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Full text of "Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur"

^. ^K^ * - 






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^~Sr-^ 



ZEITSCHRIFT 



FÜR 



DEUTSCHES ALTERTHÜM 



HERAUSGEGEBEN 



MORIZ HAUPT. 



>j!^ 



ZWEITER BAND. 



LEIPZIG 

WEIDMANN'sCHE BUGIinANDLUNG. 

1842. 



TF 



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t?« 



ALLKRHAND ZU (lüDRUN. 

1. Gabilün 101, 1 heifst Parz. 383, 2. 575, 27 daz 

gaynpiliin und ist das zeichen in liinotes wappen. zunächst 
denkt man dabei an }<äfmog Innö'/.af^mog 'niT[0'/.üi.nrtj seepferd. 
Festus cappas (campas) marinos equos Graeci a ßexu poste- 
riorum partium appellant. doch zu erwägen wäre auch das 
ital. span. gamharo seekrebs, altfrunz. jamhlc, gr. y.ocitu^og 
nu^iliaQog, lat. cammavus gamviarus, mlat. gambarus, altn. 
kumri, schwed. dän. hummer, franz. homard. ein seeunge- 
heuer auf jeden fall. 

2. Es ist eine schöne art dargebotne gaben so auszu- 
schlagen dafs man sie segne und preise, gleichsam ihren 
werth für den erhebe der sie behalten soll. Gudrun lehnt 
die von Orlwin und Herwic gebotnen ringe mit den Worten 
ab 1225, 1 got Idze tu iuwer bouge beiden scelic sin! und 
wiederum die raäntcl 1233, 1 got läzc iu scelic sin iuwer bei- 
der rnentel! gerade so Siegfried den ihm von Giselher ange- 
tragnen theil burgundisches landes Nib. 640, 3 got laziu iwcr 
erbe immer scviic sin ! schien höfisciien dichtem diese for- 
mel zu gemein als dafs sie sie angewendet hätten? denn sie 
fände sich sonst öfter, äiinliche redensarten mögen unterm 
Volk- häufig umgegangen sein, um abzulehnen und höflich zu 
wehren, in Ilolbergs eilftem juni 3, 6, als Studenstrup lust 
trägt zu einem schmucken röhr, aber hört dafs es nicht un- 
ter sechs thalern zu haben sei, ruft er vom kaufe abstehend 
aus gud bevare minc sex rigsdaler I = got luze mir si sw- 
lic sin! das büchlein vom salzburgischen Untersberg, Brixen 
1782 s. 11 erzählt wie eine bäucrin ihren mann bei einer 
wilden frau mit langen haaren überrascht und sie angeredet 
habe o behüte gott deine schönen haare, was thut ihr da 

Z. F. D. A. II 1 . 



2 ALLKKHAiM) ZI' GUDRUN. 

mit einander ? sie will in gülc sagen 'weiche von binnen 
und behalt deine schönen haare für dich die meinen mann 
verlocken ! ' dieses feine mahnen thnl auf die fremde wnr- 
kung, vgl. deutsche sagen 1, 65. 

3. Hettel gehört nicht zum ags. Menden in scöpes vid- 
si3 ; es gibt sonst keinen eigennamen Menden, und das alt- 
burgund. he?idinuf>, goth. ktndins bleiben billig aus dem spiel 
dabei, sogar für Menden schlage ich vor dort zu lesen Meo- 
den, und dann träte Zusammenhang ein. denn Meden, Meo- 
dcn (nicht zu schreiben Heden, Meoden) ist ahd. Metan, das 
als einfacher eigenname, besonders aber in den compositis 
IVoIfhetan (trad. fuld. 2, 60. mon. boica 28 n« 52. 246), 
Pernhetan :=^ altn. ilßiedinn, Biarnhedinn vorkommt, altu. 
d hier, wie oftmahls, gesetzt für organisches d. IVolJ- 
hetan dreht sich auch um in Metanwolf {MedentilJ'us Perlz 
1, 508. 2, 213). was dies .ihd. hetan, alts. h'edan, ags. he- 
den heoden, alln. hedinn (Saxo gramm. schreibt M?'lhi?zus) 
bedeute weifs ich noch nicht; die goth. form wJire hidan 
oder htidnn fwie iriuiun z=. ahd. tr'etnn). vom ahd. heidan 
paganus, goth. hdipns^ ags. heeden^ alts. hethin, altn. hci- 
dinn steht es ab, wiewohl Verwechslungen beider formen frühe 
begonnen haben mögen, z. b. wenn der eigenname Pagamis 
erscheint (Lacomblet u' 314. 330. a. 1132.1139), warerdoch 
eher Hedan als Medan, Methan, auch Meidenreich lautete 
wohl ursprünglich Medanric, ahd. Metanrih? wie jenes Me- 
tanwolf nhd. als Meidenwolf Meidwolf Meidluß' erscheint 
dies alles über Metan vorausgeschickt kann ich fortfahren. 
Metlei in der Gudrun halte ich für entsprungen aus Metel 
Meten, und die ags. Meodeningas, alln. Miadningar (gramm. 
1, 352) werden ahd. geheifsen haben Hetaningd, Mb'talingä, 
was allmählich entstellt wurde in Hegelinge, der letzten form 
entspricht in ags. und altn. berichten durchaus nichts, aller- 
dings gab es einen ahd. ortsnamen Hegilinga (Meichelbeck 
u"418)S allein in unsrcr dichtung isl Hegelinge name eines 
geschlechls der nur in den constructionen zen Hegelingen 
oder Hegelinge laut örtlich wird, nothwendig also auf einen 
Stammherrn führt, der im lied nirgends HegcL nur Hettel 

I. vgl. Moue lieldensage .s. 52. 



ALLERIIAM) ZU GUDRUN. 3 

heilst und dem ags. Heoden, altn. Hecti?in gleicli steht nach 
welchem die Hcodr/iingas^ Hiad/iingar benannt sind, mit 
Hegeling kann Hygeluc im Beovulf =:: ahd. Hitgileih, ail- 
fränk. (Uiochilaich nichts gemein haben. 

4. In Gudrun klingen verschollene stammsagen und ört- 
lichkeiteu des nordwestlichen Deutschlands an, zumahl auf die 
Niederlande Friesland und einen iheil von Scandinavien be- 
zügliche ; hätten wir genaue geographische künde aus dem 
höheren alterthum dieser landstriche, so würden sich manche 
einzelnheiten des gedichts aufhellen. Mateläne^ der Hegelinge 
sitz, erinnert an ein niederrheinisches Mediolannirn des Pto- 
lemäus, das man im münsterscheu Städtchen Metein an der 
V^echt, zwischen Horstmar und Bentheim, wieder findet, ältere 
Urkunden nennen es Molcllin ^ Peutingers tafel gibt nach 
Fleiione ein Matilone, der geographus Ravennas nach Fle- 
tione ein Matellione an, welche formen dem Mateldne noch 
näher rücken. Fletione setzen andere westlicher nachYssel- 
stein und Malilone in die gegend von Rynsburgen. die altn. 
Überlieferung scheint von keinem ähnlichen ort zu wil'sen. 
bei Saxo gramm. s. 88 — 90 ist Hithhuis ein rex aliquantae 
Norvagiensiuvi gentis, Höginus (1. Hügnius) ein Jutorum 
regiilus, während unsere diclitung den Hagene in Irland, die 
ags. den Hagena in Holmrice hausen läl'st. nach Saxo käm- 
pfen beide, Hithinus undHöginus, 'a\\{ HHhinsö, worunter er 
sich vermutlich Hedinsey, nordwestlich von Rügen dachte, 
was noch heute den namen Hhldensee führt, aber Snorra- 
edda 164 legt diesen kämpf nach //«ey, einer der orkadischeii 
inseln, was den sch.iuplatz wieder gegen Schottland und Ir- 
land schiebt, im Sörla|)ättr (fornald. sog. 1, i03), wo sich 
bedeutende abweichungen des inhalts darbieten, heilst dieselbe 
inscl blofs Ha, in Gönguhrolfssaga (daselbst 3, 284) wird um- 
gekehrt Hedi'nscy weit ostwärts zwischen Gardariki und die 
Tartarei gebracht, man mufs binzunehmen dafs S()rla[)atti- 
den Hedinn aus Ser/c/(if/d d. h. Africa, Sarazenenland stam- 
men läfst, wie im (judrunliede Siegfried konig aus MnrIanI 
alsbund esgenofs der Hegelinge auftritt, das alte Mauntn- 
gnnin an der Elbe ist dabei nicht zu übersehn. 

I. Ledfihur ßrukterer s. 327. 328. 



/i ALLERHAND ZU GUDRUN. 

5. Sehr merkwürdig ist etwas anderes bestimmteres, 
»ach unserm epos wird zwar der kämpf zwischen Hettel und 
Hagene um Hilde auf dem gestade von Waleis gefochten, 
dagegen ein zweiter ähnlicher um Gudrun zwischen Helfe) 
lind den Normannen auf dem Wiilpensand oder Wiilpenwer- 
der. diesen aber darf man an die flandrische kiisle, wo sich 
die Scheide ins meer ergiefst, auf den sogenannten Cadzand 
Cassand setzen, wo noch im mitlelalter ein ort Jfulpio zu 
finden war. der keurbrief von Brügge a. 1190 (bei Warn- 
könig 2, 1, s. 85) nennt noch die IVidpingi, hoinines de 
Wnlpia sive de Cassand. dort in der gegend sind genug 
landstellen vom meer verschlungen worden, zwischen Wül- 
pen und Walchern hiefs aber die westliche münduug der 
Scheide vormals Hedejisee, Heidensce^, was wiederum ein 
Hedenseiland gewesen sein wird, also den namen Hedens 
neben Wülpen aufbewahrt, die sage knüpfte ihren schauplalz 
bald da bald dort an. dafs ältere lieder die erste schlachl 
zwischen Hagene und Helen bereits auf dem Wülpenwerd 
geschehn liefsen ergibt sich aus der wichtigen stelle im Alexan- 
der 1831, wo man freilich Hetenen für Hagenen zu lesen 
und anzunehmen hat dafs nach dieser darstellung Hagene um- 
kam, während ihn die jüngere am leben erhält. 

6. Hettels vater bleibt im Gudrunliede ungenannt; zu- 
folge der nordischen sage ist Hedinn söhn des Hiari'andi, 
welchen namen man dem Horant (nicht Huratit) des liedes 
gleichzusetzen hat, nur dafs Horant blofs als genofs des 
Hettel, nämlich als schweslersohn des Wate und herr in 
Tenelaut auftritt, jenem /^mrr«/?^// entspricht der a^s. Heo7- 
re7ida, auch ein sänger bei den Heodeningen, wie Horant 
bei den Hegelingen, kaum also Heodens vater oder naher 
verwandter, den formen Jiiarrajidi, Heorrenda würde ein 
^olh. Hairza7ida, aM. Herra/ito gleich sein, welche schwache 
flexion ich nicht angetroffen habe, mhd. blofs die starke /Te/-- 
rant; Herant kann übertreten in Horant-, vgl. gramm. i. 
1/il. 153. 

1. vgl. die carte von Flandern bei ^^'arnk()nig und Kluit bist. crit. 
coinit. Holt, et Zeelandiae 1, 1, 114. 

%. bcispicle von Ili-rrant und Horant sammelt Mone beldensage s. 59. 



ALLERHAND ZLI GUDRUN. 5 

7. Mau darf auch uichl fVdte schreibeu, da PFate durcli 
deu reim }Faten : gegaten (Alex. 1833) wie durcli die ags. 
schreibuug Vada^ altu. raiti (uud uicht Vmla, Facti) be- 
gehrt wird, ohue zweifei ist Hol. 266, 19, weil Oigir aus 
Dänemark stammt, der dänische Wate des epos gemeint. 

8. Für NotHlant würde ich Ortlant vorziehen, wie z. b. 
565, 1 geschrieben steht, und weil es auf h'olt und Ortwin, 
die herren dieses landes (716, 1. 1642,2), alliteriert, leicht 
konnte aus Ortlant Hortloni werden (466, 4. 520, 1) oder 
Hortriche (481, 1. 634, 3) und daraus Nort/ant, wegen al- 
ter Verwechslung des H mit dem iV,- wie auch Normanie 
und Onmuiie, Armenie schwanken, wovon ein andermahl. 

JACOB GRIMM. 



SIOZA. 

Den reicheren gehalt der schönen ahd. spräche als ihn 
ihre meist unbeholfnen denkmähler sammeln lafsen ahnt man 
aus einzelnen verstohlnen formen die zu bisher aufgestellten 
regeln ausnahmen an die band geben und vorerst nur mit 
hilfe verwandter dialecte zu erklären sind, es macht mir 
grofse freude ihre spuren zu verfolgen, in Neugarts Ur- 
kunden las ich schon lange n» 155 a. m'ölVolfpoldes siaza 
und no 22& a. 826 fFo/fpoltes siuzza; es wird dadurch ein 
grundstück, ein waldeigenthum bezeichnet, jetzt findet sich 
auch in einer ungedruckten Fulder glosse, die Dronke näch- 
stens herausgeben will, das bestimmtere siozza praedia. da- 
hingestellt bleiben mufs ob der sg. sioza fem. oder sioz 
masc. lautete; vor allem zieht uns das vocalverhältnis an. 
in diesem io, ia einen diphthong der fünften ablautsreihe, 
also ein goth. iu anzunehmen verbietet die völlige abwesen- 
heit einer goth. wurzel siut säut sut oder ahd. sios söz suz. 
CS scheint also nur übrig eine brechung io :=. e oder ur- 
sprüngliches i zu vermuten, so dafs unser wort der bekann- 
ten Wurzel sit sal set oder ahd. siz saz säz anheim fiele, was 
sich auch mit der bedeutung grundstück oder besitzung wohl 
vereinbart, in der zweiten stelle bei Neugart, die der diph- 
thongischen auslegung günstiger wäre, wird vielleicht iu für 



SIOZA. 

ia verschrieben oder verlesen sein, ein ungebrochnes sez 

oder seza weifs ich nicht aufzuzeigen, geschweige ein mhd. 

ses seze oder siez- sieze. ^ 

Aber die ags. spräche leistet uns gewähr; sie bietet 

nicht nur geseotu ■= geseilt (gramm. 1, 349)^, sondern auch 

seotol n=r setel, ahd. sezal dar. geseotu ist pl. eines neutr. 

geseote, gesete praedium, plantatio, niederlafsung, anbau? 

noch mehr, bei Lye steht ferner das einfache seotu bucetuni 

und slota (? siotu) stabula, so dafs seote in eingeschränktem 

sinn einen Weideplatz für rinder im wald ausgedrückt haben 

mag, was dem ahd. siaza bei Neugart vollkommen angeme- 

Isen ist. 

JACOB GRIMM. 



BUCH DER RÜGEN. 

Die perganienthandschrifl der ich das nachfolgende ge- 
dieht mit seinem lateinischen vorbilde entnehme ist meines 
wifsens bis jetzt völlig iinbekannt geblieben, sie befindel 
sicli in der Sammlung des hiesigen antiquarbuchhändlers Mat- 
thäus Kuppitsch, der sie mir mit dankenswerther bereitwil- 
ligkeit zur benutzung überliefs, ich bin nicht ganz sicher 
ob ich die schrift einem oder zweien Schreibern und ihrer 
abwechselnden Sorgfalt und unlust beilegen soll oder ob die 
augenfällige Verschiedenheit der züge lediglich dem Wechsel 
deutscher und lateinischer texte zuzuschreiben ist. denn dafs 
die lateinische und die deutsche schrift desselben Schreibers, 
besonders wenn die erstere, wie es eben hier der fall ist, 
sich in zahlreicheren abkürzungen geföllt als die letztere, oft 
kaum wieder zu erkennen sei werden mir erfahrene gern 
zugestehen, auf 111 erst in neuester zeit mit reifsblei be- 
zifferten blättern kleinoctav, dem alter nach an den beginn 
des 15n Jahrhunderts reichend, die, wie die spuren zeigen, 

I . es bedarf kaum der bemei-kuiip. dal's z hier überall nur 3 sein 
kann. 

'2. qfir biti'i^a i^eaeotu, Irans itpiiidoiiini praedia C. 302, 20. w" 
Thorpe zu {^cscotu bcnierkl this word docs not secm to occur eise- 
loherc im eod. Exon. soll aber nach Lye ein aeseti/ stehn. 



BUCH DER KlGEiN. ' 

lauge alles scliützeüden eiubaudes enlbeliil» u. lial sich aii.> 
nachstehendes erhalten. 

Von blalt 1 VW. bis 16 rw. ein auszug aus dem be- 
kannten werke Hugos von st Victor spcculiim de mystenis 
eeclesiae, das im dritten bände seiner werke (Rouen 1648 fol. 
s. 335 ff.) vollständig gedruckt hier unter der rothen über- 
schritt sich findet bicipit speculum eeclesiae ilomini Hugonh 
cardinalis, und am ende Explicil speculum super officium 
missae. den rest der seite füllt folgendes 

Quaeritur, quid sigtiißcat de.vtrum et sinistrum cor/iu 
altaris. Est ratio, quod altaris dextra missae principium 
ßitemque tcnet, mediumque sinistra. Dextra judeos, gen- 
tiles laeva signißcat. Coepit ab Ins, transfertur ad illos. 
Constat in altari carnem de pane creari. 
Iste cibus deus est, qui negat reus est. 
Tarn sacrum pignus ?iulhts sumat indignus, 
Qui capit indignc, digne cremahitur ig?ie. 
Articuli fidei sunt incarnatio Christi, 
Baptismi lavacrum, mors et dcscensus uverni, 
Palma resurgentis, ascensio iudiciumque. 
hierauf roth Versus de xij gradibus hmnUitatis secundum 
regulam beati Benedicti abbatis. 

Corde timet dominum, proprium contemnit am ^^^^.^^^^ 
Subditur arbitino patiens, fert sponte dol^ 
Clausa pati pandit et vilia quoque *^^^^^^^^y 
Omnibus exiremus ßt per comunia t-^ 
Caute silere sciens risum depellii ab ^ ^ 
Verbamodestus agens humiligerit omnia m^ 
danach auf der letzten zeile roth Incipit praefatio in sev~ 
mones nulli parcentes. 

ßl. 17 VW. bis 26 vw. füllt das unten gedruckte lateini- 
sche gedieht. 

Bl. 26 VW. bis 27 rw. das bekannte gespräch zwiscliea 
einem beiden Juden und Christen über die Vorzüge ihres glau 
bens, und zwar unter der rothen Überschrift Nota pulchram 
fabularn und beginnend 

Viri tres sub arbore quadum quievcrnnl, - -< 
Cuius Status melior esset contenderunt u. n, >n . 



8 BUCH DER RÜGEN. 

Bl. 27 rw. bis 28 rw. Nota de meritis inonachorum, 
be^nnend 

Recordare decet, dilecti frati^es mei, 
Qualiter evadere possimus iram dei, 
Ne coram tanto iudice inveniamur rei u. s, w. 
siebzehn vierzeilige einreiinige gesälze. 

Bl. 28 rw. bis 39 rw. ausziige aus den decretalen un- 
ter der rolhen Überschrift In nomine domini Amen. Anno 
MCC . . . . excerpta decretnlium. pn'tnum de si/monio. 

Bl. 39 rw. bis 50 vw. Incipit über de regimine sa- 
nitatis, eine schrift welche das uns bekannte halbduzend re- 
gimina, die schola Salernitana ungerechnet, abermahls ver- 
mehrt, sie hat zum Aerfafser Arnold probsten von s. Jacob 
zu Bamberg, den ich bei Ussermann und sonst nicht finde, 
und ist auf die bitte Augustins bischofs von Agrani abgefafst. 
das werk ist somit in das erste viertel des vierzehnten Jahr- 
hunderts zu setzen, da Augustin von 1303 bis 1323 auf dem 
bischöflichen stuhle zu Agram safs und in diesem jähre da- 
selbst starb (Kercselich de Corbavia, B. A., Historiarum ca- 
thedralis ecclesiae Zagrabiensis partis 1 tom. 1 s. 98 vergl. 
mit s. 105). der eingaug lautet Reverendo in Clwisto pairi 
domino et amico suo karissimo domino Augustino episcopo 
sagrobiensi suus Arnoldus sancti Jacobi in Babenberch prae- 
positiis cum stn recommendatione salutem et quidquid est 
optabile sane mercnti. Quia petivistis a me itt aliquid de 
regimine sanitatis vobis in scriptis redigerem, u. s. w. 

Bl. 46 rw. unterbricht, nach einer rothen Überschrift 
auf der letzten zeile der vorhergehenden seite De cancris^ 
ein bedeutend gröfser geschriebener abschnitt aus dem ge- 
wöhnlichen missale den Zusammenhang. der abschnitt de 
cancris ist dadurch eingebüfst, denn die folgende seite 47 vw. 
setzt die abhandlung an einer anderen stelle fort bis zu ende, 
vermutlich sollte auf dem bereits früher beschriebenen blatte 
mit dem bimssteine räum geschafft werden, unterblieb aber. 
Bl. 50 VW. bis 51 rw. Nota versus aequivocales, be- 
ginnend 

Pluribus ojjficiis animae sunt nomina plura, 
eine reimerei bei welcher sichs um wortreichthum handelt, ver- 
mutlich einst als versus memoriales der lieben Jugend eingequält. 



BUCH DER KUGEN. 9 

Bl. 51 rw. bis 57 rw. fVie man schol peichtich iverden, 
eine deutsche prosaische anleitiing, zum theil aus dem drei- 
zehnten Jahrhundert, die eines auszuges in hinsieht auf sprä- 
che und inhalt nicht unwerth wäre. 

Bl. 57 rw. bis 70 vw. ein deutsches gedieht l^on dem 
^intichrist das vieles eigenthümliche enthält und allerdings 
den druck verdiente, der spräche nach würde ich es in den 
beginn des vierzehnten Jahrhunderts setzen, der eingang lautet 

Sweii wundert von dem antichrist 

daz er also geheizen ist, 

der merk an disem büechelin 

waz von im sant Aiigustin 

schribet) so verstet er wol 

daz man in also nennen sol u. s. w. 
Bl. 70 rw. bis 99 rw- unser unten gedrucktes deutsches 
gedieht. 

Bl. 100 vw. leer, bis auf ein paar federproben, unter 
denen eine in den zierlichen zügen österreichischer Urkun- 
den des 14n und des beginnenden 15n jahrh. die jahrzahl 
Anno dno Mccccxxxiiij der länge nach abwärts laufend an 
den rand der seite hingeschrieben hat. 

Bl. 100 rw. bis 108 vw. ohne Überschrift eine deutsche 
poetische erzählung von einem wunderlhätigeu Marienbilde, 
wohl durch kreuzfahrer verpflanzte sagen wunderlich ver- 
schmelzend, aber anziehend erzählt, ich halte dieses gedieht 
mit dem oben besprochenen vom Antichrist für gleichzeitig 
und demselben dichter angehörig, es beginnt 

JVolt iuch sin niht hetrdgen^ 

ich wolt iu gerne sagen 

von einem bilde ein mwre 

daz guot ze hoeren ivwre, 

CS was ein vj^owe lobesan 

gesezzeji bi ir lieben man 

ze Melopolim in der slat u. s. w. 
Endlich bl. 108 rw. bis zu ende verschiedene lateini- 
sche gebete. 

Unser lateinisches gedieht halte ich für ein werk des 
dreizehnten Jahrhunderts, vielleicht kurz nach der kaiserkrö- 



10 BLCH DEU RÜGEN. 

nnng des Holienstaufcrs Friedrichs des zweiten, also um 1220 
gedichtet, zu den warnuugeu an pabst und kaiser war des 
Stoffes genug vorhanden, wer der warnende gewesen ist 
mir unbekannt, dal's er dem geistlichen stände angehörte 
höchst wahrscheinlich (vgl. die zweite anmerkung zum prosai- 
schen eingange), vielleicht dem eben entstandenen prediger- 
orden, der in rühriger geschäftigkeit und kühnem Selbstge- 
fühl an den verbrüderten geistlichen körperschalten und an 
einzelnen würden nur zu viel zu tadeln fand. Quetif zog 
ich vergeblich zu rathe, 3Iatthias Flacius hat ähnliche, aber 
nicht unser gedieht, namen nennt übrigens dasselbe nir- 
gend, wohl aber das deutsche, dessen kühnerer verfafser nichl 
umhin konnte im abschnitte vom pabste diesen zweimahl zu 
nennen, z. 167 und hebet aji dem tiurstcji an, ich wivn daz- 
si der bübst Johan, dann z. 257 sprechet 'vater, biibst 
iohan, sich din gewizzen an u. s. w. zur genaueren Zeit- 
bestimmung sind diese stellen wichtig, man hat nur die wähl 
zwischen Johann dem 21 n und dem 22n, ersterer erwählt den 
13n September 1276, gestorben den 16n mai 1277, letzterer 
erwählt den 7n august 1316, gestorben den 4n december 1334. 
Dafs Johann der 22e nicht geraeint sein kann läfst sich 
aus folgendem schlielsen. die den pabst betreffende stelle 
z. 226 ff., wis sicherlich dar an gemant, wil du dich dar 
an setzen daz du beginnest hetzen den gwelph an den gi- 
belin, der graste schade der icirt din, könnte nämlich nur 
in die erste zeit nach der wähl Johanns, also um 1316, ge- 
setzt werden, weil nach dem was kurz danach begann eine 
solche ermahnung höchst unpassend gewesen wäre, in dieser 
ersten zeit war es aber ganz unmöglich von einem deutschen 
kaiser zu sprechen, da der kämpf zwischen könig Ludwig 
und könig Friedrich in steigender erbitterüng bis zum ent- 
scheidenden 28n September 1322 die frage um die deutsche 
kaiserwürde völlig zweifelhaft liefs. ebenso unstatthaft wäre 
für Ludwig als kaiser, nach der Stellung die er zum pabste 
angenommen, der rath des dichters z. 1011 hilf dem bdbsf 
mit dinem swert ob er sin von dir begert u. s. w. mit dem 
älteren lateinischen texte ist aber hier nichts zu entschuldi- 
gen, weil er die stelle gar nicht hat. und wollte man be- 
haupten der dichter habe einen künlligcn kaiser im äuge ge- 



BUCH DER KL GEN. 11 

habt und die stelle z. 224 swer ciaz ander (swert) haben 
sol, dem gib <?;; schiere uz der haut deute auf diesen hin, 
so widerspricht dem die stelle z. 983 bis 998, die von einem 
zustande spricht der dem kaiser bereits zum vorwürfe ge- 
macht wird, also ein schon bestehendes oberhaupt des rei- 
ches voraussetzt, sie lautet toold aver icman her gen der 
dir wolde gesten und sprveche er (der kaiser) behaltet 
tool daz er se rehte behalte?i sol,' daz ividerrette ich sä 
zehant und hieze in varn in alliu lant, vrdgen der mcere 
ob indert vride wcrre. daz vünde er allez vridelös, berau- 
bet naket unde blöz. du von, keiser, schaffe also daz arme 
Hute iverden vjuj. du hast ein stvert in dincr hant, der got 
zwei hat gesant der kristenheit ze guote und ze grozer 
liuote u. s. w. alle diese Widersprüche losen sich aber ganz 
einfach wenn man nicht Johann den 22n sondern den 21n 
annimmt, dann erklärt sich zugleich noch manches andere, 
obwohl ein punkt auch dann noch widerstrebt. Rudolf von 
Habsburg war nämlich nicht kaiser und doch ist ein ganzer 
abschnitt unseres gedichtes an denselben gerichtet, hier, so 
uiufs man annehmen und kann es auch wohl, hat den dich- 
ter sein Vorbild, von dem er einen ganzen theil und nach 
seiner ansieht gewiss den wichtigsten hätte weglafsen mü- 
fsen, verleitet der gegenwart etwas vorzugreifen, um so mehr 
als bei den friedlichen Verhältnissen Rudolfs zum pabste und 
bei dessen wiederholter verheifsung einer romfahrl an seiner 
kaiserkrönung nicht wohl zu zweifeln war. 

Wird Johann der 21e angenommen, so findet auch die 
stelle z. 196 nii hwr ich daz din selbes leben niht gevallel 
alse wol, also ez doch vofi rehte sol eine theilweise be- 
gründung, wenn man den wink benutzt welchen die Jahr- 
bücher der predigermönche zu Kolniar und zwar zum jähre 
1277 über Johann geben, Joannes papa 31agus, in omnibus 
disciplinis instructus, religiosis infestus, contcmnens decreta 
eoncilii ge7ieralis, obiit hoc anno (Wursteisen, ausg. von 
1585 bd. 2 s. 14 z. 2.1). bei Johann dem 22n würde dieser 
grund wie obiger tadel ohne zweifei unterblieben sein, zur 
Warnung an das reichsoberhaupl z. 1015 setze dich nihl 
wider in (den pabst), habe ze der triuwe min ßndet man 
ferner au dem tragischen Untergänge des mächtigen hauses 



12 BUCH DER RÜGEN. 

der Hohenstaufer und den darauf folgenden noch in frischem 
gedächtnisse haftenden ereignissen grund genug und der stich 
z. 1033 If., tlen das lateinische original abermahls nicht hat, 
wird wohl vor allem Ottokarn zugedacht sein, ich meine den 
rath an die könige, bürge stete unde laut hat er (got) ge- 
sagt in iuwer hant, dd sUlt ir an gedenkeii, dem keiser 
niht cntwenkcn. denn erst am 25n november 1276 hatte Ot- 
tokar gedeniiitigt die lehen vom oberhaupte des reiches ge- 
nommen, bedenkt man ferner die kurze zeit der regierung 
Johanns, so ergibt sich als Zeitpunkt der enlstehung unseres 
gedichtes das jähr 1276 oder 1277. — zum abschnitte von 
den königen will ich überdies noch anmerken dafs, wenn 
unser gedieht Johann den 22n meinte, es höchst auffallend 
wäre in diesem theile desselben, wo die gelegenheit dazu 
sich gleichsam aufdrängte , nirgend mit einem wörtchen 
des unglückseligen kampfes zwischen Ludwig und Friedrich 
rügend erwähnt zu sehen, ebenso würde mich, unter der- 
selben Voraussetzung, im abschnitte von den deutschordens- 
rittern das gänzliche schweigen über das abschreckende bei- 
spiel der aufhebung des tempelherrnordens (1310) wunder 
nehmen; das lateinische original könnte nur schwach ent- 
schuldigen, weil unser dichter doch an mehr als einer stelle 
von demselben abwich, so dafs seine arbeit an ausdehnung 
sein Vorbild um mehr als ein drittheil überbietet. 

Stellen wie z. 1073 bis 1104, die ich ihrer länge we- 
gen nicht hersetze, und manche andere lafsen mich nicht 
zweifeln dafs auch der dichter unserer deutschen bearbeitung 
dem geistlichen stände angehört habe, die in besondere ein- 
zelheiten gehenden rügen der deutschordensritler hat er zwar 
zum theile seinem vorbilde entnommen, doch bleibt noch im- 
mer eine gröfsere Vertrautheit mit den inneren Verhältnissen 
des Ordens bemerkbar, in wiefern diese, vielleicht durch die 
Stellung unseres dichters zu irgend einem der deutschor- 
denshäuser Süddeutschlands, dem seine spräche ihn zuweist, 
zu erklären sei, wird aus dem gegebenen wohl niemand mit 
Sicherheit zu beantworten vermögen, der poetische werth 
der arbeit ist übrigens gering, obwohl einige stellen nicht 
ohne Schwung sind und biedere freimütigkeit ernstes tadeis 
immer für sich einnimmt, an flick verscn fehlt es nicht und 



BUCH DER RÜGEN. 13 

der reim trägt wie häufig an manchem die schuld, dennoch 
lohnte sichs dies denkmahl zu veröffentlichen, seis auch nur 
weil es unter den uns erhaltenen so ziemlich allein steht 
und manches in ihm in sprachlicher hinsieht heachtung ver- 
dient, besonders wenn man berücksichtigt dafs nach den 
obigen andeutungen dasselbe noch ins dreizehnte Jahrhundert 
gehört, ohne diese bedenken würde ich es der spräche allein 
nach ohne weiteres dem vierzehnten Jahrhunderte zugetheilt 
haben und wohl mancher mit mir. diese spräche bietet übri- 
gens ein wunderliches gemisch älterer und jüngerer worle. 
an einigen stellen bleibt wohl auch zu bedenken dals unser 
bearbeiter sich doch nicht ganz frei bewegte und in der ab- 
sieht von seinem vorbilde nicht zu weit sich zu entfernen 
oft dem lateinischen näher stehende ausdrucksweisen wählte, 
waren sie auch der spräche seiner zeit minder gerecht, häufig 
geschieht es aber auch au stellen, wo das original dazu nicht 
nöthigte. so sehen wir diu rchtc iuslitia z. 1475, daz edel 
nobihtas 248 und 1181, diu geicizzen conscientia 258 und 
1429, diu übel malitia 482, zitlich iustus 745, diu lerne 
disciplina 757, daz hantwerc opificium 569, der schol Spon- 
sor 1475 verwendet, lauter ausdrücke die zur zeit unserer 
bearbeitung theils veraltet, wie rehte edel übel schol, theils 
als kühne neuerungen erscheinen musten. von minder häu- 
figen Worten will ich hier noch einige anmerken, sich be- 
suchen curare, disponere z. 948, einem zuo donen in- 
haerere 1114, in geile in iubilo 934, hetzen exagi- 
tare 228, hangare carnifex 806, von herzen guot opli- 
me 936, fhahtsniden mensuram legitimam minuere 1279, 
sich roufen luctari 526, riechic atrox 847, schaggun 
ludi species 505, diu üzsetze lepra 99, vierharto're dolose 
ludens 1281, sich vereinen constituere consilium 1320, ete- 
loaz verdenken rem bene perpendere 1383, daz tvihtelin lu- 
di species, tessera? 509. 

Dem dichter sehr geläufig ist übrigens die verstäi'kung 
der adjectiva durch beigesetzte nomina, besonders durch wun- 
der, das aber die handschrift nirgend an diese anschliefst, 
ich finde wunder gern z. 360, wunder vil 405, ivunder arm 
1221 und 1349, wunder guot 1562. so liebt er auch die Cor- 



14 BUCH DER RÜGEN. 

men ernslich 1160 und geislich 457, 543, 911 und 1683, 
für welche letztere beweisende reime sprechen. 

Die verse sind richtig gemelsen, wenn auch zuweilen 
auf kosten tonloser e und flexionssilben. wo der abschrei- 
ber ohne grund kürzte schien die herstellung erlaubt. 

Die reime zeigen sich, besonders was den vocalischen 
theil betrifft, ziemlich tadellos, wenigstens habe ich in dieser 
hinsieht keinen von der regcl abweichenden gefunden der 
nicht auch bei Wolfram und Ulrich von Lichtenstein begeg- 
nete ; ich nenne aus den höfischen dichtem diese beiden, 
weil sie nach meiner ansieht der heimat unseres denkmahles 
am nächsten stehen, was den consonantismus betrifft so fin- 
det sich aufser dem selbst bei Konrad erscheinenden m : n 
(s. Wh. Grimm zu Silvest. z. 80: hier z. 109 quam :mafi, 
z. 117 hegan, z. 575 nimtzkint, z. 971 irint, und wie man 
sieht, nirgend so hervorgehoben wie bei Wolfram z. b. im 
Parz. 73, 5 getennet : gekemmet) nur noch s:z. so z. 239, 
283 und 779 Ms-.u:^, z. 373 bazrwas, z. 711 blözzgrim- 
delos, z. 991: vridelos. doch auch hierfür finde ich belege 
im di-eizehuten jahriiundert, hüs-.iiz meier Helmpr. 1707. 
glasen : gazzcn Seifrid 1, 1293. 1, 1354, und zwar wieder 
bei dichtem die unserem durch zeit und heimat nahe ste- 
hen, für den vocalismus war dagegen sein ohr empfind- 
licher und vermied z. b. sorgfältig e-.i^ zu reimen, so er- 
ficheinen im ganzen gedichte nur zwei verstöfse gegen diese 
regel, nämlich 115 esten : gebr listen und 1331 erbe : verderbe. 

Zuletzt noch ein paar worle über meine arbeit, die Über- 
schrift Buch der rügen rührt von mir her. das ganze sollte 
doch einen sammeltitel haben und ich weifs keinen kürzeren, 
dabei bezeichnenderen, dafs ich die Orthographie geregelt, 
fehler des Schreibers beseitigt, auch wohl hier und da dem 
verrenkten verse geholfen, wird mir jetzt wohl niemand mehr 
im ernste zum vorwürfe machen, besonders wenn er sieht 
dafs fast zu ängstlich ein theil des unrathes unter dem texte 
erhalten ist, alles dort aufzuhäufen wäre unnütz gewesen, 
hiefse sand in die äugen streuen, gegen den sich kenner zu 
schützen suchen, und hätte fast eben so viel räum erfordert 
als der text selbst, am ende aber doch nur gezeigt dafs unser 



BUCH DKH IU1GE^. 15 

Schreiber nicht heiser schrieb als die meisten seiner zeitj;e- 
nofsen. 

Wien 22 novembcr 1841. 

THEODOR VON KAHAJAlS. 

hl. 10»«'. Incipit |)raefatio in sermones nulli 
parcentes. 

bl. 17 VW. Cum per quorumdara negligentiam pracdicaloruui, 
qui nunc forte mittuntur ad praedicandum et pro parvo quaestu 
gregem dominicum ncgligere mininie curanl, vel per inobe- 
dieulis populi duritiam tanta mala in ecclcsia dei crevissc vi- 
deantur, ut non soluni vir vicinum vel notum suum odio habeat. 
sed proh dolor nee fraler fratrem suum ulcrinum nee pater 
filium nee filius palrem iam perfecle et in vcra caritate diligere 
invenianlur, ego cinis et favilla respectu proborum virorum, 
imo omniuni peripsima', non cum parvo gemilu et dolore cordis 
hoc cogitaudo considerans et quod tam egregii clerici nulluni 
praebuere remediu'm, ausus sum excedere vires et possibilila- 
tem ingenioli mei ad scribendum ad laudem et honorem salva- 
loris nostri, nee non pro salute animarum, qüoddam opusculum 
sermonum rigmicc compositum continens xxviij capitula ininio 
assignata, iucipiens a papa usque ad ultimum- clerieum el ab 
imperatore ^ usque ad ultimum rusticum, tam monialibus quam 
aliis nuilieribus non oblitis, quod unicuique nulla pallialione 
vel adulatione mediante debeat vindicari. rigmice autem idcirco 
composui, ut tam lector quam audilores eo minus taedio alli- 
ciantur. minio vero capitula ideo assignavi, ut lector sine la- 
bore id quod voluerit eo cilius possit invenire. vocatur autem 
opusculum istud Sermones nulli parcentes, eo quod unicuique 
veritas praedicetur. rogo autem omni diligentia qua possum 
quatenus '^ tam lectores quam audilores liuius opusculi, meae 
ignoranliae miscricoritcr, sicut decet sapientes, pai'cere di- 
gnentur et, quidquid minus ordinale compositum vel incomple- 

1. Co?'. 1, 4, 13 laiKiiiiiiii inirgaiiu'iila liuius iiuiihH l'acli sumus. 
omiiium peiipscma usque adliuc. 

2. hie]- ein radierles wirrl dessen Überreste iioslrum xit ergeben 
sc keinen. 

3. im|)aial()re die hs. und immer so. , 

i. qls, aber nir/if sic/ier. ,•, ,• .-^f .,V\^.■:J■ :,,, , • 



16 BUCH DER KÜGEN. 

tum viderint, proinptiores ad corrigendum quam ad deridendum 
semper iuveniautur, solummodo ut secundum inteutionem cor- 
dis mei uuicuiquc, qualiter in suo statu, vel si possit in tali 
statu salvari, sine omni palliatione vel adulatione ut su[n'a di- 
ctum est, fideliter reciletur. 

Explicit praefatlo. 
Incipit prolog-us in sermones nulli parcentes. 

17 rw. a Fratres, mundum qui transitis 
totum atque ciicuitis 
praedicantes imperitis, 
cum ad hoc electi sitis, 

i'ogo semper intendatis 5 

loqui verbum veritatis, 
et cum vetus recitatis 
simul novum inseratis. 
novum dico, quod videtis 

malum, de quo non doletis 10 

nee corrigere soletis, 
sicut iure deberetis. 
nobis sonat sermo vester 
nunc de ludith, cras de Hester, 
fructus quomodo campester 15 

procreatur vel Silvester, 
Adam quomodo creatus 
sit, cum non ut homo natus, 
ludas quare sit damnatus 

et Mathyas subrogatus, 20 

iam de Enoch vel Helya, 
de Gabelo vel Thobya, 
de precante tunc Maria, 
certe vel de lippa Lya, 

post haec forte de Rachele, 25 

de propheta Daniele, 
tunc de misso Gabriele 
vel de sancto 3Iychahele, 
nunc de Paulo vel de Pclro, 
' cui Icsus Vade retro, 30 

;{ü. vadel die hs. n. Marc. 8, 33. 



BUCH DER HÜGEN. 17 

tuiic de Moyse vel letro 
vel de prosa vel de metro, 
17 riv. b iam de dictis prophetarum, 
de virtutibus herbaruni. 

vel de poenis aniniariim 35 

non iniliste damnataruni, 
de Rebecca vel Susaiina, 
de psallentibus Osanna ! 
modo quare flevit Anna 

vel de coelo niissum manna, 40 

de Aman vel Mardocheo, 
nunc de Inda Machabeo, 
tunc de rege Ptolomeo 
vel de patre Zebedeo, 

nunc de throno Salomonis ^5 

vel loquela Cicero nis, 
de astutia Platouis 
vel liranuide Neronis, 
nunc de dulci psalmodia, 

de superna hierarchia, 50 

angelorum melodia, , ,.• 

qua laudatiir virgo pia, 
iam de cursibus astroruin 
canticisque canticorum. 

tunc de gaudio iustoruni 55 

vel de planctu reproboruin. 
iam de deo incarnato, 
alvo virginali nato, 
iiova Stella indicato 

et a magis adorato, , €0 

qui pro nobis llagellatus 
luit atque iudicatus, 
crucillxus, perforatus, 
post haec sepulturae datus 
18 VW. a portas fregit infernorum, 65 

vccles ferreos eoriim, 
solvens aninias iustorum 
a consorlio mahtrum, 
terna die resurrexit, 
Z. F. U. A. II. 2 



18 BUCH DER RÜGEN. 

potentissirae perrexit 7(» 

ad fideles qiios dilexit 

et fideliter protexit. 

fratres, non vos reprehend«». 

reverenter haec dicendo, 

nee pro cerlo parvi pendo. 75 

iinmo vos in hoc commendo. 

sed videtur vos debere 

sino'iilariter docere, 

qiiisque qualiter sincere 

deo poterit placere. so 

ergo, vobis si videtur, 

a niaiori inchoetur, 

Caput mundi excitetur 

reverentia cui debetnr. 

idcirco, fratres, accedatis <S;) 

papam neque paveätis, 

sed audacter insisfatis 

et in faciem dicatis : 

Expliclt prolog-iis. 
Incipit über sermonum. 
Primo ad j)apani. caj». i. 
Pater, non est tibi cura 

quod iam multiplex pressura '.»(> 

a dei prohibet cultura 
civitates vicos rura. 
18 VW. h symonia cum usura 
niaculavit corda pura, 

haerisis per loca plura 95 

aufert Christo sua iura, 
iam periurus plus amatur 
quam si verax videatur, 
et qui semper fornicatur 

eo magis honoratur. I(H> 

istis malis multo plura 
certe mundo sunt Ventura : 
quod tu, pater, menle pura 
intercipere procura, 



BUCH DER KÜGEN. 19 

quia si non emendentur, J()r> 

a te, pater, exigentur 
cuncta palain cum videntur, 
quia omnia pandentur. 
non te reddas partialem 

alicui nee carnalem, HO 

sed cuiictis universalem .- 
deus te elegit talem. 
non acceptor personarum, 
cultor nee deliciarum 

sis, in fructu nam ipsarum 1 1 5 

nihil proficis vel paruni. 
tecum cur tenes pastores, 
(Ihristi gregis defensores, 
(|uem iani devorant raptores 

hipis multo saeviores ? 120 

haec ausculta grata mente, 
ul lesu Christo veniente 
rationemque ponenle 
et talenlum exigente .:, 

18 nv. n sibi reddas cum usura, 12r> 

non in niodica mensura, 
et pro Omnibus procura 
servare Chi'isto sua iura, 
ne te iudex creditori, 

creditor det exactori, j;^() 

exactor postea lortori, 
tortor Faciat te mori. 

