo das Todes- 
jahr Kumuschtakin's aus einem anderen Manuscript des 'Ilmawi ergänzt 
wird. Statt des hier und bei Sauvaire vorkommenden Beinamen amin ad-dm 
ist also 'jss ad-din zu lesen. Ferner bei Sauvatre: statt j^aXÄ^-^j^ ^aX^XC^.^J' • 
statt jjjf:J«^^ÄLjj ^-^JCÄib| endlich statt (jC^^Xä^^i oder (J^AXäla-^^ wohl 
,jC;cii2j^ oder gar ^^j'j'"^l. Vergleiche hierüber einen jetzt im Druck be- 
findlichen Aufsatz von mir in Memoires de Tlnstitut Egyptien, Bd. II. 

Die von den genannten Quellen angeführten Titel raht al-isläm, aintn 
ad-daula und al-atähaki sind also inschriftlich bestätigt. Kumuschtakin er- 
baute im Jahre 514 H. die erste schafi'itische Madrasa in Damascus. Die bos- 
renische war für die Hanafiten bestimmt. 

1) Nachträglich erfahre ich aus einer schriftlichen Mittheilung Dr. ScHV- 
macher's, dass nach Angabe der Dorfeinwohner der Stein aus Bosrä selbst 
stammt. Diese Thatsache bestätigt meine Annahme, lässt aber wohl be- 
fürchten, dass das Ende der Inschrift niemals wieder gefunden wird. 



] 10 van Berchem, 

Zeit kaum zu bestimmen. Die zwei anderen Abklatsche stammen 
aus der kleinen Moschee al-arhaln^ ebenfalls in Der'^ät. Der 
eine enthält nur ein paar Eigennamen mit der Glaubensformel 
in kufischen Buchstaben. Der andere ist leider ganz unleserlich. 

Ich möchte einige Bemerkungen über kufische Inschriften 
anschliessen, die zugleich als Anweisungen zum Sammeln ara- 
bischer Inschriften dienen können. 

Kufisch, genauer gesagt rechtwinklig, bezeichnet eine 
gewisse Schriftart, die fast ausschliesslich in den Inschriften vom 
1. bis zum 4. Jahrhundert der Hidschra gebraucht wird. Da sie, 
wie alle anderen, zeitliche Variationen aufweist, so lässt sich eine 
kufische Inschrift danach, nach ihrem Stile, ungefähr datieren. Dies 
gilt natürlich nur von solchen, die einen Stil überhaupt aufweisen. 
Selbst stilvolle Inschriften kann man nie ganz genau datieren, 
wenn kein anderer Hinweis auf das Datum besteht; auch muss 
man im Auge behalten, dass Landformen denjenigen der grossen 
Städte etwas nachzuhinken pflegen, wie dies bei Stilfragen über- 
haupt der Fall ist. 

Bei stillosen Inschriften hat das Wort kufisch kaum eine 
zeitliche Bedeutung mehr. So findet man im ganzen Orient, na- 
mentlich in Syrien und Arabien , zahllose rohe, immer einge- 
grabene Inschriften , die sich schwer datieren lassen, eben weil 
sie keinen ausgeprägten Stil besitzen. Trotz ihres alterthüm- 
lichen Aussehens stammen sie oft aus verhältuissmässig junger 
Zeit, und viele darunter bieten nur geringes Interesse. 

Gemäss der landläufigen Vorstellung, dass kufisch mit alt 
und naschi oder rund förmig mit modern identisch sei, halten 
die meisten Reisenden, die mit arabischer Archäologie und Ge- 
schichte wenig vertraut sind, eine kufische Inschrift als solche 
für wichtiger als eine rundförmige. Wie man sieht, ist dieser 
Schluss, wenn nicht ganz irrthümlich, doch sehr einseitig. Bei 
historischen Inschriften taucht in Syrien und Ägypten die runde 
Schrift zur Zeit Nur ad-din's und Saladin's auf, also mitten in 
der wichtigsten Epoche der Kreuzzüge. Nun sind jene Inschriften 
der grossen Christengegner historisch Avichtiger als manche ku- 
fische aus früherer Zeit, geschweige denn als stillose Graffiti, 
die nur ein paar Anrufungen oder die Namen einiger unbe- 
kannten Kamelhirten enthalten. 



Arabische Inschriften aus Syrien. 1 1 1 

Ich will damit nicht sagen, dass Reisende kutische Inschriften, 
selbst rohe Graffiti unbeachtet lassen sollen; jedes Document 
kann einmal Werth haben. Ich wollte nur für die sogenannten 
uaschi- oder rundförmigen, im Lande selbst '^arabi (im Gegensatz 
zu küf'i) genannten Inschriften, eine grossere Bedeutung vindi- 
ciereii, als ihnen bis jetzt allgemein zuerkannt worden ist. 

IL Aus dem Haram in Hebron. 

Als ich im Frühling 1894 die arabischen Inschriften von 
Hebron copierte, gelanges mir, durch einen geschickten Knaben 
Abklatsche aus dem Haram zu gewinnen. Der junge Muslim, 
dem ich eine Bürste mit einigen Blättern Papier gegeben und 
eine dem Erfolg angemessene Belohnung versprochen hatte, 
brachte mir zwei griechische und einige arabische Abklatsche 
zurück. Die zwei ersten sind schon von Herrn Clermont Gax- 
KEAU besprochen Avorden'). Unter den arabischen befinden sich 
mehrere moderne und werthlose Inschriften. Nur eine hat einen 
gewissen archäologischen Werth als Beitrag zur Harambau- 
geschichte unter den Muslimen. Der Abklatsch misst 59 cm Län^e 
bei 30 cm Höhe und enthält vier Zeilen einer runden Schrift aus 
der Mamlukenzeit, mit kleinen, etwas dicken Buchstaben-]. 



»Es wurde befohlen die Errichtung dieser gesegneten Mar- 
morbedeckung unter der Regierung unseres Herrn des Sultans 
Al-Malik an-Näsir Näsir ad-dunjä wad-din Helfer der Welt und 
der Religion) Muhammad ibn Kaläwün, unter dem hohen Rathe 
des Emirs Saif ad-din Tankiz an-Näsiri, Statthalter der Provinz 

1) In Etudes d'archeologie Orientale, I, 143. 

2) Siehe Tafel V, No. 2. 

3) Der Text hat eigentlich ä,L:Cs:CA^";iLj in der X. Form; die IV. Form 
ist aber in dem hier gebrauchten Sinne die gewöhnliche. 



112 ^'^'^ Berchem, 

Damascus. Allah möge ihn mit dem Paradiese belohnen! In 
den Monaten des Jahres 732 der Hidschra.« 

Die hier vorkommenden Ehrennamen, namentlich den von 
Tankiz geführten Titel Käßl al-mamülih ascli-schartfa a&cli-schd- 
mijja, habe ich anderswo erklärt i). Das Hauptinteresse dieser 
Inschrift liegt in der Angabe, dass die Marmorbekleidung der 
inneren Mauern von Tankiz im Jahre 732 ausgeführt wurde. 
Dieses wird durch einen Satz des Mudschir ad-din, der eine de- 
taillirte Beschreibung der Städte Jerusalem und Hebron im 
15. Jahrhundert verfasst hat, ganz genau bestätigt 2,. Also stim- 
men hier, wie fast überall, die epigiaphischen Daten mit den 
Angaben der Schriftsteller vollständig überein. 

III. Die Inschriften in den Höhlen von 
Bet Dschibrin, 

Die berühmten Höhlen von Bet Dschibrin, dem alten Eleu- 
theropolis zwischen Hebron und Gaza, sind schon oft beschrieben 
worden ^j. Um die nach einigen Berichten dort zahlreichen ara- 
bischen Inschriften zu copieren, habe ich die meisten Höhlen 
nm die Stadt herum, ungefähr zwanzig an der Zahl, ziemlich 
genau untersucht. Diese lange Arbeit ergab eine sehr magere 
Ernte. Ausser den schon bekannten^) fand ich nur einige andere 

1; Materiaux pour un Corpus, I, 209 ff', und passim. 
2) Mudschir ad-din. Cairenser Ausgabe, 57: 

er* 



Cf. Sauvaire, Histoire de Jerusalem et d'Hebron, 16, undQuATREMliRE, 
Sultans Maralouks, Ib. 246. Herr Pastor Boettcher aus Bethlehem hat sich 
neuerdings einen Abklatsch derselben Inschrift verschafft, der jetzt in meinen 
Händen liegt. Er ist im ganzen weniger gelungen, ergänzt aber den meinigen 
an einigen Stellen. 

;:i) Palestine Exploration Fund, Memoirs, III, 265 6".. und Quarterly 
Statem. 1S75, 139 ff'.; GricuiN, Description de la Judee, II, 307 ff".; RoBlNSON, 
BiblicalResearches, II, 355; Ritter, Erdkunde, XVI, 145 und die dortcitierten 
Quellen. Das Wort "aräk »Höhle« fehlt in den Wörterbüchern. An Ort und 
Stelle habe ich den Plural 'irlän gehört. 

4) Palestine Exploration Fund, a. a. O.; PtOBlxso.v, II, 642. 





^•?' 


\t * 


er* 


L\.i*^'v.\*<.i 1 ...Li.2A>- 


J-^- 


>■• r 


3 ■' 


> 


' o'- 




du:i 


K^LiIa« ^: 


fÜjl 




■^ 


S,L4.C 












vS- 'i^\~^'^*, q: 




o^"" 


Xaam 



Arabische Inschriften aus Syrien. 113 

ähnliche, roh eingegrabene kufische Inschriften, mit kindisch 
ausgeführten Zeiehiiungen, 

Der Inhalt jener Graffiti, die sich wegen ihrer Stillosig- 
keit schwer datieren lassen, ist meist unbedeutend. Nur arabische 
Namen und fromme Sprüche. Sie stehen alle in den beiden 
Höhlen el-moje und el-fenscJi , im Süden und im Norden der 
Stadt. Alle anderen von mir besuchten Höhlen hatten keine In- 
schriften, wenigstens nichts Deutliches. Ich muss dabei bemer- 
ken, dass die eisernen Hacken, womit die Höhlen in dem Felsen 
ausgehauen wurden, auf den Steinflächen lange Reihen von 
schrägen und parallelen Strichen hinterlassen haben. Da die 
Strichreihen von unten nach oben abwechselnd einmal nach 
rechts, einmal nach links gerichtet sind, so kommt es vor, dass 
sie sich hie und da durchkreuzen. Dadurch entstehen Schein- 
buchstaben, die einer semitischen Schrift, namentlich dem alt- 
phönizischen, ähnlich aussehen. So ist es vielleicht zu erklären, 
dass zuweilen von Inschriften in allen Höhlen gesprochen wird. 

Von der angeblichen Inschrift über die Ausarbeitung der 
Höhlen habe ich nichts gefunden, auch keine Inschrift Sala- 
din'si). Es ist an und für sich wenig denkbar, dass der Sultan 
in einem solchen Ort seinen Namen angeschrieben hätte, wo nur 
unbekannte Hirten sich verewigt haben. 

Ahnliche Inschriften sollen sich in den Höhlen von Der 
Dubbän, nördlich von Bet Dschibrin, befinden. Wenn sie nichts 
Interessanteres bieten, so lohnt es sich kaum, denselben eine ein- 
gehende Untersuchung zu widmen. 

1) Survey, III, 267. Die längste Inschrift, die ich gefunden, steht in 
der Höhle el-möje. Sie spricht höchstens von einem Besitzer der Höhle; 
vielleicht ist 'es dieselbe, auf der Conder, Quarterly Statem. 1875, 143, den 
Namen Saladins vermuthet. Die Inschrift vom Jahr 958 über dem Thore der 
Festung (bei Robinson und Memoirs, a. a. O.) habe ich nicht wieder gefunden. 



Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. 



Ein bölmiisclier Palästinapilger des 15. Jahrhunderts. 

Von Professor Dr. J. Y. Pi'ilsek in Kolin. 



Im Verlaufe der zweiten Hälfte des Jahrhunderts der Ent- 
deckungen löste sich von den böhmischen Utraquisten oder Ca- 
lixtinern die Unität der höhmischen Brüder los und constituirte 
sich im Jahre 1464 als eine neue, selbständige, aus frommen und 
-betriebsamen Dörflern bestehende Eeligiousgenossenschaft, die 
anfangs blos auf einige Waldschluchten in dem malerischen 
Adlerthal beschränkt war, doch einige Jahre nachher zu ihren 
Anhängern wohlhabende, gebildete Bürger und mächtige, alten 
Geschlechtern entsprossene Edellevite zählte. 

Einer von diesen letzteren, Bohus (1. Bohusch) Kostka von 
Postupic, Herr auf Leitomischl, gewährte der aufstrebenden 
Ünität seinen mächtigen Schutz, und von ferneher, insbeson- 
dere aus Prag, das damals als Hochburg des orthodoxen Utra- 
quismus galt, strömten fromme Leute nach Leitomischl, um dort 
unter dem milden Scepter eines aufgeklärten, brüderfreundlichen 
und auch gegen die Andersgläubigen toleranten Herrn, frei von 
den Nachstellungen und Verfolgungen der herrschenden Landes- 
kirche, nach den Satzungen der Unität ihres Seelenheils zu pfle- 
. gen. Unter diesen befand sich auch ein wohlhabender und be- 
reister Prager Handelsmann Martin, genannt Kabätnik, d. h. 
Rockverfertiger (von dem böhmischen Wort »kabät«, Rock, Über- 
rock), der etwa um das Jahr 1480 nach Leitomischl übersiedelte 
und wegen seines biederen Sinnes, seiner Rechtschaffenheit und 
Religiosität sich bald eines hohen Ansehens unter den Stadt- 
bewohnern erfreute. 

Eben damals entstand im Schosse der Unität ein mächtiger 
Zwiespalt grundsätzlicher Natur. Die gebildeteren städtischen 



Ein böhmischer Palästinapilger des 15. Jahrhunderts. 115 

Elemente unter den Brüdern perhorrescirten nämlich die ur- 
sprüngliche bäuerliche Einfachheit der Gründer und sehnten sich 
nach Verbindung mit anderen christlichen, zumeist im Orient 
zerstreuten religiösen Genossenschaften, die ihrer Tradition ge- 
mäss für ihre Grundsätze und kirchlichen Einrichtungen den 
echt apostolischen Ursprung in Anspruch nahmen. Die Bestre- 
bungen, mit den orientalischen Christen nähere Beziehungen 
anzuknüpfen, waren in Böhmen nicht neu. Bereits im Jahre 1452, 
ein Jahr vor der Erstürmung Constantinopels durch die Türken, 
weilte eine böhmische Theologenabordnung an dem Bosporus, 
bestrebt, die Fusion der böhmischutraquistischen Kirche mit dem 
orthodoxen Christenthum herbeizuführen, aber durch die gleich 
nachher erfolgte Katastrophe des byzantinischen Kaiserthums er- 
litten diese Verhandlungen zeitweilig Abbruch. 

Es lässt sich nicht bezweifeln, ja es ist sogar urkundlich 
sichergestellt, dass im Schosse der Unität die von der utraqui- 
stischen Kirche losgelösten Elemente auf Wiedererneuerung der 
Beziehungen zu den orientalischen Christen drängten. Nach 
einer heftigen, durchwegs in Flugschriften geführten Polemik mit 
den Verfechtern der ursprünglichen Einfiichheit und Selbständig- 
keit erlangten endlich diese Elemente Oberhand und auf An- 
rathen des Herrn Kostka, der auch finanziell das Unternehmen 
ermöglichte, wurde im Jahre 1490 beschlossen, einige Abgeord- 
nete der Unität nach dem Orient zu entsenden, die mit der Auf- 
gabe betraut werden sollten, die den apostolischen Satzungen 
treu gebliebenen Christen aufzusuchen und mit solchen in 
nähere Beziehungen zu treten. Unter diesen Abgeordneten be- 
fand sich auch Kabätuik, dem die ungemein schwierige Aufgabe, 
Syrien , Palästina und Ägypten zu bereisen und dort über die 
Verhältnisse einzelner Chiistengemeinden Erkundigungen ein- 
zuziehen, zugefallen war. 

Den eigentlichen Zweck seiner Mission hat Kabätnik nicht 
erfüllt, und zwar wegen Mangels an höherer Bildung, insbeson- 
dere an sprachlichen Kenntnissen , denn neben seiner Mutter- 
sprache war er nur der russischen Sprache mächtig. Sonst ist 
aber seine Keise keineswegs resultatlos verlaufen; im Gegen theil 
verdanken wir ihm, dem feinen Beobachter aller Zustände, eine 
höchst interessante und unsere Kenntnisse der damaligen Zeit in 
erfreulichem Maasse bereichernde Reisebeschreibuiig, mit deren 

8* 



J16 J. V. Piäsek, 

Inhalt ich denverehrten Leserkreis der Zeitschrift des Deutschen 
Falästinavereins bekannt zu machen mir gestatte. 

Kabatnik trat seine Heise im März 1491 mit drei Gefährten 
an. Er gab die gewöhnliche Reiseroute über Venedig auf und 
reiste über Krakau, Lemberg, Suczawa und Ostbulgarien nach 
Constantinopel, wo er den ganzen Sommer verbrachte und sich 
während dieser Müsse über die religiösen Verhältnisse reichlich 
informirte. Endlich im Herbst sammelte sich eine Karawane mit 
dem Reiseziel Jerusalem, der sich auch unser Pilger in Gesell- 
schaft eines russisch sprechenden Juden anschloss. Der Weg 
führte über Landschaften, die in dem vor wenigen Monaten erst 
beendeten türkisch-ägyptischen Kriege arg mitgenommen waren, 
und allerorts konnte Kabatnik die Spuren des langdauernden 
Krieges erblicken. Die Karawane schlug zuerst die Route über 
Brussa nach Angora ein, wo sie das Land des in dem vorher- 
sreffanffenen Kriege sehr oft o^enannten und im Jahre 1478 ver- 
storbenen ägyptischen Verbündeten, des mächtigen Beherrschers 
des turkomanischen Reiches »von weissem Hammel«, Usunhassan, 
betrat. Usunhassan's Nachfolger war Jakob Chan, der bei dem 
Sultan der baliritischen Mameluken Schutz gegen die türkischen 
Eroberungsgelüste suchte. Kabatnik nennt das Land Jakob 
Chans, das spätere Karamanien, Adzamskä zeme, Adzamisches 
Land; leider ist aber nicht zu ersehen, was er unter dieser, sonst 
unbekannten Bezeichnung versteht. Auch in Kaisarije, wo er, in 
den ersten Novembertagen angekommen, bereits eine grimmige 
Kälte zu ertragen hatte , w aren überall die verheerenden Folgen 
des Krieges sichtbar und auch die Verproviantirung der Karawane 
in einer entvölkerten und ausgeraubten Landschaft Hess viel zu 
wünschen übrig. Von Kaisarije führte der Weg durch das Gebiet 
des Turkomanenfürsten Ala-eddewlet aus dem Hause der Sulkadr 
nach Mar'^asch in Nordsyrien, das damals den äussersten Nord- 
punkt der Mamelukenherrschaft bildete. Die hochinteressanten 
hittitischen Denkmäler dieser Stadt, insbesondere die beiden, 
das Thor der hochaufragenden Citadelle schützenden Löwen, 
sind zwar der Aufmerksamkeit unseres Pilgers entgangen, nichts- 
destoweniger hatte er für die äusseren Formen der nicht zu unter- 
schätzenden Mamelukenverwaltung immer ein offenes Auge. Die 
nächste Station war *^Ain täb, das einstige Antiochia ad Taurum, 
dann folgte Haleb, welches Kabatnik merkwürdigerweise mit 



Ein böhmischer Palästinapilger des 15. Jahrhunderts. 1 | / 

dem Bestimmungsort des paulinisclien Briefes an dieGalater ver- 
wechselt. Während seines dreiwöchentlichen Aufenthalts in 
Haleb fand Kabätnik zur Orientirung Gelegenheit genug; unter 
Anderem erwähnt er die Stadtmauer und den Stadtgraben. Bei 
der inmitten der Stadt auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel 
thronenden Ikirg hebt er die enge, nur den Fussgängern zugäng- 
liche Pforte hervor, die noch im Jahre 1883 die Aufmerksamkeit 
Sachau's erregte. Auch dem lebhaften Handel von Haleb widmet 
Kabätnik einige Bemerkungen. 

Von Haleb reiste Kabätnik über Hamä, Höms und Hasjä 
nach Damaskus, das er noch vor Jahresschluss erreichte. In der 
volkreichen und gewerbfleissigen Oasenstadt hielt er sich bis zu 
Anfang Februar 1492 auf und verwendete die ganze Zeit trefl'lich 
zu allseitiger Orientirung. Nur dem eigentlichen Zweck seiner 
Reise hätte er in grösserem Maasse Rechnung tragen sollen. Ob- 
zwar Damaskus als Sitz zahlreicher Christen und des melkitischen 
Erzbischofs ein sehr ergiebiges Feld für seine Bestrebungen hätte 
abgeben können, hat es Kabätnik dennoch unterlassen, mit ein- 
zelnen Repräsentanten der verschiedenen Gemeinden nähere Be- 
kanntschaft anzuknüpfen. Hart vor seiner Abreise hörte er von 
den Drusen im Libanon, erklärte sich aber ausser Stande, diese 
merkwürdigen Überreste der Monothelesie in ihren Flochthälern 
aufzusuchen, angeblich weil seine Karawane bereits reisefertig 
war. Um Lichtmess setzte Kabätnik auf seiner Weiterreise über 
den Jordan und erreichte auf dem Umwege über Safed und er- 
Ramie Mitte Februar Jerusalem, wo er bei den Franciscanern 
des Sionklosters gastlich aufgenommen wHuxle. 

Für die antiquarische Erforschung Jerusalems hat Kabätnik 
wenig geleistet. Er wandte vielmehr seine Aufmerksamkeit den 
religiösen Verhältnissen zu, von denen er ein recht interessantes 
Bild entwirft. Selbstverständlich besuchte er andächtig die be- 
kanntesten Sanctuarien und unternahm auch längere Spazier- 
gänge in der jedem Christen geheiligten Umgegend, namentlich 
nach Bethlehem und auf den Ölberg. Grosse Aufmerksamkeit 
widmet Kabätnik der Grabeskirche und den Sanctuarien des so- 
genannten Josaphatthales, die er auch eingehend beschreibt *). 

1) Die Besehreibung von Jerusalem und Umgegend, aus dem Tschechi- 
schen ins Deutsche übertragen, ist von Herrn Professor PrÄsEK der Redaction 
zugegangen ; sie soll demnächst in der ZDPV. veröffentlicht werden. Die Red. 



118 J. V. Prasek, 

Von Jerusalem wandte sich Kaliätnik über Hebron, Gaza 
nach Ägypten. Über el -"^Arisch und Bir el-'^Abd, Avelche Ort- 
schaften er genau beschreibt, aber nicht ausdrücklich nennt, 
brachte ihn die Karawane nach der damals grossen und lebhaften 
Deltastadt Teil Fäküs, wo er zuerst den nach seiner naiven An- 
sicht aus dem Paradies entspringenden Nilfluss [vgl. Gen. 2,13] 
er\)lickte. Nach einer Tagereise gelangte Kabätnik Ende März 
nach Kairo, damals dem üppigen Sitze der Sultane der baliri- 
tischen Mameluken. 

In Kairo verblieb Kabätnik mehrere Wochen. Das eigen- 
artige Treiben und Leben der orientalischen Grossstadt, die 
stundenlangen Strassen und ihr buntes Leben, die colossalen 
Bauten in der Stadt und Umgegend, die Citadelle, der Nilmesser 
und die eigenthümlichen Denkmäler, die von den unwissenden 
Dolmetschern merkwürdig genug für Yorrathskammern Josefs 
gehalten wurden, dies Alles hat unseren Pilger in höchstes Er- 
staunen versetzt. Seine Beschreibung Kairo's ist ein schätzbarer 
Beitrag zur Beurtheilung der inneren Verhältnisse des mame- 
lukischen ^Yahlreichs, in erster Reihe die eingehende und von 
verlässlichsten Erkundigungen zeugende Schilderung der Lebens- 
weise der Einwohner und der Einrichtungen des Hofes, des Heeres 
und der mamelukischen Verwaltung. Auch der mächtige Vezier 
Esbeki und die auf ihn zurückzuführenden Neuerungen in Kairo 
werden nach Gebühr berücksichtigt. Sehr anschaulich beschreibt 
Kabätnik die einheimische ägyptische Bauart, das Processver- 
faliren in Strafsachen, das übliche Ceremoniell bei der Beerdigung, 
die Gassenküchen Kairo's, die einzelnen Moscheen und den da- 
mals weltberühmten, aber den Fremden unzugänglichen Balsam- 
garten bei el-Matarije. Auch die Verwaltungskunst der Sultane, 
die neiderregende Stellung des Keichskanzlers und das unge- 
züg-elte Leben des Mamelukenheeres werden durch treffliche 
Apercus beleuchtet. 

Auf demselben Wege, über Jerusalem, Haleb und Constan- 
tinopel kehrte Kabätnik am 2. November 1492 nach Leitomischl 
zurück. Seinen eigenen Aussagen gemäss erzählte er dort öfters 
in Bruderkreisen von weiten fremden Ländern, von den Eigen- 
thümliclikeiten der subtropischen und Wüsten-Natur, von der 
Beschaftenheit der Leute, von den grossen Städten, die er gesehen 
hatte, und weckte dadurch das Interesse seiner Mitbrüder derart, 



Ein böhmischer Palästinapilger des 15. Jahrhunderts. 119 

dass man ihn bei jeder Gelegenheit um die Aufzeichnung seiner 
Erfahrungen und Reiseerlebnisse anging. Anfangs sträubte sich 
Kabätnik gegen ein solches Ansinnen, gab jedoch später nach 
und dictirte dem Stadtschreiber von Leitomischl, Adam dem 
Baccalaureus, seine Erlebnisse in der Form eines schlicht ge- 
haltenen, aber sachgemässen Reisereferats, das noch heutzutage 
auf der Bibliothek des Prager Metropolitancapitels im Original 
aufbewahrt wird. 

Kabätnik starb kinderlos im Jahre 1502. Die erste Druck- 
legung seiner Reisebeschreibung besorgte der obenerwähnte Stadt- 
schreiber Adam im Jahre 1539. Es hat sich leider von dieser 
Auflage, soweit mir bekannt ist, blos ein einziges Exemplar in 
der Zittauer Stadtbibliothek erhalten. Auch die späteren Auf- 
lagen sind meistentheils vergriffen. Es wurde daher im Jahre 
1894 eine neue, diplomatisch treue und mit sachlichen Bemer- 
kungen versehene Ausgabe von dem Verfasser dieses Aufsatzes 
besorgt und in den Publicationen der böhmischen Franz Josefs- 
Akademie der Wissenschaften herausgegeben. 



Zur Einwohnerzalil des Bezirks Jerusalem. 

Von Bauratli C. Schick in Jerusalem, i) 



Als die Strasse von Jerusalem nach Jericho gebaut werden 
sollte, wurde die Arbeit so vertheilt, dass jeder arbeitsfähige Mann 
oder Jüngling der Ortschaften, die um Jerusalem liegen, eine 
Strecke von ungefähr einem Längenmeter zu machen hatte. Ich 
fand Gelegenheit, die Karten mit dem Verzeichniss dieser Ort- 
schaften und der Anzahl ihrer zur Arbeit heranzuziehenden Män- 
ner und Jünglinge einzusehen, und nahm eine Abschrift davon, 
weil sich dieses Material zur Berechnung der Einwohnerzahl des 
Bezirkes verwerthen lässt. 

Bereits in Bd. 11 dieser Zeitschrift S. 135 — 163 ist ein Orts- 
verzeichniss gegeben, in dem die Einwohnerzahl auf 67,3 14 Seelen 
angegeben wird. Im Schlusswort der Einleitung sagt der Bericht- 
erstatter, Professor Socin: »Auffallend bleibt die geringe, in 
keinem Verhältniss zu den Häusern (resp. Familien) stehende 
Einwohnerziifer unserer Statistik. Wir wollen diese Schwierig- 
keit hier nicht zu lösen versuchen, geben aber zu bedenken, dass 
dieses Verhältniss ein annähernd richtigeres wird, wenn wir die 
Zahl 50,000 addiren, — denn so hoch wollen wir in runder Summe 
die Zahl der Bewohner der oben genannten (aber in dem Ver- 
zeichniss nicht berücksichtigten) Städte und Städtchen veran- 
schlagen; wir erhalten dann eine Bevölkerung von mehr als 
110,000 Einwohnern auf 24,000— 30,000 Häuser.« 

Mit dem jetzt vorliegenden Material dürfte eine genauere 
Zahl ermittelt werden. Es sind darin nur die männlichen, arbeits- 
fähigen Personen gerechnet, die weiblichen also ganz ausge- 
schlossen. Im Durchschnitt wurden 2/3 der sämmtlichen männ- 

1) Wegen Raummangels verspätet. Die Redaction. 



Zur Ein-wohn erzähl des Bezirks Jerusalem. 



121 



liehen Bevölkerung einer Ortschaft als arbeitsfähig angesehen. 
Aus dieser Zahl ergibt sich demnach die gesammte Bevölkerung, 
wenn man für die männliche Bevölkerung noch ein Drittel der 
Zahl zu ihr hinzufügt und zu dieser Gesammtsumme eine gleich 
hohe für die weibliche Bevölkerung rechnet. 

Die Ortschaften sind in mehrere Sectionen getheilt. Nach 
welcher Ordnung sie in diesen aufeinanderfolgen, kann ich nicht 
sagen. Ich stelle im folgenden neben meine Zahlen die Angaben 
der Zeitschrift Bd. II, S. 13.5 ff. über die Einwohnerzahl. 

I. Section. 



lArbeitsfähisre 


Gesammt- 




Ortschaft 


— tj 

Männer 


Bevölkerung 


Angabe in ZDPV. IL 


1. El-lsaxmje . . . 


70 


210 


S.155: 78(178?) 


2. Et-tiir . . . 






158 


474 \ 


S.162: 127 


3. '^Aiiätü . . . 






60 


ISO 


S.143: 70 


4. Schaf ät . . 






92 


276 


S.160: 90 


0. 3Iuc/wiäs . 






96 


288 


8.153: 120 


6. Burka . . . 






90 


270 


S. 149: 152 


7. Bet hamna 






264 


7 92 


S.146: 240 


8. Hizmä . . 






64 


192 


S.155: 150 


9. Dscheba . . 






68 


204 


8.153: 100 


10. Der dlwcm . 






446 


1338 


S.151: 459 


11. Betln . . 






120 


360 


S.148: 140 


12. El-blre . . 






360 


1080 


S.148: 419 


1 3. Btr nebülä . 






140 


420 


S.148: 100 


14. Et-üre . 






30 


90 


S. 162 ist ein an- 
deres et-tlre 


15. Betünjä . . 






352 


1056 


S. 144: 481 


16. Kefrahab 






45 


135 


S. 156: 65 


17. Kalandije 






50 


150 


S.155: 50 


18. Er-rcim . 






80 


240 


S.158: 120 


19. Ed-dschib 






189 


567 


8.153:219 


20. Rafäi . . 






65 


195 


S.158: 100 


21. Rümalläh 






687 


2061 


fehlt 


22. Bet iksä . 






238 


714 


8.146: 147 


23. El-äzarlje 






105 


315 


8.144: 113 


24. Bit sähür 






287 


861 


8. 147: 224 


25. Silwüti. . 






313 


939 


8. 161: 240 


26. Dschifnci 






192 


576 


S.153: 185 


27. '^ Ain jahrüd 






191 


573 


8.143: 282 


28. Jabrüd . 






92 


276 


S.155: 127 


29. Der bezei 






' 93 


279 


S.151: 239 


Sui 


nir 


na: 


5037 


15111 


4837 



122 



C. Schick, 



Ortschaft 



Arbeitsfähige 
Männer 



Gesammt- . 

bevölkerung AngabemZDPV.il. 



Ubertrao- : 

Rafät 

Ob ein 2. Quartier 
vonNr. 2 oder ein 
anderes Dorf? 

Sihväd 

Rammon .... 
Mezra utbenihäril 

benimurra 
Abu kasrh . . . 
SinchcJtil . . . . 
Turmus hijä . . 
CJiirbet abu feläh 
Der ammür . . . 
Dsr//emäli . . . 
Ed-(hc]H(itije . . 
Kefr mälik. . . 

Er-räs 

Bet illo .... 
Der edschrer . . 
''Ain (D'lk, Musl. 
Christen 
Kefr name . . 

Safä 

Et-faijibe . . . 

50. "Alnul^ Muslimen 

51. - Christen . 

52. "^Ain Slnjä . . . 



30 



31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 
45. 
46. 

47. 
48. 
49. 




4837 



fehlt 



S. 161: 
S. 158: 
S. 158: 
S. 157: 
fehlt 
S. 161: 
S. 162: 
S. 149: 
S. 151: 
S. 153: 
S. 153: 
S. 156: 
S. 159: 
S. 146: 
S. 151: 



S. 

s. 
s. 
s. 
s. 
s. 



817 
635 
428 
641 

513 
301 
265 
226 
246 
268 
416 
74 
25 
394 



S. 142: 259 



156: 
159: 
161: 
142: 
142: 
143: 



353 
200 
283 
225 
170 
218 



Gesammtsumme: 10203 



30609 



11794 



II. Section. 



Ortschaft 


Arbeitsfähige 
Männer 


Gesammt- . „_.„. ^t 
bevölkerung Angabe inZDP\ .IL 


1. Sanf .... . 

2. Dsrheba" (bei 
Bethlehem) . . 

3. NahäUn .... 

4. Wudfiikm. 

5. 'AUür .'.... 

6. Ras abu ammür . 

7. Hnsün 


388 

26 
54 
41 
81 
93 
86 


1164 

78 
162 
123 
243 
279 
258 


S. 161: 265 

fehlt 

fehlt 
S. 162: 62 
S. 143: 176 
S. 159: 92 
S. 155: 115 


Summa: 


769 


2307 


710 



Zur Einwohnerzahl des Bezirks Jerusalem. 



1 -l.i 



Ortschaft 


Arbeitsfähige 
Männer 


Gesammt- 
bevölkerung 

1 


AngabeinZDPV.il. 


Übertrag: 


769 


2307 




710 


8. Bet dschibrw. . . 


426 


1278 


S. 146: 


508 


9. Nübä 


179 


537 


S. 158: 


200 


10. Sekerir [?] . . . 


112 


336 


fehlt 




11. Bet nettif . . . 


224 


672 


S. 147: 


231 


12. Dschei'äsch. . . 


35 


105 


S. 153: 


53 


13. Der ahän . . . 


307 


921 


S. 151: 


443 


14. Kidnii 


76 


228 


S. 157: 


40 


15. Ranä 


33 


99 


S. 158: 


30 


16. Der ed-dibhän . 


83 


249 


S. 151: 


79 


17. "Adschür. . . . 


589 


1767 


S. 142 


254 


18. Teil es-säßje . . 


165 


495 


S. 102 


165 


19. Berküsja. . . . 


57 


171 


S. 157- 


72 


20. Dikrm .... 


203 


609 


S. 163- 


101 


^1. Dschetta .... 


28 


84 


fehlt 




22. "Artüf 


45 


135 


S. 144 


40 


23. Sara 


56 


168 


S. 160 


59 


24. (Teil) Zakarja . 


212 


636 


S. 163 


128 


25. Bet atäh .... 


181 


543 


S. 145 


241 


26. Der esch-schech . 


45 


135 


S. 152 


101 


27. "Alür 


44 


132 


S. 143 


140 


28. Keslä 


69 


207 


S. 156 


83 


29. Birez-zet, Christ. 


262 


786 


S. 148 


175 


50. EinOrtderl.Sect. 








- 


31. ''Ain k'inj'ä . . . 


45 


135 


S. 143 


205 


32. Wie unter 30. 








- 


33. Ras Rumia . . . 


214 


642 


fehlt 




[? vgl. I, 43] 










34. Bet nuhä . . . 


241 


723 


S. 147 


97 


35. Oharas .... 


166 


498 


fehlt 




36. Dura el-kara . . 


82 


240 


8. 153 


120 


37. Bet faddschär . 


208 


624 


S. 154 


: 81 


38. Sürda 


36 


108 


S. 101 


63 


39. Abu Kusch . . 


68 


204 


fehlt 




[? vgl. I, 35] 










40. Bet im [— I, 44] 











Gesammtsumme : 



5260 



15780 



4419 



124 



C. Schick, 





III. Section (mit fortlaufenden Nummern 


). 






Arbeitsfähige 


Gesammt- 








Ortschaft 


Männer 


bevölkerun^ 


Anga 


beinZDPV.II, 


41. Abu &checliedim . 


68 


204 


s. 


142: 


76 


42. Mezraa^ Christen 


367 


1101 


s. 


157 


560 


43. Dschemäli . . . 


104 


312 


s. 


153 


246 


schon I, 40] 












44. Derammär . . 


119 


357 


s. 


151 


226 


schon I, 39] 












45. £'r-m5[schonI,43] 


70 


210 


s. 


159 


74 


46. Ed-chc/tämje, 












Muslimen 


114 


342 


s. 


153 


268 


47. - Christen 


12 


36 


s. 


153 


: 29 


"schon I, 41] 












48. Blr ez-zef, Musl. 


64 


192 


s. 


148 


7S 


die Christen II, 291 












49. Kef?' ncime . . . 


219 


657 


s.^ 


156 


{kefr 


schon I, 47] 






mme) : 


353 


50. Safä [schon I, 48] 


188 


564 


S. 


159 


200 


51. *^^m?«/^-,Christen 


79 


\ 


/-"d 






52. - Musl. . 


78 


471 


s. 


142 


259 


[schon I, 46] 












53. "Afära 


160 


480 


s. 


144 


225 


54. '^AdscJüd .... 


156 


468 


s. 


142 


250 


55. DschildscMlJä . 


46 


138 


s. 


153 


49 


56. '^Abicain .... 


311 


933 


s. 


142 


429 


57. '^rwra(DärHathi) 


79 


237 








58, 'Arüra (Dar er- 












Rufai) 


33 


99 


. s. 


144 


300 


59. '^rwra(allgemein) 


68 


204 








60. Der es-südän . . 


51 


153 


s. 


152 


90 


O 1 . 

62. 


■ Mezrda .... 


336 


1008 


s. 


157 


[ma- 


63. 








zä7'i): 


560 


04. Kefr Rima (?) . 


48 


144 




fehl 


t 


65. Karäwä .... 


104 


312 


s. 


155 


200 


66. Kefr ain Ci/ati) 


172 


516 


s. 


156 


260 


67. Burha .... 


34 


102 




fehl 


t 


68. DscJnbJä .... 


28 


84 




fehl 


t 


69. Der abu mascJial 


91 


273 


s. 


151 


159 


70. Der en-nizäm . . 


49 


147 


s. 


152 


59 




Summa: 


3248 


9744 






4947 



Zieht man die bereits in Section I genannten Ortschaften 
mit 2949 ab, so ergiebt sich die Gesammtsumme von 6795, für 
ZDPV. II: 3321. 



Zur Einwohnerzahl des Bezirks Jerusalem. 



12; 



IV. Section. 

Von einer vierten Section konnte ich keine Copie nehmen 
da sie nicht auf den Plänen, sondern auf einem besondern Papier 
stand, das ich nicht bekommen konnte. Ich führe die Ortschaften 
derselben dessenungeachtet an und setze die Einwohnerzahl bei, 
wie ich sie mir angeben Hess. Freilich beruht manche auf einer 
blossen Schätzung; sie kann jedoch nicht weit von der Wahrheit 
abliegen, da ich die Orte mit sehr wenigen Ausnahmen schon 
besucht habe, also persönlich kenne. 



Summa 





Arbeitsfähige 


Gesammt- 






Ortschaft 


Männer 


bevölkerung 


AngabeinZDPV.il. 


1. Nebi samwil . . 27 


81 


S. 158: 


20 


2. Katanjie . . 






117 


351 


S. 156: 


300 


3. Bei nakiiba 






45 


135 


S. 146: 


88 


4. El-Jmstal. . 






13 


39 


S. 156: 


10 


5. Ahu ghoscli. 






400 


1200 


S. 142: 


579 


6. Sär'is . . . 






120 


360 


S. 160: 


169 


7. Bef mahsir 








86 


258 


S. 164: 


130 


8. Aschuiva 








118 


354 


S. 161: 


90 


9. Der el-hawä 








54 


162 


S. 152: 


103 


10. Betü7- . . 








250 


750 


S. 148: 


239 


1 1 . Weledsche 






! 270 


810 


S. 163: 


379 


12. Ed-dschöra 








50 


150 


S. 153: 


84 


13. Sätcif . . 








60 


180 


S. 160: 


115 


14. \Ainkärim 








430 


1290 


■ S. 143: 


533 


15. Der jäsln 








46 


138 


S. 152: 


48 


IG. Mälha . . 








200 


600 


S. 157: 


340 


17. Schar afät 








42 


126 


S. 160: 


53 


18. Bet safäfa 








60 


180 


S. 147: 


169 


19. Sür bähir 








100 


300 


S. 161: 


154 


20. El-chadr . 








70 


210 


S. 149: 


122 


21. Artäs . . 








40 


120 


S. 144: 


60 


22. BÜ tamar,Uü\\) 


- 










beduinen . . 




? 


9 


S. 147: 





23. Ahu dls. . . 




200 


600 


S. 14 2: 


326 



2798 



8394 



4111 



12(i 



C. Schick, 



y. Section. 



Ortschaft 



Arbeitsfähige 
Männer 



Gesammt- 
bevölkerung Angabe in ZDPV.II. 



1. Bef dschälä . . 


960 


2880 


S. 145: 874 


2. Nebi sälih . . . 


34 


102 


S. 158: 22 


3. Kühar 


148 


444 


S. 156: 220 


4. Der ghisäne . . 


447 


1341 


S. 152: 559 


5. Bct rlmä. . . . 


160 


480 


S. 147: 220 


6. Biddü 


182 


546 


S. 148: 247 


7. Sühä 


120 


360 


S. 161: 112 


8. Liftä 


322 


966 


S. 157: 395 


9. Kalonije .... 


104 


312 


S. 155: 120 


10. Bethlehem . . . 


2110 


6330 


S. 146: 2023 


1 1 . Bct SUrik . . . 


88 


264 


S. 147: 125 


12. El-Jmhebe . . . 


48 


144 


S. 157: 499 








(gewiss zu hoch) 


13. Bet man. . . . 


150 


450 


S. 145: 220 


14. Bet dukJm . . . 


38 


114 


S. 146: 125 


15. JEt-Üre .... 


70 


210 


S.162(?): 385 

(zu hoch) 


Summa: 


4981 


14943 


6146 



Zusammenstellung der Sectionen. 
I. Section 30609, nach Band 2: 11794 



II. 


» 


15780, 


» 


» 


4419 


III. 


» 


6795, 


> 


» 


3321 


IV. 


» 


8394, 


» 


» 


4111 


V. 


» 


14943, 


» 


» 


6146 



76521 



29791 



ZDPV.II, 141 hat als Gesammtsumme 67,314 Seelen. In 
ihr sind jedoch die Bewohner der Distrikte Jafa, er-Ramle, Lidd, 
Hebron u. a. (vgl. a. a. O. 140 f.) mit enthalten, auf die nach 
Abzug der obigen Summe 29,791 die Theilzahl von 37,523 ent- 
fällt. Da die mir zu Gebote stehenden Zahlen nun durchweg 
höher sind als die der Liste ZDPV. II, 135 fr., so nehme ich auch 
für die in jener Liste mitgezählten Distrikte entsprechend höhere 
Zahlen an, d. h. ich setze für die Theilzahl 37,523 nach dem 



Zur Einwohnerzahl des Bezirks Jerusalem. 127 

obigen Verhältniss von 29,791: 76,521 die entsprechend höhere 
Theilzahl 96,381 an. Rechnet man diese zu der obigen Ge- 
samratsumme von 76,52 1 hinzu, so erhält man für den gesammten 
Regierungsbezirk von Jerusalem, den die in ZDPV. II verwer- 
thete Liste umfasst, die Zahl von 172,902, d.i. rund 170,000 Seelen. 
Zu beachten ist jedoch, dass die Städte Jerusalem, Jafa, Gaza, 
Hebron mit vielen ihrer Dörfer, die weder in meiner Liste noch 
in der von Professor Socin ZDPV. II verwertheten vorkommen, 
für diese Zahl nicht mitgerechnet sind. Für Jerusalem allein 
würden mindestens 45,000 Seelen hinzukommen. 

Für die Reurtheilung des Unterschiedes mache ich darauf 
aufmerksam, dass die von Professor Socin verwerthete Liste nach 
seiner eigenen Angabe ZDPV. II, 135 etwa aus dem Jahre 1870 
stammt. Seitdem hat sich die l^evölkerung nicht nur stark ver- 
ändert, insofern die Leute von einer Ortschaft zur anderen ziehen 
oder wegen rückständiger Steuern zeitweise ganz auswandern, 
sondern auch im Ganzen vermehrt. Ausserdem scheint die Liste 
der ZDPV. II nur die männlichen Einwohner gezählt, die weib- 
lichen ganz ausser Rechnung gelassen zu haben. In diesem Falle 
würden die beiden Listen nicht so sehr von einander abweichen, 
eine Zunahme der Bevölkerung für die Gegenwart jedoch anzu- 
nehmen sein. 

Jerusalem, December 1892. 



.■■■iiiiniiiiiiiHiiiiitiiiii:inHii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii:iiiitiiiiii»^ 



Der Deutsche Verein zur Erforschung Palästlna's 

begrüsst 

sein hocligescliätztes Ehrenmitglied 
Herrn 

Conrad Schick in Jerusalem, 

Elirendüktor der philosophischen Fal<ultät der Universität Tübingen, königlich 
Württemhergisehen Baurath, 

zur 

Feier seines 50 jährigen Anfentlialtes 

in Jerusalem 
mit den wärmsten Glückwünschen 

und bekundet ilim 

seine hohe Auerkennnng nnd seinen anfrichtigen Dank 

für die eifrige nnd erfolgreiclie Thätigkeit, 

die er der Erforschung Jerusalems und des heiligen Landes 

gewidmet hat. 

Leipzig, 28. October 1S96. 

Der Vorstand. 



iiniiiiiiiuHiiiiiiiiiiiniiiiiiaiffiiEiiDiiBiiiHgiiiiiiigiDiiinKa^^^ 



B 



Neu erscliieueue Bücher zur Palästinakuude 1895. 

Ausser eigenen Hiilfsquellen wurden benutzt: Orientalische Bibliographie 
Bd. VIII u. IX (1895 und 1896). Revue de l'Orient Latin II u. III (1894 und 1895). 
Revue biblique IV u. V (1893 u. 1896). Nach dem Beschluss des Vorstandes vom 
11. Miirz 1895 (vgLMuNDPV 1895, 32) werden hier nur die 1895 erschienenen 
üücher aufgeführt. Die Artikel aus Zeitschriften und anderen periodisch erscheinen- 
den Druckwerken sollen In den MuTs'DPV mitgetheilt, auch das bisher dort Fehlende 
sobald als möglich nachgeholt werden. H. Guthe. 



A. Bücher. 

Ala, Stanislao d', Le missioni Francescane e riUustrazione dei santuarii 
della Palestina. Torino, Tipografia Salesiana. 1895. 336 S. 8. 

Antonini Placentini Itinerarium. Ausgabe des lateinischen Textes, Über- 
setzung und Anmerkungen von Pomialowski. Sbornik der k. russ. ortliod. 
Palästina-Gesellschaft, Lief. 39. Petersburg, 1895. IV, 187 S. gr. 8 (Russisch). 

Arbeit und Aufgabe der Evangelischen Kirchen in Jerusalem. Mit einer Ab- 
bildung der Erlöserkirche zu Jerusalem. Berlin 1895. E. ö. Mittler und 
Sohn. 31 S. 4. 

Archer, T. A., and Kingsford, C. Lethbridge, The Crusades: the story of 
the Latin Kingdom of Jerusalem. London and New York, G. P. Putnanrs 
Sons. 1894. 8. Mit Abbildungen. . ' . 

Nachtrag zu ZDPV. XVIII, 201—204. ' 

Bambus, Willy , Die jüdische Ackerbaukolonisation in Palästina und ihre 
Geschichte. Berlin, Schildberger, 1895. 19 S. 8. (= Zion, Nr. 2. Beilage). 

Barbier, F. J. A., Lettre« d'un pelerin sur la Terre sainte. 3e edit. rev. par 
l'auteur. 2 vol. Nemours, Vaillot, 1895. XXII, 364, 397 S. 8. 

Baudot, Victor, Au pavs des turbans: Greee, Syrie, Egvpte. Bruxelles, 
Uesclee, de Brouwer & Co. 1895. 2i)4 S. 8. Mit x\bbildungen. 

Beltrame, Giovanni, In Palestina. L'ultimo mio viaggio. Con alcuni ricordi 
della Terra Santa premessi dal prof. Augusto Conti. Firenze, Barbera, 1895. 
XXVII, 378 S. Mit Karte und Portrait. 8. 

Biographieen palästinensischer Heiliger. Herausg. von Pomialowski. Lie- 
ferung 5; Porphyrius, Bischof von Gaza 393 — 421. 79 S. Lief. 6 : Gerasimus 
vom Jordan f 475. 14 S. Lief. 7 : Kyriakos der Einsiedler 4-19 — 556. 23 S. 
Lief. 8: Theodosius der Grosse. 94 S. St. Petersburg, k. russ. orthod. 
Palästinagesellschaf c. 1S95. IG. Russisch. 

Boscawen, W. St. Chad, The bible and the monuments: the primitive 
Hebrew records in the light of modern research. London, Eyre (New York, 
Young& Co.) 1895. 178 S. 8. 

Brandel, R. A. , Om. och ur den arabiske geografen 'Idrisi. Akademisk 
afhandling. Upsala 1894, Edv. Berling. V, 1—40, l^^i— 1, 1—114 S. 8. 

Nachtrag zu ZDPV. XVIII, ISiiff. Die Einleituns bespricht Idrisi's Lehen und Wirk- 
samkeit, ferner die Überlieferung seines Werkes in Handschriften und Drucken (vgl, ZprV. 
VIII, 117 if. und Beilage). Nach dem Text giebt der Verfasser eine schwedische Über- 
setzung und sorgfältige Anmerkungen dazu. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. 9 



130 

Cabrol, Dom Pern. , Etüde sur la Pere^rinatio Silviae. Les eglises de Je- 
rusalem, la discipline et la Hturgie au IVe siecle. Paris, Oudin. 1895. VIII, 

208 S. 8. 

Verf. behandelt hauptsächlich den liturgischen Theil der Peregrinatio, das erste Kapitel 
ist jedoch den topogniiihischen Fragen gewidmet. Vgl. die ausfuhrlichen Mittheilungea 
in Revue de l'Orient latin, 3« ann^e (lSi)5) No. 3, 481 iF. 

Chronique syriaque de Denys de Teil Mahre. Quatrieme partie; publice et 

traduite, dapres le ms. CLXII de la Bibliotheque Vaticane, p. J.B. Chabot. 

Paris, Bouillon. 1895. XLII, 2ü6 S. Übersetzung. XII, 247 S. Text. (= Bibl. 

de l'ecole des hautes etudes. Sc. bist, et philol. 112pfasc.). 

Dionysius von Teil Mahre, Patriarch der Jacobiten + S45, behandelt in diesem 4. Theilo 
seiner Chronik die Ereignisse seiner Zeit und macht merkvv-ürdige Mittheilungen über die 
Lage der syrischen Christen unter der Regierung der beiden ersten Abbassiden-Chalifen. 

Clermont-Ganneau, Ch., Etudes d'archeologie Orientale. Tome I, 2^ partie 

(= Bibl. de Tecole des hautes etudes, Sc. philol. et bist. XLIV, S. 85 — 148). 

Paris, Bouillon. 1895. Mit 3 Tafeln. 8. 

Besonders erwähnenswerth: S. 140 f.: L'epifaphe de Marie et de Lazare et les in- 
ventions de reliques en Palestiue. [Vgl, ZDPV. XVII, ISOff., XVllI, 237). S. 141 f.: L'iu- 
scription romaine de Bettir et la Bethar du Barcocheba. [Vgl. ZDPV. XVIII, 210, Nr. 104]. 
S. 142 f.: iQscriptions grecques d'Outre-Jourdain (Djerach et Irbid). S. 143 f.: Les in- 
scriptions grecques de la mosqui^e d'H^brou. S. 144: luscription grecque du Moristän ä 
Jerusalem. [Vgl. ZDPV. XVII, 1S3f., XVIH, 237]. S. 144 f: Le »Cames« du Templier de 
Tyr. S. 145 f.: Deux sceaux inedits des Croisades (Xllle siöcle) aux noms de Raul Ursel 
et de Salerao de Puteo. (Der erste Theil dieses Bandes erschien ISSÜ). 

Dawson, J. W., Modern science in Bible Lands. Witb maps and illustr. 
3rd ed. witb a new pref. London, Hodder. 1895. 416 S. 8. 

Derenbourg, Hartwig, Les croisades d'apres le Dictionnaire geqgraphique 
■ de Yäkoüt. (= Ecole nationale des langues orientales Vivantes: Edition du 

centenaire. S. 71 — 92. Paris, Imprim. Nat. 1895. 4.). 

Unter >-Hebrou« theilt J. z. B. einen Auszug aus el-harawi über die Untersuchung des 

Patriarchengrabes im J. Hill mit. Vgl, ZDPV. XVll, 23SiF. 

Derenbourg, Hartwig, Femmes musulmanes et chretiennes de Syrie au XII^ 
siecle. Episodes tires de rAutobiographie d'Ousäma. In Melanges Julien 
Havet. Kecueil de travaux d'erudition dedies ä la memoire de Julien Havet. 
S. 305— 316. Paris, E. Leroux. 1895. 8. 

Derenbourg, Hartwig, Souvenirs bistoriques et recits de chasse par un emir 
Syrien du XII^' siecle. Autobiographie d'üusama Ibn Mounkhid intitulee: 
rinstruction par les exemples. Traduction francaise d'apres le texte arabe 
p. H. D. Paris, E. Leroux. 1895, VI, 238 S. 8.' 

Sonderdruck aus Revue de lOrient latin II (1894), 327—565. Vgl. ZDPV. XVIIl, 210. 
Nr. 19N. Kbd. 230 f, 

Desdevises duDezert, G., Les croisades. Clermont-Ferrand, impr. Mont- 
louis. 1895. 23 S. 8. 

Dictionnaire de la Bible .... publie par F. Vigouroux. Fase. 7. Paris, Le- 

touzey&Ane. 1895. S. I—LXIV; 1793— 1984. S. 

Einführung in die heil. Schrift. Ein Abriss der bibl. Geographie, Archäologie, 
Einleitung in das Alte und Neue Testament samnit Hermeneutik. 3. Aufl. 
Regensburg, Nationale Verlagsanstalt. 1895. XIV, 484 S. 8. 

Endl, Priedr. , Bilder und Skizzen aus Egypten und Palästina, von der 
Österreichischen Pilgerfahrt nach dem H. Lande im Frühjahr 1894 heim- 
gebracht. Wien, Selbstverlag (zu bez. durch Pichler's Buchhandlung in 
Hörn, N.-Üst.j. 1894. 200 S. 8. Mit Abbildungen. 

Farmer, Lydia Hoyt, The doom of the holy city : Christ and Caesar. New 
York, Kandülph & Co. [1895]. VIII, 3S6 S. 8. 

Ferrario, G. C. , Gerusalemme. IJescrizione e guida. Turino, 1895. 8. Mit 
2 Plänen von Jerusalem aus der Zeit Christi und vom Jahre 1894 und 33 
Plänen von historischen Denkmälern Jerusalems. 

Gautier, Lucien, Au delä du Jourdain. Souvenirs d'une excursion faite en 
mavs 1894. Geneve, Imjirimerie Aubert Scbuchardt. Hey et Malavallon, 



131 

Successeurs. 1895. 64 S. Mit 10 Abbildgen. 8. (Extrait du Globe, Journal 
geographique, organe de la soc. de geogr. de Geneve t. XXXIV. Memoires). 

In anspruchsloser, aber lebendiger Weise schildert G. eine kleine Reise, die er während 
seines Winteranfenthaltes 189.'V-l in Begleitung eines Herrn G. A. Croke unternahm. Im 
Allgemeinen hatten die Reisenden günstiges Wetter; nur war der Boden im Jordanthale 
zuerst noch sehr feucht, so dass die Gesellschaft gezwungen war, die Jordanhrücke dschisr 
el-ghöräuTje zu passieren. Die Reisenden ritten zunächst nach es-Salt, sodann mit einem 
christlichen Führer Afran über das Christendorf Rememln (3 Stunden), dann an den Hütten 
der Turkomanen von Rummän vorbei nach dem Jabbok (7 St. von es-Salf) und in 2 weiteren 
Stunden nach Dscherasch, der Tscherkessenstadt. Die kurze Beschreibung ist von einigen 
guten Photographien von Bonfils in Beirut begleitet, hervorzuheben sind aber auch die 
beigefügten Aufnahmen des Innern des Triumphthores von Croke und der »vue gön^rale« 
von Sykes; sehr hübsch ist PI. IV, das Forum, von Bonfils. Von Dscherasch begaben sich 
die Reisenden (p. 'Si) auf einem, wie es scheint, selten begangenen direkten Wege, theil- 
weise einer alten Röraerstrasse folgend, nach ^Ammän , woselbst sie gute Aufnahme bei 
den Tscherkessen fanden (sogar Thee!). Dagegen waren sie genöthigt, den Plan, nach 
Mädebä weiter zu reisen, aufzugeben; statt dessen begaben sie sich nach 'aräk el-emir 
(Photographien vom Pal. Expl. F.) und kamen dann durch wädi müsä und das untere wädi 
scha'Ib zum Lager des alten Advvanschechs Ali Diab; von dort ging es wieder zur Jordan- 
brücke zurück |A. Socin]. 

Gautier, Lucien, Un voyageur suisse dans le Levant, en 1812 et 1813 fJ. H. 
Mayr). (= Pages d'histoire, dediees ä M. P. Vaucher, professeur ä l'Uni- 
versite de Geneve par quelques-uns de ses aneiens eleves. Geneve, Georg 
et Cie. 1895. S. 1—25. 8). 

Vgl. Röhricht, Bibliotheca geogr. Pal. 345 f. 

Geikie, C. , The Holy Land and the Bible; a book of scripture iüustrations 
gathered in Palestine. With a map of Palestine and original illustrations. 
Special edition. London, Glarke. 1895. 936 S. 8. 

Geramb, Maria Jos. v., Pilgerreise nach Jerusalem. Volksausgabe, Pader- 
born, Schöningh. 1895. 174 S. 8. 

Geyer, Dr. Paulus, Adamnanus, Abt von Jona. I. Theil. Sein Leben. Seine 
Quellen. Sein Verliältniss zu Pseudoeucherius de locis sanctis. Seine 
Sprache. Programm zu dem Jahresberichte des k. h. Gymnasiums bei St. 
Anna in iVugsburg für das Schuljahr 1894/95. Augsburg, Druck von Ph. J. 
Pfeiffer. 1895. 47 S. 8. 

Wichtig, weil Adamnanus (623/21—704) Verfasser der unter dem Namen Arculf's gehen- 
den Schrift de locis sanctis ist, die nothwendig neu herausgegeben werden muss (S. (j— 11). 
Pseudoeucherius de locis sanctis setzt G. nicht um 440 an, wie T. Tobler, sondern ins 
8. Jahrhundert. Vgl. dazu Furrer in Theol. L.Z. 1S06, Nr. IS, 472 f. 

Geyersburg, C. H. de, Egypt and Palestine in primitive times. Vol. I. 

Bristol, Arrowsmith (London, Simpkin). 1895. 58 S. 8. 
Gonzenbach, C. v. , Pilgerritt. Bilder aus Palästina und Syrien. Berlin, 

Asher &- Co. 1S95. VI, 273 S. 4. Mit Abbildungen. 

Hantzseh, Victor, Deutsche Reisende des sechszehnten Jahrhunderts. Leip- 
zig, 1895. 140 S. 8. (= Leipziger Studien, Bd. I, Nr. 4). 

Betrifftauch einige Palästinapilger : E. Oertel, Teufel und Fernberger, Leonhard Rauwolf. 

Hartmann, Martin, Das Liwa Haleb (Ale])po) und ein Theil des Liwa 
Dschebel Bereket. Reisen, ausgeführt mit Unterstützung der Karl Rittcr- 
Stifcung der Gesellschaft für Erdkunde und dargestellt von. Mit 1 Tafel. 
Sonderabdruck aus der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. 
XXIX. Band, 1894. Ikrlin 1894 (auf dem Umschlag 1895). Druck von 
W. Pormetter. 124 S. 8. 
Vgl. ZDPV. XVIII (18Ü5), 236. 

Haupt, Paul, Wo lag das Paradies? Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt. 
118951. 8 S. 4. Mit Abbildungen. (= Über Land und Meer LXXIII, 
S. 347—349). 

Vgl. ZDPV. XVIII, 219, Nr. 222. 

Heber-Percy, Major Algernon, A visit to Bashan and Argob. With an in- 
troduction by the Rev. Canon Tristram. With many illustrations from 
hitherto vmpublished photographs taken by the Author. London, Religious 
Tract Society. 1895. 175 S. 4. 

Verf. bereiste mit seiner Familie in der zweiten Hälfte des Aprils 1894 von Damaskus 

9* 



132 

aus deu Ostrand di-r LcdscLäh (= »Argob«) und das Ilauraugebirge (= »Basan«). Er rühmt 
die freundliche Aufnahme von Seiten der Drusen. In es-Suwedä wurde ihm ein Altar tou 

• Stein gezeigt, der mit Stierbildern verziert war und eine für ihn unleserliche Inschrift 
trug (S. I(l9). Er ist von Schuhha nach Bosra und von Salcha über Eüsän nach Schakka 
gereist, also auch über den Ostrand des Gebirges. Hübsche Abbildungen zieren das Buch. 
Abgesehen von einem uufreundlichen Zusammenstoss mit Beduinen am NO. -Rande der 
Ledschah fand der Verf. überall volle Sicherheit der Wege. 

Henslow, George, The plants of the Bible. London, Religious Tract Society 
(New York and Chicago, Revell Co.). 1895. 126 S. 8. Mit Abbildungen. 

Hitrowo, B. von. Zum belebenden Grabe des Herrn. Erzählung eines alten 
Pilgers. 7. Aufl. St. Petersburg, 1895. 115 S. Mit 68 Abbildungen. 120. 
Russisch. 

Holtzmann, Oskar, Neutestamentliche Zeitgeschichte. (= Grundriss der 
theol. Wissenschaften. II. Reihe, 2. Bd.). Freiberg i B. und Leipzisr, Mohr. 
1895. VIII, 260 S. 8. 

Hetten, Laurenee, Literary landmarks of Jerusalem. New York, Harner 
1895. VIII, 74S. S. ' 

Jacques de Verone (1335), Le pelerinage du moine Augustin, publie, d' apres 
le MS. de Cheltenham No. 6')5U, p. Reinhold Röhricht. [Extrait de la Revue 
de rOrient latin T. III (1895 , No. 21. Paris, Leroux. 1895. 148 S.. 8. 

Jonas des Kleinen Bericht und Erzählung über seine Reise nach Jerusalem 
und Zargrad. Ausgabe der beiden Handschriften in Petersburg und Moskau 

• von S.Dolgow. Sbornik der k. russ. orthod. Palästina-Gesellschaft, Lief. 42. 
St. Petersburg, 1895. XII, 168 S. VI, 259 S. gr. 8. Russisch. 

Flavii Josephi opera omnia. Post Immanuelem Bekkerum recognovit Sa- 
muel Adrianus Naber. Vol. V. Leipzig, Teubner. 1895. LX, 392 S. 8. 

opera. Ed. et app. crit. instr. Benedictus Niese. Vol. VII. Index. 

Berlin. Weidmann. 1895. VI S., 1 Bl., 86 S., 1 Bl. 8. 

= Recogn. Benedictus Niese. (Editio minor). Vol. VI. De hello 

• ludaico 1. VII et index. Berlin, Weidmann. 1895. IV, 575 S. 8. 

J ullien, M., Ba'albek. Histoire et description. 1895. Librairie de l'im- 
primerie catholique, Beyrouth. 87 S. 8, 

Einleitung S. 4-f. Geschichte S. 4—20. Berühmte Personen S. 21—25. Gegenwärtiger 
Zustand S. 2IJ— 00. Andere Alterthümer von B. S. 61—78. Die Umgebuneren S. 79—85 
Mit S Abbildungen und 1 Plan. 

Katzenellenbogeij, Grafen Philipp von, die Jerusalemfahrt des, im J. 1433. 
Sep. Abdr. aus dem -GTazei- Volksblatt«. Graz, Styria. 1895. 30 S. 8. 

Kapterew, N. , Die Beziehungen der Patriarchen von Jerusalem zur rus- 
sischen Regierung seit der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrh. 
Sbornik der k. russ. orthod. Palästina-Gesellschaft, Lief. 43. St. Petersburg, 
1895. 509 S. gr. 8. (Russisch). 

Khull, Dr. Ferd., Zweier deutscher Ordensleute Pilgerfahrten nach Jeru- 
salem in den Jahren 1333 und 1346. Nach ihren eigenen Aufzeichnungen 
erzählt. Nebst einer Beigabe : Beschreibung des H. Landes durch Johann 
von Würzburg (1170). Separat-Abdruck aus den »Gaben des katholischen 
Pressvereines« für das Jahr 1895. Graz, Styria. 1895. 156 S. 8. 

S. 1 — 4(): Ottcs von Neuhaus (Wilhelms von Boldensele) Pilgerfahrt im J. 1333. S. 47 

— 105: Jakobs von Bern Keise nach dem Heiligen Lande im Jahre 134G. S. 106 156: 

Anhang: Johanns von Würzbnrg Beschreibung des Heiligen Landes (1160-1170). Die ein- 

. zelnen Theile sind durch »Vorbemerkungen« eingeleitet. 

Körte, A. , Die sidonischen Sarkophage des Kais. Ottomanischen Museums 
zu Constantinopel. Constantinopel. O. Keil (Leipzig, Wagner). [1895]. 
28 o. 8. 

Krayenbelt, J., (Predikant bij de Ned. Herv. Gemeente te Rotterdam), Het 

^ Heilige Land. Reis door Egypte, Palestina en Syrie. Met kaart en platen. 

Tweede Druck. Ten vordeele van het Kinderhuis der NecL Herv. Gem. te 

Rotterdam en van het Protest. Kinderziekenhuis »Marienstift« te Jeru- 



133 

salem. Kotterdam, Wenk & Birkhoff, 1893. 364, XV S. gr. 8. (Mit dem 
Bildniss des Verf.^ — 3«^, verm. Druk 1895. 

Kunde, Herrn., Pilgerfahrt ins heilige Land in sechsundzwanzig Aufsätzen 
beschrieben. Dresden, Sturm & Co. 1895. 4 BL, 2-12 S. 8. Mit Abbildgn. 

Lallemand, Charles, D' Alger ä Constantinople-Jerusalem-Damas. Paris, 
Ancienne Mai.son Quantin. [1895". 134 S. 4. Mit Abbildungen. 

Landrieux, M., Aux pays de Christ. Etudes bibliques en Egypte et en Pale- 
stine. Paris, Maison de la Bonne Presse. 1894. iX, 045 IS. S. Mit Abldg. 

Legrand, E., Recueil de documents grecs coneernant les relations du patriar- 
cat de Jerusalem aveca lioumanie 1569 — 1728,. Paris, H. Welter. 1895. 
VIII, 478 S. 8. Mit 1 Tafel. (= Biblioth. grecque vulgaire. Bd. VII;. 

• , Bibliographie hellenique ou description raisonnee des ouvrasres publies 

par des Grecs au XVIIe siecle. T. III. Paris, A. Picard. 1895. XVI, 564 S. 8. 

Loti, Pierre, Jerusalem. Paris, C. Levy. 1895. 22 S. 12°. 

SoiidtTdruck der ZDPV. XVIII, 2.(3, Nr. 363 erwähnten Aufsätze. Fesselnde Sclülde- 
ruugen, aufrichtige Bekenntnisse «einer Seele, die zu den gequältesten dieses zu Ende 
neigenden Jahrhunderts gehört«, geschrieben für die, »die daran sterben, das einzige Heil 
besessen und verloren zu haben«. 

Loti, Pierre, Le desert. 7eedition. Paris, C. Levy. 1895. 11,258 8. 12°. 

Bericht über eine Reise von Ägypten über den Sinai, el-''Akaba und Petra nach Jeru- 
salem. Sonderdruck aus Xouvelle Kevue XC und XC'I (1^!J1). 

Marci Diaconi vita Porphyrii, episcopi Gazensis. Ediderunt societatis philo- 
logae Bonnensis sodales. Leipzig, Teubner. 1895. XIV, 137 S. 8. ■ 

Enthält auch Topographisches namentlich über Gaza. 

Martrin-Donos, J. de. Au pays du Sauveur. Impressions de voyage d'un 
pelerin en Egvpte et en Palestine. Nouvelle edition. Paris, Taffm-Lefort. 
[1895> 364 8.' 8. Mit Abbildungen. 

Mc Dougall, J. , Geography cf Palestine: historical and descriptive. On a 
new and competitive System. Manchester, Brook (London, Simkin). 1895. 
120 S. 8. 

Meoixrj diriyrjaig ex tw»' hyaoy xöni'iv jr^g ^lBoovaa).r;u (Kurzer Bericlit über 

■ die heiligen Stätten in Jerusalem'. Von einem Anonymus aus den Jaliren 
1253—54. Griechischer Text, nach einer in Neapel behndlichen Handschrift 
zum ersten Male veröffentlicht von Papadopoulos -Kerameus. Über- 
setzung von Destunis. Sbornik der k. russ. orthod. Palästina-Gesellschaft, 

. Lief. 4(1. St. Petersburg, 1895. III, 29 S. gr. 8. Russisch. 

Mez, Adam, Die Bibel des Josephus untersucht für Buch V — VII der Archäo- 
logie. Basel 1^95. In Commission bei Jaeger & Kober, C. P\ Spittlers 
Nachfolger. 84 S. 8. 

S. 5—53 die von Jos. genannten biblischen Namen. Lehrreich für manche geogra- 
phischen Namensformen, die nach Josephus, dem masoretischen Text und den alten Über- 
setzungen verglichen werden. 

Miller, Prof. Dr. Konrad, Mappae mundi. Die ältesten Weltkarten. Heraus- 
gegeben und erläutert. Heft I — III. Stuttgart, Jos. Roth sehe Verlags- 
handlung. 1895. 

I. Heft: Die Weltkarte dea Beatus (7711 n. Chr.), Mit Abbildungen im Test und der 
Karte von St. Sever in den Farben des Originals. II, 7(1 S. 

Beatus starb 79S in der Beuediktiuerabtei Vallecava (Valcavado) am südlichen Fuss der 
Liebaniensisehen Gebirge im Norden Spaniens. Vgl. ZDPV. XVIII, IS'2. 

II. Heft: Atlas von 16 Lichtdrucklafeln. III. Heft: Die kleineren Weltkarten. Mit 
74 Abbildungen im Text und 4 Tafeln in Farbendruck. II, 160 S. 

Für Palästina kommen besonders in Betracht: I. Die beiden Karten des h. Hieronymus 
S. 1 — 21. Sie sind einem Manuskript von Werken des Hieronymus im Britischen Museum 
(Add. 10,040, Fol. Perg.l in London entnommen; die erste stellt den Orient, die zweiti^ 
Palästina dar; beide sind um llöO angefertigt. Nach Miller's Meinung S. 2—4 sind sie 
Abschriften einer alten Vorlage, die Hieronymus zum Urheber hat. »Hieronymus hat die 
ihm vorliegende römische Weltkarte in der Weise benutzt und verarbeitet, dass er be- 
sonders die ihm wichtigen biblischen Namen aushob und, wenn nöthig, selbst einsetzte. 
Das r.ild im grossen und ganzen ist nicht sein Werk, sondern in treuem Anschluss an die 
schulgerechte Darstellung seiner Zeit. Immerhin aber war es eine Arbeit, welche in einer 
einigermassen befriedigenden Form auszuführen eben doch nur ein Hieronymus fähig war.« 
S. 21. ■ IX der Plan Ton Jerusalem (Situs Jerusalem und die Schrift »Qnaliter 

Sita est civitas Jerusalem« S. 61— OS. 4 Kopieen, die Jerusalem in runder Form darstellen, 



134 

■während von den Kreuzzügen an die Stadt als Viereck gezeichnet wurde, und Legende. 
Vgl. ZDPV. XV, Tafel 1—5. X. Die kartographische Hinterlassenschaft des 

Matthaens Parisiensis c. 1250. 5, b Die Karte von Palästina. Abbildung und Legende 
S. 9ü— 94. XXVII. Die Karte von Palästina in 0.^ford. Legende S. 152—150. 

Vgl. ZDPV. XVIII, 177 flf und Tafel VI. 

Motais d'Avril (M"""), Jerusalem et ses merveilles. Pelerinage de 1893 — 
1894. Angers, chez Vauteur. 1895. 8. 

Musee imperial ottoman. Antiquites himyarites et palmyreniennes. Cata- 
logue sommaire. Par ordre du Min. imp. de l'Instr. Publ. Constantinople, 
Mihran imprimeur 1895. 8U S. 8. [Leipzig, Harrassowitz]. 

Neil, J., Palestine re-peopled. 13th ed. London, Simpkin. 1895. 202 S. 8. 

Olesnitzki, A., Die megalitliischen Denkmäler des heiligen Landes. Sbornik 
der k. russ. orthod. Palästina-Gesellschaft. Lief. 41. St. Petersburg, 1895. 
IIJ, 415 S. gr. 8. Russisch. 

I. Die verschiedenen Arten mega- und inikrolithischer Denkmäler und ihre Verbreitung 
auf der Erde S. 1 — 33. II. Die biblischen Zeugnisse über megalithische Denkmäler. Die 
Zeugnisse griechischer und römischer Schrifts<teller. Volksüberlieferungen S. 33—156. III. 
In Palästina erhaltene megalithische Denkmäler. Die Megalithen im südlichen Ostjordan- 
land. Die Megalithen im Dscholan. Die megalithischen Ruinen des Westjordaulandes 
S. 157 — 332. IV. Die verschiedenen Ansichten über den Ursprung der megalithischen 
Denkmäler in ihrer Beziehung zu den biblischen Zeugnissen und den neu entdeckten Denk- 
mälern Palästina's S. 332—372. 

[Erzherzog Otto], Drei Wochen auf der Halbinsel Sinai. Wien, Lechner. 
189.5. 65 S. Mit 8 Tafeln. 8. 

Oultreman, Pierre d' , La vie du venerable Pierre L'Hermite. autheur de 

la premiere croisade et conqueste de Jerusalem, , avec un brief recueil 

des croisades suivantes, qui contient un abrege de l'histoire de Jerusalem 
jusqu' ä la perte de ce royaume. Reeditee du XYIlf siecle ä l'occasion du 
huitieme centenaire des croisades. Clermont-Ferrand, Malleval. 1895. 
XXIII, 94 S. 8. 

Palästina-Almanach, Literarischer, für das Jahr 5656—1895/96. Mit 4 Holz- 
schnitten. Herausgeg. von A. M. Luncz, Herausgeber des Jahrbuchs Je- 
rusalem. I. Jahrgang. Jerusalem 1S95. Druck und Verlag des Heraus- 
gebers (1—32, 1 — 144, 1—54 S. O''. (Auch hebr. Titel). 

Fast ganz hebräisch. S. 1 — 32 Kalender und Statistisches. S. 1 — 144 Erzählungen. Be- 
schreibungen, Gedichte. S. 1 — 54 Bekanntmachungen. 

Palästina und Sinai: 3. Lieferung: Verzeichniss der im Besitz der k. russ. 
orthod. Palästina-Gesellschaft befindlichen photographischen Aufnahmen. 
Von W. Juschmanow. St. Petersburg, 1894. 176 S. (Russisch). 

Nachtrag zu ZDPV. XVllI, IS'.llf. 
Palestine Exploration Fund. Thirty years' Work of the Eund. With many 
illustrations: June 22, 1865 — June 22, 1896. Published for the Committee 
of the Palestine Exploration Eund. London 1895. 256 S. 8. 

W. Besant's Twenty-one years' Work (ISSti) bis 1S95 ergänzt durch G. Armstrong. 

Palestine Pilgrims Text Society XXVII. Ludolph von Suchem's Description 
of the Holy Land (written in the year A. D. 1350). Translated from the 
Latin by Aubrey Stewart, M. A. London 1895. X, 142 S. 8. 

Dem Anscheine nach ist die Ausgabe W. A. Neumann's in Archives de l'Orient latin 11 
(18S4), Documents 30511' nicht benutzt worden. 

Palestine Pilgrims Text Society XXVIII. Extracts from Aristeas, Hecataeus, 
Origen and other early Writers. Translated from the original Latin by 
Au])rey Stewart, M. A. 'London 1895. IV, 128. 8. Mit einer Karte. 

S. 1—7 Aristeas, S. Sf Hecataeus, S. lOf Origenes, S. 12 — 16 Cyrill von Jerusalem, 
S. 17—20 Cyrill von Scythopolis (Leben des Sal)a), S. 21 f. Dio Cassius, S. 23 f. Chioniuon 
Paschale, S. 25—32 Sophronins' Anacreontica , S. 33 f. Theophanes Isaurus (Chrouicon), 
S. 35—68 Entychii Annales. 

Pauly's Realencyclopädie der klassischen Alterthumswissenschaft. Neue 
Bearbeitung. Herausgegeben von G. AVissowa. Stuttgart, Metzler. Bd. II, 
1 : Apollon- Artemis. 1895. 8. 



135 

Peters, Carl, Das goldene Ophir Salomo's. Eine Studie zur Geschichte der 
phönikischen Weltpolitik. München und Leipzig, Oldenbourg. 1895, VI, 
64 S. 8. 

Opliir hängt zusammen mit der Wurzel 12X = AFR, roth sein; vgl. lateinisches Afer 
und die adjektivische Bildung Africa. Africa heisst nach den Anschauungen der Chinesen 
das rothe Land. Unter Anlehnung an Sio'iip, So'J'iif. der LXX wird dann Ophir auf die 
Landschaft Sofala (Sophara) gedeutet, die im öambes'igehiet, einem uralten Goldlande, liegt. 

Petrus der Iberer. Ein Charakterbild zur Kirchen- und Sittengeschichte des 
fünften Jahrhunderts. Syrisclie Übersetzung einer um das Jahr 5ÜU ver- 
fassten griechischen Biographie. Hrsg. un 1 übersetzt von Richard Raabe. 
Leipzig, Hinrichs. 1895. VII, 132, 146 S. 8. 

Petrus der Iberer war Bischof von Majuma bei Gaza im 5. Jahrhundert, Seine Lebens- 
beschreibung enthält vieles, was für die Kirchengeschiehte und Topographie von Palästina, 
besonders von Jerusalem wichtig ist. 

Rieger, Paul, Versuch einer Technologie und Terminologie der Handwerke 
in der Misnäh. Theil I: Spinnen, Färben, Weben, Walken. ^Dissertation, 
Breslau). Berlin, Meyer & Müller. 1894. 3 Bl.. 48 S. Mit 2 Tafeln. 

Ritter, William, Pierre Loti aux lieux-saints (fragments). Gand, SifFer. 
1S95. 32 S. 8. (Extrait du »Magasin litteraire< ,. 

Sayce, A. H., Patriarchal Palestine. London, Society for promoting Christian 
Knowledge. 1895. 278 S. Mit einer Karte. 8. 

»The archaeological facta support the traditional rather than the so-called 'critical' 
view of the age and authority of the Pentateuch, and tend to show that we have in it 
not only a historical monument whose statements can be trusted, but also what is sub- 
stantially a work of the great Hebrew legislator himself«. 

Sayce, A. H., The Egypt of the Hebrews and Herodotos. London, Rivington 
New York, Macmillan). 1895. 35S S. 8. 

Schäfer, Hermann, Eine Reise nach Palästina und Ägypten mit der Orien- 
talischen Gesellschaft zu Leipzig in den Sommerferien 1894. Borna, 
A. Reiche. 1895. 159 S, 8. 

Schneller, Ludwig, Apostelfahrten. Wanderungen durchs heilige Land, 
1.— 3. Aufl. Leipzig, Wallmann in Komm. 1S95. 430 S. Mit 2 Karten. 8. 

Sladkorewzow, P., Die ältesten Klöster und die berühmtesten Vertreter des 
Mönch thums in Palästina. Lief. 1 : Die Klöster des 4. Jahrh. 189 S. Lief. 2: 
Die Klöster des 5. Jahrhunderts. 188 S. Lief. 3: Die Klöster desb. Jahrh. 
158 S. Herausg. von der k. russ. orthod. Palästina-Gesellschaft. St. Peters- 
burg, 1895. 12", (Russisch). 

Solowjew, M. , Das Heilige Land und die k. russische orthodoxe Palästina- 
Gesellschaft. St. Petersburg, 1895. 116 S. 16". Russisch. 

SouUier, Le mont Sion et la cite de David. Tülle, 1895. 

Vertheidigung der traditionellen Annahmen (Zion = SW.-Hügel) gegen Lagrange Kevuß 
biblique lSij2, 17 ff. S. Revue biblique V (iy.)(i), 143 f. 

Status Custodiae et Missionis Terrae Sanctae, anno MDCCCXCV, Jerusalem, 
12 avril 1895. 7 S. 4. 

Uspenski, Porphyrios, Das Buch meines Lebens. Tagebücher und autobio- 
graphische Notizen des Bischofs P. U. Theil II: Die Jahre 1844 und 1845. 
Ausgabe der k. Akademie der Wissenschaften auf Kosten der k. russ. orthod, 
Palästina-Gesellschaft besorgt von P.A.Sirky. St. Petersburg, 1895. 551 S. 
8. Russisch. 

Porphyrios Uspenski war längere Zeit Vertreter des h. Synod in Jerusalem. Seine Auf- 
zeichnungi'U beginnen mit dem Jahre 1S41. Bd. I erschii'U IS'Jl, 

Wachsmuth, Curt, Einleitung in das Studium der alten Geschichte, Leip- 
zig, S. Hirzel. 1895, VI, 718 S, 8. 

Quellennachweise zur Geschichte des vorderen Orients S. 317 ff. 

Weiss, Joh., Die musikalischen Instrumente in den heil. Schriften des Alten 
Testamentes. Festschrift der k. k. Universität Graz, aus Anlass der Jahres- 
feier am 15. Novbr. 18i)5. Graz, Leusclincr & Lubensky. ]b95. 1U4, 14 S, 
Mit 7 Tafeln. 8. 



136 

Weser, Lic. , Zur Geschichte des Jerusalems-Vereins. Berlin, 1895. Druck 
von J. Windoltf. 18 S. 8. (Nicht im Handel). 

Whitty, Rev. John Irwine, LL.D., D.C.L., M.A., Discovery of »Whitty's Wall« 
at Jerusalem, (King Solomon's Rampart.) with Map. J^ondon, Simpkin. 
, Dublin, W. McGee. 1895. 18 S. 8. 

Verfasser macht darauf aufmerksam, dass or bereits im Jalire 186! in seinem Buche 
lAVatcrs of Jerusalem, Aucient and Modern, and Exploration of tlie Holy City« die Süd- 
mauer des alten Jerusalems so gezogen habe, wie Bie jetzt von Dr. Bliss durch die Aus- 
grabungen des PEF festgestellt ist. 

Wiener, A., Die jüdischen Speisegesetze nach ihren verschiedenen Gesichts- 
punkten zum ersten Male wissenschaftlich-methodisch geordnet und kritisch 
beleuchtet. Breslau, Schles. Verlagsanstalt von S. Schottländer. 1895. Mit 
Unterstützung der Zunz-Stiftung und der AUiance Isr. Univ. XIV, 1 — 10, 

H)a— lOq, 524 S. 8. " 

Willrich, Hugo, Juden und Griechen vor der makkab. Erhebung. Göt- 
tingen, Vandenhoeck & Ruprecht. 1895. X, 176 S. 8. 

Wichtig für Josephus und seine Quellen. 

Wilson, Edw. L., In scripture lands ; new views of sacred places. New pop. 
edition. New York, Scribner's Sons. 1895. XVI, 386 S. 8. 

Winckler, Hugo, Völker und Staaten des alten Orients. 2. Geschichte 

Israels in Einzeldarstellungen, t. Theil. Leipzig, E. Pfeiffer. 1895, VIII, 

226. S. 8. 

Neben der Geschichte Israels in der zweiten Hälfte des Buches Aufsätze über die 
Nachbarvölker (Aramäer, Philister etc.) mit guten Bemerkungen. 

Wright, G. H. B., Was Israel ever in Egypt? or, a lost tradition. London, 
AVilliams & Norgate. 1895. 406 S. 8. 

Wright, Dr. William, An account of Palmyra and Zenobia. With travels 
and adventures in Bashan and the desert. London, Nelson, 1895. 414 S. 
32 Tafeln. 8. Mit Abbildungen. 

Das Werk soll auf langen Studien au Ort und Stelle beruhen. 



B. Atlaiiteii und Karten. 

Algermissen, Joh. Ludw., Schulwandkarte v. Palästina zur Zeit Jesu Christi. 
1:250,000. 5. Aufl. 4 Blatt von je 68 X 60 cm. Farbendruck. Leipzig, 
G. Lang. 1895. 

Armstrong, George , Raised Map of Palestine. A photo-relief or collotype 

print. New edition. 20 inches by 28I/2 inches. London, 1895. 

Photographische Wiedergabe Act grossen Reliefkarte von Palästina. Vgl. ZDPV. XVII, 
236, Nr. ,^27 (wo statt Revised map zu losen ist Raised map). 

Fillion, L. Gh., et H. Nieole, Petit atlas geographique de la Bible, d'apres 
les dücuments ancicns et les meilleures sources francaises, anglaises et al- 
lemandes contemporaines. Paris, Delhomme et Briguet. 1895. 48 S. 8. 

Hakim Guläm, Baitul Mukkaddas, or a map of Jerusalem. Bombay, Kazi 
Abdul Karini bin Käzi Nurmuliammad. 1895. 

Hiess, Kich. von, Bibel-Atlas in 10 Karten, nebst geographischem Index. 
3. Auflage. Freiburg i./B., Herder. 1895. VIII, 34 S. Fol. 



(jiitacliten, betreffend die Notliwendigkeit neuer plioto- 
grapliisclier Aufnahmen der Ruinen Palästina's und 

Syriens'). 

Von Staatsrat!! B. von Hitrowo in St. Petersburg. 

Dr. J. Benzinger schliesst seinen Vortrag, den er auf der 
VI. Generalversammlung des Deutschen Palästina-Vereins 1891 
in München über den »heutigen Zustand der alten Denkmäler in 
Syrien und Palästina« gehalten hat 2), mit folgenden Worten: 

»Dem bedenklich rasch fortschreitenden Zerstörungsprocess 
durch irgend welche Maassregeln Einhalt zu thun, scheint mir 
bei der bekannten Haltung der türkischen Regierung in abseh- 
barer Zeit nicht möglich zu sein. Aber etwas Anderes scheint 
mir möglich und wichtig unter diesen Umständen : dass nämlich 
die heute noch stehenden Ruinen noch einmal recht arenau unter- 
sucht und vermessen, dass namentlich auch gute photographische 
Abbildungen von ihnen genommen werden«.'^) 

Diesem Vorschlage Dr. Benzinger's stimme ich vollständig 
bei. Von einem längeren Aufenthalt in Palästina während des 
Frühjahrs und Sommers 1893 zurückgekehrt, kann ich nur noch 
hinzufügen, dass es die höchste Zeit ist, nach dieser Richtung 
hin etwas zu unternehmen , da in 10 — 20 Jahren wahrscheinlich 
nichts mehr zu untersuchen und zu photographiren übrig sein 
wird. Was die alten Denkmäler bis jetzt gerettet hat, war die 

1) Das vorliegende Gutachten Sr. Excellenz des Herrn Staatsraths VON 
Hitrowo ging im Oktober 1 893 ein und wurde im Auszug der VII. General- 
versammlung des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's (18. Okt. 
1893 in Leipzig) mitgetheilt ivgl. ZDPV. XVI, 1893, S.IX). Raummangel ver- 
hinderte leider bisher den Abdruck. Die liedaktion. 

2) S. ZDPV. XIV, 69 ff. 

3) A. a. O. S. 74. 

Ztschr. d. Piil.-Ver. XIX. 10 



J^38 ■^O'i llitrowü, 

Öde, die sie umgab. Diese Ode verschwindet mit jedem Jahre 
mehr, die Steine der alten Bauten, die Jahrhunderte hindurch 
gestanden haben, werden zu Neubauten verwendet. 

Es kommt Alles auf die Frage an: Was ist zu thun? 

Von einer grossartigen wissenschaftlichen Expedition mit 
Architekten, Ingenieuren und Photographen kann kaum die Rede 
sein, 1) wegen der Kosten und 2) weil eine solche Expedition 
meiner Meinung nach ihr Ziel verfehlen wird. Wenn ich Moab 
und Petra ausnehme, so ist das in den letzten Jahrzehnten ange- 
häufte wissenschaftliche Material über Palästina und Syrien so 
gross, dass kaum viel Neues erreicht werden kann; dieses Neue 
scheint mir die Mühe einer grossen Expedition nicht werth zu 
sein, und um nur zu wiederholen, was schon gemacht ist, dafür 
würde sie zu kostspielig sein. Von der Zeit, die verloren geht, 
bis eine solche Expedition ihr Material veröffentlicht, will ich 
ebensowenig reden , wie von den persönlichen und nationalen 
Schwierigkeiten, die mit ihr verbunden sein würden. 

Nach dem ^'orschlage Dr. Bp:nzinger's, wie ich ihn verstehe, 
handelt es sich um etwas Einfacheres und Zweckmässigeres, näm- 
lich das, was wir schon haben, zu ergänzen, und zwar nicht so 
sehr durchs Wort, als vielmehr durch Lichtdruck und Pläne. 
Dazu scheint nur nöthig zu sein, einige Photographen und In- 
genieure mit einem bestimmten Auftrag von Europa auszusen- 
den, oder besser vielleicht, Photographen und Ingenieure, die im 
Orient leben, mit diesem Auftrage zu betrauen. Die Schwierig- 
keit besteht nur darin, diesen Auftrag bestimmt zu begrenzen. 

Man gestatte mir, meinen Gedanken an einem Beispiel zu 
erläutern. 

Der Russische Palästina- Verein besitzt mehr als 2000 Photo- 
graphien aus Palästina und Syrien. Darunter befinden sich die 
meisten Sammlungen, die käuflich zu haben sind, wie die Samm- 
lung des Palestine Exploration Fund, die von Bonfils, von Du- 
mas, von FiORiLLO, von Zampaki und die der russischen wissen- 
schaftlichen Expedition. Übersieht man diese Photographien, so 
erkennt man sofort die Mängel der ganzen Sammlung. Mehr als 
die Hälfte stellt denselben Gegenstand dar, sehr oft sogar von 
derselben Seite. Das erklärt sich sehr einfach: man pflegt den 
Gegenstand von der Stelle aus aufzunehmen, wo er dem Auge 
das beste Bild darbietet und wo es sich am leichtesten machen 



Gutachten betr. die Nothwendigkeit neuer photogr. Aufnahmen etc. 139 

lässt. Andere sehr wesentliche Mängel bestehen darin, dass die 
Bezeichnung der Bilder oft ganz verkehrt ist, z. 1^). »Tempel« 
statt »Palast« u. s.w., dass man umständliche Untersuchungen 
anstellen muss, um das Jahr der Aufnahme zu bestimmen, und 
endlich, was das Schlimmste ist, dass man gar keine Ahnung hat 
von der Entfernung, in der das Bild aufgenommen worden ist, 
und von der Himmelsgegend, von der aus der Gegenstand ge- 
sehen wurde. Selbstverständlich habe ich hier nicht allgemein 
bekannte Gegenstände im Auge, sondern wenig bekannte, die 
uns gerade am meisten interessiren. 

Es kann daher nicht daravif ankommen, einem Photographen 
den Auftrug zu geben, er solle photographiren, was er finde. Man 
rauss ihm genau vorschreiben, was und von Avelcher Seite aus er 
photographiren soll, und um ihm dies vorschreiben zu können, 
muss man vorher ein genaues Verzeichniss, einen Katalog von 
dem anfertigen, was an Photographien, an Lichtdrucken und 
auch an Plauen vorhanden ist. 

Einen solchen Katalog herzustellen , halte ich nicht für 
schwer. Wenn man freilich das ganze Palästina im W. und O. 
des Jordans, sowie Syrien zugleich in Anijriff nähme, so würde 
die Arbeit jedenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen. Da man aber 
nicht den ganzen Katalog auf einmal braucht, so empfiehlt es 
sich, das ganze Gebiet in etwa 9 — 10 Theile zu zerlegen. Ist der 
erste Theil fertig, so lässt man, was ergänzt werden muss, photo- 
graphiren, und gleichzeitig den zweiten Theil des Katalogs aus- 
arbeiten und so fort. 

Wie ich mir die Anlage eines solchen Katalogs denke, er- 
laube ich mir an einem einzelnen Heispiel zu zeigen. Ich wähle 
hierzu die Ruinenstätte von \imman. 

'^Amntän. 

i. Pläne des ganzen Ruinenfeldes. 

1) von HuRCKHARDT, aufgenommen 1812; Maassstab 1:6000; 
in »Reisen« 1S23, Bd.II 8.612. 

2) vouGelis, aufgen. 1863; 1 : 6000 inSAULCY, Voy. euTerre 
S. 1872, Bd.II pl.; 1:12 000 in Chauvet et IsAMBERT 1882, 
S.513. 

