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Full text of "Zeitschrift für celtische Philologie"

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ZE1T80HKIFT 



^ 







•Z^^^n^ FÜR 

(KELTISCHE PHILOLOGIE 



HERAUSGEGEBEN 



KUNO MEYER 



V 



XI. BAND, 1. HEFT 



— 7^r~ 

'100/ 

Zs 

HALLE A. S. 

MAX NIEMEYER 




LONDON AV. C. 

AVILL.IAMS & NORGATE 

14. HENRIETTA STREET 
COVENT GARDEN 



NEW YORK 

G. E. STECHERT & CO. 
151-355 WEST 25th STREET 

1916 ' {^{i 



598K08 

Inhalt des 1. Heftes des XI. Bandes. 



Seite 

J. Pokoruy, Streitfragen znr altirischen Graminatik 1 

K. Thurneysen, Irisches. 

A. Zn irischen Texten HO 

li. Zur irischen Metrik 84 

M. Power, Cnucha cnoc os cionn Life 39 

R. Tliurneyseu, Morauds Fürsteuspiegel 56 

K. Meyer, ürthanach üa Cöillänia cecinit 107 

A. Kelleher, Eetha Coluinib Chille (Fortsetzung) 114 

K. Meyer, Maeldüins Meerfahrt, ein altirisches Gedicht 148 

R. Thurneysen, Altirisch coiniaid 165 

Berichtigungen und Nachträge (zu Bd. X u. XI, 1) 160 

Hans Hessen j 108 



.Mitteilungen für die Redaktion bittet man an 

Prof. Kuuo Meyer, Charlottenburg, Niebuhrstrasse 11 a, während des Krieges 

an Prof. R. Thurneysen, Bonn, Colmantstrasse 24 zu schicken. 



<: 



Inhalt des 2. Heftes des XI. Bandes. 



Seite 



J. Pokoiuy, Spuren von Germanen im alten Irland vor der Wikingerzeit 169 
— , Beiträge zur ältesten Geschichte Irlands. 1. Die Fir Bolg, die Ur- 
bevölkerung' Irlands i°9 



J. Bruch, Ee( 



205 



E. Thurneysen, Altirisch soaä 212 

G. Brüniug, Adamuans Tita Columbae und ihre Ableitungen 213 

(Handschriften 216; Ausgaben 224; Zeit und Ort der Entstehung 227; 
Die Anlage der Vita, Sprache und Stil 229; Adaniuan und seine 
Vorbilder 244, seine Quellen 255, der sog. Cummeneus 260; Die 
irische Vita Columbas 272; Die Vita Columbae und das Fragmentum 
Vitae im Codex Salmanticensis 276; Die Vita Columbas von 
O'Donnell 283; Die Vita im Brevier von Aberdeen und bei John 
von Tynemouth 287; Adamnaus Vita als Quelle in der späteren 
Hagiographie 288. Anhang: Die Vita Columbae des sogenannten 
Cummeneus 291). 
M. Verworn, Die angeblichen ,.Runensteine" von Biere. Gefälschte 

Oghani- Inschriften ^^' 

R. Thurneysen, Zur irischen Grammatik und Literatur (1. Zu Morands 
Fürstenspiegel; 2. Zum Gedicht von St. Paul; 3. Zum Feiire des 
Oengus; 4. didenach; 5. adlu; 6. Isewir. fe Uli r: 7. cniacid; 8. att; 

9. fairrge; 10. soi, doi) 30ö 

Erschienene Schriften: J. Pokorny, Irland 313 

Maura Power f ^^^ 



Mitteilungen für die Redaktion bittet man an 

Prof. Kuno Meyer, Charlottenburg, Niebuhrstrasse 11 a, während des Krieges 

au Prof. R. Thurneysen, Bonn, Colmantstrasse 24 zu schicken. 



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ZEITS(JHHiri 



FLU 



CELTISCHE PHILOLOGIE 



ün^ V^$ l 1V< -^^ö-r^cMonc: 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



KUNO MEYER 



XI. BAND, 2. HEFT 



HALLE A. S. 

MAX NIEMEYER 




LONDON W. C. 

WILLIAMS & NORGATE 

U. HKNRIF.TTA STRKET 
CÜVENT GARDEN 



NEW YORK 

G. E. STECHERT & CO. 
151-155 WEST 25th STREET 



1917 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 



Bevor ich mich zu den Einzelheiten in Hessens Besprechung 
meiner 'Old Irish Grammar' (oben X, S. 315 — 337) wende, will ich 
kurz auf seine allgemeinen Aussetzungen eingehen. Er tadelt 
an meinem Buche vor allem die Anordnung der Lautlehre, dann 
das Fehlen jeglicher Syntax, Stammbildungslehre und einer 
genügenden Anzahl von Beispielen. 

Was die Anordnung der Lautlehre betrifft, so wird natürlich 
von noch so viel Gelehrten jeder einzelne eine andere Ansicht 
haben, Hessen scheint nun der Ansicht zu sein, dafs ich die 
Lautlehre ganz willkürlich geordnet habe, um von Thurneysens 
Darstellung um jeden Preis abzuweichen. Dem ist jedoch nicht 
so. Ich habe vielmehr die Lautlehre unter dem Gesichtspunkt 
der Akzentwirkungen zu ordnen versucht, was bei der ungeheuren 
Bedeutung dieser Erscheinungen gewifs nicht unberechtigt ist. 
Demgemäfs habe ich nach Darstellung der unentbehrlichen ortho- 
graphischen und satzphonetischen Grundlagen (§§ 1 — 41) zunächst 
den vom Akzent unabhängigen Endsilbenschwund und die damit 
zusammenhängenden Erscheinungen behandelt (§§ 42 — 50), hier- 
auf den Akzent und alle Lautveränderungen, die auf seine 
Wirkung zurückgeführt werden müssen (§§ 51 — 89), somit auch 
das Stimmlos- und Stimmbarwerden oder die Entspirantisierung 
von Konsonanten, welch letztere, soweit sie durch das Zusammen- 
treffen von Konsonanten infolge der Synkope veranlalst wurde, 
logischer Weise auch unter die Akzentwirkungen in weiterem 
Sinne gerechnet werden mufs. Nach einer kurzen Erörterung 
über Doppelkonsonanten (§ 90), die ihre Entstehung ja auch viel- 
fach der Synkope verdanken, habe ich dann eine genealogische 
Geschichte der idg. Laute gegeben und dabei die Lehre von der 
Ersatzdehnung, die sowohl die Vokale als die Konsonanten 

Zeitschrift f. celt. PUiloloKJe XI. i 



2 JULIUS POKORNY, 

betrifft, zwischen beide eingeschoben. Dafs bei dieser Methode 
zusamnienhängende Lauterscheinungen getrennt werden, läfst sich 
ebensowenig vermeiden, wie bei jeder andern Anordnung und 
miilste somit als Fehler jedweder systematischen Zusammenfassung 
gerügt werden. 

Das Fehlen von Syntax, Stammbildungslehre und zahl- 
reicheren Beispielen hat folgende Gründe: Das Hauptgewicht 
meiner Darstellung soll auf dem altirischen Lesebuch liegen, da, 
wie die Erfahrung zeigt, eine derart schwierige Sprache, wie das 
Altirische, aus einer kurzen Grammatik nie erlernt werden kann, 
sondern nur durch Lektüre. Die Grammatik darf dabei nur als 
eine Art Nachschlagewerk dienen. Da ich nun aus materiellen 
Gründen ohnedies nicht viel Raum zur Verfügung hatte, habe 
ich all das ausgelassen, was ebensogut durch Lektüre gelernt 
werden kann. Einzelne Beispiele, wenn auch in grofserer Zahl 
beigefügt, bleiben für den Anfänger ebenso totes Material, wie 
spärlich illustrierte Lehrsätze, Die Syntax läfst sich ja über- 
haupt nur durch die Lektüre lernen und die Anmerkungen zu 
den Texten geben die beste Gelegenheit, alles Wichtige leicht- 
fafslich darzustellen. Was dann die Stammbildungslehre betrifft, 
so wird auch diese dem Studierenden am besten durch Studium 
von Texten klar; ich selbst habe seiner Zeit nur durch Lektüre 
altirisch gelernt und konnte beim »späteren Studium der Stamm- 
bildungslehre feststellen, dafs mir die Suffixe und Präfixe schon 
durch deren Vorkommen in den Texten genügend bekannt waren. 
Da aber die Lautlehre auf diese AVeise nicht erlernt w^erden 
kann, habe ich infolge des Raummangels die Stammbildungslehre 
unbedenklich der Lautlehre geopfert. 

Hessens Einzelbemerkungen umfassen 78 Punkte, darunter 
9 Literaturangaben, 18 Ergänzungen (meist Hinweise) und 
24 Verbesserungen von Druckfehlern. Die grofse Zahl der Druck- 
fehler, die übrigens meist die Zahlen der Hinweise betreffen, ist 
sehr bedauerlich, doch konnte sich der englische Setzer mit 
meiner Schrift nicht befreunden, so dafs fast keine Zeile fehler- 
los gedruckt war, Dafs bei dieser endlosen Korrekturarbeit (ich 
habe über 150 Mark allein für Korrekturen gezahlt) einige Fehler 
stehen blieben, ist verständlich. Auch die fürchterliche Form 
d-a-r-genat (§ 174, 2d) ist so entstanden, indem der Setzer mein 
etwas zu grofs geratenes e für a und den Anstrich des e für 
einen Bindestrich hielt. Ebenso rührt die Vertauschung der 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 3 

Überschriften in § 172, wie auch das fehlende o in § 159 Class I 
Zeile 6 vom Drucker her. 

Die meritorischen Bemerkungen beschränken sich somit auf 
27 Punkte, von denen ich nur 13, nämlich die zu den §§ 19, 55 II, 
57, 62, 81, 106, 1261, 173, 174, 207, 210 und die ersten 6 Zeilen der 
Bemerkung zu § 112, 3 h anerkennen kann. 

Zu § 178, 3 behauptet H. seltsamerweise, ich hätte den Irrtum 
crenaid 'you seil' statt 'you buy' aus Thurneysens Handbuch 
§ 689 übernommen. Wenn das richtig- wäre, müfste es ein selt- 
sames Licht auf meinen Geisteszustand werfen. Meine altirischen 
Kenntnisse sind bedeutend älter als Thurneysens Handbuch; ich 
hatte schon nach Strachans Selections altirisch gelernt, bevor ich 
im Sommer 1908 die School of Irish Learning in Dublin besuchte. 
So elementare Worte wie crenaid und renaid sind schon jedem 
Anfänger bekannt, doch werden sie andererseits wegen der ähn- 
lichen Form und Bedeutung leicht unbewufst verwechselt, auch 
ohne dafs man deswegen erst in Thurneysens Handbuch nach- 
zuschlagen braucht. In meinem Handexemplar ist übrigens dieser 
Irrtum längst berichtigt, da ich beim Kauf eines Buches vor allem 
die Corrigenda im Text einzutragen pflege. 

Im Folgenden will ich der Reihe nach die übrigen 18 Be- 
merkungen Hessens zu widerlegen suchen. 



1. Betontes o im Hiatus vor e und i in melirsilbigen Worten. 

H. bemerkt zu § 55 1 note b, dafs foessama den lautgesetz- 
lichen Genetiv zu foessam , Schutz' darstelle, während das all- 
gemein gebräuchliche foesma die Synkope des a der Analogie 
anderer Paradigmen verdanke. *fo-sessümo müsse nach Synkope 
der zweite Silbe regelmäfsig zu foessama werden. Vor allem 
handelt es sich aber niclit, wie H. meint, um die Kontraktion von 
o+e, sondern um o+i, da in *fo-sissämo die Synkope noch vor 
der Brechung des i zu e eintreten mufte; vgl. üiinsem 'Zermalmen' 
aus *to-7ii-sthä-mu-s. 

Aber selbst wenn wir mit H. in diesem Wort eine Synkope 
der zweiten Silbe annehmen würden, würde diese niemals die 
Form foessama ergeben können. Die von H. (CZ IX 28 ft') be- 
handelte Kontraktion der Hiatusvokale o-[-e, i zum Diphthong oe 
ist nämlich von ihm nur für die Gruppen oe, ove nachgewiesen 
worden, nicht aber für die Gruppe ose, osi, die ganz anders be- 

1* 



4 JULIUS POKORNY, 

handelt wird. Die von ihm beigebrachten Beispiele foessam und 
■tuirstt widersprechen einander ja direkt, H. hält irrig fotssam 
für die lautgesetzliche Form und meint, -tuirset {=to-sirset) sei 
statt -*toerset nach Formen, wie der 'S. Sg. -*tmr eingetreten. 

Die Unwahrscheinlichkeit dieser Erklärung von -tuirset liegt 
auf der Hand. Denn man wird doch nicht annehmen, dafs das 
ganze Paradigma von tn(i)nm ich durchsuche, erforsche' einzig 
unter dem Einflufs der komponierten 3. Sg. Präteriti und der 2. Sg. 
des Imperativs seinen durchgehenden Vokal oe in u(i) verwandelt 
habe. Abgesehen davon, dafs eine derartige Analogiebildung in 
so früher Zeit ganz unwahrscheinlich ist und erst im Mittelirischen 
verständlich wäre, zeigt der einsilbige Imperativ tuir (Feh Oeng. 
Prol. 331), dafs gerade umgekehrt die isolierten Formen mit zwei- 
silbigen u'i durch Einflufs aller übrigen Formen umgestaltet 
worden sind. Man wird also annehmen müssen, dafs das u in 
tu(i)nm lautgesetzlich ist, dafs also die Lautgruppe osi über olii 
zu uhi wurde und dafs erst dann durch die Sj^nkope das i aus- 
gestofsen wurde. Dafs ohi anders als ovi behandelt wurde, ist 
ja schon wegen der Verschiedenheit des dazwischen liegenden 
Lautes wahrscheinlich und wird auch durch die Kompositionsform 
des Wortes larn(n) 'Eisen' bestätigt, da hier isarno- nicht zu 
Harn(n)- kontrahiert, sondern über *iharno, eliarno durch Synkope 
des zweiten Vokals zu ern(n)- geworden war. Man mufs über- 
haupt, wie ich dies in meiner Grammatik getan habe, zwischen 
Hiatusvokalen, die durch Schwund eines v und solchen, die durch 
Schwund eines s entstanden sind, streng scheiden, was bisher 
niemals geschehen ist. Auch die Formen bnißtir (LU 125 b 31), 
ro-hruthea (Fei. Oeng. Prol. 35) zu hriäd 'zerbricht' (*hhrusUi) 
beweisen, dafs u (aus altem u oder o) in mehrsilbigen Worten 
mit dem folgenden i nicht kontrahiert wird, falls altes 5 dazwischen 
stand. Um übrigens noch auf iuirim zurückzukommen, so muls 
es, wenigstens von der Zeit des Kalenders des Oengus an, mit 
langem tc angesetzt werden, wie das durch Assonanz gesicherte 
tuinne (1. Plur. Ind. Präs. rel.) im Kalender (Sept. 17) und das 
mittelirische tür (jüngere Neubildung zu tüirim) beweisen. Es 
handelt sich hier deutlich um eine analogische Neubildung unter 
dem Einflufs des sjiionymen -* toraig (to-fo-reig), das im neu- 
irischen töraighim vorliegt; gleichzeitig dürfte auch das in der 
2. Sing. Imper. und in der verbundenen 3. Sing. Prät. vorliegende, 
infolge des Hiatus gelängte n (tuir) mitgewirkt haben. 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 5 

Das neuirische töraighim weist zweifellos auf die Existenz 
eines altirisclien -töraig hin. Das nicht -palatale r macht keine 
Schwierigkeiten, da voririsches -*to-vo-reg-et regelmafsig -töraig 
ergeben mufs. Geschwundenes v bewirkt nämlich (was, 
soviel ich sehe, noch nirgends erwähnt Avurde) ebenso die Um- 
färbung eines folgenden Konsonanten, wie ein anderer 
Konsonant. Dies wird ganz sicher durch Formen, wie -foiret 
(*vo-vcr-änt), -roirea, ('*;-o-?.'e'r-rt/;^be wiesen, die sonst -*foirat, -roira 
ergeben hätten, da die Qualität des r niemals durch die Qualität 
des vorhergehenden Vokals allein bestimmt werden kann. 
Somit geht auch toissech regelmäfsig auf *to-vissäJio- zurück und 
die von Pedersen (Grammatik II 30) und mir (Grammar 44) an- 
genommene Grundform *tovisf;jäJxO- neben britischem tovissäJco- ist 
unnötig. Das nichtpalatale d in roida 'des (grofsen) Waldes' (*ro- 
vidous) ist teils auf den Einfluis der übrigen Singularkasus (*rüud, 
später roed), teils auf den Genetiv des Simplex (feda) zurückzuführen. 

Was für die umfärbende Wirkung des geschwundenen v gilt, 
gilt erst recht für das aus 5 entstandene, geschwundene h. Denn 
wenn dies h imstande war, eine folgende stimmhafte Spirans 
stimmlos zu machen (z. B, foch{a)id aus fo-sagid), so muls es auch 
Umfärbung bewirkt haben, wie ja noch heute im Neuirischen 
deutlich palatales und nicht-palatales h (aspiriertes s) in der Aus- 
sprache unterschieden werden. Es kann also focssam schon des- 
halb nicht durch Synkope aus fo-sissam entstanden sein, da (ab- 
gesehen davon, dals man «, nicht oe erwarten müfste) die Form 
sonst foisscm, mit palatalisiertem ss lauten Avürde und ein Grund 
zur analogischen Umgestaltung nicht vorläge, um so mehr, als das 
palatale ss durch das Verbum fo-sissedar, -foissedar gestützt 
worden wäre. 

Wie erklärt sich aber nun die Form foessam? Ganz einfach 
ebenso, wie -roichan aus -ro-chechan, -fokhred aus -fo-chicherrcd, 
-coima aus -*com-€7na usw. (Thurneysen § 177). Die Form -fokhred 
beweist klar, dals der haplologische Schwund des ersten Kon- 
sonanten noch vor der Synkope erfolgte und dafs auch die Ent- 
stehung des Diphthongs in jene frühe Zeit fallen mufs, denn ein 
viersilbes -""foicherred hätte -"^fakherred, nicht aber -fokhred er- 
geben. Auch * fo-sissam ist auf dieselbe Weise noch vor der 
Zeit der Synkope zu foissam geworden und der zur Zeit der 
der Synkope bestehende Genetiv foissama mufste, wie ich richtig 
angenommen hatte, zu focsma werden. 



6 JULIUS POKOKNY, 

2. (her die o-Färbung in unbetonten Silben. 

H. bemerkt zu § 63, dafs die von Pederseu (G. G. A. 1012, 
S. 30 f.) und mir getroffene Unterscheidung u- und o-farbener Kon- 
sonanten unwahrscheinlich sei, da u und o nur Varianten desselben 
Timbres darstellten. Eine so subtile Streitfrage ist natürlich 
nicht leicht zu entscheiden, da gerade iu unserem Falle die 
Analogie stark mitspielt, ^^'ährend ich z. B. das o im Nom-Sg. 
mlegon 'Melken' aus *mlt/ono- auf das alte o der Grundform 
zurückführe, sieht H. in diesem o eine Variante des gleichfalls 
im Nom. vorkommenden u {inlegun), das der Analogie des laut- 
gesetzlichen Genetivs {mleguin aus *mlgom) oder Dativs (mlegun 
aus *mligotiH <*mJgonoi) zu verdanken sei. Über die Entstehung 
des Nom. mlegun bin ich derselben Ansicht, glaube aber nicht. 
dafs mlegon erst aus mlegun entstanden sei, wie H, meint. 

Es wird sofort klar, dafs diese Frage nur durch Beibringung 
von Beispielen, bei denen jede Analogiewirkung wegfällt, ent- 
schieden werden kann. Das von mir aufserdem beigebrachte 
flechod ist deshalb in der Tat w^eniger beweiskräftig. 

Das wichtigste Merkmal, wodurch sich «-farbene und o- 
farbene Konsonanten unterscheiden, habe ich nun darin gefunden, 
dafs unbetonte Vokale zwischen w-farbenen und o- oder a-farbenen 
Konsonanten (und umgekehrt) nur als u oder o erscheinen, während 
sie zwischen ö-farbenen und neutralen Konsonanten (und um- 
gekehrt) als oder a erscheinen (Grammar § 57 c). Wenn es 
mir nun gelingt, zu zeigen, dafs es aufser dem aus u entstandenen o 
(z. B. -dgor "ich fürchte' neben -dgur) auch ein o gibt, das auf 
altes zurückgehen kann und niemals mit w, sondern nur mit 
dem daraus hervorgegangenen a wechselt, so mufs die besondere 
0- Qualität der Konsonanten als gesichert gelten, denn es ist ganz 
ausgeschlossen, dafs schon zur altirischen Zeit m zu a geworden sei. 

Da ist vor allem die Form feronn 'Land' (AU 845, 862, 871), 
die auch als ferann (Kalender des Oengus) erscheint. Hessen 
meint nun, das von mir angeführte feronn beweise nichts für eine 
alt irische o-Färbung, da es durch sein Vorkommen in den Annalen 
von Ulster schon als archaisch gekennzeichnet sei und daher mit 
dem „später" belegten ferann nicht auf eine Linie gestellt werden 
dürfe. H. hat sich offenbar nicht die Mühe genommen, nach- 
zusehen, aus welcher Zeit die Beispiele von feronn aus den 
Annalen stammen; da sie sämmtlich der zweiten Hälfte des 9. Jahr- 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 7 

hunderts angehören, sind sie doch alles eher, als „archaisch", und 
sogar jünger, als die durch das Metrum festgelegte Form ferann 
aus dem Kalender des Oengus. Da fcrotm nur auf *vcrono- zurück- 
geführt werden darf und das o analogisch nicht erkLärt werden 
kann, liegt hier wohl ein unzweifelhaftes Beispiel für von der 
w-Färbung verschiedene o -Färbung vor. 

Ein anderes, sicheres Beispiel für o-Färbung ist die En.dung 
des Gen. Sing, und Plur. der n- Stämme, die altirisch stets als 
-tno7i oder -man erscheint (Grundform -monos), so in hrithemon, 
hritheman {ziihnthe^n ''Richter'') orhaman (zu orJaw'Erbe'), ßcheman 
(zu fechem Gläubiger, Schuldner), usw. Dem nur ein einziges 
Mal vorkommenden -niun (süamctmm zu süainem 'Seil' Wb 26b 17) 
kann gegenüber den zahlreichen anderen Beispielen keine Be- 
deutung zugemessen werden, um so mehr, als es sich hier um 
einen Schreibfehler, veranlafst durch das u im unmittelbar voraus- 
gehenden denum handeln kann, wenn man nicht analogischen 
Einflufs der Formen auf -fnuin annehmen will. Thurneysens An- 
satz einer Endung -nmn im Paradigma (Handbuch § 326) ist 
unrichtig und irreführend. Ebenso unrichtig ist seine Zurück- 
führung von hrithemon, -man auf eine Grundform *hrithemnos, da 
diese stets nur hrithemun, -mon, niemals aber -man ergeben hätte, 
da epenthetische Vokale nach Labialen vor l, n, r immer ge- 
rundet sind, also stets domiin, domon, omun, omon, lohur, lohor, 
niemals aber *doman, *oman, *lobar (Pokorny, Grammar § 60). 
Es ist daher mit Pedersen eine Grundform *britijamonos, *bhrti- 
jdmonos anzusetzen, da auch Ogam SEGAMONAS auf -monos 
und nicht -*mnos hinweist. Da a im Gen. Sing, von talam, 'Erde' 
ist ganz regelmälsig, denn *talamonos (älter *Ü9monos) ergibt 
lautgesetzlich tahnan und nicht *talmon, weil bei der Synkope 
die Qualität des ersten Konsonanten (l) ausschlaggebend ist. 
Thurneysens Regel in § 171 Zeile 1 — 10 ist entsprechend §§ 60, 63 
meiner Grammatik abzuändern, wo übrigens das Beispiel anacol 
(auch in § 57 c) durch hrithemon zu ersetzen ist. 

Durch das oben Ausgeführte wird wohl das Bestehen einer 
eigenen o-Färbung, die im Gegensatz zur w-Färbung früh zu 
a-Färbung neigte, zweifellos festgestellt. Das o in Formen, wie 
mlegon 'Melken' (*mligotio-) oder escongon (Endung -*onos), Gen. 
Sing, von escung^AstV wird man entweder als Zeichen der o-Färbung, 
die hier etymologisch berechtigt ist, oder als Variante des ii, das 
aus dem Dativ mlegun, esconguin analogisch eingeführt sein kann, 



8 JULIUS POKOUNY, 

auffassen dürfen. Ganz gewifs analogisch ist das u, o iu oycun 
*p:rschlaf?eiv (*orycnU) und foytir %vo-garos) 'Laut, Ton', wo es 
aus dem Dativ orcuji, fognr und Genetiv focjuir eingeführt ist; 
lautgesetzlich erwartet man orcan und "^fogar. orcon, fogor sind 
dann erst sekundär aus oixun, fognr entstanden. 

3. Zur Flexion von nienm{a)e 'Sinn*. 

H. tadelt mich, dafs ich die von Thurneysen (§ 171) gegebene 
Regel, wonach unleniertes m vor erhaltenen Vokalen der ge- 
rundeten Färbung unzugänglich sei, in meiner Grammatik über- 
gangen habe. Ich habe dies mit Absicht getan, da sich diese 
Regel einzig und allein auf den Gen. Sing. Plur. tnenman stützt, 
der offenbar auf *nienmonos zurückgeführt werden soll. Vor 
allem ist nicht einzusehen, warum gerade nur unleniertes m von 
den übrigen Labialen abweichend behandelt worden sein soll, 
dann ist aber auch die Form *menmonos durchaus unsicher und 
unwahrscheinlich, da sie mit dem Nominativ menm{a)e direkt in 
Widerspruch steht. Auch Pedersens Annahme eines neugebildeten 
Nominativs "^menmijos ist recht gezwungen. Da ist doch die 
Annahme, dafs menm(a)e auf *menmen-s, der Genetiv menman 
auf *menmeii-os zurückgeht, um vieles naheliegender. Vor allem 
ist lautlich jetzt alles in Ordnung und auch der sekundär sigma- 
tische Nominativ findet seine genaue Analogie in latein. snnguis 
aus *sangHcn-s, griechisch fithcc aus *melan-s, wo gleichfalls alte 
n-Stämme ein s im Nominativ angenommen haben. 

4. Die Behandlung der Lautgruppen är, dm, 

H. bezweifelt, dals cretar 'Reliquie' aus *kre(lhrä hervor- 
gegangen sei, wie ich in § 109 angenommen habe und meint, dafs 
dram aus *ad-rimü die regelrechte Behandlung der Gruppe dr 
zeige. Wie will er sich aber mit ir.-ßtir 'er weifs': cymr. gwyr 
und cretar: mcymr. creir auseinandersetzen? Die Zusammen- 
gehörigkeit der irischen und cymrischen Formen ist doch un- 
leugbar und es ist nicht einzusehen, weshalb man sich gegen die 
Ansicht sträuben sollte, die Gruppe dr sei unverändert erhalten 
geblieben. Zeigt doch d vor r auch im Lateinischen eine Sonder- 
behandlung. Solange man die irischen und cymrischen Formen 
nicht auf andere ^^'eise in Einklang bringen kann, mufs man bei 
Pedersens Erklärung bleiben, die auch etymologisch einwandfrei 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 9 

ist. Nur miifs wegen des Nebeneinander von cretair und cretar 
ein alter ö- Stamm angesetzt werden, da sich cretair dann als die 
bekannte mittelirische Umbildung desselben darstellt. Der Schwund 
des d vor r im Kompositum erklärt sich einfach daraus, dafs 
z. B. in ad-r'imü das d der Präposition ad- schon aspiriert war, 
als es akzentuell mit *rimä zu einem Worte verschmolz und 
daher schwinden konnte, während in der alten Gruppe dr, in der 
das dentale r die Aspiration der homorganen Media verhindert 
hatte, das nicht-aspirierte d natürlich erhalten blieb. 

Auch die Gruppe dm zeigt scheinbar eine doppelte Be- 
handlung, die aber bisher nicht erkannt wurde. In alten Bildungen 
ist nämlich das d vor m zwar aspiriert worden, aber altirisch 
noch nicht ausgefallen, wie Thurneysen (§ 149 b) irrtümlich an- 
nimmt. Beispiele für erhaltenes d sind naidm 'Verknüpfen', 
maidm 'Brechen', feidm 'Anstrengung, Dienst', sleidm 'sputamen', 
teidm 'Pest', Thurneysens Vermutung (§ 731), dals naidm, das 
Verbalnomen zu nasc(a)id, über ^nazgmen auf *nasc-men zurück- 
gehe, und dafs maidm danach analogisch gebildet sei, ist schon 
wegen des angenommenen Wandels von scm zu zgm nicht wahr- 
scheinlich, auch wäre eine so alte Bildung kaum vom Präsensstamm 
ausgegangen. Vor allem blieben jedoch Formen, wie feidm, sleidm, 
teidm unerklärt, da man sie doch gewifs nicht auf Beeinflussung 
von naidm zurückführen kann. Man könnte zwar daran denken, 
dafs zwischen d und m (das aus sm hervorgegangen sein könnte) 
ein Vokal geschwunden sei, aber dann müXste dieser Vokal ja 
im Nominativ erhalten geblieben sein; der Nominativ kann auch 
nicht nach den obliquen Casus neugebildet sein, da sich sonst 
der palatale Auslaut nicht erklären liefse; die Gruppe dm ist 
nämlich im Genetiv und Dativ nichtpalatal, also nadni{a)e, 
nadm{a)imm usw. 

Es bleibt sohin nichts übrig, als naidm, maidn, feidm usw. 
direkt auf *nad-men, mad-men, ved-men, (zu idg, *vedh 'binden' in 
ir, fedan cymr. gwedd Joch) zurückzuführen. Dementsprechend 
mufs reimm 'Fahrt' auf *reid-smen zurückgeführt werden, da 
*reid-men zu *reidm geführt hätte (irrig Thurneysen § 149 b). 

In der Kompositionsfuge ist hingegen dtu zu mm geworden, 
wie aus animus 'Versuch' {*ad-messus) hervorgeht. Da es sich 
natürlich hier um eine bedeutend jüngere Bildung handelt, als 
in den oben erwähnten Fällen, ist die verschiedene Behandlungs- 
weise verständlich. Das d von ad- wird, bevor dies mit *messus 



10 JULIUS POKORNY, 

durch den expiratorischen Akzent untrennbar verbunden wurde, 
weil auslautend, eine schwächere Artikulation erhalten haben, 
als in den alten Bildungen *nad-me7i, mad-mcn (wo es seit alters- 
her durcli den folgenden Konsonanten gestützt wurde) und sich 
daher eher an den folgenden Anlaut assimiliert haben. 

Wem übrigens diese Erklärung von ammus nicht glaublich 
erscheint, der könnte sich die Sache auch allenfalls anders zurecht 
legen. Das d könnte nämlich, falls dessen Erhaltung laut- 
gestzlich wäre, im Nom. Dat. Acc. Sing, ammus durch Einflufs 
des Gen. Sing, und Nom. Dat. Acc. Plur. beseitigt worden sein, 
da es in Formen, wie *aidmseo, *aidmsi, *aidmsib, *aidmsiu wegen 
der schweren Konsonantenhäufung regelrecht ausgestofsen worden 
sein könnte. Dasselbe kann man für die Yerbalformnn von ad- 
mnlethar annehmen, wo z. B. die kontrahierte Form *-aidmdethar 
(3. Sing. Präs.) ebenfalls das erste d auf diese Weise verloren 
haben könnte. 

Auf jeden Fall ist die Erhaltung des d in naidm,, maidm, usw., 
als lautgesetzlich zu betrachten, 

5. Über die mangelnde Umfärbung der Hiatiisvokale vor e. 

In § 112, 3 h habe ich die Regel aufgestellt, wonach ov im 
Hiatus vor c als o erscheint. H. bestreitet dies und behauptet 
auf Grund von fuür 'Bewirkung' (das ich statt aus "^vo-verom 
irrtümlich aus *vovrom hergeleitet habe), fo-ruär (*-ro-verasst) 
'hat bewirkt', dafs ov auch vor e zu u umgefärbt worden sei. 
Das von mir beigebrachte oäc 'jung' aus '*Jov€nko- hält er nicht 
für beweiskräftig, da es aus *'üäc durch Einfluls von *d^' unver- 
sehrt, Jungfrau (selten „Jüngling", aber nur in asketischem Sinn) 
ent.standen sei; die Bedeutung 'jung', die H. dem Wort 6g zu- 
schreibt existiert nicht und ist offenbar von ihm erst ad hoc er- 
funden; öfj wird immer von oäc streng geschieden und nur in 
dem Sinn 'reine Jungfrau', 'sittenrein', 'unversehrt' u. ähnl. ge- 
braucht. Ferner sei *iuic auch durch Einflufs von oice 'Jungsein', 
und obliquen Formen, wie dat. pl. *oicib, acc. pl, *oicm zu oac 
geworden; die wirklich belegten Formen öcaib, öcu hätten ihre 
Gestalt vom Nominativ oäc bezogen. (Nebenbei bemerkt ist der 
Ansatz oiciu verfehlt; wie ich anderwärts gezeigt habe, werden 
Gutturale und Labiale durch folgendes u unter allen Umständen 
depalatalisiert; es ist also *oicu anzusetzen). 



STREITFRAGEN ZUR ALTIUISCHEN GRAMMATIK. 11 

All (las klingt ganz schön, aber oäc und og sind einander 
ursprünglich doch nicht so ähnlich; schon die Bedeutung ist doch 
verschieden genug, die Form war es früher ebenfalls, und man 
sieht nicht ein, warum *'iiäc' 'jung' durch Einflufs von ög 'sitten- 
rein' zu öäc hätte werden sollen. 

Wie will sich dann H. mit ar-coät 'schadet' aus -*kovedct 
*kom-vedli-€t auseinandersetzen, das ja auch o aufweist? Wenn 
somit Hs. Beispiele ft'tär, fo-ruär anders erklärt werden können, 
wird man annehmen müssen, dafs o, wie ich vermutet habe, vor e 
nicht umgefärbt wird, was ja a priori zu erwarten wäre, da e im 
allgemeinen eine solche Wirkung nicht ausübt. Ich bin nun der 
Ansicht, dafs sich das ii in füär nur durch Einflufs des vorgehenden 
und nachfolgenden v erklärt; wenn sogar a in *mages (Dat. Sing, 
von mag 'Feld') durch Einflufs der umgebenden Konsonanten zu 
nmlg wurde, so ist *vov€rom gewifs auch aus demselben Grunde 
zu *viiverom, daraus füär geworden, 

fo-rüär 'hat bereitet' ist auch einfach Analogiebildung zum 
ro-losen Präteritum -füär (zufällig nicht belegt), das über '^vuverass 
auf *vo-v€rasst zurückzuführen ist. öac stellt somit die laut- 
gesetzliche Entwicklung aus *jovenJco- vor. 

Schon sub 1 habe ich darauf aufmerksam gemacht, wie 
bedenklich es ist, Hiatusgruppen, die durch v geschieden waren, 
mit denen, die .? aufwiesen, ohne weiteres zusammenzuwerfen. 
H. treibt nun seine doktrinäre Auffassung so weit (S. 327), dafs 
er, ohne Beispiele beibringen zu können, einfach behauptet, 
wäre auch in den Gruppen oe, ope, ose zu u geworden, und 
weil und e gewöhnlich, was die Umfärbung betrifft, gleich be- 
handelt werden, sei auch e in den Gruppen ee, epe, ese zu / ge- 
worden! Auf diesem aus mehreren Unbekannten gewonnenen 
Lehrsatz baut er nun seine unsicheren Ausführungen auf. Übrigens 
gibt es sogar zwei Beispiele für oe, ose, nämlich fo'id 'schläft' 
aus *voseti = Skr. vdsati und ar-foim 'nimmt an' aus *vo-cmet, 
die zeigen, dafs o hier nicht zu u geworden ist. H. hält aller- 
dings (CZ IX 66) das oi in ar-foim für einen Diphthong, aber 
ganz willkürlich, blofs weil ihm das AVort nicht in seine kon- 
struierte Regel pafst, dafs o stets im Hiatus vor e zu u geworden 
sei. Ganz falsch ist auch daselbst seine Behauptung, dafs do-coi 
'er gehe' und ar-coi 'er schade' nicht lautgesetzliche Formen seien, 
sondern nach 3. pl. subj. praet, -coistis u. ähnl. Formen umgebildet 
seien; eine Grundform *ito-i'e55-^ mufs doch ebenso zu -co{ führen, 



12 JÜF.IÜR POKORNY, 

wie *borc zu hol usw. und kann niemals -cuä oder -cuai' ergehen, 
wie H. meint. 

Ein weiteres Beispiel für oe hätten wir in do'ib 'zu ihnen', 
foib 'unter ihnen', wenn das suffizierte Personalpronomen wirklich 
auf •*cbis, *cibhis zurückginge, wie H. und Thurneysen annehmen. 
Das nur einmal (Thes. II 240) überlieferte duaib soll natürlich 
wieder die regelmäfsige Form darstellen, w^ährend doch die An- 
nahme auf der Hand liegt, dafs das u hier entweder der 1. nnd 
2. Plur. oder der einfachen Präposition entnommen ist, die in dem 
betreffenden Text immer nur als du auftritt. Übrigens dürfen 
wir nicht mit Thurneysen -*ebis, sondern müssen mit Pedersen 
■*obis als Grundform ansetzen, und zwar aus folgenden Gründen: 
eissib und indib beweisen deswegen nichts für den ursprünglichen 
Vokal der Endung, weil mit Ausnahme der 3. Sing. m. n. alle 
andern Personen regelrecht palatalen Stammkonsonanten auf- 
weisen und daher auch bei ursprünglicher Endung -*obis die 
Palatalisierung analogisch eingeführt worden sein könnte. Da 
di'ib, do'ib, fu'ib, ösib, ocaib an und für sich nichts beweisen können, 
ebensowenig die junge Bildung fiadaib, bleiben nur noch foraih 
und naidib, nadib übrig, foraib könnte aber auch von den andern 
Personen analogisch beeinflulst sein, wenngleich hier die Wahr- 
scheinlichkeit geringer ist, da die Qualität des r in den yer- 
schiedenen Personen stark wechselt; so bleibt nur mehr üaidib, 
üadib. Nach den Glossen zu schliefsen w^äre das d stets palatal, 
aber in dem sicher noch altirischen Imram des Mäeldüin (Anec- 
dota I 50 ff.) ist die Form üadaib viermal (Zeile 38, 101, 130, 216) 
durch den Reim gesichert. Da nun sämtliche Personen im Para- 
digma von (h)i\aim(m) palatale Endungen Aufweisen und die 
einzige nichtpalatale 3. Sing. m. n. (h)üad schliefslich (schon in Ml) 
durch die Analogie der andern Personen auch zu (hjuaid ge- 
worden ist, so ist es klar, dafs ein ursprünglich berechtigtes 
(h)üaidib (aus *aud-cibis) sicher unverändert erhalten geblieben 
wäre, da man ja nicht wüfste, weshalb es zu (h)üadaib hätte 
werden sollen. Die Form (h)üudaib mufs also wohl die laut- 
gesetzliche Form darstellen und somit auf *uud-obis zurück- 
gefühhrt werden; das daneben belegte (h)uaidib ist deutlich eine 
Neubildung nach dem Muster der übrigen Personen, gleichwie 
(h)üaid neben (hjüad. 

Um jedoch zum Thema zurückzukehren: H.s Behauptung, 
wäre auch in den Gruppen oe, ose zu u geworden, ist grund- 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHBN GRAMMATIK. 13 

falsch; selbst wenn ove zu ue geworden wäre, könnte man daraus 
auf oe, ose keinen Schluls ziehen, da die ümfärbung nicht der 
Stellung im Hiatus, sondern dem Einflufs des v zuzuschreiben 
gewesen wäre. Gänzlich müfsig sind daher seine Versuche, das 
e in U 'heifs'i) und de'id 'träge' als unursprünglich zu erweisen, 
da ja seine Voraussetzungen über die Behandlung des o unrichtig 
sind. Um nun seine Doktrin, dafs e-e zu i-e werden müsse, zu 
beweisen, will er diese ganz sicher lautgesetzlichen Formen als 
Analogiebildungen erklären, um in dem scheinbar widersprechenden 
di-all 'Deklination' den Beweis für jenen Lautwandel zu finden. 
Auch dieser Widerspruch ist aber nur konstruiert, denn weshalb 
soll hier nicht die geläufige Gestalt di- fidg. de-) der Präposition 
vorliegen? Aufserdem ist es mit Rücksicht auf H.s eigene Aus- 
führungen ganz unmöglich, diall auf de-ello- zurückzuführen, 
denn er führt das e in de'id 'träge' (aus *de-sed-is) auf analogischen 
Einflufs des Nom. Plur. deedi, Dat. Plur. deedih zurück, die ihrer- 
seits wieder aus *dedi, *dedib umgebildet seien, das heilst, er 
nimmt an, dafs der Wandel von e-e zu i-e erst nach der 
Kontraktion eingetreten sei, denn sonst hätte *de-sedejes ja 
nicht zu *dedi kontrahiert werden können. Dann hätte aber 
auch *df'-ellam, *de-eUadach zu *deUam, *delledach werden müssen, 
während doch die Formen -dillem (1. Plur. Konj. von do-ella 'de- 
kliniert, weicht ab') dillcdach ('deklinabel') überliefert sind, die 
somit nach H.s eigener Regel nur die Form dl- (idg. de-) enthalten 
können. Wir kommen somit zu dem Schlufs, dafs H. nicht 
einmal ein einziges Beispiel für den angeblichen Wandel 
von e-e, epe, ese zu i-e beibringen kann, ebensowenig, wie für 
eve oder für den Wandel von ose, ope, o-e zu u-e. Es gehört 
doch viel dazu, trotzdem eine solche Regel aufstellen zu wollen! 
H. hat übrigens übersehen, dafs es noch zwei Beispiele gibt, 
die seinen Anschauungen gleichfalls widersprechen, nämlich deac 
(Gen. von 'zehn') aus "^de-enh^ö < *dvei-penk''ou und das besonders 
beweisende dead 'Ende', das auf *de-vedo- zurückgeführt werden 
mufs; das Kompositum ist erst nach dem Wandel von ev zu ov 
gebildet worden, weshalb das e hier erhalten geblieben ist; 



') Mit welchem Recht setzt H. eiueu Nominativ tee aus *tepens an? 
Mit regelrechtem Schwund der Endsilbe entsteht nur einsilbiges te; die 
Schreibung tee im Leidener Prisciau (65 a) neben te (Sg.) beweist doch ebenso- 
wenig Zweisilbigkeit, wie die Schreibung rii neben ri 'König'! 



14 JULIUS POKORNY, 

daneben liegt die Nebenform d'iad, die auf *di-vedo- {<*de-vedho) 
zurückgeht; das Nebeneinander von de- und dt- findet sich auch 
in der Verbaltiexion, da das Präteritum -deraid (Ml 99 b 13) auf 
-*dero-vödhe, der Konj. Imperf. -dised dagegen auf -*dt-vedh-s-eio 
zurückgehen mufs. 



6. i n-degaid * hinter -her, nach'. 

S. 328 Anm. beschäftigt sich H. mit degaid, das er auf *de- 
saigid zurückführt. Die Nebenform digaid soll hingegen auf 
*di-saigid zurückgehen. Dies ist jedoch ganz unmöglich, denn 
langes l ist im Hiatus früh gekürzt und wie kurzes i behandelt 
worden, was durch ern-, die Kompositalform von iärnn 'Eisen' 
(also isarno-> *i(h)arno-> *earno-> ern-) unzweifelhaft bewiesen 
wird. Das i in digaid mufs somit analogisch sein und wird wahr- 
scheinlich von dem gleichbedeutenden i n- d'iad bezogen sein, 
dessen i zur Zeit von Ml. (hier tritt nämlich digaid zuerst auf) 
schon im Hiatus wieder gelängt worden war. Es liegt somit gar 
kein Grund vor, degaid nicht auf disaigid zurückzuführen, umso- 
mehr, als auch die Yerbalform con-dieig (aus *di-saig) auf die 
Gestalt dl- hinweist. 

Die nicht-palatale Qualität des g in degaid bedarf noch der 
Erklärung. Mit Rücksicht auf Formen, wie -roirea aus *ro-(v)era, 
-dillem aus *di-ellam, -dimea aus *di-ema könnte man zwar an- 
nehmen, dafs ein synkopierter }iisit\\s\ok?d auf den nachfolgenden 
Konsonanten die gleiche umfärbende Wirkung ausübe, wie ein 
sj'nkopierter Vokal zwischen zwei Konsonanten, aber Beispiele, 
wie remi 'vor ihr' aus (*i))risamjüi (das nach Ausweis des mittelir. 
reime, roime palatales m hat) oder heimmi ,wir werden sein' aus 
*bijami <*bhvijämesi zeigen deutlich, dafs bei der Synkope von 
i-a keine ümfärbung des folgenden Konsonanten erfolgt. Dies 
erklärt sich einfach daraus, dafs bei der Gruppe ove das v noch 
vor dem Schwund die Ümfärbung bewirkte, während sich die 
Gruppe i-e zu ije entwickelt hatte, worauf dann das ; in gleichem 
Sinne einwirkte. Die Gruppe i-a hingegen wurde kurz vor der 
Synkope zu e-a und das a schwand hier spurlos, da sich zwischen 
e und a kein Halbvokal mehr entwickeln konnte, der die Färbung 
des a dem folgenden Konsonanten mitgeteilt hätte. Wir müfsten 
somit aus *di-saigid die Form *de(i)gid erwarten. Es liegt also 
wahrscheinlich eine analogische Beeinflussung durch i n-agaid 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 15 

'gegen, nach' vor, das nicht nur teilweise in der Bedeutung, 
sondern auch lautlich mit i n-degaid zusammenfiel, da letzteres 
schon altirisch wie i n-egaid mit Verstummung des d gesprochen 
wurde, agaid selbst ist eine Kompromifsform zwischen dem 
Nominativ agad und dem Akkusativ aigid, welch letzterer auf 
*agetein zurückzuführen ist, agad dagegen auf *agetn. 

Die gleiche Vermischung von saigid und agaid findet sich 
auch in i frühagaid 'gegen' an Stelle des lautgesetzlichen 
fritliaigid = früh- saigid. 



7. A^okalkoiitraktion und Synkope. 

H. tadelt mich (S. 328) wegen des Ansatzes von langem ö 
in do-c6tar 'sie gingen', das er auf -*couaiar zurückführt. Die 
altirische Schreibung mit kurzem o, sowie der kurze Vokal in 
fochaid aus fo-saigid sollen die Unrichtigkeit meines Ansatzes 
beweisen. 

Die Form fochaid beweist aber gar nichts, da es sich hier 
um die Gruppe osa handelt, die für ova noch lange nichts besagt, 
wie ich schon wiederholt bemerkt habe, besonders da in letzterem 
Fall das schliefslich vokalisierte v in Rechnung gezogen werden 
mufs. Auch die dreimalige Schreibung -cotar neben -commar ist 
allein nicht beweisend, da die Längezeichen ja oft genug aus- 
gelassen oder verblafst sind. Das einmal (Ml) belegte du-cüatar 
weist im Gegenteil auf do-cötar hin und zwar deshalb, weil es 
nicht mit H. (C. Z. IX 28) als Analogiebildung zur 3. Sing, do-cudid 
erklcärt werden kann. Wenn nämlich -cüatar das ua von -cuäid 
bezogen hätte, so müfste es wie dieses zweisilbiges u-a haben, 
was auch H. ganz willkürlich annimmt; die Unrichtigkeit 
seiner Behauptung zeigt ein Blick in den Kalender des Oengus, 
wo ausdrücklich do-cküatar mit Diphthong üa (Prol. 279) über- 
liefert ist. Aufserdem lautet ja die 3. Sing, noch in Ml. regel- 
mäfsig doco'id] nur einmal ist die Form du-cuaid überliefert, die 
selbst erst einer jüngeren Analogiebildung (Einflufs von -dechud, 
-dechuid oder von ad-cu(a)id 'hat erzählt') ihre Entstehung ver- 
dankt und somit schon aus chronologischen Gründen nicht zur 
Erklärung von dii-cüatar herangezogen werden kann, -cüatar 
erklärt sich jedoch leicht aus -cötar durch Analogie zu den 
Fällen, in denen 6 regelrecht zu üa diphthongiert worden war. 
Dazu kommt noch, dals die Annahme des ö in -commar, -cötar 



16 JULIUS POKORNY, 

nicht eiumal zu dem kurzen o in fochaid in A^'iderspruch steht, 
wie H. meint, denn das u beruht ja gar nicht auf Verschmelzung 
mit a, das vielmehr regelrecht ausgefallen ist. Die Entwicklung 
ist etwa die, das urkeltisch *-covndontar über *-covädoddar durch 
Hai>hulogie zu *-covatar wurde und dafs das a durch die Synkope 
ausfiel, während o mit dem zu u gewordenen v noch vor dessen 
Soliwund zu ö verschmolz. Diese Verschmelzung ist um so eher 
anzunehmen, als ja, wie die Umfärbung des r in- yotrea {<*rO' 
verät) u. a. zeigt, das v nach betonter Silbe nicht gänzlich vor 
der Synkope geschwunden sein kann. Dals die Gruppe -ova-, w'ie 
ich angenommen habe, durch die Synkope zu 6 wird, zeigen auch 
com i^covarju), cörae {*covarja) zu coir 'richtig, passend', das, 
wie Bergin gezeigt hat, nicht mit cymr. cywir gleichgesetzt 
werden darf. H. meint zwar (C. Z. IX 2 a), dafs "^coru, corae vor- 
erst durch Einflufs von co(a)ir zu *coäru, *coärae umgestaltet 
worden seien und dals später eine sekundäre Kontraktion zu 
com, corae stattgefunden habe, aber diese Idee ist, abgesehen von 
ihrer Umständlichkeit, auch an und für sich ganz widersinnig. 
H. scheint nämlich nicht zu wissen, dafs das (nur selten belegte) 
a in co(a)'ir, wenn es nicht einfach Zweisilbigkeit bezeichnete, 
doch in altirischer Zeit jedenfalls nicht gesprochen w^urde, 
wie die fast ausschliefsliche Schreibung coir zeigt. Es kann 
daher *com unmöglich durch Einflufs von codir zu *coäm ge- 
worden sein. Somit müfste diese Analogiebildung in eine Zeit 
zurückgehen, als das Wort noch co-ar' lautete; das ist aber höchst 
problematisch, weil wir nicht wissen, ob damals nicht auch die 
Synkope noch nicht eingetreten war; ferner sollte man doch alt- 
irisch noch Formen wie *coar(a)e, *coaru vorfinden, wie auch 
loathar noch neben Utlior überliefert ist — es heifst aber schon 
in der ältesten Zeit immer nur core. Auch die oben widerlegte 
Annahme, -cüatar habe sein a von ■ci\(a)id bezogen, ist schon 
deshalb unmöglich, weil das a in ■cu(a)id eben nur orthographisch 
vorhanden war. 

Die Entwicklung von ova zu 6 liegt weiter vor im Zahl- 
wort nomad 'der neunte', das auf *novameto- zurückzuführen ist. 
Mit H. eine Grundform *novemeto- anzusetzen (S. 331) verbietet 
ja schon dechmad 'der zehnte', das nur auf deJcameto-, *dehn-eto, 
nicht aber auf *dehemeto zurückgehen kann und beweist, dafs die 
l^ildung der Ordinalia in eine Zeit zurückgeht, als *nevn, dekm 
noch nicht zu ""neven (durch Einflufs von dehmmevem) *deJcem 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 17 

g-eworden waren, weshalb der silbische Nasal die antevokalische 
Behandlung erfuhr. Es ist also uririsch '^novameto-, älter *nevuto- 
■j-eto- anzusetzen. 

Wegen des kymr. naiv 'neun' auch fürs Irische eine Grund- 
form *navn anzusetzen, die ganz unerhört wäre, liegt kein Grund 
vor, da die britannischen Dialekte öfter -ov- unter nicht ganz 
klaren Bedingungen wie -av- behandeln (vgl. Pedersen Gramm. 161); 
ein solcher Fall liegt zweifellos auch hier vor, weshalb die Grund- 
form "^novameto- und nicht *navameio- lauten muls. nömad ist 
also lautgesetzlich, ebenso auch nönbar 'neun Mann', da idg. 
^nevn-viro- regelrecht über "^nevanviro- {n wird vor v zu an)^ 
*novanviro- zu nönbar^) w^erden mulste (falsch H. S. 331). 

Unrichtig urteilt H. auch (S. 328) über die Quantität des 
Vokals im bereits besprochenen -dülem, dilledach, diUedche, den 
er als i ansetzt, obgleich hier ebenso wie in -dimea stets kurzes i 
geschrieben wird, wodurch er selbst die Beweiskraft des mangelnden 
Längezeichens in do-cotar, do-commar widerlegt. Metrische Bei- 
spiele, die die Quantität des i sicher festlegen würden, sind jedoch 
nicht vorhanden. H. scheint aber anzunehmen, dafs i im Hiatus 
mit einem folgenden e zu / kontrahiert worden sei, also -diUem 
aus *di-ellam, -dimea aus "^di-ema usw. Es muls hier di- mit 
kurzem i angesetzt werden ^), da das lange i im Hiatus noch vor 
der Zeit der Synkope gekürzt worden war. Ein anderes Wort 
liefert uns aber den Beweis, dafs in der Gruppe i-e das e ausfiel, 
ohne mit dem vorhergehenden i verschmolzen zu werden. Es 
handelt sich zwar da um die Gruppe iCvJe, aber da das e in den 
oben erwähnten Fällen vor nicht-palataler Konsonanz stand und 
daher eine offene Aussprache angenommen hatte und v zwischen 
palatalen Vokalen spurlos zu schwinden pflegt, da ferner i nach 
den irischen Lautgesetzen niemals mit einem andersfarbigen Vokal 
verschmolzen wird, wird man aus der Behandlung von ifüje immer- 
hin einen Wahrscheinlichkeitsschluls auf die von i-e ziehen können. 
Es handelt sich um das Wort didenach 'letzter', eine Ableitung 
von diden, das von Thurneysen (§ 824) irrig mit langem i an- 



^) Es ist nicht gut denkbar, dafs das von H. als regelrecht betrachtete 
*noinher durch Einflufs von oclitar zu nönbar geworden wäro; dies hätte 
höchstens zu *nombar werden können, da auch der Diphthong oi durch das 
einfache not gestützt worden wäre. 

^) Das einmal belegte dillib, Dat. Dual, von d'iall verdankt das lange i 
den übrigen Kasus, wo das i im Hiatus altirisch regelmäfsig gelängt worden war. 

Zeitschrift f. oelt. Philologie XI. ') 



18 JULIUS POKORNY, 

gesetzt wird, iliden geht auf di-vedono- zurück und stellt sich 
zu (?irt(7 'Ende' (*d't-veilo-) und /er?«« 'Fahren' (*vedonn), von der- 
selben A\urzel. Wie der Reim mit mtlide (im air. Text Liadain 
und Cuirithir) zeigt, muls das / kurz angesetzt werden; in deden, 
dcdcuarh (*dr-vedono-) sind dagegen die beiden r zu e verschmolzen 
worden; im Ansclilufs daran und an die vorkonsonantische Form 
di- ist das i in diden(ach) dann im Mittelirischen gelängt worden. 
Der angeführten Regel über das Schicksal von -ive-, -i-e- scheinen 
nun die Formen du-m-dised (3. Sing. Konj. Impf.) aus *di-vessed 
<*vedh-s-eto und ditiu 'Schutz' aus *di-€ddm <*de-em-tjö zu 
widersprechen. Der Widerspruch löst sich aber leicht, wenn wir 
in Betracht ziehen, dals das e hier vor palataler Konsonanz 
stand und daher stark geschlossen war und in der Tat eine 
?-ähnlit'he Aussprache angenommen haben mufs, wie der in nicht- 
sj'nkopierten unbetonten Silben eingetretene Wandel von e zu i 
vor palataler Konsonanz deutlich zeigt. Hier wird eben i mit 
dem folgenden Vokal, der beinahe zu i geworden war, kontrahiert 
worden sein, während in di-ellam usw. das e eine «-ähnliche 
Aussprache angenommen hatte und daher mit dem i nicht kontra- 
hiert werden konnte. Diese gleichartige Behandlung von i(v)e 
und i-e in -dissed und ditiu macht es wahrscheinlich, dafs auch 
in -dillem die Gruppe i-e zu demselben Resultat geführt haben 
wird, wie die Gruppe -i(v)e- in drden. 

Auffällig ist das e in -dcci 'blickt' -derig 'verläfst'. Thurn- 
eysen will (§824) Grundformen, wde *di-en-JcSset, "^ dt -ess- reget 
ansetzen, aber dann bliebe das e unerklärt, da man entsprechend 
ditiu doch i erwarten sollte. Es kann sich also nur um Analogie- 
bildung zu unkontrahierten Formen, wie do-eci, dorerig handeln, 
oder man mufs annehmen, dafs diese Verba die Form de- und 
nicht di- enthalten, was gleichfalls möglich wäre. 



8. Die Beliandlimg der Gruppe -ovo-, 

R nimmt im Gegensatz zu der bisherigen Anschauung an 
(S. 329), dafs -ovo- im Auslaut über ou erst zu du und dann zu 
do, ö geworden sei. Seine Beispiele für diese angebliche Ent- 
wicklung sind: Der arch. Gen. Sing, hou, der Gen. Plur. hau, hdo, 
der Nom. Sing, gdu, gdo, gö und der Gen. Sing, crdu, crdo, cröu, crö. 

Das Beispiel gdu, gdo, gö fällt hier von vornherein weg. 
Es ist ja doch ganz unmöglich, gdu über *govos auf *gousos 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 19 

zui'ückzuführen. *gousos wäre ja schon längst zu *gösos geworden, 
bevor das s ausfallen konnte, so dafs sich jede weitere Diskussion 
über diese Frage erübrigt. Man könnte nur fragen, ob Tliurn- 
eysens *gävä oder mein Ansatz *(Jhdvä richtiger ist. Ich habe 
die Grundform deshalb mit kurzem a angesetzt, weil ich mir nur 
so den Unterschied der Behandlung von ndu 'Schiff erklären 
kann, dessen du im Hiatus stets nur als o erscheint (Gen. noe, 
niemals aber mie), während das du von gdu im Gen. gue und im 
Verbum güaigidir zu u geworden ist. Da nun ndu bestimmt 
altes langes ä enthält, habe ich für ^au kurzes a angesetzt, was 
auch etymologisch am besten stimmt, wenn ich gdu richtig zur 
Wurzel (jheu: ylidii 'auseinanderklaffen' in yavvog 'locker, weichlich, 
nichtig', xavvas 'Windbeutel, Aufschneider', ags gead 'Leichtsinn, 
Torheit' gestellt habe, was mir nicht zweifelhaft erscheint. Thurn- 
eysen bemerkt (schriftlich), dals er wegen des cymr. gau langes 
ä angesetzt habe. Ich möchte aber auf das Cymrische kein allzu- 
grofses Gewicht legen, da gerade die Vertretung von äv, uv in 
den britischen Dialekten, noch recht ungeklärt ist; es läfst sich 
aber selbst in unserem Falle eine Erklärung finden, angenommen, 
dafs *gavä bestimmt cymrisch gaw hätte ergeben müssen, wie Th. 
anzunehmen scheint. 

Altcymrisches au (neucymr. aiv) wird nämlich unter gewissen 
Umständen bei Antritt einer weiteren Silbe über ou zu eu, wie 
aus dem Namen Meugan, altcymr. Maucan, dann aus meu-dwy 
'Einsiedler' gegenüber corn. mmv 'Jüngling', bret. mao gesund 
(gemeinbritisch *mau- aus magu-) hervorgeht. Nun wird aber 
gau 'falsch' als Adjektiv in den britischen Dialekten meist dem 
dazugehörigen Substantiv vorausgestellt und bildet mit diesem 
ein Kompositum, so dafs es in dieser Stellung lautgesetzlich aus 
*~gaw- hervorgegangen sein kann. Da dies die am meisten ge- 
brauchte Verwendung des Wortes ist, so darf man ohne weiteres 
annehmen, dafs die adjektivische Form gau- auch das im Sub- 
stantiv berechtigte gaw verdrängt hat, wofür es ja zahllose 
Analogien gibt. Bei Thurneysens Annahme einer Grundform 
*^ävä bleibt hingegen des Gegensatz gue: noe unerklärt. Ich 
möchte deshalb an meinem Ansatz ^(jhdvä festhalten. 

Es bleiben also nur noch die Formen von ho 'Kuh' und crü 'Blut' 
übrig. Der Gen. Plur. hdu, hdo ist jedoch doppeldeutig, da man ihn 
nicht nur auf "^g^ovom, sondern ebensogut auf ^g^üvöm zurückführen 
kann, das sein ö aus dem Nom. PI. *g''öves (Skr. gävah) bezogen haben 

9* 



20 JULIUS POKORNY, 

wird, der auch im altir. hai (älter *hoi) stecken dürfte. Allerdings 
weil's ich für den Gen. Sg. crdu, crou, crelo vorläufig keine bessere 
Erklärung vorzubringen, so dafs H. mit seiner Regel immerhin 
recht behalten mag. Gewifs falsch ist aber seine Herleitung von 
craii aus *kruvos, bezw. cnö (älter '*cndu?) aus *hiuvos. Denn 
dann mufsten die entsprechenden cj-mrischen Formen *cryw, 
*knyw lauten, während in Wirklichkeit crau, cnau überliefert 
sind, die nicht analogisch zu erklären sind und auf *krov-, *hnov- 
hinweisen. Die urkeltische Flexion durfte *krü-s, *krov-os, vielleicht 
auch *knü-s, *knov-os gewesen sein, doch möchte ich besonders 
für crn andere Möglichkeiten nicht geradezu ausschliefsen. Zur 
Stammabstufung krä:krov vergl. brü 'ßand' (*bhrU-s):broi 'Brauen' 
(*bhrüve). 

In seinen weiteren Ausführungen über inlautendes -ovo- 
vermag ich jedoch H. nicht zu folgen. Er will nämlich den 
Gegensatz von tobe 'Abschnitt' (nach bisheriger Anschauung 
*to-vo-bion) und diiilgine 'Belohnung' {*de-vo-laiiginja) dadurch 
erklären, dafs er annimmt, nur in letzterem Fall liege die laut- 
gesetzliche Entwicklung von ovo {do-vo aus de-vo) vor, während 
tobe nicht aus *to-vo-bion, sondern vielmehr aus *tä-vo-bion hervor- 
gegangen sei. Die Existenz der Präposition *tä- aus vcllbetontem 
idg. *tö würde auch durch die Form -*iait 'er kommt' aus *te- 
thet bewiesen. H. teilt also Thurnej^sens Meinung, dafs die Prä- 
position to- auf idg. *tö zurückgehe. Th. meint, dafs *tö unbetont 
über *//7 zu tu, to und dann im Vorton zu du, do geworden sei; 
daneben hätte sich vielleicht ein vollbetontes *tä erhalten (Hand- 
buch § 841). Hierbei ist schon falsch, dafs */ö nur unbetont zu 
*tn geworden sei; auslautendes -ö ist vielmehr, wie cü 'Hund' 
aus *kvö zeigt, auch betont zu -u geworden ; dem gegenüber wäre 
t(i- höchstens als Kompositalform möglich gewesen, da in diesem 
Falle das (inlautende) ö zu a hätte werden können. Aulserdem 
ist ö vortonig nicht zu -u, sondern zu a geworden, wie der Akk. 
Plur. des Artikels inna aus *sin+dris (idg. *töns) und das infig. 
Pronomen der 3. Plur. ta, da (idg. *tdns), ferner die vortonige 
Form da 'zwei' (idg. *dvöii) zeigen. Deshalb kann auch altir. 
to-, tu- nicht auf *tö zurückgeführt werden. Man müfste also 
annehmen, dafs *tö nur in der Gestalt *tä aufgetreten sei, allein 
auch diese Ansicht ist unrichtig. Denn *tä oder gekürztes *tä 
könnte auf keinen Fall in ir. toisech, cymr. ty-wysog, atbrit. to- 
visäci stecken, deren Vokalismus sich nur durch eine gemeinsame 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 21 

Grundform *to- erklären läfst; ebenso blieben o, u in dorn, duit, 
di'imi,^) duih unerklärt; Avenn man auch annehmen könnte, dafs 
der Vokal im Präverb do-, du- analogisch von ro-, no-, fo- be- 
einflufst sei, so könnte man doch das o in alten Bildungen, wie 
as-toidi 'glänzt' (aus '^-to-vid^t), -töeth 'wird fallen' (aus *to-ti-fi(d-s-t), 
-totsat 'dafs sie fallen' (aus *-to-tud-s-ont) kaum auf dem Wege der 
Analogie erklären. Man wird also als Grundform auch weiter- 
hin *to- ansetzen müssen. 

Die verschiedenen Abweichungen des Vokalismus lassen sich 
von da aus unschwer erklären. 

Da im Vorton io- regelmäfsig zu *to-, *da- werden mufste, 
so mufs das o des Präverbs do- selbstverständlich als Analogie- 
bildung zur betonten Form to- erklärt werden, ebenso wie vor- 
toniges ro- seinen Vokal der betonten Form verdankt. Da ferner 
betontes to- durch regelmälsigen Umlaut auch als tu- erscheint» 
kann auch die Form du- auf gleiche Weise erklärt werden. Das 
häufige Vorkommen des vortonigen tu- in archaischen Texten 
macht es jedoch wahrscheinlich, dafs das u in den meisten Fällen 
eher dem stets vortonigen na- entnommen sein wird; in diesem 
Worte, das nach Ausweis des mcymr. neu auf *nevö (zu lat. novus) 
zurückgeht, mufste ja das u (und das hieraus durch Schwächung 
hervorgegangene o) lautgesetzlich erhalten bleiben (Pokorny, § 81 
exe. 3); auch ru-, fu- wird so durch nu- beeinflufst worden sein; 
bei fu- mag allerdings der Labial mit im Spiele gewesen sein. 

Das a im Paradigma von do-tet 'kommt', also z. B. ni tait 
'er kommt nicht' aus *ta-tet bezw. *fa-teig möchte ich einfach 
dadurch erklären, dafs hier noch vor der Zeit der expiratorischen 
Akzentwirkungen die proklitische Form ta- analogisch die Stelle 
der vollbetonten Form to- eingenommen hat, dafs also z. B. -to-teg 
'ich komme' durch Einflufs des unecht-kompouierten ta-teg noch 
vor dem haplologischen Schwund zu -ta-teg daraus altir. -taig 
geworden sei. Dieser Annahme stehen keinerlei Schwierigkeiten 
entgegen, da sich die echt- und unecht -komponierten Formen 
desselben Verbums oft gegenseitig analogisch beeinflufst haben 
wie z. B. do-tuit 'fällt' (aus *to-tüdit erwartet man *do-tuid) sein 
auslautendes t(t) dem echt - komponierten -tuit verdankt, das 
wiederum seinen Vokal (*-tö-tudit ergebe mit haplologischem 



*) Die Dehnung des ü dürfte teils dem unlenierten nn, teils dem Ein- 
flufs von d/nn zu verdanken sein; danach auch düib und dib. 



22 JULIUS POKORNY, 

Schwund des u *-toit) der unecht-komponierten Form entnommen 
liat. Der Annahme, dafs fo- schon in jener frühen Zeit im Vorton 
zu in- geworden sei, steht auch die archaische Erhaltung des o 
im Innern nachtoniger Silben nicht entgegen, weil auslautende 
Vokale in vortonigen Silben weitaus früher einer Schwächung 
ausgesetzt Avaren, als in nachtonigen Silben (vgl. Pederseu I 243). 

Nach dem Gesagten kann also t6h(a)e etc. nicht auf 
*t(1-vo-hion zurückgeführt werden, sondern nur auf *to-vo-bion. 
Wie soll man es aber erklären, dafs to-vo- zu fö-, de-vo 
aber über do-vo- zu du- wird? Ich sehe keinen andern Weg, 
als die Verschiedenheit der Behandlung durch das verschiedene 
Alter der Komposita zu erklären. Die Formen mit du- müssen 
sehr alt sein, weil hier de- wie im einheitlichen Wort vor v zu 
do- geworden ist; do-vo wird eben schon früh infolge Vokalisierung 
des -V- eine stark geschlossene Aussprache angenommen haben 
und so schliefslich zu dii- geworden sein. Anders dürfte es sich 
mit der Gruppe to-vo verhalten haben; diese kann und wird auch 
wohl bedeutend jüngeren Ursprungs sein, so dafs man annehmen 
darf, dafs to- erst vor -vo- trat, als das anlautende v schon eine 
mehr konsonantische Aussprache angenommen hatt; dieses erst 
später in den Inlaut gerückte v dürfte mithin die umgebenden 
Vokale nicht so stark beeinfluft haben wde das alte intervokalische 
V, weshalb to-vo- zu to- und nicht zu *tü- wurde. Es ist natürlich 
auch möglich, dafs hier dieselbe Analogiebildung wie bei -tait 
stattfand, dafs also vortoniges ta- das alte to- ersetzte, doch scheint 
mir dies mit Rücksicht auf das ausnahmslose ö (niemals ü) weniger 
wahrscheinlicli. Die Diphtongierung dieses 6 zu üa ist dann leicht 
als Analogiebildung zu den Fällen mit älterem ö zu erklären. 

Die Kompositionsform gü- zu gdu „Lüge" gehört natürlich 
nicht hierher, da '^gouso- über *göso- nur *^d- ergeben hätte; 
die Form gü- erklärt sich ohne weiteres durch Verschleppung 
aus dem Hiatus, wie z. B. güaigidir, güe, etc., wo av über ö regel- 
recht, wie ich § 112, 3 a gezeigt habe, zu ü geworden ist. 

Die Entwicklung des au im Hiatus zu ü läfst sich wohl 
nicht bestreiten. Das von mir neben gdu angeführte aue liefse 
sich zwar auch nach O'Maille (Language of the Annais of Ulster, 
p. 49) anders erklären, aber jede andere Deutung versagt bei 
dem alten Eigennamen Dmii, Gen. Bauach, Doäcli, Duäch (Belege 
im Wörterb. der ir. Akademie), durch den der Übergang von au 
zu ü ganz sichergestellt wird. 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 23 

9. Die Umfärbuug des e vor ufj. 

In § 114, Ic und 3 b habe ich die Regel aufgestellt, dafs 
idg. e altirisch vor ng + e, f, J, ü stets als i erscheint. Hierzu 
bemerkt H. (S. 332), dafs ihm die allfälligen Beispiele 
weniger wichtig wären, als die Tatsache, dafs o in gleicher 
Stellung nicht zu u geworden sei. Da nun die Umfärbuug von 
zu u und von e zu i seiner Ansicht nach auf einem einzigen 
Lautgesetz beruhe, müsse meine Regel falsch sein! Ich glaube, 
dafs diese doktrinäre Auffassung arg übertrieben ist. Auf diese 
Weise kommt man nie zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Weil 
e und in den meisten Fällen parallele Entwicklung zeigen, 
darf man das doch nicht a priori auch für alle übrigen Fälle 
behaupten. 

Vor allem hat H. übersehen, dafs ich keineswegs behauptet 
habe, idg. e sei durch jenes Hebungsgesetz zu % geworden; 
ich habe nur festgestellt, dafs e + ng aufser vor a und o Vokalen 
stets als mg erscheint, wobei ich die Ursache dieses Wandels 
nicht näher untersucht habe. Wie unrecht H. meine Regel tadelt, 
geht übrigens schon daraus hervor, dafs zur Zeit des von H. 
genannten Lautgesetzes die alte Lautgruppe e + ng überhaupt 
im Irischen nicht vorhanden war. Idg. e ist nämlich schon ur- 
keltisch, ebenso wie im Lateinischen, von ng zu i geworden; ein 
eng-, das durch Hebung zu ing- hätte werden können, existierte 
somit in jener Zeit gar nicht. Das beste Beispiel dafür ist das 
von mir augeführte cingid 'schreitet', das zu cymr. rliy-gyng 
'Pafsgehen', gall. Cingeto-rix, ahd. hinkan gehört und auf idg. 
*khengeti zurückgehen mufs; man kann hier natürlich nicht sagen, 
dafs eng durch das folgende e zu i umgefärbt worden sei; das e 
hat nur den Vokal der vorhergehenden Silbe, der schon lange 
vor dem irischen Umlaut zu i geworden war, nicht beeinflufst. 
In der 3. Plur. cengait ist das e natürlich nicht alt, sondern durch 
Einflufs des folgenden o (idg. Vchengonti) aus älterem i entstanden. 
Dasselbe gilt für lingkl 'springt' aus idg. '^lengheti^)\ auch hier 
ist als gemeinkeltische Form Hingeti (vgl. gall. Lingones) an- 
zusetzen. 

Da dieses aus eng hervorgegangene ing im Irischen vor e 
erhalten bleibt, so mufs es notwendigerweise erst recht vor t, j, 



1) Amiers Osthoff, Morphol. Unters. VI, 21—28. 



24 JULIUS POKORNY, 

ü erhalten bleiben, da ja diese niemals die Brechung von i zu e 
hervorrufen können. Meine Regel besteht also zu Recht und 
kann, da es sich hier um einen gemeinkeltischen Vorgang handelt, 
mit der irischen Hebung von o zu u und c zu i in keinerlei 
Parallele gestellt werden. 



10. Die Ersatzdelinung nach i. 

In § 115, 5 habe ich die Regel aufgestellt, dafs altes i 
durch Ersatzdelinung zu iu, eo, eu wird, wenn ein palataler oder 
«-farbener Vokal nachfolgt. Hierzu bemerkt H., ohne irgend- 
welchen Beweis für seine Behauptung zu erbringen, dafs meine 
Regel falsch sei, dals also '-^koligm zu cuUln hätte werden müssen 
und dafs die Form cuilinin eine Analogiebildung zu Worten mit 
altem e, wie ceniuil {*kenetli), darstelle, die allein den Diphthong 
tu, CK, CO lautgesetzlich entwickelt hätten. Diese Anschauung 
wäre zwar möglich, aber dadurch würden sich eine Reihe von 
Schwierigkeiten ergeben. 

Vor allem bliebe unklar, weshalb schon in den ältesten 
Texten iu mit eu, eo wechselt. Denn da die Orthographie der 
Glossen in phonetischer Beziehung eine erstaunliche Genauigkeit 
aufweist, ist es nicht gut denkbar, dafs iu, eu, eo nur scliwankende 
Schreibungen desselben Diphthongs darstellen, eo neben eu stellt, 
wie die moderne Aussprache erweist, nur die jüngere Entwicklung 
des Diphthongs dar, die mit der historischen Schreibung eu ab- 
wechselt; iu läfst sich dagegen nicht gut als Entwicklung von 
eu erklären. Dies wäre nur unter der Voraussetzung möglich, 
dafs schon am Beginn der altirischen Zeit eine Verschiebung 
des Silbengipfels auf das zc stattgefunden hätte; dann wäre die 
Schreibung iu {= ni) für eu verständlich. Aber wenn die Ver- 
schiebung schon bei eu stattgefunden hätte, wie sollte man sich 
dann den Wandel von eu zu eo erklären, der doch nur ver- 
ständlich ist, wenn der Ton damals auf dem e ruhte; die neuir. 
Aussprache ö beweist überdies zur Genüge, dafs diese Verschiebung 
des Tones erst stattfand, als cu bereits zu eo geworden war; 
somit kann die Schreibung iu auch hicht als Variante von eii 
erklärt werden und mufs andern Ursprung haben. 

Ferner blieben, wenn H. recht hätte, die Futurformen 
3. Plur. ara-chiurut, ghdait, Kondit. 3. Sing, no-giulad unerklärt; 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 25 

nach H. müfsten -*ki-kri-ü-nt, *gi-gli-ä-nU, -*gi-gli-ä-to regelmäfsig 
-*cMrc(t, -*güait, -*gila(l ergeben. 

Thurneysen teilt offenbar diese Ansicht, da er meint, diese 
Formen hätten ihren Yokalismus dem Prät. -chiuir, -giiiil ent- 
nommen. Nun ist schon die Beeinflussung des Futurums durch 
das Präteritum nicht wahrscheinlich, da aber auch beim Präteritum 
der Diphthong iu nur in der 3. Sing, berechtigt war, die andern 
Personen dagegen c haben mufsten, da aufserdem die Endungen 
im Prät. und Fut. ganz verschieden waren, so wird man nicht 
annehmen dürfen, dafs -cldurat, giulait blofs durch Einfluls der 
3. Sing. Prät. -chiuir, -giuil ihren Vokalismus erhalten hätten. 

Die genannten Schwierigkeiten werden durch meine Eegel 
sofort behoben. Ich bleibe dabei, dafs üi ursprünglich nur aus 
altem i hervorgehen konnte. Dafs dann im selben Wort iu und 
das aus altem oder durch Umlaut entstandenem e hervorgegangene 
eu, eo wechseln konnten, ist leicht als Analogiebildung zu er- 
klären. So konnte sen (lat. Signum), Gen. siuin leicht zu tren 
{*tregno-) neben treuin einen Gen. triiiin hervorrufen, andererseits 
konnte das e von sen in den Gen. dringen, wodurch seuin 
entstehen konnte. Im allgemeinen ist jedoch iu in den Worten 
mit altem i häufiger. 

Die Futurformen -chiurat, giulait sind dann ganz regel- 
mälsig aus -*Jcikriänt, *gigliänti hervorgegangen, während sie 
bei Ablehnung meines Gesetzes nicht wohl erklärt werden 
könnten. 

Lautlich liegt gegen meine Regel auch kein Hindernis vor, 
denn cymr. colivyn (*koligno-), sicyn flat. Signum), llivyn (lat. 
lignum) zeigen, dafs auch im Cymrischen ig vor n erst zu iu 
(daraus dann ui) geworden war, weshalb fürs Irische unbedenk- 
lich das Gleiche angenommen werden kann. 



11. Zur Stammbildung des reduplizierten Präteritums. 

Den klarsten Beweis für die Richtigkeit des eben be- 
sprochenen Lautgesetzes liefern die Präteritalformen -giuil, -ciuir. 
H. meint zwar (S. 333), als Reduplikationsvokal sei e und nicht i 
einzusetzen und das iu der erwähnten Formen beruhe auf Einflufs 
von -lil, -rir, aber er bringt für diese Behauptung keinerlei Beweis 
bei. Wie will er aber das i in -lil, -rir erklären? Ein alter 
Aorist, etwa U-li-t kann wegen der 3.Plur. -leltar, die aus *le-l-antar 



26 JULIUS rOKOKNY, 

(> ant-r) hervorgegangen ist. nicht vorliegen, da le-li-ntar 
zu *hJtcr geworden wäre, ebenso fehlt jeder Anhaltspunkt 
für die von Pedersen (II 380) angenommene mediale Endung 
-ai; das von ihm herangezogene edivyn 'er weifs' ist, wie Morris 
Jones (Welsh Grammar 355) gezeigt hat, keine ursprüngliche 
Form, sondern erst später durch Analogie neben das berechtigte 
adwaeii getreten. Es kann doch gar kein Zweifel darüber be- 
stehen, dafs wir, wie auch die 1. und 2. Sing, -cer gegenüber der 
3. Sing, -dnir beweist, auch in -lil, -rir die Endung des Perfekts 
zu suchen haben, wie die reduplizierten Präteritalformen ja aus- 
nahmslos die Endungen -*a, -as, -e, gerade wie im Griechischen, 
aufweisen. Somit dürfen wir nicht *le-l-e, *re-r-e ansetzen, da 
das i sonst unerklärt bliebe. Die von mir angesetzten Grund- 
formen *U-l-e, *ri-r-e lösen zwanglos diese Schwierigkeit, denn 
das i der Reduplikation ist einfach in vorhistorischen Zeit aus 
dem Präsens Hi-na-mi, *ri-na-mi in die Eeduplikationssilbe 
übertragen worden, genau so wie in *ku-Mov-a, air. cüala 
das u der Eeduplikationssilbe aus dem Präsens stammt. Diesen 
Vorgang wird man um so weniger anzweifeln können, als genau 
dieselbe Erscheinung im Arischen und Lateinischen auftritt, so 
im ai. Perfekt didve^a, rurödha, im lat. scicidi, pupugi u. a. m. 

Es ist mir übrigens gelungen, einen direkten Beweis dafür 
zu finden, dafs -lil, -leltar mit altem i anzusetzen sind. Es ist 
dies die komponierte 3. Plur. -ruilleiar (geschrieben -rullddar, 
ruilcatar) im Serglige Con Culainn § 6, die wegen des u der 
ersten Silbe nicht auf ^ro-lelantar, sondern nur auf *ro-lilantar 
zurückgehen kann. Da kein Grund vorliegt, Avarum ein allfälliges 
-*roilletar zu -ruületar analogisch umgestaltet worden sein soll, 
muls man diese Form als lautgesetzlich ansehen. Das i der 
Reduplikationssilbe ist somit sichergestellt. 

Da ferner crenaid, glenaid mit renaid und lenaid genau 
parallel gehen, mufs auch für -cmir, -giuil eine Grundform 
*kikre, *(jigle angesetzt werden. Dasselbe gilt für das Prät. von 
ara-clirin. 

Dadurch ist der Beweis erbracht, dafs auch i durch Ersatz- 
dehnung zu einem Diphthong wird, wie ich in meiner Grammatik 
richtig angenommen habe. 

Ueber die historische Erklärung der ganzen Bildung vgl. 
meinen demnächst erscheinenden Aufsatz in den Idg. For- 
schungen. 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 27 

12. Der Vokalismus von (ir-foinia. 

Zu meiner Bemerkung (§ 126, 1, note 3), dafs in ar-foima 
(= ar-fo-ema) die Kontraktion der ursprüuglicli durch keinen 
Konsonanten getrennten Vokale noch vor der Zeit der Synkope 
stattgefunden habe, meint H, diese Kontraktion liabe vielmehr 
nach der Synkope eintreten müssen, was er ZOP IX 27 ff., 66, 78c 
gezeigt haben will. Ich habe die zitierten Stellen sehr aufmerksam 
geprüft, ohne jedoch einen solchen Beweis finden zu können. 
Eine Form, wie ad-coidemmar 'wir haben angezeigt' aus -*co-vid- 
ammar beweist zwar durch die Palatalisierung des d und die 
Erhaltung des Vokals der ursprünglich dritten Silbe, dafs die 
Kontraktion nicht vor der Synkope eingetreten sein kann, aber 
hier handelt es sich, ebenso wie bei Hs. übrigen Beispielen, um 
die Gruppe ovi, also um durch altes v getrennte Vokale, während 
in unserem Beispiel die Vokale direkt zusammenstofsen. Ich habe 
schon früher gezeigt, dafs es nicht gestattet ist, ove und o-e auf 
gleiche Stufe zu stellen. Schon an und für sich ist es wahr- 
scheinlich, dafs Vokale, die durcli keinen Laut getrennt waren, 
früher kontrahiert worden sind, als die, zwischen denen ein Laut 
erst später geschwunden ist, so dafs man aus der Behandlung 
von ove doch keinen Schlufs auf o-e zielen darf. Die Unrichtig- 
keit von Hs. Behauptung läfst sich übrigens direkt erweisen. 
"Wenn nämlich, wie H. meint, die Kontraktion in ar-foima erst 
nach der Synkope stattgefunden hätte, so müfste doch z. B. 
die 3. Flur, des Konj. Präs. -*fo-emäddar zur Zeit der Synkope 
noch viersilbig gewesen sein und hätte durch die Sjukope nur 
zu *föematar, entsprechend coidcmmar aus '■'co-vidammar werden 
können; überliefert ist aber nur -foimtar mit Synkope des ä, 
wodurch klar bewiesen wird, dafs das ä zur Zeit der Synkope 
die zweite Silbe bildete und deshalb ausgestofsen wurde; das 
vorhergehende o-e mufs daher schon vor der Synkope zu einer 
einzigen Silbe, zum Diphthong de, oi kontrahiert worden sein. 

Den Beweis, dafs die Kontraktion alter Hiatusvokale älter 
ist als die Synkope, liefern auch jene Fälle, in denen der Hiatus 
durch den haplologischen Schwund eines Konsonanten hervor- 
gerufen war. So zeigt der Schwund des ersten e in do-foichred 
'er würde hinsetzen' aus -*fo-clii- eher red, dafs vor der Zeit der 
Synkope fo-'icherred schon zu foicherred geworden sein mufs. 
Ebenso mufs der Akk. Plur. von coica 'fünfzig', nämlich coicta 



28 JULIUS POKORNT, 

(Imram Brain 25) zur Zeit der Synkope schon *coiggodda gelautet 
haben, da unkontrahiertes *co-eggodda (aus V:oggecJwdda <*h''on- 
IM-omia <*!:'' enl:'c-l;omi-ns) — das gg statt des zu erwartenden 
ch ist vom Zahlwort 'fünf (air. toic <*kögge <*tonk'e <*h'€n¥'e) 
bezogen — altirisch nur zu *coicata hätte werden können. 

13. guidiu 4cli bete, bitte'. 

H. hatte sich offenbar ziemlich Mühe genommen, um zu 
zeigen (S. 336), dafs ich mit Unrecht neben guidim(m) auch guidiu 
als absolute 1. Sing, „angesetzt" hätte. Über diese Frage ist 
jedoch jede Diskussion überflüssig, da absolutes guidiu in einem 
altirischen Text zweimal ausdrücklich überliefert ist (Kalender 
des Öengus, Prolog 17, Epilog 413) und zwar an Stellen, deren 
Kenntnis sogar von jedem Anfänger in der Keltologie voraus- 
gesetzt werden mufs. 

Fassen wir zusammen, was H. in seinen „Beiträgen zur 
altir. Grammatik» wirklich Neues gebracht hat, so bleiben 
nach den von mir widerlegten Punkten nur noch folgende übrig: 
1. Auslautendes -ind wird vor geschwundenem ü niemals zu 
-*iund (324). 2. -ovo-, -ovä- wird im Auslaut vielleicht über ou 
zu du (329). 3. Der nichtpalatale Auslaut des Präverbs ind- ist 
durch analogische Einführung des o in die Kompositionsfuge 
entstanden (322). 4. grend 'Bart' ist nicht auf ""gh-ndlm sondern 
auf *ghrendhä zurückzuführen (325). 5. Mittelir. scuichid hat sein 
u von scuirid bezogen (?); das Verhältnis von scuichid zu scuchaid 
vermag H. dabei nicht genügend aufzuklären (323). 6. estösc 
'Auspressung' verdankt das ö sekundärer Vokalkontraktion im 
analogisch enstandenen estoasc (334). 7. -fdcaib 'er läfst zurück' 
ist Kontamination aus regelrechtem -facaih und analogischem, 
aus *-fo-acaib entstandenem *-föcaih. 

Im Verhältnis zur aufgewendeten Mühe ist dies wenig genug. 



agaid 


15 


Wortverzeichi 

beinmii 


-dgur, -ägor 


6 


bö, bau 


am »ms 


9, 10 


brithem, -on 



14 [ broi, brü 20 

19 bru'id, brufitir 4 

7 ara-chiuir, -chiurat 24, 26 



STREITFRAGEN ZUR ALTIRISCHEN GRAMMATIK. 



29 



ciiigid 


23 


ern- 


4 


cnö 


20 


f eilin 


9 


ar-coi, -coat 


11 


feronn, ferann 


6,7 


docoi, -co'id 


11 


fitir 


8 


docötar, -cüatar 


15 


föessam 


3-5 


co'ir, cöre 


16 


fogur 


8 


coicta 


28 


fo'ib 


12 


cretar 


8, 9 


foid 


11 


crö, crdu 


20 


-foichred 


5, 27 


cü 


20 


ar-fohn, -folmtar 


11, 27 


cuiliiän 


24 


-foiret 


5 


Daui, Duäch 


22 


foraib 


12 


deae 


13 


-fuar 


11 


dead, diad 


13, 18 


gdu, gö, gü- 


19, 22 


-deci 


18 


-gitiil, giulait 


24, 26 


dedenach, didenach 18 


iarnn 


4 


degaid. digaid 


14 


inna 


20 


de'id 


13 


-lil, -leltar 


26 


-derig 


18 


lingid 


23 


diall 


13 


niaidm 


9 


-dillevi 


13, 17 


menmac, menman 


8 


■ dimea 


17 


mlegon 


6,7 


dum 


18 


naidm 


9 


düilgine 


20 


noi 


17 


dünn, düib 


21 


nömad 


17 



nönbar 
nu-, no- 
oac 

ög 

orcun 

reimm 

remi 

-rir 

-roirea 

fo- mar 

-ruilletar 

seil 

-taig, -tait 

talam, tahnan 

U 

to-, tti- 

töbe 

■töeth 

toissech 

-töraig 

-totsat 

tuinsetn 

tüirid 

-tuit 

üaidib, üadaib. 



17 

21 

10, 11 

10, 11 

8 

9 
14 
26 

5 
11 
26 
25 
21 

7 

13 

20—22 

20 

21 

5, 20 

5 
21 

3 

4 
21 
12 



W i e 11. 



Julius Pokorny. 



IRISCHES. 

A. Zu irischen Texten. 

I. De maccaib Conaire. 
Der interessante Text, den Lucius GwjTin in Eriu VI 144 
nach LL292a lierausgegeben hat, enthält eine sprachlich alte 
Erzählung, die man 'die Raclie an lugcel' betiteln könnte, ein- 
gebettet in jüngere Bemerkungen. Das Ganze behandelt das 
Problem, wie der Stammvater der Müscraige in Munster, die 
sich für Stammverwandte der Müscraige in Mide hielten, von 
dort nach dem Süden übergesiedelt sei. Als dieser Stammvater 
galt in der älteren Zeit Corpre Muse, der Sohn Conaire's. Nun 
gab es aber chronologische Schwierigkeiten. In älteren Texten 
wie z. B. in Tocliniarc Etdine Ir. T. 117 war der mütterliche 
Urgi-ofsvater von Conaire, Eochaid Airem (oder Eochaid Feid- 
lech), Zeitgenosse von Conchobor und den gleichzeitigen Ulter- 
helden. Conaire selber lebte also viel später und wurde von 
manchen als Schwiegersohn des Königs Conn Cetchathach an- 
geselien, so dafs die Auswanderung von Corpre Müsc in die Zeit 
nach diesem König fiel. Aber der Sagenerzähler, dem der Re- 
daktor von Togail Bruidne Da Berga hauptsächlich gefolgt ist, 
machte vielmehr Conaire selber zum Zeitgenossen Conchobor's, 
und dieser Text fand, wie die vielen Handschriften zeigen, weite 
Verbreitung. Das brachte die irischen Chronologen in arge Ver- 
legenheit. Man liefs nun zum Teil Corpre Müsc nicht einen 
Sohn von Conaire, sondern einen späteren Abkömmling sein, oder 
man liefs nicht Corpre selber, sondern einen späteren Sprossen 
Gnäthal nach Munster auswandern (s. Eriu VI 133). Oder aber — 
und diese Meinung siegte schliefslich — man setzte zwei Conaire, 
einen älteren und einen Schwiegersohn Couu's, den Vater Corpre's, 
an, zum Teil sogar zwei Ingcel, von denen jeder einen Conaire 



IRISCHES. 31 

umbrachte (S. 147, 4 ff.), während andere den zweiten Conaire 
auf andere Weise sein Leben verlieren lielsen (s, die Strofe 147, 9). 
Auch ein anderer Conn als Schwiegervater des älteren Conaire 
wurde erdichtet (Z. 87). Doch nicht von diesen Verlegenlieits- 
auskünften der irischen Genealogen möchte ich hier liandeln; 
sondern mir scheint, dafs der nicht ohne Fehler überlieferte alte 
Kern dieses Abschnitts (S. 147, 13 ff.) an einigen Stellen leicht 
verbessert und verständlicher gemacht werden kann. 

Gleich am Anfang (147,13) ist wohl zu lesen: Batar didiu 
meic Conaire i m-Maig Breg iar marhad a n-athar i niBruidin 
Da Derga la h-In[g]cel^) Ccech do Bretnaib in feinnid y tri 
m{ac)c[u] h.{iü) Besä .i. Fer Gair 7 Fer Eogain 7 Fer La. Es 
fehlt nichts dahinter, wie Gwynn meint. 

Z. 23. In der Glosse ist nach dem Vorhergehenden (Z. 2) 
statt mac Etersceoil meic Eogain wohl mac Etersceoil maic hui 
leir (oder einfach hui leir) zu lesen. 

Z. 34 ff. ist folgendermaf sen zu interpungieren : Bai dano 
trenfer la Incgel. Ni'leiced raind na fodail i tig Nemid [cen\ 
fer do imthrascrad fris do cech ddini iiced tech Nemid, dia'tised 
dam anechtair and. Im' choemnacair'^) Incgel didiu düs in'tdnic 
ddyn anechtair issind aidchi sin. As'hert Nemed: 'Ni'thdnic' olse 
'dam anechtair innocht\ As'hert dano Fiacha: 'Ced dano do 
Incgel in dam do imchomarc?^ — 'Bo imthrascrad frisin trenfer 
ucuV olse 'do muniir IhcgiiüV. — 'Am dam sa em' ol Fiacha; 
"cia da'chele^) seo innocht' olse, 'ni'dichela i mbdrach'. — 'Tair 
forsa-lldr didiu' ol Ingcel usw. 

'Ingcel hatte einen starken Mann bei sich. Er liefs nicht 
zu, dafs Speise und Trank im Hause Nemeds ausgeteilt wurde, 
ohne dafs jeder Gast, der in Nemeds Haus kam, mit ihm ge- 
rungen hätte, wenn Gäste von auswärts dahin kamen. Nun 
fragte Ingcel, ob diese Nacht Gäste von auswärts gekommen 
seien. Nemed sagte: 'Es ist kein Gast heute Nacht von aus- 
wärts gekommen.' Da sagte Fiacha: 'Weshalb fragt denn Ingcel 
nach Gästen?' — 'Dafs sie mit jenem starken Manu aus Ingcels 
Gefolge ringen.' — 'Ich bin freilich ein Gast', sagte Fiacha; 



*) da derga. Bai I/icel Hs. 

2) Vgl. imcliemnacair Z. 68. Beides vermutlich schon ältere Fehler für 
im'coemarcair (noch älter: rm-comarcair). 
") diachele Hs. 



32 U. THÜRNEYSEN, 

•weun du es aucli heute Nacht verbirgst, wirst du es morgen 
nicht verbergen (können)'. — 'tSo komm mitten ins Haus', sagte 
lugcel usw. 

Nicht verstanden hat der Herausgeber den Satz (Z. 60): 
Is de sin nenaisc Corpre 3Iäsc for Dergthene {.i. o'tat Eoganacht 
7 Dal Caiss) folta dar csi flatha A. filidecM cen ergnam act focul 
cen chloen, cen rudrach. Es handelt sich offenbar darum, dafs 
die Mi'iscraige, die mit den Eoganacht und Dal Caiss in Munster 
zusammen wohnten, die Herrschaft über sie beanspruchten. Sie 
begründeten es damit, Dergthene, der Stammvater der Eoganacht 
und Dal Caiss, habe seine Herrscherwürde an Corpre Muse ver- 
tauscht um die Dichterwürde oder das Dichteramt (ßlidecht) und 
seine Einkünfte; das wird mit folia dar esi flatha 'Reichtum 
für Herrschaft' bezeichnet. Die filidecM wird näher definiert als 
eine filidechi cen ergnam act focul cen chloen, cen rudrach 'ein 
Dichteramt ohne (andere) Dienstleistung als Wort (oder Rede) 
ohne cloen ('Schiefes'), ohne rudrach'. Cloen und rudrach sind 
die stehenden Ausdrücke für die Fehler, die jeder Dichter ver- 
meiden mufs, vgl. Trefocul can chloen, can rudrach usw. LL 37 a 
= BB 331b 16. Es ist also zu übersetzen: 'Da machte Corpre 
Muse einen Vertrag mit Dergthene über 'Reichtum für Herr- 
schaft', d. h. (der Reichtum war) das Dichteramt ohne Dienst- 
leistung aufser fehlerloser Dichterrede (oder Dichtkunst).' 

Andere behaupteten nun freilich das Gegenteil, vielmehr 
ein Ahnherr der Müscraige habe die Herrschaft für fdidecht 
dahingegebeu. Das berichtet die Erzählung, die Gwynn in 
Eriu VI 136,75 gedruckt hat: 'Gnathal macc Conruith (Ahnherr 
der Müscraige) war König von Temair. Seine Frau war in Art 
Genfer verliebt. Seine Frau beredete Gnathal, sein Königtum 
für fdidecht und Zins ohne Leistung i) hinzugeben. Er selbst 
solle Mit -Herrschaft mit dem König haben und seine Frau Mit- 
Herrschaft mit der Frau des Königs. Davon kam 'Gnathal's 
Trauer in Temair', d. h. sieben Jahre lang lachte er nicht.' 
Dann wandert er nach Munster aus. 

Z. 63 ist natürlich Cetlath fri rig Cassü 'Gemeinschaft mit 
dem König von Cashel' zu lesen, wie schon K. Mej^er, Con- 
tributions s. v. 1. cälud, tut. 



') eis demnach. 



IRISCHES. 33 

Das Gespräch zwischen Dergthene und Corpre Muse in 
rhetorischer Form (Z. 68 ff.) verstehe ich dagegen auch nicht ganz, 
zumal damit die alte Erzählung- abbricht, an deren Ende doch 
wohl etwas fehlt, die Folge des Gesprächs. Es ist wohl zu 
lesen: co'diis^) (= difls) Ncmed 'Avie wirst du dich an Nemed 
rächen?' zu do-fich. Aber was heilst ma do'rroach Lc, wobei 
nach der beigefügten Erklärung unter Le der Sohn Conaire's 
Le-fir-flaiih-) zu verstehen ist? Das scheint doch nur heilsen 
zu können: 'wenn ich mich an Le gerächt habe' oder 'wenn du 
dich an Le gerächt hast' oder, wenn do-rroac]i[t] zu bessern ist: 
'wenn Le gerächt worden ist'. Aber von einer solchen Rache 
an oder für Le wissen wir nichts, wie auch namentlich das 
Praeteritum hinter nia auffällt. Nach einer anderen Erzählung 3) 
hat der Bruder von Corpre Muse, Corpre Rigfota (anderwärts 
Fiacha Riata genannt), Nemed in den Armen seiner Frau Sarait, 
die zugleich Corpre's Mutter war, erschlagen. Vielleicht gab es 
eine Version, nach der Corpre Muse selber diese Tat vollbrachte, 
und lc hiefs 'bei ilir' (bei Sarait). Man könnte sieh dann als 
ursprünglichen Text denken: Co-düs Nemed, ma da-rroais le 'wie 
wirst du dich an Nemed rächen, wenn du ihn bei ihr erreichst' (zu 
do-ro-saig). Worauf Corpre Miisc antwortet: 'Mit Speerspitzen in 
weilsen Brüsten' usw. Z. 72 übersetzt Gwjnn dariuchtatar 
wohl mit Recht mit 'have avenged', so dafs etwa do'roichatar 
oder do'roichetar zu bessern ist. Und Z. 73 ist man versucht 
zu lesen: im chend cm dach Ingccü (statt imclicll) 'um Ingcels 
wundenreiches Haupt'. Aber die Gliederung der Worte ist, wie 
oft bei solchen retoric, nicht ganz sieher. 

Das Lebor Gabala (LL 24 a = BB 4.") a) läfst den jüngeren 
Conaire durch Nemed erschlagen werden. Und Keating*) hat 
alle diese Berichte zu einer einheitlichen Erzählung verschmolzen, 
indem er auch noch die Etymologie des Beinamens Müsc aus 
Coir Änmami^) beizieht. Aber natürlich darf man nicht mit 
Gwynn in dieser Einheitlichkeit etwas Ursprüngliches oder eine 
selbständige Sagenform sehen; es ist die gewöhnliche Weise, 
w^ie Keating verschiedene, sich zum Teil widersprechende Sagen- 
elemente vereinigt. 

1) Hs. digis. 

2) In der Togail Bruidne Da Derga Le-fer-flaith oder Le-fri-flaith. 

2) Tucait indarba na nDessi LU 54 a = Anecdota from Ir. Mss. 1 20, 13 if. 
*) ed. Dinneen II, S. 276 ff. ■>) Ir. Texte III 314, Nr. G2. 

Zeitschrift f. celt. Philologie XI. 3 



."^4 R. THURNEYSEN. 

II. 

In Tay all Brukhie Da Dcrija (ed. Stokes) lautet § 158 im 
Vellow l^ook of Ijecau 103, 16 :i) Nitorchar tra acht huathad 
niheij im Clionari ./. nonhur 7 ni mor niad' roinne"^) sceola indisen 
scel dona dibergchaib rohatar ar tig doib. 

In LU: Iss cd tra drmit araile lihair andso connatorchair 
acht uathed mhec im Chonaire A. nöribor nammd 7 ni mar ma 
doerna sceola indisen scel dona fiannaib ro'bdtdr ar tig doib. 

In Egerton 1782:3) Nvtorchair tra acht uathad inbec im 
Clionaire .i. .xii. ßr 7 ni mor ma ro'ela fer innisti scel dona 
fidnnaib ro'bdtar ic dul for bruidhin. 

Die jüngste Redaktion liat also das schwierige Wort sceola 
durch fer ersetzt. Zimmer (KZ 28, 563) wollte die Lesart von LU 
ändern in: nl erna mor, madosceola indisen scel, donafiannaib usw. 
mit der gewagten Übersetzung: 'nicht entkam viel — nach den 
Erzählungen, welche die Geschichte melden — von den Kriegern'. 
Stokes will sceolang lesen, das er — weshalb? — mit 'a fugitive' 
übersetzt. Ich hatte zunächst an einen Schreibfehler der Ur- 
handschrift sceola für eola, veranlafst durch das folgende scel, 
gedacht. Aber nach Cormac 323 s. v. Coire Brecaiu (YBL): ni'terna 
cidh sciula (nachher sceola) orcne as scheint es einen «ö- Stamm 
sceola{e) 'Zeuge, Berichterstatter' gegeben zu haben. 

III. 

In meiner Anzeige von K. Meyer, Aelteste irische Dichtung II 
(ZCP 10, 454) habe ich anzumerken vergessen, dafs das Gedicht 
(von Find mac Rossa Ruaid) 3Ioin oin, das der Herausgeber 
S. 10 für unediert hält, schon von Stokes gedruckt ist im 
Dindsenchas von Rawl. B. 506 (Folklore III, 472). Es findet sich 
auch in der andern Handschrift dieser Redaktion des Dindsenchas, 
in Edinburg Nr. XVI, und ist dort nach Mackinuon's Katalog 
(S. 135) glossiert. 

B. Zur irisclien Metrik. 

Im folgenden möchte ich zu einigen Aufstellungen K. Meyers 
ülier irisclie ]\Ietrik Stellung nehmen. Zunächst die Beseitigung 
eines Mifsverständnisses. Er sagt ZCP 10, 398, in der Zäsur 

•) Stokes hat diese Lesart — ich weils nicht weshalb — weggelassen. 
■i) = mä adruinne. ») ZCP 10,221. 



IRISCHES. 35 

der zweiten Langzeile genüge Konsonanz nicht, sondern das 
Wort müsse auch in der Quantität der Silben (besser wohl 'der 
Vokale") mit dem Reim wort der Langzeile übereinstimmen. Aber 
das gehört ja mit zur Konsonanz, wie ich Zu ir. Handschr., S. 90 
ausdrücklich anerkannt habe. Alle Beispiele, die er bringt, 
zeigen in der Tat Konsonanz in diesem Sinne, nicht blofse 
'quantitative Assonanz'. Es bleibt also zunächst dabei: bei 
Strofen mit reimenden Langzeilen mufs die Zäsur der zweiten 
Zeile entweder mit einem Wort im Innern der letzten Halbzeile 
voll reimen oder mit dem Schlulswort konsonieren oder mit der 
Zäsur der ersten Zeile reimen; i) Ausnahmen bilden wohl nur 
Verse mit dreisilbigen Wörtern vor der Zäsur, die ja in bezug 
auf den Reim überhaupt etwas freier behandelt werden. In 
diesem Punkt besteht also kein Widerspruch zwischen uns, wie 
Mej^er zu glauben scheint. 

Dagegen habe ich nicht, wie er ebenda sagt, zugegeben, 
dals in der Zäsur der ersten Langzeile quantitierende Assonanz 
herrschen muls, sondern nur, dals es eine Reihe von Gedichten 
gibt, die diese Regel beobachten.-) Ob das auf verschiedenen 
Dichterschulen beruht, oder ob es zeitliche Unterschiede sind, 
bleibt noch zu untersuchen. 

Mehr prinzipieller Art sind die Fragen, die Meyer Eriu 
VII, 10 ff. anregt. Sie betreffen angebliche Lizenzen, die sich 
irische Dichter manchmal gestatten. Wenn von aus vielen Ge- 
dichten bekannten metrischen Regeln sich in der Überlieferung 
gelegentlich Ausnahmen finden, so dürfen wir sie — das wird 
wohl allgemein zugegeben werden — nur dann als nicht fehler- 
haft, sondern auf besonderen Lizenzen beruhend anerkennen, 
wenn sie sich in einem längeren Gedicht mehrfach wiederholen 
oder wenn sie sich in solchen kürzeren Gedichten finden, die sehr 
gut, d. h. in mehreren voneinander unabhängigen Handschriften 
überliefert sind. Wenn wir anders verführen, wenn wir auf 
einzelne Unregelmäfsigkeiten mangelhaft überlieferter Gedichte 
bauen wollten, Avas würden wir da für sonderbare Lizenzen etwa 
im lateinischen Hexameter finden ! Wir würden z. B. ohne Zweifel 
eine Menge fünffüfsiger Verse und quantitative Freiheiten jeder 
Art entdecken. 



1) Mittelir. Verslehren, S. 136; Handbuch II 38. 
-) Zu ir. Hss., 2. Serie, S. 24. 



36 R. THURNEY8EN. 

Diesen Grundsatz jeder Philologie scheint mir Meyer na- 
mentlich im zweiten Artikel (S. 12) etwas vernachlässigt zu 
liaben. Er stellt dort 12 Beispiele zusammen, in denen im Debide- 
^letrum ein langer Vokal im Wortinnern mit einem kurzen reimen 
soll. Aus dem nur in einer Handschrift überlieferten Saltair na 
Rann mit seinen 3894 Reimpaaren hat Meyer drei, sage drei 
scheinbare Belege für diese Erscheinung, was schon an und für 
sich zur Vorsicht mahnt. Den einen (1627) mit dem Reim 
ro-ddct-.n-dei'c möchte ich allerdings nicht beanstanden. Dec 
war die dem Dichter geläufige Form, und wenn er sie, im Anschlufs 
an ältere Gedichte, zweisilbig gebrauchte, so konnte er sie wohl 
zu deec mit zwei Längen 'zerdehnen'. Anders steht es mit fnt 
gniiis n-gräddai : harhardai (5015). Selbst wenn wir uns über 
die quantitative Differenz hinwegsetzen, ist doch der Reim von 
unleniertem dd mit rdh unmöglich ; es liegt also sicher ein Fehler 
vor, etwa für n-gargdai So bleibt nur eines seiner Beispiele 
übrig (4889), der Reim von cäch mit dem formell unerklärten 
"Wort ciü'Hnad] es dürfte curtm-sndth zu lesen sein. 

Nähern wir uns, dadurch mifstrauisch gemacht, den andern 
Beispielen, so ergeben sich sofort eine ganze Reihe als höchst 
unsicher. In düih-.Ehraib (YBL 170 a 16) wird Ebräih zu lesen 
sein mit Kontraktion des stammbildenden Suffixes von Hebraeiis 
mit der Endung. i) YBL 178 a 40 wird regelmäfsig, wenn wir 
ni'chel (als Subjunktiv) : iVoesew lesen. Bei athair : derbrathair 
(Anecd. II 71, 4) dürfen wir unbedenklich eine gekürzte Form 
derbrathair neben derbrathair ansetzen, wie das von Meyer nach- 
gewiesene dermär neben dermär. Der Vers von Cinaed ua 
h-Artacäin scheint freilich gut bezeugt: 2) 

At-bäth Celtchair cona DaiP) fri Dan Lethglasse anair, 

wo Meyer (Death-Tales, S. 44) in Dail den Namen von Celtchair's 
Hund, sonst Daol-Chü, erkennen will. Allein dann müfsten wir 
sogar den Reim des echten Diftongs ai, öe mit ä anerkennen, 
wovor man doch zurückschrecken wird. Somit ist vielmehr die 
Lesart conid ail (Eg.) und die Übersetzung von Stokes 'so dai's 
es ein Schimpf ist' richtig. Über die Kürze des a in ail s. Meyer, 
Contrib. s. v. 2 ail (trotz äilges Metr. Dinds. III 504). 

') Vgl. deu Dat. Sg. ehrae Ml 2 d 11, Ö4a33. 

*) lu 3 Haudschiifteu Rev. Celt. 23, 308. 320. 325. 

») conidail Eg. 1782. 



IRISCHES. 37 

Metr. Dinds. III, 42 ist dwb : dar büadaib überhaupt nicht 
so überliefert; HSü steht darmbiiadaibh , in S dambuaibh, in Y 
diambruigib (no buaib). Vielleicht diar m-buaib 'für unsere Kühe' 
mit derselben Zerdelmung des einsilbigen buaib wie oben in dec. 
yodann Fel.^ 200, 3 ist durch eine naheliegende Umstellung leicht 
zu heilen: 
is foul ni do'beir gnüis m-bdin maic hui ChoncJiobair, Ultdin. 

Und Avenn nun auch 3 Beispiele bleiben, die nicht von vornherein 
verdächtig sind (Metr. Dinds. III 422, 13 zu lesen: fa cäem a rüs?), 
so wird doch niemand auf so dürftigem Material weiterbauen 
wollen, sondern man mufs, solange nicht sehr viel Schlagenderes 
vorliegt, unbedingt Fehler der Überlieferung annehmen. 

Meyers erster Teil (S. 10 f.) richtet sich teilweise gegen von 
mir vorgeschlagene Lesungen. Liadain and Cuirithir, S. 14, 20, 
geben die Handschriften: Ba mithig a topuir fil fiad a tig nech 
donised (oder domiisedh nech)] daraus hatte Meyer gemacht: 

Nech do'n-ised ba mithig, a thopuir ßle fiad tig, 
während ich (ZOP 4, 477) mit anderer Umstellung vorschlug: 
Ä thopuir fil fiad a tig! nech do'n-ised ba mithig. 

Ebenso habe ich in Brinna Ferchertne (ZOP III 44, 18) im Vers 

iar sain tucad ecomlond for Echdaig, ni fo chumlond 

in der Zäsur alliterierendes ec omlond gelesen, wodurch der Reim 
eines Wortes mit sich selbst vermieden und gleichzeitig der un- 
gewöhnliche Debide-Reim beseitigt wird (ZOP IX 203). Beides 
lehnt Meyer ab, weil auch sonst das erste Reimwort manchmal 
mehr Silben zähle als das zweite. Unter seinen Beweisen sind 
auch hier einige nicht sehr überzeugende. Als Beispiel einer 
solchen Debide-Strofe bringt er aus Cormac § 878 (Munnu) : 

Ä dielen De chumachtaig, a maicc Thidchdin, a bachlaich! 
ruc mac n-annsae dia muintir mdthair rot'huc, a Fintain. 

Aber hier hat auch die zweite Halbstrophe keinen Debide-Reim ; 
es scheint durchweg nur die unbetonte Schlufssilbe zu reimen, 
eine Versart, die aus der lateinischen Hymnendichtung bekannt 
ist, die aber später in Irland wohl nicht mehr angewandt wurde. 
Ganz unsicher ist ferner das Beispiel aus Tigernachs Annalen 
(Rev. Celt. 17, 174). Meyer läfst wie Stokes die Wörter Bcnnan 
a Bregha der Handschrift weg. Er meint die Strophe sei alt wegen 



38 K. THURNEYSEN, IRISCHES. 

des Keims Mtwiu : Äedo ; aber das ist überhaupt kein Reim und 
der Plural cidleda ja im Gegenteil sehr jung. Es scheint eine 
Strofe der zweisilbigen Eannaigecht durch Einfügung eines falschen 
Eigennamens verderbt zu sein. Der Vers LL 274 b 32 wird regel- 
mäfsig, wenn wir a mall chobair (im Reim mit fon-fodair) trennen : 
*o langsame Hilfe!', wie das in der Poesie nicht selten ist. 

Damit will ich nicht leugnen, dals wirklich solche abnorme 
Verse vorkommen; namentlich aus Imram Brain zitiert Meyer 
mehrere Beispiele, und ich möchte dem nicht entgegenhalten, 
dafs alle Handschriften dieses Textes aus einer Quelle, dem 
keineswegs fehlerfreien Cin Dromma Snechta stammen. i) Dazu 
sitzen sie doch zu fest. Aber Meyer macht selbst darauf auf- 
merksam, dafs dieses alte Gedicht einer Zeit angehören kann, 
wo die Debide-Regeln noch nicht voll ausgestaltet waren. Die 
Reimstellung atheces : less in Liadain a. C. (S. 16) ist dadurch ver- 
anlafst. dafs der Dichter als Schlufswort des Gedichts (S. 18) ind 
athccis brauchen will. Aber auch aulserdem gibt es einige Fälle, 
wo namentlich ein dreisilbiges Wort, da es einen starken Neben- 
ton auf der Endsilbe hat, mit einem einsilbigen reimt. Sie sind 
aber, so weit man bis jetzt sieht, in der ausgebildeten Dichtung 
so überaus selten, dafs man bei jeder Ausnahme von der gewöhn- 
lichen Reimstellung zunächst an einen Fehler denken mufs. Ich 
halte daher meine Lesung der zwei obigen Verse auch jetzt noch 
für durchaus gerechtfertigt, ohne mich darüber zu täuschen, dafs 
wir in solchen Fällen iiber einen gewissen Grad der Wahr- 
scheinlichkeit nicht hinauskommen. 



1) Meyer sagt ZCP 9,. 339. die Haudschrift H.4. 22 enthalte aufser den 
von mir erwähnten Stücken auch Imrain Brain. Aber eben dafs dieser Text 
mit einer bestimmten Grnppe anderer darin enthalten ist, hatte mir ja als 
Beweis gedient, dals er aus der Haudschrift von Druim Snechta stammt (Zu 
ir. Hss., S. 29). 

Bonn. R. Thurneysen. 



CNUCHA CNOC OS CIONN LIFE. 



The first line of tliis poeni is cited by Keating II 284 in- 
troducing- stanzas 22, 23, witli reference to the reign of Lugaidli 
Mac Con, It is found in tlie RIA transcript of tlie Book of 
Lismore (23 H 6) 199 a preceded hy tlie usual prose introduction 
in the Acallamh style. The poem alone, detached from its setting, 

23 

occurs also RIA ^^ p. 185, where it is attributed to Caoilte 

mac Ronäin. 

The first seven stanzas — those proper to Cnucha — occur 
in the Dindslienchas of that place Book of Lecan 525 a and Stowe 
Ms D 112 fo.Slb. The body of the poem (10—49) is a recital 
of the reigns of the kings of Ireland from Conn and Eoghan 
Taidlech to the three Collas. It breaks off with a digression on 
Finn's age and Caoilte gives a detailed account of the baptism 
of the Fianna and the new names they received. Caoilte then 
proceeds to Tara where he hopes to end his life. 

The spellings Cnucha and Cuncha fluctuate. The former 
finds more favour with the scribe of and is uniform in Lc 
and D. 



[Lis 198 b 2, 19] Brughaidh cecZach robui i crich Midhi. 
Brocan brughaidh a ainm. Tainic bas do. Robhui righ Midhi 
ac iaiYraidh tshet 7 mhaine ar tri macaibh Brogain .i. Eoghan 7 
Illann 7 Aonghus a nanmanna, Samhnach inghen Cholgain mic 
Aodha mic Fhiachna mic Ronain a mathair. Ocus tuc^atar [do] 
righ Midhi a crodh feindi 7 roboi in treas mac dibh in a laimh 
.i. Aonghus 7 romorad accu Dun Sa[ni]naighi. Secht nairghedha 
aicci 7 secht fichit bö cacha hairghe. Ocus rucsat na mic sin 



40 MAURA POWER, 

a mbiaihair o ligli Midhi 7 dochuadar fo dutliairibli dheiscfVt 
Breadh ar fodhail re tri bb«(7naib 7 baile cach noidhchi dar- 
gaiu (bnbli. 

Taiiiic bas Tuathail Mliaoilgairb foi sin 7 roghabast?V 
Dianiiat mac Cerbaill riglii nEirenn 7 taucatar na tri nonbhair 
sin robadar ar fodhail co Daire in tSheineoin 7 rogbnidh fiann- 
botb ann. 

Dochuadar oidhchi ar fodhail bhaile corroairgset itir mil 
7 diiine iat 7 ac impodh doibh dochuaidh Aonghus in mac ba 
so dfhodhail ar leith 7 tancadar in dias aile connuic in fliiann- 
bhoith 7 tainic Cailte asa fhiannbhoith fein amach 7 taiuic laini 
re fiannbhoith mac mBrocain. 'Both fhoghla so' ar se. Is ann 
atcuala in da mac ba sine ac tabairt achmiisain don mac ba so. 
'Ca dluidh duitsi' ar siat 'ar nimarcraidhne do denum'. 'Cora 
damsa' ar se 'inti risandhiallaimse' ar se '.i. re Cailte macRonain. 
Isse is beodha thainic a nEirinn 7 ni re miii?^dt?V hur mathar 
dialtaisi.' Tainic Cailte chucha tan comradh sin 7 roghabhsad 
a narma. 

'A fliiru' ar Cailte 'ni harracht na urchoit mhisi acht 
Cailte MacRonain' 7 roshuidh acco. 'Ce sibhsi a fhiru' ar 
se. 'Tri mic Brogain 7 Samnatan ingiue Colgain mic Aodha mic 
Fhiachna mhicRonain' 7 ro indsetar adhbur a fhodhla. Atbert 
Cailte 'ticidh lemsa 7 bithi ar mo comairle' 7 tue leis iat conic 
a fhiannbhoith fein. 

"IS glic amh' ar siat 'ata so'. Rothuillset a tri naonbhair 
isindara leith di 7 Cailte nama isin leith oile. Agus badar 
raithe mar sin. 

Adubairt Diarmuid mac Cerbaill righ Eirenn 'tabridh tri 
mic Brogain chucum'. Tucad 7 dorindedh a sigh 7 tucad a crich 
fein doibh. Tancatar ar cend Chailte iarsin 7 itbert Cailte na 
rachadh acht doraghadh co Dun Samhnaighi a shethar 7 tucsat 
leo e CO hEas Dubhthaiti. Badar ind oidchi sin ann. Tancatar 
CO Cuncha 7 tancatar lucht na criche 7 a naos ciuil 7 a righa 
7 a fhlaithi da nindsaidhe le hingantus in fhir mhoir leo. Ro- 
gabhsat ar inichoniharc 7 ar fhiarfaidhi scel de. 'Cidh ar a fhuil 
Cuncha ar in iiiadhso' 7 'in annso tucad cath Cuncha' 7 'caidhi 
ais Find intan tucad in cath sin' 7 'ca mhet righ tAvrngair Find 
ar VÄrijm' 7 'cia ro roind Ere re Conn'. 

'Leicidb suidlii dlianili' ar se 7 doroine in laidh: 



CNÜCHA CNÜC OS CIONN LIFE. 41 

1 Cuncha' cnoc os cind- Life roboi uair ba hairithe^ 

ba dun aigedh robhui tan an uair büi ac Tuathal Teaclitmliar. 

2 Tuathal ar tus rotliocaibli ba dun rigli ba righobair 

ni bhui ach Temhuir tech bad fherr bad annsa le righ Erenn. 

3 Feidhlimid rosgabh iarsin mac Tuathail mic Fheradhaigh. 
Cond niac Feidlimid flaith Fail robhui isin tulach tonnbhain. 

4 Fert in Druagh a ainm reime co^ cencl^ reimes lughaine 
CO 6 reimes Chuind i cnuc Brain co tainic ingen Chonnaidh. 

5 Muime Chuiud nocliaradh raind ba hi Cuncha chendalaind 
robhoi sa dun fo rathaib' re reimes^ Chuind cedcdiÜiaigh. 

6 Cuncha inghen Chonaidh Chais a hiath Luimnigh lethan- 

[ghlais 
dochuaidh ecc thall" ina thigh dobo grain^*^ le GseidealmT/A. 

7 Adhuacht in ben ger bo bron isin Chnuc na chertmhedhon 
conadh Cuncha osin amach a hainm coti in brath breathach^^ 
[As e sin a lucht nad gand arus fir osin anall 

senchas na tulchasa ana re nabar co cert Cnucha'-. Cnucha 

Finit. amen. Finit.] 

8 Ann doratad in gleo garbh bhail a fhuilit in da carnn 
ann rocomhraicset na sloigh dar ghaoth Cumall mac Tren- 

[mhoir. 

9 Tri trath re cur in chatha coimpert mic ind ardfhlatha 
dorala Find fichtibh gal do Muirn a sidh na hAlmhan. 

10 Sealat bec a haithle ind air robo tshighaidh flatha Fail 
roiudset Eirinn leth ar leth Conn 7 Eoghun Taighlech. 

11 Leth Modha ac Modh Nuaghad Nar Leth Cuind ac Conn 

[co iomlän 
re nse mbliadnaib sigh gan mheirg co dith Labradha Laimh- 

[dheircc. 

12 Labraidh Laimderg laoch nac gann mac sidhi athaigh Eirenn 
torchair le Maol mac Mongaidh^-^ fescur'-' i cath Dubh- 

[comair. 

13 Tinoilset Leth Modha amach le hEoghan taobhghlan Tao- 

[dhlach 
Ocus Find le Conn gan cheilg tri dith Labradha Laimdheirg. 



1 Cnucha D Lc 2 linn D 3 rob airiche D Stanzas 2, 3 D 
Lc om 4 re D Lc 5 .c. MSS 6 do 7 bha c&thach Lis. Text 
as in D 8 co haimsir D 9 docliuaidh ann do thamh D 10 roba gad 
D Lc IIa comainm co brath mbrethach D 12 D Lc coaichule with tliis 
stanza; Lis. om 13 Monga 14 i fescur 



42 MAURA POWER. 

14 Comliiaicset a Maigh Lena co na catliaibli coimthrena 
Modh Xuadhat dorochair de le tri macaibh Feidlilime. 

15 Leth Cuind is Leth Modlia moir tathaighis Conn a cliedoir 
re fichit bliadhan gan brath cor marb Tipraite Tireach. 

U) Tipraiti Tirecli ba tend leis dorochair Conn caoimsheng 
dorochair le righ Uladh ri Temhrach na trenchumlial. 

17 Tipraiti is Conaire caom secht mbliadna a cosnum mar aon 
cor'-' brisedh"' cath ann rob ail arrigh Uladh gerbhethaighJ" 

18 larsin ba ri i Temhraigh truim mac Modha Lamha laoch luind. 
• re hocht mbliadnaib gan mheabhail righi Conaire cnedhaigh. 

19 Ke lind Conaire bu dhes a crich Muman na morles 

ro^* raarb Neiraedh co na neim ar faithche Arda Neimhidh. 

20 Ceitri bliadhna dArt Aoinfer a cosnum iudsi Gaoidheal 
ni raibhe bliadhain cen chath coro ghiallad tuir Themhrach. 

21 Deich mbliadhna fichet arsin saimrighi Airt i Temhra«</7i 
cor dhichenn Lughaidh in ri sa chath ar ]\raigh Mucrainihi. 

22 Re seacht laithibh lith nach gann doghabh Lughaidh iath 

[nErenn 
tainic da righi nertmliar täth Erenn re haonshechtmhuin. 

23 Tricha bliadhain gan mhiue bui Mac Con i nairdrighe 
noco torchair Cormac cas gan len ar a aireachus. 

24 Liiidh bu dhes do thath Muman Lugaidh ger bo morphudar 
romarbh Ferchis fichtibh tor i carnn Ferchis daonurchor. 

25 Gabhsat iarsin sluaigh Temhrach um Cormac na gcaomh- 

[theghlach 
cor righadh i Temraigh tair Mac Airt mic Cuind cedchathaidh. 

26 Rüghabsat sluaigh Laighen Lir ma Meidhb Lethderg do 

[Laighnibh 
um secht macaib Echac/i fhind dar dhual airdrighi ar 

[Eirinn. 

27 Cath ar lethaibh Themhrach thair robrisedh ann le Laighnibh 
cor •'■' cuiredh Cormac lii Cuind o Themhraigh co Caladh Truim. 

28 Claidhset Laighin ar in leirg Raith Medhbha do Meidbh 

[Lethdeirg 
is Raith Mheadbha osin amacli a hainm do lethtaibh Themhrach. 

29 Cuig mhi tri raithi-" co rath boi in bhen a righi Temhrach 
nocor eirigli Crimhthan cas mac do Chathair chlaidem ghlas.'^' 

15 o>u IG brisidli MSS 17 con\c!(cl to gejl)lieaitaig- 18 fo 
Mos 19 10 20 is tri raithi Lis. is dcleted 21 leg nglas (?) 



CNÜCHA ONOC OS CIONN LIKE. 43 

30 Doratsat Laighin na laiin riglii do mac righ Eirenn 
nocor fhaidli ]\redbli lesin mac nir bo righ Eirenn Cormac. 

31 Secht mbliadlina ar marbadli mic Con bai Cormac ac im- 

[cosnomli 
nocor thathaigli ceanii i cenn na cuic cuicidli na liEirenn. 

32 Tri riglii Cormaic na catli ba ri Ferghus Duibhdhedacli 

i Temhvaifjh tliair nir clioblisaig co catli Crinna rochosain.-- 

33 Na tri Fergliusa linda romarbhsat i catli Crinda 

le Lugliaidli le Tadhg mac Cein le Cormac cusan moircheill.^s 

34 Da fhicit bliadliain co rabuaidh airdriglii Cormaic^* chloi- 

[dhimli chruaidh 
CO fuair bas ba liingnad linn a Raith Spelain os Bhoaind. 

35 A Tailltin tainic flaitli Fail co faitche Ratba Spelain 
ruc Spelan na raith co rath ardrigh toghaidhi Temrach. 

36 Bratan isin Bhoaind roghabh iascaire thighi in Broghadh 
badar cach oc caithem treall re toighecht dAirdrigh-^ Eirenn. 

37 Tiicad a fliiadhnaise in righ in bhairgen gerbo mighnimh 
conadh de sin ata a lecht Cormac Ua Cuind na caemreacht. 

38 Badar ar faithche in bhaile sluaigh imdha ga urnaidhe 
tucsat a ngaire in sluagh serbli im cluichi na dha ceithern. 

39 Mar doratsatar in ghair atchuala in righ ba rograin 
bidgadÄ a Siicnidh cen tlas sluiges in mir tri uathbas. 

40 Lenaidh in cnaimli co tniime na ucht is na urbruinde 
CO fuair bas isin tigh thall airdrigh oireghda Eirenn. 

41 Ba truagh robhoi Eire iarsin cen ri cen triath a TemhYuigh 
re ceitri hliadnaihh. ba buan cor eiridli Eochaidh armruadh. 

42 Eochaidh Gunnat rogialladh co cenn ceitri certbliadhan 
aonbliadhain a riglii thend co torchair a cath Cuillend. 

43 Cuic hliadtia robhoi Cairpri a cosnum Eirenn airde 
ocus a VI. dlieg iarsin righi Cairpri Lifechair. 

44 Cairpri Lifechair nir lac gor gabli risin Fhein format 
torchair a Cath Gabhra ghlain do laimh aitheasaigh Oscair. 

45 Cuic bl?«fZ«a do Fothadaibh^'* millset Eir hin re hathaigh 
rob e a cosnamh gan mhine aonbliadhain a nairdrighe. 

46 Dorinde Fothadh-' Airgtec[h] finghal ar Fotadh Cairptec[h] 
Fothadh Airgtheach fuair iarsin bas lesin Fheiiid fortama<7. 

47 Ceitri \Aiadkna a cosnum cruaidh Fiacha Sraibhtine co mbuaidh 
ar Eocho Doimhlen dal fher cath cacha bliadhna do cuireadh. 



22 coromiaig 23 do Chormac ba guiomh iiairtbheil 2-4 line 
breaka off Lis. 25 (l(o) otn 2G do na fathaibh MSS 27 in fathadb MSS 



44 MAIKA POWER, 

48 Nae mhliadJüia. tricliat rothecht Eire 7 Alba a naonfhecht 
CO torchair la Colla cain a cath Duine Dublichomuir. 

49 Cath Dubhchomair fa calma do bris Colla Uais amra 
dorinde gnim talchair tenn dicheannad airdrigli FArctin. 

50 Eogeinir Find anii iarsin a tus righi Chuind crichaidh 
marb a naonmhis nir bho tric ocus Fiacha in fer firghlic. 

51 Ceitri laithe dec fa dlio is fir is ni himarglio 

bhas Find rofoirgeadh gail co cath Duine Dubhchomair. 

52 Ge thuit Find na leim baoise rob uathadh a chomhaoisi 
Eocha file in fer fesa is Mogh Euith mac Seinfhesa. 

53 Eocha file in fer a tuaidh Mogli Euith as an Mumhain muaidh 
marb do chrine ceachtar dhe Mog Euith is Eocha file. 

54 Aen fhithchidh deg hliadhan bind ar deich mbliadhnaib 

[saogal Find 
a mhaca Brogain don mliaigh ata leamsa do mheabhair. 

55 Fer for a deich dhuind da neis ni ro leic Issa ar a mheis^s 
sinde fa creidem cen chol do Phatric ina naomthor. 

56 Fer for a deich dhuind da neis ni leic Isu for aineis 
claochlodh auma na raisgedh cach aoinfhir ria na baisteadh. 

57 Camin ar Cheallach do chein is Senchan for Oisein 
Seighin aco ar Cholman cain ocus Manchan for Lughaidh. 

58 Aedh bec fa Berach a ainm Maoltuile Siaghail senchairnd 
Cronan ar Fhlann fherrdha an ocus Eonan ar Aodhan. 

59 Caoncomrac ba caom in fer Momhaedog ar na baistedh 
Mac Coinde ar Chailte roän ocus Finan ar Fhindchadh. 

60 ISe so ba slicht amhra reimes na righ rochalma 

a macu Brogain don mhaigh ata lemsa do mheabhair. 

61 Is edh sin riamh rocharus imut Fiann imut amhus 
caraim aniu do dheoin De cethra canoin aithrighe. 

62 Tri hMadJma damhsa dorn dheoin fa chleith a nDoire in 

[tSheineoin 
nimcelat a Temraigh truim sluaig Diarmada Mic Cerbhuill. 

63 Doghebhsa bas do dheoin De i Temraigh ticfa mo re 
biaidh mo lecht co laithi in luain re taobh Themhrach 

[aniartuaidh. 

64 Eoghan Ulan Aonghus an gabar leo co luath mo lam 
facthar linn in fertsa ana risa nabar fert Cuncha. 

Cuncha. 

28 ar a ueis Lis. 



CNUCHA CNOC OS CIONN LIFE. 45 

Trauslation. 

A liüspitaller of a liiindied lived in the land of Midhe; 
Brocan the liospitaller was liis name. He died. The king of 
Midhi was seeking treasure and wealth of Biogan's three sons: 
— Eoghan, Illann, and Aonghus were their names. Tlieir mother 
was Samhnach daughter of Colgan, son of Aodh, son of Fiachua, 
son of Ronan. And they gave up their property to the king of 
Midhi and the third son, i. e. Aonghus, remained in his hands 
and they extolled Dun Samhnaighi. It possessed seven cowyards 
and each cowyard contained seven score cows. These sons carried 
off their brother from the king of Midhi and went into the rough 
placesi) (?) of the lauds of Breagh, plundering for three years. 
And they plundered a stead each night. 

Then Tuathal Maolgharbh died and Diarmaid mac Cerbhaill 
assumed tlie sovereignty of Ireland and these three parties of 
nine, who had been engaged on plunder, came to Daire in 
tSheineoin and set up a hunting booth there. One night tliey 
went to plunder a stead and despoiled both man and beast. On 
their return, Aonghus, the youngest son, went on a separate foray 
and the other two came to the hunting booth. Cailte came out 
of his booth and approached that of the sons of Brogan. 'This 
is a bootü of plunder' said he. Then he heard the two eider 
sons abusing the youngest. 'What is the cause' said they 'of 
you exceeding us (in plunder)'. 'He whom I resemble (?) i. e. 
Cailte mac Eonain is more just to me' said he. 'He is the 
most vigorous (man) in Ireland and you do not take after your 
mother's people.' 

Cailte approached them at these words and they seized 
their arms. 

'Men' said Cailte 'no monster, no hurtful thing am I but 
Cailte Mac Ronain'. And he abode with them. 'Who are ye, 
men' said he. 'The three sons of Brogan and Samnatan, daughter 
of Colgan, son of Aodh, son of Fiachna, son of Ronan', and they 
related the cause of their plundering. Said Cailte 'come with 
me and take my advice' and he bronght them with him to his 



*) duthar adj. grim, stern, rough. Highland Society's Dictionary. — giim, 
Stern, nnpleasant, rough. O'R. — Hogan (OG) makes a place-name 'Duthairi: 
go (Ms fo) duthairibh deiscirt Breg Lis 198 b; in S. Bregia; cf. Dooary tl. nr. 
Abbeyleix.' 



46 MAURA POWER. 

üwn hiintin«? bootli. 'liigenious indeed is this' said tliey. Thrice 
uiiie of tlieiu Htted in one half of it and Cailte alone in tlie 
otlier half. They remained thus a quarter of a year. 

Diarmaid mac Cerbhaill, king of Ireland, said 'bring the 
three sons of Brogan to me'. They vvere brought and peace 
was made and their land restored to them. 

They came for Cailte after that but he said he would not 
go [with them] but he would go to Dun Samhnaighi where 
hisi) sister lived and they accompanied him to Eas Dubhthaiti 
wehere they spent that night. They proceeded to Cuncha and 
the inhabitants of the district w'ith their musicians, their princes 
and their Chiefs came to meet them, so greatly did they wonder 
at the huge man. They began interrogating and asking In- 
formation of him — 'why is this place called Cuncha', 'is it 
here the battle of Cuncha was fouglit', 'what was Finn's age 
when that battle was fought', 'how many kings did Finn 
prophecy [would reign] over Eire' and 'who divided Eire 
witli Conn'. 

'Let me sit down' said he, and he made the poem: 

1. Cuncha a hill overhanging the Life, once it was a high seat; 
a guest liouse was it once when Tuathal Teachtmhar 
possessed it. 

2. Tuathal built it at the Start — an abode for kings, a 
princely work — save Temhair alone there was no dwelling 
dearer to the king of Ere. 

3. Feidhlimidh took possession of it after that, the son of 
Tuathal the son of Feradhach; Conn son of Feidlimidh, a 
prince of Fäl, succeded to the mound washed by "vvhite 
waves. 

4. Fert an Druagh was its former name, until the end (?) of 
the reign of lughaine; until the reign of Conn in Cnoc Brain, 
until the daughter of Connadh came. 

5. The fostermother of Conn (who loved a song) was Cuncha 
of the comely head; she dwelt in the dun in liappiness (?) 
in the reign of Conn of a hundred fights. 

G. Cuncha, daughter of curly haired Conadh, from the broad 
green land of Luimnech died yonder in its abode to the 
horror of the Gaels. 

') ley tlieir; a shetbar MS. 



CNÜCHA CNOC OS CIONN LIFE. 47 

7. The womaii — twas sad iiideed — was buried in tlie veiy 
centre of tlie hill so that thenceforward Cuiiclia is its luinie 
until the Judgement Doom. 

[Those are its inhabitants — not few; the abode of man 
has it been from that to this; that is the history of the 
mound which is properly named Cnucha. Finit. amen. 

Finit. — ] 

8. There was fought the fierce fight, on the spot where the 
two cairns stand; there the hosts coutended by whom Cumhall 
son of Trenmhor was slain. 

9. Three days before the battle the birth of the son of the 
high prince took place; Find — of the scores of exploits — 
was born to Muirn in the elf mound of Almhu. 

10. For a short while after the slaughter the princes of Fäl 
were at peace; Conn and Eoghan Taighleach divided Eire 
sliare on share alike. 

11. Modh Xuaghat the modest took Leth Modha, Conn had the 
whole of Leth Cuinn; for nine years there was peace without 
reproach until the death of Labhraidh Lamhdherg. 

12. Labhraidh Lamhderg — a generous hero — he was the 
son of the giant of Eire; he feil by the hand of Maol mac 
Mongaidh at eve in the battle of Dubhcomair. 

13. The men of Leth Modha were called out by the comely 
Eoghan Taidhlech — and Finn by Conn without deceit on 
account of the loss of Labhraidh Lamhderg. 

14. They fought on Magh Leana with their well-matched streng 
battalions; as a result Modh Nuadhat feil along with the 
three sons of Fedhlim. 

15. Leth Cuinn and Leth Modha the mighty did Conn straight- 
way consolidate; for twenty years [he reigned] without 
treachery until Tipraite Tireach killed him. 

IG. Tipraiti Tii^each the strong, by him feil Conn the comely, 
the stately; by the king of Ulster feil the prince of Temhair 
of the strong "cumhals" [i. e. Conn]. 

17. Tipraite and gentle Conaire for seven years held sway 
together until the short lived king of Ulster was defeated 
in battle — 'twas shameful. 

18. After that the son of Mogh Lamha was king in strong (?) 
Temhair — a fierce warrior; for eight unfailing years lasted 
the kingship of Conaire, the wouud giver. 



48 MAL'RA l'OWER, 

!•.•. Tu the leigii of Coiiaire, in the soutlu in tlie land of Mumha 
vi the great dwellings, Neimliidh with liis venoni killed liim 
[i. e. C] on the field of Aid Neimhidh. 

20. For four j'ears did Art Aoinfhear hold swa}' in the island 
of the Gaels; tliere was no 3'ear without a battle until the 
princes of Temhair gave hostages. 

21. For tliirt}- years subseqiientlj' lasted the mild sway of Art 
in Temhair until Lughaidh [Mac Con] beheaded the king in 
the battle at Magh Mucraimhe. 

22. In the space of seven days — no small joy (?) — Lughaidh 
became ruler of the land of Eire; from his strong sovereignt}'' 
resulted the unity of Eire in one week. 

23. Thirty years without weakness Mac Con held the higli- 
kingship — until Cormac Gas feil — with his sovereignty 
unimpaired. 

24. Lughaidh proceeded southward to consolidate Munster — 
great his loss — ; Feircheas, of many fights (?')) killed him 
at Carn Ferchis with one cast. 

25. Then the hosts of Temhair assembled around Cormac of the 
beauteous households and in Temhair in the east the son 
of Art, son of Conn the hundred battled was crowned king. 

26. The hosts of sea-washed Laighen assembled under Meadhbh 
Lethderg of the Laigniu, under the seven sons of Eoehaidh 
Fionn whose heritage was the high-kingship of Eire. 

27. A battle on the slopes of Temhair in the east was won by 
the men of Leinster and Cormac, grandson of Conn, was 
banished from Temhair to Caladh Truim. 

28. The Leinstermen built Raith Meadhbha on the slope for 
Meadhbh Lethderg and thenceforth Raith Meadhbha was 
the name for one side of Temhair, 

29. For fourteen happy months the woman held the sovereignty 
of Temhair, until Crimhthan Cas rose up, son of Cathair of 
the gleaming swords. 

30. The Leinstermen of the spears made over the sovereignty 
to the son of the king of Eire; not until Meadhbh was 
united to the son [of the king of Ireland i. e. of Catliaoir 
MurJ did Cormac become king of Eire, 

') tor, 1. gach trom Cormac 161; 2. .i. imat O'Dav; 3. lord, noble, OR; 
4. .i. ecla Cormac IG'J. Is fichtib d. pl. of a noun from fichim, I figbt (W.)? cf. 
fichtibh gloml Ir. Texte I 158. [lichtibb tor 'witb scores of multitudes". Tb.] 



CNÜCHA CNOC OS CIONN LIFE. 49 

31. For seveu years after tlie slaying of Mac Con did Cormac 
exert himself to weld together the five pröviuces of Eire. 

32. In tlie Interim of tlie reign of Cormac of the battles Fergus 
Blackteetli was king; in Temhair of the east he was not 
permanent and he fought the battle of Crionna. 

33. The three white -haired Ferguses were killed in the battle 
of Crionna by Lugliaid [Lamha], by Tadhg Mac Cein and by 
Cormac the Wise. 

34. For forty victorious years the highkingship rested with 
Cormac of the hard sword until he died — unexpectedly — - 
at Raith Spelain above the Boyne. 

35. From Taillte came the prince of Fäil to the sward of Raith 
Spelain; Spehln happily brought into his räith the chosen 
High King of Temhair. 

36. A fisherman of the House of the Brogh caught a salmon in 
the Boyne; all were whiling away the time awaiting the 
Coming of the High King of Eire. 

37. The food (?) was brought into the king's presence — an 
evil deed — ; from that resulted the death of Cormac, 
grandson of Conn of the just laws. 

38. On the lawn of the stead numerous hosts awaited him; 
the angry crowd uttered a shout at the game of the two 
kerns. 

39. The king heard the shout as they uttered it — a hateful 
circumstance — ; his active mind was excited. he swallowed 
the piece [of salmon] wi^h fright. 

40. The bone sticks firmly in his gullet and in his breast and 
the illustrious king of Eire died in that house. 

41. Pitiful the plight of Eire then with no king, no chief in 
Temhair; that continued for four years until Eochaid Armruadh 
came forward. 

42. Eochaidh Gunnat received hostages for four füll years; his 
firm sovereignty lasted one year and he feil in the battle 
of Cuillend. 

43. For five years Cairpri had been contending for noble Eire 
and for sixteen years subsequently lasted the reign of Cairpre 
Lifeachair. 

44. Cairpre Lifeachair — not powerless was he until he became 
envious of the Fianna; he feil in the battle of beauteous 
Gabhra by the triumphant band of Oscar. 

ZoitschrUl f. . c'.l. rii.I./.ogii- Xi i 



50 MAURA POWER. 

4Ö. Five years tlie Fothads were in power; they ruiiied Eire 
für a spell; rigoious was tlieir rille — for one year they 
lield the highkingsliip. 

46. Fotliadh Airgthecli wroiight parricide on Fotliadli Cairpthecli; 
Fothadli Airgthecli siibsequently feil by the overpoweriiig 
Fianna. 

47. For foiir years Fiacha Sraibhtine contended fiercely and 
victoriously [for the sovereigntj']; he defeated Eochaidh 
Doimhlen — 'twas a meeting of men — in battle every 
year. 

48. For tliirty nine j^ears he possessed Eire and Alba together, 
nntil he feil by the band of Colla the Fair in the battle of 
Dun Dubhchomair. 

49. In the battle of Dubhchomair — 'twas bravely fought — 
noble Colla Uais was victorius; he performed an over- 
powering (?) violent act in the beheading of the High King 
of Eire. 

50. Finn had been born in the beginning of the reign of Conn 
of the territories, he died in the same month — an unusual 
coincidence — as Fiacha the truly astute. 

51. Twice fourteen days — 'tis true and no exaggeration — 
[elapsedj between the death of Finn, who shewed valour (?), 
and the battle of Dun Dubhchomair. 

52. Though Finn feil by his false leap few lived as long as him; 
Eochaidh, poet and seer, and Moghruith Mac Seinfhesa. 

53. The poet Eochaidh, the Northern; Moghruith from mighty 
Mumha; both of them died of old age — Moghruith and 
Eochaidh the poet. 

54. Eleven score resounding years and ten was the life of Finn; 
ye sons of Brogan from the piain, I know it by heart. 

55. We have eleven men after them, Jesus forbade them his 
table; we submit (?) our faith reproachless to Patrick in 
whom it is sanctified. 

56 

57. Ceallach from afar [was renamed] Caimin and Oisin [ex- 
changed his name] for Senchan; they named gentle Colman 
Seighin and Liighaid becanie ^lanchän. 

58. Little Aodh became Berach, and Siaghail of the ancient 
cairn ]\raültuile; manly valiant Flann got the name of Cronän 
and Aodhan became Konän. 



CNUCHA CNOC OS CIONN LIFE, 51 

59. Caoncomrach — a comely warrior he — was Momhaedhog 

after baptism; biilliant Cailte received tlie name of Mac 

Coinde and Findcliadh became Finan. 
GO. This — a noble piece — is the account of tlie reigns of 

tlie veiy valiant kings, ye sons of Brogan from the piain, 

I know it by heart. 

61. That was ever my delight — multitudes of the Fiauna, 
hosts of retainers; to-day I cherish, by the will of God, the 
four Canons of Penitence. 

62, Three years have I spent of my own accord in retirement 
in Doire an tSeineoin; in heavy sodded (?) Temhair the 
hosts of Diarmuid Mac Cerbhaill conceal me not. 

63. I shall die — by the will of God — , in Temhair my daj^s 
will end; my tomb shall be until the Judgment Day on the 
north west side of Temhair. 

64, Eoghan, Ulan, noble Aonghus — let them take my band 
betimes; let us leave this mound here which is called Fert 
Cuncha. Cuncha, Finis. 



Notes. 

Refereuces: — Acallamh, Stokes Edition Irische Texte IV 1. 
BML, Battle of Magh Leana, O'Curry. 

K, Irish Text Societj''s editioii of Keating's Forus Feasa ar Eiriuu. 
OG, Ouomasticon Goedelicum. Hogan. 
ETB, Esnadha Tighe Buchet. 

Prose. Dun Samhnaighi, anglicised Dunsany in Meath. 

Daire in tSeineoin, "NE (?) of Ath Ciud Münadh in Meath". OG, 
Eas Duhhthaiti. "E. of Dun Samhnaighi" OG. 
Cuncha. Castlekuock, Co. Dublin. 
Verse. 

8. "With this the history of Cuncha ends; what follows is a poem on 
the kings of Irelaud. 
11, 12. Labhraidh Lamhderg: cf. Acallamh 1. 2517, 

Gabsat a Mumain, raiad ceajg Liath Luachra is Labraid Lamderg 
deich mbliadna doib lith nach gann do macaib aithig Arann, 
Also Oss. Society, Transactions I p. 35. 

lar ndith Moirne mör an fal ba righ an tathach a hEirioud; 
ba bliadhain do gan bhaoghal go ndeachaidh dec is ni faebhar. 

Gabhsat an Mumhain re mead gcolg Liath Luachra is Lughaidh 

[Lamhdhearg 



52 MAURA POWER. 

Ilere Lughaid has been substituted for tlie less familiär Labraidh 

Lanideig. 

The narae of the "athach", father of Labraid L. is not raeutioned 
in any of the three poems. 

DS. of Dün nGabail, Rev. Celt. XV, p. 323. . . . fer ele didiu coa 
cuingid Fuiter mac Forduib a ainra co tainic sein aniar 7 Labraid 
Laimderg leis . . . 

Metrical DS. Gwyun p. 80: Fuither mac Forduib co feirg 

maic maic Labrada Lamdeirg. 

Noue of these references connect him Avitb the P^attle of Magh 
Leana and Labhraidh Lamhderg is not meutioned in the tale of 
that name. 

I have not been able to trace Maol mac Mongaidh. 

The Battle of Dubhchomair was fought much later (322 A. D. FM.) 
Fiachaid Snübhtiue slain there by the Three CoUas cf. 48, 49, 51 
our poem. Were there two battles of Dubhchomair':' 
U. -'le tri macaibh Feidhlime" i.e. Coun, Eochaidh Fioun and Fiacha 

Suighdhe. 
16. Conn was killed at Druim Tuirleime (nr. Ros na Righ) BML. 98. 
But K. II, 260 . . thuit le T. T. i bhfeall i dtuaith Teamhrach 7 e 
uaigneach ann; and Gilla Coemäin's poem (Tripartite Life II, 534) 
'co bas Cuind Cetcathaig cain issin tulaig i Tuadamair' (with variant 
Tuaitharauais, and Tuathamrois FM 137 A. D.). Tuadamair etc. not 
identified OG. 

18. Conaire mac Moga Lämha 158—165 FM. 

19. Ard Neimhidh, Island of Barrymore, Cork Harbour. Neimedh, son 
of Sraibhgheann K. II, 268, 2J6. He was afterwards killed by Cairbre, 
son of Conaire Mac Moga *Lämha at the Battle of Cend Abrät. 
Tigernach, Rev. Celt. XVII, p. 10. 

22, 23. Quoted by K. 11, p. 284. MS. used by K. had (23) an cur cas for 
Cormac Cas. Cormac Cas (kiug of Munster) was Lughaid Mac Con"s 
Stepbrother K. II, 270. Only two of Oüill Olum's nine sons survived 
the Battle of Magh Mucraimhe and Cormac Cas was one of them. 
They fought on Art's side against Mac Con. Cormac Cas died of 
wounds received in the Battle of Samna, thirteeu years afterwards. 
Acall. p. 33. 
24. Feircheas mac Comain Eigeas; he slew Lughaidh at the instigation 
of Cormac mac Airt K. II, 286. 

Lebhar Gabhäla, quoted by Petrie, Antiquities of Tara Hill 220: — 
conad iarom ro hionnarbadh [Lughaidh] a Teamraigh la Corbmac 
cona socraitti co dtorcair le draoidh Oililla Oluim i nArd Feirchis 

isin Mumhaiu Also Silva Gadelica I, 318; II, 359. 

26. Medhbh Lethderg, d. of Conän Cualann; w. of Art Aoinfher K. II, 
268, 298. 

O'Curry; MSS. Materials p. 480 publishes a poem from LL 24 b 
(new pagination 44 b) attributed to her. Here she appears as the 
wife of Cuchorb, s. of Mogh Corb, who was slain by Feidhlimidh 
Reathtmhar, Avith whom Medhbh eloped. This would place her 



CNÜCHA CNOC OS CIONN LIFE. 53 

earlier than in onr poem where she is contemporaiy with Cormac 
Mac Airt. But K. II, 306 mentious Cu Chorb, son of Mogh Corb as 
contemporary with Eochaidh Fimi. The poem published by O'Curry 
has a Short prose introductiou (LL380b) which begins: — Robudh 
mor tra nert 7 cumhachta Meidhbhe isin for firu Erenn, air isi na 

leiged ri a Temhair gan a beith fein aige na mnai This 

seems to agree with stanza 30, 1. 3. 

Eochaidh Fionn: brother of Conn Cedcathach. He slew the two 
brothers of Art Aoinfhear K. II, 268. His descendauts received the 
Ui Fotharta Laighean K. II, 306, 308. 

27. Rev. Celt. XXV, 24; ETB. is and din rob6i Cormac hua Cuind i 
Ceuannas riasiu rogabad rige [nErenu ar ni ro leic] Medb Lethderg 
hi Temraig iar necaib a athair [som] .i. i fail Airt roböi in Medb 
Lethderg do Laignib ocus arrobert side in rige iar necaib Airt 

Oaladh Trnim; "ur. Tara" OG. 
Teasbhaidh Cormaic hui Cuind fri re vii mis. Tigernach A. D. 2i8. 
FM. coutains uo reference to the banishmeut of Cormac nor to 
Medbh Leithderg. 

28. None of the Dindshenchas poems on Tara contain any reference to 
the digging of Raith Medhbha. It lies about 1 mile S. E. of Tara. 
Petrie p. 230. 

29. Crimhthan cetguinech, son of Cathaoir Mor. 

30. see note ou 26. 

32. Ferghus Dubhdeatach reigned one year. K. II, 288, 300. 

33. Na tri Ferghusa — F. Dubhdeatach, F. Caisfhiaclach , and F. Fuilt- 
leabhair. See K's description of Battle of Crinna II, 288—292. 

Lughaidh i. e. L. Läraha. 

34. Read: airdri Cormac or righo. Cormaic? Th. 

Raith Spek'iin. Acall. 2735, deich mbliadna flehet rochaithset do 
fhlaithius Chormaic hui Chuind uo co fuair bäs ic Raith Spelain a 
mBregaib. 

ib. 4755. Raith Spelain 7 Raith in Mail .... cia ro boi intib? 
Da briugaid do rig Eirenn ar Cailte .i. do Chormac Ua Chuind. 

Is intib do bidis ac Beccän böaire 7 ac Spelan 

mac Dubain ac in da briugaid sin. 
38. Mone of the accounts of C's death mentiou these details. 
42. Eochaidh Gunuat: — 

Cath Finn Trägha p. 72, ardrig uasal Cormac mac Airt 

bui siom iarom XL bliadna i rige nErenn cenmota na da bliadain 
rogabsat Ulaid .i. Fergus Dubdetach 7 Eochaid Gunnat bliadain ele 
air; ro aithrigadsom fa do Ulltaib. 

According to our poem and FM. Eochaidh Gunnat succeeded 
Cormac. In Tigheruach Cairbre Lifeachair succeeds Cormac directly 
and there is no mention of Eochaidh Gunnat. 

BB 260 b 44 as iad so ua riga ba im chostadh ua fleidhi .i. Fergus 
Dubhdetach 7 Eochaid Gunnat da righ Ulad. This approximates to 
CFT quotation above. 

Sean 6 Dubhagain's poem Bk. I Maine beginning 140 a: — 



1 MAURA POWER, 

Mac Fiacaig Find airdrig Eirenu mac Cormaic Airt Aenfir 

uaib Eochaidh Gunnada mac Feig Feargna mac Feargusa fearrdha. 

Cairbre Lifeachair 

There is disagreement also about the death of E. G. : 

He feil by the Lnghua Feirtre K. II, 352. 

He died by the haud of Lughaidh Meann FM. 267. 

In tlie Dindshenchas of Mag Fiiidabrach he is killed by Lughaidh 
Lägde, evidently in the battle of Crinua. 

Cath Cuillend: It e neio na fiannasa lichset cath Cuillend 7 cath 
Cliach 7 cath Oomair tri nuisci CZ. I, 472 (YBL 375 a). 

In the prose Diudshenchas of Loch nOirbseu mentiou is made of 
a Cath Cuillend between Uillenn Faeburderg and Mananuau mac Lir 
in which the latter feil. This same engagement occurs in the poem 
LL 11 a on the deaths of Tuatha De Dananu personages, ascribed to 
Flann Mainistrech. 

A Cuillen gCuanach in Tiobrad Arann occurs Acallamh 5727 . . . 
ocus is auuseo douith in flaith Find tri catha don Fhein cacha bliadna 
7 is annseo doberthea 7 do toglitha curaid re gaisced a uinad cacha 

marbtha dFhiaunaib Eireun These references however throw 

uo light ou E. G's death. 

43. C. L. reigned twenty-seven years. K. II, 354; FM 268 — 284. 

44. Cairbre falls by Oscar in all the Fenian tales and poems (Battle of 
Gabra etc.). but FM 284 'docher i ccath Gabhra Aichle do laimh 
Seimeoin mic Cirb do Fothortaibh.' 

45. See Cöir Anniann 220; K. II, 356. Also Duanaire Finn, p. XLI. 

47. In Tigernach Fiacha Sraibtine succeeds Cairbre Lifeachair. Eochaidb 
Doimhlen and Fiacha Sraibhtine Avere sons of C. L. ; E. D. was father 
of the Three Collas. 

48. F. S. reigned 33 years K. II, 356; 80 years FM 286—322; 39 years 
according to our poem. 

Dubhchomair ur. Taillte K. II, 358. Dubhehomair was also the 
name of Fiachaidh's druid. K. II, 360. 
50. Reimeas na Righ breaks off with the digressiou on Fiuu's age 
and death. The remainder of the poem is in the usual Oisin 
V. Patrick style. 

According to FM and Tigheruach Finn died in the 16 f' year 
of Cairbre Lifeachair's reign A. D. 283. But the Battle of Dun 
Dubchomair was fought A. D. 322. FM. GioUa Coemäin's poem 
(Trip. Life 11,536): 

Coic bliadna cethorchat cain iar niarbad Find a hAlmain 

CO maidm Duib Chommair calma lasua Colin cathchalma. 
Taking date of Battle of Dubhchommair as 322 Finu's obit Avould 
then be 277. In same poem p. 536, fifty seven years is allowed 
between the Battle of Magh Mucrimhe (195 FM) and F's death. 
52, 53. 'in fer feasa', 'in fer atuaidh' point to Eocha eigeas i. e. Dallan 
Forgaill. cf. O'R. Irish Writers p. 39. I cannot check the reference 
to lougevity. 

Meghruith mac Seinfhef-a, a druid of Munster K. II, 320. 



CNÜCHA CNOC OS CFONN LIFE. 55 

Ee naoi liogh deag- diaiilh i iidiaidh saoghal Mhoglia Ruith 

[re rüighliaidh 

6 Roth mac Rioghaill mor bloidh go Cairbre Conn Lith- 

[feachair. ib. 

Cuicer liled uasal dreiu is ferr tharaill iath nEirenn 
is mebair liumsa co becht a faisneis, a filidecht. 
Cairbri fili fuair dar 1er Amairgin indsi Gaeidel 
Feircheirtue re Labraid Lore Mogh Ruith is Find faeburuocht. 

Acall. 2549—2552. 

54. Ä poein on the respective ages of the Fenian warriors Rev. Celt. XVI, 
p. 26 attributes 249 years to Finn: — 

se fithchidh bliaghuii fa dho is naoi mbliaghna ni sa mho 
saegal Fhiuu fa seun fa raith fa bhuaidh fa trean den ardfhlaith. 

Oss. Soc. I, 36 gives him 3i0 years : 

Tri chead bliadhain co uiblaithe deich mbliadhua acht aeu raithche 
saogal Fhinn go bhfuair a rae go torchair tre bheim baois e. 

and Acallauih 2537, 230 years as in our poem: — 

Dil cet bliadan co mblaithe ocus tricha gan tlaithe, 
saegal Find, ba fata re co torchair ga leim baisse. 

'Sons of Brogau' — see prose Introduction. 

55. ina uaonithor 'in bis holy troop' (Th.). 

56. Read 'a m[b]eis' for 'aineis': We have eleven men after them, Jesus 
forbade them bis table. Every man got a change of narae — that 
was not returned — before baptism (Th.). 