Ad Cardinales. ea|). 11. 
Cardinalibus dicatis : 
Precor causa pietatis, . 

vitam vestram convertatis . . 135 

ad statum humilitatis, 
vocamini nam seniores 
et ecclesiae reclores. 
igitur mulate mores, „.,. , 

ne vos dicant neglectores. ,,, ,, ) , y |40 

ecclesiae non subvenitis 
quam in malo statu scitis, 



Ü BUCH DER RUGEN. 

sed pecuniani sitilis, 

quamvls modo pleni sitis. 

iiam qui vobis plus donahil. 14 5 

qiianivis malus, siiperabil 

liostem, quod tarnen notahil 

deus, quoniam iiidicabit 

de talento quod sumsistis 

et in terra abscondislis. 151) 

miror quare recipistis. . 

dum lucrari noluistis. 

nam vocati honorose 

estis atque gloriose. 

nimis vivite pompöse, IÖ5 

utinani non criminose. 
is (•(/'. b recordari deberetis 

quia semper non vivelis, 

et post mortem quid meleli> 

nisi vivi seminetis ? HiO 

Ad j)atriarclias. ca|». in, 

Patriarcliis quid dicetis 
' ' a me statim audietis, 

vel, quod oculis videfis, 

illud eis praedicetis. 

Quatuor iani procreatis I6ö 

et in locis deputatis 

quinlus sedem dignitatis 

lenet et sublimitatis. 

isti volunt honorari 

super mutlos et ditari, 170 

sed pro lide ncc necari ■ 

neque volunt lacerari. 

habent sedes inter genles : 

quamvis sint pervcrsae mentes, ' ' ' 

super iustos acuentes 175 

tota die suos dentes, 

illos debenl visitare, ' ' ' . ' ■ 

<•' verbum dei praedicare, 

155. /. vivilis "tt--/ ,, > » ,,. , 



BUCH UEK UUGEiN. 21 

puslea catecbizare 

calecliizatos baptizare. IHO 

Ad episcopos. caj». iv. 
Ab cpiscopis quaeratis : 
Patres magaae bouestatis, 
precor aegre iiou feratis 
sed veraciter dicatis, 

curus vos auctoritatis 185 

estis, quum prociiratis 
ly VW. u sanguineni ut ellundatis 
per vos, vel si iubealis 
civitates expugaare, 

multas villas spoliare, lyo 

pauperes angariare 
virgiuesque violare? 
certe nee vos bellicosos 
iieque nimium iocosos 

decet esse uec pomposos, J'Jö 

sed ex corde generosos. 
clamorem pauperum auditis ' < 
el iiou ipsis subveiiilis, 
quam vis debileres sitis, 

sicut ipsi bene scitis. o; j;; 200 

nain deus vos dispeusalores 
Fecit el nou possessores. 
sitis ergo cautiores, 
iie vos torqueant tortores, 

qui noa cessant iiec lassautur, 200 

quia semper reiiovaiitur. ■ 

in tortura delectautur, 
quamvis simul patiantur. 
AU praelatos ^cneraliler. ca|>. v. 
Ad praelatos venientes, 

eos stalim alloquentes 210 

el iioii parum argueiiles 
sie ioquamini diceutes : ••: 

Patres, quum suscepislis 

17'J, 180. Foslea chatezisure Cadiezisatos ba|»li>ar<; die hs. 



22 BUCH DER RÜGEN. 

regimeu, uon relegistis 

vel obliti post fuistis 215 

quod servare tunc vovistis ? 

psalmistae elicitur ab ore 

'servile doraino in timore. 
19 VW. ü ex timore nee amore 

vultis esse in labore. 220 

pro labore vos honorem 

concupitis, uon sudorem. 

omnis disciplinae morem 

declinatis et dolorem. 

non oportet praedicari 225 

multum nee philosophari, 

sed in vita emendari ,{ 

vel distincte iudicari 

habebitis accusatores 

iufinitos, qiii labores 230 

patiuntur et dolores, 

quorum estis iam tortores. 

pro quibus deus (num quid gratis y) 

conqueritur quod oneratis 

super modum honestatis 235 

ueque digito tangatis. 

patres, breviter dicendo ,.. .. 

atque finem faciendo 

vobis regulam commendo, 

ut legatis retinendo , . 240 

quae in ipsa reperitis. 

quod si forte non velitis, 

in damnationem itis, , ,, 

sicut ipsi bene scitis. 

Ad monachos. cap. vi. 

Post haec monachis dicatis : ,; 245 

In proposito si statis, 

diligenter caveatis 

quoquo modo, ne cadatis. ,j -, 

sicut deo promisistis, 

usque modo si solvistis, 250 

ly rw. a vel correcti si fuistis, 



BUCH DER HL'GEN. -2:{ 

111 4iiucuiiiqiie (leiiquistis, 

libenter vellem si videtur, 

(liligeüter quaereretur, 

illud bojium si servetur 25r> 

ad qiiod mooachus tenetur. 

tria sunt quae conservare 

inoiiaclmni oportet clare, 

sifte quibus nee intrare 

regiium polest nee regnaie. U60 

obedieiitia vocatur 

liiimuin, atque illi datur, 
a quo fldeliter servatur 

et a deo qui ainatur. 

secunduin, virtus castilatis. 205 

datur bonis et beatis, 
qui ex virtute caritatis 
scanduiit limen sanctitatis. 
paupertas tertiuni vocatur, 

ad quod monachus ligalur, 270 

et pro certo cui datur, 
lesum Christum imitatur. 
religiosi qui dicuutur 
atque regulae subduntur. 

quam remote deducuutur, , 275 

ad hoc merito cogunlur. 
praeter haec novistis salis 
iam de regulae maudatis, 
quae si bene nou servatis, 

laborastis totum gratis. 280 

debet mouachus dolere, 
de peractis maus flere, 
ly rw. b de futuris praecavere. 
dicat crebro Miserere. 

erit vita monachorum 285 

coram domiuo bonorum 
compar vitae tot sanctoruni 
martyrum vel confessorum. 
fratres, isla custodile 
tempore praesenlis vilae 290 



24 BUCH DEH RÜGEN. 

ne dicatur vobis Ite, 
cum iustis dicitur Venite. 
Ad criiciferos. 
Capitulum septimiim. 

Cruciferos, cum sint praesentes, 
quantumcumque sint frementes, 
nihil eos metuentes 295 

occurratis sie dicentes : 
Saeculuni cur reliquistis, 
cum redire voluistis? 
cui vale iam dixistis, 

colonos eins vos fecistis 300 

a saecularibus, dicatis, 
si vos armis induatis, 
rogo quantum differatis 
vel ab Ungarls barbatis ? 

consuevistis epulari 305 

nimis laute et potari : 
quod si contigerit negari 
forte vel non posset dari^ 
tanta ira peteretur, 

Omnibus uf videretur, 310 

nisi statim largirelur, ' ' 
coramendator moreretur 
20 V1V. a lautam post refectionem 
multamque potationem 

temporis deductionem, 315 

vel potius perditionem, 
quaeritis deanibulando 
in colloquiis vel stando, 
ludum aliquem parando 

vel balista sagitlando 320 

signa haec humilitatis 
vel religiositatis 
vel si causa levilatis 
sint, vos ipsi discernatis. 
quodsi bonum comprobatur. 325 

VJi. fementes dir hs. 



BUCH DER RUGEiN. 25 

miror miindus quod amatur ? 
cur non statiin relinquatur 
et ad ordiiieut curratur? 
ut opinor iam videtur, 

in scripturis quod habetur IVM) 

're§fnum vim iam patietur 
et violenter rapietur. 
hostes estis paganorum 
omniunique reproborum, 

utinani non aliorum, S'.ib 

imo forte christianorum. 
in scriptis, qualiter debetis 
militare, vos habetis : 
■ ' scio, si relegeretis, : .. :i; 

statin! adinvenirelis. v 340 

quod quicunique neglexerunl 
facere vel noluerunt, ^ 

quoniam bonuni potuerunt, 
heu, quam dure tales erunt 
20 VW. b iudicati, cum videbunt 345 

cunctis mala quae patebunt, 
mali quam amare flebunt, 
iusti semperquc gaudebunt. 

Ad conversos. cap. vm. 
Haec conversis suadeatis: 

Fratres, quidquid laboratis 350 

in opere communitatis, ; '- - 

fideliter hoc faciatis. - 

artem qualemcumque scitis, ':! 

negotiari quam velitis, ' - ':,- 

praemonill frcquenler sitis 355 

facere, iam ul auditis. ' ' 

magnum numquam sludeatis 
lucrum ut percipialis, 
sed semper levius veudatis 

quam in foro comparatis, ... . - 360 

ne vos forte arguentes 
scolares (? sccularcs ?) sint dicentes 
usuarii (so) hi ementes ^ 



26 BUCH DEU Uü'GEN. 

I'acli suut atqiie veii<ienles/ 

pro iufirmis laborate 3<5i) 

in diviiia caritate. 

in ordine perseverate 
, V regulamque eonservate. 

generaliter couversis, 

congregatis vel dispersis, 370 

suadeatur ne perversis 

socientur, in diversis 

(juia possunt niaculari 

per eosque perturbari, 

impios forsan iniitari ; 375 

et perpetiie damnari. 
'io rw. u Ad sarabyatas et glrovagos. cu|». i\. 

Dicite sarabaytis, 

girovagis quos malos scitis : 

Emendari ni velitis, 

in damnationem itis. 380 

mentientes per tonsuram 

vento datis omnem curam, - 

per haec daemonis torturani 

niacbinatis vobis pluraui. 

deum vero reliquistis, 38ö 

pro deo ventrem elegistis. ; • 

miseri, quid intendistis 

vel quäle cambium fecistis ! 

carnem quum inpinguatis, 

escam verniibus paratis. . 3*J0 

tilii perversitatis, . , , 

quare non consideratis 

praesentis vitae brevitaleui, 

huius inundi vanitatein, 

daemonis acerbitatem 3Dö 

alque dei pietatem? 
Ad sacerdotes saeculares. cap. x. 

Sacerdotcs arguetis, 

scolares (/. scculares) quos videtis, 

nichil cos nieluetis, 

sed in raciem dicetis : * ; iOO 



BUCH DER RÜGEN. 27 

Miror, si tarn insensati 
sitis vel tarn indurati 
vel superbia inflati 
certe, vel tani desperati. 

ita parum quod curatis 405 

in altari quid agatis, 
salvatorem dum traclatis 
et indigne celebratis. 
'H) i'w. h nam curatur symonia 

a vobis plus quam psalmodia. 410 

usura quam philosophia, 

taberna plus quam sacristia. 

semper estis ebriosi, 

semper uimis furiosi, i. 

semper et luxuriosi 415 

omni sorde crimiuosi. 

in malis quidam gloriantur, 

saepe tarnen simulautur 

bonos tum ne spernantur 

vel pro malis corrigantur. 420 

alterutrum vos subplantatis 

contra formam caritalis, 

quantumcumque promittatis, 

pacem numquam reformatis. 

confundam vitam aliquorum 425 

haec dicendo vel eunctorum, 

absit a nie quid bonorum, > 

sed tanlummodo malorum. ;,- 

nam tu sacerdos, qui aperte 

malus es et boni per te 430 

confunduntur, tam experte 

confunderis et tu certe. 

lolus mundus abhorrerel, 

vitam luam si videret, 

et ne tibi adliaercret 435 

pater natum ammoneret. 

quia deum perturbasti, 

41'J. /. bonos sc dum ne spernantur. 



28 BUCH DER RLGE^. 

malis quae tu perpetrasti 

vitani tuaiu breviasti 

et ad mortem praeparasti. 44Ü 

dimitlamus modo totum, 

unum tameu fiat notum, 
21 VW. a cum ad ordines promotum 

te vidisti, quare votum 

ibi deo promisisti 445 

quod servare noluisti? 
(Ul continentiam vovisti, 

et saepissime fregisti. 

missam quotiens dixisti, 

in te quautum potuisli 450 

dominum crucitixisti : 
i. 1 1 vide, raiser, quid fecisti ! 

certe tu, qui missam dicis 

post amplexum meretricis, 

potaberis ab inimicis 455 

liquore sulphuris et picis. 
V: tamen, miser, ne desperes, 

si ex corde poeniteres 

et de caetero caveres, 

spero gratiam haberes, 4(»0 

quia deus vi amoris 

non vult mortem peccatoris, 

sed ut viam redemptoris 

carpat, spernat seductoris. 

Ad iurisperitos et phisicos. 
Capltiiium (un)decinmin. 

lurisperitis sie dicatis, '' ' ' 4G5 

phisicis associatis : 

Filii cupidilatis, 

dignum est, ut pereatis. 

quautumcumque congregatis, 

eo plus desideratis. 470 

egenos semper spoliatis 

Antichristumque dilatis. 

ad vos paupcr si clamarel 

seque flendo laceruret, ' ' '" 



BUCH DER RIJGEN. 29 

'21 vir. h iiisi munus apportaret, 475 

inconsultus remearet. 

opiime per haec apparet, 

si quis tanlnm vobis darel 

de quo mundus abiindarct. 

adhuc vos non saliaret. 'i80 

miniqiiid totum devorelis. 

quo marsupia replelis, 

vcl promissuni si habetis, 

ut pcrpetue vivetis? 

scio quod non deportatis, 485 

si de vita recedatis, 

sed post lergum dimiltatis 

quanfumque viam declinatis. ' "■' 

nuniquid legitis mandatum 

oninibus a deo datum 490 

non dinsittifur peccatuni 

donec reddilur ablatuni?' 

o quam multnni abstulislis, 

numquam quid restituistis, - • 

imnio, credo, decepistis 495 

mullo plures quam iuvislis. 

Ad scolares. capiil xir. 

Haec Scolaribus dicatis : 

Si ad gradum dignitalis 

promoveri cupialis, 

loto nisu studeatis ; 5(>() 

in virtutibus poliere. 

iam doceri, iam docere, 

semper qualiter sincere 

possitis domino placere, 

nuilicrciilas vilelis, 505 

nc vos ipsos maculelis, 
'21 /•(/'. a sed si maciilam habetis 

precor amodo cessetis. 

a taberna caveatis, > 

quia, credo, si intralis, 510 

vix vel numquam exeatis, 

uisi veslibus ablatis. '; > ..- 



30 BUCH DER RÜGEN. 

ibi mali sunt liisores 

pessiniique deceptores, 

qui vos ducunt in errores 515 

et in maxiraos dolores. 

dolebitis, quod introistis, 
'»*: • et ingressi quod lusistis, 

iudendo qnod perdidistis, 

perdendo scolam neglexisti.s. 520 

et sie dolor non cessabit, 

sed vos amplius gravabit, 
:*:»' donec nialum finem dabit, 

de quo nemo vos iuvabit. 

ex vobis quidam procurati 525 

sunt vel beneticiati, 

nimis tarnen inclinati 

sunt servire vanitati. 

recedenles ab altari 

tarnen voluut lionorari, 530 

cupienles plus damnari 

in eternum, quam salvari. 

elemosinis vivenles, , ,> 

nil pro eis servieutes, , 

habent inter omnes geutes • 535 

lii perversiores mentes. 

Ad vagüs. cajmt xiii. 
21 ;•//'. I) Vagis breviter dicatis 

vilibus el desperatis : , . 

lubet deus, ut ealis 

ad inf'ernum ouni damnatis, 540 

nisi cito relinquatis 

viam verae pravitatis 

et de male perpetratis 

sibi salisfaciatis. 

quoruni mala neque fari 545 

possunt nee excogitari, 

si ergo nolunt emendari, .. 

permittantur condcmnari. 

Ad moniales. ca|»ut xiiii. 

Dum ad claustrum vcniatis !:, 



BUCH DER RMGRN. 31 

ierainaruni, inlendatis. 550 

precor, nutii caritalis, 
11 1 iion (Iure arguatis. 
iion dico tanien, ut parcjifis, 
sed ut mitius agatis, 

ne contingat. ut frangatis r>r>5 

vas tantae fragilitatis 

de correctioue plura . x 

non sit vobis magna cura : 
liabeiit nam ex natiir;i 

inulieres ista iura. 560 

si qua re prohibeatiii' 

mulier, ei videatur, ^ *- ' 

nisi hoc perficiatur. 
ipsa statin! moriatur. 

si videtur non curari, 505 

dolet multum, nam laudari 
'22 ('//■. a cuijit plus quam possif lari. 
cuilibet confabulari. 

quidquid corde cogifahil, ' ' ■ 

stalira ore revelabit. -' 570 

et si sua non celabil. 
inea quomodo servabit? 
in pace nolunt sc amare 
invicem nee visitare, 

sed frequenter litigaie ö75 

et a rixis non cessare, 
saepe sibi invidentes, 
mala verba proferenles 
invicem el acuentes 

velut aper suos dentes. 580 

vitam non religiosam 
•liKUMJam, sed deliciosam 
ducunt cl vitupcrosani. 
utiiiam non viliosam. .■ 

<uni oportet ieiunare, 585 

durum erit loler.ire, 

55y. /. iianiqiif ir ... (•.i,..,' >- 



32 BUCH DER RÜGEN. 

.scd de caetero gustare 
nihil volunt reguläre, 
istis pliira numerare 

(|uideni possem et probare, 590 

sed nolo toliini revelare. 
nisi possem emendare. 
fratres, liaec cum audietis, 
apud vos deliberetis, 

eis si inproperetis, 595 

vel si totvmi dimittelis. 
quodsi totum dimittatis, 
iara iion bouum ministratis 
'22 i'w. b nee in via caritatis 

sicut decet ambulatis. (500 

ergo nee inproperando 
:!,i nee quidquam eis imperandc» 

loquiniini sermone blande, 
omne maluni deteslando, 

boni qualiter gaudebiint, (305 

cum in gloria manebunt, 
mali quomodo dolebunt, 
quoniam siue line flebunt. 

Ad imperatcrem. caput xv. 
Ad imperatorem venientes, 

quamvis multi sint praesentes, 010 

nullo modo obmittentes, 
sie loquiniini dicentes : * ' 
Audi, bone imperator, ' ■ 

deus regni tui dator, 

totius muudi fabricator, - - - ()I5 

vult ut pacis sis amator, ^ i 
immo solum non anialor, 
sed üdelis reformator, 
chrislianorum conlirmalor, 

paganorum repugnalor 620 

sis, eorum devastator, ' -• 

et mocstorum consolator, 
ccclesiarum rcstaurator, 
coenobiorum fundalor, . " 



BUCH DER RÜGEN. 33 

dispersorum congregator, 625 

et errantium viator, 

pauperum aiixiliator, 

infirmoruin resanator. 
Ti rw. a famelicoruin recreator, 

proslratoriim sublevator, ♦)30 

fidelis reruni dispensator. 

egenorum procurator, . . 

captivorum visitator, 

peccatorum increpator, 

dubitantis informator, 4)35 

nutantiumque sustentator. 

haereticorum accusator 

et eorum debellalor. 

sis credentium laudator 

malorum et vituperator. 040 

non sis ipse fornicator, 

Diali nee dissimulator, 

nee sit tibi adulator, 

discordiae nee sociator. 

inter lites mediator 645 

atque reconciliator 

sis, bonorum imitator, 

totius raali subplantator. 

alicui si videtur 

a te totum quod servetur. C5Ü 

in contrariuni dicelur, 

quia nusquam pax habetur. 

igitur per loea plura 

civitates atque rura 

diligentisslme procura, tI55 

ut sint paeem habitura. 

et quae supra sunt notata 

serva, si non sunt servaJa. 

dei nam sunt mandata 

et ab eo comprobata. tICü 

22 r«'. b servare igitur iuberis, 

659. /. namquK 
Z. F. D. A. II. 3 



.Vi BUCH DER RÜGEN. 

in aelernum ut laeteris 

et non dnre iudiceris, 

ad tribunal cum voceris. 

Ad reges <j;enerallter. oa|». xvr, 
: ' Post haec regibus diealis -. 6t>5 

Signum est perversilafis 

quod non pacem procuralis 

nee ecclesiam iuvatis 

contra turbas paganorum, 

fraiides vel haerelicoruni 670 

*■"' et insidias nialoriim, 

heu me ! dicam christianonun' 

deus fecit vos regnare, 

cunctis iuste iudicare. 

contra perlidos pugnare 675 

■^ et fideles roborare. 

audivimus quod videatui 

et coramuniter dicatnr 

'cui raagis comniittalnr. 
,:.; plus ab eo cxigatur. ()8(> 

'' ' commisit deus vobis satis, 

tantis regnis subiugatis: 

idcirco bene ut regnatis 

consulo, nc perealis. 

quia, quoniam Christus orit 685 

iustus iudex, sua querit, 

reus non iniuste perit, 

tortor sine fine ferit. 
Ad principes et comites. (-a|)itnluni wn. 

Haec prineipibus dicatis. 

comitibus associatis : 69(f 

23 VW. a Tantae vos pervers! tatis 

estis et iniquitatis, 

ut iam sitis destructores 

niali atquc |)roditores, 

quoruni palres fundatores 695 



ivr?. 



erant atque defensores. 

de quocuniquc iani Iractatis, 

senipor priino procuratis ^ .. ^ 



A .' r,o 



BUCH DER RÜGEN. 35 

ut iu claiistris fttciatis 

ut expensa detur gratis. 700 

et utiiiain acciperetis 
gratanter et recederetis. 
ne furiosi rumperelis 
quidquid tunc reperielis. 

claustra quotiens intratis, 705 

statim ni reperialis 
cuncta quae desideratis, 
omnes ibi molestalis. 
considerale, si velilis, 

nullam causam invenitis 710 

j^ravare claustra quae possiti.s 
de iure, sicut beue scilis. 
quae patres vestri obtaleruni 
den, vestra uon fuerunt : 

si quae poterant dederuni, 715 

numquid modo vestra eruntl' 
erunt iuste, si emistis 
et pleuarie solvistis, 
sed iniusle, si veuistis 

et potenter abstulistis. 720 

fenemiui regem adiuvare, 
in regne pacem confirmare ; 
sed consuevistis excitare 
lites potius quam sedare. 
23 KW. h vobis est tyraniüzare, 725 

pauperes excoriare, 
niulto dulcius quam orarc, 
salvatorenj vel amare. 
el quis cuncta enarrare 

possei vel investigare 7'M) 

fjuae solelis perpetrare 
semper et continuare ? 
daemon debet numerare, 
diligenter computare, 

cui vultis militare, . 735 

ut sciat vos remunerare. 
711. /. qua 



.Vi buch der RÜGEN: 

Ad mJlites. capitulum xviii. 

Nunc milifibus dicatis : 

iVfeae possibilitalis 

non est amniirari satis, 

cordibus quid intendatis, 740 

tantum quod tyrannizatis 
''^* contra formam honestatis, 

ut erebro deum offendatis 

causa vestrae pravitatis. 

si mala veslra numerarem, 74 ^ 

tantum forte iam tardarem 
' multos, ut scandalizarem, 

putantes quod ego delirarem. 

permittam ergo iam transire 

quae non sinar expedire, 750 

et quae oportet custodire 
' dicam, si vultis audire. 

railes deum Honorare 

debet, principes iuvare, 

pro iustitia pugnare, 755 

semper malos debellare, 
23 rw. a iustos et pacificare, 

si seit eos discordare, 

gratis nulluni molestare, 

si molestavit, consolare, 760 

peracta mala recordari, 

pro eis saepe lacrimari, '■' . <. < 

gemendo deum deprecari, 

ut sie possit emendari. 

semper ergo cogitetis, 7r>5 

paucos dies quod habetis 

vivendi, quibus et expletis 

quo post mortem declinetis. '"": 

nullus enim potest scire 

nee veraciter audire, 770 

quo post mortem debet ire, "'". - " 

vel ad rcgnum, vel perire. 
Ad nobiles. capitulum xix. 

Sic nobilibus dicatis : i 



BUCH DER RÜGEN. S7 

Quarc ius uubilitatis 

vel paleriuie digiiilaüs 775 

pcrdere sie testiualis ? 
videtur quod pagauizalis, 
cum ecciesias fraiigatis, 
cuuctis rebus et ablalis 

sacerdotes nil curatis. 780 

quautuiiicunujue spoüatiä, 
quanla mala perpetratis, 
uon videtur vobis satis, 
ventres ut reticiatis? 

igitur cum sceleratis 785 

ad iiiferuum deputatis, 
oialis vestris computatis, 
rogat daemoii ut eatis, 
23 rw. b de quiete ad laborem, 

de blaudimeiitis ad furorem, 790 

de refrigerio ad ardorem, 

de gaudioque ad moerorem, 

quia verecundaretur, ; 

si sibi gratis serviretur, 

si miles noii remuneretur, 795 

sicut merito tenetur. 

Ad scutiferos. capitiilum xx. 
]Nuüc scutil'eris dicatis 
mlseris et sceleratis : 
De vita vestra quid speralis? 
dum miserrime vivatis, 800 

misere dum manducatis, 
magis misere bibalis, 
miserrimeque dormiatis, 
mirur cur perseveratis, 

ut uou statim relinquatis 805 

vi tarn huius vanitatis 
et ad deum recurratis, 
cum quo semper gaudeatis. 
cur miseri non cogitatis ^ 

quauta mala perpetratis? 810 

nam Christi membra detruncatis, 



38 BUCH DEK KLGEN. 

pauperes cum iugulatis. 

quantoscumque defraudatis, 

dicite, quid deferalis 

praeter pondus quod portatis 81.") 

ad infernuin de peccatis? 

Ad clves. capltuliuii xxi. 

Ita civibus dicalis : 

Miror quod iiou cogitalis 

quo posl mortem transeatis. 

nisi melius vivatis. 820 

;'4 VW. a non quod omnes maii sitis, 
c.: sed quos m.iios esse scilis, 

hos tacendo pertransitis, 

cum corrigere possitis. 

inter vos sunt deceptores 825 

tideique destructores 
f>^' atque haeresis auctores. 

paganis multo viliorcs. 

habetis malos detractores. 

proximorum traditores, 830 

substanciae devoratores. '.i . 

^gt tabernarios et lusores, :.f 

usurarios, feneratores . .« 

malos et fornicatores, 

contra iustos pugnatores ■, 835 

et malorum defeusores. 

habetis fures et latrones, 
yiQ^, lenas multas et lenones, 

habetis etiam phytones, 

diaboli commililones. .4, ^40 

ut sermo meus recidalur, 

audiatis, quid dicatur: 
^.\y^. uullum malum iam tractatur ^^ 

quod apud vos non oriatur. 

Ad mereatores. capltulum xxii. 

Mercatoribus dicatis : .i . 845 

Quare tantum laboratis, u - 

«'it cum pro ccrlo ncsciatin ■ j. 

cui modo congregalis? .i; 



BUCH ÜEK UDGEiN. 39 

inare magiuiiii Iransivistis 

el iu Indium venislis, 850 

reversi iialos inveuistis, 

forte quos iiou geimistis. 
'ii VW. b vel si forte bcue scitis 

veri patres quod vos siti.'^ 

puerorum quos iiutritis. Hö5 

cogilare si velitis 

nequaquani diu quod viveli^, 

quo posl mortem declinetis, 

ibi uil iuvenietis, 

ui vobiscum deportelis. 8ti0 

tunc pro certo plures eruni 

avidi qui vestra querunt, 

quum ad tumulum steterunl, 

qui vos morluos fleverunl, 

e quibus sibi cligentes 8(55 

uxores veslrae quamvis fleules, 

cousolando suas meules, 

sie in cordibus dicentes 

'hie videtur esse dives 

et acceptus inter cives : 870 

iam cum illo bene vives „j 

nee infantes tuos prives. 

uumquid mulicr lacrimatur 

tantum, quod resuscitatur 

vir qui modo tumulatur, >i75 

ut ad eani revertatur? 

numquid est voluutas dei 

ul ego potius veniam ei? 

misereor idcirco mei 

et meae pulchrae speciei. 880 

ecce quantum laborastis, 

mare saope Iransfretastis, , • < 

tenam pedibus calcastis, 

et vos ipsos devastastis. 

o vos nimis insensati, 885 

cordibus et indurati 
24 VW. (i mentibusque desperat! 



40 BUCH DER KUGElN. 

cur servitis vanitali? 

iaiu cessale congregare 

et in vaimin laborare : S90 

deum (iiscite amare 

ut dignetur vos salvare. 
Iteiii ad singulas res vendeiites. ea|)Ituliiiii xxiii. 

Nunc dicalis ad veudentes 

res diversas et ementes : 

Corrigite perversas nieiites. 895 

deum tautuin offendentes. 

noii potestis coraparare 

viles res vel venundare. 

ni velitis periurare, 

deum tidemque negare. 900 

uon estis venditores rei, 

sed veuditores estis dei, 

in hoc conseiitieutes ei 

quem couveueraut ludei. 

ludas Christum vendens peccavil, 905 

nam pecuniam amavit: 

nobis vitam comparavit, 

quid curo quod se iugulavit? 

et quamvis deum vos vendatis. 

nihil inde comparatis, 910 

nisi ut cum sceleratis 

ad in Fern um transeatis. 

miseri, quid cogitatis? 

quauta mala perpetratis, 

quoniam deum maiestatis 915 

vilius quanj ludas datis ! 

argenteis triginta ludas, 

vix pro medio Christmn tu das. 
24 i'w. b vel ut proximum deludas, 

vel ut vendas herbas crudas. 920 

ille certe quem vcndebal 

deum esse nesciebat, 

tantum tarnen poeuitebat 

quod sc ipsum suspendebat. 

sed tarn nequam lu fuisti, 925 



BUCH DER RÜGEN. 41 

quod tarn saepe tradidisti 
deum, beue quem scivisti 
et lamen uon penituisti. 
Ad praecones et socios suos. capituluin xxiiii. 
Post haec dicite praecoiii, 

usurario, cauponi, 930 

lusori, furi et latroui, 
teneratori et lenoni : 
Mandat daemon, ut eatis 
ad inferuum cum damnatis. 

cui Hdem conservatis 935 

atque bene militatis. 
nou habere cupit gratis 
laborem vestrae probitatis : 
idcirco citius curratis, 

ne ingressum negligatis. 940 

Ad rusticos obedientes. capituluin wv. 
Rusticos aggredientes, 
bonos pie alloquentes, 
malos dure arguentes 
sie loquimini dicentes : 

Qui pro cunctis laboratis, 945 

tidem Christi conservatis, 
computati cum beatis 
estis, si perseveratis. 
sitis ergo in labore 

dei semper et timore, 950 

qui defendet a furore 
vos malorum et errore. 
ib II«'. u dominis vestris servietis, 
censum decimasque detis 

et de reliquo vivetis 955 

vos et vestri, quos habetis. 
maus vero, quos videlis, 
numquam vos associetis, 
sed cum bonis ambuletis i 

et cum bis participetis 960 

de labore acquisilis, 
si necesse l'ore scitis. "'^' 



42 BUCH DER RÜGEiN. 

ul evadeie possitis 

iraoi dei, quam nescilis, 

quia fratrem uoii pavistis 965 

pascere tum potuistis. 

quare quod iioluislis, 

vere eiiin occidistis. 

quantumcumque laboretis, 

illud lirmiter servelis : 970 

uulla die dimiltetis, 

nisi deum adoretis. 
Item ad rusticos qui sunt rebelies. caj)ituluiu xxvi. 

Rebelles si iuveniatis, 

nuUo uiodo obmittalis, 

nisi dure arguatis 975 

imperandoque dicatis : 
.)••- Miseri, quid superbitis? 

cogitale, si nescitis, * 

quia onmibus servitis 

et ad hoc creati sitis. 980 

non videtur vobis satis, 

quod vos tantuni laboratis, 
, ni velitis pro peccatis 

ius habere cum damnatis, 

id est poenas infernales, 985 

ignem, vermes immortales, 
25 vir. b omnes malos consodales 

quibus eritis equales, 

crudelissimos tortores, 

foedissimos foelores 990 

et horribiles dolores 

daemonesque derisores? 
Item ad mulleres, capltulum xxvii. 

Mulieres honoretis, , , , 

numquam dure arguetis, 

eis nil praecipielis, 99ö 

pro exemplis quam habetis. 
j, j, quorum primum hie nolatur : 

si periccte cogilatur .^ 

y()0. /. lium '.•'je. hftis die h.i. 



lUJCH DEK KÜGEi^. 43 

inuudus quoniodü danniabatur 

posteaquain salvabatur, iUOÜ 

([uia virgo creatorem 

peperitqiie redeniplorem, 

tolius boni largilorem. 

lesimi Christum salvaloreni. 

({uam imilierein nomina.it. 1005 

cum lolianni commendavit. 

et diabolum prostravit, 

peccata quoque nostra lavit. 

secundo polest hoc notari, 

quia nolunt perturbari, 10 10 

nee in parvo niolestari, 

sed a cunctis adamari. 

rogo, terfio notate 

et frequenter coj^itate, 

vestris cordibus servate 1015 

in hoc firraiterque State, 

quia noslrum quisque vere 

natus est de muliere: ' " ' '- * 

debemus igilur sincere 

honorem ipsis exhibere. 1020 

ergo fratres sie agatis 

rogo causa pietatis, 

ne contra iura caritatis ""^ "' ' 

vas tarn debile frangatis, 

sed in quolibet sermone 1025 

pia ammonitione 

sine palliatione, 

conservata ratione, 

iam de meritis sanctorum, 

eterno gaudio eorum, ' * 1030 

de tormentis infernorum ^'i 

et de planctu reproborum, 

de huius mundi vanitale, 

ipsius instabiiilatc 

et de Christi caritate 1035 

Irequenter eis praedicate. 



«Hi 



4i BUCH ÜEK RÜGEN. 

De ipsis Iratribus qui populo praedicaiit. 
capituluin xxviii. 

Fratres, causa pietatis 

rogo aegre non feratis 

quia zelo caritatis 

verbum loquor veritatis. 1040 

necesse est ut corrigatis 

mores atque caveatis, 

ne per verba vanitatis 

uuquam deuni ofPendatis. 
^ , nam si bouum praedicatis, 1045 

nisi factis inpleatis, 

testor deum maiestatis, 

labor vester erit gratis, 

quia quidquid praedicavit 

Christus, factis inchoavit, 1050 

quum fideo) reformavit 

a peccatis nosque lavit. 
•»5 rw. b sie et facere debetis , 

quando popuium docetis : ' 

quidquid verbo praedicetis 1055 

saepe factis iuchoetis, 

uequis possit comprobaie. 

vos sub dolo praedicare, 

deum verbo honorare, 

sine corde vel laudare, 1060 

quia deus est scrutator 

cordium et non temtalor, 

falsitatis condemnator, 

veritatis et amator. 
,, sitis ergo cautiores 1065 

qui estis Christi servileres, 

in domando prompliores 

sensum, visum, verba, mores. 

sit in ore nou vel ita 

liugua semper stabiiita. 1070 

ac religiosa vita, 

Caritas et inünita. 

mulicres fugialis, 



BUCH DER RÜGEN. 45 

in socielate pravitatis 

ne, quod absit, polluatis »07."» 

imagineni divinilatis. 
quibus si confabulatur, 
peto solum os loquatur 
et non maniis comprimatiir, 

nam sie deus non laudalur. 1080 

iste über finiatur, 
qui si vanus videatur 
alicui, non legatur 
ab eo, sed dimittatur. 

oret pro me virgo pia 1085 

dei genitrix Maria 
26 VW. a ut in vitae meae via 

vitare possim sacrilegia. 
Amen. 
26 vu.'. h Explicit liber sermonum nulli parceiitluiu. 



hl. 70 rw. Ich bin ein buoch also getiht 
daz nieman bosheit übersiht, 
daz dii nieman vertreit ' 

noch durch liep noch durch leit. 
manec man git guoten räl ' 5 

der im selben keinen hat. 
also tuon ich armer man 
der leider weder weiz noch kan : 
doch swie ungelert ich bin, 

dannoch ratet mir min sin , IG 

daz ich niht der kristenheil 
gebresten laze unbekleit. 

1088. saligia die hs. j <-f^ 

Hothe überschi'ift. Ditz piich lerl was man aim igfleiclieni men- 
schen predigen sol von dem pabsl vnlz an den minnisten schülair. von 
dem kaiser vntz an den minnisten gepaur. vnd strafet d'i predigser 
waz staet ir predig ist. vnd lerl seu hin nach waz seu aim igleich 
sullen predigen. 6. selber, immer diese form, nur z. 370 selbez. 

diese beiden zeilen hat übrigens Thomassin im wälsehen gast, sie 
scheinen s/>ric/ivör(lic/i . 



4G BUCH DER RÜGEN. 

Sit die hohen phaffen 

die got dar zuo beschaffen 

hiit daz sie sollen leren 15 

zuht, unzühte weren, 

lerent von der alten 6. 

da von ist ach unde w<^ 
tV?.»fi gewahsen in den landen 

diu got vor erkanden. .20 

71 VW. mich riwet sere und ist mir leit 

daz diu arme kristenheil 

an zühten ist verkeret, 
' •''' ' an Sünden so gemeret 

daz man leider alle tage 25 

hoere iteniuwe klage « -'" 

von manger hande Bösheit . 

daz si dir, Jesu Krist, gekleil 
;iii;; t^äz du den bist so unerkant ^ .. 

fiie nach dir, herre, sint genant, 30 

ich mein die kristen, swa sir siiil. 

man i'rowen unde kint, • • f : ^a 

diu dich sollen eren y-.f 

und von siinden keren. 

diu siul leider in ir ahte 35 

boeser dan deheiner slahte 

beiden oder Juden sin. 

got herre, durch die güete »liii 

daz geruoche weoden. •// •>' i, > 'nh 

mir diu geist senden, 40 

'. daz ich geraten müg dar zuo 

daz unser sele gewinnen ruo :.r.! 

und von uns ill' erde , , ••d-n 

diu vville ervoUet werde. 

des hili' mir, herre Jesu Krisl, rij;!!.!^ /,;, 

wan du der sünder beser bist. 
71 rw. [üa strafet die prediga'r.] 

• ^ -i Hoert, ir bruoder, waz ich sage, 

und habt cz nihl vür eine klage, 

10. vnlzuclit «eni 'il*. vndcrchan» .'U . seii '^'^. ^'^. Die 

i'2. sein K'i. siirnl;n' lii^sii'i' 



BUCH DER RUGEIN. 47 

die got dar ziio erweit hat 

daz ir lerel unde rät 50 

wie wir gotes hulde 

verdien und unser schulde 

jjebihten und gebüezen, 

als wir von rehte miiezen. 

ir leret uns zuo aller stunt 55 

und tuot anderz selten kunl 

wan wie diu werlt geschaffen wart 

und dar nach in welher arl 

unser vater Adam 

in daz paradis quam <>0 

und Evä diu im wart jjegehen 

zuo dem ewigen leben. ' 

wie sie sich vergäzen ' . 

daz sie daz obez azen. ' "•■ ' ' 

von Käin und von Abel ' (55 

und von dem turn ze Babel. 

dar nach von herren Abraham. 

wie unser herre zuo im quam ' 

in der drivallekeit '' 

(dri er sach, mit eime er reit). ' 70 

wie Sara stuont in der tür, ' 

da si lacht und sach her vür. ' 



72 i^w. do ir kunl wart getan 



( 



daz si Isaac solt enphaii, 

als unser herre ze Abram sprach ' 75 

und ouch dar nach vil schiere geschacli. 

wie Abram got umb die stat 

Gomorre vlizedichen bat, '"' 

diu ander diu hiez Sodoma, ' 

die verbrunnen bede da. ' 80 

wie her Lot von dannan vlocli ' ^*''' 

gegen dem gebirge hoch. 

wie Isaac in vrömdiu laut 

boten nach llebeken sant. '"^ 

wie Jacob mit dem engel ranc ' ' 85 

57. \iiof \\\v ()3. seil sich (17. Ii*iii 70. .lim 

74. v.saacli 78. Ileizsocleizseii. 



48 BUCH DER RÜGEN. 

und im den segen abe dwanc. 
von Lien und von Rähel 
und von dem volc von Isrel, 
von der arke Noe, 

wie lange lebt Matiisale, 90 

von Bööz und von Achor 
von Nabuchodnosor. 
wie in ir hüse Rahap 
den spehsern herberge gap. 

von Bester und von Jüdit, 95 

diu mit wisheit und mit sit 
,, Holofernen abe sluoc 

sin houbet und ez mit ir truoc. 
von der üzsetze Nääman, 

warumbe gehangen wart Aman. 100 

72 rw. von Moyses unde Arön, 
von Amalech und Abirön, 
wie ein eselinne kleit 
dö si Bäläam reit, 

daz er si jämmerlich sluoc lOT) 

dö si in da hin truoc .,, 

da er niht hin solte, 
und got niht enwolte. 
wie ein würz üf quam 

von Jesse dem guoten man, 110 

von der würz ein gerte 
veste unde herte, 
lanc groz unde breit, 
als uns diu geschrifl seit. 

an der gerten esten . /. 113 

vant man niht gebresten. 
do der gerten zit quam, 
daz sie blüejen began, ; , ',,-., 

uf ir wuohs ein bluomc 

daz man wol ze ruome l*«?0 

mac gesprechen sicherlich 
daz lif allem erlnch . 

10(1. (Ih hin iiiihl Iriicli l<><t. ••Iiiiii 117. «an 



BUCH DER RUGE^. 49 

so schoeniu bluome nie wart. 

wall sie von küneclicher arl 

was gephlanzel und bekomen. 12;") 

als wir ofte han vernomen. 

diu bluome brahl so edel vnilii 

daz von ir siiezer genuhi 
7:? (•//•• nieman vollcsagen mar 

unz an den jungisten tac. 130 

weit ir nü beeren waz daz si -: 

daz ir merken siilt da bi? 

diu würz was her Vesse, 

als ich han gesprochen e, 

diu gerte waren siniu kint 135 

diu von im geborn sinL 

die este sin geslähte, ;•: r ' s •• 

daz gezeln mähte 

noch geschriben kein man 1 

der daz leben ie gewan. / 140 

Maria reiniu künegin, 

du weist wol daz mir seit min sin 

daz du diu edel bluome bist : ; < / 

von der diu vruht worden ist. 

waz mac diu vruht anders sin 145 

dan daz zarte kindelin .' • 

daz von dir geborn isl. 

unser herre Jesus Krist? 

daz ist diu lere die ir tuol <■:■■' '.-•ru 

und ist wa'rliclien guot : l 150 

doch vvolt ich, lieben bruoder min, ' 

raten, ob ez möhte sin, 

swenn ir daz alte nu gesaget. 

daz ir daz niwe niht verdagel. 

ich mein daz niwe daz man siht 155 

und aller tägelich geschihi 
7:{ /■/'•. von manger slahte sünden, 

die ich in niht darf künden. !■ ; f ' 

ir srhl imd IiomtI ;iIIo wo\ 

I2i. \\(.n UC. (liiiinc ) l'.l. ili \M. ,l:u-[ih -; 

Z. F. U. A. II. 4 



50 BUCH DER RÜGEN. 

(laz diu werlt ist bösheit vol: 160 

da von bit ich iinde rät, 
Sit iu got enphollien hat 
ze leren die kristenheit, 
daz ir eim ieglichem seit, 

ob er des lebens des er lebt 165 

mit got ist oder von im strebt. 
/,; und hebet an dem tiursten an. 

ich wwn daz si der babst Johan 
ir sük niht vürhten sine drö, 
get zuo im und sprecht also. 170 

[Sagt dem pabst freieich | 
'Lieber vater, werder man. 
wes hast du dich genomen an 
ze rihten und ze lören 
die kristenheit nach eren 

und nach gotes hulden, 175 

swie sich die liute verschulden ? 
wes merkest du niht waz man seil 
und so jämmerlichen kleil 
von manger slahte sünden? 

der ich ein teil wil künden. 180 

hochvart gitekeit, 
unkiusch und vnizheit, 
zouber unde ketzeri, 
ungeloube und simoni, 
7i VW. untriu und valscheit, 185 

lüge und unbescheidenheit, 
wuocher unde vürkouf, 
daz ist nü der werlte louf, 
und ander grozer sünde vil 
der ich nü geswigen wil. 1^0 

vater, bezzerst du niht daz, 
ich vürht du kumst in gotes haz. 
der dich dar zuo erwelel hat 
daz du helfe unde rät 
solt der kristenheit geben. 195 

1G5. dez lebens dez 181. hothvarte 183. ketzernei 

IH4, syraonei 188. werte 194. hell" vader 



BUCH DER RÜGEN. 51 

nu ha^r ich daz dfn selbes leben 
niht gevallet alse wol, 
also ez doch von relile sol. 
du bist uf ei'de au gotes stat, 
wan er dir enpholhen hat 200 

die guoten ze erloesen, 
ze binden die boesen. 
da von seit du Iiüeten dich, 
lif min triwe daz rat ich, 

daz dir an guoten dingen 205 

niht müge misseliugen, 
an keiner hande Sachen, 
groz oder s wachen, 
nn hat mit siner veiger hani 
der vint gesagt in diu lant , 210 

als unreine sal. 
dii von ofte misserat 
74 /•//'. guoter sauie und guotiu vruhl ,,^, 

und wahset alliu ungenuhl. 

we im der dar au hat pfliht, 215 

ob er ez schiere bezzert nihJ. 
der sänie ist haz unde nit. 
der nü leider mauge zit 
ist gewesen und noch wert. ; t 

du weist wol daz zwei swerl 220 

geben sint der kristenheit: 
daz lä dir niht wesen leit. 
du hast daz ein, daz nütze wol : 
swer daz ander haben sol, 

dem gib ez schiere üz der hant. .. ;., 225 

wis sicherlich daran gemant, >. 

wil du dich dar an setzen 
daz du beginnest hetzen . 

den gwelph an den gibclin, 

der grtt'ste schade der wirt diu. w ..230 

vater, merke ez also niht ^ 

l'J8. ri'i'le s('li()l '/iO'J. /f^'h. Grimm zu Freid. 5-4, 1. •. 

