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Full text of "Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins"

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Zeitschrift 



des 



Deutschen Palaestiiia-Vereins. 



Herausgegeben 



von dem geschäftsführenden Ausschuss 



unter der verantwortliclieii Redaction 



von 



Lic. Dr. ImiUcaiiuel ßenziii2:er. 



Band XXIII. 

Mit einer Tafel. 



U < ¥ 



Leipzig 1901 

in Commission bei K. Biucleker. 



■o'>, 



Beiträge zur Keuntniss der Syrischen Steppe. 

Von Martin Hartinann, 

(Fortsetzung statt Schluss.) 

IV. 

Für die Türken ist die Verwaltung unseres Gebietes immer 
mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft gewesen, Sie haben 
es nicht verstanden, in der Syrischen Steppe einen starken 
Posten zu schaffen. Auch die Römer wurstelten ja im Anfang 
mit den Phylarchen, so gut es eben ging. Aber die Thatkraft 
und Klugheit redlicher Beamten überwanden die Schwierig- 
keiten, und eines Tages sahen die Bettelfürsten des Innern, 
denen man den Schein der Macht gelassen, sich auch um diesen 
betrogen!). Umgekehrt bei den Türken. Immer unabhängiger 
wurden die Beduinenscheichs, die rechts und links vom Eufrat 
führend waren, und Ende der Sechziger Jahre war das Ansehen 
des Grossherrn im Hinterlande der dvirchschnittlich 120 km 
breiten syrischen Küstenzone so gering, dass selbst seine Be- 
amten nicht das Eufratthal hinab ihren Weg nehmen konnten, 
und die wichtige Strasse als geradezu ungangbar betrachtet wer- 
den musste. 

Diese Entwicklung zu verfolgen ist hier nicht der Ort. Auch 
sind die Quellen für eine systematische Darstellung noch nicht 
zugängig. Auf die hohe Bedeutung der unter Sulaiman dem 
Gesetzgeber angelegten Katasterbücher [kötük] machte ich BoJdän 
89 n. 1 aufmerksam 2). In ihnen werden sich Angaben finden, 

1) Wie es ja zu unsern Zeiten die Engländer machen. Uebersehlaut 
wurden die Römer nur von den geriebenen Palmyrenern, die zugleich auf 
eine unüberwindliche Lage pochten. Da half schliesslich nur die Gewalt. 

2) Dazu ist jetzt Manches nachzutragen. Konsul Mordtmanx macht 
mich aufmerksam auf einen wichtigen Passus (S. 3 ff.) in Omer Hilmi's 

Ztschr. (1. Pal.-Ver. XXIII. \ 



2 Martin Hartmann, 

die auf Alles, -was wir über die Gegend wissen, ein neues und 
helles Licht werfen. Aber vorläufig können wir nicht mit der 
Möglichkeit rechnen, in jene Schätze einen Einblick zu erhalten. 
Hier beschränke ich mich auf die Verarbeitung des Materials, 
das sich in den Veröffentlichungen der türkischen Regierung aus 
den letzten vierzig Jahren findet. Daneben sind verwerthet die 
wichtigen Ortsverzeichnisse Eli Smith's in Robinsons Biblical 
Researches Band III i). 

Bis in den Anfang der achtziger Jahre vertheilte sich das 
hier behandelte Gebiet auf die Wilajets sürlja, hdleh und hagl- 
däd. Das letztgenannte nahm nur mit dem kleinen Gebiet von 
Vwa an Eufratabwärts theiP). Von dem Rest gehörte der 
grössere Theil zum Wilajet haleh, der kleinere zum Wilajet 
sürlj'a. 

Der oben geschilderte Zustand der Unsicherheit der Eufrat- 
thalstrasse war auf die Dauer unhaltbar, wollte die Centralregie- 
rung von Stambul sich nicht um jedes Ansehen in der wichtigen 
Küstenprovinz und in dem türkisch-persischen Grenzland brin- 
gen. So wurde der Ende der sechziger Jahre geschaffene Mili- 
tärposten ecl-der am Eufrat verstärkt und zum Mittelpunkt eines 
besonderen Verwaltungsgebietes gemacht, des direkt von der Cen- 
tralregierung in Stambul dependierenden Liwa ez-zor. Damit 
versiegen freilich die offiziellen türkischen Mittheilungen über 
dieses Gebiet, das in den Salnames des Wilajets haleb^ so lange 



ahkäm al-arädi (Stambul 1308) ; nach ihm auch findet sich das genaue Da- 
tum und der Anlass sowie einiges aus dem Ferman über die Schaffung der 
neuen Grundbücher [defter-i-dschedid) selber in dem Expose des Abussu'üd 
«Ueber die verschiedenen Arten des Grundbesitzes« zu Anfang des Qanüns 
des Sultan Sulaimän in Ms. Berol. Türe. 260 und in einem M. selbst ge- 
hörigen Manuskript. 

1) Die fränkische Reiselitteratur ist nur vereinzelt herangezogen. 
Sie gründlich durchgearbeitet und ihre Ergebnisse für das Kartenbild ver- 
werthet zu haben, ist das Verdienst Richard Kiepert's, der in der wich- 
tigen Beigabe zu v. Oppenheim, Vom Mittelmeer zum Persischen Golf 
Band II über das von ihm benutzte Material Rechenschaft ablegt. 

2) In dem mir vorliegenden Salname des Wilajets iajrM^c? Jahrgang 9 
auf das Jahr 1310 d. H. findet sich S. 178 ff', das Kada 'a?m des Liwa 
baghdäd mit den Nähijen el-Jcutw, had'ita und dschubba wdülüs (bei Kie- 
pert: »Thurm el Käjim« oberhalb ^ana, »I[nsel] Hadita« und »Chawagi [?] 
Gibbe« unterhalb ^ana). 



Beitrag zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 3 

es noch diesem angegliedert war, eine, zuweilen ziemlich aus- 
führliche, Besprechung erfahren hatte (s. unten). 

Zunächst seien hier die türkischen Veröffentlichungen über 
das Wilajet sürlja verwerthet. Von den mir vorliegenden Sal- 
names dieses Wilajets enthalten nur SS 3 auf das Jahr 1288 und 
SS 14 auf 1299 Ortschaftenverzeichnisse. Beide Bücher sind 
lithographiert, SS 3 deutlich und geräumig, SS 14 eng und 
schlecht. Das Verzeichnis in SS 14 ist ungleich reicher, aber 
weniger nützlich, weil viele Namen bis zur Unkenntlichkeit 
schlecht geschrieben sind. Ich gebe im Folgenden zunächst 
eine Liste der Ortschaften des Kada hims, indem ich das Ver- 
zeichnis bei Eli Smith (Robinson App. 174 ff.) zu Grunde lege. 
Smith theilt alle Orte des Gebietes von hims in solche 
» 1 . East of Hums, and North of the road from Deir 'Atiyeh to 
Palmyra; beginning at the South«, hier Nr. 1 — 49, und »2. West 
oft Hums, between the 'Asy and the road; beginning at the 
North«, hier Nr. 50 — 73. In der Kolumne »Arabischer Name« 
gebe ich die Namen genau in der von Smith gegebenen Form 
(auch mit den dort gegebenen Vokalen); in der Kolumne »Um- 
schreibung« gebe ich die Namen in der Form, die als die ge- 
bräuchliche anzunehmen sein wird; in der Kolumne »Bemer- 
kungen« gebe ich 1) die Umschrift Smith's, wo sie von der 
von mir angenommenen abweicht (Unwesentliches ist dabei 
nicht erwähnt), nebst seiner Angabe der Bewohner (»Mus. = 
Muslims, Chr. = Christians, Gr. = Greek Christians, Mar. = 
Maronites, Dr. = Druses etc.« S. 112^)); das Sternchen * bei 
den umschriebenen Namen Smith's, welches bezeichnet, dass 
der Platz in Ruinen liegt oder verlassen ist, ist auch hier den 
Namen in Umschrift beigesetzt; 2) das Vorkommen des Namens 
in SS 3 und SS 14, wo nöthig mit Angabe der abweichenden 
Schreibung (o. A. = ohne Artikel) ; 3] andere Verweise. 

1) Diese Liste ist unvollständig; es kommt noch vor Met. = Metä- 
wile, und Cath. = Katholiken (Griechisch-Katholische, natürlich nicht in 
dem Sinne, wie diese Bezeichnung immer noch in Deutschland fälschlich 
angewandt wird, sondern gleich ,Unirte Griechen'). 



1* 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umsehreibung 


Bemerkungen 


1 


•• > 


er-rudaifät* 




2 




esch-sc/iuairüt* 


vgl. 0. ZDPV XXII 159. 


3 


\j4J\ 


el-hamra* 




4 


Xaaa^lXäJ! 


el-maMislj'e* 


Sm el-Mükdisiyeh. 


5 
6 




umm el-kawäfi* 
dschuhh dschendel* 




7 
8 




dscharaha* 
cJiirbet chuneßs* 




9 


O^^V 


derdaghän* 




10 


Lf^'« O^'' 


"ain mcij* 




11 


.j.c^5! iijj=> 


chh'het el-aioar* 




12 


^:5^.:> JJ 


teil handschef* 




13 


O La Av^:5^C> \ Kj ,i> 


chirhet el-dschahschl- 
jät* 




14 


^-^J^5 


el-harheh* 




15 
16 




harak* 
el-dschudedc^ 


Sh Büräk 

SS 3, 259 u. SS 14, 343 o. A. 


17 




umm el-idäm^ 


Sm Um el-'Adäm. 


18 


öAajJI 


ez-zuhede^ 


SS 14, 343, 0. A. 


19 


(j,w^t^iAj) 


ed-daivcimib* 


vgl. dlmüs Fischer - Guthe 
E 1. 


20 


o^^; 


raijZm^ 


SMReyän;SS 14,345. 


21 


»jCw 


sukkara* 


SMSekrah;SSl4, 343. — Die 






Form sukkara ist gesichert 








durch die Berichte zahl- 








reicher Reisenden; Kie- 








pert is Sukkara. 


22 


OÜ.Äi( 


el-ank* 




23 


l^l^y 


erkäma* 




24 


Ji^^Ä*i! 


el-menzül^ 




25 


».Xa.CS4>J^ 


el-madba a* 


Sm el-Müdba'ah. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


26 


,j«.Jl]5-Äil 


el-forklus* 


Sm el-Furkalis ; vgl. o. ZDPV 






XXII141.176; Kiepert Bir 








il Furklus. 


27 


V^ii 


el-mucharrah^ 


Sm el-Mukhürrab. 


28 


ycLc 


"cifir'' 


c!ass dieser Name nicht gleich 
^._jAJi in Saifeddaulas Zug 








gesetzt werden darf, wurde 
oben ZDPV XXII 177 ge- 
sagt; Kiepert BIr 'Aiflr. 


29 


i> 


derra*^ 


= Kieperts Mredsch id Dari? 


30 


y^' 


el-huwer'^ 




31 





redschl^ 


• 


32 




esch-schech hammüd* 


Sm esh-Sheikh Hamüd. 


33 


L>W*xJ5 J.1 


umm el-mnad* 




34 


^jj^i! 


el-misclirife 


Sm el-Meshrafeh, Mus. ; SS 14, 






343 0. A.; Weg 20. Mai; 








Kiepert. 


35 


xaUP yi\ 


ahü hemäme* 


Kiepert Abu Hammäme. 


36 


Cy^A^\ ;- 


Szz ed-dm* 


Sm 'Az ed-Diu; SS 14, 345; 






Kiepert 'Azz id Din. 


37 


jji yP 


derfur* 


Sm Deir Für ; Kiepert Derfül. 


38 


*.j|^ä£:y! 


ez-zaferäne^ 


SS 14, 343 ;^'jģj ; Kiepert 






Za'feränI. 


39 


»A^jwJt 


es-suwede^ 


vgl. o. ZDPV XXII 163 n. 1. 


40 


^.a2aJ J.J 


teil Insa 


Sm Mus.; SS 3, 2Ü0 und SS 
14, 343 ^.A^^J.J; Kiepert 








Telbise. 


41 


Slä^ 


mahalla^ 


Sm MuküUa. 


42 


LT;'^^ 


hedäris^ 


- 


43 


LaIxj .jO 


der halaha 


SmMus.; SS 3, 260; SS 14, 343 




• ^•• 




*.xl*j yiö\ Kiepert Deir 

Ba'albe, das die volksthüm- 
liche Aussprache darstellt, 
wie hdalbck neben halabekl-, 
auch in balaha ist gewiss der 
Gottesname bdal zu finden. 



Martin Hartmann, 



Laufende 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


44 


jO^^) 


zedel 


SmMus.; SS 3, 260 und SS 14, 






343 i3-V^. — Die Form zedel 








ist gesichert durch zahl- 








reiche Reisende; Kiepert 








Zeidal; vgl. o. ZDPV XXII 






r 


164. 


45- 


lX*.^-! ^^^\ 


escJi-schech ahmed* 




46 


Läj.s 


fartaka* 


Sm Fürtaka; SS 14, 343 *.äjy. 


47 


<3}ijf^ 


ferüzl 


SMSyr.;SS3, 260u. SS14,343 
Ti\*)yfi; KiEPEKT Feirüze. 


48 


(jxa,*.^» Ä/.X.WWO 


meskenet Jiims 


SMSyr.; SS 3, 260 und SS 14, 
343 dJS-m^; der Zusatz soll 
den Gegensatz zu dem nörd- 
licheren meskene am Eufrat, 
meskenet haleb, bezeichnen. 


49 


oJl^J> ^xiJS 


esch-schech clialid 


Sm Mus. ; SS 3, 260 und SS 14, 






345 (jJLi> 'JtX.-yw. 


50 


o*-*^?^ 


er-restan 


Sm er-Restun, Mus. ; SS 3, 260; 






SS 14, 343 o. A.; vgl. oben 








ZDPV XXII 156. IGO; Kie- 








pert. 


51 


.^^il\ 


el-ghadschar 


Sm el-Ghüjar, Mus.; SS 3, 260 




J ' 




und SS 14, 343 j^\ j^-^', 
Der Name bedeutet , Zi- 
geuner', die sonst in Syrien 
nawar heissen, -während in 
Egypten nur ghadschur be- 
kannt isti,. Kiepert o. A. 


52 


zy^j^ r^ 


umni schar schuh 


Sm Um ShürshQh, Mus. ; SS 3, 
260 und SS 14, 343; Kie- 
pert Umm Scherchüra mit 
volksthümlicher Verstümm- 
lung. 



1) Der Ursprung von ghadschar ist wahrscheinlich in sanskritischem 
gurdschara zu suchen, das im Prakrit sein erstes r verlor und gudschara wurde. 
Nichts wird ghadschar zu thun haben mit türk. aghütschüri, das HOUTSMA, 
Ein türkisch-arabisches Glossar 23 f. behandelt, und das, nach Mittheilung 
Andreas', als Name eines Türkstammes am untersten Laufe des Kärün 
schon bei Raschideddin vorkommt. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



53 



54 

55 
56 



^Lä/O ,jJ 






de?' mala 

ed-duxoer 
bäh 'timar 



57 



LU .sS 



kefr 'aja 



yl^Xjü] el-ghantu Sm el-Ghüntu,Mus.; SS3, 259; 

SS 14, 343 o. A., darf nicht 
mit el-ghuntur verwechselt 
■werden. In der Schreibung 

j.l2iLi: findet sich der Ort in 

dem türkischen ,Cassabuch' 
fürTripolis in Sijaqatschrifti) 
Ms. Mon. Türe. 146 [nicht 
paginirt] f. 20 a unten. 

Sm Mus. ; SS 3, 259 »^i^^ y.J> ; 
SS 14, 343 ^Ux) ^^j- Kie- 
pert Teir Ma'li. 

Sm Gr.; SS 3. 260; SS 14, 343 
O.A. 

Sm Bäb'Ömar, Mus.; SS 3,259 
_j4.£LLj; SS 14, 344^-»^ qÜ. 

— bäbä ist jedenfalls das 
Ursprüngliche, das ä aber 
abgefallen, wie in 'is und 
müs, und wie das i von 'üsi 
nach S. 157 n. 2 (vgl. ischtar 
für ischtari Jahn Slhawaihi 
I 2, 43).KlEPERTBäbä'Omar. 
Sm Mus. ; SS 3, 260 und SS 14, 
344; an den Ort darf nicht 
gedacht werden für das^ar- 
^äjä der Strasse bei Kudäma 
218 (s. o.XXII168n. 3;,wohl 
aber kann in iemfaräjä ein 
zweites, mehr östlich gele- 
genes LjLc .so stecken, das 

heute verschwunden zu sein 
scheint und vielleicht den 
früheren Situs des bei himii 
gelegenen darstellt. Kie- 
pert Kefr 'Aije. 

1) Ein Stück in Sijakat findet sich inselartig in dem sonst im steifen 
Diwäni [der Name ist irrthümlich angewandt in ZDMG LIII, 622. 624] ge- 
schriebenen Fermän aus Belgrad im Ethnographischen Museum zu München 
(Katalog-Nr. J. 308). 



8 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


58 


»-Jij 


7mkere* 


SS 3, 259; ob dieses nukere 






{naktra?) dem oben ZDPV 








145 besprochenen nkirtä 








gleichzusetzen, lasse ich da- 








hingestellt; vgl. auch den 








Nachtrag zu S. 165. 


59 


d^? 


ähil 


Sm Mus. ; SS 3, 260 und SS 14, 








344 ; Kiepert Häbil. 


60 


^.^j)L4.l\ 


el-miibärikije 


Sm Mus.; SS 3, 2G0; SS. 14, 






344 0. A. 


61 


^.ÄaLs 


katine 


Sm Fütineh, Gr. ; SS 3, 260 und 
SS 14, 344 bJ^yi; KIEPERT 
Kattine i). 


62 


iw»^*aä 


kuseh 


SMSvr.; SS 3, 260 und SS 14, 
344. 


63 


(»U^ 


kemäm* 


SS 14, 344. 


64 


Na12J».aJ^ 


el-hnweda 


Sm Mus.; SS 3, 260 Na1Uj.J! 
Ä-^Sj/X^ii ; SS 14, 344 ebenso. 








doch o. A. 


65 


wx(Ai! 


ed-dumene* 


SS 3, 260 ; SS 14, 344 Kk^O 








»'^iji^ ; das entsprechende 
westliche siehe als Turnen 
Rarbl bei Kiepert ; vgl. S. 
160. 


66 


D^Jt-Ay^'j] 


esch-sch aumerije * 


SS 14, 344 o. A.; Kiepert 
Schümärije-). 


67 


, ccXc .Äi' 


kefr ^adi 


Sm Mus.; das ^adl wird das- 




^—^ -^ 




selbe Wort sein wie "ade in 
^e/Z We oben XXII 138. 


68 


^M^xi ^ä5 


kefr mUsa 


Sm Mus.; SS 3, 259 und SS 14, 
344 (j*j.'« jäi'. — Zu müs 
für müsU vgl. das zu Nr. 56 
Bemerkte. 



1] So bedauerlich es auch ist, dass bei Smith aus dem k ein/ geworden 
ist, so möchte ich doch durch ihn die Artikellosigkeit für gesichert halten 
und damit Kiepert's Kuttine neben seinem Bahret il Kattine. 

2) Gemeint ist hier natürlich der westliehe, wenig südlich von hims an 
der grossen Strasse gelegene Ort dieses Namens, nicht das östliche im dschebel 
esch-schömärye gelegene (Kiepert G. isch Schömarlje; die Schreibung mit ä 
wird vorzuziehen sein). 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



9 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


69 


o^^y 


ardschün 


SM Mus.; SS 14, 344 qj->jC. 
— Das 'am des Türken ist 
sicher nur irrthümliche Mar- 
kirung des a-Vokals, und 
sein ^ardschün hat nichts 
mit dem Gattungswort (vgl. 
meine Lieder der Lib. Wüste 
26, 7, 1) zu thun; KIEPERT 
'Argün. 


70 


-aa^äJI 


el-kuser 


SmMus. Cath.; SS 3, 260; SS 






14, 344 0. A. Kiepert Ku- 








seir. — Dieses el-kust~r wird 








Hauptort der Nähije el-ku- 
sair sein, die in den späteren 
Salnames des Wilajets sür'ija 
erscheint, z. B. SS 14 (1299) 


71 


eW' 




S. 232 (in SS 3 noch nicht). 
SmMus.; SS 3, 260; SS 14, 344 

*.ctjj ; Kiepert Zer'a. 


72 


Lf^l^^ 


dschüsi 


Sm Mus.; SS 14, 344 dschüsch. 
— Gemeint ist das aus den 
arabischen Geographen (vgl. 
oben S. 169 ff.) bekannte 

, V , 

dschusye; Kiepert Gusijet 
il Gedide. — Das Jüsy Sm's 
habe ich deshalb nicht durch 
dschüsije ersetzt, weil Sm so 
gehört haben wird. Auf der 
Reise im Liwa el-Ladkije 
(s. ZDPVXIV 151 ff.) hörte 
ich die Namen auf tje fast 
immer mit betontem i [y] am 
Ende aussprechen ; ist Sm's 
Jüsy genaue Wiedergabe, so 
ist es als dschüsy' zu denken, 
und ein dschüsije als die heut 
übliche Form vorauszu- 


73 




rible 


setzen. 
Sm Cath. ; SS 3, 260 und SS 14, 








344; Kiepert. 



10 



Martin Hartmann, 



Die Namen des Kada hims in SS 3, 259 f., die im Vorstehen- 
nicht herangezogen wurden, sind folgende ^) : 



Laufende 

Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 






dar elkehire 

Jcazhal 

en-naliderltje ez-zuwek 

merdscli el-hata 
el-haisa 



j^ÄA«j|l s.s kara üstü? 
el-häsirlje 



isj-AöLäiS 



>j- 






^J_.ii^ L>JLi> ^^1^ 



O^'^J-^ 



^1 









LÄJ 



!; 



^üäf/^ chalid esch- 

scharkl 
wädi chalid el-gharhi 

tenmme 



mudan 



el-hauz 

teil nehi mindü 



el-hairamje 
zetä 



SS 14, 345. 

SS 14, 344. 

Die Namen stehen unter ein- 
ander; nicht sicher. 

SS 14, 345. 

SS 14, 345 Lci*>-; el-haisä als 
Name einer berühmten Stute 
8. mein ,Die Beni Hiläl- 
Geschichten' S. 298. 

SS 14, 344 J^», ».'i. 

zu dem käsira Ibn Churdäd- 
beh's (s. oben XXII 163) zu 
stellen ? 



Kiepert. 



SS 14, 345 Qj-'o'; wohl gleich 
Smith 181 (in XVIII 1): 
Tenüny, Nus. ^^i^Äj. 

SS 14, 344. — Gleich dem el- 
midün der Karte, das nach 
Weg 20. Mai eingetragen 
ist; Kiepert il Midän. 

SS 14, 344 o. A. 
SS 14, 344 isi^ (^/.J J^J; Kie- 
pert. 

SS 14, 344 ^M LXj ;. 



1) Findet sich ein Name auch in SS 14, so ist es bemerkt; doch ist 
die Sehreibung nur mitgetheilt, wenn sie abweicht. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



11 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


91 




schinscliär 


SS 14, 344. Diese Ortschaft 






ist bei Smith in XIII Jebel 








esh-Shürky(S. 171 ff.) gege- 








ben, und zwar in dem 6. Ab- 








schnitt, der 8 Ortschaften 








»on the road to Hums, from 








Nebk,north\vardso: aufzählt; 








Kiepert. 



Ich schliesse hier an Smith 173 f.: XIV. Between Deir 
'Atiyeh and ed-Deir on the Euphrates. Dieser Abschnitt hat 
zwei Abtheilungeu : 1. From Deir 'Atlyeh to Tudmur (Nr. 92 
bis 98) und 2. Between ed-Deir and Tudmur (Nr. 99 bis 102). 
Die Ortschaften von 1. entsprechen zum Theil denen der Nahije 
Ihl kapüU SS 3, 266. Dann folgen die Namen dieser Nahije, die 
sich bei Smith S. 173 unter XIII G (On the road to Hums, from 
Nebk northwardsj finden (Nr. 103 bis 105). 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


92 


^^\ 


el-humere* 


s. AVeg 18. Mai; vgl. oben S. 






135; Kiepert Humeira. 


93 


.Ut 


el-hafar* 


SS 3, 266 und SS 14, 345 o. 








A. ; KiEPET 0. A. 


94 


0Aa3 


saded 


Sm Südäd, Syr. ; SS 3, 266 und 
SS 14,345; vgl. oben ZDPV 
XXII 140; Kiepert. 


95 


o^ 


melnn 


Sm Mus. ; SS 3, 266 und SS 14, 






345 ; vgl. oben ZDPV XXII 








140; Kiepert. 


96 


0:^>> 


hauwärin 


SS 3, 266 und SS 14,345; vgl. 






0. XXII 140. 175; Kiepert. 


97 


■ 


el-harjeten 


Sm el-Kuryetein, Mus. Syr. ; 






SS 3, 266 ; vgl. oben XXII 








140. 175; Kiepert. 


98 


yCjwj 


tudmur 


Sm Mus. ; Kiepert. 


99 


jÄ^5 


el-hijar* 


nahe liegt die Zusammenstel- 






lung mit dem el-her in hasr 








el-hcr. 



12 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


100 


S^hLl\ 


et-taijibe* 


Kiepert. 


101 


sX^l^] 


es-sucJme 


Kiepert o. A.; vgl. o. XXII 
136, n. 1. 


102 


^,\ 


erek* 


Kiepert. 


103 


^|^^5 ^^?} 


ikt hapid'i 1) 


Sm 173 in XIII, 6 (s. oben): 
Hasya, Mus. Cath. L*.***^>- ; 
SS 14, 345 iu>*^5>. — Dass 
iki kapüti und hasja derselbe 
Ort sind, ist zweifellos; frü- 
her war nicht dieser Vorort 
der Nahije Hauptstation 
zwischen hims und Jiärä, 
sondern schamsln asch-schctr, 
s. 0. XXII 168; Kiepert. 


104 


SjL'i 


hUra 


Sm a. a. 0. Kära, Mus. Gr. 






Cath. i ,Ls; Kiepert. 


105 


e^:^ 


hredsch 


Sm a. a. 0. Bureij, Mus. -o.j; 
SS 14, 345; Kiepert.^ ^ 



Ich lasse jetzt die Namen des Kada hims in SS 14, 343 ff. 
(343 Nr. 106—108, 344 Nr. 109 — 129, 345 Nr. 130—159) folgen, 
die zum Vorstehenden noch nicht herangezogen sind^): 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 




106 


S .X/M _^£k,J 


laiiah suJikara mezra- 


vgl. Nr. 21. 




107 




ast 
lau ah zedel mezrdasi 


vgl. Nr. 44. 




108 




kahdije 


ein hdkä kommt vor 
hijär bani H-kdku 


in dem 
einer 



1) Das ist eine Scheinform, die nur das Schriftbild darstellen soll: 
der Türke sagt ikikapuli/; der Araber würde den Namen, der wohl nur dem 
Amtsstil angehört, VäkahüU sprechen. 

2) Die Namen SS 14, 346 f. , die sich ohne Trennungszeichen an- 
schliessen, gehören, wie eine Vergleichung mit SS 3, 261 ff. zeigt, zum 
Kada husn el-akräd. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



13 



Laufende 
Nr. 



109 

HO 
111 

112 
113 
114 

115 
116 

117 
118 
119 

120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 
128 



129 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 






»,AftS 



->> -^ > o 



^L«il ^i,L ^_.j 



Ui 



^jLac 



oW^ 






-Ic iAaavJ! 






icjqsiXa 

.»La*/!» *«.5'I 






o 






jiAae -äy 



^J.C X«w^Xl> 



kaire ? 

fakire 
el-dscliudede 
bustän kara üstü 
tarnidscha ? 
schemsm 

zör gJiarhi el-cis 
'^annähe 

kahrcm 

ras el-ain mezrdasi 

zör el-merdsch mezr- 
aasi 

hausch es-saij'id ^all 

hammäm 

miCaiüra 

mwikati 

matrahe 

aküm loamajän 

hiiioaida gharhije 



summakt 
kefr '^edu 



dumene gharblje 



Ivra yon kimiasrin (s. oben 
ZDPVXx'lI155. 176); diese 
liegt aber viel nördlicher, 
vgl. Smith 181 in XVIII. El- 
Husn, 1 . East of el-Husn : 
muka'barah, Gr. ».xää-!. 



vgl. Nr. 79. 



wohl gleich Sm 173 (in XIII, 6) : 

Shemsin , Mus . , ••aaw.^.äv ; vgl. 

o. XXII S. 168; Kiepert. 
vgl. Nr. 119; zu eWäs für el- 

\'isi s. zu Nr. 56. 
ist dieses zu dem Oneuatha 

Not. 32, 41 heranzuziehen? 

vgl. oben ZDPV XXII 143. 



Kiepert. 



Kiepert. 



Kiepert Summäkije. 

der Name ist wohl derselbe 
wie in el-edö, über welches 
s. ZDPV XIV, 1892, 172. 
211 (Nr. 5) und MuNDPV 
1899, 7. 

Kiepert Turnen Rarbi, vgl. 
0. XXII 160 und liier Nr. 65. 



14 



Martin Hartmann, 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


130 


^*J>-J3 


zetünlje 




131 


*^j>k^ 


muhädschinje 




132 


^L^l^^ 


sewämän 




133 


J^Ij jS>S 


kefr tut 


das tut ist vielleicht dasselbe 
wie in tathums, fatja, tatma- 
räsch des Liwa Haleb (s. In- 
dex und die dort S. 93 zu 
Nr. 11 ausgesprochene Ver- 
muthung, dass Tat gleich 
dem Tut von Tutmes sei) 
und in sürtät Bohtän 94. 


134 


j^j^ 


kefr sachr 




135 


cr^-**^ CT"'" 


'ain husen 




136 




hüsir esch-schech hu- 
maid 




137 




'^arab es-skaijif 


es ist wohl esch-schkaijif zu 




y 




lesen, s. die Brunnen dieses 
Namens Weg 20. Mai und 
meine Karte, auch Kiepert, 
der etwas südlich noch 
»Schkeijif Ar.« eingetragen 
hat. 


138 


Lji^/i.J! uj.£ 


''arah esch-schwZtjä 


über das schicäjä, das nichts 






bedeutet als , Schafzüchter' 








s. ausführlich unten zu Kada 








ed-der. 


139 


o'^y' o^y 


turhnä7i el-mTidün 


vgl. Weg 20. Mai, wonach 
die Bewohner von el-midän 
selbst Tscherkessen sind : 
da dieser Ort schon vorkam 
(Nr. 86), so ist hier wohl an 
eine Turkmenenniederlas- 
sung in seiner Nähe zu 
denken. 


140 


lA^c ».j5 Vj-^ 


^arah abü '^Id 




141 


*Jljj,IaIl v_jjC 


"arah et-tawile 




142 


j.>^l V;£ 


''arah el-dscJiezdel? 




143 


,_5^*NÄjlj3 i^LLaS 


hihtijän taifesi 


die kihtijän sind nicht Kopten, 
sondern ,Gipsies', Zigeuner, 





Beiträge 


zur Kenntniss 


der Syrischen Steppe. 15 


Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


* 

Umschreibung 


Bemerkungen 










die die Türken kibt nennen; 










CuiNET hat dieses immer 










frischweg durch ,Cophtes' 






' 




gegeben, und diese , Kopten' 










sind dann als Bewohner der 


Wilajets Kastamüni und Angora auch in das 








französische Gelbbuch über die Affaires Ar- 








meniennes (Paris 1897) gewandert (vgl. Der 


> 


IL t 


7 — ^ T— 


christliche Orient I, 1897, 253 n. 1). 


144 


L^^^5 y^^ 


a6e< wah 






145 


*»*.-c>-. 


ruhaibe 




vgl. Kiepert 'Ain ir Rhebe bei 








saded. 


146 


»^SU.yi 


kuwaiha 






^ 147 


^^Ss:..LA X*.AAaä 


kusebe mezraasi 


Kiepert il Kseibe. 


148 


«.jUä 


hanäje 




= tsclianüt hasan pascha Weg 
20. Mai? 


149 


o^^ 


dulihän 






150 


-Lac 


ghutitur 




es ist gewiss das bekannte el- 








ghuntur (s. o. XXII 141 und 










Weg 19. Mai) gemeint; die 










Schreibung mit t beruht 










auf einer Verwechslung mit 










el-ghantß Nr. 53. KIEPERT. 


151 


O^^J^ 


^irnm 






152 


wv^ä j») (^Y-v^ 


'ain umm kubeb 




153 


ciJuXs» 


hadet 






154 


NaaI^Js 


kurtubije 






155 


-yoä 


kuser 




ein anderes als Nr. 70. 


156 


.,b-'^ 


kefr tära? 






157 


'^"s^-^ 


burdsch ka 


be 




158 


J~J.»4-w 


sernalil 




gleich dem Smith 179 (in XVII 
4) genannten »es-Sem'alil, 

Mus. J»-^l**^5<'. 


159 


u^Lj^il ^U 


kräd ed-dij 
jasfj 


äs fed-dai- 


kaum wird das tijäs an der 
Strasse himii-tudmur heran- 








gezogen werden dürfen, da 










es zu weit östlich liegt. 



16 



Martin Hartmann, 



Es folgen nun die Ortschaften des Gebiets von hamä. Auch 
hier ist Eli Smith zu Grunde gelegt. Er hat S. 176 ff. XVII. 
Haniah mit vier Abtheilungen: 1. The District of Selemya (Nr. 
160—193); 2. North of Selemya, and East of the 'Asy (Nr. 194— 
223); 3. West of the 'Asy, belonging to Hamah (Nr. 224 — 242); 
4. Along the Huleh (Nr. 243—319). 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



i,v^w^/C 1 ^Xv 



SXKi 









,a£ 



j^£ 



r,uxJi J.J 



o 



;^l 



La. 



JS 



,y^^M .XA 



Lf' 



AC l^^XvJ) 



haVat esch-schemamis* 



^ain kassarm* 
^ain dschibrln* 



teil ed-dura* 



el-dschenan 
kcistm* 

mdarr schahür* 



o 



esch-scJiech 'all* 



Sm KüVat Shawämis. Zu to 
für m vgl. den bekannten 
Wechsel im Assyrischen und 
Kurdischen (z. B. Bohtän 
S. 81 n. 2). Im Jahre 1899 
besuchte sie v. Oppenheim ; 
Kiepert K.ischSchmeimls. 

Sm 'Ain Küssärin. 

SS 14, 342 ohne "ain. Der Name 
dschibrin ist in Ortsnamen 
beliebt, vgl. het-dschibrin in 
SüdsjTien. Einen Dschibrin 
im Volksliede s. Lieder der 
Lib. Wüste 166 (Nr. 97, 2). 

Das clurra für ,Mais' in meinem 
Arabischen Sprachführer ist 
mir zweifelhaft; die Aus- 
sprache ohne teschdid dürfte 
die gebräuchliche sein; = 
Kiepert's Mreg id Dari? 

SS 14, 342 0. A. 



Namen mit mdarr (für ma- 
"arra?) scheinen in dieser 
Gegend häufig zu sein, vgl. 
278 ma'^arr züf und das bei 
Kiepert 4,25 km östlich von 
Rihä eingetragene Ma'ar- 
ballit (ist assyrisches uhallit 
in Namen heranzuziehen ?) ; 
vgl. auch Nr. 218, 272, 278. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



17 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


UrQschreibung 


Bemerkungen 


168 


bJi 


er-ribba* 


SS 3, 253 *iAJ^ ; Kiepert KaVat 




*-> 




Rubbeh. 


169 




kuhbet el-kurdschl* 




170 


O^j^j 


zaghrin* 


Sm Züghrin. 


171 


^j.U^j 


tetelmi* 




172 


, , , 


salamja* 


SS 14, 342 ».^4.1^- Sm Seiemva • 
über die Namensform s. oben 
XXII 161; KlEPEETSelemije. 


173 




esch-schech faradscli*^ 


Weg 22. Mai. Kiepert. 


174 


C^'^=T- 


dschassln* 


Sm Jüssin. 


175 


^l\c J^j 


teil ''ade^ 


Sm TeirAdy; vgl. 0. XXII 138 
und Weg 22. Mai; Kiepert. 


176 


La*1<w ^c''^ jp-^M^\ 


esch - schecJi ^ali sa- 


Sm esh-Sheikh 'Aly Selemya. 




lamj'a* 




177 


^J^ 


harr'i^ 


Sm Bürry; Kiepert Barri. 


178 


j^' zy 


merdsch mitr* [mafar ?) 


Sm Merj Mütr. Für mitr 






spricht, dass der Name 








Dtmitri (AYj[j.f|-:pto;) nicht 








selten zu Muri und selbst 








zu Miir verkürzt wird [mm- 








mitr nennt die Volkssprache 








den ,Dimitriberg' bei Beirut, 








Baedekers 314) ; für 7natar 








spricht, dass Matar als Fa- 






t 


milienname in Sj'rien vor- 
kommt (ein maronitisches 
hH matar aus Saidä war um 
1890 in Beirut vertreten). 


179 


s.Lft^ 


schakür a* 


Sm Shükärah. 


180 


^^ii 


el-mucharram^ 


Sm el-Mukhürram; Kiepert. 


181 


tS,S<J^M*j\ 


es-senkari* 




182 


Ja,i\ 


el-muhattan^ 




183 


j«.-wb55 «--^-Js 


faijib el-ism*^ 


vgl. tai]'ibet el-ism in Basan 
(ZDPV XX 217) und in 
Egypten, zu dem ich in Lie- 
der der Lib. Wüste 22 n. 1 
Eüwvu[jio: verglich. 



Ztschr. d. Pal.-Ver. XXIII. 



18 



Martin Hartmann, 



Laufende 

Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



184 
185 

186 

187 
188 

189 

190 



191 
192 
193 
194 

195 



196 

197 

198 
199 






M 



LLJ! 



^„*..«.1JiiWJ I 



:^i .Lav.xJ| 



el-/iascMmije* 
kefr ra* 

el-abbäde* 

teil bezzäm* 
abul-ffudür* 

hamra* 

et-tämme* 






el-belel^ 
esch-schuteb* 
er-ruliaije* 
es-sukelibije* 

el- aschärine 



el-chazaile 

esch-scharrär* 

salaba 
hijälm 



SS 14, 342 J^ _^äS'; von Moritz 
5 zu Cappareas gestellt. 



Sm Abu el-Kadür. — Gleich 

dem Abulgudür Weg 26. 

Mai; Kiepert. 
wird das Elhamra sein, das 

Weg 26. Mai erwähnt ist; 

Kiepert il Hamra. 
ist vielleicht zu dem noch 

nicht nachgewiesenen js~*.äj1 

der arab. Geographen zu stel- 
len (s. o. ZDPV XXII 159; 
Verwechslung von t und t 
ist nachgewiesen zu Nr. 205). 



AVeg 20. INIai esch-schtaijib. 
Weg 22. Mai; Kiepert. 

SS 3, 254 xaJLaäa^I u. 14, 343 
üwaLüa«; Kiepert Skeleblje. 

SmMus.; SS 3, 254 u. 14, 341 
o. A. ; über Stammnameu als 
Gegend- und Ortsnamen s. 
meinLiwa el-LadkijeZDPV 
XIV 1641); Kiepert T. 
Ascherne. 

Sm el-Khüzä'ileh, Mus.; wie 
zu 195. 

Sm esh - Shürrär; Kiepert 
Scherrär. 

SS 14, 341; Sm Sülaba, Mus. 

SmMus. ; SS 3, 254u. 14, 341; 
= Kiepert's Nijalln? 



1) Vgl. im Folgenden Nr. 213 el-latamine für lofmin. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



19 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 




Bemerkungen 



200 



201 

202 
203 

204 
205 



206 
207 

208 

209 

210 
211 
212 
213 



ä.aJ.:>-! 






.ax. 



i\ 






j^Oj.>.i .s^ 



el-dscharnije^ 



kernaz 

el-mughaijir 
el-dscheleme* 

kefr nehüdi 



\.h\jfjii kirata 



8.i3A£ 



».j 



1\ 



?je^' 



gj.^ jj 



^^•j 



ftT 






kantara 
es-sahrije 

tell-melali^ 

kefr jehüd 

et-termese* 
el-arld 
ez-zeldkljät 
el-latämine 



denselben Namen hat Smith 
noch einmal als LaJ.^; hier 
ist der westlichere Ort ge- 
meint, dag Dschurniyeh 
Burckhardt's (8. Ritter 
1087); vgl. zu Nr. 236. 

SmMus. ; SS 3, 254 u. 14, 341; 
Kurnäs Burckhardt's nach 
Ritter 1087. 

SmMus.; SS 3, 254 u. 14,341 

o. A. ; in 14 mit *«Jr^ 5^. 
SS 3, 254 u. 14, 341 o. A. Der 

Name kommt auch sonst oft 

vor; s. dscheleme im Index 

zu Liwa Haleh. 
SM Mus. ; SS 3, 254 u. 14, 341 

mit »; Burckhardt's Kefr 

Ambüdeh nach Ritter 1087. 
Sm Mus.; SS 3, 254 u. 14, 341 

LjUi; vgl. oben ZDPV 

XXII 164, wo der Hinweis 
auf die Schreibung in SS 
mit t hinzuzufügen ist. 
Sm Mus. 

Sm es-Saheriyeh, Mus.; SS 3, 
254 u. 14, 341 o. A. Kiepert 
is Suhrlje. 

SS 3, 254 fX'i; KIEPERT T. il 

Mellah. 
SmMus.; SS 3, 254 u. 14,341. 

SS 14, 341 O.A. 
SmMus.; SS 3, 254 o. A. 
SmMus.; SS 3, 253 u. 14, 341. 

Sm el-Lütämineh, Mus.; SS 3, 

254 i^A+Iai. — Ist jedenfalls 

Plural von ^^Äa^-I^ij von lot- 

nnn, über welches s. oben S. 
145; Kiepert Teil Lotmin. 

2* 



20 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



214 



215 
216 

217 



218 



219 



220 

221 
222 

223 



L^^^ j ^ 






kefr zeü 



o';-^■ 



,a:5 



es-saijad 
miirik 

sürän 






maardis 
et-taijihe 



O 



^a:i/9 






massin* 



el-haddscliame 
ed-dähirtje 

el-dschedscJäje 



SmMus.; SS 3, 254 u. U, 341 
i^Äj; ^Äj ; zu dem t vgl. das 
zu Nr. 172 Bemerkte, doch 
kann es hier auch Vertreter 
von ä sein wie in müsi, 'isi, 
vgl. Nr. 90 zetä; KIEPERT 
Kefr Zeita. 

Sm Mus. 

Sm Mus. ; SS 3, 254; Kiepert 

Murik. 
SmMus. ; SS 3, 254 u. 14,341. 

Ist schon oben S. 158 zu dem 

q'jj.'O der arabischen Geo- 
graphen herangezogen. 
SmMus.; SS 14,3411); vgl. zu 
Nr. 166; = Kieperts Mar- 
dine? 

SS 3, 254 ^ '^^^■f^ u. 14, 
341 ^^xil c>-^.*I^2); vgl. 
Nr. 315, im Gegensatz zu 
welchem es wohl auch als ef- 
taijibe escJi-scharkiJehezeich- 
net werden kann; ein noch 
östlicheres ist das an der 
Strasse tiidmur — er-rahha ; 
Kiepert. 

Sm Müssin. 

Sm Mus. 

SmMus.; SS 3, 254 u. 14, 341 
o. A. 

SmMus.; SS 3, 251 u. 14,342 
*.-o>-L> . — Wieder ein Bei- 
spiel für das Nebeneinander 
von e [ai 



und </, wie es in 



254 



1) Daneben hat SS 14, 341 noch ein ».»ij*^, das offenbar gleich SS 3, 



Q »^x.* ist. 



2) Zu dem oben S. 138 n. 1 Ausgeführten ist nachzutragen, dass eine 
Nahije ^£ als direkt von dem Mutesarrif von Hamä dependirend aufge- 
führt ist SS 14, 230. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



21 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



224 
225 
226 
227 

228 
229 



230 
231 
232 

233 

234 
235 

236 
237 



•• • J^ 



^Jul ^J^^ 



ttimm 
elbl* 

el-hüzalije 
dschirdscJnse 

ghür 

muredsch el-der 



8^ Law» 



^\^^ 






wesäde* 
teschemkallj'e 
teil kartal 

hurciJc* 

es-suwede 
tachsls* 



Li.> dschartiija^ 



L5^L.j 



zebadi* 



dscherüd und dschärüd , 
schmäims und sclimainüs 
und in vielen anderen Fäl- 
len vorliegt'). 
Sm Gr.; SS 3, 252 u. 11, 343. 

SS 3, 252 x*J! u. 14, 343 äJ!. 

Sm el-Buzeliyeh, Mus. 

Sm Mus. ; SS 3, 252 ^J«-^=>y> 

u. 14, 342 ; KIEPERT Gergise. 

Sm Mus.; SS 3, 251 ^jAs^^yL 
u. 14,342 ^^Lxil^j_c; vgl. 
Nr. 252. 

SmMus.; SS 3, 251; SS 14, 342 
,1iAj1 -^nj^xi; Kiepert Mera; 
id Dar; auch im , Kassa- 
buch' Ms. Mon. Türe. 146 f. 
20 a unten. 



Sm Teshemkühyeh, Mus. 

Sm Teil Kürtul, Mus. ; SS 3, 
251 J.iüiL"; SS 14, 342 
J.Ly Lj ; Kiepert T. Kartal. 

SS 3, 252 u. 11, 342 ^Lj, dem 

ich folge; vgl. oben Nr. 15; 
Kiepert il Brak. 

SmMus.; SS 14, 343. 

SMTükhsIs; SS3, 251 [_r~^'S ; 
SS 14,342 ;j^A.*Jij; = Kie- 
perts Tarsis? 

SMJürnia; SS 3, 251 ^^-t-Jj^*; 
SS 14, 341 ?s>>Lrj ^ i^^J;>. 

SS 14, 341 mit Nr. 236 zusam- 
men; wieder ein Name vom 
Stamme zhd, vgl. meine 
Ausführungen ZAss XIV 
340 n. 1. 

1) Durch ai für ü ist wohl auch das fai'il in maijit, saijid etc. zu er- 
klären, das nichts mit fall zu thun hat. 



22 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 



238 

239 

240 
241 

242 
243 

244 

245 

246 
247 



o^^^y 



Cr^J*" 



.AA^r^J 



O^J^ 



, • t ».Xam La 



iS 



OJ^J 



xjJs.JL:<:u'l 



».j .^j 






XwJU 



248 
249 



mivaJ 



Äe/r nän 

1) S. z. B. Index Jäküt. 






Umschreibung 



senhtn 



maren 



besinn 
ahbu 

säsekün 
hefr bün 

el-chalidlje 

birije (?J 

der el-ferdls 
harb nefse 



Bemerkungen 



Sm Mus.; SS 3, 251 ^j^,'^^-^ 
SS 14, 342. 

Sm Mus.; SS 3, 252 is^.xa 
*-^i^ .^iJl SS 14, 343 ,-tJ-*^ 
»^j^] Kiepert Ma'rin. 

Sm Mus.; SS 3, 252 u. SS 14, 
342; KiEPFRT Bsärin. 

Sm Gr.; SS 3, 252 j.jt; SS 

14, 343. 
SMGr. 

Sm Gr.; SS 3, 252 u. SS 14, 
343 [*^J Ä^ ; Kiepert. 

SmMus.; SS 3, 252 u. 14, 341 
o. A. 

SMBirieh, Mus. Gr.; = SS 3, 
252 u. 14, 342^J^.xj? oder 
= SS 3, 253 (Nr. 334) hitrtje ? 

Sm Mus.; SS 3, 252 ^.p 
,^;i.p^Rj! ; SS 14, 342. 

Sm Mus ; SS 14, 342 «.v*.»Äj^.>. 
— Sollte hierin nicht das von 
arabischen Geoo:raphen und 
Historikerni) genannte har- 
bamlsch zu sehen sein? Das 
nüsch wäre die ältere aramäi- 
sche Form (für nafscli) ; zu 
dem harb kann chirbe her- 
angezogen werden wie zu 
Arbocadama S. 143 f. Das 
Harbänüsch bei Kiepert, ca. 
1 3 km NNW von Idlib, ist ein 
zweiter Ort gleichen Namens 
im Liwa Haleb; es ist das 
Harbanüz des alten Maux- 
drell (nach Ritter 1097). 

Sm Mus. — Missverstandene 
Nebenform von 270 tizln? 

SmMus.; SS 3, 252 u. 14, 345. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



23 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



250 



251 



252 

253 

254 
255 
256 

257 

258 

259 
260 

261 

262 
263 

264 

265 
266 



\aa<m 



^lAJl 



,_^Xx4>.w^JI 



ed-dasimje 



)^ 






L^,Är 



es-semalil 

ghür 

telll 

esch-schar 
el-hurdsch 
teil du 

kefr leha 



iw^Pi Jsj teil dahah 






wftJlI: 



-wÄ. 



,Jlij 



*.Jj.:5^l 



S^^ 

^J^ 






'^ahrah 
el-heJcmischllje 



burdsch tallif 
hüselhüle 

dschedrm 

kefr kadah 
takdln 



Sm ISIus. — Hängt vielleicht 
mit dem Worte für ,Jezide' 
Däseni, pl. Duasen [d. i. da- 
wäsin] bei Badger I, 111 
(nach LlDZBARSKl ZDMG 
LI 597 n. 3) zusammen. 

Sm Mus.; SS 3, 252 ^^r^^\ 
SS 14, 345 J^^JLx^A«. —Iden- 
tisch mit Nr. 158 (aus Ver- 
sehen wiederholt). 

Sm Mus.; SS 3, 252 ^j.i 
*^jyiJ!- Kiepert Ror il 

Karbi; vgl. Nr. 228. 
Sm Mus. ; SS 3, 252. 

Sm esh-ShürkülIyeh, Mus. 
SmMus. ; SS 3, 252 JvJli^ ^ j. 
Sm Mus.;. SS 3, 252 slXJLj'; 

SS 14, 346 ^Aij; Kiepert 

Teil Dau. 
SmMus.; SS 3, 252 u. 14, 346 

Sm Mus.; SS 3, 252 u^^^ JJ'; 
SS 14, 346 v*^l\Ij. 

Sm Mus.; SS 3, 252 u. 14, 342. 

Sm el-Bekemsheliyeh, Mus. 

Sm Tüllif, Turkmäns; SS 3, 
252 u. 14, 342; KIEPERT 
Talaf. 

Sm Burj Tüllif, Mus. ; SS 3, 252. 
Sm Turk. ; gleich SS 3, 252 

Sm Mus. ; SS 3, 252 qJA> ; 

SS 14, 342. 
SmMus.; SS 3, 252 u. 14,342. 

Sm Tükdin, Mus.; SS 14, 342 
&aa:2ÄJ' 



24 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


267 


^Ji5'^:>! 


el-dschäfi" a 


Sm Mus. ; SS 3, 252 u. 14, 342 
O.A. 


268 


l^jrl\ 


el-maua 


Sm Mus. ; SS 3, 253 »^O^a ; SS 

14, 342 !>^j.A, 


269 


It.OI 


er-ralna 


Sm er-Rübl'a; SS 3, 253 u. 14, 




"•— > 




341 ^x^j^ ; gleich Kieperts 




. 




RuVa? " 


270 


o^.j^ 


üzlti 


SmMus.; SS 14, 341; Tgl. Nr. 
248; Kiepert Tizin. 


271 


XS^*»aÄCsJ) 


esch-scJäha 


SmMus.; SS 3, 253 u. 14,341 
0. A. ; Kiepert. 


272 


..j^'jiiOjXA 


mdardefün 


Sm Mus.; SS 3, 253 u^^^rjxx: ; 
SS 14, 341 ^^Jyi<; vgl. 
das zu Nr. 166 Bemerkte. 


273 


^>^ 


käzü 


SmMus.; SS 3, 253 u. 14, 341. 


274 


oj;^ 


erzen 


SmMus.; SS 3, 253 u. 14,341 


275 


>_jLi3i> 


chatäb 


Sm Khütäb, Mus. ; SS 3, 253 
u. 14, 341. 


276 


Us.]^ 


helfUja 


SmMus.; SS 3, 253 u. 14,341. 


277 


L3^j=^ 


muhardi 


SMGr.; SS 3, 253 u. 14, 343 
»o,^; Kiepert il Harde. 

-> * 


278 


^•bj*" 


maarzaf 


SmMus.; SS 3, 253 u. 14, 341 






vgl. das zu Nr. 166 Be- 








merkte; Kiepert Marzaf. 


279 


Q.AXAg J^' 


teil sikkln 


SS 3, 253 u. 14, 341 ^JC^L' ; 
Sm verweist auf Abulfidas 

^-XwJi J.xi-(s.II,2,7n.3). 


280 


^>i! jÄi- 


kefr altü7i 


Sm Mus. ; SS 3, 253 ^j.Lil jJi ; 

SS 14, 341 ^yh\ .sS. — 

Das altün wird dasselbe 
Wort sein wie das altün 
Liwa el-Ladkije ZDPV XIV 
231 (Nr. 22), vgl. auch ebd. 
237 Nr. 5 und 239 Nr. 128. 


281 


JJ^-\il 


el-medschdel 


Sm Mus. 


282 


r^>J> 


et-tmvem 


SmMus.; SS 14,342 ^j^j. 


283 


».Haa? 


slle 


Sm Mus. ; SS 14, 342 »L^\. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



25 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibuug 



Bemerkungen 



284 
285 



^■♦^■^ 



^ • •• 



286 

287 
288 



&JU, 






o^-^'^ 



289 



290 

291 
292 

293 






vaXa::j I _jO 



J.^:^^ 



r 



L\4Jti! -I 



dlmau 

haTat sedschar 



dschuhh ramle 

^ukerihe 
maarrm 



esch-schech jusuf ra}/a 



der es-suleh 

umm et-tijür 
^anaJyci* 

mn?n el-amad* 



SmMus.; SS 3, 253 u. 14,342; 

Kiepert Dimö. 
SmMus.; SS 3, 253 u. 14,341 

\r^y^. — Die Form sedschar 
wird bestätigt durch Burck- 
HARDTS ^L5\,ywj das Sm 180 

n. 2 erwähnt ; auch ich hörte 
aussclüiesslich sedschar; 
vgl das ZDPV XXII 157 
n. 3 Ausgeführte ; Kiepert. 
Sm Jubb Rümleh, Gr.; SS 14, 
343 ^U/o .>.>. 

Sm 'Ükeiribeh, Gr. ; SS 3, 253 
u. 14, 343; vgl. S. 162. 

Sm Nusairiyeh, Gr. — Da Nr. 
239 in SS 3 als das östliche 
^j^x/s (so ist gewiss zu lesen 
für S'Jj*'*) bezeichnet ist, so 
wird man in diesem maarrln 
Sm's ein *^r«i! ry-j'''' 
sehen dürfen. Dann ist na- 
türlich für Nr. 239 und diese 
Nummer die gleiche Aus- 
sprache anzunehmen, also 
beide Male entweder mdrcn 
oder maarrln ; Kiepert hat 
nur ein ma'r'm wenig süd- 
lich von Hamä; vgl. auch das 
ma'r'ui in meinem Liwa Ha- 
leb S. 95 (Nr. 60) und Karte 
dazu J 3. 

Sm esh-Sheikh Yüsuf Rüb'ah, 
Nus.; SS 3, 253 u. 14, 342 
j.»j ,; Kiepert RoVö. 

SmNus. Gr.; SS 3, 253 u. 14, 

342; Kiepert Der Soleb. 
SmNus.; SS 3, 253 u. 14, 342. 



26 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


294 


LT^W ji^ 


^aeV bälis* 




295 


>^:>^ 


huwer 


SmNus.; SS 3, 253 u. 14. 342 






^■'.y^. 


296 


aÄ 


hellin 


SmNus.; SS 3, 253 u. 14,342- 


297 


i^^iJ 'i^^'i 


kubhet kurdi* 




298 


Lj'LxAAw 


slghata 


SmNus.;SS3, 253u. 14,342; 








Kiepert Schirätä. 


299 


idajj.=> jjJ> 


der Jiuweta 


Sm Nus. ; SS 3, 253 \i^^ .^^ ; 
SS 14,341 is-o_^5> (unsicher). 


300 


o^^ 


b'islfi 


SmNus.; SS 14, 341. 


301 


»j)LÄäJi 


el-kc"äde 


SMGr. Mus.; SS 3, 254 o. A. 


302 


\j^l^^ 


el-bai/ädije 


Sm el-Beyädiyeh, Mus. ; SS 3, 
25 3w»./i2Lo ; SS 14, 342 ; vgl. 
das von Sm (180 n. 4) An- 
geführte Qt^-^i-^J BURCK- 

HARDTS ; Kiepert Beijädije. 


303 


^IJ.,6 


kurtumän 


SmNus.; SS 3, 253; Kiepert 




V— ^ > 




Kortmän. 


304 


^.^"-^^ 


Tiudaiüih 


Sm Nus.; gleich SS 3, 254 








305 


ij*£_^^S 


ahu ^amra 


SmNus.; SS 3, 255 u. 14,343 


306 


.wj .äj üxli 


kaVat harin 


Sm Nus.; SS 3, 252 ^;^Jj»J ; 
SS 14, 342 &J^jiJ. Sm stützt 
Bi'RCKHARDTs -^J^Lj durch 
Abulfida und meint, das ain 
sei vielleicht ein Irrthum 
seines Schreibers Tannüs. 
In Wirklichkeit überwiegt 
heute die Aussprache barm. 
Kiepert Bärin. 


307 


lJL;C!-Ö 


nlsäf 


SmNus.;SS3, 255u. 14, 343; 
Kiepert Nisäb. 


308 


L./ .ä^ 


kefr kemra 


SmNus.; SS3, 254 u. 14,343 




> ^ 




«^>^. 


309 


^X^.S 


kurmvs 


SmNus.;SS 14, 3431). 



1) Smith's »Said by Benj. of Tudela to be the residence of the Sheikh 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



27 



laufende 

Nr. 



310 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



311 

312 
313 
314 



2^aA«v^ 



^-j'bCc 












sclienlje 



^akakir 

chanäzlr 
berscJfin 



mirjamin 



S.M Nus. ; SS 3, 255 ^^}^^^ 

das zu dem r^ti*'*^ Burck- 

HARDTS ZU Stellen ist ; KlE- 

PEKT Schnine. 
SmNus.; SS 3, 254 u. 14,343; 

ist hierin das [Baetjocaeee 

zu sehen? 
Sm Khünäzir, Nus. ; SS 3, 255 

u. 14, 343. 
Sm Nus. 



Sm Mereimin, Nus.; SS 3, 254 
u. 14, 343 KK4^_yA, Die Aus- 
führungen ZAss XIV 340 werden durch die Thatsache, dass 
dieses mirjamin nur westlich vom ürontes und südlich von 
Apamea gesucht werden darf, modifiziert. Die dort auf- 
gestellte Gleichung: Maptdjj.vrj Cyprius 868 = mirjamin 
Karte zum Liwa Haleb E 7 wird erschüttert. Denn es 
ist nun sicher, dass es zwei Ortschaften eines Namens 
giebt, zu denen sich. Mapia[j.v7] stellen lässt, und die Um- 
gebung, in der sich dieses Maptocij-vf; befindet, lässt auf 
seine Gleichheit mit dem südlichen mirjaiiän, dem Me- 
reimin Smiths schliessen. In derselben Umgebung be- 
findet sich auch das Mapta[jL-rj der Casiotis bei Ptolemaeus 
V 14, das schon oben S. 157 erwähnt wurde, und das 
Fehlen des v in dieser Quelle wird nicht Annahme einer 
Verschiedenheit der Orte rechtfertigen, so etwa dass in 
dem Mapia[j.vrj des Cyprius das südliche, in dem Mo(pia[jL-^ 
des Ptolemaeus. das nördliche mirjamin zu sehen wäre. 
Dass im Alterthume in der Breite von Aradus— Arethusa 
ein Ort lag, dem das heutige mirjamin entspricht, be- 
weist auch die Stelle Arrian II 3, wonach das Gebiet 
des Königs Gerostratos östlich eine Tagereise weit an 
das Gebiet von Mariammei) reichte, und die Bezeichnung 
von Mapictij-aia als r^öKic. ttoiviv-iov bei Stephanus Byzan- 
tius lässt auch nur an den südlicheren Ort denken, 



of the Hashisiyin« S. 180 n. 7 beruht auf einem Missverständniss; auch 
Asher's Text zeigt S. 27 Z. 10 DTOIp n^y, aber das ist in der Uebersetzung 
und noch ausdrücklich II S. 66 n. a. in Kadmus verbessert. 

1) Keinesfalls ist dieses Mariamme mit den Aelteren (s. Kitter 53) 
der Ruine kafat el-hiisn gleichzusetzen. 



28 



Martin Hartmann, 



dessen Bewohner von Pausanias Damasc. genannt wurden fSteph. B. : ol 
TioXT-ai MapioiiJ-ixiTati), i«; ria'jsctvia; i^j -/xiaei aürr,?). Jäküt kennt dieses Ma- 
f/taixvYj — MaptätAT^ — Maptotp-ij-ia als marimin\ es heisst bei ihm lY 516: nmari- 
min ; nach Alkädi 'Abdassamad Ibn Sa'id im tu rieh hhns sagte Ahmad Ibn 
Muhammad : Ich fragte Abu Mu'äwija Assalami nach der Moschea des 'Irbäd 
Ibn Särija Assalami; er antwortete: er pflegte ausserhalb Hims in einem der 
Dörfer von Hirns abzusteigen, das marimin heisst, und seine Nachkommen 
wohnen bis heutigen Tages dort; auch Kudäma Ibn 'Abdallah Ibn Mihdschän 
hielt sich dort auf, als er mit Mansür Ibn Azzubair den Sommerfeldzug 
machte; es giebt noch ein zweites »»«mm«, eines der Dörfer von haleh; all- 
gemein bekannt.« Die Schlussworte lassen erkennen, dass das nördlichere 
mirjanün im arabischen Mittelalter der bekanntere Ort war. Besucht 
scheinen beide mirjamm bisher nicht zu sein. Die von dem nördlicheren 
Ruinenorte aus einem ungedruckten Reisetagebuch ZAss XIV 340 gegebene 
Nachricht dürfte die erste sein. Ob in dem südlicheren mirjamm Reste 
eiiier alten Niederlassung sind, scheint nirgend erwähnt. Bei der ge- 
ringen Entfernung von Ba'albek (höchstens 30 Reitstunden) dürfte sich Ein- 
beziehung dieser Frage in die Arbeiten der Ba'albek-Expedition empfehlen; 
vielleicht lässt sich mit ihr auch eine Untersuchung der ausgedehnten Ruinen- 
felder östlich vom Orontes zwischen derküsch und dschisr esch-schughr ver- 
binden. — Jäküt's marimm, das freilich nicht durch ein ausführliches dabt 
gesichert ist, spricht für Smith's Mereimin; ich hörte für den nördlichen 
Ort nur mirjanün. 



Laufende 

Kr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


315 


x^äLj! 


et-taijibe 


Sm Nus.; SS 3, 252 u>-*^ 
&^j^.3Lll; vgl. Nr. 219. 


316 


J^^Li 


fiihil 


Sm Nus. Gr.; SS 3, 254 JwoLs. 


317 


K^i\^'ä}j\ 


el-kanählje 


Sm el-Künäkiyeh, Nus. 


318 


H)^^^ 


el-dschidr'ije'^) 


Sm Mus. 


319 


_^AäiS 


el-habu -) 


Sm Nus. 



Namen von SS 3, 251 ff., (S. 251 Nr. 320—321, S. 252 Nr. 
322 — 328, S. 253 Nr. 329 — 337, S. 254 Nr. 338 — 344, S. 255 
Nr. 345), die zu der SMixn'schen Liste nicht herangezogen sind: 



1) Bei Plinius (5 § 81) heisst das Gentilicium Mariamnitani. 

2) Nr. 318 und 319 scheinen durch Missverständniss aus Nr. 264 und 
241 entstanden zu sein; vgl. die Doppelschreibungen, die oben S. 170 n. 1 



nachgewiesen sind. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



29 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



320 

321 
322 
323 

324 
325 

326 
327 
328 
329 
330 
331 



323 


324 


^ 325 


326 


327 


328 


329 



Ä.J .Lis 



?wLi 



) 






L> 



So^j 



^\,,\ ^!/i 



J^s^kZiSLj 



^J ji^J 






fagharta 

dschagJüme'^ dschafänel 

hard'ije ? 

kesje ? 

kaje? habe? 

raJfö 

rakbeta ? 

kaind a 

ndüne 

metna 

aghdükär 

bald 

akrcid ibralnm 

el-kadlje 
bitrlje 
kefr '^amlm 
abü 7'ibjäcP) 
ahba ? 
jamse ? 
aumje 



xj 






amurije 
chün schaichün'^) 



516 



SS 14, 345 ^^rö^£ ; Nisbe zu 
hent 'aiine, das als Stamm- 
name belegt ist Lieder der 
Lib. Wüste 226 ? 

SS 14, 341 ; Nisbe zum Stamm 
'amür, über welchen s. u nten?' 

es ist auffällig, dass dieser 
wichtige Ort (SS 235 H.), 
der die Grenze gegen das 
Wilajet Jialeb bildet, bei 
Smith fehlt; Kiepekt. 

1) Sollte in dem ribjäd der Irbäd Ibn Särija stecken, der Jäküt IV 
Z. 19 genannt ist (s. S. 28 oben)? 

2) Es ist gewiss nur ein zufälliges ZusammentreflFen, dass der eine 



SS 14, 342; Flur, vonfaghrüti, 
fagliriti oder Aehnlichem? 



= Kieperts il Harde? 
SS 14, 342 ^^^^. 
SS 14, 345 \A*i „.j 

SS 14, 341 (Lesung unsicher). 

SS 14, 342. 

SS 14, 343 L;^x). 

SS 14, 342 ; daneben ^li'^O y. 

SS 14, 342; gleich Kiepert's 

Beda? 
SS 14, 342 mit kräd. Gleich 

Kieperts Kräd? 

gleich Nr. 245 nj-^j*? 
SS 14, 341. 



30 



Martin Hartmann, 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


342 


ȟL.5^*i 


kamJume 


SS 14, 341 ; Kiepert Kam- 
ehäne mit Paretymologie 
■wie bei Moritz (Komchäne) ; 
mit chäne hat der Name 
kaum etwas zu thun. 


343 


zy^ 


^audsch 


SS 14, 343. 


344 


LLass 


kasräja 


SS 14, 343. 


345 


^\o ^^ 


kefr däm 





Die Kadas des Liwa haleb, die hierher gehören, sind : me?i- 
bidsc/i, el-bäb, maarrat en-niir>iän und er-rakka. Das neuste mir 
vorliegende Salname von haleb^ Jahrgang 24 auf das Jahr 1314 
d. Fl., enthält über diese Kadas nicht eingehendere Nachrichten. 
Zu erwähnen ist nur, dass nach S. 2 52 f. el-chancisir^) zu dem 
Kada menbidsch gehört, und dass von den 233 Dörfern dieses 
Kadas 170 Kaiserliche Domänen sind. Diese Domänen unter- 
stehen jedenfalls der menbidsch schtibesi^ dem Amte menbidsch 
der Kaiserlichen Domänenverwaltung, die ausser ihm noch drei 
andere Aemter hat: abü kalkal^ dschebel 'is und dschebel chäss 
(SH 24 S. 149). abü kalkal geht uns hier nichts an, es ist das von 
Sachau 142 ff. besprochene Abü-Ghalghal nicht weit südöstlich 
von menbidsch, das auch bei Kiepert eingetragen ist 2). Bezüglich 
dschebel 'is'^) sei auf Sachau 102 verwiesen und bemerkt, dass 
auf Karte Sachau Dj. Nebi Ts eingetragen ist (Kiepert nur Nebi 
*^Is). EigeneMitth eilungen kann ich nur zum fZ6cZ!e5e/c/mss machen. 
Man erkennt sofort, dass man es mit einer der zahlreichen tür- 
kischen Verballhornungen zu thun hat. Es ist natürlich der 



der drei Verfasser des grossen chinesischen Geschichtswerkes, aus dem 
Easchideddln schöpfte, Schaikhoun hiess, s. Quatremere, Histoire des 
Mongoles I, LXXVIII. Als arabischer Name wird es Hypokoristikon zu 
schech sein, wie, nach anderer Form gebildet, schaichö, schechö (vgl. P. 
Louis Chaikho und auf Inschriften der Mamlukenzeit). 

1) Text jA^sLÄi» , also übereinstimmend mit dem von mir Gehörten; 
vgl. oben ZDPV XII 146 n. 1. 

2] Administrativ zum Kada er-rakka gehörig; s. unten. 

3) Für 'tsä; vgl. das oben zu Nr. 56 Bemerkte. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Stejipe. 3 1 

dschehel el-ahass der Geographen gemeint, den das Volk heut 
chchebel el-hass nennt '). Der Türke hörte Aass, und da ihm das 
arabische chäss wie hass klingt, so setzte er flugs das ihm be- 
kannte Wort für den richtigen Namen ein. Als ich auf dem Wege 
nach el-chanäsir den Ostzipfel des Berges überschritt, war von 
Anbau nirgends eine Spur, und doch erzählten mir die Leute mit 
Stolz, im dschehel el-hass befänden sich 360 Dörfer, sämmtlich 
Kaiserliche Tschiftliks. Die Leute hatten, wenn auch nicht mit 
der weit übertriebenen Ortschaftenzahl 2), doch damit recht, dass 
hier eine neue Cultur zu schaffen gesucht wird 3). 

Wie schon oben bemerkt, ist der Zustand des Liwa ez-zör^) 
nur aus den älteren Jahrgängen des Salname von haleh zu er- 

1) So hörte den Namen auch Sachau, s. Reisen 111. 

2) Die Zahl ist stehend; das Gebiet von süfttä mit seiner Unmasse 
kleiner Nnssairier-Niederlassungen wurde mir mehrfach als 360 Ortschaften 
enthaltend angegeben. Rest des aus Babylonien stammenden Sexagesimal- 
systems (vgl. Lehmann in Vhdl. Berl. Anthrop. Ges. 1900, S. 29 n. 3)? Hängt 
mit der Beliebtheit von 360 für eine grosse Menge die von 15 (= 360/24) 
für eine mittlere Zahl (vgl. BohtUn 22 n. 2) zusammen? 

3) Der Sultan ist beständig auf Erweiterung seines schon jetzt recht 
beträchtlichen Privatbesitzes bedacht. Fast das ganze Jordanthal ist eräzt- 
i-sentje, und der rüstig fortschreitende Bau der Bahn 'akkä-dimasehk musste 
kürzlich vor baisUn Halt machen, weil erst die Genehmigung des Sultans 
als des Besitzers eingeholt werden musste. Auch nordöstlich von dimaschk 
finden sich Kaiserliche Domänen am Wüstenrande, wie en-tiäsirlje wenig 
nördlich von dscherüd (s. Weg 17. Mai). Ist auch die Verwaltung dieser Do- 
mänen ziemlich kostspielig, so fällt doch etwas dabei ab, da die Steuerlast, 
die den Armen erdrückt, für den reichen Landesherrn in Wegfall kommt. 
Ob Oppenheim's Angabe richtig ist, dass der Sultan »besonders« am Tigris 
Domänengüter anlege (II 83), kann ich nicht beurtheilen. Sie stellt aber 
fest, dass das System der Einbeziehung von Land in die Kais. Domänen- 
verwaltung sich bis in die äussersten Theile des Reiches erstreckt. Dieser 
Erscheinung ist volle Aufmerksamkeit zu widmen. Sie ist eine Parallele 
zu dem Streben Muhammed 'All's und Isma'il's, das Land zum Familien- 
besitz der Dynastie zu machen. In Egypten verband sich damit leider die 
Tendenz, diesen Besitz in unsinniger Weise auszubeuten. Hier könnte 
man vielmehr einen energischeren Betrieb wünschen, und dem Lande wie 
seinem Herrn würde die Heranziehung von deutschen Landwirthen nütz- 
lich sein. 

4) Die Türken schreiben natürlich nach ihrer üblen Angewohnheit 
immer zör, raklia u. s. w. Hier ist überall die arabische Form wieder- 
hergestellt, ausser wo es sich um eine Anführung aus dem Türkischen 
handelt. 



32 Martin Hartmann, 

sehen. In SH l auf 1284 (heg. 5. Mai 1867) ist nur von der zör 
kyfasij, dem »Stück zdr< und seinem Käimmakäm die Rede, mit 
den beiden Kadas er-ra/cka und 'isc/tära. In SH 2 auf 1285 findet 
man auch noch die zör kyfasy mit denselben beiden Unter- 
abtheihmgen, und ähnlich in SH 3 auf 1286, nur dass es hier 
der kyfasy heisst. Vortreffliche Mittheilungen über das Liwa 
ez-zor finden sich in SH 4 auf 1287, wo der um die Schaff"ung der 
türkischen Macht in jener Gegend hochverdiente Arslan Pascha 
als Mutesarrif genannt wird (S. 66). SH 5 (1288) bis SH 7 (1290) 
lind SH 9 liegen mir nicht vor. In SH 8 (1291) ist von dem Liwa 
ez-zör nicht die Rede. Es erscheint wieder in SHlO (1295), 
SH 11 (1296) und SH 12 (1299). Später kommt es in den Jahr- 
büchern des Wilajet haleh nicht mehr vor; es scheint, es wurde 
schon im Jahre 1300 (beg. d, 12. 11. 1882) das, was es jetzt ist, 
d. h. ein unabhängiges Liwa (vgl. oben S. 2). 

Neben diese türkische Quelle ist nun im Jahre 1891 eine 
neue getreten, der dem Liwa ez-zör gewidmete Abschnitt in 
CuiNET, La Turquie d'Asie II 273 — 314. Die Darstellung, die 
fast nur auf türkisches Material zurückgeht, ist ausserordent- 
lich breit. Die Angaben sind mit der grössten Vorsicht aufzu- 
nehmen. Dennoch theile ich hier die Hauptsachen mit, da sie 
für Manches, was bisher unbekannt war, wenigstens einen An- 
halt geben ^]. 

Geschichte. Cuinet bietet hier nichts, was über die Nach- 
richten bei Sachau 263 f. und bei v. Oppenheim I 330 hinaus- 
geht'-^). 

Eintheilung. Das Liwa ez-zor hat ca. 100 000 qkm; es 
zerfällt in 4 Kadas und 4 Nahijen mit 158 Dörfern oder Lagern; 
die Kadas sind : 

der ez-zör mit den Nahijen sahcha^ tudmur^ kökah und 
81 Dörfern; 

1) Auch hier sind allenthalben die von mir gewählten arabischen 
Namensformen statt der schiefen türkischen, die obendrein von Cüinet 
arg gemisshandelt sind, eingetragen. Abweichungen von Interesse sind 
gehörigen Ortes vermerkt. 

2) Nur ist zu bemerken, dass bei Sachau a. a. O. die Sache auf den 
Kopf gestellt ist. Nicht am Anfang war Der (lies: ez-zör) ein selbst- 
ständiges Gouvernement und nachher Theil des AVilajets hahb, sondern 
umgekelirt. v. OprKNHElM hat 1867 als Jahr der Einführung türkischer 
Verwaltung in ed-der, Cuinet 1857. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 33 



'tschüra mit der Nahije el-hiisera und 34 Dörfern; 

7'üs el-ain mit 24 Dörfern ; 

el-hüJcemäl mit 19 Dörfern. 
Militär. Ein Regiment Regnläre (Nizäm) unter einem 
Brigade-General, gehörig zum V. Armeekorps {(h'masc//k). Die 
Bewohner des Liwa stehen nicht unter dem Rekrutirungsgesetz. 

Moscheen und Kirchen. 

Moscheen Kirchen 

der ez-z'ör 3 2 

Nahije hokah 2 — 

Nahije tudmur 2 — 

Kada '^iscJuira 2 — 

Kada reis el-ain 2 — 

Kada el-hxikemal 2 — 

Summa 13 2 

Das Gerichtswesen liegt noch ziemlich im Argen. Be- 
rufung findet an das Berufungsgericht in haleh statt. 

Polizei. Das Gendarmerie-Corps zählt 700 Mann (beritten 
und nnheritten). Die Mannschaften sind in dieKadas und Nahijen 
vertheilt; sie haben die Strasse zu bewachen und alleinreisende 
Personen zu begleiten; auch besorgen sie den Postdienst. 

Schuldenverwaltung. Sie hat eine Agentur [memürije] 
in ed-dcr. Die Einnahmen aus Stempelverkauf, Spirituosensteuer, 
Strafgeldern für Salzschmuggel steigen: 

1301 (1885/86) 16 539 Psfr. 

1304 (1888/89) 27 436 » 

1305 (1889/90) 33 998 » 

1306 (1890/91) 37 424 > 

Dabei sind die Einnahmen aus der Saline von tudmur nicht 
inbegriffen; denn diese dependirt von der Inspektion [nazüret] in 
hairüf. 

Tabakregie. Diese Verwaltung hat seit 1888 keinen 
Agenten mehr in ed-der\ denn Tabakbau wird im Liwa nicht ge- 
trieben, und der Lokalverbrauch, der von hcujhdüd her gedeckt 
wird, ist zu unbedeutend. 

Bevölkerung. 100 000 Seelen, die sich so vertheilen: 

Ztsclir. a. Pal.-Ver. XXIII. 3 



34 



Martin Hartmann, 





Muslims 


Christen 


Juden 




Kadas und Nahijen 


Sun- Schi'i- 
niten teu 


Katholiken Nicht- 
Armenier 1 Syrer l^atlioliken 


Summa 


Stadt der ez-zör .... 
Nahije kokah 

» tudmur 

» sahcha 

Kada ^ischära 

Naliije e/-i2/,s-5rrt. . . . 
Kada ras el-ain . . . 
Kada el-hnkemäJ . . . 


18550 

15000 

3000 

7000 

18000 

GOOO 

16000 

15000 


200 


400 


600 

— 


.200 


50 


20000 

150000 

3000 

7000 

24000 

IGOOO 
15OO0 



Summa ! 98550 200 



400 



600 



200 



50 lOOOOC 



Der Haupttlieil der islamischen Einwohner sind Beduinen, 
von denen nur ein Theil feste Lagerplätze hat. Da die Nomaden 
sich der Zählung- entziehen, so ist die vorstehende Tabelle sehr 
unvollständig. Sie ergiebt 1 Einwohner per Quadratkilometer, 
das Yerhältniss wird aber ein günstigeres sein. Abgesehen von 
den "^Aneze, die das Land beständig durchstreifen, sind folgende 
Stämme zu nennen: 1) esch-scJnväJe^) (el chouayieli;, zelten 
von Kada el-hnkemlxl bis nach ed-der\ 2) el-agedät, zelten fast 
immer in der Umgegend von mejiidTn\ 3) es-sahcha in der gleich- 
namigen Nahije; 4) el-afüdile (el Affazleh) von ed-der bis nach 
haleh. Mit Ausnahme der ^Vneze beschäftigen sich diese Bedui- 
nen mit Landbau und Viehzucht. Ausser den Bodenertrag- und 
Viehsteuern zahlen sie jährlich pro Zelt ein Pfund Türkisch, ge- 
nannt Khana (c/mne?) oder hct'ije. 



1) SaC'IIAU 252: »Mit diesem Gesammtnamen [ShcwäjäJ wird eine 
grosse Anzahl über Syrien und Mesopotamien zerstreuter Stämme bezeichnet, 
die Beni Sa'ld mit dem Centrum in Membidj, die Baggära in verschiedenen 
Theilen des Euphrat-Thals, die Bul-Khamis am obersten Belikh und auf 
dem Syrischen Euphrat-Ufer, die Bul-'Assäf am mittleren Belikh und 
andere. Jetzt besteht unter diesen Stämmen keinerlei Zusammenhang mehr, 
aber sie müssen wohl in früherer Zeit einmal eine Einheit gebildet haben.« 
Diese Annahme dürfte nicht richtig sein. Vielmehr führen sie den gemein- 
samen Namen scheioäjä von ihrem Gewerbe, der Schafzucht, ebenso wie 
die Schoa des westlichen Sudan; vgl. das Islamischer Orient 129 f. Aus- 
geführte, zu dem hinzuzufügen ist, dass scheioäjä als Plural zu dem dort 
belegten schäwye wird angesehen werden dürfen, für schätväjä. 



Beiträge zur Kenntnis3 der Syrischen Steppe. 



35 



Schulwesen. 



Kadas 



Nahij en 



Relisjion 



Schulen 



Secun- 
där 



Primär 



Schüler 



der ez-zor 



mejädln . 
ras el-ain . 
el-hükemäl 



Stadt der ez-zor 

kükab 

tudmur 

sahcha 

el-husera .... 



Muslims 

Katli. Armenier 
■» » Mädchen 
Muslims 
Muslims . 
Muslims . 
Muslims . 
Muslims . 
Muslims. 



50 
30 
20 
18 
6 
G 
15 
15 
10 



Summa 



1 13 17U 



Klima. Es ist sehr gesund im ganzen Liwa; man kennt 
keine endemischen Krankheiten, ausser in el-hükemal^ wo Sumpf- 
fieber herrschen (Sommer bis 56° C). Im Winter viel Kegen. 



Ijodenerzeugnisse im Jahresmittel ') 



Kadas und Nahij en 


Weizen 
Tonnen 


Gerste 
Tonnen 


Mais 
Tonnen 


Sesam 
Tonnen 


Summa 
Tonnen 


Kada der ez-zor 




, 








Umgeg. von der ez-zor 


7G9 


368 


1232 


93 


\ 8S50 


Nahij 6 kokab 

» tudmur 


924 

307 


385 
143 


1847 
462 


77 
62 


» sahcha 


770 


308 


1077 


76 


1 

/ 


Kada '^ischära 












Umgeg. von mejüdln . 
Nahij e el-husera .... 


402 
465 


154 
230 


769 
1078 


31 
46 


j 3235 


Kada 7'iis el-ain .... 


616 


384 


1230 


92 


2322 


» el-hühemäl . . . 


1078 


539 


2308 


1154 


5079 


Summa 


5391 


2461 


10003 


1661 


19486 



1) Die Ziffern dieser und der folgenden Liste sind mit dem grössten 



Misstrauen aufzunehmen. 



3* 



36 



Martin Hartmann, 





Vieh ertrag im Jahresmittel 










Hornvieh 


Pferde 


Esel 


Kamele 


Schafe 


Summti 


Kadas und Nahijen 


Ochsen ^ „ , 

-,..., Büffel 
u. Kune 


Kada der cz-zor 














\ 


Umgcg. von der cz-zor 


2000 


— 200 


1000 


500 


50000 


\ 


Nahije hohab 

» tudmur .... 


1000 
1000 


■ 

1500 


400 
100 


1500 
500 


500 
200 


70000 
33300 


|235900 


» sahcJia 


1500 


2500 


200 


1000 


300 


G6700 


) 


Kada 'isc/tära 
















Umgeg. von mejüdin 
Naliije el- buser a . . . 


1500 
500 




300 


1500 
500 


800 
200 


60000 
20000 


85300 


Kada ras cl~ain . . . 


1000 


— 


300 


1500 


500 


80000 


83300 


» el-büketnäl . . . 


1500 


— 


200 


1000 


1000 


70000 


73700 


j 10000 1 4000 




Summa 14000 1700 8500 4000 450000 


478200 


Für die einzelnen Kadas und Nahijen stelle ich die Angaben 
des schon oben (S. 32) erwähnten SH 4 voran. Leider lässt sich 


mit der erbärmlichen Schreiberei des Aleppiner Steindrucks nicht 


viel anfangen. Die Namen sind fast sämmtlich grausam ver- 


stümmelt und Vieles Hess sich auch nicht mit Zuhilfenahme 


anderer Quellen herausbringen. Bei Cuinet, dessen Nachrichten 


ich im Auszug folgen lasse, sind die meisten Mudirliks von SH 4 


zu Kadas geword 
• 1,11 • 1 


en. Im 
1 _ . 


Wesen 
1 1 


der Ve 
1 • 


rwaltun 
11' 


g wird . 


sich damit 
. _ •■ i 1 



nicht allzuviel geändert haben, aber ein kleiner Fortschritt kann 
wohl zugegeben werden. Auch hier trage ich die arabischen 
Namensformen, wo sie sicher sind, ein und führe die der Origi- 
nale nur im Zweifel an. 

Kada ed-cler. 

Der Hauptort ed-der^) hat zwei Quartiere, das östliche und 
das westliche, und besteht aus 17 Ortschaften, die von den Leuten 
der drei 'Aschiret (Stämme) el-bT(serüj\ el-bücliäbur und baggara 
[baklyZiro] bewohnt sind ^j. 

1] Uebcr den Namen ;r^-^J y.^ s. unten S. 48 n. 1. 

2) Von diesen drei Stämmen wohnen die el-hüseräj auf dem rechten 
Eufratufer, die hagyära und wahrscheinlich auch die el-hüchäbür auf dem 
linken. Das el ist gleich henl. 



Beiträge zur Kenntuiss der Syrischen Steppe. 



37 



Verzeicliniss der Dorfnamen. 
'Aschiret el-hüsercij^). 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name Umschreibung 


Bemerkungen 


346 


».jJs.i.h 


tariklj'e 


1. tre.fye = Kiepert's Tref ? 


347 


\I:iA4-v^ 


schamhata? scJtmaifa ? 




348 


U*-!-:^^ 


'^aijäsch 


Sachau 260 Teil Erajjäsh. 


349 


^Lj.i> 


chreta 


Sachau 268 Elkhreta auf der 






Karte Tel el-Khreta, ebenso 








Kiepert; zu unterscheiden 








von el-chrcta auf dem linken 








Ufer Sachau 260 und Kie- 








pert. 


350 


^.aXxXJ 


hghelije 


Sachau 267 Elbghelijje; Kie- 
pert 0. A. 


351 


L5^/^ 


haharhwj? hkarhü? 







'A 


schiret el-huchabur 


')• 


[/aufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


352 


a^— u^'« 


müs hasan 


über müs für müsä vgl. zu 

Nr. 56. 


353 


lAxc 


'^ul 




354 
355 




mere'lje 
läjid? 


1. läbid? vgl. den dschebd cl- 
lähide V. OPPENHEIM I 322. 



"^Aschiret baggara"^). 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



&4.>.^j! ahu rahme 

_bi_/« marrät kann kaum das /««n-«/ auf dem 

rechten Eufratufer Sachau 275 und Kiepert sein; denn 
die haggüra sitzen auf dem linken. 

1) Zu dem Namen vgl. das bei Sachau 260 genannte Zeltdorf Sür 
Abu Serai auf dem rechten Eufratufer. v. Oppenheim II 71 ff. hat den 
Namen nicht. 

2) "VVohl nach dem Fluss Chäbür benannt, v. Oppenheim, a. a. O. liat 
den Namen nicht. Die vier Niederlassungen scheinen sonst nirgends ge- 
nannt zu sein. 

3) V. Oppenheim hat in der Liste II 67 ff. zwei baggüm: S. 69 Nr. 19 



38 



Martin Hartmann, 



Laufemle 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


35b 


s.lL^ 


hatla? 




359 


\aaa.vv^:>- 


hsemjc 


Sachau261 Elhsenijjc; ebenso 
Kiepert. 


360 


Xa'VAAAX 


meeacJiije 


Sachau 260Zeltdorf Elme'öshe 
auch Elhä'ir genannt; eben- 
so Kiepert. 


3G] 




el-hüsalih 




362 


hededsch 





In cd-der befinden sich 2 Dschämi', 3 Mesdschid, 45 Kram- 
läden, 1 Kaffeehaus, 2 Backöfen, 5 Färbereien, 2 Weinhäuser, 
1 liad, 14 Schmieden; der Ort ist im AufbUihen. 

Wallfahrtsstätten. In ed-der selbst auf dem Friedhof 
^\bderrahmän Ihn Abu Bekr Essiddik und Genossen und Heilige 
wie Abu 'Äbid ; in dem 3 Stunden östlich von ed-der gelegenen 
el-hiichahür ist der Genosse Abunnuhüd begraben '). 

Alterthümer. 6 Stunden westlich von ed-der die Ruinen 
einer kata^ genannt? 2), soll vom Imam "^Ali zur Zeit der Erobe- 
rung zerstört worden sein. 

Bei CuiNET hat das Kada ed-der 3 Nahijen : sahcha^ tudmiir 
und kdkah. sabcha siehe hier als Mudirlik saheJta S. 44 f. Ueber 
iudmur siehe am Schluss dieses Kada. kökab bespreche ich nicht, 
weil es ganz und gar auf dem rechten Ufer liegt. — Zahl der 
Dörfer: 81, von denen 35 zu ed-der in engerem Sinne gehören. 
— Bevölkerung: 45 000 Seelen (43 550 Sunniten, 200 Schi*^iten, 
400 katholische Armenier, 600 katholische Syrer, 200 nicht- 
katholische Christen, 50 Juden). — Der Hauptort ed-der hat 
2500 Häuser mit 20 000 Seelen 3) (Vertheilung s. oben S. 34 die 
Tabelle) ; die Schi"^iten haben keine Moscheen und dürfen ihren 
Cultus nicht öffentlich üben. Von den Christen haben nur die 



und S. 74 Nr. 22; die doppelte Nennung scheint ein Versehen zu sein; auch 
sonst bietet die Liste unlösbare Räthsel, so dass sie besser fortgeblieben wäre. 

1) Sachau 276 Ruinenstätte Abu Nuhüd. 

2) Völlig unleserlich; sieht aus wie tßlibt; sind etwa die Ruinen von 
Tabus ;= Aoißa'j^a Plol. 5, 17) Sachau 268 gemeint? 

3) Diese Ziffer ist übertrieben; Sachau 262 giebt der Stadt 5—6000 
Seelen, v. Oppenheim 1 ;j;i2 6—7000 Muslims und 700 Christen. 



Beiträge zur Kcnntniss der Syrischen Steppe, 



39 



Katholiken Kirchen. Die Juden hahen weder Synagoge noch 
Eahhiner noch Schule. Von den 5 Schulen sind zwei islamisch 
(eine Ruschdije mit 20 Schülern und eine Elementarschule mit 
30 Schülern) und zwei armenisch-katholisch, eine Knabenschule 
mit 30 Schülern und eine Mädchenschule mit 20 Schülerinnen. 
— 5 Bazare, die Ibrahim Hakki Pascha im Jahre 1886 in Stein 
ausbauen liess, mit 300 Läden, 10 Kaffees, 4 Chans; 1 Apotheke, 
1 Bad. Jede Woche ist ein Mal Post von und nach haleh. Auch 
kommt und geht jede Woche je eine Karawane von und nach 
dimaschk und haleh. Telegraphische Verbindung besteht noch 
nicht (seitdem ist sie eingerichtet, s. v. OppEMif^M I 331 n. 1). 

Die Nahije tudmur existirt in SH 4 noch nicht; nur in der 
hier S. 50 mitgetheilten Tabelle erscheint die Landstadt [kambe] 
tudmur mit SOO Seelen. Bei Cuinet hat die Nahije tudmur 
6 Dörfer und feste Lager mit 10 000 Seelen; nach ihm ist diese 
Nahije das wenigst ertragreiche Gebiet des ganzen Liwa. 



Mudirlik er-rakka^ 
besteht aus IG Oijmak der 2 "^Aschiret el-afädile^) und d-ivuld. 

^\schiret el-afädile^). 



[kaufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


363 
364 

365 
366 
367 
368 


S,Xa.jm 


fatima 
da kür ? 

hatü? 

herlnk 

se})a ? sha^a 9 

liamra 


Das teschdld des hl ist nicht 
sicher. 



1) Orig. deutlich \jJ>Lä£; da die Schreibung Sachaus 252 Afadilc (wo- 
neben S. 254 Afädil) durch Cüixet II 281 el Aflazleh (vgl. oben S. 34, 
das z ist türkische Darstellung des r/) gestützt wird, so kann in i^JOLfl£ 
nur eine türkische Verstümmelung gesehen werden; M'alirscheinlich liegt 
eine Vermengung mit dem Namen o^iAaSc 'agedUt vor. Nach Sachau 
a. a. O. sind die Afädile eine Unterabtheilung der schwäjä (Shewäjä). VON 
Oppenheim II 67 hat 'Afädle '^'^^s.s. und lässt sie im Winter westlich vom 
Belich zelten, wo auch Kiepert sie eingetragen hat. 



40 



Martin Hartmann, 







"^Aschiret el-rould^). 




Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


360 


V La«. ».Ji ^\^-vi 


farachch es-selamc 




370 

37 1 
372 


Scheck ibräliim 
Scheck hamclän 
Scheck kmnd 




373 


sckeck ahü resii ...(?) 




374 




Scheck 'is 


über 'ts für ^isä s. zu Nr. 56. 


375 


scJwck muljammed 'all 




370 


Scheck haddür 




377 


käddsclib [kädschir ?) el- 


der Artikel ist gleich ihn; vgl. 




melhem 


oben S. 36 n. 2. 


378 


^JLXJ^ ^4-3^ 


mukammed el-gkZinim 


wie zu Nr. 377. 



Wallfahrtstätten. In ahü kuraira (Kiepert Th. Abu 
Hrere) liegt der Genosse Abu Hiiraira, in meshene der Kopf des 
Imäm Husain und sein Sohn; ferner sind Grabstätten da, welche 
dem Täbi*^ Uwais Elkarni und dem Genossen 'Ammär Ibn Jäsir 
zugeschrieben werden. 

Alterthümer. Dass er-rahha eine gewaltige Stadt war, 
bezeugen die vorhandenen Ruinen, und es heisst, dass sich im 
Innern Alterthümer befinden; am Ufer des Eufrat befindet sich 
die Huine einer Kara namens dsckabar [daiisar der arabischen 
Geographen s. o. XXII 167], in meshene die Ruinen einer gleich- 
namigen Stadt [es sind die von Barbalissus gemeint], in ahü 
kuraira ebenfalls die Ruinen einer Stadt, und endlich in meshene 
noch ein viereckiger Thurm in Form eines Minarets. 

Der Bezirk er-rahha wurde, als das Liwa ez-zor zu einem 
IhcTi-i-mllstekiU gemacht wurde, zunächst bei diesem belassen, 
sehr bald aber zu einem Kada des Wilajet h_aJeh gemacht, in dessen 
Salnames seit Jahrgang 15 (auf 13U3) das Kada er-rakka regel- 

ll V. OrrENHEnt hat II, 07 »Wilde äAj», 1000 Zelte, im Sommer bei 
Kal'at da'bar, im "Winter bei dubb Sa'ir im Osten von Serüg"; man darf in 
der türkischen Liste hier wohl einen Irrthum annehmen und el-u-ilde ein- 
setzen; zu dem Fehler wird das Vorkommen von tvidd als Name der zweiten 
Abtheilung der Fed'än (s. unten S. 49) beigetragen haben. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



41 



massig erscheint (s. meinLiwaHalebS. 68). Nach CuiNETlI223ff. 
hat das Kada 75650 Einwohner, von denen 5650 ansässig, 70000 
Nomaden. Die Ansässigen vertheilen sich anf die drei Ortschaften 
er-rakka mit 2600 Häusern und Zelten, meskene und kalkal\ die 
beiden letztgenannten sind kaiserliche Domänen (vgl. das ahü 
kalkal oben S. 30). 

Mudirlik ^ischära. 

Hauptort ist das Doxi^ischäi'a (Kiepert's Hurg eKlsch.ira?); 
das Mudirlik hat 1 Dörfer, die von den 'Aschirets sc/nvli ^) und 
ieivellud^) bewohnt sind. 

Namen der Ortschaften. 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


379 


«.aJ,£ 




Die Namen scheinen bis auf 


380 


o^^ 




379 gliarbije und 382 el- 
loadschh schwer verstüm- 


381 


qL^*V 




melt; bei den meisten ist 


382 
383 


• -• 




die Lesung unsicher. 384 
sieht türkisch aus. 


384 


^^j=^ ^. ^jß 






385 


o^l-^ 






386 

387 




- 




388 









Wallfahrtstätten. In dem Mudirlik befindet sich der 
Makäm des Imäm 'Ali [Kiepert], es ist dort eine Moschee mit 
Minaret ; in dem Grabe sollen sich viele Fromme und Märtyrer 
befinden. — Hierher gehört auch die Türbe des Schech Schibli, 
die irrthümlich unter Mudirlik sabcha genannt ist (s. unten S. 45); 
vgl. Sachau 281. Wer mit diesem Schibli gemeint ist, ist nicht 
auszumachen; bei den Historikern und Geographen finden sich 
mehrere berühmte Schibl (s. Indd. Jäküt und Ibn Elatir). Es 
kann doch kaum der im Jahre 334 gestorbene und in Baghdäd be- 
grabene Sufi Dulaf Esch-schibli gemeint sein. 



17) Diese Namen sind unsicher. 
schwäfä. 



Statt schwit ist vielleicht zu lesen 



42 Martin Hartmann, 

Alterthümer. Der Abschnitt ist ausgefallen, da die hier- 
liorgehörige wichtige alte Ruine raliaha irrthümlich unter Mu- 
dirlik sahclia genannt ist (s. unten S. 45). Dieses raliaha, das 
Sachau 279 fF. ausführlich beschreibt, ist das er-rahha, von dem 
Albaläduri ISO sagt, es sei eine Neuanlage des Mälik b. Tauq b. 
'Attäb Attaghlibi unter Alma'müni) und das Jaküt II 764, s. v, 
rahhat mälik h. tauh behandelt (vgl. OLZ II, 1S99, Sp. 311). Das- 
selbe raliaha hat SH 4 noch einmal unter Mudirlik el-hiisera^ zu 
dem es nach der alten Anordnung, bei welcher sich el-himra 
auch auf das rechte Eufratufer erstreckte, wohl gerechnet wer- 
den konnte. 

Eine besonders einschneidende Veränderung haben die Ver- 
hältnisse dieses Mudirliks erfahren. Es ist nicht bloss zum Kada 
erhoben worden, sondern es ist zu ihm das Mudirlik el-husera 
(s. unten) als abhängige Nahije geschlagen worden. Zugleich 
hat sich die Begrenzung der beiden Gebiete nicht unwesent- 
lich verschoben. So habe ich die Daten Cuinet's II 306fF. hier zu- 
sammengefasst 2). 

Das Kada Achara [so schreibt Cuinet; auch Moritz 'Aschära; 
ich gebe dem 'Ischära Kiepert's den Vorzug] hat 34 Dörfer, 
von denen 18 in der zu dem Kada gehörenden Nahije Bessireh 
[el-hiisera] liegen. Bevölkerung: 24000 Seelen, sämmtlichSunniten. 
— Hauptort: Meyadin [me/adln], auf dem rechten Eufratufer 
42 km SO von cd-der; um das Regierungsgebäude und die 
Moschee, mit der eine Schule des Imams (für acht Schüler) ver- 
bunden ist, gruppiren sich 300 Häuser von Familien des Stammes 
el-Akhedaat \\. el- agedüt\ mit 17 500 Seelen. — Wenig nordwest- 
lich von mejTidln liegt das Kasr-el-Rehebbch \\iasr er-reliehe\ eine 
alte Burg in Ruinen, die man dem Rehoboth der Bibel gleich- 
gesetzt hat. Nach einer Lokalsage hat ein französischer Reisender 
i. J. 1875 an diesem Orte eine Goldmine entdeckt. — Boden- 
erzeugnisse in mittleren Jahren für das Kada mit Ausschluss der 
dependirenden Nahije: Weizen 462 To., Gerste 154 To., Mais 
769 To., Sesam 31 To., zusammen 1416 To. — Viehzucht, Ertrag 

1) Natürlich spricht das nicht gegen die Gleichsetzung mit rehöböt 
hannähär Gen. 36, 37. 

2) Die zahlreichen Ungenauigkciten CuiXETS im Einzelnen aufzu- 
decken, lohnt nicht der Mühe. Es sind hier nur die Hauptsachen mitge- 
theilt, soweit sie Interesse haben. 



Beiträf^e zur Kenntniss dor Syrischen Öto])])e. 43 

im Jahresmittel: Rindvieh 1500 St., Pferde 300 St., Esel 1500 St., 
Kamele 800 St., Schafe 60 100 St., zusammen 64 200 St. i). — Die 
Nahije Bessireh oder Bousseira [el-busera] hat 18 Dörfer. Be- 
völkerung: 6000 Seelen, sämmtlich Sunniten. — Hauptort: 
Bessireh [danehen andere Namensformen, auch Bou-Serai soll 
vorkommen, das ist aher etwas ganz Anderes; 1. el-btfsera], ein 
Flecken oder vielmehr ein festes Lager von Arabern des Stammes 
el-Akhedaat [cl-agedüt\ 29 km unterhalb ed-der^ 15 km oberhalb 
mejädin., am linken Ufer des Eufrat, an der Mündung desChäbür, 
bei den Iluinen von Circesium; 6 — 800 Seelen; Moschee mit 
Schule i7 Schüler;. Die Umgegend ist reich an Jagdwild. — 
Bodenerzeugnisse im Jahresmittel: Weizen 465 To., Gerste 
230 To., Mais 1078 To., Sesam 16 To., zusammen 1819 To. — 
Viehertrag im Jahresmittel: Rindvieh 500 St., Esel 500 St., Ka- 
mele 200 St., Schafe 20 000 St., zusammen 21200 St. i). 

Der Hauptunterschied zwischen der alten und der neuen 
Anordnung ist, dass jetzt der Bezirk el-huscra auf das linke 
Eufratufer beschränkt ist, während ihm früher z. B. niejädln auf 
dem rechten Ufer angehörte (s. unten Nr. 421). Dieser Ort hat 
den früheren Hauptort des Kadas 'ischära völlig verdrängt. 
Sachau besuchte sowohl mejiidln als el-busera und spricht aus- 
führlich von beiden (S. 28 1 ff.), nennt aber nicht die Bezirke, deren 
Hauptorte sie sind; nach ihm residirt auch in el-husera ein Kä- 
^immakäm, ebenso wie in mejculin'^] . Auffällig ist, dass Kiepert 
das Burg el 'Ischara auf dem rechten Eufratufer hat, Moiiiiz das 
*^Aschära, das er Zaitha gleichstellt, auf dem linken (über die 
Schreibung *^Aschära s. schon oben zu Cuinet's Achara). 



1) Die Ziffern sind mit dem grössteu Misstrauen aufzunehmen. 

2) Da in der Nennung der Beamten a. a. 0. und auch sonst bei Reisen- 
den oft Irrthümer vorkommen, so sei hier eine Uebersicht über die Haupt- 
beamten der türkischen Provinzialverwaltung gegeben. Die obersten Be- 
amten heissen: 



ys i 1 a j e t 
Gouverneur icüVi. 
Generalsekretär mehtübi 

[mehtühdsclii] 
Finanzehef deftcrdär 



liiwa 
mutesarrif 
tahrirät mudirl 



muhasehedschi {miihä- 
sibdichi) 



Kada. 
käwinudäiii 
tahrirät kUtibi 

mal mudirl. 



44 



Martin Hartmann, 



Mudirlik sahcha^]. 
Ilauptort rahabi] das Mudirlik besteht aus 15 Ortschaften, 
die von der 'Aschiret sabcha bewohnt sind. 

Namen der Ortschaften: 



Laufende 
Nr. 



389 
390 



391 

392 
393 
394 
395 
396 

397 



398 
399 
400 
101 
4 02 

403 



Arabischer Name 



Umschreibung 






abu hamd 
rahabi 






•♦*« 






o 



muglila 

mustcdill? 
schammar? 
firäs 
smoaide 
madcin 2) 

kasabl 



A>J 



L5" 



.\a*XJ) 



Bemerkungen 



die Endung i ist hier wie in 
395 und 396 wohl Vertreter 
von e; in Syrien ist die 
Schreibung von Wörtern auf 
c mit i bei den Ungebildeten 
ganz allgemein (so schrieb 
mein Diener in Bairüt in 
dem Haushaltungsbuch 

durchgängig ^_^i für 

»5-g.i; die Leute hören eben 

ein i am Ende). Kiepert 
Rahabi. 
wohl die «l^nselj Mogla« Kie- 
perts. 



tibni 

chair rcije? 

'akrcs ? 

muchfür mlih 

louchmcsch (und 
chumsch ?) 

aUam'ije 

1) ürig. Hobha. 

2) Zum Namen vgl. Mi'dän in Babylonien v. Oppenheim II 74 



Sachau 254 f. Post -Khan 
Ma'dan. 

Sachau 256 Ksubbe, wofür 
Avohl besser ksube zu schrei- 
ben ist; ich hörte diese Form 
neben dem Lieder der Liby- 
schen Wüste Ib genannten 
ffasaba. 

Kiepert Ru. Tibni. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



45 



"Wallfahrtsstätten: An dem Ort //a/e67;e befindet sich das 
Mausoleum des Schech Schibli ') : 

Alterthümer: Euinen einer Kafa namens redscheh'i (lies 
rahahi) '-), ferner zwei grosse Kara-Ruinen, einander gegenüber- 
liegend, halehtje auf dem syrischen und zelehlje auf dem meso- 
potanischen Ufer des Eufrat'^). 

Mudirlik el-hükemüP). 

Hauptort das T)oxi sakr'ije^). Das Mudirlik hat 15 Ortschaf- 
ten, die von Leuten der 'Aschiret el-hiihemZd bewohnt sind. 

Namen der Ortschaften: 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


404 


&>-*xa>- 


hasihe 




405 


&AXJ a^M 


suwailje 




406 


\J,^M 


sakrlje 


schon als Hauptort genannt. 


407 


8.AC 


'ibra 




4 08 


^±A^ 


remüdl 




409 


1^^\**H 


sabcha 




410 


Ä*bs 


kafa 


Kiepert Gafa. 


411 


».ääLj 


tak a 


sieht wie eine Verdrehung des 
vorigen aus. 


412 


i.U>^ji 


abü hamUm 




413 


(Jk^U 


gharämk 




414 




dscharra? bahra? 


dschezle (s. Wallfahrtstätten]? 


415 


o^ 


'adschin 




416 


i<s.kM 


schaghfa 





1) Durch Versehen hierher gerathen, s. oben S. 41. 

2) Durch Versehen hierher gerathen, s. oben S. 42; es trug wohl da- 
zu bei, dass in sahclia ein rahahi, liegt, wenn nämlich diese Eintragung bei 
Kiepert begründet ist; sie scheint sich einzig auf den Weg Moritz' in 
dessen Karte zu stützen. 

3) Vgl. Sachau 256 f. 

4) Or. ahü kemäl; das ist ebenso zurückzuweisen, wie das Abu ChamTs 
Y. Oppenheim II 07; denn das sind künstliche Konstruktionen; die Beduinen 
sagen sicher nur el-hük., el-häch. 

5) Vgl. Kiepert «Felsen IskerTja im Strome«. 



46 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


417 


JV^^L; 


hZiglmz 


nicht = Sachau 277 f. Bogrus, 
das bei Kiepert Bogrüs ist; 
denn dieses liegt zu weit 
nördlich; der Name darf 
aber vielleicht in dem ,Pje- 
bel-Baous' der Karte bei 
CuiNET -wiedergefunden 
werden. 


418 


&AA.>.AM 


sT/se 





Wallfahrtsstätten: lu suwailje ist ein Makäm des Imäm 
*^Ali, in dschezle [dscherle? chcharra? vgl. 414) ist ein Makäm der 
vierzig Männer. 

Alt e rthünier: In dem Ort üdihlje ist die Ruine einer 
grossen Stadt gleichen Namens (Kiepert Ru. Siilehije [Kän 
Kal'esi]); in dem Orte hügJmz ist die Ruine einer grossen gleich- 
namigen lyara. 

Ein klares Bild lässt sich von der Lage und Ausdehnung 
dieses Miidirliks nicht gewinnen. Sicher ist, dass es den südöst- 
lichen Theil des Liwas bildet und an das Kada "^Ana des läwa 
haghdZid (Wilajet haghdad) grenzt'). 

Die Hauptdaten Cuinet s (II 312 ff) sind folgende: das Kada 
Al-Hou-Kemal hat 19 Dörfer oder feste Lager. — Bewohner: 
15000, sämmtlich Sunniten; zum grössten Theil dem Stamme El- 
Chouayieh (esch-scJncüje) angehörend. — Hauptort: Al-Bou-Ke- 
mal^j auf dem rechten Eufrat-Ufer, 120 km Südost \on ed-der, 
besteht nur aus dem Regierungsgebäude, der Moschee, einer 
kleinen Anzahl Häuser mit einigen Kramläden und einem Kaffee; 
in weiterem Umkreise Beduinenzelte; der Hauptort zählt ca. 1000 
Seelen; in der Moschee ist eine Schule mit 10 Kindern, die der 



1) Die Grenzenangabe bei CuiNET II 312 stimmt nicht mit der Karte 
und diese ist richtiger; so ist z.B. sicher falsch, dass das Gebiet von El- 
bükemäl an die Nahije tudmur grenzt (»limite ä l'ouest par le nahie de Tad- 
mor«) ; auf der Karte ist es nicht so. 

2) An der Stelle des ^-Jj^*«, das früher Hauptort war (vgl. Nr. 40B)? Der 
»Felsen Iskerlja« Kiepert's liegt nicht weit vom jetzigen Vorort, den die 
Türken kurzweg nach dem Kada benannten. 



Beiträge zur Kenntiiiss der Syrischen Steppe. 47 

Imam unterrichtet. — Bodenerzeugnisse in mittleren Jahren: 
Weizen 1078 Tonnen, Gerste 539 To. , Mais 2308 To., Sesam 
1 154 To., zusammen 5079 To. Viehertrag im Jahresmittel: Rind- 
vieh 1500 St., Pferde 200 St., Esel 1000 St., Kamele 1000 St., 
Schafe 70000 St., zusammen 73700 St. ^j. — Bemerkens- 
wert he Plätze: Salahiöh oder Salieli, festes Lager von ca. 900 
Beduinen des Stammes esch-schcäje, um eine Moschee, auf dem 
rechten Eufrat-Ufer 35 km N.W. von Al-Bou-Kcraal; dort die 
alte Festung Kasr-el-Salhine (1. hatat es-sTilihlje ; vgl. das oben 
nach dem Salname Gegebene) und ein Chan gleichen Namens, avo 
einige Zapties liegen, die über die Sicherheit wachen und den 
Postdienst besorgen; zwischen diesem Ort und dem Hauptort 
des Kadas zieht sich ein schöner Wald von alten Tamarisken 2) 
hin. — Aus Cüinet's Karte sei dem hinzugefügt, dass ca. 10 km 
nördlicli des Hauptortes eine Ortschaft Souehel eingetragen ist, 
die in der Liste von SH. nicht vorkommt-'). Diese Karte stimmt 
mit Kiepert darin überein, dass der mesopotamische Theil des 
Kadas öde ist (Kiepert's Werdi ist nicht in der Liste). Das ist 
befremdlich. Hier ist eine ca. 30 km breite Ebene am Rande des 
Stromes, deren nördlichster Theil durch den bei Kiepert nach 
Moritz eingetragenen alten Kanal Daurin bewässert wurde: nichts 
wäre leichter, als durch eine geschickte Wasseranlage vom 
»wasserreichen« (Saciiau 286) Chäbür aus das Land wieder in 
einen Fruchtgarten zu verwandeln. Auf der syrischen Seite liegen 
die Ortschaften, auf ihr auch die Strasse, die dem Flusse folgt. 
Die Bemerkung über den Wald zwischen der Ruine es-saKMJe 
und el-hüJceinül lässt schliessen, dass hier Wasser ist. Für Kultur 
des Landes würde sich das W. Suab verwerthen lassen, das die 
Chesney'sche Expedition weit westlich vom Eufrat überschritt, 
und das sich gewiss dem Euphrat zuwendet. 



1) Für die Ziffern gilt das oben S. 35 n. 1 Bemerkte. 

2) Solche sind jedenfalls mit den unsinnigen tamariniers, die auch sonst 
in CuiNETS Buch spuken, gemeint. Tamarinden kommen in diesem Theile 
des Eufrat-Thales nicht vor. »Dagegen«, schreibt mir Herr Dr. L. FoNCK, 
»bilden die Tamarisken in ganz Mesopotamien einen sehr häufigen Schmuck 
der Landschaft .... An die /<///«'- Tamariske (s. über sie Fon'ck, Streifzüge 
durch die biblische Flora, S: 13) dürfte zunächst wohl nicht zu denken sein«. 

3) Man müsste denn in Souehel eine Verstümmlung von 405 suweije 
[suwehije) sehen wollen. 



48 



Martiu Hartmann, 



Mudirlik el-husera^]. 
Hauptüit el-hnsera; das Mudirlik besteht aus 1 G Ortschaften, 
die von Leuten der 'Aschiret el-hukemül bewohnt sind. 
Namen der Ortschaften. 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung; 


Bemerkungen 


419 




eUhusera 


vgl. oben S. 43; Kiepert. 


420 


(_^A^*\Äv 


schehel 


bei Sachau 286 Esh-shhel, mit 
dem nur 10 Min. davon ent- 
fernten Er-rgheb (hier Nr. 
423) bezeichnet als »zwei 
nicht weit vom Euphrat ent- 
fernte Dörfer aus Steinhäu- 
sern resp. Lehmhütten, be- 
wohnt von Arabern des 
Stammes 'Agedät; Kiepert 
esch Schhel. 


421 


^jJ>U^ 


mejäd'in 


vgl. oben S. 43. 


422 




haiolvjidsch ? 


8. unten bei , Wallfahrtstätten'. 


423 


^--*.^ij 


reg heb 


siehe zu Nr. 420; Kiepert er 






Rieb. 


424 


o^^^-^ 


dihim 




425 


O'^ 


taijan ? 


vgl. Nr. 387 tahun, das viel- 






leicht auch taijün zu lesen 








ist. 


426 


o^<-' 


malthan 




427 


sh^ 


küfa ? füfima ? 


vgl. Nr. 363. 


428 


Jo^ 


lühid? 


vgl. Nr. 355. 


429 


2<>AÄv».2, 


ruhüscJüje 




430 


^j-IcLa« 


salu? 




431 


^h^l\ 


el-Jpaf 




432 


l\j^> 


dschedcde ? 




433 


j^Xiiß J.J.O 


smwi häscJmn 




434 


••• ■> 


duraidschlje ? 





1) Der Name &t<.sc?*a steckt vielleicht indem •aam.j, durch welches ed- 
der näher bestimmt wird in dem Ueberschwemmungsbericht Abulfidä s. a. 732 
[ed. Const. IV 109]; es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Gebiet westlich 
der Chäbür-Mündun": schon damals husPr liies.'s. 



]| 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



49 



Auf der Karte Cuinet's finden sich die Ortschaften Souvar 
und Maihsin verzeichnet, von denen das erste sicher gleich Es- 
sau'ar Sachau 292, Sauar Kiepert ist. 

Wallfahrtstätten. In chadäjidsch {No 4:22 hcm-q/idsc/i'!) 
das Grab des Imäm Muhammed Elhanefi; in schhel der Makfim 
des Ibrahim Edhem ; in maijäs (?) der Makäm des Propheten David 
und in rahabe^) das Grab des Anas Ihn Mälik. 

Alterthümer. In el-husera ist die Ruine einer grossen 
Stadt, und in rahahl ist die Ruine einer gewaltigen Kara (vgl. 
oben S. 42). 

An die Darstellung der Verwaltung des Liwa cz-zör schliessen 
sich in SH 4 Listen über die Bevölkerung. Von ihnen interes- 
sieren uns hier die über die Beduinen des Liwa cz-zoi' S. 172 (s. 
die Tafel S. 50) und 178 f. Es heisst S. 178f2): 

Aufzählung der Schechs und Zahl der Oijmaks 
und Zelte der ""Aneze-Beduinen, die von 'Anäz Ibn 
Wä^il abstammen, und der Schammar-Beduinen, die 
von dem berühmten Schammar abstammen, wohnhaft 
in dem zum Wilajet Jialeb gehörigen Liwa zör und im 
Wilajet sürlj'a. 

(I) Die im Wilajet haleh wohnenden 'Aneze-Beduinen heissen 
Fcd*^än und zerfallen in zwei Abtheilungen. 

Erste Abtheilung: ^ilanZi 7nadscJnd\ Oberschech *Dhäm; 
Oijmaks: 



Laufende 
Nr. 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkuno'en 



435 
436 
437 



.\/0. 






arJirisa 
aivUr 
dscJddu a 



1) Or. i<f.^) ; t''^ ist aber an rahahe kaum ein Zweifel, denn es handelt 
sich um den ,Shekh Hannes, 1/2 St. von Rähaba entfernt' Sacuau 281 und 
danach Kiepert, dem natürlich kein Vorwurf zu machen ist, dass er in dem 
Hannes Sachaü'.s nicht den Anas erkannte. 

2) Auf der Heise 1887 machte ich zu diesen Seiten einige Anmerkungen 
was in der folgenden Liste aus ihnen stammt, ist mit * bezeichnet. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XXm. 4 



50 



Martin Hartmann, 



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C5 





Beitrüge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



51 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


438 


Cr^Ü^ 


"^awcijen 




439 


ny\.:S^/> 


medseliäiire 




440 


J-»> 


*dscMfalu 




441 


Oj.:5^vU 


*malhT(d 




442 




am. al 





Jedes Oijmak hat einen Schach; ca. 2000 Zelte. 
Zweite Abtheilung: ivuldi Oberschech Dschecrrm*), zwei- 
ter Schech Faradsch Ihn Huraimi; Oijmaks: 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


443 




'adschculscliira 




444 


i_5^U 


särt 




445 




muhed 




446 


5 


schu)7itdat 




447 


L!^3; 


rds 


diese Familie, die den muhed 
angehört, ist nach Blunt II 
235 eine der Hauptfamilien. 



Im ganzen etwa 5000 Zelte. 

(II) üie 'Aneze-Beduincn, die im Wilajet stirija in der Nähe 
von Hamä sich befinden, werden mit dem allgemeinen Namen 
*sbaa bezeichnet, zerfallen in zwei Abtheilungen und werden als 
sieben Klassen [tükym] angesehen. 

Erste Abtheilung: hufainäf\ Oberschech Sulaimän Ibn 
Murschid und Hamcd Ibn "^Abde ("^Ibada) und Ibn Sdiiwai und 
*l)üwrin Ibn Sa'id und Misri und andere; Oijmaks: 



1) Vater des Schech Turki, den ich am 20. Mai 1&S7 kennen lernte 



(8. Weg) 



4* 



52 



Martin Hartmann. 



L;iutViiile 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


448 


L-».a5>^a! 


mewciMh 




449 


iio^i 


*gmiha 




450 


> 


'umera 




451 


o'-- 


chmnim {rJmmsän ?) 




452 


-V^LLj^ 


ma/ärifje 




453 


O^^'^J 


resälm 




454 


«.j^ii^ 


sc/ia/u 




455 




'adscltlän 


schon im J. 344 sass der Stamm 


456 


el-dschüsim 


'Ad schirm in der syrischen 
Steppe; er gehörte zu den 


457 


J>y.ÄAV,4j' 


el-masüd 


Stämmen, die sich in der 
Ebene von Salamja zusam- 


458 


\\*je.j^jw 


seicaiul 


menrotteten und gegen die 


459 


^yl^^S^ 


hexoischZm 


Saifeddaule zog, DE Sacy, 
Chrestomathie II 15 (Text); 
vgl. oben XXII 175. 



Im ganzen ca. 2000 Zelte. 

Zweite Abtheilung: *el-'^ihadät (Or. el-'^ihade)\ Ober- 
scliech Ma'dschün Ibn Hdeb und *'^A]i Fkiki (Var. *el-Fgigi) und 
Ibn Muwaini' und Ibn Wä'il und Ibn Kerdiisch und Ibn ? und 
andere; Oijmaks: 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


460 


oW 


TiUXoT'rän 




461 


^■)}-f 


mezari 




462 


»■.%K2.i 


nsafa 




463 


s^^b:? 


fetütnire 




464 


SiAaC 


^ibade 




465 


> 


dschurehi 





I 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



53 



Laufendo 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


466 


r'.^ 


dmoäm 




467 


«.äÄx 


meni 




468 


^ 


meshete? 


vielleicht die Mesekha Blunts ; 
8. unten S. 55 unter [2], 


469 
470 


,..l^>.il>- 

&) 


chchulaidat 
rmnäh 


das n von dschulaidän ist von 
mir korrigiert. 


471 


O^AaC 


"ihadZit 




472 


4^ 


^arane ? 




473 


V5 


wetre 





Im ganzen ca. 3200 Zelte. 

(III) Die im Wilajet sürlja in der Gegend von liaurän^ di- 
mascJik und hitns wohnenden 'Aneze-Beduiiien werden mit dem 
allgemeinen Namen ^dscJdäs bezeichnet und zerfallen in zwei 
Abtheilungen. 

Erste Abtheilung: ruwala; Oberschech Muhammed Ibn 
Sumer und Hedd<i' Ibn Schavan und Salih et-Taijär und Ilam- 
müd Ibn MaMschel und I.Iäjil Ibn Dschendel. Oijmaks: 



Laufende 

Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


474 


U^^> 


*dsc/tläs 




475 


)_yi:^A 


?)ieschhür 




476 


^>> 


ßradsc/ic 




477 


^■^5; 


ruioala 




478 


.•yXXM 


scha län 




479 


sx:>\.■i^ 


aschädsc/na 




480 


^:>^xA 


madschel 




481 


^UM 


el-ulaij 




482 


».♦^.J^5> 


hudaihime 




483 


> 


munedschld 





54 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 



4S4 

485 
486 
487 

488 
489 
490 

491 

492 



Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


aLI lXae 


^ahdalWi 




Z^'^ 


ramZili 




»■.4.l\yM, 


seimlime 




Jaa> 


dschendel 




^Jrt^_A£JLJ 


hclcils 
mirit 


mit dem Namen des dschchel 
bil'üs (vgl. 0. ZDPV XXII 
159) zusammenhängend? 


^w^ 


el-mäni 




:^x^\ 


el-muaihil 


für el-muähil? 


^^ 


taijcir 





Zweite Abtheilung: (Jana muslim; Oberschech Fäiis 
el-Mazjad und Ibn Ja'isch [und] Humed Ibn Medschid und Taliil 
Ibn Raschschüd und Hamraüd Ibn Meschhür; Oijmaks: 



Laufciiile 
Nr. 


Arabischer Name 


Umschreibung 


Bemerkungen 


493 




el-hsene 




494 




esch-scJiems 




495 




mesälih 




496 


3 


JuiddschUdsch 




497 


JLC L\i^ 


iculd '^all 




498 


oLäLc 


\iffat 




499 


A*.r^ JwJ, 


widd muhammcd 




500 




es-sarhän 





Beide Abtheilungen sollen zusammen 4000 Zelte zählen. 

Blunt, Bedouin Tribes II 190 ff. -wird folgende Liste der 
*^Aneze-Stiimme >in der geographischen Ordnung ihrer Sommer- 
quartiere von Norden nach Süden« gegeben. 

[l] Fedaan [=fed''(m oben I) getheilt in die folgenden Ab- 
theikmgen, deren jede ilu'cu eigenen Schech hat: 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 55 

Zelte 

Mehed (= 445), Schech Jedaan (= Dsched'än I 2) 1000 

Shmeylät (= 446) 1000 

Ajajerä (= 443) 1000 

Khryssa (= 435), .Schech Xaif ihn Keshish 1000 

[2] Sebäa (= sbaa 11) mit folgenden Unterabtheilungen, 

deren jede ihren eigenen IScheeh hat: Zelte 

Gomi'issa {= 449), Beteyen ihn Mershid 1000 

Resallin (=453) 500 

Abadät(=47l) 500 

Duäm (= 466) 500 

Mesekha (= 468?), Ibn Kardüsh 500 

Moäyaja, Ferhän Ibn Hedeb 500 

Ammarät 500 

[3] Ibn Häddali), Abd ul Mekhsin ibn Hemasdi 4000 

[4] Hesenneh (= 493), Färis ibn Meziäd 500 

[5] Iloäla (== rtncala III, 1 ) oder Jeläas (= chchläs III), 

Sotamm ibn Shaalän 12000 

[6] Welled Ali {= 497), Mohammed Dükhi ibn Smeyr 3000 

[7] Sirhän (=500) ? 

[8] u. [9] Erfuddi und Towf ? 

Verbündete und Tributpflichtige der "^Aneze. 

Zelte 

[10] Moäli 1000 

[11] Weide 1000 

[12] Afuddli oder Erfuddli ca. 400 

[13] Abu Serai ? 

[14] Abu Kamis ? 

[15] Delim ? 

Bemerkungen zu meiner Liste. 

II, 1 . Sulaimein Ibn Murschid ist der in Blunt 2 oft erwähnte, 
der ermordet wurde. Die Familie Ibn Murschid von den gmusa 
wird als eine der Hauptfamilien genannt Blunt II 235. 

II, 2. Die Familie Ibn Hdeb ist bei Blunt II 235 unter den 
Hauptfamilien aufgeführt und als »of the Moäyaja« bezeichnet; 

1) Zu diesem Namen [haddid) ist vielleicht das hüdeli in dem von mir 
nach Wetzstkin veröffentlichten Liedchen ZDMG LI 1S3 ff. zu stellen. 



56 Martin Hartmann, 

dieser Stammiiame findet sich nicht in SH 4 ; bei Blunt kommt 
er öfter vor; die Moayaja [miiäjadscha'?) werden eine Unterah- 
theilung der el-ibadüt sein, 

III, 1. Sälih Kttaijrir gehört der Familie Ihn Taijär an, die 
Blunt II 234 als die dritte unter den fünf Hauptfamilien der 
Wüste genannt ist, I.Iäjil Ihn Dschendel der zweiten dieser 
Familien; von ihr wird No. 4S7 dschendel und No. 6 dschuhb 
dschendal seinen Namen haben i); bei Blunt a. a. O. s. auch die 
Familie Ibn Smeyr, der Muhammed Düchi angehört. 

III, 2. Die Familie »Ibn Meziad of the Hescnneh« s. bei 
Blunt II 234 unter den fünf ersten Familien. — Am Eande dieses 
Schech-Vcrzeichnisses vermerkte ich dschaischtsck, und das wird 
Wühl statt Ja isch zu lesen sein. 

Bemerkungen zu Blunt's Liste: 

3. Ibn Iläddal: Der Name fehlt in SH 4, ebenso der des 
Schechs, dessen Familie Ibn Hemasdi bei Blunt II 234 als Ibn 
Hemäzdi [/temäzide?] unter den fünf ersten Familien genannt ist, 

S. Erfuddi, scheinen identisch mit 12 »Afuddli oder Er- 
fuddli« und zugleich mit den afüdile^ über welche s. oben S. 39. 

1(1. Moäli; ihre Schechs bei Blunt II 235 unter den Haupt- 
familien genannt. Die Moäli sind wohl gleich dem Stamm Mawali 
unter dem Emir Ahmed Sachau 300 n 1 ; doch ist kaum glaublich, 
dass die Schammar-Schechs ihren Ursprung von diesen Mawali 
ableiten. 

11. Weide; gleich den oben S. 40 genannten el-iculd? 

13. Abu Serai', s. oben S. 37 el-hüseräj. 

Fortsetzung von SH 4, 178 f. 

Die Schamraar-Beduinen, die im Liwa ez-zör auf der 
mesopotamischen Seite in der Steppe bis nach hagJidcid hin 
leben, stehen unter vier grossen Schechs: 1) Ferhän Pascha, 
2) *^Abdelkerim Bey, 3) "^Abderrazzäk, 4) Sumairän Zaidan; Oij- 
maks: 

1) Vjrl. auch 'ain (hchcndil in meinem Liwa el-Ladkije 218 (Nr. 10;, das 
bei dibhäsch eingetragen ist auf VAN Bekchems noch nicht publizirter Karte. 
Bekannt ist dümat al-dschandal (vgl. oben XXII 173 f.). Ein bekannter alter 
Dichter hiess Saläma ibn Dschandal. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



57 



Arabischer Name 



Umschreibung 



Bemerkungen 



501 



502 
503 
504 



A*.^! 






el-nmhammed 



Xaa^:>^I 






l\ 



O" 









o 



LäaU/O 



,^<U 






lXi AAWK.J I 



el-hursa 
es-sel/ije 



el-hasne 

el-chamls ? cl-chais ? 

ferrua 

ed-duhaiman 
ez-zuhde 
muttat 
'^äniTid 



o 






tedschürife 
dschcfajida 
et-tahit 

el-hredsch 

hehemät 

el-wesid 

es-sld 

sindschära 

cl-hadhat 

cz-zera 

el-wülife 

^ahde 



wohl = hct mahammcd, dem 
Namen, den die Schech- 
familie der Schammar neben 
ihcherbäiuhxt, nacli Saciiau 
300, also = Blunt f 1 : Jerba. 



= Blunt [5] Alcyan ; über 
diese »Unterabtheilung der 
westlichen Shammar« und 
ihr Oberhaupt Schcch ' Arsän 
Ihn Eddä'I s. Saciiau 3 IG, 
wu 'Alejjän. 



gleich Sachau 303 Fcldäglia, 
Blunt \W~ Feddura? 



Orig. muliau. 

= Blunt [11] Amut; Sachau 
305 'Ämüd. 



= Blunt [14] Säbit; Saciiau 
303 Thäbit. 

Sachau 303 Bredj. 



= Blunt [2] Hathba. 



: Blunt [fi] Abde; Sachau 
305 'x\bde. 



58 



Martin Hartmann, 



Laufende 
Nr. 


Arabischer Name 


Umsclireibung 


Bemerkungen 


524 


oS/^ 


zaghrät 




525 


^<\:>\ ö^U:^ 


cetädet cl-dschedi 


= Blunt [7] Chedada ; durch 
das el-dschedi soll dieses 
cetüda wohl von einem an- 
dern unterschieden werden; 
cetüda gequetschte Aus- 
sprache des aus dem ältesten 
Islam bekannten, heut aber, 
scheint es, nicht üblichen 
katäda ? 


526 


^i^J! 


el-buchm 




527 


j^xjLaoJ! 


es-,sajäMh 


es wird c^-säjih zu lesen sein, 






= Blunt [4] Säekh; Sachau 








316 nennt den , Stamm der 








Säjih'; auch 305 Säjih. 