57. There is uo changiug of names in the description of the baptism of 
Cailte and bis companions; Acallamh p. 10. 

Dublin. Maüua Powek. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGP:L. 



Die Ratschläge, die der weise Morand vor seinem Tode 
dem jungen König Feradach Find Fechtnaclii) durch den „ruf- 
gewohnten" Nere, also wohl durch einen Herold, überbringen 
läfst, sind wenigstens im Eingang der einen Redaktion (B) 
deutlich an eine sagenhafte Begebenheit der irischen Geschichte 
angeknüpft, an die versuchte Ausrottung der edlen oder freien 
Geschlechter Irlands (söercJilanda Erenn) durch die Zinsbauern- 
Stämme (aitheddhüatha). Der älteste ausführlichere Bericht 
über diesen Mord ist für uns ein zwölfstrophiges Gedicht, das sich 
an alle Prosaerzählungen des Ereignisses angehängt findet und 
auf dem, wie manche wörtliche Anklänge beweisen, diese sämtlich 
beruhen. Es wird deshalb hier vorangestellt. 

Mir sind sechs Handschriften dieses Gedichts bekannt, von 
denen ich vier kopiert oder verglichen habe; nämlich das Buch 
von Ballymote, Faks. 255 b 17 (= B); das Buch von Fermoy, 
fol. 36b (= F); das Buch von Lecan, fol. IIQ'; a (= L) und die 
Hs. des Trinity College (Dublin) H. 3. 18, S. 763 (= H). Aus dem 
Buch von Lismore fol. 142 >■, b (= Lm) kenne ich nur den Wortlaut 
der ersten Strofe nach Stokes' unten erwähntem Zitat; aufserdem 
hab ich mir notiert, dafs das Buch von Lecan fol. 295^ b — 296^ a 
das Gedicht in die erweiterte Fassung des Lcbor Gabdia bei der 
Regierung von Elim mac Conrach eingeschoben hat. Es lautet: 

1 Söerchlanda Erenn uile. romarbtha la öenduine. 
acht na tri maic monar ngle. atTuUatar ö Choirpre. 



1 marbhtha cusau seu duiue Lm. Chairpre Lm L, Cairp- B, Chairbre F. 

') Find „der Schöne" und Fechtnach „der Glückliche-' oder „Gedeihende" 
sind in den Hss. bald als Kompositum behandelt, bald getrennt. Ich habe sie 
im Folgenden ohne Rnr-ksiclit auf die Hss. überall als zwei Wörter gegeben. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 57 

2 Torrcha atTullatar uadh sair. a mäithrecha na mac sin. 
conid and ructha is tir tliair. iar riachtain doib i n-Albaiii. 

3 Feradach Find Fechtnach Fail. Corb Aüloni a Mumain mair. 
is Tipraite Tirecli tliall. it e sin a comanmann. 

4 Ingen r'ig Alban cen ail. ba si mathair Feradaig-. 
Ba(i)ne ba hed ainm na nina. ingen Lilaith meic Da(i)rera. 

5 Crufe ingen Gartniat g-lüair. ro'gab Bretnu cosin mbüaid. 
mäithir Coirb Anloim cen ail. as a sil fi] i Mumain. 

6 Ingen vig Saxan ni sneid. maithir in Tipraiti tlirein. 
A(i)ne a ainm oca taig. ingen cuinde Cainidail. 

7 DoTönsat comairli cain. athig Erenn in tan sin. 

flair tallad forro as cach mud. itli blicht mes ocus tor^d. 

8 'Si comairle ro-chinnset. aitlirecli leo ani ro-millset. 
togairm na mac monar ngle. dia n-oirdned i n-airdrlge. 

9 Do-ratsat rätha co tenn. a(i)tlieclithüatlia na liErenn. 
im reir na mac bätar tair. acht co'tistais a h Albain. 

10 It e rätha tucsat ind. nem talam esca grlan grind. 
imnio reir a beinn i mbeinn. cein maras muir im Erinn. 

11 Cond Eogan Araide an. it e einlud na tri mal. 
Araide i n-Emain cen ail. Cond Cetchathach i Temair. 

12 Eogan i Caisiul na rig. is and tarastar a sll. 

Conid friu sin siu is tall. samlas in sui cach söerchland. 

2 Torracha F, Toirreach L. iiadh om. B L. raaithrech ina H. tiachtaiu L. 
a hAlbain L. 

3 steht in B vor 2. Tipraide J{, Tipra(idi) tirech tren tall (is om.) li L. 
is e L, at iat B. 

4 CO rabloid L. isi L. h?Lsed Jl F H. Luaidh H. Derera U. 

5 Cruibi L, Graibi IJ. Gartniadh H, Charmaid L. Cuirp L. co mbloid L. 

6 fe.hlt in F. Tipraidi L, Tipra B. ba he haiuw comtbaig B. cuinde L, 
cäirah H, comlan ß. Chaineadail L, Caindedhail H, caiwdi oil B. 

7. chain B F. aithigh F, atbaicb L. iu uair sin B, na n-aimsir L. 
talla L. forthu B, orra L. is mur thor»d L. mes 7 t. 07n. B. 

8 Isi F H, Hi B. doriudset (für ro-m.) L. dianairdriffhe H 

9 thair F L. 

10 tbucsad L. i»>imo a rer B. a om. B, beind do beind L. iu cen bes L 
heret heth B. ' 

11 Conid B. a Tembraidh F. 

12 tarustar B, tarustair H L, tarasair F. sund is L. samlas L. chec/j F. 



58 R- THURNKYSEN, 

1. Die freien Geschlechter von ganz Irland wnrden durch 
einen ^ilenschen ermordet aufser den drei Knaben — eine klare 
Tat — , die Coirpre entrannen. 

2. Schwanger entrannen ihm die Mütter dieser Knaben nach 
Osten, so dafs sie dort im östlichen Land geboren wurden, nach- 
dem sie Albion erreicht hatten. 

3. Feradach der Schöne -Glückliche von Irland, Corb Nackt- 
Ohr aus dem grofsen Munster, und Tipraite der Landreiche 
drüben, das sind ihre Namen. 

4! Die Tochter des Königs von Schottland (oder Albion) 
ohne Makel, die war Feradachs Mutter; Baine war der Frau 
Name, Tochter von Luath mac Dairera. 

5. Crufe, die Tochter des glänzenden Gartniat, der die 
ßritten siegreich in Besitz genommen hatte, war die Mutter von 
Corb Nackt-Ohr ohne Makel, dessen Same in Munster sitzt. 

6. Die Tochter des Königs der Sachsen — es war nichts 
kleines — war die Mutter des starken Tipraite; Aine war ihr 
Name zu Hause, die f rauenhaf te 1) Tochter von Cain-Idal. 

7. Zu dieser Zeit hielten die Zinsbauern Irlands eine gute 
Beratung ab, weil ihnen Getreide, Milch, Eichelmast und Frucht 
auf jede Weise benommen war. 

8. Dies ist der Beschlufs, den sie fafsten — es reute sie, 
was sie vernichtet hatten — , die Söhne zu berufen — eine klare 
Tat — , um sie ins hohe Königtum einzusetzen. 

9. Eifrig stellten Bürgen die Zinsbauern -Stämme Irlands 
nach dem Wunsch der Söhne, die im Osten lebten, wenn sie nur 
aus Albion (zurück)kämen. 

10. Das sind die Bürgen, die sie dazu stellten: der Himmel, 
die Erde, der Mond, die schöne Sonne, dafs sie ihren Willen 
hätten von Höhe zu Höhe, so lange das Meer um Irland bleibt. 

IL Cond, Eogan, der hehre Araide, das ist die Nachkommen- 
schaft der drei Fürsten : Araide in Emain ohne Makel, Cond der 
Hundertschlachtige in Temair, 

12. Eogan im Cashel der Könige — dort verharrte sein 
Same — , so dafs der AVeise jedes freie Geschlecht diesseits und 
jenseits diesen gleichsetzt 2). 

») Wenn cuijide (L) das Adjektiv zu cuiniu A. ben (Corinac s. v. 27 ar^) 
igt. Die Lesarten gehen hier selir auseinander; die vou Lni kenne ich nicht. 

-) ]). li. alle edeln Gesclilccliter in Irland und Schottland werden auf 
eiueu dieser drei Fürsten zurückgeführt. 



M0RAND8 FÜRSTENSl'IEGEL. 50 

Das Gedicht ist dann in einen etwas erweiterten Prosa- 
bericlit anf gelöst worden, der uns in dreifacher Redaktion vorliegt: 

I. Hs. Lm. Die erste Redaktion findet sich verhältnis- 
mäfsig am reinsten im Buch von Lismore fol. 142^" a. Stokes 
(Lives of Saints from the Book of Lismore, S. XXXVII f.) hat 
gröfsere Abschnitte daraus abgedruckt, nämlich § 1 — 6 und 
11 — 13 und den Anfang- von 14 (nach meiner Bezeichnung). Den 
\\'ortlaut der übrigen Abschnitte kenne ich nicht; doch weichen 
die Hss. wenig voneinander ab. 

Hs. L. Das Buch von Lecan (R. Ir. Ac, 23. P. 2), fol. 175^ 
stellt vor diesen Text ein Verzeichnis der irischen Stämme, die 
man für die aithech-thüatha, die Zinsbauern-Stämme, hielt. 

Hs. B. Das Buch von Ballymote, Faks. 255 a, das diesen 
Abschnitt aus dem Buch voil Glenn-Da-Locha (255 a 6) geschöpft 
hat, bringt das Verzeichnis gleichfalls i), aufserdem aber am Schlufs 
(255 b 36) eine zweite Aufzählung der tüatlia aithcchda nebst 
ihren Unterabteilungen {fodla)-). 

II. Diese Prosaerzählung — ohne die Verzeichnisse — hat 
eine Erweiterung erfahren, die nur in zwei Handschriften vorliegt. 
Sie zeigt allerlei Ausschmückungen, wie z. B. die, dafs die Bauern- 
stämme nach dem Tod von Coirbre Katzenkopf das Königtum 
Morand anbieten; besonders aber sucht sie durch einen am Ende 
beigefügten Abschnitt (§ 15. 16) den Anschlufs an die Geschichte 
von König Tuathal Techtmar zu gewinnen, die mit der hier 
berichteten grofse Ähnlichkeit hat und am ausführlichsten im 
Buch von Leinster, Faks. 51 a — b. erzählt wird. Die Hand- 
schriften der Redaktion II sind: 

F. Das Buch von Fermoy (R.Ir.Ac), S. 35 a — 37 a. Hier 
führt sie den Titel: Bniiden M{ei)c Bareo annso siosana, indem 
der Mord von diesem späten Bearbeiter in diese hruiden ver- 
legt wird 3). 

H. Die Papierhs. des Trinity College (Dublin) H. 3. 18, 
S. 761—764. 



») Beide Hss. äuderu deu Aufaugssatz im Auscbluis au das Vorher- 
gehende: Boi fodord mor icun lucht sa (so) A. ic aUheachthuathaib Ercnn usw. 

") Vgl. J. MacNeill, Early Irish Population -Groups § 26. Die beiden 
Listen sind gedruckt bei O'Curry (Sullivan), Manners a. Customs, I S. XXVII. 

•') Nach der Bibliography of Irish Philology, S. 106, hat .7. MacNeill eine 
Übersetzung davon in der — mir jetzt nicht zugänglichen — New Ireland 
Review XXVI (1906), 96 ff. gegeben. 



60 R. THUENEYSEN, 

III. Eine andere Bearbeitung von I und zwar mit wesentlich 
modernisierter Sprache enthält die Edinburger Handschrift XXVIII 
(Kilbride Collection, Xr. 24), S. 9—10, die noch dem 14. Jh. zu- 
geschrieben wird (ob mit Recht?). Sie enthält beide Verzeichnisse 
der aithech-thuatha wie B, stimmt aber in fehlerhaften Lesarten 
manchmal näher mit L überein. Der Text, der vom Gedicht 
nur die zwei ersten Strofen enthält, ist veröffentlicht und übersetzt 
von W. A. Craigie. Eev. Celt. 20 (1899), S. 335 ff. 

Von Redaktion I und II habe ich die Hss. B (Faks.), F, 
H, L abgesehrieben oder verglichen. Ich drucke den ausführ- 
licheren Text II, ohne gleichgültige graphische Varianten oder 
Schreibfehler anzugeben. Die Lesarten der älteren, knapperen 
Version I bringen die Anmerkungen. 



1. Bai fodord mör ic athechthüathaib Erenn i n-aimsir tri 
rig n-Erenn .i. Flacho Findola?^ 7 Feie mac Fideic Caich 7 
Bres mac Firb. 

2. 1) Flacho Findola?'^ immurro, is e ba ri Erend, Feie mac 
Fideic Caich ba ri Muman, Bres mac Firb ba ri Ulad. Ba hadbal 
trä 7 ba dirim truma in chisa 7 met na cäna 7 fortamlaighe in 
flaithiusa laisna tri righaibh sin for aitheachaib Erend. Ba hole 
immurro lasna haithechaib a menma ar met na dalre boi forro 
7 ar truma a foghnoma, air ro'batar na sSrchlanna ac laigi 
forsna ferannaibh i'rabatar sum. Im*forgenair Tarom comthinol 
icna \iniü\echaibh i n-öenairm, coroxindis öenc[h]omairle in tan sin. 

3.2) Batar Tarom tri aith?^ robsat toisich comairle occo 
som .i. Büan 7 Monach 7 Corpre Cind Chait. Ba cenn doib sidhe 
Cairpre Cinn C[h]ait. Ar ba do Lüaighnibh dö 7 is e ba ri for 
LüagnzM, ar ba üaithi&Ä sidhe ncgebthe cennus aithech. 

1 aitheachaibh Lin. Fiudolaigh F, Findolaich L, Findfol- Lni. Fee B. 
Fidheich ¥, Fidfec B, Fidaich L. Breasal mac Feirb L. 

2 Er- an tan sin F. Feie mac Feie F. Bress m-e Feirp H. fortiamhl-i F. 
leisna F. läis ua F. foghnaemse H ar H. 

3 Cairp- F. Cent H. doibsin F. do Laiguibh H. huaidibh sen F. 



») § 2 fehlt in I. 

") Für 3 hl I nur: Batar diit») tri aithig batar'') toTsigb comairle do 
aitheaehtliüathaib Erenn in iubaid sin .i. Monach 7 Büan 7 Corpre Cend Caif). 

•) da Lin. '') ba Lni, rubdar IJ. ") Cairpri Cend Caid L, Cairp- 
Catchend B. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 61 

4."*) DoTönsat iaruni na athig comhairle in tan sin do reir 
in tiir sin. Ba si Tarom comairle ro'chinnset ann sin .i. tledh 
do thargud do thig CairpW Chinn Chait .i. co Bruidin Maie Da- 
Reo i niBreifne 7 a tigernadhn do tlioclmiriudli cliuici do saigliidli 
na tieidhe 7 bas do immbeirt forro 7 in rige do beitli acn fein. 
Do'rönadh samla/(?/i 7 ro'bäs lii fochill na fleidhe sin fri re teora 
]ethblla(?/mn ocna aathechaibh. Tiian a toraidli immurro, is ed 
doTatsat forsin turgnam sin. I Maigh Crö la Connachtu, is ann 
atä an Brniden i'ndernad in mörfledh sin. 

5.4) Do'deocliatar immurro fir Ereww di cach leitli d ind- 
saigliidh in mörthairic doTigned döibli. Batar larom .ix. ndwa 
oc tomailt na fleidhe. Do'bretlia trä frithalamh raör isin nönse 
dedenaigli forro, amaZ na'tuctlia riamli. Do'bretha emli airer cecli 
bldli 7 saine caclia lenda döibh corpat mesca medarcliaine, corbo 
treisi flait[li] firu, co'tarl?e in teach ina ratsechuiph hrisithar ocae. 
Eo'imretor iaromh duinepläigh forro ann sin, ar is amlaicZ for* 
coemnacair cach öen for erchomhair a echta dona haithechaib. Ba 
grända 7 ba hadhüatlimor ro'bäs isin bruidin in tan sin. Ba 
forbhäilidh Badhbh derg dassachtach 7 ba brönach banchuire 

4 tigemadsed H. imu't F. do bith H. Dorighnedb iaromh H. amhl- 
siu F. Connachdse H. au om. H. 

5 Doberta F (bis), uöuaigh F. corbbat F. medbarcbaia F. corbo bis 
ocse fehlt in F. in tan om. H. Wonach H. 



^) Für 4 in I nur: DoTönsat comairli Tarum aitbigh Eirenn do reir in 
trTr sin. Ba sT*) comairli ro'chiudset'') flead do thargudh'') dia tigernaib^) 
7 a marbad'^) ocon fleidb sin. Batar immurro*') tri bllar^Ma e) oc foichilP) na 
fledhi sin la haithecbu Eiren»'). TrTan'') a toraid cacha blTadna do-ratsat 
forsin turcnom sin^). I Maig Crü'") la Cönnachta, is and do-guTth") in fledb"). 

*) 7 ba hi Lm. '') na n-a(i)theach B L. ") targud fledhi B. *') tigerua L. 
^) leo add. B. *') Badar i&rum na hath- B. s) L liest: a marbad i&vum iar 
tri bli- doib oc foichill iisiv. '') ic airithiw 7 ic t'oichill B. ') .i. athaich Er- h, 
om. B. ^) 7 triau B. ') fria haireac B, fris L. '") Chruachan L. ") do- 
ronudh Lm. ") sin aid. L; B liest: Is and .ü. dorrigenset i Maig acrwach la 
Cönnachta. 

*) Für b in l nur: Dolotar Tarum fir Erenn di di cach leith^). Bätar 
Tariim'') uaT nöua oc tomailt na<=) fledhi"^). Do'bretha") lenda somesca') 
sainemhla döib isin») nöuai deighinai^/i''). 

*) cum na üedhi {hinter di c. 1., di om.) L, dind fledh sin as cach aird 
i-mbatar B. ^) da?io Lm, Faidhit di- B. *=) a B. '^) 7 ni-frith mod 
nos • mairnfedh add. B, ") Doberthea Lm. ') om. B L. s) imou L. '') dibh 
add. Lm, imnn uomaid cü»tbat mesca miciallmair B. 



rt2 R. THURNEY8EN, 

doli Ireas sin. Ba sier laroni in niucälach sin. Ba damradh 
deghbaile. Ba torcradh niormesa. Ba ecradh soercarpait. Ba 
brainech sochenel. Ba comecair 'direacht. Ba tocliim curadh ocon 
buidin sodealbdasiBiclienela/^/sin ro-bithei.sinBruidin. Ro-muidhset 
larom srotlia dar secht ndoirsibh na Bruidne, co-snäifitis ma/c 
midaisi foraibh, diambadli dir fuil do snäm. 

6.-^) Ro-dTbdait t;« söerchlanda Erenn and sin acht na tri 
ma/c rucait i mbronnaib a mäithrech. Air in tan ro'bäs oc 
fodbugudh na fer, is ann sin ro'elaiset na tri riglma immach 
asin niBruidin .i. Side Lüatli 7 Grübe 7 Aine iat side. Con'decliatar 
dar muir ar techedh na n-a(i)thecli. 

7.ß) Air batur tri caraid do tri righaibli Erenn .i. ri Alban 
7 ri Bretan 7 ri Saxan. Ba cara cipinnus do Flach« FhiAolaig 
Lüath mac Darena ri Cruithentüathe. Bäne ingen Scäil rl[g] 
Fomoire ben Lflaith. Do'breth diu Ingen Lüaith do Fiachae 
Findola?Vjr do mnai. Side Lüath dawo a ainm sin fein, ba si sin 
mäthair Feradaig Find Fechtnaig. 



5 treis F. mor mescse H. Ba brainech bis aireacht steht in H vor Ba 
damradh. — broiuech F. sochenel- F, so cr.l- (mit Strich durch s) H. co[m]acor F. 
sodelbha F. secht sr[otha] tar F. midhaidhisi H. 

6 i mbroinn H, [i m]bro[n]dandaibh F. Ar H. 'elaidhset H, 'elaisit F. 
Sise Luat H. 

7 Ar H. Bain H. Dobert F. Si« H. side F. si sidhe H. 



^) In I nur: Ro-ortait*) Tarum*') söerc[h]lauda Here?m ocan fleid sin 
trlana mesca"), curo-dhTbhdait nili''), acht") na tri meic bätar i mbrondaib*") 
a mäithreach f^). 

*) Roort L, Romarbtha Lm. '') om. Lm. ■=) tria tharm is- na naithecÄ 
7 triana mesca fodesin B. ^) combai badud S£erclaud(-aib sjiäterer Eintrag) 
Erand and L, om. B. *=) acht sil B. ^) imbroind L. «) in tan sin add. B. 

^) In I (B L): Air*) batar caraid do trib rigaib Erind .i.'') rT Alban 7 
rl Saxan 7 rl Breatan"=). Ba cara cetamus^) do Flacha Findolaich^) Lüath 
mac Darera *") ri Cruithentüathe. Baine '■^) ingen Scäil rTg Fomoiri ben Lüaith. 
Bäine d^jo ainm a ingine. Do'bert side do FTacha'') Fiudolai^ a ingin 
.i. Bäine, conad liT') mäthair Feradaich Find Feachtnaich meic Flachac/t 
Findolai^ ^). 

») om. L. '•) caraid cleamna do tigeruaib Uerenn iwiun inbaid sin B. 
«) descert Bretan B. ^) cedus L. ') Findol- B, .i. add. h. O Derera B. «) .u. 
add. B. '') Fiachaid L. ') Statt Bäine usw. liest B: Dobreth diu in^en do 
Fiach- F-. Baine diit a hainm siden fen. Ba si sin . . . '') .i. Tuathail 
Techtmair (statt meic F. F.) L. 



MOKANDS FÜKSTENSPIEGEf.. 63 

8.") Ba cara dawo Fiac mac Fideic Caicli ri Muniau do 
Gortniad do ligh Bretaii. Crufe ainm a ingine sin. Beiridh sin 
mac do Fiac .1. Corp Ai'ilom a ainm. 

9.^) Ba cara dawo Bres mac Firb ri Ulad do ChainTdal 
righ Saxan. Aine ainm a ingine sin. [Beijridh sin mac do Bres 
mac Firp .i. Tipraiti Tirecli a ainm sin, 

10.9) Roiiailidh iarom in triar sin tair, airet bai righe oc 
Corpre 7 nert aithecli for feraibli Erend. Ar niroiamsat na 
meic Ere do t[li]adhall ar ecl« na n-aithecli. 

11. if) Nrtarat Iarom an talamh a toradli dona aithecliaibh 
Tarsin mörfingail ro'fersat for söerchlannaibli Erend, 7 boi gorta 
mör la firu Kreiin, cona'roibe ith a talmam na mess a caillidh 
na iasc a n-indberaibh na lacht ac büaibh na sinae ina cörai feisin. 

12.11) Fuair Corpre bas Tar tain 7 tarcatur fir Ermw riglie 
do Morann dia mac. Ro'räidh immurro Morann na'gebadh hi, 

8 Gortniadh H. Crüfe F. sidein H. Rnc sidhe H. Fiach H. Aolum 
ainm H. 

9 Preas mac Feirb H. Per sidhe H. Bres F. 

10 Cairp- F. 7 pui H. uilamhsat F. 

11 roratsat H. S0e[rchlajnda F. conaraibh H. na sin na F. fäisin F. 

12 iarsin H. im. om. F. nach- F. 



') In I (B L): Ba cara diu FTac mac Fideic "") CaTch rT Muman'') do 
Ghortniaf) do rTg Bretau. Bert a ingen side .i. Gruibe*^) mac do Fiacc .i. 
Corp Aülom^) a ainm'). 

") Fiacc mac Fidfecc B. ") .i. Deirctined mac Euna Muwcbaiu a ainm 
sidi 7 ri M(o»an in Fiac sin L. «) Goirthigernd L. ^) Ruibi a hainm sidi L. 
") Corb Aulaiwt B. ♦■) Corp Ulom ainm in meic sin 7 Med Neid ainm aile do 
.i. athair Moda Nuadad L. 

*) In 1 (B L): Ba cara diw Bresal mac Feirb rl Ulad do Chandidal ») 
do rT Saxan. Bert dno^) a ingen side — Aine a ainm side'') — mac do 
Breasal mac Feirb .i. Tibraidi Tireach e side=). 

«) Chain di oll B. ") om. B. <=) Tipmide .T. tirech a ainm B. 

3) fehlt I. 

") In I: Nitharat") in talam a thorad dona haitheacbaib Tarsin fingail'') 
do-ratsatp for söercblandaib Erern«. Ocus bai gorta mor lafiru"^) Erewn iter 
inberu 7 feda 7 ith 7 blicht*). 

") • thabhradh Lui, iarum add. L. ^) iarsin digail sin L, iarsin ndidhail Lm. 
■=) om. L. "1) for feraibh Lm. «) fedu 7 ithu 7 hlechta B. 

") In I: Ro-fessa Tarum») tri comarbsei'') Erenn do bith i n Albain .i. 
Feradach Find Fechtnach 7 Corb'^) Aülom 7 Tipraite TTreacb. 

^) Rafes tra Lm. •') na comarba L, na tri coraarbu sin Lm. '=) Corp Lm. 



(\-l R. THURNEYSEN. 

ar nirbo toicli du i. .Ccist cidh do'genam diu' ar lat. ,Ro-fetur 
sa' ar ]\Iuianii ,aiii as coir ann .i. tri coraarbai Krenn filet a 
uAlbain .i. Feradbach Find Fechhiach 7 Corb Anloni 7 Tipraite 
Tireach, 7 tiagar ara ceiin da rigbadb üainde. air is duibb as 
toicb'. — Js maitb amhlaidb' or cäch. 

13. Tlagair Tarom ara cenn dia frestal 7 dia rigadb, 7 
do'bertar rätha nime 7 talman 7 grene 7 escae 7 ua n-uile dül 
friu öua haitheditbüathaib im bithfogbuom doibb dia reir fein, 
cein bes muir im Erind 7 bes a sil som 7 a seimedh inti. 

14.12) Tegait diu auair 7 gabais cäch dibli ina aird .1. 
Tipraite Tireach a n-airther na \\Evenn a coicidh Ulad 7 Corb 
Aülom ana deisco-t for Mumhain. Gabhais Feradach Find Fecht- 
nach ina medön .i. a Temliraigh na righ. Do'breth larom for- 
lamhns 7 ardrighi Erenn do Feradach Find Fechtnach 7 do'breth 
ardchennus 7 comhairle 7 fenechus Erend do Morann mac Main. 
Ba maith da«o ind Eiriu Tar sin, ar ro'tog a düdhche forrse d eis 
na n-aithec//. Is üaidibh sin dawo ro'genetar tri soir Erenn 
doridisi .i. Cond, Eogan, Araide .i. Cond ö Feradach Find Fecht- 
nach, Eogan ö Chorp Aülom, Flacha Araide ö Thipraiti Thireach. 
Is do sin ro'chan in senchaid ann so: Soerchlanda Erenn usw. 
{siehe oben S. 50). 

12 i om. F. cindus (für cidh) F. diu om. F. comforbseo H. Corp H. 
amhl. om. F. 

13 Tiagar alle nufser F. dia frest. 7 om. B. doberar Lm F, dobertor H, 
dobertatar 15, dobertha L. intseacbtai (für escae) B. na bnili dula B, dul 
aicsi 7 neamaicsidi L. immoa fognitm B. airet (für cein) B, erad L. bias F, 
heth B. Die Wörter von dül friu bis ceiu bes fehlen H. 7 bes H, 7 bias F. 
7 bes bis inti fehlt in I. 

14 cacb nanard H. Cairp- U16m F. andesc-t Urmuman H. find F. 
om. H. Doberta F. airdri F. ua bErenn H. dFeredhach H. 7 dobertba F. 
duidcbi H. rogeineastair tri sserclanda L. afnthisi B. .i. om. L, .i. Cond 
ö bis Thireach om. B. 7 Eogauac/ii uili L. Cborb F. do H, Conid 
doib sin L. na priathra sa {für ann so) H. De quibus poe?a dixit hoc 
Carmen B. 



'■^) hl I: Gabais*) Taruni'') cäch dTb ina rainu") .i.'') Tipraidi Tirech 
i u-airther na*') hEiriud i n-VWtaib") y^) Feradach Find Fechtnach ina 
medön'') .i. i Temraig 7*^) Corb Aülom iua deiscert?) .i. i m-Mumaiu''), conid 
üaidib sin ro-genetar tisiv. (ivie oben). 

») Gabar L. '') Dothogat na maicc la sodai» 7 gabais B. ■=) riwd B, 
raiun feraiun Lui. '^) om. B. •=) om. L. ^) imedon H- B. ^) audesc-t H- B. 
'■) thes (stall j. i M.) L. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 65 

Hinter dem Gedicht fährt II fort: 

15, Fer ambra dawo in Morand sin agaToibhe in fir flatha 
.i. in sin .i. idli Isioramd X. in einlach imo'tabartlia bragait he, 
ro'nascadh ima brägait co'farcbadh cen anmain he. Int ennac 
immurro imo*cuiit[h]ie brägait he, nocon idh dö sin, [no']ret[h]edh 
ime CO talm««?. Conid he sin boi oc etirgleod firinde 7 güa isin 
aimsir sin. Couidh de sin ro"ainmniged Feradach Finn Fechtnach 
don righ i'mboi aimsir inti sin. 

16. Boi iarom Feradach oc dllgend na n-aithech 7 aca cur 
hi eis 7 a foglmam dermar 7 ac tarrochtain forro in gnima 
do'righensat .i. söerchlanda Ereww do marbadh. Ro'marbadh 
dano Feradach hi Temra?^ iar tain la Eillini mac Conrach rig 
n-Vlad 7 la hEocha/cZ Änchend la rIgh Laigen 7 la Sanbh mac 
Ceit meic Magach la righ Connacht 7 la Forbre mac Fine la 
righ Muman. A comairle na n-aithech da7io do'rönad doridisi 
in gnim sin. 7 ro'elai Tüathal liaidib tar muir, eonidh tair 
rod"n-alt co cenn flehet bliadhan. 

15 is ocae ro • bai H. idh Moiann F. fo braa^ait H. In tentuch H, Int 
en. bis co talmain om. F. a pragait H. de sin {statt dö sin) H. edli sin H. 
Finn om. F. intidhsiu H. 

16 ch;<r H, crü F. dermair H. tariaclit- H. doronsat F. Elim F. 
Cownruch F. Saup H. Foj"pri H. dawo oni. F. Et roelaigh F. uaitWb F, 
uadhaiph H. rod naltse H. — Finis. finis add. H. 



1. Es herrschte grofses Murren unter den Zinsbauern- 
Stämmen Irlands zur Zeit dreier irischer Könige, nämlich Fiacho 
Findolaigi) und Feie Sohn von Fide(i)c dem Einäugigen und 
Bress Sohn von Ferb. 

2. Fiacho Findolaig war aber König von Irland, Feie Sohn 
von Fide(i)c dem Einäugigen König von Munster, Bress Sohn 
von Ferb König von Ulster. Gewaltig und mafslos war nun die 
Schwere des Zinses und die Gröfse des Tributs und der Druck 
der Herrschaft unter diesen drei Königen bei den Zinsbauern 
Irlands. Die Zinsbauern waren aber mifsmutig über die mächtige 
Knechtschaft, die auf ihnen lag, und über die Schwere ihres 
Dienstes; denn die freien Geschlechter waren über die Ländereien 



1) Das ist nicht die alte Nominativform (vgl. Fiacha Finnfolad Tig. 
in Rev. Celt. 16,118); aber sie wird in unserem Text so verwendet. 

Zeitschrift f. celt. PhUologie XI. 5 



66 K. THUKNEYSEN, 

gelagert, in denen sie lebten. Da wurde nun eine Versammlung 
der Zinsbauern an einen Ort ins Werk gesetzt, damit sie einen 
genieinscbaftlichen Bescbluls fafsten. 

3. Drei Bauern waren nun bei ihnen Führer des Rats, 
nämlich Buan und Monach und Coirbre mit dem Katzenkopf. 
Ihr Haupt war Coirbre mit dem Katzenkopf. Denn er stammte 
von den Luaigni und war Fürst über die Luaigni; denn aus 
ihnen wurde die Häuptlingschaft der Zinsbauern genommen. 

4. Da hielten die Bauern nun Rat nach dem Willen dieser 
Drei. Und das war der Beschlufs, den sie dort falsten: ein 
Gelage zu rüsten im Haus von Coirbre mit dem Katzenkopf, in 
der Bruiden Maie Da -Reo in Brefne, und ihre Herren zu dem 
Gelage zu ihm einzuladen und sie umzubringen, so dafs das 
Königtum bei ihnen selber wäre. So tat man, und drei halbe 
Jahre lang wurden die Vorkehrungen zu diesem Gelage bei den 
Zinsbauern getroffen. Ein Drittel ihrer Frucht gaben sie für 
diese Zurüstung her. In Mag Cro ('Blutfeld'), dort ist die Bruiden, 
in der dieses grofse Gelage abgehalten wurde. 

5. Von allen Seiten kamen nun die Männer Irlands zu 
dieser grolsen Veranstaltung, die für sie ins AVerk gesetzt wurde. 
Dann waren sie neun Abende beim Feiern des Gelages. Am 
letzten Abend wurde ihnen eine grofse Aufwartung geboten, 
wie früher niemals. Es wurde ihnen eben das Beste von jeder 
Speise und das Ausgezeichnetste von jedem Getränke gespendet, 
so dafs sie trunken und ausgelassen wurden, bis dafs das Bier 
stärker wurde als die Männer und das Haus in lärmendes Ge- 
spräch überging. Dann wurde ein Meuschenmorden über sie 
gebracht; denn jeder der Bauern befand sich in der Nähe dessen, 
den er umbringen sollte. Fürchterlich und grauenhaft war es 
damals in der Bruiden. Die blutige, rasende Badb war überfroh 
und die Frauenschar traurig über diesen Kampf. Edel war jene 
Eberbrut. Es war eine Ochsenschar guter Abkunft, eine Eber- 
schar reicher Eichelmast, es war die Ausstattung eines edeln 
Wagens. Zahlreich war edles Geschlecht, würdig die Versammlung. 
Ein Helden-Schreiten war's bei der wohlgestalteten, adligen Schaar, 
die in der Bruiden erschlagen wurde. Da brachen Ströme durch 
die sieben Tore der Bruiden, dafs Knaben mittleren Alters darauf 
hätten schwimmen können, wenn Blut zum schwimmen geeignet wäre. 

6. So wui'den die freien Geschlechter Irlands dort ausgetilgt 
aufser den di-ei Söhnen, die im Leib ihi-er Mütter davon getragen 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 67 

wurden. Denn während man beschäftigt war, die Männer aus- 
zuplündern, entrannen die drei Königinnen aus der Bruiden; das 
waren Side Luath^) und Grübe und Aine. Die kamen übers 
Meer auf der Flucht vor den Bauern. 

7. Denn die drei Könige Irlands hatten drei Freunde, den 
König von Schottland, den König der Britten und den König 
der Sachsen. Der Freund von Fiacha Findolaig zunächst war 
Luath mac Darera, der König des Pikten volks; Luath's Frau 
Avar Bane, die Tochter von Seal, dem König der Fomoiri. Die 
Tochter Luath's nun war Fiacha Findolaig zur Frau gegeben 
worden. Deren eigener Name war Side Luath, die wurde die 
Mutter von Feradach dem Schönen-Grlücklichen. 

8. Der Freund sodann von Fiac, Sohn von Fide(i)c dem 
Einäugigen, dem König von Munster war Gortniat der König 
der Britten. Dessen Tochter hiefs Crufe. Diese gebar Fiac 
einen Sohn, mit Namen Corb Nackt-Ohr. 

9. Der Freund ferner von Bress dem Sohne Ferb's, dem 
König von Ulster, war Cainidal der König der Sachsen. Dessen 
Tochter hiefs Aine. Diese gebar Bress dem Sohne Ferb's einen 
Sohn, mit Namen Tipraite der Landreiche. 

10. Diese drei wurden nun im Osten aufgezogen, so lange 
Coirbre das Königtum und die Bauern die Gewalt über die Ir- 
länder hatten. Denn die Söhne wagten Irland nicht aufzusuchen 
aus Furcht vor den Bauern. 

11. Nun gab die Erde den Bauern keine Frucht nach dem 
grofsen Mord, den sie über die freien Geschlechter Irlands gebracht 
hatten, und es herrschte grofse Hungersnot bei den Irländern, 
so dafs kein Getreide in der Erde war und keine Baumfrucht 
im Walde und keine Fische in den Flulsmündungen und keine 
Milch in den Kühen und kein Wetter in richtiger Ordnung. 

12. Darauf starb Coirbre und die Irländer boten das König- 
tum seinem Sohne Morand an. Morand sagte aber, er werde es 
nicht annehmen, denn es stehe ihm nicht zu. 'Was sollen wir 
denn tun?' sagten sie. 'Ich weifs, was sich geziemt' sagte 
Morand. 'Die drei Erben Irlands leben in Albion : Feradach der 
Schöne -Glückliche und Corb Nackt-Ohr und Tipraite der Land- 
reiche. Man suche sie von uns aus auf, um sie als Könige 

1) Dieser sonderbare Name der Tochter Luath's statt Bdine im Gedicht 
und in der älteren Prosa, entspringt einem Mifsverständnis des Ausdrucks 
do-bert (-breth) side der älteren Prosa (§7). 

5* 



68 R. THURNEYSEN, 

einzusetzen; denn ihnen steht es zu.' — 'So ist es gut' sagten alle. 

13. Darauf suchte man sie auf, um ihnen aufzuwarten und 
sie als Könige einzusetzen. Und von den Zinsbauern -Stämmen 
wurden ihnen als Bürgschaft der Himmel und die Erde und die 
Sonne und der Mond gegeben für ewigen Dienst nach ihrem 
Wunsch, so lange das Meer um Irland bleibe und ihr Same und 
ihre Nachkommenschaft dort lebe. 

14 So kamen sie aus dem Osten, und jeder von ihnen liefs 
sich in seiner Richtung nieder: Tipraite der Landreiche im Osten 
Irlands in der Provinz Ulster und Corb Nackt -Ohr in seinem 
Süden in Munster. Feradach der Schöne -Glückliche liefs sich 
in seiner Mitte nieder, im Temair der Könige. Darauf wurde 
die Gewalt und das Hochkönigtum über Irland Feradach dem 
Schönen -Glücklichen gegeben und die Häuptlingschaft und das 
Beratungsamt und das Recht (feiiechns) Irlands Morand dem 
Sohne ]\Ioen's. Darauf ging es Irland gut, denn er brachte ihm 
wieder, was ihm zukamt), nach den Bauern, Von jenen wurden 
dann wieder die drei Edeln Irlands gezeugt: Cond, Eogan und 
Araide, nämlich Cond von Feradach dem Schönen -Glücklichen, 
Eogan von Corb Nackt- Ohr, Fiacha Araide von Tipraite dem 
Landreichen. Darüber sang der senchaid Folgendes: 'Die freien 
Geschlechter von ganz Irland' usw. (s. oben S. 58). 

15. Ein herrlicher Mann war nun dieser Morand, in dessen 
Besitz die 'Gerechtigkeit der Herrschaft' (fir flatha) v/ar, nämlich 
der sin, d. i. die Schlinge Morands: der Schuldige, um dessen 
Hals sie gebracht wurde — um dessen Hals zog sie sich zusammen 
und nahm ihm das Leben; der Unschuldige jedoch, um dessen 
Hals sie gelegt wurde, — für den w^ar es keine Schlinge, sie 
glitt um ihn zur Erde hinab 2). So dafs er zu jener Zeit zwischen 
Wahrheit und Lüge entschied. Und davon wurde der König 
Feradach der Schöne-Glückliche genannt, zu dessen Zeit jener lebte 3). 

16. Darauf begann Feradach die Kauern zu vertilgen und 
sie unter Zins und schweren Dienst zu bringen und die Tat an 
ihnen zu räclien, die sie begangen hatten, den Mord der freien 
Geschlechter Irlands. Später wurde Feradach in Temair getötet 
durch Eillim mac Conrach, den König von Ulster, und durch 

') Wörtlich: 'Er hob das ihm Zugehörige auf es'. 
'^) Dieser Abschnitt berührt sich nahe mit dem Text, den Stokes in 
Ir. T. III, 1, S. 190 (§ 14 Ende) gedruckt hat. 

3) Das ist aus Cüir Anmann § 107 (Ir. T. III, 2, 332) geschöpft. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 69 

Eochaid Ancheiin, den König von Leinster, und durch Sanb den 
Sohn von Cet mac Magach, den König von Connaught, und durch 
Forbre mac Fine, den König von Munster. Auch diese Tat 
geschah wieder auf den Eat der Zinsbauern. Und Tuathal ent- 
rann ihnen übers Meer, so dals er 20 Jahre lang im Osten auf- 
gezogen wurde. 

Schon die ältere Prosaauflösung gibt also dem König Feradach 
Find Fechtnach als Tater Fiacho Findolaig. Das stimmt be- 
kanntlich nicht zu den älteren Königslisten; im Lebor Gabäla, 
wie schon früher bei Fland Manistrech (LL 132 a), ist Fiachu 
Findol(ad) vielmehr der zweite Nachfolger von Feradach und 
wird in der Redaktion B I (Rawl. 512 fol. 86 1) wie in Tigernachs 
Annalen (Rev. Celt. 16, 418) als sein Sohn bezeichnet, während 
Feradachs Vater Crimthann Nia Nair ist. So wird denn dort 
Fiachu Findolad. nicht Feradach von El(l)im erschlagen, wie 
unsere jüngere Prosa berichtet. Aber abgesehen von diesen 
irrigen Ergänzungen Späterer, auch das zu Grunde liegende 
Gedicht selber ist nicht sehr alt. Das zeigt der Reim des Dativs 
von Coirpre mit gle in Str. 1 und der als Akkusativ gebrauchte 
Nom. soercliland in Str. 12. Man wird es daher kaum vor das 
12. Jahrhundert setzen dürfen. Coirbre Catchenn (oder Cenn Cait) 
regierte nach dem Lebor Gabäla zwischen Crimthann und Feradachi), 
aber von seiner Missetat wissen die älteren Redaktionen (B III, 
A, B I) nichts zu melden 2). Wohl aber läfst es — zwar noch 
nicht in seiner altertümlichsten Fassung B III, aber von A 
(LL23b) an — den künftigen König Tuathal Techtmar, den 
vierten Nachfolger von Feradach, nach dem Tod seines Vaters 
Fiachu Findolad durch El(l)im ganz ähnlich im Mutterleib nach 
Albion gerettet werden durch seine Mutter Eithne Imgel, Tochter 
des Königs von Albion. Eben diese Erzählung hat offenbar die 
Prosaauflösung bewogen, Fiachu Findol(aig) zum Vater von 



*) In Tigernachs Anualen (Rev. Celt. 16, 416) scheinbar zwischen Feradach 
und Fiatach Find. Trotzdem folgt nach S. 418 Fiacha Fiunfolad unmittelbar 
auf seinen Vater Feradach. Die Daten sind hier bekanntlich sehr verwirrt. 

-) B I fügt nur hinzu : Mac Crimtha[i]n sin an Feradach Finnfechtnach 
dia'tucad audacht Morainn ö Morunn „Ein Sohn dieses Crimthann war 
Feradach F., dem von Morann das 'Vermächtnis Moranns' überbracht wurde." 
Dieser Verfasser nimmt also auf Morands Fürstenspiegel nach Redaktion B 
(s. u.) Bezug. 



70 R. THURNEYSEN, 

Feradach zu machen, und die Hs. L (§ 7) identifiziert geradezu 
Feradach mit Tuathal. Zwanzig Jahre später kehrt dann Tuathal 
nach Irland zurück und erhält von den Irländern Sonne und 
Mond, Himmel und Erde als Bürgschaft für seine künftige Ober- 
herrschaft, ganz wie im Gedicht Feradach und seine Genossen i). 
Da das in den GO er Jahren des 12. Jahrhunderts verfafste 
Lebor Gabäla unsere Geschichte nicht erwähnt, und da das 
Gedicht, für uns die älteste Quelle, in dasselbe Jahrhundert 
gehört, so liegt die Annahme nahe, sein Verfasser habe die Ge- 
schichte frei erfunden in Nachahmung der ähnlichen von Tuathal, 
etwa bewogen durch den ominösen Namen Coirbre Katzenkopf. 
Diese Annahme ist aber so nicht statthaft. Denn die Sagenlisten 
LL 190 a und Aneed. II 47, deren Quelle doch sicher älter ist, 
enthalten beide den Titel: Orgain (Argain) Coirpri China Chait{t) 
for soercMannaib Erend. Dafs eine ältere Erzählung dieser Art 
bestand, bezeugt auch die Einleitung zu Morands Fürstenspiegel 
in der Redaktion, die ich unten mit B bezeichne. Sie lautet: 
•Hier beginnt das Vermächtnis von Morann mac Möin an Feradach 
Find P^echtnach. Dieser war der Sohn der Tochter von Loth 
mac Delera(i)th (Delaraid) von den Pikten, den seine Mutter in 
ihrem Leibe wegtrug, nachdem die Herrn von Irland durch die 
Zinsbauernstämme vertilgt worden waren aulser Feradach allein 
im Leibe seiner Mutter. Später kam er mit Heeren herüber, 
und Morann übersandte ihm dieses Vermächtnis'. An sich können 
wir nicht wissen, wie alt diese Einleitung ist; aber sie findet 
sich schon in LL (in die Redaktion A übertragen, s. u.). Sie 
unterscheidet sich vom Gedicht inhaltlich darin, dafs nur Feradach 
allein, nicht drei Prinzen gerettet werden, und dafs er später 
'mit Heeren' zurückkehrt (ähnlich wie Tuathal), also wohl nicht 
gutwillig von den Bauern zurückgeholt wird. So wird sie in 
der Tat auf einer älteren Erzählung beruhen, die für uns sonst 
verloren ist. Auch der Verfasser des Gedichts dürfte sie kaum 
mehr gekannt haben; als Grundlage für seine Verse genügt voll- 
kommen einerseits der überlieferte Sagentitel, anderseits unsere 
Einleitung. Er hat das Gegebene frei verwertet und Loth mac 

>) Ein ähnlicher Bericht über Tuathal steht LL 51a, aber ohne die 
Flucht nach Albiou. Vgl. auch die Land Syuchronisms ZCP IX 477, 15. Die 
Vier Meister a. 10—76 bringen beide Erzählungen (Feradach und Tuathal); 
Keating, der natürlich alle unsere Texte kennt, verschmilzt sie (ed. Dinneen II, 
S. 236 ff.). 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 71 

I)elera(i)th in einen Luath mac Ba{i)rcra (Dcrcra) umgewandelt 
und zwei anderen Prinzen entsprechende Mütter auf der Naclibar- 
insel gegeben. 

Die Ansicht, die namentlich O'Curry») verfochten hat, die 
aithech-thüatha seien die Ätecotti, Atticoti, Attacotti, die bei den 
Römern seit dem 4. Jahrhundert neben den Scotti auftreten, ist 
lieute wolil allgemein aufgegeben. Mit Recht. Ä(i)thech 'Bauer' 
(heute atliach auch 'Riese') ist von aithe 'Vergeltung, Ersatz' 
im Sinne von 'Zins'^) abgeleitet, dem Abstraktum zu ad'fen. 
Zur Römerzeit würde also das Wort etwa *Äteiääcotötäs gelautet 
haben, was weit abliegt. Breton, osac'h 'verheirateter Mann, 
Hausherr' ist offenbar verhältnismälsig spät aus dem Irischen 
entlehnt. Einen Schlufs auf das Alter der Tradition erlaubt 
also der Ausdruck aithech-thüatha nicht. 

So ist die Frage berechtigt, ob nicht nur die Einleitung 
der Redaktion B, sondern ob schon die ursprüngliche Fassung 
von Morands Fürstenspiegel die Sage vom Bauernaufstand voraus- 
setzt. Man könnte dem zunächst entgegenhalten, dals in den 
Ratschlägen nichts darauf hinweist, dafs der König, an den sie 
gerichtet sind, den Thron nach einer Revolution besteigt. Nament- 
lich A 44 ff. würde man sich dann anders gestaltet denken. Aber 
es ist wohl von einem altirischen Schriftsteller zu viel verlangt, 
dafs er einen Fürstenspiegel speziell nach dem Begebnis orientiert, 
an das er seinen Ursprung anknüpft; der Verfasser kann irgend 
jemand gesucht haben, dem er seine Weisheitslehren in den 
Mund legte, ohne nun alle Konsequenzen daraus zu ziehen. Kaum 
darf man anderseits in A 38 eine direkte Anspielung sehen; man 
könnte übersetzen: 'Sag ihm, es ist nicht leichter den Fürsten 
zurückzuerbitten {athchuingld) als für ihn einzutreten; es ist nicht 
leichter, ihn zu berufen (togairm mit 1 n) als ihn zu bewahren.' 
Aber das ist kaum der Sinn des Abschnitts. So bleibt nur der 
Satz in A 3—4: 'Wenn du an Königen vorbeikommst, eile zu 
Feradach Find Fechtnach. Verkünde ihm vor Allen das Wort' 
usw. Der König wird also in Begleitung von anderen Fürsten 
vorgestellt; aber ob er etwa als mit anderen irischen Königen 
aus dem Auslande heimkehrend gedacht ist, wie in der späteren 



*) Lectures on the Manuscript Materials S. 263. Vgl. auch Sullivan, 
Manners and Customs I, S. XXX. 

*) s. Ascoli, Gloss. Palaeohib. XLVm. 



72 R. THURNEYSEN, 

Krzählung, (Ins lälst sich den Worten nicht entnehmen. So gibt 
der Text keine entscheidende Antwort. 

Aulser König Feradach werden zwei Personen mit Namen 
genannt, Morand und sein Bote Nere. Morand als gerechter 
Richter zur Zeit Conchobors ist aus der einen Version von Compert 
ConCulainn oder Feis Tige Becfoltaig bekannt, die Windisch 
Ir. T. 136 ff. und K. Meyer, ZCP 5, 500 ff. veröffentlicht haben. 
Meist heilst er Morand mac Moin, z. B. Cormac s. v. 37 anart und 
1160 sin (hier nur mac Moin) und oft später. Er wird in den 
Genealogien Rawl. 502 S. 147, 52 = BB171b7 eines der drei 
Kinder genannt, die gleich nach ihrer Geburt sprachen. Aber 
daneben tritt ein anderer Vater auf, König Coirbre Katzenkopf. 
So schon bei Cormac s. v. 863 Morand, dann bei Fland Manistrech 
(LL 132 a 3), in den meisten Redaktionen des Lebor Gabäla 
(z. B. LL 23 b) usw. Auch in Comrac FirDead in der Tain Bo 
Cuailnge, einem wohl im 10. Jahrhundert verfalsten Abschnitt, 
wird Morand unmittelbar neben Cairhri nia Manand^) oder Carpre 
min 3Ianand-) genannt, so dafs dem Dichter wohl gleichfalls 
eine Verbindung der Namen Morand und Cairbre im Ohr ge- 
klungen hat. Diese widersprechenden Berichte hat schon Cormac 
s. V. Morand künstlich zu vereinigen versucht; seine Ansicht wird 
in dem späten Text wiederholt, den Stokes Ir. T. III, 1,183 ff. 
herausgegeben hat, und der § 12 ff. die verschiedenen Notizen 
über Morand zusammenstellt. Da der Name Morand doch wohl 
'weils wie eine Mahre' bedeutet (vgl. Mor- rigain), wird sein 
Träger ursprünglich überhaupt kein gewöhnlicher Sterblicher 
gewesen sein; aber das gilt nicht mehr für die Zeit, aus der 
unsere Sagen stammen. Die jüngere Prosaauflösung des Gedichts 
läfst ihn noch neben König Feradach weiter leben. Aber 'Morands 
Fürstenspiegel ' setzt vielmehr voraus, dafs er diesem sterbend 
{re-m las A 3) seine Herrscherregeln übersendet, weshalb sie in 
Redaktion B sein 'Vermächtnis' heifsen. Es mufs früher noch 
einen zweiten, ähnlichen Text gegeben haben, betitelt iigandl 
Morainn mac Main 'der letzte Atemzug von Morand m. M.', aus 
dem Cormac s. v. anart einen Satz anführt. 

Nere, der Bote, den Morand sendet, wird in der Einleitung 
der Redaktion L sein Schüler oder Zögling (dalta) genannt. 
Spätere haben ihn als Sohn Morands gefalst, z. B. der Kommen- 



1) ed. Strachan-O'Keeffe 2294. ^^ gd. Windiach 3090. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 73 

tator von Amra Choluinib Chille i). Aber das war er ursprünglich 
offenbar nicht; denn nach B 2 und 63 richtet Morand seine Worte 
an Feradach ar mo chcncol-) clith 'wegen des Sich-Verbergens 
meines Geschlechts', d. h. doch 'weil mein Geschlecht mit mir 
erlischt'. In dem dunkeln Spruch Ir. T. III, 1, 201 f. (§ 77) scheint 
Nere selber als Richter aufzutreten. Im Fürstenspiegel wird er 
nur als niiaUgnäth 'rufgewohnt' und gor 'pietätsvoll' bezeichnet; 
er war wohl einfach der getreue Herold Morands. 



Morands Fürstenspiegel liegt uns in drei Hauptfassungen 
oder Redaktionen vor, die sich aber in gewissen Handschriften 
mischen. 

Die Redaktion A 
ist rein in drei Handschriften erhalten, von denen eine un- 
vollständig ist. Der Text heilst hier Auraiccept Moraind no 
tec(c)osca Moraind 'Morands Pensum oder Morands Unterweisungen'. 

a. British Museum, Additional 33,993 fol. 7^ — S-". Über 
diese Handschrift aus dem Ende des 15. Jahrhunderts s. K. Meyer 
ZCP 6, 268 A. 3. Der Text bricht gegen Schlufs von § 34 h mitten 
auf der Seite ab. 

h. Trinity College, Dublin, H. 2. 7, S. 418 a— 420 a (15. Jh.). 
Es folgt in dieser Handschrift der Anfang von Tecosca Cormaic^). 

y. Das Yellow Book of Lecan (Trin. Coli., H. 2. 16), Ende 
14. Jh., Faks. 413 b 3-414 b 23. Hier folgen die Triaden Irlands. 
Über die vorausgehenden Texte s. Zu ir. Hss., S. 21 f. 

Aufserdem gehört die Handschrift 1 wesentlich dieser Fassung 
an, worüber unten. 

Die Redaktion B 
führt den Titel Andacht Morainn mac Moin 'Vermächtnis von 
Morand mac Moin'. Sie findet sich ungemischt in drei Handschriften. 

d. Brit. Mus., Egerton 88, fol. 13^— 14^. O'Davoren's Hand- 
schrift (16. Jh.). Über die Reihenfolge der Texte s. Zu ir. Hss., S.26. 

e. Edinburg, Advocates' Library, Nr. XLII, fol. 10a— Hb, 
junge Papierhandschrift (18. Jh.?). Ueber dem Text steht: IN 



1) Eev. Celt. 20, 160 § 9. Vgl. auch O'Curry, Manners and Customs I 51. 

2) cheneol im Sinne eines vorangestellten Genitivs, aber wegen des voraus- 
gehenden ar in Dativform, wie oft. 

*) s. Zu ir. Hss., S. i. 



74 K. THURNEYSEN, 

ninm De in t-ndhacht Mor{ainn) si Giolla Padraic m-c Aoähagain. 
Die letzte Zeile des Textes und ein paar Buchstaben der fünf 
^'o^lle^g•ehenden sind abgebröckelt und verloren; sonst ist er 
vollständig. Voraus gehen die Triaden Irlands (der Anfang fehlt). 

i. R Ir. Acaderay (Dublin), 23. N. 10, S. 49—52 (16. Jh.i)). 
Voraus gehen die Texte, die K. Meyer, ZCP 3, 447—455 nach 
anderen Handschriften gedruckt hat. Unser Text schliefst mitten 
auf S. 52, die im übrigen leer bleibt. Über die folgenden Texte 
s. Zu ir. Hss., S. 26. 

Auch Handschrift n enthält diese Fassung vollständig, s. unten. 

Die Redaktion L 
steht nur im Buch von Leinster, Faks. 346 a — c. Sie führt den 
Titel Briathra Moraind 'Morands Worte' und schliefst eine 
Sentenzensammlung ab, die mit Tecosca Cormaic und Senbriathra 
Fithail beginnt. 

Mischhandschriften. 

1. 1. Dasselbe Buch von Leinster, also unsere älteste Hand- 
schrift, enthält Faks. 293 a — 294 b einen Text, der im allgemeinen 
der Redaktion A entspricht. Aber diese Fassung hat daneben 
auch aus Redaktion B geschöpft. Sie entnimmt ihr die Einleitung 
§ 1 und die Paragraphen 26 a, 39 a— f (mit Änderungen), 54 (den 
sie weiterbildet) und hängt § 55 — 57 neu an, um dem Ganzen 
einen christlichen Schlufs zu geben 2); sie wii'd also wohl von 
einem Geistlichen herrühren. Aber abgesehen von diesen fi'emden 
Beigaben, auch die alten Teile stellen gegenüber den drei Hand- 
schriften von A eine selbständige Tradition dar; sie bewahren 
teils Älteres, teils zeigen sie offenbar Neuerungen und Kürzungen. 

2. 11. R. Ir. Academy, 23. N. 27, S. 35—43, Papierhandschrift 
des 18. Jhs. Der Schlufs lautet: FINIS. d udhaolit Morain m-c 
Maoin ar na scriohJmäh le DomhndW 6 Duind m Ehnuinn, mc 
Seoirsi, Tue Eimuinn, Wie Seain, iUc Donncli-, ec aniudh an tochtmadh. 
la dow d(^chmadh. mi an feZiadham d aois an tigherna 1714. In 
der Handschrift gehen Tecosca Cormaic und Fithals Sprüche 
voran (s. Zu ir. Hss., S. 8). 



1) s. K. Meyer, The Triads of Ireland, S. VI A. 1. 

■-) Auf diese Sätze gründet sich vielleicht die Ansicht, Morand hahe 
'geglaubt', obschou er vor Patricius lebte (K. Meyer, The Death-Tales of the 
Ulster Heroes, S. 8, § 12). 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 75 

Diese Fassung enthält zunächst Eedaktion B vollständig-, 
hängt aber am Schlufs manches aus A an, wesentlicli nach der 
Version 1. Sie erweitert den Schlufsparagraphen 63 wie 1 54, 
fügt daran 1 55 und 57 und bringt dann aus den früheren Teilen 
von A (I) namentlich solches, Avas in B fehlt, und zwar in der 
Reihenfolge:. A 22. 25. 29—34. 36. 38. 37. 39 (aber nicht 1 39a— f). 
40—47. 49—53. 27 und schliefst mit 1 56. Sie hat aber nicht 
nur eine Handschrift von der Gattung 1 benutzt, sondern auch 
eine, wie die unter A beschriebenen. Das zeigt sich am deutlichsten 
in § 84 a. 36. 38, wo ii die verschiedenen Lesarten von 1 und A 
nebeneinander setzt. Nur über dem ersten, B entsprechenden 
Teil finden sich Glossen, die aber ohne Wert sind. 

Alle genannten Handschriften habe ich selber oder, soweit 
Faksimiles erschienen sind, nach diesen kopiert oder verglichen, 
e nach trefflichen Photographien, die ich der Güte von Rev. 
George Calder verdanke. 

Das gegenseitige Verhältnis der Redaktionen. 

So sehr die drei Hauptredaktionen von einander abweichen, 
haben sie doch manche wörtlich übereinstimmende Stellen und 
w^eisen somit auf ein Original. AMe verhalten sie sich zu ein- 
ander, und welche von ihnen ist dem Ursprünglichen am treusten 
geblieben ? 

Am leichtesten ist das Verhältnis von L zu bestimmen. Es 
stimmt meist mit der Redaktion A im Wortlaut überein, ist aber 
viel kürzer; es enthält aulser der Einleitung nur 27 Abschnitte 
von A in der Reihenfolge : 4—13. 16. 20—23. 25. 28. 29. 19. 34. 
30. 36. 31. 37 — 40. Dals es nicht etwa den Kern enthält, aus 
dem A sekundär erweitert wäre, geht aber wohl schon aus dem 
abrupten Schlufs hervor, ferner namentlich aus § 7 : Seichecl firinni, 
nos'seichfe 'er folge der Wahrheit, sie wird ihm folgen', dem einzigen 
Paragraphen, der in A fehlt. A hat die alte deponentiale Flexion 
streng bewahrt; hier steht das aktive 'seichfe. Schon dadurch 
erweist sich der Abschnitt als jüngerer Zusatz. Vergleicht man 
die in L sich findenden Paragraphen mit den fehlenden, so sieht 
man, dals sein Redaktor namentlich die leichter verständlichen 
Sprüche von A aufgenommen, die anderen übergangen hat. Auch 
im einzelnen hat er vielfach gekürzt, nur selten, wie in § 18 
und 21 eigenes hinzugefügt. Das Ganze ist also im wesentlichen 
als ein Auszug aus A zu betrachten, aber als ein ziemlich alter. 



76 R. THURNEYSEN, 

Denn L bewahrt manclimal altertümliche Formen "wie die Futnra 
•airchiure (lies -ri) 8 und merthir 30, die in allen anderen Hand- 
schriften verdrängt sind. Die Handschrift, der es entspringt, 
war eine Vorstufe speziell von 1 (vor dessen Vermischung mit B); 
es hat drei Lesarten mit ihm gemeinsam, die mir uiiursprünglich 
scheinen: in § 2 (=14) Äbbair statt Sluind, der Lesart von A, 
die durch B 5 gestützt ist; in § 11 (= 1 12) imma für inna 
{ina A); in § 14 (= 1 20) fehlt tatliigedar (A), das schon wegen 
seiner deponentialen Form alt sein dürfte. 

Nicht so leicht ist das Verhältnis von B zu A zu durch- 
schauen. "Wenn auch die Sprache von A sehr rhetorisch aus- 
geschmückt ist, so ist sie doch grofsenteils verständlich, während 
in B die Verkünstelung des Ausdrucks vielfach bis zur völligen 
Unverständlichkeit gesteigert ist; daraus ist aber für das relative 
Alter nichts zu entnehmen. Auf den ersten Blick macht B einen 
aufserordentlich altertümlichen Eindruck, Eine Form wie oec 
•jung' 22 ist nicht einmal in den Glossen belegt; sie vergleicht 
sich mit deec Wb 15 bl für sonstiges deac{c). Altertümlicher 
als A ist ni'fil {'fuil) B 58 gegen ni-filet A (auch 1) 44; doch 
kann dieses leicht eine spätere Verderbnis unserer Handschriften 
sein, A (und 1) 2 haben den Imperativ comerig, der gegenüber 
comeir Fei, Aug. 26 als verhältnismäfsig junge Form erscheint; 
dafür bietet B 2. 53. 63 at-rce (oder ähnlich), der alten Form 
aPrce Ml 126 c 3 entsprechend. 

Trotzdem hat es Bedenken, B als sehr alt anzusehen. Es 
hat § 45 die Form fuasalcath, durch die Alliteration mit feile 
gestützt; aber füasalc- scheint erst durch Beeinflussung durch 
das Kompositum tüasolcnd iüasulgud an die Stelle des alten 
*össolcud {oslucud Ml 46 b 5) getreten zu sein; ein Kompositum 
fo-oss-olg- hat es wohl nicht gegeben i). Ja, einmal scheint mir 
B einen Fehler zu reproduzieren, der nur in der Tradition A 
(a h y), nicht in 1 sich findet. § 27 liest 1: remideccai iarmodecai, 
dafür A: remedecce iarmamde{i)cedar sceo de{i)ce. Ein alter 
Schreiber scheint aus Versehen den Subjunktiv iarnw de{i)cedar 
geschrieben und dann mit no de{i)ci die Korrektur gegeben zu 
haben; ein späterer hat dann no in sceo verwandelt, das in diesem 
Text häufig ist. Nun heilst es in B 22: remidece iarmodece 
tairsceo desiul sceo tiiathh[i]ul dofece, wo doch offenbar iarmodece 



') Vgl.Pedersen, Vergl. Gramm. II 564. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 77 

tairsceo . . dofece auf unser iarmodecedar sceo deci zurückgeht. 
Was der Eedaktor sich unter tairsceo gedacht hat, wissen wir 
freilich nicht; aber verständlich wollte er ja nicht sein, sondern 
gelieimnisvoll. Daraus geht nicht nur hervor, dafs B als Be- 
arbeitung der Redaktion A zu betrachten ist, sondern dafs es 
speziell auf eine Vorstufe unserer Handschriften a h y zurück- 
geht. Auch mani' fallnathar na gmmu so B 57 scheint mir jünger 
als das objektlose foUnathar A 49. Anderes Junges in B, wie 
fo'ba fo'heba B 57 für do'hd do'heha A 49 kann man dagegen 
späterer Verderbnis durch einen Kopisten zuschreiben. 

Somit halte ich die durch Redaktion A vertretene Fassung 
für die ursprüngliche Form des Textes. Zur Bestimmung der 
Zeit seiner Entstehung kann Folgendes dienen. Er unterscheidet 
noch -e und -/, wie § 42 zeigt, wo der Plural airli dem Singular 
aide entgegengestellt ist, zur Verzweiflung der späteren Schreiber, 
die beide Formen gleich schreiben oder den ganzen Satz weg- 
lassen. Er hat ferner die deponentiale Flexion streng bewahrt. 
Nur einmal steht cluines 3; aber da die Stelle nur in dem einen 
Zweig der Tradition (a Ii y) erhalten ist und dieser in § 19 fosaiges 
für fossaigedar (1) eingesetzt hat, kann es leicht älteres duinethar 
verdrängt haben. Anderseits ist auf den oben erwähnten jungen 
Imperativ comerig 2 gegen comcir im Feiire zu verweisen. AVeiter 
darauf, dafs der Imperativ von as'beir immer abhair (apair) 
lautet, von ejnr keine Spur vorhanden ist, während noch in den 
Mailänder Glossen Formen mit ep- neben denen mit a{i)p- stehen. 
Ferner ist die Futurform nicon' tesseba 9 (nvesseba L 8) zu be- 
achten; freilich wissen wir nicht, wie das Futurum zu testa 
altirisch gelautet hat. Immerhin möchte ich, alles zusammen- 
genommen, die Entstehungszeit nicht zu weit von 800 abrücken. 

B hat seine Vorlage sehr frei benützt, die meisten Ab- 
schnitte, die es aufnahm, umgemodelt, manche weggelassen und 
sehr viele neu hinzugedichtet. Wie steht es aber dann mit seinen 
altertümlichen Formen, die über die Zeit des Originals hinauf- 
weisen? Offenbar hat der in der irischen Rhetorik geschulte 
Redaktor, der den ihm vorliegenden Text rhetorisierte, Denk- 
mäler der älteren Periode gekannt und ihnen hier und da einen 
archaischen Blender entnommen. Das warnt, auch in andern 
Fällen, so weit es sich um Poesie oder retoric handelt, uns durch 
einzelne Archaismen verführen zu lassen, den Texten ein über- 
hohes Alter zuzuschreiben. Freilich dürfen wir auch den Redaktor 



78 R. THURNEYSEN, 

von B nicht zu jung ansetzen. Er handhabt auch in Teilen, die 
nicht dem älteren Text entnommen sind, das Deponens noch mit 
Sicherheit (vgl. z. B. den Subjunktiv nrhuaisligcthar 23) und 
läfst altes ml- (in unseren Handschriften ?»&?-) mit m- alliterieren: 
mhlecliia märhöis 18, moaigthih mhlicht 36. Man wird ihn also 
auch nicht über das 9. Jahrhundert herabrücken dürfen; die 
Umbildung kann nicht allzulange nach der Originaldichtung 
stattgefunden haben. 

Die Technik, die schon der Urtext anwendet, wenn auch 
nicht in so hohem Grade wie B, ist die aus ähnlichen Stücken 
wohlbekannte: eine hochbildliche Ausdrucksweise, gehäufte Alli- 
teration, möglichst unnatürliche Wortstellung wie Tmesis, Nach- 
stellung der Präpositionen usw.; Kasus ohne Präpositionen, wo 
die Prosa eine Präposition nicht entbehren kann. Das hat unsere 
Überlieferung zu allerhand Änderungen geführt, so dafs manche 
Abschnitte in keiner Handschrift unverfälscht überliefert sind. 
Als Beispiel diene A 11 = B 15. Dort hiefs es w^ohl ursprünglich: 

ad mörchatha cricha cu ndmat curetar 

d. i. ad' curetar mörchatha cu cricha ndmat. 

Dafür L: at mdrchatJia de chrichaib cu ndmat curethar 

1: at mörchatha fri cricha cu ndmait curetar 

A: ata mörchatha for cricha comnamat cuiredar 

i (B): at morcathce fria crichce comhnamat cuirethar 

d: at more cath- for crich- conanamat cuirither usw. 

Eine Stelle, die übrigens wiederum die enge Verbindung von B 
mit a h y {comnamat) dartut. 

Der Verfasser dürfte ein ßi sein, der zugleich brithem war; 
er empfiehlt dem König seine Entscheidung immer auf früher 
gefällte Urteile zu stützen (19); die kann ihm natürlich nur der 
brithem von Beruf liefern. Dagegen ist er ganz unkriegerisch 
(32); sein Ideal ist Friede und behagliche Ruhe (13), und von 
den Pflichten des Königs, für sein Heer zu sorgen und schlag- 
fertig zu sein, ist nirgends die Rede, wenn ihm auch als Lohn 
für seine Gerechtigkeit Sieghaftigkeit versprochen wird (52, vgl. 11). 
Es ist also nur die eine Seite des altirischen Königtums heraus- 
gehoben. Man könnte fast an einen Geistlichen als Verfasser 
denken, wenn dem nicht doch wohl die erlaubte Trunkenheit 
bei Festversammlungen und in des Königs Zechhalle entgegen- 
stände (26). Ob diese Ermahnungen bei irgend einem Füi'sten 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 79 

Erfolg- gehabt haben, läfst sich wohl bezweifeln; sie werden 
eher einem gewidmet worden sein, der sich schon von sich aus 
für gerecht hielt und das hochgepriesene fir fluthcmon zu besitzen 
glaubte; er wird die kunstvoll gelüste Aufgabe gewifs fürstlich 
belohnt haben. Die Bearbeitung B mufste schon wegen ihrer 
Schwerverständlichkeit auf Wirkung verzichten; dagegen der 
gekürzte Text L scheint darauf ausgegangen zu sein, die best- 
verständlichen und daher befolgbaren Vorschriften auszuziehen; 
seinem Eedaktor wird es also wohl ernst gewesen sein. Dafs die 
Fassung 1 auf einen Geistlichen als Bearbeiter weist, wurde 
schon oben ausgesprochen. Jedenfalls sehen wir, dafs der Text 
teils durch seine Form, teils durch seinen Inhalt das Interesse 
während fast eines Jahrtausends rege erhielt. 

Ich fasse zum Schlufs die Abhängigkeit der Eedaktionen 
(nicht der Handschriften) von einander in einem Stammbaum 
zusammen. Die Mischhandsclirift n, die sich aus B + 1 -f- A zu- 
sammensetzt, lasse ich beiseite. 





L 



\\ 

A B 



Die Texte. 

I. Die Eedaktion A. 
Für die Herstellung des ältesten Textes können — aufser a h y, 
die ich, wo sie übereinstimmen, als A zusammenfasse, und 1 — 
für manche Paragraphen L und n dienen; auch B kann manchmal 
zur Stütze einer Lesart beigezogen werden. Die Lesarten der 
vier erstgenannten Handschriften gebe ich vollständig, so weit 
ihre Abweichungen nicht rein orthographisch sind; Vertauschungen 
von -i und -e, -ae und -a, -nd und -nn zu verzeichnen, hätte bei 
der Art der Überlieferung keinen Sinn. Längezeichen setze ich 
da, wo wenigstens eine Handschrift sie bietet. Ich suche den 
Text ungefähr so herzustellen, wie er ursprünglich ausgesehen 
hat, weiche also in der Schreibung manchmal von allen Hand- 
schriften ab. Die Rechtfertigung einiger Änderungen bringt 



80 R. THURNETSEN, 

unten die Übersetzung. Die Numerierung der Paragraplien 
stammt von mir. Die eingeklammerten Zahlen weisen auf die 
ganz öder teilweise entsprechenden Abschnitte der Redaktion B. 



1. Incipit auraiccept Moraind no teecosca Moraind for Fe- 
radach Find Fechtnach. 

[1 nach B 1 : Alldacht Morainn maic Moin do Feradach Find Fechtnach. 
Mac side ingiue Lüith maic Delaraid de Chruthentuaith, bert a mathair ina 
broind le tairis sair i uAlbain iar ndilgiund serchland Heren?» dona athech- 
thuathaib. Do-lluid iaritm iu Feradach sain i ciud ilbliadan i nHerinn co 
slögaib tairis. Fäidis Morand ia n-audacht sa chuice, con'erbairt:] 

2 (2). Comerig, a Neri nüallgnäith, nöithiut büaid ngoire. 
Gor in tech[t] ara'folmaider [A: co Feradach Find Fechtnach] 
fäsaig firinni, firforbor flatha feig. 

3 (2 — 4). Firmuini mo brlathar rem bäs berta büaid, dlrge 
dlegar cach flathemon in sin. Ad'mestar dar midriana ad* mör- 
chlotha miditer. Ma thesi sech rlga, ressi co Feradach Find Fecht- 
nach. Fö bnan bithsuthain sir fir flathemon suithi cluines. 
Comad mo cliosc Tarmothä sund. 

[Dafür 1: Fir mo muimme mo briathar hi comrair gäise comadar, beir 
dö re mo bäs {vgl. B 2). Cluiiied mo chosc iarmothä sund .i. ma theise sech 
riga, teise co Feradach Find Fechtnach.] 

4 (5). Sluind dö ri cäch brethir, beir do ri cäch brethir, 
indid dö ri cäch brethir, brig dö ri cäch brethir. 

5. Morad firinni, na-mmörfa. 

6. Nertad firinni, na'nertfa. 

7 (6). Comad firinni, cot*n-5fadar. 

8 (7). Tocbad firinni, cot'n-uiceba. 

1 tecosca h, tecusc a. finnfechnach y. 

2 Ne(i)re omnes. nollgnathaig 1. ngaire omnes. gor intech 1 (vgl. B), 
corimthechli y, cosamthech a. adfallnathar a y, atfalluathar b. firforbartl. fegl. 

3 Firmiiuii y. riam A. dirigi a. dlegair A. cacha flatheman A. 
Atmestar a. at A. Ihes A. resse a, reise h y. Fachtua a. sirfir a. flathe- 
man h y, flathcmaiu a. 

4 1 hat 7iur: Abbair friss ri cach üibrethir (vgl. L). — ria A die drei 
ersten Male, das vierte ri h gegen ria a y. Der zweite Satz beir dö r. c. b. 
fehlt in a. breth a im ersten, mbreith im dritten, .b. im vierten Satz; mbreith 
h y im ersten, nachher br-, .b. (aber üibrethir in L). 

b nomörfa h y 1, nommorfa L, nomorfadar a. 

6 nonertfa 1 L. 

7 couofadar a, cotnöba 1, cotnofathar B. 

8 steht in 1 vor 7. — Comthoghad h y, Comthogha a. cotnuit- A, cotnocebal. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 81 

9. Ar cein coii'oadar som firinni, nicon'tesseba maitli airi, 
nicoirairchluri a flaitli. 

10 a (13). Ar is tre fir flathemon con' tüatlia mura midetar. 

10 h (12). Is tre fir flathemon mortlaidi mora di doenib 
diügbatar. 

11 (15). Is tre fir flathemon ad" morchatha cricha cu 
nämat curetar. 

12. Is tre fir flathemon cach recht ran, cach lestar län 
inna flaith. 

13 (14. 16). Is tre fir flathemon foss släne sid subaige 
säme soad sothocad somaiue sädaile slänchride, cach comarbbae 
cona chli inna chainorbbse clandas. 

14. Is tre fir flathemon cach tir toirthech, cach lämuad länchöir. 

15 (19). Is tre fir flathemon cach hetha ardhüasail imbeth. 

16 (17). Is tre fir flathemon mesrada mörfeda ath* manna 
millsi mlaissiter. 

17 (26). Is tre fir flathemon cach t[h]lachta dianime, dech 
ma röranaiter co ndathli siila segaiter. 

18 (27). Is tre fir flathemon comrar comgi cecha cethra hi 
crichaib flatha firiöin. 

9 är 1, iar A. conofa sum A. a firinwe a. nocotesseba 1, niesseba L. 
a maith A, nach maith L. airi om. A. nochonairchiure L, niconaurchera A, 
nocouairchranfa 1. a om. L. 

10 a Airis y, arws a. tria AI, tre L. flatheman a h, flaitberHa?i y. 
condat A, om. 1. miditar A. 

10b Is tre f. fl. om. A, flatba 1. ata morlaithi (-e) A, mortlada 1 L. 
do A. dingabar a, digabar h y. 

11 tre 1, tria A. üatha, ah. at 1 L B, ata A. mora catba a. fri 
cricha cu nämait 1, for cricha comnamat A, de chrichaib cu uamat L, fri 
cricha comnamat B. cuii'ed(h)ar A, curethar L. 

12 tria a h. ina A, imma 1 L. 

13 tria a h. foss om. A. sodad a. sothocath h. Für foss bis släucb. 
hat 1: foss 7 slänte, sid 7 subaige, somäini 7 soad, sodcad 7 sädaile, comlaine 
cride 7 meumau. — comarba A, comarbba 1, comarbse L. ina -chainforbbai h y 
(-forbai a), iu chäiuchomarbai L, i cind a tbire techtai (clandas om.) 1. 

1-1 tria a. üatha. a. Vor cach tir schiebt A eiti: cach soad soiumech, 
s. § 29. thir thoirthech a, torthech 1. lamna a. 

15 tria a. etha a h, feda 1. ardhuasal h y, arduasal a, aird uasail 1. 
immed h y, immedha a, immaid 1, imbeth B. 

16 tria a. mesrdha (merrdha ?) a, merada y. mora for fedaib 1. ad a, 
ata 1, at L. milsi a L. riiblaissiter li y, mblaisiter a, blassaigter 1. 

17 tre 1. dech a li 1. morrainuiter A. condat li (li) 1 A. ssegaiter li y. 

18 combrar A. comga I. cach 1. hi a, i 1. fireoiu y, firiau 1. 

Zeitscbrift f. celt. Philologie XI. 6 



82 R. THDRNEY8EN, 

19 (vgl. 23). Is tre fir flathemon nrfuigledar nach fuigled, 
nad'bi co fässaigib frrinne fossaigedar a breit h. 

20. Is tre fir flathemon tromlibarn hin mban mör, malne 
mör mbarc hi cinn cach thire tatliigedar. 

21. Is tre fir flathemon do'focbat düili düsi ili ordai airgdidi. 

22. Is tre fir flathemon do'cuiredar ildelba muir, mila mina 
möra for trachtaib dergetar. 

23 (20). Is tre fir flathemon aibne uisci iasc a tonnaib do* 
snämaib segar. 

24 (24). Is tre fir flathemon fo-gaib cach dän mochto inna 
suidiu Tarna stethur co fäthaib fiss fri forcital fethamail. 

25. Is tre fir flathemon sina caini cach threimsi techtaidi 
doxengat .i. gaim cain cuisnech, errach tirim galthach, sam tur 
frossach, fogomur tromdruchtach toirthech. Ar is go flatha do'ber 
sina saiba for tüatha cloena. co'secca talman torad. 

26 (28). Is tre fir flathemon teora blal büirig im cach 
n-öenach imma-costatar cluichi co mbilib, co mbüadaib, co sTnaib 

19 nadfuigle nadfuigledar 1, iiafu(i)glidar nachfuilid (nafuilid a) A, 
uifuiglid nach fuiglid L. nabi a. fasaigib A L. firinne L (vgl. B), fireoin 
a h {om. J-), firiäuaib 1. fosaiges h y, fasaiges a. 

20 In 1 steht dieser Abschnitt zivi sehen 26 itnrZ 25. tromliberna A, 
tromlibarn luor lan (mban om.) 1, tra libarna läua lauamna bau (mor om.) L. 
müni bärc (mör om.) 1, bare (maine mor om.) L, mbaivc a. i a L. ce tire L, 
cac/t tir a. tathaigedar a, com. 1 L. 

21 tocbait L. düili om. L. örda 1 L. In A nur: IS- .f. f. tusem 
(tuisme a) liili ordse airgdidi (airgide a). 

22 tria a. docuiridar A, docuredar L, om. 1. mil L. mor L. dergetar L, 
doregt[ar] a, doregdar h y. I?t 1 n: ildelba ilmili a miiirib domnib sceo moraib 
(märuibli n) for trachtaib techtaib tochratar (tracht- tectoibh tocrathar n). 

23 steht in A vor 22, bildet aber keinen besonderen Abschnitt. Is tre 
f. f. ist tveggelassen U7id aibli schliefst sich xmmittelbar an airgdidi (21) an. 
aibli a huisciu A. iascaib 1. a om. 1. tornaib A. de snamaib L, dona 
aibuib 1. segtar 1, snegtar L, segaiter A. 

24 foeseb A, fäcaib 1. cach ndan A, cach däm 1. mochta 1 h y, 
mbochta a. i«a a. fo rectal 1, forcitail li, forcetail a. 

25 in 1 hinter 26 xcnd 20 (s. o.). caiui om. 1 u. treimsi A n, tremsi L. 
techaidi a, techtaighi y, om. 1 u. docengait a, docengat re 1 (a re n), dudecat L. 
coisuech A. gsethach tirim 1. taurfrossach 1, trossach h, trosach y, throsach a. 
fogomar h, fogmnr a, foghmhar n. druchtach co trom (toirthech om.) A. 
torrthach n. Ants a, Uair is 1, Oir as n. flaithem- u. dobeir 1 n. tua- 
thoibh n. co*s. t. t. om. 1 n. coseg(h)a A. talara a, tal- li. 

26 tria a. facaib teora a. blae a, blae li y. Die Wörter von buirig bis 
blal niescae fthlen in 1, das dafür .i. setzt. — in h, m a (y unleserlich), nima- 
coistetar h y/achionma coistetar a. cluithe a. conbilib(h) a y. conbuadhaibh a. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 83 

mlaithib: BlaT mescae im cacli n-öenacli. Ala blai dünaid la 
tüatha teclitai tecraiter. Blai Tige möir Midcliüardda medrait 
soir 7 doir, medrait baitli 7 gaith, medrait gnäith 7 ingnaith. 

[26 a (21) 1: Is tre fir flathemon clanna caine tusiuiter di forbbaib 
teclitaib.] 

27 (22). Abbair fri Feradach, arim remfissid arad sencharpait 
reme'deccai Tarmo'decai, to'soi friu sceo thairsiu, arus'ceissi 
arusclallathar, immus'dim immus'didnatliar, arna'coimb co fo'llö 
fonna fod'longat. 

28. Is tre fir flathemon cacha cethri i crichaib cacli flathe- 
mon firiöin cen tedmann cen aiiceiss. 

29. Is tre fir flathemon cach suth soinmech, cach doth 
toirthech, cech lämnad länchoir. 

30. Abbair fris, nip rannaire rüamnae göe, ar ni'cumgat 
göa baa i cathroi. 

31. Abbair fris, ni'fuiglea co ngoi cathroi, ar ni-frith 
nrfuigebthar brithem bas firiu cathroi. 



blaithib h y, blathaibh a. Blae a, Blae h y. mesca A, brugai 1. blae a. 
Ala or». 1. techta A. tecradar h j, tegradbar a. Blae a, Bise h y. möir 
om. A. Midhcbuarta a, Midc(h)uarda h y. sair sceo dair A. Das 2. und 3. 
medrait om. 1. ingnaith 1. 

27 Apair 1, Abb a, Abair n. fri .f. f. A. arim 1, ara n. a airidi A, 
ara n. remideccai 1, remedecce h y, remdeice a, reime dece n. iarmo dece n, 
iarma«ide(i)cedar sceo de(i)ce A. tosai a, tossäi 1, dosai h y. tarise A. In 
n statt tosoi bis thairsiu: sceo deisre, tuaisre sceo tairsea. — orisceissi A, 
ar is ceis n. aruscialladar 1, arisciallatar A, ar is ciallathar n. immusdin 1, 
hnmiisdebn a, iwrawsdem h y, iratts deimh n. imus ditnathar n, imnsdid- 
nathar a h, immusdidnad 1 (immus'd. bis fod'longat om. y). arnachoinb all, 
arnab 1, arnrtc/j n. foUa h a, folaib 1, follach n. fonnuu 1, fonnadh n. fod- 
longadh u. 

28 fehlt A {und n). tre 1. üatha, 1. cach f'latha 1. fireoin 1, fireoin L. 
tedma L. aüces foraib L. 

29 fehlt A, aber der erste Satz ist in § 14 aufgenommen, cech L. soad A. 
tot n. torthech L, tortach n. gach n. 

30 Abbair (Abb- Ab-) schreiben hier und im folgenden A L, Apair 1, 
Abair n {hier auch y). friss y, ris L. nirip L, nirap 1, narab n, nab a, 
naba h y. rüamna 1 L, rommna A. goa y, goa 1 L a h, goi u. nichumgat 
1 a. go bagh n, bai A, baa goa L. cathrse h y, cathre a, cathröib L 1, 
iccathroe n. 

31 ris L. nifuigle 1, nifuighle u, nifuigli A, nifuigbe L. gongaoi n, 
congoe A, congaib 1. cathröe 1 A, catrse n. ar bis cathroi fehlt 1. niffrith a. 
nifuigbith- h, nifuighbighther n. breitemh u. firem a, fire u. cathroe A, 
catrse n. 

6* 



84 R. THURNEYSEN, 

32. Abbair fris, nrcoratbar a llaith eter rindi gai; 6 
do'coiset rindi immasech, nl'fess coich le«s coicb amless. 

33. Abbair fris, ni assu athdiuiDgid inna flatha oldiis a 
imdidnad, ni assu a tüarcon oldas a imdiomet. 

34. Abbair fris, nip diumsach diupartach duilig doinnech 
dogdecli doithge, 

a. Ar dligid cach dogdech dibe. 

h. Dligid cach doinnech dibdud. 

c. Dligid cach diumsach tairniud. 

d. Dligid cach forränach fuidbech. 

e. Dligid cach forcradach fescred. 

f. Dligid airrechtach a thalr. 

g. Dligid beus cach dothge miscais. 

Tl. Dligid cach gübrethach garsecli 7 athsuidi 7 dibad. 

35 (29). Abbair fris, nl* ranna ar airlissi imdergga, ar is 
dörtud cacha flatha firinne fuilige for lär. 

36. Abbair fris, nip fuilech nip cuilech a lam, nip cröda a 
acnam, nip renn a sanas, nip hüar a anal. 

32 ris coradar (ni om.) 1, nicuirethar n. eidir n. renna A, renna 11. 
gse A. docoisead n, docoistet h, docostet a, docoist y, docoot 1. a rinne n. 
seach aroile n. cüich — cüich 1, cuich — cuic n. aimhles n, amless and 1. 

33 hassu 1, asso A, husa n. athcoing- n, acungid 1. na A n. him- 
didnad 1, a a«ch6ir do miWiud n. hasso li y, liasa a, husa n. thuarcain h (y), 
thuargain a, togairm 1, toghairm n. quam A. himchomet 1. 

31 ris trä L. nip bis diup. fehlt 1. nirip L, nirop h y, nirba a, nir 
sab u. diomsach n. diubartacb a n, dubartach h y. doil- n. duinnech A, 
doinech 1, om. L. doguittech L, dotclied(h)ach A, dotcbadach u, om. 1. doitgi L, 
dotheng^ 1, dothengach u, om. A. 

a. Dligidir L. cecÄ L {hier und im Folgenden), duigthech L, doitche A, 
dotheinga 1. digi L, dige 1, dig(h)d(b)i A. [dlighijdh gach dotcadhach 
dighdhe. dli^/tidh gach dotheugflc/t dinge n. 

b. in u hinter c, fehlt in L. duinnech A, döinech 1. dibdiid 1, diobhadh n. 

c. dimsach 1, diomsacA n. tairniud L, tairnium 1, tairuem A, toirneamh n. 

d. fehlt L. cach om. n. fuitbech a, fuidhbheachd n. 

e. fehlt n L. forränach A. fescred 1, feiscre a, fescre y, frescredh u. 

f. bis h. fehlen 1. airechtach a L, arrachtach n. thar n, thäini L. 

g. beosa, bheösn, o»i. L. dotcheA,dothchadhachu,dotheügaL. mioscuisn. 
h. gübrethach y, gubrithem L. garsele h y, gaire a {das damit abbricht), 

duaidid 7 gairsechla L. diobhadh u, dibdud h y. 7 aths. 7 dib. om. L. 

35 nirorauna A. ar om. 1. airlise 1. är is 1. dortod h, dortadh y, 
fola {statt cacha fi. fir.) 1. fulige fö lar 1. 

36 friss y, ris L. guinech {für cuilech) A, nib fuilioch nib cuilioch nib 
guiuech u. a läm om. L {in 1 steht es später), nir A. cowcrodha u. acra A, 
läm 1, chara u. nip renn bis anal om. 1 L. raind sanuis u. buar u. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 85 

37 (57). Abbair fris, nl-lua üarlommann fola for üarmirenn 
crödai, for feolai fine; ar [is] etarbae n-inderb n-indless etir cach 
ar üair, ar cach die in bith sa. Do'bebae do'beba, do'rerae 
do'rera cäcli boi cäch bias. 

38. Abbair fris, fingal nis'nderna. Mairg fors'iidöirter, 
mairg ö'ndöirter! Do'fecliar ö Dia co nömad nöe, co'ndeni du- 
thaini 7 garsecli, do'forti a orddaii 7 a änai, do'bädi a greit 7 a 
atligabäil, do'llega a chlauda 7 a cliomarbbu, fo'fera mör n-uilcc 
sund, fo seclit sechtdlabul do'fechar tall. 

39. Abbair fris, denad cacli maitli, ar is 6 maith mathigdir 
cäch. Cured cäch fö mäm foTicfa ara chinn. Ar as'renar fo"fia, 
ar is ö ulcc fo'feiiar olcc. 

[Nur 1 39 a (32). Apair fris, ad'mestar düle dülemon. 

b. Ad'mestar biriun asa ilmeuib: mein oir, mein airgit, mein umai, 
mein luädi, mein iairu. 

c (33). Ad-mestar talam assa torthib. 

d (34). Ad"mestar assa besaib büar. 

e (36). Ad-mestar asa moinib mblicbt. 

/■ (44). Ad-mestar caircba assa comthlacbtaib cöinib comdathcha gnüsi 
gradugud, ol is find cäirech a seracbar, ni ser imnä-bi.] 

37 Abb. fris om. A, ris L. nirlua 1 A, ni ro lu a n. urlomanna u. 
uair mireanda u. croda A L, cräo 1, cro n. feola 1 L n, feoil A. a fine n. 
is om. oinnes. etarba 1 A, ettarbba n, etarbai L. nindeirb L. ninnlisi n, 
nincliss L. Die Worte nach n-indless lauten in 1 nur: im tir cäicb arnüair. 
hl L: im tir caicb arnuair. Abiair ris coicb ra-büi no coich bias in bith sa. 
In A: etir cach a uair ar cach dia imbitbsa, cach (oder can) bä cach beba 
cach ra cacÄ rera. In n: ar is cach ar uair ag imtheacht in die in bith sa. 
conba conbeabha. cowra conrara. 

38 fionnghal n. nisderna 1, nisderna n, ni?iderua h, ni»ulerua y. Mairg 
dodaforti mairg forsiidortar 1, Maircc dofoirti mairg forsa ndoirtfidher u, mairg 
forndoirtither mairg dodafoir .i. mairg fonklöirter L. dofecthar A. noemad A, 
nomaid L. noa A, näu 1, noo n, u6 L. duthain A. garseicle n, garsegle h, 
garsechla 1. dofortai 1. a om. 1 {so auch im Folgenden), ana omncs. grad A, 
do baidhe a greid 7 ghaiscedh {vgl. 45), do baidhe a gradh et a athghabhail 
do n. dolega a ('(h)lann A, do-11. bis chomarbbu om. u. c(h)omforba A. 
nuilc 1, olc n. i fus 1, abh«s 11. secht om. 1. seac/if ndiobalta n. do fecar n, 
om. 1. thall A n. 

39 cach om. A. 6 om. 1. maithiglidir y, maiter n, mathiges 1. Curad A, 
cuire u. fo mam fo riam A, fo mhäm fo riamh n, mir fo riam 1. riocfa 
{ohne fo) n. Ar om. 1. fö fia 1, fo fiadh n, asren arfofia y. hulc(c) A, fo 
ulc 1, olc n. adfenar 1, fofechar A, fofeachar gach olc n. 

39 f. Statt seracbar ni, lies: saerath, ar ni . . . 'Denn das Haar des 
Schafes adelt es; denn nicht edel ist eines, das keines um sich hat.' 



8G K. THURNEYSEN, 

40. Abbair fris, gonas gentair, marnas mertliir. 

41. Abbair fris, is ascedach fer fetsed. 

42. Abbair fris, nip sotal soisil sainairlech. Ar it ferr airli 
oldäs airle, it ferr cialla oldäs ciall, it ferr gaesa oldäs gäes. Is 
ed as dech cacha gäese döeuachtae: dilse 7 diute, tuae 7 trebaire; 
dech äilche ainmne foss fiss feidle age airle. 

43. Abbair fris, ni"ria seuiris ar nüaliiris \nur 1: ni'ria 
maith ar olc,] ni*ria degfer ar drochfer, 111 -ria dagninai ar drocli- 
miiai, ni'ria clotlia ar biad [1: ar is ferr diu clotli oldäs dln bid], 
ni'ria a enecli na anaim ar ecliu eclithadat. 

44 (58). Ni-fil inge cetheora flatlii issin bitli [1: .i. flaitli 
cougbäla CO slüagaib auechtair. Et cialflaith. Et firflaith]. 

45 (61). Flaitli cougbäla co slüagaib dianechtair, gnäth 
flaith lobur elaithecli do suidiu, Amal soite a slüaig üad, soid 
[1: a greit 7 a gaisced,] a gräd 7 a gräin for cülu. 

46 (60). Clallflaitli immiirgu, con-gaib side a cliricha 
cen choscru cen chernii; ui'deni di neoch, ni'deni necli de. 
Eäid a re laaib 7 aidcliib, ar is laaib 7 aidcliib räithir in 
bith huile. 

40 fehlt 1. friss y. ma(i)rnes mairnter A, mairneas mairntear n, 
marnas merthir. gonas gentair L. 

41 fehlt 1. aiscedach A, aisceadhach u. faidsiodh u (y vielleicht fetsed). 

42 in 1 hinter 43. soisil 1, soisiol n. Ar it bis airle om. 1. ferra h. 
oldass y. it ferr bis ciall om. n. ferra h. ciall (für cialla) y. ar is ferr 
ciall indä ciall (am Rande crod) 1. Is ferr 1, ferra A. gaois ol das gaosa n, 
gees anda gses 1. cac/i gaesi doenachta A, do gach gaois daouacht n, Issed is 
döennacht 1. 7 dilsi diüide n, diuiti y. tua omnes. dech om. h, dech 
cecha äilche 1. foss bis airle ont. 1. age om. n. 

43 nirire 1 (und so im Folgenden), dagfer A. a chlotha 1, cloth n. 
a om. A. no auam A, ina auu>M n, om. 1. eochu 1, eocho A, each u. 
echdadath 1. 

44 Apair fris add. 1. Nifilet 1 A, nifuilit n. teora A, ceithre 11, acht 
cethri 1. bith om. h. 

45 go sloghuibh n. Für Flaith bis do suidiu hat 1: Flaith corig- 
bäla tra nirap inraain flaith. — Flaith cong om. h. go sloghuibh n. 
labur A, labhar u. eloightheac/i n. di A. suidi y, suidhe n. Amhuil n. 
soithi A, soit 1, soith n. sloigh n, sluag A. soidhidh n. a ghradh 
üadha u. giu 1. 

46 congbaid 1 u. a chriocha et a thir n. chorru y, chorra h, gan 
corra n, cen chatha cen choscru 1. gan. cearna n, om. 1. nT"d. bis de om. 1. 
nidene A, uidlieini(e) 11 (beidemal), do neoch h n. Raaid A, Raidhid sidhe 
{statt a re) n. läibh 11. or A. laaib A, a läibh u. raitir A, rteter 1, 
raitear n. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 87 

47 (59). Firflaitli imnmrgti, immus'morat immus'nertat 
immus-bägat immus-cumtagat 7 firinne immalle. 

48 (62), Tarbflaitli dawo, ni inmain fer. Do'slaid do'sladar, 
fo-fich fo'fechar, coirclicli conxlecliar. Is Ms con bitli bennaib 
büredar. Garb duaig; tossacli a flatha, miscnech anblatliacli a 
medüu, utmall eloithecli a dered. Is fria maccii ar-dlüthfaiter 
cinaid, ar'gebtar gnüsi, ar'dimf alter cride. 'Ni fochen' ar 
cäcli 'do maccaib na Üatlia sin, nirbu maitli dun flaitli for 
n-athar riam'. 

49 (vgl. 57). Cacli flaith nad'bi co firbessaib firinne foll- 
nathar, do'ba do'beba, do"rä do'rera, con-gaib con'scara. 

50. Abbair fris, ni"n-erbba do senairecht, ar ni gnäth nach 
senaire bed ferr ar cliäcli. 

51. Abbair fris, ni-n-erbba do söebfätliib, na'n-erbba do 
firinni, bid ferr cot-n-6fatliar. 

52. Dia'nderna in so bulle, bid sen, bid sutliain, bid sirsäeg- 
lach, bid ceruach, bid catlibüadacli, bid rii, bid rüanaid, bid roratli- 
mar, bid slüagach sotliüge suithchernsa, bid saidbir, bid sogeisse, 
bid län do cacb maith, ro'sia a con*dia, a accobor da'n-icfa, 
biaid cach mi do inna blätb, is iiad ad'gebtliar Heriu co bräth. 

53. For'rega mo goire cip he do'gne in so huile. 



47 Firflatba y. immosmorat immosbagat imusnertat immuscuintaiget A, 
imus baghad irnns morad imus nertad imns cumhdaighit n. immall y. 

48 fehlt n. uirip 1. flaith (für fer) 1. fofeochar y. bennac/i A, 
bemmenach 1 (vgl. B). buredac/i A. düaig 1. anbflatliacli y. elothach 1. 
fodeoid (statt a dered) h, fodeoig y. fora maco (macaib) A, sein add. 1. 
dlnthfaiter A. airgebtair 1, arangebtar A. gnnssi y. arandunfaiter A. or 1, 
aracÄ (für ar cach) y. nibo A. düu in 1 hinter athar. 

49 nat ba n. firbesaib h, go bfirbheus- n, hi firbescnaib 1. follnadar 1, 
fallnathar A n. ancongaib A. 

50 steht in 1 hinter 55. uachanerbad 1. i sen. 1. cach A n. bad A, 
ba n. bed airddiu neoch 1. 

51 nachanerbbad 1. ssebfädib 1, ssebfathaib A, saobhfathoibh u. acht 
nanerbbad 1, nonerbba A, no nearba u. bu n. cotonofadar A, coda nodh- 
fathar n, cotnoba 1. 

52 bu 11 (das erstemal, dann b- oder badh). bid suth. und bid rii bis 
maith om. 1. ri n. rathmhar n. soitnge u. socliearnsa ii. sogessi y, 
sogheis u. roria 1, ros ii. auconuia A, an caoindia n. acobur A, accobhar u. 
donicfa A, douiucfa u, danicfa a accobor 1. gach maith dhö n, cach ri 
(do om.) A. cona 1 u. nadha geubhthar ii, uad gebt(h)air A. Eire u. 

53 fehlt 1. Foreg(h)a A n. gaire A, ghaire u. cibe u. Finit add. \\, 
Finit. Amen add. y. 



88 li. THUUNEYSEN, 

[1 (imd u) führt fort: 54 (63). Apair fiis, forcmad mo 
briatlira, bertait co mbuaid, ata*midiur arm clien-1 clith; cotom* 
ecnigedar spirut mo dligid dil, reim scartha scel ihbind. 

55. Buäid caclia flatha a f irinne, fäilte cach maige, mögad 
cacha tüaithe. 

56. Apair fils, nach'n-erbbad i iigentliucht, na-n-erbbad i 
firinne, cot'noaba. 

57. Apair fris. nacha'n-erbbad i n-idlu, iian-erbbad i nDia 
as dech deib, dia nime. finit, amen.] 

54 Die Lesart von n bis cotom* ecnigedar s. bei B. bertach 1. Fem- 
sgartha ii. 

55 cac/i flatba 1. a om. n. gacha muighe n. moadh n. cach a 
thuaith 1. 

56 Abair n. nachuearbadh u, nachanerbbad 1. do ghentiidÄeacht n. 
nodnearbadh dfirinde (cotn. om.) n. 

57 {Vorher schiebt 1 § 50 ein, s.o.). Abair n. nach-n-adradh a n-io- 
dhalaibh, acht adradh a ndia (das Übrige fehlt) n. 



II. Die Redaktion L. 
Zur Vergleichung mit A lasse ich einen Abdruck der einzigen 
Handschrift von L gleich hier folgen. Die eingeklammerten 
Zahlen bezeichnen die entsprechenden Paragraphen von A. 

1. Br'idithra Moraiwd in so sis oc tecosc Feradafrjr Find. 
Fechtnaig, diaro'föid Morancl a dalta chuce .i. Nere. 

2 (4). Abbair ris ri cacÄ liibrethir, ar Morand. Iwnis do 
ri cac/i riibrethir. Brig dö ri cac/i riibrethir. 

3 (5). Morad firiwne. no'wmorfa. 

4 (6). Nertad iirinni. no-nertfa. 

5 (7). Co»ietad iirinni. no'cometfa. 

6 (8). Tocbad iirinni. no'toceba. 
7. Seiched iirinni. nos'seichfe. 

8 (9). Cip e chometas iirinni, ni'esseba nach maith aire. 
Nochon'airchiure flaith. 

9 (10&). Ar is tre fir flathew^on mortlada tromlige do döinib 
dingbat ar. 

10 (11). Is Ire fir ^athemon at märchatha de chrichaib cu 
nämat curethar. 

11 (12). Is tre iir ^athemon c^ch ana län. cac/i lestar län 
i?»mn flnitli. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 89 

12 (13). Is tre iir üathemoti soss. sla[n]te. sid. suba. soad. 
same. sadaile. släncliride cac/i com&rhse cowa chli in chäinclio- 
marbai clawnas. 

13 (16). Is tre iir ilatliemon mesrada mora at maima milsi 
blaissetar. 

1 4 (20). Is ire iir ilatliemon ira libarna läna lanamna ban. 
bare i ciwd cetire. 

15 (21). Is tre iir [ilathemon] tocbait düsi ili orda airgdide. 

16 (22). Is tre tir [ilafhemon] do'curedar muir ildelba mil 
miwa mör ior tractaib dergetar. 

17 (23). Is tre iir [ilathemon] aibne iisci iasc a townaib de 
snawaib snegtar. 

18 (25). Is tre iir [ßathemoti\ sina caine cac/i tremsi 
techtaide dud'ecat .i. gabn cäiw cuisnech. Errach tirim gai- 
thach. Sa,m tur frossach. Fogowur tromdruchtacli torthech. 
Gü flatbemon do'ber sina saiba. 7 mortlada. 7 gallra. ancessa 
ior tuatha. 

19 (28). Is tre iir [flathemon] cacAa cethri i crichaib cac7i 
flathemon iivGoin cen tedma cen aiices foraib. 

20 (29). Is tre iir [flathemon] cech suth soinmech. cach 
doth torthech. cech lamnad lanchuir. 

21 (i9). Is [tre] iir [flathemon] ni'fuiglid nach fuigled, 
manip co fasaigib firiwne fo'gabthar; ar it fasaig 7 roscaid 
berthe bretha. Ni brithem lasna'furecar. 

22 (34). Abbair ris tra nirip dimMsach. diupartach do- 
guittech doitgi. 

a (a). Dligidir cech duigthech digi. 

h (c). Dligid cech diumsach tairniud. 

c (f). Dligid cech airrechtach a thäini. 

d ig). Dligid cech dotheiiga miscais. 

c (h). Dligid cech gubrithem duaidid 7 gairsechla. 

23 (30), Abbair ris nirip rawnaire ruamna goa. arni'cwmgat 
baa goa i cathröib. 

24 (36). Ab6a«r ris nip fuilech. nip cuilech. nip croda 
a acnaw. 

25 (31). Ahlair ris ni-faigbe co iigöi cathröi, ar ni'frith 
ni'fuigebthar brithem bas firiu cathroi. 

26 (37). k\)hair ris ni'lua uarlommand ior uärmirend croda 
for feola flne ar etarbai n-iwcliss im tir caich ar n-uair. 

27 (37). Ahhair ris coicli ra-büi no coich bias in bith sa. 



90 R. THUKNEYSEN, 

28') (38). Fingal Mairg for-iidoirtitlier. maiig doda-foir 
.i. Mairg för'udüirter, do'fechar co nomaid no. 
29 (39). Is olc fo-fertliar. 
301) (40). Marnas merthir. Gonas gentair. 
Finit. amew. Unit. 



') Bildet in der Hs. keinen besonderen Abschnitt. 

* * 

* 

m. Die Redaktion B. 
Bei dieser Redaktion, die durch die vier Handschriften d, 
e, i, n vertreten ist, verzichte ich Avegen ilires Charakters darauf, 
die ursprüngliche Lesart herzustellen und gehe im allgemeinen 
über das von den Handschriften Gebotene nicht hinaus. Ich 
begnüge mich, die Schreibung, die mir unter den überlieferten 
die altertümlichste zu sein scheint, in den Text zu setzen, lasse 
aber z. B. auch -e für altes -i unverändert, wo keine Handschrift 
dieses bewahrt. Weitaus die besten Lesarten bietet im allgemeinen 
i, namentlich auch, was die Orthographie betrifft. Freilich bin 
ich mir wohl bewulst, dafs seine altertümliche Schreibweise 
teilweise trügerisch sein kann. Auch andere Texte dieser Hand- 
schrift zeigen, dafs ihr Schreiber sich an alten Mustern geschult 
hatte und also wohl imstande war, einen Text grapliisch zu 
archaisieren; so wendet er die alte Endung -iu nicht nur da 
an, wo sie hingehört, sondern z. B. auch in cailtiu 54 A für den 
Ackusativ fem. cailti. Es ist daher leicht möglich, dals z. B. 
das häufige -ih für -d nicht aus der Urhandschrift herrührt. 
Immerhin wird man sich bei dem starken Variieren der Hand- 
schriften am liebsten ihm als Führer anvertrauen. Nur seine 
Vorliebe, to für die prä verbale Präposition zu setzen, habe ich 
nicht befolgt, insofern nicht andere Handschriften (aufser d, das 
unter anderen auch solche graphische Schrullen hat) stützend 
hinzutreten, obschon es an sich dem Bearbeiter B angehören 
könnte, der ja gleichfalls Archaismen liebt. Im übrigen gebe 
ich die abweichenden Lesungen der in der Orthographie überaus 
stark schwankenden Handschriften nur da, wo sie wirklich auf 
eine andere Form hinweisen oder stärkere Abweichungen dar- 
stellen. Die eingeklammerten Zahlen weisen auf die entsprechenden 
Paragraphen in A. 



MORANDS FÜKSTENSPIEGEL. 91 

1. Incipit audacht Morainn maic Moin annso d Feradacli 
Find Feclitnacli mac Crimthainn Niatli Nair. Mac side ingine 
Löith maic Deleraitli do C[li]ruithentüaitli, bert a mäthair ass 
ina brü Tar ndilgund tigerna nErenii dona liaithechthilathaib 
acht Feradacli nama i mbrü a mäthar. Do-lliüd side larum 
tairis co slögaib 7 faidis IMorann in n-audaclit so cuici: 

2 (2. 3), AtTS tocliomla, a mo Nere nnallgnäith, noithiut 
bnaid ngaire. Gar intecli ara-folmaitlier fäsaig f orber flr. Finda 
buana mo bretlia no mo briathra rem bäs, beir do buaid dirge 
dligther cech flathenian, dia'teis sech cech rig; ata-midiur sa ar 
mo cheneul clith. 

3 (3). Ma tlieisi co-rrigii, reisi co Feradacli Finn Fechtnach 
föbeo; bid sirflaitliech , suide lanflatha, luiflth iltuatlia tathat co 
muir, moaigfid a chomarpa comlän co ngreit. 

4 (3). Comad mo chosc larmothä sund. 

5 (4). Sluind do re cech mbreithir, beir dö for cech mbreithir 
in so sirchosc. 

6 (7). Comad firinni, cot'n-öfathar. 

7 (8). Turcbad firinni, do'fuirceba. 
8. Öcbad trocairi, cot"n-öceba. 



1 audaght i, udhac/ti u, authac/i^ d, autac/it e. Morinn i. Muin i (1, 
Maoin n. iu/iso d e, om. i. do e. Criomthuinn n, Crumtain i, Crithm- d, 
Crtomth- e. Niadh d, Nia e n. Nair niic Lnäach Sriab uDerg e. Delirath d, 
Deilir- e. di i. pert d e, beart .i. rüg n. ass om. d n. a mbrw d. hatbach- 
thuatba d. Doluid(h) e n, Toluidb d. taires d, thairis cet. co sluaghoibh u, 
otn. i, in e vor tbairis. fuidis i, faoidheas n, foadhes d. inwähacht so d, 
inudbac/t^sa e, anso cbuige n, ind audaghtsse cuccu id est i. 

2 Adrse n, Atroi i, Adraigb e, [AJdruig d. tochomlse i. Neire i e. 
nüallghnaoidb n. noithiut nach A, noited e, noth- u, nuethat i, nuetbet d. 
ngariu i. Gair e n. arafolmitber i, arafolmaich- e, ara bfolmhuigter ii. 
fasaich e, fasach {mit Punkt dahinter) u. forbeir e. ber n, b- doe d, doib i. 
dlighthir i, iudligbtear n. cach d, gacb e (so auch im Folgenden), flatbimain i. 
Vor dia- Punkt i?i i d n; dagegen in e hinter righ. ate midiursse i, admi- 
dhersa e, admidharsa d. armceueul i, armocbinel e, arm- cenel d. 

3 tesiu i. corigh d e, gorigh {mit Punkt dahinter) n. fobeu i. bes 
sirlaitbech i, siorfl-atb d. suidiu i. laifidh e, laidfeidh n, laithfe d. tuadut 
comor i. Moigfith i, mooifid u, moaighfi d. a om. d. comgreit e, cowgret n. 

4 Comeatb i, Combai d. iartha d. 

5 Sloind n. re om. e. br-ir i. 

6 Comhai d. couotbfath- d, couofaither n. 

7 cotnurciaba i, cotnurgbebha n. 

8 fehlt i. 



02 R. THURNEYSEN, 

9. Coicleth a thuatlia, cot-ceillfetar. 

10. Fairthetli a thüatlia. fa-rresat. 

11. Talceth a tliüatha, da'ii-ailcebat. 

12 (10 h). Apair Ms, is tre fTr flaitheman mortlidi mörslög 
no mörlöchet di dolnib dingabar. 

13 (10 a). Is tre fir flaitheman conat märthüatlia märniulne 
midetar, 

14 (13). Is tre fir flaitheman foss sid säime suba soad 
släine sädaile. 

15 (11). Is tre fir flaitheman at mörchatha fri cricha com- 
namat cuirethar. 

16 (13). Is tre fir flaitheman cech comarba cona chli ina 
cainorba clannus. 

17 (16). Is tre fir flaitheman ad manna märmesa märfeda 
mblaisiter. 

18. Is tre fir flaitheman ad mblechta märböis muTnigter. 

19 (15). Is tre fir flaitheman rob'bl cech etha ardüasail 
imbeth. 

20 (23). Is tre fir flaitheman do hiubla lüsce eise ar sro- 
thaib snaaither. 

21 (26 a). Is tre fir flaitheman clanda caine cam'tuismiter 
deraib dethe. 



9 cotceillfethar i, cotceillfithear n, cotcoicellfit d, cotcoiceillfitli- e. 

10 Farrthadh n, Faired e, Farr- d. fairesit e, farr-siot n, farrthaisit d. 

11 Talgeth i, Tailgedh n, Talcadh e, Talgath d. tanelgefat i, donail- 
gebhat n, tonailgeab- d. 

12 tria i e (und so oft im Folgenden), flaithemhain n. mortliti i, 
mortlighi (-e) e d. marlochit i, morloicheat n, morlochat d, mor . . . e. 
do d e n. 

13 fehlt n. conit a i, conidh e. mormumaibh midhigth- d. 

14 Die Wörter hinter sid sind verschieden geordnet: saimai subae soad 
gadilea slaine i, suba saimhe slaine sadhaile soadh n, suba slaine soadh sadhaile e, 
subai söad slaine sadhaile d. 

15 id (für at) a. more cath- d. fria i, tor d. conauamat d. cuirither n d. 

16 clu i. caoiuforba e u, caomarba i. chlau?ius e. 

17 at e, it n. mauta i. mar fetha i. mblaisither d, mblasethar i, 
mbl-igbter e, mblaisighther u. 

18 at e. marb(h)uai8 e n. muiwither i, niuinighther ii, mouighth- d. 

19 robi d e, ro bhoe n. ardnasal e n. imbeitli e, imbith d, inibioth u. 

20 a d e. snaaigter e, snagbetbar i, snadbaitber d, suaidhitber n. 

21 f-ane caintussiraer i, caoine ('aointuisniithe(a)r d u. dferaib(b) d e. 
deitte n, detba e, dedai d. 



MORANDS FüRSTENSPIEQEL. 93 

22 (27). Apair fris ose oec, oec a flaitli; ardos'ecath aride 
sencharpait. Ar ni'caln'cotli are senfonnitli, remi'dece iarmo'dece 
tairsceo desiul sceo tuathbi[u]l do'fece, im -dich inrditlinathar 
arnap co faill na forran fonna fodTetliat. 

23 (19). Apair fris, miiuasligetharnaclimbrethemuin, maiii 
fassacli flriune fiastar. 

24 (24). Is tre fir flaitlieman ro'saig cech dän mochtaide 
miud suithe. Is iar suide seis fri forcetal förechta ro'dämair. 

25. Is tre fir flaitlieman crTchait cricha cech flaitlieman 
firiöin corro'saig cech bö cenn a hingelta. 

26 (17). Is tre fir flaitheman cach n-etach tlachta do sellaib 
süile saigethar (?). 

27 (18). Is tre fir flaitheman comrara coimge cethre caich 
torith, crlcliait crichichthai cecha flaithemnusa firiöin. 

28 (26). Is tre fir flaitheman ara'ndemat tre blai büraig 
cech coimdeth cenn fora chostathaib cuicilche arechta rän riuth. 
Öen nde blai äne ech n-oenaig. Aile blal dib dünaid. Tress 
blai buaid cuirmthige co coimaib co mannaib möraib midchuarda 
medardae balth 7 gaith, gnaith 7 iugnaitli. 

22 aece, ecc n, ec, eg d. flath- i n, fl-a d. ardosetadh e, ardoseich- n, 
ardoseidhedh d. aridh d, arae e, ara seanfond- n. arni caoin ml- d. ara n. 
seufon?iaidh e, serifuuda d, seancharpaid u. remedece d e (n). iarmidece d. 
tairscu i, tarsce d, tairrsce n. desul i, desiol n, deisiol e, desil d. tuath- u, 
tuathal d, tuadhal i. defece i, dofeichi e. imditbimh ditnathar n, imdithnitb- d. 
aruab e n, nabo d. foiraiu i. fonuad e n, fondaitb i. fotretbat i, fodreitbed e, 
fodreitb n, doreitbet d. 

23 uibuaislig(b)tber den. u-t d. mbretbimuiii i, mbreitb- e, mbretea- 
m/tan u. mane i, mana u, muuab d, m&nhadh e. fassacbu i. fiastara i, 
fiadastar e. 

24 rosoicb u. suidbiu i. ses d. fria i. 

25 gacba e, om. d. flatbimai» i. fireoin den. gosoicb n. 

26 netuigbi d, nedg-e n. da e, ta d. sealla n. saigetar i, suigbitbar d, 
saigith- e, saigbtber n. 

27 comrair u. comgi i. cetbra e, cetbrai n, ehr- d. caich i, gacb 
etc. cet. toraidb e. cricbicbtcbai i, ciieba cet. gacb d. flatbiranusae i, 
flaithem(b)am d n, flaitbem- e. fireoin e n, fior eoi» d. 

28 steht in 11 vor 26. arandemaid d. bla e, bl- d. buradbaigb d e, 
biiraig im cech n-oenach i. coimde as ceann u. forcostatbaib i, cbostaduibb e, 
costaibb n, cosdadbachaib d. cuicilg(b)e d e, coicilcbe n. arecbt i, aireacbta u, 
arec/tiaigb e, arac/tiaigb d. ranw. n. ritb n, ruitb d, ruitbtadb e. Oeuuie i, 
Aonda n. äiie om. u. noeuagb i. Ail i. bla e. duuatb i. bla e, blai dib u. 
coir»itige e. mid coardaib i, medbcbuarta 11. medardbse i, medbartbar u, 
medurruitb e, meadraibb d. mbaith i. guatb 7 ingnatb d. 



94- R. THURNEYSEN, 

29 (35). Apair fris, in mar n-airlisi u-imderga, ar is dörtath 
ceclia flatha folam la foscatli 6 fine do flaitli fuiliche. 

30. Apair fris nacli frlth fola ro-ndligtlier do rätlia na 
aurnaidm ara'rona, ro'sä ime roruided a gruaide faebraib fri 
roT, fri liailecricha fria n-aill fria n-uile imdegla. 

31. Apair fris, niaurdallat dana sona na maine mära na 
lessa for lubra leim. 

32 (39 a). Apair fris, ad'mestar duile duileman doda*rösat 
ama? do'rrösata; nach ret nad asa malnib miastar, nicope län- 
toratli do'bera. 

33 (39c). Ad'mestar asa toirtliib talmain. 

34 (39 d). Ad'mestar asa besaib inricib ibar. 
35. Ad'mestar asa cöe cloth cethra. 

36 (39 e). Ad-mestar asa moaigthib mbliclit. 

37. Ad'mestar asa hüaisli ith. 

38. Ad'mestar srutliu sländiunach. 

39. Ad'mestar Tarn assa thoichib tüathtacarthaib. 

40. Ad'mestar humse asa daingnib denib dluthaib dlümaicdib 
(oder dlüth-dlüm-aicdib ?). 

29 nurlisiu i. nimdhercai n, nimdergtha e, nimdergdai d. folam i, 
fol- (1 e {vgl. fo lär A 35). lai d. fosg-ai d. co flaith i. fuilidhe n. 

30 rodndligter i. torratlia i, torath- d. nodnrnadmaiwi e, uadurnaid- 
maim d. araronai i, arrona d e. rasa i. uime n. roruidet i. a om. u. fsebr- i, 
faobra e. roe n, raoe d, rae e. hail crich- d, hilcriocha e. frinaill frinaile n, 
friandaill frianduile e d. imdeglai i, immdeaghlai d. 

31 nahurdallad d e. no e. muine mar i. no e. lobro i. len no 
leim d, leim uo leu e. 

32 adameastar d, atmestar i. duilem- d e, duilimain i. todrosat i, 
dorosat e n, torosa d. torrosata i, dorosata n, torosata d, dorosta e. nadaa- 
samuinib i. nicobe d, nicobe e, uibe n. toberai d, totobera i, dodabeura n. 

33 Atmestar i, Atmesdwr e. asalantorath i. talam(h) den. 

34 Atmest- i, Atmesdur e. innr-aibh d, ionnracaibh n, innraicth- e. 

35 Atmiast- i, Atmesdur e. cse u, gcse d e. cethrai d. 

3G Atmest- e, Amest- i. moighthif d, mogith i, moghudha u. a 
mbliocht n. 

37 in n hinter 39. Atmest- i, Atmesdur e. huaslib i. 

38 Atmest- i. srotha slainndiuncha n, sruth slan (n)diuudaigli d e. 

39 Asmesditr e. iarann e, iaronn n, iaro d. thoicibh n, toicibh d, 
thoicthibh e. tuath tacartaibh i, tuath taccarthar n. 

40 Asmesdwr e. daingue d u, om. e. deiue den. dluth e, ovi. i n. 
dlumaigdibh e, dlomhaighibh n, dlomaaigibh d. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 95 

41. Ad'mestar arcat asa betha brlgaib bänaicdib {oder brlg- 
ban-aicdib ?). 

42. Ad'mestar ör asa örnlaniaib allmaraib adamraib. 

43. Ad'mestar liüir asa tindremaib hi torath tecail. 

44 (39 f). Ad'mestar cäercha asa cottuge do tlilaclitaib 
tüath teclannar. 

45. Ad'mestar muca metli-tairr, air is caclia gnüssi feile 
füasalcath. 

46. Ad'mestar flalla foirme firflatlia, air is cacli rigrenie 
recht näd asa nialnib miastar, nicobe läntorath dö do'gera. 

47. Ad-mestar döeru drungu fognama fognat biathat toimdet 
taibret tar flatha flrfolta. 

48. Ad-mestar sinu suidib sinnser somulnib ilib airmiten. 

49. Ad'mestar athra sceo mäthra malnib gaire gairfoirside. 

50. Ad'mestar foibrithiu cech däna drong dron dagaicdib. 

51. Ad'mestar cert 7 coir, fir 7 dliged, cumtlms 7 cörus 
cacha flatha fire fria huile aicillue. 

52. Ad'mestar dire coir cach gräid do söernemthib 7 döer- 
nemthib ro'mmerus ro'ndergathar. 

41 airgcet n, airgei d, airg-d e. bedha d e. brioghuibh n, brigh i, 
brigha e, brij^'hai d. banaig(h)ib(h) d n. 

42 forniamaib i. allmarraib i, allniuraib(h) d e, allmuiribh n. 

43 tinnrotb n. bi oyn. den. 

44 caurcbu i. cotaig(h)i d e, ccotaighibb n. to d. teglamor n, tec- 
lanatbar i, teaglanntwr e, tenglannt- d. 

45 fehlt n. mucu i. metbatbar i, methar d, asa metbur e. ar d e. 
gacb gunis d e. fuaslugadb e, fuaslaic- d. 

46 fialliu i, fiala e, ar fiallu d. forme i, foirmde n. ar d e n. ri 
rem/ti e. recbt na red i, rigb react reimbe nacb red n. uacb n. asumuinib i. 
miadbwstar n. nibicai i, nibbia gacb n. dotugera i, dou togera d. 

47 At mestar n. doera e u, daora d. drunga i, drongu d, dronga e u. 
fogbnuid biatbaid n. tomidlet n. taidbbret n, tairberat e, tairberad d. 
firfoltai i. 

48 sinib(b) d e, sin n. a suidbibb n. sinnseraib d, sinrisioruibh n, 
om. e. sombaiuibb e, sombaoinibb n. airmiden d e, airmitin i, airmbidnibb u. 

49 fehlt n. muinib i. gair forsaigbi e, gairforrsaigb d. 

50 Adm. oin. d. fuibbrigb u. gacba e u, cacb a d. drongaib i, 
dronga e n. dronn i, drona e d. dagbaigdif d, dagbaidib i, dagbaigibb u. 

51 firdl-i d. comtbws n, comtus e. curus d. caicba i. fir fl-a e, fir 
fl-ai d. fri n. aicille i, ait illiits(?) d. 

52 coir om. d e. gacba e. saorneimbe n. do dboer neimbe u. rowi- 
merus e, röm erus u, rumerusu i, romentsa d. romderg(b)atbar e n, rowi- 
dergatar i, roindergatb- d. 



96 B. THURNEYSEN, 

53. AtTS toclmmlai, a mo Nere nüallguäith, co Feradach 
Find Fechtuach, fäsaig du tulcha mo briathar. 
54 a. Doilece dorche do sorclie. 
h. Doilece brön do fäilti. 

c. Doilece borb do ecna. 

d. Doilece bäitli do gJdth. 

e. Doilece döer do söer. 

f. Doilece docliell do clilotliaib. 

g. Doilece neoit do gart. 

h. Doilece cailti do eslabrai. 
i. Doilece discire do fossti. 

k Doilece dofeth do glallnai. 
l. Doilece anflaith do firflaith. 

m. Doilece debti/d do cliurai. 

n. Doilece gö do fir, 

55. Apair fris, ba tröcar, ba firien, ba cosmail, ba cuibsech, 
ba fosath, ba eslabar, ba garta, ba flalainecli, ba sesach, ba 
lessach, ba eitir, ba innraic, ba suthnga, ba forustae, ba fir- 
bretliach. 



53 Atrai i, Adrse n, Adraigh d e. tochomla e, tocomhlai n, tocoml- d. 
nuallghnaoidh n. fasaich i. do a tulchae i, thulchadha e. 

54a In i hier ToUeci, b Talleci, c Dalleci, dann abgekürzt Ta-; in e 
abwechselnd Doleige, Doleici, Dol-i, Tol-i; in d Tolc mit Abkürzungszeichen, 
einmal Tol-i; in n Doleige und Doleicce. 

54 & dfailti d. 
54 c decnae d. 
54 d Dolin e. 

54 e sser do dhser e. 

54/" doithchell d. c(h)loth d u, do tsoicill no clotlia e. 

54^ neoitiu i. gliarta n. 

54 /t cailtiu i, caillte e u, call- d. eslabhra n, d eslabro i. 

54 i discre n. di i. fosta e, foisdine u, dfostse d. 

54 fc dofeith e, doeth i. gialli i. 

54 i fehlt e. 

54m fehlt e. chore i. 

54 n dfir d. 

55 fris om. d. ba in i nur hier, nachher hfiä oderh-; die anderen Hss. 
übe7'all ba (e einvial pa). firiou i, fireu n, firen e, fir- d. fosa d e, fos- u. 
eislabair d, heaslabra e. garti u. lialloincac/t n, fialenec/i d. sesracb i. 
indraicc i. suitheiiga e, suiteiigtai d, soiugtbe n. forfostae i, forasda e. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 97 

56. Ar atat a deicli ara'bädat goi cach flaitheman fomnas 
arnaclrnderna so fomnas hiiile, a uile flaithemna, fasaicli uaim 
a deich: flaith 7 febus, cluitli 7 coscar, cland 7 cenel, sld 7 
säegal, tocetli 7 toatha. 

57 (37. 49). Apair fris, fo'bä fo'beba, doTa doTera, 
co'biii co'bia, is ed do'fuicertliar; ni flaith mani'fallnathar ua 
gnimu so. 

58 (44). Apair fris, nl'fil inge cethri flaithi and: firflaith 
7 cTallflaith, flaith congbäla co slögaib 7 tarbflaith. 

59 (47). Firflaith cetamus, liiithir side fri cach fö, fris'tibe 
firinne inda-cluinethar, cota*n-ocaib inda'n-aice. Ar nl firflaith 
nad'niamat bi bennachtnaib. 

60 (46). CTallflaith, ar'clich side cricha sceo tüatha do'lecet 
a seotu 7 a techta ndö. 

61 (45). Flaith congbäla co slögaib dianechtair, in'soet a 
slöig side, in'snädat a adilce, air nl säith soitcedach sechtair. 

62 (48). Tarbflaith, do'slaid side do'sladar, ar'clich ar'cle- 
char, con'claid con'cladar, ad'reith ad'rethar, do'seinn do'sennar, 
is fris con bithbuirethar bennaib. 



56 Ar om. d e. ataid n, Ata d e. arabaithed n, arabaad e (in i ist 
das Wort nicht mehr lesbar), gae d e. cacha e. flathimaiu i, flaithemhoin u, 
fl-eamu- d, flaith-a e. fom(b)nus i n. ariiacb ndenaws-a e, anirtc/tdonusa d, 
airnaich nderu . . s . . cb i, aruacb deruKS u. fomuis i, fo»mus n. In n fehlen 
die Wörter von a uile bis flaitb. a om. d, flaitbiraiia i, a flatbembna e. 
fasaigb d. addeicb i. cluicb d e, cluicbe n. cinel e n. sith i n, sigb d. 
tocadb n, toice d e. toadb n. 

57 fo beabaidb d. dirra dirrera i, dorara d n. tofaicert- d, tofuigertbar i. 
flatha n. mane- i, mana- e u, muna- d. gnima d i, gnioraba u. sa e i. 

58 nifuil d e, uifuilit 11. acbt d e n. flaitbimna i, fl-iom-air/i u. fior- 
flaith eim n. et flaitb n. go sluagaibb e, go slogbnibb die neacbtair 11. 

59 hitber i, luitb er d, luiter n. foa i. indecluiuetbar i, inat clui- 
netbar u, nidocluiuetb- d. coteuocaib u, codanocaibb e, coda noguibb 11, co- 
dainoccaipb d. iuteuaice i, in don nfaice n. üaith n. -niamait i, -mamaidd, 
•ndemat u, (de?)anibaid e. bii d. benacbtoibb n. 

60 Ciallflaitb .v. u. tbuatba d. tollecet i, doleigid n, doleicedli e, 
dolecc- d. seoit i, SQoda u, .s. d, seota tec/tfa e. 

61 cougpbalai i, coug-bala e. slogai i. dian. om. i. iusixet i, inw- 
saigbed e, ionnsaigbid n, innsaidbet d. slog sitbe i. iusnadait d. aidilcbe i, 
adbailge u, adilcne e, aidilgni d. ar d e n. säidb e, saidb d, saitba i, saitbe u. 

62 Tarphfl- d. toslaid i, dosloid d, dosluidb n. tosladar i, dosluitbir n. 
arclecb d. concladb u. conclatar i e, coucletar u. atreitb u, atreth i. at- 
retbar i u. toseinn i, dosiiin 11. tosendar i, dosein?iar d. bitb buaretb d 

Zeitschrift L celt. Philologie XI. 7 



98 R. THÜBNEYSEN, 

63 (54). AttTSe tochomlai, a mo Nere nüallgnäith, co 
Feradach Find Fechtnach flailheniain n-üasal ii-än, co cech 
flaithemain fallnathar co fir. Forcmath mo briatlira, bertait co 
büaid, ata*midiur sa ar mo cheneol clitli cotom'ecnigethar. 



63 Ätrai i, Attraigh d, Adraigh e. tocomhlai ii, tochomhla e, tou- 
conmla d. nuallgnaoidh n. flaithimain nuasail i. flaitliimain falnathar i, 
flaietheam- fault iiaouth- d. Forcmat i n, fouaromaou d (iJi e nicht ynehr 
vorhanden). coHimbiiaidh e, go mbuaidh n, combuaeidh d. aitimidiursüe i, 
atta niiodarsa n, admithinrsa e {der Rest des Textes fehlt), admidarsa d. 
chinel u, cinel d. cotomecuigetar i, cotumeguith- d, cota imeignitber n. 
H- flu- du qbais Mor- add. d; u führt fort ivie 1 (s. oben S. 88). 



IV. Übersetzung des ursprünglichen Textes (A). 

1. Es beginnt Morands Pensum oder die Unterweisung von 
Feradach Find Fechtnach durch Morand. 

2. Erhebe dich, ruf gewohnter Nere; die Siegeskraft der 
Pflichttreue verherrlicht dich. Pflichttreu ist der Gangi), den 
du vorhast (zu Feradach Find Fechtnach) mit der Wahrheit des 
Praejudiziums, ein wahrer Dienstmann eines scharfsichtigen 
Fürsten. 

3. [Es sind] die wahren Schätze meiner Worte vor meinem 
Tode, die Sieg bringen; die Gerechtigkeit, die man von jedem 



*) Dieser Abschnitt enthält allerlei Schwierigkeiten. Die Überlieferung 
weist durchaus auf gor intech als ursprüngliche Lesart, auch in Fassung B. 
Aber in tech für a tech 'das Haus' ist in einem so alten Text unmöglich, 
int ech 'das Pferd' gibt keinen Sinn, zumal das Verb ara ■ folmaider oder 
•folmaither durch 1 und B als das richtige erwiesen wird. Nur schwer habe 
ich mich entschlossen in tech[t] zu ergänzen, das ohne weiteres hineiupalst, 
aber einen gemeinsamen, von keinem Bearbeiter verbesserten Fehler des Ur- 
textes voraussetzt. Was ist sodann fdsaig oder fasaig? Redaktion B fafst 
es als Imperativ eines Verbs, wie weniger aus unserer Stelle, als namentlich 
aus § 53 hervorgeht: tochumlai . . co Feradach F.F., fasaig do tulcha mo 
briathar 'gehe zu F., verkünde (?) ihm die Höhen meiner Worte'; vgl. auch 
§ 5G (fasaich). Aber welches Verb soll das sein? Fdssugud 'Leeren' pafst 
nicht. Da nun unser Text § 19 verlangt, dafs der richtende Fürst sein Urteil 
auf früher gefällte Urteile, auf j^raeitidicia stütze {fdssaigib firinne), so liegt 
es näher, fdsaig als Genetiv Sing, desselben Wortes (fdssach neutr. o- Stamm) 
zu fassen; darnach übersetze ich. Das Wort forbor (forber li) dürfte dasselbe 
sein wie forbhfer (for-fer), etwa 'Dienstmann', das Windisch Täin B. C, 
S. 492 bespricht. § 3 von 2 zu trennen veranlafst mich der Punkt , mit dem 
§ 2 in A schliefst; auch in B ist diese Interpunktion möglich. 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 99 

Herrscher erwartet, ist diefs. Sie werde mehr erstrebt (oder 
'g-eschätzt') als Methfluten, durch die man auf grofsen Ruhm 
abzielt. Wenn du an Königen vorbeikommen wirst, eile zu 
Feradach Find Fechtnach! Gut, dauerhaft, langlebig, beständig 
ist die Gerechtigkeit des Herrschers, der auf Weisheit hört. Er 
bewahre späterhin meine Unterweisung. 

4. Verkünde ihm vor Allen das Wort^), bring ihm vor Allen 
das Wort, melde ihm vor Allen das Wort, tue ihm vor Allen 
das Wort kund 3): 

5. Er mache die Gerechtigkeit grofs, sie wird ihn grols machen. 

6. Er stärke die Gerechtigkeit, sie wdrd ihn stärken. 

7. Er bewahre die Gerechtigkeit, sie wird ihn bewahren. 

8. Er erhebe die Gerechtigkeit, sie wdrd ihn erheben. 

9. Denn so lang er die Gerechtigkeit bewahrt, wird ihm 
Gutes nicht fehlen, wird seine Herrschaft nicht zerfallen. 

10a. Denn durch die Gerechtigkeit des Herrschers-*) werden 
grofse Stämme regiert. 

10 b. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers werden grofse 
Sterblichkeiten von den Menschen ferngehalten. 

11. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers "werden grofse 
Kriege nach den Gebieten der Feinde zurückgeschoben. 

12. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist jedes Recht 
strahlend, jedes Gefäfs voll in seiner Herrschaft. 

13. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist es Ruhe, 
Heil, Friede, Freude, Ungetrübtheit, . . . ^), Glück, Reichtum, Be- 
haglichkeit, heiles Herz, was jeder Erbe mit seinem Hauspfosten 
in sein schönes Erbe pflanzt. 

14. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist alles Land 
fruchtbar, jedes Gebären in voller Ordnung. 

15. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist Fülle von 
allem hochstehenden Getreide. 



*) Die später nngebräiich liehe Form der Präposition hat die ganze 
spätere Tradition dazn verführt, in ri die Nebenform von fri zu sehen und 
daher ri cach m-brethir oder ähnlich zu schreiben. 

^) Zu brig vgl. aufser Meyers Contrib. auch Imram Snedgusa, Str. 59: 
Brigfaidh Anderist proicept sulbair. 

*) 'Die Gerechtigkeit des Herrschers' ist wohl keine volle Über- 
setzung von fir flathemon, das das gesamte richtige Benehmen des Fürsten 
einschliefst, wobei allerdings die Gerechtigkeit obenan steht. Das Gegenteil 
ist gö flatha § 25. 

^) Was ist soad? 

1* 



100 R. THURNEY8EN, 

16. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers werden die 
Baumfriichte des gTofseu "Waldes als sülse Maima geschmeckt. 

17. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist Makel- 
losigkeit aller Gewänder; denn, wenn sie gefärbt werden, werden 
sie mit dem Farbenglanz des Auges erstrebt 6). 

18. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist ein schützender 
Schrein jedes Viehs im Gebiet des gerechten Fürsten. 

19. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers wird kein 
Rechtsstreit geführt, ohne daXs er sein Urteil durch Praejudizien 
der Gerechtigkeit stützt. 

20. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers landet ein 
Schiff {lihurnd) mit stattlichen Frauen, eine Barke mit grofsen 
Schätzen am Ende jedes Landes. 

21. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers heben die Ge- 
schöpfe viele Schätze, goldene und silberne. 

22. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers bringt das Meer 
viele Gestalten herbei; kleine und grolse Tiere werden auf den 
Stränden zurückgelassen. 

23. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers wird der Fisch 
aus den Wellen des Wassers des Flusses im Schwimmen 
erjagt"). 

24. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers findet jede 
(Dicht)kunst Ehrung^) in ihrem Sitz nach ihrer Mühe mit 
Weislieitssprüchen zur friedlichen Belehrung. 

25. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers schreiten schöne 
Witterungen in jedem ordnungsmäfsigen Vierteljahr einher: der 
Winter schön mit angemessenem Wetter, der Frühling trocken 
und windreich, der Sommer heifs^) und reich an Regenschauern, 
der Herbst mit schwerem Tau und fruchtbar i^'). Denn das falsche 
Benehmen des Fürsten bringt falsche Witterungen über schlechte 
Völker, dafs des Erdbodens Frucht vertrocknet (oder: erfriert). 



*) d. h. man will, dafs die Gewänder glänzen wie das Auge. 

') Ich konstruiere: do'segar iasc a tonnaib uisci aibne sndmaib. Die 
Flüsse sind so voller Fische, dafs sie ein Schwimmender erhaschen kann. 

*) Ich möchte mochta als tnochto, Ackus. Plur. von mochtad, fassen. 
Die Dichter werden durch Ehrensitze belohnt. 

") Zwischen tirim und t(a)ur mufs ein Unterschied bestehen. 

'") Dieser Spruch ist in die erweitertste Fassung der Tecosca Cormaic 
aufgenommen worden (ed. K. Meyer § 36). 



MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 101 

26. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers sind die drei 
'Freiheiten von Zorn'ii) bei jeder Versammhing, bei der Spiele 
veranstaltet "2) werden mit (Schild)r;tndern, mit Siegen bei sanfter 
"Witterung: die Freilieit der Trunkenheit bei jeder Festversammhmg; 
die zweite Freiheit der Heeresbildung (des Lager- Schiagens?) 
dui'ch zuständige Stämme, die geordnet werden; die Freiheit des 
grofsen Tech Midchuarda"), wo Edle und Unedle tollen, Toren 
und AVeise tollen, Bekannte und Unbekannte tollen i^). 

27. Sage zu Feradach, er solle ein vorauswissender Lenker i^) 
des alten "Wagens sein, der vorwärts blickt, rückwärts blickt, 
ihn gegen sie wendet und über sie^^), der sich ihrer erbarmt, 
sich um sie sorgt i"), der sie beschützt, sich für sie stellt i'^), damit 
er nicht zerbreche, damit er stütze i'^) die Grundlagen, die ihn 
stützen. 

28-0), Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist alles 
Vieh im Gebiet jedes gerechten Herrschers ohne Seuchen, 
ohne Not. 



") d.h. Diuge, die sonst den Zorn des Herrschers erregen, aber dies 
unter gewissen Umständen nicht tun. 

i'^) Ich habe -coisfetar in -costatar (von con-sndi) geändert, da B 28 
das Substantiv cosfathaib hat. 

") Festhalle der irischen Oberkönige in Temair. 

") Es läfst das auf eine sehr energische 'Feststimmuug' schliesseu, 

") at'ad explikativer Genetiv. 

*«) 'sie' sind wohl die Untertanen. 

") Wohl nicht: 'der sie dahinrafft' (s. Pedersen, Vergl. Gramm. 
II 482). 

*^) Imdldnad scheint nach dieser Stelle Deponens zu sein; •ditnathar 
(von ditiu) steht hier und in B 22 nur in der jüngsten Handschrift n und 
wäre synonym mit -dim (aus di-eitn). hndidnad heilst jemand aus einer 
Lage erlösen, indem man selber für ihn eintritt, s. B. of Armagh 18a 2 
(Sarauw, ZOP 5,513). Die Ableitung von don 'Platz' ist in diesem Kompositum 
noch besonders deutlich. 

lä) -coimb 3. Sing, des Si;bjunktivs von con'boivg, vgl. to-aithib 
Eriu VII 162, 5 zu ta{i)thboing. Das folgende Wort ist man versucht, da ß 22 
CO faul liest, in co folli 'durch Nachlässigkeit' zu verbessern, was einen guten 
Sinn gäbe. Aber man begriffe nicht recht, warum alle Hss. iiuserer Version 
das bekannte Wort in das dunkle folla (follach, folaib) geändert haben sollten. 
Darum habe ich die Änderung in fo-llü gewagt, da fo-ll6 — fod-longat gut 
in den Stil unseres Autors pafst. 

■■"') Dafs dieser Abschnitt zum alten Bestand gehört, ist nicht ganz 
sicher, da er nicht nur in a h y fehlt, sondern auch in u nicht aufgenommen 
ist: doch findet er sich aufser in 1 auch in L. 



102 R. THÜKNEYSEN, 

29. Durch die Gerechtigkeit des Herrschers ist jede Leibes- 
frucht gedeihend, jeder Wurf ^i) fruchtbar, jedes Gebären in voller 
Ordnung--). 

30. Sag ihm, er soll kein Austeiler geschminkter Lüge sein; 
denn Lügen vermögen nichts Gutes im (gerichtlichen) Zweikampf. 

31. Sag ihm, er soll nicht mit einer Lüge sich zum Zwei- 
kampf stellen; denn es ist nicht gefunden und wird nicht gefunden 
werden ein Eichter, der gerechter ist als der Zweikampf. 

32. Sag ihm, er soll seine Herrschaft nicht zwischen Speer- 
spitzen setzen; nachdem (einmal) die Spitzen aneinander vorbei- 
geflogen sind 23)j weils man nicht, wessen Nutzen, wessen Schaden 
es sein wird. 

33. Sag ihm, es sei nicht leichter Bitten an den Fürsten 
zu bringen als für ihn einzutreten, nicht leichter ihn zu zer- 
schmettern als ihn zu schützen 2*). 

34. Sag ihm, er soll nicht übermütig, betrügerisch, schwierig, 
stürmisch, ein übler Bitter 2'), übelzungig sein. 

a. Denn jeder üble Bitter verdient Verweigerung 2^), 
h. Jeder Stürmische verdient Dämpfung. 

c. Jeder Übermütige verdient Erniedrigung. 

d. Jeder Überwältiger verdient geknickt zu werdende). 

2') doth (las Stammwort des Verbs do{i)thid Cormac s. v. Mug eme, 
dothais Anecd. Ill 59, 22, kymr. dodivi bret dozvi. 

22) Weil dieser Satz schou iu § li vorkam, hat A (a h y) diesen Abschnitt 
mit 14: verschmolzen. 

23) Der Subjunktiv do'coiset im allgemeinen (zeitlosen) Satz. 

"*) Ob die Übersetzung richtig ist, scheint mir zweifelhaft. In dieser 
Fassnng würde der Spruch passender an die Untertanen als an den Fürsten 
gerichtet. Für a tiiarcon lesen 1 und L a togairm 'ihn zu berufen", was nicht 
besser ist. Vgl. oben S. 71. 

2^) Die Lesart von L doguittech und in a) duigthcch scheint mir auf ein 
Kompositum von do- und guide zu weisen, das allein hier einen befriedigenden 
Sinn ergibt. Denn unglücklich (dothcedach) zu sein, kann man einem nicht 
verbieten. Die ähnlichen Wörter dogdech und do(i)thge {= do-thenga) haben 
in den Hss. allerlei Verwirrung hervorgerufen. Freilich pafst dann im Schlufs 
von a weder digdi 'Bitte' noch dige, das nach O'Clery (s. v.) und O'Dav. 590 
(wo dige für dighde zu lesen ist) etwa 'Kompensation, Zufriedenstellung' heilst. 
Ich habe daher dibc dafür eingesetzt, was allerdings wieder einen alten 
Fehler voraussetzt. 

26) faidbcch zu fo-di-bong- wie taidbech zu to-aith-bong-. Adjektivisch 
scheint es in crcchtai fuidbecha T.B. C. (YBL) 2077. Nur in u dafür fuidh- 
bheachd, vgl. O'Reilly's: fuidhbheachta 'quarreis, wicked deeds, deceptions', 
faidhbhtaditach ' quarrelsome, treacherous '. 



M0RAND8 FÜRSTENSPIEGEL. 103 

c. Jeder Übermälsige verdient Verfall-'). 

f. Der Hartnäckige verdient seinen Tadel ^s). 

g. Weiter 2ö) verdient jeder Übelzimgige Hafs. 

h. Jeder falsch Eichtende verdient kurzes Leben und Ent- 
setzung und Aussterben. 

35. Sag ihm, er soll nicht roten ^o) . . .; denn Blutbeflecktheit 
ist Ausschütten jeder gerechten ^i) Herrschaft auf den Boden. 

36. Sag ihm, seine Hand soll nicht blutbefleckt, nicht 
frevlerisch sein, sein Kauen ^2) nicht blutig, sein Flüstern nicht 
. . . 33), sein Atem nicht kalt. 

37. Sag ihm, er soll nicht kalte Schlucke Blutes auf kalte 
blutige Bissen, auf das Fleisch seiner Verwandten trinken 3^). 
Denn diese Welt ist von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag 
durchaus unnütz, unsicher, ungewisser Besitz. Dahingestorben 
ist, dahinsterben wird, abgefahren ist, abfahren wird jeder, der 
gelebt hat, jeder, der leben wird 35). 

2') Zu fescred vgl. Triads of Irelaud, Glossar; Monastery of Tallagbt 
p. 176 s. V. fo-fo-esscrinim. 

"*) Vielleicht gab es neben t-air und t-ath-air ein aih-air, so dafs a 
kein Pronomen wäre. 

^^) beus, das in L fehlt, ist wohl nicht ursprünglich, sondern nur von 
den Hss. eingesetzt, die a und g ähnlich lesen (dotche, dothchadach). 

3°) imdergga ist wohl als Subjunktiv in Tmesis mit nl- zu fassen; wenn 
man mit 1 die Präp. ar wegläfst, könnte es beifsen: 'er soll nicht Teile des 
Gehöftes röten'. Aber bei ranna ist wohl eher an Fleischstücke zu denken. 
Jedenfalls mufs es eine Umschreibung für 'er soll nicht morden' sein; vgl. B 29: 
m mar n-airlisi n-imderga 'nicht viele Gehöfte soll er röten'? Zu airlis 
vgl. ÄL, Glossar. Oder ist arlissi Adjektiv zu ranna, vgl. drlius Fei. Sept. 27, 
nrerlissaigther, uumquam . . fastiditur Ml 62 a9: 'er soll nicht ekelhafte 
(Fleisch)stücke röten'? 

*') In fiatha firinne ist firinne offenbar der Gen. fem. des Adjektivs 
firiön; in § 18, wo fiatha den Fürsten bedeutet, steht dagegen die männ- 
liche Form. 

^'^) acnam von ad-cnäm (cndid), vgl. acnamacht .i. proinn fir obra 
Corm. transl. 16, acnamad 'Ration' V. Trip. 228,2 (acnabad 232,17) und 
acnamh O'Don. Suppl. 

3^) renn (raivd n) kenne ich nicht; rith addm rend 'der Lauf meiner 
zwei Beine' (Eriu 1,72,1) liegt weit ab. Kaum rmd 'Speerspitze'. 

3*) Die Form -lua statt -hl ist sonderbar und wohl felilerhaft, aber 
durch alle Hss. gestützt; vgl. as-lu (■la^i), at-lii Eriu VIT 134:, conara'lü som 
(Hs. sa) Monastery of Tallagbt 145, 21. 

35) Das überaus starke Abweichen jeder Handschrifteuklasse zeigt, dafs 
hier alte Verderbnis vorliegt. Ihren Grund sehe ich erstens darin, dafs früh, 
vielleicht schon in der Urhaudschrift is hinter ar ausgelassen war, so dafs 



101 lt. TIIURNEYSEN, 

38. Sag ihm, Verwandtenmord möge er nicht verüben. Weh 
dem. auf den er sich ergiefst; weh dem, durch den er ausgegossen 
wird! Er wird von Gott gerächt bis zum neunten Glied (eigentlich 
'Menschen'), so dafs er Vergänglichkeit verursacht und kurzes 
Leben; er ver!^chüttet seine Würde und seinen Glanz, er löscht 
aus seine Glut und sein Pfand, er vernichtet seine Kinder und 
seine Erben, er verursacht viel Übles hier, er wird dort sieben 
mal siebenfach bestraft. 

39. Sag ihm, er soll alles Gute tun, denn durch Gutes wird 
jeder gut. Er soll jeden unter seines) Joch bringen, den er treffen 
wird. Denn was ausgegeben wird, wird er einbringen; denn 
durch Böses wii'd Böses eingebracht 3^). 

40. Sag ihm, wer erschlägt, wird erschlagen werden; wer 
verrät, wird verraten wei-den. 

41. Sag ihm, freigebig (?) ist der Mann . . .3»). 

42. Sag ihm, er soll nicht stolz und hochmütig ^ö) sein, nicht 
nur mit sich selber Rat halten. Denn Eäte sind besser als (ein) 
Eat, Verstände sind besser als (ein) Verstand, Weisheiten sind 
besser als (eine) Weisheit. Das Beste von aller Weisheit der 
Menschheit ist angemessenes Wesen und Einfachheit, Schweigen 



man ar als Präposition zii elarbae zog. Ferner darin, dafs poetisch cäch statt 
in cdch vor den Relativsätzen stand und früh abgekürzt cä geschrieben war; 
daher in L coich, in B 57 co; in A (vor die vorhergehenden Verbalformen 
verschleppt) cä, in u con. Endlich zeigen bat und blas, dafs auch im Vorher- 
gehenden einst Präteritalforraen und Futurformen nebeneinander standen ; diese 
lauteten, wie ich sie in den Text gesetzt habe. Aber schon im 9. Jahrhundert 
fielen •bebae und -beba, -rerae und -rera lautlich zusammen und schienen 
einfache Dubletten. Darum wurden im Anschlufs an § 49 die Subjunktive 
do'bä und do-rä, die dort sehr wohl an ihrem Platze sind, aber hier nicht 
passen, an Stelle der reduplizierten Formen eingeführt (bewahrt in A und n); 
die Redaktion B hat überhaupt unsere Paragraphen 37 und 49 verschmolzen. 
Die übrigen Handschriften haben den unverständlichen Text verschieden gekürzt 
und umgeformt. 

^'^) Wenn der Text so richtig ist, ist zu verstehen : ' unter das Joch des 
Guten'; for'unn scheint ein alter Fehler, durch das vorhergehende fomam und 
das folgende foricpi veranlafst. 

^') Die Lesarten fofechar und adfenar scheinen auf fofenar zu weisen, 
zu dem fufm das aktive Futurum ist; wohl zu demselben Stamm wie ad-fen 
'er vergilt'. Meine Übersetzung 'einbringen' ist nur Vermutung. 

'^) fetsed mir unverständlich; etsad 'der Schatzkammern' würde die 
Alliteration zerstören. 

'») Soisle und sofla sind auch T.B.C. (LU) 1149 verbunden; vgl. soisil- 
geneth ZCP 8,- 307, 4. 



MORANDS FÜKSTENSPIEGEL. 105 

und Klugheit; die besten der Tugenden sind Geduld, Kulie, Wissen, 
Beharrlichkeit, Mut^o), Beraten, 

43. Sag ihm, er soll nicht den alten Glauben für einen 
neuen Glauben hingeben, nicht einen guten Mann für einen 
schlechten Mann, nicht ein gutes Weib für ein schlechtes Weib, 
nicht Ruhm für Nahrung, nicht seine Ehre und seine Seele für 
die Pferde eines Pferdediebs. 

44. Es gibt nur vier Fürsten in der Welt: 

45. Der Fürst, der mit Heeren von aufsen Besitz ergreift, 
der hat gewöhnlich eine schAvache, leicht entgleitende Herrschaft. 
Sobald seine Heere sich von ihm wenden, wendet sich seine 
Würde und der Schrecken vor ihm zurück. 

46. Der kluge Fürst aber, der besitzt sein Gebiet ohne 
Siege, ohne Triumphe; er nimmt niemandem w^eg, niemand 
nimmt ihm weg*i)- Er schifft seine Zeit dahin in Tagen und 
Nächten, denn in Tagen und Nächten wird die ganze Welt 
durchlebt ^-). 

47. Der wahre (gerechte) Fürst jedoch, der und die Ge- 
rechtigkeit machen sich gegenseitig grols, sie stärken einander, 
sie streiten für einander, sie bauen sich gleichzeitig auf. 

48. Der Stierfürst sodann, der ist kein beliebter Mann. 
Er schlägt, er wird geschlagen; er schädigt, er wird geschädigt; 
er springt an, er wird angesprungen. Gegen ihn wird fort- 
während mit den Hörnern gewühlt 4^). Schroff und schwierig 
ist der Anfang seiner Herrschaft, verhafst und unfürstlich ihre 
Mitte, unstät und leicht entgleitend ihr Ende. Gegen seine Söhne 
werden sich (seine) Schulden zusammenballen, w^erden sich die 
Gesichter erheben, werden sich die Herzen verschliefsen. 'Keinen 
Willkomm' sagen alle 'den Söhnen dieses Fürsten! Die Herr- 
schaft eures Vaters war einst nicht gut für uns'. 

49. Jeder Fürst, der nicht nach den wahren Sitten der 
Gerechtigkeit regiert, der soll absterben, der wird absterben; 



*") age (nur iu A) ist wohl das Abstraktum zu O'Keilly's aigh 'generous, 
valiant', vgl. aig 'keen?' Salt, na R., Glossar; Windisch, Täin B. C, S. 96^ 
Die Bedeutung geht aus keiner Belegstelle klar hervor. 

") ■(Uni scheint hier seine eigentliche Bedeutung 'weg tun' zu haben. 

*-) Eigentlich 'durchschifft'. 

*^) Zii konstruieren: bith-hiiiredar co mhennaib. Statt buiredar oder 
buirethar (B G2) würde man eher eine synkopierte Passivform (buirther oder 
besser buirthir) erwarten. Denn bith ist kaum Substantiv: 'Gegen ihn wühlt 
die Welt mit den Hörnern'. 



lOG R. THURNETSEN, MORANDS FÜRSTENSPIEGEL. 

der soll daliinfahren, der wird daLinfaliren; was er erwirbt, 
zerstört er. 

50. Sag ihm, er soll sich nicht dem Leugnen anvertrauen; 
denn nicht häufig ist ein Leugner, dem es immer besser geht. 

51. Sag ihm, er soll sich nicht falschen Propheten an- 
vertrauen; er soll sich der "Wahrheit anvertrauen, die wird ihn 
besser bewahren. 

52. Wenn er dieses alles getan hat, wird er alt werden, dauern, 
langes Leben haben, triumphreich sein, sieghaft im Kampf, ein 
König, ein Gewaltiger, ein Gnadenvoller, reich an Heeren, wohl- 
redend ^^), freigebig''^), er wird reich sein, leicht zu erbitten, 
voll von jedem Guten; er wird erreichen, was er sucht; sein 
Wunsch wird ihm zu Teil werden; für ihn wird jeder Monat in 
seiner Blüte stehen. Von ihm wird Irland weiter geerbt werden 
bis zum jüngsten Gericht. 

53. Wer es auch sei, der das alles tut, meine Pflichttreue 
wird ihm zu Hilfe kommen. 



[1 hat, mit Benutzung von B 63, folgenden ScJilufs hinzu- 
gesetzt: 

54. Sag ihm, er soll meine Worte bewahren, sie werden 
ihn zum Sieg'^'^^ führen; ich richte sie (an ihn) wegen des Er- 
löschens^') meines Geschlechts. Der Geist meiner lieben Pflicht 
zwingt mich, ein Trennungslauf wohlklingender Berichte ^s). 

55. Die Siegeskraft jedes Herrschers ist seine Gerechtigkeit, 
die Freude jedes Feldes, die Förderung jedes Volkes. 

56. Sag ihm, er soll sich nicht dem Heidentum anvertrauen, 
er soll sich der Wahrheit anvertrauen, sie wird ihn bewahren. 

{Hier steht § 50, s. oben.) 

57. Sag ihm, er soll sich nicht Götzen anvertrauen; er 
vertraue sich Gott an, der besser ist als Götter, dem Gott des 
Himmels. — 1 



**) Eigentlich ' wohlbezungt, mit guter Zunge'. 

*'•>) Der Genetiv suithchernsa ist hier mit Adjektiven koordiniert. 

♦') combuaid statt co buaid lesen auch manche Hss. von K. 

*') Wörtlich 'wegen des Sich-Verbergens'. 

***) Das ist wohl: meine Berichte trennen sich hiermit von mir. 

Bonn. R. Thurneysen. 



ORTHANACH UA COILLÄMA CECINIT. 



Zu dem Abdruck dieses Gedichtes bestimmt micli vor allem 
eine Bemerkung Tliurneysens in seiner Besprechung; meiner 
'Ältesten irischen Dichtung' im vorigen Bande S. 447. Er spricht 
dort den Wunsch aus, meine Behauptung, dafs c- und g-, t- und 
d- als Bindungen gelten können, durch weitere Beispiele erhärtet 
zu sehen. Nun stammt zwar das folgende Gedicht erst aus dem 
9. Jahrhundert, ist aber mit möglichster Beobachtung aller aus 
der ältesten Zeit überkommenen Regeln, sowohl was Alliteration 
als Bindung betrifft, abgefafst. Leider ist es nur in einer Hand- 
schrift, dem Buch von Leinster S. 51 a, erhalten, z. T. unleserlich, 
vielfach verwahrlost überliefert und an mehreren Stellen im 
Faksimile, das ich mit dem Original verglichen habe, noch weiter 
entstellt. Ich kann daher weder einen vollständigen Text noch 
eine fortlaufende Übersetzung liefern. 