214. wacJizset: Nib. 1854, 3. Greg. 35.50. siebenschl. 726. -. 
220. zu Freid. i.vii. 224. scliol 

4* 



■y> BUCH DEl\ RÜGEN. 

(laz ich mit in habe pflihi : 

ich bin niht ein gibelin, 

ich wil oiich niht ein gwciph sin. 

vater, du hast wol vernomen, 235 

' '' daz kein person ist üz genomen 

vor gote, weder arm noch rieh. 

dem tnosl du nindert gelich. 

wan lät den riehen in din hus. 

den armen stozet man her uz 240 

7.5 VW. der vil lihte gena-mer 

vor gote ist und gezsemer 

dan der get zuo dir hin in. 

daz ist an dir ein kranker sin, 

ez ist ouch ein boeser sit. " 245 

"i der dir stsete volget mit. 

kumt kunst an din tor: 

edel, zuht stet dervor, 

so der phenninc wirf gesehen. 

des müezen alle die jehen 250 

I die her zuo dir komen sint, '"'' 

swie lützel maus geschriben viul 

weder in der alten e 

noch in der niwen.' we mir wr ! 

ich bete nach vergezzen 255 

des ich mich han vermezzen. 

sprechet Vater, babst Johan, - 

sich din gewizzen an, 

ez lit hie manger und verzert 

der hin ze leste von dir vert • 2(50 

äne tröst und äne rat, 

der lange hie gelegen hat, 

der liiite verrihtet wa?re gewesen. 

ich wdtn doch wol du hast gelesen 

239. «an : z^inaii. 247. Chiint chunst 248. Edel . zuchl : vcrg/. 
unten z. 1 181 und zu Erec 4454. H' ackernagcl zu Simroclis Jl'al- 
Iher 2, 165 'wer selbe ist ein bcese wilit, der hat siner vorvarn ädel 
niht welneh. gast 4, 2. 71''.' 258. gewizsen : 'hi din gewizzen sclii- 

mtn ff^ernh. Maria, funclgr. 2, 156, 16, zu JVinal. s. %0'^ u. 605, 
zu ho. 85',t. 



BUCH DEU RÜGEN. 53 

swaz du iiilil wil daz dir gescliilil, 2tt5 

des entuo dem anderm niht.' 
da sol diu rede ein ende hau. 
vvan ich wil von hinnen gän. 

Avil aver du niht bezzern dich. 

so solt du wizzen sicherlich, 270 

75 rir. ez wirl diner scle ein slac 

den si nihl überwinden mac. 
[Den kardenaln] 

Sagt den kardenalen daz 

ich wände daz ir vil haz > 

Wieret gerihtet > 275 

nach got und niht verptlihlel 

ze werltiichen dingen 

von den iu mac gelingen 

übel unde seilen wol. 

wa3ren iuwer biutel vol, i 1 280 

dannoch müescn vol sin - 

sekke kästen unde schrin, 

Stadel keller und daz hüs, •"; ■: '. 

daz ez viele zem virste uz. 

daz wiere allez noch enwihl, 285 

wan es wiere ervoliet niht 

der vil unreine git 

der iu in dem herzen lit. 

i<;h spriche von der höchvart, 

daz nie noch gesehen wart 290 

noch gehört von alter zit 

diu höchvart diu an iu lit. - 

ir Sil durcii höchvart niht erweit. 

noch der kristenheit gezelt 

ze hilfe und ze rate. . 295 

wiere es niht ze späte, 

ich wolt iu noch vil nierc sagen. 
lf> VI)', doch wil ich des niht gedagen, i 

ich wil noch rüegen daz an iu: 

sagt mir durch got, zewiu '.U)() 

261. schol 2C8. Won 281. raüsin 283. sl;ccl<il 

28(). t'z 290. nie noch nie . . i . .: ,, . . 



.Vi buch der hügein. 

lebet ir untiigentlich, 

ich sprieche gerne unkiuscheclich, 

und mit andern sünden vil 

der ich nü niht nennen wil? 

ez weiz ein ieglicher wol 305 

• r. : daz er nuioz unde sol 

vor gerihte rede ergeben 

wie gewesen ist sin leben. 

da von merket miniu wort 

und hüet ir alse goldes hört, 310 

weit ir der helle kint niht sin. 
r daz rat ich üf die triwe min/ 

[Den Patriarchen] 

Vrägt die patriarken 

'sint vol iuwer arken? 

ir enruochet wer diu schäle schirt, 315 

daz ot iu diu wolle wirt. 

ir weit haben schoeniu kleil, 

silber golt an arbeit, 

eren unde guotes vil, 

des got niht verhengen wil. 320 

mich wundert wa ir hin tuot • - 

als ungeviiegez guot. 

die wile ir niht bekeret, 

kristen glouben leret 

alle iuwer undcrtän, 325 

70 rw. als ir iuch habt genomen an, 

man vrowen unde kint, 

diu iu von got enpholhen sint, 

waz sol iuwer hochvart? 

si wirt iu waerlich gespart 330 

da manz allez biiezen muoz, 

von dem houbt unz au den vuoz. 

ich wil mit iu niht kriegen, 

ich wil iu ouch niht liegen, 

lät ir nilit alle bosheit, 335 

ilf min triwe, ez wirt iu leit.' 

306. schol. 315. rücliet 321. wae 322. vugeruni- 

gez 324. Cristari 326. .-u 328. Die 



BUCH DER RÜGEN. öö 

[Den pischolfen] 
Ir siilt den bisclioven sageu 
'wir hüeren vil von iu klagen 
von manger hantle sacheu, 

da von in mac geswachen 340 

gelücke ere unde guol. 
iuwer grözer übermuot 
machet iuch vor got envvihl 
verdenket ir daz nihl 

daz iu des nihtes niht beste! 345 

da mit ir hochvart heget? 
ir siilt arme liute nern, 
den gelt selbe niht verzeru, 
er ist ir und iuwer nihl, 

des in got selbe gibt. 350 

saget, wer hat iu erloubl 
daz ir brennet unde roubl, 
kirchen heizet brechen, 
slahen unde stechen 
77 vir. die iu daz wern wollen, 355 

als sie durch not sollen? ' 
daz vor die beiden haut getan 
des nemt ir iuch nü an. 
ir lat diu wip entern 

diu vil wundergern 360 

beliben bi ir reinekeit : _ 

ir entßrt ouch mange meit 
diu hin nach so unwert 
wirt daz ir nieman gerl 

ze erbairem dinge. 3G5 

wie iu dar zuo gelinge, 
daz wirt iu allez wol geseil 
e man iuch zuo dem grabe treil. 
ir vart reise iu vrömdiu lant 
und vehtet mit iur selber hanl 370 

und weit danuoch priester sük 

i'M. scliult — pischolfen 341. geluch 343. cii 344. t.u 

lir. 1500. 348. schult 350. Luc. 16. 2. 358. eu 

3ti0. raiz 370. cu selbez 



:)0 BLCJI DKK RÜGEN. 

icli iiiiii (laz üf die triwe min. 

eteliclier viiere baz, 
vva're er als sin valer was. 

ir vvegt ouch gar ringe .'{75 

•'i - willen mil gedinge, 

swie diu boese simoni 

doch wouet sta3te derbi. 

ir wihet nibt wau urabc Ion : 

da von nuioz in der himel Irön ;{80 

•■'■■ vor gesperret werden, 

wan ir hie uf erden 

suochet Wollüste vil 

ziio so winzigem zil. > 

[Den prelaten gemainecleii-lij 
77 nv. Sprechet ir prelaten, 38ö 

habt ir iuch iht beraten 

wie iuwer leben werde 

gebezzert üf der erde 

vür den ewigen tot? 

des wwr in sicherliclie not. 390 

ir Sit mit hochvart erschoben : 

daz ir niht ze stunde sit zerkloben, 

des wundert mich vil sere. 

durch unser vrowen ere 
' ein ieglicher bezzer sich, 395 

wan inicli danket sicherlich 

daz ez niht gar lange stc, 

in werde ach unde we, •'- ' •- 

swie groz gewalt ir nu habt. i/ 

ez si probest oder abt, 400 

prior oder gardiän, : ' 

custer oder dekän, . - 

minister oder general, 

swie sie heizen über al. ■ ^ • (■ 

ir gebietet wundervil i' «f 405 

des iwer keiner tiion wii. ' ■' 

daz klcite gol vor manger stunt 

:i»;i. wolnusl»; liSf). •■u :{92. y.efe/ilf. W^. Dez — inii 
402. (lekclian 



BUCH DER RÜGEN. ö7 

durch des ewangelisteu munt. 

wes seht ir niht die regel an, 

als ir gehorsam habt getan, 410 

und rihtet nach der rehtekeil, 

als iu diu selbe regel seit? 

ir habt ouch einen bocsen sit 
78 rw. der iu sta'le volget mit, 

daz ir iuwer undertan 415 

niht vür guot wellet han, 

wan ir den boesen mere 

bietet wirde und cre \ 

dan den guoten kinden 

diu sich lazent vinden 420 

in gotes dienst zuo aller zil i .ij; 

und an den zuht und cre lil: 

den weit ir stiele herte sin. 

ich sag iu üf die triwe min . , , 

swie herte ir in nü sit .; 425 

ez kumet noch diu zit 

daz si iu werdent herter vil, 

so unser herre rihten wil. 

ir bekurabert iuch ze vil, 

als ich iu nü sagen wil, 430 

mit werltlichen sacheu, 

gröz undc swachen, 

die iuch niht gehoerent au. 

wir sehen daz nü selten kan 

verrihtet werden ihtes iht 435 

da man iuch niht bi siht, 

weder groziu liirat 

oder höher herren rat. 

ir möht dervon wol wenken. 

sprechen und gedenken 440 

waz get mir der sache not? 

ich bin der werlde zeijual t«')t.' 
[Den munchcn] 
78 rw. Lät iuch des niht belraiicn • ■>. 



442. zaiiiial i43. eu 



58 BUCH DER RUGEiN. 

vlizeclich ze vragen 

von deu miinchen, ob sie siiit 445 

ordenlich und guotiu kint, 
ob sie die werlt vlielient, 
von üppekeit sich ziehent, 
leseut unde singent, 

ir gemiiete dwingent, 450 

gerne in gotes ere 
sprechent 'miserere! 
got, erbarm dich über mich 
zuo aller zit, des bit ich.' 

ez sint sunderlichen driu, 455 

weit ir, diu nenne ich iu, 
diu ein ieglich geislich man, 
der sinen orden wol bau, " 

muoz behalten sicherlich, 

wil er zuo dem himelrich. 460 

daz ein ist willec armuot : 
ich wwn daz nieman umbe guol 
noch durch des libes wollüste * 

deheines ordens gelüste. 

daz ander rehtiu kiuschekeif: 465 

wol im der si rehte treit! 
kiusch an worten und an muot 
und an den werken, daz ist guol. 
weit ir beeren nü daz drite? 
79 viv. daz ist mit tugentlichem site 470 

gehorsam zuo aller zit, 
als in ir regel lere git. 
der diu driu niht wolle 
behalten als er solle, 

der sol gesträfet werden . 475 

hie üf der erden, 
daz er unz an sinen tot 
lide äugest unde not. 

•457. gaisleich : die hs. hat überall diese nebenfurm die ich int 
augenblickc nur bei Nofker nachzinveisen wüste, aber dem wiederkeh- 
renden beiveisenden reime geislich : vreislich 54:i. 'Jll. 1033 nach dul- 
den mvfs. 403. wolriusi 104, Cluiincz — gelusi 174. schölte 477. sein 



BUCH DER RlJGExN. 59 

[Den creutztern] 
Strafet die kriuztere, 

swie ez in ist unmaere, 480 

vürhtet iiiht ir nterschaft, 
'noch ir übel, noch ir kraft, 
sprecht 'ir herren, saget mir, 
umb weihe suche vluht ir 

die werlt und ir geziere, 485 

dö ir alse schiere 
wider weitet keren 
ZUG ir und zuo ir eren? 
swer die werlt vliehen wil, 

der sol niht giuden ze vil, 4y() 

er sol smacheit liden, 
hochvart niiden, 
ze armüete sin bereit 
und ze rehter kiuschekeit, 

gehorsam mit willen, 495 

gedultic, und sol stillen 
7<t rw. allen zorn, swä er mac, ' i 
beidiu naht unde tac. 
man hat iuch vür geislich 

und Sit doch leider niht gelich 500 

geislichen kinden, 
wan ir lät iuch vinden 
alle tage an üppekeit 
und an manger llhlekeit. 
mit schaggün ist iu ein spil . 595 

481. furchte 482. übel: Leysers predigten s. 162. 

484. flucht 494. zuo 499. eu 505. schaggaun 

ze dem remther sal man nymands {yestaten keynerley spil vmb gelt suu- 
der Schachzabeln und czackuucn speie und andere speie die verbiuten 
wir nicht ane worfel und ane geltspil, das die glocke das speel scheide 
beyde czu den gezeiten und ouch czu dem trynken. visüah'onsvolf macht 
bei f'oigt gesell, Prci/ßcns 0, 504. die Statuten des orderis enthalten 
nichts über nitser spiel, nur einzelne visitalionsvollmaclilen ; ich weifs 
es auch sonst in unseren quellen und vntev diesem namen nicht 
nachzuweisen , tvolil aber will ich eine Vermutung wagen die sich 
eben für nicht mehr gicbl als sie ist. wie wenn unser schaggaun 
schaggün czakun das Ischaugan der Perser Araber und Türken wäre? 



60 BUCH DER KUGEN. 

eiioubet, der ez luon wil 
umb ave Maria : 
daz lät ir uaderwilen da 
und spilt mit dem wihlelin 

lif dem tisch umb guoten wiu. älO 

ir gezzet unde geirinicet wol. 
als iu der orden gebeu sol 
/• mere von gewonhcif 

dan von iwerre arbeit. 

ob daz niht gescha^he, 515 

ez würd mit solher gajhe 
gevordert daz der commendiir 
miieste vliehen vür die tür 
oder sä zehant gebeu, 

weit er vristen sin leben. 520 

wirt aver iwer wol gephlegen. 
so sprechet ir den tischsegen 
mit so grozem schalle 
daz die knehte alle 

vaste zuo loufent, 525 

80 VW. wffiut daz ir iuch roufent. 



ein spiel mit dem schlagbalh-, zu pferde wie zu JuJ'se üblich, das die 
7'itter des deutschen hauses zu Jerusalem schon früh aus dem Oriente 
in ihre abendländischen balleien komiten verpjlanzt haben, ist doch 
auch das daneben genannte schachzabel orientalisches Ursprungs, dafs 
der schlagbull auch in unseren gegenden üblich icar beweist schon 
die art der ertvühnung desselben bei Ulrich von Lichtenstein frauen- 
dienst 26, \^, und das bei Neidhard 36, 1, 3 erscheinende bickelspil 
tvird wohl auch hieherzuziehen sein, über das tscliaugaii des mor- 
genlandes vergl. Du Fresnes abhandhing viii zu Joinville s. 185 ff. 
und die viel weitere ausführung in Quatremeres Übersetzung von Taki- 
Eddin- Ahmed - Mukrizis arabischer geschichte der Mamluk- Sulta7te 
{Paris lS'.i7 . 4. printed for the oriental translation-fund) bd. 1 *. 123 
— 132. <iiue abbildung des Spieles bei den Persern nach einer Zeich- 
nung des \tjn j'h. faulet sich auf pl. xxii des In bandes von Ouscleys 
travels in various countries of the East. London 1819 ^l 4. auch 
Hyde de ludis orientalibus, Ox. 1094. 8. bd. 2 s. 250 spi'icht von un- 
serem spiele. 509. wichtelin : MS. 1, 157'' der sieht sich mit siii 
Selbes haut, des wisheit aht ich zeime spil daz man diu wihtel hat ge- 
nant, vergl. myth. 247. 512. schol 518. gommendeur 
520. wolt 526. eil ;■,,,,.,, -,,, , 



BUCH Di:i{ lU GEN. M 

dar nach get ez an daz spil. 
man bereit armbrüste vil, 
ir schiezct aber iimbe win, 

da mit laf ir in wol sin. 530 

ir Sil den beiden gehaz, 
wolle got möhte ich daz 
i-esprechen mit der warheil, 
daz den kristen niht leil * 

von in geschehen wa^re: 535 

daz wahren guotiu nioire. 
ir sprecht 'wir sin gebrnodei- ! *' 

wa;r iuwer tusent vuoder. 
ir Sit ein ander als getriu 

als die wolve und die sin. ■- ' ■- 540 

nü merket selbe ob ir sini 
als gehorsamiu kini, 
ob ir baz geislich ' ' • •"; 

heizet oder vreislicli. 

wirt bewiert geislicheil 545 

an dem orden den ir treil, ' ■''•■., 
so sollen uf die triuwe min • " 

alle orden der iwer sin. 
doch weiz ich wol wa stet gesell rilx'ii 
(ez si dan alleswa beliben) 550 

in einem buoclie lere, 
wie ir nach gotes ere 
in dem orden soltet 
so /■//'. dienen, ob ir wollet. 

ich sprich uf niine wärheit, ' 555 

luot ir des niht, ez wirt in leil.' 

[Den laipriidern] 
Ir siill den converscn sagen, 
wellen sie den orden tragen, 
daz Inon mit sölhcm vlize 

daz man inz niht verwizc, 560 

ane üppigen spot 

539. au iiudcr iils getreu 5i(). seii 5j<). alsva: alleswa 

anderswo. verf-L Graff l^'lVi. 55:$. scIiDlie 55i. «rin — wolle 

557. seln'ill 558. seu 



62 BUCH DER RÜGEN. 

dienen unserm lierren got, 
mit aller slahte gehorsam, 
mit briiederliclier mitesam. 

vasten unde wachen, 565 

beten, selten lachen, 
daz gehoert sie allez an. 
ist daz indert einer iian 
ein hantwerc, swaz daz si, 

da hab bescheidenheit bi. 570 

swenne er sin beginne 
daz er niht groze gewinne 
weder siioche noch beger, 
daz man niht spreche 'wer ist der 
der in dem orden wuocher nint? 575 

hat er wip unde kint 
oder ander die er nert? 
daz imz niht sin abbet werf 
daz ist ein wunderlicher sin. 
ich bin vrö daz ich niht bin 580 

gevarn in den orden 
81 VW. und ein bruoder worden, 
Sit sie tribent vürkouf 
und wuocher nach der werlde Ion f.' 
heizt sie ouch behalten wol, 585 

als ein ieglicher sol, 
swigen und gedultekeil, 
durch got liden hertekeit, ^ 

ob si wellen sin behuot ^ 

gerne vor der helle gluot. 590 

[Den umblaufiernj 
Heizt die sarabäiten 
in die helle riten 
und mit in gyrovagos. 
die tiuvel werdent iriu ros, 

si bezzern danne ir valschez leben 595 

daz in der vint hat gegeben, 
vürhtet niht ir zungen 

563. Diu 504. mittesam 567. 583. 585. s«'ii 

586. schol 591. sarabavtcu 5y2. lelle 



BUCH DER RllGEN. 63 

valsch und unbetwunjien, 
noch ir üppige dro, 

get zuo in und spreclil also (500 

'ir boese liiile, saget mir. 
wie lange warnet ir 
iuwer leben vristen 
niit so boesen listen? 

ir heizt iu schern die blalton, HOS 

daz ir mügt gesatten 
iuwer biuche ze aller zit. 
loufet durch die werlde wiL 
swä ir danne belibet 

den valsch ir euch tribet. 610 

swaz iu kumt in den muot, ; 

Hl fw. daz dunket iuch unniäzen giioi .- 
swaz iu niht gcvallet wol, 
das muoz bosheit wesen voi. 
wie lange weif ir liegen? 615 

wa*nt ir got triegen 
den nienian betriegen kan i 

der daz leben ie gewan ? 
lat iuwer bosheit, 

daz si iu kurzlich geseit. 620 

oder get inz helletor, 
wan ir belibet niht dervor. 

[Den werllleichen priestern| 
Swä werltliche priester sin, 
dar get durch den willen min. 
und mit grozem grimme 625 

sprecht mit liiter stimme 
wie habt ir so gar verzeil 
an gote, daz ir sit bereit 
sta'te ze boesen dingen 

und gelürret singen 630 

messe unwirdeclich, 
meisteil aller tägelich. 
mich dunkl, ir aht der simoni 

()<)7. pench ül2. <'u 



(54 BlICH DER RÜGEN. 

inere (lau der psalniodi. 

des wuochers dan philosoplii. (;:ir» 

des lilhus dan der sacristi. 

hiior unde Iriinkenheil 

machet iawer lasier breit 

und anderre bosheit vil, 
82 VW. der ich uiht verswigen wil. <)/iO 

'" einer kouft den andern abe 

von siner pfrüend mit kleiner habe. 

ist daz uiht ein simoni, 

so weiz ich niht waz ez si. 

eteliche rüement sich (5/15 

ir bosheit, daz ist wunderlich, 

den doch wsere vil leit. i .\.v. : 

- würde ez viirbaz geseit, 

wan sie vürhtent alle gar. 

ob ez würde offenbar. i\öO 

sie würden unnuere. 

als daz billich wajre. 

nieman habe arcwän 

umb daz ich gesprochen hau : 

ich mein die vrumen wahrlich niht. r»5;) 

* die boesen sint vor got enwiht. 

da von sagt ir armen. 

lät ir iuch niht erbarmen 

waz die Juden täten, 

do sie gewalt bäten r.r.O 

an unserm herren Jesu Krist, 

der al der Averlde loeser ist. 

daz sie ze rate giengen. 

in an daz kriuze hiengen? - ' 

daz tuot ir alle sicherlich ■ (Wi.") 

so ir sprecht misse unwirdeclich. 

ir sült mir einez ilz legen, 

daz ander läz ich undcr wegen. 
82 rw. do ir niht leben wollet, 

als ir ze rehte soltet, r>70 

()ä8. i'ii titiO. seu ()G3. D* nlr iT wcimIc In-siiM' isl 

tl()7. srinili (')•)•.•■ «oll'' (wO. sclinlii' ; 



BUCH DER RÜGEN. 65 

nach priesterlicher ere, 
waz weit ir wihe mere 
(ian ein ander werltlich man 
der diu buoch nihl enkan? 

ir swuort umbe kiuschekeil 675 

in der wihe einen eit: 
o siiezer herre Jesu Krist, 
wie oft daz sit zebrochen ist! 
als oft irz habt zebrochen 

und also misse gesprochen, 680 

habt ir, als vil an iu ist, 
gemartert wahrlich Jesum Krist. 
nü sprichet etlich tumber man, 
der dar zuo niht baz kan, 

mir hat unser herre gegeben 685 

ein als gar krankez leben 
daz ich mich niht enthalten kan 
ich müez mit vrowen umbegän.' 
er liuget, wan er zihet got 
vrävenlich daz sin gebot 690 

übertreffe menschen kraft : 
des lougent alliu meisterschaft. • ■ ' ' 

got hat nie geboten iht h 

dem menschen daz er möhte nihf 
ervollen als er solte, 695 

ob er ez tuon wolle, 
da von kestiget den lip, 
weit ir läzen diu wip, / . 

.s;{ KW. und läl iuwer liegen sin. ; • 

ich sag iu üf die triwe min, ■ 700 

bezzert ir niht iuwer leben, 

ir wert der bittern helle gegeben. 

[Den artzden und den Juristen] '• 
Ez sint zweiger slahte man 
die nieman crviillen kan, 
die siilt ir strafen s6re. 705 

072. woU 075. svrt 081. ir fehlt. 088. muz G89. leugiM 

won 690. frauenleich 09.5. nach als ein radiertes woiH. 

696. swolte 705. schuK 

Z. F. D. A. II. 5 



66 BUCH DER RÜGEiN. 

durch unser vrouwen ere 
sprecht in vrävellichen zno. 
ez si spate oiler vruo, 
'ir meister von der erzeni 
üT() und die Juristen dcrbi, 710 

wie Sit ir so grundelös 
als daz mer, da wazzer groz 
sta-te in vliezenl 
und sich dar in besliezent, 
OfiO und kan doch nimmer werden vol I 7 1 .> 

dem mac ich iuch geliehen wol, 
wan der in zuo triiege 
arken ungefüege 
Silber unde goldes vol, 
fi8f> dannoch dunket mich wol 720 

daz iuwer witer gitsac 
stüende ofleu allen tac. 
wizt ir daz geschriben stat 
und got selbe gesprochen hat 
itl>;» 'wil du äne sünde leben, .i : i > : ; 72,') 

du muost genomenz wider geben? 
SS rw. ir habt tüsent genomea, 

der einez nie ist wider komen. i«! 'ij^ 
ir lobt helfe gar vll : 
.:(,';i swenne man die haben wil, 730 

so ist ez allez gelogen ;i t.5 ir. do 
und habt die liute betrogen, 
swenne ir den armen ane seht, 
in iuwerm herzen ir des jeht j/.i .ifi> 
oir, ich han verzert ze schuole vil, ri 735 

daz ich wider haben wil. -.i... 

du mäht wol umb susl gän, uVa -j 
ich trü dir uiht gewinnen an. 
ob er sich danne unz in den tot i/i 
zerret, des im gienge not, ... 740 

i'tj't mit joggen und mit weinen \..-- .... 

ba't durch got den reinen, 

7iß. eu 724. selb' 725. Ezechicl 33, 15 Jf. 728. aiiiigz 

738. trau 741. loggen — waiii •'.■... n vjm/s ...> 



des wirt er geben iu ze Ion 
der grundelösen helle trön,' 



BUCH DER RÜGEN. ß7 

er gel von iu an allen rat, 

so er iu niht ze geben hat. 

Uli seht ob daz zitlich ist? 745 

mich dunkt ir weit den antikrist 

schiere riebe machen 

mit so getanen Sachen, 

wan in die schätz gehoerent an 

die beidiu vrowen unde man 750 

bergent von der gitekeit. •* 

die werdent im alle bereit, 
er geben iu ze I61 
delösen helle trön,' 
[Den schuokeren] 
Sagt den sciiuokeren swä sie sint, f 755 

sie sin michel oder kint, ^ 

ir siilt zuo der lerne » 

i'roplich unde gerne > 

komen zuo aller zit, » 

wan grözer nutze dar an lit. 760 

lat iuch niht betragen i 

ob man beginnet vragen 1 

wie lange wil du schuoher sin? v 

ich spriche bi der triwe min, '> 

ez mac ein wol gelerter man ' 765 

vür künec und vür keiser gan, vj - 

so ein leige hin dan stet 'i 

und nindert zuo if räle g6t. a 

habt ir gedaht zuo priester-schaft, ■ '-^ 

so siilt ir alle iuwer krafl oirlrj 770 

nach gotlicher ere wwii/ 

und nach der meister löre -> 

erzeigen alle stunde. *' 

von iuwers herzen gründe n.^ if ;\>'i« 

vlieliet unkiuschekeit, u 'ü / 775 

ist ilit geschehen, daz si iu leil, 

und habet veste in iuwerm muot '''^^''' 



daz irz nimmer inör geluol. 

75*i. \v\il l'ü . scIiiiU 701. «üt 770. scliüll 

5' 



Vr>' 



68 BICH DEK RIJGEN. 

niidet ouch daz lithils, 

daz ir niht her wider nz 780 

werdet gar bestroufet 
und lihte wol zeroufet. 
daz w«r ein jaemerlichiu klage 
diu sich meret alle tage. 
.S4 rir. ir kleit daz ir habt verlorn, 785 

< die schuole versümt, des meislers zorn, 

vater unde muoter haz : 
vür war sag ich iu daz, 
ez wa'r ein lihtiu schulde, 

vliirt ir niht gotes hulde. 790 

iuwer etelicher hat 
von alnmosen allen rät. 
kirchen oder phrüenden vil. 
des er niht verdienen wil. 

er ist an allen sinnen loup 79.') 

und izzet rehten reroup.' 

[Den lotter phafFen] 
Sprecht zuo den loterphafFen 
ir unreine äffen, 
wie verzert ir iuwer leben 

daz iu got hat gegeben, 800 

wan ir niwan in üppekeit ■■■;..„ « 

lebt und in bosheit? 
iuwer veiger orden 
Solde nie sin worden, 

wan ir gät so lasterlich, 805 

rehte bangeren glich. 
iuwerr bosheit ist so vil 
daz iuwer got niht enwil: 
dem vinde ouch versmähel 

daz ir zuo im gahet 810 

vür mangen erharren man, 

790. vVrt 794. v*din 801. Won — nur 80&. auf detit 

concil zu Mainz 1261 und dem zu Salzburg 1274 war wiederholt ge 
gen diese quaestuarii und clerici vagabunili quos vulgus Eberhardinos 
vocat verfügt worden, doch vergeblich, wie es scheint. Harzheim con- 
cil. Gcrman. 3, 000. 042. 809. veint 811. fiiucrn 



BUCH DER RÜGEN. 6l> 

die er lieber wolle hau. 
da von gel gedrate, 
e daz ez werde ze späte 

und dringet in daz heiletor, 815 

8j VW. daz ir uiht wert verspart dervor. 
doch wold ich iu raten wol, 
als ich von gotes triuwe sei, 
daz ir iuch bekertet, 

got baz ertet 820 

daune ir vor habt getan, 
wan ich wol gelesen hau, 
dö er uns in noeten sach 
daz er süezecliche sprach 

niht des siinda;res tot wil ich, ' 825 

er lebe und bekere sich.' 
tuot ir des niht, so vind ich wol 
daz Ion daz man iu gebeu sol.' 

[Den nunnen] 
Ir wizzet alle samt wol 

daz man weder mac noch sol ■ 830 

vrouwen von ir krankheit 
strafen nach der rehtekeit. 
swer sie wolde strafen, 
sie schrirn alle 'wäfen ! 

wil man uns verderben? ' 835 

waz wil man an uns werben?' 
si mugen niht erliden 
straf, swie si niht miden 
ofte daz in übel stet. 

da von, bruoder, swenne ir get ' 840 

da geisliche vrowen sint, ? 

si sin alt ode kint, ' '' 

ret in zuo milteclich, " 

daz sie niht ungezogenlich 

sich gegen iu vergezzen. 845 

si sint so gar vermezzen, 



81». wolle 819. eu- 


— pecherle 830. 


ertc 


835. suiu1;ei 


833. seu 834. schrin 


836. m fehlt. 


erben 


843. Uod 


844. seu 









,70 BUCH DEH RUGEiN. 

85 rw. (iaz sie rivchigeu niuol 

gewinnent, ob mau iu durch guol 

seit daz in doch wa-re 

gar nutzebeere. 850 

in git diu natüre daz, 

der in verbiutet etewaz, 
- . daz sie lihle liezen e, 

da wirl in hin nach so we 
dj»^, mit trahliinge, in welher aht 8;)5 

von in daz werde vollebraht. 

mit bagen und mit schelten 

kunnen si wol gellen, 

ob in leit ienian 
pgp vor mangem jare hat getan. 800 

swer in unziihte wert, 

ob er vor in den lip ernert, 

daz mac er haben wol viir guol 

von ir grozem übermuot. 

ir höchvart ist also vil *ji 865 

y-x daz sie aller hande spil ^gj, 

als vrilich. wellent schouwen 

als werllliche vrouwen. 

mit gitekeit hänt sie phlihl: -t Turt 

von unkiusche sag ich niht, 870 

ü'ut ^^^^ ob daz also wsere, 

daz man sin niht enbaere, ^ ; üy? xn/?- 

des got niht verbeugen sol, 

ez geseit sich selbe wol. 

waz spricli ich von der vrazheit? 875 

t> ez ist etelicher leit 

86 VW. daz si so lützel rihte hat 

so sie zuo dem tische gät, 
diu doch zuo ir munde 

an etelicher stunde 880 

Gic zehen rephüeneliu 

na-mc viir ein ja'ric swiii. 
so sie müezen vasten, 

853. scu 861. vritzvcht 864. ireiii 866. 861). seu 

871. selb* 879. irem 881. rcphulcin 883. ,seu 



BUCH DER RÜGEN. 71 

si iiuigeii iiilit gcrasleii, 

zoru haz uiide nil 885 

selten zwischen in gelit, 
diu ungehorsam Überkraft 
ahtel niht der meisterschaft. 
wold aber ienicn sprechen, 

sich vil lihte rechen, ifDü 

daz ich den vroweu triiege liaz. 
der sol bi gole wizzen daz 
ich vrumeu vrowen holt bin 
und gerne allen minen sin 

dar zuo wolde keren 895 

daz ez nach ir eren 
au allen Sachen wtere. b- 

da von ist mir unma^re, 
ob iemen anders sprechen wil. 
den danket miner rede ze vil: b 900 

er sol mich aber leren 

mit wie grozen eren • ' i^ 

diu erste rede mac bestän, s i'y^- 

als sich daz buoch hebet an. 
er sol ouch wizzen ane wäu ' 905 

daz ich niht gemeinet liän nh i/j 

sr> rw. tugentlicher vrouwen sile, ü 

ich meine uiwan die dermite o, 

die ze aller zit unordcnlich ,a 

lebent und untugenllich, 910 

wellent heizen geislich >. /,5 

und sint doch gar vreislicli, giöm 

da von ir bruoder tuol also m) 

daz die selc werden vrö: 3 

sie lident iuwer strafe niht, •" 915 

swiget ir, daz ist enwiht. 
so saget in, daz ist min rät 
wie uns got erloeset hat. 
der im des niht wolde 

884. Jesajas 58, 4. 886. zwischan 
8',>5. wÖlte 896. ez fehlt. ireii '.»Ol 
1)09. zu 914. sein 



l, J 




:a 




loaiTii noU 




889. Willi. 


M'i. schol 


. 903. «Chol 


908. nur 




::-j?Wl .i^t 



72 BUCH DER RÜGEN. 

danken als er solde, 920 

der verdienet sinen zorn 
und wirt eweclich verlorn, 
swer aver sine schulde 
nach unsers Herren hulde 

mit der biht und mit der buoz, 925 

- CO'^ ' als ein ieglich kristen muoz, 

wil unserm herren klagen, 
vür war wil ich iu sagen, 
mit einem zäher kleine 

den er von herzen weine 930 

'^.•- erlischet allez helleviur. 

lät iu niht wesen zäher liur 
die iu wolveile üj 

ofte sint in geile, 

leschet ab die hellegluot, 935 

'! daz dunket mich von herzen guot.' 

[Ditz schult ir dem ktiiser predigen] 
87 VW. Vürhtet niht des keisers dro, 
get zuo im und sprecht also 
'sag mir, keiser, viirste her, 
wä von wa'nst du daz got er 940 

üf dich hat geleit so vil? 
niwan daz er versuochen wil 
ob du siner kristenheit 
mit helfe wellest sin bereit. 

got wil daz dir erbarme 945 

ze aller zit der arme 
mere dan der riebe man 
der sich wol besachen kan. . 

scherme in allen vreisen 

witwen unde weisen, 950 

klosterliute, pfaffheit, -.<■ /ü *..??. 

die got ze dienste sint bereit, 
mache vrid durch alliu lant 
den unser herre si bekant. 'i 

920. scboltc 922. euwecleich 925. pechl 927. wil /efill 
peklagen 942. Nur 9-46. zu 948. Sc/imeller 3. 188. 

949. raisen 



BUCH DER RÜGEN. 73 

ketzer und die lieidenscliart 955 

viht an mit aller kraft, 
la dir nieman leiden 
den nakten ze kleiden, 
den hungerigen spisen 

und den wec ze wisen OGO 

ob ein eilender man 
nindert sich verrihten kan. 
swie arm ein ieglicher si, 
dem hilf und gedenk derbi 

'got hat über mich gewalt, 965 

er biet mich wol zuo dir gezall. 
87 ;•«'. armer mensch, daz hiute ist din, 
daz vvirt vil lihte morgen min.' 
din gerihte si sieht, 

nihl baz dem herren dan dem kneht. 970 

got persön niht üz nint, 
wan als er an den werken vint. 
I die guoten solt du liep hän, 

die boesen lä mit zorne gän. 
alle smeichajre "■■■ 975 

sin dir unmaere. 
swer haz unde nil 
• und missehellunge umbe git, - 

dem lä niht die hulde din, 

wil du mit gemache sin. 980 

du solt selben hüeten dich < ;« 

vor allen sünden, daz rat ich. 

wold aver ieman her gen 

der dir wolde gesten ..:.;'. 

und spraxhe 'er behaltet wol • :' 985 

daz er ze rehte behalten sei/ ■ 

daz widerrette ich sä zehant i ' ' 

und hieze in varn in alliu laut, 

vrägeu der ma're 

ob indert vride wajre. ' ' ' 990 

daz vünd er allez vridelos, 

yOl. au eilender 97?. iMir 'J87. wid* redd • 



74 BUCH DER RÜGEN. 

beroubet naket unde blöz. 

da von, keiser, schaff also 

daz arme liule werden vro. 

du hast ein swert in diner hunl, yyö 

der got zwei hat gesaul 

der krislenheit ze guote 

und ze grozer Imote. 
88 vir. daz eine sol der bäbest hän, 

daz gehoert die phafFen an : 1 000 

daz ander nütze in diner ahl 

so du aller beste mäht. 

slach unde Stiche, 

dich an diu vinden riebe. 

die dir wellen tuon leit 1005 

an der armen kristenheit. 

Juden ketzer beiden. 

die solt du erleiden 

kristen liuten krefteclich, 

daz si niht werden in gelich. 101 ü 

hilf dem bäbst mit dinem swert, b 
,;;i üb er sin von dir begert, £. 

mit also guoter triuwe :?.. , 

daz es dich niht geriuwe. >; 

setze dich niht wider in, -.li- 1015 

habe zuo der triuwe min. -b 

) .: i^iii swert snidet baz tr 

dan daz din, und wizze daz, u2 ul) 

ez ist gehert mit gotes kraft, r,' 

daz aller smide meislerscbafl v 1020 

ein sämelichz enmahte, ,7 irb Vjü . 

;- . ob si dar nach trabte .u 

unz an den jungisten tac : b ' 

vür war ich daz gesprechen mac. b 
[Den chunigen gemainecleichj 
88 rw. Sagt den küngen durch den munl 1025 

,:^ 'ir herren, ist iu daz iht kunt? nl di 

swem man enphilhet mere 

998. zu (1003/. f* slalui slach unde stich, dich an dincii vinden 
rieb. Hpt.) lOOy. Crislaii lOlö. mein 



BUCH DEK HUGEJN. 75 

guot oder ere, 

man muol an in ze aller zil 

mer danne dem man liilzel git. 1030 

got hat iu enphollicn vil 

daz 61' an iu vordem wil. 

bürge slete unde lanl 

hat er gesazt iu iuwer hant: 

da sült ir an gedenken, 1035 

dem keiser niht entwenken, 

swenne er durch die kristenheil 

ze strite muoz sin bereit. 

helft im vride machen 

an aller hande saciien, 1040 

daz gotes dienst werde 

genieret üf der erde. 

hüet der liule in iuwerm rieh, 
!l daz si den beiden niht gelich 

noch den ketzern wellen sin: 1045 

daz rat ich üf die triuwe min. 

ez vihtet an die kristenheit 

so manger hande bösheil. 
' t_ swer ez wenden wolde, 

als er ze rehte soide, 1050 

89 VW. des todes muos er sich verwegen, 

doch verdiente er gotes segen. 

lät hi iu niht beliben 

von mannen noch von wiben w;' 

der mit zouber umbe get. 1055 

als iuwern eren wol an stet, 

alle wuochera;re . ■ i .uc .:i;j 

lät iu sin unmaire. 

vor vürkouf und simoni 

sin iuriu küncriche vri. 'n ,-.;,/ hi.ü 1060 

aller slahte bosheit .■,{> 

lat iu sla'tc wesen leit. rj 

hüet iuch ouch vor sündon /;> 

und lät iuch niemen schünden 

1032. vddern. verf^l. Hl. 6Ü0. 1035. sclii'iil 1050. scliolto 

10Ü3. 1064. m 



76 BUCH DER RÜGEN. 

daz ir icman des gestet 1065 

daz üf iuwer sßle get.' 
[Den fürsten Grauen vreigen vnd dienst h*reuj 
ßruoder, des niht abe gestet, 
swenne ir zuo den vürsten get, 
ze gräven vrien dienstman, 
sprecht sie under ougen an 1070 

swie Sit ir so ungert 
und an tugenden verkert ! 
wan man von in hoeret 
daz ir kloester stoeret 
89 riv. diu iuwer vater hänt geslift: 1075 

daz ist iuwer sele vergift. 
swenne ir ze spräche gebent tac, 
nindert daz geschehen mac 
wan in den kloestern, da man gil 
die kost umb sus zuo aller zit. 1080 

da mit ir doch verdient den bau, 
als ich iu wol gesagen kan. 
und wolde got, biet ir vür guot, 
mit iuwerm grozen iibermuot, 
daz in von iuwerr gwhe i085 

niht groBzer schade gescha^he. 
merket selbe ob ir weit, 
swaz ir üf diu kloester zeit, 
da habt ir zuo dehein reht: 

wan daz ist ein sache sieht, ^ 1090 

daz iuwer vordem habent brahl 
den kloestern von ir andäht 
daz sol von reht der kloester sin, 
im dürft niht sprechen 'ez ist min." 
gäben iuwer vater iht, 1095 

daz was ir und iuwer niht: 
der iu ez wolde behalden hän, 
er biet ez wa-rlich getan, 
da von rat ich iu wol, 
als ich von gote raten sol, 1100 

10t)7. Prüder 1070. seu vnd* ir 1075. vaeter 1079. Nur 

— won man 1091. voderii 1095. va;ler 1100. scliol 



BUCH DER RÜGEN. 77 

'.»0 VW. hit Äne trüebesal 

diu gotes hiuser über al, 

(laz iuwer selc nihl verlorn 

werden von dem gotes zorn. 

ir Sil dem künic gebunden 1 105 

ze helfen zallen stunden 

daz er sin künecrich 

gestellen müge vridelich : 

doch dunkel mich, iu wfere 

unib den vrid unma'rc, 1110 

wan ir habt in reisen 

witewen unde weisen 

ze ergrinne gewont, 

daz iu noch slsete zuo dont. 

swer vlizecliche dienet got 1115 

von dem habt ir iuwern spol, 

der aver von gole k«»rel 

den lobt ir unde eret. 

wer niöht nii haben in der zai 

iuwer veicheit über al? 1120 

der vinl zel ob er wil, 

dem ir dienet äne zil/ 

[Den ritl*n gemainecleicli] 
< I ' Den ritlern sagl gemeineclich 

'ez isl umb iuch so zwivellich 

ob ir ze gnaden sil erkorn 1125 

oder eweclich verlorn. 

man hiez iuch in dem rilter segon 

zühte und ere stiele phlcgen, 
'.to rw. wilewen, weisen alle zit 

schermen in dem lande wil, 1130 

da A'on ir sclicrma.'re 

heizet, ob ez w;ere, 

guofer liule durch got. 

ir habt ez aber viir spol: 

swer iuch schermsere hat genant, tl35 

der hat iuch leider nihl erkanl, 

1103. sein 1113. Zu er(i;rainne : zu llevb. CSIC 112/|.il27. ou 
1128. Zueilt 



78 BUCH DER RÜGEN. 

ir hiezl schera're vil baz. 
ir schert trucken unde naz, 

ir schert mangeii ungebeit 

dem iuwer schern ist vil leit. 1140 

ir schert niemen äne Ion, 

ir schert stiele üiide schon, 

ir schert arm unde rieh, 

iuwerm schern ist niht gelich, 

ir schert daz guot und niht daz har^. 1145 

ftljt da von sag ich iu offenbar, 

ir wizzet niht wie lange ez werl 

daz ir arme liute schert. 

iu wirt geweret iuwer schern 

so ir vil lihte scha3ret gern, :i> 1150 

got wil sölher schener niht, 

si sint dem himelrich enwiht. 

waz hilfet daz ich rede vil 

so mir niemen volgen wil? 

doch wil ich mich zerloesen 1 1 55 

gen frumen und gen boesen, 
'.»I i'ir. sagen in die warheit, :■■ 

ez si liep oder leit. jj 

ez sol ein ritter eren got, 

ernslich und niht in spot, 1160 

den viirsten helfen nach dem reht, 

allez unreht machen sieht, .) 

bcese liute machen guot, i •<> 

die guoten haben in der huol, 

daz in iht übel müge geschehen. IIC»;) 

zuo im selben ouch sehen, y 

ij ! . daz nieman üf der erde 

von im betriiebet werde : 

ob er ieman betriiebet habe, 

dem sol erz gerne nemen abe : 1170 

haben groze riuwe 
.-, j umb Sünde alt und uiuwe, doiv. jj.-^/k 

haben guot gediuge, ^'i .. li ; 'h 

1137. scli^rair lli'i. sUel viiscLoii IKi'J. iiii 



BUCH DER lUir.EN. 79 

daz in sin cngel bringe 

zuo ewiger sta'lekeit, HTT) 

da alliu vreude ist bereit. 
[Den chnappen| 
Sprecht zuo den edelingen 
'wie möht in wol gelingen 
die wiie ir habt bresen muol 
und lobet swaz der boese tuet? 1180 

edel unde werdekeit, 
der iuwer vater hänt gephleit, 
',U nr. die verlieset ir da mit 

daz ir den hcidenischen sit 

habt iuch genomen an. 1185 

als ich iu wol gesagen kan, ^ 

in ist diu kirche als der stal, 

swa man sol rouben über al, 

kelcli buoch messegewant 

daz muoz allz in iuwer liaul. IHK) 

bischoC brobst pharran' 

apl münch messena'r, 

waren si in gotes schoz, =: 

möht ir, sie würden blöz. 

da von mac ich geliehen 1195 

iuch wol sicherlichen 

der heidenischen undiet 

diu nie nilit guoles geriet. i' 

daz luüt ir allez umb den sliiiil. ' 

käme ein mal umb ein pliunf, ^^ 1200 

ez dilhle iuch uiht ze swa-re, 

daz Ol daz guot wa're. 

da von bit die beiden 

daz sie von iu niht scheiden 

oder bringen iuch da hin ' 1205 

dar iuch leitet iuwer sin, 

daz ist diu tiele helle : 

da wirt iur geselle ' ''"h«'' I''» 

1181. wii(l(;cliail 1182. va'lcr — f,-c|)lilait 1183. voiIumI 

1184. des 1185. 11»J6. eu ll'.IÜ. als 1191. Piscliolf 

1201. dcuclil eu 1202. Daz oUj 120 i. seu 1208. wN ir 



80 BUCH DER RDGEIN. 

Astaröt und Satanas : 
92 rir. wie kan iu ioimer werden baz, 1210 

an ir wellet wider kern, 

die sele vor der helle nern, 

büezen iuwer schulde 

nach unsers herren hulde 

mit gar grozer arbeit? 1215 

i tuol ir daz niht, ez wirt iu leit. 