528 


y 


es-suhhl 




529 


^u^^ 


el-aslam 


= Blunt [3] Asslan. 


530 


iji;,*^^! 


el-dscheJwsch 




531 


^j^bJ! 


et-fref 





Im ganzen ca. 5000 Zelte. 

Blunt 2, 188 fF. wird folgende Liste der Schammarstämme 
gegeben, mit dem Vermerk, dass ein Theil, vielleicht das Viertel, 
sich von Ferhan getrennt habe und unter der Herrschaft seines 
Bruders Faris lebe. 

[l] Jerba (= 501) Ferhän ihn Sfük 2000 

[2] Hathba (= 52 O) Mohammed ihn Nigledand 500 



[3] Asslan (=529) Müttany 
[4] Säekh (= 527) Mezer 
[5] Aleyän {= 5(i4) Ersan ihn Dais 
[6] Abde (= 523) Ferdi ihn Shereyn 
[7] Chedada (=525) Bedday 
[8] Ghäct Beddr 

[9] Drcrat Hezä ihn Hezmi 

[10] Feddära(=507?) Gai abou Jeyt 



400 
500 
300 
1000 
300 
500 
500 
700 



Betrag 6700 



Beiträge zur Ktnntniss der Syrischen Steppe. 59 

Uebertrag 6700 
11] Amut (=511) Sotann [1. Sotam] ibn Arni'it 1100 

12] Affarit Mürrthy ibn ShehcMii 500 

13] Menieh Ibu Kashäm 800 

14] Säbit (=514) Jezzär el Abbdeb 1000 

15] Lahcbi Hassan el Droüsh 400 

16] Sdeyt Mezer 400 

17] Hammära Gälla ecl Düaba 400 

18] kleinere Abtheilungen 700 

Summa 12000 



Verbündete und Tributpflichtige der Schammar. 

1. [19] Zoba Zähir el Hamoud 5000 

2. [20] Haddadin aus der Familie Ibn Wurshän 2000 

3. [21] Tai' Abd er Rahman 1000 

4. [22] Ghess oder Jess Abdullah 1000 

5. [23] Albu Hamid Ferhän 1000 

6. [24] Jiburi 4000 

7. [25] Ajuari 1000 

8. [26] Jerifa 500 

9. [27] Buggara 800 

Bemerkungen zu meiner Liste. 

Die Geschichte der Söhne des Scbecli Sfüg ist oft geschrie- 
ben, neuestens wieder bei v. Oppknheim II 60 ff.; es ist bekannt, 
dass nachdem Sfüg von den Türken gemeuchelt, '^Abderrezzäk 
im Kampf mit ihnen fiel, und 'Abd Elkerim von ihnen gehängt 
wurde. Von den oben genannten drei Schammar- Schechs ist 
jetzt keiner mehr übrig; über die Südschammar ist nichts Zu- 
verlässiges bekannt; bei den Nordschammar scheint Färis, der 
einzige überlebende Sohn Sffig's, die unbestrittene Führung zu 
haben. 



Bemerkungen zu Blunt's Liste. 

Es ist auffällig, dass die Namen der Stammabtheilungen bei 
Bltjnt und in SH 4 so verschieden sind. Mit einiger Sicherheit 
lassen sich nur neun Namen in beiden Listen zugleich nach- 
weisen. 



00 Martin Hartmann, 

Fortsetzung von SH 1, 197. 

Die ^\schirct sich in der Gegend von tudmur und sucline: 
4000 Schafe, 600 Esel, (JOO Zelte, 1700 Seelen. Die Leute dieses 
Stammes kleiden sich in selbstbereitete Gazellenfelle; sie haben 
nur weisse Esel; was dieser Stamm besitzt, ist den "^Aneze heilig 
[harüm^ Tabu), d. li. sie machen keinen liaubzug gegen sie und 
nehmen ihnen nichts weg. 

Anziehende Mittheiluno^en über den Stamm es-sleb s. bei 
Blunt II 109 ff.; vgl. auch Kitter 1704, v. Oppenheim I 220 f. 



Heut ist, Avas zwischen dem Eufrat von Meskene bis Hit 
und dem schmalen Cultursaum am Mittelmeer liegf, Oedland 
mit wenigen dürftigen festen Ansiedlungen, durchschweift von 
zuchtlosem Raubgesindel. Muss es so bleiben? Eigenthümer 
des Landes ist nach der türkischen Scheinvorstellung der Sultan. 
In Wirklichkeit liegt natürlich der türkischen Staatsregierung in 
erster Linie eine Aenderung des gegenwärtigen Zustandes am Her- 
zen — oder sollte es. Denn aus einem Gebiet von ca. 80 000 qkm 
(grösser als Bayern) zieht sie nicht nur keine Einnahmen (die 
l'aar Groschen aus der Salzpfanne von tudmur zählen nicht), 
sondern sie hat beträchtliche Unkosten durch die mit Mühe auf- 
rechterhaltene Ueberwachung. Wird das ganze grosse Gebiet 
wirthschaftlich rationell ausgebeutet, so ist ein für die türkischen 
Finanzverhältnisse sehr beträchtlicher Ertrag in absehbarer Zeit 
sicher. Daneben würde für die Privatkasse des Sultans eine er- 
giebige Einnahmequelle sich öffnen, sofern auch hier die kaiser- 
liche Domänenverwaltung [idare-i-arazl-i-seiilje) die Hand auf 
wirthschaftlich besonders ertragfähige Ländereien legen kann. 

In Südafrika, in Südamerika, inRusslarul, vor Allem in Un- 
garn ist es gelungen, die Steppe wirthschaftlich auszunützen. 
Die mit sorfältiger und tieissiger Verwerthung der natürlichen 
l^edingungen betriebene Viehzucht gewährt hier Erträge, gegen 
welche die der Jahrtausende alten, ursprünglichen der Beduinen 
verschwindend sind. Wesentlich ist, dass die Steppe mit einer 
kräftigen Culturzone umrandet ist, die den Menschen für mensch- 
liche Gestaltung ihres schweren Arbeitlebens einen Rückhalt 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 61 

gewährt und den Umsatz des der Natur in hartem Kampfe Ab- 
gerungen sichert. Für die Syrische Steppe lässt sich diese 
Erfolgbedingung da, wo sie nicht besteht, schaffen, wenigstens 
zum Theil. Freilich im Süden ist nie an einen solchen Cultur- 
rand zu denken. Dort findet die Syrische Steppe ihre Fortsetzung 
in dem ebenso gearteten Nordstrich des Hidschäz. liier kann es 
sich nur darum handeln, Sicherheit gegen noch nicht botmässig 
gemachtes Beduinenvolk zu gewinnen, und hier wäre der breite 
Sandgürtel des Nefüd^J der Wall gegen Einbrüche. Natürlich 
kann nicht auf einmal die ganze Syrische Steppe für bessere Be- 
Avirthschaftung in Aussicht genommen werden, und fürs Erste 
wird man einen nördlicheren, enger begrenzten Strich dafür in 
Betracht ziehen, seinen Südrand mit starken Schutzburgen be- 
wehrend. Ja, diesem Südrand können leicht so bedeutende Cul- 
turpunkte eingefügt werden, dass der Maugel eines fortlaufenden 
Culturstriches fast ausgeglichen wird. 

Es ist zunächst an das Gebiet zu denken, das im Süden 
durch eine von dimaschh nach halebtje laufende Linie, d. h. durch 
die von der Seengesend bei diniaschk in fast ununterbrochener 
Folge nordöstlich streichenden und bei halehlje auf den Eufrat 
stossenden Höhenzüge begrenzt wird. Mit Leichtigkeit lassen 
sich diese Erhebungen zu einem Schutzwall gestalten, der den 
nördlich davon gelegenen Theil, die innereSteppe, zu einem völlig 
gesicherten Ausbeutunggebiet macht, während von ihm aus der 
äusseren Steppe, so weit es lohnend ist, Land für die Viehzucht 
abgerungen werden kann, vor Allem aber die directen Strassen 
von dimaschk und tndmur nach Ifit und nedschefwniex wirksamen 
Schutz genommen werden können 2). Am nördlichen Rande dieses 
Schutzwalles wird dann die Bahnlinie laufen, welche dimaschk 
über tudmur mit dem Eufrat bei halehlje verbindet und dem 
Strome folgend ed-der erreicht, von wo sie, dem Chäbürthal zu- 
eilend, in diesem aufsteigt, bis sie sich östlich wendend dem 



1) Siehe darüber Eüting, Tagbuch einer Keise in Inncr-Arabien I, 
142 fF, 

2) Auch die Strasse rahhat tauk ihn mälik — suchne — tudnnir, die 
Ibn Batüta auf der Kückrcise zog IV ?.15; von arrahaha aus nahm den 
bei KiKi'ERT eingetragenen Weg in die Stepne auch Olivier 1797 (Rit- 
ter 1433). 



62 Martin Hartmann, 

Nordrande des dschehel sindschZir ') entlang auf el-maudl zugeht, 
um sich dort mit der Tigrisbahn zu vereinigen. 

Es bleibt die Culturzone zu schaffen im Norden des Drei- 
ecks, das durch die alsSiidostgrenze angenommene Linie dimascJik- 
iudmiir -Inddrijc abgeschnitten wird. Diesen Nordschenkel des 
Dreiecks bildet die Linie halch-hülis und der Lauf des Eufrat von 
hUlis bis halehlje. Die Strecke haleh-hZdis ist bereits Culturland; 
zahlreiche Ortschaften liegen an der vielbegangenen Strasse 
zwischen den beiden Orten. Dagegen sind an der langen Ufer- 
strecke des Eufrat von hülis bis halehlje nur wenige und dürf- 
tige Niederlassungen. 

Albaläduri 151 wird erzählt, dass die Leute von hälis, hu- 
coailis^ küsirui, "ähidm und ^iffvn den Maslama Ibn 'Abdalmalik 
baten, ihnen vom Eufrat einen Fluss zu graben, um dadurch 
Culturland zu gewinnen. Das Resultat war der 7iahr maslama^ 
von dem man heut, scheint es, nichts weiss. Bei der hohen Voll- 
kommenheit unserer Wasserbautechnik würde es ein Leichtes 
sein, die ungeheuren Wassermengen, die der Eufrat wälzt, für 
den Landbau nutzbar zu machen, nicht zu sprechen von der Ver- 
wendung für Elektricität. Die Steigung der Ufer würde an den 
meisten Stellen kein ernstes Hinderniss bieten. Die Schaffung 
einer Culturzone von 10 bis 15 km am Südrande des Flusses 
wäre nur eine Frage der Zeit. Das aufgewandte Kapital Avürde 
sich reichlich verzinsen. Natürlich müsste neben dieser Unter- 
nehmung die Einrichtung einer regelmässigen Schifffahrt von 
halis bis ed-der hergehen 2) . 

1) Dieses Gebirge würde einen ähnlichen Schutzwall abgeben, wie die 
Höhen zwischen dimaschk und dem Eufrat. 

2) Schon 1S94 (s. ZDPV XVII 60j war die Dampferlinie von Bired- 
schik stromab in Aussicht genommen im Anschluss an die Bahn di- 
maschk - haleb - hiredschik. Zu dem dort über diese wichtige Strecke des 
innersyrischen Stranges Gesagten ist jetzt nachzutragen, dass der Sultan 
selbst den Bau der Bahn hingehalten hat durch Zahlung einer jährlichen 
Entschädigung (das kam billiger, als wenn die Kilometer -Garantie gezahlt 
wurde, die sogleich nach Beginn der Arbeiten fällig sein sollte; diese Erklärung 
für das Verhalten der Türken gebe ich unter allem Vorbehalt) ; kürzlich hat 
die Pforte übrigens in Sachen rejük als Anschlusspunkt an die Linie hairüt- 
dimasM nachgegeben (s. a. a. O. S. 63), und es wird nun ernstlich gebaut; 
gutem Vernehmen nach wird an mehreren Stellen zugleich gearbeitet, so dass 
Ende 1901 Aleppo, Ende 1902 Biredschik erreicht sein kann. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 63 

Im Jahre 1753 schrieb der Engländer Robert Wood'): »Zes 
caravanes qui loont d'Alep et de Dmnas ä Bassora, entretienne7it 
encore de la correspondence entre ces villes : de sorte que Je fais 
nul doute^ que si ce pays rcdevenoit unjour le theutre dune societe 
civile hien reglee^ Palmyre ne redevint aussi considcrahle par Je 
commerce des Indes, quoique VEf/ypte continuät toujours d'en etre 
le grand canal. « 

Im Jahre 1953 wird Tudmur ein bedeutender Stapeljdatz sein. 
Hier werden wichtige Strassenzüge aus eZ-i/sc/^e^M'e- Mesopota- 
mien und e/-Vrä^-Babylonien zusammenlaufen, und damit wird 
tudmur Kopfstation der grossen Ueberlandlinie tudrnur-dimascJiJi- 
el-kerah~maim (Petra)-f///« [cl-akaha)-es-suwes-el-Jxühira (Kairo), 
welche Vorderasien in Verbindung setzt mit Egypten und den 
Küstenländern des Rothen Meeres-). Diese Entwicklung nimmt 



1) The Ruin^ of Palmyra otherwise Tedmor in the Desert 19. 

2) Neuestens ist die gesammte islamische Presse, voran die türkische, für 
das Unternehmen begeistert, das auf den Sultan selbst zurückgehen soll, die 
Hidschaz-Bahn, d. h. eine Linie, die Mekka an den innersyrischen Strang an- 
schliesst. Beträchtliche Summen sollen schon jetzt dafür aufgebracht sein. 
Das Herz Arabiens würde so mit allen Theilen Vorderasiens in Verbindung 
gesetzt; denn dass von dem Endpunkt der Baghdad-Bahn am Persischen 
Golf, Kuweit, sehr bald an der Südküste Persiens auf Karrachee zu weiter 
gebaut wird, ist deshalb nicht zu bezweifeln, weil dieses Stück das 
missitig l'mk zwischen dem europäischen und dem indischen Bahnnetz bildet. 
Auf der anderen Seite strebt schon jetzt England die Schienenverbindung 
Calcuttas mit Südchina (Ta-li-fu in Yün-nan) an, und da im äussersten 
Osten Frankreich gleiches Streben zeigt, so wird der Anschluss Südostasieus 
sich vollziehen. Für Nordchina sorgen die Russen. Uer Endpunkt ihrer 
transkaspischen Linie, Andidschan, ist in Luftlinie nur 350 km von Kaschghar 
entfernt. Von da gehts ins Herz des Reiches der Mitte, das nur von Westen 
her wirksam angegriffen werden kann. Ist Peking mit Andidschan verbunden, 
dann ist es das auch mit Stambul, Kairo und Mekka. Ob das erwünscht 
ist, ist eine andere Frage. Tief einschneidend ist die Ptückkehr zu dem trans- 
asiatischen Landverkehr, neben dem, das sei hier gleich gesagt, der Seever- 
kehr nicht bloss sich halten, sondern wachsen wird. Von untergeordneter 
Bedeutung ist, ob der englische Plan einer transarabischen Bahn (Kuweit- 
Elwedschh) je ausgeführt wird. Der Haken nach Häjil hinunter, der nicht 
zu umgehen wäre, bleibt nicht viel hinter dem nach Edder im Norden zurück. 
Die Concurrenz, die Europa der russischen Nordasienbahn mit einer Südasienr 
bahn machen muss, und zwar bald machen muss, will es nicht allen Einfluss 
auf den äusserten Osten verlieren, sichert der Baghdad-Bahn eine schnelle 
und reiche Entwicklung. Der Durchverkehr von Personen und Waaren gc- 



64 Martin Hartmann, 

nur das auf, was einst war. In Petra trafen sicli vordem wichtige 
Strassen aus Kleinasien, Mesopotamien, Arabien und Nordafrika, 
und 'esj'öti geher war der Platz am Nordostzipfel des Rotlien 
Meeres, der jene bei Petra sich vereinigenden Strassen mit den 
Küsten dieses Meeres in Verbindung setzte. Auch '^esj'öu ff eber- 
uila wird seine Bedeutung wiedergewinnen, wenn anders die 
ffeffcnwärtisen Herren des Landes ihr wahres Interesse er- 
kennen 'j. 

Denen aber, welche über die hier gemachten Vorschläge als 
Utopien, als luftige Hirngespinste spotten, sei wiederholt ge- 
sagt, dass es nicht bloss eine Thorheit, sondern geradezu ein 
Verbrechen ist, nicht die Schritte zu thim, welche zur Hebung 
des wirthschaftlichen Wohlstandes, zur Wiederbelebung einst 
ertragfähig gewesenen und durch Menschenschuld verwüsteten 

ringen Volumens nimmt hier seinen Weg. Ein ununterbrochener Transport 
von Berlin nach Canton würde ca. 16 Tage dauern, ebenso lange ein solcher 
nach Peking. 

1) Für Deutschland hat die AViedereinbeziehung Ailas in das Cultur- 
gebiet eine besondere Bedeutung. Hier muss die von fremden Intrigen un- 
abhängige Drahtverbindung mit unseren ostafrikanischen Besitzungen, die 
uns so dringend noth ist, als Kabel ihren Ausgangspunkt haben, mit dem bei 
ghazze oder auf der türkischen Seite von el- arisch an der syrischen Küste 
mündenden Kabel durch einen nur etwa 250 km langen Landtelegraphen 
verbunden. Nur nebenher sei hier bemerkt, dass auch dia Schienenverbin- 
dung Ailas mit Ghazzc nur eine Frage der Zeit ist. Erhebliche technische 
Schwierigkeiten sind auf der kurzen Strecke von ca. 2.50 km nicht zu über- 
winden. Dagegen ist es für Alle, die in Ostafrika und dem südlichen und öst- 
lichen Asien Interessen haben, von der höchsten AVichtigkeit , den kürzesten 
Weg nach diesen Gebieten nehmen zu können, falls der augenblicklich als 
der kürzeste betrachtete durch einen Eingriff' der gegenwärtigen Herren 
Egyptens gesperrt wird. Vor Allem haben die Türken das grösste Interesse 
daran, denn ist der AVeg durch Egypten verlegt, dann sind sie von ihren 
Besitzungen in Arabien abgeschnitten. Vgl. meine Ausführungen in Kolo- 
7Üale Zeitschrift I (1900), S. 42, und Export 1899, S. 47. Ein anderes Gesicht 
zeigt die Frage, wenn die oben berührte Mekka-Bahn zur Ausführung kommt. 
Dann ist die Linie Aila-Ghazze für die Türkei bedeutunglos. Um so grösseres 
Interesse hat sie dann aber an der Linie Aila-es- Suwes. Denn sie wird 
hoffen, durch sie den Besuch Mekkas seitens der Egypter zu heben und 
dadurch, wie durch andere Mittel, die mit der besseren Verbindung zu- 
sammenhängen, den schlaffen religiösen Sinn in Egypten zu stärken. In 
jedem Falle würde durch diese ± 300 km das afrikanische Bahnnetz, dessen 
Ausbau die nächsten Jahrzehnte sehen werden, an die grossen asiatischen 
Linien angeschlossen. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 65 

Landes führen, sodann aber, dass gerade Geschäftsleute der Na- 
tion, die nun durch Jahrhunderte einen besonders stark ent- 
wickelten Geschäftssinn gezeigt hat, schon im Jahre 1851 für die 
Einbeziehung Tudmurs in das grosse vorderasiatische F>ahnnetz 
einaretreten sind. Die englischen Pläne sind nicht verwirklicht. 
Was hindert, dass ein Anderer sie aufnimmt? 

Excnrs 1. Die Reisen der Engländer 1078 und lOOl. 

Von den Reisen nach Palmyra, die im J. 1678 und 1G91 von englischen 
Kaulleuten Aleppos unternommen wurden, gab RlTTEU 1435 ff. eine Dar- 
stellung nach dem Bericht, der Philosophical Transactions vol. XIX für 1695, 
1696 und 1697 (London 1698) Nr. 218, p. 129 ff. gedruckt ist. Diese Darstel- 
lung ist unübersichtlich; nur schwer kann man sich nach ihr ein Bild von dem 
Reisewege machen. Die Namen sind bald in der Schreibung des Originals be- 
lassen, bald ist eine Verdeutschung versucht (z. B. Briadin für Briadeen, das 
natürlich als Breiädin zu denken ist). Ich gebe daher eine erneute Darstellung 
nach dem Original, in welcher ich das Wesentliche hervorhebe und die eng- 
lische Namensform beibelialte. 

18. Juli 1678. 

4^ ') 30™ SO Aleppo bis Cafferabite^) am Rande der Wüste. 

19. Juli 1G78. 

1 1'' SSO bis zur Quelle Churraick 3); der Weg war ver- 

loren worden. 

20. Juli 1678. . 

2'' OSO Ruinen von Andrene. 

4'' SO Aquädukt Sheck-alal. 

1) Das h bedeutet hier und im Folgenden »Stunde« nicht »Uhrc 

2) Nach Sachau 103 ist die Aussprache des bei Dschewdet als l\^>>£ jftj 
eingetragenen Ortes hefr \ihul, und so auch bei Kiepert. Bis zu ander- 
weitiger Bestätigung möchte ich in der englischen Schreibung kefr ^ahaid 
[ubaijid] erkennen. Ein zijäret esch- schech "ahed zeigt meine Karte zu Liwa 
Haleb D 5, doch ebenda D 6 kefr 'äbid. 'abtd ist die Form, die hier am 
wenigsten zu erwarten ist. 

3) Churraick ist zu denken als dscharaich, dscharäjich, das jedenfalls 
durch Umgestaltung aus dem durch meinen Weg 23. 24. 25. Mai gesicherten 
el-chafiy'idsch erstanden ist; verschrieben oder verlesen ist das (ierüjig isch 
Schahm aus Dschewdet bei Kiepert; es ist wahrscheinlich zu streichen, da 
die Lage meines el-charüjidsch bestimmt ist; doch ist denkbar, dass es neben 
diesem in der sUlet el-charäjidscli (Weg 23. Mai) noch ein zweites, durch den 
Zusatz esch-schahn gekennzeichnetes cl-charüjidsch gicbt. 

Ztsclir. tl. P;il.-Yev. XXIII. 5 



66 Martin Hartmann, 

21. Juli 1G7S. 
2'' S Ruine Briadeeni). 

A^ SO Brunnen CostaP). 

2 2. Juli 1678. 
9'' OSO Brunnen G'hor 3). 

2 3. Juli 1678. 

? O zu einer Ebene; auf einem hohen Berge das 

grosse Schloss Anture sichtbar. 

2 — 3^' in der Ebene; Begegnung mit einem Bedui- 

nen aus Palmyra. 

1) Ist als hyhaijedin zu denken; ich hörte den Ort hcjhaiduj nennen. 
Diese Namensform hat ein besonderes Interesse. Sie ist gesichert durch 

Jüküt, der 1, 698 sub lXjiAaXj drei Orte dieses Namens hat, darunter eins 

(das an letzter Stelle genannte): >— -<.1.:> i_^ji -^a »zu den Dörfern von haleh 
gehörig.« Gewiss richtig erklärt Jäküt den Namens als »Klein- Baghdäd«, 
OiAij ^xasj; das Merkwürdigeist, dass sich in der Aussprache %7;a«Wii/ 
— sie ist gewiss nicht individuelle Eigenthümlichkeit meines Gewährs- 
mannes; die Beduinen haben in Syrien wie in Egypten das d bewahrt — die 
ältere Form des Namens haghdüd erhalten hat, denn dessen letzter Laut war 
in persischem Munde und bei den die persische Form getreu wiedergebenden 
Arabern nicht die Explosive, sondern die Spirans: baghdäd (s. Jäküt I 678). 
Wie diese gut überlieferte Form für haghdüd in bghaidid, so liegt eine andere 
in dem Briadeen — hghaijidin der Engländer vor: haghdän ist wie haghdüd 
eine der sieben lughät, die für die Hauptstadt des 'Irak vorkommen (Jäküt 
a. a. O.) ; ist das Briadeen richtig gedeutet, so liegt ein Doppeldiminutiv vor: 

j^jlXäxj (vgl. das Jilaijih im tunesischen Arabisch Stumme § 84, die roma- 
nische Vorliebe für Häufungen solcher Art, deutsches Himdelchen, Früulein- 
chen u. dgl. mehr). Die Form mit m wird bestätigt durch das qXäüaäj der 
Karte Dsehewdet's, in welchem allerdings das d reine AVillkühr ist; der 
Türke erkannte das Wort nicht und erinnerte sich aus seiner Schulzeit an das 
arabische b gh d, das ihm ja auch aus der Fätiha geläufig ist; flugs wurde ein 
Q-^*:;^^*^ geschmiedet, bei dem man vielleicht den Kitzel einer kleinert Bos- 
heit gegen die ungläubigen Erbauer der Ruine, »Solche, denen wird gezürnt«, 
empfand. 

2) d. i. el-kasfal. Nach meiner Konstruktion ist das el-kastal der ara- 
bischen Geographen zwischen er-rusäfa und salamja gleich meinem es-san 
tcas-.fain. Es ist aber nicht wahrscheinlich, dass auch Costal gleich diesem 
es-sa'n ist, denn dann hätten die Engländer einen bedeutenden Haken ge- 
macht ; man wird hier erst klar sehen, wenn mau eine genaue Aufnahme der 
Gegend besitzt. 

3) Siehe das ZDPV XXII 13S n. 1 Ausgeführte. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 67 

1 — 2'' der Beduine begleitet sie bis in die Nähe der 

Stadt. 
Auf demselben Wege zurück. 

1691. 

2 9. September. 

4'' SO Aleppo bis Caphir-Abiad; Alt-Aleppo blieb 

1^ r. 
? ii ? zu einer besseren Quelle am Fusse eines hohen 

Hügels, der die Ruinen des Dorfes Broeder^) 
trägt. 
1^ 15™ über eine fruchtbare Ebene nach Enighir^). 

30. September. 

l'' (knapp) das unbewohnte Dorf Urghee\) durch Hügel- 

land; bei einem alleinstehenden Baum Blick 
auf eine Reihe von Hügeln; auf einem das 
Gazar Ihn Wordan ; das Haus des Sheck Ailha. 

G^ SO oder östlicher r. die Ruinen der alten Stadt Andecin oder 

Londrine sichtbar; Cisterne Zergai). 

1. October. 

5'* drei kleine runde Hügel, gen. Tenage '), r. in 

gerader Linie liegend. 

2^ Esreei) mit vorzüglichem Wasser und bedeu- 

tenden Ruinen. 

2. October. 

6'* 30™ zwei Brunnen, gen. Imp malcha Giub-). 

2^ 30™ Almyrrha2). 

1) Man wird den Weg so konstruiren dürfen; kefr 'ahecl — bruwcdir — 
erdschil—'ain iz-zerga — isrije; Broeder lässt vermuthen, dass weder Kieperts 
Buwedire noch Sachau's Ruwedir richtig, sondern beide Verstümmelungen 
von bruivedir [bü oder bä + rmv.) sind, und dass bruwedir zwischen hefr 'abcd 
und erdschil zu legen ist; die Gleichungen Uvghee =^ erdschil nach. Sachau 
112, Kiepert hat Ergel) und «Cisterne Zerga« = 'Ain iz Zerga Kiepert's 
haben keine Schwierigkeiten. Mit Emghir und Tenage weiss ich nichts an- 
zufangen. Ueber den Irrthum der Engländer betreflfend das kasr ibn wardün 
s. schon oben. 

2) Nur Al-Wishal ist zu bestimmen ; es ist der Brunnen el-Weshen, den 
Post verzeichnet, und der von Sobernheim "^ain el-weschl genannt ist (s. hier 
XXII 192 und Karte); das Richtige wird el-weschel sein d. h. das wenige 
Wasser, das sickert (nicht »Quelle mit wenigem Wasser«, wie bei Sobern- 
heim a. a. O.). Die bei Jul>üt IV 'J3Ü genannten weschel haben mit unserm 

5* 



ßg Martin Hartmann, 

Bis hierher »Southerly and but little varying to the Eastward 

of due South«. 

3. October. 

4 — 5*^ amFusse eines hohen Bergrückens; über den 

Berg und jenseits in der Ebene bis Al-Wishal') ; 
■ ; • 2 Stunden abseits davon soll eine Quelle sein. 

4. October. 

l'' S durch die Antor Mountains oder Toul Antor. 

4'' bergiges Land; das Castell von Tadmor nur 

noch durch ein schmales Thal getrennt. 
. ' " ' 5. bis 7. October in Tadmor. 

* 

8, October. 

b^ 30'" O, wenig N 1. eine Reihe von Hügeln, manchmal V2 ^td. 

. . ; ; . . an der Strasse, manchmal sich weiter öfF- 

, nend; am Fusse eines Hügels die Quelle 

. !, . ' , Abulfarras; bis zu einer Quelle mit sehr 

, .. . , gutem Wasser, auch Dorf, genannt Yarecca 2). 

. ■ 9. October. 

7*" NO Soukhney-j; dort der Untergouverneur des 

Herrschers von Tadmor, Dor, »of a good 
family among the Arabs«. 

10. October. 
^^ 30'" NO oder Tiebe^), gelegen an der Strasse von Aleppo 
etwas östlicher nach Baghdad. 
2'' 30"" Alcome2), eine Quelle. 



;> 



nichts zu thun. Da die Strecke isrije — el-weschel bisher sonst nicht be- 
schrieben zu sein scheint, lässt sich über »Imp malcha Giub« und »Almyrrha« 
nichts sagen; doch wird in Giub dschuhb, in Imp malcha vielleicht 'ain 
mälha gesehen werden dürfen. 

1) Siehe S. 67 n. 2. 

2) Der Weg ist tudmiir — ei-eli — suchne— et-taijlhc — 'ain el-köm — er-risäfe 
— Eufrat. Alcome ist zu denken als "^alköm (vgl. dazu hlr 'ahnulüh für blr 
'ain el-7nulT(h hier XXII 192 und allehen für 'ai« el-leben Revue Orientale pour 
les etudes Ouralo-altaiques I (1900) 154; vielleicht lässt sich Cholle auf 
solches al[köm] zurückführen, doch s. oben XXII 177). Äff Dien ist afdejen 
oder afdöjen für tedjen oder tedejen. Von hohem Interesse ist, dass die Reisen- 
den von 1691 von einer Strasse von Aleppo nach Baghdad sprechen, an welcher 
et-tarjlba liegt; dieser Weg erreichte den Eufrat wahrscheinlich bei rahaba 
(errahba) und fällt zum Theil mit dem oben als Reiseweg Ihn Batüta's er- 
wähnten zusammen; er wird wieder aufleben, sobald die nördliche Steppe 
der Kultur wiedergewonnen ist. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Step])e. 69 

1 1. October. 
8^ 30"' mehr nördlich als früher Arsoffa ') Emir; Ruinen. 
4'' N, wenig nach Eufrat erreicht; die Richtung war bezeich- 
O geneigt net durch zwei kleine Hügel, gen. AfF Dien^). 

1 2. October. 
7_5li \V und NW am Fluss entlang; gegenüber das alte Schloss 

Giabar; am Hause eines Schechs, gen. Abul- 
Rarra, vorbei; Lager am Flussufer. 
1 3. October. 
6'' NW Rast, nachdem die Ruinen der Stadt l^aulus 

passirt sind. 
? i' ? Fay, Lager des Emir Assyne, des allmächti- 

gen Herrn der ganzen Gegend, l Stunde vom 
Eufrat. 

1 4. October. 
Im Lager Assynes in Fay. 

1 5. October. 
3*^ 30™ Seray. 

3^ 30™ Quelle Sherby, oft besucht von den Alep- 

pinern. 
7 — 8'' Aleppo. 

Exciirs 2. Mein Reisewog. 

1 ü. Mai IbST. Damaskus (Hotel Victoria) bis dschärüd 
gu 4710. jh 26™ an der Moschee dschämi'mezz el-kasab und dem 
Brunnen ez-zenehlje vorbei nach haresta. — 36™ düma. — 37™ 
auf Brücke über ein Wasser, das eine Mühle treibt: cliZm el-kser 
und Gehöft. — 23™ "adra (20 Häuser) ca. 300 m rechts. — l'' 6™ 
rechts ein Weli [kuhbet el-asäfn] . — 2^' 34™ eJ-kutaife.—^^'^ el-mu- 
'^addamÄJe\ ca. 4.^™ entfernt er-ruhaihe, wo gute Vie (Abajen) gear- 
beitet werden, mit Wasser und reichlichem Baumwuchs, am 
Fuss eines Hügels mit Weli. — l'' 25™ dschärüd; am Wege die 
Schachte des Kahriz, in welchem das Wasser vom dschehel el- 
karn kommt und bis "otne geführt wird 2): im Hause des Muham- 

1) Siehe S. 68 n. 2. 

2) Das Princip, nach welchem dieser Kahriz und zahlreiche andere in 
Syrien angelegt sind, ist dasselbe, das Belck beschrieb in Vhdl. Berl. An- 
throp. Ges. 19UU, 58 f. 



70 Martin Hartmann, 

med Äghä Eldschariidi ; bei dscliärüd ein nicht unbeträchtlicher 
Salzsee, südlich davon der Höhenzug dschebel et-turfe^ dahinter 
dschehel mcgher^ und hinter diesem dschchel et-tawil oder dschebel 
zehede mit dem Brunnen blr zehedc. 

17. Mai 1SS7. dschünid bis der 'attje ^^ le"": 15™ die 
kleine Mezra*^a el-icuchmi links. — 23™ teil hat at barbar links am 
Wege. — 17'" ''otne (20 Häuser); der Weg theilt sich, geradeaus 
nach dem 30™ entfernten en-nüsirije (10 Häuser Kurden) >) ; Avir 
links ab. — 30™ Weg n?Lc\i Jabrüd geht links ab; rechts erscheint 
ziemlich entfernt der dschebel haimvr^ der sich in nordöstlicher 
Richtung vom dschebel zebede abzweigt und sein Ende findet bei 
dem boghüz el-Jcbäride oder el-muJcaibira^ bei dem sich der 
dschebel el-bufm anschliesst; dieser Berg hört bei dem immer 
Wasser habenden blr el-baslre auf; das Gebirge links heisst 
dschebel es-sukfaye. — 45™ wir steigen im boghäz el-hädschülü 
auf. — 10"" durch das tväd'i el-hcldscliTdü] rechts führt zwischen 
dschebel der-aüje und dschebel ghazale ein Weg nach mehrn^ 
zwischen dschebel ghazäle und dschehel ghurlih ein Weg nach el- 
karjeten. — 34™ auf der Höhe des boghZiz. — 9™ nach links auf 
die Kuppe dahr el-munfxir. — 24™ wieder auf der Strasse. — 
P' 28™ 7iebh, beim Christen Asad Efendi Mitri. — 40™ Quelle des 
Wassers von der^aflj'e, an diesem entlang. — 41™ der '^atlje. 

18. Mai 188 7. der'aflje bis el-ghuntur 8^ 13™: 12™ nach 
links geht unter spitzem Winkel ein Weg nach '^ujün el-alak und 
hasja ab ; rechts vor uns, ca. 1 1/2^ entfernt, der dschebel schab el- 
löz und dahinter dschebel mehm\ der dschebel schcib el-loz ist 
ganz unzugänglich, nur zwei Pässe führen über ihn, der eine im 
wadi schab el-loz^ der andere im wad'i el-chabra^ das gegenüber 
dem Dorf liumaira liegt. — 48™ links vom Wege eine Depression, 
in der Wasser gewesen sein soll, das nach der Ruine el-braike 
ging. — 26™ links vom Wege ca. 15™ entfernt, die alte Stadtruine 
el-braike] rechts am Wege bis Jfumaira Spuren alter Bauten, — 
15™ links geht in sehr spitzem Winkel Weg nach hafar und 
sadad ab. — 14 ™ bei den Ruinen von humaira] das war vor 100 
Jahren ein stattlicher Ort, er wurde zerstört, und nach einem 
Wiederaufblühen vor 40 Jahren wieder zerstört, seitdem ist er 
öde. — 5™ in dem 10 m breiten Bett des sei el-mdscharr^ das die 

1) Der Ort ist neu, 1887 bestand er das zweite Jahr; er ist kaiserliche 
Domäne. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 7 1 

Fortsetzung des Wassers von der ^at'ije bilden und nach Norden 
bis el-furJdus gehen soll; der Boden ist ausgezeichnetes Cnltur- 
land, doch nicht bestellt, weil von bewohnten Orten zu weit ab- 
liegend, man hofft auf Wiederherstellung des Dorfes humaira. — 
43™ links vom Wege ein einfacher Hügel, rechts ein Doppel- 
hügel [tumuli?). — 2^^ 28™ melnn. — 30™ bei der Ruine von 
hauwürin. — 15™ eine Strasse geht rechts ab nach der ca. l'' 
entfernten Quelle el-ksaihe. — ^23™ rechts eine starke Quelle. — 
17™ links eine Ruine [hum et-tclkät Kiepert'sI. — 5™ links Teich 
mit Quellwasser. — l'^ über wellenförmiges Land auf einen 
Rücken. — 32™ el-ghtmtur ^ einige wenige elende Hütten; i. J. 
1872 von Leuten aus arak und Umgegend gegründet, als die 
Regierung durch den Militär-Cordon el-karjetcn — el-kahäkib — 
ed-der den Beduinen den Weg zumachte ; doch wagten die Leute 
des Dorfes bis 1880/81 sich nicht weit aus dem Dorfe heraus. 

19. Mai 188 7. el-ghuntur bis el-furklus 4^ 37™: 7™ bei der 
Quelle von el-ghunlm\ die wohl in Verbindung steht mit dem 
Canal, der von ''ain el-lelice über el-ghuntur nach kasr el-Jßr und 
tudmur führen soll. — 41™ auf der Höhe des teil ahü rabäh^ an 
welchen sich nördlich ein anderer Bergrücken anschliesst; aus 
einem Loch von ca. 20 qcm steigt ein sehr heisser Dampf auf. — 
4™ bei dem eigentlichen Bade; vor der Badekammer, die ca 2 m 
im Quadrat hat, und in welcher der Dampf aus einer Oeffnung 
der Erde kommt, ist eine kleine Vorkammer in Ruinen, hier 
wohnte die Sitt Bilkis, und von hier führte ein Gang in das 30 m 
entfernte Schloss des Sulaimän ihn DäVid ; bei dem Bade ist eine 
Cisterne, die alles aus dem Gebirge kommende Wasser sammelt, 
anstossend an sie ein verfallener Chan, 100 m lang und 50 m 
breit; der Dampf der Fumarolen soll jeden Sonnabend von früh 
bis Mittags aussetzen, dann ist Alles ganz kalt, Punkt Mittag 
setzt der heisse Dampf wieder ein^) ; von der Höhe sieht man 
westlich von el-ghuntur und nördlich von mdad zwei Hügel, 

1) Ueber den Besuch dieses Naturheilbades durch einen Muslim aus 
Hims 8. oben XXII 140 f.. Zur Aufnahme von Badegästen waren gewiss auch 
die Gebäude bestimmt, deren Ruinen sich dort finden. Ist einmal erst das 
Land der Cultur wiedergewonnen (die Bahnlinie Damaskus-Palmyra wird nur 
in geringer Entfernung davon vorbeiführen), dann werden auch diese Kräfte 
wieder dienstbar gemacht und ausgebeutet werden. Nach Saciiau 51 »heisscn 
die Ruinen Elhömme; der Berg, dessen Spitze sie bedecken, heisst Djebel 
Elhömme bei den Bauern, Abü-Rabäh bei den Beduinen der Umgegend«. 



72 Martin Hartmann, 

welche cl-ifdajen^) lieissen; westlich von diesen und südlich von 
cl-furldus^ ca. 3'' entfernt, ist der Höhenrücken (/halldet en-miaim 
sichthar. — 32™ wir schneiden den von cl-yJiaUda nach dem 
dschcbel bil'äs führenden Weg, der in 12^^ den 40 ba (Klafter) tiefen 
Brunnen dschuhh el-habl'^) und in 20'' biräs selbst erreicht. — l'' 
auf der Höhe eines Rückens bei dem munfür el-chfaile'^)\ 10'" 
links das muntür hbus el-baid. — 16'" bei dem muntär esch-sclmän ^ 
so genannt, weil rings herum das Wüstenkraut schnZm in grossen 
Mengen wächst. — 37"' in der Ebene arcl el-ka] wir finden drei 
junge Weizenähren, die in der Steppe aufgegangen sind. — 35"' 
Avir treten auf das ard el-furklus über, an das sich nördlich von 
d-furJdus und schon am Abhang des dschebel esch-scJwmariJe das 
Land es-sFitoäm anschliesst. — 45"' in dem Zeltlager von el- 
farJdus] abgestiegen bei dem Schech, der etwas türkisch spricht 
und vorgiebt, "^Abdallah Abu "^Abdelkeiim zu heissen und Scliech 
der X'mür ["^Amür]-Araber von den Fcd^^n., d. h. von den Leuten 
des DschedVm ihn Mehaid zu sein; östlich von dem Lager auf 
einer Anhöhe Spur alter Gebäude, eine 1 m breite Mauer; nicht 
selten sollen Kaufleute aus dem Tfoxi fairüzc [s. o. S. 6, Nr. 47] 
hierher kommen, dann können die Beduinen der Gegend, die 
sich aus guten Gründen nicht in die Stadt wagen dürfen, sich 
mit dem Nothwendigen versehen; ca. 10'" östlich von el-furklus 
liegt ed-diiwaiUb, ein ausgedehntes Ruinenfeld mit zahlreichen 
Brunnen, von denen jedoch nur einer geöffnet ist; das Wasser 
dort steht wahrscheinlich mit dem Brunnen von el-furklus in 
Verbindung; auch alte Gräber, von denen eins einen Stein mit 
lateinischem Kreuz hat •*) ; die ganze Gegend um el-furklus ist 
gut bewachsen, namentlich mit den Kräutern ghüde^ scJnh und 
sirr^ die ja die Hauptnahrung der Kamele sein sollen; etwa Vj^^ 

1) Wahrscheinlich richtiger el-ifdttjen für el-ifdcjen (vgl. dschärüd neben 
dscherüd und oft). Für AuvSetzung der Diminutivform scheint mir zu sprechen 
das Tedejen Kiepert's (dicht bei Sura, übrigens dasselbe, das in der Ueber- 
schrift zu einem Gedichte Almutanabbi's, ed. Bairut 304, gelesen wird), in dem 
ich lieber tedejen denn tedjen sehen möchte, und das für einen Ort in Nedschd 
oder ein Wasser in Syrien JäUüt I 920 belegte at-tudaij. 

2) Gleich dem bei Kiepert nach Vignes' Karte eingetragenen (Jübb 
Habl; der Name scheint sonst nirgends erwähnt zu sein. 

3) el-chfaile soll Name eines Beduinen aus der Umgebung 'Antar's sein. 

4) Nach Andern ist die eben beschriebene Oertlichkeit nicht ed-du- 
waillb, dieses sei vielmehr i/v;'' weiter entfernt. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 73 

westlich von d-furhlus liegt der niedrige Kücken dschchel cl- 
Jßlaj'e^ wo angeblich viele lluinen. 

2 0. Mai 188 7. el-furMus bis sahmja 7'' 15'": 1'' 13'" wir 
sind auf der mioänet esch- scJwmartJe-, ca. 15'" südwestlich zwei 
Brunnen, genannt esch-schkaijif] mit Zelten. — 5'" rechts und 
links vom Wege Zelte von "Agedät- Arabern, die mit den ''Umür 
nichts zu thun haben: der Boden ist wellig. — 34'" durch ein 
ca. 3 m breites trockenes Wädi, das von rechts aus der smcä)ic 
kommt. — 40"" wir sind auf dem ard täbi teil el-gharr. — 33'" 
wir schneiden die Fahrstrasse, auf welcher die Tscherkessen des 
ca. l'/2'' links, am Fusse eines hohen Eüekens, liegenden Dorfes 
el-mldün mit Wagen Holz aus dem dschebel esch- schömarlje 
führen. — 15"' bei den Brunnen hijcirat teil el-gharr, die 25 ha 
tief sein sollen; um sie zu graben, mietheten die ""Agedät- Araber 
Leute aus dem alten Dorfe el-mischrife, das 1'' westlich von el- 
imdZm liegen soll. — G™ teil cl-gharr, ein 100 m langer, 50 m 
breiter, 1 6 m hoher Hügel, rings herum Spuren alten Gemäuers. 
— 24'" wir treten in Culturland ein. — 15'" vier Brunnen 
am Wege, genannt hijcirat el-nmcharram. Die Gegend ist seit 
1884 angebaut. • — 23™ bei türkischen Soldaten, die unter drei 
Zelten campiren; Quelle. — 9"' el-mucluirram mit 20 Häu- 
sern, wovon 5 Kabab. — P' 16"' bei der tsdumat hasan 
paacha, Wasserleitung, die nach Norden geht, aber jetzt kein 
Wasser hat. — 11'" hasan pascha mit 4 armseligen Hütten; dieses 
Dorf und er-räha sollen den ziemlich Avohlhabenden (über 1000 
Schafe) Beni ""Izz gehören; alte Säulen liegen umher. — 1'' 5'" 
rechts am Wege ein Teil. — 0'" salamja^ abgestiegen im Hause 
des Christen Habib Mirhidsch, der Mudir Elraäl des Kada 
Selimije ist; zum Theil nach ihm, zum Theil nach Personen, 
die ich im Regierungsgebäude fand, notirte ich Folgendes: 
»/.a.sr abü samra und kasr chlef el-mucluvrram gehören zu dem 
ard el-fcmät und liegen auf dem Wege von kasr ihn tvardim 
nach hamä, ebenso auch die ruicaida mit dem hai^r esch-schüwl, 
östlich von esch- seht aijih\ auch el-fäje. — Der dschebel hitas 
hat viele Namen; sein w^estlichster Theil heisst es-smvaid, 6^ 

i] So in meinem Tagebuch, vgl. obenXXII 1 61 , wo auch über die den An- 
gaben anderer Reisenden mit der Schreibung salmnlje gemachte Concession; 
nachträglich sei bemerkt, dass v. OrPENHKlM nach mündlicher Mittheilung 
beide Namensformen gehört hat. 



71 Martin Hartmann, 

von salumja für den Kegiervmgsreiter [chai/äl); 2^2'' ^veiter 
kommt hustän sab'///, ca. 1^' lang, wo ursprünglich Pistaziengärten 
[kurüm fusfuk] waren; dann es-surra, auch surrai^) el-bW^ äs ge- 
nannt, eine Ebene zwischen zwei Bergen, in der sich eine Euine 
Namens Uf7i7n huioaisch befindet, ca. 1^' lang; dann kommt man 
zur 'amiira, ca. ^j^^ von der surra entfernt, von dort in l'' zu el- 
u(ßrd; der dschehel hifüs ist im Ganzen von Westen nach Osten 
ca. 8^ lang; dann schliesst sich der dschehel el-ahjad an, doch ist 
zwischen beiden ein Zwischenraum von ca. 6^. 

21. Mai 188 7. Ausflug von salamja zu den Mühlen: 30"' 
talmn el-mdhed; in der Mitte der im Betrieb befindlichen, sehr 
dunklen Mühle eine Säule, auf welcher Schriftzeichen, doch sehr 
verwischt, zu sehen sind 2); ausserhalb der Mühle zwei Säulen, 
zum grössten Theil in der Erde steckend. — 12™ die Ruine 
fäJmn el-krum, byzantinisch. — 5™ die Ruine talmn el-katlahl [el- 
kufJabl?) mit zwei steinernen Thürflügeln. — Ueber täJtün el- 
mdbed zurück nach salamja ohne Angabe der Zeit. 

2 2. Mai 18 87. salamja bis teil el-halaive h'^ 32'": 7'" rechts 
vom Wege der malxlim el-cJiidr, altes Kloster, ca. 5 Hügel; links 
in einiger Entfernung Jfafat esch-sch7naimis '-''). — 10'" der Weg 
theilt sich: geradeaus mich dem Gebiet von el-ala, wir gehen 
etwas nach rechts ab. — 40'" links vor uns das Heiligengrab 
i/^eli esch-schech faradsch am Fuss des ridschm, abü zed\ esch- 
schech faradsch soll der Stammherr der aidcul dscl/umlän sein, die 
wie Heilige verehrt werden^); am Hügel auch zwei Ortschaften 
el-hioeda und es-semene. — 20"^ bei einer Sabcha^), etwa 10"^ links 
von der Strasse, ca. 500 m lang, 80 m breit. — 28" bei teil ^ade\ 

1) Hier in der Bedeutung, die das Wort in surrat al-wüdi hat: bester 
Platz, vorzüglichste Stelle davon. 

2) VAN Berchem hat die Mühle später besucht und glaubte, bei künst- 
licher Beleuchtung syrische und griechische Buchstaben zu erkennen. 

3) Zu dem Namen vgl. oben S. 16, Nr. 160, wo y«x^i^^ und scJiemänns; 
die Form mit ai wird hier als die ursprüngliche anzusehen sein: sehnaitnis 
ist Diminutiv, wohl von schammäs. 

4) Also eine Art muräbüin? vgl. meine Lieder d. Lib. Wüste 217 f. 

5) Dieses Wort für Salzsee ist im Tagebuch durchgehend sabgha ge- 
schrieben; es wird hier das dem chasal für (jhasal (vgl. L. Lib. Wüste 51. 239) 
Entgegengesetzte vorliegen, hier allerdings veranlasst durch das Zusammen- 
treffen mit der weichen Explosive; dieses sabgha ist das Mittelglied für das 
von mir gehörte sebäglia der Beduinen. 



Beiträge zur Kcnntniss der Syrischen Steppe. 75 

das auf einer niedrigen Anhöhe liegende Tscherkessendorf be- 
steht erst seit 5 bis 6 Jahren, ebenso das nördlichere Tscher- 
kessendorf tell-isnän [si7iün]\ überall Aecker und Weideland; 
links das gut angebaute Gebiet el-ala. — 32"' tell-isnän. — 25'" 
rechts am Wege ein Beduinenlager; wir kommen in das tscJiol, 
die richtige Steppe. — 12'" die kaiserliche Domäne [dscliiftUh) 
clschaddua mit Soldatenzeltlager 1 1/2'' rechts, ';2^ weiter das Dorf 
es-säbüra an einem Hügel, auf dem das ka-p' es-mbüra. — 55'" bei 
dem Hügel teil esch-schhaijih., Zeltlager der ""Agedät-Araber; gutes 
und reichlichesQuellwasser ; dieGegend heis^isel'det esch-schhaißb 
oder Hin esch-schhaißb. — IG'" beim Zeltlager des Schech Turki 
von den Mewäli- Arabern. — 27™ die wenigen Kabab von er- 
ruhaije [er-rhaije] 5° links. — 27'" bei Zelten der Hadidije-Araber. 
— 40"" bei einem Zeltlager, das schon zu dem Y2'' westlich an der 
directen Strasse salamja-haleb liegenden el-hamra (vgl. 26. Mai) 
gehören soll. — 1'" 25'" wir sind auf dem Tschölwege nach 
haleb] es begegnet uns ein Trupp von ca. 50 Maulthierreitern, 
die bei den Beduinen die Schafzählung (adäd el-ar/hna?n) vor- 
genommen haben. — 20'" bei den zum Theil aus alten Steinen 
gebauten, verlassenen acht Kabab von el-lmioujis mit Wasser; 
alte Ortslage, Reste von altem Gemäuer; dabei Beduinenlager; 
von hier bis kasr ibn loardUn sollen ;V' sein (nach meiner Karten- 
construction sind es ca. 20 km). — 51™ am Wasser von el-haicajis 
entlang zu einer alten Ortslage. — 7™ teil el-haläwe mit Lager 
der Hadidije-Araber; abgestiegen beim Schech Mu'äta. 

2 3, Mai 188 7. teil el-haläwe bis el-chanäsir 8^ 45'": 8'" bei 
einem Teil, die Kabab an ihm sind verlassen, alte Ortslage. — 
45'" an Wasser entlang, auch Brunnen, Zeltlager; am Wege 
Avächstye^m^, das die '^Aneze- Araber ya;^^m nennen. — 4 5'" links 
auf einem Hügel das Dorf es-sekedsche. — 5'" Zeltlager von kur- 
dischen Ackerbauern. — 1'^ ein Lager von Zigeunern [kirbät oder 
naivar) ; ihre Sprache sei wie das Kurdische ; wir befinden uns 
auf der slilet el-charäjidsch . — 25"" Zeltlager von el-charäjidsch i), 
bei dem freundlichen Schech Sallüm Elmilli von den Lelieb- 
Arabern ; ca. 30™ entfernt, jenseits der sabchat el-churZijklsch., ein 
türkischer Posten. — 1^ 35™ "aitä., wahrscheinlich gleich dem 

1) Ueber Kiepeet's Geräjiü; isch Schahm s. das oben S. 65 zu Chur- 
raikh Bemerkte. 



76 Martin Hartmann, 

'Itc auf Karte Sachau'): alte Ortslage: nur drei Zelte; wir 
müssen uns etwas links wenden, um die Sabcha zu umgehen. — 
35™ bei der alten Ortslage teil sabl/a: an einem Stein einige Zei- 
chen, die jedoch sehr verwischt sind und keinen Schluss zu- 
lassen; der Situs umfasste nur einen kleinen Complex von Ge- 
bäuden aus schwarzem Stein ; Brunnen mit salzig schmeckendem 
Wasser. — 2U"' links am Wege die bcsätln el-hass, eine alte Orts- 
lage; wir gehen am Abhang des dschehel el-hass entlang. — 15'" 
bei Zelten von Schwäje-Arabern; Wasser. — 21™ niedriger Pass 
eines Vorsprungs des d&chehd el-kasi^. — 27"' er-ramle, Zeltlager 
mit Brunnen, Spuren alter Ortslage. — 37"' Spuren alter Orts- 
lage, Fundament einer Mauer; langsam bergauf. — 26'" in engem, 
zwischen niedrigen, coulissenartig in einander sich schiebenden 
Wänden aufsteigendem Thal. — 46"' auf der Höhe. — IS'" in 
der Ebene. — 13'" die Mauer des Situs von el-cha7iüsir, gleich 
darauf Reste einer Wasserleitung. — 4'" bei den vier elenden 
Kabab, neben denen die hierfür einen Muslim aus Aleppo arbeiten- 
den Bauern von denHenädi-Arabern(s. o. XXII 147 n. 2) in Zelten 
wohnen; von dem in der Südwestecke des Ruinenfeldes gele- 
genen Hügel sieht man den dschehel el-gur, eine niedrige Hügel- 
reihe ganz in der Ebene; zwischen ihm und dem dschehel el- 
hass das lüädl el - icuschschxisch\ w^eit im Osten der dschehel 
schhaii: auf dem breiten Rücken des dschehel el-hass sollen 360 
Dörfer liegen, sämmtlich kaiserliche Domänen und bewohnt von 
'^arab^ d. h. Halbbeduinen, die im Begriff sind, sesshaft zu wer- 
den (Gegensatz hedu^ reine Beduinen). 

2 4. Mai 1887. el-chcmäsir bis el- charajidsch 4^' 52"" 2) : 
25'" auf der Höhe. — 55'" nahe dem Fuss des Abhangs; in weiter 
Ferne der dschehel el-alä (fast wie el- aläh klingend). — 44™ er- 

1) Kiepert hat neben meinem ^axiji dieses 'Ite aufgenommen, das von 
Saciiau nur erkundet war und bei der Construction nach dieser Erkundung 
durch Heinrich Kiepert zu -weit nördlich gerathen ist. Es sind eben in 
Ausetzungen des bloss Erkundeten und auf Namenlisten Beruhenden Fehler 
gar nicht zu vermeiden, und sie begegnen, wie das eben Angeführte zeigt, 
selbst den geübtesten Kartographen. Ich gebe daher ohne jeden AViderspruch 
zu, dass R. Kiepert Recht hatte, das in meine Karte des LiwaHaleb Eingetra- 
gene, das nicht auf eigenem Sehen beruht, wegzulassen (v. OrPEXiiElM II 395). 

2) Auf dem Hinwege nahm diese Strecke 5'' 57'" in Anspruch; es wurde 
aber die Sabcha zwischen ^aitü und er-ramle umgangen, es war mehr zu 
steigen, und es war schon über Z^ vorher marschirt worden. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 77 

ramle. — 4 5'" am Rande der Sabclia. — 10"' durch die Sabcha. 

— 35™ '^aita. — 21'" an der Sabcha von el-charäjidsch. — 55™ am 
Zelt des Schech Sallüm in el-charäJidsch. 

25. Mai 188 7. el-charäjidsch bis nadidije- Lager 7'> 10™: 
1^ 36'" altes Gemäuer aus grossen, meist ca. 0,75 m langen Stei- 
nen, wohl Reste eines grossen Wasserbassins {bv7ce)] im südöst- 
lichen Theil Oeffnung zu einer Wasserleitung hin, deren Spuren 
noch erhalten sind. — 18"^ Ruinen von cmderm (vgl. Excurs 3). 

— 32'" auf einem niedrigen Hügelrücken. — 2^ 15™ bei den 
Zelten am kaar ihn wardün (s. Excurs 3); es wird Folgendes er- 
kundet: »1^ 30™ östlich von kasr ihn wardän und 3'* südlich von 
anderin liegen zwei Quellen mit fliessendem Wasser, genannt e.9- 
^an was-s^ain^)\ von dort nach hghaiduP-) (mit Wasser) 1^, von 
b ghaidld ndich. isrij'e (daneben hörte ich isirje)^ wo Brunnen, 4**; 
4^ östlich von isrije liegen abtm-?ietel und abtd-/a>jäd, i/V' von 
einander entfernt<:. — 58'" auf der Höhe eines Rückens. — 30'" 
bei teil el-mälih, wo Tränke. — 43™ Avir schneiden den Weg vom 
22. Mai. — 18™ Zeltlager der Hadidije- Araber, abgestiegen im 
Zelt des Schech Sälih Eltscharek (Eltscharch?), der Jagdfalken 
und Windhunde hält. 

26. Mai 1887. Iladidlje- Lager bis hcmiä 5^ 41™: 10™ 
grosses türkisches Militär- Zeltlager 3); bei Oberstleutnant Tähir 
]Jey lerne ich Turki Ihn Dsched'iin kennen, Schech der FedYin- 
Araber von den*^Aneze, Sohn des um 1880 gestorbenen Dsched\äii, 
der oben S. 51 als Haupt der zweiten Unterabtheilung der 
Fed'^än genannt ist. — 10™ die sieben Kabab des Dorfes el-hamra. 

— 23™ Quelle Ww el-hamra. — 33'" bei dem Dorfe ahul-gudUr 
(1 Kabab), unterhalb eines Hügels, der die Ruine el-cmze trägt. 

— l"" 40™ Ortschaft mit Brunnen. — 2'' 45™ hamü. 

2 7. Mai 188 7. hcanä bis hon^ 6^' lö«": 3'' 15™ bei der 
Brücke von er-restan. — 3*' homs. 

2 8. Mai 188 7. ho7ns bis tarahulus mit dem Wagen der 

Weggesellschaft. (Schluss folgt.) 



1) Danach ist das suän sucn oben XXII 19 zu berichtigen; MORITZ 
Karte Sa'än we Su'eri. 

2) Siehe darüber oben S. 66 n. 1. 

3) Dieses Lager soll ständig sein ; es dependirt von dem Conimaudo in 
meskene am Eufrat. 



Nachtrag zu ZDPV. XXI, S. 184 ff. 

(Aus einem Brief von Herrn Professor LuciEN Gautier an Herrn Professor 

FURREK.) 

Erlauben Sie mir eine liemerkung in Bezug auf einen Satz 
Ihres interessanten Artikels inZDPV. XXI, 184 — 185, mit dessen 
Inhalt ich im Übrigen vollständig einverstanden bin. Auf Seite 185, 
Zeile 1 von oben, heisst es: »Mit dem Wortlaute der Evangelisten 
stimmt heutzutage keine Oertlichkeit am Ostufer, insofern auf 
der ganzen Linie sich eine kleine Strandebene hinzieht, also kein 
unmittelbarer Felsabsturz beim Wasser sich findet.« 

Nun gestatte ich mir die Frage : steht denn wirklich im Text 
der Evangelien etwas von einem »unmittelbaren Felsabsturz?« 
Allerdings stellt man sich den Vorgang gewöhnlich so vor, als ob 
die Felsen mehr oder weniger senkrecht über dem Wasser ge- 
standen hätten, und als ob die Heerde sich ebenfalls senkrecht 
hinuntergestürzt hätte. Im Text (Mark. 5, 13; vgl. Matth. 8, 32; 
Luk. 8, 33) steht: ojpjj-r^asv Tj a-^iXr^ xata tou y.pr^fivou si; tt^v OaAaacav. 
Nun ist xpYjjjLVo; ein Abhang, aber nicht nothwendig eine senk- 
rechte Felsenwand. Und das Verbum opixctoj bedeutet durchaus 
nicht nothwendig eine senkrechte Bewegung, sondern jede rasche, 
stürmische Bewegung, sei diese horizontal, schief oder vielleicht 
auch senkrecht. 

Schon seit mehreren Jahren, seitdem ich zum ersten Male 
in Palästina war und auch Kersa besuchte, stelle ich mir den 
geschilderten Vorgang folgendermassen vor: Die plötzlich rasend 
gewordene Schaar rennt am steilen Abhang herunter ; sodann, ohne 
sich aufzuhalten, läuft sie, so zu sagen mit der »vitesse acquise«, 
über die kleine Strandebene bis in den See, wo sie ertrinkt. 

Vielleicht darf ich noch hinzufügen, dass in der französischen 
Uebersetzung des N. T. von meinem seligen Lehrer, Professor 
Oltramare, nicht wie in unseren sonstigen Uebersetzungen das 
Verbum se precipifer, sondern das Verbum se riier gebraucht wird. 
Oltramare war nie im Heiligen Lande, ist also nicht durch Be- 
trachtung der Oertlichkeit, sondern durch sein Sprachgefühl als 
Uebersetzer zu dem Ausdruck ae ruer gekommen. Die Englische 
Bibel hat: »The herd rushed down the steep.« 



Bücheranzeigen. 

Zur Flora der biblischen Länder. 
Von Dr. H. Christ in Basel. 



Zur Flora der biblischen Länder ist schon vor 4 oder 5 
Jahren ein wichtiges Werk erschienen, das in diesen Blättern 
noch nicht besprochen ist: 

Flora of Syrta, Palesiitie and Sinai from the Taurus to 
Ras Muhammed and from the mediterranean sea to the 
Syrian desert^ by Revd. George E. Post, MA. MD. DDS. 
Syrian Protestant College, Beirut, Syria, ohne Datwn. 
Der Verfasser ist Missionar am Syrisch-Protestantischen, 
vom American Board unterhaltenen College in Beirut, und ein 
sehr rühriger Schriftsteller in arabischer Sprache; so hat er den 
Anfang einer breit angelegten illustrirten Flora des Orients, eine 
arabische Bibelconcordanz mit ca. 80000 Artikeln, eine illustrirte 
Wundarzneilehre von 700 Seiten, und noch mehrere andere 
Werke herausgegeben, alle gedruckt — wie auch die zu be- 
sprechende Flora — auf der Presse des genannten College. Das 
Werk hat 918 eng gedruckte Seiten, eine die botanischen Re- 
gionen des Florengebiets enthaltende colorirte Karte und eine 
Menge kleiner Textbilder, welche Theile der beschriebenen 
Pflanzen darstellen und die Bestimmung erleichtern sollen; frei- 
lich muss für diese Figuren die vom Verfasser angerufene Nach- 
sicht des Lesers in Anspruch genommen werden , da sie oft gar 
zu undeutlich gerathen sind, indem sie der fleissige Amerikaner 
ohne alle Hilfsmittel selbst zeichnen, anfertigen und drucken 
musste. Stat pro arte voluntas ! 

Eine kurze, gut geschriebene Vorrede schildert die so ver- 
schiedenartigen Zonen und Regionen des Gebiets, das ja vom 



80 H. Christ, 

Meer zum Schnee des Heimon und von der Jordandepression zu 
den Wäldern des Anianus alle Klimate von Nubien bis zur Hoch- 
alp, und alle Formationen von Nordeuropa bis an die tropische 
Hitze des Gliör umspannt. 

Post rechnet Kleinasien pflanzengeographisch noch zu 
Europa und beginnt seine syrische Region nördlich mit der Ge- 
gend von Marasch. 

Das Gebirgssystem des Amanus im Norden, das Post von 
der Gegend von Marasch bis zum Orontes begreift, dann das 
Nosairier-Gebirge vom Orontes zum nähr el-hehir^ mit seinem 
Vorsprung, dem die See beherrschenden Mons Cassius; den 
Libanon vom nalir el-kehir zum unteren Leontes, und dann die 
niedrigeren Berge von Galilaea zum Sinai bilden die westliche 
Wand der langen Furche, deren Centrum Palaestina darstellt, 
indess die östliche Wand mit dem kapu tscham bei Marasch be- 
ginnt, dann sich in der breiten Ebene von höms verliert, um süd- 
wärts im Antilibanus und Aveiter in dem mächtigen Stock des 
Hermon sich zu Alpenhöhe zu erheben. Wieder sinkt sie süd- 
lich vom Hermon in die Ebene des Dschölän ein, an die sich die 
vulkanischen Berge von P)asan anlegen. Dann fulgen, immer 
nach Süden, die Gebirge Moabs, welche den Ostrand der Ein- 
senkung des Todten Meeres bilden, um sich tief nach Arabien 
hinein fortzusetzen. 

Die Höhen dieses Gebietes wechseln von 10 220 engl. Fuss 
über dem Meer (Gipfel des Libanon) bis zu 1300 engl. Fuss unter 
dem Seespiegel (Niveau des Todten Meeres). Eigentliche mit der 
Glacialflora verwandte Alpenpflanzen bieten aber auch die 
grössten Höhen nur sehr wenige; dagegen ist die Mannigfaltig- 
keit und die strenge Localisirung dieser Gebirgsflora um so 
grösser. 

Am reichsten ist der Amanus und der Libanon, während 

der Antilibanus etwas zurücksteht. In dem heissen Ghör hat 

sich ein namhafter Bruchtheil der tropischen Flora Nubiens und 

Südarabiens angesiedelt. Es ist der »microcosmische« Charakter 

der Region von Posts Flora, welcher den ganz abnormen Arten- 

reichthum bedingt: nicht weniger als 3500 Species auf einem 

Raum, der etwa dem von England gleichkommt i). In den 

1) Nur um einen Begriff von dem Reichtlium dieser syrischen Flora 
zu geben, führe ich an, dass sie 21 Glockenblumen (Campanula), 29 AVicken 



Zur Flora der biblischen Länder. gl 

Rahmen dieses kleinen Gebiets fällt eine ziemlich lange See- 
küste, mit dem Klima und der Vegetation der Mittelmeerzone. 
Die westliche Gebirgswand empfängt die ans der See aufsteigen- 
den Wasserdämpfe in Gestalt eines Regenfalls von 36 bis etwa 
50 Zoll (engl.). Dies Gebirge ist reich gefaltet und bietet alle Be- 
dingungen zur Isolirung und Steigerung des Endemismus dar. 
Die östliche Parallelkette entzieht der Luft ihren letzten Rest 
von Feuchtigkeit; sie mag etwa die Hälfte der Regenmenge 
empfangen, welche die westliche geniesst, während das östliche 
Plateau sich mit lü bis 12 Zoll begnügen muss. 

Eben so gross sind die Unterschiede in der Flora. Die VVüstej 
obschon zur Kultur ungeeignet, hat eine reiche und höchst ori- 
ginelle Flora, die gar nichts mehr gemein hat mit jener der west- 
lichen Striche. Auch hat die grosse Ausdehnung des Gebiets 
von Nord nach Süd (10 Ik'eitegrade) bei seiner nur 2 Längengrade 
umfassenden Schmalheit grossen Einfluss auf den Vegetations- 
charakter, und so kommt es, dass ein auf Erden kaum erreichter 
Reichthum des Gesammtbildes auf so kleinem Raum entsteht. 

Soviel aus der Vorrede Püsts, um zu zeigen, welches In- 
teresse dem Werke innewohnt, das zum ersten Mal die Flora der 
classischen Geschichtsländer des Orients in ihrer Gesammtheit 
darstellt. Natürlich steht Post auf den Schultern Ed. Boissier's, 
dessen Flora orientalis aber einen viel weiteren Bezirk, vom illyri- 
schen Dreieck bis zum Indus umfasst; aber die selbstständige 
Arbeit Püsts tritt doch deutlich hervor, nicht nur in vielen neuen 
Arten, sondern auch in der Bearbeitung der Verbreitungsbezirke 
und Standorte, die ungemein viel Neues bietet. 

Das Buch ist als Flora in streng systematischer und dabei 
kurzer Behandlung nur für den Botaniker, aber auch für den 
ungeübteren. Ein Schlüssel der Familien ist vorangestellt; unter 
jeder Familie wird ferner ein Schlüssel der Sektionen und Ge- 
nera gegeben. Die Arten sind durch kurze Diagnosen charak- 
terisirt; viel Sorgfalt ist auf die beigegebenen Vernacular-Namen 
verwendet, in denen sich Post als Kenner kundgiebt. 

Die englischen Pflanzennamen sind, wo thunlich, beigefügt, 

(Vicia), 37 Labkräuter (Galium), 39 Salbeiarten (Salvia), 41 Wolfsmilch- 
arten (Euphorbia), 41 Lauche (Allium), 47 Flockblumen (Centaurea), 55 Klee- 
arten (Trifolium), 58 Leinkräuter (Silene) und 115 Traganthe (Astragalus) 
enthält. Die Zahl der Genera ist 850. 

Ztscbr. d. r.il.-Ver. XXIII. fi 



82 H. Christ, 

dajyeo'en ist auf die Flora sacra nicht besondere Rücksicht o^e- 
nommen, was in einem für lleisende und Liebhaber bestimmten 
Buche vielleicht angezeigt wäre. 

Das Werk ist eine ausgezeichnete Bereicherung und Er- 
gänzung der Litteratur über die Natur der interessantesten Ge- 
gend der Welt und wird für lange hinaus treffliche Dienste leisten. 

II. 

Die Flora sacra behandelt dagegen ex professo die Arbeit 
von Leopold Fonck, S. J. : Streif zilge durch die hihlische Flora. 
Biblische Studien von Prof. O. Bavdenheicer in München. V. Bd., 
l. Heft, (lOOOj Freihurg i. B., Herder'' sehe Verlagshandlung ; 
161 S. (mit dem Imprimatur des Erzbischofs vom 22. Dec. 1899 
versehen). 

Pater FojSTCK ist nicht Botaniker von Fach; das Schwergewicht 
des Buches ruht aufdemphilologischen und archäologisch-theolo- 
gischen Gebiet, wie es denn auch lediglich bezweckt, dem Leser 
der heiligen Bücher möglichst genaue Rechenschaft zu geben von 
den daselbst erwähnten Gewächsen, von der Palme bis herab zum 
Gras, das in den Ofen geworfen wird. Aber neben diesem der Ein- 
leitung in das Bibelstudium dienenden Zwecke bietet P. Fonck 
auch Schilderungen der Physiognomie der Landschaft, welche 
die biblischen Pflanzen bewohnen, und dabei kommt ihm ein 
längerer Aufenthalt im Lande selbst wohl zu Statten. Nimmt 
man den frischen, hie und da auch salbungsreichen Ton der Dar- 
stellung hinzu, so wird man dem Buch das Loh einer vielfach 
belehrenden und anregenden Arbeit gerne zollen, wenn auch ein 
tieferes Eingehen in die eigentlich botanischen Beziehungen des 
Gegenstandes: Nachrichten über Heimath und Verbreitungs- 
gebiete, über Biologie und Phänologie, endlich auch über die 
Cultur der behandelten Arten hie und da vermisst wird. Dafür 
ist die Aesthetik, Symbolik und namentlich alles Sprachliche 
und Archäologische, überhaupt alles Exegetische auf Grund er- 
schöpfender Litteraturkenntniss sehr ausgiebig geboten, und 
gerade der Botaniker, dem diese Gebiete meist fremd sind, wird 
da reiche Belehrung schöpfen. 

Wenn P. Fünck klagt, dass gerade die Deutsche Wissen- 
schaft sich noch w^enig der Flora sacra zugewandt habe, so hat er 
eigentlich Recht: der Schweizer Ed. Boissier, der Engländer 



Zur Flora der biblischen Länder. g3 

Tristram und der Amerikaner Püst haben da die meiste Arbeit 
gethan. Aber doch gebührt einem deutschen Oesterreicher, denP. 
FoNCK nicht benützt hat, das Verdienst, ganz reizende, sorgfältige 
Detailschilderungen über die Flora des heil. Landes greseben zu 
haben: Theodor Kotschy in seinen Abhandlungen: 

1. Umrisse von Südpalästina im Kleide der Frühlingsflora; 

2. Die Sommerflora des Antilibanon und hohen Hermon; 

3. Der Libanon und seine Alpenflora; 

zu finden in den Verhandlungen der zool.-bot. Ges. Wien, Jahrg. 
18G1 und 1S64, auch separat bei Carl Überreuter in Wien. In 
ansprechendster Weise ist die Schilderung des Pflanzenklcides 
bis in seine feinen Züge hier verwoben mit der des landschaft- 
lichen Charakters, sodass der Gesammteindruck ein überaus leb- 
hafter und treuer ist. Es ist derselbe Kotschy, der die Russegger- 

} DO 

sehe Expedition nach dem ägyptischen Sudan als Botaniker 
begleitete, ein schönes lUich über den cilicischen Taurus her- 
ausgab und in Gemeinschaft mit Unger die Lisel Cypern bota- 
nisch beschrieb, dem man auch ein grosses Werk über die Eichen 
des Orients verdankt. 

P. FoxcK hütet sich mit Recht, seine biblischen Pflanzen 
etwa alphabetisch nach Art eines Bibellexikons abzuhandeln, 
sondern gruppirt die Arten seiner biblischen Flora nach fünf 
Regionen, die sie vorzugsweise bewohnen: dem Meeresstrande, 
der Bergeshühe, der öden Steppe, dem bebauten Lande und dem 
durch sein heisses Klima so merkwürdigen l^>ecken des Todten 
Meeres. Jeder dieser Regionen ist ein Kapitel gewidmet ; massen- 
hafte Citate finden sich auf jeder Seite. 

Ich versuche, im Auszug P. Foncks Ergebnisse zu berühren. 

Am Strande entbietet dem Pilger den ersten Gruss des Ori- 
ents die Dattelpalme, die seit dem Alterthum sehr zurückgegan- 
gen, aber immer noch bei Gaza, Askalon, Jaffa in Gruppen er- 
halten ist, und nach Norden zu in Tyrus, Sidon und in den x\nlagen 
von Beirut sich hält. Dass die Palme als wildes Gestrüpp, sei 
es als Rest alter Kultur oder wirklich wild, in den Schluchten 
der Ostseite des Todten Meeres vorkommt, haben schon Lynch 
und Schubert mitgetheilt. Wie weit sie in Syrien nach Norden 
geht, wissen wir aber noch nicht. Auch wären wir über eine 
Nachricht dankbar gewesen, ob heute noch im heiligen Land 
Datteln erzeugt, ob die weiblichen Bäume künstlich befruchtet, 

G* 



84 H. Christ, 

oder ob die Bäume blos zum Schmuck und zum Gebrauch der 
lUätter bei Kirchenfesten gehalten werden. 

Die Tamariske, namentlich die das Manna liefernde Art, 
der Wunderbaum (Ricinus) und seine Beziehungen zum Pro- 
pheten Jonas, der Epheu, die indische Feige (Opuntia), ein Ein- 
dringling in die Orientflora aus Amerika her — was freilich die 
Maler an seiner Darstellung auf Gemälden aus dem Leben Jesu 
nicht hindert — , die Melde des salzigen Sandes, die niedrigen 
Salzkräuter welche die Pottasche zur Seife liefern, das Rohr der 
Sümpfe und seine Anwendung in so vielen Gleichnissen der 
Bibel, und zuletzt das berühmteste aller Rohre, der Papyrus, 
werden nach ihrer Bedeutung in den heiligen 13üchern einzeln 
eingehend dargestellt. Von Jaffa hinauf gegen Caesarea und 
am Karmel hin wird der »Vater des verewigten Gedankens«, wie 
ScHWEiNFURTH den Papyrus nannte, in vielen Sümpfen nahe der 
Küste häufig gefunden, besonders am Krokodiltluss, wo er 3 — 4 
Meter hoch wird. Aber auch ausser der Küste ist er in der 
Jordanspalte, am See Hüle, am See Tiberias und bis herab zum 
Todten Meer zu finden. P. Fonck scheint mit den meisten 
Autoren anzunehmen, dass der Papyrus von Aegypten aus nach 
Palästina seiner Zeit eingeführt wurde und sich da seither er- 
halten habe. Ich halte ihn im Gegentheil daselbst für gerade so 
gut einheimisch, als so viele mit ihm vergesellschaftete afrika- 
nische Pflanzen und Thiere, deren natürliche Nordgrenze sich 
in dem mit afrikanischem Klima begabten Ghör weiter vor- 
schiebt als irgendwo. So wenig das Krokodil (das noch fröhlich 
daselbst lebt), die Moringa oder Balanites ins Jordan-Gebiet »ein- 
geführt« sind, so wenig ist es der Papyrus, der z. B. heute noch 
den ganzen Ilüle in einem dichten Schilfwald stundenweit be- 
deckt. Man entwindet sich eben nur langsam der von Hehn 
allzusehr geförderten Legende von 'Einführung« aller Pflanzen, 
die zwar integrirende Bestandtheile der wilden Flora sind, aber 
frühe schon vom Menschen in den Bereich der Kultur gezogen 
wurden, und nun deshalb überall als »eingeführt« gelten müssen, 
sodass für einige schliesslich gar kein Heimathgebiet mehr übrig 
bleiben würde. Es wäre nicht ohne Interesse gew esen zu erfahren, 
welclie Rolle heute der Papyrus noch in der bescheidenen Oeko- 
noraie der Araber spielt, die sich in dessen liauptgebiet am Hüle- 
See herumtreiben. 



Zur Flora der biblischen Länder. 85 

Im zweiten Kapitel: »Auf Berges Höhe« ist ein reicher Ab- 
schnitt der biblischen Archäologie des Oelbaums gewidmet, vind 
davon die an einigen Stellen des alten Testaments erwähnte 
üelweide (Elaeagnus) unterschieden. 

Vom Maulbeerbaum wird gezeigt, dass der weisse, der zur 
Seidenzucht gebraucht wird, erst in nachbiblischer Zeit in Syrien 
eingeführt, während der schwarze, dessen Früchte gegessen wer- 
den, daselbst eine alte Kulturpflanze ist. 

Von den ]]äumen des Bergwaldes werden die Eichen, das 
aus dem Gleichniss vom verlorenen Sohn bekannte Johannesbrodt 
(»Traber« bei Luther), die Terebiuthen, der Borax, der Lorbeer 
und die vielfach aromatisch duftenden Sträucher dieser Zone be- 
sprochen. Es ist nicht, wie P. Fonck meint (S. 49), der fast ge- 
ruchlose und kein Harz absondernde Cistus salviaefolius L., der 
das Ladanum spendet, sondern nur die klebrigen Arten: C. 
Creticus L. und der spanische C. ladaniferus L. 

Püterium spinosum wird als Material zu den an die Pilger 
verkauften Dornenkronen angeführt, wozu aber auch die Dornen 
der Zizyphus- und Lyciumarten verwendet werden. 

P. Fonck wiederholt bei Schilderung des Bergwaldes die 
Ausführungen, die er bereits in den Stimmen aus Maria-Laach 
LIV (1898) 151 über die weisse Lilie gab. Er giebt darin viele 
werthvolle philologische und textauslegende Aufschlüsse, und 
bestätigt überzeugend das noch immer vielfach bezweifelte spon- 
tane Vorkommen der Lilie im Libanon und Antilibanus; wenn 
er aber behauptet, dass die Lilien des Feldes, aufweiche Christus 
nach Math. 6, 28 und Luc. 12, 27 hinwies, keine andern ^varen 
als gerade das Lilium candidum, das nur im Gebirge und nie 
auf dem Felde wächst, so wird er wohl mit seiner Ansicht ziem- 
lich allein stehen bleiben. Offenbar sprach ja unser Heiland 
nicht von einer Lilie, sondern von Lilien überhaupt, und zwar 
von Blumen, die auf dem Felde wachsen und mit dem übrigen 
Grase des Feldes in den Ofen wandern, und sicher nicht von einer 
im entlegenen Bergwald schwierig zu findenden Seltenheit i). 

Mit Recht widerlegt P. Fonck weiterhin die Ansicht, dass 
die Ceder, wie allgemein angenommen wird, dem Libanon eigen- 
thümlich sei und sich nur noch in der weltberühmten Gruppe von 

1) V<?1. »Nochmals die lälie der Bibel«. Von Dr. H. Christ. ZDl'V 
XXII, 1899, G5 tf. 



86 H. Christ, 

]?sclierre finde. Schon Kotschy (Libanon und seine Alpenflora 
S. 30) hat im Uistiicte Danie weithin sich erstreckende Bestände 
des Baumes gefunden ; er erstreckt sich von hier über den Amanus 
zum cilieischen Taurus, wo er tagelange Waldungen bildet, und 
erscheint wieder — in mächtiger Ausdehnung — im algerischen 
Atlas und bis in die marokkanische Küstenkette; auch die grosse 
Ceder des Himalaya (C. Deodara) ist specifisch nicht zu trennen. 

Besonders hebt P. Fonck auch die schöne, bei uns in An- 
lagen oft cultivirte cilicische Tanne hervor, die überall als eine 
Begleiterin des Cedernwaldes auftritt, und als herdsch schon im 
alten Testament, ja selbst auf assyrischen Keilinschriften er- 
wähnt ist. Die Cypresse tritt im Libanon immer noch in grösserer 
Mächtigkeit auf, als P. Fonck vermuthet; Kotschy a. a. O. 29 
schildert den Wald unterhalb des Klosters Mär Elischa*^ als eine 
mit Cupressus horizontalis diclit bewaldete Landschaft; er breitet 
sich zu beiden Seiten des Kadischa-Thales aus und ist einem nicht 
ganz geschlossen wachsenden Fichten -(Picea-) Wald durchaus 
ähnlich. Soweit das Auge ins Thal hinabreicht, ist dieser Baum 
allein vorherrschend; in einer Hütte wurde eine Drechslerei 
darin betrieben, wo allerlei Geräthe aus dem Holz gefertigt 
wurden. Der Wald bildet zwischen dem obern Cedernwald und 
der untern Seeföhrenregion einen Gürtel von vielleicht 1 000 Fuss. 
Am Tumm el Ylly steigt die Cypresse bis 6000 Fuss. 

Im dritten Capitel »In öder Steppe« führt uns P. Fonck 
durch das Längsthal von Coelesyrien. Einst die Kornkammer 
Syriens, ist dieses Thal im Laufe der Zeiten mehr und mehr 
verödet, und wenn im Mai die Getreidefelder abgeerntet sind, 
nimmt es durchaus die Steppennatur an, wo die Erscheinung 
des Akkub der Araber (hebräisch galgal)^ nämlich der vor dem 
Winde daherrollenden kugelig zusammengeballten, grossen 
Steppenkräuter, vorwiegend Centaureen oder Flockblumen, 
schon reichlich zu beobachten ist, genau wie in der südrussischen 
Steppe, wo die fliegenden Bälle Burian heissen. Nach Mitthei- 
lungen von P. M. JuLLiEN ahmt der Jagdleopard, mit dem heu- 
tigen Tages noch im Haurän die Gazelle gejagt wird, die rollende 
Bewegung des Akkub nach, um das Wild zu beschleichen, was 
ihm gelingt, weil er in seinem hellen gefleckten Kleide zusam- 
mengeballt einem Akkub gleicht. 

Etwa 20 Ausdrücke finden sich im alten Testament für die 



Zur Flora der biblischen Länder. ~ 87 

Disteln imd Dornen, welche die Steppe in unzähliger Mannig- 
faltigkeit hervorbringt. Alles ist entweder blattlos, oder dornig, 
oder durch dichte, filzige Behaarung in diesen regenlosen Ebenen 
vor der Austrocknung geschützt. Nur der Frühling bringt hier 
einen zarten, aber vergänglichen Anflug von Grün. Aber auch 
prächtige Pflanzengestalten bietet die Steppe: so den schon im 
alten Testament und heute noch Rothem oder Ketem genannten 
weiss und roth blühenden, hohen Ginster, den ich auch in 
Marokko's Steppe zu bewundern Gelegenheit hatte. Auch 
mehrere stark duftende Lippenblütler kommen da vor. Der 
grösste ist — neben den gewaltigen Eremostachys — der grosse 
Dosten (Origanum Maru) den P. Fonck auf den Ysop an der 
Wand und auch, vermöge seines starken Stengels — auf den 
Ysop deutet, mit dem unserm Heiland am Kreuze die letzte La- 
bung gespendet wurde. 

Das vierte Capitel: »Durch Feld und Flur<- führt uns an die 
Ufer des Sees Genezareth, auch heute noch den schönsten Strich 
des heilisren Landes. Hier herrscht neben dem Oelbaum der P'ei- 
genbaum. Nach der Betrachtung all der Schriftstellen, die sich auf 
ihn beziehen, wird es auf Grund von Amos 7, 14 (»ich bin ein Hirt 
der Maulbeeren ablieset •, Vulgata: vellicans sycomoros) als wahr- 
scheinlich bezeichnet, dass schon die alten Juden mit der zur 
Güte der Feigen sehr förderlichen Caprification vertraut waren. 
Ob diese Operation heute noch in Palaestina geübt wird, Avird 
uns nicht deutlich (S. 115) mitgetheilt. Sie besteht darin, dass 
man die von einer Gallwespe angestochenen kleinen Früchte des 
wdlden Feigenbaumes (Caprificus, Ziegenfeige) an zahme Bäume 
befestigt, worauf die Wespen deren Feigen anstechen und sie 
dadurch sehr fleischig und süss machen. 

Es versteht sich, dass P. Fonck auch den Weinstock ein- 
gehend als biblische Pflanze erörtert : hat er ja für den Christen 
durch die Eucharistie eine Bedeutung, wie kein anderes Gewächs 
der Erde. Am meisten wird heute unter der Ungunst, die der 
Islam der Eebencultur zuwendet, noch Wein gebaut im christ- 
lichen Libanon, dann am Karmel und bei Jafla von den deut- 
schen und jüdischen Kolonisten, und bei Hebron. Schon Hosea 
preist den Wein des Libanon, und nach Ezechiel brachten die 
Kauf leute von Clielbon, heute lielhnn im Norden von Damaskus, 
kostbaren Wein in Tyrus zu Markte; unter den Weinen der 



88 H. Christ, 

Assyrerkönigc findet sich auf dem Giotefend-Cylinder derselbe 
Wein als klarer Wein von den Gebirgen von Cliilbuni verzeichnet. 
Noch heute entspricht die Ausstattung eines orientalischen 
Weinberges mit seiner Mauer, seinem Dornwall, seinem Wacht- 
thurm und der Kelter ganz und gar der Schilderung in den 
Psalmen, in den Propheten und den Evangelien. Die Weinstöcke 
werden entweder zu armsdicken bis zu 2 Meter langen Stämmen 
gezogen, die auf Stützen schräg etwa 2 Fuss über dem Boden 
liegen, oder sie bilden stammlos kleine Büsche. Dies sind die 
alten Culturarten. Erst neuerdings wird im Libanon die auf- 
rechte Cultur an Pfählen eingeführt. 

Aprikose [misc/imisch) , Orange und Citrone sind keine alten, 
biblischen Culturpflanzen, sondern erstere ist erst zu Beginn der 
christlichen Zeitrechnung, letztere beiden sind erst nach Ale- 
xanders Zügen in deren indisches Vaterland im vorderen Orient 
bekannt geworden. Heute freilich ist mischmisch geradezu das 
Hauptobst Syriens, und bei Jaffa gedeihen die Agrumi prächtig. 

Die Sycomore, eine mächtige, dem tropischen Riesen-Ficus 
ähnliche Feigenart, wird als Schattenbaum im wärmeren Jordan- 
thal ebenfalls gesehen; die Früchte sind klein und von zweifel- 
haftem Werth. 

Dass der Nussbaum ein alter Culturbaum ist, wissen wir aus 
dem Hohen Liede; ebenso die Granate. 

Die am meisten gebauten Getreidearten sind Weizen, Gerste, 
auch 3 Hirsearten und der amerikanische Mais ; neu ist mir, dass 
auch Spelt in Palästina (wo?) nicht ganz fehle. Vielleicht, dass 
er neulich von den schwäbischen Colonisten eingeführt wurde. 
Roggen und Hafer sind dagegen unbekannt. 

Das »Unkraut unter dem Weizen« bezieht P. Fonck auf 
den Lolch, und zwar deshalb, Aveil dies Gras in unentwickeltem 
Zustand sehr dem Getreide gleicht, was auf andere Unkräuter 
weniger passt. 

Die Mandragora, der berüchtigte Alraun, über den P. Fonck 
uns eine ganze Litteratur citirt, ist nach ihm in Palästina in vielen 
Gegenden häufig zu fi.nden und als »Ei der Geister« bekannt. Ln 
alten Testament ist es nicht die Wurzel, sondern sind es die run- 
den, kirschengrossen Früchte dieser gefährlichen Giftpflanze, 
die unter dem Namen dudaim als Liebeszauber erwähnt werden. 

Im fünften Capitel behandelt der Verfass^er die auf der Erde 



Zur Flora der biblischen Länder. 89 

einzig dastehende Depression des Todten Meeres, dessen Spiegel 
394 Meter unter dem des Mittelmeeres sich befindet, und, ein- 
geschlossen zwischen hohen Bergwänden, die Temperatur Abes- 
siniens und Nubiens aufweist. Hier tritt denn auch eine Flora 
auf, die durchaus an diese Länder, das südlichste Persien oder 
den untern Induslauf erinnert. Nicht weniger als 44 Gattungen 
und 175 Arten finden sich im Gebiet von Posts syrischer Flora 
nur in dieser Region und südlich im Sinaigebiet. 

Salzkräuter umgeben die unmittelbare Nachbarschaft des 
bittern Sees. An den Abhängen der Berge entfaltet sich mannig- 
faches Gebüsch. Hier sollen sich die Sodomsäpfcl finden, mit 
denen man den Ausspruch Moses (5 Mos. 32. 32) in Verbindung 
brachte: »Denn ihr (der ungehorsamen Söhne und Töchter) 
Weinstock ist des Weinstockes zu Sodom und von dem Acker 
Gomorras, ihre Trauben sind Galle, sie haben bittere Beeren« 
und von denen Josephus berichtet, wenn er sagt, dass an dieser 
vom göttlichen Feuer verödeten Stätte Früchte^wüchsen, äusser- 
lich essbaren ähnlich, aber sich bei der Berührung in Staub und 
Asche auflösend, xiuf welche im Ghor vorhandene Pflanze diese 
Schilderungen zu deuten sind, ist strittig. Man dachte an einen 
strauchigen Nachtschatten mit schönen hochgelben Früchten, 
etwa 25 mm im Durchmesser (Solanum coagulans) die durch den 
Stich eines Insects im Innern zu Staub werden sollen ; ferner an 
den "oschr der Araber, eine hohe aufrechte Staude aus der 
Familie der Asclepiadeen Calotropis procera), deren grosse 
ovale Kapseln elastisch platzen und ihren trockenen, faserigen 
Inhalt nebst den Samen in der Hand lassen; endlich an die Ko- 
loquinte, eine kleine Gurke, die grün und saftig einem Apfel 
ähnlich ist, aber endlich zu einer dünnen zerbrechlichen Kruste 
austrocknet. Jedenfalls hat letztere Pflanze das beste Anrecht 
darauf, als jene > wilde Rebe« angesprochen zu werden, deren 
Früchte die Schüler des Elisa in der Hungersnoth kochten und 
ob deren gräulichem Geschmack sie ausriefen: »Hilf heiliger 
Mann, der Tod im Topf!« Denn diese Frucht ist von einer Alles 
übertreffenden scharfen Bitterkeit. 

Hier im Ghör beginnen auch vier von den afrikanischen 
baumartigen Acacien, auf denen der rothe afrikanische Loran- 
thus schmarotzt. Hier bekleidet der Kaperstrauch die Fel- 
sen, dessen vergängliche Blüthe im Prediger als ein Bild des 



90 II- Christ, 

Greisenalters gebraucht ist. Fernere Hewohner dieser Gegend 
sind die Salvadora persica, der Chardal der Araber, eine hohe 
stark verästelte, eine Masse kleinsamiger Beerchen tragende 
Stande Indiens und Südpersiens, von der man vermuthete, 
der Herr habe sie im Auge gehabt, als er von dem Senfkorn 
sprach, das auswachse zum grössteu Gewächs unter allem Kohl, 
in dessen Zweigen die Vögel wohnen können; dann auch Bala- 
nites aegyptiaca, zalküm der Araber, ein kräftiger Dornstrauch 
Nubiens, mit wolligen, lederigen Blättern und grünen, ovalen, 
ein heilkräftiges Gel enthaltenden Früchten, das mehrere Exe- 
geten für den Balsam von Gilead hielten. Aber P. Fonck hält 
es für wahrscheinlicher, dass mit diesem Balsam das Harz der 
Terebinthe und der Mastix des Lentiscus gemeint ist, die beide 
in Gilead häufig sind. Wenn aber P. Fo^xk herausfinden avüI, 
der Herr habe bei der Geschichte vom barmherzigen Samariter, 
der den Verwundeten mit Gel und Wein behandelte, wegen der 
Nähe Jericho's vielleicht just an das Gel des zaJfhTim gedacht, 
so sind das Hypothesen, Avelchen der schlichte Botaniker nicht 
mehr zu folgen vermag. 

Von diesen vermeintlichen Balsamen kommt der Verfasser 
nun noch auf jenen echten Balsam, der einst nach Josephüs von 
der Königin von Saba dem Salomo gebracht, und zu Jericho, 
Engeddi und Zoar eifrig cultivirt wurde. Die Römer sind voll 
seines Lobes; noch im Mittelalter fanden sich davon Spuren im 
heiligen Lande, und die letzten Sträucher sollen bei matarlje in 
Aegypten, wohin sie von Engeddi durch Cleopatra gebracht sein 
sollen, erst Kilo durch eine Ueberschwemmung zu Grunde ge- 
gangen sein. Es ist kein Zweifel, dass dieser von Plikius ge- 
schilderte Balsam Judaea's wirklich das echte, zum heiligen 
Chrisma verwendete Opobalsamum ist, das im Somalilande und 
in Jemen heute noch gedeiht. 

Mit einer kurzen Hindeutuug auf die Pflanzen skelete dieser 
Begion, die befeuchtet sich mit grosser Baschheit aus ihrer zu- 
sammengekrümmten Lage herauswickeln und flach legen: die 
Hand der Maria (Anastatica) und das Röslein von Jericho (Aste- 
riscus pygmaeus), schliesst P. Fonck seine Arbeit, die viele An- 
regung zur weitern Forschung auf diesem dankbaren Gebiet ent- 
hält, wo Grientalisten und Naturforscher sich ohne Bedenken 
die Hand reichen können, und wo noch so viel zu thun übrig ist. 



Zur Flura der biblischen Länder. 91 



III. 



V. Oppenheim^ Aus der Sommerfora Syriens und Mesopotamiens. 
VerzeicJiniss der auf meiner Reise im Sommer 1893 gesammel- 
ten Pfanzen nehst Angabe der an Ort und Stelle aif gezeichne- 
ten arabischen Namen und Nutzamvendungen., bestimmt von 
P. Ascher so7i; in y>vom Mittelmeer zum Pers. Golf«-. Dietrich 
Reimer. Berlin. 19U0. 

Dies Verzeichnis enthält blos ca. 7(i Nummern, ist aber durch 
Beigabe der Namen und Gebrauchsanwendungen, sowie durch 
manche besondere geographische Anmerkungen von Professor 
AscHERSOX lehrreich. Die Sammlung enthält vorwiegend kosmo- 
])olitische Unkräuter, die zum Theil auch bei uns zu finden sind, 
und bestätigt die schon von Boissier gemachte Bemerkung, dass 
die uralten Culturländer Mesopotamiens und des bebauten Syriens 
sich durch trostlose Trivialität der Flora auszeichnen. Bei den 
arabischen Namen zeigt es sich, dass das Volk auch die unschein- 
baren und gebrauchslosen Pflanzen scharf und genau benennt, 
was ja die »fremden Völker<; in weit höherem Grade thun, als 
wir Mittel-Europäer: ich erinnere au die Japaner, die Canarier, 
oder die Javanen, denen keine Pflanze ihrer reichen Floren ent- 
ging. Freilich zeigt Oppenheims Liste, dass in seinem Gebiete 
die Namen oft andern GcAvächsen beigelegt wurden, als in Egypten 
u. s. w., gerade wie die Canarier altspanische Namen ganz andern 
Arten beilegten, die in Spanien gar nicht wachsen. Wie hübsch 
z. Th. die arabischen Pflanzennamen sind, zeigt z. B. der Weide- 
rich, den man dort »die kleine Kose< nennt; oder der Wasserdost, 
mit dessen gepulverten Samen die Mädchen sich das Gesicht ein- 
reiben um sich vor Sonnenbrand zu wahren, und der »Mädchen- 
wange« heisst, oder gar eine als derbes Abfürmittel dienende 
Wolfsmilch, welche als »Mutter des Wohlbehagens« ausgezeichnet 
wird. Die Kartoff'el fand Oppenhei:m im Hauran unter dem echt 
arabisch klingenden Namen ghirhil gepflanzt. Sehe ich mich 
unter den bisher bekannten Namen der bald den ganzen tempe- 
lirten Erdkreis erobernden Pflanze nach einem ähnlichen um, so 
finde ich nur den im 18. Jahrb. in Deutschland hie und da üblichen, 
aber heute völlig verschollenen »Grübling«, aus dem etwa ein 
arabischer Gaumen das ghirhil umgebildet haben könnte. Der in 
Mesopotamien als tutan (Cigaretten- Tabak) gebaute Tabak ist 
Nicotina latissima MilL, und nicht N. Tabacum. Wenigstens 
brachte Oppenheim nur erstere Art als tutun mit. Nach Ascher- 
soN übersetzte Luther das hischuä der Bibel (4. Mos. 11, 5) un- 
richtig mit Kürbis; es ist möglicher Weise der Cucumis Melo L. 
subsp. C. chate L. gemeint, dessen gurkenförmige Früchte meist 
die in Europa gebrauchte Gurke (C. sativus L.) vertreten. Sehr 
erstaunlich klingt die Nachricht, dass in Mesopotamien die Früchte 
des Solanum villosum Lam. zur Nahrung dienen; bei uns gelten 



92 Büchcranzeigen. 

sie als eben so giftig, wie S. iiigrum L. Dass gar der Name unseres 
Getränkes Funsch vom arabischen hendsch^ dem sehr narkotisch 
giftigen liilsenkraut herstamme, wie Wetzstejx vermuthet, kann 
dem Referenten als einem Temperen/ler nur angenehm sein. 
hetuhch wird übrigens, wenn ich mich recht erinnere, in Nord- 
Afrika neben kcf auch für den Hanf gebraucht, der geraucht 
wird (Haschisch). 



Bald., T). F., Geographie des alten Palästina. Mit Plan von Jeru- 
salem und Karte von Palästina (Grundriss der theologischen 
Wissenschaften. Zweite Reihe. Vierter Band). Freiburg i. B. 
und Leipzig.^ 1806. Academischc Verlagshuclihandlung von 
J. G. B. Mohr (Paul Siebech). 

Die Besprechung dieser Geographie des alten Palästina, 
die bereits vor drei Jahren erschienen ist, kommt leider sehr 
verspätet. Referent hatte die Absicht, bei dieser Gelegenheit 
verschiedenes auf die Geographie Palästinas Bezügliche aus sy- 
rischen Quellen, besonders aus alten Heiligenlegenden , mitzu- 
theilen. Aber in Folge der Mitarbeit an Kautzsch's Apokryphen 
und Pseudepigraphen musste er davon absehen, diese Absicht 
rechtzeitig auszuführen, und muss sich auch heute auf eine kurze 
Anzeige des Buches selber beschränken, die, wie er hofft, auch 
jetzit noch nicht zu spät kommt. 

Wie schon der Titel besagt, wollte Buhl nicht die biblische 
Geographie , sondern die alte Geographie der von den Israeliten 
bewohnten oder auch vorübergehend beherrschten Gegenden 
behandeln, und hat darum mit llecht das, was über die Grenzen 
dieses Gebietes hinausgeht , nur ausnahmsweise und andeutend 
berührt. So kommt es, dass sogar z. B. Damaskus nur in der 
Uebersicht über die natürlichen Grenzen und die Lage des Lan- 
des gelegentlich der Erwähnung der herrlichen Ebene am Ost- 
fusse des Antilibanos, in welcher es liegt, genannt wird. Zeit- 
lich hat er den Stoff so begrenzt, dass in der Regel nur die 
biblischen Schriften, Josephus , die talmudische Litteratur und 
die Onomastica des Eusebius und Hieronymus berücksichtigt 
wurden. Auch diese zeitliche Abgrenzung ist in sich selbst be- 
rechtigt, weil zwischen den zuletzt genannten Werken mit ihren 
genauen Angaben über die Lage der einzelnen Städte und dem 
breiten Strome der Pilgerschriftenlitteratur, der im Mittelalter, 
besonders vom 12. Jahrhundert an, unaufhaltsam weiterfloss, ein 
bedeutender zeitlicher Zwischenraum mitten inneliegt, und über- 
dies die Angaben dieser mittelalterlichen Pilger, soweit sie Neues 
betreffen, nicht mehr zur »alten Geographie Palästinas« gehören, 
und so weit sie die alte Zeit und ihre Verhältnisse zum Gegen- 
stande haben, wenig zuverlässig sind und kaum eine Bereiche- 



Bücherauzeigen. 93 

lung- der früheren Notizen darstellen. Zugleich versteht es sich 
von selbst, dass der Verfasser, obgleich das Buch dem Titel nach 
nur ein »Grundriss« sein Avill, sich nicht mit einem blossen 
Ueberblick, ohne Berücksichtigung der Einzelheiten, begnügen 
durfte, während er andererseits von einer detaillirten Beschrei- 
bung der einzelnen Lokalitäten in Rücksicht auf den Umfang, 
den das Buch sonst angenommen hätte, absehen musste und nur 
auf die Ilauptschriften hinweisen konnte, wo man eine nähere 
Schilderung der erwähnten Oeitlichkeit finden kann. 

Fragen wir nun aber, inwieweit das Buch unter den ange- 
gebenen Verhältnissen dem vorgesteckten Ziele nahe gekommen 
ist, so können wir nur ein günstiges Urtheil fällen. Durch 
eigene Kenntniss des heiligen Landes und verschiedene Special- 
untersuchungen, von denen wir hier nur die in seiner »Ge- 
schichte der Edomiter« (1893) enthaltene Beschreibung des edo- 
mitischen Landes nennen wollen, für die ihm gestellte Aufgabe 
vorbereitet, hat er mit hierfür geschärftem Sinn es verstanden, 
uns ein anschauliches Bild von der Eigenart der Oberflächenform 
und Natur des Landes zu entwerfen, aus der grossen Fülle des 
topographischen und historisch- geographischen Materiales mit 
glücklichem Griffe das Wesentliche herauszuheben und trotz 
der nicht selten grossen Schwierigkeiten innerhalb des hin und 
her wogenden Widerstreites der verschiedenen Meinungen doch 
durch das hemmende Gestrüpp haltlos emporwuchernder Hypo- 
thesen hindvirch den richtigen Weg zu finden. Dass Buhl mit 
diesen seinen Aufstellungen auch selber Widerspruch finden 
würde, wird ihn kaum überrascht haben, um so weniger wenn 
dieser Widerspruch von Gelehrten ausgeht, die Avie George 
Adam Smith (im Expositor, Vol. IV, p. 401 — ^^413) ein, Interesse 
daran haben, ihre von Buhl zurückgewiesenen Annahmen (so 
z. B. S. 104 Anm. und S. 23S Anm.) unter erneuter und wo nöthig, 
verstärkter Hervorhebung ihrer Gegengründe zu vertheidigen. 

In den Litteraturangaben der Geschichte der Palästina- 
forschung wie in der Vorführung des Stoffes der historischen 
Geographie ist das bibliographische Material mit grosser Sorgfalt 
und Umsicht nahezu vollständig zusammengetragen. Neben 
\o'S Raumer's brauchbarem Handbuch, das zuletzt 1860 in 4. Auf- 
lage erschien, hätte vielleicht auch Arnolu's Buch über »Palä- 
stina« (1845, 306 S.) genannt werden können , auch ist ihm die 
zweite Auflage von Furrer's »Wanderungen durch Palästina« 
(1891) entgangen; und andere werden hier und da, wenngleich 
sicher nur selten, anderes vermissen. Aber die reichen litterari- 
schen Angaben in den Anmerkungen zeigen, welch' ein massen- 
haftes Material von IJuhl bewältigt werden musste, um aller- 
orten das zu geben , was wir heute auf Grund der gemeinsamen 
Arbeit vieler Gelehrten aller Kulturvölker wissen oder wenigstens 



94 Bücheranzeigen. 

mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit vermuthen 
können. Für eine zweite Auflage, die hoffentlich nicht lange 
auf" sich warten lässt, könnte der ^'erfasser in Erwägung ziehen, 
ob es sich nicht empfiehlt, wenigstens in der historischen Geo- 
graphie mit ihren vielen Einzelangaben jeden Ortsnamen , wenn 
darauf die genaue Beschreibung der Oertlichkeit folgt , mit fet- 
ten Lettern drucken zu lassen. Es würde dies in dem Gewirre 
der verschiedenen Ortsbezeichnungen dem Auge einen erwünsch- 
ten Iluhepunkt bieten und beim Aufsuchen den Ueberblick we- 
sentlich erleichtern. Wir wollen auch nicht verschweigen, dass 
sich in der Sprache verschiedene Mängel finden , ohne dass wir 
dem, wie geschehen ist, ein besonderes Gewicht beilegen möchten. 
Denn wenn z. 1^. (S. 10) »Bollwerk« als Maskulinum behandelt 
und (S. 20) der auf den Vordersatz mit weggelassener Bedingungs- 
partikel folgende Nachsatz nicht mit »so« eingeleitet wird, so 
können diese kleinen Unebenheiten der Diktion, die jeder bei 
der Lektüre bequem selbst verbessert, nichts an der Thatsache 
ändern, dass das Buch, das »sich von allen Stimmungsbildern 
und gemüth vollen Betrachtungen fernhält«, doch gerade wegen 
seiner schmucklosen und fast nüchternen Sprache wohlgeeignet 
ist, »ein anschauliches Bild von dem durch die Offenbarungs- 
seschichte geheiligten Lande« dem Leser zu bieten. 

Wir heben noch in zwangloser Form verschiedene Punkte 
heraus, die aus dem oder jenem Grunde ein besonderes Interesse 
bieten, z. Th. um daran Bemerkungen anzuknüpfen, ohne da- 
bei darauf Rücksicht zu nehmen, ob die neuen Anschauungen, die 
Buhl vorträgt, von ihm selber stammen, oder von anderen erst- 
malig ausgesprochen , oder ob sie sonst schon bekannt und ver- 
breitet worden sind. — S. 12 macht der Verf. mit Recht geltend, 
dass die Abgeschlossenheit gegen die Kulturwelt, die man ge- 
wöhnlich als eines der beiden Hauptcharakteristica der Lage des 
Westjordanlandes, des Hauptschauplatzes der israelitischen Ge- 
schichte bezeichnet, nur in gewissem Sinne mit den wirklichen 
Verhältnissen stimmt, sofern sie wohl in vollem Umfange auf 
den südlichen Theil des Westjordanlandes passt, Avogegen der 
nördliche Theil des israelitischen Landes keineswegs eine streng 
isolirte Lage hatte. Wenn er aber hinzufügt, dass das jesaia- 
nische Bild eines von Mauern und Zäunen umgebenen Wein- 
berges (Jes. 5 , 1 ff.) für den südlichen Theil des Landes mit 
seinem schwer zugänglichen Gebirge im höchsten Grade tref- 
fend sei, so möchte Ref. dem gegenüber doch darauf hinweisen, 
dass die Schilderung von der Anlegung der Mauern und Zäune 
eher die Sorgfalt schildern soll, die der Besitzer des Weinberges 
an seine neue Anlage , trotz ihres geringen Ertrags , immer von 
neuem wendet, als dass darin eine topographisch zutreffende 
Schilderung des Landes der mit dem Weinberg gemeinten Völ- 



Bücheranzeigen. 95 

kerscliaft gegeben werden sollte. Wer da weis.s, wie die alt- 
testamentlichen Schriftsteller sich bei der Ausmalung ihrer 
Bilder und Vergleiche sogar oftmals ganz von dem Gegenstande, 
den sie dabei im Auge haben, entfernen, so dass einzelne Züge 
sich nicht mehr ausdeuten lassen, wird noch weniger die Forde- 
rung stellen, dass ein solches Bild von vornherein in Rücksicht 
auf solche für den Propheten doch sicher nebensächliche Mo- 
mente, wie die topographischen Verhältnisse des Landes, gewählt 
worden sei. S. (i6 schliesst sich Buhl der durch von Kasterek^ 
aufgestellten Ansicht an, dass die ideale Nordgrenze Israels mit 
dem naiir el-kasmije (der Aveiter oben litänl heisst) und dem Fusse 
des Hermons zusammenüel, wobei er übrigens ausdrücklich be- 
merkt, dass mehrere Identifikationen von Kasteren' s ziemlich ge- 
wagtseien. S. 108 wird dargelegt, wie ganz unüberlegt es war, wenn 
eine spätere Ueberlieferung den Tabor zum Berge der Verklä- 
rung des Herrn machte , da sich doch auf der Höhe des Berges 
nach Josephus Vita 37; Bell. Jud. II 20, 6 eine Stadt befand. 

S. 113 Anm. 229 ist die Vermuthung beachtenswerth, dass 
der Name r£vvr|oap, der zunächst die Landschaft am See bezeich- 
nete und erst von hier aus dem See den Namen gab, zusammen- 
gesetzt sei aus "j, »Garten« und Nesär, welcher Name nach Ha- 
LEVY ursprünglich eine Stadt bezeichnet hätte, die nach den 
Bewohnern »Stadt der Zimmerleute« (sing. "iSD) genannt worden 
sei und deren Namen man erst später in tendenziöser Weise in 
Nazareth geändert habe. 

Zu den Ausführungen über die topographischen Verhält- 
nisse der Mauern Jerusalems (S. 135 ff. , bei denen mit Becht der 
bedeutungsvollen Ausgrabungen Güthe's und ihrer Resultate 
für die Fixirung der einzelnen Oertlichkeiten gedacht Avird, 
hätte wohl auf einen Punkt hingewiesen werden können, der noch 
sehr der Aufhellung bedarf. Es erregt Bedenken, dass alle die 
in Neh. 3, 19 — 29 aufgezählten Namen sammt den dazu gehörigen 
Bauwerken auf einem verhältnissmässig sehr kleinen Räume — 
zwischen Punkt I) seiner Karte (nach dem nördlichsten Punkte 
der durch ihn aufgefundenen Mauerreste) und der Südost-Ecke 
des Haran — untergebracht werden müssen. Nun ist es zwar trotz 
der Kleinheit des Raumes durchaus nicht undenkbar, dass alle 
jene Oertlichkeiten, die auf der geraden Linie zwischen diesen 
beiden Punkten auch nach Guthe's eigener Ueberzeugung nicht 
unterzubringen sind, doch auf diesem kleinen Räume unterge- 
bracht werden können, weil dort wegen der Beschaff'enheit des 
Terrains viele Krümmungen angenommen werden müssen, und 
man kann hierfür auch die Tbatsache geltend machen , dass der 
Ausdruck »Winkel« gerade in V. 19 — 25 Aviederholt vorkommt. 
Aber, wenn wir uns auch angesichts der bis jetzt uns bekannten 
Thatsachen, die \ins ermöglichen den Lauf der Mauer sicher zu 



96 Bücheranzeigen. 

tixireii, bescheiden müssen, so wäre es doch rathsam gewesen, 
auf diese vms bis auf weitere Ausgrabungen verbleibende Un- 
sicherheit ausdrücklich aufmerksam zumachen, um nicht den 
Glauben zu erwecken, als sei bereits alles zu gesicherter Klarheit 
gelangt. 

lietreffs der Notizen des Josephus über die Topographie Je- 
rusalems nimmt Buhl mit Recht an , dass er neben der lUbel 
keine wirkliche Ueberlieferung benutzt hat, und dass er in sei- 
ner Darstellung der ältesten Geschichte Jerusalems immer von 
dem modernen Bilde der Stadt ausgeht, das er vor Augen hat. 
Und betreffs des heiligen Grabes wird die Möglichkeit — aber 
auch nur diese, nicht etwa die Gevvissheit — anerkannt, dass die 
Tradition die wirkliche Stelle des Grabes bewahrt hat, weil die 
von Schick unzweifelhaft endgültig nachgewiesene Mauer öst- 
lich von der Kirche des heiligen Grabes läuft und die Kreuzi- 
gungsstelle mit dem Grabe nach dem Evangelium ausserhalb der 
damaligen (zweiten) Mauer lag. Als längst allseitig anerkannt 
darf Wühl jetzt die Identifikation der Marienquelle mit dem alten 
Gihon gelten, sowie, was damit aufs engste zusammenhängt, des 
Südosthügels (wie natürlich auf S. 134 Z. 19 statt Südwesthü- 
gel zu lesen ist) mit dem Platze, auf dem die alte Davidsburg 
stand. 

Zu den gesicherten Identifikationen ist jetzt durch die Auf- 
findung einer Inschrift die des Dorfes bitür mit der Festung 
Beth-ter (S. 1G5) gekommen. In der vielumstrittenen Frage nach 
der Lage von Kapernaum entscheidet sich Buhl für die Zusam- 
menstellung mit iell-lmm. Und Avenn er das alte Gibe'^on mit 
dem heutigen Dorfe ed-ihcläh (S. ICS), das alte Gibe^i mit der 
liuinenstätte tuJel el-fid (S. 171 f.), das alte Geba*' mit dem Dorfe 
dscheha auf der Hochebene östlich von er-rWni (= Ha-räma des 
A. T.) identificirt (S. 17G) und die Identifikation von »Gibe*^a 
Gottes« mit dem Dorfe rümallüh nordwestlich von er-ram durch 
G. A. Smith erwähnt (S. 173), so ist dies jedenfalls der Hypothese 
von Pols, der alle Ortschaften dieses Namens vereinigen möchte 
(vgl. die bei Buhl nicht citirte Monographie: »Le Sanctuaire de 
Kirjath Jearim. Etüde sur le Heu du culte chez les Israelites au 
tenips du Samuel etc. Louvaiu, 1894), durchaus vorzuziehen. 

Wir schliessen mit dem Hinweise darauf, dass die Mitthei- 
lungen, welche die Tell-el-araarna-Briefe über das Palästina der 
vorisraelitischen Zeit enthalten, überall zweckentsprechend ver- 
werthet sind, üebrigens wird die Thatsache der Herrschaft der 
Pharaonen über das Ostjordanland jetzt ausser durch die eben- 
erwähnten Briefe und durch die ägyptischen Inschriften auch noch 
durch den sogenannten »Iliobstein« in scliecli sacl südlicli von 
nuicä bestätigt, da dieser das Bild des zweiten Ramses trägt. 

V. IIyssel. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 

Von Martin Hartmann. ! 

iSchluss.) ' 

Excurs 3. Inschriften. i 

Der Inscliriftenkunde fernstehend beschränke ich mich auf 
die Mittheiluug der Stücke, die ich copirt habe, unter Beifügung 
einiger erläuternden Bemerkungen. Inschriften, die ich nicht 
gesehen, erwähne ich in den Nachträgen zu den Stellen, an denen 
ihr Ort genannt ist. Siehe zu XXII 148. 

1. anderin. Am Hauptthor : (s. folgende Seite.) 
Oestrup, der die Inschrift sechs Jahre nach mir sah, sagt 
darüber Folgendes (S. 86) : >Die erwähnte grössere Inschrift findet 
sich auf einem Thürsturz, der aus einem mächtigen Monolith (1 m 
hoch und 4,05 ra lang) besteht. Die Mitte wird eingenommen von 
einem grossen Kreuz, in welchem wir wieder das Monogramm 
CtüYj cpÄ? finden ; in den vom Kreuz gebildeten vier Feldern liest 
man die Buchstaben ©ÜMA d. h. ösoc [xs^LaTo? "AXcpa xal 'ö 
jx£Ya(?)^). In einer besonderen Linie über dem Kreuz sieht 
man folgende einzelne Buchstaben : 

...YTH OYK...IOYAIKA....eiCeA A..., 

die sich mit Leichtigkeit zu der bekannten Eingangsformel er- 
gänzen lassen: Auf/] y] nuXrj tou Kupiou (Ji'xatoc siGsXEUoovTai sv 
auifj, d. h. das ist das Thor des Herrn, die Gerechten werden da 
hineingehen. 

1) Ist die Lesung ©OMA richtig, so wird darin, zum wenigsten neben 
einer monogrammatischen Lesung, der Name des in der Inschrift gefeierten 
Thomas zu finden sein. Ich machte über die Einzelheiten des Kreuzes keine 
Aufzeichnungen, bemerke aber, dass fast überall in jener Gegend die Anord- 
nung die gleiche ist, wie auf der neuestens wieder bei Lidzbauski, Handbuch 
der nordsem. Epigr. II, Taf. XLIII, 10 abgebildeten Trilinguis aus Zebed. 
ZtBchr. d. Pal.-Ver. XXIU. 7 



98 



Martin Hartmann, 




Beiträge zur Keniitniss der Syrischen Steppe. 99 

Auf beiden Seiten des Kreuzes sind vier Zeilen angebracht, 
und darunter fünf kürzere, die von den erwähnten Weinlaub- 
ornamenten flankirt sind. Das Aushauen der erhöhten Buch- 
staben, oder richtiger das Forthauen der überflüssigen Steinmasse 
zwischen ihnen, ist sehr nachlässig vorgenommen; so finden sich 
in den beiden oberen der vier Zeilen zur Linken des Kreuzes 
28 Buchstaben in jeder, dagegen in den beiden untersten, die 
ungefähr ebenso lang sind, nur beziehungsweise 15 und 18. 
Sicher zu deuten sind nur folgende Worte: 

Nd[xo? ToT? aKkoK; eiriSoast ttÄoutou Osp . . . . o? . . . TrXiov 

2u 03 u> (3iXno-s xal \}o.o\iaaie xat . . . cpai.opuv"(j xai ~^ Traxpioi 

. . . s'jYVculjiov eic, . . . . aiur/jp ilsou aioT'^po? 

tot; aoT; ßouXsutxaai. auvXapißav .... (ppovTi'Covroc. 

Noch mehr misshandelt sind die untersten Zeilen, wo nur 
folgende vereinzelte Buchstaben am Zeilenanfang zu lesen sind: 

T/^a a::£T£ . . . 

ii.£j3a auvi) . . . 

{)u)tov UTSpO . . . 

{^SjxsXi {ivosiaßp . . . 

Tou ar^ijLspa . . . 

Am Schluss hatte augenscheinlich das Datum seinen Platz; 
(X vor vosijißp bedeutet [xr^vt, Monat, und a vor r^u-spa muss als 
Ordnungszahl -ptoxirj gelesen werden = im Monat November, 
am ersten Tage. 

Auch die kleineren Inschriften sind, wie angeführt, bruch- 
stückartig, scheinen aber übrigens nur Namen oder kleinere 
religiöse Formeln enthalten zu haben; auf einem mit grossem 
Schmuck und sorgfältig ausgearbeiteten Ornamenten versehenen 
Stein liest man den Namen EYCEBIOC '). Ein anderer enthält 
den Anfang bis zu den Namen EYTYX[102] und ^TE(|>A- 
[NOZ]. Vollständig und zusammenhängend fajid ich nur fol- 
gende Inschrift, die auf einem mit dem gewöhnlichen Kreuz und 
dem Buchstaben A und Q. geschmückten Stein steht. Sie lautet: 

1) Danach ist die Lesung bei Seller Andrenae Nr. VIII (S. 172; CIG 
IV 8929) zu verbessern. 

7* 



j QO Martin Hartmann, 

YHEPEYXHZZ i^THPIA^AOMETlOYj MPEAZYNKAH- 
TIOY I THSAYTOYFAMETHZ cl. i/lVsp z^'/y^ amr^pia^ 
Ao(x£Tiou Mpsa 2Lu"j'/XrjTiou xr^c, auTOU yafjiöT^?. 

Die Bedeutung dieses nicht absolut klassischen Griechisch 
ist die, dass das betreffende Gebäude oder Theil eines Gebäudes, 
zu dem der Stein gehört hat, gebaut ist von Domitius Mreas (?) 
Synkletios als eine Votivgabe für die Rettung seiner Gattin.« 

Die Vergleichung meiner Copie mit der OESTRUP'schen 
Wiedergabe ergiebt, dass zwischen 1887 und 1893 wichtige 
Theile der Inschrift durch natürliche Einflüsse oder durch muth- 
Avilligen Eingriff verloren gegangen sind. Leider lässt meine 
Abschrift hinsichtlich des Datums Zweifel, die nun wohl nie 
mehr gelost werden. Die Umschrift meiner Copie giebt folgen- 
des Bild 1) : 

1 + auTTj Tj [ttuAtj] tou zuptou or/aioi £ioEX[£uaovTat. Iv] «[u]"-^] 1 

2 +vo[jiOi; ToT«; aXXoi? ETtiSoact ttAoutou 0£p[aK£U£tv to]ü? TrAiova[(;] 2 

3 au OS (o ßiÄTioTS xal 07.U[xaoi£ Dcojj-ä %ai . . . cpaiopuv^j xal r^ Traxpioi 3 

4 Ol (ov £UYV(i)[xov : sie, dv£(pav[r|];; ooiTYjp 8(£o)u awTT^po? 4 

5 Tolc, Goic, ßouÄ£U[X7.a£[. : aüvXajjißavvtv cppovTi'CovTO? 5 

+ a7:£T£- 6ß 

^ o£ 7ß 

ouv ^{e]([i 10 8ß 

uTcspöopfov) 9ß 

[xrj(vt) voE;j.ßp(i(p) lOß 

a i^\li^ac, llß 

tVOs Yj' TOU 12ß 

. . . £[t]oo; 13ß 

vo^ T ^^^^ ~t~ ^- • "^ ~l~ ^'^ 

d. h. 1) Das ist das Thor des Herrn u. s, av. [Ps. 118, 20] ; 2) Ge- 
setz ist es den Andern, durch Hingabe von Geld dem Gemein- 
wesen zu dienen 2); 3) Du aber, o bester und bewundernswerther 

Thomas, bist dem Vaterlande 4) durch die Bethäti- 

gung der guten Gesinnung als sein lletter erstanden, indem 

1) Bei Lesung und Erklärung hatte ich mich der Unterstützung der 
Herren KiRCHHOFF und Keramopullos zu erfreuen. 

2) ftepfa-eüeiv to]'j<; Kiucilil. und Keram. ; IvERAM. wollte weiter lesen 
Traa/ov-c/.;; es muss aber mit Rücksicht auf Oestrup's Copie bei iiXiova!; 
bleiben, das hier auch guten Sinn giebt. 



6a 


+ -^p^a- 


7a 


[X£i}a auv 


8a 


{)(£)a) TOV 


9a 


l)£]J.£Äl(o)v 


10a 


TOU xaoTpou 


IIa 


(p!,AoTi[i.ia 


12a 


lifojxa x[a\) oTZQoryq 


13a 


iax(oßou av£'j;tou auTou 


14 


u.rh\] u.rx[m x' r.aioc 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 101 

Gott, der Retter, 5) deinen Anschlägen zu helfen gedachte. 
6 a) bis 13 a) und 14) Wir begannen mit Gott die Grundstein- 
legung der Veste durch den Eifer des Thomas und die Bemühung 
des Jacobus, seines Neffen, am 20. Mai der Indictio 3 (?) 869; 
6 [3) bis 13ß) aufgelegt wurde mit Gott die Oberschwelle am 
1. November der Indictio 8 (?) des . . . Jahres. 

Es handelt sich um den Bau eines xaatpov, Jcasr^ der im Mai 
869/558 begann. In jener Zeit scheint ein reges Bautreiben in 
der Gegend geherrscht zu haben , denn die gleich zu nennende 
Inschrift von kasr ihn loardän zeigt das Datum November 
876/564. Die Ziffer 869 in Z. 14 kann als sicher angesehen 
werden; freilich stimmt die Indictionsziffer nicht, denn mit dem 
1. September 869/557 begann die Indictio 6, nicht 3, die meine 
Copie zeigt. Kirchhoff nimmt an, dass in 12ß) und 13ß) zu 
lesen sei to5 auxou Itoo?; sei es, dass man dem folgt, sei es, dass 
man ergänzt to5 you)' stou?, wieder passt die Indictionsziffer nicht, 
denn sie ist 8 und ergiebt das Jahr vom 1. September 559, wäh- 
rend die Ergänzung mit yocu das Jahr 561/2 ergiebt. Die Ab- 
weichungen müssen auf Fehlern der Abschrift beruhen*). Wenig- 
stens steht der Beginn des Baues für Mai 558 fest. Zu bemerken 
ist noch: Z. 3 Kirchhoff enthielt sich einer Vermuthung; 
Keramopullos liest /al [ot (Lv xaXüi? TrpaTTei? xal] , doch ist 
meine Abschrift durch Oestrup gesichert; [cp]atopuvr| lässt sich 
sehr wohl erklären als <patopuv-{], du glänzest; wie ist aber die 
Lücke nach dem xat ausziifüllen? Dem Zusammenhange nach 
würde man etwa erwarten: sowohl der Gemeinde als auch dem 
Vaterlande u. s. w. — Z. 4 An den seltsamen Punkten vor dem 
£1? ist kein Zweifel. Gemeint war gewiss eu^vcüpiovsT?, das sich 
aber der Steinmetz als euYvtofjKuv sl? zurecht legte. 2) An dem 
leeren Räume nach EIC ist kein Zweifel; ich vermerkte aus- 
drücklich, dass dort keine Buchstabenspuren seien; die Punkte 
bei Oestrup sind zu streichen. — Z. 6 ß und 7 ß wollte Kirch- 
hoff diiETsXea&rj oder ähnlich, es wird aber Keram.'s aTTSTsdy] 

1) Vielleicht ist Zeile 13 ß zu ergänzen: a]o[(o, das ergäbe das zu In- 
dictio 8 stimmende Jahr 871/559. 

2) Falsche Wortabtheilungen sind in späten arabischen Texten ganz 
gewöhnlich, z. B. -/^äj ij*^4..?»; so wird auch im späten Griechisch oft un- 
richtig getrennt worden sein; hier kam dazu, dass in der Aussprache o und 
tu gleich klangen und der Steinmetz wohl ein Syrer war. 



102 Martin Hartmann, 

vorzuziehen sein, wenn auch eher dvsTsDr^ erwartet wird. — In 
den letzten drei Zeichen von Z. 14 ist A und Sl zu erkennen, 
das mittlere Zeichen weiss ich nicht zu deuten. 

Üeber die Kuinen selbst habe ich fast gar keine Aufzeich- 
nungen gemacht, doch möchte ich nicht mit Oestrup glauben, 
dass es sich nur um kirchliche Bauten handle; ich sehe vielmehr 
in dem xaarpov ein wirkliches kasr, eine Befestigung, wie ich 
denn auch in meinen Noten von den Eesten eines Thurmes 
spreche, der sich ein wenig südlich der anderen unbedeutende- 
ren lluinen befand, und der mir durch sein streifiges Aussehen 
auffiel: es wechselten Schichten Ziegelbau [kir7yiid) von 30cm 
mit Schichten Kalkstein (Ziegelbau mit Steinverkleidung?) von 
75 cm.i) 

Nicht notirt habe ich, an welchen Stücken der Baureste ich 
die drei Stücke fand, die zusammen die Inschrift Sbller An- 
drenae Nr. 1 (S. 171, besprochen S. 375, Wadd, 2637 c) ergeben, 
von der Oestrup nichts sagt. Ich copirte : 

1) +eYi 2) ZAMeNocercjaiooANNHC 

KAIGYN^ XAPCTOJN 2) TOOeö) 

TePÜJN AMAP 



eNIKAY 



Granatapfel- 
ornament 

3)ceneTYXA 
n PO c -}- H- 

TICJÜNMOY-h 

Waddington hatte sehr recht, statt des E7r£TU5([ov] CIG IV 8874 
zu vermuthen i-ixMya ; meine Copie zeigt das A ebenso deutlich 
wie die der Engländer. 

2. kasr ihn loardan. Die erste Nachricht von den Ruinen 
und Inschriften gab Mordtmann in Archäologisch Epigrnphische 
Mitihcilungen aus Oe6terreichy\\l[\.^'6^ 191. Das dort Gegebene 
kann ich durch folgende etwas ausführlichere Mittheilung ergän- 
zen, die von demselben »deutschen Officier in türkischen Diensten« 
stammen, den M. a. a. O. erwähnt: »Kasr Verdau [Kosenschloss^)] 

1) Nach meiner Erinnerung hatten auch die anderen Baureste ein ähn- 
liches Aeussere. 

2) Hier ein Kreuz in Kreis, von dem rechts und links je ein llanken- 
ornaraent ausgeht. 

3) Ueber den Ursprung dieser Benennung liegt mir folgende Mittheilung 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



103 



nennen die Eneses ^a7ieze\ eine grossartige Ruine von Eisa^i in 
der Direktion nach Tidmor ungefähr 3 Stunden entfernt. Es be- 
finden sich hier drei grossartige Gebäude, Avovon zwei nicht ganz 
verfallen, vom dritten grössten aber nur noch eine Stückmauer 
nebst etwas Turmartigem sich l)efindet. lieber der Thür des 
ersten, welches einem Tempel, Kirche [gleicht] und [von dem] 
der zweite Stock inwendig mit einer Gallerie und wunderschönen 
Säulen umgeben ist, fand ich folgende Inschrift : 





^'' 


'"^x 


+ AVIHHÜVAHHN 


/'\] 


'/(^^ enOlHCGNOKC 


AIKAIO eiCCA 


\y. 