Als Verfasser bezeichnet LL gewifs mit Recht den 840 
gestorbenen Orthanach üa Cöillama, Bischof von Kildare. Gleich 
den beiden anderen von ihm herrührenden Gedichten i) handelt 
auch dieses von der älteren Geschichte Leinsters. Auch sind 
alle drei in demselben Versmafs, nämlich einsilbig reimender 
rannaigecht, abgefafst. In allen dreien finden wir ferner die für 
die älteste Periode charakteristische fortlaufende Alliteration, 
oder wenigstens das Bestreben sie durchzuführen, endlich sowohl 
zwischen den Kurz- als Langzeilen und Strophen die von mir 
in Alt. ir. Dichtung' I, S. 8 ff. geschilderte Bindung. Wo sie 
fehlt, wird entweder eine Verderbnis des Textes vorliegen oder 
es handelt sich um Licenzen. die im einzelnen noch festzustellen 



') Es sind dies das vou mir unter dem Titel 'Hail Brigit' veröffentlichte 
und ein in 'Alt. ir. Dichtung" I, S. 23 erwähntes Gedicht mit dem Anfang 
A chöicid chäin Cairpri chrüaid. 



108 KUNO MEYER. 

sind. So mag- iu der 8. Strophe Ahrat auf Äth zurückgelieii, in 
der li. fuacrais auf formach, in der 26. a auf tr. Darüber aber, 
dals c- Bindung mit g-, t- mit d-, ferner auch j>- mit h- bildet, 
kann bei der Fülle der Beispiele, die das Gedicht bietet, kein 
Zweifel mehr bestehen. So haben wir nicht weniger als neun 
Belege für c-:g-, nämlich 2 b chitirp: gahsai, 5d Corb:gnin, 9 a 
gairg -.Corpre, IIa glond \ Cormac, 12 d GaU:cöic, 21b clmir-.galaib, 
24 a glend : Corpre, 29 a gräd : CoWiach, 32 b gäel : co. Zwischen 
t- und d- liegt Bindung vor 21 c tain : da, 25 a tnaig : Bunlang, 
26a Deirg: tallad, 33 b dall:tniag; zwischen p- uud 6-: 31b 
hress : Pätraic. 

Eine Erscheinung, die ich bisher bei anderen Gedichten 
nicht beobachtet habe, ist nun, dafs unser Dichter diese Bindung 
auch im Innern der Verszeilen an Stelle der Alliteration gebraucht. 
Die Beispiele sind zu häufig, als dals es sich um Zufälligkeiten 
handeln könnte. Ich führe an: crithre grinne 5, döih tüath 6, 
deec trichem 13, Cormac gäis 14, Bergabaü tren 19, Düin tren 23; 
vielleicht auch Cohthach gabais 2, cäel gne ib. 

In Str. 30 ist die mangelnde Bindung durch den gleich- 
lautenden Anfang aller vier Kurzzeilen {aill is) ersetzt. Vgl. 
'Alt. ir. Dichtung' I, S. 6, Anm. 1. In Str. 8 und 31 macht der 
Parallelismus des Ausdrucks sie entbehrlich. 

Ich drucke nun das Gedicht nach der Handschrift ab. 

Orthanach cecinit. 

1 'Masu de chlaind Echdach aird atäi, a baird, büaid cech öin, 
indid etarlam nach ndüain de chomram chruaid Chob- 

[thaich CöiL' 

2 'Cobthach gabais Bri 's a bröen, ba derb ba cal gne a chuirp, 
gabsai format, fi fo bailc, co mbad ri for Life Luirc. 

3 Luid do räith mo ruirech ruiss, rordigus, ba fingal gand, 
göita leiss Löegaire Lore, luid a mac lii tlri Gall. 

4 Gabais Cobthach claso chian, clandais slüago, sochla dal, 
degleth Ulad, errid uill, echtga Cuind co n-orddan n-än. 

5 Mad Ca Difne de lith lerg, fuadaiti) crithre, grinne n-ard, 
[is]in däil sin, sliucht näd cherb, ein siut Laigniu Ion 2) fri Corb. 

6 Guin lar Lugdacli reo nderg rig rucad a tir toirthech trfath, 
[d]anim doib tüath iarna räth ötä Böind co Äth Cliath. 



*) Zu lesen luadait? 

-) Lies vielleicht Laigen tonn wie iu Str. 10. 



ORTHANACH UA COILLÄMA CECINIT. 109 

7 Cla näd ciiala [lir] co rian rlgi Meiss-Gegra don Msu? 
mac Mis-Delmond dorar mar, marbsi Coiiall oc Atli Clihen. 

8 Abrät loga, lam dar cricli, fuilliucht fola dar Atli ClTathi), 
tri barrchais Berba conscaig, rosrir Conall i lläim lüaith. 

9 LänrI Lagen liiiii co [njgairg^) Corpre Niä-fer co feirgg, 
lar nguin Ailella dond Aird atbatli Cet^) mac Magach meirg. 

10 Medön üisnig, ard in dind, dia n-atad in bruiden borr, 
ba s[t] maten, magen iüg, i n-abbad ri Lagen lond. 

11 Lassar medras in riibitli mbüan Bruiden Da Choca co n-är, 
atbath Conc[h]orb comnart glond la Cormac Cond-Loüges län. 

12 Läthrais böromai, fö mind, mor a törmach toirthech tromm'»), 
Tüathal Techtmar, Cormac, Find, Fiaclira Cassän cosin üGall. 

13 Cöic cet de[e]c, tricliem tromm, tress blladain birte^) bend, 
hViaclain, aile, immed n-oll, a comlond iTg lumnecli lenn. 

14 Läthrais Cormac, gäis co sös, sech ba formach for a ügres, 
füacrais, ba flanna in fäs, fri tricliait mbllarf«« in [m]bes. 

15 Beimend Tflathail tüathaig techt Tar fecht fithre, formach n-än, 
indred Corma/c, findgen grian, iar nguin na n-ingen oc Fäl. 

16 Finta dim ca teiig na tend, ol at eola*^) ecnai') uill, 
ol at eana gnöe grinn^), cid dia mböe [cathjröe Cuind. 

17 Ce atchethed 'J) tredua cain Corma/c for mäil maige maith, 
is mac Ailella ind rlg ronir Brigit immon flaith. 

18 Fäcaib Eocho i») Find fuath n-airt a thir ar t[h]ir Lifi Luirc, 
iathrais cathu, ba caur tailc, tar cend Lagen fri Leth Cuirc. 

19 Cetna cath fiche, ba üath, 6 Ardd Lüathrid luid dond är, 
Äed mac Dergabail, tren fer, [fjirend docer [ijsinn äth. 

20 Ö(ra)starglaiss, ba orddan n-än, nl bu thär") fri forggu fer, 
fäcbaid catliair^'^), dind cach sltiaigi^) la Laigniu thüaid i 

[mMaig Breg. 

21 Ba ard cTsel choscair chain Cormac co n-äni a cliuir, 
ö galaib öenfer Tar tain da rlg de[e]c dö do guin. 

') Hier siud wohl, da cliath und lüaith nicht reimen, durch Versehen 
zwei Strophen auseinandergerissen. 

*) Am Rande leirg, wohl als Korrektur zu gairg. 
') cet Hs. *) tiramm Hs. 

5) Zu lesen nohertis'^ 

*) eala Hs. Über dem ersten a scheint ein n zu stehen. 
') ecna ecna Hs. «) guin Hs. 

^) Lies adcethe. ") In Eochaid korrigiert. 

") thair Hs. «) Zu lesen Cathäir? 

") sluaig Hs. 



110 KUNO MEYER, 

22 Gasta Labraid Life lig, Liigaid Gore den rigraid räin, 
debaid, flaitli fir, Flaclia Crön co forthin mäil, 

23 Mogelni Morca mar dam, Eocho mac Düin, [ba] tren dorn^), 
da mac Labrada cend carad^) Ailill, Etan canar gorm. 

24 Gormac Lagen lir co glend Corpre Lii)liec[li]air, fn mind, 
ficliset tri catlia dar a chend^) co cath Camraair na 

[tri lind. 

25 LänrT Lagen lir co tüaig Dünlaiig feided flatha feoir (?)*), 
nithach nene ^) uair atbatli i cath Feda Eoin. 

26 Ö fecta cath Dromma Deirg tallad airriun ir co ngairg 
a Bri Ele, aurrand chäem, corrici tsb Uisnig aird. 

27 Arm Lagen, Giedel cen 1^«(?) Cuind clü orddain, errid äir, 
amaZ leoman eter tref') .... cach . . . tüata . . . 

28 Cord CO cetaib cath 

.... end aar , . , . aig rosgab ö muir co muir. 

29 Dagmaic") Äugaine co ngräd Cobthach, Löegaire fria long 

[lüath 8), 
fris dia tucam lör slöged n-än amaZ muir'-*) co n-anfud üar. 

30 Aill is töla catha crüach, aill is cöra cacha crich, 
aill is grinne fidlo find, aill is rind[e] fri neach nTth. 

31 Nochotulsat 1") flathi flann, fäs^i) a ndüine, dTan a mbress, 
Pätraic as hErinn hi foss, Brigit öas hErind andess. 

32 Ö dosränic Brigit bän, Ri mörchatha rodagSel, 

CO cath Cobadi^), aurgal büan, i mbu büadach Aldan Äed. 

33 Imsceng Fladat .... denta amal phupall bis im dall, 
truag a cuinge feasa .... dognl sil mac nÄdaim and. 

34 . . . cechlaind .... find atäi co rind recni chaiss ^^), 
iar dam fadess dligthi Dondchad molbthach mass. Ma. 

Im folgenden gebe ich kurz den Hauptinhalt des Gedichtes 
und übersetze nur, wo ich die Strophen ganz zu verstehen glaube. 

Das Gedicht hebt mit einer gleichsam einem Wifsbegierigen 
in den Mund gelegten Strophe an, die dem Dichter das Thema stellt: 



') doran Hs. ') Lies carad cend? 

3) cend Hs. *) Vielleicht feoil? 

^) Wobl nena im Reim mit Feda. 

«) tretaib Hs. ') A deagmac Hs. 

8) luait Hs. ») müir Hs. 

'") Lies vielleicht Rochotulsnt. ") fais Hs. 

12) 7 cobad Hs. 

") Lies chass, zu rind gehörig. 



ORTHANACH ÜA COILLÄMA CECINIT. 111 

1. 'Wenn dn aus dem Geschlechte des erhabenen Echui) 
bist, Barde, du Stolz eines jeden, so verkünde 2) jetzt 3) irgend 
ein Lied von dem grausamen Streit Cobthachs des Hageren'. 

Nun wird die Usurpation des Thrones von Leinster durch 
Cobthach, die Ermordung Loegaires und die Flucht seines Enkels*) 
Labraid nach Gallien erwähnt, wie wir das aus der Sage Orgain 
Bind Big kennen. Die 4. Strophe spielt auf die Besitzergreifung 
eines Teils von Ulster {deg-lcth Ulad, was ich als Objekt zu 
gahais fasse) durch Cobthach an. Zu der 5. Strophe, die schlecht 
überliefert ist, weils ich nichts beizubringen 5). Dann geht 
der Dichter auf Lugaid mit den roten Streifen 6) über, der 
einem Berichte nach über Leinster geherrscht haben soll. Nun 
heilst es: 

7. Wer hat nicht bis hin an die Meeresflut von der Königs- 
herrschaft Mes-Gegras von Möin gehört? Sohn Mes-Delmonns 
der grofsen Kämpfe, Conall") tötete ihn bei Äth Clöin. 

Die beiden nächsten Langzeilen gehören, wie ich vermute, 
zwei verschiedenen Strophen an. 

8. Augenbrauen eines Luchses, eine Hand über die 
Grenze, eine Blutspur über Äth Cllath — Die drei Kraus- 
lockigen des BarroAV entflohen (?), Conall warf sie in schnelle 
Gefangenscnaft. 

Jetzt wird Corpre Nia-fer als König {län-n 'Yollkönig' im 
Gegensatz zu letU-rt 'Halbkönig') von Leinster genannt*), die 
Ermordung Ailills von Connacht, der auch als König von Leinster 
gilt, durch Cet, die Zerstörung der Brüden Da Derga») und der 



1) d. i. Echu Büadach, Vater von Ügalne Mör, Ahnherr der Könige 
von Leinster. 

2) inclid, 2. Sg. Imper. zu in-fet. Vgl. indid dam-se, LU 134 b 38. 
^) Eigentlich 'inzwischen, mittlerweile'. 

*) Der Dichter gebraucht mac (das durch Reim mit Lore gesichert ist) 
in Strophe 3 in weiterem Sinne als 'Nachkomme'. 

'") Hier scheint siut auf sliucht zu reimen. 

^) Man beachte die dichterische Wortstellung guin lar Lugdach 'nach 
Lugaids Erschlagung', a tir toirthech trlath 'das fruchtbare Herrenland'. 

') d. i. Conall Clöen. S. die Sage Tallann Etair, Rev. Celt. VIIL 

^) lüin CO ngairg (Str. 9) 'mit grimmer Lanze'; vgl. ir co ngairg 'mit 
grimmer Wut', Str. 26. 

^) Strophe 9: 'Die Mitte Usnechs, hoch (ragt) die Feste, von wo das 
stolze Gehöft augezündet wurde ; das war der Morgen, eine Stätte von Leiden, 
da der König- der kühnen Männer von Leinster starb'. 



112 KÜXO MEYER, 

Brüden Da Clioca') erwähnt, und dann mit Stroplie 12 auf die 
Büroma von Tuatlial Teclitmar bis auf den 'GaW d. h. Vikinger- 
könig übergegangen. Der Rinder- und Mänteltribut, Cormacs 
Festsetzung des Tributs auf dreifsig Jahre (Str. 14)-), die Er- 
mordung der Mädchen in Tara (Str. 15) sind Episoden aus der 
Geschichte des Tributs. 

Die 16. Strophe ist wieder dem Zwischenredner in den 
Mund gelegt: 

'Tu uns zu wissen mit der Zunge der Starken — denn du 
bist erfahren in grolser Weisheit, denn du bist ein Gefäfs 
lieblicher Kunde — was der Grund der Niederlage Conus war.' 

17. Obgleich die herrliche dreifache Feste Cormacs 3) auf 
der Höhe der schönen Ebene gesehen ward, ist es der Sohn 
König Ailills'*), den Brigitta mit der Herrschaft begabte. 

18. Echu verläfst sein Land um des Landes von Lorcs Life 
wegen; er veranstaltete Schlachten — er war ein starker Held — 
für Leinster gegen Leth Cuirc. 

19. Die erste Schlacht, die er kämpfte — es war ein 
Schrecken — , von Ard Lüathrid^) schritt er zu der Vernichtung: 
Aed, Dergabals Sohn, ein starker Mann, männlich fiel er in der Furt. 

Strophe 20 ist mir als Ganzes unverständlich. 

21. Cormac mit der Schnelligkeit seines Wurfes ß) war ein 
erhabener ...') schönen Triumphes: darnach erschlug er zwölf 
Könige in Einzelkämpfen. 

22. Labraid (König) des glänzenden Life, Lugaid Corc aus 
der edlen Königsreihe waren jugendfrisch .... 

23. Mogelni von Morc wie ein Stier, Echu, der Sohn Düns, 
eine starke Faust; die beiden Söhne Labraids . . .: Ailill, Etan . . . 

24. Der Liebling von Leinster bis an die Talschlucht des 
Meeres Corpre Lifechair, ein herrliches Diadem; seinetwegen 
fochten sie drei Schlachten bis zur Schlacht bei Commor tri n-usce. 



^) Strophe 11: Lassar medras in mbith mbüan 'eine Flamme, welche 
die daiierhafte Welt verwirrte'. Hier fiudet sich auch eiu Lieblingscheville des 
Dichters, fö mivd, das in Strophe 24 und in 'Hail Brigit' Str. 20 wiederkehrt. 

2) blladna (Gen. PI.) im Reim mit flanna = fianda. 

3) Vgl. den gleichen Anfang einer Strophe in 'Hail Brigit' (S. 24). 
*) d. i. Eochu Find füath n-airt. 

'") Am Barrow gelegen. ") d. h. wohl 'Siegeslaufes'. 

') Die Bedeutung von cisel, hier femiuinum, ist mir unbekannt. Zimmers 
Ableitung von censualis scheitert au dem palatalen s, das durch Beim mit 
isel erwiesen ist. 



ORTHANACH UA CÖILLÄMA CECINIT. 113 

25. Ein Vollkünig von Leinster bis an die Bucht des Meeres 
war Dilnlang, welcher ein Fürstengeschlecht i) anführte, er fiel 
in der Schlacht bei Fid Eoin. 

26. Nachdem die Schlacht bei Druimm Derg geschlagen 
war, wurde uns mit grimmer Wut (alles Land) von Bri Ele 
— ein lieblicher Anteil — bis hin zur Seite des hohen Usnech 
entrissen'). 

27. Eine Waffe der Männer von Leinster, ein Gäle ohne 
Leid, . . ., siegreiche Wagenhelden 3), wie ein Löwe zwischen 
Herden 

Die nun folgende Strophe ist zum grofsten Teile unleserlich. 

29. Tapfere Söhne Augaines mit Würde waren Cobthach, 

Loegaire mit seinem schnellen Schiffe; , wie ein Meer mit 

kaltem Sturm. 

30. Teils ist es eine blutige Flut von Schlachten, teils 
Friede an allen Grenzen; teils ein gesegnetes Bündel von . . ., 
teils Speeresspitzen zu jedem Kampf. 

31. Die Fürsten von Kriegerscharen sind entschlafen, leer 
sind ihre Festen, heftig (war) ihr Kampf; Patricius herrscht über 
Erin hienieden, Brigitta über Erin von Süden her, 

32. Seit die heilige Brigitta zu ihnen gekommen ist, hat 
der König der grolsen Heerscharen sie geschlagen'), bis zur 
Schlacht bei Coba — ein lang andauernder Streit — , in welcher 
Aed Aldän siegreich war. 

Die beiden letzten Strophen sind z. T. nicht mehr leserlich. 
Strophe 34 ist wieder dem Zwischenredner in den Mund gelegt'^). 
Der dort erwähnte Dondchad wird zur Zeit der Abfassung des 
Gedichtes König von Leinster gewesen sein. 



') Ich übersetze flatha feoil, wörtlich 'Fürsteublut'. 

*) Vgl. AU 516: Cath Droma Berge la Fiacha niac Neill . . . Inda Mag 
Mide a Lageuis sublatus est. 

ä) Wörtlich ' Wagenkämi)fer der Schlachtveruichtung'. 

*) Zu rodagäel s. Strachan, Verbal System of the SR, S. 69 s. v. gdilaim. 

5) atäi CO rind recni chass etwa 'du beherrschst den bunten Reim des 
recne\ cass, eigentlich 'kraus, gewellt" wird oft auf den Reim angewandt, 
wie in cass-bairdne, wo es den geschweiften dreisilbigen Reim bezeichnet. 

Arrowhead Springs, kuno meyer. 

Kalifornien. 



Zeitschrü't f. celt. Philologrie XI. 



BETHA COLUIMB CHILLE. 
(Coiitiuuation.)O 



233 2). La airidlie da raibe C. C. a n[h]I, 7 tainicc manuch 
airidhe darbli ainm Bera da indsoiglie, do bi ag" dul a n-oilen 
eli darbli ainm Etica le gnoaighthibli na manuch, 7 do iarr ar 
C. C. a bendacht do lecen les. Agus frecruis C. C. e 7 assedh 
adubairt: 'Lecfet-sa bendacht let', ar se, '7 ar a son sin, sechain 
an t-eolass comcoitchenn gabus cach docum an oilen sin, 7 gab 
timchell na n-oilen mbec eli ata romhad d'ecla go faicfeä ni do 
chuirf e(?7i aduathmhairecht ort'. Do imdigh an manach iar sin 
in a luing, 7 do gab se an t-eolas do toirmisc C. C. uime. Oir 
ni raibhe ecla air do fuair se bendacht C. C. Agus nir cian 
do ac siübal na fairce an uair do condairc se peisd adhuathmar 
ag tocbail a cind as in muir, 7 nar mö cnoc sleibhe ina hi, 7 
do foscail a bei 7 dob ail le an long cou a foirind do slucadh 
in a braghaid. Agus ar n-a faicsin sin doib, do lecadur a seol 
7 do imretar an long tar a n-ais, 7 do cuir an peisd an uired 
sin d'anfadh 7 do combuaidhredh ar an fairce, muna beith coimhed 
Dia orra 7 an bendacht do lec C. C. leo, nach rachdais a tir 
gan bathadh; 7 do aithnetar corub ar ecla na pesde sin adubairt 
C. C. riü gan an t-eolus sin do gabhail. Et do gabhadur an 
t-eolus adubairt C. C. riü iar sin, 7 rancatar slan gan guassacht. 
Agus as follas ass in scel sa, nach ar tir amain tue Dia radarc 
a seicrede fen do C. C, acht co tue se radurc 7 eolass ar pias- 
daibh na mara 7 na fairce do. 

234. Fechtus eli do Colam Cille a nhl, 7 do bi Baithin 
naemtha ag dul docum an oilein sin do raidsimar romhaind, 7 



») See X 228. 

*) Taken literally from Adaninan. See Reeves' Adam., p. 48. 



THE LIFE OF COLUM CHILLE. 
(Translation.) 



233. On a certain day when C. C. was at lona, he was 
visited by a monk named Bera, wlio was on bis way to anotlier 
Island called Ethica, on business matters concerning the mouks. 
He asked C. C. for bis blessing. C. C. answered bim: *I sball 
give you my blessing', says be; 'nevertbeless do not take tbe 
ordinary route to tbat Island, biit go around tbe otber small 
Islands in front of you, lest you see sometbing tbat migbt greatly 
alarm you'. Tbereafter, tbe monk setting sail, took tbe for- 
bidden course; for baving C. C.'s blessing be was fearless. He 
bad not gcne very far wben be bebeld a terrible monster, as 
big as a mountain, raising its bead out of tbe sea. And opening 
its moutb, it would fain devour tbe vessel witb its crew; wbereat 
tbey lowered tbeir sails and rowed tbe vessel back, Tbe monster 
caused sucb a storm and confusion of tbe waves, tbat would 
have drowned them only for God's protection of tbem and C. CVs 
blessing. And tbey understood tbat it was tbrougb fear of that 
monster tbat C. C. bad forbidden tbem to take tbat course. Tben, 
baving taken tbe course tbat C. C. bad told tbem, tbey landed 
safely witbout encountering danger. It is clear from tbis story, 
tbat not only [concerning events] on land did God disclose His 
secret knowledge to C. C, but also tbat He gave bim knowledge 
concerning tbe monsters of tbe sea and ocean. 



234. On anotber occasion tbat C. C. was at lona, boly 
Baitbin was about to visit tbe Island just mentioned, wben C. C. 



8* 



11 n ANDREW KELLEHER, 

adubairt C. C. ris co tainic peisd adhuatbmur a medhon oidhce 
rembe sin a cbuan itir bl 7 an t-oilen in ar b'ail les dul, 7 co 
mbeitb gacb duine do imeocbadb an cuan sin a nguassacbt 
ro-mbor uaitbe. Frecrais Baitbin e, 7 assedb adubairt: 'Ataim-si 
7 an peisd sin fa cumbachta De', ar se. 'Imidb', ar C. C, 'maille 
re bendacbt De 7 re mo bendacbtain-si, 7 saerfa an creidemb 
daingen ata agat ar an peisd ud tu'. Teid Baitbin n-a luing 
iarsin, 7 nir cian do ag siiibal na fairce, anuair do erigb an 
pest doib, 7 do gab ecla 7 adbuatbmairecbt a raibe sa luing uile 
acbt Baitbin amain, 7 do tocaib a lamba 7 a rusca süas docum 
nimbe, 7 do bi ag guidbe De go dutbracbtacb im a saeradh ar 
an gbuassacbt sin a raibe se. Agus ar cricbnugbarf/i na burnaidbe 
sin do Baitbin. do bbendaigb se an mbuir 7 an fairce, 7 do 
tbeicb an pesd rempe; 7 ni facus san inadb sin bi ö sin suas. 

235 1). Fecbtus eli do C. C. a nbl 7 do düisicb se na manaigb 
sa medbon oidcbe, 7 ruc les don edais lad, 7 do labbuir riu, 7 
assedb adubairt: 'Guidem an Tigberna go dutbracbtacb 6ir 
(fol. 31b) do rindedb pecadb ro-adbuatbmbur sa saegbal so anois. 
7 as baeglacb co tiucfa digbaltus De ar cacb uile trid, 7 as 
Erendach do rinde e; 7 do foillsigb C. C. an pecadb sin do cuid 
airide do na mancbuib do bi Mris anuair sin, 7 adubairt co 
tiucfadb an necb do rinde an pecadb sin faris an manacb darb 
ainm hughaidh, fa aimser girr, san oilen sin a raibe se fen, 7 
nac raibe a fis ag Lugaidb an pecadb sin do beitb air. Agus 
do firadb sin uile amail adubairt C. C; gor moradb ainm De 7 
C. C. de sin. 



236. Fa aimsir gbirr iarsin, adubairt C. C. ren a deiscibul 
fen .i. Diarmaid: 'Erigb co luatb', ar se, 'a coinde an manaigb 
dar labbrws cu strasda .i. Lugbaidb, 7 abair ris na tucudb se an 
drocbduine ata färis sa luing cugaind, d'ecla co saileocbadb se 
tonn an oilein sin in a fuilmid da ticedb se and, 7 cuiredb se 
uadba e cus an oilen dan bainm Muili. Do im&igh Diarmaid 7 
do rinde a tecbtairecbt re Lugbaidb amail adubairt C. C. ris, 7 
ar n-a cloisdin sin don drocbduine sin do bi fare Lugbaidb, 
adubairt nac csiiiMedh se biadb no deocb, 7 nacb fiUfedb se tar 



>) Taken literally from Adamnan. See Reeves' Adam., p. 51. 



BETHA COLUIMB CHILLE. 117 

told him that a terrible monster liad entered the haibour between 
lona and the Island he intended visiting on the previous mid- 
night, and that it would be a source of danger to everybody going 
that way. Baithin in reply said: 'I and the monster are in 
God's power', sa3's he. 'Go', sa3^s C. C, 'with God's blessing and 
mine, and your strong faith shall save you from that monster'. 
Then Baithin going on board his ship, did not proceed very far 
when the monster rose up before him. Fear and trembling seized 
all on board except Baithin, who raising his hands and eyes 
towards heaven, implored God to rescue him from the danger 
that threatened him. When Baithin had finished his prayer, he 
blessed the sea and ocean so that the monster took to flight, 
nor has it ever since appeared in that place. 



235. On another occasion that C. C. was at lona, he awa- 
kened the monks at mid-night and repaired with them to the 
church. And addressing them he said: 'Let us offer up a fervent 
prayer to the Lord, for a very wicked sin has just now been 
committed in the world, and there is danger of the wrath of 
God Coming on everyone on account of it. And an Irishman has 
committed it'. C. C. having made known the kind of sin that 
had been committed to some of his monks who were with him 
at that time said, that after a short time, the sinner would 
accompany a monk named Lughaidh to the Island in which he 
was, and that Lughaidh was not aware of the State of his soul. 
Everything came to pass as C. C. had said; so that God's name 
and C. C.'s were magnified thereby. 

236. A Short time afterwards, C. C. said to his own disciple, 
to wit, Diarmaid: 'Go at once', says he, Ho meet the monk that 
I have just spoken of, to wit, Lughaidh, and teil him not to 
bring hither the wicked man he has on board, lest he contaminate 
the Barth of the Island wherein we are, should he land in it, but 
let him send him to the Island called Muili. Diarmaid set out 
and gave C. C.'s message to Lughaidh. And when the wicked 
man, who was with Lughaidh heard it, he said he would ueither 
eat nor drink and would die rather than return, until he had 



118 ANDREW KELLEUER, 

ais no co bfaghadli se bas, no co faicedh se fen C. C. 7 go labradh 
se riss 6 bei go bei. Tainec Diarmaid mar a raibe C. C, 7 do 
iiidis se sin dö, 7 do mhol nech naemtlia darbh aiiim Baithin do 
bi fare C. C, 7 do mhol an coimhthinol iiile du, techt do comhradh 
ris an drochdliuine sin da fis an raibe stiüivighe firindecli in a 
pecadh aige. Agus adubratar cor choir aithreclius do gabail un 
pecacli do reir mar adubairt an slänaigtlieoir: 'In cacuimque ora 
ingemuerit pecatur omnium inicetatem eins non rexordabor' .i. 
'gebe uair docifed-sa aitbridhe firindech ag an pecach, ni cuimh- 
neocliad enpecadh da nderna se riarab do'. Et adubairt C. C. re 
Baithin co nderna se coimhriac/j^ain ren a mhäthair. Teid C. C. 
remhe cus an port a raibe an long, 7 tainec an drochduine sin 
in a fiadhnaise 7 do lec ar a gluinibh e, 7 do adaimh se a 
fiadhnaise caic co nderna se na pechac?Äa sin amail adubairt 
C. C. a ndenamh dö. Et do ghell gebe breth ^ithrighe do cuirfec?/i 
C. C. air co n-icfadh se hi. Do labuir C. C. ris 7 assedh adubairt, 
da mbeith se da bliada?^ decc a mBretain ag cai 7 ag tuirrsi 
7 ag denamh aithrighe na pecharZA, 7 gan dul ar ais go brath 
a n-Erind aris, go mad doigh les go maithfedh Dia a pechadh 
do. Tainic C. C. tar a ais docum na mainestrech iarsin, 7 adubairt 
ris na manchuib, cor duine mallaigthe an duine sin re raibhe se 
ag comhradh, 7 nach icfadh se an breth aithrighi do chuir se air 7 
CO fillfedh se co luath tar a ais a n-Erind, 7 co muirbfi(?/ie len a 
escairdib iar sin e. Agus do firadh sin uile amail adubairt C. C. 

237. Fechtus do C. C. a n-inadh uaicnech a nhl ag denamh 
urnaidhe. Tainic an Lugaidh se adubramar remhaind da ind- 
soighe, 7 nir eidir les fechain air re med na soillse 7 an delraidh 
do bi n-a agaidh; 7 do gab ecla Lughaidh 7 do teich se üadha 
iar sin. Agus ar crichnughadh a urnaidhe do C. C, do gair se 
Lughaidh cuice, 7 do fiarfmWi de cred far teich se uadha an 
uair sin. 'Egla do bi oram', ar Lughaidh, 're med an delraidh 
do condarc at aghaid-se, 7 guidhim tu-sa, mä dha taisbenadh radarc 
ar bith duid an uair üd a indisin damh fen'. 'Indeosad', ar C. C, 
'oir do rindedh ni adhuathmhar sa doman toir chianaib'. 'Oir 
tainic lasair tenedli ar csithraigh airidhe da cathracha?7>/i na Romhai) 



I 



») 0"D has mistrauslated bis source. Adamuau has 'sulfurea de caelo 
flamma super Romaui juris civitatem, iutra Italiae terminos sitam'. See 
Reeves' Adam., p. 56. The city referred to, is the modern Citta Nuova, on 
the north of the river Quieto, in Istria. 



BETHA COLUIMB CHILT.E. 119 

Seen C. C. and spoken to him face to face. Diarmaid returned 
to C. C. with that Information. A lioly person wlio was with 
C. C. named Baithin and all tlie Community, advised C. C. to go 
and interview tlie wicked man, to find out was he trul}' sorry 
for his sin, asserting that it was right to accept the sinner's 
repentance as the Saviour had said: 'In whatever hour the sinner 
shall repent, I shall not remember all his iniquities', that is, 
'Whenever I shall see the sinner truly repentant, I shall not 
remember any sin he has ever committed'. And C. C. said to 
Baithin that he had sinned with his mother. C. C. goes to the 
harbour wherein the vessel was moored; and the wicked man 
came to meet him, and falling on his knees, publicly confessed 
that he had sinned in the way C. C. had said he had done. And 
he promised to perform whatever penance C. C. would impose on 
him. And C. C. addressing him said, that if he spent twelve years 
in Wales lamenting and sorrowing, and doing penance for his 
sins, he thought God would forgive him. Thereaf ter, C. C. having 
returned to the monastery, said to the monks, that the man to 
whom he had just been speaking, was a wicked man, and that 
he would not perform the penance imposed on him, but would 
return to Ireland and there be slain by his enemies. Everything 
came to pass as C. C. had said. 



237. Once upon a time, C. C. was praying in a desert place. 
The aforesaid Lughaidh visited him but could not beliold him 
because of the great splendour and brightness of his countenance. 
And Lughaidh getting afraid fled from presence. When C. C. 
had finished his prayers, he sent for Lughaidh, and asked him 
why he had fled from him then. 'I was afraid', says Lughaidh, 
'because of the great splendour I saw in your countenance, and 
I beg of you, if you had then any vision to disclose it to me'. 
'I shair says C. C, 'for a terrible thing occurred in the Eastern 
World a while ago'. 'A lightning flash Struck a certain city of 
the cities of Rome in Italy, and exclusive of women and children. 



120 ANDKEVV KELLEIIEU, 

saii Edaill, 7 do chuir si tri mile fer docum bais, letli amiiigh 
do mnaib no do lenbuib; 7 ni racha an bliadain se a bfuil tii 
tort, anuair thididh cendaighte ön Frainc don talumh sa derbeo- 
chus na scelu sa dnid.' Agus tancatar na cendaighte sin san uair 
airidhe a ndubairt C. C, a teclit, 7 do indesetar na scelu sa amail 
adubairt C. C. Cor moradh ainm De 7 C. C. de sin. 

238. Fechtus eli do C. C. a nhl 7 e ag legtböirecht, do 
gabh tiiirse mor e; 7 ar n-a faicsin sin don Lughaidh cednu sa 
do bi maille ris an uair sin, do Mrf aidh cred dob adbliur da 
tuirrse. Frecrais C. C. e, 7 assedh adubairt, gurab dis do dainibh 
uaisli na liErend do tuit le celi a comrac san uair sin fen do 
lö, .i. Colman Liatlii) 7 Eonan a n-anmonda; 7 adubairt gorub 
e inadh a ndernadh an comrac sin, laimli re cill Eois sa Mumuin^), 
*7 fa cend ocht la ö aniugh, do cluinfir-se glaedli (fol. 32 a) duine 
tief US a hErind an uair sin, a port na hindse si ag iarruidh 
imlocht, 7 indeosaidli se na scela sa duid', ar C. C. Agus ar cur 
na haimsire sin tarrsa doib conuice an lä sin, do cualatar an 
glaed sa port. Is andsin adubairt C. C. re Lughaidh: 'Ass i so 
glaedh an duine dar labrus at fiadhnaise is na laithib se do 
cuaidh tort, 7 eirigh n-a coinde 7 tabuir let e'. Tucc Lughaidh 
an t-oclach a fiadhnaise C. C, 7 do indeis na scela ssa adubramar 
romaind amail adubairt C. C; gor moradh ainm De 7 C. C. de 
sin. Euc Lughaidh iarsin C. C. les a n-inadh uaicnech, 7 do 
guidh se e imä a indesin do cindus do geibedh se na scela 
seicreidecha sin, an e a cluinsin no a faicsin do nidh, no cred e 
an modh ele ar a bfoillsighte du iad. 'As mor an ni iarras tu', 
ar C. C, '7 gell dam fa ainm De co ndingnair run ar gach ni 
indeosus me duit. an fad bias me fen am hethaidh. Ar n-a 
gelludh sin do Lughaidh, do labuir C. C. ris 7 assedh adubairt, 
CO rabatar daine airithe and ga raibhe an meid se do grasaib 
Dia, indus comb comsolus doib a bfladnaise a n-indtinde, 
flaithess De 7 ifren 7 an talumh 7 an fairce 7 a fuil indta 7 



') Adamuan has Colman Canis. See Reeyes' Adam., p. 82. O'D confouads 
canis 'a dog' with ((auts 'gray'. 

-) O'D has mistranslated Ins soiirce here. Adamnan has 'Cellrois in 
provincia Mangdornonim". See Eeeves' Adam., p. 81. Cellrois, now called 
Magheioss is a parish in the Coiuity of Mouaghau. The Maugdorni were 
coextensive with the modern baionies of Cremorne and Farney, forming the 
Southern portion of the County of Monaghan. 



EETHA COLUIMB CHILLE. 121 

3000 men weie slain'. 'And before tlie end of tlie year, merchauts 
sliall arrive here fro:n France and confirm wliat I have told you'. 
Tliose merchants arriA'ed at tlie time foretold by C. C, and brouglit 
these tidings as C. C. had declared. God's name and C. C.'s were 
magnified tliereby. 



238. On another occasion that C. C. was at lona engaged 
at reading, he was filled witli great sadness. Wlien the sarae 
Lughaidh noticed that, he asked him the cause of it. C. C. 
iinswering him said. that two noble Irishmen had just then fallen 
in combat, to wit, Colman Liath and Ronan, adding that the fight 
took place near Kilrush in Munster, 'and eight days hence, you 
shall hear the shout of a traveller from Ireland in the harbour 

of this island and he shall announce these tidings 

to you', says C. C. And when that time had elapsed to the 
very day, they heard the shout in the harbour. Then C. C, said 
to Lughaidh: 'This is the shout of the person whom I spoke of 
in your presence some days ago, and go to meet him and conduct 
him hither'. Lughaidh escorted the youth to C. C.'s presence, 
and he announced the aforesaid tidings as C. C. had foretold. 
God's name and C. C.'s were magnified thereby. Then Lughaidh 
took C. C. to a desert place, and he begged of him to disclose 
to him how he got those secret tidings, whether from hearing or 
seeing, or in what other manner were they revealed to him, 
'Great is thy request', says C. C, 'and promise me in God's 
name, that you will keep secret as long as I live, what I shall 
disclose to thee'. And when Lughaidh had made that promise, 
C. C. addressing him said, that there were certain people who 
were so füll of God's graces that heaven and hell, sea and land, 
and all that is in them and between them were equally visible 
to their mind in one moment. 'And few people get those graces', 
says he. And holy Adamnan relates, that it was C. C. himself 



122 ANDREW KELT.EHER, 

etorra a n-enmoimiut, '7 as teure duiue da tucthar na grasa 
sin', ar se; 7 ata Adhamnan naemtba ga mebrugliadh, goiub ag 
C. C. fen do batar na gräsa sin co sbeselta; acbt ge adubairt se 
a mbeith ag dainibh airithe do sechna gloire dimhaine d'faghail 
do fen, indus co lenadh se Pol apstal do bi 'u-a soighthech toghta 
ag Ciist, necb adubairt na briathru sa fan radurc fuair se ö Dia: 
'Is aithnü//i dam duine vwcadh cus an tres nemh', 7 ni dubairt 
gurb e fen an duiue sin, acht gerb e go firindech ruccadh and; 
7 fos is mar sin do len Colam Cille lorg an apstail uasuil im 
foillsiugbadh na seicrede diadha da compancliuib. Agus do indis 
Lughaidh na neiche si do dainib naemt[h]a eli, 7 do indesitar 
na daine sin d' Adhamnan iad co firindech. Agus is follas asan 
scel sa, gor ioiWsigh Dia a secreide fen co himarcac/t do Colam 
Cille, 7 go tue se grasa na humhla 7 na gloire dimhaine do 
sechna do, amail tue se do Phol apsta?. 

239. Fechtus do C. C. a nht 7 do gair dias manuch da 
manchaibh fen cuice, .i. Lughaidh 7 Sillan, 7 do cuir fa aithne 
orra dul isin oilen dar« hainm Muile. Agus do indes doib go 
ndecha?d/i gadaighe airidlie darbh ainm Ercus, a n-art/irach san 
oidhce gan fis 6 an oilen dana hainm Coluusa go Muile, 7 go 
raibe se a n-uamhaigh san oilen sen, 7 gurub e bud triall dö 
dul a n-oilen äiridhe a mbidh rouach ag na m&nchaihh, 7 lucht 
a arthraig do breith les a ngaduigecA^ dib. Do imghetar na 
manaig iarsin, 7 fuarutar an gaduidhe san uamhaid a ndubhairt 
C. C. a bheith, 7 tucatar leo e mar a raibe C. C. 7 do ü^rtaidh 
de cred fa a mbidh se ag goid an reda nar leis fen a n--dgaidh 
aithne De; 7 adubairt da n-iarradh se ni air fen an uair do 
biadh ricen a les no bochtacht air, co tiubradh se dö e, 7 do 
fwrail C. C. an t-oclach do lecew amach 7 meid airidhe do caer- 
chuib do marbadh do 7 a cur les da tigh, mar do mothaig se 
riachtanas a les air. Agus nir fada n-a diaidh sin anuair adu- 
bairt re Baithin co raibe deredh hethadh ag an gaduidhe sin, 
7 do furail feoil 7 arän do cur cuice, 7 do indeis do Baithin corb 
e sin Ion degeanach an gadaidhe. Agus fuarutar na daine do 
cuaidh les in ml)iadh an gaduidhe marb ar a cind; 7 is e an 
biadh sin rucatar leo, ba biad do na dainibh do bi ar a soclim/f?e 
an oidhce sin. Agus as follas ass sin co tue Dia morän d'fis a 
seicreide fein do Colam Cille. 



BETHA COLÜIMB CHILLE. 123 

that had tliose graces in particular, tliougli he said tliat it was 
certain people had them to avoid vain-glory; thus imitating Paul 
the apostle, the chosen vessel of Christ Avho gave utterance to 
these (same) words regarding the vision he had from God: 'I 
know of one who was rapt to the third heavens'. He did not 
mention himself as that one, though it was lie in truth that was 
borne there. And thus it was that C. C. imitated the noble 
apostle regarding the manifestation of the divine secrets to his 
companions. Lughaidh disclosed these things to other holy persons 
who related them faithfully to Adamnan. From tliis story it is 
clear that God abundantly manifested his own secrets to C. C, 
and that He bestowed on liim the graces of humility to avoid 
vain-glory, as He did on Paul the apostle. 



239. On another occasion that C. C. was at lona, having 
called to his presence two of his monks, to wit, Lughaidh and 
Sillan, he bade them go to the Island called Muile. He told 
them that a certain robber named Ercus had secretly set sail, 
during the night, from the Island called Colunsa to Muili and 
that he was in a cave in that Island; his object being to 
go to a certain Island where the monks kept seals, in order 
to steal the fill of his vessel of them. The monks then set 
out, and finding the robber in the cave referred to by C. C, 
brought him to his presence. C. C. asked him why he was stealing 
things not his own, contrary to the commandments of God, adding 
that if he (ever) needed anything, he had only to ask himself 
for it. C. C. ordered the youth to be released, and a certain 
number of sheep to be killed for him and to be sent to his abode 
whenever he was in need. A short time afterwards, he said to 
Baithin that the thief was about to die, and he ordered meat 
and bread to be sent to him, adding that they were his last 
provisions. The folk tliat brought the food found him dead when 
they arrived. And the food they brought with them, was the 
food that was served up to the people who were at his funeral 
on that night O- Hence it is clear that God disclosed many of 
His secrets to C^C. 

1) Adamnan who is O'D's sonrce, does not say be was bnried ou that 
night, ueitber was he. See Reeves' Adam., p. 79. 



124 ANDREW KELLEHER, 

240. Fechtus do Colam Cille a n-inadh aiiidhe a n-Albain, 
7 tue Aedhän mac Gabhrain, .i. mac rigli Alpan moirseser ar XX 
do draiihibh diabluide les do deiiam aibsireorachta air, 7 da fis 
an biedfuidis a clai a cumaclitaib fen; 7 do bui an oired 
sa do cumliachta on diabul aca, .i. gebe duine ar a tucdais a 
mbendacht go ndenadh sin maitli mur do, 7 gebe duine ar a 
tucdais a raallacht go ndenadh si urclioid mör do. Acus mar do 
fosclatar a mbeoil do mallughadh C. C, tainic do mirbuilibh De 
7 C. C, comb e a bendugliadh do ronsad, 7 nar fedatar a mallu- 
ghadh; 7 ni headh amäin nac derna a mallacht digbail do C. C, 
acht ni derna si digbail do nech eli 6 sin süas. 

241. Fechtus eli do C. C. a nAlpain, 7 do chuir se Baithin 
naemtha le gnoaightibh äiridhe a cend Aedhain mic Gabhrain, 
Et do fiarfaidh Aedhan de cred e in duine sin ar a raibe an 
tuaruscbhail mor ag lucht iartAmV domain, .i. C. C. 'As maith 
e', ar Baithin, 'oir nir bris se a oghacht, 7 nir oibrigh se go 
bec no co mor sa dimhaines, 7 ni derna se brecc riam', Do 
brethna?(/7i Aedhan 'n-a indtind fein cindus do brecnochadh se 
sin, 7 tue (fol. 32b) se C. C. 'na chend iarsin, 7 do chuir se a 
inghen fen, .i. Coinchend inghen Aedäin n-a suidhe a cathair a 
bfiadhnaise C. C, go n-edach righnaide impe. 'Is alaind an 
innghen üd', ar Aedan. 'Ass eadh on', ar Colam Cille. 'Na 
budh ferr let-sa co mbeithea ag luidhe le?' ar Aedhan. 'Do 
budli ferr', ar C. C. 'An cluinti an te si ren abarthur nar bris 
se a oghacht riam, ga rädha co madh ferr les co mbeith se ag 
luidhe lesin ingen', ar Aedhan. 'Nirb ail lium-sa brecc do denamli', 
ar C. C, '7 bidh a fis agat-sa, a Aedhain, nach fuil duine ar 
bith na budh mian les pecad do denamh'. 'Gideadh ass e an 
duine leces an mian sin de ar son De, corontar a flaithes De; 7 
fos bidh a fis acud, ar tighernus an betha nach luidhfind-se les 
an inghein, ge madh mian lium luidhe le ainmian an chuirp 
daenda sa ata umam.' Da n-abradh C. C, umorro, an uair sin na 
budh mian les luidhe les in inghin, do cuirfedh Aedhän sin mar 
bhreic n-a aghaidh, do rer an ughdairäis sin adubairt se fen, .1. 
nar chuir corp daenda uime, a fecmais daendachta criost, duine 
na budh mian leis pecadh do denamh. 



BETHA COLUIMB CHILLE. 125 

240. Once upon a time that C. C. was at a certain place 
in Scotland, Aedhan mac Gablirain, to wit, the son of tlie king 
of Scotland, fetclied twent}^ seven wicked druids to assail lüm, 
and to try to overcome liim hj tlieir power. And tlieir diabolical 
powers were such, that whorasoever they blessed, would benefit 
much thereby, and whonisoever they cursed, would suft'er greatly 
thereby. And when they began to curse C. C, it so happened, 
by the miracles of God and C. C, that they invoked a blessing 
on him and were unable to curse him. And not only did their 
curse not fall on C. C, but nobody ever since has suffered thereby. 



241. On another occasion that C. C. was in Scotland, he 
sent holy Baithin on some special business to Aedhan mac 
Gabhrain. Aedhan asked him what kind of a person was he 
whose fame had resounded throughout the western world, to wit, 
C. C. 'He is good', says Baithin, 'for he has never violated his 
chastity, nor has he ever, in any way great or small. followed 
idle pursuits or told an untruth'. Aedhan bethought himself 
how he would disprove these things, and thereupon invited C. C. 
to come to him. He placed his own daughter, to wit, Coinchend, 
the daughter of Aedhan clad in royal apparel sitting in a chair, 
facing C. C. 'Beautiful is that maiden', says Aedhan. 'Yes 
indeed', says C. C. 'Would you not rather be inclined to lie 
with her', says Aedhan. 'I would', says C. C. 'Do you not hear 
him of whom it is said that he never violated his chastity, 
asserting that he would be rather inclined to lie with the maiden', 
says Aedhan. 'I would not teil a lie', says C. C, 'and be it 
known to you, o Aedhan, that all human flesh is prone to evil'. 
'However it is he who foregoes that inclination to sin for God's 
sake, that is crowned in Heaven.' 'And be it known to yon, 
that for the kingship of the world, I would not lie with the 
maiden ; though I might be inclined to do so owing to the wicked 
passions of the human body that envelopes me.' If however C. C. 
had then said, that he was not inclined to lie with the maiden, 
Aedhan would convict him of falsehood; according to C. C.'s own 
authoritative saying, that there was no human being, except the 
God-man Christ, that was not inclined to evil. 



126 ANDREW KELLEHER, 

242. Tue Aedhan demhes a llaimh C. C. iarsin; 7 da cuiredli 
se an deimlies ar a cell, dob ail le liAedhan a cur 'na agliaidli co 
nderna se dimliaines, 7 do iarr air a cur ar a cele. 'Ni cuirebh', 
ar C. C. *oir do budli dimliaines dam a cur ar a clieli gan adbliur'. 
Is mar sin do clai C. C. Aedhan san indtind celgach sin do bi 
aicce do. 

2431). Fechtus eli do C. C. a nAlpain san oilen ren abarthar 
Imba, 7 tainic aingel De cuiee san oidhce, 7 e a ciiünus indtinde, 
7 leabhar gloine in a laimh 7 oränghadh denta riglithacht na 
hAlban and, 7 tue do C. C. e. Agus itir gacli ni da raibhe scribtha 
and, adubairt se cor cliuir Dia fa aithne ar C. C. ri Alpan do 
denamh d'Aedhan mae Gabräin. Do lec C. C. sin tairis an oidhee 
sin, 7 nir foscail se an leabur; oir nirb ail les ri do denamh 
d'Aedhan. Oir nir ehara do e an uair sin, 7 do bi mac dob 
oicce ina he ga athair ar a raibe gradh mor ag C. C. air ass a 
deghgnimartliuib, 7 do brethna/^/< se ri do denamh de ar beluib 
Aedhain. Et tainee an t-aingel an dara hoidhce chuiee, 7 an 
leabur cedna les da rad ris ri do dhenamh d'Aedhan. Acus do 
lecc C. C. sin tairis an oidhche sin mar an cedna. Et tainee an 
t-aingel an tres oidhce cuice 7 an leabhur les 7 do foscail n-a 
fiadlmaise e, 7 do taisben se do an t-inadh a raibe scribtha and, 
ri do denamh d'Aedhan mac Gabhrain. Et ar n-a thuicsin don 
aingel narb i sin toil C. C, do buail se buille do sciursa fan a 
taeb des air, 7 do gortaigh se co ro-gher e, 7 do bi slicht an 
sgiursa sin in a taeb an cein do bi se n-a hethaidh. Agus 
adubairt an t-aingel aris ris muna dhevnadh se an ni do bi 
scribtha sa lebhur co ngoirteochadh Dia ni budh m6 ina sin e. 
Ar ngabail aithrechais do C. C. fa gan beith umal don ced aithne 
do cuir Dia cuice, do cuir teehta ar cend Aedhain 7 tue cuice 
CO hi e, 7 do beandaigh e 7 do gair se ri de. Et do labhuir 
an t-aingel do guth ard os a cend san aier an uair sin, 7 assedh 
adubairt: '0 a Aedhain mic Gadhrain, na dena fen no do slicht 
ad diaidh, enni hns mesde re C. C, a n-Erind no a n-Alpain, 7 
da nderntai, cuimhneocha Dia sciursa C. C. daib.' Et ata nech 
naemtha, .i. Cumain fada mac Fiachna, ga mebrughadh sa lebur 
do scrib se fen ar subhälta?\//«ibh C. C, co nderna C. C. faidhe- 
duracht d'Aedhan 7 da slicht in a diaidh an uair sin, 7 co ndubairt 



*) Taken literally frora Adamnan. See Reeves' Adam., p. 197. 



BETHA COLUIMB CHILLE. 127 

242. Then Aedlian placed a pair of shears in C. C.'s hands, 
and if he pressed them together, Aedhan wished to convict him 
of frivolity. Aedhan asked him to do so. 'I shall not', says 
C. C, *for it would be frivolous of me to do so without reason'. 
Thus it was that C. C. defeated Aedhan in the deceitful designs 
he had on him. 

243. On another occasion that C. C. was in Scotland in an 
island called Imba, an angel of God came to him at uight-time, 
when his mind was at rest, with a book of glass ^), wherein was 
contained on order as to whom appertained the kingdom of 
Scotland. He gave it to C. C, and among other things, there 
was contained in it an order from God to crown Aedhan mac 
Gabhrain king of Scotland. C. C. ignored the order that night; 
neither did he open the book, as he did not wish to crown 
Aedhan, not being on friendly terms with him at that time. 
And his father had a yonnger son, whom C. C. greatly loved on 
account of his good deeds. Him he had determined to crown, 
to the exclusion of Aedhan. The angel visited him the next 
night bringing the same book, with the command to crown 
Aedhan. C. C. likewise ignored it on the second night. The 
angel came to him on the third night with the book, and opening 
it in his presence, showed him the part wliere it was written 
to crown Aedhan mac Gabhrain. When the angel understood 
that C. C. was nnwilling to do so, he gave him a blow of a 
scourge on the right side; thereby causing him very acute pain. 
The mark of that blow was in his side as long as he lived. 
The angel again said to him, that if he did not do as was 
written in the book, God would cause him more pain. And first 
of all C. C. repenting of his disobedience to God, sent messengers 
to Aedhan, who conducted him to lona. And C. C, having blessed 
him, proclaimed him king. And then the angel was heard to say 
in a loud voice above them in the heavens: '0 Aedhan son of 
Gabhran, let not thyself nor tliy descendants, do anything against 
the wishes of C. C, in Ireland or in Scotland, or eise God shall 
remember C. C.'s scourging for you'. A holy person, to wit, 
Cumain Fada mac Fiachna, relates in the book he wrote on the 
virtues of C. C, that C. C. then prophecied concerning Aedhan 



') Adamnan has 'vitreus über'. 



128 ANDREW KKIJ.EHER. 

se riu nac berdais a naimlide buaidli orra an cein do coimlieoldais 
dö fen 7 do lucbt a inaidli n-a diaidh, 7 adubairt riu gan an 
rigadit do chur as a laimb leth ren a nemco»2/miairle do denamh, 
7 gebe uair do gendais enni biid mesde les fen. leth re digbail 
do denamh da braithr/6/< no da cairdibh no do lucht a inaidh a 
n-Erind no a n -Albain, go cuimhneochadh Dia doib an sciürsadh 
tue an t-aingel do fen timcell Aedhain, 7 go ngoirteochadh se 
go mor iad leth ren a tren 7 ren a tresi do cur ar cül, 7 le 
tren do tabairt da naimdibh 7 da n-escairdib orra. Et ata 
Adamhnan naemta ga mebrughadh, cor firadh an faidhetoracht 
sin C. C. an tan tancatar cland Echac/i buide mic Aedhain m^c 
Gabrain a n-Erind, re Congal claen mac Scandlain Sciathlethain; 
.1. ri Vlsiidh a n-agaidh brathur C. C, .i. Domhnaill mic Aedha 
mic Ainmirech ri Erend, anuair do bris Doranall cath Muighe 
Rath orra, 7 do marhadh cland Ethach buidhe and uile; 7 fos 
ata Adhamhnan ga mebrughadh, corub ren a lind fein tucadh 
an cath sin Muighe Rath, 



244. Fechtas eli do C. C. a nhl, 7 do cuaidh don ecla?5 7 
do gair a serbfoghanta^J/^e fen cuice, .i. Diarmaid, 7 adubairt 
ris an cloc do buain docum go tiucfaidis na manaigh cuca. Agus 
do rinde (fol. 33 a) Diarmaid sin 7 tancatar na manaigh fa giith 
an cluic. Labrais C. C. riu 7 assedh adubairt: 'Lecem ar ar 
ngluinib sind, 7 guidem ar Aedhan mac Gabhrain ri Alpan 7 ar 
a bfuil färis, ata ac tabairt catha da escairdib anos. Agus do 
ronsad amlaidh sin, 7 ar crichnughadh a urnaidhe do C. C, do 
erich da glüinibh 7 tuec buidechus do Dia in a tiudlaicibh, 7 do 
indiss da manchuibh co brisiudh an cath sin le h Aedhan, 7 ge 
tucadh buaid cathaige do gor marbud triür 7 tri ced da muindtir 
fen and. Agus do firadh an faidhetoracht sin uile amail adubairt 
C. C; mar do derbhatar daine äiridhe tainic as in cath fen do 
na manchaibh iarsin; 7 as follus do cach asan scel sa corab 
inmrcach tue Dia fis a seicreide fen do C. C. 

2459. Fechtus eli do C. C. a fochair a celi 7 d' Aedhan 
mac Gabräin 2), 7 do Mriaicih Aedhan de cia da cloind do beith 
a rigacht Alban in a diaid fen. Frecrais C. C. e, 7 assedh 

') Taken literally from Adaranan. See ßeeves' Adam., p. 35. 
*) Leg.: do C. C. 7 d'Aedhan mac Gabräin a fochair a celi. 



BETHA COLULMB CHILLE. 129 

and his descendants, to the effect tliat tlieir enemies would not 
conquer them as long as they Avere obedient to himself and his 
successors. He also warned theni, on pain of losing tlieir kingdom, 
against following tlieir own evil Councils, adding that whenever 
they did anything contrary to his own wishes, by doing evil to 
his own relatives or friends or his successors in Ireland or in 
Scotland, God would remember his being scourged because of 
Aedhan, and would inüict serious injury on them by depriving 
them of their power and strength, and by letting their enemies 
conquer them. And holy Adamnan relates that that prophecy 
of C. C. was verified, when the children of Echaidh Buidhe, son 
of Aedhan, son of Gabhrau, came to Ireland along with Congal 
Claen, son of Scandlain Sciathlethan, to wit, the king of Ulster, 
to oppose C. C.'s relative, namely Domhnall son of Aedh, son of 
Ainmire, king of Ireland, when Domhnall defeated them at the 
battle of Magh Rath i), in which all the clan of Echaidh Buidhe 
were slain. Adamhnan also relates, that it was during his own 
life-time, that the battle of Magh Rath was fought. 

244. On another occasion that C. C. was at lona, he re- 
paired to the church, and calling his own servant to him, to wit, 
Diarmaid, he told him to ring the bell to summon the monks, 
Diarmaid did as he was told, and the monks came at the sound 
of the bell. And C. C, addressing them said: 'Let us kneel and 
pray for Aedhan mac Gabhraiu king of Scotland and his followers, 
who are now giving battle to his enemies. They did so accor- 
dingly, and when C. C. had finished his prayer, he stood up and 
returned thanks to God for His gifts, and informed the monks 
that Aedhan had won the battle, but that nevertheless three 
hundred and three of his men had been slain in the battle. The 
wliole of that prophecy was verified, as C. C. had foretold; for 
afterwards certain people who had returned from the battle, 
confirmed the same to the monks. Hence it is clear to everybodj", 
that God abundantly revealed His secrets to C. C. 

245. On another occasion that C. C. was in the Company 
of Aedhan niac Gabhrain, the latter asked him which of his 
children would succeed him in the kingdom of Scotland. C. C. 



») In the year 637. 

Zeitsclu-ilt f. celt. Philologie XI. 



130 ANDREW KELLEHER, 

adubairt, nach beitli enduine don triur moc bud sine aice n-a righ 
go bratli, 7 co mmvMedh a n-escaraid iad, 7 adubairt se ris an 
dand 6cc do bi aice do tabairt n-a fiadnaise fen, 7 gebe aca do 
ticfadh in a ucht gan iarraidh 7 do beradli pög do, co madli e 
do beith n-a righ Alban a ndiaidh a athar. Twcadh, iaromh, 
macaimh oga do ha cland don righ a üadnaise C. C. iarsin, 7 
tainec nech äiride dib darb ainm Eochaidh a n-ucht C. C. can 
iarraidh, 7 tue pöcc do. Do bendaigh C. C. e, 7 adubairt ris, co 
nibeith se n-a righ a ndiaidh a athar fa aimser girr. Agus do 
firadh gach ni dib sin uile amail adubairt C. C. 

246 1). Fechtus do C. C. 7 da descibul fen .1. do Dhiarmaid, 
ag radh a trath 7 a n-urnaidlie ar cnocän ard sleibe ata a nhl, 
7 ar crichnughadh a urnaidhe do C. C, do labuir re Diarmaid, 7 
assedh adubairt: 'As ingnadh lium', ar se, *a fad co ticc an long 
ata ag techt Erind cugaind, in a bfuil nech airidhe do thuit 
a pecadh marbtha, 7 ga bfuil tuirsi 7 aithrechas in a pecadh 
anois, 7 ata ag techt da iarraidh orm-sa, maitemh a pecaid/i 
d'faghail Dia do'. Nirb fada iar sin, an uair do condarc Diar- 
maid an long ac lecadh a seoil sa port laim ris, 7 do indis sin 
do C. C, 7 tainic an duine si do räidhsimar romhaind a tir a cend 
C. C, 7 do leic ar a glüinib na fiadnaise e, 7 do cai go ger. 
Agus arna thuicsin do C. C. go raibe aithride firindech aige, do 
cai se fen leis, 7 do guidh se Dia co dutrac/i^ach fan a pecaib 
do maithemh do. Agus do labuir ris iar sin, 7 assedh adubairt: 
'A mic graduig', ar se, 'bid luthgair 7 solas ort; oir do maith 
Dia do pecafZ/i duid ar med do tuirrsi 7 t'aithrechais, do reir an 
focail ata scribtha 'sa scribtüir, .i. 'cor contritum et umiliatum 
Deus [non] despicies', .i. 'ni cuirend Dia an croide umal tuirsech 
a tarcuisne'. Ar n-a cloisdin sin don duine sin, do eric da gluinibh 
maille re luthgair, 7 tue buidechus mor do Dia 7 do C. C. ar a 
son; 7 do cuir C. C. fare Baithin da coimhed e, d'ecla a tuitim 
'sa pecadh sin nö a pecudh eli. Agus fuair se bas fa deiredh; 
7 as e dob ainm don odach sin fen, .i. Fiaclma. 

2472). Feclitus eli do C. C. a nl, 7 do cuir dias manuch 
do bi faris ar cend manuich eli darb ainm Cailtean, do bi a sella 

») Taken literally from Adamnan. See Reeves' edition, p. 58. 

2) Taken literally from Adamuan. 1. c., p. GO. According to Reeves 
Cailtean did not live in the mouastery, but in a cell near a lake called Aba, 
probably now Loch Awe. 



BETHA COLÜIMB CHILLE. 131 

answeriiig- liini said, tliat none of his three oldest sons would 
ever be crowned, but tliat they would be slain by their enemies. 
And he told him to fetcli liim his three joung children, asserting 
that whichever of them would come of his own accord to his 
own bosom and embrace him. he it was that would succeed his 
father. The royal youths were afterwards brought to C. C.'s 
presence; and a certain one of them came of his own accord to 
C. C.'s bosom and kissed him. And C. C, having blessed him, 
Said to him that ere long he would succeed his father. Every- 
thing was fulfilled as C. C. had foretold. 

246. Once upon a time, C. C. and his own disciple, to wit, 
Diarmaid, were saying their office and praj^ers on a high mountain 
peak in lona. And C. C. having finished his prayers, said to 
Diarmaid: 'I wonder at the length of time which the vessel that 
is Coming to us from Ireland is taking to come, which has on 
board a certain person who has fallen into mortal sin, but who 
is now contrite and repentant, and coming to me to ask God to 
forgive him.' Shortly afterwards Diarmaid beheld her sails being 
lowered in the harbour close by him. This he told C. C; and 
the aforesaid person having landed came to C. C, and falling on 
his knees in his presence wept bitterly. When C. C. saw that 
he was truly repentant, he likewise wept, and implored God 
very ferveutly to forgive him his sins. Thereafter, addressing 
him, he said: 'Beloved son', says he, 'be joyful and comforted, 
thy sins are forgiven thee, because of thy great sorrow and 
repentance, according to what is written in the Scriptures: 'Cor 
contritum et humiliatum Dens [non] despicies'i), that is, God 
does not despise the humble and contrite heart. When the 
person in question heard that, he arose from his knees, and 
returned thanks to God and to C. C. And C. C. put him under 
Baithin's care, for fear of his falling into the same sin or some 
other sin. Finally he died, and the name of that youth was 
Fiachna. 

247. On another occasion when C. C. was at lona he sent 
two mon ks who were with him for another monk named Cailtean, 
») Psalm L 1». 



132 ANDREW KELLEHER, 

airidlie 'sa mainistir ag radh a duthraclita, 7 do indsetar do co 
raibe C. C. ga iarraid cuice. Ar n-a cloisdin sin do Cailtean, do 
cuaidli mailli re deithfir moir 7 re humlacht mar araibe C. C. 
Do labuir C. C. go humal failidlie ris, 7 assedh adubairt: 'As 
maith do rindis, a Cailteiii', ar se 'gan cairde do chor ar an 
umhlacht, acht tect mar adubart-sa rit. Oir is ar do grad fen 
do iarr«5-a tu, iiidass co cuirtea crich ar do beathuich san 
umlacht; 7 bid a fis acud, co bfuighe tu bäs a nderedh na secht- 
mhaine si fen, 7 racliaidh hanum fare Dia, do caitliemh na gloire 
suthame. Ar cloisdin na mbriathar sin don manuch, do gab 
luthgair imarcuch e, 7 do bendaig C. C. e; 7 fuair bas iar sin, 
amail adubairt ris; gor moradh ainm De 7 C. C. de sin. 

248. Do bi espog ronaemtha a n-Erinn, .i. Aedh mac Brie 
esidhein, 7 do bi manuch airidhe da mhanchaibh fen oc a guidhe 
CO gnathach, gebe uair ha mith?'^/i le Dia a breith do caithemh 
na gloire suthame, gan e feu d'facbail a miciunass an tsaeghail-se, 
acht a breith les a n-Simtecht ris fen a ciunus flaithessa De. 
'Berad madh ail let fen', ar in t-espo(/. Ar mbeith daib aimser 
airidhe iarsin ag ridireclit do Dia, adubairt an t- espog naemli- 
(fol. 33b)tha ris an manach, a uUmhughadh, 7 cor mithigh le 
Dia e fen do breith les as an prisün sin an cuirp daenna a raibe 
se, d'estecht re hilceoluib na n-aingel tre bitha sir. Do rinde an 
manuch drochcomairli an uair sin, ar n-a dalladh do seoltuib an 
aiberseora, 7 adubairt nar raithigh les an saeghal d'facbail a 
comluath sin. Agus do bi bodach airidhe don pop«Z do lathair 
an uair sin, 7 adubairt cor tntagh nach ris fen adubairt an 
t-espog an t-ullmugadh sin do denanih. 'Dena-ssa an t-ullmhu- 
ghadh', ar an t-espog, '7 luidh ar enlebaidh rim-sa anocht, 7 
berad lium a n-inadh an manuich tu'. Do ronsad amlaidh sin; 
7 frith marb ar na marach iad 7 do cuaid a n-anmonda docum 
nimhe. Et do bi C. C. an uair sin, san oilen danadh hainm hl, 
a rigacht na liAlpan, 7 do foill.sige(//i sin do ar an ponc sin fen, 
7 do labair go faidhemail re na manchuib, 7 do indes doib gach 
ni dar imäigh ar Aedh mac Brie, 7 ar in manuch, 7 ar in mbodach, 
7 adubairt cor laidir 7 gorb imarcach na grasa tue Dia d'Aedh 
mae Brie, le a ruc se an peeuch, nar cossain tiaithes De eoruiee 
sin, les do caithem na gloiri, d'aindeoin na ndiabaZ, 7 narb' eidir 



BETHA COLUIMB CHILT.E. 133 

who was in a certain cell in tlie monasteiy sayin«^ liis prayersi). 
Tliey told liim that C. C. wanted liim. Wlien Cailtean lieard tliat, 
he quickly set out in obedience to C. C. And C. C. addressing 
him in a humble. yet joyfui manner said: 'Well done, o Cailtean', 
says he, 'for obediently Coming witliout delay when I asked you. 
For I sent for you through love of you, so that you would end 
your life in obedience. And be it known to you that j'ou will 
die at the end of tliis very week, and your soul will go to 
Heaven into everlasting glory'. When the monk heard those 
words, exceeding joy seized him and C. C. blessed him; and lie 
died afterwards as he had told him. God's name and C. C.'s 
were magnilied thereby. 

248. There was a very holy bishop in Ireland, to wit, 
Aedh mac Brie, and a certain one of his monks kept constantly 
askiug him that when it pleased God to take him into ever- 
lasting glory, not to leave himself beliind amid the cares of this 
World, but to take him along with him, into the peace of Heaven. 
*I shall do so if you wlsh', says the bishop. Having spent some 
time after that in the service of God, the holy bishop told the 
monk to get ready; for God was about to release him from the 
prison of the human body wherein he was, and take him to 
listen to the harmony of the angels for evermore. The monk 
theu taking evil counsel, through the temptations of the devil, 
said that he was not yet ready to leave the world. A certain 
rustic of the congregation, who was present at the time, said 
that it was a pity that it was not himself that the bishop told 
to get ready. 'Prepare', says the bishop, 'and sleep with me 
to-night, and I shall take you instead of the monk.' This was 
accordingl}' done, and they were found dead on the morrow, and 
their souls had gone to Heaven. C. C. being then in an island 
called lona, in the kingdom of Scotland, the same was at the 
very moment revealed to him, and prophetically speaking to his 
monks, he told them everything that had happened to Aedh mac 
Brie, and the monk, and the rustic, adding that great and manifold 
were the graces bestowed on Aedh mac Brie, wherewith after 
the example of Christ and the thief on His right band, he took 
that sinner, who had not tili then fought for the kingdom of 



^) Or, 'making his meditation'. 



184 ANDREW KELLEHER, 

leo toirmesc do cluir air, 7 corab ar aitliris Ciiost 7 gaduidhe 
na laimlie (deise) ruc se les e; 7 do molutar na manaigh C. C. co 
mor trias na subalt/(?/i<bh sin tue Dia do, nach raibe enni a nimh 
no a talmlia/w n-a dorcliadus air. 

249. Do cliuaidli mamich naemtha iar sin darbli'ainm Colman 
Eala on talumli dana bainm Laiglies a Laiglin/Wi, da oilithre 7 
ar cuairt crabuid mar araibe C. C. go hl, a righocht na hAlpan, 
7 do bi faris co nderna se espog de. Agus an uair do ba mithidh 
les irn^odh tar a aiss co hEirinn, do fi?aiwgh do C. C. cindus do 
berudh se a betha ass, no cia he an naem Ernuch as mo re 
mbeith a cumann no a päirt, no do beith n-a oide faisidnech 
aige. 'Bidh an nech naemhtha do-cim-se fen, gach oidche dom- 
nuigh, a fiadnaise Criost itir ainglib nimhe, n-a oide faisidnech 
agat', ar Cohim Cille. 'Cia he sin no cindus as duine e?' ar 
Colman Eala. 'Nech naemtha sochndh dod cinedh-sa fen e', ar 
Colum C, 'ag a fuil agaidh dearg, 7 suile glasa, 7 becän do 
gruaig leith fair'. 'Ni haithne damsa', ar Colman Eala, 'a leitheid 
sin do duine a n-Erinn, acJit madh Findtan mac Gabrein namä'. 
'As e sin adeirim-se do beith n-a companuch acud', ar C. C, '7 
bidh a demhin agad', ar se, 'corub maith an buacha?7 treda do 
Crist e, 7 co mbera se moran d'anmonnaib docum nimhe, tren a 
naemhthacht 7 trian a crabhaidh, 7 tren a esimläir'. Tainicc 
Colman Ela a n-Erinn iar sin, 7 do indeis d'Findtan gach ni da 
ndubairt C. C. ris; 7 do aitliin Findtan do Colman Ela, gan sin 
d'indisin ren a beo fen. Do coimhed Colman Ela an aithne sin; 
oir is tar eis bäis Findtain, do indis se an scel sa ar naemthacht 
C. C. 7 Findtain; amail derbus beatha Findtain fen. 

250. Do bi nech ronaemtha a n-Erinn, Mochonna a ainm, 
7 Macariif5 ainm eli do, 7 Fiachna ri Erenn a athair, 7 Find- 
chaemh ainm a matliar; 7 do bi ga oilemaiu ag righ Connacht 
CO cend a seacht mWadan, 7 do tairngir espog Eoghaw Arda 
Sratha, a fad rian a genemaint, go ngenfidhe in mac sin, 7 go 
mad e bud companuch s\igh.edh do C. C. ag dul do Roimh, 7 go 
tihradh Grigoir Papa an tres ainm air .i. Mauricius. Agus do 
tindscnadh lecend do denamh du, 7 mar do cuala imradh C. C, 
do bi n-a brathair fogas do, do cuaidh mar araibe se, do seoladh 
na n-aingel do bidh n-a coimhideacht, 7 do grasaib an spin'to 
naeimh do bi n-a croide; 7 tainec do mirbuihWi C. C, gor 



BETHA COLUIMB CHILLE. 135 

Heaven, into glory in spite of tlie devils; nor could tliey hinder 
him. Tlie monks greatly praised C. C. because of tlie gifts given 
liim by God, wlierewitli notliing in heaven or on earth was 
invisible to him. 

249. Thereafter, a holy monk named Colman Eala went 
from a place called Laighes in Leinster, on a pilgrimage and 
on a pious visit to lona, in the kingdom of Scotland, where 
lived C. C. He stayed with him tili he was made bishop; and 
when the time came when he had to return to Ireland, he asked 
C. C. how his life would be spent or what Irish saint would be 
his greatest friend or confessor. 'Have as your confessor the 
holy person I see every sunday night in the Company of Christ 
among the angels of Heaveii', says C. C. 'Who is that or what 
kind is he', says Colman Eala. 'A holy kind-hearted person of 
your own kin is he', ssijs C. C, 'with a ruddy complexion and 
grey eyes, and his hair slightly tinged with grey'. 'I do not 
know of such a person being in Ireland, except it be Finntan 
mac Gabrein', says Colman Eala. 'The very one I say that is 
to be your companion', says C. C. 'And be it known to you, 
that he is a good shepherd to Christ, and that by his sanctity 
and pietj^ and example, he shall lead many souls to God', says 
he. Thereafter, Colman Eala came to Ireland, and told Finntan 
everything that C. C. had said. Finntan commanded Colman 
Eala to be silent about it during his own life -time. Colman 
Eala kept that commandment; for it was only after Finntan's 
death, that he related that story concerning the holiness of C. C. 
and Finntan; as Finntan's own life testifies. 

250. There was a very holy person in Ireland, named 
Mochonna, also known as Macarius, Fiachna, king of Ireland, 
was his father, and Findchaemh was his mother's name. He 
was fostered by the king of Connaught tili the end of his seventh 
year. Bishop Eoghan of Ardstraw prophesied long before his 
birth that he would be born, and that it would be he that would 
accompany C. C. to Eome, and that Pope Gregory would call him 
his third name, to wit, Mauricius. He began his studies, and 
having heard of C, C, who was a near relative of his, he visited 
him under the guidance of the angels, who used to be in his 
Company, and by the grace of the Holy Spirit, that was within him. 



136 ANDREW KELLEIIER, 

niehrai;]:]! se legend na liecluissi re tri mi iiadlia. 7 gnr gab se 
aibid uadlia, 7 do len se sdaid C. C. .i. a maighisdir feil, mar us 
terr gor fed se a lenmam; gin gor fed nech da täinic riamh a 
lenmliuin gu liuilidhe, 7 ag dul do Colum C. ar deoraidhecht a 
n- Albain, adubairt an lenub ueamtliu-sa da bfuilmid ag labairt, 
.1. Moconda, go racha^/i se les. 'Na heirich', ar C. C, 'acht an 
fare liatair 7 red matltair ad dwüiaigh fen'. 'Tu-ssa mh'athair', 
ar Moconda, '7 an eclus mo nmthuir, 7 assi an äit as mu ina 
fedfainn serbis do denamh do Dia, is duthac/i damli', ar se, '7 
6s tu-ssa, a Colum C, do cengaü re Crisd me, lenf«d tu go mberi 
tii mar a btuil se me'; 7 tue moid na hoilitlire andsin. Ar tuicsin 
foirbfidhechta an leinb öicc sin do C. C, 7 an las(fol. 34a)aidli 
gradha do bi aige air lie fen do lenmhuin ina oilithre, do toilidh 
do techt les. 

251. Feclitus do Colum Cille a nbl, 7 do f'urail ar Moconda 
a beith ag scribneoracht, 7 ruc an oidlice air; 7 ni raibe coindli 
aige. Agus tainic do naemhaclit a maiglieistrecli, .i. C. C. 7 da 
naemhucht fen, gor comsolus la 7 oidlice do. Do conda/rc manacli 
airidhe do na mancliuib an ni sin, 7 do indiss don coimthinol e, 
7 do gab imtnudh mör re Moconda iad, 7 do comaiiiigetar bas 
do tsibairt dö. Agus do cuiretar neimh a ndigli cuicce. Do 
foillsigedh sen do C. C, 7 e n-a duirrtech fen, 7 Macairius sa 
proindtigh, 7 do thogaib a lamh, 7 do coisric an deoch uadlia, 7 
tainic do mirbuilibli De 7 C. C, co ndechuidh a neimh trid an 
tsoithech araibe an deoch, 7 gur an an deoch glan and. Agus 
ar n-a hibhe do Moconda, ni derna si digbail ar bith do, tre 
mirbuilibh De 7 C. C. Agus as mar sin do coimheid C. C. a dalta 
fen ar a neimh sin. 

252. Od conduirc C. C. aingidecht an coimhtinoil do Ma- 
cairius 7 1) do Moclionda, tue ciiice he 7 do coisric n-a hespog 
e, 7 tue fäinde 7 bachall do, 7 tue gach indstraimint eli do 
foigeonadh d'espog do frecur eeluisi De do, 7 tue se da fer dee 
do do dainib dut/irachta(cha) do bi foirbthe a frecur eeluisi De, 
7 adubairt se ris dul a proibhindse Pictora, 7 comhnuidhe do 
denamh san inadh ina bfuidhedh se abund ar cuma bachla sa 
talamli sin, 7 adubairt gurub andsin do toiligh Dia do comnaidhe 
do denamh athaidh da ainisir. 

») Read .i. 



BETHA COLUIMB CHILLE. 137 

And it came to pass, tlirougli the miracles of C. C, that he 
leanied the doctrine of the cliurch in three months from him, 
and took the habit from him. And he imitated C. C, to wit, his 
master, as best he could; for no one ever was able to imitate 
liim fully. AVhen C. C. was abont to go into exile to Scotland, 
the holy yoiith in qnestion, to wit, Mochonna said, that he woukl 
go with liim. 'Do not', says C. C, 'but remain with your father 
and mother in your own country'. 'Yon are my father', says 
Mochonna, "and the chnrch is niy mother, and where I can best 
serve God, is my country', says he, 'and since it is you, o C. C, 
that has consecrated nie to Clirist, I shall follow you, to be taken 
to where he is'. And thereupon, he took the vow of pilgrimage. 
When C. C. saw that he was so perfect, and that he ardently 
desired to accompany him, he consented to it. 

251. Once upon a time when C. C. was at lona, he gave 
Mochonna some writing to do. Night overtook him; nor had he any 
candle. Through the sanctity of his master, to wit, C. C, and 
through his own sanctity it happened that the night was as bright 
as the day for him. A certain one of the monks, having noticed that 
fact, told the Community about it. They getting very jealous of Moch- 
onna, agreed to put him to death, and so put poison in his drink. 
That fact was revealed to C. C, who was in his oratory, while Ma- 
carius was in the refectory, and raising his hands, he blessed the drink 
from him. And it came to pass, by the miracles of God and C. C, 
that the poison went through the vessel in which tlie drink was, 
and tliat the'drink remained pure in it. And when Mochonna drank 
it, it did him no härm, through the miracles of God and C. C. 
Thus it was that C. C. preserved his own disciple from that poison. 

252. When C. C. saw that the Community were ill disposed 
towards Macarius, lie got him to come to him, and liad him 
consecrated bishop. He gave him a ring and a staff, and everj^ 
other instrument that a bishop needed for the administration of 
the church. He also gave him twelve zealous disciples, who 
were well tried in the Service of the Church. He told him to 
go to the province of the Picts, and there to reside in a place 
where he would find a river, shaped like a staff; for that there 
God had willed him to spend some time. 



138 ANDREW KELLEHER, 

253. Do gluais Macairius 7 a muindtir rompo, 7 do ceileb- 
ratar do Colum C, 7 do cuaidli go proibindse Pictora, 7 do 
condaic se abond uadha ar cuma baclila amail adubairt C. C. 
ris, 7 do cumdaighedli ecliis a n-inadh airidlie re taeb na habhand 
sin les. Agus do bi pest neimlie san inadh sin, 7 do lecedh si 
lasracha tendtidhe as a bragliaid, le a mMhadh si moran do na 
cinedliaclu«M; 7 ar n-a faicsin do Macairius amluidh sin an uair 
dob'ail le urchoid do denumli do, do malluigli lii 7 do rinde cairthe 
cloiclie di, do cumliaclitaib De 7 do mirbuiluibh C. C; oir is do 
scris na piasda sin do seol C. C. Macairius docum an inaidh sin 
secli gacli inadh eli a proibindse Pictora; ar n-a foillsiugadh dö 
ina spiracZ, an pesd sin do beith ac scris na poiblech. 

254. Is mor trath do niirbuilibli do rinde Macairius sa 
praibindse sin, 7 as mör da slimgaihh 7 da sochruidib tue se 
docura creidimh, 7 as mor d'eaclusaib do cnmMaigh se indte, 7 
do chuir se an idhbarta demhnuidlie ar cul, 7 do scris se imhaidhe 
na ndeiedh ndiabluidlie da creidis. 

255. Fechtns da ndechaidh C, C. dti oilethri don Roimh, 
7 do clmir se gairm ar Macairius .i. a descibul fen, 7 do togh 
se mar cumpanuch slighedh e tar gacli uili manuch da naemthacht 
da raibhe aige. Agus ar ndul docum na Romha doib, do cuatar 
a cend Grigoir Papa, 7 ar mbeith ag comrad daib re celi, do 
fiarf aic?/i Grigoir do C, C. ga bainm do bi ar a companucli. 'Mo- 
conda no Macairius a ainra', ar C. C, 7 mar nar thuic Grigoir 
na hanmonda sin, tue se fen ainm eli air .i. Maurisius manus 
recta, .i. lamli direcli, ar son gor direcli ina oibiighibh e. Gonad 
andsin tainecli tairringire espoig Eogain docum criclie, Icth re 
Griglioir do tabairt an tres anma ar Macairius. Mar do luair 
Griglioir a fis 6 Colum C. gurbh espog Macairius, 7 gur nech 
ronaemtha romirbuikc/i e, do aithin de, maille re honöir romöir, 
beith ag frecor ecluisi Torön, do bi an uair sin gan espog, .i. 
an eclus mar handluicedh Martain naemtha. 

256 9. Ar crichnughadh a ngnoaigliedh re Grighoir doib, 
7 ar ndenumh oilithri na Roma co himlan, do gabutar a ced aice, 
7 do lec a bendacht leo 7 do fäcbhatar a mbendacht aice, 7 do 



*) Sources are expressly mentioned, viz. Lives of Eugenius and Macarius. 
See Reeves' Adam. p. 325. 



BETHA COLUIMB CHILLE. 139 

253. Macarius and his followers, having bid farewell to 
C. C, set out and came to the province of tlie Picts. He beheld 
a river in tlie distance, shaped like a staff, as C. C. had said, 
and tliere he built a church in a certain place by the side of 
that river. There Avas a serpent in that place, which used to 
vomit sparks of fire, wherewith it killed many of the natives. 
A\'lien Macarius saw it in that wise, about to do him härm, he 
cursed it, and it was petrified by the power of God and by the 
miracles of C. C; for it was to destroy that monster that C. C. 
sent Macarius to that particular place in the province of the 
Picts; it being revealed to him that it was destroying the people. 



254. Many indeed were the miracles performed by Macarius 
in that province, and great multitudes were converted by him to 
the faith, and many were the churches built there by him. He 
abolished paganism, and destroyed the images of the false gods 
in "whom they believed. 

255. Once upon a time when C. C. made a pilgrimage to 
Rome, he sent for Macarius, to wit, his own disciple, and chose 
him as his travelling companion, in preference to the other monks, 
because of his holiness. Haviug arrived at Rome, they went to 
Pope Gregory, and during their conversation Gregory asked C. C. 
the name of his companion. 'Mochonna or Macarius is his name', 
says C. C. As Gregory did not understand those names, he gave 
him another name, to wit, Maurisius, 'manus recta', that is, 
'straight-handed', for he Avas straight in his w'orks. Thus was 
fulfiUed the prophecy of Bishop Eoghan about Gregory giving a 
tliird name to Macarius. When Gregory was informed by C. C. 
that Macarius was a bishop, and that he was a very holy and 
a very wonderful person, he appointed him Avith very great honour 
to the church of Tours, Avhich was then without a bishop, that 
is, the church in which saint Martin was buried. 

256. When they had visited the whole of Rome, and had 
done their business with Gregory, after the fareAvell greetings 
were over, they proceeded to Tours with his permission. The 



140 ANDREW KELLEHER, 

gabhiitar g\\ Toron. Agus ni raibe a fis ac lacht na catliruch 
sin ga hinadli airidhe inar liadluicedh Martain, 7 ar na cluinsin 
doib nach raibe enni a nimh no a talmhuin. a n-ainbhfis do C. C. 
7 go raibe se n-a faidh ag au Tigherna nemdlia, do taircetar 
morän oir 7 airgid 7 aiscedh eli do, do cind a foillsiughadh doib 
ca raibe an t-andluicedh sin. 'Ni geb-sa aiscedha oir na aircid 
uaib', ar (fol. 34 b) C. C, '7 foillseochad andlacudh Martain daib, 
da faghar an ni eli ata san andlacadh faris an corp'. Tucatar 
lucht na cathrach cuir 7 minda do air sin, 7 do foillsig C. C. 
an t-andlucadh iar sin. Agus ar n-a foscladh doib, fuaratar leabur 
aifrind and, 7 adubairt C. C. gorb'e an lebur sin do bi se feu 
d'iarraidh, 7 gurab uime do rinde se cuir re lucht na cathrach. 
Do brethnaigetar lucht na cathruch brisedh air 7 gan an lebur 
do tabairt dö, 7 adubratar nimm fagbudh se nech naemtha ecin 
da raibe faris go suthain acu, nach fuigedh se an lebur, Do 
fagaib sesen Macairius naemtha aca do reir furailmhe an Papa, 
do frecar oifice espoig doib, mar do batar an uair sin gan espog, 
7 tucadh an lebhor do C. C. Agus is mar sin adeir betha espoig 
Eoghain 7 betha Macairius an lebur sin d'faghail. Agus do 
foills/(//i Martain e fen do moran do lucht na cathruch an oidhce 
sin, 7 iad in-a codladh, 7 assedh adeiredh riu: 'onoraigh Macairius 
mar niesi fen; oir is e mo mac gradach fen e, 7 as air tainic toil 
Grighoir Papa 7 C. C. da chur do frecor na hea^laisse Torön.' 

257. Ar frecur na hecluisse do Macairius tri bliadhna go 
leith, do ghoir a coirathinol uili chuige, 7 adubairt riu, gor focus 
do fen an aimsir ar araibe se ag feichemh on a naidhendacht 
conuice sin, .i. ainiser a bais, 7 adubairt go fuighedh bas fa cend 
tri la. Do ba rodobrönach an coimtionol 7 lucht na cathrach 
uile de sin, 7 adubairt Macairius riu gan tuirrse do beith orra, 
7 corbl toil De gach nech do gebudh betha d'fagail bais. Do 
facbutar hicht na cathruc uile Macairius a pongc a bais acht 
espo/^ 7 manaigli. Do labhair Macairius riu 7 assedh adubhairt: 
'Coisrigidh bar suile 7 bhar croidhedha, iudus go bfaicedh sib 
gach ni atchim-se, 7 go cluinedh sib gach ni adcluinim.' Do 
ronsad amlaidh, 7 do condcatar Issu Crist gon a espukiM, 7 
an cuirt ainglidhe, 7 Martain naemtha, 7 C. C. in a corp daenna, 
na coraid timchell Macairius. Agus fa gnathach do C. C. beith 
ina corp daenna faris na hainglib 7 gnimhartha ainglidhe do 
dhenamh, amail leght?<r go minie air, 7 dob ainglide dö dul ina 



BETOA COLUIMB CHILLE. 141 

people of that city knew not where Martin was buried, and 
having heard that there was nothing in heaven or on earth 
hidden from C. C, and that lie was a prophet of the Lord, they 
offered much gold and silver and other gifts to him, that he 
might reveal to them his tomb. 'I shall not take presents of 
gold or of silver from you', says C. C, 'bnt I shall show you 
Martin's tomb, on condition that I get the other thing tliat is 
in the tomb with the body'. The Citizens having pledged 
themselves to that, C. C. then showed them the tomb. When 
they opened it, they found a Missal in it. C. C. said that it 
was that book he wanted, and that he liad made the agreement 
with the Citizens for its sake. The latter bethonght themselves 
of violating the treaty by not giving him the book. They said 
that unless he left with them for ever some holy person of his 
retinue, that he would not get the book. He left them Macarius 
as bishop, according to the Pope's command; for they were without 
a bishop then. The book was handed over to C. C. Thus was 
got that book, according to the Life of Bishop Eoghan, and the 
Life of Macarius. Martin appeared to many of the Citizens on 
that night, while they were asleep, and thus addressed them: 
'Honour Macarius as myself; for he is my beloved son, and the 
chosen one of Pope Gregory and C. C. for the care of the 
church of Tours.' 

257. Macarius having been in tlie care of the church of 
Tours for three and a half years, calling together the whole 
Community, told them that the time he had been awaiting since 
his iufancy was at band, that is, the hour of death. He said 
that he would die within three days. Thereat the Community, 
as well as all the Citizens were sorrowful. Macarius told them 
not to be sad; for that it was God's will for every living being 
to die. When his end was approaching, all the Citizens, except 
bishops and monks, retired. Macarius addressing the latter, said: 
'Bless your eyes and your hearts, so as to see what I see, and 
to hear what I hear.' Accordingly, they having done so saw 
Jesus Christ along with his apostles, and the angelic court, and 
Saint Martin, also C. C. in the flesh, surrounding Macarius in 
choirs. C. C. was accustomed to be with the angels, though [still] 
in the flesh, and to perform angelic deeds, as is oftentimes related 
of him. It was like an angel of him, being [stillj in the flesh. 



142 ANDREW KELT.EHER, 

corp daenna, a luas aingeil mar gacli aingel eli, o hl C. C, a 
rigacht na hAlpan, go Toirinis Martain. Agus assedh aderdis 
uili: 'TaiT cugaind, a Macairius, 7 dena comlmuidhe farind a 
flaithes t'athar fen.' Do cualatar araibe do dainib naemtha do 
lathair an uair sin Pedur espol da Mriaidhe d'Isa Christ: 'Cred 
hi an maith do rinde an duine si ar a fuair se an onoir mor sa 
uaib.' Do frecair Issu e, 7 assedh adubairt: 'Do coimeid se gac 
uile aitne da fuil sa tsenvecht 7 annsa rect nua gan oired en- 
litre do brisedh dib, 7 do coimeid se e fen gach uili salchur, 
ön a gein go a bass, tre grasaib De 7 tre coimed C. C. do bi 
air, dar dalta 7 dar deiscibul e.' 

258 1). Domhnach airidhe do C, C. a nhl, 7 do cuala se 
glaedh a port na hindse sin, 7 adubairt se re na manchaib, 
imthect go luath 7 na hoilithrigh tainic a fad do tabairt leo. 
Do imgedur na manaig, 7 tucatar dis oilithrech leo. Agus ar 
na faicsin do C. C, do pocc iad, 7 do fiarfuidh dib, cred dob'adhbor 
da turus, Adubratar san gorb ail leo beith go cend mbliadhna 
fare C. C. Adubairt C. C. nach beidis faris fen, muna treicdis an 
saeg/mZ 7 techt is na manchuib. Adubairt an nech fa sine dib 
nach raibe an triall sin aca reme sin, 7 go ndendais a comairli 
sen ar gach uili ni da n-iarfadh se orra. Agus ruc C. C. les 
don mainesdir iad iar sin, 7 do lecceatar ar a nglüinib a bfiadna?5e 
na haltora iad, 7 tue gac nech dib möid manaigh andsin, 7 do 
bendaigh C. C. iad. Et adubairt co ndernatar an dis uasal sin 
idbairt beo dib fen do Crist, 7 adubairt co ngebad galur an 
manuch fa sine dibh, 7 go bfuigedh se bas fa cend sectmhuine 
on la sin inar gab an aibid, 7 adubairt se co fuigheadh an dara 
manach dib bas fa cend cetre la ndecc on la cedna sin. Agus 
do firadh sin uile amail adubairt C. C; gor moradh ainm De 7 
C. C. de sin. 

259 2). Fechtus do Colum C. a nhl, 7 do cuaidh fen 7 cuid 
da manchuib do radh a tratli 7 a n-urna?^/<e re cois na fairge. 
Agus ar crichnughadh a n-urnajV//ithe doib, do buail C. C. an lorg 
no an baitin do bi n-a laimh a n-inadh airidhe ar talamh, 7 do 
labuir ris na manchuib 7 assedh adubairt: 'A cland gradach', ar se, 



^) Taken literally from Adamnan. See Reeves' editioii, p. 61. 
'-') Taken literally from Adaruuan. See Reeves' edition, p. 62. 



BETHA COLUIMB CIIILLE. 143 

to go as qiiickl}' as an ang-el from lona in the kingdom of Scot- 
land tu Tours. This is what they said: "Come to us, o Macarius, 
and reside witli us in the kingdom of thy Fatlier.' Those who 
were then present, lieard Peter the Apostle, asking Jesus Christ, 
what good he had done that he had been so highly honoured. 
Jesus in reply said: 'He has kept every commandment in the 
old and new law, without having violated a Single letter of them, 
and has preserved himself from all uncleanness from his birth 
tili his death, through the grace of God, and C. C.'s protection 
of liini; he being his foster-child and disciple. 



258. On a certain sunday that C, C. was at lona, having 
heard a shout in the harbour of that Island, he told the monks 
to go quickly, and fetch him the pilgrims that had come from 
afar. The monks departed, and returned with two pilgrims. 
And C. C. seeing them, embraced them, and inquired of them 
the cause of their journey. They said that they wished to spend 
a year with C. C. C. C. said that that could only be on condition 
of they abandoning the world and becoming monks. The older 
of the two said, that they had not hitherto thought of that, but 
that they would follow his advice in everything he would ask 
them. Then C. C. took them to the monastery, and they kneeling 
down before the altar, then took the monastic vow. And C. C. 
blessing them said, that those two nobles had made a living 
sacrifice of themselves to Christ, and that the older of them 
would be stricken down by sickness, which would cause his 
death exactly a week after the day on which he took the habit, 
and that the other monk would die a fortnight from that same 
day. Everything came to pass as C. C. had said; so that God's 
name and C. C.'s were magnified thereby. 

259. Once upon a time that C. C. was at lona, he went 
with some of his monks to pray and say their office near the 
sea. When they had finished their prayers, C. C. striking a 
certain part of the ground with the staff or stick he had in his 
hand, addressed the monks thus: 'Beloved children', saith he, 



144 ANDREW KELLEIIER, 

'do cife sib mgnadh mor aniugh, .i. thidaidh necli ärsaidli airidhe 
don acme dhachuib ata a n-agaigli creidim cugaind andso, 7 
gebaidh se baisde uaim-se, 7 do (fol. 35 a) geba se bas com lüatli 
7 baistfidher e, 7 adhlaicfidher san iuadh sa inar buail mesi mo 
lorg ar talmam e. Agiis asse adbliur fa tucand Dia na grasa 
do, .i. CO raibe an maitli nadurdha ar coimhed aige go mor an 
meidi-si, indus nach nderna se enni bud mesde les do denamli 
air fen, ar ennech eli riam. Ar criclinugliadh an comraidh sin 
doib, do condcatar an long cuca sa cuan, 7 ar teclit a tir di, do 
tocbatar a muindtir fen an duine arsaidh sin etorra ass in luing 
7 tucatar leo a bfiadnaisse C. C. e. Agus do senmoir C. C. an 
creidemh do, 7 as fer tengtba eile do chuiredh a ceill dö gacli 
ni da nabradh C. C. ris; oir ni tuicedh se laiden no gaidelc uadha. 
Agus do bendaigli C. C. e, 7 tainic do brigli an bendaigthe sin 
gor gab se baisde na heccluisi cuige, 7 fuair se bas iarsin, 7 do 
liandluicedli san inadli inar buail C. C. a lorg ar talmain e; cor 
moradh ainm De 7 C. C. de sin. Agus do rindetar na manaicli 
do bi fare C. C. an uair sin ula san inadh sin a cuimliniughadli 
an sceoil sin; 7 mairidh si and 6 sin ille. 

260. Fechtus do C. C. a nhl 7 se ag scribneoraclit, 7 täinec 
manach airidhe da manchaibh fen chuige dar oific beith os cind 
na cisdenaidhe ag an coimhtinol 7 daiger n-a laimh, 7 do iarr 
ar C. C. a bendughadh do. Do tocaib C. C. an lam araibe an 
pend, 7 tue a chul ris an lebwr, 7 do bennaigh an daiger, 7 ar 
n-imtecht don manach amach uada, do üsitraigh da descibul fen, 
.i. do Diarmaid, cred e an t-iarand sin tue an manach da coisregadh 
cuige. Adubairt Diarmaid gorab daiger le marbthai mairt 7 
cairigh tue se les. ^Ata dochus as Dia agam-sa', ar C. C, 'nach 
dena an t-iarand üd do bendaigli me fen, digbail do duine no 
d'ainmhidhe 6 aso amach go brath'. Agus do firadli sin amail 
adubairt C. C. Oir do cuaid an manach an uair sin fen do marbadh 
doimh doeum na cisdenaidhe, 7 do comail se an daiger do braighid 
an doimh 7 nir fed se dergadh air; 7 ni hedh amain acht ni 
fedtai dergadh ar beathadhaeh ar bith les. Agus ar n-a thuiesin 
sin do na manchaib nach raibe foghnamh mar sin ann, do furailetar 
ar gabhaind do bi sa baue a leaghadh aris, indus co ndentai as 
a nüa e, 7 co mbeith faebur maitli air. Agus ar na leagadh don 



BETHA COLUIMB CHILLE. 145 

'you sliall see a wonderfiü thing to-day, to wit, a certain old 
person of tlie gentilei) race that is opposed to the faith, shall 
come liere, and be baptised by me. After that, he shall imme- 
di?tely die, and be buried in the spot that I Struck with my 
staft'. That grace he receives from God, because he has been 
naturally good to the extent that he has never done anything 
to others that he did not wish them to do to him'. At the end 
of that conversation, they beheld the vessel in the harbour making 
for them. When it arrived in dock, his own people brought 
that old person to the presence of C. C. C. C. preached the faith 
to him. An Interpreter explained to him all C. C. said; for the 
old man knew no Latin or Gaelic. C. C. blessed him, and as a 
resiilt, he received baptism from him. He then died, and was 
buried in the place that C. C. Struck with his staff. God's name 
and C. C.'s were magnified thereby. The monks who were with 
C. C, raised a mound over that place, to commemorate that 
event (story). That mound still survives. 



260. Once upon a time that C. C. was at lona, engaged at 
writing, a certain one of the monks whose office was to super- 
intend the affairs of the kitchen belonging to the monastery, 
came to him, carrying a dagger in his liand, which he asked 
C. C. to bless. C. C. raising the band which held the pen, and 
with his back to the book, blessed the dagger. When the monk 
had gone, he asked his own disciple, to wit, Diarmaid, wliat was 
the iron [Instrument] that the monk brought to be blessed by 
him. Diarmaid said that is Avas a dagger for killing sheep and 
oxen. 'I trust in God', says C. C, 'that that iron [Instrument] 
I have blessed, shall henceforward injure no man or beast for 
evermore'. What C. C. said, came true; for that monk straightway 
went to kill on ox for the kitchen. He Struck the breast of the 
ox with the dagger, but it could not bleed it. And not only 
that, but it could not bleed an}' other animal. When the monks 
became aware of it being of no use in that way, they gave 
instructions to a neighbouring smith to melt it, so as to have it 
remade and well sharpened. When the smith had melted it, he 



1) Adamnan has 'gentilis'. See Reeves' edition, p. 62. 

Zeitsclirift f. celt. Phüologie XI. 10 



146 ANDREW KELLEHEU. 

gabliaiiid, adubairt corb iarand ci«ealta rocruaidh e, 7 gurb feirde 
na liairm eli do bi ag na mancliaib, le marbhthai mairt 7 cairigli 
doib, ar araibe esbuidh c;-?iadach, cuid de do chiir ar gach arm 
dib. Agiis do ronadh amlaidh sin, 7 ni fedtai dergadli le lien- 
arm ar ar cuiredh cuid don daiger sin ar duine no ainmliidlie 
sin suas; cor moradh ainm De 7 C. C. desin. 

261. Aroile aimser do bi C. C. a nhl, 7 do gab tendess 
ger a descipul fen .i. Diarmaid indus go raiblie se a nguasacht 
bäis, 7 do chuaidli C. C. ar chuairt chuige. Agus ar n-a faicsin 
san guasacht mor sin dö, do gair ainm Crist 7 do guidli se co 
duthrachtach e, 7 do iarr air gan bas do lecen docum a serb- 
togSiiitaidhe fen an cein do beitli se fen n-a heüiaidh. Agus ar 
crichnughadh na liurnaidhe sin do C. C, do bi se tamall na tosd, 
7 do labuir aris 7 assedli adubairt: 'Xi hedli amäin nach fuighe 
Diarmuid bas don tendes-sa ata air anois, acht biaid se beo 
meid airidhe do lali&dlmaibh tar eis mo bäis-i.' Agus do firadh 
sin uile amail adubairt C. C. Agus as follus as in scel sa, go 
bfaghadh C. C. Dia gach ni do iarrad se air. 



BETHA COLUIMB CHILLE. 147 

Said that it was kindly hard iron, and that all tlie other weapons 
whicli were wanting in steel, would be the better for having 
some of it applied to tliem. This was accordingly done; witli 
tlie lesult that none of tlie weapons to wliich some of tlie material 
of tlie dagger was applied, was able to wound man or beast for 
ever after. God's name and C. C.'s were magnified thereby. 

261. On another occasion that C. C. was at lona, his own 
disciple, to wit, Diarmaid got so very ill that death was imminent. 
C. C. visited him, When he saw the great danger in which he 
was, he invoked the name of Christ, and implored Him very 
fervently to spare his own servaut as long as he himself lived. 
When he had flnished that prayer, he remained silent for a 
while. Then speaking again, he said: 'Not only shall this sickness 
not cause Diarmaid's death, but he shall live for some years after 
my death,' Everything came to pass as C. C, had said. It is 
clear from this story, that C. C. got whatever he wanted from God. 



Great Crosby, Lancashire, Andeew Kelleher. 



10* 



MAELDUINS MEERFAHRT, 
EIN ALTIRISCHES GEDICHT. 



Der hier folgende Versuch einer kritisclien Wiederherstelhing 
des von Best im ersten Bande der 'Anecdota from Irish MSS' 
herausgegebenen Gedichtes von der Meerfahrt Mäeldüins in seine 
ursprüngliche Gestalt hat eigentlich, mit Einleitung, Anmerkungen 
und Glossar versehen, als letztes Bändchen meiner Todd Lectures 
erscheinen sollen. Die Herausgabe ist lange durch mein Ver- 
schulden verzögert und nun durch den Krieg noch weiter hinaus- 
geschoben worden, indem die königlich irische Akademie be- 
schlossen hat, die Drucklegung erst nach Beendigung des Krieges 
wieder aufzunehmen. Da es aber Jahre dauern mag, ehe sich 
die alten Beziehungen wieder herstellen, und das Leben des 
Einzelnen zu dieser Zeit unsicherer ist als sonst, drucke ich 
inzwischen wenigstens den Text mit einigen Anmerkungen hier ab. 

Das Gedicht, welches bekanntlich auf der Prosaerzählung 
beruht und manchmal ohne dieselbe kaum verständlich ist, gehört 
meiner Ansicht nach der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts an. 
Auf keinen Fall ist es früher zu setzen, wie Vollreime wie 
ä(ja\däna 5, trocha : hrotha 6, tihla : cunira 46, sretha : hetha 58, 
mara : -rala 68, 131, 191, glana:mara 133, madaimara 202 be- 
weisen. Dafs unser Gedicht später als Feiire Öengusso verfafst 
ist, beweist die von daher entlehnte seltene quantitative Assonanz 
marilr : tercphU in § 122. Die zahlreichen wörtlichen Überein- 
stimmungen mit dem Gedicht auf den Imram Snedgussa, die ich 
in den Anmerkungen hervorhebe, deuten wohl darauf hin, dafs 
beide denselben Verfasser haben. Vgl. Thurneysen, Zeitschr. 
VIII, S. 80. 

Viele der Entstellungen die das Gedicht im Laufe der Zeit 
durch die Abschreiber erlitten hat, sind durch den Umstand ver- 
anlafst, dafs zweisilbig skandierende Wörter, wie co'ir, do'ib, di'ib 



MAELDUINS MEERFAIIRT. 149 

USW. in späterer Zeit einsilbig gelesen wurden. Die dadurch 
verminderte Zwölfzahl der Silben i) suchten die Schreiber dann 
durch Einschiebsel wieder herzustellen. So ist z. B. gadh in 
§ 18 offenbar ein derartiger Einschub, ferner das zweite döih in 
§ 75, ein unnötiger Artikel in § 84 (H) us^v. 

Die Hilfe, die mir von befreundeten Fachgenossen bei der 
Emendation schwieriger Stelleu zuteil geworden ist, habe ich 
in den Anmerkungen erwähnt und sage besonders Bergin und 
Thurneysen auch hier meinen Dank dafür. 



Incipit do Imram Churaig Maile Duin and so. 

1 Ardri nasal inna n-uile, tuistid domuin, 

i cach amsir, i cach re ronbe a chobuir. 

2 Ecosc na loc crotha gräduill n-älaind n-ile 
cruth adcither cia dorlmther nicon bine. 

3 Dorimi in macc äitti ili lasin n-athair, 
snömdai sretha, sechna betha domuin dathaig. 

4 Adcess i mbith imbed u-ingnad ös lir lendglass, 
utmall in snäm, dia mböi oc imram Mäel Düin dennmass. 

5 Mäel Düin deggair macc Ailella Ochair Aga, 
ba öclach ardd, ba gargg, ba digraiss, ba däna. 

6 Luid for slüagad tüisech Ninais, niamda trocha, 
luid Ailill laiss la menmain maiss co meit brotha. 

7 Ci atrandsat öible öited Ailill n-amlaid, 

7^ n-ollbrass, 

luid tar lär luic Tar mbeimmim chluic caillech combrass. 

8 Fordarala Ailill angbaid co ngnim trenfir, 

caur cäin combrass, Mäel Düin dronmass ba de genir. 

9 Eanalt fo chlith muimme mörmass ar a mäthair, 
a mböi fo mäil ba gilla cäin co feib läthair. 

10 Niabsai iarom athis adluind öclach üallach, 
cluichi iar mbüaid ar belaib slüaig närbad büadach. 

11 Asbert näd böi athair derb dö adnaib söire 
öS talman tir, nä mäthair m.in de sll döine. 



1) Das Metrum ist bekanntlich decimnd cummaisc, welches nach den 
Verslehren dem ollam bairdne zugehört. 



150 KUNO MEYER, 

12 Ranne de sin muimme mormass co a mäitlire, 
Ailella lar n-ec luid for set i tir a bräithre. 

13 Grestai larom cen a digail Briccriu briathrach 
öS folaig gairb for luclit romarb Ailill n-iathach. 

14 Roföid Tar sain co driüd cain Corcomdruäd, 
CO n-ecsed dö cia llth bed for srethaib suäd. 

lö Ruc a churach for fröich fairgge, codal trede, 
forsin muir mör cain in coir dö a liEre. 

16 Säraigis ind läechrad inim lln in fäith findnech, 
tri maicc muimme, truag targrach, doib ba imned. 

I. 

17 Luid a curach cosna hinsi co ngnim cathach, 
im-möiditis laich cen na säitli guin a athar. 

18 Tuargab doib tar or talman gäith garb glörach, 
setis de sin, seöl slar snTmach, tar rlan rönacli. 

19 Nöi nlamduinn tar 1er lond ös talmain trilsig, 
immaranic aubae d'äisaib isnib insib. 

IL 

20 Grinne sengän de thöib thalman dosni ethar, 
amal serrcliu a met mothach, ba set sretliach. 

IIL 

21 Lotar d'insi forsa mbätar eöin möir mini 
for a forscamnaib co saidbri, aidbli mili. 

22 Linsait curach dinaib enaib, tren a treöir. 



IV. 

22^^ 

inis dia ndarala lar n-imram ingnad treöir. 

23 Anmanda mör for a formna meit ech n-aignech, 
cruth imrimgabsat co tricc, ba glicc ronairleth. 

V. 

24 Co cian lar sin lotar d'insi, derb ba mithig, 
doib a Hin doärfas gnim, gräin do chridib. 

25 Cechaing diäs isa mag-sin, mör a aichre, 

CO slechtaib ech adciat cen meth ceti ngraifne. 



MAELDUINS MEERFAHRT. 151 

26 Meit longchore nö mlaschtiad mör, mlad co teti, 
is seöl fo leitli fuUiuclit cach eich böi isin cheti. 

27 Soisit for cül for teclied nglir, giiim co ngairggi, 
luatli rosernad dlrim demnae forsin fairggi. 

28 Agait grafaind, clossa ;i ngotha, gäir co ndremnai, 
ci Jidcltis i ceö, demin leö batar demnai, 

VI. 

29 Tegdais tolgda dia ndarala, alaind, accrad, 
corala lecda lim ar dorus, solus n-attrab. 

30 Forsa muir dorus mör moltach, is cless combrass 
crutli dombidgi tonn bän ballglass läse slan somlass. 

31 Böi isin tegdais imda cumtaclita cach triir, 
lestra glana, lind n-ingnad co n-imbud biid. 

32 Mellsuide min do Mael dlan Düin, gnim cen elgnais, 
maith a tomalt, feib doromat isin tegdais. 

33 Lind i lestraib cadlaib glana. säsad sognass, 

luid a curach donn dian dulacli tar 1er londbrass. 

VII. 

34 Inis samlaid dia ndarala muir an escach, 
asa n-äsa, ardd a foscad, fid fland flescach. 

35 Gabais cuicci bun fann flesce fer min moltach, 
luid a curach, ceöl cen anfud, la seöl sontach. 

36 Tres laithe lar sin i n-ind flesce, nl gnim cumung, 
fiiair in tüisech, ba llth foroll, frith tri n-ubull. 

37 Cethorcha lä fo thri doib, aidchib, laithib, 
nodasastais, mlass min moltach, cumtach caithim. 

38 Dingbais diib gortai ngeir sceo itaid n-uathaig, 
dälis CO mbrig mesce maith min for cach n-iiadaib. 

VIII. 

39 Fechsait lar sin ös inis airdd ocein ollbraiss 
anmanda mör co n-ecnu ög clessa combraiss. 

40 Siniud creitte, impüd acher croccinn gergairgg, 

imm feöil nö chnäim, ba mär a ngair, ös chloich erairdd. 

41 lar rith rolüath tar lar inse, anbloth opunn, 
ba gnim gnöäch, immesöäd inna chroccunn. 

42 Luis co lüath cach leth ar üair, acher impüd, 
lotar for riau öcbad find flal cen nach tintüd. 



152 KUNO MEYKR, 

43 Sreis form fraiss de chlocliaib, ba dia niarbad, 
lecsit iar sin a tir ii-ingnad dou mil angbad. 

IX. 

44 Inis alle forsa mbätar, druiiig dein chrudai. 
flaclaib, crüäib, crödai a ngnima, mlla niördai. 

X. 

45 Fosceird d'inis fors' fil fidbaid messa mördai, 
forsa n-äsat, cäine cliumra, ubla ördai. 

46 Cotacnät gendmila grändai inna hubla, 
isind inis tonn ös trilis cäin a cumra. 

47 In tain tlagtae fo tlialmain träth nöna lar näsad, 
Talla en find Tar techt dend lind segait sasad. 

48 Denngor diäd ösind insi ar meit tessa 
inua n-anmanda, contuitis, luitis lessa. 

49 Dorecmallsat asin tir-sin imbed n-ubull, 

curach cromluitli inse lar tadall co mbo chumung. 

XI. 

50 Lotar d"insi co fuiriud ardd co ndatli gesse, 

i fairnectar imscing n-accrad, attrab nglesse. 

51 Delge arggait, claidib örduirn, muinci mördai, 
leptha llgdai, cäine betlia, sretlia ördai. 

52 Biäd mbalc min for lar tige, lind slan somlass, 

CO cichair gairgg ös üaitui airdd catt cain combrass. 

53 Clissis larom üasuaib üaitnib, cobluth n-äne, 
nirbo romet, feöla comet, ba gen grändae. 

54 Tres comalta in tüisig tbolgdai, ba gnim cröda, 
adreth laiss, ba üallacli uince, muince n-örda. 

55 Tescait a chliab ingne tened in chaitt chuiscle, 

a cliorp cintach in duini tlirilaig ba lüaith loiscthe. 

56 Eucad for cül in muince mör. dognlth cairdde, 
focress a lüaith in duini thruaig for fröich fairgge. 

XII. 

57 Tres laitliiu lar sin lotar d'insi, ba cen geran, 
sondach umai, ba seöl subai, tar a medän. 

58 Treta aidbli immon sondach, sregdai sretha, 
ala tret dub, alaile find, ba mind mbetha. 



MAELDUINS MEERFAHRT. 153 

59 Böi fer foirbrecli co ngabail cliiün iiina lamaib, 
clesrad dognith foisnaib cäirib, ing-nad alaig. 

60 Focerded find cosna duba, ba dub iarom, 
focerded dub cosna finda, findiu a riagol. 

61 Flescaib findaib ocus dubaib, dian a tairec, 
fri taiscelud aicnid talnian, amra airec. 

62 Dub la finda co ndath gesse, gile sechnach, 
find la duba co ndath güaile, üaire echlach. 

XIII. 

63 Raisit d'inis, doluid for fecht Diurän dronmass, 
airigis and in bardd bindbrass srutli n-ardd n-amnas. 

64 Letrais airi crann a gai glaiss, ba ger cucann, 
böi friss anall i lletli fri all damrad dupall. 

65 Dobert doib crann nglilair for sciath, ba do fubthad, 
coscid CO lör fer muirnecli mör in cur cruthglan. 

66 'Cid notai-siu donaib löigaib atotchiät?' 

*Raid frimm, ni rö, in chetlira as mö, cia du i mbiät.' 

67 'Inti diamb ail ara festar bale i faät, 

fri sliab anall, ni comse gann, and ataät.' 

68 Cechaing de sin Diurän däna docbum mara, 
gabais orc n-än de rothreot mar fordarala. 

69 Böi a n-aire isin banb-sin, lucht in churaig, 
lotar Tar sin, sluind co fobaid, for tuinn dulaig. 

XIV. 

70 Inis alle dia ndarala de muir gledenn, 
muilenn indi, tailc a apae, grätae a lebenn. 

71 Muilleöir brüiclinecli üasind lebinn cotanöäd, 
cacli aire ar üair dö anair, is sair imsöäd. 

72 Imcomarcatar in muilleöir, ni mod ecrath, 
cau dobered an nomeled in slüag setach. 

73 'As bar tir-si dosrengat slat in slüag sedlach; 
ed docoisig: ni fö coisil cessacht glegrach.' 

XV. 

74 Fosceird d'insi i mböi drong dian döine toirsech, 
atföid uadaib fer an üathaid nacha fuirsed. 

75 Dosfrecmairc cid forüar doib bith oc toirsiu; 
golais Iarom, ba torm diartain, lachtais tairsiu. 



154 KUNO MEYER, 

76 Is e föite a cirt chrannchoir, iii set subaid, 
comalta ciüin in tüisig tliiiuin, comtliacli curaig. 

77 Föite cuicei diäs trenfer, ba dia thogait, 
ni Clan ansait lar sin, sniit, cTit, golait. 

78 Ethais cuccu cethrar larma, ciallda caingnech, 
tescmart diäs, ba sen sainreth, tren ronairleth. 

XVI. 

79 Inis aile dia ndarala rlan reil rönbrass, 

fors'mböi fladaib foirbrecli fuiltech muinter mörmass. 

80 Cethir iTna isind insi cen dolb dlgnai: 
öcbad, üaga, caine büada, rlgrad, ngnai. 

81 Cethir sonnaig isind insi, tolgda tuilnetli: 

d'arggut findmass, alaind indmass, d'ör dirg druimnech. 

82 D'umu amru, de glain glanmaiss, da darirae, 
crutli maith cläracli feib adrälad fo bail brlge. 

83 Doluid cuccu ingen imgel co feib delbae, 

ba cäin a gart, tuchtacli a tlacht, mass a menmae. 

84 Dobert doib ingen chäise, säsad sognass, 
dälis form, nl dän findmass, lind slän somlass. 

85 In tres laithe luid ind inis echtra airriu, 

lotar for rlan, ba imram cian, gnim as gainniu. 

XVII. 

86 Eäisit d' inis narbo dermar, co ndün dangen, 
sonnacli umai, ba co ndruni, clothach cangeu. 

87 Lind öiminn ardd immon sonnacli, sorchu scelaib, 
öS moing mara drochet glana ar a belaib. 

88 Nocingtis sös ind öcbad dian cliennniass chalmam, 
tuititis sis, ba buan a eis, dochum talman. 

89 Doluid cuccu i tlacht etrocht, gile gesse, 

ben mungel min cen bäisse brig co ngnim glesse. 

90 Imbel d'ör dirg imm a findbrat, ba cäin caindlech, 
assa arggait imm a cossa, sossad sainreth. 

91 Bretnas bänbrass for a bruinnib d' arggut amru, 
cona ecor di ör fo snTm, gnlm as chadlu. 

92 Folt findbuide ös a mullucli fo neini ördai, 

cäini jx cemmenn, rigdai a remmenn massa mördai. 

93 I n-ichtur in drochait dermair, nöibda nemed, 
tipra thonnglan, corp cäin comlad dodaemed. 



t 



MAELDüINS MEERFAHRT. 155 

94 Dalis fladaib in dornach döin, ba gnim combrass, 
in ben findmör cen nach n-imröl lind söir somlass. 

95 Asbert frie Germän glörach aithesc n-adlic: 

'Is ingnad linn ferdaigis frinn cid nach tairnic' 

96 Luid-si uadaib is dünais a ndün söir subaid, 
canais a lln, ba foirbrech brig, ceöl cäin cubaid. 

97 Dodarälaig a class ceolda, cruth adrälath, 
doluid cuccu ben cen ruccu arabärach. 

98 Bätir samlaid fon öinchummai co tres laithe, 
aruspeted ceöl cen fletech na mna maithe. 

99 Dodaderaid do thig dermar ös lir londbrass, 
dobert doib proind cain coir la lind somlass. 

100 Asbert in ben anmann amrai cen gnim n-uabair, 
ni bo mimess, a ainm ndlles for cäch n-uadaib. 

101 In tain conaitecht don tüisech fri toil tetad, 
asbert itir nicon fitir peccad mbetach. 

102 'Ni ma räidid cen chuit cräbaid, nl feib irse; 
CO rolainn düib larfaigid rüin inna inse.' 

103 In tain dluchtraiset lar matin i creitt churaig, 
nl fess a däl, ind inis an cid adrulaid. 

XVIII. 

104 Rocluintis tüaid tar fairggi füaim, comall cröda, 
acht ba dobur amal fogur na class ceölda. 

105 Tar rlan roglass recat lar sin scith iar n-imram, 
condarala bale i rabae eulaith ingnad. 

XIX. 

106 Adclat Tar sin i n-insi bic senöir salmach, 
digraiss a delb sochraid söirda, nöibda a labrad. 

107 Folt a chinn chäin, tuchtach tlacht an, füan co findi, 
ligdach lennbrass tonach dennmass roböi imbi. 

108 Asbert friss in tüisech digraiss: 'Can dotröided?' 
'Nl cel airib an condaigid: a tir Göidel. 

109 M'ailithre an, and a torbart cen na taithbech, 

i cröis churaig ös tuinn dulaig, ni bo haithrech. 
HO Scäilis foöm mo churach cromm ös muir borrbrass, 

romuc do thir seöl serb snimach gnimach tonnmass. 
111 Leösu föt de benn lethglass tire m'athar; 

co bale itü, is cTan in dti, domuc athach. 



ITiti KUNO MKYKIJ. 

1V2 Futliaig:i.s foni in l\i rindinass ileiid tot anini 
insi ii-diininn co iidath toiliiin lir os abru. 

113 Tormagar traig ceclia bliadna forsind inis. 

is büadach bann, is dano crann tninne (is trilis. 

114 Domairnic sund tipra tlionnglan. sutliain säsad, 

tre rath n-angel proind cliain chüimda. noibda näsad. 

115 Ixicfaid uli do far tirib, toirtliech tüiden, 

romra tai- nan. cid iniram cian. acht mad oinfer.' 
11 G Tre rath n-angel do cach oinfiur diib d' airic 
lethbargen lan is orddu an fordaairic. 

XX. 

117 Tres laithiii hm riicsat ceimm ngrinn i crois curaig, 
tonn timm thana condai-ala for set subaid. 

118 ÖS tonn trilis adciat inis co mur ördu, 

lär cain clümda, talam dlümda fo miad niördu. 

119 Inna mednn roböi senöir i tlaclit findmass, 

lind a chuirp chain caslais tar ais, alaind indmass. 

120 Asbert friss in tüisech digraiss: 'Can duit säsad?' 
'Täthum ö Dia proind ehäin chöimda, nöibda näsad. 

121 Ata im arrad tipra thonnghin, riagol rTgda, 
cotaoscig dam frim thoschid cen nach ndigna. 

122 Medgusce min isnaib öinib, cuirni i udomnuch, 
la feil martlr, nicon tercphit, cain a coblnth. 

123 I feil apstal ocns lohain ocus Muire 

cuirm cain combrass, lind slän somlass, is ciau giiire. 
121 Fin i solhimnaib ind Ardrig inna n-uile, 
Isii üasal, amra abban, maccän Muire.' 

125 Lethbargen ocus orddu eise, inmar milis, 

i trib latliib. proind cen mathim, doib ö.s inis. 

XXI. 

126 Lotar lar sin tar rian reidmass mara mordai 

d' insi i nibitis, cruth adcitis, gobainn chrödai. 

127 Asbert fiadaib fer mör muirnech cerdchae o dorus: 
'Adciu imram n-alaind n-ingnad tar säl solus. 

128 I n-amur biuc niaccrad chombrass ratae romuir, 
tricc a n-imram, foirenn ingnad co ngnim obuid.' 

129 'Fritliraid bar curach for cülu!' ol in tüisech; 
bann co mbuadaib, lotar uadaib for 1er lüisech. 



MAELDUINS MEERFAHRT. 157 

130 In taiii rathaigset in gobainn ba dia teclied, 
ina ndiäid, cene frithfled, rosgab grefel. 

131 Adretli fer dTb tenclioir ndermair co mbrutli bestu, 
ba gein angbad, tailc a targrach co ngnlm glestu. 

132 Roficli fairgge inna n-arrad den brnth brotliach, 
immarala tonn timm tliana, ba gnim clothacli. 

XXII. 

133 Fosceird Tar sin for rlan roglass co ndath glana, 
fodire duib sTs, ba büan a cliis, griän mara. 

XXIII. 

134 Eäisit di chein for muir n-ingnad amal niulu, 
duine foib crotlio coir, cid bad cliiunu? 

135 Isin tlr-sin forsa mbätar inna döini 

böi beist angbad i crunn gablach cen nach cöili. 

136 Adreth fiadaib in beist birach aracanam 
rodam iTada, täich i clana üad ind alam. 

137 Täich la sodain in büachaill balc, ni bo mailliu, 
arnächrossad in beist bossach, gnim as gainniu. 

XXIV. 

138 Ba d' ingantaib inna fairgge fordarala 
inis accrad, älaind attrab, ös moing mara. 

139 Rohl fairgge mür de deccraib imma fuirind, 
raisit impe, ba crich einte cen nach cuiriud. 

140 Eigsit inipn druing dein döine de maig mellach, 
batar dlchrai cuiri gribdai oc a sellad. 

141 Cosmnil leo fri drungu döine dia rotairngred 
imdell n-oirgne d' foirinn fairgge, coscor aignech. 

142 Dosndlubraiced ben mongiind min cnöaib cäinib, 
bertis leö, ba gnim i ceo, massu mainib. 

XXV. 

143 Adciat lar teclit a cröis churaig, sainred secda, 
assa rethed sruaim slän solus, dorns lecda. 

144 Cingid tnag den tsriith tar insi, nirbo bine, 
atraig, ba solus, co dorus n-alaind n-aile. 

145 Rethed doib asin tsruth-sin läse balc bedcach, 
nicon antais ce noantais oc a tregtad. 



158 KÜNO MEYER, 

146 Amser domnaig nicon retlied in sruth slän-sin 
dond essergiu airdirc amru, cadlii ;i ngräd-sin. 

147 Rucsat imbed ind eise amrai inna curach, 
roslä lar sin for rian roglacli tonn dian dulach. 

XXVI. 

148 Räisit Tar sin du dosfairced ösind romuir 
secda sainreth cona laindrecli arggait sobuil. 

149 Assa muUuch inna oclitslisne cen clnardath, 
sretha fabaig, iTn arggait bäin tar säil siarmag. 

150 Luid in curach for a mörmocoll ind llna, 
lemmenn lüatha, batar büadcha inna brlga. 

151 Cia rocluintis guth min mörmass di licc laindrecli, 

nl tuic nech dib cia gnlm co mbrig sonaisc slaindecli. 

152 Nicon fintais ciasu mör sessän nodräded, 
im bo duiue fa nech aile ataglädad. 

153 Letrais Dlurän dend licc laindrech, fedma fedil, 
cöic leth ungae, ba sl trummae, ar mbad dem in. 

154 Dosrat lar sin for altöir Pätraic bind büadaig 
ar mbad demin a fir fedil fiadnaib slüagaib. 

xxvn. 

155 Lotar lar sin d' insi ingnaid ös rTan romra 
for coiss iäirn, nl bo dläirni, all fri liomna, 

156 Tain roföidset techta üadaib isin n-inis, 

nl frlth dorus ar mbad solus tonn ös trilis. 

157 Acht domuintis ba i n-ichtur, cein ba solus, 
inna coisse mäire maisse böi a dorus. 

158 Arathar indi is cethrae, mellchae möini, 
cein congairtis nicoscluintis inna döini. 

XXVIII. 

159 Inis samlaid, tulach indi, dün ndonn ndöinbrass, 
dia ndarala tar rian reidmass tonn dlan töibglass. 

160 Ingenred indi feib delbdai, cruth adcitis, 
sorchu cach lind fothrocud find oca mbitis. 

161 Tänic cuccu mäthair mörmass for eoch aignech, 

* * * 

161* öir doromalt ind fial findnech, dTan ronairled. 



MAELDUINS MEERFAHRT. 159 

162 Asbeit friü: 'Dia n-anaid sund, bäs nibbera, 
sossad söirbrass, tlaclit min möitlimass and fogeba. 

163 Tiagu cacli dia iar ndltli ilg do gleüd doine, 
fairsiung ar sTd, it he fognid sretha söire.' 

164 Nach tain nosmbert eolchuire n-oll for rlan roglass, 
nosmbert for cül, ni cell a ndfln, ben bän ballraass. 

165 Foceird doib certli coir for in tüisech, 

rolil dia läim, rucad don träig in läech lüisech. 

166 Leötha fodeöid läm laich nächa fuirsed, 

golais dia n-eis fri rlan roimsech slög dian toirsech. 

XXIX. 

167 Inis aile dia ndarala tonn den tuili, 
fidbad üase, cäin a bolad, torad fuiri. 

168 Cranna indi amal sailig, sretha söire, 

bolgga foraib, ansäe a sseit, meit chenn ndöine. 

169 A cirt chrannchuir fromais Mäeldüin süg na mbolgg-sin, 
ocus faceird i siiau samdae, amrae in t-ordd-sin. 

170 Conmescat süg inna mbolgg-sin ocus uisce, 

ba sasad slän, lind mbiüdech mbän, ba gnim cuiscle. 

XXX. 

171 Lotar Tar sin la seöl ngäithe, gäir cen tuili, 
nl seolad fann, füaratar and insi n-aili. 

172 Eclais indi inna medön, mö cech iris, 
clerech sruith sen, is e fer böi isind inis. 

173 Doluid cuccu in clerech glasslTath, clothach töiden, 
lotar dia läim, senais don däim a tlr Göidel. 

174 'Can duit', ol Mäeldüin, 'a chlerig chäin co hidan?' 
Asbert co glan: 'De muntir dam Brenaind Birar.' 

175 Ba hed ecosc inna hinse, tir mbläith mbuidech, 
loch for a lär, tret mär de chäiiib la fuireth. 

176 Iar sin dosnic seig mär mothlach co meit brotha, 
gesca 'na crub, co ndessid for ur ind locha. 

177 Lommairsit eoin äildi aili a crann cuiscle, 

cräib chäin co rrath dorat datli nderg forsa n-uisce. 

178 Dosiil aquil amra, 

en ardd üasal co meit brotha crotha calma. 

179 Fothraicis and in t-en dermar, tue in n-aire, 
ba ferrde a gne, tressaide e for cach n-aile. 



160 KÜNO MEYER. 

180 Luid issa loch Dlurän leccerd, in leimm ndTartain, 
ba slän dia cliorp cen chreidim for folt iiä fiaccail. 

XXXI. 

181 AdcTat Tar sin döini ös maig inse äilde, 
ba he a mbes iiidi dogres, cliiiche is gäire, 

182 Luid fer üadaib d'Iarfaigid dib cid dognitis, 
nimböi foglass fonn gen combrass oca mbltis. 

183 Is e föiter a cirt chrannchuir de muin tuinne 

ön tüisech dian, in fer find fial, macc a muimme. 

184 Anais leö ocon cluichiu, ba mod mellach, 
grinne cen taithlech, conaichned som asendath. 

185 Trog iartaige in triir brathar, tibtis nämait, 
CO muntir nun cid öinfer dib nicon tänaic, 

XXXIL 

18G Segait Tar sin insi n-ingnaid, seöl seng snlmach, 
inima mböi i niedön mara mür balc brigach. 

187 Socliraid in slüag, toicthech in tuath, dür a ndun-sin, 
tentide in tor, foceird crib cor immon mür-sin. 

188 Adcitis dno trisin tor-sin forsin dorus, 
attrab n-älaind crotha gräduill, sochla solus. 

189 Döini cäini, maithi mäini, sretha sotlai, 

lestra laindrecli, dergör druimnech, tlachta corcrai. 

190 Atacitis ocoud fledöl cen nach n-anad, 
nicou laimtis ara cuirtis isin calad. 

XXXIIL 

191 Ö roimräiset co clana la sld subach, 
immusrala ös moing mara tonn dian dnlach. 

192 Atchiat Tar sin for carraic and, alt cen timbi, 
fer fo chöimi chuirp, mong a fuilt d'etuch imbi. 

193 Räisit cuicci, gnim as dann, räd as reiliu, 

tri belre mbän bendachais cach dam dia cheiliu. 

194 'Can dotrala sund for saile, seöl cen timbi?' 
'Ö Thoraig dam, roböi tan ba coic-se indi. 

195 Indmas dermar dobreth dam, ni dril co cairi, 
slattra ind läthar, inniair brathar do chreicc airi. 

196 Lot-sa fechtus d' anacul fir, ba mör bine, 
asbert guth nöib: 'Na tue in clöin for mo llge! 



MAELDUINS MEERFAHKT. 161 

197 Ol nia dogiie, bid iflinn duit tan atbelae, 
lar iidul ar chel rotbla-su nem mani deiiae. 

198 Mad a n-adnacul, ni chöimais', gnim as beudii; 
ba fir la lüad, iTnsai co lüath ür co beölu. 

199 Mör nogatainn, ba-sa foglaid. dinaib döinib, 

üall, diummus dian romuc for rian, reimni co niuiiiib. 

200 Ö roba com möiiiib uilib for säl sruthglaii, 
ociim nöi ba samlaid böi clerech cruthglan. 

201 Asbert: 'Nä teich. fri Rlg nime cuire cairdde! 
de demnae däil cech leth is län üait iud fairgge. 

202 'Feib nondsechi dober do reir, reimm nad mada.' 
•T'indeb do leir lü uait i cein i mmoing mara! 

203 Eirg i n-ocTan o thalman tlr, targracli diilach.' 
Asbert anad äitt i ngabad fom mo churach. 

204 Cüad medgusci, secht mbairgena, proind co leri, 

ön chlerchen glan, secht mblladnai dam forsin tseri. 

205 Hi sund amne rogab foss fom curchän ciarda, 

ö sin co becht is comsiän cert mo secht mblladna. 

206 Cinn secht mblladna and fofrith dam bratän beöda, 
doburchu glan dasrenga dam, ba gnim deöda. 

207 Asburt: 'Ni iss in n-iasc n-om-sa, Dia romsläine, 
bröig-siii for Elg, focichurr Ich issin säile.' 

208 lar sin dobert in cü chetna Ich, söir slondud; 
nä bad chaire, dobrän aile dobert condud. 

209 Cöraigsi leir fer crotha ceir, nirbo mele, 
a läim larom seitsi fladom forsin tene. 

210 Secht mbliadnai dam forsin tsist-sin, clü cen saichi, 
ba comall ngle, domairced e cäin cech laithi. 

211 lar secht mblladnaib lar tredan dam, däl as tolgdu, 
tröcar mo Rl, rombi lethbargen sceo orddu. 

212 Messair meite mo choiden glain, is gnlm combrass, 
cecha aidche, imthairic däl, lind slän somlass. 

213 Nimthäraill üacht nä tess nä sin nä gäith guinech, 
is büadach bann, ö thänac and lam Elg ruirech.' 

214 Roausat sin in däm ingnad lasin clerech, 
rosmböi biäd fo chomlond cert, ba fecht fenech. 

215 Lethbargen chäin ocus orddu, alt co mbüadaib, 
la län coid tänic doib cech fir uadaib. 

216 Asbert in sruith: 'Ricfaid bar tlr, bid slän samlaid, 
ce conrisaid fri bar mbidbaid, ul ramarbaid.' 

Zeitschrift f. celt. PhUologie XI. 11 



162 KUNO MEYER, 

XXXIV. 

217 Scuchsait lar sin d'insi alniaig, clothacli gebenn, 
büadach in bann, füaratar and errig nErenn, 

218 Eäisit lar sin inna diäid, daithe däla, 
tonn tar trilsi cusin n-insi i mböi a näma. 

219 Sldaigsit and fri Mäel Dnine dian cacli n-angbad, 
iar nadmaim fir lotar dia tir, toirthecli targrach. 



220 Mör di amru, mör di ingnad, mör di rüine 

a scel suilig feib dornirim Mäel dian Düine. 

221 Säigul is sld cein nombeo sund üas bitli blogach, 
sämud subach rombe co mbrig öm Rig rogacli! 

222 Ö tliias ar chel rososs for nem sech slög ngergargg 
i flaith n-angel, clothach cangen, attrab n-erardd. 

Ardrl. 

223 Imram moltach Maile Diiin dofoirnde ruin richid räin 
rogab Äed Find foirbrech fial, giian ind ecnai Inse Fäil. 

224 Fiche deich, ni dedbol brlg, bid a rrini don chetul cliaid, 
can a secht riäm fo leith, leg lat a deich, dlgraiss räid. 

Ardrl uasal. 



Anmerkungen. 

1 tuistid domain. Das auslautende 8 bildet zusammen mit dem an- 
lautenden d Alliteration mit t. Vgl. dieselbe Erscheinung" in der kymrischen 
Metrik. 

2 Es ist zu konstruieren: Nicon bine cia dorimther cruth adclther 
Ecosc usw. 

3 Eine Anspielung auf Joh. XIV, 2 : in domo patris mei {lasin n-athair) 
mansiones multae (äitti ili) sunt. — scchna, die ältere Form für späteres 
sechnm. 

6 träsech, in tj 165 im Reime mit Iräsech. Vgl. Thurn. Handb. § 63. 

7 a Uiid ist Konjektur von Thurneyseu. 

9 a mböi fo tnäil bezieht sich auf die Sitte, den siebenjährigen Knaben 
die Haare kurz zu scheereu. Von da ab hiefs man sie gilla. 

10 athis adluind 'mit grimmiger Schmähung'. 

12 Da der Dichter in § 195 den GPl. bräthar gebraucht, habe ich in 
bräithre 'Bruders Verwandte' geändert und dann auch mäithre eingesetzt. 

15 mör {müir Hss.). In § 30, 70, 110, 134 wird muir neutral gebraucht. 

16 findnech 'behaart' kehrt 161b wieder. 
19 Zu 7iiam-dmnn vgl. curach donn 33. 



I 



MAELDÜIN8 MEKKFAHKT. 163 

25 csti ngraifne, corr. Bergiu. 

28 Zu i ceo vgl. ba gmm i ceö 142. 

31 lestra glana 'Krystallgefässe'. 

32 tomalt im Reim mit doromat. 

35 seöl sonntach findet sich auch in Imrara Snedg. § 23. 
37 fo thri. Da die Schreiber döib einsilbig lasen, setzten sie co ein. 
41 immesöad inna chroccimn ist wörtlich der Prosa entnommen. 
43 ba dia marbad. Ebenso 65, 77, 130. 

45 Man beachte das historische Präsens in den ersten drei Strophen des 
Abschnitts. — cäi7}e chumra, wörtlich 'duftende Herrlichkeit', d.i. 'herrlicher 
Duft'. Vgl. cäi7ie betha 51, cäine bUada 80. 

46 gend-tmla 'keilförmige Tiere'? Die Prosa hat geirnmla. 

47 in tai7i. Vgl. 103 H. 

50 CO fuiriud ardd = mür gel ard im äodain (Prosa). — co ndath gssse 
(auch in § 62) = Imram Snedg. § 65. 

53 Hier steht das Abstraktum comet wohl für cotnetaid 'der Hüter des 
Fleisches war nicht gar gross'. 

57 gerän : medän, auch in Imram Snedg. § 9. 

62 üaire echlach, wörtlich 'Bote einer Stunde', 'ein schneller Bote', 
etwa 'ein hurtiger Geselle', mit Bezug auf die Schnelligkeit der Han- 
tierung. 

63 Lies vielleicht airigsi mit L, indem das pron. affixum sich proleptisch 
auf sruth bezieht. 

64 letrais. Als Subjekt ist sruth zu verstehen. — ba ger cucawi 'es 
was ein scharfes Kochen' = amal bid tene nodloscad (Prosa). 

66 in chethra as mö = a mmäithre na llöeg (Prosa). 

69 Bergin schlägt vor slond co fobaig for tonn tulaig zu lesen. 

73 ed docoisig 'das ist was es lehrt', oder vielleicht doscoisig 'was es 
sie lehrt'. — coisil oder cuisil 'Rat', Lehnwort aus altkymr. casil, das selbst 
aus lat. co7isilium entlehnt ist. 

74 nächafuirsed 'auf das es ihn nicht behindere' kehrt §166 wieder, 
wo es gleichfalls auf toirsech reimt. 

75 lachtais tairsiu 'er schrie lauter als sie'. 

77 ansait. Vielleicht ist a^isaite (rel.) zu lesen, mit Sj-nizese von mr. 

80 öcboth, üaga corr. Bergin. 

81 dirg = diurg, auch in § 90 in beiden Handschriften. 
85 hiid echtra airriu 'sie verschwand vor ihnen'. 

87 sorchu scelaib, sie leg. Imram Snedg. § 40. 

89 gile gesse, vielleicht gili gesse 'mit der Weifse eines Schwanes'. 

91 fo inim 'gewunden'. 

93 comlad im Reim mit tonnglan. 

95 fri'e und fnü gebraucht der Dichter durchaus zweisilbig. — linn 
im Reim mit frinn. 

97 dodarälaig (von do-älgaim) = fosnälaig (Prosa). Das pron. iuf. da 
ist hier und in dodaderaid 99 nicht relativisch gebraucht. — arabärach ist 
die Form der Prosa, die ich hier eingesetzt habe. 

99 dobert, mit H und der Prosa. 

100 üadaib. Vgl. § 129 und 215, wo es auf bUadaib reimt. 

11* 



164 KUNO MEYEK, 

102 ni ma-räidid 'ihr redet nicht gut', corr. Thurueysen. — cen chuit 
cräbaid, vgl. cen chuit irse, Iinrara Suedg. § 72. 

104 cröda : ceolda. Wie der Reim zeigt, sprach der Dichter eo in ceolda 
mit langem ö. 

109 Bergin vermutet ös tonn tulaig. 

110 Zu foöm (dagegen fom 112, 203) vgl. foum Thes. II 350, 40; foum 
derc, ib. 41. 

113 is dano crann 'und auch ein Baum'. 

116 ordu, d. i. ordu eise (Prosa). 

121 cotaoscig usw., corr. Bergin. Vielleicht ist cen na dlgnae zu lesen, 
da dlgnae wohl urspiünglich Neutrum war. 

123 i fail apstal, d. i. am 15. Juli. 

125 Bergin schlägt vor Lethbargen doib is orddu eise mrdr niilis. Der 
Umstand, dafs H tnar statt tnäir liest, scheint für meine Konjektur inmar 
zu sprechen. 

128 tricc a n-imram, corr. Bergin. 

130 frithled = frithfled? 

135 inna döini, auch in § 158. Vgl. inna druing-sea, Fei. Epil. 285 
und s. Thurn. Haudb. S. 281. 

141 Da der Dichter leo durchaus als zweisilbig gebraucht, aufser in 
§ 28, ist vielleicht cosmuil leo fri drong nduiiie zu lesen. 

142 'Read perhaps dosmbidced and keep sUas\ Bergin. 

145 nicon antais usw., ein Wortspiel mit den beiden Bedeutungen von 
anaim: 'sie säumten nicht, obgleich sie dabei verAveilten sie aufzuspiefsen'. 

148 secdae, vgl. § 143. 

152 nicon. Beide Handschriften haben nit, das aus nio verlesen ist 
und die gemeinsame Herkunft von Einem archetypus beweist. 

154 fo7- altöir Fätraic, nämlich in Armagh. 

157 Salus : dorus. Derselbe Reim findet sich Imram Snedg. § 69. 

159 tulach = magillab (Prosa). 

162 fogeba, entweder == altir. fogebae mit Übergang zur 2. Sg. oder 
vielleicht ein idiomatischer Gebrauch der 3. Sg. ' er d. h. jeder von euch wird 
erhalten'. 

166 deoid zweisilbig wie diaid 130, 218. 

168 amal iailig. Auch die Prosa hat den Singular. 

170 In beiden Hss. ist doib ein sinnloses Einschiebsel, das durch die 
Lesart na mbolc statt inna mbolc veranlafst ist. 

173 clothach toiden. Vgl. clothach röiden, Imram Snedg. § 40. 

174 di muntir usw. Vgl. di muintir düinn Coluim Chille, Imram 
Snedg. § 45. — Birar im Reim mit idan. Dieser Ortsname ist ursprünglich 
Plural. Vgl. Brendain Biror AU 564; abbas Biror, ib. 749; in ftaith a Birraib 
Brenainn, Lism. L. 3482. 

177 lommairsit. Hier haben wieder beide Hss. das korrupte lomair. 
180 cur^j . . fult, vielleicht zu corj) . . folt zu ändern. 
182 mmbüi Man erwartet die Kopula, wenn ich richtig übersetze 
'das gewaltige Gelächter, bei dem sie blieben, war ihm kein Grund zur Freude'. 
186 segait, vgl. § 47. 
193 belre mbün, i. e. lateinisch. 



MAELDÜINS MEERFAHRT. 165 

195 inmair, corr. van Hamel. 

196 lot-sa, mit stimmlosem d vor s. S. Thurn. Haudb. § 136. — Zu 
meiner Konjektur fir vgl. adnacul ind fir (Prosa). 

198 mad a n-adnacid 'was das Begräbnis betrifft'. — ba fir la luad 
'es wurde wahr (d.h. es trat ein) sowie es ausgesprochen war'. 

199 üall dumimus, vielleicht üall diumsach. Die Prosa hat ba mOr 
dono mo üall 7 mo diutnnuis. 

200 nö'i zweisilbig wie in § 19. Es reimt auf böi, wie dl'ib auf rlg, 
Arch. III 198 § 62, a Räch auf slUag, SR 6739 usw. 

206 fofrUli, wohl eine sichere Emendation des handschriftlichen frithi. 

209 leir. Lies vielleicht ind Icir (Adv.), worauf das siyi der Handschrift 
hinzuweisen scheint. — fer crotha ceir d. i. die Otter. 

211: fecht fenech. Vgl. ärusc fenech, Imram Snedg. § 15; rl recht[a\ 
fetiig, ib. § 44. 

217 errig, Acc. Sg. von erreg O'Mulc. 410 = err-fJe^ 'ein geschwänzter 
Habicht' (aeg f.). In der Prosa ist das Wort mask. (Acc. PI. errchu). 

224 leg lat. Vgl. legthar linne, Fel.^ S. 120,4. 

Arrowhead Springs, Kuno Meyer. 

Kalifornien. 



ALTIRISCH COIMAID. 



In nom coimmdiu coima SG 204 habe ich früher coima als 
com-enia gefafst (Rev. Celt. 6, 139; Handb. II 73) und andere sind 
mir darin gefolgt (Tlies. Palaeohib. II 290). Aber caomsiim coimdi 
aingel in dem jetzt von K. Meyer abgedruckten Gedicht ZOP 
10, 347 Str. 16 zeigt, dafs das unrichtig war. Es hat ein von 
coim abgeleitetes transitives Verb coimaid 'er behandelt freundlich, 
ist gnädig gegen' gegeben. 

Bonn. R. Thukneysen. 



BERICHTIGUNGEN UND NACHTRAGE. 



Band X. 

p. 274 1. 3 for Fir read Fer 

p. 283 1. 2 for na read 'na 

p. 284 1. 29 read bolgsronoigh.' 

p. 286 1. 2 read nert.' 

p. 287 1. 16 add stop after bheimneacha. 

p. 290 1. 7 and 291 11. 11, 22 for a^lia/d/i read adh«/^/* 

p. 299 1. 6 for an read ar 

1. 7 for bretnas read br^tnas 

1. 9 for cn(es)lemte read ciarleiwte 

1. 17 delete stop after c?em 

1. 24 note ^) delete or 

1.27 note«) for cn(es) read dar, and delete ^es is ülegihh^ 
cf ciarlenti ficliet ciartha clartlia comdlütha, Eg. 1782, 
23 a (Contribb. s. v. ciar-lene) 
p. 300 1. 7 delete stop after irco; for da read do(?) 

1. 11 insert [42] 

1.31 note'J) delete 'fracture etc. 

1. 35 note'-) for Ends read End 
p. 301 1. 23 read faithib.' 

1. 30 for seisir read seiser 
p. 303 1. 3 for dilgiae read doeilgi 

1. 27 read comrug.' 

1. 28 delete inverted comma after leo. 
p. 3U7 1. 4 from below for memelaigh read newelaigh. 

R. I. B. 



BERICHTIGUNGEN UND NACHTRÄGE. 167 

S. 438 ff. Als mein Aufsatz gedruckt wurde, kounte ich — wegen 
der Stockung des Verkehrs — nicht wissen, dafs Lucius 
Gwyun das angebliche Gedicht von Cinaed ua h-Artacain 
eben in Eriu VII 2 (1914) S. 210 ff. herausgegeben hatte; es 
seideshalb hier ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht. 
Er hat übrigens die Fälschung nicht als solche erkannt 
und zieht daher einige unzutreffende Folgerungen für die 
Entwicklung der Sage; auch läfst er Cinaed i. J. 987 
statt 975 gestorben sein. 

R Th. 

Band XI. 

p. 55 1. 3 for Conn read lonn 

M. P. 

S. 57 Str. 6 und S. 58 A. 1 statt cuinde lies ciuinde 'die sanfte'. 

S. 62 Z. 2 statt ecradh lies ec[h]radh und S. 66 Z. 8 v. u. 'das 
Pferdegespann eines edeln Wagens'. 

S. 72 Z. 6 Y. u. und S. 73 Z. 10 v. u. statt mac lies maic. 

S. 86 Z. 3 statt soisil lies söisil. 

S. 99 A. 5 soad ist wohl neuir. gäl. sögh 'Ausgelassenheit, Üppig- 
keit, Wonne'. ^ rpj^ 



HANS hessp:n t. 



Unser Mitarbeiter, Dr. Wilhelm Fritz Johannes Hessen, hat 
am 29. September 1915 als Leutnant in der Champagne den 
Tod fürs Vaterland erlitten. Am 12. Januar 1889 zu Cöln-Deutz 
geboren, war er vor dem Krieg zuletzt an der Universitäts- 
Bibliothek in Freiburg i. B. beschäftigt. Seine verschiedenen 
Arbeiten zeichnen sich vor Allem durch die sorgfältige, möglichst 
vollständige Sammlung des Stoffes aus, was der Keltologie in 
erster Linie nottut; jede bedeutet daher einen Fortschritt unserer 
Erkenntnis. So seine Doktordissertation 'Zu den Umfärbungen 
der Vokale im Altirischen' (ZOP 9, 1); 'Die konsonantische Flexion 
in den Mailänder Glossen' (Idg. Forsch. 30, 225); 'Beiträge zur 
altirischen Grammatik' (KZ 46, 1). Zuletzt hatte er die vor- 
handenen lexikalischen Hilfsmittel des Alt- und Mittelirischen 
auszuziehen begonnen, um ein handliches AVörterbuch daraus 
zusammenzustellen, ein dringendes Erfordernis unserer Wissen- 
schaft; das bleibt nun leider — wenigstens zunächst — unvollendet. 

RTh. 



,^^f 



SPUREN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND 
VOR DER WIKINGERZEI1\ 



a) Caiici. 

Nach Ptolomäus (Mitte des 2, Jahrli. nach Chr.) sollen an 
der mittleren Ostküste Irlands die Manapn und nördlich von 
ihnen die Caucl gesessen haben. 

Man hat schon lange erkannt, dafs diese Manapn den 
belgischen Ilcnapn am Westufer des Niederrheins entsprechen, 
wogegen die Caiici den germanischen ChaucM. {zu germ.*haiiha - 
'hoch') gleichgesetzt werden müssen, die östlich vom Niederrhein, 
zwischen Ems und Elbe wohnten. Dafs germanische Chauchi 
bis nach Irland gekommen seien, darf uns nicht Wunder nehmen, 
da diese die ersten germanischen Wikinger sind, von denen uns 
die Geschichte zu berichten weifs, denn sie haben schon im 
1. Jahrh. nach Chr. die Küsten Galliens verheert. Sie waren 
eine der stärksten germanischen Völkerschaften des westlichen 
Deutschlands. Ihre Nachbarschaft zu den Manapn in Irland 
wäre also an und für sich nicht unglaublich, wird uns aber sehr 
leicht erklärlich, wenn wir in Betracht ziehen, dafs sie auch am 
Festland unmittelbare Nachbarn der Menapil waren, da ein Teil 
von ihnen nach Plinius (Hist. Nat. 4, 101) i) einige Inseln zwischen 
Helinium und Flevtim, den beiden Rheinmündungen, in Besitz 
hatte, wo sie sich offenbar nach Wikingerart niedergelassen 
hatten. Da Kelten und Germanen damals einander in jeder Be- 
ziehung sehr nahe standen, was namentlich für die nördlichen 
Kelten zutraf, so werden wir annehmen dürfen, dafs jene ChaucJn 
vielleicht schon vor ihrer Auswanderung nach Irland keltisiert 
worden waren; sind doch nachweisbar manche belgische Kelten- 
stämme germanischer Herkunft. 



^) Auf diese Stelle machte mich erst Herr Prof. Much aufmerksam. 

Zeitschrift f. celt. Plülolocrie XI. 12 



170 JULIUS POKOKNY, 

Die Richtigkeit der Angaben des Ptolomäus in Bezug auf 
die Manapil hat schon John Mac Neill nachgewiesen, der sie 
in dem irischen Volk der Manaigh (Monaigh) und Fir Manach 
(Monach) wiedergefunden hat; das auslautende -aim dürfte mit 
Hilfe der bekannten Lautsubstitution von 2j zu gu zu -aquii und 
weiter durch Angleichung an das häufige Suffix -alä zu -ahl, später 
-aigh Gen. Plur. -ach, umgestaltet worden sein. 

In geschichtlicher Zeit sitzen die Manaigh in der Gegend 
von Belfast und die Fir Manach (auch Manaigh genannt) haben 
der Grafschaft Fermanagh den Namen gegeben. Die erstgenannten 
Manaigh zerfallen in vier Hauptgruppen: Cenel Mdelche, Cenel 
Cridain, Cenel Lainäinin und Bredach. Die Gruppe der Bredach 
wieder gliedert sich in Cenvl Dogfa (= Dohtha?), Claim Cor- 
crdin, Ui Tacdin und Ärtraighe. 

Wie Orpen (Proceed. Roy. Ir. Acad. XXXII c 3) wahrschein- 
lich gemacht hat, entspricht der bei Ptolomäus genannte Fluls 
Modonnus, nahe dessen Mündung der Hauptort der Manapil 
gelegen haben soll, dem bei Arklow mündenden Avonmore, 
während der Fluls Ohoha dem Vartry bei Wicklow gleichzusetzen 
ist — der moderne Name Ovoca ist künstlichen Ursprungs. Da 
andererseits die Burg des Forgall Manach 'Forgall (des Herrschers) 
der Manapier' des Schwiegervaters Cü Chulainn's, nach der irischen 
Sage in Lusk, nördlich von Dublin zu suchen ist, und die Sage 
Tochmarc Emire (oben III 229 f.) § 53 die Sce[{]nnmenn Manuch 
(leg. Manach) in die Gegend zwischen dem Boyne und dem 
nördlich von Balbriggan bei Gormanstown mündenden Delvin 
River verlegt, werden wir die ursprünglichen Sitze der Manapil 
irgendwo zwischen Arklow und dem Delvin River zu suchen 
haben, womit natürlich nicht gesagt werden soll, dals sie jemals 
den ganzen Küstenstrich im Besitz gehabt hätten; da die be- 
züglichen Quellen von so verschiedenem Alter sind, werden wir 
eher eine Verschiebung von Süden nach Norden anzunehmen haben. 
Es salsen übrigens Manaigh noch in geschichtlicher Zeit auch in 
der Baronie Slane im östlichen Meath. 

Die Vertreibung der Manapil aus ihren ursprünglichen Stamm- 
sitzen hängt jedenfalls mit der im 3. und 4. Jahrh. nach Chr. 
erfolgten Gründung der Reiche von Tara (Meath) und Alenn 
(Leinster) zusammen, die ihre Entstehung einer Invasion aus 
Britannien verdanken, wobei es unentschieden bleibt, ob es sich 
um einen Einfall britischer Kelten oder früher dorthin aus- 



SPUKEN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 171 

gewanderter oder geflohener irischer Kelten handelt. Zu dieser 
Tatsache, die zuerst J. Mac Neill in zahlreichen verdienstvollen 
Aufsätzen im New Ireland Review 1906—7 ins richtige Licht 
gesetzt hat, stimmen nicht nur die zahlreichen britischen Lehn- 
worte im Irischen (die bei Pedersen I 23 f. gegebene Liste ist 
keineswegs erschöpfend), sondern auch der Name des sagenhaften 
Gründers der Dynastie von Alenn, Cathair Mar, der, wie Kuno 
Meyer gezeigt hat (Sitzgsber. preufs. Akad. 1913, 448), aus dem 
britischen cat-air 'Schlachtniederlage' entlehnt sein mufs. 

Dabei wurde die ursprüngliche Bevölkerung von Meath und 
Nord-Leinster, soweit sie sich nicht unterwerfen wollte, nach 
allen Winden zerstreut. Dafs die Munaigh, bezw. Fir Manach 
ursprünglich in Leinster wohnen, geht aulserdem noch aus ihren 
Genealogien und Stammsagen hervor, die uns berichten, dafs sie 
vordem in Leinster salsen und angeblich wegen Ermordung des 
Sohnes des Königs dieser Provinz das Land verlassen mufsten. 
Die Grenzen der Provinz Leinster reichten ehemals, vor den Er- 
oberungen der Herrscher von Tara, nördlich bis zum Boyne. 

Eine Spur des Volkes der Cauci wurde bisher nicht gefunden, 
doch werden wir eine solche, nach dem über die Manapn aus- 
geführten, nicht blofs an der Ostküste Irlands zu suchen haben. 

Ich möchte daher glauben, dals der kleine Stamm der Ui 
Cüaich, die nach Hegaus Onomasticon im Gebiet der Ui Bairrche 
Muighe Aübhe, d. h. im östlichen Teil von Queens County oder im 
westlichen Teil der Grafschaft Kildare wohnten, einen Eest der 
alten Cauci darstellte, die durch die Ausbreitung der Reiche von 
Tara und Ailenn nach Westen zurückgedrängt wurden. 

Der Name Ui Cüaich ist eine Neubildung, dadurch entstanden, 
dals man zu dem alten Namen Ciiaich (aus Caucl) einen eponymen 
Ahnherrn *Cüach erfand — ebenso wurde für die Manaigh ein 
künstlicher Ahne Manach geschaffen — und dann nach dem 
Aufkommen der Stammnamen mit Ui (vgl. Mac Neill, Proceed. 
Roy. Ir. Acad. XXIX c 4, § 52 f.) den Namen Cüaich in 'ui Cüaich 
umwandelte. 

b) Coriondt. 

Das Volk der Coriondt, das von Ptolomäus an die Südost- 
küste Irlands versetzt wird, wo es nördlich von den Manapil 
und südlich von den Brigantes begrenzt wird, mufs die nördliche 
Hälfte der Grafschaft Wexford innegehabt haben, da die Brigantes 

12* 



172 JULIUS POKORNY, 

nicht nur an der Südküste, sondern auch an der Ostküste Irlands 
salsen, also auch den südlichen Teil von "Wexford besetzt hielten. 