3) von Kiepert; wann? 1 : 12 000 in Baedeker, Palästina 
und .Syrien, 1. Aufl. 1S75. S. 319; 2. Atifl. IS80 S. 197; 

10* 



140 



von Hitrowo, 



3. Aufl. 1891 S. 188; französ. Ausg. l.Aufl. 1882, S.323; 
2. Aufl. 1893, S. 188; engl. Ausgabe l.Aufl. 1876, S. 305; 
2. Aufl. 1894, S. 185; Riehm, Handwörterbuch des bibl. 
Alterthums, l.Aufl. 1884, S. 1252; 2. Aufl. 1894, S. 1270. 

4) von TiiRisER, aufgen. 1868; 1:5000; in Quart. Statements 
1878, S. 189. 

5) von Armstrong; aufgen. wann? 1 : 7040 in Conder, Sur- 
vey of Eastern Pal. 1889, I. S.24; 1 : 2307 Mscr. der kaiserl. 
russ. Paläst.-Ges. 1892. 

II. Photographien des ganzen Ruinenfeldes. 

1) Das Thal vor der Besiedlung durch die Tscherkessen; 
aufgen. 186S; 21 : 16 cm; Pal. Expl. Fund Nr. 315. 

2) Von SW. nach der Besiedlung; aufgen. 1890? 40:30 cm; 
BoxFiLS Nr. 979. 

III. Einzelbilder. 




Fig. 9. Plan der Thermen von '^amman. 

a) Die The rraen 

1) von NO., aufgen. 1881; 22 : 16 cm; Pal. Expl. F. Nr. 310. 

2) von SW., 1881 ; 18 : 12 cm; Pal. Expl. F. Nr. 370. 

3) von SW., 1881; 22 : 16 cm; Pal. Expl. F. Nr. 311. 

4) von SW., 1891 ; 40 : 30 cm; Barschewsky Nr. 484. 

5) von SW., 1890? 29 : 23 cm; Boxfils Nr. 985. 

6) von W.? 1891; 40 : 30 cm; Barschewsky Nr. 482. 

7) von NW., 1881; 18 : 12 cm; Pal. Expl. F. Nr. 371. 

8) von NW., 1881 ; 21 : 16 cm; Pal. Expl. F. Nr. 316. 

9) von NW., 1890? 28 : 23 cm; Bonfils Nr. ? 

10) von NW., 1891; 40 : 30 cm; Barsciiemsky Nr. 485. 



Gutachten betr. die Nothwendigkeit neuer photogr. Aufnahmen etc. 141 

Zur genauen Erläuterung dient der beigegebene Grundriss 
der Thermen (Fig. 9). Durch verschieden gezeichnete Linien 
ist auf demselben bezeichnet , was photographirt worden ist und 

von welcher Seite her die Aufnahme stattfand. bezeichnet 

die Aufnahme des Palestine Exploration Fund, bezeichnet 

die Aufnahmen von Bonfils, ++++ bezeichnet die Aufnahmen von 
Karschewsky von der russischen wissenschaftlichen Expedition. 
Der Fundort und der Maassstab der Pläne sind unter dem Plane 
vermerkt. Durch die auf den Plänen eingetragenen Linien wird 
«ofort kenntlich, was bis jetzt photographirt und was noch nicht 
photographirt ist. 

Ich habe in derselben Weise die Pläne der anderen Gebäude 
gezeichnet und das Verzeichniss der dazu gehörigen Photogra- 
phien angelegt 1). Ein flüchtiger Überblick über dieselben zeigt 
Avas uns fehlt. Wir besitzen eine photographische Aufnahme des 
gesammten Ruinenfeldes von SW., es fehlen solche von N., von 
S. und von O. her. Von dem westlichen Mausoleum fehlt eine 
Photographie von NO., von der Moschee fehlen Photographien 
von S., O. und W., von der Pasilica fehlt eine Photographie von 
SW., für die Citadelle fehlt der Plan. 

Das Vorstehende soll, wie gesagt, nur als Probe dienen. 
Will man den Katalog möglichst richtig und vollständig haben, 
so müsste er meines Erachtens von den drei vorhandenen wissen- 
schaftlichen Palästina -Gesellschaften Deutschlands, Englands 
und Russlands genau nachgeprüft und verbessert werden. 

AVenn ich mir die Ausführung des Planes vergegrenwärtig-e, 
so würde ich vorschlagen, die Arbeit für das Ostjordanland zu- 
erst in Angriff" zu nehmen, weil dort die grösste Eile von Nöthen 
ist. Die Herstellung des Katalogs von dem , was vorhanden ist, 
Avürde zwischen den drei Palästina-Gesellschaften zu theilen sein- 
die eine übernimmt "Adschlün und Haurrm, die zweite Ammon 
und Moab, die dritte Petra. Ist diese Arbeit gethan, so beginnt 
man das Verzeichniss von dem zu machen, was an Ort und 
Stellp noch aufzunehmen ist. Diese Vorarbeiten lassen sich wohl 



1) Wegen Raummangels müssen wir darauf verzichten, die anderen 
Pläne und Verzeichnisse zum Abdruck zu bringen; das eine Beispiel genügt 
auch, um deutlich zu machen, -wie der Herr Verfasser den ganzen Katalog sich 
angelegt denkt. [Die Red.] 



142 vou Hitrowo, 

innerhalb eines Jahres erledigen. Dann könnte die Ausführung 
dessen, was noch zu thun ist, in Palästina selbst bejj;innen. 

Da der deutsche Palästina- Verein die Frage zuerst erörtert 
hat, so würde es meiner Meinung nach nur der Gerechtigkeit 
entsprechen, wenn er auch die Ausführung der Arbeit in seiner 
Hand behielte, während die anderen beiden Palästina-Gesell- 
schaften die auf ihren Theil entfallenden Unkosten zu über- 
nehmen hätten. x\in besten würde es ferner sein, wenn man 
solche Photographen beauftragte, die in Palästina selbst Avohnen 
oder doch wenigstens so lange sich dort aufgehalten haben , dass 
sie das Land, seine Bewohner und ihre Sprache genügend ken_ 
neu. Die Photographen sind verpflichtet, nur das aufzunehmen 
was in dem ihnen zu übergebenden Kataloge angegeben ist. Auf 
jedem von ihnen angefertigten IJilde muss der Name des Ortes 
und des Gegenstandes, wie der Katalog ihn vorschreibt, das Da- 
tum der Aufnahme, die Himmelsgegend, von der aus die Auf- 
nahme bewirkt wird, sowie die Entfernung (in Meterni vermerkt 
sein, in der sich der Aufnehmende von dem aufgenommenen 
Gegenstande befunden hat. Jede Photographie ist in der Grösse 
von ungefähr 60 n qcm anzufertigen. 

Sobald die Aufnahme von Bildern im Ostjordanlande im 
Gange ist, wird die Herstellung des Kataloges von dem in An- 
griff genommen, was an Photographien und Plänen aus dem 
Westjordanlande vorhanden ist. Dieses Gebiet zerlegt man zu 
diesem Zweck ebenfalls in drei Theile, in Judäa, Samaria und 
Galiläa. Im folgenden Jahre wird die gleiche Arbeit für Syrien 
ausgeführt, wiederum in drei Theilen. Auf diese Weise könnten 
wir nach Ablauf von vier Jahren vollständige Photographien aller 
der Denkmäler in Händen haben, die in Palästina und Syrien 
noch vorhanden sind. Damit wäre der Vorschlag Dr. Bexzinger's 
ausgeführt. Dass sich nachträglich hier und dort noch Lücken 
linden werden, ist freilich vorauszusehen. Vollkommen ist nichts, 
l^vas Menschen thun. 

Jetzt schon anzugeben , wie hoch sich die Zahl der Photo- 
graphien belaufen wird, ist nicht gut möglich. Meiner Meinung 
nach wird man die Zahl 3000 kaum überscbreiten. Die russische 
wissenschaftliche Expedition brachte SOO photographische Platten 
nach Hause, von denen etwa 200 die Grösse von 30 : 40 cm hat- 
ten; nur eine einzige Platte war zcrliroehen. Bedenkt man, dass 



1 



Gutachten betr. die Nothwendigkeit neuer photogr. Aufnahmen etc. 143 

die in Aussicht genommenen 3000 Photographien auf neun Ge- 
bieteentfallen, so erscheint die Zahl nicht schwer erreichbar. 

Ich erlaube mir, den Plan noch weiter, bis zur letzten Aus- 
führung zu verfolgen und, wenn ich so sagen darf, das Härenfell 
zu theilen, ehe der Bär todt ist: jede der drei Palästina-Gesell- 
schaften erhält für ihre Betheiligung an den Kosten des Unter- 
nehmens das Pecht auf die vollständige Lieferung aller neuen 
Aufnahmen in je einem Exemplare, während die Platten und das 
Recht der Vervielfältigung dem Deutschen Palästina-Verein an- 
heimfallen. 

Noch ein Wort über die Aufnahme von neuen Plänen. Ich 
erkenne vollkommen ihre Wichtigkeit an und begreife auch, dass 
es vortheilhaft wäre, Photographie und Plan zu gleicher Zeit her- 
zustellen. Aber die Aufgaben sind doch recht verschieden. Das 
Photographiren ist eine rein mechanische Arbeit, und von einem 
Photographen fordert man nichts als seine Kunst. Ziemlich ähn- 
lich würde die Sache für einen Ingenieur oder Architekten liegen, 
wenn nicht alte Denkmäler in Frage ständen. Dazu gehört eben 
ein Archäolog, und zwar ein so gewandter, dass wir ihm trauen 
können. Seine Arbeit ist aber eine sehr schwierige und noch 
dazu oft eine unsichere. Bisweilen ist es schon schwer, ja fast 
unmöglich zu entscheiden, ob eine Ruine, die man findet, als 
Basilica oder als Thermen zu bezeichnen ist; wird sie nun Basilica 
getauft, so lässt sich auf dem Papier leicht der nöthige Halbkreis 
der Apsis zeichnen, wenn er auch nur in der Einbildung des Ent- 
deckers vorhanden ist. Wir erhalten jedoch auf diese W^eise einen 
Plan, der mit der Wirklichkeit nichts gemein hat. Aus diesem 
Grunde möchte ich den Vorschlag nur auf die Gewinnung von 
Photographien beschränken. Sind die Photographien richtig auf- 
genommen, so kann man sich nach ihnen schon einen annähernd 
richtigen Plan des Ganzen machen. Um zuverlässige Pläne zu 
verschaffen, bedarf es wissenschaftlicher Expeditionen, die die 
Verantwortung für sie übernehmen. 



Bericlitiguugeii und Nacliträj>;e 

ier näheren Umgebung > 
ZDPV. XVIir, Tafel 4. 



zu der Karte der näheren Umgebung von Jerusalem 



Durch Versehen und Miss verständnisse der Herren Verfasser 
und Herausgeber haben sich, zum Theil in Folge der weiten Ent- 
fernuns:, folgende Irrthümer in Karte und Namenliste einge- 
schlichen : 

1) x\uf der Karte C 2 sind die Zahlen 62 und 64 mit einander 
zu vertauschen, Avenn sie der Legende entsprechen sollen. Nach 
Baurath C. Schick's Mittheilungen ist das auf der Karte mit 64 
bezeichnete Haus »Hotel Europäischer Hof«, das mit 62 bezeich- 
nete Haus »Hotel Feil«. 

2) Die beiden in Schick's »Baugeschichte der Stadt Jeru- 
salem« ZDPV. XVII, 275 unter V, 3 und 6 aufgeführten Hotels, 
»Howards Hotel« und »Armenisches Hotel«, fehlen auf der 
Karte und im Text. Nach Mittheilung von Baurath Schick be- 
findet sich Howards Hotel jetzt in dem grossen (in ZDPV. VII, 
275 unter 6 genannten) armenischen Hause gegenüber von Nr. 61 
in C 2. 

3) Auf der Karte A3 bezeichnet die Zahl 19a jüdische Häu- 
ser bei einem alten Teich im oberen Kidronthal. Die Häuser der 
Juden aus der Bokhara liegen dagegen in A2 da, wo sich der 
kleine Kreis unterhalb des Wortes »Dreschtenne« befindet. Beide 
Niederlassungen sind in der Namenliste S. 160 irrthümlich ver- 
bunden w^orden. 

4) Das Besitzthum des deutschen Konsulats ist zu klein an- 
gegeben. Es beträgt nicht die Hälfte des ganzen Grundstücks, 
sondern zwei Drittel davon. 

5) Die Höhenangabe 849 im Kidronthale dicht südlich von 
32 (Obere Kidronbrücke) ist in 697 zu ändern. 

6) Namenliste S. 169 (=21 des Sonderdrucks), Zeile 18 von 
oben »englische Mädchenschule« Nr. 46 ist in Spalte 3 fälsch- 
licher Weise als »Schule der Church Missionary Society« be- 
zeichnet; sie gehört vielmehr der Londoner Judenmissionsgesell- 
schaft. 

Leipzig, Juni 1896. 

Die Redactiou. 



Namenliste imdEiiäiiterimgeu znBaiiratliDr. C. Scliick's 
Karte der weiteren Umgebung von Jerusalem. 

Bearbeitet von 
Kaurath Dr. C. Schick und Lic. Dr. I. Beiizinger. 

Hierzu Tafel VI. 

Der deutsche Verein zur Erforschung Palästina's veröffent- 
licht im folgenden die zweite der von Herrn Baurath Dr. C. Schic k 
in Jerusalem ihm gütigst zur Verfügung gestellten Karten, die 
der weiteren Umgebung von Jerusalem mit erläuterndem 
Text. Die Zeichnung gründet sich auf die Karte des Englischen 
Palestine Exploration Fund, erschienen unter dem Titel: »The 
great map of Western Palestine, on the scale of one inch to the 
mile in twenty-sixsheets«. Die Verbesserungen und Ergänzungen 
von Baurath Dr. Schick betrefien die ürtslagen und Ortsnamen, 
den Lauf der alten und neuen Strassen und Wege, und den Lauf 
mancher Thäler. 

Besondere Sorgfalt ist auf die Orthographie der Namen ver- 
wendet worden. Ihre Festsetzung ist durch den an zweiter Stelle 
genannten Kedaktor der Karte Lic. Dr. Bexzinger geschehen, der 
dabei in dankenswerther Weise von Professor Dr. Socin in Leip- 
zig unterstützt wurde und die VerantAvortung für die Namens- 
formen trägt. Dabei wurde das von Baurath Dr. Schick gegebene 
Material an Namen und deren Erklärungen in der Regel zu 
Grunde gelegt. Li den Fällen, wo Baurath Dr. Schick's Namens- 
formen von den bei Robinson, Name Lists u. a. geboten ab- 
wichen und beide Formen beachtenswerth erschienen, wurden 
die betreffenden Namensformen mit Verweisung daneben gestellt. 
Auch die in den Bemerkungen beigefügten Verweisungen sollen 
in erster Linie dem Zweck dienen, dem Leser die Kontrolle der 
Namensform zu erleichtern. Abgesehen von den Name Lists, auf 
die hier ein für allemal verwiesen werden soll, kamen hierfür in 
Betracht die Listen von Ely Smith bei Robinson, Palästina 
HL lid. (dochwurden diese nur in Fällen wesentlicher Abweichung 



146 C. Schick u. I. Benzinger, 

citirt), die von Socin iiiid die von Hartmaxn veröffentlichte Oit- 
schaftenliste des Liwa Jerusalem im II. und VI. Bd. dieser Zeit- 
schrift. 

Zur Vergleichung beziehungsweise Ergänzung der sachlichen 
Erläuterungen Avar ausser auf die Memoirs der Survey of Western 
Palestine insbesondere auf das genannte von Socin herausge- 
gebene Ortschaftenverzeichnis zu verweisen, in welchem Baurath 
Dr. Schick selbst schon eine Beihe werthvoUer Bemerkungen zu 
den betr. Ortsnamen gegeben hatte, weiterhin dann auf das in 
verschiedenen anderen Aufsätzen unserer Zeitschrift enthaltene 
Material. Im Übrigen machen diese Verweisungen keinerlei An- 
spruch auf Vollständigkeit, sondern wollen nur dem Leser einige 
Fingerzeige geben, wo über einzelne Orte etwas Näheres zu fin- 
den ist. 

Die bei den ^ erweisungen gebrauchten Abkürzungen sind 
folgende : 

NL ^= Name Lists der Survey of Western Palestine. 
Jerusalem == Band Jerusalem der Survey of Western Palestine. 
Meni. = Memoirs der Siirvey of Western Palestine. 

JL II (Jerusalemer Liste = Al})habetisches Verzeichnis von 

Ortschaften des Paschalik Jerusalem, red. von A. Socm, 

ZDPV. II, 1:55 ff". 
S8 VI [Sähi<lnie-i-i>ürija, türkischer Titel des Staatskalenders) 

= DieOrtschaftenliste des Liwa Jerusalem im türkischen 

Staatskalender auf das Jahr 1288 der Flucht (187 1), 

herausgegeben von M. Hartmann, ZDPV. VI, 102 ff. 
EJ XIX (Einwohnerliste von Jerusalem) = Zur Einwohnerzahl 

des Bezirks Jerusalem, von Haurath C. Schick, ZDPV. 

XIX, 120—127. 
Robinson I II III = Robinson, Palästina I. IL III. Bd. Halle 

1841 f. 
Robinson NBF = Rojjisson, Neuere biblische Forschungen, 

Berlin 1857. 
GuERiN I II III = GuKRiN, Description geographique etc. de 

la Palestine; Judee (3 Bde. , Paris 1868 f. 
ToBLER II = TüBLER, Topographie von Jerusalem etc., 2. Bd. 
Baedeker^ = Palästina und Syrien. Handbuch für Reisende. 

4. Aufl. (bearbeitet von Socin und Benzixger) 1897. 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



147 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

N.i'Tifln 



abu diu 



« ahu gl losch 

abu nedschem 

Schick abu 
nedschm 

hin Vihdalläh 
hin abu zcid 



ain 'arik 



ain artas 
\ihi atcm 



ain bet anan 
ain bet izzä 
ain bet tulmä 




\J 



nJl> vJ 



Schick ^:^ _y^} 



iXW o\>wC 



O- 



lXj; 



Lf^' CT 



.^s. 



i-^.rj^ 



o- 



.^£- 



u 



AW 



^Lb£ 









■^ a^^ 



^.i>-~-? 



er 



a£ 



o^^ 



Muslimisches Dorf auf einer 
Anhöhe. Der Sehech des 
Dorfs hat das Recht, die 
Reisenden an den Jordan 
zu eskortiren. Robinson 
II, 312; ToBLERlI, 341 f.; 
Mem.III, 27; JL II, 142; 
SSVI, 124;EJXIX, 125. 

s. Tiarjet el-aneh. 

Eben 30 Robinson III, 863; 
vgl. JL II, 142; auf hohem 
Berge weithin sichtbar. 

Quelle desAbdalläh< .Kleine 
Quelle in den Weinbergen. 

»Quelle des Abu Zeid.« Eine 
ansehnliche, aber nicht ge- 
i rade starke Quelle, auf 
ebenem Ackerfeld ent- 
springend. 

Kleines ehristl. Dorf (orthod. 
Griechen) in einem tiefen 
Thal mit einer alten grie- 
chisehenKirche und gleich- 
namiger starken Quelle; 
vielleicht = Arki Jos. 16, 7; 
Mem.III, 7; Rob. II, 337; 
JLII, 142; SS VI, 125; EJ 
XIX, 124. 

Stark fliessend; s. ai-täs. 

Beständig fliessende Quelle, 
deren Wasser in die Jeru- 
salemer Wasserleitung un- 
terhalb der Salomonischen 
Teiche fliesst (vgl. ZDPV. 
1, 1 52), hat ihren Namen von 
der nahen Ruinenstätte 
chirhet 'atän, s. das. 

s. hH 'aiiän. 

s. bet izzä. 
s. bei tulmä. 



F6 



D 1 
J4 

D 3 
J2 



A 2 



H4 
H 3 



ü 2 

C2/3 

D3 



148 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name und 
Umschrift der arabischen 

Naraen 



am birket el- 
karvd 

ain hitür 



ain dschadl 
ain dschaküli 

hin dschedür 
ai?i dscliefna 

ai/i dac/ierijüt 
Hob. III 870 
dscJierüt 

ain ed-deredscli 



hin cd-dilb 
'!^L27d ed-dilbe 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 
auf die 
Karte 






_aaJ 



a-^ 



a' 



a£ 



3^^ O^ 



idJO l: 



,,A: 



a' 



,*£■ 



O' 



a£. 






-yy- 



o<^' 



Roh, 









G 



A-! ^^t^c 



NL Ä^Ijwji 



öchwachs Quelle, einst in ei- 
nen runden Teich gefasst, 
auf hochgelegenem Platz. 

Starke Quelle bei dem Dorfe 
bittlr; das Wasser läuft 
durch den Hof der Moschee 
und bewässert dann viele 
Gärten; s. bittlr. 

R. chirhet ^atüra. 

Die Quelle fliesst in einem 
Garten merkwürdigerwei- 
se in bedeutender Höhe; 
ist nicht sehr stark. 

Quelle bei der Ruinenstätte 
chirhet dschedür, s. das. 

Quelle von mittlerer Stärke, 
bewässert einige Gärten. 

vgl. chirhet dscherijüt. GuE- 
KTX I, 344 dscherijüt 



»Treppenquelle« , oben im 
tvädi el-bijär; eine gemau- 
erte . thürartige Öffnung 
führt zu einer Treppe, diese 
in eine mehrfach im Win- 
kel sich biegende Felsen- 
höhle ; am Ende derselben 
fliesst die Quelle heraus; 
das Wasser läuft durch 
einen unterirdischen Aquä- 
dukt in die sog. salomo- 
nischen Teiche; vgl. ZDPV. 
I, 155. 

»Platanenquelle«, zeitw-eise 
stark, im Herbst gering, 
an der Fahrstrasse Jerusa- 
lem-Jäfä gelegen; daneben 
befindet sich ein Kaffee- 
haus; in nächster Umge- 
bung noch vier weitere 
Quellen. 



D3 



G2 



B4/5 
C4 



K 1 

B 2 

A2 

J 2/,i 



D 2 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



149 



Deutscher N.une niid 
Umschrift der arabischen 

Namen 


Arabisch 


Bemerkungen 


Verweis 

auf die 

Karte 


ain ed-dilb 


u^j<-^J' i'T^"^ 


»Platanenquelle«, oberhalb 
des Dorfes iveledsche. 


F2 


lim ed-dschämi 




»Moscheequelle«; daneben ist 
ein Betplatz. 


G 2 


aiti ed-dschedeide 


Sehr wasserreiche Quelle. 


E 1 


ain ed-dschemll 


ij':^-*-?'^ \^ti^ 


»Die schöne Quelle« , nicht 
sehr stark üiessend. 


D 2 


ain el-dscJiincm 


^^\ ^^ 


»Quelle der Gärten«. 


B2/3 


ain ed-dschoz 




»Nussbaumquelle«, schwach 
fliessend, auf der Höhe in 
einem Weinberg neben ei- 
nem Nussbaum. 


D3 


ain ed-dschuweize 




»Quelle des kleinen Nuss- 


F3 


Clin el-adschah 


^^\xA ^^ 


baums.« 
Eine massig starke Quelle, 
fliesst unter Felsblöcken 
hervor ; daneben ein Teich 
und einige Gärten. Sie wird 
von manchen, welche das 
neutest. Emmaus in el- 


02 






l-uhehe suchen, für die Heil- 
quelle (»Wunderquelle«) 
gehalten , welche nach So- 
zomenos (Hist. eccl. V, 20) 
u. a. bei Emmaus lag. 
GlERIN I, 301 f. 




ain el-allk 

(ain el-ullek? 
Red.) 


/ J^aAa^I .«^£ 


»Brombeerquelle«; unbedeu- 
tende Quelle, vertrocknet 
im Sommer; früher waren 
dort Brombeersträucher. 


C 3 


ain el-aneizlje 
^cmcKel-mieze 


Schick »y xjI 


»Quelle der 'Aneizije- (oder 
'Aneze-)Araber«; nicht sehr 
stark fliessend. GUERIN 


F3 


GuER. el-anä- 
ztje 

'lin el-arrüh 


GUKR. iijjUxjt 


111,133. 

Das Wasser dieser Quelle 
wurde einst mit dem an- 
derer Quellen des ivädi el- 
\ir)-üb (s. ran el-ain) in ei- 
nem grossen Teich, birket 
el-arrüh, gesammelt und 
durch einen gegen ISStun- 


K/L2 



150 



C. Schick und I. Benzingcr, 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 
Namen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 
Karte 



Clin el-amf%r 



am el-asafir 
hin el-heled 

hin el-hlre 



hin el-chcmdak 
hin el-c//ar tische 

hin el-charrübe 
hin el-chaschahe 















^J^T^ 



aC 



er- 



den langen Aquädukt in die 
sog. Salomonischen Teiche 
geleitet.Vgl.ZDPV.I,156ff. 

»Sperlingsquelle«; eine der 
acht Quellen bei ed-dsclnh; 
unbedeutend. Vgl. Mem. 
III, 94 ff., 99, wo übrigens 
dieser Name einer im 
Nord-Westend. Stadt lie- 
genden Quelle gegeben ist. 

»Sperlingsquelle«, unbedeu- 
tend. 

»Dorfquelle« ; die bedeutend- 
ste der acht Quellen von 
cd-dschih. Mem. III, 94 ff. 

Starke Quelle unterhalb des 
Dorfes el-blre, s. das. ; auch 
die Bewohner der näehst- 
gelegenen Orte holen dort 
oft Wasser. Man vermu- 
thet, dass ihr Wasser einst 
nach Jerusalem geleitet 
worden ist. 

»Die Quelle des Grabens«? 

Fliesst nicht stark. 

Quelle des Johannesbrot- 
baums.« 
»Quelle des Holzes«, so be- 
nannt von einem Holz- 
pflock, welcher innen in 
eine Felsspalte als Stütze 
für die Hinabsteigenden 
eingeschlagen ist; nach der 
arabischen Sage hat der 
Prophet Noah dieses Holz 
eingeschlagen und dadurch 
die vorher reichlicher flies- 
sende Quelle verstopft. Ihr 
spärliches Wasser fliesst j 
unterirdisch in den'Arrüb- 
teich, s.'ain el-'arrül). Vgl. 
ZDPV. I, 157. I 



Xamenliste und Erläuterungen u. s. w. 



151 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 




Bemerkungen 



ai?i el-föka 

aiii d-fTitmr 
hin el-Jtahs 



hin el-hadahe 



hin el-hanije 



hin el-hod 

NL279 hin1iM\ 
Bakdekkk 4 14S 
1)0(1 cl-azarije 



CkÄ-l 



a^^ 



Die obere Quelle«; unbe- 
deutend, im Sommer ganz 
trocken. 



.'j.Äji rj-^.^^ - Quelle desSpring'brunnens 



lT-^ O" 



is.;iA=? 



O' 



aC 



KaAS») -»aS- 



(NL xj^y=^ ^^] 



ain el-hosrh 



U-j.^1 ^: 



a£ 



»Quelle des Gefängnisses«, 
schwach fliessend, unmit- 
telbar dabei die sog. »Jo- 
hannesgrotte« , eine alte 
Eremitage. Die übrigens 
sehr junge Tradition sucht 
hier den Aufenthaltsort des 
Johannes (Matth. 3, 1 ff . ; 
Lue. 1 , 8U u. a.); der Ort 
heisst bei den Christen die 
»Johanneswüste«. TüBLER, 
Denkblätter ßöS ff. ; Mem. 
III, 93; Baedeker 4 113 f. 



ReicheQuelle, dieuntereiner 
gemauerten Nische hervor- 
sprudelt, nach der jungen 
Tradition (15. Jahrh.) der 
Ort, wo Philippus den Käm- 
merertaufte (Act. 8, 36), da- 
her als »Philipp-^brunnen« 
bezeichnet. JLII, 142;To- 
i'.LER, Denkblätter 664 ff. ; 
Mem. III, 5"J; GiERlN I, 
luSft'.; Baedeker* 111 f. 

»Quelle des Wassertrogs», 
nach dem steinernen Trog, 
in welchen die Quelle sich 
ergiesst; von den Euro- 
päern auch Apostelquelle 
genannt; ziemlich wasser- 
reich; daneben die Ruinen 
eines alten Chans. Bae- 
deker* 148. 

»Quelle des Hofes.« 



Verweis 
auf die 
Karte 



E 2 

H 1 
E2 



G2/3 



F 3 



E 6 



D2/3 



152 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name uud 








Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 




Bemerkungen 


auf die 


Namen 








Karte 


hin el-kassls (JL 




o^= 


>Quelle des (christl.) Pries- 


H2/3 


II lA'iainkasu) 






ters«, schwach fliessend. 




ain el-kenue 


XA*»-ys.Xj) 


a-^ 


»Quelle der Kirche.« 


H 1/2 


ain el-kibllje 




a^= 


»Die südliche Quelle« ; eine 
der acht Quellen bei ed- 
dschlb. Mem. III, ÜG. 


C3/4 


ain el-hidde 


»Afli5 


o^^ 




A3 


ain el-kuleihe 


KA^L\Ji 


O"^ 




J 1/2 


hin el-kmür 


)y^^-^ 


o^-- 


Quelle der Schlösser«; s. 


F2 








chirbet el-kusür. 




ain el-löz 


;^Ji 


o^- 


»Mandelbaumquelle« ; fliesst 
in ansehnlicher Stärke am 
Fuss eines steilen Berges, 
bewässert mehrere Gärten; 
oberhalbRuineneiner alten 
Ortschaft. 


D3 


hin el-löze 


b-^ül 


o^^ 


»Quelle des Mandelbaums.« 
Bloss zurWinterszeit flies- 
send ; entströmt einem lan- 
gen, künstlich hergestellten 
Felsengang. 


F5 


hin el-macliled 


JOli:'.!! 


o-"^ 




A5 


hin el-madüd 


olAii 


o^ 




F 1 


hin el-madtk 


/ iAAöi! 


o^^ 


Quelle desEngpasses.« GiE- 
RIN III. 321. 


H 1 


GuER. hin me- 


GrER.ji^«A^^^^ 






dikker 










hin el-maksür 


)Jr^^^ 


o^^ 




J3 


hin el-malaka 


K>aij! 


c-^ 




C4 


hin el-mälilia 


X^JUI 


o^^ 


»Die salzige Quelle«; das 
Wasser ist nicht trinkbar; 
eine der acht Quellen bei 
ed-dschih. Mem. III, 99. 


C4 


hin el-märtide 


äo^/i^ 


o^ 


Die Quelle fliesst stark und 
bewässert Gärten; sie liegt 
im Thale unterhalb des 
Dorfes treledsche, die Bahn 
fährt nahe daran vorbei. 


r2/3 



Namenliste und Erläuterungen u. s.w. 



153 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 




Verweis 
auf die 
Karte 



ain el-masjun 
hin el-mishah 

ain el-mudautcara 



ain el-mughara 



ain el-miihandis 
ain el-wahasch 

ain en-näniTis 






5^3^X11 ^^ 



ä.Lilt ^^c 



(_y,iAÄ.jii i • -x£ 






ai?i en-natur 


,>UJI 


a^^ 


NL 387 ain en- 


NL o>bUJ! 


c^;^^ 


ncitüf 






ain er-rabad 


Aj^i 


o^^ 


ain er-rawäs 


(j/vLyM 


o^^ 


ain er-rischräsch 


[^jU* I ^Xv -J 1 


a-- 



hin esch-schemie 
hin esc/i-sc/nh 



hin es-sachrl^ 
oder es-sachri ? 

(NL 387) 

Ztschr. d. Pal.-Yer. XIX 






■^y CT" 



»Quelle der Laterne«; zum 
Namen vgl. chirbet tnisbäh 
JL II, 150. 

»Die runde Quelle«', d.h. mit 
runder Steineinfassung, im 
Thale südlich vom Dorfe 
el-lsawije gelegen , massig 
stark. 

Höhlenquelle«; ihr Wasser 
wird durch eine Leitung in 
die grosse Wasserleitung 
im icädi el-hinr geführt. 
Vgl.ZDPV.I, 155; II, 143. 

»Quelle des Baumeisters.« 

»Quelle des Wildes« ; da- 
neben sind Felsgräber. 

wäwMS bezeichnet Ruinen von 
Häusern und Gräbern 
(ZDPV. ly, 6), nach Schick 
auch alte prähistorische 
Steinhaufen. 

»Quelle des Feldhüters.« NL: 
»Die tröpfelnde Quelle.« 



• Quelle der Brunnenkresse.« 

rischräsch ist eine Weidenart 
(vitex agnus castus), die am 
Jordan viel wächst. RoniN- 
SON II, 495. 

Vgl. chirbet esch-schetme. 

scJnh ist eine stark riechende 
Pflanze. NL 2S2. vgl. 90. 

Schwer zugängliche (Quelle. 



11 



A4 
A4 

1)5/6 



J3 



E6 
G 1 

F 1 



K5 

D3 
E3 
L 1 



K2/3 
F5 6 

K5 



154 



C. Schick und I. Bonzinger, 



Deutscher N.ime und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


hin es-sef 


V^AX^jl ..aC 


»Sommerquelle«. 


F 2/3 


am ea-smccm 


^^y^'A a^^ 


»Die Feuer.steinquelle«. weil 


E 5 


ZDPV.XIII,98 




viele Feuersteine sich dort 




7 

ai7i \ihahet es- 




finden; fliesst nur nach 




■ , 










reichem Keg'en einige Wo- 




smcän 




chen. Z13PV. XVIII, 151. 




ain es-sutvemt 


_iJ aÄJ».AV.J 1 . yf.Z^ 


s. wädi es-auwemf. 


B6/7 


hin et-fiika 


iisLI-ijl .-*£ 




H 1/2 


hin et-tell 




»Hügelquelle«, eine von den 


C 4 


1 




acht Quellen bei ed-dscMh. 








Mem. III. 95 ff. 




aiii ef-tine 


i^A^^ÄJi [•♦>;C 


»Quelle des Feigenbaums.« 


L 1 


hin fäg/lT(r 


' ;-^^^ a^^ 


Quelle des Dorfes bctfüghür. 
s. das. 


J2/3 


ainfära 


«y^ ^-^ 


Starke Quelle, einen Bach 
bildend, &,.chirhetwn.Atoädi 
fdra. Baedeker* 116. 


C 7 


hiti farha 


■^s ^^ 


Kleine Quelle bei derRuinen- 
stätte chirbet farha, s. da- 
selbst. 


D2/3 


ainfüris 


(J^;Ls ^^z. 


Bei der Ruinenstätte gleichen 
Namens. Gierix III, ^20. 


H 1 


''ein hantasch 


lA^-*-^ .-^c 


»Quelle des hantasch« (N. 


G3 




' '\ : 


propr.), eines früheren Be- 
sitzers; liegt in Weinber- 
gen, fliesst spärlich. 




hin hod Icihrijän 


o^j^^ ü^j-> a^'^ 


Quelle des Wassertrogs des 
Cyprian « ; fliesst sehr 
schwäch, gilt aber als wun- 
derthätig. 


G3 


hiti hühin 


a^i^^ a^^ 


s. chirbet hnbin. 


G 1 


hin jalo 


^-''^r? a^^ 


Gute Quelle, dabei Ruinen. 
JL II, 143; Robinson II, 


F4 


9 




376; NBF346; Guerin I, 
107; Mem. III, 61; Bae- 
deker* 111. 




ain katat el-henna 


KÄajI ]s*Is i-»f^C 


Eine der acht Quellen von 
ed-dschlb ; Icatat el-benna ist 


C3/4 


[el-henna] 


(^lLj^) 


Name eines Stücks alter 





Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



155 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 
auf die 
Karte 



«m karim 



ain kasr el-c/iadr 

iiin kTifln 
ain kmceizlha 
ain liftci 

ain maktünch 

Clin merdsn/wd 
NL2SI: »nach 
anderen hin 
tnendsched« 

ain merdschelm 
ain rafia 
ain saleh 



r;^^ a^^ 



.a:2.>-i ,AiS i'^P' 



o^y^ o^^ 



Kaj Li «.5 






i^^J^ ^^9.^ • **^^ 



"jr a^ 



r^A^^Ä^ 



Cy^ 



0^^==-^^ CT^^ 



C^J O 



a£. 






vO 



O^ 



BefestigungdesOrts. Mem. 
III, 94 ff. . . 

Dorf, so benannt nach seiner 
starken Quelle, die bei den 
Christen aucliMarienquelle 
heisst; vielleicht das alte 
Ä'arewi derSeptuaginta(Jos. 
15, 00) ; nach der Tradition 
= Juda von Luc. 1, 39, der 
Geburtsort des Johannes. 
JL 11,143; SS VI, 122; EJ 
XIX, 125; Mem. III, 19 f.; 
GuERiN I, 83 ff.; Bae- 
deker* 1 12. 

»Quelle beim Gartenthurm 
des chadr« (St. Georg); 
sehwach fiiessend. 

s. cJiirbet küfm. 

s. chirhet Tiuioeiziha. 

Quelle des Dorfes lifta s. d.j ; 
sehr stark, bewässert meh- 
rere Gärten im Thal. 

Die reiche Quelle kommt aus 
einem alten Gebäude her- 
aus. 

Oben am Anfang einesWädi 
gelegen. 



Eine spärlich fliessende 
Quelle. 

Die oberste Quelle bei den 
sog. Salomon. Teichen; der 
Hauptlauf, reichlich flies- 
send , tritt in einer unter- 
irdischen Kammer zuTage ; 
in einem Bassin werden die 
verschiedenen Wasserläufe 
gefasst und dann %\\ einem 

11* 



E3 



D 4 

L 1 
L3 
E 4 

E 1 

A 4 



E I 
H .( 



156 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 
Umschrift der arabischen 

Namon 


Arabisch 


Bemerkungen 


Verweis 
auf die 
Karte 






Brunnenthurm oberhalb 




' 




des oberen Teiches geleitet. 








Die christliche Tradition 








sucht seit etwa drei Jahr- 








hunderten hier die »versie- 








gelte Quelle« des Hohen- 
liedes 4, 12. ZDPV. 1.150; 








GuERiN III, 110 ff.; Bae- 








deker'* 128. 




«m säfäf 


^ubLo ^a£. 


Quelle des Dorfes sö^ä/, s. d. 


E2 


ain selmän 


^LJ^ ^,-^£ 


»Quelle des Selmän« im Thale 
gleichen Namens. 


B2 


hin sübä 


'^^^ O^^ 


Quelle des Dorfes sühä^ s. 
das. ; fliesst unten im Thal 
in ansehnlicher Stärke. 


E2 


ain sühije 


'^y^ O^ 


vgl. chirbet sitbije. 


A 2/3 


RoB.III,S705M4/ä 


Roh. ^f^^ CJ^ 






ain tarf'idijii 
ajTm en-nuioetif 


"j 


Quelle der Euinenstätte tar- 

fidijä. 
Eine der acht Quellen bei ed- 

dsclub. Mem. III, 97. 


A3/4 
B3/4 


akabet el-harei- 


^ahabe bezeichnet eine Berg- 


G7 


dije 




steige. ZDPV. IV, 2. 




akabet el-hattäbe 


KjLL4S il^fli 


»Die Holzmachersteige.« 


G7 


akabet el-mdära- 
dsche 


ic>-.L*;i i-jAs. 




H7/8 


akabet es-süicän 


o'i^-' ^^ 


»Die Feuersteinsteige«; s. 
^ain es-süwün. ZDPV. 
XVIII," 151. 


E5 


akur 


)y^ 


Kleines Dorf auf dem Ge- 


E/F1 


GüER. akkür 


GUER. ;J-Ä^ 


birgsrücken, umgeben von 
sehr felsigtem Grund. GüE- 
KiNlI, 7; Mem. III, 22. 




anätä 


'j''J.c 


Mittelgrosses Dorf auf einer 
Anhöhe mitweiterAussicht 
nach Norden und Osten; 


D 6 






Ruinen einer Kirche mit 






• 


Mosaikboden; = Anathot 
(Jer. 1, 1 , der Geburtsort 
des Jeremia. Mem. III, 7. 





Namenliste und Erläuterungen u. s. av. 



157 




arah ahu nuseir 
U7'ab beni Kasan 

arah el-heteimät 
arab el-heradije 

arah el-uheidije 
arah el-wädije 

arah ef-tdämire 



arak ahu kara 

uräk ed-der 
a,räk esch-schems 









uU^J^\ 



■"j^ 



'xjö\.a.jS i_j,c 



KjiA>v>xJ) V*;^ 



XjO^J) 



J • > 



e;^J-^^ (j-!y= 



jj.:i /J 



O'^ 






82 f.; RoBixsoxII, ai9f.; 
GuERiN III, 76 ff.; Bae- 
deker* 116. 

Die abu miseir-AraheT ! Be- 
duinen! ; nuseir = kleiner 
Adler. 

Die Jen« Äa.sa«- Araber; nach 
ihnen wird ein Distrikt des 
liicä Jerusalem bezeichnet. 
Vgl.JLII,139;SSVI,102ff 

Äe<e/V«äi-Araber. 

/.-erär/iJe-Araber ; nachNL 298 
ist d-lierädije Name einer 
Gegend. 

'wSeit^ye-Araber. 

Die Beduinen des Thal- 
distrikts. Robinson III, 
871; JL 11.139; SS VI, 124. 

^a'ämiVe-Beduinen; dieselben 
waren früher ansässige Be- 
wohner des Ortes bet ta- 
'är7iir, haben denselben je- 
doch verlassen. Vgl. auch 
NL 388. 

»Felsklippe abukärd«. 'nrnk 
bezeichnet Felsklippe und 
Felshöhle. 

»Felsklippe des Klosters.« 

> Sonnen f eisen«, Felsklippen 
mit vielen Löchern und 
Höhlen; nach Schick's 
Mittheilung werden diese 
Löcher im Volksmund zu- 
weilen als 'am esch-schems, 
»Sonnenauge« [vielleicht 
besser »Sonnenquelle«, d. 
Red.'i bezeichnet (vgl. da- 
zu ZDPV. XIII, 129 ff.), 
weshalb man schon das 'en 
scliemeschJoi^. 15. 7 hat hier 
finden wollen. Mem. III, 



BS 



E2F3 



ES 



G5/6 



G7/H8 



F5/E' 



K/L5 



DT 8 

E 7/8 
E7 



158 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 
Namen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 
Karte 






42 ist dies dagegen von 








mughäir esch-schetns be- 








richtet, s. das. Zu dem 








Namen vgl. ZDPV. XIII, 








92, Anm. 2. 




aräk ihrähim 


r..^^^t ^\^ 


» Abrahamsfelsen «, einst Au f- 
enthaltsort eines musli- 
mischen Heiligen dieses 
Namens. 


D 7/8 


ttrük Said 


0^^%.M4 1 Ö)^£^ 




B/C7 


arük Scheck is- 




Felsklippe beim Grab des 


Hl/2 


maln 




Scheck ismain. 




ard el-huwar 


^y^\ U^ji 


KleinebebauteEbene.ZüPV. 
XIII, 97. 


D/E6 


ard el-kuseir 


^-däiS [jD^ 


»Feld des Schlösschens«, 
fruchtbar. ZDPV. XIII, 85. 


E7 


ard es-sumär 


^^■M^W (jrv,l 




D4 


arkän ef-teräd 


oLLJi ^^^ 


'arlän ist der Pluralis von 
'aräl-, Klippe, Höhle. 


L3 


arfüs 


u--^; 


Muslim. Dorf am Nordabhang 
des gleichnamigen tiefen 
Thaies: unterhalb des Dor- 
fes ist eine starke Quelle, 
welche von Herodes nach 
dem Frankenberg geleitet 
wurde,jetzt aber die Gärten 
imThalebewässert. Einige 
Europäer sind hier ange- 
siedelt. JLII, 144; SS VI, 
148; Robinson II, 390; 
GuERixIII, 108 f.; Mem. 
III, 27. 161. 


H4 


Aussätzigenh aus 




Anstalt der Herrnhuter Brü- 


E4 


»Jesushilfe« 




dergemeinde, 1887 erbaut. 




Aussätzigenhaus, 




Von der Regierung unter- 


E5 


Türkisches 




halten; früher in der Stadt. 




bäb el-miiaUaka 


NÖUU ^L 




C4/5 


Bahnhof bittir 






F2 



Namenliste und Erläuterunsen u. s. w. 



159 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



Hahnhof Jeru- 
salem 

ballütat dschedür 



ballutat el-Jerze 
hallüt el-hederije 

hallüt el-mudau- 

wara 
hatn es-saide 
(NL286es-sa'k/e) 

batnfakhüs liindl 

Begräbnissplatz 
der Tempel- 
gemeinde 

heläm ed-deif 



beni harit el- 
kiblije 



bet aium 



)'- 



,l\;> iLb».!., 



,yK 



bj"^ 



\ iCb^j 



xj lXJ! J^j.L 



Die Eiche von dschedür ; 
hallüt ist Quercus ilex 
pseudo-coccifera; hochge- 
wachsene Eichbäume, in 
der Regel als heiligeBäume 
verehrt, sind im Westjor- 
danland eine Seltenheit. 

»Die Eiche von el-Jerze<i ; ein 
kleiner heiliger Hain. 



s.^jlX..) 



JOj.ki 






bufn ist ein breites Thal, eine 
Bodeneinsenkung. ZDPV. 
IV, 2. Ruinen einer alten 
Ortschaft. 

>Bodensenkung der indi- 
schen Melonen < ; kleine 
Ruinenstätte. 

Nr. 9. 



>><s.I>.&^ I 



ö.L 



C"» 



2,1 j.jlj heläm ist eine Pflanze (pote- 
riuni spinosum NL 340); 
der Name bezeichnet einen 
Bergabhang , an dem diese 
Pflanze in Menge wächst. 
»■^^ Die südlichen heni liäril- 
Araber«-, ein Distrikt des 
liwä Jerusalem. RoBlNSON 
III, 873; ZDPV. II, 139; 
VI, 125. 

Uc ^i>.^J Kleines Dorf mit Quelle auf 

einem Hügelrücken. JLII, 

I 145; SS VI, 118; EJ XIX, 

126; GüERiN I, 348; Mem. 

III. Ki. 



E5 



J 1 



J2 

F4 
G2 

C2 

H4 
F5 

D8 



A 1 



Bl/2 



160 



C. Schick und I. Benziuger, 



Deutscher N'ame und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



het cheirän 
GuER. gJürän 
Schick cheirün 

het dschälä 



het dukku 



het fadcJ schar 



het faghur 



Bethanien 
het hatiinü 



GUERIN 



aJ 



oy^ 



^L: 



tSJ <;>».aJ 



,LJ>^vJ 



;-^-^ 



La^a>- \^;^>.J 



JLII, 145; Mem. III, 322; 
GuERiN III, 296. 



Grosses christliches Dorf, die 
Einwohner sind Stein- 
hauer, Kalkbrenner, Ka- 
meltreiber und Weingärt- 
ner. Im Ort befindet sich 
eine griechische Kirche, 
eine lateinische Kirche mit 
Priesterseminar des latei- 
nischen Patriarchats, eine 
evangelische Kirche mit 
Schule, eine russische An- 
stalt für Frauen und Kinder 
auf einer Anhöhe hinter 
dem Dorf. — Viele Wein- 
berge und Olivenhaine. JL 
11,145; SSVI,124;EJXIX, 
126; Mem. III. 20; Robin- 
son II, 574 ff.; Gi'ERiN I, 
11 3 ff.; Baedeker 4 127. 

Hochgelegenes Dorf mit )na- 
käm des schech ümir. JL 
il. 146; SS VI, 118; EJ 
XIX, 126; Mem. in, 16. 

Hochgelegenes grosses Dorf; 
die Bewohner sind Eigen- 
thümer des 'Arrübthales 
mit seinen Quellen; auch 
Kohlenbrenner. JE XIX, 
123: Mem. III, 303; GuE- 
RIN III, 301. 

Ein theilweise zerstörtes, 
theilweise bewohntes Dorf; 
PhcKjor Jos. 15, 59 LXX. 
JLII, 146; Mem. III, 35. 
112; GüERlNlII, 314 f. 

s. el-'üzarlje. 

Grosses Dorf auf einem Hü- 
gelrücken zwischen zwei 
tiefen Thälern-. 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



161 



Deutscher ]Sraiiie und 

Umschrift der arahischeii 

Namen 



Bethlehem 
Bethphage 



Arabisch 



bet iksa 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



het irza 
Schick tirza 



1^1 



^,;^aJ 



1-; 



'w'^j 



ziemlich höhere Berge; 
wahrscheinlich Ananja 
Neh. 11, 32; gerade gegen- 
über liegt das ebendort ge- 
nannte Hazor, s. chirbet 
hazzür. JL II, 146; SS VI, 
127; EJXIX, 121; Mem. 
III, 8; ROBLXSON 111,284; 
GUEKIN I, 394. 
3. het lahm. G/H 4 

»Haus der Feigen. < Auf dem E6 
Sattel, welcher den Ölberg , 
mit dem Berge, an dessen 
östlichem Abhang Betha- 
nien liegt, verbindet, wur- 
den i. J. 1880 ff. Ruinen 
einer Kirche, einiger Häu- 
ser, Gräber, ein Stein mit 
Fresken (Einzug Christi in 
Jerusalem, Auferweckung 
des Lazarus) gefunden, wel- 
che beweisen, dass man hier 
zur Kreuzfahrerzeit Beth- 
phage suchte. Die Kirche 
und ein Haus sind auf alten 
Fundamenten wieder auf- 
gebaut. Nördlich davon ist 
die Ruinenstätte eines viel 
grösseren Ortes mit Ci- 
sternen, Teichen u. s. w. 
Jerusalem 331 ff. 399 ff.; 
Baedeker* 95. 

Dorf mit fleissigen Bewoh- D 3 '4 
nern, die eingewandert 
sind; eine kleine halbe 
Stunde NW. liegt ein alter 
Hain. JE II, 14G; SS VI, 
127; EJXIX, 121; Mem. 
111,8; GuERixI, 256. 

Alte Ortslage in schön. Wein- G 4 
bergen,mit einigenRuinen , 
Zisternen u. s.w. JLII,146. 



162 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arahischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


bet izzä 


\'.\ ^i^ 


Kleines hochgelegenes Dorf. 


C3 




^ 


hat im Westen eine Quelle. 




het lahm, 


1 


»Fleischhaus« =: Bethlehem, 
d.i. Brothaus. Vgl.ZDPV. 
XVII, 1894, S. 89 ff. Mem. 
III,28ff 83 ff.; Baedeker* 
119 ff. 


G/H4 


hef nakühä 




Auf einem schmalen Hügel- 
zug zwischen zwei Thälern 
gelegen. Mem. III, 16; JL 
II, 146; SS VI, 118; EJ 
XIX, 1 25 ;GUERIN 1,7 1.279. 


D2 


het ^afüfä 


l-Ux^ O.^. 


Kleines Dorf in der Ebene 
Rephaim, fleissige musl. 


F4 


\ 




Bewohner. JLII, 147; SS 
VI,122:EJXIX,125;Mem. 
111,20; GuERiNlI, 104. 




bet scihnr el-attka 


^Cä^J^IäJI j »,r>L.v^ C^;^^ 


»Das alte bei sähür« ; im Som- 
mer meist verlassenes klei- 
nes Dorf mit vielen Fels- 
gräbern an den Bergab- 
hängen. JL II, 146 b. s. 
et-tahtä; SS VI, 124: Mem. 
III, 85; Baedeker 4 lOü; 
bei Robinson III, 871 b. s. 
el-muslimm, d.i. »der Mus- 
limen«. 


F5 


het sahür en- 


^_5^U ^^ 


»b.s. der Christen«, Christen- 


H4/5 


nasürä 


^^^-jIS 


dorf östlich vom Bethlehem 






beim sogen. Feld der Hir- 








ten. JL 11, 147 b. s. el-fökä, 








»das obere«; SS VI," 124; 








EJ XIX, 121; Mem. III, 








29; Baedeker* 126. 




bet säkij'a 


l^i\,jM o%aJ 


säJxija ist eineWasserschöpf- 


F 1 




• 


maschine (Schöpfrad); 
theihveise zerstörtes Dorf 
am Abhang eines Hügels. 
Mem. III, 86. 




bet silä 


X— ^-r 


Mem. III, 86. 


B.i 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



163 



Deutscher Name und 

Umschrift der arahischen 

Namen 



het surik 

MjYlA^lsürik 



het taamir 
JLu. Hob. III, 

973 tamar 



het tulma 



het ummar 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 
auf die 

Karte 






v,1>.äJ 



ROl!. .4.ÄJO.^J 



L.JLt 



^;^aJ 



hetunja 



het '^ur el-foka 



^ 1 ^;^aJ 



LaJ^^kaJ 



i:>fij 



)y 



het '^ur ef-talita 



\:^\l\ 



)y^ 



vaJ 



Hoch gelegenes Dorf mit 
schönerQuelleund Gärten. 
JLII, 147; EJXIX, 126; 
Mem.III, 16; zurNamensf. 
vgl. SS VI, 118 f.; NL287. 

Von seinen Bewohnern, den 
Ta'ämirebeduinen, verlas- 
senesDorf im Südosten von 
Bethlehem. JLII, 147; EJ 
XIX, 125; Mem. III, 29 f.: 
GUERIN m, 121. 

Alte Ortlage mit einigen Rui- 
nen auf einem Hügel; am 
Fuss'desselben eine Quelle. 
JL II, 147. 

BewohntesDorf auf der Höhe 
liegend, mit Bäumen um- 
geben. JLII, 145; Mem. 
III, 303 ;GUER. in, 298.379. 

Grosses hochgelegenes Dorf 
mit vielen Bäumen. JL II, 
144; SS VI, 127; EJXIX, 
121; Mem. 111,8. 

»Das obere het '?//■« (Beth 
Horon des Alt. Test.) ; klei- 
nes auf hohem Bergrand 
stehendes Dorf mit einem 
Weli, Teich u. s.w.; schöne 
Aussicht. DieHauptstrasse 
von der Meeresküste nach 
Jerusalem führte einst hier 
herauf; sie ist noch jetzt 
überall erkennbar. JL II, 
148; SS VI, 118; Mem.III, 
1 7.86 ; Robinson 111,273 tf. ; 
GUERIN I, 346. 

»Das untere hH '?//•« (Beth 
Horon) ; ansehnliches Dorf 
auf einem niedrigen llügel- 
rücken. JL II, 148; SS VI, 
118; Mem.III, 17. 86; Ro- 
binson III, 273 ff.; GUERIN 
I. 338 ff. 



C/D3 



H5 



D3 



L 1 



A3 



A 1 



A 1 



J61 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name und 


i 
1 




Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Kurte 


het zefä 


Läj; \Ly-^r 


Zerstörte kleine Ortschaft an 


K2 


:>^h3Sd betzatä 


NL Ucj ^^ 


der Hebronstrasse. Mem. 
111,312.325; GuERiN III, 






c 


299. 




hiär ahu sud 


l\*a~ _y.JI >IaJ 




P6 


hiür el - mdz'ije 




NL 340. 


J 7 8 


Schick: hiür 








el-murnje 








biddü 


^iAj 


Hochgelegenes Dorf auf rau- 
hem Boden, früher bedeu- 
tender ; hat einen in Felsen 


C2/3 






gehauenen Teich. Die 
Strasse von Ramie nach 
eii-nehi samicil führte hier 
vorbei. JLII, 148; SS VI, 
118; EJXIX, 126; Mem. 
III, 17; GuERDs 1,362. 




hik'^at tekua 


c_».aj Kxßj 


Ebene von tekna« s. chirbet 
.tekua. 


K4 


blr ahu hind'i 


^J^^J.i\ ^AJ 




F8 


bir ahu keläh 






G 7/8 


blr ameye 






H6 


hir aunli 


Ij vC -aJ 




G4 


Bakd. 3 117 hir 


Baed. LijP 






hauna 








blr "ixoeitil 


J.Ljj.£ ^aJ 




G6/7 


blr azeir 




RomxsoN II, 3.51 ; Mem. III, 


B3 


'Roh.hlr el- özeiz 




165. 




bir het hassa (oder 




ia.ssa bezeichnet einen feuch- 


H5 






ten Platz. ZDPV. IV, 2. 




Z»ßÄsa ?NL 288) 


(oder wA^^j) 


Dabei verfallene Häuser, 
darunter ein Chan u. s. -w. 






c 


Mem. III, 87. 




blr dar huaein 'id 


^a£. .^aa«<.>- ,)J -aJ 


Brunnen des Hauses des 


J3 




' 


husein ^ld<!- (Eigenn.). 





Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



165 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Kamen 


Arabisch 


Bemerkungen 


Ver>veis 
auf die 
Karte 


blr däüd 


> 




>Davidsbrunnen« , Cisterne 
im Norden von Bethlehem, 
so benannt, weil hier die 
Erzählung 2 Sam. 23, l.^f. 
lokalisirt wird. 


H4 


blr dschabr 


. ^^^ 






L2 


hir dschofet el- 
akkZisch 


;^wLä*j! i^%.> 


-C 

.AJ 


dschöf ist Höhlung, Niede- 
rung. \il-l-äsch ist nach NL 
296 Name der Frucht des 
aräk - Baumes (Paliurus 
aculeatus). 


J6/7 


blr dschofet el- 




.AJ 




H8 


alande 




s- 






blr ed-dcr 






>Der Klosterbrunnen.« 


A4 


blr ed-cUke 


XÄÄvOsii 




Cisterne mit engem Schöpf- 
loch. 


H6/7 


blr ecl-dlke 


Ka-^>02Ji 


> • 




H8 


blr ed-dilbe 


iCjAJS 




»Brunnen der Platane.« 


L2 


blr ed-dschanna 


^^^ 


-Aj 




F8 


blr ed - dscha- 




-aJ 




G5/6 


schüre 










blr ed-dschebäli 


^•'L^~l 






A, B 7 


blr ed-dschoze 


St 

y ■ 


c 

-AJ 

> • 


»Brunnen des Nussbaums.« 


E3 


blr eijub 


• ' -^ " 


i: 
.AJ 


>Hiobsbrunnen< (bei den 
Christen auch Joabsbrun- 
nen und Nehemiabrunnen 
gen.); wahrscheinlich = 
'enrögel (»Walkerquclle«) 
Jos. 15, 7 u. a. ; 4U m tief; 
der untere Theil ist in den 
Felsengehauen. Nachstar- 
kemRegen fliesst sein Was- 
ser als Bach das Thal hin- 
unter, was alsZeichen eines 
fruchtbaren Jahres gilt. 
lloJiiNsoxII, 13Stt'.;GuEE. 


E5 



166 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



bir el-abd 

hlr el-adscham 
NL 288 el- 
adschaml 

hlr el-ukahe 

bir el-ulälijcd 
^L2S8el-alei- 
/T/rt/', Schick el- 
aleidat 

bl?' el-a/jä 

bir eJ-amdän 



bir el-azwar 

bir el-baküly 

bir el-bassa (oder 
Z.öÄÄä?NL28S) 

hlr el-hassa 
hlr el-burdscli 
hlr el-chaleil 
bir el-chanzir 
bir el-chanzlr 
hlr el-füwär 
hlr el-ghazcile 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verneis 
auf die 
Karte 



lA^Ä-i 



.AJ 



r • -• ■ 



XL i^^^'.xit 



1,60; Jerusalem 294, 371 ff.; 
Baedeker * 99; ZDPV. 
XVIII, 153. Zum Über- 
fliessen des Brunnens vgl. 
ZDPV. XIV, 98 U.Tab. III. 

»Brunnen des Sklaven.« 



XaSXjI 



f^ 






»Brunnen der Steige.« Auch 
bir hukeia dän genannt. 
ZDPV.'XIII, 98. 119. 

Zur Xamensform vgl. ZDPV. 
XIII, 115. 119. 



iAx:\ 



r^^ Der obere Brunnen. 



^'lX^äj^ ^aj .Säulenbrunnen« : grosse Ci- 
sterne, deren Decke mit 
Pfeilern gestützt ist. Mem. 
III, 87. 

ZDPV. XIII. 97. 119. 









vgl. hlr het hassa. 



\/^j^.\ .aJ 



!> 5J J» 



— j-^-' j-^T »Brunnen des Thurmes.« 

C 

.jJ.:>^ .Aj >Der Schweinsbrunnen.« 

.jiÄj>l .Ai Der Schweinsbrunnen.« 

,5j.Äj5 ^j »Brunnen der Springquelle.« 

iL^iÄ.;! .Aj »Brunnen der Gazelle.« 



Hü 
E 6 



G6 
H 5 



E6 


G8 


D3 


D6 


E 7 


F7 


J 1 


K3 


K2 


H8 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



167 



I 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



hir el-haddsch 

ramadan 
blr el-hamra 

htr el-handsche- 
lije 

hlr el-häzmlje 

hlr el-heswe 

hlr el-ld 

NL288 el-edd 

hir el-ka 



hlr el-kadismu 
NL ohne Artikel; 
vgl. ZDPV. XII, 
22, Anni. 3. 



hir el-kaff 

hlr-el haisurcmlje 

hir el-kanuh 

hlr eJ-larn 

hlr el-katafl 
(wohl el-katafe) 

hlr el-katt 

hlr el-kaUlJe 

hlr el-keiäkhe 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



j^L-oa^^ llJ-\ .Ai Mem. III, 325. 



i-«.?-i .aj Der rothe Brunnen. 



NL lX*.;! ^j 

c -^ • 



».♦AWjlAftj) .Aj 



-Ä 



ijCJ! 



,AJ 



Vgl. ZDPV. XIII, 93 Anm. 



>Die Cisterne in der Boden- 
senkung«. Der Ää' ist eine 
muldenartige Bodensen- 
kung, in der sieh in der 
Regenzeit Wassertümpel 
bilden. ZDPV. XII, 271. 

In dem Namen ist die alte 
Benennung Kathisma er- 
halten; von der Tradition 
seit dem 14. Jahrhund, als 
»Cisterne der Magier« be- 
zeichnet. ZDPV.XII,19-23. 

Nach NL 290 auch hlr maJcta 
esch-schachiär genannt. 



K 2 

G7 

H 6 

F 7 
K7 
E6 

E 5 





j-^ 




^ 


v-^ÄÄji 






c 


OJ^^^ 


-XJ 


i^RLäil 




(i^äl^äjr 




1^\ 




V- * 


p 


XA_iäj ! 


.XJ 



KAsUäJt 



Brunnen des Horns.« 

> Brunnen des Johannes- 
krauts.« 

»Brunnen der Klippe.« 



• Brunnen d.Keikabbäume«i?) 
= Zürgelbäume. 



F4/5 



F5 

H4/5 
L4 

F8 
G7 

G5 

G7/8 

J5 



168 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutseber Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 


Arabisch 


Bemerkungen 


Verweis 
auf die 
Karte 


bir el-kelh 




»Hundsbrunnen.« 


D6 


b'ir el-kisi 






L2 


blr el-kureimzän 




Das Gestein der Umgebung 
ist röthlich, daher d. Name ; 


J8 


hir el-machrüm 


^,.^i\ .L 


kinnir. = Kermeswurm. 


F7/8 


blr el-mahas 


, W.J?^.ii .AJ 




F5 


bir el-marmar 




»Marmorbrunnen«: ; hat ein 


H5 




■^ r 


Sehöpfloch aus Marmor. 




blr el-muallä 


,^Jjti^ .AJ 




J7 


blr el-mucheibe 


s 
K./.A^dt .AJ 




G7 


blr el-niuschärif 


l^,Lw.ii .AJ 


g. rüs el-iniischärif. 


D5 


blr el-ivafä 


lh^\ ^ 


»Brunnen der Niederung.« 


C7 


blr en-nafls 


■ • 't 

, wiaSIaJI -AJ 


GUERIN III, 88. 


H6 


GUER. i7lflS 


Gl"kk. (^•^AÄJi 






blr er-rachame 


iiU.i>.ji .AJ 




L5 


blr es-safäfl 


.tLft/^J! .AJ 




H8 


blr es-salib 


^^a-aIa^J ^ jA J 


>Brunnen des Kreuze.?.« 


G2 


blr es-sitt ' 


Vj^M.^, 1 .Aj 


»Brunnen der Frau.« 


F6/7 


blr es-aük 


0>^-^ ^.AJ 


> Br u nnen des Marktes . «Mem . 
III, 185; ZDPV. III. 217. 


F/G8 


blr es-su/cetrlj'e ' 


NJ.aXaw.JI ,aj 

••>■■ y • 




J 7 


blr et-tarfä 


ii: ijiS AJ 


>Brunnen der Tamariske.« 


L7 


NL 391 blr 
mZilhat et-tarfä 


NLt'i_.LJiX^Lo^Ij 






blr ef-fnwll 


J.JJ.LJI .AJ 




J8 


blr ez-zahr 


..^ii -AJ 


»Brunnen auf dem Berg- 


DE 5 


NL 314 blr et- 
tughra 


NL ä^xi-t .AJ 


rücken.« NL »Brunnen des 
Engpasses«. 





Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



169 



Dentscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


bir ez-zaraa 




^Brunnen des Säeplatzes.» 


E/F8 


NL ez-zara 


NL p J! .Aj 


Zum Namen vgl. ZDPV. 
VI, 111 f. 




hlr ez-zarüra 


) -^ J J J • 


zarüra ist Mispclbaum, 


F6 




c 


Weissdorn, Hagedorn. 




hlr ez-zetünüt 


0Ü».äj;j1 ^j 


»Brunnen der Ölbäume.« 


E5 


hlr fachad el-kol 


^yS.W \ik .Ij 




H6 


hlr habähib 


c 




L6 


Schick rubahib 


c 






hlr ibräläm 




»Abrahamsbrunnen.« 


GS 


hlr ibtüni 






F8 


Schick abtura 








hlr ichdäscJi 


;ji.!L\i>! ,Aj 




H5 


hirket el-arrüb 




vgl. ^ ain el-arrüh. 


L2 


blr maktal el- 




vgl. NL 342 dar mahial el- 


H8 


ghuweir 


£ 


ghmveir. 




blr nebälü 




Dorf mittlerer Grösse, auf 
massig hohem Berge, ge- 
genüber von ed - dsclvih. 
Mem. III, 8; JLII, 148; 
SS VI, 127; EJXIX, 121; 


C4 




C. 


GiERix I, 393. 




blr sehnän 






J6 


NL 392 blr 
umm selmim 


NL qL«.!*« j.t ^Aj 






hlr tahküsch 


(jü/tilb .Aj 




K2 


blr takfak 






K4 


blr ummZit el- 




»Skorpionenbrunnen.« 


H7 


akärib 


V- s. 






bir umm ed-dc- 
redsch 


6^ r ^ ■ 


»Der Brunnen mit d. Treppe. <: 


L 12 


hlr umm ed- 


r > • 




LO 


dschud 









Ztschr. d. ?al.-Ver. XIX. 



12 



170 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch und 
Hebräisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



hlr umm el-aisun 
(oder hlr umm 
Zee6MW?NL330) 

bi7' umm et-teleitä t 

hlr war el-asacl 

bir zemiaki 
Schick es-snnati 



hittir 



Bozez 



... «^M(.Jj5) I») -AJ 



oder 





r 








■^ 


c 


^Lx^Xa;! 


r^ 










s. 






-AJ 






r 


£ 




J^ 


h 


.Aj 



T^^ 



ys^a 



Brücke 



ZDPV. XIII, 96. Über den 
Namen und die Identifi- 
kation des Ortes mit der 
Laura Heptastomos vgl. 
ZDPV. XV. 231. 

Ansehnliches Dorf am Süd- 
abhang eines tiefen Thaies, 
mit reicher Quelle. Eisen- 
bahnstation; auf rundem 
hohemBerg gegenüber sind 
die Reste einer Burg, cliir- 
bet el-Jehüd, »Judenruine« 
genannt; entspricht dem 
Baither von Jos. 15, 59 
(LXX) und dem Bethther, 
das im Aufstand des Bar- 
kochba eine wichtige Rolle 
spielte. Mem.III, 2U; Bae- 
deker* 16; JLII, 148; SS 
VI, 122; EJXIX, 125; Li- 
teratur s. bei SCHtEREE, 
Gesch.d.jüd.VolkesI,579f. 

1 Sam. 14,4 werden zwei Fels- 
zacken bözez und seneh 
beim Pass von machmüs 
als einander gegenüber- 
stehend erwähnt; die Lo- 
kalität ist noch heute deut- 
lich erkennbar. 

Alte Brücke, auf welcher die 
'Arrüb- Wasserleitung über 
ein Thal führt, das nach ihr 
iväd-ed-dschür, »Thal der 
Brücke«, heisst. ZDPV. I, 
159 f. 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



171 



Dentscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



hukeia dmi 

hurdsch el-himär 

hurdsch esch- 

schech marzük 
hurdsch et-tüt 

hurdsch sahl es- 

säk 
hurkä 

NL 292 hurha 



chaleil ahu radf 

challet ed-daha 
Schick ed-dubt 

challet el-kafa 
NL challet el- 
hetä 

challet el-makäbir 

chän el-achdar 

chäa el-bire 

chän el-miskä 

chan es-sahl 

NL 345 chän 
el-ahmar 












NL iLbä-i is.ii> 



— Äi^nA^i«! ,-.L» 






»Kleine Schafebene.<' 
»Eselsthurm.« 



>Thurm desMaulbeerbaums.« 
Mem. III, 91. 

»Thurm der Marktebene« ; 
Ruine. Mem. III, 185. 

»Grosses Dorf, schon am 
Ostabhang des Gebirges 
gelegen. Mem. 111,9; JL 
II. 149; SS VI, 127; EJ 
XIX, 121; GUERIN III, 57. 



»Hj^änenthälchen« ; challe ist 
kleines Thälchen , Halde, 
sanfter Bergabhang , meist 

• Anfang eines Thaies. 

>Burgthälchen.« 



»Gräberthälchen«; bebaut. 
s. chän es-sahl. 

Kleines, halbzerfallenes Ge- 
bäude neben der Quelle 
von el-htre. 

Im Thale gelegen; Iluineu 
und verfallene Cisternen. 
Mem. 111, 104. 

»Chän der Ebene«; zum Un- 
terschied von dem »rothen 
Chän« (= chänhatrüra]3iViC^ 
der »grüne Chän« , cliän 
el-uch(Jar, genannt (in NL 
»rother Chän« ; liegt auf 
niedriger Anhöhe zwischen 
zwei ilaclien Thalsenkun- 
gen; das fruchtbare, schön 
angebaute Feld gehört den 



E6 
G7 
F 1 

E4 
F 8 
A 5 



F 7/8 
A/B4 

B/Cl 

F 7 
E 8 
A4 

C 1 

E8 



12* 



172 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 




Verwei 

auf die 

Karte 







Fellachen von si7?tä?2. Zum 








Namen vgl. ZDPV. III, 27; 








X11I,12Ü ; zur Identität mit 








dem Euthymiuskloster vgl. 








ZDPV. III, 235; XIIT, 91. 








118; XV, 225. 




charaib er-ram 




>Ruinen von er-rüwi«; eine 
Pieihe Gewölbe mit Ci- 
sternen am "Weg. Robin- 
son II, 568 f. 


C4/5 


cJiirhet aher- 




Mem.III,104. GuerinI,3U. 


A 1 


dschün 








eh. ahu adas 


1 yviAr: o^ Kj.3» 




Gl 


eh. ahu hurek 


d^ 'J J-^^ '^^.y^ 


Mem. III, 104. 


F4 5 


eh. ahu heilem 


e)-^^^j-^^ Kj^^ 


Steinhaufen, zerfallene Mau- 


E7 


^Ju'ii)i)abuhu- 
iceilün 


NL Q^j_j.=^ 


ern , zwei Säulen und ein 
Wachtthurm. Mem. 111,1 04. 




eh. ahu lidcibe 




Ein Brunnen und einige 
liuinen. Mem. III, 104. 


J 1/2 


eh. eihii Jeimün 


^j^^*Jj..i ÄJ^.^ 


Mem. III, 104. 


D3 


eh. ahu malfirl 




Mem. III, 101. 


F5/6 


eh. ahu meiseira 




Mem. III, 104. 


C7 


eh. ahu muham- 




Auf einem hohen Hügel, 


Dl 


med 




wenige Mauern, meist nur 






£ 


Steinhaufen. Mem. III, 104. 




eh. ahu ms 


u'^^jjkj^ :\j^.i> 


Auf dem Gipfel eines Hügels 


BT 


NL 300 ruTis 




am Rand eines steilen Ab- 
hangs; unbedeutend, fast 
nur Steinhaufen. Mem. III, 
105. 




eh. ahu sah bäh 




s. /.'",/'/• näiä. 


A6/7 


eh. ahu sa\l 


_7- ■ j 




E6 


eil. ahu sa'^d 


-7- -j 


Unbedeutend, fast nur Stein- 
haufen. Mem. III, 105. 


H2/3 






ZDPV. XIII, 85. 




eh. ahu sjncän 




»Ruine mit den Feuer- 
steinen« ; vg\.'^ ai?u's-.süicän. 


ET 




- 


Mem. III, 105. 





Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



i7;i 



Deutsclier Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 




ch. adase 



• J 



eil. adase 



eh.ain el-eharruhe 

eh. aljti 

eh. ahmt 

NL 301 alnüt 






^.-5j^> 









C^A*. 



NL _LiA4.U 



cÄ. arkuh es-saffa 
ch. ashalän 



ch. atan 



eh. atara 






.^LLix: Kj,: 



s Llac X.J .; 



Alte zerstörte Ortschaft auf 
einem runden Hügel, der 
mit Weinbergen bepflanzt 
ist; beherrschte einst die 
Strassen nach Norden und 
Westen; Felsengräber, 
Säulen, Marmorsteine etc. 
Mem. III, 105 f. GuERlN 
III, 5 f. 

Auf einer Anhöhe, unbe- 
deutender als der gleich- 
namige Ort weiter nörd- 
lich; ein Teich, viele 
Cisternen , eingefallene 
Mauern. Mem. III, 106. 

»Iluine bei der Quelle des 
Johannisbrotbaumes.« 

Mem. III. 107. 

Alemeth 1. Chr. 0, 45; alte 
Ortslage auf einem flachen, 
massig hohen Hügel; viele 
in den Felsen gehauene 
Cisternen. Mauern, Gräber, 
Mem. III, 35. 107; ZDPV. 
11,9; XIII, 104 ff.; JLII, 
14:3; GuERiNlIl, 75 f. 

ZDPV. XIII, 94. 

Alte Ortslage mit Iluinen, 
Fundamenten, Stein- 
haufen, Cisternen u. s. w. 
Mem. III, 107. 

Alte Ortslage, Avuhl = Etam 
(2.Chron. 11, 6 ; verfallene 
Häuser und Mauern auf 
einem runden Hügel; vgl. 
Mem. III, 43; ZDPV. I, 
152 f.; Robinson II, 390; 
GUERIN II, 117 f., 303. 

Ein altes Atharoth; am Fusse 
des freistehenden, lang ge- 
streckten, hohenHügels^«/^ 
(m-nashe s.d.): Gräber, Ci- 



C 4 



C 



D2 

H3 
C6 



D7 
A2 



H3 



B5 



174 



C. Schick und I. Benzinger, 



;)entscber Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 
Namen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 
Karte 






Sternen, Teiche, Quelle ^ain 
dschädi. RobinsonII, 370; 
III, 297 f. 




ch. atüra 


y^ • J 


Mem. III, 107. 


06 


NL 301 aftüra 


NL »;J.£i£ 






eh. hakkär 


,Läj is,j .3- 


JL II, 144. Mem. III, 350. 
GuERiN III, 295. 


LI 


ch. hallM el-hüUs 


(_^w.jL,>^ l:_^i Kj -i> 


Alte Ortslage. Mem. III, 107. 


C4 


ch. hcitn es-saghiv 


ff f .. . 


»Ruine der kleinen Boden- 
senkung« ; in der Einsatt- 


El 






lung eines grossen Berges 
gelegen , mit einigen 
Mauern, Cisternen u. s. vv. 
Mem. III, 107. 




ch. hereküt 

m 




Vielleicht = Beraka 2.Chr.20, 
26 (Luther: »Lobethal«); 
Ruinen eines grossen Dor- 


K2 


■ 




fes auf niedriger Anhöhe; 
einzelne Häuser sind sehr 
gut erhalten. RoBlNSON 
II, 416; Mem. III, 311. 
352; JLII, 145. 




ch. hct dschaza 


i;L> ^i>^:^J "^J r-> 


Ruine einer kleinen Ort- 


C2 






schaft. Mem. III, 108. 




ch. hetfadda 


• > 


Kleine Ruine auf einer An- 


J4/5 


NL 300 bedd 
fälüli 


NL ^j-iü J\J 


höhe zwischen zwei sieh 
vereinigenden Thälern. 




ch. bet mizmir 


,A/5;/i O-AJ ^J j.i> 


Ein Gehöft mit Mauern um- 
geben, zeitweise bewohnt; 
auf dem höchsten Punkt 
zwischen Jerusalem und 


E3/4 






'ai'w liärim. JL II, 146. 
Mem. III, 108. 




ch. bet süwlr 


j.. j ... .^ . 


Ruinen einer kleinen Ort- 
schaft auf flacher Hoch- 
ebene, ein Thurm ist noch 
ziemlich erhalten. JL II, 
147; Mem. III, 351; GuE- 


J/K2 






RIN III, 385. 





Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



175 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 




Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



ch. bet schar 



eh. bet schihab 
NL 302 bet 
schebüb 

ch. bet zakärj'ä 
NL 302 falsch: 
sa/iürjä 



ch. biar luka 



ch. btr er-rasas 



NL > — iLa^ c^^aj 



Lj.Lj; ^i>-\j si ,: 



NL Lj^LC 






ch. bir esch- 
schxifa 

ch. büket a ilän 



.L;0.i5 






LlL^ji 



.AJ i>wj , 



. .L*:2^ 5 %-^Sii 






Nun wieder theilweise her- 
gerichtetes und bewohntes 
Dorf. Mem. III, 351. 

schihüb ist ein häufigerEigen- 
name. Mem. III, 108. 

Beth-Zacharja (1 .Makk. 6, 32 ; 
Joseph. Ant, XII, 9, 4); 
ziemlich grosses, befestig- 
tes Dorf auf einem runden 
Berge, der nur durch einen 
schmalen Sattel mit dem 
Gebirge verbunden ist; auf 
dieser Seite durch einen 
Graben mit Brücke und 
Brückenkopf geschützt; 
viele Häuser stehen noch, 
sind aber die meiste Zeit 
des Jahres verlassen , Ci- 
sternen, vor der Brücke ein 
Heiligengrab; die Strasse 
von Jerusalem nachHebron 
führte früher hier vorüber; 
die Fellachen von artäs be- 
bauen jetzt das Land um 
die Ortschaft her. JL II, 
148; Mem. III, 35. lOSi 
GUERIN III, 316 ff. 

»Ruine der Lukasbrunnen«; 
vielleicht einst ein Lukas- 
kloster. Mem. III, 110. 

Alte Ortslage mit Mauern, 
Cisternen, Höhlen u. s. w., 
viele Topfscherben. Mem. 
III, 110. 

vgl. NL 302; Mem. III, Hü. 

»Ruine der kleinen Schaf- 
ebene« ; alte Ortslage, Ci- 
sternen etc. ZDFV.XIIL98. 



K2 



C2 



J2 



iG5 



B4/5 



A3 



E 6 



176 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutsclier Namo uud 

Umsclirift der arabischen 

Namen 




ch.challet et-beida 

eh. rhallet el- 

Jiamrä 
eh. charäib el-heid 

NL 399 haräih 

el-heid 
eh. eharettin 

NL 400 eha- 

retün 

eh. der umr 

GuER. der amr 

eh. der el-uzcir 
ch.der esch-seheeh 



eh. der es-senne 
NL 3 1 9 dir e&- 
sunnek 

eh. der hasan 



- L/cs^«-«.- ) ii.Jl^ Äij . 






^ ... . y -J 
^ ... . j 






NL o^:., 



.4.£ .jJ> ^.j .: 
GUER. .'ji -J^ 



NL /" ^.AA/A^J 1 .jti 



Lt--^ 






eh. der ihn "oheid ^^t*:^ ^^^ ß^ ^^j 



eh. der sellä?n 
eh. d sehe ha 
eh. dsehedür 






\i 






i »uX^*. Nj -.^ 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



»Ruine des weissen Tliäl- | J 3 '4 

chens.« Mem. III, 117. 
»Ruine des rothen Thal- L 5 

chens.« Mem. III, 3.56. 

Mem. III, 354. K .5/6 



»Ruine des (heiligenj Cha- J/K 5 
riton.« Mem. III, 315, 357; 
TOBLEK II, 509; GUERIN 

III, 133 ff.; Robinson II, 
398 ff. 

Ruine des Klosters des E 1 
'^mnr.« Mem. III, 111 

GUERIN II, 8. 
Ruine des Lazarusklosters. < Dl 

»Ruine des Klosters des D 1/2 
Schechs<; ; unterhalb der 
kleinen Ruine wird das 
Grab des betr. Schechs ge- 
zeigt. Mem. III, 111. 

Alte Ürtslage, grosse Cistei- F 5 
nen undTeiche, jetztWein- 
gärten. Vgl. ZDPV. III, 
32. 235; XIII, 80. 231; 
Quart. Statements 1891,10. 

»Ruine des Klosters des Ha- A 1 
san«; Spuren einer kleinen 
Ruine. Mem. III. 111. 

s. der dösi. G 6 

Viele Gewölbe, Cisternen. C 5 
Gräber,Weinpressen, Reste 
einer Kirche. Mem. III, Hl. 

Dorf auf einem Bergrücken ; E 1 
ein altes Gibea, »Höhe«; 
Mem.IIL116;GuER.II,8f. 

Ein altes Gedor (Jos. 15, 58); Kl 
dabei viele Bäume. Mem. 
111,313.354; Robinson II, 
592; Gierin III, 380 f. 



Namenliste nnd Erläuterungen u. s. av. 



/ / 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



ch. dscliefna 
eh. dscherijiit 

ch. dschindschis 

ch. dschuhh er- 
rüm 

ch. dschuehclum 
eh. dschürtsch 
eh. ed-deheidhe 
ch. ed-der 

eh. ed-derhlme 
NL 304 ed- 
dreiheme 

ch. ed-dikke 

ch. ed-dilb 



ch. ed-dschührcm 
ch. ed-dscham a 
ch. ed-dschämia 

ch. ed-dsehedeir 
eh. ed-dschenül 
ch. ed-dschubeia 
ch. ed-dschufeir 
ch. ed-dincüra 
eh. ed-duw'er 

ch. ed-duwer 

ch. ekhälä 

Baed.^ 19 und 






(j«.. 



,^'.a:> isi .:>• 












Cv<.J 



b^i. 









Jp- 



■• ) j 

NL N4.iJ ,cXJ^ 



i^ö^S 



i^i 



r 



..l\;i Kj ,; 



L5 > ■ j 

>• •• ■> 



•AÄ.^) xj ,.=> 
^.. . .^ 

y > •■> 

GUER. *iLxä 



Mem. III, 116. 

Alte Ortslage. Mem. III, 116. 

s. ^ain dscherijüt. 
Mem. 111,210; GlER.IlLlOl. 

»Ruine des Griechenbrun- 
nens«, auch /e// et-tln gen. 
ZDPV. XIII, 93. 

Mem. III. 116. 

Mem. III, 116. 
Mem. III, 111. 

»Klosterruine.« Mem. III, 
111; GuerinIII, 32u. 

Form nach Robinson III, 
873; Mem. III, 111. 

Vgl. ZDPV. XIII, 85; nach 
NL 304 auch chirbet es- 
sikke. Mem. III, 111. 

»Platanenruine<:; alte Orts- 
lage mit vielen Steinen, 
Cisternen u. dergl. Mem. 
III. 3.53. 



»Ruine der Moschee« ; sehr 
hoch gelegen. Mem.III, 11 5. 
Mem. III, 116. 



Mem. III. 116. 
Mem. III, 116. 

»Ruine des kleinenKlosters.« 

GUEllIN III, 67. 
Mem.III, 112. 

Nach NL 306 auch der el- 
benät (Nonnenkloster) ge- 
nannt: Ruinen eines Klo- 



B 1 

A 2/3 

G7 

F6 

H6 
G 1 
A4 
H 1 

B 2 

F 7 
L 2 



A 6 


E4 


H2 


B 1 


D2 


E2/3 


B3 


B7 


B7 


B/C2 


D 2 



178 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 

Umschrift der arahischen 

Nainen 



GuEK. 1, 278 
hehala 

eh. el-abhar 



eh. el-aliud 



eh. el-itlalijat 
l^L28'6aleiIyät 

eh. el-alatm 

eh. el-amüchje 

NL 300 el-ah- 

medlje 
eh. el-amür 

NL 283 el-am- 

mür 
eh. el-anZizlje 

eh. el-arajan = 

NL304e/-ar2:ye 

eh. el-hedd 

eh. eJ-bedr 
eh. el-hetünl 
rh. el-hicir 



eh. el-hijadir 
eh. el-hukei^a 



Arabisch 



Bemerkungen 






J>^fi*ji Kj .; 



o^s 



■ j 
" -^ ■ j 

NL KJA♦^^S! 



)^ ■ j 

NL ,..^*Ji 



i^ j -, Lä*J \ 'i 



i^i. 



NL xjj;^M Kj. 









sters mit schöner Quelle u. 
Gärten. Mem.III,114f.l65. 

'«WaristderStoraxbaum(Sty- 
rax officinalis L.), Thurm- 
ruine mit grossen Steinen; 
Mauerreste. Mem. III, 104. 

Auf einem hohen Vorsprung 
der Ostwand des tiefen Tha- 
ies von kolönije; viele Ge- 
wölbe sind erhalten. JL II, 
149; GuERiNlI, 2. 

Auf hohem Felsen; zur Na- 
mensform vgl. ZDPV.XIII, 
115. 

Unbedeutend. Mem. III, 107. 

Mem. III, lOti. 



Kleines Dorf auf alter Rui- 
nenstätte. JL IL 150; SS 
VI, 118; Mem. III, 1(3. 



; 



La.».- \ \i . J 



; 



oLaa-1 nj .: 






Mauern, Cisternen, Felsgrä- 
ber. Mem. IIL 107. 
Alte Ortslage. Jerusalem 407. 



»Ruine der Brunnen«; alte 
Ortslage mit Mauern, Ci- 
sternen undFelsengräbern. 
Mem. III, 109. 

Garten mit Ruinen, Cisternen 
u. s. w. Mem. III, 109. 

»Ruine der kleinen Ebene«; 
alte Ortslage, jetzt Wein- 
berge. Mem. III, 110. 



Verweis 

auf die 

Karte 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



179 



Deutscher Name uud 

Umschrift der arabischen 

Namen 



ch. el-hurdsch 



eh. el-huredsch 



ch. el-chamis 
ch. el-cliamis 
ch. el-chamls 

ch. el-chamse 

ch. el-chäzük 

ch. el-eschschi 
ch. el-fured~is 

ch. el-fuwäkise 
ch. el-ghafr 
ch. el-hadeidün 



Arabisch 



Bemerkungen 






(ly ■ 



!t*'' 



u-* 



\i .: 



.A4.:>i i^J .:> 






ü 



0""r 



; 



\'M.^:>) Äj .:> 



ö» ■Xi>\ l\j.: 



•>< 









^1 



O 



»vAjlX^»! Kj 



»Ruine des Thurmes« ; bei 
ToBLER II, 535 und Baed.* 
] 14 chii'het ed-dschöz ; gros- 
ser Thurm auf einer An- 
höhe am Weg von en-nehi 
samwil nach Jerusalem, 
von überall her sichtbar; 
die innerenGewölbe stehen 
noch; ringsum andere Rui- 
nen. Mem.III, 110; Gi'EK. 
III, 3 f. 

»Ruine desThürmchens« ; an- 
sehnliche Ruinen in einem 
engen, tiefen Thal, einst 
dasselbe vollständig ab- 
sperrend. 

Mem. IIT, 117. 

Mem. III, 117 ; Jerusalem407 ; 

JL II, 149; Robinson II, 

377, NBF356. 
Quelle, Gärten, Ruinen einer 

Kirche; von Conder mit 

Emmaus identificirt. Mem. 

III, 36 ff. 117. 
Steinhaufen u. Grundmauern 

einer kleinen Ortschaft; 

vielleicht ein Richtplatz. 

Jerusalem 407. 
Mem. III, 112. 

»Ruine des kleinen Paradie- 
ses.« Mem.III, 353; GiE- 
RIN III, 299 f. 

Mem. III, 112. 



Alte Ortslage am Rande eines 
tiefen Thaies, das Acker- 
feld liegt auf der Höhe 
oben und ist fruchtbar; 
wenig Ruinen. Vgl.ZDPV. 
III, 218 f. 



Verweis 

auf die 

Kartp 

D4 



B 1 



Gl 
E4 
G4 



H 1/2 

E4 

A4 
K 2 

FS 
Gl 

F8 



180 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name uiul 

Umschrift der arahischen 

Namen 



ch. el-hadscheile 
eh. cl-hnfl 
cJi. el-haije 
ch. el-haije 



ch. el-haradan 



ch. cl-heheile 



eil. el-hosch 

ch. el-Jehiicl 

NL 312 el-Je- 

Jiücll 
ch. el-kahhüsch 

ch. el-haU 

ch. el-hatf. 



ch. 


el-huileire 






ch. 


el-liuleia 


■\*Ai.äJ \ 


•> 


ch. 


el-kureine 


KÄ.J ,äj( 




ch. 


el-kuseir 




•> 


ch. 


el-kumr 


^y^^\ 





Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



Ki^^vri! iCj 



X\.^\ s. 



ii^=-i K.J 









^lA.J^.;^>• 1 ^ 



\i .; 



(ji^>-> Kj 






r-n 



ÄJi \i .: 






»Rebhuhnruine.« Mem. III, 
113. 



Mem. in, 112. 



»Schlangenruine.« 



I 



»Schlangenruine«; Mauern 
und Cisternen auf einem 
Hügel. Meni.111,112; Ro- 
r.ixNsoN NBF 377 f. ; Güer. 
III, 66. 

Zeitweise bewohnte Ort- 
schaft; die Ruinen dienen 
den Beduinen als Aufbe- 
wahrungsort. ZDPV. III, 
32; Mem. III, 114. 

Eine Heilquelle ist dort, de- 
ren Wasser im Dunkeln 
geschöpft werden muss. 
Mem. III, 114. 

»Ruine des Hofes.« Mem. 
III, 114. 

».ludenruine« ; s.hitflr. Mem. 
III. 128; JLII, 150. 

Mem. III, 116. 
Mem. III, 355. 

Steinhaufen, Mauern, Ci- 
sternen. Mem. III, 355. 

GUERIiX III, 57 ff. 

»Ruine der kleinen Burg.« 

»Ruine der kleinen Berg- 
spitze.« 

»Ruine des Schlösschens.« 
Mem. III, 118. 

»Ruine der Schlösser« ; un- 
bedeutend, dabei eine 
Quelle und schöne Bäume. 
Mem. III, 118. 



G6 
A2 
B7 

C7 



06 



J 1 

D2/3 
02 

C 1/2 

J 2 

L 1 

A6 
F5 
A2 

O/H 3 

F2 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



181 



Deutscher Name uud 

Umschrift der arabischen 

Namen 



ch. el-lahm 

eh. el-lattatln 
RoB. el-latäün 

ch. eJ-loz 

NL 308 el-loze 



ch. el-loz 



ch. el-machram 
ch. el-mahrm 

ch. el-mcisrl 

ch. el~meitli 

ch. el-meräghih 



ch. el-mizze 
NL 302 ch. bet 
mizzä 



ch. el-muran 
ch. el-murassas 



Arabisch 



Bemerkungen 



Hob. •j:*jLäIJ) 



: ».LI l\j .; 









, s. .ALI,) xj .; 









NL 



'r 






.. .^ 






»Ruine des Fleisches.« Mem. 
III, 118. 

Einst ein grosser Ort, heute 
nur theilweise bewohnt. 
Mem. III, US; EoBiNSOX 
III, S70. 

» Mandelbaumruine.« Ruinen 
eines grösseren Gebäudes, 
vielleicht Klosters, auf 
einem Hügelvorsprung, da- 
neben Quelle und Gärten. 
Mem. III, 119; JL II, 150. 

Mittelgrosses Dorf am Ab- 
hang eines hohen Berges, 
ca. 250 m über der Thal- 
sohle; unterhalb des Dorfs 
grosse Terrasse u. Felsen- 
gräber. Mem. III, 118; 
JL 15U; SS VI, 122. 

Mem. III, 120. 

Ortslage, hoch gelegen. Mem. 

III, 119. 
»Ruine des Ägypters.« Mem. 

III, 123. 
Ölbäume und Grab eines 

Scheck Mem. III, 121. 

Grundmauern eines grossen 
Gebäudes, Cisternen, grosse 
Bäume; schöne Aussicht 
nach allen Seiten. Mem. 
III, 121. 

Ruine des ;»/;::e-Steines (har- 
ter Kalkstein, s. ZDPV.III, 
108), der dort gebrochen 
■wurde u. aus dem die Ort- 
schaft erbaut war. JL IL 
146; Mem. III, 17 unter 
»Kulonieh«. 

Mem. III, 121- 



Verweis 

auf die 

Karte 



Gl 

B3 

D 3 



F 1/2 



II 6 



A 2 



B 4 



A 



D 5 



D 3 



^j.aAO.,) nj..p> ; s. ch. uniui rcitias. 



D 2 



F. 



182 



C. Schick und I. Bcnzlnger, 



Deutscher Name und 
Umschrift tier arabischen 

N:iint'll 




Bemerkungen 



cJi. el-wezija 
ScmcK cl-wezlr 

eh. en-nald 
eh. en-neclü 

ch . en- neddscli ü r 



eh. en-nisje 

eh. er ha 

eil. er-rah~i^ei 
eh. er-raejhZihne 
eh. er-räs 

ch. er-raxoas 

eh. er-rummäne 

ch . csch - schagh- 

räh 
ch. esch-schenne 

ch. eseh-sclierk'ije 

eh. es-sahha 

eh. es-sahr 
ch. es-sö?77a 
ch. ez-zabbüd 

eh. ez-zcirüra 
eil. für a 



Verweis 

auf die 

Karte 



b ; ^.^ i Kj .3» 

SCHIClv -J-, ^.^ 
V 



,L> 



.^ji ^.i .:. 