\f / eVCONTeNAY 




V 1 


_^ 



Das zweite, welches einem Schlosse ähnlich sah, fand ich über 
der Thür folgende Inschrift [so] : 



+ eNMNOeMBPINAS 



s 


© 


a' <t> 



inovsocjüSToe 



+ nANTAei 




CAOZANev* 



vor: >A hat mir eine Sage erzählt, die die Äneze vom Kasr el Vard 

haben; nämlich, der Besitzer habe bei der Erbauung die nöthige Erde etc. 
mit Rosenwasser statt mit gewöhnlichem Wasser anmachen lassen. Er besass 
die Kunst des Wahrsagens und hatte von sich selber erkannt, dass er an 
einem Skorpionenstich sterben würde. Da Hess er schnell das Schloss bauen 
und den Mörtel mit Rosenwasser befeuchten, damit die Skorpione, welche 
den Rosengeruch nicht vertragen, nicht hinein gelangten. Aber er entging 
doch nicht seinem Geschicke: eines Tages streichelte er den Hals eines K.a- 
meeles, in dessen Haare sich ein Skorpion verkrochen hatte. Der stach ihn 
in die Hand, und der Besitzer des Rosenschlosses starb richtig an der "Wunde. 
Noch heute aber behaupten dieAneze, dass das Schloss, wenn es regnet, 
nach Rosen rieche.« 

2) Nach meiner Karte stösst man in der Richtung tudmiir-liasr ihn war- 
dän fortschreitend auf el-hawäjis, das von der Ruine in der Luftlinie ca. 15 km 
entfernt ist; es ist kein Zweifel, dass mit »Eisa« dieses el-haicäjis gemeint ist, 
mag eine Verstümmelung vorliegen oder eine Verwechselung mit dem viel 
weiter nördlich gelegenen nehi Is. 



104 Martin Hartmannn 

Ich selbst verzeichnete bei meinem Besuche des Ortes am 
25. Mai 1887 [s. oben S. 77] Folgendes: »lieber der Thür auf der 
nördlichen Seite des Jmsv eine Schwelle mit Kreuz, auf der West- 
seite über einer Thür ein Stein mit Verzierungen , in der Mitte 
Kreuz mit A und (JL) ; auf der Südseite Stein mit Verzierungen 
und folgender Inschrift : 

AVTH u. s. w. (wie oben) ; in der Mitte ist ein achtstrah- 
lisres Kreuz mit A und Ol) : östlich von diesem Gemäuer ein 
anderes, auf dessen Südseite eine Thür mit folgender Inschrift: 

1) H-eNMNOeMBP^INASirTOYSOCjOeTOYC 2) nANTA 
u. s. w. (wie oben) ; über dem Nordthor einer Mauer eines süd- 
lichen Gebäudes: ANHAGeNTOnPOKIMeN . NYnePGYP. . 
. INA...^). Es sind im ganzen drei grosse Gebäude, die in 
einem Dreieck liegen imd von einander je ca. 100 Meter entfernt 
sind; am besten ist das westliche erhalten, aber auch das mittlere 
ziemlich gut — 2 Stockwerke — Kackstein — dünn — Gewölbe.« 
Ich gebe nun noch die Beschreibung Oestrup's in Ueber- 
setzung (S. 87 f.) : ^Kasr JVerclä?i ist im Gegensatz zu den übrigen 
Euinengruppen der Eest weder von einer Stadt noch von einer 
Festung, sondern nur von einem Paar einzelnstehender augen- 
scheinlich zum kirchlichen Gebrauch bestimmter Gebäude und 
auch das umgebende ganz flache Terrain weist nicht die geringste 
Spur auf, dass es bebaut gewesen ist. Von diesen Gebäuden, 

drei an Zahl, ist von dem einen so gut 
^ -, ^^.^ nichts übrig; das andere besteht 

j ^-^ X ! aus einer regelmässigen Basilika, und 

( * * ) i'^ ^^^ ^^^ dritte weist einen neuen und 

— v I 1 eigenthümlichen Plan auf, wie ihn der 

— ~ ' nebenstehende Grundriss zeigt. 

In einer viereckigen Mauer (a] , von 
der nur die Südseite und etwa die Hälfte der Westseite erhalten 
ist, finden sich drei halbkreisförmige Zimmer (i), die mit Ge- 
wölben gedeckt sind, und über diesen Gewölben ein Oberstock 
mit noch vorhandener Zimmereintheilung. Der Zwischenraum 

1) Diese Inschrift hat weder der Officier, noch Oestkup; dagegen hat 
der Officier bei Mordtmann a. a. O. noch »Ueber der Thür eines Hauses: 
ENAVTHAMHN«, wenn nämlich, wie doch anzunehmen ist, das Haus als zum 
Aasr-Gebiet gehörig anzusehen ist; ich habe in der Nähe der Ruinen kein 
Haus bemerkt, vgl. auch Oestrup's Beschreibung. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Stepi^e. 105 

zwischen der Decke des Unterstockes und dem flachen Boden 
des Oberstockes ist mit einer Mauerung aus gebranntem Stein 
ausgefüllt, so weit man es aus ein paar Lücken entnehmen 
kann. In der Mitte der Südseite findet sich ein Eingang zum 
unteren Stock (c); wie die Verbindung zwischen diesem und 
dem oberen Stockwerk hergestellt war, davon ist keine Spur 
erhalten. Es kann sich hier bei solcher Eintheilung in Stock- 
w^erke nicht um eine Kirchenruine handeln, aber dass das Ge- 
bäude doch einen religiösen Zweck hatte, geht klar aus der über 
der Thür angebrachten, unten erwähnten Inschrift hervor. Es 
liegt am nächsten zu vermuthen, dass wir hier eine Art Kloster 
haben, worauf ja die Nähe der Kirche hindeutet, und wodurch 
sich die Eintheilung in Stockwerke erklärt. Die Inschrift be- 
stellt aus zwei Zeilen , von welchen die obere unterbrochen ist 
durch das gewöhnliche Kreuz mit A und (JÜ. Leider sind die 
Buchstaben zur Rechten des Kreuzes so gut wie verwischt; 
deutlich lässt sich nur das Folgende lesen: 

+ GNM N o EMBp//i';///i/ 'iiimmeiuko + 

d. i. 'Ev iJ-(r|Vi) voc[j.ßp[iw] , £t[ou]?i). 

Es ist vermuthlich nur ein zufälliges Zusammentreffen, wenn das 
Gebäude hier und die Kirche in Anderin von einem November 
datirt. In der folgenden Zeile die Worte flavta [zl]c, oo^av Usou. 
Von den Thüren in der Basilika, die alle mit Kreuz und am- 
Monogramm geziert sind, trägt die eine zugleich folgende In- 
schrift mit der bekannten Formel : 

AuTTj q ttuXtj r^v £7roir|0[£v] (?) 

oi/aioi eiasX £uoo[vr7.i] £v a[uTrj]2). 

Auch hier sind es die Buchstaben zur Rechten, die am meisten 
gelitten haben, was um so mehr zu beklagen ist, als in der ersten 
Zeile ein Name enthalten war, der sich leider nicht so wie die 
Worte in der zweiten Zeile durch Conjectur herstellen lässt. 
Kasr Werdan ist also bloss ein religiöses Centrum für die nächste 

1) Auch hier ist also das Wichtigste, das Datum, seit meinem Besuche 
zerstört oder von Oestrup übersehen. 

2) Oestrup übersah, dass sein fjv e7roiirja[ev] (?) zu t,v £7:otT)aev 6 

-A'jpioc (für ToO y.'jpio'j) zu ergänzen ist, und nahm offenbar an, dass auf dTroiTjasv 
der Name des Erbauers folgte. 



1Q3 Martin Hartmann, 

Umgegend gewesen ohne irgend welche Bedeutung, sei es als 
Festung, sei es als Karawanenstation, und daher erklärt es sich, 
dass diese Stätte sich nie erwähnt findet, wie sie auch ehenso 
wenig einen Platz auf der Karte der neueren Forscher über diese 
Gegend gefunden hat.« ^) 

Die Ansicht Oestkup's von dem Charakter der Gebäude 
scheint nicht einwandfrei. Das -avta ah So$av Osou zwingt nicht, 
das mehrstöckige Gebäude kirchlichem Dienste zuzuweisen. Man 
wird darin ebenso wie in dem Thurm von aiulerin ein xaarpov, 
eine Befestigung sehen dürfen. -) Gewiss lagen um die Ruinen 
herum Wohnstätten. Wie der Ort vor dem Islam geheissen, 
scheint jetzt nicht festzustellen zu sein. 

Auch hier scheint, wie in anderm^ das für uns Wichtigste seit 
1 8S7 verloren ; an dem von dem Officier und mir übereinstimmend 
gelesenen Datum November Ind. 13 Jahr 876/564 ist kein Zweifel. 

3. el-chaniisir . Ist von Sachau, der es im Jahre 1879 mit 
den besten Hülfsmitteln besuchte und aufnahm, ausführlich be- 
schrieben Reise 116 ff. (vgl. oben XXII 14 6 n. 1). Als ich 8 Jahre 
später dort war, lag mir diese Beschreibung nicht vor. Meine 
Aufzeichnungen sind nicht ausgiebig. Dennoch gebe ich das 
Wenige, da es immerhin einige Ergänzungen bietet, jedenfalls 
für den Zustand bei meiner Anwesenheit charakteristisch ist ^) : 
» [in der Nähe der Kabeb] ein Stein mit Verzierungen aus christ- 
licher Zeit; dann weiter ein Stein, 1,41 m lang, 0,66 m breit und 
0,38 m dick; zeigt Weinlaubornamente und Kreise mit Spaten- 
ornament \\X^\ , darunter 

. . . eNTüDCTAVP . . . öXEn 

EMOVC(J)IAOVCKKATATH; 

das nördliche Stadtthor ist noch ziemlich erhalten, ausserhalb 

1) Das ist unrichtig; hasr ihn warclän ist von den Engländern 1678 zwar 
nicht besucht, aber doch genannt worden (s. S. 67); die Inschriften sind von 
MoRDTMANN Schon 18S4 publicirt (s.S. 102) ; die Noitvelle Carte des Provinces 
Asiatiques de l' Empire (Jttomcm H. KiKPERT s vom J. 1884 verzeichnet den 
Ort, und er war auch schon zu lesen auf älteren Karten, z. B. der zu Sachau's 
Heise werk von 18S2. 

2) Nicht selten werden diese weit in die Steppe hinein vorgeschobenen 
Posten beides vereinigt ha])en : Vestc und Kapelle , v-aiTpov und £'J-/.rr,p'.ov. 
Politik und Religion Avarcn im Byzantinerreiche ebenso wenig getrennt, wie 
sie es im Islam sind. 3) Vgl. TB. 23. Mai 1887 S. 76. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 1(J7 

desselben Sarkophage und Reste einer saumda ^]. — Auf der 
nördlichen Seite der Kal'a auf dem Boden des Hügels ein 2,25 m 
lano-er 0.89 m breiter Stein, der sich einst offenbar über dem 
Thor der Kafa befand. Ein drei Schritt unterhalb gelegener 
kleinerer Stein seheint die Ergänzung des grossen zu enthalten. 2) 
Das Mittelfeld bildet ein Viereck mit einem Kreis darin; in der 
Mitte des Kreises eine Inschrift, die durch einen Bruch sehr be- 
schädigt ist: . . YHAO . . N VT . .3); unter dem Mittelfelde: 
. . . IAHTCjüNGC^); links vom Mittelfeld: 

1 OICTHCBACIAeiAC 

2 AOPONOYCABAP 

3 ICnYAAlOCTHCIN 

4 PAXPICTON 

5 NONnANeVOHION 

6 TONATIOaTAT 

7 6NA02HIXANIK 
rechts vom Mittelfeld: 

1 ...OaPHMA 

2 ... ATAAP 

3 ...evepreT 

4 ... INIKOYCAeC 

5 VnAPXOYCnPAIT 

6 AYTHCeniCKOnON 

7 . .. NirOPni^TOYeOüETO 
auf dem kleineren Stein: 

1 ChN 

2 OKHC 

3 AC 

r 

1) Wahrscheinlich gleich dem Mausoleum, das Sachau S. 118 n. 1 nennt. 

2) Die Stücke geben in der That die von Sachau S. 121 nach der Lo- 
sung Neubauer's mitgetheiltc Inschrift; sie lautet a. a. O. : Geijotj t?j; ßaat- 
Xeta; [a'JYyJtuoTiijLaaiv I -6).(; y.aJTaypovoOia [3ap[,3äpu)v vc]aTaopO[j.-?j;| iv Ta]i; -6).ai; 
tarrj3iv [to'j;] e'jepYSToti; [ 0(u--/jpaXpioT6v, [y.aX]Xiv[v.0'j5] oeonoxa; | . . . .]vov -avsü- 
?frj[AOv, i>T:ap"/0'j? TtpatToptcov | -/.nX o]t) tov dYitt)TotT(ov) cürrj; £-iav.o7:ov | xoit] Iv- 
oo5[ov] |j.7]y':(vt7.[Tj>;] Mt,-/! ropmaicp roö rw £tc['j; []vot . y + • Ich möchte mit 
Rücksicht auf das Metrum und auf den für den Anfang von Z.2 verfügbaren 
Itaum lesen : T]ote ttjc-tcoXic | v.aTactpovoOaa etc. 

3) Bei Sachau a. a. O. nur 'Eaavoo-rj/.. 

4) Bei Sachau a.a.O. \\yt-o. y.]'X[j.(ä)-(ijv i)£(o;); von der Inschrift über 
dem Mittelfeld: » Ir,3oü[; Xpiaxo; vtxäl« habe ich nichts gesellen. 



108 Mai'tin Hartmann, 

4 noTAC 

5 opicjon 

6 leer 

7 HAir + 

Wir steigen an der alten Stadtmauer [fivr] von dem Burg- 
liügel hinab nnd verfolgen die sehr bedeutende, umfangreiche, 
Spuren von Befestigungsthürmen [hurdsch] zeigende Umfassungs- 
mauer; ca.'lOO m von der Stadtmauer entfernt in südlicher Rich- 
tung, östlich [südöstlich] von der Kal'a, ein Gemäuer ausserhalb 
der Stadt, ca. 15 m lang, 10 m breit mit folgender Inschrift: 

+ AOOZAnA^ ^TPIKAIOIOY 

NOIKAIAFI.. KAe 

C H N A C\ J 

daneben ein grosser Stein mit dem üblichen Kreuz, darunter die 
Inschrift: 

MeiCeoTienicoi leAüicAeino 

Oestlich von der Kal^a ein Stein mit sehr roher Darstellung 
menschlicher Figuren; dicht dabei die Inschrift« [folgt die von 
Sachau S. 121 unter Nr. 2 mitgetheilte Inschrift (Ps. 25, 2 und 
56, 12)]. 

4. salamja. Ich kopirte dort am 21. Mai 1887 fünf Inschrif- 
ten, zwei arabische, eine am Bad [hamtyiäm], die andere an der 
Moschee [dschämi^]^ und drei griechische. Ich behandle hier nur 
die griechischen. 

a) TB: »Westlich von der Moschee ein Kuppelbau, in dem- 
selben ein Thor mit reicher Verzierung. Das Architrav zeigt 
Weintraubenornament, darüber folgende Inschrift : 

EnAHPOeiTOKTiCMATOYTO . ION AVAT I THCGE O 
Raum für ca. 6 Buchstaben EMMHNI lOYN lOY IN ASZTOY 

LI/KETOYC 

Eine der Verzierungen zeigt zwei Palmen , die sich über einen 
Becher (?) neigen.« Der einzige l^ericht über diese Inschrift, 
der, so viel mir bekannt, ausser meinem bisher vorliegt, stammt 
von Max van Berchem. Ich schrieb ihm über sie am 17. Oct. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



109 



1900, lind dass das Jahr mit Rücksicht auf die am 1. Sept. 603 
beginnende 7. Indiction 915 zu lesen sein müsse. In Erwiderung 
hierauf theilte er unterm 22. 10. 1900 folgenden Auszug aus 
seinen Noten mit: »Auf einem Thürbalken Ornamente, Laub-, 
Weinstockranken u. s. w. , darunter eine Zeile mit ziemlich 
groben Buchstaben«, folgt die Inschi'ift wie bei mir mit fol- 
genden Varr.: KTICMA; in EnAHPOeiTO ist auch bei B. 
das T kleiner als das I. — F NONA1 A~l '). — Ueber die Lücke 
nach ©EO: »5 Buchstaben«; es ist natürlich Usoroy.ou zu er- 
gänzen. — EM M; mein EMM dürfte nicht absichtslos sein, son- 
dern Zeichen der Assimilation. — i OYNI ö . — Z grösser als die 
andern Buchstaben. — EI/N. — ETOYI. — Jedenfalls ist die 
Jahrzahl 915 völlig sicher-). 

b) Schlechte Copie von Waddington 2635, dem einzigen der 
fünf W. 'sehen Lemmata, das ich gesehen. 

c) TB: »Inschrift am Thor eines Gartens des Habib Mir- 
hidsch : 

1) ATIACTPM 

2) ETOM . . APTHTONKTICMA. . . 

3) Y TIL B YKTHPIONTOEN 

4) ATlOYKAiKAAAlNIKOYMAP 

5) . . . OCCEPriOYEKGEKIBAnLN« 

Darunter folgende rohe Zeichnung: 




und der Vermerk: »Länge des ganzen Steines 1,84; Länge des 

1) Das ist £■; wö^xj-u 

2) Wunderlich ist, dass Waddington das deutliche Sampi der Inschrift 
Nr. 2638 aus Hamä nicht erkannt hat (s. das Original S. 602; es hat genau die 
Form wie oben); er umschreibt das IZ/N nur tC; dielndictio ist gar nicht ge- 
lesen (man erwartet Ind. 9, da die Inschrift vom September 917/605 ist). Es 
ist nicht ohne Interesse, dass zwei datirte Inschriften aus den nahen Orten 
Epiphaneia und Salamias vorliegen. Inschriften mit Sampi sind nicht häufig. 
Die spätesten griechischen Inschriften Syriens scheinen die aus salchad im 
Hauran Wadd. Nrr. 1997 und 2028 von 644 zu sein, aus welchen Clermont- 
Ganneau einen weitgehenden Schluss auf die Toleranz der ersten islamischen 
Eroberer zieht Rev. Arch. 1898 II, 308 n. 1, 



HO Martin Hartmaiin, 

beschriebenen Theiles 77cm, Breite des beschriebenen Theiles 
33 cm; der obere Theil ist abgebrochen.« 

Ich ergänze die Inschrift') mit Kücksicht auf die Zahl der 
Buchstaben (21) in der vollständig erhaltenen und sicher zu lesen- 
den Zeile 4) und auf das, was mau in dergleichen Urkunden zu 
erwarten hat, so: 

1) + £'^ ovoij.an f/)c] ayict;; Tpia- 

2) So; . . otpxr^Tov XTi'oixa . . . 

3) sjuxir^piov To[u] iv- 

4) ayi'ou xat xaXAivtxou [xap- 

5) Tupjoc aepYi'ou ex Os 

Ich vermuthe, dass die Cartouche rechts vom Kreise den Namen 
des Erbauers und das Datum enthielt. Ob sich auf diesem Theil 
des Steines, von dem nach der Zeichnung nur ein kleines Stück 
erhalten ist, Spuren von Buchstaben finden, habe ich nicht ver- 
merkt. Auch ohne das Datum, das zwischen 550 und 620 fallen 
wird , hat die Inschrift Interesse , als ein neuer Beweis für den 
Kultus, der in Nordsyrien mit dem Hlg. Sergios getrieben wurde; 
ward doch nach ihm sogar das alte Easapa (das ist die Form der 
Keilinschriften) zeitweilig Sergiupolis genannt (s. die reiche Ad- 
notatio zu Cyprius 983). 

5. Die Mühlen bei salamja. TB (vgl. oben S. 74): -»tähün 
el-mabed, in der Mitte der Mühle eine Säule, auf welcher eine 
Inschrift; das Säuleustück ist 1,50 m lang und hat einen Um- 
fang von ca. 2,60 m (?), ausserdem in der Mühle noch ein anderer 
Stein, Säulenbruchstück, nur 50 cm lang; ausserhalb der Mühle 
stehen zwei Säxilen ein wenig aus der Erde hervor.« Dazu be- 
merke ich noch Folgendes : Die Mühle hat keine Fensteröff- 
nungen und die Dunkelheit war nur durch ein winziges Lämp- 
chen erhellt. Die Leute waren sehr ungehalten über den 
Eindringling und ich konnte die Zeichen nur in Hast und bei 
spärlichster Beleuchtung betrachten. Ich copirte von bekannten 
Schriftzeichen nur LHN ([xr([vi]?); die andern Zeichen konnte ich 
nicht bekannten Alphabeten zuweisen. Herr van Berchem hat die 
Sache näher untersucht und berichtet liedierches 16 n. 1: ^Sur 

1) Diese Inschrift, wie die oben S. 97 ff, mitgetheilte ist nach einer Mit- 
theilung des Herrn Dr. Lucas von Max von Oppenheim copirt und abgeklatscht 
worden. Herr von Oppenheim hatte die Güte, mir sein Material zur Verfügung 
zu stellen. Leider konnte ich dasselbe nicht mehr verwerthen. 






Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 1 1 1 

les vieilles colonnes enfouies dans ce moulm^je rüai trowoe que des 
grafßti assez grossiers en grec^ en syriaque et en coußque. II serait 
hon de deterrer ces colonnes et d'en eclairer les surfaces obscures.«^ 
Grabungen werden hier eine alte und bedeutende Kulturstätte 
erkennen lassen. Fand doch van Bercheim in dem ca. 30 km 
von salamja entfernten Muchrifah (gleich meinem el-mischrife 
oben S. 5 Nr. 34; er nennt es ■»village häti datis T enc einte d'un 
camp r omain 1^) ^une curieuse tete en pierre de style archaiqiie<^ 
(a. a. O.j. — ■»tählm el-katlahi\ nur noch die beiden steinernen 
Thürflügel sind übrig«; meine rohe Zeichnung des einen zeigt 
drei Felder: das mittlere, kleinere, enthält das bekannte Kreuz; 
das obere zeigt Kreis mit sechsblätteriger Rosette und ATITTV 
(otuTTj tjttuXtj ?), das untere Kreis und E Lü P E . 



Nachträge. 



XXII 129 n. 2 Palmyra: Ohne hier erneut auf die schwie- 
rige Frage nach Entstehung des Namens Palmyra für das alte 
tudmur eingehen zu wollen (ein anderer alter Name vom Stamme 
dmr ist damür\ zahlreiche Namen der Form J^xäj stellte zusam- 
men EoNZEVALLE in Elmaschrik 1900, 261), sei nur bemerkt, 
dass der Einwand, in Palmyra hätte es nie Palmen gegeben, 
nicht stichhaltig ist; über Orte bilden sich Legenden wie über 
Menschen, und war einmal aus welcher Veranlassung auch 
immer das tadmira zu eiwevn. pahnyra umgetauft, so sprach man 
den Namen nach und dachte dabei an palma, ohne sich daium 
zu kümmern, dass dort keine Palmen wachsen. Da der Name 
von den politisch und wirthschaftlich schon seit ca. 70 v. Chr. 
in Vorderasien rüstig arbeitenden Römern gemünzt ist, so ist 
auch der Einwand hinfällig, eine »Dattelstadt« setze eine Bil- 
dung mit odcxTuXo? voraus. 

S. 130 n. 3: Eine dürftige Uebersicht über die Eparchieen 
der griechischen Kirche, die dem Patriarchat von Antiochien 
heute unterstehen, gab Vegleres in "^HixspoXo'Ytov r^? 'AvaroÄTJ? 

1) Der Artikel bezeichnet sich selbst als aus fremden Quellen geschöpft, 
hauptsächlich aus einer Abhandlung, die wahrscheinlich von Senator Man- 
suroff herrühre, in dem halbofficiellen Organ des Russischen Synodos. 



112 Martin Hartmann, 

auf lS86(Constant. 1885, 201 fF.)i). A^on den dort S.20 3 aufgezählten 
14 Eparcliieen gehören nach Syrien 11: 1. tj t^c; i\.vTto)(£iac, 
2. -q xr^c, Aaooixsiac, 3. yj zr^q 'l'>[j.£arj? (Xafxouorjc), 4. yj xr^c, 'Eiit- 
^(V)zw.c, (Xatxa?), 5. -^ t^? 'Apxaoiac ^) ('Axxap), 6. tj t^? TpiTrdAswg, 
7. ri xr^c Br^puTTOu, 8. tqtyJi; Tupou xat Zioüivoc, 9, tj ttjc iisXsuxsta; 
{ZdyXr^c), 10. ^ t^? HäiouttoAsojc (MTraÄ|XT:£7.), 11. -/j r^i; Aaaaa/ou. 

S. 1 3 1 Z. 4 ff. : Ueber den Unfug, der mit dem Namen C o ele- 
syria getrieben worden ist, s. Nöldeke in Hermes X 167 n. 1. 
Einige Ausführungen über die Provinzen Syria Coele und Phoe- 
nice im zweiten Jahrhundert s. in Perdrizet's Syriaca [Revue 
Ar eh. 1899 I, 37 ff.). 

S. 131 n. 1. Zu meinem Bedauern ist mir erst nach Ab- 
schluss der Arbeit die Abhandlung Clermont Ganneatj's, »Nou- 
velles Observations sur les Gouverneurs romains d'Arabie« 
[Recueil d' Archeologie Orientale 1897 S. 240 ff.) bekannt geworden. 

S. 132 Palaestina Salutaris — Pal. III. : Dass schon non 
gründe tempus vor Hieronymus die Palaestina tertia »Salutaris« 
genannt wurde, wies Nöldeke nach Hermes X 163 ff. 

S. 132 oben Dux Arabiae: Ueber Dux und wie es dazu 
kam, dass die duces niri 'perfectissimi in der konstantinischen Zeit 
als Militärbefehlshaber grösserer Grenzdistricte erscheinen s. 
MoMMSEN im Anhang zu von Sallet, Die Fürsten von Palmyra. 

S. 132 und 144 die Angaben des Ptolemaeus: Bei der 
Bearbeitung seiner Nachrichten muss immer im Auge behalten 
werden, dass er höchst wahrscheinlich seine Karte nach einem 
Wegbuch construirte und aus dieser Construction heraus die 
Lagebestimmung in sein Werk eintrug. Dabei liefen mancherlei 
Missverständnisse und Irrthümer unter, die dann beim Abschrei- 
ben ins Unendliche wuchsen, so dass jetzt der Knoten meist 
nicht mehr zu entwirren ist. 

S. 135 Risapa — er-risäfe: Die Spitzfindeleien der Araber 
über den Vocal des r (TA 6, 118) seien nur als Curiosum er- 
wähnt. Natürlich legten sich die Beduinen den Namen nach 



"O" 



1) In dem Namen steckt entweder ein Schreibfehler oder ein arges Miss- 
vcrständniss. Die Eparchiezerfällt nach S. 205 in drei Abtheilungen: 'A-/.7.ap 
akhär, Xo-javoj husn al-akruä und Sa'^iT sdfitä; es ist daher kaum ein Zweifel, 
dass der Name sich an das uralte ^arkä 'A[J7.at {Cypriiis 974, wozu siehe die 
Adnotatio S. 184 f.) anschliesst. Zu seiner Bildung gab wohl Veranlassung 
das Apxaöia als Name Mittelegyptens s. Cijprius 744, Hierocles 729, 1. 



Beiträge zur Kcnntniss der Syrischen Steppe. 113 

ihrer Weise zurecht und werden überwiegend ri<s- gesprochen 
haben nnd sprechen; von »richtig- und »falsch« ist da keine 
Rede. Das bei Jäküt (s. v.j hervorgehobene Kloster hat bei ihm 
noch einen besonderen Artikel II 660fF. Den Engländern 1691 
wurden die Ruinen als ;>Maronitenkloster« gezeigt, und sie 
brachten von dort eine Inschrift heim (s. Seller 1G9 und 351 f. 
CTG 8829. Waddington 2(i3la). üestrup fand »trotz des eif- 
rigsten Suchens« diese Inschrift nicht mehr vor (S. 77); sie Avird 
zerstört sein oder in einem Trümmerhaufen versteckt liegen. 

S. 135 et-taijihe: Vorzügliche Wiedergabe der Inschrift vom 
Jahre 134, die sich seit 1858 im British Museum befindet, s. 
Paleographical Society, Oriental Series, Taf. LXXV. Siehe auch 
Waddington 2631 und neuestens Lidzbaeski 4 77. 

S. 136 Z. 2 sucline zwischen crek und ''urd: So z. B. Jäküt 
III 52, wo natürlich fadmur tca zu streichen ist, will man nicht 
annehmen , der Geograph habe sich ausgedrückt wie Jemand, 
der sagt: »Kassel liegt zwischen Berlin und Frankfurt und 
Magdeburg«. Freilich wird die unglückliche Lagebestimmung 
durch Jäküt selbst fast zur Gewissheit bei Vergleichung des Ar- 
tikels as-sucJma in Maräsid II 16, avo getreulich kopirt ist tadmur 
tcdarak loaurd^ aber hinzugesetzt ist: »es [«6-6Wc//?ia] bildet die 
Grenze zwischen arak und "urd.v- Zu der Angabe des Maräsid, 
auf der Strasse von ar-rahba nach dimascJik gelange man zuerst 
nach as-sicchna^ dann nach arak vgl. die Notiz über Ihn Batüta's 
Weg oben S. 61 n. 2. 

S. 136 Z. 7 er-rnsäfe escli-schTmiljc: lies el-hiscJiümye. 

S. 136 Z. 10 "OpiC^. — 'urd: Zu der Einschiebung des Vocals 
vergleiche die Neigung der heutigen Sprechsprache, durch einen 
Hülfsvocal das iltikci es-säkinain zu vermeiden: scliemcs für 
scJiems u. v. a. 

S. 137. Ati, Anthis, AiJi;: Es wird nicht zu gewagt sein, 
in diesem Namen die Göttin ^\te '^ns? zu finden, über welchen s. 
Sachau ZDMG XXXV 739 fr. und Lidzbaeski 347 («f/f/c' jetzt für 
nny "IT Inschrift Nr. 6a) bei Mordtmann, Palmy renisches; vgl. 
LiDZBARSKi, Epliemeris I, 76). Man erwartet allerdings bei dem 
Ortsnamen kaum den blossen Gottesnamen, sondern etwa die 
griechische Darstellung von hä '^atl. 

S. 138 Strasse Apamea — Palmyra: Zu dieser durch 
Peutingerana und Ravennas gesicherten Strasse werden die 

Ztschr. A. Pal.-Ver. XXIII. 8 



114 Martin Hartmann. 

Lemmata CIL III, Svi])pl. Nrr. G722 — 6725 gehören, Avie ja auch 
Waddington Nr. 2632 dazu gehört. Die westlichste Inschrift 
Sterkkt's CIL Nr. 6725 muss ca. l'A Mp = l'),5 km NW von 
Pahnyra liegen, Wadd. Nr. 2632 wird ca. 90 km = 6U Mp von 
l'almyra entfernt sein. Zwischen dem Meilenstein bei Mp 13 
und dem ^^corps de garde« Wai)J)Ington's hei Mp 60 werden sich 
bei erneuter Untersuchung der Strasse weitere Denkmäler finden. 
Von jenem Wachtposten weiter nordwestlich laufend schnitt die 
Strasse bei Occaraba den andern Hochweg Seriane — Sala- 
minias (s. oben XXII 134). Sofern man den Weg von Palmyra 
nach Epiphaneia — hamü über Occaraba — Salaminias nehmen 
musste, darf man mit Sterret die Steine Nrr. 6722 — 6725 als 
■Don the road to Hamatli'!^ gelegen bezeichnen. Nach den bisher 
bekannten Zeugnissen wird aber die Strasse nach dem wirth- 
schaftlich und i)olitisch viel bedeutenderen Apameia als die 
Hauptstrasse zu gelten haben. 

S. 138 Occaraba — 'okarib: Eine Thatsache ist hier noch 
heranzuziehen. Waddington copirte auf der »Route de Palmyre 
ä Salamie« [er scheint also nicht salamlje gehört zu haben] die 
Inschrift Nr. 2632 '>da?is une gorgc du Djehel-Beläs^ ä 12 hcures 
de marche de Salamie ^ sur un bloc de pierre aupres de quelques 
fragments de grosses colonnes .... II y avait lä prohahlement 
im Corps de garde ou un refuge pour les voyageurs avec un reser- 
voir ; car dest lä qiia ioujours passe la route des caravanes allant 
de Salamie et de Khmesrtn ä Pahmjre.v, Waddington versäumt, 
den Namen mitzutheilen, den der Ort bei den Beduinen hat, wie 
wir auch sonst nach Einzelheiten des höchst wichtigen Weges 
vergebens bei ihm suchen. Wir müssen uns mit der Notiz be- 
gnügen, der Fundort, an dem auch Stücke von dicken Säulen 
lagen, und wo einst ein Wachtposten stand, sei 12 Stunden von 
salamja entfernt. Auf der von mir construirten Manuscript- 
Karte ist die Ruine umm huwaisch (s. S, 74 Z. 5), die in der 
Vertiefung surrat el-hiV^cis liegt, 75 km von salamja entfernt; 
Kiepert legte sie 50 km von salamja\ dort wird die Inschrift 
2632 liegen; dort Avird auch Occaraba zu suchen sein, zumal 
wenn Waddington recht hat, dass die Strasse von ]iinnasrm her 
hier in die salamja-iudmur zu allen Zeiten mündete. 

S. 130. 141. 143. 174 f. Casama, KaaatjLa, kusam: Eine ver- 
lorene Stelle (von Karten hat sie nur die zu ihr gehörige ver- 



Beiträge zur Ivenntniss der Syrischen Steppe. 115 

werthet, auf der FiscHER'schen Haurän-Karte ZDPV Bd. XII 
ist die Avichtige Angabe fortgelassen) wirft einiges Licht auf die 
Frage. Wetzstein, Reisebericht 4: »Nach 1 Uhr des Nachts 

zogen wir an dem tiefen Ziehbrunnen Bir Kasam {*.*^i) vorüber, 
dem einzigen Wasser in der , Raubstraße', und konnten ganz 
nahe zu unserer Linken die dunklen Umrisse eines verfallenen 
Kastells unterscheiden, dessen ^Bestimmung es ehemals war. 
jenen Brunnen zu bewachen«, und dazu die Anmerkung: >Da 
die Existenz des Bir Kasam die Streifzüge der Beduinen sehr 
erleichtert, so hatte ihn Ibrahim Pascha zur Zeit seiner Herr- 
schaft in Syrien zuwerfen lassen. Diese bei den jetzigen politi- 
schen Zuständen Syriens heilsame Massregel wurde jedoch da- 
mals nur scheinbar ausgeführt. Der damit beauftragte Delibasch, 
ein gewisser Holo Aga'), welcher mütterlicherseits von den 
Mawäli-Beduinen abstammt, Hess, um seinem Geschlechte nicht 
zu schaden, den Brunnen mit den Zweigen der Tarfabäume 
füllen und darüber eine Schicht Steine werfen. Nach dem bald 
darauf erfolgten Aufhören der ägyptischen Dynastie in Syrien 
öffneten die Beduinen den Brunnen wieder.« Freilich ersehen 
wir aus Wetzstein's Bericht nur, dass der Name *Aii auch heut 
in Syrien vorkommt. Denn das hasam^ von dem W. spricht, kann 
nicht identisch sein mit Attabari's kusam (s. o.XXII 174), noch mit 
demCasama,K7.3aii.7. der Alten ; dazu liegt es viel zu weit südlich. 

S. 140 oben: Jäküt's Zusammenwerfung von Jmimrin mit 
al-harjatcm ist ein Irrthum, denn schon Albaläduri und Attabari 
haben diese Namen für verschiedene Ortschaften und zwar ge- 
wiss für die, die noch heut so heissen, s. XXII 173 f. 

S. 141 unten Betproclis — el-forJdus: Die Ansetzung ca. 
12 km südlich der Breite von hims ist jetzt wohl gesichert durch 
die Uebereinstimmung meiner Ms. -Karte mit Kiepert's Con- 
struction gegen die älteren Karten [z. B. Moritz) , nur Diener 
war schon auf dem Wege zum Richtigen. 

S. 141 n. 2. "/Äfia: 1. /«o[X7.. 

S. 143 unten Ueriaraca: In ihm wie in Ueranoca scheint 
der erste Theil Wiedergabe von wädl (Verschreibung wie in 
Adacha für Aracha, s. S. 135) zusein; hält man an dem r fest, 
so bietet sich zcar. 

1) Der spätere, so gefürchtete Hölö Pascha, Vater des mächtigen Höf- 
lings Izzet Bey. 

8* 



116 Martin Hartmann. 

S. 114 'xVovoa: Es liegt nahe, hierin den Namen des Sturm- 
und Wetter-, Donner- und Blitzgottes Ad ad (Hadad) zu sehen, 
von dem Avir eine Darstellung auf einer der beiden im Hügel 
*Amrän Ihn ^\li gefundenen cylinderförmigen Lasurstangen be- 
sitzen (s. Mitt. DOG Nr. 5, Nov. 1900, S. 12). Ueber das fehlende 
hä s. oben zu S. 137 Ati. Die Gleichung 'A07.07. = Adad wird 
freilich fallen müssen, wenn Adada dem Adatha Not. 32 gleich- 
zustellen ist, denn dieses weist auf den in Namen so beliebten 
Stamm // <^^ f- 

S. 1 17 oben: Ueber die Beziehungen des frommen *^ümar zu 
chimäsira s. jetzt Becker, Studien zur Omaj Jadengeschichte 
ZAss XV 34, wo auch (Anm. 6) einige von mir nicht erwähnte 
Stellen bezeichnet sind. 

S. 148 Inschrift in huharra: Da ich in Excurs 3 nur selbst- 
copirte Inschriften gebe, theile ich hier mit, was Consul Mordt- 
MANN aus einem Briefe d. d. Tidmor 23. 7. 1870 für mich abzu- 
schreiben die Güte hatte und was zur Ergänzung des Lemma 
CIL III, Suppl. Nr. 6726 dient: »A. machte einen Ausflug nach 
I)chara (grosse Ivuine), wo er eine immense Thür mit ausgehaue- 
nen Arabesken fand, auch eine Säule, auf der die Lischrift aber 
schon ganz verdorben ist; doch konnte er einige Buchstaben er- 
kennen [folgt Zeichnung genau Avie CIL 1. 1.]. Die Ruine liegt 
4 Stunden südwärts von Falmvra und ist ebenso wie Tidmur 
fortificirt. « AXI ergänzt Mordtmann zu M]axi|'"mianus. Dass Z. 1 . 2 
zu stratu diocletiana zu ergänzen ist nach Nr. 67 1 9, ist CIL a. a. O. 
bemerkt. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass Nr. 6719 sich 
auf die westöstliche Strasse Palmyra — Aracha bezieht, Nr. 6726 
auf die nordsüdliche Palmyra — Bostra. Ueber huharra ist nach- 
zusehen Blunt II, 124 ff., wo der Name Boharra geschrieben ist^). 

S. 154 oben s-ap/ia nicht ins Arabische aufgenommen: 

Um die romäischen Provinzen zu bezeichnen helfen sich die 

Ai'aber verschieden. Ihn Chordädbeh nimmt das allgemeine 

arrial (109, 3), Alchowärezmi an der entsjirechenden Stelle [ma- 

fäüh 129 Z. 1) kuioar'^]. Nur Almas Vuli scheint einen Sonderaus- 

1) Als Name der Thurmruine ist dort S. 127 Kasr Hazim, als Name der 
Brunnen in ihrer Nähe Sakr angegeben. 

2) Man sieht sofort, dass Maf. 128, 15 und 129, l eine Lücke sein muss, 
etwa zu ergänzen [»«p"^ Kx^^. Bei Ibn Chord. ist das Richtige zu lesen. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 117 

druck zu haben: er nennt die romäischen Provinzen, die er mit 
den adsc/mäd vergleicht, hunüd (Sing, hetid) S. l76fF., und für 
einen Beduinendichter (hei Jäküt 4, 749) ist das Romäerland 
geradezu das ard al-hunüd. 

S. 154 die fünf grossen Verwaltungsgebiete [dschund): 
Die Nachricht Ibn Rosteh's 1U7, die hier nicht an Albaluduri und 
Attabari geprüft werden soll, ist in Verwirrung. Nachdem die 
Bildung des neuen dschund Mnnasrln unter Jezid b. Mu^iwija 

berichtet ist, kann es Z. 12 nur heissen Kv^*i> ^\.^'J\ Olä^^ 0,1*^5 
(nicht iC*jJ) , und Z. 13 ist nach dimaschk einzuschieben: iAä.=>-^ 

S. 156 hulunjäs: heute hZmJäs genannt wie das andere be- 
rühmtere , das = Paneas (Caesarea Philippi) , mit dem es daher 
verwechselt wurde (so von Defremery und dem ihm folgenden 
Guyard JAs 7, 9 [1877 I], 349). 

S. 157 hamät: Besonders bemerkenswerth sind die Angaben 
Almas üdi's 153, 12iF. über [Mär] Mfirün und die Maroniten im 
Anschluss an hamät als Heimathort Märün's. * 

S. 157 n. 1. AufTällig ist die Menge von Südarabern, die 
überall hier in Mittel- und Nordsyrien ansässig sind. Die Er- 
klärung bietet Ibn Ivosteh 107: ;> unter der Regierung des Umar 
b. Alchattäb trafen beständig Deputationen aus dem Jemen und 
andere Araber bei ihm ein; waren eine Menge zusammen, so 
setzte er einen Wäli über sie und schickte sie nach Syrien.« Die 
Nachricht Ibn Rosteh's über die huxoar asch-scham ist werthlos; 
mehr taugt, was er von den af-fughür asch-schamlja sagt, lieber 
die Wichtigkeit der Nachrichten über die Herkunft der Bewoh- 
ner äusserte sich auch Gildemeistek ZDPV 1\ S5f. Freilich 
wurden die ursprünglich thatsächliche Verhältnisse bekunden- 
den Gentilicia kaisi und jcwia/ü bald politische Schlagworte und 
Parteibezeichnungen, die mit Nord- und Südarabien nichts mehr 
zu thun haben. 

S. 158, 5) muivarcm : Die Namensform sürcin handschriftlich 
belegt im Nachtrag zu S. 17, wonach der Ort ein husn hatte. 

S. 159 dschusija: Dort zeltete Sultan Ketbogha im Augen- 
blick, wo das Jahr G95 ablief, er hatte das Dorf gekauft, Quatre- 
mere, Hist. Maml 2, 2, 37. Nach Ms. Berl. Pet. II, ül5 (9835) f. 
174 b f. ergoss sich bei dem grossen Unwetter i. J. 717 die Wasser- 



US Martin Hartmann, 

fiuth über ihchTisij'a nach en-naima und hadas und mündete im See 
von/ww.s; besonders hart wurde das Dorf iiV.<.^s> {hast7iak?) be- 
troffen, in der Nähe von en-naima. — Neuere Litteratur über 
(hchüsija s. bei Dussaud, Voyage en Syrie Oct. Nov. 1806 in 
Revue Arcli. 1S97 S.-A. S. 49 fF., der es auch selbst besuchte und 
in TriiHiradiaos {Revue Ar eh. 189S, II, 113fF.) gegen Perdrizet 
[Revue Arch. 1898, I, 34 — 39) und gegen Robinson das riapaoiisoc 
Strabos und das Tonrapaosiao; des Diodorus Siculus in die Nähe 
von dscJmsijet el-dschedlde verlegte [le parc royal pouvait s' etendr'e 
^ur un assez yrand espace entre DJousiye et Zarraa S. A. S. 8), 
Gegen die Ausführungen Dussaud's spricht die Stelle Strabos 
von den Quellen des Orontes ; denn eine dieser Quellen befindet 
sich TTÄr^a 10 V -o'j rioipaociaou. ^'ixeV?LXdidiei?>osin dscJmsijet el-dsrjie~ 
dl de zu suchen, so müsste dort eine Quelle des Orontes sein. Das 
ist nicht der Fall. Das Wässerchen, das bei dscimsijet el-dsche- 
dlde vorbeifliesst, bei Kiepert xvädl härün genannt, ist ein unbe- 
deutendes Nebenflüsschen , das sich bei ribla in den dort schon 
bedeutenden Strom ergiesst. Auch ist dieses Wasser, soviel be- 
kannt, bisher von Niemandem als ein Quellarm des Orontes be- 
trachtet worden. Als Quellen des Flusses sieht man an das nelj 
el-äsl und das nelf cl-leJnve^ die offenbar den Quellen to5 ts 
Aißavou -/.7.1 Tou üarjaosiaou bei Strabo entsprechen. Die dritte 
Quelle des Strabo tou Aiyu-tiou xziyooc, ~z[A -r^v ATiafiecov y/jV wird 
sich nicht mehr ausmachen lassen. Da von den beiden Quellen 
die südlichere, neh'' cl-lebice, als aus dem Libanon kommend an- 
zusehen ist, bleibt neb'^ el-äsl für die Paradeisos-Quelle. Und 
diese Zusammenstellung hat eine Stütze in dem schon von Pal- 
mer [Quart. Statements 1871 , 113) herangezogenen mit Thier- 
figuren (Jagdscenen?) geschmückten Denkmal hamuat el-hermel 
(Baed.^ 394), das nur etwa 45 Min. von der Quelle entfernt ist. 
Auch FuRREK neigt ZDPV VIII 32 n. 1 der bei Dussaud nicht er- 
wähnten Ansicht Palmers zu, (hiss das Paradeisos an der Stelle 
von lummat el-hermel zu suchen sei. Für Almas*^üdi hat der 
Orontes nur eine Quelle, die bei el-lebice^ s. hier XXII 170 n. 2. 
S. 161 salamja^ salamlja: S. auch S. 73 n. 1. Die Gleichung 
salamjä: salamlja = toahaschja: ivahschlja s. Orient. Litt. Zei- 
tung II (1899), 308. Zuzugeben ist, dass das auch von y. Oppen- 
iiEiM gehörte salamja Repristination sein kann; wahrscheinlich 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 119 

ist mir das nicht; vgl. die Bewahrung von hghaidld und hghaidm 
durch die Beduinen S. 66 n.]l. 

S. 167 zu,2. Teil Schech Sin: Der Name wird von Jeziden 
gemünzt sein , in deren Cult der Schech Sin eine grosse Rolle 
spielt, s. jetzt Makas, Kurdische Studien ^Materialien I] 33. 52. 

S. 167 zu 3. Den Weg ^^w?.s• — ar-rahha hat aucliElmakdisi, 
nur schreibt er KcLlX,'! (statt az-zarra a) und theilt nach Marhales 
ein. Unter den Salzseen des SH 24 (s. Nachtrag zu S. 75 f.) be- 
findet sich einer des Namens si^.A\ sollte das eineVerstümmelung 
des xcl.O (^^K;) sein, oder umgekehrt? Vgl. Nachtrag zu S. 75 f. 

S. 168 schamsin: War Poststation für diinasclik-hims noch 
unter den späteren Mamlukensultanen, s. Chalil Eddäheri bei 
QüATREMERE, Hisf. Maml. II 2, 92 Anm. 

S. 16S niJijä: Jäküt, der es ein Wasser der Kelb nennt, er- 
zählt IV 852, er selbst habe den Ruinenort, der viele Cisternen, 
aber keine Quelle oder Fluss hatte, auf dem Wüstenwege zwi- 
schen ar-rusäfa und al-harjatän gesehen ; der beigebrachte Vers 
aus Almutanabbl ist aus der grossen Kaside , deren Commentar 
verwerthet ist S. 175 ff. 

S. 168 n. 1 Noa: Die Notiz meines Tagebuches, an die ich 
hier dachte, und die ich erst später wiederfand, lautet: »ka&r 
temek und nua, zwei alte Ruinen fünf Stunden südlich von Jmsr 
ihn icardäni- ; darnach die von Kiepert verwerthete Eintragung 
auf der Ms.-Karte Elisabeth Hartmaxn's. — Ein dair nahja, in 
Egypten s. Maräsid I 422 und Comm. dazu V 579. 

S. 169 Abila — mk toädl haradä: War es auch schon längst 
nicht mehr zweifelhaft, dass Abila Lysaniae in der Gegend von 
sük tu. haradä zu suchen sei, so geben doch erst die am 22. Sep- 
tember 1893 zwischen dem Tunnel von Sük W. B. und dem 
Viaduct von Zerzer gefundenen, vier römischen Inschriften die 
Möglichkeit »ä determiner avec precision le centre reel qui re- 
prcsente la ville antique et qui pouvait etre soit ä Soük, soit ä 
Berheleya, soit ä El-Kefr« (Clermont-Gaxneau in Revue Arch. 
1S79 A, 240). Wie sehr die Abilener daraufhielten, richtig eti- 
kettirt zu werden , zeigt die Inschrift von ef-taißhe (s. Nachtr. 
zu S. 135), deren Setzer sich ausdrücklich als aus 'AßiAa r-^c Asxa- 
•koAso; bezeichnet; es war freilich nöthig, denn nördlich von 
Palmyra sucht man zunächst einen Mann aus dem Antilibanos, 
nicht aus dem Transjordanland. 



120 Martin Hartmann, 

S. ITOf. Laudicia (Scabiosa): Der Vollständigkeit halber 
sei erwähnt, dass van Kasterex ZDPV XYl 1 S2 äussert, das von 
ihm zuerst beschriebene liftajZi könne wohl für Laodicäa mit in 
IJetracht kommen«. Die Lage ca. 10 km. westlich vom Orontes 
schliesst allein schon die Gleichstellung aus. Die Römerstrasse 
hatte nicht die geringste Veranlassung, die Avestliche Thalwand 
des Orontes hinaufzuklettern . wie dies auch nicht die uns be- 
kannten Hauptstrassen von liims nach halahakk thaten (s.S. 166). 
Vgl. auch die Einwände Dussaud II 32 f. Nicht kann ich aber 
mit DussAui) (II 51) darin übereinstimmen, dass Laodicea ad 
Libanum (Scabiosa) in kadesch-tell nebi mindü zu suchen sei. Ich 
halte vielmehr an der S. 171 oben ausgesprochenen Gleichstel- 
lung mit dschusije fest. Dass die Strasse w^ahrscheinlich nicht 
zu dem nicht im Thale selbst, sondern etwas abseits auf einem 
Plateau der östlichen Thalwand liegenden dschüsijet el-cJtaräh 
hinaufstieg, ist kein Hinderniss. 

S. 171 unten al-kutkufana: Nach Albaläduri 298 gehörte 
al-h. ebenso wie 'a^7^ as-said, ar-ruhaima und 'am dschumal denen, 
denen die Waffenplätze hinter dem Sawäd (cl. h. doch wohl west- 
lich vom Eufrat, anvertraut Avaren: diese Quellen (Wasserplätze) 
lagen in dem Chandak Säbür fvgl. zu dieser schlau zwischen dem 
Kulturlande und der Wüste angelegten, später von Chosrau I 
wiederhergestellte Befestigungslinie Nöldeke, Tahari 57 n. 1). 
Nach Attabari I 1030 war Chef der Garnison von al-k. zur Zeit 
des Tages von Du Kär Alhämarz Attustari, der von Chosrau Par- 
wez zur Theilnahme an jener Schlacht kommandirt wurde. Dass 
id-Jf. einer der äussersten Posten gegen die Wüste hin war, darf 
man wohl aus Tab. 1, 2215 schliessen; denn als Almutannä seine 
Leute über das ganze "^Iräk vertheilt hatte, nahmen sie Quartier 
zwischen den 'irakischen Waffenplätzen (lies mamlihi) ghudaij ^) 
und al-huthutüna (von (jh. bis (iJ-k.)^ die vordem die Garnisonen 
und Aussenfestungen Chosraus gewesen waren. Der Name wird 

1; Woher Nöldeke's 'usaij stammt Zur Gramm. 57 Z. 4, weiss ich nicht; 
der Name ist nicht sicher; Jäküt hat für den Ort, der östlich vom Tigris nach 
al-aliiLuz zu lag, '«(//« schadsc/iar III 6S5 und ghw/aij schadschar III 806. Die 
in der Uebersetzung aus Jäküt S. 171 Z. 20 gelassene Lücke ist so auszufüllen : 
»dort [in al-/;.] war Annu'män b. Almundir eingesperrt« ; nach Attabari war 
der Kerker Annu'män's in chänaJfin (I 1028 Z. 18; vgl. NöLDEKE 331). und 
das ist vIl-I glaublicher; politische Gefangene verschickt man weit. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 121 

sich erhalten haben, wie wir ja auch ar-ruhaime (s. hier XXII 17 1 
n. 2) und " ain aii-said (doch wohl das bei Heinrich Kiepert SO 
von Sainäoue eingetragene »Kala'at Ain es-Said«) festlegen 
können. 

S. 172 al-dsdiuhha: Ein dschubhe in Centralarabien s. hei 
SociN, Diwan Nr. 8 Vers H». 

S. 173. Den r>ericht Albaläduri's s. S. 110 ff., die XXII 173 
n. 2 geraeinte Stelle S. 112. 

S. 174 Z. 19 mardsch as-su^ca^ und 175 Z. 1 mardscli raJiif: 
Ob wohl den arabischen Chronisten der Lageunterschied klar 
war? Auch y. Krembr war er nicht klar und er wirft die Orte 
zusammen, s. Wetzstein, ReisehericJtt 119 n. 2, wonach m. rUJiif 
= el-merdsch östlich der Ghüta, m. es-mffar in Dschölan zu 
suchen ist. 

S. 176 Z. 14 alma ihn siiüda: Nicht möchte ich mit deSacy 
[ehrest. III 13) übersetzen: Veau dußls de Soada, vielmehr Avird 
alma hier ein fala sein. 

S. 176 Z. 27 al-bad'/j'a: Eine Ruine el-hedlj'e im Ostjordan- 
lande nennt Schumacher M u Nr D1*V 1 899, 37. 

S. 176 n. 1. In salamj'u sass die Familie Kitüma von den 
Beduinen des Stammes Bähila, die den Gewaltmenschen 'Ubaid- 
alläh durch ihre Eroberungen hoch brachte Almakdisi 244 
Anm. b.; vgl. über die Rolle Salamja's in der Geschichte der 
Karmatenbewegung besonders de Goeje in der bekannten Dar- 
stellung [Memoires I^). lieber Chalaf Ihn Mulä*^ib als Herrn des 
Ortes um 481 d. Fl. s. zur arabischen Inschrift von salamja. 

S. 17 7. Im Anschluss an die zahlreichen Namen der letzten 
Seiten seien einige Orte genannt, die nach dem sehr ausführ- 
lichen Berichte Attabari's über die letzten Tage Elwaiid's i. J. 
126 in eben jener Gegend liegen müssen, in die al-luhia^ niltjTt 
und al-ghuivair (so wird mit Tab. II 1802, 9 für al-uioair S. 176 
zu lesen sein) zu verlegen sind : die von den Persern gebaute 
Veste al-hachra Tab. II 1796ff. ; al-mallka ib. 1802, 5 ; ein Hügel, 
der den AVeg von nihjä nach al-hachra beherrscht, genannt 
^jsii\ (?) ib. 1803, 13. 14; eine Anhöhe genannt l\iA^.ii etwas ab- 
seits vom Wege zwischen al-malika und al-hachra ib. 1802, 15. 16; 
mamd at harfi '^ ahd cd- azlz h. al-ioalld in der Steppe ib. 1797, 5, 
wahrscheinlich nicht weit von danaha 1797,4 (gleich dem clanaha 
Jäkütll 724 ? der Lage nach passt besser c/a/^^^•a, s. o. XXII 140 f.); 



122 Martin Hartmann 



auch al-lulua nennt Attabari mehrfach. Die Darstelhmo: der 
gleichen Begebenheit bei Almas'^üdi 324 ist dürftig, und die An- 
gabe »die Veste, die unter dem Namen al-bachrci bekannt ist, 
an der Grenze der Steppe zwischen hims und dimaschh^ lässt 
nichts erkennen. Am schlechtesten ist wieder Jäküt unterrichtet, 
der den Untergang Alwalid's nach einer recht dramatischen Dar- 
stellung giebt, aber als al-hachra nur ein stinkendes Wasser 
zwei Mil von al-hulai a am Eand des Hidschäz kennt und von 
dem zweiten al-hachra in der syrischen Steppe nichts weiss. 

XXIII, S. 2 n. 2 \ma\ Die ältere Schreibung ist durchgehend 
^äna, s. die Indd. zu den bekannten Werken. ^Zma auch noch bei 
Raschideddin, s. Quatrkjiere, Hist. des Mongoles XII. Auch Ibn 
Batiita schreibt den Ort, den er besuchte, ^ äna (IV 315). Heute 
ist die ofticielle Schreibung ana^ gesprochen scheint zu werden 
*rtw«, s. Opp. passim. 

S. 4 n. 10 dlmas: Schon Sibawaihi II 128, 16 kennt daimas 
(Appell.); von ö-/)uoaiov hergeleitet Wright^ I 229 D. Ueber die 
Nebenform damns s. Weissbach, faul 20. 

S. 5 (Nr. 34) el-rnischrife : Darf wohl als Singular zu dem 
/?^a■sc/mr^/' betrachtet werden, das von den Geographen besprochen 
wird (Jclküt IV 538 ^) und de Sacy, Clirestom. III 53 Anm. 48). 

S. 5 Nr. 36 ''izz ed-din: Das wdrd der volle Name der S. 73 
genannten Beni 'Izz sein, und vergleicht man die Thatsachen, 
dass S. 73 hasan pascha und er-rüha als Besitz der Beni 'Izz ge- 
nannt sind, mit der, dass in der Liste nur ein ^izz ed-dln vor- 
kommt, so wird man schliessen dürfen, dieses eine nach der 
Familie genannte 'izz ed-din decke sich mit hasan pascha oder 
er-rZtba (wenn es nicht beide Dörfchen zusammen umfasst) ; da 
hasan pascha'^) gesichert ist, Avird das bei Kiepert eingetragene 
'Azz id-Dia gleich er-rüba sein. 

S. 6. Den Nummern 1 — 49 als Namen von Ortschaften öst- 
lich von hims möchte ich einige Oertlichkeiten anschliessen, die 
am besten hier untergebracht werden. 1) him al-kuhha\ darüber 
hat Ms. l^erl. Pet. II 615 Ahlw. 9835) f lG3b Folgendes: Ȁ^^ 

1) Die von Jäküt citirtcn Bemerkungen Ibn Assikkit's scheinen sich in 
der Bairuter Ausgabe des tuhlih nicht zu finden. 

2) Doch wohl so genannt nach einem zu Ansehen gelangten Mitgliede 
der Familie 'Izz ed-din. 



Beiträge zur Kenutniss der Syrischen Stejjpe. 12;') 



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■■ ^ ^ _/ ^ .. . j ■ ^) 

j.^Lii (jiLLi..^) Ibn Elatir hat nichts über die Einnahme dieser 
Jiurg i. J. 511 (beg. 5. Mai 1117) durch Roger von Antiochien^); 
2) Mm al-chariba^ von den Franken für 2000 Dinare dem Ibn 
Aburarib Albahrfi^i im J. 498 abgekauft, in der Nähe von rafanja^ 

nach Ms. Pet. II 615 f. IGlb: ^a ^^:^\ Up ^b i6.'i^i '^^ 

^yf,/**.i^*s ^.■^•*'') ' *t!-^ '--^^ J*^-?" /'r'' o-*^'' -y-^^^^Lj l_;.*j» ...•.>^r»-) «.Ä/si 

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^ ■• L? • t> • ^^ ^^- • -v L?- LT- • j •■ ^ • J 

i^jL/5 ,<-J)^» i-rr^*'^-''» i")"*-^' ^^**' ü'»--^ c- (*-rt^"'' •^♦^■"^^ ,*-^-^5 iJ"r^-^3- ) 

S. 6 Nr. 51 el-ghadscJtar: Eine Brücke [dschisr] el-gliadscliar^ 
die Zigeunerbrücke über den nalir el-häsbcinl s. Baedeker^ 290. 

S. 8 n. 2 dschehel esch-schomärlje: Unrichtig ist die Schrei- 
bung dschehel scliommarije und die Deutung »Gebirge derSchom- 
marbeduinen<: (ZDPV XXII 193). Mit den Schammar hat der 
Name nichts zu thun. Das aum^ ömist durch die Uebereinstimmung 
vieler Hörer gesichert. Mit schomZirlje ist zusammenzustellen 
der Name des akllni esch-sclwmar (richtig schon Ritter 69 nach 
Schultz: Mokethaat Aklim esch-Schömar, und so Kiepert, 
nnrichtig Schomar auf der Karte des südl. Libanon in Baede- 
ker, Pal. u. Syrien] zwischen Saidä und Sür an der Küste, das 

1) d. h. »Der Kuppelbau, nach dem diese Burg benannt ist, ist bekannt 
unter dem Namen huhJ)at nmm malaih (Kuppelbau derUmmM.;, östlich vom 
Gebiete von hims; die Burg wurde im Jahre 511 genommen von Roger, dem 
Fürsten von Antiochien, dem sie der Negersclave Ruktäsch übergab.« — An 
der Sehreibung ■malaih halte ich fest, obwohl das Ms. in den Vokalen unzu- 
verlässig ist, bis das uäher liegende mulaih anderweit gestützt ist. 

2) Beachte die Arabisirung rüdschü)\ während Ibn Elatir rnäsch'il 
schreibt (10, 214 [T. 357 f.] s. a. 509). — Die Umm MaläHb wird die Mutter 
des Malä'ib sein, dessen Sohn Ibn Elatir als Herrn von hirm nennt 10, 52 [84] 
und 83 1136]; siehe auch zur arabischen Inschrift aus Salamja. 

3) d. h. »Die Burg him al-chariba Avar eine der festesten; sie ist be- 
kannt als al-him asch-scliarJ/i (die östliche Burg; und liegt im Dschehel 
Bahrä nahe ra/fl!?iya ; der sich ihrer bemächtigte war ein Mann, der als Ibn 
Abirarib Albahrä'i bekannt war, der verkaufte sie den Franken für 2000 Di- 
nare imd Pferde und Frunkgewänder und übergab sie ihnen im Schauwäl des 
Jahres 498 [beg. 10. Juni 1105].« 



] 24 Martin Hartmanrij 

auch SS 3, 172 als yij.;x>.i\ ^A'£\ mit 11 Ortschaften anführt ^j. 
Was bedeutet dieses schomar'} es ist die in den Wörterbüchern 
nicht verzeichnete in Syrien übliche Form des schriftsprachlichen 
üchamUr ^ Fenchel'-). Mit Rücksicht auf die Schreibung dieses 
schomar mit a an den angeführten Stellen, auf die Schreibung bei 
Ely Smith in Nr. 66 und auf meine eigene S. 73, 4 wird doch 
auch im Gebivgsnamen das a vorzuziehen sein. Belot kennt als 
Vulgärform sclmmmar ^ das aber zur Stützung von schummarlje 
nicht herangezogen werden darf; dieses ist ersichtlich künstliche 
Construction. Endlich sei noch erwähnt, dass Raschid "^Atija im 
ad-daltl 188 schümür hat, aber nvir als »Lampenrauch«. Ein 
loädi esch-schöniarlj'e wird auf einer Brücke von der Fahrstrasse 
haifä — en-näsira überschritten. 

S. 9 Nr. 70 ez-zerra : Es ist das schon oben zu S. 159 aus 
Dussaud, Triparadisos angeführte und bei Dussaud mit zahl- 
reichen Stellen belegte, auch bei Kiepert eingetragene ez-zerra a. 

S. 12 Nr. 101 es-suchne: Ihn Batüta IV 315 > Wir reisten von 
dort [rahhat mälik ihn tau7f\ nach as-sachna^ das ist eine schöne 
Ortschaft, deren meiste Einwohner Ungläubige und zwar Christen 
sind; as-sachna heisst sie wegen der heissen Temperatur ihres 
Wassers; dort sind Zimmer für Männer und Frauen zum Baden; 
Abends schöpft man von dem Wasser und lässt es des Nachts 
über auf den Dächern stehen, damit es sich abkühlt.« Ich habe 
die Schreibung der Herausgeber aachna^ die sich wohl auf Mss. 
stützt, beibehalten; das wäre die Hitze; am Orte selbst Avird 
man zu Ibn Batüta's Zeit wie zu der Jäküt's und zu unserer 
sucline mit u und ohne Artikel gesagt haben. 

S. 15 unten. Der Zahl der Ortschaften, die im Gebiete von 

c - - 

Mms liegen, sind aus Jäküt hinzuzufügen: 1. kafartikis, ^j^^i^sS 

1) Darunter eine larjat al-ansürije; das ist nicht unAvichtig ; sicher ist, 
dass es am Ilüle-See drei Nusairier-Dörfer giebt, und das genannte Dorf wird 
auch von solchen den Namen haben. Dussaud hat, scheint es, diese südlichen 
Nusairier nicht beachtet (in: Hist. et Rel. des Nosairis, Paris 1900). Nimmt 
man an, dass sie, wie die nördlichen, Reste einer alten heidnischen Bevölke- 
rung sind, so ist die Aenderung der Sozomenos-Stelle S. 1" n. 3 unnöthig. 

2) Firnzäbädi erklärt schamär richtig durch pers. rdzijänedsch; der Zu- 
satz »egyptisch« wird aber unrichtig sein; sollte der Name des foeniculum 
capillaceum nicht auf einen Stamm seh m r = hebr. T::ö in der Bed. starren 
weisen? 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 125 

IV 287, ohne jede nähere Lagebestimmung; 2. makadd, ^a.A 
IV 589 f., berühmtes Weindorf in Syrien, nach Einigen im Ge- 
biet von hims, nach Anderen in Hauran bei adriUt [dir a)\ es 
^vird zwei Orte des Namens gegeben haben; bei den Dichtern 
ist die Nisbe mahadl und makaddl] 3. al-kahcUün^ ^Lj"la3C[jM] 
IV 331 ; in Versen des'Adi b. Arrikä' heisst es: »Eure Väter ver- 
theidigten den Kergpass zwischen hnns und al-kahütcm und 
Hessen keine Meiischenseele dort hin.« 

S. 16 Nr. 160 hat at esch-schemäm'is: Zur Nebenform Shawa- 
mis vgl. das Damascenische scJteicender > Runkelrübe < bei Wetz- 
stein ZDMG XI 520 für das schriftsprachliche und an der syri- 
schen Küste wie im Libanon allein von mir gehörte schmender. 

S. 17 Nr. 175 teil ^ ade: Nicht ohne Interesse ist die Notiz 
in Ms. Fet. II 615 (Ahlw. Nr. 9835) f. IGla über die Einnahme 
felVades, durch Tankred von Antiochien im Dulhidschsche 49S 

(beg. 14. Aug. 1104)1): ^i.i. ^j^^j^! J.^.^ ^ ^^:X\ Up ^3^^\ '^S 

(j: s-Az. i3;i. x^yLtsi! w*.;>La^ '^)(J^\Äi;> iAA.aä5 üääILj .j..^^/o yS>^ u^A.s> 

' ' , - " ' . .. . . - 3 

»Äi>L i^ÄjL/ü)», 5./.i^>» Äij'i-^! 5-^)'» r^r*.*'*^-'^ -vi.*^ Käa« [161 bj X;^i ^^ 

q1.j^3 rj:^*^-^5 »j»-^^ ^^J^J O^^^ ^*-'3-^' Ihn Elatir spricht zwar 
von den Kämpfen Tankreds mit Kidwän von Haleb i. J. 498, 
erwähnt aber nicht den Fall der Festungen teil " ade^ el-md arra^ 
latmui und sürün (s. S. 158y. 

S. 19 Nr. 203 el-dscheleme: Zwei Orte des Namens s. Bae- 
deker^ 256 und 269. 

S. 26 Nr. 306. Man erwartet hierneben auch die Erwähnung 

1) Ich folge genau der Schreibung des Originals, um dessen Eigenart 
zu zeigen. 

2) Das ist unrichtig, doch ist uns die Festlegung des Namens lailün 
[s. darüber mein Liwa Haleb 47 und n. I], zumal in dieser Sehreibung 
(Parallele zu qi^^^J und ♦-».^is':^!, s. S. 158) von Werth. 

3) Ibn Elatir schreibt ^_X-i»b, so z. B. an der hier heranzuziehenden 
Stelle s. a. 498. 

4) d. h. ntell adä; diese Burg gehört zum Gebiet von al-ailün west- 
lich von halah, sie ist als fest berühmt; Tankred, der Fürst von Antiochien. 
griff sie an und legte sich vor sie im Dulhidschsche 498 und nahm sie nach 
Belagerung und Bedrängung ein, zugleich mit ilir die Burgen von al-maarra 
latmtn und sürün.«- 



12G Martin Hartmann, 

von rafmje\ dem Gewährsmann Smith's floss es wohl mit h. bann 
zusammen . 

S. 27 Nr. 'Mi. Die Zusammenstelkmg von '^akUktr mit Bae- 
tocaece ist unzulässig. Für die Gleichung Baetocaece = //i.s/i 
sulaimün ist jetzt der Beweis erbracht durch die vortrefflichen 
Ausführungen Dussaud's (II 15 ff). Die Lage wow"^ akak'ir^ dessen 
Namensform der Nachprüfung ])edarf, ist noch festzustellen; 
nach den Namen in seiner Nähe wird es im ortreichen Quell- 
gebiet des Sarüdsch in der Nähe von Kaphaneae gesucht werden 
dürfen. 

S. 27 Nr. 314 mirjamin: -»Les festes antiques ahondent dans 
ce village ansari\je<- sagt Dussaüd (II 10), der es besuchte und 
mehrere Inschriften mittheilt. S. auch Lammens in Revue de 
l Orient Chretien 1900 S. 437, wo jedoch nur kurzer Besuchs- 
bericht, ohne epigraphische Ergebnisse. 

S. 29 f. Zu Nr. 338—344 ist aus SS 3, 254 noch hinzuzufügen 
das schon S. 20 n. 1 erwähnte marün, dem wohl mdrüra SS 14, 
341 gleichzustellen ist. 

S. 30. Nach Nr. 345 sind einzuschieben aus SS 14, 341 — 
343 als nicht in andern Quellen nachzuweisen: 

345 a ^-wis.£.;/o oLj beul mezra asy . 

345 b (^U.^ ^jJ> de?- schibll {sr/dbl? vgl. S. 41). 

345c c>-J»"^ -i^ der cJmicait (?). 

345 d .Li'.ö K.ä hara düJmr, schon herangezogen zu Nr. 330 

^ -: _j _ ■ - ' o o 

aghduJiär. 

345 e ^A*.\j.i5 »-3uij.^ sauma a Imrjasy. 

345 f :^.*^3 widebe. 
S. 36 n. 2 el = beul, [ihn): Für Syrien schon festgelegt von 
Wetzstein ZDMG XXII 1 12 [a1-cdlj\ aJ-umar u. a. ; klassisch ist 
al-umar im Namen des Herrn 'Akkäs um 1750 Dähir Erumar); 
aus Centralarabien siehe massenhafte Beispiele in Socin's Diwan. 
Die Bemerkung Socin's III 97 »Wenn der Artikel im Sinne von 
ibn steht, wird er mit dem folgenden Worte nicht verbunden« 
[in den Mss. mit Nedschdgedichten] spricht für die naheliegende 
Vermuthung, dass wir es bei diesem el gar nicht mit dem Artikel 
zu thun haben, sondern mit einem verkannten und degradirten «/, 
also T)ähir E Tu mar eigentlich = Dähir der Familie 'Umar. 
S. 39 u. ö. Oijmak: oijmah wird zurückzuführen sein auf 
dasselbe oy, ö/ wie das l-ara öjlük^ das Karabacek, Mitth. Pap. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 127 

Rainer I 105 n. 1 an Stelle des Kara Jelek Weil, Gesch. Chal. 
5, 59 und danach Müller, Islam I 302 herstellt, und von dem 
er sagt: »von osttürk. ,Kara öj' = türk. ,Kara ew' Zelt und der 
affigirten Partikel ^y = iAl, d. i. , Zeltbewohner, Eingeborener' 
(Tärich i Chairülläh Efendi, V, ff Vambery, Frw2. OuU. 74, 77).« 
Nach Herrn Hasan Dschelaleddin ist oijmah auch im heutigen 
Persisch üblich und wird im Plural oijmaghcd geradezu für No- 
maden gebraucht, doch sei dafür aachajir \^asc]iair] und ilät 
üblicher. Houtsma hat WZKM II 230 ^^^L,; J »das Wort für 
Stamm« als abgeleitet von einer Wurzel, von welcher auch 
.-äj^i, das türkische Stamm-Thier, und^j.ij.i, Uiguren, komme. 
Die Gleichheit der Wurzel für oijmah und vjgur dürfte nicht 
ausser Zweifel sein. Das Wort fehlt in den osmanischen Wörter- 
büchern; im highat-i-tschaghatäj wetürkl'' otmäi'ä des Sulaimän 
Buchäri (Stambul 1298) ist der Artikel /^L,;^! ungenügend; es 
heisst nur: .l\-s*.w1 ^.LaS-j ^O^'^Xth .^^\:^^\.ki\^)\ dagegen ist gut 
unterrichtet der Artikel (j^i»^: ^.äjLls. aI-a/s .xcu::^ .^^^j-t-A d^J^-ry^^ 
^.^^ ».j^j ä:^o / öL' »^ -S'^ ^iU»^ ^:S^vi A.j^ .P» ^LJ ^.i^ö , wj»^ .5^ 

S. 39 tudmur'. In der Literatur ist das Städtchen durch Isliük 
b. Ibrahim b. Ahmad Attadmviri, gest. 833, vertreten, s. Ahl- 
WARDT V 409 ad Nr. 6098. 

S. 41 er-rakka: Eine UäjLIj ij)^»-^^^ Uxjj.5^!» Ks,J! J xjL.^, 
schrieb Badraddin'Abdarralimtän Alba'labakki (gest.ca. G60) nach 
AiiLWARDT V 413 ad Nr. 6104. 

S. 41. Statt der nichtsnutzigen Nummern 379 — 3SS hätten 
»Bogrus« [bukrus'?] und hetüm. genannt werden sollen, die nach 
Sachau 278 f. bei Kiepert eingetragen sind und offenbar zum 
Mudirlik '^ischüra gehören. 

S. 42 oben rahaba: Zu Ihn Batüta's Zeit Avar dort noch eine 
medine^ freilich nicht la plus helle localite de VIrak\ es heisst 

1) d. h. »Ist Name eines Stammes in der Gegend Afghanistans.« 

2) d. h. »Der Grosse des Stammes; Menge; Stamm; Schaar; jedes ulus 
■wird in mehrere il, jedes il in mehrere oijmaJc^ jedes oijmah in mehrere hoij, 
tir und uruk getheilt.« Fast ebenso Ahmed Wefik im lehdsche-i-'olinäm 
(Stambnl 1293) 213, doch fehlt hier oij'mak als besonderer Artikel. Das 
Apuschka (Ms. in meinem Besitz f. 4Ta) hat nur: ^>3 '^kjJikxA ^^^> L>*^-'3 5 
d. h. »ulus heisst Leute«, und: ^^ Käa.-Uä^ ^W* (^^'-''^'5 d- h- »umak [so! 
nicht oijmah] heisst Stamm«, mit lielegstellen. 



128 Martin Hartraann, 

IV 315: »dann gelangte ich nach ar-rahha, das nach Mälik Ihn 
Tank benannt ist; die Stadt ar-rahha ist das Ende [ahsan ist ver- 
schrieben oder verlesen für üchir\ von aVirük und der Anfang 
von asc/i-sc/uim.(- Für die Türken beginnt die Grenze des '^Iräk 
,\Vil. hacjhdZid) viel weiter stromabwärts, in der Gegend des 
»Thurm el Käjim« , s. S. 2 n. 2. — Von Gazan belagert und 
genommen i. J. 7 02, s. Quatremere, Hist. Momj. XII. — Charak- 
teristische Photos der liuinen von rahaha und kaVat es-mliJüJe 
(s. oben S. 46 f.] sind Nr. 65 yRurgruine Rahaba« und Nr. 64 
»Sälihie, Blick von den Ruinen (Kän-Kalessi) in das Euphrat- 
thal« in Sarre, Transkaukasien — Persien — Mesopotamien — Trans- 
kaspien., IJerlin 1S99. 

S. 1!) Nr. 435 achrim: Derselbe Name kommt in der Form 
aclüirisa vor für die Bewohner katjä^ (Giluemeister nach Ma- 
krizi-WüsTEXFELD, ZDPV. IV S6i)). 

S. 56 zu 10 Moäli: nach Wetzstein zu Delitzsch, Komm. 
Gen. (1872) S. 561 nomadisirt im Menadir-Lande (j/toUiS Si.i\ 
d. h. in der Gegend östlich von hasja und hims »die gesang- und 
thatenreiche, namentlich aber durch den Seelenadel ihrer "NA'eiber 
berühmte kleine \ ölkerschaft der Mola oder Mawali« ; von diesen 
Mawäli-Beduinen stamme mütterlicherseits Hölö Pascha, s. oben 
S. 115 zu S. 139 Casama. 

S. 56 n. 1. Auch im heutigen Arabien ist das Wort beliebt: 
in Socin's Diivan Nr. 68 V. 20 ist von dsch'dnädll et-telid^ »Steine 
von den Erdhügeln« (?), die Rede. Für die ältere Zeit s. Ham. 
119 Z. 9. 153, 17 (Komm. .^.t^\ ^JiAäII). Ein kat at dschendel ^.x\. 
der Ostseite des Hermon s. Baedeker^ 325. 

S. 60 Avirthschaftlich besonders ertra^sfähio^e Län- 
dereien: als solche kommen zunächst in Betracht die zwischen 
salamja und haleh. Was Waddixgton zu Nr. 2633 über diese 
Gegend als eine wasserreiche und äusserst fruchtbare sa^rt, kann 
ich voll bestätigen ; am ganzen 22. Mai [s. S. 74 f.] verzeichnete 
ich fast ununterbrochen »Ackerland«, »Weideland«, »Zeltlager«, 
häufige Quellen und Brunnen', ebenso am Morgen des 23. Mai, 
bis bei el-charüjidsch die Gegend öder Avurde, doch wandte sich 
dort mein Weg von der Hauptstrasse ab in die Steppe. 

S. 61. Für die Beurtheilung der beiden Gebiete innerhalb 

1) lieber latja s. meine Bern Hiläl- Geschichten 302 und n. 4; die 
ebenda genannten El ajid sind die [beni] 'aid Gildemeister's a. a. 0. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 129 

und ausserhalb der Linie dimaschk — halehlje sind von Bedeutung 
die vortrefflichen Bemerkungen Bltjnt II 185 f., nach denen die 
Hoffnung, von dem Schutzwall aus könne »der äusseren Steppe, 
soweit es lohnend ist, Land für die Viehzucht abgerungen wer- 
den« fZ. 24 ff.), zu modificiren ist. Versuche in dieser Richtung 
wären nicht lohnend. Das Land nördlich ist ausgezeichnetes 
Weideland für Kleinvieh, in dem südlichen gedeihen nur 
Kameele, und auch die werden jetzt einige Monate in den nörd- 
lichen Theil geführt. Systematisches Vorgehen muss vor Allem 
diesen Ueberfluthungen einen Halt setzen und doch durch ge- 
schickte Vertheilung der jetzt directionslos durcheinanderwogen- 
den Ka?neelaraber sie vor dem Untergang bewahren. Das 
Studium des südlichen Gebietes, von praktisch geschulten 
Wirthschaftpolitikern und Technikern in die Hand genommen, 
wird viel Kraft und Geld kosten , aber auch liier Avird sich die 
Herstellung geordneter Verhältnisse bezahlt machen. — Vgl. das 
Kapitel »Der Nomadismus« in 1^kt7.v.Ij^ Politische GeograpJiie 61 ff. 

S. 62 med. bucoailis: 1. huioailis. — käsirln: s. Jäküt IV 16. — 
Ueber Maslama s. jetzt Becker in ZAss XV 13. 

S. 62 Verwendung [des Eufrats] für Elektricitiit: Sogar in 
den Dörfern Kataloniens, selbst in den höchsten der Ostpyrenäen, 
fand ich die Wasserkraft für elektrische Beleuchtung verwandt. 
Was Hesse sich nicht mit elektrischen Anlagen im Thal des 
Stromes schaffen, dessen Kraft unzählige Turbinen zu treiben 
im Stande ist. 

S. 66 n. 1 hghaijedm: Dem kommt nahe das Bagidin der 
Karte Moritz, die zwischen diesem Ort und »Sa'än we Su en« 
noch ein »Mebiga« zeigt. Auch hagJidan neben haghdäd scheint 
nicht bloss in den Köpfen der Gelehrten zu sjjuken; Ms. Fet. II 

615 f. 157b heisst es: /j^äj'» 0'"^*"^^ t'- '^' '^^^^ '--^^'1>J bj^ccXil^ 

S. 67 med. drei kleine runde Hügel, gen. Tenage: 
Man ist versucht, hier das zu S. 168 n. 1 erwähnte /«.sr iemeh 
heranzuziehen; nur muss dann ein Irrthum meines Gewährs- 
mannes bezüglich der Lage angenommen werden. 

S. 68 n. 2 Äff Dien, afdejetr. Es sind dieselben Hügel 
bei Sura, die S. 72 n. 1 besprochen sind. 

S. 69 ff. Zur Verwerthung des lleiseweges bei Kiepert s. 

Ztachr. d. Pal.-Ver. XXIII. 9 



j 30 Martin Hartmann, 

den Bericht K, 's in Oppenheim II 101: >In Salämja schliessen 
zwei neueste Routen durch die bisher nur sehr unvollkommen 
bekannte Wüste im N und NO an: 1. eine unveröffentlichte, von 
Prof. Hartmann, von Damaskus über Nebk und Salamja nach 
el Chanasir (Sachau's Chunäsara) und über Anderin nach Hamä 
führend, die mir in einer Handzeichnung von Frau Elisabeth 
Hartmann vorliegt und den Titel trägt , Reiseweg Martin Hart- 
mann's vom 1 G. bis 26. Mai 1 SS7. Herrn Prof. Dr. Heinrich Kiepert 
zum 80. Geburtstage überreicht. 1 : 750 ÜOO.' Danach wurden 
die Wege zwischen Salamja, Hamä und il Chanasir einerseits, 
zwischen Salamja und il Furklus andererseits eingetragen. <- 

S. 7 3 f. dschehel biVüs: Dem in salamja darüber Notirten ist 
aus meinem Tagebuche noch Folgendes hinzuzufügen: »Der 
Weg von salamja nach tudmiir führt über den dschehel csch-schöma- 
rlje [genauer wohl: am Nordrand des dsch. esch-sch.] und über 
den dschehel biVüs] der dsch. esch-schmncmje hat Wasser und 
reichlichen Baumwuchs (^w^w-Bäume), und die Regierung ist dabei 
ihn zu besiedeln; mehrere Ortschaften sind bereits entstanden; 
der dsch. bil'^äs ist reich an Wildschweinen und Rebhühnern.« 

S. 75 f. Zu den Sabchas, von denen hier die Rede ist, vgl. 
SH 24 (1314) S. 170 1): Am Süden dieses Sees [der Maralaha 
von clschahhTd] befindet sich ein kleiner Berg Namens dschehel- 
i-chäss', hinter dem liegen nach der Wüste zu verstreut und von 
einander 4, 5 und ü Stunden entfernt noch 7 Seen, genannt 
al-hafnrä, charüj'idsche [mein el-charäjidsch]/ahtä'^], zarka (gleich 
*^Ain iz Zerga? s. 8. 175 n. 3), ramle [mein er-ramle\ duraihim^] 
und marügha.'^ marügJia scheint das al-marägha Idrisis gegen 
ez-zerraa zu stützen, s. Nachtrag zu S. 167, 3. 

S. 77 Turki (26. Mai): Ueber seine äussere Erscheinung s. 
meine Notiz ZDMG 51, 199 n. 1. Blunt nennt ihn a loutish 
felloio imicorthy of his father' s reputation (2, 79, s. auch 81). 

S. 77 unten die Ruine el-anze: Ein Y)oxi'^anza zwischen 
sehast'ije und dschemn s. Baedeker^ 254. " anze = Ziege. 

1) Ebenso in den späteren, z. B. 27 (1317) S. 185. 

2, AVird meinem uitä gleichgesetzt werden dürfen; in ihm ist das / kaum 
verhört, aber leicht zu erklären als Verdrehung des Volkes in Anlehnung an 
den bekannten Stamm jt. 'aitä wird gutarabisches aila sein; Jäküt III 750 
deutet es »ebenes Land« und führt verschiedene aita's an, »auch ein Gebiet 
in Syrien<-; damit kann auch das Eitha in der Batanaea gemeint sein, das als 
aita, nicht als cl-Jüt (Waddixgtox zu Nr. 2113) anzusehen sein wird. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



131 



Abkürzungen: 

Den oben XXII, 127 erklärten ist hinzuzufügen: 

El-Battütü = Al-Battäni sive Albatenii Opus Astronomieuni . Ail 
fidem eodicis escurialensis arabice edituni, latine versum, adnotationibus in- 
structum a Carolo Alphonso Nallino. Pars tertia textum arabicum continens. 
Mediolani Insubrum 1899. 

Blunt = Anne Bhmt, Beduin Tribes of the Euphrates. London 1879. 

Dussaud I = Rene Dussaud, Voyage en Syrie, Octobre — Novembre 

1895, Notes archeologiques, Paris 1890 (aus Revue Archeologique 189G II). 
Dussaud II = Rene Dussaud, Voyage en Syrie, Octobre — Novembre 

1896, Paris 1897 (aus Revue Archeol. 1897 II). 

Heinrich Kiepert — Kiepert, Nouvelle Carte des Provinces Asiatiques 
de l'Empire Ottoman. Berlin 1884. 

Lidzbarski = Mark Lidzbarski, Handbuch der Nordsemitischen Epi- 
graphik nebst ausgewählten Inschriften. Weimar 1S98. 

Ocstriip = J. Oestrup, Historisk-topografiske Bidrag til Kendskabet 
til den syriske Oerken, Koebenhavn 1895 (aus Memoires de l'Academie Royale 
des Sciences et des Lettres de Danemark, 6""" serie, Section des Lettres, 
t. IV, n" 2). 

Seiler = The Antiquities of Palmyra. Containing the History of the 
City and its Emperors. London 1690. (Der Name des Verfassers, Ab. Sellerus, 
findet sich nur in der Widmung). 

Socin = Albert Socin, Diwan aus Centralarabien. Leipzig 1000. 



Verzeichniss der Ortsnameii. 

Die mit * versehenen Seitenzahlen beziehen sich auf Band XXII, die übrigen 
auf den laufenden Band XXIII) dieser Zeitschrift. — Wo a und e neben 
einander vorkommen, ist meist nur die Form mit a aufgenommen; siehe z. B. 

moihidsch unter manhidsch. 



Abadcit s. '^ibadaf. 
el-ahhüde 18 (Nr. 18G). 
ahbu 22 (Nr. 241). 
"ahdalWt 54 (Nr. 484). 
\ihde, Abde 57 (Nr. 523). 58. 
'^iihidln 62. 

übil, Häbil 8 (Nr. 59). 
Abila(Lysaniae)*169, 119; vgl. 

sük wüdi haradä. 
'\ßiXa f^? Asy.aTToXsto; 1 19. 
al-ahjad *166. *172. 
'^ahiä 130; vgl. V«Vr7. 



ahi "amra^ V^amra 26 (Nr. 305). 
Abu Chamis s. el-hüchamls. 
abTi l-faijüd ^ abul-faijäd *127. 

77. C2. 
Abulfarras 68. 
Abu ghalghal s. abü halhal. 
abul-gudür, Abu el-Kadür 18 

(Nr. 188). 77. K2. 
abü hamäm 45 (Nr. 412). 
abli hamd 44 (Nr. 389). 
abü liemäme, Abu Hammäme 5 



(Nr. 35) 



9* 



132 



Martin Hartmann, 



abü huraira^ Tli. Abu Ilrerc 40. 
Abu el-Kadur s. ahul-gudür. 
abü kalkul^ Abü ghalghal 30. 4 1; 

vgl. Imlkal. 
AbüKamis 55 ; vgl. el-büchamls. 
abiin-netir ^ abun-netel *142 

n. 4. 77. C2. 
abü rabUh *127. *143. 7 1 ii. 1 : 

vgl. teil ubii rubäh. 
abü rahme 37 (Nr. 356). 
Abul-Karra, Haus des Schechs 

09. 
abü ribj'ticl 29 (Nr. 336). 
abu schedüd [sc/ieddäd?] *142 

11. 4. 
AbüSerai 55. 56 ; vgl. el-bUseräj. 
abü tväli 15 (Nr. 144]. 
Acadama *143. 

Acauatha, 'Ax<:5al)a * 1 44. * 1 09. 
acJiürim 128. 
al-aclnlamlja *16C. 
Aclimim * 145 n. 1. 
achrisa, Khryssa49 (Nr.435). 55. 

128. 
Woayj.s. arak. 
A07.07. *144. 110. 
Adamana *139. *141. A4; vgl. 

Uoaava. 
Adarin, ATr,pa, Ottliara *139. 

*141. *143. A4. 
Adatba 110. 
Adiazaiie *130f. 
'^adjü. s. (ßaulaij. 
Admedera *141. A4. 
''adra 69. 
adricd [dira^ de/zi] *löO. *171. 

125. 
'adscJiüdscJiira, Ajajerä 51 

(Nr. 44.S]. 55. 



'^adschln 45 (Nr. 415). 
'^adscJücm 52 (Nr. 455). 
cl-afüdile, AfVulile, el-afüdile^ 

'Afädle, el Affazleh 34. 39. 

50. 56. 
afdejen^ afdejen^ AfF Dien 68 

n. 2. 09. 129; vgl. el-ifdajen. 
Affarit 59. 

'äflr, Bir 'Aifir 5 (Nr. 28). 
Afuddli, Eifuddli 55. 56. ' 
el-agedüt^ el-Akliedaat 2>A. 39 

n. 1. 42. 43. 73. 75, 
aghdükar 29 (Nr. 330). 
'Ayiou-oXic *132. 
al-ahass *146; vgl. dschebel el- 

ahass. 
ahba? 29 (Nr. 337). 
al-ahwäz 120 n. 1. 
\ti/äsch, Teil Erajjiisb 37 

(Nr. 34Sj. 
aila 03. 64. 64 n. 1; vgl. el-akaba. 
al-ailün^ lailün 125. 125 n. 2. 
''ain el-baida *177. 
'^aiti dschamal * 1 7 1 . 120. 
V///i dschendil 56 n. 1. 
'^ain dschibrln 16 (Nr. 162). 
'^ain el-hamra 11. 
^ain husen 14 (Nr. 135). 
'^aiti kasmrln 16 (Nr, 161). 
''ain el-köm^ '^alköm, Alcome 

*177. 68. 68 n. 2. C 2, 
"ain el-lebe7i^ ''alleben 68 n. 2. 
'^ain el-lebioe 71. 
'am möj 4 (Nr. 1 0). 
*^Ain ir Rhebe s. ruhaibe. 
"am as-said, Kala'^at Ain es- 

Said 120. 121. 
"am at-tamr *166. *171. *172. 

*173. *174. 



Beiträge zur Kcnntuiss der Syrischen Steppe. 



133 



\1i71 umm kubeh 15 (Nr. 152). 
'Ain iz Zerga s. az-zarka. 
Vö, 'Ite 75 f. 76 n. 2. 77. 130 

n. 2. B2. 
"aita 130 n. 2. 
Ajajerä s. ^axhcJnuhchira. 
Ajuari 59. 
'akaba *144. 
el-akaha 63 ; vgl. aila. 
'akabat ar-rummän *166. *169. 
\ikählr11 (Nr. 311). 126. 
ak'armje 44 (Nr. 403). 
"akbartä *162. 
el-Akhedaat s. el-agedüt. 
\ikka 31 n. 3. 

'a/l/l-är, 'Axy.ap 112. 112 n. 1. 
'Axopaßa *134 n. 1. *162. 
\ikrab 23 (Nr. 259). 
akräd [kräd) ibrahim^ Krad 29 

(Nr. 332). 
'akres? 44 (Nr. 400). 
aküm xoamdjcin 13 (Nr. 125). 
W«, el-ala (Nahije) 20 n. 2. 74. 

75. 
a7äV/a);(Grotten)*138.*159f. 

*162. 
'AXaXi? *144. 
'AXatxaBa *144. 
al-alütän *138 n. 1. *160. 
Alcome s. ^ain el-kom. 
'^alejan^ "^Alejjän, Aleyän 57 

(Nr. 504). 58. 
Aleppo s. haleb; Alt-Aleppo 67. 
al-alja *160. *162. 
''alleben s. ^ain el-leben. 
alma ibn siiäda * 1 76. 121. 
Almyrrha 67. 67 n. 2. 
Alt-Aleppo 67. 
altma'> *155. *159. 



almn 24 (zu Nr. 280). 
"amära *138. *168. 74. 
"amlu *156. *164. 
Aramarät 55. 
""Ammür 50; vgl. 'Amur. 
'^amtul, Amut 57 (Nr. 511). 59. 
''aniüd iiit *170. 
'Amur (Stamm), 'ümür 29 (zu 
Nr. 340). 72. 73; vgl. 'Ammür. 
\mürije 29 (Nr. 340). 
Amut s. '^Zvmiid. 



^ana. 



"ana 2. 2 n. 2. 46. 122. 



al-anak, 'Enak, '^inak^ inak 

*166. *171. *171 n. 1. 
"anaka 25 (Nr. 292). 
i\.vaa7.pi)5, 'Ovo37.pi)a, Anesartha 

*148 n. 1. *156 n. 1. B 2; 

vgl. el-cJianasir. 
al-\mbür* 112. *173. 
ande?'m, Androna, Andrene, 

Andecin, Londrine *133. 

*134. *148 n. 2. 65. 67. 77. 

9 7 ff. 105. 106. 130. B2. 
Andidschan 63 n. 2. 
Androna s. a/iderm. 
Anesartha s. 'Avaaapöa. 
'Aneze (Stamm) 34. 49 ff. 75. 77. 

103. 
el-a?ik 4 (Nr. 22). 
"annübe 13 (Nr. 116). 
antakija., Antiocheia *132. *170 

n. 2. 123. 123 n. 2. 125. 
^antar\ Schloss Anture, Autor 

Mountains, Toul Autor 66. 68. 
antarsiLS s. antartüs. 
anfartüs, anfarsüs, kirfüs, 'Avra- 

paÜo; *156. *163. 
Anthis s. Ati. 
Antilibanus *169. 



134 



Martin Ilartmanti, 



Antiocheia s. an/akiju. 
'^anza 130. 

el-anze 77. 130. B 2. 
Apamea, 'A-a;j.£i7., r^ A-a;jL£tuv 

ivopi'a (-c^J, ofioi A-7.|i.iajv, Apa- 

meia, Apamia, fämija, katat 

el-madlh *132. *138. *139. 

*144.*l 15.*155. *156.*158. 

27 (zu Nr. 314). 113. 118. A2. 
Apamene *156. 
\irah ahü'id 14 (Nr. 14 0). 
\irah el-dschezdel'? 14 (Nr. 142). 
''arah csch-schiväjü 14 (Nr. 138). 
'^arah es-skaijif [escJi-schkaiJif] 

14 (Nr. 137). 
\irah et-tawile 14 (Nr. 141). 
Arabia * 130 ff. 112. 
Aracha *177. 
arali^ erek^ Harac, Yarecca, 

'Aoa/a Aracha *135. *136. 

*174. *175. *176. *177. 12 

(Nr. 102). 08. 68 n. 2. 7 1.113. 

116. C 3. 
\ü-ane? 53 (Nr. 472). 
Arbocadama *143. *144 n. 1. 

22 (zu Nr. 247). 
ard el-famit 73. 
ard el-furklus 72. 
ard el-ka 12. 
ard täbi' teil el-(jliarr 73. 
ardschTüi., 'Argun 9 ;Nr. 69). 
Arethusa, 'Apsilouoa 27 (zu 

Nr. 314). A3; vgl. ar-rastan. 
el-arul 19 (Nr. 211). 
arthci s. rihä. 
el- arisch 64 ii. 1. 
'^arkä^"Arjv.'j.<. 112 n. 1. 
'Aoxaoia 112. 112 n. 1. 
armat 51 (Nr. 112). 



Arra *156. 

el-'^arüs *144 u. 5. 

'Aaacpstoafia *144. 

'«5(1/ s. iüTil el-ward. 

aschadscliia 53 (Nr. 479). 

"^Aschära s. "ischüra. 

el- aschiirine ^ T. Asclicrne 18 

(Nr. 195). 
el-aslam, Asslan 58 unclNr. 529. 



al-afas *158. 



'AxTjpa s. Adarin. 

\itfüt 54 (Nr. 498). 

Ati/'AÖic, Anthis, Attas * 136 ff. 

113. C 2. 
al-atmim. al-atmin s. latmln. 
Attas s. Ati. 
"audsch 30 (Nr. 343). 
Auspia s. haiiiüärln. 
auläd dschuniläa 74. 
'^aim'ije^ ^aunm 29 (Nr. 339). 
'^aivajen 51 (Nr. 438). 
'awür 49 (Nr. 436). 
al-aiväsim *154. 
'Azz id Diu s. Uzz ed-din. 



Ba'albek s. halahahh. 

el-bcib 30. 

bäb "umar^ Bäbä "^Omar 7 (Nr. 56). 

al-baclira 121 f. 

büd mezraastj 126. 

al-badlja *175. *176. 121. 

büdijet esch-schäm, die Syrische 

Wüste, Steppe *127. 
Baetocaece27 (zu Nr. 311). 126. 
baggara , baklyära , Baggära, 

Buggära 34 n. 1. 36. 36 n. 2. 

37. 50. 59. 
baghdüd (Wilajet) 2. 2 n. 2. 



Beitrüge zur Ivenntniss der Syrischen Steppe. 



135 



174. 



26 



haghdad, hacjhdad, haghdän, 

haghdän *173. 33. 41. 46. 56. 

63 n. 2. 66 n. 1. 68. 68 n. 2. 

128. 129. 
häghüz 46 (Nr. 417). 
hagliüz (Ruine) 4 6. 
Z-r/Z/ra? 45 (Nr. 411). 
Uahrä' *157. *158. *160 
haid, Beda 29 (Nr. 331). 
cl- haijüdlje , Beij ä(lij e 

(Nr. 302). 
bairüt, Br^puTTo; *169. 33. 62 n. 

2. 112. 
haüän 31 n. 3. 
bakarhaij? ^1 (Nr. 351). 
hakJiära s. haggära. 
hdlahalili^ Ba'albek/H aiouttoXic, 

Heliupoli, M7raX!J.-i>c *130. 

*166. *169. *170. 5. 28 (zu 

Nr. 314). 120. 
Balanea, BaXaveai *156 n. 1; 

vgl. hulunjüs. 
al-hatäs^ hifäs, dschehel hilcts^ 

Dscliebel Beläs(Belaes) *155. 

*159f. *159 n. 2. *163. 72. 
hcilis, Baulus *127, *137j *146. 

*155. *165. *166. 62.69. C 1; 

vgl. Barbalisso. 
Uamra s. ahu '^amra. 
hlinjäs s. hulunjäs. 
bäiijas [dschaiilän), Paneas*163 

n. 4. 117. 
ö^Söra *155. *160. 
baräk 4 (Nr. 15). 
Barbalisso, Barbalissiou, Bar- 

ballissum, l^arbalissus, kafat 

bälis*i36 f. 40. C2 ; vgl. bälis. 
harin *163; vgl. hatat barm. 
Barpsis *136. *l37f. 



barrt, Barri, Bürry 17 (Nr. 177). 

Bassora 63. 

batlcimijci.^ batlämlja *144 n. 1. 

*165. *168. 
Be(la s. baid. 
bedäris 5 (Nr. 42). 
el'bedlj'e 121. 
hehemcU 57 (Nr. 516). 
el-bekmisc]iUje , el- Bekemshe- 

liyeh 23 (Nr. 260). 
belals 54 (Nr. 488). 
cl-belel 18 (Nr. 191). 
belerämüii *144 n. 3. 
Belikh s. 7iah7' bellch. 
el-hellan [ikllm] *153 n. 2. 
bellln 26 (Nr. 296). 
beTüm 127. 
beul ^ümir *147 n. 2. 
benl "atme 29 (zu Nr. 339). 
Beni Sa'id 34 n. 1. 
berblk 39 (Nr. 366). 
Berkeley a 119. 
Beroa, Beroea *144 n. 2. B 1; 

vgl. haleb. 
berschm 27 (Nr. 313). 
Br^puTt&s s. bairüt. 
besäthi el-hass 76. B 2. 
Besera 50. 

besinn, Bsärin 22 (Nr. 240). 
Bessireh s. el-busera. 
bet midiammcd s. el-mulmmmed. 
Betproclis s. el-furMus. 
bghaidul, bgliaidln , bgliaijedm, 

Briadin, Briadeen, Bagidin 

*134. *160. 65. 66 66. n. 1. 

77. 119. 129. B 2. 
bghelijc, Elbgbclijje 37 (Nr. 

350). 
bijürat el-mucharram 73. B 3, 



136 



Martin Hartmann, 



hijarat teil el-gharr =''168. 73. 

B 3. 
a/-ja-(f *166. * 169. * 170. 
hüZul ar-rüni 129. 
Uras s. al-haVcis. 
hilhüs *159 n. 2. 
Bir'Aifir *177; vgl. "äflr. 
h~ir el-hasire 70. 
hir 'ain el-mulüh , h'ir ^alviiiWi 

08 n. 2. 
Bir il Furklus s. cl-furJdus. 
Bir Kasam 115. 
h~ir zehede 70. 
htrcclscMk 62 n. 2. 
hlrije 22 (Nr. 245); vgl. biriti 

und hitnje. 
Urin Tl (zu Nr. 245). 
i76-m 26 (Nr. 300). 
hitnje 22 (zu Nr. 245). 20 

(Nr. 334). 
hlarhci 37 (Nr. 351). 
" hoghäz el-hüdsclmlä 70. A 4. 
hoijhäz el-Jebaride 70. 
ho(jhaz el-mukaibira 70. 
Bogrüs {bukrus?) 46(zuNr. 417). 

127. 
Bostra*132. *148. 116. 
el-bi'ciike 70. A 3. 
il Brak s. burak. 
hredsch, Bureig, Bureij *169. 

12 (Nr. 105). 
el-hredsch, Bredj 57 (Nr. 515). 
el-brehe s. el-braike. 
Briadin, Briadeen s. bghaidul. 
Broeder s. brmvl'dir. 
brutoedir, Broeder 67. 67 n. 1. 
l'särin s. heslrln. 
Bul-'Assäf 34 n. 1. 



d-bucliabur ^ Elbüchabur 36. 

36 n. 2. 37. 38. 50. 
el-bTichamis, Abu Chamis, Bul- 

Khamis 34 n. 1. 45 n. 4. 
el-buchm 58 (Nr.'526). 
Buggära s. baggcira. 
Albu Hamid 59. 
buharra, Boharra, Bcbava *14S. 

116. C 3. 
al-bujaida *176. *177. 
al-biika *166. 
al-bulccaa *166. 
el-bükemal., abü kemal^ Al-Bou- 

Kemal 33. 34. 35. 36. 45 ff. 

45n.4. 46. 46 n. 1. 47. 48. 50. 
buluvjas^ bünjäs *130. *156. 

*163. 117; vgl. Balanea. 
burZik, ilBrak 21 (Nr. 233). 
Burg el "^Ischära 41. 43. 
burdsch kabe 15 (Nr. 157); vgl. 

kabe. 
el-burdsrh ^ burdsch el-lel 23 

(Nr. 255). 
burdsch tallif, Burj TiiUif 23 

(Nr. 262). 
el-büsähh 38 (Nr. 361). 
büseUmle 23 (Nr. 263). 
buser s. der buser. 
el-busera^ Bessireh, Bousse'ira 

33. 31. 35. 36. 42. 43. 48f. 

48 (Nr. 419). 48 n. 1. 49. 
el-büseräj 36. 36 n. 2. 37. 50; 

vgl. Abü Serai. 
bT(s~ir esch- Scheck humaid 14 

(Nr. 136). 
busrä *166. *172. 
bustan kara üstii? [tcischr?] 13 

(Nr. 112); vgl. kara üstii. 
bustüii sabili 74. 



Beiträge zur Kcniitnis.s der Syrischen Steppe. 



r 



)t 



butainüt 51. 

htiwaida gharhye 13 (Nr. 126). 
huwailis G2. 129. 
el-huweda 8 (Nr. 64). 74. ß 2. 
el-huwer 5 (Nr. 30). 
el-hüzaltje^ el-Buzeliyeli 21 
(Nr. 226). 

Caesarea *154 n. 1; vgl. Kai- 

sareia. 
CafFerabite s. kefr ^ahld. 
Calcida s. hinnesrln. 
Cappareas 18 (zu Nr. 185). 
Casama, Kaoa^ia *139. *141. 

*143. *175. 114 f. A 3; vgl. 

Jmsam. 
Casiotis *156. *157. 
Cehere *139. *141. 
Centiim putea *13S. 
cetüdet el-dschedi^ Chedada 58 

und Nr. 525. 
Chäbür *174 ; vgl. nähr clitihür. 
chadajidsch 49; ygX.hawäjidsch. 
al~cJiaflja *166. 
chair räjV} 44 (Nr. 399). 
cliairan *176. 
Chalcidice *144. 
Chalcis s. hinnesrln. 
cl-chälidlj'e 22 (Nr. 244). 
al-chalf *166. 
Xa^uj^ojv s. haleh. 
Chalybonitis *134 n. 1. *144. 

*162. 
Xa[j.7. s. hamli. 

chamTm? cliumsän? 52 (Nr. 451). 
cl-chamls'? el-chais7 57 (Nr. 506). 
Xa[xoua/j s. himii. 
chän eJ-kser 69. 
chüJi el-malTillJe *134. 



chän il-onehl *143. 
chcm seh aichwi * 1 5 8 . 2 9 (Nr. 341'. 
chanaJfin 120 n. 1. 
el-chcmäsir^ chancisir, al-chunZi- 

sira , chunäsira , chunäsirZit 

*14Gff. *175n. 3. 30. 30n.l. 

31. 75. 76. lOGff. 116. 130. 

B 2; vgl. 'Av7.a7.pOa. 
chanäzlr, Khünäzir 27 (Nr. 312). 
Chandak Säbür 120. 
el-charajidscJi *147, 65n. 3. 75. 

76. 77. 128. 130. B 2; vgl. 

sahchat el-ch. und slilet el-ch. 
charäjidsch esch-schahm 65 n.3. 
el-charrüh [akUm] *153 n. 2. 
chatUh, Khütab 24 (Nr. 275). 
al-chaü *166. *172. 
el-chazaile ^ el-Khüzä'ileli IS 

(Nr. 196). 
chesäf s. chusäf. 
cl-chidr 74. B 2. 
el-chirhe *144. *165. *16S. C 2. 
chirhet el-aivar 4 (Nr. 11). 
chirbet chuneßs 4 (Nr. 8). 
chirhet el-dschahschljüt 4 

(Nr. 13). 
Cholle*135.*136. *177. 68n.2. 

C 2. 
Chonacliara, Chonakara, Xov7.- 

xapa *141 n. 3. *14S n. 1. 
choschäb *166 n. 1. 
El-Chouayieh s. escJi-sclnvaj'e. 
chrefa, Elkhreta, Tel el-Klireta 

37 (Nr. 349). 
el-chrcfa 37 (zu Nr. 3 19). 
cJiumsän'? s. chaman. 
chumsch'? 44 (Nr. 402). 
cliunZinra. s. e]-chanUsir, 
churiisän 129. 



138 



Martin Hartniann, 



chusaf, Teil Chcscif * 1 Ü5. * 1 66. i 

*166 11. 1. B 1. 
chuschaf * 1 6 6 n. 1 . 
Cehere B 3 ; vgl. hauioiirln. 
Centum Putea B 3. 
Cilicia *131. 

Circesium 43; vgl. karklsijä. 
Coara *141 n. 3. 
Coelesyria, Syria Coele *130. 

112. 
Conna *170. 
Costal s. el-hastal. 
Cyprus *131. 
Cyrrhestica *14 1 ii. 2. 
Cyrrhus *133 n. 1. *1 14 n. 2. 

ed-dälnr'ije 20 (Nr. 222). 

(Jahr el-munfür 7 0. A 4. 

daii' nah ja 119. 

dälän *165. *167. C 1. 

dakTir 39 (Nr. 364). 

Damaskus s. dimaschk. 

dämür 111. 

dana müdschid 49. 

(Jana muslim 54. 

Daiiaba, Danova, /«)[J.a Aavaßcov 

*139fF. *lll 11. 2. 115. B 3; 

vgl. (lanaha^ danwa und el- 

ghuntur. 
(lanaba *141. 121. 
danwa *140f. *143. 121. 
d'dr el-kehire 10 (Nr. 74). 
ad-darraa s. az-zurraa. 
ed-däsimje 23 (Nr. 250). 
Daurin (Kanal) 47. 
diiusar *165. *167. 40. C 2. 
ed-dawämis 4 (Nr. 19). 
ed-Deir s. der. 
Deir ^\tiyeh s. der '^atlje. 



Deleda *143. A 3. 

Delim 55. 

ed-der, Der s. der ez-zor. 

der 'atlje, Deir 'Atiyeh *139. 3. 

11. 70. 71. A 3. 
der b(ilaha^ Deir ]>a^llbe 5 

(Nr. 43). 
der huser 36 n. 1. 48 n. 1. 
der ciniwait'? 126. 
derdaghün 4 (Nr. 9). 
der el-ferdts^ der el-ferdisch 22 

(Nr. 246). 
dcrfür, Deir Für, Derfül 5 

(Nr. 37). 
der huweta 26 (Nr. 299). 
derküsch *158. 28 (zu Nr. 314). 
der kyfasy 32. 

der imila^ Tair Ma'li 7 (Nr. 54). 
der schibli [schibl?) 126. 
der esch-schmaijil *164. 
der es-suleb^ Der Soleb 25 

(Nr. 290). 
der ez-zör^ ed-der^ Der, ed-Deir 

*128. 2. 11. 32. 32 n. 2. 33. 

34. 35. 36. 38. 43. 46. 48n.l. 

50. 61. 62. 63 n. 2. 71. 
derä s. adrtüt. 
derra 5 (Nr. 29). 
A£ppi[i.a *144. 
Dertha *136f. 
dewalib s. ed-dutvaUlb. 
dibän 48 (Nr. 424). 
dibbUsch 56 ii. 1. 
dibse *137. C 2; vgl. Thapsaciis. 
dijär mmjar *145 n. 2. 
dmiüs 4 (Nr. 19). 122. 
dimaschk., Aa[jiaaxo;, Damaskus, 

Damasco *127. *128. *130. 

*134. *138. *139. *141.*142. 



Beiträge zur Kcnntniss der Syrischen Steppe. 



139 



*143.*118. *165. *1GÜ. *1G8. 

*169. *17i) 11. 2. *171. *174. 

11. 1. *174. *176. 31 n. 3. 33. 

39. 53. 61. G2. (i2 n. 1. 2. 63. 

69. Tln.l. 113. 117. 119. 122. 

129. 130. A 4. 
dimaschk [(hchund) *153 n. 1. 

*154. *155 n. 1. *155 ii. 2. 

*156. *159. *160. 
dlmau, Dimö 25 (Nr. 2S4). 
Diothaze *l36f. 
dira s. adricit. 
Djebel vgl. dschehcl. 
Djebel-Baous 46 (zu Nr. 417). 
Dolicha *133. 134. 
Dora *130. 
Drerat 5S. 
dschahala^ Gabala, Fal'tlaÄa * 1 56. 

*156n. l.*163. 
al-dschahät, il Gibäh *176. 

*177. 
(/6T/<«öä«/ (Mamlaha) 130. 
dschaddua 75. B 2. 
el-dschZifia 24 (Nr. 267). 
dschaghane'} dschafane? 29 

(Nr. 321). 
a!-dsc kahl* 162. *163. 
al-dscham *166. 
dscharaha 4 (Nr. 7). 
dscharUjich, dscharaicJi, Chur- 

raik 65. 65 n. 3. 
cl-dscltarmje ^ Dschurniyeh 19 

(Nr. 200). 
dscharnij'a^ Juniia 21 (Nr. 236). 
dscharra^ 45 (Nr. 414). 46. 
dscJiarUiha *156. *164. 
dschanid., dscharud.^ dscherüd 

*165. *168. 69. 70. A 4; vgl. 

dscherüd. 



el-dschüsim 52 (Nr. 4 56). 
dschassln, Jüssin 17 (Nr. 174). 
dschehbül *147. 
dschehWY^'i n. 3. 
dschebel vgl. Djebel. 
dachebel el-ahjad * 1 3S. * 1 39 n. 1 . 

*159f. *162. 50. 74. 
dschehcl el-ahass, dschebel cl- 

hass, dschebel chäss 30. 31. 

76. 130; vgl. al-ahass. 
dschebel '^ ahkür ^ 1^^ . 
dschebel el-alä 76. 
dschebel el-ahra *159 ii. 1. 
dschebel el-akrad *159 ii. 1. 
dschebel el-alah *13S n. 1. 76. 
dschebel el-amifi *147 n. 2. 
dschebel bahra 123. 123 n. 3. 
dschebel hil^äs, Djebel -Beläs 

*162. 54 (zu Nr. 488); 72. 73. 

74. 114. 130; vgl. siirrat cl- 

biVcis und al-hoTäs. 
dschebel el-butm 70. 
dschebel chciss s. dschebel el- 

ahass. 
dschebel der '^aüje 70. 
dschebel ghazale 70. 
dschebel ghuräb 70. 
dschebel el-gur 76. 
dschebel haimür 70. 
Djebel Elhömme 71 ii. 1. 
dschebel el-h ülcije * 1 6 4 . 73. 
dschebel "is, Dj. Nebi 'Is 30. 
dschebel el-larn 69. 
dschebel el-läbide 37 (zu Nr. 3 55). 
dschebel lubnän s. lubnan. 
dschebel megher 70. 
dschebel mehln 70. 
dschebel räm el-kebsch *169, 
dschebel schab el-löz 70, 



110 



Martin Hartmann, 



chchebel schbait TU. 

dschehel esch-scliötnärlje , dach. 

V 

scJiommar'ije, G. isch Schö- 

marije 8 n. 2. 72. 73. 123 f. 

130. 
dschehel es-sikktulA (zuNr.279). 
dschehel sindscliar 62. 
dschehel es-suhfdije 70. 
dschehel et-fawll 70. 
dschehel et-turfe 70. 
dschehel zcbede 70. 
el-dschedede *147; \g\.cl-dschu- 

dede. 
dschedede? 48 (Nr. 432). 
dschedrln 23 (Nr. 264). 
el-dschedschlje^ dschädschlje 20 

(Nr. 223). 
dschefäjicla 57 (Nr. 513). 
el-dschehesch 58 (Nr. 530). 
el-dscheleme 19 (Nr. 203). 125. 
el-dschenün 16 (Nr. 164). 
dschetidel 54 (Nr. 487). 56; vgl. 

dschuhh dschendel., dümai ul- 

dschandal. 
dschenln 130. 
dscJierüd^ dschärüd^ dschcü'üd^ 

Geroda*l34f. *165. * 168. 21 

(zuNr. 223).31n.3.69.70.A4. 
el-dschezlre 63. 129. 
dschezle 45 (zu Nr. 414). 46. 
dschidaa 49 (Nr. 437). 
el-dschidrtje 28 (Nr. 318). 
dschifalii 51 (Nr. 440) 
al-dsehifär *176. 

V 

dschirdsch'ise , Gergise 2 1 

(Nr. 227). 

dschisr el-ghadschar 1'23. 
dscJiisr manhidsch * 1 65. * I 67. 



I dschisr er-rummane *169. 
dschisr esch-schughr 28 (zu 
Nr. 314). 

dschizel, Öizel *162. *163. 
dschläs 53 (Nr. 4 7 1). 
dschläs, Jeläas (Stamm) 53. 55. 
el-dschöf*il4. 
Dschöliin 121. 

dschuhh dschendal 4 (Nr. 6). 56; 
vgl. chchendel. 

dschuhh el-hahl, Gübb HabI 72. 

dschuhh kadem *144 n. 1. 
dschuhh mdschenne *142. 
dschuhh rainle^i Jubb Rümleli 

25 (Nr. 286). 

al-dschubha* ißG. *172. 121. 
dschuhha toaälüs 2 n. 2. 
dschuhhat adruh *172. 
dschuhhat ^usail *172 n. 2. 
dschuhhe 121. 
el-dschudede s. dschedede. 
el-dschudede 4 (Nr. 16). 
el-dschudede 13 (Nr. 111). 
dschulaidät 53 (Nr. 469). 
dschurcht 52 (Nr. 465). 
Dschurniyeh s. el-dscharmje. 
dschüsl ^ dschüsij'a, dschüsije, 

V V 

Jusy, Güsijet il Gedide *155. 
*159. *166. *169. *170. *171. 
9 (Nr. 72). 117 f. 120. 

V 

dschüsij'et el-charäh, Güsijet il 
Charüb *159. 120. A3. 

al-dschuzel *155. 
m Kär 120. 
Duäm s. duwäm. 
duellh s. ed-duwaiUh. 
ed-duJiaimün 57 (Nr. 508). 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



14 



dukJmn 15 (Nr. 149). 

diima^ clümü *174 n. 1. G9. A 4. 

diimat [daumat] al-dschandal 

*174. *174 n. 1. *175. 56 

n. 1. 
dumen, dumain *155. *160; vgl. 

ed-dumlne und Turnen Karbi. 
ed-dumene, ed-dumaine *160. 8 

(Nr. 65). 
dumer A 4. 

duraidscMJe 48 (Nr. 434). 
duraihim 130. 
ed-dmüaiUh,deivüllb,düellb * 1 4 2 . 

72. 72 n. 4. B 3. 
dmcam^ Duäm 53 (Nr. 466). 55. 
ed-duwer 7 (Nr. 55). 



el-edö 13 (zu Nr. 128). 

Egypten *128. 

Eisa 103; vgl. el-haicüjis. 

Eitha 130 n. 2. 

el gleich benl 36 n. 2. 

elbl 21 (Nr. 225). 

'Ejxeari, Emesa," Emissa s. hi7ns. 

Emghir 67. 67 n. 1. 

"^Enäk s. al-anük. 

Epiphania s. hamii. 

Eraciha, Eragiza *137f. 

erdschil, Er;uel (j7 n. i ; vgl. 

Urghee. 
erek s. arak. 
Erfuddi 55. 
Erfuddli s. Afiiddli. 
erkama 4 (Nr. 23). 
erzem^ erze 24 (Nr. 274). ' 
"es Jon geber 64. 
Eufratensis, Eucipa~-/;aia *131. 

*132. 



Euhara s. hauirarin. 

Eumaris, Eumari *134f. *143. 

Euu)VU[xo; 17 (zu Nr. 183). 

faghürta 29 (Nr. 320). 

fähil^fäsill^ (Nr. 316). 

al-faijTim * 1 7 1 . 

fairlize 72. 

el-füje 73. 

faJfire 13 (Nr. 110). 

fümija s. Apamea. 

faradsch es-seläme 40 (Nr. 369). 

faräjä *165. *168. 7. 

fartaka 6 (Nr. 46). 

füsil s. fühiJ. 

fätima 39 (Nr. 363). 

fätima'? 48 (Nr. 427). 

Fay 69. 

Fed'än, Fedäan 40 n. 1. 49 fF. 54. 
72. 77. 

Feddägha, Feddara 57 (zu 
Nr. 507). 58. 

ferraa 57 (Nr. 507). 

ferüzi., Feiriize 6 (Nr. 47). 

fctämire 52 (Nr. 463). 

ßlasfln s. Palästina. 

ßradsche 53 (Nr. 476). 

ßrüs 44 (Nr. 394). 

Foenice, (l)oivr/-/j *13ofF. *169. 

Foenice Libani (Libanensis), 
<l>oivixyj Ai[3av/iai7., O. Tiapalla 
*131. *132. *153 n. 2. *156. 

el-furkJus , el-forkhis , furkuls, 
al-furkuls , el Furkalis, liir 
il Furklus, Betproclis * 14 1 if. 
*164. *168. *176. *177. 5 
(Nr. 26). 71. 72. 73. 115. 13U. 
B3. 

Fütineli s. katme. 



142 



Martin Hartmann, 



Gabala *I30. 
Gat^'l s. J:afa. 

Gazar Ibn Wordan s. J/asr ihn 
loardän. 

V 

Ger^ise s. dschirdschisc. 
Geroda s. dscherüd. 
el-ghadschar 6 (Nr. 51). 123. 
Ghaet 58. 
cl-gJtallda , ghaJldet cn-nuaim 

72. 
al-ghalJäs *158; vgl. harrat 

ghaUäs. 
el-ghanfa 7 (Nr. 53). 
gharanih 4 5 (Nv. 413). 
gharhlje 41 (Nr. 379). 
ghazze 64 n. 1. 
Ghess oder Jess 59. 
al-gJtilUs *155. *158. 
ghdr iTffo al-aJüh? *138 ii. 1; 

vgl. r»r. 
G'hor *139 n. 1. 60; vgl. Rfir 

Böto A'Jfi. 

gkudaij [sc/iadsc/tar] , 'usar/', 

\ujja [srhadschar] 120. 120 

n. 1. 
ghudr *176. 
al-gliunlur [ghunfur] * 1 4 1 . * 143. 

*176. 7. 15 (Nr. 150). 70. 71. 

B 3 ; vgl. Danaba. 

(jhur ^ glnir 'äs, gJmr el-Us'i 21 

(Nr. 228). 

ghTir, gJmr cl-gharlfije^ Kor il 

llarbi 23 (Nr. 252). 
al-ghurraba *166. 
al-ghuwair 121; vgl. al-uioair. 

V 

il Gib all s. al-dschahüt. 
Gizel s. dscMzel. 
Gizel (Brunnen) *138. 



gmt't.sa, Goniüssa 52 (Nr. 449). 55. 
Toapia *141. *144. 



G 



vjtI. dsch 



Gobbeh *172 n. 2. 

V 

Gubb s. dscJmhh. 
Gubb Sa ir 40 n. 1. 

Habil s. ähil. 

el-Jiadhät, Hatbba 57 (Nr. 520). 

58. 
Haddadin 59. 

haddül 55 n. 1 ; vgl. Ibn Haddal. 
el-haddschüme 20 (Nr. 221). 
haddscJü) {//üdsc/iir?) el-melhem 

40 (Nr. 377). 
hadct 15 (Nr. 153). 
Iladidije 7 5. 7 7. B 2. 
//adita 2 n. 2. 
el-hafar 11 (Nr. 93). 7 0. 
Elbä'ir 38 (Nr. 360). 
el-haisa 10 (Nr. 78). 
Häjil 63 n. 2. 
haleh, XaXuj^cuv, Haleb, Aleppo, 

Beroa, Beröa, Bipota *127. 

*133. *134. *144 n. 2. *144 

n. 3. *144 n. 4. *145 n. 3. 

*140. *148 n. 2. *159. *165. 

*166. *167. *175. *176. 22 

(zu Nr. 247). 28 (zu Nr. 314). 

29 (zu Nr. 341). 30. 31. 32. 

32 n. 2. 33. 34. 39. 40. 49. 

62. 62 n. 2. 63. 65. 66 n. 1. 

67. 68 n. 2. 69. 75. 125. 128. 

B 1. 
haleh (Wilajet) 2. 
halehije 45. 61. 62. 129. 
hamUjiamUf, Hamä, Epipliania, 

'ETiicsavsta *139. *155. *156. 



Beiträge zur Kcnntniss der Syrischen Steppe. 



143 



*157. *1Ö9. *162. *165. *170 

x\. 2. IG. 2(1 n. 2. 51. 73. 77. 

109 11. 1. 11 1. 1 17. 130. A 2. 
Hamdän *1G3. 
hartüdlje *164. 
hammiim 13 (Nr. 121). 
el-hammüm [el-hömme) *r27. 

*141. *I43. 71 11. 1. B 3. 
Hammära 59. 
el-hamra 4 (Nr. 3). 
hamra^ il Hamra, Ell.iamra IS 

(Nr. ISO). 75. 77. 130. B 2. 
hamra 39 (Nr. 3 GS). 
Harac s. arah. 
liarh nefse 22 (Nr. 247); vgl. 

harhanüsch. 
Itarhanüsch .^ Harbanüsch, Har- 

banüz 22 (zu Nr. 247). 
el-harheh 4 (Nr. 14). 
il-llarde s. inuhard'i. 
hardlje"? il-Hartle? 29 (Nr.322). 
haresta G9. 
Juirim *158. 
harrän *167. 
harrat gJiaUüs *ih%. 
el-harsa 57 (Nr. 502). 
liasan pascha 73. 122. R 3. 
el-häscJiimiJe 18 (Nr. 184). 
al-hasJiasän *14G. 
hasthe 45 (Nr. 404). 
hasja *16S. 12 (Nr. 103). 70. 

128. A. 3 ; vgl. iMcapull. 
Jiasmak'? 1 18. 
el-hasne 57 (Nr. 505). 
Hathba s. el-hadhät. 
latla'} 3S (Nr. 358). 
hatn 39 (Nr. 365). 
haurcm^ Hauran *131. 53. 
Haush Bürada *17u ii. 1. 



, Eubara, 
*140. *143. 



hausch es-saijid ''ah 13 (Nr. 120). 

Haush Sufeih, Haush Teil Sa- 
fiyeh *170 ii. 1. 

al-hauschl *166. 

haiaoärin^ hTiicürln 
Auspia *134. 
*174. *175. 11 (Nr. 9G\ 71. 
1 15. B 3: vgl. Cehere. 

el-hauz 10 (Nr. 87). 

haicäjidsch'? 48 (Nr. 422). 49; 
vgl. chadcijklsch. 

eJ-hmcTijis 75. 103 ii. 2. B 2 ; vgl. 
Eisa. 

hededsch 38 (Nr. 362). 

helfUjä 24 ;; Nr. 276). 

Heliaramia *139. *14 I. B 3. 

Heliupoli, HAtou-oXic s. hdla- 
hakk. 

Henädi-Araber *147. 76. 

hetolscJum 52 (Nr. 459). 

Hidschäz 61. 63 n. 2. 

Hierapolis *132. *137f. 

Mjülm 18 (Nr. 199); vgl.Nijalin. 

el-hijär *176. 11 (Nr. 99). 

hij'är harvil-hahd *155. *17G. 
12 (zu Nr. 108). 

liims., homs Höms, 'Etxso-/;, Xa- 
[xo6a-/i,Emesa, Emissa, Emetia 
=^131. *132. *134.*138. *140. 
*141. *142. *143. *146. *154 
u. 1. *156. *160. *160 n. 2 
*164.*165. ^166. *168. *170 
*170 n. 2. *177. 3. 12. 15 
28 (zu Nr. 314). 53. 71 n. 1 
77. 115. 118. 119. 120. 122 
123 n. 2. 124. 125. 128. A 3 

Mms [dscJnmd) * 1 54. * 1 55. * 1 55 
n. 2. *156. *157. *159. *162. 
7. 8 n. 2. 



44 



Martin Hartmann, 



hims (Kada) 3. 10. 12. 

him al-chariha Vl\\. 123 n. 3. 

hisn al-h'uhha 122 f. 

al-him asch-scJiarJd 123. 123n.3. 

hisn sulaimän 126. 

al-lnra *174. 

lät *127. *171. *173. 60. 61. 

el-lat 130 n. 2. 

ul-hncür * 1 75. * 1 76. 

el-lwmme *127. *141. *143. 71 

n. 1. B 3. 
Höms s, hims. 
el-hse7ie^ Hesenneh 54 (Nr. 493). 

55. 
hsenlj'c^ Elhsenijje 38 (Nr. 359). 
hudaihime 53 (Nr. 482). 
huddschädsch 54 (Nr. 496). 
al-hüla *156. *164. 
Hiile-See 124 n. 1. 
Huleh (the) 16. 
hmnaira., el-humere, Humeira 

*135. *143. 11 (Nr. 92). 70. 

71. A 3. 
hum el-akrädj Xouovu) 12 n. 2. 

112 n. 1. 
husn ef-fciküt 7 1 . 
Imiüarm s. hauioürln. 
huwer 26 (Nr. 295). 

fäf,jaät^ j'^ät, Yä'ät, Ei'ät, Tat, 

jaät *161 n. 2. *166. *170. 
el-ibadUf, el-ibade 52. 56. 
'ibodüt, Abadät 53 (Nr. 471). 55. 
'ibade 52 (Nr. 464). 
Ibn Haddal 55. 56. 
"ibra 45 (Nr. 407). 
"ibrm 10 (Nr. 82). 
'ul 37 (Nr. 353). 
Tdlib 22 (/AI Nr. 247). 



el-ifdajen. vl-ifdajen 72. 72n. 1. 

A 3; vgl. afdejen. 
Ijad =^158. =^158 ii. 1. 163. 
iläkapuU *16S. 11. 12 (Nr. 103); 

vgl. hasja. 
Imp malcha Giub 67. 67 n. 2. 
imtZm *171. 
ewä/t;, inäk s. al-dnük. 
cl-iriik 63. 128. 129. 
'^irmn 15 (Nr. 151). 
'^isäl (asäl) el-ward *169. *172 

n. 2. 
ischära, "^Ischära, Achara, "^A- 

schära 32. 33. 34. 35. 36. 11. 

42. 43. 50. 127. 
iskenderün *130. 
Iskerija s. sakrlje. 
isrij'e^ isirje^ Seriane, Esree 

*133f. *142 n.4. *167. *16S. 

67. 67 n. 1. 67 n. 2. 77. IH. 

C 2. 
'Ite s. aita. 
"izz ed-dln^ ^\zz id Din 5 

(Nr. 36). 122. 