Da die Manapier Belg-er sind und die Brigantes jedenfalls 
aus Britannien!) eingewandert sind — der in späterer Zeit im 
südlichen Wexford sitzende Stamm Tüath Fhidhgha wird aus- 
drücklich als britischer Volkstamm bezeichnet — läge es nahe, 
auch für die Coriondi ähnliche Herkunft anzunehmen. 

Aber der Name kann überhaupt nicht keltisch sein, weil 
ein -nd- Suffix den keltischen Sprachen gänzlich unbekannt ist. 
Wir können auch nicht annehmen, dafs es sich um eine Ver- 
schreibung oder ungenaue Wiedergabe eines ursprünglichen 
*Coriontes handelt, da die unten erwähnten irischen Namen die 
Form Cuirenn- enthalten, die nur aus Coriondo- hervorgegangen 
sein kann; vor altem t hätte das n schwinden müssen. Man 
könnte schlief slich daran denken, dafs wir ein Wert aus der 
Sprache der Urbewohner vor uns haben, aber da die Südostküste 
Irlands zu den am frühesten keltisierten Teilen der Insel gehört, 
ist auch diese Annahme nicht wahrscheinlich. 

Hingegen legt uns die Nachbarschaft der belgischen Manapn, 
die mit den germanischen Caucl von den Eheinmündungen herüber- 
gewandert sind, die Frage vor, ob wir es nicht eher mit Germanen 
zu tun haben, da es ja sehr gut denkbar ist, dafs mit den Caucl 
auch andere unternehmungslustige Germanen die Fahrt nach 
Irland mitgemacht haben, wenn es sich nicht vielleicht dabei 
nur um eine der zahlreichen 'Cauchorum nationcs' handelt, in 
die nach Vellejus Patercuhis 2, 106 die Chauclii zerfielen. 

Herr Prof. Much teilt mir nun mit, dafs ihm die Coriondi 
schon seit längerer Zeit in dieser Hinsicht verdächtig erscheinen, 
und dafs er vermutet, dafs es sich in diesem Falle nur um die 
keltische Umbildung eines germanischen *Hariandiz (d. h. chari- 
andiz) handelt, das 'die Heerenden' bedeutet, ein Name, der sehr 
gut auf Seeräuber passen würde; ich möchte auch den Namen 
der Uarii, eines Stammes der germanischen Lugil vergleichen, 
der ebenfalls zu *harja- "Heer' gehört. Dafs dann ein germanisches 
*chariandiz bei der Keltisierung dieses Stammes durch Angleichung 
an das gleichbedeutende keltische corio- 'Heerhaufen' in Coriondi um- 
gestaltet worden sei, ist ohne Schwierigkeiten anzunehmen. Diese An- 
gleichung kann schon auf belgischem Boden vor sich gegangen sein. 



1) Hier sind sie der hervorrageudste Stamm im späteren Nordenglaiid. 



SPUKEN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 173 

Bemerken möchte ich hier noch, dafs der Dat. PI. Corannaih, 
Corrcndaib (Tain. Index), den Mac Neill zum Namen der Coriondl 
stellt, nicht dazu gehören kann, da das o vor i zu u werden 
mufste und dieses u schon wegen der Assoziation mit cuire gewifs 
erhalten geblieben wäre. Ebensowenig lälst sich der Name Corcu 
Cuirnd hierherstellen, da Guirnd, Cuirnn nur auf *curni, keines- 
falls aber auf corionäi zurückgehen kann, dessen zweite Silbe 
in jedem Falle erhalten bleiben mufste. 

Der Name der Coriondl ist nicht nur im Namen des Staates 
Cuirenrige (Hogan, Onomasticon) erhalten, der auf *Coriondo- 
rlgion 'Reich der Coriondi' zurückgeht, sondern auch im Namen 
der Inis Cuirennrighe 'die Insel von CuirennrigJie' die bei Tiger- 
nach A. D. 732 erwähnt wird. Hogan hat diese Stelle in seinem 
Onomasticon übersehen, wo er nur eine Inis Cuinrigi anführt; 
hier ist zweifellos entsprechend der vorliegenden Variante richtig 
Cuirinrigl zu lesen. Aus den betreffenden Texten geht hervor, 
dafs Avir die Inis Cuirennrighi (sie leg.) ins Gebiet von Wexford 
versetzen müssen, wo dann auch der Staat Cuirenrige gesucht 
werden miils, was alles zu den Angaben des Ptolomäus über die 
Coriondi trefflich stimmt. 

Hierzu gehört ferner noch der Geschlechtsname 3Iocii Ciirin 
(Thes. Pal. il 274), 'von der Nachkommenschaft des Citren (*Cori- 
ondos)', in welchem Curin den Genetiv des Namen des eponymen 
Ahnherrn der Coriondl darstellt. Dafs hier schon in einem ar- 
chaischen Text (Adamnän's Vita Columbae) auslautendes nd als 
n (= nn) erscheint, ist nicht weiter merkwürdig, weil nd und 
mb im unbetonten Auslaut sicher damals schon zu nn und mtn 
geworden waren; vgl. im selben Text Columm (S. 272) neben Columh. 



c) Ga(i)ling iiud Ga(i)liiiin. 

Das Volk der Ga(i)ling, die dann im Mittelirischen mit 
Übergang in die Jo- Deklination Ga(i)lenga genannt werden, mufs 
in frühgeschichtlicher Zeit nach den in Hogans Onomasticon (s. v. 
Galenga) und bei Mac Neill, Duanaire Finn LV, sich findenden 
Angaben im äufsersten Norden von Meath, in der Baronie Mor- 
gallion, ferner im nördlichen Teil der Grafschaft Dublin, am 
Nordufer des Liffey bei Glasnevin, aufserdem in Carbery, in der 
Grafschaft Kildare. am rechten Ufer des oberen Yellow River 
gesessen haben; ein Zweig von ihnen findet sich auch in Connaught, 



174 JULIUS POKORNY, 

Östlich vom Loiigli Conn. Ihre weite Yeiteiluiig deutet auf ein 
ähnliches Schicksal hin, wie es die Manajm betroffen hat. Zu 
beachten ist, dafs sie (YBL 460) ausdrücklich als Fremde (dcoraid), 
d. h. Einwanderer, bezeichnet werden. 

Als fremde Einwanderer werden auch die Ga(i)Uiiin be- 
zeichnet, die der irischen Sage nach mit Lahraid Lomgsech aus 
Gallien nach Irland gekommen sein sollen, wo sie in späterer 
Zeit im Osten des Liffeytales bis zur See, dann in Offalj'', im 
Norden von Kings Connty, in Ossory und im östlichen "\\'exford 
und südlichen Wicklow safsen. Sie werden bei Keating (Ir. T. 
Soc. IV 201) ausdrücklich als Nicht- Galen bezeichnet. Der Unter- 
lauf des Liffey bildet die Grenze zwischen einem Teil der Ga(i)Unin 
und der Ga(i)lmg. 

Über den Namen der Ga(i)lnnn ist viel Unrichtiges ge- 
schrieben worden. Die Ansicht von D'Arbois de Jubainville 
(Rev. Gelt. XXVIII 32 f.), dals der Gen. Plur. Galian, der in der 
Tdin (Windisch, 519, 526) mit giall und grian reimt, auf einen 
alten Nominativ *Gcüidin hinweise, der aus *Galliäni, einer Ab- 
leitung von Gallia entstanden sei, erweist sich schon bei Be- 
achtung der elementarsten Lautgesetze als unmöglich, da * GalUäni 
altirisch nur *Ga(i)lUnn (vgl. cailig 'Hähne' aus caliää), Gen. 
*Gaillenn ergeben haben könnte. Ebensowenig beweist der Reim 
Galian : giall, da er sich in einem Gedicht findet, das schon durch 
die durch den Reim mit fainle gesicherte Form gairbe (altirisch 
müfste es garbae lauten ; die Palatalisation der Lautgruppe rh(h) 
kann erst mittelirisch erfolgen) als mittelirisches Erzeugnis ge- 
kennzeichnet wird. Die Form Galian ist nichts anderes, als eine 
dialektische Leinsterform, wie ähnliche in der Täin schon wieder- 
holt nachgewiesen wurden. Im Südirischen ist nämlich das Ersatz- 
delmungs e regelmäfsig in der Aussprache zu 'la geworden, also 
altes tren 'tapfer', sprich trian, fer 'Gras', sprich flar usw. Wir 
werden später sehen, dafs es auch noch andere Beispiele in der 
Täin für derartige Dialektformen gibt. 

Der verschiedentlich belegte Nom. Plur. Ga(i)liuin, Ga(i)l€oin, 
Ga(i)lioin weist überdies deutlich auf eine Grundform *Galigni 
hin, da sich nur dadurch die verschiedenen Formen erklären, 
denn auch cu(i)liuin 'junge Hunde', das auch als cu(i)leoin, 
cii(i)liom auftritt, mufs unbedingt schon wegen des cymr. cohvyn 
auf *coUgm zurückgehen; auch bei diesem Wort finden sich im 
Mittelirischen neben Formen auf -en dialektische Formen auf 



SPÜREN VON GKRMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 175 

■tan. Der Gen. Plur. zu Ga(i)Uum mufste lautgesetzlich Ga(i)Un 
lauten und Ga(i)lian ist nur dialektisch, ebenso wie z. B. der 
Nominativ Sing. cu(i)Uan (neben cu(i)lcn), aus dem dann durch 
Analogiebildung das moderne cuiledn entstanden ist. 

Wenn wir nun die erschlossenen Grundformen der Völker- 
namen d.ev Ga(i)ling und Ga(i)Uuln nebeneinander stellen, so 
ergibt sich eine merkwürdige Ähnlichkeit: *Galmgl und *Galignl 
machen den Eindruck, als wären es nur verschiedene Ausdrücke 
für denselben Xamen. Verstärkt wird der Eindruck noch dadurch, 
dafs beide Völker am Liffey aneinander grenzen und beide in der 
irischen Überlieferung ausdrücklich als Einwanderer bezeichnet 
werden. Aus einem Schreibfehler kann die Differenzierung beider 
Namen nicht entstanden sein, weil zur Zeit, als die Ähnlichkeit 
beider Namen am gröfsten, also gn noch erhalten war, die Schreib- 
kunst in Irland noch nicht allgemein verbreitet war und aulserdem 
beide Völkernamen sehr häufig an den verschiedensten Stellen 
überliefert werden. Aufserdem kann Galingl unmöglich ein irischer 
Name sein, da ein Kompositum wegen des Ga- ausgeschlossen 
und ein w(;-Suffix den keltischen Sprachen unbekannt ist. 

Wir werden förmlich auf das Germanische hingestofsen, wo 
das w^- Suffix so aufserordentlich häufig ist. Die Anwesenheit 
germanischer Stämme haben wir oben auch schon nachgewiesen. 
Die Sache wird sich so verhalten, dals ein germanischer Stamm 
der "^Galingl, oder vielmehr ein Teil dieses Stammes im Munde 
der keltischen Nachbarn *Galigm genannt wurde, eine Um- 
gestaltung, die sehr wahrscheinlich ist, da das Suffix gn in den 
keltischen Sprachen sehr häufig vorkommt, während sie ein ng- 
Suffix nicht kennen. Ebenso haben es ja die Römer gemacht, 
für die das Gleiche wie für die Kelten gilt: die germanischen 
Stämme der Marsingl und Beudingt werden bei Tacitus in 
lateinischer Umbildung Marsigrn und Eeudigm genannt. * Galingl 
könnte die o- Stufe (o ist germanisch zu a geworden) der ger- 
manischen Wurzeln gel 'rufen' oder gel 'schneiden' enthalten. 

Ebensogut aber können wir den umgekehrten Vorgang 
annehmen, dals es sich nämlich um einen keltischen Stamm der 
*Galigm gehandelt habe, dessen den germanischen Coriondl oder 
Chauclü benachbarter Teil von diesen *Galingi genannt worden 
sei, während im übrigen der Name *Galigm bewahrt blieb. Auch 
nach der völligen Keltisierung der irischen Germanen kann dann 
die Doppelheit der Bezeichnung erhalten geblieben sein. 



176 JULIUS POKORNY, 

Mit dem Ausgeführten steht durchaus nicht in Widerspruch, 
dafs die Gu(i)Uuin gelegentlich als Fir Bolg bezeichnet werden 
und ein Yasallenstamm waren, den Herrschei-n von Ä(i)lenn in 
Nordleinster Untertan, Vor dem Eindringen der sogenannten 
milesischen Eroberer, der Herrscherhäuser von Tara, Alenn und 
Cashel, die sich in der Zeit vom 4. bis 7. Jahrh. n. Chr. fast 
ganz Irland unterwarfen, und die ihre Abstammung von einem 
gemeinsamen Ahnherrn 3Iü herleiteten, obgleich ursprünglich 
nur die Familie von Tara darauf Anspruch erheben konnte (oben 
VIII 313), bezeichnete der Name Fir Bolg freilich nur die Stämme 
der unterworfenen Urbewohner, später aber wurde er auch auf 
die vormilesischen keltischen (arischen) Stämme ausgedehnt, 
soweit sie von den Milesiern zu Vasallen gemacht wurden. Es 
gab also auch keltische Vasallenvölker, und ein solches oder ein 
ursprünglich germanisches Volk waren auch die Ga(i)luim, deren 
aulserordentliche Tapferkeit in der Täin rühmend hervorgehoben 
wird. Möglicherweise handelt es sich hier auch um. von ver- 
bannten irischen Königen herbeigerufene und angesiedelte Söldner, 
wodurch sich ihr Vasallenverhältnis unbeschadet ihrer Tapferkeit 
leicht erklären würde. Die bekannte Sage von Lahraid dem 'Ver- 
bannten' (oder 'Seefahr'er'), der sie aus Gallien nach Irland gebracht 
haben soll, kann sehr wohl einen Kern von Wahrheit enthalten. 

Dals die Datierung der Ankunft der Ga(i)liuin, wie sie 
D'Arbois de Jubainville versucht hat (Eev. Celt. XXVIII 32 f.), 
unhaltbar ist, hat Orpen (loc. cit. S. 50 Anm.) sehr richtig bemerkt; 
das 3. Jahrh. v. Chr. ist entschieden ein viel zu früher Zeitpunkt. 
Orpens weitere Bemerkung, dals aus den bei D'Arbois angeführten 
Lesarten fer Menia oder fer 3Iorca, aus deren Land Labraid 
gekommen sei, auf eine ursprüngliche Lesart Ar(e)morica oder 
ähnlich geschlossen werden müsse, verdient jedenfalls Beachtung, 
wobei natürlich Ar(e)morica in weitestem Sinne aufzufassen ist. 
D'Arbois' Vermutung, dals Menia in der gesprochenen Sprache 
aus Menapia entstanden sei, ist ganz unhaltbar, da nach der 
hier üblichen Lautsubstitution das p wie im Völkernamen durch 
c(h) ersetzt worden wäre; es könnte sich höchstens um einen 
Schreibfehler handeln, wobei aber wiederum die Form Morca 
unerklärt bliebe; ebenso steht auch nach Orpen in der angel- 
sächsischen Chronik Armenia anstatt des Armoricano bei Beda! 

Orpens Ansicht, dafs später der Name Ga(i)liuin alle 
britischen- und gallischen Einwanderer in Südostirland bezeichnet 



SPUREN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 177 

liabe^), ist recht wohl glaublich, um so mehr, als der Stamm 
tuath Fhidhgha, der im Gebiet der Brigantes liegt, später ebenfalls 
als zu den Ga(i)liuin gehörig- genannt wird. Es handelt sich 
dabei natürlich erst um eine spätere Begriff serweiterung, wie 
wir sie ähnlich bei den Fir Bolg kennen gelernt haben, denn 
wir werden nicht annehmen dürfen, dafs die als Seeräuber ge- 
fürchteten Germanen sclion nach ihrer Ankunft in Irland Vasallen 
der Kelten geworden wären, im Gegenteil. Der Name der 
Ga(i)Hnin, die ursprünglich gewifs nur einen eng begrenzten 
Volksstamm bezeichneten, der von den Xachbarfürsten unterjocht 
worden war, wurde vielmehr später unterschiedlos auf alle jene 
Stämme Südostirlands, ob Vasallenvölker oder nicht, ausgedehnt, 
deren verhältnismäfsig späte Einwanderung man noch in Er- 
innerung behalten hatte. Viel wird dazu auch der sprachliche 
Gleichklang der Namen Gaul {= Galli) und Ga(i)Uuin {= *Galigm) 
beigetragen haben. 

Dafs es sich um einen ursprünglich germanischen Stamm 
handelt, dafür läfst sich vielleicht noch ein anderer Anhaltspunkt 
geltend machen, den ich hier allerdings nur mit grölster Reserve 
vorbringen möchte. 

Wenn die *Galmgl mit den Coriond't, Caucl und Manapii 
von den Rheinmündungen nach Irland hinübergesetzt sind, so 
wäre nämlich zu erwarten, dafs wir auch auf germanischem 
Boden Spuren ihrer Anwesenheit vorfänden. Ein germani<5cher 
Stamm der Galingi ist uns allerdings nicht überliefert, aber 
einige in Förstemann's Namenbuch II s. v. Gal verzeichnete sehr 
alte Ortsnamen könnten vielleicht auf einen derartigen Stamm- 
namen hinweisen, um so mehr, als sich alle diesbezüglichen 
Örtlichkeiten in der Nordwestecke des deutschen Reiches, in 
Westfalen und im angrenzenden Holland finden, also gerade 
ZAvischen Niederrhein und Ems, zwischen den Stammsitzen der 
belgischen Menap'n und der germanischen Caucl. 

Es sind dies besonders die Namen Galing-hem, heute Gelli- 
kum in Gelderland, Geling -ihorpa (älter *Galing-thorpa), heute 
Gellentrup bei Waderslow, gleichzeitig der Name einer Wüstung 
bei Pömbsen und eines Hofes bei Westerkappeln, und Gelinge- 
huson, auch Gallinchusen geschrieben, in der holländischen Provinz 



') Die ganze Provinz Leinster wird sogar nach ihnen Coked nGa(i)lian 
(recte Ga(i)Un) benannt. 



178 JULIUS POKOKNY. 

Drenthe und in Westfalen in der Nähe von Marsberg. Also 
Galing-liem "das Heim der Galin(fi\ GelnKj-thorpa 'das Dorf der 
GalimjV u. s. f. Der gelegentliche Mangel des Umlauts von a 
zu e kann auf das hohe Alter der betreffenden Belege zurück- 
zuführen sein. 

Schwieriger ist nur der Wechsel zwischen l und II innerhalb 
derselben Namensbelege, sowie das U im heutigen Gellikura und 
Gellentrup. Aber diese Namen scheinen mir nicht zu beweisen, 
dals die alten Belege mit einfachem l nur eine ungenaue Schreibung 
für II darstellen, sondern es wird sich eher um aus verschiedener 
Zeit stammende Formen handeln, möglicherweise auch um dialek- 
tische Verschiedenheiten, da wir ja auch im Neuhochdeutschen 
Belege dafür haben, dals alte kurze Vokale in offenen Silben 
bald als solche erhalten, bald gedehnt werden, was im ersteren 
Falle Verdopplung des Konsonanten bedingt, also z. B 'Eller', 
alid. elira neben 'hehlen', ahd. liclan, 'schillern' neben 'schielen', 
'Füllen' neben nihd, vülin, usw. Ein weiteres Beispiel für Ver- 
dopplung des Konsonanten nach kurz gebliebenem Vokal wäre 
das schwäbische ülen 'Beule' zu urgerm. *ilil), dem A^'andel eines 
alten Geling- zu Gellen- vergleichbar. Ein Kenner der Dialekte 
der betreffenden Örtlichkeiten mülste da das letzte Wort sprechen. 
^A'enn, wie auch Förstemaun bei Galinghem und Gelingthorpa 
annimmt, das einfache l als alt erwiesen werden kann, so sehe 
ich kein Hindernis, in dem Geling- den Volksnamen der *Galingl 
zu suchen, wodurch dann die irischen Gailing wohl zweifellos 
als ursprünglich germanischer Stamm erwiesen würden; *Galignl, 
irisch Gailmin, würde dann eine im keltischen Munde vorgenommene 
Umgestaltung dieses Namens sein. 

Ich bemerke übrigens, dafs auch das Englische die ver- 
schiedene Behandlung alter kurzer Vokale in offenen Silben 
kennt; nach Luick (Anglia, Neue Folge VIII 355) ist die Er- 
haltung der Kürze nur in dreisilbigen Worten als regelmäfsig 
anzunehmen, indem hier das Streben zur Geltung gekommen sei, 
dreisilbige Worte in ihi"er Sprachdauer dem Normalmafs des zwei- 
silbigen Wortes anzugleichen, wobei zwei kurze Silben einer 
langen gleichzusetzen sind (-•^ = ^^^); auch für das Deutsche 
liefse sich vielleicht an etwas Ähnliches denken, vor allem aber 
würde diese Kegel die Verdopplung des l in den genannten Orts- 
namen erklären, falls auch die umliegenden Dialekte analoge Laut- 
vorgänge aufwiesen. 



SPUKEN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 179 

Auch die Erklärung von Willmanns (Deutsche Gramm. I), 
der den Einflufs dialektischer Formen, die den folgenden Vokal 
verloren hatten (wodurch eine schwere Konsonantengruppe ent- 
stand, die die Dehnung verhinderte), annimmt, um die mangelnde 
Delmung in offener Silbe vor einem l, r, n der Folgesilbe zu 
rechtfertigen, könnte in unserem Falle herangezogen werden, 
um die Entstehung des heutigen U aus älterem l zu erklären. 

Der Name der Galingi Heise sich übrigens nicht nur aus 
der germanischen Wurzel gel 'sclineiden' oder 'rufen' deuten, 
sondern könnte sogar dieselbe Wurzel, wie das keltische Galates, 
Galli, enthalten, wenngleich ein solches Wort zufällig germanisch 
nicht bewahrt ist. Möglicherw^eise aber hat das litauische galingas 
'mächtig' nicht nur das »2 (7- Suffix, sondern das ganze Wort aus 
dem Germanischen entlehnt, wodurch eine germanische Wurzel 
gal 'mächtig' belegt wäre, die wie das keltische gal auf idg. 
*ghal-, oder, falls jenes auf ghll- zurückginge, auf idg. '^ghol-, 
die ö- Stufe der gleichen Wurzel zurückgeführt w^ erden könnte. 

Wenn ich mit meiner Deutung der Herkunft der GaiUmn 
Recht behielte, so müfste dann auch der Sagenheld Finn, der 
ja diesem Volke entstammt, als Germanensprölsling angesehen 
werden, wodurch die Meinung Zimmers, allerdings in ganz anderem 
Sinne als er vermutete, auf einmal bestätigt werden würde. 



d) Fomorier. 

Wie das Wort fomliair im Neuirischen und Gälischen sowohl 
'Riese' wie auch 'Seeräuber' bedeutet, so wird das mittelirische 
fomair (durch Volksetymologie foniöir) ebenso von einem mythischen 
Riesenvolk, wie von germanischen Wikingern gebraucht. Dafs 
man im 10. Jahrhundert — so w^eit gehen die ältesten Belege 
für Fomorier -Wikinger zurück (z. B. LU 126 a 11 — 41 und 89 b 
33 — 39, 90a 3 — 9) ' — die fürwahr recht wenig mythischen 
Wikinger zu einer Zeit, als sie sich im ganzen irischen Volks- 
leben sehr deutlich fühlbar machten, einem mythischen Riesenvolk 
der Fomorier gleichgesetzt haben soll, wie man bisher allgemein 
annahm, ist mir stets sehr unwahrscheinlich vorgekommen, weil 
in solchem Fall seit dem letzten Auftreten der geschichtlichen 
Wikinger doch eine längere Spanne Zeit verflossen sein müfste, 
damit ihre 'Mythisierung' in der Volksüberlieferung hätte 
stattfinden können. 



180 JULIUS POKOKNY, 

Diese meine Vermutung ist unterdessen zur Gewilslieit ge- 
worden, da in einer zuerst von Kuno Meyer (Alteste ir. Dichtung 
II 6) herausgegebenen Strophe von einem König der irischen 
Bomnainn erzählt wird, dafs er 'die Talgriinde der Fomorier 
verheerte'. Da diese Strophe aus äufseren und inneren Gründen 
im 6. oder 7. Jahrhundert gedichtet worden sein mufs und jeden- 
falls vor die Wikingerzeit fällt, geht daraus deutlich hervor, dafs 
diese Fomorier ein wirkliches Volk gewesen sein müssen, das 
wahrscheinlich den Bomnainn benachbart war; der Herausgeber 
vermutet wegen der 'Talgründe', dafs es sich vielleicht um die 
an Tälern reiche Grafschaft Wicklow gehandelt habe und ver- 
gleicht den Namen der gallischen Morini, ferner lit. pa-marionis 
'Strandbewohner' und preuls. po-morje 'Pommern', so dafs Fomair 
ursprünglich 'Meeresanwohner' bedeutet haben wird. 

Dafs dieses Volk, dessen man sich im 7. Jahrhundert noch 
erinnerte und das wahrscheinlich in der Folgezeit in gewaltsamer 
oder friedlicher Weise von den Nachbarstämmen aufgeteilt wurde, 
im 10. oder 11. Jahrhundert mit einem mj-thischen Eiesenvolk 
zusammengeworfen wurde, ist dann leicht möglich. 

Merkwürdiger ist es schon, dafs auch die Wikinger mit 
dem Namen dieses vergessenen Volkes bezeichnet wurden, eine 
Tatsache, die ich mir nur dadurch erklären kann, dafs ich an- 
nehme, dafs jene Fomorier in der Tat auch Seeräuber waren, 
die sich nach Wikingerart an der Südostküste Irlands nieder- 
gelassen hatten. Vielleicht können wir sogar noch weiter gehen. 
Von gallischen Seeräubervölkern weifs uns die Geschichte nicht 
zu berichten, wohl aber haben wir oben gesehen, dafs sich schon 
vor dem 2. Jahrh. n. Chr. ein solches germanisches Seeräubervolk, 
die Caiict, an der Südostküste niedergelassen hatte. Die Ver- 
mutung liegt daher nahe, dafs jene Fomorier, die derartige Eigen- 
schaften besessen haben müssen, dafs sie die Volksüberlieferung 
später den Wikingern gleichsetzte, am Ende zu jenen Germanen 
gehört haben mögen, die, wie die Coriondl und Cauci, im 2. Jahrh. 
n. Chr. an der Küste von Leinster safsen. 

Zimmer hat vermutet (Zeitschr. deutsch. Altert. 32, 240 f.), 
dafs die Sage, nach welcher die ersten Bewohner Irlands fast 
alle von fomorischen Seeräubern ai'g bedrängt worden wären, 
durch die Wikingei-einfälle hervorgerufen worden sein soll; eher 
wird es sich hier um dunkle Erinnerungen an Germanen des 
1. und 2. Jahrh. n. Chr., Avie Cauä und GaVmiß, als um nach- 



SPUREN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 181 

trägliclie Beeinflussung durch Germaneneinfälle des 9. und 10. Jalirh. 
n. Chr. handeln. 

Vielleicht hilft nns die irische Überlieferung dazu, jenes 
wirkliciie Volk der Fomorier näher zu bestimmen. 

Die Domnainn, deren Nachbarn sie gewesen sein werden, 
entsprechen natürlich den britischen Dumnonn, die sich in den 
ersten Jahrhundei'ten n. Chr. an der Ostküste und Xordwestküste 
Irlands niedergelassen haben. Da sowohl die Malahide- Bucht 
nördlich von Dublin, wie auch die Mündung des Avonmore bei 
Arklow den Namen Inher Bomnann führten, werden wir wohl 
mit Recht annehmen dürfen, dafs sich die Herrschaft der dort 
angesiedelten Dumnonn nngefähr über diesen Küstenstrich oder 
eher über Teile desselben, fast genau in der gleichen Gegend, in der 
vor und neben ihnen die Manapii salsen, erstreckt haben wird. 

Wenn wir nun annehmen würden, dafs vielleicht der Name 
Inher Bomnann für die Mündung des Avonmore jünger ist als 
der Name der Malahide-Bucht, so könnten wir uns leicht vor- 
stellen, dafs die Fomorier früher den südlichen Teil von Wicklow 
innehatten, der ihnen erst später von den Bumnonn entrissen 
worden wäre. Dem widerspräche aber, dals der südliche Teil von 
Wicklow nach Ptolomäus im 2. Jahrh. n. Chr. im Besitz der 
Manapii war, während im angrenzenden nördlichen Wexford die 
Coriondi salsen. 

Wollten wir nicht annehmen, dals die Fomorier eine von 
Ptolomäus übersehene Völkerschaft oder eine jüngere Invasion 
darstellen, so bliebe uns also nichts übrig, als anzunehmen, dafs 
sie nur einen Teil der belgischen 3Ianapii oder der germanischen 
Corionäi bezeichneten. Wir brauchen allerdings in der oben 
angeführten Strophe das über die 'Talgründe' der Fomorier 
gesagte nicht wörtlich zu nehmen und können, da sie auf jeden 
Fall Nachbarn der Bumnonil und Anwohner der Küste gewesen 
sein müssen, sie ebensogut nördlich von jenen ansetzen, also in 
der nördlichen Hälfte der Grafschaft Dublin, so dals sie dann, 
wenn wir von der Möglichkeit einer späteren Invasion absehen, 
einen Teil der Manapii oder der Caiici bezeichnet hätten. Ich 
möchte mich lieber für die nördliche Nachbarschaft entscheiden. 

Wie dem auch sei, jedenfalls müssen die Fomorier zu den 
Manapii in nachbarlichen Beziehungen gestanden sein. Zu meiner 
Freude werden diese Schlüsse auch durch die irische Überlieferung 
bestätisrt. 



182 JULIUS POKORNY, 

Oben war von Forgall Manach (oder Monach), dem Schwieger- 
vater Cu Chtdainn's die Rede. Die meisten Herausgeber irischer 
Texte haben Manach mit 'listig' übersetzt, ebenso wie der irische 
Verfasser des Cöir Anmann. Dafs aber Manach mit mon 'List' 
nichts zu tun hat, geht schon aus den betreffenden Texten 
selbst hervor. 

So heilst es in der ältesten, spätestens aus dem 8. Jahrhundert 
stammenden Version von Tochmarc Emire (Rev. Celt. 11, 442 f. 
Zeile 147): do dun Forgaill Manach, was der Herausgeber irrig 
in Manaig verbessern will, ferner in der jüngeren Version des 
10, oder 11. Jahrhunderts (obeu III 229 f.) § 3: inccen Forcoild 
Monoch. In der LU Version des Fled Bricrend (Cap. 21, 24, 28) 
lautet der Genetiv immer Forgaill Manach, auch in Cap. 1 der 
Geschichte vom Schwein des Mac Da Thö haben H. 3. 18 und 
Rawl. B. 512 den Genetiv Forgaill Monach. Es ist somit klar, 
dafs Manach nicht der Genetiv Sing, eines Adjektivs, sondern 
nur der Genetiv Pluralis des Völkernamens Manaigh (Monaigh) 
sein kann und dafs Forgall Manach mit Namen, wie Cormac 
Gaileng, Audi Erann, Mess-Delmann Domnann, die alle den 
dazugehörigen Völkernamen im Genetiv enthalten, auf gleiche 
Stufe zu stellen ist. Es mufs also: ^Forgall, der Beherrscher der 
Manaigh {ManapierY übersetzt werden. 

Dieser Forgall der Manapier wird nun ausdrücklich 
(oben 1112291, §§ 17,48) als Schwestersohn des Tethra, des 
Königs der Fomorier bezeichnet. Wenn nun auch Tethra 
zweifellos der Name eines Herrschers der mj^thischen Fomorier 
ist und auch sein Name, wie mir Herr Prof. Much mitteilt, bis 
auf das Suffix genau dem des nordischen Riesen ])iasi entspricht 
(dazu griech. rttga^, usw.), so bleibt es doch von Bedeutung, 
dafs der König der Manapier als Schwestersohn eines Herrschers 
der Fomorier bezeichnet wird, da es sich in diesem Falle, vom 
Namen des bekannten Tethra abgesehen, keineswegs um das 
mythische Volk der Fomorier handelt, da Forgall der Manapier, 
der als richis garta 'Flamme der Gastfreundschaft' bezeichnet 
wird, durchaus nichts unterweltliches an sich hat. Die Stellen 
beweisen jedenfalls, dafs der Herrscher der Manapier mit einem 
Herrscher der Fomorier aufs nächste verwandt angesehen wurde; 
dafs er selbst ein Fomorier gewesen sei, kann man annehmen, 
aber nötig ist es natürlich nicht, da derartige verwandtschaftliche 
Beziehungen bei benachbarten Stämmen sehr begreiflich sind. 



SPÜREN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 183 

Jedenfalls müssen Fomorier und Manapier benachbart oder teil- 
weise identisch gewesen sein, was schon aus früheren Erwägungen 
nahegelegt worden war. 

Sehr interessant ist auch die bisher übersehene Stelle in 
O'Flaherty's Ogj'gia, S. 281 : Cucitlandi uxor Eineria, socer For- 
gallus Manach, filius liossi Biiß regis Ultoniae, socrus Tethra, 
filia Ochmandi Fomorii. 

Tethra ist also hier irrtümlich als Frauenname verstanden 
und als Gattin des Forgall Manach bezeichnet worden. Wichtig 
aber ist jedenfalls, dals auch hier der Manapier als mit den 
Fomoriern verwandt behandelt wird. 

Noch bedeutsamer aber fällt ins Gewicht, dafs als Vater 
Tethra's der Fomorier Ochmandus genannt wird. Die nötigen 
Quellen sind mir augenblicklich nicht zugänglich, doch scheint 
mir ganz klar zu sein, dafs dieser Ochmandus niemand anderer 
sein kann, als der eponj'me Ahnherr des Tuatli Ochmam[n], auch 
Tüath F[h]ochmainn genannt, eine der vier Hauptgruppen der 
von mir als Germanen angesprochenen *Gcdigm (Gailünn). 

Die Gaüiuin zerfallen nämlich nach Hogans Onomasticon 
in vier Hauptgruppen : Tuath Fhidhgha, Tuath Fhochmaind, Tiiath 
Äithechda und Tuath Brecraigi (so lese ich statt Brecraidi); die 
bei Mac Neiil (Duanaire Finn LYII) angeführte Stelle, die nur 
von drei Gruppen spricht, steht damit nicht im Widerspruch, 
weil dort ausdrücklich nur von den GaiUuin in Lagin Tuath- 
Gabair, Nordleinster, die Rede ist; Tuath Brecraigi liegt aber in 
Südleinster, in Ossory, und konnte daher hier nicht erwähnt 
werden. 

Tuath Fhochmainn wird in Offaly, im Norden von Kings 
County und um den 'Hill of Allen' in Kildare lokalisiert, also 
in der Gegend westlich vom Oberlauf des Liffey. 

Eine Gruppe der GaiHuin wird auf diese Weise deutlich 
als 'Fomorier' bezeichnet, was im Zusammerhang mit den früheren 
Erörterungen ziemlich stark ins Gewicht fällt, aufserdem sind 
diese GaiUuin in engste Beziehung zu den Manapiern gesetzt, 
was die oben ausgesprochene Vermutung bestätigt, dafs der Name 
GaiUuin später auf sämtliche eingewanderte nicht-gälische Stämme 
Leinsters ausgedehnt worden war. 

Haben wir schon wegen der Gleichsetzung Fomorier = Wikinger 
vermutet, dafs das vergessene Volk der Fomorier ein sehr altes 
germanisches Seeräubervolk, gleich den Cauä und Coriondt 



184 JULIUS POKORNY, 

gewesen sei, so wird das nunmehr umso walirscheinliclier. Die 
Lag-e von Tuath Fhochnainn in geschiclitlicher Zeit läfst es nach 
dem über ^lanapii und Cancl ausgefülirten sehr wahrscheinlich 
erscheinen, dafs dieser Stamm ursprünglich nordöstlich davon, im 
nördlichen Teil der Grafschaft Dublin gesessen haben wird, wie 
ich oben vermutet habe. 

In geschichtlicher Zeit ist Tuath Fhochmainn fast unmittelbar 
den etwas südwestlich davon sitzenden Ui Cuaicli benachbart, die 
ich mit den Cauci identifiziert habe. Es ist also nicht unmöglich, 
dafs die Fomorier ursprünglich eine der Chaucliorum nationes 
darstellten und dereinst an der Nordostküste von Leinster zwischen 
den Manapii und den Cancl in der Grafschaft Dublin safsen. 

Möglich ist natürlich auch, dafs sie, wie Kuno Meyer ver- 
mutete, südlich von den Manapii in der Südhälfte von Wicklow 
safsen, doch scheint mir dies mit Rücksicht auf die nach Westen 
und Süden gerichtete Ausbreitung der milesischen Reiche von 
Tara und Alenn weniger wahrscheinlich. Eine Wanderung des 
fomorischen Tuath Fhochmainn vom südlichen ^Mcklow nach 
Nordwesten hin hat viel weniger für sich, als die von mir an- 
genommene Wanderung von Dublin nach Südwest, da jene der 
Ausbreitungsrichtung der milesischen Herrschaft nicht so deutlich 
entspräche. 

Die Gleichsetzung der Fomorier mit einem germanischen 
Stamm (allerdings ist eine Gleichsetzung mit belgischen Kelten, 
wie den llanapil nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, 
doch pafst die spätere Gleichsetzung mit den Wikingern und 
Seeräubern besser auf germanische Caucl u. ähnl, da wir von 
diesen wissen, dafs sie schon im 1. Jahrh. n. Chr. ein Seeräuber- 
volk waren, während wir es von den Manapii blofs vermuten 
können) erscheint auch deshalb nicht unmöglich, da die Schilderung, 
die die irischen Dichter von dem Fomorierkönig Flatha entwerfen 
(Rev. Celt. 12, S. 61), sehr gut auch auf Germanen pafst, allerdings 
ebensogut auf irische Kelten; es ist vielleicht auch denkbar, dafs 
Fomorier ui'sprünglich eine ganze Reihe meeranwohnender Stämme, 
Kelten sov/ohl als Germauen, bezw. keltisierte Germanen be- 
zeichnete; Genaues läfst sich darüber natürlich nicht sagen, nur 
das Eine ist sicher: sie stellen zweifellos eine sehr alte Erinnerung 
an fremde Seeräuber dar und nichts hindert uns, diese als 
germanische Stämme aufzufassen, die ja nachgewiesenermafsen 
schon in den ersten zwei Jahrhunderten n. Chr. nach der irischen 



SPUREN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 185 

Ostküste gekommen waren, umsomehr, als die Fomorier deutlich 
als verhafste Unterdrücker und Fremdlinge geschildert werden. 
Diese können natürlich schon vor ihrer Ankunft zum Teil keltisiert 
gewesen sein. 

Dafs die Fomorier in den irischen Genealogien gar keine 
Rolle spielen, während sie doch in den übrigen Überlieferungen 
ziemlich stark hervortreten, deutet darauf hin, dafs sie, die 
vielleicht die Cauci des Ptolomäus darstellen, entweder abermals 
den Namen gewechselt haben und später nur mehr Tiiath Fhoch- 
mainn genannt wurden, oder dafs Fomorier, das ja nichts Anderes 
als 'Meeresanwohner' bedeutet, ursprünglich gar nicht der Name 
eines bestimmten Volkes war, sondern ganz allgemein die ger- 
manischen (und keltischen?) Seeräuber an der Küste von Leinster 
bezeichnete, die dann nur unter ihren eigenen besonderen Stammes- 
namen in den Genealogien auftreten. 

Später, in geschichtlicher Zeit, wurden dann, nachdem die 
Fomorier zu Mythen wesen geworden waren, alle fremden An- 
siedler nach dem Volk der *Galigm verallgemeinernd Gailiuin 
genannt. 

Dafür, dafs die geschichtlichen Fomorier ursprünglich nördlich 
und nicht südlich von den irischen Bomnainn safsen, lassen sich 
noch weitere Anhaltspunkte beibringen. So soll König Irkd Fdith 
der Sohn des Eremön die Fomorier in der Schlacht bei leannmhagh 
besiegt haben (Keating II, 118), ebenso wird sich die Schlacht 
von Ard lonmhaith, die derselbe Herrscher gegen Stirne, den 
Sohn des Buhh, des Sohnes des Fomhör gewonnen haben soll, 
gegen die Fomorier gerichtet haben. Von dem Nachkommen 
des Irial, dem König Siorna Saoghkich heilst es (LL 19 a und 
Four Masters A. M. 4020), dafs er 'die Fomorier im Gebiet von 
Meath angriff' und sie in der Schlacht von Möin Tröghaidhe im 
Gebiet von Ciannacht besiegte. Das oben erwähnte Tmnnmagh 
ist zweifellos im Gebiet der Belhna Tennmaige in Teffia (West- 
raeath) zu suchen, da auch Ard lonmhaith von Keating aus- 
drücklich ins Gebiet von Teffia verlegt wird (vgl. Hogaus Ono- 
mastikon s. v. tendmag, delbna tenmaige und delhna iarthair). 
Ebenso hat die dritte Schlacht gegen die Fomorier im Gebiet 
von Meath stattgefunden, und zwar in der östlichen Hälfte dieser 
Provinz, wohin Main Tröghaidhe verlegt werden mufs (vgl.Hogan); 
unter Ciannacht ist somit Ciannachta Breg in Nordost -Leinster, 
bezw. Ost-Meath zu verstehen, eine Gegend, in der in geschicht- 

Zeitschrift f. celt. rhilolog-ie XI. io 



186 JULIUS POKORNY, 

liclier Zeit noch *Galingl sitzen, und zwar als Nachbarn der 
*GaUgm {GaiUuin), in deren einem Stamm wir Fomorier erkannt 
haben. Wenn auch die erwähnten Schlachten auf geschichtliche 
Genauigkeit keinen Anspruch erheben dürfen, so ersehen wir 
doch aus ihnen, dals man sich die Fomorier einstmals im nord- 
östlichen Teil von Leinster (bezw. Meath) wohnend dachte, was 
ja für unsere Zwecke vollkommen ausreicht. 

Die Annahme Kuno Mej^ers (Älteste ir. Dichtung II, 6 Anm.), 
dafs der Name Fomaire (jünger Fomöire, Fomörnig durch An- 
gleichung an mör 'grofs') von einem Landesnamen Fomnir, 
Genetiv Fomra (zu seinen Beispielen läfst sich noch hinzufügen 
fine Fomra, Eriu 8, p. 44)j hergeleitet sei, wird schon durch die 
Form ihres Namens bestätigt. Die mangelnde Sj'nkope im Nom. 
Plur. Fomaire (recte Fomairi) ist da auch verdächtig, doch könnte 
sie immerhin auf analogischem Wege erklärt werden. Dafs aber 
der Name ein jo- Stamm ist, beweist ganz sicher, dafs er von 
einem Landesnamen abgeleitet sein mufs, weil primäre Völker- 
namen in den indogerm. Sprachen niemals mit einer -jo -Ableitung 
versehen werden. Fomaire heilst daher ursprünglich nichts 
anderes, als die 'Anwohner des Landes Fomuir\ das an der 
Nordostküste des heutigen Leinster gesucht werden mufs, und 
w^o, wie früher gezeigt wurde, wahrscheinlich germanische 
Stämme nördlich von den JDomnainn und (den ihnen vorher- 
gegangenen) Manapiern salsen. 

Die Schlachten, die der mythische Nemed gegen die Fomorier 
ausgefochten haben soll, dürfen, obwohl sie natürlich gar keinen 
Anspruch auf geschichtliche Wahrheit machen können, immerhin 
auch zur Bestimmung ihrer ursprünglichen Wohnsitze heran- 
gezogen werden ; drei davon sollen in der Nordhälfte Irlands, bei 
Sliab Bddhna in Roscommon, Boss Fraochdm in Mayo und 
Murhliolg in Antrim stattgefunden haben, und nur eine, die von 
Cndmhros ist vielleicht ins südliche Leinster zu versetzen, doch 
ist auch das nicht mit Sicherheit zu behaupten. Jedenfalls wird 
auch hiedurch unsere Annahme von den nördlichen Sitzen der 
Fomorier bestätigt; falls die Schlacht von Moytura neben der 
mythischen auch eine geschichtliche Grundlage hat, und die von 
Tor Conaing (Tory Island) sich nicht auf Wikinger des 7. Jahr- 
hunderts bezieht, können auch diese beiden Schlachten im gleichen 
Sinne gedeutet werden. Die angebliche Landung der Fomorier 
bei Inber Domnann in Mayo beruht wohl auf einer Verwechslung 



SPUREN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND USW. 187 

mit den britischen Domnainn, die schon früh auch einen Teil 
von Connaught zu Schiffe erreicht hatten. 

Herr Professor Thurneysen macht mich nachträglich darauf 
aufmerksam, dals ich wohl Unrecht getan hätte, mich vorbehaltlos 
Zimmers Meinung anzuschliefsen, der in den an den beiden oben 
(S. 179) erwähnten Stellen in LU vorkommenden Fomoriern eine 
Erinnerung an germanische "Wikinger des 7. und 8. Jahrhunderts 
zu erblicken glaubte. Es kommt das übrigens für meine übrige 
Beweisführung nicht weiter in Betracht; für mich ist die Haupt- 
sache, dafs man schon zur Zeit der Niederschrift von LL, also 
in der Mitte des 12. Jahrhunderts, in den Fomoriern nicht blofs 
mythische Biesen, sondern auch Seeräuber erblickte, wie die 
Gleichsetzung von Fomoir mit fer mara (Windisch, Täin 3508) 
'Seefahrer' und loingsig na fairrge (LL6a39) 'Seeräuber' zeigt. 
Auf jeden Fall ist es möglich, wenn auch nicht erwiesen, dafs 
man schon damals aus diesem Grunde die Fomorier mit den 
historischen Wikingern zusammenwarf. Ebendahin wird wohl 
die Tatsache weisen, dafs in der ursprünglichen Form des Lehor 
Gabdia, die ebenfalls in die Mitte des 12. Jahrhunderts zu setzen 
ist, die mythischen Fomorier, die aber gleichzeitig als Seeräuber 
bezeichnet werden, ihren Hauptsitz auf Tory Island, an der Küste 
von Donegal haben. Warum gerade diese kleine unbedeutende 
Insel, die sonst kaum erwähnt wird, als Hauptsitz einer ganz 
Irland unterjochenden mythischen Völkerschaft bezeichnet worden 
sei, wäre nicht recht erklärlich, wenn nicht Zimmer den Nach- 
weis geführt hätte, dafs tatsächlich diese Insel der erste Punkt 
Irlands war, an dem sich in historischer Zeit zum ersten Male 
(im Jahre 617 oder 618 n. Chr.) germanische Wikinger nieder- 
gelassen hatten. Dafs der mythische König jener Fomorier, der 
auch der Insel den Namen (Tor Conaing) gegeben hat, einen 
germanischen Namen trägt {Conaing ist aus ags. l-ynhig 'König' 
unter gleichzeitiger Anlehnung an irische Namen mit Co?i- ent- 
lehnt), kann Zufall sein, da dieser Name schon im 8. Jahrhundert 
in Irland nicht selten vorkam, ist aber jedenfalls recht merk- 
würdig. Wenn auch der übrige Teil der Erzählung rein mythische 
Züge trägt, so wird Zimmers Theorie dadurch nicht im geringsten 
weniger wahrscheinlich; da von jener ersten Wikingerfahrt bis 
zur nächsten fast 100 Jahre verflossen waren, so ist ihre Mythi- 
sierung nicht wunderbarer, als die des doch gewifs historischen 
Magnus Barfuls (1103), der schon um 1500 als ein Held des 

13* 



188 J. POKORNY, SPUREN VON GERMANEN IM ALTEN IRLAND. 

mythischen ossianischen Sagenkreises erscheint. Es ist aufserdem 
nicht daran zu zweifeln, dafs in der ]\ritte des 16. Jahrhunderts 
die Fomorier ganz gewifs mit den "Wikingern des 8. Jahrhunderts 
zusammengeworfen wurden, wie aus der von Stokes (Rev. Celt. 
XII, 52 f.) veröffentlichten Version der zweiten Schlacht von 
Moytura hervorgeht, in der es ausdrücklich heifst (§ 50), dafs 
die Fomorier alle Inseln 'von Lochlann (d. h. Norwegen) bis 
westlich nach Irland hin' in Besitz hatten, und 'dals ihre Schiffe 
wie eine einzige Brücke von den Hebriden (o indsih Galld 'den 
Inseln der Wikinger') bis nach Irland reichten'. Das kann sich 
nur auf die Wikinger des 8. und 9. Jahrhunderts beziehen J), 
und es ist nicht einzusehen, warum man nicht ebenso im 12. Jahr- 
hundert die AVikinger aus dem Anfang des 7. Jahrhunderts mit 
Fomoriern, die ja ursprünglich auch wirkliche Seeräuber gewesen 
waren, zusammengeworfen haben kann. Erklären ja doch die 
irischen Geschichtsschreiber Mac Firbis (vgl. Bugge's Ausgabe 
'On the Fomorians and the Norsemen', Christiania 1905) und 
O'Flaherty (Ogygia, S. 12, 13, 303) die mythischen Fomorier aus- 
drücklich für Germanen, und O'Flaherty ist, allerdings aus ganz 
anderen Gründen, zu einem ähnlichen Schlufs, wie ich selbst 
gelangt, wenn er sagt, 'dafs die Fomorier aus derselben Gegend 
gekommen seien, aus der die Dänen viele Jahrhunderte später 
in das christliche Irland eingefallen sind'. 



^) Vgl. auch die Schilderung des Elatha, des Königs der Fomorier (§ IG), 
dessen 'goldblondes Haar bis auf seine Schultern herabfiel', was allerdings 
auch auf einen arischen Kelten passen würde. 

Wien. Julius Pokorny. 



BEITRÄGE 
ZUR ÄLTESTEN GESCHICHTE IRLANDS. 



1. Die Fir BoJg, die Urbevölkerung Irlands. 

Mit der Erklärung des Namens der Fir Bolg, der halb 
sagenhaften Urbewohner Irlands, haben sich bisher verschiedene 
Gelehrte befafst, ohne jedoch zu einem befriedigenden Ergebnisse 
zu gelangen. 

John Rhj^s hat zuletzt (Proceed. Internat. Congress for the 
Stud}^ of Religions II, 206,207) ihren Namen als 'Hosen-Leute' 
erklcärt, indem er mit Übereinstimmung mit Kuno Meyer (Contrib. 
to Ir. Lex., s. v. holg) holg mit 'Hose' (wörtlich 'Sack') übersetzte. 
Gleichzeitig bringt er sie mit den Belgae zusammen, deren Name 
er aber zu iatein. fulgor und griech. qlö^ stellt und den Namen 
des keltischen Führers Belgios, der auch Bolgios genannt wird, 
mit herbei zieht, und geht so weit, die Fir Bolg einfach als 
Belgier zu erklären, da sie nach der irischen Überlieferung von 
den Galen verschieden und erst zur See nach Irland gekommen 
waren. Seine etymologischen Ausführungen sind recht unklar; 
er scheint anzunehmen, dals im Namen Fir Boly das Wort 'Hose' 
('Sack') steckt, und dals die Fir Bolg gleichzeitig eine Göttin 
Bolg verehrten, deren Name aber, ebenso wie der Name des 
Volkes der Belgae, dem die Fir Bolg angehört liaben sollen, zu 
einer anderen Wurzel (bhelg, hholg 'glänzen') gehörte, die nur 
zufällig einen lautlichen Gleichklang mit der in bolg 'Hose' 
steckenden Wurzel {hhelgh, bholgh 'schwellen, blasen') auf- 
gewiesen habe. 

John Mac Neill (R. I. A. Proc, XXIX C, p. 81) übersetzt 
Fir Bolg als 'Volk der Ledersäcke', vergleicht dazu Fir Taiden 
'Volk der Mäntel' und meint, diese Stämme seien nach den Er- 
zeugnissen, die sie als Vasallen dem Oberherrscher abzuliefern 
hatten, benannt worden. 



190 JULIUS POKORNY, 

Die jüngste Erklärung stammt von Van Hamel; liiernach 
läge in ihrem Namen das Wort hole 'Spalte, Kluft' vor, und es 
habe sich ursprünglich um ein mythisches Volk gehandelt, da ja 
bekanntlich die Elfen und Zwerge in den Spalten und Klüften 
der Berge wohnhaft gedacht wurden; später sei dann dieser 
Name auf geschichtliche Völkerschaften übertragen worden (oben 
X, 1861). 

Die ersterwähnte Ansicht von Ehj's und Kuno Meyer ist an 
und für sich nicht unmöglich, doch kann sie auch nicht als sehr 
wahrscheinlich bezeichnet werden — von wirklichen Beweisen ganz 
abgesehen. Sie stützt sich vornehmlich auf die Übersetzung holg 
'Hose'. Nun ist aber diese Übersetzung in keiner Beziehung als 
richtig zu erweisen. In der angenommenen Bedeutung käme holg 
nämlich in der reichen irischen Literatur nur an einer einzigen 
Stelle vor (LL 8b 3), wo es heilst: Fir i mbalggaib ha mör nert 
randsat inis ardglain Airt; aus LL 131a 1 geht hervor, dals diese 
Fir i mhdlggaib mit den Fir Bolg identisch sein müssen. Mit welchem 
Rechte aber darf man halggaih mit 'Hosen' übersetzen? Wir 
würden doch erwarten, dals dieser Name für ein so gebräuch- 
liches Kleidungsstück noch öfter auftauchte, aber weder in der 
älteren, noch in der neueren Literatur oder in den lebenden 
Dialekten findet sich eine derartige Bedeutung des Wortes bolg.'^) 

Auch die andere Ansicht von Rhys, wonach die Fir Bolg 
den festländischen Belgae entsprächen, ist gänzlich unhaltbar. 
Sie ist übrigens schon von O'Flaherty in seiner 'Ogygia' auf- 
gestellt worden. Daraus, dafs die Fir Bolg nach der irischen 
Überlieferung zur See in Irland eingewandert sind, lälst sich 
natürlich kein SchluTs ziehen, da ja alle Bewohner Irlands in 
der Sage als von fernher eingewandert betrachtet werden; ebenso 
wenig beweist die Tatsache, dafs die Fir Bolg als ein von den 
Galen verschiedenes Volk bezeichnet werden, denn es kommen 
doch aulser den Belgae noch andere Volksstämme in Betracht. 
Der Gleichklang der Namen beweist nicht viel mehr, weil es sich 
ja ebensogut um verschiedene Wurzeln (hJielg, hliolg 'leuchten' 
und hhelfjh, hliolfjh 'schwellen') handeln kann. Die Zusammen- 
stellung der Fir Bolg mit den Belgae ist auch schon deshalb 



1) Aofserdem ist zu erwägen, dafs bolg stets aufgeblasene, rundliche 
Gegenstände bezeichnet, wogegen die irische Hose sich eng an den Körper 
anschmiegte (Cambrensis E versus II, 209) und schon deswegen kaum mit jenem 
Worte bezeichnet worden wäre. 



BEITRÄGE ZUR ÄLTESTEN GESCHICHTE IRLANDS. 191 

nicht angängig ^), weil die Fir Bolg in der irischen Überlieferung 
durchweg als eine vorkeltische, von den Galen unterjochte Ur- 
bevölkerung beliandelt werden. Unter anderem werden ihnen 
auch vielfach die prähistorischen Steinbauten der Insel zu- 
geschrieben. In gleicher Hinsicht beweisend sind die Ausführungen 
des Geschichtsschreibers Dugald Mac Firbis (f 1G60), die dieser 
einem alten Buch entnommen haben will, und die auch als 
Äulserung des arisch-keltischen Rassenbewulstseins recht be- 
merkenswert sind: 

'Jeder, der schwarzharig, ein Schwätzer, hinterlistig, auf- 
schneiderisch, geräuschvoll, verächtlich ist; jede elende, niedrige, 
vagabundierende, charakterlose, unfreundliche und ungastliche 
Person; jeder Sklave, jeder gemeine Dieb, jeder Geizhals, jeder, 
der nicht Musik und Unterhaltung liebt; die Leute, die jede 
Beratung und jede Versammlung stören und unter dem Volke 
Zwietracht säen, das sind die Nachkommen der Fir Bolg ... in 
Irland' (Hyde, Literary History, 5631). 

Ebensowenig Wahrscheinlichkeit hat die Ansicht Van Hamels 
für sich. Da die Fir Bolg als eine wirkliche geschichtliche 
Völkerschaft nachweisbar sind, so ist die Annahme, dafs diese 
Völkerschaft von einem mythischen Volke seinen Namen erhalten 
habe, von Anfang an nicht recht glaublich. Hingegen ist der 
umgekehrte Vorgang sehr häufig, wie z. B. bei den germanisch- 
irischen Fomoriern, die im Mythos zu Riesen wurden. 

Aber auch sprachlich ist seine Theorie völlig unhaltbar. 
Er nimmt an, dafs in Fir Bolg nicht das Wort holg 'Sack', sondern 
bolc 'Spalte' stecke. Die beiden Worte unterscheiden sich nur 
durch den auslautenden Konsonanten, da holg 'Sack' nicht nur 
nach Ausweis der heutigen Aussprache (Finck gibt in seiner 
'Araner Mundart' fälschlich die Aussprache hohJc an, aber alle 
neuirischen Dialekte zeigen im Auslaute ein gl) sondern auch 
wegen des cymrischen bol(y) mit auslautendem g angesetzt werden 
mufs, wogegen bolc 'Spalte' wegen des cymrischen bwlch un- 
bedingt k im Auslaut gehabt haben mufs. Diesen wichtigen 
Unterschied scheint Van Hamel übersehen zu haben. 



1) Interessant ist auch, dal's die Belgier, die angeblich nach Rhys die 
Hosen in Irland eingeführt hatten, wahrscheinlich im Gegensatze zu den 
übrigen Galliern gar nicht dieses Kleidungsstück kannten, da es nie auf ihren 
Denkmälern erscheint (s. Hettner, Westdeutsche Ztschr. f. Geschichte und 
Kunst, 1883), (S. 11). 



192 JULIUS POKORNY, 

Es wird nämlich im Namen der Fir Bolg nicht blofs bis 
auf heute lg gesprochen, sondern wir haben auch metrische 
Belege dafür, dafs schon im 12. Jahrhundert auslautendes g ge- 
sprochen wurde, so z. B. LL 127 a und Metrical Dindshenchas III 
170, wo Bolg auf {h)an-ord 'Unordnung', ferner BB46a, wo es 
auf glan-ord reimt. Dafs neben Bolg häufig auch Schreibungen, 
wie Bolgg, Bolc, Bolgc, Bolcc auftreten, beweist gar nichts, weil 
g nach l häufig mit c(c) wieder gegeben wird; schon Wb schreibt 
pen-holcc und condelc, und fürs Mittelirische findet man zahlreiche 
Beispiele in Meyers Contrib. s. v. holg und celgg. Die von Van 
Hamel und Kuno Me3^er als Belege für hole 'Spalte, Kluft' an- 
geführten Ortsnamen enthalten sämtlich das A^'ort holg 'Sack', 
wie nicht nur die Schreibung holg neben hole, sondern auch die 
heutige Aussprache dieser Ortsnamen beweist; holg wird sich 
hier teilweise auf die Fir Bolg, teils auf die natürliche Be- 
schaffenheit der betreffenden Örtlichkeiten {holg heilst nicht nur 
'Sack', sondern auch Bauch, Blase, Rundung, Ausbuchtung usw.) 
beziehen; vgl. hierzu namentlich cymrisclie Ortsnamen auf Anglesey, 
wie Llannol (= Llan + hol), Vemhol (= Pen + hol), Cors y Bol, 
Ehos y Bol, wobei hol genau dem irischen holg 'Sack' (dem ir. 
hole 'Spalte' würde cymr. hwlch entsprechen) entspricht. Auch 
das irische Mu(i)rholc (heute MurhJiolg) 'a sea inlet', enthält 
nicht hole 'Spalte' sondern holg 'Ausbuchtung'. 

Ich bin übrigens zu der Meinung gekommen, dafs das irische 
hole 'Spalte, Kluft' (mit Ic) wahrscheinlich nur in der Phantasie 
einiger Gelehrter existiert und in Wirklichkeit gar nicht nach- 
zuweisen ist. Sehen wir uns doch einmal die Belege dafür an: 
In der LU- Version der Täin wird leim dar hoilg (sie in LL77a 
und LU 79 a) als eine der drei Wagen-Künste Cü Chulainn's an- 
geführt, ebenso (mit g geschrieben) LL 263 b 30 (Mesca Ulad). 
In der LU-Version der Fled Bricrenu wird Cü Chulainn's Epithet 
culmaire holgadach (so zu lesen) mit cairptech dar herna 'Wagen- 
fahrer über Klüfte hinweg' glossiert. In dem metrischen Glossar 
LL395a7 wird holg mit herna wiedergegeben. In O'Mulconry's 
Glossar (759) wird leim dl hoilee {al steht vortonig für dar) er- 
klärt als: suainem tar hldi foa ndiehet carpat, no leim darais 
(==z tarais) dond aroid for rith 'ein Seil über eine Wiese, unter 
welchem ein Wagen durchgehen kann, oder der Wagenlenker 
mufs im Laufe darüber springen'. In der Hs. H. 3. 18., p. 46, 1 
heilst es: huilg i. sithfe, ut est: leim tar huilc A. leim do thahairt 



BEITRÄGE ZUR ÄLTESTEN GESCHICHTE lUI.ANDS. 193 

du tar huilc in carpait his Ina ladhair ein a hrised, d. li. huilg = 
Deichsel, nämlich 'einen Sprung macht er über die hole des Wagens, 
die sich in seiner Hand (oder 'Fingern') befindet, ohne sie zu 
zerbrechen'. In einem Gedichte des Gofraidh Fionn Dalaigh 
(Essays pres. to Eidgeway, 323 f.) wird dann leim ar hhailg zwei- 
mal in der Bedeutung 'Springen über eine Wasserblase (ohne sie 
zu zerstören)' gebraucht, und schliefslich steht in O'Clery's 
Glossar die Glosse holg A. hearna , Spalte, Kluft'. 

Eine Betrachtung dieser von mir in chronologischer Reihen- 
folge angeordneten Belegstellen ergibt ganz deutlich, dafs mit 
Ausnahme des Zitats aus der Fled Bricrenn sämtliche Stellen 
mittelbar oder unmittelbar aus der LU- Version der Täin geflossen 
sind; eine derartige rein literarische Überlieferung schwieriger 
Wörter läfst sich ja in der irischen Literatur oft genug nach- 
weisen. Die untereinander völlig abweichenden Erklärungen 
unseres Wortes zeigen deutlich, dals man es schon frühzeitig 
nicht mehr recht verstanden hat, und wir werden somit aus der 
Glosse, die holg mit 'Spalte' wiedergibt, keinen sicheren Schlufs 
auf die Bedeutung dieses holg ziehen dürfen. 

Es bleiben somit für das Wort hole 'Spalte' nur zwei Belege: 
leim dar hoilg (LU 79 a) und eiilmaire holgadacJi (LU 109 a). Aber 
hier müssen wir schon den zweiten Beleg ebenfalls ausschalten. 

Vor allem ist zu bemerken, das Windisch (Ir. Texte I. 289) 
und Van Hamel fälschlich holgadan lesen. In der Hs. steht 
nämlich holgadä, mit Querstrich über dem letzten a, der sowohl 
als n wie auch als cli gelesen werden kann. Die Form mit n 
ergibt aber gar keinen Sinn, denn wie wollte man das Suffix 
-adan semasiologisch erklären? Ein derartiges Suffix existiert 
doch gar nicht im Irischen; es könnte höchstens für -atdn stehen, 
also Suffix -at + Deminutivsuffix -an, aber was sollte hier das 
Deminutivum bedeuten? Ein Fahrer über 'kleine Spalten' oder 
(wenn man holg mit 'Wasserblase' übersetzt) 'kleine Wasser- 
blasen?' Aufserdem schreibt unsere Hs. regelmäfsig t für un- 
aspiriertes d, so dafs man schon aus diesem Grunde das d in 
holgadä als Spirans wird lesen müssen. Dann ergibt sich aber 
mit Notwendigkeit die andere mögliche Lesart holgadaeh, die 
gar keine Schwierigkeiten bietet. Wie nämlich zu dem Verbal- 
nomen costud 'Zurückhalten' ein Adjektiv costadach 'zurück- 
haltend' gebildet wurde, so kann ebenso zu dem Verbalnomen 
holgud ein Adjektiv holgadaeh gebildet worden sein. Ein anderer 



104 JULIUS rOKOUNY, 

Ursprung der Siiffixbildung -adach ist nicht leicht denkbar. 
Nehmen wir nun an, es habe neben hole 'Spalte' ein Yerbum 
holcahn 'ich zerspalte' gegeben, so könnte man wohl bolgadach 
als 'der zermalmende' übersetzen, aber man fragt sich, weshalb 
es dann nicht holcadach heilst, denn dafs g für gesprochenes Jö 
geschrieben wird, kommt nicht vor; es könnte sich somit nur um 
einen Schreibfehler handeln. Aber dürfen wir hier einen solchen 
Fehler annehmen, wo doch ein Yerbum holcaim nirgends über- 
liefert ist? Aulserdem pafst dann schon die Glosse 'dar herna'' 
nicht dazu, da bolgadach niemals diese Bedeutung gehabt haben 
kann. Gibt doch bolgadach bei Annahme einer Ableitung von 
bolgiid (mit g gesprochen) einen recht guten Sinn. Das Yerbum 
bolgaim 'ich schwelle an' ist im Irischen genügend belegt, und 
wir können annehmen, dals sich bolgadach entweder auf Cü Chu- 
lainns bekannte Eigenschaft, in der Kampf es wut zu ungeheurer 
Grölse anzuschwellen, bezieht, oder dafs es übertragen als 
'zürnend' zu übersetzen sei, eine Bedeutungserweiterung, die bei 
unserer Wurzel sehr leicht verständlich ist; ich erinnere nur an 
das verwandte ahd. belgan, das sowohl 'aufschwellen', wie auch 
'zürnen' bedeutet. Die Glosse 'dar berna' ist ganz ebenso sinn- 
lose Eaterei, wie die in H. 3. 18 vorkommende Glosso builg 
.i. sithfe. 

Es bleibt also für das Wort bolc 'Spalte' nur ein einziger 
Beleg: leim dar boilg. Soll man es nun wagen, einzig aus diesem 
einen Belege ein irisches Wort bolc 'Spalte' zu erschliefsen? Da 
niemals g für gesprochenes Je geschrieben wii'd, so müfste mau 
ohnedies einen Schreibfehler für bolc annehmen. Aber mit 
welchem Eechte? Ist uns doch sonst eine irische Wurzel bolc- 
in keiner Form jemals überliefert; höchstens könnte das cymrische 
bwkh 'Spalte' die Existenz eines irischen bolc wahrscheinlich 
machen, aber hinreichend zur Ansetzung des irischen Wortes ist 
diese eine Wahrscheinlichkeit natürlich nicht. Das Ansetzen 
eines Wortes bolc (mit Je) ist um so weniger gerechtfertigt, als 
wir zur Erklärung der erwähnten Stelle mit dem Worte bolg 
'Sack, Blase' reichlich auskommen. 

Die beiden Stellen in dem erwähnten Gedichte des Gofraidh 
Fionn Ö Dalaigh (Yers 30 und 46), in denen leim ar bJiailg erklärt 
wird: 'Der leichte Hinke Sprung seiner zierlichen Füfse , . . würde 
nicht einmal eine Wasserblase auf dem Flusse mit den Spitzen 
seiner jugendlichen Sohlen zerstört haben', scheinen nämlich die 



HEITRÄGE ZUR ÄLTESTEN GESCHICHTE IRLANDS. 195 

einzig richtige Deutung der vom Glossator mirsverstandenen 
Phrase zu bieten: Cü Chulainn besafs offenbar die Gabe, so rasch 
mit seinem Wagen dahinzufahren, dafs er beim Übersetzen eines 
Flusses nicht einmal die Wasserblasen auf dessen Oberfläche zer- 
drückte. Vgl. hierzu das Kunststück, durch das Cü Chulainn über 
das Wasser gehen kann, ohne sich auch nur die Fufsknöchel zu 
benetzen (LL67a und LU62b)! 

Es scheint mir kein Zweifel möglich, dafs dies allein die 
richtige Erklärung von leim dar hoilg darstellt. Merkwürdig 
ist nur die Form hoilg, wo wir doch als Akkusativ Sing, holg, 
als Akkus. Plur. bulgu erwarten sollten. Aber wir brauchen 
nicht einmal eine Yerschreibung anzunehmen. Eine bekannte 
Erscheinung der mittelirischen Deklination besteht darin, dafs 
bei den männlichen o- Stämmen der Nominativ Plur. an Stelle 
des Akkusativs verwendet wird (Strachan, Transact. Phil. Soc. 
1904, p. 216). Aus LU waren bisher zwei Beispiele bekannt: 
41 a 29 uilc anstatt ulcu und 42 a 22 amsaig anstatt amsachu; 
hierzu stellt sich als drittes Beispiel unser boilg anstatt des zu 
erwartenden hiilgii. leim dar hoilg heilst also 'Springen über 
Wasserblasen'. 

Will man aber die Unrichtigkeit der Glosse '■herna' nicht 
anerkennen, so bleibt immerhin eine andere Möglichkeit zu er- 
wägen. Da holg nicht nur 'Blase' sondern überhaupt einen 
runden Körper oder eine runde Höhlung bezeichnet, so könnte 
man ja annehmen, dafs holg in unserem Falle eine 'Erdhöhlung' 
bezeichnet, also leim dar hoilg zur Not mit 'Springen über Klüfte' 
übersetzen. 

Kuno Meyer führt in seinen Contributions, s. v. hole 'a gap', 
aufser einigen der genannten Stellen und einigen Ortsnamen, 
deren Zugehörigkeit zu holg 'Sack' ich bereits gezeigt habe, 
auch noch den bekannten gai holgae an, den er mit 'gapped spear' 
(wie eine Gabel gespaltener Speer) wiedergibt. Auf die Un- 
richtigkeit dieser Übersetzung brauche ich nach dem Angeführten 
wohl nicht erst besonders hinzuweisen, da holgae in der weitaus 
überwiegenden Mehrzahl der Fälle mit g geschrieben wird; eine 
volksetymologische Angleichung an holg, wie sie Kuno Meyer 
annimmt, dürften wir nur dann annehmen, wenn ein Wort hole 
(mit IS) genügend gesichert wäre. Was die Bedeutung von 
holgae in diesem Falle ist, möchte ich vorläufig unentschieden 
lassen. 



196 JULIUS POKORNY, 

Die Erklärungen, die Kiino Meyer, John Rhys und Van Hamel 
zur Deutung des Namens der Fir Bolg vorgebracht hatten, haben 
wir nun als unrichtig nachgewiesen. 

Es bleibt nur noch die Deutung John Mac Neills zu erwägen. 
Obzwar sie noch am wahrscheinlichsten klingt, ist auch sie m.angels 
jeglicher Beweise und infolge ihrer völligen Farblosigkeit nicht 
befriedigend. 

Vor allem handelt es sich darum, den historischen Charakter 
der Fir Bolg genau festzustellen. Diä Fir Bolg, die auch Bolg- 
thuath (JSo/^r-Stamm) und Bolgraige (Bj'g-Reich) genannt werden, 
salsen nach einheimischen Berichten (Mac Neill, Popul. Groups 
§ 127) in Connaught und Nordwest-Ulster, nämlich am Slieve 
Aughty, westlich von der Nordhälfte des Lough Derg, an der 
Grenze der Grafschaften Galway und Cläre, dann im südlichen 
Mayo zwischen Lough Mask und Lough Corrib, am Slieve Baune 
im mittleren Roscommon, nordwestlich vom Lough Ree in der 
Baronie Ballintober, ferner im nördlichen Roscommon zwischen 
Lough Gara und Carrick on Shannon südlich des Boj'le- Flusses, 
schliefslich auch in der Grafschaft Donegal. Weiter sollen sie 
unter dem Namen Clann Umhöir (auch Uthmhöir, Ughmhoir 
geschrieben) nach ihrer Niederlage bei Moytura nach Rathlin 
Island, sowie nach der Insel Man, den Hebriden und nach Arran 
und Isla}', dann nach ihrer angeblichen Vertreibung durch die 
Pikten, nach Meath geflüchtet sein, wo sie sich unter der Regierung 
des Königs Coirpre Nio Fer (um 332 n. Chr.; vgl. J. Mac Neill 
im New Ireland Review, Dez. 1906, p. 202) in Rathkenny (Baronie 
Upper Slane), Clonard (bei Navan), Knowth (Monknewtown bei 
Slane), Broad Boyne (bei Stackallan am Boyne), Teltown Assey 
(bei Tara) und Cermna, aufserdem zu Atliboy in Westmeath, sowie 
in Geashill in Kings County niederlielsen. Von Coirpre hart 
bedrückt, seien sie dann nach Westen geflüchtet und hätten sich 
auf den Aran -Inseln und den Inseln der Clew Bay, an zahl- 
reichen Punkten der Grafschaft Galway, nämlich in der Gegend 
um Lough Cooter, Lough Ilackett und Lough Rea, in der Ebene 
am Fulse des Croagh Patrick und in dem Südwestwinkel der 
Grafschaft Galway südlich und westlich einer Linie, die ungefähr 
von Oranmore über Atlienry zu den Slieve Aughty Mountains 
hinübergeht, angesiedelt, aufserdem in der Grafschaft Cläre zu 
Moyare zwischen Ennis und Tulla, bei Blackhead in der Nähe 
von Lisdöonvarna, dann in der Grafschaft Limerick am Tory 



BEITRÄGE ZUR ÄLTESTEN GESCHICHTE IRLANDS. 107 

Hill bei Croom südlich der Stadt Limerick, in der Grafschaft 
Ma^'O am Flusse Deel (mündet in den Lough Conn), schliefslich 
in der Grafschaft Westmeath um den Lough Ennell und Lough 
0\\e\ herum') (Keating, History L 198 f., BB 30 a 22 f., Metrical 
Dindshenchas III, 440, Bodleian Dinnshenchas § 14). Nach den 
Annalen von Inisfallen (H. 1. 17, p. 87 a) saXsen Fir Bolg {sean- 
tiiatha fcr mBoUj) auch in der ganzen heutigen Grafschaft 
Cläre; die Bezeichnung 'alte Stämme' spricht klar dafür, dafs 
die Fir Bolg im alten Sinne (d. h. die Urbevölkerung) ge- 
meint sind. 

Diese genauen Angaben lassen uns in Verbindung mit dem 
eingangs erwähnten Zeugnisse des Mac Firbis und Anderer an 
der geschichtlichen Existenz dieses Volkes nicht zweifeln. Es 
ist ferner bekannt, dafs die lir Bolg neben den britisch-keltischen 
Fir Domnann (= Bamnonii) das herrschende Volk in Connaught 
waren, bis sie durch die Milesier von Tara unterworfen wurden; 
darauf weist auch die Sage hin, dafs den lir Bolg nach ihrer 
Niederlage in der ersten Schlacht von Moytura, die Provinz 
Connaught als ihr ausschliefsliches Gebiet zugewiesen worden 
sei (Eriu VIII, p. 56 — 59); dafs diese Provinz 'früher' im Besitze 
der Fir Domnann unter Genann gewesen sein soll (Eriu VIII, 16, 
LL127a, Keating I, 194, BB 29 b, TBL 276 r) widerspricht nicht, 
da ja die aus Britannien eingewanderten Fir Bomnann (in 
Wirklichkeit später) die Herrschaft in Connaught zum gröfsten 
Teile an sich gerissen hatten. Auch die Provinz Munster war 
einstimmigen Berichten zufolge ehemals im Besitze der Fir Bolg 
gewesen (Eriu VIII, 14, BB 29 b, YBL 276 r, Keating I, 192, 194); 
nach LL127a sollen zwar Gann und Sengann, die Beherrscher 
Munsters, die allgemein als Fir Bolg bezeichnet werden, den 
Fir Bomnann angehört haben, aber da wir nicht die geringste 
Spur einer dumnonischen Besiedlung in Munster nachweisen 
können, dürfen wir diese vereinzelt dastehende Version unbedenk- 
lich als unrichtig abweisen. 

Bezüglich Ulsters herrscht grölserer Widerspruch in den 
Überlieferungen. Einerseits (Eriu VIII, 16, 1. 3—6 und LL 127 a) 
wird diese Provinz als Besitz der Fir Bolg bezeichnet, andererseits 



*) Wo die ebenfalls von den Fir Bolg besiedelten Orte Tech 
Ennaig, LaigUnn und Tulach Lathraigh zu sucben sind, ist nicbt sieber 
festzustellen. 



198 JULIUS POKORNY, 

(Keating I, 194, BB29b, YBL 276 r) wieder sollen die Fir 
Domnann iu Ulster geherrscht haben. Da nun Dumnonen in 
Ulster nicht nachzuweisen sind, die Fir Bolg dagegen gewifs die 
Grafschaft Donegal bewohnten, dürfen wir auch hier die Über- 
lieferung bezüglich der Dumnonen als unrichtig bezeichnen. 

Wir sehen also, dafs ganz Irland, mit Ausnahme der Provinz 
Leinster, wo sich spätestens schon im 1. Jahrhundert nach Chr. 
germanische und belgisch-britannische Stämme niedergelassen 
hatten, der Überlieferung nach einstmals im Besitze der Fir 
Bolg (im engeren Sinne) gewesen sein soll, und w^erden daher 
nicht mehr daran zweifeln können, dafs wir es wirklich mit 
der vorkeltischen Urbevölkerung zu tun haben. Auch ihre 
weithin zersprengten Siedlungen in geschichtlicher Zeit deuten 
darauf hin. 

Die Sage über ihre Flucht nach den schottischen Inseln 
und von da über Meath nach Connaught besagt natürlich nichts 
anderes, als dals sich die unabhängigkeitsliebenden Elemente 
der Fir Bolg. nachdem ihr Volk in dem grölsten Teile der Insel 
unterjocht worden war, nach den Bergen Nordirlands und den 
schottischen Inseln zurückzogen, wo sie verhältnismälsig am 
längsten ihre Unabhängigkeit bewahrten. Die angebliche Flucht 
auf dem Umwege über Meath wird wohl nichts anderes sein, als 
eine Erinnerung an die gewaltige Ausbreitung des Reiches von 
Tara unter den Milesiern, den aus Britannien herübergekommenen 
Nachkommen des Mil, wozu die Regierungszeit des Coirpre Nio 
Fer (Erstes Viertel des 4. Jahrh. n. Chr.) trefflich pafst. 

Später erlitten die Fir Bolg allerdings das gleiche Schicksal, 
wie die germanisch-keltischen Fomorier: sie wurden in der Volks- 
überlieferung teilweise zu den mythischen Gegnern der arisch- 
keltischen Göttei', ein Los, das öfter die nicht-arischen Urbewohner 
anderer Länder betroffen hat. 

Noch in anderer Beziehung wurde in der Überlieferung ihr 
ursprüngliches Wesen verdunkelt: Da es nach der ersten Er- 
oberung Irlands durch die Kelten begreiflicherweise aufser der 
Urbevölkerung keine unfreien Vasallen Völker gegeben hatte, so 
flössen die Begriffe Vasallenvolk {aühech-tüath) und Urbevölkerung 
{Fir Bolg, wie der grölste Teil derselben genannt wurde) mit der 
Zeit derart ineinander, dafs man dann später, obwohl es infolge 
innerer Verschiebungen und Eroberungen von aufsen (ich habe 
dabei namentlich die im 3. Jahrh. n. Chr. von Britannien aus 



I 



BEITRÄGE ZUR ÄLTESTEN GESCHICHTE IRLANDS. 199 

erfolgte Gründung der milesischen ') Reiche von Tara und Alenn 
und die etwas später von Gallien aus erfolgte Gründung des 
Reiches von Casliel im Auge) längst auch zur Entstehung arisch- 
keltischer Vasallenstaaten gekommen war, diese ebenfalls mit 
dem Namen Fir Bolg bezeichnete. Diese Verallgemeinerung des 
Begriffes Fir Bolg ist um so leichter zu verstehen, als nach den 
irischen Überlieferungen die Fir Bolg im engeren Sinne in der 
Tat fast die ganze Insel beherrscht hatten, was gleichfalls für 
die Fir Bolg im weiteren Sinne, die vor -milesischen nicht- 
keltischen und keltischen Bewohner Irlands zutraf. 

Zu solchen arisch-keltischen Stämmen, die später von Mac 
Firbis und Anderen mit Unrecht den vorkeltischen Fir Bolg 
gleichgesetzt wurden, gehörten namentlich die Gailmin und die 
Fir Bomnann. Dafs die Fir Bomnann eingewanderte britische 
Kelten, und die GaiUuin wahrscheinlich Kelto-Germanen waren, 
habe ich schon oben (S. 173 f.) gezeigt. Mac Firbis bemerkt 
übrigens selbst (p. 55), dafs nach anderen Berichten jene beiden 
Völker nicht zu den Fir Bolg im engeren Sinne gehörten. In 
den ältesten Quellen werden in der Tat die GaiUuin und Fir 
Bomnann von den Fir Bolg streng getrennt. So setzt LL 4 b 
die Invasionen der Fir Bomnann und GaiUuin erst nach der 
Invasion der Fir Bolg an; andererseits haben wir auch Nach- 
richten, denen zufolge die Fir Bomnann und GaiUuin erst viel 
später, unter Labraid Loingsech, nach Irland gekommen wären. 
Dafs diese beiden Völker ursprünglich keine Galen waren, dessen 
war man sich in Irland noch ziemlich lange bewufst und da 
man später alle alten, nicht-gälischen Völker Irlands als Fir Bolg 
bezeichnete, mufsten auch sie unter diese Benennung fallen; ja 
sie wurden sogar gleich jenen mythisiert und erschienen nun 
als Verbündete der Fir Bolg im Kampfe gegen die keltischen 
Götter, die Tuatlia Be Bdnann. 

Wir dürfen somit den grofsen Sagenhelden Finn durchaus 
nicht deshalb als der vorkeltischen Bevölkerung angehürig an- 
sehen, weil er den Ui Tairrsigh von Offaly, einem Zweige der 
GaiUuin entstammte, da die GaiUuin keine Fir Bolg im engeren 
Sinne waren; ebensowenig darf man in der Eifersucht der Galen 

>) Milesier nenne ich die Dynastien von Tara, Alenn und Casliel, die 
im 10. Jahrh. ihre Abstammung auf einen angeblich gemeinsamen Ahnherrn 
Mil zurückführten, der ursprünglich nur als Stammvater der Herrscher von 
Tara gegolten hatte. 



200 JULIUS POKORNY, 

auf die Tüchtigkeit der Gailüän die Eifersucht arischer Kelten 
auf die Tüchtigkeit der Urbewohner erblicken, wie dies E. HuU 
(Textbook of Ir. Literature II, 28 — 30) tut, da die GaiUuin im 
Gegenteile wahrscheinlich viel mehr arisches Blut in sich hatten, 
als die reichlich mit der Urbevölkerung vermischten Galen von 
Connaught. 

Wir haben nun die geschichtliche Bedeutung des Namens 
der Fir Bolg genügend beleuchtet, und wollen an die etymo- 
logische Deutung ihres Namens gehen. 

Dinneen gibt folgende neuirische Bedeutungen des Wortes 
holg: 'Bauch, Magen, Sack, Behälter, Hülse, Beutel, Kielraum 
eines Schiffes, Blase', im Plural 'Blasebalg'. Im Mittelirischen 
kommen aufserdem noch die Bedeutungen 'Sackpfeife, Mittel- 
punkt, Beere, Harfen-Gehäuse' vor. Aus ältester Zeit ist nur die 
Bedeutung 'Ledersack' überliefert, die auch dem gallo-lateinischen 
hiilga (nach Festus: sacculus scorteus) zukommt, wobei natürlich 
ein Sack aus abgezogener Tierhaut zu verstehen ist. Unser 
deutsches 'Balg' ist mit dem irischen Worte urverwandt und 
gehört zur Wurzel *bhel(/h, bzw. *hhel 'schwellen, blasen'. 

Was sagt nun die irische Überlieferung über die Bedeutung 
von holg im Namen der Fir Bolg? Wenngleich derartige Über- 
lieferungen häufig wissenschaftlich wertlos sind, so können sie 
doch auch manchmal wertvolle Aufschlüsse geben. So auch hier. 

Im Buch von Leinster (6b, 19, Leabar Gabäla), H. 2. 17, 
p. 91b (EriuVIII, 12) und bei Keating (History 1, 190) lesen 
wir, dafs die Vorfahren der Fir Bolg in Griechenland derart 
unterdrückt worden waren, dafs sie aus ihren Ledersäcken {dia 
mholgaib) Schiffe verfertigten und in diesen nach Irland segelten. 

Wenn wir von dieser Erzählung den gelehrten Unsinn ab- 
streifen, so ergibt sich die einfache Tatsache, dafs die Fir Bolg 
die Kunst verstanden, aus Tierhäuten (Leder) oder Fellen Fahr- 
zeuge herzustellen, und dafs sie offenbar deswegen von den Galen 
als Fir Bolg 'Sack-Leute' bezeichnet wurden. Dafs die Galen 
das Bolg in ihrem Namen tatsächlich in der Bedeutung 'sack- 
artiges Schiff' auffafsten, ergibt sich auch daraus, dafs sie im 
Buche von Ballymote (13 b) als lucht na curaidhe 'Hautboot- Volk' 
bezeichnet werden; ferner heifsen sie (Metrical Dindshenchas I, 2) 
Fir Bolg na mhdd 'die durch ihre Boote bekannten Fir Bolg'; 
bei Keating (I, 192; vgl. EriuVIII, 12) wird auch ein Gedicht 
angeführt, demzufolge sie 'in einer Flotte, die nicht aus Holz 



BEITRÄGE ZUR ÄI/rKSIEN OESCHICHTH IKI.ANDS, 201 

war' nach Irland gekommen waren, und die Stelle im Bodleian 
Dindshenclius (§ 14), die besagt, dafs die Fir Ihlg sich mit Vor- 
liebe am Wasser niedergelassen hätten, weist ebenfalls darauf 
hm, dafs sie hauptsächlich wegen ihrer Beziehung zur Schilf- 
fahrt die Aufmerksamkeit der Galen erregt hatten. 

Dafs meine Erwägungen richtig sind, ergibt sich auch deut- 
lich aus kulturgeschichtlichen Gründen. 

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dafs die Kelten 
(und höchstwahrscheinlich auch die übrigen Indogermanen) ur- 
sprunglich nur zwei Arten von Fahrzeugen kannten, nämlich 
den ausgehöhlten Baumstamm, den Einbaum, und das Flofs. aus 
denen sich dann ungezwungen die aus einzelnen Holzstüiiken 
zusammengesetzten gröfseren Schifte entwickelten. Da wir 
nämlich bei den Kelten des Festlandes nur hölzerne Schiffe an- 
treffen, hingegen auf den britischen Inseln daneben auch nocli 
Haut-Boote vorfinden, müssen wir, weil ja doch die Kelten erst 
vom Festlande nach England und Irland hinübergewandert sind 
daraus den Schlufs ziehen, dafs diese Haut-Boote ein Kulturout 
der vorkeltischen Urbevölkerung der britischen Inseln darstellten 
und von den eingewanderten Kelten übernommen worden waren 
Dafs die Britaunier aus Tierhäuten Fahrzeuge verfertigten 
berichtet als erster im 3. Jahrh. v. Chr. Timäus (Plinius, Hist' 
Nat. IV, cap. 104: 'zu der Insel Mictis schiffen die Britaunier 
auf geflochtenen und mit Leder umnähten Fahrzeugen') dann 
Plinius selbst (Hist. x\at. VII, cap. 56 und XXXIV, cap. 156) und 
Avienus (Ora Maritima V, 101-107); am wichtigsten aber ist 
das Zeugnis Caesars (De hello civili, 54), der doch reichlich 
Gelegenheit gehabt hätte, Haut-Boote in Gallien zu sehen, falls 
es dort solche gegeben hätte und das keltische Seewesen in 
seinen Kämpfen gegen die gallischen Veneter gründlich kennen 
gelernt hatte. Er sagt uns nämlich ausdrücklich, dafs er die 
Kunst, Haut-Boote zu bauen, erst von den Britanniern gelernt 
habe. Da wir kein einziges glaubwürdiges Zeugnis über derartioe 
Boote bei den Festlandskelten antreffen, sie aber auf den 
britiscdien Inseln bis heute im Gebrauch stehen, müssen wir sie 
zweifellos als nicht-keltisches Kulturgut betrachten. 

Eine andere Ansicht hat Rudolf Trebitsch in einem sonst 
verdienstvollen Aufsatze (Archiv f. Anthropologie, N. F XI 166) 
vertreten: er will nämlich die Haut-Boote als keltisches Kultui- 
gut ansehen, weil sie nicht nur auf den britischen Inseln, sondern 

Zeitsehritt t. oelt. rhilologie XI. 



202 JULIUS roKOKNY. ■ 

auch bei den oberitalischen Veneiern und den Lusitaniern in | 
Spanien zu finden seien, und weil feiner in Wales eine mündliche 
Tradition verbreitet sei, dafs das dort gebräuchliche Haut-Boot 
(Coracle) von der Donau herstamme (!). 

Wieso man von den Venetern auf die Kelten schliefsen 
kann, ist mir völlig unverständlich. Obzwar Trebitsch selbst 
richtig hervorhebt, dafs die Yeneter. ein illyrischer Stamm sind, fl 
fügt er gleich hinzu: 'die Fellboote können sie aber gleichwohl ■ 
von den früher in derselben Gegend ansässig gewesenen Kelten ^ 
übernommen haben'. Eine solche Annahme hätte doch nur dann 
eine Daseinsberechtigung, wenn man auch sonst bei den Kelten 
des Festlandes Fellboote nachgewiesen hätte. 

Wenn T. sagt, dafs man die Lusitanier 'als einen den Kelten 
verwandten Volksstamm' bezeichnen müsse, so ist das grundfalsch, 
da sie bekanntlich iberischen Stammes waren. Gänzlich unver- ■ 
zeihlich aber ist es, sich auf eine heutige mündliche Tradition in 9 
Wales beziehen zu wollen, derzufolge das Coracle von der Donau ^ 
herstamme. Selbst wenn eine solche Überlieferung aus älterer 
Zeit bezeugt wäre, würde sie gar keine Beweiskraft haben, da 
man ja erst zeigen müfste, dafs auf der Donau Haut-Boote im 
Gebrauch gewesen wären, was aber nicht der Fall ist. Man 
denke nur: die von Belgien hinübergewanderten Kelten sollen 
sich über 2000 Jahre lang der Tatsache bewufst geblieben sein, 
dafs ihre Vorfahren, lange bevor sie sich in Belgien niedergelassen 
hätten, auf der so weit entfernten Donau Haut-Boote benutzt 

hätten! 

Die von T. nicht benützte irische Literatur liefert eine 
grofse Zahl interessanter Belege für die Verwendung von Haut- 
Booten durch die irischen Kelten. Jedem Kenner dieser Literatur 
sind diesbezügliche Stellen ohnehin geläufig, so dafs es genügt, 
hier auf Redensarten, wie 'auf der Haut des Bootes' = zu Schiff 
(oben in, 42), 'ein neues Schill mit roter Haut' (Rev. Celt. X, 84), 
oder auf'o'Davorens Glossar, §442, hinzuweisen, wo es heilst: 
'ein Schifflein ohne Haut, d. h. ohne Umhüllung von Leder, d. h. 
ohne Tierhaut'. Sowohl aus den zahlreichen Belegstellen, wie 
auch aus der häufigen Redensart, 'ein Boot ohne Haut' (z. B. 
Feiire Öengusso, Dez. 8; Lismore Lives 2391). die zur Bezeichnung 
des Holzbootes gebraucht wird, ergibt sich, dafs das Haut- Boot 
weitaus das gebräuchlichste Verkehrsmittel zu Wasser im alten 
Irland darstellte. 



BEITRÄGE zur Äl/IESTEN GESCHICHTR lUI.ANDS. 203 

Über die Bauart des Coracle eifalireu wir nicht erst um 
1775 (ienaueres. wie T. meint. Schon in der Sage von St. Brendan 
wird geschildert, Avie der Heilige mit seinen Gefährten 'ein sehr 
leichtes Schi IT erbaute, mit Spanten und Borden aus Flecht werk, 
nach Landesbrauch, und diese mit Kuhhaut bedeckten, die in 
p]ichenrinde gegerbt wai-, und dann die Fugen mit Teer bestrichen'. 
In dem lateinisch geschriebenen 'Historiae Catholicae Iverniae 
Compendium' des Irländei's Philip O'Sullivan von Beare (Lissabon 
1621) erzählt uns dieser, wie sein Oheim Donald, von den Eng- 
ländern verfolgt, sich dadurch rettete, dafs er mit seinen Gefährten 
Bootgerüste aus Zweigen und Weidenruten verfertigte, zwölf 
seiner Pferde schlachtete, mit deren Häuten die Bootgerüste 
überspannte, und auf den dadurch gewonnenen Fahrzeugen 
glücklich den Shannon übersetzen konnte. Über die Verbreitung 
des Haut -Bootes im heutigen Irland finden sich bei Trebitsch 
entsprechende Angaben. 

Das Haut -Boot heilst im Irischen curach; das kymrische 
cor leg, cwrtcg, aus dem das spätlateinische ciirucus und das 
englische 'coracle' hergeleitet werden, ist nicht, wie T. meint, 
aus dem Irischen entlehnt, sondern geht mit jenem auf eine 
urkeltische Grundform *kortiJcos zurück, die wieder mit skr. 
carman- 'Haut' und höchstwahrscheinlich auch mit griecli. 
y.v'){>ry.oQ 'Ledersack' verwandt ist. 

Für das Keltische *koruJcos ist zweifellos ebenfalls eine 
Grundbedeutung 'Ledersack' anzunehmen (das von T. u. Anderen 
herangezogene yoQior 'Haut' ist wegen des Anlauts von xdQvxoc: 
zu trennen), und da wir somit für curach 'Boot' eine Grund- 
bedeutung 'Ledersack' feststellen können, so ergibt das eine 
treffliche Analogie zu der Tatsache, dafs auch das Wort boIg 
im Namen der Fir Bolg, das ursprünglich 'Ledersack' bedeutete, 
gleichfalls die von mir angenommene Bedeutung 'Haut -Boot' 
gehabt hat, was besonders dadurch bewiesen wird, dafs lucht na 
curaülhe, also 'Volk der Haut-Boote' {curaidhe ist Plur. zu curach) 
als synonym mit Fir Bolg verwendet wird. 

Das oben (S. 190) erwähnte Fir i mhalggaih ist daher als 'Leute, 
die in Haut-Booten fahren' zu übersetzen; hdlgg statt holgg stellt 
nur eine dialektische Aussprache dar (in Ulster wird das o sehr 
offen gesprochen; das Schottisch-Gälische hat überhaupt rt), und 
zu diesem Gebrauche der Pi-äposition i" vgl. Annais of Tighernach 
621 A. D.: Conaing . . . ina c[h]'nrac/i flescach fann. 

14* 



204: JUL, POKORNY, BEITKÄGK ZUR ÄLTKSTEN GESCHICHTE IRLANDS. 

Was die Form des irischen Hautbootes betrifft, so kommen 
nach Trebitsch 2 Formen vor: eine schalenartige, etwa in der 
Gestalt einer halben Kürbisscliale, und eine kahnartige, längliche 
Form. Es ist ganz klar, dafs die letztgenannte Form eine 
Mittelstufe zwischen Einbaum und Hautboot darstellt, indem die 
Form von jenem, die Bauart von diesem übernommen w^urde. 
Das schalenförmige Hautboot ist gewifs die älteste Form dieses 
Fahrzeuges und konnte ganz ungezwungen mit dem Namen holg 
bezeichnet werden. 

Was die Herkunft des Hautbootes angeht, so haben wir 
schon gesehen, dafs die Ansicht Trebitsch's, der es als ursprünglich 
keltisches Kulturgut betrachtete, unrichtig ist. Wie sich sein 
Vorkommen bei der vorkeltischen Urbevölkerung Irlands erklärt, 
darüber will ich in einem der nächsten Aufsätze handeln. 

Nur der Merkwürdigkeit halber sei hier noch die Theorie 
Arthur Ua Clerigh's angeführt (Historj^ of Irland I, p. 5, G), der 
allen Ernstes die Fir Bolg den gallischen Volcae gleichsetzt! 
Zu diesem abenteuerlichen Gedanken ist er offenbar dadurch 
gekommen, dafs Fir Bolg heute fir vohg ausgesprochen wird; 
man ersieht aber daraus, wie unentbehrlich philologische Schulung 
für jeden alten Historiker ist. Schon die elementarsten Kennt- 
nisse der irischen Sprachentwicklung hätten ihm gezeigt, dafs 
altes c nach l als solches bis heute erhalten bleiben müfste, und 
dafs ferner das v im Anlaute B{h)olg nur auf h (oder m) zurück- 
gehen kann, weil altes v nur dann als hh erhalten bleibt, wenn 
es im Urkeltischen unmittelbar auf r (oder l, n) folgte, nicht aber 
nach geschwundenem Vokal. Fir geht bekanntlich auf *t'm 
zurück, und *rm volcön hätte irisch nur zu */?r olc werden 
können. 

Wien. Julius Pokorny. 



EGER. 



Per Xame Ego- benennt erstens einen Nebenflufs der Elbe 
in Böhmen (und eine daran gelegene Stadt) und zweitens einen 
der Wernitz in Württemberg. Er kommt in der ersten Verwendung 
als Agara im clironicon Moissiacense und später als Egire vor, 
in der zweiten als Agira im Jalire 760 (Förstemann II 3, 24). 
Er geht offenbar nach Ausweis des Umlauts-e auf Agira zurück, 
neben dem sich das für die Eger in B()hmen belegte Agara durch 
Assimilation des Mittel vokals an den End- und den Stammvokal, 
die zusammenwirkten, erklären wird; wegen solcher Assimila- 
tionen s. W. Braune. Althd. Gi-amm. 3/4^ 53. Dieser Flufsname 
Agira kommt nun auch in Frankreich vor. Er begegnet für die 
heutige Aire, die durch die Depp. Meuse und Ardennes fliefst, 
als Agira im chronicon Verdunense des Hugo Flaviniacensis 
(Mon. Germ. bist. SS. VIII, 351, Z. 39). Zu diesem Agira stellt 
Holder I, 58 Agiria, das im antoninischen Itinerar für einen Ort 
in Spanien erwähnt wird. Nun bemerkt aber Hübner, Pauly- 
Wissowa 1, 815, der Name scheine nicht richtig überliefert zu 
sein. Er ist deshalb bei der Erörterung unseres Agira beiseite 
zu lassen. Weiterhin stellt Holder Agiri-acum = Girac zu Agira. 
Nach Skok, Zs. f. rom. Phil, Beiheft II, 182 — Gröhler, Die frz. 
Ortsnamen I, 188 ff., erwähnt Girac nicht — ist für Girac im 
Dep. Lot in älterer Zeit neben Agiracus auch Igeracus, Agaracus 
bezeugt, so dafs die eigentliche Grundform nicht feststeht; auf 
dieselbe Grundlage will Skok noch Girac im Dep. Charente zurück- 
führen, während Girac im Dep. Gard abgetrennt und aus *Giriacus 
hergeleitet wird. Selbst wenn nun allen Ortsnamen Girac ein 
'■^Agiracus zugrunde läge, so könnte dieses mit dem Flufsnamen 
Agira, wenigstens direkt, nichts zu tun haben, da, was Gröhler 
1,305 hervorhebt, als ein den Besitzer anzeigendes Suffix -acns 
wahrscheinlicJi nur an Personennamen, abei- nicht an Ilufsnamen 



206 JOSEF BRUCH, 

trat. Dafiir dafs in Girac ein Personenuaine steckt, spricht auch, 
dafs dasfelbe erste Element nach Skok in Giran enthalten ist, 
das das Suffix -anns zeigt, welches im Lat. dieselbe Funktion 
wie -acus im Gall. hatte. 

Neben dem in Eger und Aire enthaltenen Ayira steht nun 
der Flufsname '^Ayara. der als Aycr einen Nebenfluls der Traun 
in Oberösterreich benennt und in der Form Agre im Jahre 819 
vorkommt (F(>rstemann a. a. 0.). Als germ. Grundform ist *Agara 
und nicht *Agra angesetzt, weil dieses durch die Gemination vor 
r *aggra und dann *akkra im Oberd. ergeben hätte; eine Aus- 
gleichung nach einer Form mit auslautendem ;• kam ja hier nicht 
in Betracht. 

Weiter gehört der Name der Agger, eines Nebenflusses der 
vSieg in der Rheinprovinz, hierher. Er erscheint nach Förstemann 
II 3, 60 als Ackara im Jahre 973 (bei Lacomblet, Urkundenbuch 
für die Geschichte des Niederrheins I, Nr. 114), ferner als Achera 
(nicht Ackera, wie bei Förstemann steht) in den Jahren 1064 
und 1076 (ib. Nr. 202, 203, 228) und als Acchera im Jahre 1071 
(ib. Nr. 214) und 1109 (ib. Nr. 271, nicht 279). Diese Schreibungen 
ck, ch, cch im Mittelfrk. lassen sich niclit mit frk. gg = westgerm. gg 
vereinbaren, während die moderne Schreibung nichts beweisen 
kann. So ist nicht germ. ■ag-, sondern mit Jellinghaus bei 
Förstemann germ. *ak- anzusetzen. Die Grundform ist *akra. 
Wie sie sich mit ayara und ayira vereinigen lälst, wird bald 
gezeigt werden. 

Den Flulsnamen Ayira verband Zeufs, Die Deutschen und 
die Nachbarstämme 15. Anm. 3, zweifelnd mit Ay/sta, dem Namen 
der beiden Aist in Oberösterreich, als 'Komparativfornr. Da ira 
und ista neben öra und östa die gewöhnlichen weiblichen 
Endungen des Komparativs und des Superlativs im Althd. sind, 
das Gall. aber nach Ausw^eis des Kymr. und Ir. die Steigerungs- 
formen ganz anders bildete, so w^ären Ayira und Ayista in diesem 
Falle als echt germ., nicht etwa als kelt. Flulsnamen anzusehen 
und man mülste ein germ. *«</- passender Bedeutung suchen. 
Nun hat Lohmeyer, Herrigs Archiv LXX, 428 Ayara, Ayasta und 
einige andere Flufsnamen mit germ. *agja = nhd. Ecke und seinen 
bekannten Verwandten verknüpft, wobei er von der ja vorhandenen 
Bedeutung •Beigkamm* ausging. 1 )a eine Steigerung des Substantivs 
nicht denkbar ist, so mülste man. um die Vermutung von Zeufs 
aufrecht zu halten, auf die in germ. agja enthaltene Wurzel *ag 



EGER. 207 

=• iiidogerm. ah 'spitz sein, st-liarf sein' zurückgehen und könnte 
sich dann wegen der Verwendung des r-Sufiixes in Ägara, Agira 
auf griech. äy.QOJ., kelt. akro- (Fick II 4, 5), lit. asztrüs, altbulg. 
ostrz, lat. äcer berufen. Abgesehen davon, dafs die Benennung 
eines Flusses als des 'scharfen', bzw. 'des schärferen' und 'des 
schärfsten' nicht verständlich ist, hat die Erklärung, wie alle 
dieser Art, die SchAvierigkeit in sich, dals sie eine Wurzel- 
ableitung annimmt, die eben nur in den Flufsnamen überliefert 
wäre. Dieses Bedenken ist bedeutungslos, wenn der Eigenname 
einer Sprache entnommen ist, deren Wortschatz uns nicht oder 
fast nicht überliefert ist; so hat die Verbindung des thrakischen 
Flufsnamens Strymon, Struma mit indogerm. -'''sreii diese 
Schwierigkeit nicht an sich. Das Germ, aber ist in alter und 
neuer Zeit reichlich überliefert. Das Bedenken, das sich gegen 
die Verbindung von Ayira und Agista mit einer Wurzel *a^- 
erhebt, richtet sich ebenso gegen die Herleitung von '^akra = 
Agger, Acarse = A.it{bac]i), Achasa = Echaz, Accushach = Aggshach 
durch Jellinghaus bei Förstemann 11, 3, 60 von einem *aÄ-, in 
dem man dann das fi-eilich nur im Norden als Gattungswort 
erhaltene aJc = indogerm. '^ag- 'ti-eiben' sehen könnte. Wegen 
der Verwendung eines r-Suftixes in akra- könnte man sich, da 
lat, agcr und Sippe, griech. dyij(k, kelt. agro- (Fick II 4, 7) mit 
ihren^ Bedeutungen zu ferne stehen, auf altind. ajird- 'behend' 
berufen und ein "^akra annehmen, das etwa 'die eilende' bedeutet 
hätte. Dies alles wären aber nur Vermutungen ohne Wert, 
Statt Flulsnamen, die doch nur den Anlaut gemeinsam haben 
als sonst nicht bezeugte Ableitungen von Wurzeln zu erklären 
aus deren Bedeutungen sich leicht irgendwelche für Flulsnamen 
passende gewinnen lassen, wird man mit viel grölserer 
Wahrscheinlichkeit Agara, Agira und Ackara von einem wirklich 
bezeugten AA'ort herleiten und Agisia, Achaza und die anderen 
zugezogenen Namen abtrennen. 

Wenn man es nun nur mit Ackara, Agara und Agira zu 
tun hat, bietet sich eine Erklärung dar, die R. Much, Deutsche 
Stammeskunde, 59 für die Eger in Böhmen vorgetragen hat und 
die ich hier nur auf die anderen Flufsnamen ausdehnen und 
nähei- begründen will. Es handelt sich um die llerleitung aus 
gall. *ö(/>rt "die Kalte', dem Femininum von '^ogrofi 'kalt', das in 
ir. itar, kymr. oer, corn. oir enthalten und füi- das Gall. durch, 
die Ableitung Ogron-, einen Monatsnamen (s. hierzu Thurneysen 



208 JOSEF BRUCH, 

Zs. f. cell, riiil. II, 534) bezeugt ist. iJiese von Mucli nur 
angedeutete Herleitung besagt, falls sie richtig ist, manches 
Interessante aus kelt. Lautgeschichte. Um dies darzulegen, mufs 
ich die Etymologie des kelt. Wortes besprechen. Stokes setzte 
bei Fick II'', 267 als Grundform *u(jyos an. In diesem Falle 
müfste man das stammhafte o der Ableitung Oyron- mit gall. so 
= SU in JEposognatus 'sehr pferdekundig' vergleichen und wie 
hier mit Pedersen I. 532 durch offene Aussprache des u erklären. 
Diese hätte es mit sich gebracht, dafs die Germauen den Laut 
ihrem o gleichgesetzt hätten. Später wäre das o dann zu a 
geAvorden. Nun wird aber die Grundform '^iiyros durch das 
Kymr. ausgeschlossen, was Macbain 182 betont; sie hätte ja *tvyr 
gegeben, und eine Verallgemeinerung der weiblichen Stammform 
wird man nicht annehmen wollen. Neben *uyros hält Stokes 
auch die Grundlage '^ogros für möglich. Sie konnte ohne weiteres 
einerseits die kelt. Formen, andererseits germ. '■^'agra geben. Allein 
als ursprüngliche indogerm, Grundfoi'ui ist sie doch aufzugeben 
und mit Liden, Aimen. 8tud. 21; Pedersen 1, 103; AValde % 867 
durch *OHyros zu ersetzen und zwar wegen des vom Adjektiv 
nicht zu trennenden Substantivs ir. (khl, uacld 'Kälte', das auf 
ein *oukto- zurückgeht und auch schon von Stokes bei Fick II ^ 48 
zurückgeführt wurde. Zwar hält es Thurneysen, Handbuch des 
Altir. I, 38 für möglich, dai's ö in öcJd aus dem Adjektiv ver- 
schleppt wurde, wo es durch Ersatzdehnung von ö nach Schwund 
des g entstanden ist. Aber die Grundlage *ougro-, *ougto- 
(daraus *oukto-) ist doch der *ogro-, ^ogto- vorzuziehen, weil jene 
nach Form und Bedeutung passende indogerm. Verwandten hat, 
diese nicht. Die durch Stokes zur Wahl gestellte Verbindung 
von *ogros mit griech. jtdyog 'Reif, Frost' ist nach Form und 
Bedeutung sehr mangelhaft, nach der Form, da "^ogros aus älterem 
*pogros nur zu der von Walde 2. 552 behandelten Wurzel ''^i>e^-, 
*pog-, der Parallele zu *päg-, *pdg- gehören könnte, das ver- 
glichene griech. Wort aber letzterer Wurzelform zugehört, nach 
der Bedeutung, da die 'Reif, Frost' nur eine spezifisch griech. 
Entwicklung aus 'fest sein' ist und die eigentliche Bedeutung 
der Wurzel 'festmachen, zusammenfügen' ist, auch in den sicheren 
kelt. Vertretern dieser NA^irzel (mittelir. age und k,ymr. aclod 
'Glied', altir. accai 'der Fesselung', bzw. altir. oc und kymr. umg 
'nahe', altir. ünolaim 'sammle') erscheint. Dagegen hat die Grund- 
lage *ougro, *uitgfü indogerm. \ erwandte. die nach Form und 



EGER. 209 

Be.leuliiiio- stimmen, nämlich armen, oic 'kall', wofür Pedeivsen 
und Walde oje schreiben, aus *oii(j-, lit. ausz-tu, an.^z-au, misz-tl 
'kalt werden' aus ""oug-, \eii. auksts -kalt' mit sekundärem /c aus 
*OHld-. dazu lat. auctummis ' Herbst '.i) Darnacli ist entschieden 
die Grundlage *ougros anzusetzen. Dieses wurde schon im Gall.. 
wenn^ auch nur von gewisser Zeit ab und auf gewissem Gebiete! 
z\x*ogros, wodurch sich gall. Oyron- erklärt, ebenso im Ir. und 
Brit. Da kelt. ""ougra natürlich germ. "augra, kelt. ""ögra germ. 
^ogta ergeben hätte, so ist die Ableitung des germ. Flulsnamens 
aus dem kelt. Adjektiv nur möglich, wenn dieses irgendeinmal 
die Form *ögra gehabt hat, da ja auch ein germ. Wandel von 
""ogra zu -ögra (vor dem Übergange von ö zu a), also eine 
Kürzung eines langen Vokals vor Muta + Liquida wegen germ. 
"^hlaira nicht angenommen werden kann. Nun erklärt Pedersen 
I, 54 die Tatsache, dafs bei unserem Adjektiv im Brit. nicht wie 
sonst ü für ou eintrat, durch die 'Vokalisienmg des folgenden g' 
und nimmt I, 293 eine Entwicklung ougr-, ögr-, üyr-, oyr- an. 
Wenn dies richtig ist, hat, unser Woit im Brit. niemals eine 
Form uyr-, besessen. Aus der doch wahrscheinlichen Gleichung 
kelt. *07>-a =- germ.''ayra darf man mit einiger Wahrscheinlichkeit 
schliei'sen, dai's in dem festländischen Kelt. *ögros zu *dgros 
wurde. Waiirscheinlich ist dieselbe Entwicklung für das Insel- 
kelt. anzunehmen. Jedenfalls kann ir. ikir, kymr. oer, altcorn. oir 
zunächst aus *dgyos entstanden sein, so wie ir. üan, kymr. oen, 
altcorn. oin 'Lamm' zunächst aus *ögnos entstanden ist. Man 
beachte noch, dals im Ir. ukn- und Um- mit ükn- und ikn- 
zusanunengef allen zu sein scheinen (Pedersen 1,125), dafs also 
hier vor Muta + Nasal der lange Vokal gekürzt wurde. Die 
Entwicklungsreihe ougr-, ögr-, ögr-, oyr- ist der anderen ougr-, 
ögr-, oyr-, oyr- für das Brit. auch deshalb vorzuziehen, weil oj 
im Kymr. normal zu tvy wurde, man also bei Annahme der Reihe 
Pedersens noch voraussetzen mufs, dafs in unserem Worte öj 
erst nach dem Wandel öj zu wy eingetreten sei. 

Somit darf für das festländische Kelt. ein -'ogra (abona) 
*der kalte Flufs^ angenommen werden. So benannten die in der 
Gegend des heutigen Bonn hausenden Kelten einen Nebenflufs 

') Pederseu ireiiiit auszla ah und verbin.lot es mit avest. acta Aber 
mit Lideii und Walde wird mau dieses uu.l Sippe auch zu unserem *ong 
stellen, nur eben als Form ohne ,j, und nnsztu ist dann doch mit üar ver- 
wandt, nur weite)'. 



210 JOSEF BRUCH, 

der Sieg und die nachrückenden Germanen übernahmen den 
Namen vor den Übergängen ö— a, g — k. So ergab ^ogra 
germ. ^ahra. Daraus entstand, wie früher dargelegt wurde, das 
im Jahre 973 belegte Ackara, späteres Achera, Acchera, heutiges 
Agger. Für *ö(/m trat nun m. E. im Kelt. des Festlandes auf 
gewissem Gebiete und von gewisser Zeit an *ogara ein. Tliurn- 
eysen hat in Zs. f. celt. Phil. 11, 512 einen Einsclmb von a zwischen 
Muta und l im Gall. durch Magalus, gabalus. cantalon belegt. 
Ich nehme an, dafs ein solcher Svarabhaktivokal nicht nur 
zwischen Muta und l, sondern auch zwischen Muta und r eintrat, 
und zwar nach der Kürzung von ö durch gr. So entstand *ogara. 
Damit benannten die im heutigen Oberösterreich hausenden Kelten 
einen Nebenflufs der Traun und die nachfolgenden Germanen 
übernahmen den Namen vor dem Übergange ö- — a. aber nach 
dem g — k, so wie ihre Volksgenossen J/o^nw^/ac«»?, imd Vosegus 
vor — a und nach g — k empfingen. So wurde * Ogara zu 
Agara, das heutiges Ager ergab. Dieses Agava ist nun auch die 
Vorstufe von Aglra = Fger. Das für die Eger in Böhmen zu 
ältest bezeugte Agara braucht darnach nicht erst durch Vokal- 
assimilation aus Agira entstanden zu sein, kann vielmehr die 
alte Form sein, wozu die Überlieferung stimmt. Wie entstand 
Agira ^ Aus dem Kelt. kann man es nicht erklären. Denn 
selbst wenn man sich auf das Vorkommen von -era neben -ara 
in Flufsnamen (Holder 1, 1457 neben I, 170), sogar in denselben 
wie Isera neben Isara, Tevera neben Tcvara, berufen und darnach 
ein *Ogera neben -^ Ogara annehmen wollte, i) so hätte dies doch 
nur germ. *Agera gegeben, da das in der Pänultima der Propar- 
oxytona sonst zu i werdende e vor r geblieben ist. Es handelt 
sich bei Agira um einen germ. Vorgang. In der Sprache der 



^) Ebeusowenig darf mau sich auf die vou Mucli, Zs. f. d. A. XXXII, 459 
und Bremer, Pauls Gr. III -, 780 gegebenen Fälle von e uebeu a in kelt. ^'amen 
berufen. Denn Muchs Beispiele aufser Eravisci — Aravisci zeigen, was er 
selbst sagt, a statt e, was wohl einfach Wiedergabe einer offenen Aussjjrache 
des kelt. e ist, und mit Eravisci neben Araviaci kann mau keinen kelt. Laut- 
wandel beweisen, da es sich um einen panuonischen Volksstamm handelt. Die beiden 
vou Much nicht angeführten Beisjjjele Bremers, nämlich Cernunnos neben 
xÜQvor und tiiatcra, niatcris ueben matara, niat<tris besagen aucli uichts. 
Cernunnos zeigt eine andere in der Wortsippe aucli sonst vorhandene Ablauts- 
stufe (Fick W*, 79; Pederseu 1, 15t)) und viatera, niattris zeigt entweder lat. 
Wandel des a der Pänultima zu e oder niaferis (darnach materii) bietet gall. 
i-Umlaut. 



EGER. 211 

.^[arkoiiianneii-Baierii trat Agira neben Ayara zu einer Zeit, da 
bei vielen Substantiven Formen mit -ar- und solche mit -ir- (aus 
-az-, -/>-. indog-erm. -05-, -es-) nebeneinander standen. Da dem 
ar. ir der betonte Stamm voranging und die Endung folgte, so 
war -ar- in der Pänultima eines Pro])aroxytonons wie in Agara. 
Insbesondere mag zur Bildung von Agira die Vorstufe des heutigen 
bayr. Echer -Ähre' beigetragen haben, das in der Sprache der 
Baiern- Markomannen "^ayjr gelautet haben mufs. Es hat in 
altengl. northunibr. (chher seinen nächsten Verwandten. Da es 
sich um einen alten Stamm auf -os, -es handelt (Sievers, Angels. 
Gramm., 154), so bestand neben "^ayir einst auch ^ayar. Andererseits 
wurde Agara ""Agara gesprochen. "^Ayar und *Agar unter- 
schieden sich nur durch die Stimmlosigkeit, bzw. Stimmhaftigkeit 
des Gutturals. So konnte nach dem Muster ""ayar-, ""ayir- und 
vielen anderen mit -ar-, -ir- neben Agara ein Agira gebildet 
werden. Als später die Formen mit -ir siegten, blieb auch nur 
Agira. Nunmehr ist noch über die Aire in Frankreich einiges 
zu sagen. Die doch wahrscheinliche Verbindung dieses in alter 
Zeit in der Form Agira belegten FluFsnamens mit den Namen 
Agger, Agcr, Egtr und die Herleitung dieser von kelt. ""ogra, 
ogara mit germ. Wandel von o zu a ist ein Beweismoment dafür^ 
dafs die Germani eisrhenani. durch deren Gebiet die Aire flofs, 
zum Teil doch Germanen waren oder wenigstens halb und halb 
germanisiert waren, die germ. Sprache redeten oder doch Laut- 
übergänge derselben angenommen hatten, i) Die in alter Zeit 
bezeugte Form Agira könnte die wirkliche Grundform sein. In 
diesem Falle wäre sie aus '' ogara in der Sprache der Germani 
cisrhenani in ähnlicher Weise entstanden, wie in der der Marco- 
manni. Allein das Auftreten von *ogra = germ. *aZ;ra = heutigem 
Agger in der nicht fernen Rheinprovinz macht es wahrscheinlich, 
dals auch hier ""ogra zugrunde liege, das ""agra oder *a/.va ergab. 
Beides mufste frz. Aire liefern. Agira ist unrichtige Rück- 
latinisierung des schon vorhandenen Aire. Der Ersatz von ai- 
durch agi- lag nach vielen Mustern nahe. So erscheint '""ogra 
in Nordostfrankreich und in der Rheinprovinz, "" ogara in 
Württemberg. Böhmen und Oberösterreich, also die Form ohne 
Svarabhakti im NordAvesten. die mit ihm im Südosten. Die 



>) Auf (las ans ö entstandene a in gall. vassns darf man sich nicht 
berufen, da es Dissimilation zum u- war (Pederseu I, 35). 



21J JOSEF BRUCH, EGEK. R. THURNEYSEN, ALTFRISCH SOAD, 

Eiil.wicklungf eines Vokals zwisclien tj und r war ein örtlich 
bej^renzter dialektischer Zug. Die doch wahrscheinliche Entstellung 
des frz. Flulsnamens Aire aus kelr. *o^m unter germ. Einflufs 
beseitigt ein Bedenken, das man gegen die Ableitung der deutschen 
Flufsnamen aus dem kelt. "Worte vorbringen könnte, dafs es 
nämlich merkwürdig sei, dafs die Kelten nur in Deutschland 
Flüsse *()(jra geheifsen hätten. Nunmehr begegnet *ogra als 
Flulsname im nordöstlichen Gallien wie in Deutschland ganz wie 
Alhis = Auhe, Elbe, das übrigens wie Eger zwei Flüsse bezeichnet. 
Wer anzunehmen wagt, dals Kelten in grölserer Zahl jemals im 
nordwestlichen Eufsland gehaust haben, kann mit Schamatov, 
Archiv f. slav. Phil. XXXIII, 80 die Flufsnamen Ogcr, Ugra im 
Gebiet der Düna auf kelt. *o^r« zurückführen. Zum Schlufs sei 
noch eine Bemerkung über tschechisches Ohre gemacht. Während 
die an der böhmischen Eger gelegene, im Deutschen nach ihr 
benannte Stadt im Tschechischen Cheb heifst, hat der Flufs auch 
in dieser Sprache den alten Namen bewahrt. Ohre erscheint als 
Ogra bei Cosmas von Prag und sonst. Mucli, Deutsche Stammes- 
kunde, 59 setzt ein * Ogria an. Dies ist unnötig. Ohre entstand 
aus Agira und r aus fremdem r, noch dazu hinter /, wie in 
hirmovati ' firmen '. 

Wien. Josef Bruch. 



ALTIKISCH mAD. 



Oben S. 167 ist soad in Morands Fürstenspiegel A 13 und 
Bit als ältere Form von neuir. sogh m. 'jo}', gladness, pleasure, 
comfort, ease, happiness, riot, luxury. sumptuousness, good clieer' 
usw. nachgewiesen, das O'Gorm. 12. Juni in der Schreibung sodh 
vorkommt. Es ist das Gegenstück zu dmd, duadh 'hardship' 
Tog. Troi, Glossar; död Tain B. C. (ed. Windisch) 632. Wohl 
Zusammensetzungen, die zu sdith 'Sättigung' gehören, aber mit 
anderer Stammbildung (o-Stämme?). 

Bonn. R. Thurneysen. 



ADAMNAN8 VITA COLÜMBAE 
UNI) IHRE ABLEITUNGEN. 



Die Hagiograpliie Irlands, die der wissenscliaftlidien For- 
schung nocli viele Aufgaben und Probleme stellt, nimmt in 
der gesamten Heiligen -Literatur des Mittelalters eine eigen- 
artige Stellung ein. Fast alle Lebensbeschreibungen von irischen 
Heiligen der ersten christlichen Jahrhunderte stammen aus ver- 
hältnismälsig später Zeit, und bei den meisten Erzeugnissen sind 
uns Verfasser und Zeit der Entstehung unbekannt. Diese Tat- 
sache mag nicht zum geringen Teil dahingewirkt haben, dais 
grofse Gebiete noch nicht erforscht sind. Manche Kapitel 
haben natürlich auch hier schon Beachtung gefunden, aber 
gewöhnlich nur, wenn sie wegen der Person des Helden von 
besonderer Bedeutung sind, wie die Aufzeichnungen über Patrick, 
oder w^enn sie in den Bereich der allgemeinen mittelalterlichen 
Literatur hineinspielen, wie das z. B. bei der Brendanlegende 
und einzelnen Visionen der Fall ist. Aber als Ganzes ist die 
Heiligen-Literatur der L-en noch wenig gewürdigt. Grundlegend 
für weitere Forschungen sind in vieler Hinsicht die Ausführungen 
von Plummer 1), der auch durch seine Veröffentlichung von bis 
dahin ungedruckten Viten neues Material dargeboten hat. Für 
die irischen Heiligenleben sind Legendenkomplexe bezeichnend, 
die sonst wohl nirgends in dem Mafse vorkommen. Zauberei 
und Magierwesen spielen eine grolse Rolle. Gegen die spätere 
Zeit hin nehmen gerade diese P^.rzählungen überhand und 
werden immer phantastischer und verworrener. Ferner linden 
sich kaum irgendwo in der hagiographischen Literatur so 
viele Widersprüche in den Zeitangaben wie hier. Der Grund 
liegt darin, dafs die Vitenschreiber zwischen ihrem Helden und 
den berühmteren Heiligen miiglichst nahe persönliche Beziehungen 

') Charles Plnmnier, Vitao .Sanctoruni Hibeniiae, '2 Bände, Oxford 1910, 
Einleitiiusr. 



214 GERTKUD »RÜNING. 

herzustellen versuchen ohne Riicksichl auf die Lebenszelt der 
einzelnen. Sie fassen die Heilig-en ihrer Heimat gleichsam als 
eine grofse Einheit auf, eine „insula sanctorum", eine ununter- 
brochene Kette, in der ein Glied das andere ablöst. Damit 
keine Lücke entsteht, läfst die Legende besonders gern an dem 
Todestag eines Heiligen einen andern Heiligen geboren werden. 
Bezeichnend ist auch die Stellung, die der irische Nationalheilige 
Patrick in den Viten der andern Heiligen einnimmt. In den 
wenigen Werken aus früher Zeit wird sein Name kaum genannt, 
während er in jüngeren Erzeugnissen eine immer wachsende 
Bedeutung gewinnt. Dies gilt auch von den Lebensbeschreibungen 
des Heiligen, mit dem sich die folgenden Seiten beschäftigen, 
Columba von Hi. Von seinem ältesten Biographen, Adamnan, 
wird Patricius nur einmal als „sanctus episcopus" kurz genannt'). 
In der Kompilation des O'Donnell dagegen, die am Abschluls 
der Legendenbildung steht, finden wir nicht weniger als neun 
Prophezeiungen von Patrick über Columba. Auch soll er einen 
Hj'mnus auf ihn verfafst haben. Lehrreich ist auch das stärkere 
Hervortreten von Beziehungen zum Papsttum in den jüngeren 
Legenden. Adamnan war, wie wir vor allem durch Beda wissen, 
ein Vorkämpfer des römischen Brauches im Osterstreit. Dennoch 
finden wir in seiner Vita Columbae nur eine kurze Hindeutung 
auf diese Zwistigkeiten, bei der die Stellung des Papsttums gar- 
nicht berührt wird. Bei O'Donnell aber bestehen im einzelnen 
ausgemalte persönliche Beziehungen Columbas zu dem ersten 
Bischof der abendländischen Christenheit. Er selbst begibt sich 
nach Rom und wird vom Papst Gregor empfangen, dem er seinen 
Hymnus "Altus Prosator" gesandt hatte 2). Und weil darin so 

') Adamnan, Vita Columbae, praef. II (hrsg. von William Reeves, 
Iliatorians of Scotlaud VI, Edinburgli 1874, S. 107). Die Vita (Jolunibae von 
Adauman ist immer angefülirt iiacb dieser Ausi,'abe von Reeves und nach der 
von J.T. Fowler, Adamnaui Vita 8. Columbae, Oxford 1894, in der \\'eise, dals 
die Kapitelzabl sieb auf Fowler bezieht, in Klammern die ent'^precbende 
Seitenzabl von Reeves angegeben ist. Sonstige Hinweise auf Reeves bezieben 
sieb immer auf diese Au.sgabe, falls iiicbt ausdrücklieb auf die erste Au.sgabe 
von 1857 (8. unten S. 226) Bezug genommen ist, deren Kapitelzilhlung mit der 
von Fowler übereinstimmt. 

■•*) „.-\ltus Prosator" (vgl. Chevalier, Ilepertorium bymnologicum 961), bei 
J. Colganus, Triadis tbaumaturgae sen divoruin Patricii, Columbae et Brigidae 
. . . Acta, Lovanii 1647, 8. 473—475; Ol. Blume, .\nalecta bymnica medii 
aevi LI, Leipzig 1908, S. 275 Nr. 216. 



ADAMNANS VITA COI-UMMAK UNI» IHliK AHLKI rUNrt KN. 215 

wenig" von Cliristus die Rede ist. soll Colnmba seinen H^^ninus 
..In le Christe" verfafst haben'). 

Die älteste uns erhaltene und bedeutendste Schrift über 
Columba von Hi ist die Vita, die einer seiner nächsten Nach- 
folger, der genannte Abt Adamnan von Hi (679 — 704) verfafst 
hat. Es ist eine der wenigen Viten eines irischen Heiligen, 
deren Verfasser uns nach Zeit, Ort und sonstiger Wirksamkeit 
einigermafsen bekannt ist. Hanptquellen über sein Leben sind 
seine Werke und Bedas Historia ecclesiastica gentis Anglorum V, 
15 — 17, bei dem er vor allem, wie berührt, als Vertreter des 
römischen Standpunktes im Osterstreit erscheint. Beda gibt auch 
Auszüge ans dem zweiten erhaltenen Werke, das uns von der 
literarischen Tätigkeit des Mannes ein Bild gibt, seiner Schrift 
„De locis sajictis"2), einer Beschreibung des hl, Landes nach 
den Berichten eines gallischen Bischofs Arculf, der auf seiner 
Rückreise von Palästina nach der Insel Hi verschlagen worden 
war. Zugeschrieben wird ihm sodann die sogenannte „Lex 
Adamnani"-^), eine Verordnung in irischer Sprache, durch die 
das Tüten von Frauen, Geistlichen und unmündigen Kindern mit 
Strafen bedroht wird, sowie einige Canones^). Endlich steht 
der Name eines Adamnan in Zusammenhang mit der Über- 
lieferung von Vergilscholien, wobei die Identität mit dem 
Abt von Hi zwar nicht unwahrscheinlich, aber doch bestritten 
ist^). Mit sehr zweifelhaftem Rechte wird ihm auch zugeschi'ieben 

') „lu te Christe" (Chevalier a. a. 0. 877'2), bei Colgaiius a. a. 0. S. 475—471) ; 
Blume a. a. 0. S. 283 Nr. 217. 

*) Zuletzt herausgegeben von Paul Geyer, Corpus scriptorura ecclesiasti- 
corum Latinorum XXXIX, 1898, 8.219—297; vgl. dazu die Vorarbeiten des 
Herausgebers: Adaniuanns I, Programm des Gymnasiums bei St. Anna in 
Augsburg 1895, und Adamnanus II, Programm des Königlichen humanistischen 
Gymnasiums in Erlangen 1897. Vgl. auch M. Manitius, Geschichte der hi- 
teini.schen Literatur des Mittelalters I, 1911, S. 237 ff. 

^) Hrsg. von Kuno Meyer, Anecdota Oxoniensia, Mediaeval and I\Iodeni 
Series XII, Oxford 1905; vgl. denselben, L>ie irisch-gäliBche Literatur, hei 
Paul Ilinueberg, die Kultur der Gegenwart, Teil I. Abt. XI, 1, 8. 88. 

*) Hrsg. von Wasserschieben, Die Bufsordnungen der abendländischen 
Kirche, Halle 1851, S. 120 — 123; vgl. seine 2. Ausgabe der Irisclieii KanuniMi- 
sammlung, 1885, S. LXXf. (Bradshaw). Von den Erörterungen über ilie Ent- 
stehung der „CoUectio HibcrnensiB" kann hier abgesehen werden. 

^) Thilo und Hagen, 8ervii grammatici commentarii III, 2 (Appendix 
Serviana), Leipzig 1902, S. 6G. Vgl. D'Arbois de Jubainville, Revue «'eltique 
XXI, 1900, S. 111; ferner Zimmer, Neunius vindicatus, Berlin 1893, 8. 238 ff.; 



216 GERTRUD BRÜNING. 

ein irisches Gebet an rolumba. ')• r)afs er über Wunder von 
Patricias geschrieben hat, wie in dessen Vita Tripartita berichtet 
wird, ist höchst unwahrscheinlich-). Um so sicherer ist er der 
Verfasser der erwähnten Vita seines Vorgängers und Klüster- 
lieiligen Columba. Beda, der die Schrift „De locis sanctis" aus- 
geschrieben hat, hat sie freilich anscheinend nicht gekannt; nur 
vom Hörensagen kennt er Aufzeichnungen über Columba: „de 
cuius vita et verbis nonnulla a discipulis eins feruntur scripta 
haberi"3). Dennoch kann über die Herkunft dieses Werkes aus 
Adamnans Feder kein Zweifel bestehen, seines bedeutendsten 
Werkes, dessen Kenntnis die folgenden Seiten zu fördern suchen 
wollen. 

Ich stelle zunächst zusammen, was mir über seine hand- 
schriftliche Überlieferung bekannt geworden ist und führe aus, 
wie weit die bisherigen Ausgaben diese Überliefei'ung heran- 
gezogen haben. 

1. Die Hand Schriften. 

Bei den Handschriften der Vita Columbae^) ist vor allem 
zwischen einer längeren und einer kürzeren Fassung zu scheiden. 
l)ie längere Vita'') gibt die ursprüngliche Gestaltung des Textes 
durch Adamnan. Dem Zwecke bequemerer Lesung in den 
Klöstern scheint die kürzere Rezension'') gedient zu haben. Die 
einzelnen Kapitel haben in dieser Fassung keine Überschrift; 

Thurneyseu , Zeitschrift für celtiscbe Philologie III, 1901, S. 52ff.; M.Roger, 
L'enseignement des lettres classiques d'Ausone ä Alcnin, Paris 1905, S. 262; 
G. Funaioli, Scolii Filargiriani (Rheiuisclies Museum N. F. LXX, 1915, S. 84f.). 
Vgl. auch Teuffei, Geschichte der römischen Literatur, 6. Aufl. III, 1913, S. 459. 

>) Stokes, Goidelica«, 1872, S. 173f.; Beruard and Atkinson, The Irish 
Liber hymuorum, 1898, I, 184. II, 81 f. Dazu das Facsimile von Rawliuson 
B. 502 (Bodl. Oxford), 1909, S.lOßb (fol.oOv, b) und das Yellow Book of Lecan 
(Trin. (Joll., Dublin), 1896, .S. 80b — 81a. 

'-) Tripartite Life of Palrick, hrsg. von Stoki^s, Bd. I, London 1SS7, 
S. 60f. Vgl. J. B. Bnry, The Life of St. Patrick and bis place in history, 
London 1905, S. 271. 

3) Hist. eccl. geut. Angl. III, 4. 

*) Vgl. die hier vielfach ergänzten Angaben von Thomas Duflus Hardy, 
Descriptive Catalogue of materials relating to the history of Great Britain 
and Ireland I, 1, London 1862, S. 167 ff.; W. Reeves a. a. 0. S. XXV f. (1. Ausg. 
S. XIII-XXXI) und J. T. Fowler a. a. 0. 8. VIII f. 

'••) Bibliotheca hagiograpbica Latina, ed. Socii Bollandiani, Bd. I, Brüssel 
1898/99, Isr. 1886. «) Eb. Nr. 1887. 



ADAMNANS VITA COLUBlBAE Uls^D IHRE ABLEITUNGEN. 217 

die irischen Eigennamen .sind oft weggelassen. Im ersten Buch 
fehlen c. 1 (S. 111—114); c. 7 (S. 120); c. 12-15 (S. 122—124); 
c. 17, 18 (S. 124-125); c. 20, 21 (S. 120-127); c. 23-27 (S. 128 
— 130); c. 34—39 (S. 134—139) und der Schlufs von c. 50 (S. 1471) 
„Simili scientia . . . seculorum" bis auf den letzten Satz, der 
vorhanden ist. Im zweiten Buch fehlt der kurze Epilog des 
ersten Kapitels „Huius, inquam, libelli . . . miracula" (S. 153), 
ferner c. 9 (S. 158). c. 14 (S. 161), der zweite Teil von c. 19 
(;S. 164). c. 20 (S. 164 f.), c. 24 (S. 168), c. 28 (S. 171), c. 31 (S. 173), 
c. 39 (S. 180—184), c. 44—46 (S. 188—191). Im dritten Buch 
fehlt nur der Epilog von c. 23 (S. 217—218) von „Post horum 
trinaliunr' an. Dem Inhalt nach sind es Kapitel, die Prophe- 
zeiungen über irische Verhältnisse, Kriege und Fürsten enthalten, 
oder deren Gegenstand dem Epitomator wohl zu geringfügig er- 
schien. Innerhalb der einzelnen Bücher sind einige unbedeutende 
Kapitel Verschiebungen vorgenommen; II, 25 und 26 (S. 169 — 170) 
und II, 19 und 18 (S.163f.) sind in dieser Reihenfolge im dritten Buch 
nach c. 6 (S. 198) eingeschoben, und II, 29 und 30 (S. 172) im ersten 
Buch nach c. 43 (S. 142). Dafs wirklich in der längeren Fassung 
das Original von Adamnan vorliegt, ergibt sich leicht i). Adamnan 
verspricht in der zweiten Vorrede, eine Übersicht über Columbas 
^^'under zu geben, was ja auch im Eingangskapitel des ersten 
Buches geschieht. In der kurzen Fassung fehlt dieses Kapitel. 
Zum ursprüngliclien Text gehören auch die Kapitelüberschriften, 
denn sie sind manchmal zum Verständnis unbedingt nötig; z. B. I, 
49 (S. 145) „a supra memorata munitione resident", II, 15 (S. 161) 
„superius memorati sancti viri", III, 19 (S. 207) „supra memoratus 
Virgnous". Bei all diesen Stellen kann das „supra memoratus" 
sich nur auf die Überschrift beziehen. Ferner heilst es auch in 
der kürzeren Fassung I, 28 (S. 130): „Lugbeus, gente Mocumin, 
cuius supra mentionem fecimus". Der Name begegnet vorher 
I, 15 (S. 123) und I, 24 (S. 129); beide Kapitel fehlen aber im 
gekürzten Text. Ebenso heilst es I, 32 (S. 133) „saepe memoratum 
...fretunr'; der Ausdruck ist nicht verständlich ohne die vorauf- 
gegangenen Kapitel 25—27 (S. 129f.), die alle in der kürzeren 
Fassung fehlen. Adamnan erzählt III, 23 (S. 211), dals der 
Heilige die Insel segnet, ,,ut in supra memorato craxatum est 

') Vgl. Reeves a. a. 0. S. XXIIIf. (1. Ausg. S. XI ff., 93 Aiim. f, 124 
Anm. b). 

Zeitschrift f. celt. Philologie XI. 15 



218 GERTRUD BRÜNING, 

libello"; die Worte beziehen sich auf II, 28 (S. 171), ein Kapitel, 
das ebenfalls in dem kürzeren Text fehlt. 

A. Die Handschriften der längeren Fassung. 
1. Schaffhausen 1. VIII. Jh., früher in Reichenau, fol. 1 — 130'). 

Der Schreiber dieses Codex, der zu den ältesten und kost- 
barsten Handschriften der Schweiz gehört . ist ein Dorbbeneus, 
der sich am Schliifs des Werkes nennt: „pro me Dorbbeneo 
Dominum deprecetur". Er ist wahrscheinlich identisch mit dem 
Abt Dorbbeneus von Hi, der als Nachfolger Adamnans 713 starb. 
Demnacli wäre die Handschrift vor 713 vollendet gewesen. In 
der Folgezeit, als die britischen Inseln unter den Einfällen der 
Normannen zu leiden hatten, wurde auch Hi heimgesucht, und 
eine neue starke Auswanderung schottischer Mönche nach dem 
Kontinent setzte ein. Bei einer solchen Gelegenheit, vermutete 
Zimmer, sei dieser Codex zur Reichenau gelangt; er nimmt 825 an, 
als Mönche, die vom Tode Blaithmacs berichteten, nach Deutsch- 
land kamen 2). Doch wird die Handschrift in den Reich enauer 
Bücherverzeichnissen des 9. Jahrhunderts-') nicht erwähnt. 

White entdeckte das Manuskript in Reichenau, und eine 
von ihm besorgte Abschrift wurde 1647 von Colganus gedruckt. 
Vor 1795 mufs die Handschrift nach Schaff hausen gelangt sein, 
denn in den Miscellanea des Mauritius Hohenbaum van der Meer 
aus dem Kl. Rheinau, der 1795 starb, findet sich die Notiz: 
„Adamanni drey Bücher vom S. Columba. . . Das eigentliche 
Manuscript vom VIII. Saeculo (welches vormals in die Reichenau 
gehört) befindet sich dermalen in der Bürger-Bibliothek zu Schail- 
hausen" *). Hier ruhte es wieder lange in der Vergessenheit, bis 
Keller es dort in der Mitte des vorigen Jahrhunderts fand^). 



1) Vgl. Reeves S. XXV, ausführlich seine 1. Ausg. S. XIH— XXIV und 
Tafel I, II u. III. Vgl. unten Anm. 5. 

2) H. Zimmer, Neunius vindicatus, Berlin 1893, S. 238f.; Neues Archiv 
XVII, 210. Vgl. schon Reeves, 1. Ausg. S. XXH f. 

3) Gustav Becker, Catalogi bibliothecarura autiqui, Bonn 1885, S. •Ifl'., 
16 ff., 19 ff. Der Sammelband Nr. 387 im Verzeichnis von 821/22 (S.12) mit 
einer Passio oder Vita Columbae (von SensV) kann die Schaffhauseuer Hand- 
schrift nicht sein. 

Vgl. Reeves, 1. Ausg. S. XV. 

5) Vgl. F. Keller, Mittheilungeu der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 
Vn, 3, 1851, S. 85 und Tafel XIH, 1; ferner H. Boos, Verzeichnis der Inku- 
nabeln und Handschriften der Schaö'hauser Stadtbibliothek, 1903, Nr.l, S.67 und 



ADAMNANS VITA COLüMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN 219 

2. London, Britisches Museum. Cottonianus Tiberius D. III, 
aus dem späteren XII. Jh.. fol. 192—217'), 

enthält am Schlufs als eigenes Kapitel einen späteren Zusatz 
über die Namen von Columbas Schülern und Verwandten 2), Dann 
folgt ein Epilog von 25 leoninischen Hexametern-^), dessen Ab- 
fassung-szeit nach Reeves in die Jahre 1107 — 1114 fällt'). Die 
Handschrift hat durch den Brand von 1731 stark gelitten und 
ist auch nicht vollständig. Es fehlen drei Blätter von I, 2 
(S. 116) „diebus" bis I, 22 (S. 128) „genibus", ferner drei Blätter 
von I, 36 (S. 135) „viro" bis I, 49 (S. 146) „omnia quae". 

3. London, Britisches Museum^) Add. Ms. 35110, ehemals in 
der Sammlung von Sir Thomas Phillipps^') 26075, aus dem 
späteren XII. Jh. (vor 1195), fol. 96 v— 143, 

enthält denselben Anhang über Columbas Schüler und Verwandte 
wie die vorhergehende und die nächstgenannte Handschrift, und 
auch im übrigen wird die A'erwandtschaft des von den Heraus- 
gebern der Vita noch nicht benutzten Codex mit diesen beiden 
festgestellt"). Fol. 143 folgen Auszüge aus Beda, Hist. eccl. gent. 
Angl. V, 9 und III, 4, 5: „Sanctus igitur Columba erat primus... 
fidem Christi perceperint". 

4. London, Britisches Museum''), Regius 8. D. IX, XV. Jh., 
fol. 1—70, 

enthält auch am Schlufs die Namen von Columbas Gefährten 
und Verwandten. Der Anfang der Handschrift fehlt bis I, 3 
(S. 117) „liaec pu]ro pectore*'. 

W. M. Lindsay, Early Irish Minusciüe Script (St. Andrews University PuLli- 
cations VI), Oxford 1910, S. Iff. und Tafel IL 

») Vgl. Reeves a. a. 0. S. XXVI und die Lesarten S. 218—220 (1. Ausg. 
S. XXVII— XXXI und 456—458). 

'•*) Bibl. hag. Lat. Nr. 1888; gedruckt in der 1. Ausg. von Reeves 
S. 245-247. 

3) Reeves, 1. Ausg. S. XXLX. *) Eb. S. XXX. 

^) Catalogue of Additions to the Manuscripts in the British Museum in 
the years 1894—1899, London 1901, S. 161. 

*) Vgl. Liebermann, Neues Archiv X, S. 592, wo 26074 wohl durch ein 
Versehen als Signatur der Handschrift angegeben wird. Vgl. H. Omont, 
Catalogue des Manuscripts Latins et Franrais de la collection Phillipps acquis 
en 1908 pour la Bibliotheque Nationale, Paris 1909, S. 237. 

■) Vgl. Catalogue of Additions ... a. a. 0. S. 161 : „a text of the longer 
recension, very closely akin both to Cotton Ms. Tib. D. in and to Royal 
Ms. 8. D. IX, though the three seera to be independent of one another". 

«) Vgl. Reeves S. XXV (1. Ausg. S. XXIV— XXV). 

15* 



220 GERTRUD BRINIKO. 

Die Londoner Handschriften Cottanianus und Regius gehören 
nach den von Reeves angegebenen Varianten eng zusammen, 
und auch Add. Ms. 35110 ist, wie erwähnt, nach der kurzen 
Angabe des Katalogs dieser Gruppe anzureihen. Kapitelverzeich- 
nisse des 2. und 3. Buches, die in der Schaffhausener Hand- 
schrift fehlen, finden sich in Regius und Cottouianusi), Beide 
Handschriften enthalten den zweiten Teil von II, 20 (S. 165), 
der ebenfalls in der Schaffhausener Handschrift fehlt-). Dagegen 
vermifst man in jenen das Ende vom III, 5 (S. 197) von „Cum- 
meneus Albus" ab, den Abschnitt über die Columba-Schrift des 
Cummeneus^). Nach Reeves ■») ist die junge Handschrift Reg. 8 
D. IX nicht vom Cottonianus abhängig, vielmehr beide von einer 
gemeinsamen Vorlage-'), die genauer in dem zeitlich späteren 
Regius als im Cottonianus abgeschrieben ist. Dafs diese Hand- 
schriften auf die Schaffhausener als Quelle zurückgehen, läfst 
sich aus den von Reeves angegebenen Lesarten nicht erweisen; 
sind die Kapitelverzeichnisse des 2. und 3. Buches und die 
zweite Hälfte von II, 20 echt^), so ist die Selbständigkeit dieser 
Handschriftengruppe von vornherein erwiesen. 

B. Die Handschriften der kürzeren Fassung. 

"^ 5. St. Gallen') 555, IX. Jh., fol. 1—83, 

unter Abt Grimald (841 — 872) geschrieben nach einem auch in 
Ratperts Casus S. Galli aufgenommenen Bücherverzeichnis*). Am 
Schlüsse der Handschrift befindet sich ein Bild von Columba^). 

6. Müncheni<J) 6341, ehemals Freising 141, X. Jh., fol. 1—51. 

7. München '1) 22241, ehemals in Windberg, XILJh., fol 133^ 
—157. 



1) Über die dritte Handschrift biu ich nicht näher unterrichtet. 

2) Vgl. unten S. 231 Anm. 1. ^) Vgl. unten S. 259. 
*) Vgl. Reeves, 1. Ausg. S. XXVIII. 

5) Vgl. S. 219, Anm. 7. «) Vgl. unten S. 231, Anm. 1. 

') Vgl. Reeves S. XXV (1. Ausg. S. XXVII uud Tafel 4). 

8) Gustav Becker, Catalogi bibliothecaruin antiqui, BonnlSSö, S. 49, 
Nr. 284 u. S. 56, Nr. 68 u. Ratperti Casus S. Galli, hrsg. von Meyer von Knonau 
in Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte, Band XIII, St. Gallen 1872, 
S. 48, sowie Mon. Germ. Script. II, S. 70: „Vitam sancti Columbae in volum. 1". 

9) Vgl. Reeves, 1. Ausg., Tafel V. 

'») Vgl. Reeves S. XXV (1. Ausg. S. XXVI und Tafel 4). 
'•) Vgl. Reeves S. XXV (1. Ausg. S. XXV) uud Analecla Bollandiana 
XVII, 1898, S. 109. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UNÜ IIIKE ABLEITUNGEN. 221 

Die noch iiiclit benutzten Handschriften: 
8. Heiligenkreuz 12, Ende des XIL Jh., fol. 222^— 236, 
0. Zwett|2) 24, XIILJh, 

10. Admunt3) 24, XIIL Jh., fol. 172^—185. 

11. Wien^), Hofbibliothek Lat 336, XIILJh., fol. 294^— 310^ 

12. MelkO, M. 5, XV. Jh., fol. 151^— 172^ 

sind Exemplare des bald nach 1181 angelegten grofsen öster- 
reichischen Legendars und vielleicht, wie häufig s) dem Text der 
"Windberger Handschrift (Nr. 7) verwandt. 

13. Heidelberge), ehemals in Salem 9, 31, XIILJh., fol. 113^' 
— 135^ (noch nicht benutzt), 

steht München 6341 und St. Gallen 555 nahe. Der Text ist 
genau, besonders bei irischen Eigennamen. Zwei Blätter fehlen, 
von I, 3 (S. 117) „omni reverentia" bis I, 22 (S. 128) „se cibunr'. 

14. Dublin, Primate Marsh's Library V. 3, 4, XV. Jh., fol. 39 
— 5V, der Codex Kilkenniensis von Colgan und Ard- 
machanus von Fleming"), 

weist manche willkürliche Abweichungen auf, Umstellungen von 
Satzgliedern und Kapiteln sowie Auslassungen, so des ersten Teils 
von II, 41. Sonst latinisierte Eigennamen sind hie und da nicht 
nur durch irische Formen ersetzt, sondern zuweilen auch in 
irischer Schrift geschrieben. 

15. Wolfenbüttel, ehemals Helmstedt 322, XV. Jh., fol. 317^— 338^ 
wahrscheinlich aus dem Kloster Klus bei Gandersheim*), enthält 
nach einer freundlichen Mitteilung der Bibliotheksverwaltung 
ebenfalls die küi'zere Fassung. 



*) Handschriftenverzeiehnisse der Cistercienser - Stifte der Österreich - 
Ungarischen Ordensprovinz (Xenia Bernardina 11,1), Wien 1891, S. 121 und 
Analecta BoUandiana XVII, 65; vgl. Reeves, 1. Ausg. S. XXXI. 

-) Xenia Bernardina a. a. 0. S. 311 und Anal. Boll. XVII, 65. 

3) Anal. Boll. XVII, 65; ßeeves, 1. Ausg. S. XXXL 

*) Eb. S. 65. 

*) Eb. S. 25, 26 und 99 ff. 

«) Vgl. Archiv für ältere deutsche Geschichtskunde IX, 1847, S. 582; 
Reeves, 1. Ausg. S. XXXI Nr. 3. 

') Vgl. Reeves S. XXV (1. Ausg. S. XXV f.); Plummer a.a.O. I, S.IXff. 

«) 0. V. Heinemaun , Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu 
Wolfenbüttel 1, 1, 1884, Nr. 357, S. 268. 



222 GERTRUD BRÜNING, 

Die Handschriften der kürzeren Fassung haben wolil keine 
selbständige Bedeutung, sondern gehen anscheinend auf die 
Schaffhausener Handsclirift zurück, soweit sich nach dem Abdruck 
des Windberger Textes durch Canisius und den von Reeves 
mitgeteilten Lesarten der St. Galler, Dubliner und Freisinger 
Handschrift vermuten läfst. Doch bedarf die Frage noch einer 
näheren Untersuchung. 

C. Eine andere kürzere Auswahl aus dem Werke Adamnans 
(Bibl. hag. Lat. Nr. 1889) enthalten drei Handschriften der Mosel- 
gegenden, 

16. Metz 523, XI. Jh., aus St. Arnulf in Metz, fol. 19-51'), 

17. Paris 5308, XII. Jh., fol. 287^— 2922) und 

18. Paris 5278, XIII. Jh., fol. 393-3993). 

Dieser Text beginnt: „Sanctus Columbauus, de nobilissima 
Scottorum ortus progenie, volens exulare propter Deum, in 
Britanniam transnavigavit, ubi paganum usque tunc temporis 
Pictorum populum per suam industriam divinis virtutibus et 
maximis prodigiis roboratam Domino lucratus servus fidelis 
adeptus est. Vir ergo vitae venerabilis ac beatae memoriae. . ." 
Es folgt nach den mir allein zu Gebote stehenden Angaben 
der Bollandisten über die 3. Hs. anscheinend nur die zweite 
Praefatio (S. 106— 108), sodann das erste Kapitel vom Buch I 
(S. 111—114) und III, 16—23 (S. 204—217) bis zu den Worten 
„per omnia saecula saeculorum''. 

Einen noch geringeren Teil enthält 

19. Le Mans 217, XII. Jh., fol. 102^-106^^). 

Der Anfang lautet: „De beato Columba abbate miriticae sancti- 
tatis viro, cuius vita hoc in volumine sequitur latius descripta, 

1) Vgl. Krusch, Mon. (Terra., SS. reram Merov. IV, S. 42 und louae Vitae 
Sanrtorum (Script, rerum Germ.), 1905, S. 97; Catalogue general des mss. des 
bibliotheqiies publiques des departements (4«) V, 1879, S. 195. Die Hs. wird 
in dem Katalog von St. Arnulf von 1673 erwähnt, den der Herausgeber Ph. Lauer 
(Bibliotheque de l'Ecole des chartes LXIII, 1902, S. 502 Nr. 12) irrtümlich auf 
St. Arnulf in Crepy bezogen hat (vgl. Levison, Neues Archiv XXIX, 1904, S.511). 

^) Vgl. Catalogus codicum hagiographicorum Latinorum . . . qui asser- 
vautur in ßibliotheca Nationali Parisiensi, Brüssel 1890, Bd. II, S. 71. 

») Eb. I, 1889, S. 477. 

*) Vgl. Catalogue general des mauuscrits des bibliotheques publiques 
de France, Departements XX, 1893, S. 149 und Analecta Bollandiana XII, 52: 
dazu eine Mitteilung von Prof. Levison. 



AüAMNANS VITÄ COLUMBAE UND IlIUE AHLEITUNGEN. 223 

(luid etiam vir eruditissimus Beda presbj'ter in suis libris. quos 
de gestis edidit Anglorum, memoriae mandaverit posterorum, in 
primordio liiiius egregii abbatis atque sacerdotis vitae ratum 
duximus praenotandum. ut fides luiius almae vitae in praecordiis 
legentium artius infigatur. Sanctus igitur Columba nobilibus 

fuerat parentibus oriundus, patrem habens Fedilmittum 

laetificabatur praecordiis". Es folgt also nicht Beda, aus dem 
die Vorlage der Handschrift Auszüge enthalten haben wird'), 
sondern der Schlufs der zweiten Vorrede (S. 107), sodann I, 1 
(S. 111—114) bis „praegustet dapes", endlich III, 22—23 (S. 209 
— 217) bis zu derselben Stelle „gloria et Imperium in saecula 
saeculorum. Amen". 
Endlich 

20. Florenz, Biblioteca Laurenziana, Asburnham 58 (15), XII. Jh., 
einst im Besitz von Pierre Pithou, fol. 117 — 131 -), 

enthält eine Überarbeitung der Vita Adamnans; auf den Prolog 
,.Sanctorum patrum qui in Oriente vita et moribus claruerunt . . . 
apertiori stilo melioramus" folgt die Vita „Vir itaque venerabilis 
Columba nobilibus parentibus". Sie endet unvollständig in III, 22 
(S. 210), da fol. 127—138 die eine Hälfte der zweispaltigen Seiten 
weggeschnitten ist: ,,sed propius non permittuntur accedere ad 
celos reversuri. Et quod michi*'. 

Nicht unterrichtet bin ich über die Textgestalt einer vierten 
Londoner Handschrift: 

21. London, Britisches Museum, Add. Ms. 19726, XL Jh., 
fol. 593), 

ebensowenig über 

22. Paris 5323, XIII. Jh., fol. 133-140, durch Blätterausfall 
unvollständig*). Voraus gehen Teile von Bedas Hist. eccl. 
IIL4-6. 



1) Vgl. Paris 5323 (unten Kr. 22). 

") Vgl. L. Delisle, Notices et extraits des manuscrits de la bibliotheque 
Nationale XXXII, 1, Paris 1886, S. 35 nnd B. Krusch, Neues Archiv XII, 423; 
C. Paoli, I codici Ashburnhamiaui della E. Biblioteca Mediceo-Laurenziana I 
(Indici e cataloghi Vni), 1887/96, S. 27, Nr. 14. 

') Catalogue of Additions to the Manuscripts in tlie British Museum 
in the years 1854—1860, London 1875, S. 2. 

*) Catalogus codicum hagiograph. Latin. Paris 11, 221. 



22i GERTRUD BRÜNING 



Verscliollen ist eine Handschrift, die sich im XII. Jh. zu 
St. Peter in Salzburg befand i), und eine von Canisius erwähnte 
in Rebdorf2). 

Hardy a. a. 0. Nr. 498 zählt noch mehrere Handschriften 
von Viten Columbas auf: 

1. „Ms. Yienna. 3. Mss." Abgesehen von dem Text des sogen. 
Cummeneus (vgl. unten S. 260 ff.) in der k. k. Privat-Fideikommils- 
Bibliothek kann ich nur eine Handschrift in Wien, Nr. 336, nach- 
weisen (oben Nr. 11) an Hand der Tabulae codicum manuscrip- 
torum in Bibl. Palatina Alndobonensi asservatorum, 1864 ff. 

2. „Ms. Monast. Tegernsee in Bavaria. XIII cent." 3). Viel- 
leicht liegt eine Verwechslung mit der Vita Columbani des Jonas 
vor. Die Münchener Handschriften aus Tegernsee enthalten 
diese freilich nicht; aber Handschriften des gleichen Klosters 
sind in die Bibliothek des Fürsten von Oettingen- Wallerstein in 
]\[aihingen gekommen, und es könnte sich um Hs. I. 2, 4^, 6 
handeln*), aus dem 11. und beginnenden 12. Jh., die fol.72 — 108 
Jonas' Vita Columbani s) und fol. 148 — 153^" eine Passio Columbae 
virginis Senonensis (Bibl. hag. Lat. 1896) enthält und aller Wahr- 
scheinlichkeit nach aus Tegernsee stammt. 

3. „Ms. Bibl. Publ. Orleans 172. vell. fol. XV cent". Diese 
Hs. ist nach dem „Catalogue general des manuscrits des bi- 
bliotheques publiques de France, Dep." XII, 1889, S. 96 die Hs. 
195 (172), XIV. Jh., fol. 54' mit einer Passio der Columba von 
Sens (Bibl. hag. Lat. 1893/95). 

2a. Die Ausgaben der kürzeren Fassung. 

Der Text der Windberger Handschrift wurde zuerst ge- 
druckt, anscheinend einer der unzuverlässigsten Handschriften 
der kürzeren Fassung. Sie gab heraus 



1) Gustav Becker, Catalogi bibliothecavum antiqui. Bonu 1885, S. 236, 
Nr. 179. 

^) Reeves, 1. Ausg. S. XXV hält sie ohne genügende Gründe für identisch 
mit der Windberger Hs. (Nr. 7). t^ber Rebdorfer Hss. s. G. Leidinger, Neues 
Archiv XXXHI, 1908, S. 191 ff. 