LT-by» '"-'.y 









x^XC>^w I Nj 1 



■ J • J 















^j. 



iivj.: 






Mem. III, 123. 

Mem. III, 123. NL 309 und 
Hob. III, 870 ohne Artikel. 

»Ruine des Zimmermanns.« 
JL II. 156 karm en-ned- 
dscJiär; Mem. III, 123. 

Sehr abgelegen, mit kleiner 
Quelle. Mem. III. 123. 

Robinson II, 567, NBF 376; 
Mem. III, 112. 

Mauern, Cisternen , Höhlen. 

ZDPV.XIII,85 ; Mem.III,123. 

»Ruine des Berggipfels.« 

Mem. III, 123. 
»Ruine der Brunnenkresse.« 

Vgl. 'ain er-raicäs. 
»Ruine des Granatbaums.« 

Mem. III, 124. 
Mem. III, 125. 

Mem. III, 367. 

»Die östliche Ruine.« Mem. 
III, 125. 

Jetzt ein AVeinberg; kunst- 
volle Gräber. Mem.III,126. 
Mem. III. 126. 

JLII, 162; Mem. III, 125. 

Verlassene und zerstörte Ort- 
schaft, hoch gelegen. Mem. 
III, 128. 

»Ruine des Weissdorns.« 

Hier ist die alte Laura Pharan 
zu suchen, s. icädi fära 
ZÜPV. III, 6 f.; Mem. III, 
174. 209; GuERiN III, 353. 



K 5 

E4 
C 3 

G 3 



A5 


C5 


L3 


F6/7 


A 2 


E3 


C 1 


H5 


L3 


G2 


F5 


E3 


D5 


Dl 



F7 
C 7 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



183 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 




O 


Karte 


ch. faradscli 


^J' '^h^ 


Mem. 111,112. 


C4 


eil. farha 




Ortslage auf einem Hügel, 


D 2/3 


GuER. farhän 


GUER. q1-=>.J 


jetzt Weinberge u. Gärten. 
JL II, 150. 




ch. feil et-tin 


.-aäj) |J»J XJ ,^ 


s. chirhet chchuhh er-rüm. 


F6 


ch. haijän 




Gräber, Cisternen, Teiche, 
allerhand Fundamente. 
Mem. III, li;i. 


A G 


ch. halähe 




Form nach Schick und RoB. 


A 1 




« 


III, 873;GüerinI, 34.^. 




NL305 halläbl 


NL ^ß-^ 






GuER. hallahe 


GUER. i^I=* 






ch. hamdän 


^\Ö.T -^^.^ 


Mem. III, 113. 


G2 


ch. JmrZisch 


(jü.l_^L=> '^^.=> 


Mem. III, 54. 114. 


E2/3 


ch. harf lisch 


^ij> ^-J^ 


Mem. III, 114. 129. 


A/B 1 


ch. hazzUr 


;5>- ^^j^ 


Ein altes Hazor ; am Abhänge 
nahe dem Thalgrund, viele 
Mauerreste, zwei Teiche, 
einige Cisternen , Gräber 
u. s. w. ; südlieh davon 
Quelle ^ain el-malaka. 
Mem. III, 114. 


C4 


ch. hübin 


a^^->> ^^-^ 


Mem. III, 114; GuER. II, 383. 


G 1 


ch. ^Id 




»Ruine des'it?« (Eigenname); 
kleiner zerstörter Ort, in 
derEbeneMauerreste,viele 
Cisternen und Gräber. 


B 3 


ch. iVasä 


L*otii iij,i> 


Vielleicht = Eleasa l.Makk. 


A 1 




9, 5 ; Ortslage am Nordab- 


° 






hang eines Berges. Mem. 








III, 36. 115. 




cJt. kafr tüs 


(j/.Lb -ä5' iij .i> 


»Ruine des Dorfes (äs« (= 
Schüssel); alte Ortslage, 
unbewohnt. 


B4 


ch. kakül 


^3^.).J«^*5' L<j.i> 


»Ruine des A-aViü/j-Steines«. 


D5 


NL 307 kciJml 


NL jyb-^ 


ein weicher,gell)licherStein 
(ZDPV. III, 108). JL 11, 
150; Mem. III, 117. 


• 



184 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 
Umschrift der arabischen 

Namen 




eil. harrlt 
eh. Jiehcir 
cJt. kehara 
eil. Jmdeis 
eh. hüftn 



eh. kuta 

eh. Jaaveiztha 
NL386u.RüB. 
III, S63 kuicei- 
zlbä 

eh. mümcis 



?]). m 



arrina 



eh. vtarsi'^a 
Gxji.u.meräs'ija 

eh. mcl-rikci 
eh. melfikä 
eh. inelekta 

eil,, mezmürijä 
eh. menje 

GuER. el-menje 
eh. rafxde 
eh. rÜ6 el-ahce 



Bemerkungen 



■j ■ > 



jAi Kj ,j 



U^: 









L»* 



ULo 



Aj 









Gl" KU. ^^.wL^' 



■ y 

GUER. lw,i 



Mem. III, 117. 

Mem. III, 117. 

Mem. III, 102. 

Mem. III, 118. 

Bedeutende Ruinen auf der 
Höhe; an der Strasse ein 
Teich, "Wasserleitung, Gro- 
ber u. viele Bäume; west- 
lich im Thal Quelle ^ain 
küfln ; der Ort (mitMakäm) 
ist weithin sichtbar. KOB. 
NBF361; Guerin 111,297; 
Mem. III. 358. 



Wohl = Koseba 1. Chron. 
4, 22. Mem. III, 312. 358. 



Mem. III, 359. 

Ruinen eines kleinen Ortes 
mit Cisternen, Höhlen u. 
dfrl. JLII, 157; Mem. III, 
359; Guerin III, 378 f. 

Ruinen eines kleinen Ortes, 
Cisternen u. s. w. GüERIN 
III, 302; JLII, 150; Mem. 
III, 359. 

JLII, 150; Mem. III, 121. 

JL IL 150. 

JL IL 151. 

Mem. III. 121. 

Mem. III, 359 ;Guer. III, 149. 



Mem. III, 123. 



Verweis 

auf die 

Karie 



F 7 
H3 
D2 

H 1/2 
L 1 



C5 
L2 



L 1 
K 2 

J3 



D4 


K3 


J3 


G5 


L4 


D 1 


3 3/4 



Nameuliste und Erläuterungen u. s. w. 



185 



Deutscher Name und 
Umschrift der arahischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



eil. ras el-bad 
eh. ras el-mimtär 

eh. ras et-tawll 

eh. salali 
eh. salah 
eh. samtml 

eh. esch-scharähi 

= NL 330 teil 
chirhet er-raml 



JiUiS ^^\. \i.s 



J-r! ' 



NJ 



G 



O 



^^XC^^l NJ, 



NL J-^J^ ^-jj- 






eh. schech saleJi 
^hschab saläh 

eh. schuf ä 

eh. slr el-ghanam 
GvER. der sij'är 
el-ghanam 

eh. subije 

RoB. III, 870 

subjci 
eil. tabelle 



eh. taze 
eh. tekü'^a 



Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. 



C G •• •> 

NL ^^o 



r' 









GußR. [»Äiwi ,L-o .j J> 



... ^ • > 

RüB. w>.A<o 



3;Lb Kj.; 



Mem. III, 12:i. 

»lluine des Waclitthurmber- 
ges.« ZDPV. XIIL 9ö. 

»Ruine des langen Berg- 
gipfels.« Mem. III, 124. 

Jerusalem 407. Vgl. NL 316. 



»Samuelsruine«; einige zer- 
störteHäuser.Mera .111, 125. 

Auf hohem Berge ; Grund- 
mauern u. a. ; scharäki ist 
nach DozY Suppl. »terre 
ineulte, friche«, in Ägypten 
»Land, das zu hoch liegt, um 
von der Nilübersehwem- 
mung erreicht zu werden, 
das also künstlich bewäs- 
sert werden muss«. Vgl. 
Kremer Sitzungsber. der 
Wien. Ak. cm, 1883, 1.2. 

Ruine des schech snleh. 



Mem. III, 125. 

»Ruine der Schafhürde«, von 
manchen mit dem »Thurm 
Eller« (Gen. .35, 21) gleich- 
gesetzt. Vgl. ZDPV. III, 
40 f.; Mem. III. 125. 

s. 'aiii subije. 



Auf isolirtem Hügel am Süd- 
ende der Rephaimebene; 
grosses Mauerviereck, Ci- 
sternen u. a. JL II, 151. 

Mem. III, 127. 

= Thekoa Amos 1 ; hochge- 
legen auf breitem Hügel; 
einst, besonders in christl. 

13 



D4 
D6/7 

C5 

13 4 

E3 
D4 

D3 



A5 

E 1 
H5 



A3 



F/G 4 



Gl 
K4 



186 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arahischan 
Namen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 
Karte 






Zeit, eine grössere Stadt; 








ein Taufstein liegt noch 








dort. JLII,162; Mem.IIL 








314. 368; RoB. II, 4ÜG ff.; 








GrKR.III.141;BAED.4 130. 




eh. tenn ibrinn 




Mem. III, :5(i9. 


L2 


eh. umm ed- 


^4^\ j.! i;j^.i> 




F6 7 


dschemel 

NL umm ed~ 


XL JL*^^ }^ 






dschimäl 


SfJ 






eh. umm el-amad 


lX^äj! i»\ xj .3» 




L6 


eh. umm elAiMiflr 




»Sperlingsruiue« ; alte ürts- 


05 


. 




lage. Mem. III, 127. 




eh. umm el-haVa 


ÄxJlftji J ^i y^ 


»Burgruine.« Mem. III, 127. 


02 


eh. umm en-ne- 


N^Äa,i j») 1\j ,i» 


JL II, 1.51; Mem. III, 127; 


J5 


tesche — EoB. 
el - munettische 


llOP.. K^ÄÄ,! 


Roi;. 11,391. 




eh. um,m eseli- 




Nach NL 312 auch chirhet el- 


A4 


scheret 




masjün genannt; vgl. "^ain 
el-masjün. Mem. III, 127. 




eil. umm escli- 


^'SL^A ^\ is,j ,3> 


schukf ist Felsklippe. Vgl. 


H2 


sehuhf 




ZDPV.IV,7;Mem.III,129. 




eh. umm esch- 


^.}C^.^i;^J) j.i l\j .i> 


Mem. III, .52. 126; Hob. II, 


A4 


sehuwdke 




565 wie NL. 




NL 3 1 1 eh. su- 








ic^ke 








eh. umm rams 


i^oLa^^ j.^ Nj-> 


Grosse Ruine mit vielen Ci- 


E7 




-« 


sternen. ToBLER II, 763; 




NL 309 el-mu- 


NL [j^^j-^ 


ZDPY.III,28f. 235; XIII, 




rassas 




85 f.; Mem. III, 121 f. Die 








von NL u. a. gebotene Form 
eh. el- umrai^sias = el-inii- 
rcissas dürfte die richtigere 








ae'm.Yg\.tvädiel-mu7-assas. 




eh. umm salamöni 


j.j.j.^ r^ ^^^j^ 


Mem. III, 171. 


K3 


eh. umm (übü 




Wolil = Metopa bei Cyrill 
vgl. ZDPV. ILI, 42. Alte 


05 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



187 



Dentsclier Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 






Ruinen mit Cisternen. 








GuERiN III , 83 ff. ; Mem. 








III, 128. 




eil. loadi id7~is 


J^^.)^^ ,^oi^ Üj^i> 


Ruine des wüdi idris (He- 
noch). Mem. III, 128. 


AT 


eh. wadi sahjtm 


OJ-r^r^ l5^^3 ''^h^ 


s. iL-üdi sahjün. Mem. III, 128. 


E4 


eh. zaküka 


l\ij.ÄE: ^Jj-^ 


Mem. III, 128. 


G5 


dahrat el-ähid 




dahr ist Bergrücken (in NL 
stets zahr =^i^). 


F3 


dahrat el-haim 




»Bergrücken des Windes.« 


FS 


dahrat et-tabbäch 




»Bergrücken des Kochs« ; 
nach NL 294 auch dahrat 
umm el-(/hiizlcm, »Berg- 
rücken der Gazellen«, ge- 
nannt. 


H5 


dah7'atfcdeh sidru 






L5 


dah7'at ib7i rasehid 






D8 


dahrat umm el- 


fi\ \\ -i^^ 


»Bergrücken mit d. Höhlen < : 


L6 


77111 ghr 




daselbst einige Ruinen. 




NL393e<mme/- 


NL ;_>«i' (»^ äjrl'^ 






mughür oder 


(;>s-?) 






umm el-mukür 








der diwän, 


ü^^^ ^-^-^ 


JLII, 151; SS VI, 127 f.; EJ 


A G 


Hob. auch 
dibwän 


Rol!. auch Q^J^ 


XIX, 121; GUER. III,53f.; 
RoB.II, ;i30f. 562 f.; Mem. 
III. 9. 




der dösl 




Ruine des Theodosius- Klo- 
sters ; viele Ge-\völbe, Höh- 
len, Reste der Kirche U.S.W. ; 
die ';<it'/r//_yV-Bcduinen be- 
wahren dort ihre Fcld- 
früchte, Stroh u. s. w. auf; 
daher auch der Name fhu- 
het der ihn 'uheid. ZHPV. 


GG 


' 




III, 34 ff.; Mem. III, 111; 
GUEKIN III, 88 ff. 




der el-amüd 


L>J*xil yJ> 


»Säulenkloster« ; jetzt inRui- 
nen. Mem. III. 91. 


G5 



13^ 



1S8 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name und 






Verwei.« 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


der el-benät 




»Nonnenkloster«; auf felsig- 
tem Grund , Kingmauern 
noch ziemlich erhalten, die 
Häuser zerfallen. 


J3 


de)' el-mahrüh 


ö^r''-'' >-^ 


Mem. III. 92. 


E3 


der el-musallabe 




»Kreuzkloster«, über der 


E4 


oder der es-sallb 


oder ^—^-^iAiw) .j^ö 


Stelle, wo nach einer Tra- 
dition das Holz zumKreuze 
Christi gewachsen sein 
soll; griechisch-katho- 
lisches Kloster mit Kirche 
U.Seminar. B.\ED.*llUf.; 
TOBLER II, 726 ff.; GUER. 








I, 77ff. ; Jerusalem .379. 




der ea-dtt 


(.!>•.«'• j) -J^ 


»Kloster der Frau.« — sidd 


D7 


NL293u.IloB. 


NL <A*»w5 ,p 


ist Damm ZDPV.XII, 273), 
nach NL 293 »Felsklippe«. 




II, 349 der es- 




— Ruinen von Gebäuden, 




sidd 




auch von einer Kirche. 
Mem. IIL 92. 




der es-s'ik 


(J.aaJ! ^jJ> 


»Kloster der Schlucht« ; liegt 


F5/6 


NL293(/ere^- 
z'ik 


NL ^^,^\ yo 


in Ruinen , dabei eine Ci- 
sterne. 




der jäsln 


O^'^ j:^^ 


jäsm ist muslimischerManns- 
name. Hochgelegenes Dorf 
am südlichen Abhang eines 
langen Berges; aus den 
Steinbrüchen in der Nähe 
werden die Steinplatten 
nach Jerusalem geliefert. 
JLIL 152: SS VI, 118. 121; 
EJ XIX, 125; Mem. 111,21. 


E3 


dscheba 


^^ 


Ziemlich hochgelegener Ort 


B6 


SS VI, 128 


SS IxA^ 


auf einer Vorstufe der 




dscJiib'^ä 




Hochebene mit vielenHöh- 
len und einem kleinen Ka- 




- _--»■ 




stell; = Geba in Benjamin 
(1. Sam. 13, 3). JLIL 153; 
SS VL 127; EJ XIX, 121; 
Mem. III, 9. 94; RoB. II, 
324 tf.; GuER. III, 67 ff.; 




• 


- 


Baei).4 116. 





Namenliste und Erläuterungen u. 



s. w. 



189 



Deutscher Name un<l 

Umschrift der arahischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



dscheha 



dschehel abu tor 



dschebel el-huwc- 
bät 

'SLU2buwebät 
el-hawci 

dschebel el-fuie- 
dls 



c 



o «.J) 



; J"^ J- 



L}•■^> 



NL 'j-i-i' oLaj^j 



^v.j„\j rJI j.^ 



deschebel ef-taiml 
dschebel et-tur 






Ein altes Gibea oder Geba. 
EJXlX,122;Mem.IlI,25; 
GiERiN III, 382. 

Zur Namensform vgl. MuN. 
DPV. 1896, 42. Ruinen- 
stelle mit zerfallenen Ge- 
wölben. Bei den Christen 
»Berg des bösen Rathes« 
genannt, weil die Tradition 
hier das Landhaus des Kai- 
phas sucht, wo der Tod 
Jesu beschlossen wurde. 
Vgl. Z DPV. XVIII, 156 f.; 
Jerusalem .iOT; Baed.* 100. 
117; RoB. II, 45. 

Vgl. ZDPV. III, 26 [schdah 
el-hnwebüt). 



»Berg des kleinen Paradie- 
ses«, bei den Europäern 
Frankenberg genannt; die 
von Herodes erbaute Burg 
Herodeion mit dem Grab 
des Herodes; ein künstlich 
erhöhter, runder Berg mit 
Ruinen oben ; am Fuss ein 
grosser Teich, der sein 
Wasser von '«m artäs her 
erhielt ; am Nordabhang 
Spuren der grossen Frei- 
treppe, die hinaufführte. 
JLII,153;ZDPV.III,88if.; 
Mcm.III, 315. :i3()fl'.; Roi?. 
II,392ff.;Gi:EK.lII, 122 0'.; 
Baedecker* 131. 

»Der lange Berg.« 

»Der Berg«, bei den Christen 
» ()lberg « , auch » Licht- 
berg« genannt. Tobler, die 
Siloahquelle und der Öl- 



190 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutschor Name und 

Uuisclirift der arabischen 

Namen 




Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



clschihja 



LaAaJ^ 



NL ^^.>:=r' 



dschildschil el- 

gliöräm 
dsclwfet el-mu- 

fezzere 

dschdfet er-ritka 

dschofet umm 

seihe 
dschöret el-kamh 



duheibet chot 
ed-dschedlre 

ed-dscJiih 



^\^yij\ ,)^1=> 



ö .läi^ Kj^; 



i>.ajji ^'y-^ 



Aaaam ^i ^*^1 






»;J-^ 



Xa^jO 






^l 



ed-dschora 



8;>> 



berg 1852; Baed.4 89 ff.; 
Jerusalem 398 ff. 
Hoher runder Berg; auf der 
Spitze Ruinen und ein 
muslim. Heiligengrab von 
grossenBäumenbeschattet, 
die man in der westlichen 
Ebene von überall her als 
Landmarke sieht. Zur Na- 
mensform vgl. JL II, 153; 
SS VI, 106; EJXIX, 124; 
RoB. III, 298; Guek. III. 
37; Mem. III, 43. lOU. 



Flachland u. Bergübergang; 
dschbf ist Höhlung, Nie- 
derung. 



dschöra bezeichnet eine Gru- 
be, Thalmulde, in der sich 
oft im Winter Wasser sam- 
melt. 

Bewohntes Dorf in einem 
flachen Thale. JL II, 153; 
SS VI, 127; Mem. III, 9. 
43; Gier. I, 392. 

Grosses Dorf auf einem brei- 
ten, freistehenden Hügel 
mit muslim. Heiligengrab, 
Höhlen u. Gräbern, vielen 
Bäumen und acht Quel- 
len. JLII,153; SS VI, 127; 
EJXIX,121;RoB.II,352ff.; 
Baed.4 115; Mem. III, 10. 
94 ff. 104. 

»Die Grube« (Thalmulde); 
bewohnter Ort. JLII,153; 



C 1 



J8 
K7 

F7 

J8' 

D6 



B4 



C 3 4 



F 2/3 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



191 



iJeutscher Name und 

Umsclirift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



ed-dsclniha 
ed-dsclmneine 



el-arhuh 



t.^^' 



■^y^} 



,XJ 



Bemerkungen 



Verweis 

anf die 

Karte 



el-arruh 



el-azarije 

NL285 ü-aza- 
r'ije 



Kj , ■.\.x.l\ 



NL ii^J;;»J' 



el-halu a 



el-halua 



\c. 



JUi 



xc 



^' 



JUt 



SS VI, 122; EJ XIX, 125; 
Mem. III, 21. 

Ein Teich und Felshöhleu. j 

»Das Gärtchen«; der tradi- j 
tionelle Ortder Begegnung 
Jesu mit Martha; dabei, 
neue, kleine Kirche der 
orthodoxen Griechen mit 
Anpflanzungen; von letz- 
teren rührt der (moderne) 
Name her. Vgl. ZDPV. III, 
30; XIII, 84; Haeu.4 148. 

Name eines Distriktes nach 
Robinson II, 594. 60ü mit 
dem Hauptorte bot \itäb u. 
zu dem Kreise Jerusalem 
gehörend, nach JL II. 145 
(s. unter bet^atäb) u. SS VI, 
144 f. im Kreise Hebron. 

'arrüb bedeutet einen wasser- 
reichen Ort, wo viele Quel- 
len zusammenkommen. 
ZDPV. I, 158; BAED.M32. 

Bethanien ; auf der Ostseite 
des Ülbergs; der Name 
kommt von Lazarus (arab. 
laäzar, im Volksmund el- 
^äzar) resp. Lazarium. Das 
Grab des Lazarus wird hier 
gezeigt; die Moschee über 
demselben war ursprüng- 
lich eine Kirche. Etwas 
oberhalb sind Ruinen eines 
Schlosses oder Klosters. 
JLII, 144; SS VI, 124 f.; 
EJXIX,121;RoH.II,301)ff.; 
Mem. III, 27 f.; B.\EU.4 147. 
Der Abgrund«^ (ZDPV. IX, 
1 69). Im Winter entstehen 
hier kleine Seen, die im 
Sommer eintrocknen. 



G6/7 
E6 



Hl 



K2 



Efi 



A 3/4 



H3 



192 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


el-hire 


3_a>j1 


»Die Cisterne« ; hochgele- 


A4/5 


nach Schick 




genes muslim. Dorf an der 




ohne Artikel 




Strasse von Jerusalem nach 
«äö;</e/s; Ruinen ein. Chans 
und einer Kirche; ausser- 








halb des Dorfes eine gute 
Quelle, s. ^ain el-hlre; viel- 
leicht Beeroth (Jos. 9, 17); 
die Tradition sucht hier 
den Ort, wo die Altern Jesu 
ihren Sohn vermissten(Luc. 
2, 42—49). JL II, 148; SS 
VI.127;EJXIX,121;Mem. 
III, 8 ff. 88; ROB. ll,346ff.; 
GUEH. III, 7 ff. 




el-huheia 


Käaäaj! 


»Die kleine Ebene«, s. Re- 


F4/& 






phaimebene. 




el-chadr 


Über el-chadr (= St. Georg) 


H3 






vgl. ZDPV. XVII, 42 ff. 








Griechisches Kloster, da- 








bei kleines muslim. Dorf 








gleichen Namens; der Hei- 








lige soll besonders Irrsin- 








nige heilen, in der Kloster- 








kirche sind eiserne Ketten, 








in welche die Kranken ge- 








schlossen werden, bis St. 








Georg sie heilt. Dorf und 








Kloster sind angenehm in 








einer kleinen , von Bergen 








umschlossenen Ebene ge- 








legen. JLII. 149; SS VI, 








148; EJXIX, 125; Mem. 








III, 26;T0BLERlI, 501ff; 








GuER. III, 311 ff; ZDPV. 






^L,i£ ^\ 


XVII, 49 ff. 




el-haddsch aleiän 


maküm des »Pilgers ^aleiän« 


H2 




von Bäumen beschattet. 




el-liirme 




Öde, auch zur Weide ungün- 


H8 




_^^4, 


stige Gegend. 




el-hösn 


»Die Festung.« 


B7 


el-^s.äwije 


Kj^LavvaäÜ 


Kleines Dorf mit fleissigen 
Bewohnern. JL II, 155; SS 


D5/6 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



193 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 




el-hahu 



el-kuhehe 



el-kuds 

el-manatir 
el-munfar 



«.AÄji 



Xx-^^Üi! 



U" 



.AäJ! 



,Äio 



Ui^ 



el-muntnr 



Xhii\ 



s\l^l.\ 



VI, 124; Mem. III, z7; 
ZDPV. XIII, 100 f. 
kahü ist »unterirdisches Ge- 
wölbe« ; bewohntes Dorf. 
JL II, 155; SS VI, 148; 
Mem. III, 25. 200; Guer. 

II, ;i87. 

Ausgedehnte Ruinen aus der 
Kreuzfahrerzeit, auch von 
einer Kirche ; ein Teich, im 
ThalQu eile "ain el-'^adschah, 
s.das. ; auf derRuinenstätte 
steht ein Franziskanerklo- 
ster und ein Trappisten- 
kloster. Das gleichnamige 
Dorf liegt östlich davon. 
Hier (60 Stadien von Jeru- 
salem) wird vielfach das 
nevitest. Emmaus gesucht. 

* JL II, 157; SS VI, 118; 
EJ XIX, 126; Mem. III, 17. 
l.iO f.; EOB. III, 281 ff.; 
Gl-er. 1, 348f.;BAED.4 1l5. 

■Die Heilige«, arab. Name 
der Stadt Jerusalem. 

Plural, von el-muntär, s. das. 

munfär ist Wachposten, 
Warte, der Platz (Hütte), 
von "WO aus der Feldhüter 
die Ländereien bewacht ; 
ein häufig vorkommendes 
Ortsappellativum. 

Ein über die Berge der Um- 
gebung sich erhebender 
massiver Berg; auf seinen 
drei Hauptspitzen einige 
Ruinen vonlläu Sern u.s.w. ; 
wundervolle Aussicht. Er 
gilt als der Berg, von dem 
der »Sündenbock« herab- 
gestürzt wurde (3. Mose 17). 
Mem. III, 185. 376; ZDPV. 
III, 25. 235; XIII, 113. 



Verweis 

auf die 

Karte 



G2 



C2 



E 







C 1 
A3 



GS 



194 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutsclier Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


en-nehi dänijal 


JUiij» (c-y-ji 


»Der Prophet Daniel.« 


H2 


en-nehi dUüd 


j>^b (^AÄÜ 


Nr. 6. — »Der Prophet Da- 
vid.« Häuserkomplex auf 


E5 






dem sogenannten Zion, mit 
einer Moschee, unter wel- 
cher sich das Grab Davids 
befinden soll. Baed.^ 84f. 




en-nehi klmer 


.♦^5' (j7>-*~J5 


Muslim. Heiligengrab mit 


E4 5 


NL 318 kä7)iir 


NL t'=L^. ^aÄj! 


Kuppel; daneben Wohnge- 






J l5 • 


bäude und Grab des schech 
'oMäfich mit einem neuen 
Minaret; hoch gelegen und 
von überall her sichtbar. 
JL II, 160. 




en-nehi matiä 


^■;.A ^.aJ! 


»Der Prophet Matthäus«, 
musLWeli. Guer.111,298. 


L 1 


en-nehi samioil 


J-Jj-*^ ^^^ 


»DerProphet Samuel« ; höch- 
ster Berg der Umgebung 
vonJerusalem, oben kleines 
Dorf mit Moschee (alte 
christliche Kirchel, in wel- 
cher Samuels Grab gezeigt 
wird ; Cisternen u. Teiche, 
unten mehrere Quellen; 
entspricht dem altenMizpa. 
JLII,1.58;SSVI,127;Mem. 
III,12.149tf.;li0B.lI,356fF.; 
GUER. 1,363 fr. ; TOBLERlI, 
874 ff.; BAED.M14. 


C 3 4 


er-räm 


rl-J' 


Hochgelegenes, ansehnliches 
Dorf auf einem runden Hü- 
gel; im Westen makäm 
achech husein mit Resten 
einer kleinen Basilika, da- 
bei schöne Bäume. JL II, 
158; SS VI, 127; EJ XIX, 
121; Mem. 111,13. 155. 438; 
Hob. II, 556 ff.; Baed.4 242. 


B5 


er-ras (nach SS, 


u-yi 


Ansehnliches Dorf auf der 


Fl 


RoB. , Mem. 


{//cry 


Höhe der südlichen Berg- 




7 

vollständiger 


wand des ivädi es-sikke mit 














lluinen und Heiligengrab. 




7'äs lierker] 


1 '^ 


JLIL159; SS VI, 126; EJ 





Namenliste und Erläuterungen u. s, w. 



195 



Deutscher Name und 








Venveis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 








Karte 








XIX, 122; Mem. III, 15ü; 










Hob. III, 278 u. a. 




esch-schech ^ahd 






Grabmal des Schech A., von 


D3 


el-azlz 




Bäumen überschattet, mit 
Teich, Cisternen u.Iluinen. 










JLII, 142; GUERIN 1,263. 




escli- Scheck ahu 


oy-^-öj-:^ 




Mem. III, 157. 1(J3. 


A2 


zetün 










esch-schech aJimed 


O.T\ 






A6 


NL 327 voll- 


NL J.^! ^-^.oi;.]! 






ständ. : ahmed 
ahu rikhe 








escli -seh ech ahmed 


^i'L^uri 




Grabmal und Moschee von 


D2 


el-keräki 


NL ^^i 


.xJi 


kastei, sehr hoch gelegen. 




NL 327 eJ-ke- 


^ 


GUERIN I, 204. 




rekl 










esch-schech amhar 






ZDPV. XIII, 98. 


E 5/6 


esch-schech am- 






Neu restaurirt. 


A6 


mär 










esch-schech amr 


J*^ 


ijP.aÄC*) 




B 1 /2 


esch-schech amr 








B2 


esch-schech amr 


.4^ 




Heiligengrab bei der nach 
demselben benannten Ru- 
ine chirhi't der 'amr. GUE- 
RIX II, 8. 


El 


esch-schech hedr 


;^^ 




Dabei Ruinen einer Ort- 
schaft. JLII, 160. 


E4 


escli-schech chadr 






vgl el-chmh: ZDPV. HL 235: 
XIII, 89 f. 


E7 


esch-schech cha- 


l\2^Ii> 




Nahe den Ruinen des Theo- 


G6/7 


Ufe 




C/ " 


dosiusklosters (s. der döst); 








hier sollen nach der Tra- 










dition die drei Weisen bei 










der Rückkehr aus Bethle- 










hem übernachtet haben. 










ZDPV. III, 36. 




esch - schech 
dscherräh 


c'.^ 


••• U 


Dabei ein Haus mit Hof, Ci- 
sternen u. s. y>'. 


E5 



196 



. C. Schick und I. Benzinger, 











Dentscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


esch-schech hani'id 


/ iiA^Äji iwX^^ ,;?sA,Äv.j ) 


Im Gebiet der Ta'ämire-Be- 


L (i 7 


el-feWy 




duinen. 




esch-scliech liasan 




Hoch gelegen u. mit Bäumen 


B2 




beschattet. 




esch-schech mu- 




Kleines Heiligengrab mit Be- 


GS 


seißf 


gräbnissplatz ringsum.Hier 






legen die Araber (wie auch 








sonst gerne) ihre Habselig- 








keiten (Holz, Pflüge u.s.w.) 








zur Aufbewahrung unter 








dem Schutz des Heiligen 








nieder, wo niemand sie zu 








rauben wagt. Mem.III,211. 




esch-schech 


1 • c ■• 


Grab des Schutzheiligen von 


A5 


nedschm 


el- blre. 




esch-schech 'oheid 


<\^Js£. Ji^A^J 1 


Heiligengrab mit Moschee. 


E2 


esch-schech sad 




Ruinenort mit Heiligengrab. 


G6 


esch-schech schei- 




Hochgelegenes Weli. 


A5 


hän 








es-suneisü 


^/AKA/.AW«< 1 




H6 


at-tülahije 


KAAjLLji 


Eigenthum einer englischen 
Gesellschaft; felsigtes Ter- 
rain. JL II, 161. 


E4 


et-üre 




Kleines muslim. Dorf; JL II, 
102; SS VI, 138; EJ XIX, 
121; Mem. III, 19. 


B2 


fätUret ez-zir 






Kö 


Frankenberg 




s. dscJichd el-furedis. 


,1.5 


Gräber des He- 




Neu entdeckte herodianische 


E 4 :. 


rodes 




Grabanlage bei den Ruinen 
eines arabischen Dorfes, 
chirbet abu wair; dabei 
Reste eines Thurmes. Vgl. 
ZDPV. XVI, 202 ff. 




hammam suleimän 


QL4-^XA« j.L4.i> 


»Salomos Bad«; alter Teich 
bei artäs. Mem. III, 94. 


H4 


herühi el-beid 






L5/6 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



197 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



Hiniiomthal, ar. 
Name : icädi 
er-rabähi 

hltan el-war 



hizma 

JL, SS u. EJ 
liizmli 



hrubbet el-hattahe 

hrubhet umm et- 
teräfe 

hü San 

NL295 hansün 
RoB.III, 875u. 
JL hüsün 
GuER. el-hüsim 



Jerusalem 
Johanneskloster 

kciat ez-zetüne 

habr faras chatil 

kabr ghanam 
NL 297 ghmi- 
näm 

habr ghanncime 

habr hehve 



J^JL ji ^^^ 



,s^j.l\ ^^LL.> 






JL U 



■J- 



•j 



O^^' 



ROB. 



^L^; 



GUER. qL^S-! 



NL [»Läx: .>.s 



Vgl. Baedeker 4 100 ff. 



»Die Mauern auf dem rauhen 
Felsboden« ; war ist eine 
»Gegend, deren Terrain 
Schwierigkeiten bietet, 
durch spitze Steine u. dgl.«. 
ZDPV. IV, 8. 

GrossesDorf auf einem Berg- 
rücken gelegen, Azmaveth 
Neh. 7, 28. JL II, 155; SS 
VI,127;EJXIX,121;Mem. 
III, 9 ; Robinson II, 323 f. ; 
GUEKIN III, 74. 

hrubhe ist Cisterne, alter 
Teich. 



Mittelgrosses Dorf, hoch ge- 
legen, in reicher Gegend; 
in der Nähe eine weithin 
sichtbare Eiche, daneben 
chirhet umm el-kata (s. d.). 
JLII, 155; SS VI, 144; EJ 
XIX, 122; Mem.IlI, 25f.; 
GuERiN III, 383. 



In 'am kariin, den Lateinern 
gehörend. 

»Ölbaumebene«, s. htr el-ka. 
»Grab des /«ras chalil.<i 






E5 



C 1 



C 6 



G 8 
L7 

J2 



E5 
E3 

J2 
HS 

H6/7 

L7 
H5 



198 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



haff smiasin 
kafr ahab 

Tcafr et-tür 



ha fr nata 



kafr schijan 

kafr söni 
kalandije 



Bemerkungen 





^ 


aavLa,m 


^s 


> kSls. 


.Sli 




> 


)y^ 





ü'j .Äi 



O^"-' 



.Äi- 






kaVat ahu damus 
kaVat el-burak 

kaCat el-ghüle 

kaCat es-süwän 

kancin el-keheib 



u'^j- 









I- 



A-».Jt-l \xki 



...'•.Ai-i L\xii 



O 



vgl. NL 321. 

Kleines Dorf. JLII, 156; SS 
VI, 127; EJ XIX, 121; 
Mem III, lü. 

»Dorf auf dem Berge« , ärm- 
liches Dorf auf der mitt- 
leren Kuppe des Olbergs. 
JLII,162;SS]24;EJXIX, 
121; Mem. III, 30; Bae- 
UEKEK* <Jü f. 

Kleines Dorf mit Ruinen und 
makä'ii schecJi 'amr; andrer 
Name des Dorfes chirhet 
ahn sahbäh (s. d.). Vgl. NL 
2i)7 ; KoBiNSON NBF 380 ; 
Mem. III, 103. 

Einige bewohnte Häuser, 
Ruinen, Cisternen, Gräber 
u. s. w. Mem. III, 103. 

Liegt in Ruinen. Mem. III, 
25 ; GUERIN II, 383. 

Kleines Dorf auf einer An- 
höhe, mit Gärten u.Bäumen 
umgeben; alte Cisternen, 
Gräber u. s.w. JL II, 155; 
SS VI, 127; EJXIX, 121; 
Mem. III, 10; GxERlx I, 
393; III, 0. 

»Burg des abu dümüs.* 



Verwei, 
auf die 
K;irte 



Kastell bei den Salomoni- 
schen Teichen, s. das. JL 
II, 155. 

»Geisterburg«, nach NL 321 
auch kntat sahäh el-cher 
Mem. III, 131. 

künst- 
licher Hügel mit Feuer- 
steinen. Mem. III, 164. 

Laä ! J;anän ist » Bergrücken «, 
»Bergkamm«. 



genannt. 



»Feuersteinburg < 



Hl 
B5 

E5 



A7 



A3 

Gl 
B4 



B6/7 
H3 

G3 

F3/4 

K7 



Isamenliste und Erläuterungen u. s. w. 



199 



Deutscher Name und 




^ 


Verweis 


Umsclirift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


hanan el-masrl 


^^^l\ ^\.^i 




G5/6 


hanän es-sahJia- 


ü^>X2.ji iM'-^i 


. 


K5 


kanän ez-zafarZm 


^u^ys ^l^i 




L4 


lianän isißr 




'1 


J K 5 


harjet el-aneh 




»Traubenstadt« , jetzt auch 
ahn ghösch genannt nach 
einem mächtigen Dorf- 
schech im Anfang dieses 
Jahrhunderts. Grosser Ort 
mit schlossartigen Häu- 
sern; schöne Quelle, vielen 
Ölbäumen, mehreren hei- 
ligen Gräbern und einer 
Kreuzfahrerkirche, dem 
Jeremias geweiht, weil man 
hier den Geburtsort des 
Propheten, Anathot.suchte. 
JLII, 142; SS VI, 118; EJ 
XIX, 125; Mem. III, 18. 


Dl 




» 


4:<.i:32f.;BAEDEKER4 18f.; 
GUERIN I, 62 ff., 279 f.; 
EoiiiNSON II, 588 ff. 




l-arjet es-salde 




Ruinen eines alten Ortes und 
eines späteren Klosters, 
sehr hoch auf einem Berg- 
rücken gelegen, mit ?nr/7.-ä«/ 
und schattigen Bäumen, 
Cisternen, Gräbern u. s. w. 
JLII, 151; Mem. III, 134. 


F2 


Jcarm el-gliarih 


v-:^/'' r/ 




H 4/5 


NL l'^^htrku- 








räm gliarih 








kam el-arah 


1 i.*j) .•••'i 


>Horn des Arabers«, Fels- 
hügel auf hoher steiler 
Thalwand, mit Ruinen. 


.L4 


harn el-hadschar 


;-Wl y.5 


»Steinhorn<. eine Felszacke. 


J6 


kam r lisch eicle 


öl-\>v-v*. (* \ 7^ 




117 


kasr all 




»Schloss«, d. h. festes oder 
grosses Haus des oli. 


B7 



200 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



kasr antar 

hasr aiveis 
kasr hevjamm 



kai>r dscheda 
kasr el-bedaicl 

NL 321 el-he- 
daioije 
hasr el-haddäd 

kasr el-kcitib 
NL 317 kasr 
el-cliaüh 

kasr el-kufb 

kasr el-muftl 
hasr esch-scliihiibl 

kasr umm leimün 

kastei 

NL 322, Hob. 
III,872,JL,EJ 

el-hasfal 
SS el-kastal 
GuER. kastal 

hatarriön 









C ■ -^ 

:.>AJ1 , 






J)L\:s 



NL 






L? 



OJ 






NL J-Liwij! 

SS JvLxaflJS 

GUEK. J.-1^S 



C) 



«.4>ns 



Mem. III, 135; vgl. ZDPV. 
XIII, 94. 

»Schloss des "^aniar.«. Mem. 

III, ;^74;R0B. 11,408. 
Mem. III, 135. 

Landhaus eines griechischen 
Geistlichen Namens Ben- 
jamin; dabei schöne Baum- 
pflanzungen. JL II, 156. 

Jetzt Ruinen. 

»Haus des Beduinen.« Mem. 
m, 135. 



»Haus des Schmids«; kleine 
Kuine. Mem. III, 112. 

Nr. 4. »Haus desSchreibers«, 
NL »Haus des Notars«. 

No. 5. 

Nr. 1. »Haus des Mufti.« 

Nr. 3. »Haus der Schihäb- 
Familie«, eine alte, ange- 
sehene Jerusal. Familie. 

»Das Haus mit den Citronen- 
bäumen«; jetzt Ruine. 
Mem. III, 375. 

Der Name ist aus casteUiun 
entstanden ; hoch gelegenes 
kleines Dorf auf rundem 
Hügelkopf mit Heiligen- 
grab. JL II, 156: SS VI, 
118; EJXIX, 125; Mem. 
III, 1 8 ; ROBIN.SON n, 580 f. ; 
GUERIN I, 264. 

Landhaus und Kirche des 
griechischen Klosters an 
dem traditionellen Ort des 
Hauses des Simeon (Luc. 
2, 25). JL II, 156; vgl. 
ToBLER n, 892. 



Namcnliste und Erläuterungen u. s. w. 



201 



Deutseher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 

Namen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 
Karte 


katanne 


xäLä 


Kleines bewohntes Dorf in 
einem engen Thal mit 
schöner Quelle u. Gärten; 
fleissige Bewohner. JL II, 
156; SS VI, 118; EJ XIX, 
125;Mem. III, 17. 


Cl 


katüt kamvir 


,y:i iLbi 


Nach einer Ruine in der 
Nähe genannt; l^ahä be- 
zeichnet nach NL »Fels- 
klippen « , nach Schick 
»Hohlweg, Bergübergang«. 


D5 


katät keis 


(jw^'i jJJdi 




H6 


^l^1%lkaatkeis 


NL ^j^i iica 






katät müsä 


^j^y^ -bLLs 


Ruinen eines Bauwerks, das 
z.Th.aus natürlichenFelsen 
besteht, wobei mit Mauer- 


C7/8 




~ 


werk blos nachgeholfen ist. 




kefire 


3-*ä5' 


= Kephira (Jos. 9, 17); einst 
bedeutenderOrt,auf hohem 
Bergrücken; Häuser und 
Gewölbe sind z. T. gut er- 
halten. Mem.III, 103 ; RoB. 
NBF 190; Guekin I, 283 f. 


Cl 


kenlset er-rawät 


oL.cJ' s^M*^XS 


»Kirche der Hirten«; gröss- 
tentheils unterirdische 
griechische Kirche, Rui- 
nen einer mittelalterlichen 
Kirche, ein grosser Hof, 
ummauertes Baumgut mit 
Cisternen. Der ganze Platz 
wird das »Hirtenfeld« ge- 
nannt nach Luc. 2 , 8 ff . 
Mem. III, 103; GuERlN I, 
214 ff.; ZDPV. III, 42; 


H5 


Kidron 




Baedeker 4 i26 f. 
Das Kidronthal, auch »Thal 
Josaphat« genannt, trägt in 
seinen verschiedenen Thei- 
len folgende arabische Na- 
men: challet et-turha, loüdi 
ed-dschöz; tvädi el-alahe; 


E5 



Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. 



14 



202 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 






wädi sitti marjam\ wädi 








silwäii; ivüdi e7i-när; s. 








Baedeker* 95 fF. 




holomje 


KJjJli 


Dorf mit Moschee auf einer 
Felsenstufe amBergabhang 
hoch über dem AVasserbett 
des gleichnamigen Thaies. 
In der Nähe sind alte Stein- 
brüche; unten im Thal eine 
reiche Quelle mit Gärten 
und verschiedenen neuen 


D3 




- 


Häusern, welche in die 




, 




Ruinen eines alten Ortes 








hineingebaut sind. Über 
den hier 20 m breiten "Win- 
terbach führt eine steinerne 
Brücke. In der Umgegend 
sind vieleÖlgärten U.Wein- 






■- 


berge. JLII, 155; SS VI, 




: ■ 1 ... . : 




118;EJXIX,126;Mem.III, 
17.40. 132; GuER. I, 257ff. 




Königsgräber, ar. 


• ^^ i^ ,jL AV. J ' . ^a5 


In französischem Besitz; von 


E5 


kuhür es-salüfm 




den Juden als »Grab des 
Kalba Sabua« oder »Höhle 
Zedekias « bezeichnet; 






-. : ■ ,. - 


Grabanlage der Königin 
Helena von Adiabene. Je- 








rusalem 405f.; BAED.4]19f. 




Jiuhhet er-rwnci- 


iCÄxUJl 'ik>.'i 




A8 


mene NL 346 








ohne Artikel 


_ . 






kubhet rähil 


J.A>(. KaS 


»Grab der Rahel« am Wege 


G4 


' 




von Jerusalem nach Beth- 
lehem, von einem muslim. 






•, • 


Begräbnissplatz umgeben. 
Mem. III. 129 f. ; Robinson 
1,363 u.a.; GvER. I, 2241?.; 




■-> ."!. 




Baedeker 4 118; vgl. JL 
II, 142 unter 'abd el-aziz 






c 


und ZDPV. IV, 248. 




kuhür beni israin 


O-J'*'^ ^ )y^^ 


»Gräber der Israeliten« (?); 


C6 


auch kuhür el- 


auch Kä,,b**.' )^•^* 


fünf alte lange, niedrige u. 
dicke Mauern aus unbe- 





Namenliste und Erläuterungen u. s. \\. 



203 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkuno:en 



Verweis 
auf die 
Karte 



\malike gen. 
Hob. NBF ku- 
bür ismln 
GuER. k. el- 
amallke 



kubür ed-dawärl 
huhür el-kiidät 
kubür el-madädt 
kubür es-saläf'in 
kubür et-tef^al 

kurün ain el- 
abrieh = 
NL 403 kurün 
el-ainäzlje 

kusch tln 

liftä 



Hob. ^jjj-w-i jy^i 



Gier. xNa^ju! .^/i 



, VxÄÄJt . «.a's 



machmäs 



.NL xjvU» 



o'>y 



o^ 



ix5 



Uäi 



(j^^*-=^ 



hauenen Steinen auf ebe- 
nem Felde ; die längste ist 
57m, die kürzeste (zugleich 
dickste) ist 32 m lang u. 5 m 
dick; alle IV2 — 2 m hoch; 
eine derselben hat eine 
kleine Kammer mit niedri- 
ger Thüre, möglicherweise 
sind auch sonst grabähn- 
liche Höhlungen darin. 
Mem.III,lüOff.;lioi'..NBP 
377; GUERIN III, 73. 



s. Richtergräber. 

Einige Ruinen. Mem.III,232. 

s. Königsgräber. 



Bewohntes Dorf auf alter 
Ortslage. 

Am Abhang eines steilen Ber- 
ges tief unten gelegenes, 
wohlhabendes Dorf mit 
reicher Quelle, schönen 
Gärten, einem maJxüm etc. 
JLII, 157; SS VI. 118; EJ 
XIX, 126; Mem. III. 18; 
Baed.4 19; GuER. I. 252 fr. 

Bewohntes Dorf auf einer 
Felsenanhöhe, mit alten 
Cisternen, Gräbern etc.; 
= Michmas (1. Sam. 13, 5 
u. a.j. JLII. 158; SS 127; 
EJ XIX, 121; Mem. III, 
12. 149; ROB. II, 328 if.; 
GiER.III,63ff.;B.\ED.4li6. 

14* 



J8 
D 4 5 
ES 
E5 
G4 
J5 



A6 



D4 



A/ß6 



204 



C. Schick und I. Benzinger, 



üeutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


makäm bureide 


■y 1 


makäm ist eine heilige Ka- 
pelle, meist bei einem Hei- 
ligengrab, dergleichen fast 
jeder Ort eines hat. 


C4 


maksar ismain 


CT-- " ^ 




J7 


maktal jair 




wiaZ-^a/ist»PlatzderTödtung< . 
kommt auch sonst als Orts- 
appellativum vor. Vgl. 
B.\edeker4 17. 


B7 


mälJia 




Grosses Dorf auf flachem 
Hügel mit Moschee; viele 
alte Gräber, künstliche Hü- 
gel, Cisternen u. a. JL II, 
157; SS VI, 122; EJ XIX. 
125; Mem. III , 21. 130; 
GUERINI, 107; II. 400. 


F4 


Malha sachr 


NL ä:<^UI 


Eine abgelegene grosse Fels- 


J6 


NL 403 blos 
d-malha 




gruppe, in deren Spalten 
sich zuweilen salziges 
Wasser findet. 




mär dschirjüs 


u-j-^-f?- > 


»Der heilige Georg«, St. 
Georgskloster bei el-chadr. 
s. das. 


H3 


mar eljäs 




»Der heilige Elias«, griechi- 
sches Eliaskloster, festung- 
artig gebaut, hoch u. schön 
gelegen auf einem Sattel 
zwischen Jerusalem und 
Bethlehem. JL 11,1 57 ; GuE- 
rinI, 239 ff.; Baed.* 118. 


G4 


VfiäfT säbü 


LL- .U 


Kloster des heiligen Sabas. 


H8 


9 9V V^# ^i* V^' V^ ^/^f 


Alte Laura desselben, 








hängt an schroffem Fels- 








abhang, zur Hälfte aus 








Höhlen, zur Hälfte aus 








Mauerwerk bestehend. 








Mem. 111. 219. 232; Bae- 








deker'* 159 f. 




mär zakärj'ä 


y/) ;- 


Kirche desZacharias, auf den 
Ruinen einer alten Kirche 
wieder hergestellt, mit 
Wohngebäuden; oberhalb 


E3 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



205 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 






derselben zahlreiche Pri- 








vathäuser. JL II, 1 57 ; GUE- 








RIN I, 100; TOBLER II, 355. 




merdsch ez-zeibwi 


'oy^^-j^^ ^.-^ 


merdsch ist Wiese. ZDPV. 


E7 




XIII, 85. 




mughäir abu 7' äs 


^jj.^ yLi/i 


Die Höhlen abu ras vgl. NL 
348 mudschn abu ras. 


G8 


mughäir ahuzelef 


^jj.i\ yLixi 




H7/8 


mughäir er-rabad 






HS 


mughäir er-re- 


■ •• !t -El • 




F 5 


taghbir 








mughäir esch- 


|W>^M\J 1 . J LXÄt 


»Sonnenhöhlen.« 


F7/8 


schems 


NL(j^>^*^i^ .jLixi 






NL 347 7nu- 








ghäir esch- 




• 




schemls 








mughcirat chare- 


OJ^h^ ö;Li^ 


»Höhle desChariton«, s.chir- 


K5 


tim, auch m. 


auch ^-dxi^ ä^lxA 


het charetün. Baed.< 130. 




el-mdsä 








mughärat dääd 


ö*,\ö ö,Li/5 


»Davidshöhle.« 


H6 


mughürat ed- 


fc*^^ ».Li'« 


Mem. III. 137 f. 145; Robin- 


6 677 


dschal 


RoB. Xj^^oL^l 8. Li/0 


son II, 328. 




RoB. 7)1. ed- 


* 




dschäiha 








mughä,rat el-ham- 


j»U^i Ö.Lxa) 


»Die Höhle des Bades.« 


B5 


7nätn 








mughärat el-ma- 


iö.L«*!! ä.Li/C 




F4 


särlje 








mughärat sikja 


%^^ s.Lx/a 




B8 


Schick sikwa 








mughärat umm 


cr^^' r^ b^*"" 




B7/8 


el-hösn 








NL3487/2. umm 


NL ^--^^ (^^ 






el-hasa7i 








mughärat U7nm 


^>5i r^ "^'•*'* 




B5 


ifnün 


NL323 QJ.AS [.i 







206 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

'Namen 



nahdlin 

GuER. nahhülln 



nusb umm seihe 

Olberg 

Prophetengräher 



Arabisch 



Bemerkungen 






Jl^- 



^AAAW 



rachme 

rafät 

RojB. III, 870 
rcifat 

Rah eis Grab 
rümallüh 



ras ahu halimn 

ras arküb es-safci 
NL324 es-saßä 

ras el-ain 



x*.^, 



ot 



RoB, olii 



:; 



i^\ J 



r'; 



■ ».^l^s. ^i\ , ^\ 






U^'J 



u-'; 



NL LftA^'! 



O' 



>aX, 



,1 (_^wVj 



Ziemlich eben gelegenes 
Dorf, von Gärten umgeben, 
mit Quellen und malinn 
des el-haddsch 'fileiän, s. d. 
EJ XIX. 122; Mem. III, 
26. 163; GCERIN III, 319 f. 

g. dschebel et-lür. 

Jüdische Felsgräber in eigen- 
artigem Stil in zwei Halb- 
kreisen angeordnet. Bae- 
deker* 93; Quart. State- 
ments 1893, 128 ff. 

Kleines bewohntes Dorf auf 
flachem Hügel ; Quelle, 
Gärten, Felsengräber. JL 
II, 158; SS VI, 127; EJ 
XIX,121f. ;Mem.III.154; 
GuERiN I, 392. 

s. luhhet rühil. 

Grosses, blühendes, hochge- 
legenes Christendorf mit 
griechischer Kirche und 
einigen Missionskapellen; 
viele Gärten u. Weinberge, 
in der Nähe einige Quellen ; 
in der Umgebung Felsgrä. 
ber u. andere interessante 
Ruinen. SS VI, 127. 129; 
EJ XIX, 121; Mem. III, 13. 
155; RoBiN.soxII, 348 fl". 

ras, »Haupt« .bezeichnet meist 
eine Bergspitze oderHügel. 

Auf dem Gipfel sind einige 
Ruinen, Cisternen etc. ; der 
alte Weg nach Jericho 
führte hier vorüber. ZDPV. 
XIII, 94. 96. 

:>Quellhaupt< , Hauptquelle 
in dem Quellengebiet el- 



Verweis 
auf die 
Karte 



Hl/2 



J8 
E5 
E5 



K5/6 
B4 



G4 
A4 



D5 



D7 



K2 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



2Ü7 



Deutscher Xame und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



ras el-akub 
ras el-bcdua 
ras el-charrühe 

reis el-ha 
ras el-kädl 
ras el-keräme 
reis el-madbase 

ras el-maeikle 

ras el-makabir 
ras el-munfär 
ras el-muschürif 



reis esch - scha- 

babün 
ras esch-scJierife 

ras es-sullam 

NL 3 1 7 es-silüm 
ras et-tabib 
ras et-täJmne 

ras et-tawll 

ras ez-zambl 



Bemerkungen 












OJ- 



.AA«SV*rf 1 / IM ' \ 



NL 



X5,/iXj| (y»l( 






o^:^^^^ 



U" 



j^A.^^;.-! ^_^wi^ 



^artub, s. das. Vgl. ZDP\'. 
I, 157. 

vgl. cl-bälua. 

»Gipfel des Johannesbrot- 
baums«; auf demselben 
Ruinen, Cisternen etc. 

Nr. 2 ; s. hlr el-ka. 

»Richterhügel.« 

Die höchste Erhebung des 
Ölbergs. S20mü. M. ' 

Ein markirter Hügel zwi- 
schen \inütä und cliirhet 
'ahnit mit einigen Ruinen. 

»Gräberhügel.« 

»Wartberg.« ZDPV.XIII,96. 

Der Skopus des Josephus; 
wenig westlich davon führt 
die Strasse nach Norden 
über den Bergsattel. Jeru- 
salem 411. 



Höchster Punkt der Karte, 
993m ü.M., auf der schma- 
len Wasserscheide. 



»Hügel der Mühle«, mit Stei- 
nen bedeckter Hügel. ' 

»Der lange Hügel«, Ruinen- ' 
stelle. 

Zur Form des Namens vgl. 
Kasteren- in ZDPV. XHI, : 
97. 117 f.: ras zambl und | 
rä.s zijambl. 



Verweis 
auf die 

Karte 



F6 
H3 

D6 

E5 
L2 

F4 
E5 

D6 

F5 

D6 
D5 



H4 
H2 

D5;6 

D4 

A4/5 

B7/& 

Eli 



208 



C. Schick uud I. Benzinger, 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



ras schuf a 

ras umm deisls 

ras umm et-tala 
Rephaim 



Rephaimebene 
Richtergräb er, ar. 
kubür el-kudüt 



rudschm afane 

rudschm aflje 
rudschm ed-der 

rudschm ed-derihe 
NL 326 ed-du- 
rehe 

rudschm el-ha- 
reisch 

rudschm el-chi- 

j'ärl 
rudschm el-icebde 
rudschm et-tärüd 
rudschm sahit 

rudschüm el-ka- 
haMr 



B j-ii (_wl^ 



iwaAamJv^ I») (y»' ) 



^l\ ^\ ^\^ 



}V>i3^aj\ . >jk.s 



iüLic j*j>^ 



U-Jj*J' l*>; 



^^Ui>! j».=>; 






rJ-r; 



Rundl. Anhöhe mit Wacht- 
thurm,in einemweitenKes- 
sel, -wo mehrere Thäler zu- 
sammentreffen. 

Breiter, auf der Höhe gele- 
gener Hügel mit einigen 
Ruinen und einer Cisterne. 

ZDPV. XIII. 99. 

Kolonie der freien Religions- 
genossenschaft des »Tem- 
pels« auf der von den Euro- 
päern so genannten Re- 
phaimebene. Baed. ^ 102. 

s. el-hukeia. 

Schöne GraV anläge; die Tra- 
dition, dass hier die jü- 
dischen Richter begraben 
liegen, ist jung. Baede- 
ker* 106 f. 

rudsclnn bedeutet » Stein- 
haufe«. Mem. III, 1 56. 

Mem. III, 156. 

Mem. III, 378. 
Mem. III, 156. 



Mem. III, 156. 



Gegend. 



Land- 
JL 



ZDPV. III, 29. 
Mem. III, 156. 

Grosser Steinhaufe; 

marke der 

II, 159. 
Grosser Steinhaufen, unter 

ivelchem Felsgräber sind. 

Vielleicht ein Lagerplatz 

des Titus. Jerusalem 411. 



D2 



E7 



E5 
F4 



F4 
D3/4 



r3 

F3 
F2 
F2 



F3 

H7 

F6 

F3 

J/K2 

D5 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



209 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


Russische Ko- 




Bei ^ain Txärim am Abhang 


F3 


lonie 




des Hügels über mär za- 






' , . 


kärjä. 




mfä 


ÜLo 


Hochgelegenes, kleines, be- 
wohntes Dorf ganz nahe 
der Wasserscheide, doch 
schon am Westabhang, mit 
einem Brunnen im Norden. 
JLIL159; SS VI, 126; EJ 
XIX, 122; Mem. III, 309. 


J 1 


sahl dschehd 


j'>> .k- 


»Ebene von dschehd*, s. d. 


C6 


Salomonische 




Drei grosse Teiche in einem 


Hl 


Teiche.Beiden 




Thälchen übereinander an- 




Eingeborenen 
el- hurak ge- 




gelegt, die durch Quellen 






und Regenwasser gespeist 
wurden; ihr Wasser wurde 


• 


nannt. 




durch eine Leitung nach 
Jerusalem geführt. Vgl. 
ZDPV. I, 143 ff.; Baede- 
ker* 128 f. 




sataf 


0Ü2L0 


Bewohntes kleines Dorf, auf 


E2 


NL 326 auch 


NL oLLi*5 


einer Stufe des Bergab- 




setäf 

RoB. III, 872 




hangs gelegen, mit Quelle, 




ROB. L_5l-t>L*, 


Gärten und einem maküm 
als Moschee. JL II. 160; 




sätäf 




SS VI. 122 f.; EJ XIX, 12.5; 
Mem. III. 22 ; GlER. II, 3. 




schafät 


_b';Ä*^ 


Auf flacher Höhe gelegen, 


D5 


RoB. III, 870 


ROB. oLää^ 


fleissige Einwohner; mit 




sdfät 




einem makcnn ihrüMm, das 






als Moschee dient; viele 








Cisternen. JL IL 1 60 : SS VI, 








121; EJ XIX. 121; Mem. 








111,13. 164; Gier. 1,395 ff. 




schar afät 


oli^.^; 


Form nach Schick, JL u. EJ ; 


F3/4 


NL329,GuER., 


NL oliL^ 


vgl. SS VI. 122 f. Kleines 




RoB. III, 872 


y 


bewohntes Dorf auf rund- 






lind CUw«*CO 


lichem, massig hohem Hü- 




scheräfät, NL 


V* K 1 VA ^"^^ ^^ ^^^ * 


gel mit malüm. das als 




auch schurrafät 




Moschee dient. JLII, 160; 
EJ XIX, 125; Mem. III, 22; 
GUERIN II, 401. 





210 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch und 
Hebräisch 




schech el-arbatn 

Scheck UHuli ed- 

dukkün 
schukfün 

schünet er-rosei- 

sebll el-miskä 

Sene 

Sieben Hügel 



Siloah, ar. sihvan 



O 






1^" 



zr 



o 



Läfi^ 






LS' 



i^^A^iJl I I ^Ai 



HDC 



sir et-tabalas 

Skopus 
mhci 



O 



Ijjl. 



u* 



jIaÄJi -aA^ 



L 



».AO 



»Schech der 40« (Märtyrer). 

Heiligengrab im Thale dieses 
Namens. ZDPV. HI, 33. 



sehil ist ein öffentlicher Brun- 
nen. Vgl. ZDPV. IV, 7. 

s. Bozez. 

Unregelmässige, nahebei ein- 
ander liegende grosse 
Steinhaufen, deren Inneres 
noch nicht untersucht ist. 

Am steilen westlichen Ab- 
hang des dschehel batn el- 
liäivU ; die Häuser sind halb 
gemauert, halb als Höhlen 
in den Berg hineingegra- 
ben. Diese Höhlen waren 
früher Einsiedlerwohnun- 
gen, einzelne auch Kapel- 
len ; von letzteren war eine 
laut Inschrift dem Prophe- 
ten Jesaias geweiht. Die 
Hälfte der Bewohner sind 
a.\xsdibün im Ostjordanland 
hierher gezogen. JL IT, 
161; SS VI, 124; EJ XIX, 
121; Mem. III, 30; Jeru- 
salem 412; Baedeker 4 97. 

sir ist »Schafhürde« oder 

»Steinring«, 
s. ras el-muscliärif. 

Auf hohem runden Felsen- 
kegel, einst befestigt, von 
manchen fürModei'n gehal- 
ten; dieBefestigungen wur- 
den von Ibrahim Pascha 
zerstört. JL II, 161; SS VI, 



K2 

F7 

H3 
J7 

D/Ea 

B6 
F4 

E5. 



D5 

E2 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



211 



Deutsclier Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 




Bemerkungen 



Verweis 
auf die 
Karte 



sur hahir 

RoB.II,407sMr 
bcüiil 



ROB.. J^PLj ^j.^ 



Syrisches Wai- 
senhaus 



tahk el-meida 
tantür 



U*i! 



; 






tantur ahu kelah 



IUI 



.:^^.i 



•.-2-0:3 



>vXaaj 



teil ahu kelab 



::^ 



118; EJXIX, 126; Mem. ' 
III, IS. 1.57 f.; Robinson 
II, 581 ff.; GUER. I, 265 ff. 

Altes, bewohntes, hoch und G 
malerisch gelegenes Dorf, 
schon auf dem Ostabhang; 
die Wasserleitung von den 
Salomonischen Teichen 
führt unter einigen Häu- 
sern des Ortes durch ; alte 
Felscisternen. JL II, 161 ; 
SS VI, 124 f.; EJXIX, 125; 
Mem.III,30;GrER.III,83. 

Deutsch-evangelisches Wai- E 4 
senhaus und Schule für 
arabische Knaben, von 
Schneller gegründet. 

Eine kleine Hochebene, tahk \ L 7 
ist »Terrasse«. | 

»HoheMütze«, isolirter, mäs- G4 
sig hoher Bergkegel am 
Wege von Jerusalem nach 
Bethlehem; früher mitRui- 
nen bedeckt ; jetzt mit ver- 
schiedenen Gebäuden (Spi- 
tal, Kapelle etc.) bebaut, 
welche dem katholischen 
Malteserorden gehören. 
JLII, 161. 



Ruinen von über 1 m dicken 
Mauern im Viereck, auf 
einem Vorsprung des Hü- 
gelzugs von en-nehi samtc'il 
nahe dem Thalgrund zwi- 
schen zwei Thälern lie- 
gend ; einst wohl ein Mili- 
tärwachposten. Mem. III, 
161. 



J^' 



Xs 



G8 



D4 



GS 



212 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Käme und 








Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 




Bemerkungen 


auf die 


Namen 








Karte 


teil ahu nädür 


j»öbj,j! 


y^ 


Die östliche Spitze des Fran- 
kenbergrückens; Cisterne, 
wenige Ruinen; die alte 
Römerstrasse führte hier 
durch. 


jr, 


teil el-askar 


yCw»!! 


J^- 


>Soldatenhügel«, mit Ruinen 
einer alten Ortschaft. 


A6/7 


teil el-fiil 


JyJt ^ 


»Bohnenhügel«; kegelförmi- 


D5 


■ 






ger Hügel auf hohem Ter- 










rain, nächst en-nebi samioil 










die grösste Höhe in der 










Nähe von Jerusalem. Auf 










derSpitze ein festerThurm ; 










sonst sind keineRuinen da, 










das weisse Gestein ist ganz 










zerfallen; wahrscheinlich 










= Gibea Benjamin(Richter 










19U.20). JLII. 162;Mem. 










III, 158; Baedeker* 116; 










Robinson II, 362. 




teil el-kahüs 


U^^äj! 


i^ 




C7 


teil el-kureni 


u^..-^^ 


i^ 


Mem. Ill, 222. 


CT 


teil en-7iashe 


Xiui^ÄJi 


'^ 


Hügel mit Ruinenstätte; 
letztere wird auch schuweke 
genannt; am Fusse des 
Hügels liegen die Ruinen 


A4/5 








chirbet ^atära, s. d. 




teil es-sTiwän 


^\^^\ 


J^ 


»Feuersteinhügel«, mit 
Ruinen. 


A7 


teil mirjam 


I^J'* 


^^ 


»Marienhügel«, mit Ruinen 
einer Kirche. 


B6 


teil rnsät 


oU_5^ 


y^ 


Hohe, felsigte Bergspitzen 
mit einigen Ruinen. 


03 


Templerkolonie 






s. Rephaim. 


F4 


tughrat raJnce 


»y;^j^ 


tughra ist »Pass«. Vgl. NL 


08 








356 wädi tughrat rahwe. 




Tunnel 






Die eine Wasserleitung von 
den salomon. Teichen nach 
Jerusalem ist eine Strecke 
weit unterirdisch. 


F5 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



213 



Deutscher Name und 






\erweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 




'-^ 


Karte 


umm esch-schech 


^Na.wJ| I») 


Ruinenstelle. 


A2/3 


umm et-tala 


' ^iW.\ }\ 


fala ist »Bergsteige«, »Auf- 
stieg«. Mem. III, 161. 


H6 


lüäd fukln 


^^Sy ^^^3 


Bewohntes Dorf im wädi fü- 


Hl 


SS u. EJ füTfin 


SS ^äj.9 


kin; in der Nähe sind Fel- 
sengräber, eine Kirchen- 








ruine, Quelle etc. JL II, 


' 






162; SS VI, 144; EJ XIX, 








122; Mem. III. 27; GUE- 








RINlII, 321. 




wädi abu \li 


c>^j-j' <3^^:> 




06 


10. abu dis 


(j^Pyi^ l5^^5 


Begrenzt die Anhöhe mit dem 
gleichnamigen Dorf west- 
lich. 


F6 


tc. abu helwe 


öjJ^j.^^ ^-5*^'^ 




G/H4 


w. abu hindl 


^_clA;Pjj1 ^ö\») 




F7 


tcädi abu ne- 


r^\^^ ^^'^ 


vgl. abu nedschem. 


J4 


dschem 








w. abu radschab 


"r^^)^^^ l5^^3 


Oberster Anfang der tvädi er- 


LI 


Schick: abu 




risclträsch. 




ruschab 








10. abu samrä 


lr^**j-^' (^^^i 


. 


05 


w. abu tirän 


o'^t^y^^ <3^^i 


s. ZDPV. XIII, 85. 122. 


E6/7 


10. alimed 


lX^^») l5'^15 


GUERIXI, 113. 


3/4 


w. aijäd 


jL^^c ^J>i^ 




C5 


w. ain el-hamje 


'^"'^' O^ l5-^^5 


s. 'ain el-hanije. 


F3 


10. ain rafia 


^h O^"" ^^^^ 




El 


w. a^jä 


LXc ^j>L 


Robinson II, 488; III, 1084. 


J7 


NL353 u.Roß. 


NL LJ.*:i ^3'_5 






elAdja 








10. 'ätntr 


J^ ^oi^ 




C3 


w. ammär 


^LZc ^Su 


Unterlauf des ivädi sahjün. 


E/F4 


w. '^imr 


;♦- O^^i 




J7 



214 



C. Schick und I. Benzinger. 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

auf die 

Karte 



tv. anätä 

w. arcili. müzil 

w. bet lianina 



w. bittir 

lü. hUiüäi 
10. charetün 

w. dabhcir 

w. dannün 

Schick: av. du- 
num 

IC. dschehUr 

lü. dschidsch 

IC. dschiljZm 
Schick: 
dschittan. 

IC. dscliirjüs 

w. dschuhh 
iblän 

tc. duweit 

w. ed-ddbüb 

%c. ed-dahükin 

IV. ed-damm 

IC. ed-dascMsch 

IC. ed-der 

IV. ed-dor 

IC. ed-dschemel 



J;U 



LäaÄ: 






ri-*-^ l5'^'3 



^>^ \3 



Ol, 



oy-'-j' 



^^'^ 



,Lo 



L5^'i 



oy^ l5^'5 



,u 






Auch 10. ihn ^id genannt. 
Vgl. ZDPV. XIII. 93. 

Grosses Thal; weiter unten 
^cüdi kolönije gen. Mein. 
III, 3; GuERiN III, 2; Ro- 
binson II, 14; Baed.4 19. 

Seitenthal des grossen w. el- 
tcerd. 

s. cliirbet charetün. 



. • >L^X^ 



<S^^ii R0BIN.SON II, 410. 

u5>^'i Nach Schick so benannt von 
dem Ton, mit dem man die 
Kamele herbeiruft. 



3^^^ 



{j^y^.fr- (^^'3 »Georgsthal.« 



O 



,^jl ^^C^ , cJ)l, 






>Thal der Gewölbe. 



(.cXJi ^_5oL *Blutthal.<: Mem. III, 164. 









:.ii» 



l5->' 



s. wädi ed-durlisch. 
»Klosterthal.« 



»Kamelthal.« Kasteren in 
ZDPV. XIII, 85: ivädi 
dschiminil. 



L>6 
E6 
D4 



G 2/3 

C2/3 
K5 

B2 

L 5/6 

L4 
D2 

A/ß 5 

H 3/4 
J/K6 

B4 

J6 

F8 

C4/5 

G4/5 
B4 
L2 
E6 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



21; 



Deutscher Xame und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 

anf die 

Karte 



w. ed-dschisr 



w. ed-dschoz 

w. ed-dukhan 
w. ed-clurlisch 
w. ekbZdci 

w. elAihbeide 
w. el-ahd 

w. el-adra = NL 
353 10. el-adwä 

w. el-akel 
w. el-urab 
w. el-aräis 

w. el-urruh 

w. el-asä 

w. el-asäkir 

w. el-awadsch 
NL 332 el- 
auwadsch 

w. el-bicir 
w. el-chanzlr 
w. el-chöch 
w. el-enür 
w. el-fukrä 
w. el-furedis 
w. el-ghadlr 
xo. el-ghül 
w. el-hcifl 






ci:>\. 



3>- 



^i^: 



NL ' 



l; 



y>0 i,X^ 









<5^\ 



L5^^i 



:Ol. 



^^^5 



l5^'3 



^^S 



l5^*5 



^'^' 



C^^^5 






>Brüekenthal.<: So benannt 
nach der Brücke, auf wel- 
cher die 'Arrüb-Wasserlei- 
tungdasThal überschreitet. 

>Nussthal« ; der Oberlauf des 
Kidronthals. 



= NL 332 w. ed-d(ischtsch. 
s. chirbet ekbälä. 



»Sklaventhal«, kleines Sei- 
tenthal des tvädi süra. 

ScHTCK : »Thal der Jungfrau 
(Maria).« 



»Araber- (Beduinen-, Thal. 



s. "aiii cl-^arruh. 



,^\ 






^^S 



L.? 



^\. 



»Das krumme Thal. 



»Brunnenthal.« 
»Schweinethal.« 
» Pfirsichthal. <: 
d^ürstenthal.« 

s. dschehel el-furedis. 

»Geisterthal.« 
»Barfüsserthal.« 



J3 



E5 

F7 

G4/5 

D2 

C3 
H/J7 

J 7/8 

Bl 

Kl/2 

H7 

L2/3 
A7 

05 

E 7/S 



J 3 


K3 


H/J3 


LI 


I- 1 


J5 


Dl 


K4 


C 5 6 



216 



C. Schick u. I. Benzinger. 



Deutscher Name und 
Umschrift der arabischen 

Namen 


Arabisch 

1 


Bemerkungen 


Verweis 

anf die 

Karte 


w. el-haije 


ii^i (^cOi», 


»Schlangenthal.« 


H7/8 


w. el-hamära 


■6^lJ-\ ^^\^ 


»Thal der Eselin« (?). 


Ü5/6 


tu. el-hammcim 


^^^ ^^\, 


»Thal des Bades.« 


Bl 


IC. el-harik 


c^.-^^ ^->b 




A8 


w. el-harlk 


(3^-;^^ l5^'^ 


Vgl. ZDPV. XIII, 85. 


E7 


w. el-hindl 


^A^il ^Oi^ 


»Thal des Indiers.« 


J/K3 


IC. el-Jiirme 


■:i.Aj.\ ^o!_5 




J8 


IV. el-hod 


l_Pj^5 ^ot_5 


s. ain el-ho'J. 


E6 


xc. el-hdt 


Oj.^i ^ol. 




Dl 


w. el-kua 


Kc'Jiii i^->L 


Über ka vgl. hir el-ha. 


F5 


w. el-kaff 


^iül ^ö\^ 




K6 


w. el-kaff 


wftJol (^^i_5 




D5 


NL 335 w. el- 


NL o^l ^^^^ 






chalf 








IC. el-keikabe 


ii>JLJiJ\ ^^S\^ 


»Thal des Zürgelbaums.« 


C2 


IC. el-kotne 


iUkÄÜ ^^U 


»Baumwollenthal.« 


Gl 


IC. el-lehhäm 


^L^;]]S ^_50'_5 




E6 


w. el-löze 


bj_^l]l ^^1^ 


»Mandelbaumthal. « 


J4 


w. el-machrüm 


p.^.:<^IS ^31^ 




G7 


IC. el-mälha 


K^U( ^jl. 


»Salzthal.« 


K6 


IC. el-matika 


^; ^oi_5 




L6 


w. el-mZirüd 


^^>ii ^^i^ 




B 1/2 


Schick: el- 








marad 








w. el-masarr 


j^^ ^^5^ 




H2 


w. el-medme 


i^:LX-L^ L^-^'^i 




B6 


IC. el-mehk 


dUi; ^^1_5 ^ 


»Königsthal.« 


F8 


w. el-miiallak 


( ^''*r c5^'5i 




L7 


IC. el-mufäch 


p-LÄil ^J>i^ 




D/E7 



Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



217 



Deutscher Name und 

Umschrift der arabischen 

Namen 



Arabisch 



Bemerkungen 



Verweis 
auf die 
Karte 



w. el-war 

w. el-werd 

w. el-ioerd 
10. en-nahle 
w. en-naml 
w. en-när 

w. en-neüf 
w. en-nimr 
w. en-nucheile 



to. er-rähäbi 
w. er-rdi 
w. er-rawabi 

Schick: w. 

rukabe 

w. er-redeide 

w. er-rischrcisch 

w. er-rumämene 

w. esch-scJiama 

w. esch-schehäb 
Schick w. esch- 
schihüb 

IV. esch-schech 

w. esch - schem- 
märm 

w. escJi-schinnar 

w. esch-schwär 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XIX. 






^AiaÄji 



L? 



^i. 









«faV bezeichnet eine steinige 
Gegend. ZDPV. IV, 8; 
Mem. Iir, 300. 

»Rosenthal«, so genannt we- 
gen seiner Rosengärten. 
Mem. III, 7; GUER. I, lOT. 

»Bienenthal.« 

»Ameisenthal.« 

»Feuerthal« , Unterlauf des 
Kidron, s. d. 



»Tigerthal.« 

»Palmen thal.« Nach Schick 
bezeichn. nucheile »Pferch« 
oder »Hürde« für die Vieh- 
herden. 

s. Hinnomthal. 



ZDPV. XIII, 95. 114. 117. 






CT 



J! ^^^» 



<3^h 



Schick i^'->)^ 






s. 'am er-rischrusch. 
s. kubbet er-rumämeme. 



»Thal des Schech.« 



_^^'*) : »Rebhühnerthal.« 






H/J6 

F4 

Hl 
H/J4 

B3 

F5/6. 

G6.H8 

B6 

C7 

C/D6. 

C7/8 

E5 
K3 
D6 



C6 

Li 

AS 

E/F5 

Bl 



L2 

El/2 

L 1/2 
D3 



l.T 



218 



C. Schick und I. Benzinger, 



Deutscher Name und 








Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 








Karte 


w. es-samrä 


^i^! 


l5^^^ 


Schick: Thal der dunklen 


H5 


NL 336 es-sa- 


NL 3,j^AvJ( i^-Ji^ 


Erde.« 




müra 










w. es-sanf 


Jo.l^jj 


o-^^3 


»Akazienthal.« 


AI. A2 


10. es-sarär 


) J 


L5->'5 


Der alte »Bach Sorek« (Rich- 


Fl 


GuER. : tu. es- 
sarär 


GUER.,1,^5 (_c3U 


ter 16, 4). Mem. III, 53; 
GuERiN II, 18. 31 f.; Bae- 
deker* 16. 




10. es-seiicim 


I»LÄ.wJ) 


l5^>J5 


Robinson II, 319. 322; Bae- 


C6 


K.OB. u. Baed. 


ROB. j.X*J'(30', 


deker* 116. 




w. es-selam 










w. es-sidr 


.\^tM.J\ 


^-^b 


»Thal des .«ü/r-Busches« iZi- 
zyphus lotus;. 


D8 


10. es-sikJce 


'iS.M^\ 


C5^'5 


»Thal des Weges.« 


Fl/2 


10. es-sumUr 


.L*y*w) 


, cJ>'i» 


\ 


D4/5 


10. es-suneisil 


,K>A^*^A**(V»* ) 


l5^^3 


ZDPV. XIII, 94. 


D7 


10. es-suneisile 


i'JsMf^tU^Mt.iS 


l5^5. 




A8 


w. es-suioenlf 


J3.:^ÄJ ».J«^J ■ 


^^^3 


Mem. 111,2; RoB. 11, 327. 


C7/8 


w. ef-taka 


ÄiLl^J! 


0=^'3 




B3 


w. et-füwalfm 


o^^y^-^ 


C5^^3 


»Mühlenthal.« 


J4 


10. et-tin 


o^- 


^^'3 


»Feigenbaumthal.« 


H5 


w. ef-für 


,yW^ 


L5^^5 


vgl. dscJiehel et -für. 


E6 


10. ez-zdfarän 


ol-^^-; 


l5^'3 




L3/4 


10. ez-zet 


c;^jyS 


^-^'5 


»Ölbaumthal.« 


A 1 


IV. ez-zetün 


'a^^:^y^ 


l5->'3 


»Ölbaumthal.« 


E/F 6 


10. fach ad 


Jvj^i 


^=^^'3 




04 


10. faddschiir 


,\-h^ 


<3^^i 


vgl. hetfaddschär. 


K3 


10. fära 


h^ 


^^^3 


Thal der alten Laura Pha- 
ran, bildet den Oberlauf 
des grossen icädi kelt, s. 
"ain ßira. RoBixsoN IT, 
323 ; GUERIN III. 72. 


C 7,8 


10. jTik'm 


CT^y 


l5^'5 


s. wäd fükln. 


Hl 


w. ghaneim 


\ " 


^-^i^ 




J4/5 



Namenliste und Erläuterunoen u. s. w. 



219 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


auf die 


Namen 






Karte 


w. hadscl teile 






G5 


Schick w.hejele 








w. j'äsül 


(J_».avLj (^^i-^U 


An den Wänden des Thaies 
viele Felsgräber. 


F5 


Vh ihn '^id 


^^ a^^ ^=^^^ 


Auch wäAi 'anätä genannt. 


D6 


w. kadüm 


j.^lX]5 ^Ji_. 


Zur Namensform vgl. ZDPV. 
XIIL 80, Anm.2undcorri- 
giredarnachZDPV.XVIII, 
172 das unrichtige tvädi 
er-rachn. 


E/F 5 


u\ imesch 


(p^X/C) (C>^l» 




B2 


w. kelclfa 


lili ^J\, 




Kl 


w. holonije 


^-J«Is i^^^^_5 


vgl. holonije. 


E3 


10. mahhüs 


Lr'J-^^ l5^^3 




B3 


IC. marrina 


^r.;^ l5>^^5 


s. chirhet marrlnä. 


Kl/2 


w. marsia 


^:y-^-^ L5^^i 


vgl. 'ain marsia. 


J3 


NL u\ meräsia 


NL jtvwL.* i^-^^3 


' 




w. md Sarai ed- 




. 


J3/4 


damm 








IV. menje 


iC/J./s 1^.^'» 




K/L 4 


NL 404 w. el- 


NL kIlIS ^J>L 






menije 








IV. micJdUs 


^^ ^=0^3 


ZDPV. XIII, 93. 122. 


E6 


IV. mudauwara 


^»;j^^ ^jL 


»Das runde Thal.« 


E8 


ZDPV.XIII,90 


, IaI! . -oU 






w. el-mudamoar 


^_5w>,«i ^j-'-' » 






u\ naküsche 






D/E3 


tv. nubar 






D3 


IC. sä/ä 


liL. ^.^5, 




Jl 


w. sahjün 




»ThalZion.« 


E4 


tv. schämUt 


-i^J-^^ ^0^3 




B8 


Schick: w. 








schamit 








IV. Scharia 


iü^^ ^c>L 


; 


K2 


NL 4 1 w. het 


NL c:^:^J (^>->'_; 






sakärjä 


tj^L<*- 







15* 



220 ^- Schick und I. Benzinger, Namenliste und Erläuterungen u. s. w. 



Deutscher Name und 






Verweis 


Umschrift der arabischen 


Arabisch 


Bemerkungen 


anf die 


Namen 






Karte 


w. Scheck cliadr 


_.Aai> ;^^ L^^'i 


Über chadr s. zu el-cliadr. 


E7 


10. selmün 


^\^\.^ ^oL 




B 1 


w. silijd 


^f^ ^5^*5 


NL 356. 


B 8 


Schick : \v. 








sikra 








10. sukr 


Jl^ e5->^3 




L 1 


10. sulem 


|«-vlvy ^^^*^ 




D6 


w. süra 


hj-"^ <3^S 




H7 


w. umm el-kaVa 


1 "^ -^ 


:»Das Thal mit der Burg.« 


H5 


10. umm et-teleität 


oLi^iAÜ j»i ^o!., 


»Tamariskenthal.« 


H7 


10. umm hawä 


i^p jll ^ul 




08 


Schick: to. 


Schick j.1 (^->^5 






umm haioar 


^JJ^ 






10. umm rasäs 


c^l^j J.5 ^oW 


Wohl richtiger w. el-muras- 


E7 




^ 


sas, s. chirhet el-nmra.s.sa.s. 




10. umm serdsch 






HS 


IC. loa he 


^".-^ L5^'i 


ZDPV. XITI, 93. 122. 


E6 


10. zimri 


'^f) ^^S 




C6 


Wald 




Ein alt. heil.Hain, der es eben 
seiner Heiligkeit verdankt, 
dass er bis heute erhalt. ist. 


F 1 


Wasserleitung 




Vom icädi el-arrüb (K/L 2) 


LS 






zu den Salomonischen Tei- 


J3/4 
H4 






chen und nach Jerusalem; 






vgl. ZDPV. I, 143 flF. 




Wasserleitung 




Von ^ain artäs (H 4) zum 
Frankenberg (J 5); vgl. 


H/J4 




.. \ 


ZDPV. I, 167 ff. 




loeledsche 


NL -iJ-_^:\ 


Grosses bewohntes Dorf; die 


F2 


NL 338 el-we- 


Bewohner sind fleissige 




ledsche 




Kohlenbrenner,Kameltrei- 
ber.Weingärtner etc. ; meh- 
rere Quellen bewässern die 
Gärten. JL II, 163; SS VI, 
122;Mem. in, 22. 




Windmühle 




Vom griechischen Kloster er- 
baut, im Betrieb befindlich. 


E4 



Einige Ergebnisse aus Niese's Ausgabe des Joseplms. 

Von Professor ]). A. Schlatter in Berlin. 



Niese's Apparat zeigt anschaulich , wie stark verwittert die 
Eigennamen im Text des Josephus sind. Doch lässt sich noch 
einiges über das hinaus, was Niese giebt. sicher stellen. Ich ordne 
meine Bemerkungen alphabetisch. 

Adida verdorben aus Abila. 

Bell. jud. IV 9,1 (IV 486): Vespasian stand mit der Armee 
in Jericho und vereinigte sich dort mit der zehnten Legion, die 
vom Ostjordanland herkam. Darauf -avrayroOsv K£ptT£t.)^i^o>v touc 
Ev ToTc lopoaoÄujxoic SV -£ T"^^ IzpiyoX xal sv 'Aoi'ooi? h(a.i^jzi arpaxo- 
TTcoa. Dieses Adida müsste ein städtischer Ort sein, da es eine 
grössere Garnison erhielt, kommt aber sonst nirgends vor. An 
ChadidbeiLydda lässt sich nicht denken, da ja Vespasian damals 
in Jericho stand, und das Lager, welches die Wege nach Jerusa- 
lem von Westen her überwachen sollte, bereits in 'a?mccis errich- 
tet war (IV 445). Meine Bemerkung (Zur Topographie Palästinas 
355): »eine Verschreibung ist wahrscheinlich« hat sich bestätigt. 
Der Lat. giebt: apud auuillam d. h. ev A|3i>,o'.c^). Damit sind die 
Schwierigkeiten erledigt. Vespasian hat von Jericho aus in bei- 
den Hälften der Jordanebene Lager errichtet, um jeden Zuzug 
aus dem Ostjordanland nach Jerusalem zu verhindern. Abil ist 
die nördlich von Livias gelegene Stadt, Bell. jud. IV 43 8; II, 252; 
Ant. IV 176;V4, das Abel ha-Sittim der alten Zeit. Somit sind wür 
von der lästigen Noth wendigkeit befreit, in der Nähe Jerichos 
ein sonst nirgends genanntes Adida suchen zu müssen. 

1) Bell. jud. IV 438. wo die Griechen Aßt>.a geben, hat der Lat.: adila, 
■welches graphisch dicht neben Aotoa steht. 



222 A. Schlauer, 



'AAoup-oc = Chalchul. 

Kell.jud.IV9,6 (IV 522). Simon BargiorastandbeiThekoa und 
bedrohte die Idumäer, die sich in Alur-os sammelten. Da es 
zwischen Simon und einem Führer der Idumäer zur Verständi- 
gung kam, zogen diese beim Anmarsch Simons ab, so dass er 
Hebron überraschen konnte. Die Situation ist völlig klar. Die 
Idumäer deckten in Chalchul Hebron gegen den in Thekoa ste- 
henden Simon, und es ist zu schreiben: dtTto ttj? AAouXou. Zur 
Transkription des Namens vgl. Hieron. Onom. ed. Lagarde 
p. 119, 8: villa Alula iuxta Chebron'). 

Atxasa oder Afx[x7.ouc? 

BelL jud.VIl6,6 (VII 2 17): die von Titus aus 700 Veteranen 
gebildete Kolonie 30 Stadien von Jerusalem nennen die griechi- 
schen Zeugen A[i.[jiaoucj der Lat. : amassada. Da A beständig aus 
A hervorwuchert, ist für den Archetyp Ajj-aaa wahrscheinlich, 
womitwir dicht neben der talmudischen Angabe über Mosa stehen, 
von wo nach Mischna sukk. 4, 4 die Weiden zum Laubhüttenfest 
geholtwurden und wozu die jerus. Gemara die Glosse giebt: »was 
ist Mosa? K. Tanchuma sagte: sein Name istKolonia«, das heutige 
kolonijie. Der Lat. macht die Gleichung: Mosa Kolonia=Jo- 
sephus Aii,aaa[oa] mit der Veteranenkolonie = X^i^ri Josua 18,26 
wahrscheinlich, weshalb die Stelle des Josephus von der Emmaus- 
frage abzusondern ist. 

Arbela nicht Arbeda. 

Die von Niese im Index wiederholte Konjektur Wellhausen's 
Apßrjoa (wegen Irbid) hat nicht nur gegen sich, dass in der grie- 
chischen Überlieferung (Josephus 5mal;lMakk. 9,3 ;Euseb. Onom, 

1) Zum steten Schwanken von 1 undrin der Schreibung der Eigennamen 
giebt der Text des Josephus viele Beispiele: Ant. II 178 A[j.o'jp&; für b^irn 
aus 'A[AO'j>.o;; Ant. II 180: IV,?,«; für X";: aus I'-^pa?; Ant. I 147 (hpo; für ??n 
mit verschriebenem T statt Tund falsch gehörtem r statt 1 aus OuXo?; Ant. III 
192 Potßaoo; für "12; mit aus N verschriebenem A, analog Aouo'jpi; für C":«^ 
Ant. I 238, wo JosephusAo'JO'jtxt;schrieb;umgekehrt Ant. VI360Bao£Xo;neben 
-i"bn 8, 1G3 Toiaiov TaßcXoc etc. 



Einige Ergebnisse aus Niese's Ausgabe des Josephus. 223 

ed. Lagarde p. 2 14,72) keine Schwankung des Namens vorliegt; sie 
ist vollends deswegen unmöglich, weil die Rabbinen, die den 
Ort recht Avohl kannten, ihn bsix schreiben, vgl. jer. scheb. 6,3. 
36 d: R. Abbahu ging nach Arbel hinauf (binsib), oder jer. taan, 4,7. 
69b. »in der Ebene von Arbel« bDIS ryps S?"ra, oder jer. 
berak. 1,2a: »als Chijja und Schim'on b. Chalephtha hier über die 
Ebene von Arbel giengen, sahen sie die Sonne aufgehen« ITI 
bnii« nypn «"inn "i^Db-r. Die Bezeichnung der Feldflur von Irbid 
als »Ebene« ist ortskundig, da sich vom Hügel von hatün an bis 
zum Abstieg gegen den See ein breites ebenes Ackerfeld hinzieht, 
mit freiem Hlick nach Osten. Für die moderne Form irbidi die sich 
gleichmässig für beide Arbela hergestellt hat, ist vielleicht an 
den Uebergang von Jabn'el in Jamnith mit der Variante Jamnin 
zu erinnern (Bell. jud.II 573; Vita ISS), vgl. auch Almon neben 
Almith, Jeschimon neben Jeschimoth etc. Es mag zwischen Arbel 
und Irbid ein Arbith liegen, Avobei zu beachten ist, dass sämmt- 
liche theophore Ortsnamen umgebildet sind. Jedenfalls darf bei 
der Uebereinstimmung der hebräischen und griechischen Ueber- 
lieferung Apßr^Xa nicht korrigirt werden. 

Arke verdorben aus Ake. 

Ant. Vi, 22 (V85) : das Stammgebiet Assers bildet dieEbene 
vom Karmel bis nach Sidon: 'Äpxyj Ss ttoAi; u:r-^p^£v auroic av -:j^ 
fjiöpioi Yj xai 'ExosiTTouc. Dass Josephus die drei Städte Arke, Ake 
und Aksib durcheinander gemengt habe, ist unglaublich. In der 
That giebt Cod.L das sinnlose -q nicht; also ist auch Apx-/- falsch. 
Josephus schrieb AxTj os ttoXk; u-r^Oy^sv auToT; sv tri [xspioi xat 'Ex- 
osi'-ou;. Der Fehler war dadurch begünstigt, dass gleich nachher 
als Nordgrenze des gesammten Landes das zum Libanon gehö- 
rende'Apx-/] genannt ist(V86); er kehrtauch VIII37 imLat. wieder. 



Apcpa wahrscheinlich Salcha. 

Bell. jud. III 3,5 (III 57): x\grippas Königreich erstrecktsich in 
der Breite vom Libanon und den Jordanquellen bis zum See Ti- 
berias, in der Länge a:ro xcop.-/;? xaÄoup-ivYj? \\pcpa? bis Julias 
(= Bethsaida). Wäre Arpha nicht ein verdächtiger Name, weil 
hier unmöglich ein kleines Dorf genannt sein kann, ein städti- 



224 A. Schlauer, 

sches Arpha aber an der Ostgrenze des Haurans keinen zweiten 
Zeugen mehr hat, so wäre auf die Variante desLat. »sarfas« kaum 
zu achten. ^ könnte leicht Dittographie zum vorangehenden 2 
sein ; ebenso leicht konnte es aber auch nach dem vorangehenden 
ausfallen. Da nun der Lat. thatsächlich das anlautende s giebt und 
1 und r in beständiger Schwankung stehn, wird auch <I) verdäch- 
tig als Korruption von y. Ich halte es für wahrscheinlich, dass 
Josephus -oX'/rj. schrieb. Salcha war seit alters der Grenzort des 
Hauran geijen Osten und ist es heute noch. 

■ Aoa'-iwv = Saphon. 