JaUi s. l'^ät. 
jabrüd 70. A 4. 
Jahsub *163. 
jamse? 29 (Nr. 338). 
Jeläas s. dschläs. 
.Jemeniten *157. *158. 
Jerba 57 (zu Nr. 501). 58. 
Jerifa 59. 
Jess s. Ghess. 
Jiburi 59. 
Jubb s. dschubh. 
Jürnia s. el-dscharnije. 
Jusy s. dschüsija. 
Jiissin s. dschassin. 



Beiträge zur Kenntnis« der Syrischen Steppe. 



145 



el-ha'ade 26 (Nr. 301). 

el-kahükib 71. 

kabe [kaje"^)^ burdsch kube 29 

(Nr. 324). 
kabrän 13 (Nr. 117). 
kabrätä^ kabratß *164. 
el-kabu 28 (Nr. 319). 
kadas 118. 
kadesch 120. 
el-kadije 29 (Nr. 333). 
al-kädislja *171. 
el-kadmüs^ Kadmus * 1 6 1 . * 1 6 1 

n. 1. 26 n. 1. 
küf*\12. 
kafar vgl. kefr. 
kafar '«;a * 168 n. 3. 
kafarnaghd *141. 
kafartab * 155. * 158. 
kafar tikls 124 f. 
al-kahätün 125. 
el-kaldra^ Kairo 63. 63 n. 2. 
el-kaim 2 n. 2. 
kainaa 29 (Nr. 32 7). 
el-kairZimje 10 (Nr. 89). 
kaire'> 13 (Nr. 109). 
Kais *163. 

Kaisareia *132; vgl. Caesarea. 
elKäjira (Turm) 128. 
kakalje 12 (Nr. 108). 
al-kalamün *176. 
katat bidis C 2 ; vgl, Barbalisso. 
JiaVat barin, Bärin 26 (Nr. 306). 

126; vgl. barm, 
kafat dschabar, Schloss Giabar 

*167. 40. 40 11. 1. 69. C 2. 
kaCat dschendel 128. 
kaVat el-husn 27 n. 1. 
JiaVat el-madlk [mudlk) s. Apa- 

mea. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XXIII. 



kaVat an-nadschm *167, 
kaVat es-sälihlje, Kasr el-Sal- 

hine, Sälihie, K;ln-Kalessi 

47. 128. 
kaVat esch-schemämls, Külat 

Shawämis, K. isch Schmei- 

mis 16 (Nr. 160). 74. 125. B2. 
kaVat sedschar, schaizar 25 

(Nr. 285). 
Kalb *159. *163. 
kaldiin A 4. 

kalkal 4 1 ; vgl. abü kalkal. 
al-kalüfi *166. 
kamhane, Kamcliäne, Kom- 

chäne 30 (Nr. 342). 
kamü '^at el-hermel 118. 
Kän-Kalessi s. kaVat es-süWüJe. 
kanZije 15 (Nr. 148). 
el-kanakije , el-Künäkiy eh 2 8 

(Nr. 317). 
kancit busrä *n4. *175. 
kantara 19 (Nr. 206). 
kärä, kära, Ocurura*139. *141. 

*160. *166. *168. 12 (zu 

Nr. 103). 12 (Nr. 104). A 3. 
Kara Bumbig *167. 
karadükär, kara dükür 29 (zu 

Nr. 330). 126.. 
kara üstü? 10 (Nr. 79); vgl. 

bustän kara üstü. 
karjat al- ansärlj'e 124 n. 1. 
el-karjeten, el-karjatcm *139f. 

*165. *168. *174. *175. 11 

(Nr. 97). 70. 71. 115. 119. 

B 3. 
karJüsijä, Circesium * 1 73. "^ 1 7 5. 
Karracliee 63 n. 2. 
kasabl, Ksubbe [ksube) 44 

(Nr. 397). 

10 



J4G 



JVttirtin Hartmann, 



kasam s. liir Kasam. 

Kaaa[j-7. s. Casama. 

Kaschghar 03 n. 2. 

küsira *15G. *168. 10 (zu Nr. 80). 

el-käsirije *163. 

el-käsirlje 10 (Nr. 80). 

küsirln 62. 129. 

kasr ahü samra 73. 

kasr chlef el-mucharram 73. 

kasr el-her *139. 11 (zu Nr. 99). 

71. B 3. 
Jcasr ihn loardän^ Gazar Ihn 

Wordan, Kasr Verdan, Kasr 

Werdän, Kasr el Vard *134. 

*146. *148. 07. 67 n. 1. 73. 

75. 77. 101. l02fF. 103 n. 2. 

119. B. 2. 
kasr mukatil *171. *171 n. 3. 
kasr er-rehehe^ Kasr el-Reheb- 

beh 42. 
kasr cs-sahnra 75. 
Kasr el-Salhine s. katat es-sü- 

liJnj'e. 
kasr esch-schtavl 73. 
Jcasr temek 119. 129. 
kasräja 30 (Nr. 344). 
el-kastal, kasfal, Costal *139. 

*155. *160. *165. *167. 66. 

66 n. 2. A 4. 
el-kastal B 2; vgl. e^san ivas- 

sahi. 
kästln 16 (Nr. 165). 
el-kat" 48 (Nr. 431). 
küta'? 48 (Nr. 427). 
kafa^ Gat'a 45 (Nr. 410). 
al-kalah *174. 
katme, Fütlneb, Kattlne S 

(Nr. 61) 8 n. 1. 
kafja 128. 128 n. l. 



Jmzhal 10 (x\r. 75). 

Jiüzü 24 (Nr. 273). 

kefr vgl. kafar, kfer. 

El-Kefr 119. 

kefr ^abid^ k. 'al>ed, k. ^ahaid 
(uhaijid)^ CafFerabite, Capbir- 
Abiad 65. 65 n. 2. 67. 67 n.l. 

kefr 'äbid 65 n. 2. 

kefr 'ädl 8 (Nr. 67). 

kefr^ain 10 (Nr. 81). 

kefr ^äja^ Kefr *^Aije 7 (Nr. 57). 

kefr aUTm 24 (Nr. 280). 

Kefr Ambüdeb s. kefr nehüdi. 

kefr 'amim 29 (Nr. 335). 

kefr bün 22 (243). 

kefr dätn 30 (345). 

kefr'edü 13 (Nr. 128). 

kefrjehüd 19 (Nr. 209). 

kefr kadah 23 (Nr. 265). 

kefr kc7nra 26 (Nr. 308). 

kefr leha, kefr lühä 23 (Nr. 257). 

kefr müsa 8 (Nr. 68). 

kefr nän 22 (Nr. 249). 

kefr nehüdt^ Kefr Ambüdeb 1 9 
(Nr. 204). 

kefrrci' 18 (Nr. 185). 

Jce.fr sacJir 14 (Nr. 134). 

Jcefr tära? 15 (Nr. 156). 

kefr tat 14 (Nr. 133). 

Jcefr zett, KefrZeita 20 (Nr. 214). 

kei7iUm 8 (Nr. 63). 

JienliJiir *14S n. I. 

el-keraJc 63. 

Kerükir s. JiuräJcir. 

JcernZiz, Kurnäs 19 (Nr. 201). 

kesje'?, kesUn^ 29 (Nr. 323). 

Jifer taJyäh *158. 

Elkbreta s. cJireta. 

Khüuäzir s. cJianüzlr. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



147 



Khütab s. chatah. 
el-KhüzäMeli s. el-chazaile. 
hihüjZm taifesi 14 (Nr. *143). 
Kinditen *157. *158. *163. 
kinnesrm^ Calcida, Chalcis * 133. 

*146. *154.*155.*158.*165. 

*176. IH. 117. A 2. 
Järäta *156. *164. 19 (Nr. 205). 
Jdrii te ( H aur all ) * 1 6 4 . 
koapa *144. 

kdkab 32. 33. 34. 35. 36. 38. 
Komchäne s. kamhäne. 
Kordofän *172 n. 1. 
Kortmän s. kurtumcm. 



Krad vgl. akrad. 



15 



krad ed-dyas [ed-daijas] 

(Nr. 159). 
el-ksaibe 71. B 3. 
Ksubbe s. kasab'i. 
kubbet el-asüfl)\ Weli 69. 
kubbet kurdl 26 (Nr. 297). 
kubbet el-kurdscJn 17 (Nr. 169). 
kubbet umm malaib 123. 123 

n. 2. 
kudawih 26 (Nr. 304). 
al-küfa *166. *171. *172. *173. 
Kül'at s. kaVat. 
al-kulaia 122. 
el-Künäkiyeh 28 (Nr. 317). 
[al-kuraij] ^_5.fiJ5 121. 
al-kuraijcit * 1 7 1 . * 1 7 1 n. 3 . 
kuräkir *172 n. 3. *174. 
kurZikir (Kercäkir) *I74 n. 3. 
kurmus 26 (Nr. 309). 
Kurnäs s. kernäz. 
kurtumün, Kortmän 2G (Nr. 

303). 
kusam *174. *175. 114 f. A3; 

vgl. Casama. 



kuseb 8 (Nr. 62). 
kusebe mezrdasi 15 (Nr. 147). 
kuser 15 (Nr. 155). 
el-kuser, Kuseir 9 (Nr. 70). 
el-kusair (Nahije) 9. 
al-kustcTma *174. 
al-kutaißfa *166. 69. A 4. 
al-kutkumna *166. *171. *i71 

n. 3. *173. 120. 
kuwaika 15 (Nr. 146). 
kuiceit 63 n. 2. 
kuwerän 52 (Nr. 460). 

läbid'? 48 (Nr. 428); vgl. läßd. 

al-lahwa s. lebive. 

el-lüdih'ije^ Laodikeia, Aaooiy.s'.a 

*132. *156. *156 n. 1. *163. 
Lahebi 59. 
lailwi s. el-ailün. 
läßd? läbid? 37 (Nr. 355). 
Laodicea Scabiosa (ad Liba- 

imm), Laudicia *143. *170. 

*171. 120. A 3. 
Laodikeia s. el-Iädil/lje. 
Larissa s. schaizar. 
el-Iatämi?ie 1 8 n. l . 19 (Nr. 213); 

vgl. latmln. 
latrmn^ lofnfin^ teil lotnnn^ al- 

atmim [In] *145. *145 n. 1. 

*155. *156. *158. 18 n. 1. 19. 

(Nr. 213). 125. 
lau ab sukkara mezraasi 12 

(Nr. 106). 
lau ab zedel mezrdasi 1 2 

(Nr. 107). 
Laudicia s. Laodicea. 
lebwe^al-labwa'^i'^. '''HO n. 2. 

118. 
Asppitxa *144 n. 3. 

10* 



148 



Martin Hartmann, 



Libanon s. luhnan. 
Libo *170. 
Uftcijä 120. 
Londrine s. andefin. 
lotnün s. latm'in. 
luhnäyi^ dschebel luhntm^ Liba- 
non *155. *159. 118. 
litlua *176. 121 f. 

alma ihn suüda *176. 
maän^ Petra *172. 63. 
Ma'arballit 16 (zu Nr. 166). 
maardcfün 24 (Nr. 272). 
maardis, Mardine ? 2 (Nr. 218). 
maarr schahür 16 (Nr. 166). 
maarr zaf 16 (zu Nr. 166); vgl. 

maarzäf. 
maarra *144 n. 4. 
maarrat e}i-numän*lo^. *156. 

*158. *159. 30. 125. 
maarrln 25 (Nr. 288). 
maarzuf, Marzaf 24 (Nr. 278); 

vgl. maarr zaf. 
al-maütisch *176. 
mcidän^ Post-Khan Ma'dän 44 

(Nr. 396). 
el-madha a 4 (Nr. 25). 
madschel 53 (Nr. 480). 
maghärat ariha [riha)^ Mayapa- 

Tapi'/(yv *145; \^. mugliära. 
mahkän 48 (Nr. 426). 
MaYhsin 49. 
maijZis 49. 
mahadd 125. 
makalla 5 (Nr. 41). 
makäm el-chidr 74. 
el-makdisije 4 (Nr. 4). 
malhüd 51 (Nr. 441). 
al-maUka 121. 



Malmiora s. tudmur. 

malülä *169, 

manbidsch, Membidj * 145. * 1 65. 

*167. 30. 34 n. 1. 
el-mäni" 54 (Nr. 490). 
Wfm2e7*166. *171. 
mär mitr 17 (zu Nr. 178). 
marägha, al-maragha 119. 130. 
maraklja *156. *163. 
Mardine? s. maardis. 
mardsch vgl. merdsch. 
mardsch rähit, el-merdscli *174. 

*175. 121. 
mardsch as-suffar *174. 121. 
maren el-gharhlje 25 (zu 

Nr. 288). 
maren esch-schark'tje 22 

(Nr. 239); vgl. marin. 
Mapiaii.-/;, Mapt.a|xvrj, Maptcfixti-ta 

Mariamnitani *156f. 27 (zu 

Nr. 314); vgl. mirjarrän. 
marlmin s. mirjamin. 
marin 25 (zu Nr. 288). 
el-marhab *163. 
Maptuvia? *144. 
marrät 37 (Nr. 357). 
marün 20 n. 1. 126. 
marüra 20 n. 1. 126. 
Marzaf s. maarzäf. 
eJ-ynaschärif 122. 
mascharik * 1 65. * 1 68. 
masnaat bani '^ahd al-aziz b. 

al-icalld 121. 
massin, Müssin 20 (Nr. 220). 
el-mas'üd 52 (Nr. 457). 
matäribe 52 (Nr. 452). 
matrabe 13 (Nr. 124). 
el-maua 24 (Nr. 268). 
el-mausil *164. 62. 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



149 



Mawäli, Moäli, Mola (Stamm) 

55. 56. 75. 115. 128. 
Mebiga 129. 

medschätire 51 (Nr. 439). 
el-medschdell^ (Nr. 281). 
meeschlje, Elme'eshe 38 

(Nr. 360). 
Mehed s. muhed. 
mehln *140. 11 (Nr. 95). 70. 71. 

B3. 
mejädm, Meyadin 34. 35. 36. 

42. 43. 48 (Nr. 421). 
Mekka *143. 63 n. 2. 64 n. I. 
meni' 53 (Nr. 467). 
Menieh 59. 
el-menzTd 4 (Nr. 24). 
merdsch vgl. mardsch^ Merj, 

Merg, muredsch. 
merdsch el-kata 10 (Nr. 77). 
merdsch mitr [matar?), Merj 

Mütr 17 (Nr. 178). 
mere'lj'e 37 (Nr. 354). 
Mereimin s. mirjamin. 
Merg id Dar s. muredsch eider, 
Merj Mütr s. merdsch tnitr. 
mesalih 54 (Nr. 495). 
meschhür 53 (Nr. 475). 
Mesekha 53 (zu Nr. 468). 55. 
el-Meshrafeh s. el-mischrife. 
meskene, Meskene, meskenet 

haleh *127. 6. 40. 41. 60. 77 

n. 3. C 1. 
meskenet hims 6 (Nr. 48). 
meskete? 53 (Nr. 468); vgl. Me- 
sekha. 
Mesopotamia *i28. *131. 
metua 29 (Nr. 329). 
mewcihlb 52 (Nr. 448). 
Meyadin s. mejädln. 



mezari'^ 52 (Nr. 461). 
el-mtdän, müdän 10 (Nr. 86). 14 

(zu Nr. 139). 73. A 3. 
MiMän 44 n. 2. 
minnigh, Minnica *133 n. 1. 
mirit 54 (Nr. 489). 
7nirjamln, Mereimin, marlnün 

27 (Nr. 314). 126; vgl. Ma- 

mirjamm^ marimln 27 (zu Nr. 

314). 
el - mischrife, el - Meshrafeh, 

Muchrifah 5 (Nr. 34). 63. 1 1 1. 

122. A 3. 
Moäli s. Mawäli. 
Moäyaja, miiäjadschal 55. 56. 
Mogla s. mughla. 
Mredsch id Dari 5 (zu Nr. 29). 

16 (zu Nr. 163). . 
el-mii addamlje 69. 
el-miiaihü 54 (Nr. 491). 
muaisira 13 (Nr. 122). 
muäJadscJia'? s. Moayaja. 
el-mubürikije 8 (Nr. 60). 
el-muhattan 17 (Nr. 182). 
el-mucharrah 5 (Nr. 27). 
el-mucharram , el- Mukhürram 

17 (Nr. 180). 73. B 3; vgl. 
bijäart el-m. 

Muchrifah s. el-mischrife. 
muchtär sälih 44 (Nr. 401). 
müdän s. el-tnldcm. 
el-mughaijir 19 (Nr. 202). 
mughära *145; vgl. maghürat 

arlhci. 
mughla, I. Mogla 44 (Nr. 391). 
muIiTulschirije 14 (Nr. 131). 
el-muhammed^ het mxihammed 

57 (Nr. 501); vgl. Jerba. 



150 



Martin Hartniann, 



muhammed cl-ghamm 40 

(Nr. 378). 

muhardi, il Harde 24 (Nr. 277). 
muhed, Mehed .")! (Nr. 445). 55. 
Muka'barah 13 (zu Nr. 109). 
munedschld 53 (Nr. 483). 
munkafi' 13 (Nr. 123). 
mimtür el-chfaile 72. B 3. 
muntar hbiis el-haul 12. B 3. 
munfUr csch-schnan 72. B 3. 
muredsch eider, Merg id Dar 2 l 
(Nr. 229). 

mürik, Murik 20 (Nr. 216). 
niüs hasau 37 (Nr. 352). 
al-musaijacU xodl-husaid *174. 
[al-77mschhiJia?] X^>.ci.4.JS 121. 
Müssin s. massin. 
mustedill? 44 (Nr. 392). 
rmifi^ät 57 (Nr. 510). 

an-nahk s. 7iehJi. 
an-?iadschaf * 1 7 1 . 
en-nahderhje ez-zuioek 10 

(Nr. 76). 

nähr aräsl, n. al-üs, 'Asy,"A^io?, 

Qi. al-urunt, Orontes *157. 

*157 n. 2. *162. *170 n. 2. 

3. 16. 27 (zu Nr. 314). 120. 
naliv baradü *169. 
nähr heUch^ Belikh*167. 34 n. 1. 

39 n. 1. 

nähr chähür, Chabür *174. 37 

n. 2. 43. 47. 48 n. 1. 61. 
nähr el-Jiäsbmil 123. 
nähr al-lUäni *169. 
nähr maslama 62. 
nähr al-urunt s. 7iahr al-äsl. 
en-nZiima 118. 



an-nahira *145. *165: vffl 

nuhere. 
Na|j.apa s. nemära. 
en-nüsirlje 31 n. 3. 70. A4. 
nä'tme 29 (Nr. 328). 
an-naüra ■*165. *167. 
Nazala s. Nezala. 
Neapolis *134. 
lieh" el-üsl 118. 
ney^ el-lebive 118. 
7iebl 'is 103 n. 2. 
nebk, an-nabk*l?,d. *165. *166. 

70. 130. A3. 
7iedschef 61. 
Nefüd 61. 

7iemZira, Na;j.7.pa *143. 
Nezala, Nazala *135. *139 f. 

*143. B3. 
nihjä *165. 168. *168 n. 1. 

*176. *177. 119. 121. B 3; 

vgl. 7iua. 
Nijalln 18 (zu Nr. 199); vgl. 

hijidln. 
nrisüf, Nisäb 26 (Nr. 307). 
7i7clrtci, xtutj-yj NucpdcTwv *145. 8. 
7isäfa 52 (Nr. 462). 
tma, Noa *168 n. 1. 119; vgl. 

nihj'ä. 
7m7ßre, 7iaJßra'? 8 (Nr. 58). 

Occaraba, Orarabon *134. *138. 

*139. *162. 114. B 2; vgl 

ukairibii. 
Ocurura *143. A3; vgl. Jmra. 
'Oo;ji7.va vgl. Adamana. 
"okürib *134. *138. *162. 114; 

vgl. ^ukairibä. 
'Okciribeb s. ''aka!7ibci. 
Oneuatha *143. 13 (zu Nr. 116). 



Beiträge zur Ivenntniss der Syrischen Steppe. 



151 



'OvooapOa s. 'AvaaapOa. 

Oraraboii s. Occaraba. 

Orissa, 'Opioaa, Oriza *136. 

*177. C 3; vgl. \ird. 
Orontes s. nähr al-cisl. 
Oruba *135. C 3. vgl. et-taijibe. 
Osrhoena *13L 
'otne 69. 70. A4. 
Otthara s. Adarin. 

Palästina, /Mm * 130 fF. *i53 
n. 1. *154. *155 n. 2. 

Palästina I *132. *154 n. 1. 

Palästina II *131. *132. 

Palästina III *132. 112. 

Palästina salutaris *131. *132. 
112. 

Palmyra s. tudmur. 

Palmyrene *156. 

Paltos, HaX-o; *156 n. 1. *]57. 

Paneas s. hanjäs. 

Paradeisos 118. 

Petrae, Petra *132. 63. 64. 

Praedim *142, 

Proclim *142; vgl. Betpioclis. 

Prodim *142. 

Ptolemaea *144 n. 1. *168 n. 2 

er-räba 63. 122. 
cr-rabi'a 24 (Nr. 269). 
rqfamj'a, rafmj'e, Pacpaviat * 1 5 5 . 

*156. *163. 123. 123n. 3. 126. 
rahaba, rahabe, ra//abl, Käliaba, 

er-rahba, rahbat mZilik b. tauk, 

ar-rahaba 42. 44 (Nr. 390). 45. 

45 n. 2. 49. 49 n. 1. 61 n. 2. 

68 n. 2. 113. 124. 127 f. 
er-Raheimeh s. ar-ruhaima. 
raijm^ E-eyän 4 (Nr. 20). 



rakaja al-mvair *176. *i77. 
rakbeta'? 29 (Nr. 326). 
er-rakka, Rakka *145. *160. 

*160 n. 2. *165. *166. *176. 

*177. 20 (zu Nr. 219). 30. 30 

n.2. 31n.4. 32.39.40.41.50. 

119. 127. D2. 
raliö 29 (Nr. 325). 
rarricih 53 (Nr. 470). 
raimüi 54 (Nr. 485). 
ramj'n^^. *169. 
ramle^ er-ramle 76 f. 76 n. 2. 

130. B2. 
ar-rämüsa *175. *176. 
ras el-ain 33. 34. 35. 36. 
rd,s el-ain mezraasi 1 3 (Nr. 1 1 8). 
Rasapa s. er-risäfe, 
ar-rastan, er-resfau *155. *156. 

*160. *165. 6 (Nr. 50). 77. 

A. 3. 
ar-raivädl * 1 6 6 . * 1 7 2 . 
ar-raiüäri *172. 
redschebl 45. 
redschl^ (Nr. 31). 
Reliobotb, rehoböt hannühar 42. 

42 n. 1. 
rejTik 62 n. 2. 
remädi 45 (Nr. 408). 
resülin, Eesallin 52 (Nr. 453). 55. 
Reyän s. raijän. 
rgheb^ Er-rgheb, er Ereb 48 (zu 

Nr. 420). 48 (Nr. 423). 
er-rhaije s. er-ruhaijc. 
er-ribba, Rubbeh 17 (Nr. 168). 
rible 9 (Nr. 73). 118. 
ridschm abü zed 74. li 2. 
r?Aä, ar'thci *145. *145 n. 3. 
er-risUfc^ er-rusäfe [esch-schä- 

mije^ el-hischiinüje), Rasapa, 



152 



Martin Hartmann, 



llisapa, Arsoffa Emir, Ser- 

giupolis *135. *136. *144 ii. 

1. *155. *165. *I07. *176. 

*177. 66 n. 2. GS n. 2. 69. 

110. 112 f. 119. C2. 
Risapa s. er-rimfe. 
er Rreb s. rgJwb. 
Rubbeli s. er-rihha. 
er-rudaifät 4 (Nr. 1). 
ruliaihe^ *Ain ir Rhebe 15 

(Nr. 145). 69. 
er-ruhaije [er-rliaije] 18 (Nr. 

193). 75. B2. 
ar-ruhaima, er Raheimeh * 1 7 1 . 

*171 n. 2. *174n.3. 120. 121. 
ruJmscJiije 48 (Nr. 429). 
ar-rummlmatün *174. 
itür vgl. (jhor. 

Rür Büto A'la *138. *139 n. 1. 
rüs 51 (Nr. 447). 
er-rusüfe s. er-risafe. 
Rutti *172. 
[er-\riavaida 73. 
rmvala^ Roala (Stamm) 53. 53 
. (Nr. 474). 55. 

Sa'^än we Su*en s. es-san ivas- 

sain. 
sahcha 32. 34. 35. 36. 38. 41. 

42. 44f. 45 n. 2. 50. 
sahcha 45 (Nr. 409). 
es-sahcha (Stamm) 34. 
sahchat el-charajidsch 75. 77. 
Säbit s. et-tßbit. 

es-säbüra 75. B 2 ; vgl. kasr es-s. 
sadad, saded, sidäd[äh] *139. 

*140. *165. 11 (Nr. 94). 70. 

71. A3. 
säfUä, lacpi- 31 n. 2. 112 n. 1. 



es-sahnj'e, es-Saheriyeb, is Suh- 

rije 19 (Nr. 207). 
as-sahsahän *176. 
es-saijäd 20 (Nr. 215). 
es-säjih, Säjih, Säekb, es-sajä- 

blJi 58 und Nr. 527. 
as-sahj*\h%. *163. 
sakrlje, Felsen Iskerija 45 

(Nr. 406). 45 n. 5. 46 n. 2. 
salaba^ Sülaba 18 (Nr. 198). 
salamj'a, saJarmje^ selhmje, Sa- 

lamias, Salaminias, Selemya, 

Salamie, 2aÄoc[jLia?*134.*143. 

*147.*155.*156. *159. *160. 

*160fF. *160 n. 2. *161 ii. 2. 

*162. *165. *167. *176. 16. 

17 (Nr. 172). 52. 66 n. 2. 73. 

73 n. 1. 74. 75. 108 fF. 114. 

usf. 121. 123 n. 1. 128. 130. 

B2. 
salchad 109 n. 1. 
Salih *163. 
[es-)säli/ßje , Salahieh , Salieh, 

Ru. Sälehije 46. 47. 
es-salt *143 n. 1. 
Saltatha *143. 
EaXtov rovaiTr/ov *143. 
säV«? 48 (Nr. 430). 
as-samäiva, Samäoue * 1 7 1 .* 1 76. 

121. 
es-san toas-s'^ain, Sa"^än we Su*^en 

*134. *160. *168. 66 n. 2. 



77. 77 n. 1. 129. B 2. 

7 — 3 



sa7idaudä *174. 

sanlr *140. 

es-sai'hän, Sirhän 54 (Nr. 500). 

55. 
6'äri 51 (Nr. 444). 
sarüdsch *167. 



Beiträge zur Kenntniss der Sj'risclien Steppe. 



153 



Sarüdsch (Fluss) 126. 
säsekün 22 (Nr. 242). 
Es-sau'ar, Sauar, Souvar 49. 
säum hüschim 48 (Nr. 433). 
saumaa karjasy 126. 
samvarän, sürän*lbb. *158. 20 

(zu Nr. 217). 117. 125. 
Sawäd 120. 

sbaa, Sebäa 51. 55; vgl. seh'a. 
Scha'arrä *159. 
schafätä. schifiUije , Schetäte 

*172. *173. *I73 n. 1. 
schaghfaVo (Nr. 416). 
esch-scliahär [aJdim) *153 n. 2. 
asch - schaira , asch - schuaira ? 

*155. *159. 
schaizar^ schezar, sedschar, La- 

rissa, Aapiaoa *155. *156. 

*157. *157 n. 3. *158. *159. 

*1Ü5. *170 n. 2. A2. 
scliahära^ Sliükärah 1 7 (Nr. 1 70). 
scliala 52 (Nr. 454). 
schakra *141 n. 2. 
schalän 53 (Nr. 478). 
asch-scltam, asch-schüm *155 

n. 2. 117. 128. 129. 
schamhata'^ 37 (Nr. 347). 
scJiammar'? 44 (Nr. 393). 
Schamraar-Beduinen 49. 56 ff. 
schamsln asch-schur *165. *168. 

12 (zu Nr. 103). 119. A 3. 
schamsln (bei el-hadmüs) *168. 
asch-scharät *154. 
esch-scharkalye^ esch-Schürkü- 

liyeh 23 (Nr. 254). 
esch- scharrär , esh- Shürrär, 

Scherrär 18 (Nr. 197). 
esch-schaumerlj'e , esch-scJiöma- 

rlje^ Schümärije 8 (Nr. 66); 



yg}.dschebel esc/i-sch., süwänet 

esch-sch. und zvädl csch-sc//. 
Scheck abü resii ...(?) 40 

(Nr. 373). 
esch-schech ahmed 6 (Nr. 45). 
esch-schech '^ali 16 (Nr. 167). 
esch-schech '^all salamja, esh 

Sheikh 'Aly Selemya 17 

(Nr. 176). 
esch-schech chalid 6 (Nr. 49). 
esch-schech faradsch 1 7 (Nr. 173). 
schech hamd 40 (Nr. 372). 
schech hamdün 40 (Nr. 371). 
Shekh Hannes 49 n. 1. 
esch-schech hammüd 5 (Nr. 32). 
schech ihralnm 40 (Nr. 370). 
schech 'is 40 (Nr. 374). 
esch-schech j'üstif i^ab'^a, esh- 

Sheikh Yüsuf Rab*^ah, Rob'^ö 

25 (Nr. 289). 
schech kaddür 40 (Nr. 376). 
schech muhammed 'all 40 

(Nr. 375). 
Schech Schibll 41. 45. 
schehel^ Esh-shliel, esch Schhel 

48 (Nr. 420). 49. 
esch-schems 54 (Nr. 494). 
schemsln 13 (Nr. 114). 
schemje^ Schnine 27 (Nr. 310). 
Scherrär s. esch-scharrär. 
Schetäte s. schafätä. 
Shewäjä s. esch-schwaje. 
schezar s schaizar. 
schJtel 49 ; vgl. schchel. 
schifätlje s. schafätä. 
esch-schlha 24 (Nr. 271). 
schinschär 10 (Nr. 91). 
Schiräta s. slghätä. 
esch-schkaijif 73. A 3, 



154 



Martin Hartmann, 



Schkeijif Araber 14 (zuNr. 137). 
schmaita'? 37 (Nr. 347). 
Schmeylät s. schumelät. 
Schnine s. scheifij'e. 
Sclioa 34 n. 1. 
esch-schomar [aklim) 123 f. 
esch-schömarlje s. esch-schau- 
mer'tje. 

esch-schtaijib s. esch-schuteb. 
escJi-scJni airät *159, 4 (Nr. 2). 
Schümärije s. escli-schaumerlje. 
scÄwme/ä^, Shmeylät 5 1 (Nr. 4 4 6). 
55. 

esli-Shürküliyeh s. esch-schar- 
Jcallje, 

esh-Shürrär s. esch-scliarrär. 
esch - schuf eb , esch - seh taijib 1 8 
(Nr. 192). 73. 

esch-schwäj'e ^ schiocijä^ El- 
Chouayieli, Shewäjä 41 n. 1. 
46. 47. 

schielt'? 41. 50. 7(1. 
Scythopolis *132. *134. 
Sdeyt 59. 
seb'a'? sbaa? 39 (Nr. 367); vgl. 

sbaa. 
sehasflje 130. 
es-seUlje 57 (Nr. 503). 
sedschar s. schaizar. 
es-seflre *147. 
es-sekeclsche 75. H 2. 
Sekrah s. sukkara. 
-eXzov.eia \IA-/J.fl\ 112. 

X(o *156f. 

sei el-mdscharr 70. 

selllet [si'n) esch-scJihaiJib 75. 

selllet vgl. sUlet. 



selwiije, Selemya s. saliwija. 
setnalil, es-Sem^alil 15 (Nr. 158). 
es-semalil 23 (Nr. 251). 
es-semene 74. B 2. 
es-senkarl 17 (Nr. 181). 
Sepe, Sephe, s^/^w * 136 f. 02. 

C 2. 
Seray 69. 

Sergiupolis s. er-risäfe. 
serghäja^ zerghüja *169. 
Seriane s. isrije. 
serlJfm 22 (Nr. 238). 
Serüg 40 n. 1. 
sewai'td 52 (Nr. 458). 
sewälime 54 (Nr. 486). 
sewämän 14 (Nr. 132). 
Sh . . . s. seh .... 
Slieck Ailha 67. 
Sherby, Quelle 69. 
es-sld 57 (Nr. 518). 
^'.öa)V 112. 
siß^ln s. Sepe. 

67^//«/«, Schiräta 26 (Nr. 298). 
siie 24 (Nr. 283). 
sindsehära 57 (Nr. 519). 
Skelebije s. es-sukelibije. 
sleh^ es- sieb 60. 

slllet el-charäjidseh 65 n. 3. 75. 
Souehel 4 7. 47 n. 3. 
Souvar s. Es-sau*ar. 
^TTr/ou-j-xa. Spelunca*144. *144 

n. 4. 
es-mbhl 58 (Nr. 528). 
suehaine *136 n. 1. 
as-siichna^ suchne^ as-sachna^ 

Soukhney *135. *136. *176. 

*177. 12 (Nr. 101). 50. 60. 61 

11. 2. 68. 68 n. 2. 1 13. 124. 

C 3. 



13eiträ<?e zur Keniitiiiss der Syrischen Steppe. 



155 



Südaraber , Jemeniten * 1 5 7 . 

*158. 
is Sulirije s. es-sahrlje. 
sük wädi haradä *169. 119; vgl. 

Abila. 
es-suhelibtje ^ Skelebije 18 

(Nr. 194). 
sukkara^ Sekrah, is-Sukkara 4 

(Nr. 21). 
Sülaba s. salaba. 
sulclm *171 n. 3. 
summakljal 13 (Nr. 127). 
sür, Tyros *132. 
Sür Abu Serai 37 n. 1. 
Sura, Sure, Suretala, Suri, swm, 

sünja *135. *136. *137. *175 

n. 3. 49. 51. 53. C 2. 
sürim s. muxcarän. 
sürlj'a s. Sura. 
sür'ija (Wilajet) 2. 3. 
es-surra^ surrot el-hiVcis 74.114. 
sürtät 14 (zu Nr. 133). 
süse 46 (Nr. 418). 
suwä *166. *172. *173. *174. 
es-sutüaid''i%(). *163. 73. 
as-suwaidä *155; vgl, suwedä. 
suwaideii (Nr. 395) ; vgl. suwede. 
suwaiije^ suwe'^ije 45 (Nr. 405). 

46. 47 n. 3. 
sTiwcmet esch-scJiömarlje^ es- 

süwä7ii 72. 73. 
as-suwedä *160. *162f. 
es-suwede 5 (Nr. 39). 
es-suwede 21 (Nr. 234). 
es-suwes 63. 64 n. 1. 
Syria*129fF. *156. *169. 
Syrlal *132. *156 n. 1. 
Syriall *132. *156. *156 n. 1. 
Syria salutaris *131. '132. 



[fahcm]^ijh 41 (Nr. 387); vgl. 

taijan. 
faharlja, Tiberias *130 n. 2. 

1 55 n. 1. 
et-tßbit, Thabit, Säbit 57 

(Nr. 514). 59. 
Tabus 38 n. 2. 
tachsis, Tükbsis 21 (Nr. 235); 

vgl. Tarsis. 
tadmur s. tudmur. 
taff as-sammca *176 n. 2. 
tZüßn el-katlahl [el-hutlahi^] 74. 

111. 
tahxm el-krüm 74. 
fßlnm el-mabed 74. 1 10 f. 
Tai 59. 

taijän'> 48 (Nr. 425); \^.fabä7i. 
taijar 54 (Nr. 492). 
et-taijibe, Tiebe *135. 12 

(Nr. 100). 68. 68 n. 2. 113. 

1 19. C 3 ; vgl. Oruba, Oriza. 
et-f.aißbe el-gharUje 28 (Nr.3 1 5). 
taijib el-ism 17 (Nr. 183). 
faißbet el-ism 17 (zu Nr. 183). 
et-taijibe esch-scharkije^ taijibet 

"alä, t.'el-alü 20 (Nr. 219). 
fair bülis 26 (Nr. 294). 
Tair Ma'li s. der mala. 
taUa 45 (Nr. 411). 
takMn^ Tükdin 23 (Nr. 266). 
tälibl'^ 38 n. 2. 
tall vgl. teil, 
tall man7ias^ fellmenls^ OsXßs- 

viaadc, Thelmenissos *155. 

*156. *15S. *165. A 2. 
tallmäsili-^\1^. *176. 
tallif, TülHf, Talaf 23(Nr.261). 
et-tamme 18 (Nr. 190). 
taiitjat al-uküb *173 n. 2. 



15C) 



Martin Hartmann, 



vgl. 



Tanüch * 157. * 158. 
tarähulus 11. 
tarlkye'? 37 (Nr. 346). 
tarrüdscha^ 13 (Nr. 113). 
Tarsis 21 (zu Nr. 235); 

tachsis. 
tarsüs *1G3; vgl. a7itartHs. 
fariüs s. antarftis. 
tärüüti ei-tuddschär ^ Tapoutta 

'EijL-opiüv *159. 
tathums 14 (zu Nr. 133). 
tat ja 14 (zu Nr. 133). 
tatniarUsch 14 (zu Nr. 133). 
Ta wallud s. teicellud. 
tedejen, Tedejen 72 n. 1. 
tedschär [fe 57 (Nr. 512). 
telil 23 (Nr. 253). 
teil vgl. tall. 
teil el-ahjad ''V?,^. 
teil ahü rahüh 71. B 3. 
teil ^ade^ teil cida^ Teil 'Ady, 

Theleda, Thesida * 138. *139. 

17 (Nr. 175). 74. 125. B 2. 
Teil El "^ajjäsh s. ^aijäsch. 
teil 'ammär *158. 
teil bezzäm 18 (Nr. 187). 
teil bisa, Telbise 5 (Nr. 40). 
Teil Chesaf s. chusäf. 
teil dahab 23 (Nr. 258). 
teil du, Teil Dau 23 (Nr. 256). 
teil ed-dura 16 (Nr. 163). 
teil el-gharr 73; vgl. «?•</ und 

bijärat teil el-gliarr. 
teil el-halüiüe 74. 75. H 2. 
tellhandsclief \ (Nr. 12). 
teil isnän [sinän) Ib. B 2. 
teil hol '^at barbar 70. A 4. 
teil harfal, T. Kartal, Teil Kur- 

tul 21 (Nr. 232). 



Tel el-Khreta s. chreta. 

Teil Lotmin s. latmln. 

teil cl-malih 11. B 2. 

teil marJfije *163. 

teil melaJi, T. il Mellah 19 

(Nr. 208). 
teil nebi mindü * 1 7 0. 10 (Nr. 88). 

120. A 3. 
teil sabha 76. B 2. 
Teil Schech Sin *167. 119. 
teil esch-schhaijib 75. B 2. 
teil sikJän 24 (Nr. 279). 
Tenage 67. 67 n. 1. 129. 
tennüne, Tenüny 10 (Nr. 85). 
et-termese 19 (Nr. 210). 
teschemhalije , Teshemküliyeh 

21 (Nr. 231). 
tetelün 17 (Nr. 171). 
teicellud, Ta wallud 41. 50. 
Thabit s. et-täbit. 
Thapsacus , öa-iaxoc , Tliapsis 

*137f. C 2; vgl. dibse. 
0£Xj3svi3odc s. tall mannas. 
Theleda s. teil" ade. 
Thelsea *134. 
Ös-j-a *144. 

Theodorias *132. *156. *157. 
Thesida s. teil "ade. 
Tiberias s. tabarlje. 
tibm, Tibni 44 (Nr. 398). 
Tidmor s. tudmur. 
iijas 15 (zu Nr. 159). 
tlsln 22 (Nr. 248); vgl. trtzm. 
^izl« 22 (zu Nr. 248). 24 (Nr. 270) 
ToAixiosaoa *144. 
Towf 55. 
et-tref^ Tref 37 (zu Nr. 346). 58 

(Nr. 531). 
trefije'? 37 (Nr. 346). 



Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



157 



tschxmat hasan pasclia 15 (zu 

(Nr. 148). 73. li 3. 
el-Tschidr (Oase) *173. 
al-tudaij 72 n, 1. 
Uidmur^ tadmur^ Tidmor, OaX- 

[xiipa, Palmyra, Malmiora 

*129. *135. *136. *137. *138. 

*139. *141.*142. *143. *148. 

*149.*155.*156.*160.*162. 

*163. *168.*174.*175.*176. 

*177. 3. 11 (Nr. 98). 15. 20 

(zu Nr. 219). 32. 33. 34. 35. 

36. 38. 39. 46 n. 1. 50. 60. 

61. 61 n. 2. 62. 63. 63 n. 1. 

65. 66. 67. 68. 68 ii. 2. 71. 

103. 103 n. 2. 111. 113. l 14. 

116. 119. 127. 130. C 3. 
et-tuffüh [akllm) *153 n. 2. 
Tükhsis s. tachsis. 
Tükdin s. taJydln. 
Turnen Karbi, dumme gharhije 

*160. 8 (zu Nr. 65). 13 (Nr. 

129). 
tümln 21 (Nr. 224). 
turkmän el-müdän 14 (Nr. 139). 
et-fuwem, tuwem 24 (Nr. 282). 
Tyros s. sür. 

al-uhaijid *172. *172n. 1. 
al-udaih *165. *16S. B 3. 
'Udra *158. 
al-udschaißr *166. 
Ueranoca 115. 
Ueriaraca *143. 1 1 5 f . 
ü-ugera *138. 74. 
el-ugerab? *13S. 
'^ujün el-alak 70. 
'^uhairihci^ '^ukeribe, ^okärib^ Oc- 
caraba, Orarabon, 'Okeiribeh 



*134.*138.*139. *155. *162. 

25 (Nr. 287). 
el-ulaiJ'oZ (Nr. 481). 
"amera 52 (Nr. 450). 
umm el-amad 5 (Nr. 33). 
umm el-amad 25 (Nr. 293). 
umm hmcaisrh *159. 74. 114. 
lanm el-idäm^ Um el-^Adam 4 

(Nr. 17). 
umm el-hawäfl 4 (Nr. 5). 
umm scharscJmh, Umm Scher- 

cbüm 6 (Nr. 52). 
iimm et-tijür 25 (Nr. 291). 
"^ümür s. ""Ainfn*. 
el-uniibe *143. 
Vc?*136. *176. *177. 113; vgl. 

Orissa. 
al-urdunn * 1 5 3 n. 1 . * 1 54 . * 1 55 

n. 1. *155 n. 2. 
Urghee 67; vgl. erdscldl. 
" a&aij s. ghudaij. 
al-uwair *177. 121; vgl. al- 

. ghuwair. 

ivüdl el-chabra 1^. 

Wiidi chälid el-gharbi 1 (Nr. 84). 

wädi chalid esch- schar Ja 10 

(Nr. 83). 
ivädl el-hädschülä 70. 
icädl hlirim 118. 
wadl jahfüfe *169. 
wlidi muslLva * 139. 
Xüädl scliab el-Idz 70. 
tocidi escli-acliomarije 124. 
Wadi Suab 47. 
toädi el-iousclischiisch 76. 
el-wadschh 41 (Nr. 382). 
el-waliüsa *174. 
el-icalife 57 (Nr. 5 •22). 



1 58 Martin Hartmann, Beiträge zur Kenntniss der Syrischen Steppe. 



Elwedsclih G3 n. 2. 

Weide 55. 56; vgl. el-iould. 

weh s. louli. 

Weidi 47. 

wesüde 21 (Nr. 230). 

el-ivenchel, 'am el-tvesc/il, il 

Weschen, Al-Wishal *139 

n. 1. 67 n. 2. 68. 
el-wesld 57 (Nr. 517). 
welre 53 (Nr. 473). 
Wilde s. el-wuld. 
löuchmesch'? 44 (Nr. 402). 
el-wuchmi 70. A 4. 
el-wuld^ ivuld^ Wilde 40. 40 

n. 1. 50. 51. 56; vgl. Weide. 
wühl 'r//7,WelledAli 54 (Nr.49 7). 

55. 
lould muhammed 54 (Nr. 499). 
wulebe 126. 
tvuU esch-schech fanuhch 74. 

B2. 

YäVit s. l'äL 

7A/X'r^ s. ScXsuzsta. 

ez-zaferüne^ Za'^ferrmi 5 (Nr. 3 8). 

zaghrät 58 (Nr. 524). 

zac/hrtn, Zughrin 17 (Nr. 170). 

zaidal *156. *1G4. 

Zaitha 43. 

az-zarka^ "^Ain iz Zerga, Ci- 



sterne Zerga *175. G7.67ii. 1. 

130. 
az-zarra^a ez-zerra, Zarrä'a, 

Zer'a *165. *167. *16S. 9 

(Nr. 71). 118. 119. 124. 130. 

C 2. 
zehädl 21 (zu Nr. 236). 21 

(Nr. 237). 
Zebed 97 n. 1. 
zedel, Zeidal 6 (Nr. 44). 
ez-zelülfijät 19 (Nr. 212). 
zehblje 45. 

ez-zenehtje (Brunnen) 69. 
ez-zera 5 7 (Nr. 521). 
zerghüj'a s. sergliäja. 
ez-zerrä\ Ze/a s. az-zarraa. 
Zerzer 119. 

zetä 10 (Nr. 90). 20 (zu Nr. 2 14). 
zMTmlje 14 (Nr. 130). 
Zeugma *135. *137f. 
zijaret escli-schecli '^ahed 65 n. 2. 
Zoba 59. 
ez-zor, zdi\ zor kyfasy 2. 31. 

31n.4. 32. 32n.2. 40. 49. 56. 
zdr gharbl el-'^äs 13 (Nr. 115). 
zdr el-merdsch mezraasi 13 

(Nr. 119). 
Zubaid *1G3. 
ez-zuhede 4 (Nr. 18). 
Zughrin s. zaghrin. 
ez-zuhde 57 (Nr. 509). 



Beiträge zur Keiiiitniss des türkischen Grimdbiich- 

weseiis. 

Von Dr. Graf von Müliueii. 



I. Uehersiclit über die Eiitwickeluiig" des türkischen 
Grundbucliwesens. 

Unter der durch Werke des Friedens ebenso hervorragen- 
den wie dvirch kriegerische Thaten bekannten Regierung des 
von den Orientalen mit Recht »Kanuni« (der Gesetzgeber) ge- 
nannten Sultans Soliman I. wurde das türkische Ländergebiet 
einer eingehenden Vermessung und Beschreibung unterzogen. 
Das Ergebniss derselben, eine weitläufige Sammlung von Re- 
gistern und Plänen, wird in der Defterhane, dem ottomanischen 
Obergrundbuchamte, zu Stambul aufbewahrt, wo es wie ein Hei- 
ligthum behütet und sogar ängstlich den Augen Unberufener 
entzogen wird; mit allen in den folgenden Jahrhunderten hinzu- 
gefügten Nachträgen bildet es noch heute die topographische 
Grundlage des türkischen Grundbuchwesens. 

Auch dem materiellen und formellen Immobiliarrechte 
wandte Soliman seine Sorgfalt zu. Die während seines Sultanats 
von dem gelehrten Mufti Ebu Suud erlassenen Rechtsentschei- 
dungen und die darauf basirenden staatlichen Verordnungen trug 
der Defterdar (Staatssekretär des Innern) Mehmed Tschelebi zu 
einem Buche zusammen, welches er, weil damals der grösste Theil 
des ottomanischen Gebietes als Lehen vergabt war und sich "dem - 
gemäss die meisten Entscheidungen auf die Lehensgüter bezogen, 
das Lehensbuch nannte und welches auch unter dem Titel 
»Lehensgesetz« von Soliman's Nachfolger Selim IL sanctionirt 
wurde. Das Lehnswesen blieb jedoch nicht lange in Blütlie. 
Einst die Stütze der kriegerischen Sultane, überlebte es sich im 



1(3Ü ' üi'- Graf von Mülinen, 

Laufe der Zeiten und war schliesslich derartig in Verfall gerathen, 
dass schon die erste reformatorische Thätigkeit Ahdulmedschid's 
sich mit dessen Abschaffung befasste. 

An Stelle der bisherigen Zustände trat, zum Theil in An- 
lehnung an den Code Napoleon, eine neue Organisation, die mit 

1^1,.., ,, . ., 7. Ramazau 1274 

dem (jrrundstucksgesetz [kcm7iU7iavie-i-erazi]\ovü. , r, 

" ^ ^21. April 1858 

(L. O. I, p. 57ffJ) ihren Anfang nahm. Dieses Gesetz giebt in 
seinen ersten Artikeln einen Ueberblick über die rechtlichen Ka- 
tegorien, in die nach türkischer Auffassung die Grundstücke zer- 
fallen, und deren es fünf kennt: 

1. mülk'^) ^iU/^, volles Eigenthum, Grundstücke, die genau 
wie die beweglichen Sachen sich im Eigenthum von Privatper- 
sonen befinden ; 

2. mirie xj-^/« (c-'^U (von emir, der Fürst), Grundstücke, 
von denen die rakabe^ die nuda proprietas, dem Landesherrn 
zusteht, während Besitz und ausgedehnte Nutzungsrechte den 
Privaten übertragen sind; 

3. vakuf- v_Ä'i5 land, Güter frommer Stiftungen, bei denen 
bezüglich Besitz und Nutzung ähnliche Regeln gelten wie bei 
dem Mirieland; 

4. metruhe :^,^'^a jä-^U, (zum öffentlichen Gebrauch) »über- 
lassenes« Land, Strassen, Plätze u. s. w., analog den res publicae 
des römischen Rechts; 

5. mevat ol^^, »todtes« Land, res nullius, das in keinem 
Eigenthumsverhältnisse steht und nicht bebaut ist. 

Da in letzter Zeit das türkische Grundeigenthumsrecht häu- 
figer zum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung gewählt 
wurde, soll auf l?ekanntes nicht weiter eingegangen werden. 
Die Wiedergabe der vorstehenden Uebersicht schien jedoch er- 
forderlich als Grundlage für die folgende Darstellung und wegen 

1) Die Citationen der türkischen Gesetze beziehen sich, falls Ueber- 
setzungen derselben in europäischen Sprachen existiren, stets auf diese 
Uebersetzungen (z. B. T;egislation Ottomane, L, O.). Die Seiten des Düstur 
sind daher nur angegeben, wenn Uebersetzungen nicht vorliegen. 

2) Die technischen Ausdrücke der miihamraedanischen Jurisprudenz 
sind im Folgenden nach der türkischen Aussprache wiedergegeben; zum 
Gebrauch der Arabisten wurden auch die arabischen Charaktere beigesetzt. 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuehwesens. 



161 



der Wichtigkeit der Abgrenzung der Rechte, die dem Eigen- 
thümer eines Mülkgrundstückes und derjenigen, die den Be- 
sitzern von Mirie- oder Vakufländereien zustehen. Denn der 
Besitzer eines Mirie- oder Vakufgrundstückes übt Befugnisse 
aus, die dem Eigenthumsrechte sich nähern und mindestens mit 
denjenigen des Emphyteuten verglichen werden können. Be- 
hufs besserer Veranschaulichung finde deshalb hier eine nach 
den türkisch-rechtlichen Quellen zusammengetragene Tabelle 
Platz, in der in summarischer Weise die wichtigsten Unter- 
schiede der drei Kategorien nebeneinandergestellt sind. 



I. Allgemeine Bezeichnungen. 





Mülk 


Mirie 


Vakuf 


Das auszuüben- 


mülk 


tesarruf 


tesarruf 


de Recht in 
seiner Ge- 

sammtheit 


liVil/fl 


j 
(allgemeiner 

Ausdruck, s. v. a. 

Verfügungsrecht) 


(id.) 


die Ausübung 


temellük 


tesarruf 


temessük 


des Rechtes 
selbst 


^^UJ 




(allgemeiner Aus- 




'- 




druck »Aneig- 




• 




nung« 


das Rechtssub- 


malik oder saMb 


mutesarrif 


mutesarrif 


ject 


dV.JL/) od. *_-s.5:-L/o 


L_;.A2.Ä/0 




das Document, 


a) früher: mülk 


tapu senedi 


a) früher : istili- 


welches als 


hodschefi 


(^l\aa« ^.jLx? 


kiam hodscheti 


Beweis für die 
Ausübung des 
Rechtes gilt 


Z») seit der neuen 
Organisation 




h) seit der neuen 
Organisation : 




des Grund- 




vakuf senedi 




buchamtes : 




(^lXäam v^'i^ 




mülk scnedi 








(ClXÄaw <S>Xa 







Ztschr. d. Pal.-Ver. XXIII. 



11 



162 



Dr. Graf von Mülinen, 



ir. Die einzelnen Aeusseruno^sformen des Rechtes des 





Eigenthümers 


, bez. Mutesarrifs. 




Mülk 


Mirie 


Vakuf 


1. Verkauf 


hei 


firagh 


firagh 




t^ 


äf 


e/ 






(allgemeiner Aus- 


(id.) 


• . 




druck »Veräus- 


hängt von der Er- 






seruug«) hängt 


laubniss des 






von der landes- 


Evkafministcri- 






herrlichen Er- 


ums ab 






laubniss ab 




Verkauf un- 


hei hil vefa 


firagh hil vefa 


firagh hil vefa 


tor Vorbehalt 
des Rück- 


tLi^iLj %y.i 


.Li,ib ^^.i 


^li^lL ^\.i 


kaufs 








Verkauf un- 


istighlal 


istighlal 


istighlal 


ter Vorbehalt 


JbUx^! 


S^k^^\ 


J^iii^i 


der Nutzung 


(Vorbehalt der 
Erzeugnisse) 






2. Schenkung 


hihe 


medschanen 


7nedsehanen 




\^S> 


firagh 


firagh 






£l- liL-^ ■ 


P^ji l^L:^ 






(unentgeltliche 


(id.) 






Veräusserung) 


hängt von der Er- 
es 






hängt von der 


laubniss desEv- 






landesherr- 


kafministeri- 






lichen Erlaub- 


ums ab 






niss ab 




3. Stiftung zu 


vahf 


vacat 


vacat 


todter Hand 


^h 


\izni Hultaniile hir 
dschihete iachsiss, 

Stiftung mit lan- 
desherrlicher 
Erlaubniss) 





Beiträge zur Kenntniäs des türkischen Grundbuchwesens. 1(J3 



Mülk 



Mirie 



Vakuf 



1. Verpfändung 

5. Vermiethung 
oder Ver- 
pachtung 

G. Leihvertrag 

7. Errichtung 
von Gebäu- 
den auf dem 
betreffenden 
Grundstück 

8. liepflanzung 



9. Befugniss, 
das Grund- 
stück zu thei- 
len(d.h.theil- 
weise zu ver- 
äussern) 

1 0. Recht zu 
letztwilliger 
Verfügung 

1 1. Intestaterb- 
folge 



rehn 
idschar 

iare 
ebnie inschasi 



hagh ihdasi 



L5- 



:iU>\ 






taJisim 



vasiet 

tevarüs 
(Vererbung) 



vacat 



vacat 



vacat 

eh7iie inschasi 

hängtvon derlan- 
desherrlichen 
Erlaubniss ab 
bagh ihdasi 

hängtvon der lan- 
desherrlichen 
Erlaubniss ab 
taksini 

A-AAW.AJ 

hängtvon der lan- 
desherrlichen 
Erlaubniss ab 

vacat 



intikal 

(allgemeiner Aus- 
druck >Ueber- 
tragung«) die 
Erbfolge ist be- 
schränkter und 
folgtbestimm- 
ten Regeln 



vacat 



vacat 



vacat 

ehtiie inschasi 

hängt von der Er- 
laubniss des Mi- 
nisteriums ab 
hagh ihdasi 

hängtvon der Er- 
laubniss des Mi- 
nisteriums ab 
taksi}7i 

hängt von der Er- 
laubniss des Mi- 
nisteriums ab 

vacat 



iiitikal 

(id.) 
die Erbfolge ist 
verschieden so- 
wohl vom Te- 
varüs als vom 
Intikal bei Mirie 

11* 



164 



Dr. Graf von Mülinen, 



Mülk 



Mirie 



Vakuf 



12. Näherreclit 
(Vorkaufs- 
recht) 



13. Heimfall an 
den Staat 



14. Klagever- 
jährung 



15. Ersitzung 



schuf aa 

(Intervention' 
steht gewissen 
Miteigeuthü- 
mern und 
Nachbarn zu 



?nahluliet 

tritt nur bei 
gänzlichem 
Mangel an na- 
türlichen oder 
Testaments- 
erben ein 



mtirurt zeman 

1. nach altem 
Recht: nach 
36 Jahren 

2. nach moder- 
nem Hecht: 

nach 1 5 Jahren 
mit Ausnahme 
weniger beson- 
derer Fälle, für 
die das alte 
Recht mass- 
gebend blieb 
vacat 



halit u scher ik 
talehi 



Aj 



■■r 



.A..D 



L5" 
(Anspruch des 

Mitbesitzers od. 

Nachbarn) folgt 

anderen Regeln 

als die Schüfaa 

mahluUet 

1 . bei Mangel der 
nächsten natür- 
lichen Erben 

2. im Falle das 
Grundstück 
drei Jahre lang 
nicht cultivirt 
wird 

mururi zeman 
^Uj ^»^^ 

1. 10 Jahre zwi- 
schen Privaten 

2. 36 Jahre in 
Fäl- 



einigen 



len, wo das alte 
Recht massge- 
bend blieb 



hukJii harar 
10 Jahre 



vacat 



mahluliet 

bei Mangel der 
nächsten natür- 
lichen Erben 



mururi zeman 



o'"'j ;3 



,A 



1. 15 Jahre zwi- 
schen Privaten 

2. 3 6 Jahre für die 
Klagen des Ev- 
kafministeri- 
ums gegen Pri- 
vate 



vacat 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 165 

Es sei hier noch bemerkt, class nach muhammeclanischer 
Rechtsauschauung die Mülkeigenschaft eines Grundstückes als 
die normale {kias tj/.L'ij und die Eigenschaft als Mirie oder Va- 

kuf als Ausnahme [chass cpLi>) gilt, Aveshalb die Regeln über 
Mirie und Vakuf nicht extensiv interpretirt werden sollen. 

Das oben genannte Grundstücksgesetz stellt in seinem 
ferneren Verfolge, während es für die Mülk- und Vakuf ländereien 
die alten Regeln des Scheriatrechts bestätigt, die neuen mate- 
riell-rechtlichen Normen für die Miriegrundstücke auf, die 
durch verschiedene Novellen weiter ausgebildet wurden. Einen 
bedeutenden Fortschritt brachte das Gesetz vom 17. Moharrem 
1284 (L. O. I, p. 254), das die bisher sehr beschränkte Intestat- 
erbfolge in Mirieländereien erweiterte [tevzii intikal JLäXj! tj^,jj); 
ein gleichzeitig dieselbe Materie in Vakufsachen regelndes Ge- 
setz (L. O. I, p. 260) wurde später (4. Redscheb 1292) noch mo- 
dificirt(L. O. V, p. 251). 

Die Processe in Grundstücksangelegenheiten wurden zur 
Entscheidung den ordentlichen [hukuk-] Gerichten i^'jys.s^ 
, cJx*3C:>^ übertragen und davon nur die reinen Vakufsachen 
ausgenommen, welche den von Alters herbestehenden geistlichen 
(stÄena^-i Gerichten ^v.^c-^ r^^ verblieben (Gesetz vom 20. Ra- 
mazan 1296, Düstur IV, p. 344 ff.). 

Auch die freiwillige Gerichtsbarkeit gehörte früher in 
ihrem ganzen Umfange zur Cognition der geistlichen Gerichte. 
l^)ezüglich der Miriegrundstücke wurde sie jedoch durch das 
Tapureglement vom 8. Dschemazi ul ahir 12 75 (L. O. I, p. 171), 
durch die »Instructionen« vom 7. Schaban 1276 (L. O. I, p. 188) 
und die »Dispositionen« vom 15. Schaban 1276 (L. O. I, p. 197) 
den Commissaren des Finanzministeriums unter Mitwirkung der 
Verwaltungsbehörden, der Kaimmakame und ihrer Verwaltungs- 
räthe (conseil administratif, idare mcdschlisi ^^^^.1.:^ 8.!o5) über- 
tragen. Schliesslich wurden durch die »neuen Instructionen« 
(ohne Datum L. O. I, p. 207) besondere Beamte hierzu eingesetzt, 
die zum Katasterdepartement, der Defterhane, ressortiren. Diese 
»neuen Instructionen« die nur einen provisorischen Charakter 
»bis zur Beendigung des Katasters« hatten, sind noch heute in 
Kraft. Der Kataster [joklama x/i^li^j) selbst wurde durch das 
Gesetz vom 24. Dschemazi ul evvel 1277 (Ottoman Land Code 



Ißö Dr. Graf vou Mülinen, 

p. 111 fF.) eingeführt. Für Vakufgüter wurde durch die »Dis- 
positionen« vom 25. Hamazau 1281 (L. O. I, p. 223) und die »In- 
structionen« vom gleichen Datum (L. O. I, p. 232) hestimmt, dass 
das Evkafrainisterium die Besitzdocumente auszufertigen habe. 
Auch in diesem Falle ist zuletzt, durch die Gesetze vom 6. Red- 
scheb 12iJ2 (Ottoman Land Code p. 249) und vom 9. Rebi ul 
evvel 1293 1) (L. O. V, p. 255), das Obergrundbuchamt (defterhane) 
damit betraut worden. Kurze Zeit vorher, am 28. Redscheb 1291, 
hatte ein anderes Gesetz (Ottoman Land Code p. 229) mit den 
darauf bezüglichen Instructionen {ohne Datum, Ottoman Land 
Code p. 269) die Handänderungen in Mülkangelegenheiten re- 
gulirt, indem es dem Obergrundbuchamt, wo zu diesem Zwecke 
eine neue Section errichtet wurde, die Ausstellung der Grund- 
stücksdocumente übertrug. Auch hier wirken die Verwaltungs- 
behörden in der Provinz bei den erforderlichen Verhandlungen 
mit. Heute sind es also die verschiedenen Sectionen des Ober- 
grundbuchamtes und die dazu ressortirenden Commissare unter 
Betheiligung der Verwaltungsbehörden, welche die gesammte, 
früher von den geistlichen Gerichten in Grundstücksangelegen- 
heiten ausgeübte freiwillige Gerichtsbarkeit übernommen haben. 
Die hierfür zu entrichtenden Gebühren sind jedoch nicht ein- 
heitlich geregelt, sondern variiren nach den verschiedenen Kate- 
gorien ebenso wie die Grund- und Zehntensteuer. Hinzugefügt 
möge noch werden, dass ein Vezirialerlass vom 10. Rebi ul ahir 
1293 (L. O. V, p. 265) den Verwaltungs- und Gerichtsbehörden 
ausdrücklich vorschreibt, Anträgen der Interessenten nicht statt- 
zugeben, solange der Beweis der Entrichtung der auf dem be- 
treffenden Grundstück lastenden Grundsteuer nicht erbracht ist. 
Diese Verordnung, die ursprünglich nur für Konstantinopel er- 
lassen wurde, ist später auch auf die Provinzen ausgedehnt 
worden. Ferner sei noch bemerkt, dass nach gesetzlicher Be- 
stimmung die Eintragungen in die Register des Obergrundbuch- 
amtes das Privileg geniessen, als unwiderlegbare Beweise zu 
gelten (Medschelle Art. 1737, L. O. VH, p. 299). 

Unterdessen hatten die seit dem Krimkriege sich mehrenden 
Beziehungen zum europäischen Auslande noch in einem anderen 

1) Hier wie an einigen anderen Stellen sind irrthümliche Daten, die 
in der Legislation Ottomane oder im Ottoman Land Code sich vorfinden, 
nach den türkischen Texten berichtigt worden. 



Beiträge zur Kenntnis« des türkischen Grundbuchwesens. 167 

Avichtigen Punkte Wandel geschaffen. Nach miiliammedani- 
schem Rechte war es nämlich dem Nichtmuhammedaner , der 

nicht zimmi ^^AC> (rajah, Unterthani geworden, nicht gestattet 
gewesen, in den »wohlbewahrten Staaten« Grundeigenthum zu er- 
werben. Diese harte gesetzliche Bestimmung wurde zwar in vielen 
Fällen dadurch umgangen, dass der fremde Christ seine Frau in 
die Register der lateinischen Kanzlei eintragen und daraufhin 
die Grundstücke, die er kaufte, auf den Namen der Frau über- 
schreiben liess; es war jedoch ein unwürdiger, für die Protestan- 
ten nicht einmal erreichbarer Zustand, dessen Dauer nach dem 
Pariser Frieden, durch welchen die Türkei in das europäische 
Concert aufgenommen worden Avar, unerträglich schien. Nach 
langem Zaudern entschloss sich die türkische Regierung, durch 
das Gesetz vom 7. Sefer 1284 (9. Juni 1867, L. O. I, p. 19) den- 
jenigen Fremden das Recht zum Erwerb von Grundstücken ein- 
zuräumen, deren Regierungen einem dem Gesetz angehängten 
Protokolle (L. O. I, p. 22) beitraten. Nach den formellen ]>e- 
stimmungen des Gesetzes werden diese Fremden in der gleichen 
Art und ohne andere Bedingung als die ottomanischen Unter- 
thanen zum Genuss des Rechtes, Grundstücke zu besitzen, zu- 
gelassen, sindjedochals Grundbesitzer in allen die Grundstücke be- 
treffenden Fragen den ottomanischen Unterthanen gleichgestellt. 
Es ergiebt sich hieraus, dass die Mitwirkung fremder diplo- 
matischer und consularischer Behörden in allen Fällen streitiger 
oder freiwilliger Gerichtsbarkeit, zu denen die Grundeigenthums- 
verhältnisse Anlass geben, ausgeschlossen ist, und die türkischen 
Beamten wachen eifersüchtig darüber, dass die fremden Behör- 
den ihre Befugnisse nicht überschreiten. Factisch beschränkt 
sich deren Thätigkeit auf die Ausstellung des Ilmuhabers, eines 
Identitätszeugnisses, das diejenigen vorzuweisen haben, welche 
mit den türkischen Behörden in Grundstückssachen in Beziehung 
treten wollen, und von dem später noch die Rede sein wird. Auf 
diese Weise vor fremder Einmischung und Aufsicht geschützt, 
können die Beamten dieser Zweige der türkischen Verwaltung 
nach Belieben schalten und walten, indem sie gescbickt ihre 
Thätigkeit vor den Augen des Europäers verbergen und ihm so- 
gar die Reglements, deren Befolgung ihnen vorgeschrieben ist, 
vorenthalten. Demgemäss ist diese ganze Materie wie mit einem 
Schleier bedeckt, den kaum einige jüdische oder armenische 



IQ^ Dr. Graf von Mülinen, 

Agenten durchdringen, Avelclie aus den Grundstücksgeschäften 
eine einträgliche Specialität machen. 

Die Schwierigkeiten, die das Studium dieser Fragen bietet, 
werden noch erhöht durch das materielle Recht, welches für das 
bezügliche Gebiet gilt. Denn, wie oben schon angedeutet, be- 
stehen in Mülk- und Vakufsachen, also für einen grossen Theil 
des Immobiliarrechtes, noch die Satzungen der Scheriat, der alten 
heiligen Jurisprudenz, »jenes unendlichen Meeres, auf dessen 
Grund man mit den grössten Mühen die Perlen suchen muss, 
welche es birgt«. 

Es schien daher nützlich, zur Erreichung grösserer Klarheit 
den Versuch zu wagen, an einem praktischen Beispiele die For- 
malitäten zu besprechen, welche behufs des Erwerbes und der 
Eintragung eines Grundstückes zu beobachten sind. Als Bei- 
spiel wurde ein fingirter Fall aus dem Leben unserer württem- 
bergischen Kolonisten in Palästina gewählt, und die Besprechung, 
der NatTir des Falles gemäss, auf Mülk begrenzt, womit die an- 
deren Kategorien (Mirie und Vakuf) nur gelegentlich verglichen 
werden. 



IL Praktisches Beispiel einer Eintragung in das ttirkisclie 

(jruudbnch. 

Zehn deutsche Landwirthe in Jaffa haben dort, zum Zwecke 
der Erzeugung und Ausfuhr von Wein, unter der Firma »Deutsche 
Weinproductions- und Exportgenossenschaft«, eine Genossen- 
schaft mit beschränkter Haftpflicht begründet. Nach erfolgter 
Eintragung in das bei dem dortigen Richterconsul geführte Ge- 
nossenschaftsregister treten sie mit dem türkischen Unterthan 
Ali wegen Ankaufes eines in dessen Eigenthum stehenden 
Grundstückes für ihre Zwecke in Verhandlungen. Während 
diese noch schweben, stirbt Ali und hinterlässt als alleinige Er- 
ben einen grossjährigen Sohn vnid eine minderjährige unverehe- 
lichte Tochter. Die Genossenschaft schliesst unterm 1. April 
1899 mit den beiden Erben den Kaufvertrag ab. zahlt von dem 
200 Ltques. betragenden Kaufpreise für das Grundstück beim 
Abschluss des Vertrages die Hälfte bar und verpfändet wegen 
des binnen Jahresfrist nach dem Vertragsschlusse zahlbaren 
Kaufgelderrückstandns von 100 Ltques. den beiden Verkäufern 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 169 



■'B 



das Grundstück; gleichzeitig bestellt sie ihnen daran eine per- 
sönliche Wegegerechtigkeit. 

Die Mitglieder der Genossenschaft mussten beim Eintritt 
in die Verhandlungen die Erfahrung machen, dass nach türki- 
schem Gesetze eine Gesellschaft als solche Immobiliarbesitz nicht 
erwerben kann. In der That kennt die muhammedanische Juris- 
prudenz weder den IJegriff der juristischen Person, noch den- 
jenigen eines von den einzelnen Gesellschaftern iniabhängigen 
Gesellschaftsvermögens, und demgemäss haben die türkischen 
Behörden sich immer geweigert, andere als natürliche Personen 
in das Grundbuch einzutragen. Diese Regel gilt als so fest be- 
o-ründet, dass man nur mit grössterMühe eine Ausnahme für die 
fremden diplomatischen Missionen und Consulate erreichte, und 
wenn dies gelang, hatte man es allein dem Gedanken zuzuschrei- 
ben, dass, wie bei dem ottomanischen Eisens der Sultan, so bei 
den fremden Vertretungen deren Souveraine, also physische Per- 
sonen, als Rechtsträger aufzufassen seien. Der Grundbesitz der 
Kirchen und Klöster wurde wie derjenige der muhammedani- 
schen frommen Stiftungen als Vakuf in alter Zeit zu Steuern 
nicht herangezogen, und weil in Folge dessen die tiefer liegende 
Veranlassung zur Einregistrirung fehlte, wurde dieselbe auch 
nicht vorgenommen. 

Aber nie wurde von dieser Regel für irgend eine Gesell- 
schaft abgewichen, und trotz ihrer Anstrengungen hat die Kai- 
serlich Ottomanische Bank, welche im türkischen Reiche grosse 
Ländereien ihr eigen nennt, es nie durchsetzen können, dass die- 
selben auf ihre Eirma eingetragen wurden. 

Zur Vermeidung der Kosten und der Formalitäten, welche, 
falls alle Mitglieder sich eintragen lassen würden, die durch den 
Tod und sonstigen Wechsel der Mitglieder veranlassten häufigen 
Veränderungen zur Folge haben müssten, haben alle Gesell- 
schaften stets das gleiche Mittel angewandt, nur ihre Directoren 
persönlich einzutragen. Die Eingetragenen werden nun von den 
türkischen Behörden als die Avahren Rechtsträger betrachtet. 
Gegenüber den Gesellschaften, welche sie vertreten, müssen sie 
sich natürlich durch besondere Verträge unter Stipulirung von 
Garantien verpflichten, das auf ihren Namen eingetragene 
Grundstück nicht zum eigenen Nutzen zu verwenden. 

Die erste für die Gesellschaft in Betracht kommende For- 



170 I^r- Graf von Mülinen, 

malität ist demnacli die Aufsetzung einer vom Kaiserlichen Vice- 
consulat zu legalisirenden Urkunde, in welcher die Directoren 
erklären , dass das mit dem Vermögen der Gesellschaft anzu- 
kaufende Grundstück nur mit Rücksicht auf die Lage der türki- 
schen Gesetzgebung auf die Namen der Directoren in die Grund- 
buchregister eingetragen werde, dass das Verfügungsrecht über 
das Grundstück der Gesellschaft zustehen solle, und dass sie deren 
darauf bezüglichen Anordnungen Folge zu leisten haben; ausser- 
dem werden in dieser Urkunde die Garantien aufgeführt, welche 
die Directoren der Gesellschaft gegenüber zur Verhütung jedes 
Missbrauches übernehmen. 

Die bereits mit dem Eigenthümer Ali begonnenen Verhand- 
lungen wegen Ankaufs eines Terrains treten durch Ali's Tod in 
ein neues Stadium. Da er ein Testament nicht hinterliess und 
seine Frau vorher gestorben war, sind die einzigen Erben sein 
grossjähriger Sohn Ahmed und seine minderjährige Tochter 
Aischa, wobei Ahmed zwei Drittel und Aischa ein Drittel des vä- 
terlichen Vermögens erben (Karavokyro, Le droit successoral en 

Turquie p. 23, art. 17). Bei dem Mangel eines vasi ^>^^ (durch 
Testament eingesetzter Vormund) übernimmt der väterliche 

Grossvater die Vormundschaft der Aischa als veli ^Jj^ (natür- 
licher oder gesetzlicher Vormund) (Karavokyro, Lughati kavanin 
sub voce »veli« p. 574, vergl. Tornauw p. 153). 

Zur Vermeidung grösserer Kosten wird das Grundstück des 
Erblassers auf die Erben nicht übergeschrieben, da diese Ope- 
ration mit der Ueberschreibung des zu verkaufenden Grund- 
stückes auf die Namen der Käufer später verbunden werden kann 
(Ottoman Land Code p. 2G0, Instructions regarding the prepa- 
ration in a regulär manner of certificates received by the Emlak 
Office 2. Specimen, p. 271/272). 

Allerdings wird der Verkauf von Grundstücken Minder- 
jähriger durch das heilige Recht, welches den Interessen der 
Waisen eine l)esondere minutiöse Sorgfalt zuwendet, sehr er- 
schwert; und diese Schwierigkeit wird noch erhöht durch den 
Umstand, dass der naib i_^jLi, der Präsident des die Obervor- 
mundschaft ausübenden Scheriatgerichtes, in den Provinzen auch 
im Verwaltungsconseil Sitz und Stimme hat, dem jeder Verkauf 
2ur Genehmigung unterbreitet wird (s. unten). Die muhammr- 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 171 

dänischen Juristen sind über die Zahl der Fälle, in denen ein 
solcher Verkauf eines Grundstückes von Minderjährigen zuge- 
lassen ist, verschiedener Ansicht; nach den strengsten Anschau- 
ungen darf er nur gestattet werden, wenn der Beweis geliefert 
wird, dass die Einkünfte des Minderjährigen zu seinem Unter- 
halte nicht genügen, oder wenn die Gefahr des Verlustes oder 
der Verschlechterung des Grundstückes vorliegt (Commentar von 
Ali Haidar p. 17). In der Praxis ist man jedoch nicht so scru- 
pulös; meist genügt, um den Verkauf durchzusetzen, die Beibrin- 
gung von »starken Beweisen«, dass das wohlverstandene Inter- 
esse des Minderjährigen den Verkauf erheischt. Der Veli der 
Aischa wird es daher übernehmen, vor dem Naib an Gerichts- 
stelle die Nothwendigkeit dieses Verkaufes zu vertreten. 

Freilich besteht noch eine andere Klippe, an der die ganze 
Operation scheitern könnte, darin, dass der Eigenthüraer des 
Nachbargrundstückes sein Kecht zur scliilfaa sxkX^ (Näherrecht) 
geltend macht, indem er unter Bezahlung des verabredeten Kauf- 
preises in den Kauf eintritt. Die Medschelle bestätigt in den 
Artikeln 950ff. ausdrücklich die Satzungen derMulteka(II, p. 179) 
über diese Materie. Nach Medschelle 1008 ff. steht das Schüfaa- 
recht zu: 

1. dem Miteigen thümer; 

2. demjenigen, welcher, nach römisch-rechtlichem Ausdruck, 
eine Servitut auf dem zu verkaufenden Grundstück be- 
sitzt. Als derartige Befugnisse nennt das Gesetz das 
Recht, an der gemeinsamen Quelle Wasser zu schöpfen 

[schirbi c/tass (joLi» v--^)? ferner das andere, einen über 
das Grundstück laufenden Privatweg zu benutzen [fariki 

chaas tjoLi> / 'tf^.y^] ! 

3. dem Nachbargrundeigenthümer, falls ein Theil seiner 
Gebäude, sei es auch nur ein einzelner Balken, sich auf 
das zu verkaufende Grundstück stützt. 

Nothwendigenfalls wird man daher den Nachbarn von der 
Ausübung seines Schüfaarechtes abbringen müssen. 

Die Parteien haben sich endlich über den Preis von 200 
Ltques. geeinigt, der nach dem in Palästina geltenden Usus nach 
Napoleons d'or berechnet Avird. 

Die Verkäufer verlangen Barzahlung des ganzen Betrages 



172 Dr. Graf von Mülinen 



im Moment der Vertragsabschliessung vor den Behörden, die 
Käufer sind jedoch entschlossen, nur die Hälfte bar zu leisten 
und wünschen einen Aufschuh von einem Jahie für die Entrich- 
tung der Restsumme; für die ZAvischenzeit bieten sie den Ver- 
käufern eine hypothekarische Garantie. Zwar dürfte es nach 
den bisherigen Geschäftsgepflogenheiten kaum vorgekommen sein, 
dass Einheimische von ihrem Verlangen der Barzahlung gegen- 
über Fremden abgehen, es soll jedoch hier zwecks Heranziehung 
und Illustrirung der Hypothekarverhältnisse nach türkischem 
Rechte angenommen werden, dass die Verkäufer auf den Vor- 
schlag der Käufer schliesslich eingegangen sind. 

Das türkische Gesetz kennt hinsichtlich des Mülk als Siche- 
rungsmittel das Pfand [relin .-j^, )? womit nicht stets die Ueber- 
tragung des Pfandbesitzes verbunden zu sein braucht. Die das 
rehn betreffenden Bestimmungen iMedschelle Art. 701 — 761, 
L. O. VI, p. 206 ff. erstrecken sich auch auf Immobilien, bezüg- 
lich deren Verpfändung [terinn rj^.^y'-i) neue Regeln zuerst durch 
das Gesetz vom 21. Rebi ul ahir 1257 (L. O. I, p. 274) festgestellt, 
später aber durch diejenigen des Gesetzes vom 28. Redscheb 1291 
(Ottoman Land Code p. 229) ersetzt wurden. 

Nach der türkischen Jurisprudenz bestehen ausserdem noch 
zwei Specialitäten des Kavifvertrages, welche die Stelle der dem 
Begriffe nach unbekannten Hypothek einnehmen, der Bei bil vefa 
und der Istighlal. Der bei bil vefa iLj».jLj ^i (Medschelle Art. 
US. 396 ff., L. O. VI, p. 3S, p. 1 12 ff.) ist der unter der Bedingung 
abgeschlossene Kaufvertrag, dass der Käufer im Falle der Rück- 
zahlung des Kaufpreises durch den Verkäufer zur Rückgabe der 
verkauften Sache gehalten ist. Der istiglal S^'*-^^ ist der Ver- 
kauf vmter Rückkaufsbedingung mit der ferneren Stipulation, 
dass die Nutzung dem Verkäufer verbleiben soll. Beide Rechts- 
institute nähern sich dem Pfände insofern, als bei beiden der 
"Weiterverkauf an einen Dritten ausgeschlossen ist. 

So wie die socialen Zustände mit Nothwendigkeit auf eine 
Ausdehnung der Normen des für Mülk geltenden Verkaufes [bei 
^i) auf Mirie- und Vakufgrundstücke hindrängten, und dem- 
gemäss der Firagh dem Bei entsprechend ausgebildet wurde, so 
wurden auch die Grundsätze des Bei bil vefa und Istighlal für 
diese Ländereien als Firagh bil vefa bez. Istighlal sanctionirt 
(Grundstücksgesetz Art. 116, L. O. I, p. 158). Das Rehn hin- 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 173 

gegen behauptete die alte Jurisprudenz siegreich als ausschliess- 
liches Attribut der Mülkgiiter. 

Alle drei Rechtsinstitute (Rehn, Bei bil vefa und Istighlal) 
sind übrigens im vorliegenden Fall unpraktisch wegen der grossen 
Kosten und wegen der umständlichen Formalitäten. Denn es 
müsste, wenn sie angewendet werden sollten, zuerst eine Ueber- 
traguug des Grundstückes um den ganzen Kaufpreis vom Ver- 
käufer an den Käufer stattfinden, an den sich eine Rück Über- 
tragung vom Käufer an den Verkäufer für die gestundete Kauf- 
summe zu schliessen hätte. Hinzugefügt möge noch werden, 
dass bei diesen drei Pfandarten nach der Praxis das verpfändete 
Grundstück im Besitze des Schuldners bleibt und der Gläubiger 
sich nur die Eigenthumsdocumente [sened >X*^\ sammt dem 
Pfandtitel aushändigen lässt. 

Es existirt jedoch ein anderes Sicherungsmittel, das auf den 
vorliegenden Fall gut passt und vom Gesetz selbst angegeben 
wird. Das oben citirte Gesetz vom 28. Redscheb 1291 (Ottoman 
Land Code p. 229 ff.) sieht nämlich in Artikel 11 den Fall einer 
ganzen oder theilweisen Creditirung des Kaufpreises vor und be- 
stimmt für diese Eventualität, dass der Verwaltungsconseil [idare 
medschlisi ,j>J.:^ ^;^^')j "^or welchem die Erklärungen des Käu- 
fers und des Verkäufers abzugeben sind und welcher über die- 
selben eine mazhata i^^k^a (Protokoll) aufzunehmen hat, diesem 
Protokolle ein die Creditirung des Preises bestätigendes Docu- 
ment als Annex beifüge. 

Nachdem sich die Verkäufer mit diesem Sicherungsmittel 
einverstanden erklärt haben, wird der Termin für die l^ezahlung 
der creditirten Summe auf den 1. April 1900 fixirt, und die Ver- 
käufer erklären hierbei noch ausdrücklich, dass sie sich auch für 
die Zukunft die Benutzung des über das zu verkaufende Grund- 
stück laufenden Privatweges vorbehalten wollen. 

Was w*ir nach römischem Recht unter der Bezeichnung Ser- 
vitut verstehen, wird nach muhammedanischem Recht nicht als 
besonderes Rechtsinstitut aufgefasst und hat demgenäss keinen 
allgemeinen Namen. Da jedoch auch im Oriente das Nachbar- 
recht nicht ohne diese Einrichtung auskommen konnte, traten 
gewisse Erscheinungen auf, die gebieterisch ihre rechtliche Nor- 
mirung verlangten. Die Medschelle kennt daher mindestens 

drei Realrechte an fremden Sachen, das hakki mtirur ^».a / ä.=>, 



174 l)r. Graf von Mülinen, 

die Befugniss, über fremden "Boden zu gehen, das liakki scJiirh 
v_j..;i , Ä>, die Befugniss, an der gemeinsamen Quelle oder am ge- 
meinsamen Bache Wasser zu schöpfen, und das haJcki mesil / k:> 
^^_^^, das Recht, Wasser aus dem Haushalt und von den Dächern 
auf fremden Boden fliessen zu lassen (Art. 142, 143 und 144 der 
Medschelle, L. O. VI, p. 41; Art. 1224 ff., L. O. VII, p. 99 ff.; Art. 
1202 ff., L. O. VII, p. 1 10 ff.; vergl. für die Miriegrundstücke Ar- 
tikel 13 des Grundstücksgesetzes L. O. I, p. 07 f.). Allerdings 
spricht die Medschelle, welche diese Materie im Buche der Ge- 
sellschaften oder Gemeinschaften behandelt, nur von dem Be- 
stehen und nicht von der Errichtung solcher Rechte; ja, sie 
erklärt, gewissermaassen entschuldigend, in Artikel 1224 die 
Sanctionirung der Servituten durch den Respect, den man Ein- 
richtungen aus alter Zeit schuldet. Nichtsdestoweniger ist es 
ebenso unzweifelhaft, dass auch neue Servituten errichet werden 
können, wie dies in der Praxis häufig vorkommt. Uebrigens 
braucht uns die Frage der Errichtung neuer Servituten nicht 
länger aufzuhalten, da nach gesetzlicher Vorschrift der Verkauf 
eines Grundstücks unter Vorbehalt einer Servitut zulässig ist 
(Medschelle Art. 1145, L. O. VII, p. 73). 



Da durch Zustimmuna; der Käufer zu dieser Servitut die 



*» 



Parteien sich über alle Punkte des Inhalts des Kaufvertrages ge- 
einigt haben, kann zur Erfüllung der für den Abschluss erforder- 
lichen gesetzlichen Formalitäten geschritten werden. Der Kauf, 
von Immobilien sogut wie von Mobilien, ist zwar nach Scheriat- 
recht gültig, auch wenn der Vertrag formlos bleibt, es genügt, 
nach den weiter unten angeführten Textesstellen, die erfolgte 
Uebereinstimmung von idschah [^\.:>'\^\) und kahul (J_j->-ä)> Ange- 
bot und Annahme, d. h. des Contraktwillens der Parteien; zur 
Sicherung des Beweises w urde jedoch schon in alter Zeit der Ver- 
trag vor dem Scheriatgericht abgeschlossen, das darüber ein Ver- 

handlungsprotokoll, ein sog. Jiodschet [^:>\z>) ausstellte. Bei der 
Neuorganisation des Immobiliarwesens umgab der Staat, haupt- 
sächlich aus fiskalischem Interesse, den Kauf von Grundstücken 
mit gewissen Formalitäten, von welchen ein Theil den Käufern, 
ein anderer den Verkäufern obliegt, und eine von beiden Par- 
teien gemeinsam zu erfüllende ist. 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 175 

A. Formalitäten der B. Formalitäten für die 
Käufer. Verkäufer. 

1, Erwirkung des Ilmuha- 1. Beschaffung des Ilmuha- 
bers für den Kauf seitens bers für den Erbgang und 
des Consulats. den Verkauf. 

2, Ausstellung einer notari- 2. Beschaftung der Zeugnisse 
eilen Urkunde, wonach über Entrichtung der auf 
die Käufer sich verpflich- dem Grundstücke lasten- 
ten, auf dem Terrain keine den Steuern. 

Juden wohnen zu lassen 
und darauf keine Kirche 
und keine Schule zu er- 
bauen. 

C. Für beide Parteien gemeinsam. 

3, Das Erscheinen vor dem Verwaltungsconseil zur Erwirkung 
der Verkaufsmazbata (im Anschluss hieran die Tradition 
des Grundstücks). 

, 4. (Für die Käufer) nach Eintragung der Mazbata auf dem 
Grundbuchamte die Beschaffung der provisorischen Eigen- 
thumsurkunde [kotschcm, ,..L:>|^s). 
5. (Für die Käufer) Erwirkung der definitiven Eigenthums- 
urkunde [senecli Jiakkani ^iliLi- lXä*^) vom Obergrund- 
buchamte. 

Da die meisten dieser Formalitäten vor den türkischen Be- 
hörden mit vielen Umständlichkeiten und Weiterungen verknüpft 
sind, die für einen mit Sprache, Sitte und Rechtsprechung des 
Landes nicht vollständig vertrauten Fremden sich zu kaum über- 
windbaren Schwierigkeiten gestalten, erscheint es für beide Par- 
teien dringend gerathen, mit der Wahrnehmung derselben einen 
in Grundstücksangelegenheiten bewanderten Bevollmächtigten 
zu betrauen. 

Der Vollmachtsvertrag wurde in alter Zeit vor den Scheriat- 
gerichten abgeschlossen. Seit dem Notariatsgesetz vom 15. Scha- 

ban 1296 [mukavelat muharrirleri nizamnamesi ^J. j*^ o^^^Lüx) 
^*^Ä.^LÄ^Li2i) Düstur IV, p. 33S ff.) wurde dieser Theil der frei- 
willigen Gerichtsbarkeit den Notaren in Concurrenz der be- 
stehenden Scheriatgerichte übertragen. ])iese besonders den 
Fremden Avillkommene Erleichterung wurde jedoch Avieder ein- 



176 -I^r. Graf von Mülinen 



geschränkt durch einen Erlass vom 20. Dschemazi ul ahir 1299 
(Zia Eddin, Commentar p. 172), nach welchem die Beglaubigung 
von Vollmachten in Grundstückskaufsverträgen wie ehedem zur 
ausschliesslichen Cognition der Scheriatgerichte gehört. Die 
Parteien haben daher vor dem Naib, dem Präsidenten des Sche- 
riatgerichtes zu Jaffa, zu erscheinen und vor ihm ihre Vekile 
(Bevollmächtigte) zu benennen und, nach erfolgter Annahme des 
vekialet &j'^^ (Vollmachtsauftrag) durch dieselben, sich eine Aus- 
fertigung über diese Verhandlung aushändigen zu lassen. Immer- 
hin bedürfen die Käufer zur Erfüllung der beiden ersten ihnen 
obliegenden Eormalitäten der Mitwirkung ihres Vekils nicht 
unbedingt. 

1. Das Ümuhaher .^s> Ac (wörtlich: Benachrichtigung) ist 
ein Identitäts- und Lebensattest, welches für die ottomanischen 
Staatsangehörigen von den Muchtaren (Quartiervorstehern), für 
die Fremden von den Consulaten, denen sie unterstehen, ausge- 
fertigt wird. 

Die Käufer begeben sich daher auf die Kanzlei des Kaiser- 
lichen Viceconsulats und erklären, unter Vorlage des ibnen von 
den Verkäufern zu dem Zwecke anvertrauten Titulus, den Kauf 
eines bestimmten Grundstückes, mit Benennung des Verkäufers 
und des Kaufpreises, zu beabsichtigen, worauf sie gegen Ent- 
richtung der Gebühren ihr llmuhaber in Empfang nehmen. In 
Konstantinopel am Kaiserlichen Generalconsulat wird nach dem 
dort bestehenden Usus das llmuhaber in türkischer Sprache in 
Form eines Zeugnisses redigirt. Die Interessenten haben die 
betreffende Piece durch das iahiiet kalemi ^^^-^i ^l>^:^»JLj■ (Natio- 
nalitätsbureau) im Auswärtigen Ministerium auf der Hohen 
Pforte legalisiren und es durch Vermittelung der bcledie äj^xL 
(Municipalität) der Defterhane zugehen zu lassen. In Jaffa be- 
dient sich die deutsche Behörde der Form eines arabischen Schrei- 
bens des Kaiserlichen Viceconsuls an den Kaimmakam (s. v. a. 
Landrath), für welches die folgende Fassung gewählt worden ist: 
(Uebersetzung.) 

An die hohe Kaimmakamie zu Jaffa. Nr. . . . 

Herr Kaimmakam ! 

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich ergebenst mitzu- 
theilen, dass (folgen die Namen der Käufer) erklärt haben, das 
ausserhalb Jaffas belegene, so und so begrenzte und durch Senedi 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 177 

hakkani Nr. . . . vom (Datum des Senedi hakkani) bezeichnete 
Mülkgrundstüek von (Namen der Verkäufer) zum Preise von . . . 
käuflich erwerben zu Avollen. Da die Käufer deutsche Reichs- 
angehörige (Schutzgenossen) und als solche und noch am Leben 
befindlich in der Matrikel des Kaiserlichen Viceconsulats einge- 
tragen sind, bestehen keine gesetzlichen Hinderungsgründe für 
den beabsichtigten Kauf. 

Euer Hochwohlgeboren ersuche ich daher ergebenst, den 
zuständigen Behörden die für denselben erforderlichen Befehle 
erth eilen zu wollen. 

Ich benutze diese Gelegenheit u. s. av. 

(Datum.) (Siegel.) N. N., 

Kaiserlich Deutscher Viceconsul. 

Der Kaimmakam setzt, sobald das Ersuchen des Vicecon- 
sulats durch die Partei mit einem nach dem angegebenen Ver- 
kaufspreis variirenden Stempel (gemäss dem Stempelgesetz, Zu- 
satz vom 27. Redscheb 1302; Medschmai lahikai kavanin I, p. 
618) versehen ist, seine Verfügung darauf und überweist die 
Sache den zuständigen Behörden, zuerst dem Comraissar der 
Defterhane. 

Nicht zu vergessen ist hierbei, dass die türkischen Behörden 
nur von denjenigen Consulaten solche Ersuchen annehmen, 
deren Regierungen zu dem bereits oben citirten Protokolle zum 
Gesetz über Grundstückserwerb seitens Fremder (L. O. I, p. 22, 
Note) ihren Beitritt erklärt haben. 

Hinzuzufügen ist noch, dass, während in Konstantinopcl 
das Ilrauhaber des Generalconsulats, wie oben bemerkt, die 
Stelle des Ilmuhabers der Muchtare vertritt, die türkischen Be- 
hörden in Palästina ausser dem ersteren noch ein solches der 
Muchtare verlangen. Die Ilmiihabers der Muchtare, deren Re- 
daction durch die Instructionen bezüglich der Ilmuhabers (ohne 
Datum, Ottoman Land Code p. 269) vorgeschrieben ist, haben 
folgende Fassung: 

Formular 
von Ilmuhabers für Mülk- und Miriegrundstücke 
in Konstantinopel und der Provinz. 
Liva: Jerusalem. Kaza: Jaffa. Gemeinde: Dorf- 
bezirk: Gegend: Quartier: Sarona. Strasse: zur 

Ztschr. a. Pal.-Ver. XXIH. 12 



178 Dr. Graf von Müliuen, 

Mühle. Municipalitätszirkel: Hausnummer: . . . Kate- 
gorie: ein Grundstück Mülk. Grenzen: (Angaben derselben 
nach den vier Himmelsrichtungen). 

Unterschrift des Verkäufers und des Käufers. 

Ich bestätige durch mein Zum Beweise dafür, dass 

Siegel, dass ich dem Käufer ich vor dem zuständigen 13e- 
gemäss meines Seneds und amten meine Absicht zu kaufen 
ohne irgend welche Documente (verkaufen) bestätigt habe, ist 
zu verheimlichen das bezeich- an diesem Ort das erforderliche 
nete Grundstück zu verkaufen Siegel beigesetzt worden, 
beabsichtige. (Für Analphabeten.) 

(Für den Käufer.) 

Ich bestätige hiermit durch 
mein Siegel (meine Unter- 
schrift), dass ich das bezeich- 
nete Grundstück von 

zu kaufen beabsichtige. 

Das oben angegebene, in N.N.'s Eigenthum (Mülk) stehende, 

durch Sened vom Nr. . . . bezeichnete und so und so 

begrenzte Grundstück soll im AVege regelrechten Kaufes um 

den Preis von durch (Namen), deutsche Reichs- 

angehörige christlicher Religion, die uns persönlich bekannt sind, 
angekauft werden. Wir bezeugen durch unsere beigesetzten 
Siegel, dass diesem Ankaufe keine gesetzlichen Hindernisse im 
Wege stehen, doch die Verfügung steht dem zu, der zu befehlen 
hat. (Gewöhnliche Schlussformel bei Anträgen untergeordneter 
Behörden bei Vorgesetzten.) 

(Datum.) 
(Stempel.) 

Der erste Muchtar. Der zweite Muchtar. 

(Siegel.) (Siegel.) 

2. Die zweite r>edingung, Avelche die Käufer zu erfüllen 
haben, ist eine vom Notar zu beglaubigende Erklärung folgenden 
Inhalts : 

Wir (Namen), deutsche Reichsangehörige christ- 
licher Religion, wohnhaft in Jaffa, verpflichten uns, behufs An- 
kaufs des Grundstücks (Bezeichnung) des (Namen des Verkäufers) 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 179 

hiermit ausdrücklich, auf dem von uns zu erwerbenden Grund- 
stücke keine Juden, denen der Aufenthalt in Palästina verboten 
ist, Avohnen zu lassen und keine Kirche, Schule, kein Spital und 
keine Apotheke ohne besondere Erlaubniss der zuständigen Be- 
hörde zu errichten. Im Falle wir dieser Verpflichtung zuwider- 
handeln, gestehen wir der Behörde das Recht zu, den früheren 
Zustand wiederherzustellen (d. h. die Gebäude niederzureissen), 
und wir versprechen, dass wir ein derartiges Beginnen nicht 
wiederholen werden. Es soll uns gegen eine solche Verfügung 
der Behörde kein Reclamations- und kein Beschwerderecht zu- 
stehen. 

Zum Zeichen dieser unserer Verpflichtung wird diese Ur- 
kunde von uns durch unsere Unterschrift bestätigt. 

(Datum.) 

(Stempel.) Unterschrift. 

Solemnitäts- und Identitätszeugen. 
Namen. Namen. 

Diese Urkunde wird vom Notar mit folgender Bemerkung 
versehen: 

Unter dem angegebenen Datum erschienen in Person vor 
mir (Namen, Staatsangehörigkeit, Domicil), welche in meiner 
Gegenwart vorstehende Urkunde durch ihre Unterschrift be- 
stätigten und deren" Beglaubigung in Gegenwart der mitunter- 
zeichneten Solemnitäts- und Identitätszeugen (Namen) bean- 
tragten. 

Dem Antrag gemäss ist von mir die Beglaubigung der Unter- 
schrift der vollzogen worden. 

(Datum.) 

Der Notar von Jaff"a. 
(Stempel.) 

Siegel. 
Die Verordnung, nach welcher — ausschliesslich in l'alästina 
— diese Bedingung an alle Käufer von Grundstücken gestellt 
wird, ist nirgends publicirt Avorden. 

B. In der Zwischenzeit haben die Verkäufer die ihnen ob- 
liegenden Formalitäten erfüllt. 

1. In Gemässheit des Artikels 11 des Gesetzes vom 28 Red- 

12* 



\ g() Dr. Graf von Mülinen, 

scheb r2'Jl (Öttoinan Land Code p. 22!) ff.) und der Instruction 
bezüglich der Ilmuhabers (Ottoman Land Code p. 269 iF.) haben 
sie sich von ihren Muchtaren und dem Imam ihr Verkäuferilmu- 
haber beschafft, das ausdrücklich die Bemerkung enthält, dass 
das zu verkaufende Grundstück ihnen eigenthümlich als Erbe 
ihres Vaters zusteht, dass die Ueberschreibung [iHtikal) von ihrem 
Vater auf sie selbst in den Grundbuchregistern noch nicht statt- 
gefunden hat, dass das Grundstück nicht schon (im Geheimen 
durch formlosen Vertrag) verkauft, nicht verpfändet und nicht 
sequestrirt ist. Beantragt wird die Ueberschreibung des ganzen 
ererbten Grundstückes von dem Erblasser auf die Erben [intikal 
t3Lft;:ji), die Abtrennung des zu verkaufenden Theiles von dem 
ihnen verbleibenden Theil [ifraz ;lyl) und der Verkauf des 
ersteren [Jjei ^-^j). Das Ilmuhaberformular bedarf zur Gültig- 
keit auf der Rückseite des Stempels des Obergrundbuchamtes zu 
Konstantinopel. (Gedruckter Vermerk auf der Rückseite der 
Formulare.) 

2. Nachdem der siindik emini ^c^i^^ / ^A'^'^ (Kassier der 
Municipalität) die Kosten auf diesem Ilmuhaber vermerkt hat, 
Avird dasselbe dem Kaimmakam vorgelegt, der es den »zustän- 
digen Behörden« überweist. Hierunter sind in diesem Falle die 
verschiedenen Steuerämter, die Verwaltung der Grundsteuer 
{cergi yi'^_*\ der Zehnten [aschar .Lcc^cl), die TJnterrichtsbehör- 
den [mearif o.Lx.*) für die von diesen zu erhebende Zuschlags- 
steuer, die Administration der Vakufangelegenheiten und der 
Municipalität (beledie) verstanden, die sämmtlich bezeugen 
müssen, dass auf dem Grundstück keine rückständigen Steuern 
mehr lasten (Vezirialerlass vom 10. Rebi ul ahir 1203, L. O. V. 
p. 265). 

Dann wird die Sache vom Kainnnakam dem Commissar des 
]3eftcrhane zugeschrieben. Li den Sandschaks untersteht dem 

(Jefterhane meimiru (^.j./oU ^öLi-^ÄsJ» ein besonderer Schreiber 
für Mülkangelegenheiten ; in den Kazas ist der emlah kiatibi 
j^Aj'i' 'S'^aS sein Vertreter, der dem speciellen Commissar für 
Miriesachen, dem tapu liatihi ^S^ j-jl--^) ^ur Seite steht (Art. 3 
des Gesetzes vom 28. Redscheb 1291). Factisch sind in kleineren 
Landrathskreisen die beiden letzteren Stellen öfter cumulirt. In 
diesem Bureau werden sich die Bevollmächtigten beider Parteien 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 181 

treffen und daselbst die Vorbereitungen für die eigentliche Ver- 
kaufsverhandlung vor dem Verwaltungsconseil verabreden. 

C. 3. Zum anberaumten Termin erscheinen die Parteien 
in Person oder deren Bevollmächtigte vor dem Verwaltungs- 
conseil. 

In den Kazas setzt sich dieser Verwaltungsconseil nach Ar- 
tikel 47 des Vilajetgesetzes vom 7. Dschemazi ul ahir 1281 (L. 
O. II, p. 273 ff.) unter dem Vorsitze des Kaimmakams zusammen 
aus dem Naib (oder Kadi, dem Präsidenten des Scheriatgerichts), 
dem Mufti (der über Fragen des Scheriatrechts Gutachten abzu- 
geben hat), den geistlichen Oberen der nichtmuliammedanisclien 
Glaubensgenossenschaften, in Jaffa der orthodoxen Griechen, 
der Armenier und der Lateiner, sowie aus dem kaza kiatibi L-ai 
-o'>^ (Secretär des Kaza) und drei von der Bevölkerung gew^ähl- 
ten Mitgliedern. Befugnisse und Geschäftsgang dieses Vervval- 
tungsconseils sind geregelt durch Artikel 92 und 93 des Gesetzes 
über die allgemeine Verwaltung des Vilajets vom 29. Schevval 
1287 (L. O. III, p. 7 flVi. Für einen Fall wie den vorliegenden, 
wo es sich um den Verkauf eines Mülkgrundstückes handelt, be- 
darf es nach Artikel 11 des Gesetzes vom 28. Redscheb 1291 (Otto- 
man Land Code p. 229 ff.) der Anwesenheit des Naib sowie eines 
Commissars des Defterhane oder des Tapu kiatibi. ■ 

Die Prüfung der Sache richtet sich zuerst auf die Identität 
der Erschienenen. Die Bevollmächtigten haben ihre Vollmach- 
ten, die Parteien ihre Legitimationspapiere vorzuweisen. Von 
den ottomanischen Unterthanen wird die Vorweisung des heut- 
zutage unter dem Namen »Hamidie« bekannten Tezkere (ein 

Zeugniss des tahrir memuru ^^^J^AiA .j.cs^ö, der die Bevölkerungs- 
und Steuerlisten führt, gemäss einer Bestimmung des oben ci- 
tirten Artikels 1 1), von den Fremden Pass oder Schutzschein der 
Consularbehörde verlangt. 

Unter Vorlage der früher erwähnten Ilmuhabers und der 
anderen Urkunden geben die Parteien ihre Erklärungen über den 
Kaufvertrag, betreffend das Grundstück, ab, indem sie beifügen, 
dass ein Theil des Kaufpreises creditirt wurde. 

Auf diese Erklärungen hin wird im Gonseil eiue Mazbata 
ÄaA*i2-3 (Protokoll) bezüglich des Kaufes aufgenommen, die nach 



182 l^r. Graf von Mülinen, 

Vorlesung von jedem Mitgliede untersiegelt und unterschrieben 
wird. Ausserdem wird ein besonderer dein senedi ^lXä^ .-jO 
(Schuldurkunde), der die Creditirung des halben Kaufpreises be- 
stätigt, aufgesetzt und ebenfalls von jedem Mitgliede untersiegelt 
und unterschrieben (vergl. den oben citirten Artikel 11). 

Für die Form einer solchen Mazbata mag folgende Ueber- 
setzung als Beispiel gelten : 

Es erschienen vor uns: 

(Namen der Verkäufer: z. B. Ahmed, Sohn des Ali, und sein 
väterlicher Grossvater Mohammed, Sohn des Omar, Veli seiner 
Enkelin Aischa, Tochter Ali's und Schwester Ahmed's, an deren 
Stelle er verhandelt; oder: Namen der Bevollmächtigten mit Be- 
zeichnung der Vollmachten und Benennung der Vollmachtgeber), 
beide ottomanische Staatsangehörige islamischer Religion, wohn- 
haft in Jaffa, bekannt und verfügungsfähig 

und verkauften durch regelrechten Verkau fsvertrag nach den 
Satzungen der Scheriat das bei Sarona, ausserhalb Jaffa' s bele- 
gene, durch Sened Nr. . . . vom (Datum) bezeichnete, so und so 
begrenzte Grvindstiick, dass sie von Ali geerbt haben, das ihr 
Eigenthum iMülk) ist und worüber sie verfügen können, 

an (Namen der Käufer] in der Person ihres Vekils (Namen des- 
selben) kraft einer nach dem Rechte der Scheriat ausgestellten 
Vollmacht um den Preis von (200 Ltques.), dessen Bezahlung 
nach den Bestimmungen des besonderen, dieser Mazbata beige- 
fügten Dein senedi zu erfolgen hat, und mit der Bedingung, dass 
ihnen, den Verkäufern, die Benutzung des über das zu verkaufende 
Grundstück laufenden Privatweges wie bisher zustehen solle. 



■'o^ 



Die Verkäufer erkennen an, dass die Gegenleistung des 
Kaufpreises nach den Bestimmungen des Dein senedi geregelt 
ist, und befreien das Gewissen der Käufer von jeder Reclamation 
wegen Arglist, Betrug oder üebervortheilung, so dass, sogar wenn 
dies der Fall wäre, dieser Verkaufsvertrag zu Recht bestehen 
soll, gemäss seiner regelrechten Errichtung durch Angebot und 
Annahme, durch Tradition und Besitzergreifung und durch Räu- 
mung des Grundstückes nach den Satzungen der Scheriat, 

und der Vekil der Käufer hat an deren Stelle diesen Kauf ge- 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 183 

nehinigt. Zvi ürkimd dessen ist diese liestätigungsniazbata auf- 
gesetzt Avorden. 

(Datum 1. April ISO'J.) 

Der Vorsitzende Der Naib. Der Mufti. Der Finanzdirector 
der Coramission. des Kaza. 

(Siegel.) (Siegel.) (Siegel.) [Siegel.) 

Mitglied. 
(Siegel.) 
(Stempel.) 

Der Tapu kiatibi. Der Grundsteuerbeamte. 

(Siegel.) (Siegel.) 

Der Vekil der Vakufsachen. 
(Siegel.) 

Die Kosten der Urkunde trägt, wie überhaujit diejenigen 
aller Verkaufsformalitäten, der Käufer (Art. 202 der Medschelle, 
L. O. VI, p. 82). Die Urkunde wird dem Kaimmakam noch be- 
sonders vorgelegt (Art. 92 des Gesetzes über die allgemeine Ver- 
waltung der Vilajets, L. O. III, p. 31) und dann von demselben 
behufs Eintragung in das Grundbuch dem Grundbuchbeamten 
zugeschrieben. 

Der Abschluss dieses Vertrages vor dem Verwaltungsconseil 
ist das wesentlichste Erforderniss des Kaufes; immerhin bedarf 
die Frage nach dem Zeitpunkt, in welchem das Eigenthum vom 
Verkäufer auf den Käufer übergeht, noch näherer Beleuchtung. 

Betreffs der Mirieländereien bestimmt das Grundstücksgesetz 
in seinen Artikeln 36 und 3 7 (L. O. I, p. 81 f., vergl. auch die Com- 
mentare von Ali Haidar p. 170 f , Zia Eddin p. 1G2 f und llalis 
Eschref p. 90) ausdrücklich, dass der Uebergang des Tesarruf 
durch die landesherrliche Erlaubniss erfolgt, welche die erste Be- 
dingung jedes Firaghs ist. 

Für die Mülkgrundstücke jedoch, die in dieser Beziehung 
keinen anderen Satzungen unterliegen als die Mobilien, sind alle 
Formalitäten vor den Katasterbehörden nur von secundärem 
Werthe, und ihr Wegfall kann keinen Verkauf anfechtbar machen. 
Streitig ist die Frage, ob das Eigenthum an einem Grundstück 
vom Verkäufer auf den Käufer schon durch den Vertragsab- 
schluss oder erst durch die darauf füljjende Tradition überseht. 
Da die in der Legislation Ottomane (vol. VI und VII) enthaltene 



J84 I^r. Graf von Mülinen, 

Uebersetzung der Medsclielle nicht durchweg einwandfrei ist, 
folge hier eine wörtliche Wiedergabe der betreffenden Texte; 

Art. 101. Das Angebot [idscJiah ^\.^j,\] ist behufs Herbei- 

fiihrung des tesarriif i^^^aj" (des Verfügungsrechts einer Sache) 
das erste auszusprechende Wort; auf ihm beruht der Tesarruf. 

Art. 102. Die Annahme [kahd i3>>.i) ist behufs Herbeifüh- 
rung des Tesarruf das zweite auszusprechende Wort. Durch 
sie wird der Vertrag [akd (Aäc) perfect. 

Art. 103. Der Vertrag («M, wörtlich: Verknüpfung) ist die 
Verpflichtung beider Parteien hinsichtlich irgend eines bestimm- 
ten Punktes; er besteht in der Herstellung der Uebcreinstim- 
mung zwischen Angebot und Annahme. 

Art. 104. inikad ^Lä*j! (etymologisch herzuleiten von akd, 
das Verknüpftwerden) ist die Uebereinstimmung zwischen Idschab 
und Kabul, die bewirkt, dass die Folgen des Vertrages nach 
aussen in Erscheinung treten. 

Art. 105. y>hei» «.^j (Verkauf) ist der Tausch einer Sache 
gegen eine andere. Der l)ei kann munahid lXäää.^ (Particip von 
inikad, verknüpft, d. h. abgeschlossen, perfect) oder gliairi mu- 
nahid lAäxÄ/fl .*£. (nicht abgeschlossen) sein. 

Art. 106. f>heAi munakid<- (abgeschlossener, perfecter Ver- 
kaufsvertrag) ist derjenige, bei welchem der Inikad eingetreten 
ist. Man unterscheidet dabei -'>hcii sahik<^ ^\jvj?^^>o «.xj, den giltigen 
Verkauf, »beii fasid« iA-wLs «.^j, den anfechtbaren, y>bcii naßz« 
js.iL3 «.Aj, der zur Gültigkeit keiner weiteren Bedingung bedarf, 
und »im mevkuf« vJj-s^-^ <-:^j, der zur Gültigkeit von der Zu- 
stimmung einer dritten Person abhängt. 

Art. 107. »beii gJiairi tnunaJmh- lXäxä/« .Ai ;tAj (der nicht- 
abgeschlossene Kaufvertrag) ist nichtig. 

Art. 167. Durch idsdiab und kabul wird bei (der A'erkauf) 
munakid (abgeschlossen, perfect). 

Art. 369. Die gesetzliche Folge des -»bei munakid« ist der 
Uebergang des Eigenthums, d. h. durch ihn wird der Verkäufer 
Eigenthümer des Preises, der Käufer Eigenthümer der verkauften 
Sachen. 

Hiernach scheint die Frage des p]igenthumsüberganges zu 
Gunsten des Vertragsabschlusses gelöst zu sein. Andererseits 
ist nicht zu leugnen, dass der Tradition des Verkäufers oder, nach 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuchwesens. 185 

der Sprache der muhammedanischen Juristen, vielmehr der ent- 
sprechenden Thätigkeit des Käufers, der Besitzergreifung [kahz 
(j:2>.i), Folgen von der grössten Wichtigkeit beigelegt werden. Die 
Medschelle bespricht sogar eine Reihe von Fällen (Art. 293. 294. 
295. 296. 281) in der Weise, dass man annehmen konnte, der 
Eio-enthumsübergang finde gesetzlich nicht schon beim Vertrags- 
abschluss, sondern erst bei der Uebergabe statt. Dahingegen 
kennt dieselbe Medschelle wieder andere Fälle, aus denen das 
Entgegengesetzte zu erhellen scheint (Art. 297). Eine singulare 
Unterscheidung Avird gemacht in Artikel 253, wonach der Käufer, 
Avenn es sich um Immobilien handelt, dieselben vor der Besitz- 
ergreifung Aveiterverkaufen, aber Mobilien vor der Tradition nicht 
ffültij? verkaufen kann. 

Die Erklärung für diese Aviderstreitenden Bestimmungen 
liegt darin, dass schon von Alters her in der muhammedanischen 
Jurisprudenz zwei entgegengesetzte Strömungen existirten, avo- 
von die eine in dem oben citirten Artikel 369 (vergl. ferner Ar- 
tikel 262) zwar im Princip durchdrang, jedoch in den einzelnen 
Fällen des Rechtslebens die andere nicht gänzlich verdrängen 
konnte. Unter diesen Umständen scheint es gerathen, sich eher 
an den formellen Text dieses Artikels zu halten, Avonach der 
Eigenthumsübergang durch den Vertragsabschluss erfolgt. 
Hieran ändert auch eine Creditirung des Kaufpreises bis zu einem 
bestimmten Datum, Avie sie in dem uns vorliegenden Beisi)ielc 
eintrat, nichts (Medschelle Art. 245. 247). 

Die Uebergabe, Avelche auf den Vertragsabschluss zu folgen 
hat (Medschelle Art. 262), Avird bcAvirkt durch die Erlaubniss zur 
Besitzergreifung, Avelche der Verkäufer dem Käufer auf die 
Weise ertheilt, dass Letzterer sie ohne Hinderniss vollziehen 
kann (Art. 263). Für Immobilien ist ausdrücklich bestimmt 
(Medschelle Art. 266), dass, Avenn der Käufer sich auf dem ver- 
kauften Grundstücke befindet oder wenn er es auch nur irgend- 
Avie erblicken kann, die ihm vom Verkäufer ertheilte Erlaubniss 
zur Besitzergreifung der letzteren selbst gleichkommt. 

Nach der erfolgten Bezahlung des Kaufpreises (Art. 262) 
Averden sich daher die Käufer diese Erlaubniss ertheilen lassen, 

4. Ihr \'ekil übernimmt die Verfolgung der Sache auf dem 
Grundbuchamte. Nach der Eintragung der Mazbata im Grund- 
buche erhält er einen Coupon [kotscJicm qL>j.j) ausgehändigt. 



186 Dr. Graf von Mülinen, 

welcher als provisorischer Eesitztitel gilt und vom Kaimmakam, 
dem Naib, dem Tapu kiatibi und dem Cassirer der Municipalität 
zu untersiegeln ist (Art. 7 des Gesetzes vom 2S. Redscheb 1291, 
Ottoman Land Code p. 229 ff.). 

5. Am Schlüsse des Monats hat der Vertreter des Defterhane 
einen zweiten, mit obigem Kotschan übereinstimmenden Cou- 
pon, in Verbindung mit allen übrigen Coupons der im Laufe des 
Monats eingetretenen Verhandlungen, dem Obergrundbuchamte 
in Konstantinopel einzureichen. Nachdem der Inhalt dieses 
Coupons in die dortigen Register eingetragen ist, wird aus Kon- 
stantinopel dem Commissar in der Provinz ein senedi hakam 
^j'Ls'Li> Aaa« (ein definitiver Titel), der die grossherliche tmjhra 
Lii^ (der Namenszug des Sultans) als Kopfdruck aufweist, be- 
hufs Aushändigung an den neuen Eigenthümer übermittelt. Die 
Behändigung desselben ist die letzte erforderliche Formalität 
(Art. 8. 9 des letztgenannten Gesetzes). 

Zum Schlüsse sei hier noch die Uebersetzung eines derarti- 
gen definitiven Titels beigefügt : 

Grossherrliche Tughra 
(Namenszug des Sultans) el Ghazi 

Abdul Hamid-Chan (d. h. der Glaubenskämpfer.) 
Sohn des Abdul Medschid-Chan, 
der stets Siegreiche. 

(Jahreszahl des Regierungsjahres.) 
Heft des Monats: März 131G. Nummer der Reihe: 

Stadtkreis: 99. 

Senedi hakani (Grossherrliche Urkunde). 

Liva: Jerusalem. Kaza: Jaff"a. Gemeinde: .... Dorf: .... 
Gegend: .... Quartier: .... Strasse: .... Ort: Weg zur Mühle. 

Gegenstand : Ackergruudstück. 

Kategorie: reines Mülk (volles Eigenthum). 

Grenzen: nach Osten: die Erben Alis, nach Norden: Acker 
Beramke's, nach Westen: Acker Aberle, nach Süden: Weg. 

Flächenausdehnung: 

Muchassis: (diese Formulare sind für alle Kategorien ein- 
gerichtet. Muchassis ist, im Falle der Vakuf- Kategorie, der 
Stifter). 

Früherer Eigenthümer: Ali. 



Beiträge zur Kenntniss des türkischen Grundbuehwesens. 187 

Titel für die Ertlieilung des Sened : Verkauf durch die Erben 
des Ali. 

Eigenthümer: die deutschen Reichsangehörigen (folgen die 
Namen). 

Werth des Grundstückes: (der früher in den Registern ein- 
getragene Betrag, z, B.:) 15000 Piaster. 

Kaufpreis: 20000 Piaster. 

Durch die kaiserliche Tughra am Kopfe des Seneds wird 
bestätigt: Das oben bezeichnete Grundstück ist im Kaiserlichen 

Obergrundbuchamte auf die Namen der eingetragen 

worden; zum Zeichen des Verfügungsrechtes derselben über 
dieses Grundstück als reines Mülk ist ihnen dieses Mülksenedi 
ausgehändigt worden. 

(Datum.) (Siegel des Deftcrhane-i-hakani.) 



Quellen. 

1. Düstur. Offieielle Gesetzsammlung des Türkischen Reiches. 4 Bände 
mit 4 Zeils (Anhängen). 

2. Medschmai lahikai kavanin (Folge der seit dem letzten Zeil des Düstur 
publicirten Gesetze). Sammlung von Arisdakes Kasparian. 3 Bände. 

3. Multeqa. Codification des Scheriatrechtes, von Ibrahim Halebi mit dem 
Commentar des Mevkufati. Neue Ausgabe, Konstantinopel 1302. 

4. Medschelle. Das ottomanische Civilrecht. Kleine Ausgabe mit Anmer- 
kungen von Mehmed Ali-Bay. Die Medschelle ist auch in verschiedenen 
Bänden des Düstur zerstreut zu finden, und eine Uebersetzung enthalten 
die Bände 6 und 7 der Legislation Ottomane. 

5. Legislation Ottomane. Französische Uebersetzung der türkischen Ge- 
setze von Aristarchi-Be'y und Demetrius Nicolaides. 7 Bände. 

6. Miltiade Karavokyro, Lughati Kavanin (Wörterbuch der juristischen 
Ausdrücke, türkisch). 

7. Miltiade Karavokyro, Droit successoral en Turquie. 

8. Ongley, The Ottoman Land Code, revisedbyHorace E.Miller. London 1892. 

9. Ahkamul erazi (Rechtsentscheidungen, in Form von Fetvas, bezüglich 
des Immobiliarrechts) von Omar Hilmi (türkisch). 

10. Ithaf ul Akhlaf fi abkam il evkaf (Geschenk an die Nachfolger: Die Re- 
geln der Vakufgüter) von Omar Hilmi (türkisch). 

11. Lois regissant les Proprietes dediees (Awkafs). Traduit du Türe par 
Stavrides et Dahdah. (Uebersetzung des vorstehenden "Werkes von Omar 
Hilmi.) 

12. Commentar des Kanunname-i-erazi von Ali Haidar (türkisch). 

13. Commentar des Kanunname-i-erazi von Zia Eddin (türkisch). 

14. Commentar des Kanunname-i-erazi von Halis Eschref (türkisch). '• 



188 , Inhalt. 

15. Mouradgea d'Ohsson, Tableau de l'Empire Ottoman. 

16. Jovanovic, Die ottomanische x\grargesetzgebimg (Zeitschrift iür inter- 
nationales Privat- und Strafrecht. Band 4, Heft 6 Leipzig ISQJ). 

17. Arslanian, Das gesammte Recht des Grundeigenthums in der Türkei. 

18. Recension der vorstehenden Broschüre durch Adalbert Shek (Jahrbuch 
der internationalen Vereinigung für vergleicliende Rechtswissenschaft 
und Volkswirthschaftslehre I. Jahrgang, 1. Theil, 1895, p. 281 ff.^. 

19. Ueber die Exterritorialität der Ausländer in der Türkei von Antonopoulos 
und Dr. F. Meyer (ibid. p. 95 ff.). 

20. von Hanimer-Purgstall, Geschichte des Ottonianischen Reiches. 

21. von Tornauw, Das moslemische Recht. 

22. von Tischendorf, Das Lehnswesen in den moslemischen Staaten, speciell 
im osmanischen Reiche. Leipzig 1872. 



Inhaltsübersicht. 

Seite 

L Ueberblick über die Entwickeln ng des türkischen Grund- 

buchweseus 159 

IL Praktisches Beispiel einer Eintragung in das türkische 
Grundbuch 168 

1. Ausschliessliche Fähigkeit natürlicher Personen zur Erwerbung 
von Grundstücken 169 

2. Natürliche Erben 17i» 

3. Natürliche (gesetzliche) Vormünder 170 

4. Verkaufsbeschränkungen eines im Eigenthum Minderjähriger 
stehenden Grundstücks 170 

5. Das Schüfaareeht (Näherrecht) 171 

6. Hypothekarverhältnisse. Ersatz für die Hypotheken 172 

7. Servituten 173 

8. Tabelle der zur Eintragung erforderlichen Formalität ea . . . .174 

9. Wo\\ma.cht [vekialefi scher le) 175 

10. Ilmuhaber des Käufers 176 

11. Notariell beglaubigte Verpflichtung des Käufers, auf dem Grund- 
stück keine Juden wohnen zu lassen und keine Kirche u. s. w. 

zu errichten 178 

12. Ilmuhaber des Verkäufers 180 

13. Nachweis der Entrichtung der auf dem Grundstücke lastenden 
Steuern 180 

14. Der Verwaltungsconseil 181 

15. Mazbata des Verwaltungsconseils 182 

16. Untersuchung desTZeitpunktes des Eigenthumsüberganges beim 
Kauf. Die Besitzergreifung 183 

17. Aushändigung der provisorischen und der definitiven Eigenthums- 
urkunde 185 

18. Formular einer definitiven Eigenthumsurkunde 186 



Inhalt 

des (IreiiiiidzAvanzigsten Bandes der Zeitschrift des Deutsclieu 

Palästina -Vereins. 



Seite 
Beiträge zur Keuntniss der Syrischen Steppe. Vou M. Ilartmann 1, 97 

Nachtrag zu ZDPV XXI, S. 184 ff. Von L. Gautier 78 

Zur Flora der biblischen Länder. Von H. Christ 79 

Beiträge zur Kenutniss des türkischen Grundbuchweseus. Von 

Graf V. MüUnen 159 



Bücheranzeigen: E. Post, Flora of Syria, Palestine and Sinai etc. 79 

L. Fonck, Streifzüge durch die biblische Flora . .' 82 

3f. V. Op2)enheim, Aus der Sommerflora Syriens und INIesopota- 

miens etc 91 

Fr. Bulü^ Geographie des alten Palästina 92 

Zu Seite 

Tafel 1 : Kartenskizze des nördlichen Theils der Syrischen Steppe 1 ff. 



i 



Druck von Breitkopf & Hüriel in Leipzij,'. 



;«■' 



Zeitschrift 



des 



Deutschen Palaestlna-Vereins. 



Herausgegeben 



von dem geschäftsführenden Ausschuss 



unter der verantwortlichen Redaction 



von 



Lic. Dr. Immanuel Benzinger. 



Band XXIV. 

Mit 4 Tafeln und 24 Abbildungen. 



Leipzig 1901 

in Commission bei K. Baedeker 



Inhalt 

des vienmdzwaiizigsteii Bandes der Zeitsclirift des Deutschen 

Palästina- Vereins. 



Seite 
Die Jerusalemsfahrt des Herzogs Heinrichs des Frommen von Sachsen. 

Von Professor Dr. li. RöhricJit 1 

Eine amtliclie Liste der Bediünenstämme des üstjordanlandes. Von 

♦Dr. E. Littmann • 26 

Kleidung und Schmuck der Araber Palästinas. Von L. Bauer ... 32 
Bemerkungen zu A. Socius „Liste arabischer Ortsappellativa'". Von 

L. Bauer 39 

Die arabischen Inschriften in Salamja. Von Professor Dr. M. Hart7na7in 49 
Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. Von Dr. 

W. Christie 69 

Am Toten Meere und im Lande Moab. Von Professor Dr. Lucien Gautier 113 
Die Palästinakarte Bernhard von Breitenbach's. Von Professor Dr. 

R. Röhricht 129 

Lobpreis des guten Pferdes. Von L. Bauer 136 

Das ueuaufgefuudene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. Von Professor 

Dr. J. Strxygowski 139 

i Otto Karsten. Von Professor iZer?«««« Outite . 172 

Bemerkungen zu Christie, der Dialect der Landbevölkerung des mittleren 

Galiäa. Von Professor Dr. ./. Golihihcr 178 



Bücheranzeigen. 



ö' 



Das deutsche Kaiserpaar im Heiligen Lande 41 

A. Keller, Eine Sinaifahrt 42 

M. Freih. v. Oppenheim, Vom Mittelmeer zum persischen Golf ... 43 

G. Gatt, Die Hügel von Jerusalem 45 

A. Smith Lewis und M. Dunlop Gibson, Palestine Syriac Texts ... 48 

Barunbe, Le mout Thabor ; 127 

K Littmann, Arabische Schattenspiele 178 

W. Küffner, Palästina 179 

K. Rüekert, Die Lage des Berges Siou 180 

G. Gatt, Sion in Jerusalem 183 

R. Dussaud. Histoire et Religion des No'^airTs 186 



Verzeichuis der Tafeln. 

7.U Seite 
Tafel I — III: Die Palästinakartc Bernhard vou Breiteubach's . . . 129 ff. 
Tafel IV: Das Orpheus-Mosaik von Jerusalem 139 ff. 



Verzeichnis der Abbildmigeii im Text. 

Seite 

1. Die arab. Inschriften in Salamja. Inschrift B, Sektion 1 . . . . 50 

2. Dasselbe, Inschrift B, Sektion 2 50 

3. Dasselbe, Inschrift B, Sektion 3 51 

4. Dasselbe, Inschrift B, Sektion 4 51 

5. Dasselbe, Inschrift B, Sektion 5 52 

6. Dasselbe, Inschrift A 52 

7. Dasselbe, Inschrift B. Schluss von Sektion 5 53 

8. Karte von Galiläa zin- Darstellung der Dialectverhältnisse . . . 108 

9. Das Tote Meer von der Passhöhe von Engedi 114 

10. Das Tote Meer von der Hölic von Masada 115 

11. Eingang des iiädi scbhe: römisches Lager im Vordergrund . . . 117 

12. Dorf aus Scliilfliüttcn im (/hör es-scifijc 119 

13. Burg in Kerak 120 

14. Burg in Kerak 121 

15. >rädi mödschib (Arnonj 122 

16. Planskizze des Grabes (Orpheus-Mosaik in Jerusalem . ... 140 

17. Einsatz mit OrplieusdarstcUung. Sammhmg de Bock 147 

18. Fragment eines Orpheusgiebels aus Ägypten. Berlin, Kgl. Museum 148 

19. Wollstoff aus Ägypten. Berlin, Kgl. Museum 150 

20. Wollstoff aus Ägypten. Berlin, Kgl. Museum 151 

21. Seitenansiclit des Prangers von Pettau 152 

22. Wollstoffe a\is Äg\i5ten. Berlin, Kgl. Museum 152 

23. Lageplan-Skizzc für das Orpheusmosaik in Jerusalem 156 

24. Mittclstück der A])sis in der Crypta der Eliaskirche in Madeba 161 



Die Jerusalemfalirt des Herzogs Heinrich des Frommen 

von Sacliseu (1498). 



Von Reiiihold Köhricht in Beil 



ni. 



Ueber die oben genannte Jerusalemfabrt ') sind aus den 
eigentlich sächsischen Quellen nur wenig Nachrichten vorhan- 
den 2); wir wissen nicht einmal den Grund zu der beschwerlichen 
Reise. Aus Akten des Königl. Sächsischen Haupt-Staatsarchivs 
erfahren wir, dass der Herzog sich den Tag des Aufbruchs astro- 
logisch bestimmen liess und Sonnabend nach Lätare (31. März 
1498) abreiste, wie auch Glafey^) bestätigt. Derselbe Autor be- 
dauert, über den Verlauf der Wallfahrt so wenig zu wissen ; einer 
der Begleiter des Herzogs, Günther von Bünau, habe fast nichts 
davon erzählt, aber der Herzog hätte jedesmal, wenn die Rede 
auf die Zigeuner gekommen sei, sie Verräther und Spione ge- 
scholten, »darum dass sie ihn in Syria gekandt und gemeldt hätten, 

1) Ueber »Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande« vgl. das 
gleichnamige Werk von RÖHRICHT und Meisner (als EM citirt), welches zu- 
erst mit ca. 30 unedirten Pilgertexten Berlin 1880, dann ohne dieselben von 
erster em allein Gotha 1889 und erheblich erveeitert Innsbruck 1900 heraus- 
gegeben wurde (als R citirt). 

2) RM 520 — 521; R 197 — 198. Balthasar Mencius, Itinera sex a 
diversis Saxoniae ducibus et electoribus . . . facta, Wittenbergae 1612, 49 — 77, 
welcher die Reise unseres Herzogs behandelt, giebt als Jahr derselben (50) 
ca. 1499 an, weiss sonst gar nichts genaueres und füllt seinen Bericht mit 
einer Beschreibung des heiligen Landes nach Burchardus de Monte Sion. 
Dann lässt er (78 — 95) den Herzog zum zweiten Male 1500 dahin reisen und 
weiss nur, dass er Anfang Juni die Seereise von Venedig aus bereits angetreten 
hatte, was beides falsch ist. 