') Vgl. Reeves, 1. Ausg. S. XXXI. 

*) Vgl. Wattenbach, Neues Archiv VU, 1881, S. 171 f. 

^) Vgl. B. Krusch, lonae Vitae Sanctorum, S. 74 f. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 225 

Heinrich Canisius; Antiiiuae lectionis tom. V, 2. Ingolstadt 

1604, S. 559 — 621 '). Auf seinem Abdruck beruhen alle späteren 

Ausgaben, so zuerst der erweiterte vierte Abdruck des 
Laurentius Surius, De probatis sanctorum vitis, Cöln 1618, 

Junius, S. 144—1612); 
Thomas Messinghara, Florilegium insulae sanctorum seu vitae 

et acta sanctorum Hiberniae, Paris 1624, S. 144 — 182, der 

dem Text Kapitelüberschriften hinzufügt; 
Jacob Basnage, Thesaurus monumentorum ecclesiasticorum et 

historicorura sive Henrici Canisii lectiones anti(iuae, Amsterdam 

1725, Bd. I, S. 678—708, und 
J. P. Aligne, Patrologiae cursus completus, Series Latina, tom. 88, 

Paris 1850, S. 725—776. 

2b. Die Ausgaben der längeren Fassung. 

Johannes Colganus, Triadis Thaumaturgae seu divorum Patricii, 
Columbae et Brigidae . . . Acta, Lovanii 1647, S. 336 — 372, 
beruht auf einer Abschrift des Schaff hausener Codex, die von 
einem Jesuiten AVhite angefertigt worden war. 

Franciscus Baertius, Acta Sanctorum Junii 11, Antwerpen 1698, 
S. 197—236, gibt den Text ebenfalls auf Grund einer Kopie 
von White. 



^) Bei James Tssher, Veterum epistolarum Hibernicarum Sylloge, 
Publin 1632, S. 42—44, und in späteren Xachdrucken (so Herborn 1696, 
S. 40— 41; The Whole Works of the most rev. James Ussher IV, Dublin um 
1850, 8.454—456) findet sich der I.Prolog und der Epilog von Adamnaus Vita 
abgedruckt. Ussher macht über seine Vorlagen folgende Angabe (vgl. Herborn 
1696, S. 41): „libri eiusdera tres de S. Columba, cuius operis Prologum paiilo 
correctiorem ex Ms. nostro hie damus : addito etiam, ex alio Cottonianae biblio- 
thecae codice, Epilogo hactenus inedito". Der Prolog ist nach den Lesarten 
von Reeves zweifellos der Handschrift Dublin, Primate Marsh's Library V, 3, 4 
(Nr. 14) entnommen (zu deren Benutzung durch Ussher vgl. Plummer a.a.O. I, 
S. XIV Anm. 4), der Epilog stammt aus dem Cottonianus (Nr. 2; vgl. Reeves, 
1. Ausg. S. XXVIII). 

*) Auf dieser Ausgabe von Surius beruht die Vita Columbae von Benedict 
Gonoü, Vitae et sententiae patrum occidentis, Lugduni 1625, S. 420— 422. 
nach einer Angabe Gonons selbst: „Ex üla prolixa, quam scripsit Adamnauus 
Abbas Insulae Huensis in Scotia" und der Randbemerkung: „apud Surium 
auctum novissime Coloniae Impressum". Diese Vita ist ein Auszug aus Surius, 
also aus der Windberger Handschrift mit allen Fehlern und Ungenauigkeiten 
derselben. 



226 GERTRUD RRÜNING, 

.loliaimes Pinkerton. Vitae antiiiuae sanctorum. qui habitaverunt 
in ea parte Britanniae nunc vocata Scotia, London 1789, 
S. 47— 187 (vgl. S. VII), folgt einer Hs. des Britischen Museums, 
Regius 8 D. IX (vgl. oben Xr. 4). Der Anfang jedoch, der in der 
Handschrift fehlt, ist gleich manchen Lesarten aus Canisius 
entnommen. 

AVilliam Reeves, The Life of St. Columba, Dublin 1857, gedruckt 
für die Irish Archaeological Society und für den Bannatyne 
Club, legt vor allem die Schaffhausener Handschrift zu Grunde, 
benutzt aber auch Brit. Mus. Reg. 8. D. IX, St. Gallen 555, 
München 6341 und 22241 sowie Dublin, Primate Marsh's 
Library V, 3, 4. Die Lesarten des Cottonianus finden sich 
S. 456 — 458. Auf dieser bisher besten Ausgabe mit ihrer 
grofsen Einleitung und den reichen Erläuterungen beruht der 
2. Abdruck: 

William Reeves, Life of St. Columba (= The Historians of 
Scotland, vol. VI), Edinburgh 1874, mit Kürzungen und Zu- 
sätzen in den Anmerkungen, besorgt von W. F. Skene, unter 
Beigabe einer englischen Übersetzung. 

W. M. Metcaif e, Pinkerton 's Lives of the Scottish Saints, revised 
and enlarged I, Paisley 1889, S. 73 — 209, benutzt für seinen 
Text auch die von Reeves mitgeteilten Lesarten. Die letzte, 
nützliche Ausgabe von 

J. T. Fowler, Adamnani Vita S. Columbae, Oxford 1894, folgt 
dem Text von Reeves, mit einigen willkürlichen ortho- 
graphischen Änderungen, kurzen Anmerkungen und einer 
brauchbaren Einleitung. 

Auch ein künftiger Herausgeber wird vor allem die wert- 
volle Hs. in Schaffhausen zu Grunde legen müssen. Doch sind 
auch die übrigen Hss. heranzuziehen, zumal der Versuch der 
Aufstellung eines Stammbaums noch gar nicht unternommen ist. 
Von der kürzeren Fassung, die dem Schaffhausener Codex jeden- 
falls verwandt, vielleicht davon abhängig ist, sind namentlich 
die alten Handschriften St. Gallen 555 und München 6341 zu 
untersuchen, andererseits die Handschrift in Dublin, Primate 
Marsh's Library V, 3, 4, um nachzuprüfen, ob vielleicht dem 
Dubliner in Einzelheiten abweichenden Text eine selbständige 
Bedeutung gegenüber den deutschen Handschriften zukommt. 
Bei den bis jetzt noch nicht benutzten Exemplaren des grolsen 



ADAMNANS VITA COLÜMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 227 

(tsterreichisclien Legendars wird man sich meist auf Stichproben 
beschränken können, da ihre Fassung ziemlich genau über- 
einstimmen wird. Für den längeren Text sind in gröfserem 
Malse als bisher vor allem die Handschriften des Britischen 
]\Iaseums zu berücksichtigen, um zu entscheiden, welchen selb- 
j^tändigen Wert sie gegenüber der Schaff hausener Handschrift 
besitzen. Vielleicht tragen auch die Mosel-Handschriften dazu 
bei. manche noch bestehende Schwierigkeit zu lösen. 

3. Zeit und Ort der Entstehung der Vita. 

Genaue Angaben über Zeit und Ort der Entstehung des 
A\'erkes fehlen. Baertius') vermutete, dafs die Biographie Co- 
lumbas kurz vor Adamnans Tod in Irland geschrieben sei. Eeeves^), 
Geyer 3), Fowler^) u.a. nehmen dagegen an, dals Adamnan die 
Vita zwischen 602 und 697 in Hi verfafst habe. "Was zunächst 
den Entstehungsort anbelangt, so weisen einige Redewendungen 
im Text mit Bestimmtheit auf Hi hin: 

I, 1 (S. 111) „hac nostra de insula . . . primaria"', 
I. 30 (S. 131) „nostro huic monasterio", 

I. 37 (S. 136) „nostrum monasterium'', 

II, 28 (S. 171) „huius insulae terrula; totam hanc nostram 
. . . insalam", 

II, 45 (S. 189) „nostri nautae; nostrum . . . monasterium'*, 

II, 46 (S. 191) ,,uos et in his nostris insulis" (was nach dem Inhalt 
des Kapitels Irland ausdrücklich ausschlielst), 

III, 19 (S. 207) ,,huic praefuit ecclesiae", 

III, 23 (S. 217) „in hac parva et extrema oceaui Britannici 
commoratus insula". 

Aus der Vita geht ferner hervor, dafs Adamnan zur Zeit 
der Abfassung schon Abt war, denn er bezeichnet verschiedentlich 
Failbhe, der 679 starb, als seinen Amtsvorgänger &). Genauere 
Angaben über die Entstehungszeit gibt Adamnan selbst. Bei 

^) Acta Sanctorum Junii II, 190, § 3. 

«) Reeves S. CLV. 

^) Geyer, Adamnanns I, S. 5. 

*) Fowler S. LXXXHI. 

*) 1, 1 (S. 113) „meus decessor, noster abbas Failbeus-'. I, 3 (S. 118) 
„meo decesgore Failbeo". Vgl. die Überschrift von III, 19 (S. 207): „ecclesiae, 
... cui ego, indignus licet, deservio". 



228 GERTRUD BRÜNING, 

der Erzählung von der Pest schreibt er II, 46 (S. 191): ..et in 
Saxonia, regem Aldfridum visitantes amicum, adhuc non cessante 
pestilentia, . . . ita tarnen nos Dominus et in prima post bellum 
Ecfridi visitatione et in secunda interiectis duobus annis . . . 
liberavit". Dieses „bellum Ecfridi" kann nur dessen Feldzug 
gegen die Pikten bedeuten, auf der ei- am 20. Mai 085 den 
Tod fand; denn an der gleichen Stelle wird Aldfrid als 
„rex" bezeichnet, der auf Ecgfrid folgte i). Auf die erste Reise 
Adamnans bezieht man die Nachricht der irischen Annalen 687-): 
..Adomnanus captivos reduxit ad Hiberniam LX", so dals die 
Vita nicht vor 089 entstanden sein könnte, indem Adamnan, wie 
er angibt, seine zweite Reise zu Aldfrid zwei Jahre nach der 
ersten unternahm 3); wenn man von dieser Angabe der Annalen 
absieht, deren Beziehung doch nicht ganz sicher ist, ergibt sich 
688 als vordere Grenze. Über Adamnans Tod berichtet Tighernach 
zum Jahre 704 ^j: „Adamnanus 77. anno etatis sue in IX. Kl. 
Octimbris, abbas le pausat'-). Die Angabe, dafs Adamnan am 
23. September gestorben sei, steht in Einklang mit Bedas Bericht, 
dals er das Osterfest nach kanonischer Weise in Irland gefeiert 
habe und in Hi vor dem nächsten Osterfest gestorben sei, um 
nicht wieder den Streit im folgenden Jahre erleben zu müssen. 
Die Vita ist also zwischen 688 und 704 in Hi entstanden. 
Genauer lälst sich das Entstehungsjahr wohl nicht bestimmen. 
Reeves*') und Geyer") glauben freilich, dals Adamnan die 
Biographie schon vor 697 verfalst habe. Nach Reeves soll nämlich 
Adamnan die sieben letzten Jahre seines Lebens mit Ausnahme 



1) Über die Zeit vgl. die Belege bei Levisou, SS. R. Merov. VI, 238, 
Anm. 4 und 254, Anm. 3. 

*) In den Ulster- Annalen , die die Reise Adamnans ein Jahr früher an- 
setzen (Anuals üf Ulster ed. VV. M. Hennessy I, Dublin 1887, S. 136), sind alle 
Nachrichten von 487 bis 1014 um ein Jahr verschoben (vgl. u. a. B. Mac 
Carthy, eb. IV, 1901, S. XCVIff.; J. B. Bury, The Life of St. Patrick, London 
1905, S. 280). Vgl. Annales Tighernachi, O'Conor, Rerum Hibernicarum 
Scriptores II, Buckingham 1825, S. 214; ed. Stokes, Revue celtique XVII, 210. 

*) Über Adamnans Reisen zu Aldfrid vgl. Beda, Hist. eccl. V, 15, 21 
(ed. C. Plummer, Baedae Opera historica I, Oxford 1896, S. 315, 344; vgl. eb. II, 301). 

*) O'Conor a. a. 0. S. 221; Stokes, a. a. 0. S. 219. 

'") Vgl. die Annalen von Ulster a. 703, a. a. 0. 1, 152 (ohne Tagesangabe) 
und die Annales Cambriae, hrsg. von Williams ab Ithel, London 1860, S.S. 
Zu 705 die Annales Laureshamenses (Mon. Germ., SS. I, 22): „Dormitio [A]dom- 
nani abbatis". 

«) Reeves S. CLV. ') Geyer, Adamuauus I, S. 5. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 229 

der letzten Monate in Irland zugebracht haben, um dort für die 
Sache Roms zu wirken. Die Annalen verzeichnen nämlich Reisen 
Adamnans nach Irland 692 und 697. Aber daraus zusammen 
mit jenem Bericht Bedas kann man nicht schliefsen. wie auch 
Plummer') schon bemerkt hat, dafs Adamnan von 697 an un- 
unterbrochen in Irland geweilt hat. Es bleibt also der Spielraum 
von 688 bis 704 für die Entstehungszeit der Tita Columbae bestehen. 

4. Die Anlage der Vita Columbae; Adamnans Sprache 

und Stil. 

Die Biographie des hl. Columba von Adamnan gehört in die 
Frühzeit der irischen Hagiographie und gewährt, wie wenige 
Erzeugnisse, einen Einblick gerade in die Anfänge dieser 
Literaturgattung, die sich später so phantastisch und eigenartig 
gestaltet, indem das Werk neben t3'pischeu Zügen doch auch 
viel Persönliches aufweist. 

Adamnan eröffnet die Lebensbeschreibung Columbas mit 
zwei Vorreden. Die erste ist eine Art Geleitsformel, wie sie 
im Mittelalter üblich ist. Der Verfasser bittet, teilweise im 
Anschlufs an Sulpicius Severus^), namentlich den Leser um 
Glauben, beteuert seine Objektivität und betont den Gegensatz 
zu den Rhetoren. Das Thema der zweiten Vorrede bildet Columba 
und dessen Biographie. Nachdem Adamnan von dem Namen 
seines Heiligen und einer Prophezeiung vor seiner Geburt erzählt 
hat, legt er den Plan seines Werkes dar. Die Vita soll in drei 
Bücher zerfallen, „quorum primus propheticas revelationes, 
secundus vero divinas per ipsum virtutes effectas, tertius angelicas 
apparitiones continebit et quasdam super hominem Dei caelestis 
claritudinis manifestationes" (S. 107). Die Vorrede schliefst mit 
einem kurzen Überblick über des Heiligen Leben bis zu seiner 
Auswanderung nach Hi, wo er nach Adamnan 34 Jahre als 
„miles insulanus" lebte. Ein Versuch einer Charakteristik seines 
Helden beendet diese biographische Übersicht. Ihr entspricht 
als erstes Kapitel des ersten Buches eine gedrängte Zusammen- 
fassung seiner bedeutendsten ^^^undertaten, „nt avidior lector 
breviter perscripta quasi dulciores quasdam praegustet dapes" 
g 1, S. 1 14). 

Plummer a. a. 0. U, S. 302. Unbrauchbar sind die Zeitangaben der 
wertlosen Vita Geraldi c. 15 (Plummer, Vitae II, 114; vgl. I, S. LXXIf.). 
■-) Vgl. nuten S. 247. 



230 GERTRUD BRÜNING. 

Entsprechend dem Plan, den er in seiner Vorrede ent- 
wickelt hat, handelt das erste Buch von den Prophezeiungen 
des Heiligen. Diese Erzählung-en sind wenigstens teilweise nach 
einem bestimmten Plan geordnet, indem Adamnan Weissagungen, 
die sich dem Inhalt nach ähneln, zusammenstellt. So eröffnen 
Prophezeiungen über irische Heilige und andere hervorragende 
Personen das erste Buch c. 2 — G (S. 114 — 119). Es folgen 
Columbas Vorhersagen über Kriege, Könige und Fürsten, c. 7 — 15 
(S. 120 — 124). Er kündet seinen Mönchen und Fremden Zu- 
künftiges voraus, c. IG— 22 (S. 124 — 128). Die folgenden Prophe- 
zeiungen beziehen sich auf das Schriftwesen, das in den irischen 
Klöstern eine so wichtige Eolle spielt, c. 23—25 (S. 128—129). 
Er offenbart die Ankunft von Pilgern auf der Insel, c. 26, 27 
(S. 129 — 130). Im Geiste sieht er den Untergang einer Stadt 
in Italien, c. 28 (S. 130). Es bleibt ihm nicht verborgen, wie 
seine Mönche fern von ihm auf dem Felde schwere Arbeit ver- 
richten, c. 29 (S. 131). Er verkündet den Tod und sieht die 
Strafen der Bösen voraus, c. 31 — 39 (S. 132 — 138). Sünden, die 
an andern Orten geschehen, bleiben ihm nicht unbekannt, c. 40, 
41 (S. 1391). Der Tod von Menschen, die fern von ihm sind, 
wird ihm in einer Vision kund, c. 42, 43 (S. 140 — 142). Auch 
Verkleidungen durchschaut er, c. 44 (S. 142). Noch einmal folgen 
Weissagungen über Tod und Unglücksfälle, c. 45—47 (S. 143— 
144). Er verkündet die Ankunft eines Vogels aus Irland, c. 48 
(S. 144 f.). Dem hl. Comgell erzählt er ausführlich von einem 
zukünftigen Kriege, c. 49 (S. 145 f.). An den Gastgeschenken er- 
kennt er die Gesinnung des Gebers, c. 50 (S. 147). 

Auch im zweiten Buch, das von den „virtutes" des Heiligen 
handelt, nämlich von Wundertaten, die durch seine Kraft voll- 
bracht werden '), sind die Erzählungen nicht regellos an einander 
gereiht, sondern wenigstens Gruppen verwandter Wunder zu- 
einander gestellt. Der Heilige ist Herr der Natur; er wandelt 
Wasser in Wein, bittere Früchte in süfse, und wunderbar schnell 
reift das Getreide dui'ch seine Kraft, c. 1 — 3 (S. 152 — 154). 
Selbstverständlich ist die Gabe der Krankenheilung, c. 4 — 6 
(S. 154—157). Dann folgt der Kampf gegen die feindlichen 
Elemente, Feuer, c. 7 (S. 157) und Wasser, c. 8—15 (S. 157—162). 



') Über den Begriff „virtus" vgl. u. a. E. Ch. BaLut, Saint Martin de 
Tours, Paris (1912), S. 252ft". 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 231 

Auch dämonische Kräfte überwindet er, c. 16, 17 (S. 162 — 163). 
Seine Macht braucht er zum Nutzen der Guten, c. 18 — 21 (S. 163 
166)1) und zum Schaden der Bösen, c. 22-25 (S. 166—169). 
Columba schützt die Seinen vor schädlichen Tieren und erweist 
sich als Freund der Tierwelt, c. 26— 29 (S. 170— 172). Dem 
Tode gegenüber bleibt er Sieger, c. 30—32 (S. 172—174), und 
auch die Zauberki-aft der Magier mufs vor ihm unterliegen, 
c. 33, 34 (S. 174—176). Verschlossene Türen öffnen sich ihm, 
c. 35. 36 (S. 176 f.). Die folgenden Erzählungen sind dem Inhalt 
nach zum grofsen Teil zugleich Prophezeiungen, c. 37— 43 (S. 177 
— 1S8) und ferner" Wunder, die Adamnan als eigene Erlebnisse 
berichtet, c. 44 — 46 (S. 188 ff.). Dafs Adamnan wirklich Grupjjen 
von gleichartigen Wundern unterscheiden will, zeigt sich deutlich 
an den einzelnen Übergangsformeln, so z.B. c. 8 (S. 157): „Aliud 
miraculum aestimo non tacendum, quod aliquando factum est 
per contrarium elementum", oder c. 25 (S. 169): „Huc usque de 
adversariorum terrificis ultionibus dixisse sufficiat; nunc de bestiis 
aliqua narrabimus pauca"^). 

Ein Prolog eröffnet das dritte Buch, in dem noch einmal 
der Plan des ganzen Werkes wiederholt wird. In diesem letzten 
Buche ist insofern eine zeitliche Anordnung gewahrt, als die 
ersten Kapitel von Visionen vor seiner Übersiedlung nach lona 
handeln, c. 1 — 4 (S, 194 — 196). Dann folgen wieder Gruppen 
von Legenden. Er sieht in einer Offenbarung, wie die Engel 
die Seelen der Guten zum Himmel führen, c. 6—14 (S. 198 — 203). 
Himmlische Geister verkehren freundlich mit ihm; etwas von 
dem Charakter irischer Elfen- und Nixenmärchen liegt in diesen 
Erzählungen, c. 15, 16 (S. 203—205). Oft wird Columba über- 



*) Der zweite Teil von II, 20 (S. 165) palst dem Inhalt nach nicht in 
den Plan dieser Kapitel. In all diesen Erzählungen ist von der Belolinung 
durch den Heiligen die Rede, nur dieser Abschnitt befafst sich mit der Strafe 
eines geizigen Mannes und niüfste dem Inhalt nach zu den folgenden Kapiteln 
gestellt werden. Er fehlt auch in der Schaffhausener Handschrift, findet 
sich dagegen im Cottonianus und Regius und wahrscheinlich auch im 
Add. Ms. 35110 (vgl. S. 220). Dem Stil nach ist die Stelle als echt adam- 
nanisch zu bezeichnen, z. B. die Diminutivformen „perula" und „fossula"; 
beliebt bei ihm ist auch das Adjektiv „aemulus" und die Wendung „protulit 
prophetalem sententiam" (vgl. unten 8.237 ff. über Adamnans Stil). Es handelt 
sich also wohl um einen nachträglichen Zusatz Adamnans, der nicht in alle 
Handschriften übergegangen ist. 

-) Ebenso c. 10 i,S. 158) j c. 38 (S. 180); c. 43 (S. 188). 



232 GERTRUD BRÜNING. 

irdischer Liclit- und Feuererscheinuugen g-ewürdigt. c. 17 — 21 
(S. 205—209). Mit der Schilderung von seinem Tode schliefst 
die Lebensbeschreibung des Heiligen. Ein Epilog läfst noch 
einmal das Thema der drei Bücher anklingen und spricht von 
dem Ruhm Columbas und der Ausbreitung seines Namens. 

Aus der Anah'se des Inhalts geht hervor, dafs der Begriff 
einer Biographie im Sinne fortschreitender Entwicklung bei 
Adamnan völlig fehlt. Das AVerk ist nach sachlichen Gesichts- 
punkten angelegt. Das AA'under ist das Beherrschende, und das 
eigentlich Biographische tritt zurück. Immerhin kann man 
insofern von einer biographischen Rahmenerzählung reden, als 
der eigentlichen Wunderberichterstattuug ein kurzer Überblick 
über Columbas Leben voraufgeht, und die Vita im letzten Buche 
mit der Schilderang von seinem Tode schlielst. Diese Art Bio- 
graphie ist keine originelle Schöpfung Adamnans, sondern auch 
andere Heiligenleben vor ihm sind mehr oder minder nicht sowohl 
Lebensbeschreibungen als Sammlungen von Wundergeschichten. 
Nicht erst das Christentum mit seiner Heiligenverehrung hat 
die Vita in dieser Form geschaffen, die seinen Zwecken am 
besten entsprach, sondern sie reicht bis ins heidnische Altertum 
hinab, wo man Erzähler derartiger Wundergeschichten Aretalogen 
nannte 1). Von Heiligenleben dieser Art hatte Adamnan Vor- 
gänger u. a. besonders in den Lebensbeschreibungen ägj'ptischer 
Mönche, deren wichtigstes Beispiel die Vita Antonii ist. In den 
gleichen Kreis gehören Sulpicius Severus' Martinschriften 2), die 
Vita des Germanus von Auxerre^) und Gregors d. Gr. Dialoge, 
um nur Quellen zu nennen, die er gekannt hat. Gegenüber 
diesen Schriften ist jedoch neu bei Adamnan, dals er das 
sachliche Einteilungsprinzip stärker in den Vordergrund schiebt 
und wenigstens bei der Gliederung in drei Bücher streng durch- 
führt. Wunderbare Vorgänge, die sich ähneln, sind zusammen- 
gestellt, obgleich sie zeitlich weit auseinander liegen. Bezeichnend 



') Auf den Zusammenhang der christlichen Biographie als Wunder- 
erzählung mit der heidnischen Aretalogie weist u. a. Babut hin, a. a. 0. S.89ff.; 
vgl. ferner R. Reitzeusteiu, Hellenistische "Wuudererzählungen, Leipzig 1906, 
und Heinrich Günter, Die christliche Legende des Abendlandes (Reügions- 
geschichtliche Bibliothek H), Heidelberg 1910, S. 49ff. 

■) Vgl. Babut a.a.O. 

3) Vgl. Levisou, Genuanus von Auxerre (Neues Archiv XXIX, 1904, 
S. 114 f.). 



ADAMNÄNS VITA CÖLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 233 

dafür ist, dafs Adaiiinan erst im dritten Bucli eine Vision von 
C'olumbas Mutter vor dessen Geburt erzählt, nachdem er schon 
in zwei Büchern von des Heiligen Prophezeiungen und Wunder- 
taten berichtet hat. Gleich im folgenden Kapitel erzählt er von 
einer Feuererscheinung, die Columbas Erzieher erblickte, als der 
Heilige schon ein Knabe war. Zeitliche Zwischenräume werden 
also unbekümmert übersprungen, das Einigende ist allein die 
Ähnlichkeit des Inhalts. Bei diesem sachlichen Einteilungs- 
prinzip ist es leicht erklärlich, dals Adamnan gleich Sulpicius 
Severus') und Constantius, dem Verfasser der ihm ebenfalls 
bekannten Vita des Germanus von Auxerre^). geringen Wert 
auf Zeitangaben legt. Fast alle Erzählungen beginnen mit 
dem unbestimmten ,. Alio in tempore", „Quadam die'' oder 
ähnlich, ohne dafs diese Ausdrücke auf eine bestimmte Zeit- 
angabe Bezug nehmen. Zuweilen nur läfst sich aus der Orts- 
angabe oder aus anderen Wendungen ersehen, ob ein Wunder 
sich vor oder nach Columbas Niederlassung auf Hi zugetragen 
haben soll. Ein festes Datum aus seinem Leben ist fast nie 
genannt 3). Nur zuweilen wird auf ein kriegerisches Ereignis 
Bezug genommen 4). Auch über Columbas Missionstätigkeit er- 
fahren wir kaum etwas. Einige Bekehruugsreisen zu den Pikten 
werden wohl erwähnt, aber auch sie geben nur den äufseren 
Rahmen für eine Wundererzählung ab, und das Historische tritt in 
den Hintergrund vor der Legende, denn für Adamnan wie für 
die meisten Hagiographen ist der letzte Zweck nicht Geschichte, 
sondern Erbauung durch die Biographie eines bestimmten Heiligen. 

') Vgl. C. A. Bernoulli , Die Heiligen der Merowinger, Tübingen 1900, 
S. 28 f. 

») Vgl. Levison, Neues Archiv XXIX, S. 118. 

^) Die Zeitangaben im letzten Kapitel, so über den Monat des Oster- 
festes im Todesjahr, zusammen mit dem aus anderen Quellen bekannten Tages- 
datum von Columbas Tod und den Angaben über die auf Hi verbrachte Zeit 
und sein Todesjahr werden benutzt bei den Erörterungen über den 84jährigen 
Irischen Ostercj'klus ; vgl. B. Krusch, Die Einführung des griechischen Paschal- 
ritus im .\bendlande (Neues Archiv IX, 1884, S. 143) und Mac Carthy a. a. 0. 
IV, S. LXXVIU. Doch ist die Unhaltbarkeit des errechneten Ostercyklus, der 
dabei zu Grunde gelegt wird, dargetan von Eduard Schwartz, Christliche 
und jüdische Ostertafeln (Abhandlungen der Göttinger Gesellschaft der Wissen- 
schaften, rhil.-hist. Klasse, Neue Folge VIII, 6), 1905, S. 102 f. Ganz abzulehnen 
ist A. Anscombe, The obit of St. Columba (The English historical review VII. 
1892,8.510—531). 

«) Z. B. praef. U (S. 108); I, 7, 8 (S. 120); II, 46 (S. 191). 

Zeitschrift f. celt. Philologie XI. IQ 



234 GERTRUD BRÜNING, 

Abgesehen von dem sacliliclien Einteilungsprinzip fällt 
besonders das Betonen der Prophetengabe C'olumbas auf. Wohl 
in keiner Heiligenbiographie ist diese Eigenschaft so in den 
^'ordergrund geschoben. Mit dem ersten Buch noch nicht zu- 
fi-ieden. legt Adamnan auch in den andern Büchern besonderen 
Nachdruck auf die Weissagungen Columbas. Viele auch von den 
im zweiten Buch erzählten Wundern sind dem Inhalt nach vor- 
wiegend Prophezeiungen. Er verkündet günstigen Wind, c, 15 
(S. 161 f.), reichen Fischfang, c. 19 (S. 164), Krankheit, c. 33 (S. 174) 
und Tod, c. 22-25 (S. 166— 169). Er heilt nicht nur die Kranken, 
sondern sagt auch vorher, ein wie langes Leben ihnen noch 
beschieden ist, c. 5 (S. 155 f.), c. 30, 31 (S. 1721). Ausführliche 
Prophezeiungen sind c. 39 (S. 180 f.) und c. 42 (S. 185); schon in 
der Überschrift dieser beiden Kapitel spricht Adamnan von der 
j.prophetatio sancti viri". Auch an vielen andern Stellen betont 
Adamnan gerade diese Eigenschaft z. B. II, 4 (S. 155): „In hac 
itaque suprascripta narratione, ut aestimo, duo haec manifeste 
pariter comitantur, hoc est gratia prophetationis de nube et 
virtutis miraculum in aegrotantium sanitate"; ebenso II, 19 
(S. 164): „In his duabus memoratis piscationibus miraculi apparet 
virtus et prophetica simul praescientia comitata". Columba 
segnet die Kühe eines armen Mannes, die sich wunderbar ver- 
mehren bis zu einer bestimmten Anzahl II, 21 (S, 166): „In hac 
itaque narratione, ut in ceteris, virtutis miraculum et prophetia 
simul aperte ostenditur: nam in magna vaccarum ampliatione 
benedictionis pariter et orationis virtus apparet, et in prae- 
fiuitione numeri prophetalis praescientia" i). Im Prolog zum 
dritten Buch schreibt deshalb Adamnan mit Recht (S. 194): „in 
secundo superiore de virtutum miraculis, quae per beatum de- 
clarata sunt virum, et quae, ut saepe dictum est, plerumque 
prophetationis comitatur gratia". Die Mutter Columbas erhält 
die Weissagung, dafs sie einen Sohn gebären soll, „qui quasi 
unus prophetarum Dei inter ipsos connumerabitur", III, 1 (S. 195). 
Von Prophezeiungen handeln in demselben Buche c. 5 (S. 197), 
c. 8 (S. 199), c. 21 (S. 200), c. 22 (S. 210), c. 23 (S. 216). 

Diese absichtliche Hervorhebung der Prophetengabe Co- 
lumbas ist eine besondere Eigenart der irischen Ilagiographie. 
Columba erscheint vor allem als Prophet, um den Gegensatz zu 



') Vgl. ebenso II, 38 (S. 179); II, 42 (S. 187). 



ADAMNANS VITA COLUMHAK UND ITIUE ABLEITUNGEN. 235 

den Druiden auszuspielen, die bei dem Volke in hohem Ansehen 
standen. Die Di-uiden haben die Gabe der Prophetie'). AVie 
sehr darin Columba ein christlicher Druide ist, wurde gezeig^t. 
Die Druiden besitzen Macht über die Natur; aber Columba 
laimpft mit ihnen und sein Gott erweist sich als der stärkere. 
Charakteristisch dafür ist die Erzählung, dafs der Magier einen 
Sturm erregt an dem Tage, an dem Columba eine Meerfahrt 
unternehmen will. Sobald der Heilige das Schiff besteigt, wenden 
sich die widrigen Winde-). Die Krankenheilungen, die ja aller- 
dings zum allgemeinen Legendenbesitz der Völker zählen, spielen 
in der irischen Hagiographie eine besondere Rolle, um auch hier 
wieder den Gegensatz zu den Druiden zu betonen, die als Ärzte 
berühmt waren. Für den echt irischen, wenn auch sonst weit 
verbreiteten Zug, dafs bestimmten Gegenständen bei diesen 
Krankenheilungen eine besondere Kraft eingeflöfst wird, liefert 
Adamnan zahlreiche Beispiele. Es handelt sich meistens um 
Brot, Salz oder einen Stein, die in Wasser getaucht w^underbare 
Heilungen bewirken 3). Diesen heilbringenden „benedictiones" 
können die Elemente nicht schaden'*). Ein anderes Erbe der 
Druiden ist der Fluch s). Hierin steht Columba keineswegs hinter 
ihnen zurück. Wehe dem, der ihn oder die Seinen verachtet; 
ewiger Unsegen und plötzlicher Tod ist die Strafe*^). Columba 
verfolgt seinen Gegner ins Meer hinein, bis die Wellen um ihn 
spülen. Der heidnische Einschlag, der durch das Druidentum in 
die Vita kommt, wird noch vermehrt durch andere heidnische 
Elemente, von denen ja die irische Hagiographie durchsetzt ist. 
Zahlreich sind die Naturwunder bei Adamnan, deren Hauptzüge 
dem heidnischen Glauben entlehnt sind, in dem die Naturverehrung 
eine grofse Rolle spielt'). Feuererscheinungen s) , wunderbares 
Üifnen und Schliefsen von Türen sind heidnische Motive 'O- 
Echt irisch ist die Liebe zu der Tierwelt ^o). Gefahrbringende 

') Vgl z. B. Louis Gougaud, Les chretientes celtiques, Paris 1911, S. 21f. 
inid Plummer, Vitae I, S. CLVIII ff. 
») n, 34 (S. 175 f.). 

») II, 4 (S. 154 f.); II, 5 (S. 155 f.); II, 6 (S. 156 f.). 
*) II, 7 (S. 157). 

») Plummer a. a. 0. S. CLXXHI. 
«) n, 23-25 (S. 167—169). 
") Plummer S. CXXXVII und CXXXIX. 
«) III, 23 (S. 195 f.); c. 17—21 (S. 205—209). 
•) Plummer S. CXXXIX. »") Eb. S. OXLVI. 

16* 



236 GERTRUD BRÜNING. 

Tiere weichen vor Columba zurück '); das Gift der Schlange 
kann seinen Mönchen nicht schaden, weil er die Insel gesegnet 
hat 2). Der Speer, auf dem sein Segen ruht, verletzt das Wild 
des Waldes nicht 3). Eine der schönsten Tierlegenden der irischen 
Hagiographie überhaupt ist die Erzählung von dem alten 
Schimmel, der den Tod Columbas vorausahnt und auf dessen 
letztem Gang durch die Felder weinend sein Haupt in Columbas 
Schofs birgt. Für das so charakteristische irische Heimweh \) 
hat Adamnan einen eigenartigen Ausdruck gefunden in der an- 
mutigen Legende von dem Kranich, der dem Heiligen auf seiner 
Insel gleichsam Grüfse aus seiner irischen Heimat bringt. 

Gerade in diesen kleinen Anekdoten entfaltet sich die 
schriftstellerische Eigenart Adamnans am besten. Er weifs im 
allgemeinen recht anregend zu erzählen und mit einer kurzen 
Wendung eine Situation treffend zu charakterisieren; z.B. wenn 
der hl. Cainnechus so schnell zur Kirche läuft, dafs er einen 
Schuh in der Eile vergifst^); oder wenn Columba mit Schreiben 
so beschäftigt ist, dafs er ohne aufzusehen mit dem Schreibstift 
das Zeichen des Kreuzes macht ß). Adamnan schildert Columba 
nicht nur als Heiligen, der mit seiner Askese und Weltfremdheit 
auf die Dauer dem Leser vielleicht langweilig wird, sondern er 
stellt ihn als Mensch unter Menschen. Columba nimmt an den 
Leiden und Freuden des Mannes aus dem Volke regsten AnteiP), 
und selbst für Eheprobleme hat er Verständnis^). Besonders in 
der Erzählung von dem Tod des Heiligen erhebt sich Adamnans 
Darstellungskraft zu ihrer Höhe. Es ist eine Art Stimmungs- 
novelle, die in ihrem Aufbau und in ihrer organischen Geschlos- 
senheit auch dem modernen Leser einen reinen Genufs bietet. 
Gleichsam den Eiugangsakkord bildet Columbas Prophezeiung 
von seinem baldigen Tod. In des Heiligen Worten spricht sich 
keine Trauer aus, sondern eine stille, freudige Erwartung, auf 
die nur der Abschied von den Seinen ihren Schatten wirft. Es 
ist die gleiche Stimmung, wie sie die Schrift in der Abendmahls- 
szene bringt, und bewufst oder unbewufst braucht Adamnan 



') n, 26, 27 (S. 170 f.). *) II, 28 (S. 171 f.). 

') II, 29 (S. 172). *) Plummer S. CXXIII. 

') II, 13 (S. 160). «) 11, 29 (S. 172). 

") II, 20, 21 (S. 164 f.) und II, 37 (S. 177 f.). 
«) II, 40, 41 (S. 184f.). 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 237 

auch die Worte bei Lukas XXII, 15 „desiderio desideravi". Die 
letzten Tage gehören seinen München. Der Heilige besucht sie 
bei der Arbeit und freut sich mit ihnen über den Reichtum der 
Ernte; er segnet die Insel und ihre Bewohner und nimmt von 
ihnen Abschied. Selbst der alte Schimmel ahnt Columbas Tod 
und beginnt in menschlicher Weise zu klagen. Bis in die Todes- 
nacht hinein ist Columba mit Abschreiben der Psalmen be- 
schäftigt, und darin zeigt sich die ruhige Todeserwartung mehr 
als in langen Schilderungen. Um Mitternacht eilt er auf das 
Glockenzeichen als erster zur Kirche, wo die Mönche ihn dann 
sterbend vor dem Altar finden. — 

Allerdings ist zuweilen in der Vita der Bilderreichtum 
etwas gesucht, und das Streben nach glänzender und eleganter 
Ausdrucksweise, oft nicht ganz frei von Schwulst, verwirrt 
zunächst den Leser und beeinträchtigt in etwa den Genuls 
mancher Teile. Aber unklar wird Adamnau an keiner Stelle, 
und Roger 1) kennzeichnet seine Sprache treffend, wenn er sagt: 
„Le style d'Adamnan est clair et correct; la pensee est degagee 
et nettement exprimee; ses phrases, parfois longues, sont cou- 
struites et toujours intelligibles". 

Auch auf die Besonderheiten seines Sprachschatzes macht 
nach anderen Roger aufmerksam 2). Gewisse sprachliche Eigen- 
heiten sind sicher nicht zufällig, sondern absichtlich von Adamnan 
oft im Übermafse angewendet, um seiner Sprache etwas Gewähltes 
und Formvollendetes zu geben. Sein Latein ist mit Neuprägungen 
durchsetzt, die sonst nicht belegt sind, z. B. cristilia I, 47 (S. 144); 
parasticia III, 23 (S. 211); praetersorium I, 38 (S. 138) und rata- 
busta III, 23 (S. 216). 

In Anlehnung an das Irische sind gebildet: hinimjlas'^) II, 12 
(S. 160) und geryenna II, 16 (S. 162)*). Auch sonst in der lateinischen 
Literatur der Iren und Briten begegnen hocetum^) III, 23 (S. 212) 



') M. Roger a. a. 0. S. 261 f.. 

*) Eb. S. 261f. Vgl. Reeves S. CLXIV; Geyer, Adamnanus I, S.39ff. 
und das Glossar von Reeves, 1. Ausg. S. 439 ff. und von Fowler S. 167 ff. 

') Vgl. Reeves, 1. Ausg., S. 445. 

') Irisch gerrcend; vgl. A. Holder, Altceltischer Sprachschatz I, Leipzig 
1896, S. 2008. 

•') Vgl. boccetum in Vita S. Rodani c. 8 (Acta Sauctorum Hiberniae ex 
cod. Salmanticensi S. 321). Als bucetum öfters belegt; s. Thesaurus linguae 
Latinae II. 2231. 



238 GERTRUD BRÜNING, 

und curuca '•) II, 45 (S. 189). Auch griecliische Worte sind zahlreicli 
in der Vita verstreut. Reeves-) zählt einige Beispiele auf, die 
sich noch vermehren lassen. Fast alle diese Gräzismen sind 
jedoch schon ganz in die damalige lateinische Literatur über- 
gegangen. Als griechisch werden höchstens noch empfunden^) 
(jithenieta II, 41 (S. 184), liihus II, 33 (S. 175), onoma praef. I 
(S. 105) und III, 12 (S. 202), protum II, 1 (S. 153). Einzelne 
Worte sind auch mit griechischen Buchstaben^) in der Schaff- 
hausener Handschrift geschrieben. Der Name des hl. Columba 
wird, ähnlich wie bei Columban^), in der hebräischen Form 
lona^) und in der gi-iechischen lUlPlCTllIKi angegeben*). 
Es wäre verfehlt, wenn man aus diesen Gräzismen auf eine 
tiefgehende griechische Bildung bei Adamnan schlielsen wollte. 
Seine Kenntnisse dieser Sprache sind wahrscheinlich nur gering 
gewesen, wie wohl im allgemeinen in den irischen Klöstern 
dieser Jhh. die Bekanntschaft mit der griechischen Sprache und 
Literatur nicht bedeutend war, die z. B. von Stokes^) und 
Zimmer'*) überschätzt worden isti")- 

Adamnans Wortschatz Avird noch vermehrt durch die 
zahlreichen Ableitungen von Substantiven, Adjektiven, Verbal- 
substantiven und von Adverbien mit verschiedenen Endungen, 
wie sie bereits Geyer n) zusammengestellt hat. Formen auf -amen 
sind z. B. in der Vita Columbae: cimdamen III, 23 (S. 215); 
foramen III, 21 (S. 208); fanien III, 15 (S. 203); laekimen III, 22 
(S. 209); peccamen II, 39 (S. 180); solcanen II, 37 (S. 179); spiramen 

») Gildas, De excidio et conquestu Britanuiae c. 19 (M. G. Auct. autiqu. 
XIII, S. 35). 

2) Reeves, 1. Ausg. S. 445. 

«) Roger a. a. 0. S. 270 Anm. 14. 

♦) Vgl. Reeves, 1. Ausg. S. XIV, XX f., 5, 89, 187. 

'•') Columbani epist. 4 (MG. epist. III, 176). 

*) Vgl. u. a. Hieronj'mus , Liber interpretatiouis Hebraicorum nominura 
(de Lagarde, Onomastica sacra I, 1870, S. 46, <; 52, lo; 65,,): „lona columba". 

') Praef. II (S. 106). 

») W. Stokes, The kuowledge of Greek iu Irelaud (Proceedings of the 
Royal Irish Acaderay, III. Series, vol. II, 1891—1893, S. 187—202). 

^) Vgl. H. Zimmer, Über direkte Handelsverbindungen Westgallieus mit 
Irland (Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1909, S. 560 f.) und sonst. 

") Vgl. die vorsichtigeren Ausführungen von M. Roger a. a. 0. S. 268 
—273 (dazu W. Levison, Neues Archiv XXXI, 784); ebenso Gougaud a.a.O. 
S. 247 f. 

") A. a. 0. S. 45. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IIIKE ABLEITUNGEN. 239 

III, 18 (S.206); stramen IIL 23 (S.213); vocamen praef.I (S.106). 
Von deu vielen Adjektivbildungen auf -osus seien hervorgehoben: 
oiniosiis III, 17 (S. 20G) und llvorosus III, 5 (S. 197). Sehr 
beliebt bei Adaninan sind dann die Diminutivformen i). Sie 
dienen wie alle übrigen Stileigenheiten nur dazu, Wechsel im 
Ausdruck zu ermöglichen. Schon die wahllose Nebeneinander- 
stellung dieser Diminutive in den gleichen Kapiteln zeigt, dals 
keine Diminutivbedeutung damit erzielt werden soll. So findet 
sich II, 5 (S. 156) capsa neben capsella und capsellida. Auch 
von Adjektiven bildet Adamnan diese Formen. Neben miser 
steht miselhis und sogar misellulus II, 40 (S. 184). Zuweilen 
werden Substantiv und Adjektiv zusammen verkleinert. So 
spricht Adamnan z. B. von pauciilae vacculae II, 20 (S. 165). 
Besonders liebt er den Ausdruck misellus Jiomuncio, z. B 
II, 23 (S. 168); II, 37 (S. 177). Indem Adamnan diese Diminu- 
tive mit Neubildungen und griechischen Worten wechseln lälst, 
erreicht er in der Tat eine vielseitige Ausdrucksmöglichkeit. 
Einige Beispiele seien hier aufgeführt. II, 33 (S. 175) findet sich 
lapis neben lapüliis und lithus\ III, 22 (S. 209): laetificatio, lae- 
tatio, laetamen, laetifica hilaritas und gaudium; II, 27 (S. 170): 
nans, natans und natatiUs. Nicht weniger als zwölf verschiedene 
Ausdrücke für navis gebraucht Adamnan in der Vita, nämlich alnus 
n, 27 (S. 170), harca 1,28 (S. 131), caupalliis 11,27 (S. 170), 
cunica n, 45 (S. 189), cymha II, 34 (S. 176), cymlida II, 34 (S.176), 
li(jnum II, 45 (S. 189), naviceUa III, 23 (S. 217), navicula 1, 34 (S. 134), 
navigium II, 34 (S.176), ratis I, 36 (S.136), scaplia II, 45 (S. 189). 

Eine Menge von Ausdrücken steht ihm also zu Gebote. 
Vielleicht liegt es gerade darin begründet, dafs Pleonasmen öfter 
begegnen, z. B. furiosa rabies I, 1 (S. 111), diver sis et separaüs 
vicibus I, 1 (S. 112), fessa et fatigata I, 48 (S. 145), maesta trisii- 
ficatio III, 22 (S. 209), flelilis lamentor III, 23 (S. 212), maestus 
plangor III, 23 (S. 214). Als Pleonasmus kann es auch bezeichnet 
werden, wenn Adamnan valde noch zu einem Superlativ oder 
Komparativ hinzufügt, z.B. valde notissinius 1,3 (S. 117f.) oder 
valde difßciliores II, 40 (S. 184). 

Alliteration kommt bei Adamnan verhältnismäfsig selten 
vor, z.B. in verum vertit vinum 1, 1 (S. 112), prospere prolem peperit 



') Eine Liste der in der Vita vorkommenden Diminutive gibt Reeves, 
1. Ausg. S. 442 f. 



'240 GERTRUD BRÜNING, 

II, 40 (S. 184). Als Art Alliteration kann jedoch bezeichnet 
werden, dafs Adamnan häufig Wörter mit gleicher Stammsilbe 
nebeneinander stellt z. B. gemifii ingtmuit I, 43 (S. 141), segcs 
seminata II, 3 (S. 154), 7nacie maceraius II, 17 (S. 103), morso 
momorclit II, 27 (S. 170), in statione stahiliens II, 32 (S. 174), 
02)ih(s opulentus II, 39 (S. 180), votum...devoius vovit II, 39 (S. 183), 
consilio consüiati stmius II, 44 (S. 188), satis satiata II, 44 (S. 189), 
niayis ac magis magmßcat III, 3 (S. 19G), .seweic senio fessus III, 23 
(^!. 210). 

Auf seine Vorliebe füi' Distributiv- an Stelle von Kardinal- 
zahlen weisen schon Geyer und Reeves hin. Einige Beispiele: 
bini comifes I, 12 (S. 122), bis terni viri II, 4 (S. 155)0. II, 7 
(S. 157) findet sich binales für bini Ohne Unterschied gebraucht 
Adamnan quinque, qiänales und quinurium 11,21 (S. 165 f.). 

Abgesehen von diesen Stileigentümlichkeiten ist Adamnans 
Sprache besonders nach zwei Richtungen hin beeinflulst, durch 
die Bibel und die lateinische Literatur der Klassiker. Der 
biblische Einschlag ist gerade in Adamnans Werk ziemlich be- 
deutend. Vollständige Bibelzitate-) begegnen allerdings hier 
nicht mehr als auch in andern Heiligenleben, aber biblische 
Anklänge sind sehr häufig in den Text hineingearbeitet, und der 
Sprachausdruck ist teilweise biblisch orientiert -5). Die Schrift 
wird oft zum Vergleich herangezogen, z, B. in der Vorrede wird 
bei der Erörterung des Xamens Columba hingewiesen auf die 
Erscheinung der Taube bei der Taufe Jesu. Adamnan erwähnt 
das Wandlungswunder zu Kana II, 1 (S. 153) und auch eine 
Erzählung aus der Apostelgeschichte. Columba wird mit Elias 
und Elisäus, mit Petrus und Johannes verglichen II, 32 (S. 174) ^). 
Für die Prophetengabe Columbas, der auch sieht, was an fernen 
Orten sich zuträgt, scheint dem Verfasser am besten die Stelle 
im ersten Korintherbrief (5, 3) anwendbar „absens corpore, 
praesens tamen spiritu", die an verschiedenen Stellen in der 



') Ebenso 1,31 (S. 132); 1,33 (S. 134); 1,41 (S. 139); 11,4 (S. 155); 
11, 18 (S. 164); II, 19 (S. 164); 11, 33 (S. 145); H, 38 (S. 179); II, 45 (S. 190). 

') Die vollständigen Bibelzitate Adamnans sind vei zeichnet bei 
A. W. Haddan aiul W. Stubbs, Councils and Ecclesiastical Documents relating 
to Great Britain and Ireland , vol. I, Oxford 1869, S. 170—180; vgl. auch 
Fowler S. 174. 

3) Vgl. z. B. II, 41 (S. 184). 

') Vgl. unten S.'251. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UNU IIIKE ABLEITUNGEN. 241 

Vita vorkommt '). Adamnan hat als Bibelübersetzung für das neue 
Testament die Vulgata benutzt, für das alte Testament eine 
Version, die niclit genau mit der Vulgata übereinstimmte, aber 
offenbar nach ihr verbessert war 2). 

Neben diesen biblischen Anklängen begegnen in der Lebens- 
beschreibung Columbas auch klassische Reminiszenzen, die uns 
wieder den gelehrten Verfasser zeigen. Besonders Vergil war 
im :\[ittelalter sehr beliebt, und auch Adamnan ist in seiner 
Sprache von ihm beeinflulst. 

An Vergil erinnern folgende Stellen: 

Vita Columbae. 
Georg. III, 439. Aen. II, 475: 111,23 (S. 211): viperarum 
o( Unguis micat ore trisulcis. venena trisulcarum linguarum. 

Aen.II,372: verbiscompellat 11,35(8.177): pacificisque 
^"^i^^^- verbis blande . . . compellat. 

Aen. V, 125: tumidis submer- I, 1 (S. 211): Tumores quoque 
sum . . . liuctibus. . . . fluctuum. 

Aen. V, 432: aeger anhelitus. II, 33 (S. 174): anhelantem 

aegra reliquit suspiria. 

Aen. VI, 699: largo fletu simul II, 42 (S. 187): faciem lacrymis 
ora rigabal. ubertim irriganss). 

Auch Juvencus hat Adamnan gekannt, wie schon Geyer ") 
für den Traktat De locis sanctis nachweist. Auch für die 
Lebensbeschreibung Columbas finden sich einige Anklänge an 
Juvencus 5) bei ihm verzeichnet, die sich noch vermehren lassen. 

Juvencus. Adamnan. 

1,354: vitreas penetrabat flu- II, 22 (S. 166): vitreasque 
m inis unda s. intrans aquas. 

') I, 1 (S. 114); II, 39 (S. 182); II, 42 (S. 186); ähnlich I, 37 (S. 137). 

*) Haddan and Stubbs a. a. 0. S. 186. 

') Roger a. a. 0. S. 262 weist noch hin auf Georg. III, 199: „lenibus 
horrescunt flabris" und Adamnan II, 34 (S. 176): „flabris lenibus secundis 
flantibus". Diese Stelle scheint jedoch eher aus der Vita S. Germani entlehnt 
zu sein (vgl. S. 252). Zweifelhaft scheint mir das andere Beispiel Aen. X, 559 
(000 scheint ein Druckfehler zu sein): „aut gurgite mersum" und Ad. 11,8 
(S. 157): „in flumine . . . inersus". 

*) Geyer a. a. 0. 1, S. 40f. 

') Juvencus, hrsg. von Huemer, Corpus Script, ecci. Lat. XXIV, 1891. 



242 



GERTRUD BRÜNING, 



11,275: veredle is loqueris de 
coniuge verbis. 

TU, 229 f.: fragosam ventorum 
rabiem. 

IV, 315: et leti et vitae con- 
finia. 

IV, 348: Christus item sancto 
depromit pectore vocem; IV, 459: 
depromit pectore verba. 



I, 39 (S. 138): aliqua de le 
veredica loquar verba. 

II, 22 (S. 167): cum magno 
fragore venti emissa. 

II, 32 (S. 173): ad confinia 
mortis et vitae perductus, 

I, 18 (S. 125): sacro promit 
de pectore verba; ähnlich II, 30 
(S. 172) und III, 15 (S. 203). 



Manche Ausdrücke linden sich ähnlich bei Vergil. Da 
Adamnan ihn auch gekannt hat, lälst es sich oft nicht fest- 
stellen, wer von beiden der Vermittler gewesen ist, z. B. 



Juv. I, 689: ventosa per 
aequora. 

Verg. Aen. VI, 335: ventosa 
per ae(iuora vectos. 

Juv. II, 426: laetae segetes. 
Verg, Georg. I, 1: laetas se- 
getes. 

Juv. IV, 366: rumpitque hanc 
pectore vocem. 

Verg. Aen. 111,246: rumpitque 
hanc pectore vocem. 



Ad. 1, 20 (S. 126): per ventosa 
circuitus aequora. 



Ad. II, 44 (S. 189): 
. searetes. 



laetas 



Ad. I, 5 (S. 119): in hanc 
subridens erupit vocem. 



Von Prosaschriften kennt Adamnan Hegesipp, De hello 
Judaicoi). In der Vita Columbae ist der Einflufs Hegesipps 
nicht so fühlbar wie in dem Traktat „de locis sanctis"^), wie 
das ja auch schon im Stoffe begründet liegt, der Adamnan ver- 
anlafst haben mag, vor der Niederschrift des letzteren Werkes 
Hegesipp eigens noch einmal zu lesen. Manche Spracheigen- 
tümlichkeiten hat man bei Adamnan und Hegesipp gemeinsam 
gefunden, die allerdings auch sonst wohl begegnen; aber da 
Adamnan Hegesipp gekannt hat, dürfen wir darum wohl mit 
Wahrscheinlichkeit dessen Einflufs erkennen, wenn auch manches 



1) Hegesippus de hello Judaico ed. Car. Fr. Weber und Jul. Caesar, 
Marburg 1864. 

*) Geyer a. a. 0. S. il ff. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHKE ABLEITUNGEN. 243 

auf Zufall beruhen mag'). Hegesipp setzt gern Adjektive statt 
Substantive bei Eigennamen, z. B. Hierosolj^mitana urbs IV, 6 
(S. 231); Hierosolj^mitana civitas IV, 19 (S. 254). Bei Adamnan, 
wo freilich in „lova insula" lova heute nicht mehr als Adjektiv 
aufgefafst wird'), begegnet z. B. ähnlich Himbina insula I, 21 
(S. 127) und Hibernilis patria III, 21 (S. 209). Entlehnungen 
gröf serer Stellen sind nicht nachweisbar; einige Redensarten 
ähneln sich: 

Heg. II, 13 (S. 158): non im- praef. I (S. 105): et non sine 
merito eos divina deseruit opi- divina opitulatione. 
tulatio. 

111,26(8.217): velut quodam I, 43 (S. 142): cum ambitu 
maris ambitu. oceani et caeli. 

Dagegen scheint mir der Ausdruck De locis sanctis III, 3: 
„miri odoris fragrantia acsi universorum florum inibi collectorum**, 
der fast in der gleichen Form auch in die Vita Columbae über- 
gegangen ist, nicht, wie Geyer meint 3), aus Hegesipp V, 2 (S. 280) : 
„pro diversorum florum odoribus" entlehnt zu sein, sondern aus 
den Dialogen Gregors des Grofsen, wo die Stelle wörtlich wie 
bei Adamnan begegnet*). 

Interessant ist die Übereinstimmung weniger Wendungen 
mit Dionysius Exiguus' 1. Geleitsbrief zu seiner Ostertafel ^), 
die Adamnan, der Vertreter der römischen Richtung, sicherlich 
gekannt hat. Diese Belege schliefsen sich den Nachweisen 
Kruschs von der Ausbreitung dieser Ostertafel auf den Britischen 
Inseln an^). 



■) Sicher zufällig ist, dafs die Konstruktion von supereminere mit dem 
Dativ, die bei Hegesipp oft vorkommt, z. B. IV, 16 (S. 248), sich bei Adamnan 
durchgehends findet, 1,30 (S. 131j; 111,16 (S.204); 111,23 (S.213). Ebenso 
konstruiert Adamnan wie Hegesipp egredi mit dem Accusativ; vgl. Ad. I. 3 
(S. 117); I, 8 (S. 120); II, 29 (S. 172) u. Heg. z. B. IV, 14 (S. 245); vgl. dazu 
Geyer a. a. 0. S. 41. 

') Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Geheimrat Thurneysen gegen- 
über Reeves, 1. Ausg. S. 258 ff.; Fowler S. LXV Anm. 4. 

») A. a. 0. S. 42. 

*) Vgl. unten S. 251. 

^) Worauf mich Herr Professor W. Levison aufmerksam machte. 

•) Krusch, Neues Archiv IX, S. 141 ff. 



244 GEUTltUD BRÜNING, 

Dionysius Exiguus. Adamuan. 

epist. I (Migne LXVII, 20): praef. I (S. 105): Sed et hoc 

Hoc praeterea lectorem piita- lectorem admonendum putavi- 

vimus admonendum. mus. 

Eb.: lUud quoque non minori III, 7 (S. 199): Sed et hoc . . . 
cnra notandum esse censuimus. non negligenter adnotandum est. 

Alle diese Anklänge sind sicher zum grofsen Teil aus 
dem Gedächtnis niedergeschrieben, und die Quelle lälst sich nur 
mit "Wahrscheinlichkeit vermuten. Sie zeigen vor allem Adamnans 
Belesenheit und Bekanntschaft mit der römischen Literatur. 
Umsomehr dürfen wir annehmen, dafs auf dem Gebiet der Hagio- 
graphie berühmte Lebensbeschreibungen ihm nicht unbekannt ge- 
blieben sind. Es Avurde schon darauf hingewiesen, dals Adamnan 
die Art der Biographie als Wundererzählung mit vielen Yiten 
vor ihm gemeinsam hat, und dafs sie ihm vielleicht die Anregung 
zu dieser Form der Lebensbeschreibung vermittelt haben. Es 
bleibt noch näher zu untersuchen, wie weit Adamnan dabei von 
bestimmten literarischen Vorlagen abhängig ist. 

5. Adamnan und seine Vorbilder. 

Die Vita Columbae weist in ihrer Zusammensetzung ziemlich 
heterogene Bestandteile auf. Neben ganz persönlichen Zügen, 
schlichten Vorgängen des täglichen Lebens, die man für Berichte 
von Augenzeugen halten möchte, findet sich andererseits viel 
typischer Legendenstoff. Er ist das Produkt kirchlicher Sagen- 
bildung und wiederholt sich nicht nur inhaltlich, sondern auch 
zum Teil der Form nach in einer grofsen Anzahl hagiographischer 
Erzeugnisse. Berühmte Lebensbeschreibungen bilden dafür die 
Quelle, und aus ihnen schöpft der mittelalterliche Hagiograph 
mehr oder minder skrupellos oft nicht nur Eedewendungen und 
Ausdrücke, die ihm geeignet erscheinen, seine Vita stilistisch 
etwas aufzuputzen, sondern auch ganze Wundererzählungen über- 
trägt er bisweilen einfach auf seinen Helden. Wie weit Adamnans 
kompilatorische Tätigkeit nach dieser Richtung hin ging, sollen 
die folgenden Zusammenstellungen zeigen. 

Zu den Abschnitten, die wie gleichzeitige Erzählung von 
Zeugen anmuten, gehört besonders die Schilderung von Columbas 
Tod. Da ist es denn sehr interessant zu beobachten, dafs gerade 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 245 

in diesem Kapitel Adamnan sich eine der bekanntesten und 
ältesten Biographien ägyptischer Mönche, die Vita Antonii von 
Athanasius, zum Vorbild genommen hat, die er in der (Über- 
setzung des Euagrius kannte'). 

Beide Heilige suchen kurz vor ilirem Hinscheiden die Brüder 
auf und prophezeien den baldigen Tod. Recht hübsch ist dann 
bei Adamnan erzählt, wie Columba vor seinem Tod eine Engel- 
erscheinung hat. Die ganze Milieustimmung und die lokale 
Färbung gibt dem Abschnitt den Charakter des Echten und 
Ursprünglichen; und doch dankt er auch zu dieser Erzählung 
der Vita Antonii Anregungen. Der hl. Antonius erzählt einst 
seinen München von Engelerscheinungen, und an einer anderen 
Stelle vergleicht er die Seele mit einem von Gott anvertrauten 
Gut. Aus diesen didaktischen Abschnitten gestaltet Adamnan 
eine Episode, denn seiner ganzen Schreibweise sind theologisch- 
dogmatische Exkurse fremd. Ein Engel kommt zu Columba, um 
seine Seele zu empfangen. Kurz vor seinem Hinscheiden ruft 
dann Antonius noch einmal zwei Mönche zu sich und redet zum 
letzten Mal mit ihnen, ähnlich wie Columba mit seinem Diener 
Diormetius. Auch die eigentliche Todesszene ist in beiden Viten 
ähnlich. Sie schliefsen mit dem Hinweis auf die Ausbreitung 
und den Ruhm des Namens ihrer Heiligen. 

Vita Antonii. Adamnan. 

c. 56 (S. 165). Juxta consue- IL 28 (S. 171). Quadam die... 

tudinem ad visendos fratres, ad i?/5itaw(?os frafres . . . per- 

qui iti exteriori monte erant, git, qui in campulo occidentali 

venit, ibique a divina provi- Jovae insulae opus materiale 

dentia de sua morte condiscens, exercebant ... sie vaticinatur, 

ita exorsus est: 'Ultimam, fiZioZi, dicens: 'Ex hac, fdioli, die 

patris audite sententiam; non scio quod in huius campuli 

enim arbitror, quod in hoc locis nunquam poteritis in fu- 

saeculo iterum vos v/suri simus. turum v/dere faciem meam '. 

c. 18 (S. 142). Sandorum III, 23 (S. 211). et quia 

angeloruni amahilis et trän- sa7ictorum angelorum amdbilis 

quillus aspectns est . . . gaudium, et tranquiUus aspectus gaudium 

cxultationem,Mvicia.mx>ectorihus et exidtationem electorum j^ec- 

infundmit, siquidem cum illis torihus infundit, haec fuit illius 



1) Migne, Series Latina LXXIII, S. 12G-170. 



246 



GERTRUD BRÜNING. 



est dominus, qiii est fons et 
oi'ig-o laetitiae. 

c. 15 (S. 137). Animam nostram 
commenda\\i nobis Dominus, 
servemus äeposiUnn ([uale ac- 
cepimus. 

c. 58 (S. 166). Eg-o quidem, 
filioli, secundum eloqiiia scriptn- 
rarum patnim gradior viani; 
iam enim Dominus me inviiat. 

c. 59 (S. 167). mortem laefn» 
aspexit, ita ut ex hilarüafe 
vultus eius angelovVim. sanctov\am, 
(lui ad perferendam animam eius 
descenderant, praesentia nosce- 
letur. Hos intuens, tamqualn 
amicos videret, animam exha- 
lavit. 

c. 60 (S. 168). Hie Antonio 
vitae terminus fuit, ista principia 
tneriioru7n. 

c. 59 (S. 167). additus est pa- 
iribus secundum ordinem scrip- 
turarum. 

c. 61 (S. 168). Christus qui 
liominem alio pene orbe cela- 
tum . . . Africae, Hispaniae,, Gal- 
liae, Italiae, Illyrico, ipsi etiam, 
quae urbium caput est, Itomae 
. . . demonstravit. 



subitae causa laetitiae. . . Ecce 
enim angelus Domini ad repe- 
tendiim aliquod Deo carum 
missus dcposüum . . . Noster vero 
patronus sanctum, propriam a 
Deo sibi commendatSLm animam, 
depositum nuncupavit. 

III, 23 (S. 212). secundum 
eloquia scripturarum patrum 
gradiairviam. Iam enim Dominus 
mens Jesus Christus me invifare 
dignatur. 

III, 23 (S. 214). cum mira 
vidtus hilaritate et Zae^itia cir- 
cumspiciebat, sanctos scilicet 
obvios intuens angehe . . . spiri- 
tum exhalavit . . . 

(S. 215). (lui ad sanctam 
ipsius animam . . . descenderant 
innumeri. 

III, 23 (S. 217). Hie itaque 
nostro praedicabili patrono vitae 
terminus fuit, ista meritorum 
exordia . . . qui secundum senten- 
tias scripturarum . . . patribus 
additus. 

III, 23 (S. 218). sed etiam 
ad trigonara usque Hispaniam. 
et Gallias et ultra Alpes Peninas 
Italiam. sitam pervenire, ipsam 
quoque Romansim. civitatemj^-wae 
Caput est omnium civitatum. 



Ein Anklang an die Vita Antonii liegt auch vielleicht an 
folgenden Stellen vor: 



c. 15 (S. 138). fidelium enim 
orationibus atque ieiuniis ad 
Dominum statim corruunt. 



III, 8 (S. 200). ieiuniis et 
orationibus ... a daemonura 
defendatur invasione. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 



247 



c. 62 (S. 168). Salvator noster II, 22 (S. 166). Christum ... pi e- 
Jesus Christus glorificantes se catur, qui suos glorificantes se 



glorißcat. 

Piol. (S. 127). minima vos 
existimate audisse de maximis. 

c. 40 (S. 156). nam semper 
Jiilarem fadem gereiis. 



gJorificat electos. 

praef. I (S. 105). minima de 
maximis. 

praef. II (S. 108). hilarem 
semper faciem ostendens. 



Schon Geyer 1) und Albers 2) machen darauf aufmerksam, 
dals Adamnan in seiner Vita die Martinschriften des Sulpicius 
Severus^) benutzt hat. Die erste Vorrede ist in etwa nach 
dem Beispiel des Sulpicius Severus angelegt. Beide bitten den 
Leser, nicht so sehr auf den ,,sermo incultus" als vielmehr auf 
den Inhalt zu achten und ihren Erzählungen Glauben zu 
schenken. Nur einen Teil der "Wundertaten können sie berichten, 
um den Leser nicht zu langweilen. Bei den Worten, die Adamnan 
für den Schlufs der 2. Vorrede entlehnt, ist ein Zusatz bezeichnend, 
der Rolle entsprechend, die das Schreiben in den irischen Klöstern 
spielte^). 



Vita Martini. 

1, 9. obsecro autem eos qui 
lecturi sunt, ut fidem dictts ad- 
hiheant. 

praef. 3. bona venia id a 
?ccforibus postulabis, ut res po- 
tius quam verha perpendant . . , 
quia regnum Bei non in elo- 
qnentia, sed in fide constat. 

1, 8. ex his, quae conperta 
nobis erant, phira ow»'simus . . . 
simul et legentihus consulendum 



Adamnan. 
praef. I (S. 105). lednros 
quosque admonere procurabo, 
ut fidem dictis adhibeant com- 
pertis et res magis quam verha 
perpendant . . . meminerintque 
regnum Dei non in eloquenfiae 
exuberantia, sed in fidei floru- 
lentia constare. 

praef. I (S. 105). quod de 
beatae memoriae viro plura . . . 
a nobis sint praeterm?ssa et 



*) Geyer, Adamnanus I, S. 37f. Einzelnes bereits in den Anmerkungen 
von Reeves, 1. Ausg. S. 3, 222. 

-) B. Albers, Zu den beiden ersten Lebensbeschreibung-en des Abtes 
Columba von Jona (Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner- 
ordens XXXm, 1912, S. 416f.). 

ä) Hrsg. von C. Halm, Corpus Script, eccl. Lat. I, Wien 1866, S. 109— 216. 

*) Vgl. Levison, Die Iren und die Fränkische Kirche (Historische Zeit- 
schrift 109, 1912, S. 19;. 



248 



GERTRUD BRÜNING, 



fuit, ne (luod his pareret copia 
congesta fastidium. 

Ebenso 19. 5. sufficiant liaec 
vel i^auca de plnrlmis, ... in 
7)iidtis vitara fastidium. 



1, 9. neque me qiücquam nisi 
conpeitum et probatum scrip- 
sisse arbitrentur. 



c. 26, 3. numquam hord idla. 
niomentumque praeteriit, quo 
non auf orationi incuniberet auf 
insisteret lectioni. 

c. 25, 1. Nam cum olim, audita 
fide eins, vita adque virtute, 
desiderio illius aeshiaremus, 
gratam nobis ad eum yidendum 
suscepimus peregrinationem. 



(iua.si pauca de plurimis ob evi- 
taiidum fastidium lecturorum 
sint craxata. Ebenso 

II, 46 (S. 191). animadvertere 
lector debet, quod etiam de 
comperiis in eo midtSL propter 
legenimm evitandmu praeter- 
inissdi sint fastidium. 

praef. II (S. 107). nemo itaque 
me de hoc tarn praedicabili viro 
aut mentitum aestimet, aut quasi 
(luaedam dubia vel incerta scrip- 
turum. 

praef. II (S. 108). m<?/um etiam 
unius horae intervallum transire 
poterat, quo non aut orationi 
aut lectioni vel scriptioni . . . 
incumheret. 

I, 2 (S. 114). hoc propositum... 
in corde habuit, ut . , , Columbam 
. . . peregrinatnYVLS adiret. Eodem 
aestiians desiderio i). 



Desgleichen sind die Episteln und Dialoge des Sulpicius 
Severus ausgeschrieben. Die Heiligkeit Martins und Columbas 
wird auch andern Menschen durch himmlische Lichterscheinungen 
offenbart. Nach Möglichkeit jedoch suchen sie ihren Ruhm vor 
der Mitwelt zu verbergen. 



Epist. II, 8. est enim ille 
consertus apostolis ac pirofetis 
... in illo iustorum grege nullo 
secundus ... in illis potissimum, 
qui stolas suas in sanguine la- 
verunt, adgregatus Ägnum ducem 
ab omni integer Iahe comitatur. 



III, 23 (S. 217). apostolis et 
profetis consertus, numero ag- 
gregatus albatorum milium ag- 
nino in sanguine suas sanctorum 
qui laverunt stolas, Ägnum duc- 
forem comitatur, virgo immacu- 
latus ah omni integer Iahe. 



') Geyer führt noch einige Stellen au, in denen aber keine Ähnlichkeit 
in stilistischer Hinsicht vorliegt. Die inhaltliche geringe Übereinstimmung 
kann auch zufällig seiu. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 2i0 



Dial. II, 2, cum iam aUarhun 
. . . beuediceret, (jlohum iytn^ de 
capite illius i;/(?/miis eniicare, 
ita ut in sublime conteiidens 
longum admodum crmem...pro- 
duceret. 



III, 17 (S.20()). sanctus Bren- 
denus . . . queiidam cr/«iosum 
ignewm glohum et valde lumi- 
nosum de vertice S. Columbae 
ante altaro, stantis . , . tamdiu 
ardentem et instar alicuius 
columnae sursum ascendentem 
vidit. 

I, 50 (S. 147). Pauca dixi, 
nani hoc de venerabili viro 
non est dubitandum, quod valde 
7iumcroiAoY\i fuerint, quae in 



Dial. II, 4, 2. multa quidem 
illius prius gesta innotuere 
mundo neque potuere celari. sed 
in»?(>»crabilia esse dicuntur, 
quae, dum iactantiam vitat, oc- 
culult neque in hominum noti- 
tiani passus est i)evvenire . . . 
mundi gloriani calcans. 

Dem Gegenstand nach erinnert die Geschichte von dem 
wunderbaren Fischfang II, 19 (S. 164) an einen ähnlichen Vor- 
gang in den Dialogen: 



notitiam hominum . 
nullo modo poterant 
evitantes gloriam. 



venire 
vanam 



Dial. III, 10. Vade, inquit, 
mittt linum tuum, captura pro- 
veniet ... ad primum iactum 
in rete permodico immanem 
esocem diaconus ex^raa;it. 



II, 19 (S. 164). Bete in flumen 
mittite et statim invenietis 
grandem . . . piscem. Qui . . . mirae 
magnitudinis ^ra.rerunt in re- 
tiaculo esocem. . . 



Adamnan hat ferner aus Gregors d. Gr. Dialogen, be- 
sonders aus dem zweiten Buch, der Vita Benedikts von Nursia •) 
manche Anregung geschöpft-). Die oft wiederholten Einleitungs- 
worte Gregors 3) weist auch die Vita Columbae auf: 

Gregor d. Gr. Adamnan. 

Dial. II, prol. Fuit vir vitae praef. II (S. 106). Vir erat 

venerahilis, gratia Benedictus vitae venerahilis. 
et noraine. 

Dann folgt entsprechend eine längere Erklärung des Namens 
Columba. Vor allem sind es Stellen aus dem Leben Benedikts, 

1) Vita S. Benedict! bei Mabillon, Acta sauctorura ordiuis S. Benedict! I, 
S. 3—28. Die übrigen Bücher der Dialoge sind nach Migne LXXVII angeführt. 
*) Vgl. Albers a. a. 0. S. 414—416. 
*) Vgl. z. B. Levison, Neues Archiv XXIX, 144. 
Zeitschrift f. colt. Philologie XI. j^j 



250 



GKRTUUI) lUUNINri. 



die von seiner Proplietenf^ahe liandeln. die Adaiiiiian auf seineu 
Helden überträgt. \'()u früher .lugend an zeichnen diese Hei- 
ligen sich durch Weissagungen aus. Benedikt schaut in einer 
Vision, wie die Seele des Gernianus von f'apua zum Himmel 
getragen wird. Columba hat eine ähnliche Erscheinung, die er 
seinem Diener Lugbeus erklärt. Beide Heiligen erwecken einen 
toten Knaben zum Leben, wie es ähnlich auch im ersten Buch 
der Dialoge von einem anderen Heiligen berichtet Avird. Dann 
folgt bei Adamnan ein Vergleich des Heiligen mit hervorragenden 
Männern des alten und neuen Bundes, wozu auch vielleicht 
Gregor die Veranlassung gegeben hat. 

Dial. II, 11. coepit vero inter I, 1 (S. 114). ab annis iuve- 
i^id.VwDidietiamprüphetiae spi- nilibus coepit etiam prophetiae 
ritu pollere, Ventura praedicere, spiritu pollere, Ventura prae- 
praesentihus ahscntia nuniiare. dicerc, praesentibus dbsentia 

nuntiare. 

III, 5 (S. 196). in extasi mentis. 



Dial. II, 3. eiusque mentem in 
extasi rapuit. 

Dial. II, 35. omnis etiam 
mundus velut siib uno solisrudio 
collectus, ante oculos eius ad- 



I, 43 (S. 142). Sunt nonnulli, 
, . . quibus divina hoc contulit 
gratia, ut etiam totum totius 



ductus est 



quia ipsa luce terrae orbem . . . quasi sub uno 



visionis intimae mentis laxatns 
sinus . . .; eb. IV, 7. Qui . . ., 
mentis laxato sinu, quasi sub 
uno solis radio cunctum in suis 
oculis collectum mundum vidit. 



Dial. II, 32. cuius mox manum 
tenmt et eum patri ütVentem 
atque incolumem dedit. 

Dial. I, 2. quo orante anima 
pueri ad corpus rediit; quem 
manu comprehendit ac flenti 
matri viventem reddidit. 



solis radio, mirabiliter laxato 
mentis sinu, clare et manifes- 
tissime speculentur. 

I, 1 (S. 114). in aliquantis 
dialis gratiae speculationibus 
totum etiam mundum, veluti 
uno solis radio collectum, sinu 
mentis mirabiliter laxato, mani- 
festatum perspiciens specula- 
batur. 

II, 32 (S. 174). cum hac sancti 
honorabili voce anima ad cor- 
pus rediit, . . . cuius manum 
^ewens . . . parentibus rediwvum 
assignavit. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND III UK ABLEITUNGEN. 



251 



Dial. II, 8. Nam in aqua ex 
petra i)roducta Moyseii, in ferro 
vero quod ex profundo aquae 
rediit Helisaeum, in aquae iti- 
nere Petrum. in corvi oboe- 
dientia Heliam. in luctu autem 
mortis inimici David video. 



Eb. Hoc noster Columba cum 
Elia et Eliseo prophetis liabeat 
sibi commune virtutis mira- 
culum, et cum Petro et Paulo 
et Johanne apostolis partem ho- 
noris similem in defunctorum 
resuscitatione. 



Inhaltlich ähneln sich einzelne andere Geschichten und 
scheinen durch Gregor beeinflufst zu sein, so z. B. die Erzählung 
von einer Kraukenheilung und von dem durch die Kraft des 
Heiligen erlangten Regen i). 



Dial. I, 10, et eins coxa mox 
fracia est, ita ut in diiabus 
parähna os esset divisum . . . cui 
htncdicta.m aquam venerabilis 
Fortunatus statim dedit, dicens: 
'Vade citius et eam siqjer iacen- 
tis corpus proice'; mox ut aqua 
henedicta coxam ... contigit, ita 
omnis fractura solidata est et 
saluti pristinae coxa restituta. 

Dial. in. 15. Nam quoties 
pluvia deerat et aestu nimio 
terr&m longa siccitas exurebat, 
collecti in unum cives . . . eins 
tunicam. levare . . . consueverant. 
Cum qua dum per agros per- 
gerent exorantes, repente pluvia 
tribuebatur, quae plene terram 
satiare potuisset. 

Dial. IV. 47. De eodem se- 
pulcro illius /m^raw^/a suavitatis 
emanavit, acsi illic florum om- 
nium fuissent odoramenta con- 
gregata; Dial. IV, 15 (vgl. c. 16). 
miri odoris fragrantia. 

1) In etwa liegt auch eine Ähnlichkeit vor in Dial. I, 3 und Ad. I, 41 
(S. 139), die aber so gering ist, dafs sie ni. E. auf Zufall beruht. 

17* 



II, 5 (S. 156). coxaqvi^ eius 
in duas confrada est partes . . . 
emigranti sanctus pineam tradit 
cum henedictione capsellam, di- 
cens: '. . . eademque benedic- 
i^ionis aqua super eius infundatur 
coxam' . . . aqua henedicta . . . 
perfusa coxa, sine ulla morula 
condensato osse, plene sanata 
est. 

II, 44 (S. 1881). inhistorpen- 
tibus terris valde grandis . . . 
facta est siccitas . . . hoc inito 
consilio consiliati sumus, ut . . . 
cum sancti Columbae Candida 
circumirent tunica . . . leva- 
rentque in aere . . . mira sub 
celeritate . . . pluvia facta est 
magna ... et sitiens prius terra 
satis satiaidi,. . . 

I, 37 (S. 137). quandam miri 
odoris fragrantiam acsi univer- 
sorum florum in unum sentio 
collectorum. 



252 



GERTRUD BRUNING, 



Wörtliche Anklänge, finden sich auch sonst. Eine formel- 
hafte Wendung mit ..perpendat" ist bei Adamnan beliebt: 



Dial. II, 24. Ferpcndk, Petre, 
apud Jesum Christum dominum, 
cuius meriti iste vir fuerit. 

Dial. III, 1. ad extrema per- 
ductiis est. 



Dial. IV, 27. Misericordiae 
actihns deditus, honis operibus 
intentus. 



III, 23 (S. 217). Perpenddit 
itaque lector, quanti et qualis 
apud Deum . , . honoris habe- 
aturi). 

II, 31 (S. 173). ad extrema us- 
que perdudus est. Ebenso III, 6 
(S. 198) und ähnlich III, 9 
(S. 200): cum ad extrema . . . 
2:>erduceYei\w. 

III, 6 (S. 198). honis actibus 
intentus. 

III, 9 (S. 200). eleemosynarum 
operibus satis intentus et ceteris 
iustitiae actibus plenus. 



Bei diesen Zusammenstellungen sind zunächst jene Werke 
berücksichtigt, die mehrfach als Vorbild benutzt worden sind. 
Ihnen schliefsen sich solche an, die anscheinend nur gelegentlich 
herangezogen sind. 

Bei der Schilderung eines Sturmes auf dem Meere erinnert 
sich Adamnan an den Bericht, den Constautius von der See- 
fahrt des hl. Germanus von Auxerre gibt 2). 



Vita Germani=^). 
c. 13 (S. 259 f.). Ac primum 
de sinu Gdllico flabris lenibus 
navis . . . deducitur, donec ad 
aequor 7nedi\nn perveniret . . . 
Nee multum post occurrit in 
pelago veleyionis inimica vis 
daemonvim. . . Objwniint pieri- 
cula,, procellas concitant, cae- 
lum diemque nubium nocte 



Adamnan. 
II, 34 (S. 176). Sic enim ali- 
quando daemonioYwm legiones 
sancto Germano episcopo de sinu 
Galileo ... ad Britanniam navi- 
ganti medio in aequore occmre- 
rant et opponenies pericula pro- 
cellas cowcitebant, caelum diem- 
que tenebrarum caligine obduce- 
bant. . . Noster itaque Columba, 



') Vgl. n, 9 (S. 158); n, 34 (S. 176); II, 42 (S. 187). 
2) Vgl. Levison, Neues Archiv XXIX, S. 147. 

^) Herausg. von Levison, SS. rer. Merov. VII (demnächst erscheinend), 
S. 225-283. 



ADA.MNANS VITA COLl'MBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 



sub(/«ciiiit et tcnehrarum cali- 
ginem inaris at(iue aeris horrore 
congeminant . . . excitant senio- 
rem. dement ifi fiiretitihws ob- 
poiieudum. Qui periculi immaiii- 
tate constantior Christum invocat 
. . . traiiqiiillitas serena sub- 
sequitur, venti e contrario ad 
itineris ministeria vertuntur, 
. . . brevi optati litoris quiete 
potiuiitur. 

c. 7 (S.255). clamor popul&ris 
adtoUitur^). 



videns contra se cJemenfa. coiici- 
tari furenti'd, Christum invocat 
dominum . . . ipse constantior 
factus . . , venti contrarii ad iti- 
neris ministeria cum omnium 
admiratione revcrtuntur. Et sie 
per totam illam diem flabris 
lenihus secundis flantibus, beati 
cymba viri optatwm pervecta 
ad portum pulsa est. 



II, 32 (S. 174). 
populi attollitur. 



Clamor tum 



Die Charakteristik Columbas in der 2. Vorrede ist teilweise 
den Gesta Silvestri entnommen 2). 

Gesta Silvestri (Catalogus praef. II (S. 108). m^e^rritatem 

codicum hagiograph. bibl. reg. corjoons .. . custodiens (vgl. I, 2: 

Bruxellensis I, 1, S. 6). in terra mfe^/ritatem carnis ... custodiens), 

positus, caelestibus se aptum quamvis in terra positus, cae- 

morihus ostendebat. Erat enim lestibus se aptum moribus os- 

aspectu angelicus, sermone ni- tendebat. Erat enim aspectu an- 

tidiis, opcre sanctiis, corport gelicus, sennone nitidus, apere 

integer, ingenio optimus, consilio sanctus, ingenio optimus, con- 

magnus. silio magnus. 

Für die Sclilufsworte der Vita hat Irenäus in der Über- 
setzung des Hieronymus als Vorbild gedient 3): 

Adamnan. 
Hieronymus, De viris illus- Obsecro eos g-w'cumque volue- 
tribus c. 35 (hrsg. von Richardson, rint hos descr/ftere Z/ftellos, immo 
Texte und Untersuchungen zur potius adiuro per Christum 



Geschichte der altchristlichen 
Literatur XIV, 1, 1896, S. 25): 
Adiuro te, qui transcriiis Zzftrum 
istura, per dominum nostrum 
Jesum Christum . . . quo iudicü- 



iudicem saeculorum, ut, post- 
quam diligenter descripserint, 
conferant et emendent cum omni 
diligentia, ad exemplar imde 
craxerunt et hanc quoque ad- 



') Vgl. Levison, Neues Archiv XXIX, 116. 

*0 Vgl. Levison, Sigoleua (eb. XXXV, 1910, S. 227 f.). 

3) Vgl. Keeves, 1. Ausg. S. 242. 



-^^ GEICTKUD BKÜNING, 

tiirus est . . . ut confem^, post- mvationcm hoc in loco siib- 

qiami trAWscripseris, et emendes scribant. 

illiim ad exemplar, iinde tran- 

scripsisti, düigeiiüssime, hanc 

quoque ohtestationem similiter 

transferas, ut inveiiisti in exem- 

plari. 

Nicht so sicher sind folgende Anklänge au Leos d. Gr. 
Homilieu >). 

Sermo XII (Migue 54, S. 169). I. 1 (S. 113). hjnorantla^ tc- 

et tenebrsiS ignorantiae nostrae nebri^ obscuiata erat, 
suae veritatis luce discuteret. 

Sermo L (S. 306). Ahutuiüur II, 46 (S. 191). ingrati Bei 

autem quidam patientia Dei. patientia male abuhintur. 

Aus den vorhergehenden Zusammenstellungen ergibt sich, 
dafs Adamnan doch nicht ein skrupelloser Kompilator gewesen ist; 
schon der trotz allem geringe Umfang der Entlehnungen spricht 
dagegen. Meist handelt es sich bei ihm nur um Lesefrüchte, die 
kunstvoll in den Text hineingearbeitet sind, um die Erzählungen 
nach der rhetorischen Seite hin etwas auszugestalten. Fast die 
ganze Charakteristik Columbas im 2. Prolog ist so mosaikartig 
aus fremdem Gut zusammengesetzt. Vielleicht hat man sich die 
Art der Quellenbenutzung teilweise so zu denken, dafs, abgesehen 
von unbewulsten Erinnerungen, die aus dem Gedächtnis nieder- 
geschrieben sind, Adamnan sich bei der Lektüre dieser Schriften 
geeignete Stellen auf Wachstäfelchen aufgezeichnet hatte, wie 
er uns das ähnlich im Eingang von seinem andern Werk „de 
locis sanctis" berichtet 2). Ich möchte das vermuten, weil bei 
ihm zuweilen die gleiche Stelle mit leichten Varianten wieder 
begegnet 3). Jedesmal stimmen die Worte in verschiedener Hin- 
sicht mit der Quelle überein, so dafs man annehmen möchte, dafs 
Adamnan immer von neuem seine Vorlage oder seine eigenen 
Aufzeichnungen aus ihr zu Rate gezogen hat. Doch nicht nur 
Redewendungen und Ausdrücke hat er seinen Vorgängern ent- 
nommen, für einige seine Wundererzählungen hat er anscheinend 

>) Vgl. Albers a. a. 0. S. 420, der bereits kurz feststellt, dafs Adamnan 
aus Leo d. Gr. und aus Hieronynius geschöpft habe. 

2) Ed. Geyer a.a.O. S. 2'Jl. 

3) Vgl. oben S. 250, 252. 



ADAMNANS VITA COM'MUAE UNI) IHRE ABLEITUNGEN. 255 

auch die Idee entlehnt, und in diesem Sinne bilden seine lite- 
rarischen Vorbilder auch gleichzeitig eine Art Quellen für einzelne 
Legenden. Das führt uns zur Frage nach den Quellen Adamnans 
im allgemeinen. 

G. Adainuan und seine Quellen. 

In der Einleitung zu seinem Werk weist Adanman selbst 
hin auf die Quellen, die er bei der Abfassung der Biographie 
benutzt hat. Ausdrücklich scheidet er zwischen einer mündlichen 
und schriftlichen Tradition, praef. II (S. 107): „me . . . ea quae 
maiorum fideliumque virorum tradita expertorum congrua rela- 
tione narraturum et sine ulla ambiguitate craxaturum sciat, et 
vel ex liis quae ante nos inserta paginis reperire potuimus, vel 
ex his quae auditu ab expertis quibusdam fidelibus antiquis, sine 
Ulla dubitatione narrantibus, diligentius sciscitantes, didicimus", 
Dafs wir in diesen Worten nicht blofse schriftstellerische Fiktion 
Adamnans zu sehen haben, der dadurch seine Glaubwürdigkeit 
bekräftigen will, zeigt sich im Verlaufe des Werkes, wo er sich 
immer wieder auf diese „experti fideles antiqui" beruft. Es sind 
sicher alte Mönche, die Columbas Zeit nahe gestanden und ganz 
unter dem Eindrucke seiner Persönlichkeit wunderbare Vorgänge 
zu berichten wuIsten. An verschiedenen Stellen werden sie 
erwähnt: 

Praef. II (S. 107). „sicuti nobis ab antiquis traditum expertis 
compertum habetur". 

I, 1 (S. 113). „ab expertis uniuscuiusque regionis, ubicumque 
res eadem simili contigit miraculo, indubitauter didicimus". 

I, 38 (S. 138). „sicuti ab expertis traditur". 

II, 6 (S. 156). „sicuti nobis ab expertis traditum est". 

II, 9 (S. 158). „Sed et alia . . . similia ab expertis indu- 
bitauter didicimus". 

III, 4 (S. 196). „ut nobis ab expertis traditur". 

III, 28 (S. 216). „quod nobis ab expertis traditum est". 

Daneben findet sich auch das einfache „(sic)ut nobiS 
traditum est" und „(ut) traditur". I, 7 (S. 120); II, 17 (S. 163); 
II, 37 (S. 178); III, 22 (S. 210) und „ut fertur" I, 14 (S. 123); I, 26 
(S. 219f:); 11.24 (S. 169). In all diesen Erzählungen beruft 
Adamnan sich auf Zeugen im allgemeinen, oft in formelhafter 
A\'endung. Der Ur.sprung der Wundererzählung ist verwischt. 



20G GEKTKUD BKÜNING, 

Audi Augenzeugen von Wundein fiilirt er an. Ein Buch 
Cohimbas, das lange im Wasser gelegen hat, ist unversehrt ge- 
blieben, 11,9 (S.158): „a viris quibusdam veracibus et perfectis 
boni(iue testimonii sine ulla ambiguitate relationem accepimus, 
qui eimdem libellum . .. considerarunt". Auch bei der Erzählung 
von Columbas Tod beruft er sich auf Mönche, die alles erlebt 
haben, III, 23 (S. 214): „ut ab aliquibus, qui praesentes inerant, 
didicimus". 

Sehr häufig nennt Adamnan aber niclit Zeugen in all- 
gemeinen Wendungen, sondern bestimmte Gewährsmänner mit 
Namen und gibt genau den Gang der Überlieferung an. König 
Oswald hat in der Nacht vor der Schlacht gegen Cadwalla eine 
Vision Columbas, ein Vorgang, den wir vielleicht nur als leb- 
haften Traum bezeichnen würden, I, 1 (S. 113): „Hanc mihi 
Adamnano narrationem mens decessor, noster abbas Failbeus, 
indubitanter enarravit, qui se ab ore ipsius Ossvaldi regis, Segineo 
abbati eandem enuntiantis visionem. audisse protestatus est". 
Auch für Avunderbare Prophezeiungen Columbas nennt Adamnan 
Augenzeugen: 

I, 2 (S. 116). „Haec mihi quodam narrante religioso sene 
presbytero, Christi milite, Oisseneo nomine, Ernani filio, genta 
Mocu Neth Corb, indubitanter didici: qui se eadem supra memorata 
verba eiusdem ab ore sancti Finteni, filii Tailchani, audisse tes- 
tatus est, ipsius monachus". 

1,3 (S. 118). „Erneneus ..., qui haec omuia suprascripta 
verba Segineo abbati de se prophetata enarraverat, meo decessore 
Failbeo intentius audiente, qui et ipse cum Segineo praesens 
inerat, cuius revelatione et ego ipse cognovi haec eadem, quae 
enarravi". 

I, 43 (S. 142). ,. supradictus vir (Lugbeus, ein Mönch 
Columbas) . . . coram aliorura personis sanctorum post sancti 
Columbae transitum testatus est; a quibus haec, quae de sancto 
supra narravimus, indubitanter didicimus". 

IL 4 (S. 155). Haec per omnia esse verissima, supradictus 
Silnanus, Christi miles, sancti legatus Columbae, coram Segineo 
abbate et ceteris testatus est senioribus". 

Ein anderer Mönch bezeugt eine Columba zuteügewordene 
Lichtoffenbarung : 

III, 19 (S. 207). „Haec itaque praedicabilis et admirabilis 
res . . . eodem Virgnouo narrante, innotuit. Cuius scilicet Virgnoui 



ADAMNANS VITA COLUMBAK UND IHRE ABLEITUNGEN. 257 

süioris filius Cümmanus, liouorabilis presbyter, mihi Adamnaiio... 
aliquando sub testificatione enarraverat". Ferner 

III. 23 (S. 215). „ab aliquibus expertis senioribus, qiiibus 
ipse Virgnous retulerat, sine ullo didicimus cunctamine". 

Von zwei wunderbaren Prophezeiungen Columbas haben 
die Zeugen Adamnan selbst erzählt: 

I, 20 (S. 127). „Et unus ex his qui viderant, sanctus sacerdos 
. . . mihi haec de Baitano enarrans retulit, Mailodranus nomine, 
Christi miles, gente Mocurin". 

I, 49 (S. 146). „Alius mihi Adamnano, Christi miles, Finanus 
nomine, ... de eodem hello se praesente commisso aliqua enarrans, 
protestatus est". . . 

In seiner Jugend lauscht er dem Bericht von einer Himmels- 
erscheinung, die sich in der Todesnacht des Heiligen gezeigt 
haben soll: 

HI, 23 (S. 215). „unus ex eis qui viderant, . . . cuius nomen 
etiam potest dici Ferreolus, Scotice vero Ernene, gente Mocu- 
firroide, . . . mihi Adamnano, illo iuveni in tempore, cum grandi 
retulerat testificatione dicens". . . 

Dem Inhalt nach sind es also Wundererzählungen ver- 
schiedener Art, für die er Zeugen nennt, auf die er sich sicher 
bona fide verlälst, und es ist sehr bezeichnend, wie oft die 
Erzählungen nach Adamnans ausdrücklichem Berichte aus 
zweiter Hand stammen; wie sehr gerade auf dem Wege der 
Weitererzählung die Neigung zur Legendenbildung wachsen 
mufste, dessen ist er sich sicherlich ebensowenig bewulst gewesen 
wie andere Hagiographen. Wie die Legende sich fast unmerklich 
um Vorgänge des täglichen Lebens schlingt, dafür gibt Adamnan 
Beispiele in den Wundern, die sich zu seiner Zeit nach dem 
Tode des Heiligen zugetragen haben sollen. Nach langer 
Trockenheit setzt Regen ein, der nach Adamnans Glauben nur 
dem Gebete zu Columba zu danken ist. Mehrmals legen sich 
auf dem Meere ungünstige Winde, und Adamnan mit seinen 
Begleitern erreicht glücklich die Insel. Als die Pest in 
Irland herrscht, bleiben Hi und die Tochterklöster verschont, 
11,44—46 (S. 188 — 191). Diese durchaus natürlichen Vorgänge 
erscheinen bei Adamnan ganz im Gewände des Wunders, für 
deren GlaubAvürdigkeit aufser ihm noch viele lebende Zeugen 
herangezogen werden können, II, 45 (S. 190): „Huius ergo prae- 
missae narrationis testes non bini tantum vel terni secundum 



258 CiKHTUUb UKLNING. 

Legem, sed centeni et amplius adliuc extant". Von diesen 
Wundern, die gleichsam im Entstellen sind, schliefst Adamnan 
mit der Naivität des mittelalterlichen Hagiographen auch auf 
die Wahrheit der übrigen Erzählungen, 11,45 (S, 189): „Prae- 
teritorum nobis, quae non vidimus, talium miraculorum prae- 
sentia, quae ipsi perspeximus, fidem indubitanter confirmant". 

Diese so zahlreichen Hinweise auf mündliche Tradition 
werden noch vermehrt durch die Berichte, die an eine Örtlichkeit, 
ein noch vorhandenes Denkmal oder an einen Namen anknüpfen 
und gleichsam die Erklärung für deren Dasein geben sollen, 
Erzählungen von der Art „ätiologischer" Sagend), die man ohne 
weiteres den Abschnitten anreihen darf, bei denen Adamnan 
sich ausdrücklich auf mündliche Überlieferung beruft, die man 
auch hier unbedenklich als seine Quelle ansehen kann. 

Eine Quelle trägt Columbas Namen, vielleicht weil der 
Heilige auf einer Reise zu den Pikten an diesem Wasser getauft 
hat. Der späteren Zeit genügte ein solcher Anlafs nicht mehr; 
als Adamnan schreibt, ist mit dem Namen Columbas die Vor- 
stellung verbunden, die Quelle gehe auf ein Wunder zurück: 
Columba soll sie durch sein Gebet aus dem Felsen haben hervor- 
springen lassen, „hodieque fonticulus, sancti nomine Columbae 
pollens, cernitur", II, 10 (S. 159). Besonders auf der Insel Hi, 
wo Adamnan sein Werk verfalst, weifs jeder Ort von Columba 
zu erzählen. Ein Steinhaufen, „qui hodieque in ora cernitur 
maritima", I, 33 (S. 134), bezeichnet das Grab eines Fremdlings, 
dessen Ankunft Columba prophezeit haben soll. Nicht weit von 
einander sind auf der Insel zwei Kreuze errichtet. Die Legende 
sucht ihr Dasein wunderbar zu deuten und gestaltet eine 
Prophezeiung des Heiligen. Von dem hl. Erneneus, Abt des 
Klosters Himba, und sich selbst hatte Columba verkündet, dafs 
sie einander nicht lebend wiedersehen würden. Jener kommt in 
seinem Alter zur Insel Hi; freudig eilt Columba ihm entgegen, 
aber bevor sie sich begrüfst haben, fällt Erneneus tot zu Boden, 
„unde in eodem loco ante ianuam canabae crux infixa est, et 
altera, ubi sanctus restitit, illo expirante, similiter crux hodieque 
infixa stat", I, 45 (S. 143). Neben Columbas Grab steht zu 
Adamnans Zeit ein Stein, Es soll der gleiche Stein gewesen sein, 



') Vgl. Ernst Bei'iihehu, Lehrbuch der historischen Methode, 5. u. C. Aiitl., 
1908, S. 355; H. Delehaye, Les legendes hagiographiques, 2. Aufl., 1906, S. 48 ff. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IIUIE ABLEITUNGKN. 259 

auf dem der Heilige zu seinen Lebzeiten zu ruhen pflegte, 
.jiui liodie(iue quasi quidam iuxta sepulcrum eius titulus stat 
monunienti". III. 23 (8.213). Auf der Insel ragt ein kleiner Hügel 
empor, der im Volksmunde „coUiculus angelorum, Scotice vero 
Cnoc Angel" heilst. Die Legende erklärt den Namen so, dafs 
hier der hl. Columba mit den Engeln geplaudert habe, und 
Adamnan deutet den Ursprung dieser Erzählung selbst au, wenn 
er sagt: „rem in eo gestam suo proprio protestatur vocabulo", 
III, 16 (S. 205). Vielleicht gehört in die Reihe dieser Erzäh- 
lungen auch Adamnans Bericht von dem Buch des hl. Columba, 
das im Wasser unbeschädigt blieb '). Den Ausgangspunkt bildet 
ein Buch, um das sich im Laufe der Zeit die Sage gerankt 
hat. Diese Erzählungen, in deren Mittelpunkt Denkmäler der 
A'ergangenheit stehen, sind unzweifelhaft ebenso aus mündlicher 
Überlieferung geflossen wie diejenigen Berichte, die er aus- 
drücklich auf solche zurückführt. 

Gegenüber der häufigen Berufung auf mündliche Quellen 2) 
mufs es auffallen, dafs Adamnan im ganzen Werk, wenn wir 
absehen von jener Stelle im Vorwort der Vita (oben S. 255), nur 
zweimal auf schriftliche Überlieferung hinweist. In der einen Stelle 
III, 23 (S. 215): „Hanc praedictam visionem (des Lugudius in 
der Todesnacht Columbas) non solum paginis inscriptam repe- 
rimus, sed et ab aliquibus expertis senioribus, quibus ipse 
Virgnous retulerat, sine ullo didicimus cunctamine", liegt fast 
etwas wie Bevorzugung der mündlichen Tradition, wenigstens 
Gleichstellung von Schrift und Wort auch für Geschehnisse der 
Vergangenheit. Dann beruft sich Adamnan noch einmal bei 
der Erzählung von Aidans Salbung zum König III, 5 (S. 197) 
auf eine schriftliche Quelle, deren Verfasser er mit Namen 
angibt: „Cummeneus^) Albus ^) in libro, quem de virtutibus 
sancti Columbae scripsit, sie dixit". Es folgt eine Prophezeiung 
Columbas über Aidan, die Adamnan eben diesem „Über de 



») Vgl. oben S. 256. 

-) Vielleicht gehörten dazu auch die irischen Lieder zum Preise Columbas, 
deren Zauberkraft Adamnan I, 1 (S. 113) erwähnt. 

3) Cummeueus ist ein Abt von Hi, der 069 starb, nicht zu verwechseln 
mit Cnmmianus, dem Verfasser einer Osterepistel. 

*) ..Albus'' ist übergeschrieben in der Schaffhauseuer Handschrift S. 108; 
vgl. Reeves, l.Ausg. , Tafel II, 15; Lindsay, Early Irish Minuscule Script 
(St. Andrews University Publicatious VI), Oxford 1910, Tafel II. 



2t)(» GERTRUD BRÜNINO, 

virtiitibus .sancti Columbae". wie er versichert, entlehnt hat; 
doch ist die Ursprünglichkeit des Abschnittes nicht ganz ge- 
sichert i). 

Also nnr ganz wenige Stellen sind es, an denen Adamnan 
auf schriftliche Tradition hinweist. Danach ist es an sich nicht 
wahrscheinlich, dafs schriftliche Quellen in gröfserem Umfange 
ihm vorgelegen haben; würde er, der sich so gern auf Gewährs- 
männer beruft, dann nicht auch schriftliche Zeugen öfters genannt 
haben? Und doch meint man, jene Schrift des Cummeneus und 
damit eine umfangreiche Quelle Adamnans zu besitzen. 



7. Adamnan und der sogenannte Cummeneus. 

Die Zeilen, die Adamnan seiner Vorlage entlehnt haben 
will, finden sich fast übereinstimmend in einer kürzeren Vita 
des Heiligen (Bibl. hag. Lat. Nr. 1884/85), die man wohl dem 
Cummeneus zugeschrieben und als Hauptquelle Adamnans an- 
gesehen hat 2). Diese Biographie erschien zuerst 1G47 im Druck 



1) Der ganze Abschnitt von „Cummeneus Albus" ab bis zum Ende des 
Kapitels fehlt in den Londoner Handschriften Cottonianus, Regius und wahr- 
scheinlich auch im Add. Ms. 35110 (vgl. oben S. 219f.). In der Schaffhausener Hand- 
schrift (S. 108) zeigt der Passus eine abweichende kleinere Schrift als die vor- 
hergehenden und nachfolgenden Kapitel (vgl. Lindsaj' a. a. 0.). Nach Lindsays 
Tafel II möchte man vermuten, dal's die Stelle sich auf Rasur befindet, was 
aber nach einer Mitteilung der Bibliotheksverwaltung nicht der Fall ist; es 
scheint demnach die Schrift der Rückseite durchzuleuchten. Die Schrift des 
Abschnittes ist zwar kleiner, eine Minuskel, rührt aber nach dem Urteil von 
Reeves, 1. Ausgabe S. XIX und Lindsay (S. 2) von dem gleichen Schreiber her. 
Lindsay sucht die Tatsache so zu erklären, dals Adamnan ursprünglich einen 
Platz frei liefs für das einzufügende Zitat aus Cummeneus, und dafs dann der 
Zwischenraum zu knapp bemessen war. Aber das erklärt immer noch nicht 
den gleichen Tatbestand in der Abschrift des Dorbbeueus; weshalb sollte er 
das Zitat erst später eingefügt haben , wenn es schon in seiner Vorlage zu- 
gesetzt war? Wohl aber liefse sich denken, dafs Dorbbeneus selbst, nicht 
schon Adamnan als erster die Stelle auf ausgespartem Räume nachträglich 
eingetragen hat. Auch in den Handschriften der kurzen Rezension der 
Vita (vgl. oben S. 216 f.) findet sich der Abschnitt von Cummeneus. Da diese 
Manuskripte jedoch vermutlich auf der Schaffhausener Handschrift fufsen, 
kommen sie für die Bewertung der Ursprünglichkeit und Echtheit dieser Stelle 
nicht in Betracht, wenn nicht bewiesen werden kann, dafs ihnen ein selb- 
ständiger Überlieferungswert zukommt. 

■-) Das Werk des sog. Cummeneus wird im folgenden zitiert nach der 
unten als Anhang beigegebeuen Ausgabe. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IURE AHLEITÜNGEN. 2G1 

bei Colgan')- Er legte seiner Ausgabe eine schlechte und 
aus Adamnan interpolierte Handschrift aus der Bibliothek von 
Aubertus Miraeus^) zu Grunde, geschrieben von einem gewissen 
Belfortius als Supplement zu Surius' Sammlung von Heiligen- 
leben 3). Colgan selbst glaubte in einer anderen Lebens- 
beschreibung des hl. Columba, die im Codex Salmanticensis über- 
liefert ist*), das Werk des Cummeneus zu erkennen und schrieb 
die Vita im Supplement zu Surius dem hl. Cainnechus, einem 
Zeitgenossen Columbas, zu. Mabillon'') veröffentlichte dann 
1668 die gleiche Vita nach einer weit besseren Compiegner 
Handschrift, indem er zuerst sie „Cummeneo Albo perantiquo" 
in der Überschrift zuwies. Mit einem gewissen Vorbehalt nahm 
auch Baertius^), sich auf das Urteil Mabillons stützend, 
Cummeneus als Verfasser an: „Auetore forsan Cumineo Albo"; er 
druckte Colgans Text ab, dem er einige Lesarten der Compiegner 
Handschrift nach Mabillon beifügte "'). 

Mit den Ausgaben von Mabillon und Baertius^) schien die 
Frage nach dem Verfasser erledigt zu sein. Man hatte an- 
scheinend das verloren geglaubte Werk des Cummeneus und 
damit jene Schrift über Columba wiedergefunden, aus der Adamnan 
für seine Lebensbeschreibung dieses Heiligen geschöpft hatte. 
Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts werden Zweifel laut 
gegen diest Annahme. 1851 äufserte Schoell-') sich dahin, dafs 
weder der sog. Cummeneus, noch die Vita Columbae im Codex 
Salmanticensis, wie Colganus meinte, von Cummeneus verfafst, 
sondern dafs alle Viten eher von Adamnan abhängig seien. 
Hardyio) sprach sich bestimmter aus und meinte: „The printed 
text of Curainius has all the appearance of being a Judicious 



') J. Colganus a. a. 0. S. 321-324. 

^) Vgl. über ihn A.Wauters, Biographie Nationale de Belgique XIV, 
1897, S. 882—895 und die übrige dort genannte Literatur. 

3) Colgan S. 324 Anm. 1. *) Vgl. unten den 9. Abschnitt. 

5) Mabillon, Acta Sanctorum ordinis S. Benedicti, I, 1668, S. 361— 3G6. 

•) Acta Sanctorum Junii II, 1698, S. 185—189. 

') Über die Handschriften des sog. Cummeneus s. unten. 

*) Pinkerton a. a. 0. S. 27—45 und seine neue Ausgabe von Metcalfe I, 
51—69 beruhen auf Mabillon. 

") Car. Guil. Schoell, De ecclesiasticae Britonum Scotorumque historiae 
fontibus, Berlin 1851, S. 61. 

'») Th. D. Hardy a. a. 0. S. 167, Nr. 479. J. 0' Hanion, Lives of the 
Irish Saints VI, Dublin o. J., S. 257 schreibt Hardy aus. 



262 GKKTRUI) IJRÜNING. 

abridgement of Adamnan". Der gleichen Ansicht waren Loofsi) 
und D'Arbois de Jubainville-). 

Wie wenig diese Vermutungen oder Behauptungen die Frage 
endgültig entschieden hatten, zeigt sich darin, dafs Reeves 3), 
Zimmer^) und andere^) weiterhin annahmen, dafs diese kui'ze 
Columba-Vita als der echte Cummeneus anzusehen sei; ja Fowler 
hat sogar in seiner Ausgabe Adamnans die mit dem sog. Cum- 
meneus übereinstimmenden Stellen, als daraus entlehnt, durch 
kursiven Druck kenntlich gemacht <>). 

Die Frage wurde neuerdings von Albers erörtert"). Er 
glaubt, dals Adamnan selbst die kürzere Vita verfafst habe, und 
zwar als Vorarbeit seiner eigentlichen Columba-Biographie. In 
einer Anzeige sprach Levison^) sich für die ünhaltbarkeit dieser 
Meinung aus und erklärte die kürzere Vita für einen Auszug 
aus Adamnan. Moretus^) schien dagegen an der Autorschaft 
des Cummeneus festzuhalten und lehnte nur die Verfasserschaft 
Adamnans ab. 

Ich werde im folgenden auf Albers' Darlegungen näher 
eingehen und zu beweisen versuchen, dafs der sog. Cummeneus 
in der Tat nur ein späterer Auszug aus Adamnan sein kann. 
Dadurch wird zugleich die Annahme der Urheberschaft des 
Cummeneus unhaltbar. 

Albers legt dar, dafs die kurze Biographie gleichsam nur 
das Gerippe sei, nach dem Adamnan seine zweite Vita aus- 
gearbeitet habe und dafs ungefähr die ganze erste sich aus dieser 
herausschälen lasse lo), „Adamnan hat die erste Erzählung 
durch einzelne Phrasen erweitert und anders disponiert, im 
übrigen aber sich fast sklavisch an seine Vorlage gehalten". Albers 



^) Fr. Loofs, De autiqua Britouum Scotorumque ecclesia, Leipzig 
1882, S. 54. 

») Revue Celtique XII, 1891, S. 284. 

») Reeves S. XIX usw. (1. Ausg-. S. VI, 199 f. u. a.). 

*) Nennius vindicatus, Berlin 1893, S. 312; Haiidelsverbindungeu West- 
galliens mit Irland, a. a. 0. S. 587. 

») W. F. Skene, Celtic Scotland II, 2. Aufl., Edinburgh 1887, S. 168; 
Metcalfe a. a. 0. I, S. XIX f. 

«) Vgl. Fowlers Einleitung S. X. 

') B. Albers a. a. 0. S. 405—420. 

8) Levison, Neues Archiv XXXVIH, 1913, S. 331. 

ä) Analecta Bollandiana XXXIII, 1914, S. 94—96. 

'"> A. a. 0. 8. 406. 



ADAMNANS VITA COLUMUAK UND IIIUK ABLEITUNGEN. 263 

vergleiclit die beiden Texte und kommt zu dem Schlufs, dafs 
Cummeneus nicht der Verfasser sein kann. Wenn Adamnan in 
der Einleitung- sage, praef. I (8.105): „vitam descripturus, fratrum 
flagitatiüiiibus obsecundare volens", so sei daraus zu schlielsen, 
dafs noch keine Lebensbeschreibung des Stifters existiert habe; 
sonst brauchten die Mönche ihren Abt nicht so darum zu ersuchen i). 
Adamnan gibt zwar in der Einleitung an, dals schon Aufzeich- 
nungen über Columba vor ihm bestanden haben: „(juae ante nos 
inserta paginis reperire potuimus", aber diese Woite lassen nach 
Albers einen Schlufs auf eine zusammenhängende Vita nicht zu; 
es kann sich hier, so meint er, nur um „sporadische schriftliche 
Aufzeichnungen'' handeln-). Was zunächst den letzteren Ausdruck 
anbelangt, so steht er der Annahme einer „wohlgeordneten 
Lebensbeschreibung" nicht im Wege, läfst aber überhaupt keinen 
Schlufs auf die bestimmtere Art der Aufzeichnungen zu. Und 
ebensowenig sind jene Einleitungsworte Adamnans nach irgend 
einer Richtung hin beweiskräftig. Es ist die übliche Beschei- 
denheitsphrase, die sich in ähnlicher Form in zahllosen Viten 
und anderen mittelalterlichen Literaturerzeugnissen wiederfindet, 
die zeigen soll, dafs der Verfasser nicht von sich aus so ver- 
messen gewesen ist, die Aufgabe zu unternehmen, sondern nur 
der Forderung anderer entsprochen hat. Schliefslich erwähnt 
Albers folgende Tatsache. Sowohl „Cummeneus" als auch Adamnan 
berichten ein Wunder, dafs sich nach dem Tode Columbas 
zugetragen haben soll, Cum. c. 26 und Ad. II, 44 (S. 188), 
und zwar gibt Adamnan bei diesem Vorgang die genaue Be- 
stimmung „ante annos namque ferme quatuordecim". Albers, 
der noch der Annahme von Baertius folgt, dafs die Vita 
zwischen 702 und 704 in Irland von Adamnan geschrieben sei, 
verlegt so das Ereignis, von dem berichtet wird, in die Zeit 
gegen 690. Nun starb aber der Abt Cummeneus von Hi schon 
669, konnte also unmöglich das betreffende Wunder melden. 
Nehmen wir an, dafs Adamnans Zeitangabe zuverlässig ist, dann 
ist das immerhin ein Argument gegen die Verfasserschaft des 
Cummeneus, auch dann noch, wenn die Vita Adamnans vorher 
(aber nicht vor 6883)) entstanden sein sollte und das Ereignis 
somit früher anzusetzen wäre, da es keinesfalls vor 074 fallen 
könnte. 

') A. a. 0. 8. 410 f. 2) Eb. S. 412. ^) Vgl. oben S. 227 f. 



264 GERTRUD HRÜNING, 

Wie steht es nun aber mit dem ^'erllältnis der beiden Yiten 
zu einander? Eine einfaclie Textvergleicliung. die nur die 
grofsen Übereinstimmungen zeigt, beweist an und für sich 
nichts, wenn man sicli nicht dabei aucli im einzelnen die Frage 
vorlegt: Aus welchen Gründen ist diese oder jene Stelle als 
ursprünglich oder als späterer Auszug zu betrachten? Albers 
stellt nur fest, dafs die beiden Yiten einander sehr entsprechen, 
und wenn man Adamnan nicht als einen „ganz gewöhnlichen 
Plagiator" ansehen wolle, könne er nicht die kurze Vita einfach 
ausgeschrieben haben, ohne seine Quelle zu nennen, wenn er 
nicht selbst deren Verfasser gewesen sei. Letzterer Grund ist 
selbstverständlich nicht stichhaltig bei der mittelalterlichen 
Auffassung von geistigem Eigentum. Die andere Möglichkeit, 
dafs die kürzere Biographie auch ein späterer Auszug aus 
Adamnan sein könnte, weist Albers einfach von der Hand, da 
seiner Meinung nach ,. offenkundig das gegenteilige Verhältnis 
der Fall ist"i). Die Übereinstimmung der beiden Viten geht 
übrigens noch weiter, als er feststellt. In der ganzen kurzen 
Vita kommt nichts vor, was nicht auch Adamnan berichtet, wie 
die Hinweise auf dessen Werk am Rande der unten als Anhang 
folgenden Ausgabe dartuu. 

Bei dem Vergleich einzelner Kapitel zeigt sich ferner aber 
deutlich, dafs diese kürzere Vita weder der echte Cummeneus 
ist, noch aus Adamnans Feder stammt, sondern nur eine spätere 
Ableitung aus dessen Columba-Biographie ist. 

Gegen die Autorschaft des Cummeneus spricht z. B. folgende 
Tatsache. Adamnan erzählt III, 5 (S. 197) von der Prophezeiung 
Columbas, dafs die Nachkommen König Aidans ihr Land und 
ihre Krone verlieren würden bei Feindseligkeiten gegen Columba 
und die Seinen. Bei dem sog. Cummeneus schliefst die Erzählung, 
c. 5: „Quod ita factum est; mandatum namque viri Dei trans- 
gredientes regnum perdiderunt". Nun blieb aber das Scepter 
bei dem Hause Gabhran bis zum Tod von Maelduin, der 689 
starbt). Reeves hält daher die Stelle bei dem sog. Cummeneus, 
dessen Tod schon 669 erfolgte, für spätere Interpolation^). Sie 
erklärt sich zwanglos bei einem späteren Auszug aus Adamnan. 



') A. a. 0. S. 414. 

'') Reeves a. a. 0. S. 287 (1. Ausg. S. 202 f.). 

3) Eb. S. 288 (1. Ausg. S. 202). 



AMAMNAXS VITA CÜIiUMBAK UNI) IHRK ABLEITUNGEN. 265 

Doch scheint uiir die ßezielmiig- der Erzählung" auf den Tod 
Maelduins keineswegs sicher. 

In der späten Columba-Vita von 0' Donneil wird einmal 
Cummeneus als Quelle zitiert an einer Stelle, deren irischer 
Text noch nicht gedruckt ist. Die betreffende Notiz lautet in 
der Übersetzung- von Colgan'): „Nam, ut refert sanctus Cu- 
mineus, integra hebdomade non tautum alimenti sumebat, quantum 
uni mendiculo pro una refectione sufficeret; semperque a vino et 
omni sapido delicatove edulio abstinuit, Ordinarius illi potus 
aqua pura, eibus panis ex farina, arenae permixta". Diese Stelle 
findet sich aber nicht im sog. Cummeneus und überhaupt in keiner 
der bekannten Columba-Viten; ist auf die Angabe dieses jungen 
Kompilators Yerlafs, dessen Quellenangaben im allgemeinen zu- 
verlässig sind, so spricht auch sie dagegen, dals uns in jener 
Vita Cummeneus' Werk vorliegt, ohne dafs darauf grofses Gewicht 
gelegt werden soll. 

Aber auch gegen Albers Ansicht sprechen zunächst allgemein 
literarische Gründe. Beide Viten können kaum von der gleichen 
Feder herrühren; dafür sind die inhaltlichen und formellen Unter- 
schiede in der Behandlung des gleichen Stoffes zu grofs. Welchen 
Wert Adamnan auf die Prophetengabe Columbas legt, wurde 
ausführlich dargelegt. Auffallen muls, dafs von all den Le- 
genden dieser Art aus dem ersten Buch nur das 8. (S. 120) 
und als ziemlich unorganisches Anhängsel der kurzen Vita 
das 3. Kapitel (S. 116) in sehr gekürzter Form begegnen. Jede 
Milieustimmung, die einen nicht geringen Keiz in Adamnans 
Werk ausmacht, fehlt hier. Man vergleiche z. B. das Kegen- 
wunder. Ad. II, 44 (S. 188) und Cum. c. 26. Bei dem sogenannten 
Cummeneus ist es ein Ereignis, das garnicht aus dem Eahmen 
der übrigen Erzählungen heraustritt. Bei einer grofsen Trocken- 
heit nach dem Tode des Heiligen nehmen die „fratres" sein 
Gewand, erheben es in die Luft, lesen seine Bücher und der 
Eegen setzt ein. Bei Adamnan ist der Vorgang in viel persön- 
lichere Beziehung zu den Mönchen von Hi gebracht, wenn er 
schreibt: „hoc inito consilio fieri consiliati sumus, ut aliqui ex 
nostris senioribus . . . cum sancti Columbae Candida circumirent 
tunica . . ." Das Ganze der kleinen Vita durchzieht kein 'lei- 
tender Plan, der bei Adamnan so ausgesprochen ist. Stilistisch 

») m, 34, Colganus a. a. 0. S. 437. 

Zeitschrift f. celt. Philologie XI. j^g 



266 OKKTini) RRÜNIN«. 

finden wir eine ungekünsteltere Wortfolge. Die Diminutivformen 
begegnen in der kurzen Vita verhältnismäfsig selten, auch lälst 
sie alle seltenen Worte fort. 

Allerdings könnte Albers entgegnen, dafs Adamnan an 
seiner zweiten Vita eben viel mehr herumgefeilt habe und dafs 
man bei einem solchen Konzept, als das er doch die kurze Vita 
angesehen haben will, nicht den gleichen literarischen Mafsstab 
anlegen dürfe wie bei dem vollendeten Werk. Aber diese kurze 
Vita wäre dann eine etwas merkwürdige Art von Konzept. 
Eine kurze Angabe der einzelnen Vorgänge hätte genügt, mit 
sorgfältiger Notiz über die betreffenden Personen, Orte und 
Zeugen. Statt dessen findet man in der kurzen Vita selten einen 
Namen genannt; meistens bringt sie allgemeine Umschreibungen, 
„unus e fratribus", .,aliquis monachus" oder ähnliche Wendungen, 
während in Adamnans Werk die Namen ausführlich gegeben 
sind. Die wenigen Eigennamen, die wirklich in der kurzen 
Biographie vorkommen, haben übrigens stets die latinisierte, 
nie die irische Form. Das alles ist doch ein eigentümliches 
Verfahren bei einer Stoffsammlung, die später zu einer Vita 
ausgearbeitet werden soll. Seltsam wäre es auch, dafs Adamnan 
sich in der Hauptsache nur von dem dritten Buch ein Konzept 
gemacht hätte. 

Die kurze Vita, wie sie uns vorliegt, ist als Auszug leicht 
verständlich. Der Epitoraator beginnt, was doch im allgemeinen 
die Regel ist, mit der Geburt des Heiligen, also mit dem ersten 
Kapitel des dritten Buches von Adamnan. Dieses dritte Buch 
bildet auch weiterhin die Grundlage der kurzen Vita. Aufserdem 
bietet es die Todesszene, also einen geeigneten Abschluls. Aus 
dem zweiten Buch werden einige Hauptwunder exzerpiert und 
zwei Prophezeiungen (c. 3. 8) und ein Teil des 1. Kapitels aus dem 
ersten Buch. Da der Auszug einen allgemeinen Heiligentyp an- 
strebt, der für weitere Kreise zur erbaulichen Betrachtung bestimmt 
ist, schwächt er örtliche und zeitliche Beziehungen ab und läfst 
alles fort, was Columba gleichsam zum geistigen Besitz der Mönche 
von Hi oder der Iren stempelt. Ein charakteristisches Beispiel 
sei erwähnt. Adamnan (III, 17, S. 205) erzählt uns von den vier 
bekannten irischen Heiligen Comgellus, Cainnechus, Brendenus 
und Cormacus, die den heiligen Columba besuchen, ein echt 
irischer Zug! Im Auszug dagegen sinken sie ohne Namennennung 
zu „quatuor fratres" herab. 



ADAM N ANS MIA COLUMHAK l ND iniiK ABLEITUNGEN. 



267 



All diese Erwägungen sind jedoch zu allgemeiner Art, als 
dafs sie endgültig das Verhältnis der beiden Viten beweisen 
könnten. Entscheidend ist an letzter Stelle der Nachweis der 
von Adamnan bei Abfassung seiner Vita benutzten Schriften i). 

Ich versuche also im Folgenden an Hand einzelner Stellen, 
die Adamnan entlehnt hat 2) und die sich auch im sogenannten 
Cummeneus finden, darzulegen, dal's Adamnan der benutzten 
Quelle näher steht als die kürzere Vita. 



Vita Anton ii c. 18: 

Sancto7'um angdorum 
amabilis et tranquilhcs 
aspectus est . . . gaudiuni, 
exultatio7iem , fiduciam, 
pectoribus infundimt, si- 
quidem cum illis est Do- 
minus, qui est fons et 
origo laetitiae. 

Eb. c. 15: 

Anitnam nostram com- 
ynendaYit nobis Dominus ; 
servemus deposüiitn quäle 
accepimus. 



Ad. III, 23 (S. 211): 

et quia sandorum ange- 
lorum amabilis et tran- 
quillus aspectus gaudium 
et exultationem electo- 
rum pectoribus infundit, 
haec fuit illius subitae 
causa laetitiae. . . 



(Cummeneus) c. 18: 

Haec enim causa fuit il- 
lius subitae laetitiae. 



c. 18: 
angelus Domini pro cuius- 
dam missus deposition» 
Deo cari . . . Haec sanctus 
se ipsum signiücans dice- 
bat. 



augelus Domini ad repe- 
tendum aliquod Deo ca- 
rum missus depositum. . . 
Noster vero patronus 
sanctum, propriam a Deo 
sibi commcndatam ani- 
mam, depositum nuncu- 
pavit. 

Der erste Teil, die eigentliche Begründung der Freude, fehlt 
bei dem sogenannten Cummeneus. Nur das eine Wort „laetitiae" 
findet sich hier. Auch in dem weiteren Teil der Erzählung 
gebraucht Adamnan die Worte der Vita Antonii in gröfserem 
Umfang; dagegen hat Cummeneus nur mehr „depositioue" statt 
„depositum". 

c. 58: Ad. III, 23 (S. 212): c. 19: 

secundum eloquia scrip- secuiidum eloquia scrip- patrumviam gradier. lani 

turarum patrum gradior turarum patrum gradi&x enim Christus tue invitat. 
viam . . . iam enim Do- viam. lam enim dominus 
minus me invitat. mens Jesus Christus nie 
invitaie dijrnatur. 



1) Vgl. Levison, Neues Archiv XXXVIII, S. 331. 
*) Vgl. oben S. 244if. 



18* 



268 



(5KRTRUD BRÜNINft. 



Die erste Hälfte des Satzes fehlt bei Cummeneus. Dann 
hat er zwar wie die Vita Antonii „invitat" statt des umständ- 
licheren „invitare dignatur", aber ..dominus" fehlt, und das Wort 
„Christus" zeigt zudem, dafs Adamnan hier das Mittelglied und 
die Quelle der kürzeren Vita darstellt. 



c. 59: 
mortem laetns aspexit, 
ita ut ex hil((ritate vul- 
tiis eius angelornm sanc- 
tomm . . . praesentia nos- 
ceretur. Hos itituens . . . 
animam exhalavit. 



Ad. III, 23 (S. 214): 

cum mira vultus hilari- 
fate et laetitm circum- 
spiciebat, sandos scilicet 
obvios intuens angelos 
. . . spiritum exhalavit. 



c. 22: 

laeta facie circumspicie- 
bat et angelos sanctos 
adesse videbat . . . spiri- 
tum exhalavit. 



Die Worte der Vorlage „vultus hilaritate" fehlen im kurzen 
Text, was wieder im selben Sinne beweiskräftig ist. 



Sulp. Sev., Dial. II, 2: Ad. III, 17 (S. 206): 

cum iam ai^amim...beue- criniosum i^weum glo- 



c. 12: 

vüZeruut . . . ignexim glo- 
bum . . . de vertice S. 
Columbae ante altare 
stantis. 



diceret, globum igtiis de bum ... de vertice S. 

capite illius vidimiis emi- Columbae ante altare 

care, ita ut . . . m«em stantis . . . vidit. 
. . . produceret. 

Adamnan schreibt „criniosum" statt „crinem". In der kurzen 
Vita fehlt das Wort ganz. 



Ad. II, 32 (S. 174): 

aninia ad corpus rediit 
... cuius mamim teuens ... 
parentibus redit;ivura as- 
siguavit. 



C.25: 

patri et matri viventem 



repraesentat. 



Gregor, Dial. I, 2: 

quo orante anima pueri 
ad corpus rediit, quem 
manu comprehendit ac 
flenti matri viventem 
reddidit. 

Der erste Teil fehlt in der kurzen Fassung. Der zweite 
Teil könnte für das Gegenteil meiner Auffassung sprechen; denn 
„viventem" stimmt genau mit Gregor überein. Aber die Über- 
einstimmung ist als zufällige leicht erklärlich, weil Adamnan 
hier das etwas gespreizte „redivivum assignavit" hat, was die 
kurze Vita in einfacher Form wiedergibt. Gegenüber den 
Worten: „anima ad corpus rediit" und den anderen Stellen fällt 
diese Abweichung kaum ins Gewicht. 

Gregor, Dial. IV, 27: Ad. III, 6 (S. 198): c. 6: 

misericordiae actibus de- bonis actibus intentns. quidam bonorum acfunm 
ditus, bo'iiis operibus i«- de suis mouachus. 

tentus. 



ADAMNANS VITA COLUMBAK VSV IHRE ABLEITUNGEN. 269 

„Intentus" fehlt bei Cummeneus, und der Casus von „bonis 
actibus" ist daher verändert. 

Diese Stellen zeigen deutlicli, dafs Adamnan den benutzten 
Vorlagen näher steht als der sogenannte Cummeneus. Der Weg 
der Entlehnung- geht von der Vorlage über Adamnan zu der 
kurzen Vita, die deshalb nur ein späterer Auszug sein kann. 
Die Schrift des Cummeneus mufs als verloren betrachtet werden i). 
Wenn also die Vita Columbae. die man solange für das 
Werk des Cummeneus und für eine Hauptquelle Adamnans ge- 
halten hat, als Auszug anzusehen ist, so erhebt sich die Frage 
nach dessen Entstehung. Ich versuche daher, die Spuren dieser 
Vita so weit als möglich zurückzuverfolgen, um in etwa einen 
Anhaltspunkt für die Zeit und den Ort der Entstehung zu finden. 
Die beiden Handscliriften, die Colgan und Mabillon benutzten, 
sind, wie schon erwähnt, verloren. Aber die gleiche Vita findet 
sich noch in folgenden, bisher nicht benutzten Handscliriften: 
la. St. Omer 716, XIII. Jh., Bd. V, einst S. Mariae de 

Claromarisco^), fol. 160—1633). 
Ib. Brüssel 7460, eliemals in monasterium Vallicellense*), 
XIII. Jh., fol. 167— 169'>). 
2. Wien, Kaiserlich Künigl. Privatfideikomifs- Bibliothek 
Xr. 9397a, das Sanctilogium von Johannes Gielemans, 
Bd. III, vom Jahre 1479, fol. 802—804, enthält einen 
gekürzten Text'"'). 

') Dafs man den Abschnitt , den Adamnan (s. oben S. 260 Anni. 1) 
in, 5 (S. 197) aus Cammenens entlehnt haben will , als ziemlich wörtliches 
Citat ans einem anderen Schriftsteller anzusehen hat, möchte ich aus sti- 
listischen Gründen annehmen. Die Ausdrucksweise der Sätze ist wenig adam- 
uanisch. abgeselieu vielleicht von dem Eingangswort „indubitanter". Der 
Abschnitt weist m. E. einfacheres, fast etwas unbeholfenes Latein auf. Auch 
begegnen keine Diminativfornieu. Solche Stileigenheiteu des kurzen Passus 
sind selbstverständlich keine zwingenden Kriterien, sondern gönnen auch zu- 
fällig sein, und ich will ihnen deshall) keine grofse Bedeutung beimessen. 

') Clairmarais, dep. Pas-de-Calais , arr. und caut. Saint-Omer, im N. 0. 
dieser Stadt. 

ä) Nach einer freundlichen Mitteilung von Herrn Prof. W. Levison. 

*) A\aucelle, im Süden von Cambrai, dep. Nord. 

^1 Catalogus codicum hagiographicorum bibl. Reg. Brnxellensis I, 2, S. 10 
und .1. Van den (iheyn, Catalogue des manuscrits de la Bibliotheque Royale 
de Belgique V. 19Ü5, S. 135, Nr. 317ü. 

") Vgl. Analecta Bollandiana XIV, 21. Durch liebenswürdiges Entgegen- 
kommen der Bibliotheksverwaltungen war mir der Text von 1 b und 2 durch 
Photographien zugänglich. 



270 GEKTIJUD BRLNING, 

Die Handschriften Brüssel 7460 und 7401 sind Teile eines 
grolsen Legendars aus dem früheren 13, Jahrhundert, das wahr- 
scheinlich ehemals acht Bände umfafste. Es stammt aus der 
Cisterzienserabtei S. Maria de Valcellis und ist eng verwandt 
mit dem Legendär von St. Omer, das ebenfalls im 13. Jahrhundert 
entstanden ist und dem Cisterzienserkloster S. Maria de Claro- 
marisco angehörte'). Der Text dieser Handschriften ähnelt 
Mabillons Druck. Ihre Verwandtschaft mit einem verlorenen 
Compendiensis ]\[abillons wird auch sonst festgestellt, bei Jonas' 
Vita Columbani-) und bei Alcvins Vita Willibrordi^) und seiner 
Vita Richarii^). 

Zu Grunde liegt ein grolses Legendär, von dem auch Teile 
anderer Ableitungen erhalten sind, und das frühestens um die 
Mitte des 12. Jahrhunderts zusammengestellt sein kann^). Aller 
Wahrscheinlichkeit nach beruht auch der Text von Johannes 
Gielemans in letzter Linie auf diesem Legendär. Seine Schriften 
befassen sich vor allem mit der hagiographischen Literatur und 
der Geschichte Belgiens, wo er auch als Subprior des Regular- 
kanonikerstiftes Rubea Vallis (Rouge-Cloitre) bei Watermael nahe 
Brüssel 1487 starb. Aulser dem Sanctilogium, in dem er besonders 
die Heiligen seiner Heimat berücksichtigt, schrieb er ein Hagio- 
logium Brabantinorum und ein Xovale Sanctorum. Seinen letzten 
Plan, eine Geschichte Brabants zu verfassen, hat er nicht mehr zu 
Ende geführt. Nun hat Gielemans für sein Sanctilogium, in dem 
die Vita Columbae überliefert ist, nach eigener Angabe besonders 
aus einem heute verlorenen Legendär des Aegidius von Damme 
geschöpft 6), wie er in der Einleitung des Sanctilogiums mitteilt: 
„Praefatus autem compilator, ex cuius opusculis plures legendas 
collegi, illas maxime, quarum in fine habetur iste versiculus: „Sit 
nomen Domini benedictum in secula" etc., fuit venerabilis domnus 
Aegidius de Dammis, quondam prior in Dunis et postmodum 

') Vgl. u. a. Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 
VIII, S. 415f. 

-) Vgl. B. Krusch, lonac Vitae Sanctorum (Scriptores rerum Germ.), 
1905, S. 86f. u. soff. 

••') Vgl. demnächst "W. Levisoii, SS. R. Merov. VII, 102. 

*) B. Krusch, eb. IV, 886. 

5) Vgl. demnächst W. Levisoii am Schlüsse von SS. R. Merov. VII. 

'■) Vgl. Analecta Bollaiuliana XIV. S. 10 und A. IVnicflet, Le legendier 
de Pierre Calo (eb. XXIX, 1910, S. 38ff.). 



ADAMNANS VITA COLUMRAE UND IHRE APLEITUNGEX. 271 

coufessor apud Spermaeigen, ordinis Cisterciensis, prope Brugis, 
ubi et diem obiit". . . 

Etwa 200 Eintragungen sind durch den obigen Schlufssatz 
bei Gielemans als aus Aegidius entlehnt gekennzeichnet, und zu 
diesen gehört auch seine Vita Columbae, die sich also schon in 
dem Werk des Aegidius befand. 

Die Quelle, aus der Aegidius diese Columba-Vita geschöpft 
hat. läfst sich mit aller Wahrscheinlichkeit aber noch weiter 
verfolgen. Zu einem unvollständigen Exemplar jenes Legendars, 
auf dem Mabillons Text und die Handschriften von Brüssel und 
St. Omer beruhen, gehören auch die Codices 403 und 404 in 
Brügge '). Auch sie stammen aus dem 13. Jahrh. und gehörten 
dem monasteriura Thosanum^) und später dessen Mutterkloster, 
dem ebenfalls Flandrischen nahen Ter Dujm, dem coenobium 
Dunense. In dem letzteren Kloster war nun Aegidius Prior, und 
es ist höchst wahrscheinlich, dafs er einen verlorenen Band jenes 
Legendars für die Vita Columbae benutzt hat. 1571 ist die 
Abtei Ter Doest völlig zerstört worden^), und bei dieser Ge- 
legenheit wurde auch ein grofser Teil der Bücher vernichtet, 
vielleicht auch die fehlenden Bände jenes Legendars; schon in 
einem Bibliothekskatalog des Klosters Ter Duyn von 1638 sind 
nur noch jene Bände verzeichnet^), die sich heute in Brügge 
befinden. 

Mabillons Hs. stammte aus Compiegne. In die gleiche 
Gegend weist auch das junge Manuskript von Belfortius, das 
dieser als Supplement zu Surius verfalste, also nicht vor dem 
Jahre 1575, in dem die erste Ausgabe von Surius' Werk ,.De 
probatis Sanctornm historiis" beendet wurde. Die Angabe 
Colgans'^), dafs die Handschrift des Belfoi-tius sich zu seiner Zeit 
in Antwerpen in der Bibliothek des Aubertus Miraeus befand, 
wii'd bestätigt durch einen Katalog dieser Bibliothek aus dem 
Jahre 1640«). Danach hat Nicolaus Belfortius, * ein Eegular- 



») Vgl. eb. X, S. 458 ff. 

*) Ter Doest bei Lisseweghe in Westflandern. 

*) Vgl. Paul Lehmann, Franciscus Modius (Traube, Quellen und Unter- 
suchungen zur lat. Philologie des Mittelalters III, 1), 1908, S. 122. 

«) A. Sanderus, Bibliotheca Belgica Manuscripta (I), 1641, 8. 187; vgl. 
S. 207 über die Zeit. 

*) Colgauus a. a. U. S. 324. 

'^) Sanderus a. a. 0. 11, WAS, S. 158. 



2r2 GERTRUD BRLNINO, 

kauouiker zu St. Johann in Soissons, ein Supplement zu Surius 
verfalst aus franzüsisclien und belgischen Handschriften ^). 

Alle Handschriften dieses Auszugs führen also nach Flandern 
und Nordfrankreich. Die Yita taucht zuerst mit jenem Legendär 
auf, auf dessen Ableitungen alle Texte sich mit grofser Wahr- 
scheinlichkeit zurückführen lassen, mit Ausnahme des späten 
Belfortius. über dessen Vorlage sich nichts sagen läfst. Um die 
Mitte des 12. Jhs war die kurze Yita also vorhanden, ohne dafs 
man sie weiter zurück verfolgen könnte; vielleicht ist der 
Auszug aus Adamnan erst für das Legendär angefertigt worden. 
Welcher Art war die Handschrift von Adamnans Werk, die 
dabei als Vorlage gedient hat? Sie mufs die Prophezeiung 
Columbas über Aidan -) enthalten haben, jenen Abschnitt, welcher 
wohl überhaupt zu dem Irrtum Anlafs gegeben hat, diesen Auszug 
als Werk des Cummeneus anzusehen; ferner das erste Kapitel 
des ersten Buches von Adamnan, in dem u. a. berichtet wird, 
wie der heilige Columba dem König Oswald erscheint. Beide 
Erzählungen hat der Auszug übernommen (c. 5. 25). Nun fehlt die 
Prophezeiung Columbas über Aidan in den Londoner Hand- 
schriften der längeren Fassung Adamnans s), und andererseits 
die Vision von König Oswald (1, 1) in den Handschriften der kurzen 
Fassung 4). Diese oder ähnliche Handschriften können folglich 
nicht als Vorlage gedient haben. Die Moselhandschrif ten •'^) 
enthalten anscheinend nur einen Bruchteil von Adamnan, der 
ebenfalls als Quelle ausscheidet. Die einzige der bis jetzt unter- 
suchten Handschriften, die alles enthält, was der Auszug über- 
nommen hat, ist die von Schaffhausen. Aller Wahrscheinlichkeit 
nach hat mithin entweder sie selbst, vermutlich mittelbar, oder 
ein ähnlicher Text die Grundlage für den Auszug abgegeben. 



Die irische Vita Columbas. 

tungen von Adamnans Vita ( 
also der sogenannte Cummeneus, den man solange als Quelle an 



Zu den Ableitungen von Adamnans Vita Columbae gehört 



') tJber die Textfassuug- des Belfortius Tgl. unten die Einleitung des 
Anhangs. 

2) Vgl. Ad. III, 5 (S. 197). 
') Vgl. oben S. 21üf. 
*) Vgl. oben S. 217. 
'-) Vgl. oben 8. 222. 



ADAMNANS VITA COT.UMHAK UND IHRE ABLEITUNGEN. 278 

gesehen hat. Adamnans Werk ist demnach die älteste erhaltene 
schriftliche Überlieferung- über Oolumba. Die Annahme liegt 
nahe, dafs diese Lebensbeschreibung auch in den übrigen Viten 
des lieiligen Columba benutzt ist. Ihr Verhältnis zu Adamnan 
und überhaupt die Frage nach den Quellen, aus denen diese 
Biographien geschöpft liaben. soll in den folgenden Darlegungen 
kurz erörtert werden. Zeitlich steht Adamnans Werk am nächsten 
eine irische Vita des Heiligen i). in Handschriften des endenden 
14. und 15. Jahrhunderts überliefert^), deren Entstehung Reeves'^) 
jedoch schon ins zehnte Jahrhundert verlegt, während Hennessy^) 
aus sprachlichen Gründen sie dem Ausgang des 11. Jahrhunderts 
zuschreibt und damit Avohl noch zu früh ansetzt s). 

Es ist eine Art Festpredigt zum Tage Columbas über den 
Text ,.Exi de terra tua" (Gen. 12, 1), beginnend mit allgemeinen 
Betrachtungen über Pilgerschaft im Dienste des Herrn unter 



*) Irischer Text bei W. Stokes, Lives of Saints from tlie Book of Lismore 
(Auecdota Oxouieiisia, Mediaeval and modern series V), Oxford 18i)0, S. 20 — 83. 
Eine englische Übersetzung' eb. S. 1G8 — 181 (dazu S. 299—317 Anmerkungen) 
und von Heuuessej' bei W. F. Skene, Celtic Scotland II, 2. Aufl., 1887, S. 467 
— 507. Zitiert ist nach beiden Ausgaben und zwar so, dafs die Nummeru 
sich auf die entsprechenden Zeilen bei Stokes beziehen, in Klammern die 
Seitenzahl von Skene angegeben wird. Der Text stimmt, abgesehen von un- 
bedeutenden Einzelheiten, die im Manuskript von Stokes' Ausgabe, also im 
Book of Lismore, fehlen, ziemlich überein. Manche Unterschiede sind vielleicht 
zum Teil auf die Übersetzung zurückzuführen. 

■-) Über die drei Handschriften, die den Ausgaben von Stokes und Skene 
zu Grunde gelegt sind , vgl. Skene a. a. 0. S. 467. Eine vierte noch nicht 
benutzte Handschrift in Paris weist Reeves nach (S. XXVIII). Die jüngste 
Handschrift, in Ediuburg in Advocates' Library, vom Ende des 15. Jahrb., 
enthält ein paar Abschnitte, die in den beiden anderen Handschriften fehlen 
und <lie bei Skene in Klammern stehen (vgl. S. i68), bei Stokes in den An- 
merkungen. Diese Abschnitte stammen zum Teil aus der Amra (hrsg. Revue 
Celtique XX ; vgl. unten S. 275 Anra. 9), nämlich S. 494—502, zum Teil wörtlich 
entnommen aus der Vorrede zu Amra (Revue Celtique XX, S. 39—55 und 
S. 183—135) , allerdings stark gekürzt, ebenso die Zusätze S. 503 (vgl. Amra 
S. 162, S. 178 und S. 411) und S. 505 (vgl. Amra S. 168); für den Abschnitt 
S. 505—506 vgl. Amra S. 166 f. und S. 270. Aus Adamnan stammt das Wunder 
vor König Brudeus 8. 504 (Ad. II, 35, S. 176), vgl. Stokes S. 315 f.: zu S. 504 
vgl. auch Ad. II, 24 (S. 168). Für die übrigen Zusätze S. 482 und S. 488 
konnte ich keine Quelle Hnden (vgl. Stokes S. 3041". und 808). 

■') Reeves S. XXVII (1. Ausg. S. XXXII). 

*) Skene S. 467. 

'-) Nach dem Urteil von Herrn Cieheirarat Thurneysen. 



Z/ I GERTRUD BRUNING, 

Heianzieliung der "biblischen Erzählung von Abraham. In 
chronologischer Reihenfolge wird dann Columbas Leben be- 
richtet, besonders ausführlich von der Zeit vor seiner Über- 
siedelung nach Hi. ein Abschnitt, der von Adamnan ziemlich 
kurz behandelt ist. So liest sich diese Vita fast wie eine bewufste 
Ergänzung zu Adamnan. Aus dessen Werk greift die irische 
Vita vor allem die Erzählungen heraus, die auch hier aus 
Columbas früherem Leben in allen Büchern zerstreut berichtet 
werden, nämlich Angaben über sein Alter'), die Prophezeiungen 
des Heiligen über Erneneus-) und Aidus Slane^), die Wunder 
der Verwandlung von Wasser in Wein bei seinem Lehrer 
Finnian ^) und der bitteren Äpfel in süfse in Dearmagh '^). Dort 
findet sich auch die Legende von dem wunderbar schnellen Reifen 
des Getreides an einem Orte Delcros, der nach der Überschrift des 
Kapitels bei Adamnan in der Nähe von Hi zu suchen ist, während 
die irische Vita daraus Deny in Irland gemacht hat*5). Noch bei 
einem anderen Wunder besteht zwischen Adamnan und der irischen 
Vita ein Unterschied in der Ortsangabe, nämlich bei der Er- 
zählung von der Lichtoffenbarung an Columba, die nach Adamnan 
sich in Himba, nach der irischen Biographie in Rechra, also noch 
in Irland zugetragen hat'). Auch die Erzählung von Columbas 
Geburt übernimmt der irische Traktat*). Im übrigen weist er 
von den Berichten, deren Schauplatz Hi ist, wenig auf, so die 
Vision des Heiligen von der untergegangenen Stadt in Italien 9), 
die hier schon zu drei Städten angewachsen ist, ferner die Legende 
von dem Stock des heiligen Caiunech, allerdings phantastischer 
ausgeschmückt 10). Die Ankunft des Fremden, der Columbas 
Tintenfafs umstölst, wird in der irischen Vita in der Form eines 
kleinen Gedichtes erzählt i'). Columbas Tod ist ähnlich wie bei 
Adamnan, nur kürzer berichtet, während sonst die Wunder hier 



1) Ad. praef. n (S. 108) und Ir. 1000 (S. 491). 

■') Ad. 1, 3 (S. 116) und Ir. 990 (S. 490). 

ä) Ad. 1, 14 (S. 123) und Ir. 945 (S. 486), Stoke« S. 306. 

♦) Ad. II, 1 (S. 152) und Ir. 837 (S. 479). 

-) Ad. n, 2 (S. 153) und Ir. 917 (S. 484). 

«) Ad. n, 3 (S. 153) lind Ir. 893 (S. 483), Stokes S. 305. 

^) Ad. III, 17 (S. 205) und Ir. 959 (S. 487). 

«) Ad. m, 1 (S. 194) und Ir. 791 (S. 476). 

«) Ad. 1, 28 (S. 130) und Ir. 1043 (S. 493), Stokes S. 309. 

'») Ad. II, 14 (S. 161) und Ir. 1039 (S. 493). 

") Ml I, 25 (S. 129> und Ir. 1046 (S. 494), Stoke.s S. 309. 



ADAMNANS VITA ("OI-UMHAH I'ND IHKK AHLEITÜNGEN. '2 1 O 

immer mehr angeschwollen und phantastischer geworden sind^). 
Ein Beispiel bietet die Prophezeiung des Mochta über Columbas 
Geburt. In Adamnans "Werk ist sie nur kurz erwähnt, in der 
irischen Biograi)hie dagegen ist daraus eine Anekdote gestaltet 2). 

Das führt uns zu den Erzählungen, die Adamnan gegenüber 
Neues bringen. Wie schon erwähnt wurde, ist besonders die 
Jugendgeschichte angewachsen. Statt des einen Mochta sagen 
von den Heiligen Irlands, die als eine grofse Einheit in der Art 
der irischen Hagiographie aufgefafst werden, nicht weniger als 
fünf seine Geburt voraus. Interessant ist besonders dabei die 
Erwähnung Patricks?-), der als „der Vater der Taufe und 
Lehre der Gaelen" gerühmt wird; schon dies weist auf spätere 
Entstehungszeit der Vita hin''), Columbas Lehrer werden ge- 
nannt, und alle seine Klostergründungen in Irland werden auf- 
gezählt mit den Wundern, die er dort gewirkt haben soll. Auf 
Zeitangaben legt auch der irische Traktat keinen Wert; Columba 
wird zu allen möglichen Heiligen in Beziehung gesetzt, auch wenn 
deren Zeit kaum pafst. So kommt er z. B. nach Tours ^), 100 
Jahre nach Martins Tod, also um 500, als Columba noch garnicht 
geboren war. Zum Teil sind die Erzählungen in der Art der 
irischen Hagiographie ausgestaltet; heidnische Elemente spielen 
hinein. Der freiwillige Tod Odrans bei Columbas Ankunft auf 
der Insel erinnert an heidnische Opfer ß); ein heidnisches Motiv 
ist auch die Legende von dem geweihten Schwert,-), in dessen 
Gegenwart niemand sterben konnte*). 

Als Quellen der irischen Vita auXser Adamnan erkennt man 
die Amra Coluimcille ^) und andere poetische Überlieferungen, 

') Art. in, 23 (S. 210 ff.) uud Ir. 1064 (S. 507), Stokes S. 315. 

*-') Ad. praef. II (S. 107) und Ir. 752 S. 474). 

3) Ir. 763; vgl. (S.475). ") Vgl. oben S. 214. 

*) Ir. 903 (S. 483); Stokes S. 305; Reeves, 1. Ausg. S. 324. 

«) Ir. 1011 (S. 492). 

') Vgl. Plummer a. a. 0., I, S. CLXXXV. 

«) Ir. 921 (S. 484). 

«) Die Amra Coluimcille (irisclier Text und englische Übersetzung von 
W. Stokes, Revue Celtique XX, 1899, S. 30— 55, S. 132—183, S. 248— 289, 
S. 400 — 437) ist ein Lobgedicht zu Ehren Columbas. Ein Gebet zu Gott 
eröffnet die Anna. Dann folgen 10 Hauptkapitel, die seinen Tod, seinen 
Platz im Himmel uud .seine Tugenden in ziemlich dunklen Worten behandeln. 
Eine irische VoiTede jüngeren Ursprungs erzählt ausführlich den Anlals zur 
Entstellung, die Versammlung von Dmim Ceatt, von der auch Adamnan 



27G GEUTRUD IJRÜNING. 

wie denn die redenden Personen häufig in Versen spreclien. Die 
Prophezeiung über Columba, die in der Amra dem heiligen 
Berchan zugeschrieben wird'), wird in der irischen Vita dem 
Patricius in den ;Mund gelegt. Die Aufzählung von Columbas 
Begleitern bei seiner Auswanderung ist der Vorrede der Amra 
entnommen-). Die irische Vita beruft sicli häufig auf poetische 
Tradition^). So erklären sich auch die vielen eingestreuten 
Strophen. 

Die irische Vita wurde anscheinend sehr geschätzt und 
daher neben Adamnan in den späteren Columba- Vi ten als 
Quelle benutzt. 

1). Die Alta Columbae und das Fragmeutuiii Vitae 
im Codex Salmauticensis. 

Der Codex Saliiianticencis ist eine Sammlung von 48 Lebens- 
beschreibungen von ausschliefslich irischen Heiligen, abgesehen 
von einer Vita Katharinas von Alexandrien i). Die Handschrift 
die sich jetzt als Nummer 7672 — 74 in der königlichen Bibliothek 
in Brüssel befindet, stammt aus dem 14. Jahrhundert und dankt 
ihren Namen dem irischen Jesuitenkolleg in Salamanca^), aus 



berichtet, I 10 (S. 121); I, 49 (S. 145) und II, 6 (S. 106). lu der Vorrede 
wird als Verfasser Dallan genannt, ein Zeitgenosse Columbas; Zimmer, 
Handelsverbindungen Westgalliens mit Irland i (a. a. 0. 1910, S. 1032£f.) hält 
die Angabe für richtig und danach die Jahre um 600 für die Entstehungszeit 
der Amra, eine Annahme, die Herr Geheimrat Thurueysen unwahrscheinlich 
findet. Doch bedarf nach ihm auch der Ansatz von Stokes S. 32: 9. Jahr- 
hundert, noch der Nachprüfung und Begründung. Die Vorrede zur Amra ist 
sicher si)äter als Adamnans Werk entstanden, denn einmal wird er als Quelle 
zitiert (S. 143: „ut Adomnanus dicit . . . "). Diese Erzählung, so wie sie 
dort berichtet wird, findet sich nirgends bei Adamnan. Vielleicht läfst sich 
Ad. II, 23 (S. 167) zu dem Bericht in Beziehung bringen. Hier handelt es 
sich um den Tod eines Jünglings aus vornehmem Geschlecht, der unter 
Columbas Schutz steht. Auch der Name Feradach begegnet in beiden Er- 
zählungen; allerdings wird in der Vorrede der Amra der Sohn dieses Feradach 
als Mörder bezeichnet gegenüber Feradach selbst bei Adamnan. 

') Ir. 763 (S. 475) und Amra S. 266. 

■') Ir. 1000 (S. 491) und Amra S. 38. 

») Ir. (S. 4S7 u. 488); Ir. 984 (S. 490); Ir. 1018 (S. 492); vgl. Stokes S. 316. 

*) Acta Sanctorum Hiberuiae ex codice Salmanticensi nunc primum 
integre odita, hrsg. von ('. De Smedt und J. De Backer, Edinburg und 
London 1888. 

'•>) Eb. Vorwort .S. 11 f. und C. riumnier, Vitae 1, S. IX. 



ADAMNANS VITA CÜLUMMAK UND IHKK AUFiElTUNftEN 277 

dem die Handschrift mittelbar in den Besitz der Bollandisten 
gelangte. 

Fol. 205 — 210' findet sich eine Vita des heiligen Columba 
und fol. 88 ein Fragment, das von Columba handelt i). Die 
Vita hielt Colgan-) für das Werk des Cummeneus, wie schon 
erwähnt wurde 3). Der Verfasser ist nach ihm ein Mönch von 
Hi, der um 650 lebte. Er nennt nämlich Columba patronus 
(c. 31), ferner sagt er c. 37: „ut a quibusdam (lui tunc presentes 
inerant didicimus", c. 39: „quod nobis ab expertis traditum est." 
Demnach müCste der Verfasser noch Schüler Columbas gesehen 
haben. Hätte er nach Adamnan geschrieben, so wäre es sehr 
unwahrscheinlich, dafs er so viele Wunder, die dieser berichtet, 
ausgelassen hätte. Letzteres ist selbstverständlich nicht beweis- 
kräftig. Schon Colgan sah, dafs der letzte Teil der Vita von 
c. 20 an fast wörtlich mit Adamnan übereinstimmt: Adamnan 
hat nach ihm diese ganze Partie ohne Änderung übernommen. 
Die Schwierigkeit, dafs die Stelle von Columbas Prophezeiung 
über Aidan, die Adamnan III, 5 (S. 197) doch aus Cummeneus 
entlehnt haben will, sich nicht im Cod. Salm, findet, ist nach 
Colgan leicht zu erklären. Nach c. 20 fehlen nämlich ein oder 
zwei Blätter in der Handschrift, und auf diesen verlorenen 
Seiten vermutete er die betreffenden Worte. 

Schon Baertius^) suchte Colgans Ansicht zu widerlegen. 
Er hat schon richtig erkannt, dafs die Vita offensichtlich aus 
zwei Teilen besteht, die dann auch Reeves unterschied'^). 

Der erste Teil ist ein Werk für sich und schliefst c. 19 
mit der Erzählung von Columbas Tod, Der zweite Teil steht 
nicht nur in enger Beziehung zu Adamnan, sondern ist geradezu 
lediglich ein Auszug aus dessen Werk, nicht, wie Colgan glaubte, 
von Cummeneus verfafst und von Adamnan als Quelle benutzt. Aus 
Adamnan sind entlehnt besonders Erzählungen aus dem 3, Buch ''). 



1) Herausgegeben ist die Vita von Colgan a. a. 0. S. 325—330 und von 
De Smedt und De Backer iu ihrem Abdruck des Cod. Salm. Sp. 845—870 (die 
Kapitelzahlen gebe ich nach dieser Ausgabe) ; das am Anfang durch den 
Ausfall eines Blattes unvollständige Bruchstück ebenda Sp. 221—224. 

2) Colgan a. a. 0. S. 319 f. ^) Oben S. 261. 
*) Acta Sanct. Jun. II, S. 184, § 12, 13. 

■■') Reeves S. XXVII (1. Ausg. S. XXXII). 

«) c. 20 - Ad. II, 2 (S. 153). c. 21 = Ad. III, 18 (S. 20G). c. 22 = Ad. III, 15 
(S. 203). c. 23 = Ad. HI, 9 (S. 200), c. 24 = Ad. ÜI, 10 (S. 200). c. 25 u. 26 = 



278 



«ERTKUD BKUNING, 



Zu Grunde liegt die längere Fassung Adamnans, was der Sclilufs- 
abschnitt „celestis claritas*' usw. beweist, der in der kürzeren 
Fassung fehlt '). Aufserdem sind die Eigennamen zuweilen voll- 
ständiger als in der kurzen Fassung')- Dieser fast wörtliche 
Auszug aus Adamnan ändert nur weniger gebräuchliche Worte 
durch bekanntere Ausdrücke, und die umständlichen Wendungen 
Adamnans sind durch eine einfachere Fassung ersetzt, z. B. 



Ad. in, 18 (S. 206). usquequo 
illi trinales illius incomparabilis 
et honorificae visitationis dies 
et totidem noctes terminarentur, 
adesse non potuit. 

Ad. III, 15 (S. 203). Hocque 
consequenter sanctus intulit 
famen. 

Ad. III, 10 (S. 201). contra 
aemulas . , . potestates. 

Ad. III, 22 (S. 209). sancta 
facies eins subita mirifica et 
laetiflca hilaritate effloruit . . . 
illa sapida et suavis laetificatio 
in maestam convertitur tristifi- 
cationem. 

Ad. m, 23 (S. 211). per para- 
sticiam2) ecclesiae. 



Salm. c. 21. usquequo illius 
mirifice visitationis triduum 
terminaretur, adesse non potuit. 



Salm. c. 22. Et addidit dicens. 



Salm. c. 24. contra adver- 
sarias . . . potestates. 