Ant. XIIlr2,5 (XIII 33S): Von Sepphoris her zog Ptolemäus 
Lathuros gegen Jannai, der ihm im Jordanthal entgegenrückte 
und zwar auf der östlichen Seite desselben, da Ptolemäus vor der 
Schlacht, ohne von Jannai gehindert zu werden, zuerst noch den 
Jordan überschritt. Nun kam es zum Kampf bei Aawcpwv, oder wie 
der Lat. mit der einen Gruppe der griechischen Zeugen schreibt: 
'Aaacpwv. Dies ist in den Text zunehmen, weil es eine phonetisch 
und topographisch zutreffende Transkription ermöglicht: "iiES. 
Der vokalische Anlaut erscheint in derselben Weise auch bei 
A3(ü/ic (= "iTT'tO) ohne Schwankung. Jos. 13,27 verlegt Saphon 
in die östliche Jordanebne nördlich von Sukkoth, wozu jer. scheb. 
9,2. 30 d die Glosse giebt: Saphon ist Amathus, ^^'Ci'J "jlES. Da 
nun Amathus bei Josephus mehrfach vorkommt, ist entweder 
diese Gleichung nicht korrekt. Auch die unmittelbar voran- 
gehende: nbyin r'^JO »Sukkoth ist Tha/ala« ist es nicht. Zwar 
führt der heute noch erhaltene Name Thaf ala unzweifelhaft in 
die Nachbarschaft von Sukkoth; doch ist auch er antik, da er für 
das alte Benjamin durch Jos. 18,27 gesichert ist. Dass der Name 
Sukkoth durch einen andern antiken Namen verdrängt worden 
sei, hat geringe Wahrscheinlichkeit. Aehnlich kann das grosse 
und bekannte .Amathus von den Kabbinen benützt worden 
sein, um die Lage von Saphon im allgemeinen zu bestimmen. 
Oder es liegen bei Josephus beide Namen der Stadt, sowohl der 
ältere als der jüngere vor, wobei zu beachten ist, dass AfiaDou; 
dem Bell. jud. und Ant. gemeinsamen Text angehört, 'Aaacpmv 
dagegen mit der Beschreibung der Kämpfe Jannais mit Lathuros 
in Ant. eine Einlage in den identischen Grundbestandtheil der 
beiden Paralleltexte bildet. 



Einige Ergebnisse aus Niese's Ausgabe des Josephus. 225 

Wie dem sei, da sowohl Saphon als Aactcp u)v unzweifelhaft in 
die östliche Jordanebene gehören, wird eine Unterscheidung bei- 
der Städte nicht zulässig sei. 



lierzetha und Bethzetha. 

Ant. XII 11, 1 (XII 422): den Ort, wo Juda im Kampf mit 
Bakchides fiel, schreibt Niese mit einer einzigen Handschrift 
ZtjOo); alle andern, auch derLat. geben Br^p'C,r^}}(a mit kleinen Varia- 
tionen in der Schreibung von Br^p (Bip, Bap). Dieses gehört in 
den Text. Niese sagt: »nomen suspectum cf. 397; 'EAsaaa vel 
^AXaaa Macc. « Letzteres ist unrichtig. Josephus hat den Namen 
des Schlachtfeldes nicht aus 1. Makk. 9,5, sondern aus 9,4 ge- 
nommen wo Bspeav, Bsr^pCci^, Bsr^püa gelesen wird. Offenbar hat 
er das Z in seinem Text gelesen, und den Namen phonetisch 
richtig Br^pCrjüio transkribirt. 

Daffegen wiebt Niese für den Ort, w^o Bakchides sein Blut- 
gericht über die gesetzestreuen Juden hielt, Br^p^/jütü (Ant. XII 
10,2 = XII 397). Hier hat jedoch die eine Gruppe der Hand- 
schriften Br,o!Irji}o>, somit die richtige Transkription von Br^C$i> 
1. Makk. 7,19. Würde 1. Makk. einwirken, so würde Br,!Isi> ge- 
schrieben. Da phonetisch richtige Schreibungen semitischer 
Namen nicht durch die Variationen der griechischen Textes- 
überlieferung entstehen, ist Br^pCr^iiw an dieser Stelle falsche 
Gleichmachung mit dem bald folgenden Namen, und es steht 
völlig fest, dass Josephus 1. Makk. 7,19 Br^Zzl) als i^rr^T JT^D und 
l.Makk. 9,4 Bsr^pCa^ (Bsr^p^sf)?) als i?n^T nsn gedeutet und 
demgemäss das erste Mal J^r^b~r^^)(i^, das ZAveite Mal Br^p^^TjUai ge- 
schrieben hat. 

Bethffabrin. 



'O 



Bell. jud. IV 8,1 (IV 447): Brj-7.|3piv ist eine Mischform, die 
nicht in den Text, sondern in den Apparat gehört. Nur zwei 
Dinge sind möglich: entweder wird mit der geringern Hand- 
schriftengruppe Br^Tapiv geschrieben; das wäre bitür. Oder T ist 
zu r zu bessern: Br,",'cr.,3piv, wie es der Lat. giebt: Bethgabrin. Da 
die besten griechischen Zeugen mit dem Lat. in ßp zusammen- 
stimmen, hat die Verderbniss von f zu T alle Wahrscheinlich- 



226 A. Schlatter, 

keit. Auf dem Zuge Vespasians von Emmaus nach het nettifwnii 
dem Süden wird als seine grösste Waffenthat die Einnahme zweier 
»mitten in Idumäa« liegender Dörfer ]]ethgabrin und Kaphar 
toba (?) genannt, wo ein fürchterliches Gemetzel stattgefunden 
habe. Eine Einnahme von hitür ist deshalb unwahrscheinlich, 
weil Vespasian damit dicht bei Jerusalem stände, während er 
dasselbe offenkundig noch nicht angreifen wollte. Bethgabrin ist 
dagegen in jeder Hinsicht passend, auch zur »Mitte von Idumäa«, 
auch dazu, dass es hier zum ersten Mal genannt wird, während 
in den früheren Berichten Marisa als der wichtigste Ort dieser 
Gegend erscheint. Dass Marisa und Bethgabrin zu nah bei ein- 
ander liegen, als dass beide städtische Bedeutung habenkonnten, 
springt in die Augen. Das letzte, was Josephus von Marisa er- 
zählt, ist seine Vernichtung durch die Parther, Bell. jud. 1 13,9 
(I 269) = Ant. XIV 13,8 (XIV 364). Von da an scheint Beth- 
gabrin emporgekommen zu sein. Ob das abgekürzte B-/; die Schrei- 
bung des Josephus giebt, oder Br^i) eingesetzt werden sollte, wird 
sich kaum entscheiden lassen. Zur verkürzten Form vgl. B-/;-oi}jLa) 
(IV 438), auch BsCsi)«, BsficasAic. 

Gaathon. 

Niese nahm FaXav&ajvr^ in den Text mit der Vermuthung 
AyctÄatv 0o)va im Anschluss anTucHS quaestiones de Flav. Josephi 
libris bist. 1 5. Allein unsre Städtelisten sind auch für das Ost- 
jordanland so reichhaltig, dass es bedenklich ist, durch Konjek- 
tur Namen zu bilden, von denen sonst niemand etwas weiss. Eine 
Stadt 6cuv7. hat keine Bezeugung. Die Stadt steht Ant. XIV 1,4 
(XIV 18) zwischen Araba (d.h. RabbathMoab) undZoar; Ant. XIII 
1 5,4 (XIII 397) zwischen Choronaira undZoar. Dort hat der Name 
starke Wucherungen: AYttAArzaUcuvr,, lat. galathone; hier über- 
wiegt rEA£{>(yv(TaiXaii}iov(z,TsX£^{üva,r7.daO(üva),]at.:gaethon. Dies 
führt auf Fotafituv/i und damit wenigstens auf einen echten, alten 
Ortsnamen, obgleich ich ihn im Bereich Moabs nicht nachzuweisen 
vermag. Erhalten ist er in der Aufzählung der Orte, welche die 
Grenze des jüdischen Landes im rabbinisch-legalen Sinne de- 
finiren : n)22:y fryjl ]inyj 1)2 TUSi-ijer. scheb. 6,1. 35 d. Ueber die 
dort gemeinte Lage lässt sich kaum etwas sagen, weil die dort 
zusammengehäuften Ortsnamen in ihrer Beziehung zu einander 



Einige Ergebnisse aus Niese'ö Ausgabe des Josephus 227 

sehr dunkel sind. Jetzt existirt der Name noch in Nordgaliläa: 
cMrhet dschatjm wenig nördlich von kal'at dscltiddin. 

Das städtische Gabaa. 

In der Liste der durch Gabinius von den Juden befreiten 
Städtfe steht ein schwankend überlieferter Name: Kell. jud. 18,4 
(I 166) raßaÄa, r7.;xaAot, lat. Gadara = Ant. XIV 5,3 (XIV 88) 
Fal^a, lat: gaba, gabaa. Gabala ist falsch; denn es gab kein städti- 
sches Gabala innerhalb des jüdischen Besitzes; auch Gamala, das 
Gabala lautlich nahe steht, hat sachliche Bedenken gegen sich. 
Gamala ist im 1. Jahrhundert n. Chr. vollständig jüdisch; sollte 
es im Edikt des Gabinius erscheinen, so müsste es im 1. Jahr- 
hundert V. Chr. hellenisirt gewesen sein. Das hat wenig Wahr- 
scheinlichkeit. Gaza Avürde in diesem Zusammenhang nicht be- 
fremden, ist aber schlecht bezeugt, weil in Bell. jud. I 166 nicht 
eine der variirenden Formen auf Gaza geht. Der Lat. hat Ant. 
XIV 88 das richtige : Faßaa, womit Faßr/Xa der besten griechischen 
Zeugen Bell. jud. I 166 aufs engste verwandt ist. Es handelt sich 
um das städtische Geba der Jesreelebene, dessen Münzen die Aera 
der Stadt von 60 v. Chr. datiren, somit ebenfalls bezeugen, dass 
es nach der Zeit Jannais als griechische Stadt neu erstand. Trotz- 
dem Josephus die Stadt hier zum ersten Mal erwähnt ^), ist uns 
doch die Nachricht über ihre Eroberung und Judaisirung durch 
Jannai, die das Korrelat zu ihrer Restitution durch Gabinius 
bildet, erhalten. Denn irgendwie ist zum Syncellus eine Liste 
der Eroberungen Jannais herabgelangt, die mit den Worten 
schliesst Öaßojp opo;, [V-jBaav (p. 559, 1). Auch hier darf Faßaa 
nicht mit unnöthigen Hesserungen wegemendirt werden. Die 
älteste Erwähnung der Stadt ist meines Wissens die in Judith 3, 11: 
»zwischen Geba undSkythonjJolis« zur Beschreibung der ganzen 
Jesreelebene. 

Die beiden Herodeion. 

Bell. jud. 121, 10 (1419) wird von zwei Herodeion gesprochen, 
von einer Festung auf dem gegen Arabien gelegenen Gebirge — 

1) Nachher giebt er die Nachricht über die Ansiedlung von Veteranen 
in derselben durch Herodes (Ant. XV^ 294). 



228 A. Schlatter, 

cspoupiov £7ciT£iyiaa? T(o irpo; 'Apaßiav opsi — und von derjenigen, 
die auf dem künstlich erhöhten, einer Brust vergleichbaren Hügel 
stand, 60 Stadien von Jerusalem entfernt. Sowohl die Tradition, 
Avie der heutige Befund machen es zweifellos , dass das letztere 
der sog. Frankenherg ist, w^ährend die erstere Festung bei Jose- 
phus nirgends mehr unter diesem Namen vorkommt, während 
doch sonst die Bauten des Herodes deutliche Spuren zurückge- 
lassen haben. Niese wollte das Arabien benachbarte Herodeion 
im Fortgang der Erzählung wiederfinden als Hauptort einer 
Toparchie Judäas, zwischen Engedi und Jericho, Bell. jud. in3,5 
(HI 55). Da aber die Hauptorte dort offenkundig in guter Ord- 
nung aufgezählt sind, kann nur an den am Fuss des Franken- 
bergs entstandenen Ort gedacht werden, der ja der Forderung, 
Mittelpunkt der Gegend zwischen Engedi und Jericho zu sein, 
aufs beste entspricht. Was den Bergen Arabiens benachbart ist, 
liegt überhaupt nicht diesseits des Jordans, kann also nicht unter 
den Toparchien Judäas gesucht werden. Ebenso deutlich weist 
IV 9,5 (IV 518) auf den Frankenberg, weil diese Stelle das Hero- 
deion in die Nähe von Thekoa verlegt. Damit ist aber auch fest- 
gestellt, von welchem Herodeion berichtet wird, dass es noch 
über die Zerstörung des Tempels hinaiis in den Händen der Ze- 
loten blieb, eben von demjenigen, das schon IV 518 als Besitz der 
Zeloten in scharfer Absonderung sowohl von den Idumäern, als 
von Simon Bargiora erscheint. Wenn endlich unter den Festungen, 
die Herodes seinem Gönner Agrippa zeigt, neben dem Alexan- 
dreion und dem Hyrkaneion auch das Herodeion genannt ist, 
Ant. XAI2,1 (XVI 13), so ist auch hier nicht einzusehen, warum 
sich dies nicht auf dasSchloss auf dem Frankenberg beziehen soll. 
Die von Herodes grossartig ausgebaute Grenzfeste gegen 
Arabien war Machärus Bell. jud. VII 6, 2 (VII 171—177;. Ent- 
weder fehlt sie in der Aufzählung seiner Bauten ganz, oder sie 
ist mit dem peräischen Herodeion gemeint. Die Ortsangabe 
MoL/aipou; TTpc/c -ot; Apaßioic opsaiv (Bell. jud. I, lül = Ant. 
XIV" 83) erläutert jedenfalls to 7:po; 'Apaßi'av opoc, auf welchem 
das Herodeion steht. Nicht alle Namen, die Herodes anordnete, 
haben weitergelebt, vgl. Agrip])ias-Anthedon, und bei den beiden 
Herodeion hat es vollends nichts befremdliches, wenn sich der 
ältere semitische Name für das eine wieder durchsetzte, während 
der neue Name nur an der jndäischen Burg haften blieb, welche 



Einige Ergebnisse aus Niese's Ausgabe des Josephus. 229 

die Umgebung Jerusalems beherrschte, und die das Grab des 
Herodes enthielt. 

, 6 p Tj a 7. = p q 3 a. 

Die Ueberlieferung, wie sie uns Niese vorgelegt hat, stellt 
fest, dass nicht P-/)aa gelesen Averden darf, sondern noch ein Buch- 
stabe vor r zum Namen gehört. Denn öpr^cja steht nicht nur 
Ant. XTV 13, 9 !XIV 361' in allen griechischen Zeugen, nur im 
Lat. nicht, sondern steht auch Bell. jud. I 13, 8 (1266 und 
Bell. jud. I 15, 4 (1294) in der einen Gruppe der Handschriften. 
6prj3a freilich ist unzweifelhaft ein Fehler, öp ist in einem palä- 
stinensischen Namen nicht möglich; es stände zwischen beiden 
Lauten ein Vocal. 

6 steht graphisch am nächsten und damit erhalten wir 
einen Namen, der in der Gegend, in der nach Josephus die Burg 
(-)ryrprx stehen soll, seit der Zeit Davids bis heute sich erhalten 
hat. Die Burg in der Nachbarschaft von Siph, welche David 
besetzte, hiess Chorscha mJ3"^n i. Sam. 23, 15 ff); dafür hat die 
Transkription Orjrpo. nichts befremdliches. Südlich von Siph, am 
Wege nach Karmel und damit auch am Wege nach Masada liegt 
chirbet clwreisli. Herodes eilte nach Masada, sein Bruder Joseph 
kam ihm von dort entgegen ; sie trafen sich in choreisZi^ noch auf 
dem Hochland, aber nahe der Stelle, wo der Weg nach Masada 
sich vom Hochland südöstlich in die Wüste herunterzieht. 

Auch ist zu beachten, dass Ptolemaeus von einem Ort in 
Judäa Ka-apopaa Nachricht hat. 'Opoa schliesst sich ohne 
Schwierigkeit an 'üpr^aa und mrih an. Auch erläutert die An- 
gabe des Josephus, dass sich dort ein cppoupiov befunden habe, 
warum Ptolemäus über diesen Ort unterrichtet ist und ihn der 
Erwähnung werth achtet. 

Angesichts dieser Sachlage wird es am rathsamsten sein, 
weder Pr^aa noch Bpyjaa, sondern 'Oprjoa in den Text zu stellen, 
selbstverständlich mit der deutlichen Angabe, dass die Ueber- 
lieferung t), nicht aufweist. 

Das Thal KapTspa. 

Ant. X 8, 2 (X 136): Als die Babylonier den Tempel er- 
stürmten floh Zedekia aus der Stadt oia rr,; Kaptspa? cpapa-fj'o? 
und durch die Wüste. In xaptEpa muss ein leider verdorbener 



230 A. Schlatter, 

Eigennamen stecken. Der Bibeltext nennt 2. Kön. 25, 4 »Das 
Thor zwischen den beiden Mauern, das zum Garten des Königs 
führt«; Josephus hat dasselbe deutlich zu einem Thal in Be- 
ziehung gesetzt. Da es sich vermuthlich um das Thal am West- 
fusse des Tempelberges handelt, das an den Siloateichen vorbei 
zum Hiobsbrunnen hinunterführt, wäre es von Interesse, wenn 
wir wüssten, wie es Josephus genannt hat. Vorerst lässt sich nur 
feststellen, dass hier ein Name verloren ging. 

Aißßa = Libb. 

Ant. XIII 15, 4 (XIII 397) lautet die Liste der Städte 
Moabs: Esebon, Medaba, Asjx^'ja, Oronaim, Gaathon, Zoar; Ant. 
XIV 1, 4 (XIV IS) werden genannt Medaba, Libba, Nabaloth, 
Arabatha, Gaathone, Zoar, Oronaim. Dass die Variante Aißi7.? 
falsch ist, zeigt der Stand der Ueberlieferung deutlich, wie auch 
sachlich das Auftreten von Livias in dieser Umgebung höchst 
befremdlich wäre. Lemba und Libba unterscheiden sich nur in 
der Schreibung des doppelten b, und die Lage der Stadt ist durch 
den heute noch erhaltenen Namen gesichert: die Ruinen von 
libh liegen etwas südöstlich von den Ruinen von kurejät, so dass 
die Liste: Esebon, Medaba, Libba = hesbän^ niiulebä, libb eine 
wohlerwogene, ortskundige Reihe bildet. 

Das samaritanische Marisa. 

Ant. XIII lü, 2 (XIII 2 75): den Anlass zum Vernichtuugs- 
kampf, den Hyrkan I gegen die Stadt Samaria führte, bildeten 
Gewaltthaten derselben gegen Mapiar^vou; a7roi7.ou; ovxac louoatojv 
y.oX a'j[x[xa/o'jc. An das früher judäische. damals idumäische 
Marisa kann hier bei der grossen Entfernung beider Städte von 
einander nicht gedacht werden. Der Ort muss im Bereich von 
Samaria liegen, so dass dasselbe spezielle Veranlassung hatte, 
ihn zu befehden. Auch hier trifft das sachliche l^edenken mit 
dem Stand der Ueberlieferung zusammen; denn die besten Zeu- 
gen geben Mapior^viouc, was sich nicht auf Mapiaa zurückleiten 
lässt. Ich vermag den Namen nicht weiter zu erläutern, und 
mache nur auf das in ihm versteckte Problem aufmerksam. 
Uebrigens ist die jüdische Kolonie in der Samareitis eine lehrreiche 
Analogrie zu den iüdischen Städten in der Nachbarschaft von 
Dothan, die uns durch das Buch Judith bekannt werden. 



Einige Ergebnisse aus Niese's Ausgabe des Josephus. 231 

Nabaloth. 

Aiit. XIV 1,4 (XIV IS): der jüdische Besitz unter Jannaiim 
Ostjordanland umfasste Medaba, Libba, Nabaloth, Arabatha (nach 
den geringeren Zeugen Medaba, Nabaloth, Libba). Der Name ist 
ohne wesentliche Enstellung erhalten; Na{3aX>.to neben NaßaXoji) 
ist eine kleine Schwankung. Dagegen schwankt er 1 Makk. 9,37 
stark: Naoa|3ai}, raßciilav, Naßaü, NaJ'iar. Josephus schreibt in der 
Paraphrase von 1 Makk. 9,37 Nai^af}«, Ant. XIII 1,4 ^XIII 18), 
las also mit Cod. 19.71 Naßai}. An eine Trennung beider Orte 
ist nicht zu denken. Das Nabath oder Nadabath 1. Makk. 9,37 
ist ebenfalls moabitisch, und gehört im weitern Sinn zum Bereich 
von Medaba. Von dort kam der Brautzug nach Medaba, den Jo- 
nathan, als er Blutrache an der Stadt üben wollte, überfiel. Da 
in Ant. XIV 18 der Name nicht schwankt, 1 Makk. 9,37 theil- 
weise das B ebenfalls vor dem A (= A) hat und die Verbreitung 
der verkürzten Form (Naßai)) auch die halbe Korrektur NaSaßa^ 
reichlich erklärt, muss die Stelle des Josephus für die Schreibung 
von 1 Makk. 9,37 massgebend sein. 

Netiph verstellt zu Pelle. 

Bell.jud. III3,5 (III 55): Diejudäischen Bezirke sind Gophna, 
Akraba, Thamna, Lydda, Ammaus, IlsXXr, , Idumaea, Engedi, 
Herodeion , Jericho. Nicht eine einzige Variante zu dem ver- 
schriebenen FIcXXt, liegt vor und doch ist dieser Name nichts als 
eine grobe Verschreibung, wie die Parallele Bell. jud. IV 8,1 (IV 
445) zeigt: Bsi^Xötl-t^v^ojv (Genit.) Zwischen dem Bezirk von Em- 
maus und demjenigen von Pjethgabrin (Idumäa) war Bethnetiph 
Hauptort. B£i>X£---/ivcpa ist eine der vielen, durch Korrektur 

entstandenen hybriden Formen: BsijXsTrr/^o'.. Weil der Name 
neben Fl noch das richtige T und auch noch N, wenn auch ver- 
stellt, neben A enthält, wird wahrscheinlich, dass Josephus Bsi)- 
v£Tr/,pa schrieb. Das II von UsA^^a stammt ebenfalls aus T, dasAA 
aus N. Zur Verschreibung kam noch die Umstellung und der 
Schlusskonsonant mit der Endung fiel ab. Unsicher wird bleiben, 
ob BtjÖ durch Textverderbniss ausgefallen ist, oder ob Josephus 
Netipha (= Netopha) auch ohne Beth als Ortsname verwendet hat^). 

1) Die Beiziehung von Plinius V 70 Bethletthephene zur Erklärung des 
Lat. (Topographie Palästinas p. 354) hatte den Stand der Ueberlieferung bei 



232 A. Schlatter, Einige Ergebnisse aus Niese's Ausgabe des Josephus. 

Vs-^a verdorben aus A'isxa. 

Dass sich Ant. VI 14, 1 (VI 325) in der Paraphrase von 
1. Sam. 28, 1 die Philister in Psya (Psy-ct, rella) sammeln, hat 
Mez (Bibel des Josephus, Basel 1895, p. 32) zu einer langen 
Schlussreihe veranlasst. 1. Sam. 2S, 1 hat keinen Ortsnamen, 
weder im hebräischen, noch in den griechischen Texten; die 
Peschitto dagegen hat Sibnib; dem entspreche zic, cpapa-j'-j-a; dieses 
habe Josephus 'in seinem griechischen Samuelbuch gelesen, und 
als Eigennamen verstanden; der Rest von (^apa-ya sei Ps-'-a und 
Ps-j'«. Entstanden sei si; z.ärja-;';^ aus i^2lb durch Vermittlung 
eines Targums itb'^n). 

Allein der Ortsname steht zwar nicht 1. Sam. 28, 1, wohl 
aber in dem damit wörtlich identischen Vers 1. Sam. 29, 1: npsi? 
zlc. 'Acpe-/. Josephus war sich der Identität beider Verse bewusst; 
denn er sagt bei der Paraphrase von 29, 1 : tue -pocTzov, und giebt 
dort den Ortsnamen nicht mehr (VI 351). Die starke Ver- 
stümmelung desselben geht nicht über das hinaus, was die Eigen- 
namen des Josephus sonst erlitten haben. Der Einfluss des Tar- 
gums ist auf die Peschitto zu beschränken. 

Samaga oder Samaia? 

Ant. XIII 9, 1 (XIII 255): Hyrkan I erobert nach Medaba 
ZaiüLoya (layioi-^rx '^rx^r^'^rj) = Bell. jud. I 2, 6 (I 63): Sap-aya, nach 
der andern Gruppe der Zeugen l'aaaia. Während Samaga meines 
Wissens nicht gedeutet werden kann, ist Samaia ein durch- 
sichtiger Name, mmij'e liegt am Südufer des tcädi hesbän, west- 
lich von lieshän und el-äl. Obwohl das Zusammentreffen beider 
Parallelen in F auffallend ist, wird doch Zotaaia in den Text gesetzt 
werden dürfen, da die Verderbniss von I in V nahe lag, zumal 
nachdem o aus der ersten?) in die zweite Silbe eingedrungen war. 

Josephus nicht vollständig vor Augen. Nicht Bc&Xe-xYjcp , sondern ߣi}/.£--T,vcp 
ist die best bezeugte Lesung des Josephus. Und da das v wenn auch an der 
falschen Stelle sich zeigt, gehört der Wechsel von 1 und n wahrscheinlich 
lediglich in die Textgeschichte des Josephus. 



Drnclc von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



Zcitschr. d. Deutschen Palästina -Vereins. 
Bd. XIX. 



Tafel V. 








**%»<' 




CD 
CO 






CD ^ ■;• 



CO 



CD 



^ & > 

~ i X 

^ -5. CS 



CO 



Cd 



Q 






T^i 



Graphisches Institut Julius Kliiilshardt,leip7.ig. 



Zeitschrift 



des 



Deutschen Palaestina-Vereins. 



Heran sgegebe n 



von dem geschäftsführenden Ausschuss 

unter der verautwortlichen Redaction 



von 



Lic. Dr. Immanuel Benziiiger 

Pfarrer. 



Band XX. 

Mit einer Karte und 77 Abbildungen im Text. 



Leipzig 1897 

in Commissi 11 bei K. Bißdekev 



Inhalt 

des ZAvaiizigsteii Bautles der Zeitschrift des Deutschen 

Palästina -Vereins. 



Seite 
Beiträge zur chemischen Kenntnis der Mineralien, Gesteine und 

Gewässer Palästinas. Von JR. Sachsse 1 

Die Grabeskirche d. Modestus nach Arkulfs Bericht. Von C. Moimnert 34 
tJber das Itinerarium des Johannes von Schauwenburgh. Von 

JR. Röhricht • 54 

Die Mosaikkarte in Mädebä 64 

Das südliche Basan. Zum ersten Male aufgenommen luul be- 
schrieben von C Scltumacher 05 

Bücheranzeigen: W. A. Neumann ., Quni Dscheradi. Studien zu 

Matth. VIII,28 etc 58 

G. A. Smith, The historical Geography of the Holy Land .... 59 
i^arrar, Das Leben Jesu. Autorisirte Übersetzung von Joä. l['ukher Gl 
Geikie, Bildergrüsse aus dem heiligen Land. Autorisirte Über- 
setzung von Joh. Walther 63 

Sepj}, Neue hochwichtige Entdeckungen etc 227 

Geyer, Adamnanus, Abt von Jona 228 



Zu Seite 



Tafel 1: Karte des Ostjordanlandes. Blatt IL Nördlicher ' Adsrli- 

lün und westlicher Haurän. Gez. von G. Schumacher .... 65 ff. 



Abbildungen im Text: 

" , Seite 

1. Plan der Sophienkirche 42 

2. Plan der Grabeskirche nacli Arkulf 42 

3. Grundriss der heutigen Grabeskirche 43 

4. Das Innere der heutigen Grabrotunde 49 

5. Abbildung der Anastasis auf einer römisciien Kupfermünze . 53 
<i. Die ÄawuZ-Pflanze 88 



IV 

• • Seite 

7. Die Äfit/j-Pflanze . 89 

8. Keule Ulahhüs 100 

9. Schleuder [mul-lä) 101 

10 — 15. Stammeszeichen der IJediiinen 104 

16. der' ü vom Serail im N. aus gesehen 119 

17 und 18. Steinmetzzeichen aus der ä 121 

19 und 20. Grabinschriften vom Friedhof el-' abhüsye in derä. . 123 

21 — 23. Opferstein bei der '«w el-mesari 124 

24. dschisr el-mesari mit Blick in das ivüdi ez-zedi 126 

25. Plan des dschisr el-mesari 126 

26. Kanal der kanät ßr unn bei dschisr el-)iicsart 127 

27. Inschrift vom tveli abtil-'äs 129 

28 — -30. Kreuze. Thürsturz imd Steinverzieruug aus timm el-tnejädiji 133 

31. Kirchenruine in dschize 134 

32 — 34. Thürsturz und Grabsteine aus dschize 135 

35 und 36. Basaltthüre mid Inschrift aus dschize 136 

37. Wand des Klosters iu dschize 137 

38. Mausoleum in ' otamün ... 139 

39. Schriftzeichen am Mausoleum in' otamän 140 

40 und 41. Moschee und Inschrift von el-umtä'vje 142 

42. Verzierung über der Kirclithürc in el-umtuije 142 

43 inid 44. Inschriften aus snmn 143 

45. Ansicht von hnsrä .... 145 

46. Citadelle von bosrä. 146 

47 und 48. Grabinschriften aus bosrä 147 

49. Arabische Inschrift aus bosrä 148 

50 und 51. Griechische Inschriften aus bosrä 148. 149 

52. Lateinisclic Inschrift aus bosrä 149 

53. Kirche in es-sumtnUhijät 151 

54 — 56. Kreuz, Inschrift und Grabstein aus el-hu' ek 153 

57. Pfeilerkapitiil aus cl-bä' ek 154 

58. Ansicht von' umm ed-dschimäl 156 

59. Nördliche Kirclic iu iimm ed-dschhnäl 157 

60. Plan der nördlichen Kirche in umm ed-dschimäl 158 

61. Ornament aus iimm ed-dschimäl 158 

62 u. 63. Steinthüre eines Mausoleums U.Inschrift in Mmm efW«c7mHä/ 159 

64. Kloster imd Thurm in umm ed-dschimäl 160 

65 — 71. Inscliriften vom Klostertliurm in umm ed-dschimäl . . . 161 f. 

72. Säulenkopf in umm ed-dschimäl 162 

73. Steinfenster in el-ynit arribe 166 

74. Ansicht des Dorfes kö^n el-miizerih. . , 169 

75 und 76. Dolmen bei betjäfä 175 

77. Basaltsturz eines Thores in chardscha 177 




1. Mittheilungen. 



Unsere Arkiten im OstjorlaiilaMe. 

Briefe Dr. Schumacher's in Haifa, 

(Fortsetzung.) 

Zeltlager bei dsarä, 25/26. October 1896. 

Meinen dritten Bericht, datirt samad den 18. October bestäti- 
gend, erlaube ich mir Ihnen heute die Aveiteren Resultate der 
Vermessung mitzuth eilen. 

Von samacl^ wo ich verschiedene römische Alterthümer vor- 
fand, begaben wir uns nach kitim, sabha und der Rinne /'ö/a, 
sodann nach dem grossen Ort edim bei el-Jmm. Hier in edün 
fand ich einen Altar, el-ioakfa^ mit Opferschalen und Ruinen 
und Ueberreste eines Malsteines mit Steinkreis, den ich photo- 
graphirte. Oestlich von edün liegt die Ruine rahsa\ dort fand ich 
schöne architektonische Ueberreste, einen Sarkophag, einen Altar 
und eine griechische Inschrift. El-husn selbst besuchte ich nicht 
nochmals. Von Jdtim wandte ich mich südöstlich und auf den 
teil jarxn\ die chirbet jarin birgt viele Höhlen. Ruinen der Um- 
gebung von j arm sind: e?i-nuehr{, daJiatyia (in der Ebene), el- 
abtam^ el-karah^ el-ekra u. s. w. Das Christendorf achafana liegt 
südwestlich vom telljartn. Nun ging ich in südlicher Richtung 
weiter auf den hohen, bewaldeten ras harakla, den ras imnlf 

MnN. des D. Pal. -Ver. 1897. 1 



und andere Bergspitzen, von wo ich schöne Ansichten des Hoch- 
waldes und der kiira liefern zu können hoffe. Jeder Berg war 
eine Kultstätte. Der Urwald ist mitunter undurchdringlich, 
Moos fand sich in Massen, eine Pflanze, die man im Westjordan- 
land nicht kennt. Ich photographirte eine Eiche auf dem harakla, 
die 12,05 m hoch war und deren Stamm in der Höhe von 1 m 
über dem Boden 5,50 m im Umfang maass. 

Sodann kam ich nach der el-burak^ einem kleinen Christen- 
dorf von vier Hütten mitten im Walde. Ruinen der Umgebung 
sind: \isem^ sämta, rudschm der el~azxz^ umghärat muftah (eine 
Räuberhöhle) und \ifanä. Diese letzte Ruine ist sehr bedeutend : 
sie besteht aus Resten von Bauten aus muslimischer Zeit und 
aus Troglodytenwohnungen und Felsgräbern aus früherer Zeit. 
Ein Felsgrab trägt eine griechische Inschrift, die jedoch nur zum 
Theil erhalten ist. Die Höhlenwohnungen sind sorgfältig aus 
dem Fels gehauen und überaus zahlreich. Von '^afanä gings 
weiter (westlich) nach den Dörfern räslm., "ardsclian und haun. 
Ruinen der Umgegend sind: mahnä^ ttarri^ ed-dschadschtje^ 
el-mikwas ^ sattüt^ sehen er-raminadlje ^ umm es-sökarän^ umm 
el-manabld ^ zaklf^ habhär und karrüma\ ferner rudschm mikhil^ 
chüsehän und naklet summaka. Mahnci wurde genau untersucht, 
da es von Selah Merrill mit Mahanaim identificirt worden ist; 
es ist jedoch eine ganz unscheinbare, kleine Ruine mitten im 
locidi mahnü auf einem kleinen Hügel gelegen. Diese Ortslage 
scheint mir nicht der ehemaligen Residenzstadt Isboseth's zu 
entsprechen ! Daneben ist das Grab eines muslimischen Heiligen 
schech muhammed el-maJinäwi\ wahrscheinlich Avurde die Ruine 
nach ihm benannt, wie dies öfters der Fall ist, z.B. dschehel 
ed-dahi nach 7iebi ed-dahi, teil el- akkäschi nach schech akkäschi^ 
cJiirhet el-askaläni nach schech el-askalcmi. Viel bedeutender 
dagegen ist die nur 400 m nordöstlicher gelegene Ruine tlarra. 
Dieser Name kommt übrigens zweimal vor; eine chirbet tlarra 
liest nördlich von kühn und zebda. Ich halte die von mir ent- 
deckte grosse Ruine rnaJirama^ hart am oberen icädi jäbis, für 
Mahanaim. Die Bauten bestehen aus vielen Gewölben aus mus- 
limischer Zeit und aus bedeutenden Ueberresten früherer Perio- 
den. Merrill' s mahna habe ich photographirt. 

Am Nordabhang des wädijäbis fand ich Anachoretenhöhlen 
in unersteigbarer Höhe; sie heissen ^arZik er-rahbän ^ »Mönchs- 




Abb. 1. Grosse Eiche auf dem Harakla. Nach einer Photographic von 

Dr. G. Schumacher. 



1* 



klippen«. Von ha im ging ich nach lisclib und mcü' eljcis, das 
mit dem Geburtsort des Elia, mit Thisbe, identificirt worden ist. 
Die Bezeichnung mär eljäs für den hohen Bergkegel bei lisdih 
ist keine Erfindung der benachbarten Christen, wie ich ver- 
muthete, sondern eine im ganzen Lande bekannte Bezeichnung 
dieser Ortslage; die Identificirung von listib (nicht istih) mit 
Thisbe mag daher richtig sein. Die Ortslage ist nicht unbedeu- 
tend. Auf m(7r eljäs war ein Tempel. Trotz aller Nachforschungen 
fand sich ein an Jabes erinnernder Name einer Ortslage nirgends 
in dieser Gegend des dschehel ^adschlün. Der wädi Jähes führt 
diesen Namen nur in seinem unteren Theile bis an die westlichen 
Mühlen. 

Heute zelten wir in ösarä, einem kleinen Nest unweit des 
ivädi jähes , 3 km südlich davon. Am Dienstag und Mittwoch 
muss ich die Aufnahmen vorläufig abschliessen. Am Donnerstag 
den 29. October hoffe ich wieder in Haifa einzutreffen. Ich denke, 
Sie werden mit den erreichten Resultaten zufrieden sein , wenn 
auch der Eahmen des vermessenen Gebietes kleiner ausfällt, als 
vorauszusehen war. Die Mittel gehen zu Ende, und auch unsere 
Kräfte sind verbraucht. Seit dem 17, October weht beständig 
ein dürrer, erschlaffender Ostwind, der uns vollständig austrocknet 
und Schrunden an Gesicht und Händen hervorruft; auch unsere 
Pferde sind durch die täglichen Bergtouren erschöpft. Sonst hätte 
ich auf mein Risiko noch eine Woche weitervermessen. 

Seit gestern Aveilt der Mudir des 'Adschlün mit dem Buluk 
Amini, dem Regimentskassierer von irhid, in unserem Lager und 
hält mich auf Er wurde vom Gouverneur zu mir gesandt, um 
»meine Befehle entgegenzunehmen«, was auf gut deutsch heisst: 
um mich zu überwachen. Die genaue Aufnahme des Landes 
hat die Bevölkerung erbittert, so dass mehrfach Klagen in irbid 
darüber eingelaufen sind, dass Europäer das Erbtheil ihrer Väter 
[mulk edschdUdlmm) aufsuchten und an sich zu reissen trachteten, 
unsere Führer wurden verhört und Auskunft über unser bis- 
heriges Thun und Lassen verlangt. Noch nie weilten Europäer 
einen vollen Monat im unwirthlichen -»dschebeh^ daher trotz der 
Resierungserlaubniss die Kontrolle von Seiten des Gouverneurs. 
Der Mudir ist ausgesucht höflich und verhilft mir zu Führern 
und gibt als Eingeborener von süf bei dscherZisch selbst viel an- 
erkennenswerthe Auskunft, aber er schiebt uns höflich über die 



o 

Grenze, und angesichts der fortdauernden Wirren im Haurän- 
Gebirge gehen wir auch aus eignem Entschluss. Schade um den 
letzten Tropfen guten Rothweines, den er uns wegtrinkt! 

Ob ich die Vermessung auf Grund der erhaltenen Regie- 
rungsbriefe wieder aufnehmeui kann, ist eine Frage, die ich mit 
Herrn Generalkonsul Dr. Schroeder besprechen möchte. Vor 
Mai kann man nicht mit Messtisch und Theodolit in den'^Adsch- 
Jün; es ist jetzt schon zu windig. Aber ich hege den lebhaften 
Wunsch, die Aufnahme dieser lohnenden, an alten Ortslagen und 
biblischen Erinnerungen so reichen Gegend zu Ende zu führen. 

Zwischen sF/J" und dscheräscli liegt eine alte, bedeutende 
Ruine auf einem Berge, die mir der Mudir misibtä nannte. Sollte 
dies nicht das gileaditische Mizpe sein ? Selah Merrill schlägt 
kZiVat er-rabad vor. G. Schumacher. 



Clirlstllclie Manlage Im Norden von Jerusalem. 

Von Baurath Dr. C. Schick. 

Schon mehrfach ist in diesen Blättern — s. M u N 1895, 
S. 31 und 1896, S. 29 -.- von dem englischen Grundstück neben 
den sogenanten Königsgräbern im N. Jerusalems und den dort 
im Bau begriffenen Häusern die Rede gewesen (vgl. Schick- 
Benzinger's Karte der Näheren Umgebung von Jerusalem B3). 
Als man jüngst für die nördliche Fortsetzung der Bauten den 
Boden aushob, stiess man auf eine eigenthümliche Grabanlage, 
die ohne Zweifel als christlich zu gelten hat. Sie befindet sich 
gerade im W. der Königsgräber; vor zwanzig Jahren etwa, als 
man nach Pyramiden über ihnen suchte, fand man an dieser 
Seite bereits ein ähnliches, nur nicht so tiefes Grab; die jetzt 
entdeckte Anlage liegt jedoch 25 m weiter nach W. Sie ist in 
einer Breite von etwa 1 m und in einer Länge von mehr als 2 m 
senkrecht bis zu einer Tiefe von 4,05 m in den Felsen hinunter- 
gehauen. An den Wänden hat man in gewissen Abständen drei- 
mal nacheinander schmale Ränder stehen lassen, auf die Stein- 
platten gelegt wurden , um den darunter befindlichen Raum, 
sobald er mit Leichen gefüllt war, abzuschliessen. Oben hat man 
jedoch die ursprüngliche Felsdecke stehen lassen; daher liegt 
der Zugang auf der Seite und führt erst von innen senkrecht 
hinunter. Die oberste Abtheilung sieht kapellenartig aus ; sie war 



mit Freskomalereien verziert, die aber im Laufe der Zeit sehr 
gelitten haben. Man erkennt noch jetzt an der schmalen West- 
wand — die Anlage ist von W. nach O. orientirt — drei unge- 
flügelte Figuren, deren Attribute nicht mehr recht deutlich waren 
und neuerdings, nach dem Zutritt der Luft, noch stärker ver- 
blichen sind. Sie sehen aus wie Frauengestalten, vermuthlich 
solche von symbolischer Bedeutung, etwa Glaube, Liebe, Hoff- 
nung. Leber dem Eingang war eine kurze Lischrift, von der 
sich leider nur noch zwei bis drei Buchstaben erkennen lassen; 
sie sind zweifellos griechisch. Die Gebeine lagen noch an ihrem 
Platz, aber sehr vermodert und zerfallen. 

Aus diesen Merkmalen ergibt sich, dass die Anlage nicht 
ursprünglich jüdisch war und darauf, wie so häufig in der Um- 
gebung von Jerusalem, von Christen in Gebrauch genommen 
wurde; sie stammt offenbar aus der byzantinischen Zeit und ist 
älter als die muslimische Periode. Man machte eben später die 
Grabanlagen nicht mehr so tief, sondern entweder mit einem, 
höchstens zwei Absätzen oder einfache Gräber, die man in den 
Felsen hieb imd mit Steinplatten zudeckte, wie sie sich in grosser 
Anzahl in der Gegend von Jerusalem finden. 

Jerusalem, 28. August 1896. 



Bemerkungen nnd Nacliträge. 

1) Zu MuN 1896, S. 85. 

Ueber den S. 85 angeführten räthselhaften Schwur schickten 
uns in verdankenswerther Weise Dr. Simo>'sen in Kopenhagen, 
Dr. F. A. Klein in Cannstadt und Missionar G. Gatt in Gaza 
Bemerkungen ein, die darauf hinaus laufen, dass jedenfalls der 
bindende Schwur bei der dreifachen Scheidung gemeint sei. Die 
dreifache Scheidung (vgl. Laxe, Manners and Customs 1, 124) 
besteht bekanntlich darin, dass wenn ein Mann die Scheidungs- 
formel dreimal hintereinander ausgesprochen hat, er die Geschie- 
dene erst wieder zu sich nehmen darf, nachdem sie inzwischen 
eine Ehe mit einem Anderen eingegangen ist. Dies ist mir 
wohlbekannt; nur konnte ich aus dem Wortlaut der von Herrn 
Hentschel mitgetheilten Formel die dreifache Scheidung schwer 
herauslesen. Dr. Klein und Gatt schlagen vor zu lesen: wallühi, 
alai ettalük bittalütc. Ich nehme zwar noch Anstoss an dem 



Gebrauche der Präposition hi, glaube aber so gründlichen Ken- 
nern des Arabischen wie Klein und Gatt, dass es damit seine 
Richtigkeit hat und sie den Sinn richtig getroffen haben. Aus 
der klassischen Sprache ist mir nur die Formel enti tcdik taläta?i, 
»du bist dreimal geschieden«, bekannt. A. Socin. 

2) Zu ZDPV. XIX (1896), S. 72 und 116. 
In dem Sprichwort Nr. 27 lies /ära (»jL^) statt tära (»;Lj"). 
Adzamskä zeme in der Reisebeschreibung des Kabätnik be- 
deutet das Land der Nicht-Araber (Türken) ; also adz = ^ adscham 

Jena, 16. Januar 1897. K. Völlers. 



Kurze Mlttlißllüngen. 

Bl. Der Igumenos (Abt) des griechischen Johannesklosters 
am Jordan [kasr el-jehüdl) beabsichtigt, in nächster Zeit zwei 
kleine Motorboote auf den Jordan zu bringen, die bei ruhigem 
Wetter bis an das Todte Meer fahren sollen. Ob die Boote aus 
Holz oder aus Metall bestehen sollen, ist mir nicht bekannt. 
Vermuthlich sollen auf ihnen die Pilger vom griechischen Bade- 
platz im Jordan zum Hadeplatz im Todten Meer gebracht werden. 
Wenn eine solche Fahrt von der griechischen Geistlichkeit in 
das Programm der Wallfahrt aufgenommen würde, könnte sich 
das Unternehmen wohl rentiren. 

* Eine englische Gesellschaft in Kairo und Konstantinopel 
bewirbt sich dem Vernehmen nach um die Concession zu einer 
Bahn von Port Sa'id durch die Sinaihalbinsel und die arabische 
Halbinsel nach el-kuweit am persischen Meerbusen. Man Avill 
dadurch die Fahrt Alexandrien-Bombay bedeutend abkürzen. 
Die Bahn soll am Fusse des Sinai (!j vorbeiführen, el-akaha an 
dem östlichen Meerbusen des rothen Meeres berühren und Ara- 
bien in seiner ganzen Breite — etwa 1300 km — bis zum persi- 
schen Meerbusen durchqueren. 

* Nach der »Internationalen Correspondenz« ist kürzlich 
die Besitzfrage betreff's der Geburtskirche in Bethlehem wieder 
angerührt worden. Die Meldung lautet folgendermassen : Der 
französische Consul in Jerusalem hatte im November vorigen 
Jahres an den griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem 



8 

die Aufforderung gerichtet, das Mitbesitzerrecht der katholischen 
Gemeinde an der Geburtskirche zu Bethlehem ausdrücklich anzu- 
erkennen, da die katholische Geistlichkeit bei dem diesjährigen 
Weihnachtsfeste die Ceremonie der Geburt des Heilandes in der 
genannten Kirche als thatsächliche und vollberechtigte Mit- 
besitzerin dieses Gotteshauses zu feiern wünsche. Der bisherig^e 
Zustand, in welchem die Katholiken von den Orthodoxen als Ein- 
dringlinge bezeichnet und dadurch bei der Begehung der höchsten 
kirchlichen Feiern oftmals Störungen und thätlichen Angriffen 
ausgesetzt waren, könne nicht länger aufrecht erhalten bleiben. 
Deshalb verlange der Consul von dem Patriarchen eine offene An- 
erkennung der katholischen Rechte, durch welche auch die gp- 
sammte orthodoxe Priesterschaft zur Achtunor dieser Rechte se- 
zwungen Avürde. Der Patriarch erwiderte hierauf, er werde zw^ar 
den orthodoxen Geistlichen und Mönchen dringend ans Herz 
legen, sich in ihrer Entrüstung über die unberechtigten Ansprüche 
der Lateiner während deren Weihnachtsceremonie nicht zu Thät- 
lichkeiten hinreissen zu lassen, eine ausdrückliche Anerkennung 
dieser angemassten Rechte der katholischen Kirche w^erde er 
jedoch niemals aussj^rechen. Da nun aber der türkische Gouver- 
neur den Antrag des französischen Consuls unterstützte und das 
Patriarchat mit militärischen Zwangsmassregeln bedrohte, wandte 
sich dieser beschwerdeführend au die Pforte und ersuchte gleich- 
zeitig die russische Botschaft um Unterstützung dieser Beschwerde- 
Der Consul dagegen wandte sich an den französischen Botschafter 
in Konstantinopel und ersuchte um dessen Intervention zu Gun- 
sten der Katholiken. Daraufhin ist nun in diesen Tagen eine 
Entscheidung der Pforte erfolgt, welche die Haltung des Patriar- 
chen von Jerusalem durchaus billigt, wobei ausser der Rücksicht 
auf Russland die nicht luibemerkt gebliebenen neueren Be- 
mühungen Frankreichs gegenüber Syrien den Ausschlag gegeben 
haben dürften. 

R. Seit zehn Jahren etwa war in Jerusalem eine Thorsteuer 
eingeführt. Sie wurde von der Regierung, genauer von der 
Municipalität verpachtet und trug jährlich etwa 3000 türkische 
Lire ein. Die Pächter hatten das Recht, an die sieben offenen 
Stadtthore in Buden ihre Einnehmer oder Kassirer hinzusetzen, 
die in Piastern das Geld eintrieben. Für jedes beladene Kameel, 
Maulthier, Pferd oder Esel, für jeden Wagen, auch wenn er nur 



vom Bahnhofe kam, selbst für einen Gepäckträger, der den 
Handkoffer eines Reisenden in die Stadt trug, musste eine Ab- 
gabe von 25 Centimes entrichtet werden. Die Pächter hatten 
die Pacht in monatlichen Beträgen an die Regierung im voraus 
zu bezahlen, abzüglich ihrer Auslagen ; sie machten trotzdem ihr 
Geschäft. Diese Einrichtung, die nicht nur wegen der Abgabe, 
sondern auch wegen der Erschwerung des Verkehrs sehr lästig 
war, ist seit Mitte November (1896) gefallen — selbstverständlich 
zur Freude Aller. Aber man fragt sich doch, wie die Reffierunff 
eine solche Einnahme von einer Stadt mit etwa 60,000 Einwoh- 
nern plötzlich entbehren kann! 

— . Der seit drei Wochen viel besprochene kleine Postdampfer 
auf dem Todten Meere hat seine Fahrten begonnen. Er hat die 
Aufgabe, allerlei Waaren vom Nordende des Todten Meeres bis 
zum Südostende schnell zu befördern, namentlich für den Bedarf 
der Stadt Kerak, die eine ständige Besatzung von 1600 Mann 
Soldaten hat und neuerdings sich rasch hebt. Zugleich ist damit 
für die Reisenden, die das Ostjordanland besuchen wollen, eine 
grosse Erleichterung geschaffen, da man mit Benutzung eines 
Wagens bis ans Todte Meer und dann dieses Dampfers Kerak 
von Jerusalem aus in 24 Stunden erreichen kann. Diese Reise 
nahm bisher die vierfache Zeit in Anspruch. Welch ein Fort- 
schritt! 

Ganz ohne Schwierigkeiten ist jedoch der Dampfer nicht 
flott geworden. Als das Schiffchen am Nordufer des Todten 
Meeres zusammengestellt war, machte man die überraschende 
Erfahrung, dass der Dampfer zu leicht war und deshalb immer 
auf einer Seite lag. Man hatte nicht daran gedacht, dem Bau- 
meister die Kraft oder die Schwere des Wassers im Todten Meere 
genau anzugeben. Man half sich in der Noth, so gut man konnte: 
man beschwerte das Schiff mit Steinen, die man am Ufer des 
Todten Meeres fand. Da aber diese meistens rund sind, so rollten 
sie bei geringem Winde, bei einem kleinen Seesturm, durch das 
Schwanken des Schiffes auf eine Seite. Um der Gefahr des Um- 
kippens endgiltig vorzubeugen, beschloss man nun, die Steine 
mit Blei festzugiessen. 

— . Leider haben sich kürzlich wieder einige hässliche Aus- 
brüche des Hasses zwischen der ijriechisch- orthodoxen \ind 
römisch-katholischen Geistlichkeit ereignet. Ein griechischer 



10 

Geistlicher, der Wächter auf Golgotha, benutzte eine günstige 
Gelegenheit, um den Lateinern aus der benachbarten Kapelle 
einen Kerzenleuchter zu entwenden. In demselben Augenblick 
trat ein Franziskaner in den Kaum und erkannte sofort die Sach- 
lage. Er forderte den Leuchter zurück, doch vergebens! Der 
Grieche nahm eine wilde Miene an und erging sich in den üblichen 
Schimpfreden gegen die Lateiner. Doch Hess sich der Franzis- 
kaner dadurch nicht abschrecken, sondern wusste seinen Gegner 
durch einen kräftigen Griff an die Gurgel zu bewegen, den Leuch- 
ter zurückzugeben. Beide gingen dann ihres Weges, indem sie 
sich rechts und links umschauten, ob nicht einAugenzeuge zugegen 
gewesen wäre, der es vielleicht der türkischen Regierung an- 
zeigen könnte. Das würde ja dem schuldigen Theile oder beiden 
mindestens ein Bachschisch gekostet haben! Nur wenige Augen- 
zeugen haben das widerliche Schauspiel mit angesehen; schwer- 
lich hat es einer von ihnen angezeigt. 

Aufs Neue kam die alte Feindschaft zwischen Griechen und 
Lateinern zum x\usbruch in der Nacht vom 5. zum 6. Januar, bei 
Gelegenheit des griechischen Weihnachtsfestes in Bethlehem. 
Nachdem die Frocession ihre üblichen Rundgänge gemacht hatte, 
schlössen die Franziskaner, die auch hier die Ansprüche der 
Lateiner vertreten, die Thüre des Nordaufganges aus der Ge- 
burtsgrotte zu, wie sie angeben, mit gutem Recht. Dadurch ent- 
stand nun der Streit: der griechische Bischof behauptete, noch 
einmal durch diese Thüre hindurchgehen zu müssen, während 
die Franziskaner ])ehaupteten, dass er dazu nicht mehr berechtigt 
sei. Da sofort das Militär einschritt, so wurde wohl ein grober 
Zusammenstoss oder eine Prügelei verhütet, aber die anwesenden 
Vertreter der Behörden aus Jerusalem waren nicht im Stande, 
den Streit beizulegen. Es mussten daher Eilboten nach Jerusalem 
geschickt werden, die den l'ascha und den französischen Konsul 
herbeiholten, damit diese durch ihre höhere Autorität die auf- 
geregten Gemüther beschwichtigten. Allein der griechische 
Bischof hatte sich vor die Thür des Aufgangs im Innern der 
Grotte niedergelassen und behauptete, lieber sterben als nach- 
geben zu wollen; denn wenn er diesmal nachgäbe, so würde der 
Durchgang für die Griechen auf immer verloren sein. Diese 
gespannte Lage dauerte auf demselben Platze an von 12 Uhr 
Mitternachts bis 6 Uhr Morgens. Endlich entschlossen sich 



11 

die Franziskaner nachzugeben und öffneten die Thür. Darauf 
stürmten die Griechen, stolz auf ihren Sieg, mit lautem Geschrei 
durch die Thür hinauf. 

Wollte Gott, dass doch dieser alte Hader endlich aufhörte 
und die Gemüther lernten, in Ruhe sich zu vertragen. Das wäre 
der schönste Fortschritt, der dem heiligen Lande erblühen könnte! 

— . Der Vertreter einer belgischen .Gesellschaft weilt seit 
einigen Wochen in Jerusalem, um für den Plan einer Industrie- 
und Gewerbe-Ausstellung im Jahre 1898 zu wirken. Er hat für 
diesen Zweck ein schön gelegenes Grundstück im Westen ausser- 
halb der Stadt vom griechischen Kloster gekauft. Ein hoher 
Aussichtsthurm, der auch astronomischen Zwecken dienen soll, 
soll orebaut werden. Welche Kreise sich an diesem Unternehmen 
betheiligen werden, lässt sich noch nicht sagen. [Vgl. MuN 
1896, S. 87. Die Red.] 

— . Das Wetter war im ganzen Spätjahr, besonders im De- 
cember, sehr schön. Wir hatten in Jerusalem einen prächtig 
blauen Himmel und klare Luft. Seit den ersten Tagen des 
Januar regnet es mit Unterl)rechungen. 

— . Reisendewaren zu Weihnachten verhältnissmässig wenig 
in Jerusalem. Am 5. Januar d. J. traf ein Extradampfer mit 
80 Engländern in Jafa ein, die abends 7 TJhr hier anlangten. Da- 
eeffen waren auffallend viel deutsche »reisende Handwerks- 
burschen« Weihnachten anwesend; ihre Zahl belief sich während 
eines Monats auf 40! Bekanntlich wird diesen sogenannten 
»Kunden« in den Hospizen, dem deutschen Johanniterhospiz 
und dem österreichischen Hospiz, Wohnung und Kost unent- 
lich gewährt. Leider benimmt sich ein grosser Theil von ihnen 
trotz der ihnen erwiesenen Wohlthaten sehr unhöflich und un- 
dankbar. In Folge dessen ist im österreichischen Hospiz die 
Zeit des freien Aufenthaltes für sie von 15 Tagen auf S Tage 
herabgesetzt worden. Im Johanniterhospiz ist das bisher noch 
nicht geschehen. Wie mir scheint, wäre eine solche Bestimmung 
auch für dieses Haus sehr wünschenswerth; seine Anziehungs- 
kraft für andere Reisende kann doch leicht Schaden erleiden, 
wenn, wie neulich, eine grosse Zahl dieser Leute dort so lange 
Zeit hintereinander sich aufhält. Nicht wenige von ihnen wan- 
dern schon Jahre lang im Orient umher und denken gar nicht 
an eine Heimkehr; sie ziehen die Freiheit des Orients den festen 



12 

Ordnungen, vielleicht auch dem Arbeitszwang ihrer Heiniath 
vor. Uebrigens darf man durchaus nicht Alle der Unverschämt- 
heit beschuldigen. Kürzlich haben sich zwei als Fischer am 
Jordan niedergelassen; sie scheinen brave Leute zu sein. 

— . Die deutsch-evangelische Erlöserkirche auf dem Muri- 
stan macht jetzt, seitdem sie unter Dach gebracht worden ist, 
mit ihrer Kuppel und dem allerdings erst halbfertigen Thurme 
einen prächtigen Eindruck. Wenn Zeitungen zu melden wissen, 
dass ihre Einweihung im Spätjahr 1897 stattfinden soll, so kann 
man im Interesse der Theiluehmer an dieser Feier nur wünschen, 
dass diese Nachricht sich nicht bestätigt. Die passende Zeit für 
eine solche Feier ist hier zu Lande zweifellos das Frühjahr, wenn 
die Flora mit ihrer Farbenpracht .das Land schmückt. Im Spät- 
herbst sieht alles grau und todt aus. 



• Aus Zeltsclirinen. 

Quarterly Statement, July 1896. 

Notes and News 8.201—207. Ninth Report of the Exca- 

vations at Jerusalem. By F. J. Bliss. Ph. D. S. 208— 213. Mit Plan. 
Reports from Herr Baurath VON Schick. S. 214 — 219. 1. Veronica's 
House. Schick berichtet über Ausg-rabungen, die die unirten Griechen, jetzt 
die Eigenthümer dieses Eauses, dort unternommen haben. Der obere Theil 
des Gebäudes, das östlich von dem deutschen Johanuiterhospiz an der Süd- 
seite des tat'ik es-seröj gelegen ist, ist jünger als die Zeit der Kreuzfahrer, 
doch der untere Theil ist bedeutend älter. l)urch die Ausgrabungen sind sehr 
altes Mauerwerk und sehr grosse Steine zu Tage gekommen. Der Felsen 
stand nahe unter der Oberfläche an. Bemerkenswerth ist ein Raum von 13 m 
Länge, 6 m Breite und 3—4 m Höhe, der von 12 niedrigen Bogen aus be- 
hauenen Steinen überspannt wird. Die Decke wird durch Steinplatten ge- 
bildet, die man auf die etwa 0,45 m von einander abstehenden Bogen gelegt 
hat. Das Ganze entspricht genau dem «Credo« auf dem Oelberge. In den 
letzten 4 — 5 Jahrhunderten hat der Raum als Cisterne gedient. Von einer 
Kirche, die man oft in diesem Hause vermuthet hat, fand sich keine Spur. 
Den erwähnten Raum hat man jetzt in eine Art Heiligthum verwandelt und 
über ihm eine geräumige Kirche gebaut. Hinter den Bogen, die noch jetzt 
die Strasse überspannen, fand man einige alte, mit Verzierungen versehene 
Steine, darunter auch einen mit einer griechischen Inschrift, ferner einen 
Backsteinbau mit Röhren für ^y asser und Dampf, wie es scheint, vielleicht 
ein Bad. Die Ziegelsteine trugen keine Abzeichen. Da es nicht römische 
sind, so möchte ScHICK sie aus der jüdischen Zeit herleiten. Vgl. ToBLER, 
Topogr. von Jerus. I, :?51 f. 2. Herod's House. Es handelt sich um das 

Haus des Herodes Antipas, wohin Jesus Christus durch Pilatus gesandt 
wurde Luc. 23, 7. Es taucht im 14. Jahrhundert bei M.Miixo Sanuto auf und 
wird dann im 15. Jahrhundert genauer beschrieben. ScHiCK hat das ihn. 
schon seit 1S46 bekannte Haus neuerdings besucht und nur in dem unteren 
Stockwerk einige sehr feste Bogen gefunden: alles Uebrige ist nach ihm 
»saracenischer« Herkunft. Es hat eine hohe Lage nördlich von der türkischen 
Kaserne am Ilaram esch-Scherif , an der Nordseite der alten von N. her 
gegen den Tempelplatz laufenden Wasserleitung. Die eine Seite des zwei- 



13 

stöckigen, aus bunten Steinen erbauten Hauses ist von Christen, die andere 
von Muslimen bewohnt. Nicht weit davon liegt das jetzt nicht mehr be- 
nutzte Minäret el-Hamrä; vgl. Zimmermann's Plan von Jerusalem Nr. 47. 

3. Mosque in the Street »Suweikat Allun«. Schick vermuthete in einer jetzt 
geschlossenen Moschee dort eine alte christliche Kirche oder ein Kloster; 
doch hat sich seine Vermuthung 'nicht bestätigt [Suwekat ' allün heisst der 
westliche Anfang der Davidsslrasse in Jerusalem, vgl. ZDPV. VI, 47). 

4. Church of Mar Jirias of the Greeks. Schick hat diese Kirche (neben dem 
griechischen Michaelskloster in der hürut der el-frendsch] gemessen und 
einen Plan von ihr entworfen. Er hält sie für byzantinisch. 5. The Coptic 
Mar Jirias Church. Auch diese alte Kirche (Zimmermann's Plan Nr. 27) hat 
Schick aufgenommen. Sie wird jetzt durch einen Neubau ersetzt. 6. Some 
old Remains. a) Abraham's Convent. Die Räume unter dem griechischen 
Abrahamskloster, südlich von der Grabeskirche und unmittelbar östlich 
neben dem Platze vor ihr (vgl. ZDPV. VIII, Tafel VII), sind kürzlich zu- 
gänglicher geworden: gewaltig dicke Mauern, z. Th. unten aus Felsen be- 
stehend. Schick hält den unterirdischen Raum für eine Krypta und hat 
dort Felsengräber gefunden, die ihrer Art nach — es sind Troggräber — 
christlichen Ursprungs zu sein scheinen. Die Oberschwelle über der Ein- 
gangsthür hat in ihrem Schnitt Aehnlichkeit mit ThürschweUen in der 
Kirche von Bethlehem und in der Auferstehungskirche auf dem Oelberge. 
Schick hält daher die Reste der alten Kirche unter dem Abrahamskloster 
für gleichalterig. b) An interesting stone basin. Unter dem nördlichen Theile 
des Dar Isaak Be genannten Hauses neben der Grabeskirche (vgl. ZDPV. 
VIII, 265) hat Schick ein tunnelartiges Gewölbe gefunden, etwa 5 m breit, 
3,20 m hoch, 22 — 23 m lang. Es läuft von W. nach O., die Mauern sind 
2,60 m dick, an der Nordseite zwei jetzt geschlossene Fenster. In dem Raum 
befindet sich eine in den Felsen gehauene Cisterne, neben dem Schöpfloch 
ein schönes, rundes Wasserbecken aus Stein, c) An old pillar. In dem 
Hofe des griechischen Karalombos-Klosters, das ebenfalls zum Stadtviertel 
der Grabeskirche gehört (vgl. ZDPV. VIII, Tafel VII) liegt eine schöne 
steinerne Säule, die 4,30 m lang ist und 0,68 m im Durchmesser hat — 
vielleicht ein Rest aus dem Martyrion Constantin's oder sie gehört mit der 
Säule zusammen, die noch jetzt in dem lateinischen Heiligthum an der so- 
genannten porta judiciaria steht. Chisel-drafted Stones at Jeru- 
salem. By John Bellows, Esq. S. 219— 223. Verf. macht darauf aufmerk- 
sam, dass sich die sorgfältige Behauung der Steinränder und die mörtellose 
Schichtung der Quadern, die man z. B. am Klageplatz der Juden und in der 
Südmüuer des Haram esch-Scherif findet, auch an römischen Bauten aus der 
Zeit des Augustus und noch später beobachten lässt, dass man also aus 
dieser Bauweise nicht sofort aijf ein hohes Alterthum schliessen dürfe. 
Construction of the Tabernacle. By the Rev. W. H. B. Proby, M. A. 

5. 223f. Bemerkung zu Qu. Statem. 1896, S. 189. Seal from Hebron. 
By Lieut-Coloiiel Cünder, R. E. S. 224. Eine sitzende Figur, davor eine 
Ziege. Die Zeichnung ziemlich roh wie auf Ziegelsteinen aus Babylonien, 
Phönicien, Cypern. A Greek Inscription from the Grand Mosque, 
Damaskus. By E.W. Gukney Mastermann. S.224f. Inschrift von 7 Zeilen, 
von denen nur drei vollständig sind; stark verletzt, weil man die Schrift- 
fläche behauen hat, damit der Bewurf an ihr haften bleibe. Der Stein ist 
in die Innenseite der Südmauer, unweit des Mädinet el-Gharbije, eingesetzt, 
die Inschrift dabeiauf den Kopf gestellt worden. Länge des Steins'l,50 m, 
Höhe 0,75m; nur die eine Seite hat Schriftzeichen. Uebrigens ist die Moschee 
noch nicht einmal von dem Brandschutt (1892) gereinigt. Dr. Murray liest 
von Z. 3—7 so (S. 225 f.): 

z/fo 

vvoiov (lö'eXfpoi/ y«i 

Mi'iHov avi'i(to[cp\ov 

xiil EEXaiKifavs Tov 

uQyjftftyEiqov. 



14 

;^()///m;'e<oos- heisst »Oberkoch«. The Site of the Temple. Bj' Lieut.- 
Colonel C. M. Watsox. Gegenbemerkungen gegen Conder's Urtheile über 
Watson's Artikel in Qu. Statem. 1896, S.47— 60. The Onomasticon. 

By Lieut.-Colonel Conder. S. 228—245. Eine Zusammenstellung der von 
Eusebius und Hieronymua nachgewiesenen Ortslagen (.'HOO) und Vergleichung 
mit unserer jetzigen Kenntniss Palästina's. The date of the Exodus. 

I. By Captain A. E. Haynes, R.E. S. 245—255. Der Auszug fällt auf Grund 
von 1 Kön. 6, 1 in das Jahr 1440 unter Amenhotep II, die Besetzung Kanaan's 
unter Amenhotep IV (Khu-en-atn;. II. By Lieut.-Colonel CoNDER. S.255— 
258. Der Auszug unter Thothmes IV, die Besetzung des südlichen Kanaan's 
unter Amenophis IV, der als Zeitgenosse des Königs Burnaburias von Ba- 
bj-lon um 1450 vor Chr. angesetzt wird. Notes on the April »Quar- 

terly Statement«. S. 258— 263. I. By Lieut.-Colonel CoNDER. IL By 
M. Clermont Ganneaü. III. By Rev. W. F. Birch, M. A. IV. By Rev. 
Geo. St. Clair. Results of Meteorological Observations taken 
at Jerusalem in the year 1892. By James Glaisher. S. 264— 286. 
Results of Meteorological Observations taken at Tiberias in 
the year 1892. By James Glaisher. S.268— 271. A new treatise on 

the Geology of the Holy Land and the Dead See. By Edward 
Hüll. S. 271 — 273. Besprechung von »Dr. Max Blanckenhorn, Entstehung 
und Geschichte des Todten Meeres« = ZDPV. XIX, 1 ff. 

Quarterly Statement, October 1896. 

Notes and News. S. 275—281. Annual Meeting. S. 282—297. 
Tenth Report on the Excavations at Jerusalem. By F. J. Bliss, 
Ph. D. S. 298— ;i05. Mit Plan. Report on tomb discoVered near 

»Tombs of the kings«. By Archibald C. DlCKlE. S. 305 — 310. Betrißl 
dieselbe Grabanlage, die Baurath Dr. Schick S. 5 f. dieser Nr. der MuN 
beschrieben hat. Der Aufsatz ist von Plänen und Durschnitten, sowie von 
Zeichnungen der stark zerstörten Frescomalereien begleitet, pie griechische 
Inschrift über den Köpfen der drei Personen ist nicht mehr' vollständig zu 
lesen. Die Buchstaben yJ/lF. . . J ergänzt der Dominikaner P. Sejourne zu 
JAFEINJ (»schmerzhaft"). Reports from Herrn Baurath VON Schick. 
S. 310 — 327: TheChurch ofthcAscension on theMount of Olive s. 
Schick hat Ende 1893 und Anfang 1894 die Umgebung der Auferstehungs- 
kapelle auf dem Oelbcrge genauer untersucht und dabei eine grosse Anzahl 
sehr fester Gewölbe rings um die gegenwärtige Kapelle — unter den jetzigen 
Wohnhäusern — gefunden, ohne jedoch irgendwo auf den anstehenden 
Felsen zu stossen. Der erste Plan stellt die zu Tage liegenden Gebäude, 
der zweite Plan die unterirdischen Gewölbe dar, mit Hervorhebung der ver- 
schiedenen Besitzverhältnisse. Darauf fussend reconstruirt ScHICK auf dem 
dritten Plan die von dem Patriarchen Modestus im 7. Jahrhundert neugebaute 
Kirche (Arculf; vgl. ZDPV. XIV, Tafel 3, Nr. 3), auf dem vierten Plan die 
Kirche und das Augustinerkloster, die von den Kreuzfahrern an diesem Ort 
errichteten Gebäude. Die Kreuzfalirer haben in die innere Rundmauer des 
Mode-stus an drei Seiten (N. W. S.) eine den Kreis schneidende gerade Mauer 
eingesetzt und im O. eine Apsis hinzugefügt, so dass aus dem Kreise so 
ziemlich ein Acliteck wurde. Der östliche Theil der jetzigen Umfassungs- 
mauer ist bedeutend nach einwärts gerückt; dadurch ist die jetzige Gestalt 
des Hofes so seltsam unregelmässig geworden. Ueber die Einzelheiten der 
Rekonstruction lässt sich streiten; die Feststelluno; des Befundes ist inter- 
essant. Kerak in 1896. By Rev. Theodore E. Dowling. S. 327—332. 
Höhe über dem Mittelmcer 3400 Fuss = l()36m; etwa 10,000 Einwohner, 
darunter 2000 orthodoxe Griechen; 1200 Soldaten drei Regimenter), ausserdem 
20(1 berittene Tscherkessen. Die türkische Verwaltung wird gerühmt. Von 
Kerak aus kann man, von tscherkessischen Soldaten begleitet, jetzt Petra in 
2'/2 Tagen erreichen. Two Roman Milestones at Wady Möjib 
(River Arnon). By Rev. Theodore E. Dowling. S. 332 — 335. Aus der 



15 

Regierung des Trajan und des Pertinax. Sie sind vollständiger und genauer 
in der Revue Biblique 189B, S. 602 ff. herausgegeben worden und sollen danach 
kurz besprochen werden. The Dateofthe Exodus. By W. M. Flin'- 
DEKs Petrie. S. 335 — 337. Verbesserungen zu den Aufsätzen von Haynes 
und CoNDEK in Qu.Statem. 189(i, S. 245 ff. Serapis. By Ebenezer Davis. 
Betrifft die Sarapis-Iuachrift aus Jerusalem M u N 18<)5, 21 ff. A Greek 
Inscription from a column at Damascus. By E. W. G. Mastermann. 
S. 340. Unvollständige Widmungsinschrift auf einem Säulenstück neben einem 
Strassenbrunnen unweit des BäbTümä. Notes pn »Quarterly State- 

ment«, July 1896. By Lieut.-Colonel CoNDER. S. 340f. Bible Coins. 

By Lieut.-Colonel Alfred Porcelli. S. 341 f. The Valley Gate and 

theDungGate. By Theodore F. Wrigiit. S.342f. Wherearethe 

Sacred Vessels of the Temple? By Professor Edward Hull. S. 344. 
Verf. macht unter Verweis auf Gibbon, Decline and Fall of the Roman Em- 
pire VI. chap. 36 und VII, chap. 41, der selbst sich auf H. Reland, De spoliis 
Tempil Hierosolymitani 1716 bezieht, darauf aufmerksam, dass die von Titus 
nach Rom gebrachten Geräthe des Tempels durch die Vandalen 455 nach 
Carthago, von da durch Belisar 534 nach Konstantinopel kamen und endlich 
von dem oströmischen Kaiser der christlichen (Grabes-)Kirche in Jerusalem 
übergeben wurden. Er meint, sie müssten noch dort zu finden sein, wenn sie 
nicht Chosroes IL 615 weggeschleppt hätte. A Visit to the Excavations 
at Jerusalem. By the Rev. H. Porter. S. 345 f. Armenian Descrip- 

tion of the Holy Places in the seventh Century. Translated from the 
Russian by R. Nisbet Bain. S. 346 — 349. Moses Kagankatvatsi (Ende des 
10. Jahrh.) hat in seine »Geschichte Armeniens« eine kurze Beschreibung der 
heiligen Stätten in und um Jerusalem aufgenommen, die aus dem 7. Jahrli. 
hergeleitet wird und demnach den Stand der Dinge nach den Bauten des 
Modestus darstellen Avürde. Results of Meteorological Obser- 

vations taken at Jerusalem in the year 1893. By James Glaisher. 
S. 350 — 354. Results of Meteorological Observations taken at 

Tibirias in the year 1893. By James Glaisher. S. 354— 358. Titel 

und Register I und II, S. I — XII. 



IL )^achricfiten. 



öescMftliclie Mitllieilungen und Personalnacliricliteii. 

Herr Dr. phil. Otto Seesemaxn hat dem Vorstande des DPV. den 
Wunsch ausgesprochen, wegen anderer dringender Arbeiten von der Redac- 
tion der »Mittheilungen und Nachrichten« entbunden zu werden. Der Vor- 
stand sah sich zu seinem Bedauern genöthigt. diesem Wunsche gemäss Herrn 
Dr. Seesemanx mit bestem Dank für seine zweijährige Mühewaltung die 
Redaction der M u N abzunehmen. Die dadurch veranlasste neue Ordnung 
der Geschäfte ist von dem Gesichtspunkte aus getroffen worden, dass die 
«Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins« leichter von einem anderen 
Orte aus redigirt werden könnte als die »Mittheilungen und Nachrichten«. 
Daher erklärte sich Professor GuTiiE bereit, die »Mittheilungen und Nach- 
richten« zu übernehmen, falls für die Herausgabe der »Zeitschrift« eine andere 
Kraft gewonnen würde. Das ist glücklicher Weise gelungen , da sich Herr 
Lic. Dr. Benzinger, Stadtpfarrer in Neuenstadt a. Kocher in Württemberg, 
bereit finden Hess, die Redaction der »Zeitschrift« zu besorgen. Somit 



16 

zeichnet von Anfang 1897 ab als verantwortlicher Redacteur für die »Zeit- 
schrift« Herr Lic. Dr. I. Bexzixgee, Stadtpfarrer in Neuenstadt a. Kocher in 
Württemberg, als verantwortlicher Redacteur für die »Mittheilungen und 
Nachrichten« Professor 1). H. Guthe in Leipzig. 

Der Vorstand gibt sich der Hoffnung hin, dass damit diese Angelegen- 
heit in befriedigender Weise erledigt ist. Dr. Benzixger kennt Palästina 
aus eigner Anschauung und hat sich bereits als ein gewandter und kundiger 
Mitarbeiter an der ZDPV. seit 1S90 bewährt. Der Vorstand bittet die bis- 
herigen Mitarbeiter an der »Zeitschrift« und an den »Mittheilungen und 
Nachrichten«, sowie die Mitglieder des Vereins, diesen Aenderungen ihr 
volles Vertrauen zu schenken. 



Der Vorstand des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's hat 
Herrn Baurath Dr. C. Schick in Jerusalem zur Feier seines 50jährigen Auf- 
enthaltes in Jerusalem — 28. October 1 896 — seine herzlichsten Glückwünsche 
ausgesprochen. Er glaubte seine Anerkennung und seinen Dank auch da- 
durch ausdrücken zu sollen, dass er eine Seite in dem Jahrgang 1896 der 
»Zeitschrift« — vgl. Heft 2, S. 128 — diesem Erlebniss seines Ehrenmitgliedes 
widmete. 

Am 9. Januar IS97 fand in Leipzig eine Sitzung des geschäftsführenden 
Ausschusses statt, an der die Herren Githe, Kautzsch, Keesten und Socix 
theilnahmen. Dr. Kerstex berichtete eingehend über seine Thätigkeit für 
den Verein während seines Aufenthaltes in Jerusalem [vgl. M u N 1896, S.64). 
Auch wurde über die Fortsetzung der Arbeiten im Ostjordanlande berathen. 
Dr. Kerstex wird demnächst selbst in den M u N darüber berichten, was er 
in diesem Sommer für den Verein ausgerichtet hat. 



Die Karte der Weiteren Umgebung von Jerusalem , gezeichnet von 
Baurath Dr. C. SCHICK, wird zugleich mit erläuterndem Text in dem dritten 
(letzten) Heft des XIX. Bandes der ZDPV. demnächst herausgegeben werden. 
Karte und Text werden auch einzeln abgegeben. Der Preis wird später 
bekannt gemacht. 



Dem Verein sind als Mitglieder beigetreten: 

Adler, Marcus N., M. A., in London. Brüsselbach, Pfarrer a. D. in 
Waldbroel. Koch, Gymn. -Oberlehrer Dr., in Weissenburg i.E. Lütticke, E., 
kais. deutscher Consul in Damaskus. Maroum, F. , Dragoman des kais. 
deutschen Consulats in Jerusalem. Wieland., Hugo, in Jerusalem. 

Der Verein verlor durch den Tod die Mitglieder: 

Clause», Consistorialrath in Brügge bei Bordesholm. R'öpe, H., Haupt- 
pastor an St. Jacobi in Hamburg. 

Geschlossen am 31. Januar 1897. 



Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 




I. Mittheilungen. 



Unsere Arkiten im Ostjordailande. 

Briefe Dr. Schumacher's in TIaifa. 

(Schluss.) 

Haifa, 2. November 1896. 

Heute kann ich Ihnen unsere am 29. October statt^efun- 
dene glückliche Rückkehr nach Haifa anzeigen. Da ich in den 
früheren Briefen den Gang der Vermessung sowie ihre Ergeb- 
nisse bereits in Kürze ))eschrieben habe, so erübrigt mir für heute 
nur, über den Schhiss unserer Keise zu berichten. 

Von ömrä aus , avo ich den Mudir des "^Adschhin und den 
lUiluk Amini in Gnaden entliess, zogen wir über ed-dcr und 
helcnva nach kerkama und srherhaJnl ins Ghör hinab. Dabei nah- 
men wir den Lauf des ivadijübis bis zu seiner Mündung in den 
Jordan auf. Darauf traten wir über ränije am icädi dsc//ir?n eJ- 
moz (Pella) den Heimweg nach hemn an. Vom teil hemn aus 
machte ich am 27. October mehrere Visuren nach den im 
'AdscMün festgelegten Orten und Bergspitzen , auch photogra- 
phirte ich das "^Adschlün-Gebirge bis zum naltr ez-zerhü sowie 
das blübende Städtchen bcmn. 

Am 28. October photographirte ich auf dem Wege nach 
Nazareth die Höhlenquelle ain di^chülüd 'lV^I. Abbildung 2. 

MuN. des D. Pul.-Ver. 1SU7. 2 



J8 



GuEKiN bezeichnet diese Höhle am nordwestUchen Fuss des 
dschebel fukJta ^Gilboa) als künstlich. Das Wasser wird durch 




einen Damm gestaut und bildet daher einen ziemlich grossen 
Teich. Die Red. i Abends zelteten Avir in Nazareth und trafen 



19 

am Abend des 29. October in llaifa ein. Unsere Abwesenheit 
hatte demnach 3 1 Tage gedauert. Die Reise ist gottlob ohne 
jeden störenden Zwischenfall verlaufen. 

Das aufgenommene Gebiet wird begrenzt im N. von et-taijihe^ 
nätfe und edün ; im O. von der Ebene el-ehtam^ östlich von kitim, 
und en-nueme\ im S. von ^ahdä^ '^afanci^ mär eJjäs-lisdib und scher- 
hab~il\ im W. vom Ghör. An dieser Seite fehlen allerdings noch 
die letzten Ausläufer des Gebirges ; es war zu heiss, als dass ihre 
Aufnahme möglich gewesen wäre. Dieses Stück des "^Adschlün 
hat nach der mit dem Messtisch und Theodolit aufgenommenen 
Feldkarte einen Umfang, von rund 17X 30 = 510 qkm. In Anbe- 
tracht des zerklüfteten Geländes und der zeitraubenden Aufnahme 
der Wasserrinnen und Höhenzüge glaube ich das Ergebniss als 
ein günstiges bezeichnen zu dürfen. G. Schumachek. 



Meine Tliätigkeit für den Deutsclien Palästina-Verein wälirend meines Anfentlialtes 

in Palästina 1896. 

Von Dr. OTTO Kersten. 

Durch eine Eeise im Auftrage der Deutschen Palästina- 
und Orient-Gesellschaft hatte ich auch im vorigen Jahre Gelegen- 
heit, für die Bestrebungen des Deutschen Palästina-Vereines 
mehrfach persönlich eintreten zu können. 

Zunächst hatte ich bei einem kurzen Aufenthalt in Wien 
(Anfang Juni) die Freude , dem Director der österreichischen 
Central- Anstalt für Meteorologie etc., Herrn Hofrath Dr. Hann, 
die bis dahin von unseren Freunden in Palästina angestellten 
meteorologischen l^eobachtungen zur gefälligen Prüfung und 
weiteren Verwerthung überreichen zu können. Die mir hierbei 
gegebenen Winke habe ich dann, zugleich mit der Anerkennung 
des sachkundigen Gelehrten, dem Leiter unseres Hauptbeob- 
achtungsnetzes, Herrn Lehrer Gerh. Duck in Jerusalem, mitge- 
theilt und in vielfachen Zusammenkünften mit ihm besprochrn. 

Mit demselben Herrn, dessen Eifer und Gewissenhaftigkeit 
nicht genug anerkannt werden kann, habe ich auch den Gebrauch 
eines neuen Normal-Quecksilberbarometersmit Vorrich- 
tung zur Prüfung des Vakuums eingeübt, sowie ihn aufmerksam 
gemacht auf die namentlich für Höhenmessungen wichtigen, 
überraschend grossen und regelmässigen täglichen Schwankungen 



20 

des Luftdrucks, welchen er seit jener Zeit seine besondere Be- 
achtung zuwendet. 

Auf allen Stationen, die ich bei meinen Reisen im Lande 
berührte, habe ich mit den Herren Beobachtern eingehende 
Rücksprache genommen und die Aufstellung der Instrumente 
besichtigt. In Gaza gelang es mir, dank dem liebenswürdigen 
Entffeo-enkommen des Herrn Pater Gatt, eine neue Station mit 
QuecksilV)er-Barometer einzurichten. Die so wichtige Station in 
Jericho, für welche bereits ein selbstschreibendes Barometer vor- 
handen ist, hat noch nicht eröffnet werden können; doch sind 
von mir Verhandlungen eingeleitet, die vielleicht schon bald 
zum Ziele führen. 

Sehr wuchtig erschien mir die Anbahnung einer Organi- 
sation der in Jerusalem so zahlreichen Mitglieder un- 
seres Vereines. Die Heiren waren so liebenswürdig, zweimal 
einer Einladung zur Besprechung mit mir Folge zu leisten, und 
sind dann nach meiner Abreise noch einmal zusammengekommen, 
um diese, so viel versprechende Vereinigung thatsächlich ins 
Leben zu rufen. Ein Bericht hierüber ist bereits beim Vorstande 
des Deutschen Palästina- Vereines eingegangen. Hiermit hat 
auch der langgehegte Wunsch, einen ständigen Correspon- 
denten in Jerusalem zu gewinnen, seine befriedigende Erle- 
digung gefunden ^). 

Auf meine Bemühungen bei der Kaiserlich Deutschen Bot- 
schaft in Konstantinopel für Erwirkung einer Reise-Erlaub- 
nis für Herrn Dr. G. Schumacher brauche ich hier nicht näher 
einzugehen, da schon mehrere Berichte des verdienstvollen 
Forschers in diesen Blättern gedruckt vorliegen. Auch mit Herrn 
Dr. Schumacher hatte ich mehrere eingehende Besprechungen 
in Haifa sowie in Jerusalem. 

Meine nächste Aufgabe wird sein, dafür zu sorgen, dass die 
Ergebnisse der bisher von unseren Mitarbeitern angestellten Be- 
obachtungen bald zur Veröffentlichung gelangen. Sehr erwünscht 
wäre es, wenn dem DPV. auch ältere Beobachtungen, die 
noch nicht durch Fachblätter bekannt geworden sind, thunlichst 
vollständig zur Verfügung gestellt würden. 

Altenburg, S.-A., Anfang März 1897. 

1) Vgl. S. 31 f. Die Kedaction. 



21 

Wadi el-Ielt. 

Von Theodor Fast in Jerusalem. 

Der icädi el-kelt ist trotz seiner eigenthümliclien landschaft- 
lichen Schönheit ein in seiner ganzen Ausdehnung noch wenig 
bekanntes Thal. Es dürfte daher willkommen sein, einige Beob- 
achtungen über dasselbe, die vor Kurzem gelegentlich eines von 
Jerusalem aus unternommenen Ausflugs gemacht wurden, die 
jedoch keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollkommenheit 
erheben, hier wiederzugeben, umsomehr als die gewöhnlichen 
Handbücher über Palästina nur ganz spärliche Auskunft über 
die Eigenthümlichkeit des Thaies darbieten. 

Das Thal, welches übrigens von den Einheimischen nur in 
seinem Unterlaufe wZidi el-kelt genannt wird, nimmt seinen An- 
fang beim teil el-fül^ IV4 Wegstunde nördlich von Jerusalem, in 
einer Höhe von nicht ganz SOO m über dem Spiegel des mittel- 
ländischen Meeres, und mündet 1 Stunde nördlich vom Todten 
Meere in den Jordan, woraus sich auf eine Länge von ungefähr 
45 km ein Gefälle von 1150 ra ergibt. In seinem ganzen Lauf 
ist die west-östliche Eichtung die vorherrschende; nur bei seinem 
Austritt aus dem Gebirge lenkt es nach Nordosten um, wendet 
sich aber bei Jericho wieder mehr nach Südosten. 

Der Wadi ist in seinem oberen Theile trocken. Erst 'l^j^ 
Stunden unterhalb teil el-flil tritt Wasser zu Tage. 'Ain fcira — 
dies ist der Name der obersten Quelle, nach welcher auch der 
Oberlauf des Baches wadi füra heisst — entspringt an einer 
Stelle, wo zu beiden Seiten des Thaies sich hohe, schroffe Felsen 
erheben. Der Platz ist von Jerusalem aus in 2I/2 Stunden er- 
reichbar und ein beliebter Ausflugsort namentlich der Europäer, 
da hier nicht nur die Annehmlichkeit fliessenden Wassers, son- 
dern auch die im Gebirge so seltene Gelegenheit zu einem 
frischen Bade vorhanden ist, nämlich in den natürlichen Wannen, 
die das Wasser bildet. Die Felswände sind reich an Höhlen, 
von denen nicht Avenige unzugänglich sind. Sie sind einst wohl 
von Einsiedlern bewohnt worden. Einige müssen nur mittelst 
Strickleitern erreichbar gewesen sein, da an den glatten Felsen 
nichts auf natürliche Zugäuffe hinweist. Ueberreste von alten 
Wasserleitungen beweisen, dass die Quelle früher besser als jetzt 
zur Bewässerung der anbaufähigen Abhänge zwischen den Fels- 
gruppen axisgenützt wurde. Es gibt seit wenigen Jahren aller- 



22 

diiigs wieder einzelne Gärten, in denen Gurken und Melonen 
gebaut werden; sie genügen aber gerade nur, um den Bedarf der 
umwobnenden Ziegenbirten zu decken. 

Die Quelle versickert nacb einem Lauf von einer halben 
Wegstunde, kommt aber noch einige Male in Gestalt von 
schlammigen Pfützen zum Vorschein, in denen sich Frösche und 
harmlose Schlangen (Würfelnattern aufhalten. Weiter imten, 
wo der Weg nicht mehr für Reitthiere gangbar ist, entspringen 
noch einige unbedeutende Quellen; es ist aber möglich, dass auch 
diese unterirdisch mit 'ainfüra in Verbindung stehen. Bei Hoch- 
wasser dagegen ist das ganze Thal ein wilder Bach. 

In dieser Gegend sind die Abhänge von Wild belebt; 
namentlich Steinhühnern begegnet man auf Schritt und Tritt. 
Bei Annäherung an die oben erwähnten kleinen Quellen und 
Wassertümpel vernimmt man ein Gackern und Pfeifen, welches 
von den Vögeln herrührt, die hier zur Tränke kommen. Sie 
gehen aber dabei sehr vorsichtig zu Werke, indem sie haupt- 
sächlich die Büsche in der Nähe des Wassers misstrauisch beob- 
achten. Bei dem Geräusch sich nähernder Schritte suchen sie 
das Weite , und aus dem verdächtigen Busch pflegt dann wohl 
ein bewaffneter Beduine aufzutauchen, der die ungebetenen 
Störenfriede ärgerlich nach ihrem Begehr fragt. Er ist jedoch 
schnell besänftigt, wenn man seine Führerdienste in Anspruch 
nimmt und ihm dafür eine angemessene Belohnung zusichert. 
Zudem hat er in den Ankömmlingen Kunden aus der Stadt er- 
kannt, bei denen er gelegentlich die Erträge seiner Jagd absetzt. 

Nach einer Wanderung im Schatten hoher Felsen meist auf 
dem Gerolle des Flussbettes, etwa 1 V4 Stunde unterhalb 'ainfüra^ 
sehen wir von links den wadi es-smcen~it einmünden, der bei el- 
hlre seinen Anfang nimmt. Hier verliert die Gegend auf eine 
kurze Strecke ihr wildes Gepräge, und sanft ansteigende Hügel 
begrenzen das Thal. 

Nachdem wir eine weitere halbe Stunde zurückgelegt 
haben , hören wir ein starkes Rauschen. Es kommt von der 
Quelle 'awi el-famvär^ deren man bei der nächsten F>iegung an- 
sichtig wird. Diese Quelle ist etwa doppelt so stark als "^ ainfüra 
und sendet ihr Wasser das ganze Jahr hindurch thalabwärts bis 
zur Vereinigung mit der letzten, der dritten Hauptquelle des 
Wadi (s. unten). Nur in ganz trockenen Sommern soll es vor- 



23 

kommen, dass es schon weiter oben versiegt. lAin d-fauxo(ir ent- 
springt etwa 50 Schritte rechts vom eigentlichen Fhissbett in 
einer flachen, mnhlenähnlichen Einsenkung, wo von allen Seiten 
unter den Steinen Wasser hervorsprudelt. Drei Feigenbäume 
an dem Wasser spenden erquickenden Schatten. Zur Regenzeit 
soll jedoch im Flussbett selbst eine viel stärkere Wassermasse 
hervorkommen, die dann wie ein Springbrunnen aus dem Hoden 
dringt [daher der Name der Quelle = Springbrunnen]. 

Von hier an wird der Pflanzenwuchs üppiger. Während 
man weiter oben nur vereinzelte Sträucher und hie und da eine 
Kappernstaude zwischen den Felsen antrifft, ist hier der Bach 
dicht mit Schilfbewachsen, und von Zeit zu Zeit bieten Gruppen 
von Tamarisken und Ginster Abwechslung. Ein Avürziger Duft, 
den man übrigens auch weiter oben wahrnehmen konnte, ist 
dem Thale eigen; ihn verbreitet die wilde Pfefl'erminzstaude 
{ndna)^ die bei den F^ellachen als Speisegewürz verwendet wird. 
Auch findet das Hornvieh, welches an die zugänglichen Stellen 
des Thaies getrieben wird, fette Weide. 

Jetzt wird das Vordringen beschwerlicher, und häufiges 
Durchwaten des Wassers ist unvermeidlich. Dies ist jedoch 
während des Sommers mit keiner Gefahr verbunden, da der 
Bach, obgleich sehr reissend, doch ziemhch seicht ist, mit Aus- 
nahme der tieferen Wasserbecken, die durch die Wasserfälle 
gebildet werden. Zur Regenzeit jedoch dürfte es nicht rathsam 
sein, diesen Weg zu machen. In den kleinen natürlichen Teichen 
mit dem krystallklaren Wasser tummeln sich viele Fische, deren 
grösste etwa 35 cm lang sind. Einige Armenier, die von Zeit zu 
Zeit hierher kommen, befassen sich mit dem Fang derselben und 
bringen sie in Jerusalem auf den Markt. Doch werden auch 
giftige Schlangen (Sandvipern) in dieser Gegend angetrofl'en. 