3) Kern der Geschichte des . . . Hauses zu Sachsen, Nürnberg 1753 
(4. Auflage), 108, wo er als Quelle die Lebensbeschreibung Heinrichs von 
dessen Secretär Bernhard Freydinger benutzt. 

Ztsclir. d. Pal.-Ver. XXIY. 1 



2 Reinhold Röhricht, 

dadurch er in Sorgen und Gefahr gestanden«. Ferner, berichtet 
die Quelle Galfey's weiter i), hätte der Herzog nach dem Fest- 
schmause, den der Deohant Balthasar von Ragwitz zu Freiberg 
am Dreikönigstage zu geben pflegte, sich immer in sehr ver- 
gnügter Stimmung befunden und dabei des Eselsrittes von Jaffa 
nach Jerusalem gedacht habe. 

Auf welchem Wege und wann er die Lagunenstadt erreicht 
haben wird, wissen wir auch nicht, doch hilft uns für das Datum 
eine Aufzeichnung des Marino Sanudo in seinen Diarii zum 
12. Mai 2); dann tritt mit genauen Angaben über die ganze Reise 
von Venedig nach dem heiligen Lande und von da wieder zurück 
nach Venedig unser Text ergänzend ein. Darnach fuhr der 
Herzog mit seinen Begleitern am 23. Juni ab und erreichte auf 
der allgemein üblichen Route Jaffa am 31. Juli, am 18. August 
Jerusalem, wo er in der Nacht vom 22, — 23, August 37 Pilger in 
der heiligen Grabeskirche zu Rittern des heiligen Grabes schlug. 
Schon am folgenden Morgen brachen sie wieder auf, trafen am 
26, August in Jaffa ein, wo sie mit Mühe und Noth der Ge- 
fangenschaft entgingen, und segelten am 28, August ab. Nach- 
dem sie unterwegs durch energischen Protest den venetianischen 
Patron gezwungen hatten, die frühere Route wieder inne zu hal- 
ten, landeten sie am 21. September in Rhodus, wo der Herzog 
sehr geehrt wurde, und erreichten nach ununterbrochener Fahrt 
am 19. October glücklich Venedig, von wo der Herzog wohl bald 
abgereist sein wird; wir dürfen dann seine Rückkehr in die Hei- 
math Ende November oder Anfang December ansetzen. 

Der Text unserer Reisebeschreibung, dem wir diese Nach- 

* 

t) 108: »Wann dann die Mahlzeit aus war et omnes bene poti eramus, 
so hub man an das Responsorium: Illuminare Jerusalem mit heller Stimme 
zu singen, das war dem Fürsten eine sonderliche Freude, sang auch mit und 
schrie wohl sehrer als ein anderer, und solcher Gesang gab auch Ursache, dass 
er gemeiniglich von Jerusalem anhub zu reden, wie er sampt andern auf den 
Eseln geritten und das Responsorium gesungen hätten.« , 

2) I, 959: »Vene in questa terra alcuni signori alemani, tra 11 quäl uno 
nepote die ducha di Saxonia et domino Zorzi de Torre et altri pelegrini per 
andar in Jerusalem. Et perche Alvixe Zorzi di quäl era la galea dil Zaffa era 
rimasto preveditor a Gradischa, ne voleva far quel viazo questo anno, dicti 
pelegrini li volevano far bei partido accio andasse. Siehe sta su queste pra- 
tiche. Loro volevano dar ducati 70 per testa ; lui voleva 80 et andaria et non 
andara al rezimento « 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 3 

richten verdanken, ist bisher nur aus mageren Auszügen bekannt 
gewesen^) und stammt aus der Feder des Nürnberger Steffan 
Baumgartner, welcher in Begleitung des Herzogs sich befand. 
Er ist durch das historische Interesse für Heinrich von Werth, 
besonders auch durch die am Schluss folgende Liste aller der 
Mitreisenden; über die Seeroute erfahren wir allerdings, wie be- 
greiflich ist, wenig Neues, doch sind einzelne Angaben über das 
Aussehen und den Besitz einiger heiligen Stätten nicht unwich- 
tig. Wir verdanken eine sorgfältige Copie der Freundlichkeit 
des Herrn A. Steinbrüchler, Secretärs des Germanischen Natio- 
nalmuseums zu Nürnberg, und zwar durch gütige Vermittlung 
des Herrn Directors Prof. Dr. von Bezold, wofür wir beiden 
Herren unsern herzlichsten Dank aussprechen. 

Die Handschrift hat in der genannten Sammlung die Num- 
mer 369, 40 und stammt aus der Zeit des beginnenden sechzehn- 
ten Jahrhunderts. Die Federzeichnungen sind mit Ausnahme der 
letzten aus neuerer Zeit und auf altes von dem der Handschrift 
verschiedenes Papier entworfen worden, sicher also nicht dem 
Text der Handschrift gleichzeitig, deren Papier Aveiss, aber etwas 
wasserfleckig ist, ohne Linien. Die Dinte ist schwarzbraun, die 
Schrift current. 

Die Handschrift (fol. 1^) trägt die Ueberschrift: »Nach 
Christi vnsers liebstenn Herren vnndt Seligmachers gehurt 1498 
Jarn bin ich Steffan Baumgartner mit dem Fürsten, Hertzog 
Hainrich zu Sachssen, nach dem Heyligen grab geraist, vnnd 
solche meine Raiss zum gedechtnus hierein beschrieben, was ich 
aldo von Hailthum zw wasser vnd landt gesehen hab«. Darunter 
ist in der Mitte das sächsische ^yappen mit abwechselnd goldenen 
und schwarzen Querbalken und der von links unten nach rechts 
oben in die Ecke sich schräg hinziehenden grünen Raute, dar- 
unter steht links das Baumgartner'sche^), rechts das Wieland'sche 
Wappen und zwischen beiden das fünffache Jerusalemkreuz ^j. 
Blatt 2 zeigt auf der Vorderseite eine getuschte Federzeichnung, 

1) RM 518—519; R 195—197. 

2) Steffan Baumgartner war geboren am 24. Dez. 1462, heirathete Jacob 
Wielands Tochter Cordula und starb 2. Sept. 1506 (vgl. auch Will, Nürn- 
berg. Münzbelustigungen II, 321 — 327). 

3) Ueber dessen Ursprung vgl. Statements of the Palest. Explor. Fund 
1893, 260; 1894, 183— 189, 205— 20G. 

1* 



4 Reinhold Röhricht, 

welche eine Partie von Venedig darstellen soll, das durch die 
Dogana und die Kirche S. Maria della Salute kenntlich ist. 
Hierauf beginnt (fol. 3) der Text. 

»Zum Ersten zu Venedig hab ich gesehenn ein theil des 
Heylthumbs. Item im Closter zw Sanct Jeorgen liegt Sant Jeorgen 
lincker Arm mit der hanndt noch gantz. Inn einem andern Altar 
liegen zwen Heyligen mitNahmen SantCosman vndtS.Domianus. 
Item zw S.Helena liget die heyligeFrawSanctHelenaganutzleib- 
hafftig. Mehr darbey liget ein zwiffach Creutz. Inn dem einen 
thail ist ein stuckh dess heyligen Creutz, vnnd inn dem andern 
thail so ist ein Daum vonn Sant Constantinus, ires sohns, vnndt 
ein gross stain vonn Sannt Maria Magdalena Kruft. Item zw 
S. Niclassenn genandt do ist der Krug einer, do Gott auss Wasser 
Wein macht, vndt der Stab Sännet Niclassenn, den ehr hat, do 
ehr liischoff wartt, vnndt sonst auch viel Heiligthumbs. 

(fol. 3^) Item zw Venedig inn dem Closter Akrusigien ge- 
nanndti), ligt di heylige Junckfraw Sanct Barbara inn einem 
marbelsteinen sarch. In ainem andern Altar ligt ein Pein vonn 
Sanct Christoifel vnndt auch Sanct Martins Pain mit dem fusse 
noch unversert. Item zw Sant Marina Sant Marina leibhafftig 
ligt inn ainem Altar. Item zw Sännet Lucia genannt ligt Sännet 
Lucia leibhafftig alles gantz, das man ir Kruft noch sieht vnnd 
aigentlich erkennen mag. Item zw Sanct Zacharias darinnen 
ligt Sanct Zacharias vnndt sonst zwen Heyligen bei Ime. Item 

zw Sännet Marx schätz do sindt 12 kr vnndt zwelf kruft vonn 

golt vnndt perlin, balles, saffir vnndt schmaracken gemacht 
vnndt 6 köstliche grosse creutz vnndt zwen grosse 2) Leuchter 
mit grossen Pallasten vndt sonsten viel ander köstlichkeit, di sie 
bey dem schätz haben. Item bey Venedig ligt eine Stadt, heisst 
Marant''), do man die Glässer macht. Inn derselbigen Pfhar- 
kirchen inn zweyen Altaren liegen viel der Vnschuldigen Kind- 

1) Gemeint ist das bei Fabri, Evagat. I, 99 u. III, 429 genannte >mona- 
sterium crusehechirii« oder »Acrusechirii« (crucigeri, crociferi neri), welches 
wahi'scheinlich identisch ist dem Kloster der Augustinereremiten zu S. Ste- 
phane im Sestier S. Marco (Conrady, Vier rheinische Palästina-Pilgerschrif- 
ten 80, Anm. 31). 

2) Hier folgt (fol. 4) die colorirte Federzeichnung einer Stadt, darauf die 
leere Seite 4^ . Aehnliche Beschreibungen der Schätze im S. Marco finden sich 
oft; vgl. Conrady 77 — 78, Anm. 21. 

3) Murano. 



Die Jerusalcmfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 



;;) 



lein. Item inn der Stadt zu Badiia zw Saiit Aiithoni ligt ein 
heyliger Muunich Sant Anthoni genant, der ist Barfusser Ordens 
o-ewest vnndt noch teglich Zaiclien thwt, vnndt sonst inn der 
Stadt liget viel Hailthumbs. 

Item wier Bilgram füren vonn Venedig avifF dem Schiff inn 
dem Monat Junius genandt am 21 tag. Item wier lagen auff dem 
Schiff 2 tage am Anckher vnndt erwartetten teghchenn auf ein 
(Tueten ganzen Windt. (fol. 5^') Item dess Monats Junius am 23. 
an Sanct Johannes Abent Sinbeiten') hüben wier Anckher vnndt 
fuhren vonn Venedig weg gegen der Nachtt vnndt wolten fahren 
zu einer Stadt Polan'-) genannt, vnndt do wier schier dahien 
khamen, daz man sie sach, do kam ein Wiederwindt vnndt warf!" 
vnnss zerreuckh hinder sich inn eine Stadt heisst Parenz'^), da 
khamen wier hien am 27 tag dess Monats Junius, do lagen wier 
still 3 tag vnndt speisten daz Schiff. Item am 30 tag Junius do 
füren wier zvi Parenz weg vnndt khamen zw einer Stadt gefahren, 
heisst Losua^), da khamen wier hien inn dem andern Monat, 
Julius genannt, am 4 tag vnndt lagen einen tag still vndt speisten 
daz Schiff. Item auff die Nacht füren wier weg vonn Losua auss 
der porten mit grossen sorgenu'^), (fol. 7) wann der Windt woltt 
vnnss daz Schiff ann ein felsen fueren, vnndt mit grosser muhe 
vnndt sorg füren wier an demselben Felsen hinahen vnndt kha- 
men mit Gottes hulff hinauss auff daz weite mehr. Item am 10 
tag Julius zu nacht khamen wier inn ein grosse sorg, wann ein 
feuer inn dem schiff auss khame inn einem kästen, da stundt 
viel Pulffer, aber wier leschetens mit Gottes hulff baldt, daz kain 
schadt geschach. Item am 1 1 tag Julius khamen wier zu einer 
Stadt Modion 6) genannt, ist der Venediger, liget 1000 wellische 
Meil vonn Venedig, da lagen wier IV2 tag still vnndt speisten 
daz Schiff. Item am 14 tag dess Monats Julius an Sännet Mar- 
gareten tag füren wier weg von Modion auff ein deutsche meil 
und füren an einem berg hien (fol. 7'). Da kham gegen vnnss 
gefohrenn ein Schiff vonn Kodies^), daz saget vnnss, wie der 
Turckh erst zwey schiff hett gefangen vnndt war seer starckh 

]) Sonnwend. 2) Pola bei Triest. 3) Parenzo. 

4) Lussin auf der gleichnamigen Insel. 

5) Hier folgt (fol. 6) die Federzeichnung einer Stadt am Meere mit einem 
Bergschloss und das leere Blatt ti^. 

6) Modon. 7) Rhodus. 



6 Reinhold Röhricht, 

auf dem Meer, i;lir hett IG Schif gross vnndt klain bey eiuand 
vnndt hett viertaussent Man aufF den schiffen. Da wier diese 
Meer horetten, do liesen wier dann seegel fallen vnndt warffen 
Anckher vnndt lagen still bey dem landt ein tag vnndt ein 
nacht. 

Item am 14 tag Julius hüben Avier wieder Anckher vnndt 
füren weg zu einer Stadt heyst Krana'), da funden wier liegen 
am Ancker der Yenediger Obristen Haubtmann mit 3 grossen 
Hayenschiffen, die allwege auff dem möör hin undt her müssen 
fahren vnndt die andern schiff belaiden, auch waren sonst auch 
drey kaufmanschiff, do die sich fürchteten vor den Turckhen. 
(fol. 8) Item am 15 tag Julius füren wier weg vonn der stadt 
Krana gegen Rodies wartz vndt die andern schiff alle mit vnss, 
also daz wier desto sicherer weren vor dem Turckhen, also wurden 
wir beleidt mit grosser Macht. Item am IG tag Julius khamen 
wier zu einem grossen gebürg, do man vor Jhar denn Hertzogen 
vonn Pummern hat nieder geworffen, die Turckhen, vnndt im 
grossen Schaden gethan^). Item ann demselbigen gepurg zw et- 
licher Zeit im Jhar sindt seer viel Wachteln, daz man ihr ser 
fast viel fachet zu derselbigen Zeit. Item am 17 tag fuhren zwey 
Schiff vonn vnns vnndt wolten fahren inn Alexandria, aber der 
Venediger Hauptmann blieb bey vnns mit 4 schiffenn (fol. 8^), 
wann der Turckh hatt allererst etzliche schiff angegriffenn bey 
20 Meilen vonn vnns, auch hatten wier denselben tag grossen 
Wiederwindt vndt die nacht, daz wier nicht weit mochten fahren 
noch sehen. 

Item den 18 tag Julius füren wier an ein lanndt, da sein ser 
viel Inseln bey einand, vndt wechst viel Baumwolle inn den In- 
seln. Item am 19. für aber ein Schiff vonn vnns vnndt für vns 
durch vnsern vorderen segel vnndt riss vnns in von einand, daz 

es gar umb ein klein gefehlt, ehr hett vnnser schiff , daz 

groser schad geschehen were. Item am 20 tag Julius füren wier 
zu einer Inseln, do leidt ein Stadt, heisst Langossa-'), die ist halb 

1) KoroD. 

2) Am 30. Juni 1497 bestand Herzog Bogislaua mit dem Seeräuber Ca- 
mali (wahrscheinlich -westlich vom Cap Elias) ein Seegefecht; vgl. Conrady 
285; RM 515—516; R 192—193. 

3) Lungo oder Stankio; Herzog Alexander (Reyssbuch 1584), 44'*' nennt 
sie Cathoa und erwähnt ihren theilweisen Untergang »wie Sodoma vnd Go- 
morrha« (1495). 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 7 

versunckhen inn daz Meer, ist geschehenn bey 4 Jhareii vnndt 
gehört (fol. üj denenn vonn Rodies zu. Item am 21 tag Julius an 
Sant Maria Magdalenen Abent frue khamen wier gehnn Rodies, 
da lagen wier still 3 tag. Inn derselbigen Stadt, da sindt die Jo- 
hannesser Herrn mit sampt einem Hochmeister. Inn derselbigen 
ist manncherlei glauben vnnd volckh auss allen ländern. Auch 
liess man vns daz Heilthum sehen Sant Katharina hanndt vndt 
vonn S. Georgen vndt der Pfenning einer, da Christus umb ver- 
kauift ist worden, vnd einen Dorrnen von der rechten Krön 
Christi, vnd derselbige Dorm pluet noch alle Jar am Kharfreitag, 
daz sie noch heuer haben sehen plueten vnnd sonsten gar viel 
Heilthumbs. Inn derselbigen Innsell ist gar viel seltzams Ge- 
fligel vnndt etliche thier, auch hatt man vnns ein Hundt geweist 
vnndt solchenn sehenn lassen zu Rodies, denn soll ein Vogel 
iiussgeprudt haben auss einem Ay, denn hatt der Turckh dem 
Hochmeister geschickt; derselbige Hundt hat ein gestaldt (fol. 9^) 
alss ein windt vnndt hatt kein Har vndt hatt eine Färb alss ein 

Moor, ehr ist aus dem alss ein Vogel. Item am 24 tag Julii 

zwo stundt vor tage füren wier weg vonn der Stadt Rodies allein 
vnndt liessen denn Venediger Hauptmann do, vndt die andernn 
Schiff alle bey im liegen am Anckher. Denselbigen tag füren 
wier bey hundert Meilen an der Turckey weg, sahen ein schloss, 
daz gebort den Khonig von Neapolis zu vnndt liegt inn der 
Turckey 2). 

Item am 25 tag Juli an Sant Jacobestag füren wier vber ein 
golff mit grossem Wiederwindt, wann auf demselbigen enndt al- 
wegen vngestiem ist, denselbigen golff, do S. Helena darüber ist 
gefohrenn, heisst man Sännet Helena Golff, do hat sie ein Stuck 
vom heiligen Kreuz dorin gesengket von vngestimmigkeit wegen, 
wann vor Zeiten sindt viel Schiff vertrunckhen (fol. lü) aufl" dem 
golff. Item am 26 tag Julius auf demselbigen Golfl' kamen drey 
Schiff gegen vnnss gefahren vnndt sie khanten niedt zu vnnss 
fahren vor halben winndt. Vnnser Patron saget, ess wehr ein 
Meerrauber, der angriff, wenn ehr vber mächt, auch auff dem- 
selbigen golff kamen Vogel geflogen auf daz schiff vnndt be- 
gerten zu ruen, wann sie kein lanndt mochten sehen vnndt sich 

1) Aehnliche, zum Theil genauere Nachrichten über diesen Hund siehe 
bei Rindfleisch und Pfalzgraf Otto Heinrich in RM 339—340, 369. 

2) Sattalia? 



8 Rcinhold Röhricht, 

verflogen hatten. Item aufF die Nacht fuhren wier in dem lieben 
Nahmen Gottes zu der Insehi Ziparten ann einer Stadt hinn, die 
haist Wab-sai), aldo seindt die sieben schlefFer gewohnet vnnd 
habenn sollichs sieben schlefFer inn demselbigen Purg geschlafFen. 
Item am (fol. 10^') 27 tag Julius f huren wier an der Innsel Zip- 
partten weg, da Avechst viel Zuckers. An dem Lanndt füren 
Avier weg vnd khamen zu einer erstörten Stadt, heist Alemisan, 
ist erstört worden vonn einem könig vonn Engelanndt^). Item 
am 28 tag Julius lagen wier am Anckher vnndt hatten denn 
Anckher ab gebe S. vnndt wolten daz schiff speysen vnndt die 
Pilgram, vnndt die Pilgram füren fast alle auf daz lanndt, zu 
einem gluckh blieb der hertzog auf dem schiff vnndt ich, sonnst 
etliche, bey den 36 Mannen, do kham ein schiff gefahren heer 
zw vnss vnndt wier wüsten nit, ob sie freundt weren oder nit, 
vnndt da sie herzu khamen, do gaben wier in drey zaichen mit 
einem fannen, aber sie wolten vnns kain zaichen herwieder 
geben. Do schrie der Patron, wier soltenn (fol. 1 1) vnns anlegen 
vnndt zwr weer stellen vnndt zv den Puxsen räumen vnndt sie 
richtenn. Do sie daz sahen, da schussen sie drey gross stuckh 
ab gegen vnns vnndt füren Avieder von vnnss inn daz Meer weit 
hien, dann Avenn ihr Anschlag was gCAvest, daz sie vermainet, 
ess Avere niemandt auff dem Schiff, sie Avolten Peuth haben ge- 
holt, also sahen Avier sie einem andern schiff nach eylen. Item 
am 29 tag Julius füren Avier von der portten Aveg vonn Zippern 
vnnd füren an dem Lanndt weg. Auff demselbigenn Endt ist ein 
Closter, do seindt vor zeitten gcAvendt katzen gcAvest, die haben 
die schlangen vnndt die Echsen verpissen 3). 

Item ann dem letzten tag des Monats Julius 31 ann Sant 
Peters Kettenfeuer (sie) Abent fruAV khamen Avier Pilgram mit 
grossen freuden an das Land gefahren (fol. IT), daz man nennet 
das heylige Lanndt, zu einer Portten Gaffa genanndt, da wurflfen 
wier Anckher vndt schicketten zu denn Heydenn nach einem 

1) Gemeint ist BafFa, wohin mehrere Pilgerleute den Ort der Sieben- 
schläfer-Legende verlegen (Breitenbach in RM 137; vgl. Conrady 242, 
Note 46). 

2) Limissol. Hier wird auf die Eroberung Cyperns, die Richard I. von 
England leicht gelang, als er nach Accon fuhr. 

3) Dieselbe Nachricht findet sich bei Tucher 352, Fabri III, 241 und 
anderen Reisenden (vgl. die genauen Mittheilungen darüber beiCONRADY 111, 
Note 181). 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 9 
o-elaidt. Item am dritten tag Auffusti für ich mit dem Hertzogen 



auff Sant Peterstaini), ein grosse deutzsche meil von dem grossen 
Schiff. Item wier musten am Ancker liegen vnndt auf dem Schiff 
bleiben 14 tag, biz das gleidt kham, wann sie hatten verfriedt 
mit den wüten leuthen, die man die Garsen nennet 2). Item am 
14 tag Augusti an Vnnser Frauen Abent \yurtzweich füren wier 
Pilgram auff daz heylige lanndt vnndt lagen diselbige nacht in 
einem geweihten steinen Loch am Meer. fol. 12) Item am 15 tag 
Augusti an Vnser Frauen tag frue ein Ohre vor tag ritten wier 
auf Essein bey zweyen Teutzschen Meiln gehn Roma 3) genant 
inn einem Spitthal, den hat gebauet ein Hertzog vonn Burgundi, 
daz allwegen die Pilgrim darinnen liegen, vnndt derselbige 
Spitthal hat kein Thuer, mann muss zu einem Loch auss vndt 
ein kriechen, damit die Heidenn vnnss zehelnn kunnten, muss 
einer nach denn andern hinein kriechen inn daz loch. Item bey 
Roma ist Sant Jeorg enndthaubtt worden. Item zu Roma lagen 
wier still den tag. Item am 1 7 tag Augusti rieten wier auff denn 
Essein von Roma weg vnndt rieten ein deutzsche meyl, da lagen 
die Heyden, ein Heer zu Fehlt bey taussent Mannen, vnndt 
hatten viel Camel. Do sie aufreiden, da lagerten wier Pilgram 
vnns zw dem Heer (fol. 12^) die halb nacht still vnndt lagen mit 
sorgen, vnndt nach Mitternacht brach daz Heer auf vnnd wollt 

vnns belaiden vor den , Vnndt wier Pilgram zugen mit im 

in sorgenn, wann wier vns besorgen musten vor denn freunden 
als vor denn feunden, auch machten sie ein Auflauf vndter in. 
daz wir nit anders wüsten, wier weren alle verraten vndt ver- 
kaufft. 

Item am 18 tag Augusti an Sännet Sebalds Abent khamen 
wier gehn Jerusalem geritten auf denn Eseln vnndt die glaidts- 
leuth mit vnss vnndt sasen vor der Stadt ab vnndt giengen hinein 
inn einem grossen Spitthal, do lagen wier still vnndt rueten. 
Denn andern tag gegen Abent liesen sie vnnss in den tempel, do 
die heyling stet innen sindt. da macht wier ein Process mit prin- 
nenten Kärzen vndt mit gesang, vnndt die Parfusser Munnich 

1) Auf dem St. Peter gefischt haben soll; vgl. Coneady 115, Note 202. 

2) In vielen Pilgerschriften wird der Emir von Gaza mit seinen Leuten 
als Sicherheitswache in Jaffa erwähnt, doch wird wohl der Emir von dem be- 
nachbarten Jazur gemeint sein i'R lü, Gl, 183). 

3) Ramie. 



) Reinhold Röhricht, 

giengen milt viiiis vnd weisetteii vnss die heyliug statt vniidt 
sagten vnss den Ablass^). — Item zum ersten khamen wier an 
die Stadt, da Gott der Mutter Gottes erschein nach seiner 
Vrstundt an demselbigen, vnndt ist Aplas 7 Jhar vnndt 7 kharen'-). 
Item dornach giengen wier inn derselben Capein zu der rechten 
Hanndt dess Altars ist ein fenster vorgittert, dorinnen stehet ein 
stück vonn der seulen, do Gott angegeisselt ist worden inn dem 
Haus Pilaty, die seil ist dickh einer Spannen vndt 8 zwerch- 
finger vnndt ist hoch bey 4 Spann ^j^ an demselben Enndt ist 
Vergebung von Peyn vnndt Schult. 

Item darnach gingen wier inn derselben Cappeln zu der 
lincken Hanndt dess Altars, do ist auch an demselben Enndt ein 
Altar, do ist daz heylige Creutz lange zeit gestanden, nachdem 
Sännet Helena daz fandt, ist noch ein stückli da vonn dem 
Kreutz. Do ist Aplas 7 Jhar vniul 7 kharen. (fol. 14^') Item dar- 
nach gingen wier inn die Mitte derselben Cappeln, do ist ein 
weisser, runder Marbelstein auf der Erden, an dem Ende ist die 
Statt, do Sunct Helena daz kreuz auf dem Poden legt, daz sie 
erkenndt, welliches das rechte kreuz wer. Da ist Ablass 7 Jar 
vnd 7 kharen. Item darnach gingen wier mit der Process auss 
der Cappeln. Vor der Cappeln sindt zwen weiss runde Marbel- 
stein bey fünf schritten von eynander. Auf dem ainen ist Maria 
Magdalena gestandenn nach der Vrstundt Christi vnndt auf dem 
ainen ist Christus gestanden, do ehr erschien nach seiner Vrstundt 
Maria Magdalena ein gartner. Do ist Ablass 7 Jar, 7 karen. 
Item dornach gingen wier inn Tempel fürpas zu einer kleinen 
Cappeln, inn einem Felss darinnen steht ein Altar, do ist die 
Stadt, da Gott der Herr (fol. 15] gefangen ist gewesen, die weil 
man das heylige kreuz zuberaitt hatt. An dem Enndt ist Ablass 
7 Jhar vnndt 7 kharen. Item dornach giengen wier inn Tempel 
weitter mit der Process zu einem Altar, do ist die Stadt, da die 

Ij Nun folgt (fol. 13) eine getuschte Federzeichnung, welche Jerusalem 
vorstellen soll; fol. 13' ist leer. 

2) Uuadragena oder 40 tägiges Fasten und Bussen, durch das der Erlass 
zeitlicher Sündenstrafen gewonnen wurde; dieser ward also (für 7 Jahre und 
7 Quadragenen) bloss durch den Besuch bestimmter heiligen Stätten auf ein- 
mal für den sonst in gleichem Zeiträume nur mühsam zu erlangenden Ablass 
den Pilgern zu theil (Conrady 72—73, Note 3); die Formel kehrt sehr oft 
wieder. 

3) Andere Maasse siehe bei Tobler, Golgatha 342—344. 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des FroQamen von Sachsen. 1 1 

Juden dess Herrn Claider verteilet vnndt darumb gespielet 
haben. Do ist Ablass 7 Jar 7 kharen. Item dornach gingen wir 
mit der Process furbas zu einem andern Altar durch ein thuer 
abwärts 30 stainen Staffel ') inn ein Cappeln, ist genanndt Sännet 
Helena Cappeln, do sie stettig innen gebett hatt. Do ist Ablass 
7 Jhar vnndt 7 kharen. Item dornach giengen wier mit der Pro- 
cess zu der linckhen haundt 1 1 stainen Staffel nach abwartz inn 
einem Felss, do ist auf die rechten hanndt im Felss ein Höel, 
die ist 22 Schuh lang^i. (fol. It)') Inn derselbigen Hol wardt daz 
heylige Kreutz gefunden vnndt daz speer vnndt die Negel nach 
dem leyden Christi ccc^ vnndt 7 Jar^). An diesem Enndt ist Ver- 
ofebun": aller sunden, vonn Pein vnndt schuldt. Item dornach 
gingen wier mitt der Process wieder die zwo stiegen hinauf inn 
Tempell. Do steht ein Altar, inn demselbigen Altar steht ein 
sinbeler stein, alss wer ehr vonn einer Senlen, daz ist der stain, 
da Gott aufsas inn Pilatus hauss, do ehr gekrönet wartt vnndt 
drauf verspeiet vnndt verspott wart vonn den Juden. An dem 
Endt ist Ablass 7 Jar vndt 7 karen. Item dornach giengen wier 
mit der Process auf denn berg Calfarie 18 Staffel ein stiegenn^) 
auf, da Gott der Allemechtig gekreuzigt vnndt gestorben ist 
(fol. 16), an demselbigen Enndt ist ein schöne gemauerte Cap- 
peln, prinnen stetiges 1 1 Ampel. Do ist auch daz loch, darinnen 
daz heylige Creutz gestanden ist im felss, daz ist bey 3 schuch 
vnndt jetzundt nur bey einer fordern Spannen weitt, wann 
daz ist aussgefuttert vnndt oben mit einem kupfern Plech 
vurleget darumb daz man keinen stain daraus soll prechen. 
Von demselbigen loch dess heyligen creutz 7 Spann vnder dem 
lincken Arm, alss Jhesus Christus, vnser lieber Herr vnndt Gott 
am Stammen dess heyligen fromn kreutzes gestorben ist, Do ist 
ein weiter langer Riess oder Pruch inn felss so gross, daz sich 
wol ein Man darein legett, der sich gerissen hatt abwartz durch 

1) Diese Angabe stimmt mit den meisten anderen Berichten (Toblek, 
Golgatha 300). 

2) Wenig abweichende Angaben siehe bei Toblek, Golgatha 302. 

3) lieber die Legende der Kreuzauffindung durch Helena vgl. Tobler, 
Golgatha 61 — 74, wonach Helena 325 — 326 in Jerusalem war. 

4) Die Angaben gehen sonst sehr aus einander (36 — 13 Stufen) nacli 
Tobler, Golgatha 258; die Angabe der Ampelzahl (Tobler 263) ist neu. 

5) Näheres über die Maasse siehe bei Tobler, Golgatha 282 — 28 1 



j 2 Reinhüld Röhricht, 

den felss bis vnder daz Erdrich, zu der Zeit dess pitteni Todes 
Christi vnser liebe Fraw vnndt Sännet Jobannes, Sannt Maria 
Magdalena mit sampt andern heyligen Fruwen sein ein wenig 
neben demselbigen E,iesse gestanden. Abwartz inn der Cappeln 
aufF dem Herg Calfarie da ist volkummer Ablass von Pein vnndt 
von schuldt. (fol. 16^) Item vnder dem Berg Calfarie ist ein 
Cappeln, genant Vnnser lieben fravven vnndt Sännet Jobannes 
Cappeln, do sieht man den gemelten lliess auch oben inn dem 
felss. Auch daselbst hatt man Adams Haupt gefunden. Do ist 
Ablass 7 Jar vndt 7 karen, dohin ging man mit dem Process. 
Item dornach giengen wier mit dem Process vonn Berg Calfarie 
wieder die 13 Staifel der Stiegenn herab vnndt nitt weit daruon 
(lo ist die Stadt bezeichnet mit einem weyssen grabstain inn 
schwarz steinen leisten gefoss auf ebner Erde ^), do ist die Mutter 
Gottes gesessen vndt hat iren lieben schun auf der schos liegen 
gehapt, alss man im vom heyligen Kreutz herab hat gethan 
vnndt im zu dem Grab wollt bestätigen. An diesem Enndt ist 
Ablass, Vergebung aller sunden vonn Pein vnndt von Schuldt. 
Item dornach gingen wier mit der Process vonn derselbigen 
Stadt inn Tempel zu (fol. 17) dem heyligen grab, jist ein klein 
kirchlein gefurmett alss daz zw Nürnberg auf dem Spittalkirch- 
hofF stet, in diesem heyligen grab prinnen stetiges 17 Ampeln 
vnd inn dem aussen theil dess Cappellens prinnen stetiges 3 Am- 
peln"^). Inn diesen heyligen Grab ist Ablass, Vergebung aller 
sundt vonn Pein vndt Schuldt. Item dornach giengen wier mit 
der Process wieder inn die Cappeln, do die Process anfing, do 
rueten wier. vnndt dornach mocht ein Pilgram die heyling stedt 
besuchen vnndt den Ablass holen, alss offt ehr wollt, vnnd 
welicher beichten wollt, der fand Prister inn Tempel, auch gegen 
den Tag list man Mess an den heyligen stetten. Vndt alspalt es 
tag Avirdt, so khommen die heyden vndt sperren den Tempel 
auff vnndt forderrn die Pilgram herauss, alss wier dann musten 
thun. Item mitten inn dem Tempel ist ein rundt loch in einem 
Stein auf der 3) Erden, do ist es mitten in der Welt, also Christus 

1) Ueber die zu verschiedenen Jahrhunderten verschiedene Farbe des 
Steines vgl. Tobler, Golgatha 350; Coxrady 209. 

2) Andere Zahlen giebt Torler 1 78. 

:i) lieber den Weltmittelpunkt in der heil. Grabeskirche vgl. TOBLER 
326-329; CONRADY 140—141, 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 13 

selbstenn gesprochen hatt. (fol. 17') Item im Tempel gegen 
Mittag wartz clo lieget begraben Kunig Waiden vnndt Hertzog 
Gottfried vunn Pullen vnndt konig Melchisedech, meher liegen 
7 König darinnen begraben, die dass heylig grab innen gehapt 
habend). Item ess seindt 7 Glauben der Christen inn Tempel, 
doch sindt 6 der romischen Kirchen nit vnderworffen. 

Item zum ersten vnnser Glaub. Die Parfusser haben innen 
daz heylige grab, mer ein Althar auf dem Berg Calfarie inn der 
Cappeln, auch haben sie innen Vnnser lieben frawen Cappeln, 
do sie stettiges innen wonett mit Speiss vnndt lieger. Item die 
Krichen haben innen den Chor im Tempel, mehr haben sie innen 
den Kercker, do Gott innen gefangenn ist gelegen, dievveil man 
ihm dass Creutz zugericht hat, (fol. 18) mehr haben sie innen 
zwen Althar, do die Kleider geteilet seindt worden, vnndt innen 
Sant Helena Cappelln. Item die Jorsy oder Georgitten genanndt 
haben innen die Stadt, do man daz heylige Kreutz gefunden 
hatt, mehr haben sie innen den Eergkli Kalfarie, ist inen 'erst- 
lich eingeben worden 2). Item die Jachobiten haben im tempel 
innen ein Cappeln mit einem Althar hart hindenn am heyligen 
grabstatt, auch haben sie innen daz Enndt, do Gott vonn seiner 
Mutter beweint wardt, do ehr vom heyligen Kreutz genohmen 
wart, am selbigen Enndt prinnen stettig 8 Am^ieln. Item die 
Indianer haben innen denn Althar, dorunter die seul stehet, 
darauff Christus gekrönet wardt, vndt sonst viel schmach em- 
pfingt), (fol. 18^) Item die Suriani haben Sant Helena Cappelenn, 
darinnen sie celebriren mögen, vnnt haben ihre Wonung neben 
Indianern gegen den Jachobiten vber vnndt im heyligen grab 
mögen sie auch celebriren, doch mit Vergunst der Parfusser^). 
Item die Armenier, haben die Stadt innen, in der Hoche alss man 
neben denn Indianern ein steinenn stigen auff geht inn ein 
Cappeln, doselbsten haben sie ir wonung vnndt ein Althar 

1) Gemeint sind die Gräber Gottfrieds von Bouillon und seines Bruders 
Balduin I. und ihrer Nachfolger, doch sind nur die beiden ersten noch er- 
halten ; vgl. ToBLER, Golgatha 148—151 (über das Grab Melchisedechs siehe 
ebenda 297). 

2) Vgl. ToBLER, Golgatha 317, 292 (vronach die Georgier 1479 den er- 
wähnten Besitz erhielten). 

3) Vgl. Toi'.LER 344. 

4) Vgl. TOBLKR 310—317. 



14 Reinhold Röhricht. 

innen i). Item aussen am Tempel hincler dem Berg Calfaiie ist ein 
Stein, da Abraham seinen Sohn Isaac geopfFert wollt haben. Item 
vor dem Tempel herauzwartz 10 schridt do ist ein Stein, do Gott 
der Allmechtig mit dem creutz gefallen ist, alss ehr daz creutz 
getragen hat. An dem Enndt ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharen. 
(fol. 19; Item dornach gingen wir den weg, den Gott gangen ist, 
do ehr daz heylige Creutz getragen hatt, vnndt khamen an daz 
Enndt, da Gott die ^ eronica von im die Yeronica gab, die noch 
zw Kom ist 2), Do ist Ablass 7 Ihar vnndt 7 kharen. Item dor- 
nach khamen wier zw denn Hauss, do der reiche Mann innen 
gewont hatt der inn der hellen begraben liget, do ist kein 
Ablass, doch weist man vnns zu einem zeichen. Item dornach 
khamen wier nit weit zu einer Wegscheidt, do gingen drej' 
gassen zusammen, do ist viel andachtiges Volcks gestanden vndt 
hat gewainet, do sprach: »Ihr Tochter vonn Jherusalem nit 
weint vber mich, sondern vber euch vnndt vber euer Kinder!« 
Au dem Enndt ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharen. (fol. 19^) Item 
dornach khamen wier an ein wegscheidt, do Gott zur Ohnmacht 
niedersanckh vnnd Simion kam vonn dem DorfF gangen vndt 
genödt wurdt vonn den Juden, daz ehr dem Herrn daz Creutz 
muss helfen tragen zu der Marter. An dem Enndt ist Ablass 
7 Jhar vnndt 7 kharen. Item dornach khamen wier an daz Enndt, 
do die Mutter Gottes gestanden ist, do ihr lieber Sühn daz Creutz 
trug gegen ihr mit groser Betrubnus. Do ist Ablass 7 Jhar vnndt 
7 kharen. Item dornach khamen wier zu einem Schwipagenn 
gemauert vber eine gassen, do seindt zwen grosse stein einge- 
mauert, auf dem einen ist gestandenn Gott, do daz vrtheil vber 
im ist gangen, vnndt aufF dem andern Pilatus, do er gab daz 
Vrtheil vber den Allmechtioen Gott. An dem Enndt ist Ablass 
7 Jar, 7 karen. Item dornach khamen wir zu der Schull, do die 
Jungkfrauw Maria geiernett hatt, weil daz sie jung ist gewessen 
(fol. 20). Alldo ist Ablafss 7 Jhar vnndt 7 kharen. Item darnach 
khamen wier zu dem Hauss Pilati, aber man Hess vnnss nicht 
hinein, vor dem Hauss ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharn, aber inn 



1) Dies -wird auct anderweitig bestätigt (Tobler 529). 

2) Der Text ist verwirrt; geraeint ist das Haus der Veronica, die nach 
der Legende dem Heilande ein Sehweisstuch reichte und es mit dem Abdruck 
seines Antlitzes zurückenipfing (Tobler, Toi^ogr. I, 251 — 252). 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 15 

dem Hauss ist vollkhomner Ablass gegeben, Avann Gott darinnen 
viel Marter hatt gelieden. Item dornach khamen wier zu dem 
Hause Herodis, do Gott auch eingefurdt wart vonn den Juden 
vnndt in ein Aveiss klaidt anlegen vndt in verspotten , auch 
ein schuel dorinnen, do die jungen Heyden innen lernen. An 
dem Endt ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharen. Item dornach 
giengen wier zu dem Hauss, inn dem Gott Maria Magdalena ihr 
sundt vergeben hatten. Do ist Ablass 7 Jhar 7 kharn. Item dor- 
nach khamen wier, daz wier sahen denn Tempel Salomonis ge- 
nannt, ist runndt mit krichischen Wergk gemachet vast hoch 
vnndt weitt vnndt ist mit Pley gedecket vnndt hat einen grossen 
kirchof, (fol. 20^) der ist allwegen gepflastert mit weissen Mark- 
stein vnndt bey diesem Tempel stehet eine lange kirchen mit 
Pley gedecket, heist Portus Salamonis, haben die Heyden innen, 
vnndt den Tempel Salamonis haben auch die Heiden innen 
vnndt haben in inn grosser ehr vndt zier aussen vnndt innen 
vnndt lassen kein Christen hinein bey seinem leben, auch ist ein 
Felss in demselbigen Tempel, da Gott viel Wunderwerg auf 
getrieben hatt vnndt hatt lassen geschehen, vnndt viel Opff'er 
darauf geschehen sindt, do viel von zu schreiben Avehre, alss 
vnns die Wiebel aussAveist, vnndt wier avoI kein Pilgram inn 
Tempel darf, doch hatt ehr den Ablass gleich alss avoI alss Avere 
ehr darinnen gewesen. Do ist Vergebung aller sinndt vonn Pein 
vnndt Schuldt. Item dornach khamen Avier zw Sännet Steff'ans 
Porten nit Aveit darvon, do ist ehr versteinet vnndt gemartet wor- 
den, auch die Stadt, so Sännet Paulus denn Juden ihrer Kleider 
hütet, weil sie Sannt Steff"ann steineten. Do ist Ablass 7 Jhar 
vnndt 7 kharen. (fol. 21) Item niet fern daruon do Aveist man 
vnnss die gülden Portten, do Gott eingeritten ist auf einer Eselin 
am Palmtag, darzu lest man keinenn Pilgram gehen, man Aveist 
vnnss, vnndt wer sein Gebet sprichet daruor, do man sie sieht, 
der verdienet vollkumblichen Ablass aller sindt von Pein vndt 
Schuldt. Item dornach gingen Avier abAvartz inn dass thal Jo- 
saphfat zu dem Pach Cedron, darüber ist ein steinerne gOAvelbte 
Pruckhen, doch inn Sommer ist kein Wasser vorhanden, aber 
inn der Fasten ist Wasser do, Avenn daz holz da gelegen ist vber 
Pach ein Steig ist gewest, do man das heylige Creutz auss ge- 
macht hatt. Do ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharen. Item dornach 
nicht Aveit daruon khamen Avier zu einer kirchen vnnser Frauen 



16 Reinhold Röhricht, 

kirchen genant. Inn der kirchen gehet man 52 Staffel hinab') 
die ist gross vnndt gewelbet. Inn derselbigen kirchen ist daz grab 
vnnser lieben Fruwen mit schönen weysen Merbelstain gemacht. 
Dasselbige grab ist ein wenig weister wann vnnsers Herrn grab 
vndt man mag auch Messe do haltenn vnndt dasselbige grab hatt 
zwo thuer eine binden, die ander auf der seiten. An demselbigen 
Enndt im grab ist Ablass, Vergebung aller sundt von Pein vnd 
Schuldt. Item dornach gingen wier am Oelberg, da Gott sein 
Angst gebett hat, ist ehr vnden am Berg inn eine Holen ge- 
gangen, auch sieht man den Stain noch, do der Engel Gott er- 
schien vnndt im den Kellich der Marter zeitt. An dem Enndt 
ist Vergebung aller Fein vnndt Schuldt. Item dornach gingen 
wier auf die seitten aufwartz ein Stein wurff, do Gott die drey 
Junger anliss auch zu dreyen mahlen zu in kam vnndt sie 
schlaffennt fanndt. An dem Enndt ist Ablass 7 Jar vnndt 
7 kharen. (fol. 2F) Item dornach khamen wier an die Stadt, do 
sant Peter dem Malcho ein Ohr abschlug vnnd in Gott wieder- 
umben (fol. 22) vonn stundt ahn gesundt macht. Do ist Ablass 
7 Jhar vnndt 7 kharn. Item nah ende darbey ist die Stadt, do 
Judas vnnserm Herrn den Kuss gab, vnndt die Juden in an- 
vielen. Do ist Ablass 7 Jar vnndt 7 kharn. Item dornach kha- 
men wier an die Stadt, da Gott geweinet hat vber Jherusalem. 
Do ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharn. Item dornach khamen wier 
an die Stadt, do der Engel Gottes vnnser lieben Frauen daz 
Palmzweig pracht vnndt ihrs gab mit dem Verkündet der Engel 
vnser lieben Frauen den tag ires Todes. Do ist Ablass 7 Jar 
vnndt 7 kharn. Item dornach oinf^en wier auf die Hoe dess Ol- 
berges, do ist ein kirchen, do Gott gehn Himel ist gefahrn. Inn 
derselben kirchen nicht Aveitt vonn der Stadt bey der thuer ist 
der Stein, do Gott auff gestanden ist, do ehr gehen Himell ge- 
fahren ist fol. 22\1, wenn man noch sein Fusstritt gar aigent- 
lichen inn den stain sieht besunders den rechten fusstritt, den 
andern sieht man nit so bescheidenlich. An dem Enndt ist Ab- 
lass vonn Pein vnndt schuldt. Item dornach giengen wier auf 
der linckem handt an Olperge do hebt sich an Gallilea. An dem 
Endt ist Gott nach seiner Vrstundt erschienen seinen Jungern, 

1) Die Zahl der Stufen schwankt sonst zwischen ij'-i und 40 (Tobler, 
Siloahquelle 150). 



Die Jerusaleuifahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 17 

ist Ablass 7 Jar vndt 7 kharn. Item vonn der Stadt Jherusalem 
biz ann denn Olberg, do Gott gehn Himmel gefahren ist, seindt 
3 welsche Meil, nicht fern vonn dieser Stadt sieht man daz rotte 
Meer, do Sodoma vndt Gomorra gestanden ist. Item dornach 
gingen wier gegen Bettfage, das ist an dem Enndt, do Gott zu 
zweyen seinen Jungern sprach am Palmtag: -Gehet inn daz Ka- 
stell, daz gegen euch ist, do ir finden werdt ein Eselin vndt ein 
Jungen bey ir«. Do ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharn. (fol. 23) 
Item dornach khamen wier an daz Enndt, da Gott seine Jungern 
dass Pater noster gelernet hatt. Do ist Ablass 7 Jhar vnndt 
7 kharn. Item dornach khamen wier zu einem Stain, da vnsere 
liebe Fraw auf ruet, wenn sie die heyling stede besucht hatt, ist 
Ablass 7 Jar 7 kharn. Item dornach khamen wier zu einer kir- 
chen zw Sant Jacob der Minder. An dem Enndt Gott demselbing 
sant Jacob erschinen ist an dem Ostertag vnndt auch Sant Jacob 
do begraben wardt, ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 Karrenenn. Item 
dornach kamen wier zu dem Grab Zacharie, do ist Ablass 7 Jhar 
vnndt 7 karren. Item dornach khamen gehen Getzemann ge- 
standen ist'), an dem Enndt Gott viel Wunder gethan hat, do 
ist Ablass 7 jar vnndt 7 kharren. Item wier gingen inn daz thal 
Siloe vndt nicht fern daruon auf die lincken handt am perg, do 
ist die Stadt, do sich Judas erhangen hat, do ist kein Ablass. 
(fol. 23^) Item am Anfang diez thals Siloe stehet ein lauter 
Prunn, inn dem prunnen zum dickern mahle Maria ir Tucher 
hatt gewaschen, die Irs Kind Christi gewessen sindt. Do ist Ab- 
lass 7 Jar vnndt 7 Karren. Item dornach khamen wier an ein 
Wasser gleich alss ein Teich gemacht, heisst Natatorium Siloe, 
an dem Enndt machett Gott den Plinten gescheut, do ist Ablass 
7 Jhar vnndt 7 Karren. Item dornach kamen wier an daz Enndt, 
do die Juden den Proffetten Isaiam mit ainer Seegen von ein- 
ander segten. Do ist Ablass 7 Jhar 7 kharren. Item khamen 
wier zu uiel klufften, do die 12 Pötten vnndt ander Heyligen 
sich darein verkruchen vndt behitten vor denn Juden. Ist Ab- 
lass 7 Jhar vnndt 7 kharren. Item darnach gingen wier auf den 
Gottesacker, der vmb 30 A verkaufft ist worden, denn hatt Sanct 
Helena vermauern lassen mit vier Mauern als einen thurn vnndt 



1) Der Text ist verwirrt, es ist vielleicht zu lesen: wo Gott gestan- 
den ist. 

Ztsclir. d. l'al. Ver. XXIV. 9 



18 Reinhold Röhrich;t, 

oben ist ehr zugewelbet (fol. 24) vniidt hat 7 Locher oben hinein, 

do man die Todten hineinwurff Ist bey zweier dief vnndt ist 

50 Schuh breidt vnndt 72 Schuh lang'). Ich sah auch bey 
8 Toden darinnen ligenn eingenent inn weysse Tucher, do ist 
Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharren. 

Item arn 2 I tag Augusli rieten wier Pilgram gehn Bethlehem, 
seindt zwo kleine deutzsche Meiln dohin von Jerusalem. Item 
zum ersten khamen wier auf zwo wellische Meyln vonn Jerusa- 
lem, do ist die Stadt, do der Stern der heyligen dreyeu kunigen 
wieder erschien, do sie vonn Jherusalem rieten, Avann dieweil 
sie zw Jherusalem waren, sahen sie denn Stern nit, ahn dem 
Enndt ist Ablass 7 Jar vndt 7 karren. Item dornach khamen 
wier zu einer kircheu, an dem Enndt ist geporn der Prophet He- 
liseus, do ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharren. Item dornach ka- 
men wier an daz Enndt, do der Engel Abacuckh bey dem Schöpft' 
nam vnndt füret ihn gehn Babilonia, do Daniel lag inn der gru- 
ben der Loben. Ist Ablass 7 Jar vnndt 7 kharrenn. (fol. 24^) 
Item dornach khamen wier gehn Bethlehem, do stunden wier 
ab. Daz ist gar eine schone kirchenn inn vnnser Frauen Ehere 
geweicht, da hüben die Munnich auch an vnndt machten ein 
Prozess vnndt wier Pilgram mit prinnenten körtzen auch mit, zu 
den ersten kamen wier zu einem Althar, da Gott beschnitten ist 
worden. An dem Enndt ist Vergebung aller sindt vonn Pein 
vnndt schuldt. Item dornach gingen wier mit der Process zu 
der linckhen hanndt des Khoress, do stehet ein Althar, do ist die 
Stadt, do die heyligen drey khoning sich bereitten, daz opfFer zu 
bringen dem neugebornen kindtlein, do ist Ablass 7 Ihar vnndt 
7 karren. Item dornach gingen Avier zu der lincken handt 11 
stainen Stafteln'-) ab vnnder dem Khor, do kumpt man jar inn 
eine schöne Cappellen, ist nit fast gros«, do liegt an der Erden 
ein weysser Marbelstein vnder dem althar mit einem schwartzen 
kleinen Marbelstein mitten inn dem weyssen voizeichnet, an 
demselbigen Enndt oder stat hatt vnsere liebe Frau Gott iren 
söhn geborn, do ist Vergebung aller sinndt, von Pein vnndt 
schuldt. (foh 25) Item dornach gingen wier mit der Process zu 

I] Genau dieselben Angaben bieten Ti'CHER und Fauri ;Tohler. To- 
pogr. II, 2Ö2— 2G;i). 

2) Andere Zahlen bei Toi'.i.kr, Bethlehem 125—126; dort auch (HI- 
Mi die abweichenden Angaben über das Aussehen der Marmoiplatte. 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 19 

der rechten Ilanndt derselbigen Cappellen bey vier schritten, do 
stehet auch ein Althar vndter einem Felss aussgehawen, do 
haben die heyligen drey könig geopfFert, vnndt vor demselbigen 
Althar ist der Felss auch aussgehauen vndt jetzund mitt weyssen 
Marbelstein gefuttert, do ist die Stadt, do die Krippen stundt, 
dorein Christus nach seiner Gepurt gelegt wartt, an dem Knndt 
ist Ablass von Fein vnndt Schuldt. Item an derselbigen Cap- 
pellen ist ein stadt, do die vnschuldigen kindtlein, eine grosse 
Zahel, lange Zeit sindt gelegen, an demselbigen ist Ablass 7 Jhar 
7 kharren. Item dornach gingen wier mit der Process im Kreutz- 
gang abwartz 15 Staffel*), do ist ein Gruft't vnndt Cappeln vnder 
der Erden genannt Sännet Jheronimus Cappellen, auch ist sein 
Grab dorinnen, do ehr innens gelegen ist lange Zeit, ehe man 
im gehn Rom pracht. In derselbigen Cappellen hat Sant Jhero- 
nimus die Wibel von Ebrayischer Sprach zu krigischer vnndt 
latein gemacht vnndt ehr hatt da auch (fol. 25^; viel vndter der 
Erden gewonet vnndt alda Mess gelesen, do ist Ablass 7 Jhar 
vnndt 7 kharren. Also hatt die Process ein P'nndt zw l^eth- 
lehem. 

Item denn 22 tag dess Monats Augusti rietten wier vonn 
Bethlehem gehn Jherusalera, vndt nit weit vonn dem wege ist 
eine zerbrochene Kirchen, genannt vnser lieben Fraw^en kirchen, 
do ist die stadt, do die Engel den liirtten die gepurth Christi 
thaten kund, do ist Abflas (sie) 7 Ihar vnndt 7 karren. Tteni 
daselbst bey ist daz grab der 12 Profletten, do ist Ablass 7 Jhnr 
vnndt 7 karren. Item darbey ist ein Hergkh, da Dawit (sie) 
Goliam den riesen mit der schlinge ertötet, do ist kein Ablas?. 
Item darnach gingen wier zu dem Hauss Zacharie ein, das vnnsere 
liebe Fraw gegangen ist, do sie vber daz geburg ging, zu grussen 
ire Mume Elisabeth do vnnsere Fraw machet vnndt sprach den 
Lobgesang: »Magnificat anima mea Dominum etc«. Daselbsten 
ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharren (fol. 20)'-). Item dornach 
khamen wier zu einer erstörtenn kirchenn''), do itzundt essel 
innen stehen vndtochsseii, an dem Enndt ist Johannes derTauffer 

1) Sonst werden 18 angegeben (Tobler, Bethlehem I3i»; vgl. 191 — 19.j). 

2) Zu den hier erwähnten Oertlichkeitcn vgl. Toiu.kk, Bethlehem '251), 
Topogr. U, .')T2, 723—724, 304—30.5. 

3) Im Jahre 1491 wird sie noch als unzersti.rt erwähnt (ToP.i.KH, Topogr. 
11,3711. 

0* 



20 Keinhold Röhricht 



geboren worden, doselbst ist volkomiier Ablass von Pein vndt 
Schuldt'). Item dornach khamen wier zu dem hauss Simeonis, 
der Gott inn seinen Henden hvildt auf seinen Arm, da Gott inn 
dem Tempel zw Jherusalem geopfFert wartt'^,. An diesem Endt 
ist Ablass 7 Jar vndt 7 karren. 

Item denn 22 tag Augusti khamen wier wieder gehn Jheru- 
salem zu dem Kloster Sion genannt. Item inn denn Closter 
Sion genandt, daz die Parfusser Munnich innen haben, inn der- 
selbigen Kirchen sindt die heylinge stet, zum ersten ann dem 
hohen Althar ist die statt, da Gott daz Abentessenn mit seinen 
Jungern liatt gessenn. Ann demselbigen Endt vollkommener 
Ablass, Vergebung aller sc-huldt, sindt vnndt Pein. Item dor- 
nach gingen wier auf die rechten Hanndt desselbigen Althars 
zu einem andern Althar, do ist die Stadt, do Gott seinen Jungern 
die Fuess wusch; do ist Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharrenn. (fol. 26') 
Item dornach gingen wier auss der Kirchen auf die linckhen 
Hanndt auf denn Creutzgang zu einer Cappellen, die zu dieser 
Zeit vermauert ist, wenn die lieyden nit wollen, daz wier darein 
gehend). In derselbigen Cappellen hat Gott nach seiner heyligen 
Auffarth denn Jungern den heyligen Geist gesantt. Item dor- 
nach gingen wier abwartz inn ein Cappellen, do ist die Stadt, da 
Gott erschien nach der ^'rstundt seinen Jungern mit verschlos- 
sener thuer vnndt S. Thomas darnach an demselbigen Endt sein 
Finger inn sein heylige Seitenn leget. Inn dieser Cappeln ist 
Ablass 7 Jhar vnndt 7 kharren. Item dornach rieten wier gebn 
Ijethania, daz ist binden am Ölberge vnndt ist vonn Jherusalem 
bey vier wellischer Meilen dohin, do ist ein Grab in einem Felss 
gehauen, do ist die Stadt, da Gott Sannt Lazarum erquicket (sie) 
vann dem Todt. ])o ist Ablass vonn Pein vnndt Schuldt. Item 
nicht fern daruon khamen wier in daz Hauss Simeonis leprosi 
genannt oder des Aussetzigen (fol. 2 7) Inn demselben Hauss 
Maria Magtalena den Herren seine Fuess salbet, do ist Ablass 
7 Jhar 7 kharren. Item dornach zugen wier wieder gehn Jheru- 
salem, vnndt auf die Nacht liess man vnns inn dem Tempel zu 
dem andern mahl. Do besuchten wier die heylige Stadt vnndt 

1) Leider entscheidet die Stelle die Frage nicht, wo das Haus Simeonis 
eigentlich gelegen hat und in welcher Verfassung es damals sich befand 
(TOBLER, Topogr. II, 894—895). 

2) AVas auch sonst bestätigt wird (Toblee, Topogr. II, 122 . 



Die Jenisalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frdinmen von Sachsen. 21 

lusteii den Ablass, alss wier denn auch vor auch hatten than, 
vnndt do es vmb Mitternacht waz, do die Heyden an ihr Ruhe 
waren, da fordert der Hertzog Heinrich vonn Sachsseun die Pil- 
gram vnnser 37 inn daz heyhge grab vnndt schluss es zu vnndt 
schlug vnnss zu Ritter, einen nach dem andern, mit grosser Still 
vor den Heyden '). Item am andern dornach Hess man vnnss 
zum dritten mahel in Tempel, den Ablass zu lössen die Nacht 
vnndt zu Morgens wieder heraus, vnndt dornach rieten wier l'il- 
gram weg von Jherusalem wieder aufF daz Schiff. 

Item am 23 Augusti am Sännet Bartholomeus Abent rieten 
wier Pilgram vonn Jherusalem nicht weitt, do lagen wier mit 
den Heyden zue Feldt genannt zu Nemaus'^), ist ein Castel, do 
lagen wier die Nacht. Item am 24 tag Augusti ann Sant Bar- 
tholomäustag khamen wier wieder gehn Roma. Item am 25 tag 
zugen wier zu Roma weg auf ein Meyl, do musten wier aber zu 
Feldt liegen mit denn Heyden inn grosser Sorg. Item am 26 tag 
Augusti khamen wier wieder in daz loch genantt zw Gaffa, liget 
am Meer, da lagen wier ein tag innen still, dornach Hessen sie 
ein klein Schiff mit Pilgramen faren auf daz recht Schiff, vnndt 
namen auss vnnss die alten Menner vndt Munnich vnndt Pfaffen, 
die liesen sie fahren. Sie fingen vnnser 60 Pilgram, darunder 
waz der Hertzog auch, vnndt trieben vnnss auss dem loch wieder 
zuruckh ober einen Berg gehn Roma wartz, doch schetzten sie 
vnnss vmb ein wenig Gelts vnderwegen vnnd trieben vns wieder 
zu dem Möer inn daz loch. Do lagen wier bey 2 Stunden innen, 
darnach liesen sie vnns auf daz Schiff faren. Do wier auf das 
Schiff (fol. 28) khamen, do fingen sie vnnss zwen Knecht, do 
rüsten wier vnnss zu im ins Schiff mit dem Gewehr vnndt Avoltten 
sie mit geweit haben vnndt Avaren vnnserschen bey 60 Männer 
in der Parckhen, vnndt woltten vnnss mit zwev hundert haiden 
geschlagen habenn, do wolt der Patron nit, ehr mainet, er woltt 

1) Ueber den Ritterschlag am heiligen Grabe vgl. besonders 11 12, 70 — 
71. In den achtziger Jaliren des fünfzehnten Jahrhunderts ertheilte ein ge- 
wisser Johannes von Preussen, Procurator der Franziskaner vom Zion, den 
Ritterschlag; der letzte bekannte Pilger, dem er die Ritterwürde verlieh 
(24. — 25. Aug. 1497), war der Herzog Bogislaus von Pommern; vgl. R 19^. 
Demnach berechtigt unsere Stelle zur Annahme, dass er bald darauf gestorben 
sein wird (über ihn vgl. sonst auch R 71, 156, 162, 183, 186, 188, 191). 

2) Emmaus. 



22 Keiiiliold llöhricht, 

die llayss iiielir tliuii. Do die Hayden .saclien, daz wier hiiiauss 
woltten, do liesen sie die zwen Knecht wieder zu vnnss fahren M. 
Item am 28 tag Augusti f huren wier Pilgram weg mit vnser Naue 
von dem heyligen Lanndt. 

Item denn 29 tag Augusti khameu wier auf den weitten 
Mäcr zwen Falckhen geflogen vnd rueten auf dem Schiff zwen 
Tag vnndt zwo Nacht, biz daz sie Lanndt sahen, da fiugen sie 
weg. Item am 30 Tag Augusti sahen wier auf dem Meher fliegen 
drey Hauffen Vogel auf einen Haufen bey vier Taussent, die 
wahren weiss vndt hatten auch die Gross alss die Schwannen. 
Item am ersten Tag des Monats Septembris an Sanct Gilgentag, 
da khamen Avier wieder gefohren an die Inseln (fol. 2S') Zipparten 
genannt vnndt würfen Anckher. Inn der Nacht kham ein For- 
tuna so gross mitt windt, daz man den Anckher ab must hauen 
vnndt mit grosser Sorg vnndt nach vnnss spet in das weite Meer 
bracht, wann daz Schiff leicht an daz Lanndt wer gesegelt. Item 
am andern tag Septembris Avurfen wier aber Anckher zu Zipartcn 
an einem andern Endt, so man Saltz hett^) vnndt musten so still 
ligen, biz man den Anckher wieder holet vnndt gewan auss 
dem Meer, er lag 4(J Clafftern tief am Seyll. Item am dritten 
Tag Septembris kham eine Gallea gefohrn, die hatt ein Fusti=*) 
mit Turckhen ertrenckt, sy waren vber sie gefahren mit irem 
Schiff. Item am 5 tag Septembris khamen von Venedig gefaren 
5 Gallen, die wolten inn die Heydenschafft fahren gehn Waruti ') 
nach Wiutzen, vnndt daz gross Schiff vonn Venedig daz belaydeu 
sie, daz vnnss vor auch belait hat gehen Kodiess. Item inn Zip- 
parten ist eine Saltzgrub die fast köstlich geschätzt wird für ein 
gross Cleinott, wann daz Saltz do wechst ahn aller Menschen 
Arbeit 5) (fol. 30) sehr viel, daz man viel grosse Schiff vber daz 
Jliar . . . ledt vnndt hinweg furdt. Item am 9 tag Septembris 
an Sant Kunigundentag furn wier vonn Zippartten weg von der 

]) Solche Brutalitäten kamen gegen die Pilger nicht selten vor R 21, 
02 — 63). Herzog Heinrich hat, wie Mir wisssen (vgl. oben S. 1 — 2), die Zigeuner 
im Verdacht gehabt, dass sie ihn verrathen und so in Gefahr gebracht hätten. 

1, Gemeint ist der in allen Pilgerbericliten genannte Ort Salina (auch 
Salius, Salinis geschrieben). 

3) Italien. Fusta, Raubschiff. 

4] Beirut. 

5) Fol. 211 giebt eine Abbildung davon, in deren Vordergründe das 
Schiff zu sehen ist; fol. 29^ ist leer. 



Die Jcrusalcmfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. % 



z.> 



Portten genannt büi dem heyligen Cieiitzbergkli '), vnndt füren 
v;eg an dem Lanndt Zipparttenn, do woltt der Patron inn einem 
andern Lanndt aber anlanden seiner Kanftmannschatz halben ^1 

I 7 

do Avoltten Avier Pilgrim in nit anlanden lassen vnndt machten 
ain Aufrur im Schiff vnmdt nahmen die Wehr ein vnndt hatten 
Achtung auf den l-*atron, daz ehr nichts schaffen kundth noch 
keinen Anckher tärft werffen, vnndt musst vnss fortfuhren. Item 
am 10 tag Septembris khamen wier gefahren an daz Orth, do die 
7 Schleffer haben geschlaffen, genantt Wassa, do wurffen Avier 
Ancker vnndt speisten das Schiff. Item am 1 2 tag Septembris 
füren "wier weg vonn der Insel Zipparten genant Wassa vndt 
füren vber einen Golff etlich tag vnndt woltten fahren gehen 
Kodies. (fol. 30^) Item am 21 tag Septembris an Sännet Mat- 
theustag khamen Avier wieder gehn Rodies, do lagen wier still 
5 tag vnndt ruheten auss, auch thatten sie dem Fuersten grosse 
Ehr vnndt hielten inn auss mit Zeherung der Hochmeyster. Item 
am 26 tag Septembris füren wier wieder weg vonn Eodies zAvi- 
schen zweyen Bergen, auff der einen Seiten ist die Insel Kodies 
genanndt. Item am 28 tag Septembris Avoltt der Patron inn 
Candia fahren vnndt woltt Wein laden, also hatten wier Pilgrim 
Sorg, ess ging zu lang zw vnndt woltn nit zu Kandia fahren vnndt 
weretten mit Gewalt, daz ehr gehn Modium must fahren vnndt 
wo wier daz nit hetten gethan, so werten Avier niedergCAVorffcn 
Avorden vom Turckhen, alss Avier hernach bericht Avurden vnndt 
erfurn von Kauffleuthen, die auff dem Mehr zu vnnss khamen. 
Item am 29 tag Septembris füren Avir gegen Modium Avartz, do 
begegnet Anns vonn fern ein Schiff genannt ein NaAv inn einem 
Windt, der gross Avar, daz Avier nit zusammen khamen-^). (fol. 33) 
Item am ersten tag October hatten Avier einen ungestummen 
Avindt, daz die Wellen also gross Avaren, das daz Wasser an daz 
Schiff schlug so starkh, daz es vber daz Schiff sprutzet, biz an 
die andern Seitten Avieder in daz Meer vndt vnser viel nass macht. 
Item am 4 tag Octobris khamen Avier Avieder gehn Modin, do lagen 
Avier still 3 tag, da lätt der Patron das Schiff mit Wein, den ehr 

1) Monte S. Croee, über den besonders Conhadv 248. Note 60 liandelt. 

2) Was ausdrücklich durch den in Venedig aufgesetzten Contract ver- 
boten war (R 14 — 15), aber trotzdem von Zeit zu Zeit doch versucht wurde. 

3) Hier folgt (fol. 31) die Ansicht der Stadt; fol. ah ist leer, fol. \V1 ent- 
hält wieder das Bild einer Stadt, fol. 32^ ist Avieder leer. 



24 Keinhold llöhricht, 

gen Venedig füret. Item am 7 tag October kliam ein Venediger 
Schiff gefahren zu vnnss gehn Modinn vndt wurff Ancker neben 
vnnsern Schiff, daz kam gefahren vonn Constantinopell, daz 
saget vnss, wie mann zu Constantinopel saget, mann soltt die 
Pilgrim gefangen dohin bringen dem Turckhen, auch sagten sie 
vnnss, sie hetten ein Streittgehapt mit dem Turck auf dem Meer, 
derTurcken waren gewessenn 3 Schiff, genannt Fusti, die hetten 
sie angriffenn vnndt hetten in 3 Mann vmbracht vnndt sie hetten 
erschossen den Turckhen 1 5 Mann vndt weren mit dem von inen 
kliomen. (fol. 33') Item am 8 tag October füren wier weg vonn 
Modum vnndt hmden an keinem Orth mehr an biz gen Venedig 
vnndt füren gericht zav vber daz Meer, daz man heist die franck- 
reichische Strasse ^) also füren wier daran 11 tag vber daz hoche 
Meer. Item am 17 tag hatten wier eine grosse Fortuna 2), daz 
wier inn grossen Sorgen wahren, dass der Patron vnndt sonst in 
Sorgen stunndt. Item am 19 tag Octobers khamen wier wieder 
gehen Venedig mit Gottes Hulff mit grossen Freuden vnndt ge- 
sundt vnndt keinen Pilgram aussen gelassen vnndt alle wieder 
gehn Venedig bracht in der Ehre der Mutter Gottes. Amen. 
Nun sey Gott gelobet Jhesus Maria ! 

(fol. 34) Item diese nachgemelte Pilgram haben sich zu 
Kitter lassen schlagen zu Jherusalem in heyligen Grab inn dem 
Jar 1498 nach Christi Gepurt : Hertzog Heynrich vonn Sachssenn, 
Herr Tittrich vonn Schleywitz, Ando Galia zw Walana, Herr 
Stetfan von Gnndellingen, Ganian Mausideo, Johan, Herr von 
Freuaho, RatzlofF Herr Bersgossgi, Johan Jorix von Meylanndt, 
Heinrich von Jonima, Paul Boess vonn Waldeckh, Claudi vonn 
Darnaho, Jörg vonn Weyssbach, Johann vonn Andila, (fol. 34^) 
Seufriedt vonn Luttich, Lorentz Piellsse, Augustin von Grabende, 
Conrath Zulhartt, Andress Pflueg, Caspar Wintzerer, Rudolff 
vonn Buna, Sebastian von Fyenburg, Jeorg vonn Schleinitz, 
Caspar Boess, Johan vonn Leuendel, Cestir de Wachy, Ottho 
Pflueg, Hans Serenteiner, Gundther von Bina^), Kersten von 
Weydenbach, (fol. 35) Johan Torannt, Hannss Löesser, Michel 

• 

1) Diese Bezeichnung kommt in der Pilgerliteratur, soweit ich sie kenne, 
sonst nicht vor. 

2) Ital. Sturm, Ungestüm. 

3) Von Glafey 107 — 108 neben Christoph Bernstein und dem auf der 
Reise verstorbenen N. von Grensing genannt. 



Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen. 25 

Vnger, Sisickh Khastel, Sirsickh Zanisy, Christoff von Pernstein, 
Thania Pflug, Georg Khetzell, Sebaldt Khetzelli), Steffan Bauin- 
gartner, Martin Kress, Vlricli Schutz. Christoff Löffelholtz, Eu- 
stachius Ricter^]. 

(Fol. 35^) Die Gelauben, so zu Jherusalem im Tempel zu- 
samen .... sindt: Romani, das sindt die vonn der llömischen 
Kirchen, Greci, das seinndt die Kriechen. Armeni, do die Arch 
Noe bleib, hann inn den Berg Sinai, Gcorgitten, die seindt vnnder 
den Turckhen, Jachobitten, die seindt hinder Egipten, Indianer, 
die seindt auss India, Suriani, die seinndt inn dem hochen gepurg 
bey Damaschko. 

Fol. 36 giebt eine Abbildung des heiligen Grabes. 

1) Ueber beide Ketzel vgl. R 97, 123, 173, 175, 177, 196, 199, 200. 

2) Vgl. R 156, 196 und Will III, 351. 



Eine amtliche Liste der Bediiiiienstämme 
des Ostjordaulaudes. 

Von Dr. EnilO Littniailll in IJeilin. 



Im Januar 1900 wurde mir in Jerusalem von einem dortigen 
Einwohner Salnn Dschdmne^ den ich als Märchenerzähler für 
einige Zeit in meine Dienste genommen hatte, ein Folio-Manu- 
script zum Kaufe angeboten, das eine französisch geschriebene 
türkische Grammatik und eine sehr reichhaltige .Sammlunir Co- 
pieen von Aktenstücken zur Geschichte von Jerusalem besonders 
in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, enthält. 
Diese ist von Herrn Albengo, einem Italiener, der seit langem in 
Jerusalem ansässig und mit der Familie Dscha'nine verschwäo-ert 
ist, angelegt; sein Eigenthum ist dasManuscript'). Beim Durch- 
Idättern der Aktenstücke fand ich auf S. 105 der HS. (Nr. 8 der 
Documente) eine Liste der 15eduinenstärarae im Ostjordanlande, 
die mich besonders interessirte. Sie ist, wie mir berichtet wurde, 
vor etwa 25 Jahren in es-Salt von einem Beamten verfasst, der 
mit den dortigen Verhältnissen genau vertraut war. Ich copirte 
diese Liste so sorgfältig wie möglich und hoffe auch in den un- 
bekannten Namen, von denen viele nicht sehr deutlich geschrie- 
ben waren, Versehen vermieden zu haben; vielleicht habe ich 
aber doch nicht immer richtig gesehen. Sodann Hess ich mir 
sowohl von Salim wie von Herrn Albengo die mir unbekannten 
Namen vorlesen und notirte mir die von ihnen angegebene Aus- 
sprache; ihnen mögen Fehler untergelaufen sein. Diese wurden 
glücklicherweise dadurch wieder ausgeglichen, dass ich bald 

1 Als Preis wurden 10(i Francs verlangt; Interessenten biete ich gern 
meine Vermittel ung an. 



Eine amtliche Liste der Beduiiicnstämme des Ostjordanlande.s. 2 



darauf in Beirut einen Studenten im amerikanischen College 
namens Hassün, der aus es -Salt stammt, traf. Er kannte fast 
alle auf der Liste angegebenen Stämme, mit vielen war er per- 
sönlicli bekannt; von ihm Hess ich mir noch einmal die Aus- 
sprache sämmtlicher Namen diktiren. Bei einigen wenigen war 
er im Zweifel: aber ich glaube, dass meine Transcription nun im 
wesentlichen correct ist. Es fehlt mir die Müsse, die ganze Li- 
teratur durchzuarbeiten und Stellen heranzuziehen, in denen 
die hier angeführten Stämme erwähnt werden ; ein paar Ver- 
weise habe ich nach dem Index zu M. Hartmanns Beiträgen zur 
Kenntniss der Syrischen Steppe, ZDPV XXIII 131 ff. hinzuge- 
fügt. Damit soll natürlich nichts über die Identität der dort ge- 
nannten Stämme mit denen, die in meiner Liste gleichen oder 
ähnlichen Namen haben, behauptet sein; oft genug tragen ver- 
schiedene Stämme denselben Namen. Besonders sei hier auf 
Namen wie dscliamZiioische (S. 29), liamZiide (S. 21), 30), '^cuhc/ni- 
rimc (S. 30), '^atäwme (S. 31, Anm. 2 = heift "afije) u. ä. aufmerk- 
sam gemacht, über deren Bedeutung S. 29 Anm. 1 zu vergleichen 
ist. Der erste Name wird auf ihchamüsch zurückgehen, das als 
©■a?! mehrere Male in den Safa -Inschriften vorkommt (vgl. s. v. 
im Index meiner demnächst erscheinenden »Entzifferung der 
Safa-Inschriften « 1. 

Auch an dieser Stelle sei den Herren |IIyde, Macy und 
Stokes in New York, durch die unsere syrische Expedition aus- 
gerüstet und damit mein Aufenthalt in Jerusalem ermöglicht 
wurde, mein bester Dank ausgesprochen. 

Mein verhältnissmässig nur sehr kleiner l^eitrag zur Kennt- 
niss der Beduinenstämme Syriens hat seinen bescheidenen Wert 
darin, dass meines Wissens eine solche Zusammenstellung für 
jenes Gebiet noch nicht unternommen wurde und dass uns hier 
durch die Zahlenangaben, die manchmal ungenau sein mögen, 
ein einigermassen anschauliches Bild von derlJevölkerungsziffer 
geboten wird. Ich gebe die Liste genau nach dem Manuscripto, 
mit Ausnahme der finalen ä und ^, in denen ich betreffs Setzung 
der Punkte zuweilen abweiche, aber ebenso wenig consequent 
Avie das MS. selbst. Die Regel ist: ä nur vor stat. constr. , ^ 
nur wenn es kein i oder ai bezeichnet. 



28 



]'inno Littmann, 



* - 



KS 



A-i:>i 



LäLü 












fl^-Awi 



_,jL«.jS .^^JL/sL; 



Verzeichniss der in der Belka und im Osten und Süden 
davon] heimisclien Beduinenstämme sowie die annäliernd abge- 
schätzte Zahl ihrer waff'entragenden i Männer]. 



Kl, 



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Stamm 



beni. sachr 



Zahl 



6000 



Theilstämme der beni sachr. 

Es fallen zwischen den Tlieil- 
stämmen dieser Kabtle Streitig- 
keiten und Fehden vor und bis 
auf diesen Tag ereignen sich unter 
ihnen blutige Streitfälle und 
Kriege, und jeder Stamm hat 
seinen besonderen Schech; aber 
der bei der hohen Regierung be- 
kannte Schech ist nur Sattäm ibn 
Feudi el-Faiz ^) und er entschei- 
det über alle bei den zwischen 
einem Stamm und dem andern 
vorkommenden Kriegen. Sie alle 
sind in der Belkä und bis nach el- 
lerak hin zu Hause und zahlen be- 
stimmte Geld [abgaben] anstatt der 
Soldaten und Stücke Kleinvieh. 
et-toka^) 1 

el-hben (?) 1 

ül-Jmmid 1 



ez-zen 

el-hekisch (?) 
cd-daliäsclie 



Ij Fendi starb 1879. 

2j Mir auch als tmvüga bezeichnet ; wohl identisch mit den luiceg, deren 
Schech et-Tüla s. ZDPV IX 238. 



Eine amtliche Liste der Beduinenstämme des Ostjordanlandes. 29 





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Stamm 


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el-charschän 






el-kaähine 






el-feredacli 






el-akm 






cl-ßjällje 






el-hammüd 






ed-dahke[?) 






el-(jhureiocin. (?) 






el-fäjiz 






el-hachlt 






el-dschaJillcm (?) 






el-amr 






es-salwi 






el-mor 






ez-zarkamün 






el-dschuraih't '-) 






ed-dahäh 








25 




el-hadschäja (zali- 






\emoidi^A.\i. be- 






stimmteAbgabe, 






sonst nichts) 


1 


1000 


cl-hamiiide (zahlen 






icidi) 


1 


1000 



1) Stammesnamen der Form J.jLxJ und KüL«5 o-ehen in alter wie in 

neuer Zeit meist auf einen berühmten Führer zurück, nach dem sieh der 
Stamm benannt hat (vgl. Welliiausen in ZDMG XLV 177). Auch nach einem 
Stammvater erhält eine Familie einen Namen in dieser Form. So kenne ich 
eine drusische Familie der kasäsine in itirba im ITauran, die von einem hassini 
abstammt, der doi-t vor etwa 4(1 Jahren aus dem Libanon einwanderte. 

2) Vgl. ZDPV XXIII 52 No. 465. 



30 



Enno T.ittniann. 



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rat (zahlen icidi) 




W?a7« (stellenSol- 


t... 


daten und [zah- 




len] Tribut an 




Kleinvieh) 


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hcJJiäwlje 


[ ]') 


heul Jiasan 




\ibhUd-^) (stellen 




Soldaten und 


1... 


zahlen'j Triliut 




an Kleinvieh) 




hamaide von cl- 


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kerohwwfXbusera 


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V'uld "all ■') 


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er-rmoala d. h. 




'^anezc ^) 


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hischr[^) 


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es-shaci'^) 


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d-facCän *') 


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ihn cs-sa^ad {?) 


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cl-dscJiarha 



Zahl 



r)00 



1000 

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1 00 u 

4 0[00] 
[8 000] 



000 



1 000 


20 000 


20000 


20000 


20 000 


20 000 


150 000 


ISOOOO 


10000 



1) Im MS ein Riss, nach der Gesamtzahl ür<i,änzt. 

•1) Auch^Mbtd (30 Ilassün) ; \g\. e/-\ihhr,'l<' /DPV XXIII IS No. 18(1 
und cl-ibadät ebdas. S. 52. 

3) Ebdas. S. 54, 55. 

4) Ebdas. S. 53. 

5) Ebdas. S. .39, No. 3G7, S. 51, 55. 
C.) Vir!. Zni'V XXIII S. 10. 54. 



Eine amtliche Liste der Beduinenstämme des Ostjordanlandes. 3 I 





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JJ.£ 




Stamm 


Zahl 






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cf-faijUr ') 


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5 000 


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60 000 


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20 000 


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el-l.sa 




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el-masclüdicha (?) 












200; surJiär cl- 
(jhor 300; e/- 






1.. t;5^.jCil ikyljL*i 
> 

1.. .♦äÜ 


i 

1 


fr.. 


hascJumüt (?) 
500; kaZihinet 




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r... oj.ixij! 






el-kerak 600 ; 


() 


4 200 


Kj-X,«*^£ 1 .. ».X5«Aj 






e/-V/wr600;<'.s- 






j.U£! j»^^». 






.s^^/w^2000 (stel- 
len Soldaten n. 
zahlen] Tribut 










an Kleinvieh) . 






\U'u\.>.Äji 


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el-ahdcdlah <>) 


1 


3 000 


Klj^/Ä^ji 


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f... 


ps-s(wüUmc 


l 4 000 




rv 


vCfv.. 


37 


724 700 



1) ZDPV XXIII 54, No. 492. 

2) Ein Stamm 'aicUr im Wilajet Ilalcb, >;. ZDPV XXIII \\) No. 4:iO. • 

3) Auch \ituwme (Ilassünj. 

4) ZDPV XXIII 54 (No. 487), 5H. 

5) Wahrscheinlich der.selbe Name wie >;iv/(("r/ ZDPV XXlll "l No. IL"). 
()• Vi>-1. chdas. S. 54. No. 184. 



Kleidung und Schmuck der Araber Palästinas. 

Von L. Bauer in Jerusalem. 



Wie einfach die Alltagskleidung des palästinensischen 
Landvolkes ist, dürfte vielen Lesern dieser Zeitschrift aus eigener 
Anschauung bekannt sein. Sehr häufig gehen die Fellachen, 
Frauen wie Männer, bloss im langen — jene im blauen, diese 
im weissen — Hemd einher, welches durch einen Gürtel zusam- 
mengehalten wird. Wenn der Dörfler in die Stadt oder sonstwo- 
hin sich begiebt, so wird ein Mantel umgeworfen. Aus Hemd, 
Gürtel, Mantel und Kopfbedeckung besteht im allgemeinen die 
ganze Kleidung der bäuerlichen Bewohner des Landes. Auch 
die alten Hebräer Averden sich ähnlich gekleidet haben; denn 
wie sich der Orient in mancherlei Sitten und Anschauungen 
nicht verändert hat, so ist er auch der altgewohnten Tracht im 
Ganzen treu geblieben. Erst seit etwa zwei Jahrzehnten bürgert 
sich abendländische Kleidung, besonders bei den Städtern, ein, 
und so wird mit der Zeit leider manch kleidsames Gewand in Ab- 
gang kommen, und Das ist, wie mir versichert wurde, bereits ge- 
schehen. So einfach einerseits die Kleidung ist, so wird andrer- 
seits viel Luxus mit ihr getrieben. Auch dies Letztere traf schon 
bei den Israeliten zu. Die üeppigkeit in der Kleidung und im 
Schmuck hat zuzeiten so sehr überhand genommen, dass die Pro- 
pheten (vgl. Jer. 4, 30 und Jes. 15, 16 — 24) scharfe Strafreden da- 
gegen ergehen lassen mussten. Der Luxus zeigte sich früher 
und zeigt sich auch heute in der Menge der umgeworfenen Ge- 
wänder und in der Kostbarkeit der Stoffe, der Verzierungen und 
des Schmuckes. Die folgende Namenliste will in erster Linie 
einen kleinen Beitrag zur arabischen Sprachkunde liefern, um 
zugleich zu zeigen, welch stattliche Summe von Ausdrücken der 
palästinensische Araber^besitzt trotz der, w'ie~oben erwähnt, ge- 



Kleiduns; und Schmuck der Araber Palästinas. 



33 



wohnlich dürftigen Bekleidung:, und obgleich von vielen Be- 
nennungen der rein hocharabischen Sprache Abstand genommen 
worden ist. Es wird ferner zu ersehen sein, wie manche Fremd- 
wörter sich durch europäischen Einfluss eingenistet haben. End- 
lich ist der Versuch gemacht worden, die im alten Testament 
genannten Bekleidungsstücke mit den heutzutage gebräuchlichen 
zu identificiren, 

Abkürzungen: Dozy = Dozv, Supplement aux Dictionnaires arabes, 
griech. = griechisch, lat. = lateinisch, Lu. = Luther, PI. s. = Pluralis sanus, 
bed. = beduinisch, feil. = fellachisch, frz. = französisch, lib. = libanonisch^ 
pal. = palästinensisch, pers. = persisch, rom. = romanisch, türk. = türkisch, 
p. t. = persisch-türkisch. 



^ahlije PI. ''uhi Fellachenmantel. 
'akrd Strick, bei den Beduinen 

um die hatfa gelegt. 
arJilje Schweisskappe = fäJäJe. 
^asbe, PI. ^asUih Stirnbinde. Jes. 



3, 20. Lu. Flittern. 



häbüdsch, PI. haiväbulsch (p. t.) 
Pantoffeln. 

hlidle^ PI. s. Anzug, s. (ahn. 

hantalön PI. hantalonZii (frz.) 
Hose. 

harfiische^ PI. harütisch Haus- 
schuhe, Schlappen ; altes 
Kleidungsstück. 

hiisc/ik'ir, PI. hüschUklr^ (türk.) 
Handtuch, auch gesticktes 
Kopftuch junger Frauen. 

häsch7itiJca, PI. büschäiük Kopf- 
tuch, das unter dem Kinn 
zusammengebunden wird. 

i{w?(-är Morgenkleid der Frauen. 

blüse, PI. s. (frz. blouse) Bluse. 

botln (frz. bottines) Schuhe (ein 
Paar). 

budjüje Schürze. 

biirka^ PI. baniki Schleier, von 

Ztsclir. a. ral.-Ver. XSIY. 



den beduinischen und ägyp- 
tischen Frauen getragen, am 
Kopf befestigt, lässt nur die 
Augen frei, mit Geldstücken 
und kleinen Muscheln [wadd] 
behangen. Jes. 3, 19 Lu. 
Hauben; Gen. 24, 65 Lu. 
Mantel. 

bnglnne (türk.) Silberhalsband 
bei Fellachinnen. 

burneta^ PI. barlmlt (rom.) Hut. 

burnus (lat. u. griech.) Burnus, 
weisser Staubmantel. 

chaff Kinderschuhe = halkül, 
chaVa Geschenkkleid irgend 

einer Art. 
cJiülah^ PI. r7/^//Aäw altes Kleid; 

langes Hemd der Fellachen, 

vgl. tob. 
cliZitim., VX.chawätim Fingerring 

mit Einsatz; Jes. 3, 21. 
(Jieri^ PI. clüirijlit vergoldete 

kleine Münzen, welche auf 

die schatioe genäht sind. 
chirha^ PI. chirah oder ichrak 

(eigtl. Lappen) weisses unver- 
3 



34 



Ti. Bauer, 



ziertes Kopftuch ; gestickter 
Brautschleier der Fellachin- 
nen, sonst auch tarha ge- 
nannt. 

chizTmiy PI. chazähn Nasenring 
der Frauen (hei Beduinen 
noch gebräuchlich ; Gen. 24, 
22. 47 Lu. Spange. 

chulchul, PI. cJialücMl klin- 
gelnde Fussspange. Jes. 3, 18 
Lu. köstliche Schuhe; Num. 
31, 50. 

chumär Schleier. 

dümir (eigentl. clümir) tuchene 
Jacke bis zum Gürtel rei- 
chend, Halbrock, fest anlie- 
gend, Aermel eng; s. laihran. 

dlhadsch (pers.) Brocat; Jesaias 
3, 24 Lu. für einen weiten 
Mantel ein enger Sack, statt: 
für einen Brocatgürtel den 
einfachen Gürtel eines Sack- 
gewandes. 

dikke Hosenriemen, Schnur zum 
Zusammenziehen der Hosen 
ischiruHil). 

diniÜJe (feil.) baumwollener 
humhüz. 

dimlidsch und dumltdsc//, PI. 
dämälidsc/i gläserne, gefärbte 
Armringe. Die dätnälidsch 
waren fiüher silbern und 
durften nur von den freien 
l^eduinenfrauen , nicht von 
den Sklavinnen getragen 
werden; s. gliueschät. 

dsrhiizme, PI. s. (türk.) Stiefel. 

dsrJiliiidljiit vergoldete Mün- 



zen, an der acJiafwe oder an 
den zu beiden Seiten des 
Kopfes hängenden Kettchen 
befestigt. 

dschubhe langer tuchener Ober- 
rock der Vornehmen, vgl. 1. 
Sa. 24, 5. 

dscliurhline (p. t.) Strumpf s. 
k'dlse. 

dtihhäha (feil.) Tarbuschquaste. 

farwe^ PI. s. Pelzrock. 

fische (frz. fichu) Spitzenkopf- 
tuch. 

fflre goldener Thaler, der in 
die scJilre gehenkt wird. 

fustZin^ Y\. f'dsTd'm Frauenkleid. 

(jhuesch^ PI. gJiuescJdit auch 
egJniT'Schüt (von g /lösch Ge- 
räusch, Lärm) gläserne Arm- 
spange. 

hahra, PI. s. schwarzer seidener 
Ueberwurf der städtischen 
Frauen. 

Indak Ohrringe, Ohrgehänge, 
Jes. 3, 19 Lu. Kettlein. 

halaka Ring überhaupt. 

henna Pflanze (Lawsonia iner- 
mis) und die daraus gewon- 
nene rothgelbe Farbe, mit der 
man Finger und Nägel färbt. 

hafia^ PI. s. Kopftuch, um wel- 
ches der ''akal gelegt wird = 
kefflje. 

hidm^ PI. hudimi schadhafte 
Kleidung, so besonders von 
IJeduinen gebraucht. 



Kleidung und Schmuck der Araber Palästinas. 



35 



hidscJiTib (auch hirz^ talmVa und 
'^üzi) Amulet; Jes. 3, 20 Lu. 
Ohrenspangen. 

liUle oder hiille^ PI. Idliil, Ge- 
wand = Uldle\ Ri. 14, 12 
Lu. Feierkleid. 

liirz Amulet, s. hidschuh. 

Jiizam PI. s. tuehener oder le- 
derner Gürtel s. schr'ita. Der 
Gürtel diente zum Tragen 
des Schwertes (Ri. 3, IG), 
des Schreibzeuges (Hes. 9, 2) 
und zum Aufbewahren von 
Geld (Matth. 10, 9). 

hiidscJüd Fussringe (gewöhn- 
lich der Kinder). 

ikdddd^ PI. s. (bed.) weisse haffa 
(s. das.). 

ilflife^ PI. lüfäif ein wollener 
Streifen, mit dem die Fella- 
chinnen das Haar binden, s. 
ivuku. 

isiüär, PI. asüwir Armspange. 
Jes. 3, 19. 

izär, PI. UZU7' grosser, weisser 
auch farbiger Ueberwurf der 
Frauen, die ganze Person 
einhüllend. Jes. 3, 23, liU. 
Kittel; Hoheslied 5, 7, Lu. 
Schleier. 

jaka (türk.) Kragen, s. hdhhe. 
JUnse oder Jitnese Flortuch, 
Schleier, s. hazze. 

hlhhe Kragen, vgl.jTdui. 
kühbnt (rom.) Wintermantel. 
kalkül^ PI. kalakll Kinder- 
schuhe, s. cJiaff. 



kallüse^ PI. kalüVis Priester- 
mütze. 

kalschln, PI. kaläschln (türk. u. 
rom.) Galoschen. 

kiilse (rom.) Strumpf, s. dscJnir- 
h'dne. 

kälsTin (frz. caleron) Unterhose, 
s. schintjan. 

kamar (pers.) eine Art Tricot- 
SÜrtel der Männer. 

kamls, PI. kmnmn (rom.) Hemd 
Jes. 3, 23 Lu. Koller, Job. 
19, 23. 

karf, PI. akräf Ohrring. 

kazze oder gazze feines durch- 
sichtiges Schleierzeug. 

keffije Kopftuch zum Schutz 
gegen die Sonne, eig. küfije, 
weil ursprünglich in Küfa 
gewoben. 

kefuhje oder köfellj'e Windeln. 

kibr weisser Kittel, von älteren 
Leuten getragen. 

kiswe Kleidung. 

Jfläde, PI. kläid Halsband von 
Bernstein oder Glasperlen, 
minderwerthiger als 'ukd, s. 
kurdün. 

kschiit 3 — 4 cm breiter Leder- 
gürtel, s. sTt. 

kuhbaa Zipfelmütze. 

kubrün Jacke s. diimir. 

kuffün seidener Ueberrock für 
festliche Gelegenheiten. 

knfüf Handschuhe. 

kühl Augenschmiuke ((JoUy- 

rium). 
liufnbäz Ganzrock, farbig, ge- 
wöhnlich gestreift, bis an die 
3* 



36 



L. Bauer, 



Knöchel reichend, über dem 
hemdartigen clidlak oder UA) 
angezogen, s. dimUje. 

liunäara (türk. u. griech.) feil.: 
kimdräi lederne Halbschuhe 
ohne Schnürung. 

kurdün Halsband mit grosse- 
rem, viereckigem Einzel- 
schmuck von Gold. 

lüffe^ PI. s. Turban, Kopfbund 
s. roghahüne. 

lasük (frz. elastique) Halbstiefel 
mit Gummizug. 

lafme oder liltme PI. s. = lifjim. 

libh'dde auch lihde Filzkappe. 

lihs und lihila Kleidung. Gen. 
49, 11. 

liljim (bed.) Kopftuch der Män- 
ner, wird unter dem Kinn 
herumgeschlagen. 

mädüs Fellachenschuhe. 

makrmt = '^ashe. 

malfii'ije (feil.) AVindeln, s. ho- 
felije. 

marküh (bed.) Stiefel. 

marjTd (von r«/, med. i Speichel- 
wasserfliessenlassen) Schürze 
s. tvazra und hudj'dje, 

mdarrahije eine mit Baumwolle 
gefüllte und gesteppte län- 
gere Jacke, besonders von 
älteren Leuten im Winter 
getragen. 

meruUl (türk. , aber durch das 
Griech. vom \?il.ma}itile] dün- 
nes, durchsichtiges Kopftuch 
in der Form eines Taschen- 



tuches, auch als Schleier vor 

das Gesicht gethan. 
miniJUn (pers.) Jacke, Wams 

(ägypt. sehYm). 
mliije bunter Ueberwurf s. hahra 

und izm\ 
mrlr (bed.) = '^akäl. 
msch'dmma Regenmantel, eig. 

der mit Wachs überzogene 

oder die Wachsleinwand. 

nikäh Schleier aus Tüll s. hurha. • 
Jes. 47, 2 Lu. irrig: flicht die 
Zöpfe aus, statt: nimm dei- 
nen Schleier ab, lüfte ihn! 

rahfa (eig. Band) eine Kopfbe- 
deckung der Frauen, 

rahtat rakabe Kravatte. 

raghahäne mit Seide gestickte 
liiß'c (s. das.). 

s/r/fe Reihe von Goldmünzen, 

an der schatwe angebracht, 

welche die Stirne bekränzen. 
säje (wahrsch. rom.) weisser 

Kittel. 
säko (rom.) Rock Jacquet. 
tiülsdh', PI. süJüsil Halskette. 
salta Jacke, in Jerusalem für 

Männer, im Libanon für 

Frauen. 
sarmTidsche (pers.) Pantoff"eln 

(Paar). 
schachscltlr (pers.) Pumphosen. 
schlil (pers.), PI. s. Halstuch. 
schule (pers.) schwarzer, dünner 

Überwurf für Männer = 

'abäj'e. 



Kleidung und Schmuck der Araber Palästinas. 



37 



schambar tiirk.) aJimar Kopf- 
tuch mit Fransen. 

schämle Kopfbund , kleiner 
Turban (nördl. von Jerusalem 
gebr., sonst lUjf'e). 

schartüha alter zerrissener 
Schuh. 

schUsch dünner Stoff, auch Tur- 
bantuch. 

schatwe, PI. s. Frauenkappe. 

schintjün (türk.) Beinkleid (mehr 
im Libanon gebräuchlich). 

scJiirc oder scliirlje = möba- 
rlje, mit dem Unterschied, 
dass die Theile des Hals- 
schmuckes so klein Avie Ger- 
stenkörner sind. 

schirsch altes fransiges, schleis- 
siges tob (bei Näbulus ge- 
bräuchlicher Ausdruck). 

scJiiriväl auch sirioül{^exs.) Plu- 
derhosen. Ex. 28, 42 und Lev. 
6, 4 Lu. Niederwand. Weder 
die Hebräer trugen noch die 
heutigen Landbewohner tra- 
gen Hosen, nur die Priester 
hatten eine Art Hüfthosen, 
damit die »Scham« bedeckt 
sei, wenn sie zum Altar des 
Herrn treten. 

schriha^ PI. s. Ledergürtel für 
Männer, breiter als Jfsdiüf. 

scJmrräbe^ PI. scharärlb Tar- 
buschquaste. 

ser (feil.) Ledergürtel = kschäi. 
sidrtje Weste. 

slgha Schmuckgegenstände des 
Körpers. 



skarbina italienisch scarpino) 
Halbschuhe der Frauen mit 
Döldchen oder Schleife ver- 
ziert. 

sUte, PI. s. (von ^^^ij^ salaf auf 
leichte Weise wegnehmen) 
goldenes oder silbernes Arm- 
band, besteht aus feinen Ket- 
ten, die an beiden Enden 
durch einen Schieber be- 
festigt werden. 

smäde (so nördlich von Jerusa- 
lem) = sd^e. 

mdbartje gold. Halsschmuck, 
so genannt, weil seine Theile 
die Form von Pinienzapfen- 
kernen (snöbar := Pinien) 
haben, s. sch^lre. 

Hubbät (lib.) Halbschuhe. 

uirmäje^ PI. Äa?'(7we orientalische 
Schuhe. 

taJmlfa Amulet, s. hidschäb. 

fäJfiJe weisse Schweisskappe, 
unmittelbar auf dem Haupt 
unter dem Kopfbund. 

takm (lib.) Anzug s. bädle. 

iakslra^ PL taläslr reich ver- 
zierte Jacke der Frauen, s. 
dümir^ aber loser als dieser. 

tannüra, PI. tanmiir Unterrock. 

tarbta^ PI. taräbi einfaches, 
bisweilen auch verziertes 
Fellachenkopftuch, s. cMrka. 

farbnsch (pers.) Fes. 

farha dünnseidenes, weisses, 
mit Spitzen gerändertes 
Kopftuch, \q\. fische, me?idtl, 
j'änse. 



38 



li. Bauer. Kleidung und Schmuck der x\rabcr Palästinas 



/ima/y, Tl. s. Gamasche. 

tob oder tob, PI. fiäb, tiiih Kleid 
oder Kock für Männer und 
Franen (allgemeine Bezeich- 
nung). 

tob asmar dunkelfarbiges 
(Trauerikleid. 

tob azrak gewöhnliches blaues 
Kleid. 

tob ichdäri grün, roth und blau- 
gestreiftes Kleid. 

tob mäUik seidenes Hochzeits- 
oder Festkleid. 

tob mbiirsüm roth und weiss 
gestreiftes Kleid. 

^idd wertlivolles Perlenhals- 
band, vgl. llUdc. 
iirbäd Kravatte. 
'^üzi Amulet, s. hidschüb. 

ivata, PI. wu/i J ellachenschuhe. 

wazra Schürze, s. budjäj'c, 
marjid. 

imschUm (auch dahk genannt) 
Tätowierung mittels Nadel 
und Indigo auf Armen, Unter- 



lippe, Kinn und Wange. Das 
Tätowieren war den Israe- 
liten verboten, Lev. 19,28: 
»ihr sollt keine Buchstaben 
an euch pfetzen«. 
loukä (äLsj) eine Art Kappe oder 
fälßje für Jungfrauen mit bei- 
derseits angenähter HfÜfe. 
Die ivukü hat um die Stirne 
manchmal Münzen. An Stelle 
der toukii, tritt bei Verhei- 
ratheten die schahve. 

zarbulioie Stiefel der Beduinen 
mit aufwärts gebogener Spitze 
und eisenbeschlagenem Ab- 
satz. 

zmäk Halsband als Fortsetzung 
der schatioe oder smadc. 

zirr 'ij'üri loser Knopf am Vor- 
hemd und an Manschetten 
(eigentl. falscher Knopf). 

zunnar, PI. zanamr tuchener 
oder seidener Gürtel für Män- 
ner und Frauen. Jes. 3, 20 
Lu. Schnürlein. 



Bemerkiiiigeii zu A. Socin's ..Liste arabischer 
Ortsappellativa" 

ZDPV XXII, 18 fF. 
Von L. Bauer in Jerusalem. 



1. Das Räthsel, vor das sich Socin a. a. O. S. 22 gestellt sah, 
ist so zu lösen, dass man in den Ortsnamen icädi el-hamrä und 
wZidi el-asmar den Ausfall eines Nomens annimmt, Avelches ur- 
sprünglich durch das Adjektivum näher bestimmt wurde. Dieses 
wird freilich in seiner Ursprünglichkeit kaum mehr festzustellen 
sein; aber man kann ein äquivalentes einsetzen, etwa: wädi el- 
arä el-JiamrU = Thal der rothen Erde, und iccidi el-inah el-asmar 
= Thal der schwarzen Trauben. Von den Adjektiven kann hier 
hamrä ja unmöglich dem Substantiv icädi attribuirt sein. 

2. Es ist sehr zutreffend, wenn Socin S. 21 sagt: »Das Ara- 
bische besitzt Bezeichnungen für einzelne sich durch irgend eine 
Eigfenthüralichkeit abhebende Oertlichkeiten«. Doch sei hierzu 
auch darauf aufmerksam gemacht, dass in bewohnten Gegenden 
die Lokalitäten sehr häufig einem historischen, kulturellen oder 
anderweitigen Geschehniss ihren Namen verdanken. Die Er- 
forschung solcher Namen landauf landab wäre wünschenswerth, 
insofern sie vielleicht Ergebnisse liefern, die in sprachlicher, 
historischer und kultureller Hinsicht einiges Licht auf frühere 
Zeiten werfen. Dem Schreiber dieser Zeilen sind in dieser Hin- 
sicht schon manche Namen von Länderstücken der Umgebung 
des Syrischen Waisenhauses aufgefallen, und er möchte nur 
einige namhaft machen. 

a) In sprachlicher Hinsicht bieten einiges Neue und Schwie- 
rige die Namen ard el-hasähis »Landstück der kleinen (Kiesel-) 
steine«; — el-ltuära »die weisse Erde«; — ras en-nädir »oberer 



10 T.. 15aucr, Bemerkungen zu A. Socin's Liste aralaischer Ortsappellativa. 

Theil der Tenne«; — el-kallTihijc^ vielleicht von kallaha »um- 
wenden« : man erzählt sich, dass die Familie des Besitzers dieses 
Landes vernichtet Avorden sei; oder es ist von lallüh Name 
einer Familie abzuleiten, el-haUubi/e ist dann also etAva = cl-ard 
cl-JcaUnht/e »das Landstiick der Kallüb« ; — en-nUdschaim »die 
Ländereien, wo hervorwächst«, von nadschama »hervorwachsen« 
(nicht von nadschm Stern); härm karmTiz »Weingarten des Harten 
und Kaltblütigen« ?), besser wohl »Weingarten des Karmüz«. 
(K. ist wohl Eigennamen; denn sonst müsste der Artikel cl davor- 
stehen.) 

b) Durch historische P'reignissc möchten folgende Namen 
ihre Erklärung ünden: teil mualhak »Hügel Mu'albak«; cl- 
maioadln oder d-majZidin »die Rennbahnen«; challet el-marärhe 
»Thälchen der Maghrebiner« (Nordwestafrikaner); chirhet hadr 
»Ruine der Hadr«. 

c) Ziemlich deutlich sprechen Namen, die auf eine früher 
bessere Bebauung des Landes schlicssen lassen an Orten, wo 
heute nur wüstes Land ist: dschörct ci-tTd »Thalmulde der Maul- 
beerbäume« ; — dschörct el-choch »Thalgebiet der Pfirsichbäume« ; 
Jiahalat el-hznz (Sing, hazz) »Terrassenland der Schösslinge« ; 
— challet el-hamJ) »Landstück der Rohrpflanzen«, entweder weil 
das Gepflanzte so üppig wie Rohr aufschoss oder weil, was frei- 
lich fraglich ist, dort Rohr gepflanzt wurde ; — harnt el-mädUbis 
»Weingarten der Dibsbercitungsplätze« ; — xoar flwme »Köhl- 
chenhaldc«, vielleicht ein früher waldiges Gebiet, wo Kohlen 
gebrannt wurden. 



Bücheranzeigen. 

Das deutsche Kaiserpaar im heiligen Laude im Herbst IS9S. Mit 
allerhöchster Ermächfif/ung Seiner Majestät des Kaisers und 
Königs bearbeitet nach authentischen Berichten und Akten. 
Mit Zeichnu?igen im Text^ 77 Abbildungstafeln und drei 
Karten. Berlin, E. Mittler & Sohn, 1899. 422 S. gr. 8". 
Preis geh. 7 M. 50 Pf. 

Das Werk, zu dessen Herstellung sich eine Reihe von Theil- 
nehmern an der Kaiserreise vereinigt, will auf Grund eingehen- 
der Berichte von urkundlichem Werth die Vorgeschichte und 
den Verlauf der Reise darstellen und ihrer geschichtlichen He- 
deutung für das deutsche Reich Genüge thun. Darin ehen liegt 
der hohe Werth dieses Buches. Die persönlichen Eindrücke der 
Einzelnen treten ganz zurück, die rein objektive Darstellung der 
Ereignisse ist die Hauptsache. Mit aller wünschenswerthen 
Ausführlichkeit und selbstverständlich in zuverlässigster ^Veisc 
wird der ganze Verlauf der Reise dargestellt; die Ansprachen 
der Ma,jestäten werden im Wortlaut mitgethcilt, ebenso die 
wichtigen Urkunden und Reden. Grosse Ausschnitte aus dem 
Tagebuch Kaiser Friedrichs, der als Kronprinz 1869 nach Jeru- 
salem reiste, sind passenden Ortes eingeflochten und bringen das 
subjektive Moment zur Geltung. Die Darstellung der Reise 
selbst u. s. w. ist das Werk des Freiherrn von Mirbach, der durch 
eine Reihe von gelungenen Zeichnungen die Schilderung der 
Landschaft unterstützt hat. Von den sonstigen Abbilduno^en ist 
ein grosser Theil den photographischen Aufnahmen Ihrer Ma- 
jestät der Kaiserin entnommen. Daneben tritt eine von Pastor 
ScHLicHTSorgfältigbearbeitete, durch reiches statistisches Material 
werthvolle Darstellung der Geschichte der deutschen Ansiedlun- 
gen, der deutsch-evangelichen Gemeinde, der christlichen Liebes- 
Averke in Palästina etc. Regierungsrath Mühlmann und Pastor 
Schlicht zusammen haben einen ausführlichen Abschnitt über 
Geschichte und Topograpbie Jerusalems geschrieben, eine ge- 
schickte Zusammenstelluiio^ alles Wissenswerthen. Ganz'be- 
sonders möchte ich noch hervorheben den werthvollen Beitrag, 
welchen einer unserer besten Kenner der Türkei, Graf von Mü- 



J2 Rücheranzeigen. 

ij^^r:x (i;cliefert hat, betitelt »Die Uiitcithaiien des Sultan«. Es 
scheint heutzutage in vielen Kreisen Mode zu sein, ül)er die 
Türkei und deren Verhältnisse, über die Völker derselben, nament- 
lich auch über den Islam und seine Bedeutung möglichst gering- 
schätzig und absprechend zu urtheilen, meist mit einem Seiten- 
hieb auf die »türkenfreundliche deutsche Politik. Aber ^\ie sehr 
zu Unrecht dieses absprechende Urtheil über die Türken gefällt 
wird, das zeigt eben die vorurtheilslose Charakterisirung der- 
selben in unserem Buch, die durch ihre nüchterne Objektivität 
Eindruck zu machen nicht verfehlen wird. 

Berlin. Benzinger. 

£ifie Sinaifalni. Von Adolf Keller. Mit zaldreichen Abbildun- 
gen nach Originalauf ncüimen und einer Karte der Sinaihalb- 
insel. Frauenfeld, J. Huber, 1901. 170 S. 8°. Preis geb. 
3 M. 20 Pf. 

lleisen nach dem Sinai werden verhältnissmässig selten ge- 
macht und noch seltener beschrieben; wenigstens von deutscher 
Seite. So werden diejenigen, die sich für jene Gegenden inter- 
essircn, das vorliegende P)üchlein mit Freuden begrüssen. Das- 
selbe verdient auch recht gelesen zu werden, soAveit es Erzählung 
von Selbsterlebtem ist. Seine Stärke liegt in der Landschafts- 
schilderung. Die erhabene Grossartigkeit des wilden Meeres von 
Zacken und Gipfeln um den Sinai herum, die wonnevolle Herr- 
lichkeit der Oase Feirän, der überwältigende Eindruck dieser 
Landschaftsbilder auf den empfänglichen Wanderer weiss der 
Verfasser vorzüglich Aviederzugeben ; und manchmal schAvingt 
sich dabei die Sprache zu wirklich dichterischer Schönheit auf. 
Treffliche Abbildungen unterstützen hier die Beschreibung aufs 
beste. Auch allerhand Interessantes und Heiteres aus dem Le- 
ben im Kloster, aus dem Verkehr mit den Beduinen etc. hat der 
Verfasser zu erzählen. Die weiteren Zuthaten aber, die dem 
Buche einen etwas wissenschaftlichen Anstrich geben sollen, 
würden Avir gerne missen. Was der Verfasser »durch den An- 
schauungsunterricht der Wüste für das Verständniss der Anfänge 
des Israelitischen ^'olkes und seiner Religion« gelernt, ist, nach 
dem Buche zu schliessen, herzlich Avenig. Was er z. B. dem 
Leser darbietet unter dem Titel »Aehnlichkeit der Sitten mit den 
altisraelitischen«, ist eine recht oberflächliche und manchmal 
r(^cht schiefe Zusammenstellung des AUerbekanntesten. »Die 
bciligen Steine und Bäume, die dem israelitischen Volk (in der 
Wüste? d. Ref.) so viel zu Schäften gemacht haben, stehen hier 
noch in vollem Ansehen«. »Die Scheidung der Israeliten in ver- 
schiedene Stämme, die sich trotz ihres Bewusstseins der Zusam- 
mengehörigkeit gelegentlich auch bekämpfen, hat heute noch 



Bücheianzeigen. 43 

ihre Analogie in der BeAvohnerschaft der Halbinsel«. »Die Gast- 
freundschaft, die in der Wüste so gross ist, wie nirgends auf der 
Welt, erinnert uns Mieder an israelitische Sitten' . — Das sind 
> Wahrheiten«, zu deren Erkenntniss man eigentlich keine Sinai- 
reise braucht. Dass »die räthselhafte Geschichte von der Be- 
schneidung Moses« von altarabischen Vorstellungen her neues 
Licht erhält, ist richtig; aber es ist eine starke Zuniuthung an 
den Leser, das zu glauben, wenn ihm auch nicht im geringsten 
angedeutet worden, worin diese Vorstellungen bestehen. Geradezu 
irreführend ist der Satz: »das Blut hat noch jetzt eine ähnliche 
Bedeutung wie im alten Israel: es wird an heilige Stellen ge- 
strichen«. Soll darin wirklich die ganze Bedeutuncr des Bluts 
bestehen? Solche gelegentliche »Analogien« erklären noch lange 
nicht die alttestamentliche Keligionsgeschichte, und dass man 
auch von Seiten von Tbeologen doch immer wieder so thut, als 
ob damit Wunder Avelche Räthsel gelöst Avären briniit die ijan/e 
Beschäftigung mit diesen »biblischen Realien« l)los in Misskredit, 
lieber die Art, wie der Verfasser sich die Möglichkeit der Wüsten- 
wanderung begreiflich zu machen sucht, will ich nicht mit ihm 
rechten, sondern nur einen Satz daraus anführen : »Mose, der er- 
fahrene frühere Hirte, kannte Mittel, ein solches (bitteres, Wasser 
trinkbar zu machen; auch kannte er geheime Quellen, die zwi- 
schen Felswänden eingeschlossen waren, die er dem Volk er- 
schloss«. Wozu auf solche Weise ein paar »kleine« Wunder be- 
seitigen, wenn das »grosse« Wunder des Wüstenzugs doch 
bestehen bleibt? 



Berlin. B 



enzmger 



Vom Mittchnecr zum PersücJien UoIJ' darcJt den Haar an ^ die 
Syrische Wüste und Mesopotamien von Dr. Max Freiherrn 
von Oppenheim. Mit vier Originalkarten von Dr. Hielt ard 
Kiepert^ einer Uehersichtskarte und zahlreichen Ahhildungen. 
2 Bände; I. Bd. 18U0, II. Bd. 1000. Berlin, Dietrich Reimer 
(Ernst Vohsen). Preis geh. 20 Mark. 

Li zwei stattlichen, vorzüglich ausgestatteten Bänden liegt 
ein Werk vor uns, dessen reich belehrender Inhalt nebst seinen 
trefflichen Karten und wohlgelungenen Abbildungen unser Inter- 
esse in hohem Grade gefesselt hat. Der Verfasser schildert die 
Erlebnisse einer Reise, die ihn im Jahre 1893 von Damaskus 
nach dem Haurän und dann weiter nach Durchwanderung der 
Harra und der Safa, über Palmyra durch die Syrische Wüste 
nach Bagdad und dem Persischen Golf geführt hat. Von Maskat 
ist er dann nach Nordindien und Deutsch-Üstafrika gereist (doch 
wird der beiden letzten Gegenden hier nicht weiter gedacht, wie 



44 Bücheranzeigen. 

ja auch der Titel anzeigt. Der Verfasser ist von Haus au> be- 
kanntlich weder Orientalist noch Geograph, sondern Jurist und 
Diplomat ^danchen I'lanenoftizier d. R.); so kommt es auch, dass 
manche rein philologische Gegenstände (wie etwa arabische Dia- 
lektforschung: oder auf geographischem Gebiete manche Spezial- 
felder wie etwa Klimatologie und Geologie) hier nicht so ein- 
gehend behandelt werden, als dies mit dem politischen Haupt- 
elemente der bereisten Gegenden 2:eschieht, d. h. mit dem sie 
bewohnenden Menschen und mit seinen Sitten und Gebräuchen, 
seinem Denken und Handeln, seiner Geschichte. Namentlich 
die Schilderung der beduinischen Verhältnisse, welche kennen 
zu lernen der Verfasser natürlich die beste Gelegenheit gehabt 
hat, ist äusserst anschaulich. Auch über die Drusen erfahren 
wir viel Interessantes, wenn auch nicht soviel Neues wie über 
jene Nomaden der Wüste und Steppe. Zwar sind auch bei der 
Hesprechuug der beduinischen Verhältnisse die Schilderungen 
mehrerer früherer Reisenden (Doughty, Bnrckhardt. liurton u. A.) 
in manchen Punkten tiefer dringend , — Avir müssen aber doch 
gestehen: jene, jetzt noch so gern als ^klassisch zitierten 
Schriften sind heutzutage in manchen Stücken antiquiert. 
Mas die Stabilität der beduinischen Einrichtungen und Verhält- 
nissc eine grosse sein, — in mancher Hinsicht haben, wie 
sonstens in der Welt, so auch hier schwerwiegende Verände- 
rungen ])latzgegritfen. Wer aber von den früheren Autoren auf 
diesem Gebiete hat Darstelluns' durch Illustration in so reichem 
und vorzüglichem Masse angewendet wie v. OrPEXHEnt? Zu den 
Kapiteln XI und XII, welche speziell den Beduinen gewidmet 
t^ind, a^ehören nicht wenio-er als \) Vollbilder und neben diesen 
noch 31 kleinere Abbildungen; dieser Illustrationsbestand ver- 
theilt sich auf 92 Seiten ^j. Hansgeräth, WaÜen n. a. Utensilien 
der Beduinen werden uns auf diesen Bildern mit vorzüglicher 
Anschaulichkeit vor Augen geführt, — doch bekommen wir diese 
Dinare nicht bloss zu sehen, sondern sie werden uns auch ein- 
gehend im Texte des Buches beschrieben ; so werden die einzel- 
neu Bestandtheile des Zeltes oder etwa des Kamelsattels voll- 
ständis: aufijezählt und in ihrer Bestimmuno: und Verwenduna: 
aufs Genaueste gekennzeichnet. Jede iniTransskriptionsalphabet 
Sfesrebene Benennuno^ eines einzelnen Gegenstandes begleitet das 
Aequivalent in arabischer Schrift (ebenso bei vorkommenden 
Eigennamen): Nadschib Sallüm. ein junger gebildeter Syrier, 
Schüler der medizinischen Schule zu Beirut, begleitete den Rei- 

1) Von vorzüglich geratheneu Vollbildern seien, abgesehen von den die 
Beduinen betreÖendcu. genannt, in Bd. I: Der il Kamar; Syrische Dorfbe- 
■wohner; *Drusenmädchen ; Steppe von Karjeten, — in Bd. II: Mösul; Mi- 
naret der Moschee von Sük el-gazl; Englischer Flussdanipfer auf dem Tigris; 
Regierungsgebäude in ßasra; Hafen von Maskat; die Stadt Maskat u. a. 



Bücheranzeigen. 45 

senden und nuu-hte sich vor Allem dadurch nützlich, dass er 
Alles, was Freiherr \ on Oppenheim aus dem ^lunde der Einge- 
borenen transskribirond aufzeichnete, in arabischer Schrift nie- 
derschrieb. Gewiss eine gute Kontrole ; wir dürfen wohl hoffen, 
dass der junge Syrier ein gutes Ohr hesass und nicht allzu kon- 
ventionell schrieb, und andererseits, dass der deutsche Reisende 
ihn trotzdem nicht für unfehlbar hielt. Auch die Professoren 
Hartmanx und Moeitz haben sich mit der philologischen Kon- 
trole der Aufzeichnungen des Verfassers eingehend befasst; da- 
her finden wir. im Texte des liuches. Avie auf den beigegebenen 
trefflichen KiEPERi'schen Originalkarteu , anerkennenswerthe 
Korrektheit in der Schreibung der Namen, und ebendieselbe 
Korrektheit in dem Anhange >Aus der Sommerflora Syriens 
und Mesopotamiens«, in welchem sich Prof. P. Aschersox der 
Arbeit des Bestimmens der Pflanzen unterzogen hat^). Schade 
nur — möchten Mir hier vorbringen — dass Frhr. v. Oppexhelm 
und der junge Sallüm ijar keine zusammenhängenden Textstückc 
des Arabischen der bereisten Gesenden bringen, und wären es 
auch nur ein paar kleine ^'olksliedchen oder Sclniurren gewesen. 
Doch mit der Namhaftmachung eines uns im besprocheneu 
Buche fehlenden Etwas sei hier nicht abgeschlossen ; deshalb sei 
das schöne Werk, das sich auch durch seinen erschwinglichen 
Preis auszeichnet, nochmals wärmstens empfohlen ! 

Hans Stumme. 



Die Hügel von Jerusalem. Kctie Erklärung der Beschreibung Jc- 
rusalefns hei Josep/ius, Bell. Jnd. J\ 4, 1 u. 2. J^on Georg 
Gatt. Mit citiejn Plane. Freiburg, Herder, 1S'J7 : TT. (>(>. 
Preis geh. 1 31. .'>() Pf. 

Unter diesem Titel ist ein neuer Beitrag zur Erforscliung 
der Topographie des alten Jerusalems erschienen, in dem der den 
Lesern unserer Zeitschrift durch manche frühere Arbeit wohl- 
bekannte Herr Verfasser die »einzig richtige« Lösung der viel- 
behandelten \ind immer noch verschieden beantworteten Akra- 
frage geben will. Er geht dabei von dem Gedanken aus, dass 
hier vor allem mit überkommenen » Vorurtheilen gebrochen 
werde müsse, und ist durch langjährige Studien, über deren 
Gang er in einer Schlussbemerkung (S. 04 ft".) Auskunft giebt, 
zu dem Ero;ebniss oelanüt, dass es bisher noch keinem Palästina- 
lorscher gelungen sei, das Kätsel der Topographie Jerusalems zu 
lösen, und dass die Ursache hiervon in dem Umstände liege, :>dass 
alle Forscher blindlings an der traditionellen Auffassungsweise 

1) Vgl. ZDPV XXTII91. 



46 Büchei-anzeigen. 

der l^esclireibinig Jerusaloms bei Joseplius festhalten, obwülil 
dieselbe ganz und gar verkehrt ist«. (S. 1.) — Fast unerklärlich 
sei es, wie man mehr als ein Jahrtausend an der irrigen Auf- 
fassTing der Beschreibung habe festhalten können ohne dieselbe 
auch nur halbwegs auf ihre Richtigkeit zu prüfen, was weiter 
nichts als ein bisschen Scharfsinn erfordert hätte. Man habe 
eben diese Interpretation mit dem Texte des Josephus selbst ver- 
wechselt, an dem man natürlich nicht rütteln dürfe (S. 49). 

Nach einer zusammenfassenden Uebersicht über Lage und 
Theile Jerusalems giebt der Herr Verfasser den Dindorfschen 
Text der im Titel erwähnten Stelle, sowie die alte lateinische 
und seine eigne möglichst getreue Uebersetzung derselben und 
geht sodann über zur Widerlegung der traditionellen Auffassung 
der Beschreibung (S. 12 ff.). Die auf Grund derselben ersonnenen 
Hypothesen oder topographischen Systeme werden in ihren vor- 
züglichsten Gestaltungen unter 19 Systemnummern zusammen- 
gestellt und besprochen, bez. abgewiesen. Darnach folgt von 
S. 33 an die richtige Auffassung der Beschreibung. 

Nach dieser erwähnt Josephus sechs verschiedene Hügel, 
auf denen Jerusalem lag, den Oberstadthügel, den unteren Hügel, 
den Obermarkthügel, den Akrahügel, den dritten Hügel und den 
Bezethahügel. Der Hügel der oberen Stadt und der Obermarkt- 
hügel unterscheiden sich von einander wie das Ganze vom Theile. 
Der untere Hügel und der Akrahügel sind zwei von einander 
ganz verschiedene Hügel, und es ist nicht gestattet den Ausdruck 
'j y.arc) Xocpo; mit Unterstadthügel zu übersetzen, wie es gewöhnlich 
geschieht. Die genannten sechs Hügel sind nicht alle derselben 
Art: sie zerfallen in zwei Stadthügel, Avelche nach Josephus die 
ganze Stadt getragen haben; an diese werden noch ein dritter 
und vierter Hügel angereiht, die unmöglich von derselben Art 
sein können, vielmehr Sonderhügel, d. h. Bestandtheile der 
zwei Stadthügel gewesen sein müssen. Dieser dritte und vierte 
Hügel aber fordern uoth wendig einen ersten und zweiten als 
Voraussetzung. Der zweite Sonderhügel kann kein anderer ge- 
wesen sein als der Akra genannte, welcher die Unterstadt trug, 
und der erste muss der Obermarkthügel sein. Die Beschreibung 
des Josephus bestellt aber aus einem allgemeinen und einem be- 
sonderen Theile. Gegenstand der allgemeinen Beschreibung 
sind die zwei Hügel der Stadt, das sie trennende Tyropöon und 
die sie umgebenden Aussenthalungen. Gegenstand der beson- 
deren Beschreibung sind die vier Sonderhügel und das breite 
Thal. Die oft gerügte Unklarheit der Beschreibung liegt in der 
Verquickung der allgemeinen mit der besonderen Schilderung 
und in dem wiederholten Uebergange von einer zur andern ohne 
ausdrückliche Andeutung. Der Herr Verfasser legt dann aus- 
führlich dar, welche Theile der Josephusstelle der einen oder der 



Bücheranzeigen. 47 

andern lieschreibun^ zuzuweisen seien, und wie die Ucbergänp^e 
zwar nicht ausdrücklich bezeichnet, doch aber wenigstens noth- 
dürftig angedeutet würden, ^^nl darauf weitere Folgerungen zu 
gründen. 

Den Einzeldarlegungen zu folgen verbieten Raum und Zweck 
dieser Anzeige ; nur das Gesammtergebniss der Auffassung und 
Erklärung des Herrn Verfassers möge kurz angegeben werden. 
Es ist folgendes: Der Oberstadthügel des Josephus ist dem 
Westhügel Jerusalems gleich, sein unterer Hügel dem Osthügel, 
das Tyropöon dem AVad, das westliche Aussenthai dem Hinnom- 
thale, das östliche dem Kidronthale, der Obermarkthügel dem 
traditionellen Berg Zion, der Unterstadthügel Akra dem Aus- 
läufer des Calvarienberges, der dritte Hügel dem Tempelberge, 
der vierte, l^ezetha genannte Hügel dem Nordosthügel und das 
breite Thal dem mittleren Wad. Jerusalem lag also nach Jo- 
sephus nicht blos auf vier Hügeln, sondern zugleich auf zwei 
und vier, also im ganzen auf sechs mehr oder weniger von ein- 
ander verschiedenen Hügeln; dagegen fällt das breite Thal mit 
dem Tyropöon zusammen (S. 47 . Dies Resultat löse den ver- 
schlungenen Knoten der Topographie Jerusalems auf ein- 
fache Weise, lasse die bisherigen Errungenschaften der Avissen- 
schaftlichen Forschung zur Geltung kommen, beseitige die zahl- 
reichen Sonderbarkeiten und Halbheiten des alten Systems und 
entziehe der endlosen Hypothesenmacherei ein für allemal den 
Boden. Das alles sei erreicht durch die Wiederherstellung der 
allgemeinen Beschreibung, die beim alten Systeme auf ganz un- 
verantwortliche Weise ausgemerzt worden sei. Besonders klar 
treten die Anschauungen des Herrn Verfassers auf der beige- 
fügten Planskizze hervor. Nach ihr nehmen die alte Vorstadt 
und die Unterstadt Akra den Raum innerhalb der zweiten Mauer 
zwischen dem Tempel und der Oberstadt ein. Der Rücken, der 
gegen die heutige Grabeskirche aufsteigt, ist der ünterstadthügel 
Akra, der die Burg der Syrer trug. Die gesammte Unterstadt 
des Josephus aber umfasste ausser jenem Stadttheile den ganzen 
südöstlichen Raum von der Ostmauer der Oberstadt bis zum Ki- 
dronthale und zur Siloaquelle. 

In einem letzten Abschnitte werden unter 23 Nummern die 
Einwände aufgezählt und bestritten, die gegen die gegebene Be- 
weisführung und ihr Ergebniss gemacht worden sind, oder sich 
machen Hessen. 

Nur nebenbei sei bemerkt, dass der Herr Verfasser die tra- 
ditionelle Auffassung des Zion für die richtige hält und am heu- 
tigen Damaskusthore die alte Stadt über die Mauer der jetzigen 
liinausreichen lässt. Auch die Lage der Grabeskirche ist die rechte. 

Wir sind ausführlicher gewesen, als es sonst eine Bespre- 
chung zu thun priegt, alier wir glaubten wenigstens einigcrmassen 



48 Bücheranzeigeii. 

auf die eigenartigen und interessanten Ausführungen des in Rede 
stehenden Schriftchens eingehen zu sollen. Gleichwohl müssen 
wir bekennen, dass nur aus dem Ganzen der Darlegung heraus 
und unter Berücksichtigung der zu Grunde liegenden logischen, 
sprachlichen und geschichtlichen Auffassungen sich eine Stellung 
gewinnen lässt. Es wird sich dabei wesentlich darum handeln, 
ob man dem Herrn Verfasser, der, wie gesagt, die Einwände ge- 
gen seine Anschauung kennt, zugeben kann, dass er diesen das 
rechte Gewicht beigelegt habe. Ferner wird es sich fragen, ob 
das Urtheil über die schriftstellerische Fähigkeit des Josephus, 
dem einerseits (S. 41) Bedachtsamkeit, andererseits aber (S. 42) 
Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit beigemessen werden, 
getheilt werde. Und endlich imd zwar zumeist kommt es darauf 
an, ob die grundlegende Exegese der Josephusstelle als möglich 
wird angesehen werden können. — Jedenfalls empfehlen wir die 
Schrift näherer und eingehender Beachtung derer, die sich mit 
der Topographie des alten Jerusalems beschäftigen. Sie verdient 
eine gründliche Auseinandersetzung mit ihrem Inhalte. 

Grossrudestedt. F. Spiess. 

Leiüis, Dr. Agnes Smith, M. R. A. S., and Margaret Dunlop 

Gibson, M. li. A. >S'. , Palestinian Syriac Texts from palim- 

psests fragments in tlie Taylor -Seh echter collection. London, 

Clay cV So7is, WOG (XXIII, 111 S. und S Taf.) — 10 sh. d. 