[Den schiltchnechten] 

Vragt die schiltknehte 

veic und ungerehte, 

seht daz keiner entwiche 
., . und sprechet zornliche 1220 

'sagt ir wunderarmen mir 

gedräte, wes gedenket ir 

daz ir so vlizecliche 

von dem himelriche 

vliehet naht unde tac, 1225 

daz niemeu iu erleiden mac? 

wes habt ir iuch an genomen 

mit herte zuo der helle ze komen? 

ir quwmt wol ringeclicher dar 

vil lihte in der ersten schar. ' 1230 

iuwer ezzen ist enwiht, 

ir habt ofte ze trinken niht, 

ir gesläfet seilen wol. 

so man ez allez sagen sol, ;. 

swaz sich geziuht ze hertekeil , 1235 

und ze grozer arbeit, 

da Sit ir mit überladen, 
92 VW. des habt ir den groesten schaden. 

verspehen rouben unde braut, 

daz ist iu allez wol bekant. i ; - 1240 

ze steine und ze nahlschäch 

ist etclichcm vil gach, 

dem doch wsere gar leit j • 

ob ez icman von im seit. 

1227. cu 1228. h*lte 1230. IccLi 1234. s«liol 

1242. par gacK .... 



BUCH DER RÜGEN. 81 

nu hnerl, ir ereloseii zagen, 1245 

kunnet ir mir iht gesagen 

waz ir von iuwer arbeit 

mit iu in die helle treit 

mere dan die siinde 

zuo einem urküude 1250 

daz ir boesliche habt gelebt 

und statte wider got gestrebt? 

weit ir iuch des niht raäzen, 

alle siinde läzen, 

bihten unde büezen, 1255 

als wir alle miiezen, 

ir wert gescheiden ewiclich 

von got und von dem himelrich. 

[Den purga^rn] 
Strafet die burgaM-e, 

sprecht ist iu iht swsere 1200 

daz man über al seit 
daz aller hande bosheil 
bi iu wirt gebrüwen? ,; 

wer mac iu getruwen 

daz ir niht mit habet pliliht? 1265 

daz sprich ich dar umbe nihi ; .V.i 
93 VW. daz ich bcesen arcwuu 
zuo iu allen welle hau, 
mich düht aber billich 

daz ir gar vlizeclich 1270 

besa'ht wer scliuldic wa?re, 
den liezt iu sin unmajre. 
ir spiset mangen boesen wihl 
der iu wa;rliche vüeget niht. 
wuocher zouber ketzeri 1275 

vürkouf huor simoni 
höchvart gitekeit 
nit haz vräzheit 
phahtsniden diupheit 

1253. eu 1275. chetzeriiei 1279. phochsneiden. ober pfaht 
vcrgl. zum pfajfcn Konvad 'ZI, 23. der siitti ist klar, doch vermag ich 
das wo7't sonst nicht nachzuweisen, vcrgl. übrigens facht in Toblers 
Z. F. D. A. II. 6 



81 BUCH DER RÜGEN. 

und aller slahte valscheit, 1280 

vierhartcere ritfiän 

speha?re wert ir nimmer An. 

weit ir beeren kurzlich. 

uf min triu des dunkel mich. 

swaz mac sin von bnesem lisf J285 

bi in allez erdäht ist. 

[Den kaufleutenj 
Sprecht zuo den koufliulen 
"waz mac daz betiuten 
daz iu so we nach guot ist? 
ir weit alle in kurzer vrist 1290 

werden also riebe 

daz iu niht si geliche ,. - > 

gräve oder dienstman. 
da von ich gedaht han 
■* ■- ' daz ich iucb strafen wolt, 1295 

wau ir gedenken soll 
y3 rtv. ich lige lihte schiere tot: 

sol ich mich in so gröze not 
durch miniu kint versenken? 
" ich wil dar an gedenken 1300 

daz ich nu mere hän 
dan min vater ie gewan. 
ob ir des lihte niht entuot, 
so nemt daz in iuwern muot, 
ir varl hin gen India 1305 

und belibet lange da 
oder verre in andriu laut, 
der iu vil ist bekant : 
swenn ir her wider keret 

und habt daz guot gemeret 1310 

ir vindet jungiu vänzelin, 
diu mugen lihte eins andern sin. 
dunkel iucb des aber wol 
daz man daz niht sprechen sol, 

y4p])cnzrl/. Sprachschatz s. 173. 1281. virhart.rr. Oherlin 1805, 

Srhmeller 1. 6."? 5. l'29r>. wolle 121M). Won — schölte 

1.311. \:eiilzelciii. Schmeller 1. 545 u. TiSi. J . Grhnin Uviiih.ßichs s.Ti&. 



BUCH DER RÜGEN. 83 

so bedenket die not, 1315 

daz nienian mac vür den tot. 

so man iuch ze dem grabe treil 

und iuch da vil vaste kleit, 

swie ser diu vrouwe weinet, 

doch sie sich vereinet 1320 

und siht hin unde her 

'wer ist diser? wer ist der?' 

sie kleit in ir herzen 

ir grözen smerzen. 

'min lieber wirt ist leider tot! 1325 

mich twinget dar zuo gröziu not 
t)4 VW. daz ich ein andern nemen müoz 

der mir tuo miner sorgen buoz.' 
;i . si schowet an sie alle, 

welr ir wol gevalle : 1 330 

der wirt dins guotes erbe, 

enruocht ob man verderbe 

dine sele und dinen lip, 

er hat doch din schoenez wip. . 

nu merket ir koufman 1335 

waz ich in geseit han : < 

ir wizzet niht wer hin treit - • 

daz ir mit grözer arbeit 

habt über mere brähl. 

ir het sin niht also gedähl. 1340 

dient umb die ewikeit, 

ez wirt in wahrlich nimmer leit.' 
[Den die alr slacht chaufent und verchaul'entj 

Sagt den kiufelsrn also 

est wunder daz ir immer vro 

werdet üf dem ertrich, 1345 

wan ir sit Judas gelich 

oder lihte bneser vil, 

als ich iu bewieren wil. 

der wunderarme Judas 

weste niht wer der was 1350 



1318. .Ml i:«-). ire 



6* 



84 BUCH DER RÜGEN. 

den er der judischen diet 

verkoufte umb phenninge und verriet, 
94 rw. und gerou in doch so hart, 

daz er an der selben vart 

die phenninc hin und wider truo( 1355 

und sich vaste ze brüsten sluoc. 

dö er der Juden ernest sach, 

er gedähte unde sprach 

'wan ich unschuldigez bluol 

verkoufet han umb kleinez gaot. 13fi(> 

so wil ich vaste gäben, 

mich an den stric haben. 

mit unmuot er hin gienc, 

einen ast er umbe vienc, 

an der selben stunde gescbach 1365 

daz man in da hangen sach. 

du armer kiufela're, 

nü vräge mich der m«re, 

so sag ich dir die warheit, 

ez si dir liep oder leit. • 1370 

daz Judas got verkoufet hat ; ; 

des mohte niht werden rät, 

wan ez durch unser heil geschach, 

do got uns in noeten sach. 

du verkoufest ofte got 1375 

und hast dar zuo dinen spot. 

daz Judas einest hat getan, 

da wil du nimmer von gelän. 

swenn du umbe loufest, 
y") viL<. koufest und verkoufest, • 1380 

mit swern gist du got hin, 

daz sprichet aller meister sin. 

nu verdenke selbe daz, 

wil du koufen etewaz, 

du spriciist bi got, est des niht wert! 1385 

und bist du doch der sin begert. 

du nimst daz in dinen sin, 

1359. 1373. Won 1385. e dez nicht w*t " ;}.. 



BUCH DER RÜGEN. 85 

swie kleine waere din gewin, 

du wil bi got dar umbe swern. 

wer kan dine sele genern? 1390 

des hiil Judas nilil getan, 

er uiuosle drizec phenninc liän, 

er gap in tiurre danne du. 

armer mau, waz seist du uu? 

du mäht dich niht unschuldic geben, 1395 

got weiz allez din leben. 

ez gerou dich nie so hart, 

du woldest an der selben vart 

noch zwir als vil swern, 

daz du möblest dich genern. 1400 

du hast an got verzwivelt nu, W: 

da von b'st ouch verdorben du, 

ob du dich niht bezzern wil. 

got hat genäden alse vil ). 

j daz er dem sündier wil vergeben 1405 

swaz er in allem sinem leben 

wider in hat getan: - ..; •' !• 

wil er von den sünden län 

und wil genäde suochen. 
yä rw. got wil sin geruochen.' /" > i 1410 

[Dem Schergen und sein gesellen] 

Den Schergen und den wuochera*r, 

litgeb unde spilajr, 

den diup und den schächman, ' 

; den huorer und den rillian 

heizet loufen bi der zit, j., 1415 

daz in der vient ir Ion git. 

er wil sie schone setzen, 

ir dienest wol ergetzen 

üf der tiefen helle trön. i ' 

daz ist der höhen vürsten Ion. ' 1420 

sprecht ob inderl si ein man, 

des ich lihte vergezzen hän, 

der in wesen mac gelich, 

1389. woli 139,'j. machst 1417. seu . 



86 BUCH DER RÜGEN. 

den nemen mit in vrilich, 

im wirt diu helle niht verseil, 1425 

der vient enwil daz ieman kleit 
über in urab sin Ion, 
er wil sie wern gar schön, 
sin gewizzen ist so gröz 

daz er sich schämt, ob ieman bloz 1430 

von im solde keren, 
der in hat in eren 
gehabt einigen tac. 
niht mer ich in gesagen mac, 
sie wellen danne biiezen 1435 

Jesu Krist dem siiezen 
alle ir missetät, '. 

96 VW. so mac ir niht werden rät. 

[Den gehorsamen gepaurnj 
Ez sint zweier slahte gebür, ■-, 

einiu guot diu ander sür: .r 1440 

• den guoten siilt ir guotlich, 
den bcesen sagen zornlich. . . 

get zuo den guoten, sprecht also 
'liebiu kint, sit staete vro : 

mit iuwerr reinen arbeit . 1445 

spist ir alle kristenheit. 
dar an belibet stajt: 
swer in iht anders r«t, 
der wil iuch verkeren 

von got und von sin eren, 1450 

den lät iu rehte leiden 
als Juden unde beiden, 
gelouben nach der kristenheit, .. 
gotes vorht, rein arbeit, 

da lät iuch nieman wisen abe, 1455 

swie gesmacke rede er habe, 
dient iuwern herren wol 
mit triuwen, als man dienen sol, 
mit zinse und mit wisät, 

14*28. scu 1438. niht] wol 1441. schult 1449. 1455. eu 
1459. weisat; Schmeller 4, 180. • •- "t; 



BUCH DER RÜGEN. 87 

als iu ez gol geben hat. 1460 

gebt iuwern zehnt mit triuweii 
und lat iiiclis iiihl geriiiwen, 
vast und virt ze reliter zit, 
leist daz man an der bihte git, 
'.t6 VW. get ze kirchen, gerne bet, 1405 

als iuwer guoter vater tet. 
eret die heiligen zit . 

diu iu got zerkennen git. 
boese liute vliehet, 

die guoten zuo iu zieiiet. ■• 1470 

die ir seht in hungernöt, 
den teilet mit iuwer bröl, 
lat sie niht verderben ' , • 

noch vor hunger sterben, 

od ir Sit der rehte schol, 1475 

daz seit uns diu geschrift wol. , ,•/; 
liebiu kint, sit stajt dar an, 
als ich iu geleret hau, 
so hat iu unser herre bereit V 

nach iuwer grözer arbeit 1480 

in sinem himelriche ruo : 
da bring uns got alle zuo/ ' 

füen gepaurn die sich zuo houeleuten geleichent] 
Mir tuot gebüre hochvart 
zorner dan ob sie von art 

hochverlic möhten sin: 1485 

da von, lieben bruoder min, 
get zuo in und sprecht also, 
'so, min miilrössel, so, .- . ; 

ir habt iuch gcnomen an, 

des iuwer vater nie began, 1490 

«7 VW. also grozer hochvart 

diu lihte nie gehöret wart 

von keiner slahte gebürschafl, 

diu doch alse gröze kraft 

bieten und groezer er 1495 

IWi. euz 1488. mulrSzsel 1489. hap cu 



88 BUCH DER RÜGEN. 

danue ir gewinnet immer mer. 
iu ist zuo ungelücke ger, 
svvenn ir nach schilt unde sper 
geratet setzen iuwern muot. 
volget mir, ez wirt iu guot. 1500 

; -. ' iu ist bü wol bekant, 

nemt die arl in die hant, 

ert ziunet unde sael, 

snit dreschet unde ma^t, 

und ander slahte arbeit 1505 

' . . die man gehören üf leit, 

als iuwer vater hant getan, 

die wären, wa?n ich, guote man. 

swer des nihl gehorsam ist, i:-' 

bedenke sich in guoler vrist 1510 

; waz er da von widerdriez 

und wie kleinen geniez i ^ i.; 

wirt gewinnen her nach, • '>' ,. 

dar zuo im nu ist so gach. 

die edeln übersehent niht, ... 1515 

daz sie mit in haben phliht 

in keiner slahte geseUeschaft 

oder daz sie ir kraft 
97 rw. gegen in erzeigen : 

sie müezen in vür eigen 1520 

dien oder liden not, ' 

daz in wseger wa^r der tot. 

dannoch ist daz groezer vil 

daz in der vient geben wil 

an euer werlde ze löne, 1525 

dem sie hie dienent schöne, ; ; 

ze spise nätern slangen, ' 

wil sie nach trinken blangen, . < : *, . v 

er macht in eine zeche .- ^ 

von swebel und von peche, . • 1530 

von czzich gallcn galgan, 

als der übel vint wol kan. 

1531. galgan. vielleicht ist galga nux, gallapfel gemeint 'i> vergl. 
Carpentier zu Du Cange unter galga. .., i ' 



BUCH DER RÜGEN. 89 

[Den werltliclieii vrowen] 
Wir müezen alle des verjehen 
daz mau vrowen übersehen 

sol von drin Sachen: 1535 

daz wil ich war machen, 
ich wil die sache nennen 
daz man sie mac erkennen, 
von zwein sachen sol man ern 
vrowen und ir lop mern: 1540 

diu dritte sache erbarmet mich, 
wan si ist erbärmeclich. 
nu beeret unde merket wol 
wä von man vrowen eren sol. 
wir waren ewiclichen tot, 1545 

118 VW. uns brähte ein vrowe üz aller not 
diu uns den heilant gebar, 
als ir wol wizzet alle gar, 
si ist Maria genant, 

über alle kristenhcit erkant. 1550 

durch ir reinen zarten lip 
eret elliu vrumen wip. 
die andern sache nenne ich iu 
sicherliche: daz ist diu, 

wir haben alle wol vernomeu 1555 

daz wir von vrouwen sin bekomen: 
da von sol man sie billich ern 
und ir lop statte mern. * '^ ' 

er wicre niht ein vrumer man' 
der daz niht wolde statte hau 1560 

und niht nsem in sinen muot 
die zwo Sache wunderguot. 
weit ir die dritten sache hän, 
so gedenket dar an, i 

habt ir mit in ze reden ihl, 1565 

ob kein strAfe da geschiht, 
der mugens niht erliden, :. 

swie daz si niht miden i 

15G2. 7.U0 ••';.'' .--' . . 



90 BUCH DER RÜGEN. 

swaz man in verbieten kan : 

wolden siez niht hän getan, 157U 

ez muoz zehant dar nach geschehen. 

des müezen alle die mir jehen 
'J8 VW. die vrouwen ie hänt erkant 

in der werlt durch elliu lant. 

da von, lieben bruoder min, 1575 

lät iu iinmwre sin 
'ii • I zuo der strafe und zuo gebot, 

si hietens doch vür einen spol. 

wan mugt ir sie wol leren 

wie von sünden ze keren 158Ü 

der mensche sol sin bereit, 

zenphähen die süezekeit 

die got in sinem riebe 

teilen wil geliche 

die sin willen haut getan, 1585 

kint vrowen oder man? 

swaz man vrowen sagen sol, 

als ir alle kunnet wol, 

daz sagt in also guotlich - " ■ 

daz keiniu vergezze sich. 1590 

diu vil liht so gwhe 

wa^re oder spa^he \ , 

daz sie zürnen wolle, v 

des sie doch niht ensolle, 

die nemt besunder hin dan, 1595 

strafet sie als einen man 
. oder triwen vürbaz, 

wan ich hän gelesen daz 

'kum sich vor dem wolve ernerl 

der sich der wülpen niht enwert."^ 1000 

91) VW. [Daz gehört die priid* selb* an die pdigeu 
schullen vnd lern die cstenhait] 

Hoert, ir bruoder, minen rat. 

Sit iu got enpholhen hat 

die kristenheit ze leren 

1570. WoUiii seuz 1572. mir die 1579. waiij waz 



BUCH DER RÜGEN. 91 

uäch zuht und nach ereu, 

so hebet mit den werken an, 1605 

als unser herre hat getan: 
diu süin sta*te wesen guot. 
dar nach nemt in den muol 
daz ir an der bredige seit 

ze aller zit die warheit. 1610 

geboesert niht mit ungebär 
die liute, wan sie nement war 
wie ir iuch da zuo keret 
daz ir mit worten leret. 

da von halt iuwer zuht, 1615 

von allen siinden habet vluht, 
keret iuch zuo gote 
und ze sinem geböte, 
daz nieman viir die warheit 
gesprechen müge swaz der seit 1620 

und mit worten leret, 

mit werken da von keret/ ,. - 

got weiz elliu herzen wol, 
da von muoz unde sol 

der mensche in allen stunden 1625 

tuon des er ist gebunden, 
y.t >*«'. da von, bruoder, sit gemant, 
wan iu tugent ist bekant, 
ze rihten iuwer sinne 

nach der wären minne. . 1630 

iuriu wort sin sta'te war, 
heimlich unde offenbar, 
iuwer leben geislich ;, 

sta'te und unvreislich. ; , 

diu herzen sin vridelicli . > 1635 

und der muot silelicli, , , 

daz iir iuch niht werde getriben 
also wir vinden gcschriben 
'swenne eigen schuld den lereer ,,5 
strafet, daz ist lasterbier.' , ,,.,,,;, 1640 

1607. schulii 1G^2. vcral. zu Iw. 458 und m IlerboH 828. 



92 BUCH DER RÜGEN. 

vlieht die vrowen bi der zit, 
wan 'ungewoerer stsete lit 
stro bi dem viure 
da wazzer wa-re tiure.' 

ob ez aber nu geschult 1645 

daz ir mit in weit reden ihl, 
Jl" daz si nütze und kürzlich, 

des man ich iuch gar vlizeciich. 
niht diu händel drücken, 

niht hin zuo smücken, 1650 

niht loslich an blicken, 
' ' niht diu ärmel zwicken, 

niht schouwen rötiu wängelin. 

daz lät also durch got sin, 

da kumet von boeser gedank 1655 

und werdent vestiu herzen krank. 



SANCT OSWALDS LEBEN. 

205" Ueme noch frewden mere > 
Stet alle seyn begere 
Der höre czu gar ebin 
Von sinte Oswalden Icbin * 

Das allw geschrebin stat 5 

Vnd was her begangen hat 
Dem kinde lobesam ■ ' ' 

der todt ymbeczeite uam ' ■ 

Beyde vater vnd muter ' 

do begunde der vil gute •' ■ 10 

vil willich her began 
Sey vater hatte em gelan 
Reichtum vnd gutis ane mosz 
Synt das her eyn heyde was 
Her lys jm bürge vnd lant czu eigen 15 

Das nmste man jm beczeigen 
dinst vnd vil eren 

164'2. VVnii— uugcvvare 1649. h«(]t;l lOlö. lözlcich 



SANGT OSWALDS LEBEN. 93 

alle (ly grosen Herren 

Dy bey den seibin jarcn 

Vndir yni gesessen waren 20 

Newn konig reiche 

dinlin ym alle gleiche 

dreyczen bischolTc 

Gehorten czu seynem hole 

Virczig grouen bey namen 25 

Alle czu seynem dinste qwonicn 
205'' Von den wart her gesundert 

Ritter sebenczen hundert 

Vnd dreysig tawsint man 

dy ym czu geböte musten slan 30 

Do der milde sinte oswaldt 

Gewuch(s) vnd wort so alt 

Das ym konig geiug 

Seyn swert nochtrug 

Do ryten em alle seyne man 35 

her sulde das mit nichtc lau 

her sulde nemen endelich 

Eyne fraw lobelich 

Dy ym wol beqweme 

Vnd ir gebort ym ebin czeme '"40 

Also oswalt an dy czyne qwan 

do sach her komen eynen mau 

Czu seynem hoffe her do ging 

oswalt en wirdiglich entphing 

her sprach liber bruder meyn 45 

wy ist der name deyn 

Her sprach ich heyse tragemund ■ 

Alle lant syut mir wol kunt 

Czwc vnd sebeczig czungeu 

das wunderte den iuugcn 50 

Gar scrc das her en l'rogete 

vnd bat das her ym sagete 
20G " ap her yrne hette irkorn 

Eyne iuncfraw zo wol geton 

dy ym czu nemen tuclite 55 

do her mit ir blcbin mochte ■■■■' 



94 SANGT OSWALDS LEBEN. 

kewsch bas an seyn ende 

Vnd alle niisseweude 

Neyn sprach der bruder czwor 

dy werlit ist zowuste gar 60 

Sinte oswalt alczu hant 

Nam den bruder bey seyner lianf 

Vnd fürte en vil drote 

yn eyne kemenote 

off seynen stul her en satzte 65 

vff dy bang her sich selbir satczte 

Uy hrn worn des gewar 
Sy sprochin alle olfinbar 
Herre ir tut nicht recht 

Das ir nedir fallit also dy knecht 70 

ofF dy harten bencke 
Ir suUet euch bas bedenckin 
das do sten czu ewer hant 
Stete bürge vnd eygen laut 

vnd thut ewerim leibe nicht zo we 75 

vnd sitczet uff dy benche nicht me 
Durch got habe ich geton . ./ 

das desir gar nmder man ;• 

206'' Gerue doruffe diste bas 

vil wol gan ich ym das 80 

Her sprach liber bruder meyn 
Sage also lip alz dir got mag geseyu 
Kennistu yn deyne synne 
Irne eyne konigynne 

dy mir czum weihe tuchte . " 85 

vnd keusch mit mir bleibin mochte 
do sprach der bruder hyr 
Ferre obir das wilde mer 
Doch wil ich dir eynen rot gebin 
Mit der du kewsch magist lebin 90 

Do wouct eyn konig freysam 
Der bot eyne tochter lobesam 
Sy hot tugende vnd schonde aue czil 
...V \'orwor ich das sprcchin wil 

Juncfraw spangc ist sy genant . ' 95 



SANGT OSWyVLDS LEBEN. 95 

Ir vater ist den beiden weit bekanl 

Wer sy freyet das sage ich ane czorn 

Seyn lebin hol her czu hani vorlorn 

Sy ist zo gar behende 

Sy bleibit kewsch bys an ir ende 100 

Synte oswalt ane der stunf 
Spracli vil über tragemunt 
Rot mir \vy ich sy gewynne 
Dy selbige kewsche konigynne 

207" Her sprach alz ich habe gesayl 105 

Wer sy freyet dy schone mayt 
Der bot vorlorn seyn lebin 
Her mag nicht wol dowedir strebin 
Doch mich dewehte ys notze were 
du host wol acht jor here 110 

Eynen rabin geczogen ane wan 
das her vil wol sprechin kan 
den losz balde brengen her ' 

vnd volge meiner lere 

vorgulde ym seyn geFedere ' 115 

Tsz brengit dir fromen wedere 
versilbere yni dy clawen seyn 
vorgulde ym seyn snabil feyn ' ^*'' 

Mache ym uf das hewpt schone ' 

Eyne güldene crone 120 

Vnd losz yn jn das beiden lanl ' 

Flien das wirt ym bekant 
Der sal freyen dir czo (gar?) 
dy edele mayt das glewbe mir czwor 
her sprach vil liber bruder deyn (/. meyii) 125 
Got lone dir das rotin deyn 
Oswalt bys hin springen - ** 

her hys den raben brengin 
her satczte yn ut' seyne schossz 
wy wenig en das vordrosz 130 

207'' her streichle ym seyn gefedere 
vom hewpt bys her nedere 
her begunde mit ym czu kosin 
der rabe horte gar lose ' 



96 SANGT OSWALDS LEBEN. 

Her sprach vil über rabe meyn 135 

du must nw meyn bole seyn 
Gar ferre yn fremde lani 
Mir ist worden bekant 
. .; , das ein konig gar vormessiii 

Obir das mer ist her gesessin 140 

Der ist eyn heyde freysam 
vnd hol eyne lochte lobesam 
dy ist genant iuncfraw spange 
; du Salt nicht beyteu lange 

vil liber rabe meyn 145 

Frey mir das megeteyn 

Synte oswalt mit losten 
do den raben koste M 

Vorne an seynen spitczen munl 
vnd druckte yn czu der seibin stunl 150 

an seyn hercze liplich 
her sprach got hy von hyüielrich 
der losze dich gesunt von mir 
her lachte yn an gar wunderschir 
her sprach vil liber rabe meyn 155 

Irwirp nw das megeteyn 
208 '^ her sprach ich vorsage dirs nicht , 
Ich habe dorczu gar gute phlichl 
das wil ich gerne thueu 

das du mir gebewtist nw H>0 

nu losz balde hin springen 
Eyn gülden liugerleyn brengen 
das ich dir möge vnvorczait 
gebin der vil schonen mayl 

ap ich sy irwerbin kan . I(>5 

Wennc edele iuncfrawen han 
gerne lipliche goben 
her tat alz eu hys der rabe 
vnd lysz eyn achtbar vitigerleyn 
Brengen das was guldeyn 170 

das was gewest des vaters seyn 
do stunden drey steine yune 
dy worn cdil vnd gut . ' 



SANGT OSWALDS LEBEN. m 

der eyne was dy deinut 

der aiidir dy gerechtikeil 175 

der dritte was dy kewsclieit 
dy hatte sinle oswalt 
dy drey mit ym mit gewalt 
das vingerleyn ym lip was 

zo das her der iiy vorgas 180 

hy czu cleynen stunden 
dem rabe wart gebunden 
das vndir den tlogil seyn 
208'' her sprach vil über rabe meyn 

das gib der edeln konigynne 185 

.'Juncfraw spangen durch den willen meyn 
wiltu eyn fromer böte seyn 
So brenge mir von ir eyn vingerleyn 
das ich möge dy worheit 

Irkeunen zo werde ich gemeit 190 

der rabe czum herren sprach 
williglich gerne vnd lach ,i( 

ap got von hymel wil / 

Ich kome hyn yn eyne kortzy czil 
vnd frolich wedere 195 

her schotte seyn gefedere 
vnd Hoch in das lant -- ■■ ,'- ; •; 

das ym der beide wart bekant j 

Ho her den herren an sach 
■ Czuchliglich her czu ym sprach 200 

Gegrusset seystu heydenischer man 
der beide sach den rabe an 
her gruste en wedir vnd sprach ^ 
Czu seyne herren vfi jach 

wer bot hy zo sewberlich 205 

desen raben wunderlich , ,. . 

Mit. silbir also gccziret 
vnd mit golde also floriret 
dy herren alle zunder wan 
200^ den raben begunden alle czu ym yen 210 

Sy betten schoncrs rabin ny gesen 
Der beide en do fragete ., 

Z. F. U. A. IF. 7 



98 SANCT OSWALDS LEBEN. 

vnd bat das lier xm sagete 
von wanne licr komen wero 
vnd durch welcheiiey mere 215 

das vmme her durch dy lanl 
der rabe yni das nicht bekanl 
Torste seynen willen gebin 
i>8l zo bette her das lebin verloren 

wer der beide worden ynne 220 

das her dy konigynne 
Seyne lochter wolde freyen 
her bette sich über raocbt vorczeien 
<..^ t doch vorsweig (her) dy worheit 

das ym icht wedir werde leit 225 

her sprach ys ist eyn konig reiche ' 
dem kan sieb nymant gieichin 
vnd wonit yn dem dewtczin lande 
iXil vnd hol eyn laut weit vnd grande 

Her bot auszgesanth mich !> . 230 

her bot bereit sicherlich 
Vierdehalpbundert güldene cleyder "■ 
vnd sprach czu dem heydin ; ^ 

r.*?? Weldistu dich (ewfin Ion 

der cleyder must du eyn par bau • 235 

209'' her sprach libis rebeleyn ü. ü ;.■;/ 
lossz mich bleibin der ich bin >' 

Nicht nie sage mir 
•■:'■■''- Von der toffe das sage ich dir ^^ ' 

Meyn brot vnd meyn weyn «'' 240 

Sal williglichen deyn ''■ 

Seyn bys an deyn ende ; ^, - 
du bist also bebende 
• I. Her sprach wiltu wunder sehen 

zo losz balde her yen 245 

das schachczagil spil brengin dir 
der beide sprach nw sage mir 
Off" die rechte trewe deyn 
«UV Von dem schachczagil spil meyn 

her sprach nw ich dirs sagin sol 250 

du hast eyn brct das ist wol 



SANGT OSWALDS LEBEN. 91» 

hundert lote marg wert 

der heide mit der fart 

lys balde loffin hin 

vnd brengen das spil vor en 255 

das bret was von hellinbeynen 

Saphiren worn dy steyne 

Mit gulde zo durchslagen 

das ys ir czwelfe musten tragen 

dem heidin dy rede wol gefii 260 

Im was übe zu dem spil 
210" das bret was groz vud starg 

Is koste wol hundert niarg 

das schachczagil spil mit der farl 

do vor en gebrocht wart 265 

do hys der heydenische man | t)!) 

den raben hebiu an 

der rabe alvmb sich sach 

Czu den herren her do sprach . 

dy dort worn yn dem sal 270 

her grusle sy abir al 

her bat sy alle gemeyne 

das ym alleyne 

wünschten gewynnes heil 

her sprach ich wil euch gebin eyn teil 275 

Ich achte nicht wen ys berewe . . ^ 

Ich cleide euch alle newe 

dy herren mit grosim schalle 

wunschtin ym heyles alle ,., /;.!'. 

Der rabe do dy weile nam f > t/ 280 

(»'•;. vnd zoch gar furchtsam * > rr? rnö 

das her dem heydenischin man 

das spil allis an gewan 

her gewan des suldis i,« ■''.'.. ', 

dreyhundert marg guldis / 285 

,: ••:: Goldis vnd auch wol mir 

des irczornitte her den heidin zere 

der heide sprach czu dem raben m 
210'' Ich wil dy weile meyn ebin habin 

Wol her an alle meyne man 290 

7* 



xm SANGT OSWALDS LEBEN. 

dy Ich nw liy oben haCn) 

der rabe niusz seyn hewpt 

hy lossen das gelewpt 
'li'.S her imisz meyn gefangyn werdiii 

vor mir mag her nicht wol genesin 295 

Em helfe denne eyn bedirman 

Mit bescheiden werten der rabe 

Sprach dem beiden den czorn abe 
Di)!;: her sprach wort yr y von trewen holt 

So nemet hin das selbe golt. 300 

vnd kewft mir alczuhant 

edil tewer gut gewant 

Purpir vnd scharlachen 
i;al das sal man desin herren machiii 

Der beide dys nicht lysz 305 

das gewant her kewffin hvs 

das dy herren sulden haben 

vnd hys das vor den raben - ^ ^ 

i'i ofF eyne lolfil do vortragin 

das gap her der herczogin ' 310 

vnd den andern grosin herren 

Eyrae itczlichin noch seynen eren 

das sy seyn wol gedechtin 
4 V5 'i her gap rittern vnd knechtyn " * '^^ 

211" kochen gesinde vnd knaben '5 315 

musten ouch seyn gewant habin 
Das tat her allis vilib das 

das her qweme czu der mosz 
■■' Ap en der liunger twunge 

das ym wol gelunge " 320 

Qweme her yn das kochhaws 

das en nicht her wedir aws 

Trebin dy aschinbrodele > '• • ' 

Vnd slugen en uf seyne gefedere '' 

do eyn das gewant gecleidet wart '" 325 

Yderman noch seyner art 

her brochte das mit hobischeil ' 

das der konig ouch seyn cleyt • • ' ':*i 
-V- Beguudc selbir czu tragen ' ^' 



SANGT OSWALDS LEBEN. 101 

Juncfraw spange horte sagen 330 

Off der bürg dy mere 

wy do cyn rabe were 

der künde Wunders also vil 

wol czyen das schachczagil spil 

das wunderte sich dy iuncfrawe 335 

den rabeu wolde sy schawen 

Sy hys bereitin ir gewant 
das totin dy meyde alczu hanl 
An eryn leip wart geleth 

Eyn sne weysz cleyt 340 

Do worn wassir perlyn uf getragen 
211'' Vnd mit gulde wol durchslagin 

Ir volgete noch eyne grosze schar 
Sechczig frawen dy worn dar 
vnd hundert iuncfrawen 345 

dy man vil gerne mochte schawen f* 
Dy iuncfraw ging czu hant 
do sy erin vatir fant 
Czuciitiglich sy czu ym sprach . .g 
;f^r.v'>o Do sy en an sach .; ) n; 350 

bey nieynem gote vil süsse ,- ^.,j 

Edeler vater ich dich grusse : f • 
her sprach edele tachter meyn £, . 
Meyn got sal deyn Ion seyn 
her was schaftu ,v 355 

vor mir edele tachter nw , 1 - i • 

Sy sprach ich habe vornomen 
wy eyn rabe her ist komen 
Ferre ausz dewlczin landen ,, j 

Noch deme ist mir zo bange 360 

Sy sprechin her kiinde Wunders so vil 
vnd wol czyn das schachczagil spil 
her sprach yo tachter zwor 
das ist alczu mole wor 

Gestirn her gewan nyi/} 365 

dreyhundert marg mir an 
Sich an viiib desin sal j- 

212* Wy her vnscr volk obir al 1 vü 



102 SANGT OSWALDS LEBEN. 

Schone hot her sy gecleil 

(las alle seyn gewant tret 370 

desir wunderlichen sachin 

dy iuncfraw hegunde czu lachin 

Sy sprach vil über vater meyn 

Vnd mag der rabe meyn geseyn 

her sprach gestern yn der nacht 375 

hat ich dir en bedocht 

Jo vil libe lochter meyn 

her mus yiiier deyn eygin seyn 
OiC dy iuncfraw alczuhant 

des rabin sich vnder want 380 

her wolde nicht mehe gan «'!!,' 

Sy muste en an erim arme trayn 
Sy trug en vil drote 
CiC' In eyne kemmenotc 

So sy nymande me woste ' 385 

Sy rette mit ym was sy loste ^ „^ . 
Sy druckte en liplich an sich 
Sy sprach meyn got behüte dich 
I - her sprach iuncfraw das ist nilit wol getan 

das yr dy apgote betet an 390 

Glewbet an den woren got 
der alle ding geschaffin hot * 

Vnd loth euch tewfin vil balde , - 
So werdit ir bchaldin ■- ' ' 

212'' vnd ir werdit da von selig ' 395 

vnd aller sundcn ledig 
Do sprach das edele megeteyn ' 
Ich tar nicht von dem vatir meyn 
' Der ist zo gehas den cristen 

Mit allen seynen listen >• 40O 

Wo her das irfurc "- 

das lebin ich vorlore . i',i 

der rabe sprach iuncfraw meyn ' 

Nym mich an dy arme deyn 

vnd merckc ebin vnd wol i <;,' /^^)^ 

was ich dir sagin sal . ; . .i 

Dy iuncfraw lobesam - ' »^'' ' 'i> 



SANGT OiS WALDS LEBEIN. 103 

den rahiii an eriii arm nani 

Czu haut der rabe vnvorczayt 

Frevle dy schone mayl 410 

her sprach gut grusse dich iuncl'raw 

Got grusse dich lügen ey rosen taw 

Got grusse dich licliler morgenstern 

Meyne awgen dy sehn dich gerne 

Got grusse dich meyeu reysz 415 

Got grusse dich bluendes paradisz 

Got grusse dich cdele kouigynue 

Ver spange libe iuncfraw uieyn 

Sy sprach got vorgelde dir 
213" So was kanstu mir 420 

Also schone sproche sagen 

Jo torste ys ny keyn konig wageu 

Vmb nich her vorturbe ^\(i 

das her y gewurbe jfn -»/. 

Is ginge yni an das lebin seyu 425 

her sprach czartis iuncfrawleyn 

Vorgysz deyner togunt nicht iy }r,-rr 

das du nicht lest totin mich 
Sy sprach neyn ich zwor 

das bys an alle vor !|>. oG' ■ i30 

Grusse mich vnd frey 'i> Il- 

aiso lip das dir sey 

her sprach zo merke dese ding 1 

Mich hot eyn cdil iuncgeling 

der obir yenisz mer wont 435 

her iuncfraw czu euch gesaut 
Der ist iumfczen jor alt 

vnd ist geheisin oswalt 

her ist eyn konig lobclich 

gar gewaldig vnd reich ^^vi«?; • "^^0 

Gar toguntsam vnd gut 

Czu gote stet ym seyn nuil 

Mit vasten vnd mit beten 

Got wil her niht abe trelin 
213'' In der kirchin czu allir czcil i, 445 

her ouch vil gerne leyt u." :)/: 



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lOi SANGT OSWALDS LEBEN. 

das tut her ouch vrab got 

der alle ding geschoffin bot 

der entpewt dir iuncfrawleyn 

weldistu seyn bule seyn 450 

ber weide mit dir lebin 

vnd weide dir seyne trawe gebin 

kewsch bas an das ende seyn 
'•li Neyn spracb das edele megeteyn ^ fi) 

bore was icb dir wil sagen 455 

vnd vornym mir meyne clage 

Is ist wol dreyczen jor 

do starb mir meyne muter dar 
i'^'.'i' Oucb bot mir meyn vater vorczall 

Wenue icb worde xvj jor alt 460 

Vnd dorczu qweme 

das ber micb dy weyle neme 

An meyner muier stat 
'-■^^- bore was ber geton bat 

Durch meynen willen synt 465 

wol vierdebalp bundert konigis kynt 

von ym getotit alle 

warte wy das dir gevalle 
''1 •' Do sprach das rebeleyn 

214" Czu dem megeteyn 470 

Nu bore iuncfraw wol getan 

Nym oswalt czu eynem man V;r! 

das du mit ym werlicb 
' • kommist yn das bymmelreicb 

Wiltu ouch Zunder wan . . .475 

Bete vnsern got an 

Sy sagen ouch wol 

was vns gesehen sal ; ' 

Juncfraw spange saget der rabe -r; , 

Tut euch der rede abe 480 

vnd glewbit an ibesum crist 

der eyn worer got ist 

vnd nemet an euch dy tawffc der zelikcil 
<'» ♦* zo kommet ir yn dy ewigkeit ;:. 

vnd wert czu den stunden 485 



SANGT OSWALDS LEBEN. 105 

von ewern suuden entpunden 
der werdil ir alle ledig 
vud ewig vnd vmmer selig 
Nu hore was ich dir sagen wil 
du spricht also recht vil 490 

Von dem konige hochgemut 
Vnd qweme ys yn meynen mut 
Mochte her denne wedir sten 
dem grymmigen vatir meyn 
21 4'' her sprach jo edele kouigynne 495 

frew dich vnd bys fro 
deyme fridil musz also 
dynen vnd wesin vndirtan 
dreyczen bischoft'e lobesam 

Vierczen grofen lobelich -; 500 

vnd newn konigreich .' 

Fumfczenhundert ritter vnd gut ^ 
Alle müssen thun seynen mut 
vnd dreyssig tawsint man 

dy synt ym alle vndirtan b 505 

de iuncfraw spange dese wort i« ;iO" '' t, i L. 
von dem raben hatte gebort .» 'i^^'il 
So frolicb sy do wart 'J • /l 

Sy sprach do czu desir varl i 

Wol mir das ich ie gewan -1 510 

das lebin liber rabe nw sage an * 
bot was mir meyn fridil ausz gesant 
Mir bey dir icbt obir laut 
her sprach eyn guldyn vingerleyn 1 
das nym vnder dem flogil meyn 515 

üii'. Nu czu desin stunden 

hy bot her mirs gebunden - 

dor vnder mit der hant sey > JiiV- 
das sal iuncfraw wesin deyn i 

215'' wenne du Übe iuncfraw meyn 5 520 

>(*.. An sist das vingerleyn '^Ai ;i!ilO ''*' 

So gehoristu ymmer werlich iJ 

Czu dem schonen hymmelreich i 

Uo das dy edele mayt ü. tjji' 



106 SANGT OSWALDS LEBEN. 

An sach vnvorczayt 525 

Sy warl also wol gcmut 
Von dem vingerleyn gut 
Beyde kewscher vnd toguntsam 

0^', Rechtin globin sy an sich nam 

her sprach iuncfraw seyt ir 530 

meynem herren holt zo sendit bey mir 
Ouch eyn guldiu vingerleyn i . lA 
Sy sprach vil libis rebeleyn 

(H:i Bälde sy hen loOin hys 

Sy czu ir brengin lys 535 

Eyne stolcze lade 

das tat wol dem rabcn 

Dorawsz nam sy eyn vingerleyn 

,,,' das brenge dem Üben herreu meyn 

vnd sage ym schire aber r 540 

was das vingerleyn togunt habe l 
Wer das vingerleyn gemeit 
An seyner haut ys treyt 

, . der wirt nicht irslagin '. ,1; 

215'' Off Wasser noch uff wegin ; i-.l 545 

her mag nicht irtrincken 
Noch keynerley weise vorsinckeu j 
Vnrechlis todis gerecht , -,'o. 