Stellenweise wird das Fortkommen in der Thalsolile über- 
haupt unmöglich, da die Felswände bis auf wenige Meter an das 
Wasser herantreten und auch dieser kleine Zwischenraum so 
dicht bewachsen ist, dass man im Wasser unter dem tief herab- 
hängenden Schilf durchkriechen müsste, wollte man dem Fluss- 
bett folgen. Da muss man denn, um die Felsen zu umgehen, 
einen weiten Umweg machen und zwar auf ziemlich halsbreche- 
rischen Pfaden. Dies ist zweimal der Fall, das erste Mal etwa 
1 Stunde unterhalb '^ain el-fauivar^ das zweite Mal kurz vor '«m 



24 



el-kclt , der dritten bedeutenden Quelle des Thaies, etwa 
l'Y, Stunde unterhalb V/m el-fauicür. Auf diesen Strecken 
ist ein ortskundiger Führer unerlässlich; für jemanden, der 
diese Wege nicht kennt, ist es beinahe unmöglich, durch/Ai- 
kommen. 

Die Quelle ^ ain el-kelt, nach welcher der Unterlauf des 
Thaies benannt wird, entspringt am linken Rand des Flussbettes 
selbst lind ist sehr wasserreich. Unsere im August vollzogene 
Messung ergab, dass sie in der Sekunde 200 Liter ausströmt 




Abb. 3. Felswände am Wadi el-Kelt. Nach einer Photographie von 
von A. Heintze in Jerusalem. 

Sie bildet mehrere tiefe Becken, deren grösstes etwa 40 m lang, 
bis 6 m breit und im Durchschnitt 2 m tief ist. Seit einigen 
Jahren wird das Wasser zum l^etrieb einer nach europäischem 
Muster eingerichteten Mühle verwendet, die ungefähr 1,4 Stunde 
unterhalb der Quelle steht. Ein steiler Weg verbindet die Mühle 
mit der Jerichostrasse, die etwa 20 Minuten rechts vom Thal 
vorbeiführt. Der Besitzer ist ein Türke. Miiheddin Effendi; von 
seinem armenischen Müller ISa'ser wird man sehr freundlich 
empfangen und bewirthet. In dem Garten bieten einige Bananen 
am Mühlkanal Schutz gegen die Mittagshitze. Das Getränk, 



das hier dargeboten wird, ist nicht, wie sonst üblich, Kaffee, 
sondern heisser Thee , welcher eine wohlthuende Wirkung auf 
die Schweissporen ausübt. 

Gegenüber der Mühle, auf der rechten Seite des Wadi, er- 
heben sich die Trümmer einer gewaltigeaWasserleitungsbrücke, 
die an dieser Stelle ein Seitentbal überspannt. Die Fortsetzung 
dieser Wasserleitung ist weiter unten auf der Jerichostrasse zu 
sehen. Das Netz dieser Leitungen scheint sich früher ziemlich 
Aveit über die Umgebung ausgedehnt zu haben. In Gegenden, 




*.' t>i 










Abb. 4. Mühle im Wadi el-Kelt. Nach einer Photographie von 
A. Heintzs in Jerusalem. 

wo heute kein Strauch wächst, mögen zur Kömerzeit schöne 
Anpflanzungen gewesen sein. 

Von der Mühle aus würde der bequemere Weg rechts vom 
Thal bald hinauf zur Fahrstrasse führen. Um jedoch möglichst 
nahe am Bachbett zu bleiben, muss man diesen Ffad binnen 
Kurzem verlassen und , noch einmal das Wasser überschreitend, 
sich auf die linke Seite begeben. Etwa eine Viertelstunde lang 
kann man den guten Weg benützen. Auf dieser Strecke er- 
weitert sich der Wadi bedeutend, und hier ist auch jeder Fuss- 
breit Bodens bepflanzt. Gemüse aller Art, auch Getreide wird 



26 



gebaut; von Obst sind namentlich zu erwähnen die Granatäpfel, 
welche in grosser Menge gezogen werden. Diese Gärten ge- 
hören zur Mühle. 

Weiter unten, wo man, wie gesagt, links vom Wadi bleibt, 
verengt sich dasselbe, und die Abhänge werden steiler. Der 
Wanderer muss gut Acht geben, um auf den Ziegenpfaden, die 
er hier benützen muss, nicht zu straucheln. Vögel aller Art be- 
leben diese wilde Gegend. Abgesehen von Steinhühnern, Felsen- 
tauben und Staren kreisen Raubvögel, wie Adler, Falken und 




Abb. 5. Der el-lyelt. das Georgskloster, vom südlichen Abhang gesehen. 
Nach einer Photographie von A. Heintze. 

Schmutzgeier, in den Lüften. Auch Füchse kreuzen hie und du 
den Weg, und Wildkatzen nähern sich von jenseits dem Wasser, 
ohne die Schusswaffen der Wanderer, die ihnen Avegen der Ent- 
fernung nichts anhaben können, fürchten zu müssen. Nach 
einem beschwerlichen einstündigen Marsch erblickt man eine 
zerfallene römische Wasserleitung, die den liach an einer 
schmalen Stelle überbrückte. Noch eine Wendung und der el- 
kelt^ ein griechisches Kloster, liegt oder hängt vielmehr vor dem 
erstaunten Blick, denn wie ein Schwalbennest ist es in die Fugen 
der ungeheuren Felswand eingeklebt. Der Pfad endigt schliess- 



27 



lieh in eine Rinne ; wie sich nachher herausstellt, dient diese 
zur Sammlung von Regenwasser für die Cisterne des Klosters. 
In dieser Rinne muss man fortschreiten und an einer Stelle unter 
dem tief herabhängenden Felsen hindurchkriechen, bis man eine 
Treppe erreicht, die zur Hinterthür des Klosters hinabführt, dessen 
Mönche denWanderer gastfreundlich bewirthen. Wer eine Nacht 
hier zubringen will, hat sich mit einem Empfehlungsbrief von 
Seiten des griechischen Patriarchats zu versehen. Der hohe Balkon 
des Klosters gewährt eine eigenartige Aussicht auf die Milde 




Abb. 6. Der el-Kelt, das Georgskloster, von Süden her in grösserer Nähe- 
Nach einer Photographie von A. Heintze in Jerusalem. 

Schönheit der Schlucht. Eine merkwürdige Vorrichtung zum 
Wasserschöpfen haben die Mönche: von einem Fenster führt ein 
Eisendraht bis zu dem Avohl 50 m tiefer liegenden Wasserspiegel 
des Baches ; an diesem Draht läuft auf einer Rolle der Eimer, 
welcher, an einer Schnur hinabgelassen, sich von selbst füllt und 
vermittelst einer Welle aufgezogen wird. Die Cisterne ist nur 
für den Notfall erbaut, wenn einmal der Bach versiegt, was nur 
selten vorkommen soll. Gegenüber, auf der rechten Seite des 
Wassers, sind schöne Gartenanlagen. 

Vom Kloster aus kann man eine nenerbaute Brücke über- 



28 

schreiten vmd auf einem guten Wege zur Jerichostrasse gelangen, 
auf der man in einem vierstüiuligen Kitt Jerusalem, in einer 
starken Stunde Jericho erreicht. Wer aber das Thal weiter 
verfolgen will, wandert auf einem guten, von den Mönchen an- 
gelegten und unterhaltenen Weg auf der linken Seite des Thaies 
weiter. Namentlich Morgens, wenn man etwa im Kloster über- 
nachtet hat, ist dieser Weg an der Schlucht entlang wunderbar 
schön. In nächster Nähe des Wassers befinden sich zahlreiche 
Einsiedlerwohnungen, die jetzt zum Theil noch von griechischen 
Mönchen benützt werden. 

Eine gute Stunde unterhalb d^r el-kelt öffnet sich der Wadi, 
uud die Felsen fallen schroff ab nach dem Jordanthal zu. Ganz 
plötzlich sieht man sichnus dem Gebirge in die fruchtbare Tief- 
ebene versetzt. Das Thal nimmt jetzt — eine halbe Stunde 
oberhalb Jericho's — ein ganz anderes Aussehen an, es erweitert 
sich bedeutend und entfaltet einen prächtigen Pflanzenwuchs. 
Vorherrschend ist eine stachelige Akazienart , deren geniessbare 
Früchte von den Eingeborenen dmn genannt werden. [Offenbar 
Ä?V/r, Zizyphus Spina Christi. Red.] Die Thierwelt ist hier in 
der Ebene noch reichlicher vertreten als im Gebirge. Die 
meisten der dort lebenden Thiergattungen kommen hier in 
grosser Menge vor. Dazu kommen im winterlosen Klima des 
Ghör eine Anzahl tropischer Vögel, Avie z. V*. der Kolibri (Honig- 
sauger) u. A. In den dichten Huschen des Wadi hausen auch 
Wildschweine. Oberhalb Jericho wird der Wadi von einer neu 
erbauten, schön ausgeführten Wasserleitung überbrückt, die das 
Wasser der sog. Elisaquelle '\ain es-sidtän] den Gärten von 
Jericho zuführt. 

Zwei Stunden unterhalb Jerichos mündet der idädi el-kelt 
ganz nahe bei dem Badeplatz der Pilger in den Jordan. 

Jerusalem, August 1896. 



Kurze Mltllieilnngen, 

Bs. Der Jericho-Oase ist seit den letzten 10 — 12 Jahren eine 
stets grössere Aufmersamkeit geschenkt worden. Sowohl das 
griechische Kloster in Jerusalem als auch die Eussen haben in 
der dortigen Gegend alte Heiligthümer wieder hergestellt, sowie 
neue Häuser für Geistliche und Mönche gebaut. Ferner ist seit 
einigen Jahren dort ein Hotel eingerichtet, das sich auf der 



•29 

Fahrstrasse leicht erreichen lässt und besonders zur Winterszeit 
von Reisenden besucht wird. Gegenwärtig denkt man schon 
daran, dort eine Gesundheitsstation zu gründen. Es kann keinem 
Zweifel unterliegen, dass dieser Plan mit der Zeit verwirklicht 
wird. Denn auch dieses Tiefland mit .seinem Tropenklima tritt 
unter das Zeichen des unaufhaltsam sich ausdehnenden Xer- 
kehrs. Ein unternehmender Mann, hinter dem einige Priester 
des erneuerten griechischen Johannesklosters {kas7- el-jehud) am 
Jordan stehen, hat ein kleines Dampfschiff aus Europa herge- 
bracht, mit dem der Jordan und das Todte Meer befahren werden 
soll (vgl. MuN 1897, 8. 7. Die Ked. . Es ist sehr Hach gebaut, 
so dass es auch bei ganz geringem Wasserstande flott bleibt. Der 
erste Versuch einer Jordanfahrt, zu dem Gäste geladen waren, 
entsprach jedoch den gehegten Erwartungen nicht, weil es an 
einem sachverständigen Maschinisten fehlte. Das Feuer brannte, 
das Wasser kochte, aber die Maschine arbeitete nicht, so dass das 
Fahrzeug, anstatt stromaufwärts zu fahren, von der Strömung 
mit fortgerissen wurde. Die Insassen gericthen in Schrecken, 
trösteten sich jedoch damit, dass sie im Todten Meere den 
Dampfer durch Rudern ans Land bringen könnten, weil dort 
die Strömung aufhört. Um jedem Unglück vorzubeugen, Hessen 
sie das Feuer auslöschen. Als darauf irgend eine Kleinigkeit 
an der Maschine gemacht wurde, fing diese plötzlich an zu 
arbeiten. Der Dampfer fuhr aufwärts gegen den Strom und er- 
reichte glücklich das erstrebte Ziel. 

Zwei andere kleine Dampfer werden nun hier in der Ge- 
werbeschule der Alliance israelite gebaut, die mit dem ersten 
zusammen zu Fahrten auf dem Jordan bis zum galiläischen Meer 
aufwärts und auf dem Todten Meere dienen sollen. Ueber die 
Berechtigung zu solchen Fahrten wird Verschiedenes erzählt. 
Die Einen behaupten, der Unternehmer habe einen grossher- 
lichen Firman dazu auf eine Anzahl von Jahren; die hinderen 
sagen, das sei durchaus nicht der Fall, sondern von massgeben- 
der Seite sei bereits Protest erhoben worden. Welche Angabe 
die richtige ist, kann ich nicht sagen. 

— . Die Siloahquelle war den ganzen Sonnner und Herbst 
lang so gut wie trocken. In der Höhle der Marienquelle gab es 
wohl täglich soviel Wasser, dass die Frauen aus dem Dorfe 
Silwän ihre Krüge und Schläuche füllen konnten ; aber durch 



30 

den bekannten Felsenkanal l)is znr Siloahquelle kam nichts 
hinab. Seitdem nun die starken Kegen gefallen sind, fliesst die 
Quelle wieder wie früher. Aber auch das Wasser des blr eijvh 
fliesst, wie es nach so starkem Regen gewöhnlich, doch nicht 
gerade jedes Jahr, der Fall ist, als ein Avirklicher Hach den tmdi 
en-nar hinab. Man betrachtet diese Erscheinung als Anzeichen 
eines fruchtbaren .Jahres. 

— . Das Wetter in diesem Winter ist ungewöhnlich, auch 

der Kegenfall. Schöne Avarme Tage wechseln mit starkem an- 
haltenden Kegen, doch ohne viele Stürme, wie es sonst der 
Fall zu sein pflegt, vmd ohne jedes Gewitter. Nach Neujahr 
regnete es beinahe eine Woche lang. Die Cisternen füllten sich 
und in den Thälern strömten mächtige Bäche. Der Jordan 
schwoll so an, dass sich die Wasser bis zu den alten Ufern aus- 
dehnten, dass die Brücke (s. Abb. 7) mehrere Meter hoch über- 
fluthet und die Bäume am gewöhnlichen Ufer bis an die Gipfel 
unter Wasser gesetzt wurden. Aller Verkehr war unterbrochen. 
Einige Personen, die von Jerusalem nach es-Salt gereist waren 
und die Jordunbrücke ohne jede Schwierigkeit hatten passiren 
können, fanden bei ihrer Rückkehr den Weg abgeschnitten. Sie 
mussten sich ungefähr eine Woche lang in einem Zelt, das sie 
von den Beduinen geliehen bekamen, in der östlichen Ebene 
nicht weit vom Flusse aufhalten und warten, bis die Wasser so 
weit gefallen waren, dass die Brücke wieder frei war. Der Auf- 
gang zur Brücke war zwar weggerissen worden. Doch konnten 
sie durch Bäume, die die Fluth entwurzelt hatte, eine Verbin- 
dung herstellen, so dass sie selbst über die Brücke an das west- 
liche Ufer gelangen konnten ; die Pferde mussten hinüber- 
schwimmen. 

* Eine in Mosaik ausgeführte Karte Palästina's vom Libanon 
bis Aegypten ist kürzlich in Madeba im Ostjordanlande entdeckt 
worden. Die Karte, 30 Fuss lang und 15 Fuss breit, soll aus 
dem 5. Jahrhundert stammen und den Fussboden einer christ- 
lichen Kapelle gebildet haben. Leider ist sie stark verletzt; doch 
wird die Darstellung als sorgfältig und genau bezeichnet. Hof- 
fentlich gehen binnen Kurzem nähere Nachrichten von Herrn 
Architekt Palmer ein, der am 9. März den Fund an Ort und 
Stelle besichtigen wollte. 



31 




o 



c 

cu 



03 
ÖC 



0) 

ü 

w 

ü 

d 



ä 

o 
> 






u 

Ol 



ä 

CS 

TS 

kl 

o 

1-5 
0) 

p 






II. Nachrichten. 



öescliäniiclie Mlltliellegeu nnd Persoiialnacliriclilen, 

Unter Hinweis auf den S. 19 t. gedruckten Bericht Dr. Otto Kersten's 
kann hier die erfreuliehe Mittheilun«; gemacht werden, dass sich die Mitglie- 
der unseres Vereins in Jerusalem am 25. Januar d. J. in einer im dortigen 



32 

Hotel Europäischer Hof abgehaltenen Versammlung zu einem Zvveigverein 
zusammengeschlossen haben. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Herr P. Gkoth 
königlicher Regierungsbaumeister, zu dessen Stellvertreter Herr L, Bauek. 
Lehrer am Syrischen Waisenhause, zum Schriftführer Herr P. Palmer, Ar- 
chitect, zum Kassirer Herr L. Schönecke, Kaufmann. Der Zweigverein be- 
absichtigt alle 4 — 6 AVochen Versammlungen abzuhalten, in denen durch Vor- 
träge oder Besprechungen das Interesse der Mitglieder rege gehalten und bei 
einzuführenden Nichtmitgliedern und Fremden ein solchps wachgerufen wer- 
den soll. Die Versammlungen finden bis auf Weiteres im Hotel Europäischer 
Hof statt. 

Zur Begründung einer Bibliothek hat der geschäftsführende Vorstand 
des DPV. dem Jerusalemer Zweigverein auf seine dahin lautende Bitte die 
bisher erschienen Jahrgänge der Zeitschrift und der Mittheilungen und Nach- 
richten des DPV. als Geschenk zugesandt. Auch ist er mit Herrn Dr. Ben- 
zinger , der im April nach Jerusalem zu reisen gedenkt, in Verhandlungen 
betreff"s fester Regelung des Verhältnisses zwischen dem neuen Zweigverein 
und dem geschäftsführenden Vorstande sowie betreffs der Thätigkeit des 
Zweigvereins eingetreten. Der Vorstand hält dafür, dass persönliche Bespre- 
chungen mit Herrn Dr. Benzinger am besten zu dem Ziele führen werden, 
die Stellung und die Thätigkeit des Zweigvereins, dessen Begründung vom 
Vorstande mit grosser Freude begrüsst worden ist, auf die Dauer zu sichern. 



Herr Architect P. PA[>:\rER in Jerusalem hat die Güte gehabt, die Ge- 
schäfte eines ständi-ren Berichterstatters für den DPV. zu übernehmen. 



Herr Prof. Dr. Rvd. Brünnow in Vevey hat dem Vorstande einen 
ausserordentlichen Beitrag von 100 Ji zur Förderung der jetzigen kostspieli- 
gen Arbeiten des Vereins zugesandt. Der Vorstand spricht ihm auch an die- 
ser Stelle seinen herzlichen Dank aus. 



Dr. G. Schumacher in Haifa hat nach Leipzig eine Sammlung von Höl- 
zern aus dem 'Adschlün gesandt, Stöcke und Durchschnitte von Eichen. Birn- 
bäumen und Erdbeerbäumen. Nach Abzug einiger Stücke, über die Dr. Schu- 
macher persönlich bestimmt hat, wird diese Sammlung in den Besitz des 
Vereins übergehen. Auch an dieser Stelle sei Herrn Dr. Schumacher der 
beste Dank ausgesprochen. 



Dem Verein sind als Mitglieder beigetreten: 

Lindl, Dr. Enift. Ceoperator, in Niederaschau b/Prien. 

Siec/lin, Dr. IJllJiclm, Custos an der Universitätsbibliothek zu Leipzig. 



Geschlossen am 20. Miirz 1897. 



Druck VOQ Breitkfiiif it Hfuti»! in Leipzig. 




I. Mittfieilungen. 



Ein Ausllns iiacli 'Aiii Karini. 

Von Baurath Dr. Schick in Jerusalem. 

IG. Februar 1897. 

Viele Jahre sind verstrichen, seitdem ich zuletzt den Ort "^Ain 
Kärim oder St. Johannes im W. von Jerusalem besuchte. Vor 
einigen Wochen fand ich Veranlassung, mich mit einigen anderen 
Herren zu Wagen dorthin zu hegeben, und wurde durch die Ein- 
drücke, die ich erhielt, auf das Lebhafteste in Anspruch genommen. 

Die Fahrstrasse fällt vom Jafathore an filr die erste Strecke 
von etwas über 2Y2 km mit der nach Jafa führenden Strasse zu- 
sammen. Der Weg ist sehr gut und auch breit genug, so dass 
man zu Klagen keinen Anlass hat. Oberhalb Liftä's zweigt er 
nach links, d. i. nach SW. hinab und führt durch ein Steinfeld 
an einigen unbedeutenden Ruinen vorbei, indem er sich an den 
oberen Anfängen der hier entstehenden, nach S. und SO. ab- 
fallenden Thalmulden hinzieht. Wenn man sich dem Dorfe der 
jäün gegenüber befindet, so beginnen zu beiden Seiten der Strasse 
die Weinberge. Zwischen ihnen windet sich die Strasse die Höhe 
hinauf, von der man die bekannte prächtige Aussicht hat, nach 
O. auf Jerusalem und die Berge von Moab im Hintergrunde, nach 
W. über die Berge Judäas bis auf das Mittelmeer. Eine Anzahl 
russischer Pilger, die eben den ]5erg erstiegen hatten, lagerten 
hier oben zum Ausruhen. Der Weg zieht sich bei massigem Ge- 
fälle in einem liegen am Hange des hier breit beginnenden Thaies 

MnN. des D. Pal. -Ver. 1897. 'X 



34 

hin und führt dann an der Südwand des Thaies, das stets en^er 
wird, hinab. Schon wird ein vergohletes Kreuz sichtbar. Bei 
dem siebenten Kilometerstein wendet sich der Weg um den Ab- 
hang des steil abfallenden Bergrückens südwärts hinüber, so dass 
man auf das katholische Kloster St. Johann, auf das weiter nach 
W. sich ausbreitende Dorf'Ain Kärim und auf dasrothe, schloss- 
artige , mit Mauern umgebene Kloster der katholischen Zions- 
schwestern hinabsieht. Bald erreicht die Strasse ein von SO 
nach NW. streichendes Parallelthal, in das sie einbiegt und dem 
sie abwärts folgt, an der andern Seite des Johannesklosters vor- 
über, zum südlichen Theil des Dorfes und bis zu der bekannten 
Quelle Ain Sitti Marjam Marienquelle), über die jetzt eine Mo- 
schee mit hohem Minaret erbaut ist. Hier pflegt man auszusteigen 
und sich zu Fuss die Umgebung anzusehen. 

Vor Allem wird der Beschauer gefesselt durch die drei hohen 
neuen Kirchthürme, die hier, abgesehen von dem Minaret, stark 
in die Augen fallen , ferner überhaupt durch die grosse Anzahl 
von neuen Gebäuden. Das Johanneskloster der Franciskaner ist 
durch einen mit Ziegeln gedeckten grossen Neubau, die Johannes- 
kirclie durch einen Vorbau vergrössert worden. Diese letztere 
hat dazu einen hohen Glockenthurm erhalten, dessen Kreuz uns 
schon vor der Ankunft gegrüsst hat. Diesem Franciskanerkloster 
gegenüber hat der griechische Patriarch nach vielen Schwierig- 
keiten eine kleine niedliche Kirche, in deren Thurm ebenfalls 
eine Glocke hängt, für die wenigen griechisch-orthodoxen Christen 
in 'Ain Kärim gebaut. Wenden wir den Blick nach S., so sehen 
wir oberlialb der oben genannten Quelle an dem südlichen Ab- 
hänge des Thaies eine Anzahl von Privathäusern und weiterhin 
die neu entstandene russische Niederlassung, die eine nähere Be- 
schreibung werth ist. 

Der Grund und Boden wurde nach und nach von dem 1894 
verstorbenen Archimandriten Antonin, dem Vertreter der rus- 
sischen Mission in Jerusalem, gekauft. Auf ihn geht auch die 
Gesammtanlage der Niederlassung zurück. Sie besteht aus einer 
grossen Anzahl kleiner villenartiger Häuser — ich zählte 40 — 
die über die Berghalde hin zerstreut liegen und von Gärten um- 
sehen sind, und gehört der russisch-orthodoxen Mission in Jeru- 
salem. die den einzelnen Personen den Platz zum Bau eines 
Hauses übergiebt, das während ihres Lebens von ihnen bewohnt 
werden kann, nach ihrem Tode aber an die russisch-orthodoxe 



35 

Mission (k. russische Palästina -Gesellschaft) zurückfällt. Die 
Mehrzahl der Häuser wird von einzelnen russischen Frauen, 
Nonnen und Wittwen, bewohnt, von denen je zwei oder drei auf 
ein Haus kommen. Insgesammt sollen etwa 100 einzelne russische 
Frauen dort wohnen. Einige Häuser befinden sich im Besitz von 
Familien. Die Gebäude sind klein, meist einstöckig, wenn sie 
auch häufig wie zweistöckig aussehen, da sie am Abhang erbaut 
sind. Unten befinden sich Keller und Cisterne; die Zimmer sind 
ebenfalls klein, etwa 3 bis 4 nebst Küche in jedem Hause. Alles 
ist äusserst reinlich gehalten, und wohin man tritt, sieht man 
freundliche Gesichter. Hier und da sieht man Diener, Gärtner 
und Wächter beschäftigt. Von dem Hauptwege führen schmale, 
eingefriedigte Seitenwege zu den einzelnen Häusern, nicht selten 
durch Steinstufen unterbrochen. Ueberall sind Bäume gepflanzt 
und kleine Gärten angelegt. Die ganze Niederlassung ist von 
einer ansehnlichen Kirche mit grünem Dach überragt; neben ihr 
steht ein fester Glockenthurm, in dem mehrere kleine und eine 
grössere Glocke (00 Centner) hängen. Auf der Höhe des Abhangs 
erhebt sicheinviereckigerWacht-undAussichtsthurm, von dessen 
Zinne man einen weiten Blick geniesst, nach W. bis aufs Mit- 
telmeer. 

In der Mitte der russischen Niederlassung steht die den 
Lateinern gehörige Zacharias-Kapelle, die die Stätte der angeb- 
lichen Sommerwohnung des Zacharias (Luc. 1, 39 ff.) bezeichnen 
soll. Auch sie ist jetzt mit einem neuen hohen Glockenthurm 
versehen. Neben ihr erhebt sich auf deni Felsen ein mehrstöckiges 
neues Kloster, dessen Dach mit europäischen Ziegeln gedeckt ist; 
es wird von einigen Franciskanern bewohnt. Sämmtliche Ge- 
bäude sind von einer Mauer umgeben, deren Thor von dem Haupt- 
wege zu erreichen ist. 

Die Veränderungen, die sich in 'Ain Kärim in den letzten 
Jahrzehnten vollzogen haben, sind demnach sehr gross. Das 
Ganze gewährt ein äusserst freundliches Bild. Der Ort liegt auf 
einem natürlichen Vorsprung der höheren Berge im ()., die Ab- 
hänge sind gut bebaut und bewachsen, Ruinen oder Ortschaften 
krönen die umliegenden Bergspitzen. *^Ain Kfirim verdient wohl, 
als der schönste Ort im südlichen Palästina gepriesen zu werden. 
Schon jetzt wird er oft als Sommerfrische aufgesucht und wird 
sicherlich immer beliebter werden. Er ist von Jerusalem leicht 
zu erreichen, auch ist für freundliche Aufnahme in einem schon 

3* 



36 

früher errichteten schlossartigen Gebäude gesorgt, in dem der rus- 
sische Geistliche sowie die Diener und Gehülfeu der Niederlassung 
wohnen. Besonders für die Russen besitzt der Ort grosse Anzie- 
hungskraft; man sieht fast jeden Tag russische Pilger hin- und 
hergehen. Sie nennen den Ort »Gorni« d. i. Gebirge nach 
Luc. 1, 39. Selbst die Muslimen haben schon grössere und bessere 
Häuser gebaut als früher. Man ersieht daraus, dass die christ- 
liche Kultur auch ihnen Nutzen bringt und ihren Wohlstand 
hebt. 



Ein FelsMoclf mit ßräliern liei Jerosalei. 

Von L. ScHOENECKE in Jerusalem. 

31. October 189G. 
Auf meine Veranlassung hat man vor einigen Monaten an- 
gefangen, von einem in unmittelbarer Nähe des Damaskusthores 
gelegenen grösseru Stück Land, das, nebenbei bemerkt, von dem 
jetzigen Besitzer zu verhältnissmässig billigem Preise verkauft 
werden soll, den darauf lagernden Schutt abzuräumen. Bei die- 
sen Arbeiten wurde etwa 2 m unter der Oberfläche letzthin ein 
künstlich zugehauener Felsblock entdeckt, 140 m vom Damaskus- 
thor in nordöstlicher Richtung und 130 m südlich vom soge- 
nannten Gordonsgrabe, dem angeblichen Grabe Christi gelegen. 
Man glaubte anfangs, nur einen grossen Stein vor sich zu haben; 
doch zeigten sich sehr bald senkrecht hinunter gehauene Wände, 
so dass die würfelförmige Gestalt deutlich hervortrat. Auffallender 
Weise hängt jedoch die östliche Seite bei 1,20 m Tiefe um 0,15 m 
über. In derselben Tiefe sind bis jetzt mehrere Gräber gefunden 
worden, die noch etwas tiefer hinabgehen, je eins an der Süd- 
und an der Nordseite und zwei an der Westseite, die selbst noch 
etwas unter den Felswürfel hineingreifen, da sie sonst für die 
Leiche eines erwachsenen Menschen nicht lang genug gewesen 
wären. Diese Gräber sind, soweit sie sich nicht unter dem Fels- 
block ausdehnen, aus flachen, aufrecht gestellten Steinen ge- 
mauert und einst mit Kalkmörtel ausgestrichen gewesen, 0,60 m 
breit, 0,50 m tief, und 1,G0 m bis 2,20 m lang; sie waren mit 
flachen querübergelegten Steinen zugedeckt vgl. die Zeichnung 
Abbildung 2). Der Raum zwischen den beiden Gräbern an der 
Westseite ist mit Mauerwerk ausgefüllt, wie die Zeichnung zeigt. 
Hinter diesen beiden Gräbern und dem Mauerwerk befindet sich 
so ziemlich in der Mitte des Felsens noch ein Grab, eine kleine 



37 



Höhle. Die Leiche hier war einst in einem Holzsar^e beigesetzt 
worden, da sich hier kein Schutt, sondern blos Moder und noch 
etwas Gebein völlig unberiihrt vorfand. An den Seiten lagen 
Metallringe mit Rosetten sowie vier Metallwinkel an den Stellen, 
wo einst die vier Ecken des Sarges waren. In den Winkeln und 
Kosetten steckten noch die Nägel, an denen zerfaulte Holztheile 
hingen. Daraus ergiebt sich zweifellos, dass hier einst ein Holz- 
sarg gestanden hat. Seine Bretter waren aber kaum 0,20 m dick, 
wie man an der Vernietung der Ringkloben sehen kann. Eine 
Inschrift, ein Kreuz oder ein anderes Abzeichen wurde bis jetzt 
nicht gefunden, so dass man die Herkunft oder das Alter des 



lk&i^kM-sifa4 




' • ; / /' / / 








Abb. 8. a Oberfläche des Felsblocks: Länge 3,40 ra. Breite auf der Nordscitc 
1,75 m, Breite auf der Südseite 1,90 m ; b Grab 0,50 m ; c Grab 0,50 m; d, d 
Decksteine auf den Gräbern; e Grab; f Grab 2,20 m lang; g Decksteine; 
h Grab; i Mauerwerk; k, k, k Grubenhalde im Schutt; 1, 1 Profilschnitt durch 

den Schutt. 

Grabes nicht sicher bestimmen kann. Baurath Dr. C. Schick 
meint, es seien christliche Gräber aus dem Mittelalter. Uebrigens 
zeugt die Beschaffenheit der gefundenen Gegenstände für ein 
nicht geringes Alter der Anlage. Sie sind nämlich trotz des 
trocknen, geschützten Platzes, an dem sie gelegen haben, schon 
so vom Rost durchfressen, dass sie selbst einer ganz vorsichtigen 
Prüfung nicht mehr Stand zu halten vermögen. Sie scheinen 
nicht aus Eisen hergestellt worden zu sein, wahrscheinlich aus 
Kupfer oder Bronze. Alle Nägel haben hohe, hügelartige Köpfe. 
Die Leichen in den anderen Gräbern haben nicht in Särgen ge- 



38 

legen; ausser Moder und einigem Gebein — in einem Grab 
selbst 3 Schädel — ist nichts gefunden worden. 

Der Felsklotz ist offenbar für das Grab mit dem Sarge als 
ein Denkmal zugehauen worden und hat wohl den Unterbau für 
ein solches gebildet. Vielleicht war das eigentliche Denkmal 
aufgemauert; denn ringsum haben sich in der Erde viele be- 
hauene Steine vorgefunden. Doch ist auf der Felslläche selbst 
keine Spur von Mörtel wahrzunehmen. Sic ist 3, 10 m lang, an 
der Südseite 1,90 m breit, während die Nordseite, wo die Ecken, 
wie die Abbildung zeigt, abgerundet sind, nur eine Breite von 
1,75 m hat. Die Fläche ist genau horizontal, aber, wie auch die 
übrigen Seiton des Felsblockes, nicht sehr glatt, sondern etwas 
rauh gelassen. 

Bei weiterem Abräumen hat sich an der Südseite noch ein 
zweites Grab gefunden, östlich davon auch Reste von Mauerwerk. 
Es scheint also Aussicht für noch andere Funde auf diesem 
Platze vorhanden zu sein. 



Insclirinen ans dem Ostjordanlande. 

Aus Briefen von Prof. K. Bkünnow. 

Ziza, 4. April 1897. 
Auf einer Inschrift in kasr cl-huscher (südlich von dthän in 
Moab) hat mein Reisegefährte Professor von Dümaszewski eine 
wichtige Angabe gefunden. Die fünfte Zeile lautet nämlich: 
NOBILISSIMIS CAESARIBVS CASTRA PRAETORII 
MOBENIAFVI^DAMENTIS 
Diese Lesung, die zweifellos sicher ist, bietet demnach den Namen 
praetorium Mobcnium, d. i. doch wohl das moabitische Prae- 
torium. 

Damaskus, iü. April 1S97. 
I. In dscherZisch im Garten des Bakir, der nördlich an die 
sogenannten grossen Thermen anstösst, fanden wir folgende In- 
schriften: 

a) auf der einen Seite: 

CATTIOFVSCI.^NO 
LEG AVG FR PR 

COS DESIG 
M ANTONIVS GEMELLVS 

CORNICVL 
VIBICELERIS PROC AVG 



39 

b) auf der andern Seite : 

IMPERATORICAESARI CMO 
UALERIOAIOCLETIANO 
INVICTOAVG 
DOMITIVS ANTONINVS 
VPPkPRDEVOTVSNOMINI sie 

MAIESTATIQUEHVS sie 

a) beweist, dass Gerasa zu Arabien gehörte und Sitz der Fi- 
nanzverwaltung war. 

2. Ebenfalls in dsclieräsch im Hause des ' Ali Abzach , auf 
einer säulenförmigen, sich oben verjüngenden Basis. Rechts von 
der Inschrift zwei Fische mit einem Dreizack dazwischen. 

AÜJXBtoP (auf dem oberen Wulst der Basis) 

// / /// üüTHPIACCeBACT"'^ 

AiinoceiAcoNi 

GNOCIXeONI 
CCOTHPl 
ANTIOXOCFAIOY 

ANHreipeN 

3. Diese Inschrift wurde genau östlich von der Mitte des 
Peribolus in der Richtung gegen den Fluss im freien Felde aus- 
gegraben, wie es scheint, an ihrem ursprünglichen Orte. Die Buch- 
staben sind roth ausgemalt. 

Man liest auf dem Gesims: ArAGHTYXH 
darunter auf der Randleiste : 



eTOYC-AKTlANAIKOY PK sie 

@ ßronzeloch 

eni r paxluat i acjuiap(o n oc 

ABBIBOYKAICYNAPXIAC 
AVTOYrAXlOVAPXON 
TOCKAIJXAAXAIOYKAI 
AIOIKHTC0N6PINNIOY 
KAIAPICT(0NOC KAI 

TtoNneNTepoeioY 

KeCABINOY KeOABANOY 
Ke AMPeiAlOY KG GYAA 
AIOY A(t)iePa)eHHCTOA 
KGOAXeeiC BcoMOC 



40 

4. In der Nähe von derZd-^ westlich von dem Orte, fanden 
wir einen Stein auf freiem Felde, der folgende Inschrift trägt: 

YnEPEWTHPIACTOYKYPIOYHMWNAYTO 
KPATOPrAAAlHNOYCEB.AcMEPWeHOnYP 
rOEMETATHEAEKANIACnPONOIAlOYNIOY 
OAYMPOYTOYAlATEIMOTATOYHrEMONOE 
E<I)EETWTOE0AAOYIANOYB(l)nPOEA 
MAFHOY BAECOY ETPN 



BemerküEgen Ml Nacliträge. 

1) Herr Ephraim Cohn, Director der Lämel-Schule in Jeru- 
salem, sendet folgende Beiträge zur Erläuterung der von Frau 
Lydia Einsler in Jerusalem gesammelten Arabischen Sprich- 
wörter ZDrV. 19,65 ff. 

Der Spruch Nr. 10 ist vollkommen identisch mit Proverbia 
27, 10: Besser ein Nachbar in der Nähe als ein Bruder in der 
Ferne. 

Der Spruch Nr. 39 stimmt mit Prediger 11, 1 »Lass dein 
Brot übers Wasser fahren« etc. (Eine schon öfter besprochene 
Frage.) 

Der Spruch Nr. 75 findet sich im Talmud unter der Form : 
Sbp rr^l "i-irn Sb Si-'^a IH.'^Vd n^irrc- i51^n »in den Brunnen, aus 
welchem du getrunken hast, wirf keine Erdscholle«. 

Der Spruch Nr. 78 findet sich im Talmud unter der Form 
SI'^rD T\T\ S5"1T 5D* »wenn der Ochse zu Boden fällt, so schärfe 
das Messer«. 

Der Spruch Nr. 120 findet sich im Talmud unter der Form 
yJS TI':i5n rrs< yr^S Sb Sirjn i^nrj »Ein Berg begegnet sich mit 
einem andern nicht; wohl aber begegnet sich ein Mensch mit 
einem andern«. 

Zu dem Spruche Nr. 141 vergl. den Satz des Talmud 3"n 
ÜSn "^nS "^nni« a-^zb-in D*^:! »Die meisten Kinder gerathen nach 
dem Bruder der Mutter«. 

Nr. 159 will bloss besagen, dass der Arme den Reichen hasst. 

2) Zu dem Namen des Altars el-wakfa MuN 1897, S. 1 ver- 
weist J. Wellhausen auf seine »Reste arabischen Heidentums« 
(Zweite Ausgabe, Berlin 1897, S. 81). Der »Vuqüf« ist darnach 
das Warten auf den Lauf, beziehentlich die Procession zwischen 
zwei heiligen Stationen. A. Socin. 

3) Zu MuN 1897, S. 5 schreibt J. Wellhausen: Misibß 



41 

(LIaAAa/i aus »^J^'') ist allerdings höchst wahrscheinlich Mizpe; 
denn das ist massebä. Vgl. Composition des Hexat. etc. 1889, 
S. 44, Anm. 1. 

4) Zu MuN 1897, S. 13 bemerkt J. Wellhauskn die Glei- 
chung ^E'Aaf.iar = salämän = Salomo. (Der Name ^Elaf.iav ist 
häufig auf Inschriften aus der Gegend des Haurän, vgl. Wetz- 
stein in Abhandlungen der Berliner Akademie 1863, S. 2G4. 
364. Renan, Mission de Phenicie 676). G. 

Kurze Mlttlielliiiigen. 

Bs. Die Pilger aus der Zeit der Kreuzzüge erzählen öfter 
von einer Kirche, die über der Quelle oder dem Teiche Siloah er- 
baut war, und nennen sie Salvator Illuminator, d. h. Kirche des 
Augenlicht gebenden Heilandes. Der Hochaltar soll über dem 
Brunnen gestanden haben. Auch Antoninus spricht um 600 
n. Chr. schon von einer Kirche, unter der Siloah entspringe, 
mit Einrichtungen zum Baden. Da jetzt Alles zerstört und mit 
Erde bedeckt ist, so konnte man die alten Berichte nicht ver- 
stehen. Die Meisten nahmen an, dass die Kirche über dem 
jetzigen kleinen Teiche gestanden habe und dass die beiden an 
dessen Nordseite noch stehenden Säulenstümpfe von dem alten 
Bau herrührten. [Anders ist die Sache von mir ZDPV. V, 361 ff. 
besprochen worden. G.] Die von Dr. Bliss geleiteten Aus- 
grabungen des English Palcstine Exploration Fund haben neues 
Licht über die Sache verbreitet. Die Mauern der Kirche sind 
in den untersten Lagen, 6 m unter der Oberfläche, noch erhalten, 
auch die untersten Steinschichten des Chores sowie die Füsse 
der Pfeiler und Säulen. Gerade über dem Ausflusse des Siloah- 
kanals hat der Altar gestanden, der einst durch eine hohe Kuppel 
überwölbt war. An der Nordseite der Kirche lief ein Kreuzgang, 
zu dem breite Teppen von der Stadt hinabführten. [In meinem 
Bericht über die englischen Ausgrabungen werde ich demnächst 
auf die Sache zurückkommen. G.] 

— . x\. M. LuNcz hat auch für das Jahr 1S97 , Avie schon für 
1896, einen »Literarischen Palästina -Almanach« in Jerusalem 
herausgegeben [vgl. ZDPV. XIX (1896), S. 134. G.] Das Buch 
ist 15 Bogen stark und ist mit mehreren Holzschnitten ausge- 
stattet. Preis 1 Ji. Es enthält Nachrichten über Palästina und 
über die Fortschritte der Palästinakunde, I^rzählungen, eine 
Jahresübersicht, Statistisches etc. 



42 

— . Tm syrischen Waisenhaus in Jerusalem sind im Januar 
d. J. einige armenische Waisenknaben aufgenommen Avorden. 
Auch in dem evangelischen Missionshause in Bethlehem werden 
Vorkehrungen für die Aufnahme einer Anzahl solcher Waisen- 
knaben getroffen. Die verschiedenen katholischen Anstalten 
beabsichtigen, wie ich höre, das Gleiche zu thun. Im arme- 
nischen Kloster hier haben ebenfalls einige armenische Waisen 
Zuflucht gefunden, 

Sa. In der Nacht vom 20/21. Februar starb der griechische 
Patriarch von Jerusalem, Gkrassimos I, nach einer langen und 
schmerzvollen Krankheit. Er stammte aus Astros im Peloponnes, 
wo er 1839 geboren wurde. Er begann seine Studien in der theo- 
logischen Schule des Kreuzklosters bei Jerusalem. Später wid- 
mete er auf der Universität von Athen seinen Fleiss hauptsächlich 
der Mathematik. Darin hat er auch sieben Jahre lang am Semi- 
nar in Jerusalem unterrichtet. Als erster Sekretär des Patriar- 
chats erhielt er Gelegenheit, seine hervorragende Begabung und 
sein grosses Geschick zu beweisen. Seiner Bildung und Liebens- 
würdigkeit hatte er es zu danken, dass er bis zu den höchsten 
Würden seiner Kirche emporstieg. Während er sein Kloster in 
Konstantinopel vertrat, knüpfte er nicht nur mit der dortigen 
Gesellschaft, sondern auch mit den diplomatischen Kreisen Be- 
ziehungen an. Nachdem er die Würden eines Erzbischofs von 
Philadelphia und eines Metropoliten von Scythopolis erhalten 
hatte, wurde er mit der Vertretung der orientalischen Kirchen 
in Sachen der Klöster auf dem Berliner Congress betraut. 
1885 — 1891 war er Patriarch von Antiochien, 1891 — 1897 Patri- 
arch von Jerusalem. 

Gkrassimos zeichnete sich aus durch grosse Herzensgüte, 
durch eina umfassende Bildung, durch feine Verkehrsformen. 
Wo er konnte, hat er es nicht unterlassen, seinen Einfluss zur 
Förderung der Wissenschaft geltend zu machen. Den Gelehrten, 
die in der Bibliothek des griechischen Klosters in Jerusalem 
Studien machen wollten, bewies er das grösste Entgegenkommen. 
Er beherrschte mehrere Sprachen, hing aber mit besonderer Vor- 
liebe am Altgriechischen. Sein Tod ist ein herber Verlust für 
die griechische Kirche und erweckt lebhafte Theilnahme in 
Jerusalem. 

Hr. Seit Herbst vorigen Jahres etwa wird der Boden in der 
Umgebung von Bet Dschibrin von Fellachen fleissig nach Alter- 



43 

thümern durchstöbert. Nach dem Bericht meines Gewährs- 
mannes ist aus den aufgefundenen Gräbern und Hohlen bereits 
eine erkleckliche Zahl Antiquitäten zu Tage gefördert Avorden. 
Dass die Leute in dieser Arbeit mit gierigem Eifer vorgehen, 
alle Ueberreste, Knochen etc. gewissenhaft durchsieben, lässt 
sich begreifen, wenn man erfährt, dass sie durch den Verkauf 
des Gesuchten manche Lira verdienen. Die Käufer, welche die 
Alterthümer nach England und Frankreich senden, sind meist 
Juden aus Jafa, er-Ramle,und Hebron. Ein Christ aus Medsch- 
del, der sich lediglich mit diesem Handel abgiebt, hat unlängst 
eine massig grosse Kiste mit 50 Stücken um den Preis von 22 
Napoleons erworben und glücklich hinausgeliefert, d. h. ungeöff- 
net durch den Zoll in Jafa geschmuggelt. Die Ausbeute erstreckt 
sich in erster Linie auf Gläser, ferner auf Ohrringe, Fingerringe, 
Münzen und Reliefs auf Bein, menschliche Wesen darstellend. 
Auch ein 70 cm grosser Steingötze wurde gefunden. Die Gläser, 
Kelche und Karaffen sind von verschiedener Grösse, Form und 
Farbe ; ausgezeichnet sind sie vor Allem durch einen wie Gold 
und Silber glänzenden Ueberzug, der sich in der Länge der Zeit 
ähnlich wie der Rost am Eisen gebildet habe. Der genannte 
christliche Händler hat z. B. zwei Gläser, welche liegende Ga- 
zellen darstellen, um 12 Napoleons erstanden. 

St. Die türkische Regierung versucht es nun, durch Am- 
nestie die Aussöhnung mit den Drusen zu Wege zu bringen. Es 
ist freilich fraglich, ob dieser Versuch zum Ziele führen wird, da 
einerseits bei den Drusen die heilige Pflicht der Blutrache noch 
in hohem Ansehen steht, und andererseits von einer Rückkehr 
der verbannten und mit Gewalt in das Heer gesteckten Drusen 
noch nicht die Rede ist. Jedenfalls ist beachtenswerth, dass die 
türkische Regierung jetzt in dieser Weise schwenkt, nachdem 
sie anfangs mit grausamer Strenge vorging, obwohl die Drusen 
nur für ihre sehr bescheidenen Wünsche zu den Waffen gegriffen 
hatten. Man fragt sich, weshalb? Will sich die türkische Re- 
gierung etwa der Unterstützung der Drusen versichern für den 
Fall, dass auch in Syrien ihr das Leben von einer europäischen 
Macht sauer gemacht wird? 

— . Das Bestreben der europäischen Grossmächte, die Herr- 
schaft des Sultans Abdul-Hamid zu erhalten, erregt nicht nur 
bei den Europäern, sondern auch ])ei den Eingeborenen im 
Orient bange Sorgen, selbst bei den Fellachen. Man fürchtet, 



44 

dass das blutige Regiment im Sinne des stramm-orthodoxen 
Islam, das blinde Vertrauen auf Allali und seinen Propheten, 
und die kühle Verachtung aller ethischen Rücksichten zu einem 
bösen Ende führen werden. Auch der ehrliche Muslim schüttelt 
den Kopf und bittet Allah um Beistand in der höchsten Noth. 
Es könnte nur einem mit grosser Einsicht und Thatkraft begab- 
ten Herrscher gelingen, Einhalt auf der abschüssigen Bahn zu 
erzwingen und dem gewaltsamen Untergange vorzubeugen. 
Dazu kommt, dass orientalische, besonders ägyptische Zeitungen 
sorgfältig die Einwände verzeichnen, die in Europa selbst gegen 
die Politik der Grossmächte erhoben werden. Man liest dort im 
Anschluss an französische Politiker Ausführungen wie die, dass 
»die wirklichen Feinde des Friedens, die eigentliche Kriegspartei, 
in denen zu finden seien, die dem launenhaften Despotismus des 
Diwan Alles bewilligen, nichts jedoch der fortgesetzten Klage 
und dem ängstlichen Hilferuf der unterjochten Völker, mögen 
diese Muslimen oder Christen sein ; die den Unterdrückten und 
Verzweifelten keinen anderen Ausweg lassen als die GcAvalt und 
der türkischen Regierung kein anderes Hilfsmittel als das Blut- 
bad« (Le Progres, Caire, 11. März 1897). — Die Franzosen be- 
halten ihre Pläne für Syrien offenbar fest im Auge, aber im All- 
gemeinen ist die Sympathie für Frankreich in christlichen Kreisen 
doch etwas kalt geworden. Armenien, Candia etc. haben eben 
manches Auge geöffnet. 

— . Die Eisenbahn von Beirut nach Damaskus hat sich den 
regenreichen Winter hindurch gehalten. Die Frequenz ist in 
bescheidenen Grenzen geblieben ; an Dividende ist daher nicht 
zu denken. Besonders arbeitet die ZAveigbahn nach dem Haurän 
mit Verlust — eine nothwendige Folge der zwecklosen Ver- 
wüstung dieser Provinz durch die Regierung. Die neue Hafen- 
anlage in Beirut arbeitet ebenfalls kaum mit Gewinn; der Handel 
liegt eben in Folge des jetzigen Regierungssystems ganz darnie- 
der, was der Regierung selbst durch den chroniscben Geldmangel 
recht fühlbar Avird. 

— . An der Libanonküstenbahn wird Aveiter gearbeitet [vgl. 
MuN 1896, 75]; im Mai soll eine Theilstrecke eröffnet werden; 
sie mag, Avenn sie gut geleitet Avird, leidlich rentiren, Aveil sie die 
so nöthige A'erbindung zAA'ischen dem Bahnhof nach Damaskus 
und dem Hafen herstellt, zu der bisher, Avie es scheint, die Liba- 
noneisenbahn die nöthige Million nicht aufbringt. 



45 

— . Die Auswanderungslust ist in der Umgegend von Beirut 
sehr rege, trotz des Verbotes der Regierung. Die Fellachen des 
Gebirges glauben in Amerika grössere Aussichten zu haben reich 
zu werden als in ihrer bisherigen Heimath. 

P. In Bet Dschibrin sind vor einiger Zeit beim Pflügen eines 
Grundstückes Gräber gefunden worden, in welchen sich viele 
Glaskrüge (Thränenkrüge) von sehr starker Durchsichtigkeit, 
sowie Oellampen, meist ohne Inschrift, befanden. Auch soll eine 
Patriarchen -Krone und -Stab sowie andere Gegenstände aus 
Gold gefunden worden seiii. Der Verkauf dieser letzteren Funde 
ist aber so geheimnissvoll geschehen, dass man nicht genau 
weiss, was sie enthalten. 

— . Das neue englische Hospital auf dem Sanatorium von 
der englischen Judenmission erbaut, wurde am 13. April einge- 
weiht und eröffnet. Zu dieser Festlichkeit wurden Engländer 
und Deutsche eingeladen. 

— . Am 1. Mai wurde die »Deutsche Palästina Bank< in Jeru- 
salem errichtet. Sie ist eine Zweigniederlassung der »Deutschen 
Palästina- und Orient-Gesellschaft« in Berlin. Der Zweck des 
neuen Unternehmens ist der Betrieb von Bank- und Handels- 
geschäften, sowie Errichtung und Unterstützung von gewerb- 
lichen und dem Verkehr dienenden Anlagen. Diese Bankein- 
richtung wird mit Freuden besonders von den Deutschen begrüsst, 
und wird, wie zu hoffen ist, eine grosse Wohlthat für Jerusalem 
und das Land sein. 

— . Am 5. Mai ist Herr Dr. Benzinger in Jerusalem ange- 
kommen, und hat einer Vorstandssitzung sowie der Genoralver- 
sammlung des hiesigen Zweigvereins des DPV. beigewohnt. In 
dieser Generalversammlung wurden die von dem Vorstand in 
Leipzig vorgeschlagenen Statuten vorgelesen und angenommen. 
Ein ausführlicher Bericht mit den Statuten etc. folgt. 

— . Die griechischen Osterfesttage sind in Jerusalem sehr 
ruhig verlaufen, obgleich man allgemein davon sprach, dass ein 
Aufstand oder ein Gemetzel stattfinden sollte, besonders weil die 
muslimischen Pilger von ihrem' Wallfahrtsort Nebi Müsa den 
Tag vorher zurückkehrten. Den Frauen wiirde gänzlich unter- 
sagt, die Grabeskirche zu betreten, und jeder Eintretende Avurdc 
am Eingang untersucht, ob er Waffen bei sich trage. Die Cere- 
monien waren so kurz und ruhig als möglich; die Besucher der 
Grabeskirche waren meist russische Pilger. Von den umliegenden 



46 

Dörfern Jerusalem's durfte nur je ein Vertreter erscheinen, um 
das »heilige Feuer« mit naeli Hause zu nehmen. 

— . In Folge des griechisch-türkischen Krieges mussten alle 
griechischen Unterthanen abreisen. Die Meisten (etwa 1 ()(io) zogen 
am Ostermontag raitsammt ihrem Consul aus Jerusalem ah und 
begaben sich in der Mehrzahl nach Cypern, wo sie das Weitere ab- 
warten wollen. Die Ausgewiesenen hatten Frist bis zum 10. Mai. 

— . Die Bauthätigkeit in Jerusalem war bis jetzt sehr gering; 
ausser der Erlöser- und Stephankirche wurde sehr wenig gebaut. 
Es ist zu hoffen, das nun die Bauthätigkeit reger wird (Notre 
Dame de France fängt an), damit es den Arbeitslosen nicht mehr 
an I)eschäftigung fehlt. 

* Ueber die Mosaikkarte in Madeba ist inzwischen in ZDPV. 
XX, S. 64 eine weitere Mittheilung erfolgt, worauf an dieser 
Stelle verwiesen wird. 



Ans Zeitsclirllten, 

Revue de l'Orient Latin publice sous la direction de M. M. 
le Marquis de Vogue et Cii. Sciiefer. Sccretaire de la Redaction : 
M. Cii. Kohler. 3™^Annce. No. 1. Paris, Ernest Leroux. 1895. 

C. ÜESIMONI, Observations sur les monnaies, les poids et les mesures 
cites dans les actes du notaire genois Lamherto DI Sambuceto. I. Les 
monnaies. 1) Les besants d'or, les besants blancs et les poids monetaires du 
royaume de Chypre S. 1—6. 2) Le besant sarrazinas d'or S. (> f. .'{) Les di- 
rems de Turquie S. 7—9. 4) Direms nouveaux d'Armenie S. 9 f. 5] Monnaies 
occidentales par rapport aux monnaies orientales. Les tournois et les monnaies 
venitiennes S. 10—15. 6; Les monnaies genoises S. 15—17. 7) Autres mon- 
naies S. 17. 8) Rapport eutre la valeur de l'or et celle de l'argent en 1300 
S. 17—21. II Les poids et mesures S. 21 — 25. Additions et corrections aux 
actes et au glossaire des actes deLAMBEKTO DI Sambuceto S.26. N. Jorga, 
Une lettre apocryphe sur la bataille de Smyrne (1346) S. 27 — 31. MmeB.DE 
KniTROWO, Pelerinao-e en Palestine de l'abbesse Euphrosine, princesse de 
Polotsk (1173) S. 32—35. Die Pilgerin starb bald nach ihrer Ankunft in Je- 
rusalem und wurde in der Kirche des Theodosius-Klosters 'sier dösi] begra- 
ben, ihr Leichnam jedoch einige Jahre später nach Kiew gebracht. J. De- 
LAVILLE LE KouLX, Invcntaire de pieces de Terre Sainte de l'ordre de l'Hopi- 
tal S. 36 — 106. Der Verf., der im Jahre 1894 das grosse Werk Cartulaire 
general des Hospitaliers de St. Jean de Jerusalem herausgab- vgl. ZDPV. 
XVIII (1895), 202 Nr. 92), theilt nach Handschriften in Marseille ein Invcn- 
taire des chartes de Syrie mit, das der Archivar des Johanniter-Grosspriors 
von St.-Gilles, Je.\n Raybaud (1722—1745), zum grössten Theil aus uns ver- 
loren gegangenen Quellen im Auszug zusammengestellt hat. Es enthält 378 
Nummern, von denen fast 300 bisher nicht bekannt waren. Die im Auszug 
gegebenen Urkunden betreffen den Besitz und die Verliältnisse der Johanniter 
in Palästina während des 12. und 13. Jahrliunderts. Delayille LE Roulx 
bringt S. 44—106 sämmtliche Nrn. mit Nachweisen und Berichtigungen zum 
Abdruck. H. IIacenmeyer, Le Proces des Templiers a propos d'un 

livre recent S. 107— 128. Em])fehlende Besprechung des 1893 erschienenen 
Buches von JuL. Gmelin, Schuld oder Unschuld des Tempierordens. Bi- 



47 

bliographie. I Periodiques speciaux S. 129 — 134. II Livres et articles divers 
S. 134—150. Chronique S. 151—153. 

Troisieme Annce, No. 2. 1895. 

R. Röhricht, Le pelerinage du moine augustin Jauues de Verone 
(1335) S. 155—302. Erste vollständige Veröffentlichung dieser Pilgersehrift 
im lateinischen Texte nach einem Manuskript in Cheltenham, das für den 
Grafen lilANT abgeschrieben worden war. Zugleich hat 11. zwei deutsche 
Uebersetzungen , die handschriftlich in der königl. Bibliothek in München 
aufbewahrt werden, benutzt. Nach einer von ihnen hatten Röhricht und 
Meisner, Deutsche Pilgerreisen nach dem h. Lande (1880) S. 45 — (14 schon 
Bruchstücke veröflentlicht. Auch die lateinische Handschrift stellt nicht den 
wirklichen Urtext dar, der mit Zeichnungen versehen war, die bis auf eine 
(Sinaikloster) in ihr fehlen. Jacob von Verona reiste im S. bis zum Sinai 
und bis nach Kairo, im N. bis n'ach Damaskus und Beirut. Die Pilgerschrift 
zeichnet sich durch Genauigkeit und Sorgfalt aus. Von älteren Gewährs- 
männern hat er besonders Burchardi"s de Monte Sion (1283) benutzt. 
Cii. SciiEi-'ER, Le discours du voyage d'oultremer au tres victorieux roi Char- 
les VII, prononce, en 1452, par Jean Germain, eveque de Chalon S. 303 
— 342. PniLirr der Gute von Burgund versucht den König von Frankreich 
zu bewegen, den Türken im Orient entgegen zu treten. Nach einem Manu- 
skript der Bibliotheque nationale in Paris. Bibliographie I. Periodiques 
speciaux S. 343 — 354. II. Livres et articles divers S.354 — 303. Chronique 
S. 364 — 366. Der bekannte Thurm von Tantüra (Dor) an der Küste Palästina'ä 
unweit des Karmel ist am 15. Januar 1895 eingestürzt. 

Troisieme Annce, No. 3. 1895. 

Dr. J.-B. CiiABOT , Pierre l'Iberien , eveque monophysite de Mayouma 
[Gaza] ä la fin du Ve siecle d'apres une recente publication S. 367 — 397. Mit- 
theilungen aus »Petrus der Iberer. . .« hrsg. und übersetzt von Ricii. Raaf.e 
1895. [Vgl. ZDPV. XIX, 135] mit einem Register der erwähnten Eigen- 
namen. E. Rey, Les seigneurs de Giblet S. 398 — 422. Vollständige 
Umarbeitung des betreffenden Abschnittes in Du Cange, Les familles d'Üu- 
tremer. Die Herren von Giblet (Byblos) von 11(J9 — 1473. C. Piton, A 
propos des accusateurs des Templiers S. 423 — 432. L. DE Mas Latrie, 
Patriarches latins de Constantinople S. 433—456. Aufzählung der Patriar- 
chen nebst kurzen Nachrichten über ihre Personen von 1204 bis zur Gegen- 
wart. H. Omont, Journal d'un pelerin francais en terre sainte (1383) 
S. 457 — 459. Von Beirut über Damascus nach Nabulus. Bruchstück. 
Bibliographie I. Comptes rendus critiques. Revue des principaux travaux 
relatifs aux croisades parus en AUemagne dans les annees 1893 et 1894; von 
Gl. Klein S. 460^480. Etüde sur la Peregrinatio Silviae ... par le R. P, dom 
F. Cabrol (1895), besprochen und in Auszügen mitgetheilt von Dr. J.-B. CiiA- 
BOT S. 481—498. II. Periodiques speciaux S. 499—506. Chronique 
S. 507-508. 

Troisieme Annee, No. 4. 1895. 

E. Blochet, L'histoire d'Alep de Kamal-ad-Din, version franraise 
d'apres le texte arabe S. 509 — 565. Verf. benutzt ein arabisches ]Manuscript 
der Bibliotheque nationale, betitelt znbdat al-halah min tiCnch htilah und 
setzt mit seiner Uebersetzung, die besonders die Kreuzzugsgeschichte be- 
rücksichtigt. Anderes bei Seite lässt, da ein, wo Barbier de Meynard's Aus- 
gabe in den Historiens orientaux des Croisades HI (1884) aufhört, d. h. 1146 
mit Nur-eddin. Für die Anmerkungen sind auch Handschriften der Pariser 
Bibliotheque nationale benutzt worden. (Fortsetzung folgt . Lkon le 

(]!rand , Relation du pelerinage ä Jerusalem de Nicolas de Martoni, notaire 
italen (1394—1395) S. 566—669. Der Pilger schreibt sich selbst »Nicolaus 
de Marthono« und ist identisch mit dem von RoEHRlciiT, Bibliotheca geogr. 
Pal. S. 94 crwälinten N. de Marchono, nach dessen Schrift sicli R. vergeblich 
in Paris erkundigt hat. Die lateinisch geschriebene Handschrift, die Le 
Grand herausgegeben hat, ist nicht das Original selbst, sondern eine 1397 



48 

angefertigte Kopie. Der Pilger reiste über Alexandrien, Caii-o, Sinai, Gazara 
(=Gaza), Bethlehem, Jerusalem (TodtesMeer), Rama (er-Ramle . Jafa, Beirut, 
Cypern, Rhodus, Thermia, Athen, Corinth, Patras, Corfu, Italien und hat 
viele Gefahren ausgestanden. Als das interessanteste Stück, wird der Bericht 
über seinen Aufenthalt in Griechenland, besonders in Athen bezeichnet. Er 
hat einen engen Gesichtskreis, ist leichtgläubig, aber treuherzig und dess- 
halb doch zuverlässig. Bibliographie. I. Perodiques speciaux S. 670 

—1175. II. Livres et articles divers S. 670— 700. Rectification S. 700— 702. 

Zu No. 3, 460 ff. Von Dr. Klein. Chronique S. 703—709. Die ameri- 

kanische Gesellschaft für biblische Literatur und Exegese beabsichtigt in 
Palästina und zwar in Beirut eine Anstalt für orientalische Studien, für Er- 
forschung der heiligen Stätten und für Ausführung von Ausgrabungen zu 
gründen. 



IL J^aclirichten. 



GescMftliclie Mittlieiliingen und Personalnacliricliteii. 

Die Karte der »Weiteren Umgebung von Jerusalem. Auf Grundlage 
der Karte des Englischen Palestine Exploration Fund gezeichnet, ergänzt und 
berichtigt von Baurath Dr. C. Schick, Jerusalem, redigirt von Lic. Dr. I. Ben- 
zinger. Massstab 1 : 63, 360« ist in ZDPV. XIX, 3, Tafel 6 ausgegeben wor- 
den. Dazu gehört ein erläuternder Text von 76 Seiten unter dem Titel: »Na- 
menliste und Erläuterungen zu Baurath Dr. C. Schick's Karte der weiteren 
Umgebung von Jerusalem. Bearbeitet von Baurath Dr. C. ScniCK und Lic. 
Dr. L Benzinger« (= ZDPV. XIX, 145—220). Von der Karte und dem Texte 
sind eine Anzahl Sonderdrucke hergestellt worden, die zu dem Preise von 
3,60 Mk. (Karte und Text) entM-eder direkt von Karl Baedeker in Leipzig Nürn- 
bergerstrasse 46 oder durchjede andere Buchhandlung bezogen werden können. 

Diese Karte nebst Text entspricht der Anfang 1896 erschienenen Karte 
der »Näheren Umgebung von Jerusalem, entworfen von Baurath Schick, redi- 
giert von Lic. Dr. Benzinger« nebst begleitendem Text (= ZDPV. XVIII. 
Tafel 4 und S. 149 — 172). Diese letztere Karle nebst Text wird ebenfalls be- 
sonders abgegeben; der Preis ist 1,75 Mk., wie schon früher bekannt gemacht 
worden ist (MuN 1896, S. 16). 



Dem Verein sind als Mitglieder beigetreten : 

lialdensperr/cr, ,/., in Jafa. Baumunn , Lic. Eberhard, in Berlin. 

Basilakis , Gennano.s, Direktor des Kreuzklosters b/Jerusalem. 

Kappus, Georg, in Jerusalem. 3Iaks>idian, P. Ghrevont, Armenisches 

Kloster in Jerusalem. Oherlnimmer , Prof. Dr. Eugen, in München. 

Singer, Albert, in Jerusalem. Sclmbert, Karl, in Jerusalem. Vester, 

Johannes, in Jerusalem. 
Der Verein verlor durch den Tod die Mitglieder: 

Jäger, Louis, Buchhändler in Basel. Köhler, Prof. Dr. A., in Erlangen. 



Geschlossen am 20. Mai 1S97, 



Dnu;k von Bi-oitkopf k HfirtHl in Leipzig. 




I. Mittheilungen. 

Die nengefüiideue Mosaikkarte von Madelia 

nach dem Originalberichte des Entdeckers. 

Von 
Richard KraetzschmarI). 
Im Dezember vorigen Jahres ist östlich vom Todten Meere 
in Madeba, der alten berühmten Moabiterstadt^), ein Fund ge- 
macht worden, der für alle Freunde des heiligen Landes, nament- 
lich aber für die Archäologen und Geographen, die sich mit 
Palästina beschäftigen, von höchstem Interesse und grosser 
Wichtigkeit ist. Auf einer amtlich unternommenen Keise ent- 
deckte Kleophas M. KoiKYLTDES, Bibliothekar der Gemeinschaft 
des Heiligen Grabes, in der von dieser Brüderschaft für die dor- 
tigen orthodoxen Christen errichteten Kirche, Avelche auf den 
Trümmern einer alten Basilika aufgebaut ist, die Reste eines ge- 
waltigen und mit ausserordentlicher Kunst hergestellten Mo- 
saiks, welches eine Landkarte von Syrien, Palästina und Ägypten 
darstellt und allem Anscheine nach dem 4. oder spätestens dem 
5. Jahrhundert n. Chr. angehört. Der griechisch geschriebene 
Originalbericht des glücklichen Finders liegt nunmehr vor und 
ist mir durch die Güte von Prof. 1). Guthe zugänglich gemacht 



1) Vgl. unten S. 56. Die Redaktion. 

2) Vgl. über dieselbe u. a. Schumacher in ZDPV. XVIII, S. 113 fF. 

MnN. des D. Pal.-Ver. 1897. 4 



50 

worden. Das Büchlein (26 S.) trägt die Aufschrift: EN Mx\- 
AHBA Mojaaiy.o;; -/al rsaJYpacpixö; irspi Supia?, riaAaia-ivr,; xai 
AiYiStt'tou Xaptr^? ^Tii KAEOnÄ M. KOIKTAIAOT, ßißXioOr^xapioo 
TO'j M. Kolvou tou II. Taciou. — 'Exoi'ooTai to •KpcJutov £7rifj.sXsicf. twv 
AiS. nn. (I)paY-/i3xavcov.' — EN lEPOSOAYMOI^, ix -ou Tu-oypa- 
'fsi'oo Tojv Op7.Yxi3xav(ov 1897. Auf S. 5 — 23 wird die Mosaik- 
karte eingehend beschrieben und gewürdigt; S. 24 f. folgen in 
einem Anhange unter der Überschrift: M^Triypacpai £upsi>£Taai u-' 
£1X0-3 £V Mao-/]Pa xa-a ~r^w 17. rou fjLr,vo<; A£X£|i.i3piou tou 1896, zu- 
nächst drei kurze, von K. gleichfalls in Madeba entdeckte grie- 
chische Inschriften, und auf S. 25 f. drei weitere, von anderen 
Orten stammende. Die Darstellung des Verfassers ist nicht son- 
derlich geschickt, theilweise breit und umständlich, und lässt des 
Öfteren l'räzision im Ausdruck und Schärfe in der Gedanken- 
fol^e vermissen. 

Über die näheren Umstände der Auffindung des grossen 
Mosaiks berichtet der Entdecker selbst folgendermaassen >) : »Am 
12. Dezember des Jahres 1896 kam ich nach Madeba, um von da 
aus zunächst, im Auftrage und auf Geheiss des gelehrten Archi- 
mandriten Photios, der damals Vertreter des unvergesslichen 
Jerusalemer Patriarchen Gerasimos war, unsere jenseits des 
Jordans gelegenen Gemeinden in es-Salt, Irmamin und el-Fuhes, 
den Flvxss Jabbok, die Ruinen der alten Stadt Gilead und die 
sehr alte und feste Moabiterstadt Hesbon, die ausser Josephüs 
und vielen anderen auchPLiKius erwähnt, aufzusuchen. Am Tage 
nach meiner Ankunft in Madeba, am frühen Morgen, begab ich 
mich in unseren neugebauten Tempel. Da bemerkte ich in der 
Mitte der Kirche und des rechten Seitenflügels (s. Abbildung 9) 
ein Mosaik, das indess schwer zu erkennen war, da während der 
Abwesenheit unseres Klosterbaumeisters, des Herrn Athanasios 
Andreakes, die Maurer die Pflasterung des Fussbodens, aus Un- 
verstand und weil sie es für unschädlich hielten, mit einer Tünche 
(Cement) überzogen hatten, Avodurch es theilweise schwer kennt- 
lich geworden war. Ich gab den Befehl, dass dieselbe mit grosser 
Sorgfalt entfernt werde, und beschäftigte mich in der Zwischen- 
zeit damit, die alte Kirche auszumessen (um ungefähr die Grösse 

1; Für freundlichen Rath bei der Übersetzung der Schrift bin ich Herrn 
Dr. ZOMARIDES in Leipzig [jetzt Wien] zu Dank verpflichtet. 



51 

der Karte herauszubekommen), wobei ich fand, dass sie eine 
Länge von 30m und eine Breite von 20m hatte, nebst einem 
grossen Hofe und einer Umfassung (irspi'ßoAoc), beide aus Mosaik, 
Nach Entfernung der Tünche bemerkte ich bei genauer Unter- 
suchung, dass der ganze grosse Raum der alten Basilika eine 
grosse geographische Karte von Syrien, Palästina und Ägypten 
umschloss, die zum grössteu Theile zerstört war, sodass unglück- 
licherweise nur Reste der Karte von Palästina und Ägypten er- 
halten sind, während das Übrige im Laufe der Zeiten zu Grunde 
gegangen ist. Meine Freude über diesen ausserordentlichen und 




Abb. y. Die Lage des Mosaiks in der Kirche von Madeba. 
Nach der Aufnahme von Koikylides. 



höchst kostbaren Fund war unaussprechlich . . . « [S. 6]. Sodann 
fügt der Verfasser über den Umfang des Mosaiks bei: »Diese er- 
haltene ... Karte nimmt einen Raum von nicht ganz 18 Quadrat- 
metern ein, v^ährend die alte einen solchen von 280 Quadrat- 
metern eingenommen hatte« [S. 7]. Aus einer beiläufigen Be- 
merkung am Schlüsse der Schrift ersieht man dann weiter, dass 
die Karte ausser Syrien, Palästina und Ägypten ursprünglich 
auch Kleinasien mit umfasst hat, dass das Ganze demnach eine 
in riesigen Dimensionen gehaltene Darstellung von ganz Vorder- 
asien einschliesslich Ägyptens gewesen ist. »Noch eines muss 

4* 



52 

ich«, so führt Verf. S. 22 f. aus, »über die Karte bemerken, was 
ich während meines Aufenthaltes in Madeba beobachtet habe, 
als ich sie kopierte. Als ich nämlich das erhaltene Stück der 
Karte von Palästina mit der grossen Grösse [sic!J der Kirche ver- 
glich, fand ich es nicht im Verhältnis stehend, woraus ich schloss, 
dass noch andere Theile in jenem unermesslichen Räume ausser 
Syrien, Palästina und Ägypten vorhanden seien. Und wirklich, 
als ich genau nachforschte, erfuhr ich von dem biederen alten 
Suleiman Sunna und einigen anderen von denen, die dort Grie- 
chisch verstanden, dass sie vor vielen Jahren, wie sie sich noch 
ganz gut besinnen, unmittelbar hinter der Schwelle der Kirche 
die Städte Ephesus und Smyrna gelesen haben.« Indess scheint 
sich von diesem Stücke der Karte nichts mehr bis heute erhalten 
zu haben. 

Was nun das Alter betrifft, so glaubt der Verfasser, dass es 
die älteste wenigstens von den bis jetzt bekannt gewordenen 
Karten von Palästina sei. »Denn ohne Widerrede und mit Be- 
stimmtheit kann behauptet werden, dass sie zwischen 350 und 
450 n. Chr. angefertigt worden ist. Und zwar schliessen wir das 
aus der Schriftgestalt der Buchstaben, aus den in Mosaik herge- 
stellten Zeitangaben, die in den übrigen Basiliken entdeckt wor- 
den sind, aus der politischen Eintheilung der Karte, aus dem 
Fehlen von einigen heiligen Orten, bei denen die Errichtung von 
Häusern jünger ist, aus einigen alten Städten, über deren Lage 
unter den jetzigen Geographen Streit herrscht, aus dem Fehlen 
von alten Klosterbasiliken in Palästina, die an den Ufern des 
Jordan und in der Umgebung von Jericho lagen und um die 
Mitte des 5. und zu Anfang des G. Jahrhunderts n. Chr. gegrün- 
det worden sind « [S. 7]. Besonderes Gewicht für die Datirung 
der Karte legt er dem Umstände bei, dass sie sich bei der An- 
gabe von heiligen Orten auf diejenigen beschränkt, die durch 
den Herrn oder einen der Propheten und Märtyrer für die ältere 
christliche Überlieferung von Bedeutung geworden sind, wäh- 
rend keines von den später zu so hohem Ansehen gelangten 
Klöstern erwähnt wird; denn auch die Ortlichkeiten, die die 
Karte mit Tu TOT AFIOT ]ONA, TO TOT AHOT ßlKTi>POC, TO 
TOT AriOT IßANNOT TOI' BAnTlCMATOC bezeichnet, schei- 
nen ihm viel eher avif einen Betört mit Hospiz denn auf ein 
Kloster hindeuten zu sollen. Da nun ein festgeordnetes klöster- 



53 

liches Leben in Koinobien und Laiiren in Palästina etwa 4 5 n. Chr. 
begonnen hat, so muss, schliesst er, die Karte älter als dieser 
Zeitpunkt sein; denn es ist nicht einzusehen, weshalb der Yer- 
fertiger derselben, der sich doch sonst so weit in alle möglichen 
Einzelheiten einlässt, gerade diese heiligen Stätten sollte über- 
gangen haben [S. 7 f.]. Ein weiterer Anhaltspunkt ist ihm, dass 
der Plan von Palästina ausser der alten Eintheilung in die zwölf 
altisraelitischen Stammgebiete (deren Grenzen durch Mosaik 
kenntlich gemacht sind) auch noch eine jüngere, nämlich die 
bekannte römische in ein erstes, zweites und drittes Palästina, 
aufweist, die augenscheinlich zur Zeit der Anfertigung der Karte 
die übliche war [S. 8]. 

Die Bedeutung dieses neuesten Fundes von Madeba kann 
schwerlich zu hoch eingeschätzt werden, und man darf es dem 
Entdecker zumal nicht verübeln, wenn er diesen Punkt mit be- 
sonderer Ausführlichkeit behandelt und in das rechte Licht zu 
stellen sucht. In zw^eifacher Hinsicht ist, wie er S. 8 ff. darlegt, 
die Karte von höchstem Werthe: für die hebräische und christ- 
liche Archäologie, und für die geographischen und geschicht- 
lichen Verhältnisse der Zeit, in die die Karte anzusetzen ist. Für 
jene, sofern sie uns a) die Bekanntschaft bisher unbekannter 
Städte vermittelt, b) die Überlieferung der damaligen Christen 
über die heiligen Orte angiebt, c) genau die Lage einer jeden 
Stadt, eines jeden heiligen Ortes etc. bestimmt, d) einzelne Aus- 
sprüche des Alten Testamentes (z. B. die Prophezeiungen des 
Erzvaters Jakob über seine Söhne Joseph und Benjamin) in an- 
derer und zwar deutlicherer Fassung darbietet als die Heilige 
Schrift, e) die Gestalt, den Stil und Grundriss eines jeden Hauses 
der damaligen Zeit aufzeigt fS. 8]. Für diese, sofern sie sich 
nicht damit begnügt, die Namen der Städte einfach anzuführen, 
sondern dabei mit peinlichster Sorgfalt Gestalt, Grösse und l^lan 
jeder irgend bedeutenden Stadt angiebt, ferner »wieviel Thüren 
oder Thore sie hat, ob diese nach Osten oder Westen zu liegen, 
was für bedeutendere Gebäude sie besitzt und welches deren Stil 
ist, welches der alte Name der Stadt und welches der damals üb- 
liche war«. Sogar »wo Ebenen und wo Höhlen, wo Wüsten und 
wo Oasen, wo Berge und wo Hügel, wo Flüsse und Bäche und 
Wälder, wo Quellen und Thermen, avo Teiche und Seen, wo 
Nachen und Schiffe, wo Palmen und wo Bananen, wird genau 



54 

und mit natürlichen Farben auf der Karte dargestellt«. Zwei 
Bergreihen, vom Libanon \ind Antilibanon ausgehend, durch- 
schneiden das Ost- und Westjordanland, und noch ist, wenn auch 
mit Schwierigkeit, zu erkennen, dass der Künstler die östliche 
Kette am Arnon endigen und vom Todten Meere aus einen neuen 
Rücken, der sich bis Petra und darüber hinaus erstreckt, begin- 
nen lässt. Ein weiterer Beweis für die Gewissenhaftigkeit, mit 
der der Künstler gearbeitet hat, ist, dass er sich bestrebt hat, bei 
der Darstellung der palästinensischen Gebirge sogar die natür- 
liche Färbung der Berge, die sie von den um Madeba gelegenen 
Hügreln aus gesehen darbieten, zum Ausdruck zu brino^en S. 9 . 
Aber auch in künstlerischer Hinsicht ist der Fund bemerkens- 
werth. denn von allen bis jetzt bekannten alten Mosaiken ist die 
Landkarte von Madeba dasjenige, was, wenigstens nach des Ver- 
fassers Ansicht, die grösste Buntheit der Farben aufzuweisen 
hat [S. 10]. 

Interessant ist die Notiz, dass der erste Sekretär (ap/iypajx- 
[xaTcüc) des Klosters, dem Koikylides augehört, der gelehrte 
Archimandrit Photios, bei seinem Aufenthalte im Sinaikloster in 
einer der dort befindlichen Handschriften, wie er sich noch ganz 
wohl entsinnt, etwas über diese Karte gelesen hat. Leider ist es 
ihm aber, da es schon längere Zeit her ist, nicht mehr möglich, 
anzugeben, bei welchem Schriftsteller es gewesen sei [S. lOi. 

Es folgt nunmehr der Haupttheil der Arbeit, eine genaue 
Aufzählung aller einzelnen a\if der Karte verzeichneten Ort- 
schaften, Namen, Inschriften und sonstigen Angaben. Avobei 
häufig zur näheren Erläuterung Stellen aus der Bibel, Josephus 
und den Kirchenvätern herangezogen werden ^1. 

Die im Anhange gegebenen neuentdeckten Inschriften sind 
folgende: 

1. Von den drei zu Madeba gefundenen lautet die erste: 

ANEKAlMCeHrnuiOYCTINlANOTAYTOKPATOPOCTQN 

PQMA1QN2J 

1, An Stelle dieser durch Herrn Koikylides gelieferten] ersten Bearbei- 
tung der Mosaikkarte wird später unsere eigene Ausgabe mit begleitendem 
Text treten. Der Abschnitt ist daher hier im Einverständnisse mit] Herrn 
Dr. R. Kkaetzschmar fortgelassen worden. 

2) öv£7.aivb&Y) uro 'loJSTtvia'^o'j, aO-oxpaTopo; twv 'Ptu[i.at(uv. 



55 



Sie steht »auf der -westlichen Seite der innerhalb unseres 
Besitzthumes [gelegenen! Zisterne, welche die grösste von allen 
in Madeba [befindlichen] Zisternen ist und eine Länge von 30 m 
und eine Breite von 20m'hat«. Auf ihren 4 Seiten befindet sich 
ein Kreuz mit der Beischrift: IC XC MKA CW^oooc Xp'.aroc viy.a)- 

2. Die zweite heisst: 

MEPOCmNiMAPirPQN 1) 

und befindet sich »auf der Oberschwelle eines unserem Lehrer 
gehörigen Hauses«. 

3. Die dritte ist aus Mosaik hergestellt und befindet sich 
»auf dem Fussboden der Scheune des Suleiman Sunna, Avelche 
früher eine kleine unter der Erde befindliche kreisrunde Neben- 
kirche (-ap£y.-/Xrj3ic() der auf ihr [stehenden] grossen Basilika 
war«. 



Sie ist in drei Felder getheilt und lautet: 



XC2) 

ÖeCTONOI 

KONTOTTON 

ANHEEI 

PEN 



Eni^) 

CEPFIOT 

TOYOClß 

EniCKO 

nor 



cn«4) 

AHCEPFIOr 

nPT^AFI^AlAI 

AN^ENTßVlT 

ETEI. 



Der Herausgeber bemerkt dazu : 

»Durch diese Inschrift wird uns viererlei bekannt: a) ein 
Bischof von Madeba Namens Sergius, b) ein Presbyter des hei- 
ligen Alianus Namens Sergius, c) ein Heiliger Namens Alianus, 
der uns bisher unbekannt war, wenn nicht einer von den 40 
Märtyrern, d) die besondere Chronologie der Stadt Madeba durch 
das Jahr ü^ (406).« ■ . ... . 

4. Nr. 4 der angeführten Inschriften, in Mosaik hergestellt 
mit schönen grossen Buchstaben, stammt aus dem Wadi Chozeba 
1= W. el-Kelt ; i;nd befindet sich innerhalb der Zelle des aus Kreta 
[gebürtigen?] Mönches Leontios. In ein Viereck ist ein Kreis 
gezeichnet. Über dem Kreise steht (I)ßCZßHC, unter dem Kreise 
Aß, im Kreise selbst liest man : 



1) [j.£po; Tcuv [xapT'jpojv. 

2) Xpiaxo:, 6 öio;, -ö-; oh.os toÖTO>; dv-rjetpsv. 

3) ^7:1 S£pY''o'j Toö 6ai(«(TäT0'j) i-ioy-oro'j. 

4) OTTO'Jor; Sspyiou ~p(£(jß'jT£po'j) toj a-^wj A'iXiavoö sv Titj üc exsi (406), 



=^\ 



56 

rriEP 

CQTHPIAC 

KAIANTIAHM^FEQC 

TQNKAPII(J(DOPHCAN 

TQNKAlKAPnCKDÜ 

PÜVNTßNßNKCn 

Ni>CKElTAONOMATAi). 

5. »Auf einem Grabsteine in dem ummauerten Grundstücke 
von Galiläa auf dem Olberge, das dem ehrwürdigen Erzbischof 
vom Jordan etc. Epiphanius gehört« : 

tHHKHTOYAriurt^) 

nATPOCHMONOEO 

FENOVCETEICK, 

6. »In Sebastije auf einem steinernen Sarkophag«: 

L\KKQB0YAACCA10Y3) 
TA AH. 
Marburg, 20. April 1897. 



Kürze Mltlliellnngen. 

* Unsere eigene Ausgabe und Bearbeitung der Mosaikkarte 
von Madeba wird sich noch einige Zeit hinausziehen. Die photo- 
graphische Aufnahme, die Herr E-egierungsbaumeister Groth 
und Herr Architekt Palmer gemacht haben, hat sich als unge- 
nügend erwiesen. Um so mehr Fleiss haben sie darauf ver- 
wendet, durch Zeichnung ein genaues Bild der Karte zu liefern. 
Selbstverständlich ist das eine sehr umständliche und zeit- 
raubende Arbeit. Die Zeichnung ist bis jetzt noch nicht in die 
Hände des Vorstandes gelangt. Hoffentlich trifft sie bis zur Ge- 
neralversammlung am 30. September d.J. ein und kann dort den 
Theilnehmern vorgelegt werden. Um jedoch unsere Leser mit 
dem Funde vorläufig bekannt zu machen, ist an der Spitze dieser 
Nummer ein Auszug aus der Schrift des Entdeckers K. M. Koi- 
KYLiDES mitgetheilt worden. 

* Die Firma »Orientreisen Palmer, Kajjpus & Co. in Jeru- 
salem« kündigt für die zweite Hälfte dieses Jahres folgende 
Fahrten an: 1) l^>illige Herbstferienreise nach Griechenland, dem 

y.al v.apTto'^opo'JVTOJv, div y.'jpio; -(i^tviTAZi ■za. övofjiata. 

2; 0T,7.r^ toö a-j'wj -a-pö; -rjaü)-; Qeo'[i-^o'Jz, £T£t gy., 220). 
3) 'Ia7.7.u)ßoj Aasaotto'j yo'St] ?). 



57 

heiligen Land und Ägypten. Gesammtdauer 32 Tage. Abfahrt 
am 19. August. Gesammtpreis 900 — 1460 Ji. 2) Zweite grosse 
Herbstieise nach Griechenland, dem Heiligen Land und Ägypten 
mit zehntägiger Landreise von Jerusalem nach Damaskus. Ge- 
sammtdauer 42 Tage. Abfahrt am 7. Oktober. Endtermin der 
Anmeldung 13. September 1S97. Gesammtpreis 1200 — \M^) JL 
Generalvertretung: Adolf Klett, Stuttgart, Eberhardtstr. 11. 

P. Am 9. Juli wurde mir mitgetheilt, dass in Besän beim 
Umgraben eines vom Kaimakäm auf längere Zeit an einen Juden 
verpachteten Gartens drei sitzende Statuen in natürlicher Grösse 
aus Stein gefunden worden sein sollen. Der Finder hat die 
Statuen am Eingang aufgestellt und benutzt sie als Vogel- und 
Menschenscheuche. Ich gebe diese Nachricht zunächst nur mit 
Vorbehalt. Ich habe sogleich brieflich nähere Auskunft erbeten 
und werde nach Empfang derselben wieder berichten. 

Bs. Die Ausgrabungen des englischen »Palestine Exploration 
Fund« sind Anfang Juli zu Ende gegangen. Über die Ergeb- 
nisse ist in den »Statements« berichtet Avorden. Dr. Bliss machte 
zviletzt den Versuch, ausserhalb der Stadtmauer im S. der Aksa- 
Moschee nach alten Bauten zu graben, weil man dort das »Amphi- 
theater« vermuthete. Nachdem der Felsboden erreicht war, trieb 
man einen Stollen nordwärts den Berg hinan. Irgend ein Übel- 
gesinnter erhob auf dem Seräj Beschwerde, dass man unter die 
Haram-Mauer hineingrübe. In Folge dessen wurde die Arbeit 
für einige Tage eingestellt, bis die Sache untersucht war. Als 
sich die Unrichtigkeit der Beschwerde herausgestellt hatte, durf- 
ten die Ausgrabungen fortgesetzt werden. Leider fanden sich 
keine Spuren von einem einstigen Theater. 

P. Wir haben in diesen Wochen in Jerusalem sehr heisses, 
trockenes Wetter gehabt. Die Ernte ist beinahe vollständig ein- 
geheimst. Sie ist ziemlich gut ausgefallen, ausser an den Orten, 
wo die Heuschrecken gehaust haben. Dies ist im Haurän und 
südlich bis Mädeba der Fall gewesen. 



II. KachricMen. 



Reclienscliansliericlit iilier das Verelusjalir 1896. 

Gleich zu Anfang des Jahres 189G wurde der geschäftsführende Aus- 
schuss zu Berathungen über die Vermessung des Ostjordanlandes veranlasst' 



58 

die im Laufe des Jahres oft erneuert wurden, ohne dass sie zu ihrem Abschluss 
kamen. Herr Dr. G. Schumacher in Haifa machte nämlich dem Vorstände 
den Vorschlag, rechtzeitig die Vorbereitungen dafür zu treffen, dass im 
Herbste des Jahres 1896 der 'Adschlün bis zum Nähr ez-Zerkä kartographisch 
von ihm aufgenommen werden kcmnte. Der Vorstand beschloss, die von Dr. 
Schumacher für diese Unternehmung angesetzten Geldmittel zu beschaffen, 
ynd beauftragte Herrn Dr. Kersten, bei dem Auswärtigen Amt in Berlin die 
nöthigen Schritte zu thun, um von der Hohen Pforte in Konstantinopel die 
Erlaubniss zu kartographischen Aufnahmen im 'Adschlün und in der Belkä 
für Dr. Schumacher zu erlangen. Durch die gütige Verwendung der kaiser- 
lich deutschen Botschaft in Konstantinopel Avurde diese Erlaubniss ertheilt. 
Doch verzögerte sich leider ihre Zustellung an Dr. Schumacher, so dass 
dieser'erst am 29. September 1S96 von Haifa aufbrechen konnte. Gerade einen 
Monat lang dauerte seine Abwesenheit. Obwohl das Wetter für die Arbeiten 
im Felde nicht günstig war und die Bewohner über die Vermessung sehr auf- 
geregt wurden, konnte doch Dr. Schumacher seine Arbeit ungestört aus- 
führen, wie er bereits in M u N 1896, 81 ff., 1897, 1 ff. 17 ff. näher berichtet 
hat. In doppelter Beziehung erfüllten sich freilich die Erwartungen, mit 
denen Dr. Schumacher die Arbeit unternommen hatte, nicht: es stellte sich 
bald als unmöglich heraus, die Aufnahme des 'Adschlün bis zum Nähr ez- 
Zerkä noch im Herbst 1896 zu Ende zu führen, und ferner waren die Geld- 
mittel, die nach Dr. Schumacher's Voranschlag für dieses Gebiet erforderlich 
sein sollten, viel zu niedrig bemessen. Das unbekannte Terrain aufzunehmen, 
verursachte einen bedeutend grösseren Aufwand von Zeit und Mühe, als von 
vornherein vorauszusehen war. Das aufgenommene Gebiet, etwa 510 qkm, be- 
trägt nur etwas mehr als ein Drittel des gesammten 'Adschlün, soweit er bis- 
her noch nicht gründlich erforscht ist. Der Vorstand und Dr. Schumacher 
begegneten sich in dem lebhaften Wunsche, die Vermessungsarbeiten im mitt- 
leren Ostjordanlande möglichst bald fortsetzen zu können; somit verschwan- 
den die Verhandlungen über diese Frage nicht aus der Reihe der vom 
Vorstande zu erledigenden Geschäfte. 

In den Frühling des Jahres 1896 fällt noch eine kleinere Vermessungs- 
arbeit, die Dr. Schumacher im Auftrage des Vorstandes mit anerkennens- 
werther Gewandtheit und Schnelligkeit besorgt hat, die Aufnahme der Land- 
schaft el-kefürnt südlich vom Jarmuk im Ostjordanlande. Als im Jahre 1895 
die Herstellung von Karten des Ostjordanlandes in Angriff genommen wurde, 
machte sich diese bisherige Lücke in unserer Kenntniss der Uferlandschaften 
des Jarmuk recht fühlbar. Um sie auszufüllen, ersuchte der Vorstand Dr. 
Schumacher um die Aufnahme dieses Gebiets. Mit dieser Arbeit zugleich 
lieferte Dr. Schumacher mehrere Ergänzungen und Berichtigungen seiner 
früheren Aufnahmen im Dschölän und Haurän, die bei der beabsichtigten 
neuen Ausgabe der früheren Karten verwerthet werden sollen. 

Für meteorologische Beobachtungen haben wir gegenwärtig folgende 
Stationen und Beobachter in Palästina: 

Station 1. Ordnung: Jerusalem, Herr Lehrer G. DÜCK (Tempelkolonie); 
- 1/2. - Sarona, Herr Lehrer Dreher; 

. - 2. - Gaza, Herr Missionar Gatt; 



59 

Station 3, Ordnung: Jerusalem (Syrisches Waisenhaus), Herr Lorenz; 
3. - Bethlehem, Herr Prediger Müller; 

- 2/3. - Haifa, Herr Vorsteher LANGE ; 

- 3/4. - Karmel, Herr Friede. Pross; ; 

- 3 4. - Safed, Herr Carl Maass. 

Diesen ständigen Mitarbeitern an der Aufgabe unseres Vereins spreche 
ich hier im Namen des Vorstandes den wärmsten Dank aus, insbesondere 
Herrn G. Duck, der die Leitung des südlichen Beobachtungsnetzes über- 
nommen hat. Es war für die Förderung dieser Angelegenheit von grossem 
Werth, dass Dr. Kersten im Jahre 189G aufs Neue seine persönliche Auf- 
merksamkeit an Ort und Stelle den Stationen widmen konnte. 