Die vorliegende Publication liefert einen neuen Beweis für den uner- 
müdlichen ]'orschungstrieb der beiden gelehrten englischen Frauen Lewis 
und GiBSON, mit deren Namen die Entdeckung der ältesten syrischen Ueber- 
setzung der vier Evangelien auf dem Sinaikloster eng verknüpft ist. Die 
jetzt veröffentlichten Texte stammen mit Ausnahme eines einzigen Stückes 
aus den in der Geniza der Synagoge von Alt-Kairo im J. 1897 aufgefundenen 
hebräischen Handschriften, welche durch Vermittelung von Dr. Sciiechteh 
und Taylou grösstentheiis in die Universitätsbibliothek von Cambridge ge- 
langt sind und die, abgesehen von anderen interessanten Stücken , durch die 
Entdeckung von 11 Blättern des bis dahin ganz unbekannten hebräischen 
Originals des Ecclesiasticus über den engen Kreis der Fachgelehrten berech- 
tigtes Aufsehen erregt haben. Jetzt handelt es sich um die Edition von :J4 
Pergamentfragmenten, die sämmtlicli Palimpseste sind, indem unterhalb der 
hebräischen Schrift syrische Texte zu Tage getreten sind. Die Entzifferung 
war eine höchst mühsame und entsagungsvolle, um so mehr sind wir den bei- 
den Herausgeberinnen zu grossem Danke verpflichtet. Und wenn auch der 
wissenschaftliche Gewinn in Rücksicht auf unbekanntes Material nicht den ge- 
hegten Erwartungen entsprochen hat — denn die Stücke geben nur die Ueber- 
setzung von einzelnen Stellen verschiedener Bücher des A. und N. Testaments, 
denen sich auf S. 98 — 1Ü5 die Uebersetzung der vita Antonii anschliesst — 
so haben doch die Texte für den Forscher der palästinensisch-syrischen Litte- 
ratur ein besonderes Interesse, da das Material für diesen Dialect nur sehr 
schmal ist. Hoffentlich werden die neuen Funde, welche in Damascus ge- 
macht sind, auch für die syrische wie palästinensisch-syrische Littcratur wei- 
teres Material liefern werden. 

Berlin. Carl Schmidt. 



Die arabisclieu Inschriften in Salamja. 

Von Martin Hartmaun. 



Über die hier XXIII 108 erwähnten beiden arabischen In- 
schriften, die ich am 21. Mai 1887 in salamja kopirte. ver- 
merkte ich im Tagbuche: »AmHammäm eingemauert ein Stein 
ca. 40 cm hoch, 25 cm breit [Länge fehlt] ; auf der Breitseite 

f^S j^c v.i>bj.j' .vJJl bJl ^iS "^ ; auf der Längsseite in ziemlich alter 
Schrift (aus dem 4. oder 5. Jahrhundert?): ^^^ ^\ qX) Ki .j 

Gegenüber dem Eingange des Ilammäms [im Innern] oben ein 
rundes Feld, Darstellung eines Thieres, das ein Löwe gepackt 
hat. — An dem dsclMmi" über der Thür ein Stein mit zwei Zei- 
len:« [meine Copie ist so ungenügend, dass ich sie nicht wieder- 
gebe]. 

Im Jahre 1894 besuchte Max van Berchem'^) salamja und 
verzeichnete die von ihm dort gesehenen Inschriften. Aus der 
Mittheilung, die er mir gütigst darüber machte, gebe ich hier 
Folgendes wieder: »1. Fragment einer kufischen Inschrift unter 
dem Eingang der Citadelle rechts (nicht copirt) ; 2. Fragment 
einer kufischen Inschrift links am Eingange des grossen Bad- 
hauses (unweit der Citadelle) [Zeichnung und Umschrift]; 



1) d. h. »Es giebt keinen Gott ausser Gott, ich vertrau auf Gott« und 
«Segen von Gott für Abulhasan 'Ali Ibn Dscha'far, Gott festige ihn durch sein 
Gelingenlassen. Er ist der Erhörer des Gebetes [nachQur än3, 33und 14,41], 
er thut was er will [nach Qur'än 11, lü9 und 85, 16]«. 

2) Mit Freude erfülle ich die Pflicht, Herrn van Berchem öffentlich 
den vpärmsten Dank zu sagen , dass er mir sein reiches Material rückhaltlos 
zur Verfügung gestellt hat. Auch waren mir die brieflichen Verhandlungen 
mit dem ausgezeichneten Kenner der arabischen Inschriften nach vielen 
Richtungen anregend und belehrend. 

Ztschr. (1. Pal.-Ver. XXIV. 4 



BO 



Martin Hartmann, 



3. arabische Inschrift auf der Thüre eines Grabmals (nicht 
copirt); 4. auf dem Thürbalken des dsc/iämi'' im Basalt eingegra- 
ben; Abklatsch')«. 












^''.- • v 













Abb. 1. Inschrift B. Sektion 1. 






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Abb. 2. Inschrift B. Sektion 2. 



1) Die mir gütigst mit übersandte Handkopie theile ich nicht mit, da 
sie durch die Wiedergabe des Abklatsches gegenstandslos wird. Um das 
Material zu vervollständigen, schreibe ich hier die auf die arabischen In- 
schriften von salamja bezügliche Stelle aus Rey's Rapport sur une Mission 
Sclentifique accomplie en 1864 — 1865 dansleNorJ de laSyrie ;in: Archives des 
Missions Scientif. et Litt. Serie 2 T. III S. 345) aus: »Au beut de six heures 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 



51 




Abb. 3. Inschrift B. Sektion 3. 



' ' ■'"-^ÖIr"-i-t-=:';«* -ef.^'^ 







Abb. 4. Inschrift B. Sektion 4. 

de marche [von Hamä aus] j'atteignis Sehnieh, aujourd'liui Medjid-Abad [?]. 
Sur les ruines d'une ville bj'zantine, que la carte de Berghaus identifie avec 
Irenopolis, s'est fondee, peu apres l'hegire, une ville musulmane. Läje vi- 
sitai une vieille mosquee, oü je receuillis quelques inscriptions coufiques, 
dont on doit la traduction ci-jointe ä M. Sauyaire drogman-chancelier du 
consulat general de France äBeyrouth. La premiere est sur une pierre tu- 
mulaire pres du mur de la mosquee: »Dieuestun; c'est le Dieu eternel ; il 
n'a point enfante et n'a point ete enfante [Coran sur. CXII': O monDieu! 
accorde la benediction h ton serviteur x\bou-Abd-Allah el-Hoseyn , fils de 

4* 



52 Martin Hartmann, 










-, -yT 



^'ffi: 






..^;Cr _-..«!.-' 



Abb. 5. Inschrift B. Sektion 5. 



Im Jahre 1S99 berührte Max ton Oppenheim salamja und 
fertigte am 4. Oktober Abklatsche der beiden von van Kerchem 
und mir gelesenen zwei Inschriften, die ich im Folgenden mit 
A und B bezeichne. Sein Abklatsch von A (= 2. van B.'s) be- 




/ 






Abb. 6. Inschrift A. 



Mohammed le II mouriit en l'annee 262 de l'hegire (875 de notre ere); 

que le salut et la paix reposent sur le Prophete, sur sa famille et ses Com- 
pa^nons!« L'autre est relative ä la restauratiou de cette mosquee, en rau481 
de l'hegire: »Au nom du Uieu dement et misericordieux, ce mechehed a ete 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 



53 



Statist vollständi'o: die oben sreo^ebene Lesuno^ der Haramam-In- 



Ö^O 



Schrift 1). Der Abklatsch von B (=^4. van 1^. 's) steht dem T). sehen 







'P'fxf-A: 



-ti»/:v-. 




-mi0r 



Abb. 7. Inschrift B. Schluss von Sektion 5. 



restaure sur ses vestiges benis par El-Malek el-Äziz-Abou "I-Hasau-Aly-Ebn- 
Djerir; que Dieu lui fasse misericorde, avec les bienfaits de l'emir illustre, 
l'assiste (de Dieu), le soutien du royaume Seif ed-Daoulah-Khalaf-Ebn-Mo- 
laeb, que Dieu perpetue son elevation, et cela en l'annee 4 81 (1088 de 
notre ere)«. Dans la petite forteresse voisine se trouvent de nombreux de- 
bris byzantins, qui ne sont pas sans quelque interet«. In dieser ^littheiluag 
ist das die Inschrift von 4SI betreffende Stück jetzt antiquirt durch das VAN 
BERCHEM'sche Material. Dagegen ist sie von einzigem Werth für die In- 
schrift von 262, von der weder van Berchem noch ich etwas gesehn haben, und 
die wohl zerstört oder verschleppt ist. Sie ist von hohem Interesse, denn sie 
stammt aus der Zeit der ersten Anfänge des Fatimidenreiches. Wurde doch 
im Jahre 259 oder 260 in salamja Sa'id- Ubaidalläh Elmahdi geboren, der 
Stammvater der mächtigen Dynastie. In dem Alhusain der Inschrift den 
einstimmig als Vater Ubaidallähs genannten Husain zu sehen, ist unmöglich, 
denn dieser ist nach der Tradition ein Ibn Ahmed Ibn Abdallah nach DE 
GOEJE, Memoire sur les Carmathes de Bahrain et les Fatimides- S. 18 ff. ein 
Ibn 'Abdallah). 

1) Auch VAN Berchem's Zeichnung stimmt mit dem Abklatsch über- 
ein, nur zeigt sie am Anfang si^ das in der Umschrift richtig zu ^ \^ 



54 Marlin Hartmann, 

gleich, und es erübrigte, auch ihn zu reproduciren. Nur den 
Theil, der die Crux der Inschrift, das letzte Wort von Section 5 
Z. 1 enthält, glaubte ich zur Nachprüfung des B. 'sehen Abklat- 
sches wiedergeben zu sollen i). 

Die Lesung und Worterklärung von A. bietet keine Schwie- 
rigkeit. Die Inschrift ist ein Segenswunsch für 'Ali Ibn 
Dscha*^far, dessen besonderer Anlass freilich nicht ersichtlich 
ist. Das aijadahu ^llZiliu hitaiiflMhi zeigt, dass sie zu seinen 
Lebzeiten gesetzt ist und lässt vermuthen, dass er bereits vom 
Glück begünstigt war und dass er Anhänger hatte, die ihm 
weitern Erfolg Avünschteu ; man wird vielleicht in der Bitte 
»Gott festige ihn durch sein Gelingenlassen« eine Spitze gegen 
Übelwollende sehen dürfen: die Inschrift ist, könnte man 
sagen, der Ausdruck der »guten Gesinnung« gegenüber einem, 
der die Macht in der Hand hat. Wer ist aber dieser 
Abulhasan *^Ali Ibn Dscha'far, für den hier » Segen von 
Allrih«2j erfleht wird? 



ergänzt ist. Dass das jJ sich wirklich auf dem Stein findet und in meiner 
Copie nicht etwa eine Ergänzung ist, geht aus dem OpPENHEiM'schen Ab- 
klatsch hervor. Dieser ist offenbar so hergestellt, dass mit einem einzigen 
Blatt die Vorderseite (oben Längsseite genannt) und die rechte Seite des 
Steines (oben Breitseite genannt) bedeckt wurde (die Kante beider markirt 
sich auf dem Abklatsch) und giebt folgendes Bild: Vorderseite 5 Zeilen 
(10,5 cm lang, 40 cm hoch 'nach der Schrift gemessen] : ^i^ (2) i«.Ul ^-c 'i^.i 

LcAiri (5) Vj-*"*^ ^-^^ ^^■>'y'^^. '•^) ^'^ ^'-^T^^ -^*r^ i-T^ (3) ic-^-^ ^.w*s»l 

L^j Li Jwxi; rechte Seite 3 Zeilen 24,5 cm lang, 24 cm hoch: 1] '% *^1 "i5 
Al\ j^iic 3) c>J^j.J ^i^ (2); die Vertheilung des &i^t auf (1) und (2) ist nicht 
ganz sicher. Was auf der Photographie am Schluss von Z. 3 der Seitenin- 
schrift erscheint, ist Unebenheit im Stein, die das Trugbild von Schrift weckt. 
Auf Zeile 5 der Vorderseite hat leider die Platte das auf dem Abklatsch voll- 
kommen deutliche ) von L/ii.j nicht mehr gefasst. 

1) Mit Vergnügen danke ich öffentlich Herrn vox Oppenheim für die 
Erlaubniss der Verwerthung seiner Abklatsche, die er mir drahtlich ertheilte. 
Nur so war es mir bei dem vorgeschrittenen Stande der Arbeit noch mög- 
lich, auf diese Wiedergaben, unter denen die von Inschrift A die einzige ist, 
die wir besitzen, Rücksicht zu nehmen. 

2) Die Formel ^^j! ,••»'* 'iS.:> enthalten die von ihrem Herausgeber mit 



<y 



V 



Recht hoch eingeschätzten Inschriften CIA Nr. 18 und 19 aus dem 3. Jahr- 
hundert (Nr. 18 von 268 881) , freilich in anderer Verwendung. Denn v,\N 
Berciiem hat unzweifelhaft recht, auch in Nr. 19 den Wunsch vom Folgen- 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 55- 

Von geschichtlichen i) Personen kommt wohl nur in Be- 
tracht "^Ali Ihn Dscha'far Ihn Falrih2). \]s (\er Vater, der 
Kitäma">]-Fiihrer Dscha'^far, im Dienste des Almu*^izz oder viel- 
mehr seines Feldherrn Dschauhar nach den Siegen über den 

den zu trennen (vgl. die folgende Antn/. Zu der von VAN B. bemerkten 
Häufigkeit von Segensformeln auf Gebrauchsgegenständen vgl. das np.. 
oL5^L.x) mübärek bäd auf modernen Brettchenwebbändern, die JoH. Eduard 
JaCOBstual 1901 auf Tafeln vervielfältigte (nicht im Handel). 

1) Dass es sich um eine historische Persönlichkeit handelt, möchte man 
nach dem ganzen Habitus der Urkunde annehmen. Doch dürfen folgende 
Erwägungen nicht unbeachtet bleiben : 1) der in der Inschrift Genannte hat 
keinerlei Ehrennamen, bei seiner Nennung ist verfahren wie bei der des 
Budikers Isma'il Ibn Ramadan und des Schusters Mu'äd beigenannt Abu 
Tälib CIA Nr. 18 und 19; 2) das Gebäfude ist ursprünglich ein Bad gewesen 
(dass sich in der vordersten Halle gegenüber der Thür der oben beschriebene 
Bildschmuck befindet, der sonst nicht beachtet scheint, spricht Avohl nicht 
dagegen), und ist der Stein in situ, so darf die Inschrift als ein Denk- 
mal gelten, das der Erbauer sich gesetzt; 3) nach haraka ist vielmehr 'a/ä 

denn li zu erwarten (*^i.J wird in den WBB erklärt durch »«Ul i^.j u^L^ 

*.*!£, und so sagt man *J^3 lA*.;^ l5^- "^y^^, so sagt auch CIA Nr. 29, wo 

gewiss nach i^J'Li'-j» ^L) K*..>. zu lesen ist j^^^, '^vie B. schon vorschlug; 

etwas Anderes ist J. »^^Lj, dessen Sonderbedeutung, als sie dem Bewusstsein 
der Fladaris entschwunden war, zu Anekdoten Anlass gab, s. MM s. v.). So 
spricht denn Gewichtiges für die Uebersetzung: »Segen von Gott! [Dieses 
Haus gehört] dem Abulhasan 'All« u. s. w. Endlich darf nicht verschwiegen 
werden, dass sich auch aus der Schrift ein Einwand gegen die Verlegung der 
Inschrift in die Zeit des Feldherrn 'Ali Ibn Dscha'far (390 — 393) herleiten 
lässt. Es scheint nämlich, dass das Heraufziehen des linken Bogens des 
Schluss-Nüns , wie wir es hier finden, erst am Ende des 5. und Anfang des 
6. Jahrhunderts aufgekommen ist, vgl. z. B. CIA PI. XX Nr. 2 aus Nr. 40 
V. J. 529. Auf Inschrift B von 481 findet sich diese Eigeuthümlichkeit nicht, 
und mit Rücksicht auf sie ist man geneigt , Inschrift A für jünger zu halten, 
denn es liegt hier doch offenbar eine spätere Stilisirung der alten einfachen 
Form vor. Doch spielen hier eine Menge anderer Fragen hinein, wie Be- 
stimmung des Bauwerks, örtliche Tendenzen u. a., und ich luuss die Ent- 
scheidung dieser Frage den Specialisten überlassen. 

2) Diese Schreibung möchte ich dem »Fellach« bei Ml'LLER, Islam I, 61 9 
vorziehen. MÜLLER folgt darin ersichtlich nur AVl'stenfeld, Gesch. der Fa- 
timiden- Chalifen 107. 175. 1S5. 190. Auch der Exjudaeus Sadaka wird al- 
falühl, nicht el- Fellälii geheissen haben (S.231). Unter den Beduinendichtern 
SociNS findet sich ein (?) ^A^==' ^j — ^; s. Diwan 3, 17. 31. 

3) Nach WÜSTENFELD, Fatimiden- Geschichte S n. 2 ist die Lesung des 
liäfrait a, i und u zulässig. 



55 Martin Hartmann, 

ichschididischen Statthalter Alhusain Ibn 'Ubaidalläh und 
über Ibn Abi Ja'la Damaskus besetzt hatte i), wird das die letzte 
Etappe der nach Norden vordringenden Fatimiden-Macht ge- 
wesen sein, denn Hirns gehörte bereits zum Gebiet der Hamda- 
niden von Aleppo^). Arn Ende des vierten Jahrhunderts (um das 
Jahr 1000 u. Z.) stand es wieder recht schlecht um die Herr- 
schaft der Fatimiden und des alidischen Gedankens in Syrien. 
Erfolge wechselten mit Demüthigungen. Endlich rüstete Alhäkim 
ein Heer, über das er 'Ali Ibn Dscha'far Ibn Faläh setzte, den 
Sohn eben jenes Kitäma-Führers, der Syrien gewonnen hatte. 
'Ali gelangte im Schauwäl des Jahres 390 [beg. 4. Sept. 1000] 
nach Damaskus, wo er als Wali blieb (Ihn Alatir 9,51 [86f.]), 
wie es scheint bis zum Jahre 393 [beg. 10. Nov. 1002], denn erst 
unter diesem berichtet Ibn Alatir die Ernennung eines neuen 
Mannes, des Tamdülat genannt Abu Muhammad Alaswad, zum 
Statthalter von Damaskus. Ich gehe hier nicht auf die Abwei- 
chungen von dem Berichte Ibn Alatirs ein, die sich nach Wüsten- 
FELD S. 19G n. 1 bei andern Chronisten finden 3). Die Inschrift 
Schrift dürfte nach dem ersten grossen Erfolge 'Ali Ibn Dscha'fars 

1) Im Dulhiddsche 359, s. Ibn Alatir 8 233 [435 ff.]; vgl. Tallquist, 
Ibn Said Buch IV 1,17. 

2) Auf den i. J. 356 gestorbenen Saifaddaula, der in dem Steppenzuge 
von 344 bis nach al-ghuntur noch südlich von al-furkuls vordrang, folgte 
Sa'daddaula Abulma'äll, der die Macht noch wahrte (s. Freytag ZDMG. 
11, 225). Auch bei Ibn Alatir 8, 238 [445] -wird ausdrücklich der von Kura- 
waih [Karghnja] von halab mit den Griechen i. J, 359 abgeschlossene Vertrag 
als für hainä, hims, kafrtäb, al-maarra, afämija, schaizar und die andern 
dazwischen gelegenen Burgen und Dörfer geltend bezeichnet. 

3j Hier nur, dass Wüstexfeld S. 175 von einem Fahl ben Tamim 
spricht, der zum Statthalter von ditnaschk ernannt wurde (bald nach 390), 
»und als auch dieser nach einigen Monaten starb, kam 'Ali ben Ga'far Ibn 
Falläh an seine Stelle« und S. 176 : »An die Stelle des Abu Tamim Ibn Falläli 
kam im Jahre 392 der Neger Abu Muhammed Tammüdhilt ben Bukkär«. 
Derselbe Wüstenfeld schreibt S. 196 (ohne Zeitangabe, doch muss man 
annehmen für das Jahr 401 oder 4U2): »Da der Statthalter von Damascus 
Fadhl ben Tamim wenige Monate nach seinem Antritt starb, wurde 'Ali 
ben Ga'far Ibn Felläh an seine Stelle geschickt". Dass er selbst S. 175 im 
Wesentlichen denselben Bericht, doch aus anderer Zeit und mit Fahl statt 
Fadhl, wiedergegeben hat, den er S. 196 n. 1 den Ibn Alatir's nennt, erfährt 
man nicht. Nach WÜSTENFELD S. 221 rückte 'Ali Ibn Faläh noch einmal mit 
einem Heere in Syrien ein und hatte, freilich nur kurze Zeit, die Stadt halab 
unter sich (413 , 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 57 

gesetzt sein, also zwischen 390 und 393. Dass sie sich \n saJamJa 
befindet, kann nicht befremden. Denn der Enkel des grossen 
Saifaddaula, Abulfatlä'il führte um 390 nur den Namen eines 
Herrn von Aleppo und war in Wirklichkeit ein Statthalter der 
Fatimiden, ebenso seine Söhne -bis 394^. Die Stellung des "^Ali 
Ihn Dscha'^far als Wali von Damaskus der Centralregierung in 
Kairo gegenüber wird eine ganz andere gewesen sein als die 
dieser Hamdaniden : er wird eine Oberaufsicht über diese immer 
im Verdacht von Selbständigkeitsgelüsten stehenden entfern- 
testen Provinzherrscher gehabt haben. L'm so weniger kann es 
Wunder nehmen, wenn sich kluge Leute in dem verdächtigen 
Gebiete durch eine Art steinerner Ergebenheitsadresse artig 
und respectvoll gegen den mächtigen Vertreter der Kegierung 
zeigten 1. 

lir 90 Jahre nach Entstehung dieses Denkmals, das ein un- 
trügliches Zeichen der Machtstellung der Fatimiden in dem 
nordsyrischen salamja ist, wird am gleichen Ort die Inschrift B 
hergestellt. Als ihre Umschrift möchte ich Folgendes geben : 



J. nj}^ idji JS\ ^^^z.'^^ ^ ■^l.~> \l*-^l) wÄ^^^ AiS,\ -y^J2) «_>*..5^.Ä^t 
Äji.^*jji_5 (3) ^^iL^j ^A>! iiU>w 

1) Auch noch ein Enkel des Kitamiden Dscha'far erscheint in der Ge- 
schichte Nordsyriens: Abdallah Ibn AH Ibn Dscha'far, genannt Abu (Ibn) 
Ta'bän, war i. J. 414 egyptischer Statthalter von Haleb , als Sälih Ibn Mir- 
däs die Stadt lind die Burg einnahm (Weil 3, 70 n. 4. vgl. Ibn Alatir 9, 95 
[162]). 

2) Die Umschrift van Berchem's zeigte ^.a^sÄÄ.^^ Er schrieb mir aber 



. o ? 



gleich darauf: »Statt v— ^.S^>ÄÄ.,1 kann man auch lesen ^^.>sÄÄ,^ mit demselben 

Sinne : der auserlesene. Das wäre um so besser, als man dann die übliche 
Lesart Khalaf ibn Mulaib nicht in Mulaab zu ändern braucht, wie ich ver- 
muthete. Es muss nämlich unbedingt reimen ^-^:^^ÄÄi! — ^^*^^ nach 
Vorgang vieler sonstiger Inschriften«. Das ist eine ausgezeichnete und höchst 
wichtige Bemerkung. Es ist ja allgemein bekannt, welchen Werth der spä- 
tere orientalische Kurialstil auf kadenzirte Phrasen mit Reimklingeln legt 
(für das Osmanische hat Professor Foy reichhaltige Sammlungen), dass diese 
Spielerei aber in Steinurkunden so alter Zeit reicht, wurde wohl bisher nicht 
angenommen. 



58 Martin Hartmanii, 

Der Gesammtsiiin ist klar: Der Emir Nasirelmulk Saifed- 
daule Chalaf Ibn Malä'^ib hat über dem Grabe des Generals 
Abulhasan "^Ali Ibn ? ein Mausoleum-Bethaus errichtet im Jahre 
,481 [beg. 27. 3. 1088]. 

Diese Urkunde ist ein beredtes Zeugniss für die Zerrissenheit 
Nordsyriens in der zweiten Hälfte des fünften .Jahrhunderts d. Fl. 
(elften Jahrhunderts unserer Zeitrechnung). .Jedes Nest hatte 
seinen »Ritter«, der, nach oben unbotmässig, nach unten tyran- 
nisch, an nichts als das Erraffen von Reichthümern und die Er- 
weiterung der politischen Einflusssphäre seiner Person, wenn es 
hoch kam, seines Hauses dachte. Einer dieser »Herren«, und 
einer der besseren , hat selbst uns ein getreues Bild jener Zu- 
stände gegeben 1). Hier haben wir es nun freilich nicht mit dem 
Sprössling einer der alteingesessenen Familien des Landes zu 
thun. Wenigstens hören wir nichts von den Vorfahren des 
Chalaf Ibn MahVib, der sich als Setzer der Inschrift nennt 2), Er 
ist nichts als ibn malaib und sahib hims, als er unter dem Jahre 
476 (heg. 21. Mai 1083) zum ersten Male von Ibn Alatlr in der 
kurzen Notiz 10, 52 [84] über die Erwerbung von salamja und 

1) Usäma Ibn Munkid giebt in dem schlichten, für die politische und 
Kulturgeschichte Syriens um das Jahr lÜOO u. Z. wichtigen Bericht, den der 
Neunzigjährige diktirte, und mit dessen Herausgabe und Bearbeitung in der 
an werthvoller Belehrung überreichen Vie d'Ousüma Hartwig Derenbourg 
der Wissenschaft einen grossen Dienst geleistet hat, zahlreiche Belege für 
das oben Gesagte. Er nimmt an dem Überfall der friedlichen Karawane 
(Ä-ö^/a) durch Raubgesindel nicht den geringsten Anstoss (s. z.B. S. '\f , Übers. 
124 f.), und man möchte annehmen, dass es die Banü Munkid nicht viel 
besser trieben, wenn sie auch äusserlich die Gesitteten spielten. 

2) Nur eine nmm malaih, Grossmutter Chalaf s?, kommt vor im Namen 
des Kuppelbaus l^ubhat nmm malaib, nach welchem die Burg hisn al-kuhha, 
«östlich vom Gebiete von himsf< benannt ist. Nach der Stelle, die das berichtet, 
behalte ich auch die Schreibung malaih bei (s. oben S. 123). Über jene Burg 
und die Kubbe der Dame scheint sonst nicht berichtet zu werden. Sie lagen 
aber offenbar tief in der Steppe, und daher wird man annehmen dürfen, dass 
die Sippe Malä'ib Beduinen waren. Verleugnete doch auch Chalaf den Be- 
duinencharakter nicht, denn er musste wegen seines schlimmen Hausens 
schliesslich aufgehoben werden, s. unten. Mit der Nisbe (^-i>..ii^) [unsicher; 
i^AiUi."^)?] Usäma I^'a (Übers. 52) weiss ich nichts anzufangen. Doch sei nicht 
unerwähnt, dass sich unter den von Attabari 2, 1797 ff. genannten Orten der 
syrischen Steppe eine Anhöhe X^>./i:^4Ji befindet (1802 Z. 15. 16, s.oben S. 121), 

mit deren Namen das j^Aa^'^5 in Beziehung zu stehen scheint. 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 59 

rafaiiija erwähnt wird. Wann und wie er Herr von hims gewor- 
den ist, scheint nircrend erzählt zu sein. Nicht mit Sicherheit 
lässt sich seine Stellungnahme in den politisch-religiösen Hän- 
deln seiner Zeit erkennen. Meist wird er sich um eine solche 
gedrückt haben. An Skrupellosigkeit stand der Mann jeden- 
falls keinem jener kleinen syrischen Landesväter nach. Er 
schielte nach Kairo und schielte nach Haleb, besonders aber 
nach Haleb, denn von den schwachen Fatimiden war nicht viel 
zu hoffen und zu fürchten, während von der nördlichen Haupt- 
stadt her leicht ein Unwetter hereinbrechen konnte. Hier galt es, 
sich zu sichern und dabei möglichst viel herauszuschlagen. Ein 
glücklicher Umstand kam ihm zu Hilfe. Der "^Ukailide Muslim 
Ibn Kuraisch . der Fürst von al-7jiaiisU , hatte halah i. J. 473 an 
sich gerissen und war in dem Besitz des Raubes von Malikschuh 
bestätigt worden. Aber er war ein Nimmersatt und Intrigant, 
und das bekam ihm nicht. Gewonnenes fiel ab ; was dem Grei- 
fen nah schien, entging. So war es ihm nur willkommen, wenn 
er sich mit Chalaf --> vertragen (verständigen/« konnte (so wird 
man am besten das sälaha lAtir 1. 1. wiedergeben , indem er ihm 
verlieh, wo er nur wenig zu sagen hatte, salamja und rafanlja^ 
und wo es Sache Chalafs war, sich einzurichten. Nun starb Mus- 
lim bereits im Jahre 47 7 und die nach ihm in Haleb Herrschen- 
den werden sich nicht um seine Abmachungen mit Chalaf ge- 
kümmert haben. Der scheint auch seinerseits geschickt lavirt 
zu haben: er hielt Alle in respektvoller Entfernung durch 
Schneidigkeit. Hess es aber auch im Nothfalle an dem gehörigen 
Entgegenkommen nicht fehlen. Auffällig ist, dass er sich nicht 
beeilte, die Aufwartung zu machen, als der mächtige Malikschäh 
i. J. 479 selbst in Haleb erschien, und dort die sich zankenden 
Burschen zur Raison brachte ^ wie das sein Nachbar von schai- 
zar that. Dessen Verhalten ist typisch für die kleinen Herren in 
Mittel- und Nordsyrien, die immer rechtzeitig das Mäntelchen 
nach dem Winde hängen mussten , wollten sie nicht weggefegt 

1) Der Kommandant von Haleb, der die Stadt, mit Ausnahme der Burg 
über die Verschiedenheit der Festungskommandanten vom Stadt- Provinz - 
gouverneur s. CI.\ 210 f . , schon vorher an Tutusch verloren hatte , heisst bei 
Weil III, 130 Ibn Habibij; das ^^f^*^^, das die meisten Quellen zeigen, 
dürfte vorzuziehen sein; vgl. den Namen des Auläd 'AlT-Schechs Heteita 
Abdeddäjim in meinem Lieder Lib. Wüste 220. 



60 Martin Hartmann, 

werden. Von Nasr Ibn "^All Ibn Munki(] erzählt der von Dr. 
BiscuoiF ^; im tuhfat al-anhä^ f% tarlcli halah asch-schahhä^ (Bei- 
rut 1880) ausgeschriebene Historiker Folgendes (S. 46)2): »Im 
Jahre 479 [1086] kam Nasr Ibn 'Ali Ibn Munkid, der Herr von 
schaiza)\ nach halah^ als Malikschah dort war, bat ihn um Gnade, 
die ihm auch gewährt wurde, und trat in TJnterthänigkeitsver- 
hältniss zu Malikschah ; er war Statthalter in schaizar von Seiten 
der Fatimiden; er übergab dem Sultan /äw/)'«, allüdikija, kafrfüh 
und schaizar. wurde aber nur als Statthalter [naib^]] von schai- 
zar bestätigt«. Den Lohn für den geübten Verrath empfing die- 
ser Realpolitiker also, indem er keineswegs gut abschnitt^). 
Chalaf war nicht erschienen. Er fühlte sich wohl sicherer, denn 
hims ist immer noch etwas weiter als schaizar und seine Burg 
war stark , so konnte er annehmen, man werde nicht mit ihm 
anbinden wollen. Ja es scheint, er erhielt das y«w{/'a, das der 
Munkidide dem Sultan zu Füssen gelegt hatte, und in dem er 
von diesem nicht wieder bestätigt worden war^). Der Dank 

1) Über den am 8. August 1881 in Aleppo gestorbenen Arzt s. Sachau, 
Reise 458. 

2) Ein wenig abweichend von Ibn Alatir 10, 61 [98], dessen Fassung 
Abulfidä s. a. 479 übernommen hat. 

3) Für die Maralukenzeit liegt eine vortreffliche Behandlung dieser und 
ähnlicher Titel vor in Berciiem's CIA 209—228. 

4; Man kann einwenden, dass fämija von den andern Besitzungen Cha- 
lafs recht weit ab und durch das Gebiet der Munkididen getrennt lag. Aber 
nach Kamäladdin [Historiens Orientaux des Croisades 3, 715]berichtet Arazeml 
unter dem Jahre 484: Der Emir Kasimaddaula [Aksunkur] übernahm Donners- 
tag den 3. Redscheb die Burg Afämija aus den Händen [Ibn] Malä'ibs, der 
dort einige Munkididen eingesperrt hatte». Zu einer Änderung der Lesart 
scheint mir kein Grund vorzuliegen; auch ist selbst bei solcher die Ge- 
winnung des von DEREXBOURd angenommenen Sinnes: »er setzte einen Mun- 
kididen dort als Gouverneur ein«, nämlich Nasr, mit dem er sich kurz vorher 
wieder vertragen hatte ( Vie d'Ousama 28 und n. 5), nicht gesichert. 

5) Der ganze Vorgang ist typisch und zeigt, dass es gewagt ist, ohne 
Rücksicht auf Personen mit dem »alidischen Gedanken« zu operiren. Neuere 
Geschichtsforschung hat ja gezeigt, dass auch bei uns fast Alle, die schein- 
bar für eine religiöse Idee kämpften, in Wirklichkeit von persönlichen, in 
ihren Augen »politischen« Interessen geleitet waren (dreissigjähriger Krieg). 
In Syrien gab es gewiss um das Jahr 1000 eine Anzahl religiöser Schwärmer, 
die wird man aber wohl nur unter der Spielart der Aliden suchen dürfen, die 
man hüiinlja nennt, und aus denen die Isma'ilier hervorgingen. Den Aliden- 
parteilern gewöhnlichen Schlages ging's nicht tief, und man machte die 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 61 

Chalaf's für alle Gnadenbeweise der Mächtigen war, dass er da, 
wo er die Macht hatte, in einer unerhörten Weise wirthschaftete. 

chutha für den Emir Elmu'minin in Kairo oder für den in Baghdad, je nach- 
dem es das kühl erwogene Interesse heischte. Nicht durchsichtig istRidwän Ihn 
Tutusch, der im Innersten von der Wahrheit der isma'ilitischen Lehre durch- 
drungen gewesen zu sein scheint und dafür Opfer brachte. Denn durch seine 
Stellungnahme entfremdete er sich die anderen Machthaber, deren Hilfe er 
doch so nöthig brauchte gegen die Ungläubigen. Oder rechnete er doch mit 
einem Wiederaufkommen der Fatimiden, glaubte er an ihren Stern, und ar- 
beitete mit Hoffnung auf reichen Lohn? Bedeutende Fürsten hatte der Ali- 
dismus in Syrien nicht mehr nach ihm. Man glaube aber nicht, dass er je 
ganz ausstarb. Ausser den schon genannten Isma'iliten, die doch eine Sonder- 
entwicklung darstellen, gab es in Syrien immer Häuflein von Schielten, und 
man wird das, was heut an Schi'iten in Syrien vorhanden ist, mit den Aliden- 
parteilern , die noch im elften Jahrhundert mächtig ihr Haupt erhoben , in 
Zusammenhang bringen dürfen. Über die Zwischenglieder scheint Dunkel zu 
herrschen. Heut lebt der alidische Gedanke in den Metäwile [mtäwle , Sing. 
mitwäll) Mittelsyriens, die über das Land zerstreut sind, in grösseren Mengen 
Städte nicht bewohnend mit Ausnahme des das politische und intellektuelle 
Centrum dieses Theiles der Bevölkerung bildende mr mit 2000 auf 6000 der 
Gesammtbevölkerung, wo auch ein persischer Konsul die Interessen seiner 
Glaubensgenossen offieiös wahrnimmt. Über die schiitische Familie 'Ali Sa- 
ghlr im Dschebel 'Amul hat einige Notizen die Vita der 'Ä'ischa Bint As'ad 
AlchalTl, geb. 1256 d. Fl. 1840/1), in ez-zererije und el-taijibe (Fl.sciiER- 
GuTHE C2 undC3) lebend, in Zainab Fauwäz , ad-durr al-manlür ft tabalat, 
rabbät al-clmdür (Bulak 1312) S.42Ü. Wie die islamische Diplomatie bei dem 
nächsten offenen Ringen mit der den Islam erdrückenden Frankenmacht mit 
den Spaltungen rechnen wird, die sich durch geschickte Benutzung der Ge- 
gensätze protestantisch, katholisch, orthodox schaffen oder vertiefen lassen, 
so wird die fränkische die noch viel weniger durch eine allgemeine, Freiwer- 
den von konfessionellen Sonderheiten anstrebende Bildung gemilderte Span- 
nung zwischen den beiden grossen Parteien im Islam als ein brauchbares 
Mittel im Kampf verwerthen. Dass die schiitischen Enklaven im sunnitischen 
Staatskörper da von besonderer Bedeutung sind, ist leicht zu erkennen. Über 
den schon oben erwähnten Namen der heut in Syrien, namentlich im Wila- 
jet Bairut und im Liwa Dschebel Lubnän lebenden Schiiten, mtihole , hat 
GoLDZiHEU eine vortreffliche Notiz in dem lehrreichen Referat über Dus- 
saud's Hist. et Rel. des Nosairts in: Archiv f. Religionswiss. 1900 S. 90. 
Die RöDiGER'sche Erklärung des mutii autcil stützt er durch eine Stelle bei 
Murädi (1, 54, 17). Heut weiss man freilich nichts davon. Selbst der Name 
mtäwle war mir befreundeten Muslims aus Egypten und Persien unbekannt. 
In Syrien schreibt man, wie man spricht Kj^Lä.^, Sing. tc'\y'*-^ und denkt 
sich nichts dabei. Über die Tradition , die die Mtäwle selbst über ihren 
Namen haben, hörte ich nichts. Oft ist von ihnen die Rede in den AVerken, 
die die Geschichte des Libanon behandeln wie das bekannte tdrlch des 
'Tannüs Schidjäk; vgl. auch Ms. Berl. Ahlw. 9790. 



(52 Martin Hartmann, 

Er brandschatzte das Land und presste rücksichtslos aus den 
darin Sesshaften und den Durchreisenden aus, so viel er konnte. 
Er vertraute darauf, man werde nicht wagen, ernstlich gegen 
ihn vorzugehen. Man Hess ihn gewähren, bis er's zu arg trieb. 
Im Jahre 484 wurde ihm fämija genommen (vgl. S. 63 n. 2), 
und im Jahre 485 nahm auch die Herrlichkeit von hims ein 
Ende. Der Sultan Malikschäh hatte in Baghdäd grossen Em- 
pfang abgehalten: sein Bruder T'utusch von dimaschk, Aksunkur 
von halab^] und Büzan von ar-ruhä hatten sich eingestellt. ; Als 
der Sultan sie in die Heimath entliess<:, berichtet Ibn Alatir 
10, 83 [136] 2), »befahl er Aksunkur und Büzän mit ihren 
Truppen sich seinem Bruder Tädschaddaula [Tutusch] zu unter- 
stellen, so dass er das syrische Küstenland, das dem alidischen 
Chalifen Almustansir gehörte, besetzen könne; er solle dann 
mit ihnen weiter nach Egypten ziehen und es in Besitz nehmen. 
So zogen sie denn alle gen Syrien; zunächst legte sich Tutusch 
vor hims^ wo Ibn Malä'ib herrschte; der that mit seinen Söhnen 
den Muslims viel Schaden; so belagerten sie den Ort, setzten 
denen darin hart zu, und schliesslich nahm Tutusch die Stadt 
ein: Ibn MahVib und seine beiden Söhne führte er mit sich fort.« 
Nach diesem Bericht könnte es fast scheinen, als sei die Ein- 
nahme von hims eine der gegen die Fatimiden gerichteten Bewe- 
o^unsen. Aber es war doch nur ein Auftrag: betreffend das 
Küstenland [sähil asch-schclm) ertheilt, zu dem man hims nicht 
rechnen darf, und Chalaf wird gegenüber der Macht Malikschähs 
sich nicht als Anhänger der Fatimiden aufgespielt haben. Seine 
Unschädlichmachung war nur Folge seiner allgemeinen Nichts- 
nutzigkeit. Damit war Chalaf's Laufbahn keineswegs geschlos- 
sen. Er kam wieder auf. Von Egypten aus intrigirte er mit so 
viel Geschick, dass er i. J. 4 89 wieder Herr von fämija wurde. 

\] Den Artikel über ihn in Kamäladdln's Biogr. Lexicon s. Historiens 
Orientaux des Croisades 3, 703 — 716. 

2) Gerade aus dem Bericht über diesen gross geplanten Feldzug, der 
übrigens kläglich ins Wasser fiel, lernen wir die Verschlagenheit und poli- 
tische Gesinnungslosigkeit der Grossen Syriens kennen: der Herr von Tri- 
polis, Dschalälalmulk Ibn 'Ammär, ein fatimidisch gesinnter Mann und 
Statthalter der egyptischen Herrscher, producirte Bestallungen des Sultans 
(es kann hier nur an Malikschäh gedacht werden), wandte so das Unheil ab, 
und warf damit zugleich den Zwist unter die Expeditionisten. Er hatte sich 
den Kücken gedeckt für alle Fälle. 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 63 

Dort war man alidisch gesinnt, oder wenigstens es gab Leute, die 
das behaupteten und selbst sich fatimidenfreundlich geberdeten i). 
Man erbat sich aus Kairo einen »guten« Herrn. Chalaf griff zu, 
er entdeckte jetzt sein alidisches Herz und war der richtige 
Mann. Wieder trieb ers Avüst, als er einmal die Macht in Hän- 
den hatte. Es kam aber ein Schlimmerer über ihn. Der teuflisch 
erdachte Plan des Kadis von Sermin, bei dem auch Eidwän die 
Hand im Spiel hatte, gelang, und Chalaf wurde im Jahre 499 
von den Verräthern ermordet '^j. 

Den Bericht;, der Chronisten über Chalaf s Wirken in fümija 
ergänzt die Autobiographie Usäma Ihn Munkid's insofern, als 
sie von den Fehden spricht, die zwischen den Herren von Schai- 
zar und dem Fürsten von Famija stattfanden. S. ^^ (Übers. 52) 
ist von den ^\'unden die Rede, die der Vater Usämas in der 
Schlacht gegen Chalaf am 29. Schauwäl 497 (26. Juli 1104 davon- 
getragen. Es ist dieselbe, von der auch S. f\ (Übers. 55) die Rede 
ist, vielleicht auch dieselbe, deren Ursache (eine Verrätherei 
Chalafs) undVerlauf S. vt (Übers. 95 f.) berichtet wird. Dass sich 
die beiden Nachbarn schlecht standen, ist kein Wunder, denn 
Chalaf hatte ja zweimal dasselbe /äm?;'a bekommen, das Nasr Ihn 
Munkid einst besessen, und die Herren von scliaizar musste es 
nicht wenig wurmen, dass der übelberüchtigte Strassendieb i. J. 
489 von Neuem durch eine Intrige sich in den Besitz dessen 
gesetzt hatte, was einst ihr rechtmässiges Eigenthum war, und 
was sie nur durch zu grosse Unterwürfigkeit verloren hatten 

1) Oder endlich, das Ganze war eine Zettelung Chalafs. Bei Ibn Alatir 
ist's der Gouverneur yowfämija für Rid-nän, der so freundlich ist, den guten 
Posten aufzugeben (unwahrscheinlich), bei Ibn Mujassar sind die Bewohner 
isma'ilitisch (alidisch gesinnt und schicken selbst um einen neuen Herrn 
nach Kairo (s. die folgende Anmerkung,. 

2) Der Bericht Ibn Alatirs 10, 170 [281 fif.], der an dramatischer Leben- 
digkeit nichts zu wünschen übrig lässt, ist in Übersetzung Historiens 
Orientaux des Croisades 1, 232 zu lesen (die Haupsachen hat auch Weil 
3, 187). Es geht aus ihm nicht hervor, wann Chalaf zum zweiten Male Herr 
\ox\ fämija wurde. Das sagt Ibn Mujassar Hist. Orientaux 3, 416: »Im Jahre 
489 zog Chalaf von Eg3-pten aus, um Besitz von frnnija zu nehmen, dessen 
isma'ilitische Bewohner [nicht der Gouverneur!] sich aus Kairo einen Gou- 
verneur erbeten hatten«. Nach derselben Quelle hatte Malikschäh den unru- 
higen Mann , nachdem er aus hims entfernt worden war, in seiner Residenz- 
stadt Isfahän internirt; erst durch das Ableben des gewaltigen Sultans bekam 
er die Möglichkeit, Egypten zu gewinnen und von dort aus zu intrigiren. 



64 Martin Hartmann, 

(s. oben S. 60). Auch die Ermordung Chalaf's wird erwähnt von 
Usäma, S. 1r (Übers. 124 f.), wo von verschiedenen Leuten 
Chalaf's die Rede ist, die nach seinem Tode sich zerstreuten, 
und von denen man auf die Qualität derer um Chalaf schliessen 
kann. Nicht ohne Interesse ist, dass Usäma dem verhassten 
Gegner seines Hauses S. ^a (52) den Titel saif ad-daula giebt 
und so die Beziehung dieses Lakab in der Inschrift auf Chalaf 
selbst sichert. Diesem Ehrentitel, den sich Chalaf wohl selbst 
beigelegt 1), geht der andre naür al-mulk vorher-). Über das 
al-anär al-muntadschih s. oben S. 57 n. 2. 

In seinen besten Tagen übte Chalaf Ihn Malä'^ib die Thätig- 
keit, die uns hier interessirt, und die Leute seiner Klasse im Orient 
sonst meist den Mächtigeren überlassen — er baute. Der strenge 
Islam ist der Baukunst nicht günstig. Diese Welt, in der wir 
leben, ist eine vergängliche Welt, und es lohnt nicht, in ihr sich 
prächtig einzurichten, auch ist Pracht und Prunk in Wider- 
spruch mit der Gesinnung, die der Prophet und seine ersten 
Nachfolger, namentlich der grosse 'ümar bekundeten. Aber die 
Einflüsse der Kulturwelt, in der die arabische Religion sich aus- 
breitete, waren stärker. Unter den Bauten, die man in ihr fand, 
ragten die religiösen hervor. So gestalteten auch die Muslims 
vor Allem das Bethaus zu einem Werke vornehmer Kunstfertig- 
keit, und hierin kann man wohl noch einen Ausfluss religio- 

1) Die Regel seheint zu sein, dass der Sultan solche Auszeichnung 
verlieh (s. CIA 258 n. 2). Das ^/7.a6-Wesen ist kennzeichnend für das Treiben 
in der islamischen "Welt zur Zeit der Kreuzzüge. Man ging ganz in diesen 
Äusserlichkeiten auf. und den wenigen wirklich Zielbewussten wurde es 
leicht, die Gernegrosse, die in ihrem kleinen Kreise etwas bedeuteten und 
mehr bedeuten wollten, mit diesen kläglichen Spielereien zu ködern. 

2) Verwendung von al-mulk in Lakabs ist nicht häufig, und als Mudäf 
finden sich fast ausschliesslich Abstracta. Von solchen notirte ich: 'izz al- 
mulk als Beiname von vier Personen lAtir Index (vgl. Rec. Hist. Crois. Or 
3 Ind.) , dschalül almulk und fachr almulk als Namen des Ibn 'Ammär 11. IL 
(höchst bemerkenswerth ist die Nebenform /acAr ad-daula bei Ibn Mujassar, 
die dafür spricht, dass es selbst den Orientalen mit dem seltenen al-mulk 
nicht ganz geheuer war), sanä al-7nulk (Husain) lAtlr 10, 271 (vgl. auch den 
Dichter Ibn Sanä Almulk mein Muivassah 47 fF.), gamäl al-mulk zweimal 
lAJir Index; von Concreta + al-mulk kann ich ausser dem hier durch die 
Inschrift gesicherten nasir al-mulk nur noch nennen sadid al-mulk als Lakab 
des Munkididen 'All Ibn Muqallad Ibn Nasr (Usäma und Vie d'Ousäma pas- 
sim) und eines Isbahäni (lAtir 10 passim). 



Die arabischen Inschriften in Salamja. ()5 

ser Gesinnung sehn i). Als geradezu unislamisch aber muss die 
Nachahmung der Ungläubigen in dem Bau von prächtigen Grab- 
mälern bezeichnet werden. Wen Gott zu sich genommen hat 
[taicaffähu], dessen irdische Hülle soll nur mit einem Tuche 
umwickelt in die Grabkammer gelegt werden. Am Grabe be- 
sonders verehrter, heiliger Personen fanden sich schon in früher 
Zeit immer zahlreiche Besucher ein. Sie aufzunehmen bedurfte 
es eines Raumes. So entstanden die Bauten, die ma.n masc/t/tad-) 
nennt. Später errichtete man solche auch über der Grabstätte 
von Personen, die nicht für die Allgemeinheit Interesse haben. 
Solch ein Bau war in vielen Fällen auch geeignet, als allgemei- 
ner Betört, mesdscJiid oder clschämi\ verwandt zu werden und 
mag nicht selten mit dieser Bestimmung gedacht sein. Einen 
solchen Bau führte Cbalaf auf über dem Grabe eines berühmten 
oder ihm nahestehenden Mannes im Jahre 4SI, und er feierte 
die Vollendung des Baues mit der sich noch in situ befindenden 
Inschrift, deren Übersetzung schon oben gegeben ist (S. 49 n. 1.) 
Wer ist der Abulhasan "^Ali Ihn . . . ., über dessen »geseg- 
neter 3) turha<! sich das maschhad erhebt? Es ist mir nicht ge- 
lungen, eine Antwort zu finden. Seine Bezeichnung als al-kaid 
al-adschall wird man mit » General <; übersetzen dürfen. In wes- 
sen Diensten Stander? wann lebte er? Der Name Abulhasan 
'Ali lässt zunächst an den Abulhasan ""Ali Ihn Dscha'^far denken, 
dem Inschrift A geweiht ist. Aber es ist unmöglich, in den Zei- 
chen die auf ^•yJ folgen, .äx:> zu sehen. Mit Sicherheit ist zu 
erkennen -:>, welche Gruppe ja sehr mannigfach gelesen werden 
kann, und J am Ende^). Unsicher ist das Zeichen dazwischen, 
für welches man nach den Abklatschen nicht ein ^^^d annehmen 

1) über eine andere Art von Kultgebäuden, die madrasa , siehe die 
höchst bemerkenswerthe, von den weitesten Gesichtspunkten beherrschte 
Abhandlung, die van Berchem soinem Corpus einverleibt hat (S. 254 — 269). 

2) Auf diese und ähnliche Arten von Bauten und ihre Benennungen 
hier einzugehen, muss ich mir versagen. Doch sei auf eine beachten swerthe 
Thatsache hingewiesen. Die Alidengräber aus dem 3. Jahrhundert d. Fl. 
CIA Nr. 6. 8.9 zeigen: Name i^l-c» xj Ai.^j L^ iJS-P. Sollte nicht die 
Bezeichnung der Mausoleen als inaschhad mit dieser Formel in Beziehung 
stehen? 

3) Aufzulösen durch lärakahaUähu , Gott segne sie , wie marhüm durch 
rahimahulläh u. a. 

4) Dass dieser Buchslabe, nicht etwa ein f vorliegt, kann daraus ge- 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XXIV. 5 



6(3 Martin Hartmann, 

darf, das nach der Photographie wohl in Betracht kommen 
könnte. Darf an 'ain gedacht werden, so läge chazal vor, das mit 
Chazä"^ilai) in Verbindung zu bringen wäre. In den arabischen 
Chroniken scheint kein Abnlhasan 'Ali erwähnt zu werden , der 
in lietracht kommt. Nach der Fassung der Inschrift ist nicht 
nothwendig anzunehmen, dass die iurba, über welcher das 
maschhad errichtet wurde, alt war: es konnte dem Abulhasan 
sehr wohl eine solche Ruhestätte bereitet sein und nicht lange 
nachher Chalaf an den Bau des maschhad darüber gegangen 
sein, vielleicht um nach irgend einer Seite hin eine Demonstra- 
tion zu machen, die zugleich als Ehrung für einen Todten Nie- 
mand verletzen konnte. Nur ein Wort deutet auf eine Bezie- 
hung zwischen Chalaf und dem Grabherrn, wenn man es so liest, 
wie ich es allein für möglich halte zu lesen: ^x-^äo »sein Ge- 
schöpf« 2). Der Abulhasan ist es, bei dem Chalaf in die Schule 
gegangen ist, der sich seiner angenommen , ihn zu etwas »ge- 
macht« hat. Dass dieser Gönner ein sehr hoher Truppenführer 
war, beweist das al-haid al- adschall noch nicht, und wir dürfen 
uns nicht wundern, dass der pietätvoll Gefeierte nicht ins 
Licht der Geschichte getreten ist. 

Zu dem graphischen Charakter der beiden Inschriften mich 
zu äussern nehme ich Abstand, da Hoffnung ist, dass Max van 
Behchem diesen Theil behandelt. Nur eines möchte ich nicht 
versäumen, sogleich hervorzuheben. Auf Zeile 2 der Inschrift A 
hat nach dem Abklatsch sowohl ^:ß als ^^^ deutlich die Punkte 

des ja . In unsern Drucken Averden diese Punkte fast immer 
fortgelassen. Dass ihre Setzung nicht etwa bloss eine Lieb- 
haberei der modernen orientalischen Druckereien ist, sondern 
auf alter Uebung beruht, zeigt deutlich die angeführte Stelle der 
aus dem Ende des 4. Jahrhunderts stammenden Inschrift. 

schlössen werden, dass der untere Seitenschenkel, der zum Theil mit der 
Trennungslinie zwischen den beiden Zeilen zusammenfällt, nach links über 
den seitlichen Rahmenstrich heraustritt. 

1) el-che~aile als Ortsname belegt hier XXIII 18 (Nr. 196). 

2) Diese Bedeutung ist durch die "\VBB gesichert; so Firüzäbädi s. v. : 

is.X:>.i»» ^»Xaj,» t\Ä*Äi:i>ol ^^\ '^x^X/o^ ^x^X/Oj.$>. -wozu TA noch fügt 

xÄp'» Besonders auch von der dschürija wird sanaa gebraucht : »gut halten«. 
• Ygl. auch XäjL.^ Baihaqi ed. Schwally Text S. 114 Z. 5. 



Die arabischen Inschriften in Salamja. 67 



Erklärung. 

CIA = Max van Berchem, MaUriaux pour im Corpus Inscriptionum 
Arahicarum, Paris 1894. 1896. 

In den Citaten aus Ibn Alatlr ist die erste Seitenzahl die der ed. Kairo, 
Azharlje 1312, die zweite in \] die der ed. Tornberg. 



Nachträge uud Verbesseruugeu. 

Zu S. 54 Anm. 2 a. E. : 1. Eduard, 

Zu S. 60: Anm. 5 gehört zu ^), Anm. 4 zu ^). 

Zu S. 64 n. 2: Max van Berchem macht mich aufmerksam, 
dass die Lakabs mit al-tnulk im 5. und 6. Jahrhundert der Flucht 
und im Osten namentlich bei den Veziren der Seldschukensul- 
tane häufig sind, die nach dem berühmten Nizäm elmulk fast alle 
einen solchen führen (sein Sohn Mu aijad elmulk u. s. w.). 

Zu S. 65 Anm. 2: Max van Berchem stimmt brieflich 
meiner Vermuthung zu, die Bezeichnung der Mausoleen als 
maschhad sei mit der Formel sA^^ ^j ^^-^-i. Lxs L\.P in Beziehung 
zu setzen. Er schreibt mir: »Diese Formel kommt auf den 
Grabsteinen von Alt-Cairo und Assuan aus dem zweiten bis 
vierten Jahrhundert der Hidjra ungemein häufig vor, also bei 
einfachen Gräbern ohne Grabdenkmal. Auch ist zu merken, 
dass die Grabsäulen, die oft vor dem Grabe stehen und mit In- 
schriften bedeckt sind, heute noch in Aegypten chähid u\?Lxi 
heissen. Vielleicht kann man auch das Wort chalnd ^_;.ß> heran- 
ziehen, welches ursprünglich einen Märtyrer bezeichnet, später 
aber überhaupt gleich ^y^'^^-^ Verstorbener, Seliger, gebraucht 
wird. Und vielleicht würde sich auch herausstellen, dass der 
clialäd ursprünglich überhaupt derjenige war, welcher vor seinem 
Tode ein Glaubensbekenntniss geäussert hat, was uns auf die 
eben besprochene Formel .\j A^-^j L/j lÄ:? zurückführt. Machhad 
wäre also der Ort, wo einer begraben liegt, welcher ein solches 
Bekenntniss abgelegt hat. Das Wort habe ich im Corpus nicht 
eingehend besprochen; über chähid und chahld siehe CIA S. 96. 
98. 139. 140. 317. 330.« In dem Artikel »Architecture« [Speci- 

5* 



68 Martin Hartmann, Die arabischen Inschriften in Salamja. 

men dhine Encyclopedie Musulmane S. 15iF.) erwähnt v. B. ?nasch- 
had nur vorübergehend als »sanctuaire« der Heiligen (S. IS), 
ohne auf die Grundbedeutung und Entstehung des Namens ein- 
zugehen. Ueber die Kapelle L:?^d! tX^^cc*^ an der Ostseite der 
Umaijadenmoschee in Damaskus siehe Goldziher, Wiener Zeit- 
schrift für die Kunde des Morgenlandes Bd. 15 S. 48. 

Zu XXIII S. 101: Zeile 22 f. sind die Worte: »Keramo- 
pouLLOS« bis »gesichert« zu streichen. Die Ergänzung des Herrn 
K. beruhte darauf, dass durch ein ärgerliches Versehen auf der 
ihm gesandten Kopie die Buchstabengruppe am Ende von Zeile 3 
ausgefallen war. 



Zu XXIII S. 165 Zeile 4 ist statt cJtass u^,.i> zu lesen 
schaz ÖL^. 



Der Dialect der LandbeYölkeriiiig des mittleren 

Galiläa. 

Von W. Christie. 



Vorbemerkung. 

Der hier abgedruckte Aufsatz unseres geschätzten Mit- 
arbeiters W. Christie Avar ursprünglich englisch geschrieben. 
Vom Leipziger stud. phil. Herrn Sciiakschmiut wurde die deut- 
sche Uebersetzung angefertigt (die von den Professoren Dalman 
und Stumme in Leipzig revidirt Avurde), wobei auch einige Kür- 
zungen und einige Aenderungen im Transkriptionssystem vorge- 
nommen wurden. Da der Aufsatz rein philologischer Natur ist, 
so wurde in ihm auch ein philologischeres Transkriptionssystem 
(für jeden Laut ein Zeichen) angewendet. 



I. 

Aus ed-Dschisch (von einem Angehörigen der griechischen Kirche). 

saläh-ed-dhi Ummä fharab /tu tcassaliblj'e qü^Jü '^ale^'h 

ähadü el kuds estsarif. baut istängad nexjd mnibläd efäxjem. 

hinni äjü , m¥iu-hamsl.n elf^ t^kättai'ü 'älä cssalibije. galibuhum. 

minn bdd ma galibü-hum 'atähuni &alah-ed-d\n biläd ibhdrrä 



Als Saladin kämpfte — er und die Kreuzfahrer — , wurden 
diese zu stark für ihn und nahmen die heilige Stadt. Er sandte 
und verlangte Hilfe vom Lande der Perser. Diese kamen — ein- 
hundert und fünfzjotausend — sie übertrafen die Kreuzfahrer an 
Zahl und besiegten sie. Als sie gesiegt hatten, gab ihnenSaladin 



70 W. Christie, 



5 u-füdlu fll-hilad. ha tu cjahu iJjaJ-hum ufüdlu le-hädd issa. 
kün en-7iasci7'ä maträli-hum^ qatilü-hum ^j ti-kaadü matrählmm. 



IL 

Aus ed-Dschisch (von einem Muhammedaner.) 

liallfküme el-Jöm. 

kein minn zemän fi melek zZdhn cjämd amwcd ennlis 
u-häft-hä küll-hü '^ätido. ämar inno ?nä haddäs ßbcijj'in '^ändo 
med; icälll b^bäjjin ^ändo med ßqtd räso elmelek. hcidhn nizil^ 
lähhas sirrije u-hätt 'ale'hä masarl k^ikr u-dällal '^ale^Jm ¥hams 
5 mtje. fl icähid, ihn iägir egä liddalläl , qäUo : änä hüterihä. 
egä Je änd ummo, dbüh mäjjit, qällah : hiddl minnik hams m~ije 
minmün IHsteri es-sürrije. hl qület lo: mä fVs. ha do räicicali 
el-hahl , hähah qahr ahüh u-güh el misrljäf lid-dalläl. ahäd- 
/mm ed-dallül t/ttHi"'^ leänd el-melek^ tvargäh j'dhum. qällo e1- 

10 melek: 7mn hädä? qällo: ßlän ihn ßlcm htärli es-sirrijeh u-gäb 
li elmasUr'i. baat loarcih elmelek utälibo. Jiädar leänd elmelek. 
elmelek fhäddado, qällo: le's hifgJb masarl? m^ntdlak elma- 
särt? ärrad lilmelek inno bähas kabr ahüh. elmelek baat n'ds 
ki'üUfl inn kän saMh. rähü kisifü, Uqju sahih ''ann elmamri 

15 minn el qahr. Imimin egü ''ärradü lilmelek. elmelek istähgan 
hal-mädde , ann ennäs tänbus kahr ahhliä. ämar elmelek hir~ 
rahme ha d hal-fasl wu-ämar ennüs innhä tegt tehud masäri, 
jellä. ival-melek istahar birrähme waTadäle. minn kull mä 
känü qablijo särat ennas tcgl k^tjr minn'sän tistke biddaicät., 

20 8är hü j'ahdar edddioüt b^zäto. el fakir mä sär ' lüs daur. 
elmelek simi^" '^ann el faklr mä hihallm jinzil '^asseräjä; '^ämil 

1] Ueber q s. § II sub 26. 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 71 



'o 



das obere Galiläa, und sie blieben im Lande. Sie sandten nnd -, 
brachten ihre Familien und blieben bis zum heutigen Tag. Die 
Christen waren an ihrem Orte. Sie tödteten diese und Hessen sich 
nieder anstatt ihrer. 

IL 

Die Regierung von heute. 

Vor langer Zeit lebte ein böser König, der den Reich- 
thum des Volkes sammelte und ihn bei sich anhäufte. Er be- 
stimmte, dass Niemand Reichthümer besitzen sollte und dass er 
Jeden köpfen würde, von dem man sehe, dass er Geld besitze. 
Einmal (wörtl. später) stieg er aus seinem Palaste hinab, kleidete 
eine junge Sklavin an — setzte einen hohen Preis für sie an und 
liess sie für 500 (Piaster) feilbieten. Einer, der Sohn eines Kauf- 5 
manns, kam zum Mäkler und sagte zu ihm: »Ich will sie kaufen«. 
Er kam zu seiner Mutter — denn sein Vater war gestorben — 
und sagte zu ihr: »Ich will von dir 500 um das Sklavenmädchen 
zu kaufen«. Sie sagte: »Es giebt Nichts!« Darauf ging er, der 
Verfluchte (wörtlich der hier nicht Anwesende) hin , grub das 
Grab seines Vaters auf und brachte dem Mäkler das Geld. Der 
nahm es und ging zum König. Er zeigte es ihm. Dieser sagte: 10 
>'^yer ist es?« Jeuer antwortete: »Der und Der. der Sohn 
von Dem und Dem, kaufte das Sklavenmädchen und brachte 
mir das Geld . Der König schickte nach ihm und rief ihn 
vor sein Angesicht. Jener erschien vor ihm. Der König drohte 
ihm und sprach: »Warum bringst du Geld? Woher hast 
du Geld?« Er gestand dem König, dass er das Grab seines Va- 
ters aufgegraben hätte. Der König sandte Leute hin, die unter- 
suchen sollten, ob das wahr sei. Sie gingen, untersuchten (die 
Sache) und fanden, dass das Geld wirklich aus dem Grab stammte. 1 5 
Nachdem sie zurückgekommen, berichteten sie es dem Könige : 
dem missfiel diese Geschichte, — nämlich dass die Leute die 
Gräber ihrer Väter aufgrüben, — und er befahl nach diesem Er- 
eigniss in Gnade, dass die Leute kommen sollten um — schnell 
— das Geld wiederzunehmen. Darauf ward der König berühmt 
wegen seiner Gnade und Gerechtigkeit. Viele Leute kamen mit 
Klagen, und er war mit eigner Person anwesend bei den Ge- 20 
richtsverhandlungen. Für die Armen jedoch gab es keine 
Veränderung. Der König hörte, dass man den Armen nicht 



72 W. Christie, 

ehnelek sirit mill teletjräf^ hcitfo foh räso hüjäras. hälll ilo 
da im u-mü gädir jüsal lilmelek jeyl Jehizz essirif, jediikk 
ecjc/üras fök ras el melelz. JUfat jitlah elfalür Jinlü lo daicxito 

25 m^liüdirü. fl Wr klin f^assis h^&äyara^ Ummin h^s'ir faruli 
m^fäkas tcgl el-häjje tekul fiirüh. Ummin shni"' et-te^r Vrähmat 
el-mUek u-sär m^färrah ecjä häddä '^ al-hahl. el-hahl sär Jehizz^ 
dakk eg-(järas fök ras el-melek ""a-bükra bakk'/r. qäm el-7}iclek, 
qäl: mfu nun hädä '^amm hidükk el-hahll fäVü ?nä laqüs 

30 henZuVmhi^ läqü haffeh' litlr u-bUiäddl. "ärradü Hlmelek, qalü: 

ja melek, hädü m'^bäjjm teh' minn hon. qal: jellä rÜJm batfe'-r 

hädä u-temsü mähjia, Ju'idä ilo dawä. rälni batte'^r tanno icisil 

lissäyara eilt biäs'sis fiJiü. ecjü han-näs etil ma etteh-, UqjTi 

hffjß (jaliza methäjje innhä hidda tisrut ßralio. diribühü 

35 qatilu-hä. efteb- e(jTi , rdkad \ilä ßrälio. egü ennäs elll katiü 
mä etteh'^ häbbarü el-melek. el-melek taäijgab k^ijr u '^ärif 
inno biddo Jemiit. käl : inn zülmnä wüsil lilkubür u "ädliiä 
icüsil littijur. tva el-?nelek, qrd, mü taivicäU bad hafamilkje 
hat. — halhukume eljom ja efvndim wüsil zülm-lxum lilkubür^ 

4 läkin mä icüsil \idlhu7n liftijUr! 



III. 

Aus Berrije bei Safed (von einem Muhammedaner). 

Jörn igtäniat el-miduk ica-kälä: biddnä nesüf daidet hal- 

osmälU iva-hükmhä wa sartäthä, igtama mä-lium ennäbllon, 

qäl l^himi: m^ngärrib dölet efosmäU'i bisügleh^ izä kän m^nikdir 

älä ä/izi/iä tca-illä lä. baaiü tninn 'ätid/uwi icczir xcaattüm 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 73 

erlauben wollte, in den Gerichtshof zu gehen; daher machte er 
einen Draht wie beim Telegraphen und befestigte ihn über seinem 
Kopf mit einer Klingel. Wer nun eine Klage hatte und den 
König nicht erreichen konnte, kam und zog an dem Draht, da- 
mit die Glocke über des Königs Haupt läutete. (Alsdann, schickte 
der König nach dem Armen, forderte ihn zu sich und erledigte 
seine Sache ohne Verzug. Einst baute ein Yogel sein Nest in 25 
einen Baum, aber Avenn die Jungen im Begriif waren, aus dem Ei 
zu kriechen, kam allemal eine Schlange und frass sie. Als der 
Vogel von der Gnade des Königs hörte und wieder brüten wollte, 
kam er und Hess sich auf die Klingelschnur nieder. Die Schnur 
bewegte sich und läutete die Klingel über des Königs Haupt, 
früh am Morgen. Der König erhob sich und sprach: »Seht nach, 
wer an der Klingelschnur zieht!« Sie gingen hin, fanden Men- 30 
sehen nicht ; doch sahen sie, Avie der Vogel fortflog und sich ent- 
fernte. Sie berichteten dem König und sagten: »König, es ist 
wahrscheinlich ein Vogel von hier.« Er sprach : »Schnell, geht 
mit dem Vogel und folget ihm! Er hat eine Klage.« Sie gingen 
mit dem Vogel, bis er zu dem Baume kam, in dem er sein Nest 
gebaut hatte. Die Leute, die mit dem Vogel waren, kamen hin 
und fanden eine dicke Schlange, die gerade dabei war, seine 
Jungen zu verschlingen. Sie schlugen sie und tödteten sie. Der 35 
Vogel kam her und setzte sich auf seine Jungen. Die Leute, die 
mit dem Vogel waren, kamen und benachrichtigten den König. 
Der König Aviinderte sich sehr und wusste, dass er sterben müsste. 
Er sprach: »Unsere Ungerechtigkeit hat die Gräber erreicht, und 
unsere Gerechtigkeit ist bis zu den Vögeln gekommen«. Und 
der König, sagt man, lebte nicht mehr lange nach diesem Er- 
eigniss. Die Regierung von heute, Herr! ihre Ungerechtigkeit 
hat die Gräber erreicht, aber ihre Gerechtigkeit ist nicht zu den 10 
Vögeln gedrungen! 

HL 

Als sich einmal die Könige versammelten und sprachen : = Wir 
wollen die türkische Herrschaft hier, ihre Regierung und ihr 
Gesetz kennen lernen«, hatte sich Napoleon mit ihnen ein- 
gefunden; er sprach: »Wir Averdendie türkische Regierung durch 
eine Sache prüfen, ob Avir die Avohl nehmen können oder nicht«. 
Sie schickten aus ihrer Mitte einen Gesandten und gaben ihm 



74 ^V. Christie, 

■' Jfsän selahl in''salihar ; qZtlulo : Vtehud Jial-Jfsün iva-tinzal 

^a-stämhul: h^jitluho minnak el-melek lil-bi^'''' : la föi'^'', wizä 

ähado gash ännah ruh lissm'l'^a. ähad el-lf^ßn u-nizil. sä?' 

jemsi huddüm elmälek f'i hal-lfnän. haat loaräli elmelek, 

källo : ja hawUgü^ hiddak fbYnl Jial-h''sßn? källo : Jiädü mä 

10 hehto\ lau taanünifihmijat elf^ mZihehfo. Im kal: hüd heH 

hidalo , hüd eilt hiddak jahü. Juid hädii hahr sahrehi loa-hü 

jimruk kaddrnn hal-melek ; u-ßhassim '^ale'h bakawät u-dünjci 

inno j^hi^^'^ hal-Ymn lihnelek. kldVhüm: mZi helft o am. limmhi 

el-melek '^wjiz minno ähado u-gäshin '^änno. räh lissarYa el- 

1 5 muhammedlje.1 ihtakä lilkädl^ qällo : el-melek ähad Ifsäni ijäshin 
"änni. täliho luk()''t\i hükim es-sära , hä^at xcärä el-melek^ 
hadar elmelek. limmhi hädir fazz, qä^ad bas-sidr, (jäioci ^and 
el-käd'i. qällo: ehkl, Ja haicägä, sTi daicatak ma^ elmelek? 
qällo : es-sarfa 'ändakimi el-melek juqud haunik hassidr , wänä 

2<» v'^qud hon he'n es-saräml? ämar el-kädt '^al-melek jikaf ma 
(jamb el-haivägü^ qällo:- ehkl^ Ja haicügä. qcdlo : ähad h'^sänl 
gäsbin "" ämii änU^ mit biddi hl'o u-biddl Jfscinl b^zäto. el-kädl 
sa'^l el-tneleki qällo: hal häkl saJiih? qällo: num, sahih hädä 
elti sär. el-kädl qäl: Ja haicägä^ mä Hak hätir fhi^^'^ el-h'^säti? 

25 qällo: Iw ; lau '^atänt kull mälko mä bebfo, hiddl IfsZinl h^zäto. 
qal lilmvlck: sälhno el-lfsän. qallo elmelek: lau hakämt b^ge'-r 
Jic'k katat räsak l/hasse^f. qällo el-kädl: lau häläft es'sarta 
halleH hal-häjje tekulak. wa-räfd es-seggäde toa-argähü '^al- 
häjje; qällo: lau häläft e'ssarfa wal-lmkm halleH hädt tiJp'isak 

^" ica-täklibak rimäd. 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 75 

ein schönes schwarzes Pferd. Sie sagten ihm: »Du wirst dieses 5 
Pferd nehmen und hinabgehen nach Stambul. Der König wird 
versuchen es von dir zu kaufen. Verkaufe es nicht, und wenn er 
es gegen deinen Willen nimmt, so wende dich ans Gericht ! Er 
nahm das Pferd und ging hinab. Er begann mit dem Pferd vor 
dem König auf und ab zu gehen. Der König sandte nach ihm 
und sprach zu ihm: »Herr, willst du mir das Pferd verkaufen?« 
Er antwortete ihm: »Ich will es nicht verkaufen; selbst wenn du 10 
mir 100,000 (Piaster) giebst, verkaufe ich es nicht«. Jener sprach: 
»Nimm Pferde dafür; nimm, was du nur willst!« Er blieb einen 
oder zwei Monate und pflegte vor dem König auf- und abzu- 
reiten; und Paschas und Jedermann drängte ihn ernstlich, das 
Pferd dem König zu verkaufen. Er sprach zu ihm: »Ich will es 
nicht verkaufen.« Da der König kein Glück bei ihm hatte, nahm 
er es, und zwar gegen des Anderen Willen. Der wandte sich an 
die muhammedanische Gerichtsbarkeit und brachte beim Richter 15 
eine Klage vor; er sprach: »Der König hat mein Pferd genom- 
men gegen meinen Willen.« Der Richter forderte ihn vor Ge- 
richt, sandte nach dem König und brachte ihn vor sich. Als der 
König erschienen war, sprang er vor und setzte sich vorn hin, 
neben den Richter. Der sagte: >' Sprich Herr, was hast du mit 
dem König.« Er sprach zu ihm: »Ist es bei euch Sitte, dass der 
König vorn sitzt, und ich hier bei den Schuhen?« Der Richter 20 
befahl dem König sich an die Seite des Klägers zu stellen. Dann 
sprach er zu Jenem: »Sprich Herr!« Der antwortete: »Er nahm 
mein Pferd gegen meinen Willen; ich will es nicht verkaufen, 
sondern mein Wunsch ist, mein Pferd selbst zu haben.« Der 
Richter fragte den König und sprach : »Ist die Geschichte wahr ? « 
Er antwortete: »Ja, wahr; so geschah es.« Der Richter sprach: 
»Herr, würde es dir nicht gefallen, das Pferd zu verkaufen? < Er 25 
antwortete: »Nein; selbst wenn er mir sein ganzes Königreich 
giebt, — ich Avill es nicht verkaufen. Ich will mein Pferd und 
Nichts sonst.« Er sagte zum König: »Gieb ihm das Pferd zu- 
rück!« Der König sprach : »Hättest du anders entschieden, ich 
hätte dir mit diesem Schwert den Kopf abgehauen.« Der Richter 
erwiderte: »Hättest du dich dem Gesetz widersetzt, ich hätte 
dich von dieser Schlange beissen lassen.« Er hob den Teppich 
in die Höhe, er zeigte ihm die Schlange imd sprach dabei: 
»Hättest du dich dem Gesetz und der Gerichtsbarkeit widersetzt, 



76 W. Christie. 



IV. 

Aus Rüme (von einem Angehörigen der griechisch-katholischen Kirche). 

TJä reHak halleHo bi-xvähUo.« 

märra kün fl \inze saalet edd'ih "cm ibnhü el-azgkr (auch 

ibnazzgir) eilt kün däi. källa : \il'im dllü ; likeHo, lakin im lakeHo^ 

f'i-has-semüke,fi hat-üne, fl lial-icählc el-ijamhkal e(fit lo, kimto^ 

gasilto ti-aaddafto ^ilä kadd el häfii'. kälet lo: Jäf saimoeH 

h flh? kdllah: akdlto. kZiIct lo : Ja reHak halleHo bi-wählto: 

V. 

Aus Räme (von einem Drusen). 

kän fl lüähid meazzin ¥jidzzm ^älä el-mehlane; loi-khalo 

dar film härme. mr f'^äddin ici-ßgmizhU. iUälakat \ileH}^ 

häbbaraf (jözJiä, käWhä: vxiüdih^ tä ihnä namil f\o nikte. 

icadeto "ilZi bdd el-isä, inno göza blddo jühtur Jiedak en-n^har 

5 jegl ilä \lndah bad el-isä. fl duhülo mä kern mähhä 

daklkate^n illü egü göza. kZimet ; habbeto tähit el-bäkara ezzebün. 

(bidmci dähal göza lübcH säkkar el-bäb u-där kaicam u sär 

jetähmis "ad-d^wäb^ jarä juhäsmis. egit ido '^ale'Ii, källah: hü 

hedä, Ja 7nära9 gäbet el-bäkara? kälet lo : gäbet^ Ja riggtil. 

10 sü gäbet? gäbet "igl- madd ido "älä tümmo, läkä snä?/, käl 

rhä: m h(''dä, Ja, mära? ilo snän ; tanikldin^ ahsän mä Jälp'ut 

Vzäz el-bäkara; kätl, hätl., tänci näkld snäno, ahsän mä Jdädd 

ed-dirrc! käld snäno u-dissaro. t/ml Jörn täld Je'^äddin. 

gamizeto inno Jihdir. källa : änä snänl nfkällda bdd bdlak 9 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 77 

ich hätte dich von dieser stechen und in Asche verwandeln 30 
lassen.« 

IV. 
Oh, hättest Du es in seinem Schlamme gelassen! 

Einmal geschah es, dass eine Ziege sich beim Wolf nach 
ihrem Söhnchen erkundigte, das verschwunden war. Er sprach 
zu ihr: »Gott weiss es; ich fand es — und wo fand ich's: in die- 
sem weichen rothen Boden, in diesem Lehm, in diesem tiefen 
Schlamm. Ich kam zu ihm und zog es heraus, wusch es und 
reinigte es, so gut man es nur wünschen konnte.« Sie fragte: 
»Was machtest Du dann mit ihm?« Er antwortete: »Ich ass es.« 5 
>0h!« sagte sie, »hättest Du es in seinem Schlamme gelassen!« 

Y. 

Es Avar einmal ein Muezzin, der pflegte vom Minaret herah- 
zurufen; ihm gerade gegenüber befand sich ein Hof, in dem eine 
Frau wohnte. Er rief zum Gebet und winkte ihr. Sie beobach- 
tete ihn und benachrichtigte ihren Mann davon. Der sagte zu 
ihr: »Gieb ihm ein Versprechen, damit wir ihm einen Streich 
spielen.« Sie versprach ihm, (Jenen) nach dem Abendruf (zu em- 
pfangen), dass er also — da ihr Gemahl die Absicht hätte an 
jenem Tag zu verreisen — nach dem Abendruf zu ihr kommen r) 
könne. Nach seinem Eintritt war er kaum zwei Minuten bei ihr, 
als ihr Gemahl kam. Sie stand auf und verbarg den Geliebten 
unter der Kuh. Als ihr Gemahl das Haus betrat, schloss er das 
Thor, ging herum und begann sogleich die Thiere anzufühlen, — 
das heisst, sie zu berühren. Er kam mit seiner Hand an den 
Mann. Er sagte: »Oh, Weib, was ist Das? Hat die Kuh ge- 
worfen?« Sie antwortete: »Ja, Mann.« »Was warf sie?« »Ein 10 
Kalb.« Er streckte seine Hand nach dem Munde aus, fand Zähne 
und sagte zu ihr : »Was ist das Weib ? Es hat Zähne ! Wir wol- 
len sie ausziehen, damit es nicht das Euter der Kuh verletzt. 
Bring, bring (schnell Etwas her), damit ich ihm die Zähne aus- 
ziehen kann; es ist besser, wenn es nicht in das Euter beisst. « 
Er zog dann die Zähne heraus und liess ihn laufen. Am nächsten 
Tag ging Jener hinauf und rief zum Gebet. Sie gab ihm ein 
Zeichen, dass er kommen sollte. Er sagte: »Soll mir Dein Ge- 
mahl wieder meine Zähne ausreissen?« 



78 AV. Christie, 

VI. 

Aus Kefr Jäsif (von Protestanten). 

dür eMJr^ hifsüf ekl'ir. 

mitl el-mimär : '^at-fäta u-an-7mzle. 

IZi tehül frd hättet ßsßr hil-mikjul. 

minn tümmih^ Jet kählä : ählä walilä. 
6 el-kafäle aivwälhZt nedäme iv^Zihirhct garäme. 

nasräivt Ict fäicl. 

mä fls sultän (je'r ällU. 

^alhbyinüh ess^häde, sahäknä al-hiuth. 

1/häkiki jZt (jära, ta-tismdl ja kinne. 
10 kZilü Vhämü: mit kuntis kinne? kälet: kunt u-7isit! 

VII. 

Aus Sehefä'Amr 'von einem Angehörigen der griechischen Kirche . 

alil mältä minn \ikkU, Ja sldl. minn Jörn el-egä melek ed- 
dahir u-härrah hal-hiläd sc'' U häkct ennäs. en-nasärä hagc/ü. 
hadmZt härrah heda '^äkkü rühü le-mciUä. egU el-gaivärni, kadii 
fiJiä.1 ica-äkkU. limmin ega dahr-el- ömr lämlam näs ivaämar 
^ '^äkkä^ u-scir Jegl nüs nasßrct u-muslimin uflämlamet '^äkkä^ 
u-hadc^n el-gmcärm hikTt h^hisäs hadd ^äkkU, u-bad lissU 
b^hisäs. 

VIII. 

Aus 'Aräbe (von einem Angehörigen der griechischen Kirche}. 

rafik bitfahUn rähne. 
däicicar \ir-raflk kabl et-tarlk. 
hassimame m^lahneh hattabUn. 
m biddo i'ehud er-A^h minn el-balät? 
5 '^antini es-süf ica-hTid lak el-hZirüf. 

behibbak Ja sivärl, lakin tnitl zindl? la-! 

hahhäd tcimsitrit? 

asiähtli icalbäktlak ivad-ddhr icäffak behmä: ^oder be^n'^nd). 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 79 

VI. 

Wandre viel, so siebst du Viel! 

Wie die Säge — auf und ab. 

Sage nicht > Bohnen«, bis sie im Maasse sind! 

Aus deinem Munde, du dunkle Schöne: süss und süsser! 

Der Anfang der Sicherheit ist Reue und ihr Ende eine Geld- » 
strafe. 

Unterhalte keinen Christen! 

Es giebt keinen König denn Gott. 

Wir lehrten ihn bettehi, und er erreichte die Thüren vor uns. 

Wenn ich sage »Nachbarin <, sollst du (dabei herausjhören 
»Schwiegertochter«, 

Sie sagten zu einer Schwiegermutter: »Warst Du nicht eine lo 
Schwiegertochter?« Sie sprach: »Ich war, aber vergass es.« 

Vir. 

Die Einw^ohner von Malta, Herr, sind aus Akko. Als Melek 
ed-Dahir kam und dieses Land ganz und gar zerstörte, blieb (je- 
doch] die Bevölkerung am Leben. (Von dieser) wanderten die 
Christen aus. Nachdem er Akko zerstört hatte, gingen dessen 
Einwohner nach Malta. Die Ghawarni-Araber kamen und Hessen 
sich dort, nämlich in Akko, nieder. Als Dahr el Omr kam, sam- 5 
melte er Leute und baute Akko, und Christen und Muselmänner 
kamen und scharten sich zusammen in Akko, worauf die Gha- 
warni in Schilfzelten in der Nachbarschaft von Akko blieben; 
und sie sind bis heute (da) in Schilfzelten. 

Vlll. • 

Ein Gefährte in der Noth (wörtlich : Mühle) ist eine Gnade. 

Suche nach einem Gefährten, ehe Du nach dem Weg suchst! 

Der Deckel hier tadelt den Backtopf. 

Was kann der Wind von den Pflastersteinen wegnehmen. 

Gieb mir die Wolle und nimm das Schaf für Dich selbst! s 

Ich liebe Dich, mein Armband, — aber -wie meinen Arm ? 
Nein! 

Bist Du ein Bettler und stellst Bedingungen? 

Du passtest für mich und ich passte für Dich, und dies Ge- 
schick fiel sehr passend zwischen uns. 



80 W. Christie, 

hl le'le ja muharl; liHet eUaltune lü le'le. 
10 mä jt'lfi ctiirjah minn el-arZih ta-jehun el-mahus matl 



IX. 

Aus Hattin (von einem Muhammedaner). 

»(jah'aak elli fZirähtov. 

märra kün fl ärha hams z^lam sajjäde^ tulaTi ^älä es-se^d, 

JistädTi loa-liinn'i düirui Jcaadü tlet ärhat yjäm hclü ohl. hadöl 

fäiüahü minn eij-ißi fil-tcar, fU-hurrlje haudik. misj'U he^k 

I^güd. mähhin d'wäb luimir. e<j(jo^ alzäm-lnn JadbahTi humUr 

5 tdJÖkulTi. ddhaljü, särü Ithvü l/jiklii loa-jokuJu . el-bad miim-lnn 

äkala ivi-klban, \'ida \tnn imliid : el-akld; 7)iü haffäts näfso 

'^alv'h^ mä kiblet näfso jökul. kälü IcJm: bitmUt minn eg-(jo^, 

"am kld! käWltin : mä f/e'r illä änä biddl, ja (jäma^ tännl ruh 

l''(jäd^ himm el-häum hcüjje, bedur (jäd he'k, ähmaJ Vrudl fl 

10 kltfi, bä()i, bekülkin: ssaläm ''aleikin, ikü se'detkwn, sü hedä? 

bitkülü i>Iahm (/azäl<-, minnsän okl mä'^kin. belkl tikdum näfst 

al(i']i. räh JtJ'k ta-jatfärrig V^gäd^ dar mikvär xoa-riga '^ale^hin. 

källin: ssaläm "ale^kinl kalTi lo : 'ah-'k essaläm! källhin: sü 

\imm tökulü? na/t tcähid ketjr el-gälabe ^ hällo: gähsak elli 

\^ färäJdo. sämarat näfso, ma äkal, räh belü dkl. 

X. 

Aus Dschor'än (von einem Angehörigen der griechischen Kirche). 

■»miil fl ijjämnä, ja sldl«. 

kän icäliid basit, '^dndo ras bakär — aiicah — egä ''ale^hin 

ettaswhs. anzärhum lil-häkim ezzäliin — aiivah — nüss el-bäkar. 

ficäfjäku. JmadU tief ärba setiin, särü '^aggäl bäkar. issü käl 

fl halo? klü: mZi ill kädra ähdiim, biddl äksim-hin ''äd. 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 8 1 

Es ist Nacht, Eseltreiber! eine Nacht in der Mühle, das ist 
eine Nacht (an die man denkt). 

Nektar wird nicht aus Arak werden, bis der Hestimmte lö 
todt ist. 

IX. 
»Deinen Esel, den Du zurückliessest'<. 

Bei einer Gelegenheit gingen vier (oder) fünf Männer — 
jjio-er — auf die Jagd. Sie jagten und wanderten umher. Sie 
blieben drei (oder) vier Tage ohne Speise. Sie wurden vor Hunger 
müde in der Wildnis, dem Gehölz, in der Einöde. So zogen sie 
dahin. Sie hatten Esel mit sich. Der Hunger trieb sie dazu, 
einen Esel zu tödten, um ihn zu verzehren. Sie schlachteten den 
Esel, brieten und schmorten ihn und assen ihn. Der eine Theil 
von ihnen ass und sättigte sich, — Alle ausser Einem, dem Trei- 
ber. Sein Appetit konnte sich nicht dazu verstehen, sein Magen 
konnte es nicht nehmen. Sie sagten zu ihm: »Du wirst Hungers 
sterben; iss gleich mal!« Er antwortete ihnen: >Da ist nichts 
Anderes zu thuu, Gefährten, als dass ich einen kleinen Spazier- 
gang mache. Ich will ein Stückchen da herumgehen und meine 
Flinte so auf der Schulter tragen. Ich w^ill kommen unfl zu Euch lo 



'&" 



sagen: »Friede sei über Euch!« Ich Avill Euch fragen: »Was 
habt Ihr erbeutet? Was ist Das?« Ihr werdet sagen: »Gazellen- 
fleisch <', — damit ich mit Euch esse. Vielleicht wird es dann 
meinem Appetit zusagen.« Er ging denn und spazierte dorthin; 
ging eine Weile auf und ab und kehrte zu ihnen zurück. Er 
sagte zu ihnen: Friede sei über Euch!« Er fragte sie: »Was 
esst Ihr?« Da sprang Einer auf — ein recht unberufener Spre- 
cher — und sagte zu ihm: »Deinen Esel, den Du zurückliessest.« i'' 
Da bekam er eine Abneigung und ass nicht, sondern ging ohne 
Essen wieder fort. 

»Gerade wie in unsern Tagen, Herr!« 

Es war einmal ein Dummkopf, der eine Anzahl Kinder be- 
sass; ja, da kam Krankheit unter diese. Er gelobte sie (als Gabe) 
dem ungerechten Herrscher, ja, die Hälfte des Viehes, liald ging 
es ihnen wieder besser. Sie lebten drei (oder) vier Jahre weiter 
und wurden eine Viehherde. Was sagte er bei sich selbst? 

Ztsclir. d. Pal.-Ver. XXIV. i; 



82 "W. Christie, 

5 t^wä(j(jah V'^and el-mitsälUm ß-nnüsira — ifliemt jähha? 
'^ändmä wisü Im-näsira äljaz "aggäl el-hähar ukäl lil-miUällim : 
hiddl älsim. hallo el-mitsällim : sü Jial-hisme u-'sü hal-CKjgäl 
hedüf Jiakü lo : imü um fi zemänl ^änd-mü süft k^hatfärs 
m'^fdhhar, nazärt nüsso lil-licihim ez-zalim^ uzadü u-hitro; u-mänis 

10 gädir arähü; hiddl äJisim änä icijjZik. luillo: wilak mUs änä el- 
-hüJcbn ez-zälim! luillo : mm l^kän? hällo : elhädl^ änä mü dahälts 
has-sugle bad. hädä häiciüad l'^änd el/iädl, lällo : hiddl ä^sitn, 
ja sldl^ änä xoijjäk. hällo icilak sü käzä? källo häzä eVaggäl 
nazärt nüsso lil-häkim ez-zälim^ wal-ha'immakäm hallt innak int el 

15 liakim ez-zälim. källo: hiddak täksim? källo: nam hiddl äksim. 
källo : täj'jib, minn middet kam sine Hak n"'zärt ? källo : minn 
säbd^ senin. källo: ätcical sine kadde's hit minno? källo: 
hamshi "älül. källo : l/e^s el "Zilid? källo : h^hamsnüe. kätah. 
källo: täm sine? källo: sittin "^ ülxil fl sir hamsmie; hisäict 

20 tlethi elf. rähi^'' sine? '^a-hal-cjäje hättä sämmad "ale^h jok 
mcil^ iäman el-uggäl iciiwf. källo: semn? källo: äivival sine 
"^äser kanätir. säm sine? ^as7'Tn ka?itär. el gäj'e sämmad "ändo 
kimat sitt mlet kaniär semn. halasnä? halasnZi! haivwadvj 
säfü hattars sü hisivü. läkü näkis ketjr. häkä ale^/i tlet rihä , 

25 ul-kädi h^jcjhuz et-tärs. ähaz ettars u-tcilibo ßl-häki. Jörn sär 
jifliliho el-kädl ivähaz el- aggcil sär jesjli mitl el-megnün — aitvah. 
md kitr släho t(-fnähto u-marärto lukähü tcähid äkü., källo: 
iciluk^ sü ddxoätak? häkä lo kissato hdsbmä gärä lo. sü källo 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 83 

»Es kann Nichts helfen, ich muss sie doch theilen.« Er machte 5 
sich auf und richtete seine Schritte zum Mutasellim in Nazareth, 
seht Ihr, wie ich es meine, Vater? Als er Nazareth erreichte, 
nahm er die Viehheerde und sagte zum Mutasellim: »Ich will 
theilen.« Der Mutasellim sprach: »Was ist mit dieser Theilung, 
und was ist mit dieser Heerde?<; Er berichtete ihm: »Zu meiner 
Zeit, als ich sah, wie die Rinder abnahmen, gelobte ich die Hälfte 
von ihnen dem ungerechten Herrscher, und sie vermehrten sich 
und wurden zahlreich. Ich kann sie nicht hüten; ich will sie 
theilen. Ich mir Dir. <; Jener sagte zu ihm: »Mann, ich bin 10 
nicht der ungerechte Herrscher.« Er sprach: »Wer denn?« Er 
antwortete: »Der liichter; bis jetzt habe ich mich noch nicht in 
so eine Beschäftigung (d. h. Ungerechtigkeit) eingelassen.« Er 
ging hin zum Richter und sprach: »Ich will mit Dir theilen, 
Herr.« Jener sagte zu ihm: »Mann, w^as ist das?« Er antwortete: 
>Es ist die Heerde, deren Hälfte ich dem ungerechten Herrscher 
gelobte, und derKaimmakam sagte mir, dass Ihr der ungerechte 15 
Herrscher seiet.« Er sprach zu ihm: »Willst Du theilen.« Er ant- 
wortete: »Ja, ich will theilen.« Ersprach: » Gut I wie viele Jahre ist 
es her, dass Du gelobt hast?« »Sieben Jahre.« Erfragte: »Wieviel 
verkauftest Du von ihnen im ersten Jahre?« Er antwortete: 
»FünfzigOchsen.« Erfragte: »Zuwievielden Ochsen?« Ersagte: 
»Zu 500 (Piaster).« Er schrieb es auf und sprach: »Im zweiten 
Jahr?« Er antwortete: »60 Ochsen zum Preise von 500; macht 
30,000.« »Viertes Jahr?« — und so auf diese Weise weiter, bis er 20 
ihm 100,000 zusammengezählt hatte, d.h. natürlich mehr, als der 
Preis der Kälber betrug. Dann fragte er (der Richter): »Butter?« 
Jener antwortete: »Im ersten Jahr, 10 Zentner.« »Im zweiten 
Jahr?« »Zwanzig Zentner.« Schliesslich rechnete er ihm 
600 Zentner Butter vor. »Sind wir fertig?« »Wir sind fertigr!« 
Sie gingen hinab und sahen, was die Ochsen wohl weith seien. 
Sie fanden, dass Viel fehlte. Er blieb dreiviertel schuldig, wenn 
der Richter das Vieh nahm. Der nahm das Vieh und forderte 25 
ihn zur Begleichung (der Schuld) auf. Als der Richter ihn auf- 
forderte und die Eieerde nahm, begann Jener zu schreien, wie 
ein Wahnsinniger, — ja, wirklich ! Als sein Geschrei und sein 
Lärm und seine Erbitterung wuchs, kam ein weiser Mann zu ihm 
und sprach: »Mann, was ist mit Dir?« Er erzählte die Ge- 
schichte, gerade wie sie ihm geschehen war. Was sagte der weise 

ü* 



84 W. Christie, 

eläkil? lüllo : flJc hamumte tännl hassil-lak Jiciffark? ladlo: 
30 dahlälla u-dählaJc. ßjje^i- häJlo: lidcU '' allimah hal-Mlme^ 
u-(jeh'a mli Vtelilus hl; Jcid mZi häddä sacdcdc, kül •^färf/a<'-. 
ladl el-heied min mä, sacdo. jelml ^färdaa. räh el "äkü F'^änd 
el-häd'i 1 källo m hcd-insän elll mm-mü salo, h^jekal ^>fär(fa?i- 
hädä meynun, lü Jisbut ''ale^h nizäm. källo: kül wa-cjäjjirl 
35 källo: Jiäzä he'k^ icädda hawioät^ icarähü, gäbo, salo: m 
dawaiak? källo: ■^färgw. <jäivaho däiman hil-fär()a. käl: f)ui 
hishifi '^ale^h^ \ito tärso. kämFi , sdlimo täriso. ruh el "akil 
tajittuh el-hcansmle. (jüioaho : »färi/a « tlet marrät. källo 
waädt-ni int hamsmte. källo: färga. räJi eTäkil lil-kcult^ 
^^ istäkU^ källo: sillimto hamsmiet gärra färga u-lissä mä, däfa 
ll liäkka. icäddau zahttje. källo: Jiädä, mithakkl "ale^'k^ ta 
külim el-käd'i. gäbo ''and cl-käcU, källo : kädZi m^Uifik hamsm\et 
gärra ^ tamn eg-gära kirs? källo färga. källo Mmü faryät. 
alzamxüi jeliutt el-ham&mle. 

XI 

Aus Saffürije (von einem Muhaminedaner\ 

»abuk bncallid«. 

fsärak ed-däba xcan-nimr bU-ßüha. luistarä en-nimr tor 

bäkar wad-däW'' isterü läkara. fsärakü bilfläha ^ wäkkafü 

harrät^ u-där el-harrät_ jihruL limmä hun u-täld el-bedr egä 

ennimr äliaz elfläha kulla^ ical-läkara^ bäharat ed-däb^^\ gäbet ''igle. 

5 kull man ähaz elll laterähit. kZd ennimr: el-igle häjl bint torl. 

hü käl ed-dä¥'^' / kül: häfi bint bakärfi: kül ennimr: el-intü 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. S5 

Mann? Er sprach: »Hast üu 500, damit ich Dir das Vieh wie- 
der verschaffen kann?« Er sagte: »Vor Dir und vor Gott gesagt: '^^ 
die habe ich.« Jener sprach: »Ich will Dich folgendes Wort 
lehren, etwas Andres darfst Du nicht sagen! Was man Dich 
auch fragen mag, — antworte immer: »Leer!« So sagte er denn 
in der ganzen Stadt zu Jedem, der ihn Etwas fragte: ^Leer«. Der 
weise Mann ging zum Richter und sagte zu ihm: »Was ist mit 
dem Mann, der, wenn man ihn fragt, immer antwortet: »Leer« ? 
»Der ist wahnsinnig: das Gericht hat Nichts mit ihm zu thun!« 
Er sprach zu ihm: »Sprich und ändere (Deinen Ausspruch)!« Er 
antwortete: »So ist es!« Und er schickte einen Boten nach ihm. 35 
Der brachte ihn. Jener (der Richter ?) fragte : » Was ist mit Dir ? « 
Er antwortete: »Leer!« — er antwortete immerfort: »Leer!« 
Er (der Vermittler) sprach: »(Die Sache) ist nicht bestätigt gegen 
ihn; gieb ihm sein Vieh!« Sie gingen daran und übergaben ihm 
sein Vieh. Der weise Mann begab sich zu ihm, um seine 500 zu 
fordern. Jener antwortete: »Leer!« Er sprach zu ihm: »Du ver- 
sprachst mir 500.« Er antwortete: »Leer!« — drei Mal »Leer!« 
Der weise Mann ging zum Richter und klagte. Er sprach: »Ich 4o 
gab ihm 500 Krüge — leer, und er hat mir noch nicht ihren 
Preis bezahlt.« Sie schickten einen Polizeisoldaten hin, der sagte 
zu ihm: »Dieser Mann (d. h. der Mann, mit dem du neulich vor 
Gericht warst) bringt eine Klage gegen Dich vor; komm, steh 
dem Richter Rede ! « Sie brachten ihn zum Richter , der zu ihm 
sagte: »Dieser Mann gab Dir 500 Krüge — den Krug zu einem 
Piaster?« Jener antwortete: »Leer«. »Ja«, sprach er (der weise 
Mann), »sie waren leer«. Da zwang man ihn, die 500 zu be- 
zahlen. 

XI. 
»Euer Vater gebiert Kinder?« 

Die Hyäne und der Tiger thaten sich zusammen um Land- 
wirthschaft zu treiben. Der Tiger kaufte einen Ochsen und die 
Hyäne kaufte eine Kuh. Sie betrieben zusammen Landwirth- 
schaft. Sie bestimmten einen Pflüger, und der ging umher und 
pflügte. Sobald der Weizen auf der Tenne lag, kam der Tiger 
und nahm den ganzen Ertrag (der Ernte . Und die Kuh — die 
Kuh der Hyäne — hatte ein Kalb geworfen. Jedes nahm, was 5 
es gekauft hatte. Der Tiger sprach : »Dieses Kalb ist die Tochter 



S6 ^- Cliristic, 

mU bitivcillid, /utzi glihali torl; klim^ tcmruh mthüra '^anä el- 
-h'^senl. ed-däba sähak ejinimr u-hürrafo hil-usid: äliaz ennimr 
jekül hint fort, hällo : ruh räwxcali^ tva bükrä es-sahäh '^a-hühra 

10 hahlür tii alü es-sahäh . reih lin-nimr el-mägrib^ hällo: bükrä es- 
-sabäh m''iträictcah nikdl "and cl-lfsciü. es-mbäh rähü ilnen ta- 
-Jikdü 'a7id el-h''sC'm. el-lfsenl kein jitmässä ßg-gebel. näda 
'alc'h en-nimr, hällo : jä I/sent wäkkif, iännä nikdi '^ändak! hällo: 
änä misfägil. källo : m? fk hin7ü hilmetehi, nihdlhin u-mindäll 

xi, railftn ihnä wa-ijjah. hällo: ahm bncällid. hällo en-nimr : 
a(ßhe, hu ahnh hncäUid? hällo: ahn-l-hisnän : la "^äd förah 
bncällid? '^änft el-igle FsühibJai wa-förah mü bncällid. he^k 
iämmet el-hissa. 



XII. 

Ans Jäfä bei Xazareth 
(von einem Angehörigen der griechisch-katholischen KircheJ. 

»j'ellä /aU'at firtcl, jellä käfat libädl.«. 

Vsärak d-h_''sen'i u-nisr säicä: el-lfsenl rZid inno Je ällim 

cnnisr ezzargän. hällo: jä ahfn ^ mä hcärrif änä illä u-iirkib 

fl dährl tninnsän 'älli?nak ezzargän. rikib en-7iisr fl dähro 

sär jizrug flh minn '^arh sägara l^'^arh sägara, rninn säfha 

5 l'^säfha^ minn möhara l^jy^öhara, hättä imio maat er-ris^ mä, dall 
'^alc'Jt wälä rise. hällo: Jä ahul biddl \'illimah et-te'rän mttl 
mä "allämim ezzargän; mirädl inm ta-Jihsl er-ris u-ällimak 
effeH'än ßg-go ßs-semä. häsä er-rVs. hällo : irhib fl dährl, 
j'übäl-himän. rihib fl dähro. hällo: Vmähhi^i., Jäbtä-hisnän ; 

10 lä früh töha imsih birähbail täjjib. mii>ih birähbato abül- 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 87 

meines Ochsen. ; Was sagte die Hyäne? Sie sprach: :>Es ist 
die Tochter meiner Kuh.< Der Tiger antwortete: ȟas Weib- 
chen gebiert nicht; mein Ochse gebar es; komm, wir wollen hin- 
gehen und die Sache vom Fuchs entscheiden lassen !< Die Hyäne 
ging vor dem Tiger (zum Fuchse) und benachrichtigte ihn von 
der Sache; (sie sagte): »Der Tiger hat angefangen zu sagen: »Das 
ist die Tochter meines Ochsen.« Der Fuchs antwortete: »Geh, 
geh und morgen frühzeitig kommt her, — (also) am Morgen!« 
Sie ging zum Tiger bei Sonnenuntergang und sagte: »Morgen lo 
früh werden wir hingehen und vom Fuchs die Entscheidung be- 
kommen.« Früh am Morgen gingen sie Beide hin, um sich beim 
Fuchs den Schiedsspruch zu holen. Der Fuchs ging auf dem 
Berge auf und ab. Der Tiger rief ihn an und sprach zu ihm: 
»Bleib stehen, Fuchs ! Wir wollen Deinen Schiedsspruch haben!« 
Jener antwortete: »Ich habe Eile.« Er (der Tiger) sprach: »Was 
ist das? Nur zwei Worte; wir wollen die Entscheidung haben 
und werden wieder fortgehen, wir und Du.« Jener antwortete: 15 
»Mein Vater gebiert Kinder.« Der Tiger sprach: »Wunderbar! 
Dein Vater gebiert Kinder?« Der Fuchs antwortete: »Macht 
Das denn Dein Ochse? Gieb das Kalb seinem Eigentümer, denn 
Dein Ochse wirft kein Kalb.« So endete die Geschichte. 



XII. 

»Fix, du Stückchen Fell, — fix, du Stückchen Filz!« 

Der Fuchs und der Adler thaten sich zusammen. Der Fuchs 
wollte den Adler das Stehleu lehren. Er sagte zu ihm: »Bruder, 
ich weiss nicht, wie ich es anders machen soll, als dass Du auf 
meinem Rücken reitest, damit ich Dich das Stehleu lehre.« Der 
Adler stieg Jenem auf den Rücken, und er stahl an ihm von 
Baumstamm zu Baumstamm, von Klippe zu Klippe, von Loch zu 5 
Loch, — bis die Federn alle herausgerupft waren und nicht eine 
einzige an Jenem blieb. Jener sprach: »Bruder, ich will Dich 
fliegen lehren, gerade so wie Du mich stehlen lehrtest. Mein 
Wunsch ist, dass Du Dich mit den Federn bekleidest, und ich Dich 
lehre in den Aether zu fliegen, in den Himmel.« Jener that 
sich die Federn au. Er sprach: »Steig auf meinen Rücken, 
Reinecke!« Der Fuchs stieg auf seinen Rücken. Er sprach: 
»Halte fest, Reinecke! Damit Du nicht fällst, halte Dich fest an 10 



88 ^V. Christie, 

hisenl u-tär f'iigo. kdIJo : ftäl¥'-\ jähül-hhncm^ öü htiif-minn 
ed-dÜ7ije/ hällo: mif minn ed-dunje kadd el-has'ire. '^ällü f'i 
tarn ln'i(J'(i^ källo : fall"^^ jahüJ-hisncm, m mif minn ed-dünje? 
hällo: kUif minna kadd ef-fähak. kamän "alla fth ilä fok 

15 tänno irtafd märrat et-täJet^ källo: iftälla jabid-liisnän m 
mif? källo: sUif minn ed-dimjc knllhU kadd err^glf. kamün 
% tälZi fl märrat er-rähiat limmZi inno mä sUf minn ed-dünJe 
67, källo: iljli idek iva-ic/rek 'dn?ii, Jübiil-Jf smi ^ tänni räjjali 
räkbati hicäjje. ahlä nlo ahü-l-hisjiün. zärag en-nisr min?t 

20 taht\jo. uäka iva-Jni nüzil sär jekul ähü-l-himän: Jellä käfat 
find, jellä kät\it libäd'i ! Itättä xcäka ahTi-l-hiiinän, t'kässir. 

iiieinem Hals!« Der Fuchs umfasste den Hals Jenes, und Jener 
flog in die Luft empor. Er sprach: »Schau, Reinecke, was siehst 
Du von der Welt?« Er antwortete: »Ich sehe die Welt so gross 
Avie eine Matte.« Er erhöh sich ein zweites Mal mit ihm und 
sprach: »Schau, Reinecke, was siehst Du von der W^elt?« Er 
sagte: »Ich sehe sie so gross wie ein Präsentierhrett. « Wieder 

15 flog er höher, zum dritten Mal aufsteigend, und sprach: »Schau, 
Keinecke, was siehst Du?« Er antwortete: »Ich sehe die ganze 
Welt so gross wie ein Brot.« Noch einmal stieg er in die Höhe 
mit ihm, zum vierten Male, bis er Nichts mehr von der Welt sah. 
Er sprach: »Lass Deine Hände undFüsse von mii los, Reinecke, 
damit mein Hals ein wenig ausruhen kann!« Der Fuchs nahm 
seine Hand (vom Halse des Adlers weg). Der Adler stahl sich 

20 unter ihm weg. Jener fiel hinunter, und während er fiel, sagte 
er immerfort: >Fix, du Stückchen Pek, — fix, du Stückchen 
Filz!« So stürzte der Fuchs schliesslich auf den Boden und 
w^urde zerschmettert. 



Der Dialect der LandbevölkerunK des mittleren Galiläa. 



89 



Grammatische Bemerkungen. 



Lautlehre. 

§ I. 1. Einleitung. 

Die Konsonanten werden im Ganzen in unserer Gegend gut 
ausgesprochen (cf. Landberg, Proverbes et Dictons XLIII), d.h. 
abgesehen von den Vertauschuiigen und Veränderungen, welche 
wir betrachten wollen, haben sie die klassische Aussprache. 
Transki iptionstabelle : 



s 




ö 


d 


D-^ 


d 


^ 


k 


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h 




d 


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h 


t 


h 


L>^ 


s 


d 


hq 


l5 


j 



2. Das Vokalsystem ist viel umfangreicher als das der klas- 
sischen Sprache. Die Vokale unsres Transkriptionssysteras haben 
denselben Werth wie im Deutschen oder Italienischen. ^V, ö, //, 
wie im Deutschen. Mit ' Avird ein kurzer Nachschlag nach e be- 
zeichnet; mit "■ und '^ die allerkürzesten Vokale a und e. . 



§ II. Consonantische Vertausehungen und Veränderungen. 

\ 

1. Das eigentliche Hemza (siehe sub 2G u. 30) ist in der 
modernen Sprache so sehr verändert worden, dass man selten 
mehr als einen leichten Hauch von ihm hört. Thatsächlich ver- 
schwindet es im Begleitvokal z. B. in ämar II, 2, räsak III, 27. 

2. a) Prothetisches Alif ist sowohl als Träger des Hemza wie 
als Stütze eines Vokals in einigen Fällen im Anfang eines Wortes 
geschwunden, z.B. hrik »Wasserkrug« (über ganz Galiläa), 6/l-/m/e 
»niedriger Tisch« \jühTi Hl, 11. 



9(j W. Christie, 

b) Das ist fast durchgängig der Fall bei der (pluralischen) 
Form aflüi z. B. h'zäz V, 12, z'^Umi IX, 1, ¥wäto »seine Brüder« 
(Hattin), snun V, 10, hüab VI, 8. 

c) In einigen Fällen verschwindet es beim Artikel, z. B. 
nuss-lihr »die Hälfte des Andern (Räme). 

3. In unserem Dialecte sind epenthetische Vocale nicht 
selten, z. B. azgir IV, 2, ekür VI, 1, isTi IX, 10, ikl (Dschor'än), 
ifhi'mt X, 5, Hak III, 24. Das Wort im kann jedoch als grössere 
Annäherung an die ursprüngliche Form betrachtet werden, die 
aus eis-hu § IV, l kontrahirt worden ist. 

4. Das Hemza wird zuweilen in unserni Dialect ausge- 
sprochen, wo es in der klassischen Sprache nicht bezeichnet wird, 
z. B. la' III, 25. 

5. In 'Alma wird Hemza zu ^\in verstärkt in dem Wort 
Jiuah »eine Krähe«. 



ü. >_j wird in der 1. Fers. Flur. Imperf des Verbs aus 
euphonischen Gründen zu m vor dem Personalpräfix n^ z. B. 
m^nräicwa], ^\, il, mhtdäll 'S.!, 15. 

7. In dem Wort hülad »Stahl« bevorzugt unser Dialect b 
als Ersatz für persisches p, wogegen die Litteratursprache in 
diesem Fall / annimmt. 

ö 

8. ö verliert sehr oft die Spiration im Wort- oder Silben- 
anlaut und bisweilen auch an anderen Stellen des Wortes ; aber 
im Allgemeinen bleibt die Neigung zur Spiration um so mehr, 
je weiter wir von den Küsten ins Innere unseres Gebietes kom- 
men, bestehen: kHJr II, 4, t'kaftaru I, 3, ha cd III, 16, eJdjr VI, 1, 
7nitl VIII, 6, Mtro X, 9. 

9. o wird ausgesprochen Avie s in lähas II, 13, und X, 37 
hatte das s in bishiü eine geringe Aspiration erhalten. Wahr- 
scheinlich wurde das aber durch Einwirkung des auslautenden 's 
bewirkt. 

10. ö wird ausgesprochen wie s in den Wörtern säni »Zwei- 
ter«, salis »Dritter« und slimin »Achter«, — besonders von den 
Muhammedanern in und um Safed; doch man hört diese 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 91 

Veränderung auch anderswo X, 22. Man beachte denselben 
Wechsel injishut X, 34. 

11. o wird wie t ausgesprochen in dem Wort tdr XT, 1 ö. 
Dieser (regelwidrige) Consonantenwechsel ist insofern inter- 
essant, als er die Möglichkeit darbietet, den arabischen Namen 
des Tabor aus "^IDri abzuleiten. 



12. Nur in dem Worte haicägü hat ^ den Klang des ital. g 
in generale (deutsch: dsch). Sonst lautet _ wie das franz. y. 

13. ■r wird durchgängig als ein Sonnenbuchstabe behandelt, 
z. B. eg-yo" IX, l^ßg-gebel XI, \.2,ß(j-gö XII, S. 

14. Es Avird wie d ausgesprochen in dikmrö V, 13; wie 's in 
iktärr »wiederkäuen« (in ganz Galiläa) und bisweilen in wis, 
Gesicht (cf Hartmann, Arab. Sprachführer 2 196). 



o 

15. 4. wird zu h erweicht iti haraJc »zerreissen« (*^Almä). 

16. Geradeso wie j (siehe sub 8) gesprochen, z.B. a/jad 11, S, 
ßhud VIII, 4, kädä II, 10, hedä VII, 3, ed-dib IV, i.fäcldiu V, 2, 

dahalni IX, 7. 

17. In vielen Wörtern wird 3 wie z ausgesprochen, z. B. 
'ä%ziu V, 1, anzär-laim X, 2, luizZi X, 13, l^zato III, 25. 



m 



\j* 



18. (ji, wird stets zu s in dem Worte sdga7'a{llj 25, 33; XII, 4); 
manchmal in le''s (II, 12). Bei den arabisch sprechenden Juden 
von Tiberias ist dieser Lautwechsel im Hebräischen wie im Ara- 
bischen sehr häufig. 



LH» 



19. L>^ wird zu z in azgrr IV, 1 und dessen Deminutiv azgäir 
(cf. Syr. ?Q^l); zu s in den Wörtern saräml III, 20, sufe^ra »eine 
Pfeife« ; und sus »Küchlein « (Nazareth). 



92 W. Christic, 

20. ij^ ist oft niclit zu unterscheiden von dem schwächeren 
r/undxr; so fanden wir alle diese drei Formen vor: behl, be^d^ 
Wz »Ei«. In Rumeisch wird d mit d verwechselt, aber das 
kommt von der lierührung mit dem benachbarten Metäweli- 
dialect. 



21. Das ursprüngliche Jj kommt nicht vor. Die gewöhn- 
liche Aussprache ist ~, aber es wird zu d in duhr »Rücken« XII, 
3 (bis) und duhr »Mittag«, 

t 

22. In einigen Wörtern wird dieser Laut so sehr erweicht, 
dass er ganz in seinem Vokal verschwindet: ma-hum III, 2, ma-o 
(Herrije), ärha IX, l, ärhai IX, 2, endör (Robinson's Biblical Re- 
searches III, 225i, obgleich keineswegs immer im letzten Fall. 

23. Wenn c mit den Endungen //«, hum und hin zusammen- 
trifft, finden wir statt 7/ sehr oft Z///, z. B. rnäh-hu II, 32, mäh-ha 
\, 5, mäh-hin IX, 4. Ein anderes Beispiel dafür findet sieh I, 6. 
^ wird wie // aiisgesprochen in rahV^h »Weide«, während es als 
y erscheint in ganilh IV, 3. 



' 24. i wird in Jäfä bei Nazareth zu k in dem Wort mokara 
XII, 5, während es überall wie // gesprochen wird in sämah 
»Gummi«. In Räme hörten wir es sogar zu Vocal geworden in 
istäufar ällä »Gott verhüte!« 



25. Wir finden häufig, dass o im oberen Galiläa Avie / aus- 
gesprochen wird in den Wörtern iamm VI, 4 »Mund« ialim 
»Holzkohle«; und manchmal \\\ fahm »verstehen«. Im unteren 
Galiläa Averden dieselben Wörter mit einfachem t gesprochen. 

c3 

26. / ä wird an der nördlichen Grenze unseres Gebietes und 
in der Nähe der grösseren Städte häufig wie Ilemza ausgesprochen. 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 93 

Wir geben diese Aussprache durch </ wieder, z. B. qaiüicijü I, 1 , 
Jiqta II, 3, qaacl III, 17. 

27. In Nazareth und dem benachbarten Jäfä wie in den 
Dörfern längs der südlichen Grenzen unseres Gebiets wird k 
häufig wie hartes g ausgesprochen, was von der Berührung mit 
den Beduinenstämmen in der unmittelbaren Nachbarschaft her- 
rührt. Beispiele für diese Aussprache haben wir in zargün XII, 
2 u. ö., jiznig XII, 4, zärug XII, 19. lieber ganz Galiläa ver- 
breitet ist dieser Laut in den Wörtern "igäl ; Kopfschnur« und 
zu?iäg *Zaumkette« oder »liiemen«. 

28. In Nazareth und Jäfä wie in dem Bezirk zwischen 
el-Mekr und Schefä "^Amr wird k wie k ausgesprochen, z. B. källo 
XII, 13,/ö/i;XII, 14, kadd'XU, 12 u. ö. Nur in Nazareth und 
Jäfä findet sich da eine wirkliche Verwechselung zwischen k 
und /-, da in dem Schefä 'Amr-Gebiet das k verschieden aus- 
gesprochen wird (siehe sub 30). Die Nazarether wollen diese 
an sie gestellte Zumuthung nicht acceptiren und nennen diese 
Redeweise lugat en-nmcün »die Sprache der Frauen«. 

29. k wild in ganz Galiläa wie g ausgesprochen im Perfect 
und activen Particip von yXi cf. X, 10. 

30. /*; wird in den Dörfern zwischen Schefä "^Amr und el-Mekr 
yvie Hemza ausgesprochen, z.B. ^Iflean »Wie war es da?« 

31. An der südlichen Grenze, wie auch zuweilen in Nazareth 
und Jäfä, wird q wie iscli bei den Beduinen ausgesprochen. So 
hat man uns das Wort hlJmn speciell nazarethisch als hätschim 
vorgesprochen. Man muss jedoch beachten, dass dieser Laut nie 
in einem pronominalen Suffix, erscheint. Wir hörten stets 
tchelbak »dein Hund«, aber nie ein lleispiel dafür, dass die Suf- 
fixe verändert gesprochen wurden. In ed-Dschlsch hörten wir 
die Aussprache ähbar für äkhar. 

32. Auf dem ganzen Gebiet finden wir, dass J zu r geworden 
ist inj'ä reH IV, 5, wie auch in i'rtimbü »Pumpe« ; zu n ist J ge- 
worden in hanöru »Lampencylinder«, zu m in emlärih »ge- 
stern«. 



94 AV. Christie, 

O 

33. n Avircl vor h wie m gesprochen, z. B. <jamh III, 21; es 
wird im Wortauslaiit stets verdoppelt in minn I, 4, "^aww II, 14, 
inn II, 17, 



34. »als vorgesetzte Conjiinction wird oft als u gesprochen, 
z. B. u-fädalü I, 5, w-kifro X, 9, «-för XII, 11. Der Gebrauch 
von iva- und « richtet sich grösstentheils nach dem Geschmack 
des Einzelnen, aber wenn die Verbindung mehr als eine blosse 
Vereinigung sein soll, wird natürlich das schwerere ica- ge- 
braucht, z.B. hu ivas-salihlj'e 1, 1, worin eine Unterscheidung, ja 
sogar ein Gegensatz der Parteien enthalten sein soll. Die Con- 
junctioii ti liefert uns ein Beispiel dafür, dass eine Silbe mit einem 
Vocal beginnt; aber man wird sub 1 gesehen haben, dass Dies in 
der modernen Sprache nicht so anstössig ist, wie in der alten. 



35. Wegen des Uebergangs des // in // cf. oben sub 23. 

§ III. Vocale. 

1. Wenn man das Vocalsystem unseres Dialects studiren 
will, muss man zuerst und am Meisten auf die Unterscheidung 
der sogenannten starken und schwachen Consonanten achten. 
Man kann diese Classen am Besten unterscheiden bei der Prü- 
fung der nominalen Feminineudung, denn d'en Vocal der letz- 
teren finden Avir von anderen Ursachen nicht beeinflusst, und 
daher auch in vollkommener Regelmässigkeit. Die erwähnte 
Endung lautet also e bez. a: sürrije 11, 7, '^adcile II, 18, segyäde 
III, 28, änze IV, 1, hürme V, 2, niJde V, 3, kinne VI, 9, 10, '^ag'ihe 
XI, IG, rise XII, G; e in (jaliza II, 34, harfa III, 14, (jamilpa IV, 3, 
ßciha XI, 1, liissa XI, 18, säijara XII, 4, tcisha »schmutzig«, he^da 
»Ei«, sariUta »Lumpen«. 

Vergleicht man diese Wörter untereinander oder mit jedem 
andern Beispiel in unserm Dialect, so findet man also, dass der 
Vocal der Endung, ungeachtet der Länge, des Accentes oder 
Baues eines Wortes, nur von dem vorausgehenden Consonanten 
abhängt, und daher können wir folgern , dass die Mehrzahl der 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 95 

Consonanten die Femininendung auf e annimmt, dass aber //, A, 
r, .?, (/, /, ?, ^, Cj lind /• die schwerere a-Endung verlangen und des- 
halb wohl starke Consonanten genannt werden können. 

2. Bei der Conjugation des Verbs Avird die 3. Pers. sing. fem. 
im Perfect aus der Masculinform auf ähnliche Weise gebildet, 
und zwar bevorzugen im modernen Dialect die schwachen Con- 
sonanten et^ z. H. qület II, 7, hähhet V, 6; die schwereren Conso- 
nanten verlangen at ^ z. B. hämarat IX, 15, hähhurat V, 3, rähat 
»sie ging<:. Für den ersteren Theil der Regel [et] giebt es einige 
Ausnahmen, z. B. ha^ät's IX, 6, wo der Accent auf der doppelt- 
geschlossenen Silbe einen stärkeren Yocal als das regelmässige e 
erfordert. 

3. Eine Prüfung des Verbalstamms im Perfect ergiebt eine 
viel grössere Mannigfaltigkeit an Vocalen, als die geschriebene 
Sprache sie zeigt. Unsere Beispiele legen dar, dass die Natur des 
Verbs (transitiv oder intransitiv, keine Wirkung auf die Wahl 
des Vocals oder der Vocale ausübt, vgl. baat^^ 2, ahad il, 8, 

fädal, qaadlll, 17, rir/a IX, 12, u-äha XII, 20, und ferner 
legen unsre Beispiele dar, dass man über die Vocalnüancirung 
keine absolute Regel aufstellen kann, da Vocale häufig (manch- 
mal sogar bei einem und demselben Individuum) verschieden ge- 
sprochen werden, vgl. ^m^7 II, 32, xoihil II, 40, Jäqü II, 29, liqjTi 
II, 33, qätUü I, 6, qütilü, täli^" II, 9, täla V, 13, fiiliü II, 29, 
iüldti IX, 2. 

4. Wir können bei der Verbalconjugation jedoch im Allge- 
meinen die Beobachtung machen, dass starke Consonanten eine 
entschiedene Vorliebe zeigen, den schweren Vocal a in ihrer 
unmittelbaren Nähe zu haben, wir können noch bestimmter 
sagen, dass der starke Consonant fast durchgängig mit einem 
schweren Vocal verbunden ist, wenn er im An- oder Auslaut der 
Verbalwurzel steht, z. B. riga IX, 12, dähali IX, 5, 'ämil 11^ 21, 
ffäsil IV, 4, (jämiz V, 2. Ferner folgt im letzteren Fall das Perfect 
gewöhnlich dem /V/a/-Typus, wie in ämar II, 17, sähaJi VI, 8, 
vxilid XII, 20; dasselbe finden wir bei den Verben, deren mitt- 
lerer Consonant stark ist, z. W. fädal I, 5, hdat I, 2, ähad II, S, 
qdad III, 17. 

5. Eine Prüfung des Imperfects wird sogar noch eine grössere 
Unregelmässigkeit, als sie das Perfect aufweist, zeigen. Man hat 
versucht, für die Vocale dieses Tempus in modernen Dialecten 



96 . "^V. Christie, 

Regeln aufzustellen, aber man kann keine geben, die nicht zahl- 
reiche Ausiuihmen zuliesse , ■wenigstens was unseren Dialect an- 
geht. Der Grund dafür scheint darin zu liegen, dass sich hier die 
Vocalisation ]iach drei verschiedenen Principien richtet, die in 
einigen wenigen Italien gleichzeitig wirken. Und zwar sind hier 
ins Auge zu fassen: «) die dem Tempus eigenthümlichen Vocale, 
wie sie durch die Form des Perfects bestimmt werden; ß) die 
Veränderungen^ die durch die Gegenwart starker Consonanten 
veranlasst werden; y) Veränderungen, die durch das Gesetz der 
Vocalharmonie veranlasst werden. Anwendung: a) Nach unseren 
Voraussetzungen sollte der erste Vocal i, der zweite ?e und i sein 
bei den Verben mit Perfect von der Form qätal, oder er sollte a 
sein bei den Verben der Form kirih (z. B. mär ah ^ jimruh III, 12, 
zärag^Jizrng XII, 4, 7iiziJ^ iinzal III, 5). ß) Dieses Princip kommt 
aber nun sehr oft nicht zur Geltung, sowohl in Bezug auf den 
ersten als auf den zweiten Vocal, — eben wegen Gegenwart eines 
oder mehrerer starker Consonanten, die einen «-Laut verlangen, 
Avo die regelmässige Vocalisation diesen nicht ansetzt (z. B.j'ikia 

II, 3^ja//dar II, 20, täksim X, 15). y) Als Beispiel für Vocalhar- 
monie kann man ansehen tirJdb XII, 2, nikdir III, 3. 

6. Weiteren Einfluss starker Consonanten kann man sehen: 
a) in der Neigung einen kurzen «-Laut (cf. hebräisch Pathach 
fürt.) zu entwickeln vor auslautendem " oder/?, z.B. simi^^" III, 2 1, 
Hi'^' III, 6, r/aö'" XI, 9, n"Ä VIII, 4, rahH § II, sub 23; ß) im 
Vocal der präpositionalen Präfixe b vuid l in Fällen wie hassidr 

III, 19, haffeh- 11,31; /) in vielen einzelnen Wörtern, z.B. sfinduk 
»Büchse«, laJckise »spät« (Saffurije): handll »Lampe« , /arc/ils 
»Paradies«, hanzir »Schwein«. 

7. Man wird an den letzten drei Beispielen gesehen haben, 
dass unser Dialect den ursprünglichen Vocal beibehält, und eine 
eingehende Prüfung zeigt Avirklich, dass in der Mehrzahl der 
Fälle die starken Consonanten einfach eine erhaltende Wirkung 
auf die ursprünglichen Vocale ausüben, die in derNähe schwacher 
Consonanten das Bestreben zeigen, sich zu verändern. Für diese 
Veränderungen giebt es noch in verschiedenen Wörtern Bei- 
spiele, wie (jidd »Grossvater«, hiidrc »früh« (SafFürije), 7ie(jd\^ 2, 
^V/I, 3. 

S. Der Diphthong cm findet sich in unserm Dialect in sehr 
wenigen Wörtern. Fast die einzigen Beispiele sind: haudak 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 97 

/madlk IX., 3, /aw III, 25, amval, bez. aivwal X, 17. Ander 
nördlichen Grenzlinie unseres Dialectes finden wir ihn , in 
Folge der Berührung mit den nördlichen Dialecten, bisweilen in 
andern Wörtern, z. B. daur U, 20, daulet III, 1; aber selbst da 
kann man, wie in unserem ganzen Gebiete, eine entschiedene 
Abneiffuno- gegen diesen Laut wahrnehmen , der daher sehr oft 
zu einem geschlossenen o wird. Das ist der Fall in dölet III, 3, 
Jörn III, 1, hon III, 20, {/dz V, 4, eggo" IX, 4, för XI, 1, fdk 
XII, 14. 

9. Denselben ö-Laut findet man in dem Gebiete, das sich 
von Käme bis Nazareth und Tiberias erstreckt, als den ersten 
Imperfectvocal der Verben äkal und ähad, z. B. ta-Jökulü IX, 5, 
¥jöhuz X, 25 ; vgl. auch das Substantiv TjJd IX, 1 1. Zu bemerken 
ist jedoch, dass die Aussprache dieses o verschieden ist; in Tibe- 
rias lautet es viel kürzer als in Nazareth, wo wir es auch wieder- 
holt bei anderen Verben gehört haben, z. B.j'öktil er tödtet«. 
Uebrigens finden wir sonst in Galiläa bei den erwähnten Imper- 
fectformen das gewöhnliche e, z. B.je/md VIII, 4. 

10. In gleicher Weise findet man den Diphthong ai der 
nördlichen Dialecte selten in Galiläa. Hauptsächlich erscheint 
er in Wörtern wie majjit II, 6, häjje II, 34 u. ähnl. Fällen, wo 
durch Position und Accent der stärkere vocalische Laut erforder- 
lich wird. In unserem Bezirke ist die gewöhnliche Aussprache 
die eines geschlossenen e mit einem scliAvach hörbaren nach- 
schlagenden i\ wir transkribiren folgendermaassen : te^r II, 30, 
jä re'tak IV, 5, se^ll VII, 2, badeJn VII, 6, hl'ie VIII, 9. Wegen 
einer anderen Ansicht über diesen Diphthong s. Landberg, Pro- 
verbes et Dictons p. 309. 

11. Bei Betrachtung des ü sei bemerkt, dass Graf Landberg 
dessen Existenz im Arabischen leugnet (1. c. p. 97), dass aber die 
Einwohner von Nazareth gleichwie die Bewohner anderer Orte 
von Galilia diesen Laut sehr wohl kennen; vgl. f///w/eXII, 12 ö,, 
küll/iä XII, 16, silrnje II, 7. 

12. a] Wenn der Vocal einer kurzen offenen Silbe in der 
Paenultima oder Antepaenultima vor einem langen betonten Vocal 
steht, so wird er sehr oft zu einem blossen Schwa verkürzt, z.B. 
¥san III, 5, n"Iiär V, 4, h'rruU IX, 9, Ifsßm XT, 11. 

ß) Ferner findet ein ähnlicher Vocalschwund regelmässig 
statt in Nominalformen, die mit 77iu (in off'ener Silbe) beginnen, 

Ztschr. a. Pal.-Ver. XXIV. 7 



95 W. Christie, 

z. H. m'^sähhar III, 5, nffärrah II, 27, m'^ftikas II, 26, m'^häjjin 

II, 31. 

/) Bisweilen geschieht es auch in dem Vocal des formbilden- 
den Präfixes in der V. und VI. Conjugation, z. B. fhättarü I, 3, 
fhäddado II, 12, fmrak XI, 2 ii. XII, 1. 