Mag her gesterbin nicht ' 

Das kompl von seyner togunt dar < 550 

Is hot achczen furslen crafft gar ■, 
das saltu libes rebeleyn 
brengin dem libeu herren meyn • 
her sprach vil libe iuncfraw meyn 
An bint mir das vingerleyn 555 

Mit grüner seydc alczuhant :, 

Mit ewcr sne weisin haut ■ i' 

ßynt mir das feste vnd wol 
Synt ich fei're llyen sol < • 

Obir des wildis meris hoe 560 

das mirs yeht entphalle jo 
Dy iuncfraw her ouch bat 
das sy gebe iren rot -, v 



SANGT OSWALDS LEBEN. 107 

wy ir fridll mit seyoer schar 
Czu ir komen mochte dar 565 

Sy sprach ist her also creftig 
Also du sprochist vnd so mechlig 
So sage ym das her bawe 
Czwe vnd zebeczig schiffe nawe 
216" Vnd schicke dor eyn alleyne 570 

Sinte oswalt der reyne 
Vnd alle seyne dinstman 
dy ym alle sint vndirton 
Vnd komme selbir mit yn her 
In alle deme gerberde 575 

Ap her wer eyn kawffman 
das mag her grosen fromen hau U 
Gan ys mir denne got :; 

So fare ich mit ym an allen spot 
heym czu lande 580 

Frolich an alle schemde ,r; ;^v 

der rabe do weg wolde ;, 

do nam yn dy iuncfraw holde i\ 

liplich an ir ermeleyn :. ya iri' 

Sy sprach libis rebeleyn i 585 

Is stunde mir nicht wol an 
Sulde ich dich von hynne Ion ,i ; [^ 
Flyen von mir vnbegobit 
wy worde ich denne gelobil 
Wo man das worde gewar :v ,i 590 

(^^'■i:i Is stunde mir czu vordeucken gar i 

Du mocht nicht sagin von mir ..j 

das man glewbite dir - ^ut' 

, dy furstcn vnd ouch dy herreu 
216'' Neyn czwor ich wil dich ereu 595 

Mit etlichin dingen j, :;. ■; i ;J> 
Mir mag noch wol gelingen .y, 

Perlen vnd gesmeide / 

Purpir vnd seyde ;; Jioi i; ,'-. 

Von silbir vnd von gokle 600 

^>i ' Man brochte was sy wolde _ 

das lysz sy vor en legin ; i,;;;. liff , 



108 S.VNCT OSWALDS LEBEN. 

(lea rabin vnd czyren 

Ir iuncfrawen eyne 

Mit golde vnd mit gesteyne 605 

der iuncfrawen eyne 

Czirerte ym seyne gebeyne 

Mit feynen wassir perlin 
Otc dy ander dy kny sein 

Mit cleyne niargaritin steyn ■ 610 

vnd mit edelim gesmeide reyne 

dy dritte ym czu den cloen ruckite 

dy vierde ym den snabil smockite 
(,{•■ dy fumfte machte ym schone 

Vff seyn hewpt eyne crone 615 

dy vj seyn gefedir 

Streichte von obin her nedir 

Rechte also iuncfraw spange wolde 
'tH' Wart her gecziret mit golde 

217* do her also gecziret wart . ■' -: ! 620 

do stunt her yn alle der art ,^ 

Ap her eyn engil wer 

vnd ausz dem padis füre her 

Juncfraw spange alczuhant 

Streichte yn mit seyner weisin hant 625 

do slug her seyn gefedir lang 

das ys obir al clang 

Seyn guldin gut gesmeyde 
j Gewunden wol mit seyde 

Edele iuncfraw sprach der rabe 630 

Got lone euch ewer stolczin gebin 

Orlop wil ich haben nw 

Ich musz von hynneu nw 

Sy sprach czu dem rabin ... .■ ' ji 

Orlop saltu von mir habiu /''.<: 635 

Sy trug en selbir an dy czynne 

Vnd hys en flyen von hynue 

Sy sproch fleuch hin libis rebeleyn 
' ■ Got deyn beschirmir müsse seyn 

vnd gedcncke an mich vil arme mayl 640 

vnd was ich dir habe gesayl 



SANGT OSWALDS LEBEN. 109 

hin flog her mit sorgen 
Bvs an den eylften morgen 
do qwam her vnfro geczogen 

217'' VfF das wilde mer geflogen 645 

her warte wo ys ym tochte 
das her geruhen mochte 
do was eyn kawfman irtrunken 
3Iit seyme schiff"e was her vorsuncken 
des mastbomes wart her gewar 650 

Der rabe flog uf en aldar 
üoruff"e her gerute sedir 
vnd her irschotte seyn gefedir 
Zo das von dem geschotte seyn 
Entphil ym das vingerleyn 655 

czu hant yn der selbigv stunt '.'^ ' - 

In des wildis meris grünt 
der rabe do crang wart 
Dorviiib sulde ich irtrincken *" . 

Vnd yn das wilde mer vorsinken ■ 660 

Vnd besorgete ich meyn nicht 
An vnserm herrn ihesum crist '' ^' - 
Wol X sechczentawsin jor 
habe ich versewmet das ist wor 
Svnte oswalt dem herren meyn 665 

Vnd iuncfraw spange dy edele konigy 
Im was leide vnd bange 
Seyne clage werte en lange '' 

Eyn fischer qwam geswnmen ' 

218* Vff des meris vnden - 670 

In eyme schiff"e balde ' h -■ '■ 

das was des rabin salde ■ 

Eyn fischer gut vnd weise 
der hysz meister reys ■> '■'■'■' 

der den seibin rot bcvant 675 

do mete der engil den konig bewanl 
do her den rabin blicket an 
heiligen globin her gewan 
her vil uf seyne bare kny ' 

Nedir yn seyn keneleyn ' ''* OSO 



110 SANGT OSWALDS LEBEN. 

her sprach bistu ys raphael 

Adir der engil gabriel 

Adir hol dich got von hyramelreich 
r.i7\ her nedir gesant czu mir dich 

her sprach geruche dich wer ich hin 685 

Vnd wirir eyn das netze deyn 

dir wedir fert gut heil 

du feest fische eyn michil teyl 
f),'.0 Fische alhy an desir stat 

der fischer das czu hant tatd 690 

Das en der rabe hys 

der gute got das nicht lysz 

her fing vil schire wol 
r,,': Seyn schiff gutter fische voi T 

218'" Der fischer sprach nw nym du rabe 695 

Also vil fische also du wilt habin 

Gip mir eynen sprach der rabe 

do mete ich mich mochte gelabin 
r. , das arme crancke hercz mey(n) 

her irwoschte eynen mit dem snabil sey 700 

der do hatte das vingerleyn / . . 

Geslungen yn den magen seyn 

In sich her das geslungen hat 
;:. ; der rabe den fischer gar zere bat 

das her ym en uf sluge 705 

vnd gebe ym seyn gefuge ([ 

wedir das guldin vingerleyn -; 

her sprach ys ist gewest deyn 

Zo saltu ys wedir habin 

des irfroyte sich der rabe 710 

her sprach bint mirs vndir den Hogil meyn 

vnd fische bas an das ende deyn 

dorvmb wil ich so schone :;: i. ri» 

Betin got das her dir lone 

vnd her dyr seyn cngcl sende 715 

An deymc lelztin ende 

A-lso wart dem rebeleyn i ; 

wedir seyn guldin vingerleyn ;i 

Do von her frewde vil i-ewan '. ,'L 



SANGT OSWALDS LEBEN. 111 

viid her flog vorbas von dan 720 

Obir eylfi" tage fort 
219* das her gar mfide wart 

dy weyle her oiich ny entpeysz 

Gutter speise wedir kalt noch heys 

Off eyme steyne her do sas 725 

der ausz dem mere gewachsin was 

doruffe was her noe gestorbin 

vnd vor hunger vilnnoch vortorbin 

bette got von hynimelreich 

nicht irneret seynen leip 730 

dem yni seyne speyse 

Sanle ausz dem paradise 

dy her also lange nani 

Bas her wedir czu creflin qwam 

do swang her seyn gefedere 735 

vnd flocli abir wedere 

Bys das her jn seynes herrcn lanl 

Quam der oswalt ist genant '-' 

Synte oswalt an der czynne 

wart des rabin ynne - 740 

her sprach frewet euch ir herczogen 

vnd ir grofen vnbelrogin 

Ich see meynen rabin czart ^ 

wedir komen uf der farl 

Der rabe qwam gellogin 745 

her achte nicht uff der herczogin 

Noch der grofen keyne 

In wer das lip adir leyde 
219'' her floch ym uf dy achsii seyn ii ' < 

her sprach bys wilkomeu liber rabe niey 750 

wo bistu gewest also lange 

was entpeut mir iuncfraw spangc 

dy edele czarte konigynne 

des saltu werdin ynne 

Sy bot dyr entpoten das 755 

mit gantczin trewin anc has 

dyr wil sy sich ergebin 

vnd keusch mit dir lebin 



112 SANGT OSWALDS LEBEN. 

an cris leibis ende 

an alle missewende 760 

Ich begere ouch nicht mere 

Sprach oswalt der edele herre 
So was hol sy mir gesanI 

das saitu mir thuen bekant 

dyr hol gesant dy edele konigynne 765 

Eyn schon guldiu vingerleyn 

das was entphallin mir 

In das mer das sage ich dir 
tii:", das hot dir got gegebin wedir- 

das losz en genisen sedir 770 

das dy armen lewte 

Also ich dich kan bedewtin 

obir dy irbarme dich 
:r; 7 durch den got von hyilielreich 

So wirstu komen schone 775 

Czu dem ewigin trone 
220" her sprach gerne libis rebeleyn 

Zelig sey dy lere deyn 
i»; her sagete ym des vingerleyn craft 

vnd dy macht dy dor an lag i 780 

Also lip alz ich bin dir 

Zo sage Über rabe mir iii 

hostu icht vornomen / 

.; Wy ich czu ir mochte komen 

Her sprach gehabe dich wol ! 785 

Ich dirs allis sagen sal .../. 

Ich habe ys irfaren gar •., ' 

wy du czu ir körnest dar < > . 

1, mit wunderlichin sachin j 

Salin dir losin machin >■> 790 

Czwe vnd sebenczig keyle : r. . ., ,r . 

IJeyte nicht vnd eyle 

vnd losz sy gar schirc blicken 
'i. dor eyn zo saItu schicken ; '< 

hantwcrg allir hande c 795 

dy man yn dem lande 

dy man yrnc vinden kan . . i :^ 



SANGT OSWALDS LEBEN. 113 

dorczu nym alle deyne man 
So sal ich mit dyr komen aldar 
komen yn alle dem dir vur 800 

Ap du seyst eyn kawfFman 
Ap dirs deiinc got gan 
So fert sy mit dyr czu lande 
220'' dy iuncft-aw an alle schände 

Oswalt nicht lange beyte 805 

dy schiffe gar schire bereyte 
Dor eyn vnvorczogin 
hys allis das gut doreyn legin 
das man dorczu solde habin 
Eyn sas her vnd alle seyne man 810 

hyn füre her mit seynen herrn 
Bys uf das wilde mer 
do vorgas her des rabin 
den her methe sulde habin 

her ryf ir herrn alle gemeyne 815 

hot den rabin ewer keyne 
Sy sprochin alle neyn 

In hette denne yrne keyn • .: : 

her sprach woluf endelich 

Sewmit nicht das wil ich 820 

Ewer achte adir vier 
Brenget mir en vil schier 
Czu hant do bereyt wart 
Sy musten do wedir an dy farf v;; "'f5 
do funden sy den rabin gan 825 

Alczo eyne arme man 
In eyner snodin art 
wenig gulis yin getan wart 
Sy sprachin czu dem raben 

du must mit vns drabin 830 

221'^ Von hynne alczuhant 
Ferre yn fremde lant 
her sprach ich wil do heyme bewain 
vnd wil nicht von hynne varn 
Meyn herre bot meyn vorgessin 835 

vnd ich mustc mit den sewen essin 
Z. F. D. A. II. 8 



114 SANGT OSWALDS LEBEN. 

des worn sy gar zere vordrosseu 

Sy habin mir mey gefedir czu stossin 

Vnd raeyii schon gefedere 

wy sulde ich denne wedere 840 

koiiien nagkt gegangin 

Blosz vor iimcfraw spangin 

das stunde mir nicht wol an 

wil mich meyn herre han 

mit ym czu seyner iuncfrawcn 845 

her musz selbir noch mir komm 

mit allin seynen herren 

vnd mit seynen dyncrn 
1 - Dese wort dy boten 

Oswaldin wedir kunt totin H50 

Oswalt czu haut uf der fart 

mit den seynen vmb kart 

do her den rabin an sach 
i her knyte nedir vnd sprach 

Eya vil liber rabe meyn 8ö5 

Losz wendin den czorn deyn 
221 '' Vare mit mir von hynne ; / 

das bete ich dich mit ynne 

wo du bleibist hynder mir 

Juncfraw spange ich entpir 8G0 

her sprach ir habet meyn vorgessin 

mit den sewen nuiste ich essin 

dy habin mir dy fedir meyn 

ausz gestosin das ich blos bin 

So habin dcyne kochin knechte N05 

mir geton gar vnrechte 

Sy haben mir czuslagin 

Meyn hewpt das ich musz clagin 
Oswalt rylF mit schalle 

Sy müssen hangen alle 870 

her sprach das sal nicht seyn 

das ymant durch den willin meyn 

wurde benomen seyn Icbin 

das ym got bot gcgebin 

Nu setze mir dy crone recht 875 



SANGT OSWALDS LEBEN. 115 

Meyn gefedere mache siecht 

So fare ich mit dir vnvorczait 

Vnd schicke dir dy schone mayl 

Oswalt nicht lengir beyte 

den rabin her bereitte 880 

Vnde her eylte ane mosse 

vfF des meris Strosse 
222" Im czu farin wart bescheidin 

Sebinczen tage reyse 

Sy musten wol acht jor 885 

Vmb farn das ist wor 

Im was aus der mosen bände 

her künde nicht kernen czu lande 

In vil manichin joren 

Von des wildin meris strömen 890 

Czu der iuncfrawen seyn 

Vor spange der edelen konigyn 

das machtin hose winde 

dy en vmb trebin swinde 

In dem erstin jore 895 

lys em got czwore 

Alczu mole irtrincken 

Eynvnsebeczig schiffe vorsinckeu 

ym wedirfur grosz vngcmach 

Leydes ym ouch vil geschach 900 

Off des wilden meres ström 

doch en got yn seyne hutte nam 

vnd dy libe muter seyn 

Maria dy hyilielkonigynne 

Do vor spange das vornam DOö 

das ir fridil nicht qwam 

Sy gedochte ir vil leyde 

vnd ging czu dem heidin 
222'' das tat sy allis vmb das 

das sy ym das vingerlcyn 910 

weyste das her muste seyn 

kewsch wen her das an sach 

vnkewscheil an ym gebrach 

dy selbe logunl hatte ys ouch 



14C SANGT OSWALDS LEBEN. 

Ällir czorn von yni (loch 915 

von seynen togunden das geschach 
der heide begunde czii frogen 
das sy ym sulde sagin 
wer ir das gegebin liette 

vil vngerne sy das tete 920 

Juncfraw spange wart gewar 
wol jn dem newndin jor 
das ir lyp an vndirlasz 
In vil grosin nolin was 

Noch mochte her nicht irdrinkcn 925 

Noch yn dem mere vorsinckin 
Em was gegangen abe 
Brot Irincken essin vnd ir habe 
,,,.^ was czu speyse tochte 

das her nicht mehe gehabin mochte 930 

Oswalt want seync hende 
dem schiffe ging her czu ende 
do stunt eyn alter 
doruffe gotis martir 
223" Her sprach got von hyüielreich 935 

Irbarme dich hewte obir mich 
Mir deyne hilfe sende 

Ich forchte meyn leip habe eyn ende -, 

du rosen vares blut 

vnser herre nym mich yn deyne hut 940 

dy clage horte der rabe ouch 
dem herren her ouch uf den arm floch 
her sprach was gewirt dir 
Liber herre das sage mir 

do sprach hen wedir synte oswalt 945 

Meyne clage ist zo manchfalt 
das clage ich nymaude raere 
Wenne gote vnserim herren _. 

Ich weys was ich dir sagin sal 
du weist ys selbir wol 950 

das nw dirs yeilierlichin gat 
Is sal wesin gut rat 
Globe got an desir frist ; . f \'h 



SANGT OSWALDS LEIJEIN, 117 

Au vnserm lierren ilnli crisl 

(Irey tage yii der wochiii 955 

vasleu viigebrocliiu 

So (lastu keyner hande wey» 

Giillcr speise nicht entpeysl 

So wirt dir marien kint 

Sendin eynen gutin wint i)00 

ti*J3 '* das du koiliist czu laude 

Czu vor Spange noch der ist dir zo hange 

Oswalt das nichtiu lys 

her tat was en der rabe hys 

do qwam eyn vil gutter wint 1)05 

der en czu lande brochte synl 

do her czu lande komen was 

der rabe wart nv zo lasz 

Czu der bürg her hin floch 

vnd dor vndir swebete ouch 1)70 

das treib her also lange 

das dy konigynne vor spauge : - , 

Seyn do gewar wart 

des rabin zo czart 

her floch durch eyn fensterleyn D7ü 

dorvndir sas dy konigynne 

do eyn muterleyne 

13ey ir was der meyde keyue 

Do sy den rabin an sach 

Sy entphing en vnd sprach 1)80 

I3ys wilkom vil libis reheleyn 

wo ist oswalt der herre meyn 

her sagete ir dy mere 

wy her mit groser swere 

Mit not vnd mit sorgen grandc DNö 

komen wer nw czu lande 
224' vnd das grosz vngemach 

das ym uf dem mere geschach 

Liber rabe nw sage an 

wo bot her dy schifle gelon 1>1)U 

lier sprach sy scyn irlruncken 

vnd vn dem wilden mere vorsuucken 



118 SANGT OSWALDS LEBEiN. 

Sy sprach zo rausz ich bleibiu hir 

Vorwor das glewbe mir 

her sprach edele iuncfraw gut 995 

Czwor alz ir ys nichtin tut 

vnd wo das vorginge 

vud do hen nymmer qweme 

do man euch nymmer nente 

Adir ewern namen irkente 1000 

Ich ouch mit uichten dar 

wo ich ewer worde gewar 

Sy sprach lip liher rabe bleib hy bey mir 
, V Ich Ihu allis das lip sey dir 

her sprach iuncfraw meyn 1005 

Ir sprecht alz eyne czarte konigyn 
Kiot euch tewfin balde 

das wirt ewir sulde 

do wirt von euch getrebin 

vnd alle ewer sunde vorgebin 1010 

Sy sprach ist her eyn heiliger man 

Meyn fridil das ich nicht gewissin kan 
224 "' So heysz en betin seynen got 

das her ym helfe das ist not 

vmb eyn hirsch das sal seyn silberin 1015 

vnd fewir rot guldin 

der sal loffin alczu haut 

durch meynes vatern lant 

kan her den gehabin nicht 

von seyne woren gotis phlichl 1020 

So musz her von hynne gar vnsewberlicli 

von hynne farin ane mich j. 

der rabe sagete ym dy mere 

vnd ouch nymande mere 

Bessz yn alle der not 1025 

wenne vnsers libin herren got 

vnd libe muter seyn 

Allis sunder eyne trosteryn 
. Ich rote euch allir zuudir wan 

Rufft sy mit gantczin trawen an ^ 1030 

Vttd her sagete euch da bey ,. > 



SANGT OSWALDS LEBEN. 119 

von dem hirs geweye 
Wy das salde gelon seyii 
Viid wy der hirsche lifl'e hyii 
Sulde do czu haut 1035 

lofFeii durch eris vater lauf 
wo das nicht geschit 
So maglslu Ir habin nicht 
•i2ö'* vnd must an surgen banden 

varin heym wedir czu lande 1040 

Oswalt fil uedir uf dy kny 
her sprach ich bin nw alhy 
komen in surgen vnd yn peyn 
herre durch den willen deyn 
hilf mir durch den werdin gel 1045 

das ich konie aus not 

vnd gip mir czu desir frisl * 

den hirsch also her mir befoin ist 
Losz mich nicht vorterbin 

dorvmb wil ich werbin 1050 

Czu eyner kirchin dir 
Also ich sy allir beste habe 
das ich möge dor abe 
Eyn prister daste bas gehan 
vnd yn deyme dinste bestan i055 

Williglichin czu allir czei» 
An dir alle meyn trost leil 
do her dese wort gespracli 
Eynen hirsch her do vor ym sach 
Ap her aws dem padise 1060 

vnd yn alle der weyse 
Vnd yn alle dem geberde 
Ap ys eyn heiliger engil were 
Von silbir vnd von guldc 
225'' also gol von hymel wolde 1005 

das der hirsch wonniglich 
Czu der bürg machte sich 
Obir berg vnd obir tal 
lylT der liirsz obir al 
her lyf vil manche farl 1070 



120 SANGT OSWALDS LEBEN. 

das der heyde seyn gewar wart 

her rifF wol uf alle meyne dinstmaii 

Ich sehe eynen stolczin hirsz stan 

den schonslen zo ich eii y gesach 

Czu hant das volle uf brach 1075 

dem hirsche folgelen sy noch 

wol dreisig tawsint man vilnoch 

Czu hant uf der selbigen fart 

dy bürg veste geslossin wart 

Gar wol unvordrossin 1080 

Mit czwe vnd sebeczig slossen 

In der selbigen stunde 

der rabe abir begunde 
iijO i Czu sprechin mit der edelyn mayt 

her hup uf vnd sayt 1085 

Ir dy swere mere 

wy dy bürg geslossin were 

Gar zere her sy bat 
<>u ■ das sy selbir gebe rot 

226 " wy sy ir fridel were 1 090 

Vnd das sy von der bürg qweuic 

Sy sprach ist her eyn heilig man 

alz ich an dem hirsche gesehn hafn) 
■ -i:ii.' vnd eyn teil irkant wol 

Seynen got her betin sal 1095 

das sich dy slosz uf slissen 

vf der bürg das mag her wol gcnissen 

Geschit das von seyner bände 
*»'j1..' zo fare ich mit ym czu lande 

do her dy botschafft vornam 1100 

der rabe czu oswaldin qwani 

her sagete ym dy mere 

das dy bürg geslossin were 
'' Oswalt vil nedir uf dy kny 

her sprach got ich bin alhy 1105 

Irfrewc meyn gemute 

durch alle deync gute 

Gedenke über hcrre meyn 
'■ ^<-M das ich durch den willen dcyn 



SANGT OSWALDS LEBEN. 121 

vnd durch rechter kewscheit 1110 

dy du an meyn hertze host gelclh 

Ich wil dir leistin dy gobe 

dy ich dir globet habe 

mit willen liber herre meyn 
226'' deyn dyner ich ymmer wil seyn 1115 

des losz mich herre genissen 

das sich dy slosz uf süssen 

dese bürg alle gemeyne 

vnd das ich kewsch vnd reyne 

mit der edelen konigynne 1120 

Bälde möge komen von hynne 

Ee her dy wort ausz gesprach 

dy slosz man alle offin sach 
A.lczu hant der rabe 

dy iuncfraw nam her abe 1125 

do fürte her sy bey der weisin hant 

do her seynen herren fant 

her antworte seynem herren 

dy iuncfraw mit grossen eren 

Synte oswalt alczu hant 1130 

Juncfraw spange vndirwant 

her entphing sy frolich 

vnd vmbgreifF sy liplich 

mit den beyden armen seyn 

her koste sy an beyde wengeleyn 1135 

An allin argen wan 

Vorbas her sy nymmer an 

Gerurte czu keyner stunt 

her druckte sy an seynes herczin gruni 
227" her sprach der alle ding bot 1140 

Geschaffin mit seyner maicstal 

der losse vns allen beiden 

In rechtir kewscheit vorscheydin 

Ap stysz her das schilf seyn 

hyn furle her dy konigynrie feyh 1145 

Sinlc oswalt der milde 

Lür des meris wilde 

Gzu hani vol komen was 



122 SANGT OSWALDS LEBEN. 

do qwam der beide vnd dast 

Mit dem hirschiu guldiu 1150 

vnd wolde den der libin tachter seyn 

Vor libe habin gegebin 

Sy was ym lip alz seyn lebin 

do her dy tachter nicht fant 

Eyn hörn nam er yn dy hant 1155 

das satczte her an den niunt 

Vnd blysz das czu der selbigen stunl 

das hörn lawte vnd bedewlet das 

Seynen czorn vnd grymmigen has 

vnd seyne grose grimmickeil 1160 

dy her an dy tachter let 

dornoch alle samen 

dreisigtawsint heidin qwomen 
-' dy do alle bey dem hörn 

227'' wol irkanten seynen czorn 1165 

dy irboten alle sich 

Czu seynem dinste williglich 

her sprach ir herrn gebil rat 
' '' Synt mir eyn kawffm(an) hol 

weg gefurt dy tachter nieyn 1170 

das musz mir leyt seyn 

dy weile ich lebe eynen tag 

ßys ich mich gerechin mag 
' Ausz der sammelunge her do kosz 

dreisigtawsint beiden grosz 1175 

dy bey den selbigen joren 

dy beste alle woren 

dem heidin was vil yoch ^ 

- her machte sich snelle hernoch 

do juncfraw spange gewar wart 1180 

Eres vaters nachfart 

Sy gyng alczu hant 

do sy oswaldin fant 

Czu des Schiffes ende 

Sy koste ym seyne hendc 1 1 85 

Grosse libe musz geschcidin seyn 

Jo sprach sy Über herrc meyn n. '^ 



SANGT OSWALDS LEBEN. 123 

Meyn vater hot irschellit eyn honi 

das bedewlet seynen czorn 

her ist eyn freisim man 1190 

228" vnd koüiet her vns an 

her brengit vns in grose not 

An bete wir balde vnsern gol 

An den ich gerne glewbin wil 

das her kawme also vil 1195 

In dreyen tagen gefarin kan 

Also wir hewte habin geton. 
Synte oswalt knyte nedir 

mit ynnickeit bette her sedir 

her sprach hymelischer got 1200 

Sich an meyne grosse not 

vnd gedencke ouch doran 

was ich dir habe geton 

willigUch durch rechte reynikeit 

vnd vmb laulir kewscheit 1205 

Ich wil dir leistin y dy gobe 

dy ich dir globet habe 

Vnde ich ouch dorczu 

obir vier wochin yo 

Machin eyne spende 1210 

mit meynes selbis hende 

So wil ich alle dy gewern 

dy an mir icht begern 

durch den willen deyn 

hilif vns herre ausz desir peyn 1215 

vnd mache das meyn swer 

Bey dreyen tagen möge nymer her 
228 ^ An dy stat gefarin kan 

Also wir hewte han geton 

do machte das hymelische kint 1220 

- . das do qwam eyn gut wini 

her hinderte den beiden 

das her sich voste leide 

Czu bedenckin begunde dorynne 

hin her für vil manche kroine 1225 

vnd manchen irren gang 



124 SANGT OSWALDS LEBEN. 

das machte ym dy weile laug 

Also qwam sinte oswall 

heym vor dy Strosse mit gewall 

In seyii eygin lant 1230 

vnd sammilte sich alczu haut 

her czu hoffe brochte alsam 

wol dreisiglawsent mau 

an dem dreiczeudeu tage och 

do qwam gefarin hen noch 1235 

Seyn swer der heide 

Vmb seyne tachter was ym leide 

Mit dreisigtawsint reckin 
Dil'.** Begunde sich wedir sy czu streckin 

Oswalt hatte dreisigtawsint man 1240 

her begunde wedir en czu stan 

Streitlich czu sampne quomen 
229" dy heidin grosen schaden nomen 
(^t;': Eyn teil wart irslagin 

Alz ich horte sagin 1245 

das andir teil irtrang 

In dem mere ys vorsang 

Gar obil ys dem heidin ging 
v '[ den heidin man selbir ving 

Seyn leip vnd ouch seyn lebin 1250 

Sinte oswalt wart gegebin 
JJo lys her seynen swer 

legin yn eynen kerker 
. . der do was gelegin 

Gar none bey dem wege 1255 

do man hen vor muste gen 

Is was gut das man iing den mau 

Eynes tages das geschach 
, : der engil czu ym qwam vnd sprach 

Lebistu noch du heideuischcr man 1200 

wy lange willu ym vngioben stan 

du Salt nw alhy seen 

was gegebin wirl den 
• vi"! 'ly 'ly Ö'**^*^ gedynet hau 

vnd gute wcrg hau gethon 1265 



SANGT OSWALDS LEBEN. 125 

Ouch saltu gewar wenliu 

was vordynel liabiii dy nf erdin 

dy do lebetin wedir gol 
229'' vnd nvv getoten seyn gcbolli 

her begunde selbir czu ycn 1270 

her weide ys gerne sehn 

do sach der geselle 

nedir eyn dy helle 

do sach her legin ynnc 

Eyne grosse wolffynne 1275 

dy tewfil stunden vmb sy 

Swefil vnd pech gossin sy yn sy 

In den balz an vndirlosz 

Ir peyn gar grosz was 

von hitcze stang vnd roch 1280 

do bey stunt eyn stul ouch 

der beide czu haut frogelc 

vnd bat das her ym sagete 

vnd ym tele offinbar 

wes der stul wer aldar 1285 

vnd was das mochte gcseyn 

dy wolfin in der hellin peyn ; 

her sprach ys ist dy hausfraw dcyn 

So ist der andir stul gegebin dir 

her ist aldo gesatczt dir 1290 

Do her sach obir sich 

In das hoe bymelreich 

do wart her gewar 

Drey stule offinbar 
230" Sten bey marien schone 1295 

An des hoen hyiiielslronc 

der beide en abir frogete 

vnd bat das her ym sagete 

Was dy drey stule wem 

her sprach der eyne oswaldin sal seyn 1300 

der andir der tachlcr deyn 

der dritte mag wol werdin dir 

wiltu andirs volgin mir 

Vnd will dich tewün Ion 



126 SANCT OSWALDS LEBEN. 

vnd got belin on 1305 

der beide czu hant do 

Sprach yo herre yo 

aller deyner lere 

w'il ich williglich fulgen gerne 

Des morges do das wart 1310 

Juncfraw spange an der fart 

Begunde czu der kirchin gan 

Ir vatir sach sy vnd riff sy an 

Tochter gehe her vnd höre mich 

Mit trewen das bete ich dich 1315 

Mir ist hewte vorkomen 

vnd wy ich das habe vornomen 

das wunderliche mere 
i wy eyn gutter got wer 

230 *" der wonit yn dem hyiiielreich 1320 

Wir habin geglewbit torlich 

das wir alle sundir wan 

den tewfil gebetet habin an 
(■.PlSi Ich habe irkant in desir frist 

das eyn warer got ist 1325 

Nu vil übe tachtir meyn 

Bete oswaldin den herren deyn 

das her betit seynen got 
'5)Ut-; Vmb raeyne lewte dy her hol 

Irslagen vnd irtrenckit 1330 

vnd yn dem mere vorsenckil 

das her mir czu desir stunt 

dy lebendig vnd gesunt 
■" So wil ich mich tewfin Ion Vf.V 

Mit en vnd got betin an 1335 

dy iuncfraw vil fro wart 

hyn lyff sy mit der farl 

Sy fanl Oswalden an scym gebetc 

Inniglichin her das tete 

Vor dem crewczc sy en legen l'ani 1340 

Seyne andacht was gote bekant 

den her steti glich 

Bat vmb das hyinelrcich 



SANGT OSWALDS LEBEIN. 127 

do her dy iuncfraw an sach 
Czuchtiglich her czu ir sprach 1345 

Juncfraw was macht ir vor mir 
231" das berichtet mich 

Ir wisset wol was ich en gebetiii habe 
das ir stete sullet stan 

[n der kirchin vnd betin vil 1350 

do sprach dy konigynne feyn 
herre mich hot der vater meyn 
her czu dyr gesant 
vnd her hol mir zo hoch genant 
Liber herre ich bete dich 1355 

das du got von hyiiielreich 
Vnsern herren ihesu crist 
Vinb seyn volk betist das do tot ist 
Bete das en das lebin 

Wedir wirt gegebin 1360 

So wil her lossin tewfin sich 
vnd wil an got glewbin von hymelrcich 
Juncfraw das vormag ich nicht 
Ir tut denne gote rieht 

Eyn ding das ist ewer kewscheit 1365 

vnd ewer lawtir reynikeif 
Globet czu haldin gote 
Gancz fru vnd spote 
das ir czu allen stunden 

kewsch vnd reyn werdit funden 1370 

So wil ouch got von hyfnelreich 
231 '■ Dese bete gewerin mich 
An desin grosin sachin 
Seyn volk lebendig machin 

dy iuncfraw das fro was 1375 

Sy sprach gote ich globe das 
vnd marien der üben inuter seyn 
dy ist dy kewschit meyn 
Vnd meync reynigkeit lewterlich 
Wil ymmcr behaldin ewiglich I3S0 

Stete an allen gcwanckin 
Mit Worten vnd mit werckin 



128 SANGT OSWALDS LEßEiN. 

Wo ich das ymmer breche 

Got das an mir reche 

Sy sprach über herre meyu 1385 

Bete ouch vor dy sele meyn 

vnd dy deyneii den glitten got 

Vil gerne wil ich an seyn gebot 

Wo ich bin yn weidin 

mit dem volke adir mit de winde 1390 

mit den hyden czu keyner stunt 

Seyner übe vorgist nymmer der munt 

Ich trincke adir esse 

Seyn ich nymmer vorgesse 

Vnd dy bitter martir seyn 1395 

Vnd der yemmerlichin peyn 
232" dy her an dem crewcze leit 

vnd der grosin yonierkeit 
U^< dy seyne libe muter leit 

Vnd seyn grosz vngemach 1400 

do sy ir kint hangin sach 

an dem crewcze vil hoe 

Gleich eyme dybe also 
lUK, vater hyiiielischer got 

Gedencke an den bittern lol 1405 

den du ledist gedultiglich 

an desim gebete irhore mich 

Ich dich bete hewte 
,, Mache das dese lewte 

Wedir müssen lebin 1410 

dy hy dem tode synt gegebin 
Uo her dese wort gesprach 

dy lewte man alle sach 
■,';• lebindig bey dem vber stan 

Vnd bcgundeu czu der bürg gan 1415 

Czu der selbigin stunt 

Wordin sy alle gesunt 

Vff dy bürg qwamen mere 
t..-,. wy sy alle lebindig weren 

do sy alle bey namen 1420 

vor sinte oswalt qwomen -, \^t 



SANGT OSWALDS LEBEN. 129 

her sante eyn scyn laut 

Noch bischoffen alczu hant 
232'' Do qworaeu her gefarn 

dreyczentawsent ir worn 1425 

vnder ym gesessin 

her hatte sich vormessin 

Sy rausten dorczu tichtin 

wy sy dy heidiii machlin cristiii 

Dy bischoffe oswaldus iiam 1430 

vud ouch ere capellan 

Tawftiu czu dem selbigen mole 

dy heidin allis obir al 

dornoch nicht hinge 

wart gelawft iuncfraw spange 1435 

vnd ir vater mit der vart 

Johannes her geheysin wart . 

Dy getawfftin alle '■ '-'■- 

Riffen uf mit schalle 

Sint oswalt ist eyn heiliger man 1440 

der dys wunder hot geton 

Johannes do alczu hant - •• - 

heym für yn seyn lant 

her lysz alle vrab steydin 

Tewfin dreysigtawsinl heidin 1445 

dy sich nicht woldin Ion 

vnd noch rcchlim giobin stan 

dy lysz her alle tolin 

In zo yemmerlicliin nolin 
233* her lysz en gar ufle 1450 

Binden hende vnd fasse 

Czu sampne vnd irdrenckin i ; 

Vnd yn das mer voi'senckin 

Alhy hot das buch eyn ende 

Got vnsz seyne hülfe sende 1455 

Hüft an synle Oswaldin 

das her vns yn seyner hüte behalde 

Vnd czu dem konige gut 

das her vns ncmc yn seyne hut 

vnd bessir vnser lebin 14G0 

z. F. I). A. II y 



130 SANCT OSWALDS LEBEN. 

So das wir komen ebiu 
Czu ym alle gleiche 
In golis hymraelreiche 
Das VHS das allis werde wor 
So sprechit alle amen offinbar 1465 

Et sie est finis 
Aus der ff^ie7icr handscJmft 3007, früher N. 297, pap. vom 
f. 1472; rerg'l. Hoffmanns Verzeichnis s. 180. 

FRANZ PFEIFFER 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 

' Von der beseliaffunge diser weit bils auf das jungst 
gerieht gereymt. 

So steht auf dein decket einer pa]pierhandschrift der 
Nürnberger stadtbihliothek (Bibl. Solger. Cod. N. 15. fol.), 
geschrieben im j. 1465, enthaltend a) Diels sint konig Sal- 
monis buchere und zivar 1. Salomonis spräche (proverbia)^ 
2. der zureder oder lerer (ecclesiasticus), 3. gesangk vber 
alle gesenge (cantic. canticorum), schliefsend Hie hant Sa- 
lomons bucher ein ende Anno dfii tc Ixv'". — b) Hie vahet 
an Seneea von den vier angel tugende. — c) eine Wibel 
oder biblische geschichte a. und n. t., in 2 columnen mit 
bildern {vorn die 4 elemente) und vergoldeten anfangsbuch- 
staben, 51 bl., schliefsend Finite hta feria p9 galli Anno dfii 
Moccccolxquito. die vo7Tede vie/Teimig, ivohl nach Gott- 
fried von Strafsburg ^ dessen Tristan auch wohl gemeint ist. 
die handschrift zeigt einige eigenthümlichc laute und reime ^ 
sie hat nicht nur det, du, trede, rede : stede, baden : gnaden, 
drost . . . entstunt : frunt, sondern auch noil, loifs, koning, 
könne : wonne u. s. w. 

1 ' dot herre in diner trinitat 

Welich ein wunderlicher ralte 

Von erst bifs herre gewurcketl hat 

Ifin aller siner hant gedate 

Gar wunderlich ist din gewall 

Das sinl wunderlich {restall 



BIBLISCHE GESCHICHTE. MM 

Din dinge gar manigfalt 
Viid ist din wunder vngezalte 
Was ein man von wunder mag 
Gelesen alle eynen tag 
Das ist als Jn die bach ein slag* 
So grosser wunder gott ye pflag 
Das bruffet wole ein wyser man 
Der wunder wole gebruffen kan 
Das gott noch nicht nye begaü 
Man sehe da wunder allein au 
Die Elemente besunder 
Ertzeugent alle wunder 
Wie sich der erden bunder 
Hat gesetzet vnder 
Vnd das wasser alda neben 
Darumb hat sich der lufft gegebn 
Das fuer will obe Jne allen sweben 
Das ist ein wunderliches leben 
Nu bruffet an das firmament 
Wie wunderlich von Orient 
Es gahet an den Occident 
Diefs ist ein wunderlich euenl 
Die sonne hat auch jren gang 
Viel tusent mile lang 
Bus widder an Jren anfang 
Diel's ist ein wunderlich gedanck 
1 '' Was die erde auch ye getrug 
Da siecht man wunder an gnug 
Welich maA wart ye so clug 
Der da funde semlichen fug 
Were mochte des ein meister sin 
Das sich ein rotfarwe roselin 
(]lare geferwet vnd fin 
Vif slusset gein der sonnen schyne 
Diefs zeichenlich wunder diil 
Lylien vnd aller bände blute 
Were heran setzet sinen mute 

1, ;// ff alt für Vii, 14. 

9* 



132 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Den Avunder nicht wafi got ist gut 
Nu mercket was der vrliabc sy 
Personen vnderscheiden dry 
Da erkennen wir ein gotheit by 
Nu sehet obe das sy wunders fryho 
Gol der nach wunder richtet sich 
Des dinge sint billich wunderlicli 
Wasser erde hymelrich. 
Die sint wunder alle glich 
Vnd darzu der bäumen frucht 
Vnd aller creatuer züchte 
Von wunder hat die kein flucht 
Sie sint von wunder gar gewuchl 
Were mochte das wunder mee gethun 
Das vfs eym ey wirdet ein hüne 
Ein falcke. ein lerche. ein fafsethune 
Ein swane. ein pfahe. vnd ein grün 
Das ist yedoch noch ein wicht 
Sint Hyüiel vud erde was nicht 
V^nd ist noch wunder an gericht 
Das ist der wunder vberpflicht 
Sint wunder also viel da ist 
So horent den wunderlichen list 
1 " Wie got vnser herre Crist 
Geborne warde jn zyttes Frist 
Von eyner keyserlichen maget 
Wo ist das wunder mee gesaget 
Der solich gnade was betaget 
Das sie jme zu mutter hat behage! 
Was Sache jne hie hat getriben 
Das ist nit vnder wegen bliben 
Man findt an dielsem buch geschriben 
Des ist mir jn dem synne becliben 
Das ich des gantzen willen bann 
Obe ich die gnade möge emphan 
Das ich die rede sunder wan 
Will betutten so ich beste verstan '. 
Verneinet von erst doch ein clage 
Sint ich uch durch mvn sage 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 133 

übe uch der rede icht myls hage 

Das rnirs uwer guiist vertrage 

Ich kau uit vll gesmyren 

Noch die worl gezieren 

Ich wil die rede fureo (gevieren'O 

Ane alles floriren 

Geblumet rede seyt der gral 

Herr ywyu vnd herr parzifal 

Vud wie gewarp zu Coruual 

ßraugeue ysot tristau rewal 

Vnd wie die clare plfitzillur 

Bestricket jäfi der mynue suür 

Mit tristaude durch aniiir 

Heyme zu parmenie füre 

Solicher rede ich uit euger 

Were sich daun uit will kereu here 

Der findet doch sineu were 

Der sehe vor sich dirre vud der 

Diels rede ist ein ernstlich gefar 

Des rede ich ernstlich dar 

Mit blossen wortten vnd bar 

Nu hört vnd nemet die rede war 

Hye vor da sich die zijt aufiug 

Vnd die weit anginge 

Da gott hat vnser heylant 

Mit siner gollichen haut 

Alle Creature 

So zarte vnd so gehure 

Geschaffen wole nach pryse 

Da hat er sin wise 

Noch gotlicher wirdigkeit 

So wirdiglich auch augeleyt 

Das der hyüiel vmb gang ^ J 

Vnd der planeteu widder fang 

V^as gemachel ordenlich 

Vud die sonne wonniglich 

Vber scheyne die well wyt 

Vnd underschicd das lagez zyt 

Von der fiuslerlichcu uachl 



134 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Der auch zu luchten was gemacht 

Der monde vnd auch die Sterne 

Diels dachte den herren 

Alles wunderlicher gütt 

Die baüme stunden jnn der blute 

Die erde wole gezieret was 

Crutler blumen vnd grals 

Mangerley könne 

Stunde jnn gantzer wonne 

Die tier vor Jme Helfen 

JgHch jre styme rieffen 

Diefs was gryme diefs was gut 

Diefs wilde das was wole gemute 

^ " Die fische flussent jnn dem niere 
Ein gar wunderlichs here 
Vische dein vnd vische grols 
Diefs ruche vnd diefs blofs 
Als sie geschaffen waren 
Gar wunderlich gevaren (gebären?) 
Wart von fischen da gesehen 
Als es noch dick mag gescheen 
Embore die fogel sich swungen 
Sie gurren vnd sungen 
Jglicher sin wise 
Die nachtigal zu ryse 
Die lerche jnn die luffte swang 
Sie hübe jre styme an vnd sang 
Die winde hatten jren dofs 
Jenes wasser here diefs hin flofs 
Vnd funden doch jren vrspring 
Sust waren aller hande ding 
Geschaffen wole noch wünsch gar 
Des name jre schopffer gut war 
(bild) 

2 ^ Er sprach nach gotlicher Ee 

Wir sollent dannocht scliaffen mee 
Einen man gar wunderlich 
Der sol vns selber wesen glich 
Er soll vnser bilde hafm • ' '• 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 135 

Jnie sol auch wesen vnderthane 

Was nu hie geschaffen ist 

Er nam dar nach Jfifi kurtzer frisl 

Ein gar lulzel erden 

Dar auls so hiefs er werden 

Einen man lobesam 

Mit nanien hiel's er jne adam 

Er satzte Jne Jfm das paradilse 

Das er vvere jnn aller wil'se 

Alles dinge ein Crone 

Das sie jme alle schone 
Vnderthenig solten sin 

Diel's sach vnser Drechtin 

\nd duchte jne alles gilt 

Nu was sin gotlicher mute 

Der man were vbel eyne 

Der nam vfs sym gebein " ? 