Salm. c. 28. quadam leticia 
facies eius repleta apparuit . . . 
tota huius hilaritatis iocunditas 
vertitur in meroris tristiciam. 



Salm. c. 31. per culmen ec- 
clesie. 



Ad. III, 23 (S. 212). lactaria Salm. c. 34. lac a bostario 
bocetum 3) inter et monasterium ad monasterium deferre. 
vascula gestare. 



Ad. ni,8 fS. 199). c. 27 = Ad. m, 21 (S. 208). c. 28 = Ad. HI, 22 (S. 209). 

29-^ Ad. 111,22 (Schlulssatz) uud 111,23 (bis „laetificare"). c. 30— 38 = 

Ad. m, 23 (S. 211 von ,,Quibu.s finitis" an bis S. 215 „miles explevit"). c. 39 

-leb. (S.216 „Interea" bis. S. 217 „conversa sunt trauqnillitatein"). c. iO = eb. 

(S. 217 „Hie itaque . . . frequentare non cessat"). 

') Vgl. oben S. 217. 

2) „Parasticia", Dach, ist sonst nicht belegt (vgl. oben S. 237). 
') „Bocetum", vgl. eb. Anm. 5. 



AD ANNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 270 

Ad. in, 23 (S. 216). venera- Salm. c. 39. veneiabile cor- 
bile corpus . . . positum in rata- pus in terra reponitur. 
bustai) . . . huniatur. 

Alle Wendungen, auf die Colgan seine Annahme über das 
Alter der Vita gestützt hatte, finden sich nun aber in diesem 
zweiten Teil, sind also aus Adamnan übernommen und damit 
gegenstandslos. Aber auch der erste Teil kann nicht von 
Cummeneus herrühren. Die Stelle über Aidan fehlt, und 
Colgans Vermutung, dals sie sich auf den verlorenen Blättern 
des Cod. Salm, gefunden habe, ist hinfällig, da die Seiten 
erst im zweiten Teil der Vita, also im Auszug aus Adamnan 
ausgefallen sind. Ferner wurde schon an anderer Stelle 
darauf hingewiesen 2), dafs das Zitat, das O'Donnell aus 
Cummeneus entlehnt haben will, sich, soweit mir bekannt 
ist, in keiner der bekannten Columba -Viten findet. Auch 
diese Tatsache spricht gegen Colgans Annahme. Seine Ansicht, 
dals diese Vita von Cummeneus verfalst sei, geht auf Hugo 
Wardeus') zuiück, auf den Colgan sich beruft*). Eine Quelle, 
aus der Wardeus diese Ansicht geschöpft haben könnte, kenne 
ich nicht. Wahrscheinlich ist mit ihm die Meinung von der 
Urheberschaft des Cummeneus erst entstanden. 

Wohl gibt es eine Eintragung im Martyrologium von Donegal ^), 
die besagt, dafs Cummeneus eine Vita des heiligen Columba in 
34 Kapiteln geschrieben habe mit den gleichen Anfangsworten, 
die der Cod. Salm, aufweist. Diese Überlieferung ist aber 
höchst fragwürdig, denn erst 1630 wurde das Martyrologium 
vollendet 6), und aufserdem ist die Stelle ein Zusatz, der von 



1) „Ratabusta", Grab, ist sonst nicht belegt (vgl. oben S. 237). 

2) Vgl. oben S. 265. 

') Vgl. Norman Moore, Dictionary of National Biography XXXIV 
1893, S. 398f. über Hugh Boy Macanward. 

*) Colgauus a. a. 0. S. 319. Er hält die Vita für das Werk des Cumme- 
neus, ,,quod nomen S. Cumiuei illi vitae praefigatur in Schedis P. Hugonis 
Wardei, diligentissimi patriarum autiquitatum iuvestigatoris." 

5) Reeves, 1. Ausg. S. 200; The Martyrology of Donegal, hrsg. von Todd 
und Reeves, Dublin 1864, S. 56f.: „He wrote the Life of Colum Cille in 84 
(134 bei Todd-Reeves, wo anscheinend das irische „i" = „in" zu „1" verlesen 
ist) chapters, which begins Ven(erabilis) abbas et plurimorum pater coenobi- 
onun." 

*) Eb. S. XI. " 



280 GERTKUI) HKÜNINC4. 

einer späteren Hand geschrieben ist, vielleicht von A\'ardeus 
selbst, der längere Zeit mit Michael O'Clery, dem Hanpt- 
zusammensteller des Mart3-rologiums, im Franziskanerkloster zu 
Donegal zusammenlebte. Auch liegt die Möglichkeit nahe, dafs 
erst Colgan die Notiz hineingebracht hat, denn aller Wahr- 
scheinlichkeit nach hat auch seine Feder im Martyrologium 
Spuren hinterlassen'). Jedenfalls ist auch mit diesem späten 
Zeugnis, dessen Grundlage unbekannt ist, nichts für die Her- 
kunft der Vita des Cod. Salm, zu beweisen; zu Grunde liegt 
doch wohl nur eine (falsche) Vermutung über deren Verfasser. 
Die abweichende Zahl von 34 Kapiteln gegenüber 39 bei Colgan 
und 40 bei De Smedt-De Backer ist kaum genügend, um auf 
eine verschiedene Vita schlielsen zu lassen, sondern beruht ver- 
mutlich allein auf einer anderen Einteilung, da die Kapitel nur 
teilweise durch Überschriften deutlich geschieden sind. 

Dafs aber der erste Teil des Textes weit jünger sein muls 
als Cummeneus und selbst Adamnan, darüber kann kein Zweifel 
bestehen; denn die Vita im Cod. Salm, hat, wie auch schon Reeves 
annimmt 2), Adamnan und die irische Vita als Quellen benutzt, 
kann folglich nicht früher als um die Wende des 11. Jahr- 
hunderts entstanden sein, wenn überhaupt die irische Vita so 
früh anzusetzen ist 3). 

Aus der irischen Vita stammt die Einleitungsprophezeiung 
des Patricius, die auch schon genügend auf spätere Entstehung 
hinweist, ferner die Prophezeiung des Boeus und die allgemeine 
Charakteristik der Tugenden Columbas'*). Im Übrigen bildet 
Adamnan die Grundlage s). Die Erzählungen sind allerdings 



'j Vgl. eb. S. XXI. 2) Reeves S. XXVII (1. Ausg. S. XXXH). 

») Vgl. oben S. 273. 

*) C. 1 Prophezeiung des Patricius, vgl. Ir. 763 (S. 475); Mochtair. 752 
(S. 474), den auch Adamnan in der zweiten Vorrede erv?ähnt. Zur Prophe- 
zeiung des Boeus vgl. Ir. 786 (S. 475); zu c.2 vgl. Ir. 807 (S. 477) xmd 834 
(S. 479); c. 5 vgl. Ir. 1000 (S. 491); c. 17 und 18 vgl. Ir. 1088 (S. 504 f.). 

"•) C. 1 vgl. Ad. praef. II (S. 107) und III, 1 (S. 194). c. 3 vgl. Ad. II, 1 
(S. 152). c. 4 vgl. Ad. n, 9 (S. 158). c. 6 vgl. Ad. II, 12 (S. 160). c. 7 vgl. 
Ad. n, 16 (S. 162). c. 8 vgl. Ad. II, 27 (S. 170). c. 9 vgl. Ad. II, 32 (S. 173). 
c. 10 vgl. Ad. II, 35 (S. 176). c. 11. vgl. Ad. II, 36 (S. 177). c. 12 vgl. Ad. III, 
17 (S. 205). C. 13 handelt im allgemeinen von Colurabas Propheteugabe mit 
kurzem Hinweis etwa auf Ad. I, 4 (S. 118). c. 14 vgl. Ad. III, 11 (S. 201). 
c. 15 vgl. Ad. III, 13 (S. 202). c. 16 vgl. Ad. 1,33 (S. 134). c. 19 vgl. Ad. IH, 
23 (S. 213). 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UNI) [HR?: AHLEITÜNGEN. 281 

Stark gekürzt. Eigen ist dem Aiiszug; nur die sprachliche Form, 
die geo-enüber Adamnan ziemlich selbständig- ist. Inhaltlich 
Neues über ihn und die irische Vita hinaus bring-t diese Bio- 
graphie nicht. Sie ist jünger als beide. Sie mufs hingegen 
älter sein als die Vita et Navigatio S. Brandani in der von 
Plummer verÄtientlichten Gestalt'); denn diese zeigt eine wörtliche 
Entlehnung aus der Salmanticensis- Biographie des heiligen 
Columba>). 

Salm. c. 14. Nam sicut Vita S. Brandani c. 104. Set 
Christus Lazari dormitionem hoc pretereundum non est, quod 
predixit apostolis, sie vir sanc- in Vita sancti Columbe abbatis 
tus sancti Brandani suis prenun- legitnr. Sicut Christus Lazari 
ciavit obitum, et spiritualibus dormitionem apostolis nunciavit, 
occulis illius aniniam inter ange- sie sanctus Columba in spiritu 
lorum choros in celum trans- suis prenunciavit discipulis de 
ferri considerans. sacra missa- morte sancti Brandani. Vidit 
rum sollempnia in eins honorem enim animam illius inter ange- 
celebrari precepit. lorum choros ad celestia trans- 

ferri; et ideo sacra missarum 
sollempnia in eins honorem 
precepit fratribus celebrari. 

Diese Brandan-Vita besteht aus der eigentlichen Vita und 
der Navigatio. Von der Navigatio Brandani gibt es eine Hand- 
schrift aus dem 10. Jahrhundert"'). Aber die Vita Brandani ist 
nach Plummer') früher entstanden als die Navigatio. Nun 
scheint soviel festzustehen, dafs die Prophezeiung Columbas über 
Brandan der Vita und nicht der Navigatio angehörte, denn sie 
ündet sich in keiner der vielen Fassungen der Navigatio ^). Ob 
sie freilich zur ursprünglichen Vita gehörte und nicht erst dieser 

») C. Phimmer a. a. 0. I, S. 98—151; vgl. S. XXXVI ff. 

-) Adamnan in, 11 (S. 201) hat eine abweichende Fassung- und kann 
nicht benutzt sein. 

') Plummer a. a. 0. 1, S. XLI Anra. 2. 

*) C. Plummer, Some usav Light on the Brendau Legend (Zeitschrift 
für celt. Phil. V, 1905, S. 12i— 141). 

^) Leider sind alle Viten Brandan.s mit der Navigatio Brandani kon- 
taminiert. Die einzige Ausnahme bildet die 2. Biographie im Cod. Salm. 
S. 759—772 (vgl. darüber Plummer a. a. 0. S. XXXVIII). die aber sehr stark 
gekürzt ist und auch diese Prophezeiung nicht enthält. 

Zeitschrift f. celt. Philolog-ic XI. -fy 



282 GERTRUD BRÜNIN«, 

besonderen Fassung und nur ihr nachträglich eingefügt worden 
ist, scheint mir höchst zweifelhaft, und so wage ich es doch 
nicht, jener Anführung in der Vita Brandani eine bestimmte 
Zeitg'renze zu entuelimen; denn die Handschriften Plummers 
reichen höchstens in das 13. Jahrhundert zurück')- 

Die gleiche Vita Columbas begegnet auch in zwei ver- 
wandten Handschriften der Bodleianischen Bibliothek in Oxford 
B.485, fol. 37-43, und B.505, fol. 118— 1242), denselben, welche 
jene Tita Brandani enthalten, und wird auch im Katalog noch 
dem C'ummeneus zugeschrieben ••). Gegenüber der Vita im Cod. 
Salm weisen diese Handschriften aufser der Umstellung des 
letzten Satzes von c. 18 und des c. 19 in c. 39 (die beiden Teile 
des Salmanticensis: c. 1—19 und 20-40, werden dadurch mehr 
verschmolzen) manche Zusätze^) auf, so z. B. über Columbas 
Namen und seinen Beschützer Axal, was auf Bekanntscliaft mit 
der Amra hinweist, wo dieser Name zuerst begegnet. 

Unter anderem ist das sogenannte Fragmentum Vitae 
Columbae, das im Cod. Salm, an früherer Stelle (Sp. 221-224) 
steht, hier vollständiger mit dem dort verlorenen Anfang in 
den Text von c. 18 des Cod. Salm, hineingearbeitet. Der erste 
Teil ist gedruckt von Ussher^) aus unbekannter Quelle. Die 
Überschrift lautet hier wie dort: ,,Causa peregrinationis sancti 
Columbae in insulis maris secundum Adampiianum, qui com- 
pilavit eins vitam, talis est." Bei Adamnan findet sich von 
dem ganzen Abschnitt nichts. Nur kurz wird bei ihm die 
Synode III, 3 (S. 195) erwähnt, von der hier ausführlich be- 
richtet wird. Der Inhalt ist folgender: Columba ruft die Seinen 
zum Kampfe gegen den sie angreifenden König Diermitius, der 
in einem Streite über ein Buch Columbas zu dessen Ungunsten 
entschieden hatte. Die Partei Columbas siegt; aber er bereut 
nun das Blutvergielsen, das durch seine Schuld entstanden ist. 



Plummer S. XXIf. 

-) Macray, Catalogi Codicum Manuscriptorum Bibliotliecae Boclleiaiiae 

V, 1, Oxford 1862, S. 702 mu\ S. 724. 

») Eb. S. 702, 724. . , o • , 

*) Vgl. C.Plummer, On two Collectious of Latm Lives o£ Irish bamts 

in the Bodleiau Library, Rawl. B. 485 aud Rawl. B. 505 (Zeitschr. für celt. 

Philologie V, 1905, S. 435 f.), auf dessen Angaben ich mich stütze. 

5) J. Usserius, Britannicarum ecclesiarum antiquitates , Dubhn 1639, 

S. 902; danach Colgan S. 462 f. und wenige Zeilen bei Reeves, 1. Ausg. S. 193. 



AÜAMNANS VITA COLrMHAK CXD TIIRK ABI-EITUNGKK. 283 

Finniiin legt ihm als Biifse auf, ebensoviele Seelen für den Himmel 
zu gewinnen, wie im Kriege unig-ekonuneu .siiul. In der gleichen 
Zeit schickt man zu Gildas, um den Liebesbund mit ihm zu er- 
neuern. Er liest die Briefe und auch das Schreiben Columbas. 
Hier setzt das Fragment mit dem Urteil des Gildas ein, der die 
ungerechte Verurteilung des Heiligen tadelt. Es schliefst sich 
das Zeugnis des heiligen Brandan über Columba an, der sich 
auch zu dessen Gunsten ausspricht. Als er deshalb getadelt 
wird, erzählt er von der Erscheinung, die ihm Columbas Un- 
schuld gezeigt habe, ähnlich wie auch Adamnan berichtet i). 

Aus der Inhaltsangabe geht hervor, dafs es sich bei dem 
Fragment nicht um den Rest einer Biographie Columbas handelt, 
sondern dafs es der letzte Teil einer besonderen Erzählung ist, 
die sich mit den Gründen für Columbas Auswanderung beschäftigte. 
Über den sagenhaften C^harakter der Erzählung ist kein Wort 
zu verlieren. Zur Kennzeichnung genügt, dafs Gildas als „de 
genere Saxonum" bezeichnet wird'^). 

10. Die Vita Columbas von O'Doniiell. 

Die umfangreichste Vita des heiligen Columba ist uns in 
der Kompilation des Manus 0' Donneil (f 1564) erhalten»). Er 
stammte aus einem Columba verwandten Geschlechte und voll- 
endete dessen Lebensbeschreibung im Jahre 1532. Von der 
ganzen Vita ist bis jetzt nur ein Auszug in lateinischer Sprache 
gedruckt von Colgan, der ziemlich willkürlich verfuhr <). Alle 
Kapitel, die ihm zu unglaubwürdig und fabelhaft erschienen, 
liefs er fort 5). und gerade in diesen Erzählungen beruht nicht 
zum geringen Teil der Wert der Vita, da sie für eine eingehende 
Behandlung der EntAvicklung der irischen Hagiographie in 
späterer Zeit reiche Ausbeute liefern. Auch Colgans Einteilung 
in drei Bücher in Anlehnung an Adamnan ist nicht ursprünglich. 
So ist der Auszug wenig brauchbar. Erst seit 1901 erscheint 
der vollständige irische Text mit englischer Übersetzung aus 

') Ad. in, 3 (S. 195f.). 

2) Colgan S. 463 ; Phmmer a. a. 0. S. 435. 

3) Vgl. über ihn Robert Dunlop im Dictinnary of National Biograpliy 
XLI, 1895, S. 441 ff. 

*) A. a. 0. S. 389— 44G. 
■■) Eb. S. 44G Anm. 

19* 



234 GERTRUD BRUNING. 

(lern Rawlinson-Ms. B. 514 in Oxford')- Die Veröffentlichung ist 
iiüch nicht abgeschlossen, gibt aber schon einen guten Einblick 
in das sonderbare Machwerk. Alle Überlieferungen über Columba 
hat 0"Donnell zusammen getragen. Über seine Arbeitsmethode 
gibt er selbst Aufschlufs. So sagt er von sich c. 10 (III, 523), 
dafs er es war, ,,who caused the portion of this life that was 
in Latin to be turned into Irisli and caused the part that was 
in hard Irish to be put into easy Irish, to the end it might be 
clear and intellegible to everybody"; eb. c. 11: „So he gathered 
and collected whatever was scattered through the old books of 
Ireland of it, and composed it out of his own mouth, having 
had very great labour upon it, and having devoted much time 
to it, considering how he might put each part of it in its own 
proper place as it is written below". Die „alten" Bücher von 
Irland boten Überlieferungen, die fast alle noch heute vorhanden 
sind. Von den uns bekannten Columba -Vi ten hat O'Donnell be- 
sonders das Werk Adamnans in der längeren Fassung und die 
irische Vita benutzt -0. In dem ersten Teil findet sich naturgemäfs 
wenig aus Adamnan»), da 0" Donneil hier vor allem die Zeit vor 

1) Von E. Henebiy. The Life of Cohiinl) Cille in der Zeitschrift für celt. 
Philologie 111,516-571. IV, 27G-331. V, 26-86; fortgesetzt von A. Kclleher 
eb. IX, 212-287. X, 228-265. XI, 114-147 (1916). 

■') Über die Quellen vgl. Reeves, 1. Ausg. S. XII Auiu. u und S. XXXIV f. 

3) Ad. III, 1 (S. 191) = 0' Donneil c. 4(5 (Bd. III, S.551). 

„ III, 2 (S. 195) = „ c. 60 (Bd. III, S. 565). 

„ praef. n (S. 108) = „ c. 63 (Bd. III, S. 567). 

,. II, 1 (S. 152) = .. c. 69 (Bd. IV, S. 281). 

, II, 25 (S. 169) = ,: c. 70 (Bd. IV, S. 281). 

„ I, 3(S.116f.)= „ c. 225(Bd. X, S. 255), nur teilweise. 

,. III, 10 (S. 200) = „ c.226(Bd.X, S.257). 

.. III, 11 (S. 201) = ., c.227(Bd.X, S.259). 

.. III, 12 (8. 201) = „ c. 228 (Bd. X, 8. 259). 

., lU, 16 (S. 204) = „ c. 229 (Bd. X, S. 259). 

1,4(8.118)= ., c.230(Bd.X, 8.261). 

1,5(8.119)= „ c.23l(Bd.X, 8.263). 

1, 16 (8. 124) = .. c. 232 (Bd. X, S. 265). 

„ 1, 19 (8. 125) = „ c. 233 (Bd. XL 8. 115). 

I, 20 (8. 126) = ,. c. 231 (Bd. XI, 8. 115). 

I, 22 (8. 127) = „ c. 235 u. c. 236 (Bd. XI, 8. 117). 

" I, 28 (S. 130) = „ c. 237 (Bd. XI, 8. 119). 

„ I, 43 (8. 141) = „ c. 238 (Bd. XI, 8. 121). 

I, 41 (8. 139) = .. c. 23d (Bd. XI, S. 123). 

,; " III, 5 (S.196f.)= . c. 243 (Bd. XL S. 127). 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 285 

roliimbas AiiswaiickruBg- behandelt, mit der Adaiuiians Biographie 
erst eigentlich einsetzt. Im letzten Teil hat diese dann besonders 
als Grundlage gedient und zwar nimmt O'Donnell fast das ganze 
Werk in seine Kompilation auf: nur einige Kapitel fehlen nach 
Angabe Colgans '). Aber O'Donnell hat die Zahl der fehlenden 
Kapitel weit überschätzt. Avenn er schreibt c. 8 (III. 521): „there 
remained . . . only some fragments of the book that holy Adamnan 
had made into Latin." Die Wunder aus Columbas Jugendzeit 
bei O'Donnell, die mit Adamnan übereinstimmen, finden sich fast 
sämtlich auch in der irischen Vita und sind aus dieser Biographie 
entlehnt, nicht unmittelbar von Adamnan, wie überhaupt bei 
den Erzählungen, die sich sowohl in der irischen Vita als auch 
bei Adamnan finden, meistens die irische Vita O'Donnells Werk 
näher steht 2). Gerade in dem ersten Teil von dessen Bio- 
graphie bietet die irische Vita mit ihren Jugendüberlieferungen 
die Hauptquelle, und hier läJst sich am besten O'Donnells 
Arbeitsweise verfolgen. Ein Vergleich der Texte zeigt, dafs er 
möglichst wörtlich seine (Quellen abschreibt. Zuweilen sind die 
Legenden noch weiter ausgeschmückt'*). So findet sich z. B. statt 
der kurzen Angabe der irischen Vita, dafs Columba von Gott 
Weisheit. Keuschheit und Pilgerschaft erficht habe, eine lange 
Erzählung-, die sich über mehrere Kapitel erstreckt. 

Ob O'Donnell den Text des Cod. Salm, gekannt hat, läfst 
sich nicht feststellen, weil diese Biograi)hie gegenüber Adamnan 
und der irischen Vita nichts Neues bringt. 

Auch Cummeneus wird von ihm zitiert'}, wie schon er- 
wähnt Avurde"'), eine Quelle, die als verschollen anzusehen ist. 

Ad. I, 8 (Ö. 120) = O'Donnell c. 244 (Bd. XI, ö. 12!i). 

„ L 9 (S. 121) = ,, c. 245 (Bd. XI, S. 129). 

.,, I, 30 (S. 131) = „ c. 246 (Bd. XI, S. 131). 

„ I, 31 (S. 132) = „ c. 247 (Bd. XI, S. 131). 

„ L 32 (S. 133) = „ c. -^58 (Bd. XI, S. 143). 

„ I, 33 (S. 134) = ., c. 259 (Bd. XI, S. 143). 

„ II, 29 (S. 172) = „ c. 260 (Bd. XI, S. 145). 

,, II, 30 (S. 172) = „ c. 261 (Bd. XI, S. 147). 
') Colg-anus a. a. 0. S. 446; vgl. Reeves, 1. Ausg. t^. XXXR' Amii. r. 
2) Ausiiahiuen siehe S. 284 Auni. 3. 

') Aus der irischen Vita stammen ganis uder teilweise c. 24, 25, 35, 40, 
41, 45, 47. 4S. 5:5. .59, 61, 62, 67, 69, 70, 71, 73 und 75 und im späteren Teil 
ziemlich wörtlich c. 204—213. 

*) Colganus a. a. 0. S. 437 (II 1, 34). 
'-) Vgl. oben S. 265. 



28G GERTRUD Hlti'NING, 

Übeiliaupt nennt O'Donnell liie und da Quellen, die nicht mehr 
erhalten sind, und auch ohnedies ist sein Werk lehrreich, weil 
es ohne weiteres eine Übersicht gibt über die reichen Fabeleien, 
die über Colnmba allmählich erwachsen waren. So soll der 
heilige Baitheneus^). der .Schüler Columbas, ein Gedicht auf ihn 
verfafst haben. Ein gewisser ]\riira-) hat anscheinend besonders 
phantastisch von Columbas Geburt und erster Jugend berichtet»). 
Auch den heiligen Comgallus^) und Berchan^) zitiert O'Donnell 
als (Quelle. Ferner Averden Brandan und Dallan') genannt. Das 
angebliche Werk des letzteren ist die Amra Coluimcille, die 
natürlich auch O'Donnell vorgelegen hat'). Selbstverständlich hat 
er auch die Gedichte aus späterer Zeit, die in der Überlieferung 
Columba selbst zugeschrieben wurden^), ausführlich benutzt"), 
ebenso die Legenden von den Abenteuern der Mönche Columbas, 
die an Phantastik die Navigatio Brandani weit übertreffen, und 
die Colgan deshalb auch foitläfst'o). Auch scheint O'Donnell viele 
andern irischen Heiligenleben ausgeschrieben zu haben, in denen 
Columbas >same genannt war. XachAveisen läfst sich die Be- 
kanntschaft mit den Biographien von Brigitta^i) und Eogan'"^), 
Etchen'-^), Fintan'^), Maidoc^^), Mochonnai^). Auch die Patricius- 
literatur hat er benutzt, und zwar besonders dessen Vita von 



1) Vgl. O'DuuucU c. 50 (III, oG8) und 6ü (III, ÖC:".; und o. 83 (IV, S. 303;). 

") Vgl. 0' Hanion, Lives of Irish Saints III, o. J., S.32<)ff. 

s) O'Donnell c. 50 (III, 555), c 53, M (III, 559 f.) und c. 159 (IX, 249). 

O'Donnell c. 140 (V, S. 65). 

5) Colganus a. a. 0. S.446 (III, 78). 

^) Eb. S. 438 (III, 41) : „ut . . . encomiasticis vei :sibus sauctus Bien- 
danus et sauctus Dallanus cecinerunt." 

■>) O'Donnell c. (54 (III, 5G9) , c. G5 (IV, 277), e. 67 (IV, 279), c. 222 
(X,249). 

*) Vgl. oben 8. 214f.: Reeves, 1. Ausg. S. 264ff. (Dialog von Columba 
und Corraac). 

8) O'Donnell c. 77 (IV, 293), c. 182—186 (IX, 275), c. 200 und 201 (IX, 
S. 285). 

'") Colgan S. 446; vgl. u. a. Wh. Stokes, The adveuture of. St. Columba"s 
clerics (Revue celtique XXVL 1905, S. 130—170). 

") O'Donnell c. 35 (DI, 537). 

12) Eb. c. 40 (III, 513), 256 (XI, 141). 

"j Eb. c. 76 (IV, 289). 

") Eb. c. 160 (IX, 253). 

IS) Colganus a. a. 0. S. 439 (c. 45) und ^. 442 (c. 62). 

1") O'Donnell c. 256 (XI, 141). 



ADAMNANS VITA COI.UMHAK UND IHKK ABLEITUNGEN. 287 

Joceliii, der um 1185 sein "Werk vollendete'). Die Legende vom 
Fegefeuer des Patricius war ihm ebenfalls nicht unbekannt^). 
Neben diesen hagiographischen Erzeugnissen haben ihm auch 
andere alte Bücher vorgelegen^). So läfst sich wohl zu den 
meisten ^^'undererzählungen der Ursprung aufdecken. Der Quellen- 
nachweis ist nur bei manchen von jenen Legenden noch zu 
führen, deren Inhalt inbezug auf Abenteuerlichkeit und märchen- 
hafte Züge kaum zu überbieten ist. Es bedarf einer näheren 
Untersuchung, ob O'Dunnell vereinzelt etwa mündlich fortlebende 
Sagen Irlands in seine Biographie hineingearbeitet hat. Eine 
derartige Untersuchung und eine erschöpfende Analyse des 
Inhalts ist aber erst möglich, wenn der ganze Text gedruckt 
sein wird. 

11. Die Vita des hl. Cohimba im Brevier von Aberdeeii 
und bei John von Tyneniouth. 

Für diese beiden Biographien bildet Adamnan die einzige 
Quelle, und zwar handelt es sich bei beiden um einen Auszug 
aus seinem Werk. 

Die Vita Columbae im Brevier von Aberdeen-*) besteht 
aus neun Lektionen. Nach einer Einleitung, einem Hymnus zu 
Ehren Columbas, beginnt die Vita: ..Sanctus pater ('olumba 
nobilibus ortus natalibus, vir vitae venerabilis et beatae me- 
raoriae"-^) . . .; dann folgen Wundererzählungen '^), die stark 
gekürzt sind und zuweilen nur in Andeutungen besiehen. In 
der Art des Breviers werden sie durch Antiphonen und Gebete 
zu Ehren des Heiligen verknüpft. 

In den zuerst 151G herausgegebenen Nova Legenda 
Anglie, die man nach Capgrave (f 1464) benennt, auf den 



1) 0"Donnell c. 26 = Joe. 127; c. 29 = Joe. 90; c. 31 = Joe. 89. Vita 
Patricii von Jocelin bei Colgauus a. a. 0. S. 64 — 108. 

■') O'Donuell c. 37 (III, 539). 

^) O'Donuell c. 157 (IX, 24.'!j: „the book called Tromdbamh Criiivire" und 
c. 178 (IX, 267): „tbe Cathach" (vgl. Keeves, 1. .lusg. S. 249f., 319 ff.). 

*) Breviarii Aberdonensis pars hiemalis, London 1854 (zuerst Ediuburg 
1509-10), 9. Juni. 

^) Vgl. Ad. praef. II (S. 106 u. 108). 

*) Aus Adauinau staruraeu in der Reibeufolge des Breviers II, 32 (S. 173), 
m, 2 (8. 195^, II. 12 (S. 160), IL 5 (S. 155), H, 35 (S. 176), II, 1 und 3 (S. 152 f.), 
n, 36 (S. 177), III, 22 (S. 209), III, 23 (S. 214). 



288 GKRTUUl) HHÜXINn. 

vielleiclit die heutige Auordniuij];" zurückgeht, liiidet sich eine 
Vita des Heiligen '). die wie die ganze Sammlung nicht von 
Capgrave, sondern kurz vor der Mitte des 14. Jahunderts von 
John von Tynemouth verfafst ist-). Die Einleitungsworte sind 
fast wörtlich aus Beda. Hist. Eccl. gent. Angl. III. 4 entnommen. 
Dann beginnt die Vita mit der zweiten Vorrede (S. 106): „Erat 
enim vir vite venerabilis et beate memorie." Die Entlehnung 
aus Adamnan ist ziemlich wörtlich, und auch die Reihenfolge, 
in der die Wunder bei ihm erzählt werden, ist beibehalten"'). Der 
Schlui'ssatz: „Est autem sciendum"'. . .. über die alte Bedeutung 
von Scotia im Sinne von Hibernia scheint vom Verfasser selbst 
herzustammen. 

12. Adamiiaiis Tita als (Quelle in der späteren 
Hagiograpliie. 

Von den Benutzern der Vita Adamnans ist an erster Stelle 
Notker der Stammler zu nennen, der in sein Martyrologium (89(5) 
zum 9. Juni einen Abschnitt über Columba aufgenommen hat"*). In 
den Quellen, die Notker bei Abfassung seines Werkes im allgemeinen 
benutzte, in den Martyrologien von Hrabanus ^laurus und Ado 



1) Nova Legeiula Auglie. neu hing, von Carl Horstnian, Oxford 1901. 
Bd. I, S. 198-206. Abgedruckt ferner bei Colganus a. a. 0. S. 332-335. Ans 
den Nova Legenda Anglie von 1516 ist auch die Viia Columbae entnommen. 
die sich in der Brüsseler Hs. 982. f öl. 74— 77 findet, in dem 3. Bande des 
Legendars des EegularkauoniJier.s Anton Geens von Eouge-Clottre bei Brüssel 
(gest. 1543); vgl. Van den (iheyn, Catalogue des nianuscrits de la Bibliotheque 
royale de Belgique A' (1905) , S. 234 (Xr. 3234 , l^d. 3). Geens bat aus jenem 
Druck viele Texte entnommen nach A. Poncelet, Le legendier de Pierre Calo 
(Analecta Bollandiana XXIX, 1910, S. 13). 

■') Vgl. u.a. Krusch, lonae Vitae .sanctorum S. 138 f. 

*) Aus Adamnan sind entnommen I. 1 (S. 112), die Vision Oswaldr^, 
dann der Schlufs von I, 1 (^S. 114), ferner aus dem ersten Buch c. 3 (S. 116); 
c. 8 (S. 120) ; c. 22 (S. 127) ; c. 28 (S. 180) ; c. 36 (S. 135) ; c. 37 (S. 137), das Wunder 
von Columbas Stimme, ferner c 39 (S. 138). Aus dem zweiten Buch c. 1 u. 2 
(S. 152f.:; c. 6 (S. 156^ ; c. 9 -12 {S. 158f.); c. 17 (S. 163); c. 24 und 25 (S. 168f.); 
c. 32 (S. 173); c. 34 (8. 174); c. 44 und 45 (S. 188 f.). Aus dem dritten Buch 
c. 2 und 3 (S. 195); c. 5 (S. 196); c. 8-18 (S. 199-206); c. 22 (S. 209); c. 23 
(S. 214-216). 

*) Canisius, Antiquae lectiones VI, Ingolstadt 1604, S. 853f.; Colgan 
iS. 465f.; Canisins-Basnage a. a. 0. II, 3, 1725, S. 139; Acta sancturum Junii 
II, 182 f.; Migne, Patrologia Lat. CXXXI. 1101—1103: Zimmer, Handels- 
verkehr a. a. 0. 1909. S. 583—594. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 289 

von Yieiiiiei). fand sich nichts über Columba. Zimmer^) nimmt 
mm an. dal's Notker weder Adamnan, noch den seiner Ansiclit 
nach echten Cuninieneus benutzt habe, sondern dafs ihm eine 
Quelle vorg-elegen habe, die kurz nach Coluinbas Tod von einem 
Iren auf dem Festlande verfafst worden sei. Somit liegt uns 
nach Zimmers Ansicht in dem Werk Notkers das älteste 
schriftliche Denkmal über Columba vor. Die Entstehungszeit 
glaubt er aus dem Schlufssatz entnehmen zu dürfen: ,,Qui cum 
plurimos discipulos vel socios sanctitatis suae pares habuisset. 
unum tarnen Coragellum. scilicet Latine Fausti nomine illustrem, 
praeceptorem beatissimi Columbani. magistri doinini et patris 
uostri Galli. virtutum et meritorum suorum ... reliquit heredem." 
Zimmer folgert daraus, dafs Comgell (f 602) wahrscheinlich 
damals nocli am Leben gewesen sei, und er hält ohne genügende 
Gründe die Stelle von ,.praeceptorenr' bis „Galli" für einen 
späteren Zusatz. Ich glaube jedoch als ganz sicher annehmen 
zu dürfen, dafs Xotker als Vorlage Adamnans Werk gehabt 
hat^), Avas sich durch einen Textvergleich zeigen läfst. Die 
Einleitung zeigt auch Anlehnung an Beda ITI. 4. 

Notker. ... quod . . . nionas- Beda III, 4. monastcrmm in- 

teriorum vel ecclesiarum insti- sulanum, in quo ipse requiescit 

tutor, fundator et redor exti- corpore. . . Habere auteni solet 

terit, adeo ut ahha monasteril, ipsa insula redortm semper 

. . . ubi requiescit, contra moreni ahhaiem presbyterum, cuius iuri 

ecclesiasticum ])rimas omnium . . . etiara episcop'^ ordine inusi- 

Hybernensium habeatur cpis- tato, debeant esse subjecti. 
cop orum. 

Hieraus erklärt sich auch der Zusatz „ubi requiescit-^ und 
die Machtstellung, die Hi noch in dem Bericht Notkers einnimmt. 
Zur Zeit Bedas fanden die Einfälle der Dänen noch nicht statt, 
und damals ruliteii die Überreste Coluinbas noch auf der Insel, 
aber nicht mehr in Xotkers Zeit. Die Stelle ..in prophetia, 
doctrina et miraculorum ostensione atque angelica fiequentatione" 
folgt r^anz der Einteilung Adamnans in drei Bücher, die in dieser 

') Vgl. E. Dümmler. Forscbniigeu zur Deutschen Geschiclite XXV, 1S85, 
S. 202 ff. ; H. Qnentin, Les maityrologes liistoriques du moyeii äge. 1908, S. 679. 
^) A.a.O. S. 586 ff. 
•') Gegen Zimmer schon B. Krusch, Neues Archiv XXXV, 1910, S. 275. 



2f)0 GERTRUD BRÜNINO. 

Ixeilienfulge von den genannten Dingen liandeln. Bei der Auf- 
zählung der "Wunder ist der Inhalt genau wie bei Adaninan. 
In der Form hat Notker zwar einige wörtliche Entlehnungen, 
doch ist er darin freier, was bei einem so kurzen Text, dem eine 
verhältnisniäfsig lange Biographie als Quelle vorgelegen hat. 
sich von selbst versteht. Nur die äufsere Form ist eben zum 
gröfsten Teil Notkers eigenes ^^'erk. 

Inhaltlich neu ist nur. dafs er als jetzigen Namen der 
untergegangenen Stadt in Italien') Civitas Nova angibt 2). Es 
ist unerklärt, woher er diese Angabe hat. Der Schluls des 
Abschnittes (oben S. 289) geht natürlich auf ihn selbst zurück 
und ist bei einem Mönch von St. Gallen ohne weiteres erklärlich. 
Übrigens besafs auch St. Gallen zur Zeit Notkers eine Hand- 
schrift der kürzeren Fassung der Vita 3); wahrscheinlich hat er 
sie benutzt. Dem Inhalt nach berührt er kein Kapitel, das 
nicht auch in der kürzeren Fassung stände. 

Auch in einigen irischen Viten ist Adamnan als Quelle 
benutzt^). Der Nachweis ist insofern nützlich, als man dadurch 
einen gewissen Anhaltspunkt gewinnt für die Entstehungszeit, 
die bei so vielen Viten der Iren in Frage steht. Benutzt ist 
die Vita Adamnans in folgenden Biographien: 

I. Acta S. Baithini^). 

C. 10 erzählt eine ähnliche Legende wie Adaninan von 
einer geweihten Lanze; vgl. Ad. II, 29 (S. 172). 

IL Vita S. Cainnechi des Codex Salmanticensis"*). 

C. 28 berichtet mit teilweise den gleichen Worten wie 
Adamnan, dafs Columba an einem stürmisclien Tage die 
Ankunft Cainnechs voraussagte; vgl. Ad. I, 4 (S. 118). C. 54 
erzählt von dem Gebet Cainnechs für Columba auf dem 
Meere; vgl. Ad. II, 13 (S. 160). 



•) Vs'l. Adamnan, I, 28 (S. 130). 

''') Civitas Nova, heute Cittanuova in Istiieu, nördlich von der Mündung 
des Quieto. Vgl. Eeeves S. 256 und Zimmer a. a. 0. S. 368. 

') Vgl. oben S. 220. 

*) t'ber die Benutzung der längeren Fassung in Forduns Scotichronicon 
s. Reeves, 1. Ausg. S. XU Anm. m. 

■') Acta Sanct. Hib. ex cod. Salm. S. 871—78. 

'■) Eb.-S. 3G1— 392. Vgl. auch Plummer a.a.O., Einleitung S.XLIII-XLV. 



AÜAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN, 291 

III. Die Vita S. (Jainneclii bei Plummer') 

zeigt auch Anlehnung- an Adamnan. C. 23 und c. 45 
erinnern an Ad. i, 4 (S. 118) und 11, 13 (S. 160) und 
aufserdem stimmt inhaltlich c. 25 mit Ad. II, 14 (S. 161) 
überein. wo erzählt wird, wie Cainnech durch die Kraft 
Columbas seinen Stock am Strande findet. Wie schon 
Plummer feststellt^), steht die Vita des Salmanticensis (II) 
dem Original der Vita Cainnechs nälier als die von ihm 
veröffentlichte Vita (III). Das zeigt auch deutlich ein 
Vergleich der aus Adamnan entlehnten Kapitel beider 
Viten. 

IV. Vita S. Comgalli3): 

Inhaltlich, nicht wörtlich berührt sich c, 19 mit Ad. III, 2 
(S. 195), c. 51 mit Ad. II, 35 (S. 176). 

V. Vita S. Finniani^): 

C. 33 zeigt deutliche Entlehnung aus Ad. III, 4 (S. 195) 
und I, 43 (S. 142). 

Anhang. 

Die Vita Columbae des sogenannten Cummeneus. 

Der folgende Text der kurzen Vita Columbae, die, wie 
oben dargelegt ist, nicht eine von Cummeneus verfafste Quelle 
Adamuans, sondern einen Auszug aus seinem Werk darstellt, 
beruht auf folgenden, bereits S. 269 ff. näher behandelten Hand- 
schriften: 

la. Saint Omer, Nr. 716, XIII. Jhd., Bd. V, fol. 160-163. 
Ib. Brüssel, Nr. 7460, XIII. Jhd., fol. 167-169. 
1 c. Der von Mabillon wiedergegebene Text einer ver- 
schollenen Handschrift aus Compiegne. 

2. Wien, K. k. Privatfideikommifsbibliothek 9397 a, Bd. III, 
vom Jahre 1479, fol. 802—804, enthält die gleiche Vita in ver- 
kürzter Form mit zahlreichen willkürlichen Umstellungen und 
Abweichungen. Der Name Columba findet sich durchgehends 

») Vgl. Plummer a. a. 0. I, S. 152—169. 
■-) Plummer a. a. 0., Einleitung S. XLIV. 
^) Plummer a. a. 0. 11, S. 3~ 21. 
*) Acta Sauet. Hib. ex cod. Salm. S. 189—210. 



OQO 



iJKRTRUI) HRINING. 



als Columbus. Es fehlen c. 7—10. 12. 18, 15. 19, 20 und 21 bis 
..Ibidem itaqiie". Erst folgt dann der Anfang- A'on c, 24 bis „Qnod 
ita factum est", darauf der letzte Teil von c. 21. beginnend 
..Tandem vir sanctus novissima filiis verba commendat", und die 
folgenden Abschnitte bis c. 23 „rite explentur". endlich der 
fehlende Teil von c. 24 „et sicut predixerat vir Dei per tres 
illos dies. . ." bis „obseciuia"; dann folgt der Schlufssatz von 
c. 23 ..Quibus in Dei laudibus. . ." und das Ende von c. 24, 
worauf Gielemans mit c. 25 fortfährt. Im übrigen finden sich 
so viele schlechte Lesarten, dafs ich im allgemeinen auf deren 
Mitteilung- verzichte und mich in der Hauptsache auf die 
Varianten der Klasse 1 beschränke. 

3. Der Text von Belfortius (s. oben S.261, 271 f.)), wie er 
zuerst von Colgan herausgegeben wurde, ist stark überarbeitet 
und gekürzt. Allerdings findet sich bei ihm manchmal scheinbar 
eine bessere Lesart, die Adamnan näher steht, als alle andern 
Handschriften. Da aber der Wortlaut an zahllosen Stellen 
zum Schlechtem abweicht, erklären sich die besseren Lesarten 
schwerlich aus der Benutzung einer guten Handschrift als Vor- 
lage, sondern daraus, dafs der Text zuweilen nach der \iUi 
Columbae Adamnans verbessert worden ist. Welcher Art die 
Handschrift dieser Vita gewesen ist, lälst sich nicht fest- 
stellen. Auf jeden Fall scheidet als Vorlage aus die kürzere 
Fassung Adamnans, wie ^ie von Canisius herausgegeben wurde, 
ebenso der Auszug in den Nova Legenda Anglie und der Text 
Gonons, da die besseren Lesarten sich zum Teil in Abschnitten 
finden, die dort fehlen. Als Beispiel von der Art dieser Über- 
arbeitung und Zusammenschweifsung der kurzen Vita mit Adam- 
nans Worten möge folgende Stelle dienen. 



Ad. II, 37 (S. 178 f.): [Cummeneus] c. 14: 



Quo facto niiser, fatuae 
coningis coiisilio depra- 
vatus, veru tollens de 
tecto, assunipta securi in 
]tlures coiicidens particii- 
las, in igiiem proiecit. Et 
post, quasi suae pauper- 
tatis araisso uon mediocri 
solatio, reniPtuh'cnre 
ut meritus coepit. Quod 



(^hio facto, mendicus 
iam dives factus et con- 
ingis consilio depr(ivu- 
tiis, veni de tecto tollens. 
arrepta securi in plures 
jtarticalas concidit igyii- 
que tradidit et statiin 
pauper factus est. 



Belfortius c 14 
(Colgan S. 322): 

Quo facto, depruvutua 
ille uxoiis consilio vera 
de tecto ablatum et iit 
plurrti partes conciäwm 
igni tradidit. Et stutiui 
pauper factus est ac 
deinoeps planxit hoc, 
reliquis diehtis vitae 
suae mendicans. 



ADAMNANS VITA COLUMtUE UXD IHRE ABLEITUNGEN. 293 

videlicet pemiriae reruni 
sukinieu saepe superins in 
vorn memorato depemle- 

bat, qnod arais- 

sum miser plebeins, eo 
(litatus pro tempore, ipse 
cum tota farailiola, sero 
licet, Omnibus de cetero 
äeplanx it reiiqnii^ 
(liehns vifae. 

Bei diesem Sachverhalt scheidet die Abschrift des Belfortiiis 
als völlig wertlos bei der Textgestaltimg- aus. und icli führe 
nur vereinzelte Lesarten daraus an. 

Die Kapiteleinteilung von Mabillon ist beibehalten. Die 
aus Adamnan wörtlich entlehnten Stellen sind durch kursiven 
Druck gekennzeichnet, die nur dem Sinne nach entlehnten gleicli- 
zeitig gesperrt. Die entsprechenden Kapitel Adamnans sind 
nach der Zählung der 1. Ausgabe von Reeves, die Fowler über- 
nommen hat, am ßande angeführt. 

Incipit vita sancti Columbae abbatis et confessoris 

Christi. Adamu, 

(1). Sandas igitiir Columha, Scotorum natione peri)lurimis Pi'- 2. 
ad salutem oriimthis, tale noscitur habuisse nativitatis exordium. Ill, i. 
5 Angelus enim Domini, genitrici eius in somnis quadam nocte 
intet' concei^tum et partum apparens, quasi quoddam mirac 
pulchritudinis peplum assistens dctidit, in quo nimiruin veluti 
universorum decorosi fiorum colores depidi videhantur. Quod 
etiam post cdiquod hreve intervallum eius de mand)as reposcens 

10 abstulit. elevansque et expandens in aere dimisit vacuo. lila vero 
tristificata de sublato pep)lo, sie ad illum venerandi habitus virum: 
„Cur", ait, „a me laetificum tarn cito ahstrahis pallium'^" Illc 
consequenter : „Idcirco," inquit, „quia hoc sagum alieuius est tarn 
magnifici honoris, ut apud te diutius retiner i non xjossit.^^ 

15 Quibus didis, praedictum peplum mulier paidatim a se elongari 
volando videbat camponimque latitmlinem in maius crescendo ex- 
cedere montesquc et saltus maiore sui mensura superare vocemque 



1 so die Ühcr Schrift la: et coiifess. Christi fehlt 11; Vita sancti Co- 
lumbi confessoria, qiie est quintas Idns lunii ii. 3 Scotorum] Sanctornni Ic. 
11 territicata Ic; uertificat;i V; tristis effecta -V. 



294 GERTRUD BRi;NINf4. 

111. 1. Iiuiuamodi suhsecutam audierat: „Mulicr, voll coniristari: viro 
enim matrimon'mli iimcta, talem fUiiim cditara es fioridum, qui 
quasi unns 2jrophetarum Dei intcr ipsos coimiimerabitur innume- 
rahiliumque dux animarum ad cadestem a JDeo imtriam est 
2)raedcstmatus." In hac ergo aiidita voce mulier expergiscitur. 5 

111,2. (2). Post editam quoque prolem hcati pueri nutritor, spec- 

tabilis vitae vir preshyter, missa finita, ab ecclesia ad hospitium 
reversus, totam invenit domum suam clara irradiatam luce: 
globum quippe igneum super pueruli dormientis faciem stantem 
vidif. Quo viso statim intremuit et, prostrato corpore 1) in terram, 10 
miratus Spiritus sancti gratiam super cum intellexit caelitus 
effusnm. 

III, 4. (3j. Quodam namque tempore vir sanctus sanctum episcopum 

Finnionem, suum magistrum, iuvenis senem, adiit; quem deniqiie 
appropinquantcm cernens, an gel um Domini pariter eius comitem 15 
itineris vidit et quibusdam astantibus intimavit fratribiis, inquiens: 
„Ecce nunc videte sanctum advenientem Columbam, qui sui com- 
meatus habere meruit angelum Domini.'' 

III, 4. (4). Hisdem diebus sanctus cum duodecim commilitonibus 

n. 1. discipulis ad Brittanniam transnavigavit Quo perveniens, quadam 20 
sollemni die sancto niagistro siio et episcopo Finniano"^) missam 
celebranti vinum ad sacrificale mysterium casu non inve7iiebatur. 
De cuius defectu cum ministros altaris inter se conquirentes 
audiret, ad fontem sumpto pcrgit urceo, ut ad sacra eucharistiae 
minister ia aquam fontanam diaconus hauriret. Qua hausta, mi- 2.") 
nistris ait: „Habetis ergo vinum, quod Dominus ad sua misit 
peragenda mysteria." Quo cognito, sanctus cum ministris epi- 
scopus eximias Deo gratias referunt. Sanctus vei'o iuvenis hoc 
non sibimet, sed sancto Finniano ascribebat episcopo. 

III, 5. (5). Alio tempore vir sanctus in Hymba commorans insula, 30 

quadam nocte in cxtasi mentis angelum Domini ad se missum 
vidit, qui in manu vitrcum ordinationis regum habebat librum, 
quem de manu angeli accipiens legere coepit. Qui secundum 



4 so la. b; cael. patr. a Deo Ic; patr. cel. a Deo 3. 14 Finni- 

anum Ic; Fennianum .V. 17 so Ib. c; comitatus 3; qiü in sui comitem 3; 

corameatiis consortera hab. 1 a : commeatu.s mer. liab. socium aiig. Ad. 
19 so Ic; Isdem 1 « \ Hiisdem Ih. ;i: lisdem .;. 23 couquerentes Ic mit Ad. 

') ,vultu" Adanman. 
-) 'Findbarriim" Ad. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHKK ABLEITÜNGKN. 205 

commendatum Aidanum hi rcf/em ordinäre rccusniis, — 7nagis m, 'j. 
enim frafrem eins diligehat, — subito angelus, extendens manum, 
sanctum pereussit fiagello. Cuius livoris vestigiiim in eins latere 
Omnibus diebus vitae suae permansit. Hocque intulit verbum: 
5 „Pro certo scias mc a Deo missum, ut Aidanum in regem 
ordines. Quod si non vis, percutiam tc itcrato." Kadern itaque 
per tres continuas noctes angelus Domini commendans de 
Aidani ordinatione, sanctus Dei ad lovam transnavigavit insulam 
ibidemqiie Aidanum adventantem in regem ordinavit. Inter 

10 ordinationis quoque vcrba de filiis et nej>otihus pronepotibusque 
eins futura propjhctaint, imponensque manum super caput eius, 
ordinans benedixit. Intulitquc liaec verba: ..Indubitanter crede, 
Aidane, quoniam nulliis adversariorum tuorum tibi poterit 
resistere, donec prius fraudem agas in me et in posteros meos. 

15 His eisdem verbis alloquere filios tuos. ne regnum pcrdant. 
Quod si non obaudicrint, fiagellum., quod causa tui ab angcJo 
Dei sustinui, in eos rctorquetur." Quod ita factum est: man- 
datum namque viri Dei transgredientes regnum perdideruiit. 

(6). ^^10 quoque tempore vir sanctus in lova commora7is III, (i 

20 insula, quidam bonorum actuum de suis monaclius Britto ad 
extrema pierductus est. Quem cum in hora sui exitus visitaret, 
vir Dei, paulisper eius assistens lectulo eique benedicens, ocius 
domum egreditur, nolens videre morientem, qui eodem momento 
de medio factus est. Tanc ergo vir sauctus in monasterii sui 

2b pleite a deambulans, caelo intentus oculis, valde obstupescens 
ammirabaiur. Tantae ergo ammirationis causam interrogare 
ausus est eum unus e fratribus, qui solus tunc aderat. Cid 
sanctus: ,,Nunc sanctos," alt, „angelos contra adversarias potes- 
tates belligerare vidi, Christoque agonithetae gratias ago, quia 

30 victores angeli sancti ayiimam huius ijeregrini caelo receperunt. 
Sed hoc quaeso sacramentum, dum advixero, nemini reveles." 

(7). Quadam itidem die summo mane sanctus suum ad- III, li. 
vocat ministratorem Diormetium, inquiens ita: „ Sacra e celeriter 
eucharistiae ministeria praejiarentur; hodie enim natalis beati 

35 Brendani est dies." .,Quare," ait minister, „talia praecipis'^ 
Kultus enim eius obitus ptraecessit nuncius de Scottia." .,Vade," 



2 ostendens la, von junger Haiul verbesserl. 8 ad Dei Ic. 

12 ludiibitanterque la. 15 Hiis Ih. .2. 20 de suis fehlt Ic. 

20 monacbis nomine Brutto a?; Br. feläi Ic 27 ex Ic 



296 GERTRUD RRÜNING. 

III, ll.^nY acmcius, ^meac ohsecimdare iussioni. Ilac enim praeteiita 
nocte vidi subito apcrtum caehnn angelorumque choros sandi 
Brendani animae ohvios dcsccndere, quorum luminosa incomjjara- 
hilique claritate totus eadem liora illustratus est mundi orbis." 

]ll, 12. (8). Älia ctiani die, dum fratres ad opcra manimm exituri 5 

cssent, sanctus econtra ea die otiari praecepit sacraeque oblationis 
obsequia praeparari et aliquam prandeoli adiedionem fieri. „Me 
etiam," inquit, „sacra oportet eucharistiae celebrare mystej'ia 
2)ro anima saiicta, quae node in hac inter angelos veda est." 
Fratres ohscquuntur et ea die otiantur et ad ecdesiam, quasi die 10 
sollemni, abbate cum sando pergunt. Et inter sacra sancti sacri- 
f'icii mysteria: ,Jiodie,'' ait sandus, „iiro sancto Columbano 
episcopo dccantandum est." Tuiic ergo astantes iiitellexerc 
fratres, quod Columbanus episcopus Lagenensis, carus Columbae 
amicus, ad Dominum cmigraverit. Et post alicuius intervallum 15 
aliqui de Lagenica commcantes provincia, ea nocte eundem obisse 
nuntiant episcopum, qua sanctus dixit. 
III. s. (9). Remoiiorem ergo ab hominibus locum aptwnque orationi 

quaesivit sanctus in saltibus. Ibidemque cum oraret, quadam 
die subito vidit coritra se nigerrimam daemonum aciem cum 20 
ferreis praeliari verubus, qui, sicuti sando viro per Spiritum 
rcvelatum erat, monasterium eins invadere et multos ex fratribus 
iugulare volebant sudihus. Ipse vero contra eos dimicabat, et ita 
t ex maiori diei parte utrimque dimicatum est. Nee tarnen in- 
numeri mium vincere potuerunt, doncc angeli Dei in admini- 2ö 
culum affuere, quorum fimore loco cessere, ut post ipse sanctus 
fratribus intimavit. 

111,15. (10). Älio in tempore, dum in tugurio suo vir Domini 

scribens sederet, subito immutaia est eins fades, et hanc puro de 
pectore promit vocem., dicens: ..Auxiliare, auxiliare.^'' Duo autem 30 
fratres ad ianuam stantes, subitae vocis interrogabant causam. 
Quibus vir sanctus hoc dedit responsum: „Ängelo Domini, qui 
nunc inter nos stabat, iussi, ut cuidam ex fratribus de culmine 
domus lapso, quae fahricaiur, tarn cito subvenirct." Hocque con- 
sequenter sanctus intulit: „Valde ammirabilis et ^;ewe indicibilis 35 
est angelici volatus pernicitas, fulgoreae ut aestimo celeritati 



1 ait] inquit Ic. 8 -so Iv.o; rainisteria Ict.b. 15 so la; 

aliquod Ib. c; aliquod intervallum tempori.s 3; alicuius temporis interv. Ad, 
22 öo la. h.:}; erat rev. Ic. 24 die Ic. 30;31 fratres autein 1«. 



AOAMxNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 297 

parilis. Nam ille caelicola, qui Um a noUs Uli nunc viro Mi 111,15. 
incipienti advolavii, quasi in ictu oculi, priusquam terram tangcret, 
subvenims cum suUevavit, nee ullam fracturam sensit" Quam 
stupc7ula, inquam, et opportuna suhventio, quae, dicto citius, tantis 
'0 mteriaceyitihus terris et aquis tarn celerrime effici potuit. 

^ (11). Quodam in tempore uno dierum fratrihus congregatis in. ig 
dixit sanctus Bei Columha: ,.Hodie ego in occidentalem cam- 
pum nostrae insulae solus exire cupio; nemo ex vobis me sequatur." 
Quibus obsecundantibus, solus quidem, ut voluit, egreditur. Sed 
10 frater quidam, callidus explorator, alia means via, occultabat 
se in montis vertice, explorare cupiens, quod et vidit non sine 
permissu Bei sanctum suum mirificantis. Nam in monte 
stantem et expansis ad caelum manibus orantem oculosque in 
altum elevantem vidit: mirum dictu! et ecee subito res miranda 
Ibapparuit. Denique saticti angeli, mira advolantes subitatione, 
sanctum virum orantem circumstare coeperunt, albatis hiduti ves- 
tibus, et miscentes cum beato colloquia, quasi explorantem 
smtientes, ad summa repedabant. Beatus et ipse post angelicum 
condictum monasterio se tradidit et, coUectis fratribus, trans- 
20 grcssionis obnoxium non mediocri obiurgatione quaesivif. Ille 
ergo conscius sibi inexcusabilis transgressor reiim se confitetur 
vmiamque iiexis genibus precatur; quem sanctus seorsum ducens, 
i7ige7iiculanti cum graiuli commendat comminatione , ne cui in 
vita sua hominum dicat quod vidit. Paruit interim frater, sed 
2öpost obitum eius fratribus qme yidersit cum grandi protestatione 
mtimavit. Locus autem illius angelicae condictionis Colliculus 
Angelorum usque hodie dicitur. 

(12). Alio quoque tempore quatuor tr^tres visitandi gratia iii 17 
sajictum Columbam adeunt de Scotia in Hijmba commanentem 
30 insula, qui uno eodemque consensu sanctum sacra celebrare 
mysteria invitant precibus; quod et fecit quadam die 
Bomimca. Sed Uli post evangelii recitationem viderunt 
que7idam igneum globum et valde luminosum de vertice sancti 
CoJumbac, ante altare stantis et sacram oblationem consecrantis, 
35 tamdiu ardere et ad instar alieuius columnae sursum ascendere, 
donec eadem perficerentur sacrosancta mysteria. 

(13). Aho etiam tempore in eadem commanente insula rii I8 
viro^ancto^gratia_janct^^iri4t^super eum abunde et 

9 quidam Ih. 12 so la. b. c. 3; permission7«7Zem 2 mit AMnvn., 

wohl durch Zufall. 

Zeitschrift f. celt. Philologie XI. q^ 



298 GERTRUD BRÜNING, 

III 18 incomparahiliter effusa per triduum mirahiliter mansit, ita ut, per 
' tres dies totidcmque nodcs intra obseratam et repletam caelesti 
daritudine domum manens, nulluni ad se accedere permitteret, 
neque manducans neque Ubens. De qua etiam domo immensae 
daritatis radü per rimulas valvarum d davorum foramina o 
erumpentes node videhantur, carminaque spintuaha d ante 
inaudita decantari ah eo audiebantur. Sed d multa quaedam, 
ut post coram professus est, et ohscura scripturarum et ignorata 
hominihus mysteria in eo loco discere meruit. 
U 37 (14) Quodam igitur tem2wre quidam ad sandum pleheius 10 

' " venu pauperrimus, conquestans, quod, unde maritam d parvulos 
cihard, non hahehat. Ciii compatiens benignus Dei famulus: 
Miseile," ait, „homuncio, de vidna silva tolle contulum d ad 
me ocius defer." Cui parens ivit et attulit. Quem sandus 
exdpiens in veru exacuit et propria manu benedixit d inopi lo 
dedit, dicens: „Hoc veru diligenter custodi, quod^) homim nee 
pecori nocehit, sed tantum feris et hestiis d piscibus, d quamdiu 
hoc habueris, non deerit domui tuae omnino caro cervina." Quo 
audito mendicus laetus domum revertitur; veru quoque m 
remotis terrae infixit locis, quae silvestres ferae frequentabant, 20 
d vicina node transada, majie primo pergit visitatum veru, m 
quo ce7-vum transfixum invenit. Quid multis? nulla trans- 
ierat dies, quin eervum aiit cervam aut aliam bestiam vefru 
caperet. Tota quippe domus eius de ferinis carnibus abundabat. 
Sedfntua eius midier, persuasu c?ia&oZi pervasa, marito sie ait 2b 
post non multos dies: „Tolle ergo de terra veru, potent emm 
quispiam hominum aut domesticorum pecorum strangulari 
in eo, et ego et tu cum liberis nostris captivi ducemur aut servituti 
subiciemur." „Non ita," inquit maritus „fiet, nam sanctus Dei hoc 
interminatus est nulli hominum nee pecori nociturum.'' 30 
Tarnen consmtiens uxori tulit veru de terra d intra domum secus 
paridem posuit, in quo mox domesticus eius canis incidms periit. 
Quo pereunte, rursus ait marita: „Unus," ait, „filiorum tuorum 
incidd in sudem d peiibit." Propter quod maritus, veru de 
pariete removens, ad silvam reportat d in densis mfbcit dimtis, 35 
ut nullum laederet. Sed postera die reversus, capreamjn eo 

25 pervasa] so Ic; persuasa la.b (s durch PmiU getilgt); incitata 2; 
Sed persuasa a diabolo fatua eins uxor 3. 31 floraum] eius fügt hinzu Ic. 

>) Ergänze „uec". 



ADAMXANS VITA COLUMBAli UND IHRE ABI.EITUNUEN. 209 

ceeidissc repperif. Inde quoque illud removms, sitb aquis abs- ir 37 
co7idit et infixü. Quod alia revisans die, esocem in eo invmit ' 
retentum mgentem, quem vix solus portare potuit. Tunc etiam 
ver-u supra tectum infixit, in quo corvus advolans casu iugulatus 
ö est Quo facto, mendicus, iam dives factus et coniugis consilio 
depravatus, vevu de tedo tollens, arrepta securi, in plures parti- 
culas concidit ignique tradidit et statim pauper factus est. 

(15). Quadam quoque hiemali node saiictus Fernaus^) im^ 
ecclesiam orationis studio solus intrans, in quadam cxedra ' 
10 devotus orahat. Cuius rei sanctus Columha nescius, eadem de 
causa post illum ecclesiam ingredituv, simulque cum eo aurea 
lux, de cado descendens, totam replevit ecclesiam. Sed et illius 
exedrae separatum conclave, uhi Fernaus latitahat, illud caeleste 
lumen formidaUli timore repleverat; d sicut nullus aestivum 
lo et mendianum solem redis d irreverberatis oculis potest intueri, 
SIC d illam caelestem claritatem Fernaus sustinere non potuit 
Quo denique fulminali splendore viso, nihil in eo virtutis re- 
mansit. Sandus vero Columba, pod non prolixam oratmiem 
ecclesiam egreditur Fernaumque ad se crastina advocat die 
20 hisque compellat affatibus consolatoriis : „0 filiole. hacpraderita 
node in conspectu Bei placuisti, oculos ad terram deprimmdo 
timore lucis. Nam si ita non fecisses, oculi tui visa luce obcae- 
carentur, sed dum vixero, stude hanc celare visionem.'' 

(16). Alio autem tempore vir Domini in lova commorans m •)•> 

2o i7isula, quadam die sanda fades eius subita hilaritate effloruit 

oculosquc in caelum elevans, valde laetificabatur, post modicum 

autem uitervallum tristificabatur. Duo autem fratres, ad ianuam 

stantes, causam subitae iriquirunt laetitiae d illius subsequentis 

maestitme. Ad quos sanctus: „Ite," inquit, „in pace, non dicam." 

30 Qui cum ei nimtum pro hac re indicanda molesti essent: 

„Si celaveritis, inquit, „prodam vobis, quia amo vos.'' Quibus 

fidem dantibus, sie ad eos proloquitur: „Usque in praesentem 

diem meae peregrinationis in Brittannia terdeni completi sunt anni. 

Petivt quoque a Domino, ut in finc tricesimi huius anni dis- 

3o gotoer et cum ipso essem^-), et haec fuit causa laetitiae, super 

2 so la. b.; revisens Ic; respectans 3; reversus 3; revisitans Arl. 
26 in] so la. h. 2. 3; ad allein 1 c mit Ad. 

') „Virguous" Adamnan. 

2) Vgl. Philipp. 1,23: ,4esiderinm Habens di.ssnlvi et esse cum Christo« 

20* 



;^()0 «EUTRUD BRÜNIN«. 

111,22. qua molestatis. Angelos etiam sandos vidi cgressurae animae 
''^ de came ohvios. Sed ecce stant procul, subito retardati, j^ropitis 
accedere non permissi, quia Dominus, quod mihi roganti donavit 
in hac die fieri, multarum magis ecclesiarum pro me orationes 
exaudiens, dido citius immutavit; quihus sdUcd ccdcsiis exo- 5 
rantibus, sie a Domino donatum est, ut quatuor ah hac die anni 
addantur mihi in came manendi. Haec ergo retardatio causa 
mihi maestitiae fuit. Quihus videlicet quatuor annis ter-mi7iatis, 
subita emigratione ad Dominum laetus emigrabo." 
111,22. (17)- Secundum haec ergo verha vir Dei quatuor aw72ts 10 

' 23. postea in came mansit; quihus transactis, quadam die mense 
Maio, senio fessus, plaustroque vectus, visitatum pergit operarios 
fratres, ad quos ita loqui cxorsus est: „In Paschali sollemmtate, 
nuper Äprili peracta mense, desiderio desideravi ad Christum 
emigrare; sed ne vobis laetitiae festivitas in tristitiam verteretur, 15 
diem ohitus paulo diutius iwotelare malui.'' His auditis fratres 
haud modicum contristati sunt. Vir autem Domini, ut erat in 
vehiculo sedens, ad orientem faciem suam convertens, insulam 
mm insulanis hahitatoribus henedixit, et ex ea die vipera nidla 
nee homini nee pecori nocua fuit. Post verha tandem bene- 20 
didionis sandus ad suum monasterium revehitw. 
IT[. 23. (18)- Transactis autem paucis diebus, dum missarum sol- 

lemnia, ex more Dominica die celebrarentur, subito, sursum ele- 
vatis oculis, fades beati Columbae florido r esper sa ridjore videtur. 
Eadem quippe hora angelum Domini supra rolitantem solus 25 
vidit intra ipsius oratorii parietes. Haec enim causa fuit illius 
subitae laetitiae, de qua cum praesentes inquirerent, hoc eis sandus 
responsum dedit: .,Mira et incomparahilis angelicae naturae 
sidjtilitas! Ecce enim angelus Domini, pro cuiusdam missus 
depositione Deo cari, nos desuper intra ecclesiam aspiciens et 30 
benediceiis, rursus per parasticiam ecclesiae reversus, nulla talis 
exitus reliquit vestigia. Haec sandus se ipsum significans 
dicebat, quod tamen fratres tunc temporis ignorahant, 
postea vero sciebant. 
m 23. (19)- 1 "■ iidque sanctus in fne eiusdem hebdomadis, hoc est 35 

die sabbati, minist ro suo Diormetio clam vocato sie profatur: 

4 so la; mult. eccl. magis lh.2; magis feUt lc.3. 11 mansit] 

so lo. h. 3 ; vixit 1 c. 5. 20 so 1 a. h. 2. 3; uociva Ic. 31 so 1 bj 

parastitiam la; parosticiam Ic; parustitiam .V ; posticiwni V. 36 so la.b.3; 
praefatiir IC 



ADAMNANS VI l'A COLUMBAE UND IHKE ABLEITUNGEN. 301 

„In sacris voluminihus liaec dies sabhatum nuncupatur, tjuocl m, 23. 
requies interpretatur. Et vere mihi est hodierna dies sabhatum, 
quia vitae ultima mihi est, in qua post meorum laborum 
molestias sabbatizo, et hac sequenti Dominica node patrum viam 
5 gradiar. lam eniyn Christus mc invitai, et sie mihi ab ipso 
revelatum est.-' Miiiister hinc contristatur, sed a patrc conso- 
latur. Inde ergo sanctus Dei egrediens et montem monasterio 
superemine^item ascendens, in vertice eins paululum stetit et, 
elevatis manibus, eoenobium suwn benedixit et de praesentibus 

10 et futiu'is miilta proplietavit, quae postea eventus probavit'). 

(20). Post haec de illo descendens monte et ad monasterium iii, 23. 
reversus, sedebat in cella psalterium scribens. Deniqiie ad illiim 
tricesimi tertü psalmi versiculum perveiiiens, ubi scribitur: „In- 
quirentes autem Dominum non deficient omni hono," ait: „Hie a 

15 me cessandum existimo,Baithcneo quae sequuntur,perscribe?ida." 
Convenienter enim sancto novissimus versiculus, quem scripserai, 
congruebat, ad yera,GiteY aeter7ia bona nunquam deficient. Succes- 
sori vero, id est spiritualium patri filiorum, haud minus decenter 
sequeiis convenit: „Venite filii, audite me, timorem Domini docebo 

20 vos." Hie enim, sicut decessor commendavit, non solum scribendo, 
sed etiam in regimine monasterii laborando successit. 

(21). Post talem igitur terminatae j^^iginae versum per- m, 23. 
scriptum sanctam ecclesiam ad celebrandam Dominicae noctis 
missam ingreditur; qua continuo consummata, ad hospitium 

25 revertens, in lecto pernox resedit; ubi pro stramine nudam terram, 
pro pulvillo habebat lapidem, qui usque hodie iuxta. sepulchrum 
eins quasi quidam titulus monumenti perdurat. Ibidem itaque 
residens novissima filiis verba commendat: „Inter vos," dicens, 
„mutuam et non fictam caritatem cum pace semper habet e; Do- 

'iO minus enim, confortator bonorum, vobis auxiliabitur, et ego, cum 
ipso manens, pro vobis i^iterpellabo , ut vobis temporalia et 
aeterna botia proveniant." His dictis, sanctus Columba pau- 
lisper conticuit. 

15 so la; Baithaneo lf/\ Barthaueo Ic; Baitheneus .7. 15 per- 

seribeiido Jl>; scril)eiula reliuquo Ui; scribat .7. 27 Ibidem] so Ih. o; 

Ibiquc Ja; Ilideni /<. 28 .so In. f). -i: couinieiKlabat / r; cnnmieiidavit .7. 

30 euiinj w la.li. -7; am ein Ic. 



') Genesis 41, 13: ..quidquid postea rei probavit eventns." 



302 GERTRUD HKÜNING, 

111,23. (22). Tum x>roinde media nocte, pulsajitc campana^), fes- 

tiniis surgens ad ecclesiam pergit, citiorque ceteris currens, solus 
introgressus, iuxta altare flexis gcnihus in oratione procumhit. 
Diormetius autem minister, tardius prosecutus, eodem momento 
eminus fotam ecclesiam angeJica luce intrinsecus repletam vidit, 5 
quo ad ianuam appropiwiuante, eadem lux ocius recessit, prius 
tarnen a fratrihus visa nonnullis. Diormetius vero ecclesiam 
intra7is flehili voce ingemiimt: „Ybi es, pater: ubi es, pater?" et, 
necdum allatis lucernis a fratrihus, j;er tenehras palpans, sanctum 
ante altare recubantem invenit. Quem paululum erigens et iu^ta 10 
sede7is, sanctum caput gremio imposuit suo. Ceteri vero fratres 
accurrentes et patrem mori cernentes, quem viventem dilexerant, 
morientem liaud niodice plangehant. Sanctus autem, necdum 
egredicnte anima, elevatis sursum oculis, ad utrumque latus laeta 
facie circumspiciebat et angelos sanctos adesse videbat. Dior- 15 
melius vero, ut fratres benediceret, elevata illius dextera, 
admonuit, sed et ipse pater sanctus illud annuens, in quantum 
poterat, simul manura ipse levabat. Etpost sanctam henedictionem 
taliter sigyvificatam continuo spiritum exhalavit. Facies quidem 
eius rubens et mirum in modum ex angelica visione exhilarata 20 
Interim remansit, ut non quasi mortui, sed dormientis videretur. 

111, 23. (23). Interea post egressum sanctae animae, hymnis matu- 

tinalibus terminatis, sacrum corpus de ecclesia ad hospitium cum 
canora fratrum psalmodia reportatur, ubi etiam ternis diebus 
cum totidem noctibus honoräbiles exequiae rite cxplentur. Quibus 25 
in Dei laudibus terminatis, sancti corpus, mundis involutum 
sindonibus, cum dehita veyieratione humatur, aeternali claritudine 
quandoque resurreciurum. 

111,2:1 (24). Vnus enim aliquando fratrum ad sanctum: „Totus," 

inquit, „provinciarum populus post obitum tuum ad tuas con- 30 
veniet exequias." „Non," ait sanctus, „ut loqueris, ita res pro- 
bobit, nam promiscuum vulgus non meis praesto erit exequiis; 
familiäres mei solummodo monachi mea sexmlchralia complebunt 
et exequialia officia honestabunt. Quod ita factum est; nam 
per tres illas excquiales dies et noctes grandis sine pluvia facta 35 

26 so 1 a. h. 2. 3 ; sanctuiii 1 e. 30/31 couveui am Zeilenende 1 a, 

von umlei-er Hand verhcssert. 33 ^o la.2.3; mea fehlt 1 h. c. 35 plnvia 
factosa ventosa Jh. 

') „Clocca'' AdiMunaii. 



ADAMNANS VITA COLUMBAE UND IHRE ABLEITUNGEN. 303 

est ventosa tempestas; qim iwoliibmte, malus traiisnavigare iii,2d. 
pelagus i)otuit navicella, iit viri Dei ultima celebraret obsequia. 
Sepulto denique sancto, vento cessaiite et seclata tempestate, 
quieverunt undae marinae: Gloria tibi Domine, Amen. 
5 (25). Perpendat itaque lector, quanti qualisqiie meriti ante iii, 23. 

Deum fuerit in excelsis, quem in terris ita praerogativa signorum 
et privilegio meritorum mirificavit et post apostolos donativum 
suae gratiae contradidit. Namque in carne ut angelus vivens 
tempestates sedavit, maria tranquillavit, ecdesiam sibi non n, 36.85. 

\() apertam salva sei'ci sine clave persaepe reseravit, im2:)nmens 

tantum dominicae crucis effigiem. Post geniculationem quaii-u.?)'!^.!. 
doque cum oratione fusam de terra surgens, in nomine Domini 
mortmcm filium cuiiisdam plehei suscitat et post celebratas 
exequias 2^^^^'^ ^^ matri viventem repraesentat. Lapis ll.Sii. 

15 etiam ab eo aqua intinctus mirum in niodum contra naturam 
aquis supernatat, nee sancti viri benedictio lülatenus potuit 
submergi. De quo natante quidam aegrotus bihit et statim a 
vicina morte rediit integramque carnis salutem recuperavit. Talis 
itaque lapis pjostea in thesauris regis reconditus multas sanitates 

•20 in popuJo cff'ccit in digito Dei '), quo benedictus erat per manum 
Columbae viri Dei. Silvam etiam ingressus, mirae magnitudinis li, 2(J. 
aprum obviat, quem forte venatici canes persequebantur. Quo 
viso restitit sanctus, et sancta manu elevata: „Vlterius,^' inquit, 
„hinc noli procedere; in loco eodem movere"; et mortuus est. 

2ö Quinque etiam cuiusdam mendici vacculas benedixit et in ]i,2L 
centenarium et quinarium numerum procedere iussit, et erat 
in filiis et nepotibus eius haec florida benedictio. lustorum autem i, i. 
quorundam animas ab angelis in caelum ferri et reproborum ad 
infei'na a daemonibus deponi hie sanctus saepienumero aspiciebat. 

30 Osivaldum quoque regem in lorocinctu belli castra metatum et 
in sua papilione supra pnävillum dormientem allocutus est et 
ad bellum procedere iussit. Qui iubenti paruit et victoriam 
promeruif. Reversus quoque postea fotius Britanniae imperator 
a Deo ordinatur, et tofa gens illa 2)i'ius incredula baptizatur. 

•^•^ Totum etiam mundum veluti uno solis radio collectum, sinu mentis 
mirabiliter laxato, manifeste 2)Grspieiens speculabatur. Quadam l, s. 



7 inontornin) Dens fiuit le. Jiüi-ii. 35 nieiitiy 1(t.h.:i; nieritis Ic- 

sinu bis manifeste fr/ilt ?. 

') Lucas 11,20: „in digitu Dei". 



304 GERTRUD 15RÜNING. ADAMNANS VITA COLUMBAE. 

l,S. etiam die sandus Dei ministro suo campanam^) suhito 
pulsare praecejyit, cuius sonitu fratres incitati ecclesiam protinus 
sunt ingressi. Qiiihus sanctus: „Pro Äidano", ait, „et populo 
eins preces funditc ad Dominum, hac enim hora ineunt bellum". 
Et post intervallum egrcssus caeloque ijitendens, ait: „Nunc 5 
barbara manus in fugam vertitur, Aidanoque vidoria con- 
ceditur; sed et de numero exercitus treceiitorum et trium virorum 
interfectonim prophetiae spiritu narravit. 
II, 44. (26). Post mortem viri Dei grandis facta est vm'no tempore 

siccitas. Fratres-) autem imminentem pilagam pertimescentes, 10 
candidam tunicam heati viri, qua in hora exitus sui indutus 
erat, in aere levaverunt terque excusserunt et libros manu 
ipsius descriptos leger un f. Quae omnia rite j^^'^'cicta, mirum 
didu, eadem die pluvia vehemens facta sitientem terram irri- 
gavit, laetasque segetes codeni anno protulit. 15 

1,3. (27). Quadam etiam hora cum sanctus fratrummolestaretur 

constipatione, quidam valde despedus vultu et habitu puer dam 
retro accessit, ut vel illius amfibali fimbriam, quo restiebatur, 
ipso nesciente, tangeret. Quod tarnen sanctum non latuit; nam 
post se manus extendens, cervicem pueri tenuit. Quo tremefacto 20 
ait sandus: „Aperi os et linguam porrige." Quod jmer 
faciens, sandus cum extensa manu benedixit et astantibus 
dixit: ,,Ric puer, nunc despicabilis vobis, ab hac hora prae- 
nominatus in tota Scotia erit, sapientia, eloquentia, bonis 
moribus et virtutum üb er täte polleb it." Quod et ita iuxta 25 
sancti sui prophetiam Dominus complevit ad laudem et gloriam 
nominis sui, cui est lionor et gloria in saecula, Amen. 



4 so la. h. 3; belhim, inquit, et post 5; hac bis bellum fehlt Ic. 
15 SU la.b.c; prodiixit mit Aäauuuoi 2. •?. 18 qua la.b; quo vest. 

fehlt 3. 27 quod est beuedictum in secula statt cui — Araeii 2.:, vgl. 

oben S. 270 f 



') „Cloccam" Adamiiau. ^) ,.No3" Adamuau. 

Bonn. Gertrud Brüning. 



DIE ANGEBLICHEN „RUNENSTEINE" VON BIERE. 
GEFÄLSCHTE OGHAM- INSCHRIFTEN. 

Im II. Baude seiner „Studies on Irisli Epigraph v"' (London 
1902) veröftentliclit Stewart Macalister auf Seite 138-164 
und auf Tafel I— VI eine Anzahl von kleinen Steinen, die Ogham- 
Schriftzeichen und primitive Figuren eingeritzt enthalten, und 
gesteht, dafs es ihm nicht gelungen ist, aus den scheinbaren 
Ogham- Inschriften irgend einen vernünftigen Sinn heraus- 
zubringen. Die Steine sind Macalister von dem verstorbenen 
Oberbürgermeister von Quedlinburg. Dr. Brecht mitgeteilt 
worden, in dessen Hände sie gelangt waren als Funde von den 
Feldern des Dorfes Biere bei 3Iagdeburg. 

Da mir der zeitweilige Herausgeber dieser Zeitschrift, mein 
Kollege Professor Dr. Thurneysen sagt, dafs die angeblichen 
„Runensteine von Biere" auch heute noch in der keltistischen 
Literatur bisweilen ernst genommen werden, obwohl schon längst 
mehrfach Zweifel an ihrer Echtheit aufgetaucht sind, so möchte 
ich mir erlauben, in Kürze darauf hinzuweisen, dafs diese 
scheinbaren „Ogham-Inschriften von Biere" in der Tat Fälschungen 
sind. Die Funde, von denen ich bereits vor längerer Zeit gehört 
hatte, erregten aus verschiedenen Gründen mein Interesse. Ich 
nahm schon im Jahre 1910 Gelegenheit, dieselben durch eigenen 
Augenschein kennen zu lernen. Im städtischen Altertumsmuseum 
des Klopstock- Hauses zu Quedlinburg, wo die angeblichen Funde 
aufbewahi't werden, wurden mir die Stücke durch die Liebens- 
würdigkeit des Direktors, Herrn Prof. Dr. Kleemann zugänglich 
gemacht. Herr Prof. Kleemann schickte mir auch die Objekte 
für einige Zeit nach Göttingen, so dafs ich sie in Mufse prüfen 
konnte. Das Ergebnis der Untersuchung, das ich bereits vor 
längerer Zeit an anderer Stelle kurz mitgeteilt habe (Sitzungs- 
bericht des Göttinger Anthropolog. Vereins vom 10. Dez. 19!o. 
abgediuckt im Koi-respondenzblatt d. Deutschen Gesellschaft für 



306 ^l^X VEKWÜKN, 

Anthropulogie, Etliiiologie u. Urgescliiclite, Jahrgang- XLII Nr. 7, 
Juli 1011). ist folgendes: 

Die Einritzimgen finden sich teils auf Steinen, teils auf 
Knochen. Die Steine sind kleine, Hache, etwas verwitterte 
Kalksteinbruchstücke, wie sie von den Atmosphärilien abgewaschen 
auf den Feldern Mitteldeutschlands gefunden werden. Die Zeich- 
nungen der Ogham- Charaktere sind mit einem scharfen und 
spitzen Instrument als feine Linien in den Aveifsen Kalkstein 
eingeritzt. Einige Einritzungen finden sich auch auf Bruch- 
stücken von Schieferplatten, die zweifellos von Schieferdächern 

stammen. 

Die Einritzungen machen sämtlich einen ganz frischen 
Eindruck und gehen auf keinen Fall um Jahrhunderte zurück. 
Ja, in manchen Fällen ist noch jetzt das Kratzmehl vom Ein- 
ritzen her in den vertieften Linien mit der Lupe zu erkennen. 
Mit der Lupe bemerkt man auch, dafs die Einritzungen durch 
die papierdünne Verwitterungsoberfläche (Patina) hindurch bis 
auf den festeren Stein gehen. Sie erscheinen daher dunkler 
grauweifs im Gegensatz zu der heller weifsgelb verwitterten 
Oberfläche der Kalksteine. Die Dendriten, welche sich auf 
den Kalksteinstücken vielfach finden und aus dei" sekundären 
Lagerstätte derselben im Kiesschotter stammen, sind an den 
eingeritzten Linien immer unterbrochen. An den eingeritzten 
Linien selbst findet sich keine Spur von Verwitterung oder 
Patinierung. Die Ränder der eingeritzten Linien sind, wie eine 
etwas stärkere Lupenvergröfseruug zeigt, vielfach scharf und 
frisch gerissen und nicht durch Verwitterung geglättet. Nur 
gelegentlich erscheinen sie etwas abgerundet, aber ein solches 
Aussehen ist, wie ich mich durch entsprechende Versuche am 
gleichen Material überzeugen konnte, mit einer Nagelbürste und 
Seife beim Reinigen der Steine leicht und schnell künstlich zu 
erzeugen. Auch auf den Schieferstücken lassen die eingeritzten 
Linien keinerlei Verwitterung oder Alterspatina erkennen. Noch 
viel augenfälliger aber als auf den Steinen ist der moderne 
Habitus der Einiitzungen auf den Knochenstücken. Die Tier- 
knochen, auf denen Einritzungen vorhanden sind, stellen z. Th. 
Knochenabfälle vor. wie sie gelegentlich auf den Äckern herum 
liegen und der allmählichen Verwitterung verfallen, so dafs die 
organische Substanz des Knochens nach und nach verschwindet: 
zum Teil abei- sind es auch direkt fossile Knochen, wie sie in 



DIK ANGEBLICHEN ,. RUNENSTEINE" VON BIEKK. 307 

den diluvialen Kiesablagerungen der Gegend von Biere vor- 
kommen. Man gewinnt den Eindruck, wenn man das ganze 
Material überblickt, dafs die Knochen nach dem Gesichtspunkte 
eines recht alten Aussehens für die Einritzungen ausgesucht 
worden sind. Eine genauere Betrachtung der Einritzungen bei 
stärkerer Lupenvergröfserung läfst aber den Kenner sofort 
bemerken, dai's die Linien nicht auf frischen Knochen ein- 
geritzt worden sind, wie etwa die Knochengravierungen aus 
prähistorischen Kulturen, sondern auf modernen verwitterten 
oder auf fossilen Knochen, denn sie zeigen das charakteristische 
Merkmal, dai's ihre Ränder nicht glatt und gleichmäfsig ver- 
laufen, sondern scharf gerissen sind und kleine Auszackungen 
oder Scharten erkennen lassen, wie sie beim Gravieren auf ver- 
witterten Knochenoberflächen entstehen. 

Übrigens sind die angeblichen Funde von solchen Steinen 
und Knochen auf den kurzen Zeitraum von einigen Jahren 
beschränkt gewesen. In diesem Zeitraum sind die Fundstücke 
allerdings in grofsen Massen zum Vorschein gekommen. Es 
handelt sich um mehrere Hunderte von Exemplaren. Seit jener 
Zeit aber ist auf den gleichen Feldern trotz vielen Suchens auch 
nicht ein einziges Stück mehr entdeckt worden. 

Nach alledem dürfte kein Zweifel mehr bestehen, daXs die 
sogenannten „Runensteine von Biere" mit ihren scheinbaren 
Ogh am -Inschriften und Zeichnungen moderne Erzeugnisse sind. 
Über die Person ihres Verfertigers lassen sich freilich nur 
mehr oder weniger wahrscheinliche Vermutungen äufsern, die 
aber keinerlei wissenschaftliches Interesse haben. Es genügt, 
die Dinge endlich als Fälschungen charakterisiert zu haben, 
damit sie in der wissenschaftlichen Literatur nicht ihre dunkle 
Existenz noch weiter fristen. Der Finder der Stücke war der 
Lehrer Rabe aus Biere. der sich viel mit dem Sammeln von 
prähistorischen Altertümern in seiner Gegend abgab. Der Ober- 
bürgermeister Dr. Brecht hat die Sachen teils von ihm als 
Geschenk erhalten, teils in mehreren Serien nach einander in 
voller ÜlDerzeugung von ihrer Echtheit gekauft. Von ihm ge- 
langten sie in das städtische Altertumsmuseum nach Quedlinburg. 

Bonn. Max Verworn. 



ZUR IRISCHEN GRAMMATIK UND LITERATUR. 



1. Zu Morauds Fürstenspiegel. 

An meinem Versuch, den schwierigen Text herzustellen und 
zu übersetzen (oben S. 80 ff.), wird wohl manches zu verbessern 
bleiben. Zwei meiner Versehen möchte ich gleich hier wieder 
gut machen (zu soad s. oben S. 167. 212). 

Zu Unrecht habe ich das überlieferte Intech (S. 80 § 2, vgl. 
S. 98 A. 1) in in tech[t\ geändert, weil mir das Kompositum intech 
'Weg, Reise' (s. Pedersen 11,645) entfallen war; vgl. du intiuch 
oin lai Gl. 'cotidiano iteneri' Ml 140 al, lotdr for intech Rev. Celt. 
9, 484 (Imr. Maeld.), ar a fot in inntig sin Pass. a. Hom. 6928, 
gäl. innteach m. *way, road, gate' (MacDonald's Dict.). Die 
falsche Übersetzung von intech dochuaid im Kommentar zu 
Amra C. C. durch 'the death he went' Rev. Celt. 20, 179 § 46 
beruhte auf der Lesart iniec Lib. Hj'mn. (intech LUlOblO) und 
ist von Stokes selbst (Rev. Celt. 21, 134) verbessert worden. 

Auf S. 100 § 25 hätte ich cuisnech nicht durch 'mit an- 
gemessenem Wetter' {*com-sinach), sondern durch 'frostig' über- 
setzen sollen; s. K. Meyer, Contrib. s. vv. coisne, cuisne, cuisnech 
und Tee. Corm., S. 51. 

2. Zum Gedicht von St. Paul. 

Bei der Interpretation des Gedichts Messe 7 Pangur hdn 
habe ich mich im Wörterbuch zu Handb. II, 40 f. an zwei Stellen 
zu enge an meine Vorgänger (Windisch, Rev. Celt. 5, 128 ff.; 
Thes. Palaeohib. II, 293; Stern ZCP 6, 554 f.) angeschlossen. 

Strofe 4 ist zu lesen: GndthhUaraib ar gressaih^) gal. Die 
Alliteration veilangl, gndth-haaraih als Komi)ositum 'zu gewohnten 
Stunden' zu fassen trotz der Trennung in der Handschrift. 

') Nicht ijrt-t>t<(iib, s. ^nh. u. li. 2215. 



ZUR IRISCHEN GRAMMATIK UND LITERATUR. 309 

In Str. 5 hatte Windisch (IT, Wörterb.) zu anglese ein Frage- 
zeichen gesetzt, aber Rev. Celt. 5, 129 anglese comldn mit 'plein 
d'obscurite' übersetzt, ich denke, mit Recht. Thes. und Stern drucken 
dagegen a ngU se, 'this glancing füll one', 'funkelnd, voll'. Beim 
positiven gUs{s)e könnte man sich an zwei Stellen fragen, ob es 
nicht Adjektiv sei: nemthech ngleisi nglanoll Vita Trip. 36, 29, 
von Stokes übersetzt: 'a heavenly home, bright, pure, great'; 
atreäb nglcsse ( : co ndath ngessi) Imr. Mailed. 50 (Anecd. I, 56). 
Aber ebenda 89 co ngnim ngleisi im Reim mit gili geisi (= geise) 
und Fei. Epil. 454 d vi glesse glandae ( : na Caldae) zeigen, dals 
es Genitiv eines wirklichen Substantivs ist und so trotzdem koor- 
dinierten glanoll also auch an der ersten Stelle gefafst werden 
muls. Das Auge der Katze 'voll von Unhelle' (wohl durch das 
Wühlen nach den Mäusen) wird in Gegensatz zum rose reil 'dem 
klaren Auge' des gelehrten Dichters gesetzt, wie Windisch sah. 

Dafs meine Überschrift 'die Epheulaube' Handb. II, 39 nicht 
ganz genau ist, dafs barr edin über dem andern Gedicht von 
St. Paul vielmehr 'epheuumsponnener Baumwipfel' bedeutet, geht 
aus dem Text Buile Suibhne (ed. O'Keeffe, Ir. Texts Soc. XII), 
z. B. § 27 Str. 2, hervor, wonach der toll gewordene Suibne sich 
in solchen aufzuhalten pflegte. 

3. Zum F^lire des Oengus. 

Stokes hat in seinen zwei Ausgaben des Feiire, wovon 
übrigens die zweite die Lesarten der in der ersten nicht be- 
nutzten Handschriften nur sehr mangelhaft wiedergibt, eine 
Eigentümlichkeit des überlieferten Gedichts nicht bemerkt. Nach 
den Regeln der irischen Dichtkunst mufs der Sclilufs des ganzen 
Gedichts an den Anfang anklingen. Der letzte Vers 564: ind 
rigrad imrordus nimmt aber nicht den ersten: Sen a Christ mo 
la'bra[i'\ wieder auf, sondern vielmehr V. 21: Imrordus in rigraid. 
Das muls also ursprünglich der Anfang des Gedichts gewesen 
sein. Das Gebet, das die fünf ersten Strofen enthalten, ist 
offenbar erst nachträglich hinzugedichtet. Vielleicht war es 
zunächst als Schluls des Ganzen gedacht, da es gleichfalls mit 
dem Vers (20) schliefst: ind rigrad im'rordus. Doch macht der 
Inhalt wahrscheinlicher, dafs es nach Vollendung des Übrigen 
gleich vor den Anfang gesetzt wurde. 

Stokes hat ZOP 6, 288 daran erinnert, dafs ich Rev. Celt. 
7, 88 f. die Strofen 441 — 560, die alle mit rom'söerae d Issu 



:U0 RUDOLF TIIURNEYSEN, 

beginnen, für ein späteres Einschiebsel gehalten habe, weil die 
meisten die Bindung des Schlusses des dritten Verses vermissen 
lassen. Ich brauche wohl kaum zu bemerken, dals ich diese 
Vermutung längst nicht mehr festhalte. Der Bau der Litanei 
verlangt, dafs an jene Stelle fast immer ein Eigenname zu stehen 
kommt; das erklärt die Freiheit des Dichters vollkommen. 

4. diclenach. 

Während in dedenach 'letzter' die Länge des e hand- 
schriftlich gesichert ist (Sg 188 a 17, vgl. in7ia dtdensill- 14 a 9), 
glaubt Pokorny (oben S. 171), ich habe Handb. 62. 458 in der 
Parallelform didenach irrig dl- angesetzt; denn in Liadain und 
Cuirithir (ed. K. Meyer 22, 12) reime didine mit mUide. Er hat 
also nicht bemerkt, dals milide nur eine falsche Konjektur des 
Herausgebers ist. Die Handschriften haben milighe, midlighi 
und wie der Zusammenhang deutlich zeigt, ist in der Tat mi- 
lige 'schlechtes Lager' zu lesen: nibu scor for milige for Uce 
mo gaimnen gil 'es war kein Lagern auf schlechtem Bett auf 
den Flocken meines weilsen Fellchens'. Also hat auch das 
Reimwort didine schon altirisch langes i und Meyer (Contrib. 
s. V. deden) hätte bei Gelegenheit des späteren Reims didine : 
firinne nicht sagen sollen, das i sei erst im Mittelirischen ge- 
dehnt worden. 

Ich kann Pokorny auch nicht zugeben, dafs ich in -dimea 
'd'illem (Handb. 94) fälschlich langes i angesetzt habe, da dillib 
Sg 106 b 17 bezeugt ist. Mindestens bis Reime das Gegenteil 
lehren, werden wir uns an diesen Beleg halten müssen und ihn 
nicht mit Pokorny S. 17 A. 2 aus theoretischen Gründen hinweg- 
erklären. 

5. adiu. 

Im Mittelirischen löst adiu das altirische dcHu 'von hier' 
ab. Die häufige Verbindung adiu ocus anall 'liinüber und herüber' 
zeigt, dafs es dasselbe Wort ist, nur vermehrt um a-, das es 
vom gegensätzlichen anall bezogen hat. 

6. Neuir. feidir, 

Neuir. is feidir 'es ist möglich', ni feidir 'es ist nicht 
möglich' stellt Pedersen (Vgl. Gr. II, 638) dem altirischen -aar 
'es wird erlangt, erreicht' gleich, wie das schon Atkinson, Pass. 
a. Hom. s.v. fäaim getan hatte. Ich habe dagegen schon Idg. 



ZUR IRISCHEN GRAMMATIK UND LITERATUR. 311 

Anz. 33, 36 die palatale Konsonanz geltend gemacht, sowie dafs 
mittelir. ctir gar nicht die älteste Form ist, sondern setir; vgl. 
in setir lat Cormac s. v. prull, in ha scti)- lim Anecd. III, 59, 8, 
cani set{ir) T.ß.C. (LU) 1151, seit{ir) da{no) 1152. Mittelir. äir ist 
also erst aus is-setir falsch losgelöst, "wie amlaid 'so' aus is-samlaid. 
Es ist mir nicht zweifelhaft, dals es das Substantiv ist, 
von dem das häufige Adjektiv se{i)trecli * stark, mächtig' sich 
herleitet; vgl. Tee. Corm. und Cath Cathardha, Glossar; IT III, 
2,583; Eriu YIII, 10 § 11. Formell wird setir der prädikative 
Genitiv eines Abstraktums sein, das etwa zu gr. arvo) dvvco 
{ävvTcu) ärco cü'vtoj 'vollende' aind. sanöti 'erlangt, gewinnt' 
gehören kann. 

7. anaciil. 

Eine isoliert dastehende Bildung scheint zunächst anacul 
'Schutz' {adnacul, tindnacid), Abstraktum zu ciingid, 'aw/c/i, Wurzel 
aneg-. Pedersen II, 24 denkt an ein ^^ Suffix, was die Sache 
nicht klarer machen würde, mir übrigens durch den A;-Laut in 
neuir. gäl. anacail ausgeschlossen erscheint, den man nicht, wie 
Pedersen I, 418 will, auf g-g zurückführen kann. Ein Z:?-Suffix 
für Abstrakta gibt es im Keltischen auch nicht. 

Nun hat das Gallische die Götternamen AXEXTLOMARVS 
-MARA, wie nach dem Anzeiger f. Schweiz. Altertumskunde 
17 (1915), 271 auch bei Holder 1, 153 statt AXEXTIO- gelesen 
werden kann und nach den Mäunernamen ANEXTLVS, Gen. 
ANEXTLATI wohl sicher gelesen werden muls. Offenbar 
entspricht das darin enthaltene gall. "^anexUon 'Schutz' genau 
ir. anacul; -cl- ist somit aus -chtl- hervorgegangen. Das Suffix 
-tlo- ist aus anal, cenel britann. anatl, cenetl bekannt. 

8. att. 

Dafs ir. att at, G. ait 'Geschwulst' nicht zu as'toidi 'pel- 
lucet, radiat, innotescit, liquet', Abstr. atoidiud gehört, wie 
Pedersen I, 325 (vgl. II, 651) meinte, glaube ich Idg. Anz. 27, 15 
gezeigt zu haben. Es scheint mir nicht zu trennen von dem 
veralteten k^-mr. addivtjd 'Geschwür, Abszels' bret. (Vannes) 
aouit aouid m, 'Frostbeule', auch 'Augenkrankheit 'i); die irische 
Zusammenziehung wie in foit für *foidiuth (Sarauw, Irske 
Stud. § 108). 



') Enianlt. Gloss. Moyen-Breton 32. 



ol2 R. THÜRNEY8EN. ZUR IRISCHEN GRAMMATIK U. LITERATUR. 

Da im Kymrischen daneben cormvyd 'Beule, Geschwür; 
Pest' stellt, pflegt man die "Wörter als Komposita von gnyd 
'uitium' zu fassen. Aber ich weifs nicht, ob das lateinische 
Lehnwort eine Zusammensetzung mit dem steigernden acld- ein- 
gehen konnte, das sonst w'ohl nur vor Adjektive tritt. Wäre 
es doch der Fall, so müfste ir. att wohl ein Lehnwort aus dem 
Britannischen sein. 

9. fairrge. 

Die Vergleichung von air. foirrce foirggce fairgge, neuii*. 
fairrge (farrge) f.') 'offene See, Weltmeer' mit or/.mvoc Ovsq- 
yioviog (Ptol.) ist heute wohl allgemein — mit Recht — auf- 
gegeben. Aber die neue Zusammenstellung mit altkjmir. y tverit 
(= lüerydd), das mit 'Ozean' übersetzt wird (Loth, MSL 18, 35), 
wird von Pedersen II, 669 f. wenigstens nicht abgewiesen. Doch 
bleibt so das rr, das sich so merkwürdig zähe hält, unerklärt. 
Ich wage die Vermutung, dafs foirrge zunächst aus '^foirsge 
entstanden ist und einfach das Abstraktum zu forsiung fairsiung 
'weit' darstellt, also ursprünglich 'die Weite' bedeutete wie das 
nicht sjTikopierte foirsinge fairsinge. Verbindungen wie dar 
fairgi lir longaig 'über die Weite des schiff reichen Meeres' Fei. 
14. Aug., wo das Wort für 'Meer' (ler) noch eigens dazu tritt, 
scheint mir diese Erklärung zu empfehlen. 

10. soi, doi. 

In soi glaubte ich Handb. I, 198 eine Nebenform von sui 
'Weiser' sehen zu müssen. Aber die Verbindung: ar sui soi und 
ni dui doi Salt, na R. 26911, auf Gott bezüglich, zeigt, dafs das 
nicht richtig sein kann, und dafs der Unterschied grüfser sein 
mufs als dafs sui, dui Substantive, soi, doi Adjektive sind. 
Diese sind vielmehr offenbar Komposita von su-, du- (so-, do-) 
mit ai (Gen. wat?) 'Dichtkunst, Kunstgesang' 2), als dessen ältere 
Form ich ZOP 10, 446 richtig einsilbiges aui (im Reim mit Daui) 
erschlossen zu haben glaube. Es ist der nächste Verwandte 
von kymr. aiven 'poetische Inspiration, Genie, Begabung'. 



') Der Zweifel Pedersens (II, G70), dafs in fairgge fuulfolt Sg 112 das 
erste Wort ein poetisch vorangestellter Genitiv ist, scheint mir nicht berechtigt. 
2) Versl. S. 127f., Corraac s. v. 599 felmac. 

Bonn. Rudolf Thurneysen. 



ERSCHIENENE SCHRIFTEN. 



Julius Pokorny. Irland. Gotha. F. A. Perthes A. G. 191G. 
(X 4- 167 S.). 

PokoiTiy's Irland macht den ersten Band der Sammlung' „Pertlies' 
Kleine Völker- nnd Länderkunde" aus: das Werkeheu soll denen zur 
Orientierung dienen, welche sich mit dem Wesen des irischen Volkes, 
seiner Geschichte, seinen Neigungen und Abneigungen usw., näher 
vertraut machen wollen. Der erste Abschnitt handelt über die Natur 
des Landes, die sechs übrigen Kapitel führen die wichtigsten Ereignisse 
der irischen Geschichte von der ältesteii Periode bis zur Neuzeit aus. 
Zweifellos wird sich der Laie nach der Lektüre von P.s Schrift eine 
Vorstellung machen können von der grofseu Tragödie, welche sich seit 
vielen Jahrhunderten, vom übrigen Europa kaum bemerkt, durch das 
Weltgeschehen zieht, und welche wir gewöhnt sind die „Geschichte 
Irlands" zu nennen. Er wird den Eindruck bekommen, dafs seit dem 
späteren Mittelalter die politischen, militärischen, ökonomischen und 
kulturellen Ereignisse in Irland ganz von dem Verhältnis des Landes 
zu der gTöIseren Nachbainnsel bedingt gewesen sind. Dai's dieses 
Verhältnis nicht gerade erfreulich zu sein pflegte, ist eine bekannte 
Tatsache, die man auf jeder Seite der Pokornyschen Schrift weiter 
ausgeführt findet, und von der aufserdem die ausgiebige Fachliteratur 
zeugen kann, welche vom Verfasser mit einem dankenswerten Streben 
nach Vollständigkeit bei jedem Abschnitt angegeben ist. 

Trotzdem fragt es sich, ob der Verfasser den Leserkreis, w^elchen 
zu erreichen er sich bemüht, in jeder Hinsicht befriedigt hat. Wer 
dem irischen Volke fremd gegenüber stellt, wird es nicht an allererster 
Stelle kennen lernen aus einer Aufzählung der Schrecken, denen es von 
Seiten der englischen Eroberer ausgesetzt gewesen ist, oder aus einer 
Liste der Aufstände, durch welche es iunner wieder versucht hat, das 
verbalste Joch abzuschütteln. P. behandelt zwar nicht ausschliefslich 
diese monotone politische und militärische Geschichte von Unterdrückung 
und Aufstand, er wendet auch den ökonomischen Ereignissen seine 
Aufmerksamkeit zu, und jedem Abschnitt fügt er ein Bild der irischen 
Kultur in der betreffenden Periode bei. Der nicht sachverständige 
Leser aber hätte von letzterem sicher gerne mehr gehabt, und besonders 
würden ausführlichere Bemerkungen über die Lebensverhältnisse in den 
verschiedenen Jahrhunderten, wie vor allem reichere Zitate aus heimischen 

Zeitsebrift f. celt. Philolog-ie XI. 21 



314 ERSCHIENENE SCHRIFTEN. 

oder englischen Schriften, der Darstellung' eine gröfsere Lebendigkeit 
verliehen haben, welche eben für den Zweck des Buches unentbehrlich 
ist. Aus demselben Grunde wäre auch ein eigner Abschnitt über den 
irisclien Volkschurakter dazu geeignet gewesen, den Iren dem gröfseren 
Publikum näher zu bringen; es wäre dem Verf. sicher nicht schwer 
gefallen, aus eigner Erfahrung und aus der Literatur schöpfend, dadurch 
den praktischen Wert seiner Arbeit bedeutend zu erhöhen. 

Was uns am meisten interessiert, ist der Abschnitt über das 
„keltische Irland bis zur Eroberung durch England", weil hier die 
persönlichen Ansichten des Verf. am meisten zur Geltung gelangen 
Es befindet sich darunter manches, das wir schon aus früheren Aus- 
führungen P.s kennen, wie seine Auffassung von Druidentum, und auch 
manches, das wir später mal fester begründet wiederzusehen hoffen, 
wie die Ansichten des Verf. über die ältesten Besiedler Irlands, über 
die Fir Bolg usw. Viele Fachgenossen werden den Meinungen P.s 
nicht ohne weiteres beistimmen können, und es liefse sich aus dem 
Grunde behaupten, dafs solche Dinge, die jedenfalls recht unsicher 
sind, eigentlich nicht in eine populäre Darstellung hineingeboren. 

Die übrigen Kapitel sind sehr sachlich gehalten und schliefsen 
sich nahe an die l)estehende Fachliteratur an. Sie bringen im all- 
gemeinen zuviel dürres Material, zu wenig Erklärung. Der weite 
historische Ausblick, der gerade für ein Laieupublikum seinen Wert 
hat, fehlt zusehr. Eine Geschichte Irlands mufs, wie schon betont 
wurde, z\\ gleicher Zeit eine Geschichte Englands sein; diese ist aber 
wieder nicht zu verstehen ohne den Hintergrund des europäischen 
Werdegangs überhaupt. Bei dem Drang die Tatsachen möglichst genau 
zu geben und bei der Knappheit des zur Verfügung stehenden Raumes 
konnte der Verf. die Ereignisse nicht genügend im Zusammenhang mit 
dem Weltgeschehen behandeln. Es wäre aber erspriefslicher gewesen, 
das Verhalten Englands dem unglücklichen Nachbarn gegenüber mehr 
ins Licht der allgemeinen politischen Geschichte zu rücken, und dafür 
die zu erwähnenden Tatsachen einigermafsen einzuschränken. Dem 
Leser mufs jetzt manches unklar bleiben, was ihm leicht verständlich 
gewesen wäre, hätte der Verf. nicht den weltgeschichtlichen Faden aus 
dem Auge verloren . der sich durch das Verhältnis Irlands zu England 
oder zu dessen Gegnern und Mitbewerbern auf dem Weltmarkt zieht. 
Durch diesen Mangel ist Pokorny's irische Geschichte mehr die Arbeit 
eines Philologen als die eines Historikers geworden. 

A. G. van Hamel. 



MAURA POWER f. 



Fräulein Maura Power M. A., der wir die Ausgabe von 
Cnucha cnoc os cionn Life oben S. 39 ff. verdanken, ist am 
19. Juli 1916 in Dublin einer kurzen Krankheit erlegen. Am 
8. Dezember 1888 geboren, hat sie ihre wissenschaftliche Aus- 
bildung in Dublin und Freiburg gesucht und sich schon vor 
einigen Jahren durch die Ausgabe des irischen astronomischen 
Traktats in Irisli Texts Society XIY (1912) in der keltischen 
Philologie bekannt gemacht. 

E. Th. 



21* 



Druck von Ehrliardt Karras G. m. b. H. in Halle (Saale).' 



ZEITSCHRIFT 



FÜR 



CELTISCHE PHILOLOGIE 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



KUNO MEYER 



Xn. BAND 



HALLE A. S. 

MAX NIEMEYER 

LONDON W.C. NEW YOEK 

WILLIAMS & NOEGATE G. E. 8TECHEKT & CO 

14. HENRI TTA STRKET 161-165 WK>T 25th .->TREET 

COVENT CA K DEN 

1918 



Inhalt. 



Seite 

W. Greiner, Owein — Ivain 5 

J. Hopfner, Verkleinerungsformen altkeltischer Flursnamen . . . 185 

J. Pokorny, Beiträge zur ältesten Geschichte Irlands 195 

K. Meyer, Das Ende von Baile in Scäil 232 

R. Thurneysen, Tuirill Bicrenn imd seine Kinder 239 

— , Tochmarc Cruinn ocus Macha 251 

— , Neuir. gäl. 7iiata 254 

J. Pokorny, Der Priester-Mörder 255 

R. Thurneysen, Zur keltischen Literatur und Grammatik .... 271 

K.Meyer, Miiteilungen aus irischen Handschriften 290 

J. Pokorny, Vermischtes 298 

K. Meyer, Eine Auseinandersetzung 307 

J. Pokorny, Nachtrag zum Aufsatz : Beiträge zur ältesten Geschichte 

Irlands 308 

Carl Marstrander, AAtir. gillae 309 

J. Pokorny, Beiträge zur ältesten Geschichte Irlands (3. Erainn, 

Ddri(n)ne und die Iverni und Darini des Ptolomäus) . . . 323 

K. Meyer, Mitteilungen aus irischen Handschriften (Fortsetzung) . 358 

R. Thurneysen, Zu irischen Texten 398 

— , Miszelleu (1. Ursprüngliches chn im Altirischen; 2. Ir. alaile; 

3. titacht 'kommen'; 4. Der Übergang von v- in f- im Irischen; 

5. Ogom Svaqqnci; 6. cürsachad; 7. Kymr. y aus ivy; 8. Kymr. heb) 408 

K. Meyer, Altir. imb-ad-ci- 414 

— , Altir. tivds 414 

J. Pokorny, Zur Chronologie der Umfärbung der Vokale im Altirischen 415 

K.Meyer, Mittelir. fic = (uc 426 

J. Pokorny, Die Endungen der 2. Sing. Präsentia im Altirischen . 427 



IV 

K. Meyer, mac toimfen 431 

— , Miszellen (1. Zur Datierung des Gelben Buchs von Lecan ; 2. Altir. 
Genuaith; 3. Drei Menschenalter; 4. Cü Chorb and Echu Find 
Füath nAirt; 6. Kymr. nolff; 7. Altir. swirse ; 8. Delbnae Nödot; 
9. Altir. m«i 'mein'; 10. A\üt. daithfenn; 11. Zu O'Davorens 
Glossar; 12. Bisher unbelegte altir. Formen; 13. Altir. fo-/ai8C-) 432 

Carl Marstrander. Einige Worte an Kuno Meyer 442 

Erschienene Schriften: 

Revue Celtique XXXVI 3—4 445 

A. G. van Hamel, luleiding &c 449 

K. Meyer, An Crinog 452 

K. Meyer, Noch ein Kriegskuriosum 453 

Nachträge und Berichtigungen 454 



J 



OWEIX — IVAIN. 

Neue Beiträge zur Frage nach der Unabhängigkeit der cyinrischeii 
Mabinogion von den Romanen Cbrestiens. 

Eiuleitiiiis; und Vorbeiiierkune;. 

Die V(jrliegende Arbeit, die ihre Entstehung- einer Anregung 
meines verehrten Lehrers Adulf ßirch- Hirschfeld verdankt, 
soll einen Beitrag- liefern zu der vielunistrittenen sogenannten 
Mabinogionfrage. zur Klärung des Verhältnisses der Vers- 
rumane Chrestiens zu den entsprechenden wälschen Erzählungen 
des Llyfr Ooch o Hergest. 

Diese Streitfrage ist nun in aller jüngster Zeit gerade 
wieder in den Vordergrund getreten, nachdem es vorher längere 
Zeit hindurch geschienen hatte, als sei die Untersuchung 
darüber, welche Stellung und welchen Wert man den drei 
Erzählungen von Peredur, Geraint und Owein zugestehen 
müsse, endgültig und unwiderruflich abgeschlossen. Die in den 
Einleitungen der trefflichen Ausgaben der Werke Chrestiens, 
die uns Wendelin Förster geschenkt hat, von ihm und in der 
im Jahre 1889 veröffentlichten Abhandlung von Othmer auf- 
gestellten Behauptungen blieben längere Zeit hindurch fast 
unwidei'sprochen. Man schloi's sich im allgemeinen ihnen an. 
und so wurde die Förstersche Ansicht, die drei cj'mrischen 
Erzählungen seien unmittelbar von Chrestien abhängig, lange 
Zeit die herrschende, und durch sie wurde „der Weg zur 
richtigen Erkenntnis des Eisprungs der Artusepik ver- 
barrikadiert" (Zenker). 

Der nun gegenwärtig mit erbitterter Schärfe wieder- 
aufgenommene Streit wurde veranlagst durch eine von Richard 
Edens verfafste Rostocker Preisschrift über: 

„Erec -Geraint. Der C'hretiensche Versroman und das 
wälsche Mabinogi." 
Schon in den vorhergehenden Jahren — Edens veröffentlichte 
seine Schrift im Jahre 1910 — hatten sich einzelne. Stimmen 

Zeitschritt t. eelt. Philülu^ie XII, 1. 1 



% 



2 WALTKR fJKKINKK. 

erhoben, die den Förster -Otlimersdien Beweisführungen die 
zwingende Kraft absi»i'achen. Docli gelang es Förster immer 
wieder in mehr oder minder saclilichen Entgegnungen sowie 
anderen Veröffentlichungen seine Ansiclit. die er. von geringen 
Abweichungen abgesehen . im Ganzen unveiändt^rt aufrecht 
erhielt, zur Geltung zu bringen. 

\'on Edens an kann man nun von einem gewi.s.^en „Um- 
schwung der Lage"' reden. An seine Schrift schlössen sicli 
zahlreiche Veröffentlichungen an, die sich teils mit dem engeren 
Gebiete des Erec. teils aber auch mit der allgemeineren Frage 
befal'sten. Ich erinnere hier nur an die Fehde zwischen 
Förster und Zenker -Edens im Literarischen Zentralblatt 1912, 
an Försters Entgegnung in der Behrensschen Zeitschrift 
(XXXVIII. 149—195), der Zenkers ,. Antikritik" folgte und 
endlich an Browns Abhandlung: On the independent character 
of the Welsh Owein. ^^'indischs umfassende Schrift über das 
keltische Britannien und Zenkers Entgegnung im Litei-atur- 
blatt (1913, Xr. 5) fanden, da die Vollendung der Arbeit schon 
zu weit gefördert war, nur in den Hauptsachen Berück- 
sichtigung. 

Es kann hier nicht der Zweck dieser Zeilen sein, all die 
Zahl der einschlägigen Werke und Aufsätze anzuführen. 
Eine ..Geschichte der Mabinogionfrage". wenn man es so 
nennen will, findet sich kurz bei Förster im ersten Aufsatz 
aus dem oben erwähnten Streit (Spalte 1120j. Inbezug auf 
die früheren und fi-ühesten Forschungen auf unserem Gebiete 
sei verwiesen auf die Zusammenstellungen bei Rauch und 
Othmer; einen Überblick über die Ergebnisse namentlich der 
neueren und neuesten Arbeiten gibt Windisch in dem Ab- 
schnitt LH seiner Abhandlung, den er ..Gaston Paris, 
W. Förster und H. Zimmer" überschreibt (Seite 2501). 



Der eigentlichen Behandlung der Grundfrage nach dem 
Verhältnis Ivain — Owein seien einige Worte über die so- 
genannten Mabinogion an sich vorausgeschickt. 

Die Handschrift befindet sich im .lesus College zu Oxford 
und enthält nach den Angaben der Lady Guest, die zum 
ersten Male eine vollständige englische Übertragung im Jahre 



OWEIN — IVAIN. 3 

1849 veröffentlichte. 720 Folioseiten. Die ihren Inhalt bildenden 
Avälschen Erzählungen sind ihrem Stoffe nach wesentlich 
veischieden. 

]\[an hatte sich nun daran gewöhnt, die zunächst nur 
den sogenannten ..four branches" zukommende Bezeichnung 
mabinogi auch auf die drei Erzählungen von Owein. Peredui- 
und (4eraint zu übertragen, sie über sämtliche Geschichten 
der Sammlung auszudehnen und so den Inhalt des Roten 
Buches von Hergest als die Mabinogion schlechthin zu be- 
zeichnen. Dagegen wandte man sich mehrfach, zuletzt Wendelin 
Förster in dem schon oben erwähnten Aufsatz in der Zeit- 
schrift für rom. Phil. Sicherlich ist dem zuzustimmen, dai's 
sich hier eine ursprünglich unrichtige Bezeichnung eingebürgert 
hat. Wenn ich aber trotzdem im Folgenden für die uns 
besonders naheliegende Erzählung .larlles y Ffynnawn (die 
L)anie von der Quelle) den Namen Mabinogi gebrauche, so 
geschieht dies lediglich in der Absicht, mich mit der Mehr- 
zahl der einschlägigen Arbeiten in dieser Beziehung in Uber- 
einstimniung zu setzen. Betreffs alles Weiteren kann ich auf 
Zenkers Anmerkung zu Seite 1 seiner „Antikritik" verweisen. 
Das Wort mabinogi selbst ist nun auch Gegenstand mehr- 
facher Erörte?ungen gewesen. Die einen — Hughes und Rhys, 
auch Loth und Zimmer — verdeutschen es mit „Lernstoff des 
Barden" (mabinog = literary apprentice!). während Evans das 
Wort etwa mit dem uns aus der altfranzösischen Literatur- 
geschichte geläufigen enfances (Enfances Ogier, enfances Roland 
u. a. m.) aus dem lat. infantia bedeutungsgleich ansetzt. Ich 
möchte — im Hinblick auf die späteren Ergebnisse der Unter- 
suchung — in diesem Zusammenhange nicht verfehlen, auf 
den einen möglicherweise bestehenden Zusammenhang des 
Wortes mit Frau Mab, der Feenkönigin, hinzuweisen, die uns 
durch Shelleys Dichtung bekannt und durch Shakespeares 
berühmte Schilderung in Romeo und .lulia v-ertraut geworden 
ist. Dort heilst es L 4: 

..Sie ist der Feen Traum -Entbinderin: 

Sie kommt, nicht gröfser als der Edelstein 

Am Zeigefinger eines Aldermanns, 

Und fährt mit einem Spann von Sonnenstäubchen 

Den Schlafenden quer auf dei- Nase hin. 

1* 



WAI/rKK OKEINKR. 



— — — -- ich rede 
Von Tiäunie,n, Kindern eines niiifs'gen Hirns. 
Von nidits als eitler Phantasie erzeugt. 
Die aus so dünnem 8tofl als Luft besteht 
Und flücht'ger wechselt, als der Wind, der bald 
Um die erfrorne Brust des Nordens buhlt, 
Und schnell erzürnt, hinweg von dannen schnaubend, 
Die Stirn zum taubeträuften Süden kehrt." 
Die walisische Sammlung, das in der vorliegenden Gestalt 
und Fassung aus dem U. Jahrhundert stammende Red Book 
of Hergest (Llyfr Codi o Hergest), auf dessen Text — in 
der trefflichen französischen Übersetzung von Loth — die 
folgende Untersuchung ruht, ist nun keinesfalls die erste 
Niederschrift der cymrisclien Erzählungen. Von Evans wurde 
1909 der Text des White Book herausgegeben, einer Hand- 
schrift, die, wie uns Windiscli in seiner Abhandlung Seite 231 
berichtet, bis nahe an die Zeit Chrestiens heranreicht. 

Noch nicht allzulange ist es her, dafs man übei- die Ent- 
stehung des Red Book auch nur mit einiger Sicherheit ein 
klares Bild hatte. War man früher geneigt, aus den un- 
verkennbaren Spuren älterer Fassungen, mit denen wir uns 
im Verlauf der Untersuchung mehrfach zu beschäftigen haben 
werden, den Schlufs zu ziehen, dais die cymrisclien Erzählungen 
in der uns überlieferten Form älter seien als Chrestiens Werke, 
so gibt heute jeder Keltist zu, dafs die Handschrift des Roten 
Buches in der Zeit nach Chiestien entstanden ist. Auch 
Browns Untersuchung ..On the independent character of tlie 
Welsh Owein" fufst auf dieser Tatsache. 

Das Verhältnis des Red Book zum White Book gestaltet 
sich nun nach Mary Rh. Williams, der auch Windisch zu- 
stimmt, so, dafs für beide Handschriften eine gemeinsame 
(Quelle aus dem Jahrhundert Chrestiens anzusetzen ist. 

Die Niederschrift der den französischen Romanen ent- 
sprechenden cymrisclien Erzählungen zeitlich genau fest- 
zusetzen, ist bis jetzt noch nicht gelungen. Nach der einen 
Seite hin ergibt sich ja eine Begrenzung des Spielraumes mit 
voller Sicherheit : dais die Erzählungen ihre gegenwärtige Form 
in der romanischen Zeit — also nach 1066 — erhalten haben, 



OWEIX — IVAIN. 5 

dafür zeugen die französischen Lelmwörter. deren Tnter- 
sucliiing' Windiscli einen besonderen Absclinitt widmet. Die 
(jrenze nach der anderen Seite hin ist weniger scharf zu 
ziehen, obwohl der geistvollen und niühereichen Versuche, sie 
zu finden, — es sei nur erinnert an Evans, der eine Nieder- 
schrift der Mabinogion aus der ersten Hälfte des 12. Jahr- 
hunderts, also aus der Zeit vor ('hrestien erschliefsen wollte 
— viele gemacht wurden. Bestehen bleibt jedenfalls als grund- 
legend, dafs. wie Windisch, dem ich in diesen rein keltischen 
Fragen hauptsächlich gefolgt bin. feststellt (Seite 233) „die 
handschriftliche Aufzeichnung der cvmrischen Erzählungen 
nicht mit voller Sicherheit bis in die Zeit vor Chrestien 
zurück verfolgt werden kann". Folgen wir Evans und Loth 
(Revue Celtique XXXIT, 430), so haben sie ihre gegen- 
wärtige Gestalt in dt^r ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts 
erhalten. 

So mag es denn auf den ersten Blick am einfachsten er- 
scheinen, die ganze Mabinogionfrage oder vielmehr die Kette 
von Einzelfragen, die noch mehr oder minder der Klärung 
harren, damit als gelöst zu betrachten, dafs man die den 
französischen Versromanen entsprechenden, uns in einer nach- 
weislich jüngeren Xiederschiift erhaltenen cymiischen Er- 
zählungen als von den ersteren abhängig, als stark gekürzte 
Wiedergaben der Werke Chrestiens ansieht. Dabei würden 
natürlich die zahlreichen echt keltischen Bestandteile, deren 
Vorhandensein niemand eigentlich geleugnet hat, lediglich als 
..Beiwerk" (Förstei) zu gelten haben, oder, wie Othmer sich 
minder geschmackvoll ausdrückt, den Zweck verfolgen, „den 
Schmuggel der unechten Ware zu decken". 

..So gibt es denn keinen Forscher (I) mehr, der die 
französische Abstammung dieser drei Erzählungen leugnete", 
lälst sich Ph. Aug. Becker im Januarheft 1913 des Literatur- 
blattes vei-nehmen. Man sieht, die Ansicht von der Ab- 
hängigkeit der Mabinogion wird heute mit einer Bestimmtheit 
geäufsert. die es dem Unbefangenen redlich sch^\er macht, 
vorurteilsfrei an die ganze Frage heranzutreten und die 
keinesfalls so unerschütterlich fest gegründeten Ergebnisse 
der Forschungen auf gegnerischer Seite einer Prüfung zu 
unterziehen. 



R WALTKR GRKINER, 

Försters gesamte Heliauptuiigeii und Beweisfiihiungen 
giltfelii immer und immer wieder in dem einen Satze: 

,.Kristian ist eben und bleibt dei- grofse Meister, dessen 
Ruhm die Naclnvelt nicht schmälern kann." (Einleitung zum 
Lanrelot XCVirT). 

Chrestiens Dichterruhm — das ist der Anfang und das 
Knde. der eigentliche Hauptgrund der Veröffentlichungen 
Wendelin Försteis. T^nd übei- einen jeden, der an des Franzosen 
Stellung in der TJteratur und zu seinen ^^'erken zu rütteln 
wagt, giefst er die volle Schale seines Grimmes aus. 

Es wird im Folgenden gezeigt werden, dafs auch bei der 
Annahme der rnabhängigkeit der cymrischen Erzählungen 
Chrestiens Gestalt keinesfalls von ihrem Glänze, von ihrer 
Bedeutung veiliert. Fern liegt es uns, ihn zu verkleinern: 
bleibt doch auch auf dem Boden unserer Ansicht Grund genug, 
ihm für Proben hoher dichterischer Gestaltungskraft und 
reichster Ausdrucksfälligkeit dankbar zu sein. 

„Ehrliche Anerkennung dem Franzosen, der uns 
Kunstwerke hohen, unvergänglichen Wertes schuf — 
Ehre aber auch dem Kymren, der uns Kunde gab 
von alten, längst verschollenen Formen der Sage!" 

und so mögen diese Zeilen zu einer gerechteren Würdigung 
des Verdienstes beider beitragen. 



Erster Abschnitt. 
Eine Gegenüberstellung der beiden Fassungen. 

Texte: 

Wendelin Försters Textausgabe des Löwenritters (Epmaiiische Biblio- 
thek V). 4. Aufl.. 1912. 

Les Mabinogion traduits eu franyais etc. par J. Lotb. Tome II, p.l — ib. 
Edition entierement revue. corrigee et augmentee. Paris 1913. 

Zum ersten Male wird auf den folgenden Seiten der 
Versuch gemacht, die französische und die cymrische Be- 
arbeitung des Ivainstoffes ihrem ganzen Verlauf nach Zeile 
für Zeile einander o^egenü herzustellen. Es geschieht dies vor 
allem deshalli. um für die dann folgenden zusammenfassenden 



OWEIN — IVAIN. 7 

Ausfüliningeu eine sicliere Grundlage zu schaffen, dann auch 
zu dem Zwecke, einmal eine übersichtliche Darstellung des 
Gemeinsamen und des Trennenden, das beiden ^^'erken eigen 
ist. zu geben. ') 

Chrestiens Koman beginnt mit der 8ciiilderung des glän- 
zenden Hoftages zu Carduel. Für die Handlung selbst von 
keinerlei Bedeutung, läfst sich dieses Stück völlig als ein- 
leitende Episode loslösen. Die Art dieser Eingangszeilen 
erscheint mir jedoch zu formelhaft,-) — es war eben eine der 
durch die Mode und den literarischen Geschmack des Publikums 
gebotenen Einführungen, wie wir sie in gleichzeitigen Werken 
mehrfach linden. — als dai's es sich der Mühe lohnte, den 
Quellen für das sich so völlig in den gewohnten Bahnen be- 
wegende Treiben der Ritter und Damen nachzugehen, wie 
dies Holland in seiner Ivainausgabe und San Marte (eben- 
dort angeführt) tun. Zudem erscheint es arg seltsam, das 
Vorhandensein einer derartigen Quelle für Chrestien notwendig 
vorauszusetzen: er, der ein echtes Kind seiner ritterlich 
galanten Zeit war, dessen „Sinnesart die der höfischen Zeit- 
genossen'' war. dessen ..sittliche Anschauungen die seiner 
adligen Hörer'* (Gröber) sind. er. der die Höfe von Champagne 
und Flandern aus eigner Anschauung kannte, war in dieser 
Hinsicht doch wirklich nicht auf fremde Vorbilder an- 
gewiesen. 

Als beliebtes Modethema darf man wohl auch die Klage 
über den Verfall der „guten alten Zeit" auffassen (v. 17—28), 
die uns zu wiederholten Malen in Dichtungen des gleichen 
Zeitabschnitts begegnet. Mit leiser Verachtung, die Chrestien 
wieder als echten, meisterhaften Interpreten höfischer An- 

') Zu der im Folgeudeu - auch in zitierten Stellen — durchgeführten 
Schreibung des Namens Ivain vergleiche man W. Förster. Der Löwenritter, 
4. Auf! . 1912. S. Y. Anm. 2. 

') Wolfram von Escheubach macht sich sogar schon über diese 
stereotype Art der Romaneinleituu«: lustitr; 

Parz. 281. 1»i: ,.Artus. der meienbaere mau. 

Swaz man von dem ie gespracli. 
Zeineu ptiuxten daz geschach. 
* Odr in des raeien bluoraenzit. • 

Man vergleiche auch Försters Anmerkung zu V. H des Ivain. 



S WA I /IKK (JkKINER. 

scliaiuinji'Hii. lu'tfisclu'r MiiiiU'iilee^ii ') /.<4f^!. wendest er sich von 
den Minneveiäclitein, den Minneunkundigen, ab: 

(25) .,cil qui rien n'an santent. 

Dient (lu'il aimment, mes il inantent 

Et eil fable et mansonge an fönt. 

Qui s'an vantent et droit n'i ont." 
„Lalst uns lieber von einei Zeit reden, da es noch proesce 
und corteisie, da es noch höfisclie l'ng-enden ofab!'* fährt ei- 
fort und wendet sich dann über ein kurzes l^oblied auf den 
..unsterbliclien — darin stimme er völlig- mit den Bretonen 
überein — Artus", dem eigentlichen 'J'hema des ersten Teiles 
zu: der Erzählung des ( 'alogrenant. 

Bei den nun folgenden Versen, die bei Chrestien etwa als 
Überleitung zu dei- Erzählung der abenteuerlichen Fahrt zu 
gelten haben, setzt aucli dei- Bericht des Kyniren ein. Da der 
Beginn beider Fassungen benieikenswerte Abweichungen zeigt, 
folgen hier Chrestiens und des Kymren Bericht übersichtlich 
nebeneinandergestellt, und zwar links Chrestien (die Zitate 
nach Fensters kleiner Ausgabe), und rechts das ]\Iabinogi. das 
in der französischen ("bersetzung von J. Loth angeführt wii'd. 



Chrestien. 



Vor der Tür des Gemachs, 
in welches sich der König 
zurückzieht, stehen Dodinel. 



Mabinogi. 

Gegenüber der leuchtenden 
Farbenpracht in der Schilde- 
rung des Franzosen fällt hier 
die patriarchalische Einfach- 
heit des Königshofes sofort ins 
Auge: ,.L'empereur Arthur se 
trouvait ä Kaer Llion sur 
A\\vsc. Or un jour il etait 
assis dans sa chambre en 
compagnie. . .'• 

Die nun genannten Ritter 
entsprechen den bei Chrestien 
aufgefüliiten. nur Gauvain 



') So heil'st's im Perceval : ., Amors qui est si liaute chose 
Et de si graut (louccur audose 
Et preeieuse chose et saiute. . . 



(IWKIN — IVAIN. 



Q 



Sagiemois 
Ivain. 



Keil, iraiivaiii und 



Das auffallende Verhalten 
des Königs nach der Festtafel 
— der Ton liegt in v. 45 auf 
a si grant feste, wie Kölbing 



wii'd an dieser Stelle nicht 
erwälmi; weiter befindet sicli 
die Königin mit ihien Zofen 
im Gemacli, alle mit Hand- 
ai'beiten beschäftigt. Wohl 
sind Binsen gestreut, wie es 
bei festlicher Gelegenheit und 
auch sonst alt vertrauter Brauch 
war, aber von Israelit und 
Luxus, von dem märchenhaften 
Glänze der andere Schl(>sser 
— auch im späteren Verlaufe 
der Erzählung — umgibt, fehlt 
jede Spui'. Anstelle der i-eichen 
Folge köstlicher Speisen, die 
wir aus den Schilderungen 
festlicher Mahle bei den alt- 
französischen Dichtei'n kennen, 
die auch in unserem Texte an 
späterer Stelle zu wiederholten 
Malen erwähnt werden, sind 
hier recht einfache, fast rohe 
Sitten dargestellt: ,,des trau- 
ches de viande. portees par 
le Chevalier Kei et des cru- 
chons d'h3^dromel sont pour lui 
(den K3"mren) ce (lu'il y a de 
plus delicafvsagt Piqiiet a.a.O 
S. 122. Diese — fast gesucht, 
erscheinende — Einfachheit am 
Königshofe im Gegensatz zu 
der feenhaften Scliilderung an- 
derer Schlössei' im Owein wird 
in einem späteren Abschnitt 
zu beleuchten sein. 

Das Fehlen des Pförtners 
wird (nach Lady Guest als ein 
Zeichen der gröfsten Gast- 
lichkeit) besonders erwähnt. 



10 



WALTER GRETNER. 



liprvorgehoben hat. [man vei- 
pleiche liierzu Thai'. 36 .,apres 
mangier ne se remut Li rois 
crantre ses coupeignons"] — 
l)ietet den ängstlich mit Wali- 
lung des Hof Zeremoniells l)e- 
dachten Rittein — ihre Namen 
sind oben genannt — Gelegen- 
lieit zu ausgiebigen Erörte- 
lungen: 
(44) ..>S'i ot de teus. cui mout 

greva, 
Kt ([Ui mout grant parole an 

firent 
Por ce, (jue onques mes nel 

virent 
A si grant feste an chanbre 

antrei" 
Die vor der Tür des könig- 
lichen Gemachs stehenden Rit- 
ter lauschen einer — allerdings 
wenig rühmlichen — Erzäh- 
lung: 

(59) ... .,un conte, 

Non de s'enor mes de sa honte^\ 
wie Chrestien bezeichnender- 
weise gleich hinzusetzt, die 
("alogrenant begonnen hat. 

Es folgt sodann der uner- 
wartete Eintritt der Königin, 
die vom (-remache aus die 
Unterhaltung verfolgt hat, 
weiter ihr i)lötzlicher. etwas 
seltsam anmutender Fall (den 
übrigens Hartmann von Aue 
wörtlich übernommen hat; bei 
ihm heilst es v. 104 „und viel 
enmitten nnder si.") Calogre- 
nant benutzt die Gelegenheit, 



Der König selbst fülirt sich 
herzlich wenig vorteilhaft ein 
mit den Worten: „Hommes, si 
vous ne vous mociuiez pas de 
moi. je doi-mirais volontiers en 
attendant mon repas." Loth4,7. 

..Et Tempereur s'endormif, 
licifst es weiter; kein Mensch 
kümmert sicii darum: die Rit- 
ter lassen sich von Kei be- 
wirten, und nach einigem Hin 
und Her beginnt Kynon ((-alo- 
grenant) seinen abenteuer- 
lichen Bericht, dem die Worte 
vorausgehen: 

4. 17 ... ..ensuite nous te 
dirons Ic meiUeur recit (p<e 
nous pouvous savoir/ 



OWETN — IVAIX. 



11 



der Königin ritterliche Hilfe 
zu leisten, was ihm aber gar 
seltsamen Lohn einträgt. Mit 
vollem Bezug auf die eben be- 
gonnene und doch avoIiI fast 
beendete Erzählung spottet 
Keu über des Gefährten gegen- 
wärtig so grofsen ]VIut und 
feine corteisie und Avird von 
der Königin sogleich in die 
Schranken zurückgewiesen, 
worauf ein längeres Wort- 
gefecht zwischen der Königin, 
Keu und Calogrenant anhebt. 
Der letztere wird schliefslich 
veranlafst, seine Erzählung 
noch einmal zu beginnen. Er 
folgt dem A\'unsche und läfst 
der Bitte um Gehör — ganz 
im Stile der kunstmäfsigen 
Sänger — einen Exkurs über 
die Aufmerksamkeit folgen. 

Als Probe eines solchen 
Chrestienschcn Exkurses seien 
die in Frage kommenden Verse 
(150—174) in deutscher Über- 
tragung wiedergegeben. 

„Leiht mir nun Ohren und 
auch das Herz! Denn was ihr 
hört, ist wertlos, wenn es nicht 
zugleich auch mit dem Herzen 
aufgenommen wird. Es gibt 
zwar Menschen, die das Gehörte 
nicht eigentlich innerlich in 
sich aufnehmen, es aber doch 
loben; diese haben davon doch 
nichts als den Schall, solange 
das Heiz nicht mit dabei ist. 
Das Wort grelangt zum Ohr 



12 



WAI/IKK (;kkiner. 



wie de)- AVind. der dahin fliegt; 
abei- es bleibt dort niebt und 
hält sich nicht ant. sondern 
eilt 'schon nach sehr kurzer 
Zeit weiter, wenn das Herz 
nämlich nicht gerüstet und 
geneigt ist. den Sinn auf- 
zunehmen, indem es das Ge- 
sprochene bei seinem Heran- 
kommen an sich zieht, ein- 
schliefst und bei sich zurück- 
behält. 

Die Ohren bilden lediglich 
den ^^'eg. gleichsam den Kanal, 
auf dem die Stimme zum 
Herzen gelangt, und das Herz 
nimmt dann im Leibe die 
Stimme, die durch die Ohren 
eingetreten ist. an sich. 

Darum muls der, Avelcher 
mir jetzt zuhören Avill. Ohren 
und Herz mir zur Verfügung 
stellen, denn ich will nicht 
etwa von etwas reden, das 
mir im Traume erschienen ist, 
noch will ich Märchen oder 
bewufsteUn Wahrheiten weiter- 
Aerbreiten, womit euch ja leider 
so viele andere immer abge- 
speist haben, — sondern ich 
werde eucli berichten, was ich 
in A\'irklichkeit gesehen und 
erlebt habe.'" 

Es folgt nun in beiden Fassungen die abenteuerliche 
Erzählung des Zugs nach der (Tewätterquelle. 

Der wälsche 'l'ext beginnt 
mit dem Versuch einer Cha- 
rakteristik des Helden: 



OWEIN 



IVAIN. 



13 



Vor sieben Jalireii (die Zeit- 
angabe läfst sich nach Förstei' 
nicht mit v 2089 vereinen, wo 
es iieifst, dafs Laudine ihren 
(leniahl vor noch nicht ganz 
sieben Jahren geheiratet hat. 
Man tut am besten, den Wider- 
spi'üchen in zeitlichen und geo- 
grapliischen Angaben, die sicii 
bei Ohrestien linden, keinerlei 
Bedeutung beizumessen) ist 
(alogrenant allein auf Aben- 
teuer ausgezogen; ohne ein 
bestimmtes Ziel zu haben, 
schlägt er auf gut (^lück einen 
beliebigen Weg ein; 
(180) ..Et trovai un chemin a 

destre 
Parmi uue forest espesse." 



[Loth II, 5, 9] J'etais tils 
unique de pere et de mere; 
j'etais fougueux. d'une grande 
presomption; je ne cioyais pas 
qu'il y eüt au monde personne 
capable de nie surpasser en 
n'impoi'te quelle piouesse. 
Apres etre venu ä bout de 
toutes Celles que presentait mon 
pays, je fis mes preparatifs et 
nie mis en marche vers les 
extremites du monde et les 
deserts.'' 

Diese letzte Wendung des 
Hinausziehens in weiteste 
Fernen findet sich in unserem 
Texte noch mehrmals; sie wird 
in dem der Stilistik des ]\Iabi- 
nogi gewidmeten Abschnitt 
näher betrachtet werden. 

Auf seinem Ritt geriet (tom- 
bai) auch er. zu dei- Burg, die 
ihm gastliches Obdach ge- 
wählt. 



\i 



WAI/l"KK (ikF.INKK. 



Auf mühsamen Pfaden 
(182) „Mout i ot voie feienesse, 
De ronces es d'espines plainne". 
reitet Calogrenant bis zum 
Abend weiter, bis der Wald 
— sein Name ist Broceliande, 
lieifst es v. 189 — sich lichtet 
und er vor sich in der Ebene 
eine Burg sieht. 

Er reitet näher heran und 
grülst den Schlol'sherrn. d^r 
ihn sogleich bei der Hand ei- 
greift und zum Bleiben und 
Ü^bernachten einlädt. 



Bemerkenswert sind im wäl- 
.schen Text die allgemein über- 
gangenen Worte: ä la tin. je 
tumbai. . . (L II, 5, 16). sie 
Süllen an späterer Stelle zur 
Untersuchung herangezogen 
werden. Zunächst gelangt der 
Ritter in ein paradiesisch 
schönes Tal: 

un vallon le plus beau 

du monde, couvert d'arbres 
d'egale taille. . . (L IL 5. 16). 
P'in Fluis (une riviere aux 
eaux rapides) durcheilt das 
Tal. ein Pfad zieht sich am 
Ufei- hin. Diesen verfolgt 
Kynon bis zum Mittag und 
reitet sodann am anderen Ufer 
des Flusses, den er durchreitet, 
w^eiter: „je le suivis jusqu'au 
milieu du jour et je continuai 
de l'autre cöte de la riviere 
I jusqu'ä nones." [L. II, 5, 19 f.]. 
I Er gelangt in die Ebene, 
an deren Ende (extremite 
[L II. 5, 22]) sich das prächtige 
funkelnde Schlofs. wohl eine 
Wasserburg (baigne par les 
flots 5, 23), erhebt. 

Während nun die Erzählung 
von der Aufnahme im Schlofs 
bei Chrestien rein nichts des 
Wunderbaren enthält, ist die 
entsprechende Stelle des Ma- 
binogi gekennzeichnet durch 
all jene wunderbaren Bestand- 
teile, die uns als reine Märchen- 
züge und als echt keltische 
älteste Sagenbestandteile in 



OWEIN — rVAlN. 15 

den späteren Abschnitten der 
I Untersuchung wieder begegnen 
werden. Darum soll auf die 
hier überans bezeichnenden 
: Schilderungen auch schon an 
dieser Stelle etwas genauei' 
eingegangen weiden. Beim 
Nähel kommen bemerkt Kynon 
zwei Jünglinge mit blondem 
Lockenhaar, 

..deiix jeuues gens aux che- 
veux blonds frises, (5. 25). die 
überaus kostbar und prächtig 
gekleidet und ausgerüstet sind: 
..portant chacun un diademe 
d'or; leur robe etait de paile 
jaune; des fermoirs d'or ser- 
raient leurs eous-de-pied: ils 
avaient ä la main un arc 
! d'ivoire; les cordes en etaient 
de nerfs de cerf, leurs fleches 
dont les hampes etaient d'os 
de cetaces avaient des barbes 
de plunies de paon: la tete 
des hampes etait en or; la 
lame de leurs couteaux etait 
aussi en or et le manche d'os 
de cetace" (6, If.). 

Sie sind mit Messer werfen 
beschäftigt. Bei ihnen befindet 
sich ein ^[ann. dessen Aus- 
sehen und Kleidung ebenfalls 
[ von märchenhaftem Glänze 
umstrahlt ist: 

„Uli homme aux cheveux 

blonds frises, daus toute sa 

force. la barbe fraichement 

1 rasee. II etait vetu d'une robe 

I et d'un manteau de paile jaune; 



\ii\ 



WALTKFi GREINEK. 



Mit einem im Scliloi'shofe 
aur'gehängteii (Tuiig lutt der 
Gastgeber die Schlofsbewoliner 
herbei, den (last zu bedienen: 
(211) „Anmila coit an vavassoi' 

(214) Pandoit une table, je cuit 
Qu"il n'i avoit ne fer ne fnst 
Ne lien. «ini de cuivre ne fust". 

Etwas merkwürdig" nimmt 
sieh in diesem Zusammeniiange 
in V. 220 das Wort anelos ans: 
„Cil qni amont ierent anelos 
Oirent la voiz et le son. . ." 

Die Schlofsbewohner, von 
denen wir niclits Näheres er- 
fahren, gewähren nnn dem 
ritterlichen Gaste all die Hand- 
reichnngen und Bequemlich- 
keiten, die aus den höfischen 
Komanen geläutig- sind. 

Bei Chrestien tritt besonders 
ein hübsches Fräulein liervor: 
(227 j .,Une pucele bele et jante; 

(229) Ele fu longue et gresle 
et droite. 
De niui desainier tu adroite". 
Als beide dann allein sind, 
gewährt sie ihm auch alsbald 
ein trautes Schäferstündchen: 



nn li.sere de til d'oi- bordait le 
manteau. II avait aux pieds 
deux hants souliers de cordwal 
bigarre. fernies chacnn par un 
bouton d'or" {6, 10). 

Der Kitter ist überaus höfiich 
und lädt Kynon sogleich ein. 
ihm ins Schlots zu folgen. 

..II n"y avait d'autres habi- 
tants que ceuxquise tnnivaient 
dans la salle,-' heilst es 6,20. 
Das heilst doch nichts andeis. 
als dais das Schlofs völlig un- 
bewohnt schien, bis auf die 
drei ]\länner vor dem Toi- und 
die nun näher beschriebenen 
im Saale versammelten Mäd- 
chen. Diese sind ohne Aus- 
nahme von berückender Schön- 
heit und Anmut: 

,,la plus laide d'entre elles 
etait plus belle que la jeune 
tille la plus belle que tu aies 
Jamals vue dans l'ile de Bre- 
tagne: la moins belle etait 
plus charmante (jue (iwenhwy- 
var. femme d'Arthur. quand 
eile est la plus belle, le jour 
de Noei on le jour de Päque.s. 
pour la messe" (7, 3). 

Bei der Ankunft des Ritters 
legen sie ihre Arbeit — Seiden- 
stickerei — beiseite und leisten 
ihm Willekomniendienste. Die 
einen reinigen und putzen die 
Waffen. 

,.au point qu'on ne pouvait 
rien voii' de plus blanc" 
(7. 12). 



OWEIN — IVAIN. 



17 



(238) ..ele nie iiieiia seoir 
El plus bei piaelet del iiiunde. 
( 'los de bas miii' a la leuiuie". 
..Dem Glücklichen schlägt 
keine Stunde- — sie dehnen 
beide das ungestörte Bei- 
sammensein, von dem der Ritter 
ganz entzückt ist (v. 241—246) 
so lange aus. dais der Wirt 
nm die Stunde des Nacht- 
mahles sich höchst eigenhändig 
auf die Suche nach seinem 
Gast und dem schönen Fräu- 
lein machen mufs und sie zu 
beider lebhaftem Unwillen — 
(247) „Mes tant me tist la nuit 

de guerre 
Li vavassors, (lu'il me vint 

Huerre, 
guant de soper f u tans et ore" — 
auch an dem verschwiegenen 
Platze tlndet. Die ganze Epi- 
sode ist eir kleines Meister- 
stück Chrestienscher Erzäh- 
lungskunst, eine köstliche 
Probe seines sonnigen Humors. 
Und dieser Umstand mag es 
entschuldigen, wenn diesen 
Versen an dieser Stelle ein 
etwas grölserer Raum zu- 
gesprochen wurde, als ihnen 
nach ihrer Bedeutung für den 
Fortgang der Handlung zu- 
kommt. 



Die andei-n schinen das 
Pferd ab, 

..d'une fa(.'on irrei)rochable, 
aussi bien que les meilleurs 
ecuyers de l'ile de Bretagne" 
(8. 1). 



Zeitschritt f. eilt. PLilolug-ie Xll, 1. 



Auf das Wechseln der Klei- 
der und das Waschen — sil- 
berne Schüsseln und kostbare 
Leinentücher werden gereicht 
8. 4 — folgt alsbald das Mahl, 



18 



WALTEH <JRE1NEK. 



Calog-renant ist ganz ent- 
zückt von dem Mahle, wobei 
allerdings der Umstand, dal's 
die pncele an der Mahlzeit teil- 
nimmt, ein gewichtiges \^'or1 
mitsprechen mag: 
(253) ..... il fu del tot a ma 

devise, 
Des ([ue devant moi fu assise 
La pucele. . ." 



So kommt auch bald eine 
angeregte Unterhaltung in 
Gang, und als sich der Gast 
am Abend verabschiedet, da 
er noch vor Tagesanbruch 
weiterreiten will, mufs wr ver- 
sprechen, bei der Heimkehr 
wieder im Sclilols des gast- 
lichen Vasallen einzukehren. 



Hii dem die ^lädchen teil- 
iiehmeu. sow eit sie nicht duicli 
das Servieren in Anspruch ge- 
nommen sind. Sowohl Geschirr 
als Speise und Ti'ank sind vor- 
züglich: 

..La table etait d"argent. et 
les linges de table, de toile 
fine; quant aux vases qui ser- 
vaient ä table, pas un qui ne 
füt d'or, d'argent ou de corne 
de boeuf sau vage ..." 

„. . . il n"y avait pas de 
boisson ou de mets a moi 
connu qui ne füt represente 
lä, avec cette ditference que 
mets et boisson etaient beau- 
coup niieux appretes que par- 
tout ailleurs'- (8. 9 f.). 
, Das Mahl wird schwei- 
gend eingenommen: 

,.Nous arrivämes ä la moitie 
du repas sans que l'homme ou 
j les pucelles m'eussent dit un 
mot" (8, 18). 

Auf diesen Umstand, aus 
dem sich in einem späteren 
Abschnitt immerhin auch für 
das Ganze Avichtige Schlüsse 
ziehen lassen, hat meines Wis- 
sens bisher noch niemand hin- 
gewiesen. 
j Kynon äufsert auch noch 
während des Mahles sein Be- 
fremden über die Schweigsam- 
keit seiner Tischgenossen, wor- 
auf der Schlolsheir mit einer 
ganz faden Ausrede erwidert: 
..nous aurions cause avec 



OWEIN 



TVAIN. 



19 



toi dejä Sans la ciainte de te 
troubler dans ton repas. nous 
allons le faire maintenant". 
(8, 25). 

Kynon erzählt nun von dem 
Zweck und Ziel seines Aus- 
zuges. Der Schloi'slierr verrät, 
dai's er wohl etwas in dieser 
Richtung wisse, es aber seine 
schweren Bedenken habe, da- 
von zu sprechen: 

.,8i je ne croyais ({u'il düt 
t'en arriver trop de mal. je 
t"indiquerais ce (lue tu cher- 
ches" (9, 4). 

Bemerkenswert ist auch der 
Satz, der diesen Worten voran- 
geht: 

,,I1 me regarda et souri^^. 

Die Vorstellung der Gefahr 
reizt natürlich Kynon un- 
gemein, und der Schloi'sherr 
gibt endlich nach und berichtet 
folgendes : 

Die Nacht soll Kynon hier 
im Schlosse zubringen und am 
folgenden Morgen ganz früh 
ausreifen. Nun folgt die Be- 
schreibung des Weges bis zum 
Waldschrat, die Chrestien be- 
kanntlich au dieser Stelle nicht 
hat. Sie kehrt im Verlaufe 
der cymrischen Erzählung noch 
mehrmals in dergleichen Weise 
— auch das ist ein nicht zu 
unterschätzender Zug —wieder. 

Der Weg selbst ist nun 
nach der Angabe des Schlois- 
herrn folgender: 

2* 



20 



WAT-TEK OREINER. 



(180) ,.Et trovai un ohemin a 
destrel" 



..suis le cliemiii sui- le(iuel 
tu te trouves Tout le long de 
cette vallee lä-bas jusqu'ä ce 
que tu arrives au bois que 
tu as traverse!" (9, 11). 

Der Weg- führt demnach 
zunäclist wieder ein Stück 
zurück, wenn man nicht an- 
nehmen will, was si)äter zu 
erörtern sein wird, dafs sich 
das Schlofs des gastlichen 
Ritters in einer rundgestaltigen 
weiten Lichtung des Waldes 
belindet. 

Gar bald zweigt dann ein 
Pfad zur Rechten ab. der zu 
einer grofsen Lichtung führt 
(une grande clairiere unie 
9, 15). 

Auf dem Hügel (tertre). der 
sich inmitten dieser Lichtung 
erhebt, wird er den Waid- 
schrat finden. Dieser wird nun 
beschrieben : 

„tu verras un grand homme 
noir, aussi grand au moins 
que deux hommes de ce raonde- 
ci; il n'a qu'un pied et un 
seul oeil au milieu du front: 
ä la main il porte une massue 
de fer, et je te reponds qu'il 
n'j' a pas deux hommes au 
monde qui n'y trouvassent leur 
faix. Ce n'est pas que ce seit 
un homme mechant. mais il 
est laid" (9, 17 f.). 

Auch über die Stellung des 
Waldmeuschen weifs der Gast- 
geber Genaueres: 



OWEIN 



IVAIN. 



21 



„C'est lui qiii est le gaicle 
de la foret, et tu verras mille 
aiiimaux sauvages paissant 
autour de lui" (9, 21). 

Von diesem Waldhüter wird 
dem "Ritter weitere Kunde zu- 
teil werden. Allerdings darf 
er sich nicht von dem Un- 
willen des Eiesen abschrecken 
lassen : 

„II se montrera bourru ä 
ton egard. . .•' (9, 24). wird 
aber endlich doch das ei'fahren, 
wonach sein ritterliches Ver- 
langen geht. 

Am andern Morgen in aller Frühe erfolgt nun — in 
beiden Fassungen — dei- Aufbruch. 

Chrestien, der Höfische, hebt I 
den herzlichen Abschied von 
den gastlichen Freunden noch 
besonders hervor. Bemerkens- 
wert für die folgende Unter- 
suchung ist V. 278: 

„L'ostel gueires esloignö n'oi, 
Quant je trovai an uns essarz 
Tors sauvages et espaarz". 

Es ist die Lichtung, in der 
sich der Waldschrat (vilain) 
aufhält. Das erschreckliche 
Lärmen, das durch den Wald 
schallt, stammt von Stieren 
her, die, anscheinend wild und 
herrenlos, einander bekämpfen, 
weswegen auch Calogrenant 
vorzieht, sich in Sicheiheit zu 
bringen : 

(285) ... ,.de peor nie tres 
arriere; 



Besonders hinzuweisen ist 
hier auf eine mehrfach wieder- 
kehrende Wendung: 

..mon hote m'avait dit quil 
etait grand; il etait bien plus 
grand que cela. La massue de 
fer qui, d'apres lui, aurait 
Charge deux hommes. je suis 
bien sür, Kei. que quatre 
hommes de guerre y eussent 
trouve leur faix" (10, 7). 



22 



WALTER GREINER, 



Que imle beste n'est tant fiere 
Xe plus orgnelleuse de tor". 

Auf eiuem Baumstumpf sieht 
er deu ^\'al(lscllrat sitzen, der. 
als ein Ausbund von Häl's- 
lichkeit. für alle späteren 
Schilderungen typisch gewor- 
den ist. Er wird genauer be- 
schrieben als in der cjMurischen 
Fassung; über 25 Verse hin- 
weg erstreckt sich die Auf- 
zählung seiner ..Reize" (v. 288 
— 313). Beim Herannahen des 
Ritters springt er auf und 
erwartet ihn schweigend, sodafs 
Calogrenant zunächst glaubt, 
dem Riesen — denn um einen 
solchen handelt es sich zweifel- 
los, wie aus v. 322 hervorgeht. 
„S'ot bien dis et set piez de 

lonc"' — 
sei die Gabe der Rede versagt. 
Auf die Frage des Ritters 
stellt er sich als gewöhnlicher 
Sterblicher 

(ßdO) „Je suis uns hon" 
und als Hüter der Stiere vor. 
Als Calogrenant diesen An- 
gaben starke Zweifel entgegen- 
setzt, gibt der Waldmensch 
alsbald weiteren Aufschhifs. 
Die Tiere stehen völlig unter 
seiner Gewalt, der sie sich 
ganz beugen: 
(344) ,,N'i a celi, qui s'ost 

movoir. 
Des qu'eles nie voient venir. 
Gar quant j'an {)uis une tenir. 
Si la destraing par It^s deux eorz 



...Je saluai Thomme noir qui 
ne me repondit que d'une fagon 
bourrue" heilst es 10. 12. 



Auf die Frage (,.quel pouvoir 
il avait surces animaux" [10,13] 
des Kynon hin erbietet er sich 
alsbald, eine Probe seiner 
Macht zu geben. Seine Anrede 
dem „Menschenkind" gegen- 
über ist .,petit homme'' (10, 15). 

Er schlägt mit der Keule 
einen der Hirsche mit ge- 
waltigem Schlag nieder. Der 
Schmerzensschrei des Tieres 
lockt die übrigen herbei. Sie 



OWEIN — IVAIN. 



23 



As poinz, que j'ai et durs et- 

forz, 
Que les autres de })eoi' tran- 

blent 
(350) Et tot aiiviron nioi s'as^aii- 

blent. 
Aussi con por merci crier; 
Xe nus ne s'i porroit fier 
Fors müi,s'autr'eles s'estoit inb. 
Que maintenant ne fust ocis. 
(355) Eiusi sui de mes bestes 

sire". 



(355) „Einsi sui de mes bestes 
sire". 

Nun muls auch Calogrenant 
über seine Person und das Ziel 
seines Wegs Auskunft geben. 
Auf die Bitte des Ritters, ilim 
doch zu einem Abenteuer zu 
verhelfen, 

(364) ,.0r te pri et quier et 

demant, 

Se tu sez. que tu nie consoille 



kommen in so grofser Zahl 
und in so verschiedenen Arten, 
dai's Kynon fürchtet, umge- 
rannt zu Averden: 

..des animaux en aussi grand 
nombre ([ue les etoiles dans 
l'air au point que j'avais grand' 
peine ä me tenir debout au 
milieu d'eux dans la clairiere: 
ajoutez qu'il y avait des ser- 
pents, des viperes, tonte Sorte 
d'animaux" (10, 181). 

Auf einen Befehl des Hege- 
meisters hin gehen sie alle 
wieder auseinander : 

,.I1 jeta les yeux sur eux 
et leur ordonna d'aller paitre. 
Ils baisserent la tete et lui 
temoignerent le meme respect 
que des hommes soumis ä leur 
seigneur" (10, 22). 

Der Schlufssatz lautet fast 
wörtlicli mit Chrestien über- 
einstimmend: 1) 

„Vois-tu petit homme, le 
pouvoir que j'ai sur ces ani- 
maux" (10. 25). 

Kynons Frage nach der Fort- 
setzung des Wegs bringt den 
Riesen in Wut: ,,I1 se montra 
rüde, mais il me demanda 
neanmoins oü je voulais aller" 
(10, 28). 



'j Auch von den mehrfachen wörtlichen tbereinstimmungen wird in 
einem späteren Abschnitt die Rede sein. 



24 



WAI.TKR (iKETNKR. 



Oll (lavanture oii de nier- 
voille". 