ö) Häufig findet sich Dasselbe beim Vocal des Personalprä- 
fixes im Imperfect des Verbs (besonders in abgeleiteten Conjuga- 
tionen), z. B. frt(h XII, XO^fbäj'ßn II, l^fäddin V, 2. 

£) Ebenso auch bei dem im Imperfect der Verba vorge- 
setzten &, z.B. Iftehud »du nimmst«, h'jifluho 111,0, Wjiklü IX, 5, 
hyölmz X, 25, m^nihdir III, 3. 

t) Der Vocal der präpositionalen Präfixe wird auch zu- 
weilen ähnlich verkürzt: h'rähna II, 2(), Vhüm , Vgad IX, li, 
k'^hatlürs X, 11. 

13. Zwei andere Beispiele, in denen ein kurzer Vocal 
manchmal ausfällt, mögen hier erwähnt werden: or) der zweite 
Vocal im Perfect der Verben der Form /a""«/, z. B. kad III. 11, 
aal III, 23, ha Im I, 5; ß) im Status constr. der Vocal der Feminin- 
endung [at]^ wenn Pronominalsuffixe darauf folgen, z. B. bakärü 
XI, 9, leHiak »deine Nacht«, saldo »seine Gesundheit«. 



§ IV. Verkürzungen, 

Eine Prüfung der Verkürzungen ergiebt, dass sie vor- 
kommen: 

1. Bei Zusammensetzungen mit hl >ein Ding« XII, IS, die 
folgendermaassen gebildet werden: müs^^ 10 »nicht« = mä -+- 
1m-\-si\ e\s was?< (auch in kadde^s »wieviel?« X, 17) aus ai 
-4- sl welches Ding?« Von e^ä wird dann abgeleitet le'^s vvozu?^ 
»warum?" II, 12 und &a -{- hü = .v/1 VIII, 4 »was?« Ebenso 
seHi VII, 2 aus sl und lä\ mlifU II, 7, VI, 7, es giebt Nichts 
ist bekanntlich = ^^ x^s U\ Das in negativen Ausdrücken ge- 
brauchte 6- (wie franz. pas) ist auch dieselbe Verkürzung aus */, 
z. B. Uis II, 20, mZi kuntM VI, 10, mZi hihallm II, 21. 

2. Beim Kelativpronomen ('llt II, 35, das mit Präpositio- 
nen etc. zusammengesetzt wird: hälll II, 22, icäUl II, 3, ?nä'^l/i 
»mit welchem (Berrije), \(11'k »worauf« (ib.). 

3. Bei gewissen Präpositionen, wenn sie mit andern Wörtern 
verbunden sind, z.B. m^nällak II, 12, aus mm -f- ebi -f- lak, vgl. 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 99 

mitiatilak und minnina ^ die sich auch finden, "a-stämhul III, 0, 
h&nä VIII, 8. 

4. Bei einigen anderen Ausdrücken, z. 11 issä »jetzt« I, 5 für 
es-saah^ lissä V, G, X, 40 für lü-issu. — Sonstiges Verwandtes: 
jellä II, 31 u. Xli, Ueberschr., sicherlich nus Jä-ä/Iä, da wir jä 
rähbi als vollkommenes Synonym finden ; hal III, 1 u. II, 39, sowie 
X, 7 (bis) für hädä -\- el heisst ursprünglich » dieser , aber bisweilen 
hat es einfach die Bedeutung des bestimmten Artikels des Deut- 
schen. Wir dürfen es nicht irrthümlich als blos primitive Form 
des Artikels ansehen (üavidson's Hebr. Gramm., p. 29). 

§ V. Umstellungen. 

Von solchen sind uns folgende aufgestossen'.j^i'jMf/, uqud III, 
19u. 20, (jöz Va. V. O., ii/rek XII, 18, hatanl »er sandte mich« (ed- 
Dschisch), bahaf für habat fiel« (von einem Haus gesagt, Safed), 
wasa für säuwa machen (^\räbe); dahal für hadal > das Dach 
walzen <-, zakkaf für saffuh in die Hände klatschen«, zahal Kxx 
zalah schlüpfen, gleiten (in ganz Galiläa). , . 

§ VI. Quantität der Voeale. 

Zur Bezeichnung der Länge des Vocals wenden wir einen 
Strich über den Vocal an (also ä, e, ^ etc.). Im Allgemeinen ist 
die Quantität der Voeale unseres Dialects die der klassischen 
Voeale. 

§ VII. Accent. 

1. Den Accent (wir bezeichnen ihn durch ') kann nur eine 
der drei letzten Silben haben. 

2. Ist die letzte Silbe lang und geschlossen, so trägt sie den 
Accent, z. B. biladl, 4, \dc'h I, 1, sarifl, 2. 

3. Ist die Endsilbe unbetont und ist die vorletzte Silbe 
lang und offen oder kurz und geschlossen, so hat die vorletzte 
den Accent, z. B. masärt II, 4, jdhum II, *d^ rahme II, 18, häddä 
II, 27. 

4. Wenn weder die letzte noch die vorletzte Silbe Anspruch 
auf den Accent haben, so liegt er auf der drittletzten (niemals 
jedoch kann er auf eine vorgesetzte Partikel fallen, als solche be- 
trachten wir jedoch die Pronominalpräfixe im Imperfect der 



100 



W. Christie, 



I, Form nicht), z. B. nasira X, 5, mmarat IX, 15, gälabc IX, 14, 
JaJp-uf V, \\,jih(Ur V, \^Jih\it IT, 24. 



§ VIII. Das Verbum. 

1. Bei der Vergleichung des Verbs in unserm Dialect mit 
dem der klassischen Sprache sehen wir: a) Es giebt keinen Dual 
im Verb (XI, 1 1 ö.); b) im Plural giebt es keine Femininformen; 
c) die kurzen vocalischen Endungen sind abgefallen und d) ebenso 
einige consonantische Endungen (V'll, B). 

2. Im Sinne des Vorhergehenden mögen die folgenden 
Durchschnittsformen des Verbum finitum betrachtet werden : 

Sing. Perfect. 

3. m. I räkacl II, 35, icusil II, 40, ^/m//II, 21, misik kätah 
\ XII, 10 
saulet IV, 1, killet IX, 7, hämai'at IX, 15 kätabat 
hakdmt III, 26, häläft III, 27 katäbt 

künü VI, 10 katäbü 

(jasilt IV, 4 katäht 



3. f. 
2. m. 

2. f. 
1. 

Plur. 
3. 
2. 
1. 

Sing. 

3. m. 
3. f. 
2. m. 
2. f. 
1. 

Plur. 
3. 
2. 
1. 



2. s. m. 
2. s. f. 
2. p. c. 



haatu III, 4, kaadu IX, 2, däbahu IX, 5 
uie^n rühtü entü (Safed) 



halasna X, 23 



Im perfect. 

Jähijar II, 2i},ßnzil II, 21, byoljuz X, 25 

tikdum IX, 11 

iinzil lll, 6, täksim X, 15, h^tehkVs IX, 31 

tismdl VI, 9 

uqud III, 20, ahdum X, 4, dksim X, 4 

byiklTi, biswü IX, 5, jädbalni IX, 4 

bitktäü IX, 11, /ö'/ImZw IX, 14 

nemfWl^ 1, w/MZ XI, 11, tyiindällHl^ 14 

Imperativ. 

M«6 XII, S, dür VI, 1, ehkl III, 18 

waädi V, 3 

s?i//l II, 29, n7/^;7 II, 31 



kätabü 

katäbtü 

katäbnä 



jektuh 
iektub 
tektub 
tektuhi 
ektub 

jektubn 
tektubü 
nektub 



ektub 

ektubl 

ektubü 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 



101 



II. 
III. 

IV. 

y. 

VI. 

VII. 

VIII. 

IX. 



3. Abgeleitete Formen. 

dällal II, 4, \irrad II, 13 
bi//addl II, 30, Juhas'sim III, 12 
tälibo X, 1h, färäkto IX, 15 
Jifäliho X, 26 
ähcwi IX, 4, anzärt X, 18 
jäh für 

fküttarn I, 3, fhäddud 11, 12 
jatfärrcuj IX, 16, m*'tahhar X, 9 
fhärah I, 1 
nitsärd XI, 7 
inhäzamü, inhizimii (Beriije) 

i(jtamd III, 2, isterä XI, 2, isjädnä 
Jistädü IX, 2, V^istert II, 7 
istämjad I, 2 
mint agil XI, 14 



ktitlah 

Jekättib 

kätah 

jekMib 

äkfah 



fkättah 

jetkättih 

t^ kätah 

Jetkätih 

inkätab 

jinkatib 

iktätah 

Jiktätib 

üiäkfab 

jistäktib 



Imperativ. 

4. Der Imperativ richtet sich im Vocalismus nach dem Im- 
perfect, z. B. väkkif XI, 13, ist\i(/il\ däwwar VIII, 2, rawioah 

XI, 9 ; vgl. sub § III, 5/:^, sowie sub 8. 

Participien. 

5. a) Die activen und passiven Participien werden declinirt 
und in jeder Beziehung wie Adjective behandelt, z. B. 7iazil 

XII, 20, ä7iä müs (jädira (Saifürije) »ich bin eine nicht Könnende«, 
dair'm IX, 2. 

b) Zur Verkürzung der Vocale der ersten Silbe (§ III, 12/^) 
ist hinzuzufügen, dass in den activen Participien der Formen II 
und III, das Endungs-/ häufig zu a wird; also: nffärrah II, 27, 
m^fükas II, 26, m'^särat VIII, 7. 

c) Der Vücal der ersten Silbe des activen Particips in Form X 
ist i, z. B. mist^ ä(jil XI, 14. 

G. Passiv. 

Zur Mannigfaltigkeit des Vocalvvechsels im Verb (§111, 3 — 5) 
passt der Vocalismus des klassischen Passivs schlecht; daher 



102 W. Christie, 

müssen diese Formen durch andere Mittel ausgedrückt werden. 
Gelegentlich werden die abgeleiteten Formen gebraucht, wie 
i'^/msstr XU, 21 (cf. auch Haktmann, Sprachführer p. 21 über 
Formen VII u. VIII), aber sehr häufig wird das passive Particip 
mit oder ohne das Hilfsverb gebraucht, wie dnä snärn m'Mllaa 
V, 14. 

7. Formenwechsel. 

Gelegentlich finden wir, dass dem Klassischen gegenüber 
andere Formen eintreten, z. B. unzart X, 9: IV für II ; nizü II, 3 : 
I für IV; 'ärradü II, 15: II für IV; \ilMmt XII, 7: II für IV; 
Jähtur V, 4: IV für I; häjßd > weissen : II für IV; das Letztere 
kommt selten vor. Da die IV. Form selten ist, wird das Causa- 
tivum durch II ausgedrückt, oder noch gewöhnlicher durch das 
Verb hällü in Verbindung mit dem Imperfect des Verbs, z. B. 
halleH hal-hajje tekulaJc III, 28. 



8. Bemerkungen über die unregelmässigen Verben. 

a) Verba geminata und solche, die auf einen der schwachen 
Consonanten endigen, werden in allen Personen des Perfects 
ausser in der 3. sing, und 3. pl. so conjugirt, als ob sie Verba 
tert. semiv. der II. Form wären, z.B. halleHo IV, 5, halUhiä (Ber- 
rije), likeHo IV, 2, saimve't IV, 4. . 

b) Bei den Verba tert. semiv. (mit eigentlichem oder uneigent- 
lichen ^) sehen wir das ^ in der 3. plur. manchmal gerade so 
behandelt, als ob es ein starker Consonant wäre, z. B. quwwijü 

I, 1, Ukjü II, 33. 

c) Verba mit . als erstem Iladical behalten diesen Buch- 
staben manchmal im Imperfect, und vocalisiren also z. V).:jihal 

II, 23. Gelegentlich jedoch finden wir die gewöhnliche Form 
neben dieser Modifikation, z. B. ///t-a/' III, 20. 

d) Die moderne Sprache liebt den kurzen, wenig nachdrück- 
lich klingenden Imperativ nicht, den einige Verba (besonders die 
prim. u. sec. ►) haben, und es müssen deshalb verschieden Mittel 
anarewandt werden, um nachdrücklichere Formen zu liefern. So 
finden wir von icäkaf im Imperativ die II. Form gebraucht: 
vmkJtif XÄ, 13; u-äzan »wägen dagegen verlängert den Vocal 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. ] 03 

des Imperativs, und bildet zJn und darnach die anderen Teile 
des Verbs, als ob es ein Verb. med. ,^ wäre: azm, zint; von uaad 
haben wir tcaädi V, 3, und ähnlich besitzt unser Dialect Formen 
wie: ivasäl, icaijäd toada und isäl. 

e) Die Verba med. semiv. behalten den langen Vocal im 
Imperativ; daher finden wir Imd VIII, 5, ktdYL^ 8, h'ül X, 34, 
rlili XI, 9. 

f) Selbst das regelmässige Verb zeigt eine Vorliebe für lan- 
gen Vocal im Imperativ und lässt gern das anlautende Alif ab- 
fallen, z.^.d.^rüb schlag!«, kHüb »schreib!; in diesen Fällen 
wird der zweite Vocal zu dem entsprechenden langen und in 
Folge dessen (§ III, 12 a) wird der erste reducirt. 

g) Dem im Imperfect des Verbs vorgesetzten b folgt gewöhn- 
lich ein ganz kurzer (reducirter) Vocal, z. B. b^tehud; vor einer 
vocalisch anlautenden Verbalform ist kein Vocal nötliig, wie 
bistenhci II, 5. Bei Verb. med. semiv. u. gemin. wird jedoch ein 
voller Vocal nach dem b bevorzugt; dieser bildet zusammen mit 
dem ersten Consonanten des Verbs eine geschlossene Silbe, z. B. 
biUjlb II, 12, bitmüf IX, 7, bidnkk 11, 29. 

h) Das Verb Jyrt kommen ist unregelmässig; wir bringen 
daher dessen Conjugation hier vollständig: Perf. 3. s. m. egä 
11,5, f. (HJit V, 8; 2. m. eißf, f. ei/Ul] 1. egit IV, 3; plur. 3. egüJ,3. 
2. €(jitü^ 1. eghiii. Impf. 3. s. m. jcgl II, 23, 3. s. f. tegl II, 19, 
2. teg'i^ l. egl. Imper. s. m. tu X, 41 u. faal\ s. f. taah oder tat; 
pl. taalü XI, 10 oder tan. Zwischen Nazareth und Tiberias wird 
der anlautende Vocal des Imperfects häufig wie ä ausgesprochen, 
also z. B. bägi. 

9. Vierradikalige Verba. 

Nur wenige Verba des Arabischen haben mehr als drei Radi- 
kale. Wir haben, als nur unserm Dialecte eigenthümliche Quadri- 
litera. die folgenden beiden gefunden: Juhäsmis V, 8 wnd jetäh- 
mis ebenda (verstärkte Formen von hass fühlen«) und \uita 
:>geben'<, das im Imperativ in ganz Galiläa gebraucht wird und 
bisweilen (im Imperfect) in der Nachbarschaft von Safed (^\in 
ez-ze'tun). Es ist augenscheinlich von dem Verb ,c*-'^ (I^ ) 
durch Einschiebung eines w gebildet (vgl. aber auch "jri] im Hebr.). 



1Q4 W. Christie, 

täxoahü IX, 3 könnte als ein vierradikaliges Verb erklärt werden, 
das durch Einführung eines lo nach dem ersten Radikal (cf. 
Landherg, Proverbes p. 208) gebildet ist. Die Formen istrcij'Jah 
und istcnnü »warten auf< sind Combiuationen aus der IL und 
X. Form. 

10. a) Das Verb sein« wird regelmässig, wie in der klassi- 
schen Sprache ausgedrückt, aber die folgenden Ausdrücke, die 
sich in unseren Proben finden , verdienen erwähnt zu werden : 
fijje »da ist, es giebt , nmfis da ist nicht, es giebt nicht«, VI, 7 ; 
kän fl »da war< . In der Litteratursprache finden wir die Er- 
klärung dieses eigenthümlichen Gebrauchs von fl in der oft 
wiederkehrenden Redensart hZm min zemän fiddünja'^ . Das 
Verbum haben wird durch Präpositionen mit den Verben 
hZm und m,r oder ohne sie ausgedrückt, z. B. üo daioä II, 32, 
mä ilak hafir III, 24, mahhin d'wäb hamh- IX, 4, mä sär jTih 
XII, 20. " 

11. Negation. 

Negirt wird der Imperativ genau so wie im Klassischen, z.B. 
la Vkid VI, 3. Andere Theile des Verbum linitum nehmen ma 
an, entweder allein oder mit angehängtem h (§ IV, 1), z. B. mä 
sür lus II, 20, 7nä bihallRs II, 21, mü laqus 11,29, mä tcüsil II, iO, 
mä bHehkU X, 31. Es finden sich gelegentliche Ausnahmen, z. B. 
läßsbut X, 34, kf77i äkal [DL, 15. mF/.s wird nie zugleich mit 
irgend einem Theil des Verbum finitum gebraucht. Wenn das 
Verb ausgelassen wird, kann es gebraucht werden, mm änä >ich 
bin nicht« X, 10. Es ist bei Adjectiven und Participien die un- 
veränderliche Negation in ganz Galiläa. Ueber lä mit hemza 
siehe § II, 4. 

§ IX. Pronomina. 
1. Pron. pers. absol. 
Sing. 1. änä X, 10, mn III, 10. Plur. 1. ihnä XI, 15, ndlmä. 



2. m. %ni. 

2. f. inte. 

3. m. hü I, 1. 
3. f. In II. 7. 



2. entu. 

3. himü I, 3; XI, 14. 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 105 

2. Proii. pers. suffixa. 
Sing. 1. -7 beim Nomen XII, 7. Plur. 1. -jta II, 37. 
-iii beim Verb XII, 7. 



•2. m.-//;XII, 7,f. ?X-VI,4. 
3. m.-> V, 4, -hü III, 4. 

3. f. -u V, l\ -hü V, 2. 



2. /t«(!/« IX, 10, Z;m IX, 13. 

3. hiü7i I, 3, hin IX, 13. 

3. Beachte für den Fall, dass Nachdruck auf dem Pronomen 
liegt, die Wiederholung des letzteren in Fällen wie mü behio äni 
III, 13. Man sagt für ich und du«, »wir und du« etc. : ätiä ivijj'ah 
X, 13, iJpiä tvaijjak XI, 15. dm findet sich bei den Metawile ; 
ihnZi wird hauptsächlich in unserem Bezirk gebraucht. 

3. Reflexiva. 
zät III, 22, hal X, 4; selten nafs oder 7iefs. 

4. Demonstrativa. 

a) m. hedäYS.^ 10 oder hezü. pl. hadöl IH, 2. 

f. hedi oder hezl XI, 6. 

b) s. m. liedäli V, 6. pl. hadohk. 

f. haudlk IX, 3. . 

Bei den in a) genannten Demonstrativen schwankt der erste 
Vocal zwischen e und «; e wird im Norden und a im Süden un- 
seres Gebiets bevorzugt. Bei den sub b) gegebenen w-erden alle 
dreiVocalisationen (e, c, au) gebraucht; die schwächeren werden 
gegen die nördlichen Grenzen hin bevorzugt; das starke azi in 
der Nachbarschaft der rein arabischen Gebiete, häi II, 39 und 
haß XI, 6 sind nur Modifikationen von hed'i, hädi. 

5. Interrogativa. 

mm II, 10 > wer?« 

m III, 18, im IX, 10, ishü X, 3, e's »was?« 

Die indefiniten Pronomina > wer auch immer, was auch 
immer« entstehen aus vorgenannten durch Anhängung von mä: 
mm-mü X, 33, r's-mä. 

(). Relativa. 

elll für alle Genera und Numeri. 

Mit Präpositionen etc. zusammengezogen s. ell'i § IV, 2. 
Beachte el=elli VII, 1 im S?itze el-e^ä melek eddähir. In Berrije 
hörten wir: ahädiiTi el-ma-lähis-i>'i . 



lOö W. Christie, 



§ X. Nomina. 

1. Numerus. Die 3 Numeri haben sich nur beim Substantiv 
erhalten. Der Phiral ersetzt im Adjectiv den Dual. Die regel- 
mässige Numerusdefinivung wird gebildet durch Anhängung der 
folgenden Endungen: Dual, m. e'w, fem. ete''n\ PI. m. in, f. ät 
(z. B. sahrehi IIl, 1 1, kihnate'n XI, 14, setün X, 3, muslimin VII, 5, 
mar rat X, 38. 

Der Plural der Adjective erscheint selten im Femininum. 
Wir haben ein Beispiel iwfargät X, 43. 

In den Dual- und Pluralendungen -ehi und -in haben wir 
Beispiele dafür, dass der oblique Casus in den übergangsstadien 
der Sprache allein zurückblieb (vgl. denselben Process in den 
romanischen Sprachen). 

Gebrochene Plurale folgen gewöhnlich klassischen Mustern ; 
aber unsere Beispiele zeigen einige Abweichungen davon. Die 
a/^7/-Classe verliert regelmässig das prothetische Alif (s. § III, 2b) 
und schiebt einen kürzesten Vocal nach dem 1. Consonanten ein. 

Die mascul. Nisben bilden den Plural auf -7/V, z. B. mllbije 

I, 1, mukarije, eferuhje, fransäiclje, ingUziJe. Einem ^c wird der 
Nachbarvocal gern assimilirt in Fällen wie z. B, yjäl I, 5, fijur 

II, 40, ijjcim X, Uebsch. Vgl. Tdcul Kinder. Vgl. auch den Sing. 

üsia XII, s (cf. § III, 7). • 

Der Plural des Femininums wird manchmal in sehr eigen- 
thümlicher Weise von der Landbevölkerung unseres Bezirks 
kollcctiv gebraucht, 7..V>.liatahät »Brennholz«, moijüt »Wasser«; 
vgl. fahamüt »Kohlen«. 

2. Genus. Auffällig ist hier das Bestreben, in der Nachbar- 
schaft von SafFürije an Namen lebloser Gegenstände die Feminin- 
endung anzuhängen und sie dann in jeder Beziehung so zu 
behandeln, als ob sie Feminina wären, z. B. sikJäne »ein Messer«, 
Imhze »Brot« (im Allgemeinen), Äe'Ye > ein Haus«, be^n eggehelate^n 
»zwischen den Hügeln <, käse kehtre »ein grosser Becher". 

3. Casus. Die alten Casusendungen sind natürlich ge- 
schwunden, also ist amiüül en-nlis II, 2 = ^j*L-üi J[j.Ä — Das 
Constructusverhältnis zeigt sich formell nur a) bei der Feminin- 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 107 

endung, z. B. rahmat-el melek, daulat liul-ossmäUl III, 1, haha- 
rat id-dah^^" XI, 4, b) ferner bei Formen wie ähti und ähu^ 
z.V). jähü-l-Mmän. XII, 9, c) bei Pluralen, die auf Ti endigen, 
wie nasärZi, die den Constructus uni ät bilden. In allen andern 
Fällen ist der Status absol. und constr. gleich, und wir hören 
Ausdrücke wie mimi muslimln el-hiläd. 



§ XL Numeralia. 

Ausser den gewöhnlichen phonetischen Veränderungen muss' 
man folgenden Punkten Beachtung schenken: 1. Die Zahlwörter 
stehen entweder vor oder nach dem Substantiv, zu dem sie ge- 
hören. Im ersten Falle sind sie starr, im andern tritt die Genus- 
bezeichnung bei ihnen ein, z. B. äivival sine X, 17, tänl sine 
X, 19, tänl hatra XII, 13, märrat er-räbiat XII, 17. 

2. In Ausdrücken wie »2 bis 3 Tage« wird die Conjunction 
ausgelassen, z.B. tlet ärhat ijjäm IX, 2, ärba hams z^läm IX, 1, 
tlet ärba senin X, 3. Im Hebräischen finden wir dieselbe Aus- 
drucksweise (cf. II, Könige IX, 32). 

3. Wir stossen auf eine eigenthümliche Form des ersten 
Zahlworts, nämlich haddü^ das in unbestimmtem Sinne ge- 
braucht wird, z. B. liaddU ;> irgend Einer«, X, 33, mZi haddäh 
»Keiner« II, 2. 

§ XII. Partikeln. 

Die Hauptpunkte, die hierher gehören, sind schon an 
anderen Stellen angeführt worden, nämlich: Artikel in § II, 13 
und § IV, 4. Die Präpositionen be und le in § III, 6 [5, ''älä und 
ilci in § IV, 3, die Conjunction ica in § II, 34. Dazu mag hier 
noch bemerkt werden, dass der Artikel manchmal ausfällt, wo 
ihn die Schriftsprache verlangt, z. B. "e^n-el-hämrä »die rothe 
Quelle« (Safed), cf. Landberg, pg. 5; ferner dass hätta sehr häufig 
zu tä verkürzt wird, z. B. tänno für tä Inno 11, 32, tdnnä nikdi für 
hättä inna nikiU y>A^ 13; ferner dass ^«r7 sowohl als Adverb, als 
auch als Präposition gebraucht wird, z. B. l'cjäd IX, 12, (jad elbe't 
»jenseits des Hauses« : endlich bemerke minnsän-el-heH »fiir das 
Haus«; minnsäm »um meinetwillen, meinetwegen«; minnmn 
Visteri II, 7 >;lamit ich kaufe«, vgl. minnsan tä'skl II, 19. 



108 



^^^ Ohristle, 



Schlussbemerkungen. 

1. Die Bevölkerung Galiläas und die Grenzen unseres 

Gebietes. 
Ein 13lick auf die beigegebene Karte wird zeigen, dass unser 
Gebiet im Norden vom Wädi Zerkä, Wädi Rumeisch und Wädi 
Fära begrenzt wird; im Süden von einer Linie, die von Tantüra 




Abb. S. Karte von Galiläa zur Darstellimof der Dialectverhältnisse. 



Uer Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 109 

durch el-Härithije, Mudschedel, Nazareth, Kefr Kennä und 
Lübije läuft; im Westen vom Mittelländischen Meer; im Osten 
von dem Abhang zum Jordanthal; jedoch steigt die Grenze zum 
See von Galiläa hinab und schliesst Tiberias und Medschdel ein. 
Sobald wir diese Grenzlinien überschreiten, sind wir unter 
anderen Stämmen und müssen also Central-Galiläa in ethnolo- 
gischer Avie dialectischer Beziehung als ein von jenem Gebiete 
getrenntes Gebiet betrachten. Nord- Galiläa wird von Metäwile 
und einigen Christen bewohnt, die wir wegen der Aehnlichkeit 
ihrer Sprache als sprachliche Einheit betrachtet haben. Sie sind 
nach Religion und Abstammung Dasselbe wie die Bevölkerung 
im südlichen Libanon, und sowohl die Christen wie die Metäwile 
erklären übereinstimmend, dass sie ursprünglich nicht zu Galiläa 
gehörten. Die Christen — meist Maroniten — behaupten aus 
dem Norden zu stammen, und meist können sie, wenn man sie 
frasft, einen nicht sehr entfernten Ahnen namhaft machen, der 
entweder vom Gebirge« oder von Tripolis eingewandert und 
sich in den Gebirgen niedergelassen habe, die sie jetzt inne- 
haben. Bei den Metäwile finden sich ebenso viele Spuren von 
einem Zusammenhang mit anderen Landschaften. Ihre Religion 
bringt sie zusammen mit den Schi"^iten in Persien, und ausser- 
dem sollen sie nach einer alten Tradition von Saladin aus dem 
Osten hierher gebracht worden sein (vgl. Text I). Das jedoch 
wird nur ein Nachklang zu der Thatsache sein, dass sie aus dem 
Osten kamen, an den sich der Name Saladins so fest knüpft, 
dass er in Zusammenhang gebracht wurde mit allen wichtigen 
Begebenheiten, die sich zwischen den Tagen der llömerherrschaft 
und denen eines Dähir el-'Amr abspielten. Diese Vermuthung 
liest um so näher, als wir über die Anwesenheit von Persern 
in der Nachbarschaft in früherer Zeit durch den Geographen 
Ja'kübi hören (981 n.-Chr., wie Guy le Strange in »Palestine 
under the Moslems« erwähnt). Wann sie auch sich hier nieder- 
gelassen haben mögen, — ihre östliche Abstammung können 
wir nicht nur daraus schliessen, dass viele Schechs sich noch 
heute ihre Frauen aus 'Irak kommen lassen, sondern auch daraus, 
dass sie eine Mekka- Wallfahrt nicht als vollwichtig betrachten, 
wenn sie nicht auch durch jenes Land ausgeführt wurde. Der 
Dialect dieses Gebietes ist einfach eine Fortsetzung des Dialects 
des südlichen Libanon, und der Unterschied zwischen der 



110 ^^- Christie, 

Sprachweise der Christen und der der Metawile beruht hauptsäch- 
lich darin, dass die der Letzteren eigenthümlich schleppend ist, 
über einen beschränkteren Wortschatz verfügt und dieselbe 
Neigung wie das Persische hat, die schweren Consonanten mit 
den entsprechenden leichten Consonanten zu verwechseln. Ab- 
gesehen davon kann man die Sprache der beiden Völker als 
einen Dialect betrachten; Ilaupteigenthümlichkeiten desselben 
sind: die regelmässige Aussprache des / ö als Hemza, der voll- 
ständige Mangel an Spiranten, ferner die Häufigkeit von Imäle 
und Ischmäm und die Aussprache des Diphthongen ai wie das 
deutsche ei. Das Jordanthal ist von rein arabischen Nomaden 
besetzt, und im südlichen Galiläa — in der Ebene Jesreel 
und einigen umliegenden Dörfern — ist die Bevölkerung, die 
durchaus muslimisch ist, offenbar von rein arabischer Her- 
kunft. Auch sie besitzen klare Traditionen über ihre Ein- 
wanderung. Alle erklären, von dem jenseitigen Ufer des Jordans 
gekommen zusein; alle nennen sich — und sie werden aucli 
vom Volk so genannt — > Hawärni«, und oft nehmen sie Ver- 
wandtschaft mit transjordanischen Stämmen für sich in An- 
spruch. Sie stimmen auch mit den Hauräniern und den 
Beduinen in ihrer Sprache überein, besonders in Bezug auf die 
Reinheit der Vocale, den correcten Gebrauch der Spiranten und 
die Aussprache von / ä und ^ als (/ resp. tsc/i. Wenn wir die 

Aussprache in den Dörfern , die an die nördlichen und süd- 
lichen Gebiete angrenzen, näher untersuchen, so zeigen sich 
bisweilen leichte Spuren einer Beeinflussung (vgl. die Texte I, 
H, XII und § II, 20); aber immer genügten die Unterschiede in 
der Aussprache um die Grenzlinien ohne Schwierigkeit fest- 
stellen zu können. Wenn wir den Wädi Zerkä als jenseits nn- 
serer nördlichen Grenze liegend gewählt haben, so differiren wir 
hierin etwas von Landberg (Proverbes etDictonsXLIII), der die- 
selbe bei Ras el-Abjad festlegt. Wir waren zur Wahl des ersteren 
Punktes gezwungen, weil wir auf wiederholten Reisen in diesem 
Gebiet den nördlichen Dialect sprechen hörten, bis wir den 
Chan jenseits Wädi Zerkä erreichen; ausserdem waren wir in 
der Lage, über diesen Punkt, wie über die Grenze zwischen el- 
Ilärithije und der Küste, mit Dr. Schumacher in Haifa zu ver- 
handeln. 



Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläas 



2. Bevölkerung des mittleren Galiläa. 

Central-Galiläa hat innerhalb der angegebenen Grenzen 
ungefähr 60000 Einwohner und setzt sich aus einer so grossen 
Anzahl verschiedener Secten zusammen, dass es selbst heute 
noch den Namen : Galil hag-gojim« wohl verdient. Die Haupt- 
masse der Bevölkerung besteht aus Muhammedanern, Christen 
(die ursprünglich zur griechischen Kirche gehörten) und Juden. 
Dazu kommen noch einige Metäwile-Gemeinden, die mit denen 
von Ober-Galiläa zusammenhängen, und Drusen. Die letzteren 
wohnen im Gebiet von Ktime und auch in Bet Dschinn; die 
Lage ihrer Hauptniederlassungen lässt die Annahme zu, dass 
sie aus dem Norden eingewandert sind; und wenn auch die vom 
Karmel eine längere Sesshaftigkeit auf diesem Boden für sich 
beanspruchen, so unterliegt das doch sehr schweren Bedenkens, 
eben wegen ihres eifrigen Bestrebens, sich auf jede Weise zu 
el-Chidr 1= Elias) in Beziehung zu setzen. Die jüdische Be- 
völkerung ist fast ohne Ausnahme fremder Herkunft. Im Mittel- 
alter waren die Juden thatsäclilich aus Galiläa verschwunden. 
Es giebt allerdings in el-Buke'^a eine sonderbare Tradition, dass 
sie ihre gegenwärtigen Ländereien seit den Tagen Josuas inne- 
haben ; aber diese Behauptung widerspricht durchaus der That- 
saclie, dass bis zu einem ziemlich jungen Datum einige der 
Hauptgrundbesitzer reine Aschkenazim waren. In Bezug auf die 
Moslems muss die Mittheilung der arabischen Geographen er- 
wähnt werden, dass die Niederlassung der Jemeniten und Kaisiten 
in den Gebieten von Nazareth und Kefr Kennä nach der arabi- 
schen Eroberung stattfand. Die vornehmsten Familien der 
Muslimen in dem ganzen Gebiet, und auch viele der ärme- 
ren wollen mit den erobernden Arabern verwandt sein; in 
Safed giebt es sogar eine grosse Kolonie von Maghrebinern. 
Die Christen sind im Ganzen ihrer Herkunft weniger sicher; 
aber auch viele von ihnen, besonders die in den Städten, geben 
zu, dass sie keine Galiläer sind. Die Christen in Safed sind aus 
Shefä 'Amr und Häsbejä, die in Nazareth zum grossen Teil aus 
el-Husn im Haurän, Merdsch 'Ajün und anderen Plätzen ge- 
kommen. Ausser den Juden sind alle erwähnten Einwohner 
reine Fellähin, die von den Früchten des Bodens leben und als 



1 12 W. Christie, Der Dialect der Landbevölkerung des mittleren Galiläa. 

wirkliche Sprache nur den Felhiliindialect haben. \\ ir sind so 
umständlich auf diese Sache eingegangen wegen der Stellung, 
die Clermont-Gannbau und Conder in dieser Beziehung ein- 
genommen haben (Arabs in Palestine, Special Papers. F. E. F., 
p. 315 fF. und Tent-work in Palestine vol. II, 6 und 8). 



Fachwort der Redaction. 

An einigen Stellen (vgl. II, 19 und S. 107, Z. 7 v. u.) stimmt 
das Citat in der Skizze des Dialects nicht zu dem in den Text- 
proben Gegebenen. Wir haben uns natürlicherweise auch hier 
enthalten, corrigirend einzugreifen: es will uns so scheinen, als 
ob der Verf. die Texte stets zweimal aufgenommen habe und 
gelegentlich die Nebenaufnahme neben der Hauptaufnahme 
citire ; man vermute in solchen Fällen keine Druckfehler (letztere 
hoffen wir durch vierfaches sorgfältigstes Korrekturenlesen auf 
ein Minimum beschränkt zu haben). 



Am Toten Meere und im Lande Moal). 

Reisenotizen von Prof. Dr. Llicieu G.autier in Genf. 

Hätte mich der verehrte Herr Redactor dieser Zeitschrift 
nicht direct dazu aufgefordert, so wäre es mir wohl nicht einge- 
fallen, für die Leser derselben Mittheilungen zu wiederholen, 
die ich schon anderswo, allerdings in einer anderen Sprache und 
in einer verschiedenen Form, vorgebracht habe ^]. Indessen kann 
es vielleicht von Nutzen sein, dass ich hier einige Bemerkungen 
niederlege, welche die Aufmerksamkeit zukünftiger Reisenden 
um das Tote Meer möglicherweise auf sich lenken werden-). 

Die Reise, um die es sich hier handelt, wurde am 8. März 
1899 von Jerusalem aus in Gesellschaft meines Freundes, Herrn 
Pastor Charles Martin aus Genf unternommen 3). Als Dragoman 
hatten wir den mir schon längst bekannten und durchaus zu em- 
pfehlenden Francis Karam, und als Eskorte eine kleine Schaar 
Beduinen aus dem Stamme der dschahalin^ an deren Spitze drei 
Scheichs vom Geschlecht ahn dahük waren, Namens Salmän, 

1) Autour de la Mer Morte, avec 34 illustrations d' apres les photogra- 
phies de l'auteur et une carte. Geneve, Eggimanii, 1901. Siehe auch Le 
Globe, Organe de la Societe de Geographie de Geneve, Band XXXIX (1900). 

2) Die reichliche Literatur habe ich in meinem schon citirten Buch und 
in meinem Artikel Dead Sea in der Encyclopaedia ßiblica gegeben. Ich lasse 
dieselbe hier beiseite, kann aber nicht umhin meinem lieben Freund Herrn 
Prof. Brünnow, dem Verfasser der »Reiseberichte« in M. u. N. DPV., 1895 
bis 1896, 1898 und 1899, für seine vielfachen handschriftlichen und münd- 
lichen Mittheilungen und Anregungen nochmals herzlich zu danken. 

3) Dr. Schumacher in Haifa hatte mir die Hoffnung gegeben, dass er 
uns begleiten würde. Leider musste ich, als ich ihn Ende Januar 1899 be- 
suchte, erfahren, dass seine Beschäftigungen ihm keine Zeit Hessen, mit uns 
zu kommen. Hätte er sich uns anschliesseu können, so wären selbstverständ- 
lich die wissenschaftlichen Ergebnisse unserer Reise bedeutend grösser ge- 
wesen. 

Ztsclir. d. Pal.-Ver. XXIV. 8 



114 Lucien Gautier. 

Salim und Sueilim. Dieselben trafen in Hebron mit uns zu- 
sammen, von wo aus wir über h'ir el-kifbrualje, wo wir übernach- 
teten, die Passhöhe von Engedi und dann die an deren östlichem 
Fuss liegende Quelle desselben Namens erreichten. Gleich an 
diesem Tage, wo wir das w^estliche Ufer des Toten Meeres be- 
traten, konnten wir eine interessante Beobachtung machen; wir 
erblickten nämlich den weissen Schaumstreifen, den Molyneux 
im Jahre 1847 bemerkt imd der Wissenschaft bekannt gemacht 



*>k 



SSS«*&iÄli^'.lP'S>^Äüfc 




Abb. 9. Das Tote Meer von der Passhöhe von Engedi. 

hatte. Ich habe mir, leider erst seit dem Erscheinen meiner 
französisch geschriebenen Reisebeschreibung, durch die Freund- 
lichkeit des Herrn Dr. Benzinger den Text des MoLYXEUx'schen 
Berichtes über dieses merkwürdige Phänomen verschaffen können. 
Er ist abgedruckt im Journal of the Royal Geographical Society 
of London, vol. XVHI, 1S48, S. 104 bis 130, Expedition to the 
Jordan and the Dead Sea, by Lieut. Molyneux, of H. M. Spartan. 
Ich entnehme demselben folgende wichtige Stelle [S. 129, unter 
dem Datum des Sonntags, des S.Septembers 1847): »I must here 



Am Toten Meere und im Lande Moab. 



115 



mention a curious broad strip of foam wliich appeared to lie in a 
straight line nearly north and south throughout the whole length 
of the sea. It did not commence, as might be supposed, at the 
exit of the Jordan, but some miles to the westward, and it seemed 
to be constantly bubbling and in motion, like a streani that runs 
rapidly through a lake of still water; while, nearly over this 
white track, during both the nights that we were on the water, 
we observed in the sky a white streak, like a cloud, extending 
also in a straight line from north to south, and as far as the eye 
could reach«. 




Abb. 10. Das Tote Meer von der Höhe von Masada. 

Vergleicht man diese Zeilen mit dem in Ritter's Erdkunde') 
auf Deutsch wiedergegebenen Inhalt derselben, so wird man die 
völlige Genauigkeit des letzteren, abgesehen von einem gering- 
fügigen Irrthum — , nearly' bedeutet nicht ,nahe bleibend', son- 
dern ,fast', — anerkennen. Die Wichtigkeit der von Molyneux 
gemachten und von Ritter erwähnten Beobachtung hat Dr. 
Blanckenhorn in dieser Zeitschrift -y hervorgehoben und daraus 
interessante Consequenzen gezogen. Als totaler Laie in geologi- 
scher Beziehung habe ich in die Verhandlungen hierüber nicht 
einzugreifen, und möchte nur alle Besucher dos Toten Meeres 



1) Ritter. Erdkunde, XV. Theil. 1. Abtheilun?, III. Buch = Band 
VIII, 2. Abtheilung, 2. Abschnitt, 2. Abtheilung; 2. Ausgabe, 1850; S. 706. 

2) Entstehung und Geschichte des Toten Meeres, ZDPV., XIX, 1896, 
S. 58—59. 

8* 



116 Lucien Gautier, 

auffordern, diesem »weissen Streifen« ein wachsames Auge zu- 
zuwenden und womöglich eine eingehende Beschreibung des- 
selben zu bringen. Wir hatten leider kein Boot zur Verfügung, 
auch kein Mittel die genaue Entfernung des Streifens vom west- 
lichen Ufer zu messen. Wir mussten uns begnügen, denselben 
drei Tage hintereinander zu photographiren, nämlich am 10. März 
von der Passhöhe von Engedi (s. Abb. 9), am 11. vom Fusse des 
Berges Masada, und am 12. vom Gipfel desselben Gebirges 
(s. Abb. 10). 

Dem geübten Auge meines verehrten Landsmannes, Prof. 
Dr. F. A. Forel, des competenten Limnologen und wohlbe- 
kannten Verfassers der eingehenden Monographie »Le Lac 
Leman« ^], welchem ich meine Photographien vorgelegt habe, ist 
es gelungen zu unterscheiden, dass rechts und links vom weissen 
Streifen die Richtung der Wellen nicht ganz dieselbe ist, dass sie 
viehnehr etwas divergiren. Ob die BLANCKENHORN'sche Annahme 
einer in der Tiefe des Sees liegenden Spalte, oder eine andere 
Hypothese, z. B. die des Zusammenstosses zweier Strömungen, 
vorzuziehen ist, lässt Prof. Forel unentschieden. Sehr erwünscht 
wäre es, wenn bald genauere Auskunft über diese merkwürdige 
Erscheinung zu haben wäre. Es ist wirklich sonderbar, dass vom 
Jahr 1S4 7 bis zum Jahr 1S99 kein einziger Reisender Zeuge 
dieses Phänomens gewesen zu sein scheint; wir glauben doch 
nicht, dass es solch eine unerhörte Seltenheit ist. In einem der 
Hotels zu Jericho behaupteten im Winter 1899 — 1900 die Leute 
einem französischen Touristen gegenüber, der durch Prof. Forel 
dazu veranlasst, sie in Bezug auf den weissen Streifen befrug, 
mancherlei in dieser Beziehung zu wissen, brachten aber gar 
wenig Thatsächliches zum Vorschein. 

Von Engedi aus erreichten wir in einem halben Tagesmarsch 
den Fuss von Masada, wollten aber nicht nachmittags bei der 
furchtbaren Hitze den Berg ersteigen. Gerne hätten wir an Ort 
und Stelle campirt, am malerischen Eingang in das icädi sebbe, 
wo die Ruinen des römischen Lagers so deutlich vor uns lagen 
(s. Abb. 11). Allein das ging nicht, da Wasser nicht vorhanden war. 
Daher mussten wir eine Stunde weiter nach Süden ziehen, wo 
wir in hufkaf am Fusse des Gebirges das erwünschte Nass in ge- 
ll Lausanne, 1. Band 1892, 2. Band 1895. 



Am Toten Meere und im Lande Moab. 



117 



nüsrender Quantität für Mensch und Vieh fanden. Am anderen 
Tage kehrten wir frühmorgens rasch zurück bis imcli sehbe^ er- 
stiegen mit einem Beduinen die alte Festung, nnd erreichten 
noch im Laufe des Nachmittags um)7i bäghek, wo wir über- 
nachteten. Am 13. März zogen wir um das südliche Ende des 
Toten Meeres durch die sehcha bis ghör es-sßfije '). 

In Bezug auf diese Strecke möchte ich folgendes bemerken. 
Erstens wäre es sehr wünschenswerth, wenn die Karte dieser 





Abb. 11. Eingang des ivudi schhe; rümisches Lager im Vordergrund. 



ganzen Region, sowohl auf dem westlichen, als anf dem öst- 
lichen Ufer des Meeres von competenter Hand die sehr noth- 
wendigen Berichtigungen erfahren würde. Die jetzt existirenden 
Karten, z. B. die des Palestine Expl. Fund, sind weit davon ent- 
fernt, der Wirklichkeit zu entsprechen. Ich kann dies natürhch 
nur behaupten und nicht beweisen ; bin aber überzeugt, dass 
jeder Reisende es bestätigen wird. 

1) Von Engedi am Morgen des 1 1 . März bis ghbr es-säßje am Nachmittag 
des 13. sind wir keinem einzigen menschlichen Wesen begegnet. 



118 Lucien Gautier, 

Ein Punkt, der mit besonderer Sorgfalt studirt werden 
sollte, ist die jetzige Beschaffenheit des dschebel usdum nach 
Osten hin. Früher soll es nicht nur möglich, sondern sehr leicht 
gewesen sein, am Meere, also am östlichen Rande des Salzberges, 
durchzukommen; es war dies der übliche Weg aller Durchrei- 
senden. Jetzt soll es sich geändert haben, und factisch mussten 
wir an der Westseite des chcliehel usdum durch das merkwürdige 
und hochinteressante wädi nucJtbtir ziehen i). Darüber beklage 
ich mich durchaus nicht, da gerade diese Strecke einen beson- 
deren Eeiz hatte, würde aber doch gerne die Frage aufstellen: 
wie und wodurch ist der frühere Weg unmöglich geworden? Hat 
das Meer das Gebirge unterwühlt, und eine Art Bergsturz her- 
vorgerufen? oder hat sich, wie Gkay Hill conjicirf-), das Niveau 
des Sees gehoben? Ich kann diese Frage nicht beantworten, em- 
pfehle sie aber meinen Nachfolgern. 

Ueberhaupt wäre die ganze Sebchagegend einer gründlichen 
Untersuchung wohl wertb, von selten eines geologisch und kar- 
tographisch gebildeten Forschers. Dabei ist allerdings eine 
Schwierigkeit vorhanden: die Unsicherheit der Nachbarschaft. 
Vor einigen Jahren (im Spatherbst 1897) wurden am südlichen 
Eingang des ivädi nuchhär die beiden gelehrten Dominikaner vom 
St. Stephanskloster in Jerusalem, P. Lagrange und P. Vincent, 
die, begleitet von zwei türkischen Cavalleriesoldaten, mit vielen 
photographischen Platten, Copien und Abklatschen von In- 
schriften, aus Petra zurückkehrten, von einem Schwärm Hawetät- 
Beduinen angegriffen, konnten allerdings unversehrt entkommen, 
gingen aber ihres Gepäcks, ihrer Zaumthiere, und ihrer werth- 
vollen wissenschaftlichen Errungenschaften verlustig 3). Vor 
Kurzem ist ein Eingeborener, ein protestantischer Cbrist aus 
Bethlehem, gerade am selben Orte von Beduinen ermordet wor- 
den^). Das Rathsamste wäre, wie mir scheint, dass Europäer, 
die diese Gegend gründlich zu erforschen wünschten, ihr Haupt- 
quartier bei dem Stamm der ghaicärine im ghor es-^äfije nehmen, 



1) Vergl. Brünnow in MuNDPV. 1895, S. 67, nebst Photographie. 

2) Siehe PEFQuSt. 1900, S. 273—282, The Dead Sea, by Gray Hill. 
Vergl. ebenda, S. 365—369, The Dead Sea, by Sir Charles Wilson. 

3) Vergl. Revue Biblique, VII (1S9S), S. 167. 

4) Siehe Evangelisehe Blätter aus Bethlehem, April 1901, S. 13 — ^15. 



Am Toten Meere und im Lande Moab. 



119 



von MO aus sie unter Begleitung von Beduinen die Sebcha und 
deren Rand nach allen Seiten bereisen könnten. 

In dem soeben erwähnten Lager der Ghawärine zählten wir 
ungefähr 110 Zelte; es war aber nicht der ganze Stamm anwe- 
send, sondern Tlieile desselben waren anderswo zerstreut. In der 
Nähe bemerkten wir ein echt afrikanisch aussehendes Dorf aus 
Schilfliütten (s. Abb. 12). Von hier bis Kerak könnte man in einem 
etwas starken Tagesmarsch — ca. 10 Stunden — reiten. ^Vir über- 
nachteten unterwegs in deraa^ in wunderschöner Lage, oberhalb 




Abb. 12. Dorf aus Schilfhütten im gho7' es-saßje. 



des lisUfi. Diese merkwürdige Halbinsel würde ebenfalls dem 
naturwissenschaftlich ausgebildeten Reisenden einen sehr inter- 
ressanten und lehrreichen Boden liefern. Wir haben dieselbe 
eigentlich nicht betreten, sondern nur von oben herab in ihrer 
ganzen Ausdehnung vor uns gesehen. Von cleraa aus erreichten 
wir Kerak in kaum vier Stunden, am 15. März sregen Mittag. 

Kerak hier zu beschreiben ist nicht meine Sache. Ich 
möchte nur darauf hinweisen, dass die türkische Obrigkeit, so- 



t20 



Lucien Gautier, 



Wühl der Gouverneur als der Militärbefehlshaber, uns mit der 
grossten Bereitwilligkeit die jetzt zur Kaserne gewordene alte 
Festung der Kreuzfahrer gründlich besichtigen und auch photo- 
graphieren Hessen (s.Abb. 13u. 14). Wir blieben zwei Nächte in 
Kerak, hauptsächlich um Leute und Thiere ausruhen zu lassen. 
Am 17. März reisten wir weiter, besuchten das alte römische Lager 
in ledsclnm, und trafen am Abend mit unserer Karawane bei kasr 




Abb. 13. Burg in Kerak, 



rahha zusammen. An diesem Tage fing das Wetter an, uns böse 
Streiche zu spielen. Am Nachmittag hatten wir ein heftiges Ge- 
witter mit Regen und Hagel; die Nacht hindurch Avieder Hegen, 
so dass wir am 18. durch Nebel und Nässe weiterzogen, den Besuch 
des Berges schihZm als aussichtslos aufgeben mussten, und nach 
einem kurzen Halbtagsmarsch ^J am loädi modschib (Arnon) lager- 



1) Am nördlichen Rande desWädi fanden wir ein vor kurzem gebautes 
Wachhaus mit einer Besatzung von zwei Mann. Dieses einsame Gebäude 
könnte unter Umständen für Reisende ohne Zelte ein willkommenes Obdach 
bieten. 



Am Toten Meere und im Lande Moab. 



121 



teu, und zwar auf dem nördlichen Ufer desselben. Im Laufe des 
Nachmittags hatte der Regen nachgelassen, die letzten Stunden 
vor Sonnenuntergang waren sogar recht heiter und angenehm. 
Allerdings wurde es ziemlich kühl, sobald der Abend nahte, und 
unsere Mukaris machten es sich unter einem etwas vorspringen- 
den Felsen rings um ein lustig flaclserndes Feuer sehr behaglich. 
Indessen war das schlechte Wetter noch nicht zu Ende : gegen 
Mitternacht brach ein fürchterliches Gewitter los, mit unausge- 




Abb. 14. Burg in Keralv. 



setzten! Blitzen undDonnern; auch strömte der Regen in ansehn- 
lichen Massen auf unser Lager. Lange dauerte das Gewitter 
nicht; bald wurde es wieder ruhig, so dass wir am frühen Morgen 
mit Vergnügen constatiren konnten, dass sowohl die Zelte als 
der Boden ringsum wieder trocken waren und dass wir unsere 
Reise sofort, wenn auch etwas langsam, fortsetzen durften. Wir 
waren gerade mit unserer Morgentoilette beschäftigt, als plötz- 
lich ein dröhnender Lärm, ein wirklich schreckliches Getöse uns 
an die Thüre des Zeltes herausrief: da sahen wir ein merkwür- 



122 



Lucien Gautier, 



diges Schauspiel! Der Strom Arnon, dessen klares durchsichtiges 
Wasser zwischen den Felsen und dem Gebüsch uns am vorio-en 
Nachmittage ein sehr wohlthuendes Bad verschafft hatte, und 
worin wir viele Fische von nicht unbeträchtlicher Grösse be- 
merkt hatten, war jetzt ganz verwandelt: eine reissende Woo-e 
dunkelbrauner Farbe, Baumstämme und grosse Steine mit sich 
schleppend, kam aus dem oberen Thale mit ungeheurer Schnel- 
ligkeit auf uns herunter, und bald w^aren nicht nur das eigent- 



-.-,«^Si^"3^ 






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Abb. 15. tcädi möchchib [Arnon). 






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1 



liehe Flussbett, sondern auch die beiden Ufer unter dem toben- 
den Wasser versunken, die grünenden Büsche verschwanden in 
der Fluth, und nicht nur doppelt, sondern wohl vier- bis fünf- 
mal verstärkt brauste der Strom die Schlucht herab (s. Abb. 15). 
Dieses interessante Phänomen darf wohl mit dem II. Könige 3, 
9 — 24 berichteten Ereigniss in Zusammenhang gebracht werden. 
Es liefert ein frappantes Beispiel der Macht, mit welcher solch ein 
Wildbach plötzlich eine Alles niederreissende und verheerende 



Am Toten Meere und im Lande Moab. 123 

Wirkung ausüben kann. Das Gewitter, das sich gegen Mitter- 
nacht auf unser Lager entladen hatte, war wohl im oberen Laufe 
des Wädi noch heftiger und wüthender gewesen, und halte das 
ausserordentliche Schwellen des Flusses bestimmt. Zum Glück 
war unser Lager nicht unmittelbar am Wasser, sondern einige 
Meter höher aufgeschlagen. Noch glücklicher war der Umstand, 
dass im Augenblick wo die Ueberschwemmung der beiden Ufer 
stattfand, unsere Reit- und Lastthiere nicht gerade im Flusse 
tranken, und dass wir oder unsere Männer nicht darin badeten ; 
sonst wäre ohne Zweifel ein Unglück nicht zu vermeiden gewesen. 
Einer unserer beiden Eskortsoldaten hatte soeben denArnonpas- 
sirt, um auf dem linken Ufer bei einigen nicht entfernten Bedui- 
nenzelten Milch zu holen: der Rückweg war ihm abgesperrt, Avir 
sahen ihn von Weitem gesticuliren, und erst am Abend konnte 
er uns auf einem bedeutenden Umweg wieder einholen. Da- 
durch wurde uns recht klar und deutlich, Avie vortheilhaft es war, 
dass wir auf dem nördlichen Ufer übernachteten; sonst hätte der 
aufgeschwollene Strom uns sammt unseren schwerbeladenen 
Maultbieren sicherlich 24 oder 4S Stunden aufgehalten. 

Bei dlhcm, wo wir uns am 19. März Vormittags aufhielten, 
fanden wir eine Compagnie türkischer Soldaten aus Kerak unter 
dem Commando eines sehr zuvorkommenden und gastfreund- 
lichen Majors. Dieser war eben damit beschäftigt, die Steuern 
der benachbarten Beduinen zu bestimmen und einzutreiben; 
Häuptlinge vom Stamm der hamaide waren auch anwesend, und 
wir benutzten die Gelegenheit, um diese Scheichs in Anwesen- 
heit des Offiziers über das Geschick der noch fehlenden Stücke 
desMesasteins zu befragen. Anfangs betrugen sich die Beduinen 
sehr zurückhaltend, und schützten totale Unwissenheit vor. 
Schliesslich Hessen sie sich jedoch bewegen, ihre Erinnerungen 
wachzurufen, und nach und nach tauchte ihr Gedächtniss wieder 
auf. Am Ende gestanden sie, dass einzelne Bruchtheile der In- 
schrift in alte verfallene Cisternen geworfen worden sind, be- 
haupteten aber, es sei unmöglich, diese Cisternen aufzufinden, 
und noch unmöglicher, die verlorenen Stücke daraus zu gewin- 
nen. Weitere Auskunft konnten wir nicht bekommen, und 
mussten uns begnügen, die Leute darauf aufmerksam zu machen, 
dass jedes Stück der Lischrift, sei es noch so klein, bei den Con- 
suln in Jerusalem reichlich bezahlt werden würde. Trotzdem 



124 Lucien Gautier, 

scheint es mir äusserst zweifelhaft, dass man auf diese Weise je 
etwas von dem Fehlenden wiederfinden kann; anders wäre es 
vielleicht, wenn Ausgrabungen in Dibän selber unter kundiger 
Leitung unternommen würden i). 

Nach einer Nacht in ivädiwüle und einem recht angrenehmen 
Ritt über lihh und 7ncim erreichten wir am 20. mZiduha., wo wir 
vor allem die Mosaikkarte lange und sorgfältig betrachteten. Der 
damalige Oberpriester der griechischen Kirche, Germanos^), an 
den der ehrwürdige Patriarch von Jerusalem uns auf's liebens- 
würdigste empfohlen hatte, gab sich alle Mühe, um uns die hoch- 
interessante Karte und andere minder werthvolle und dennoch 
wichtige und sehenswerthe Mosaiken und sonstige Antiquitäten 
in Mädaba besichtigen zu lassen. Zu diesem Zweck wurden 
grossartige Wasch- und Reinigungsprozesse durchgeführt, was 
allerdings für uns sehr angenehm und vortheilhaft war, für die 
verschiedenen Mosaiken hingegen und insbesondere für das geo- 
graphische Mosaik sehr nachtheilig wirken muss, denn die Stein- 
chen werden durch diese frequenten Waschungen gelockert und 
auf diese Weise wird das Mosaik langsam ruinirt. Es wäre an- 
gezeigt, entweder durch ein durchsichtiges Firniss, oder durch 
eine gläserne Ueberdeckung jenes kostbare Denkmal zu schützen. 
Bei unserer Rückkehr in Jerusalem erlaubten Avir uns, als Avir 
beim Patriarchen zu Besuch waren, ihn auf diese Angelesenheit 
aufmerksam zu machen. Wäre es nicht auch sehr wünschens- 
werth, dass von einem geschickten Techniker unter wissenschaft- 
licher Leitung eine sorgfältige Copie des Mosaiks im Maassstabe 
des Originales und mit denselben Farben hergestellt und in Je- 



1) Unser seliger Freund Albert Socin legte auf die eventuelle Wieder- 
auffindung der Mesafragmente grossen Werth. Schon vor meiner ersten Pa- 
lästinareise, als er mich mit seiner gewohnten Gefälligkeit mit allerlei Rath- 
schlägen und Empfehlungen versah, hatte er ausdrücklich betont, -wie sehr er 
es wünsche, dass man nichts spare, um die fehlenden Stücke von der Dibän- 
stele zu erlangen. Während meiner Unterhandlung mit den Beduinen war ich 
mir bewusst, in Socin's Geiste zu handeln; leider ohne Resultat. 

2; Jetzt in 7iübliis, an Stelle des bisherigen Higumenos, des freundlichen 
Abramios Chalilj. Wer jetzt griechischer Priester in mädaba geworden, ist 
mir unbekannt. Der lateinische Geistliche daselbst, Dom Manfredi, ist ein 
gebildeter und zuvorkommender Mann, ein würdiger Nachfolger des hochge- 
schätzten P. Biever 'jetzt in ef-fäbif/hu]. 



Am Toten Meere und im Lande Moab. 125 

rusalem aufgestellt würde? Nicht jeder kann nach Mädaba hin- 
überreiten, und wie mancher Jerusalenibesucher würde froh sein, 
ein getreues Abbild dieser alten, ehrwürdigen Karte von Palä- 
stina besehen und studieren zu können. 

Am 21, März ritten wir mit dem Oberpriester Germanos 
über ziza nach meschetta^ und über kasfal zurück nach mädaha. 
Der wundervolle Palast \n7neschetta mit seiner prächtigen, künst- 
lerisch geschmückten Fassade ist wahrlich unter den Sehenswür- 
digkeiten des heiligen Landes eine der schönsten und bewun- 
derungswürdigsten. Hoffentlich werden Massregeln getroffen, 
damit das bis jetzt verschonte und ziemlich gut erhaltene Ge- 
bäude keinen Schaden erleide! Der Umstand, dass hier und in 
der Nähe kein Wasser zu finden ist, bildet eine Art Garantie 
gegen eine etwaige Ansiedelung daselbst, ^siiedscheraschnnii'^am- 
man es erfahren haben ; und somit ist die Gefahr, dass die Steine 
des Palastes zu Bauzwecken hergenommen werden, glücklicher- 
weise noch ziemlich fern. 

Ueber den dschebel nehci^ sijäghä^ die Mosesquellen, die Jor- 
danbrücke und Jericho kehrten wir nach siebzehntägiger Ab- 
wesenheit nach Jerusalem zurück. Wir bilden uns durchaus nicht 
ein, etwas schwieriges oder neues geleistet zu haben, möchten im 
Gegentheil betonen, dass so eine Reise um das Tote Meer kein 
gewagtes oder mühsames Unternehmen ist. Diejenigen Reisen- 
den, die eine wirklich lohnende, originelle und anregende Tour 
zu machen wünschen, könnten fürwahr eine schlechtere Wahl 
treffen als eine Reise um das Tote Meer und im Lande Moab. 

Vivat sequens ! 



1 2(3 Anhang. 



Auhang: Itinerar. 

Jerusalem 

8. III. Hebron — 

it. III. bir el-kubrusije 3f>45 

10. III. "ain dschicU 3 40 

n.iii.[;7^;^f'^ ■• • ^'^Mo 

{[kufkaf 1 j 

1.1 TTr \wüdi sehhe 4511 

y^imm biKjnek 3 loj 

dschebel usdum 115) 

.„ ,,, J Anfang der se/./c/ia 2 • 

■ ^^''- \Em\e dev sebcha 2 30^ *^^ 



^(jho7- es-saßje 20' 

14. III. deräa 6 

15. III. kerak 3 55 

16. III. kerak — 

(ledschün 3 30-» ^'B. Maulthiere 

rahha 2 30 1 6 45 air';^t:°„ Kerak 
j iiach Ka?r Kabba 

kasr rahba 45J 3 i3ü 

fSmhand des u-ädi mödschih ... 2 4ü| 

\n-ädi mödschib 1 20/ 

I Nordrand des ivädi mödschib . . 1 30^ 

d'ibän 3oi 3 35 

icädi wäle 1 35J 

(libb 1 15^ 

20. III. warn 1 35} 4 05 

ymüdaha ; . 1 I5) 

3 

dta 30| 

\kastal 30| 

^mädaba 3 

22. III. ivädi schüih , 

23. III. Jericho 

24. III. Jerusalem 



21. III. 



iziza . 
jmesclwt 



Bücheranzeigen. 

Le MONT THABOR. Notices historiques et dcscriptivcs. Pur 
le P. BARNABE^ (VAlsace^ O. F. M. Missionaire apostolique. 
Ouvrage orne dhme Carte geographique, en qiiatre couleurs^ des 
environs du Thahor^ dhme Carte topographique^ en heliogramire. 
du plateau de ce mont et de ses ruines et d\iuircs lUustrations 
e?i p/iotogravure, hors texte. Paris, J. Mersch , Imprimeur, 

1000, IX. 176 S. 

Unter diesem Titel veröiFeiitlicht ein gelehrter Jb'ranciscaner 
aus dem Elsass, der lange auf dem Thabor gelebt, in einem vor- 
züglich ausgestattetem Bande ein Werk, dessen gediegener und 
belehrender Inhalt, begleitet von wohlgelungenen Abbildungen 
und trefflicher Planzeichnung nebst geographischer Karte, das 
Interesse jedes Freundes der Wissenschaft in hohem Grade zu 
fesseln geeignet ist. Der Verfasser behandelt die Nachrichten, 
die wir über Galilaeas heiligen Berg besitzen, in chronologischer 
Reihenfolge in vier Abtheilungen. Die erste Abtheilung (S. 1 — 40) 
gliedert sich in acht Kapitel. Im ersten: Der Thabor in der Zeit 
der ägyptischen Eroberung'< zeigt der Verfasser an der Hand 
eines reichhaltigen Quellenmaterials, was die Papyrusrollen und 
die Denkmäler der alten Aegypter von Thabor wissen. Der 
Gegenstand des zweiten Kapitels ist: »Der Thabor nach dem 
Deiiteronomium und der rabbinischen Tradition« ; der des dritten: 
»Der Thabor und die Tradition der Araber«; der des vierten: 
»Die Levitenstadt auf dem Thabor«; der des fünften: Der 
Thabor in der Zeit der Debora, des Gedeon, des Saul und des 
Josias«; der des sechsten: -Der Thabor und die Propheten«; der 
des siebenten: »Der Thabor in der Zeit des Polybius«; der des 
achten: »Der Thabor in der Zeit des Flavius Josephus«. In der 
zweiten xlbtheilung wird in 5 Kapiteln (S. 41 — S2j nachgewiesen, 
dass der Thabor der Berg der Verklärung sei. Das erste Kapitel 
(S. 4 1 — 49) trägt dieUeberschrift : »Die Verklärung unseres Herrn 



128 Bücheranzeigen. 

nach den heiligen Evangelien« und giebt nicht nur einen synop- 
tischen üeberblick über die evangelischen Nachrichten bezüglich 
der Verklärung des Herrn, sondern sucht auch aus dem Zusammen- 
hange dieses Berichtes mit dem, was vorausgegangen ist und nach- 
folgt, so wie durch Exegese des Schrifttextes nachzuweisen, dass 
nur der Thabor der Schauplatz des in Rede stehenden Ereig- 
nisses gewesen sein könne, indem er zugleich auf die hierher be- 
zügliche Angabe des Apostels Petrus in dessen zweiten Briefe 
Rücksicht nimmt. Im zweiten Kapitel wird dass Zeugniss einer 
apokryphen Schrift des ersten christlichen Jahrhunderts, im 
dritten Kapitel das Zeugniss des Origenes und des Eusebius so- 
wie des heiligen Cyrillus und des heiligen Hieronymus angezogen, 
während das vierte Kapitel die Zeugnisse des Virgilius, des 
Theodosius, des V. Conzils von Constantinopel, des heiligen 
Antoninus, des heiligen Arculfus, des Olypiodorus, des heiligen 
Wilibald, des sei. Athanasius von Armenien, des ehrw. Beda, 
des Cosmas von Jerusalem , des Johannes von Euboea und des 
heiligen Johannes Damascenus beibringt. Das fünfte Kapitel 
beschäftigt sich mit der Widerlegung der gegnerischen Einwände. 
Die dritte Abtheilung führt in vier Kapiteln (S. 84 — 124) die Ge- 
schichte des heiligen Berges weiter fort und zwar von 1099 bis 
auf die Gegenwart. Das erste Kapitel behandelt den »Thabor 
in der Zeit der Benediktiner im 12. Jahrhunderte«; das zweite 
Kapitel die »Erbauung, Belagerung und Zerstörung der Festung 
auf dem Thabor«; das dritte Kapitel die »Zeit der Johanniter 
auf dem Thabor und die Verheerung ihres Klosters durch Bibars« ; 
das vierte Kapitel endlich die »Zeit der Franciskaner«. Die vierte 
Abtheilung (S. 125 — 169) giebt eine eingehende Beschreibung der 
Ortslage, wie sie in der Gegenwart sich darstellt. Das Buch sei 
bestens empfohlen. 

Schweinitz-Schlesien. Dr. theol. Carl Mommert, Pf. 



Die Palästinakarte Bernhard von Breitenbacli's. 

Von Reinhold Röhricht. 

(Hiezu Tafel 1 bis 3.) 

Der Mainzer Domherr Bernhard von Breitenbach trat, um 
die Verfehlungen einer leichten Jugend zu büssen, am 2.j. April 
1483 von Oppenheim aus eine Pilgerfahrt nach Jerusalem an') 
und erreichte in 20 Tagen Venedig, das er mit vielen anderen 
adligen Herren, die sich dort ihm anschlössen, am 1. Juni ver- 
liess; am 11. Juli traf er in Jerusalem ein. Er blieb, während die 
meisten seiner Begleiter schon am 22. Juli nach Jaffa zurück- 
kehrten, um die Heimfahrt anzutreten, zurück und brach am 
24. August von Gaza auf, um den Sinai und Aegypten zu be- 
suchen; am 15. November segelte er von Alexandrien ab und 
landete am 8. Januar 1484 in Venedig. Dankenswerthe Ergän- 
zungen zu diesem Berichte geben zwei andere, das Evagatorium 
des Ulmer Lesemeisters FelixFabri^), der unsern Domherrn von 
Venedig auf seiner ganzen Reise bis dahin zurück begleitete, und 
des Minoriten Paul Walter (von Guglingen) Itinerarium in 
Terram sanctam et ad sanctam Catharinam^), der zwar schon am 
23. Juli 1482 in Jerusalem eingetroffen war, aber bis zur Ankunft 
unsers Reisenden, also fast ein volles Jahr und länger wie die 
allermeisten Jerusalemfahrer in Jerusalem blieb, um ihn dann 

1) Vgl. Bibl. geogr. Palaest. Nr. 402; Röhricht, Deutsche Pilgerreisen 
(neue Auflage), Innsbruck 1901, 164 — 165 (dort auch über die Frage nach 
dem auf unsern Reisenden zurückgeführten Ursprung des »Hortus sanitatis«, 
eines Kräuterbuchs;; Allgem. Deutsche Biogr. u. Wetzer u.Welte, Kirchen- 
lexicon s. v. 

2) ßibl. geogr. Palaest. Nr. 395 (andere gleichzeitige Berichte siehe dort 
Nr. 403— 405); Deutsche Pilgerr. 161—164. 

3) Herausgeg. von Sollweck in Bibl. d. litt. Vereins in Stuttgart (Nr. 192], 
Tübingen 1892 (mit guten Anmerkungen); vgl. Deutsche Pilgerr. 159—162. 

Zeitschr. il. D. Pal.-Ver. XXIV. 9 



130 Reinhold Röhricht, 

nach Gaza, dem Sinai und Aegypten, ja von Alexandrien bis 
Venedig zu begleiten. Sein Bericht ist nicht nur dadurch für uns 
so werthvoll, weil er genaue Auskunft über die Pilgerreise des 
Markgrafen Friedrich sen. von Franken-Brandenburg giebt(1482), 
von der wir nur eine magere Nachricht bisher hatten, sondern 
auch in Folge seines langen Aufenthaltes in Jerusalem über die 
Palmsonntags - Procession (23. März 1483), die vom Guardian 
(27. März 1483) an Pilgern und Brüdern vollzogene Fusswaschung, 
das sogenannte > Feuerwunder «, zu erzählen weiss und gelehrten 
Studien nachzugehen vermochte, bei denen ihm wohl die Biblio- 
thek der Franziskaner vom Zion ausser der Autopsie geholfen 
haben wird. Die Frucht derselben hat er als Anhang zu seinem 
Itinerarium in 8 Tractaten niedergelegt, die leider in der Aus- 
gabe des letzteren nur summarisch mitgetheilt sind^), aber sicher 
ausser dem Texte des Burchardus und einem Abschnitt aus Bar- 
tholomaeus de Glanvilla in den Reisebericht Bernhard von Brei- 
tenbach's herübergenommen sind. 

Dieser nämlich begnügte sich nicht damit, den Verlauf der 
Pilgerreise einfach zu beschreiben, sondern übergab seine wohl 
unterwegsniedergeschriebenen Beobachtungen undBemerkungen 
einem gelehrten Dominikaner Dr. Martin Roth^j zur Redaction, 

1) Sollweck 123 — 311 (von den Tractaten sagt er: »ex variis libris 
comportavi«); vgl. 175, 303—304. Ebenda 161, 166, 228—229 finden sich 
Pläne der Hebronmoschee, derMehkeme in Jerusalem und von Cairo, die bei 
Breitenbach entweder gar nicht oder nicht in dieser Gestalt uns begegnen. 

2) Fabri I, 347 erwähnt das »peregrinale domini decani Moguntinensis 
ecclesiae, quod loco suo confecit venerabilis sacrae theologiae professor egre- 
gius P. Martinus Roth, conventus Phorcemensis ordinis praedicatorum, qui 
uti vir doctus multa de erroribus habitantium in Jerusalem gentium accurate 
disseruit per longum in eodem peregrinali« und sagt weiter von Bernhard von 
Breitenbach (I, 353): »qui nuUis parcens sumtibus pro ordinata compositione 
sui peregrinalis sive itinerarii induxit . . . patrem M. Roth, ordinis praedica- 
torum, quod praefati domini itinerarium ornato et compto stilo composuit . . . 
Conduxit etiam pretio eruditum virum Erhardum Rewich, subtilissimum pic- 
torem, qui portus maris et civitates et terrae loca et praecipue terram sanctam 
et habitum gentium dictarum proprie figuravit et figuras ad descriptiones ap- 
tavit. Ibidem ergo, si cui placet, legat et multa a me dimissa inveniet.« Fabri 
I, 329: »Receperat enim ingeniosum et eruditum pictorem, quem pretio con- 
duxit, qui a Venetiano portu et deinceps potiorum civitatum et locorum habi- 
tudines et formas, quod et magistraliter et proprie fecit;< von der Abbildung 
des heil. Grabes sagt er: >et haec descriptio patet in peregrinali, quod fecit 
magnificus et ingenuug vir Dom. B. de ßreitenbach.« 



Die Palästinakarte Bernhard von Breitenbach's. 131 

in der der Bericht überhaupt nun vorliegt, und nahm einen ge- 
übten Maler Erhard Rewich von Utrecht auf seine Reise mit, um 
die unterwegs berührten Orte^) nach der Natur zu zeichnen und 
schliesslich ausser dem Landungsplatze in Jaffa auch ein Bild der 
heiligen Grabescapelle, einen Plan von Jerusalem und eine Karte 
Palästinas zu entwerfen; bei ihm sind in Mainz auch die ersten 
lateinischen und deutschen Ausgaben der Reisebeschreibung er- 
schienen, die zugleich das erste Druckwerk mit Holzschnitten 
überhaupt ist und eine ausserordentliche Verbreitung gefunden 
hat. Dass der durch sein Wappenbuch hauptsächlich berühmt 
gewordene Ritter Conrad Grünemberg aus Constanz in die Be- 
schreibung seiner Jerusalemfahrt (1486) auch die Rewich'schen 
Zeichnungen und Pläne vollständig herübergenommen, aber auch 
noch durch eigene Ergänzungen vermehrt hat, haben wir ander- 
weitig bereits gezeigt 2); es wäre wünschenswerth, einmal auch 
den bisher nur ausgezogenen Bericht mit allen seinen Bei- 
lagen zu veröffentlichen, wozu es allerdings bedeutenderer Mittel 
bedürfte. 

Die Palästinakarte, welche uns besonders interessirt, ist 
ziemlich gross; sie hat eine Länge von 1,27 m, eine Höhe von 
0,27 m und reicht von Tripolis bis Alexandrien, umfasst also ein 
viel grösseres Gebiet, als die uns bisher bekannten. Sie unter- 
scheidet sich von ihnen auch durch die Anordnung, da sie zu- 
gleich ein genaues Bild der Landungsstelle mit ihrer nächsten 
Umgebung und einen Plan von Jerusalem bietet, sowie durch die 
eigentliche geographische Zeichnung, ist also in dieser Beziehung 
selbstständig und eigenartig. Das Legendenmaterial des eigent- 
lichen Palästinas ist im Grossen und Ganzen fast genau dasselbe, 
wie das der uns bekannten Karten, hier und da geringer, aber 
auch wieder reicher. In Bezug auf den Wortlaut berührt es 

1) Der Text giebt gute Abbildungen von Venedig, Parenzo, Corfu, Mo- 
don, Candia, Rhodus, Forma et dispositio D. Sepulchri, Dispositio et figura 
Templi Dominici, ferner Thierbilder (Geraflfa, Crocodill, Vnicornus, Capree 
de India, Camelus, Salemandrie) und die Alphabete einiger orientalischen 
Sprachen, auch Trachten. 

2) RM. 146 — 161. Dass der Görlitzer Bürgermeister Georg Emme- 
rich die Rewich'sche Jerusalemkarte auf seine Pilgerfahrt nach Jerusa- 
lem auch mitnahm, ist in ZDPV. XVI, 276 (vgl. XXI, 110, Note 1) bemerkt 
■worden. 

9* 



132 Reinhold Röhricht, 

sich mehr oder Aveniger bakl mit Burchardus*), einmal mit 
Sanudo^j, zuweilen mit der grossen Florentiner Karte 3) iindmitder 
von William Wey ^). Eine sclavische Abhängigkeit von einer dieser 
Karten lässt sich jedoch nicht erweisen, da durch die Tradition 
nicht bloss die Orte selbst, sondern auch vielfach die dazu ge- 
hörigen Characterisirungen festgelegt waren. Dass der Maler 
durch Autopsie viel gewann, ist bezeugt; denn in dem Texte 
(Reyssbuch 1584, GS'') sagt er: »Aber in den obgenannten 24 Tagen, 
die wir zu Jerusalem verblieben, zogen wir in dem hey ligen Lande 
vmb die Statt, Schloss vnd Flecken zu besehen, in welchen be- 
sonders etwas gross vnd mercklichs vor Zeiten nach Ausweisung 
der heyligen Bibel beschehenc und (ebenda 100^): »wir besuchten 
die heihgen Statt oft vnd dick zu Jerusalem vnd vmbritten das 
ganze H. Landt, vnderschiedtlichen alle Statt, Schloss vnd Flecken 
als dieselben oberzehlet, auch jedes insonderheit deutlich be- 
schrieben besehende.« Wenn auch es übertrieben scheinen muss, 
dass die Reisenden vom 11. Juli bis 24. August (so lange waren 
sie in Palästina) alle auf der Karte genannten Funkte besucht 
haben sollen, so wird die Thatsache fleissiger und geübter Um- 
schau nicht geleugnet werden können. Und was dadurch nicht 
gewonnen werden konnte, ward durch Nachrichten, vielleicht 
auch kartographische Skizzen ergänzt, die auf dem Zionsberge 
von den Franziskanern zu erlangen waren, wo, wie wir wissen, 
auch Walter von Guglingen gelehrte Unterweisung gefunden hat, 
sicher aber die in viele Pilgerschriften aufgenommenen »Pere- 
grinationes terrae sanctae, quae a modernis visitantur«-'') (1459 
redigirt) studirt Averden konnten. Ohne Zweifel hat auch Wil- 
liam Wey (1462) dort die nur bei ihm erhaltene Zusammenstel- 
lung aller der Wegstationen nach dem Sinai und Aegypten und 

1) So in den Legenden : In hys montibus (Burch. 37 § 17), In istis mon- 
tibus (Burch. 41 § 13; 43 § 16), Locus vbi Jhesus (BuRCH. 35, § 9), Ab hac 
ciuitate Aeconensi (Bciicii. 23 § 1 recht deutlich), Ciuitas ista capud (Burch. 
52 — 53 §7; doch vgl. auch F2 u. Wey), Campus Damascenus (Burch. 81, §24), 
Vallis Mambre (Bürch. 81 § 21), Cenaculum (Burch. 72, § 2). 

2) Hie pugnauit. 

3) Hie incipit vallis, Mons Carmelus vbi Nabal. 

4) Azor ciuitas. Hie Esau oceurrit, Vallis Bechar, Capodocia(bei Wey 
richtig : Cananea !) ; vgl. Reiseb. d. Familie Rieter 84 ; Sepp, Jerusalem II, 435. 

5) CoNRADY 5, Note 9 ; Deutsche Pilgerreisen nach d. heil. Lande 43, 
Note S6 ; Bibl. geogr. Palaestinae s. v. Peregrinationes. 



Die Palästinakarte Bernhard von Breitenbach's. 133 

der für die Pilger wichtigen Orte gefunden ^), die er in seinem 
Bericht nennt (131) -^y. Erzähltauf: »Gaza, Lugham, desertum 
Pharan, turris Bozor, fluvius Rinoconoro (sie), mons Synai, mons 
Oreb, Taurens castellura, monasterium S. Katerine, Rubus ar~ 
dens, Ortus s. Honoriferi (sie), Macaria, Terra Aegypti, Agulia al- 
tissima, vinea balsami, ficus Pharaonis, ecclesia S. Mariae, Nova 
Babylonia, Zacca, Galachia, Saris (sie), Bilbes, Alariff, Catria 
(sie), Alchamchi (sie), Ffrasturi, Butoli, Dampnata, Summutt, 
duodecim via in Mari Rubro, Mecha, ciuitas Machameti, Mare 
rubrum, ubi populus Israel adorabat vitulum, Helym .'.,'.' Sua- 
chym, monasterium S.Pauli, (p. 132)Pevssayr, civitasCayr, Choos, 
civitas, monasterium S. Antonii, flumen Nyly, insula auri, Pira- 
mides dominorum paganorum Babilonie, Fuga, ecclesia in Arabia, 
Vruth (sie), columpna altissima Alexandrina, magna Salme (sie), 
Sherion, Eashero, mons in civitate Alexandrie, Portus vetus. « 
Und dies Verzeichniss von Ortsnamen ist auf unserer Palästina- 
karte nahezu vollständig eingetragen, vielfach mit besseren Les- 
arten, also dafür als Quelle anzusehen, während hier wie dort das 
Verzeichniss der Stationen von Gaza nach dem Sinai, die Brei- 
tenbach mit seinen Begleitern berührt haben, fehlt. Ohne Zweifel 
war die Route von Gaza nach Cairo eine viel häufiger be- 
gangene-^), als die längere und beschwerlichere nach dem Sinai 
und desshalb in der Quelle für W. Wey wie für unsern Karto- 
graphen nicht eingetragen ; sie war wie die dem letzteren sonst 
zur Verfügung stehenden Materialien wahrscheinlich in italieni- 

1) Wie dürftig der Reisende mit geographischem Material versehen war, 
als er aufbrach, siehe in ZDPV. XXI, 96—97, Note 1. 

2) Wey giebt (128 — 132) ein Register von Ortsnamen (die alle auf seiner 
Karte stehen sollen, aber nur zumTheil dort eingetragen sind; übrigens reicht 
auch die Karte nur bis Gaza), das dann (132—138) in alphabetischer Ordnung 
wiederholt wird. Dies Register ist erheblich reichhaltiger als das Breiten- 
bach's, der dafür wieder manches Eigene hat. 

3) Vgl. QuARESMius (ed. I) II, 929—930 und Röhricht in ZDPV. XXI, 
120 — 122, wo zu Note 5 noch nachzutragen ist: vgl. auch Edrisi ed. Jal'BERT 
1,340; Ibn Batuta (ed. Defremery et Sanguinetti) I, 111—112 (dort sehr 
genaue Angaben), Ritter, Asien XIV, 137—146 (für die alte Römerstrasse), 
für die Zeit der Pilgerfahrten vgl. Jacob us a Verona 247 ; Graf v. Löwenstein 
196a— 197; Jacob Wormser 222^—223, Helffrich 385^—386, Theuaud (ed. 
SCHEFER) 118; Monsieur d'Aramon (ed. Schefer 126—128); Reiseb. 123; 
Tuch. 369. 



134 Reinhold Röhricht, 

schem Latein abgefasst, wie man aus den Legenden: Ybi Moyses 
menabat gregem , Sant Geor und Napoloza erkennen kann i). 
Jedenfalls hat die Karte nicht nur wegen ihres Alters, sondern 
auch wegen ihrer auf autoptischen und gelehrten Studien ruhen- 
den Materialien einen hohen Werth ; die wenigen Fehler, welche 
dem Holzschneider begegnet sind, fallen nicht in's Gewicht 
und sind von uns in der Umschrift stillschweigend beseitigt 
worden. 

Nachschrift. Im Jahre 1880 erschien in Genf ein ;>Textus 
conferendus<: des Blrchardus de Monte Sign zum Zweck einer 
beabsichtigten Collation aller Handschriften und einer darauf zu 
begründenden neuen Ausgabe, die gewiss viel Licht verbreiten 
würde, aber wohl in absehbarer Zeit kaum erscheinen dürfte, so 
dass wir uns vorläufig mit der von Laurent weiter behelfen 
müssen. Da dieser mit Recht schon darauf aufmerksam machte 2), 
dass BuRCHARDUs, ein Predigermönch, seine Schrift »Fratri Bur- 
chardo, lectori fratrum ordinis praedicatorum in Magdeburch< 
gewidmet und mit Magdeburg in genauerer Beziehung gestanden 
hat, so wandte sich der Verfasser an das Königl. preuss. Provin- 
zial-Archiv in Magdeburg mit der Bitte, darüber gütige Auskunft 
gewähren zu wollen, die mit dankenswerther Bereitwilligkeit und 
Sachkenntniss auch erfolgte imd hier mitgetheilt werden mag. 

1) Wie bekannt, hatte Burchardus de Monte Sion seinem kurz gefassten 
Reisebericht (den er nachher ausarbeitete) an seine Freunde eine Palästina- 
karte beigefügt (Laurent 10 — 11: »que omnia, ut melius possint ymaginari. 
mitto vobis simul pellem, in qua omnia ad oculos figuranturc), die jedoch in 
den ältesten Codd. zu fehlen scheint. War vielleicht davon eine Copie auch 
im Zionskloster erhalten? lieber die uns bekannt gewordenen Karten in 
Burchardustexten, die jedoch alle recht verschieden sind, vgl. ZDPV. XXI, 
93. Note 1 u. 104—109. 

2) S. 3— 4: >Di8tat autem ab Accon (Nazareth) per VII leucas. Quod 
spatium melius estimare potui, quia sepius illuc pertransiui. Videtur mihi 
esse sicut de Magdeburg in Barboy« — »Videtur mihi, quod Jerusalem .... 
multo sit longior, quam antiqua ciuitasMeydeburgensis, quam includit murus 
circuiens de S. Ambrosio usque ad nouam ciuitatem exclusisse.«. Die Ver- 
muthung, dass unser Burchardus vielleicht aus dem Grafengeschlechte 
V. Barby stamme, lässt sich nach unserer oben citirten Quelle nicht entschei- 
den, da dessen Archivalien im Provinzial- Archiv zu M. nicht bis in das vier- 
zehnte Jahrhundert zurückreichen; das in Barby gelegene Dominikanerkloster 
wird zuerst 1332 erwähnt. 



Die Palästinakarte Bernhard von Breitenbach's. 135 

In der Erzdiöcese Magdeburg gab es mehrere Klöster, die die 
Bezeichnung >Mons« trugen, so in der Sudenburg, wo die Am- 
brosiuspfarre lag, das Kloster mons Carmeli; das Kloster Berge 
hiess mons S. Johannis, Leitzkau mons S. Mariae, das Nonnen- 
kloster Münzenberg mons Sion, das natürlich hier nicht in Be- 
tracht kommt. Hingegen ist ein Lector der Predigermönche in 
Magdeburg mit Namen Burchardus zu den Jahren 1276 und 
1285^), und ein gleichnamiger Predigermönch (B. de Scone- 
becke) 12932] nachweisbar. 

1) Riedel, Cod. diplom. Brandenb. A. XX, 188; I, 182, 183. 

2) V. Heinemann, Cod. diplom. Anhaltinus II, 526. 



Lobpreis des guten Pferdes. 

Mitgetheilt von Oberl. Bauer. 

Unlängst kamen mir einige poetische Lobsprüche über Pferde 
zu Händen, wie sie da \ind dort unter den Beduinen im Umlauf 
sind. Ich biete die fünf folgenden im Original und in ziemlich 
wörtlicher Uebersetzung dar. Der Rhythmus der Verse freilich 
ist, wie es scheint, durch den Volksmund etwas verdorben worden. 

1. _^^^S ^l^^\ 

»^^oJi iVcLo iCi^^sAj», ^f.=>*.J i-^*>^>i , -5 L.^". ,4-^'\ 



1. Der Fuchs. 

[M]ein Fuchs') gleicht dem Gesicht des Geliebten, 

Seine Blesse-) ist wie der blendend weisse Morgen, 

Sein Wiehern und seine Füsse sind unvergleichlich schön •^), 

Sein Gang ist wie der im Wind dahinsausende Vogelflug. 

2. ^<^y^ ^^\ 
C^ ->-jr '-' -^ ^ ^ ; C ■ . " ».^ ... 

1) Eig. : Ein Fuchs oder ich habe einen Fuchsen. 

2,1 Weisser iStirnfieck. 

3: Wo: wie die der Gazelle. Dem Araber ist die Gazelle in allen Dingen 
das Bild der Anmut und Schönheit, — wie es scheint, selbst hinsichtlich 
ihrer hässlichen Stimme. 



Lobpreis des guten Pferdes. 137 

2. Der Schimmel. 

Mein Schimmel gleicht dem erwachenden Morgen, 

Sein Haar ist wie aufgelöste Seide (in weichen Strähnen herab- 

fliessend), 
Durch seinen raschen Gang überflügelt er selbst die Vögel, 
und dabei ist sein Gang ruhig und sein Reiter ist guten Muths 

auf ihm. 

3. 9^^^\ ,Wi 



^ ^ rC 5 , - 0> 



^y\\\ oU:^l J-v=^^ '4J■•^^J^■ ^^-^^ '^■^^ ^-l;^ '"^'l? o 

^IkW vAa£^3 UiAii ^3 Jjj-'i s: (j^J UjlXL J, ^^\ oLa> cr_>'' 

3. Der Kohlrappe. 

Willst du ausziehen Helden zu berauben, 

So lasse man dich die besten der schwarzen Pferde reiten. 

Denn ein solch gut gepflegter Rappe kommt sogar 

Dem kräftigen, mit sprenkeligen Fesseln zuvor. 

Ja, er ist eins der besten Pferde unseres Landes, 

Kein zweites auf der Erde, wo es auch sei i), kommt ihm gleich. 

rui.kl\ xÜ ^^iL;ljl ^V^ (JilL. yS^ ^=J\:i ^.♦i=:T (j^;,^^ e<'3 

4. Der Mohrenschimmel oder Blauschimmel. 

Dieses blauweisse, gutgepflegte Pferd, Avelches auch 

In finsterer Nacht mit dem Ostwind um die Wette läuft, 

Ist scheckig an den Fesseln, sein Bug^ gleicht 

Dem einer Gazelle und es hat eine schöne weisse Blesse. 

Und was sein Wiehern betriffst, so haben sich an seiner Stimme 

Alle Seelen, o du Kriegsheld! [erfreut 

1) Selbst nicht in der Fremde (nicht Persien). 

2) Gemeint ist der Ort, wo Hals und Brust ineinander übergehen. 



) , E, 



\ 3g Bauer, Lobpreis des guten Pferdes. 

^LJl*i\ iC^iii\ ■ si\Ä£ \i (.j.,*^»»ö5 viL^vü ^^UiLo Q-» 

5. Der Braune. 
Mein Brauner ist eins der besten Pferde unseres Landes, 
Dem kein zweites in der Wüste gleichkommt. 
Er ist stolz und edel, fürwahr ich muss 
Ihm das beste Lob zuertheilen. 






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Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 

Von Josef Strzygowski. 

(Hiezu Tafel 4.) 



Am 30. März 1901 kam in Jerusalem in der Judencolonie 
vor dem Damascusthor ein Fussboden in Mosaik zu Tage, im 
Hauptfelde Orpheus darstellend. Die Freilegung wurde von den 
Behörden den Dominicanern, die in der Nähe ihren Sitz haben, 
übertragen und von P. Lagkange geleitet; doch wurden die Ar- 
beiten bald behördlich eingestellt und die freigelegten Theile mit 
Matten zugedeckt; man wolle erst Befehle aus Konstantinopel 
abwarten, hiess es. Das geschah, nachdem die Dominicaner eine 
photographische Aufnahme gemacht und eine freilich nicht 
nachgeprüfte Zeichnung entworfen hatten, die beide in ihrer Zeit- 
schrift, der Revue biblique X (1901) p. 436—444 und Tafel zu- 
sammen mit einer genauen Beschreibung von Fr. H. Vincent 
mitgetheilt sind. Zwei deutsche Maler, Cornely und Hartmann, 
wurden durch die bei der Ausgrabung anwesenden Soldaten ver- 
hindert, eine Copie anzufertigen. Ein Abzug der Photographie') 
wurde durch die Redaction dieser Zeitschrift mir mit dem Er- 
suchen übersandt, ihn zu veröffentlichen. Ich komme diesem 
Wunsche gern nach, weil mir das Mosaik in mancher Hinsicht 
werthvoll scheint. In der Beschreibung mviss ich mich an das 
halten, was ich in der Photographie sehe, und verweise im Uebri- 
gen, besonders bezüglich der Farben, auf Vincent. Nur über die 
Raumvertheilung kann ich, gestützt auf Mittheilungen der Her- 
ren CoRNELY und Hartmann genauere Angaben machen. Die 

1) Leider ist derselbe oben etwas beschnitten, sodass man dort weniger 
sieht, als in der Abbildung der Revue biblique. Der Vorzug meiner Abbil- 
dung liegt in ihrer Grösse und besseren Deutlichkeit. 



140 



Josef Strzygowski, 



nebenstehende Grundrissskizze giebt darüber annähernd Auf- 
schluss, Messungen konnten nicht vorgenommen werden. 

Wir sehen (Abb, l(i) einen oblongen Raum von ca. 5,70 m 
Länsre und 3,20 m Breite, dessen Axe nach Vince>'t von SW. 
nach NO., nach Cornely und Hartiviann nach O. gerichtet ist, 
wo inmitten der Schlusswand eine kleine Nische zwischen zwei 
seitlichen Kammern erscheint. Zwei in den Längswänden vor- 
tretende Wandpfeiler deuten eine Gliederung an , zu Seiten des 

nördlichen sieht man eine in den 
Hauptraum führende Thürschwelle(?) 
und eine auf den schmalen Raum 
vor der Apsis mündende Treppen- 
stufe. Stellt man sich in die Apsis, 
so hat man zunächst zwei Quer- 
streifen von Mosaiken zu Füssen 
(Taf. I) und gewahrt dahinter, mehr 
als die Südwesthälfte des Bodens 
einnehmend, eine Art Teppich in 
Mosaik, in dessen 2X 1,24 m grossen 
Mittelfeld auf weissem Grund Or- 
pheus unter den Thieren dargestellt 
ist. Ein Jüngling mit lockigem Haar, 
darauf die spitze, oben eingerollte 
Mütze, sitzt in Vorderansicht, be- 
kleidet mit einem langärmeligen, 
blauen Chiton, rother Chlamys und 
Sandalen da und greift in die Seiten 
einer Harfe, die er im linken Arme 
hält. Unter ihm in den Ecken des 
Bildes erscheint ein Kentaur mit 
struppigem Haar und Bart, eiuThier- 
fell um die Schlüter, Er stützt den Kopf in die Rechte, wendet 
sich der Ecke zu, in welche die linke Hand eine Keule setzt, 
und blickt zurück. Gegenüber steht ein bocksfüssiger Pan mit 
Hörnchen und langen Ziegenohren und einer Syrinx in den Hän- 
den, Er blickt auf den Beschauer und weist nach links, sei es auf 
den Kentauren, sei es überleitend auf Orpheus. Auf dem Boden 
sieht man Pflanzen, darüber raumfüllend einen Hasen von sehr 
schlechten Formen. Oben umgeben» Orpheus Thiere, zu jedem 




5TRASSE 
Abb. 10. Jerusalem: Plan- 
skizze des Raumes, in dem 
das ürpheusmosaik gefun- 
den Avurde. (Nach Augen- 

maass. ) 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 141 

scheint raumfüllend ein grüner Zweig zu gehören. Links über 
dem Kentauren ein Adler, mit einem Goldmedaillon um den Hals, 
nach links hin vor seinem Zweige sitzend, darüber ein grau- 
brauner Bär, auch wieder von Orpheus abgewendet, aber nach 
ihm zurückblickend; der Zweig unter seinen Hinterfüssen. Ueber 
seinem Rücken ein grünes Thier mit rothen Augen, das Vincent 
als Pourceau bezeichnet, es scheint mir eher ein mislungenes Schaf 
o. dgl.; der Zweig hinter ihm. Ein kleiner Zweig über seinem Kopf 
gehört zu der Schlange, die sich über des Orpheus Haupt nach 
rechts einer Art Krokodil oder Salamander entgegenringelt, das 
rechts die Ecke füllt, in die es mit einem rothen Strick gebunden 
ist; der zugehörige Zweig zwischen Harfe und Orpheus-Kopf. Der 
Zweig rechts neben der Harfe zeigt neben dem Stamm einen klei- 
nen Vogel mit rothem Schopf, nach Vincent ein Rebhuhn. Ueber 
dem Zweig unter der Harfe sieht man ein Thierchen, das Vin- 
cent für eine Ratte ansieht. Es bleibt dann noch ein Schilfzweig 
links zu Füssen des Orpheus und der den Boden andeutende 
Strich. 

Dieses Mittelfeld, bei dem der unbeholfene Mosaicist ängst- 
lich auf eine gleichmässige Füllung aus ist, ohne irgendwie 
eine Raumvorstellung wecken zu wollen, wird umschlossen zu- 
nächst von einem schwarzgrundigen Streifen, in dem sich um eine 
gelbe Mittellinie ein mit Lotosblüthen gefülltes Wellenband 
schlingt, das Ganze in den Farben Blau, Gelb, Roth und Weiss 
wechselnd. Dann folgt, ebenfalls auf schwarzem Grund, eine 
Art breiter Akanthusranke, die bald grünlich, bald roth, bald 
orangefarben ist. Die Blattlappen sind nach innen gerichtet, die 
Zwickel zwischen den medaillonartigen Feldern durch eingerollte 
Winden und Punktsterne gefüllt. In die Ecken des Rahmens 
sind bärtige Köpfe vom Typus etwa des Okeanos gesetzt, in den 
übrigen vierzehn Feldern aber sieht man allerhand Darstellun- 
gen: rechts eine Taube, ein Reh(?), darüber Früchte(?); dann 
oben einen Reiher, einen Hirsch und einen Delphin(?), links, 
soweit erhalten, ein Pferd, ein Rind und einen Vogel, unten, 
also nach der Apsis hin links eine Taube mit Halsband, rechts 
ein Thier, in der Mitte die Büste einer bartlosen Gestalt mit 
einem Medaillon um den Hals, einer Art Krone auf dem vollen 
Haar und einem Füllhorn neben der linken Schulter ^]. 

1) Vincent a. a. O. muthmaasst, es könnte Mercur sein.' 



142 Josef Strzygowski, 

Diese Büste accentuirt die Mitte und leitet über auf zwei 
weibliche Gestalten, die zu Seiten einer Säule in dem ersten der 
beiden Streifen vor dem Orpheusmosaik stehen. Diese Streifen und 
das Orpheusmosaik werden zu einem Ganzen zusammengefasst 
durch ein Flechtband. Folgt man diesem, so zeigt sich, dass der 
zunächst an das Orpheusmosaik stossende Streifen durch Wand- 
pfeiler eingeengt ist, der äussere Streifen bei der Thür aber 
breiter ausgreift; auch ist er wie das Orpheusmosaik als ein 
Feld behandelt, während der Mittelstreifen in fünf Rechtecke 
zerlegt erscheint. Die ganz schmalen äusseren Felder i) zeigen 
auf weissem Grunde rothe Blüthen übereinander, eine Art Stoff- 
muster, Avie man es auch am äussersten Rande um das Orpheus- 
mosaik herum findet. Die beiden folgenden Felder umrahmen 
mit einem Lotosbande oben und einem auch am Rande des Or- 
pheusmosaiks vorkommenden, schachbrettartigen Muster unten 
0,20 m hohe Steine von 0,60 X 0,34 m Grösse, mit abgeschrägten 
Seiten. Man denkt von vornherein wegen der in derselben Flucht 
liegenden Wandpfeiler, auf die ja auch das Paviment Rücksicht 
nimmt, an die Fussplatten von Pfeilern, die das schmale Querschiff 
von dem Gemache mit dem Orpheusmosaik trennten. Vincent 
macht dagegen geltend, dass sie zu unregelmässig behauen, auch 
mit einer Stuckschicht bedeckt seien; er hat daher an Gräber 
gedacht. Die Steine wären dann jedenfalls bedeutend kleiner 
als die darin Bestatteten. Auch theilen mir die Herren Cor- 
NELY und Haktmann mit, dass das Mosaik etwas gegen die 
Steine anwächst, diese also gelegt sein müssen, ehe das Mosaik 
ausgeführt wurde. Wenn also die Deutung der Steine auf 
Gräber auch ausgeschlossen scheint, so soll damit nicht gesagt 
sein, dass der Raum selbst keine Grabcapelle gewesen sein könnte. 
Die Frage wird leicht zu entscheiden sein , sobald man die Aus- 
grabungen wieden aufnimmt. Zu der Deutung der Basen auf 
Gräber kam Vincent wohl dadurch, dass es diejenigen der beiden 
Frauen sein könnten, die im Mittelfelde dargestellt sind. 

Diese beiden Frauen, inschriftlich als ©SOJA OCIA und FG- 
(JÜPriA bezeichnet, stehen in Vorderansicht da und tragen den 
Nimbus, Theodosia, wie es scheint, mit einem Diagonalkreuz oder 

1; Das linke war noch nicht ausgegraben, dürfte aber wohl dem rechten 
entsprechen. Vgl. für dieMuster die in der Rev.bibl. gegebene Aquarellcopie. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 14'3 

Monogramm Christi darin. Die Gesichter sind klein und rund, 
mit grossen Augen, schmalen kurzen Nasen und kleinem Mund, 
alles, wie ich gegen Vincent meine, durchaus conventionell gebil- 
det. Ich möchte daher nicht glauben, dass eine Frau, Georgia, alt, 
die andere jung dargestellt sei. Im Haar tragen sie Bänder (mit 
Edelsteinen?), im Ohr lange Gehänge, um den Hals farbigen 
Schmuck. Beide sind bekleidet mit der Penula , die eine mehr 
braun, die andere bläulich, darunter kommt das bis auf die roth 
und gelb beschuhten Fiisse reichende Untergewand hervor, an 
dem man allerhand Muster sieht. Theodosia hält in der Rechten 
eine Lotosblüthe über der Brust, in der Linken, wie mir scheint, 
ein Sacktuch, Georgia trägt einen grünen Vogel. Die Säule 
zwischen ihnen hat Basis und Kapital durch wagerechte Striche 
abgetheilt und wird in der Mitte von einem Knoten umschlun- 
gen. Oben läuft ein Band einander zugeneigter Linien hin, 
unten das textilartige Streumuster aus Blüthen, hier mit einem 
Diagonalkreuz in der Mitte, ähnlich wie auf der Eingangsschwelle 
rechts neben dem Orpheusmosaik. 

In dem Streifen unmittelbar vor der Apsis sieht man durch 
ein continuirliches, in den Regenbogenfarben zusammengesetztes 
Band einen Kreis zwischen zwei Quadraten gebildet , alle drei 
durch Knoten verbunden. Darin ist ganz rechts ein nackter Jäger 
mit flatternder Chlamys und Speer, in der Mitte ein ihm ent- 
gegenspringender Löwe zwischen Zweigen, links ein laufender 
Hund wieder zwischen Zweigen gegeben. Man könnte glauben, 
der Streifen setze sich nach links, wohin der Hund läuft, fort, 
der Kreis liegt nicht in der Mittellinie der übrigen Mosaiken. Die 
kleine Apsis selbst, die 10 cm über den übrigen Boden erhöht ist, 
zeigt ebenfalls ein einfaches Mosaik, geometrische Muster fanden 
sich auch in den seitlichen Kammern und im Westen des Or- 
pheusmosaiks. 



Fussbodenmosaiken mit Darstellung des Orpheus unter den 
Thieren gibt es in sehr grosser Zahl, Stephani zählte deren zehn 
auf^), Knapp fügte weitere zehn hinzu 2) und der neueste Bear- 

1) Compte rendu de la comm. imp. arch. 1881, S. 102 f. 

2) lieber Orpheusdarstellungen. Beilage zum Jahresbericht 1894/5 des 
kgl. Gymnasiums in Tübingen S. 28. 



144 Josef Strzygowski, 

beiter des Orpheusmythus, GraippE i), bringt gar mehr als 25 mit 
dem Zusätze auf, dass damit wohl nur ein kleiner Bruchtheil der 
wirklich ausgegrabenen Mosaiken gegeben sei. Unter diesen 
Umständen möchte es scheinen, dass der in Jerusalem gemachte 
Fund eben nur einer von Dutzenden sei. Dem ist nicht so. Zu- 
nächst bietet er das erste Beispiel eines solchen Orpheusmosaiks 
aus dem Orient. Gruppe bemerkt zu den von ihm angeführten 
Darstellungen ausdrücklich, dass sie alle den westlichen Pro- 
vinzen des Kaiserreiches: Italien, Afrika (Tunis und Algier), 
Gallien, der Schweiz, Deutschland, Oesterreich und England 
ansrehoren. Aus dieser auffallenden Thatsache hätte man leicht 
den Schluss ziehen können, dass die Orpheusmosaiken eine spe- 
cifisch römisch-abendländische Erscheinung seien. Das wird 
zwar durch den neuen Fund widerlegt — doch nur bis zu einem 
gewissen Grade. 

Bei keinem der abendländischen Mosaiken ist ein Zweifel 
an ihrem heidnischen Ursprung aufgetaucht; sie alle dienten 
wahrscheinlich profanen Gebäuden zum Schmuck, etwa wie ein 
bekanntes Bild an der Gartenmauer einer Villa in Pompeji 2), 
Unser Mosaik erweckt von vornherein — nicht erst wegen der 
beiden zweifellos aus christlicher Zeit stammenden Frauen 
Theodosia und Georgia, die auch später eingefügt sein könn- 
ten — den Eindruck, als wenn es christlichen Ursprunges 
wäre-^). Ich finde mich hier im gleichen Fall, wie 1889, als 

1) Bei Röscher, Ausf. Lexikon der griech. u. röm. Mythologie s. v. 
Orpheus Sp. 1190 f. 

2) Farbig bei Presuhn, Pompeji III 6. Sonst oft abgebildet, so be 
Gruppe Sp. 1178. 

3) Pavimente anti ken Inhaltes giebt es in Syrien viele, »^.ir hat man 
darauf bisher wenig geachtet. Ueber Madeba vgl. Nuovo BuUettino di 
arch. crist. V 167. Eine Abbildung Revue biblique I 635. Ein werthvolles 
Paviment fand Herr Legationsrath Max Freiherr von Oppenheim in teil el- 
masüdije am Euphrat. Es stellt im Rahmen reicher geometrischer Configu- 
rationen nach der Inschrift, den »königlichen Fluss Euphrat« dar. Zu seinen 
Seiten stehen zwei Frauen, links mit Scepter und Mauerkrone, rechts mit 
einem Füllhorn. Gemeint sind also wohl die hier angrenzenden Provinzen 
Syria und Mesopotamia. Einen zweiten Mosaikboden mit rein geometrischem 
Muster entdeckte Baron Oppenheim in el-blre. Ueber beide Denkmäler wird 
sein Reisewerk nähere, durch Photographien erläuterte Beschreibungen brin- 
gen. Auf mesopotamische Mosaiken in Berlin und Konstantinopel macht 
mich Hans Lukas aufmerksam. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 145 

ich im Centralmuseum zu Athen und im kais. ottomanischen 
Museum zu Konstantinopel zwei fast identische Fieisculpturen 
aus Marmor fand, den Orpheus unter den Thieren darstellend: 
ohne sichere Beweise geben zu können, war ich geneigt, sie für 
christlich anzusehen i). Diese Vermuthung ist von Dieterich 2) 
und Knapp vollständig, von Gruppe als immerhin möglich, aber 
unerwiesen abgelehnt worden. Es will mir scheinen, dass sich 
inzwischen ein annehmbarer Beweis für den christlichen Ur- 
sprung dieser eigenartigen Sculpturen gefunden hat. An ihnen 
fällt sehr der tectonische Bau auf: der breiten reliefartigen 
Hauptgruppe ist ein kleines Postament von der typischen Form 
eines Prismas mit vortretenden Profilen oben und unten unter- 
geschoben, dazu haben sie oben einen kleinen Aufsatz in Form 
eines Baumstumpfes, in dem sich ein Zapfenloch befindet. Das 
Postament ist auch sonst, z. B. wie mir P. AR^■DT durch eine Photo- 
graphie nachweist, an einer Statuettengruppe, Selene und Endy- 
mion darstellend, in Catajo nachweisbar-^). Knapp ') hat ferner 
das Marmorfragment einer Orpheusgruppe in Aquileja heran- 
gezogen, das CoNZE so beschreibt: »Unter einem Eichbaum, auf 
dem drei Vögel sitzen, ist noch der Kopf eines zarten lang- 
lockigen Jünglings mit phrygischer Mütze erhalten;. Alles 
Uebrige fehle. Doch habe die Gruppe einen Pfeiler, der oben 
breiter wird und ein Zapfenloch hat ^) . Die wichtigste Analogie 
befindet sich im New York Metropolitan Museum of Eine Arts*^). 
Wir haben eine Freisculptur mit genau dem gleichen kleinen 
Postament und darüber, breit wie unsere Orpheusgruppen an- 
setzend, eine merkwürdige Darstellung: unten ist in einem brei- 
ten Streifen das Meer angedeutet, darin ein Schiff, über dessen 
Bord Jonas in den Rachen eines Seeungeheuers geworfen wird, 
während daneben das Thier nochmals erscheint, den Jonas aus- 
speiend. Rückwärts steigt in der Mitte eine vierkantige Stütze 

1) Vgl. Strzygowski , Reste altchristlicher Kunst in Griechenland, 
Römische Quartalschrift IV 104 f., Taf. VI. 

2) Nekyia230 A. 1. 

3) DÜTSCHKE, Antike Bildwerke in Oberitalien Nr. 475. 

4) a. a. O. S. 24. 

5) Denkschriften der Wiener Akad. d. Wiss. XXIV G6, A. 7. 

6) Veröffentlicht von W. Lowrie im American Journal of Archaeology 
V (1901) 52. 53. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XXIV. 10 



146 Josef Strzygowski, 

auf, vorn einst offenbar als Mast und Segel gebildet. Leider ist 
der obere Theil abgebrochen , es dürfte aber nach der völligen 
Analogie des übrigen Aufbaues kaum zweifelhaft sein , dass der 
Mast oben ein Ende mit Zapfenloch hatte. 

Das Stück stammt aus Tarsus in Kleinasien. Es ist christ- 
lich und beweist somit den Gebrauch so eigenartig tectonisch 
aufgebauter Statuetten, wie es unsere Orpheusgruppen sind, in 
christlicher Zeit. Nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, 
könnten auch die Stücke in Konstantinopel und Athen, ja selbst 
die Replik in Aquileja aus Kleinasien exportirt sein^). Doch 
darauf kommt es hier nicht an. Wichtiger ist die Frage, ob sich 
denn der Gebrauchszweck dieser Bildwerke nicht nachweisen 
lässt. Knapp dachte au eine tectonische Verwendung als Tisch-, 
Stuhl- oder Thronstütze. Das ist wohl von vornherein ausge- 
schlossen. Das Endymionstück fällt bei der Frage ganz weg, 
weil es den bezeichnenden Aufsatz nicht hat, vielmehr frei en- 
digt. Eine Handhabe bietet vielleicht die Thatsache, dass sowohl 
Orpheus wie besonders Jonas beliebte Motive des christlichen 
Gräbercultus sind -). Es ergiebt sich so die Möglichkeit, unsere 
Gruppen als Grabaufsätze o. ä. anzusehen. Thatsächlich hat denn 
auch H. Gruppe schon — er sagt nicht, aus welchen Gründen 
— die Orpheusgruppen für Sepulcralreliefs ausgegeben. Er 
bringt sie zusammen mit anderen antiken Grabsteinen, mit der 
Darstellung des Orpheus unter den Thieren, einem Sarkophag- 
relief in el-Amruni , einem Relief bei Venuti, Monumenta Mat- 
thaeiana (3, 1778, 37, 2) und einer Gruppe merkwürdigerweise 
nur in Steiermark vorkommender Grabsteine, deren bedeutend- 
sten, den sog. Pranger in Pettau^) ich hier nennen möchte, Aveil 
er in einer Beziehung, wie ich unten zeigen werde, mit dem Mo- 
saik in .Jerusalem in eine Parallele gestellt werden kann. 

Ich habe den Eindruck, als wenn der von der Kunst des 
Abendlandes so häufig als reines Schmuckmotiv verwendete Or- 

1) Vgl. mein »Orient oder Rom« S. 40 f. und meinen Aufsatz, >Das Pe- 
trusrelief aus Ivleinasien« im Berliner Museum, Jahrbuch d. kgl. preuss. Kunst- 
sammlungen XXII (1901) 29 f. 

2) Für Jonas sind Belege wohl nicht erst zu liefern. Für Orpheus vgl. 
im Besonderen Heussner , Die altchristl. Orpheusdarstellungen. Dazu 
Knapp S. 31 f.. GiiurPE Sp. 1202 f. 

3) Abb. bei Conze a. a. O. Taf. V und VI. 



Das neugefundene Orpheusmosaik in Jerusalem. 



u: 



dieser Gelegenheit noch 



rei 



pheus unter den Thieren im Orient eine vorwiegend symbolische 
Bedeutung hätte und glaube, dass es nicht so sehr die Macht der 
Frömmigkeit (nach Gruppe), als die Verbürgung der Unsterblich- 
keit (nach Heussner) ist, die man in ihm verkörpert sieht, d. h. 
ihm eine symbolische Beziehung auf seelische Unsterblichkeit 
(nach Knapp) beilegt. Es würde das ja durchaus zum Charakter der 
orientalischen Kunst passen, die von Alters her im symbolischen 
Sinne gestaltet ist und die rein künstlerische Formenauffassung 
der Griechen immer stärker verdrängt, bis sie in christlicher Zeit 
wieder vollständig zum Siege gelangt. Es ist nicht unmöglich, 
dass die specifisch symbolische Deutung des Orpheus unter den 
Thieren sich überhaupt erst in christlicher Zeit recht durchsetzt. 
Die Frage, wann die Umdeutung der Gestalt auf Christus als guter 
Hirte stattfand, habe ich bei anderer Gelegenheit berührt i). Im 
Orient hat der im Freien musicirende Hirt David V^erwandtschaft 
mit Orpheus ~). 

Erwähnen möchte ich bei 
Orpheusdarstellungen, die aus 
Aegypten stammen und von de- 
nen eine auch wieder näheren 
Bezug zum Grabschmuck haben 
könnte. Es ist ein runder Ein- 
satz aus Wolle, den W. de Bock 
in seiner Stoffsammlung aus 
Aegypten gebracht hat (Ab- 
bild. 17) '). Er stammt von dem 
Hemde eines Todten und stellt 
Orpheus in mehr orientalischer 
Tracht auf löwenfüssigem Sitz 
dar, auch wieder, wie in Jeru- 
salem in den oberen Theil 
der Bildfläche gerückt. Unter Abb. 17. Stoffsammlung W. de Bock: 
den Thieren bemerkt man links Einsatz mit Orpheusdarstellun«;. 
neben der Schulter den Ken- 
tauren sitzend mit geschulterter Keule, rechts über einem Greifen 

1) Rom. Quartalschrift IV, 104. ' ' ■ '' " '■ 

2) Vgl. Die Miniatur im Cod. Par. 139, im Chludow's Psalter u. a. O. 

3) Von koptischer Kunst; koptische gemusterte Gewebe, Taf. XVI S 
(Trudy der Moskauer Arch. Ges. VIII, Bd. III). 

10* • 




14g 



Josef Strzygowski, 



den Pan mit den Hörnchen. Aehnlich muss die Darstellung 
in einem Kundgiebel gewesen sein, von dem ich einen Rest, die 
rechte Ecke, in Mallawi, wahrscheinlich aus der Gegend von 
Antinoe oder Hermoupolis magna stammend, für das Kaiser 
Friedrichs Museum in Berlin gekauft habe (Abb. 18). Man sieht 
noch die Leier, daneben rechts den Pan über einer Ziege und in 
der Ecke die um einen Stamm geringelte Schlange ;, dann Bär 
vmd Hase. Aussen herum ein Streifen mit laufenden Thieren. 

Ein drittes Orpheusrelief, 
einen typisch ägyptischen 
Giebel, grub Edouakd Na- 
YiLLE in der kleinen reich- 
geschmiickten Kirche von 
x\hnas '), dem alten Hera- 
cleopolis magna aus. Die 
Darstellung beschränkt sich 
auf Orpheus, der die Leier im 
linken Arm hält, und einen 
Löwen, der auf einem Holz- 
gestell neben ihm steht und 
<mammmL-' ■«a>^K^^^,^^^^ ^^^® Vordertatzcn an den 
Blfc^^T^ Ä^*"^^^'^'!H l^a^d der Leier hält. Ob 
Abb. 18. Berlin, kgl. Museum: Fragment dem Löwen entsprechend 
eines Orpheusgiebels aus Aegypten. links etwas dargestellt Avar, 

lasst sich nicht mehr sagen, 
doch scheint es nach der Raumeintheilung, dass die Dar- 
stellung auf Orpheus und den Löwen beschränkt war. Wir 
dürfen diese Darstellung also nicht als die typische, sondern 
als eine auf plastische Fernwirkung berechnete Verkürzung 
ansehen. 

Der geläufige Typus der syro-ägyptischen Kunst scheint 
der zu sein, wo Orpheus im oberen Theil des Bildfeldes sitzt und 
von dem Kentauren und Pan inmitten anderer Thiere begleitet 
ist. Dem Mosaik von Jerusalem treten an die Seite der de Bock- 
sche Stoff, das Giebelfragment in Berlin und zwei Elfenbein- 
pyxiden, die sich jetzt in Italien befinden, die eine im National- 




1] Abbildung in Naville, Ahnas el Medineh, Taf. XIV. Jetzt im 
Aegyptischen Museum in Kairo, Nr. 7287 meines Kataloges. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 149 

museum des Bargello zu Florenz, die andere in Bobbio i). Er- 
stere steht stilistisch der berühmten Berliner Pyxis nahe, die 
ich für antiochenisch halte. Das Mosaik, von dem wir hier spre- 
chen, ist der Ilauptstützpunkt dieser Aufstellung; es giebt, wie 
sich zeigen wird, vielleicht auch für die symbolische Deutung, 
die Orpheus im Orient erfahren hat, entscheidende Aufschlüsse. 
Syrisch sind an dem Orpheusmosaik auch die in den Grund 
um Orpheus und die Thiere eingestreuten Zweige, die so ver- 
theilt sind, dass es aussieht, als wenn zu jedem Thiere sein Zweig 
gehörte. Ich kann dafür auf eine Arbeit verweisen, in der ich 
dieses Motiv bereits als specifisch syrisch nachgewiesen habe 2). 



Ich habe gleich in der Beschreibung gesagt, dass das neu- 
entdeckte Mosaik den Eindruck eines Teppiches mache. Das 
gilt nicht etwa nur im Allgemeinen Avegen seiner bunten Farben- 
pracht, sondern ist wörtlich zu nehmen. Zwar ist meines Wissens 
bis jetztkein antiker Teppich zu Tage gekommen; dass er nicht 
von der Art der sogenannten orientalischen Teppiche wäre, ist 
wohl sicher. 

Unser Mosaik zeigt, wie antike Teppiche mit figürlichen 
Darstellungen ausgesehen haben dürften. Ich kenne dafür kein 
zweites so stilgerechtes Beispiel, ausser etwa dem Mosaik im 
Pronaos des Zeustempels von Olympia ^j. Wir haben in .Jerusa- 
lem das figürliche Mittelfeld, dann als Bordüre das Lotosband, 
endlich den Akanthussaum, dazwischen schmale Streifen, — 
Semper würde sie als der alten Naht entsprechend ansehen — 
und aussen herum die Randleiste. Das Flechtwerk gehört nicht 
mehr zum Teppich, fasst vielmehr diesen mit den übrigen Mo- 
saikfeldern zu einem Ganzen zusammen. 

Es könnten Bedenken in der Richtung geltend gemacht 
werden, ob hier wirklich ein textiles Muster nachgeahmt sei. Ich 
will auch nicht behaupten, dass das im gegebenen Fall unmittel- 
bar geschehen ist; es scheint mir nur wahrscheinlich, dass dieser 

1) Veröffentlicht von Grisar im Nuovo BuUettino di arch. crist. III 
(1897). 

2) Strzygowski, Byzantinische Denkmäler I: Das Etschraiadsin Evan— 
geliar S. 58 f. 

3) Aufgenommen von G. Semper (Der Stil 1- 57). 



150 



Josef Strzygowski, 



Typus des Fussbodenmosaiks auf die Textilkunst zurückgeht. 
]>elogen dafür begegnet man unter den in ägyptischen Gräbern 
gefundenen Stoffen. Der Akanthussaum wird dort mit Vorliebe 
verwendet. Ich bilde hier einen dunkelvioletten Wollstoff mit 
farbiger Mitte ab, den ich in Achmim für das Kaiser Friedrichs- 
Museum in Berlin erworben habe (Abb. 19). Er hat eine ähnliche 
Eintheilung wie unser Mosaik. Ganz identisch ist der Lauf der 




Abb. 19. Wollstoff aus Aegypten. 



liordüre ; es ist keine fortlaufende Ranke. Diese setzt sich viel- 
mehr aus einzelnen Tförmigen Stücken zusammen, welche die 
Medaillons bilden '). Das Princip der fortlaufenden Welle ist 
— nicht immer — gewahrt dadurch, dass die Zapfen am unteren 
Ende des T die Richtung des nächsten Zweiges nehmen. Im ge- 
gebenen Falle fehlt die reichere Füllung der Medaillons, die hier 
überhaupt nicht deutlich ausgeprägt sind. Doch ist auch diese 
Art in den Stoffen häufig nachweisbar. Abbildung 20 zeigt den 



1) Weitere Beispiele abgebildet bei Gerspach, La tapisserie copte 
jS'r. 43 ; RiEGL, Die ägypt. Textilfunde Taf. XII, ii. a. O. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem, 



151 



unteren Saum eines Hemdes , das ich für dasselbe Museum im 
Kairiner Handel erworben habe. Die Akanthusranke bildet hier 
eine richtige Wellenlinie. In den deutlich ausgesparten Me- 
daillons sehen wir Thiere: Hasen, Gazellen, Löwen, den Hirsch, 
den Bär, das Rind (die Abbildung giebt nur einen Theil des 
Stoffes wieder 1). 




Abb. 20. Wollstoff aus Aegypten. 

Es muss ausdrücklich gesagt werden, dass diese Art Orna- 
mentik nicht etwa nur auf Stoffen vorkommt, sie wird dort nur 
mit Vorliebe angewendet, mag vielleicht gerade auf diesem Ge- 
biete eine reiche Entwickelung gefunden haben. Wir haben es 



1) Andere Beispiele Gerspach a. a. 0. Nr. 142; Riegl, a. a. O. Taf. 
XIII; FoRRER, Rom. und byz. Seidentextilien Taf. I, u. a. O. 



152 



Josef Strzygowski, 



mit geläufigen Motiven jener Reichskunst zu thun, deren Träger 
die grossen hellenistischen Centren und Rom sind^). Ich habe 
schon bei anderer Gelegenheit darauf hingewiesen, dass in diesem 
weit ausgebreiteten Culturkreise, der zeitlich durch die römische 



und die frühe griechische Kaiserzeit bezeichnet wird. 



die Stoffe 




Abb. 21. Pettau, Sog. Pranger, 
Seitenansicht. 



Abb. 22. WoUstofFe aus Aegypten. 



wesentlich dazu beigetragen haben mögen, Kunstformen zu ver- 
breiten. Handwerker dürften sich gern von ihnen Motive genom- 
men haben '■^). Ein solcher Fall könnte am sog. Pranger von Pettau 
vorliegen. Ich bilde hier (Abb. 21 und 22) eine der beiden Seiten- 
ansichten und daneben einen Wollstoff ab, den ich im ägyptischen 



1) Vgl. mein »Orient oder Rom«, Einleitung. 

2) Ich benutze die Gelegenheit, auch hier auf die in diesem Zusammen- 
hange werthvoUen Beobachtungen von Fr. Seesselberg (Die frühmittelalter- 
liche Kunst der germanischen Völker S. 4 f.) aufmerksam zu machen. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 153 

Handel für Berlin erwarb. Dargestellt sind tanzende nackte Figu- 
ren, dazwischen in kleineren Quadraten Löwen. Ausgangspunkt 
für diese Anordnung ist gewiss in beiden Fällen das langstreifige 
von oben nach unten laufende Bildfeld gewesen. Der Stoff lief 
als Streifen eines Hemdes oder hemdartigen Rockes über jede 
der beiden Schultern nach unten, der Grabstein wurde senkrecht 
aufgerichtet. Das Aufrechte des Bildfeldes lud wohl zur An- 
wendung eines Schmuckes mit Menschen und Thieren ein. Auf 
Stoffen ist diese Art des Ornamentes Legion'); aus dem Gebiete 
der Plastik ist mir nicht bald ein zweites, so genau damit über- 
einstimmendes Beispiel bekannt. 

Ich gehe nun über auf die beiden Mosaikstreifen, die dem 
Orpheusteppiche vorgelagert sind. Der Streifen bei der Apsis im 
Osten giebt in dem Motiv — geometrische Umrahmungen durch 
Knoten miteinander verflochten — ein Motiv, das wir im Mittelfelde 
des Stoffes Abb. 1!) wiederfinden. Man wird dort in den Zwickeln 
zwischen den vier Kreisen und dem quadratischen Rande auch 
jene scharf geschnittenen Füllungen sehen wie in unserem Mosaik 
in drei Ecken des mittleren Kreises: nur haben sie nicht Blatt- 
form, sondern bilden einen Rankenschnörkel. Auch die figürliche 
Darstellung einer Löwenjagd ist auf Stoffen, wobei der Jäger aller- 
dings meist zu Pferd dargestellt ist, häufig 2], ebenso jedoch auch 
in anderen kleinkünstlerischen Zweigen, wobei häufig wohl die 
Darstellung des Herakles, später des Simson hereinspielt. Man sehe 
daraufhin die Reihe der Elfenbeinkästen mit Sternornamenten 
durch 3). Nur ein Motiv möchte man als ein ursprünglich in der 
Mosaiktechnik entstandenes ansprechen, die Regenbogenfarben, 
in denen die geometrisch geformten Rahmen unseres Streifens 
spielen. Mir ist das Motiv bisher auf Stoffen nicht begegnet^), 
dagegen ist es in Mosaiken sehr häufig, was sich aus der dafür 
einladenden Technik erklären mag. Apok. IV, 3: /.cd Iqi^ 
yjvXü&av rov ^gövou ouotog opäoet auagaydn'ot ist vielleicht 

1) Gerspach a.a.O. Nr. 1 ; DiEHL, Justinien 74. 109. Die grosse Masse 
unpüblicirt. 

2] Vgl. z. B. DE Bock a.a. O. Taf. XVIII, 16 und 19; Gerspach Nr. 32. 

3) Zuletzt behandelt von Graevex im Jahrbuch der kunsthist. Samm- 
lungen des Allerh. Kaiserhauses XX 57 f. 

4) Ueber eine textile Form dieser Art vgl. Riegl, Altorientalische Tep- 
piche 12 f. 



154 Josef Strzygowski, 

Avörtlich zu nehmen. Das Motiv geht dann auch in die Minia- 
turenraalerei über. 

Während in diesem Streifen Motive rein decorativer Art 
vereinigt sind — ich weiss nicht, ob der Jagd eine symbolische 
Deutung zu geben sein -wird — enthält der mittlere Streifen 
eine Darstellung, die dem ganzen Mosaikboden ein gegenständ- 
liches Interesse giebt, das weit über dasjenige der Orpheusdarstel- 
lung an sich hinausgeht. Hier endet allerdings der Kreis dessen, 
worin ich mich ungefähr zurechtfinden kann. Was Theodosia 
und Georgia bedeuten, weiss ich nicht. Ich kann nur über ihren 
Typus sprechen. Die Einführung zweier Gestalten zu Seiten 
einer Säule findet sich öfter auf Sassaniden-Münzen ^) und christ- 
lichen Goldgläsern^!. Die Säule soll auf letzteren wohl den 
llaum füllen, im gegebenen Falle vielleicht die Richtung von 
der Apsis nach dem Kopf in der Akanthusranke und dem Or- 
pheus hin geben, eine symbolische Bedeutung hat sie schwerlich. 
Für die Zusammenstellung zweier Heiligen dürfte die Vorliebe, 
die sich für eine solche paarweise Gruppirung, wie es scheint, in 
Syrien nachAveisen lässt , geltend gemacht werden können. Ich 
erinnere an die paarweise Vorführung der Evangelisten im 
Etschmiadsin Evangeliar-'), die Heiligenpaare auf den vom Sinai 
stammenden enkaustischen Bildern in Kiew^), die beiden syri- 
schen Heiligen Abdon und Sennen als Mitteltheil in dem Wand- 
gemälde von S. Ponziano'') u. dgl. m.*"). Der Typus entwickelt 
sich schon in der altorientalischen Kunst und setzt sich auch in 
hellenistischer Zeit durch"). 

Auffallen muss, dass die beiden Frauen zwar durch den 
Nimbus als Heilige gekennzeichnet sind, dass aber die Bezeich- 
nung »heilig« in der Inschrift fehlt und sie auch nicht das ge- 
wöhnliche Attribut der Heiligen in früher Zeit, die Krone, in 

1) Vgl. Rawltson, The seventh great oriental monarchy, passim. 

2) Garrucci, Storia dell' arte, Tav. 188. Vgl. Vopel , Die altchrist- 
lichen Goldgläser S. 13. 

3) Strzygowski, Byz. Denkmäler I, Taf. III. 

4) Ebenda, Taf. VIII und Strzvgowski, Orient oder Eom S. 124. 

5) Garrucci a. a. O. 87, 1. 

6) So u. a. auch das Mosaik von S. Prisco in Capua vetere Garrucci 
a. a. ü. 255. 

7) Vgl. HuM.\NN undPucusTEiN, Reisen in Kleinasien und Nordsyrien, 
Taf. XXXVI f. 