Ein Rypp vfs siuen brüsten 

Er schuff" jme wole noch gelüsten 

Eynen freuwelichen lyp ;v 

Das sie were sin elich wyp 

Das sie wern beide alleyne 

Zwene korper an jn zweien 

Doch zwey an eynem lybe 

Das ganlz truwe blybe 

Zweien gemechten yiner mee 

Da gäbe jne got all soliche Ee « 

'Xy was der woune garte 

Geplanzet also zarte u. s. iv. i 

Sündenfall. Lucifers fall. 
Der vnge truwe slange 

Der da vor vnlauge * ^ ■ v 

Von dannen was Verstössen ) 

Mit sinen falle genossen 
Dem was Seligkeit gegeben 
Freude vnd ewigs leben 
Jnn dem hymel trone 
Safs er mit wirde schone 
Got hatte grosse schonheil 



136 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Au den engel her geleit 

Er was der engel hereste 

An wirdigkeit der erste 

Der schonest was er auch erkant 
2 '' Des was er lucifer genant 

Als ein liccht drager 

Sint er der schonest were 

Sin schöne gäbe jme vhermut 

Als es noch den luttcn dut 

Gein sinem schoplTer satzte er sich 

Er seyt er solde jme wesen glich ii. s. w. 
3* ivird durch Lucifer Eva, durch Era Ada?n 

verführt, verhanmmg aus dem paradiese. 
3' Er triebe sie für das paradils 

Yglichs brache ein qwesten ryl's 

Vber ym und deket sich u. s. lo. 
S*" Eya (/. Even) vngetruwer rate 

Der lute viel verleytet hat 

Hinabe zu der hellen u. s. w. 
hienach das gelaicht gottes über den mensche/u 

Hye käme es also ferre 

Das der hyinel herre 

Got von hyinelrich 

Besafs gewaltiglich 

Selber ein gerichte 

Mit wirdiglicher pflichte 
3'' Mit aller hymelischen schare 

Die hymelfürstcn koinen dar u. s. hk 
4" ÜEr tron was gemachet wolc 

Als da ein keyser sitzen sol 

Von golde vnd auch von richer bort. 
gesteme und hlumen iverden beschrieben. darnach redet 
gott die engel an. 

4" Miir rede got alsus began 

Er sprach Jre furslcn vnd jr man 

Wir hatten grosser wirdigkeit 

Au den menschen vil gelcyl 

Jme was vnderlhau gemacht 

Was der hymel hat bedackt u. s. w. 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 137 

nun treten die vier Schwestern Barmherzigkeit Wahrheil 
Gerechtigkeit und Friede^ auf und schlichten den sprach. 
4*^ So diese rede ergingen 

Mit grosser swere empfingen 

Sie die Herren alle gliche 

Das der koning riebe 

Mit zorniglichem mute 

Durch die missehute 

Vff des menschen vnheil 

Fragete vmb ein vrteil 

Sie Westen nit was sprechen 

Sint sich der koning rechen 

An dem menschen wolde 

Sie würben vmb ein hulde 

Dem menschen vnd baden 

Glich allesampt gnaden 

Gnade koning riebe 

Auch warbe getruwelich - ' 

Frauwe Barmhertzigkeit 

Jre was des menschen kuiiier ley* 

Sie neigte vor goltis fulse 

Sie bade auch also sulse 

Vor des menschen missetat 

Eya herre syt das mensche hat 

VbergrifTen din geholt 

So bifs du ein milier gott 

Du sali barmherlzig sin u. s. w. 
5* Das hört jre swesler Warheit 

Sie ginge hin für den koning stan 

Sie jach ich bette keynen wan 

Das frauwe Barmhertzigkeit 

1. diese darstellung tvia-dc bekanntlich öfter behandelt; prosaisch 
unter anderm im Bclial, i^ereimt theils in Rudolfs v. IIE. forlsclzun- 
gen {barinherziglieit tvahrheit Gerechtigkeit vänne), theils in beson- 
drem gedickte, beginnen(^ Sich huob vor gotes tröne ein gespraeclic 
schone (m cod. Stuttgard. bibl. publ. Mscr. poet. fol. n. 10, cod. 
Monac. Emmerain. G. xxxvi. eh. 4, cod. Paldt. 341. nr. 124 
bl. 246, Colociaer cod. nr. 120, JFiencr hs. ^(ill nr. xl. bl. 100'' 
— 10.3'', 7iur eine abschriß des Colocz. cod.) 



138 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Diese wortte hett vlsgelevt u. s. w. 
5^ OErechtigkeit die horte das 

Sie stunde ufF baide da sie safls 

Sie ging auch vor den koning riche u. s. w 
b*" Da Friede horte diesen stryt 

Sie sprach nu weres an der zyt 

Das ich zu hoffe queme 

Vnd die rede da verneme 

Sie name ein vrkundt vnd ein ptant 

Rechtes frieden jfifi die hant 

Das was gottis bilde 

Sie sprach bil's herre milde u. s. w. 
5** Da diefs rede was gescheen 

Sagt an was mocht got da jheen 

Verhörte er barmhertzigkeit 

Das were jrer swester warheit 

Ymer widderzenie 

Obe aber er verneme 

Gerechtigkeit das were 

Gar vnfriedber 

Kurlzlich nu geschach i: • 

Die raaiestas aber sprach 

Jre fursten vnd jre Ratman 

Jglicher rade was er kan 

Gebet endlichen Rate darzu 

Was ich zu diel'sen dingen ihuo 

Wie ich milde walde 

Vnd doch warheit halde 'C 

Vnd wie ich halde friede 

Vnd gerechtigkeit dar myde //. s. w. 
6" Des vatters wifsheit vnd sin Rat 

Der der gotheit gehat 

Spiegel vnd bilde ■ 

Sehent den zwange grols milde 

Vnd jnbrunstig mynne u. s, w. 
G** Do diefs clare maiestas • 

Den Rat jn sym spiegel lafs 
, Der endelosen wifsheit u. s. w. 

6' Da nu der soue begatte 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 139 

Das er den verlaup hatte 

Von sinem vatter schiere 

Die swester alle viere 

Hofelich sprach er an ti. s. w. 
6** So diefs swester alle 

Von dem freuden schalle 

Hortten den sone der kunfftig was 

Als iglich selber lafs 

Jun der gollieit 

Da wurden sie geraeytt 

Vnd auch zuchtiglichen froe 

Sie sprachen alle glich also 

Du hymelischer Spiegel 

Were wolde wesen kriegel 

Gein diner wisen lere u. s. tv. 
7^ Synt ich was an lant gefaren 

Vnd ich den segel wolt sparn 

Den ich durch rüe nyder liefs 

Vnd den encker in den griefs 

Des selber haüfi geschossen u. s. w.< ^ 
S** t9^ der Rate ergangen was 

Das des vatler Spiegel glafs 

Der Sone daz hymel kindelin 

Der gotheit widder scheyne ■ 

8"^ Nach hoher wil'sheil vl'serwelte n. s. w. 
nun geht die rede über auf die boten die gott als verkündi- 
ger des Sohnes im ablauf der seiten sendet. 
9 * Hernach etwae lange was 

Als ich in den buchen lafs 

Das es den herren duchte zyt 

An dem alle tugent lyt 

Bolten sant er jnn die lant 

Vnd hiefs dem volck thun bekant ..; 

Hoffenliche mere . ' 

Das ein erlosere 

Schier komen solde v 

Der vns erlosen wolde u, s, w. 
9" Here Abraham der erste 

Der Patriarchen herste .... 



140 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

10" lÜEre Moyses liernach enstundl 

Der viel getruwe gottes frundt . . . 

10" ^Vo sin liecht ye hiu qiiamc 
Diesen Sterne balaara 
Lange vor erkande .... 

10' ÜEr gut lop het auch vernoilien 
Wie got her nyder wolt komeo 
Jn diese menschliche wat 
Das er auch vor gesaget hal 
Zu got rieff er taugen 
Joch herr myn diu äugen 
Fleischlichen sollen werden .... 

10'' "Der vfserwelte goltis früt (/. tnU) 
Der kouig dauid vherlut 
Hat vorhin lange 
In sinem psalter sänge 
Geprediget vnd vor geseyt 
Vnd gar mit truwen vfs geleyt 
Wie Cristus vnser herre 
Der liechte sonne Sterne 
Koüien wolt jnn vnser wat 
Vnd wolt sin hantgedat 
Drosllich schauwen vnd sehen . 
1 1 ^ Her Salomon der wise 

Der was auch an dem pryls 
- •/ Dieser hohen bottschafft 

Des er von geistlicher cralFt 

Vnd von gottlicher ee 

Sprache er miserere domie .... 

1 1 " ÜEre abagug in truwen sprach . . 

12" ÜEr wissage Aggeus .... 

12'' Usr wissage auch 3Iicheas . . . 

12'' ÖEr werde Zacharias . . . 

12*^ !DEr prophete Jonas 

Der dry tag jnn dem vische was . . 

13*' A.uch ist nit vnderwegen hüben 
Osee hales auch geschriben 

Iß'^ MPi.n tempel Malachias 



HlßLlSCIlE GESCHICHTE. 141 

14" Ayel hat auch vernoüieu 

Wie vnser herre woll koüieii 
/»>;• werden die heidnischen Sibyllen llrgil n. .9. w. oinge- 
flochlen. 

14'^ In die heydenisch niagl 

Sibilhi was gar vimcrzagt 

An derselben botschafft 

Von gott hat sie die crafft 

Das sie so viel verkundt hat 

Den heydenischen gottes Kalt //. .v. >r. 
15'' ÜEhalten hant jre hie bevor 

Wie herre nabnchedonosor 

Auch gottis sone erkaut u. s.tv. 
15'' I¥och hau wir vor vns (einen) hell 

Der zu der botschafft erwell 

Auch suuderlich von gott was 

Jnn siner schrifft der wise lafs 

Wie gott wolde uff erden 

Gehörne mensche werden 

Als er verkündet hat alsus 

Der heyden doch Virgilius 

Als er auch hett wole vcrnoiuen 

Der sprach die letzte zyt sol körnen 

Davon sibilla hat gesaget 

Es soll körnen vns ein magel u.s.w. 
nach dein trojanischen kriege und Achilles (16") treten die 
prophelen wieder ein. 

16" ÜEr lobelich ysayas 

Auch vor gesiechtiglich lal's 
17" Uysse wyste auch Jeremias 

Da er von dem herren lafs 
18* HEre Daniel der gute 

Er want mit reynem mute 

Das er auch vor wole wysto 

Von vnscrm liern Criste 

Wie er mensch wart geborne 

Vnd vns den ewiglichen zorne //. .v. w. 
18" Ezechiel die porten sach 

Darumb er mit truwen sprach 



142 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Von der maget lobelich 
Ein porte beslosseu ewiglich 
18' In der zyt was auch eyn man 
Dem die Judent gar entran 
Er was von alter awer gryls 
Er hat sich jnn alle wise 
Zu gottes dienst wole bereit 
Er was jnn der Judischeit 
Ein priester nach der alten ee 

iL ?'. Simeon. 

X'd" Win Jerusalem ein priester waz 
Geheissen Zacharias 
Ein bischoff nach der alten ee //. s. iv 

hier geht die rede auf Maria über. 

20 '' Waz solle langer rede mee 
Einen sone die frauwe trug 
Hie mit sy der rede gnug 
Eya myniglicher gott 
Durch die gnade vnd die gebott 
Vnd durch die claren sussigkeil 
Die du herre ane vnderscheit - 

An dir ewiglichen weist 
So gib mir die volleist 
Dins heiligen geists ratt 
Der manig hertz erluchtet hal 
Daz er mir myne synne 
Mit süsser zarter raynne 
3Iyu herlze vnd myn gemüte 
31it warer mynnen glut 
So heiliglich entzünde ' • • * 

Das ich von aller sunde 
Geweschen werde vnd gczwagen 
Das ich wirdiglichcn sagen ' ■'-■''' 

20° Von der rechten rosen möge 
Daz es jre zu lobe doge 
Der lob vber alle dinge swebt 
Daz mit dir ewiglich lebt 
Als ein herre konigin 
So dii mir diu gnade schyn 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 143 

Allein ich doch wole weyls 

Was sich yemant gefleyfs 

Daz er sie globte wol 

Jre lobe wart doch nye lobes vol 

Vnd was nu ist vnd auch ye was 

Laup kruder bluben vnd grafs 

\ ad ymmer mee sol werden 

Creature ufF erden 

Konde daz alles sprechen 

Vnd lobe von lobe brechen 

Es konde doch nit glichen 

Es musle jrem lobe entwychen 

Doch meret es des lobes schar 

Nu neilien alle lute wäre 

Were diese frauwe möge gesin 

An der diefs hohe lop erschin Cwart schin?) 

Nach so werdem pryse 

Daz meister nye so wise 

Wurden die ergrunden 

Jre lobe noch wirde künden 

Er ist der Engel frauwe 

Vnd ist ein Rol's jnn dauwc 

Die bluet schonu jnn alle zyt 

An jre vil selickeit lyl ■ • ^ • 

Sie ist aller gnaden ein volles fal's 

xVu hilfF auch du mir frauwe bafs 

Mee sprechen dann ich könne (künne) 

Du bist der hymel wunde (: wünne) 

Du lylien viol rosa 

Du zart zyllosa 
20'' Du porte des paradifses 

Du stame des raandel ryses 
die bilder gehen fort durch alle thierc bäume pjla/izen. 

Du lurlellaube du adelspare 

Du fenix vnd du adelar u.s.w. 
hienach 21" der englische grufs und die Verkündigung, nebs/ 
Elisabeth und Mariae heimsuchung, endlich (Jhrisli gcburt. 
23" In der zyl also geschach 



144 ßlBLISCUE GESCHICHTE. 

Ein so wunderlich noit 
Keyser augustus vis gebott .... 
darnach die lieiligcn drei/ künige. 

25' Hye tredc ich aber \\\ daz spor 
Da wir die rede liesen vor 
Ee ich der zyt so viel verzere 
Wie daz lobelich here 
Die heren konig alle drij 
Von Saba tarsis vnd arabij 
Vnd alles jre gezunffte 
Waren an jre kunlFte 
Nach dem Sterne gahend 
Jerusalem zu nahend 
darstellung Christi im tempel. 

27'' Maria waz ylzüt gereyt 

Vnd des kindes friindt genug 
Das man jnn jnn den tempel trug . 
Her ödes und der ki/idei^nord. 

29'^ öo Herodes diese rede 

Gesprach die knecht so zu stede 
Vlten gein Judeen laut 
Sie slugen nyeder so zu lianf 
Was sie kinde funden 
Jnn duchelin gewunden .... 
Chrisliis im tempel. 

29'' IJAUge rede ich kurtzen mag 
Das kint wüchse allen tag 
An alter vnd an wilsheit 
An gotlichcr wirdigkeit 
Zuname er an jiiget 

29'^ An geistlicher tugent 

Er wart den lutlen allen wert 
Als ein kint das man begerl 
\ on formen was er schone 
Sin nuint ein suis gedone 
llelt mit sprach vnd auch rede 
Des herre Dauid sprach zu stede 
Jnii sinem psaller gesange also 
Speciosus forma 



BIBLISCHE GESCHICHTE. I45 

(bild, Christus im tempel) 
So er nu zwolfl' jerig wart 
Da hübe sich ein walfart 
Zu Jerusalem als mau pllag' 71. s.w. 
Jokatmes der täiifer und Christi taufe. 
30" Mn derselben frist 

Johannes der Baptiste 
Zu an heiligkeit name .... 
31'' Hernach es aber also quam 
Das Crist der heilant lobesam 
Wolt erfüllen diesen Rat 
Den er lange vffgelegt hat 
An den Jordan er da ginge 
Den dauffe er von Johanne encpfieng 
Als jne die wäre mynne hiel's .... 
Christi miftretim und predigt. 

32'' Mu sprach jre selige gottis kinde 

Die hüte hie gesaüiet sin (kint : sint) 
Vernement heilsamen Ratt 
Johannes des tauf er s tod. 

32'' HTv was es ytzo also komeu 

Das herodes hat genoüien 
SS'' Sins bruder frauwe zu wyp 
Christus Umt zeichen und wunder. 

33 '' Inn der zijt alsus geschach 

Das man von Jhesu zeichen sach 
Die nye gescheen waren 
Da vor (in) allen jaren 
Die lamen det der heylant geeu 
Die tollen dett er vll' sleen 
Die hincken deter springen 
Die stummen sprechen vnd singen 
Die sunder siechen macht er reyn 
Sehen t das was gar gemeyn 
Gehorde gäbe er den dauben 
Den tummen rechten glauben 
Die blinden macht er sehend 
Die zwuiller verjehend u.s.w. 
Z. F. l>. A. II. u Ml» 10 



l/,6 niBLISCHE GESCHICHTE. 

Christi oinzug. 

34'' Hfv was yedoch der hohe t.ig 
Das man da hiu pflag 
Da was des volc.kes michel schai 
Die nameul allesaniet war 
Wo der konig lobesam 
AI dort here geritten kam 
al>t'7i(linal 35". — gebet nrn ölberg. 

35*' Mye was ein garte vor der sla» 
Darwerts vnser herr drat 
Da wolte er sprechen sin gehett 
Als er hie vor vil dick dete 
Die jungern volglen im nach . . . 
35 ■ Kyn gebete er aber dele (treib?) 
Judas nu vnlang bleib 
Er hat gehauffet ein sciiarc 
Die quamen mit jme aldar 
Sie brachten stecken vnd swerf 
Sie gingen gein dem berge wer» 
Da vnser herre sin gebete 
Nach gewonheit vff dere 
Christus vor Pilatus, 

3(5'' ^'^nd da daz morgenlieclit vfging 
Abur man den herren finge 
Man fürte jne vor pilatnm 
geiselung. 

37'' ^Pilatus jnn der zijt vernain 
Das der heylant lobesam 
Geborne was von nazareth 
Das jnn gallilea stell 
Da herodes was ein vogi . . 
kreuzignng . 

37'' Ime ein creuz da bereit 
Mhesu wart daz vff geleyl 
Das er daz selber soll tragen 
Nu was er also sere gcslagen : i 
Das sin heiliges blute 
AI vmb vfs sinem libe will 
Da von vnie die macht zu ran 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 147 

Nu was von eyme dorfF ein mann 

Von geschiechte kommen dar 
38 ' Den zwangen sie der Juden schar 

Das er das crutze must lielllen tragen . . . 
38'' Sye singen jne vnsul'se 

Durch hende vnd durch fulse 

Dry queck negel vnd nit scharpfl' 

Loifs man vmb sin cleider warff ... 
Joseph von Arimathia. 

39^ M'v was alda ein Edelmah 

Der an pilalo erwarb alsan 

{bild, Christi grablegimg^) 

Das er begraben solde 

Jhesum wann er wolde 

Joseph hiels er von armatia .... 
Christi höllenfahrt. . 

39' HTv höret die rede furbals mee 

Der ich doch hau begonnen ee 

Was drostes jnn die Iiellen 

Adam vnd sin gesellen 

Quam so wirdiglich 

Mit diel'sem fursten ricli . . . 
auferstehung. 

Da nu die ander nacht erging 

Ee der morgen liecht empfing 

Vnd der sabolh was vergan 

Von hymmcl quam da sunder wan 

Ein so grosser donnerslag 

Das die ritterschaft erschrack 

Den das grab beuolhen was 

Sie wurden bleicher dann ein wahs 
4 ^ Sie fielen nyder von der not 

Glicher wise sie wem dot 

Die erde bieben da began 

Jhesus der gotlich man 

Ja der wäre heylant 

Vis dem grabe stunde zu hant n.s.w. 
4 1 ' Also stund vir der herr fru 

10* 



148 BIBLISCHE GESCniCHTE. 

Bereyl hetten sich ylzo 
Die niarien alle dry .... 
himvielfahrt. 

42 '^ Da die viertzig tag da 
Ergingen vnscr herr sa 
3Iit sinen jungern dranck vnd als 
By jne er fruntlichen safs ... 
pßngsten. 

43'' ÖA nu der pfingstag entstund 
Die lobelichen gotlis frundt 
Waren by einander gar 
Zu Jherusalem an eyner schar 
Die herliche menge 
Lagen an irer venige 
Vasten weynen sin gebeHe 
Yedermann besunder dete 
Sin Sassen alle da by eyne 
Da jnn der droste von gotl ersclieyn 
Es quam ein snelliglich bofs 
Als eins gehen windes dofs 
Da von ein hüls erbiben sol 
Das hufs (wart) aller gnaden vol 
Der geisl alda schufF wunder 
Er besals besunder 
Iglichen wirdiglichen 
Vnd also lobclich 
Alle tugent alle kunst 
Sie hatten gotliche gunst 
Sie waren sunder meisterstule 
Komen hin zu hoher schule 
Ire meister was der heilige geisl 
Der gäbe jne werde volleist 
Zu tugent vnd zu wyfsheit 
Ine was zu stunt alda bereit 
Das sie künden alle schrillt 
Das wunder warde alda gestietri 
Das jne das alles kundig was 
Das jre keyner doch nye gelals 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 141» 

Ine was alle spräche kunl 

Die kundeu sie alila zu stuiit 

Durchiiiechtiglich als jren nameu 

Hie von die lute hatten gameu 

Da sie die herren sahen 

Glich alle sie da jähen 
43' Sie weren Avynes druncken 

Da was das von den funcken 

Des heiligen geists glüte 

Da von afs jrem gemüte .... 
von dci' kraß der jünger (44^) und von der dreieinig keit. 
44*' So sint die drij ein eynig gott 

Also ist das ewiglich leben 

Eyniich vnd drylich vnderweben 

Eben eynig vnd eben hcre 

Selieul diefs waz der herren lere 

Diel's predigten vnd lartten sie 

Den glauben Hessen sie vns hie 
44*^ Den sollen wir doch yninier han 
von Maria, ihrem lobe und ihrer himinelfahrt 

Hieniit sollen wir bestan 

Konde ich nu wirdiglichen kosen 

Von der hochgelobten rosen 

Die frauwe obe allen frauwen ist 

Die vnser herre Jhesus crisl 

Zu mutler vlserwelt hat 

So solde ich finden eyncn Hall 

Daz ich endorffte nit vertagen 

Ich solde ein lutzel sagen 

Von der lobelichen fart 

Wie die konigin wart 

Gefurt so wonniglich 

Hin zu hymmelrich 

Ja mag ich uu reden wol 

So horelt was ich uch sagen soll 

Was eygentlich ich sprechen mag 

Maria hiit uff diefsen tag 

Alsus diel's mynn brief 

Den herreu Salomou doch rieif 



150 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Von des heiligen geistes wegen 
Der sie mit flil's konde pflegen 
Myn sele sich zu lassen hat 
Sint myn frundt gekoset hat 
So bann ich jne zu stunden 
Gesucht vnd doch nit funden 
Ich riefl" mit ynniglicher gier 
Antwort engab er nit mir 
Der stete wartet* mich ye sa 
Funden jfifi den zytten da 
Die wundeten vnd singen 
Mich sere jfifi den vnfugen 
Der Muren wechter vnder jnn 
Drugen mynen mantel hin 
V^on Jerusalem jre meyde 
Mynen frundt sagendt gereide 
44'' Das ich sij von mynnen kranck 
Diels was maria mynnen sang 
Iren frundt den wolt sie haben 
Sie hat siner liebe entzoben (entsaben) 
Vnd der hymel sussigkeit 
Des hat sie das pufse leyt 
Zarten Jammer vmb jren frundt 
Marien wole die clage slunt 
Eya Edele konigin (kuneginne) 
Wie kanstu dragen mynne 
Zu eynem fursten rieh 
Du mynnest wirdiglich 
Er mynnet dich hinwidder wert 
Iglichs des andern mynne gert 
Er dincr als du siner thuest 
Davon du billich tragen musl 
Frauwe die hymmel kröne 
Die er dir gibt zu lone 
Vmb alle soliche mynne 
Du bist die konigyn(ne) 
Der konig ist din zartes kint 
Die zwey gar wäre myne sint ,,, ^iA 
* /. warter. ., ,, . „ ,„ njiiM'. t. >ii 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 151 

{bild, Man'ac tod) 
/lö" Me (loch in derselben frisl 
Der mynniglich lierre crist 
Mit eyner wirdiglichen schar 
Quam zu siner mutier dar 
Die jne hat hie erzogen 
Er hat jre brüst gesogen 
Da er die lobelichen sach 
In luterkeit er zu jre spracli 
Du zartes durtel tubelin 
Du vsserwelte frundin myne 
Du lutter schone sunder wal 
Diu flecke hat an dir nil male 
Din zunge honig gusset 
Din munt mit seume flulset 
Vud din adelicher smack 
Vber alle kruder riechen mag 
Sehet der wintter ist zurgan 
Es (Er) hat sin regen auch gelageu (gelänj 
Die blumen lobelichen vffgeent 
Die wiugartlen alle jnn blute steent 
Die lurteltuben singent nü 
lun vnser freude frundin dii 

Stant vtf yle bifs gereyt 
Komme iur grosser wirdigkeit 

Komme herre von dem libauo 

Gekronet saltu sin ye so 

Seht das cristus wider rede 

Nu waren kommen da zu stede 

Sin jungern auch ye sa 

Des wart die Edel maria 

Verrichtet mit der heilikeil 

Die zu dem ende ist vffgeleit 

So das alles da erging 

Mariam wirdiglich empfing 

Der hohe furste jnn sin gewall 

Die hymel köre manigfalt 

Sungen vnd waren frohe 
45^ Hin für die konigyn da 



152 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Lilien vnd roselin 
Vyoln vnd zyloselin (zitloselin) 
Vnd aller hande blumen 
Waren jre zu Rome 
Zu dienste hart wole bereyt 
Sie machte jre ein vmkleyt 
Sie halt dienstes keinen bruch 
Ire diente auch adelich geruch 
Mirre baisam vnd aloe 
Cordamömen gamandre 
Muscaten vnd negelin 
Cubeben galgen zynamomyn 
Vnd aller edelicher gesmack 
Der von wurtzen riechen mag 
Der was aller samet da 
Mit der kofiigyn sa 
Da die hymelische schare 
Der konigyn wart gewar 
Von jne ein süsse stymme erclang 
Sie sungen diesen wunder sang 
Were ist die frauwe jn dirre wat 
Die so lobelich vfF gat 
Die vffgende wirdet schynen 
Als ein rauches gurtelin 
Von wyrach vnd mirren 
Mit diefsem hymmel herren 
War richtest du dich wyse magt 
Ein morgen schyn an dir betagt 
Du geest vfF als ein morgen rote 
Dem die sonne jren schyne erabot 
Du Edel dochter von Syon 
Gar süsse jnn diner stymme don 
Du bist schone vor alle war 
Dem monde bistu glich dar 
Vsserwelte kouigynne 
45" Glich der claren sonnen schyne 
Also füren sie wirdiglich 
Hin jnn das hymmelrich 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 153 

ooin antichrist. 

45'' Maria aller sunden drost 

Du hilfF vns daz wir erlofst 

Werden von der falschen lisl 

Den man nennet antecrist 

Vnd siner ungetruwen boden 

Des vnser seien also geroden 

Nu nach alle stunde 

Inn der hellen abegrunde 

Von jnn icht werden verbrant 

Des syest du konigin gemant 

Da dirre tufelisch man 

Geborne werden sol von dan 

Dann der zwolIF sone eyner hiel's 
46" Die Jacob jnn Egipten liefs 

Als jre lange hant vernommen 

Von des gesiechte sol er kommen 

Von eym Juden wybelin 

Das sol yedoch das hoste sin 

Von demselben könne 

Vntugent wirt sin wonne 

Liegen vnd vnkuscheit .... 
sein triiglehen bis zu seitietn stürze. 

47" Das ende nahet yedoch nu 

Wanne vnser herre Jhesus crisl ,► 

Der herre vber alle konig ist 

Ein richter vnd ein heylant 

Sin herschafft machet da bekant 

Sin gewalt vnd sin geholt 

Ja der droste der wäre gott 

Nyder siechte den bösen wiechl 

Vor des volckes angesiecht 

Daz jne die warhcit werde konl 

Die Engel kommen so zu stunl 

Vnd slagen die tufel abe 

So lassen sie vsser habe 

Vnd lassen jne gewerden 

Er feilet zu der erden 

Wol gar er zu bristet >- 



154 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

47'' Daz voick nit lenger fristet 

Sie schauwent vnd nement war 

Sie nement alle wunder gar 

Das er zubrosten lyl 

Sie clagen jre verlöre zijt 

Das sie die hann also verthau 

Vff eynen offenlicheu wan 

Die warheit widder plantzet dann 

Die doch die zwene gottis mann* 

Den lütten hann gesaget vor 

Des komet sie mit der spur 

Der heiliglichen lere 

Das sie widderkere 

Bälde vnd endlich thun 

An crist den waren gottis soue 

Das sie ruwen vnd leyt 

Infi jrs hertzeu bitterkeyt 

Vnd wäre bichte hafi 

Vnd balde bul'se emphan 

Nach gnaden vmb jre misselat 

Solichen heilsamen ratt 

Vorhin die herren hant gegeben 

Die lute gaben vnd sterben 

An geistlich fare 

48" Zu der herren lare 
Heiden vnd prussen 
Kriechen vnd russen 
Vngern datterere 
Schotter frantzoyser 
Walhen vnd latine 

Juden Sarratzene 1 

Vnd alle volck was sprachens kan 
Ein herle es wirdet alles dan 
Es werdent alle ein schar 
Der sol ein hirte nemen war . . 
Sam die heydenisch magt 
Sibilla hat vns vor geseyt 

* Ullas und .Malachia.s. ' < ,i..- m? f"/ 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 155 

Vnd der heidenisch man 

Virgilius sich hebet dan 

Das nymant vmb kauff fert 

Noch mit müren sich erwerl 

Wann ein ander ist gesant 

Achilles nü zu Troien lant 

Vnd verrichtet gar den stryl 

Aller vnfriede nu gelyl 
48'' So das alles nu er gat 

So wene ich daz die werlt hat 

Ye doch jrs lauftes leste ziel .... 
orn jüngsten tage und seinen fünfzehn seichen. 

Diefs ist ein tag des zornes 

Ein dolse des herehorns 

Jamers bitterkeit vol 

48' Noch ist der propheten viel 

Der ich nu geswigen will 

Die es alles haut geschriben 

Vff den engstlichen tag 

Da nyemant sich verbergen mag 

Ye doch sol von erste gescheen 

Das man sol jamerzeichen sehen 

Ee derselbe tag erstee 

AI solich noit geschiecht ee 

Gein dem wunder fireysen 

Den lütten mag wole eysen 

Die dann sint am leben 
48*^ Vnd das geschauwel eben " • 

Ire sint funiftzehen an der zale 

Yedoch nyemant wissen soll 

Wann es nyemant hat vernomen 

Obe sie nahe einander koiiien 

Von langer zijt von langer frisl 

Diels dinge nyniant kundig ist 

Das erste zeichen ist also 

Das mere vber alle berge hohe 

Sol viertzig elen hoher geen 

An siner stette sol es steen 

Eyner nmwern glich gestalt 



156 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Daz wunder schauwen glich Junge vud alle 

Das ander zeichen also stat 

Das mere sich widder nyeder lat 

Vnd sencket sich zu dale 

49*' Vnser herre ertzeuget sich 

Eym hohen furslen glich 

Oben von Orient .... 
vo?t den sieben hanptsü?ide7i. 

50'' VErnenient kurtze rede noch 

Die siben heuptsunde ydoch 

Die uch nu sint vorgeleyt 

Sie fliessen vfs der schalckheil 

Des vngetruwen slangen 

Wann er also wolde fangen 

Alles menschlich könne 

Von der hymmel wonne 

Davon er schemlichen fiel 

von den zehen geboten. 

50*^ Der auch heldet die geholt 

Die vns hat gebotten gott 

Der hat selber vsse erkorne 

Der wirt nymmer mere verlorne 

Ire sint doch zehen an der zale 

Als ich uch bescheiden sal 

Das erste ist so gestalt 

Das du nit verswern sali 

Gottis namen vmb nicht u. s. w. 
von dem tode und der hölle. 

^|b \^o sijt jre nu herr Judas 

Herre Cahin vnd herr Caiphas / 

Herre phebus vnd herr Jubiter 

Meister allexander 

Frauwe venus vnd frauwe pallas 

Achilles vnd Eneas 

Paris Hcclor Hercules 

Vnd auch der wyse Olixes 

Herre Symon vnd herre Nero 

Herodes vnd pharao 

Ire Juden jre sarrazene 



BIBLISCHE GESCHICHTE. 157 

Ire gelaufften kauwerzene* 
Ire prusscn vnd datterere ■ 
Ire rauber vnd nachtbrenner 
Ire morder vud jre diebe 
Sehent jre uch nu icht lieb 
Ire solleiit furwar alle dar 
Also erfuUenl jre die schar 
Wafifi jre syt gar der hellen kynl 
51" Hiemit gar begriffen sint 

Was lute hant vnrechtes leben 
Den wirt ein ewig fluch gegeben j/.s v< 
schhifs. Ilfv helfft mir alle bitten gott 
Durch sin wirdiglich gebotl 
Vnd durch die claren mynne 
Die zu der konigynne 
Der hochgelobte furste treyt 
An die er Schönheit hat geleyt 
Vnd also grol's wirdigkeit 
Inn sinem riebe ane vnderscheil 
Das er sin wirdigliches blute 
Das vis sinen wunden wüte 
Das für vnser missetat 
Der konig herre vergossen hat 
Wolle an vns behalten 
Das wir icht sin verschalden 
Des ewiglichen lebeus 
Das er icht habe vergebens 
Die marter also durch vns gelitten 
Das er also jenierlich versnytten 
An dem fronen crutze stunde 
Er wolle vns vuder sin frundc 
An dem leisten tage zclen 
Das er vns dar zu wolle erwelen 
Des bitten wir den heylant 
Dem alle hertzen sint erkanl 



' sieh Kawerzer in Schmellcrs bnier. wb. 2, 275. inoiiuvi. 
böte. 7, 403 an chabcrzcin oder an Juden, nicderrhein. urk. v. j- 1123 
ad usuras magnas Judeorum vcl Cauwercinoruui urgentes. 



158 BIBLISCHE GESCHICHTE. 

Die von libe ye quamen 
Nu spreclient lieben Amen 
Finite ijta fcria p9 galli Anno 
dili M° cccc° IxqiiUo. 

H. F. MASSMANN, 



EINIGES ZUR LEX SALICA. 

Ich behalte einer späteren ausführlichen arbeit vor zu be- 
weisen dafs die sogenannte nialbergische glosse nicht einem 
deutschen dialecte, sondern den keltischen volksmundarten 
der gallischen lande wo diese lex zur anwendung kam ange- 
hört, es wird sich dann auch der beweis führen lafsen dafs die 
abweichungen der verschiedenen handschriften hinsichtlich 
dieser glosse nicht blofs der nachläfsigkeit der Schreiber an- 
heim fallen, sondern zum grofsen theile entweder synonymen 
oder nur mundartlich abweichende formen derselben worte 
darstellen, hier vorläufig nur einiges. 

Der tit. iii de furtis animaliimi wird gewiss von den mei- 
sten als ein beweis angesehen dafs die malbergische glosse 
deutsche worte enthalte, denn ochsaiora und okseno stimmen 
doch zu gut scheinbar mit dem deutschen ochsen; man sollte 
aber billig sogleich stutzig werden wegen der verschiedenen 
beiden ausgänge des Wortes, und bei den übrigen Wörtern die- 
ses titeis wird man bald verzweifeln sie aus dem deutschen zu 
erklären, ochsaiora wird durch anniculum animal d. i. ein- 
jähriges rind erklärt, ohsono durch hos. diesen erklärungen 
entspricht ganz das gälische agh searra und agh seine (spr. 
öch searra und öch sehne, soweit sich die laute deutsch be- 
zeichnen lafscn). agh bedeutet ein rind, in der regel ein jun- 
ges rind, searr oder searrach ist jedes junge thier, füllen, 
hirschkalb, auch ein junger kalbiger mensch, also agh sean^a 
ist ein kalbiges rind. seine heifst älter, .ilso agh seine ist ein 
älteres rind.* — Pedero ^'w^ durch vitnlus lactans erklärt. 

' eiu ganz ähnliches Verhältnis wie zwischen diesen worlen und 
dem deutschen worte ochse findet statt zwischen dem malbergischen 
Worte ortfocla und dem deutschen worte vogel. die ähnlichkeit ist 
nur scheinbar, ßach heifst im irländischen gälisch jeder grüfsere hoch- 



ZUR LEX SALICA. 159 

der ganze reichthum sämmtlicher deutscher mundartcn bietet 
kein analoges wort, aber das gälische bietet sofort baothair, 
was ein niilchkalb, auch einen jungen kalbigen menschen be- 
deutet, an das p im anlaut darf man sich nicht stofsen ; das 
gälische hat ursprünglich kein p und es hat diesen buchsta- 
ben, der weicher ausgesprochen und auch weiches b {boith 
^0^) genannt wird, blofs der fremden Wörter wegen eingeführt, 
das ao wird mit einem laute zwischen ü und ö ausgesprochen, 
wie ein dumpfes e, pedero und baothair ist sicher dasselbe 
wort. — Mala wird durch vacca erläutert, ein solches wort 
hat keine deutsche mundart, aber das gälische hat maol und 
dies bedeutet ursprünglich ungehörnt, dann die ungehörnte 
kuh {bo mhaol) und endlich kuh überhaupt, da auf den briti- 
schen inseln mehrere rindviehracen sind mit ungehörnten 
kühen und die Kelten wohl auch in Gallien solche racen hiel- 
ten, sie waren ja Tacitus zu folge auch in Deutschland ver- 
breitet. — Zymis bedeutet offenbar mit, zusammt mit, denn 
zymis pedero malia wird § 4 erläutert durch vacca cum vi- 
lulo (in den § 3 ist die glosse nur durch versehen gekommen, 
indem der Schreiber nach dem worte furaverit im 4n statt im 
3n Paragraphen zu schreiben fortfuhr), ein diesem zymis ent- 
sprechendes wort hat der deutsche sprachstamm kaum aufzu- 
weisen, wohl aber das gälische, in welcher spräche soimh 
(jetzt gewöhnlich saimh) zusammen, unter sich verbunden, 
gepaart, bedeutet, es heifsen also die worte zymis pedero ma- 
/{V? Zusammen mit dem kalbe die kuh. — Abazym pedero be- 
deutet dasselbe, denn ba heifst einfach auch die kuh und a ist 
wahrscheinlich der artikel, der im gälischen an, aber in ge- 
wissen fällen auch a lautet, also a ba zym pedero heifst Die 
kuh mit einem kalbe, was wohl in dem lateinischen ausdruck 
vacca domita, eine bezwungene kuh, eine kuh die gerinderl 
hat, im gegensatz einer kalbe, auch liegen soll, da wir hier 
zym in einfacherer form als oben zymis haben, so ist anzu- 

lliegende vogel ; in der regel zwar ein rabe, allein man unterscheidet 
durch präfigierle worte, ^airr-Jiach ein habichl, cuaimh-ßach ein 
geier. so ist das ortfocla der glosse nichts als ort-ßach mit einer 
hilduugssilbe noch am ausgange des Wortes, ord heilst tapfer, streit- 
bar, und als tapfere, streitbare vogel können wohl accijntrr i;rus 
ryffnus, auf die sich die glosse bezieht, bezeichnet werden. 



160 ZUR LEX SALICA. 

nehmen dals jenes is an zymis noch etwas besonderes be- 
zeichne, isc ist im gälischen die emphatische form des femi- 
nins des pronomens der dritten person, die personalpronomina 
stehen aber in allen keltischen sprachen in nächster bcziehung 
zu den possessivprouominibus. bedeutet nun ise oder isi jetzt 
eadem, so liegt sehr nahe dals auch eiusdem oder suus damit 
ausgedrückt werden konnte, und so erhalten wir für die worte 
zym is pedero malia die bestimmte erklUrung 3Iit ihrem kalbe 
die kuh. — Chcrecheto wird erläutert durch taurus qui gre- 
gem regit, aus deutschen mundarten wird sich hier nichts 
beibringen lafsen, aber gälisch heifst greigh die herde ; das 
entspricht dem chereche. nun kann to blofse bildungssilbe sein 
oder auch mit tois, tus, der erste platz, der beginn, die füh- 
rung, zusammenhangen und vielleicht nicht vollständig ge- 
schrieben sein. — Traslo wird durch bimus taumis, zweijähri- 
ger stier, erläutert, ich glaube, man wird im ganzen germani- 
schen Sprachschatz umsonst nach etwas ähnlichem suchen, 
während man gälisch dasselbe wort hat, denn treas-laogh 
(sprich tj'as-Iöh) bedeutet ein starkes kalb, und so kann man 
wohl einen zweijährigen stier bezeichnen. — Ein diebesfrevel 
der an einem mehreren landgütern gemeinsam gehörigen bul- 
len geübt wird ist § 9 durch chami iheuto, ein diebesfrevel 
der an einem zu einer königlichen domäne gehörigen bullen 
geübt wird ist durch chamutevo bezeichnet, nun heifst cam 
oder caim gälisch jede Ungerechtigkeit, jeder frevel, und 
tuath heifst die gesammtheit von landleuten die in irgend 
einem verbände stehen ; cham i iheuto könnte also recht gut 
mit hilfe des gälischen durch Frevel an der gemeinde erklärt 
werden, das utevo das sich an das andere cham anschliefst 
weifs ich zur zeit nicht zu deuten. — Es folgt sodann § 12 
ein auch sonst oft vorkommendes wort, sonischalt. es be- 
zeichnet überall wo es vorkommt eine verbundene auzahl 
vieh, eine geschlofsene zusammengehörige herde. in unserem 
titel § 13 scheint es durch iunctum erklärt zu werden, wenn 
man nämlich die glosse sonischalt zu dem letzten davor ste- 
henden Worte, iunctay allein bezieht, wie man wohl mufs, 
wenn diese stelle nicht in directen Widerspruch treten soll 
mit allen übrigen in denen das worl vorkommt, sehen wir 
uns im gälischen um , so linden wir son in der bedeutung 



ZUR LEX SALICA. 161 

kräftig, stark, in beziehung auf menschen heifst es grofsge- 
wachsen ; in beziehung auf acker und gewächs fruchtbar^ 
überhaupt vortheilbringend, glücklich, durchdringend, kräftig, 
tüchtig, ceal heifst die fuge, die Verbindung, ceile was ver- 
bunden ist, z. b. eheleute. sonischalt könnte also eine frucht- 
bare herde die der Vermehrung, des vortheils willen verbun- 
den ist, bezeichnen, dies passt bei allen stellen. 

In ähnlicher weise wie die glossen zu dem erwähnten titel 
bin ich im stände die ganze malbergische glosse zu erläutern, 
das heifst also so dafs mit ausnähme einiger weniger worte 
sämmtliche übrigen sich auf ganz nahe liegende gälische wort- 
stämme zurückführen lafsen. im einzelnen mag ich mich, bei 
der neuheit meiner Studien nach dieser seite, vielfach irren, 
in einigen fällen näher liegendes übersehen und nach entfern- 
ter verwandtem greifen, aber der gesammteindruck ist mir ge- 
worden, die malbergische glosse des fuldischen codex stellt 
eine keltische und zwar eine dem gälischen sehr verwandte 
mundart dar. das wort vialberg., das der glosse beigeschrie- 
ben ist, bezeichnet auch selbst nichts anderes, denn mal heilst 
gälisch die Versammlung, der häufe, und beargnadli die Volks- 
sprache, lingua veriiacula; die abkürzung malberg. wird also 
nichts anderes bezeichnen als Volkssprache, landessprache des 
gerichtsumstandes, des zum gericht versammelten haufens, 
und mit deutschen malbergen nichts zu thun haben. 

Dafs in nordöstlichen gegenden Frankreichs und in Bel- 
gien, wenn sich noch reste der alten keltischen spräche hiel- 
ten, diese den dialecten Irlands und Schottlands nahe standen 
scheint den irländischen traditionen von einwanderung der 
Firbolg oder Belgier in Irland ein neues gewicht zu geben. 