Von einer ..avantui-e'' be- 
hauptet der ^^'aldsohl•at nichts 
zu wissen: 

(367 ) ,, A ce faudras tu bien: 

D',,avanture" ne sai je rien, 
N'onques mes n'an oi parier". 

Seine Kenntnisse erstrecken 
sich nur auf „niervoille", er 
kennt das Gelieimnis der Ge- 
witterquelle von Barenton. 

Diese ganze vStelle ist nun 
für die gesamte Untersuchung 
von grofser Bedeutung, da sie 
uns in der Figur des Wald- 
schrats eine typische Märchen- 
gestalt, den „Wegweiser" bezw. 
„Warner • wiedererkennen 
lälst. 

Übergangen in dieser Hin- 
sicht wurde bisher Chrestiens 
V. 371 

,,Ci pres jusqu'ä une fon- 
tainne" und v. 374 

„Ci pres troveras or androit 
Vn santier, qui la te manra". 

Der vilain warnt vor der 

Gefährlichkeit des Abenteuers 

(372) „N'an revandroies pas 

sanz painne, 

Se tu li randoies son droit". 

Auch der Weg sei leicht 
zu verfehlen: 

(377) tost porroies des- 

voiier. 
Qu"il i a dautres voies niout". 



Kynon soll auf dem an- 
gegebenen Wege weiterziehen 

,.prends le cheniin au bout 
de la clairiere et mai'che dans 
la direction de cette colline 
rocheuse lä-haut" (11, 1). 



OWEIN — IVAIN. 



25 



Nun folgt 
Wimderquelle. 



Die Quelle scheint zu koclieii, 
trotzdem ihr Wasser eiskalt 
ist. Über ihr breitet ein präch- 
tiger Baum seine weitschat- 
tenden Zweige aus 
(382) „Onbre li fet li plus 
biaus arbies. 
Qu'onques poist feire Nature. 
An toz tans la fuelle li dure. 
Qu'il ne la pert por nul 
ivei'"... 

Wohl an dem Baume (denn 
..i" in Y. 386 auf arbre allein 
zu beziehen, dürfte wohl am 
nächsten liegen) ist mit einer 
t>is zur Quelle reiclienden 
Kette ein Becken befestigt, 
über das wir im selben 
Abschnitt zwei sich wider- 
sprechende Angaben finden. 
V. 386 heilst es 

„Et s'i pant uns bacins de 
fer". dagegen 419 

,.vi le bacin pandre 
Del plus fin or ((ui fust a 
vandre"'. 

(Förster verweist in seiner 
Anmerkung zu dieser Stelle 
im Ivain auf einen Veisuch 
von rornu. den Widers^iruch 
zu lösen.) 



in beiden Fassungen die Beschreibung der 



Der Gipfel des Hügels ist 
flach, dort befindet sich ein 
freier Platz: 

„tu apercevras une plaine. 
une Sorte de grande vallee 
arosee" (11, 3). 

Inmitten dieser Lichtung 
befindet sich nun die Gewitter- 
quelle unter einem grofsen 
Baume : 

,.1'extremite de ses branches 
est plus verte que le plus vert 
des sapins" (11, 5). 

(Fs sei hier wieder auf die 
noch mehrmals wiederkehrende 
superlativische Ausdrucksweise 
hingewiesen.) 

Auf dem Eande der Quelle 
werde er eine Platte aus Mar- 
mor (dalle de marbre 11, 8), 
auf dieser ein an silberner 
Kette befestigtes Becken, 

„de faqon qu'on ne puisse 
les separer" (11, 9) 
finden. 



■26 



WALTER GREINER, 



Der Stein ist nach des \\'al(i- 
menschen Beschreibung über- 
aus prächtig: 
(390) ,.Vn perron tel, con tu 

verras. 
Je ne te sai ä dire (luel, 
<^ue je n'an vi onf4ues nul tel". 

Auf der anderen Seite er- 
liebe sicli eine Kapelle. 
(393) . . . „une chapele 

Petite. mes ele est mout bele", 
deren Zweck zunächst nicht 
recht ersichtlich ist. 

Das Wunder der (Quelle 
selbst, um dessen willen sie 
den weitbekannten Namen 
tiägt. ist nun folgendes: 

Giefst man aus dem Becken 
Wasser aus der Quelle auf den 
Stein (perron), so erhebt sich 
alsbald ein gar furchtbares 
Unwetter, vor dem alle Tiere 
des Waldes 

(399) „Chevriaus, ne dains, ne 
cers, ne pors, 
Xes li oisel". . . 
entsetzt fliehen. 

Wer das Unwetter, ohne 
grofseu Schaden zu nehmen, 
überstehe, könne wahrlich von 
Glück leden: 

(404) .,se tu t"an puez departir 
Sanz grant enui et sanz pesance. 
Tu seras de meillor cheance 
Que Chevaliers, qui i fust 
onques". 

Die letzte Zeile — der Hin- 
weis auf das Schicksal dcM-ei', 
die vorher das Abenteuer 



Kynon soll nun aus dem 
Becken Wasser auf den Stein 
giefsen : 

„Prends la bassin et Jettes 
en plein d'eau sur la dalle 
(11. 10). 

Dann weide alsbald ein 
furchtbares Unwetter los- 
brechen. Zunächst ein schreck- 
licher Donnerschlag, dann ein 
eisiger Pegengufs: 

„c'est ä peine si tu pour- 
ras la suppoi'ter la vie sauve; 
ce sera une ondee de grele" 
(12,3). 



i 



ÜWEIN 



IVAIX. 



27 



wagten, ist zusammen mit 367 f. 
für die schon oben angedeutete 
Stellung des Waldmenschen 
wieder bedeutsam. 

Angefügt sei hier noch die 
Schilderung des UnAvetters bei 
Chrestien: 

(401) ... „tuverras si foudroiier. 
Vanter et arbres pegoiier. 
Plovoir, toner et espartir". . . 



M. führt nun die Schilde- 
rung noch ein gutes Stück 
weiter: 

Nach dem Hagelwetter werde 
sich der Himmel wieder auf- 
hellen. An dem herrlichen 
Baume sei aber kein einziges 
Blatt mehr zu sehen: 

„H n'y a pas sur l'arbre une 
feuille que l'ondee n'aura 
enlevee"' (12. 5). 

Dann Averde sich ein 
Schwärm Vögel auf dem Baume 
niederlassen und einen herr- 
lichen (resang anstimmen. Zu 
beachten ist wieder die Aus- 
drucksweise: 

„Jamals tu n'as entendu 
dans ton pays (!) une musique 
comparable ä leurchant"(12.8). 

Gar bald aber werde er 
in seinem Lauschen gestört 
werden; — 

„au moment oü tu y prend- 
ras le plus de plaisir. . ." 
(12, 10). 

Denn er werde ein Klagen 
und Stöhnen 

.,tu entendras venir vers toi 



28 



WAI/IKK (;kkinf,r. 



le long de la vallee gemisse- 
iiients et plaiiites" (12, 11) 
vernehmen. Das rühre von 
einem kohlschwarzen Eitter 
her. der alsbald erscheinen 
werde. So sei sein Aussehen: 
,. . . . monte sur un cheval 
tout noir, vetu de paile tont 
noir; la lance ornee d'un 
gonfanon de toile tine tout 
noir" (12, 13). 

Wie aus dem Folgenden 
im Bericht des Kymren klar 
hervorgeht, liat der schwarze 
Ritter die Aufgabe, den Gegner 
im Kampfe des Pferdes zu 
berauben. 

„II t'atta(iuera le plus vite 
possible. Si tu fuis devant 
lui,il t'atteindra; si tu l'attends, 
de cavalier que tu es, il te 
laissera pieton" (12, 15). 

Bestehe er aber dies Aben- 
teuer, dann sei es nutzlos, 
noch weiter herumzuziehen. 
Es sei hier nochmals Chr. „Si cette fois tu ne trouves 
V. 404f. gegenübergestellt: pas souffrance, il est inutile 

„. . . se tu tan puez departir que tu en cherches tant que 
Sanz grant enui et sanz pe- tu seras en vie" (12, 18). 

sance. 
Tu seras de meillor cheance 
Que Chevaliers, qui i fust 
onques,,. 

Mit diesem Bescheid bricht nun der abenteuerlustige 
Ritter alsbald auf. 

Dei- Weg nach dei' Quelle 
ist nun nicht mehr allzuweit, 
Chrestien bemifst ihn auf etwa 



OWEIN — TVATN. 



29 



drei Stunden: beim Au'fbnicli 
ist es 9 Ulli" vüi-niittags: 
(410) ..Espuir si fu tierce 

passee 
Et pot estie pres de midi. 
Quant laibie et la chapele vi". 
Die Scliönlieit des Baumes 
wird mit den Worten gepriesen: 
(413) „Bien sai de l'arbre 
(c'est la fins), 
Que ce estoit 



li plus 
pins, 



biaus 



Qui onques sur terre creüst. 
Ne cuit qu'ontiues si fort pleüst, 
Que d'eve i passast une gote, 
Eingois coloit par dessus tote". 

Diese Stelle ist in mehr als 
einer Beziehung merkwürdig. 
Förster gibt im Yvain eine 
Anmerkung dazu und sagt: 
„Der Baum war so dicht be- 
laubt, dai's beim stärksten 
Regen kein Tropfen (durch 
die Blätter) durchsickern 
konnte '. 

Wie aber stimmt dazu die 
Angabe, dafs es eine Fichte 
sei, bei der doch die beschrie- 
bene Ersclieinung unmöglich 
ist? 

Die weiteren Erörterungen 
— auch über den superlati- 
vischen Ausdruck — müssen 
in einen späteren Abschnitt 
verwiesen werden. Bemerkt 
sei nur noch, dafs die l^n- 
klarheit dieser Stelle seiner 
Voilage schon Hartmann ver- 
aiilafste. anstelle der Fichte 



Kynon reitet auf den Gipfel 
des Hügels zu und ist alsbald 
am Ziel: ,. . . . je suivis le 
(•hemin jusqu'au sommet du 
tertre. d"oü j'apeirus ce (lue 
m'avait annonce l'homme noii'" 
(12, 21). 



30 



WAI.TKK fIKKIXFK. 



des Fi'an/Dseii eine bieitästige 
Linde zu setzen, wie sich eine 
solclie auch bei Siegfrieds 
Quelle (x\ib. 913) flndet. 

Das Becken ist liier. — der 
Widerspruch, in dem die Steile 
mit V. 386 steht, wurde schon 
erwähnt. 

(420) del i»lus tin ur. (lui tust 

a vandre. 

Onques ancor an nule foire". 

Nun wird der Stein näher 
beschrieben: es ist ein einziger 
Smaragd, der auf vier Rubinen 
als Stützen getragen wird und 
durchbohrt 
(425) „Perciez aussi come une 

boz'', 
ist, damit, meint Förster, das 
daraufgegossene Wasser wieder 
abfliefsen kann. Settegast ist 
anderer Meinung. Er will 
für das unverständliche boz 
(..Schlauch") ein pouce [aus 
pumicem, cf. Gröber ALL. IV, 
452] setzen, sodafs sich dann 
das perciez auf die Porosität 
des Bimssteines beziehen w'ürde. 

Die Rubine sind auch von 
strahlender Schönheit : 
(427) Plus flanboianz et plus 
vermauz, 
Que n'est au matin li solauz, 
Quant il apert an oriant". 

Calogrenant ist nun begierig, 
das Abenteuer zu bestehen. 

Er folgt also der Voi'schrift. 
giefst Wasser auf den Stein 
— köstlich ist V. 439: 



Kynun tindet alles genau so, 
wie es der riesige Hüter be- 
schrieben hat. 



Nach dem Ausgiefsen des 
Wassers erfüllt sich die Prophe- 
zeiung des Waldmenschen; zu 



OWEIN 



TVATN. 



ni 



.,^res trop an i versai, ce 
dot — •' und ruft so das schreck- 
liche Unwetter liei'vor, dessen 
^\'irkung furchtbar ist. 

Der Ritter glaubt sein letztes 
Stündlein nahe (446), so wütet 
das Unwetter um ihn herum. 
Blitz folgt auf Blitz, ununter- 
brochen dröhnt lieft igerDonner. 
Hagelschauer und Regengüsse 
lösen einander ab. und mancher 
Baum des ^\'aldes fällt dem 
Toben der Elemente zum 
Opfer (440—450). 



Dankbaren Herzens begrüfst 
der Ritter das Aufhören des 
Gewitters. 
(4ol) ..Mes Dens tant me ras- 

seüra, 
Que li tans gueires ne dura 
Et tuit li vant se reposerent: 
Quant Deu ne plot, vanter 
n'oserent. 
Et quant je vi Ter der et pur. 
De joie fui toz a seür: 
Que joie. s'onques la conui, 
Fet tost oblier grant enui". 



beachten ist die Steigerung- im 
Ausdruck: ..Voilä aussitut le 
tonnerre et beaucoup plus fort 
que ne nvavait dit Thomme 
noir" (13, 1). 

Niemand kann ein solches 
Unwetter lebend überstehen, 
heilst es: 

..ni liomme ni animal. surpris 
dehors par l'ondee. n'en echap- 
perait la vie sauve" (13, 4). 

Nur mit grolsei' Anstrengung 
kann sich Kynon vor Schaden 
schützen. Es sei hier auf die 
Übertreibung hinge Aviesen : 

,,Pas un gi-elon n'etalt 
ari'ete par la i)eau ni i)ar la 
chair, il penetrait jusqu'ä Tos". 
(13,6). 

Auch der herrliche Baum 
hat Schaden gelitten: 

.,il nV avait plus une feu- 
ille" (13, 12). 

Von dieser vielumstrittenen 
Stelle wird später noch die 
Rede sein. 



32 



WAT/rER «REINER. 



Sobald wieder der Frieden 
in der Natur eingekehit ist, 
kunmien die gefiedei-ten Sänger 
herbei. Die ganze Stelle: 
(460) ..Vi sor le pin tant 

amassez 
Oisiaus (s'est qiii croire man 

viielle), 
Qu'il n"i paruit branche ne 

fuelle, 
Que tot ne fust covert d'oisiaus, 
S'an estoit li arbres plus biau.s" 
erscheint mir nicht völlig klar. 
Es ist nicht recht einziLsehen. 
auf welche Weise die \'ögel 
das überaus dichte Laub (4 15 f.) 
und die Äste verdecken sollen. 
Eher hätte es sich doch um- 
gekehrt verhalten müssen. Es 
sei an dieser Stelle nur an- 
gedeutet, dafsP^örster in diesen 
Zeilen, die er in M. als mifs- 
verstandeii nachweisen will. 
einen Hauptstützpunkt für 
seine Ansicht von der A15- 
hängigkeit der cymrischen 
Erzählungen von Threstien 
sieht. 

Nun stimmen die Vögel 
ihren herrlichen (Tesang: an, 
den Calügrenant mit einem 
Oratorium vergleicht; jeder 
singt seine eigene Stimme, und 
doch klingt's zusammen in 
wunderbaren Akkorden: 
(465j „Et tresluit li oisel chan- 

toient 
Si que mout bien s'antracor- 

doient. 



Der Gesang der Vögel über- 
trifft alles je Gehörte: 

..je suis sür. Kei, de n'avoir 
Jamals entendu, ni avant. ni 
apres, de musique comparable 
■d celle-lä*' (13, U). 



OWEIN — IVA IN. 



33 



^fes divers clianz diantoit 

cliasciins: 
(^ii'unques oe. ((iie diantoit li 

Ulis. 
A Tautre ohaiiter ii'i oi". 

Der herrliche Genuls, — 
V. 472 steht für den Gesang 
der Vögel der Ausdruck ser- 
vise = Gottesdienst — dem sich 
der Ritter freudig hingibt 
(v. 470— 478), wird jäh unter- 
brochen durch das lärmvolle 
Nahen des Verteidigers der 
Quelle: 

(480) ,,Bien cuidai que il fus- 

sent dis: 

Tel noise et tel fraint derae- 

noit 
Uns seus Chevaliers, qui venoit". 

Voller Unwillen reitet der 
Fremde eilends herbei: 
(486) . . . „come mautalantis 
Vint plus tost qu'uns alerions, 
Fiers par sanblant come lions". 

Mit weitschallender Stimme 
fordert er Calogrenant zum 
Kampfe heraus. Der Gedanken- 
gang der beiden Streitreden, 
der später zur Vergleichung 
mit herangezogen werden kann, 
sei hier in den wesentlichen 
Punkten wiedergegeben. Zu- 
nächst sei bemerkt, dai's die 
Stelle bei Chrestien viel weiter 
ausgesponnen ist; den 25 Ver- 
sen (491—516) stehen im M. 
nur 5 Zeilen gegenüber. 

Gleich der Anfang zeigt den 
höfischen Dichter: 

Zeitschrift f. feit. Phiiolug'ie Xll. 1 



.,Au moment oii je prenais 
le plus de plaisir ä les en- 
tendre, voilä des plaintes ve- 
nant vers moi. . .'• (13. 16). 



34 



WALTKR QREINER, 



„Desfier me deiissiez vos" 
heilst es v. 493. Es wird 
Aufgabe eines späteren Ab- 
schnittes sein, nachzuweisen, 
dafs Chrestien. dessen Kompo- 
sitionsweise an dieser bisher 
nocli nicht herangezogenen 
Stelle klar zutage liegt, eine 
ältere Fassung, die ihm un- 
verständlich geworden war, 
nach der ritterlich -höfischen 
Seite hin umarbeitete. 

Schweren Schaden und 
schwere Kränkung habe ihm 
der Angriff des Ritters ge- 
bracht: 
(500) ,, Anviron moi est li 

garanz 
De mon bois, qui est abatuz". 

Beachtenswert ist, dafs 
Chrestien noch hervorhebt, 
dafs der fremde Ritter not- 
wendig zur Verteidigung er- 
scheinen mufs: 
(504) . . . „vos m'avez de ma 

meison 
Chacie a foudres et a pluie". 

Zu dem oben Gesagten stimmt 
dann wieder, dafs er die Be- 
leidigung als ihm persönlich 
angetan auffafst: 
(506) „Fet m'avez chose qui 
m'enuie, 
Et dahez et, cui ce est bei". 

Den Schlufs bildet der 
Racheschwur, der schon in 
den Versen 497-99 enthalten 
war: 



Schmerzvolles Klagen ist die 
Grundstimmung bei M.: 

„Chevalier, que me voulais- 
tu? Quel mal t'ai-je fait pour 
que tu me flsses ä moi et ä 
nies Sujets ce que tu m'as fait 
aujourd'hui? Ne sais-tu pas 
que l'ondee n'a laisse en vie 
ni creature humaine, ni bete 
qu'elle ait surprise dehors?" 
(14,31). 



OWEIN 



TVAIN. 



35 



(515) „Mes sachiez bieii. que 

des or mes 

X'avroiz de moi triuwes ne pes". 



Ob man den Versen 520 

— 525 besondere Bedeutung 
zusprechen soll, oder ob sie 

— es sei erinnert an v. 59 

. . . ,.un coute 
Non de s'enor mes de sa honte'" 

— lediglich alsEntsclmldigung 
für den für Calogrenant doch 
gar so unrühmlichen Ausgang 
des Kampfes gedacht sind, soll 
s{)äter entschieden werden. 

Calogrenant berichtet, dai's 
der Ritter ihm in jeder Be- 
ziehung überlegen gewesen 
sei; erwähnt sei: 
(520) „Li Chevaliers ot cheval 

buen 
Et lance roide, et fu sanz dote 
Plus granz de moi la teste tote", 
sowie 

(524) . . . „je f ui plus petiz de lui, 
Et ses chevaus plus forz del 

mien" 
und endlich: 
(533) . . . .,1a soe (lance) remest 

antiere, 
Qu'ele n'estoit mie legiere, 
Ainz pesoit plus au mien 

cuidier, 
Que nule lance a Chevalier; 
Qu'ainz nule si grosse ne vi"'. 



M. wiederholt hier zunächst 
die BescJireibung des Ver- 
teidigers der Quelle; die Worte 
sind dieselben wie oben (12, 
131). Alsbald beginnt dann 
der Kampf. 



36 



WALTER GREINER. 



Calogrenant erleidet eine 
schmähliche Niederlage; er 
wird aus dem Sattel gehoben, 
der Gegner bemächtigt sich 
seines Rosses. wie es Recht 
des Siegers ist, und reitet 
ohne weiteres von dannen. 
Die Verfolgung des Ritters 
gibt Calogrenant auf: 
(551) „Que folie feire dotasse", 
und beschliefst, zu seinem 
Gastfreund zurückzukehren. 
So schimpflich hatte er sich 
den Rückweg wohl kaum 
gedacht! (546, 7; 560). 



Die Aufnahme im Schlofs 
des vavassor ist wiederum 
überaus herzlich; er findet bei 
den Bewohnern Mitleid und 
Trost bei seinem Mifsgeschick 
in der Kunde vom Schicksal 
seiner Vorgänger und Leidens- 
genossen. Kölbing (IvensSaga) 
bemerkt zu dieser Stelle, dafs 
die logische Ungenauigkeit 
der Verse 752 f. — „denn wer 
getütet ist, kann eben nicht 
zurückkommen" — sich so- 
wohl in der Saga wie in 
der schwedischen Bearbeitung 
findet. 



Unklar ist hier (14, 12) der 
Sinn des „mais": 

„Le choc fut rüde, mais je 
fus bientöt culbute". 

Der Gegner führt Kynons 
Pferd mit sich foi't als einzige 
Kampfesbeute : 

„II ne me fit meme pas 
l'honneur de me faire pri- 
sonnier; il ne me depouilla 
pas non plus" (14, 14). 



Auf dem Heimwege mufs 
Kynon noch den Spott des 
Waldmenschen einstecken: 

. . . „c'est merveille que je 
ne sois pas fondu de honte, en 
entendant les moqueries de 
l'homme noir" (14, 19). 

Gern wird er im Schlofs 
wieder beherbergt: 

„On s'y montra encore plus 
courtois que la nuit d'avant..." 
(14, 22). 

Des unheilvollen Abenteuers 
wird mit keinem Wort Er- 
wähnung getan, und Kynon 
schweigt natürlich erst recht: 

., Personne ne fit la moiudre 
allusion ä mon expedition ä 
la fontaine. Je n'en soufflai 
mot non plus ä personne". 
(15. 2). 



OWEIN 



IVAIN. 



37 



Im Schlufssatz seinei- Er- 
zählung gibt Calogrenant noch 
einmal seiner Beschämung 
Ausdruck: 



Beim Aufbruch am anderen 
Morgen erhält er ein präch- 
tiges Rofs geschenkt: 

„un palefroi brun fonce, ä 
la criniere tonte rouge, aussi 
rouge que la pourpre, complö- 
tement equipe" (15, 5), und 
weiter unten heilst es von 
dem Pferde: 

„je ne le donnei'ais pas 
eucore pour le meilleur pale- 
froi de l'ile de Bretagne" 
(15, 11). 

Brown zieht in seiner Ab- 
handlung (On the independent 
character usw.) aus dieser 
Stelle den Schlufs, dafs dies 
als so schön beschriebene 
Pferd wohl auch dem Feen- 
reiche (Otlier -World) ent- 
stamme. Ich halte diese An- 
nahme für gar zu wenig ge- 
stützt, da doch das dankbare 
Gefühl, das Kynon beim Ge- 
denken an diese Geschehnisse 
erfüllen mag, wahrlich Grund 
genug für ihn sein sollte, das 
Geschenk des Gastfreundes 
teuer und in Ehren zu halten. 
Und dafs es von grolser 
Schönheit ist, spricht doch 
zunächst nur für den Edelsinn 
des Gebers. Ich kann also 
diesen Schlufs Browns nicht 
für unbedingt zwingend halten. 

Auch Kynon weist am Ende 
noch einmal auf den Charakter 
seines Abenteuers hin: 

„Dieu sait que personne n'a 



38 



WALTER (IRKINER. 



(.)/() ..KlllSI iüi\\. (^UlM IVVlllg'. 

All revenir por fol nie ting: 

Si vos ai coiite conie fos 

Ce qii'onques mes coiiter iie 

• VOS". 



Jamals avuue puiu sui» compte 
iine aventure moins heureuse 
que celle-lä " (15, 12). 



Im Aiisclilufs daran spricht 
er sein Erstaunen aus, dafs 
nocli g-ar keiner von den Rit- 
tern jemals etwas von diesem 
Abenteuer, dessen Ort sicli 
doch innerlialb des König- 
reichs befinde, gehört habe. 



Damit" schliefst in beiden Fassungen der Bericht von 
dem ersten — vergeblichen und unlieihdllen — Zuge nach 
der (rewitterquelle. 



Ivain tadelt nun Calogre- 
nant, dal's er ihm. dem leib- 
lichen Vettel', sein Mifsgeschick 
so lange verheimlicht habe 
und erbietet sich, für ilin Rache 
zu nehmen und die Schmach 
zu tilgen. 

Dieser plötzliche Entschlufs 
gibt dem ränkesüchtigen Keu 
wieder Gelegenheit zu hä- 
mischen Ausfällen. [Die Stelle 
595 0: 

„Apres mangier saus remuer 
Va chascuns Noradin tuei" 
ist von Förster zur Chrono- 
logie der ^^'el•ke ('hi'estiens 
herangezogen worden.] Für 
Ivains impulsive Äulserung 
hat er nur Hohn und Spott: 
(610) ,. Et se vos anquenuit 

songiez 
Mauves songe, si remanez!" 



Owein schlägt alsbald vor, 
nach dem Schauplatze des 
Abenteuers zu ziehen: 

„Homnies. dit Owein, ne 
serait-il pas bien de chercher 
ä tomher sur cet endroit-lä?" 
(15,21) [Siehe oben Seite U!] 

Kei Avirft Owein Maulhel- 
dentum vor: 

. . . ,.ce n'est pas la pre- 
miere fois que ta langue pro- 
pose ce que ton bras ne ferait 
pas« (15, 24). 



OWEIN — IVAIN. 



39 



Mit schwerem Tadel weist 
ihn die Königin zurück: 
(615) „La vostre langiie suit 

hünie. 
Que taut i a d'escamoniel*' 
und auch Ivain selbst fertigt 
Keu alsbald ab: 
(646) „Ne vuel pas sanbler le 

gaignon, 
Qui se herice et rtgringne. 
Quant autre mastins le re- 

chingne". 



Unterdessen ist auch der 
König Artus aufgewacht, er 
tritt zu den Rittern, die ihn 
ehrfurchtsvoll begrüfsen f v. 653 
—655). 



Die Königin ist erzürnt über 
Keis Lästerzunge: 

. . . „mieux vaudrait te voir 
pendre, Kei, que tenir des 
propos aussi outrageants en- 
vers un homnie comnie Owein" 
(15,26). 

Im M. ergreift hier Kei 
nochmals das Wort: 

..Par la main de mon ami. 
princesse. tu n'en as pas 
plus dit ä la louange d'Owein 
que je ne Tai fait moi-meme" 
(15, 3). 

Artus wacht auf und ver- 
mutet, er habe wohl gar ein 
Avenig geschlafen: 

. . . ..Arthur s'eveilla et 
demanda s'il avait dormi 
quelque temps. „Pas mal de 
temps, Seigneur". dit Owein" 
(16, 5). 

M.s Charakterbild des Kö- 
nigs wird noch vervollständigt 
durch die folgenden AVorten 
Arturs: 

.,Est-il temps de se mettre 
ä table ':"• — ,.I1 est temps, 
Seigneur," dit Owein" (16, 8). 

Darauf setzt man sich denn 
zum Mahle. 



Von der Königin übei' das 
soeben von Calogrenant Er- 
zählte unterrichtet, beschliefst 
Artus alsbald, selbst das Aben- 
teuer zu erforschen: 
(662) ..Et flst trois seiremanz 

antiers 
Lame Uterpandragon son pere 



40 



WALTKK (IKKINKK. 



Kt la soll fil et la sa iiierf. 
C^iril iroit veoir la fontainne". 

l ■iid zwar soll dei' Aufbruch 
in Kürze erfolgen; in der 
Nacht vor .Tohannis 
(668) . . . Ja voille 

Mon seignor saint Jehan 
Batiste", 
die Ja allem, was mit der 
Wunder- und Geisterwelt zu- 
sammenhängt, so günstig ist 
(siehe Beneckes Anmerkg. zu 
Hartmanns v. POO). soll die 
Quelle bereits erreicht sein. 
Dieser Entschlul's des Königs 
und die Mitteilung, dafs sich 
jeder an dem Zuge beteiligen 
könne (671. 2), weckt am Hofe 
gröCste Freude: — nur bei 
einem nicht: Ivain, der mit 
Recht seine Pläne arg bedroht 
sieht. Schliefst er sich dem 
höfischen Zuge an, so wird 
der Kampf an der Quelle 
kaum ihm zufallen: Ken oder 
Gauvain würden ihm sicher 
zuvorkommen. 

Darum bleibt nur eins: er 
mufs noch vor dem König auf- 
brechen und zur Quelle eilen: 
(691) ... ,,il ne les atandra mie, 
Qu'il n'a soing de lor con- 
peignie. 
EiuQois ira toz seus son vuel 
Ou a sa joie ou a son duel*'. 

Es folgt nun eine kurze 
Zusammenfassung des ge- 
samten Abenteuers bis zum 
Kampf (695 — 722). 



(nVKTN — IVA IX. 



41 



Bemerkenswert ist der 
Schlufs seiner Gedankenreihe, 
der wieder den ritterlichen 
Ideenkreis vertritt: 
(719) . . . „nus nel savra 
Jusqua tant qiie il an avra 
Grant honte oii grant enor 

eüe". 
Dem Entschlüsse folgt als- 
bald die Tat: der Anfhruch 
erfolgt noch in derselben Nacht. 
Ivain entfernt sich ganz heim- 
lich vom Königshofe. lüstet 
sich zum Auszuge und reitet 
von dannen. nachdem er sei- 
nen Leuten unverbrüchliches 
Schweigen auferlegt hat (723 
— 746). 

Mühevoll und reich an Ge- 
fahren ist der Weg: 
(762) . . . (Ivains) „erra chascun 

jor taut 
Par montaingnes et par valees 
Et par forez longues et lees. 
Par leus estranges et sauvages, 
Et passa mainz felons passages 
Et maint peril et raaint de- 

stroit, 
Tant qu'il viiit au santier tot 

droit. 
Piain de ronces et d'oscurte.'- 



..Le repas termine. Owein 
disparut" (16, 12). 



Owein rüstet sicli und bricht 
beim Morgengrauen auf. Be- 
merkenswert ist an dieser 
Stelle die schon oben ange- 
führte Redeweise: 

(Owein) . . . ..marche devant 
lui au bout du monde et vers 
les deserts des montagnes" 
(la 15). 
und die Fortsetzung: 

„A la fin, il fombe sur le 
vallon. . .'• 

M. geht nochmals auf den 
Weg genauer ein und ge- 
braucht dabei nahezu die 
gleichen Wendungen, die die 
erste Schilderung (S. iöf.j ent- 
hält. Beim Näherkommen an 
das gastliche Schlofs geschieht 
alles, wie K3nion beschrieben 
hat. Neu ist die Angabe (17,2), 



42 



AVALTEH ÖUKINER. 



Die Nacht verbiingl ei im 
oastliclien Schlofs. das ihm an 
Vorzügen aller Art noch weit 
über die von Calogrenant ge- 
gebene Schilderung hinaus- 
zugeljen scheint: 
(779) . . . ..plus de bien et plus 

d'enor 
Tio\a assez el vavassor, 
(^u'an ne li ot conte ne dit: 
Et an la pucele revit 
De San et de biaute gant tanz. 
Que n'ot conte Calogrenanz; 
Qu'an ne puet pas dire la some 
De buene dame et de prodome''. 
Weiter unten heilst es dann 
sehr emphatisch : 
(789) ... „langue ne porroit 

retreire 
Tani d"enor, con prodon sei 

feire". 



Alles geschieht nun. wie 
beschrieben. Der Waldschrat 
erregt des Ritters Erstaunen 
ob seiner abschreckenden Häfs- 
licbkeit: 
(796) ... .,plus de gant foiz se 

seigna 
De la mervoille, que il ot, 



dafs die Mädchen auf goldenen 
Stühlen sitzen. 

Das Schlofs nebst allem, 
was ihm dort begegnet, findet 
Owein noch viel schöner als 
ihm gesagt worden war: 

'..Owein les (die Mädchen) 
trouva beaucoup plus belles 
et plus gracieuses encore que 
ne l'avait dit Kynon" und 

„La chere parut encore 
meilleure ä Owein qu'ä Kynon" 
(17, 8 f.). 



M. wiederholt hier noch ei- 
nige Einzelheiten: das Schwei- 
gen während des (ersten Teiles 
des) Mahles, Frage und Aus- 
kunfterteilung, das Lächeln 
des Gastgebers und endlich 
das Satteln des Rosses am 
Morgen durch die Mädchen. 

I In der Lichtung des Wald- 

I menschen ist er erstaunt über 

I dessen Gröfse: 

,,I1 chemina jusqu'ä la clai- 

' riere de riioinme noir. qui lui 

! parut encore plus grand (|u'a 

j Kynon" (17, 17). 



OWEIN — IVAIN. 



43 



("onianl Natuie feire sot 
Oevre si leide et si vilainne". 
All der Quelle zaudert Ivain 
nicht länger, 
(802) ,,Sanz arester et sanz 

seoir" 
ruft er in der bekannten Weise 
das Unwetter hervor. 



Nach dem Unwetter kommen 
die Vögel und stimmen ihren 
(besang an. und noch während 
des Gesangs kommt der fremde 
Ritter, und der Kampf ent- 
brennt. Von einer Herausfor- 
derung findet sich an dieser 
Stelle — im Gegensatz zu 491 f. 
— nichts. 

Es sei hier auf einen \'ei\s 
hingewiesen, der bei allen bis- 
herigen Ivain-Untersucluingen 
unberücksichtigt blieb und 
doch hier wenigstens angeführt, 



Auf seine Frage hin erfährt 
er die Fortsetzung des Wegs. 
Er gelangt dann zur Quelle 
und giefst das Wasser auf 
den Stein. 

Die schon mehrfach an- 
geführten Wendungen, die 
beim jedesmaligen Wieder- 
holen eines Ereignisses eine 
Steigerung der Wirkung oder 
des Eindrucks auf einen He- 
teiligten ausdrücken, fehlen 
auch hier nicht: 

„apres le tonnerre, l'ondee, 
et les deux bien plus forts 
que ne Tavait dit Kynon" 
(17, 24). 

und einige Zeilen weiter wört- 
lich mit der ersten Beschrei- 
bung übereinstimmend: 

„au moment, oü je prenais 
le plus de plaisir ä leur 
chant. . ." (17, 29). 

Auch der entblätterte Baum 
ist wieder erwähnt: ,.Lorsque 
Owein leva les yeux vers 
l'arbre, il n'y avait plus uiie 
feuille-' (17. 26). 

Von den Klagen, die nach 
Kyiions Bericht das Tal er- 
füllen, hört Owein nichts: 

il vit un Chevalier 

venir le long de la vallee" 
(18, 1). 

Alsbald entbrennt dei' hef- 
tige Kampf. 



11 WALTKK GKHINKK. 

die eigentliche Erörterimg 
wolle man an späterer Stelle 
linden — werden soll. 

Es sei hier nur festgestellt, 
dafs in der entsprechenden ' 
Stelle der mifsglückten Aben- 
teuerfahrt des Calogrenant er- 
wähnt wird, dafs der fremde 
Ritter in jeder Beziehung dem 
(jregner überlegen gewesen sei. 
Und im besonderen heifst es 
in den schon oben angefülirten 
Versen 532 f.: 

. . . „en pieces vola ma lance; 
Et la soe remest antiere. 
Qu'ele n'estoit mie legiere. 
Ainz pesoit plus au mien cui- 

dier. 
Que nule lance a Chevalier; 
Qu'ainz nule si gi^osse ne vi". 

Dieser Zusatz, von dem sich 
im M. nichts findet, ist. wie 
schon oben gesagt, vom Fran- 
zosen im Hinblick auf den 
unrühmlichen Ausgang des 
Kampfes gedacht; an der 
jetzigen Stelle (818) ist er 
nach Lage der Verhältnisse 
zum mindesten unnötig; es 
heifst hier einfach: 
(818) „Chascuns ot lance roide 
et fort". 
Der Verlauf des auf beiden Seiten mit gröfster Er- 
bitterung und höchster Kraftanwendung geführten Kampfes 
ist in beiden Fassungen bis in die Einzelheiten hinein genau 
übereinstimmend beschrieben. Der erste Anprall der Gegner 
ist so furchtbar, dafs die Lanzen zersplittern und der Kampf 
mit den blofsen Schwertei'n fortgesetzt werden mufs. Die 
Kampfesschilderung selbst ist nun bei Chrestien erheblich 



OWEIN 



TVAIN. 



45 



lebendiger und weiter ausgeführt als beim Kymi-en. Endlich 
gelingt es Ivain, dem Gegner mit einem furchtbaren Hieb 
Helm und Kopf zu spalten und so die Entscheidung herbei- 
zuführen. Tödlich verwundet, wendet sich der Besiegte als- 
bald zur Flucht. Ivain folgt ihm auf dem Fufse, kann ihn 
aber doch nie mit dem Schwerte erreichen. So jagen sie 
beide in gröfster Eile dahin, bis der todwunde Ritter an der 
Schwelle seines Schlosses ankommt. 

Ivain ist arg verstimmt, dai's 
es ihm nicht gelingt, den Be- 
siegten — lebend oder tot — 
gefangen zu nehmen. Der 
beilsende Spott Keus wird ja 
sicherlich nicht ausbleiben, 
wenn er ohne eine Kampfes- 
beute an den Königshof zu- 
rückkehrt. Auch hat er ja 
sein dem Vetter gegebenes 
Versprechen noch nicht er- j 
füllt, solange der Gegner noch 
lebt oder sich ihm nicht er- 
geben hat. Sie kommen bald M. hat hier die nicht gar 
dem Schlofs näher. so unwichtige Angabe, die 

später zur Behandlung mit 
herangezogen werden wird: 

„Un grand chäteau brillant 
apparut" (18, 10). 

Auf dem Ritte durch die 
Strafsen erblicken sie keinen 
Menschen: 
(903) „N'ome ne fame ne tro- 

vereut 
Es rues, par ou il passeren t^*. 

Auf diesen eigentümlichen 
Zug, dafs das Schlots des 
Ritters in weiterem Umkreise 
menschenleer dargestellt wird, 
soll später hingewiesen werden. 

Das Tor des Palas enthält 



46 



WALTKR OREINKR. 



eine verborgene Fallgatter- 
vorrichtiuig und ist so eng-, 
dafs nicht zwei Personen zu 
gleicher Zeit liindurchreiten 
können. Der verwundete Kitter 
passiert das Tor ohne Schaden. 
Ivain abei', der mit der Ort- 
lichkeit niclit vertraut ist, hist 
unwillkürlich den Mechanis- 
mus aus. Die Tür 
(923) . . . „une porte colant 
De fer, esmolue et tranchant", 
saust hernieder, und nur einem 
glücklichen Zufall verdankt 
Ivain seine Kettung. Da er 
sich gerade in dem kritischen 
Augenblick Aveit vorbeugt, um 
den Gegner am Sattelknopf 
zu fassen (935, 6), erreicht das 
Gatter ihn selbst nicht mehr. 
Sein Pferd aber wird dicht 
hinter ihm entzweigeschnitten, 
und Ivain selbst büfst noch 
die Sporen ein. 



Eine zweite Falltür, die 
den Torraum nach innen ab- 
schliefst, senkt sich und bietet 
Ivain Halt. Der todwunde 
Ritter ist noch durch das Tor 
entflohen, aber Ivain ist im 
Torraum eingesclilussen. 



M. hat hiei- nur die Angabe: 
,.0n laissa penetrer le Che- 
valier noir. mais un fit re- 
tomber sur üwein la herse" 

(18, 12). 



Das Fallgatter saust herab, 
ohnt^ Owein selbst Schaden 
zu tun, es streift grade noch 
den Sattel: 

. . . „atteignit l'extremite de 
la seile" (18,13), 
trifft die Sporen und durch- 
schlägt das RoL's. 

M. setzt noch hinzu: „Les 
molettes des eperons" — diese 
j Stelle, bei der M. für die 
; Sporen beim Franzosen die 
Sporenrädchen setzt, also die 
! Spannnng des Lesers steigert, 
I dürfte zur Charakteristik des 
! cymrischen Erzählers beitra- 
gen — „et un morceau du 
1 cheval resterent dehors, et 
Owein, avec l'autre trongon, 
I entre les deux portes" (18, 16). 
I So ist Owein ein Gefan- 
gener: 

„La porte Interieure fut 
I fermee, de sorte qu'Owein ne 
' pouvait s'echapper"' (19, 1). 



OWEIN 



TVATN. 



47 



Es folg-t nun eine Beschrei- 
bung des Torraumes, dessen 
Wände kostbar bemalt sind, 
und der überhaupt, wie aus 
späteren Stellen hervorgeht, 
sehr komfortabel eingerichtet 
ist. Förster (yvain) gibt zu 
dieser Stelle eine längere An- 
merkung, vermag aber doch 
die offensichtliche Unklarheit 
nicht zu beseitigen. Es sei 
hier nicht näher darauf ein- 
gegangen, da die ganze Vers- 
folge später genau zu be- 
handeln sein wird. 

Ivain ist schwer bekümmert: 
ist es ihm doch nicht gelungen, 
seineu Sieg vollständig zu 
machen : 

(9(38) . . . „de rien si graut duel 
n'avoit, 
(Jon de ce, que il ne savoit, 
Quel part eil an estoit alez". 

Ein schönes Fräulein 
(973) , . . „une dameisele 
Sole, mout avenanz et bele" 
kommt aus einem neben dem 
Torraum gelegenen Zimmer. 
Auch die Verse 976, 7 , in 
denen, wie Förster sagt, die 
Handschriften zwischen s'es- 
maia und l'esmaia schwanken, 
(976) „Quant mon seignor 
Owein trova, 
81 Tesmaia ') mout de premiers". 



,.I1 etait dans le plus grand 
embarras". . . (19, 3). 

Durcli das Tor hindurch 
kann er auf eine Strafse 
sehen; Häuser stehen auf bei- 
den Seiten, und ein liebliches 
Mädchen kommt auf ihn zu. 
Der typischen Bestandteile 
der Beschreibung halber — 
man vergleiche sie mit der 
der Jünglinge im gastlichen 
Schlol's! — sei diese hier an- 
geführt : 

. . . „une jeune lille aux 
cheveux blonds frises. la tete 



^) Im Gegensatz zu Förster, der sich in der i. Auflage (1910) für 
s'esmaia entscheidet, stimme ich doch — aus dem im Folgenden dargelegten 
Grunde — für l'esmaia, übrigens die Fassung, die die Mehrzahl der Hand- 
schriften bietet. 



48 



WALTKR OREINEK. 



srheiiifii \\u\\\ j^aiiz klar zu 
sein. Sie. die ihm Hilfe bi-iiigt, 
biaucbt ja. wie Förster richtig 
sagt, iiiclit gerade zu er- 
schrecken; immerhin bleibt 
aber nocli die Möglichkeit 
bestehen, dai's Chi-estien es 
dem Zufall überläfst, das 
Fräulein gerade in diesem 
Augenblicke herzuführen, oder 
dals sie vor dem grausigen 
Anblick des zerschmetterten 
Pferdes schaudert. Entscheidet 
man sich aber für die andere 
Lesart und bedenkt, dafs 
Ivain noch öfters von seiner 
Bangigkeit an dieser Stelle 
spricht, dann liegt in dieser 
Stelle ein immerhin nicht 
zu unterschätzendes Beweis- 
mittel für die späteren Aus- 
führungen. 



Sie teilt ihm mit, dafs ihm 
hier grofse Gefahr drohe; der 
Schlofsherr sei seinen schweren 
Verletzungen erlegen und der 
furchtbare Grimm der Schlofs- 
bewolmer richte sich gegen 
den Mörder. 

Sie spricht ihm Trost zu 
und bietet ihm ihre Hilfe an 
als Ausdruck des Dankes für 
früher geleistete Bitterdienste, 



ornee d'un bandeau d'or. vetue 
de paile jaune, les pieds 
chausses de deux brodequins 
de cordwal tachete" (IP. ti). 



Aber: „sie konnten zusam- 
men nicht kommen'', — da 
weder ihr noch ihm der 
Mechanismus des Tores ver- 
traut war. So sprechen sie 
durch die Toröffnung hindurch. 
Owein erfährt von der ihm 
bevorstehenden Gefahr; sein 
Leben steht auf dem Spiel, 
denn die Rächer des Erschla- 
genen werden kurzen Prozefs 
machen. 

Etwas merkwürdig nehmen 
sich die schon von Brown 
hervorgehobenen, ganz in den 
schon öfters erwähnten ty- 
pischen Ausdrücken gehal- 



OWEIN 



IVAIN. 



49 



(leren sie sich noch ^erw er- 
innert. Bei der Erzählung 
ihrer ersten Begegnung mit 
Ivain mögen die folgenden 
\'erse für Chrestiens ('harak- 
terisierungskunst sprechen : 
(1004) „Une foiz a la cort le roi 
M'anvoia ma dame an message. 
Espoir si ne fui pas si sage. 
Si cortoise ne de tel estre, 
(Jörne pucele deüst estre; 
Mes onques Chevalier n'i ot. 
Qu'a moi deignast parier un mot, 
Fors vos tot seul, qui estes ci; 
Mes vos. la vostre grant merci, 
M'i enorastes et servistes". 

Sie gibt ihm einen unsichtbar 
machenden Zauberring: 
(1024) ... „s'il vos plest, sei me 
randroiz, 
Quant je vos avrai delivre". 

Die Wirkungsweise des Rin- 
ges ist nun die folgende: 
(1027) „Si li dist qu'il avoit 
tel f orce, 
Come a dessor le fust l'escorce, 
Qui le cuevre, qu'an n'an voit 

point ; 
Mes il covient que l'an l'an- 

point, 
Si qu'el poing soit la pierre 
anclose, 
Puis n'a garde de nule chose 
Cil, qui l'anel an son doi a; 
Que ja veoir ne le porra 
Nus hon, taut et les iauz overz". 

Das hilfsbereite Fräulein 
sorgt auch für Speise und 
Trank und — was die Stelle 

Zeitschrift f. celt. Philologie XII, 1. 



tenen Reden des Mädchens 
aus: 

..O'est vraiinent grande pi- 
tie, qu'on ne puisse te delivrer. 
Ce serait le devoir d'une 
femme de te rendre Service. 
Je n'ai jamais vu assurement 
jeune homme meilleur que toi 
pour une femme. Si tu avais 
une amie, tu serais bien le 
meilleur des amis pour eile; 
si tu avais une maitresse, il 
n'y aurait pas meilleur aniant 
que toi" (19, 12 f.). 



Darum Avill sie ihm auch 
helfen und zwar mit dem 
Tarnring: 

„Tiens cet anneau et mets- 
le ä ton doigt. Tourne le 
chaton ä l'interieur de ta main 
dessus. Tant que tu le cacheras, 
il te cachera toi-meme" (19,20). 



50 



WALTER GREINER, 



bei Chrestien ganz verworren 
macht, — für Schlafgelegen- 
heit: 

(1040) „Sei mena seoir an unlit 
Covert d'une coute si riche, 
Qu'ains n'ot tel li dus d'Oste- 
riche". 

Schon wird das Näherkom- 
men der Sclilolsmannschaft 
hörbar. Die Mannen fahnden 
nach dem Mörder ihres Herrn. 
Das Mädchen zieht sich zurück 
und läfst ihren Schützling 
allein, nachdem sie ihm noch 
Verhaltungsmafsregeln gege- 
ben hat: 

(1066) „Se de cest lit ne vos 
niovez", 
werde alles Suchen der Krieger 
vergeblich sein. Etwas merk- 
würdig vom Standpunkte des 
höfischen Dichters aus sind die 
Verse 10721 

„Si vos comanceront a querre 
Et dessoz bans et dessoz liz. 
Ce seroit solaz et deliz 
A home, qui peor n'avroit, 
Que jant si avugle verroit; 
Qu'il seront tuit si avugle, 
Si desconfit, si desjugle, 
Que il esrageront tuit d'ire". 

Man sollte doch meinen, dem 
Ivain sei gerade nicht lächer- 
lich zumute. Oder sollte hier 
ein Rest einer früheren Form 
der Erzählung vorliegen, in 
der Lunete durch ihre beson- 
dere Stellung zu solchen — 
uns in diesem Zusammenhange 



Das Mädchen geht und gibt 
vorher dem Ritter die Wei- 
sung: 

. . . „je serai sur le montoir 
de pierre lä-bas ä t'attendre. 
Tu me verras sans que je te 
voie. Accours et mets ta main 
sur mon epaule; je saurai 
ainsi que tu es lä. Suis-moi 
alors oü j'irai" (20, 4). 



OWEIN 



IVAIN. 



51 



etwas frivol anmutenden — 
Worten ein Reclit liütte? 
Davon später! 

Kaum ist das Fräulein ge- 
gangen, da kommt auch schon 
die Schar der Bewaffneten 
hereingestürzt, um den Mörder 
ihres Herrn zu suchen. Sie 
finden aber nur die Sporen 
und die vor dem Tore liegende 
Hälfte des Pferdes: 
(1093) ..Et virent del cheval 
tranchie 
Devant la porte la meitie". 

Als sie aber im Torraum 
selbst nur den Rest des Pferdes 
finden, packt sie Verzweiflung 
und sinnlose Wut. Auf die 
Verse Hilf.: 

.. Et disoient : Ce que puet estre V 
Que ceanz n'a huis ne fenestre, 

(Widerspruch!) 
Par ou riens nule s'an alast, 
Se ce n'iere oisiaus. qui volast. 
Ou escuriaus ou cisemus. 
Ou beste aussi petite ou plus; 
Que les fenestres sont ferrees 
Et les portes furent fermees''. 
usw. soll später eingegangen 
werden. Ratlos stehen sie 
beieinander; ein neues Suchen 
beginnt, und ihr Grimm stei- 
gert sich ins Ungemeine. 



Die Schlofsbewohner müssen 
bald ihr Suchen als vergeblich 
aufgeben : 

,.Les hommes de la cour 
vinrent en effet chercherOvvein 
ponr le mettre ä mort. mais 
ils ne trouverent que la moitie 
du cheval, ce qui les mit en 
grande fureur" (20. 10). 



Hier verändert M. zunächst 
den Schauplatz der Handlung : 

„Owein s'echappa du milieu 
d'eux, alla ä la pucelle et lui 
mit la main sur l'epaule'' 
(20, 13). 



52 WALTEE GREINER, 

Das Mädchen führt ihn als- 
bald zu einem grofsen und 
I schönen Zimmer, das, seiner 
I Beschreibung nach, dem bei 
I Chrestien an der widerspruchs- 
: vollen Stelle v. 963 f. entspricht : 
„Owein promena ses regards 
I sur tont l'appartement: il n'y 
avait pas un clou qui ne fut 
' peint de riche couleur, pas un 
' panneau qui ne füt decore de 
' diverses figures dorees" 

(20, 17 f.). 
; Auf die wörtliche Überein- 
stimmung an dieser Stelle sei 
: später hingewiesen. 

Die nun folgenden näheren 
i Angaben verdienen wieder vom 
1 stilistischen Standpunkte aus 
I Beachtung: Alles, was mit 
I Owein in Berührung kommt. 
I ist überaus kostbar: 
I „La pucelle alluma un feu 
1 de charbon, prit un bassin 
d'argent avec de l'eau, et une 
Serviette de flne toile blanche 
j sur l'epaule, . . . 
I ... eile plaQa devant lui 
I une table d'argent dor6, cou- 
I verte d'une nappe de fine toile 
' jaune et lui apporta ä souper" 
, (21,41). 

Nun kommen die aus frü- 
1 heren Anführungen geläufigen 
; superlativischen Schilderun- 
1 gen: 

„II n'y avait pas de mets 
connu d'Owein dont il ne vit 
lä abondance, avec cette diffe- 






OWEIN — IVAIN. 53 

reiice que les mets qii'il voyait 
etaient beaucoup mieux pre- 
pares qu'ailleurs. 

Nulle part il n'avait vii 
offrir autant de mets ou de 
boissoiis excellentes que lä. 
Pas un vase de service qui 
ne fiit d'or ou d'argent" (2 1,9 f.). 
Da schmaust und trinkt denn 
Owein bis in den Nachmittag 
hinein: 

„Owein maugea et but 
jusqu'a une heure avancee du 
temps de nones" (21, 15). 

Zu dieser Zeit erhebt sich 
ein grofser Lärm im Schlosse, 
und Owein erfährt auf seine 
Frage, dafs man dem Edel- 
mann die letzte Ölung gebe. 
j Owein legt sich zur Ruhe. 
Bei der nun folgenden Be- 
schreibung des Lagers finden 
sich wieder die gewohnten 
Ausdrücke: 

„II eilt ete digne d' Arthur, 
tellement il etait bon, le lit 
que lui fit la pucelle, de tissus 
; d'ecarlate, de paile, de cendal 
! et de toile flne" (21, 21). 
Der folgende Abschnitt, ein Meisterstück Chrestienscher 
Stil- und Gedankenkunst, behandelt nun den so vielumstrittenen 
Höhepunkt des ersten Teiles: Wie Ivain die Liebe der ver- 
witweten Schlofsherrin gewinnt. Die vergleichende Gegen- 
überstellung beider Fassungen schliefst sich hier in der Reihen- 
folge der Geschehnisse, die bei beiden Verfassern starke 
Abweichungen zeigt, an des Franzosen Gedicht an und setzt 
die entsprechenden Abschnitte des Kymren zunächst ohne 
Rücksicht auf ihre Reihenfolge, der ein späteres Wort vor- 
behalten bleiben mag, daneben. 



54 



WAI/IEK (iKKINEU. 



Dei- Schauplatz dei- Hand- 
lung bei riirestien ist — im 
Gegensatz zu M. — immer nocli 
der Saalbau. in dem Tvain 
gefangen wurde. Noch während 
die Mannen mit verzweifeltem 
Suchen beschäftigt sind, kommt 
die iSchlofsherrin: 
(1146) ... ,,une des plus beles 

dames, 
Qu'onques veist riens teriiene. 
De si tres bele crestiiene 
Ne fu onques plez ne parole". 
Furchtbar sind die Aus- 
brüche ihres Schmerzes: 
(115(1) . . . ,.(le duel feire estoit 

si fole. 
Qu'a po qu'ele ne s'ocioit. 
A la foiiee s'escrioit 
Si haut, qu'ele ne pooit plus, 
Et recheoit pasmee jus. 
Et quant ele estoit relevee, 
Aussi come fame desvee 
Se comangoit a descirer 
Et .ses chevos a detirer". 



Durch den Torraum hindurch 
wird nun auch die Leiche des 
Schlofsherrn getragen. Dem 
Zuge voi'an geht die (reist- 
lichkeit: 



1 )ie Beschreibung der Schlofs- 
herrin (23. 3 f.): 

. . . „une femme aux cheveux 
blonds, flottant sur les deux 
epaules, souilles ä leur extre- 
mite de sang provenant de 
meurtrissures. vetue d'habits 
de paile jaune en lambeaux. 
les pieds chausses de brode- 
quins de cordwal bigarre [fast 
wörtliche — etwas erweiterte 
— Wiederholung der Beschrei- 
bung der Lunete S. 47]. 

Sie ist zudem von grufser 
Schönheit: 

..11 etait inipossible de voir 
une aussi belle femme, Owein 
en etait bien persuade. si eile 
avait eu son aspect habituel" 
(23, 10), Auch ihre Schmerzens- 
rirfe sind unaufhörlich: 

„r'etait merveille que le 
bout de ses doigts ne fut 
ecorche, tant eile frappait avec 
violence ses deux mains l'une 
contre l'autre" (23, 8) und: 
„Ses cris dominaient ceux des 
gens et le son des trompettes 
de la troupe" (23, 12). 

E.^ sei hier erinnert an 
21. 17: „A ce moment, ils 
entendirent de grands cris 
dans le chäteau". 



i 



OWEIN 



IVAIN. 



55 



(1166) „L'eve beneoite et la 

croiz 
Kt li cierge aloient devant 
Avuec les dames d'un covant, 
Et li texte et li anransier 
Et li clerc. qui sont despansier 
De feire la haute despanse, 
A quoi la cheitive ame pause". 
Der Schmerz der Dame stei- 
gert sich ins 
beim Anblick der Bahre 



Ungemessene 



Da das Suchen nach dem 
Mörder vergeblich Avar, schrei- 
tet man jetzt zur Bahrprobe: 
(1178) ... „anmi la sale amassa 
Autor la biere uns granz toauz; 
Que li sanz chauz. clers et 

vermauz 
Rissi au mort parmi la plaie, 
Et ce fu provance veraie. 
Qu'ancore estoit leanz sanz 

faille 
CiL (|ui feite avoit la bataille, 
Et ([ui l'avoit mort et conquis". 



Das Mädchen gibt ihm, wie 
schon oben erAvähnt. die Aus- 
kunft: 

„On donne l'extreme onction 
au maitre du chäteau" (21, 19). 

In der Nacht, während der 
ihm das Mädchen Gesellschaft 
leistet (siehe oben 21, 19), 
beginnt ein zweiter Lärm. Zu 
beachten ist die Steigerung- 
im Beiwort: 

„Vers minuit, ils entendirent 
des cris pergants'^ (21, 24). 

„Der Schlofsherr ist ge- 
storben," sagt das Mädchen. 

Uud nach Tagesanbruch 
wiederholt sich das Schreien 
zum dritten Male: 

„ün peu apres le jour 
retentirent des cris et des 
lamentations d'une violence in- 
exprimable" (Abermalige Stei- 
gerung des Ausdrucks!) 22, 3. 

Es ist die Stunde der Bei- 
setzung des Ritters, deren Be- 
schreibung unmittelbar folgt. 

fogig'l if'l. 



r.o 



WALTKK GKEINEK. 



Ks begimil miunielir ein 
noclimaliges Suclien. Wie die 
Wilden sclilageii sie mit. 
Stöcken um sich, und Ivain, 
der ja noch auf dem Bett 
liegt, bekommt ein gut Teil 
von den Schlägen ab: 
(1192) ..Si fu mout feruz et 

botez 
Mes sire Yvains la, ou il jut, 
N'onques i)or ce ne se remut" 
— während er doch das erste 
Mal leer ausgegangen war: 
(1134) ... .,parnii les paroiz 
feroient 
Et parmi Hz et parmi bans; 
Mes des cos fu quites et frans 
Li Hz, ou il s'estoit couchiez, 
Qu'il n'i fu feruz ne tochiez". 

Die Mannen stehen ratlos: 

da muls der Teufel seine Hand 

im Spiele haben! 

(1202) „Ce est mervoille et 

deablie!'' 

Nun bricht die Dame in ein 
Jammern tiefsten Schmerzes 
aus; ihr wilder Grimm richtet 
sich in einer Verfluchung gegen 
den feigen Mörder. Sie flucht 
dem Himmel: alles das könne 
doch nicht mit rechten Dingen 
zugehen : 

(1218j ..Bien puis dire. quant 
je nel voi. 
Que antre nos s'est ceanz mis 
Ou fantosmes ou anemis. 
S'an sui anfantosmee tote". 

Oder sollte er gar feige sein? 
Dem Gatten gegenüber zeigte 



OWEIN 



IVAIN. 



57 



er doch auch Miitl Hätte 
dieser, der unverg:leichliche 
Held, gegen einen sichtbaren 
Gegner gekämpft, dann wäre 
wohl der Ausgang anders ge- 
wesen ! 

Nun schreitet man zum 
Begräbnis des Kitters, das 
in aller Form (bei Chrestien 
nur angedeutet) vollzogen 
wird. 

Das Fräulein nimmt au 
alledem nicht teil; sie kommt 
wieder zu Ivain, — den sie ja 
nach Übergabe des Zauber- 
rings hatte verlassen müssen 
— und erfüllt nach einem 
kurzen Gespräch, in dem Ivain 
seine Angst offen bekennt 
(1262—1270), seinen Wunsch, 
doch ein wenig dem Leichen- 
zug zuschauen zu dürfen: 

„Ob ihm wirklich an dem 
Anblick der Prozession so viel 
gelegen war", meint Chrestien, 
„oder ob er: 
(1280) . . . ,,por la dame de la 

vile, 
Que il voloit veoir. le dist?*' 

Sie führt iim zu einem 
Fensterchen, von dem aus er 
alles beobachten kann. 



[Es sei hier noch einmal 
die Szenerie vergegenwärtigt: 
Die Nacht ist herum, und am 
frühen ]\rorgen erschallt das 
dritte Jammergeschrei.] 

..Owein se leva. s'habilla, 
ouvrit la fenetre et regarda 
du cote du ('häteau" (22, 8). 

Dals diese Stellung des 
Helden beim Leichenbegängnis 
eine Aveit glücklichere ist als 
bei Chrestien, wo Ivain, der 
noch im Torraum auf dem 
Bett liegt, die Prozession ver- 
folgt, soll an späterer Stelle 
Erörterung finden. 



WAT/IEU GKKINER. 



Tvain hört vom Fenster aus 
die Totenklage der schönen 



Das Begräbnis selber wird 
mit gewaltigem Pomp voll- 
zogen; die Menge der Teil- 
nehmer ist gar nicht zu über- 
sehen (22. 10 f.): 

„II ne vit ni commencement 
ni fin aux troupes c|ui rem- 
plissaient les rues. toutes 
completement armees; 11 3- 
avait aussi beaucoui) de fem- 
raes" — Browns Versuch, hier- 
aus in einer älteren Form eine 
Feenschar zu konstruieren, 
dürfte doch wohl zu kühn 
sein — „ä pied et ä cheval, 
et tous les gens d'eglise de 
la cite etaient lä chantant. 
II semblait ä öwein que le 
ciel resonnait sous la violence 
des cris, du son des tronipettes 
et des chants des hommes 
d'eglise''. 

Nun folgt die Beschreibung 
der Bahre selbst, die, wie 
ganz besonders der letzte Satz 
zeigt, in den bekannten Stil- 
formen sich hält: 

„Au milieu de la foule etait 
la biere, recouverte d'un drap 
de toile blanche, portee par 
des hommes dont le raoindre 
etait un baron puissant. 

Owein n'avait jamais vu 
assureraent une suite aussi 
brillante que celle-lä avec ses 
habits de paile, de soie et de 
cendal ". 



I 



OWEIN 



IVAIN. 



59 



\^'it^ve. Die Worte, die sie 
jetzt zum Ausbruch ihres 
Schmerzes tiudet. sind auf 
einen erheblicli milderen Ton 
gestimmt (v. 1288—1299). 

Gleich darauf aber gebärdet 
sie sich wiederum — dieser 
Stimmungsumschlag' erscheint 
mir nicht besonders glücklich 
gewählt — wie wahnsinnig, 
zerreifst die Kleider und mifs- 
handelt ihren Körper, so dafs 
Ivain sich nur mit Mühe zu- 
rückhalten kann: 
(1302) ..A mont grant painne 
se detient 
Mes sire Ivains. a quoi que tort, 
Que les mains tenir ne li cort". 

Aber das Fräulein rät ihm 
warnend, ja keine Unvor- 
sichtigkeit zu begehen und an 
dem sicheren Platze ruhig 
auszuharren (1305—1338). 

Darauf verläfst sie ihn. und 
Ivain bleibt allein zurück, von 
Zweifeln geplagt. Ein hef- 
tiger Widerwillen packt ihn 
gegen den sicherlich nicht aus- 
bleibenden Spott Keus, dem 
er doch bei dem Bericht 
von seinem wundersamen und 
siegreichen Abenteuer keinen 
sichtbaren Beweis bringen 
kann. 

Doch diesen Kummer ver- 

süfst ihm die Liebe: 

(1354) „Celes ranposnes a sejor 

Li sont el euer batanz et 

fresches, 



60 



WALTER GREINER, 



Mes de son gucre et de ses 
bresches 
Li radoucist novele Amors, 
Qui par sa terre a fet sou 
cors". 



Reflexionen und Seelenana- 
lysen sind nicht die Sache des 
K.ymren. Er konstatiert le- 
diglich die Tatsache: 

„En la voyant, Owein s'en- 
flamma de son amour au point 
(lu'il en etait entierement 
penetre" (23, 14). 

Owein erkundigt sich nach 
ihr und erfährt, sie sei die 
durch vielerlei Vorzüge aus- 
gezeichnete „Dame von der 
Quelle": 

,,0n peut en verite te dire", 
repondit-elle, „que c'est la plus 
belle des femmes, la plus ge- 
nereuse, la plus sage et la 
plus noble; c'est ma dame; 
on l'appelle la Dame de la 
Fontaine, c'est la ferame de 
l'homme que tu as tue hier'* 
(23, 16). 

Als Owein dem Mädchen 
seine Liebe zu der Trauernden 
gesteht, sagt sie verheifsungs- 
voll: 

„Dieu sait qu'elle ne t'aime 
ni peu ne point" (24, 2). 

Es soll einem späteren Ab- 
schnitt vorbehalten bleiben, 
zu untersuchen, welche Be- 
deutung die Worte der Zofe 
Lunete für die Handlung selbst 
haben. 



OWEIN — IVAIN. 



ni 



Die Liebeswunde, die immer 
schlimmer wird, je näher die- 
jenige Person ist, die sie allein 
heilen kann — 
(1373) „Et la plaie d' Amors 

aupire, 
Quant ele est plus pres de 
son mire. 
Oele plaie a nies sire Ivains, 
Don il ne sera ja mes sains" 
— ist wahrlich hinreichend 
Rache für die tödlichen Wun- 
den des Ritters von der Quelle. 

In farbenreichen und leben- 
digen Worten wird nun der 
Zustand des Helden beschrie- 
ben. Die Verse 1356 — 1405 
sind ein Preislied auf die Liebe, 
die in gemütswarmen Tönen 
und edler Sprache gefeiert 
wird. 

„Die Liebe", so heilst es 
einmal, „hat all ihre gerin- 
geren Stätten verlassen und 
sich ganz über Ivain ergossen". 

Dabei versäumt aber Ivain 
nicht, seine Blicke unverwandt 
nach der Dame zu richten. 
Das Begräbnis ist vorüber, 
die Menge zerstreut sich, und 
nur die Herrin bleibt zurück. 
Und ^vieder übermannt sie 
der Schmerz: 
(1412) . . . „sovant se prant a 

la gole 
Et tort ses poinz et bat ses 
paumes 
Et list an un sautier ses saumes, 
Anlumine a letres d'or". 



62 WALTER ORKTNER. 

Ivaiii verfolgt jede Bewe- 
gung:; ^'eine Leideuschaft wird 
immer glühender, sie bringt 1 
ihn der Verzweiflung nahe. 
Ist's denn nicht überhaupt 
Wahnsinn, was er begelirt? 
Ist das Gefühl der Eache, die 
sie ganz erfüllt, vereinbar mit 
der Leidenschaft, die er ihr ! 
entgegenbringt? j 

„Mag sie mich jetzt auch 
hassen, die Zeit wird Wandel 
schaffen; wer kennt nicht die 
Wandelbarkeit des Frauen- 
herzens? 

(1436) . , . „Fame a plus de mil 
coi-ages. 
Celui corage, qu'ele a ore, 
Espoir changera ele ancore*'. 

Bis dahin heilst es sich in 
Geduld fassen. Und nun folgt 
ein weiteres prächtiges Preis- 
lied der Frauenschönheit: ! 
„Eine Schönre als sie, die von 
Gottes Hand geschaffen, sah 
ich nie!" (1462—1506). 

Er ist dankbar für die 
Gelegenheit, die Geliebte un- 
bemerkt sehen zu können, und 
sein Gefängnis wird ihm darum 
gar köstlicher Besitz. 

Er sieht, dafs die beiden 
Tore, zwischen denen er einst 
eingeschlossen ^^■ar, offen ste- 
hen, d. h. aufgezogen sind, — 
aber er will sein Gefängnis 
nicht ohne die Verzeihung der 
Herrin verlassen: 



OWEIN 



IVAIN. 



03 



(1525) ..II ne s'an alast niie 

certes, 
Se eles li fussent overtes, 
Ne se la dame li donast 
Congie et si 11 pardonast 
La inort soii seignor buene- 
mant". 

Ja. selbst den Tod Avird er 

lieber erleiden als ohne ihre 

Vergebung Hiehen: 

(1540) ,. Morir viaut ainz que 

il s'an aut". 

Da kommt auch das Fräu- 
lein zurück und ist aufs 
höchste erstaunt, Ivain bei 
so guter Laune zu finden. 
Noch mehr wundert sie sich, 
als der Ritter ihre Befreiungs- 
vorschläge zurückweist. Ivain 
aber entgegnet ihr voll frohen 
Vertrauens auf die Allgewalt 
der Liebe: 

(1572) „Je n'istrai de ceste 
semainne 
An larrecin ne an anblee. 
Quant la janz iert tote assan- 

blee 
Parmi ces rues la defors, 
Plus a enor m'an istrai lors, 
Que je ne feroie nuitantre". 

Das Fräulein bedient ihn 
auch weiterhin in gleich vor- 
trefflicher Weise. 

Merkwürdig nehmen sich 
die Verse 1584 f., die Schlufs- 
worte des Gesprächs zwischen 
ihr und Ivain, aus, die zu den 
bisher geschilderten Empfin- 



64 



WALTKR C! RETNER, 



düngen doch in grellstem 
Widerspruch stehen : 
(1584) . . . ,.bien li sovint 
De ce que il li avoit dit, 
Que niout li plot ce (lue il vit, 
Quant par la sale le queroient 
Oil qui ocirre le voloient''. 

DiefolgendenZeilen(v.l589f.) 
geben uns Aufschlufs über das 
Verhältnis der beiden Franen- 
gestalten zueinander, über die 
Stellung des Fräuleins zur 
Schlolsherrin: 
(1589) ,,La dameisele estoit si 

bien 
De sa dame, que nule rien 
A dire ne li redotast. 
A quoi que la chose inontast; 
Qu'ele estoit sa mestre et sa 

garde". 
Die Herrin ist des Lebens 
überdrüssig, und alle Trost- 
sprüche des Fräuleins ver- 
fehlen ihre Wirkung. Der tote 
Gatte war ohne Gleichen, nie 
wird ihr ein Ersatz möglich 
sein. 



i Hier schiebt M. die bei 
i Chrestien v. 1881 f. stehende 
j und dort eingehender zu be- 
handelnde Wasch- und Putz- 
! szene ein. Das Mädchen begibt 
I sich dann ins Schlofs zu ihrer 
Herrin : 
„Elle ny trouva que tris- 
j tesse et soucis. La comtesse 
etait dans sa chambre, ne 
pouvant, dans sa tristesse, 
! supporter la vue de personne" 
; (24, 19). 

Arg merkwürdig nehmen 
sich die ersten Worte des 
j Fräuleins aus, die sie au 
j die Dame richtet, als diese, 
I schmerzgebeugt, ihren Gruls 
I nicht beachtet: 

„La pucelle se fächa et lui 
dit: „Que t'est-il arrive, que 
tu ne repondes k personne 
aujourd'hui?" (24, 23). 

Die Herrin beklagt sich in 
herben Worten über die Teil- 
nahmslosigkeit des Mädchens 
— ein Zug, der bei Chrestien 
völlig fehlt, trotzdem v. 1258 
der Zofe Fernbleiben von der 
Leichenfeier besonders er- 
wähnt wird — und gibt dabei 
eine allerdings ziemlich nichts- 



OWEIN — IVAIN. 



05 



„Wohl wivä ein Ersatz mög- 
lich sein'', entgegnet die Zofe, 
„vielleicht gar ein besserer!" 
(IßlO) „Meillor. se vos le volez 
prandre, 
Vos randra il (Dieu!), sei pro- 
verai''. 
Dies weist die Dame ent- 
rüstet zurück. 



(1612) „Fui, tes, ja voir nel 
troverai". 



sagende Auskunft über des 
Fräuleins Stellung: 

,,C'est moi ([ui t'ai faite 
riche" (24, 28 j. 

Das Mädchen schlägt der 
Trauernden vor, doch anstelle 
des müfsigen Jammern s lieber 
nach einem Ersatz des Gatten 
zu suchen. Hier folgen ihre 
— wohl einen etwas gefühl- 
losen Eindruck machenden — 
Worte: 

. . . „je n'ai jamais pense 
que tu eusses si peu de sens. 
II vaudrait mieux pour toi 
chercher ä reparer la perte 
de ce seigneur que de t'occu- 
per d'une chose irreparable'" 
(24, 30). 

Aber die Herrin ist un- 
tröstlich; nichts wird ihr den 
Verlust ersetzen können. Die 
Entgegnung des Mädchens: 

„Tu pourrais epouser qui 
le vaudrait bien ou peut- 
etre mieux" (25, 5). 
bringt sie in heftige Erregung. 
Viel wilder als beim Franzo- 
sen schlagen hier die Wogen 
ihres Grimmes: 

„Par moi et Dieu, s'il ne 
nie repugnait de faire perii- 
une personne que j'ai elevee, 
je te ferais mettre ä mort, 
pour faire en ma presence des 
comparaisons aussi injustes. 
Je t'exilerai eu tout cas" 
(25, 7). 

Nun ist die Reihe des Ent- 



Zeitsehrit't t celt. Philologrie XU, 1 . 



66 



WALTER GREIN ER, 



Die Zofe schlägt alsdann 
einen anderen Weg ein, die 
Sinnesart der Dame umzu- 
stimmen: sie weist auf den 
bevorstehenden Zug des Königs 
Artus hin, dessen Ziel ja die 
Gewitterquelle ist. „Was soll 
werden? — " 

Die „Dameisele Sau vage'" 
ist die Übermittlerin dieser 
Unglücksbotschaft (16191) 

Auf die Besatzung des 
Schlosses sei kein sicherer 
Verlafs, darum werde Artus 
das Land ohne jeden Wider- 
stand erobern. Als sie aber 
mit ihrem Rate eine schroffe 
Zurückweisung erfährt, ver- 
läfst auch sie ihre Herrin. 

Im Verlaufe der Zeit greift 
auch bei der Dame eine 
ruhigere Überlegung Platz. 
Sie läfst sich auch von den 
weiteren Ausführungen der 
schlauen Zofe überzeugen: 

Der Einwurf, ihr Gatte sei 
unersetzlich, sei nicht richtig, 



rüstetseins am Fräulein, sie 
verlälst alsbald die Herrin. 
Diese geht der Gekränkten 
bis zur Zimmertür nach und 
hustet, die Zofe kommt auf 
ihre Aufforderung zurück: 

„Par moi et Dieu", dit la 
dame, „tu as mauvais ca- 
ract^re (!), mais puisque c'est 
mon interet que tu veux 
m'enseigner, dis-moi comment 
cela se pourrait" (25, 20). 

Die Zofe steckt den „mau- 
vais caractere" ohne weiteres 
ein und beginnt auf die Not- 
wendigkeit einer Verteidigung 
der Quelle hinzuweisen: 

„Tu sais-qu'on ne peut 
maintenir ta domination que 
par vaillance et armes. Cherche 
donc au plus tot quelqu'un 
qui la conserve" (25, 23). 



IVAIN — OWEIN. 07 

die echten Ritter seien doch 
mit ihm nicht ausgestorben: 
(1674) .,ruidiez vos. que tote 
proesee 
Soit morte avuec vostre seig- 

nor? 
Qant aussi buen et gant meillor 
An sont remes parmi le monde". 
Sie solle gleich einen nennen, 
fordert die Herrin. Die Zofe i 
aber vei'sichert sich erst der 
Zusage, dafs die Dame beim 
Folgenden nicht in Zorn gegen 
sie gerate. 

So beginnt denn das rede- 
gewandte Fräulein die Ein- 
führung Ivains vorzubereiten: 
„Wenn zwei Eitter sich im 
Kampfe messen, ist dann der 
Sieger nicht besser und hel- 
denhafter als der Cberwun- 
dene? Darum 

(1705) ... „miauz vaut icil, qui 
conquist 
Vostre seignor, que il ne fist. . 
n le conquist et sei chaga 
Par hardemant an jusque Qa, ! 
Si qu'il l'anclost an sa meison". ! 
In harten Worten schilt nun i 
die erzürnte Witwe die Zofe. 
Diese, unwillig über den Bruch 
des gegebenen Versprechens, 
geht und benutzt die Zeit, 
nach ihrem Schützling Ivain 
zu sehen. 

Während der Nacht bereits 
quälen Gewissensbisse die 
Herrin, sie fühlt Reue ihrer 
unzeitigen Schroffheit wegen. ; 



68 



WALTER GKEINER, 



Als ob der Ritter vor ilir 
stände, beginnt sie jetzt ein 
förmliches Verhör, dessen Er- 
gebnis die Überzeugnng ist, 
dafs der Sieger im ehrlichen 
Kampfe doch eigentlich schuld- 
los ist: 

(1768) „Donc n'as tu rien vers 

moi mespris, 

Ne vers lui n'eüs tu nul tort". 

Als nun die Zofe am anderen 
Morgen wiederkehrt und ihre 
Kunst — „son latin" 1787 — 
fortsetzt, ist die Sinnesände- 
rung der Dame vollendet. Sie 
bittet die Zofe um Auskunft 
über den künftigen Schützer 
ihres Landes. Ist er ihrer 
würdig, dann will sie ihn zu 
ihrem und der Quelle Herren 
machen. Aber ihr guter Ruf 
darf keinesfalls darunter lei- 
den: 
(1807) „Mes il le covandra si 

feire, 
Qu'an ne puisse de moi retreire 
Ne dire: „C'est cele qui prist 
Celui, qui son seignor ocist". 

(Diese letzten Worte stellt 
Förster als Motto des ganzen 
Ivain seiner Einleitung zum 
yvain^ und ^ voran.) 

Das Fräulein kann mit ihren 
Antworten alle Bedenken zer- 
streuen. Der Name Ivain, der 
guten Klang hat, ist ihrer 
Herrin wohl bekannt: 
(1816) „Par foi, eist n'est mie 
vilains. 



Nur ein Ritter vom Artus- 
hofe kann hier in Frage kom- 
men: 

. . . „il ne peut y avoir d'autre 
homme ä defendre la fontaine 
que quelqu'un de la cour: 
d' Arthur" (25, 28). 



i 



IVAIN — OWEIN. 



69 



Aiuz est iiiuut fraus, je le sai 

bien. 
Si est fiz au roi rriien". 

So wird denn die Herrin 
von Ungeduld gepackt; die 
fünf Tage, die sich das Fräu- 
lein als Frist ausgebeten hat 
(1821), sind ihrer Sehnsucht 
viel zu lang. Noch heute oder 
spätestens morgen soll er da 
sein! 

Unmöglich! 
(1824) „Dame, ne cuit que nus 

oisiaus 
Poist an un jor tant volar". 

Der schnellste Bote soll so- 
fort sich nach dem Königshofe 
begeben, um die Ankunft des 
Ritters in möglichst kurzer 
Zeit zu bewirken. 

Die Ungeduld der Herrin 
möchte ihm Flügel anheften: 
(1836) . . . ,,se bien esforcier se 

viaut, 
Fera de deus jornees une. 
Et anquenuit luira la lune, 
Si reface de la nuit jor". 

Sein Lohn wird i-eichlich 
sein! 

Unterdessen soll die Witwe 
mit ihren Vasallen Rat ab- 
halten, was nun geschehen 
solle: 
(1848) ..Por la costume main- 

tenir 
De \ (jstre fontainne deffandre, 
Yos (ovandroit buen consoil 
prandre". 



Die Zofe selbst erbietet sich, 
einen Ritter vom Königshofe 
zu holen: 

„J'irai douc ä la cour, et 
honte ä moi, si je n'en i-eviens 
avec un guerrier qui gardera 
la fontaine aussi bien ou mieux 
que celui qui l'a fait avant" 
(25, 30). 



70 



WALTER «KEINKR. 



Sie solle das Eingehen einer 
neuen Ehe als zwingende Not- 
wendigkeit hinstellen, und mit 
dieser Lösung werde sie all- 
gemeine Zustimmung finden, 
denn jeder werde froh sein, 
die eigne Haut nicht zu Markte 
tragen zu müssen: 
(1865) „C'ar, qui peor a de son 

onbre. 
S'il puet, volantiers se des- 

conbre 
D'ancontie de lance ou de dart; 
Car c'est mauves jeus a coart". 

Wieder mahnt die Dame 
zur Eile; die Zofe bricht, 
sclieinbar zur Befolgung des 
Befehles, auf und geht wieder 
zu Ivain: 

(1879) „Et cele faint, qaele 

anvoit querre 

Mon seignor Ivain an sa terre". 

Dieser wird nun für die 
bevorstehende Vorstellung auf- 
geputzt. Unter hilfreichem 
Beistand des Fräuleins wird 
er gebadet, wie es der Sitte 
entsprach. wohl gepflegt, 
mit prächtigen Kleidern ge- 
schmückt (1881—93) und mit 
kostbarem Schmuck angetan, 
sodafs er einen gar stattlichen 
Eindruck macht. 



Das Mädchen scheidet von 
der Dame, um ihren Auftrag 
scheinbar auszuführen. Sie 
geht aber geradeswegs zu 
Owein. 

Es sei hier der entsprechende 
— bei M, an etwas früherer 
Stelle eingefügte — Abschnitt 
gegenübergestellt und be- 
sonders wieder auf die regel- 
mäfsig wiederkehrenden An- 
gaben über die Kostbarkeit 
all des Verwendeten hinge- 
wiesen : 

„La pucelle se leva et al- 
luma un feu de charbon. 
remplit une marmite d'eau et 
1h fit chauffer. PuivS eile prit 
une Serviette de toile blanche 
et la mit autour du cou 
d'Owein. Elle prit un gobelet 
d'os d'elephant, un bassin 
d'argent, le remplit d'eau 
chaude et lava la tete d'Owein. 
Puis eile ouvrit un coffret de 



IVAIN 



OWEIN. 



71 



Nun eilt die Zofe — nach- 
dem alles vorbereitet ist — zur 
Herrin, ihr die Rückkehi- des 
Boten zu melden. Diese harrt 
des Retters voller Sehnsucht; 
als sie von seiner Anwesenheit 
hört, ist ihre Ungeduld nicht 
mehr zu zügeln: 
a899) „Ceanz est il? — Vaing- 
ne donc tost!" 

Aber ohne Zeugen soll die 

Unterredung stattfinden: 

(1902) „Gfardez que n'an i 

vaingne plus; 

Que je harroie mout le quart'*. 



Die Zofe kehrt zu Ivain 
zurück. Sie hält ihm zunächst 
ihre Freude noch verborgen 



bois, en tira un rasoir au 
manclie d'ivoire, dont la lame 
avait deux rainures dorees" 
(24, 3 f.). 

Das nun aufgetragene Mahl 
ist überaus kostbar: 

„Owein n'avait jamais eu de 
comparable ä celui-lä, ni d'un 
Service plus irreprochable'' 
(24, 14). 

Diese gesamten superlati- 
vischen Stellen, die sich durch 
die ganze Erzählung ziehen 
und — wie zu zeigen sein 
wird — sich an manchen 
Punkten häufen, sollen später 
im Zusammenhang behandelt 
werden. 

Das Mädchen wartet mit 
Owein den Ablauf der ge- 
bülirenden Zeit ab, dann eilt 
sie zur Gräfin, die sie freudig 
bewegt begrüfst (26, 10, „qui 
la reQut avec joie*'), bringt sie 
doch gute Kunde! (26, 12). 
Am folgenden Tage soll die 
Unterredung stattfinden. Die 
Herrin will dafür sorgen, dafs 
keine Zeugen da sind: 

.,Je ferai debarrasser la 
nmison en vue d'un entretien 
particulier" (26, 16). 

Die Unterredung in der 
Darstellung des Kymren ist 
auf einen erheblich kühleren 
Ton o'estimmt. 



'2 



WALTER OKKINER. 



und beriflitet ihm, dafs die 
Herrin sie wegen der ilim 
geleisteten Hilfe arg gescholten 
habe. Dennoch habe sie er- 
laubt, ihn zu ihr zu führen: 
(1922) ..Avoir vos viaut an sa 

prison. 
Et s'i viaut si avoir le cors, 
Que nes li cuers n'au soit de- 

fors '*'. 
Ivain ist alsbald bereit, 
mit ihr zur Dame zu gehen 
(Wortspiel mit dem prison.) 



Voller Zagen betritt nun 
Ivain an der Hand des Fräu- 
leins das Zimmer der Dame, 
die durch ihr Schweigen die 
Yerwinung des Ritters nur 
noch mehr steigert. Die Zofe 
macht ihm heftige Vorwürfe 
wegen seiner Blödigkeit; köst- 
lich ist für die Charakteri- 
sierung des Mädchens v. 1966/7: 

. . . ..Chevaliers! et peor 
n'aiiez 
De ma dame, qu'ele vos morde". 

p]r soll sie um Vergebung 
bitten, und Ivain ergibt sich 
ihr alsbald auf Leben und Tod. 

Auf die Frage, was ihn 
denn bewege, sich ihr völlig 



Als am andern Tage die 
verabredete Stunde naht, wird 
Owein prächtig gekleidet. Die 
Beschreibung der Gewänder 
enthält wieder die typischen 
Schilderungen: 

„Owein revetit une robe. 
un surcot et un manteau de 
paile jaune. rehausse d'un 
large orfrei de fil d'or; ses 
pieds etaieut chausses de bro- 
dequins de cordwal bigarre. 
fermes par une figure de Hon 
en or" (26. 18). 

(Der Schuhsclmalle in Löwen- 
gestalt dürfte in diesem Zu- 
sammenhang noch keine tiefere 
Bedeutung beizumessen sein.) 

Die anfängliche Freund- 
lichkeit der Dame (. .. ,.qui les 
accueillit d'aimable fagon" 
26, 23) schwindet gar schnell, 
als sie den Eintretenden näher 
ansieht: 

... ,,ce seigneur n'a pas 
l'air de quelqu'un qui a voyage. 
Par Dieu et moi, ce n'est pas 
un autre que lui qui a fait 
sortir l'äme du corps de mou 
seigneur" (26, 27). 

Darauf setzt das Mädchen 
von neuem mit ihren Über- 
redungskünsten ein: 

„Tant mieux pour toi, prin- 
(•esse, s'il n'avait pas ete plus 
fort que lui. il ne lui eüt pas 



IVAIN 



OWEIN. 



73 



zu ergeben, bekennt er nach 
einer Eechtfertignng seine 
glühende Leidenschaft in be- 
geisterten Worten. 

Die rein geschäftliche Frage 
nach der Quelle beantwortet 
Ivain in günstigem Sinne, und 
der Vertrag Avird gleich ge- 
schlossen : 

(2036) „Sachiez donc, bien 
acorde somes". 

Daran schliefst sich un- 
mittelbar die Yasallenver- 
sammlung. Alles ist schon 
vorbereitet, die Schlofsbewoh- 
ner sind schon von der Not- 
lage ihrer Herrin, die immer 
wieder betont wird, unter- 
richtet : 

(2045) . . . .,jel ferai por le 
besoing: 
Oi meismes a vos me doing; 
Qu'a seignor refuser ne doi 
Ruen Chevalier et fil de roi''. 

Da Ivain einen überaus 
günstigen Eindruck auf die 
Versammlung macht, fallen 
die Worte des Seneschalls, 
der zur Zustimmung rät, auf 
fruchtbaren Boden. 

Nach einem hohen Lobe auf 
Ivains Heldenehie wird denn 
auch beschlossen, die Hochzeit 
unmittelbar folgen zu las,sen. 
Die Hochzeitsfeierlichkeiten 
Ivains mit Laudine (ihr Name 
wird 2151 genannt: 
„Laudine de Landuc, 
La dame, qui fu Alle au duc 



enleve l'äme du corps; un n'y 
peut plus rien, c'est une chose 
faite" (26. 29). 



Die Herrin will erst 
Bat ihrer Leute hören. 



den 



Die Dame weist auf die 
notwendige Verteidigung der 
Quelle hin und stellt ilire 
Leute vor die Wahl, entweder 
solle einer von ihnen der Nach- 
folger ihres Gemahls werden, 
oder ihr solle die freie Wahl 
eines Ersatzes bleiben. Man 
entschliefst sich für den letz- 
teren Weg. 



74 



WALTER «KEINER. 



Laudunet, dont an note uu 
^ lai'\ 
Über diese Stelle wird im 
Zusammenhang mit anderen 
Quellenangaben, derjen Vor- 
handensein im Ivain Förster 
bekanntlich leugnet, später zu 
handeln sein) beginnen als- 
bald; ihre Schilderung er- 
streckt sich von v. 2151—2169. 



Die Hochzeit wird alsbald 
gefeiert, und Ivain ist nun 
Verteidiger der Quelle. M. 
hat hier noch ein Nachwort, 
auf das wir später zurück- 
kommen werden, ganz eigen- 
tümlichen Charakters: 

..Owein garda la fontaine 
avec lance et epee, voici 
comme: tout Chevalier qui y 
venait, il le vendait pour 
tonte sa valeur. Le produit. 
il le partageait entre ses 
barons et ses Chevaliers; aussi 
n'y avait-il personne au monde 
plus aime de ses sujets que 
lui. II fut ainsi pendant trois 
anuees-' (27, 15). 

An dieser Stelle hat M. 
einen gröfseren Zeitabschnitt 
gewissermalsen als Pause ein- 
geschoben. Bemerkt sei noch, 
dafs nach V^^indisch sich an 
dieser Stelle — wie auch 
Brown a. a. 0. bemerkt, — 
ein deutlicher Absatz in der 
Niederschi-ift sich findet. 



OVVKIN 



IVAIN. 



75 



Eines Tages tiiidet Gwalcli- 
niei den König- in sehr übler 
Laune, die den Verlust Oweins 
zur Ursache hat. Als ob eine 
völlig neue Geschichte be- 
ginne, fährt der Bericht an 
dieser Stelle fort: 

„Un jour que Gwalchmei 
se promenait avec l'empereur 
Arthur, il jeta les yeux sur 
lui et le vit triste et soucieux. 
Gwalchmei fut tres peiue de 
le voir dans cet etat. . ." (28,3). 

Artus meint, die Erzählung 
des Kynon sei sicherlich schuld 
an Oweins Verschwinden, das 
er nicht länger ertragen könne: 

. . . „si je suis encore une 
quatrieme (annee) sans le voir, 
mon äme ne restera pas dans 
mon Corps'" (28, 9). 

Auf Gwalchmeis Rat hin, 
der ein Aufgebot der gesamten 
Truppenmacht — von dem 
eigentlich nie die Rede gewesen 
war — für unnötig hält, zieht 
der König mit seinem Gefolge 
selbst aus. Zweck der Ex- 
pedition ist bei M. lediglich 
der. Owein aufzusuchen. 

. . . „venger Oweiu s'il e.^t 
tue, le delivrer s'il est pri- 
sonnier. et l'emmener avec 
toi s'il est en vie" (28, 16). 

Ein stattlicher Zug wird 
alsbald zusammengestellt: 

„Ils etaient au nombre de 
trois mille sans compter les 
subordonnes" (28, 21). 



76 



WALTER GREINER. 



Kynon ist natürlich Führer. 
Im gastlichen Schlofs, dessen 
Anblick in den typischen 
Ausdrücken geschildert wird, 
nächtigen alle. Die folgenden 
Zeilen: 

„Malgre leur grand nombre 
on ne s'apei'cevait pas de leur 
presence dans le chäteau" 
(28, 28) 

wolle man wegen ihrer Be- 
deutung für die spätere Untei-- 
suchung im Auge behalten. 

Pracht und Luxus sind über- 
all, wie schon an den früheren 
Stellen: 

.,ns n'avaient jamais* vu 
auparavant de service iri-e- 
prochable en comparaison de 
celui des femmes. Le service 
pour les valets des chevaux, 
cette nuit-lä, ne se fit pas 
plus mal que pour Arthur 
lui-meme dans sa propre cour" 
(29, 1). 

Der Weg geht weiter über 
die Lichtung des Waldmen- 
schen. Auf die stete Stei- 
gerung des Ausdrucks soll 
auch hier noch einmal hin- 
gewiesen werden: 

.,Ils arriverent aupres de 
l'homme noir; sa stature parut 
encore beaucoup plus forte ä 
Arthur qu'on ne le lui avait 
dit'- (29, 7). 

Dann gelangt der Zug — 
der Weg wird noch einmal, 
wenn auch gegen die vor- 



i 



OWEIN — IVAIN. 



77 



herigen Stellen etwas gekürzt, 
beschrieben — zur Gewitter- 
quelle. 



Artus hat seinen versproche- 
nen Zug nach der Quelle, die 
liier wie auch öfter als ..mer- 
voille" bezeichnet wird, aus- 
geführt. Ken verleumdet wie- 
derum mit scharfer Zunge den 
., Helden" Ivain, wird aber 
von Gauvain energisch zurück- 
gewiesen. 

Der König selbst ruft das 
Unwetter hervor, und Ivain 
kommt eilends herbei. 



Kei bittet den König um 
den Vortritt bei den bevor- 
stehenden Kämpfen; er wird 
ihm gewährt, und sogleich 
schreitet der Seneschall zum 
Hervorrufen des Unwetters, 
das noch einmal beschrieben 
wird : 

. . . „Jamals ils n'avaient 
entendu bruit ni ondee pareille" 
(29, 19). 

Bemerkenswert ist die fol- 
gende Angabe: 

„Beaucoup d'hommes de 
rang inferieur (warum gerade 
diese?) de la suite d' Arthur 
furent tues par l'ondee" (29, 20). 

Auch der entblätterte Baum : 

„Lorsqu'ils leverent les yeux 
vers l'arbre, ils n'y apergu- 
rent plus une feuille*' (29, 22), 
weiter das Erscheinen der Vö- 
gel wird nochmals beschrieben: 

. . . „Jamals, assurement, ils 
n'avaient entendu musique 
comparable ä leur chanf 
(29, 25). 



78 



WALTER GREINER. 



Keu, den der selbst uner- 
kannt bleibende Ivain sofort 
an den Waffen (2243) erkennt, 
rüstet sich zum Kampf. Beim 
ersten Anprall zersplittern die 
Lanzen, dann gelingt es Ivain, 
den Gegner aus dem Sattel 
zu lieben. ., Damit begnügt 
sich sein edler Sinn": 
(2258) „Plus d'enui feire ne li 

quiert" 
hebt Chrestien besonders her- 
vor. Ivain nimmt Kens Pferd 
an sich, das er dem Könige 
übergibt. Der Verlauf des 
Kampfes hat vielen Freude 
bereitet: 
(2261) „S'an fu mout bei a 

tes i ot, 
Et fu assez, qui dire sot: 
„Ahi, ahi! come or gisiez 
Vos, qui les autres despisiez". 



Dann kommt Owein in der 
gleichen Ausrüstung wie einst 
der frühere Quellenverteidiger : 

. . . ,,monte sur un cheval 
tout noir, vetu de paile tout 
noir, venant d'une allure ar- 
dente" (29, 27). 



Kei reitet dem Ankommen- 
den entgegen, und der Kampf 
beginnt. Nach kurzem Kampfe 
liegt Kei besiegt am Boden. 



[In der Erzählung des Kym- 
ren nimmt nun die folgende 
Handlung einen wesentlich 
abweichenden Verlauf. Die 
Kämpfe werden in den fol- 
genden Tagen fortgesetzt und 
finden ihr Ende erst in dem 
Zweikampf zwischen Owein 
und Gwalchmei (Gauvain!), 
dei- ja bei Chrestien. an viel 






OWEIN — IVA IN. 79 

; späterer Stelle eingefüg-t, den 
I Gipfelpunkt einer ganz an- 
! deren Abenteuerreihe bildet. 
I Über die Vor- und Nachteile 
< der einen oder der anderen 
Fassung soll hier nicht ge- 
rechtet werden; dies bleibe 
für später; im Folgenden soll 
vielmehr — anschliefsend an 
den Gang der Handlung bei M. 
— lediglich eine Gegenüber- 
stellung der beiden Darstel- 
lungen des Zweikampfes der 
Freunde gegeben werden.] 

Nach dem für Kei gar so 
unrühmlichen Ausgange des 
Kampfes zieht man sich auf 
beiden Seiten zur Nachtruhe 
zurück. 

Am anderen Morgen wagt 
Kei mit des Königs Erlaubnis 
einen zweiten Kampf mit dem 
Ritter, der den gleichen Ver- 
lauf nimmt. Nur schlägt dies- 
mal Owein schon kräftiger zu: 
. . . „il jeta un coup d'oeil 
sur lui; et, lui donnant du 
pied de sa lance sur le front, 
il entama heaume, coiffe, peau 
et meme chair jusqu'ä l'os, de 
toute la largeur du bout de 
la hampe" (30, 10). 

Zum zweitenmale kehrt Kei 
als Unterlegener zu den Seinen 
zurück, und das gleiche Los 
ereilt auch all die übrigen 
Ritter, die nacheinander den 
Kampf wagen. So bleiben 
zuletzt nur noch Artus und 



80 



WALTER OREINER. 



Gwalcliniei übrig. Der König 
rüstet sicli schon, läfst aber 
dem Gefährten den Vortritt. 
Dieser ist so gerüstet, dafs 
er Owein gegenüber uner- 
kannt bleibt: 

. . . .,coninie il etait revetu 
d'une couverture de paile que 
lui avait envoyee la fille du 
comte d'Anjou, lui et son 
cheval. personne de l'armee 
ne le reconnai.ssait" (30, 21). 



Der Zweikampf d 
Mit furchtbarer Wucht stür- 
men die Gegner aufeinander 
los, sie schlagen einander 
schwere Wunden, die Lanzen 
zersplittern, und selbst als 
sich beide mit den Sclnvertern 
zu Leibe gehen, will keine 
Entscheidung fallen. 

Nach einer kurzen Pause, 
die durch Versöhnungsversuche 
(zwischen, den um das Erbe 
streitenden Schwestern) aus- 
gefüllt wird, entbrennt der 
Kampf von neuem. Blutüber- 
strömt schlagen die beiden 
Ritter aufeinander los, bis des 
Abends Dämmern zugleich mit 
der völligen Erschöpfung der 
wackeren Streiter zur Unter- 
brechung zwingt. 



er beiden Freunde. 



Der Kampf wogt mit er- 
bitterter Schärfe lange Zeit 
unentschieden hin und hei-, 
bis die hereinbrechende Nacht 
Einhalt bietet. 

Am anderen Morgen nimmt 
der Zweikampf seinen Fort- 
gang. Mächtige Lanzen („des 
lances epaisses", 31, 5) sind 
jetzt beider Streitwaffen, aber 
auch dieser Tag bringt keine 
Entscheidung. Am dritten Tage 
wählen beide noch schwerere 
Waffen : 

„ils allerent au combat avec 
des lances solides, grosses et 
epaisses" (31, 6). 

Bis zum Mittag vermag 
jeder den Angriff des Gegners 
abzuwehren. Dann reifsen von 
dem furchtbaren Anprall die 
Gurte beider Pferde, die Ritter 



OWEIN 



IVAIN. 



81 



Ivaiii schlägt dem (legner 
eiuen Waffenstillstand vor, der 
doch für beide nichts Un- 
ritteiiiches in sich scliliefse: 
((32o8) ,.Ja ne cuit, blasme ne 
reproche 
J aiiens. se nuiz nos depart'' 
und zollt seiner grolsen Tapfer- 
keit herzliche Worte aufrich- 
tiger Bewunderung. Hierauf 
gibt sich Gauvain zu erkennen. 
Ivain wird von furchtbarem 
Schrecken ergriffen, nach ver- 
zweifelten Klagen über sein 
Mifsgeschick nennt auch er 
seinen Namen und verspricht 
reiche Entschädigung für die 
^^'unden des Kampfes. 

Jeder schreibt dem andern 
den Sieg zu, jeder preist die 
ausgezeichnete Tapferkeit des 
Gegners; sie fallen sich voller 
Rührung um den Hals (6311). 

Der König tritt mit seinem 
Gefolge zu den beiden Rittern, 
die noch immer, jeder für 
seinen Teil, ablehnen, den 
Gegner überwunden zu haben. 

Zeitschrift f. celt. Philolog^ie XII, 1. 



fallen zu Boden, t'rlieben sich 
aber alsbald, um den Kampf 
wiedei'um zu Fufs weiter- 
zufüiiren. 

„Jamais, de l'avis des spec- 
tateurs, on n'avait vu deux 
hommes aussi vaillants, ni si 
forts. S'il y avait eu nuit 
noire, eile eüt ete eclairee 
par le feu qui jaillissait de 
leurs armes" (31, 14). 

Gwalchmei verliert infolge 
eines heftigen Schlages des 
Gegners den Schutz des Visiers, 
so dafs sein Gesicht vor Owein 
oifen daliegt. 



Oweins Worte sind sehr 
kühl gehalten: 

„Sire Gwalchmei", dit alors 
Owein, „je ne te reconnaissais 
pas ä cause de ta couverlure; 
tu es mon cousin germain" 
(31, 20). 

Keiner will Siegel- sein. 
Owein fährt fort: ,,Tiens mon 
epee et mes armes.'" — „C'est 
toi qui es le maitre, Owein," 
repondit Gwalchmei, „c'est toi 
qui as vaincu; prends donc mon 
epee." (32, 2). 

Schliefslich kommt der König 
herzu, dem Streit der beiden 
Freunde ein Ende zu machen. 
6 



82 



WALTER GREINER. 



Scliliefslicli schlichtet er ilireii 
(und der Schwestern) Streit. 



Noch immer weigert sicli jedei-, 
als des aiul ereil Überwiuder zu 
gelten. Sie fügen sich endlich 
dem Urteilsspruche des Königs: 

„Donnez-moi vos epees", dit 
Arthur, „et ainsi aucun de 
vous n'aura vaincu l'autre" 
(32, 11). 

Owein begrüfst den König 
auf das herzlichste, und alle 
nehmen gern an der Freude 
teil: 

„L'armee accourut vers eux. 
II eut tant de presse et de 
häte poiu' voir Owein et l'em- 
brasser, que peu s'en fallut, 
qu'il n'y eüt des morts. Hs 
passerent la nuit dans leurs 
Pavillons" (32, 14). 



Wir hatten Chrestiens Dar- 
stellung verlassen an der Stelle, 
wo Schadenfreude über die 
Niederlage Keus alle be- 
herrscht. Ivain führt dem 
König das Pferd des Besiegten 
zu und gibt sich auf des 
Herrschers Wunsch hin zu 
erkennen. Die Nennung seines 
Namens löst bei allen helle 
Freude aus, aufser bei Keu. 

Nach einer Erzählung seiner 
Abenteuer lädt Ivain den König 
samt seinem Gefolge zu sich 
ins Schlols ein. Der König 
sagt gern zu: 
(2308) „Li feroit huit jorz toz 

antiers 
Enor et joie et conpaignie". 



Als Artus die Absicht kund- 
gibt, weiter zu ziehen, bittet 
ihn Owein, seinem Schlofs 
einen Besuch abzustatten: 

„II y a aujourd'hui trois 
ans que je t'ai quitte, et que 
cette terre m'appartient. De- 
puis ce temps jusqu'ä au- 



OWEIN 



IVAIN. 



83 



Ein Bote wii'd vorange- 
schickt, um die Festvoibeiei- 
tungen im Sclilosse zu ver- 
anlassen. 



Einen beträchtlichen Raum 
nehmen bei Chrestien die 
lebensvollen Schilderungen 
des festlichen Empfang-s ein. 
Grofser Jubel herrscht über- 
all, und eine unaufhörliche 
Reihe glänzender höfischer 
Feste beginnt, der ritterlichen 
Minne ganzer Glanz geht von 
dem Leben im Schlofs aus. 
Aus der ganzen Schilderungs- 
reihe — die nichts des Aufser- 
gewöhnlichen bietet — heraus 
sei nur auf ein Bild hinge- 
wiesen, das in der späteren 
Untersuchung wiederkehren 
wird. V. 2895— 241.-) werden 
Gauvain und die Zofe, die ja 
Lunete heilst, mit Sol und 
Luna verglichen, und dieser 
Umstand wird in Settegasts 
Abhandlung eingehend er- 
örtert. 

Als die für das Königsfest 
angesetzte Zeit sich ihrem 
Ende nähert, bemühen sich 
die Ritter, Ivain zum Mit- 
ziehen zu veranlassen. Gauvain, 
der Sprecher der Ritterschaft, 
richtet an ihn ernste Worte 
über die Gefahr des „Verlie- 
gens": 



jourd'hui, je prepare un ban- 
quet pour toi. Je savais que 
tu ii-ais ä ma recherche. Tu 
viendras donc avec moi pour 
te debarrasser de ta fatigue, 
toi et tes hommes. Vous aurez 
des bains" (32. 20). 

M. findet sich mit dem 
Königsbesuch sehr schnell ab: 

. . . „le festin qu'on avait 
mis trois ans ä preparer, ils 
en viurent ä bout en trois 
mois de suite. Jamals banquet 
ne leur pai'ut plus confortable 
ni meilleur" (32, 27). 



Artus will Owein mit sich 
führen, um ihn an den Höfen 
vorzustellen: 

., Arthur songea alors au 
depart, et envoj'a des messa- 
gers ä la dame pour lui de- 
mander de laisser Owein venir 
avec lui, ahn de le montrer 
aux gentils hommes et aux 
6* 



84 



WALTER GREINKK. 



(2484) .,Comant? Seroiz vos or 

de (;aus,', 

("e disoit mes sire Gauvains, 

.,Qiii por lor fames valent 

maiiis? 
Honiz soit de saiiite Marie, 
Qui por anpirier se marie!" 

Den ununterbrochenen dring- 
lichen Mahnungen der Freunde 
kann sich Ivain doch nicht 
verschliefsen, er verlangt Ur- 
laub von seiner Dame, der 
ihm auch bewilligt wird. Aber 
nach Verlauf eines Jahres 
solle er wieder zurückkehren, 
oder : 
(2564) . . . „l'amors devandra 

haine, 
Que j'ai a vos, seürs soiiez, 
Certes, se vos trespassiez 
Le terme, que je vos dirai". 
Ivain scheidet in grofsem 
Schmerze; trostlos lang er- 
scheint ihm die Zeit der Tren- 
nung. Beim Abschied gibt 
ihm Laudine noch einen 
wunderkräftigen Ring: 
(2604) „Prison ne tient ne sanc 
ne pert 
Nus amanz verais et leaus, 
Ne avenir ne li puet maus, 
Mes qu'il le port et chier le 
taingne. 
Et de s'amie li sovaingne 
Ein^ois devient plus durs que 

fers. 
Cil vos iert escuz et haubers". 
Schmerzliche Szenen spielen 
sich beim Abschied ab, Ivain 



dames de l'ile de Bretagne" 
(32, 30 f. j. 

Die Dauer des Urlaubs be- 
trägt bei M. nur drei Monate. 



Nur ungern gibt die Gräfin 
Owein frei: 

„La dame le permit malgre 
la peine qu'elle en eprouvait" 
(33, 5). 



[Es sei schon hier darauf 
hingewiesen, dafs der Ring 
bei M. an dieser Stelle gar 
nicht erwähnt wird, trotzdem 
aber im späteren Verlauf der 
Handlung auf einmal auf- 
taucht] 



OWEIN — IVAIN. 



85 



kaiiJi sich nicht tieiiiieii. Nur 
widerwillig zieht er mit: der 
König hat es wohl vermocht, 
den Leib mitzunehmen, aber 
das Herz bleibt bei Laudine. 
(2640-2666). 

Der stillen Hoffnung Ivains. 
man werde bald zurückkehren, 
gibt Gauvain wenig Nalirnng; 
er führt Ivain von einem 
Turnier zum anderen: 
(2670) „Car as tornois s'an vont 

andui 
Par toz les leus, ou l'an tornoie'". 

Längst schon ist das eine 
ausbedungene Jahr des Ur- 
laubs verflossen, es geht schon 
stark ins zweite hinein. Aber 
immer wieder treibt Gauvain 
zu neuen Taten, zu neuen Tur- 
nieren, aus denen Ivain stets 
ruhmvoll hervorgeht (2684). So 
kommen sie nach Cestre, wo der 
König Hof hält. Etwas merk- 
würdig erscheint hier Chrestien 
die Angabe seiner Quelle über 
den Besuch des Königs: 
(2685) „Et dist li contes, ce me 

sanble, 
Que li dui conpaignon an.^anble 
Ne vostrent an \i\e de.sQandre, 
Ainz firent lor paveillon tandre 
Fors de la vile et cort i 
tindrent ; 
Qu'onques a cort de roi ne 
vindrent. 
Eincui.'«; vint li rois a la lor''. 

1 >a erinnert sich denn Ivain 
niit grofsem Schmerze seines 



Auf einen wesentlich ab- 
weichenden Ton ist die ent- 
sprechende Stelle in M. ge- 
stimmt; nichts von all dem 
tiefen Weh, das des Franzosen 
Schilderungen durchzieht : 



86 



WALTKR OREINER. 



gegebenen ^'pl•^pl(H•llells. das 
er mui tieulos gebrochen hat. 

(2701) trespassez estoit 

li termes; 
A graut painne tenoit ses 

1er in es, 
Mes honte li feisoit tenir". 

Ivain wird erst ans seinen» 
Brüten aufgeschreckt durch 
die Ankunft einer Botin, die 
geradeswegs auf ilin zureitet. 
Die Verse 2709/10: 
,.Ne nus ne fu a son desgandre, 
Ne nus n'ala son cheval 

prandre'*. 
erinnern lebhaft an die in 
V. 1009 beschriebenen Er- 
lebnisse am Königshofe. Sie 
entbietet allen höfischen Grufs. 
aufser Ivain, dem Wort- 
brüchigen: 

(2719) „Le desleal, le tia'itor, 
Le man^ongier, le jeingleor". 

Chrestien schiebt hier — 
als ^^'orte der Zofe gedacht — 
einen Exkurs über die wahre 
Liebe ein. von der Ivains 
., leeres Gerede'- (2722) gar 
so weit entfernt sei. (2722 
-2761). 

Darauf wird Ivain im Namen 
der Herrin als Wortbiüchiger 
verurteilt und verstofsen. 

Die Botin foidert von Ivain 
die Kückgabe des wunder- 
kräftigen Ringes, und Ivain 
fügt sich — wie in einem 
schweren Traume (2775) — 
ihrem Verlangen. 



..Owein alla avec Arthur 
dans Tile de Bretagne. Vue 
fois arrive au milieu de ses 
compatriotes et de ses com- 
pagnons de fest ins. il resta 
trois annees au lieu de trois 
mois" (33, 6). 

Macht schon die oben aus 
diesem Grunde wörtlich an- 
geführte Schilderung des Wort- 
bruches Oweins den Eindruck, 
als solle an dieser Stelle ein 
deutlicher Abschnitt gemacht 
werden, so wird dieser Ein- 
druck nur verstärkt, wenn 
man die Worte näher be- 
trachtet, die die Fortführung 
des Berichtes einleiten: 

,. Owein se trouvait, un jour. 
ä table a Kaer Llion sur 
Wysc, . . ." (33, 10). 

Die Beschreibung der Botin 
sei, der vielen charakteristi- 
schen Züge halber, auch hier 
wiedergegeben : 

. . . „une jeune fiUe se pr6- 
senta. montee sur un cheval 
bi-un, ä la criniere frisee; eile 
le tenait par la criniere. Elle 
etait vetue de paile jaune. 
La bride et tout ce qu'on 
apercevait de la seile etait 
d'or" (33, 11). 

Sie geht auf Owein zu und 
nimmt ihm den — wie oben 
angedeutet an dei' ersten Stelle 
bei M. nicht erwähnten 
Ring ab mit den Worten: 



OWKIN — IVAIN. 



87 



Clirestien betont an dieser 
Stelle wieder — wie auch bei 
dei- Ankunft des Fräuleins — 
das höfische Zeremoniell: die 
Botin bricht alsbald auf: 
(2778) „Puis si coniande a Deu 
le roi • 
Et toz les autres fers celui 
Cui ele leisse an grant enni". 
Ivain. der erst nach und 
nach gleichsam aus einer Er- 
starrung wieder zu sich kommt, 
wird von tiefer Reue und 
grofsem Schmerz eigiift'en; 
ihm steigen Fluchtgedanken 
auf. Verzweiflung packt ihn, 
er fürchtet, in der Gesellschaft 
der .Menschen seinen Verstand 
zu verlieren und stürzt — von 
niemand aufgehalten — aus 
ihrer Mitte hinweg. Bald 
liegen die Zelte weit hinter 
dem Flüchtling, da bricht der 
AVahnsinn aus: 
(2804) .,Lors li monta uns tor- 

beillons 
El Chief si granz, que il j 
forsane". . . I 
In diesem Zustand zerreifst 
er seine Kleider und flieht 
immer weiter in die Einöde. 
sodals alles Suchen seitens der 
Ritter vergeblich bleibt. 



Einem jungen Burschen, der 
im \Valde nach ^^'ild schiefst 
nimmt er die Waffen ab. um 
sich mit ihrer Hilfe seinen 



.,C"est ainsi qu"on traite". 
dit-elle, ..un trompeur. un 
ti'aitre sans parole: honte sur 
ta barbe!'- (33, 17). 

Darauf reitet sie schnur- 
stracks von dannen. 



Nach dem Scheiden der 
Botin übermannt der Schmerz 
Owein: 

..Le Souvenir de son expe- 
dition revint ä Owein, et il 
fut pris de tristesse" (33, 19). 
Voller Zagen und Sorgen 
bringt er die Nacht zu. und 
am anderen Morgen reift der 
Entschlufs in ihm, die Ein- 
samkeit zu suchen. M. bringt 
hier wieder den schon mehr- 
fach angeführten Ausdruck: 

. . . „il alla aux extremites 
du monde et aux montagnes 
desertes" (34, 2). 

Hier verwildert er voll- 
ständig — von dem eigent- 
lichen Wahnsinn erwähnt M. 
nichts: 

... „il continua ainsi jusqu'ä 
ce que ses habits furent uses, 
et son Corps pour ainsi dire 
aussi; de longs poils lui pous- 
serent par tont le corps" 
(34, 3). 



88 



WAT/IER GREINER, 



Lcbensiuiteiiiall zu efweiheii. 
So fiilirt er ein fast tierisches 
Leben im Walde, seine Kleider 
zerreifsen bei dem unaufhör- 
lichen, planlosen, nur vom 
Erlialtung-strieb geleiteten l^m- 
lierstieifen, sodafs ei'. als 
die erste menschliche Woh- 
nung ihm auf seiner Irifahrt 
begegnet, fast nackt ist. 

Er kommt zufällig an eine 
Einsiedlerhütte, deren Be- 
wohner vor F'urcht und Ent- 
setzen sich in seine Wohnung 
einschliefst, dem Flüchtling 
aber doch aus Mitleid Speise 
und Trank durch ein kleines 
Fenster zukommen läfst. Die 
schlichte Nahrung schmeckt 
Ivain köstlich. Hunger ist ja 
der beste Koch: 
(2854) ... „a toz mangiers est 
sausse fains". 

Es bildet sich zwischen 
beiden ein förmlicher still- 
schweigender Vertrag heraus: 
Ivain bringt dem Einsiedler 
das Wild, das diese)' dann 
zubereitet. 



\A'esentlicli mehr ins ^liir- 
chenhafte geht die gleiche 
Stelle bei M.: 

,.I1 fit sa compagnie des 
animaux sauvages, il senourrit 
avec eux, si bien qu'ils devin- 
■^ent familiers avec lui" ('M, t3). 

Das unruhvolle und un- 
stete Leben reibt natürlich 
seine Kräfte gar bald völlig 
auf: 

„Mais il finit par s'affaiblir 
au point de ne pouvoir les 
suivre" (34. 8). 



Da verläfst er denn aus 
freiem Entschlufs seine selbst- 
gewollte Verbannung und nä- 
hert sich wieder menschlichen 
Stätten. Er kommt zu einem 
märchenhaft schönen Garten: 

„II descendit de la montagne 
ä la vallee, et se dirigea vers 
un parc, le plus beau du 
monde, qui appartenait ä une 
comtesse veuve" (34, 9). 



JL 



OWEIN 



IVAIN. 



89 



Eine Damt- in Begleitung 
zweier Mädchen findet ihn 
eines Tages, als sie den Wald 
betreten, schlafend. Sie suchen 
lange nach einem Erkennungs- 
zeichen, bis endlich eine Narbe 
im Gesicht die Gewilsheit gibt, 
dafs der nackte Schläfer und 
der vielgerühmte Ivain eine 
Person sind. Mit dem Staunen 
über Tvains traurigen Zustand 
verbindet sich bei ihnen der 
Wunsch, der Held möge doch 
recht bald wiederhergestellt 
werden, um der Dame seine 
Hilfe aus arger Bedrängnis 
leisten zu können. 



Die drei Frauen eilen so- 
gleich nach dem Schlosse, um 
die wunderkräftige Salbe zu 
holen. [Die Verwendung einer 
Salbe zur Heilung des Irrsinns 
als eines inneren Leidens steht, 
wie schon Hertel a. a. 0. S. 46 
erwähnt, an dieser Stelle in 
der altfranzösischen Literatur, 
die sonst mehrfach Heilsalben 
kennt, einzig da.] Über die 



1 >ie Beschreibung des Parkes 
wird vom Kymren — man sieht 
nicht recht ein zu Avelchem 
Zwecke — Aveiter ausge- 
sponnen: 

,, Un jour. la comtesse et 
ses suivantes allerent se pru- 
mener au bord de l'etang qui 
etait dans le parc. jusqu'ä la 
hauteur du milieu de l'eau" 
(34, 12). 

Der Eindruck, den Owein 
auf die Frauen macht, wird 
bei M. als schrecklich ge- 
scliildert : 

. . . ..elles apergurent comme 
une forme et une figure 
d'homme. Elles en con^urent 
quelque crainte, mais, nean- 
moius, elles approcherent de 
lui, le täterent et l'exami- 
nerent" (34, 15). 

Da sein Zustand gar so be- 
klagenswert erscheint, soll ihm 
schnell Hilfe werden: 

„Elles virent qu'il etait tout 
couvert de teignes, et qu'il se 
dessechait au soleil" (34, 18). 

Die Dame geht ins Schlofs 
zurück und gibt dem einen 
Mädchen die Salbe (..une fiole 
d'un onguent precieux*' 34,21), 
auch Kleider für den Ritter, 
sowie ein Rols. 



90 



WALTER GREINER, 



Herkunft der Salbe sehe man 
die "Worte der Dame v. 29ö2f.: 
„Card'un oigneniant me sovient, 
Que me dona Morgue, la sage, 
Et si me dist, qne nule rage 
N'est an teste, que il n'an ost". 

Das Fräulein führt auch 
ein prächtiges Rofs mit sich, 
auf welches man kostbare Ge- 
wänder für Owein geladen hat. 

Mit der Salbe soll sie dem 
Schlafenden die Schläfen ein- 
reiben 

(2970) „Les tanples solement 

l'an oingne 

Et le remenant bien li gart; 

Qiril n'a point de mal autre 

part 
Fors que solement el cervel". 

Die Zofe begibt sich zu 
Ivain, verbraucht aber, dem 
Gebot der Herrin zuwider, die 
ganze Salbe: 

(8000) „Les tanples et le front 
l'an froie 
Et tot le cors jusqu'a l'artoil. 
Tant li froia au chaut soleil 
Les tanples et trestot le cors, 
Que del cervel li issi fors 
La rage et la melancolie". 

Hierauf verbirgt sie sich, 
um das Erwachen Ivains ab- 
zuwarten. 

Alsbald erfolgt nun Ivains 
Heilung vom Wahnsinn: er 
erwacht und erkennt mit 
Schrecken und Scham seinen 
traurigen Zustand: 



Die Dame gibt dann dem 
Mädchen Verhaltungsmafsre- 
geln: 

„Frotte-le avec cet onguent 
dans la direction de son coeur. 
S'il y a encore de la vie en 
lui, cet onguent le fera lever. 
Epie ce qu'il fera^' (35, 3). 

Das Mädchen geht nun zu 
dem schlafenden Owein und 
handelt nach dem Gebot ihrer 
Herrin, nur verstreicht sie den 
ganzen Vorrat der Salbe. 



Sie zieht sich damit zurück, 
bringt das Pferd mit den Klei- 
dern in seine Reichweite und 
beobachtet das Kommende. 

Gar bald gibt Owein Le- 
benszeichen von sich: 

. . . „eile le vit se gratter 
les bras. se relever et regarder 
sa peau. l\ eut grande honte, 



i 



OWETN — IVAIN. 



91 



(302<>) ..Mes nuz se voit come 

nn ivoire. 

Sa graut honte, et i)liis graut 

eüst, 
Se il s'avauture seilst; 
Mes n'an set plus, que nuz se 
trueve". 
Der Versuch, sich zu er- 
heben, um sich zu bekleiden, 
scheitert an seiner grrofsen 
Schwäche. Die Füfse versagen 
ihm den Dienst, sodafs das 
Fräulein endlich zur Hilfe- 
leistung heibeieilt. Sie führt 
ihm ein Pferd zu. und beide 
reiten nach dem Schlosse, wo 
er freundliche Aufnahme finden 
soll. 



tellement son aspect etait re- 
poussanf (35. 9). 



Unterwegs wirft das Fräu- 
lein von einer Brücke aus die 
leere Salbenbüchse ins Wasser, 
um sich den Vorwürfen ihrer 
Herrin wegen ihrerVerschwen- 
dung zu entziehen: 
(3094) . . . ,.elle dira que au 
passer 



Mit Aufgebot aller seiner 
Kräfte schleppt er sich zu 
dem Pferde hin und zieht die 
Kleider an. Kaum gelingt e^ 
ihm. in den Sattel zu kom- 
men. Da nähert sich das 
]\lädchen zu Oweins groi'ser 
Freude: 

„II se montra joyeux vis- 
ä-vis d^elle. . ." (35. 16). 

Auf dem Wege zum Schlofs 
erfährt Owein Näheres über 
das umliegende Land und seine 
Besitzerin: 

,,C'est ä uue comtesse veuve. 
qu'appartient ce chäteau fort 
lä-bas. Son mari. en mourant. 
lui avait laisse deux comtes. 
et aujourd'lmi, eile n'a plus 
d'autre bien que cette demeure : 
tont le reste lui a ete enleve 
par un jeune comte. son voisin. 
parce qu'elle n'a pas voulu 
devenir sa femme" (35, 17). 

Oweins Entgegnung ist le- 
diglich: „C'est triste" (35.23). 



92 



WALTER GREINER, 



Del pont eiiisi li meschai, 
Qiie la boiste en l'eve chai". 
Im Schlofs wird Ivain von 
der Herrin freundlich auf- 
genommen, das Fräulein aber, 
nach dem Verbleib der Salbe 
jiefragt. bringt unter vier 
Augen ihre Lüge an. Die 
Dame ist allerdings arg er- 
zürnt über den Verlust der 
Salbe, die unersetzlich sei: 
(3124) „Si ai perdu de mon 

avoir 
Tot le meillor et le plus chier". 



Dennoch soll Ivain nichts 
an guter Aufnahme und Be- 
handlung vermissen, da er ja 
eigentlich unschuldig ist: 
(3129)... „ce seroit trop vilains 

jeus. 
Qui d'un domage feroit deus". 
So schreitet denn Ivains 
Besserung unter sorgsamster 
Pflege stetig fort: 
(3134) „Sei baingnent et son 
chipf li levent 
Et le fönt rere et reoigner; 
Car l'an li poist aupoignier 
La barbe a piain poing sor 

la face. 
Ne viaut chose, qu'an ne li 
face". 



Owein bekommt die Herrin 
gar nicht zu sehen; 

. . . „la jeune fille le mena 
ä une chambre confortable, 
alluma du feu. et le laissa" 
(35, 26). 

Dann begibt sie sich zur 
Herrin, die sie auf ihr Ge- 
ständnis hin nur mit leisem 
^'orwurf straft: 

„II m'est difficile de te faire 
des reproches ä ce sujet. Ce- 
pendant il etait inutile pour 
moi de depenser en onguent 
precieux la valeur de cent 
vingt livres pour je ne sais 
qui" (36, 3). 

Owein aber, befiehlt die 
Dame, soll dafür nicht hülsen, 
er soll gut verpflegt werden. 



Das tut denn das Mädchen 
auch : 

„eile le pourvut de nourri- 
ture. boisson, feu, lit, bains, 
jusquä ce qu'il füt retabli" 
(36, 8). 

Stilistisch bemerkenswert ist 
der Schlulssatz: 

„Les poils s'en allerent de 
dessus son corps par touffes 
ecailleuses. Cela dura trois mois, 
et sa peau devint plus blanche 
qu'elle ne l'avait ete" (36,10). 



OWEIN 



TVAIN. 



03 



In die Zeit des Aufenthaltes 
Ivains fällt ein Angriff des 
Grafen Alier auf das Schlofs. 
Die Bewohner eilen zu den 
Waffen, um das Besitztum 
der Heirin vor Plünderung 
und Zerstörung- zu schützen. 



Ganz ähnlich wie an einer 
früheren Stelle (21, 24 und 
si)äter) leitet M. die Aliei- 
Episode ein: 

..Un jour. Owein entendit 
du tumulte dans le chäteau. 
et un bruit d'armes ä l'in- 
terieur" (30. 14). 

Darauf heilst es wieder — 
genau wie oben: 

„II demanda ä la pucelle 
ce que signifiait ce tumulte" 
(36, 16). 

Owein, der hier im Gegen- 
satz zu der französischen 
Fassung selbst die Initiative 
ergreift, bittet um ein Pferd, 
das ihm auch bewilligt wird. 
[. . . „les meilleures (cheval et 
armes) du monde", heilst es 
wieder.] Ein weiterer Paralle- 
lismus mit der schon hier 
mehrmals herangezogenen 
Stelle aus der Quellen fahrt 
findet sich in den folgenden 
Worten. Wie der Herr des 
gastlichen Schlosses lächelt, 

„11 me regarda et sourit" 
(9, 3), als Kynon seinen Plan 
vorträgt, so lacht auch die 
Gräfin: 

„La comtesse se mit ä rire'' 
(36, 27) als sie von Oweins 
Kampfesmut hört. 

Schliefslich könnte man in 
diesem Sinne auch noch die 
Beschreibung des Pferdes in 
beiden Fassungen anführen. 
Hier wie dort erhält der Ritter 



94 



WALTER OREINER. 



— an der ersteren Stelle 
allerdings als Trost für sein 
Mifsgeschick — ein prächtiges 
Rofs, dessen Schönheit jedes- 
mal über alles bisher Da- 
gewesene hinaus erhüben wird: 

... „je ne le dounerais pas 
encore pour le meilleur pa- 
lefroi de l'ile de Bretagne'" 
(15, 11) und 

... „il n'en a, assureraent, 
jamais eu eu sa possession de 
pareils" (36, 29). 

Owein erhält nun das Rofs. 
Vielleicht darf man in den 
Worten der Gräfin — 

„J'aime mieux qu'il les 
prenne que de les voir devenir 
la proie de mes ennemis, 
deraain, malgre moi, et cepen- 
dant je ne sais ce qu'il veut 
en faire'- (36, 30) 

— die sonst nicht recht ver- 
ständlich sind, da doch die 
Zofe von den Kampfesabsichten 
Oweins berichtet hat (36,26), 
eine weitere Parallele sehen 
und zwar zu den Worten des 
gastlichen Ritters: 

... „si je ne croyais qu'il 
düt t'en arriver trop de 
mal, je t'indiquerais ce que tu 
cherches" (9, 4). 

Und endlich sei noch das 
Aussehen des Pferdes selbst 
in beiden Stellen herangezogen, 
womit diese Gegen überstellung, 
auf die zurückzukommen später 
Gelegenheit sein wird, beendet 



OWEIN 



IVAIN. 



05 



Ivain, dessen Kräfte unter 
der vorzüglichen Pflege zurück- 
gekehrt sind, vollbringt im 
Kampfe, an dem er sogleich 
teilnimmt, Wunder der Tapfer- 
keit, die die Dame vom Turm 
aus mit Bewunderung verfolgt: 
(3235) „Onques ne fist de Du- 
randart 
Rolanz des Turs si graut essart 
An Roncevaus ne an Es- 
paingne". 



sei. Die beiden Stellen lauten: 

. . . „un palefroi brun funce, 
ä la criniere toute rouge, aussi 
rouge que la pourpre, com- 
pletement equipe" (15, 5) und 

. . . „un gascon noir, parfait, 
portant une seile de hetre, et 
une armure complete pour 
cheval et cavalier" (37, 4). 

Mit zwei Knappen als Be- 
gleitern bricht Owein nach 
dem feindlichen Heer auf, 
dessen Gröfse ganz aufser- 
ordentlich ist: 

„En arrivant devant Tarmee 
du comte, ils ne lui virent ni 
commencement ni fin" (37, 8). 

[Man vergleiche hierzu die 
schon oben angeführte Stelle: 

„II ne vit ni commencement 
ni fin aux troupes qui rem- 
plissaient les rues" (22, 9)]. 

Owein läfst sich den Stand- 
ort des Grafen bezeichnen, 
schickt die Knappen zurück 
und stürmt zum Angriff vor. 



pfi 



WALTEK n REINER. 



Alieis Leute werden zui ück- 
gesclilageii, dieser selbst, der 
sich zur Flucht wendet, wird j 
in der Nähe seines Herren- 
hauses (recet 3277) gefangen 
g:enomnien. 

Er mufs versprechen, sich I 
in die Gefangenschaft der 
„dame de Noroison" (3287) zu : 
begeben, dann führt ihn Ivain 
der Schlolsherrin zu. 



Der Graf verpflichtet sich, 
von weiteren Angriffen auf 
das Land abzustehen, zudem 
den an ihrem Eigentum Ge- 
schädigten vollen Ersatz zu- 
kommen zu lassen. Damit gibt 
sich denn Ivain zufrieden und 
bricht auf. 



Die Herrin ist über sein 
plötzliches Scheiden sehr er- 
zürnt, hat sie doch den treff- 
lichen Helden sich zum Gemahl 
ersehen; ihie bewundernde 
Zuneigung wandelt sich in 
Hafs, als sich Ivain durch 
nichts von seinem Entschlüsse 
abbringen läfst. Er reitet als- 
bald fort. 

In einem Walde wird Ivain 
durch ein lautes Schmerzens- 
geschrei aus seinen Gedanken 
aufgeschreckt. 



Der (Gegner wird von Owein 
alsbald aus dem Sattel gehoben, 
dann als Besiegter zum Schlofs 
gebracht: 

„En depit de toutes les 
difficultes, il arriva avec le 
comte au portail, aupres des 
ecuyers" (37, 19). 

Owein übergibt seinen Ge- 
fangenen der Herrin mit den 
Worten : 

„Tiens. voici, l'equivalent 
de ton onguent beni" (37, 22). 

Nachdem dieser noch reich- 
liche Bufse versprochen liat: 

„Pour avoir la vie sauve, 
le comte rendit ä la dame ses 
deux comtes; pour avoir la 
liberte, il lui donna la moitie 
de ses domaines ä lui, et tout 
son or, son argent, ses joyaux 
et des otages en outre ainsi 
que tous ses vassaux"(87,24f.). 

Dann scheidet Owein vom 
Hofe der Dame. 

Diese bittet ihn, zu bleiben 
und bietet ihm Hand und 
Herrschaft an — alles ist ver- 
geblich. Owein reitet fort. Der 
Ausdruck ist wieder der schon 
mehrfach angeführte: 

(Owein) . . . ,,se dirigea vers 
les extremit^s du monde et la 
solitude" (37, 30). 

Owein hört einen Schrei, der 
sich noch zweimal wiederholt: 

... .,il entendit un cri de 
douleui' dans un bois, puis un 



J 



OWEIN — IVAIN. 



97 



In einer Scliliiclit 
(3342) . . . ,,une parfonde gau- 

dine " 
findet er einen gar seltenen 
Kampf: eine Schlange ringt 
mit einem Löwen: 
(3348) ..Vit un Hon an un 

essart 
Et un serpant, ([ui le tenoit 
Par la coe et si li ardoit 
Trestoz les rains de flame 
ardant''. 

Nach kurzem Überlegen, 
wem er helfen solle, dem be- 
drängten Löwen oder der 
feuerspeienden Schlange, zieht 
er sein Schwert und geht 
dem Reptil zu Leibe, das er 
bald völlig zerstückelt; leider 
hülst der Löwe ein Stück 
seines Schweifes ein. 

Nun erwartet Ivain den 
Angriff des Löwen, dem er 
doch neuen Schmerz bereitet 
hat, aber es geschieht ein 
Wunder : 

(3392) „Oez, que fist li lions 
donques!" 

Der Löwe kommt auf Ivain 

Zeitschrift t. celt. Philolog-ie XII. 1. 



[ second. puis un troisi^me" 
I (38, 2). 

j Der Ursache nachgehend 
! findet er 

„une eminence rocailleuse 
au milieu du bois, (also wieder 
eine clairiere, ein tertre, wie 
später zu erörtern sein wird) 
et un rocher grisätre sur le 
penchant de la colline'" (38, 4). 

In einer Felsspalte „dans 
une fente du rocher" liegt 
eine Schlange mit einem Löwen 
im Kampfe. 

Hervorgehoben sei hier noch, 
dafs M. die Farbe des Löwen 
als schwarz angibt (un Hon 
tout noir 38, 8). 

„Chaque fois que le Hon 
essayait de s'echapper, le ser- 
pent s'elangait sur lui et le 
mordait" (38, 8). 

Owein schlägt mit furcht- 
barem Hieb die Schlange mit- 
ten entzwei, dann reinigt er 
sein Schwert. 



98 



WALTER GREIN KR, 



ZU, dem er sich unter Tränen 
der Rührung ergibt: 
(3400) . . . „tote sa face moilloit 
De lermes par humilite" 

Ivain trocknet sein Schwert 
und zieht weiter. 

Der Löwe begleitet ihn 
ständig und sorgt durch Er- 
jagen von Wild für Lebens- 
unterhalt. So führen beide ein 
gemeinsames Leben, der Löwe 
erhält von Ivain seine Nalirung 
und bewacht Ritter und Rofs 
zur Nachtzeit. 

So ziehen sie umher und 
kommen eines Tages durch 
Zufall an die Gewitterquelle, 
(3490) „Tant qu'avauture a la 

fontainne 
Dessoz le pin les amena", 
die natürlich in Ivain all den 
Jammer über sein Geschick 
Wiederaufleben lälst; er zieht 
sich, als er vor Schmerz zu- 
sammenbricht, durch einen un- 
glücklichen Zufall eine Wunde 
mit seinem Schwerte zu. 

Der treue Löwe mag nach 
diesem vermeintlichen Selbst- 
mord seines Herrn nicht weiter- 
leben, sein alsbald unternom- 
mener Versuch, auch sein 
Leben zu enden, wird noch 
im letzten Augenblicke durch 
Ivains Erwachen aus der Ohn- 
macht vereitelt. Ivain bricht 
nun in verzweifelte Klagen 
aus über sein verpfuschtes 
Leben (—3562). 



Beim Weiterziehen sieht er, 
wie der Löwe nicht von seiner 
Seite w^eicht: 

. . . „il vit le Hon le suivre 
et jouer autour de lui comme 
un levrier qu'il aurait eleve 
lui-meme" (38, 14). 

Owein läfst den Löwen an 
der herbeigeschafften Nahrung 
teilnehmen, sodals sich zwi- 
schen beiden ein förmlicher 
Vertrag herausbildet. 



i 



OWETN 



IVAIN. 



99 



Von der nahen Kapelle aus, 
die ja schon bei der früheren 
Beschreibung der Quelle er- 
wähnt wurde (v. 393, 4), hat 
eine arme Gefangene Ivains 
Klagen mit angehört und ruft 
ihn nun an: 

(3573) „Je sui". fet ele, „une 

cheitive, 

La plus dolante riens qui vive". 

Sie klagen nun beide um 
die Wette; jeder nimmt das 
grüfsere Leid für sich in An- 
spruch. Das Fräulein berichtet 
von ihrem traurigen Los: 
(3595) . . . „demain serai ceanz 

prise 
Et livree a mortel juise". 

Noch immer setzt Chrestien 
das Kunstmittel des Streites 
der beiden um das traurigste 
Geschick fort und läfst so 
die Gefangene ihre ganze Lei- 
densgeschichte nach und nach 
aufrollen. Der Grund ihrer 
Einkerkerung sei, dafs man 
sie des Verrates bezichtigt 
habe. Die Hoffnung, die ihr 
der Ritter bezüglich ihrer 
möglichen Befreiung macht, 



Die Weiterführung der Er- 
zählung des Kymren wird nun 
mit einer überaus bezeichnen- 
den Stelle eingeleitet: 

„Pendant qu'il etait ainsi 
occupe, il entendit un grand 
gemissement, puis un second, 
puis un troisieme. tout pres 
de Uli" (39, 1). 

Auf Oweins Fragen gibt 
sich die — eine nähere An- 
gabe über den Ort ihrer Ein- 
schliefsung fehlt völlig — Ge- 
fangene alsbald zu erkennen: 

„Je suis Lunet, la suivante 
de la dame de la Fontaine" 
(39, 5). 



100 



WALTER GREINER, 



weist sie zurück: nui- zwei 
Menschen gibt es. die ihr 
helfen können: 
(3625) ,,Li uns est mes sire 

Gauvains, 
Li aiitre est mes sire Ivains", 
und gerade um diesen letz- 
teren dulde sie eigentlich so 
Schweres. Da gibt sich denn 
Ivain zu erkennen und ver- 
mutet mit Recht in der Ge- 
fangenen die hilfreiche Lunete. 
Sie erzählt nun ihr Schicksal 
seit Ivains Fortzug: 

Sein Wortbruch hatte die 
Herrin in argen Zorn und 
glühenden Hafs versetzt. 



Der Seneschall, der ihr schon 
längst die Vertrauensstellung 
bei der Herrin nicht gönnte, 
erreichte durch Int riguen leicht 
ihre Gefangennahme. Findet 
sie innerhalb der gestellten 
Frist keinen Verteidiger, so 
soll sie den Tod erleiden. 



Schuld an allem trage nur 
der Ritter, der vom Artushofe 
her gekommen sei, ihre Herrin 
geheiratet und dann treulos 
verlassen habe. Ihrem An- 
denken ist er noch heute teuer: 

„C'etait pour moi un ami, 
celui que j'aimais le plus au 
monde" (39, 11). 

Als sie den Ritter eines 
Tages gegen die Verleumdun- 
gen zweier Kammerdiener ver- 
teidigt habe, sei sie der Frei- 
heit beraubt worden. Wenn 
nicht der Ritter, der alles 
verschuldet habe, am fest- 
gesetzten Tage selbst zu ihrer 
Verteidigung erscheine, sei ihr 
Leben verwirkt. Ihre Hoffnung 
ist gering, da sie niemand hat, 
Owein zu suchen. Aber ihr 
Vertrauen auf ihn ist uner- 
schütterlich: 

„Es-tu süre que si ce Cheva- 
lier le savait. il viendrait te 



OWEIN 



IVAIN. 



101 



defeiidre? — „J'en suis süre 
par moi et Dieu" (30. 21). 



All ihr Suchen ist bisher 
vergeblich gewesen, auch am 
Artushofe habe man ihr nicht 
helfen können, da Gauvain 
nach der entführten Königin 
fahnde. 

Unter der Bedingung, dafs 
er unerkannt bleibt, sichert 
ihr Ivain seinen Beistand zu, 
und die Zofe entlälst ihn mit 
herzlichen Wünschen für das 
Gelingen des Rettungswerkes. 



Ivain bricht nun mit dem 
Löwen auf und gelangt zu 
einem befestigten Haus. Die 



Owein teilt sein Mahl mit 
der Zofe, und sie plaudern 
bis zum Moi'gen. Auf seine 
Frage hin weist ihm das 
Mädchen den Weg nach einem 
Quartier. Die Beschreibung 
des Weges, der wieder von 
der Quelle ausgeht, sei hier, 
der Ähnlichkeit mit den ent- 
sprechenden Stellen in Kynons 
und Oweins Quellenfahrt we- 
gen, angeführt: 

. . . „va lä, ä la traverse, 
suis le chemin le long de la 
riviere, et, au bout de peu de 
temps, tu verras un grand 
chäteau surmonte de nom- 
breuses tours. Le comte ä 
qui appartient le chäteau est 
le meilleur homme du monde 
pour ce qui est du manger" 
(40,11). 

Während der Nacht hat der 
Löwe treulich Wacht gehalten: 

„Jamais guetteur ne veilla 
aussi bien son seigneur que 
ne fit le lion pour Owein, cette 
nuit-lä" (40, 7). 

Der Weisung des Mädchens 
folgend, gelangt Owein zum 
Schlofs. 



1('2 



WALTER GREINER, 



Kiiapiieii, die ihm zum Empfang 
entgegeneilen, weichen ent- 
setzt vor dem Löwen zurück. 
Ilir Verlangen, der Ritter 
möge doch das Tier draufsen 
lassen, schlägt Ivain mit der 
Zusicherung völliger Harm- 
losigkeit des Löwen ab. Die 
Begriifsung seitens der Schlols- 
bewohner ist überaus herzlich, 
und für einige Zeit hei-i'scht 
eitel Jubel und Freude. 



Doch bald tritt der Aus- 
druck schweren Kummers an 
die Stelle des Jubels; die 
Furcht vor einem unmittelbar 
bevorstehenden Schrecknis 
bannt schnell alle Fröhlichkeit: 
(3826) ... „d'une avanture s'es- 
maient. 
Qu'il atandent a l'andemain". 



Der Löwe folgt ihm zahm, 
doch erweckt er überall Furcht: 

,.Le lion alla se coucher ä 
l'ecurie du cheval; aussi per- 
sonne de la cour n'osa ap- 
procher de celui-ci" (40, 14). 

Owein wird sehr gut auf- 
genommen : 

„On soigna parfaitement son 
cheval, et on mit de la nourri- 
ture en abondance devant lui" 
(40, 12). 

Bei der Beschreibung des 
Mahles fehlen nicht die ty- 
pischen Worte: 

„Nulle part, assurement, 
Owein n'avait vu un Service 
aussi bien fait que lä (40, 16). 

Unsägliche Traurigkeit la- 
gert aber auf allen Gesichtern: 

„Mais chacun des habitants 
etait aussi triste que la mort" 
(40, 17). 

Am Mahle nimmt der Schlofs- 
herr nebst seiner schönen 
Tochter teil: 

„Jamals Owein n'avait vu 
une pei'sonne plus accomplie 
qu'elle" (40,20). 

Der Löwe legt sich während 
des Mahles zu Oweins Füfsen 
und bekommt ebenfalls seinen 
Anteil. 

Das einzig Störende ist die 
Leichenbittermiene der Tisch- 
genossen : 



OWEIN — IVAIN. 



103 



Ivain erhält auf seine teil- 
nehmende Frage nach dem 
Grunde der Bestürzung als- 
bald den folgenden Bescheid: 

Die schwere Bedrängnis 
rührt her von einem Riesen, 
Harpin de la Montaingne, der 
des Schlofsherrn schöne Toch- 
ter begehrt und diesem als 
Raclie für deren Verweigerung 
ständig schweren Schaden zu- 
fügt. Audi die sechs Söhne 
des Schlofsherrn, die in der 
Blüte ihrer Jugend stehen — 
(3863) . . . „sis fiz Chevaliers 

avoie, 
Plus biaus el monde ne savoie" 
— hat er geraubt; zwei haben 
schon den Tod von ihm emp- 
fangen, und die übrigen werden 
morgen ihr Leben lassen müs- 
sen, wenn nicht ein Vertei- 
diger sich findet oder wenn 
nicht ihre Freiheit mit der 
Preisgabe der Tochtei- erkauft 
wird. Keinen Tag sind sie bis- 
her \ov dem Wüten des Riesen 
(jaianz 3856) sicher gewesen. 



„Le seul defaut qu'Owein 
trouva lä, ce fut la tristesse 
des habitants" (40, 24). 

Auch hier schweigt man 
wieder bis zur Mitte des 
Mahles, wie schon an den 
früheren Stellen (8, 18 und 
17, 7): 

„Au milieu du repas, le 
comte souhaita la bienvenue 
ä Owein" (40, 25). 

Owein fordert zum Froh- 
sinn auf: 

„II est temps pour toi" 
dit Owein, „d'etre joyeux" 
(40, 26) und erhält sogleich 
einen Bericht über die Ursache 
des Schreckens: 

Ein Ungeheuer 

[. . . „un monstre, qui tue 
les hommes et les mange". . . 
(41,2). 

„II a figure d'un liomme. 
mais pour la taille, c'est un 
geant" (41, 6).] 
aus dem Gebirge habe seine 
beiden Söhne auf der Jagd 
geraubt und drohe mit deren 
Ermordung vor den Augen des 
Vaters, wenn nicht ihm die 
Tochter ausgeliefert werde. 

Owein hat auf alles dies 
nur wieder (man vergleiche 
die Erwiderung auf die Schil- 
derung von der Notlage der 
verwitweten Gräfin 35, 23) die 
Antwort: 

„C'est. assurement. triste". 
(41, 7). 



101 



WALTER GREINER. 



Auf Ivaiiis Vorwürfe, warum 
er sich denn nicht an des 
Königs Artus Hof gewandt 
habe, erwidert der Schlolsherr, 
dai's ja niemand wisse, wo der 
treffliche Gauvain sei, der den 
Entführer der Königin suche. 
Ivain, der ja, yne wir wissen, 
am gleichen Tage noch eine 
grofse Waffentat vorhat, ver- 
spricht Hilfe zu leisten und 
hält sein Wort auch der Mutter 
(einerSchwesterGauvains 3983) 
und der Tochter gegenüber. 
Zur Charakteristik seines — 
schon mehrfach angedeuteten 
— ritterlichen Sinnes dienen 
die Verse 39781, in denen er 
den Dank der Unglücklichen 
ablehnt. Da kehrt denn wieder 
Hoffnung und Freude ins 
Schlof s ein ; es folgt die Nacht- 
ruhe. Bezeichnend für den 
höfischen Dichter ist der Ex- 
kurs 4000 f., in dem erörtert 
wird, dafs Ivain doch nichts 
Unmögliches versprochen hat, 



Auf die Frage, wofür er 
sich denn nun entscheiden 
wolle, entgegnet der Schlols- 
herr, dafs er lieber die Söhne 
opfere als die Tochter ge- 
schändet sehe: 

„Je trouve, en verite, plus 
digne de lui laisser detruire 
mes ftls qu'il a eus malgre 
mor, que de lui livrer. de ma 
main, ma fille pour la souiller 
et la tuer'- (41, 9). 



Etwas unvermittelt — da 
doch Owein noch gar nicht 
sich zur Hilfeleistung ver- 
pflichtet hat — kommen mir 
die Worte vor: 

„Et ils s'entretinrent dautres 
Sujets" (41, 12). 

Owein bleibt die Nacht im 
Schlofs. 



OWEIN — IVAIX. 



105 



wie es zunächst scheinen mag. 
Denn wenn der Riese früh am 
Morgen kommt, bleibt dem 
Helden noch Zeit genug, die 
Rettung der Lunete auszu- 
führen. 

Am anderen Morgen warten 
sie lange vergeblich auf das 
Erscheinen des Riesen; als die 
Zeit der Messe und des Kirchen- 
gebetes vorbei ist, teilt Ivain 
den Schlofsbewohnern seinen 
unerschütterlichen Entschlufs 
zum Weiterzug mit; eine ernste 
Pflicht rufe ihn weg. Diese 
Nachricht weckt natürlich bei 
allen neue Bestürzung, wieder 
dringen sie in ihn, und Ivain 
steht in furchtbarem Seelen- 
kampfe unentschlossen da, aus 
dem er erst durch das plötz- 
liche Erscheinen des Riesen 
erlöst wird. 

Chrestien gibt — bei M. tiu- 
det sich nichts dergleichen — 
eine nähere Beschreibung des 
gräfslichen Zuges. 

Der Riese führt die Jüng- 
linge mit sich, die er grausam 
mifshandelt: 
(4092) ... „a son col un pel 

tenoit 
Grant et quarre, agu devant, 
Dont il les botoit mout sovant". 

Diese selbst sitzen, elend 
bekleidet, auf Schandmähren, 
und ein tückischer Zwerg fol- 
tert sie unaufhörlich: 



Am andern Morgen kündet 
schreckliches Getöse das Nahen 
des Riesen (man vergleiche 
wieder den typischen Aus- 
druck!): 

,,Le lendemain, ils enten- 
dirent un ])ruit incroyable: 
c'etait le geant qui venait 
avec les deux jeunes gens'' 
(41. 14). 



106 



WALTER GREINER, 



(4106) „N'onques ne les finoit 

de batre 

D'une corgiee a quatre neuz, 

Don mout cuidoit faire que 

preuz ; 
Si les batoit si qu'il seiguoieiit". 
Vor der Burg angekommen, 
wiederholt der Riese seine 
grausamen Bedingungen, die 
den unglücklichen Vater in 
hellen Grimm und furchtbare 
Klagen ausbrechen lassen. 
Ivain bereitet sich zum Kampf 
und zieht unter den Segens- 
wünschen aller hinaus. Auf 
die hohnvollen Schmähreden 
des Gegners läfst sich Ivain 
gar nicht ein; er schlägt dem 
Gegner schlimme Wunden, 
bricht aber selbst unter den 
schrecklichen Streichen des 
Riesen zusammen. Da greift 
der Löwe in den Kampf ein, 
um seinem Herrn zu helfen. 



Owein bricht mit dem treuen 
Löwen zum Streite auf. 



Der Löwe beteiligt sich von 
Anfang an am Ringen, und 
zwar, wie es heilst: 

„Le lion se battait avec lui 
avec plus de succes qu'Owein". 
(41, 21). 

Auf das voller Hohn ge- 
äufserte Verlangen des Riesen 
sperrt Owein den Löwen ins 
Schlols ein und begibt sich 
alsbald zur Fortsetzung des 
Kampfes, die vom treuen Tiere, 
das den Verlauf beobachten 
kann, mit wütendem Gebrüll 
begleitet wird. Als der Löwe 
seinen Herrn in furchtbarer 
Bedrängnis sieht, überspringt 
er die trennenden Mauern und 
eilt ihm zu Hilfe. 



OWEIN 



IVAIN. 



10^ 



Schwere Wunden bringt er 
dem Riesen bei. und ein mit 
übermenschlicher Kraft ge- 
führter Hieb Ivains läfst ihn 
endlich tot zusammenbrechen. 
Durch das Getöse seines Falles 
erschreckt, eilen die Burg- 
bewohner herbei, und eitel 
Freude herrscht über den 
glücklichen Ausgang. Ivain 
fordert, die Geretteten sollen 
sich mit dem tückischen Zw^erg 
als Beute Gauvain vorstellen: 
(4280) ,,Car por neaut fet la 

bonte, 
Qui ne viaut qu'ele soit seüe'"', 
und auf die Frage nach seinem 
Namen nennt er sich den 
„Löwenritter": 

(4291) . . . „li Chevaliers au Lion 
Vos dis, que je avoie non". 

Nun gibt es für Ivain keinen 
Aufenthalt mehi-; trotz aller 
Bitten eilt er fort, die Zofe 
zu retten. Das Anerbieten des 
Schlofsherrn, die Söhne als 
Waffengenossen mit sich zu 
nehmen, lehnt er ab, allein 
mit seinem Löwen macht er 
sich auf den Weg. 

Er kommt gerade im Augen- 
blicke höchster Not an. Der 
Richtprozefs ist bereits im 
Gange; man hat die Gefan- 
gene schon aus der Kapelle 
herausgeführt, entkleidet und 
gefesselt, um sie den Flammen 
zu übergeben. 

Das Vertrauen auf seine gute 



Den mächtigen Streichen des 
Löwen erliegt der Gegner bald; 
er sinkt tot zu Boden. 



Nun gibtOwein dem Schlofs 
herrn seine Söhne wieder. 



Owein weist alle Bitten, 
doch noch zu bleiben, zurück 
und eilt zur Befreiung der 
Lunete. 



Bei seiner Ankunft an der 
Richtstätte ist der Scheiter- 
haufen bereits entzündet, eben 
schleppt man das Opfer herbei: 

. . . „deux beaux valets bruns, 
aux cheveux frises, amenaient 
la pucelle pour 1'}' jeter- 
(42, 7). 



108 



WALTER ORKINER, 



Sache gibt ihm Mut, er stürzt 
eilends vorwärts und erhebt 
mit lauter Stimme Einspruch 
gegen die Ungerechtigkeit. Er 
sieht Lunete, die bereits ganz 
in ihr trauriges Los ergeben 
ist, und fragt sie nach den 
Anklägern. Diese sind Keu 
und seine beiden Brüder, auf 
deren höhnische Reden hin 
Ivain die Verteidigung der 
Zofe alsbald übernimmt. Der 
von Keu gestellten Bedingung, 
der LöAve dürfe nicht am 
Kampfe teilnehmen, unterwirft 
sich Ivain sogleich. 



In sinnloser Wut stürmen 
die drei Gegner auf Ivain los, 
in blindem Eifer zersplittern 
sie ihre Lanzen. Dem beson- 
neneren Ivain gelingt es, den 
Seneschall durch einen mäch- 
tigen Stols mit der Lanze zu 
Boden zu werfen, wo er re- 
gungslos liegen bleibt. Noch 
immer hat sich Ivain der 
wütenden Streiche der beiden 
anderen Gegner zu erwehren, 
und als dann noch derSeneschall, 
der sich von seiner Betäubung 
erholt hat, wieder in den 



Auf die Frage Ivains berufen 
sie sich auf den bestehenden 
Vertrag; die Frist sei abge- 
laufen und der Retter Owein 
nicht erschienen. Oweins An- 
trag, für den Fehlenden ein- 
treten zu dürfen, wird an- 
genommen. 

So beginnt denn der Kampf; 
Owein hat schweren Stand 
gegen die beiden Gegner, so 
dafs der Löwe wieder ein- 
greift Auf ihr Verlangen 
sperrt er das Tier in die 
Kapelle ein, deren Ausgang 
er mit Steinen verrammelt. 



TVAIN 



OWETN. 



109 



Kampf eingreift, scheint der 
Retter zum grofsen Schmerz 
der Umstehenden verloren. 



Da verläfst der Löwe sein 
«Jefängnis und stürzt sich zu- 
nächst auf Ken. der bald mit 
tödlichen Wunden am Boden 
liegt. Der treue Löwe, dem die 
beiden Überlebenden schwere 
Wunden zufügen, wird wieder 
von Ivain unterstützt, und die 
Gegner eigeben sich. 

[Auf einen Parallelismus 
möchte ich aber an dieser 
Stelle doch noch aufmerksam 
machen. Es handelt sich um die 
Beschreibung der Wunden, die 
der Löwe schlägt. Die ent- 
sprechende Stelle bei M. ist 
dem unmittelbar vorhergehen- 
den Kampfe mit dem Riesen 
entnommen: 

(Der Löwe) 
(4526) „Fet del hauberc voler 
les mailies. 
Et contre val si fort le sache, 
Que de l'espaule li esrache 
Le tandron atot le coste. 
Quanqu'il ataint l'an a oste 
Si que les antrailles li perent".] 

Nicht nur der wackre Strei- 
ter selbst, auch der Löwe hat 
schwere Wunden erlitten, aber 
Lunete ist frei: 
(4576) „Ore est Lunete bau- 
de et lies, 
Quant a sa dame est acordee. 



Owein gerät trotz tapfer- 
sten Wehrens durch die Über- 
macht der Gegner in arge 
Bedrängnis, sodafs der den 
Kampf wiederum beobachtende 
Löwe seineu Kerker abermals 
sprengt, um Hilfe zu leisten. 
In kurzer Zeit liegen die 
Gegner von des Löwen 
Streichen niedergestreckt, am 
Boden. 



(Le Hon) „donna, sur l'epaule 
du grand homme, un tel coup 
de griffe, qu'il le dechira jusqu'ä 
la jointure des deux hanches, 
et qu'on voyait les entrailles 
lui sortir du corps" (41, 301). 



M. leitet hier den Abschlufs 
des Abenteuers ein: 



110 



WALTKH GREINER, 



Si ont tel joie demenee. 
Que iiule jtiiiz si graut iie 
firent". 
Die beiden Gegner Ivains 
werden zum Feuertode ver- 
urteilt, „und das mit Recht!" 
sagt Chrestien: 
(4572) „Car ce est reisons de 

justise, 
Que eil, qui autrui juge a tort, 
Doit de eele meisme mort 
Morir que il li a jugiee". 



(."est ainsi qu'ils sauv^rent 
Lunet du feu" (43, 2). 



Bei M. schliefst hier die 
eigentliche Handlung, und die 
folgenden Zeilen sind ganz — 
ihrer Form und ihrem Inhalt 
nach — auf den Ton gestimmt, 
in den die meisten unserer 
Volksmärchen ausklingen: 

„Owein et Lunet allerent 
ensemble aux domaines de la 
Dame de la Fontaine; et quand 
Owein en sortit, il emmena 
la dame avec lui ä la cour 
d' Arthur, et eile resta sa 
femme tant qu'elle vecut"(43,3). 

Auf das Schicksal der — 
nun doch verwaisten — Quelle 
wird mit keinem Worte Bezug 
genommen. Dieser Umstand 
wird für die Beweisführung 
mit heranzuziehen sein. 

Mit diesem Abenteuer, nach 
dem also Owein die Versöh- 
nung mit seiner Dame erlangt, 
schliefst die eigentliche Hand- 
lung der kymrischen Erzäh- 
lung. Die noch folgende — 
dem Chrestienschen „Pesme 



IVAIN 



OWEIN. 



111 



Eitel Jubel imd Freude 
herrscht nun über das Gelin- 
gen des Rettungswerkes, wieder 
wird der gefeiei'te Held zum 
Verweilen eingeladen. Alles 
lehnt er ab; er kennt nur das 
eine Ziel: Die Versöhnung 
mit Laudine. 

Um nun die weitere Aus- 
spinnung der Handlung zu 
rechtfertigen, greift Chrestien 
zu einem Kunstmittel. Laudine 
selbst, die den ßetter der 
Zofe, der sich „der Löwen- 
ritter" nennt, nicht erkennt, 
bittet ihn, zu bleiben. Seine 
Strafe sei doch nun verbüfst, 
meint sie. Aber alles ist ver- 
gebens, und so läfst sie denn 
Ivain weiterziehen, der ihr im 
Augenblick des Scheidens noch 
eine ziemlich deutliche An- 
spielung auf beider Verhältnis 
zuruft : 
(4632) „Dame, vos an portez 

la clef, 
Et la serre et l'escrin avez, 
Ou ma joie est, se nel savez". 