Das neugefundene Ürpheusmosaih in Jerusalem. 155 

den Händen tragen. Diese könnte freilich in dem Haarschmuck 
gesehen werden ; dazu aber gesellen sich Attribute in den Hän- 
den, etwas der altchristlichen Kunst sonst recht Fremdes. Ausser 
etwa einer Rolle, einem Buch, einem Kreuz und den Schlüsseln 
bei Petrus finden sich andere Beigaben sehr selten ^j. Es scheint 
dass auch hierin wieder Syrien vorangeht; neben unserem Mo- 
saik kämen in Betracht einzelne der Heiligen , die oben neben 
den Canones-Arkaden im Rabbula-Evangeliar stehen, andere in 
dem auf dem Sinai entstandenen Kosmas Indikopleustes und — 
Johannes d. T. mit dem Lamm auf derMaximianskathedra'^i. Auch 
die Inschriften ohne das H AI"! A haben ihre Analogien auf dem 
enkaustischen Tafelbild vom Sinai in Kiew, wo einfach C6P[7ioc] 
und BAXOC neben den Heiligen steht. Ueberhaupt geht die 
Wiedereinführung der Schrift als Begleiterin der Figur, d. h. 
dass sie neben diese als Beischrift in den Grund der Bildfläche 
gesetzt wird, auf den Orient zurück, wo diese Art in der altägyp- 
tischen sowohl, Avie in der vorderasiatischen Kunst üblich war. 
Der Sieg des alten Orients über Hellas und Rom macht sich 
eben auf Schritt und Tritt geltend ■'). Bemerkt darf auch noch 
das Uebereinanderstellen der Buchstaben Averden, ein Brauch, 
der wie es scheint, seinen Ursprung auch im Orient hat, wo man 
gern Heilige in oblonge Felder fasst, und dann Anlass zu dieser 
Stellung der Buchstaben nimmt. Die Beispiele sind in der 
Miniaturenmalerei und auf Elfenbeinschnitzereien zu finden. 
Ich möchte im Besonderen die beiden syrischen Thüren im Deir 
es Sürjani erwähnen, die vom Jahre 913/4 und 926 7 datirt sind '). 

1) Ich möchte au dieser Stelle verweisen auf die merkwürdige Darstel- 
lung zweier Frauen, die Hahn und Hund halten, auf den sculptirten Säulen- 
trommeln im kais. ottom. Museum. Vgl. Byz. Zeitschrift I, Taf. II zu S. 579. 

2) Garrucci 129 f., 142 f. und 416, 1. Ich habe allerhand Anzeichen, 
welche die Maximianskathedra als ein Werk antiochenischer Kunst erschei- 
nen lassen könnten. 

3] Ich möchte nicht versäumen, darauf auch hier eindringlich aufmerk- 
sam zu machen und mich zugleich entschieden gegen die neuerdings von "Wien 
aus verbreiteten Anschauungen auszu.sprechen. 

4) Vgl. meinen Aufsatz in der Zeitschrift Oriens christianus I. Für 
Rom vgl. z. B.G.\RRUCCI a.a.O. 85 und 87, wo orientalische Einflüsse zweifel- 
los sind. 



156 



Josef Strzygowski, 



Ich wende mich nun der Oertlichkeit zu, in der das kostbare 
Orpheusmosaik zu Tage kam. Da erhält sofort etwas grosse 
Wahrscheinlichkeit, was ich aus dem Mosaik selbst nur muth- 
maassen konnte, nämlich , dass es dem Kreise der Gräberkunst 
angehört. Es darf als offenkundige Thatsache hingestellt wer- 
den, dass wir uns auf dem Terrain, in dem unser Mosaik gefun- 
den wurde, inmitten eines der ältesten christlichen Begräbniss- 
plätze von Jerusalem befinden. Ich überblicke leider im 
Augenblick noch nicht das gesammte, dafür in Betracht kom- 
mende Beweismaterial, doch genügt, was ich jetzt schon an- 
führen kann. 

Ich gebe hier (Abb. 23) eine Planskizze der Gegend, die mir 
meine Freunde, die Maler Fritz Cohnely und Gustav Hartmann 




Abb. 23. Lageplan-Skizze für das Orpheusmosaik in Jerusalem. 

eingesandt haben und gehe ausvondemGebäudecomplexdraussen 
an der Nabulusstrasse , der den Dominicanern von St. Stephan 
gehört. Am 26. Sept. 1891 haben die Väter 20 m von ihrer Ba- 
silika eine Grabanlage gefunden i), deren Hauptraum 5,95 X 
3.45 m gross und mit einem Rautenmuster in Mosaik geschmückt 



1) Näheres darüber Revue biblique I, 1892, 120. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 157 

ist^), in dessen Mitte man einen Kreis mit einem Lamm und 
raumfüllende Zweige sieht. Bei Fortsetzung der Grabungen 
fand man eine Gräbergalerie, die wieder einen Raum mit Mosaik- 
boden hatte, 3,55 X 2,55 gross, ebenfalls in Rautenform ge- 
mustert, diesmal etwas reicher und mit einer Bordüre, die zu- 
sammen mit dem Rautenmuster selbst die Nachahmung textiler 
Vorlagen unzweideutig erkennen lässt^). Es kamen andere Gräber 
hinzu, zum Theil loculi enthaltend und christliche Grabsteine, 
einzelne aus der Basilika selbst stammend'^). Diese in ihren 
Resten freigelegte Kirche liegt inmitten der Gräber, sie ist über 
diesen selbst errichtet. Ich sehe hier eine Sachlage, deren typi- 
scher Vertreter, von zahlreichen nordafrikanischen Beispielen 
abgesehen', das christliche Gräberfeld und die darauf errichtete 
Basilika von Salona ist*). Es ist durchaus wahrscheinlich, dass 
die Kirche in Jerusalem über dem Grabe eines bedeutenden 
Märtyrers errichtet worden ist, ob des Stephanos, habe ich nicht 
nachgeprüft. Darauf kommt es hier nicht an. 

Hauptsache ist im gegebenen Fall, dass sich das Gräberfeld 
vor dem Damascusthor nicht auf die Gegend des Dominicaner- 
besitzes beschränkt. 

Im Sommer 1894 wurde zwischen dem Damascusthor und 
dem Besitze der Dominicaner, mehr westlich an dem nach der 
Jaffastrasse führenden AVeg ein Mosaik mit armenischer In- 
schrift gefunden, dessen Abbildung man im 18. Bande dieser 
Zeitschrift Taf. 1 findet. Es ist nach Mittheilung der Herren 
CoRNELY und Hartmann 7,95 X 4,35 m gross und liegt über 
einem gewölbten Grabgemache, in dem sich menschliche Kno- 
chen vorfanden. Mir liegt die Photographie nach einer Original- 
aufnahme der genannten Herren vor, die zeigt, dass es sich um 
ein kleines Oratorium mit Apsis handelt. In letzterer sieht man 
eine Vase mit Früchten, Perlhühner und Blüthenzweige darge- 
stellt, dann folgt die armenische Inschrift auf einer langen tabula 



1) Abb. a. a. O. 118. 

2) Abb. a. a. O. 259. 

3) Vgl. a. a. O. 575 f. 

4) JelIc, Das Coemeterium von Manastirine in Salona und BuLic, Bul- 
lettino di storia ed archeologia dalmata, passim. 



158 Josef Strzygüwski, 

ansata ') : >Zur Erinnerung und (zum) (Seelen-) Heil aller Arme- 
nier, deren Namen der Herr weiss« 2) ^ dann, von einem Flecht- 
bande umschlossen, das Hauptfeld; unten in der Mitte sieht 
man ein Akantliusblatt, das eine schöne Vase trägt. Daraus wächst 
der Stamm eines Weinstockes hervor, der, sich über den ganzen 
Boden verzweigend, 43 Medaillons bildet, worin Vögel dargestellt 
sind. Die mittleren 7 Medaillons über der Vase zeigen einzelne 
Darstellungen , denen sich zu beiden Seiten je zwei Ranken- 
einrollungen mit einander paarweise entsprechenden Vögeln an- 
schliessen. So von oben nach unten 1. Schwalben auf Trauben- 
zweigen sitzend, dazu Reiher und Gans. 2. Ein Korb mit Trauben, 
dazu Fasan und Perlhuhn. 3. Ein Vogelkäfig, dazu Taube und 
Strauss. 4. Ein Adler in der Art des Reichsadlers, dazu Gans 
und Storch. 5. Eine Vase, dazu Reiher und Perlhuhn. 6. Eine 
Gansf?), dazu Taube und Flamingo. 7. Ein Korb mit Früchten, 
dazu Strauss und Taube. 8. Zu Seiten der grossen Vase je ein 
Perlhuhn und links Henne, rechts Hahn, darunter 9. Pfau und 
Ente. Die Ranke selbst ist sehr mager, die Blätter sind durch radial 
gestellte Rippen angedeutet und die Trauben lang herabhängend. 
Die Inschrift und das Grabgewölbe stellen ausser Zweifel , dass 
es sich um einen Coemeterialraum handelt. 

In der Nähe dieses Mosaiks liegt das Paviment, wovon ich 
heute spreche. Die Planskizze (Abb. 23) giebt darüber Auskunft. 
Ich glaube, man wird es kaum für gewagt ansehen, auch unser 
Mosaik, unter dem sich wahrscheinlich ein Grabgewölbe befindet 
— falls nicht die neben der Apsis liegenden beiden Kammern ein 
solches ersetzen — für sepulcral anzusehen , wodurch die oben 
bezüglich des Orpheus und der beiden Frauen ausgesprochenen 
Vermuthungen bestätigt würden. Den Maassen nach stimmt es 
auffallend mit dem Grabmosaik, das die Darstellung des Lam- 
mes zeigt. 



Es erübrigt mir noch, der Frage nach der Zeit, in der unser 
Mosaik entstanden sein könnte, näher zu treten. Das benach- 
barte Paviment wurde in dieser Zeitschrift auf Grund der 

1) Vgl. für diese Art der Anbringung einer Inschrift das Mosaik von 
bet sürlk, Revue biblique X 446. Auch die Inschrift des Euphratmosaiks 
(vgl. oben S. 144 A. 3) steht auf einer tabula ansata. / 

2) Nach P. Jacobl'S Dr.DASHiAN in Wien. Vgl. ZDPV. XVIII 58 f. und 
den Anhang zu diesem Artikel. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 159 

armenischen Inschrift als »mindestens dem 9. bis 10. Jahrh. 
angehörend« bestimmt. Das könnte die Vorstellung erwecken 
als wenn es allenfalls auch im 1). bis 10. Jahrb. entstanden sein 
könnte i). Vom kunstbistorischen Standpunkte ist das ausge- 
schlossen. Ich habe mich in dieser Frage an die Hw. Mechita- 
risten-Congregation in Wien gewendet und drucke das Gut- 
achten ab, das mir P. Jacobus Dr. Dashian freundlich zur Ver- 
fügung stellt (siehe Anhang). Danach kann die Inschrift nicht 
nur, woran mir lag, dem 5. und 6. Jahrh. angehören, sondern ist 
wahrscheinlich in diese Zeit zu datiren. Werthvoll ist auch die 
Vermuthung, dass der Künstler, der das Mosaik herstellte, wohl 
kein Armenier gewesen sei. Die von den Dominicanern freige- 
legten Pavimente haben keine datirten Inschriften ; wenn in dem 
einen eine arabische Lampe gefunden wurde, so bezeugt das nur, 
dass die Gräber im Beginne der arabischen Zeit noch zugänglich 
waren. Leider sind auch die übrigen bei Jerusalem gefundenen 
Pavimente nicht datirt, weder das mit armenischer Inschrift -j 
oder die andern auf dem Oelberge'), noch die Fragmente in der 
Casanuova^), im Kreuzkloster'') oder in Ramallah. Das ist zu- 
gleich das Wenige, — denn die Mosaikböden vonKabr-Hiram und 
Berdja hielt man gern für antik, — was wir bisher über die Kunst 
Fussböden zu mosaiciren aus dem christlichen Syrien und Palästina 
wussten; mancher wird diese ärmlichen Belege für ein deutliches 
Anzeichen dafür genommen haben, dass Syrien auch auf diesem 
Gebiete künstlerisch nichts geleistet habe. Welche Fülle dagegen 
in Rom und im Abendlande überhaupt! Dort lag eben, meinte 
man, das Centrum der Kunstentwickelung in christlicher Zeit, 
von dem der Orient seine Brosamen abbekam. 

Das Blatt hat sich in den allerletzten Jahren sehr gewendet. 
Wie auf allen Gebieten, so zeigt sich auch hier, dass, wenn wir 
von der christlichen Kunst des Orients nichts wissen , das nicht 
daran liegt, dass es dort nie viel gegeben oder die mehr als 
tausendjährige Herrschaft der Muhammedaner alles zerstört hat, 

1) So datirt Benzingek die arm. Mosaiken auf dem Oelberge (Baedeker, 
Palästina und Syrien, 5. A. S. 90). 

2) ZDPV. VII, 155 f. und MuN. 1895, S. 51 f., Revue biblique II, 241 f. 

3) Revue biblique IV (1895) p. 438 und V (1896) p. 275. 

4) Mitth. d. österr. Museums I, S. 160 f. 

5) Pierotti, Jerusalem e.vplored, pl. LXIII. 



1 (30 Josef Strzygowski, 

sondern dass wir in schreiender Ungerechtigkeit und Einseitigkeit 
wohl Alles gethan haben, um die altägyptische, assyrisch- 
babylonische, griechische und römische Denkmälerwelt aufzu- 
decken, uns aber um die christlichen Denkmäler des Orients ein- 
fach nicht gekümmert, vielmehr ruhig zugesehen haben, wie sie 
unter unseren Augen zu Grunde gingen. 

Auf dem Gebiete des l'avimentmosaiks hätte schon der 
Boden von Kabr-Hiram bei Tyrus aufmerksam machen sollen ^). 
Die Darstellung im Mittelschiff der Kirche ist jener in dem Mo- 
saik mit der armenischen Inschrift vor dem Damascusthor in 
Jerusalem sehr ähnlich; in den Seitenschiffen sind die Monate, 
Jahreszeiten^ Winde, dazu Thiere und Früchte dargestellt. Lei- 
der ist auch dieses Mosaik als dessen Besteller der Archiereus 
und Chorepiskopos Georgios genannt wird, nicht sicher datirbar. 
Da wurde in den neunziger Jahren Madeba, »die Stadt der Mo- 
saiken«, entdeckt. Wer kennt heute nicht die Karte von Palä- 
stina, die von Griechen gefunden und halb zerstört wurde ! Eine 
Fluth von Literatur hat sich ihrer bemächtigt-). Und doch ist 
sie nur einer von vielen kunsthistorisch weit werth volleren Fun- 
den. Fast alle Kirchen — MAXFREm zählt heute schon deren 
zehn -^j — hatten Mosaikböden : ausser der Landkarte kommen 
vor in der Marienkirche (2) Flechtornamente ^), in der Kirche 4 
diagonal gestellte Quadrate mit Blumen, Früchten und Thieren, 
in 6 ein Geflecht mit verschiedenen Figuren in grossen akanthus- 
artigen Blättern, in S, der sog. Kathedrale, Blumen, Vögel und 
Lämmer. Ich möchte hier näher eingehen nur auf die Mosaiken 
der sog. Eliaskirche 3, einmal, weil sie datirt sind, dann weil ich 
durch die Güte Fritz Cor^ely's in der Lage bin , ein Detail zu 

1) Renan, Mission de Phenicie, Annales archeologiques XXIII, Bayet» 
Tart byz. p. 31. Sciiultze, Archäologie, S. 201. Seit 1S92 im Louvre aus- 
gestellt. 

2) Vgl. zuletzt die gediegene Arbeit von Kubitschek, Die Mosaikkarte 
von Palästina, Mitth. d. Geogr. Gesellschaft in Wien, 1900, 335 f. Die Her- 
ren CoRNELY und Hartmann haben bereits zwei farbige Copien nach dem 
Originale gemacht. Sie sind bereit, weitere Aufträge entgegenzunehmen 
(Adresse: Düren, Rheinland, Kaiserplatz 16). 

3) Nuovo BuUettino di Arch. crist. V, p. 149 f. Danach meine für die 
einzelnen Kirchen angewendeten Zahlen. 

4) Über die Datirungsfrage siehe unten. Ein Facsimile der Jahreszahl 
in der Revue bibl. VII (1898) p. 425. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 



161 



reproduciren 1). Die Kirche hat eine Krypta. In ihrer Apsis sieht 
man (Abb. 24) eine Art Baum mit sieben rothen Früchten, zweifel- 
los Granatäpfeln, an drei grünen Zweigen auf einem schwarzen 
Grunde, der in sieben palmettenartigen Blättern auf dem weissen 
Gesammtgrunde eine Baumkrone bildet. Seitlich setzen Wein- 
zweige an, deren Trauben nach abwärts hängen. Zu beiden Seiten 
sind Thiere, vielleicht zAvei Schafe angebracht 2). Manfredi hat 



«.cfeb« 




l\ 



Abb. 24. Mittelstück der Apsis in der Crypta der Eliaskirche in Madeba. 

wahrscheinlichRecht,wenn er demGanzen symbolischeBedeutung 
giebt^). Das Mosaik wird datirt durch eine Inschrift im Räume 
vor der Apsis, wo in einem Bandgeflecht neben vier Medaillons 
mit Vögeln, in vier anderen Medaillons zu lesen ist: XC O @C 



1) Die mir vorliegende Aufnahme ist farbig. 

2) Gesammtabbildung Kevue bibliquc VI (1897) p. 652. 

3) Vgl. auch das Mosaik in Oumm er-Roüs, abg. Revue bibüque VllI, 



S. 454. 

Ztsclir. il. D. Pal.-Yer. XXIV. 



11 



162 Jjsef Strzykowski, 

Tüv oi/.ov TOVTOv avijyeiQiv Inl CeQyiov roüboito [tütov) e7TW/.67Tov 
OTTOvörj CtQyiov 7tQ{eoßvriQov) xnv iiyLovAlltavov evtcoYC^ erei^ 
also in das Jahr 490. In der Oberkirche finden sich zwei weitere 
Inschriften durch einen Kelch getrennt i), wovon die eine, die 
Bauinschrift vom J. B ivd. I A, d. i. 502, 1 1. Indiction datirt ist. 
Eswird sich nun darum handeln, festzustellen, nach welcher Aera 
hier gerechnet ist. P. Lammeus^) nahm an, es sei diejenige von 
Bosra, die Daten wären also für die Krypta 596, für die Ober- 
kirche G08 n. Chr. Das scheint mir aus künstlerischen Gründen 
zweifelhaft. 

Im J. 1900 hat eine archäologische Expedition, die, von Ame- 
rika ausgehend, den Thcil Syriens bereiste, den einst de Vogüe 
aufgenommen hatte , in den Bädern von Serdschillä 3) ein Mo- 
saik gefunden, das im Hauptmotiv demjenigen in der Krypta der 
Eliaskirche von Madeba sehr verwandt ist^). Auch hier näm- 
lich finden wir den Granatbaum ^) ; seine Früchte sind zwar klei- 
ner und die Aeste überwiegen im Gesammtbilde, aber wir haben 
wieder die sonderbare, so viel ich weiss, bis jetzt nur in Syrien 
nachweisbare coloristische Art der Bildung des Hintergrundes, 
eine schwarze Folie, die sich unregelmässig ausgezackt, vom 
weissen Gesammtgrunde abliebt ^j. Das Mosaik, von Serdschillä 
ist datirt: ^EtsÄu'ad-r^ tu Iovtqov [.ii^pI TIco'euov, roü ATTy STOvgy 
h'di/.Ttoi'og La. Gemeint ist hier zweifellos die seleucidische 
Aera, dem Jahre 7S4 entspricht nach der Indiction das Jahr 473 
n. Chr."; 

Nun habe ich den Eindruck, dass das Madeba-Mosaik nicht 
imi 123 Jahre jünger, sondern eher älter ist. Für Syrien wird 
wohl, wie im Orient und Italien überhaupt, im Gegensatz zu 
Byzanz gelten dürfen, dass, soweit nicht unmittelbar byzanti- 
nische Hände im Spiel sind — und das ist weder in Madeba 

1) Abbildung Nuovo Bullettino di arch. crist. III, p. 148. 

2j Etudes 1S97/8. Vgl. Nuovo Bull, di arch. crist. V, p. 158 f. 

3 VoGÜE, La Syrie centrale pl. 55. 

4) Abb. Revue archeologique III. Serie, Tome XXXIX (1900), pl. XII. 

.5) Das ■Motiv an sich ist altmesopotanischen Ursprunges und geht im 
AVege directer Ueberlieferung in die syrisch- chi'istliche Ivunst über. Darüber 
mehr an anderer Stelle. Für die Form der Blattfolie mit herabhängenden 
Trauben sind auch altägyptische Baumkronen zu vergleichen. 

6) Ein drittes Beispiel in Madeba, abg. Revue biblique I. p. 036. 

T) Vgl. auch PUENTICE a. a. O. p. 74/5. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 163 

noch in Serdschilla der Fall — die Kunst dort in ihrer Leistungs- 
fähigkeit eher eine zurückgehende Tendenz hat. Nun scheint aber 
das Mosaik der Krypta in Madeba weitaus besser gearbeitet, als 
das im Hade von Serdschilla. Solche Schätzungen haben ja sehr 
zweifelhaften Werth; ich kann sie aber hier doch nicht ganz bei 
Seite lassen, umsomehr als es nicht ausgeschlossen ist, dass in 
Madeba nach einer Localära gerechnet Avurde, die vielleicht 
von unserer (nach Christi Geburt) nicht zu sehr entfernt Avar. 
Die Jahre 490 und 502 ^) scheinen mir wahrscheinlicher als die- 
jenigen nach der Aera von Bosra. 

Man hat daraufhingewiesen, dass die Inschrift in der Ma- 
rienkirche von Madeba in derselben Weise anfängt, wie die In- 
schrift des Mosaiks von Kabr Hiram und deshalb die beiden 
Schöpfungen gleichzeitig sein dürften ^j. Mich überzeugt das 
nicht. Die Formel yiyovEV %h nav egyov kann sich Jahrhunderte 
in Syrien erhalten haben; sie kommt ja auch in dem Würfel- 
mosaik der Verklärung auf dem Sinai vor. Zudem glaube ich, 
dass DE Rossi recht hatte, wenn er das Mosaik von Kabr-Hiram 
für älter als Renan hielt, der es mit Hülfe der Aera von l^osra in 
das J. 580 datirte. Justinian ruft in Syrien keine zweite Kunst- 
blüthe hervor; er restaurirt und baut manches, saugt es aber wie 
Aegypten aus. Ich halte die Mosaiken der Mehrzahl nach für 
vorjustinianisch. Für das Mosaik der Sophienkirche von Madeba 
würde auch wieder das Jahr 474 passend sein, wir müssten dann 
die Schreibweise AOA für fehlerhaft insofern halten, als A für 
V gesetzt wäre. Aber dazu stimmt die Indication 5 nicht. Es 
wird Zeit, dass sich ein Fachmann auf Grund des jetzt vorliegen- 
den Materials mit diesen Dingen eingehend beschäftigt 3j. Er- 

1] Die Indiktion würde für dieses Jahr bezw. 503 n. Chr. stimmen. Diese 
Rechnung wäre nur durch die verdächtige Gründungsinschrift des Sinai- 
klosters bezeugt. Vgl. Gardthausen, Griech. Paläographie, S. 387. 

2) MiCHON, Revue biblique V (18981 p. 263 f. 

3) Es sei angeführt, was Ervxo Keil mir auf Grund der ihm vorge- 
legten Correctur zu der Sache sagt. Er trifft sich in der Datirungsfrage mit 
MiCHOX; danach wären die Mosaiken nachjustinianisch, ja eines sogar erst 
in arabischer Zeit entstanden. >In der Zahl AOA ist die erste Ziffer entweder 
aus A = 900 verschrieben, oder stellt die aus Papyri bekannte, aus Inschrif- 
ten, äusserst spärlich belegbare spitze Form des D. = SOO dar. Der zweite 
Fall ist darum unwahrscheinlicher, die runden Formen des (D überwiegen in 
der monumentalen Sohrift durchaus. Wir haben also 874 und 974. Bei so 

11* 



164 • Josef Strzygowski, 

wähnen möchte ich noch, dass Kuuitscmek die Landkarte von 
Madeba gegen Ende des 5. Jahrh. oder in die erste Hälfte des 
0. Jahrh. setzen möchte. Das würde ungefähr zu meinen Auf- 
stellungen passen. 

Das Mosaik von Serdschillä giebt vielleicht einen An- 
haltspunkt für die Datirung unseres Orpheus-Mosaiks. Der 
Granatbaum steht dort unter einem Inschriftkreis, der im Uebri- 
gen auf allen Seiten von Thieren umgeben ist: ein Tiger, der 
eine Gazelle und ein Löwe, der einen Wildesel überfällt, zu 
Seiten des Baumes, dazu Bär, Panther, Reiher u. s.w. i) Das 
Ganze wird umschlossen von einer Akanthusranke , die sehr 
schwerfällig gebildet und mit kleinen Füllmotiven, darunter 
einer Ente ausgestattet ist. Erinnert schon dieser Rankenstreifen 
an unser Mosaik, so noch mehr der Contrast zwischen diesem in 
seiner Buntfarbigkeit 2) und dem äussersten Randstreifen, der 
ein einfach schwarzes Rautenmuster auf weissem Grunde giebt. 
Das ist wieder jene Art, ein stoffartiges Muster als Grundmotiv 
zu nehmen, von dem sich in Jerusalem das Orpheus-Mosaik, hier 
das Thierbild abhebt. Letzteres ist sehr roh gearbeitet. Ich 
möchte glauben, dass das Jerusalemer Mosaik, das freilich auch 
kein Kunstwerk besonderen Ranges ist, etwa dem 4. oder 5. Jahrh. 
angehört. Die beiden Frauen könnten später eingefügt sein, 
obwohl das nicht wahrscheinlich ist. Man rechne jedenfalls da- 
mit, dass sich im Augenblick etwas Sicheres über die Datirung der 
syrischen Pavimentmosaiken nicht sagen lässt und eingehende 
Untersuchungen an Ort und Stelle, sowie neue Funde wesent- 
liche Aenderungen unseres Urtheils herbeiführen können. Hoffen 
wir, dass das von Eugkxe Muxtz der Association internationale 
des Academies vorgeschlagene Corpus der Mosaiken zu Stande 
kommt; dann wird auch das für die Kenntnis der christlichen 

hohen Jahreszahlen lässt sich nur an die Seleukidenära denken. Also ent- 
weder (874—312) = 562 oder (974—312) = 062. Die Indictionszahl 5 stimmt 
zu der zweiten auch paläographisch wahrscheinlicheren Lesung genau 
(312 + 345 [= 23 x 15] = 657 + 5 = 662). — Die Berechnung der Zahl <j>B 
nach der Aera von Bosra scheint mir richtig, da die Indictionszahl stimmt. 
Die Zahlen scheinen sich so gegenseitig zu stützen : 596, 608 und 662. Ein 
sachliches Urtheil habe ich natürlich nicht.« 

1) Vgl. Butler a. a. O. p. 657. 

2j Flamboyant nennt es Butler. 



Das neuegefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 165 

Malerei in Syrien, wie es scheint, wichtigste Gebiet, das der 
Pavimentmosaiken, nicht länger ein Stiefkind der Kunstgeschichte 
bleiben. . 

Anhang.". 

Die armenische Mosaik-Inschrift, die vor dem Damaskus- 
Thore in Jerusalem gefunden wurde, ist öfter veröffentlicht. 
Mehr als vier ähnliche Inschriften sind seit 1871 bekannt gewor- 
den, alle in Jerusalem, resp. in dessen Umgebung. Gesammelt 
wurden sie zuletzt in T. Balian's Schrift: »Das heilige Land« 
(CP. 1894, Bd. I, S. 300—3, armenisch). Ich habe dieselben in 
meinem Werke: >XJeberblick über die Hauptfragen der armen. 
Paläographie« kurz besprochen und mitgetheilt (Wien 1898, 
S. 136 — 8 u. 197 — 9, armenisch). Bei Balian fehlt noch die be- 
treffende Inschrift, da sie erst im Jahre 1894 entdeckt worden 
ist. Einige Notizen über diesen Fund giebt Rüben Samuelian 
in seinem Artikel in unserer armenischen Zeitschrift: »Handess 
Amsorya« 1898, Nr. 6, S. 161 — 2 (dgl. dessen Zuschrift in der 
Zeitung »Arewel/« Nr. 2702 arm.; ebenso ib. Nr. 3132 u.s.w.). 
Es sind auch einige Artikel in europ. Sprachen erschienen. Ich 
notire die folgenden, die ich leider nicht gesehen habe, nämlich 
speciell für diese Mosaik-Inschrift Oavsepian u. Murray ; ferner 
vgl. GUTHE u. T. S.i) ■. 

Die von Ihnen abgeschriebene Inschrift stimmt völlig mit 
jener überein, die auch ich in meinem Werke (Paläogr. S. 197) 
nach R. Samuelian veröffentlicht habe, ist also die Inschrift des 
Mosaiks vor dem Damaskus-Thore, die von Owsepian in Facsi- 
mile veröffentlicht sein soll. Sie lautet in Capitalschrift folgen- 
dermassen : 

1) Owsepian, »Mosaik mit armenischer Inschrift im Norden Jerusa- 
lems«, 1 Tafel etc. in DPV. [Zeitschrift d. Deutschen Palästina-Vereines XVIII 
(1895), 88—90). — Murray, A. S., The mosaic withArmenian inscription from 
near the Damaskus Gate: »Qu. St.« (Quarterly Statements of the Palestine 
Exploration Fund) 1895, April, p. 126 ff. — Guthe, »Mosaiken mit armeni- 
scher Inschrift auf dem Oelberge« in »Mittheilungen u. Nachrichten des D. 
Paläst.-Vereins«, I (1895), 51—3. — Vgl. T. S., Dicouverte non loin de Jeru- 
salem des fondations d'un ancien cloitre armenien, avec une inscription arme- 
nienne etc. in »Bote aus Zion«, X, 59 — 62. — Es wäre wohl manches nachzu- 
tragen. , . 



166 Josef Strzyogwski, 

2. mrb'bii.3'1, ;ij.3n{5 i2(1(mhj üirLnMuu sl» s•^8t. 

d. h. in gewöhnlicher Druckschrift, Umschrift u. Uebersetzung : 

j^ lim Uli iliiiiiuiiii/i/i liL i/iiiliiiiJflL u/li 

(Umschr.) Wasn yisataki ew ph^rkutean 

(üebers.) Zur Erinnerung und (zum) (Seelen)-Heil 

{(.ivripia) [aoJTrjQla] 

2, iiiulrliiiiili •jininn iiiiniiij niiiliriLiiiIiii S/'~ ilhui^x 

(Umschr.) amenarjn Ilayots zorots zanuans Ter gite. 
(Uebers.) aller Armenier, deren Namen der Herr weiss. 

Die Inschrift gehört also zu einer Sammelgruft für »alle 
Armenier« (vielleicht Pilger), die wahrscheinlich aus keiner ade- 
ligen Familie stammten, deren Namen daher nicht eingegraben, 
resp. in Mosaik geschrieben sind, oder, wie die Inschrift besagt, 
»deren Namen (nur) Gott bekannt sind«. Die übrigen Mosaik- 
Inschriften in Jerusalem weisen Namen einzelner Personen (wohl 
adeligen Stammes) auf. So die Inschriften, die im Osten des 
Dorfes Zeithun bei Jerusalem, beim Baue der nevien russischen 
Kirche und des Klosters im J. 1871 entdeckt worden sind, und 
zwar in einer Grotte mit 9 Grüften resp. Nischen , auf deren 

Deckel in Mosaik zu lesen waren die drei Namen ^flMl'^I 
(Dzodzik) CdhCU-li [Susan) und ini.(i>'lj (il/arm); vorderThüre 
der Grotte auf einem Grabe: »Fürbitter habend vor Gott den 
heiligen Jesai(as) und diese f (verstorb.) Väter, /'ch TVa?.a?i habe 
dieses Denkmal {i.irr]i.islov), zur Vergebung der Sünden, gemacht« 
(errichten lassen). Dort im Saale oberhalb der Grotte auf dem 
Mosaikboden: »Hier liegt (wörtlich: Das ist das Grab [arm. ,f//r' 
:=: QrjK>^ etc.] des seligen ...) die selige Sumnik, Mutter Ar fa- 
tvan's, (Monat) kori XVIII. ■ Daneben auf einem Mosaikboden: 
»Zum Gebet und zum Heil für Thehas., Abas und Maurik«.. Im 
Nebensaale (entdeckt im J. 1892) ebenfalls: »Das ist das Denkmal 
(arm. y'isatakaran = [ivriua u. ßvtji.iEiop) des Herrn^) Jacobun, 
das auf Verlangen gemacht wurde«. 

Ij Arm. »Ter« (Herr) war im Alterthum Titel für den Majoratsherrn 
eines grossen Fürstenhauses, daneben aber schon im V. Jahrh. auch Titel für 
die Bischöfe. Dieser Jacobus ist wohl ein Bischof, kein Fürst. Da der bibli- 
sche Name >Jacobus<- für einen arm. Fürsten in älterer Zeit ungewöhnlich 



Das neuo;efundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 167 

Schwierig ist es, ein bestimmtes Datum für diese Inschriften 
festzusetzen. Aus den Schriftformeu lässt sich, wenigstens 
vorläufig, nichts bestimmen. Die Schriftformen dieser Inschriften 
sind mir gut bekannt: mir liegen die photographischen Auf- 
nahmen einiger derselben vor. Die Schrift der meisten ist so, 
wie die Schrift aller arm. Inschriften, sowohl der älteren (soweit 
mir bekannt), als der verhältnissmässig jüngeren (z. B. jener in 
Ani u. s.w. bis ins selbst XII. Jahrb.), nämlich vorherrschend die 
sogenannte »Capitalschrift« (Versalien mit vorwiegend runden 
Formen), in einzelnen aber mit recht vielen sogenannten »Mittel- 
mesropianischen« Formen (Capitalschrift mit vorwiegend ge- 
raden resp. rechtwinkeligen Formen). Im Uebrigen habe ich in 
meinem obenerwähnten Werke den Nachweis dafür erbracht, 
dass auch die zweite Form der Capitalschrift, die sogenannte 
»Mittelmesropianische«, ebenso alt ist als jene mit runden For- 
men. Nach der Schrift also können die Inschriften sowohl aus 
dem V. resp. VI. , wie aus späteren Jahrhunderten sein. Nur 
diese in Frage stehende Inschrift für »alle Armenier« weist einige 
abweichende Formen auf; der erste Buchstabe in » Wasfi« (Z. 1) 

ist sehr undeutlich, fast 1). statt ^L. [W], fast so wie andere 
Steinmetzen den Buchstaben 1). [A) einzumeisseln pflegen. Eine 
abweichende Form weist auch der Buchstabe »A(- auf, nämlich 

durchwegs lA , sonst gewöhnlich U., l;i, u. dgl. Aber solche 
Einzelformen resp. Abweichungen kommen auch in fast allen 
mir bekannten Inschriften vor. Uebrigens war der Künstler, der 
das Mosaik hergestellt hat, wohl kein Armenier; manche Ab- 
weichungen der Formen u.s.w. sind daher leicht zu erklären. 
Im Allgemeinen aber ist die Inschrift gut gelungen. Aeltere 
Inschriften mit sicherem Datum sind mir wenige bekannt, noch 
weniger in guten Facsimiles resp. photogr. Aufnahmen, um über 
die verschiedenen Schriften sicher urtheilen zu wagen. 

In meinem obenerwähnten Werke (S. 137) hatte ich aber 
diese Inschriften im Allgemeinen so datirt: »augenscheinlich aus 
dem V. Jahrb., wenigstens aus dem Anfange des VI. Jahrb., 
jedenfalls vor der Festsetzung der armenischen Aera« (551 — 2 
A. D.). Ich glaube, dies wird im Allgemeinen zutreffend sein. 

und ganz unwahrscheinlich ist. Der arm. Adel trug parthische Namen, bibli- 
sche der Clerus. 



168 Josef Strzygowski, 

Obwohl die Inschriften zu kurz sind, um über deren Sprache ein 
Urtheil zu fällen, sind sie doch in einer guten, alten Sprache ab- 
gefasst. Es ist keine Spur von einer jüngeren Periode, d. h. von 
jüngeren Formen zu finden, die in anderen Inschriften sehr häufig 
sind. Auch die Abfassungsart dieser Inschriften weicht von 
der allgemeinen Form anderer Inschriften ab, und macht den 
Eindruck einer sehr alten Zeit. Massgebend für mich war aber 
der Umstand, dass alle diese Inschriften kein Datum tragen. 
Nach der Festsetzung der armen. Aera giebt es fast keine wich- 
tige Inschrift ohne Datum nach armen, Aera, und zw. steht diese 
gewöhnlich gleich am Anfange. Die Inschriften sind daher zu 
einer Zeit in Mosaik abgefasst worden, da es noch keine armen. 
Aera gab, resp. kurz nachher, als diese Zeitrechnung vielleicht 
noch nicht so allgemein üblich geworden war. Zu spät kann aber 
auch dies nicht der Fall gewesen sein. Denn auch in Jerusalem 
findet man Inschriften aus den ersten Jahren dieser Aera. So 
theilt Baliax (ib. S. 113) eine Inschrift eines alten sogenannten 
>> Kreuzsteines« mit (Kreuzsteine sind bei den Armeniern überall 
massenhaft zu finden), und zwar mit dem Datum: »im Jahre 21« 
(= 572A.D.). 

bestimmter könnte man vielleicht datiren , wenn man die 
in den Inschriften erwähnten Personen indentificiren könnte. 
Das ist etwas schwer, da nur wenige Namen genannt werden; 
aber Familiennamen resp. Stamm, Beiname adeliger Geschlechter 
und sonstige nähere Bezeichnungen fehlen. Einige Namen 
sind auch sonst nicht bekannt, z. B. -»Marini^ und ^Thewasi. 
^scheint eine syrische Form zu seinl. Am deutlichsten ist die 
Inschrift von ^^Susanik^ Mutter Artawan^s« (= Artabanus). Ar- 
tawan ist der Name einiger Fürsten. Mancher aber kommt hier 
nicht in Betracht, z.B. der Fürst Artawan vonWanand (Faustüs 
Byz. 111, 14). Aus dem Hause der Arsakunier ist zuerst ein 
ArtaAvan bekannt zur Zeit des Katholikos Giut (Ende V. Jahrb.), 
der später in Makedonien lebte (vgl. Camcian, II, 14S, citirt nach 
Cedkext s U.S. w.). Ich Aveiss aber nicht, ob seine Mutter Susanik 
hiess und in Jerusalem begraben worden ist. Da ist aber zwei- 
tens der bekannte Heerführer in byz. Diensten, d.ex Arsakunier 
Artatam (Artaban), der Sohn des Arsakuniers Johannes, welcher 
in der byz. Geschichte zur Zeit Justinian's (auch in Africau.s. w.) 
eine so grosse Rolle gespielt hat (vgl. Pkokopios, de hello Pers. 



Das neugefundene Orpheus-Mosaik in Jerusalem. 169 

II, 3; de bei. Vandal. II, 24— b; de bei. Got. II, 31—2, III, 39, 
IV 24 u. s.w.). Dieser Artawan kann ganz gut der in der 
Inscbrift erwähnte Artawan sein. Der Bischof Astuadsatur Ter- 
Johannesseantz identificirt in seiner »Chronologischen Geschichte 
Jerusalems« (Jerus. 1890, Bd. I, S. 88) auch die beiden Per- 
sonen, indem er erzählt, dass die Mutter vor diesem Artabanus 
war, die nach Jerusalem gekommen, dort gestorben und in dem 
armen. Kloster Hl. Karapet« begraben worden ist, und dass ihr 
Sohn Artabanus später dieses Denkmal für sie errichten Hess. 
Ich kann momentan die Richtigkeit resp. die Quelle dieser Notiz 
nicht controliren. Wenn aber die Notiz richtig ist, so ist doch 
ungefähr das Datum einer dieser Inschriften gefunden. 

Freilich muss man erst nachforschen, um das genauere Jahr 
des Todes der Mutter Artaban's zu finden. Die Wörter (»Monat) 
hori XVIII« sind zu unbestimmt, wenn kein anderer Anhalts- 
punkt da ist. Denn y>Iiori<« ist der zweite Monat des armen. 
Jahres, das (analog dem alten persischen) aus 12 Monaten von je 
30 Tagen und einem Schaltmonat von 5 Tagen bestand. In je 
4 Jahren blieb daher der 1 . Smmsard (Neujahrstag) um einen 
Tag zu spät , und so wechselten mit der Zeit alle Monate. Der 

I. Naioasard entsprach z. B. im Jahr 452 dem 5, August, im 
Jahr 500 dem 24. Juli, im Jahr 552 (Anfang armen. Aera) dem 

II. Juli. Der y>18. horif- entsprach daher im Jahr 452 dem 
2U Sept., im Jahr 500 dem 9. Sept., im Jahr 552 dem 27. Aug. 
Wäre noch ein anderer Stützpunkt da, so könnte man das ge- 
nauere Jahresdatum sicher feststellen. 

Der obenerwähnte Ter-Johannisseantz (ib. S. 89) glaubt noch 
eine andere Identificirung gefunden zu haben. Den Namen in 
jener Inschrift, worin es heisst >>... ich JVa'Lan habe dieses Denk- 
mal ... gemacht«, liest er als y>EswaXan<« statt -es Walan<« 
(= /cA WaXan), und glaubt, dass der hier Erwähnte der König von 
AXuanen ^^Esivalen<« oder ;> Arsivalenii sei, auf dessen Verlangen 
nach der Ueberlieferung der hl. Mesrop das aXuanische Alphabet 
schuf Da das Kloster, worin diese Mosaikinschviften entdeckt 
wurden, für das speciell a^^uanische Kloster -^ Pataivan%'!. gehalten 
wird^l, wäre dies vielleicht möglich. Dann aber ist die Inschrift 

1) Dieses Kloster wird erwähnt in einer Liste der armen, resp. a/.uani- 
schen Kloster in Jerusalem, bei Moses KaXankatuatsi II, 12 [ib. S. 227;, nach 



170 Josef Strzygowski, 

die älteste bekannte armen. Inschrift (etwa wenig nach 420 A.D. i. 
Aber man muss bedenken gegen diese Identificirung haben. 
Möglich, dass die »Schriftformen so uralt aussehen«, wie Ter- 
Johannisseantz meint (ib. S. 89). Ich besitze leider keine Photo- 
graphie dieser Inschrift, um dies zu controliren. Der Name aber 
■will nicht gut passen. Der aÄuanische König hiess »^4rswaXan<: 
(wohl zusammengesetzt »Ars-WaXan«); vgl. Moses Choreneusis 
II, 54 (ed. Vened. 1S43, p. 248), Moses KaÄankatuatsi »Albani- 
sche Geschichte« II, 3 (ed. Moskau 1860, p. 90) also l)./""Z"V'''' 
= Arswa/x'n. Freilich derselbe Mos. KaÄankat. schreibt an einer 
anderen Stelle (ib. I, 15, resp. 8. 32) b'"^'"?'.^' = Esuaken, was 
der Lesart der Inschrift ähnlicher ist. Aber ausser dem Unter- 
schiede zwischen den Namen »WaXan« und (Ars-, Es) »Wa>.en«, 
ist die Inschrift so abgefasst, dass es unmöglich ist, das »es« für 
den Anfang des Namens zu halten. Nach dem Satzbaue mus Li, 
{es, yes) hier unbedingt ein Pronomen sein, also = »ich«. Der 
Name ist also einfach -WaXan« i). So liest auch Balian (ib. 
S. 300). Ueberhaupt sind die Lesungen bei Ter-Johannisseantz 
auch sonst ungenau und mangelhaft (vgl. dessen Werk S. 98 — 9 
mit Balian S. 300 — 1; nach den mir vorliegenden Photographien 
sind nur die Lesungen Balian's die richtigen . Somit kann ich 



dessen Angabe »aus dem Briefe des seligen Anastasius an Wahan den Ma- 
mikonier« (ich lasse hier die Frage der Richtigkeit dieser Angabe bei Seite . 
Darin heisst es gleich am Anfange: »PatHJat/ Wan/ [= Kloster, das im 
Osten des Oelberges liegt) , ein Einmiether aus A?.uanien mit dem Namen 
Panon hat es zuerst gebaut; jetzt besitzt es der aXuanische Priester Petrus«. 
Ter-Johannisseantz (ib. S. 87) nennt es >Panday wany des hl. Karapet« ; 
so steht nämlich in dem (dort mitgetlieilten) Briefe des »Anastasiusc , -wel- 
cher an Hamazasp Kamsarakan gerichtet ist. Die Angaben -weichen ziemlich 
ab von jenen bei Mos. KaXank. Da heisst es : »Panday -wany (Kloster) des 
Hl. Karapet (Prodromus), im Osten des Oelberges, wurde auf königliche Ko- 
sten gebaut, im Namen des Hl. Katholike (Mutterkirche) die in der Stadt 
AYaXarsapat (=Etschmiadzin) ist; es ist in den Händen (imBesitze) der A).u- 
anen«. Ter-Johannisseantz behauptet nun mit Sicherheit, dieses alte Kloster 
sei jenes, das im XH. Jahrh. zerstört wurde und im J. 1868 von den Russen 
erworben wurde u.s.w. Auch Balian (ib. S. 305) stimmt im Allgemeinen bei. 

1) Freilich »Wa/.an« als selbständiger Name ist mir unbekannt, kommt 
aber in zusammengesetzten Namen vor, vgl. >Waraz-WaXan« (auch Hübsch- 
mann's »Armenische Grammatik« I, 82). Ebenso ist aber auch ein Name 
»WaXcn« unbekannt. Möglicherweise daraus ist aber, als Diminutivform der 
bekannte Namen Wa/.inak« zwei Fürsten der Siunier, bei Elisöus, u. dgl. . 



Das neugefundene Orpheusmosaik in Jerusalem. 171 

nicht ohne Bedenken annehmen , dass die Inschrift dem König 
ArswaXen zuzuschreiben sei. 

Die anderen Personen kann ich vorläufig nicht identificiren. 
»Susan« (Susanna und »Lilie«) ist ein gewöhnlicher Frauenname. 
Auch »Dzodzik« (Jojik) ist Name vieler Personen sowohl in älte- 
rer (z. B. der georgische Fürst Bruder des Wazgen, also der 
Schwager der Hl. Susan, welche die Tochter Wardan's Avar) wie 
auch in jüngerer Zeit (z. B. .Tojik der Sohn der iberischen Für- 
sten Waste, VII.. Jahrb.; Jqfik, Fürst von Tay/, der in den Käm- 
pfen gegen Ward Siklaros genannt wird, den Steph. AsoÄik 
III, 15 (ed. Petersb. 1885, S. 193) »Fürst der Fürsten« nennt 
(derselbe III, 41, ib. S. 270 »den Fürsten der Fürsten Phersi, 
den Sohn des .lofik«); u. s. w. Ich habe keinen Anhaltspunkt, 
anzunehmen, dass der in der Inschrift genannte -Tojik mit diesem 
oder jenem vielleicht identisch sei. 

Nach der Vermuthung Ter-Johannisseantz's (ib. S. 89) sind 
»Thewas, Abas und Maurik« vielleicht »aus einem aXuanischen 
Stamme«. Da das Kloster speciell aÄuanisch war, wie ange- 
nommen wird, ist das möglich. Die Namen sind mir unbekannt, 
und »Thewas« sieht so fremd aus. ^Abas<- ist ein häufiger 
Name, aber in jüngerer Zeit, zur Zeit der Bagraditen. Es scheint 
mir aber darum nicht nothwendig, anzunehmen, dass jene In- 
schrift aus jüngerer Zeit stammt. 

Eine specielle Nachforschung wäre nöthig, um Manches ge- 
nauer feststellen zu können. 

P. J. Dashian. 



t 



r Otto Kersten. 

Von Professor Hermann Guthe in Leipzig. 

Die Arbeit Otto Kersten's für den Deutschen Verein zur 
Erforschung Palästina's bildet nur einen Theil seiner weitver- 
zweigten Thätigkeit. Sie lässt sich auch nur so verstehen : Avas 
er auf anderen Gebieten erarbeitet hatte, das hat er für die Er- 
forschung Palästina's zu verwerthen gesucht. Es ist daher uner- 
lässlich, die Thätigkeit Dr. Kersten's überhaupt ins Auge zu 
fassen, wenn man seine Betheiligung au der Erforschung Palä- 
stina' s richtig beurtheilen will. 

Otto Kersten Avurde am 23. December 1S39 in Altenburg 
(Sachsen- Altenburg) geboren, wo sein Vater Stadtkirchner Avar. 
Er besuchte das dortige Gymnasium und begab sich dann nach 
Leipzig, um Naturwissenschaften, besonders Chemie zu studiren. 
Nach Vollendung seiner Studien promovierte er 1861 in Leipzig 
auf Grund einer Schrift >Ueber die Natur des Leuchtens der 
Flamme« (Journal für praktische Chemie Bd. 84, S. 290 ff.) und 
war kurze Zeit Assistent an der landwirthschaftlichen Hochschule 
in Chemnitz in Sachsen. Als er sich darauf in Berlin für wissen- 
schaftliche Reisen vorbereitete, entschloss er sich, in die Reise- 
gesellschaft Claus von der Decken's einzutreten. Er traf diesen 
1 S62 in Afrika und begleitete ihn auf seiner zweiten Reise in die 
Dschagga-Länder. Er betheiligte sich sodann an einem Ausflüge 
nach den Seschellen und Reuuion und besuchte allein die Gruppe 
der Comoren bei Madagaskar sowie die benachbarten Küsten des 
afrikanischen Festlandes. Ein längeres Unwohlsein nöthigte ihn, 
1864 von Sansibar nach Europa zurückzukehren, während von 
der Decken die Expedition nach dem Djuba-Fluss zurüstete, die 
ilim und den meisten seiner Begleiter den Untergang brachte. 
Dr. Kersten erhielt die Kunde von der Ermordung der Reisen- 



Otto Kersten f. 173 

den 1865 in Berlin. Die Aufforderung der Fürstin Adelheid von 
Pless, der Mutter des Barons Claus von der Decken, den Nachlass 
ihres Sohnes wissenschaftlich zu bearbeiten und herauszugeben, 
wies ihm eine grosse und mühevolle Aufgabe zu, die er sofort in 
Angriff nahm, aber nur schrittweise vollenden konnte, da er dazu 
der Mitarbeit einer grossen Anzahl von Fachgelehrten und Künst- 
lern bedurfte 1). Der erzählende Theil, Bd. I und II, erschien 
1869 und 1S71, von Kersten selbst bearbeitet, die erste Abtheilung 
des dritten Bandes ebenfalls 1S69. Die Theilnahme an den Reisen 
VON DER Decken's Und die Bearbeitung ihrer Ergebnisse haben 
die Thätigkeit Otto Kersten's in den folgenden Jahren ent- 
scheidend beeinflusst. Sein weiter und sicherer Blick für die 
Aufgaben der Erforschung eines Landes, sein Streben und seine 
Geschicklichkeit, neue Methoden und Mittel der Untersuchungen 
izu gewinnen, sein Eifer für die Förderung des deutschen An- 
sehens und der deutschen Arbeit im Auslande, sein Eintreten für 
die Wichtigkeit deutscher Kolonien (v. d. Decken's Reisen II, 
192 ff.) — diese Züge der späteren Thätigkeit Dr. Kersten's 
haben offenbar dort ihre Wurzeln. 

Kersten war bereits mit diesem stattlichen Rüstzeug für 
wissenschaftliche Forschungsarbeiten versehen, als sein Blick 
auf Palästina gerichtet wurde. Der damalige Generalkonsul des 
Deutschen Reichs in Jerusalem, Baron von Alten, Avünschte 
einen in geographischen Fragen erfahrenen Mann als Kanzler 
an seiner Seite zu sehen, und Professor H. Kiepert in Berlin war 
beauftragt, für die Erfüllung dieses Wunsches Sorge zu tragen. 
Die Anfrage erging an Dr. Kersten, der sich zur Uebernahme 
der Stellung bereit erklärte. 1S70 begab er sich nach Jerusalem, 
anderthalb Jahre war er dort Kanzler und, nachdem Baron 
VON Alten die Stellung aufgegeben hatte, 2' ^ Jahre Verweser 
des deutschen Konsulats in Jerusalem. Während dieser Zeit liess 
er es sich viel Mühe kosten, den »Deutschen Verein» dort ins 
Leben zu rufen. In dem letzten Jahr seines dortigen Aufen- 
thalts 1S74 unternahm er mit verschiedenen Gefährten eine 

1) Baron Carl Claus von der Decken's Keiscn in Ost-Afrika in den 
Jahren 1859 — 1865, herausgegeben im Auftrage der Mutter des Keisenden 
Fürstin Adelheid von Pless. Erzählender Theil Bd. I und II, bearbeitet von 
Dr. O. Kersten, 1869 und 1871. Wissenschaftlicher Theil Bd. III und IV, 
1869 — 1879. Leipzig und Heidelberg, C. F. AVinter'sche Verlagshandlung. 



174 Otto Kersten f. 

:> Um Wanderung des Todten Meeres«, die ZDPV 1S79, S. 201 bis 
244 veröffentlicht -worden ist. Wer sie liest, wird die eigen- 
thümliche Art, wie Dr. Kersten zum Zweck der Forschuns: 
reiste, leicht erkennen: die entschiedene Vorliebe für völlig un- 
abhängiges Reisen (S. 240 ff.), die Selbständigkeit der Unter- 
suchung und die Vielseitigkeit der Beobachtungen. Es ist leb- 
haft zu bedauern , dass von den Ergebnissen dieser Reise nicht 
mehr an die Oeffentlichkeit gekommen ist. Ein umfangreiches 
Herbarium, das theils in Galiläa und bei Jerusalem, theils auf 
dieser Reise gesammelt war und in den folgenden Jahren von 
Herrn Dr. P. Ascherson in Berlin wissenschaftlich bestimmt 
wurde (vgl. ZDPV VI, 226 f.), konnte ich im Frühjahr ISSl dem 
;> Deutschen Vereine« in Jerusalem übergeben, der die Pflege des 
von Dr. Kersten dort begründeten »Palästina-Museums« über- 
nommen hatte. Die Erhaltung dieses Museums erwies sich je- 
doch, von anderen Gründen abgesehen, hauptsächlich deshalb 
als unmöglich, weil es nicht gelang, einen geeigneten sicheren 
Raum für seine Aufstellung zu erlangen; es ging schliesslich in 
den Besitz des Herrn Schneller, Hausvaters im syrischen Waisen- 
hause, über (vgl. ZDPV VII, S. Vllff.; VIII, S. VII f.). Da aber 
in Dr. Kersten's Sammlung die meisten Pflanzen so reichlich 
vorhanden waren, dass eine Theilung sich leicht durchführen 
liess, so wurde die eine Hälfte in dem königlichen botanischen 
Museum in Berlin, avo das ganze Herbarium bestimmt wurde, 
zurückbehalten; dort ist also noch heute diese Pflanzensamm- 
lung für wissenschaftliche Zwecke zugänglich geblieben. Uebri-» 
gens haben die Forschungen Dr. Kersten' s durch die Reise 
Dr. Blanckenhorn's 1S94, insbesondere durch dessen Arbeit 
über die Entstehung des Todten Meeres ZDPV 1S96, S. 1 — 59 
wenigstens nach der geologischen Seite hin ihre Fortsetzung und 
Vollendung gefunden. 

1874 kehrte Otto Kersten nach Berlin zurück und erwog 
den Plan, sich für physikalische Geographie an der dortigen 
Universität zu habilitiren. Allein seine Verlobung und Ver- 
heirathung mit Fräulein Lina Goldschmidt 1875/76 veranlasste 
ihn, die Leitung der chemischen Fabrik seines verstorbenen 
Schwiegervaters in Berlin zu übernehmen. Dieser Sache widmete 
er sich mit Eifer und Erfolg bis zum Jahre 18S4. In diese Zeit 
fällt die Vollendung des von der DECKENSchen Reisewerkes, 



Otto Kersten 7. 1 75 

für dessen dritten Band Kersten die Meteorologie von Sansibar, 
astronomische, geodätische vmd Hohenmessungen, magnetische 
Beobachtuno-en und eine tabellarische Uebersicht der Geschichte 
Ostafrika' s lieferte. Dass er neben mancherlei schriftstellerischen 
Arbeiten 1S7S mit Dr. Jannasch den Centralverein für Handels- 
o-eofraphie begründete, dass er die Anfänge der Kolonialpolitik 
des Deutschen Reichs in Verbindung mit Dr. Fabri und 
Dr. HiJBBE-ScHLEiDEN aufs Lebhafteste unterstützte, dass er eine 
o-rosse Anzahl von »Afrikanern«, wie von Mechow, die Brüder 
Clemens und Gustav Denhardt, Wissmann, Dr. Buchner u. A. 
auf wissenschaftliche Beobachtungen »im Busch« einübte, dass 
er 1882/83 selbst eine Forschungsreise nach Marokko und Algier 
unternahm, kann nur kurz erwähnt werden. 1877 trat er in den 
Vorstand des neubegründeten Vereins zur Erforschung Palästina's 
ein und suchte diesem mit dem reichen Schatz seiner Erfahrungen 
und Kenntnisse zu nützen. Auch der evangelische Jerusalems- 
Verein (Berlin) wählte ihn Anfang der achtziger Jahre in seinen 
Vorstand und fand in ihm einen alten Freund der christlichen 
Liebesarbeit im heiligen Lande. 

Kersten wurde durch die persönliche Bekanntschaft mit 
Professor Socin veranlasst, in den Vorstand des Palästina-Vereins 
einzutreten. Beide hatten sich in Jerusalem, das Socin 1873 be- 
suchte, kennen gelernt. Kersten's Thätigkeit für den Verein 
erstreckte sich zunächst darauf, dass er in der Regel die in Berlin 
zu erledigenden Geschäfte übernahm. Seine persönlichen Be- 
ziehungen zu verschiedenen Behörden erleichterten ihm dies. 
Unermüdlich half er bei den Vorbereitungen zu der Reise und 
den Ausgrabungen, die ich im Auftrage des Vereins 1881 unter- 
nahm. Es ist nicht nur eine Pflicht der Dankbarkeit, sondern 
der Wahrheit, wenn ich sage, dass ohne seine liebenswürdige 
Vermittlung und ohne seine trefi'lichen Rathschläge diese erfolg- 
reiche Unternehmung des Vereins damals nicht zu Stande ge- 
kommen wäre. Ferner ist es sein Verdienst, dass der Verein 
1885 Herrn Dr. Noetling, der zugleich einen Auftrag von der 
königlich preussischen Akademie der Wissenschaften in Berlin 
am Hermon auszuführen hatte, nach Palästina senden und ge- 
meinsam mit Herrn Dr. Schumacher im Dschölän und'Adschlün 
reisen lassen konnte. 

Otto Kersten hat sofort nach der Begründung des Vereins 



176 Otto Kersten f. 

auf die Nothwendigkeit hingewiesen, die in Palästina lebenden 
Mitglieder und Freunde des Vereins zu einer möglichst stetigen 
Mitarbeit an der Erforschung des Landes heranzuziehen. Er 
ging dabei von dem offenbar richtigen Grundsatze aus, dass die 
allseitige Erforschung eines Landes erst dann auf ihr Ziel sicher 
zuschreitet, wenn sie von den l^ewohnern des Landes selbst in 
die Hand genommen wird, und wies auf den für unsern Verein 
besonders günstigen Umstand hin, dass eine nicht geringe An- 
zahl von Deutschen in Palästina selbst ihren dauernden Wohn- 
sitz aufgeschlagen hätten und daher an der Erforschung ihrer 
neuen Heimatb im wohlverstandenen eigenen Interesse mit- 
arbeiten sollten. Um diesen Gedanken auszuführen, wurde 1S80 
ein Lokalkomitc in Jerusalem eingesetzt und schliesslich am 
25. Januar 1S!)7, nach wiederholten persönlichen Bemühungen 
Dr. Kerstex's, unser Zweigverein in Jerusalem gegründet. 

Die umfassendste Arbeit Dr. Kersten's für den Palästina- 
Verein war die Einrichtung von meteorologischen Stationen. 
Er fusste hierbei auf seiner gründlichen Bearbeitung der Mete- 
orologie Sansibar's und wählte als Grundlage für Palästina die 
Beobachtungen Dr. med. Thomas Chaplin's, die die Jahre ISGO 
bis 1S82 umfassten und, von ihm bearbeitet, in ZDPV 1891, 
S. 93 — 112 erschienen sind. Gleichzeitig beauftragte er mich, 
der sechsten Generalversammlung des Vereins in München 1891 
seinen Antrag auf Errichtung meteorologischer Stationen in 
Palästina vorzulegen. Er wurde genehmigt und auf der folgen- 
den Generalversammlung 1893 in Leipzig bestätigt. Kerstex 
suchte nun die geeigneten Instrumente aus, prüfte sie selbst und 
schrieb eine kurze Anleitung für die Beobachter. Eine Muster- 
sammlung von Instrumenten legte Dr. Max Blaxckexhorn am 
18. Juni 1894 im Auftrage Kersten's einer Anzahl von deutschen 
Bewohnern Jerusalems vor und traf vorläufige Verabredungen 
mit den Beobachtern. Im April 1895 reiste Kersten selbst nach 
Palästina, vermittelte in Wien den Anschluss unserer Beobach- 
tungen an das Netz der Stationen, die der k. k. Centralanstalt 
für Meteorologie und Erdmagnetismus unterstellt sind, unterwies 
in Palästina die Beobachter und versah sie mit den nöthigen In- 
strumenten. Als dann Kersten 189G im Auftraore der Deutschen 



o^ 



Palästina- und Orient-Gesellschaft Palästina aufs Neue besuchte, 
hat er die Aufstellung der Instrumente besichtigt, mit den Be- 



Otto Kersten f. 177 

obachtern Rücksprache genommen und das Netz der Stationen 
erweitert. 

Dies sollte die letzte Arbeit Dr. Kersten's für den Palästina- 
Verein sein. Es war ihm nicht beschieden, ihre Früchte zu 
pflücken und sie dem Verein zu übergeben. Seit 1S96 hatte er 
seinen Wohnsitz in seine alte Heimath Altenburg verlegt; er 
kaufte dort ein grösseres Grundstück, richtete es zu einem Obst- 
gut ein und erbaute sich dorc 1S!)S/1899 ein eigenes Heim. Als 
ich ihn hier im Juli 1900 zum letzten Male sah, war er lebhaft 
mit der Bearbeitung der Tabellen beschäftigt, die die Beobachter 
eingesandt hatten, und theilte mir ausführlich mit, in welchem 
Sinne er die Ergebnisse aufgefasst hatte und darstellen wollte. 
Ich war überrascht zu hören, welch neue Seiten er dieser Sache 
abzugewinnen wusste. Keiner von uns ahnte, dass es sein letztes 
Wort an mich sein sollte. Mitte November erkrankte er an einer 
Influenza, die durch begleitende Zeichen eines Herzleidens die 
Seinen mit Sorge erfüllte. Doch hielt man nach einigen Tagen 
die Gefahr bereits für beseitigt, als er am 22. November 1900 
Mittags einem plötzlich auftretenden Herzschlage erlag. 

Der Vorstand blickt auf 22 Jahre gemeinsamer Arbeit mit 
Otto Kersten zurück und dankt ihm aufrichtig für die Opfer- 
willigkeit, mit der er dem Verein gedient hat. Er war ein an 
Verstand und Herz reich begabter Mann, anregend, lebhaft, oft 
so lebhaft, dass man Mühe hatte, dem raschen Gange seiner Ge- 
danken zu folgen, stets thätig, erfinderisch, sehr geschickt in der 
Kunst, mit wenig Mitteln viel zu erreichen ; er war ein liebens- 
würdiger, treuer Freund und blickte stets voll Gottvertrauen in 
die Zukunft. Sein Leben hat früh geendet, aber es war reich 
an Arbeit und Erfolgen. Auch der Palästina-Verein hat davon 
empfangen und wird noch in Zukunft davon zehren. 

Leipzig, 31. Januar 1902. 



Ztschr. d. Pal. -Ver. XXIV. 1 2 



Bemerkungen zu Band XXIV. 

Von I. Goldziher in Budapest. 

Zu S. 79, Z. 5. Statt »Sicherheit« übersetze »Bürgschaft« 
(Haftung), statt » Geldstrafe c übersetze »Zahlungspflicht«. Der 
Sinn ist: »Wer eine Bürgschaft für jemand übernimmt, wird es 
bald bereuen und schliesslich auch die Schuldsumme selbst be- 
zahlen müssen.« 

Zu S. Sl oben (Nr. VIII Z. 10). Das Sprichwort ist völlig 
misverstanden. Der Sinn ist: »Bis das Heilmittel aus VräÄ an- 
kommt, ist der (von der Schlange) Gebissene bereits todt«, ein 
auch in der Literatur ziemlich häufig vorkommendes Sprichwort 
für die Werthlosigkeit verspäteter oder säumiger Hülfe. An Stelle 
des unklaren makus erinnere ich mich zumeist maldügh (»der 
Gebissene«) gelesen zu haben. 



Bücheranzeigen. 



En?io Littmann ^ Arabische Schattenspiele. Mit Anhängen 
von G. Jacob. Berlin, Mayer ^' Müller 1901. III, 83 S. 

Das Schattentheater ist ohne Zweifel unter den schauspielerischen Dar- 
bietungen des Orients die volksthümlichste , und es ist deshalb sehr erfreu- 
lich, dass Littmann seiner Veröffentlichung eines arabischen Schattenspiels 
in der Deutschen Morgenl. Zeitschrift Jahrg. 54 hier noch andere Stoffe der- 
selben Art hat folgen lassen. Es sind Stücke, die von ihm in Beirut 1899 nach 
dem Diktat eines damascenischen Schattenspielers aufgezeichnet wurden, er- 
gänzt nach der eigenen Niederschrift desselben Mannes. In der Einleitung 
S. 1 — 14 werden einige Bemerkungen über das Verhältnis« der arabischen 
Schattenspiele zu den türkischen gemacht, auch wird der in den Texten an- 
gewandte Dialekt besprochen. Die von G.Jacob beigegebenen Anhänge ent- 
halten Nachrichten über das arabische Schattenspiel in älterer Zeit und eine 
Bibliographie der vom arabischen und türkischen Schattenspiel handelnden 
Litteratur. — Die Schattenspiele selbst sind durch Uebersetzung und Anmer- 
kungen jedem Leser verständlich gemacht. Sie sind stellenweis derber, als 



Bücheranzeigen. 179 

dies bei uns angängig wäre, übrigens aber im Verhältniss zu den Schatten- 
spielen, die ich in Aleppo und Kairo gehört habe, keineswegs die schlimmsten 
dieser Art. — Einige Realien, welche L. unrichtig übersetzt hat, seien hier 
zurechtgestellt. S. 10. furraa ist nicht eine »Hacke«, sondern eine kleinere 
Art »Beil«. S. 24. is-sküfi nicht »Schuhmacher«, sondern »Schuhflicker«, — 
farschillö nicht: »ich habe ihm das Bett zurecht gemacht« ; sondern: »er hat 
ein Lager«. 

S. 29. mas'al ist nicht »Lampe«, sondern das auf einer Stange in eisernem 
Korbe getragene .Holzfeuer, wie man es bei Hochzeitszügen sieht. — käz 
nicht »Gas«, sondern »Petroleum«. 

S.30. fo&i« ist nicht »Milchspeisen«, sondern »Biestmilch«, die auf dem 
Markte an Liebhaber verkauft wird, sonst aber vom Zuckerbäcker mit Vor- 
liebe verwandt. 

S. 32. arähal ist nicht besonders fruchtbares Land, sondern nur Acker- 
land, das nicht künstlich bewässert wird, gleichviel ob fruchtbar oder un- 
fruchtbar. 

S. 40. m'dlh'dn ist nicht »Zuckerwerk«, auch sind nicht Milch, wie sein 
Name besagen soll, und Zucker seine Hauptbestandtheile. Vielmehr wird 
Traubensaft und Stärke gekocht und gegen auf Fäden aufgereihte Nuss- 
stückchen geschleudert, bis Fäden und Stücke dick überzogen sind. Diese 
überzogenen Schnüre lässt man trocknen und bringt sie so in den Handel. 
Der Geschmack ist ein wenig süsslich. Weder Zucker noch Milch werden 
dazu genommen. 

S. 46. lihbäd »Decken«, genauer »Filzdecken«, ^asbe nicht »Stock«, 
sondern »Rohr«. 

S. 50. läsätlk sind nicht »Stiefeln«, sondern »Stiefeletten mit Gummizug«. 
atabe ist nicht »Schwelle«, sondern der nicht erhöhte Raum im Zimmer an 
der Thür. 

S. 52. iknUfe ist nicht »Feinbrot«, sondern eine Art »Nudeln«, welche 
in verschiedener Weise zu einer süssen Speise verarbeitet werden können. Es 
giebt knäß ma6?-ämt Nudeln mit Zucker zopfförmig gerollt und in Butter ge- 
backen, k7iäß mafiüki, zerriebene Nudeln in Butter gebacken, knäß basitra, 
dasselbe mit Biestmilch und Zucker gemischt. 

S. 56. hasabüt sind nicht irgendwelche »Holzstücke«, sondern »Bauholz«. 
— sammäti ist nicht der »Krämer« überhaupt, sondern der »Butterhändler«, 
der auch Oel und dgl. hat. Wir denken bei »Krämer« eher an den arabischen 
'attäi-, der ausser Gewürzen allerlei trockene Dinge feil hat. 

Leipzig. G. Dalman. 

II. 

Palästina. E>n Leitfaden für die Scitule zusammengestellt 
von Henry IVolfg. luiffner. München., Verlag von R. Olden- 
hourg, 1901. 32 S. klein S'\ Preis 20 Pfennige. 

Mit der Kenntnis der geographischen, klimatischen und anderen Ver- 
hältnissen eines Landes wächst das Interesse für dasselbe. Deshalb wird man 

12* 



189 Bücheranzeigen. 

es mit Freuden begrüssen , dass der Verfasser es unternommen hat , für die 
Schüler ein Hülfsmittel für den Unterricht in der Geographie des heiligen 
Landes zu Schäften, wie es bisher sehr vermisst wurde, und dadurch dazu bei- 
zutragen, dass dem Lande unter Alt und Jung neue Freunde erworben werden. 
Ich glaube auch, dass das Büchlein das erreichen wird. Es ist vor allem, was 
ich ihm zu grossem Lob anrechne, weil es bei einem solchen Leitfaden eine 
seltene Ausnahme ist, nicht trocken und langweilig, sondern unterhaltend 
geschrieben. Als ich in die Schule ging, bestand der Geographieunterricht 
darin, dass man Namen von Städten, Bergen und Flüssen möglichst mecha- 
nisch auswendig lernte. Wer die Nebenflüsse des Neckar, der Donau, des 
Khein von rechts und links am vollständigsten hersagen konnte, bekam das 
beste Zeugniss. Wie sehr das sich jetzt geändert, kann vorliegender Leit- 
faden zeigen. Durch kurze Bemerkungen hat der Verfasser verstanden, dem 
Schüler etwas von dem inneren Zusammenhang der Geographie und Geschichte 
eines Landes zu zeigen, das beste Mittel, um für die Geographie Interesse zu 
wecken. Die Beschreibung der Formation des Landes ist präcis, kurz und 
vor allem anschaulich und leicht fasslich. Pflanzenwelt und Thierwelt werden 
in geschickter Weise in Verbindung mit der Oberflächenform besprochen. 
Die heilige Geschichte ist in maassvoller Weise jeweils beigezogen. Ein 
kleiner Anhang giebt das nöthigste — leider vielleicht doch zu wenig — über 
Land und Leute, d. h. über die politischen Verhältnisse, Klima etc. Es fehlt 
bedauerlicher Weise ganz ein kurzer Abschnitt über Sitten und Gebräuche des 
Volks. Im Ganzen habe ich den Eindruck, dass recht wohl auch Erwachsene, 
Freunde des Landes und Bibelleser mit Gewinn das Büchlein benutzen werden. 
Kairo. J. Benzinger. 

iir. 

Die Lage des Berges Sion. Von Prof. Dr. Karl Rückert. 
Mit einem Plan (Biblische Studien, III. Bd. 1. Heft). Freiburg 
1. B., Herder' sehe Verlagshandlung, 1898. 104 SS. 8". 

Anlass zu einer erneuten Prüfung der Frage nach der Lage des Berges 
Zion, die eigentlich für erledigt gelten sollte, haben dem Vf. nicht etwa neue 
Funde, die wesentlich neues Material gebracht hätten, gegeben, sondern die 
Thatsache, dass die Dominikaner in Jerusalem in der Revue biblique sich zu 
der »neuenc Theorie, d. h. zur Gleichsetzung von Zion imd Osthügel bekannt 
haben. Von vornherein erklärt der Vf. mit aller wünschenswerthen Ofl'euheit, 
dass sein Standpunkt der der Tradition ist. Er sagt im ersten Kapitel, wo er 
eine dankenswerthe Uebersicht über die verschiedeneu Theorien und den 
Stand der Frage giebt. Folgendes: »unter jenen Zeugen [für die Zionsfrage] 
gebührt die erste Stelle der Tradition. Sie ist eine Verkörperung des leben- 
digen Wortes, welches Jahrtausende überdauert«. Dass Referent diesen 
Standpunkt nicht teilen kann, braucht in dieser Zeitschrift nicht besonders 
gesagt zu werden. Aber nur von diesem Standpunkt aus begreift sich die 
ganze Art und Weise, wie der Vf. mit den biblischen Texten umgeht, d. h. wie 
er sie alle nach der Tradition deutete, resp. in Einklang mit derselben brin- 
gen muss. 



Bücheranzeigen. 181 

Der zweite Abschnitt ist dtr Besprechung der Terrainverhältnisse ge- 
widmet, die nach Ansicht des Vf. an sieh schon deutlich dafür sprechen, dass 
Zion, d. h. die Davidstadt auf dem Westhügel lag. Er wird damit aber eben 
nur den überzeugen, der schon vorher auf seinem Standpunkt steht. Wenn er 
fragt: wo wird man die Burg Davids lieber suchen, auf dem Osthügel wo 
>bIos3 Blockierungen . . . versucht wurden«, oder auf dem Westhügel, »wo 
alle Landstrassen anliefen", so möchte ich bei dieser Fragestellung unbedingt 
mich für den Osthügel entscheiden. Die Burg in einer alten Stadt war nicht 
zum Schutz der Stadt in erster Linie bestimmt, sondern war eine kleine 
Festung für sich, ein ultimum refugium, wenn die Stadt etwa genommen 
war, an möglichst unzugänglichem Ort innerhalb oder auch ausserhalb der 
Stadt erbaut, vgl. die Akropolis von Athen, das Capitol, die Burg von Sichern 
etc. Und wiederum nur für den Standpunkt des Vf. ist es »mit mathematischer 
Sicherheit« erwiesen, dass die Fläche des Osthügels unmöglich gross genug 
war für die Stadt Davids, wenn man nämlich den ganzen grossen Tempelplatz 
von heute wegnimmt, für Tausende von Priestern und Leviten da Platz sucht 
und die >Davidstadt« sich als eine grosse volkreiche Kapitale vorstellt. Aber 
das alles ist geschichtlich und zwar nicht nur vom Standpunkt der modernen 
Kritik aus ganz unwahrscheinlich, und überdies ist noch gar nicht gesagt, 
dass die » Davidstadt« und ganz Jerusalem identisch sind. Für eine bescheidene 
Burg mit Palast und auch für eine Anzahl von Häusern sonst war Platz genug 
daselbst, wenn man sich die alte Stadt z. B. nach dem Muster des heutigen 
Dorfes Siloah am Bergabhang hin gebaut denkt. ^ • 

Im 3. Kapitel wird die Tradition untersucht mit dem Ergebnis, dass 
dieselbe bis zur LXX hinauf einstimmig den Zion auf den Westhügel verlegt. 
Auch hier hätte ich manche Fragezeichen zu machen, z. B. fragt es sich sehr, 
ob man die bekannte Stelle bei Hieronymus Sion id est arx et templum über- 
setzen darf: Sion oder vielmehr richtiger die Burg und der Tempel. Der Vf. 
sagt: »St. Hieronymus kann [vom Referenten gesperrt] ... nicht mehr 
schwanken, so dass er etwa an einzelnen Stellen zweifellos den Tempelberg 
Sion nennt, an anderen aber den Südwesthügel«. Ja, warum denn nicht? 
AVarum soll das a priori feststehen? Ebenso bei der LXX. Den »Thalgrund« 
von 1. Kön. 1,33 z. B. nennt LXX »Zionsgrund«. Daraus folgt für den Un- 
parteiischen höchstens soviel, dass LXX das Thal beim Zion sucht, aber doch 
nicht dass LXX den Westhügel als Zion betrachtet. Dazu müsste erst be- 
wiesen sein, dass dieser Thalgrund »vor dem AVestthor« lag. Das setzt der 
Vf. einfach als erwiesen, fast möchte man sagen als selbstverständlich voraus, 
während das doch nur Wahrscheinlichkeit hat, wenn anderswoher bewiesen 
ist, dass der Palast Davids auf dem AVesthügel lag. Ganz gleich steht die 
Sache mit LXX zu 2 Chr. 32, 30, Da muss erst das »Wasser des oberen Zion« 
dem »oberen Gichon« und beide dem Sultansteich auf der Westseite gleich- 
gesetzt werden, um die Stelle im Sinne des Vf. verwerthen zu können. So 
wird sehr häufig das, was erst zu beweisen ist, als selbstverständlich voraus- 
gesetzt, die Bibelstellen darnach erklärt und dann wieder als Beweis für das 
Vorausgesetzte verwerthet, ein circulus vitiosus, wie man ihn schlimmer nicht 
machen kann. Am stärksten tritt das zu Tage im 10. Kapitel, wo die in Be- 
tracht kommenden Stellen des Maccabäerbuches besprochen werden. Be- 



j[§2 Bücheranzeigen. 

zeichnend für die ganze Methode des Vf. ist übrigens auch hier die Frage- 
stellung: »Warum sollte die Stadtfeste in der Maccabäerzeit nicht eben dort 
gelegen haben, wo doch nach Tradition und Schrift, nach den Terrainverhält- 
nissen und monumentalen Resten jederzeit eine Burg liegen rausste [vom 
Referenten gesperrt], nämlich auf dem traditionellen Zion?« 

Bei Untersuchung der Stellen der historischen Bücher (im 4. Kap.) wird 
man dem Vf. gerne zugeben, dass man den hebräischen Ausdruck ^alah 
(»hinaufgehen«) nicht pressen, d. h. die Bewegung nach oben, die in dem 
"Worte eigentlich liegt, nicht zu sehr und in allen Fällen betonen darf; das 
widerspricht dem hebräischen Sprachgefühl. Aber damit ist weder für noch 
gegen die traditionelle Anschauung ein Beweis geschaffen. Was an solchen 
Beweisen der Verfasser für dieselbe aus den Geschichtsbüchern zu entnehmen 
sucht, hat wie das bisherige wenig Überzeugungskraft. Um den Festzug bei 
Übersiedelung der Lade in den Tempel sich ordentlich entfalten lassen zu 
können, »muss« man ihn vom Westhügel ausgehen lassen. Woher weiss Vf. 
dass der »Festzug« so gross war? Vom militärischen Gesichtspunkt aus 
» m u SS « schon lange vor David auf dem Westhügel eine Burg gelegen haben. 
Welches sind diese militärischen Gesichtspunkte? 

Vom »eigentlichen« Zion unterscheidet der Vf. im 5. Kapitel das »un- 
eigentliche Zion« in den prophetischen und poetischen Büchern. Dabei machen 
natürlich diejenigen Stellen, wo davon die Rede ist, dass Jahwe auf dem Zion 
wohnt, besondere Schwierigkeiten. Man sollte meinen, dass hier deutlich 
Zion = Tempelberg ist. Der Vf. beseitigt diese Bedenken aber von seinem 
Standpunkt aus leicht : »wer Ps. 9 für davidisch hält, kann nicht zugeben, dass 
der »»Thronende auf Zion«« bereits auf dem Tempelplatz verherrlicht wird. 
Wer Ps. 75 (76), 3 einem Zeitgenossen Davids zuschreibt, widerspricht sich 
selbst, wenn er Gottes »»Wohnung auf Zion«« im salomonischen Tempel an- 
setzt. Auf solche Weise kommt Vf. zu dem Ergebnis, dass nirgends in den 
Psalmen oder Propheten eine derartige Stelle nöthige, beim Osthügel stehen 
zu bleiben. Der unbefangene Leser wird freilich vielfach den Eindruck 
haben, dass die Erklärung vieler Stellen sehr gezwungen ist. 

Der Raum erlaubt uns nicht, auf die Ausführungen des Verfassers weiter 
im Einzelnen einzugehen. Das Bisherige genügt auch, zu zeigen, welches 
die Methode des Verfassers ist. Man mag zugeben, dass die christliche Tra- 
dition überall Zion als den Westhügel fasst. Aber damit die klaren Aussagen 
des Alten Testaments im Einklang zu bringen, gelingt auch dem Vf. mit aller 
Mühe und allem aufgewandten Scharfsinn nicht, ohne dem Wortlaut Zwang 
anzuthun. Die christliche Tradition zur Norm für die Auslegung der alt- 
testamentlichen Aussagen zu nehmen, ist aber im Princip unzulässig. 

Eine Übersicht über den weiteren Inhalt des Buches sei noch gegeben. 
Kap. VI bespricht die Aussenmauer des Manasse und ihren Lauf. Dabei 
sucht Vf. die Schwierigkeiten, die seiner Anschauung entgegenstehen, so zu 
beseitigen, dass er erklärt, die Marienquelle und der Gichon haben nichts mit- 
einander zu thun; erstere entspringt vielmehr dem biblischen En Rogel; 
Gichon liegt im Stadtthal. Kap. VII ist dem nächtlichen Ritt Nehemias ge- 
widmet, wobei dieselbe Theorie wie in Kap. VI zu Hilfe genommen werden 
mus3. Kap. VIII bespricht die Lage von Sallums Mauerstück (Nehem. 2, 17), 



Bücheranzeigen. 183 

Kap. IX den Weg des südlichen Dankchorä. Schliesslich kommt Vf. im 
Kap. XI noch einmal auf die Bezeichnung des Tempels als Zion zurück, die 
trotz dem, was er über die betreffenden Psalmstellen gesagt (s. o.), sich nicht 
beseitigen lässt. Er erklärt die Sache so, dass mit Zion in diesen Fällen 
nicht der Tempelberg, sondern nur die Fläche, welche das Heiligthum trägt, 
gemeint sei, und diese ist zu dem Ehrennamen gekommen, »weil der Herr hier 
in Gnaden bei seinem Volke wohnt (theokratisches Zion;, ganz wie vor dem 
Tempelbau auf der Akropole« (3. 99). »Der Tempelplatz war mit Über- 
führung der Lade Gottes und des Versaramlungszelts ein zweiter Berg Zion 
geworden« (S, 100). 

Dass wir das Resultat des Verfassers in allen Stücken iür unrichtig 
halten müssen, soll uns aber nicht hindern, anzuerkennen, dass auch für die- 
jenigen, die unsern Standpunkt in der Sache theilen, das Buch sehrlesenswerth 
ist wegen seiner gründlichen vollständigen Behandlung aller inFrage kommen- 
den Stellen. 

Kairo. J- Benzinger. . 

IV. 

Sion in Jerusalem^ was es war, und wo es lag. Heraus- 
gegeben mit Unterstützung des Palästina- Pilgervereins der Diö- 
cese Brixen und des deutschen Vereins vom h. Lande in Köln 
von Georg Gatt., Missiotiarius ApostoUcus T. S. Mit dem Bilde 
des Verfassers., einem Anhange und zivei Plänen. Brixen 1900. 
Commissi onsverlag der Buchhandlung des hath.-polit. Press- 
vereins. 6°. 141 S.^ 

Don Georg Gatt, der gelehrte Pfarrer von Gaza in Palästina, hat sich 
anhaltend und eingehend mit der Topographie der hl. Stadt und des hl. Lan- 
des beschäftigt und darüber mehrere Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften, 
so wie auch in besonderen Schriften veröffentlicht; so eine »Beschreibung 
über Jerusalem und Umgebung« (Waldsee 1877), »Die Hügel von Jerusalem« 
(Freiburg, Herder, 1897) und sein neuestes »Sion in Jerusalem«. Nachdem 
»Die Hügel von Jerusalem« in dieser Zeitschrift (s. S. 45 ff.) bereits eine Be- 
sprechung erfahren, sei hier ein kurzes Eingehen auf »Sion in Jerusalem« ge- 
.stattet. Dieses Schriftchen ist von Allem, was Gatt geschrieben, wohl das 
Beste. Unübertroffen reichhaltig ist die in der den vierten Theil des Buches 
inan.spruchnehmenden Einleitung gegebene Uberf3icht der »Ansichten An- 
derer« über die Eigenart und die Ortslage der Jebusiter-Festung Zion. Wir 
ersehen daraus, wie eingehend unser Autor sich mit seinem Gegenstande be- 

1) [Die Redaction giebt — unbeschadet ihres in der vorhergehenden 
Besprechung dargelegten Standpunktes in der Zionfrage, wonach dieselbe als 
endgiltig entschieden zu betrachten ist — hier noch einmal einem Anhänger 
der alten Westhügeltheorie das Wort, ohne sich natürlich deshalb zur An- 
sicht des verehrten Herrn Mitarbeiters zu bekennen. Benzinger. 1 



1 g4 Bücheranzeigen. 

schäftigt, wie sorfältig er die Arbeiten Anderer geprüft und wie mühsam er 
sein eigenes Urtheil über die Sache sich gebildet hat. Was dieses eigene Urtheil 
nun anbelangt, so entwickelt er es von S. 34 — 132 in 8 Abschnitten, indem er 
zugleich die gegnerischen Aufstellungen einer eingehenden Kritik unterzieht 
und dieselben zu widerlegen sucht. Zur Begründung seiner eigenen, im 
wesentlichen mit der traditionellen Süd- West -Hügel Zion- Theorie sich 
deckenden Ansicht über die Lage der Jebusiterfeste Zion, später die Stadt 
Davids genannt, bringt er mehrere Beweisgründe bei, auf welche frühere 
Topographen weniger Gewicht gelegt. Ob indessen die Angaben des Buches 
der Kichter (19, 10 — 14) über die Reise des Leviten von Bethlehem nach 
Gabaa für die Lage von Jebus auf dem Süd- West-Hügel der heutigen Stadt 
zwingend sind, darüber Hesse sich streiten. Gatt sagt S. 46 : »Jebus lag also 
am Wege von Bethlehem nach Gabaa, demselben nahe gegenüber. Ein kleiner 
Abstecher genügte, dahin zu gelangen. Die Lage von Jebus war sehr ein- 
ladend , dort einzukehren und daselbst zu übernachten. Der S.-W. -Hügel 
Jerusalems liegt am Wege von Bethlehem nach Gabaa; demselben nahe gegen- 
über. Ein kleiner Abstecher genügt, dahin zu gelangen. Lag Jebus auf dem 
S,-W.- Hügel, 80 ist der Wunsch des Dieners, dort einzukehren und daselbst 
zu übernachten, wohl begreiflich. Ganz anders stellt sich die Sache, wenn 
Jebus auf dem S.-O.-Hügel lag. In diesem Falle lag Jebus nicht unmittelbar 
am Wege von Bethlehem nach Gabaa, noch demselben nahe gegenüber. Jebus 
war in diesem Falle vom genannten Wege allzuweit entfernt und durch den 
grossen S.-W.-Hügel davon getrennt. Ein weiter und beschwerlicher 
Umweg war erforderlich, dorthin zu gelangen [der gesperrte Druck 
ist vom Referenten veranlasste In diesem Falle wäre es dem Diener wohl 
nicht in den Sinn gekommen, dort einzukehren und daselbst zu übernachten; 
lieber wäre er nach Gabaa w'eiter gegangen, das ja nicht ferne war. Jebus lag 
also damals auf dem S.-W.-Hügel, nicht auf dem S.-O.-Hügel.« Da nun aber, 
wie jeder auf dem Stadtplane von Jerusalem leicht nachmessen kann, der 
S.-AV. -Hügel und der S.-O.-Hügel der Stadt nur durch ein 150 — 20ü m breites 
Thal von einander getrennt sind und die Entfernung vom Jaffathore nach der 
westl. Tempelhalle nur 650 m beträgt, so dürfte Gatt's Angabe, »ein weiter 
und beschwerlicher Umweg war erforderlich«, kaum zutreff"en. Ebensowenig 
möchte ich das Uitheil unterschreiben, welches Gatt über die Angaben des 
Josephus (Antiquit. V, 2,2) fällt, indem er S. 44 sagt: »Um seine ^des Josephus] 
Angaben nach Gebühr würdigen zu können, müssen wir bedenken, dass er 
hierüber [über das alte Jerusalem] um kein Haar mehr wusste als wir, d. h. 
nichts, denn die Bibel sagt hierüber nichts, und eine andere Quelle stand ihm 
diesbezüglich nicht zu Gebote. Er kannte wohl die Ortslage von Jebus, allein 
ob es auch eine Unterstadt hatte oder nicht, darüber konnte er nur Ver- 
muthungen anstellen, was wir uns auch erlauben dürfen.« Ich halte es min- 
destens für sehr gewagt, dem Flav. Josephus eine tiefere Kenntnis der Sach- 
lage zu bestreiten und sich in der Kenntniss des alten Jerusalem mit ihm 
messen zu wollen. Dagegen dürfte das, was S. £Off. über die räumliche Aus- 
dehnung der Jebusiterfestung Zion gesagt wird, überzeugend sein. Darnach 
war diese Feste nicht eine kleine Burg, eine »Akra« im engeren Sinne, sondern 
eine »Akra« im weiteren Sinne, d. i. eine feste Stadt gewesen, was Gatt 



Bücheranzeigen. 185 

S. 51 unter anderem damit begründet, dass die Feste Zion in der Bibel schon 
vor dem Neubau durch David fünfmal »Stadt« genannt •wird. 

Wenn S. 04 gesagt wird: »Das Grab Davids lag nach der Bibel inner- 
halb der Stadt Davids, nach Ezechiel in bedenklicher Nähe des Tempels 
u. s. w.«, — 80 zeigt dies, dass Gatt auf ein Gebiet gerathen, auf welchem er 
weniger bewandert ist: denn die Gräber der Könige, von welchen der Prophet 
Ezechiel (43, 7 — S; redet, und deren Nähe den Tempel besudelte, haben mit 
der davidisehen Grabanlage in der alten Davidsstadt Zion auf dem S.-W.- 
Hügel Jerusalems nichts gemein. 

Als gelungen kann der Beweis für die Lage der alten Davidsstadt Zion 
auf dem S.-W. -Hügel gelten, der aus den Salomonischen Bauten auf Moriah 
gezogen wird. Gatt schreibt darüber S. 64: >Die Stadt Davids war sehr aus- 
gedehnt, umfasste sie ja den ganzen S.-W.-Hügel; demnach fand Salomo 
innerhalb derselben keinen geeigneten Baum mehr zum Bau des Jehova- 
Tempels und seines Palastes. Er musste also ausserhalb derselben hierzu ge- 
eignete Bauplätze suchen. Wäre die Hochfläche des S.-W.-Hügels damals 
noch frei gewesen, so hätte Salomo den Tempel und seinen Palast sicher auf 
diesem Hügel erbaut, denn einen geeigneteren Platz hierzu gab es in Jeru- 
salem nicht. Der weise König that es nicht; also war die erwähnte Hoch- 
fläche nicht mehr frei. Nun kann aber nur Jebus, die spätere Stadt Davids, 
-dort gelegen haben. Dem Könige standen zu seinem Zwecke noch der Berg 
.Moriah und Bezetha zur Verfügung. Letzteres hätte sich in vieler Hinsicht 
zum Tempelbau besser geeignet; allein es war von der Stadt Davids allzu- 
weit entfernt. Darum erbaute Salomo den Tempel Jehovas auf dem Berge 
Moriah (II Chron. 3, i;, an der Stelle der Tenne des Aravna, der Stadt Davids 
gerade gegenüber. Der Berg Moriah war also damals noch frei. Dies lässt 
sich nicht erklären, wenn man annimmt, dass Jebus, die spätere Stadt Davids, 

auf dem S.-O. -Hügel lag Der Tempelbau auf dem Berge Moriah hat 

daher in mehrfacher Hinsicht die Lage der Stadt Davids auf dem S.-W.-Hügel 
zur Voraussetzung.« 

Nachdem dann S. 105 ff. »Der Sion-Akra der Opheliten«, S. 114 ff. »Der 
Akra-Sion der älteren Traditionalisten« und S. 125 ff'. »Der traditionelle Sion 
und die Sions-Tradition« eingehend besprochen worden, kommt unser Autor 
S. 133 zu dem Ergebniss : »Die Lage der Stadt Davids auf dem S.-W.-Hügel 
Jerusalems ist über jeden Zweifel erhaben ; das neue System (die S.-O. -Hügel- 
Theorie) hat nichts für sich als einen leeren Schein«. 

So sehr nun auch der Bienenfleiss, welchen Gatt auf seinen Gegenstand 
verwendet, rühmend anzuerkennen ist, so wäre er doch gewiss seinem Ziele 
näher gekommen, wenn er nicht von den beiden Hauptzeugnissen für die Lage 
er alten Davidsstadt Zion auf dem S.-W.-Hügel Jerusalems das eine ganz 
beiseite gelassen, das andere aber nur oberflächlich berührt hätte. Ich meine 
des Flavins Joscphus Bericht über den nördlichen Lauf der alten Mauer, und 
die zahlreichen Nachrichten über die Grabgruft des Königs David. Die bis 
ins vierte christliche Jahrhundert bekannte Ortslage der davidischen Grab- 
gruft, deren der Apostel Petrus (Act. 2, 29) in seiner Pflngstrede gedenkt und 
vor deren Eingang Herodes d. Gr. kurz vor der christlichen Ära ein Marmor- 
denkmal aufgerichtet, das erst 132 n. Chr. in den Tagen des Pseudo-Messias 



jcg Bücheranzeigen. 

Bar Kochba unheilverkündend zusammenstürzte, — bietet der Tradition be- 
züglich der Ortslage der alten Davidsstadt-Zion die zuverlässigste Unterlage 
und verbürgt uns, dass diese Davidsstadt auf dem S.-W.-Hügel der heutigen 
Stadt wirklich zu suchen ist. Aus desFlav. Josephus Angaben über den Lauf 
der Nordmauer des alten Jerusalem aber ist die Lage der Stadt, welcher diese 
alte Nordmauer zum Schutze diente, ersichtlich. Diese Nordmauer lief nach 
Josephus (Bellum Jud. Y 4, 2) vom Hippikusthurme, der in der Nähe des heu- 
tigen Jaffathores gestanden hat, nach der westlichen Tempelhalle. Mithin lag 
die Urstadt von Jerusalem südlich von einer Linie, die von dem Jaffathore 
nach dem Haram esch-Scherif sich ziehen lässt: also auf der Süd-West-Höhe 
der heutigen Stadt. Demgemäss kann die Feste Zion der alten Zeit oder die 
»Oberstadt« des Josephus nirgendwo anders als auf dem sog. >Oberzion<, — 
die Unterstadt des alten Jerusalem aber, die spätere Akra, nirgendwo anders 
als auf dem sog. »Unterzion« gelegen haben, während das Tyropöon des Jo- 
sephus, wie schon Dr. TiTUS Tobler (Topogr. I, 24) richtig erkannte, mit der 
zwischen »Ober-« und »Unter-Zion« die heutige .Judengasse entlang nach 
Siloa hinablaufenden Schlucht sich deckt, wie ich in meiner zum Druck fast 
fertigen »Topographie des alten Jerusalem« eingehend nachweise. 

Schweinitz, Preuss. Schlesien. Dr. theol. C. Mommert, Pfarrer. 



Rene Dussaud, Histoire et Belig/'on des Kosairls. Paris^ 
Bouillon 1900. XXXV und 213 SS. yr. 5«. 

Die irdische Welt hat ihr Gegenbild in der himmlischen. AV'as hier 
unten lebt und webt, hat dort oben sein zweites Ich. Die Menschen sind die 
Lichter des Himmels. Stirbt einer, so erlischt sein himmlisches Konterfei. 
Die Übersterne-Planeten (einschliesslich die Sonne) sind die Übermenschen- 
Götter. Sie sind sui generis, sind »nicht zeugend und nicht gezeugt«. Der 
Gott-Mensch vergeht so wenig wie der Gott-Stern. Nur ein Schein ist es, 
wenn der irdische Gegenwerth des himmlischen Überwesens Mensehenloos er- 
leidet: kaum ist seine Gestalt entrückt, da ist schon ein neues Bild da. 

Das ist uraltes Gut, sogenannte Religion, das allzeit die Massen be- 
herrschte und noch heut beherrscht. 

Das altjüdische Volk und seine Geschichte sind in ihrer Bedeutung weit 
überschätzt. Aber die Litteraturreste, die man unter »Altes Testament« zu- 
sammenfasst, zeigen gut den Kampf, den einzelne kleine Parteien, deren 
Eponymen Abraham. Moses, die Propheten, Ezra sind, gegen jene Welt- 
anschauung, die nach der jetzt erreichbar ältesten Evolution »altbabyloniseh« 
genannt sein mag, nicht immer mit Glück führten. Eine reinliche Scheidung 
brachte das Christenthum. Es gab dem »heidnischen« Cult eine so gewinnende 
Form, dass es die andern Gestaltungen des uralten Stern- und Götterdienstes 
aufsog. Das Judenthum war gerettet, freilich um nur zu bald unbewusst Ein- 
flüsse des alten Gemeingutes der Menschheit zu erfahren, wenn auch solche 
Bewegungen nie wieder einen so kraftvollen Ausdruck fanden wie in der, 
deren Eponym der Messias, der Christus ist. 



Bücheranzeigen. 187 

Die gewaltigste Reaktion gegen alle aus der altbabylonisehen Welt- 
anschauung hervorgegangenen und ihre wesentlichen Merkmale, nicht selten 
maskirt, zeigenden Religionssysteme leistete der Islam. Es schien unmöglich, 
dass diese Lehre, die in den zwei kurzen klaren Sätzen bestand: »es giebt 
keinen Gott ausser Allah — Muhammed ist der Bote Allahs«, die jede Art 
von Vergottung verpönte, deren Begründer selbst sein Menscliliches, Allzu- 
Menschliches trotzig hervorkehrte i), einen R,ückfall in das alte »Götzenwesen« 
gestattete. Und doch. Die poetischen Vorstellungen, welche die Betrachtung 
der Natur anregt und denen die Weisen und Dichter der werdenden Mensch- 
heit eine klassische Form gegeben, sassen den meisten der zum Islam ge- 
zwungenen Völker fest in Hirn und Herz. Die Zunge sprach die Worte des 
Zeugnisses, der Geist baute sich gar schnell aus dem, was drum und dran hing 
und aus Fetzen des alten Glaubens ein Neues, das wieder nur das Alte war. 
Und dieses Alte -Neue überwucherte. Schliesslich sprengte es den engen 
Rahmen, in den die »reine Lehre« durchaus das Denken und Fühlen der Söhne 
götzendienerischer Ahnen zwängen wollte. So entstanden auf dem Boden des 
Islams die Geheimreligionen, die den Islam negierten, bekämpften. -i 

Von zwei Seiten fand das im jungen Islam herrschende System heftigen 
Widerstand : von Lehr- und von Machtfanatikern. Diese wollten sich durch- 
aus nicht die schmutzigen, rohen Araber als Herren gefallen lassen, und wenn 
sie sich um die Fahne eines Mannes und seiner Nachkommen scharten, die 
der Abstammung nach auch diesem wilden Volke angehörten, so war das nur 
ein Aushängeschild, hinter dem sich ganz andere Gelüste bargen. Jene wollten 
sich nicht in die Fesseln schlagen lassen, die von den schnell festgelegten 
starren Formeln der Dogmatiker von Medina dem Spekulieren und Phantasieren 
angelegt worden. Natürlich fanden sich die Gegner: Politik und Religion 
gingen den gewohnten süssen Bund ein. Über kanonisches Sunnitenthum und 
kanonisches Imamat brachen schwere Stürme herein. 

Imamat — wer war denn nach des Propheten Tode der nächste zur Lei- 

1) Hatte er sich doch von Gott selbst zurufen lassen (Q. 39, 31): »Nun, 
du musst sterben, und sie werden sterben«, wenigstens hat die Beziehung 
dieser Worte auf den Propheten schon früh im Islam Geltung gewonnen : mit 
ihnen wies nach alterTradition Abu Bekr Omar zurecht, als der auf die Todes- 
nachricht wie irrsinnig herumsprang und rief: »Bei Gott, er ist nicht todt, 
er ist nur entrückt wie Moses und wird wiederkommen« (so erzählt Ibn 
Babvjje, s. Möller, Beitr. zur Mahdilehre 31 f., wobei zu bemerken war, dass 
IBab die Koranstelle durch Einsetzung des Ja juuhammad geiälsoht hat). Also 
selbst in Omars Kopfe lebte der alte Spuk: der Übermensch kann nicht 
sterben! Dass übrigens die Stelle sich wirklich auf Muhammed bezieht, ist 
bestreitbar, und es ist kennzeichnend für die Leichtfertigkeit und den Omar- 
hass des Schiiten, dass er an die Erzählung die boshafte Bemerkung knüpft: 
»Omar kannte seinen Qoran nicht« (lamj(tkun umaru (lamdalkurä)i). 

2) Schon im Jahre 66 hetzt Rabi'a Ibn Almuchäriq seine Syrer, indem er 
die Iraqer Leute nennt, «die den Islam verlassen haben und aus ihm aus- 
getretensind, Leute ohne Gottesfurcht, die nicht einmal arabisch sprechen« 
Tab. 2, 647, 6; vgl. auch 651, 2. 



18S Bücheranzeigen. 

tung der islamischen «?H«)a, Gemeinde-Nation? Doch der Mann, der in der 
Familie Häsim der gleichen Generation mit Muhammed angehörte und zu- 
gleich in Fatima ihm Samen erweckt hatte, sein Vaterbrudersohn Ali. Diesem 
entriss Amr s Schlauheit für Moawija den nahen Sieg am Tage von SifFin. Mit 
dem von Kerbela erhielt die Sache des »Hauses des Propheten« den Stoss, 
von dem sie sich nie ganz erholt hat, wenn sie schliesslich auch die Staats- 
religion eines Reiches von ein paar Millionen Einwohnern wurde und noch 
heut ist. Ihr schlimmster Feind war der innere, [der freilich mit dem äussern 
Druck in enger Beziehung steht. Die Anhänger der sVat ^ali, des Schiiten- 
thums, entbehrten eines kräftigen Führers, sie bildeten kein Reich, dessen 
Haupt im Gefühl der Pflicht und des eignen Nutzens Auseinanderstrebendes 
zusammenzwang. In der Schia fand das Subjektive Gelegenheit sich auszu- 
leben. Wer sich ein System ausgedacht, wie die unerklärliche Vernachlässigung 
Alis und seines Hauses durch Allah zu erklären sei, und die Lösung des 
Rätsels mit spottbilligen Wechseln auf die Zukunft dem gedrückten Volke 
vortrug, fand Gläubige. Daher die Zersplitterung der Anhänger des alidischen 
Gedankens. Da konnte auch der kräftige Bundesgenosse nicht helfen, der 
freilich auf ganz andern Wegen wandelte: der Mu tazilismus. Den Leuten 
des kaläin, des dialektischen Raisonnements, lag principiell nichts ferner als 
ein Eingehen auf die Phantastereien der aufgeregten Aliden-Bündler, aber sie 
waren klug genug, in diesen Helfer gegen eine Richtung zu sehen, die das 
Gegentheil von Denken, die blindesten Glauben verlangte. Und in Wirklich- 
keit : Spekulieren, Grübeln, mystisch Phantasieren — die Grenzen sind flüssige, 
ebenso wie zwischen Glauben und Mystik. Hier handelte sichs aber den 
Machthabern bei dem » Glauben« nicht um ein Inneres, sondern vim das Mund- 
Bekenntniss zu einem von der Regierung proklamierten Dogma. Mu'tazilismus 
und Schiismus begegneten sich in dem Widerstände gegen den Gewissens- 
zwang der orthodoxen Machthaber, begegneten sich auch darin, dass sie dem 
starren Kleben an dem Buchstaben des Qorans und seiner rein äusserlichen 
Erklärung, dem tanzll, gegenüber das td iril^], die »Deutung«, vertraten, die 

1) Das Verhältniss von tanzll und td ml ist, wenn auch aus dem Geiste 
der beide verwerfenden Okkultisten heraus, vortrefi'lich dargestellt schon von 
S.4CV, Exp. Rel. Druzes 1,11; dort ist aiich schon richtig bemerkt n. 2]: »Les 
sectateurs du 2'anil (d. h. die, welche »chcrchcnt h connaitre le dogme de 
l'unite par les paroles, la logique et le discours«) sont les Schiites qui allego- 
risent l'Alcoran", denn tdw'il ist = allegorie. So ist es nicht wunderbar, dass 
in gewissen Kreisen, und zwar gerade da, wo diese Vorstellung von den Schiiten 
die Geister beherrschte, z. B. in den drusischen, ismailischen und nusairischcn 
Gegenden Syriens, ein Wort als Bezeichnung für die schiitischen Mitbewohner 
aufkam, das von tdwil abgeleitet ist. Schon Rüdiger hat erkannt, dass 
metäwile als mutdauivila zu erklären ist, und GoLDZIHER bringt eine Stelle aus 
Murädi bei, wo von den 7nasäjich ahmädauirila ,den Altesten der Metawile'. 
die Rede ist (Arch. Rel. W. 1901, S. 90). Nun ist der Übergang von mutdauwila 
in das moderne metawile mcht zu schwer; mut'amcile-mutauwile-jnetäwile; wie 
kommt aber tdamval dazu, an Stelle von auical zu treten, das doch allein von 
dem tdu'd vorausgesetzt wird? Hier giebt uns das von Seybold edierte 



Büeheranzeigen. 189 

weitere Auffassung, in deren Rahmen sich einerseits die rationalistische Me- 
thode der mutakalUmün, Dialektiker, bringen liess, andererseits die schwei- 
fende Träumerei der Namen-Muslims, die ohne selbst es zu wissen von den 



Leidener Glossarium Latino-arabicum einen Wink, das S. l&O hat: »Explano, 

deplano — J^^^ *• In diesem taun-al liegt unzweifelhaft eine Secundärbildung 

von tdivil vor und da diese für das Spanien des 11.12. Jahrhunderts gesichert 
ist, so dürfen wir sie auch im Syrien des Mittelalters annehmen. Muradis 
mutaauH-ila scheint mir kein Gegengrund zu sein, er erkannte nur nicht die 
wahre Sachlage und gab die Schreibung, welche die in seinen Kreisen übliche 
Deutung des Namens darstellt und die darauf zurückgeht, dass td auwala 
nach den Lugha-Büchern mit auwala gleichbedeutend ist. Herr General- 
konsul SciiROEüER (Beirut , der auf meine Bitte (vgl. auch diese Zeitschrift 
XXIV, 60 Anm. 5 a. E.; über den heute im Lande herrschenden Gebrauch 
des Namens und seine Erklärung Nachforschungen anstellte, schreibt mir 
darüber Folgendes, was als Stimme aus dem Lande selbst nicht ohne In- 
teresse ist: »Was die Bedeutung des Namens Mutwuli pl. Metäwile anbe- 
trifft, so sagt man mir. dass ^nuticäli oder mitiväli eine falsche 'Vulgär-) 
Aussprache sei; richtig laute der Name mutewäli ^^^^^a und bedeute 

einen, der von der Wahrheit abgewichen und dem Irrthum gefolgt sei 
wj^\^^^y^ sich von jem. abwenden). So seien die Metäwile von ihren 
Gegnern benannt worden, es sei ein Spottname. In der That nennen die 
M. sich selbst nicht so. Sie nennen sich vielmehr Mu minin (zum Unter- 
schiede von den Sunniten, die sich Muslimin nennen) oder auch einfach 
Schiiten ^s.^. Deshalb scheint mir obige Etymologie den Vorzug zu 

verdienen vor der andern, wonach das Wort eigentlich mutewelli Jj^'JLa 

laute: , einer der (dem 'Ali und den zwölf Imams) nachfolgt'. Zu letzterer 
Ansicht hat vielleicht der von den Schiiten oft angerufene Ausspruch des 

.Propheten s^^J LiLs ^"^^a ^ic ^^ ^a ,ich bin der Herr desjenigen, 

dessen Herr 'Ali ist' Veranlassung gegeben. Es fragt sich nur. ob die 
Erklärung von mutewäli als >Abgewichener« , die ich einem jungen Arzt 
in Damaskus, der selbst einer angesehenen Mutewäli -Familie in Baalbek 
angehört, verdanke, sich lexikalisch rechtfertigen lässt. Die Metäwile 
werden von einigen Autoren auch Beni Mutwäl c^j^ ^^^ genannt, als 
ob sie von einem »Mutwäl» abstammten. Dieser Name scheint ganz un- 
berechtigt zu sein. Mein Gewährsmann theilte mir noch mit, dass die 
Mutwälis ihrem religiösen Glauben nach in drei Gruppen zerfielen: 1^ die 
Itna'ascharije sjt,^£: i^*-^^ ^^'^^ Zwölfer', welche die zwölf Imame aner- 
kennen; zu ihr gehören alle Mutwälis in Syrien. 2) die Zaidije *.jl\j;. 
die nur 'Ali und Hasan (nicht Hosein) anerkennen und dann Zaid folgen; 
in Jemen, Marokko, Algier etc. 3) die Ichbärije in Persien.' Der Unter- 
schied zwischen 2 und 3 bestehe darin, dass den Zaidije alles rein ist, 



\ 90 Bücheranzeigen. 

uralten heidnischen Vorstellungen besessen waren und diese nun zunächst an 
der Hand des göttlichen Wortes selbst in den Islam hineinschmuggelten!}. Der 
■war sich keinen Augenblick im Zweifel, dass beide Richtungen zersetzend 
wirkten und hatte das beste Recht, gegen so gefährliche Gegner ohne die ge- 
ringste Schonung vorzugehen. Er hat sie besiegt. Aber die Verachtung von 
»Vernunft und "Wissenschaft, des Menschen allerhöchste Kraft« hat sich ge- 
rächt ebenso wie die Ausrodung der kräftigen Stämme, die Phantasie getrieben. 
Er thront auf Ruinen. 

Hier handelt es sich um die Wege, welche die alidische Bewegung ge- 
wandelt ist, um jene Parteiungen, die^sich bildeten, als der alidische Gedanke 
in den Köpfen mystisch veranlagter Schwärmer besondere Gestaltungen an- 
nahm, und diese meist höchst beschränkten Leute, in denen nicht selten dem 
lv(^ovainauöi ein gut Teil Eitelkeit, Intrigensucht und hysterische Verlogen- 
heit beigemischt war, durch demagogisches Geschick einen Kreis fanatischer 
Genossen um sich sammelten. 

Bekannt ist, wie nach dem Scheitern aller Hoffnungen auf einen nahen 
äussern Sieg die Schiiten dem Traum 'des in unbestimmte Ferne gerückten 
AViedererscheinens eines der Welt entrückten Nachkommen Alis sich hingaben. 
Bekannt auch, dass die Ismailier, aVistnalliJa, ihre Hoffnung auf den um 148 
gestorbenen Ismail b. Ga'far setzten und dass diese Hoffnung von dem frechen 
Schwindler und Gewaltmenschen 'Ubaidallah Ibn Husain Ibn 'Abdallah Ibn 
Maimün, alias Sa'id, später erneut von seinem Nachfolger Elhäkim ausgenutzt 
wurde. 

Zu den Ismailiern nun stehen die Nusairier in enger Beziehung. Sie 
sind nicht eine eigenartige Sekte, gestiftet von Muhammed Ibn Nusair und 
entwickelt durch Alchasibi, wie man es darzustellen liebt. Sie sind in Wirk- 
lichkeit nur ein Ableger der Ismailier, deren Schriften sie plünderten. Ibn 
Nusair ist erlogener Eponym. Ursprünglich sind sie identisch mit den Nazerini 
Plinius 5, 81 ;das Hineinkorrigieren von A^filfe^??;'«»' Sozomenos 7, 15 [Dussaud, 
S. 17 n. 3] ist unstatthaft; das r«Xi>.(cuoi' ist gesichert durch das von Dussaud 
selbst beigebrachte Dschebel Eldschelil für jene Gegend) und huldigten bis 
zum Einbruch der Ismailier einem der alten syrisch-phönizischen Kulte. Ihr 
System, wie wir es in ihren heiligen Schriften und Riten finden, ist eine Ver- 
mischung des Urbestandes mit dem, was die Eindringlinge ihnen als Lehre 



was sie nicht als unrein kennen, während den Ichbarije gerade umgekehrt 
alles dasjenige für unrein gilt, was ihnen nicht als rein bekannt ist.* 
AVelche Beziehung das mutii auwilün in der Ueberschrift des *L> i-^ '^L^ 
^J^Uii J, [K. istitäbal ahnurtaddin Buchari [Maim. 1309] 4, 127) zu 
den Iladiten dieses Bab hat, ist mir nicht deutlich; es scheint dort nur 
»Tiftler« zu bedeuten. 

1) AV'ie Rationalismus und Mystik auch im Islam zusammengingen, sah 
bereits Sacy: »Les Druzes ont encore beaucoup d'affinite avec les Motazales 
en CO qui concerne la doctrine du libre arbitre . . . Enfln, presque tout leur 
Systeme religieux est derive de la doctrine des Schiis, et la iüupart des Schiis 
sont en )ni'me tcmps Mutazalesi (Exp. Rel. Druzes I, 14). 



Bücheranzeigen. 191 

aufdrängten. Das Christenthum haben sie nie bekannt, sondern gingen vom 
Heidentum direkt zum Ismailismus über. 

Das sind die Thesen betreffend die Nusairier, die DussAl'D zu erweisen 
sucht. Er arbeitet mit einem umfangreichen Material und hat das Verdienst, 
über die Punkte, die in Betracht kommen, eine gute Menge von Nachrichten 
zusammengetragen zu haben. So entstand ein Beitrag zur vergleichenden 
Religionswissenschaft, der manchem nicht unwillkommen sein wird. Aber der 
Beweis für die oben mitgetheilten Sätze kann nicht als erbracht gelten. Auch 
hat unter den vergleichenden Bemühungen die Darstellung der thatsächlichen 
Tradition über Lehre und Geschichte des Volkes gelitten. Mit reinlicher 
Scheidung zwischen den Berichten und ihrer kritisch-historischen Beleuch- 
tung war der feste Grund zu schaffen, auf dem jeder Forscher sein Urtheil 
bilden kann. 

Nur einem der von Dussaud aufgestellten Sätze wird beizupflichten sein : 
dass die Nusairier nie Christen gewesen seien. Das Gegentheil ist von 
Lammens mit Gelehrsamkeit und Geschick vertreten worden. Es ist aber kaum 
denkbar, dass die Symbole desChristen-Heidenthums (denn auch das Christen- 
thum ruht ja, wie bereits oben gesagt, auf dem Grunde der altbabylonischen 
Weltanschauung: Christus ist der Stern, der über dem Stall steht, Christus 
ist die Sonne, die sich bei seinem Sterben verdunkelt i)) so vollkommen aus dem 
Eitus und den religiösen Urkunden der Nusairier geschwvmden sein sollten. 
Auch findet sich in den ältesten uns erhaltenen Mittheilungen über die 
Nusairierreligion'derdemHamzazugeschriebeneDnizenschrift »Sendschreiben 
zur Vernichtung des Wüstlings — Widerlegung des Nusairiers« und Sahrastani 
S. 143 f.; nichts, was Beziehung zum Christenthum hat. Von demEinfluss der 
syrisch-phönizischen Kulte lässt sich aus dem einfachen Grunde nicht viel 
sagen, weil sie dem Neuen, das daraufgesetzt wurde, congenial waren: sie 
gingen eben auch auf die altbabylonische Weltanschavumg zurück, aus der 
die meisten Religionssysteme des Alterthums stammen, und die noch heute im 
weitesten Umfange die Menschheit, auch die fränkische, beherrscht. 2; 

Grosse Mühe verwendet Dussaud auf den Nachweis, dass den einen alt- 
semitischen Kult übenden Bewohnern des Nusairierlandes das Ismailierthum 

1) Wie schnell die Mythenbildung schreitet, zeigen die Vorstellungen, 
die sich sogleich nach Li-Hun-Tschangs Tode am 7. Nov. 1901 bildeten: 
die himmlische Schildkröte, deren Inkarnation der grosse Chinese war, sei 
im Augenblick seines Ablebens aus dem Sterbezimmer, wo sie gesehen 
worden, an den Westhinimel zurückgeeilt, und beim letzten Lebenshauche 
sein ein Stern, seine »Lebenswurzel«, vom Himmel gefallen, s. La Mort de 
Li- Hong-Tchang. Recit d'uu thnoin in Questions Diplom.. et Colon. VI 
No. 120 (15. 2. 1902) S. 233. 

2) Den Satz Renan's, »Die Menschheit hat von ihren Anfängen an immer 
an denselben Orten gebetet«, erweiternd mag man hinzufügen: »und zu den- 
selben selbstgeschnitzten Götter-Fetischen«. Ein höchst lehrreicher Commentar 
zu jenem Satze sind die tief stechenden Ausführungen Goldzihers in »Heiligen- 
verehrung im Islam« VII ^Moh. St. II. Dem Zusammenhange eines bestimmten 
Trauerfestes im Islam mit altbabylonischem Kult geht nach Erdmaxns, Der 

Ursprung der Cereinonien des Hosein- Festes in ZfAssyr. IX, 260 ff. 



192 Bücheranzeigen. 

aufgedrängt worden, dass die nusairisehe Lehre nur ein Ableger der ismaili- 
schen sei. Das ist von vornherein nicht wahrscheinlich, wenn wir bedenken, 
in welcher Zeit und in welchen Gegenden wir uns befinden. Der Islam fiel in 
eine Welt, die etwa fünf Jahrhunderte jünger ist als die Mystik von »Im An- 
fang war das AVort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort«. 
AVas war in dieser Zeit nicht spekulirt worden! Auf die altorientalischen Kulte 
wurden die Philosopheme des Neuplatonismus, der Gnosis gepfropft, i) Wir 
haben kein Recht, bei Ähnlichkeit einzelner Lehren in den aus dem Islam 
hervorgegangenen oder richtiger ; in islamischer Umgebung entstandenen 
Religionssystemen von Anleihen des einen bei dem andern zu sprechen, wenn 
nicht eine einwandfreie Tradition darüber vorliegt. -J In AYirklichkeit ergiebt 
die Vcrgleichung der beiden Systeme ein Resultat, das der Entlehnungstheorie 
DusSAfDS widerspricht. Im Ismailierthum ist die Hauptlehre die von den sieben 
Vlaneten-näfiqs, im Nusairierthum die von der Dreieinigkeit Himmel-Sonne- 
Mond = 'MS (' Ali-Muhammad-Salmän) = Begriff-Name-Pforte. Diese fun- 
damentale Abweichung lässt sich nicht aus der Welt schaffen; neben ihr 
schweigen die Berührungen. Es zeigt sich eben, wie mannigfaltig die Mischung 
der beiden Faktoren, altbabylonische AVeltanschauung und griechich-jüdisch- 
christliches Philosophiren, sich gestaltete. 

Ein Anderes ist bei DrssAUD völlig vernachlässigt. Mag man auf die 
Namen, an welche sich die religiös-philosophischen Vorstellungen knüpfen, 
und deren Träger als Exponenten von Naturwesen oder Geisteskräften er- 
scheinen, noch so wenig Werth legen, diese ihre Träger im Ismailierthum und 
Nusairierthum sind nun einmal, soweit sie dem Islam angehören, historische 
Persönlichkeiten, und ihre Hineinziehung ist bedingt durch politische Ten- 
denzen.-^) War doch die in Persien* erwachsende, auf den alten Licht- und 

1) Beistimmen darf man Düssaud, dass das Verhältoiss der nosairischen 
Lehre zur Gnosis oft falsch beurthcilt worden ist und dass »Gnostiques et 
Nosairis aient piiise ä un fonds paien commun« (S. 127,. 

2) Eine solche scheint vorzuliegen im Falle des Grossmeisters der 
Assassinen Räsideddin Sinän, s. Dissaud, Inßuence de la religion nosairi sur 
la doctrme de Rachid ad-din Sinan, J. As. 19U0. 

■■', Über die geschichtlich-politische Rolle der Nosairier s. Düssaud 21 ff. 
Von besonderem Interesse ist die Nachricht bei Ibn Atir 8, 220, dass auch die 
Nusairier an Ibn Alfurät glauben und ihm in ihrem Religionssystem eine 
hervorragende Stelle zuweisen. Das klingt so, als sei das eine von Ibn Atir 
selbst, also um 620/1223 gemachte Beobachtung. Heute scheint die politische 
Stellungnahme der Nusairier in früheren Zeiten bei ihnen selbst vergessen. 
Dass aber auch heut die Politik mit dem religiösen Leben verknüpft ist, dafür 
bedarf es keines Beweises. In welcher Richtung, darauf Aveist sogar eine Stelle 
der bäküra ;S. 53 unten, die heut kaum so gedruckt werden dürfte; derlmam 
lässt nämlich in der »Messe der Weisung« [quddüs al'isära) eine Fatiha lesen 
"für den Untergang des osmanischen Reiches und den Sieg der Chasibischen 
Nusairischen Gemeinde«. Welche Verfolgungen die Nosairier zu Zeiten von 
ihren türkischen Herren erfahren haben, darüberhat schon Ritter Genügendes 
zusammengetragen. Wie die andern nichtislamischen Gemeinschaften Syriens. 



Bücheranzeigen. 193 

Sternencidtus zurückgehende antiislamische Bewegung schnell mit der poli- 
tischen des Schiismus, der stat 'all zusammengeflossen. Diese Bewegung 
nahm zwei Hauptrichtungen: die schon erwähnte der Gefolgschaft des sieben- 
ten Imams Ismail, aus der später das Drusenthum hervorging, und die der 
»Zwölfer« (itnaasarlju) , die erst mit dem zwölften Imam einen Abschluss 
machten, an die Aufrichtung d^s Zukunftreiches durch den Mahdi Muhammed, 
den Sohn des Elhasan El askari, glaubten. Dass die ISTusairier zu den Zwölfern 

gehören, ist keine Frage. In Sure 3 heisst es: »Ich bitte dich bei den zwölf 

Reihen (satr) desimamats«, und in dem Kommentar des Sulaiman Eladani zu 
dieser Sure [büküra S. 14) werden die zwölf Imame in der gewohnten AVeise 
aufgezählt, mit Muhammed Elmustafa beginnend und mit Muhammed Ibn 
Elhasan Elhugga endigend. Wem das als Beweis nicht genügt, der lese 
Sahrastani S. 143, wo dieNusairier als eine Unterabtheilung der Ultras (gliulüt) 
der Schia ausdrücklich bezeichnet werden; von denen ist es aber feststehend, 
dass sie die zwölf Imame göttlich verehren (Sahr. S. 132). Die beiden Eich- 
tungen, die der siebenimamigen Ismai'lier und die der zwölfimamigenNusairier 
standen sich von Anfang an feindlich gegenüber, i) Gerade weil sie die An- 
lehnung an das Haus des Propheten gemeinsam hatten, wuchs sich der Gegen- 
satz der Parteien zu unversöhnlichem Hass aus, und es ist ausgeschlossen, 
dass die Anhänger der einen die Schriften ihrer Gegner abgeschrieben haben. 
Im Einzelnen ist die Arbeit Duss.\rDs reich an interessanten Parallelen, 
die mit grossem Geschick vorgetragen und unter Heranziehung einer sehr 
umfänglichen Literatur begründet werden. Besonderen Dank verdient die 
23 Seiten umfassende Bibliographie. 2) Mit Dank sei auch erwähnt der Ab- 



so haben auch die Nosairier unter den fränkischen Mächten sich eine aus- 
gesucht, der sie Sympathien entgegenbringen und von der sie Hilfe hoff"en: es 
ist dieselbe, die der Orthodoxen Schutzmacht ist: Ptussland. Thatsache ist, 
dass der Malik Alasfar in den Zukunftsträumen der Nosairier eine Holle spielt 
und dass sie damit den Czaren meinen. 

4) Von den persischen Beziehungen hat sich bis heutigen Tages eine 
Spur erhalten, wenn der Angabe der hüküra (S. 59) von einem Citat zu trauen 
ist, das sich im kitäb uddalaü des Maimün Attabaräni finden soll und das die 
zehn Gebote in dem dem Ga far Assadiq zugeschriebenen ulhaft (= np. lieft 
für »sieben«) betrifft. 

1) Den Anfang der beiden Pachtungen wird man mitMÜLLER [Islamb%S) 
so bestimmen dürfen, dass die Zwölfer nach 260 = 873/4, die Ismailier etwa 
hundert Jahre früher (um 148=76.'>/6) aufgekommen sein werden. Ein drolliger 
Anachronismus passirte Leon Caiiun, der schon um 94/712 den General 
Qutaiba den armen Bocharern und Samarkandern »les plus sacripants de ses 
guerriers, d'un islamisme plus que douteux, les Nossa'iri de Syrie (ce sont nos 
Ansaries contemporains)« ins Quartier legen lässt [Introduction ä Vhistoire 
de l'Asie 125). Derselbe L. Cahitn hatte eine Mission Scientifique zum 
Studium der Nosairier (s. Bericht bei Dcss.^UD XXXIII No. 95). Drolliger 
noch ist freilich, dass sein islamisch-osmanischer Bearbeiter Nedjib Asym die 
naive Verwechslung der Ansär mit den Nosairiern getreulich mitmacht 
[türk tdrichi 141 oben). 

2) Hier erwähne ich aus meiner Handschriftcnsammlung folgende Stücke: 
1) No. 92a (97 SS.) = Ms Berlin We 1710 (Ahlw 4291), benutzt von Dussaud, 

Ztschr. d. Pal.-Ver. XXIV. 13 



194 Bücheranzeigen. 

druck der 10 Suren des /ciYüi alnxupnu, in denen die Hauptlehren der Nusairier 
enthalten sind, da das einzige Druckwerk, wo sie wiedergegeben sind, die 
schon erwähnte büküru, als eine bibliographische Seltenheit gilt, i) Die Mängel 
in der Übersetzung dieses und anderer arabischer Texte sind bereits von 
Gor.DziiiEii in dem eingehenden Referat in »Archiv für Religionswissenschaft« 
1901 S. 85 fl'. hervorgehoben worden. Es zeigt sich da, wie nothwendig eine 
vollständige Beherrschung des Arabisch-Sprachlichen wie des Islamisch-Histo- 
rischen ist, um zu einem völligen Eindringen in den Sinn dieser Texte zu ge- 
langen und sie durch eine das Wesentliche scharf wiedergebende Übersetzung 
vermitteln zu können. Jenes Eindringen, die genaue Bestimmung a)ler wesent- 
lichen Züge des Systems, bleibt aber die Grundlage, auf welcher allein die 
gedeihliche Verwerthung solcher wichtigen Quellen für die vergleichende Re- 
ligionswissenschaft sich auibauen kann. Es muss die Forderung erhoben 
werden, dass sämmtliche Texte, die als Grundurkunden der sogenannten isla- 
mis(?hen Sekten, richtiger: der pseudoislamischen Geheimreligionen zu be- 
trachten sind, im Originaltext zugänglich gemacht werden. Es sei hier auf das 
bevorstehende Erscheinen der von Sevbold herausgegebenen Drusenschriften 
hingewiesen. Der Druck andrer Werke dieser Literatur ist in Aussicht ge- 
nommen. Daraus erwachse dann zunächst die sprachlich und sachlich korrekte 
vergleichende Darstellung dieser Religionssysteme^). Dann erst kann die Ein- 
beziehung dieser merkwürdigen Erscheinungen in die religiöse Gesammt- 
entwicklung Vorderasiens erfolgen, wobei freilich die ältesten uns erreichbaren 
Denkmäler religiösen Yorstellens, deren richtiges Verständniss erschlossen 
und deren Bedeutung den Fernerstehenden nachgewiesen zu haben das Ver- 
dienst Hugo Winckler's ist, in ganz anderer Weise herangezogen werden 
müssen, als es bisher der Fall war. 

Charlottenburg-Berlin. Martin Hartmann. 

s. XXIX f.; 2) No. 92b (115 SS.), moderne Schrift über die Drusen; 3) No. 89, 
zum Theil sich deckend mit Ms. Berlin Mo 224 (Ahlw 4347); 4) No. 90, zum 
Theil sich deckend mit Ms. Berlin Ldbg. 2o9 (Ahlw 43l6). Ich behalte mir 
genauere Mittheilung über diese Stücke sowie über die Drusentraktate in 
meinem Besitze vor. 

1) Als ich mein Exemplar um d. J. ISSO in Beirut erwarb, hatte ich nicht 
den Eindruck, dass das Buch besonders selten sei; siehe aber Dussaud XIII. 

2) Aehnlich äussert sich völlig unabhängig von mir Seybold in der 
mir während des Druckes zugegangenen Tübinger Universitätsschrift (zum 
25. Februar 1802! welcher sein »Die Drusenschrift: Kitäh alnoqut tcalda- 
wäira beigefügt ist. Er sagt S. XV; »Jedenfalls dürfen wir erst, wenn die 
kanonischen und späteren Originalquellen in Text und Uebersetzung mehr 
und mehr zugänglich werden, hoffen, über das seiner Zeit klassische Werk 
des Altmeisters de Saey erheblich hinauszukommen. Dann erst können auch 
die Entlehnungen und Anleihen, die der Drusismus beim Islam, Christenthum, 
Parsismus, Manichäismus und verschiedenen philosophischen Systemen der 
Alten machten, endgültig erforscht und herausgestellt werden«. Nur wird 
der Hinweis auf die ältesten Denkmäler vermisst, mögen diese auch zum 
grösstenTheile in der Zustutzung durch die von S. genannten Formulierungen 
den Drusen vermittelt sein. 



Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



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