Ich kann nicht umhin hier gleich auch ein wort der mal- 
bergischen glosse zu besprechen das sich zeither als ein wah- 
res kreuz erwiesen und noch kürzlich hcrrn ghr. Luden zu 
der wunderlichen ansieht verführt hat es sei ein eigenname, 
nämlich das wort Leodardi oder Leudardl. dies wort ist ge- 
braucht zu bezeichnung der verschiedenartigsten frevel, es 
ist aber nichts anderes als das gälische wort Icadairt, abgelei- 
tet von dem zeitwort Icadram, welches jede art frevelhaftes 
gehabens von blofs moralischer mishandlung, von blofsem mis- 
brauch, von der Verhöhnung eines menschen bis zur vernich- 
Z. F. D. A. II. 11 



162 ZUR LEX SAIJCA. 

tenden körporliclicn inishandlung, dem niederschlagen und nie- 
derhauen l)ezeichnet', leadairt ist ein jedes solches rechts- 
verachlciides verfahren, und diese bedeulung passt zu allen 
stellen, auch die glosse leudi hängt damit zusammen, denn 
leod ist gälisch mit leadairt synonym, dafs dieser dem gä 
tischen verwandte keltische dialect gerade in den belgischen 
gegendcu bei einwanderung der salisclien Franken noch ge- 
sprochen worden sein mufs sieht man daraus dafs einzelne 
solche keltische worte nicht blofs in der glosse sich finden, 
sondern im text selbst vorkommen, der doch ohne zweifei 
in niederländischer gegend abgefafst worden ist. so findet 
sich im 2n titel § 14 im texte porcellus teriuasiis. dies letz- 
tere wort ist ohne zweifei dasselbe mit dem in der glosse 
-zu § 5 sich findenden thertesun. dies findet seine erklärung 
in den textworten (pii sine mati^e vivere possit und hat als 
synonym bei sich das wort ymnisßlh. es kommt ohne zwei- 
feil her von tarrthaim d. i. wachsen, bedeutet also heran- 
gewachsen, und yninisßth von iomai/i, als verbum treiben, 
als substantivum die getriebene herde, dann insbesondere die 
Schweineherde, üu(\ Jithea?i, das schwein; es bezeichnet ein 
schwein das mit der herde laufen kann, ein treiberschwein. 
ein anderes synonymes wort gibt § 14 in der malbergischen 
glosse, dracechalt, wofür andere handschriften blofs drace. 
dränge haben, es erklärt sich dies wort durch dragk, tren- 
nen, abnehmen, und durch coilleadh, das schwein; drace- 
chalt ist ein getrenntes , von der muttersau entwöhntes 
schwein. * den entscheidendsten beweis aber dafs wir es 
mit einer gälischen mundarl zu thun haben liefert § 11 des- 
selben titeis. da haben die textworte si quis viginti quinque 
porcos furaverit, nbi at/iplias in gregc illo non fuerint ne- 
ben sich die glosse sonischalt tita zym is fit miha chunna. 
sonischalt kennen wir schon, es heilst die zusammengehö- 

* dafs ehalt das schwein, im i)c,sondcrn die sau bedeutet sielil 
man aus den beiden glossen fucivhalt, scrofa ßtrata, und varachalt, 
:,iiofa uccisa. jenes ist mit yog-/*, der raub, zusammenf^cselzl. dies mil 
initarbh (sprich ivarw), lodt, gelödtel. so wie es auch aus der glosse 
III ii/nii scxa ehalt hervorgeht, welche sich erkläil durch rtsque ad 
sex cupila {po7-coruin); in steht hier (wie we-ler unten in unserem 
texte Itia) in der bcdeutung Bis zu, und in zymi sexa ehalt heifst Bis. 
zusammen sechs Schweinen. 




'JB^ 



2& ^ «r 



iPiiarHtie» 



164 CHRENECIIRUDA. 

geleitel ist. wahrscheinlich ist ein altes adjectivum cniin- 
aeach, versammelt, gesammt, abgekreüst, vorhanden gewesen 
und dies ist unser chrettoc, denn /// und ai wechseln mund- 
artlich wo diese diphlhongen stammvocale sind. 

Dasselbe adjectivum ciminneach, d. i. collectus, bildet 
den ersten theil von ckrcncchruda, welcher also wohl auch 
chrencc oder chrenech zu schreiben ist, aber in der raalber- 
gischen glosse, die die worte nicht nach gelehrter Orthogra- 
phie, sondern nach dem ohr darstellt, chrene geschrieben 
wird, weil das anlautende ch des folgenden Wortes das an- 
lautende ch \\xchre72ech unhörbar machte*; chruda oder cruda, 
wie andere handsciiriften haben, ist creadh, d. i. erde, staub, 
das ganze bedeutet also terra collccta. dafs nun Zusam- 
mengenommene erde und Zusammengenommene herde in der 
malbergischen glosse so ähnlich klingen findet sein analogon, 
wenn wir bedenken wie wohl ein Franzos, der nach dem 
klänge die ebenangeführten deutschen worte aufschreiben 
sollte, verfahren würde, schwerlich würden sie sich befser 
unterschieden ausnehmen als chrencc ruta und chrenec cruda. 

Wen es wunder nehmen sollte dafs creadh zu cruda 
gehöre, trotz des so abweichend lautenden stammvocales, 
der bedenke dafs erstens dies wort überhaupt in seinem vo- 
cale sehr schwankend ist, denn neben creadh kommt in 
Schottland und Irland die form criadh vor, und offenbar nur 
eine nebenform ist crcdh, die mineralische erde, das erz, 
sodann zweitens dafs früher eine form croth auch im gäli- 
schen vorgekommen sein mufs, wie die ableitung crothaid, 
ein grantsteinchen, ein kiessteinchen, grothal, sand, kies 
grant, beweist. — das galische ea hat in Irland einen lan- 
gen, einen kurzen und einen accentlosen laut; es lautet äh, 
e, oder fast wie französisches stummes e. wo es den lan- 
gen laut hat ist es in der malbergischen glosse in der regel 

* einen ganz ähnlichen fall haben wir in tit. xlh de plagiatori- 
btts § 2, hier findet sich zu dem falle dafs jemand einen sklaven 
stiehlt nnd üher das lueer enllührl die glosse viridio für vir-ridio, 
d. h. meer- flüchlnng, von miniir (sprich witir, morlificicrte form von 
Tnuir), das meer, und ri/ith, die lliichlung. die gelehrte Orthographie 
würde ein doppeltes r erfordern , die rasche rede läfsl aber nur ein 
einfaches wabrnebmen. 



CHRENECHRUDA. 165 

au geworden, seilen io oder eo, eu; vielleiclit ist aber auch 
chrenechrcuda zu lesen, wenigstens hat der Fuhlaer codex 
chrenceiide für chrenochruda. das kurze gäiische ea ist in 
der maibergischen glosse immer e. 

Ich schlielse der besprechung dieses Wortes auch ein 
ähnlich lautendes an welches tit. ii de J'urlis porcorum § 1 
iu der Pariser handschrift begegnet, da steht zu den latei- 
nischen Worten */* quis porcellum lactantem de f ranne (ver- 
schrieben für hran/ie, und die Fuldaer handschrift setzt noch 
ganz nothwendig hinzu prima aut de mediana) furaverit die 
glosse ckrinne chultis. doch ehe ich diese Wörter erklären 
kann niufs ich erst den ausdruck rhamie erläutern, im gä- 
lischen heilst rann, rainn, ruinn oder runudh eine abtliei- 
lung; in unserer stelle hat rhanne dieselbe bedeutung oder, 
in speciellerem sinne, sorte, race, art. die worte des Ful- 
daer codex de rhanne prima aut de mediana bedeuten Von 
geringster race oder von mittlerer, dies beweisen deutlich 
die in demselben codex dabei stehenden worte der glosse 
rhannecala lerecala id est unum ahelepte. nämlich rhanne- 
cala ist verschrieben, wie man deutlich aus der bedeutung 
des nachher zu erläuternden chrinne cultis sieht; es sollte 
heifsen chranne cala, der Schreiber, der die glosse nicht 
mehr verstanden zu haben scheint oder das im text vorher- 
gehende wort rhanne im köpfe hatte, setzte für chranne 
dies wort noch eiumahl. chranne cala heilst häfslichster qua- 
lität, von granna, d. i. häfslich, schlecht, und call, die Qua- 
lität, lere cala heifst leidlicher qualität, hinreichender qua- 
lilät, von leör, hinreichend, genügend, und cäil, qualität, 
dies lere cala wird noch erklärt durch die worte id est unum 
ahe lepte, d. h. eines von gedeihlicher race, denn ahe ist 
das gälische aigh, gut, gedeihlich, und lepte ist das gälischc 
leahhadh, die race. der folgende paragraph des Fuldaer 
codex sagt dann si vero in tertia rhanne (also von noch hö- 
herer Sorte) furaverit, und dazu die glosse rhanne chalteo. 
hier ist rhanne au seinem orte; denn chalteo ist das gäli- 
sche gallda, fremd, und rhanne chalteo heifst Von frem- 
der Sorte. 

W^ir haben also in dem vollständigen codex drei ver- 
schiedene schweiucsorten, nach deren höherer gute die bufs- 



166 CHRENECHRUDA. 

gelder steigen, aufgezählt, der mangelhaftere Pariser codex 
hat offenbar nur die erste, geringere sorte im äuge ; die fol- 
genden bestimmungen fehlen, ihm, und diese erste, geringste 
Sorte wird bezeichnet mit chrinne chultis, d. i. unansehnli- 
ches schwein, yQM criön, klein, unansehnlich, xm^ciiilleadh^ 
das Schwein. 

Ich mufs hier nothwendig noch etwas hinzufügen über 
das ch der malbergischen glosse. es entspricht nämlich bald 
gälischem c, bald gälischem ch, bald gälischem g. der laut 
ch ist im gälischen nur ein mortiGciertes c; die mortification 
tritt bald als grammatisches bildungsmittel, bald in folge des 
auslautes vorhergehender worte und silben ein, bald ist sie 
nur dialectische eigenheit. dafs also zuweilen malbergisches 
c gälisches ch, zuweilen malbergisches ch gälisches c ist 
und dann und wann sich malbergisches und gälisches ch 
decken ist natürlich ; jedes anlautende gälische c kann ja un- 
ter umständen die mortification erleiden, auffallender ist al- 
lerdings dafs ch auch gälischem g entspricht, und zwar sehr 
häufig, allein auch das ist natürlich, wenn wir andere buch- 
stabenreihen betrachten, die Galen haben nur einen reinen 
dentalen laut, denn s ist sibilant und t ist im irländischen 
(offenbar die ältere ausspräche festhaltenden) überall ein star- 
kes englisches th (im schottischen ist es vor sogenannten 
breiten vocalen zur tenuis t, vor schmalen vocalen zum ita- 
liänischen ci geworden) ; zum ausdrücken der reinen denta- 
lis, sowohl des t als des d, hat also das alte gälische nur 
einen buchslaben, nämlich d. offenbar kannte die schrift 
früher auch nur d; denn während alle übrigen buchstaben 
baumnamen oder vielmehr pflanzennamen haben, hat das t 
allein den namen teine (feuer), zum zeichen dafs es in das 
aiphabet gekommen unter ganz anderen, späteren umständen, 
wenn also in der malbergischen glosse bald t für gälisches 
d, bald d für gälisches t sieht, so hat dies nichts befrem- 
dendes, weil sich d und t im gälischen erst später und of- 
fenbar nach etwas anderen gesiclitspunctcn schieden als bei 
der auffafsung des mundartlichen klanges für die malbergi- 
sclie glosse obwalteten, ein ganz gleiches Verhältnis findet 
hinsichtlich p und b statt; jenes ist gar kein aller gälischer 
buchslab, er hat keinen eigenen uamen, sondern wird als 



CllUENECllKUÜA. 167 

weiches b bezeichnet und im irUiiidischen wenigstens weicher 
als h ausgesprochen, er ist ursprünglich für fremde worte 
in die spräche gekommen, und wenn er auch in einige ur- 
sprünglich gälische worte eingedrungen ist, lindel sich doch 
in der regel die Schreibung derselben werte mit b noch 
daneben und sogar häufiger, z. b. boc {capra) neben poc 
u. s. w. so scheint es nun dafs wie bei der dentalen und 
labialen reihe die tenuis und die media in älterer zeit im 
gründe zusammenfallen (denn auch bei der dentalen reihe 
wird noch häufig in denselben Worten t und d geschrieben, 
z. b. teine, feuer, und deine, hitze, sind eigentlich dasselbe 
wort und der orthographische unterschied ist nur wie im 
deutschen bei wider, contra, und wieder, rursus, rein künst- 
lich und willkürlich*), so auch bei der gutturalen reihe der- 
selbe fall statt fand und die tenuis c und die media g viel- 
fach verwechselt wurden; auch tritt noch jetzt derselbe fall 
wie bei den andern reihen ein, dafs die Schreibung willkür- 
lich in vielen Wörtern zwischen media und tenuis wählt, 
z. b. neben gabhar, die ziege, findet sich fast ebenso oft 
cabhar. ein anderes hieher gehöriges beispiel hatten wir 
oben in crothaid, das sandsteinchen, kiessteinchen, neben 
grothal, der sand, kies, kurz, wie in Thüringen kein mensch 
den unterschied von t und d, von p und b, und selten den 
von k und g hört, und also auch ihn nicht ausdrückt, so 
ist es bei den Galen wahrscheinlich in älterer zeit bestellt 
gewesen, und daher dies kreuzen und wechseln der Schrei- 
bung, selbst in denselben Wörtern, und sogar im anlaute, 
wo doch sonst tenuis und media am leichtesten geschieden 
gehalten werden ; daher diese Unsicherheit in dem vorkom- 
men der tenuis und media, wenn mau die malbergischen 
Worte mit gälischen in verglcichung bringt, indessen erin- 
nere ich mich nicht ein malbergisches g anders gefunden zu 
haben als gälischem g entsprechend. 

H. LEO. 

* d. h. ursprünglich willkürlich ; denn in der lange der zeit würkt 
dann die Schreibung auch auf die ausspräche wenigstens derer die aul' 
bildung anspruch machen, wie man bei gewissen durch die Schreibung 
entstellten deutschen Wörtern sieht. 



168 



INCIPIT AVREA FABRICA 

de laudibus virginis gloriosae. 

1 lllius assit gratia, 

qui stricta cinctus tascia 
caelorum ambit spalia 
et manet ante solem, 
et raorilur pro gregibus 
datque salutem regibus, 
ut suis subdant legibus 
totius orbis molem. 

2 Fideles tradunt apices, 
latoris legis Codices, 
mysteriorum indices, 
sub forma typicorura, 
ad struem tabernaculi, 
caelestis babitaculi, 
sacrorum retinaculi, 
quas quivis Hebraeorum 

3 Res absque simullatibus 
de suis facultatibus 
sinceris cum conatibus 
pro viribus dederunt. 
magnates cum potentibus, 
qui praeftierunt gentibus 
non sine puris mentibus, 
laetanter obtulerunt 

4 Aurum quidem ab aurea, 
argentum ab argentea, 
aes ad ornandum aerea, 
ut novit architectus : 
thesaurus istis varii 
vigoris, mullifarii 
coloris cingentarii, 

est lapidum adiectus. 
4, 2. 'i. l. ad — ad 7. /. argenlaiii 



AÜREA FABRICA. 169 



Nunc donaiit inter alia 
ligna Sethim nobilia, 
sed haec imputribilia 
fuisse memoranlur. 
postremo dant piirpurea 
cum cocco byssum, linea, 
quae nunquam laedet tiuea. 
sed isla applicantur 
Cohortibus leviticis 
pro vestibus pontificis, 
quae noveruut ar tili eis 
industria poliri. 
egeni dabant denique 
cum pilis pelles utique, 
cum quibus opus undique 
debebat operiri. 
Oblalis bis gemmarius 
Beseleel, aurarius 
fidelis, coramissarius 
prae omnibus electus, 
prudens vermicularius, 
perfeclus operarius, 
doctus anaglypharius, 
est opibus praefectus 
Subtili cum lignario 
Ooliab, plumario, 
bono polymitario, 
viro sciente plura, 
quae lieri ex arbore 
valebant et ex marmore. 
lapidibus et ebore 
iu omni caelalura. 
Cum suis rei stemmala 
hi norunt et arouiala, 
ex quibus thymiamata 
suavissimi odoris 
conücienda fuerant, 
bas artes ut docueranl 
et artius innueraut 



170 AUKEA FABKICA. 

iustinctus creatoris. 

10 Ornat US habilaculi 
cum archa tabernaculi 
solertes hi veniaculi, 
candelabruin et arani 
cum Cherubim velamiua. 
et vasis ad libamina 

ex auro forniant lamiua 
pontilicis tiaram, 

1 1 Lucernas, emunctoria, 
quae nulla fuscat scoria, 
cum basibus tenloria 

et purpura iacincto, 
cum ephot veste vario 
et opere plumario, 
ritu polymitario 
bis cocco quoque tinclo. 

12 Ast alii durissimo 
saxoque de iirmissimo 
mel sapidum purissimo 
cum oleo suxerunt. 

de islis quid plus referam 
vel ad quid plura proferam, 
cum nil egissent perperam 
in bis quae construxeruut? 

13 Sed ego cum sim luteus 
et sensus nisi bruteus, 

- sit altus quoque puleus 

nee vas ad bauriendum, 
prae facultate penula 
hinc voce pelo tremula, 
ut lingua parcat aemula 
prompla ad corrigeudum, 

14 Thesaurus beu scientiae, 
argcntum eloqueuliae 

et aurum sapicntiac 
in cordis mci sporla 
deticiuul, habiiitas 
10, 7. /. auri 



ALIUEA FABUICA. 171 

liguorum et uobilitas 

geramanun et slabilitas 

aeris, byssus retorla, 
15 Eburqiie castiinoniae, 

beryllus parsimoniae 

et marmor sanctimoniae 

cum iaspide iacinctus, 

et purpur aptiludinis 

lumenque valetudinis 

et luna rectiludiiiis, 

bis coccus quoque tinclus. 
l(J Rex ergo celsi numinis, 

dignare, pater luminis, 

lorrente sacri fluminis 

ine sie laetiöcare, 

si oleum cum mellibus 

non sugam ex saxellibus, 

sed pilis et de pellibus 

queam erucluare 

17 Älariae laudes et honorem, 
virtutes et decorem 
virginitatisque pudorem 

et mores cum ornalibus, 
diversis modis a discretis 
tam patriarchis et prophetis 
praetypiatos in secretis 
obscuris aenigmatibus. 

18 Excelsi regis maler nata, 
ab intus pulcre deaurata 

et variis praedecorata -«• 

scripturae cum monilibus, 
dignare pennam irrigare 
et stylum mentis colorare 
sie ut ad strucm comporlare 
quid queam cum exilibus. 
l'J Scriptoris linguam, cursum mcnlis 
gubernet virga dirigcntis 
velociterque conscribentis 
17, Ü. virlulcs cii^s et? ! 



172 AUREA FABRICA. 

illius scribae calamus, 

cui virgo tarn serenum 

hoc praeparasti parganicnuni, 

in quo depictus est ad plenuni 

caelesti sponso thalamus. 

20 Centenis centies millenis, 
millenis niilies centenis, 
minuta quae sunt in arenis, 
tot etsi fruar linguulis, 

si unguis loquar angelorum 
arteque canam musicorum 
et mores noscam elhicoruui, 
sed etsi fungar singulis 

21 His sacris dotibus perfecte, 
nequaquam quibo adhuc rede 
reginae caeli praeelectae 
virtutum laudes pangere. 

si tarnen ipsa spes reorum 
hoc mihi praestet, quod meoruin 
arx muri ruat vitiorum, 
temptabo tuba clangere. 

22 En qualis haec et quanta 
est, cuius pulcritudo lanta 
sie a supina pedis planta 
ad verticem protenditur? 

en haec est virgo praecedentem 
non habens parem nee sequentem 
virtutibus aequipollentem, 
ex scriptis ut perpenditur. 

23 Dos casta haec est viri, parens 
enixa virum viro carens, 
producens germen humus areiis. 
haec cstque phoenix unica, 
capillos cuius auricolor 

et verticem miratur clor, 
in facie, qua mire solor, 
arrident mala punica. 

24 Ex intcrmixto liliali 

19, 5. cui tu V.'? '11, 1. Eu (jualis virgo? 



AÜREA FABRICA. 173 

rubedine cum roseali 
maxillae forte nitent, tali 
perfiiso fronte parcius. 
cincinnos noii adulter fucus 
subornat neque tingens sucus, 
subtilis iste cum sit bnicus 
pudorem rodens artius. 

25 Nasusque forma moderata 
est, nee depressa nee elata, 
pigmenta reis de quo grata 
scaturiunt cottidie. 

hinc oculi praerutilantes 
sunt et ut stellae rutilantes 
ac in virtute coruscantes 
sol tamquam in meridie, 

26 Seseque sompno nunquam dantes 
palpebrae neque dormitanles 
sunt, sed pro suis vigilantes. 
praeclara supercilia 

o quam decenter ornant vultum, 
totius quoque formae cultum, 
oreque labiis rubet multum 
haec pulcrae Syon filia. 

27 In India nee ebur tale 
nutritur, dentibus est quale 
candoris decus virginale 
illustrans oris medium : 
gutturque lacteo colore 
candescit, coUum nivis more, 

stupescit mentum prae decore, v 

fit exul omne laedium. 

28 Supernus auctor egil sorte, 
quod aures eins forent portae 
caelorum regis preces forte 
nolentes unquam spernere. 

quam felicem, quam beatum 
hunc dicam, cui datum 
est hunc praeclarum et dicatum 
34, 4. pcrfusa? 26, 7. ore labrisquo? 28,6. Iiunc ego? 



174 AÜREA FAßRICA. 

vultum in aevum cernere. 

29 Scrulatur ab infantia 
pectus eius meruui 
praecepta cum flagrantia 
conditoris rerum, 

et ubera fragrantia 
sunt hinc deum verum 
in iuvene lactantia 
antiquumque dierum. 

30 Est venter eius aureus 
argenteus beatus, 

est merito eburneus 
et gemmeus vocatus, 
portatur quo aethereus 
caelorum advocatus, 
per quem iacet vipereus 
iam coluber prostratus. 

31 Re Vera celsi solii 
dum nuncius legatur, 
cor huius instar folii 
palmarum elevatur 

et ut repandi lilii 
sie supra dilalalur: 
dum flebant Evae tUii, 
'ecce ancilla' fatur. 

32 Virginea decentia 

ad instar plumi cigni 
sunt bracliia niteutia, 
ex aloesque ligni 
odore redolcntia 
divino apla igui : 
amplecti cum frequenlia 
si essemus digui. 

33 Ingenti pulcritudine 

sunt man US decoratae 
fl 

deccnti longitudine 
cum digilis ornatae, 
donandi aptitudine 
',>•», 8. anticiuum? 32. 2. /. pluiiiiie 



AUREA FABIUCA, 17.) 

quae rainiuie seratae, 

sed dandi proniptitudine 

sunt aquilis praelatae. 
34 Tornatilis est dextera 

• virtutum genitiva 

Dieses gedieht ist mir von hm. i>rof. IV^h. Grimm zur 
hekanntmachung gütig i/her/q/'se/i worden, der es von Schnel- 
ler erhielt, in abschrij't aus der Münchener handschrifl 
Aug. Dominic. 26, 15 jh. pap. 4", bl. 91''. die Überschrift 
aurea fabrica könnte ein original zu Konrads von Würz- 
hurg goldener schmiede vermuten Iqfsen, allein das deut- 
sehe und das lateinische gedieht, soweit sich das letztere 
als bruchstück beurlheilen läfst, sind in form und inhalt 
ganz verschieden und bieten kaum im einzelnen etwas über- 
einstimmendes dar. die Überschrift rührt, wie mich dünkt, 
von einem abschreiber her, da sich in dem gedichle selbst 
keine beziehung darauf fndet; will man sie dennoch als 
echt gellen lafsen, so darf man ivcnigstens aurea fabrica 
nicht durch goldene schmiede wiedergeben, in den einlei- 
tenden Worten sagt der dichter dafs zu erricht;ung (so ist 
wohl 2, 5 ad struera tabernaculi zu nehmen) und aus- 
schmüekufig der stiftshütte jeder von den Juden, der reiche 
wie der arme, das seine beigetragen habe, gold, silhei\ 
erz, edle steine, köstliches holz und anderes, und dafs a7is 
diesen Stoffen kunstvolle meister eine tvohnung für den höch- 
sten bereiteten, der dichter wünscht dafs ihm in ahnlicher 
weise von gott das gold der loeisheit, das silber der be- 
redtsamkeit u. s. 7o. verliehen leerden möge, damit er das 
lob Mariens besingen, gleichsam zu dem baue ihres tem- 
pels der ehre und des ruhmes das seine beitragen könne, 
hat also der dichter selbst sein werk aurea fabrica genannt, 
so verstehe ich unter fabrica eine werkslätte, bauhütte, wie 
deren viele im millelalter zur erbauung eines münslers er- 
richtet umrden ; aurea ist darin blofs epitheton ornans. 

Das aller des gedichles wird sich nicht genau bestim- 
men lafsen i ich möchte es in das \Ze jh. setzen, tveniger 
zweifelhaft kann es sein dafs- der dichtei' ein ff^elscher. 
wahrscheinlich ein Franzose, kein Deutscher war. dies zeigt 
nicht sowohl 19, die form pargamcnuni (parchemin), denn 



176 AÜREA FABRICA. 

diese könnte dem ahschreibei^ angehören, sondeim es geht 
aus mehreren cigenthüinlichkeiten in Stellung und hildung 
der Wörter hervor die sich am besten bei einem Schriftstel- 
ler erklären lafsen der die lateinische spräche wie eine 
halb angeborene zu behandeln gewohnt loar. dahin rechne 
ich die hdufiing vo7i adjectiven, die form saxellibus 16, 6, 
arx muri (vitiorum meorum) 21, 7. — das wort penulus 
13, 15, das ohne zweifei ärmlich bedeuten soll, ist wohl 
von penuria abgeleitet, vernaculi 10, 3 steht für famuli. — 
ungeschmack zeigen die worte 25, 2. selbst der alte ab- 
schreiber scheint den werth des gedichtes nicht hoch ange- 
schlagen zu haben, da er abbrach, verbefserungen werdefi 
noch an manchen stellen nöthig sein. 

LEIPZIG. H. LEISER. 



ZU BERTOLTS CRANE. 

In Mafsmanns denkm'dlern deutscher spräche und lite- 
ratur befinden sich 1 , 75 — 79 bruchstücke eines unbekan?i- 
ten crz(ihle?iden gedichtes tvelches allem anscheine nach von 
Bertolt von Holle herrührt dessen gedieht Crane wir im 
ersten bände dieser Zeitschrift, so weit es erhalten ist, mit- 
getheilt haben. 

Einmahl stimmt sowohl das alter dieser handschrift* , 
die dem vierzehnten Jahrhunderte angehört, zu der zeit, 
in tvelcher Bertolt lebte, als auch der fundort derselben, 
Magdeburgs zu dem vaterlande des dichters ; vorzüglich 
aber entscheidet die spräche und das ganze colorit in die- 
sen bruchstücken dafür dafs beide nur von einem verfafser 
hen^ühren können, formen toelche hier vorkommen, loie 
men für man, van für von, wert für wirt, we für wie, 
let für liez, ret, repf, vornam, unllielden, over, orlop, dorcli, 
vorste, coning, coninginue, vorte {für fuorte), sloch, tro- 
gen, genogen, mozen, vrowcn, vrowden, truwe, iind über- 
haupt der juangelnde umlaut zeigen dasselbe Verhältnis der 
vocale wie es sich in dem gedichtc Crane aus meiner s. 60. 61 

• sie besteht vur ans zwei pergameniblättern in qitart, die von 
einem bücherdeckcl abgelöst wurden; jedes derselben enthält 96 zeilen. 



zu BERTOLTS CRANE. 177 

versuchten Zusammenstellung ergab ; nicht minder entspricht 
derselben der consonantismus in diesen bruchstiicken, vgl. 
leven, geven, gaf, over, sterven, inverven, repf, hulphe, 
waphen, let, vordrot, slolten, dat neben daz, troch, sloch, 
bogen für hohen, die sijncope des h in jen, sen, gesehen 
und anderem, mit dem zu Crane s. 63 gesammelte?!, ein- 
zelne geringe abweichungen finden sich allerdings^ wie z.b. 
dafs diese handschriß hc für eh hat, was aber ebe?i nur 
den verschiedenen schreibe?'?! anhei?n fällt; denn auch i?i 
andern ei?izelheiten zeigt sich genau dasselbe idio?n, da 
hier he mit her, imber mit umber u?id ummer wechsehid, 
dus für sus, das niederdeutsche wenle, dieselbe verwi?'rung 
in der decli?iation des ungeschlechtige?i pro?io??ie?is und der 
zu Crane I, 37 bemerkte auffallende gebrauch der priipo- 
sition an wiederkehrt. die reime in diesen bruchstücke?i 
sind eben so einförmig wie im Cra?ie; ?ia?ne?itlich findet sich 
das bei Bertolt sehr häufige alzohant : bekant oder lant /// 
den wenigen versen dreir?iahl. zuletzt zeigt noch die häu- 
fige wiede?'kehr der epitheta gemeit, wert, milde, hochge- 
lobet dafs beide gedichte nur eineji verfafser haben, so wie 
der ga?ize ton inid die ?na?iier der pocsie in beide?! b?'uch- 
stücken übei'ei?istim?nen, was keinem leser bei angestellter 
veigleichung e?itgehen wird, wir theilen deshalb hier nur 
ei?ie kurze p?'obe (bl. II, z. 86 — 97 nach Mafsi?ia?ins ab- 
drucke mit, eine stelle die ??iit Cra?ie IV, AA^ff., wo Ache- 
loyde von Gayol abschied ?n??nnt , sehr gj'ofse ähnlich- 
keit hat. 

De coning zo der vweu sprahc 

'In can mibe nihct leng* sparen. 

Nahe dem vorsten wil ihc varen. 

Woldi mibe vmm nie gesen, 

Daz sal vor antriun gesellen. 

Heiz min waphen bringe mihc' 

Nein, o milde vorste rihe,' 

Sprach de eoninginne reine, 

'Wold ir dar riten eine, 

We stet daz vwcr edeliebeil? 

Ir hat so manigen hclid gemeit — 
Lntcr de?i persone?i die in diesen bruchslücken erirähnl 
Z. F. D. A. FF. 12 



178 ZU BERTOLTS CRANE. 

werden irUt hesondet's Demantin hervor (bl. 11,17.64.80). 
der die schönste Jungfrau Syrgamote erioorben hat. nun 
besieht sich Bertolt im Crane IV, 216 y. ^folgendermaßen 
auf ein früheres erzählendes gedieht welches von falschen 
Spöttern getadelt sei, 

do ich sprach we der man vn gin 

mit swerten pris er worven hat, 

se twauc ires hertzen valschen ral 

datz se der tzucht vor gazen 

vii mine rede niazen. 
ich hatte schon vermutet dafs in dem unverständlichen man 
vn gin der name des beiden stecken miifse und es wird 
jetzt^ zumahl da namen in altdeutschen handschriften öfter 
sehr verdorben sind, der schlufs zuläfsig sein dafs hier 
Demanlin statt der man vn gin gelesen tverden miifse, wo- 
für sowohl der reim als die schriftzüge sprechen : woraus 
de?in von selbst folgt dafs die erwähnten bruchstücke bei 
Mafsmann zu dem gedichte Demantin von Bertolt von Holle 
gehören. 

Noch sicherer dürfen unserm Bertolt die bruchstücke 
eines gedicbtes zugeschrieben werden welches in Nyerups 
symbolae ad litcraturam teutonicam antiquiorem sp. 83- — 92 
aus einer pcrgamenthandschrift welche gleichfalls dem vier- 
zehnten Jahrhundert angehört unter dem titel fragmenlum 
carminis antiqui Suevico-Saxonici ex historia Darifanti mit- 
gethcilt sind, wir glauben den beweis nicht einleuchtender 
führen zu köntien, als wenn wir diese bruchstücke hier 
ganz mittheilen und die parallclstclten aus Crane und De- 
mantin hinzufügen, zumahl da Nyerups buch nicht jedem 
leser zur band sein möchte, weil wir keinen diplomatisch 
getreuen text liefern konnten, so geben tvir Nyerups ab- 
druck interpungiert und von den ärgsten fehlem gereinigt 
wieder : die Schreibart der kandschrift, so inconscquent sie 
ist, haben wir beibehalten, da sie sich nicht nach den ge- 
wöhnlichen mittelhochdeutschen gesetzen regeln lafsen ivird, 
wenn es auch leicht war einzelnes zu befscrn. nur die un- 
tren7ibaren präposilionen sind, too sie abgesondert ivaren, 
der deutlichkeit wegen mit den tvorten verbunden zu wel- 
chen sie gehören, die wichtigsten abweichungen von Nyerups 



zu BERTOLTS CRANE. 179 

texte sind angezeigt, offenbare lesefehler abet' stillschwei- 
gejid vei^bej'sert. 

mit der sconeii Locedyau quam 

dar al sin troren cn ende uani 

in der vroweden riehen nacht 

dar sie tzo samende worden bracht. 

ein bete in Avas ghemachet 5 

mit richeit uongheswaghet : 

mit vroweden brachten sie se dar 

vil menich scoue vrowe dar. 

dar wart sunder sorghen 

de nacht went an den morgheii 10 

bracht vil vrolichen. 

dar wart yme daz riebe 

ich wene kleine ghedacht. 

waz dar vroweden wart volbracht, 

des ne muoz ich wisen nicht; 15 

were ich vorbaz bericht 

ich chundc iz doch vorswighen wo! ; 

vor der valschen deth man sol 

vorswighen gutes maunes heil 

daz sie es ne winnen nimber teil, 20 

Do de nacht uof ende quam 

Locedyan man do nam, 

man kleidete sie mit richeit; 

menich vrowe gemeit 

halph zimeren iren lip. 2.5 

do was sie das sconeste wij» 

daz mannes oughe i ghesach, 

de meyste meiiie ir des iach, s 

an scone hctte sie den pris : s 

de cronen dar tzo Torkis ?. : 30 

de sach man ir hovuet tragen. ; 

ich wil van dem vorslen sagen, 

ich meine den werden Balifeil : 

im waren van samilte kleit 

3. daz was iit N. vgl. Ci\ iv, 340. 4. <laz N. 

Ct\ IV, 115. 117. 243. .5. uf oin bete N. 14. Cr. iv, 262-66. 

16. der« N. 30. d(Mi N. 33. (Y. iv, 79. 539. .591. 

12" 



180 ZU BERTOLTS CRANE. 

ghesnilen riche und grot: S5 

manich lowe van golde rot 
de stunden bi ein ander dar 
mit menigheme riehen steine dar 
vaste underscheiden. 

iz gene also in beiden 40 

als in de wuonsch bette irdacht. 
Nuo wart dar de crone bracht 
de des landes bette gbewalt. 
nuo wart de iuonghe vorste halt 
ghecronel dar tzo Torkis, 45 

dar her sint vil menigben pris 
begbencb mit siner milden bant. 
nuo uontfengben ir borge vn ir lauf 
de vorsten vnd de heren al. 

von boverende irhof sich do ein scal 50 

vor dem iuongen coninge riebe 
von den berren al ghelicbe 
vnd von dem bertzoghen wert, 
swer dar wolde nemen swert, 
daz wart mit willen im gegheuen: 55 

man sach nach werdicheide streuen 
vil manigben edelen riehen man. 
der coninch etzen do began. 
dar lephen ros heren vri 

de de rittare sloghen bi, 60 

üv dar upphe menich samit lach 

ghesniten und pellel von Baldach 

de de vorsten riche trogben vore. 

dar was uof ghetan de tore : 

de ir gnaden gherten 65 

de vorsten sie ghewerten 

mit ir gave vnd mit sotzicbeit. 

dar was alles daz bereit 

36. Cr. 290 — 300 do se de bilte priseten de man dar underschei- 
den vant, mauigen lewcn riche irkant de uf einen samit breit koste- 
liche wären bereit. 38. was N. 46. her fehlt N. 50. houo- 

ende N. vgl. Cr. iv, 210. 51. von N. 59 ff. Cr. iv, 134—141. 

63. de ersten richten N. 



zu BERTOLTS CRANE. 181 

daz ein vorsle hauen sohle 

de erliche woide 70 

siue hochtzit macheit. 

daz de spottere dar uof lachen, 

ob sie daz letzen daz wer mir teil. 

dar wart mit grotzer werdicheil 

de hochcit uof ein ende bracht : 75 

ich wene dar ichtes wer gedacht 

iz ne werte al ghetan. 

ich wil von der rede lan, 

waz woldich ir mer ghesaghet? 

dar bleif de vorste uonvorzaghet SO 

gheweldich an sime riebe : 

daz besaz her so erliche 

daz hers ghewan so hoeu loi", 

swer nach im reit an sinen hol 

dorch besehen an sin lant, 85 

her wart also wider ghesanl, 

daz is der coning ere uontfenc. 

Balifeile iz wol irghenc : 
do vn ymber mere 

irwarf her pris vnd ere. 90 

von Darifante wil ich saghen : 
sin ritterschaf beguonde in iaghen . 

dorch der minne pris an vromede lanl 
orloues gherte her altzo baut: 
waz her dicke wart ghemant! 95 

he wolde im liehe don becani 
mit im daz coningriche, 
her solde gheweldichliche . 

mit im dar inne coning sin. 

PuoUe daz eighen riebe min 100 

ich don is dir ghelichen teil becaul/ 
do sprac de iuonge Darifant 

7^. vgl. 18 und Cr. 1,22. iv,212jf. 78. Cr. iv, 375. 84. 6V.i,4»-45. 
86. Cr. 550. 551 ir werdet also weder gesant datz ich des motz ha- 
vcii ere. 92. Cr. iv, 462. 556. zwischen 95 und 96 scheint 

etwas zu fehlen. 96 ff. Cr. iv, 438. 333 niiner lulc und miner 

ant tuon ich im lichea teil bekaat. 



182 ZU BERTOLTS CHANE. 

'duo soll din riche selver han: 
ich wil beide und plan 

nach aventuoren riten, 105 

dorch zyosleren vnd dorch striten 
wil ich sochen vroniede lant.' 
Nu tzoch de werte Darifant 
harnasch an sin stolte lip. 

waz dar manich scone wip 110 

inil ir smalen witzen hant 
im sine waphen remen hant ! 
sin korsit vnd sin waphenkleit 
mit grotzer richeit was beleit 

so iz Fiolede irdachte : 115 

mit kost sie iz volienbrachte. 
de coninginne reine 
waren uoz ghespruongen steine 
^'f' vor swerten swar de vorste streit- 

nuo hetle de coningiu ghemeit 120 

robine dar wider in ghetan. 

sie mochte is lever han ghelan, 

sie waren dar vonghepriset. 
*«♦- _ de aventuore mir wiset, 

iz ne wart ni vorste baz ghesant ]25 

ghesimeret an vromede lant. 

swe vil her ghebeten wart 

daz her bliue, her wolde uof de vart. 

als mi seit de aventuore, 

nuo karte der gbehure 130 

mit siner feyen an vromede iant. 

der coning gherne mit im ghesant — 
es fehlen loenigstens zwei blätter. 

de sie betten uoz ghesant. 

'Phiolede' Darifant 

vil dicke ref, swen her trat 135 

vnd so nendichliche sleghe mal 

llü. Cr. IV, /i68 — 470 de junge koniaginne gemeit im al de wä- 
Iciirieniea bant mit ir wizen edelen hant. 132. han fehlt N. 

127. Cr. IV, 465. 537. 129. als mi de a. .V. 130. vgl. 194. 

Cr. i, 19. 134. Dem. i, 59. 136. Dem. ii, 65. her mat IV. 



zu BEKTOLIS CHAiNE. 183 

iiol den gliellorereden man. 

wider rufen her Legau 

Fiacrode de coningin, 

an dinie denesle ich hir bin, 140 

din scone helphet mich vorwar. 

her rif sie an vnd trat im nar : 

swicka, we he do swenken ghenc 

vnd selve daz widerghelt uontfeac 

von dem werden Darifant! 145 

dar spranc vor der tzwiger liaut 

daz wer wol Iwiger ackere breit 

nuo dranc de vorsle iunc ghemeit 

zo Darifande daz her trat 

vnd uontweich ein kleine von der stal. 150 

dorch so grolze strites not 

de feye ir ovghen uontieghen im bot. 

sie sprach "^owe der vrovde min ! 

suolt ir hir vorstriten sin, 

so si wir dri an vrovden loth ; 155 

ich meine der gotinnen not 

vnd der sconeu ElFadien dar 

de uimber ghetrost, daz is war, 

ne werdet wen von vwer hant : 

herre, des sie noch gemant.' 160 

do de vorste ir not ghesach 

her trat ieghen im vnd sprach 

'diz si Fioleideu teil!' 

daz wart des coninghes uonheil 

do her so nendichlichen quam, 165 

daz swert mit beiden banden nam : ,: 

we her swcnkete uoC den hell gemeit ! 

dar spruongcn spene eilen breit 

von des coninges scilde uot' den sant. 

im gaC sin mille iunghe hant 170 

so riebe slegbe daz her dorch not 

vntweich : her moste hauen den tot 

137. Dem. II, 55. 144. uonterfeiic N. doch vgl. '/äSa. 

l/i8. Cr. I, 28. 149. %» fehlt N. 153. Cr. iv, 453 — 54. 
161. (lo do .Y. ICf). und daz? 108. eync breit N. <:. - . 



184 ZU BERTOLTS CRANE. 

ghenomeu, wen de coningiii 

de dorch ires Iruowes herzen sin 

snellichen von dem pherde trat. 175 

sie beguonde loiifen uof der stat 

dar sie iren lierren striten sach : 

des liues si sich do irwach. 

do sie irkande sin uonheil. 

do Darifant daz weghere teit 180 

helle ieghen den cuonen man. 

mit uonwitzen sie do began 

louphen ieghen den vorsten wert : 

vil nach Darifanles swert 

helle ir den lip ghenonien. 185 

von dem iunghen vorsten vroinen 

wart ghelatzen tzo der Izil 

dorch de vrowen dar de strit. 

do sprach aver Darifant 

yeghen den vorsten al tzo hanl 190 

*-^ • . 'heitzet de vrowen van uons gan. 

so wert hir slrites mer ghelan.' 

do sprach auer Offiart 

an vwen denesl wert ghekart. 

herre, swes ir an mi ghert: 195 

''■•* des suolt ir an mi sin ghewert. 

ich gheue noch miner truwen phant. 

yeghen rillar ni streit min hant, 

ich ne leihe im achte clagende not : 

swer sich tzo slrile yeghen mich bot, 200 

'' ' dar was daz spil ghewonnen min. 

ich moz an vwer deneste sin, 

swes ir röchet an mich/ 

do sprach der iunghe vorsle rieh 

hat ir mir Sicherheit ghelan, 205 

herre, der wille ich noch irlan. 

ich wolde ieghen yspanien lant 

verre : dar is mir becant 

aventure von einer maghel 

17i. licilsos .V. 1H5. hir N. 186. Cr. iv. 576. )'J7. Uetn. 
I, 8ti — 89. 



zu BERTOLTS CRANE. 185 

(so hat ein rillar mir ghesaget); 210 

nach ir der gheverle ich gherende bin. 
ich wolde sie sen, des ghert min sin. 
Offiart de sprach tzo hant 
herre, ir suolt an min lant 

mit dessen vrowen riten: 215 

swer hir komet dorch striten, 
her ghewinne scaden oder hail, 
her moz dorch sines prises teil 
mit uons bliuen doch de nacht, 
herre, so sult ir werden bracht T2{) 

uof de rechten stratze an daz lanl 
dar noch de maghet wert becant. 
ir holet doch de duoreste man 
der i dorch minne pris ghewan 
mit dren sinen gheverten, 225 

de mit speren vnd mit swerten 
dicke hat irworven pris.' 
do sprach der iunghe vorste wis 
'ich wil darhin, daz ist min ghere : 
her sal an mich vinden were 230 

strites, daz si noch ghesaghet. 



swaz mich gheschen von im mach, 

nimber vrolichen lach 

ne leve ich, ine come dar 235 

daz ich ghese er oughen dar.' 