Leider ist es noch nicht gelungen, die Beantwortung der Fragebücher 
über botanisch-landwirthschaftliche (phänologische) Verhältnisse in ähnlicher 
W^eise fest zu regeln. Es sind freilich von Herrn C. Sigrist in Beirut, von 
Herrn Fr. I^ange in Haifa, von Herrn Jon. Dreher in Sarona und von Herrn 
Bschara Canaan in Bet Dschala Antworten eingesandt worden , für die wir 
den Herren zu lebhaftestem Dank verpflichtet sind. Jedoch genügt das, was 
bisher geschehen ist, noch nicht, um den beabsichtigten Zweck zu erreichen. 
Um eine für den Druck geeignete Übersicht über diebotanisch-landwirthschaft- 
lichen Vorgänge zu erreichen, müssen die Beobachtungen noch genauer und 
regelmässiger als bisher eine Reihe von Jahren hindurch fortgesetzt werden. 
Vielleicht lohnt es sich, hier die Hoffnung auszusprechen, dass die festere 
Organisation der in Jerusalem und Umgebung wohnenden Mitglieder unseres 
Vereins auch zur Förderung dieser Sache dienen wird. Die Versuche, die 
namentlich von Dr. Kersten in dieser Richtung gemacht wurden, haben ja 
erfreulicher Weise durch den Beschluss, in Jerusalem einen Zweigverein zu 
begründen, zu einem sehr willkommenen Erfolge geführt. Freilich hat diese 
Angelegenheit erst im Jahre 1897 ihren Abschluss gefunden. 

Wer die Rechenschaftsberichte der letzten Jahre vergleicht, wird ohne 
Zweifel den angenehmen Eindruck aus ihnen erhalten, dass für die Erfor- 
schung Palästina's von Seiten des Vereins in reger Weise gearbeitet worden 
ist. Der Vorstand muss dem gegenüber nun leider hervorheben, dass die dem 
Vereine zu Gebote stehenden Mittel sich nicht in gleichem Maasse vermehrt 
haben, wie die Arbeiten ausgedehnt worden sind. Der Vorstand hat aller- 
dings nicht geglaubt, lediglich aus diesem Grunde den Arbeiten Stillstand 
gebieten zu sollen; er hat sich vielmehr, weil er die günstigen Verhältnisse 
nicht ungenutzt vorübergehen lassen wollte , zu dem Schritt entschlossen, die 
Summe von 5000 Ji, zu leihen, damit die Vermessung des Ostjordanlandcs 
durch Dr. Schumacher fortgesetzt werden könnte. Die Buchhandlung von 
Karl Baedeker hat die Güte gehabt, im Laufe des Jahres diesen Betrag dem 
Vereine gegen eine Verzinsung von 31/2 % vorzuschiessen. Diese Anleihe 
wurde in der Hoffnung aufgenommen, dass sich damit die Kosten für die 
kartographische Aufnahme bis zum Nähr ez-Zerkä würden decken lassen, wie 
nach dem Voranschlag von Dr. Schumacher anzunehmen war. Doch hat 
sich dieser Voranschlag, wie schon oben gesagt wurde, als viel zu niedrig be- 
messen herausgestellt; die bewilligten Gelder haben etwa nur für den dritten 
Theil des gesammten Gebietes ausgereicht, das vermessen werden sollte. Das 



60 

■war für den Vorstand eine grosse Enttäusehuno;. Selbstverständlich hat er 
um so eifriger die Frage erwogen, auf welche Weise neue Mittel für die Fort- 
setzung der Arbeiten des Vereins gewonnen werden könnten. Es ist auf das 
Lebhafteste zu wünschen, dass seinen Bemühungen nach dieser Seite hin der 
Erfolg nicht fehle. 

Unter unseren Veröffentlichungen im Laufe des Jahres 189() ist an erster 
Stelle die Arbeit des Herrn Dr. Max Blanckenhorn, »Entstehung und Ge- 
schichte des Todten Meeres«, zu nennen. Sie ist das erste Ergebniss, das die 
Reise Dr. Blanckenhokn's imj Frühjahr 1894 für die Vereinsmitglieder ge- 
bracht hat. Sodann ist die zweite von Herrn Baurath Dr. C. ScuiCK in Jeru- 
salem gezeichnete Karte, die der Weiteren Umgebung von Jerusalem, heraus- 
gegeben worden. Sie darf getrost den Anspruch erheben, gegenwärtig als die 
vollständigste Darstellung dieser Gegend zu gelten. Da sie die grosse engli- 
sche Karte mehrfach ergänzt und berichtigt, so behauptet sie selbst für deren 
Besitzer ihren Werth. Dazu kommt, dass die mit Erläuterungen versehene 
Namenliste (76 S.) sämmtliche Namen der Karte in sprachlich genauer Um- 
schreibung darbietet, mit Ausnahme weniger Benennungen, für die eine ge- 
sicherte Unterlage nicht zu beschaffen M^ar. Die Abhandlung von Dr. BLAN- 
CKENHORN und die Karte von Dr. Schick nebst der Namenliste sind auch 
besonders für den Buchhandel herausgegeben worden. Endlich wurde die Ar- 
beit an den ScHUMACHER'schen Karten des üstjordanlandes soweit gefördert, 
dass sie voraussichtlich im Laufe des Jahres 1897 erscheinen können. 

Herr Dr. phil. O. Seesemann sah sich leider genöthigt, wegen anderer 
dringender Arbeiten die Redaction der »Mittheilungen und Nachrichten« 
niederzulegen. Im Namen des Vorstandes spreche ich ihm auch an dieser Stelle 
den wärmsten Dank für seine dem Verein gewidmeten Dienste aus. Es gelang 
dem Vorstande, noch im Jahre 1896 die Redactionsgeschäfte dahin zu ordnen, 
dass Herr Stadtpfarrer Lic. Dr. Benzinger die [»Zeitschrift«, der Unterzeich- 
nete die »Mittheilungen und Nachrichten« des Deutschen Palästina- Vereins 
übernahm. 

Unserem verdienten Ehrenmitgliede, Herrn Baurath C. SCHICK in Jeru- 
salem, war es vergönnt, am 28. üctober 1896 die Feier seines SUjährigen 
Aufenthaltes in Jerusalem zu begehen. Der Vorstand sprach ihm dazu die 
herzlichsten Glückwünsche des Vereins aus und glaubte, seiner Anerkennung 
und seinem Dank auch dadurch Ausdruck geben zu sollen, dass er eine Seite 
in dem Jahrgang 1S96 der Zeitschrift diesem Erlebniss seines Ehrenmitgliedes 
widmete. Es ist vom Vorstande auch mit lebhafter Genugthuung begrüsst 
worden, dass die philosophische Fakultät der Universität Tübingen ihren 
schwäbischen Landsmann durch die Verleihung des Doctortitels geehrt hat. 

Die Zugänge zur Bibliothek des Deutschen Palästina-Vereins wälirend 
der Jahre 1894 und 1895 finden die Leser in den M u N 1896, S. 31 f., 63 und 
78 ff. verzeichnet. Allen denen, die im Laufe des Jahres 1896 den Bestand 
unserer Bibliothek durch Geschenke vermehrt haben, sei hier der wärmste 
Dank des Vereins ausgesprochen. Das Verzeichniss der Zugänge für 1896 
wird später veröffentlicht werden. 

Die Prüfung der Jahresrechnung ist auch in diesem Jahre durch die 
Herren Professor D. Reinicke in Wittenberg und Pfarrer Dr. KocH in Pfung- 



61 

Stadt besorgt worden. Für ihre ^lühwaltung spricht der Vorstand beiden 
Herren an dieser Stelle den herzlichsten Dank aus. 

Leipzig. 10. Juli 1897. Für den Vorstand: H. Guthe. 



RecMMs-Anszug 1896. 

Eiuuahineu. 

Ji 759.25 Rückständige Beiträge von 1895 und früher. 
3634.26 Laufende Jahresbeiträge pro 1896. 
175.23 Jahresbeiträge pro 1897 u. 1898. 
Ji h\h1A\ 583.70 für diverse durch den Buchhandel bezogene Jahr- 

gänge, u. Hefte. 
120.20 für 91 Schick, Karte der näheren Umgebung von 

Jerusalem. 
57.70 für 32 Blanckenhorx, Todtes Meer. 

23.50 für 3 Siloah-Insehriften. 

10. — für Beilegen eines Prospektes. 

8.75 für 2 Inserate. 

31.27 für diverse Karten. 

16. — ausserordentliche Beiträge. 

7.50 3X Zinsen von Jl 500, vom 1. Juli — 31. Dec. 1895. 
45. — 3X Sachs. Rentenkoupons von M 1500, vom Ok- 
tober 1895 — ultimo Sept. 1896. 
67.50 15. — 3X Sachs. Rentenkoupons von Jl 500, vom Jan. 

— Dec. 1896. 

7.10 Rückzahlung von GiESECKE & Devriext. 

5782. — Saldo-Uebertrag in neue Rechnung. 

11276.46 



Ausgaben. 

Jt 604.80 Saldo-Vortrag aus voriger Rechnung. 

3352.25 für Druck, Lithographie, Papier etc. der Zeit- 

schrift u. der Mittheilungen. 
123.05 für Buchbinder-Arbeiten. 

Hon or are: 
Ji 500. — für Redaktion der Zeitschrift. 

250. — für Redaktion der Mittheilungen u. Nachrichten. 
1801.14 1051.14 für Beiträge zur Zeitschrift u. den Mittheilungen. 

4716.25 für Unternehmungen in Palästina: 

6. — Zahlung an Meyxer für 2 gelieferte Zeichnungen. 

18.50 für 3 Siloah-Insehriften. 

25.20 Rückzahlung für remittirte Bände und Hefte, 

lü. — Rückzahlung des Beitrags pro 1896 an Frau verw. 

Dr. GiaiBER-Prag. 
281.88 Porto- Auslagen. 

150. — für Führung der Cassa-Geschäfte. 

Allgemeine Unkosten. 
11.30 für 1 Inserat betr. Vorstandswahl. 

1. — für Steuern. 

1.45 für 1 Kontobuch. ~' 

1.45 für Fracht an Dr. Benzixg ER-Neu eustadt. 

10.70 für Beitrag an Palestine Exploration Fund prol896. 

107.60 für in London angefertigte Copieen und Photo- 

graphieen. 
53.89 Zinsen. 

11276.46 



62 

Vorschuss von Kakl Baedeker Jl 5782. — 

An Vermögen besitzt der Verein Jl 2000 "6% Sachs. Rente zum 

Cours (vom 31. Dec. 1896; von Jl 98.50 1970.— 

sodass an Passiven verbleiben Jl 3812. — 

An Beiträgen pro 1890 und früher waren ausserdem am 31. Dec. 

1896 noch rückständig Jl 500. — 

Karl Baedeker, z. Z. Kassirer des Vereins. 

Die Jahresrechnung des Deutschen Palästina- Vereins pro 1896 ist nach 
eingehender Prüfung in allen Punkten für richtig befunden worden. 

AVittenberg, 20. Mai 1897. PtEINlCKE. 

Pfungstedt, 6. Mai 1897. • KoCH. 



SescMniiclie MittlielliiiigeD nnd PersoDaliiaclirlcliteD. 

"Wiederholte Berathungen zwischen den Mitgliedern des Vorstandes 
haben zu dem Entschlüsse geführt, die Vermessungen im Ostjordanlande 
durch Dr. Schumacher in Haifa noch in diesem Jahre fortsetzen zu lassen. 
Es wäre freilich dem Vorstande in Rücksicht auf die Mittel des Vereins 
lieber gewesen, wenn er die Fortsetzung dieser Arbeiten noch auf einige Zeit 
hätte hinausschieben können. Aber er glaubte doch nicht, die günstige Ge- 
legenheit, die sich darbot, ungenutzt vorübergehen lassen zu sollen. Herr 
Generalkonsul Dr. Schroeder in Beirut hatte die Güte gehabt, die Erlaub- 
niss der türkischen Regierung durch den Wali von Damaskus in Form eines 
Rundschreibens (Bujuruldi) an die türkischen Beamten der zu vermessenden 
Gegenden bestätigen und erneuern zu lassen, und Herr Dr. Schumacher 
konnte für dieses Jahr seine Dienste aufs Neue dem Vereine zur Verfügung 
stellen. Der Vorstand war der Meinung, dass die wichtige Erweiterung 
unserer, Kenntnisse Palästinas, wie sie die Aufnahme des Ostjordanlandes 
bringen wird, schon das Wagniss eines muthigen Entschlusses rechtfertigen 
würde. Er theilte daher am 28. Mai d. J. Herrn Dr. Schumacher mit, dass 
ihm von Seiten des Vorstandes Anfang Juni 5000 Jl zur Fortsetzung seiner 
Vermessungsarbeiten imO.^tjordanlande zur Verfügung gestellt werden sollten. 
Dieser Betrag konnte allerdings nur zum Theil aus den vorhandenen Mitteln 
des Vereins entnommen werden. Ein Mitglied des Vorstandes hatte die Güte, 
den übrigen Theil dem Vereine als Darlehn vorzuschiessen. Der Vorstand 
nahm mit lebhaftem Danke dieses sehr willkommene Anerbieten an; er hat 
aber zugleich Sehritte unternommen, um noch im Lauf dieses Jahres der 
Kasse des Vereins neue Mittel zuzuführen. Hierüber wird den Mitgliedern 
später Näheres mitgetheilt werden. 

Herr Dr. Schumacher ist am 22. Juni von Haifa abgereist, um die im 
Oktober vorigen Jahres abgebrochenen Vermessungsarbeiten wieder aufzu- 
nehmen. 

Herrn Generalkonsul Dr. Schroeder in Beirut spricht der Vorstand an 
dieser Stelle den wärmsten Dank für seine Bemühungen in dieser Sache aus. 



63 



Von dem Vorsitzenden unseres Zweigvereins in Jerusalem, Herrn Re- 
gierungsbaumeister Gkoth, sind die mit Herrn Dr. Benzixger gemeinsam 
berathenen und von der Generalversammlung des Zvveigvereins im Mai an= 
genommenen Statuten eingesandt worden. Sie unterliegen gegenwärtig der 
Prüfung des Hauptvorstandes und sollen demnächst mitgetheilt werden. Die 
Zahl der Mitglieder des Zweigvereins hat sieh in erfreulicher Weise ver- 
mehrt. Sie beträgt gegenwärtig 60, nämlich folgende Herren: 
P. Aherle, Kaufmann, in Jerusalem. G. Kappus, Kaufmann, in Jerusalem. 



Adelmann' sehe Biblioth. in Jerusalem. 

H. Bayer, Hausvater, in Jerusalem. 

H. Baldensperger, Kaufmann, in Je- 
rusalem. 

J. Baldensperger, Kaufm., in Jaffa. 

L. Bauer, Lehrer, in Jerusalem. 

Im. Berner, Kaufmann, in Jerusalem. 

Dr. E. B liege, Kanzler-Dragoman, in 
Jerusalem. 

Im. Böttcher, Pastor, in Betlehem. 

G. Duck, Lehrer, in Jerusalem. 

A. Einsler, Dr. med., in Jerusalem. 
Fr. Ellenberger, Kaufmann, in Jeru- 
salem. 

Chr. Eppinger, Kaufm., in Jerusalem. 
W. Faber, Direktor, in Jerusalem. 

B. Fata, Kaufmann, in Jerusalem. 
Federlin, Superieur de Ste. Anne, in 

Jerusalem. 

Th. Frank, Mühlenbauer, in Jeru- 
salem. 

B. Germanos, Direktor des Kreuz- 
klosters bei Jerusalem. 

Germer, R, F., Superieur de l'Hotel- 
leriedeN.D. de France in Jerusalem. 

JI. Ghrevont, F., Armenisches Kloster, 
in Jerusalem. 

F. Groth, Kgl. Kriegsbaumeister, in 
Jerusalem. 

A. Heinze, Kaufmann, in Jerusalem. 

Chr. Hoffmann, Vorsteher des Tem- 
pels, in Jerusalem. 

J. Hoffmann, Dr. phil., Rektor des 
Tempelstifts in Jerusalem i). 

S. Hojfmann, Dr. med., in Jerusalem. 

F. Hoppe, Pastor, in Jerusalem. 

J.Imherger, Kaufmann, in Jerusalem. 

Th. Irsich, Agent der Brit. Bibel-Ge- 
sellschaft, in Jerusalem. 



A. Krone7ihtirg, Maler, in Jericho. 
F. Kühler, Kaufmann, in Jerusalem. 
Lagrange, P., Superieur des Freres 

Precheurs, in Jerusalem. 

B. Lugschneider, P., Organist an S. 
Salvator in Jerusalem. 

F. Lorenz, Sekretair, in Jerusalem. 

F. Macler, Lic. theol., in Jerusalem. 

F. 3Iaroum, Cons.-Dragoman, in Je- 
rusalem. 

W. da Ilenden, Fr.O.S. F., Salvator- 
Kloster in Jerusalem. 

.7. Müller, Pastor, in Betlehem. 

<S'. 3Iurad, Privatier, in Jerusalem. 

F. Palmer, Architekt, in Jerusalem. 

G. Paulus, Apotheker, in Jerusalem. 
J. Paulus, Consulats-Sekretair, in Je- 
rusalem. 

31. Retzlaff. Zahnarzt, in Jerusalem. 
./. Rieske, Kaufmann, in Jerusalem. 
27i. Sandel, Architekt, in Jerusalem. 
31. Sandreczky, Dr. med., in Jerusalem. 

C. Schick, Dr. phil., Kgl. Württem- 
berg. Baurath, in Jerusalem. 

Th. Schneller, Direktor, in Jerusalem. 

E. Schümann, Direktor, in Jerusalem. 
G. Schünecke, Kaufm., in Jerusalem. 

C. Schubert, Hausvater, in Jerusalem. 
H Setving, Hilfsprediger, in Jeru- 
salem. 

A. Singer, Kaufmann, in Jerusalem. 
J. Stahel, Hausvater, in Jerusalem. 

F. von Tischendorf, Dr. phil., Kais, 
deutscher Consul, in Jerusalem. 

F. Vester jun., Kaufm., in Jerusalem. 
J. Vester, Kaufmann, in Jerusalem. 
31. Wallach. Dr. med., in Jerusalem. 

D. Weller, Kaufmann, in Jerusalem. 
H. Wieland, Kaufmann, in Jerusalem. 



Am 7. Juli fand in Leipzig eine Sitzung des Vorstandes statt, an der die 
Herren GuTHE, Kautzsch, Kersten und SociN Theil nahmen. Die Be- 
rathungen erstreckten sich auf die Arbeiten Dr. Schlmacöer's im Ostjordan- 
lande, auf die Kassenverhältnisse, auf die Abhaltung der Generalversammlung 



1) Von Juli ab in Stuttgart, Rosenstr. ITb. 



64 

(s. unten die Bekanntmachung; und auf die Beantwortung der botanisch- 
landwirthschaftlichen Fragebücher. 



Herr Stadtpfarrer Lic. Dr. Benzixger hat dem Vereine als Beitrag zu 
den Kosten der Vermessung des Ostjordanlandes die Summe von 100 Jl über- 
wiesen. Der Vorstand spricht ihm für diese Gabe den herzlichsten Dank aus. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten: 

Baldensperger, H.. in Jerusalem. Banibiis, W., in Berlin. Bayer, H., 
in Jerusalem. Germer- Durand, Superieure de N. D. de France in Jerusalem. 
Faber, W., in Jerusalem. Fankhaenel, 3fartin, in Beirut. Lorenz, F., in 
Jerusalem. PreiswerJc-Sarasin, Pfarrer in Basel. Betzlaff, Zahnarzt in Jeru- 
salem. Schneller, Th., Direktor in Jerusalem. Schoernaiw, F., in Jerusalem. 
Stahel, J., in Jerusalem. Stiefel, Julius, Pfarrer in Münster (Württemberg). 
Vester,F.jun., in Jerusalem, ll'ehsarg, ^., Pfarrer in Egelsbach b. Darmstadt. 

B ekaiintinacliung. 

Die neunte Generalversammlung des Deutschen Vereins zur 
Erforschung Palästina's soll nach l^eschluss des Vorstandes 

Donnerstag den 30. September d. J. Vormittags 9 Uhr 

imAnschluss an die Generalversammlung der Deutschen Morgen- 
ländischen Gesellschaft in Dresden in der Aula der höheren 
Töchterschule, Zinzendorfstr. 15, stattfinden. 

Für die Tagesordnung sind bis jetzt folgende Gegenstände 
angesetzt : 

1) Die bisherigen Ergebnisse der meteorologischen Beobach- 
tungen in Palästina : Dr. phil. Otto Keksten. 

2) Die Vermessung des Ostjordanlandes: Prof. Dr. Guthe. 

3) Die in Madeba gefundene Mosaikkarte: Dr. phil. W. 

SlEGLIN. 

4) lledaktions- und Kassenbericht. 
.-i) Wahlen. 

Weitere Vorträge oder Mittheilungen sind bei Prof. Dr. 
Gt'tiie in Leipzig oder bei Prof. Dr. Kattzscm in Halle a/d. Saale 
anzumelden. 

Leipzig, 30. Juli 1S97. Der Vorstand. 



Geschlossen 6. August 1897. 

Druck von Breitkopf i: Härtel in Leipzig. 



■'-'^^'^^^'^^"^te'/'/ , 




I. Mittheilungen. 



Unsere Arteiteu im Ostjorilanlanie IL 

Briefe Dr. Schumachek's in Ilaifa. 

Zeltlager bei chc/ieräsc/i, den 4. Juli 1S97. 

Am 22. Juni früh 2 Uhr verliessen wir Haifa und begaben 
uns über dschisr el-mechchcimi'^ am Jordan nach dem "^Adschlün, 
um die Aufnahme dieses Gebirgslandes weiterzuführen. 

In irhid angelangt, übergab ich meine Regierungsbriefe dem 
Kaimakäm des Kada 'Adschlün, der mich auf's Freundlichste 
unterstützte und mir einen tüchtigen Kurdensoldaten zur Be- 
gleitung mitgab. Das durch gütige Vermittelung des Herrn 
Generalkonsuls Dr. Schroeder in Beirut vom Wali von Damas- 
cus ausgestellte Bujuruldi an alle Civil-Gouverneure und Militär- 
beamte des Haurän und 'Adschlün ebnete alle Wege. Wir sind 
desshalb Herrn Generalkonsul Dr. Schroeder zu besonderem 
Danke verpflichtet; denn bei den obwaltenden UnriThen im öst- 
lichen Dschebel 'Adschlün, die durch das Vordringen des Schechs 
zattam der sc/m*'/«/«- Beduinen bis zum Bache Aon dscherüsch 
entstanden sind, konnte die Anwesenheit von Europäern nicht 
gerade wünschenswerth erscheinen. 

Meine europäischen Begleiter sind die schon auf früheren 
Reisen erprobten deutschen Kolonisten J. Bez, G. Rufe und 

MnN. des D. Pal.-Ver. 1897. 5 



66 

Fr. Beilharz, die mit regem, nimmermüdem Eifer und lobens- 
werthem Interesse sich ihrer Pflichten entledigen. 

Von irhid aus ergänzte ich den Landstrich el-meaedsched 
bei edün bis nach natfe und hxim^ sowie den oberen Lauf des 
wädi el-ghafr. Die Bezeichnung el-mesedsched (der kleine Bet- 
platz) haftet sowohl an dieser, an Opferaltären reichen Gegend des 
Districtes heni dschuhma^ als auch an den höchsten Höhenzügen 
des Dschebel 'Adschlün beim ras el-immf und liarahla bis nach 
umm ed-daradsch und el-menära südlich von süf. 

Sodann nahm ich den östlichen District heni '^ohed^ der etwa 
zwischen der Hauptstrasse (irhid-)der hurak-snf und derjenigen 
von en-niieme nach dscheräsch liegt, auf und gelangte gestern 
Abend bis in die Nähe dieser alten Stadt der Decapolis. 

Die Ausbeute an Inschriften ist auffallend gering ; die vielen 
Walddörfer zeigen nur unförmige Massen von verwitterten Bau- 
steinen aus dem anstehenden, bröekelichten Närifels, ^ on denen 
etwaige Inschriften längst verschwunden sind. Dagegen sam- 
melte und fixirte ich eine grosse Anzahl von Ortsnamen, Orts- 
lagen und Höhen. Die hauptsächlichsten sind: JamTin und el- 
-eyhzci südl. ^ on en-mieme^ rahcmni, fakra^ kefreija westl. von 
en-7iiieme, ferner das grosse Dorf sachra mit dem teil el-kasr, die 
Ruinen samäch^ '^abhal. nikrisch^ '^ahhln, ahellln. el-ezzlje, hatfm^ 
der merwän und das Dorf kefr chall in der Umgebung von sachra, 
die hohe Warte merkah '^anz, die chirhet el-ehJßri. kom '^asfür, 
esch-schatüähed und misibfä nördlich von dscheräsch. 

Die in meinem letzten J>ericht vom vorigen Jahr (aus ösara) 
genannte Ortslage ttiisibfa, die ich nach Angaben des Mudir für 
das gileaditische Mizpe halten zu dürfen glaubte, liegt zu niedrig, 
als dass an eine Identität Beider gedacht werden könnte. Eher 
scheint mir der erhabene Berg el-menüra mit dem teil atrün, der 
sich bis zu lÜOO m über dem Meere erhebt und westlich über 
dscheräsch ansteigt, das genannte Mizpe zu sein. Unvergleichlich 
umfassend ist die Aussicht von dieser menära, einer Bezeichnung, 
die etwa gleichbedeutend mit Mizpe ist: zu unseren Füssen liegt 
dscheräsch; im weiten Bogen dehnt sich der Bergkessel aus, der 
diese grossartige Ruinenstätte umschliesst; tief unten zieht der 
gewaltige Zerkä, dessen Lauf man bis hadat und bis in die 
Nähe der kaTat ez-zerkä, die eigentlich kasr esch-scJteh'ih heisst, 
A erfolgen kann : weiter nach O. steigt die hohe Steppe bis zu einer 



67 

Höhe von 1000 und mehr Metern an und ist durch einen hori- 
zontalen, von kleinen Erhebungen unterbrochenen, gräulich- 
blauen Strich am östlichen Horizont, dem allmählich sich voll- 
ziehenden Übergang des dschehel ed-drnz in den liamad^ begrenzt. 
Scharf zeichnen sich die Spitzen des Drusengebirges ab, gewaltig 
steigt die Belka im Süden auf, und in westlicher Ferne winken 
uns die Höhen des Dschebel Nablus und der Dschermak bei 
Safed. Wohl keine zweite Berghöhe im ""Adschliin dürfte dem 
biblischen Ramat Mizpe besser entsprechen als der Berg el-me- 
nära, da die haVat er-rahad^ die S. Merrill für Mizpe hält, weit 
niedriger ist. und der Blick in die östliche ZerkTi-Gegend in Folge 
der höher ansteigenden Berge der Wasserscheide bei dem iimüf 
gehemmt Avird. EJ-menZira-afrTm liegt direct südlich von mf und 
nördlich von tkitü. Eine alte Strasse führt vom Gipfel des Berges 
nach dscheräsch über sabata und zeghrlt. Die Ruinen der Höhe 
bestehen in formlosen verwitterten Haufen von Bausteinen. Im 
Volksmunde gilt die mewära als der Punkt, von wo aus der dscJiehel 
ed-drüz und der haurän. der bis zum teil el-hära sichtbar ist, 
durch Leuchtfeuer über neue Ereignisse verständigt zu werden 
pflegte. 

Die Temperatur auf den Höhen des Dschebel ""Adschlün 
schwankte im Minimum des Nachts zwischen 9,5 und 13*^ R., 
im Maximum zwischen 25"^ und 23° R.; die Nächte sind daher 
kühl, die Tage dagegen heiss. Ostwind hatten wir bisher nur 
einmal (gestern;, sonst wehte stets ein erfrischender Nordwest. 
Die Höhen sind mit Eichen und Fichten bestanden. 

Von hier aus gedenke ich einen Verstoss bis an den Zerkä 
zu machen und dann zurück zum imnlf und von da bis lisdib zu 
arbeiten. Den morgigen Tag verwende ich auf die Durchfor- 
schung der Ruinen von dsclieräsch\ viel Neues wird nicht zu be- 
richten sein, da die Tscherkessen ihre Bauten über die Trümmer 
der Stadt immer mehr ausdehnen. 

Der Mudir Hamid Be ist augenblicklich in ernster Berathung 
mit dem Commandanten von irhid wegen der Zurückweisung der 
ÄCÄa7«w-Beduinen. In en-nueme rannten 1 1 Reiter der ruicala 
in wilder Jagd nach einem halben Dutzend heni ««<"//• r-Araber, 
die einige ihrer Kameele geraubt hatten, zogen sich jedoch beim 
Anblick unserer Zelte und der darüber wehenden türkischen 
Flagge eiligst zurück; 1/2 Stunde ostwärts trafen die Kämpfenden 



68 

wieder auf einander, Flintenschüsse "wurden gewechselt und zwei 
Jieduinen blieben auf dem Platze. Im ^\dschlün gilt das Leben 
Aveit weniger als im Westen des Jordan. Wenige von den Be- 
duinen und selbst von den sesshafteu Fellachen sterben eines 
natürlichen Todes. 

Gesund sind wir, leichte Fieberanfälle und Erkältungen ab- 
gerechnet, Gottlob alle geblieben. 

Die ganze Gegend leidet sehr an der Heuschreckenplage; 
die Hälfte der Ernte ist zerstört. Zelt und Betten sind voll der 
hässlichen Thiere. 

Das Nivellement ist jetzt bis sTif fertig, wir besitzen sonach 
die genauen Höhen aller Punkte vom dscliisr el-medschami über 
die Küra und 'Adschlün bis hierher. 

Nachtrag. Die Ortslage rilüih liegt an der Strasse von 
dscherasch nach dem nördlichen heni Äasan-Gebiet, drei Stunden 
südöstl. von nueme^ und soll eine grosse Ortslage sein mit Höhlen 
und Überresten von Gebäuden. Sie liegt 1^2 Stunden östlich 
von dem teil dscliehü^ den ich auf meiner Karte festgelegt habe; 
auch die Lage von riJmh^ sichtbar vom teil el-menara aus, ist an- 
nähernd bestimmt. 

Rings um den teil cl-immf liegen drei Orte mit Felswoh- 
nungen: \ifa7ia^ sämta und ^übda\ die Anlage der Wohnungen 
und Stallungen ist sehr interessant. Ich habe Pläne von ein- 
zelnen derselben gemacht. '^Abda hat grossartige Steinbrüche, die 
nicht für den Ort selbst Verwendung gefunden haben; da eine 
alte Strasse von da nach dscherZisch führt und der Närikalk der- 
selbe ist wie in Gerasa , so darf man wohl annehmen, dass in 
'^ähda die Steinbrüche für Gerasa waren, obwohl beide Orte zwei 
Stunden von einander entfernt liegen. Der anstehende Felsen 
von dscherasch und süf zeigt auch Steinbrüche, er ist aber nicht 
so compact wie der von ^äbda. [Vgl. hierzu Abb. 10.] 

G. Schumacher. 



69 




/Il 



AraMsclie Iiisclrifl ans Jernsalem. 

Von 
Dr. ^Iax van Berchem. 

Am 3 1 . Juli dieses Jahres wurde in Jerusalem, westlich von 
der Strasse chäa ez-zet^ in einer Gasse, die die koptischen und 
russischen Besitzungen im Osten der Grabeskirche trennt, ein 
grosser Stein mit altarabischer Inschrift gefunden. Der Stein, 
sogenannter rneleki, ist Im lang, bei l m Höhe und 1,08 m Breite; 
die Flache, auf der die Inschrift steht, ist gekrönelt und von 



jrofde/i. 




Süden 



Jlaa/sstxtb J.UüO 

Abb. 11. Fundort der arabischen Inschrift. Nach einer Zeichnung von P. Palmer. 

einem 5 cm breiten und 1 cm tiefen Handschläge eingefasst. In 
dieser Flüche behuden sich vier quadratische Löcher, die gewiss 
Halter einer Marmor- oder Metallbekleidung aufnehmen sollten; 
diese ist freilich längst verschwunden. An dem Worte iCäJL::?^ der 
5. Zeile ist deutlich zu erkennen, dass die zweifellos alte Inschrift 
später als die Löcher eingemeisselt wurde. Dieser Umstand 
lässt vermuthen, dass der Stein selbst einer antiken Anlage an- 
gehört hat. [Vgl. Abb. 11. Architekt Palmer sah am 2. August 
neben diesem Stein einen zweiten ganz gleichen von derselben 
Höhe und Breite, aber noch von Schutt umgeben. Red.] 



71 

Der Stein wurde gleich nach der Entdeckung von der tür- 
kischen Regierung in Obhut genommen. Später wurde die Fläche 
mit der Inschrift abgesägt und nach Constantinopel gebracht. 
Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse sind die Facsimiles schon 
zahlreich. Mir liegen jetzt vor: ein Abklatsch und zwei Photo- 
graphien von Architekt Palmer in Jerusalem; ein besserer Ab- 
klatsch von Dr. Sandreczky daselbst; eine Photographie, die mir 

Abb. 12. Arabische lusclirift aus Jerusalem. ]S';icli einer Photographie gezeichnet. 

P. Lageange schenkte, endlich noch eine von P. Goliibovich in 
Jerusalem^). Ein dritter Abklatsch befindet sich in den Hän- 
den von Professor Clermo>;t-Gaxneau in Paris. Dieser Reich- 
thum an Nachbildungen ist fast entbehrlich, da der Text palaeo- 
graphisch klar ist. Die Inschrift umfasst sechs Zeilen in pracht- 
vollem, einfach nüchternem Küfi, mit unpunktirten Buchstaben 
(vgl. Abb. 12); sie lautet also: 

1) Als diese Documenta mir zugesandt wurden, war ich nicht zu Hause; 
jetzt nun, durch die Zeit gedrängt, musste ich diese Zeilen in wenigen Stunden 
niederschreiben und bitte im Voraus für deren Unvollkommenheit um Ent- 
schuldigung. Die bis jetzt über diese Inschrift erschienenen Aufsätze sind 
mir noch unbekannt. 



72 



■^.lyj -6^^] o^ ^u:\ yö\ ^^=> (2) 



»Im Namen Alläh's u. s. w. Von der geläuterten Majestät ist 
der hohe Befehl ausgegangen, dass diese Moschee wohl bewahrt 
und in gutem Zustande erhalten werden soll. Man soll nieman- 
den von den unter Schutz Stehenden (d. h. Christen und Juden) 
hineintreten lassen, weder unter dem Vorwande, eine Zeugen- 
aussage eidlich zu verwerfen ?) noch zu irgend einem anderen 
Zweck. Man hüte sich wohl, dem zuwider zu handeln, und richte 
sich nach der in Sachen jenes Befehls ergangenen Verordnung. 
So Alhih will!« 

Zunächst Einiges zur Kritik dieses nicht datirten, aber wich- 
tigen Textes: 

Zeile 2: hadra//, eigentlich »Anwesenheit«, bedeutet in der 
administrativ-diplomatischen Sprache des Mittelalters »Majestät, 
Hoheit, Excellenz« . Damit wird wohl auch der Ort bezeichnet, wo 
die betreffende Person wohnt oder resriert, also derHof oder das 
11 e g i e r u n gs g e b ä u d e , etwa Avas man heute in der Türkei unter 
der hohen Pforte versteht. Wegen des folgenden Epithetons ist 
aber hier der persönliche Sinn vorzuziehen, obgleich das Wort 
charadscJia = »ist ausgegangen« eher für den örtlichen Sinn 
spricht. Der allgemeine Sinn bleibt ganz der gleiche. 

Wer ist nun damit gemeint ? Auf diese Frage antwortet ein 
wichtiges arabisches Werk des XV. Jahrhunderts, der sogenannte 
dnccin al-inscJm '). Dieser Ehrentitel, sagt er, wurde sehr häutig 
in der diplomatischen Correspondenz [mukütabüt] der Chalifen 
gebraucht, und zwar mit einem der beiden Epitheta al-älijah 
oder as-sämijah »die hohe« (Majestät). Hier kommt allerdings 
ein anderes Epitheton vor: al-mufahharali^ das weiter unten er- 
klärt A\ erden wird ; dagegen findet sich das Adjectiv al-äh bei 
dem Substantiv al-tmir, »der Befehl«. Nach dem Diwän wurde 
später, unter den Aijubiden, mit hadrah an die Reichsgrossen, 
namentlich an die Vezire, geschrieljcn, und heutzutage also im 
XV. Jahrh.) wird diese Formel in der officiellen Correspondenz 
der Regierung des Mamelukenreichs mit ausländischen, meistens 

1) Paris, Biblotheque Nationale, n" 4439 (anc. fonds 1573), fo. IGO v^ 



73 

nichttnuslimischen Königen, Patriarchen ii. s. av. gehraucht. — 
Heute ist dieser alte Ehrentitel zur einfachen Höflichkeitsformel 
herabgesunken: hadratak ist im Orient soviel als unser »mein 
Herr«. Wie es stets zu gehen pflegt, ist der Titel mit der Zeit 
alle Stufen der socialen Hierarchie hinabgestiegen. Um zu be- 
stimmen, wer hier gemeint ist, muss nun das Datum der Inschrift 
genauer geprüft av erden. 

pieFranciscaner in Jerusalem, die neulich eine Transcription 
und Übersetzung dieses Textes drucken Hessen, schreiben ihn 
dem Sultan Saladin zu; aus welchem Grunde ist nicht ersichtlich. 
Es wird einem jeden Inschriftenkenner einleucVten, dass der 
Text jedenfalls älter ist. Ich habe anderswo gezeigt, dass in den 
historischen Monumentalinschriften Syriens das Kufische durch 
die runde Schrift schon unter Nur ad-din, also in der Mitte 
des XII. Jahrb., verdrängt wird, und folglich, dass alle uns be- 
kannten Inschriften Saladin's (die koranisch-decorativen ausge- 
nommen] in runder Schrift abgefasst sind '). Also gehört unser 
Text in die Zeit vor Nur ad-din und vollends vor den Aijubiden; 
daraus folgt, nach dem obigen Citate des Diwan, dass unter dem 
Titel al-hadrah hier ein Chalife gemeint ist. 

Aber welcher Chalife? Das Epitheton al-mufahharah »die 
geläuterte«, welches diesem Titel hinzugefügt ist, weist zu- 
nächst auf alidischen Ursprung hin; diese Behauptung hier 
näher zu begründen, würde uns zu weit führen-). Die ersten 
alidischen Herrscher, die Palästina auf längere Zeit besassen, 
waren die Fatimiden, die unter dem Chalifen Mu'^izz um 972 das 
Land eroberten. 

Andererseits sprechen palaeographische Gründe für einen 
älteren Ursprung. Der Text gehört zu jener älteren und schlichten 
Art des Kufischen, die auf Inschriften vom 1. Jahrh. der Hidschra 
bis zum Auftreten der Fatimiden blühte. Ich habe gezeigt, dass 
die sogenannte karmatische Abart des Kufischen, mit ihren 
eigenartigen Verzierungen, gerade durch die Fatimiden von Tu- 
nisien nach Ägypten und wohl auch nach Syrien eingefühlt 
wurde-']. Unser Text aber ist von solchen Verzierungen noch 
frei und weist uns in das IX. oder den Anfang des X. Jahrhun- 
derts. Lassen wir aber diese Frage zunächst mal bei Seite. Jeden- 
falls steht das fest, dass unsere Inschrift das weitälteste Beispiel 
einer Regierungsverordnung in der arabischen Epigraphik bildet. 

Zeilen 3 — 4: Die Verordnung fordert die Bewahrung und 

1) Siehe Corpus Inscriptionum Arabicarum ;== C. I. A.) I, 8.5 fF.; Inscrip- 
tions arabes de Syrie i'Auszug aus Memoires derinstitutEgyptienlll , ."34 — 42. 

2) Über die alidisehe Bedeutung des Wortes tühii\ »rein, lauter«, siehf 
u. a. C.I. A. I, 2.5, Anm. 1: Epigraphie des Assassins de Syrie Auszug aus 
JournalAsiatique;, 43. Zum Gebrauch der zweiten Verbalform cf. mehrere 
Stellen im Koran. 

3) Notes d'archeologie arabe Auszug aus Journal Asiatique I, 115 ff. 



74 

allgemeine Erhaltung ') einer bestimmten Moschee und ver- 
bietet, Leute aus den sogenannten Schutzvölkern (d. h. Christen, 
Juden oder Magier, die nach Muhammad's und Omar's Bestim- 
mungen durch Zahlung einer Kopfsteuer, der dschizjah^ den 
Schutz, die dimmah^ der muslimischen Gemeinde genossen) unter 
irgend einem Vorwande eintreten zu lassen. Für das unpunktirte 
—Li^vA^^ liegt zunächst die Lesung isticJirädsch vor. Da das Wort 
aber keinen passenden Sinn zu geben scheint, möchte ich lesen : 
istidschrclh = eine (falsche) Zeugenaussage eidlich ver- 
Averfen, sich gegen eine solche auf seinen Eid berufen. 
Bekanntlich "wurde diese Handlung vor Gericht bei Unzu- 
länglichkeit einer Zeugenaussage angewendet: ein Gegenzeuge 
schwört bei einem Heiligthum, dass der erste Zeuge falsch aus- 
gesagt habe. Allerdings wird in diesem Sinne die zweite Form 
[tadscJirlh) gebraucht; die zehnte würde demnach heissen: den 
Vorgang des tadscJmh zu erfüllen suchen oder jemanden darum 
bitten, was hier sehr gut passen würde. Ich muss nur gestehen, 
dass diese Erklärung nicht sicher ist. Sollte sie den richtigen 
Sinn treffen, so wäre das Wort hier insofern sehr interessant, als 
es beweisen Avürde, dass die betreffende Moschee als besonders 
heilig angesehen war, nicht nur von den Moslimen, sondern auch 
von den Christen (oder den Juden), die unter dem Vorwande 
einer gerichtlichen Handlung sich hineinschlichen, vielleicht 
weil sie dazu besondere Gründe hatten. 

Weiter ist zu fragen: Welche Moschee ist hier gemeint? 
Heute ist der ganze Platz im Besitz der Christen. Der Stein 
wurde in einer alten Mauer gefunden, die ohne Zweifel zu den 
Überresten der Constantinischen liasilika gehört. Sie liegt in der 
Nähe der von Eusehius beschriebenen Propyläen, die wohl den 
Zugang in das Gebäude von Osten her bildeten. Wenn dies fest- 
steht, so schlägt in unsere Frage ein eine überaus wichtige Stelle 
des Historikers Eutychius (genannt Sa'^id ibn al-Batrik), des um 
940 verstorbenen alexandrinischen Patriarchen, dessen Annalen 
bis zu seiner Lebenszeit herabreichen 2), 

Eutychius erzählt die bekannte Geschichte der Eroberung 
Jerusalems durch Omar und erwähnt den von ihm dem Patriar- 
chen Sophronius für die Christen bewilligten Schutzvertrag. Nun 

]) Nicht wie <i;ewöhnlich und zu eng übersetzt wird: »den Bau«. Zur Be- 
deutung von 'imärah siehe C. I.x\. I, Ö9; Epigraphie des Assassins, 35. 

2; Auf das folgende Citat, sowie die daraus sich ergebenden historischen 
Fragen wurde ich kürzlich von Ci,ekmont-Ganneau in Paris mündlich auf- 
merksam gemacht. Der scharfsinnige Gelehrte erlaubte mir, dieselben hier zu 
verwerthen, obgleich er seinen eigenen Aufsatz noch nicht veröffentlicht hat, 
wofür ich ihm zum herzlichsten Danke verpflichtet bin. Da die SELDEN'sche 
Ausgabe des EuTVCHius mit arabischem Texte mir nicht zur Hand ist, muss 
ich nach der lateinischen Wiedergabe in Migxe's Patrologia Graeca CXI, 1099 
citiren. In der SELDEx'schen Ausgabe II, 284 — 290. Parallelstelle abgekürzt 
bei Al-MakTn I, 28. 



75 

fährt er fort (ich kürze ah : Omar tritt in die Stadt ein und setzt 
sich mit Sophronius in dem Innersten ;in penetrali der Grabes- 
kirche nieder 1. Die Gebetszeit rückt heran und Omar will 
beten. »ISetehier« sagt Sophronius. »Hier nicht« antwortet Omar. 
Nun führt ihn Sophronius in die Basilika (ad t e m p 1 u m)' und 
legt einen Teppich in ihrer Mitte nieder, damit Omar bete 2). 
Da derselbe sich nochmals weigert, führt ihn der Patriarch hinaus 
zu den Stufen bei der nach Osten schauenden Eingangs- 
thüre der Constantinis eben Kirche 'egressus ad gradus qui 
sunt ad portam ecclesiae sancti Constantini qvia Oriente respicit). 
Hier betet Omar allein. Darauf fragt er: »Weisst du, warum 
ich im Innern nicht habe beten wollen?« »Wie sollt' ich das 
wissen?« sagt Sophronius. Omar erwidert: »Hätte ich inner- 
halb der Kirche gebetet, so wäre sie für dich verloren gegangen. 
Nach meinem Tode hätten die Moslimen sie dir entrissen; denn 
sie hätten bald gesagt: »Hier hat Omar gebetet!« Darauf giebt 
Omar dem Patriarchen eine schriftliche Urkunde (syngrapha), 
durch die er bestimmt, dass die Moslimen auf den Stufen n u r 
einzeln beten dürfen; ferner, dass sie weder dort zum Gebet 
sich vereinigen sollen, noch die Stimme eines Muezzins oben 
darüber sie dazu auffordern dürfe. Dann verlangt Omar von 
Sophronius einen andern Platz zur Errichtung einer Moschee, 
woravif EuTYCHius die bekannte Geschichte des Tempelplatzes 
(d.h. des Harams) erzählt. Dieser soll zur Moschee Averden, unter 
der Bedingung, dass keine andere Moschee in der Stadt er- 
richtet werde. Omar geht darauf ein und übergiebt wiederum 
dem Sophronius eine schriftliche Zusage. 

Sodann begiebt sich Omar nach Bethlehem, avo sich derselbe 
Vorffang Aviederholt. Zur Gebetsstunde betet der Chalife am 
südlichen Bogen der Basilika (ad arcum australem), welcher 
von buntem Mosaikwerk bedeckt war. Wiederum giebt Omar 
dem Patriarchen eine Urkunde darüber, dass hier nur einzelne 
Moslimen, einer nach dem anderen, beten dürfen, dass sie dort 
Aveder zusammenkommen noch durch den Muezzin zusammen- 
gerufen Averden sollen, und dass an diesen Bestimmungen 
nichts verändert Averden dürfc'^). Doch zu dieser un- 
serer Zeit, fügt EuTYCHius hinzu, sind die Mohamedaner 
o-esen das Schreiben Omar's verfahren. Denn sie haben 
die Mosaik von dem Bogen Aveggerissen und darauf ge- 
schrieben, AÄ^as ihnen gut dünkte; und sie sind zum Gebet 
zusammengekommen, gerufen durch die Stimme des 
Muezzin's. Und dasselbe haben sie auch gethan auf den Stufen, 

1) Der arabische Text von Al-Mak!n hat hier sahn = Hof; damit ist 
der grosse freie Hof gemeint, der zur Grabeskirche gehörte. 

2) Tempi um bezeichnet hier die eigentliche Basilika, welche östlich 
von der Anastasis lag. Siehe Schick's Plan in ZDPV. VIU, Tafel XI. 

3) Dieser Ausdruck kommt bei inschriftlichen Gesetzen häufig voi*. 



76 

die vor der Thüre der Constantinischen Kirche waren. Dahaben 
sie die Hälfte der \'orlialle (vestibulum) der Kirche für 
sich oenomraen und darin einen Betört errichtet, den sie 
die Moschee Omar's genannt haben«. 

Aus diesem langen Citate ergeben sich einige wichtige Da- 
ten, die ich nur flüchtig besprechen kann. 

1) Der christliche Historiker ist ersichtlich tendenziös. Mit 
seiner Geschichte will er beweisen — ob mit Recht oder nicht, 
muss dahingestellt bleiben — dass die Christen auf den gesamm- 
ten Bezirk des heiligen Grabes, d. h. auf die Anastasis, den Hof, 
die Basilika und die Propyläen, wohl gesicherte, von Omar selbst 
herrührende, also unantastbare Hechte besassen. Daraus geht 
deutlich hervor, dass schon vor Ei tychius' Zeit die Moslimen 
jene Rechte anfochten. Dies erinnert an einen ähnlichen Vor- 
gang, nämlich den berühmten Process um die grosse Moschee 
von Damascus, unter dem ('halifen Walid. Als dieser die alte 
Johanniskirche zerstören wollte, brachten die Christen Briefe 
von Omar zum Vorschein, so dass der Chalife nur mit der gröss- 
ten Mühe seinen Zweck erreichen konnte. Natürlich endigt hier 
wie dort der Streit zu Gunsten der Moslimen. Sie verwandeln 
einen Theil des Eingangs in eine Moschee, die sie Omars Mo- 
schee nennen, weil Omar an dem Orte gebetet habe, und bringen 
darin willkürliche, d.h. den Christen ungünstige Vorschriften an. 

2) In Omar's Verhalten unterscheidet man zAvei bestimmte 
Momente: Im inneren Hofe, sowie in der Basilika, will er über- 
haupt nicht beten. Auf den östlichen Stufen betet er wohl, be- 
zeugt aber, dass diese Handlung die spätere Errichtung einer 
Moschee nicht zur Folge haben soll. Moslimen dürfen als ein- 
zelne dort beten, sie sollen sich aber dort nicht vereinigen, d.h. 
sie sollen keine dscharaliah (Versammlung) bilden, und demnacli 
kein dschami'^ (Moschee! errichten. Daraus geht deutlich her- 
vor, dass zur Zeit des Eutychius die Moslimen auf die Grab- 
rotunde selbst sowie auf die Basilika überhaupt keine Ansprüche 
erhoben, sondern nur auf den östlichen Eingang, eben da, 
wo Omar gebetet hatte. Diese neue Moschee mit ihren schrift- 
lichen Bestimmungen befand sich also gerade an diesem Ein- 
gang, d. h. an der Stelle, wo unsere Inschrift entdeckt worden 
ist, die den Nichtmoslimen den Eintritt in eine gewisse Moschee 
unter jedem Verwände verbietet. 

3) Daraus scheint weiter zu folgen, dass der Haupteingang der 
Grabeskirche damals auf der Ostseite gelegen war, nicht auf der 
Westseite der Basilika, wie manche Forscher behaupten. Somit 
wäre die Apsis der P>asilika nach Westen, d.h. gegen die Grab- 
rotunde selbst, gerichtet gewesen. Diese Consequenz wäre für 
die Frage der Orientirung der Kirchen um Constantin's Zeit 
sehr Avichtig. 



77 

4) Bedenkt man nun, dass die Christen durch diese Beein- 
trächtigung ihrer Rechte tief gekränkt wurden und sich -vvohl da- 
gegen sträubten, ferner dass die Inschrift palaeographisch in die 
von EuTYCHius angegebene Zeit (Anfang des X. Jahrb.) fällt, so 
erwächst die Frage: Sollte diese Inschrift nicht gerade die von 
EuTYCHiiis gemeinte sein ? Dafür scheinen noch allgemein histo- 
rische Gründe zu sprechen. Wir haben gesehen, dass der Befehl 
von einem Chalifen herrührt, entweder einem Abbasiden oder 
einem Fatimiden. Für letztere Annahme scheint der Ausdruck 
ul-mutahharah zu sprechen, während die ])alaeographische Prü- 
fung entschieden auf vorfatimidische Zeit hinweist. Ausserdem 
wissen Avir, dass das fatimidisclie Regiment, wenigstens bis zur 
Zeit des grausamen Iläkim, der die heilige Grabeskirche über- 
haupt zerstörte, gegen die Christen verhältnissmässig mild ver- 
fuhr, und dass unter den beiden ersten Fatimiden wohl kaum 
strenge Verordnungen gegen sie erlassen wurden. Bis zu Hä- 
kim's Zeit aber kann man aus palaeographischen Gründen die 
Inschrift unbedingt nicht herabrücken. Schauen wir nun weiter 
zurück: wer regierte hier vor den Fatimiden? Die Abbasiden, 
doch nicht immer unmittelbar. Um 878 wurde Palästina von dem 
Türken Ahmad ihn Tülün, der sich zum selbständigen Herrscher 
von Ägypten emporgerungen hatte, erobert; seine Nachkommen 
regierten bis um 905. Um 936 kam in Syrien die Dynastie der 
Ichschididen auf, die sich bis kurz vor der Fatimidenherrschaft, 
also bis um 970, erhielt i). Obgleich beide Dynastien die Ober- 
herrschaft der abbasidischen Chalifen anerkannten, so deutet die 
Fassung der Inschrift eher auf eine Zeit, wo letztere in Jerusalem 
unmittelbar regierten. Dies war nun der Fall in den Jahren 
'.)05 bis 936, also genau um die Zeit, Avelche der 940 verstorbene 
EuTYCFiuis als »diese unsere Zeit« bezeichnen konnte. Und 
gerade damals vollzieht sich ein Ereigniss, Avelches ein Umsich- 
greifen des Islam in Jerusalem gut erklären kann: um 929, wäh- 
rend des Karmatenkriegs in Arabien, w'urde die Pilgerfahrt nach 
Mekka aufgehoben; in Folge dessen pilgerten die Moslimcn un- 
gefähr zwanzig Jahre lang nach Jerusalem, und zwar nach der 
Moschee Omar s. Sollte die Errichtung einer Omar-Moschee am 
heiligen Grabe mit diesem Ereignisse irgend Avie in Zusammen- 
hange stehen ? Somit wäre die Inschrift ungefähr um das Jahr 930 
verfasst worden unter dem Chalifen Muktadir, Avelcher durch den 
Titel al-hadralt hier bezeichnet worden wäre. Das Epitheton al- 
mutahharah^ welches, wie gesagt, eher auf alidischen Ursprung 
hinweist, kann sich dadurch erklären, dass die Abbasiden, die in 
Baghdad ihren Sitz hatten, von zahlreichen persischen Einflüssen 
umgeben waren. 

li Ich gebe nur ungefähre Daten, da mir hier auf dem T>ande die 
nöthigen Quellen fehlen. 



78 

5) EuTYCinus sagt, dass die neu errichtete Moschee am hei- 
ligen Grabe Omar-moschee genannt wurde. Folgt nun daraus, 
dass der Haram damals noch nicht als solche bezeichnet wurde, 
oder wurde jede Stelle, wo Omar gebetet haben sollte, überhaupt 
als Omar-moschee bezeichnet? Das ist eine Frage, die einer ein- 
gehenderen Erörterung bedarf. 

6) Die von den IVIoslimen auf die Grabeskirche erhobenen 
Ansprüche wurden jedenfalls durch die Kreuzzüge und die gross- 
artigen fränkischen Bauten am heiligen Grabe völlig aufgehoben, 
und seitdem ist die Stelle christlich geblieben. Warum hat es 
Saladin nicht versucht, die aus jener Inschrift herzuleitenden 
Rechte zurückzufordern und den Christen wenigstens einen 
Theil der Grabeskirche zu entreissen, da doch alle Kirchen, 
ausser dieser, damals in Moscheen verwandelt wurden? Auch 
hier muss ich mich damit begnügen, die Frage aufzuwerfen. 

Zum Scliluss fasse ich kurz zusammen: Bis auf Weiteres 
erscheint es als möglich, dass die neu entdeckte Inschrift gerade 
die von Eütychius erwähnte ist; jedenfalls steht sie mit seiner 
Erzählung in engem Zusammenhang. Dieser Umstand verleiht 
ihr eine hohe Bedeutung für die Geschichte der Grabeskirche. 



IL J^achrichten. 



Protokoll fler nennten (jeneralyersamilnM des Dentsclien Vereins 
znr Erforsclinng Palästina's. 

Abgehahen am 30. Sept. 1897 in Dresden. 

1. Eröffnung der Generalversammlung OYi Uhr. Pastor Dr. SuLZE- 
Dresden spricht die einleitenden Worte. Zum Vorsitzenden wird Prof. 
Dr. Kautzsch- Halle gewählt, zum Schriftführer Dr. Friedk. Jeremias- 
Dresdeu-Pieschen. 

2. Aus dem Verein sind seit October 1895 durch den Tod folgende Mit- 
glieder ausgeschieden: 

JoH. Dreher, Lehrer in Sarona b. Jafa. 

Dr. M. Schiffers, Pfarr-Rektor an der Marienkirche in Aachen. 

Dr. W. Gerber, Professor in Prag. 

Dr. F. G. Stickel, Professor in Jena. 

Clausen, Consistorialrath in Brügge b. Bardesholm. 

H. RÖPE, Hauptpastor an St. Jaeobi in Hamburg. 

L. Jäger, Buchhändler in Basel. 

Dr. A. Köhler, Professor in Erlangen. 

Die Versammlung ehrt das Andenken der Verstorbenen durch Erheben 
von den Sitzen. Hierauf tritt die Versammlung in die Tagesordnung ein nach 
Maassgabe des vorher veröfi'entllchten Programms. 

3. Dr. O. IvERSTEN-Altenburg referirt über die bisherigen Ergebnisse 
der metereologisehen Beobachtungen in Palästina. Gelegentlich der Auf- 
zählung metereologischer Beobachtungsstationen in. Palästina erklärt der 
Vortragende die Einrichtung einer Station auf dem Ölberg für wünschens- 
werth. Das Manuscript der Mittheilungen liegt vor. 



79 

Auf die Frage von Prof. MÜHLAU-Kiel nach der Controlle der Beob- 
achtungen giebt Dr. KeRSTEX befriedigende Auskunft. 

Der Vorsitzende dankt Dr. Kersten für die erspriessliche Thätigkeit 
auf dem besprochenen Gebiet, zu der er die Anregung gegeben und die er u. a. 
durch Besorgung, Aufstellung und Prüfung der Instrumente gefördert hat. 

Die 8. Generalversammlung des Vereins hatte einen Antrag angenommen 
(vergl. MuN. 1895, S. 78), dem zu Folge über eventuelle Nachbewilligung zur 
Einrichtung metereologischer Stationen von der nächsten Generalversamm- 
lung Beschluss gefasst werden solle. Der Vorsitzende theilt mit, dass Dank 
der uneigennützigen Thätigkeit Dr. Kersten's eine Nachbewilligung nicht 
nothwenclig geworden ist. 

4. Prof. Dr. GuTHE- Leipzig berichtet über die Vermessung des Ost- 
jordanlandes. Durch die Arbeiten Schumacher's in den Jahren 1884/85, 
1894/95, 1896 und 1597 ist fast die Hälfte des gesammten Gebietes im O. des 
Jordans und des Todten Meeres vermessen Avorden. Die Kosten der Auf- 
nahme haben bisher zwischen 4 und 12 Mark für den Quadratkilometer ge- 
schwankt. Die vorläufigen Berichte Dr. Schumacher's zeigen, dass die Er- 
forschung des Landes nicht nur für die Bodenbeschafienheit, sondern auch 
für die Geschichte des Landes und seiner Bewohner neue und wichtige Er- 
gebnisse liefert. 

Der Vorsitzende dankt dem Referenten, der sich in besonderer AVeise 
der Mühwaltung bei den Verhandlungen unterzogen hat. Die Erfolge der 
Forschungen verdankt der Verein der unermüdlichen Thätigkeit Dr. SCHU- 
]N[acher's, dem die Generalversammlung auf Vorschlag des Vorsitzenden ihre 
dankbare Anerkennung zu Protokoll ausspricht. 

5. Der Vorsitzende legt den vom geschäftsführenden Ausschuss ver- 
fassten Bericht über die Arbeiten des IJeutschen Vereins zur Erforschuug 
Palästinas von 1878 — 1897 vor^,. 

6. Dr. SiEGLix-Leipzig berichtet über die in Madeba gefundene Mosaik- 
karte. Die erwartete neue Zeichnung der Karte ist leider nicht eingegangen. 
Demnach basiren die Mittheilungen des Vortragenden auf den mangelhaften 
bisher bekannten Reproductionen. Eine Ausdehnung der Karte bis auf das 
kleinasiatische Gebiet hält der Vortragende für gänzlich unwahrscheinlich. 
Seine Untersuchungen führen zu dem Resultat, die Abfassung der Karte in 
die Zeit kurz vor 527 zu verlegen. 

Prof. Dr. GuTHE-Leipzig weist auf einen der Versammlung vorliegenden 
farbigen Plan Jerusalems nach der Madeba-Karte hin und leitet aus der be- 
merkenswerthen Gestalt, die dort der Grabeskirche gegeben worden ist, die 
Annahme ab, dass der Zeichner der Mosaikkarte bestrebt gewesen ist, in 
seiner Darstellung die AVirklichkeit möglichst getreu nachzubilden. Freilich 
müsse man sicli in seine eigenthümliche Art zu zeichnen, erst hineinfinden. 

Pfarrer MoM:\lERT-Schweinitz macht Mittheilungen über eigene Beob- 
achtungen an der Nordseite der Basilika und über eine im Süden der heutigen 
Grabeskirche befindliche, etwa 5 m tiefe Einsenkung. Auf einer photogr. 
Aufnahme der Karte scheint die Kuppelöft'nung der Rotunde angedeutet 
zu sein. Pf. MoMllERT gedenkt seine Studien in nächster Zeit zu ver- 
öffentlichen. 

7. Prof. Dr. MÜHLAU-Kiel legt eine von ihm gezeichnete farbige Höhen- 
schichtenkarte des Westjordanlandes vor. Derselben liegt die grosse englische 
Karte zu Grunde. Die hypsometrischen Abstände sind von 5üü : 5UU engl. 
Fuss angegeben, der Verfasser stellt aber eine Änderung der Maassverliält- 
nisse nach deutschen Maassen und in kleineren Abständen in Aussiclit. Die 
hypsometrischen Linien sind auch auf das Meeresgebiet fortgeführt, und zwar 
nach den Aufnahmen der österreichischen Expedition. Das Meeresbecken 
zeigt danach eine trichterförmige Ausgestaltung, deren Tiefpunkt südlich 
von Cypern gelegen ist. Niedergaliläa mit seinem terrassenförmigen Gelände 

1) Dieser Bericht wird mit der nächsten Nr. der MuN den Mitgliedern 
zugehen. Red. 



80 

erscheint von dem gebirgigen Obergaliläa durch eine scharfe Linie getrennt. 
Die Karte giebt eine detaillirte Übersicht über die Höhenverhältnisse des 
^Vestjordanlandes unter Benutzung alles vorhandenen Materials. 

Prof. GUTHE verweist auf eine ähnliche Höhenkarte in dem Werke von 
George Adam Smith, giebt aber der vorliegenden Karte Prof. MüHLAU's den 
Vorzug. Die Vervielfältigung dieser Karte ist lebhaft zu wünschen und wird 
voraussichtlich vom Palästinaverein übernommen werden. 

Es folgt der geschäftliche Theil. 

8. Die 7. Generalversammlung hat die Herausgabe eines Büchleins zur 
Verbreitung der Bestrebungen des Vereins beschlossen (vergl. MuN. 1895, 
S. 78;. Prof. Dr. SociN-Leipzig theilt mit, dass im August das Manuscript 
über die Resultate der Ortsnamenvergleichung eingegangen ist. Das Ganze 
soll jetzt in Druck gegeben werden. Die Generalversammlung spricht auf 
Vorschlag des Vorsitzenden dem Verfasser des in Frage kommenden Theils, 
Dr. Frdr. Jeremias, den Dank zu Protokoll aus. 

9. Prof. Dr. SociN erstattet den Kassenbericht. 

Die Generalversammlung erklärt, dass sie die vom Vorstand unter- 
nommenen Schritte zur Erforschung des Ostjordanlandes gutheisst. 

lü. Dr. BEXZINGER-Neuenstadt erstattet den Redactionsbericht. 

Der Vorsitzende dankt beiden Herren im Namen des Vereins. 

Nach den Statuten muss der Redacteur der Zeitschrift Mitglied des 
geschäfcsführenden Ausschusses sein, der 5 Mitglieder zählen soll. Es ist 
deshalb, nachdem die Redaction der Mittheilungen und Nachrichten an Prof. 
GuTHE, die der Zeitschrift an Dr. Benzinger übergegangen ist, eine Statuten- 
änderung nothwendig. Die Generalversammlung, welche hierzu statuten- 
gemäss noch nicht in der Lage ist, beauftragt den Vorstand, dieselbe thun- 
lichst bald herbeizuführen. Dr. Kersten bringt hierbei in Anregung, diese 
Änderung dahin zu vollziehen, dass der Vorstand auf 7 statt auf 6 Mitglieder 
erweitert wird. 

11. Aus dem weiteren Comite haben statutengemäss auszuscheiden die 
Mitglieder Benzinger, BicKELL, Bieter, Bohl, Buhl, Kiepert, Neumann, 
PiiiLirri, VON RiEss, Schroeder, Schumacher. — Dieselben werden durch 
Acclamation wiedergewählt. 

Dasselbe geschieht betreffs der Mitglieder des geschäftsführenden Aus- 
schusses Guthe, Kautzsch, Socin. Schluss der Generalversammlung 12 Uhr. 

Dresden, am 30. Sept. 1897. 

Der Vorsitzende: Der Schriftführer: 

E. Kautzsch. Friedr. Jeremias. 



Präsenzliste ier IX. Geiieralversammlnng des Dentscliea Palästina-Vereins. 

(Nach der eigenhändigen Einzeichuung; die mit * versehenen Theilnehmer 

sind Mitglieder des Vereins.) 
*1. Pastor D. SuLZE-Dresden. *12. Prof. A. CLEMEN-Grimma. 

*2. H. GuTiiE-Leipzig. *13. Aug. Wünsche [Dresden]. 

*3. E. KAUTZSCH-Halle a./S. 14. Frau H. Kautzsch. 

*4. Friedr. Jeremias, Dresden- l.i. Frau Dr. Clemen. 

Pieschen. *1(). H. STüMME-Leipzig. 

*5. F. MÜHLAU-Kiel. 17. O. PuoCKSCH-Altenburg. 

*6. I. BENZINGER-Neuenstadt a K. 18. Prof. H. EiCKHOFF-Schleswig. 

A. Socix-Leipzig. *19. Dr. O. Kersten- Altenburg. 



* 



*S. W. SiEGLiN-Leipzig. 20. E. WlxDiscH-Leipzig. 

*!). C. MoMMERT-Schweinitz. 21. Dr. RuGE-J,eipzig. 

10. H. EßERHARDT-Dresdcn-N. *22. R. KRAETZSCHMAR-Marburg. 

11. K. ScHNEIDER-Bautzen. *23. B. LiNDNER-Leipzig. 

Geschlossen 12. October 1897. 

, Druck von ßreitkopf & Härtel in Leipzig. 



1897, 



;//fi;/MJ»///W;i/i//////i/fil|||||lllllUHUUIIIIUIIIHIliillllll»MI||U\UUllll 



> ^ ä, A 









VQßa 
Peof. De. H. GUTHE. 



LEIPZIG 
^fTConnissioN bei 

BÄIDEKER. 



^^^ 



1897. 



Das weitere Comite des Deutschen Vereins zur Erforschung Palä- 
stina's besteht zur Zeit aus den Herren: 

Karl BeedeJcer, Buchhändler in Leipzig. 

Dr. I. Benzinger, Pfarrer in Neuenstadt a/Kocher. 

Dr. G. Bickell, Professor in Wien. 

P. Biever, Direktor des Hospizes in et-Täbigha bei Tiberias. 

Dr. £d. Bühl. Professor in AYieu. 

Dr. Ad. Brüll in Frankfurt a Main. 

Dr. Fr. Buhl, Professor in Leipzig. 

Dr. H. Kiepert, Professor in Berlin. 

Dr. A. W. Koch, Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Dr. F. Muhlau, Professor in Kiel. 

Dr. W. A. Neumavn, Professor in Wien. 

Dr. Th. Nöldeke, Professor in Strassburg. 

Dr. F. W. 31. Phi/ippi. Professor in Rostock. 

Dr. Beinicke, Professor in AYitteuberg. 

Dr. B. von Biess, Domcapitular in Rottenburg a. N. 

Dr. C. Schick, königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

Dr. P. Schröder, kaiserl. deutscher Generalconsul in Beirut. 

Dr. G. Schumacher, Ingenieur in Haifa. 



Der geschäftsführende Ausschuss besteht zur Zeit aus den 
Herren : 

Dr. K. Furrer, Professor u. Pfarrer zu St. Peter in Zürich. 

Dr. Herrn. Guthe, Professor in Leipzig, Körnerplatz 7. 

Dr. E. Kautzsch, Professor in Halle a. d. Saale, Wettiuerstrasse 31. 

Dr. Otto Kersten, in Alteuburg, S. -Altenburg. 

Dr. A. Socin, Professor in Leipzig, Schreberstrasse 5. 




I. Mittheilungen. 



Unsere Aröelten Im Ostlordanlande IL 

Briefe Dr. Schumacher's in Haifa. 

(Fortsetzung.) 

Zeltlager bei '^ain dschemii im Mdschlün, den 11. Juli 1897. 

Meinen ersten Bericht, datirt dscheräscJi den 4. Juli 1S97, 
sandte ich Ihnen über irbid und Damascus und hoiFe, dass der- 
selbe richtig in Ihre Hände gelangen wird'). 

In dschenisch und Lmgebung verweilten wir fünf Tage. 
Ausser den früher (1894) kopirten fand ich noch eine Anzahl 
griechischer Inschriften imd eine an einem römischen Meilen- 
stein beim Nordthor u. a. m. Der Lauf der Stadtmauer, wie ihn 
Professor Kiepert in Baedeker's Handbuch angeseben hat, kon- 
trolirte ich und fand ihn korrekt. Sodann verfertigte ich einen 
genauen Plan des grossen »Sonnentempels«, des (südlichen) 
Triumphbogens und der Naumachie, die nicht, wie frühere An- 
gaben, z. B. im Baedeker, besagen, 210 m, sondern 248 m lang 
und 55 m breit ist und interessante Schleussenthoranlagen auf- 
weist. An der hart südlich vom Sonnentempel gelegenen Kirche 
klatschten wir fünf lange griechische Inschriften ab, die theils 
neu aufgedeckt, theils bekannt sein dürften. An der xVpsis war 



1) Vgl. MuN 1897, No. 5. G. 

MnN. des D. Pal. -Ver. 1897. 



82 

ein Stein mit römischer Inschrift eingemauert. Sobald ich in 
Haifa angekommen bin, werde ich alle Inschriften nach Leipzig 
senden^). 

Etwa 2 km nördlich von ihcJteräsch liegt die Quelle el-lirhten 
oder wie die Beduinen sie nennen: ez-zihnäni. Es ist dies ein 
»■rossartiser Wasserbehälter nebst Stauwerk, von dem aus Gerasa 
mittels eines Kanals mit Wasser versorgt wurde. Die jetzigen 
Bauten stammen aus byzantinischer, die Grundmauern aus römi- 
scher Zeit, wie das angewendete Baumaterial imd die Inschriften 
beweisen. Westlich schliesst sich ein kleines Theater von 19 m 
Durchmesser an den ziknani an; das Bassin wurde desshalb wohl 
auch als Naumachie verwendet. Seine ganze Länge betrug 90 m 
bezw. 112 m, seine Breite SO m. An einem Bogenpfeiler kopir- 
ten wir eine griechische Inschrift. 110 m nördlich von diesem 
Reservoir liegt ein Mausoleum mit drei noch stehenden, schönen 
korinthischen Säulen mit Gebälk und unterirdischem Gewölbe, 
das noch Sarkophage enthält. Mit grosser Anstrengung wälzten 
wir einen herabgestürzten Architrav um und entdeckten eine 
schön erhaltene, lange griechische Inschrift , die den Zweck des 
Baues angiebt. (Abb. 13). 

Am zihiäni waren wir Zeugen eines gewaltsamen Vor- 
dringens der scÄa7««-Beduinen, die ihre nach Tausenden zählen- 
den Kamelheerden an der reichen Quelle tränkten und nachher 
Felder und Tennen der Fellachen von süf und schawahed ver- 
wüsteten. Die Kamelhirten waren von Reitern zu Pferde be- 
gleitet, die ohne Ausnahme mit Karabinern und Martini-Henry- 
Hinterlader- Büchsen bewaffnet waren. Der Anblick dieser 
halbverdurstcten Thiere, wie sie rennend und lechzend sich in 
den Bach stürzten, das Schreien der Hirten, deren jeder etwa 50 
Stück unter seiner Obhut hat und diese durch Lockrufe, die dem 
Schrei von Raubthieren und Adlern täuschend nachgeahmt sind, 
sammelt, das Baden der Hirten und das vorsichtige Umkreisen^ 
der Heerden durch die bewaffneten Reiter machte mir einen un- 
A^ergesslichen Eindruck. l>ald sollte dieser interessante Vorgang 
indessen ernster Natur werden. Die schdlän^ von ihren Todfein- 
den, den beni mehr verfolgt, wurden immer mehr in das Gebiet 
der Dörfer des moräd gedrängt , und nun flehten die Fellachen 

1) Sie sind inzwischen angekommen. G. 



83 



^ 



^^^.• 



^ ' 







4 ■ *' 



M 



f ^v 




■^ 



^ 
a 



ti* 



84 

um Hülfe. ZatfTim Pascha, das vom Sultan ausgezeichnete Ober- 
haupt der schalün^ erklärte dem Mutesarrif des Haurän, er habe 
keinen AusAveg: hinter sich im Rücken die wasser- und graslose 
Wüste mit den verfolgenden, an Tapferkeit überlegenen beni 
sachr , vor sich im ""Adschlün die Flinten der Soldaten und Dörf- 
ler — er wähle das Letztere, den leichteren Tod, und hoffe auf 
die Nachsicht des Sultans. Und so geschah es. Am Freitas" 
(9. Juli) kam es bei en-ntieme^ wo wir am 27. und 28, Juni ge- 
zeltet hatten, zu einem Treffen, in dem eine Anzahl schalem gc- 
tödtet wurden. Die Flintenschüsse mit scharfen Patronen hörten 
wir nur zu gut, und gestern kamen 23 Eeiter der heni sac/i)\ alle 
mit Hinterlader-Büchsen bewaffnet, in unser Zeltlager bei säkih 
und verlangten Essig, um sich damit Hände und Gesicht zum 
Schutz gegen die Feinde — einzureiben. Sie wie ihre Gegner, 
die schdlün. waren höflich und freundlich gegen uns Europäer, 
grüssten als alte Freunde, und die heni sachr versprachen uns, 
wenn Allah ihnen Sieg verleihe, einen Theil an ihrer Beute. 
Von säkib umritten diese keine Gefahr scheuenden heyii sachr 
im weiten Bogen den morZul^ um den schalem., wie sie uns offen 
erzählten, bei kefr chall oder sachra in den Rücken zu fallen. 
Hoffentlich wird die Regierung, die ja diese Wüstensöhne in der 
geeigneten Weise zu behandeln versteht und ihr Ansehen gut 
gewahrt hat, den Blutfehden bald ein Ende bereiten. Wir wur- 
den bisher nicht im Geringsten belästigt. Der Mudir von 
dschera&ch zeigte mir ein Loch in seinem Mantel, das ihm tags 
zuvor eine Äc/<a7rtw-Büchse aus Versehen geschossen hatte! 

Eine kurze Strecke nördlich von dscheräsch und dem zihiäni 
liegt eine grössere Ortslage esclt-schatcähed mit Ruinen alter Ge- 
bäude und mächtigen, behauenen Baublöcken. Wir drehten 
mehrere lUöcke um und fanden lateinische Inschriften, die alle 
einem Masculinio Secundo Tiberto (Gaiporo V. A. XX) galten. 
Auch zwei verstümmelte menschliche Büsten, auf einen Stein 
gemeisselt, fanden wir; die dazu gehörige Lischrift war jedoch 
gänzlich verwittert und verstümmelt. 

Ich kann nicht umhin, auch an dieser Stelle auf das Treiben 
der Tscherkessen und Fellachen aufmerksam zu machen, die in 
weit erhöhterem Maasse als ehedem alle Inschriften syste- 
matisch mit Meisel und Hammer verstümmeln; ein Abklatsch 
wird beredtes Zeugniss von einer solchen Verstümmelung able- 



85 

gen. Ebenso ergeht es den prächtigen Ornamenten aus Stein. 
Wer dschercisch noch sehen will, ehe es zur Unkenntlichkeit 
herabsinkt , der beeile sich. Der Mudir ist machtlos gegen dies 
fanatische Treiben seiner Landsleute. 

Das Nivellement ist nun bis dscheräsch beendet. Am vor- 
stehenden Porticus des Sonnentempels haben wir einen Höhen- 
punkt durch die auf die flache Steinoberfläche eingemeisselten 
Zeichen l D.P.V. V.VII. 97 fixirt. 

Von dscheräsch machte ich einen Yorstoss gegen den IY2 
Stunden südlich laufenden Zerka-Fluss, nahm die Gegend bis 
zum zör en-nawcihilsi (s. Bericht von meiner Reise in die Belkä 
ZDPV. XVI, 156) auf und untersuchte die vom Mudir von 
dschercisch entdeckte Mineralquelle el-hamemi im Zerka-Bett, 
die früher thermal gewesen sein mag und Bäderanlagen hat, jetzt 
aber nur 22*^,5 R. bei 27° OE. Lufttemperatur zeigte. 

Der ganze östliche morad leidet sehr unter der Heuschrecken- 
plage; Tennen und Felder sind von diesen »Heerschaaren Got- 
tes« bedeckt. Erst bei säkib und "ain dschenni verschwinden sie 
allmählich. 

Die alte Heerstrasse von Gerasa ging von der Hauptstadt 
in der Richtung nach schech ?iedsch'ib und tkitti. Dort verliert 
sich ihre Spur; wahrscheinlich wand sie sich zur Warte el-menära 
[atrim] hinauf und ging nach sTif o^^lbx hafat er-rabad. 

Die Aufnahmen sind bis säkib beendet; jetzt befinde ich 
mich auf der Wasserscheide zwischen dem wcidi el-emrabhci a^ dem 
Thal von '^ain dschenna^ und den Zuflüssen des loarran und zerhii. 
Heute zelten wir in dem quellreichen Thale bei '^ain dschenna^ 
von alten Wallnussbäumen beschattet; die hat at er-rabad \\q%\, 
in unmittelbarer Nähe, auf den nordwestlichen Höhen. Im 
Laufe der nächsten Woche werde ich mit den Aufnahmen bis 
lisdib zu gelangen suchen. Den südlichen und südwestlichen 
Theil des Dschebel *^Adschlün, das Gebiet am Zerka, kann ich 
jetzt nicht aufnehmen; die bisher vermessene Gegend ist zer- 
klüftet, von zahllosen Wasserrinnen durchschnitten und bewal- 
det, so dass die Aufnahmen nur langsam voranschreiten. Das 
Wetter hat umgeschlagen. Vergangene Woche hatten wir glü- 
hend heissen Sirocco, die Zerkä-Abhänge glühten förmlich; die 
Luft ist verdichtet und unklar. Zvi den umfassenden Aufnahmen 
von dschercisch habe ich noch Herrn Fr. Frank aus Jerusalem 



86 

hinzugezogen, der zufällig dort war. Am 21. oder 22. Juli hoffen 
wir Avieder in Haifa zu sein. 

Von den nach unserem Aufenthalt in dscherZisch aufgefun- 
denen Ruinenorten will ich nur die hauptsächlichsten nennen: 
el-icactani^ es-siverät^ kökazi, ras Jakah bei tkitti, edhai^ el-ekser^ 
el-amüme^ scJiattTil, dschamli^ ed-dlsi^ chirbet el-lehan^ el-kuem^ 
el-hawiii^ el-kiai^ ez-zkük,^es(ira, Scheck jüsef, el-mescliämis , el- 
tniüsir, chardsc/ia, dibbln (gross i, maküm el-aläm^ masfä, el- 
ahsetiije^ kafat eljüs (erhabener Bergkegel mit alter Burganlage, 
zu unterscheiden von dem mär eljüs bei lisdib\)^ lachsa., nidschdij 
sablhi^ ras haurän^ ^aräbön^ hazzär^ umm ed-dschlüd , (bedeutend, 
mit tceli el-chadr) dschäbir, nebi jakuh bei haläioa. 

Von Haifa, aus, so Gott will, mehr. 

Gesund sind wir Europäer, dagegen sind unsere Eingebore- 
nen aus Haifa nacheinander erkrankt, so dass ich mehr Fella- 
chen aus dieser Gegend engagiren musste. Unsere Minimaltem- 
l^eratur in der vergangenen Woche war + 13^^,5 R., Maximal- 
temperatur -|-2S°,5 R.; Nachts kühl, Tags heiss. 

Nachtrag zu riliäb (s. MuN 1897, S. 68) : riliüb scheint der 
bedeutendste Ort des suicet zu sein ; -»^ezz es-suioet wa kurslha hu 
rihäb« erzählen die Beduinen und Kenner des Landes. In der 
Umgebung divx'm rihäb, ein Felsabhang mit Löchern zum An- 
binden der Pferde. 

G. Schumacher. 



'" ' Bemerkungen und Näcliträge. 

Zu MuN 1897, S. 72, Z. 4. 

Die von Dr. M. aan Berchem auch nur zweifelnd zugelas- 
sene Lesung ^^.^^^m\ = istidschräh halte ich für ausgeschlossen. 

Ich schlage vor „L:?^^;;**! = istihrädsch »für sündhaft halten«. 

'f. 
Dann Avürde der Sinn sein: Keiner soll eintreten, sei es, dass er 

sich seines Vergehens bewusst ist oder nicht; er bleibt in beiden 

Fällen schuldig und strafbar. Die Form X ist in diesem Falle 

von den Wörterbüchern nicht gebucht, lässt sich aber ohne Mühe 

und Bedenken aus den vorhandenen Formen bilden. 

Jena, 5. November 1897. Völlers. 



87 

IL J^achrichten. 

Verzeichniss sämmtliclier Mitglieder des Deutschen Vereins 
zur Erforschung Palästina's. 



1. Ehrenmitglied. 

Schick, Conr., königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

2. Ordentliche Mitglieder. 

Seine Majestät der Deutsche Kaiser. 

Seine Hoheit Fürst Leopold von Hohenzollekn-Sigmaringen. 

Adler^ Marcus, M. A., London. 

Almkvist, Dr. Herman, Professor in Upsala. 

Arndt, Dr. Theodor, Prediger an der St. Petrikirche in Berlin. 

Ascherson, Dr. P., Professor in Berlin. 

Auerbach, Dr. L., Rabbiner in Halberstadt. ' , 

Baedeker, Karl, in Leipzig. 

Baethgen, Dr., Professor in Berlin (Charlottenburg). 

Bättig, Niki., Pfarrer in Vitznau, Canton Luzern. 

Baileij, Charles, F. L. S., Ashfield, Coli. Road, Whalley Range, 

Manchester. 
Baldensperger.^ //"., in Jerusalem. 
Baldensperger, J., in Jaffa. 
Balmer, Dr., in Basel. 
Bambus, W., in Berlin. 

Basilakis, Germanos, Director des Kreuzklosters in Jerusalem. 
V. Baudissin, Graf, Dr. W., Professor in Marburg. 
Bauer, L., Lehrer am Syrischen Waisenhause in Jerusalem. 
Bauermeister, H., Pfarrer der deutsch-evang. Gemeinde in Haifa. 
Baumann, Lic. Eberh., Predigtamts-Kandidat in Kaiserswert a/Rh. 
Bayer, H., in Jerusalem. 

Behrmann, Dr. G., Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg. 
Benzinger, Lic. Dr. Immanuel, Stadtpfarrer in Neuenstadt a/Kocher. 
van Berchem, Dr. 3Iax, Privat-Docent an der Universität in Genf. 
Bertheau, Carl, Pastor an St. Michaelis in Hamburg. 

Bibliotheken : 

der Akademie von Neuchätel (Schweiz), Dr. Domeier, 

de l'ecole des langues orientales Vivantes in Paris [Ch. Sehefe7-) . 

der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, 

Prof. Dr. Lazarus. 
der Israel. Cultusgemeinde in Wien, 
des bischöfl. Seminarium Clericorum in Brunn, 
des evangelisch-lutherischen Landes-Consistoriums in Dresden, 
des evangelischen Seminars in Tübingen. 



88 

Bibliotheken'. 

des herzoglichen Predigerseminars in Wolfenbüttel. 

Hofbibliothek, K. K. in Wien. 

des Königlichen Lyceum Hosianum in Braunsberg (Ostpreussen) . 

des Rabbiner-Seminars in Berlin, Dr. A. Berliner. 

Gymnasialbibliothek in Rottweil. 

Jüdische Bibliothek [M. Adelmanii) in Jerusalem. 

Königliche öflfentliche Bibliothek in Stuttgart. 

Landesbibliothek in Wiesbaden. 

der Kgl. Museen in Berlin. 

Library of Andover Theological Seminary in New York. 

Ministerialbibliothek in SchafFhausen, C. A. Bächtold, Pfarrer. 

Öffentliche Bibliothek in Basel. 

Stadtbibliothek in Frankfurt a/Main. 

»- in Hamburg, Dr. hier. 

in Mainz, Dr. Velke. 
Synagogenbibliothek in St. Petersburg. 
Universitätsbibliothek in Amsterdam. 

- in Bonn. 

- - in Dorpat. 

- in Erlangen, 
-in Freiburg. 

- in Giessen. 

- in Halle. 

- in Leiden fHolland^ . 

- in Leipzig. 

- - in Marburg. 

- in Prag. 
Universitätsbibliothek in Strassburg i. E. 

- in Tübingen. 

- - in Utrecht. 

Bichell, Dr. G., Professor in Wien. 

Biever, P. Zephyrin, Direktor des katholischen deutschen Hospizes in 

et-Täbgha bei Tiberias (Syrien). 
Blanckenhorii^ Dr. phil. M., in Erlangen. 
Boehl, Dr. E., Professor in Wien. 
Boettcher, Imm., Pastor in Jerusalem. 
Bosse, Paul, Kartograph in Weimar. 

Bourgeois, Dr. G.^ Pastor in Mars par St. Agreve (Ardeche) Frankreich. 
Brandel, Robert, Dr. phil. in Upsala. 
Brandt, Dr. A., Divisions-Pfarrer in Graudenz. 
Brüll, Dr. Adolf, in Frankfurt a/M. 
Brünnow, Professor Dr. Rudolf E., in Vevey. 
Brüsselbach, Pfarrer a. D. in Waldbroel. 
Brunswick, Frl. Bertha, in Rom. 
Bschara, Faia, Kaufmann in Jerusalem. 



Deutscher Verein zur Erforschung Palästina's. 






Die Arbeiten 



des 



Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's 



von 



1878 1897. 



Ein Bericht 
erstattet vom geschäftsfülirenclen Aussclmss. 



Leipzig 1897. 



Das weitere Comite des Deutschen Vereins zur Erforschung Palä- 
stina's besteht zur Zeit aus den Herren: 

Karl Bcedeker, Buchhändler in Leipzig. 

Dr. I. Benzinger, Pfarrer in Neuenstadt a/Kocher. 

Dr. G. Bickell, Professor in Wien. 

P. Biever, Direktor des Hospizes in et-Täbigha bei Tiberias. 

Dr. £d. Bohl, Professor in Wien. 

Dr. Ad. Brüll in Frankfurt a/Main. 

Dr. Fr. Buhl, Professor in Leipzig. 

Dr. O. Fraas, Professor in Stuttgart. 

Dr. H. Kiepert, Professor in Berlin. 

Dr. A. W. Koch, Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Dr. J^. Mühlau, Professor in Kiel. 

Dr. W. A. Neu77iann, Professor in Wien. 

Dr. Th. Nöldeke, Professor in Strassburg. 

Dr. F. W. M. Philippi, Professor in Rostock. 

Dr. Reinicke, Professor in Wittenberg. 

Dr. jK. von Riess, Domcapitular in Rottenburg a. N. 

Dr. C. Schick, königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

Dr. P. Schröder, kaiserl. deutscher Generalconsul in Beirut. 

Dr. G. Schumacher, Ingenieur in Haifa. 



Der geschäfts führende Ausschuss besteht zur Zeit aus den 
Herren : 

Dr. K. Furrer, Professor u. Pfarrer zu St. Peter in Zürich. 

Dr. Herrn. Guthe, Professor in Leipzig, Kramerstrasse 7. 

Dr. E. Kautzsch, Professor in Halle a. d. Saale, Wettinerstrasse 31. 

Dr. Otto Karsten in Altenburg, S. -Altenburg. 

Dr. A. Socin, Pi'ofessor in Leipzig, Schreberstrasse 5. 



Die Arbeiten 

des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's 

von 1878—1897. 

Seit der Gründung des Deutschen Vereins zur Erforschung 
Palästina's sind nun zwanzig Jahre verflossen; am Ende des lau- 
fenden Jahres wird auch der zwanzigste Band der Zeitschrift vor- 
liegen. Es ist bei diesem Anlass wohl gestattet, einen kurzen 

Rückblick 

auf alle Leistungen und Erfahrungen des Vereins zu werfen. 

Der Deutsche Verein zur Erforschung Palästi- Das ziei und der 
na's hatte sich von vornherein die Aufgabe gestellt, ^^' 

sowohl die Grundlagen der Palästinakunde durch Wissen- 
schaft liehe Untersuchungen zu festigen und zu vertiefen, als 
auch ihr einen breiteren Boden im deutschen Volke zu gewinnen. 
Die Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens werden gerade 
auf dem Gebiete der Erforschung Palästina s leicht fühlbar. Un- 
ser Verein wollte durch seine Arbeiten und Druckschriften in 
erster Linie das sachliche Verständniss der Bibel fördern , aber 
dabei doch nicht den Zwecken einer besonderen Confession die- 
nen. Wie aber die Dinge nun einmal liegen, so ist es gerade in 
den das heilige Land betreffenden Fragen nicht immer leicht, 
mit unbefangenem Blicke aus dem bunten Gewebe, das Sage und 
Dichtung um Personen, Ereignisse oder Orte der Vergangenheit 
in liebevoller Verehrung geschlungen haben, die Fäden der ge- 
schichtlichen Wahrheit und Wirklichkeit herauszulösen , ohne 
den religiösen Anschauungen, die auf dieser oder jener Seite ge- 
hegt werden, zu nahe zu treten. Es unterliegt ja keinem Zweifel, 
dass nur ein Weg an das Ziel dieser Aufgabe führen kann, näm- 
lich streng wissenschaftliche Forschung und Prüfung; 



aber gerade bei Beschreitung dieses Weges läuft man Gefahr, bei 
denen, die ihn nicht übersehen, Langeweile zu erregen oder gar 
das Interesse au der Frage zu verscherzen. 

Unsere bisherigen Die Fahne der strengen Wissenschaftlichkeit 

Arbeiten. glauben Wir stets hochgehalten und den interconfes- 
sionellen Charakter unserer Zeitschrift in keinerlei Hinsicht ver- 
letzt zu haben. Je höher wir unsere Anforderungen in wissen- 
schaftlicher Beziehung stellten, desto mehr sind wir andererseits 
bemüht gewesen, das Interesse der Mitglieder des Vereins durch 
Vielseitigkeit unserer Unternehmungen und Mannigfaltigkeit 
unserer VeröiFentlichungen anzuregen. Freilich liegt bei man- 
chen geographischen, topographischen oder auch andersartigen 
Untersuchungen über die Zustände des heutigen Palästina der 
Zweck der Arbeit nicht sofort auf der Hand, weil die Zustände 
des alten Palästina, deren Erkenntnis der Zweck der Arbeit ist, 
sich erst durch Ilückschluss aus diesen Untersuchungen ganz 
oder theilweise wiedererkennen lassen. Wir haben deshalb wis- 
senschaftlich gedachte Einzeluntersuchungen, auch wenn sie noch 
so fragmentarisch waren, niemals von der Aufnahme in unsere 
Zeitschrift ausgeschlossen. » 

Die geographische Untersuchung ist durch eine Anzahl grösse- 
rer Originalaufnahmen und Herstellung von Karten wesentlich 
gefördert Avorden; in dieser Beziehung ist namentlich auf Schu- 
macher's Dscholan, Stübel's Darstellung des Hauran, Hart- 
MAXx's Liwa Ladikije zu verweisen ; ebenso gehören dazu Guthe's 
Ausgrabungen bei Jerusalem. Unseren Lesern wurde auch die 
FiscHER-GuTHE'sche Karte von Palästina mit Begleitschrift ge- 
liefert; ferner Schicks Karten der näheren und w^eiteren Um- 
gebung von Jerusalem. Ausserdem wurde eine Anzahl kleinerer 
Pläne von Ortschaften, wie Gaza, Jafa, Bethlehem, Nazareth, auf- 
genommen, nicht minder IMäne älterer Wasserleitungen von 
Jerusalem und vieles Andere. Auf dem Gebiete der Topographie 
wurde, namentlich in den ersten Bänden der Zeitschrift, die 
Zion- und Akrafrage vielfach besprochen und wenigstens die 
erstere zu einem bestimmten Abschluss gebracht, ebenso die nach 
der Erbauung des Felsendoms durch Abdelmelik. Ferner w^urde 
auch den mit der Frage der Achtheit der Grabeskirche ver- 
knüpften Problemen viele Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht 
minder Hessen wir es uns angelegen sein, die speciellen archäo- 



logischen Forschungen durch Besprechung der neuen Funde, 
wie Statuen, Sarcophage, Münzen und besonders auch Inschriften 
zu fördern. Auch den früheren Beschreibimgen Palästina's, den 
Pilgerschriften sowohl als auch alten Plänen, wurde Aufmerk- 
samkeit geschenkt. Die ethnographische Landeskunde wurde 
durch die Artikel Klei]s;'s über die Fellachen, sowie durch zahl- 
reiche kleinere Beiträge, welche sich auf Sitten und Aberglauben 
bezogen, gefördert. Vor allem haben wir unser Auge auch auf 
die naturwissenschaftliche Kunde des Landes gerichtet; beson- 
ders erscheinen in dieser Beziehung die geologischen Unter- 
suchungen bemerkenswerth. Auch die Statistik wurde nicht ver- 
nachlässigt; über die Lage der verschiedenen Religionsgemein- 
schaften wurde ausführlich berichtet. Vielleicht darf schliesslich 
auch noch auf unsere Fürsorge für die Bibliographie Palästina's 
verwiesen werden. Eine Übersicht über unsere bisherigen Ar- 
beiten ist als Anhang unten abgedruckt. 