In grofser Besorgnis scheidet 
Ivain vom Hofe: Lunete. die 



Avanture" entsprechende — 
Schilderung von Abenteuern 
ist durch die oben angeführten 
Schlufs Worte deutlich als Epi- 
sode gekennzeichnet. Von ihr 
und über Vor- und Nachteile 
einer jeden der beiden Fassun- 
gen wird an späterer Stelle 
zu handeln sein. 



112 



WALTER OREINEE, 



ihn ja allein kennt, nmls 
Schweigen geloben. Grofse 
Sorge bereiten Ivain die Wun- 
den des Löwen, die das wackere 
Tier so geschwächt haben, dafs 
er es — weich gebettet auf 
seinem Schild — tragen muls. 

Das nun folgende Abenteuer, 
das die Entscheidung des Erb- 
streits der beiden Sch^^'estern 
(der Töchter des Herrn de la 
Noire Espine) zum Gegenstand 
und den schon oben der kym- 
rischen Fassung gegenüber- 
gestellten — Zweikampf Ivains 
mit Gauvain zum dramatischen 
Höhepunkt hat, ist nun aus- 
schlielsliches Eigentum des 
Romans. Ihm entspriclit im 
Mabinogi rein nichts. Die 
Handlung sei in den folgenden 
Zeilen in grolsen Zügen um- 
rissen. Bemerkt sei noch, dals 
in den Rahmen dieses Aben- 
teuers Chrestien die schon 
oben erwähnte — vom Kymren 
als völlig losgelöste Episode 
behandelte — Geschichte vom 
„Chastel de Pesme Avanture" 
eingefügt hat. 

Voraus geht Ivains Unter- 
kunft in dem Schlosse eines 
gastfreien Ritters, wo seinen 
und des Löw^en Wunden die 
sorgsamste Pflege zuteil wird. 

Dann (4703 f.) beginnt die 
Schilderung des eigentlichen 
Abenteuers, die sich über 400 
Verse erstreckt. 



OWEIN 



IVAIN. 



113 



Nach dem Tode des „Herrn 
vom Schwarzeil Dorn'" ist ein 
wilder Streit um Nachfolge 
und Erbe zwischen den beiden 
Töchtern entbrannt. Die ältere 
sucht am Königshofe Schutz* 
und Beistand und findet Gau- 
vain, der inzwischen zurück- 
gekehrt ist, als Streiter für 
ihre Sache, die andere macht 
sich auf die Suche nach dem 
„Löwenritter'', dessen Ruhm 
die ganze Welt erfülle und 
den zu finden ihr nach vielen 
Mühen endlich auch mit Hilfe 
der Lunete gelingt. 

Auf dem Wege — Ivain ist 
alsbald zur Hilfeleistung be- 
reit — gelangen sie an das 
grausige Schlofs, das „Chas- 
tel de Pesme Avanture". 

Ein sonderbarer Empfang 
wird ihnen hier zuteil: alle 
Leute, denen sie begegnen, 
warnen ängstlich vor dem Be- 
treten des Schlosses, besonders 
eindringlich sind die Mahn- 
worte einer alten Dame, die 
ihm von der schlimmen „co- 
stume" berichtet. Doch alle 
Warnungen sind vergeblich; 
Ivain und der Löwe folgen 
dem Pförtner ins Schlofs. 

Ivain gelangt in einen wei- 
ten Saal, die Arbeitsstätte 
der Seidenweberinnen, die — 
nahezu dreihundert an der 
Zahl (5194) — mit kostbarer 
Arbeit beschäftigt sind. 

Zeitschrift f. celt, Pliüolögie XII, l. 



M. leitet seinen Bericht mit 
einer kurzen Zusammenfassung 
des Ganzen ein: 

„Alors il (Owein) prit le 
chemin de la cour de Du 
Traws (le Noir Oppresseur), 
et se battit avec lui. Le lion 
ne quitta pas Owein avant 
qu'il ne l'eüt vaincu" (43, 8). 



Im Saale des Schlosses sieht 
Owein 24 Frauen von be- 
rückender Schönheit : 

„vingt-quatre femmes, les 
plus accomplies qu'il eüt jamais 
vues" (43, 12). 

8 



114 



WALTER «REINER, 



In ihrem Äufseren bieten 
sie den Anblick äigster Dürf- 
tigkeit: 
(5199) ... „desliees et des- 

^aintes 
An i ot de povrete maintes, 
Et as memeles et as cotes 
Estoient lor cotes derotes 
Et les chemises as cos sales". 

Hunger und Not stehen auf 
ihren Gesichtern geschrieben, 
und der Anblick Ivains läfst 
sie alsbald in Tränen und 
Klagen ausbrechen. 

Der Pförtner schilt und 
bedroht Ivain heftig; da er 
ablehnt, auf des Ritters Frage 
hin nähere Auskunft über das 
Schicksal der Mädchen zu 
geben, sucht Ivain selbst sich 
Klarheit zu verschaffen. Er 
wendet sich an die Arbeite- 
rinnen selbst und erhält fol- 
genden Bescheid: 

(52561) Vor langen Jahren 
sei einmal der König der Jung- 
fraueninsel auf einer For- 
schungsreise auch zu diesem 
Schlols gekommen. Den Kampf 
mit den das Schlofs bewoh- 
nenden Teufelssöhnen — 
(5271) . . . „deus fiz de deable, 
Si nel tenez vos mie a fable!" 
fürchtend, erklärt sich der 
tölpelhafte König zu jedem 
Tribut bereit. Man einigt sich 
nun auf dreifsig Jungfrauen 
während jedes Jahres der 
Lebensdauer der beiden Un- 



Aber ihr Aussehen ist über- 
aus ärmlich und spricht von 
bitterer Not: 

„Elles n'avaient pas, sur 
elles toutes, pour vingt-quatre 
sous d'argent, et elles etaient 
aussi tristes que la mort" 
(43, 13). 



Auf seine Frage nach dem 
Grund ihres Schmerzes be- 
richten sie ihm: 

Sie sind mit ihren Männern 
einst hierhergekommen und 
freundlich aufgenommen wor- 
den. Dann, während man sie 
in einen Zustand der Bewufst- 
losigkeit versetzt habe, seien 
ihre Gatten getötet, sie selbst 
aber all ihrer Habseligkeiten 
beraubt worden. Die Leichen 
der Gemordeten aber finden 
sich mit vielen anderen Op- 
fern zusammen noch im Schlols, 






OWEIN 



IVAIN. 



115 



getüme. Am selben Tage, an 
dem diese den Tod erleiden, 
ist auch die Stunde ihrer (der 
Mädchen) Befreiung gekom- 
men. Aber ihre Hoffnung ist 
fast geschwunden. Die beiden 
Ungetüme knechten sie schwer, 
kläglich ist der Lohn ihrer 
Arbeit. Und stets packt sie 
neuer Schmerz, wenn ein neues 
Opfer das Schlofs betritt, denn 
noch keinem der zahlreichen 
Ritter ist es geglückt, den 
Kampf mit den Ungetümen 
lebend oder gar als Sieger zu 
überstehen. 

Alles das hat sich auf einem 
Hof (prael 5191, 5228) ab- 
gespielt; die Burg selbst — 
ein vielleicht nicht zu unter- 
schätzender Zug — ist voll- 
ständig menschenleer: 
(5347) „Lors va tant, qu'il vint 
an la sale, 
N'i trueve jant buene ne male". 

Hierauf gelangt Ivain in 
einen Garten, sein „Gefolge" — 
(5360) „Mes sire Ivains el 
vergier antre 
Et apres lui tote sa rote", 
womit doch eigentlich nur das 
Fräulein und der Löwe ge- 
meint sein können — mit ihm. 
Hier bietet sich seinen Augen 
ein liebliches Bild, ein Idyll 
nach all dem Traurigen. Ein 
liebreizendes Mädchen sitzt 
im Garten und liest den Eltern 
vor. Beim Nahen Ivains sprin- 



und auch Owein, so fürchten 
sie, wird deren Zahl nur ver- 
mehren. 



Owein trifft mit dem Noir 
Oppresseur zusammen, der ihn 
freundlich begrüfst: 

„II Vit venir ä lui un Che- 
valier qui l'accueillit avec 
autant de courtoisie et d'af- 
fection qu'un frere: c'etait le 
Noir Oppresseur" (44, 7). 



116 



WALTER GREINER, 



gen alle auf und begrüfsen 
ihn auf das herzlichste, bieten 
ihm auch, als der Abend naht, 
ein gutes Quartier. 

Am andern Morgen — nach 
der Messe (5457) — will Ivain 
weiterziehen, was ihm aber 
vom Herrn des Schlosses ver- 
wehrt wird. Erst mufs er 
sieh der strengen Satzung des 
Schlosses unterwerfen. Er mufs 
gegen die beiden Ungetüme 
kämpfen, denen sich jeder 
Besucher des unheimlichen 
Schlosses entgegenzustellen 
hat. Der Preis des Siegers 
ist die schöne Tochter des 
Schlolsherrn. Ivains Weige- 
rung, um diesen Lohn zu 
kämpfen, versetzt den Ritter 
in argen Grimm, er vergifst 
sich so weit, dem Löwenritter 
Feiglieit vorzuwerfen. Um diese 
Beleidigung von sich abzu- 
wehren, greift Ivain zu den 
Waffen und bereitet sich zum 
Kampf gegen die herankom- 
menden Ungetüme — „Li fil 
au netun" werden sie 5513 
genannt (über ihre Ableitung 
sehe man Settegasts Ivain- 
studie). Ihr Anblick ist so 
schaudervoU, dals selbst der 
Löwe sich mit Grausen wen- 
det (5525 — 5535); er gerät 
in furchtbare Erregung und 
Kampfeswut. Auf Verlangen 
der Gegner mufs Ivain ihn 
einsperren. 



OWEIN 



IVAIN. 



117 



Dem überaus heftigen und 
wilden Ansturm der Böse- 
wichter vermag Ivain nicht 
zu widerstehen; furchtbar sind 
die Hiebe, die sie mit ihren 
Keulen austeilen. 

Der Löwe, der von seinem 
Gelals aus die Bedrängnis 
seines Herrn sieht, bricht aus 
und eilt ihm zu Hilfe. Der 
eine der Gegner wird getötet, 
der andere bittet um Gnade. 

Nach diesem glücklichen 
Ausgange eilen alle Schlofs- 
bewohner herbei, ihre Freude 
kundzugeben. Die Hand des 
schönen Fräuleins muls Ivain 
leider zurückweisen, er erbittet 
sich dafür die Befreiung der 
armen Mädchen, die ihm auch 
gern bewilligt wird. Auf eine 
nochmalige Weigerung Ivains 
hin, die Hand der Tochter 
zu nehmen, gerät der Schlofs- 
herr, der sich schwer belei- 
digt glaubt, in heftigen Zorn 
und wird nui' mit Mühe durch 
das Versprechen Ivains be- 
sänftigt, er werde nächstens 
wiederkommen und um die 
Hand des Fräuleins anhalten. 

Unter dieser Bedingung 
darf Ivain endlich weiter- 
ziehen, mit ihm gehen die 
befreiten Arbeiterinnen, die 
ihren Retter aus Dankbarkeit 
ein Stück geleiten. 



Der Begegnung folgt un- 
mittelbar Herausforderung und 
Kampf. 



Owein bleibt Sieger, und der 
Ritter ergibt sich und bittet 
um Schonung seines Lebens. 

Bemerkenswert ist der erste 
Satz seiner Rede, auf den 
später wieder zu verweisen 
sein ward: 

„Seigneur Owein, il etait 
predit que tu viendrais ici 
pour me soumettre. Tu es 
venu et tu l'as fait" (44, 17). 

Um das Leben zu retten, 
verspricht er, sein schändliches 
Treiben aufzugeben: 

„J'ai ete en ces lieux un 
spoliateur, et ma maison a ete 
une maison dedepouilles; donne- 
moi la vie, et je deviendrai 
hospitalier, et ma maison sera 
un hospice pour faible et fort, 
tant que je vivrai, pour le 
salut de ton äme" (44, 19). 

Am anderen Morgen bricht 
Owein mit den armen Ge- 
fangenen auf: 

... „il emmena avec lui les 
vingt-quatre f emmes avec leurs 
chevaux, leurs habits, tout ce 
qu'elles avaient apporte de 
biens et de joyaux" (44, 241) 



118 



WALTER GKEINER. 



Uuleiwegs trennen sie sich; 
die Frauen suchen ihre Heimat 
auf, und Ivain zieht weiter, 
den Erbstreit der Schwestern 
zu schlichten. 



Im Folgenden sei nun der 
Abschlufs der Handlung beim 
französischen Roman kurz 
skizziert. Ivain kommt mit 
dem Fräulein und der hilfe- 
suchenden Tochter des „Herrn 



Er bringt sie zum Artus- 
hofe, wo sie gastlich auf- 
genommen werden und von 
wo aus sie zum Teil ihrer 
Heimat zustreben. Grofse 
Freude herrscht über Oweins 
Wiedererscheinen: 

„Si Arthur s'etait montre 
joyeux vis- ä -vis de lui au- 
paravant, apres sa premiere 
disparition, il le fut encore 
plus cette fois" (45, 3). 

Auf die vSchlufs Worte des 
kymrischen Berichtes, die Spu- 
ren eines weiteren Abenteuers 
enthalten, 

— „Owein resta, ä, partir de 
lä, ä la cour d' Arthur, comme 
Penteulu, tres aime d' Arthur, 
jusqu'ä ce qu'il retourna vers 
ses vassaux, c'est-ä.-dire les 
trois Cents epees de la tribu 
de Kynvarch et la troupe des 
corbeaux. Partout oü il allait 
avec eux, il etait vainqueur" 
(45, 8) - 

wird an späterer Stelle zurück- 
zukommen sein. 

Damit schliefst der Text 
des Kymren: 

„ Cette histoire s'appelle 
l'histoire de la Dame de la 
Fontaine" (45, 14). 



IVAIN — OWEIN. 119 



vom Schwarzen Dorn'* endlich 
am Königshofe an; den Löwen 
hat Ivain im letzten Quartier 
zurückgelassen, da er an dem 
ritterlichen Kampfe nicht teil- 
nehmen darf. 

So stehen denn gar bald 
die beiden Freunde, die einan- 
der nicht erkennen, sich als 
grimme Feinde auf dem weiten 
Kampf plan gegenüber: „so 
wohnen Liebe und Hafs dicht 
nebeneinander", sagt Chrestien 
in einer längeren Betrachtung. 

Der Verlauf des Kampfes 
— er endet unentschieden — 
wurde ja schon an früherer 
Stelle dem entsprechenden 
Berichte des Kymren gegen- 
übergestellt. Durch Ausgleichs- 
versuche des Hofes, die aber 
alle an dem Starrsinn der 
erbgierigen Schwestern schei- 
tern, zeitweilig unterbrochen, 
setzt sich der Kampf lange 
Zeit immer wieder unent- 
schieden bleibend fort, und 
erst die Erkennungsszene 
macht ihm ein Ende. Der 
Erbstreit der Schwester wird 
schliefslich durch eine „forma- 
listische Überrumpelung" der 
älteren seitens des Königs 
geschlichtet. Nach Beendigung 
des Kampfes findet sich auch 
der Löwe wieder bei seinem 
Herrn ein. 

Nun strebt die Handlung 
mit Macht dem Ende zu. Ivain 



120 WALTER GREIN EK, 

fafst den Entschlufs — was 
er eigentlich nach Lage der 
Verhältnisse schon längst hätte 
tun können und sollen — die 
Dame von der Quelle, die un- 
versöhnliche Laudine, zur 
Nachgiebigkeit zu zwingen. 
Sein Plan ist der: er will zur 
Gewitterquelle ziehen und von 
dort aus durch unaufhörliche 
Angriffe den Starrsinn der 
Herrin beugen. 

Wieder ist es Lunete, die 
schlaue Zofe, die endlich die 
Versöhnung in die Wege leitet. 
Wieder spielt ihre List, die 
ja von jeher ihr hervortre- 
tender Charakterzug im Ver- 
laufe der Handlung war, eine 
grofse Rolle. Die letzten Verse 
des Romans bringen uns noch 
gleichsam ein „Moment der 
letzten Spannung": noch ganz 
kurz vor dem Gelingen des 
Versöhnungswerkes scheint 
alles wiederum an der Hart- 
näckigkeit der Herrin zu 
scheitern, bis sie endlich, um 
das der Zofe gegebene Ver- 
sprechen nicht zu brechen — 
die ganze Handlung zeigt in 
ihrer Anlage viel Ähnlichkeit 
mit den Szenen, die die Wer- 
bung Ivains um Laudine schil- 
dern — ihren und Ivains Bitten 
sich geneigt zeigt und Ivain 
wieder unter aller Jubel und 
Freude in sein Heim einzieht. 



OWEIN — IVAIN. - 121 

Zweiter Abschnitt. 
Uutersuchungeu über den Stilcharakter beider Werke. 

Es wird sich auf den nun folgenden Seiten zunächst 
lediglich um eine Feststellung von Tatsachen handeln, — um 
eine (sit venia verbo!) „Aufnahme des Tatbestandes" unter 
Zugrundelegung der vorhergehenden Gegenüberstellung. 

Um einmal in dem bereits gewählten Bilde zu bleiben: 
Vielgestaltig und gar heftig sind — wie schon in der Ein- 
leitung hervorgehoben wurde — die Vorwürfe, die man dem 
Kymren machte und die man noch heute von der gleichen 
Seite her — teilweise etwas verändert, teilweise aber noch 
in der ursprünglichen Form — aufrechterhält. Mehr oder 
minder scharf in ihrer jeweiligen Fassung, haben sie doch 
alle einen gemeinsamen Kernpunkt: die Behauptung, der 
Kymre habe den französischen Roman einfach übertragen. 
Wie man sich dann bei der Verfechtung dieser Ansicht mit 
den nicht wegzuleugnenden echt keltischen Bestandteilen 
abzufinden weils, die, wie zu erörtern sein wird, an das 
innerste Gefüge des Stoffes heranreichen, dafür soll an 
späterer Stelle ein bezeichnendes Beispiel gebracht werden. 

Knüpfen wir an an ein Wort Ph. Aug. Beckers aus der 
schon mehrfach erwähnten „Besprechung" (lucus a non 
lucendo!) des Zenkerschen Werkes im Literaturblatt 1913, 
Heft 1. Dort ist von einem „grofsartigen Parallelismus" der 
französischen und der cj^mrischen Fassung die Rede, der sich 
bis zu dem Punkte der Handlung erstrecken soll, an dem der 
Löwe in den Gang der Geschehnisse eingreift. 

Wird diese Behauptung durch die wirkliche Sachlage 
gerechtfertigt? — Dieser Frage sei zuerst nähergetreten. 

Ich möchte nun in meiner Stellungnahme zu Beckers 
Ansicht fast noch weiter gehen als Zenker und nicht lediglich 
die „Grofsartigkeit" dieses Parallelismus, soweit man von 
einem solchen im strengen Sinne eigentlich reden kann, in 
Frage stellen. Dals er — selbst wenn er in vollstem Malse 
vorhanden wäre — an sich nicht beweiskräftig ist, dafs die 
Inhaltsgleichheit oder gar nur Ähnlichkeit zweier Werke aus 
sich selbst heraus keinesfalls den Schlufs rechtfertigt, das 



122 WALTER GREINER, 

eine sei vom anderen abhängig, ist ja schon des öfteren dar- 
getan worden. 

Der Beckerschen Behauptung nun im besonderen, dieser 
Parallelismus ziehe sich durch die Handlung beider Werke 
bis zum Eingreifen des Löwen, sei hier auf Grund der eben 
durchgeführten Gegenüberstellung beider Fassungen, die in 
dieser erweiterten Form erst in letzter Stunde der Arbeit 
eingefügt wurde, entschieden entgegengetreten. Gleich die 
ersten Blätter unserer Texte zeigen in vielen Punkten — 
nicht lediglich des von den Gegnern so oft angeführten 
„äufseren Beiwerks", sondein auch des innersten psycho- 
logischen Gefüges — eine teils geringere, teils erhebliche 
Abweichung. 

Hätte sich wohl der Kymre, der den Roman des Franzosen 
überträgt und zur Unterhaltung seiner Landsleute zurecht- 
stutzt, die farbenprächtigen, lebensvollen Schilderungen z.B. 
des glänzenden Hoftages entgehen lassen? Dafs er Sinn für 
dergleichen hat, zeigt doch deutlich genug seine im Gegen- 
satz zu Chrestien weiter ausgesponnene Beschreibung des 
prunkvollen Leichenbegängnisses, von der noch im Verlauf 
dieses Abschnittes Proben gegeben werden sollen. Wohl 
finden wir auch im Mabinogi Berichte von schimmernder 
Pracht und von Luxus, von Gold, Silber und köstlichem 
Geschmeide, — aber, wie zu zeigen sein wird, gerade nicht 
am Königshofe, sondern an anderen Stätten, die dadurch einen 
gar eignen Glanz gewinnen. 

Wie schon Brown in seiner mehrfach angeführten Ab- 
handlung (On the independent character of the Welsh Owein) 
ausdrücklich hervorhebt, ist aus diesem Abschnitt allein, 
der ja lediglich die Ergebnisse der Gegenüberstellung vereinen 
soll, eine endgültige Lösung der gesamten Frage logischer- 
weise nicht zu erwarten: „Within the limitations of this 
method a thorough settlement of the question is perhaps 
impossible." 

Damit dürfte auch die von Becker aus dem Parallelismus 
gezogene Schlufsfolgerung gerichtet sein. 

Nichtsdestoweniger ergeben sich doch schon hier eine 
Reihe wesentlicher Punkte, die als eine wichtige Stütze des 
Folgenden nun zunächst behandelt werden sollen. 



OWEIN — IVAIN. 123 

ICs sei hierbei mit der am meisten auffallenden Er- 
scheinung begonnen. 

Das ]\Iabinogi bleibt au Umfang ganz erheblich hinter 
dem Romane Chrestiens zurück. Das ist eine bekannte Tat- 
sache, die auch in der Mehrzahl der einschlägigen Schriften 
Erwähnung findet. 

Geht man nun den Ursachen dieses auffallenden Unter- 
schiedes im Umfange nach, so ergeben sich deren haupt- 
sächlich zwei: 

1. Die kymrische Fassung läfst ganze Stücke, ja stellen- 
weise ganze Abenteuer vermissen, die bei dem Franzosen 
mehr oder minder weit ausgeführt sind. 

2. Das Tempo der Erzählung, des Fortschreitens der 
Handlung, ist in der wälschen Ei-zählung ein völlig anderes — 
ein im Ganzen wesentlich strafferes, zielbewufsteres. 

In den Einzelheiten werden beide Punkte noch an späterer 
Stelle genauer zu behandeln sein. 

Und eine weitere Beobachtung ergibt sich hier: Wie schon 
Othmer seinerzeit für das Verhältnis des kymrischen Gereint 
zum französischen Erec fand, ist das Mals der Kürzung nicht 
in allen Teilen — durch den gesamten Verlauf der beiden 
Werken gemeinsamen Handlung hindurch — das gleiche. 
Wie in grolsen Zügen bereits der vorangehenden Gegenüber- 
stellung Owein-Ivain zu entnehmen ist, laufen im Anfang — 
in der Exposition der Handlung — beide Fassungen in engerer 
Berührung nebeneinander her als in den späteren Teilen, doch 
geht — es sei dies hier noch einmal hervorgehoben — die 
Beckersche Annahme eines „grofsartigen Parallelismus" selbst 
inbezug auf diesen — einleitenden — Teil der Erzählung 
noch zu weit. 

Edens hat in seiner Schrift (Seite 50 f.) ein ganz über- 
sichtliches Schema aufgestellt, das zeigen soll, wie sich die 
einzelnen Teile des Chrestienschen Erec inbezug lediglich auf 
den Umfang zu den ihnen inhaltlich entsprechenden Stücken 
des Mabinogi verhelten. 

Zu diesem Zwecke hat er eine rein äufserliche Zer- 
gliederung des französischen Textes in Abschnitte von je 
500 Versen vorgenommen. Auf Grund einer Umfangsver- 
gleichung dieser Abschnitte mit den entsprechenden Stücken 



124 WALTER GREINER, 

des kymrischen Textes gelaugt Edens zu dem Ergebnis, dafs 
wohl gegen das Ende hin bei beiden Werken sich weiter- 
gehende Abweichungen feststellen lassen, dafs aber von einer 
stetigen Divergenz, von einer planmäfsig odei- gleichartig zu- 
nehmenden Kürzung des Romans seitens des Kymren keine 
Rede sein könne. 

Es dürfte an dieser Stelle genügen, lediglich darauf hinzu- 
weisen, dals die Behauptung der steten Divergenz beider 
Werke von Othmer stammt, — sie findet sich allerdings auch 
mehrfach bei Förster. Othmer war schnell bei der Hand, sie 
auf Rechnung einer ständig zunehmenden Unlust des wälschen 
Kompilators am Stoff oder einer sich dauernd steigernden 
Nachlässigkeit zu setzen, was natürlich nicht ohne Weiteres 
gerechtfertigt erscheint. 

Ich habe nun die gleiche Zusammenstellung für das Ver- 
hältnis Owein-Ivain vorgenommen und dabei — der Einfach- 
heit halber und weil der Umfang der einzelnen Teilstücke gar 
nicht von Bedeutung für das Ergebnis ist — die von Edens 
eingeführten Abschnitte von je 500 Versen beibehalten. Bei 
einer Umfangsvergleichung der so gewonnenen Teile mit den 
ihnen inhaltlich entsprechenden des Mabinogi ergibt sich die 
nachstehende Reihenfolge, zu der bemerkt sei, dafs — wie 
auch bei Edens — die am wenigsten gekürzten Stücke am 
Anfang stehen. 

I, II, VII, III (enthält bei M. den Zweikampf zwischen 
Owein und Gwalchmei) IV, VIII, V, VI, IX, XI, XII, X. 
Abschnitt XIII und XIV (also bei Chrestien Vers 6001-6818) 
haben im Mabinogi nicht Entsprechendes. 

Es liegt also im Wesentlichen das Verhältnis ganz ähnlich 
wie bei Erec- Geraint, und die von Edens begründete Auf- 
fassung, dafs von einer planmäfsig sich steigernden Kürzung 
des Chrestienschen Werkes durch den Kymren nicht die Rede 
sein könne, ist auch für den Ivain giltig. 

Die von Edens gezogene Schlufsfolgerung, dafs die beim 
Franzosen sich allein findenden Stücke auch dem Bestreben 
des höfischen Dichters, die einmal üblich gewordene Länge 
des Abenteuerromans zu erreichen, ihren Ursprung verdanken 
können, möchte ich an dieser Stelle — es wird später auf 
diesen Punkt zurückzukommen sein — durch einige Worte 



IVAIN — OWEIN. 125 

Wendelin Försters nnterstreichen. Sie finden sich auf Seite XVII 
der Cliges- Einleitung und lauten: 

„Allein um dem Roman die richtige Länge zu geben, 
greift der Dichter zu einem bereits früher (im Erec!) be- 
handelten Thema, dem Verliegen des Ritters, das er diesmal 
(mit E. verglichen) auf den Kopf stellt . . ." 

Auch Windisch hat sich in seiner den neuesten Stand des 
keltistischeu Teiles der Frage darstellenden Abhandlung über 
„Das keltische Britannien" (Abh. d. kgl, sächs. Ges. d. Wiss.; 
phil. hist. Kl. 1912) zu der Frage der „Divergenz" geäuXsert. 
Auch er wendet sich gegen Othmers voreilige Schlulsfolgerung 
und schliefst sich dem oben ausgeführten Gedankengange mit 
den Worten an: 

„Wenn zwei Versionen derselben Geschichte zu Anfang 
genauer übereinstimmen als gegen Ende, so kann das auf 
gedächtnismäfsige Überlieferung hindeuten. Gegen Ende wird 
das Gedächtnis schwächer. Daher stellen sich am Ende die 
Variationen am ehesten und am stärksten ein. Auch die Zu- 
fügung von neuen Stücken geschieht am einfachsten am Ende." 

Zum Schlufs dieses ersten Punktes sei nun noch einmal 
der Gedanke herangezogen, der diese Ausführungen einleitete. 
Es war von den zahlreichen Abweichungen beider Fassungen 
die Rede, die hier lediglich festgestellt, später aber näher 
herangezogen werden. Der Wert des Trennenden in beiden 
Bearbeitungen ist für die Untersuchung ihres Verhältnisses 
überaus wichtig; sie bedient sich der aus der Erörterung der 
Eigenheiten des K3^mren gewonnenen Erkenntnisse als der 
Grundlage. So nähert sich der letzte Teil der Arbeit der von 
Becker aufgestellten Forderung: festzustellen, 

„welche von den beiden Fassungen, der kymrischen oder 
der Chrestienschen, im einzelnen Falle logischer, natürlicher, 
widerspruchsfreier, verständlicher, sinngemälser und mithin 
ursprünglicher ist." 

Gleich im folgenden Satze sagt Becker: „Das ist die un- 
sichere (?) Basis, auf der operiert werden mufs, weil es keine 
andere gibt." 

Dafs man aber schon früher das Wesensungleiche in 
beiden Werken erkannte, möge durch zwei Belege erhärtet 
werden, zuerst des zeitlich älteren Holland Äufserung: 



126 WALTKK GREIN ER. 

„Durchgehende Übereinstiniinung- mit dem französischen 
(.Tbdicht bietet übrigens das Mabinogi nicht dar." 

Bei weitem entschiedener spricht sich William H. Carruth 
in einem Artikel aus, der 1889 in den Modern Language 
Notes erschien und der Veröffentlichung der P'örsterschen 
Ivain- Ausgabe auf dem Fufse folgte. Dort heilst es: 

„Any one who reads the two works without prejudice 
will certainly question the correctness of the assertation that 
they bear a close resemblance one to the other." 



Der zweite der allgemeinen — sich über das gesamte 
Gefüge der Handlung erstreckenden — Beobachtungen wird 
sich wesentlich auf dem stilistischen Gebiete bewegen. 

Es wurde schon mehrfach im Verlaufe der Gegenüber- 
stellung auf besondere stilistische Eigentümlichkeiten des 
kymrischen Textes hingewiesen, die nun hier näher betrachtet 
werden sollen. 

Zunächst eine kurze Bemerkung über die wörtlichen 
Übereinstimmungen, denen ja Othmer in seiner Arbeit so 
überaus grolse Beweiskraft und Bedeutung zuspricht. Auch 
in unseren beiden Texten fehlen sie nicht, wie aus den 
folgenden Beispielen hervorgeht. Die ersten drei Stellen 
wurden schon von Rauch in seiner Dissertation (Die wälische, 
französische und deutsche Bearbeitung der Ivainsage; Berlin 
1869) herangezogen; da sie dem genannten Werke unverändert 
entnommen wurden, ist der keltische Text nach der Ausgabe 
der Lady Guest angeführt, in der sich unsere Geschichte im 
ersten Bande findet. 

■ Chrestien 549 (nach d. Ausg. 

Mab. I, 49,50. ! v. Holland; bei Förster 543.) 

... „and he did not even „Qu'onques puis ne me regarda, 

bestow so much notice on me Mon cheval prist et moi leissa." 



as to imprison me." 
M. I, 50. 



Chr. 560: 
(Holland; = Förster 562) 
„and that night I came ! „Quant je ving la nuit a l'ostel, 
to the same castle where I had ' Trovai mon oste tot autel. 



OWEIN 



IVAIN. 



127 



been tlie night preceeding. 
And I was more agreeably 
entertained that night than 
I had been the night before . . . 

. . . and nune of the inmates 
alluded to my expedition to the 
toiintain.*' 



M. I, 57. 

„The couch, which the 

niaidens had prepared for him, 

was meet to Arthur himself, 

it was of scarlet and für. . . i) 



Aus(s)i lie et aus(s)i cortois, 
Come il avoit fet einc^ois/' 

(Rauch möchte an dieser 
Stelle die Lesart des Vatikans 
vorziehen: 

„Onques de den ne m'aparcui, 
Ne de sa fille ne de lui 
Que moins volentiers me 

veissent . , , 
Come 11 avoient fet l'autre 

nuit") 

Chr. 1040: 

(Holland, = Foerster 1040) 
Sei mena seoir an un lit 
Covert d'une coute si riche 
Qu 'ainz n'ot tel li dus 

d'Osteriche." 



Diesen Stellen seien nun noch die folgenden hinzugefügt. 
Bemerkt sei, dafs der keltische Text wieder nach Loths 
trefflicher Übertragung gegeben wird. 

Chr. 803. 



Loth 11,17,22. 

„Owein prit le bassin et en 
jeta plein d'eau sur la dalle." 

Loth 17,3. 
„Owein les (die Mädchen im 
Schlofs des gastlichen Ritters) 
trouva beaucoup plus belles 



„Versa sor le perron de piain 
De l'eve le bacin tot piain." 

Chr. 782. 
... „an la pucele revit 
De San et de biaute Qant tanz, 
Que n'ot conte' Calogrenanz." 



') Die nach der Ausgabe der Lady Guest zitierten Stellen lauten bei 
Loth (1913): 
U; 14,14 „II ne me fit meme pas l'honneur de me faire prisonnier". 

14,22 „J'arrivai cette nuit au chäteau oü javais passe la nuit prece- 
dente. On s'y montra encore plus courtois que la nuit d'avant. . . 
Personne ne fit la moindre allusion ä mon expedition ä la 
fontaine". 
21,21 „II eüt ete digne d' Arthur lui-meme, tellement il etait bon, le 
lit que lui fit la pucelle, de tissus d'ecarlate, de paile. . ." 



128 



WALTER GREINER, 



et plus gracieuses encore que 
ne l'avait dit Kynoii." 

Loth 12, 18. 
„Si cette fois tu ne trouves 
pas souffrance, il est inutile 
que tu en clierches tant que 
tu seras en vie." 

Loth 20, 17. 
„Owein promena ses regards 
sui' tout l'appartement : il 
n'yavait pas un clou qui ne 
füt peint de riche couleur, pas 
un panneau qui ne füt decore 
de diverses figures dorees." 

Loth 41, 30. 

... (le lion) 
„donna, sur l'epaule du graud 
homme, un tel coup de griffe 
qu'il le dechira jusqu'ä la join- 
ture des deux hanches, et qu'on 
voyait les entrailles lui sortir 
du Corps." 



Loth. 12, 5. 
„II n'ya pas sur l'arbre une 
feuille que l'ondee n'aura 
enlevee." 



Chr. 404. 

. . . „se tu t'an puez departir 

Sanz grant enui et sanz pesance. 

Tu seras de meillor cheance 

Que Chevaliers, qui i fust 

onques.'* 

Chr. 963. 
(Ivain) 
„Kernest dedanz la sale anclos 
Qui tote estoit cielee a clos 
Dorez et paintes les meisieres 
De buene oevre et de colors 
chieres." 

Chr. 4526. 

(le lion) 
„Fet del hauberc voler les 

mailies 
Et contre val si fort le sache, 
Que de l'espaule li esrache 
Le tandron atot le coste', 
Quanqu'il ateint, an a oste', 
Si que les antrailles li perent." 

Chr. 460. 
„Vi sor le pin tant amassez 
Oisiaus (c'est qui croire m'an 
vuelle), 
Qu'il n'i paroit brauche ne f uelle, 
Que tot ne fust co vert d'oisiaus.» 



Was ist von diesen wörtlichen Übereinstimmungen — die 
sich teilweise über den Ausdruck eines ganzen Gedankens 
erstrecken, teilweise aber nur auf einem einzelnen Worte 
beruhen — zu halten? 

Zunächst eine kurze Bemerkung über die Bewertung ihrer 
Beweiskraft für die Abhängigkeit des einen AVerkes vom andern. 



OWEIN — IVAIN. 129 

In Beckers Darlegungen füllen sie den Punkt V (Spalte 20). 
Es wird an dieser Stelle eine Äufserung von Gaston Paris 
angeführt, der durch eben diese Erscheinung — inbezug 
anfänglich auf Erec- Geraint — an sich zur Annahme der 
UnWahrscheinlichkeit der Unabhängigkeit M's geführt worden 
sei. Sie steht in dem im 20. Bande der Romania veröffentlichten 
Aufsatz und heilst: 

„II y a des coincidences textuelles, dans des details qui 
ne tiennent pas au fond du recit, qui ne sauraient etre fortuites". 

Dafs, wie gleich weiter auszuführen sein wird, gelegentliche 
wörtliche Übereinstimmungen zweier Werke nicht notwendig 
die Abhängigkeit des einen vom andern beweisen, dafs viel- 
mehr zu einem direkten Abhängigkeitsverhältnis wesentlich 
mehr gehört, findet sich bei Edens auf Seite 36 seiner Unter- 
suchung ausgesprochen : 

„Wörtliche Übereinstimmungen beweisen nur dann die 
direkte Abhängigkeit eines Werkes von einem andern, wenn 
sie als dem Stil des letzteren eigentümlich zu erkennen sind". 

Auf zwei der oben angeführten Stellen soll näher ein- 
gegangen werden. Zunächst sei Mab. 20, 17 = Chr. 963 f. 
besprochen, bekanntlich die Beschreibung des Torraumes 
zwischen den beiden Fallgattern, der dem Ivain zum Kerker 
wird. Wohl klingen hier die Worte zusammen — wie auch 
bei der später ausführlich zu betrachtenden Stelle M. 12, 5f. 
= Chr. 460 (die Vögel auf dem Baume), — aber der ihnen 
zugrundeliegende Sinn ist — hier wie dort — völlig verschieden. 
Chrestien läfst in seiner Schilderung ein künstliches Himmels- 
gewölbe den Raum überspannen; "wie die Wände, so ist auch 
die Decke reich bemalt, und über die dunkle Bläue sind — 
den funkelnden Sternen vergleichbar — Goldnägel gesät. 
Wichtig hierzu ist noch die Anmerkung, die Wendelin Förstei' 
im yvain^ zu cielee gibt. Es heilst dort, dafs die an dieser 
Stelle bei Chrestien beschriebene Art der Deckenverzierung, 
die im Mittelalter gewöhnliche sei. Belege von Schilderungen 
ähnlicher Art wolle man z, B. bei Borsdorf (Die Burg im 
Claris und Laris und im Escanor. Diss. Berlin 1890) nachlesen. 

Und nun nehme man des Kymren Bericht, der von diesem 
— doch sicherlich äufserst wirksamen — Motiv nichts hat. 
Von einer künstlerisch ausgeschmückten Decke, gar einer 

Zeitschrift f. eelt. Philologie Xn, l. 9 



130 WALTER GREINER. 

solchen, die die Illusion des Himmelsgewölbes erwecken soll, 
ist hier mit keinem Worte die Rede. Die buntbemalten — 
nicht einmal vergoldeten — Nägel, über die jede Angabe fehlt, 
sind einfach die zur Festigung des Balkenwerks und der 
Falltüren eingefügten Schrauben, sodafs also hinter der zu- 
fälligen Gleichheit der Worte sich ein ganz anderer Sinn 
verbirgt. 

Die zweite der hier näher zu betrachtenden Überein- 
stimmungen (es handelt sich um M. 17, 3 f. = Chr. 782) ist 
schon von Edens herangezogen worden. Bei Chrestien wie 
bei dem Kymren findet sich eine superlativische Ausdrucks- 
weise bei der Schilderung der Reize der bezw. des Mädchens: 
„Ihre Schönheit war tausendmal grölser, als ich nach der 
Beschreibung erwarten konnte." 

Gehen wir von der oben zitierten — gewifs völlig 
einwandfreien — Edensschen Behauptung aus, so verlieren 
diese eben angeführten Stellen erheblich an der ihnen zu- 
gesprochenen Bedeutung. Es möge in diesem Zusammenhange 
genügen, das zusammenfassende Urteil Windischs anzufügen: 

„Ich habe bis jetzt keine Stelle gefunden, an der ein 
kymrischer Ausdruck und eine kymrische Konstruktion die 
genaue Wiedergabe des französischen Ausdrucks und der 
französischen Konstruktion w^äre." 

Betrachtet man im Besonderen die zuletzt besprochene — 
bei Chrestien nur an zwei Stellen gebrauchte Ausdrucksweise 
— schlielslich gehört Mab. (Lady Guest) I, 57 [in Loths 
Ausgabe (1913) 11,21,21] = Chr. 1040 dem Sinne nach auch 
hierher — so ergibt sich, dafs sie im kymrischen Text noch 
erheblich öfter auftritt als Edens angab. Und sie ist nicht 
etwa ein besonderes Merkmal der Geschichte Jarlles y 
Ffynnaw^n an sich, sondern findet sich — mehr oder minder 
zahlreich — auch in den anderen Stücken der Sammlung, 
wofür Belege leicht beizubringen sind. 

Bei einer Durchsicht der Geschichte von der Dame von 
der Quelle nach dieser Richtung hin habe ich etwa 60 Stellen 
gefunden, an denen gleichartige Wendungen wiederkehren, 
sie sind also dem Kompilator von M. in Fleisch und Blut 
übergegangen. Sie seien im folgenden angeführt; auf die 
jeweilige besondere Bedeutung einzelner Stellen für die. 



OWEIN — IVA IN. 131 

Komposition des Ganzen hinzuweisen, bleibe für später vor- 
behalten. Die Reihenfolge der Stellen im kymrischen Text 
war auch im allgemeinen mafsgebend für ihre Anordnung 
in der folgenden Aufstellung. Eine Ausnahme wurde nur 
gelegentlich zum Zwecke der Ermöglichung einer besseren 
Übersicht über sachlich zusammengehörige Stellen gemacht. 
Die Zitate sind nach Loth gegeben (Ausgabe v. 1913). 

417 ... ^ensuite nous te dirons le meilleur reeit que nous 
pouvons savoir." 

5,6 „Commence, toi. par ce que tu sais de plus remar- 
quable." 

ö. 10 ... „je ne croyais pas qu'il y eüt au monde personne 
capable de me surpasser en n'importe quelle prouesse." 

5,12 „Apres etre venu ä bout de toutes Celles (aventures) 
que presentait mon pays" ... 

7,3 ... „la plus laide d'entre elles etait plus belle que 
la jeune Alle la plus belle que tu aies Jamals vue 
dans l'ile de Bretagne; la moins belle etait plus char- 
mante que Gwenhwyvar, femme d'Arthur, quand eile 
est le plus belle, le jour de Noel ou le jour de Päques 
pour la messe." Dazu vergleiche man aus Kulhwch 
et Olwen, 191, 10: [Ausgabe von 1899] (le coursier) 
„etait plus prompt que la chute de la premiere goutte 
de rosee de la pointe du roseau sur le sol au moment 
Oll eile est le plus abondante au mois de jiiin." 

7, 10 ... six autres prirent mes armes et les laverent dans 
un bassin au point qu'on ne pouvait rien voir de plus 
blanc. 

7, 21 (Die sechs Mädchen) . . . ,,le (das Pferd) debarrasse- 
rent^ de tont son equipement d'une fagon irreprochable, 
aussi bien que les meilleurs ecuyers de l'ile de 
Bretagne." 

8,14 ... il n'y avait pas de boisson ou de mets connu ä 
moi qui ne füt represente lä; avec cette difference 
que mets et boisson etaient beaucoup mieux appretes 
que partout ailleurs. 



132 WALTER GREINER. 

10. 4 . . . il me sembla bien voir lä au moins trois fois plus 
d'animaux sauvages que ne m'avait dit mon hüte. 

10, 7 ... raou böte m'avait dit qu'il (der Waldschrat!) etait 
graud: il etait bien plus grand que cela. 

17, 17 II (Owein) chemina jusqu'ä la clairiere de rhomrae 
noir, qui lui parut encore plus grand qu'ä Kynon. 

29, 8 . . . sa stature (des Waldschrats) parut encore beau- 
coup plus forte ä Arthur qu'on ne le lui avait dit. 

10, 8 La massue de fer qui, d'apres lui, aurait Charge deux 
hommes, je suis bien sür, Kei, que quatre hommes de 
guerre y eussent trouve leur faix. 

11. 5 ... l'extremite de ses branches (des Baumes an der 
Quelle!) est plus verte que le plus vert des sapins. 

12, 5 . . . il n'y a pas sur l'arbre une feuille que l'ondee 
n'aura enlevee. 

12, 8 ... Jamals tu n'as entendu dans ton pays (!) une 
musique comparable ä leur chant. 

13. 14 . . . je suis sür de n'avoir Jamals entendu, nl avant, 
ni apres, de musique comparable ä celle-lä. 

29, 25 . . . Jamals, assurement, ils n'avalent entendu musique 
comparable k leur chant. 

12. 15 II t'attaquera le plus vite possible. 

13, 1 Voilä aussitot le tonnerre et beaucoup plus fort que 
ne m'avait dit l'homme noir, 

17, 24 . . . un coup de tonnerre, puls apres le tonnerre, l'ondee, 
et les deux bien plus forts que ne l'avait dit Kynon. 

29, 19 . . . Jamals ils n'avalent entendu bruit ni ondee pareille. 

13. 16 Au moment oü je prenals le plus de plaisir ä les 
entendre, voilä des plaintes venant vers moi. 

15, 11 ... je ne le (das Rofs) donnerais pas encore pour le 
mellleur palefroi de l'ile de Bretagne. 

15, 13 . . . personne n'a Jamals avoue pour son compte une 
aventure moins heureuse que celle-lä. 



OWETN — IVAIN. 133 

17, 3 Owein les (die Mädchen) trouva beaucoup plus belies 
et plus gracieuses encore que ne l'avait dit Kynon. 

17, 6 La cliere parut encore meilleure ä Owein qu'a Kynon. 

19, 15 „Je n'ai jamais vu assurement un jeune homme 
meilleur que toi pour une femme." 

19,17 „Si tu avais une amie, tu serais bien le meilleur des 
amis pour eile; si tu avais une maitresse, il n'y aurait 
pas meilleur amant que toi." 

21, 1 . . . il n'y avait pas un clou qui ne füt peint de riclie 
couleur, pas un panneau qui ne füt decore de diverses 
figures dorees. 

21.9 II n'y avait pas de mets connu d'Owein dont il ne vit 
lä abondance, avec cette difference que les mets qu'il 
voyait etaient beaucoup mieux prepares qu'ailleurs. 

21. 13 Nulle part il n'avait vu offrir autant de mets ou de 
boissons excellentes . . . 

21. 14 Pas un vase de service qui ne füt d'or et d'argent . . . 

21.21 II eüt ete digne d'Arthur. tellement il etait bon, le lit 
que lui fit la pucelle . . . 

22. 19 Owein n'avait Jamals vu assurement une suite aussi 
brillante que celle-lä avec ses habits de paile, de 
soie et de cendal. 

23. 10 II etait impossible de voir une aussi belle femme. 

23, 17 „Cest la plus belle des femmes, la plus genereuse, la 
plus sage et la plus noble . . . 

24. 1 „Dieu sait", dit Owein, „que c'est la femme que 
j'aime le plus." 

24. 14 Owein n'en avait jamais eu de comparable (souper) 
ä celui-lä, ni d'un service plus irreprochable. 

28, 1 ... aussi n'y avait - il personne au monde plus aime 
de ses sujets que lui. 

29. 1 Ils n'avaient jamais vu auparavant de service irrepro- 
chable en comparaison de celui des femmes. 



134 WALTER GREINER, 

31. U Jamais, de l'/ivis des spectateurs, on n'avait vu deux 
hommes aussi vaillants, ni si forts. 

32, 29 Jamais banquet ne leur parut plus confoitable ni 
meilleur. 

34,10 ... (Ovvein) se dirigea vers un parc, le plus beau du 
monde . . . 

36, 12 ... sa peau devint plus blanche qu'elle ne l'avait ete. 

36, 20 Owein deraanda si la comtesse avait cheval et armes. — 
„Oui", dit-elle, „les meilleures du monde." 

36,29 ... „il n'en a, sürement, jamais eu en sa possession 
de pareils." 

40, 4 „Le comte ä qui appartient le chäteau est le meilleur 
liomme du monde ce qui est du manger." 

40, 7 Jamais guetteur ne veilla aussi bien son seigneur que 
ne fit le lion pour Owein, cette nuit-lä. 

40, 16 Nulle part, assurement, Owein n'avait vu uu service 
aussi bien fait que lä. 

40, 20 Jamais Owein n'avait vu une personne plus accomplie 
qu'elle. 

43,12 II y aperQut vingt-quatre femmes, les plus accomplies 
qu'il eüt jamais vues. 

43, 18 . . . chacune avec l'liomme qu'elles aimaient le plus. 

45.3 Si Arthur s'etait montre joyeux vis-ä-vis de lui 
auparavant, apres sa premiere disparition, il le fut 
encore plus cette fois. 

Nicht gerade in der grammatischen Form des Superlativs 
gehalten, aber doch dem Sinne nach in gleicher Weise hierher 
gehörig, lassen sich noch die folgenden Belege anführen: 

5, 9 „ J'etais fils uuique de pere et de mere. . .*' 

5, 14 ... ,.(je) me mis en marche vers les extreraites du 
monde et les deserts." 

34, 2 . . . il (Owein) alla aux extremites du monde et aux 
montagnes desertes. |, 



OWEIN — IVAIN. 135 

37, 30 (Oweiu) . . . „se dirigea vers les extremites du monde 
et la solitude." 

10,17 ... aussitot ä sa voix, accoururent des aniniaux en 
aussi grand noiiibre que les etoiles daiis l'air. 

13, 6 Pas im grelon n'etait arrete par la peau et par la 
chair, il penetrait jusqu'ä l'os. 

28,28 Malgre leur grand nombre, (M. spricht kurz vorher 
von 3000, ohne die „subordonnes"!) on ne s'apercevait 
pas de leur presence dans le chäteau. 

29,3 Le Service poui- les valets de chevaux, cette nuit-lä, 
ne se fit pas plus mal que pour Arthur lui-meme dans 
sa propre cour. 

32. 14 II y eut taut de presse et de häte pour voir Ovvein 
et l'embrasser, que peu s'en fallut qu'il n'y eüt des 
morts. 

31. 15 S'il y avait eu nuit noire, eile eüt ete eclairee par 
le feu qui jaillissait de leurs armes. 

Was bei näherer Betrachtung dei- vorstehenden Sätze 
weiter auffällt, ist die häufige — man möchte fast sagen 
regelmäfsige — Wiederkehr der gleichen Ausdrücke, Ja sogar 
der gleichen Worte in den durch das Band der sachlichen 
Zusammengehörigkeit verknüpften Stellen. 

Immer wieder, wenn es gilt, dieselbe oder eine ganz 
ähnliche Situation zu schildern, kehren die gleichen Worte 
und Bilder wieder, die auf diese Weise etw^as Typisches ge- 
wonnen haben. Was sie uns im Einzelnen für die Art und 
Weise der Komposition unseres Textes zu sagen haben, zu 
erörtern, ist hier nicht der Platz, hier handelt es sich zunächst 
wiederum lediglich um eine Aufstellung unter den oben 
gegebenen Gesichtspunkten. 

Aus den auf den vorhergehenden Seiten angeführten 
Textstellen sei an dieser Stelle nur hingewiesen auf den sich 
dreimal wiederholenden Ausdruck: 

„il alla vers les extremites du monde et la solitude". 

Besonders zahlreich treten diese Wiederholungen auf bei 
der Schilderung von Einzelheiten, Ausrüstungsgegenständen, 



136 WALTER QREINER, 

Kostümen, Waffen, Schmucksachen, Hausrat u. a. m., in denen 
überall eine überaus grofse Pracht entfaltet wird. Das 
]\[abinogi versäumt es — und das wird noch näher zu betrachten 
sein — bei keiner Gelegenheit, die handelnden Personen auch 
dem Äufseren oder gegebenenfalls nur dem Äufseren nach 
unter völligem Verzicht auf Charakterisierung zu beschreiben. 
In diesen Stellen zeigt der Kymre eine naive Freude am 
Schönen, am Leuchtenden, Glänzenden und Prunkvollen. 

So ist es vor allem der köstliche Zindel fcendal, ein Lehn- 
wort aus dem Französischen) der bei den Beschreibungen der 
Ritter und Damen des Kymren eine grofse Rolle spielt, sowie 
ein fast noch häufiger erwähnter Seidenstoff, der „paile" 
genannt und dessen meistens als in leuchtenden Farben ver- 
wandt Erwähnung getan wird. 

5. 25 ... „deux jeunes gens aux cheveux blonds frises, 
portant chacun un diademe d'or; leur robe etait de 
paile jaune; des fermoirs d'or serraient leurs cous-de- 
pied; ils avaient ä la main un arc d'ivoire; les cordes 
en etaient de nerfs de cerf; leurs fleches dont les 
hampes etaient d'os de cetaces avaient des barbes de 
plumes de paon; la tete des hampes etait en or; la 
lame de leurs couteaux etait aussi en or et le manche 
d'os de cetace". 

6, 10 ... „un homme aux cheveux blonds frises, dans toute 
sa force, la barbe fraichement rasee. II etait vetu 
d'une robe et d'un manteau de paile jaune; un lisere 
de fil d'or bordait le manteau. II avait aux pieds 
deux hauts souliers de cordwal bigarre, fermes chacun 
par un bouton d'or". 

Die gleichen Schilderungen wiederholen sich — teilweise 
gekürzt — auf Seite 16 unseres Berichtes bei der Beschreibung 
von Oweins Ankunft im gastlichen Schlofs. Die Belegstellen 
wolle man oben bei der Gegenüberstellung nachlesen. 

19, 6 ... „uue jeune fille (die Zofe als Retterin des ge- 
fangenen Owein) aux cheveux blonds fi-ises, la tete 
ornee d'un bandeau d'or, vetue de paile jaune, les 
pieds chausses de deux brodequins de cordwal tachete". 



OWEIN — IVAIN. l'^7 

21.21 . . . „II eilt ete digiie d'Arthur, tellemeiit il etait boii, 
le lit que lui fit la pucelle, de tissus d'ecarlate, de 
paile, de cendal et de toile fine". 

23, 3 ... „une femme (die um den Gatten trauernde Laudine) 

aux cheveux blonds, flottant sur les deux epaules. . . 

. . . vetue d'habits de paile jaune. . . 

. . . les pieds chausses de brodequins de cordwal bigarre". 

24, 5 ... „eile (Lunete) prit une serviette de toile fine. . . 

Elle prit un gobelet d'os d'elephant, un bassin d'argent... 
. . . un rasoir au manche d'ivoire, dont la lame avait 
deux rainures dorees". 
26, 18 „Owein revetit une robe, un surcot et un manteau 
de paile jaune. rehausse d'un large orfrei de fil d'or; 
ses pieds etaient chausses de brodequins de cordwal 
bigarre. fermes par une figure de lion en or." 

29, 27 (Der Verteidiger der Quelle) . . . „monte sur un cheval 
tout noir, vetu de paile tout noir." 

30. 22 (Gwalchmei) . . . „etait revetu d'iine couverture de 
paile ..." 

33,11 ... „une jeune fille (Lunete als Botin der erzürnten 
Laudine) se presenta, montee sur un cheval, ä la 
criniere frisee . . . 

Elle etait vetue de paile jaune. La bride et tout ce 
qu'on apercevait de la seile etait d'or." 

42, 7 ... „deux beaux valets bruns, aux cheveux frises, 
ameuaient la pucelle . . ." 

8,9 „La table etait d'argent, et les linges de table, de 
toile fine; quant aux vases qui servaient ä table, pas 
un qui ne füt d'or, d'argent ou de corne de boeuf 
sauvage ..." 

8, 2 . . . on nous apporta aussitot des aiguieres d'argent 
pour nous laver et des serviettes de fine toile, les 
unes vertes, les autres blanches." 

12, 13 (Der Verteidiger der Quelle) . . . „monte sur un cheval 
tout noir; la lance ornee d'un gonfanon de toile fine 
tout noir." 



138 WALTER GRETNER, 

21, 5 ... „une serviette de fine toile blanche . . . 

. . . eile pla^'a devant lui une table d'argent dore, 
couverte d'une nappe de fine toile jaune . . ." 

22, 16 . . . ,,la biere, recouverte d'un drap de toile blanche.*' 

22, 19 „Jamals Ovvein n'avait vu une suite aussi brillante 
que Celle- lä avec ses habits de paile, de soie et de 
cendal". 



Eine weitere Beobachtung — die dritte der allgemeinen — , 
die hier in den Kreis der Betrachtungen zu ziehen sein wird, 
ist die der häufigen Verwendung der Zahl drei, im besonderen 
bei der Beschreibung oder Aufzählung sich wiederholender 
Begebenheiten. 

Man darf sogar sagen, die Zahl drei ist die einzige 
bestimmte Zahlangabe, deren sich der Kymre im Verlaufe 
seiner Erzählung bedient. 

Sie findet sich in unserem Text an folgenden Stellen: 

10, 4 ... „il me sembla bien voir lä trois fois plus 
d'aniraaux sauvages que ne m'avait dit mon böte." 

28,2 „II fut ainsi pendant trois annees," 

28,21 „Ils etaient au nombre de trois mille, sans compter 
les subordonnes." 

38, 2 ... „il entendit un cri de douleur dans un bois, puis 
un second, puis un troisieme." 

32, 20 „II y a aujourd'hui trois ans que je t'ai quitte et 
que cette terre m'appartient." 

23, 27 „Le festin qu'on avait mis trois ans ä preparer, on en 
vint ä bout en trois mois de suite," 

Dafs diese Ausdrucksweise dem Kompilator des Mabinogi 

ganz geläufig ist, mögen einige Stellen aus den übi-igen 
Stücken des Roten Buches erhärten: 
M. I, 36 (Loth. Ausgabe von 1889) . ^ 

,.I1 lui adressa la premiere fois la parole, puis une 
seconde, puis une troisieme, sans obtenir de reponse." 



OWEIN — IVAIN. 139 

(Man vergleiche hierzu das bekannte \\'oit aus Faust I: 
„Du mufst es dreimal sagen!") 

M. II, 108,6 (aus dem Peredur) 

„Tu y verras un buisson. Au pied du buisson 11 y a 
une pierre plate. Une fois lä, demande par trois fois 
quelqu'un pour se battre avec toi." 

Dazu kommt noch — womit aber keinesfalls gesagt 
werden soll, dafs diese Auswahl auf Vollständigkeit Anspruch 
macht — eine Stelle aus M. I, 39 (Ausg. v. 1889): 

Drei der Genossen Rvylls müssen vergeblich ausreiten. 
ehe es dem Helden selbst gelingt, die Dame zu erreichen. 

Schliefslich gehört hierher auch noch die Szene unseres 
Textes, in der Owein als Gefangener im Schlofs der Laudine 
die dreimal sich wiederliolenden Klagen der Schlofsbewohner 
vernimmt: 

L.,21, 17 „A ce moment, ils entendirent de grands cris dans 
le chäteau." 

21, 24 „Vers minuit., ils entendirent des cris pergants." 

22,2 „Un peu apres le jour retentirent des cris et des 
lamentations d'une violence inexprimable." 

Über das „Kunstmittel der Steigerung", das sich in dei' 
Geschichte der Dame von der Quelle und auch in den übrigen 
Teilen des Eed Book noch mehrfach findet, ebenfalls über die 
Deutung der Dreizahl, wird noch an späterer Stelle zu 
reden sein. 



Damit seien diese allgemeinen und stilistischen Streif- 
züge durch die wälsche Ei'zählung vorläufig abgeschlossen. 

Wie sich leicht aus der Menge des angeführten Stoffes 
ergibt, nehmen die eben zitierten und angeführten Stellen mit 
ihren behäbigen, bi-eiten Schilderungen, ihren mehr oder 
minder ausgedehnten Wiederholungen einzelner Ausdrücke, ja 
vielfach ganzer Sätze und Satzfolgen, im Rahmen des Textes 
einen ziemlich beträchtlichen Raum ein. Genauer drückt 
dies William H. Carruth in dem bereits erwähnten Artikel 
(Modern Language Notes 1889) aus: Es sei weiter interessant, 



140 WALTEE GREINER, 

dafs dieses „Beiwerk" (im Sinne Försters) die Hälfte des 
Romans ausmache und den gesamten Inhalt des Mabinogi bilde. 
Nun würde es zwar sicherlich zu weit gehen, diese 
Äufserung von Carruth, die sich doch ebensogut auf die 
Kompositionsart M's bezieht, lediglich für unsere bisherigen 

— rein formellen — Beobachtungen in Anspruch zu nehmen; 
immerhin hat sie doch auch für diese Erörterungen volle 
(rültigkeit. 

Da nun all dem auf den vorhergehenden Seiten Hervor- 
gehobenen im französischen Roman rein nichts entspricht, 
ergibt sich schon hieraus ein weiteres Beweismittel gegen die 
Behauptung, dafs die kymrische und die französische Ivain- 
bearbeitung eng nebeneinander herlaufen. 

Das Gleiche spricht auch Wilmotte in seiner Rezension 
der Othmerschen Disswtation aus (zitiert bei Edens S. 75): 

„Les diiferences de detail sont beaucoup plus nombreuses 
que la dissertation ne le dit." 

Und es sei auch hier unter ausdrücklichem Hinweis auf 
das in der Einleitung wiedergegebene Wort Zenkers aus 
einem Briefe an den Verfasser noch das Urteil wiederholt, 
das Edens im Anschlufs an die eben zitierte Äufserung über 
Othmers Arbeitsmethode fällt: 

„Durch das Verschweigen solcher Abweichungen wird 
aber bewirkt, dafs sich der uneingeweihte Leser die Über- 
einstimmung der beiden Versionen viel weitergehend denkt 
als sie tatsächlich ist." 

All die Bilder, die hier an uns vorüberzogen, sie stellen 
im wesentlichen das dar, was die Gegner das „BeiAverk" 
nennen. Sie geben der Handlung als solcher — auch an den 
Stellen, an denen sich beide Fassungen näher als sonst stehen 

— die besondere Färbung und den eigenen Reiz, der jedem auf- 
fällt, der unbefangen den kymrischen Text auf sich wirken läfst. 

Und so leiten diese Bestandteile recht eigentlich über 
zur Behandlung der Frage nach den sogenannten „keltischen 
Elementen", die natürlich im Rahmen dieses Abschnitts nur 
insofern herangezogen werden können, als sie nicht vorzugs- 
weise einer einzelnen Episode angehören — das bleibe für 
später — , sondern auf den Gesamtverlauf der Erzählung Be- 
ziehung haben. ?- 

k 

I 





OWEIN — IVAIN. 141 

Der Begriff „keltisch" mufs nun hier zunächst eine Ein- 
schränkung erfahren. Es soll nicht gesagt werden, dafs all 
das zu Behandelnde letzten Endes spezifisch keltisch, keltischen 
Ursprungs, ist — innerhalb der Grenzen, die in der Sagen- 
forschung der Möglichkeit einer genauen Lokalisierung oder 
ürsprungsergründung eines literarischen oder Sagenmotivs 
überhaupt gezogen sind — ich nenne vielmehr in diesem 
Zusammenhange „keltisch" all die Eigenheiten, die die k3^m- 
rische Fassung als solche kennzeichnen. Es ist also „keltisch" 
hier keine Ursprungsbezeichnung, sondern zunächst lediglich 
eine Fundortbezeichnung. 

Selbst die unwiderlegliche Tatsache, dafs wir überaus 
charakteristische Eigentümlichkeiten schon in der Form der 
kymrischen Erzählung finden, wird von gegnerischer Seite 
angefochten. Zwar liegen die schwersten Angriffe auf stoff- 
lichem Gebiete, — zu dem im nächsten Abschnitt über- 
gegangen werden soll — doch spielen Äulserungen wie die 
in der Einleitung angeführte von Othmer und die sich in der 
Ivain-Einleitung Seite XXX findende Förstersche („pavillon 
Charge de couvrir la marchandise") stark auf das vorliegende 
Gebiet herüber. 

Vor der eigentlichen Behandlung der Hauptfragen des 
Verhältnisses Owein-Ivain seien noch einige Worte über den 
Weg, der dabei zu begehen sein wird, gestattet. 

Es wurde schon oben (Seite 125) die Grundlage der ge- 
samten Forschung nach einem Ausspruch Ph. Aug. Beckers 
hergestellt. Es handelt sich im engeren Sinne darum — wie 
schon in der Einleitung gesagt wurde — die allgemein auf- 
fallenden und doch so viel umstrittenen Eigentümlichkeiten 
der kj^mrischen Fassung ihrem Wesen nach zu untersuchen. 
Diese Erörterungen werden sich — um dem entworfenen 
Plane treu zu bleiben — über zwei Abschnitte verteilen, von 
denen der erste die formellen, stilistischen oder allgemeinen 
Beobachtungen auf Grund der vorliegenden Auszüge enthalten, 
der andere sich im Wesentlichen in das Gebiet des Stoff- 
geschichtlichen, des vielumkämpften Gebietes der Sagen ver- 
gleichung hinüberbewegen soll. 

Dieser Weg, der uns zum Ergebnis zu führen bestimmt ist 
wird in einer Beziehung — nämlich auf die Verbindung und 



142 WALTER OREINER, 

die Art der Verknüpfung beider Teile — zum ersten ^lale 
auf diesen Blättern beschritten. Unteisuchungen, die sich mit 
einzelnen Gebieten der beiden Hauptteile befassen, sind da- 
gegen mehrfach vorhanden und sollen bei der Zusammen- 
fassung der Ergebnisse in gebührender Weise herbeigezogen 
werden. 

Es ist natürlich dabei — das sei noch einmal hervor- 
gehoben — an einen unbefangenen Beobachter gedacht, dessen 
Blick — um Becker einen gegen die Verfechter der Unab- 
hängigkeit geschleuderten Ausdruck (wenn auch nicht mit 
voller Schärfe!) zurückzugeben — noch nicht durch irgend 
welche Vorurteile beeintlufst (bei Becker heilst es: „durch 
das Phantom der Unabhängigkeit getrübt", L. g, r. Ph. 1913 
Spalte 26) ist. 

Es mufs immer wieder unbedingt daran festgehalten 
werden, dafs eine Erörterung des Verhältnisses beider Fas- 
sungen notAvendig von einer vergleichenden Gegenüberstellung 
beider Werke auszugehen hat. Dies ist in der Tat die einzige 
Grundlage, die sich bietet. Dafs man auf ihr allein fufsend 
die ganze Frage nicht restlos lösen kann, wurde schon oben 
gesagt. Das spricht aber keinesfalls gegen die Brauchbarkeit 
der Methode zur Erschlielsung des durch sie zugänglichen 
Teiles. 

Schwere Vorwürfe wurden — ich denke aus der Reihe 
der jüngsten Veröffentlichungen hierbei namentlich an den 
letzten Streitartikel Wendelin Försters in der Behrensschen 
Zeitschrift, der bekanntlich an Zenkers „Mabinogionfrage" an- 
knüpft, — in fast ununterbrochener Folge von Förster und 
einem Teile seiner Anhänger gegen alle diejenigen erhoben, 
die diese — einzig mögliche und richtige — Basis einer 
Klärung der Frage annahmen. Sie wurde von dieser Seite 
her — was schliefslich den Eingeweihten nicht überrascht — 
von Grund auf verworfen und dies zum Teil mit Ausdrücken, 
die sich oft nicht unwesentlich über den Rahmen dessen 
hinausbewegen, was bisher im Streite der Meinungen guter 
Brauch war. So heifst es einmal, — wenn ich mich recht 
erinnere in eben diesem Artikel — man begnüge sich damit, 
den alten Unsinn immer und immer wieder aufzufrischen, und 
was dergleichen Äufserungen mehr sind, von Beckers „home- 






OWEIN — IVAIN. 143 

rischem Gelächter", das ja durch Zenker die gebührende 
Antwort fand, ganz zu schweigen. 

Demgegenüber sei zum Schlufs diesei- Bemerkungen aufs 
entschiedenste betont, dafs es für den, der dazu beitragen 
will, das Verhältnis unserer beiden Fassungen zu ergründen, 
keinesfalls letzten Elndes darauf ankommen kann, all die zahl- 
reichen, sich in fast ununterbrochener Folge wiederholenden 
Behauptungen und Angriffe Försters zu widerlegen, ihnen im 
einzelnen nachzugehen und auf ihnen die Untersuchung auf- 
zubauen. 

Es gibt eben für die vorliegende und ^lle Untersuchungen, 
die sich auf diesem Gebiete bewegen, nur die eine und einzige 
Basis, die oben vorgezeichnet wurde. Und so sei erklärt, dafs 
jede weitere Diskussion von vornherein ergebnislos bleiben 
wird und mufs, solange uns die Gegner nicht auf die aus 
ihren eigenen Reihen (Becker!) heraus gebilligte und auf- 
gestellte Grundlage folgen. 

Es ist eine irrtümliche Anschuldigung, die Förster erhebt 
und die sich auch bei Becker findet, wenn es heilst, dafs 
diejenigen, die die Unabhängigkeit M's verfechten, letzten 
Endes dahin streben, die Bedeutung Chrestiens — „des 
genialen Sohnes der Champagne", sagt Becker einmal — zu 
schmälern. 

Ich habe schon im Vorwort den Leitgedanken dieser 
Untersuchung niedergeschrieben. Es heifst dort am Ende, 
und damit stimme ich vollständig mit Windisch überein: 

„Ehre dem Franzosen, der uns Kunstwerke hohen, un- 
vergänglichen Wertes schuf — . 

Ehre aber auch dem Kymren, der uns Kunde gab von 
alten, längst verschollenen Formen der Sage." 



Es wurde schon oben gesagt, dafs der auffällige Längen- 
unterschied der beiden Werke, insbesondere damit der geringe 
Umfang des Mabinogi im Vergleiche zu dem Roman Chrestiens 
auf zwei Hauptursachen zurückzuführen sei. 

Von diesen erwähnten Gründen würde der zweite, der 
sich also auf das bezieht, was oben als „Tempo der Erzählung" 
kurz bezeichnet wurde, hier vorzugsweise in Frage kommen, 



144 WALTER GREINER, 

während die Ei'örterung der anderen Beobachtung, dafs M. 
Kürzungen aufweist, die sich über ganze Abenteuer, ja 
Abenteuerfolgen erstrecken, im Zusammenhange mit den Fragen 
der Komposition, mit den Erörterungen der Stoffgeschichte 
und Motivwandlung betrachtet werden soll. 

Es ist zweifellos richtig, wenn Becker im Literaturblatt 
inbezug auf die Abweichungen und Eigenheiten M's, von 
denen ja bisher nur der formelle Teil und dieser wiederum 
lediglich als statistisches Material in Frage kam, sagt: 

„Nun ist aber der springende Punkt nicht lediglich die 
Konstatierung dieser Abweichungen, sondern die Frage, ob 
durch sie eine völlige Verschiedenheit der k^-mrischen Fassung 
postuliert wird." 

Ich möchte die weiteren Betrachtungen anschliefsen an 
die der eben zitierten Äufserung unm.ittelbar folgenden Worte 
aus ebendemselben Artikel, in denen behauptet wird: 

Der Kymre habe nicht nur die bei der Übertragung 
eines poetischen Werkes in die Prosa und bei der Über- 
tragung eines Werkes in eine fremde Sprache unumgänglich 
notwendigen Modifizierungen vorgenommen, sondern „er hat 
die Greschichte, die er wiedergab, frei umschrieben und stark 
reduziert, wobei er teilweise nachlässig änderte und teilweise 
systematisch umgestaltete." 

Damit ist der Inhalt des Folgenden gegeben als die 
Behandlung der Frage nach der Berechtigung der Beckerschen 
Behauptung, als eine Darstellung des Gesamtcharakters des 
kymrischen Berichtes. 

Die früher — in den Kinderjahren der Mabinogion- 
forschung — weitverbreitete Ansicht, dafs man es in unserem 
Bericht mit einem Literaturwerke aus einem weit vor dem 
Chrestiens zurückliegenden Zeitabschnitt zu tun habe, ist ja 
durch die neueren und neusten Ergebnisse der keltistischen 
Forschung endgültig zerstört worden. Darauf habe ich schon 
in der Einleitung hingewiesen. 

Auch dafs man in der uns vorliegenden Fassung M's 
nicht einen Überlebenden aus weitentschwundenen Zeiten sehen 
darf, an dem alle Wandlungen und Entwicklungen ohne 
merklichen Einfluls vorübergegangen sind, wurde bereits 
angedeutet. 



OWEIN — IVATN. 145 

Ich sehe -- und damit stimme ich wieder mit Windisch 
überein — im Mabinogi nicht ein Beispiel ursprünglichster 
Erzäiilungskunst, ein schlichtes Volksmärchen von ungetrübter 
Reinheit, als welches man ja zeitweise den reizvollen kj-mrischen 
Bericht aufzufassen geneigt war. sondern ich meine, dafs sich 
leicht darlegen lälst, dafs unser Text eine in gewissem Sinne 
kunstmäfsige Bearbeitung durch eine oder mehrere Mittels- 
personen erfahren hat. 

Nimmt man mit ^^'indisch — dei- bekanntlich bei der 
Frage nach der „Divergenz" (ich wähle, wie schon früher, 
diesen Ausdruck hier lediglich der Kürze halber; dafs er das 
wahre Verhältnis niclit unbedingt trifft, wurde ja gezeigt) sich 
darüber äufsert — die Möglichkeit einer zeitweisen Über- 
lieferung von Mund zu Mund an, einer Überlieferung also, 
bei der sich die starren Formen des durch die Schrift fixierten 
Wortes auflösen, Leben und Wandlungsfähigkeit bekommen, 
dann wird man sich dieser Ansicht nicht verschlielsen können. 
Es dürfte überflüssig sein, hier auf die Grundgesetze ein- 
zugehen, nach denen sich ein Motiv unter den Händen 
verschiedener Interpreten wandelt, zumal einzelne der dabei 
wirksamen Faktoren noch im späteren Verlaufe der Unter- 
suchung herangezogen werden. 

Es gilt 'ielmehr hier zunächst einmal den oben erwähnten 
Spuren kunstmäfsiger Bearbeitung nachzugehen. 

Ich sehe diese hauptsächlich an zwei Stellen. Auf die 
eine — im Verlaufe des Textes an zweiter Stelle stehende — 
wurde schon oben hingewiesen. Sie findet sich bei der Schil- 
derung von Oweins Gefangenschaft im Schlols der Laudine. 

21, 17 „A ce moment ils (Owein und die Zofe) entendirent 

de grands cris dans le chäteau". 
21, 24 „Vers minuit ils entendirent des cris pergants.^' 
22, 3 „Un peu apres le jour retentirent des cris et des 

lamentaüons d'ime violence inexprimable.^^ 

In den drei sich innerhalb eines verhältnismäfsig kurzen 
Textabschnittes — es ist bei Loth knapp ^/^ Seite — folgen- 
den Sätzen, die alle die gleiche Tatsache erzählen, nämlich 
die, dals die Schlolsbe wohner ihrem Schmerz über den Tod 
des Ritters lauten Ausdruck verleihen, ist nun von dem oben 

Zeitschrift f. celt. Philolog-ie XU. 1. l'j 



146 WALTER GREINER, 

angeführten Prinzip der breiten, behaglichen Wiederholung 
der gleichen Situation mit den gleichen ^^'orten in klug be- 
rechnender Absicht abgewichen worden. 

Jede der beiden auf den ersten Bericht vom Schmerz der 
Schlofsbewohner folgenden Stellen enthält gegenüber der 
vorhergehenden eine wohlerwogene Steigerung des Ausdrucks. 
Damit wird der Gefahr der Eintönigkeit, die sonst wohl vor- 
handen gewesen wäre, wirksam begegnet und zu gleicher 
Zeit ein zweiter Zweck erreicht: die Aufmerksamkeit, die 
Spannung des Hörers wird auf ihren Gipfel gebracht. Und 
so erhält die ganze Schilderung etAvas Dramatisches, sie ver- 
liert sich nicht in der Eintönigkeit stereotj^per Wiederholungen, 
sondern schreitet zielbewulst vorwärts, den Hörer durch 
ständige plaumäfsige Steigerung der Ausdrucksmittel dem 
Gipfelpunkt der Handlung zuführend, der Neigung Oweins zu 
Laudine : 

23,14 „En la voj'ant Owein s'enflamma de son amour au 
point qu 'il en etait parfaitement penetre." 

Dieses „Kunstmittel der Steigerung", wie ich es nennen 
möchte, findet sich aber in unserem Texte noch des öfteren 
verwendet. Ich denke hierbei Aveniger an die Stellen nament- 
lich im ersten Teile des kymrischen Berichtes, von denen 
schon oben die Rede war und deren Schema sich etwa so 
ausdrücken läfst: 

„Dies oder das war viel eindrucksvoller und überraschender 
für mich, als ich es nach den Angaben, die man mir machte, 
erwarten konnte" — von diesen soll später die Rede noch 
einmal sein. 

Es handelt sich vielmehr hier zunächst um zwei weitere 
Stellen, an denen der K5mire im Gegensatz zu der uns in 
Chrestiens Roman überlieferten Gestalt den Ausdruck dahin 
steigert, dals er — um einmal ein Wort aus dem Laokoon 
zu gebrauchen, den „fruchtbarsten Augenblick" wählt. Wie, 
Avas sich ohne Aveiteres ergibt, seine Schilderungen an Lebendig- 
keit, an' Kraft des Eindrucks auf den Hörer geAvinnen, ist ja 
dort gesagt worden. 

Nun zu unseren beiden Texten selbst! Die in Frage 
kommenden Stellen finden sich in der ersten Hälfte der Ivain- 
geschichte. 



OWEIN — IVAIN. 147 

Wem es gelingt, die Gewitterquelle zu erreichen und 
das iu der vorgeschriebenen Weise erregte Unwetter ohne 
schwere Gefährdung seines Lebens zu überstehen, dem wird 
ein gar köstlicher Genuls zuteil in dem lieblichen Gesang der 
Vögel, die sich auf dem Baume niedersetzen. Die Freude 
des Hörers wird aber bald gestört durch das Erscheinen des 
kampfbereiten Verteidigers der Quelle. Dieser Verlauf der 
Handlung ist ja zu bekannt, es genüge hier diese kurze 
Skizzierung. 

Chrestien gibt von dem Eindruck, den der herrliche 
Gesang (der bekanntlich v. 472 servise =^ „Gottesdienst" ge- 
nannt wird) auf den lauschenden Ritter macht, die folgende 
Schilderung: 

470 „De lor joie me resjoi, 

S'ecoutai tant qu'il orent fet 

Lor servise trestot a tret; 

Qu'ains mes n'oi si bele joie,i) 

Ne mes ne cuit, que nus hon l'oie, 
475 Se il ne va oir celi, 

Qui tant me plot et abeli, 

Que je m'an dui por fol tenir. 

Tant i fui que j'oi venir 

Chevaliers " usw. 

An der entsprechenden Stelle bei Ivains Zug nach der 
Quelle heilst es kurz: 

808 „vindrent li oisel 

Es firent joie merveilleuse 
Sor la fontainne perilleuse. 
Ainz que la joie fust remese, 
Vint, d'ire plus ardanz que brese, 
Li Chevaliers " 

Der Kj'mre hingegen rühmt in gleicher Weise wie Chrestien 
in der durch die Anmerkung besonders hervorgehobenen Stelle 
die überwältigende Schönheit des Gesanges, geht aber dann 



') Übrigen« eine weitere wörtliche Übereinstimmung mit Mab. 13,14: 
. . . „je suis sür, Kei, de n'avoir Jamals enteudu, ni avant ni apres, de 
musique comparable ä celle-lä''. 

10* 



148 WALTER GREINER, 

in der Kunst der dramatischen Schilderung über den Bericht 
des Franzosen hinaus. Gegenüber dem matten und farblosen 

478 „tant i fui que j'oi venir" 

verleiht er der ganzen Schilderung erhöhtes Leben dadurch, 
dafs er den Begriff der Steigerung einführt. Mit sicherem 
Blick für das Wirksamere wählt er für das Erscheinen des 
schwarzen Ritters den Augenblick, den — es sei noch einmal 
auf den Laokoon zurückgegriffen — auch der Maler wählen 
würde, wenn er das reizvolle Idyll im Bilde darstellen sollte: 

Voller Freude lauscht der Ritter den ersten Tönen, die 
aus den Zweigen zu ihm dringen; mehr und mehr steigert sich 
sein Entzücken über den unerwarteten Genufs, und als es 
seinen Höhepunkt erreicht hat, als er völlig im Lauschen ver- 
sunken dasteht, — da, in eben diesem Augenblick erscheint 
der Ritter. 

So malt es der Bericht des Kymren: 

13, 16 „Au moment oü je prenais le plus de plaisir ä les 
eutendre, voilä des plaintes venant vers moi . . .", 

und an der entsprechenden Stelle heilst es: 

17, 29 „Au moment oü il prenait le plus de plaisir ä leur 
chant, il vit un Chevalier ..." 

Dabei sei noch darauf hingewiesen, dafs die „plaintes" 
— von deren Bedeutung noch zu reden sein wird — einen 
weit wirksameren Gegensatz zu dem Vorhergehenden bilden 
als das Lärmen 

481 „Tel noise et tel fraint demenoit 
Uns seus Chevaliers, qui venoit" 

des Ritters bei Chrestien. 

Die andere Stelle, an der ich im Berichte des Kymren 
eine kunstmäfsige Bearbeitung sehen möchte, würde im 
wesentlichen vom gleichen Standpunkt aus zu bewerten sein. 

Ich meine hier Mab. 18, 13 f = Chr. 942, die Beschreibung 
von der Verfolgung des todwunden Ritters durch Ivain. Sie 
erreichen beide das für den Fliehenden Rettung bietende 
Schlofs und durchjagen den Torraum mit dem gefährlichen 
Fallgatter : 



OWEIN — IVAIN. 149 

942 „Que li chevaiis marcha le fust, 

Qui tenoit la porte de fer. 

Aussi con deables d' anfer 
945 Desgant la porte contreval, 

S'ataint la sele et le cheval 

Deriere et tranche tot parmi; 

Mes ne tocha, la De merci, 

Mon seignor Ivain fors que tant. 
950 Qu'au res del dos li vint reant, 

Si qu'anbedeus les esperons 

Li tranclia au res des talons." 

So entgellt also Ivain mit knapper Not dem sicheren 
Tode. Der Kj^mre läfst den Verfolger noch etwas glücklicher 
sein und beweist zugleich einen schärferen Blick für die 
Situation. Ich erinnere aus den eben angeführten Zeilen 
daran, dafs der glückliche Ausgang für den Helden nur da- 
durch herbeigeführt wurde, dafs sich Ivain weit vorbeugt, 
um den Gegner am Sattelbogen 

937 ... „a l'argon deriere le tint" 
zu fassen. Vergegenwärtigt man sich diese Lage, so erscheint 
es glaubhafter, dafs lediglich die letzten Ausläufer der Sporen, 
die Sporenrädchen („les molettes des eperons" 18, 15) ge- 
troffen werden als diese selbst. Im letzteren Falle dürfte es 
kaum ohne eine Verletzung des Verfolgers abgegangen sein. 

Damit schliefse ich diese Erörterungen und wende mich 
im folgenden zur Behandlung der oben skizzierten Frage 
nach dem Allgemeincharakter M's. 

Hierüber liegen nun aus früheren — älteren, neueren 
und neuesten — Veröffentlichungen mehrere Urteile vor, die 
zu berücksichtigen sein werden. Sicher ist, — das dürfte aus 
all dem bisher Besprochenen zur Genüge hervorgehen und 
wird, namentlich was das Stoffliche anbetrifft, noch des 
weiteren erörtert werden — dafs der kymrische Bericht keines- 
falls den Eindruck einer Übersetzung oder Übertragung macht. 
Demgegenüber könnte der Einwand erhoben werden, dafs es 
der Kj'mre verstanden habe, all die Spuren, die auf eine 
solche Arbeitsweise schliefsen lassen, sorglich zu tilgen. Dafs 



\'yO WALTER GREINER, 

davon keine Rede sein kann, hat schon Brown gegen Ende 
seiner letzten Abhandlnng (On tlie independent character of 
the Welsh Owein) erklärt, worauf ich noch zurückzukommen 
gedenke. 

Es sei begonnen mit der Besprechung der oben ange- 
führten Beobachtungen und allgemeinen Ergebnisse. 

Es w^ar gezeigt worden, dafs das Mabinogi eine Reihe von 
Eigentümlichkeiten formeller Art hat, denen im französischen 
Roman nichts entspricht. Waren diese Eigentümlichkeiten 
oben lediglich statistisches Material, so soll im folgenden auf 
ihr Wesen etwas näher eingegangen werden. Es wird sich 
dabei allerdings nicht vermeiden lassen, die scharfen Grenzen, 
die diesem Abschnitt anfänglich gezogen waren, das eine oder 
andere Mal zu überschreiten, um aus dem Stofflichen einiges 
heranzuziehen, im allgemeinen aber sollen sich diese Er- 
örterungen noch auf formellem Gebiete bewegen. 

Von der äufseren Form des kj^mrischen Berichtes sei 
zunächst gesagt, dafs sich in seinem Verlaufe an verschiedenen 
Stellen Spuren deutlicher Abschnitte noch heute erkennen 
lassen. Ich habe oben schon bei der Gegenüberstellung 
gelegentlich auf diese bereits von anderer Seite festgestellte 
und erörterte Tatsache hingewiesen. 

Bekanntlich schliefst die Schilderung der Hochzeit Oweins 
und der Dame von der Quelle im Mabinogi mit den Worten: 

„Owein garda la fontaine avec .lance et epee, voici 
comrae: tout Chevalier qui y venait, il le renversait et le 
vendait pour tonte sa valeur. Le produit, il le partageait 
entre ses barons et ses chevalieis; aussi n'y avait-il personne 
au monde plus aime de ses sujets que lui. II fut ainsi 
pendant trois annees" (27, 15). 

Die Fortsetzung des Berichtes lautet sodann: 1 

„Un jour que Gwalchmei se promenait avec l'empereur 
Arthur, il jeta les yeux sur lui et le vit triste et sou- 
cieux" (28,3). 

Eine spätere Stelle — die Schilderung des Abschieds 
Oweins von dei- Dame von der Quelle — bietet das gleiche 
Bild: 



OWEIN — IVAIN. 151 

„Owein alla avec Arthur dans l'ile de Bretagne. Une 
fois arrive au milieu de ses conipatriotes et de ses compag- 
nons de festiiis, il resta trois annees au lieu de trois 
mois" (33,6). 

Der Fortgang lautet dann wieder: 

„Owein se trouvait, un jour, ä table ä Kaer Llion sur 
Wysc" (33; 10). 

Dazu kommen noch die folgenden Belege: 
„C'est ainsi qu'ils sauverent Lunet du feu" (43, 2). 

Diesen Schlufssatz möchte ich in Parallele setzen — als 
typischen Märchenausgang — zu: 

„Cette histoire s'appelle l'histoire de la Dame de la 
fontaine" (45,14). 

„Owein et Lunet allerent ensemble aux domaines de la 
Dame de la Fontaine; et, quand il en sortit, il emmena la 
dame avec lui ä la cour d'Arthur, et eile resta sa femme 
tant qu'elle vecut" (43, 3 ). 

„Owein resta, ä partir de lä, ä la cour d'Arthur, comme 
Penteulu, tres aime d'Arthur, jusqu'ä ce qu'il retourna 
vers ses vassaux, c'est -ä-dire les trois cents epees de la 
tribu de Kynvarch et la troupe des corbeaux. Partout oü 
il allait avec eux, il etait vainqueur'' (45, 8). 

Man wird hier einwenden, dafs — abgesehen einmal von 
den letzten vier Sätzen (43, 2 f.), die ja deutlich den Charakter 
eines formelhaften Schlusses volkstümlicher Erzählung, des 
Märchens, tragen — die Anknüpfung eines neuen Geschehnisses 
mit unbestimmten Ausdrücken wie un jour que u. a. m. im 
Mabinogi auch sonst wiederkehre und sich dabei auf Stellen 
berufen wie: 

34,9 „II descendit de la montagne ä la vallee et se 
dirigea vers un parc, le plus beau du monde. qui 
appartenait ä une comte.sse veuve. 

Un jour, la comtesse et ses suivantes allerent se 
promener au bord de l'etang qui etait dans le parc, 
jusqu'ä la hauteur du milieu de l'eau." 



152 WALTER GREINER, 

Es leuchtet aber ohne weiteres ein, dals zwischen der 
letzten und den oben angeführten Stellen ein Unterschied von 
grundlegender Bedeutung besteht. Diese eine Stelle mit dem 
völlig bedeutungslosen „un jour que" spricht aber keinesfalls 
gegen die geäufserte Ansicht. Die Wesens- bezw. Ursprungs- 
erörterung dieser Erscheinung sei für später vorbehalten. 

Ich wende mich jetzt dem eigentlichen Hauptteile zu. 
der Frage nach dem Stilcharakter, dem Gesamteindrucke des 
Mabinogi. 

Versucht man einmal den kymrischen Text au sich zu 
überdenken, strebt man danach, sich einmal freizumachen 
von allen vergleichenden oder abwägenden Betrachtungen 
inbezug auf Chrestieus Werk, so dürfte sicli etwa der folgende 
Gesamteindruck M's ergeben: 

„Le Mabinogi fait l'impression d"une (jeuvre naive, ecrite 
par un conteur disposant d'un fond d'idees restraint et ä qui 
les conceptions et les expressions de la poesie populaire sont 
f amilieres." i) 

Diesem — ebenso einfachen und im ganzen treffenden — 
Urteil möchte ich die weiteren Erörterungen anschlielsen. 
Dafs ich nicht völlig auf seinem Boden stehe, ist den oben 
gegebenen Ausführungen über die Stellen, an denen ich eine 
kunstmäfsige Bearbeitung zu sehen glaube, zu entnehmen. 
Weit davon entfernt, den Kymren nun etwa über den Dichter 
zu erheben, meine ich doch, dafs der Ausdruck „fond d'idees 
restraint" vielleicht doch etwas zu scharf erscheint. 

Es wurde schon oben gesagt, dafs die Handlung im 
Mabinogi knapper gefafst ist als im Eoman des Franzosen. 
In ruhigem Flusse, ohne Abschweifungen reflektierender oder 
moralisierender Art reiht sie Geschehnis an Geschehnis, und 
diese einfache Folge der Tatsachen wird lediglich unter- 
brochen durch die Schilderungen märchenhafter Pracht, die 
oben angeführt wurden und auf die gleich des näheren ein- 
gegangen w^erden soll. 

Läfst man all die glänzenden Bilder, die der kunstlos 
und schlicht erzählten Handlung als schimmernder Schmuck 
eingefügt scheinen, noch einmal am Auge vorübergleiten, so 

') Piquet: Etüde sur Haitmaim d'Aue. These, Paris 1898. 



i 



OWEIN — IVAIN. 158 

findet man bald ein gemeinsames Band, das all die über den 
gesamten Verlauf des Mabinogi zerstreuten Schilderungen 
eint. Der eigentümliche Reiz, der über der ersten Stelle 
(Kynons Ankunft im gastlichen Schlols) ausgebreitet liegt, 
ist dem ganzen Texte eigen. Ihm wenden wir uns im fol- 
genden zu. 

Es berührt zunächst seltsam, im ganzen Texte nicht 
einen Versuch einer Charakterisiei'ung einer handelnden Person 
zu finden; einen schüchternen Ansatz, den ich als eine spätere 
Hinzufügung betrachten möchte, mag man allerdings in den 
ersten Worten der Erzählung des Kynon sehen: 

,, J'etais Als unique de pere et de mere; j'etais fougueux. 
d'une grande presomption, je ne croj^ais pas qu'il y eüt au 
monde personne capable de me surpasser en n'importe quelle 
prouesse. Apres etre A^enu ä bout de toutes Celles que 
presentait mon pays, je fis mes preparatifs et me mis en 
raarche vers les extremites du monde et les deserts'- (5, 9). 

Dies ist. wie schon gesagt, die einzige Stelle, an dei' 
eine Charakterschilderung versucht wird. Sonst beziehen sich 
all die Angaben, die eine nähere Beschreibung irgend einei- 
Person enthalten, ausschliefslich auf das Äufsere. Mit einer 
Freude am Schönen und Glänzenden berichtet der Kymre 
von den prächtigen Gewändern und den kostbaren Geräten 
und Waffen. Und sieht man genauer zu, so findet sich ein 
roter Faden, der sich durch all diese Schilderungen zieht: es 
ist all den auftretenden Personen — oder genauer gesagt, 
einer später noch zu erörternden Gruppe von Personen — 
eine Reihe von äufserlichen Erkennungszeichen eigen, durch 
die sie sich von den anderen Gestalten deutlich abheben. 
Es sei hier nur erinnert an die fast in allen Einzelheiten 
übereinstimmenden Beschreibungen der Jünglinge und des 
fi'eundlichen Ritters vor dem gastlichen Schlofs, dann an 
Laudine, an Lunete u. a. m. In diesen äufserlichen Angaben 
— von denen ja oben eine grofse Zahl angeführt wurde — 
erhebt sich zeitweise die Sprache des Kymren aus dem trocknen 
Ton des — ich möchte fast sagen — Chronisten, dem sie 
öfters bedenklich nahe kommt, zu lebensvoller Schönheit und 
überraschender Farbenpracht. 



l'>4 WALTER GREINER, 

Es sei hier nocli einmal auf die Stelle hingewiesen, an 
der die Schönheit der Mädchen gepriesen wird: sie übertreffen 
selbst die als Ideal der Anmut berühmte Königin: 

. . . „la plus laide d'entre elles etait plus belle que la 
jeune fille la plus belle que tu aies jamais vue dans l'ile 
de Bretagne; la moins belle etait plus charmante que 
Gwenhwyvar, femme d' Arthur, quand eile est le plus belle, 
le jour de Noel ou le jour de Päques, pour la messe" (7, 3). 

Dem stelle ich noch einmal die oben zitierte Beschreibung 
aus Kulhwch et Ol wen zur Seite: 

. . . ,,le coursier etait plus prompt que la chute de la 
premiere goutte de rosee de la pointe da roseau sur le sol 
au moment oü eile est le plus abondante au mois de juin". 

Dies sind Bilder von fast bestrickender Pracht, wie wir 
sie im Roman vergeblich suchen. Wie schon gesagt wurde, 
Aviederholen sich die gleichen Ausdrücke, die gleichen Um- 
schreibungen namentlich in dem, was ich die Quellengeschichte 
nennen möchte, mehrfach, ohne in das Einerlei stereotypen 
Wortgeklingels zu verfallen. Und dals diese Gefahr vermieden 
wird, liegt, sagte ich, an dem Kunstmittel der Steigerung. 

Gegenüber diesem Reichtum, ja Überfluls an äufserlichen 
Schilderungen fällt der Mangel einer jeden Individualisierung 
der handelnden Personen durch den Kymren mehr und mehr 
auf. Es ist ein unbestreitbares Verdienst, ein grolser Vorzug 
Chrestiens, dafs er zu den Taten und Gestalten, die er 
schildert, in ein persönliches Verhältnis tritt, ihre Handlungen 
mit reflektierenden Betrachtungen begleitet. Die Schönheit 
dieser Stellen — in Ermangelung einer besseren wolle man 
sich des oben wiedergegebenen Exkurses über die Aufmerk- 
samkeit erinnern (v. 150-175) — ist einem jeden bekannt, 
der sich in die Meisterwerke des Dichters vertieft. Mag auch 
gelegentlich einmal — vielleicht sogar vielfach — der reine 
Genuls durch eine etwas ermüdende Subtilität und durch 
Haarspaltereien und Spitzfindigkeiten getrübt sein, wir möchten 
doch diese reflektierenden Teile in den Schöpfungen Chrestiens 
nicht missen. An mehreren Stellen - auf sie wurde oben 
in der Gegenüberstellung hingewiesen — finden sich bei ihm 
Charakterschilderungen insbesondere der Helden. Ich erinnere. 



IVAIN — OWEIN. 155 

hier nur an das Gespräch zwischen Ivain und der Zofe im 
Torraum (hier wird des Helden i-itterlicher Sinn der beim 
höfischen Feste allgemein zurückgesetzten und unbeachteten 
Lunete gegenüber gepriesen), dann an die — wenn auch nur 
kurze — Charakteristik des Verliältnisses der Zofe zu der 
Herrin, die der Schilderung der diplomatischen Mission Lunetes 
vorangeht und die man allerdings nicht gern missen möchte. 

Von alle dem hat M. rein nichts. Als dem Owein die 
Notlage der verwitweten Gräfin, die der Graf Alier hart be- 
drückt, berichtet wird, liat er für sie lediglich die Worte: 
„C'est triste" (35, 23). 

Und ebenso heilst es bei der Erwähnung der Qualen des 
Vaters, dem die beiden Söhne durch den Riesen geraubt sind: 
„C'est assurement triste, dit Owein" (41,7). 

An Stellen gleicher Art — da mir die Auszüge aus 
Geraint -Erec nicht mehr vorliegen, kann ich es nicht durch 
Beispiele erhärten — dürfte Othmer auch vorzugsweise 
gedacht haben, wenn er dem Kymren gegen das Ende liiu 
Nachlässigkeit oder steigende Unlust am Stoff vorwarf. 
(Damit soll aber keinesfalls gesagt werden, dafs sich die 
Othmersche Behauptung ausschliefslich auf diese oder ähnliche 
Textstellen stütze.) 

Wie die^e Erscheinung auf andere Weise folgerichtiger 
und im Zusammenhang mit all den anderen Erscheinungen 
erklärt werden kann, davon wird gleich die Rede sein. 

Ich möchte nun die weitere Behandlung der Frage nach 
dem Charakter M's dahin präzisieren, dals der Gegenstand 
des folgenden Abschnitts der Untersuchung der Stellung M's 
innerhalb der Literaturgattungen gewidmet sein soll. Welcher 
Dichtungsform gehört das Mabinogi an? 

Schon Piquet sagte — die Äufserung wurde oben an- 
geführt — , dafs wir uns als Kompilator M's jemanden zu 
denken haben, 
„ä qui les expressions de la poesie populaire sont familieres." 

Diese Worte schliefsen allerdings die Möglichkeit nicht 
aus, dafs — um einmal zu der Grundfrage der Arbeit selbst 
mich zu wenden — eine zielbewiü'ste Bearbeitung und Um- 
gestaltung des durch Chrestien bekannt gewordenen Stoffes 
nach der Seite des Volkstümlichen hin stattgefunden habe. 



156 WALTER GRETNER, 

Gegen diese Annahme erheben sich jedoch schwere 
Bedenken. 

Zunächst spricht der oben erörterte Längen unterschied 
der beiden Werke dagegen. Es war das Prinzip der Bearbeiter 
jener Zeiten, die überlieferten oder übernommenen Stoffe durch 
Hinzufügung von Eigenem oder anderweit Entlehntem zu 
erweitern. Dies konnte umso leichter geschehen, als man 
über Entlehnungen weit weniger streng dachte als in unseren 
Tagen. So war es leicht möglich und wurde zum oft geübten 
Brauch, Episode um Episode einem überlieferten Stoffe an- 
oder einzufügen. Dieses Verfahren der Erweiterung über- 
nommener Motive und Stoffe ist ja aus dem in Frage 
kommenden Zeitabschnitt zu bekannt, als dals noch längere 
Erörterungen nötig wären. Um so seltsamer aber mutet es 
an, für das Verhältnis unserer beiden Texte gerade das vom 
Gewöhnlichen abweichende Verfahren anzunehmen, M. als eine 
vorsätzlich kürzende Bearbeitung des französischen Romans 
zu betrachten, zumal das Mabinogi auf mich (und darin 
stehen mir viele Ansichten zur Seite) keinesfalls den Eindruck 
einer gekürzten, zusammenfassenden Übertragung oder Be- 
arbeitung macht. 

Im gleichen Sinne äufsert sich Windisch a.a.O. S. 221: 

„Zuerst habe ich bei einer Vergleichung des kymrischen 
Oweintextes mit dem altfranzösischen Ivaintexte die Über- 
zeugung gewonnen, dafs keiner dieser beiden Texte vom 
anderen abhängig ist, wenn wir nicht annehmen wollen, dafs 
der Nacherzähler seine Worte absichtlich so ganz anders 
gewählt habe, um seine Abhängigkeit nicht erkennen zu lassen. 
Die Verschiedenheit in der Art der Erzählung ist umso auf- 
fälliger, als die Handlung in allen ihren Teilen bis in Einzel- 
heiten hinein dieselbe ist und nur gegen Ende eine gröfsere 
sachliche Verschiedenheit zutage tritt." (Dafs ich bezüglich 
des Maises der Übereinstimmung in der Handlang von 
Windischs Ansicht abweiche, ist ja auf Grund der Gegenüber- 
stellung hervorgehoben worden.) 

Und an einer späteren Stelle (Seite 273) sagt Windisch 
wieder: 

„Diese durchgehende sprachliche Verschiedenheit im Aus- 
druck ist für mich ein Hauptgrund, — trotz der grolsen 



OWEIN — IVAIN. 1 57 

Übereinstimmung in der Sache — , weshalb ich Chrestieus 
Dichtungen nicht als die Vorlage der kymrischen Erzählungen 
ansehen kann". 

Dem gelinden Zweifel — den Windisch an der zuerst 
angeführten Stelle und im gleichen Sinne noch einmal S. 273 
äafsert: 

„Wenn übrigens der Welschmann wirklich die Dichtungen 
Chrestiens zu diesen Erzählungen in Prosa umgewandelt hätte, 
so konnte er kein unbedeutender Mann gewesen sein. — Das 
Bild, das Förster von ihm entwirft, würde ihm nicht gerecht 
werden", — glaube ich doch begegnen zu können. Gegen 
die bewufste und kunstmäfsige Angleichung (um eine solche 
würde es sich doch dann sicherlich handeln) an das Volks- 
tümliche spricht vor allem noch ein Umstand. 

Gesetzt, es sei wirklich M. auf dem Boden des Chrestienscheu 
Romans erwachsen und von den in diesem lebenden Ideen 
durchdrungen, — wie erklärt sich dann von diesem Stand- 
punkt aus die patriarchalische, fast dürftig anmutende Ein- 
fachheit am Königshofe, die im schreienden Gegensatz steht 
zu den Schilderungen, die vom Schlofs des gastlichen Ritters 
und von dem der Laudine gegeben werden? Ich sehe auf 
der eben genannten Basis keinerlei Möglichkeit, diese gewii's 
auffallende E'scheinung zu erklären. Anzunehmen, dafs die 
kymrische Erzählung zeitlich so weit nach Chrestiens Roman 
entStauden sei, dafs inzwischen der Ruhm Arturs und all der 
heroische und höüsche Glanz, der ihn umgab, habe verblassen 
können, geht nicht wohl an, nicht allein deshalb, weil gegen 
diese Ansicht Stellen aus dem kymrischen Texte selbst sprechen. 
Ich denke hierbei an Loth (1913) II, 7, 3; 21, 21 und 29, 1. 

So bleibt denn nur die eine j\Iöglichkeit, anzunehmen, 
dals der kymrische Bericht in seiner patriarchalischen Ein- 
fachheit — die sich auch besonders dadurch kennzeichnet, 
dafs Artus seinen Waffengenossen gegenüber noch als Meth- 
und Gastmahlspender aufgefalst wird — eben all die schim- 
mernde Pracht und den höfischen Glanz noch nicht kannte, den 
das Mittelalter um die Gestalt des dux bellorum gols, dals 
er — zum wenigsten stellenweise — auf Formen der Sage 
zurückgeht, die weit vor der uns durch Chrestiens Werk 
bekannten Fassung liegen. 



158 WALTER GREINER, 

Sodann spricht noch nianclies Andere gegen eine bewufste 
Angieichung an das Volksmälsige. So scheint es mir un- 
erklärlich, wie man die Gestalt Ivains, die ja — wie schon 
oben gesagt wurde — bei Chrestien trefflich charakterisiert 
ist, eines Mannes, der sich Rechenschaft gibt über seine Taten, 
kurz: dessen Seelenleben uns näher gebracht wird, — wie 
man eine solche Gestalt derart abschwächen konnte. Ich 
weifs sehr wolil, dafs eine solche Entwicklung an sich möglich 
und auch durch Beispiele nachweisbar ist (Ich verweise auf 
Piquets Dissertation, in der einmal hiervon die Rede ist.), so 
seltsam auch ein solcher Vorgang am Helden selbst berühren 
würde. Ich denke dabei nicht an den Mangel der Charak- 
terisierung überhaupt, der gleich als auf ganz andrer Grund- 
lage beruhend erörtert werden soll, ich meine vielmehr damit 
Stellen, wie die oben angeführten: 
„C'est triste, dit Owein". 
„C'est assurement triste, dit Owein". 

Es sei hier mit diesen beiden Gründen abgebrochen, da 
ich im späteren Verlaufe der Arbeit noch auf diesen Punkt 
zurückzukommen gedenke. 

So dürfte also jetzt die Äufserung Piquets nach Beseitigung 
der geäufserten Bedenken dahin zu präzisieren sein, dafs 
es heilst: 

Das Mabinogi zeigt — hier kommt natürlich zunächst 
wieder lediglich der formelle Teil zum Ausdruck — deutliche 
Merkmale der Volkspoesie, und, um gleich zum Folgenden 
überzugehen: im besonderen des Märchens. 

Wir fanden oben als stilistische Haupteigentümlichkeiten 
des Mabinogi die folgenden: 

1. Die Handlung ist auf ein knappes Mafs zusammen- 
gedrängt, sie schreitet stetig fort; nachdenkliche Betrachtungen 
der Geschehnisse und Personen und psychologische Feinheiten 
sind ihr fremd. 

2. In diese knappe Fassung der Handlung sind Schil- 
derungen von hohem poetischen Reiz eingefügt (dals sie nicht, 
wie behauptet wird, äufseres, entbehrliches Beiwerk bilden, 
wurde des öfteren gesagt und soll noch erörtert werden), die 
alle in Superlativen gehalten sind und gegebenenfalls vor, 



i 



OWEIN — IVAIN. 159 

arger Übertreibung nicht zurückschrecken. Sie alle werden 
verbunden durch einen gemeinsamen Gedanken: sie bringen 
Bikler einer Gegend, eines Reiches von berückender Scliönheit 
und Pracht. 

3. So oft die gleiche oder gar nur eine ähnliche Situation 
geschildert wird, gefällt sich der kymrische Bericht in breiten, 
behaglichen Wiederholungen , in denen selbst die , gleichen 
Ausdrücke, die in den vorhergehenden Stellen vorausgingen, 
wieder verwandt werden. Die Eintönigkeit dieser Berichte 
wird dadurch aufgehoben, dals jeder folgende Bericht dem 
vorhergehenden gegenüber eine gewisse Steigerung der Aus- 
drucksmittel enthält. 

4. Diese Wiederholungen finden sich auch inbezug auf 
bestimmte Zahlenangaben; es wurde schon oben auf die aus- 
schiiefsliche Verwendung der Dreizahl hingewiesen, i) 

Legt man sich aber nun — und damit komme ich zum 
Ergebnis dieses formellen Teiles — die Frage vor, welcher 
Literaturgattung diese gewifs auffallenden Kennzeichen des 
kymrischen Berichtes eigen sind, so ergibt sich die Tatsache, 
dafs sie sich völlig decken mit all den Eigentümlichkeiten, 
die dem Volksmärchen — sei es auch in einer im liaufe der 
Zeiten geänderten Form — seinen unzerstörbaren Reiz geben, 
ihm jenen unverwischbaren Zauber verleihen, der uns allen 
vertraut ist. 

Da ich mich auf den vorhergehenden Seiten gegen die 
Möglichkeit einer bewufsten Bearbeitung M's nach der Seite 
des Volksmälsigen hin gewandt habe, ist eine noch w^eit 
schärfere Fassung der Behauptung möglich: 

Die Geschichte von der Dame von der Quelle hat die 
— nicht auf dem Wege kunstmäfsiger Umgestaltung auf- 
gepappten — Eigentümlichkeiten des Volksmärchens; ihre 
Psychologie, ihre stilistischen Kunstmittel sind völlig die uns 
aus jener Literaturgattung vertrauten. 

') Eine Ausnabine in dieser Beziehung bildet lediglich die eine Stelle, 
an der von der Keule des Waldschrats die Rede ist: 

„La massue de fer qui, d'apres l«i, aurait charge deux homnies, je 
suis bien sur, Kei, que quatre hommes de guerre y eussent trouve leur 
faix" (10, 8). 



160 WALTER GKEINER. 

Durch die oben unter 3. aufgestellte Beobachtung wurde 
.schon Rauch auf den Tj-pus des Märchens geführt. Er sagt 
Seite 53: 

„Sich wiederholende Ereignisse werden mit der Au.><- 
führlichkeit des Volksmärchens unermüdlich mit refrainartig 
wiederkehrenden Ausdrücken erzählt". 

Auch Piquet äufsert sich auf Seite 178 seiner Abhandlung 
im gleichen Sinne: 

„Suivant les lois du conte populaire, les memes recits 
sont faits dans des termes identiques et les memes expressions 
reviennent dans des situations analogues". 
• Auch das Märchen kennt keine eigentliche Cliarakteristik 
der handelnden Personen, höchstens insofern, als es einen 
Typus vom anderen abgrenzt. Eine individualisierende Cha- 
rakterschilderung oder Seelenanalyse wird man stets vermissen. 
Setzt aber das echte Märchen — dieses ist natürlich hier 
allein gemeint — zwei aus seinem reichen Vorrat typischer 
Gestalten, die jedem bekannt sind, der sich an diesem un- 
erschöpflichen Quell labte, einander gegenüber, so macht sich 
die Neigung geltend, jeden der beiden zum Extrem auszubilden. 
Und mit solchen Erörterungen rühren wir an die Anfänge 
der Erzählungskunst überhaupt, ein Gebiet, auf dem „Wahrheit 
und Dichtung" in der uns vorliegenden liiteratur sich in 
buntem Wechsel mischen, sodafs man hier wohl versucht ist, 
an des Mephistopheles Wort zu denken: 

„Was diese Wissenschaft betrifft, 

Es ist so schwer, den falschen Weg zu meiden, 

Es liegt in ihr so viel verborgnes Gift 

Und von der Medizin ists kaum zu scheiden". 

Es würde hier zu weit führen, auch nur auf ganz nahe 
an unser Gebiet reichende Streitfagen einzugehen, auch würde 
ihre gelegentliche Berührung im folgenden Teile angebrachter 
zu behandeln sein. 

Bemerkt sei hier nur, dafs wir auch auf diesem Gebiete 
schw^eren Angriffen Försters zu begegnen haben. Ich erinnere 
hier nur, um etwas ganz Naheliegendes herauszugreifen, au 
die „Besprechung" der Brownscheu Ivainstudie im Yvain^, 
Anmerkung zu Seite XXXI, XXXIV, XLIX-LIL t ■ 



I 



OWEIN — IVAIN. Itil 

Das Märchen also kennt keine individualisierende 
Charakteristik, es stellt einen Typus dem anderen gegenüber, 
wurde oben gesagt. Und mit wenigen derben Strichen wird 
solch ein Charaktertypüs gezeichnet, oft genug genügt ein 
Satz, ein "Wort, um ihn zu kennzeichnen, 

Dals die primitiA'e Erzählungskuust des Märchens zum 
Extremen neigt, wurde schon oben gesagt. Es dürfte über- 
flüssig sein, dies weiter auszuführen; ein jedes, auch all die 
tiefen deutschen Volksmärchen, geben davon Proben. Diese 
Entwicklung kann gegebenenfalls so weit gehen, dafs die 
geschilderten Gestalten an Wirklichkeit, an Lebensfähigkeit 
verlieren, dafs sie uns lediglich als Träger, als Verkörperung 
einer Tugend oder Untugend, als Vertreter einer Idee, eines 
guten oder bösen Prinzips erscheinen. 

Eines der beliebten Kunstmittel des Märchens, das sich 
gleichfalls durch zahlreiche Beispiele belegen läfst, ist die 
Wiederholung, nicht lediglich einer Schilderung oder Be- 
schreibung (davon war oben die Rede), sondern eines Vorgangs, 
eines Abenteuers, einer Handlung. 

Mit einem jeden, der ihm auf seinem Wege begegnet, 
schliefst „Hans im Glück" seinen ihm in seiner Beschränkt- 
heit so vorteilhaft erscheinenden Handel ab, und ein jedes 
Mal — dies führt zu den oben gegebenen Erörterungen 
zurück — erscheint der Kontrast zwischen dem Hingegebenen 
und dem dafür Eingetauschten gesteigert. 

Viele suchen vergeblich die mühsamen Wege zu über- 
winden, deren Hemmungen ein jedes Mal aufs neue mit der 
gleichen Treue erzählt w^erden, doch nur dem Einen gelingt 
es, die Wunderblume zu finden. 

Das sind Bestandteile des Märchens, die zu allgemein 
bekannt sind, als dafs ich noch w'eitere Beispiele dafür 
anzuführen brauchte, zumal ich in einem späteren Abschnitt 
darauf zurückkommen werde. 

So finden wir auch in unserem Texte die Beschreibung 
des Weges nach der Quelle ein jedes Mal in breiter Aus- 
führlichkeit beschrieben; eine jede Stufe des Zuges nach ihr 
wird in jeder Beschreibung wiederholt, sow^eit sie für die 
Komposition der Handlung — das wird noch zu zeigen sein — 
von Belang ist. 

Zeitschrift f. celt. Philologrie XH, l. H 



162 WALTER GREINER, 

Eines jeden Abenteurers gastliche Aufnahme im Schlofs 
des Ritters nach bescliwerlicher Reise durcli montagues und 
deserts. eines jeden Begegnung mit dem Waldmenschen gibt 
unser Bericht mit der gleichen Treuö wieder. 

Zu alledem kommen nun noch die Schilderungen eines 
Reiches der Pracht und Schönheit, das alle Erwartungen und 
Vorstellungen übersteigt. Dafs es dem Kymren nicht darauf 
ankam, über eine überlieferte Gestalt des Stoffes noch nach- 
träglich diesen eigenen Schimmer auszugiefsen, dafs es nicht 
anzunehmen ist, dafs all diese Schilderungen eines im 
schroffsten Gegensatze zu der nüchtern erzählten Abenteuer- 
reihe stehenden Gebietes nachträglich mit bewufster Absicht 
aufgeleimt wurden, habe ich schon oben gesagt. 

A priori ist es sehr wohl möglich, einen fertig vor- 
liegenden Stoff in ein völlig verändertes Milieu zu übertragen, 
ihm ein gänzlich verändertes äufseres Gepräge zu geben. 
Sobald sich aber dem genauen Beobachter die Überzeugung 
aufdrängt, dafs es sich bei dieser anderen Fassung nicht 
lediglich um die Ausschmückung mit äulseren Zutaten 
handelt, dals vielmehr all die Eigentümlichkeiten tief in der 
Natur des Stoffes, in der Konzeption der Motive beruhen, 
dann bleibt nur die Annahme einer Wesensverschiedenheit 
von Grund auf als zu Recht bestehend. 

Und so ist es mit unseren beiden Texten, das dürfte zur 
Genüge aus all den bisherigen Untersuchungen, die über dies 
Gebiet vorliegen und aus dem hier Dargelegten klar hervor- 
gehen. 

Und damit komme ich zum letzten Teile meiner Unter- 

.suchung; dem Stofflichen, dem ich einige Worte über die 

Quellennachweise im Ivain vorausschicken möchte. 



Dritter Abschnitt. 
Beiträge zur Stoif- und Motivgeschichte. 

Die nun folgenden Untersuchungen seien mit einer Frage 
eingeleitet, die schon des öfteren behandelt worden ist. Es 
ist die Frage nach den Quellenangaben im Ivain Chrestiens. 



OWEIN — IVAIN. 163 

Förster behauptet bekanntlich, dafs im Ivain im Gegen- 
satz zu all den anderen Dichtungen des Franzosen jede 
Andeutung einer Quelle fehle (Yvain^ XVIII) und sieht in 
den Schlufsversen unseres Romans 

6814 „Del Chevalier au lion fine 

Chrestiiens son romanz einsi; 

Qu'onques plus conter n'an oi, 

Ne ja plus n'an orroiz conter, 

S'an n'i viaut mangonge ajoster" 
eine leere Formel, der keinerlei Bedeutung beizumessen sei. 
Aus dem Fehlen jeglicher Quellenangaben zieht nun 
Förster den gewichtigen Schluls: 

„Soviel ist mir aber wenigstens sicher, dafs das völlige 
Schweigen über jegliche Quelle, der einzige Fall in seinen 
Werken, einen bestimmten Grund haben muls, und diesen 
finde ich darin: Der Roman vom Löwenritter ist überhaupt 
nach keinem livre und auch nach keinem conte gearbeitet, 
sondern eine freie Schöpfung des Dichters". 

Diesen Schluls kann ich nicht als zwingend anerkennen. 
Wir haben zunächst keinen Grund, gerade dieser einen Angabe 
Chrestiens zu mifstrauen, wenn er sagt, dafs er mit einer 
Fortführung des Romans -^ „Es ist doch wohl klar," sagt 
Förster, „dafs der Dichter in derselben Weise noch weitere 
7000 Zeilen neuer Abenteuer anreihen konnte!" — einen 
Fehler begehe, den er selbst an seinen Zeitgenossen rügt. 
Und wie ich schon oben erörterte, war das „mangonge ajoster", 
die willkürliche Erweiterung eines gegebenen oder überlieferten 
Stoffes durch Eigenes oder Fremdes, gegebenenfalls beides in 
buntem Wechsel verwoben, in jener Zeit das gewöhnliche 
Verfahren. 

Ich gebe gern zu, dafs die oben erwähnten Zeilen etwas 
Formelhaftes an sich tragen, vermag aber diesem Umstand 
keine weitere Bedeutung beizumessen. Zunächst haben wir 
uns doch an Chrestiens Wort zu halten und ihm die gleiche 
Wahrheit und Tragweite zuzumessen, die den Quellenhin- 
weisen in den übrigen Werken des Dichters von selten 
Försters ohne Bedenken zuerkannt wird. Ich sehe also keinen 
Grund ein, diese Stelle gerade abweichend von allen übrigen 
zu behandeln und betrachte den Versuch Försters, aus der 

11* 



164 WALTER GREINER, 

Art dieser Worte auf die Entstehungsweise des Romans zu 
schliefsen, als verfehlt. 

Zudem ist die oben angeführte Stelle nicht einmal die 
einzige, die mir auf eine mehr oder minder nahestehende 
Quelle hinzuweisen scheint. William H. Carruth hat in seinem 
Aufsatz (Foersters Chevalier au Lion and the Mabinogi. 
Modern Language Notes, 1889) noch die folgenden aufgeführt: 

2151 „Prise a Laudine de Landuc, 
La dame, qui fu fiUe au duc 
Laudunet dont on note uu lai", 

2685 „Et dist li contes, ce me sanble, 
Que li dui conpaignon ansanble 
Ne vostrent an vile desgandre". 

Allzuviel wird man aus diesen dürftigen Angaben für 
unseren Zweck nicht herauslesen können. Wir erfahren 
lediglich von einem lai, das den Vater der Laudine zum 
Gegenstand hat und von dem Chrestien direkt oder indirekt 
Kenntnis hatte. Ob es in näherer Beziehung zu unserem 
Texte stand, ob sein Inhalt sich auch nur mit einem Teile 
des von Chrestien behandelten Stoffes deckte, oder ob sich 
die Dichtung auf eine völlig verschollene Geschichte bezog, 
können wir nicht entscheiden. Und ebenso ist es mit der 
zweiten Quellenangabe, die noch durch die Worte „ce me 
sanble" als höchst problematisch gekennzeichnet wird. 

Weit davon entfernt, in diesen unbestimmten und un- 
genauen Angaben etwa die zuverlässigen Hinweise auf eine 
genau kenntliche und von Chrestien benutzte Quelle zu sehen, 
wende ich mich nur gegen die Förstersche Ansicht, dals im 
Ivain jede derartige Stelle fehle. Es gibt deren vielmehr, 
wie gezeigt wurde, auch in unserem Texte, und sie sind nicht 
schlechter und nicht besser als die ihnen entsprechenden in 
anderen Literaturwerken der gleichen Zeit. 

Und vor allem wende ich mich dagegen, dals aus dem 
Fehlen einer untiüglichen Quellenangabe — die man nach 
Lage der Verhältnisse und unter Eücksichtnahme auf das 
Folgende besser gar nicht verlangen sollte — der Schlufs 
auf die freie Erfindung des Stoffes von seiten Chrestiens 
gezogen wird. 



OWEIN — IVAIN. 165 

Aus Quellenangaben der vorerwähnten Art, und zwar 
weder aus ihrem Vorhandensein noch aus ihrem Fehlen, Läfst 
sich meines Erachtens überhaupt nichts schlielsen, weder nach 
der einen noch nach der anderen Seite hin, und so scheiden 
sie als Beweismittel einer stoffgeschichtlichen Untersuchung- 
in jedem Falle aus. 

Es bestand eben in jenen Zeiten einmal kein moralischer 
Zwang, einen von aufsen her in den ursprünglichen Verband 
der Stoffkonzeption eingefügten Teil als solchen zu kenn- 
zeichnen Nach seinem Belieben und ohne sich irgend- 
welchen Vorwürfen des Publikums, das lediglich sensations- 
lüstern war — novis rebus studebant, der alte Charakterzug 
unserer westlichen Nachbarn! — auszusetzen, durfte der 
Dichter mit fremden Motiven frei umspringen: der Zweck 
heiligte die Mittel. Es soll dies kein — im besonderen kein 
gegen Chrestien gerichteter — Vorwurf sein. ^ Stand er auch 
weit über denen, die er oft in den heftigsten Worten 
schmäht, — ich Avurde einmal bei seinem ehrlichen Grimme 
über die „Stümper" an ein Wort aus dem Faust erinnert: 
„Sitzt ihr nur immer! Leimt zusammen, 
Braut ein Ragout aus andrer Schmaus", 
— so war er doch viel zu sehr ein Kind seiner Zeit, er, der 
sein Publikum und dessen literarische Bedürfnisse genau kannte 
und ihnen bereitwilligst entgegenkam, als dafs ihm in dieser 
Richtung eine gar so absonderliche Ausnahmestellung zu- 
zuerteilen wäre. 

Auf der anderen Seite besagt das Vorhandensein von 
Quellennachweisen, Hindeutungen oder Anspielungen der vor- 
gezeichneten Art auch wieder gar nichts, insofern als man — 
um die Glaubwürdigkeit eines Berichtes zu erhöhen — eine 
fingierte Quelle angab, auf die das seltsame Geschehnis 
zurückgehe. 

Ich erinnere an die zahlreichen Stellen dieses Inhalts bei 
Chrestien und füge eine der Emeckeschen Dissertation ent- 
nommene Auswahl an. 

Cliges: 24—26, 3317. 

Free: 5738, 5390, 424, 967, 3678, 5330, 6876, 6764, 5938, 
6247, 6520, 6790, 6767. . 

Ivain: 6535, 6800. 6816—6818.* 



lt>(> WAI/IKK O KEINER. 

Uanz abgesehen sei hier von bewulsten Irreführungen 
des Lesers durch wissentliche und absichtliche Hinweise auf 
falsche, den tatsächlich benutzten völlig fernstehende Quellen, 
ein Verfahren, das nach dem eben Gesagten ebenfalls nicht 
aufserhalb des Bereichs des Möglichen liegt. Nimmt man 
noch hinzu, dafs bei diesem Verfahren notwendig eine Ent- 
wicklung zum Formelhaften eintritt, so kann über den Wert 
solcher Stellen kein Zweifel mehr sein. 

Im Sinne der eben gegebenen Darlegungen spricht sich 
auch Carruth a. a. 0. aus: 

„In some familiär cases of wholesale cribbing the Operator 
has made uo acknowledgement of his obligations and, on 
the other band, it was common to refer to a fictitious source 
in Order to win more authority and credence". 

Die Ergebnisse einer Untersuchung dieser Quellennach- 
weise sind also in der Tat kümmerlich genug, für die Ent- 
stehung und Stoffgeschichte des sie enthaltenden Dichterwerkes 
sagen sie rein nichts. Und selbst dem, der sich trotz all 
diesem auf sie als glaubhafte Zeugen stützt, liefern sie keinerlei 
Ausbeute inbezug auf die Art der in ihnen erwähnten Quelle; 
diese selbst bleibt nach wie vor völlig im Dunkeln. 

Damit sei dieser Abschnitt beendet und sein Ergebnis 
noch einmal zusammengefalst: 

Aus dem Fehlen oder Vorhandensein von Quellenangaben 
der erwähnten unbestimmten Art auf die Entstehungs- und 
Kompositionsweise der Dichtung zu schlief sen, entbehrt jeder 
Berechtigung. Und damit scheiden diese Hinweise von selbst 
aus unserer Untersuchung aus. 



Und nun komme ich zum letzten Teile meiner Unter- 
suchung: dem Stofflichen. Es wurde oben gesagt, dals auf 
einer Vergleichung beider Texte allein die Frage nach dem 
Verhältnis Owein-Ivain nicht restlos gelöst werden kann. 
Dies gilt nicht lediglich für die im ersten Teile gegebenen 
formellen und stilistischen Erörterungen, sondern auch in 
vollem Malse für das Folgende. Immerhin wird auch hier die 
oben bezeichnete Basis noch beibehalten und nur im Falle sie 
unzulänglich erscheint auf Weiterliegendes eingegangen werden. 



OWEIN — IVAIN. 167 

Ich knüpfe an an das Ergebnis des allgemeinen Teils. 
Es war gezeigt worden, dafs das Mabinogi von der Darae 
von der Quelle den Stilcliarakter und die unverkennbaren 
Eigentümlichkeiten des Märchens in vollem Malse besitzt; es 
war begründet worden, dafs, da von einer nachträglichen, 
kunstmäfsigen Bearbeitung nach der Seite des Volksmärchens 
hin keine Rede sein kann, der kymrische Text als ein Märchen 
bezeichnet werden mufs. 

Die Grundlage all des Bisherigen waren stilistische und 
formelle Untersuchungen. Sie sollen nun nach der stofflichen 
Seite hin ergänzt werden. 

Es war oben mehrfach von einem gemeinsamen Bande 
die Rede, das den gesamten Verlauf des kj^mrischen Berichtes 
umschlinge, sich durch alle Teile ziehe und ihm sein eigen- 
artiges Gepräge verleihe. Von diesem soll jetzt des näheren 
noch gehandelt werden. 

Zunächst sei noch auf zwei Besonderheiten M's hin- 
gewiesen, deren Erörterung die Einleitung zu Browns Jüngster 
Veröffentlichung bildet. 

Auf die an erster Stelle von Brown behandelte „In- 
konsequenz" M's bezüglich des Ringes, der dem Helden von 
der Dame gegeben wird und der den zeitweiligen Träger 
gegen allerlei Schaden schützt, habe ich schon in der 
Gegenüberstellung hingewiesen. Während bei Chrestien die 
Verse 2600 — 2613 die Übergabe des Ringes an den Helden 
zum Gegenstand haben, fehlt beim Kymren jeder Hinweis 
auf diese notwendige Handlung. So mufs uns die dem 
Chrestienschen Verse 2777: 

„Si li oste l'anel del doi" 
entsprechende Stelle (Loth II, 33, 15) 

„Elle s'avanga en face d'Owein, et lui enleva la bague 
(lu'il avait au doigt" 
als völlig unvermittelt* auffallen. Eine Lücke klafft an dieser 
Stelle, die unverkennbar und unbestreitbar ist. Es soll auf 
einmal dem Helden etwas weggenommen werden, von dessen 
Vorhandensein wir überhaupt keine Kenntnis erhalten haben. 
Diese Lücke im vorliegenden kymrischen Bericht aus- 
zufüllen, bietet sich zunächst auf unsrer bisherigen Basis 



!»>>; WALTER GREINER. 

keinerlei Mög-lichkeit. Wie aber unter Berücksichtigung einer 
durch Brown in geistvoller Weise erschlossenen und in den 
im Mabinogi noch erhaltenen Spuren noch erkennbaren früheren 
Fassung dieser Widerspruch 7a\ lösen ist. möge man dort 
nachlesen. 

Eine gleich schwere Inkonsequenz konstatiert Brown 
Mab. 19, 12 = Chr. 1001 f. 

Es sind dies die ersten Worte, die die als Retterin er- 
scheinende Zofe dem zwischen" den Toren eingeschlossenen 
Helden zuruft. Ihnen liegt in beiden Fassungen eine gewisse 
Vertraulichkeit zugrunde : 

Chr. 1001 „Sachiez bien, se je pooie 
Servise et enor vos feroie! 
und Mab. 19,11: 

„C'est vraiment pitie, dit la pucelle, qu'on ne puisse 
te delivrer. Ce serait le devoir d'une femme de te rendre 
Service." 

Soweit ist alles klar. Während aber nun Chrestien diese 
vertrauliche Hilfsbereitschaft mit einer früheren engeren Be- 
ziehung zwischen Owein und Lunete begründet und so völlig 
ausreichend erklärt, gibt M. über die Entstehung der Sympathie 
der Zofe für Owein keinerlei Aufschluls. Dies berührt zunächst 
um so merkwürdiger, als die Ausdrücke im M. noch bei weitem 
mehr Vertraulichkeit in sich tragen als die ja auch erheblich 
kürzeren Worte der Zofe bei Chrestien. 

Den Schlufs, den Brown am Ende dieses Abschnittes 
zieht, vermag ich keinesfalls als notwendig und gerechtfertigt 
anzuerkennen. 

Das Vorhandensein von Lücken im kymrischen Beiicht 
an Stellen, die bei Chrestien dem Verständnis keinerlei Schwie- 
rigkeiten bieten, spricht keinesfalls für die Wahrscheinlichkeit 
eines "lost leaf" (Brown) oder — mit anderen Worten — für 
eine Abhängigkeit M's vom französischen Roman. 

Ich stütze mich hierbei auf einen Ausspruch Biquets 
(a. a. 0. S. 179j, in dem es heilst, dafs sich auch von unserem 
Standpunkt der Unabhängigkeit M's aus eine völlig befrie- 
digende und ausreichende Erklärung der Kompo^^itionsfehler 
— soweit solche überhaupt letzten Endes unbestreitbar vor- 
handen sind — im Märchen ergibt: 



OWETN — IVAIN. 160 

.,11 est naturel que le recit aucien — die erschlossene und 
zu fordernde ältere Fassung der Oweingeschichte, auf die 
unsere beiden Texte zurückgehen, — presente des maladresses, 
des gaucheries, que Chretien, poete de talent et d'une edu- 
cation superieure. a facilement evitees, et cet argument de 
M. Othmer se retourne contre lui." 

Zudem scheint mir — und damit komme ich zum letzten 
Abschnitt — hier etwas ganz Anderes vorzuliegen. An der 
zuerst besprochenen Stelle — der auf den Ring bezüglichen 
— einen Mangel des kymrischen Berichtes festzustellen, darum 
kommen wir mit allen geistvollen Konstruktionen nicht herum. 
Dafs aber die Annahme eines lost leaf, mit der Brown rasch 
bei der Hand ist, keinerlei zwingende Kraft hat, dürfte aus 
der gegebenen Erklärung hervorgehen. 

Ich habe schon oben auf den Höhepunkt des ersten Teiles 
unserer Handlung hingewiesen, auf die Neigung Oweins zur 
Schlofsherrin. 

Genau wie mir dort die lapidare Kürze des Berichtes im 
(aegensatz zu den gewifs schätzenswerten und trefflichen 
Reflexionen, mit denen Chrestien uns die aufflammende Leiden- 
schaft des Helden erklärt, keinesfalls als ein Mangel M's 
erscheint, so auch hier. 

Hiefs es dort — die Stelle wurde bereits oben einmal 
augeführt: 

„En la voyant, Owein s'enflamma de son amour au 
point quil en etait parfaitement penetre". 
und erscheint uns dieser plötzliche Schritt vom Standpunkt 
der primitiven Psychologie des Märchens — allgemein ge- 
sprochen — völlig genügend erklärt, so meine ich, sollte man 
auch hier von dieser Basis ausgehen. 

Owein ist eben — dazu komme ich gleich im Schlufs- 
abschnitt — der wahre Held des Märchens, der über alle 
Schwierigkeiten siegt; er ist der Held, dessen Bestimmung es 
ist, ins Schlols, ins Reich der Laudine einzudringen, das allen 
übrigen Menschenkindern durch Hemmungen verschiedenster 
Art verschlossen bleibt. Und vergegenwärtigt man sich den 
noch aus der früheren Fassung herüberschimmernden Rest 
der ehemaligen Stellung der Zofe als der Botin, die den 
Zugang zum Wunderreiche dem Auserwählten ermöglicht oder 



170 WALTER GREINER. 

erleichtert, bedarf es dann noch einer Erklärung für die 
Worte, mit denen sie den Retter — um einmal auf das von 
Förster herangezogene Motiv der Befreiung, das ja auch 
Ehrismann erwähnt, zu kommen — begrüfst, begrüfsen mufs? 

Und so ziehen sich diese Spuren der von Brown, Ehris- 
mann und vielen anderen erschlossenen und geforderten älteren 
Fassung durch unseren ganzen Text und vereinen sich in 
ihrer Fülle, über die eine beträchtliche Zahl von Einzel- 
untersuchungen vorliegt, zu dem einen Gesamtergebnis der 
Untersuchung. Aus dem reichen bearbeiteten Material wähle 
ich aus technischen Gründen einige wenige Beispiele, die sich 
über das gesamte Gebiet erweitern und ergänzen lassen und 
auch schon in diesem Sinne behandelt worden sind. Immer 
und immer wieder ist es das Eine: Die Märchenmotive und 
Sagenbestandteile, die wir noch in den Romanen des Franzosen 
deutlich erkennen, sind im Mabinogi in einer zweifellos als 
älter und ursprünglicher erwiesenen Fassung enthalten. Und 
so gibt es für die oben konstatierte Weseusungleichkeit der 
beiden Oweinbearbeitungen nur die eine Möglichkeit: Eine 
direkte Abhängigkeit des einen vom anderen ist nicht zu 
erweisen. Aus dem erörterten Charakter M's ergibt sich 
vielmehr für das Verhältnis beider nur die eine Möglichkeit 
einer Erklärung: 

Wir müssen für Owein sowohl als auch für Ivain eine 
Entwicklung aus einem gemeinsamen Grundstoff annehmen, 
dessen Beschaffenheit nicht ohne weiteres erklärt werden 
kann. Dieses nun, die geforderte gemeinsame Quelle beider 
Werke, mag von den beiden uns vorliegenden Endpunkten der 
Entwicklung verschieden weit entfernt liegen. Der Gang der 
Entwicklung selbst kommt für den engeren Zweck der Unter- 
suchung nicht in Frage, dafs aber beide Fassungen sich im 
angedeuteten Sinne zurückverfolgen lassen, ist Gegenstand so 
vieler Forschungen gewesen, dafs es hier als gefestigtes 
Ergebnis genannt werden kann. Dort mag mau auch all die 
Einzelheiten nachlesen, die nun im Endergebnis zusammen- 
gefafst werden sollen. 

Zuvor aber sei wenigstens an einem Beispiel die Wahrheit 
des eben Gesagten erhärtet. 



OWEIN — IVAIN. 171 

Folgen wir einmal dem Gange der Handlung, so würde 
als erster Gegenstand der Betrachtung das gastliche Schlofs 
auf dem Wege znr Gewitterquelle in Frage kommen. 

Die Beschreibung des Weges nach dort ist bei Chrestien 
ziemlich unbestimmt, auf die Entfernung des Schlosses vom 
Königshofe oder auf die Dauer von Kalogreuants Abenteuer- 
fahrt läfst sich auch nicht das mindeste schliefsen. Dafs an 
eine gröi'sere Entfernung gedacht ist — ganz im Sinne des 
Märchens, in dem einer in die weite Ferne zieht, um Un- 
erhörtes zu erleben — , scheint mir in dem „trovai" = „da 
stiefs ich einmal zufällig auf einen Weg", zu liegen. — Ehris- 
mann hat ja den planlos auf Abenteuer ausziehenden Ritter 
mit der Dümmlingssage (Parzival!) in Verbindung gebracht 
und ihn als echten Märchent3^pus hingestellt. — Mühevoll 
und an Gefahren reich ist der Weg, und nur dem Beharrlichen 
winkt das Ziel. 

Wie schon oben in der Gegenüberstellung gesagt wurde, 
schiebt M. in die Schilderung des Weges zum Schlofs noch 
ein Motiv ein, das bei Chrestien fehlt und das ich — im 
Anschlufs an schon mehrfach in einschlägigen Arbeiten 
gegebene Erörterungen — „das Paradiesgartenmotiv" nennen 
möchte. 

Der K)'mre gibt die Beschreibung eines Tales, in das 
der Ritter zufällig gelangt („ä la fin je tombai . . . ." wurde 
ja schon oben zitiert); dieses Tal ist von überraschender 
Schönheit und wird von einem Flufs durchströmt, der in 
seinem weiteren Laufe auch den Fufs des Schlosses bespült: 

5, 16 ... „un vallon le plus beau du monde, couvert d'arbres 
d'egale taille." 

Zu diesen Worten gibt Lady Guest in ihrer Mabinogion- 
Ausgabe eine gröfsere Anmerkung, in der sie ausführt, dafs 
das Motiv der gleich gewachsenen Bäume, eines solchen be- 
rückend schönen Tales sich in der keltischen Literatur häufig 
finde. Sie belegt das durch eine Stelle aus dem Barden 
Gruffj^dd ab Adda: 

„In the furthermost of this forest he saw a level 
green valley and trees of equal hight" 
— also genau dasselbe Motiv, das im Owein vorkommt. 



172 WALTER GREINER, 

Der Vollständigkeit halber bringe ich nocli die andere von 
Lady Guest an dieser Stelle angeführte Schilderung gleichen 
Inhalts: 

Sie stammt aus Chaucers Flour and Life: 

„Wrethen in fere so well and cunningly, 
That every brauch and leafe grew by mesure 
Plaine as a bord, of an height by and by." 

Das Motiv des vom Flufs durchzogenenen Tales vor dem 
Schlosse, zu dem der Held zieht, habe ich nun — bei gelegent- 
lichem Suchen; diese Zitierung macht also auf Vollständigkeit 
keinen Anspruch! — an zwei Stellen im Peredur wieder- 
gefunden, die hier folgen: 

Loth II, 98 (Ausgabe von 1889): 

„Dans la jeunesse du jour, Gwalchmei arriva dans une 
vallee arrosee par une riviere oii il apergut un chäteau 
fort > avec une grande cour et couronne de tours süperbes 
et tres elevees. II vit en sortir un Chevalier partant pour 
la chasse monte sur un palefroi d'un noir luisant. . ." 

Gwalchmei grülst ihn, es folgt ein herzlicher Gegengruls, 
dann die Einladung zur Nachtruhe — alles wie in unserer 
Geschichte. 

Dasselbe Motiv wird nun bis > wiederholt S. 101; 
dann folgt: 

„II (Peredur) suivit quelque temps la grand'route, 
puis il prit un chemin qui le mena ä travers un bois. En 
en sortant il apergut un chäteau qui lui parut habite." 

So ist dies Motiv als im besonderen auch dem Kymren 
eigentümlich und geläufig nachgewiesen. 

Der Schlofsherr nun, der bekanntlich zu einer Gestalt 
von märchenhafter Pracht ausgebildet erscheint, führt den 
Helden ins Innere des Schlosses. Dabei ist meines Erachtens 
noch eine Stelle besonders bemerkenswert. 

Bei Chrestien ruft er durch ein Gongzeichen die Bewohner 
„eil qui amont ierent anclos" (220) zusammen. Dies erschien 
uns oben in der Gegenüberstellung mit Recht als ein recht 
sonderbarer Ausdruck, der nunmehr geklärt werden soll. 



OWEIN — IVAIN. 173 

Des Kyniren Bericht weicht an dieser Stelle nicht un- 
wesentlich ab. Der Eitter wird ins Innere der Schloi's- 
gebäude selbst geführt und findet dort im Saal die Mädchen 
versammelt, deren Schönheit ja in den oben zitierten Aus- 
drücken gepriesen wird. 

Da aber heilst es, und diese Fassung wirft auch auf das 
Rätsel in des Franzosen Bericht Licht. 

.,11 n'y avait pas d'autres habitants que ceux qui se 
trouvaient dans la salle. La se tenaient vingt-quatre 
pucelles. . ." (6, 20). 

Es erscheint uns befremdlich, im Ritter, seinen beiden 
Begleitern und andrerseits den Mädchen die einzigen Bewohner 
des Schlosses sehen zu müssen. Die beiden Jünglinge, die 
dem Ritter so völlig gleichen, verschwinden auch alsbald für 
immer aus der eigentlichen Handlung und treten erst wieder 
in der entsprechenden Szene im späteren Verlaufe der Hand- 
lung auf, oder, wenn wir den Begriff der typischen Märchen- 
gestalt auch hier anwenden, sie erscheinen jedesmal, wenn 
ein Ritter sich der Burg naht. 

So mag ihre Einfügung in die Handlung im Mabinogi 
zunächst völlig zwecklos erscheinen. Von unserem Stand- 
punkte aus, dafs wir nämlich M. im Grunde als ein echtes 
Märchen betrachten, meine ich aber doch ihre Einfügung 
völlig rechtfertigen zu können. 

Antti Aarne geht in seiner Abhandlung (Vergleichende 
Märchenforschungen, Helsingfors 1907) auf die Veränderungen 
ein, die ein Volksmärchen im Laufe der Zeiten erfährt und 
stellt für eben diese Wandlungen, die sich nach bestimmten 
Gesetzen des Denkens und der Phantasie vollziehen, Richt- 
linien auf, aus denen ein Entwickelungsgang mir hier in 
Frage zu kommen scheint: 

„Eine ganz gewöhnliche Erscheinung ist in den Volks- 
märchen auch die Vervielfältigung eines Ereignisses oder 
Gegenstandes" (g. 67 f.). 

Es bietet sich bei einer ausführlicheren Untersuchung des 
gesamten Ivainstoffes — die ich mir'^nter Verwendung des 
aus räumlichen Gründen in dieser Arbeit nicht verwendeten 
Materials für später vorbehalten möchte — Gelegenheit, auf 
dieses Motiv und sein mehrfaches Vorkommen in unsrer 



174 WALTER GREINER, 

Geschichte noch des näheren einzugehen. Hier sei nur gesagt, 
dafs ich die beiden Jünglinge, die neben dem Ritler den 
jeweils Ankommenden begrüfsen, einfach vom oben erwähnten 
Standpunkte aus als Varianten der Hauptfigur auffasse, die 
ihre Existenz lediglich dem Bestreben verdanken, der Szene 
mehr Eindrucksfähigkeit und Lebendigkeit zu geben. 

Doch um wieder zum Ausgangspunkte zurückzukommen! 
Es wurde gesagt, es sei auffallend, dafs als einzige Bewohner 
des Schlosses nach dem Berichte des Mabinogi — Chrestiens 
Angaben sind ganz allgemein gehalten und geben auf diese 
Frage keinerlei Antwort — nur eben der Schlofsherr (die 
beiden Jünglinge bleiben aus dem eben erörterten Gedanken- 
gange heraus beiseite!) und die Mädchen genannt werden. 

Auch hierin möchte ich ein Märchenmotiv sehen („Märchen" 
hier wie im ganzen Abschnitt in jenem erweiterten Sinne 
gebraucht, von dem Ehrismann a.a.O. spricht!), das in unserem 
Texte noch einmal verwandt wird und sich im Mabinogi noch 
deutlicher zeigt als im französischen Roman. 

Hertel (Verzauberte Örtlichkeiten und Gegenstände in 
der altfranzösischen erzählenden Dichtung; Diss. Göttingen 
1908) spricht im ersten Abschnitt von den Feenschlössern. 
Dort heifst es: 

„Abgesehen von der grolsen Pracht (Brown!) weisen sonst 
die Feenschlösser keinen wesentlichen Unterschied im Vergleich 
zu den menschlichen Schlössern auf. Im Innern aber zeigt 
sich das Übernatürliche des Schlosses und seiner Bewohner 
auf mancherlei Weise, wobei einige Züge häufiger wiederkehren." 

So finde man das Schlofs häufig völlig menschenleer. 
Dafür gibt H. zwei Belege, den einen aus dem Guingamor: 

(392) „De ce li a samble le pis 
C'ome ne feme n'i trova." 
den anderen aus dem Parthenopeus de Blois: 

(895) „Mais tot li samble cose huisdive 
Quant il n'i voit rien nule rien." 

Hertel geht auch" auf die allgemeinen Kennzeichen der 
Märchenschlösser ein. 

Sie bieten, wie schon erwähnt wurde, ein Bild gröfster 
Pracht, die kostbarsten Baustoffe und der herrlichste Schmuck 



OWEIN — IVAIN. 175 

sind verwandt, und meist erkennt man diese Bauwerke schon 
von weitem durch den Glanz — auch in unserem Texte heilst 
es ja „etincelant" — , den sie bis in die Ferne hin ausstrahlen. 
Ich erinnere nur an den Eindruck, den im Märchen der 
Ritter nach dem Zuge durch das paradiesisch schöne Tal vom 
funkelnden Schloi's erhält. Dafs dagegen Chrestiens nüchterne 
Schilderung: 

191 „ . . . vi une bretesche . . . 



195 Et vi le baille et le fosse 

Tot anviron parfont et le." 
farblos und matt erscheint, braucht nicht erst gesagt zu 
werden. 

So ist auch mit dem Eingangstor, über dessen Schilderung 
ja schon oben des näheren berichtet wurde. Wohl ist es an 
dieser Stelle Chrestiens Verdienst, der Beschreibung noch 
einen besonderen Reiz dadurch zu verleihen, dafs er den 
Raum zwischen den beiden Fallgattern in überaus kunstvoller 
Weise von einem gemalten Sternenhimmel überwölbt sein 
läfst, doch finden wir auch beim Kj^mren Angaben, die auf 
prächtige Ausgestaltung schliefsen lassen. 

Um auf das Vorige noch einmal zurückzukommen, nämlich 
die Erörterung der Tatsache, dals die Feen- oder Märchen- 
schlösser oft als völlig menschenleer beschrieben werden, sei 
gesagt, dals dieser Zug auch in unserem Text noch einmal 
wiederkehre und zwar nicht lediglich in der Wiederholung 
des eben erwähnten Berichtes bei der Erwähnung von Oweins 
Zug nach der Quelle, bei seiner Einkehr im gastlichen Schlosse, 
sondern bei der Beschreibung der Verfolgung des todwunden 
Ritters. Es heilst dort in beiden Fassungen, dals der fliehende 
Verteidiger der Quelle und der ihm auf dem Fufse folgende 
Sieger im Zweikampf auf ihrem rasenden Ritte selbst durch 
die Strafsen des der Burg vorgelagerten Fleckens 
Chr. 903 „N'ome ne fame ne troverent 

Es rues, par ou il passerent" 
keinem Menschen begegnen, und als im M. Owein vom Tor- 
raum aus freie Aussicht nach einer Straf se hat, erblickt er 
niemand, bis endlich dann das Fräulein ihn aus seiner 
Bedrängnis rettet. 



176 WALTER GREINER. 

So finden wir in unseren beiden Bericliten Märchenmotive 
in Hülle und Fülle, und alle sind im kymri.sclien Text teil- 
weise noch deutlicher erkennbar, teilweise in ursprünglicherer 
Form erhalten. Es sei an dieser Stelle noch einmal der 
Ehrismannschen Abhandlung (P, B. B. 30. 14 f.) gedacht, sowie 
auch der Settegastscheu Ivainstudie. 

Brown führt zur Erklärung der Tatsache, dafs aul'ser 
dem Schlofsherrn und den schönen Mädchen niemand das 
Schlofs bewohnt, eine Anzahl von Belegen aus irischen Sagen 
an, in denen uns dies Motiv stets wieder entgegentritt. Schon 
Villemarque gibt in einer Anmerkung eine Erklärung dieser 
Stelle im wälschen Text und äulsert sich auf Grund einer 
Angabe im Itinerarium Cambriae des Giraud le Gallois cap. X 
dahin, dafs die Sitte des Empfangs durch junge Mädchen im 
12. Jh. allgemeine wälsche Sitte gewesen sei. Dies erscheint 
mir als Beweisgrund weniger geeignet; stärkere Stützen der 
eben gebrachten Ansicht, dafs wir in diesen Angaben echt 
keltische Sagenbestandteile sehen müssen, meine ich, bilden 
die von Brown angeführten Belege (a. a. 0. 160, 4 f.). 

Aus ihnen möchte ich zwei auswählen, die mir besonders 
an die im vorliegenden Text enthaltenen Stellen anzuklingen 
scheinen. 

Echtra Condla Chaim (Windisch, Kurze Gram. 118—121). 
„There are no people there except women and maidens." 

Dazu füge ich aus Browns Zusammenstellung noch das 
Folgende aus Serglige Conculaind (Irische Texte I, 217, — 
vor allzu weitgehender Vergleichsheranziehung dieser Dichtung 
namentlich inbezug auf den Wahnsinn Ivains warnt Windiscli 
an mehreren Stellen!) 

„a place that bands of women frequent" 
und an andrer Stelle: 

„I saw women in a Company; 
I saw many maidens also". 
Dieser unverkennbaren Märchenzüge in der Schilderung 
alles dessen, was mit dem Schlosse des gastlichen ßitters 
zusammenhängt und von dem wir vieles im Schlofs der Laudine 
wiedererkennen, dann endlich ins Reich der Fomore (Brown 
a. a. 0.!) übertragen, im Schlofs des Noii- Oppresseur, in dem 



OWEIN — IVAIN. 177 

wir mit Settegast Anklänge aus dem Minotaurus- Motiv der 
Alten wiedererkennen, lielsen sich noch viele anführen. Ich 
verweise auf Browns Deutung all dieser Züge, des Schweigens 
während des Mahles, des kostbaren Gerätes u. a. m. 

Als Kynon-Calogrenant (und im späteren Teile Owein- 
Ivain; diese beiden Handlungen laufen ja, wie schon oben 
gesagt wurde, völlig parallel) den Ritter im Schlofs nach 
einem Abenteuer fragt, — bei Chrestien geht bekanntlich der 
Zug zum Abenteuer nach der Nachtruhe im Schlofs unmittelbar 
weiter bis zum Gehege des Waldschrats, von dem dann Ivain 
erst Aufschlufs erhält, während im M. diese Hinweisung auf 
das Abenteuer zwei Personen zugeteilt ist — (der Waldmensch 
als Variante des Ritters?) — heilst es im Mabinogi: 

„II me regarda et sourit" (9, 3). 
Ich habe schon in der Gegenüberstellung auf diese Worte 
hingewiesen und sie in Parallele gesetzt zu denen, die die 
Entgegnung der vom feindlichen Nachbar (dem Alier Chrestiens) 
hart bedrängten Gräflu auf Ivains Verlangen nach Rols und 
Waffen enthalten: 

„La comtesse mit ä rire" (36, 26). 

Für diese und die den beiden angeführten unmittelbar 
folgenden Stellen: 

„Si je ne croyais qu'il düt t'en arriver trop de mal, je 
t'indiquerais ce que tu cherches" (9, 4). 

und 

„J'aime mieux qu'il les (das Rols und die Waffen) 
prenne que de les voir devenir la proie de mes ennemis 
demain malgre moi, et cependant je ne sais ce qu'il veut 
en faire" (36, 30) 

sehe ich nun auf Grund unserer Ansicht vom deutlich 
erkennbaren ursprünglicheren Feenmärchencharakter der 
Geschichte von Owein und Laudine eine Möglichkeit völliger 
Erklärung. 

Diese Erklärung würde sich auch gleichzeitig über eine 
Stelle aus dem Beginn unseres Berichtes erstrecken, über die 
Ankündigung der Erzählung des Calogrenant. 

Man erinnert sich dafs diese erste Erwähnung der wunder- 
samen Reise nach der Gewitterquelle in beiden Fassungen 

Zeitschrift f. celt. Phüologie Xn, l. 12 



178 WALTER GREINER, 

mit geradezu sich diametral gegenüberstehenden Ausdrücken 
geschieht. Man vergleiche: 

Chrestien 59 f. (Calogrenanz) 

„Qui lor ot comancie un conte 
Non de s'enor, mes de sa honte" 

und Mab. 4, 17 

. . . „ensuite nous te dirons le meilleur recit du monde 
que nous pouvons savoir". 

Dazu nehme ich noch den Nachsatz des Berichtes in 
beiden Fassungen: 

Chr. 577 „Einsi alai, einsi reving, 

Au revenir por fol me ting; 

Si vos ai conte come fos 

Ce qu'onques mes conter ne vos". 

und Mab. 15, 12 

„Dien sait que personne n'a jamais avoue pour son 
compte une a venture moins heureuse que cella-lä". 

Wiederholungen des gleich bei Chrestien zu kennzeich- 
nenden Gedankengangs finden sich noch anlälslich der Auf- 
forderung von Seiten der Königin, die Geschichte auch ihr 
zu erzählen: 

142 „Certes, dame, ce m'est mout grief 
Que vos me comandez a feire" 

und in Ivains Versprechen: 

589 „J'irai vostre honte vangier". 

Von dem oben erörterten Standpunkte aus ergibt sich 
nun zur Erläuterung dieser Differenzen zwischen beiden 
Fassungen das Folgende: 

Falst man „Owein" als Märchen, dann bedarf schliefslich 
derjenige, der auf ein wunderbares Abenteuer auszieht und 
dem sein Unternehmen fehlschlägt, nicht im mindesten der 
Entschuldigung für sein Mifsgeschick ; wohl kann er es bedauern 
und das Mitgefühl derer wecken, die seinem Berichte lauschen, 
doch gibt es für ihn keinen Grund zu Selbstauklagen und 
Vorwürfen. 



OWEIN — IVAIN. 179 

Beim Roman liegt nun dies alles völlig anders. Wir 
finden bei Chrestien — das dürfte zur Genüge hervorgehoben 
sein — den Schimmer des Märchens verblafst, vieles mag 
ihm unverständlich geworden und mit seinem Bestreben, die 
ihm vorliegenden Stoffe nach einer bestimmten Idee um- 
zugestalten, sie einem Leitmotiv unterzuordnen, unvereinbar 
erschienen sein. 

Vor allem war er genötigt, vieles verstandesgemäls zu 
erklären, wofür M. als echtes Märchen einfach die nackte 
Tatsache hat. 

Seine Helden sind eben höfische Ritter, deren Ansichten 
von dem Ideal der corteisie beeinflulst sind und denen am 
rühmlichen Bestehen eines jeden Abenteuers, an einem makel- 
losen Ehrenschild alles gelegen ist. 

„Miauz vant ancor, ce m'est avis, 
Uns cortois morz qu'uns vilains vis" 

heilst es in unserem Texte selbst. 

Und so mufs es auch dem Calogrenant als einem echten 
Vertreter dieses höfischen Prinzips überaus peinlich sein, 
gerade der Königin — die ihn seiner erst eben bewiesenen 
Galanterie halber besonders hoch schätzen mochte — einen 
Bericht von den unrühmlichsten Stunden seines Lebens zu 
geben. Von dem märchenhaften Charakter all der Stätten 
und Gestalten, an die der Ritter gelangt, denen er auf seinem 
Zuge begegnet, sind nur noch Spuren im Roman zu finden, 
und so erscheint das ganze Abenteuer in einem wesentlich 
dem Alltäglichen sich nähernden Rahmen. 

Es ist ein Kampf zweier Ritter, wie er alltäglich statt- 
gefunden haben mag; als wunderbares Element bleibt im 
ersten Teil des Romans bei Chrestien lediglich die Wunder- 
quelle bestehen. 

Und so mufs denn Calogrenant, — der ja nicht gegen 
einen „otherworld-hero" kämpft, sondern gegen einen Ritter 
aus Fleisch und Blut wie er selbst einer ist, — sich seines 
unrühmlichen Abenteuers schämen und seine Ehre wieder- 
herzustellen suchen. Daher rühren all die Hinweise auf die 
Schande, auf das Ehrenrührige, die ihn fast zur Verzweiflung 
brachten. 

21* 



180 wAi.TKH ohp:inkr. 

Und darum — um den Calogrenant nicht in gar so 
sclileclitem Lichte erseheinen '/a\ lassen — niufste Chrestieu 
den Gegner, den Verteidiger der Quelle, in jeder Weise über- 
legen sein lassen. 

Er ist nach Chrestiens Schilderung bei weitem gröfser 
als der Ritter selbst: 

(Le Chevalier) ,,tu sanz dote 
Plus granz (lue moi la teste tote". 

Auch ist sein Pferd bei weitem kräftiger: 

(525) „Et ses chevaus plus forz del mien"; seine Lanze 

bedeutend kampffester als die eigene; kurz: „es war kein 

^\'under." sagt Calogrenant, „dafs ich nicht Sieger war, 

denn ich war ja meinem Gegner in keiner Weise gewachsen." 

Bei ;M. haben wir von alledem nichts. Vom Gegner 
Kynons wird lediglich das Aussehen beschrieben, das sich in 
den gewohnten Ausdrücken bewegt, und dann folgt ganz 
unmittelbar die Mitteilung der Tatsache, dafs Kynon im 
Kampfe überwunden wird. Ganz selbstverständlich steht es 
da. Kynon ist eben nicht der Held des Märchens, dem der 
Weg zum Schlofs der Laudine, der Heldin des Märchens, 
offensteht, der allein unter allen anderen alle Schwierigkeiten 
überwindet. Kynon ist nicht in dem Mafse individualisiert 
wie Calogrenant bei Chrestieu; ich möchte sagen, Kynon ist 
lediglich ein Typus, nämlich der Typus des Einen, der im 
Märchen vor einem Anderen, dem echten Helden des Stoffes, 
vergeblich auszieht. 

Um einmal noch ein Analogon aus unseren tiefen deutscheu 
Volksmärchen zu bringen: 

Seit Jahren hat kein ]\[ensch den Weg durch die dichte 
Rosenhecke gefunden, keiner hat durch die Waberlohe, die 
Brunhilde auf hohem Felsen umgibt, zu schreiten vermocht; 
alle, die zu Dornröschens Schlofs, zum Walkürenfelsen zu 
dringen strebten, sie mufsten unverrichteter Sache umkehren. 
Nur de