Bei allen diesen Forschungen und Untersuchungen hatten 
wir uns der bereitwilligen und verständnissvollen Mitarbeit der 
berufensten Kräfte zu erfreuen. Es liegt in der besonderen Art 
unserer Aufgabe, dass wir nicht nur des Beobachtens und For- 
schens an Ort und Stelle bedürfen, sondern auch der gelehrten 
Verarbeitung der überlieferten Nachrichten. In beiden Bezie- 
hungen sind wir sowohl zahlreichen Bewohnern des heiligen Lan- 
des, die für das Erstere die beste Gelegenheit haben, als auch 
europäischen Gelehrten zu grossem Danke verpflichtet. 

Wir haben unsere Arbeit bisher wesentlich mit beschränkten 
Mitteln geleistet ; es ist uns — wir gestehen dies un- Die Vermehrung 

, , , • /-. 1 • 1 . 1- 1 ^ • derAnfguben und 

vernohlen — im Grossen noch nicht gegluckt, wei- unsere Mittel. 
tere Kreise für unsere Bestrebungen zu interessiren. Dennoch 
müssen wir dieses Ziel um so fester im Auge behalten, als unsere 
Arbeiten sich in den letzten Jahren bedeutend ausgedehnt haben. 
Es ist uns gelungen, die Kräfte der in Palästina ansässigen Deut- 
schen in einem höheren Grade als früher für die Erforschung 
ihrer neuen Heimat heranzuziehen. Die kürzlich erfolgte Grün- 
dung eines Zweigvereins in Jerusalem darf als ein erfreulicher 
Fortschritt in dieser Hinsicht bezeichnet werden. Wir haben 
meteorologische und phänologische Stationen begründet und 
ständige Beobachter für landAvirthschaftliche Vorgänge gewonnen, 
Herr Dr. Schumacher in Haifa hat auf Kosten unseres Vereins 



4 

die Aufnahme des bisher nur wenisr bekannten mittleren Ost- 
Jordanlandes in Angriff genommen und etwa bis zur Hälfte voll- 
endet. Um den Mitgliedern Neuigkeiten rascher bekannt zu 
geben und kürzere Beiträge zu veröffentlichen, lassen wir seit 
1895 neben der »Zeitschrift des Deutschen Palästinavereins« die 
■ »Mittheilungen und Nachrichten« erscheinen. In den ver- 
gangenen Jahren haben wir für grössere und kleinere Unter- 
nehmungen in Palästina selbst einen Betrag von etwa 20 000 Mark 
aufwenden können, den wir theils den ordentlichen und ausser- 
ordentlichen Beiträgen unserer Mitglieder, theils gütigen Spenden 
von deutschen Fürsten und ihren hohen Regierungen verdanken. 
In einzelnen Jahren hat freilich schon die Herstellung grösserer 
Karten und Pläne, sowie der Druck der Zeitschrift unsere ganze 
Jahreseinnahme in Anspruch genommen. Wir haben die erfreu- 
liche Erfahrung gemacht, dass, je mehr wir uns rühren, desto 
zahlreichere Aufgaben uns entgegengebracht werden. Schon die 
meteorologischen Untersuchungen, besonders die erforderliche 
Ausdehnung der Stationen, belasten unser Budget wesentlich. 
Die begonnene Vermessung des Ostjordanlandes, wozu wir an 
Schumacher den richtigen Mann haben, dürfte, wenn sie auch 
eine hohe Summe in Anspruch nimmt, doch wohl nicht aus Geld- 
mangel unterbrochen oder gar eingestellt werden. Vor allem 
sollte uns aber auch die Möglichkeit gegeben sein, uns im 
gegebenen Moment mit Ausgrabungen zu befassen: wichtige 
Punkte, wie die Hügel von Jesreel und Megiddo, sind dafür 
längst ins Auge gefasst. Mehr und mehr werden nachgewiesener 
Maassen die alten Ruinenstätten, besonders des Ostjordanlandes, 
verwüstet, ja geradezu zerstört werden: es ist eine dringende 
Aufgabe, sie daher baldigst zu untersuchen und die wichtigeren 
Punkte in Photographie der Nachwelt zu erhalten. Auch auf 
dem Gebiete der alten Geographie liegen bestimmte Pläne vor, 
z. B. die Herstellung eines Ortslexicons nach orientalischen 
Quellen und die Herausgabe zahlreicher älterer Pläne. Wenn 
also die in Angriff genommenen vielseitigen Arbeiten der Voll- 
endung auch nur einigermaassen näher gebracht werden sollen, 
bedürfen wir grösserer Geldmittel, als sie uns bisher zu Gebote 
standen. Wir würden uns sonst zu unserem Bedauern gezwungen 
sehen, diese Unternehmungen zu unterbrechen, und darauf ge- 
fasst sein müssen, dass fremde Gesellschaften, welche in ähnlicher 



Weise wie wir an der Erforschung Palästina's arbeiten, die von 
uns geplanten und heieits begonnenen Unternehmungen zu Ende 
fuhren würden. Hat doch z. K. der englische Palestine Explora- 
tion Fund bisweilen in einem einzigen Jahre für Ausgrabungen 
und Vermessungen tausend Pfund aufwenden können, soviel etwa, 
wie wir in den vergangenen neunzehn Jahren zusammen. 

Unsere Arbeiten sollen, wie gesagt, in erster Allgemeine Be- 
Linie der Bibelforschung zu Gute kommen; aber sie fo7schifng "^Paiä- 
dienen daneben auch anderen Zielen, von denen wir 
hier nur eines hervorheben wollen. Je mehr sich die Blicke 
Europa's im Laufe der letzten Jahrzehnte wieder nach dem Orient 
gerichtet haben, um so wichtiger erscheint auch unsere Aufgabe, 
weil sie auf die Erforschung eines Landes gerichtet ist, das eine 
Zukunft hat. Wenn erst die Verkehrswege noch ganz anders 
gebessert sein werden, der Credit gehoben und es möglich sein 
wird, vielseitigere Interessen in dem Lande anzuknüpfen, wird 
man uns dankbar sein, durch die Erforschung des Landes der 
Cultur vorgearbeitet zu haben. Man hat von einem »friedlichen 
Kreuzzug« unseres Jahrhunderts gesprochen ; fasst man die Be- 
wegung so auf, so stellt die wissenschaftliche Erforschung des 
heiligen Landes eine grosse Zahl der Pioniere, welche die Wege 
für diesen »friedlichen Kreuzzug« bahnen. Dabei denken wir 
nicht im entferntesten daran, irgend welche politische Zwecke 
zu verfolgen; um so mehr dürfen wir hoffen, dass man uns in 
unseren Bestrebungen entgegenkomme und uns unterstütze. 
Gerade die genannten Aufgaben, die sich stetig mehren, versetzen 
uns in die Nothwendigkeit , um namhaftere regelmässige 
oder ausserordentliche Beiträge zu bitten, damit wir nicht 
mitten in der Arbeit lahm gelegt werden. 

Der gescliäftsführende Ausschnss 
des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina's. 

K. FuRRER, Professor in Zürich. H. Guthe, Professor in 
Leipzig. E. Kautzsch, Professor in Halle a. S. (3tto 
Kersten, Dr. phil., in Altenburg, S. -Altenburg. A. Socin, 

Professor in Leipzig. 



Übersicht über die Arbeiten des Deutschen Vereins 
zur Erforsclumg Palästina's 1878—1897. 

Die fett gedruckten Zahlen verweisen auf die Biinde der Zeitsclirift des Deutschen Palästina- 
Vereins. MuN bezeichnet die Mittheilungen und Nachrichten des Deutschen Palästina-Vereins. 

Geographisch-topographische Aufnahmen und Untersuchungen. 

Fischer und Guthe, Handkarte von Palästina; Fischek, Begleit-worte zur 

Handkarte von Palästina 13, 44. 
Schumacher, DerDscholan, zum erstenmal aufgenommen und beschrieben 

(mit Karte und Plänen) 9, 105. 
Dr. A. Stübel's Reise nach der Diret et-Tulul und Hauran, hrsg. von Guthe 

(mit Karte) 12, 225; vgl. Hartmann, Bemerkungen 13, 60. 
Hartmann, Das Liwa el-Ladkije und die Nadije Urdu (mit Karte) 14, 151. 
Schumacher, Das jetzige Nazareth (mit Plan) 13, 235. 

Madaba (mit Tafel) IS, 113. 

Dscherasch (mitT.) 18, 126. 

Es-Salt 18, 65. 

Schick, Artuf und seine Umgebung (mit T.) 10, 131. 
SandEL, Jafa und Umgebung (mit T.) 3, 44. 
Palmer, Das jetzige Bethlehem (mit T.) 17, 89. 
Schick, Der Frankenberg (mit T.) 3, 80. 

Plan von Ascalon 2, 164. 

Guthe, Die Ruinen Ascalons 2, 164. 
Gatt, Gaza und seine Umgebung 7, 1. 

Die bewohnten Ortschaften der Kaimakamije Gaza 7, 293. 

Koutiers und kleine topographische Untersuchungen. 

Hartmann, Das Bahnnetz Mittelsyriens (mit K.) 17, 56. 
VAN Kasteren, Liftaja 10, 171. 

Die bewohnten Ortschaften in der Belka 13, 150. 

NÖTLING, Meine Reise im nordöstlichen Jordanlande und in Syrien 9, 146. 

Kersten, Umwanderung des Todten Meeres 2, 201. 

Schick, Reise nach Moab (mit K.) 2, 1. 

Klein, Reise nach Moab 2, 224. 

BrÜnnow, Reisebericht .M u N 1895, 65, 81 ff. 

Schumacher, Meine Reise im Ostjordanlande 15, 63. 

Ergebnisse meiner Reise durch Hauran , Adschlun und Belka (mit K.) 

16, 72; 153. 

Der Hiobsstein , Sachrat Eijub im Hauran 14, 142; dazu von Schack 

15, 193; Erman 15, 215; van Kasteren 15, 196. 

Von Tiberias zum Ilule-Sfie 13, 65. 

Buhl, Von Banijas nach Bosra 14, 63. 



Topographisclie Untersuchungen des heutigen Jerusalems und seiner 

Umgebung. 

Schick, Karte der näheren Umgebung von Jerusalem; dazu Namenliste und 
Erläuterungen von Schick und Benzinger 18, 149. 

Karte der weiteren Umgebung von Jerusalem, mit Namenliste und Er- 
läuterungen von Schick und Benzinger 19, 145. 

Zur Einwohnerzahl des Bezirks Jerusalem 19, 120. 

Die Wasserversorgung von Jerusalem 1, 132. 

Antike Reste in und um Jerusalem 1, 1 1. 

Die Baugeschichte der Stadt Jerusalem 16, 237; 17, 1 ; 75 ; 165; 251. 

• Der Davidsthurm in Jerusalem 1, 226. 



Neue Funde im Norden von Jerusalem 2, 102. 

Bericht über meine Arbeiten am Siloahcanal 5, 1. 

GuTHE, Ausgrabungen bei Jerusalem (mit vielen Tafeln) 4, 115; 5, 7; 271. 

Sandreczki, Die Namen der Plätze, Strassen, Gassen des heutigenJerusalem 
(mit T.) 6, 42. 

SociN, Verzeichniss der Ortschaften des Paschalik Jerusalem 2, 1 35. 

Hartmann, Die Ortschaften des Liwa Jerusalem in dem türkischen Staats- 
kalender für Syrien auf das Jahr 1288 6, 102. 

VAN Kasteren, Aus der Umgegend von Jerusalem 13, 71. 

WoLFF, Zur neueren Geschichte Jerusalems 8, 1. 

Palästina im Alterthum. 
a) Gesammtpalästina. 

Zimmern, Palästina um das Jahr 1410 vor Christus nach neuen Quellen 13, 133. 
Kampffmeyer, AlteNamen im heutigen Palästina und Syrien 15, 1, 65; 16,1. 
FuRRER, Die antiken Städte und Ortschaften im Libanongebirge 8, 16. 

Die Ortschaften am See Genezareth 2, 52. 

Tarichaea und Gamala 12, 145. 

Noch einmal das Emmaus des Josephus, das Hammat der Bibel 13,194. 

■ Zur ostjordanischen Topographie, Gesur u.s.w. 13, 198. 

Frei, Beobachtungen am See Genezareth (mit Karte) 9, 81. 

van Kasteren, Am See Genezareth 11, 212. 

Spiess, Die Lage von Tarichaea 8, 95. 

Schaff, Kapernaum 1, 216. 

GuTHE, Zur Lage von Tarichaea 13, 281. 

Zur Lage von Gesur 13, 285. 



Die Untersuchung des Patriarchengrabes in Hebron imJahrlll9 17, 238. 

VAN Kasteren, Bemerkungen über einige alte Ortschaften im Ostjordanlande 
13, 205. 

AsMUSSEN, Die zehn Stämme 16, 256. 

Gelzer, Zu der Beschreibung Palästina's des Georgios Kyprios 18, 36. 

Noch einmal das palästinensische Städteverzeichiiiss bei Georgios Ky- 
prios 18, 100. 

Schlatter, Gadara, nicht Gezer 18, 73. 



Gildemeister, Kooiai, Karawa, Alexandrium 4, 245. 

Die Stadt Salamias bei Antoninus Placentinus 8, 100. 

Marti, Das Thal Zeboim 7, 125. 

Nestle, Elkosch 1, 222. 

Schick, Saul's Reise 1. Sam. 9 4, 217. 

In welche Gegend der "Wüste wurde der Sündenbock geführt 3, 214. 

Schick-Marti, Lauren und Klöster in der Wüste Juda (mit Karte) 3, 1. 
RiESS, Das Euthymiuskloster, die Peterskirche der Eudokia und die Laura 

Heptastomos in der Wüste Juda 16, 212. 
Kathisma palaion und der sogenannte Brunnen der Weisen bei Mar 

Eljas 12, 19. 
Trumbull's Kadesh Barnea von Guthe 8, 182. 

b) Das alte Jerusalem und Umgebung. 

VON Alten, Die Antonia und ihre Umgebungen 1, 60. 

Zion 2, 18. 

Die der Stadt zugewandte Umgebung des Tempelberges als die Unter- 
stadt des Josephus nachgewiesen 2, 189, 

Die Davidstadt, der Salomoteich und die Gräber der Könige in Jerusa- 
lem 3, 116. 

Klaiber, Zion, Davidstadt und Akra 3, 189; 4, 57. 

Noch einmal Zion, Davidstadt und Akra 11, 1. 

Gatt, Hatte Jerusalem eine oder mehrere Akra genannte Burgen 10, 182. 
Schick, Nehemia's Mauerbau (mit T.) 14, 14. 

Das Thalthor im alten Jerusalem 13, 31. 

Weitere Ausgrabungen auf dem russischen Platz (mit T.) 12, 20. 

Die Stephanskirche der Kaiserin Eudokia 11, 249. 

Der Teich Bethesda 11, 178. 

Studien über die Einwohnerzahl des alten Jerusalem 4, 211. 

Antike Reste in und um Jerusalem 1, 11. 

Gc'THE, Zur Topographie der Grabeskirche 14, 35. 

- — Die zweite Mauer Jerusalems und die Bauten Constantins am heiligen 
Grabe, nach russischen Berichten und mit Originalbeiträgen Schick's 
(mit T.) 8, 245. 

Spiess, Die königliche Halle des Herodes im Tempel von Jerusalem 15, 234. 

Die neueste Construction der zweiten Mauer Jerusalems 11, 41. 

RiESS, Zur Baugeschichte des Felsendoms in Jerusalem 11, 197. 

Über die angebliche Aufdeckung der Eudokia- (Stephans-) Kirche in 

Jerusalem 8, 162. 

Reste eines alten armenischenKlosters auf demÖlberg und die daselbst 

aufgefundenen Inschriften (mit Taf.) 8, 155. 

Sepp, Die Felsenkuppel in Jerusalem 11, 249. 

Der Stein hat-Toim 2, 48. 

O. Wolff, Der Salomonische Tempelplatz und der heutige Haram (mit T.) 

11, 60. 
Frei, Die neuentdeckte Stephanskirche in Jerusalem 8, 50. 



9 

Palästina im Mittelalter. 

a) Abendländische Quellen. 

Röhricht, Karten und Pläne zur Palästinakunde aus dem 7. — IG. Jahrb. 14, 

8, 87, 137; 15, 34, 185; 18, 173 (mit vielen Tafeln). 
Studien zur mittelalterlichen Geographie und Topographie Syriens 10, 19.5 

Syria Sacra 10, 1. 

Pr^TZ, Die Besitzungen des Johanniterordens in Palästina und Syrien (mit 

Karte) 4,157. 
Herquet, Neues zur Geschichte des Johanniterordens 6, 206. ' 

b) Palästina bei den Muslimen. 
Gildemeister, Beiträge zur Palästinakuude aus arabischen Quellen 4, 85; 
6, 1; 7, 143, 215; 8, 117. 

Der Name Chan Minje 4, 194. 

Die arabischen Nachrichten zur Geschichte der Harambauten 13, 1. 

zu Görgens, Arabische Quellenbeiträge 2, 248. 

Gildemeister, Nöldeke, Anthedon, Muntar 7, 140. 

Goldziher, MuhammedanischeTraditionen überden Geburtsort des Josua 2,13. 
• Das Patriarchen grab in Hebron nach Al-Abdari 17, 115. 

c) Pilgerreisen. 
Röhricht, Antonius de Cremona (1327, 1330) 13, 153. 

Die Wallfahrt der Herzogin Maria Hippolyta von Calabrien (1474) 14, 12. 

Die Jerusalemfahrt des Heinrich von Zedlitz (1493) 17, 93, 185, 277. 

■ Die Jerusalemfahrt des Caspar von Mülinen (1506) 11, 184. 

Die Jerusalemfahrt des Christian Perband (1614 ff.) 19, 102. 

Röhricht und Meisner, Die Pilgerfahrt des Herzogs Friedrich II. vonLieg- 

nitz und Brieg(1501) und die Descriptio templi domini von Philippus de 
Aversa herausgegeben 1, 101, 177. 

Die Jerusalemfahrt des Friedrich Eekher von Käpfing und Karl Grim- 

ming auf Niederrain (1620) 8, 174. 

Altmanx, Die Beschreibung der heiligen Stätten von Jerusalem in Eberhard 

Windecke's Denkwürdigkeiten (1424/25) 16, 188. 
ScHEPPS, Zu den Eyb'schen Pilgerfahrten (15. Jahrb.) 14, 17. 
Prasek, Ein böhmischer Palästinapilger (15. Jahrh.) 19, 114. 
Die Pilgerfahrt des russischen Abtes Daniel, übersetzt von Leskien 7, 17. 
W. Erman, Zwei angebliche Pilgerschriften des 17. Jahrhunderts 4, 200. 

Archäologisches. 

a) Bauten, Gräber u. s. w. 

Benzinger, Der heutige Zustand der alten Denkmäler in Syrien und Palä- 
stina 14, 69. 

VON HiTROWO, Gutachten betreffend die Nothwendigkeit neuer photographi- 
scher Avifnahmen der Ruinen Palästina's und Syriens 19, 137. 

Gl'THE, Bericht über die Statue von Gaza mit Taf.) 2, 183. 

Neue Funde in Nabuius G, 231. 

Schalensteine in Palästina und im Alten Testament 13, 123. 



10 

ScHREIBEK, Die Dreifussbasis in Nabulus 7, 136. 

RzlHA, Steinmetzzeichen und Bergfriede 4, 93. 

GiLDEMElSTEK, Die sogenannte Manara in Tyrus 7, 74. 

SCHULTZE, Sareophage und Grabinschriften aus Jerusalem 4, 9. 

Schick, Das altchristliche Tauf haus neben der Kirche inAmwas (mitT.)7,15. 

Neu entdeckteFelscisternen und Felsgemäeher in Jerusalem (mit T.) 8,42. 

Neu entdeckte Columbarien am Berge des Bösen Raths mitT. 8, 40. 

Neu aufgedeckte Felsengräber bei der Grabeskirche in Jerusalem 'mit 

T.) 8, 171. 

Die neu aufgefundenen Felsengräber neben der Jeremiasgrotte 9, "4. 

Katakomben auf dem Ülberg mit T. 12, 193. 

Neu aufgedeckte Gräber in Jerusalem (mit T.) 16, 202. 

Schumacher, Felsengräber in Dschebbata (mit T.) 8, 60. 
Grabkammern bei Haifa mit T. 13, 17. 

VAX KastereXj Neu entdeckte Grabkammern 12, 24. 

b' Münzen und Inschriften. 
Erman, Kurze Übersicht der Münzgeschichte Palästinas 2, 75. 

Der Münzfund von Jerusalem 2, 120. 

Guthe, Ein vermeintliches hebräisches Talent 17, 201. 

Hebräische. Kautzsch, Die Siloahinschrift 4, 102, 250 (mit T.). 5, 205. 

Guthe, Die Siloahinschrift 4, 250. 

Die echte und die gefälschte Siloahinschrift 13, 203. 

Das Schicksal der Siloahinschrift 13, 2S6. 

Giec hische. ^SIordtmaxn, Beiträge zur Inschriftenkunde Syriens 7, 1 19 ;T.) 

Griechische Inschrift, angeblich aus Hebron 12, 132. 

Gildemeister, Bemerkungen zu den griechischen Inschriften Frei's und 

Schumacher's 11, 38. 
BURESCH, Schumacher's Inschriften aus Dscherasch 18, 141. 
Guthe, Griechische Inschriften aus Jerusalem 13, 233. 
Gelzer, Inschrift aus Kaisareia 17, 180. 

• Inschrift vom Muristan 17, 183. 

Lateinische. Zangexmeister, Rom. Inschrift von Jerusalem 10, 49; 11,138. 

Inschrift der Vespasianischen Colouia Caesarea 13, 25. 

Arabische, vax Berchem, Eine arabische Inschrift aus dem Ostjordanland 

mit historischen Erläuterungen 16, 84 mit T.!. 

Arabische Inschriften aus Syrien 19, 105. 

Gildemeister, Arabische Inschrift vom Nähr Banijas 10, 1S8. 
Stumme, Inschriften im Haram von Hebron 17, 249. 

Georgische. Zag.4Relli, Georgische Inschrift 4, 222 (mit T.). 
Armenische. Owsepian, Mosaik mit armenischer Inschrift im Norden Jeru- 
salems 13, 88 (mit T.). 
Ägyptische. A. Ermax, Der Hiobstein 15, 2u5. 

Ethnographisches. 
BuDDE, Die hebräische Leichenklage 6, 180. 

Erläuterungen zum Alten Testament aus dem Leben der Türkvölker 

nachRadlotflS, 91. 



11 

Klein, Mittheilungen über Leben, Sitten und Gebräuehe der Fellachen 3, 100; 

4, 57; 6,81. 
ScHViiACHEK, Der arabische Pflug 12, 157. 
Wetzstein, Über die Siebe in Syrien 14, 1. 
Sepp, Das Gleichniss vom Kamel und Tsadelöhr 14, 30. 
Gatt, Industrielles aus Gaza 8, 69. 
• Technische Ausdrücke der Töpferei und Weberei in Gaza 8, 179. 

Ein Besuch bei Abu Suweirih 10, 54. 

Abela, Beiträge zur Kenntniss abergläubischer Gebräuche in Syrien 7, 79; 

vgl. 8, 80. 
L. EiNSZLER, Der Name Gottes und die bösen Geister im Aberglauben der 

Araber 10, 160. 

Das böse Auge 12, 200. 

Mar Eljas, el-Chadr und Mar Dschirjis 17, 42. 

Arabische Sprichwörter 19, 65. 

VAN Kasterex, Aus dem Buche der Weiber 18, 34. 
Kautzsch, Ein Brief des Hohenpriesters der Samaritaner 8, 1 49. 

Keligionsgemeinschaften und Oolonien. 
Reimcke, Die evangelische Mission in Palästina 5, 13. 
Paulu.s, Die Tempelcolonien in Palästina 5. 31. 
ScHXABL, Die römisch-katholische Kirche in Palästina 7, 263. 
Gl'THE, Die griechisch-orthodoxe Kirche im heiligen Lande 12,81. 
Dalman, Gegenwärtiger Bestand der jüd.Colonien in Palästina 16, 193; 17,301. 
Zagarelli, Grusinische Colonisten in Palästina 11, 259. 

Historische Skizze der Beziehungen Grusiens zum heiligen Lande und 

zum Sinai 12, 35. 

Naturwissenschaftliches. 
Chaplin, DasKlima von Jerusalem, bearbeitet von Kerstex (mit Tab.) 14,93. 
Bl.\NCKENHORN, Syrien in seiner geologischen Vergangenheit 15, 40. 

Entstehung und Geschichte des todten Meeres 19, 1. 

Geologisches 14, 135. 

Nütling, Geologische Skizze der Umgebung von el-Hammi (mit K.) 10, 59. 
Fraas, Der Schwefel im Jordanthal 2, 113. 

Ascherson, Barbey's Herborisation au TiCvant und Dr. O. Kersten's bota- 
nische Sammlungen G, 219. 

Cephalaria Syriaca 12, 152. 

Anderlind, Der Einfluss der Gebirgswaldungen im nördlichen Palästina auf 

die Vermehrung der wässerigen Niederschläge daselbst 8, 101. 
Ackerbau und Thierzucht in Syrien 9, 1. 

Die Fruchtbäume in SjTien 11, 69. 

Die Rebe 11, 160. 

Spanische Pferde in den Ställen Salomo's 18, 1; dazu SociN, ebd. 183. 



Völlers, Was ein Fischer in Haifa fängt 13, 202. 

Dr. Einszler, Beobachtungen über den Aussatz 16, 267. 

Sandreczki, Studien über Lepra 18. 34. 

ZiNSSER, Bemerkungen über den jetzigen Stand der Lepraforschung 18, 41. 



12 

Bibliographie. 

Bericht über neue Erscheinuns:en auf dem Gebiet der Palästinaliteratur, von 
SociNl,24; 2,81; 3, 57; 4, 127; 5, 219; 6, 153; 7,231; 8,288; von Jacob 
10, 95; 11,105; 12,95; vonBENZlNGERl3, 246; 15,117; 16,106; 17,129, 
209; 18, 189; von Guthe 19, 129. 

Neümaxx, Beiträge zur Bibliographie der Palästinaliteratur (zu RÖHRICHT 
und Meisner, Deutsche Pilgerreisen) 4, 224. 

Beiträge zur Kenntniss der Palästinaliteratur 14, 13. 

Mühlau, Beiträge zur Palästinaliteratur im Anschluss an Röhricht's Bi- 
bliotheca geogr. Pal. 16, 209. 

SociN, Bericht über die im Nachlass von Prof. Gildemeister vorgefundenen 
auf die Geographie von Syrien u. Palästina bezüglichen Manuscripte 14, 75. 

Guthe, Russische Zeitschriften zur Palästinakunde 12, 1. 

Schröder, Verzeichniss der in Syrien und Mesopotamien erscheinenden Zei- 
tungen 12, 124. 



Der Deutsche Verein zur Erforschung Palästina's, 

eine wissenschaftliche Gesellschaft, hat sich die Erforschung 
Palästina's namentlich behufs Förderung der Bibelkunde zur 

Aufgabe gestellt. Er verfolgt seinen Zweck: 

1. durch Herausgabe von »Mittheilungen und Nachrichten des 
Deutschen Palästina -Vereins«, die alle zwei Monate in der 
Stärke von je einem Bogen erscheinen, und durch Herausgabe 
der «Zeitschrift des Deutschen Palästina -Vereins«, die 
grössere Abhandlungen und kartographische Beilagen bringt, 
jährlich zwei bis drei Hefte in einem Umfang von insgesammt 
12 Bogen; 

2. durch eigene Forschungen in Palästina. Von diesen sind augen- 
blicklich zu nennen die Herstellung einer genauen Karte des 
Ostjordanlandes, für die Herr Dr. phil. G. Schumacher im 
Auftrage des Vereins thätig ist, ferner die Einrichtung und 
Unterhaltung von meteorologischen und phänologischen 
Stationen an den wichtigsten Punkten des Landes. 

Anmeldungen zum Deutschen Palästina -Verein nimmt die 
Buchhandlung von K. BSBCleker, Leipzig, Nürnbergerstrasse 46, ent- 
gegen. Die jährlichen Beiträge der Mitglieder, — Minimalsatz 
10 R.-Mark — werden theils zur Herausgabe der Zeitschrift, theils 
zu den wissenschaftlichen Unternehmungen des Vereins verwandt. 
Höhere jährliche Beiträge, sowie auch einmalige Gaben für wissen- 
schaftliche Unternehmungen sind sehr erwünscht. Den Mitgliedern 
des Vereins werden die Hefte der Zeitschrift und die Mittheilungen 
und Nachrichten des Deutschen Palästina-Vereins unmittelbar nach 
ihrem Erscheinen kostenfrei zugesandt. 



Druck von Breitkopf <t Härtel in Leipzig. 



ßei der Buchhandlung von Karl Baedeker in Sßeipz^g^ 

^ürnbergerstrass& 46 ^ melde ich mich hierdurch als Mitglied 

des ^eittschen Vereins zur Erforschung 7'^cdastina' s an und 

zeichne einen jährlichen ßeitrag vo7i 

(Ort) (Name) 



( Wohmmg, 



S^n den Kassirer des deutschen %hreins zur Erforschung 
J'^alästiyia' s ^ Buchhandlung von Karl Baedeker in Sßeipzig^ 
Sllürnderg er Strasse 4-6 ^ überweise ich hierdurch zier ^örderu7ig 
der S^rheiten des deutschen -'Der eins zur Srforschung 7'^alästinas 



den Betrag von Jl^ zahlbar am 



(Ort) (Name)- 



( Wohmmg) 



# ■- w t \. ^ u 



89 

Btidde, Dr. C, Professor in Strassburg i. E. 

Buege, Dr. E., in Jerusalem. 

Buhl, Dr. Franz, Professor in Leipzig. 

V071 Bulmertncq, Mag. theol. in Dorpat. 

Burchard, Alex., Stud. theol. in Riga. 

Chapuis, Dr. F., Pastor in Chexbres bei Lausanne. 

Christmann, Kaiserl, Deutsch. Consul in Mersina, Asiatische Türkei. 

Chwolson, Dr. Dan., wirkl. Staatsrath und Professor in St. Petersburg. 

Giemen, Prof. Dr. in Grimma. 

V. Dalberg, Frdr. Frhrr., K. K. Lieutenant a. D. in Wien. 

Dalman, Lic. Dr. G. H., Professor in Leipzig. 

Ballon, Consistorial-Rath a. D. in Berlin-CJharlottenburg. 

Delitzsch, Dr. Friedr., Professor in Breslau. 

Derenbourg, Dr. Hartwig, Professor in Paris. 

Dieckmann, R., Pastor in Beggerow bei Demmin. 

Dieter, David, Pfarrer in Stuttgart. 

Dach, Gerh., Lehrer an der Tempelkolonie in Jerusalem. 

Ehinger-Heusler, Alph., in Basel. 

Ehni, Pastor in Genf. 

Einsler, Dr. med. A., in Jerusalem. 

Euting, Prof. Dr. /. , Oberbibliothekar in Strassburg i. E. 

Faber, W., in Jerusalem. 

Fankhaenel, Martin, in Beirut. 

Favre, Ernest, in Genf. 

Federlin, Superieur du Seminaire de Ste. Anne in Jerusalem. 

Fell, Dr. Win., Professor in Münster i. W. 

Frei, A., Pfarrer in St. Gallen (Schweiz). 

Fries, Lic. Samuel, Pastor in Stockholm. 

Frohnmeyer, J., Oberkonsistorialrath in Stuttgart. 

Furrer, Dr. K., Professor u. Pfarrer in Zürich. 

Gatt, G., kathol. Missionar in Gaza. 

Gautier, Professor Dr. Luden, in Genf. 

Geiger, Hermann, päpstl. Geheimkämmerer und Ehren-Domherr vom 

heiligen Grabe in München. 
Geizer, Dr. Heinrich, Professor in Jena. 

Germer, R.P., Superieur de l'Hotellerie deN.D. de France in Jerusalem. 
Geyser, N., Pfarrer in Elberfeld. 
Glaser, Dr. Eduard, in München. 
de Goeje, Dr. M., Professor in Leiden. 

Goldziher, Dr. /., Professor an der Universität in Budapest. 
Gottheil, Dr. Richard J. H., Professor in New- York. 
Grill, Dr. /., Professor in Tübingen. 

Grossmann, Dr. theol. u. phil., Superintendent in Grimma. 
Groth, P., Regierungsbaumeister in Jerusalem. 
Grünert, Dr. Max, Professor in Prag. 
Guthe, Dr. H., Professor in Leipzig. 
Hagenmeyer, H., Pfarrer in Ziegelhausen bei Heidelberg. 



90 

TIagenmeyer, Karl Ernsi, Pfarrer in Ziegelhausen b/Heidelberg. 

HaUvy, J., Professor in Paris. 

Harkavy , Prof. Dr. Alh., Biblioth. a. d.k.öffentl. Bibl, in St. Petersb. 

Hartmann, Dr. 31. , Professor am Orient. Seminar in Berlin (Char- 
lottenburg.) 

Hec/tler, Rev. Dr. W. H., in Wien. 

Heitirici, Dr. G., Professor in Leipzig. 

Heussler, G., Pfarrer in Basel. 

Hildesheimer, Dr. /. , Seminardirector in Berlin. 

Hildesheimer, Dr. H., in Berlin. 

Hildesheime?', ^., in Halberstadt. 

Hildesheimer, Levi, in Wien. 

Hirsch, Bev. Dr. E. G., Rabbiner der Sinai-Gemeinde in Chicago. 

V. Hitroico, B., kais. russ. Geh. Rath in Petersburg. 

Hoffmann, Lic. C. , Superintendent in Frauendorf bei Züllchow, 
Reg. -Bez. Stettin. 

Hoff mann, Christoph, Centralleitung des Tempels in Jerusalem. 

Hoffmann, Dr. G. , Professor in Kiel. 

Hukammer, Dr., Prof. und Regens am bischöfi. Seminar in Mainz. 

Hohinger, Lie. Dr. H., Diaconus in Münsingen (Württemberg). 

Hommel, Dr. Fritz, Professor in München. 

Hoppe^ P., Pastor in Jerusalem. 

Hoernle, Dr. A. F. Rudolf, Offg. Principal Madrasah Calcutta. 

Jelowicki, Professor de Tecole reale in Warschau. 

Jeremias, Dr. Friedr., Diaconus in Dresden-Pieschen. 

Irsig, Th.., Brit. Ausländ. Bibelgesellschaft in Jerusalem. 

Jullien, M., Rev. P., College de la Sainte Familie in Cairo. 

Kaftan, Dr. /. , Professor in Steglitz b/Berlin. 

Kalmus, Julius, in Berlin. 

Kamphausen, Dr. A., Professor in Bonn. 

Kappus, Georg, in Jerusalem. 

van Kasteren, J. P., S. J., in Maastricht. 

Kautzsch, Dr. E., Professor in Halle. 

Kersten, Dr. phil. Otto, in Altenburg (S.-Altenburg). 

Kiepert, Dr. H., Professor in Berlin. 

Kiepert, Dr. phil. R., in Berlin. 

Kiiid, Dr. A., Prediger in Berlin W. 

Kinter, P. Maurus, O. S. B., fürsterzb. geistl. Rath und Stiftsarchivar 
in Raigern bei Brunn. 

Kinzler, Adolph, Pfarrer im Missionshaus in Basel. 

Klein, Stadtpfarrer in Pforzheim. 

Klose, Paul, Lehrer in Görlitz. 

Kober-Gnbat, P. J. F., in Basel. 

Koch, Dr. A. W., Pfarrer in Pfungstadt bei Darmstadt. 

Koch^ Dr. Gymnasial-Oberlehrer in Weissenburg (^Els.j 

Kocourek, Albin, Professor in Brunn. 

Körten, Pfarrer in Rölsdorf bei Düren. 



91 

Krähe, Dr. phil. Ed., Stadtschulratli in Halle, a/'S. 

Kraetzschmar, Dr. phil. Rieh., Privatdocent in Marburg. 

Krchl, Dr. L., Geheimer Hofrath, Professor in Leipzig. 

Krenkel, Dr. Max, in Dresden. 

Kugler, Dr. B., Professor in Tübingen. 

('. Landherg, Dr. Carlo Graf, Schloss Tutzing (Ob. Bayern). 

Lange., Fr., Vorsteher in Haifa (Syrien). 

Lange, Tim.^ Kaufmann in Haifa. ,. . 

Lepsius, Dr. Jo/i., Pastor in Westend-Berlin. 

Liebster, Georg, Diaconus in Leipzig. 

Lindl., Dr. ^., Cooperator in München. 

Lindner, Dr. Br., Professor an der Universität in Leipzig.' . 

Lorange, Dr. med., in Beirut. 

Lorenz., F. in Jerusalem. 

Lotz, Dr. Wilhelm, Professor in Erlangen. 

Loytved, Consul für Dänemark-Schweden in Beirut. 

Lütge, H. A. J., Pastor in Amsterdam. 

Lütticke., E.^ kais. deutscher Konsul in Damascus. . . . 

Lüttke, M., Superintendent in Schkeuditz bei Halle a/S. . 

Maass, Konrad., Tischlermeister in Safed (Syrien). 

Maerker, Franz, Seminarlehrer in Alt-Döbern bei Cottbus. 

Maksudian, Rev. P. Ghrevont, Armenisches Kloster, Jerusalem, 

Marovm^ F.., Dragoman des kais. deutsch. Konsulats, Jerusalem. 

Mastermann, Dr. E.., in Damaskus (Syrien). 

Marti, Dr. Karl, Professor in Bern. 

Melander, H., Ingenieur in Stockholm. 

Menden, Fr. Wendelino da, O. S. F., Convento S. Salvat. in Jerusalem. 

Merx., Dr. A., Professor in Heidelberg. 

Meyer, Dr. Eduard, Professor in Halle. 

Ministerium für geistliche etc. Angelegenheiten in Berlin. 

Mommert, C, Pfarrer in Schweinitz, Bez. Liegnitz (Schlesien). 

Moore, Dr. G., Professor in Andover, Massachusetts. 

Mourcou, P. CLj S. J. Univers. St. Joseph in Beirut. 

Miihlau, Dr. F., kais. russ. Staatsrath, Professor in Kiel. 

von Mülinen, Graf, bei der kais. deutsch, Botsch. in Constantinopel. 

Müller., Em.., Prediger in Bethlehem bei Jerusalem. 

Nestle, Dr. E., Professor in Ulm, 

Neumann, Dr, W. A., Professor in Wien. 

Ney, Kaufmann in Beirut. 

Nöldeke, Dr. Th., Professor in Strassburg i. E. 

Noetling, Dr. Fritz, in Calcutta, Geological Survey Office. 

Nowack, Dr. W., Professor in Strassburg i. E. 

Oberhummer., Dr. Ei/g., Professor in München. 

Oberhummer '^x., Roman, in München. 

Oehlmann, Dr. phil. E., in Hannover-Linden. 

Oettli, Prof. Dr., in Greifs wald. 

Oort, Dr. H., Professor in Leiden. 



92 

V. Oppenheim, Frhrr. 3Iax, Regierungsassessor und Attache beim k. 

deutschen Generalkonsulat in Aegypten, z. Z. in Berlin. 
Orhan, Rev. A., in Washington. 
V. Orelli, Dr. C, Professor in Basel. 

V. Ortenberg, E., Gymnasial-Oberlehrer in Verden, Hannover. 
Paine, J. A., Professor in Tarrytown, New York, Amerika. 
Palm, August, Ephorus in Maulbronn. 
Palmer, J. F., in Jerusalem. 

Paulus, Dr. med. Franz, in Winterlingen, O.-A. Balingen. 
Pein, Pastor in Zschortau bei Delitzsch. 
PhiUpjn, Dr. F., Professor in Rostock. 
Post, Rev. Dr. George F., in Beirut. 
Preiswerk sen., S., Pfarrer in Basel. 
Preistverk-Sarasin, S., Pfarrer in Basel. 
Press, Friedr., Hotelbesitzer auf dem Karmel bei Haifa. 
Prgm, Dr. F., Professor in Bonn. 

Reinicke, Dr. , Prof. am evangel. Prediger - Seminar in Wittenberg. 
Retdaff, J/., Zahnarzt in Jerusalem, 
r. Riess, Dr. R., Domkapitular in Rottenburg a. N. 
Rieske, J., Dragoman in Jerusalem. 
Rogers, Prof. Dr. Rob., Drew Theological Seminary, Madison, New 

Jersey, U. S. A. 
Röhricht, Dr. R., Professor in Berlin, 
r. Rosen, Baron V., Professor in St. Petersburg. 
Rothe, H., Seminar-Oberlehrer in Neu-Ruppin. 
Rothstein, Lic. Dr., Professor in Halle a/S. 
Rgssel, Dr. V., Professor in Zürich. 

Salvendi, Dr. Adolf., Bezirks-Rabbiner in Dürkheim a/d. Haardt. 
V. Sandberger, V., Prälat in Heilbronn. 
Sandel, Theodor, Architect in Jerusalem. 
Sandreczki, Dr. med. M., in Jerusalem. 
Sarasifi- Bischoff , Theodor, Kaufmann in Basel. 
Sarasin-Iselin, W., in Basel. 
Sattler, Dr. F., Privatier in Coburg. 
Saupe, Martin, Diakonus in Gössnitz [S.A.). 
von Schack, Lehnsgraf zu Schackenburg bei Mögeltondern, 
Schaefer, Dr. Bernh., Professor an der Universität in Wien. 
Schefer, Ch., Prof., membre de l'Institut in Paris. 
Schilling, P. Gottfried, in New York. 
Schlicht, Carl, Pastor in Rudow b/Berlin. 

Schnid. Sim., Pfarrer-Kapitelkämmerer in Tutzing (Oberbayernj. 
Schmitt, P. J., Rector in Rome, New York. 
Schnabl, Dr. theol. Carl, k. k. Ober-Hofkaplan in Wien. 
Schnedermann , Lic. Dr. Georg, Professor in Leipzig. 
Schneller, Ludicig, Pastor in Köln a Rhein. 
Schneller, Director 77/., in Jerusalem. 
Schoemann, F., in Jerusalem. 



93 

Schönecke, L., Kaufmann in Jerusalem. 

Schrader, Geh. -Rat Dr. E., Professor in Berlin. 

Schröder, Dr. P. , kaiserl. deutscher General-Consul in Beirut. 

Schröder, Dr. phil. C, Regierungs-Rath in Schwerin i. M. 

Schubert^ Carl^ in Jerusalem. 

Schimacher, Dr. phil. G., amerik. Vice-Consul in Haifa. 

Schürer, Dr. E., Professor in Göttingen. 

Schwanecke^ Fr.^ Derenburg, Bz. Magdeburg. 

Schtvieger^ Fastor in Hamburg. 

Seesemann, Dr. phil, 0., in Leipzig. 

Seesemann, H., Propst in Grenzhof, Kurl. Russl. 

Seesemann, L., Pastor in Kursieten, Kur]. Russl. 

Sellin^ Dr. Ernst, Professor in Wien. 

Senger, Alb., in Jerusalem. 

Siiüing, Herrn., Hilfsprediger in Jerusalem. 

Seyhold, Dr. phil. Ch., Professor in Tübingen. 

Siegfried, Dr. K., Geh. Kirchenrath u. Prof. in Jena. 

Sieglin, Dr. W., Custos an der Universitätsbibliothek in Leipzig. 

Sieveking, Dr. jur. Karl, in Hamburg. 

Sieveking, Dr. med. Wilhelm, in Hamburg. 

Sigr ist- Weber, C, Kaufmann in Beirut. 

Sinwnsen, D., Ober-Rabbiner in Kopenhagen. 

Smend, Dr. Riid., Professor in Göttingen. 

Smith, Rev. George Adam, in Glasgow. 

Socin, Dr. A., Professor in Leipzig. 

Sommer, Dr. /. G., Professor in Königsberg. 

Spaich, Pfarrer in Höpfigheim bei Marbach a. N. 

Speiser, Dr. Paul, Regierungsrath und Nationalrath in Basel. 

Spiess, Superintendent F., in Grossrudestedt. 

Stahel, J., in Jerusalem. 

Stahlberg, Vir., Pastor in Schwerin i/Mecklbg. 

Staiger, Missionar in Beirut. 

von Starck, Pastor in Leussow bei Ludwigslust. 

Stavc, Erik, Privatdocent an der Universität in Upsala (Schweden). 

Steck, Dr. R., Professor der Theologie in Bern. 

Steindorff, Dr. G., Professor in Leipzig. 

Stenhouse, Rev. Dr. Thomas, in Stocksfield on Tyne (England). 

Sterzel, K., Pastor an der deutschen evangelischen Gemeinde in Sofia. 

Steiiernagel, Lic. Dr. C, Privatdocent in Halle a/d. Saale. 

Stiefel, Jul., Pfarrer in Münster (Württbg.) 

Stockmayer, Dr. Th., in Stuttgart. 

Strack, Dr. Herrn. L., Professor in (Gross-Lichterfelde bei) Berlin. 

V. Stryk, Alex., in Fellin, Livland in Russland. 

Stumme, Dr. Hans, in Leipzig. 

Sülze, Dr. E., Pastor in Dresden-Neustadt. 

Sursock, Dragoman des kaiserl. deutschen Consulats in Beirut. 

Sdagowski, Antoine, Abbe, Professeur au Grand Seminaire, Warschau. 



94 

von Tischendorf. Dr.. kaiserl. deutscher Consul in Jerusalem. 
Trumbull^ Dr. H. C/oy , Herausg. d. »Sunday School Times« i. Philadelphia . 
von Ustlnow, Baron Plato, in Jafa. 
Valeton, Dr. /. /. P., in Amersfoort, Niederlande. 

Vereine : 

AUiance israel. universelle in Paris. 

Deutscher Verein in Jafa. 

Deutsch-Israelitischer Gemeindebund in Berlin. 

Palestine Exploration Fund in London. 

Semitischer Verein in Helsingfors (Dr. K. L. Tallquist). 

Vesfer^ Jo/is, in Jerusalem. 

VestiT jr., F., in Jerusalem. 

Vogel, A., Supei'intendent in Wollin, Pommern. 

Volck, Dr. W., kais. russ. Staatsrath und Professor in Dorpat. 

Völlers, Dr., Professor in Jena. 

Volz, Stadtpfarrer in Loewenstein b/Heibronn a/N. 

Voss, Pastor in Kaddafer in Livland. 

Vnillemnier , Dr. H., Professor in Lausanne. 

Wagner hf Debes, Geographische Anstalt in Leipzig. 

Wallach^ Dr. med. M.^ in Jerusalem. 

Wedematin, S., Pastor in Cairo. 

Wehsarg^ G., Pfarrer in Egelsbach b/Darmstadt. 

Weiühelt, Victor, Archidiakonus in Zwickau. 

Weühaiisen, Dr. /. , Professor in Göttingen. 

Werner, H., Dekan in Biberach, Württemberg. 

Weser, Lic. H., Pastor in Berlin. 

Wieland, Hugo, in Jerusalem. 

Wilson, Major General Sir Charles, in London. 

Wolters, Rev. Th. F., in Jafa. 

Wright, Professor T. J., in Cambridge, Mass. U. S. Amer. 

Wünsche, Prof. Dr. A., in Dresden. 

Wurst, Alb., Stud. theol. et phil. in Leipzig. 

'/eller, llev. /. , in Jerusalem. 

vn7i Zielen-Schwerin. Graf zu Janow bei Clempenow, Kreis Anclam. 

Zimmern, Dr. //. . Professor in Leipzig. 

Zschokke, Dr. Herrn. , K. K. Hofrath und Domprälat, Prof. in Wien. 



öescMflliclie Mittlieilniigen M PersonalnacliricliteD. 

Die diesjährigen Vermessungsarbeiten des Herrn Dr. Schumacher im 
Osten des Jordan haben vom 22.'Juni bis zum 22. Juli gedauert. Der Nähr ez- 
/erkä ist im Süden von dscheräsch erreicht worden. Von da ging Dr. SCHU- 
:\IACHER über laVat er-ruhud und_/V7r« nacli NW. und N. zurück, um an die 
Aufnahme des vorigen Jahres anzuschlicsscn. Ein Gebiet von etAva 525 Qua- 
dratkilometer ist im Adschlün neu erforscht worden. Das ist das Ergebniss 
der nicht geringen Mühen und Anstrengungen, denen sich ])r. Schumacher 
und seine Begleiter im Dienste unseres Vereins während der genannten Zeit 



95 

unterzogen haben. Die Torläufigen Berichte Dr. Schumacher's über diese 
Aufnahme sind den Lesern z. Th. schon bekannt. 

Der Vorstand hatte sich bei seinen Beschlüssen in der ersten Hälfte d. J. 
(vgl. MuN 1897, 62) der Hoffnung hingegeben, dass die Vermessung des ge- 
sammten 'Adschlün noch in diesem Jahre beendet werden könnte. Diese 
Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Da Dr. Schumacher nach Ablauf eines Mo- 
nats seine Arbeiten abbrechen musste, so ist noch ein kleines Drittel des bis- 
her nicht vermessenen Gebietes vom 'Adschlün übrig geblieben. Es lässt sich 
zur Stunde nicht bestimmen, wann die Vermessung dieses letzten Stückes des 
'Adschlün in Angriff genommen werden kann. 



An den Kosten der diesjährigen Vermessungsarbeiten im 'Adschlün hat 
sich die k. russische orthodoxe Palästina-Gesellschaft durch Herrn Geh. E-ath 
B. HiTiiOwo mit einem Betrage von rund 3000 Frcs. betheiligt. Der Vorstand 
des DPV. hat diese Förderung seiner Arbeiten im Ostjordanlande mit leb- 
hafter Freude begrüsst. 

Am 22. October d. J. fand in Leipzig eine Sitzung des Vorstandes statt, 
an der sämmtliche Mitglieder, mit Ausnahme des Herrn Professor D.Furrer 
in Zürich, theilnahmen. Es wurden die Vorschläge zur Änderung der Sta- 
tuten gemäss dem Auftrage der diesjährigen Generalversammlung (MuN 1895, 
80) festgestellt, ferner der augenblickliche Stand der Vermessung des Ost- 
jordanlandes besprochen. Auch brachte Dr. Kersten eine Erweiterung der 
meteorologischen Stationen zur Sprache. 



Am 22. November d. J. verstarb in Stuttgart Direktor Dr. O. VON Fraas, 
Mitglied des grossen Ausschusses unseres Vereins. Der Verein verdankt ihm 
manchen sachkundigen und freundlichst ertheilten Rath bei der Vorbereitung 
grösserer Arbeiten in Palästina. Weiteren Kreisen ist er durch seine Studien 
»Aus dem Orient« (I 1867, II 1878) und vor Allem durch seine anziehende 
Schrift »Drei Monate am Libanon« il876; bekannt geworden. Der Verein wird 
ihm ein dankbares Andenken bewahren. 



Bei Gelegenheit der neunten Generalversammlung in Dresden hat Herr 
Professor D. F. Mühlau in Kiel dem Vereine 8 photographische Ansichten 
der jüdischen Kolonieen in Palästina übergeben. Der Vorstand spricht für 
dieses Geschenk an dieser Stelle seinen herzlichen Dank aus. 



Herr Professor Dr. E. Brünnow in Vevey hat dem Verein zwölf pho- 
tographische Aufnahmen der Mosaikkarte in Madeba gütigst überlassen. 
Der Vorstand spricht für dieses Geschenk an dieser Stelle seinen herzlichen 
Dank aus. 

Die für 1897 noch ausstehenden Hefte der Zeitschrift des Deut- 
schen Palästina-Vereins, Heft 2 und 3, werden als Doppelheft er- 
scheinen. Eine getrennte Ausgabe der Hefte empfahl sieh niclit, da Dr. 
Schumacher's ausführliche Beschreibung des südlichen Basan und der Land- 
schaft el-Kefärät, die ihren Inhalt bilden wird, im Zusammenhang vei'öffent- 
licht werden sollte. Der Abschluss des Doppelheftes und die Vollendung der 
dazu gehörenden Karte werden freilich erst später als Ende 1897 erfolgen 
können. Wie Dr. Benzinger mittheilt, steht die Ausgabe des Doppelheftes 
für Januar n ä c h s t e n J a h r e s in sicherer Aussicht. 



Dem Vereine sind als Mitglieder beigetreten: 

Lange, 'Tim., Kaufmann in Haifa. 

Steuernagel, Lic. Dr. C, Privatdocent in Halle a/d. Saale. 

Wünsche, Professor Dr. Aug., in Dresden. 



96 

Die Mitglieder unseres Vereins erhalten als Beilage zu die- 
ser Nr. der MuN 1897 den Bericht des Vorstandes über die 
Arbeiten des DPV. yon 1878—1897. Er soll nicht nur einen 
Überblick über das bisher Geleistete geben, sondern hauptsäch- 
lich auf den Umstand avifmerksam machen, dass die sich stets 
vermehrenden Arbeiten des Vereins nothwendig grössere Mittel 
erfordern, vorausgesetzt, dass sich der Vorstand überhaupt ein 
planmässiges Arbeiten angelegen sein lassen soll. Es fehlt uns 
nicht an den geeigneten Gelegenheiten, nicht an den geeigneten 
Kräften, es fehlt lediglich am Gelde. Indem der Vorstand diesen 
» Bericht « an die Mitglieder versendet, bittet er um ein Doppel- 
tes: 1) mit Hülfe dieses Berichts neue Mitglieder für den Verein 
zu gewinnen, 2) dem Vorstande solche Persönlichkeiten namhaft 
zu machen, von denen sich ein opferwilliges Interesse an der Er- 
forschung des heiligen Landes annehmen lässt. Der Vorstand 
würde dann selbst diesen Persönlichkeiten die Bitte um eine 
Unterstützung der Vereinsarbeiten vorlegen. Weitere Exemplare 
dieses Berichts können von der Buchhandlung von Karl Bae- 
decker in Leipzig unentgeltlich bezogen werden. 



Bekanntmachung'. 

Der Vorstand des Deutschen Vereins zur Erforschung Palä- 
stina's hat in der Sitzung am 22. October d. J. beschlossen, ge- 
mäss dem ihm von der neunten Generalversammlung in Dresden 
ertheilten Auftrage behufs einiger Änderungen der Statuten eine 

ausserordentliche Generalversammlung 
auf Sonnabend 18. December d. J. anzuberaumen. Sie soll in 
Leipzig, Paulinum, Universitätsstrasse 3/5, eine Treppe hoch, 
im Palästina-Museum um -l Uhr Nachmittags abgehalten 
werden. 

Tagesordnung: Änderung der Statuten. 

Leipzig, 25. November 1897. Der Vorstand. 



Ausgegeben am 8. December 1S97. 



Druck Ton Breitkopf k Härtel in Leipzig. 



Inhalt 

des dritten Jahrganges der Mittheilungen und Nachrichten 
des Deutschen Palästina-Vereins 

1897. 



I. Mittheiluug'eu. 

Seite 
Unsere Arbeiten im Ostjordanlande. Briefe Dr. Schumacher's in Haifa. 

(Fortsetzung.) 1 

Christliche Grabanlage im Norden von Jerusalem. Von Baurath Dr. C. 

Schick 5 

Unsere Arbeiten im Ostjordanlande. Briefe Dr. Schumacher's in Haifa. 

(Schluss.) 17 

Meine Thätigkeit für den Deutschen Palästina- Verein während meines 

Aufenthaltes in Palästina 1896. Von Dr. Otto Kerstex 19 

Wadi el-Kelt. Von Theodor Fast in Jerusalem 21 

Ein Ausflug nach 'Ain Karim. Von Baurath Dr. Schick in Jerusalem . 33 
Ein Felsblock mit Gräbern bei Jerusalem. Von L. Schoenecke in Jeru- 
salem 36 

Inschriften aus dem Ostjordanlande. Aus Briefen von Prof. R. Brünnow 38 
Die neugefundene Mosaikkarte von Madeba nach dem Originalberichte 

des Entdeckers. Von Richard Kraetzschmar 49 

Unsere Arbeiten im Ostjordanlande II. Briefe Dr. Schumacher's in 

Haifa 65 

Arabische Inschrift aus Jerusalem. Von Dr. Max tax Berchem .... 70 
Unsere Arbeiten im Ostjordanlande II. Briefe Dr. Schumacher's in 

Haifa. (Fortsetzung.) 81 

Bemerkungen und Nachträge (A. SociN, K. Völlers, A. Socin, J. Well- 
hausen, K. Völlers) 6. 40. 86 

Kurze Mittheilungen. 7. 28. 41. 56 

Aus Zeitschriften 12. 46 

Abbildungen im Texte: S. ;i. 18. 24. 2ö. 26. 27. 31. 37. .51. 69. 70. 71. 83. 



II. Nachrichten. 

Geschäftliche Mittheilungen und Personalnachrichten. . 15. 31. 48. 62. 95 

Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1896 57 

Rechnungsauszug 1896 61 

Protocoll der neunten Generalversammlung des Deutschen Vereins zur 

Erforschung Palästina's 78 

Präsenzliste derIX. Generalversammlung des Deutschen Palästina-Vereins 80 
Verzeichnis^ sämmtlicher Mitglieder des Deutschen Vereins zur Erfor- 
schung Palästina's 87 

Bekanntmachung 64. 96 

Beilage: Die Arbeiten des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas 
von 1878—1897. Ein Bericht erstattet vom geschäftsführenden 
Ausschuss. Leipzig 1897. 



x\lphabetisches Sachregister. 



Seit'' 

Abda 681 

'Adschlün, Vermessung 1 ff . ITA. 

65 ff. 81 ff. 

'Ain Dschälüd 17 f. 

'Ain el-Fau-när 22 f. 

'Ain el-Kelt ....;.... 24 

'Ain Fära 21 f. 

'Ain Kärini 33 ff. 

Altar el-Wakfa 1 

Beduinenkämpfe .... 67 f. 82 ff. 

Beirut, Auswanderung . . . .■ 45 
Eisenbahnen 44 

Besän, Statue 57 

Bet Dschibrin, Alterthümer . 43. 45 

Bethlehem : 

üeburtskirche 7 f. 

Streit daselbst 10 f. 

Dampfboot auf dem Jordan . 7. 28 f. 

Der el-Kelt 26 f. 

Drusenaufstand 43 

D,seheräsch 66 f. 81 ff. 

Eiche auf dem Harakla .... 2 f. 

Eisenbahn von Port Sa'id nach 
dem persischen Meerbusen . 7 

Inschriften: 

arabische 7Uff. 86 

griechische 38ff. 54 ff. 

lateinische 38 f. 

Jabes 2 

Jerusalem : 

Armenische Waisen .... 42 

Ausgrabungen 57 

Ausstellung für 1898 ... . 11 
Basilika Constantin's . . . . 7üff. 
Bauthätigkeit 46 



Seite 
Jerusalem : 

Deutsche Palästina-Bank . . 45 

Erlöserkirche 12 

Felsblock mit Gräbern . . . 36 ff. 

Grabanlage 5 f. 

Hospital, neues englisches . 45 

Inschrift, arabische 77 ff. 

Kirche über d. Siloahquelle . 41 
Patriarch, griechischer ... 42 
Reisende Handwerksburschen 1 1 f. 

Siloahquelle 29 f. 41 

Streit auf Golgatha 9 f. 

Thorsteuer 8 f. 

Wetter 11. 30. 57 

Zweigverein 20. 31 f. 63 

Jordanbrücke bei Jericho . . . 30f. 

Mahanaim 2 

Mizpe 41. 66 f. 

Mosaikkarte von Madeba 30. 46. 

49 ff. 56 
Ostjordanland, Vermessung Iff. 17 ff. 

65 ff. 81 ff. 

Palästina-Almanach 41 

Rihäb 68. 86 

Schwur bei den Muslimen. . . 6 f. 

Sprichwörter 40 

Stationen , botanisch-landwirth- 

schaftliche .... 59 

> meteorologische 19 f. 58 f. 

Stimmung im Orient . . . 43 f . 45f, 

St. Johann ('Ain Kärim) . . . 33 ff. 

Thisbe 4 

Todtes Meer : 

Postdampfer 9 

Wadi el-Kelt 21flF. 



Beiträge zur chemischen Kenntnis der Mineralien, 
Gesteine und Gewächse Palästinas. 

Von Rudolph Sachsse aus Kötschenbroda in Sachsen. 



Während die wissenschaftliche Erforschung Palastina's der 
hauptsächlich religiösen Bedeutung dieses Landes und seiner 
einstigen Bewohner entsprechend noch bis in die Mitte dieses 
JaliThunderts ausschliesslich in den Händen der Vertreter der 
reinen Geisteswissenschaften, der Theologen, der Historiker und 
Archäologen lag, beginnen seit den letzten fünf Jahrzehnten mit 
der wachsenden Bedeutung der Naturwissenschaften auch Natur- 
forscher der verschiedensten Disciplineu mit Erfolg an dieser 
Arbeit theilzunehmen. Besonders für Geologen bietet die eigen- 
artige und zugleich so günstig und offen zur Schau tretende 
Oberflächenbeschaffenheit des Landes eine Fülle der anziehend- 
sten Studienobjecte. 

Die Namen der Reisenden, welche zur Förderung der geo- 
logischen Kenntniss des Heiligen Landes im wesentlichen bei- 
getragen haben, sind folgende: 

BoTTA (1833), Russeger(183G), Blanche (1847), Lynch und 
Anderson (1848), Gaillardot (1849), Roth (1859), Wetzstein 
(1860), Fraas (1865 und 1875), Lartet (1865), vom Rath (1882), 
Stübel (1882), Hüll (1884), Diener (1885), Nötling (1885), 
Blanckeniiorn (1886 und 1894). 

Die zweite im Jahre 1894 ausgeführte Expedition des letzt- 
genannten Forschers kommt im Folgenden besonders in Betracht, 
indem das Material für meine Untersuchungen derselben zu ver- 
danken ist. 

Die aus Palästina mitgebrachte geologische Sammlung des 
Dr. M. Blanckenhorn besteht theils aus typischen Handstücken 

Ztsch. d. Pal.-Ver. SS. 1 



2 Sachsse, 

der gebirgsbildendeu Gesteine, theils aus auffälligen, durch Lage, 
Farbe, Form etc. bedingten Mineral- und Gesteinsproben, theils 
aus Petrefacten und schliesslich aus Wasserproben. 

Eine speciell in chemischer Hinsicht interessante Auswahl 
aus dieser Sammlung hat mir Herr Privatdocent Dr. Blancken- 
HORN zu genauer Untersuchung zur Verfügung gestellt. 

Es sei mir an dieser Stelle gestattet, meinem hochverehrten 
Lehrer hierfür sowie für die vielfache Anregung und Unter- 
stützung während meiner Arbeit meinen tiefgefühltesten Dank 
auszusprechen. Den gleichen Dank schulde ich Herrn Prof. Dr. 
Lenk, unter dessen gütiger Leitung im Laboratorium des Mine- 
ralogisch-geologischen Instituts der Universität Erlangen die 
chemischen Untersvichungen ausgeführt wurden. 



All gerne in -geologisch er TlieiL 

Palästina ist ein fruchtbares Arbeitsfeld für den Geologen 
aus einem doppelten Grunde. Einerseits ermöglicht das häufige, 
mangels einer Humusdecke unverhüllte Zutagetreten der Ge- 
steine einen trefflichen Einblick in die qualitative Zusammen- 
setzung des Bodens, zum anderen zeigt die Tektonik des Bodens 
so interessante Erscheinungen , dass ihr Studium nicht nur zu 
einer genauen Kenntniss der geologischen Entwicklung dieses 
Gebiets unumgänglich nöthig, sondern auch behufs einer Ver- 
gleichung mit anderen Erdräumen als höchst wichtig für unsere 
Anschauungen von den gebirgsbildendeu Vorgängen an der 
Erdoberfläche überhaupt erscheinen muss. 

Die Hauptmasse des Landes besteht aus Kalkgebirgen, 
deren Material zur Zeit der Kreideperiode gebildet wurde und 
deren Grundlage, soweit dieselbe überhaupt der Beobachtung 
zugänglich ist, eine namentlich in Aegypten und Nubien ver- 
breitete Sandsteinbildung, der sog. Nubische Sandstein darstellt. 
Nach den Forschungen von Lartet i) , O. Fraas 2) , Diener '^), 

1) Lartet, Exploration geologique de la Mer Morte, 1877. 

2) Fraas, 0., Aus dem Orient, Württemb. naturw. Jahreshefte, 1867. 

3) Diener, Libanon, Grundlinien der physisch. Geogr. und Geol. von 
Mittelsyrien. 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 3 

NÖTLiNG^) \ind Blanckenhorn -) rechnet man jetzt den aller- 
grössten Theil des Gebirges der Oberen Kreide (Cenoman, Turon 
und Senon) zu. Hierzu mag sogleich bemerkt weiden, dass das 
Turon im Gegensatz zu der europäischen Ausbildung hier durch 
Leitfossilien relativ recht mangelhaft gekennzeichnet ist. 

Nach Blanckenhoen's neuesten Forschungen und Mitthei- 
lungen ergiebt sich die nachstehend angeführte Schichtenfolge. 



1. bei Jerusalem und am Wege 
nach Jericho 


II. am Todten Meere 


o 
o 

im 

a 

g 
o 


(g) Feuersteinlagen. 

(f) Bunte gipsführende !Mergel, 
blendend weiss, intensiv roth, 
gelb, schwärzlich, grünlich mit 
Asphaltkalklagei-n und schwa- 
chen Bänken oder Knollen von 
Feuersteinen. 

(e) Gelblichweisse Kreidemergel. 

(d) Kalküle. 


(g) Dicke Feuersteinbänke mit 
Kalk- und Mergelbänken 
wechsellagernd. 

(f) Bunte Gypsmergel und bitu- 
minöse Kalke. 

(e) Feuersteinfreie Lagen von wei- 
chen, weissen oder grauen Mer- 
geln oder Kalken. 


(c) Nerineenmarmor Imizzi helu] 
mit turonen Versteinerungen. 


(d) Dickbankige , massige Rudi- 
sten- und Nerineenkalke (zu- 
weilen = Dolomite). 

(e) Weisse und graue Mergel oder 
Kalke mit echt cenomanen 
Austern und Seeigeln. 

(b) Dolomite z. Th. salzhaltig. 


(b) Rudistenmarmor [meleke) mit 
Radiolites syriacus CoNR. sp. 

(a) Graue und röthliche, oft bunt- 
gefleckte oder geäderte, diek- 
bankige Kalke mit Ammonites 
Rotnmagensis [mizzijehüdi] und 
Austern. 






(a) Nvibischer Sandstein (nur am 

Ostufer). 



Mittheilungen der chemischen Zusammensetzung von Ge- 
steinen aus den oben zusammengestellten Schichten sind bisher 
nur von Lynch und Lartet veröffentlicht worden. Hiervon sind 



1) NÖTLING, Entwurf einer Gliederung der Kreideformation in Syrien 
und Palästina, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges., 1886, XXXVIII, p. 824. 

2) Blanckenhorx, Entwicklung des Kreidesystems in Syrien. Cassel — 
Berlin 1890. — Syrien in seiner geologisch. Vergangenheit, XXXVI. und 
XXXVII. Bericht des Vereins für Naturkunde zu Cassel 1890, ZDPV. XV, 
1892, p. 40 ff. — Entstehung und Geschichte des Todten Meeres ZDPV. XIX, 
1896, S. Iff. 

\* • 



4 Saehsse, 

die des ersteren ganz allgemeiner Art und nur der letztere macht 
bisweilen speciellere Angaben. In hydrologischer Beziehung ist 
das Wasser des Todten Meeres und des Jordans häufiger Gegen- 
stand der Untersuchung gewesen. 

Von der mineralogischen und chemischen Untersuchung 
der sedimentären Gesteine ist im allgemeinen wenig zu erwar- 
ten, indessen gewährt sie uns bisweilen recht lehrreiche Auf- 
schlüsse über die Herkunft und die Art der Ansammlung von 
an sich den Gesteinen fremden Stoffen wie Phosphor und Bitu- 
men, ferner liefert sie Anhaltspunkte für den Verfolg der Ver- 
witteruno-gerscheinunsren, Avelche hier nicht allein durch die 
Hydrometeore, sondern auch in einem nicht zu unterschätzen- 
den Grade durch die Temperaturschwankungen herbeigeführt 
werden. 

Nicht nur in Pilgerberichten, sondern auch in wissenschaft- 
lichen Werken finden sich häufig falsche Anschauungen, sodass 
man Beschreibungen von Palästina sei es, dass sie lediglich 
compilatorischen Charakters sind, sei es, dass sie auf Autopsie 
beruhende Eeiseberichte darstellen, immer mit einer gewissen 
Kritik zu behandeln gezwungen ist. Unter anderen ist es be- 
sonders O. Fkaas^), welcher eine Lanze bricht gegen die über- 
triebenen und fabelhaften Mittheilungen der Palästinareisenden 
vornehmlich des vorigen Jahrhunderts, wenngleich er in seinen 
Vervirtheilungen wohl etwas zu weit geht 2). 

Sind es nun auch mehr allgemeine Gesichtspu.nkte, welche 
einer Kritik unterzogen worden sind, so stösst man doch, wenn 
man dieselben weiter verfolgt, auf Einzelheiten, die besonders 
dem Specialforscher Anlass zur Polemik geben und es ihm zur 
Pflicht machen, derartige Ungenauigkeiten aus der Wissenschaft 
auszumerzen. 

So möchte ich z. B. hinw^eisen auf folgende Angaben von 
G. A. vo^■ Klöden^]: »Den Westrand (des T. M.) bilden Klip- 

1) Fraas, O., Das Todte Metr. Stuttgart 1867. 

2) So a. a. O., p. 19: »Die Schwefeldämpfe existiren nur in der Phan- 
tasie des Abtndländers«. (Schwefliche Exhalationen existieren in der That 
an vielen Orttn, doch hat eben Fraas auf seiner Route zufällig solche Punkte 
nicht berührt). 

3) VON Klöden, G. A., Handbuch der Erdkunde. IV. Theil, 1877 
p. 458. 



Beiträsre zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 



*B 



pen des Kalkes, der den Boden Jvidäas zusammensetzt, und an 
der Nordwestecke ziehen sich Salzsümpfe hin, bedeckt mit einer 
weissen Schicht Salpeters und viel Schwefelstücken; auch süd- 
lich von ""Ain Dschidi (Engedi) findet man ein Lager von Erd- 
pech, Schwefel und Bimsstein«. Diese Angabe mag desshalb hier 
citiert werden, weil weder von Salpeter noch von Bimsstein in 
einem der maassgebenden Werke gesprochen wird ; speciell das 
Vorhandensein von Bimsstein würde, da derselbe ja ein vulkani- 
sches Glasgestein von eigenthümlich schwaramigporöser Structur 
darstellt, von grösster geologischer Wichtigkeit Avegen der daraus 
zu ziehenden Schlüsse sein. 

I. Kreidebildimgen. 

Cenoman. 
Aus den tieferen Lagen des Cenomans (Stufe b unseres 
obigen IL Schichtenprofils) lagen Dolomite (richtiger dolomi- 
tische Kalksteine) vor, welche z. Th. durch Krustenbildung, z. Th. 
durch den Gehalt von in Wasser löslichen Salzen ausgezeichnet 
sind. Der zur Untersuchung herangezogene, mit schwarzbrauner 
Kruste überzogene Dolomit entstammt der Gegend von Kasr ez- 
Zuwera et-tahtä im SW. des Todten Meeres, die anderen mehr 
oder minder salzhaltigen Dolomite waren von Blanckenhorn an 
der Basis des Gebirgsabfalles gleichfalls im W. des Todten Mee- 
res 5 km. in der Luftlinie südlich von 'Ain Dschidi geschlagen. 

Dolomit. 
Alle diese Dolomitproben aus der westlichen Umgebung des 
Todten Meeres haben graue Farbe und feinkrystallinische Be- 
schaffenheit und erinnern in ihrem Aussehen sehr an den Dolo- 
mit der fränkischen Alb (Frankendolomit). 

Die Analyse eines solchen dolomitischen Kalksteins von 
Wädi ez-Zuwera ergab: 

CaCO, 59.02 

MgCOs 35.65 

FeCO, U.24 

AI2O. 1.52 

Fe2 03 Spur - ' 

SiOa 0.42 

H2O ) 2.43 

Organische Substanz . . . ( Spur 
" 99.28 



6 Sachsse, 

ScJnvarze Mangankruste auf dem Dolomit. 

Einzelne Stellen des anstehenden Dolomitfelsens wie auch 
manche lose herumliegenden Blöcke zeichnen sich nun durch 
ihre eigenthiimliche schwarze bis schwarzbraune Oberflächen- 
kruste aus, welche in einer Dicke von 1 — 5 mm dem Dolomit- 
gestein aufsitzt und zwar bald recht innig mit dem Muttergestein 
verwachsen ist, bald nur Avie eine peripherische Schale erscheint, 
von der sich kleine Stücke beim Schlagen mit dem Hammer 
ablösen. Bei der Analyse zeigte sich, dass sie im wesentlichen 
aus Manganit oder Manganhydroxyd (MujOa, H2O) und Braun- 
eisenstein bestand, daneben allerdings auch die Bestandtheile des 
Muttergesteins, Kalk- und Magnesiakarbonat und Wasser enthielt. 
Diese Krustenbildung lässt sich mit den von J. Walther ') 
angeführten und von ihm selbst beobachteten vergleichen. Wal- 
ther bezeichnet gewisse, auf Felsparthien besonders der Wüste 
vorkommende Mangansuperoxydrinden, welche er unter den 
obwaltenden Verhältnissen nicht aus w^ässriger Lösung entstan- 
den glaubt, als »Schutzrinden«. Der Name ist deshalb gewählt, 
weil die mit ihnen bedeckten Felsen härter und widerstands- 
fähiger als benachbarte Felsen ohne Kinde sind. 

Auch in unserem Falle dürfte die Bezeichnung »Schutz- 
rinde« insofern berechtigt sein, als dieselbe dem Gesteine w^enig- 
stens gegen hydrochemische Einflüsse Schutz bietet. 

Was die Bildung unserer Einde betrifft, so steht meiner An- 
sicht nach der Annahme nichts im Wege, dass dieselbe auf dem 
Wege der Secretion aus einer zugeführten Lösung erfolgt wäre. 

Es w^aren die Dolomitschichten selbst, in denen der jetzt in 
der Kruste angehäufte Mangan und Eisengehalt ursprünglich in 
Form von kohlensaurem Eisen- und Manganoxydul fein ver- 
theilt war. Sickerwässer , beladen mit atmosphärischer Kohlen- 
säure, welche zur Zeit der winterlichen Regengüsse das stark 
zerklüftete und zugleich feinporöse Dolomitgestein nach allen 
Dichtungen durchzogen und ihm dabei durch ihre auflösende 
Wirkung den vorhandenen Erzgehalt entzogen, wurden bei der 
in der Wüste erhöhten Bodeninsolation und Oberflächenver- 
dunstung durch Capillarkraft sozusagen emporgesogen. Hier 

1) "VValther, J. , Die Denudation in der Wüste und ihre geologische 
Bedeutung. Abh. d. math.-phys. Cl. d. K. Sachs. Ges. d. Wiss. Leipzig 1891. 
XVI, p. 453— 4G1. 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 



*& 



setzten sie theils in den nahe der Oberfläche besonders reichlich 
vorhandenen groben Klüften, theils an der Oberfläche selbst in- 
folge der oxydirenden Wirkung der Luft unter Freiwerden der 
Kohlensäure Eisen und Manganoxydverbindung ab ^). So erklärt 
es sich auch, dass dicht unter der Schutzrinde, namentlich da, 
wo diese besonders dick ist, gewöhnlich eine gelb gefärbte Zone 
von stark zerfressenem und grobporösem Dolomit sich befindet, 
die wie Rauchwacke aussieht, während das Centrum des Blocks 
relativ dicht und graugefärbt erscheint. 

Salzhaltiger dolomitischer Kalkstein südlich von '^Ain Dscliidl. 

Das graue, harte Gestein ist oberflächlich stets feucht infolge 
seines hygroskopischen Verhaltens und hat einen salzigen Ge- 
schmack. Durch Wasser lassen sich verschiedene leicht lösliche 
salz- und schwefelsaure Salze, sogenannte Abraumsalze aus- 
ziehen 2): 

MgSOj 0.765 

MgCl2 0.436 

CaCls 0.405 

KCl + NaCl . 0.400 

In Wasser lösliche Bestandtheile = 2.006 

Der in Wasser unlösliche Gesteinsrest erwies sich als ein 
Dolomit von der Zusammensetzung: 

CaCOa 52.59 

MgCOa 33.60 

FeCOj 0.51 

Al203(+Fe20,) 1.69 

SiOa . . 3.54 

91.93 

Die Wasserbestimmung ergab: 4.80 

1; "Vergl. den Abschnitt : i> Absätze von Manganoxyd« in Bischof, Lehr- 
buch der chemischen u. physikal. Geologie, 2. Aufl. 1. Bd., p. 555 — 557. 

2) Es ist hierbei zu bemerken, dass nach Angabe des Reisenden ein 
Theil dieser hygroskopischen Salze, wahrscheinlich der grösste der ursprüng- 
lich vorhandenen Menge, während seines Aufenthaltes in Jerusalem aus den 
Gesteinen beim Aufbewahren derselben im feuchten Zimmer bczw. "Wand- 
schrank infolge Wasseraufsaugung mit dem aufgesaugten Wasser herausge- 
flossen ist. 



8 Sachsse, 

In Wasser löslich , 2.006^ 

» » unlöslich 91.93 » 

H2 O in summa 4.80 » 

■ Sä^ 98?736^ 

So weit verbreitet das Nebeneinandervorkommen von Do- 
lomit und Steinsalz mit den Abraumsalzen ist, — ich erinnere 
nur an die Salzlager des amerikanischen Devons, der deutschen 
Dyas und Trias — so selten scheinen bis jetzt salzhaltige Dolo- 
mite, speciell solche mit den leicht löslichen Abraumsalzen be- 
kannt geworden zu sein, denn in der Litteratur suchte ich bisher 
vergebens nach einer derartigen Notiz. Da die Handstücke einem 
Niveau im Dolomithorizont entstammen, welcher etwas höher 
liegt als die Flutmarken des Toten Meeres, so kann man eine 
Imprägnation durch oberflächliche Fluthen des jetzigen See- 
wassers als ausgeschlossen erklären, ganz abgesehen davon, dass 
auch das Salz des Toten Meeres eine Avesentlich andere Zusam- 
mensetzung zeigt. Da aber Salz und Dolomit meiner Ansicht 
nach nicht zu gleicher Zeit entstanden sind, so könnte das Vor- 
handensein des ersteren doch nur als Imprägnation gedeutet 
werden: als eine Imprägnation durch aufsteigende Salzquellen 
nämlich, deren Material wir in einem in nicht allzugrosser Tiefe 
befindlichen Lager von Steinsalz und von Abraumsalzen vermu- 
then müssen. Ob dieses Lager noch in den Schichten der Kreide 
oder in deren Liegendem oder ob es überhaupt in erreichbarer 
Tiefe noch vorhanden (d. h. noch nicht völlig ausgelaugt ist), 
diese Frage kann natürlich erst durch bergmännische Unter- 
suchung auf dem Wege der Bohrung mit Sicherheit beantwortet 
werden. 

Die Lösung dieses Problems wäre insofern von grösster 
Wichtigkeit als sie uns Aufschluss geben würde über die ur- 
sprüngliche Herkunft des Salzgehaltes des jetzigen Toten Meeres, 
der diluvialen Lisänschichten und des Salzberges im SW. des 
Toten Meeres. 

Der geologische Horizont, dem diese salzhaltigen Dolomite 
angehören, wird genügend bestimmt durch eine Auster, welche in 
Form von Abdrücken mehrfach in dem Gesteine auftritt: Ostrea 
Mermeti Coqu., v. sulcata Lakt. Dieses Petrefakt ist nach Lau- 
tet speciell für tiefere Schichten des palästinensischen Cenomans 
leitend. 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 9 



Senon. 

Die Schichten der Senonkreide bestehen zum grösseren 
Theil aus Kalksteinen, welche sich indess durch viel« besondere 
Eigenthümlichkeiten und Beimengungen von einander unter- 
scheiden. 



1. Der Kaküle. ' 

(Vergl. Profil I Schicht d auf S. 3.) 

Die untersten Schichten werden bei Jerusalem und Hebron 
gebildet von einem weissen Kalk von milder weicher Beschaffen- 
heit, der durch seine äusserst gleichmässige Feinkörnigkeit und 
Struktur auffällt und den Namen kaküle führt. 

Da er bei seiner Milde mit der Säge leicht zugeschnitten 
und an seiner Oberfläche ohne Mühe gravirt werden kann, eignet 
er sich besonders gut zu Grabsteinen, auf denen Inschriften an- 
gebracht werden. Man findet ihn daher auf allen Friedhöfen rings 
um Jerusalem vertreten. Wegen seiner technischen Braxichbar- 
keit wird das Gestein an vielen Stellen im O. und S. des Oel- 
berges in Steinbrüchen gewonnen. Es tritt hier überall in einer 
Stärke von durchschnittlich 5 m als constanter Horizont an der 
Basis der Senonschichten über den z. Th. turonen Nerineenkal- 
ken (Ic) auf Die härteren Lagen zeichnen sich hier durch ihren 
muscheligen Bruch und den klingenden Ton beim Schlagen aus. 
Als Leitfossilien fand Blanckenhorn in denselben : 

Schloe7ihacJiia safedensis Conr. 

» quinquenodosa Redt. 

und » ap. md. (= Ammonites rostratus Fraas) 

Seh. quinquenodoscu bekannt sonst aiis den Gosauschichten der 
Alpen, verweist ebenso wie ihre nahen Verwandten Seh. texana 
Rom. mit aller Bestimmtheit auf die Zone der Emscher Mergel 
an der Basis des Senons. 



10 Sachsse, 

Analyse des Ka'^küle. 

CaCO,. 96.91 

CaO 0.48 

AI2O3 0.19 

Fe20:j Spur 

FeO 0.17 

SiO. ..../.... 1.10 

SO.j Spur 

HjO 1.51 

100.36 

Das Gestein ist demnach ein gewöhnlicher Kalkstein mit 
geringem Thon- und Eisengehalt, wie er ganz allgemein anzu- 
treffen ist. 



2. Kreidemergel mit Leda etc. 

(Siehe in Profil I und II Schicht e). 

Die unmittelbar über dem Ka'^kille allenthalben anzutreffen- 
den Schichten sind weiche Mergelkalke, in Jerusalem auch 
»Thon« genannt. Stellenweise sind sie sehr reich an organischen 
Resten, namentlich von Abdrücken einer Bivalve: Leda per dita 
CoNR. Die chemische Untersuchung eines licht- gelblichweissen 
Stückes, vom Dschebel Abu Tor stammend, ergab folgendes Re- 
sultat : 

CaCO;; 89.55 

AI2O:, 3.03 

Fe,0, 0.61 

FeCO;; 0.35 

SiOs 5.42 

80.. 



}spi 



HoO 2.04 

101.00 

Ausser Leda perdita finden sich in diesen Mergelbänken 
Astarte^xten, Dentalien^ Baerditen und Fischreste. 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 1 1 

3. Bunte gipsfülirende Mergel und BitumenJcalke. 

(Siehe in Profil I und II Schicht f ;. 

In der Mitte des Senons lässt sich von den tieferen gelblich- 
weissen Kreidemergeln und von den höheren Etagen der Fener- 
steinbänke noch ein Horizont ausscheiden, welcher den Ueber- 
gang zwischen beiden bildet und durch den grossen Wechsel der 
Gesteine in Farbe und petrographischer l^eschafFenheit ausge- 
zeichnet ist. Dieser Complex von Schichten , der als »bunter« 
bezeichnet werden könnte, hat in seinen Aufschlüssen am be- 
kannten Chan el-Hatrüra (oder Chan el-Ahmaij in der Mitte der 
vielbegangenen Strasse von Jerusalem nach Jericho schon die 
Aufmerksamkeit Kussegger's wie später auch Hülls auf sich 
gezogen und beide Geologen zur x\ufstellung einer ihrer wissen- 
schaftlichen Specialrichtung entsprechenden Hypothese veran- 
lasst. RussEGGER^j vermuthet in dem dortigen eisenschüssigen 
und nesterweise von Eisenoxyd durchdrungenen Kalksteine das 
Vorhandensein von Eisensteinlagern und glaubt auch, »dicht am 
Chan el-Hatrüra« »wirklich Eisensteinlager bemerkt zu haben«. 
HuLL^) führt die bunte, namentlich rothe Färbuug der Gesteine 
an diesen Stellen und die gestörte Lagerung der Schichten auf 
das Auftreten eines Eruptivgesteines zurück, »which has here 
been intruded into the limestone, and has to a great extent al- 
tered and calcined the rock itself. This volcanic rock is of a red 
colour, variegated with yellow and white; it is soft, and resem- 
bles »Domite« in general character, except that I could not re- 
cognise any crystals of mica, hornblende or other minerals«. 

Blanckenhorn, welcher die hier in Frage kommenden Stel- 
len zweimal aufgesucht hat, bestreitet die lierechtigung beider 
Annahmen. Wohl fand er daselbst über der Zone der weissen 
Kreidemergel intensiv roth und braun oder gelb gefärbte Mergel 
und Kalke, aber trotz eifrigen Suchens nirgends die Spur eines 
Eruptivgesteins oder eines richtigen Eisenerzlagers. 

Es ist nicht allein die rothe Farbe, deren plötzliches Auf- 
treten auf der Strasse Jerusalem- Jericho, nachdem man zwei 

1) RussEGGER, Reisen in Europa, Asien und Afrika, III. Bd., Stuttgart 
1847, p. 250 und Geognostische Karte des peträischen Arabien und des süd- 
lichen Theiles von Syrien, Wien 1847. 

2j HuLL, Mount Seir, Sinai and Western Palestine, London 1S85, p. 159. 



1 2 Sachsse, 

Stunden lang durch das blendende Weiss der Kreidemergel (le) 
geritten, die Aufmerksamkeit der Reisenden erregen muss. Etwas 
höher, besonders unterhalb Chan el-IIatrüra, stellen sich schwarze 
und braune, beim ersten Blick oft wie Hasalt oder vulkanischer 
Tuff erscheinende Bitumenkalke und Mergel, weisse Kalk- und 
Gipsschichten mit feinem schwefelgelbem Anflug und blaugrü- 
nen Partieen, sowie einzelne dunkle, zuweilen kohlschwarze 
Feuersteinknollen oder -bänke ein. Einen vortrefflichen Ein- 
blick in die wechselnde Beschaffenheit dieses bunten Schichten- 
complexes gewährt folgendes Profil, das Dr. Blanckenhorn zwi- 
schen Chan el-IIatrura und Jericho aufgenommen und mir gütigst 
zur Yerfüi^ung gestellt hat. 

Profil auf der nördlichen Seite der Strasse von Jerusalem 
nach Jericho. Die Schichten fallen nach O ein gegen das Jor- 
danthal. 

Oben: Graue Mergel; darunter: 
10 m Weisse bröckliche Kalke mit viel Kalkspat, Gips, 
schwefelgelbem Anflug und grünen Partieen (T). 

1 m Dunkle Mergel. 

0,30 Kalk mit gelbem Anflug und grünen Flecken. 

0,25 Mergel (t). 

0,50 Schwarzgrauer Kalk mit grünem und gelbem Anflug [d). 

1,40 Schwarzbraune Mergel, wie erdige Braunkohle aus- 
sehend. 

1,00 Schwärzlicher Piitumenkalk, wie Basalt aussehend. 

0,50 Schwärzliche Mergel mit Feuersteinlagen. 

0,30 Grauschwarzer Kalk, wie Basalt aussehend. 

0,15 Schwarzer Feuerstein. 

3,00 Braune bituminöse Mergel mit zwei dünnen, ganz 
schwarzen Feuersteinlagen (;'). 

0,15 SchAvarzer basaltähnlicher Kalk (ß). 

1,60 Grauer bituminöser Kalk mit Fischknochen und gelbem 
Anflug (er). 

1,00 Stinkkalk mit Feuerstein wechselnd. 

0,40 Weissgrauer Mergel mit Feuerstein wechselnd. 

0,50 Weissgrauer Mergel mit Drusen von traubenförmigen 
Kalkspat. 

0,50 Harter Stinkkalk. 

0,40 Mergel. 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 13 

0,35 Hellgrauer Stinkkalk, der zu kugliger Absonderung 

neigt. 
0,50 Feuerstein. 
0,15 Dünngescliiclitete Mergel mit dünnen Feuersteinbänk- 

chen wechselnd. 

1,50 Dünngeschichtete Mergel ohne letztere. 

Von den mit griechischen Buchstaben versehenen Gesteinen 
lagen mir Proben vor, von denen cf, ß, d und e mehr oder minder 
phosphorsäurehaltig und bitumenreich waren. 

Auf vielen dieser Stücke speciell aus den Schichten a, (5, s 
und ^ fiel ein dünner krustenartiger Ueberzug oder Anfing eines 
besonderen Minerals durch seine intensiv schwefelgelbe Farbe 
sofort ins Auge. Die geringen vorhandenen Mengen reichten zu 
einer genauen quantitativen Analyse nicht aus. Die qualitative 
Untersuchung ergab indessauf das Bestimmteste, dass ein Mineral 
aus der Gruppe der wasserhaltigen Ferrisulfate , ein basisch 
schwefelsaures Eisenoxyd vorliegt, das speciell den Copiapit') 
[von der Formel Fe4S502, + 12aq oder 2Fe20,, 5SO3 + iSHoO 
oder nach Groth2) (804)5 Fe2(Fe, OHj^ + iSU^O] und Misy 
(FeijSyOyo + 8aq) genannten Mineralspecies nahesteht. 

Die untersuchte gelbe Substanz färbt sich beim Glühen unter 
schwachem Aufblähen schwarz ohne Bildung von schwefliger 
Säure oder anderen riechenden Dämpfen und gibt im Kölbchen 
Wasser. Mit l^orax und Phosphorsalz erhält man sofort die 
charakteristischen Eisenperlen; auch auf anderem Wege gab es 
eine Reaktion auf Eisen. Chrom ist hingegen nicht in der Sub- 
stanz vorhanden'^) ; genaue nach verschiedenen Methoden vor- 
genommene Prüflingen gerade hieraufhatten negative Resultate. 
Die Untersuchung auf SO;; gelang mir mit den gewöhnlichen 
Reactionen auf makroskopischem Wege nicht; dagegen erhielt 
ich auf mikrochemischem Wege eine deutliche Reaktion. 

Gestein «, ß und d untersuchte ich mit Erfolg auf Forami- 
niferen. 

1) Dana, J. D., The System of Mineralogy Descriptive Mineralogy. 
Sixth edition by E. S. Dana 1892, p. 904. 

2) Gkoth, P., Tabell. Uebers. d. Mineralien. Dritte Aufl. 18S9, p. 64. 

3) Danach -wäre die in ZDPV. XIX, 1896, p. 13 ausgesprochene Ver- 
muthung, dass dieser schwefelgelbe Anflug auf Chromsubstanzeu zurückzu- 
führen wäre, zu berichtigen. 



14 Sachsse, 

Gestein u enthielt in Dünnschliffen Textularia glohulosa 
Ehr. und liotalia ? sp. Makroskopisch Avaren Fischknochen, 
speciell ein grosser Fisch wirbel zu erkennen. 

Die mit ß bezeichneten grauschwarzen Gesteine besitzen ein 
tufFartiges xlussehen und bestehen aus durch Bitumen schwärz- 
lich gefärbtem Kalk, welcher mit zahllosen grauen oder weiss- 
liclien KnöUchen Koprolithen?) besetzt ist und kleine sanduhr- 
artige Fischwirbel, sonstige Fisc-hknochen und verwitterte 
Schalenbruchstücke, die als weisse Striche in der dunklen Masse 
erscheinen , enthält. Von den zahlreichen Foraminiferen waren 
Glogerina retacea d'Orb. luid Textularia sp. bestimmbar. 

Das Handstück aus Schicht d enthält gleichfalls eine reiche 
Mikrofauna [Textularien und Glohigerinen). 

Infolge der Einwirkung der Sonnenwärme ist an den äusse- 
ren Stellen dieses Gesteinsstücks [6] der I>itumengelialt desselben 
verschwunden, so dass die durch Phosphorsäuregebalt bedingte 
Grundfarbe des Gesteins, wie sie sich auch beim Glühen zeigt, 
nunmehr als grüne Kruste zu Tage tritt. Die chemische Analyse 
ergab folgendes Resultat: 

CaCO, 42.77 

Ca3P2 0s ; 47.13 

CaS04 1.15 

AI.O3 2.02 

FeO i>.49 

SiOj 3.01 

Bitumen 1.50 

H2O ■ : . Q.S2 

98.89 

Gestein £ besitzt dunkelgraue Färbung und ist ganz erfüllt 
von Fischschuppen und Fischresten. 

Aus den 10 m mächtigen Lagen C lagen mir vor ein weisser 
zuckerkörniger Kalk und ein aus weissem Gips und Kalkspat 
bestehendes grobkrystallinisches Gemenge, welches durch Chrom- 
oxyd stellenweise grün gefärbt ist. 



In dem gleichen Complex von Schichten rangirt der sog. 
Mosesstein von dem Wallfahrtsorte Nebi Müsa, ein schwarzer 
])itumenkalk, der in Bethlehem in der Schmuckwarenindustrie 
Verwendung findet. Er liegt mir in einem ty^pischen Handstücke 



Beiträge zur chemischen Ivenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 15 

vor und zeigt an den durch die Sonne gebleichten Aussenflächen 
eine grauweisse Färbung, d. h. gleichfalls seine Grundfarbe. Die 
Analyse ergab : 

CaC0;3 74.87 

Ca^Pa'Os 3.49 

MgO Spur 

AI2O3 0.52 

FeO 0.12 

SiOi '..... 0.37 

Bitumen 17.98 

H2O 0-96 

98.31 

HiTCHCocK^) und Anderson 2) haben bereits früher das Ge- 
stein von Nebi Müsa untersucht und folgende Resultate er- 
halten. 

(Anderson) 

(Hitchcock) CaCOa 82.10 

CaCOa 68.73 ^ q .... 0.00 

MgC03 0.27 gi02 1.95 

Rückstand 6.00 pej O3 + Alj O, . . . 1.95 



Bitumen 25.00 



Organische Subst. . 13.55 



"ö 



100-00 : ^^1;^ 

Ein ganz ähnlicher bunter Schichtenwechsel wie am Chan 
el-Hatrüra und bei Nebi Müsa zeigt sich nach Blanckenhorn 
in demselben Horizont (II f) in der ganzen Wüste Juda; so z. B. 
auf dem Wege von Hebron zum Südende des Toten Meeres zwi- 
schen Kasr ez-Zuwera el-fökä und Kasr ez-Zuwera et-tahtä. 

Zur Untersuchung lagen mir weisse, oft durch Eisenoxyd 
unregelmässig gelb und braun gefärbte gipsführende Mergel vor, 
an denen blaugrüne , scharf von dem Muttergesteine abgezeich- 
nete Adern auffielen. Der Fundort dieser Mergel ist ein Stein- 
haufen [rudschm] im mittleren Wadi ez-Zuwera, der von den 
Beduinen Bähte Asem genannt wird. Die Analyse ergab: 



1) Hitchcock, Rep. of Amerie. Assoc. of geol. and nat., p. 364. 

2) Ltnch, OfF. rep., p. 155. 



Spur 



16 Sachsse, 

CaCO;, 31.02 

CaSO, 44.09 

Mg-0 Spur 

AlaOj 7.21 

Fe2 20, 1.89 

Na20 

K2O 

SiOj 8.96 

H2O ■ . ■ . . . . .... , 6.35 

99.52 

Die Färbung der grünen Adern rührt von Chromoxyd her : 
ich fand 3,23^ Cr2 03 in denselben. In der Nähe des letztge- 
nannten Fundortes im Wädi ez-Zuwera, an dem Sük et-Taime 
genannten Platze wurde ein Handstück geschlagen, das aus 
Aveissen Gipslagen und Kalkspatadern besteht und gleichfalls 
theilweise blaugrüne Färbung (infolge Chrompigments) aufweist. 
Aus der gleichen Lokalität (Sük et-Taime) lag ein demselben 
grossen Schichtencomplexe (II f) angehöriger gipshaltiger Mer- 
gel von körnigem Gefüge vor, der durch seine weithin auffal- 
lende gelbe Farbe gleichfalls zur Mannichfaltigkeit des Colorits 
dieser Schichten beiträgt. Nach Blanckenhorn soll dies Ge- 
stein in dem bunten Gebirgshorizont (II f) neben rothen, blen- 
dend weissen und schwärzlichen Mers^eln und Kalk^esteinen 
recht häufig auftreten. Die Färbung ist durch Eisenoxydhydrat 
bedingt. Die Analyse ergab : 

Si02 23.88 

AI2O;, 10.30 

FeaOy 4.04 

FeO 0.36 

CaC03 40.08 

CaO 2.51 

CaSO, 4.06 

Ca;,P20. 7.97 

H2Q 6.31 

99.51 



Besonders interessant und zwar in verschiedener Hinsicht 
ist ein mir vorliegender weisser zuckerkörniger Kalkstein des 
Senons (II f) aus der Gegend von Bir 'Allä im Norden des Wadi 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 17 

Hasäsä im SO. von Thekoa im Gebiete der Ta'^ämire-Beduineii. 
In dem weissen Gesteine lassen sich deutlich abgegrenzte, graue 
Parthien erkennen, welche ihre Färbung fein vertheiltem Schwe- 
feleisen verdanken. Als Spaltenausfüllung tritt Calcit auf. Auf- 
fallend sind schwefelgelbe Ausblühungen von Copiapit auf den 
äusseren Seiten oder in den Spalten dieses Gesteines. Schliess- 
lich fand ich noch als hirsekorngrosse blaugrüne Concretionen 
ein phosphorsäurehaltiges Mineral mehr oder minder reichlich 
innerhalb dieses Gesteines vertheilt. 

Die Hausch-Analyse des Kalksteins ergab: 

CaCO.5 S6.42 

Ca.P-iO, 6.48 

CaS04 2.09 

FeC0,5 0.05 

fAlFe)2 03 1.70 

MgCO^ 0.46 

K2O . . . , ^ 

Na,0.. ) ^1^"^ 

Si02 ..._... 2.72 

H2O 0.81 

100.73 

Ganz besonders war dieses Handstück geeignet, die im 
Laufe der Zeit vor sich gehenden chemischen Veränderungen 
der Mineraliudividuen zu studiren. Der Gehalt an fein einge- 
sprengtem Schwefeleisen findet eine einfache Erklärung in der 
Nähe einer von Hlanckenhork unmittelbar darunter beobachte- 
ten schwärzlichen, bituminösen Kalkbank von ganz dem glei- 
chen Aussehen wie die tuffiirtige Kalkbank fJ in dem obigen 
Profil an der Jerichostrasse. Da jene Bank ebenso wie letztere 
nach der ganzen Beschaffenheit des vorliegenden Handstücks 
rein organogen war, konnte in ihr bei Zersetzung der einge- 
schlossenen organischen Substanzen ehedem leicht Schwefel- 
wasserstoffgas erzeugt werden. Letzteres hatte beim Diffundie- 
ren durch den im Hangenden befindlichen Kalkstein die Bildung 
von Schwefeleisen zur Folge. Hieran reihen sich weitere secun- 
däre Veränderungen. Es ist bekannt, dass Schwefeleisen im 
festen Gesteine und in grosseren Parthien fast aller Zersetzung 
wiedersteht. Anders bei unserem Gesteine, wo an denjenigen 

Ztsct. d. Pal.-Ver. XX. 2 



1 8 Sachsse, 

Stellen, welche für den Zutritt der Luft und der Feuchtigkeit 
besonders geeignet waren d. h. an der Aussenflache und den 
grosseren und kleineren Spalten eine Oxydation des Schwefel- 
eisens, das hiernach 2u schliessen, wohl in der Form von Mar- 
kasit zugegen ist, eingetreten ist. Das Product dieses Vorganges 
ist der Copiapit, der in der angegebenen Form als Anflug so 
vielfach zwischen und auf den bituminösen Kalksteinen des 
mittleren Senons (I f und II f) der ganzen Wüste Juda sich 
vorfindet. 

Von besonderer Wichtigkeit sind einige Handstücke aus 
dem Plateau des Ost Jordanlandes nicht weit von es-Salt. w"elche 
ebenfalls in den gleichen Horizont II f einzureihen sind. Sie 
sind mehr oder weniger bröckelige Gemenge eines hirsekorn- 
grossen linsenförmigen Minerals, von dem bereits das Vorkom- 
men in einzelnen Fartikelchen beim vorigen Gestein erwähnt ist. 

Ich analisiite ausgesuchte Stücke, die von dem in geringer 
Menge vorhandenen Brauneisenstein frei Avaren, und fand fol- 
gende Hestandtheile. 



ö 



CaO 53.70 

AlaO, 8.35 

P2O,, 36.86 

F 0.97 

SO, 1.06 

SiO^ 0.09 

Glühverlust 0.32 

101.35 

Aus dem Resultate dieser Analyse ist ersichtlich, dass der grösste 

Theil dieses Körpers aus Tricalciumphosphat (Ca, P04)2', z. Th. 

Apatit besteht. Nach den eingeführten Procentzahlen reichen 

aber die Sänren bez. das Ilalogenfluor zur Bindung des CaO 

allein nicht aus; man muss daher annehmen, dass der Rest des 

CaO mit dem Al^Oj verbunden als Spinell vorhanden ist nach 

, „ ,A100,,, 
der rormel , , ^^^^>Ca. 
AI O O' 

Da eine Isolirung des Minerals nicht möglich war, und auch 
die reinsten Partikel eben unter dem Mikroskop als Gemenge 
von zahlreichen in ihrer Längsrichtung verwachsenen Stengel- 
chen sich erwiesen, zwischen denen neben Körnchen von Quarz 



Beiträge zur chemischen Kenntriss der Mineralien etc. Palästinas. 19 

und Kalkspath auch kleine Apatitnädelclien zu erkennen waren, 
so muss behufs weiterer Untersuchungen noch die Auffindung 
reineren Materials abgewartet werden, bevor man mit Sicherheit 
auf eine neue Mineralspecies schliessen kann. Zur Erklärung 
der grünen Färbung dieses Minerals, welche ich auch wie bereits 
vorher erwähnt als Grundfarbe eines phosphorsäurehaltigen Bi- 
tumenkalkes erkannte, können Metallverbindungen nicht heran- 
gezogen werden; es dürfte daher wahrscheinlich sein, dass die 
Färbung durch das Phosphat selbst bedingt ist, dem diese grüne 
Farbe eigen ist. 

Die Quelle der Phosphorsäure ist wohl, wie auch bei den 
früher besprochenen Gesteinen, in den Organismen zu suchen, 
deren Reste man in den benachbarten Schichten in reichlicher 
Menge finden kann. 

Die sehr verschiedene Häufigkeit aber, in welcher diese 
Phosphatkörnchen innerhalb des Kalks einerseits im Ostjordan- 
land, andererseits in der Wüste Juda auftreten, hat vielleicht 
neben der schon ursprünglich ungleichen Vertheilung noch in 
meteorologischen Verhältnissen ihren Grund. Die Atmosphäri- 
lien, besonders die reichlichen Niederschläge könnten wohl dort 
eine viel intensivere Verwitterung und Auflösung der Kalk- 
schichten herbeiführen als hier, sodass im regenreichen Ostjor- 
danland eine Anreihung des schwer zersetzbaren Phosphates 
stattfand und dasselbe nur noch stellenweise durch einen se- 
ringen Gehalt an kohlensaurem Kalke an sein früheres Mutter- 
gestein erinnert. 

Nach den Untersuchungen von Warrington^) löst sich 
Tricalciumphosphat (CayPaOs + 2ag) bei 70 erst in 89448 Thei- 
len Wassers, die Löslichkeit wird aber vollständig aufgehoben in 
einem mit Kohlensäure gesättigten Wasser, welches Kalkkar- 
bonat enthält. 

Ueber die Lokalität des Vorkommens der untersuchten ost- 
jordanischen Phosphate hat sich Herr Dr. Blanckenhoris' spätere 
ausführliche Mittheilungen vorbehalten. Hier sei nur gesagt, dass 
es sich anscheinend um ein ausgedehntes leicht zugängliches 
Lager handelt, das eines Abbaus nicht unwerth erscheint. 

Die Art des Vorkommens der palästinensischen Phosphate 

1) AViLL, Chem. Jahresbericht für 18S6, p. 1C7. 

2* 



20 Sachsse, 

von Chan el-Hatilra, Bir "^Allä und dem Ostjordanland erinnert im 
Allgemeinen sehr an gewisse Phosphatlagerstätten von Algerien 
und Tunis '), nur dass diese allerdings der Hasis des Eoeäns an- 
srehören, während es sich in Palästina nach Blanckenhorn um 
obere Senonschichten als Muttergestein handelt. Auch in Algerien 
erscheint das Phosphat wenigstens theilweise in Form von feinen, 
verschieden geformten grünen Körnern, die in einer mehr oder 
Aveniger überwiegenden Kalkgrundmasse zusammen mit vielen 
organischen Resten besonders Fischen vertheilt sind. 

4. Die Feuersteinhreide. 
(I g, n g;. 

Die Feuersteinbänke, welche von nun an im obersten Senon 
(I g und II g) sich häufen, bieten in chemisch-mineralogischer 
Hinsicht wenig Pemerkenswerthes. 

Aus der Umgegend von Mär Säbä im Wädi en-När liegt mir 
ein Stück einer Feuersteinbank vor, dessen Oberfläche sich durch 
eine grüne Mineralkruste auszeichnet. Ich analvsierte nur die 
grüne Substanz, welche auf dem Feuersteine festaufgelagert 
war, und fand die grüne Farbe hier durch kieselsaures Eisen- 
oxydul bedingt. 



Die Analyse ergal 



): 



SiO.2 95.94 

AlaOa 4- Fe., 0.5 (als FeO vorhanden) . 1.76 
CaO 2.30 



100.00 



IT. Quartärbilduiigen. 

5. Der Näri. 

Im Anschluss an die vorhergehenden Kreidegesteine möchte 
ich hier zunächst eine eluviale Bildung, die nicht durch An- 
schwemmung entstanden, sondern secundär aus dem Grundge- 
stein, den Kreidekalken des Senon s, hervorgegangen ist, bespre- 
chen : den Näri. 

1) M. D. Lavat, Etüde sur l'industrie des phosphates et superphospha- 
tes. Ann. des Mines. Paris. VII, 1^95, p. 219. 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 21 

Er stellt eine Oberflächeukruste dar, welche namentlich 
auf den Bergen im S. und O. von Jerusalem und bei Betlehem 
in einer Dicke von 1 — 2 m alle Abhänge ziemlich gleichmässig 
überzieht, unabhängig von der Schichtung des meist senonen 
Grundsystems. Fraas^^ hat bereits ausdrücklich auf die eigen- 
thümliche Erscheinung dieses breccienartigen »Conglomerat- 
gesteins« im Gebirge Juda aufmerksam gemacht. »Ueber Berg 
und Thal legte sich«, nach erfolgter Erosion der Kreideschichten 
»der Schutt, der zusammenbuck und jetzt die Schichtenbänke 
als ein Deckel überlagert. Die Schuttfelsen sind ein Gemengsei 
von verhärtetem Kreidemergel, eckigen, scharfkantigen Stücken 
von Kreidekalk und von gleichfalls scharfkantigen Feuersteinen, 
die in allen Lagen und Richtungen wie in einem Kalkteig ein- 
gekuetet worden sind«. 

Nach BLANCKEjf HORN 2] entspricht dieses Gestein der Ober- 
flächenkalkkruste, die im ganzen Innern Syriens speciell in der 
Wüstenlandschaft, sowie in Nordafrika, besonders im ganzen 
Atlasgebirge von Tunis bis Marokko weit verbreitet ist. In Be- 
zug auf die Bildung dieses Gesteins nimmt Blaxckenhorn an. 
dass dasselbe seine Entstehung der successiven Verdampfung 
der Wasser, welche die Capillarität des Bodens an der Oberfläche 
emporsteigen Hess, verdanke. Dieser Theorie zufolge müsste das 
den Schutt verkittende Bindemittel im Gegensatz zu dem Unter- 
grundfelsen nur oder jedenfalls unbedingt vorherrschend die 
leicht in Wasser löslichen Substanzen enthalten. 

Es wurde eine grössere Probe untersucht, welche vollstän- 
dig frei von Feuersteinstücken oder sonstig^eu fremden Gesteins- 
trümmern war. Sie stammt von Sür Bähir auf dem Gebirgskamm 
zwischen Jerusalem und Betlehem. Von den ilim in Farbe ähn- 
lichen weissen Kreidemergel und Ka'küle-Gestein des Unter- 
grundes unterscheidet sich dieses Gestein durch seine grosse 
Härte und Druckfestigkeit, die namentlich durch die unregel- 
mässig es durchziehenden Kalkspathadern erhöht wird. Ein 
weiterer Unterschied ist das Fehlen aller marinen Petrefakten. 



1) Geologisches aus dem Orient. I. Württ. naturw. Jahresh. 1867. p. 346. 

2) BLANCKENnORX, Die geognostischen Verhältnisse von Africa. Er- 
gänzungsheft No. 90 zu »Petermanns Mittheilungen«. Gotha 1888, p. 46 
50, 52. 



22 Sachsse, 

wenn man von denjenigen auf den angeschlossenen Feuerstein- 
tiümmern absieht, was sich sofort durch die terrestrische Art 
seiner Entstehung erklärt. 

Die Analyse ergab: 

CaCOa . 96.14 

CaS04 0.92 

FeCOa 0.49 

FeaO;; 0.16 

AlaOy. .......... 0.34 

SiO.2 0.96 

H2O 0.76 

99.77 

Danach hätten wir es hier mit einer fast reinen Kalkmasse zu 
thun. Die schwer löslichen Substanzen Thonerde und Kiesel- 
säure, die nach meiner obigen Analyse bald mehr bald weniger 
noch vorhanden sind, treten jedenfalls vollständig in den Hinter- 
grund zurück. 

« 

6. Das Steinsalz. 

Als Bildungen der Quartärperiode dürften weiterhin beson- 
ders drei Mineralien, Steinsalz^ Asphalt und ScJnvefel zu nennen 
sein, deren Vorkommen in Palästina sich auf den Boden und die 
unmittelbare Umo^ebung des Todten Meeres beschränkt. 

Das Steinsalz ist in grösserer Menge nur bekannt vom 
]3schebel Usdum an der SO-Ecke des Todten Meeres, der auch 
deshalb als Salzberg bezeichnet wird. Von dem Material, wel- 
ches den Dschebel Usdum zusammensetzt, liegt ein von den 
Wänden einer Salzhöhle seiner Ostseite absreschlaoenes Stück 
vor. Es besteht aus Chlornatrium, das durch Gips, Kalkkarbo- 
nat, Thon und Spuren von Eisen- und Magnesiaverbindungen, 
sowie Bitumen verunreinigt ist. ' 



"■»' 



Die Analyse von Krystallfragmenten, welche sorgfältig 
ausgelesen und von Beimengungen frei befunden worden waren, 
ergab : 

NaCl 99.4149 

Na2S04 0.1964 

CaS04 0.3417 

99.95"3Ö 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Miuaralien etc. Palästinas. 23 

Vergleicht man diese Analy.se mit der von M. Terkeil^) 
ausgeführten, so ergeben sich folgende einzelne Werthe: 





Cl 


Na SO3 


CaO 


MgO 


SiO^AlaO,, 
org.Subst. 


S. Summa 

1 
1 


Terreil 


.59.30 


38.47 


0.92 0.60 


0.09 


0.15 


Spur 


99.53 


Sachsse 


60.2250 


39.2301 


0.3330 


0.1408 


— 


— 


— ' 99.9289 



Hieraus ist ersichtlich, dass in beiden Fällen das Cl zur 



Bindung des Na nicht ausreicht. 



7. Der Asplialt. 

Der Asphalt lag in einem Stücke von vollkommener Rein- 
heit vor, wie solche aus dem Todten Meere von den Wellen ans 
Land geworfen werden. Sein Fundort ist der Ostfnss des Dsche- 
bel Usdum am Ufer des Todten Meeres. Von seinen äusseren 
Eigenschaften würde ausser den gewöhnlichen (Sprödigkeit, 
glatter muschliger Bruch, vollkommen schwarze Farbe der deut- 
liche Ichthyolgeruch auf frischer l^ruchfläche zu erwähnen sein. 

Durch Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Terpentinöl und 
Petroleum wird er leicht und vollständig, durch Benzol, Aether 
und Weingeist schwerer und unvollkommen gelöst, Kali- und 
Natronlauge wirken nicht auf ihn ein, nur sehr inibedeutend 
conc. Salpetersäure; durch conc. Schwefelsäure kann unter SO2- 
Entwicklung Lösung erreicht werden. 

Auf die eigentliche Zusammensetzung der Asphalte als ge- 
schwefelte nicht aber oxydirte Kohlen Wasserstoffe hat zuerst R. Kai- 
ser 2j aufmerksam gemacht in einer Brochüre, die leider seitens 
der Mineralogen, speciell der Verfasser von Lehrbüchern der Mi- 
neralogie nicht die ihr gebührende l^eachtung gefunden hat. Da 
hier ein echter »syrischer Asphalt« von nicht anzuzweifelnder 
Herkunft vorlag, so schien eine chemische Analyse angezeigt, 



1) Lartet, Explor. geolog. de la Mer Motte, p. 288. 

2) Kayser, R., Untersuchungen über natürliche Asphalte mit Berück- 
sichtigung ihrer photochemischen Eigenschaften. Nürnberg, Mitth. aus dem 
Handelslaboratorium, 1879. 



24 Sachsse, 

dieselbe wurde unter Leitung des Herrn Privatdocent Dr. Büsch 
im organischen Laboratorium der Universität Erlangen ausge- 
fiihrt. Das mir gütigst mitgetheilte Resultat war folgendes: 

I. II. III. Analyse 

H 9.44 9.62 9.15 % 

C 79.72 80.18 79.63 % 

Der qualitativ aufs deutlichste auch von mir nachgewiesene Ge- 
halt an S wurde quantitativ nicht besonders bestimmt. 

8. Der Schwefel. 

Von natürlichem iSc/^^'e/e/ sind wallnuss- bis eigrosse Stücke 
vorhanden, deren Bildungsweise Fraas^), Bronker^] und 
Blanckenhorn^) in alten, jetzt versiegten Schwefelquellen 
suchen. 

Sein Vorkommen ist das Jordanthal südwestlich von Kasr el- 
Jehüd. Die Gegend liegt in der nördlichen Verlängerung der 
auf Blanckenhork's geologischer Karte vom Todten Meer ^) auf- 
getragenen mittleren Bruchlinie, welche den Untergrund des 
Todten Meeres seiner ganzen Länge nach in S.-N. Richtung 
durchzieht. Bei dieser Lage des Schwefelterrains auf einer Bruch- 
linie bietet die Annahme ehemaliger Schwefelthermen keine 
Schwierigkeiten und jedenfalls die einfachste Lösung des Vorkom- 
mens. Andererseits dient dieses Schwefelgebiet wieder zur 1 Bestä- 
tigung des von Blanckenhorn aus anderen Umständen geschlos- 
senen Vorhandenseins jener hypothetischen mittleren Bruchlinie. 
Nach der Analyse von Bronner 2) sind die Schwefelstiicke ein 
Gemenge von Schwefel, Calciumcarbonat und Gips mit geringen 
Mengen von Calciumsulfit, Alumiumsilicat (Thon) und Borsäure 
und Spuren von Eisen, Magnesium, Natrium und Chlor. 

Nach meiner Untersuchung ergab sich, dass die inneren 
Theile der mir vorliegenden Stücke, die eigentlichen Schwefel- 
knollen, aus äusserst fein vertheiltem und zusammengebackenem 

1) Fraas, O., Der Schwefelün Jordanthal. ZDPV. II, 1879, p. 113. 

2) Ibidem, p. 118, Anmerkung. 

3) Blanckenhorn, Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. 
ZDPV. XIX, 1896, p. 1 ff. 

4) Ibidem. Taf. II. 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 25 

Schwefel mit nur 0,11 ^ Beimengungen bestehen, während die 
nur theilweise erhaltene dicke härtere Kruste sich wesentlich aus 
Gipskrystallen oder Calciumsulfat zusammensetzt, das durch 
Calciumcarbonat, Aluminiumsilicat und Spuren von Chlornatrium 
und Bitumen verunreinigt ist. 



III. Die Gewässer von Palästina. 

Zwischen der chemischen Natur der Quellwässer und den 
Gesteinsschichten, aus denen sie hervorkommen, besteht ein 
deutlich sichtbarer Zusammenhang. 

Die nachfolgend angeführten Analysenresultate lassen aber 
ausserdem noch eine mit den zuvor angeführten Gesteinen corre- 
spondirende quantitative Zusammensetzung erkennen. 

Wie bei den meisten aus Kalksedimenten kommenden 
Quellen ist auch bei den untersuchten Wassern von Palästina 
der Gehalt an gelösten Mineralbestandtheilen ein ziemlich hoher. 

Die hydrologischen Verhältnisse von Palästina nehmen un- 
ser Interesse deshalb besonders in Anspruch, weil man von jeher 
und zwar mit Recht den Gehalt des Todten Meeres an Chlor- 
und Bromsalzen mit der Verdunstung des angesammelten Zu- 
flusswassers in Verbindung gebracht hat. So leicht es nun war, 
den grossen Gehalt an Chlorverbindungen zii erklären, so viel 
Schwierigkeiten machte es andererseits den richtigen Grund für 
den hohen Bromgehalt ^j eines Sees, welcher nachweislich nie- 
mals mit dem Oceane in Verbindung gestanden hatte '^), zu finden. 

Einzig und allein entscheidend für derartige Fragen kann 
die Beantwortung durch die chemische Analyse sein. Eine solche 
ist aber nur von dem Jordanwasser und zwar von verschiedener 
Seite ausgeführt worden, während die übrigen Gewässer, welche 
das Todte Meer speisen, meistens ^) unberücksichtigt blieben. Die 

1) Wohl ist die 620 heisse Quelle von Hammäm bei Tiberias von AN- 
DERSON als bromhaltig befunden worden, allein im Jordanwasser ist dieser 
Nachweis wegen der allzugeringen hinübergeführten Menge gar nicht mehr 
möglich. 

2) Lartet, Bull. soc. geol. de France, 2. Ser. 22, 1S65, p. 420—463. 23, 
1866, p. 719—760. 24, 1867, p. 12—31. 

3) Ueber Terreil's Untersuchungen vergl. u. S. 32. 



26 Sachsse, 

nachfolgenden Angaben sollen diese Lücke etwas ausfüllen und 
gleichzeitig darthun, inwieweit man hierdurch der Lösung obiger 
Frage näher treten kann. Das Jordanwasser ist vergleichshalber 
nochmals mit angeführt Avorden. 



9. Jordamoasser . 

Wenngleich der Jordan in seinem oberen Laufe etwa bis 
zur Einmündung des Jarmuk, seines grössten Nebenflusses, eben- 
so wie dieser letztere, theilweise durch basaltiges Gebirge fliesst, 
so wird er doch im weitaus grössten Theile seines Laxifes durch 
Quellen aus dem Kreidegebirge genährt und nimmt selbst seinen 
Lauf durch ein diluviales Thal mit gips- und salzhaltigen Mer- 
geln (Lisänschichten). Die von mir analysirte Wasserprobe 
wurde von Hlanckenhorx: am 21. Mai 1894 unweit der nordöst- 
lich von Jericho gelegenen neuen Brücke geschöpft. Das Wasser 
reaffirt neutral. 1000 Theile enthalten: 



o 



Gesammtrückstand = 0,9682 



NajO 0.1880 

K2() 0.0106 

CaO 0.1150 

MgO 0.0626 

FeaO.i -f- AlsO. . . . 0.01125 

Cl 0.3195 

SO, 0.0463 

N2O, Spur 

CO.2 (gebunden). . . 0.07408 

SiOa 0.0150 

Organische Substanz 0.113S6S 

0.956198 

Zur Oxydation der organischen Substanz sind 0.00576 g O für 
ein Liter nothwendig. 

Der schlammig-thonige Hodensatz wurde mikroskopisch ge- 
prüft und ergab an mineralischen IJestandtheilen: Quarz, Kalk- 
spath, Feldspath und Thonpartikelchen. 

Das Jordanwasser ist bereits früher von Boutron-Chaeland 



Beiträge zur chemischen Kenntnias der Mineralien etc. Palästinas. 27 

und Henry i), Anderson 2) und Terreil^) untersucht worden. Die 
Resultate lasse ich nachstehend folgen. 

In 1000 Theilen .Jordanwassers sind enthalten nach: 





Boutron-Charland 
u. Henry 


Anderson 


NaCl 


0.525 


0.603 


KCl 


Spur 


0.035 


CaCla 


— 


0.129 


MgCl 


0.25 


0.443 


Na2S04 


' 0.075 


0.04 


MgS04 


— 


CaS04 


— 


0.045 


CaCOg 


■ 
< 0.152 


0.169 


MgCOa 


0.145 


FeoOg 


— 


0.037 


SiOs 


'' 0.05 


0.0025 


Org. Subst. 


Spur 


Schwefelalkali u. Verlust 


— 


0.1765 


Sa.: 


1.052 


1.S25 



1) Liebig und Kopp, Chem. Jahresber. f. 1852, p. 758. Die Probe wurde 
am 2. April 1850 zwei bis drei Wegstunden nördlich der Mündung geschöpft'; 
spec. Gew. 1,00084. 

2) Lynch, Off. rep. 150. Im April 1848 an den Pilgerbädern geschöpft; 
spec. Gew. 1,00183. 

3) Lartet Bull, soc.geol. deFrance, 2.ser., 23, 1866, p.748. Am21. April 
1866 12 km nördlich der Mündung geschöpft; spec. Gew. 1,0010. 



28 



Sachsse, 





Terreil 


Sachsse 


NaaO 


0.229 


0.188 


K2O 


Spur 


0.0106 


CaO 


0.060 


0.115 


MgO 


0.065 


0.0626 


FeaOa + AlsOa 


Spur 


0.01125 


Cl 


0.425 


0.3195 


SO3 


0.034 


0.0463 


N2O5 


— 


Spur 


CO2 


Spur 


0.07408 


SiOa 


Spur 


0.015 


Org, Subst. 


Spur 


0.113868 


Sa.: 


0.813 


0.956198 


Trockenrückstand 


0.873 


0.96S2 



10. ^Ai?i Dschidt. 

Der geologische Horizont, in Avelchem dieser Kach seinen 
Anfang nimmt, liegt im Cenoman und zwar nach Lartet's Pro- 
fil ') genau auf die Grenze der tieferen Dolomite gegen die grau- 
weissen Mergel und Kalkbänke mit Austern in einer relativen 
Höhe von 187 m über dem Seespiegel. 

Hiernach hat dieses Wasser im ganzen nur die darüber lie- 
genden Schichten, das Senon. den Rudistenhorizont und die ge- 
nannten cenomanen Kalke und Mergel berührt und zeichnet 
sich durch seinen niedrigen Gehalt an Mineralsubstanz aus. 

Auffallend ist bei diesem Wasser sowie bei dem des Wädi 
Mubaghghak der Gehalt an Mangan, welches Element ja bereits in 
der Dolomitkvuste nachgewiesen wurde. Durch das Vorkommen 



1) Lartet, Expl. geol. de la Mer Morte, p. 78 und planche V, f. 3 (Coupe 
de la falaise d'Ain Jidy [Judee]). 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 29 

desselben auch in den Gewässern kann die Annahme einer hydro- 
chemischen Bihlung dieser Kruste nur unterstützt werden. 

Das Wasser wurde direct der Quelle entnommen. Der Bo- 
densatz war in der betreffenden Flasche nur sehr gering. Reaction 
neutral. In lOOO Theilen sind enthalten: 

Gesammtrückstand 0.44105 ' 

Na.2 0.04769 

KoO ....;.. ... — 

CaO 0.0989 

MoO 0.0552 

Fe20j + AI.2O;. . . . 0.01666 

MnO Spur 

Cl 0.03115 

SO3 0.02517 

N2O5 - 

CO2 (gebr.) 0.13911 

SiOi — 

Organ. Subst 0.143758 

0.557688 

Zur Oxydation der organischen Substanz sind 1.007272 g O 
für 1 Liter nothwendig. 

1 1 . Wcidi Muhaghgliah, 

Dieser Bach, welcher tieferen Schichten als der "^AinDschidi 
angehört, liegt zwischen Masada (es-Sebbe) und Wädi ez-Zuwera. 
Die starke Quelle tritt aus den tieferen Dolomitschichten des 
Cenomans heraus, die wir oben besprachen, und versiegt auch 
innerhalb dieses Horizontes nach kurzem Lauf bei etwa 44 m 
über dem Spiegel des Todten Meeres. Chemisch unterscheidet 
sich das Wasser von dem vorigen durch seinen höheren Gehalt 
an fixen Bestandtheilen, ausserdem durch das Fehlen von Car- 
bonaten ; an der Zusammensetzung des Rückstandes nehmen 
nämlich nur Chloride und Sulfate theil. Diese Thatsache steht 
offenbar in ursächlicher Beziehung zu der chemischen Beschaffen- 
heit des geologischen Horizontes, in dem die Quelle gelegen ist, 
d. h. des z. Th. salzhaltigen Dolomits. Der Mangangehalt, wel- 
cher gleichfalls den Dolomiten entstammt, interessirt uns inso- 



30 Sachsse. 

fern, als dieses Element andererseits auch wieder in den in dei 
Nähe nördlich von der Mündunif des Thaies befindlichen mäch- 
tigen dunkelbräunlich gefärbten KalktufFablagerungen nachweis- 
bar war. 

Hier möchte ich auch besonders darauf aufmerksam machen, 
wie auch die quantitative Zusammensetzung der Gebirgsarten in 
den Gewässern sieb, wiederspiegelt; man kann dies besonders in 
dem Yerhältniss von CaO und MgO beobachten, welches mit 
dem in den cenomanen Dolomiten befriedigend übereinstimmt. 
Das Wasser besass keinen Bodensatz und zeigte neutrale Reaction. 
In 1000 Theilen sind enthalten: 

Gesammtriickstand 1.794 

NaCl-l-KCl 0.53 

CaO . . .■ 0.221 

MgO 0.119636 

Fe.03 + AljO,, 0.022 

MnO Spur 

Gl (in summa!) 0.6248 

SO;^ 0.29754 

N2O5 0.00 

00-2 (geb.) Spur 

SiOa 0.0201 

Org. Subi>t 0.157403 

092379 

Zur Oxydation der organischen Substanz sind 0.0071 12 g O 
für 1 Liter nothwendig. 

12. Wasser aus dem mittleren Sammelbecken am Kasr ez-Zuwera 

im Wädi ez-Zuioera. 

Vergleichshalber ist im nachfolgenden die Analyse des 
Wassers einer rein oberflächlichen Wasseransammlung angeführt, 
welche sich in einem alten Bachbette, dessen Rinne aus harten 
cenomanen Kalkbänken gebildet ist, befindet. 

Der abweichend von den andern Gewässern sich hier zei- 
gende Gehalt an N2O5 (beim Jordanwasser waren nur Spuren 
vorhanden) hat seine Ursache sicherlich nur in lokaler Verun- 
reinigung. Das Wasser schmeckt weicb, gilt nach Blanckea- 
uorn's Angaben bei den Beduinen als gesünder wie das vom 



Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 3 1 

Wädi Mubaghgliak, ruft aber nach dem Trinken ein Aufstossen 
mit eigenthümlichen Bitumen gerucli hervor. Es besitzt neutrale 
Reaction. In 1000 Theilen sind enthalten: 

Gesammtrückstand 0.8760 

Na2() 0.1849 

KoO 0.1104 

CaO 0.0760 

MgO 0.0100 

Fe^O. + AlsO, — 

Cl 0.1270 

SO3 0.0849 

N2O5 . . ■ - • 0.00846 

CO, (geb.) 0.1246 

Si02 — 

Organ. Subst. . 0.0474 

' 0.77366 

Zur Oxydation der organischen Substanz sind 0.0023976 g 
O für 1 Liter nothwendig. rv 

5. ^Ain el-Meräha. 

Diese intensiv nach Schwefelwasserstoff riechende Quelle ') 
befindet sich zwischen Wädi Mul>aghghak und Ez-Zuwera am 
Todten Meer in einer relativen Meereshöhe von ca. 2 — 3 m und 
steht, wie überhaupt alle die zahlreichen Schwefelquellen des 
Todten Meeres, des Jordans und des Tiberiassees in genetischem 
Zusammenhang mit einer Bruchspalte, und zwar einer solchen 
am AV. -Rande des Grabens. 

Von hervorragender Wichtigkeit war der in diesem Wasser 
nachweisbare Bromgehalt. 



Da mir von dieser interessanten, an Sulfaten und Chloriden 
reichen Quelle nur eine sehr geringe Menge zur Verfügung 
stand, welche eine vollständige quantitative Analyse nicht er- 
laubte, habe ich nur die beiden wichtigsten Bestandtheile fest- 
stellen können und gefunden 



»^ 



1) Vergl. Blanckenhorn, Geol. Karte des Todten Meeres. ZDPV. XIX, 
1896, Taf. II. • 



32 Sachsse, 

Br 0.085 o/^^i) 

H2S 0.0086 » 

In dem Rückstande dieser Quelle fand ich ausser regenerir- 
tem Schwefel Calcitrhomhoederchen und mannichfaltige Formen 
von Diatomeen [Navicula, Pinnularia). 

Erwähnen muss ich noch an dieser Stelle, dass bereits M. 
Terreil2) einige Quellen der Umgebung des Todten Meeres 
(auch Schwefelquellen) untersuchte, er giebt aber nur die Summe 
der fixen Bestandtheile dieser Quellen an. Interessant ist es, 
dass er in der 43" warmen Schwefelquelle Ain Zara gleichfalls 
rhomboedrische Krystalle und zwar von Dolomit fand. 



Anschliessend an die Analysenresultate vornehmlich der 
Gewässer möchte ich mir zum Schluss folgende zusammenfas- 
sende Betrachtungen gestatten. 

Wie verschiedenartige x\usfiihrunoren besonders von Nöt- 
LiNG und Blaxckexhorn dargethan haben , fällt die Entstehung 
des Todten Meeres in das Ende der Tertiärzeit und zugleich hier- 
mit die bedeutendste Wasseransammlung, woran sich ein allmäh- 
liches, aber durch niederschlagsreiche Perioden unterbrochenes 
Sinken des Spiegels schliesst. Mit der zeitlich und örtlich ver- 
schiedenen Quantität und der speciellen Art der Herkunft der 
zugeführten Gewässer hing naturgemäss auch deren Qualität, 
(1. h. Salzgehalt zusammen, der sehr mannichfaltig ist. 

Wie aus den wenigen Analysen hervorgeht, ist mit der 
Tiefe der Horizonte, aus denen die Quellen stammen, eine Zu- 
nahme an festen Bestandtheilen verbunden. Die Thermen am 
Ufer des Todten Meeres und im Jordanthal, welche auf dem 
Wege der randlichen Hruchspalte bei ihrer Temperatur aus be- 
deutender Tiefe emporgedrungen sein müssen, sind deshalb auch 
die salzhaltigsten. In den erloschenen Thermen , für welche das 
erwähnte Schwefelterrain von Kasr el-Jehüd und die mächtigen 
manganhaltigen Kalktuff absätze im N, der Mündung des Wädi 
Mubaghghak uns als Beispiele dienten, sind Belege dafür vorhan- 

1) Der Gehalt an Brom im "Wasser des Todten Meeres schwankt zwi- 
schen 0.167 und 7.0'J pro mill. 

2) I.ARTET, Expl. geol. de la Mer Morte, p. 291. 



Sachsse, Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralien etc. Palästinas. 33 

den, dass mit der unterirdischen Wasserzufuhr auch dessen Salz- 
und Gasgehalt zu Zeiten reichlicher gewesen ist, wie das schon 
NÖTLING^) betont hat. 

Nachdem man das Wasser des Todten Meeres als ein Aus- 
laugungs- und Concentrationsproduct der umliegenden und un- 
terliegenden Schichten erkannt hat, und sämmtliche in ihm ent- 
haltenen Elemente in den zuführenden Bächen vnid Flüssen 
nachzuweisen vermocht hat, tritt die Frage an uns heran, warum 
dies procentische Verhältniss in der Zusammensetzung dieses 
Sees wesentlich von dem des Zuflusswassers abweicht. Ganz all- 
gemein gilt letzteres von dem geringen Gehalt an Sulfaten und 
dem Reichthum an Magnesiumverbindungen im Seewasser. Man 
muss Schwefelsäure und Kalk eliminiren, um seine Zusammen- 
setzung mit dem Zuflusswasser in Übereinstimmung zu bringen. 
Anderson nimmt eine Umsetzung der ersteren zu Schwefel- 
wasserstoff" und Kalkkarbonat an. Einfacher dürfte wohl die 
Lösung sein, wenn man diese Thatsache mit einem beständigen 
Absetztti von Gips am Grunde des Todten Meeres erklären 
wollte. Abgesehen von der engen chemischen Verwandtschaft 
der Schwefelsäure zum Kalk, wird man bei dieser Annahme 
Avesentlich unterstützt durch das thatsächliche Vorkommen von 
Gips sowohl am Grunde dieses Beckens, als auch in den dilu- 
vialen Lisanschichten der Umgebung und im Dschebel Usdum. 
Dass natürlich ausserdem noch weiterer Kalk als Carbonat aus- 
geschieden wird, dürfte nicht anzuzweifeln sein. 

Träte durch irgend welche Naturereignisse oder mensch- 
liehe Eingriff"e der Fall ein, dass die Zuflusswasser des Todten 
Meeres sich bedeutend verringerten, dann würde an Stelle des 
letzteren eine Salzlinse gebildet werden, bei der wir als aufein- 
ander folgende Schichten Gips und Kalk, Steinsalz und schliess- 
lich Abraumsalze vorfinden würden. 

1) Geologische Skizze der Umgegend von el-Hammi. ZDPV. X. ISST. 59 ff. 



Ztsch. d. Pal.-Ver. XX. 



Die Grabeskirclie des Modestus nach 
Arkulfs Bericht. 

Von C. Moilimert, Pfarrer zu Schweinitz, Preuss.- Schlesien. 



Der Grabtempel nnd die liasilika, welche Constantin d. Gr. 
nach dem Berichte des Eusebius (Vita Const. III 25 — 40) und 
Andern über der Stätte des Leidens und der Auferstehung Jesu 
zu Jerusalem in den Jahren 326 — 335 errichtet hatte, erhielten 
sich bis in den Anfang des siebenten Jahrhunderts. In jener Zeit 
eroberte Chosroes II, König der Perser, Syrien. Nachdem Da- 
raascus gefallen, drang er im Jahre 614 gegen Palaestina vor. 
Sein Feldherr Chornzijeh erstürmte im Juni desselben Jahres 
Jerusalem, und seine Perser und das Gesindel. Avelches sich in 
Galilaea 26 000 Mann stark dem Heere angeschlossen, zerstörten 
die Kirchen von Gethsemane und auf dem Ölberge, die Basilika 
Constantins, die Kirche auf dem Kalvarienberge und das hl. Grab. 
(Procopius de hello persico; Chron. paschale ad a. 614 1); Said 
Ihn Batrik (II 12 u. f. 2)). 

Allein sehr bald erstanden Stadt und Kirchen wieder aus 
den Trümmern. Modestus, Abt des bei Bethlehem gelegenen 
Theodosiusklosters [der döst), der Vicar und spätere Amtsnach- 
folger des mit dem hl. Kreuze in die Gefangenschaft weggeführten 
Patriarchen Zacharias, sammelte in Palästina, Syrien und Ägyp- 
ten mit bestem Erfolge Beiträge zur Wiederherstellung der 
zerstörten Heiligthünier. Johann der Almosengeber (Eleemon), 
Patriarch von Alexandrien, schickte tausend Lastthiere, tausend 
Säcke Getreide, tausend Säcke Gemüse, tausend grosse Töpfe 

1) Unger, Die Bauten Constantins, Gottingcn 18()3, S. 73, Anm. 3. 
2 Tobler, Golgatha, St. Gallen 1S.51, S. 102, Anm. 2. 



Die Grabeskirche des Modestus uach Arkulfs Bericht. 35 

eingesalzener Fische, tausend Töpfe Wein, tausend Rotl Eisen 
und tausend Arbeiter (Said Ibn 15atrik II 219 , und so konnte 
(nach ZwiNKER 290) i) im Jahre 616 der Bau, welcher etwa zehn 
Jahre dauerte, rasch in Angriff genommen werden. 

Der Mönch Antiochus berichtet als Augenzeuge darüber in 
einem Briefe an Eustachius bei Gretzer^), Quaresimus'^j (II 364) 
und Andern: »Gratia etiam planus (Modestus) Spiritus Sancti, 
tenipla Salvatoris nostri Jesu Christi, quae quidem barbarico 
igne conflagrarunt, in sublime erigit ; omni prursus digna vene- 
ratione, puta : aedes sanctae Calvariae ac sanctae Resurrectionis, 
domum insuper dignam omni honore venerandae crucis, quae 
mater ecclesiarum est« d. i. »Voll der Gnade des hl. Geistes 
richtet er (Modestus) die von den Barbaren niedergebrannten, 
aller Verehrung würdigen Tempel des Erlösers wieder auf, näm- 
lich: die Tempel über Kaivaria und dem hl. Grabe, so wie das 
aller Ehre Avürdiiie Haus des verehruno:swürdijj:en Kreuzes, wel- 
ches die Mutter aller Kirchen ist.« 

Obwohl nun der Neubau dem koastantiuischen ohne ZwLifcl 
nachstand, so scheint er doch gleichwohl kein unbedeutender 
gewesen zu sein; denn als am 14. Se})tember 628 der Kaiser lie- 
raclius nach Besiegung der Perser in Jerusalem seinen Einzug 
hielt, das von den Persern im Jahre 614 weggeführte, im Fri^^den 
aber wieder unversehrt zurückgegebene Holz des hl. Kreuzes biiar- 
fuss und alles kaiserlichen Schmuckes baar auf seinen Schultern 
tragend, so ward er bei dem Anblicke der Verheerungen, weljhe 
die Perser angerichtet, erst von Traurigkeit ergriffen, dann aber, 
als er sah, was Modestus aufgebaut hatte, namentlich die Kirchen 
über dem hl. Grabe und über der Schädelstätte und dij Kirche 
des Konstantin, brach er in grosse Freude aus und dankte 
dem Patriarchen. [Said Il)n Batrik II 213; Tobler Golgatha, 
S. 104.) 

Den eingehendsten Bericht über das Aussehen der von Mo- 
destus erneuerten konstantinischen Bauten über dem hl. Grabe 
verdanken wir dem Bischof Arkulf von Perigueux (c]). Petiago- 
ricensis), welcher um das Jahr 670 längere Zeit im hl. Lande und 
auch in Jerusalem sich aufhielt und, auf der Heimreise von 



■> 



1, Tobler, Golg:alha, S. lOü, Anm. 3. 
2] Tobler a. a. O. S. 103, Anm. 4. 
3 Tobler a. a. O, S. 193. Anm. 3 



3* 



30 C. Mommert, 

Stürmen an die schottische Küste verschlagen, bei Adamnanus, 
dem Vorsteher des berühmten Klosters Colinnba (Jona) auflcolm- 
hill, einer der hebridischen Inseln, gastliche Aufnahme fand. 
(ToBLER-MoLiNiER, Itinera, Praefatio VIII. XXX.) 

Adamnanus brachte die Nachrichten, die er von seinem 
Gaste über den Befund der hl. Stätten erhielt, sorgfältig zu Papier 
und versah dieselben, wo er es für nöthig hielt, mit gelehrten 
Erläuterungen. Im Jahre 1619 kam zu Ingolstadt unter dem Titel 
>Adamnani Scotohiberni Abbatis de situ terrae sanctae studio 
Gretzeri« die Schrift des Adamnanus, die wir bis dahin nur in 
etwa zwölf Handschriften besassen, das erste Mal zumUruck. Der 
jüngste Abdruck erschien mit erläuternder Einleitung, in welcher 
auch die noch vorhandenen Manuscripte und die früheren Druck- 
ausgaben angeführt sind, im Jahre 1879 zu Genf bei J. G. Fick 
in dem von Titüs Toüler und Avgüstus Molinier herausgege- 
benen Werke »Itinera Hierosolymitana et Descriptiones terrae 
sanctae«; er umfasst hier unter Nr. \lll als »Arculfi relatio de 
lücis sanctis ab Adamnano scripta« 61 Druckseiten (141 — 202) 
Text und 3 Seiten (XXX— XXXIIl) der Praefatio. 

Dieser Bericht, welchen Arkulf bei Adamnanus über die von 
ihm besuchten hl. Orte uns hinterlassen, ist für die Palästina- 
kunde und insbesondere für die Kenntniss von den hl. Stätten 
des Leidens und der Auferstehung Jesu für lange Zeit massgebend 
gewesen. Beda venerabilis (»de locis sanctis«) um 720 und der 
Mönch Bernard (»Itinerarium« i um STD haben ihn fleissig ausge- 
schrieben, alle späteren Palästina-Gelehrten bis auf die neueste 
Zeit benutzten ihn als Quelle, und keiner der späteren Forscher 
wird ihn entbehren können. 

Leider sind die von Arkulf gemachten Angaben nicht immer 
richtig aufgefasst und verstanden worden, zum Theil wohl aus 
dem Grunde, weil viele sich über Palästina und die hl. Stadt zu 
schreiben berufen fühlten , ohne dort gewesen zu sein, und das, 
was sie beschrieben, gesehen zu liaben. 

Eine von dem am ärgsten misshandelten Stellen des Arkulf 
ist liber I, caput II von »Arculfi relatio de locis sanctis« auf 
Seite 146 der »Itinera Hierosolymitana« von Tobler-Molinier. 
Diese Stelle lautet vollständig: IL De ecclesia rotunde formule 
super sepulcrum Domini edificata. »Que utique valde grandis 
ecclesia, tota lapidea, mira rotunditate ex omni parte collocata 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Bericht. 37 

est, a fundamentis in tribus consurgens parietibiis, quibus unum 
culmen in altum elevatur, inter uiiiimquemqne parietem et alte- 
rum latum habens spatium vie; tria quoque altaria sunt in tribus 
locis parietis medii (medio) artifice fabricatis. Hanc rotundam et 
summam ecclesiam supra memorata habentem altaria, imum ad 
meridiem respiciens, alterum ad aquilonem, tertium versus occa- 
sum, duodecim mire magnitudinis lapidee sustentant columne«. 

Hier haben nun die Palästina-Gelehrten, ohne dass mir eine 
einzige Ausnahme bekannt geworden, den Satz: »que utique 
grandis ecclesia, totalapidea, mira rotunditate ex omni parte collo- 
cata est, a fundamentis in tribus consurgens parietibus, quibus 
unum culmen in altiim elevatur, inter unumquemque parietem et 
alterum latum habens spatium vie <; — einmiithig bis auf den 
heutigen Tag dahin verstanden, dass die das hl. Grab um- 
schliessende, grosse steinerne Rundkirche nicht, wie gegenwärtig, 
in drei Etagen mit breiten Galerien auf einer massiven Um- 
fassungsmauer und einem Kranze hoher gemauerter Pfeiler oder, 
wie Arkulf berichtet, auf zwölf hohen steinernen Säulen ruhend 
sich erhob, bis sie in einer majestätischen Kuppel ihren Abschluss 
fand, sondern dass drei in derselben Ebene concentrisch das hl. 
Grab umkreisende Wände vorhanden w^aren, zwischen denen 
zwei breite Umgänge sich befanden, oder, da einigen denkenden 
Köpfen ein solcher Bau mit drei concentrischen Kreismauern 
und zwei lichtlosen Zwischenräumen doch etwas absurd schien, 
dass die starke runde Aussenmauer innen zwei concentrische 
Säulenreihen umschloss, wobei man dem Texte Gewalt anthat 
und Säulen setzte, wo Arkulf Wände (parietes) angegeben. 

So schreibt TiTus Tobler (Golgatha, Seite 107, Zeile 1 von 
oben): »Westlich stand die Grabrotunde, Auferstehung genannt, 
eine grosse und sehr hohe Kirche ganz von Stein. Vom Boden 
erhoben sich drei Wandungen (Abtheilungen), zwischen denen 
allemal ein breiter Gang angebracht war«. 

QuAEESMiüs (II 583) spricht sich über diese Stelle w^eitläulig, 
aber dunkel aus. 

Touttee') (IV 419) bemerkt, indem er seine Meinung mit 
einer Durchschnittszeichnung beleuchtet: »Quid sit triplex ille 
murus, aut unde accepta lux inter jecta inter muros spatia illu- 

1) Tobler, Golgatha, S. 107. Anm. 2. 



38 C. Mommert, 

straret, non satis intelligo. . . . Consulti ea de re a me periti artis 
suae architecti uno ore responderuiit, excepto exteriore et aedem 
cingente ac claiidente muro, parietem illum, qui a praefatis au- 
thoribus medins et tertiiis appellatur, nihil nisi ordines colum- 
narum sibi videri«, das ist: «Was jene dreifache Mauer sein soll, 
oder woher das Licht genommen werden soll, um den zwischen 
den Mauern gelassenen Raum zu beleuchten, verstehe ich nicht 
recht. ... In ihrem Fache erfahrene Architekten, welche ich 
darüber befragte, antworteten einstimmig, dass ihnen mit Aus- 
nahme der das Gebäude umgebenden äusseren Um fassuugsmauer 
jene Wand, welche von genannten Autoren als mittlere und dritte 
bezeichnet werde, nichts anderes zu sein scheine, als eine Säulen- 
reihe.« 

Dr. Sepp (Jerusalem, SchafFhaiisen 1873, 1 4^2, zweite Zeile 
von unten u. f.), schreibt: »Uer neue Patriach (Modestus) baute 
in den Jahren 616 — 626 das Halbrund um dieAnastasis (er meint 
das hl. Grab, Anm. d. V.) zur byzantinischen Kotunde mit zwei- 
fachem Umgange unter Benutzung der alten Grundlagen nach 
dem neuen Vorbilde der Justinianischen Sophienkirche auf Moria, 
nach Vermögen wieder auf. . . ., Avobei (Jerusalem I 443 Zeile 14 
von unten) die erstaunlich hohe Kuppel auf zwölf massiven 
Säulen ruhte«. 

Dr. Peter Schegg (die Kauten Constantins, Freising 1867, 
Seite 32iF., Z. 7 von oben) schreibt: »diese sehr grosse Kirche, 
ganz aus Stein, bildet einen vollkommenen Kreis. Sie erhebt 
sich aus den Fundamenten in drei Scheidewänden, zwischen 
denen ein breiter Wegraum gelassen ist, und hat drei Altäre auf 
drei Stellen, welche in der mittleren Scheidewand angebracht 
sind«, und (Seite 33, Zeile S von oben): »dunkel ist, was die 
Scheidewände (parietes) bezeichnen sollen. Schon Touttee hält 
sie für zwei Säulenreihen im Innern der Rotunde, wodurch drei 
Abtheilungen entstanden, und ihm folgte unbedenklich VoGÜEund 
Tobler. Da wir aber den Ausdruck Scheidewände (Wände, parietes) 
nicht ganz und gar ignoriren dürfen, so möchte ich annehmen, dass 
die beiden Umgänge durch wirkliche, niedere Schranken, welche 
wie ein Gitter von Säule zu Säule liefen, getrennt werden«. 

Diese Auffassung, über welche, meines Wissens, unsere heu- 
tige Palästina-Forschung noch nicht hinausgekommen, scheint 
mir indessen eine irrige zu sein. Mit der RedeAventlung »a fun- 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Bericht. 39 

damentis in tribiis consurgens parietibus« und »inter unum- 
quemque parietem et alterum latum habens spatium viae« hat 
Arkulf bei Adamnanus in der oben angezogenen Stelle nicht 
sagen wollen, dass in jener grossen steinernen Rundkirche drei 
Wände in derselben Ebene concentrisch parallel mit einander 
gestanden, sondern dass in dieser Kirche drei Wände in drei 
Etagen sich eine über die andere erhoben, — nicht dass zwei 
Umgänge neben einander, sondern dass drei Gänge zwischen 
den Aussen- und Innenwänden der drei Etagen über einander 
liefen. 

Die Gründe, ausweichen sich diese Auffassung Arkulfs auf- 
drängt, sind theils architektonischer, theils sprachlicher, theils 
geschichtlicher Natur. 

Architektonisch ist eine Anordnung der drei Wände con- 
centrisch parallel in einer Ebene neben einander laufend, wie die 
Palästina-Forschung bisher es gewollt, ein Absurdum, Die 
Schwierigkeit, die zwischen den Mauern liegenden Räume zu er- 
leuchten, fühlte schon Touttee (IV. 419) und sagte: »Woher das 
Licht genommen werden soll, um den zwischen den Mauern ge- 
lassenen Raum zu erleuchten, verstehe ich nicht recht«. 

Dazu kommt, dass weder eine Tragbestimmung für die 
inneren zwei Wände vorhanden, noch ein Zweck für die durch 
dieselben hergestellten beiden Gänge zu finden ist, solange wenig- 
stens, als man parietes, wie der Wortsinn es verlangt, für vom 
Fussboden bis zur Decke gehende Wände hält und nicht, Avie 
ScHEGG a. a.O. (Seite 33 Zeile 8 von unten u. f.) es will, für nie- 
drige Barrieren, durch welche Clerus und Laien, und die Laien 
wieder nach Geschlechtern getrennt werden, oder beim Zudrange 
der Pilger Ordnung erhalten werden soll. Ein solcher Zweck 
kann indessen kaum beabsichtigt sein, da der Raum zwischen 
den drei Wänden ein sehr beschränkter ist. Die ganze Breite des 
Raumes zwischen der äusseren Umfassungsmauer und den die 
Kuppel tragenden Pfeilern beträgt nämlich nach Gatt (Be- 
schreibung über Jerusalem, Leutkirch 1S77, Seite 5, Zeile 10 
von unten) nur 4 bis 5 Meter und kann nie breiter gewesen sein. 
Rechnet man nun von diesen 4 — 5 Metern einen halben Meter für 
die innere, zwischen den von Arkulf erwähnten 12 kuppeltragen- 
den Säulen sich hinziehende Wand \ind einen halben Meter für 
die mittlere Mauer ab, so bleiben für jeden von den beiden Um- 



40 C. Mommert, 

gangen etwa ein und einhalb bis zwei Meter übrig. Erwägt man, 
class an drei Stellen dieser Umgänge, im Süden, Westen und Osten 
Altäre sich befinden, die je wieder einen. Meter von der Breite 
des Ganges, in welchem sie sich befinden, in Anspruch nehmen, 
so begreift jeder, dass in diesen engen, finstern Gängen bei dem 
geringsten Pilgerandrange das unbeschreiblichste Gedränge ent- 
stehen muss. ScHEGG a. a. O. (Seite 33, Zeile 2 von oben) weiss 
deshalb keinen andern Ausweg, als zu erklären, dass hier ein Ge- 
dächtnissfehler Arkulfs oder ein Missverständniss seiner Zeich- 
nung vorliegen müsse. 

Da man aber Altäre nur an solchen Orten in einem Gottes- 
hause anzubringen pflegt, wo den Gläubigen die Möglichkeit 
geboten ist, vor denselben sich aufzustellen, so macht das Vor- 
handensein dreier Altäre in der einen von den oben genannten 
drei Wänden der Auferstehungskirche, deren Platz die noch vor- 
handene Apsis an der Westseite und die Reste einer entsprechen- 
den nördlichen Apsis an der Innenseite der äusseren Umfassungs- 
mauer dieser Kirche als in alter Zeit an dieser Wand befindlich 
darstellen, es mehr als wahrscheinlich, dass vor jenen Altären 
ein grosser freier Eaum sich l)efunden, und dass der Raum von der 
äusseren Umfassungsmauer bis an das hl. Grab nur durch die 
von Arkulf genannten zwölf hohen steinernen Säulen, welche im 
Verein mit der Aussenmauer die Knppel trugen, unterbrochen war, 
— die drei oben genannten Wände alsonichtnebeneinan der, 
wie die Palästina-Gelehrten es bisher verstanden, sondern 
so wie die Wirklichkeit es heute noch darstellt, als 
drei Etagen- Wände über einander gestanden haben. 

Andere Gründe, welche gegen das einseitige Vorhandensein 
dreier neben einander concentrisch das hl. Grab umkreisender 
Wände sprechen, sind sprachlicher Natur. 

Wir betrachten zunächst das Wort »paries«, dann den Aus- 
druck » consurgere « und endlich die Wortverbindung » inter 
unumquemque parietem et alterum«. 

Das Wort »paries«, bei Gebäuden gebraucht, bedeutet Wand, 
Innenwand, Scheidewand im Gegensatz zu »murus«, die Mauer, 
Aussenwand. Jede Etage eines Gebäudes hat ihre besondern 
Wände, Innenwände, Scheidewände, welche vom Fussboden des 
Gemaches bis an dessen Decke sich ausdehnen. Durch alle Etagen 
des Gebäudes hindurch gehen die Mauern, welche das Dach tragen. 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Bericht. 41 

Der Ausdruck »consurgere« von Wänden gebraucht, bedeutet 
emporsteigen, aufsteigen. »Ecclesia consurgit iu tribus parieti- 
bus, quibus unum ciilmen inaltumelevatur« würde alsoheissen: 
»die Kirche steigt in drei Etagen auf, über welchen ein hohes 
Dach (hier Kuppel) sich erhebt«. 

Die Wortverbindung »inter uniimquemque parietem et alte- 
rum latum habens spatiura viae« besagt, dass zwischen jeder von 
den drei oben genannten Wänden und je einer zweiten derselben 
gegenüberstehenden Wand ein breiter Umgang sich befindet, 
was aus Nachstehendem sich ergiebt. 

a) »unusquisque« heisst im classischen sowohl als im Mönchs- 
latein »ein jeder« oder »jeder einzelne« Von mehreren, und 
»alter« bedeutet »der andere« oder »der zweite« von zwei zu- 
sammengehörigen Personen oder Gegenständen. 

b) Nun sind aber oben in den Worten: »in tribus consurgens 
parietibus« drei Wände namhaft gemacht, und in den Worten: 
»inter unumquemque parietem et alterum latum habens spatium 
viae« wird jeder von den oben genannten drei Wänden eine zu 
ihr gehörige zweite Wand gegenüber gestellt, von der sie durch 
einen breiten Umo^ano: sjetrennt ist. 

c) Wir erhalten somit, nach Arkulfs Angaben, sechs Wände 
mit drei 4 — 5 Meter breiten Umgängen, nicht aber drei Wände 
mit zwei engen Scheidewegen , wie die bisherige Palästina- 
Forschung ausgerechnet. 

Da es nun, wie oben gezeigt worden, architektonisch unmög- 
lich ist, auch nur drei Wände mit zwei dazwischen laufenden 
Gänsen in dem dafür vorhandenen 4 — 5 Meter breiten Kaume 
zweckentsprechend unterzubringen, so wird es leicht einleuchten, 
dass sechs Wände mit den entsprechenden Zwischenräumen neben 
einander in eine Ebene in der hl. Grabeskirche sich noch weniger 
werden unterbringen lassen. Wir werden uns also entschliessen 
müssen, den Baumeister die drei von Arkulf genannten Wände 
mit der einer jeden von ihnen gegenüber liegenden zugehörigen 
andern Wand und dem dazwischen liegenden 4 — 5 Meter breiten 
Umgange in drei Etagen über einander anbringen zu lassen, so 
wie die Baumeister der hl. Grabeskirche es auch bisher immer 
gethan haben und auch die gegenwärtige hl. Grabeskirche es 
aufweist. 

Da es aber manchem sehr scliAver fällt, einen liebgewonnenen 



42 



C. Mommert, 




Fig. 1. Plan dei- Sophienkirche. 



>'ord 




Süd 
Fig. 2. Plan der Grabeskirche nach Arkulf. 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Fericht. 



43 



und durch sein Alter und seine Vertreter ehrwürdigen Irrthum 
aufzugeben, so will ich ausser den vorstehenden architekto- 
nischen und sprachlichen Gründen für die Unmöglichkeit, die 
drei von Arkulf oben genannten Wände in einer Ebene neben ein- 
ander zu stellen, noch einen dritten Beweisgrund, den histo- 



rischen, ins Treffen führen. 



Nord 




Süd 



Fig. 3. Grundriss der heutigen Grabeskirche. 



Unter den zahlreichen von Arkulf beschriebenen kirchlichen 
Gebäuden ist nämlich auch eins, welches, der hl. Grabesrotunde 
architektonisch verwandt, aus den Tagen Arkulfs im Innern 
unversehrt sich bis auf unsere Zeit erhalten hat, das ist die von 
Justinian 532 — 537 zu Constantinopel erbaute Sophienkirche, 
die »Aja Sofia«, wie die Türken seit ihrer Besitznahme 1452 sie 
nennen. Ich füge von ihr hier den Grundriss bei (Fig. l), zur Ver- 
gleichung mit dem Plane Arkulfs von der Rotunde (Fig. 2) und 
dem Grundriss des heutigen Flaues (Fig. 3). 



44 C. Muminert. 

Arkulf beschreibt die Sophienkirche hb. III, Cap. III seiner 
Kelatio de locis sanctis scripta ab Adamnano (Tobler-Molinier, 
Itinera, Seite 193) mit folgenden Worten: 

»III. De illaecclesia,in qua crux Domini habetur«. »Ceterum 
de celeberrima ejusdem civitatis (Constantinopolis) rotunda mire 
magnitudinis lapidea ecclesia silere nou debemus. Que, ut Sanc- 
tus Arculfus refert, qui eam non brevi frequentavit tempore, ab 
imo fundamentorum in tribus consurgens parietibus triplex supra 
illos altius sublimata, rotundissima et nimis pulcra simphci con- 
summatur culminata camera. Haec arcubus sufulta grandibus, 
inter singulos supra memoratos parietes latum habet spatium, vel 
ad inhabitandum vel ad exorandum Deum aptum et commodum. 
Interioris domus aquilonali in parte pergrande et valde pulc- 
rum monstratus armarium, in quo capsa habetur recondita lig- 
nea, que similiter ligneo superclauditur operculo: in qua illud 
salutare habetur recouditum crucislignum, in quo noster Salvator 
pro humani generis salute suspensus est«. 

Das ist: »III. Von jener Kirche, in welcher das Kreuz des 
Herrn sich befindet«. »Übrigens dürfen wir von der hochberühm- 
ten, wunderbar grossen steinernen Rundkirche dieser Stadt (Con- 
stantinopel) nicht schweigen, welche, wie Sanct Arkulf berichtet, 
der sie längere Zeit besuchte, in drei Etagenwänden, dreimal 
höher als diese aufgebaut aufsteigt, und oben mit einer ganz run- 
den und sehr schönen, einfachen, gewölbten Kuppel abschliesst. 
Sie wird von grossen Bogen gestützt und hat zwischen den ein- 
zelnen oben genannten Etagenwänden einen weiten, sowohl zum 
Bewohnen, als zum Beten geeigneten und bequemen Raum. In 
dieser Kirche Avird auf der Xordseite ein sehr grosser und sehr 
schöner Schrank gezeigt, in welchem ein mit einem hölzernen 
Deckel geschlossener Kasten aufbewahrt wird, in welchem jenes 
heilbringende Kreuzholz aufbewahrt wird, an dem unser Erlöser 
für das Heil des menschlichen Geschlechtes gehangen«. Wenn 
nun auch Arkulf hier den Namen der Kirche, in w'elcher das 
Kreuz des Herrn sich befindet, nicht nennt, so ergiebt sich doch 
aus Beda Venerabilis (Tobler-Molinier, Itinera, S. 232, Zeile 8 
von unten), dass es die Sophienkirche und keine andere ist. 

Beda Venerabilis schreibt nämlich an dem eben genannten 
Orte: »XX. De Constantinopoli et basilica in ea urbe crucem 
Domini continente«. »In hac urbe basilica miri operis, que Sancta 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Bericht. 45 

Sophia co^noniinatur, rotundoschemate a fmidamentis constructa 
et camerata, tribuscinctapavietibus|etmagnis siistentata columnis 
arcubusque sublimata est, cujus interior domus in aquilonali sui 
parte graiide et valde pulcrum armarium habet, in quo capsa 
lignea ligneoque cooperculo tecta crucisDominice tres particulas 
continet«. Das ist: »XX. Über Constantinopel und die Hasilica 

in dieser Stadt, welche das Kreuz des Herrn enthält« »In 

dieser Stadt ist eine Basilika von bewundernswürdiger Arbeit, 
welche die Sophienkirche genannt wird, von Grund auf nach 
rundem Schema errichtet und gewölbt , von drei Wanden um* 
geben und von grossen Säulen und Bogen gestützt hoch aufge- 
baut, in welcher auf der Nordseite ein grosser und sehr schöner 
Schrank sich befindet, in dem ein hölzerner und mit hölzernem 
Deckel geschlossener Kasten drei Partikeln von dem hl. Kreuze 
des Herrn enthält«. 

Adamzianus ist hier, wie Avir sehen, von Beda nicht nur be- 
nützt, sondern zum Theil wörtlich ausgeschrieben; nur hat Beda, da 
er ebenso wie Adamnanus weder Jerusalem noch Constantinopel, 
Aveder die hl. Grabesrotunde noch die Sophienkirche selbst ge- 
sehen, die Worte des Adamnanus-Arkulf, wo dieser von den drei 
Etagen redet, in Avelchen die hl. Grabrotunde und die Kuppel 
der Sophienkirche sich erheben, nach seiner eigenen Auffassung 
dahin abgeändert, dass er, wo Arkulfs Bericht lautet: »in tribus 
consurgens parietibus«, das ist: »sie erhebt sich in drei Etagen- 
w^änden« — schreibt: »tribus cincta parietibus« d. i. »sie ist 
von drei Wänden umgeben«. Wir sehen also, wie die Gelehrten 
es schon in alter Zeit verstanden, Quellentexte, die ihnen unbe- 
quem oder unverständlich waren, nach ihrem eigenen Verstände 
umzugestalten. 

Halten wir nun die Worte, mit welchen Adamnanus-Arkulf 
die hl. Grabeskirche zu Jerusalem zeichnet, mit den AVorten zu- 
sammen, mit Avelchen er die Sophienkirche zu Constantinopel 
beschreibt, so ergiebt sich, dass es buchstäblich dieselben sind. 

Die hl. Grabeskirche beschreibt er als : »valde grandis ec- 
clesia, totalapidea, mira rotunditate ex omni parte coUocata«, 
das ist: »eine sehr grosse, ganz steinerne, von allen Seiten wunder- 
bar runde Kirche«, — die Sophienkirche als: »rotunda mire 
magnitudinis lapidea ecclesia« , das ist: »eine runde, steinerne 
Kirche von wunderbarer Grösse«. 



46 C. Mommert, 

Die hl, Grabeskirche schiklert er als: >;a fundamentis in 
tribus consurgens parietibus, quibus unum culmen in altum ele- 
vatur«, das ist: »von unten in drei Etagen aufsteigend, über 
Avelchen ein Dach (hier Kuppel) sich hoch in die Höhe erhebt«, 
— von der Sophienkirche sagt er: »ab imo fundamentorum in 
tribus consurgens parietibus triplex supra illos altius elevatur, 
rotuudissima et nirais pulcra simplici consumatur culminata 
camera«, das ist: »sie steigt von unten aus in drei Etagen, drei- 
mal höher als diese aufgebaut, empor und schliesst oben mit einer 
ganz runden und sehr schönen, einfachen, gewölbten Kuppel«. 
Die hl. Grabeskirche beschreibt er: »inter unumquemque 
parietem et alterum latum liabens spatium vie«, das ist: »sie hat 
zwischen einer jeden (von den drei Etagenwänden) und der zu 
dieser gehörigen Gegenwand einen weiten Umgang«, — von der 
Sophienkirche sagt er: »inter singulos supramemoratos parietes 
(zu ergänzen ist et alterum parietemi i) latum habet spatium vel 
ad inhabitandum vel ad exorandum Deum commodum«, das ist: 
»sie hat zwischen den einzelnen Etagenwänden (wozu zu ergän- 
zen: und ihren Gegenwänden) einen weiten Raum, der zum Be- 
wohnen und zum Beten geeignet und bequem ist« u. s. f. 

Vergleichen wir nun die Kuppelrotunde der Sophienkirche 
mit der Beschreibung, welche Arkulf bei Adamnauus uns von 
derselben hinterlassen, so finden wir, dass die drei Wände (tres 
])arietes). von welchen Arkulf berichtet, nicht concentrisch in 
derselben Ebene neben einander, sondern in drei Etageniiber 
einander stehen. 

Wenn nun aber Arkulf hier bei der Sophienkirche die Ro- 
tunde mit den drei über einander sich erhebenden Etagen mit 
den Worten: »in tribus consurgens parietibus« schildert, so hat 
er ganz gewiss, als er dieselben W^orte von der hl. Grabesrotunde 
zu Jerusalem gebrauchte, denselben Sachverhalt darstellen und 



. 1) Beda Venerabilis (Tobler-Molixier, Itinera, p. 216, Zeile 9 von 
unten) hat den Bericht des Arkulf über die hl. Grabrotunde, wo Arkulf 
sagt: »inter unumquemque parietem et alterum« abgeändert in die "Worte: 
»inter parietes singulos Uvtum habens spatium viae«. Es wäre also nicht un- 
möglich, das3 spätere Handschriften den Bericht des Arkulf von der Sophien- 
kirche zu Constantinopel nach der von Beda beliebten Fassung abgeändert, 
und hier daher, anstatt mit Arkulf zu setzen: »inter unumquemque parietem 
et alterum«, nach Beias Fassung corrigirt hätten: »inter singulos parietes«. 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Berieht. 47 

sagen wollen, dass die hl. Grabesrotunde in drei Etagen sich er- 
hebt, nicht aber, wie die Palästina-Gelehrten es bisher verstanden, 
dass das hl. Grab von einer Rotunde mit drei in derselben Ebene 
concentrisch sie umschliessenden Mauern umgeben sei. 

Dort aber, wo die Wände (parietes) sich befinden, Averden 
wir auch die »spatia« (Räume, welche an diesen Wänden sich 
hinziehen, suchen müssen, also nicht neben einander, sondern 
über einander; und so finden wir sie in der Aja Sofia in 
Wirklichkeit gelegen. Folglich haben wir auch in der hl. Grabes- 
kirche des Modestus die »viarum spatia« (Umgänge) nicht in der- 
selben Ebene neben einander, sondern den drei Etagenwänden 
entsprechend, über einander anzusetzen, so wie in der hl. 
Grabeskirche das gegenwärtig noch der Fall ist und, so weit 
wir sichere geschichtliche Nachrichten haben, auch immer der 
Fall war. 

Nachdem wir nun so durch architektonische, sprachliche 
und geschichtliche Gründe festgestellt, was Arkulf in seiner Be- 
schreibung der hl. Grabesrotunde des Modestus mit den Worten: 
»in tribus consurgens parietibus« und »inter unumquemque pari- 
etem et alterum latum habens spatium vie« hat sagen wollen, und 
uns überzeugt haben , dass die grosse steinerne Rundkirche des 
Modestus eine nach Art der Aja Sofia zu Constantinopel in drei 
Etagen mit drei in diesen Etagen im Innern der Rotunde herum- 
laufenden Galerien gewesen, eine Rotunde, die sich innen, so wie 
die Aja Sofia auf mächtigen Pfeilei'n ruht, auf 12 steinerne Säulen 
stützte und von einem hohen Kuppeldache überwölbt gewesen, 



so treten wir nun an die Bestimmung des Ortes, an dem die 
von Arkulf erwähnten Altäre der Rotunde sich befunden. 

Arkulf erwähnt in der hl. Grabesrotunde des Modestus fünf 
Altäre, drei davon im zweiten Kapitel und zwei im vierten Kapitel 
der Relatio Arculfi de locis sanctis ab Adamnano scripta. 

Die erste Stelle lautet: »tria quoque altariasuntin tribus locis 
parietis medii (richtig ist »medio« nach dem Cod. Caduinensis. 

Anm. d. V.) artifice fabricatis altaria, unum ad meridiem 

respiciens, alterum ad aquilonem, tertium versus occasum«, das 
ist: »Auch drei Altäre sind an drei künstlich hergerichteten 
Stellen in der Mitte der Wand (ich lese »medio« nach Cod. Cad- 
uinensis) Der eine gegen Süden, der andere gegen Norden, 

der dritte gegen Westen schauend«. (Arculfi Relatio bei Tobler- 



48 C. Mommert, 

MoLiNiEE, Itiaera, pag. 146, Zeile 15 — 16 und Zeile IS — 20 von 
oben.) 

An der zweiten Stelle lesen wir: ;^Sed inter hec, de illo supra 
memorato lapide, qui ad ostium monumenti dominici, post ipsius 
Domini crucitixi sepultionem, multis trucidentibus viris, advo- 
lutus est, breviter intimanduni esse videtiir: quem Arculfi inter- 
cisum et in duas divisum partes refert, cujus pars minor fera- 
mentis dolata, quadratum altare in rotunda supra descripta 
ecclesia ante ostium sepe illius memorati augurii, hoc est dominici 
monumenti, stans constitutum cernitur; major vero illius lapidis 
pars, eque circumdolata, in orientali ejusdem ecclesie loco, qua- 
drangulum aliud altare, sub linteaminibus stabilitum exstat«, 
das ist: »An dieser Stelle glaube ich kurz über jenen oben er- 
Avähnten Stein berichten zu müssen, welcher nach dem BesTräb- 
nisse des Herrn vor dem Eingang des Grabes mit Hülfe vieler 
Männer gewälzt worden, und welchen Arkulf als zerbrochen und 
in zwei Stücke getheilt darstellt, wovon das kleinere Stück, in 
Eisen gefasst, als quadratförmiger Altar stehend aufgerichtet in 
der oben beschriebenen Rundkirche vor dem Eingange jenes oft 
erwähnten steinernen Häuschens, das ist des hl. Grabes des 
Herrn, zu sehen ist; das grössere Stück aber, in gleicher Weise 
in Eisen gefasst, im Osten derselben Kirche, als ein fernerer 
(aliud) viereckiger Altar, unter einem Baldachin aufgerichtet 
steht<;. TuBLER-MoLiNiER, Itiuera, pag. 150, Zeile 4 — 14). 

Der Bericht über die beiden Altäre, von denen Avir im vierten 
Kapitel der Relatio jVrculfi (pag. 150) lesen, ist von den Palästina- 
Gelehrten im allgemeinen richtig aufgefasst und behandelt worden, 
und wir werden auf denselben hier nicht w'eiter zurückzukommen 
brauchen; dagegen hat Arkulfs Bericht von den im zweiten Buche 
der Kelatio Arculfi (pag. 146) genannten drei Altären mehrfach 
Anlass zu Missverständnissen gegeben. 

Die Palästina-Gelehrten versetzen diese drei Altäre, der Les- 
art: »in tribus locis parietis medii«, das ist: »an drei Stellen der 
mittleren Wand« und der in zwei von einander abweichenden 
Darstellungen uns erhaltenen Zeichnung des Arkulfs folgend, an 
drei Stellen der mittleren der von ihnen irrthümlich angenom- 
menen drei Umfassungsmauern der hl. Grabesrotunde. 

Dr. ScHEGG (Bauten Constantins S. 32, Z. 7 f. von oben) 
schreibt: «diese sehr grosse Kirche, ganz aus Stein, bildet einen 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Bericht. 



49 



vollkommenen Kreis. Sie erhebt sich aus den Fundamenten in 
drei Scheidewänden, zwischen denen ein breiter Weg gelassen ist, 
und hat drei Altäre auf drei Stellen, welche in der mittleren 
Scheidewand angebracht sind « . Dass er auf seiner eigenen Zeich- 
nung der Rotunde, die er nach Vogüe wiedergiebt, und in wel- 




Fig.5. Das Innere der heutigen Grabrotunde. Nach Photographieen gezeichnet 

von Fr. Meyner. 

eher in Übereinstimmung mit den thatsächlichen Verhältnissen, 
aber im Widerspruch mit dem Texte der von ihm benützten 
Handschrift und den beiden von einander abweichenden Nach- 

Ztsch. d. Pal.-Ver. XX. 4 



50 C. Mommert, 

bildungen einer auf Wachs eingeritzten Zeichnung des Arkulfs 
die drei Altarnischen an drei Stellen der äusseren Umfassungs- 
mauer der Rotunde gezeichnet sind, sich mit seinen oben an- 
geführte Worte in Widerspruch setzt, ist Schegg nicht ent- 
gangen ; allein er erblickt in diesem Widerstreit einen Gedächt- 
nissfehler des Arkulf oder, was ihm noch wahrscheinlicher scheint, 
ein Missverständniss seiner Zeichnung. 

Da nun aber, wie oben nachgewiesen, in der hl. Grabes- 
rotunde des Modestus nicht drei, sondern nur eine kreisförmige 
Umfassungsmauer vorhanden war, und es somit keine mittlere 
Scheidewand gab, an welcher diese Altäre hätten angebracht wer- 
den können, so wird es jedem Unbefangenen einleuchten, dass die 
grenannten drei Altäre nicht an drei Stellen der mittleren Scheide- 
wand, sondern an drei Stellen der äusseren Umfassungsmauer, 
als der einzigen dazu vorhandenen Wand, sich befunden haben. 

Diesem Sachverhalte steht auch, der Text des Adamnanus 
nicht entgegen. Noch hat der Codex Caduinensis die richtige 
Lesart: »in tribuslocis parictis medio artifice fabricatis«, das ist: 
»an drei künstlich hergerichteten Stellen in der Mitte der Wand»; 
und wenn andere Handschriften, so auch die von Tobler- 
MoLiNiER (Itinera Hierosolymitana, Genevae 1879) benützte 
St. Galler Handschrift, anstatt »medio« die Lesart »medii« haben, 
so lässt sich das sehr wohl daraus erklären, dass die mit den 
thatsächlichen Verhältnissen der hl. Grabeskirche des Modestus 
unbekannten Abschreiber auf eine Zeichnung Rücksicht nahmen, 
welche, nach einer in Wachs geritzten Skizze Arkulfs angefertigt, 
diese drei Altäre an die mittlere von den dort eingetragenen drei 



'ts^"^"o^ 



Umfassungsmauern der hl. Grabesrotunde angelehnthat. Welchen 
Werth wir auf diese Zeichnungen zu legen haben, werden wir 
weiter unten nachweisen. 

Nun ist aber nicht nur die wohlerhaltene westliche und 
südlichen Altarnische (Apsis) in der Umfassungswand der hl. 
Grabesrotunde aufgefunden worden, sondern auch Reste der 
nördlichen Apsis. Es darf also wohl als ausgemacht und er- 
wiesen angesehen werden, dass die drei Altäre des Arkulf 
nicht an drei Stellen einer nicht vorhandenen mittleren Wand, 
sonde'rn an drei Stellen in der Mitte der äusseren Umfassungs- 
wand und zwar in den dort nachgewiesenen , zum Theil noch 
erhaltenen drei Altarnischen (Apsiden) sich befunden haben. 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Bericht. 51 

Es erübrigt nun noch ein Wort zu den zwei durch Text und 
Zeichnung des Arkulfs uns überlieferten vierfachen Thoren der 
hl. Grabesrotunde des Modestus. 

Der hierher gehörige Text lautet: »Hec (rotunda ecclesia) 
bis quaternales portas habet, hoc est quatuor introitus, per tres e 
regione, interjectis viarum spatiis, stabilitos parietes, ex quibus 
quatuor exitusad vulturnumspectans, quiet cecias dicitur ventus, 
aliivero quatuor ad eurumrespiciunt«, d.i. »Siehat zweimal je vier 
Thore, das ist vier durch drei Wandpfeiler (arietes, parietes) mit 
dazwischen liegenden Wegen, getrennte Eingänge, von welchen 
einer nach Südost, die vier andern aber nach Nordost schauen «. 

Wir haben uns demnach vorzustellen, dass sowohl im Süd- 
ost, wie im Nordost der Grabesrotunde sich Thoranlagen befan- 
den, welche durch drei zwischen die vier Eingangswege gestellte 
Mauerpfeiler in vier Thore sich gliederten, ähnlich wie die heu- 
tige Grabeskirche ein durch einen Mauerpfeiler gegliedertes 
Doppelthor aufweist. Dass aber die »tres parietes« nur Mauer- 
pfeiler in der Umfassungsmauer der Grabesrotunde bezeichnen, 
nicht aber drei Scheidewände, welche vier lange, schmale Thor- 
hallen bildeten (wie man aus den Zeichnungen Arkulfs schliessen 
könnte), beweist der Umstand, dass auch die »tres parietes« (drei 
Wände) der Rotunde, welche man nach der Zeichnung des Ar- 
kulf lange Zeit für drei concentrische Scheidewände gehalten, 
nur einem Irrthume, beziehungsweise einer missverstandenen 
Zeichnung ihr Dasein verdankten. 

Schon DE VoGÜE hat deshalb auf seinem Plane der Rotunde 
drei Pfeiler (Säulen) an die Stelle der langen Thorwände gesetzt 
und hat mit feinem architektonischen Gefühle das richtige 
getroffen, obne es jedoch wissenschaftlich voll begründet zu 
haben. 

Wie aber werden wir mit den Zeichnungen, welche Arkulf 
nach dem Zeugnisse des Adamnanus selbst auf eine mit Wachs 
bestrichene Tafel eingegrabenhat (»in tabula cerata Arculfusipse 
depinxit « , wie wir bei Tohler-Molinikr Itinera p. 146, Zeile 8 
von oben lesen), und welche in zwei stark von einander abwei- 
chenden Abbildungen erhalten sind, uns abfinden? *) 

1) Die eine dieser Abbildungen ist veröffentlicht ZDPV. XIV. Tafel 3, 
die andere s. S. 42, Fig. 2. 

4* 



52 C. Mommert, 

Bei Beurtheilung dieser Zeichnungen müssen wir zunächst 
das von Arkulf auf Wachs gezeichnete Original und dann die 
später in die verschiedenen Handschriften übergegangenen Copien 
auseinander halten. 

Was das Original der Zeichnung anlangt, welches verloren 
gegangen ist, so lehrt uns eine andere Zeichnung desselben Arkulf, 
der Stadtplan von Jerusalem nämlich, welchem er Kreisform 
gegeben hat, dass Arkulf mit der Zeichenkunst auf dem Kriegs- 
fusse gestanden, und dass seine Art zu zeichnen die eines Kindes 
gewesen, das den Kopf und den Leib eines Menschen durch mehr 
oder minder gelungene Kreise, die Arme und Beine durch gerade 
Linien, Hände und Füsse wieder durch kleinere Kringel und 
Finger und Zehen durch kurze gerade Striche wiedergiebt. 

Ferner wissen wir, dass Arkulf die Zeichnungen, die er dem 
Adamnanus lieferte , erst längere Zeit , nachdem er Jerusalem 
verlassen, aus dem Gedächtnisse entworfen, nicht aber an Ort 
und Stelle auf Grund genauer Messungen und sorgfältiger Be- 
obachtung angefertigt hat. 

Es mag den Künstlern, welche ein solches Original für eine 
Handschrift zu copiren hatten, oft schwergefallen sein, der Zeich- 
nung, so zu sagen, Hand und Fuss zu geben, und es liegt nicht 
ausser dem Bereiche der Möglichkeit, dass die Künstler bei dieser 
Gelegenheit, um die Zeichnung des Arkulf, die sie nicht ver- 
standen, mit dem Wortlaute des Textes, so wie sie diesen ver- 
standen, in Einklang zu bringen, die Zeichnungen des Arkulf 
nach ihrem Geschmacke abgeändert haben. Auf diese Weise ist 
es denn ganz erklärlich, dass von verschiedenen Künstlern das- 
selbe Bild in verschiedener Weise zur Darstellung kam, wie uns 
die zwei verschiedenen Darstellungen der Arkulf'schen Grabes- 
kirche zur Genüge zeigen. Das ürtheil, welches Adamnanus 
selbst (a. a. O. p. 148, Zeile 8 von unten u. f.) über Arkulfs Zeich- 
nungen und seine eigene Copie fällt, lautet: »Has itaque 
quaternalium figuras ecclesiarum juxta exemplar, quod mihi, ut 
saepius dictum est, sanctus Arculfus in paginula cerata depinxit 
depinximus, non quod possit earum similitudo formari in pictura, 
sed ut dominicum monumentum , licet tali figuratione vili, in 
medietate rotundae ecclesiae constitutum monstretur«, d.i. »Und 
so haben wir diese Figuren der vier Kirchen nach dem Muster, 
welches mir Arkulf auf ein AVachstäfelchen zeichnete, abgezeich- 



Die Grabeskirche des Modestus nach Arkulfs Bericht. 



53 



net, nicht als ob deren Ähnlichkeit durch die Zeichnung wieder- 
gegeben werden könnte, sondern, damit durch eine solche, wenn 
auch schlechte Darstellung das Grabmal des Herrn als iu 
der Mitte der runden Kirche befindlich dargestellt würde«. 

Da nun die Zeichnungen stark unter sich abweichen, der 
Text aber in den verschiedenen Handschriften im wesentlichen 
derselbe ist , so werden wir auf den Text ein grösseres, auf die 
Zeichnung ein geringeres oder gar kein Gewicht zu legen haben. 

Zum Schlüsse möchte ich noch auf eine Abbildung der 
Grabesrotunde, Anastasis, verweisen, welche sich auf einer 
Kupfermünze befindet, die Tannini ') aus dem Museum des Kardi- 




Fig. 4. Abbildung der Anastasis auf einer altrömischen Kupfermünze. 

nals Borgia zu Velletri veröfi"entlicht hat. Sie zeigt auf der einen 
Seite einen Christuskopf und auf der andern einen kleinen 
Tempel mit zwei schlafenden Wächtern und hat die Umschrift 
ANACTAC IC. Da Christusköpfe auf byzantinischen Münzen erst 
seit 811 nachweislich vorkommen, so kann das Bild nicht die 
i. J. 614 zerstörte Grabesrotunde Konstantins vorstellen, sondern 
nur einen späteren Bau, etwa den des Modestus. So schlecht die 
Zeichnung ist, so erkennt man doch den mit einer leichten Kuppel 
gedeckten Rundbau und unterscheidet die Eintheilung der 
Aussenwand in drei durch Simse abgetheilte mit vorgestellten 
Säulen geschmückte Etagen. Rechtfertigt nun aber die äussere 
architektonische Behandlung eines Gebäudes einen Rückschluss 
auf die Anordnung des Inneren, so erhalten wir einen neuen 
Beleg dafür, dass die Grabesrotunde des Modestus ein grosser 
Rundbau war, der in drei Etagen emporsteigend mit einem hohen 
Kuppeldache abschloss. : 

1) Numismatum imperatorum Romanorum ab Ans. Bandurio editorum 
supplementum, cura Hieron. Tanini, Romae 1791, Tab. 5. 



lieber das Itinerariiim des Jolianues Scliaueiiburgli 

(1645—1648). 

Von Professor Dr. Reinhold Röhricht in Berlin. 

Das oben genannte Werk des Franziskaner-Observanten Jo- 
hannes Schauenburgb aus Münster i), über dessen Person weder 
aus der grossen Literatur der Franziskaner, noch aus den lokal- 
geschichtlichen Werken etwas zu ermitteln war, ist uns in zwei 
Berliner Handschriften (Cod. lat. 58, 4« und Collect. Hamilton 
592, 80) erhalten, von denen die erstere (A) den Titel führt: Trino 
et uni Deo philantropo, Virgini matri et seraphico Patri, Angelis 
sanctisque omnibus. Ad majorem laudem, honorem et gloriam 
Peregrinus Tripartitus hoc est diligens et accurata descriptio pio- 
rum, sanctorum et memorabilium locorum rerumque per Germa- 
niam, Italiam, Galliam et Terram Sanctam: in hunc ordinem 
congesta a. Christi 1667 .... per Fratrem loannem Schauen- 
burgb. Sie hat im Ganzen 809 beschriebene Blätter, doch schliesst 
der Reisebericht schon auf S. 704, dann folgen von S. 712 — 719 
Predio-ten und S. 807 — 808 Briefe des Franziskaner-Guardians 
vom Zionsberge in Jerusalem (20. Mai 1649) und Daniel a Dongo, 
Vicar des Ordens, an unsern Autor, die dazwischen liegenden 
Seiten wie die von S. 809 an folgenden sind leer gelassen, weil 
ohne Zweifel hier Nachträge und ein Register für die in der 
Handschrift erwähnten Orte zugefügt werden sollten. Die zweite 
Handschrift (B) hat 312 Seiten Text, S. 3 1 3—324 sind leer, S. 329 
— 339 enthalten ein Register; sie ist ohne Zweifel die ursprüng- 
liche Niederschrift des Autors, gibt nur das Wichtigste und ent- 
^lält allein den Brief des Gerhard Johannes von Schauenburgb, 
sächsischen Ordensprovincials des Franziskaner-Observanten, an 

1) Hier siedelten sieh die Franziskaner-Observanten 1613—1674 an 
(KoCK, Series episcop. Monast., Monast. 1810, III, p. 230; Woker, Ge- 
schichte der Franziskaner -Missionen der säclis. Ordensprovinz vom heil. 
Kreuz, Freiburg 1880, S. 51—52). 



Ueber das Itinerarium des Johannes Schauenburgh (1645 — 1048,. 55 

unsern Autor^), woduicli er ihn beauftragt, in Angelegenheiten 
des Ordens nach Rom zu reisen, von wo dieser nachher Gelegen- 
heit suchte und fand, um auch das heilige Land zu sehen. Beide 
Handschriften sind reich an Abbildungen, Karten und Skizzen, 
die theils Originale, theils Entlehnungen sind (in A sind beinahe 
jedem Capitel kleine, wohl aus einem italienischen Pilgerbuche 
ausgeschnittene Heiligenbilder vorgeklebt); beide, namentlich B, 
haben wenig chronologisch scharfe Angaben, so dass man nicht 
einmal das genaue Datum der Abreise und Rückkehr erfährt, 
enthalten ausserordentlich wenig Persönliches, dafür, namentlich 
A, eine Menge von Gebeten und Betrachtungen, sowie geschicht- 
liche Excurse, so dass der Faden der Erzählung erst mühsam 
gesucht werden muss. .-.,.,. , , ., 

Unser Johannes beginnt mit einer Aufzählung seiner Quel- 
len, die er neben seinen eigenen Aufzeichnungen benutzt hat, 
und citirt (A S. 2) Sebastian Münster^;, Bernardinus Surius^j, 
Christophorus Schauffius^), Hilarion »de Monasterio de obser- 
vantia S. Francisci«^) und Jan van der Linden c), gibt (A S. 40) 
nach einem Kalender und langen Betrachtungen eine kurze Ge- 
schichte Westfalens, erwähnt (A S. 44), dass Luther durch Er- 
hängen sich selbst getödtet habe, und schliesst später (A S. 63 — 
64) eine Genealogie seines Geschlechts daran; ihr zufolge ist 
Schreiber der Reise Sohn des Johannes Seh. , Enkel des Arnold 
von Seh. und Bruder des Arnold von Seh., welcher zur Zeit Syn- 
dicus in Bonn war. Ohne ein einziges Datum zu nennen zählt 
unser Autor die Städte der Reihe nach auf, die er auf der Reise 
berührte, und alle ihre Sehenswürdigkeiten. Er geht von Mün- 
ster über Cöln, Aschaffenburg, Augsburg, München, Füssen, See- 
feld, Innsbruck, Trient, Verona nach Venedig, von da über Ra- 

1) Eine später