Mediane sprac tzo hant 

'herre, ich wil noch don becant 

des landes recht sult ir began: 

iz sal werten al ghetan 24U 

des ir an dem vorsten ghert. 

siet nuo wart de coning ghewert. 

mit im karte Darifant : 

unvorwitzen an daz lant 

311. Dem. i, 35 ze Anlriun diu' wold ihc hin den xorslon seii. 
des gert min sin. 215. zwar N. 326. Cr. iv, 216 do ich spiacli 
svc Dcniantin mil swerlen pris firworvjrn hat. 229. Cr. iv, 450. 
230. Cr. IV. 171. 395. 235. ne coine TV. . 



186 ZU BERTOLTS CRANE. 

lie au korlzeu stunden reit, 245 

bi im de scone niaghet ghenieit. 

des coninghes swester, daz is war. 

vnd de scone Fedakine dar: 

de was des landes coniugin. 

sie karten herlze vnd sin '2öO 

we sie scophen im ghemach : 

al des denestes man im placli 

des her selve gherte : 

noch mer man im ghewerte. 

he wart dar wol uontfanghen. 255 

uonlieghen im quam gheganghen 

vil menich scone vrowe ghemeil, 

do he uof einen [gronenj angher breit 

mit der coningin gheriten quam 

dar her ghesach vnd vornam 260 

manich poulun riche, 

ffhesimeret costichliche. 

her sag ein dar vnder, 

soldich half de wonder 

sagheu de ich dar von weit — 265 

252. Cr'. IV, 359. 255. uonterfangheii .\ . '200. Cr. i, 46. 

262. was g. N. vgl. Cr. iv, 52. 270. 'iöi. Cr. lu 15. 

IV, 286. 

Die vergliche7ien stellen, obgleich sich Jur ei?izelhei~ 
teil noch mehr anführen liefsen, scheineji hinlänglich su 
dem beweise da/s das gedieht von Dainjant ebenfalls von 
Bertolt herrührt, der umstand dafs im atfange des bruch- 
stücks ein vei^mäldungsfesi beschrieben tvird, dessen wenn 
auch kürzere Schilderung in der ganzen manier der be- 
schreibung von Gayols Vermählung gleich kornrnt, läfst au- 
'»enblicklich denselben verfafser erkennen, zutnahl da auch 
hier wie in Crane an einer ganz entsprechenden stelle eine 
ähnliche rüge der spotlere vorkommt, auf ivelche sich eben- 
falls des dickters klagen in der einleitung zu diese?n ge- 
dickte beziehen. Bertolts idiom zeigt sich auch hier, wie 
im Demantiii, so deutlich dafs wir es für überßüfsig hal- 
ten einzelnes hervorzuheben, bei genauerer betrachtung er- 
gibt sich dafs die drei gedickte Demantin Crane Darifani 



zu BERTOLTS CRANE. 187 

in der folge wie wir sie eben aufgeführt habm verfafst 
sind, denn wenn der dichter im Darifant seine einseitige 
und deshalb leicht erkeniibarc manier auch nicht x>erleus:- 
net, so zeigen doch einzelne partien eine höhere kunst- 
rollendungf weshalb dieses gedieht gewiss nach dem (Jrane 
zu setzeri ist. 

WILHELM MÜLLER. 



ZUM iWEIIV. 

Die hs. 2779 (/?. 2259) derfFiener hofbibliothek ent- 
hält unier anderem auch Hartmamis Itvein. damit niemand 
daran ziveifele, da die von Graff Diut. 3, 371 und Hoff- 
mann verz. j. 16 angegebenen anfangszeilen nicht der ein- 
gang des Iwcin sind, mag hier räum finden was Karajan 
mir darüber vorlängst mitgetheilt hat. 

Bl. 46 VW. bricht auf der In spalte die kaiserchronik 
ab. es folgt mit der 20?i zeile 

hie hebet sich an daz 

Bvch daz da haiset der 

ritter mit dein leben 

Swenn ein wol beschaiden man 

Der beschaidenleichen dienen chan 

Baiden mvt vnde leip. 

Leit an einem beschaidem weip. 

Swen des wudert. 

Daz do ir hertze svndert. 

von vns allen hintze dem. 

Der sagte gerne weste er wem. 

Des enwudert mich nicht. 

Swa dem gvten wol geschieht. 

Des pin ich immer vro mit in. 

Daz haizzcnl auch di weisen sin. 

Di rede lazzen wir beleihen. 

vnde sagen ev von den weihen. 

Si habent wuderlcichen sit. 

Da si di man versuchent mit. 

Swcr ev di alle solde sagen. 



188 ZUM IVVEIN. 

Der endorft auch nimmer gedagen. 

Wir svln si lazzen beleiben. 

Swer ev solde schreiben. 

Alle ir wuderleiche sile. 

Der bedorfte prailer permeil. 

Swelich weip von ir sinne. 

Dar vmbe versprichet minne. 

Daz die leute alle. 

Bedent mit einem schalle 

Secht wi State den ist. 

Di 1er ich einen pezzern list. 

Daz si minne walte. 

Vnd ir er doch behalte. 

vnde minne einen man. 

Der minnen vnde helen chan. 

So sprichet manigev wa fvnd ich den 

Da wage iz wider tisen 

waz iz wider den man daz ist mein ral 

Der Zucht vnd schone sinne hat 

So mag ir nimmer misse gan. 

Si sol doch vngeluche han ^ 
hierauf beginnt die 2e spalte 

Swer an rechte gvte u. s. w. 
die voi'hergehende reimerei wird niemand zum Iwein rech- 
nen oder für hartmannische poesic halten. 

H. 



ZU DEN MERSEBURGEK GEDICHTEN.* 

Das asyndclon, ohne welches im zweiten gedieht nicht 
vier, nur zwei göttinnen sein würden, fordern folgende gründe. 

1. ira gen. sg. fem. ist ahd. und auch alts. von iro gen. 
pl. geschieden, beide sondern sich wie golh. izus und ize. 
auch das Uildebrandslied hat nur iro eorum, kein ir^a ; wenn 
im Hcliand einigemal ira für iro steht, so scheint das feh- 
lerhaft, da auch thero und alle übrigen gen. pl. o weisen 

• über zwei entdeckte gedichle aus der zeit des deutschen beiden- 
tbums. Berlin 1842. 



zu DEN MERSEBÜRGER GEDICHTEN. 189 

und (las ags. fries. a meiden, erst im mhd. ir fallen beide 
casusformen scliädlicii zusammen. 

2. bedeutete ira hier eorum, auf wen soll es bezogen 
werden? doch auf Phol und Wodan? dann folgte nothwen- 
dig dafs Phol und Wodan brüder, Sunna und FoUa ihre 
Schwestern waren. Phols und Wodans briiderschafl ist aber 
beiden bedeutungen entgegen die ich von Phol versucht habe, 
noch weniger scheinen Wodan, Sunna, Folla geschwister. 
Söl, nach nordischer mythe, war tochter der Mundilfari, 
Schwester des Mäni (Mond), nirgend werden S61 und Fulla 
geschwister genannt, zwar heilst Fulla auch nicht der Freyja 
Schwester, sie steht vielmehr in nahem Verhältnis zu Frigg. 
und da Frigg (langob. Frea, ahd. Fria, slavisch Prii/e) ver- 
wechselt wird mit Freyja (ahd. Frouwa, Fri<a), so fragt es 
sich ob nicht in unserm denkmal für Früa gesetzt werden 
miifse Fria? dann wäre Wodan vollends ein unpassender 
bruder, weil er Frias gemahl ist. 

3. auf den ersten schein gemahnt frua Folla an do- 
tnina Ahundia, dorne Habonde, wie an frau Berhta, frau 
Hulda, frau Venus, doch diese ausdrucksweise beginnt erst 
im 12n oder 13n jh., ich glaube nicht, dafs man im 8n oder 
9n frouwa als blofsen titel vor eigennamen setzte, die ags. 
und alts. mundart haben das ahd. frouwa überhaupt nicht, 
späterhin scheint es aus der hochdeutschen in die nieder- 
deutsche, bis in die niederländische und friesische, einge- 
drungen, mhd. lesen wir freilich allenthalben vrowe JutiUy 
vrowe Pallas, wie her Jupiler, lier Adam und vrowe nah- 
tigal; in den meisten anreden wird betitelt, aber 0. und N. 
verwenden frouwa, frowa nicht so. Maria heifst auch spä- 
ter niemals frau Maria, sondern entweder Jungfrau Maria, 
oder sente Maria, oder unsere frau Maria (wie bereits im 
Essener fragm. iisero fri/on sancte Mariun), was mehr als 
titel ist. 0. 1, 3, 31. 1, 5, 7. 1, 7, 1 hat nur sancta Ma- 
ria; N. ps. 21, 11 föne 3hm>/n wojnbo ; ps. 79, 18 Mariun 
sun. niemals erthcill 0. einer Elisabeth, Magdalena, Mar- 
tha den titel frowa, noch N. im Marc. Cap. einer Juno, 
Minerva, scheint also frCia Folla unstatthaft, so mufs Früa 
ein von Folla verschiednes wesen sein, ich habe Folla für 
die göttin des reichthums gehalten, lieber als für den Voll- 



190 Zu DEN iMERSEBURGER GEDICHTEN. 

niond, weil weder bei der nord. Fulla, noch bei Abundia und 
dem lettischen Pilnitis des monds gedacht wird, nach dem 
Volksglauben spendet auch der neumond mehr fülle und Se- 
gen als der Vollmond (litth. pilnatis, goth. fidlips). wie 
sich aber Abundia und Diana, Hulda, berühren, könnte den- 
noch bei Fulla der JVIond in betracht kommen. 

4. wäre frau Folla recht, so müste es auch Stntkg'mid 
sunna sein, und Sinthgund den eigennamen der sonne bil- 
den, einen solchen führt sie nun nirgend, obschon der ihm 
nachgewiesene sinn auf sie wie auf ihre Schwester anwend- 
bar wäre, würde aber dann nicht blofs Sinthgimd, mit weg- 
lafsang des appellativs sunna gesagt worden sein, der sonne 
nicht nothwendiger das prädicat frau gebühren, als der Folla. 
selbst wenn diese der mond wäre? in der handschrift isl 
nach Sinhtgtmt der den haupteinschnitt des verses bezeich- 
nende punct gesetzt, und im folgenden vers könnte er hin- 
ter Frua ebenfalls stehn. dürfte, wenn ß'ua blofser titei 
wäre, zwischen ihm und dem eigennamen, so wie zwischen 
dem eigennamen Sinthgund und dem appeüativ sunna die 
metrische ruhe eintreten? ich zweifle. 

Sind nach allem diesem Früa und Folla, Sindgimd und 
Sufi?ia vier eigene göttinnen, drückt ira ejus, folglich schwe- 
sterschaft je zweier unter einander aus, so darf das weg- 
bleiben der copula dem nach .y^wo;ii (gramm. 4,216. 346. 950) 
an die seile gesetzt w^erden* und auf weitere bestätigungen 
hoffen, ich führe noch einige stellen aus der edda an. Isöl/'r, 
Asulfr Olmödssyjiii" Ssm. 116"; Ani, Omi oro horjiir Arn- 
gi'ims synir 116*'; Amr ok löfur, Mär 115*'; Jinbiörg^ 
Valbiörg IZh^ \ glöar Gullinbursti, Hildisvini W.k''^ diese 
letzte fügung ist zweideutig, da Hildisimii auch der dat. 
sein könnte und dann das corama unterbliebe, aus der mhd. 
poesie lafsen sich vielleicht befsere beispiele sammeln, als 
folgendes, Nöupatris, Eskelabon drr manegen pris besalle 
Wh. 106, 23. 

JAC. GRI31M. 

• auch zwischen herod uodev im ersten pjedichl scheint die copula 
l^leich obslchtlich nusf^elaPsen. 



191 



CREDE MIHI. 

Wenn Harlmanns reine deutsche spräche einem abl die 
helheuerung crede mich für cj^ede mihi zweimal in den mund 
legt (Gregorius 853. 1456), so mul's sie unter den kloster- 
leuten sehr im schwang gewesen sein, auch Reinmar von 
Zweter MS. 2, 124" sagt diu glihsenheit diu birget vil un- 
reines, — dur Juden und dur vilrsten goll so ist man ir ze 
Home holt, ir Crede mich kan Schatzes tool gevdren, und 
nochmals MSH. 2, 20,3" da triiwc ich nimmer vinden süeze 
seic, crede mich (: sich), auch im Waltharius 807 wird 
mihi crede eingeschaltet, und man darf Otfrieds giloubi thu 
mir, thaz giloubi thu mir, thes giloubi thu mir (2, 14,61. 
.3, 20, 178. 4, 5, 34), thaz giloubet ir mir, thes giloubet 
ir mir (4,10.0. 19,53) o^^v giloubi minen worton (5,7,4. 
13,4) schon für eine blofse Verdeutschung dieser formel hal- 
ten, so natürlich auch die eigne spräche auf den ausdruck 
führt, was ich aber hier bemerken wollte ist dafs noch im 
i7n jh. in dem niederrheinischen kloster Rommersdorf eine 
speise, seien es klöfse oder ein backwerk, unter dem namen 
cret/e m?7«' verabreicht wurde; ein Heimbacher weisthura von 
1627 (1, 619 meiner samlung) besagt, der alt burgemeister 
empfanget den hojfnercn im closter 30 cj^ede mihi vnd ein 
stuck keefs, das vher 19, doch nit 20 heller werth sei. im 
Hennebergischen hiefs nach Reinwald 1, 70. 2, 62 eine ge- 
wisse art klöfse herr gott behütcs, oder abgekürzt blofs 
hütes. 

JAC. GRIMM. 

DAS ER ÖRTLICHER APPELLATIVE 
UNAD.IECT1VISCH. 

Den schein des adj. hat höchstens der nom. sg. masc. 
in Nürfiberger tand, lierliner nrilz, Frankfurter kaufmann, 
das uns fast wie guter, schlechter, aller lautet, doch in al- 
len andern fällen schwindet er. Nürnberger landcs, licrlinrr 



192 DAS ER ÖRTLICHER APPELLATIVE UNADJECTIVISCH. 

iraare, Frankfurter geld. dies unveränderlich haftende er 
unterscheidet sich also auch von organischen adj. auf er, 
wie mager, heiter, die überall flectieren. es ist nichts als 
der vorgesetzte gen. pl., den die frühere spräche oft auch 
dem regierenden subst. nachsetzt, z. b. ein schittifig Rege/is- 
bi/rger,Costanzer = Kegensh[irger, Costanzer Schilling, wie 
man ihn zu Regensburg, Costanz ausprägte, die ahd. spräche 
sondert jenen festen gen. pl. -äro bestimmt von gnoter und 
magar. wenn nun allen eigennamen und örtlichen appella- 
liven ein grolser buchstab gebührt, so folgt, dafs er jenen 
gen. nicht entzogen werden darf, und es unrichtig ist zu 
schreiben leipziger druck, berliner handschrift statt Leipzi- 
ger, Berliner. 

JAC. GKIMM. 



FRAU KEIN WILDES THIER. 

Schon gramm. 4, 650 ist auf redensarten hingewiesen 
worden die mir uralt scheinen, will eine frau ihrem gelieb- 
ten seine blödigkeit vorrücken, so sagt sie ihm Ich war ja 
kein wildes thier das du zu meiden brauchtest. bei dem 
von Kürenberg 31 S. 1, 38'' jo enwas ich niht ein eher leildc, 
als der liebhaber sich nicht sie zu wecken getraut hatte. 
Iwein 2269 ir möhtent sitzen naher haz, min vrouwe bizet 
iuiüei' niht. MS. 2, 195*' sin mäht mit linden henden rnin 
niht ersldn. auch unser noch gebräuchliches einem den zahn 
weiser kann dazu genommen werden : si zeiget mir den 
ivolves zant Ben. 386. es mufs andere stellen meiir geben, 
deren ich mich jetzt nicht entsinne. 

JAC. GRIMM. 



11« 



MARIENLIED. 

Der herzoglich najsaiiische oberschulrath, herr dr Frie- 
dtiinann, director des centralarchives zu Idstein, hatte die 
gute mir eine im anfange und am ende defecte pergament- 
handschrift eines lateinischen psalteriums mitzutheilen, die 
er in dem ehemaligen marietikloster zu Arnstein aufgefun- 
den hatte, in welcher auf den letzten blättern ein deutsches 
marienlied steht. 

Die handschrift ist in kleinoctav und gehört in das drei- 
zehnte oder vierzehnte Jahrhundert ; die spräche aber so 
urie die reime iveise?i auf eine bedeutend frühere zeit, so 
dafs loir also nur eine abschrift eines von einer frau ge- 
dichteten frömmelt liedes vor uns habeii : diu buoche (das 
buch), alinc {unversehrt, ganz), andouge, du statt diu im 
instrumefitalcasus so wohl als im nominative und accusative, 
und mehr der art, lafsen an der früheren entstehung des 
liedes nicht zweifeln. 

Ich füge hier noch bei dafs der folgende abdruck sich 
auf eine von mir selbst genommene abschrift gründet, in 
welcher ich nur, des leichteren Lesens wegen, den vocal i 
mit einem puncte versehen habe ; alles übrige, so xvie auch 
die inteipunction, gibt treulich die handschrift ivieder. 

GÖTTINGEN, apr. 7. 1842. G. F. BENECKE. 

I Die vier ersten zeilen sind ausgekratzt. 

werlt van der sunnen vz geit ane ser 5 

vnd an arbeit, daz kint daz himel und 
erden solde er f'rouwen. daz ze slorene 
qua unsen ruwcn. an aller slahte ser iz ^ 
uan dir qua. alsiz godcs kinde allcine- 
me gczani. \'^an der sunnen geit daz 10 

dage liet. sine wirdet uinbe daz du 
dunkelcre nicl. nog bewollen ward 
din incgedlicher lif. allein gebere du 
daz kinl heiligcz wif. Sint du daz 
Z. F. D. A. II. 13 



194 MAHIENLIED. 

kiiil gebere. bit alle du werc. Uitcr uiide 15 

reine iian mannes gemeine* swencn so 
daz dnnkel nnniugelicli der merke 
daz glas daz dir is gelig- daz sannen 
liet schinet durg milllen daz glas, iz 
is alinc nnde lufer sinl alsiz edes was. 20 

durg daz alinge glas geit iz in daz 
luis. daz uinesternisse uerdriuel iz dar 
uz Ou bis daz alinge glas da der 
11 durg qua. daz liet daz uinesternisse der 
werlde benam. uandir schein daz go- 
des liei inalle die laut, do uan dir ge 
boren warlh unse heilant. iz beluhle 
dich und alle cristenheit. du inden 5 

iingelouuen uerre was uerleit. iz uani 
dich, iz liz dich, bit alle luter alse du 
sunne deit daz glase uinster. luden 
die ug willen ce gode keren. merkel 
daz glas daz mag ug leren. Inder 10 

buche lese wir. daz ysaias uane dir. 
alsus hauet gesprochen, die wort die 
sint belochen Vz uan iesse sal wahsen 
ein rvde. uffe der rüden sal wahsen 
ein blüme. ander blumen sal gervn 15 

der heilige geist. her sal sie gesterken 
bit allen sinen crefden. uan ime sal sie 
du godes craft entfan, da mite sal sie 
den uiant erslan. meinet du rüde dig 
heilig megedin. bedudet du blume 20 

din drut kindelin Oug saget 
uns alsus. du biich du der heizet exo 
dus. daz moyses ein heilig man. sag 
III einen husch de der bran. den busch du 
flamme beuienc. ie doch her niet ne 
cegienc. her bran undc louvede. daz 
für ime ninc scadedc Schein uan 
deme husche daz für. daz meinede daz 5 

uane dir. got hie in erden, erberwel 

III, (». deiiUicIi <M'l)er'M('l in der hs. 



MARIEINLIED. 195 

solde werden, grünede daz lof indenie 
fiire. blüde der din magedüm inder 
geburle. der busch behielt du sine sco- 
necheit. so dede din heilig lif du sine iü 

reinicheit. Dines magedümes blü- 
nie grünet ie nog. du heizes unde bis 
milder ie doch .' daz is daz wunder daz 
niene gescag. daz nie ore negehorde 
nog ouge ne gesag. Oug bezechene- 15 

de dich wilen de niandelen zuig. de 
uore gode blüde daz was äärones 
rüde, de sament bit den blumen erou 
nede die mandelen. Du porte besloz 
zen gode alleineme offene du ezechi 20 

eli erschein, si was oug diner ceichen 
ein. man liset oug ander, uil nianig 
wunder, damide din geburd wilen. 
IV uore gekündet ward. Hed ich dusent 
munde gesagen ich niene künde en 
vollen des wunderes, daz uan dir ge 
scriuen is. iznemogen alle zungen 

gesagen. nog ges diner 5 

eren. nog dines loues enuollenUer 

hiraelischer hof. singet aller dinen 

lof. louet dig cherubin. eret dig sera 

phin. allez daz herie der heiliger en 

gele die godes andouge Stent uon fO 

aneginne prophelen und aposloien. 

und alle godes heiligen, die frowent 

sig iemer din. kunenclichez inege 

din IfVale miizen sie dig eren. du 

l)is nuuler ircs heren de der himel 15 

und erden, uan eres hiez werden, de . ' 

bit eineme worte gescfif du werlt 

alle dem alle dinc sint under dan 

18. I',>. riellcicltt tu bi'f.ivrii crougede. vergl. genes, ftnulgr. 

2, :m, 6. 

IV, 5. ohne ÄU't'{/ip/ gcsiiigcii, das auch naeliher, x, 2iy. , mit zungen 
reimt, vor diner ist noch zu erkennen bit alle. 

13' 



196 MARIENLIED. 

dem uiet \\e mag widerstan. dem 
alle crafl gewichet dem niet ne ge 20 

liehet, den der eret und uortet. alle 
duse werlt. Daz is mir lanc zesa 
ffeiie wie her du sis ee himele. iz enis 
V oug oiemanne kiint, ane den seligen 
die da sint. Des eines bin ig uan dir 
gewis. daz IVowe siis geret bis. diirg 
die dine groze güde. durg die dinc 
olmüde. durg du dine suvcrcheit 5 

durg du dine groze mildeeheit 
Van du anerufen ig dich, frowe nu 
gehöre mig. aller heiligesle wif. uer 
,1 ; nim mig sundigcz wif. allez daz 

min herze, daz fled dir bit flize. 10 

daz du mir willes genaden. cedine 
me sune hellen, daz er durg sine gu 
de miner missedede nergezze hil 
alle unde mir genaden wille Jjei- 
der mine lidicheil du hat mig dik 15 

ke uerleit. daz ig uan minen scul 
den. uerworte sine hulde. frowe 
daz is mir engestlich her umbe so 
vorten ig.- daz er sine genaden uan 
mir sule keren. Van du flien ig 20 

ce dir numüze daz stan ane dir 
wie du mir maged milde gehelfes 
siner hulde. hilf mir wares ruwen 
VI daz ich mine sunden. müze gewei 
neu. bit inneclichen trenen Hilf 
mir bit flize daz ig du hellewize 
niemer ni relide. dad ig oug vernii 
de hinne uord alle dine die wider 5 

godes hulden sint Vnde ruehe 
mig gesterken in allen güden werken, 
daz ich bege minen lif. alse die heili 

23. enis ist ?ncht ganz sicher; man Iwunte auch, und vielleicht 
richtiger, izn is leseii. V, 3. vor sus scheint du ausgefallen zu 

sein. VI, 4. dad] /. daz. 



MAKIEINLIEU. 197 

§e wil' dir uns aller (lugende j^ege 

neu haueut bilede. unser müder sa 10 

ra du otniudige anna du gediildi 

ge. liesler du milde, iudil du wizzi 

ge. und andere die frowen. die in go- 

des forhten. hie sig so helrageden. daz 

sie gode wole behageden. Oug na di 15 

ner gude. na diner otmüde. muz ig 

gescheppen minen liC. des hilf mir hei- 

ligez wif.' an dine haut ig Legeuen 

mig und allez daz min leuen. dir be 

velen ig alle mine not. daz du mir 2() 

willes sin gereit in swelechen minen 

noden ig dich iemer ane gerufen JPio 

we diner liende beuolen si min ende .' 

Vil und rüche min gewisen. und mich er 
losen uz uander grozer not suanne 
so der leide dot ane mir sol gescheiden 
den lif uander seien Inder grozer 
engeste cum du mir ce tröste/ unde hill 5 

daz min sele werde ce deile. den lie 
uen godes engelen. niet den leiden du 
uelen/ daz sie mich dare brengen. da 
ig müze uinden. du eweliche frovvede 
die da liauent ce himile/ die fil selige 10 

godes kint die dar zu irwelet sint. 
Daz ig müze scowen den unsen lieueu 
herren. den unsen scheppere, den unsen 
heilere der uns gescvf uan nivvete. der 
vns oug gecoufte/ bit sines sünes blu 15 

de uan deme ewigeme dode. "Vver sal 
mir des gehelfen, wer sal mig so geluteren 
daz ich des wirdich muze sin. daz saltu 
ilTc herre min. gif mir herre dinen ge 
ist wanlu selbe wale weist, alle mine 20 

crancheit. und alle min unwizigheit. 
daz ig muze scowen bit den minen ' ■ 

ougen.' diu unuerloschcn liet daz 

\'lll ne werc du mir niet.' daz is der ewige 



198 MAKIENLIED. 

liF. daz is daz ig armez wif. bit diner 

helfen suchen daz la mig herre uinden. 

Ues sie min bode cedir. dines selues müder/ 

owie selig bin ich dan. of sie mig wil- 5 

let fore stan. Jflaria godes druden, 

maria trost der armen/ maria Stella 

maris. züfluht des sunderis. porce des 

himeles. burne des paradises / dan uns 

du genade üz gefloz du uns eilenden 10 

entsloz daz unse rehte uater lant. nu 

gif uns frowe dine haut. liWise uns 

uz gehelfen uon dere grozer dufenen 

daz is des duveles gewalt. dar uns in 

hat geualt/ eua unse müder nu flie 15 

wir alle zu dir. ^Vir weinen unde 

suften. ce dinen lieuen uvzen/ la du 

dich irbarmen/ die not die wir armen/ 

indirre dale beiden manege wis uer 

: dulden. Stella maris bis tu genant. 20 

na deme sterren der an daz lant. daz 
müde schif geleidet dar iz cerasten 
beidet/ geleduns an ilTni dinen sun 
IX Auf dieser seile ist nur zu erkennen daj's das was 
darauf stand deutsches war. aber alles ist ausge- 
kratzt. zu lesen ist nur als ziveite hälftc der letz- 
ten zeile daz er sie behu- 
X de naht unde dach, uan aller slahten 
ubele daz in gewerren mach, daz er 
in geuen wille die sine lieuen hulde 
unde celezzes uns gesamene in deme 
, ewigeme leuene. JfMaria milde kü 5 

ningin. nu müzes tu gelouet sin/ der 
diner otmüte. und aller diner güde/ 

.. dar umbe dig crist genam. ce müder 

als iz wale gezam / daz den aller bez 
VIH. 8. porce deutlich in der ha., aber wohl nur schreibj'ehler 

statt portc. 19. genau so in der hs. 23. das wurt sun kann 

auch, und vielleicht richtiger, vil gelesen werden. 
X, 9. 10. bezzestcs /c/i/er der hs., l. Ijczzesleu. 



MARIENLIED. 199 

zesles man der ie induse werlt quam. 10 

daz bezzeslc wif gebere du in vviues 

kuuiie were. ]%[u nuizcs tu yelouol 

sin maria unse uogcdin. Irosl der 

crislcnheide. schilt der unser hrode 

clieide/ maria gra jdena du bis uol 15 

aller gnaden / des heiligen geisles er 

cornez uaz. daz er cedisen eren sun 

derliche erlas/ uz uan allen wiCen. 

die der ie geboren wurden. THilde 

maria. genedige maria. siize maria 20 

dincn lof müzen singen, aller slah 

te Zungen .' und alle du geschefl'ede 

du der is in erden oC in hinicle. diu 

Die folgende seile ist aifsgetUgt und unleserlich. 



GOTTHICA MINORA. 

1 

Zu band 1 s. 311 ff. 

Die s. 314 ausgesprochene beziehung des von Bonaven- 
tura Vulcanius herausgegebenen eotntnenturiolus docti ciiius- 
dam iriri anonymi auf Richard Strein dürfte der weiteren 
besprechung nicht unwerth sein, die a. a. o. genannte hand- 
.schrift von Leyden (Vul. 92') liegt in ihrem ganzen inhalte 
jetzt vor mir und gewährt bei näherer betrachtung manche 
eigenthümliche beziehung. icii schildere sie daher noch etwas 
näher. 

1. der inhalt. s, 1 enthält a) Alphabetnm Gethicum, dar- 
unter die Worte |MyfVr['6Aqö, «['f^'l^^' H(\|^Rii |\N,\<iTQAGi(]). 
aiuuaggelgo lliairli murcu anasiodcith 
darftnter b) ORJTIO DOMINICJ (gothisch) bis auf s. 2, 
welche noch entiiäll SALFTATIO ANGELICA.- s. 3 
CANTICFM FJRGINIS, mit lateinischer Übersetzung über 
den Zeilen und Wörtern, bis s. 4. — s. 5 bietet Canticum 
Simeonis, blofs gothisch. — s. 6 bis 10 sind leer. — s. 11 
und 12 enthalten die s'. 315 bereits besprochenen kanimcr- 
rechnungen oder notizen von Richard Strein, die wir hier 
niitlheilen. 



200 GOTTHICA MINORA. 

s. 11 Ad Ctes. Ca. nulicain. 

Die key. m' weijjst siehe?' disen heioilligung vnd ist 
ivol zuerjunert. vnd diewoyl er ein wol verdeinster schiilr 
So ist der (über der steht jr) m^. will das dasselbige dem 

zo 
supplicantenn vnuersagelich gereicht werde. Darumb jr M\ 
bcuolch ist dafs jr M koyserlicher (diese drei worte in leer 
gelafsenen räum mit schwärzerer tinte eingetragen) hofcämer 
also, vnd das der siipplicant nitt lenger auffgehaltenn werde 
anzureichen (ausgestrichen, darüber a?isuzeiefi). per impe- 
ratorem 15" Julij. 69. 

praesentata fuit hiec requesta 22** Junij zu sehen obs 
nicht zuuor den Jesuws* beuelh. oder in recknung 

26 Julij 68. 
Georg Lantig. solle Georgio Cassandro 200 goldt Gulden 
zuestellen 

13 Decembris A° p 65. 
s. 12 (abgeschnitten und weiter gerilsen) . . aujf die .... 
. . Lieber Her hojfzallmaister ivillet dem supplicäten diese 
zwe hundert goldt guldejin van stundan betzalenn, vnd ob 
ires jm anibt nicht hetet aufs bewiegerung*", vnd b am 
ersten gelt wider erstaten 19 Julij 68. Vndertzeckent 

Strein . 
2. innere eigenthiimlichkeiten. bekundet schon das letzte 
wort vor der Unterschrift des namens Strein, Vnderzeckent 
einen Niederdeutschen oder Niederländer, so bestätigen dies 
einige über die lateinische interlinearversion zum canti- 
cum virginis geschriebene deutsche Wörter, nämlich über 
hNj\iy6iii)\i und humilitatem das niederdeutsche nedricheit, 
und über HiKiAf})nhTj\iiS und superbos — hogdcnckende, und 
über rj\SQri»Vf\ und impleuit — gesedigen***. 

Vergleicht man die gothischen texte bei Vulcanius.und 
hier bei Strein näher, so ergibt sich 1) die gröste ähnlichkeit 
in beziehung der alphabete ; man sehe : 

uiideullicli, elx^nso das darüber geschriebene er . . . . und das dar- 
unter, neben reckiing stellende Jres viaj zijn. 

oder aufs hewiegertim j darüber unleserlich ringchen, ob aus 
ai/fsbewiegeren gemacht ist ausbringhen ? 

'** über hA6BUVj\ und suscepit steht hebet au [f. 



GOTTHICA MIiNOKA. 



201 



Vulcanius 
(\ B i" A G |; q li H 

<)) l R A H H Q ri O !<. S 

T 11 II ']:» Z X 

a, b, c, d, e, f, g, li, eta, 
th, i, k, l, m, n, o, p, q, r, .s-, 
t, V, u, y, :;, c/i. 



Slrein 



eta 



f 

Ih 

<]) l RA M HQII0|<.i; 



T u u u y z X 

ü u z eil 



[jv. B. e. u gibt Str. iii 
verschiedenen formen.] 



dieselbe folge der buchstaben ; dann dieselben irrthümer, 
c, g, eta, V St. qv, dagegen als q, dieselben fehler (g st. 7) 
in dem bei Slrein gleich folgenden anfang des evangelii Marci 
(bei Vulcan. s. Qß), nur dafs Str. aiituaggelgo, Vulc. Ai- 
wanggelgo, überdies noch Marcum schreibt; im gothischen 
haben übrigens beide hier f]j(\iRli H|\RRU. 

2) bei Strein folgt das Vaterunser, das Vulcan. s. 32 — 34 
gibt, gemeinsam ist hier beiden das l,s.342 schon bespro- 
chena M(\t\S; Vulcanius zeigt (s. 33, 4) am ende der zeile 
yj\ip])j\ st. Y,\i)^f|)j\i bei Strein; des Vulc. auslegung s. 35 
sculanfsigaima erklärt sich (während er s. 34 abbricht mit 
SRiiAjXUS und 35 mit siqj\iM(\ anhebt) aus StreinsSRiiAjXHSSi- 
q(\m)\ ; Strein schliefst s. 1 mit .svasvefah und beginnt s. 2 mit 
ni. bnggnis. uns. in. J'raist. | iibnjaL, läfst also aus (durch 
jah) vais ajletum thäi skulam unsuraim jah. Strein setzt 
vielfach puncte zwischen den Wörtern: so nach nnnio thein. — 
ihiudlnassus theins. und von lu'nnnadaga. an fast hinter jedes 
wort bis zum schlufs. Strein hat liB'GAlN (mit absichtlich ver- 
scliwärzlera d) — beweis dafs er in seiner Urschrift Avie V^ul- 
cauius richtig iiHiAiil vor äugen hatte. 

3) in dem bei Strein nun folgenden englischen grufse 
(Vulcan. s. 31j verbindet Str. )\ii,ST|\i,AncV,\Ii|\|^T,\, eben so 
Vulc. f\nSTj\i,\ii j A,\li(\|^Tj\; Vulc. bietet |^j\, Str. nur (^,\ 
(dagegen im folgenden lobgesang Mariae mit jenem Un, wie 
r«|> und im Cant. Simeon. beide |^f\); beide geben das umge- 



202 GÜTTHICA MINOHA. 

kehrle ii st. u in niHsJN und ni«])j\NS, eben so beide (})iiif|)U\0/\ 
R)v|\u (Vulc. daher thhi thidol krati)'. 

4) im lobgesang M. beide (nachdem silbernen c.) Mikileid 
lind Svelg-tteid, beide auch gleich trennend HiRlAGUVSjVi y)\A(\, 
eben so t\li r(|) )\, welches j\ Str. durch articulus erklärt, wie 
in All li H)\iy6Ui|\i (eben so trennt Vulc.) das li ihm articul<^ 
sein mufs, )\ articulus wieder als iS|v|\eA j\ (eben so setzt 
Vulcan. ab). Str. giebt N^sqj\N(\ (Vulc. richtig H|\sq(\NA.) 
und drüber salutare (salvatore) meum (H6iHj\MMj\ !) : beweis 
l'alscher abschrift im goth. wie im latein. — Strein gibt weiter 
falsch seiHjMSias (Vulc. richtig semjViZsJS). beide verbinden 
wieder fc|<f\MlvinH(\N lijVIiA.j\rqj\H st. fram k'imma nu au- 
dagjand). Vulcanius holzschneider sah und schnitt HlSlHlRl- 
A61H (Str. hat jenes i nicht), beide wieder trennen Nj\M öiS 
(nomen ejus), und verbinden '])6iMs2r(\H<Vj\H, wo Str. im bei 
beiden falsch mit 6 geschriebenen (|)|\in deshalb nicht den arti- 
kel sieht (er setzt blofs timentibvs über), beide verbinden und 
theilen ferner (am ende der zeile) HiRiA'|^lihTj\NSrj\]hnrÄ.jVl5 
Vulcanius bezeichnet richtig am ende der zeilen ns- 1 lij\nhl*Vj\ 
und lm,\i-|yu\j\iis und aj\ii-|S(\ms rj\Hri- | H|\Ht\s, weil sie 
auch Strein verbindet; er trennt auch iNSj\N- 1 Ai«Vj\ und 
rj\Mim(\- 1 HA.S , wie Vulcanius am ende nn-|«vj\iy, Strein 
schliefst schon mit ,\|^M,\h)\iRT6iNS-syj\S<J)6, während seine 
s. räum genug bot mit Vulcan. zu schliefsen rodida du attam 
unsaraim Abrahama ja fraiv is und aiv. beide geben wieder 
gleich r)\ h Hj\i- 1 yk\,\iiü Vulc, r^ h. | uj\iyuvj\HS Str.; 
Strein fehlerhaft hAeBU\)\ st. Vulc. liAGiKuvjX, beide (mit 
oder aus cod. Ar gen t.) »j^iUM^Vl'U zu seinavuna. 

h) gleichmäfsig nach dem silb. cod. im Canticum Simeo- 
nis (Vulc. s. 41) beide (und beide gleichm gelrennt) |^|v(\ 
AGiTjMS ; beide ferner gleich fehleriiaft i')\y(\i|v»|)r(\ ; während 
aber Vulcan. j\iir,s5iij\ schneiden liefs (ähnlich Str. voraus 
l:|^|\im-|HsJik\ St. Vulc. |;|<.j\iii'i- |Ns2Nt\), schrieb Str. nur 
j\iiöH(\, verleitet durch das vorausgehende [i. Strein gibt mit 
ausgewischtem n blofs M)\ii|\ | yuveü, beide wieder den glei- 
chen fehler (gleichmäfsig getrennt) IH )\H ,\iuvy)\i|v«])q(\ j Str. 
weiter hin »|^iiu\öii, V^iilc. richtig ']niKVQM, Sir. endlich ver- 

• vgl. h.l. 1.31U, • •■ 



GOTTHICA MINORA. 203 

schrieb <]>eN)\i, strich es durch und wiederholte mit der neuen 
zeile (|>(^inei. 

Alle diese einzelheiten beurkunden hinlän<^lich eine und 
dieselbe quelle für Vulcanius und Strein, nur dafs letzlerer 
blofs texte abschrieb, Vulcanius dieselben anders geordnet 
wieder gab. natürlicher folgt aber bei Strein, obschon nach 
der Überschrift des evangelii Marci nochmals das vatcrunser 
aus Matth. 6, 9 steht, der engl, grul's — der lobgesang M. 
— der lobgesang Simeons (d. i. Lucas 1, 28 — 1, 46 — 
2, 29) als bei Vulcanius s. 1 das aiphabet, s. 31 der engl, 
grufs, s. 32 das Vaterunser, s. 36 der lobgesang Mariae, 
s. 41 der lobgesang Simeons, endlich s. 66 die stelle Marc. 
6, 4 (iio?i est propheta ?nsi in patn'a suä mit den fehlem 
miST n|<^i\Ti|^6Tns | inns yej^^s nibjvih | ir,\iip]),\i semjvi. 
sieh bd. 1, s. 324 u. 325) und die Überschrift des evangelii 
Marci. 



Zu band 1 s. 377 ff. Gothisches in Spanien. 

Paulus Piasecius episcop. praemisl. sagt in seiner Chro- 
nica gestorum in Europa singularium (Cracoviae 1645 fol.) 
Si 48, wo er von den Gothen und Vandalen spricht, Qitod 
vero potissimum, rne procuranta, Adamus Makocttts, dum in 
Hispania a. 1622 obiret legationcm a Sigisviuudo in Rege 
Polofiiae opud Philipputn iv Hispaniae regem, perquisivit 
ibi summa diligentia monumenla Gothorutn Vandalorumque 
ac invenit multa, etiam sacram Hebraeorum historiam* 
Gothica lingua scriptam, quae cum a Suecis, qui erant in 
aula Sigismundi regis non pauci viri docti, compararentur 
tum vulgari tum obsoletiori demumque cultiori scriptae lin- 
guae Sueticae et Germanieae, nee unicum verbum reperiri 
potuil, in quo una alteram vocis aut syllabarum, vel ely- 
mologiae signißcationisve proprietate assimilaret. quin imo 
et in publicis inscripfionibus refustis, quae in Suecia piu- 
rimae praesertim circa oppidum Telga visuntur, ne minima 

' (las nmfs doch wohl das alle leslamenl sein, vorher sagt er in 
isla gente, ex qua natus d. Hieronymus, eadem lingua slavonica sa- 
cram Ifebracorinn kisloriam rerlit, tit ipscmet in apologia contra 
Ihißnum tcslalur. 



204 GOTTHICA MIISORA. 

quidem similitudo invenitur set^monis vel characteris Gothici. 
iUudque vulgare Gutthland twn Gothicum sed Germanicum 
est ?iomcn, ob honitatem soll certae ibidem regioni inditum. 
quod nolunl etiam geograjj/ii, ut Petrus Bertius in descri- 
ptione illius regionis. imagines autem antiquac Gothorum 
et Vandalorum, quae ibidem in Hispania alicubi visuntur, 
rej'erunt vestitum Sarmatico similem. sed his carpti?n nnno- 
tatis ad propositum redeamus. 

Hätte der gute mann doch nur eine probe mitgetheilt. 
die imagines Gothorum erinnern an das Standbild Theodo- 
richs in Neapel (band 1 s. 375); die erklärung von Goth- 
land ist niclit schlechter als die noch heute in Schweden ge- 
wöhnliche, eben von den Gothen. von diesen selber sagt 
aber Piazek s. 48 Gothi, Uli itiquam bellicosi Gothi sive 
Gethae {idem enim sonat utrumque apud omnes eruditos . . . .) 
a7i sint censendi inter gentes Sarmaticas, aliis disculiendum 
relinquo ; keinesweges aber seien sie aus Schweden gekom- 
men, sondern vom schwarzen meere und von der Donau, 
ebenso seien die Vandalen vom sarmatischen flufse Vanda- 
lus oder Vistula gekommen. 

H. F. MASSMANN. 



ERFURTER GLOSSEN. 

De nominibus cognationum. 

Coloni. locatum agrum colunt. id esl anderes la/it sezau. 
Inquilinus inbvirthich. Indigene. inlendig. Urbanus. bürgere. 
Oppidanus burgsezo. Mancipium quicquid manu capi subdi- 
que potest. Libertus urigelazin. Libertinus iirigelazijis su7i. 
Manumissus geuriethat. Manumissor dator libertatis. Dedili- 
cius ein hantgengo. Genitores a gignendo dicuntur. idem 
parentes quasi parientes. idem et creatores a cremento quod 
est semen cuiusuis generis masculini nominanlur. Auus. se- 
ciindus patcr. auia. Proauus. tercius paler. Proauia. Aba- 
uus IUI paler. Abauia. Attauus v paler. Altauia. Trilauus vi 
pater. tritauia. Soboles. filii et filiae a substitutione uocali 
sie. Liberi id est filii sie appellati ut secernantur a seruis. Po- 
stumus diotus quod post humationem patris uascitur. Nothus a 



ERFURTEK GLOSSEN. 205 

nobili patre et igiiobili raatre. Spurius patre incerto nialre ui- 
(lua genitus. qiiia nuiliebrem naturam ueteres spuriim uocabanl. 
Nepos filius ülii. Pronepos tercius iilius. Proneptis. Abncpos. 
quartas Iilius. abneptis. Adncpos. quintus filius. adneptis. 
Trinepos. sextus filius. trineptis. Patres ante genitores. patres 
ante proauum dicti uel nominati. Progenies, filii post nepotem 
dicti. Maiores dicuntur ante tritauum patres. Minores omnes 
post trinepotem dicti. Agnati ueniunt per uirilis sexus perso- 
nas. id c?.l fadermag a. Cognati ueniunt per sexus feminini 
personas. id est mudermaga. Dicitur etiam proximus 7nagh 
id est propinquus et sanguineus. Fratres de patre nati. ali- 
quando gelandan. quos Latini paternitates appellant. Patrue- 
les. quorum patres fratres inter se fuerunt. Fratrueles mater- 
terae filii. boc est muidirsuna" . Consobrini aut ex sorore et 
fralre nati. aut ex duabus sororibus. Sobrini consobrinorum 
filii. Socer et socrus parentes sunt mulieris et uiri. et dicitur 
a sociando. Gener uir qui liabet filiam. Nurus. feniina. Leuir 
dicitur frater uiri et leminae. Vitricus priuignus. Palruus. 
patruus magnus*' propatruus. abpatruus. et sie de aniita. 
Auunculus. auunculus niagnus. proauunculus et sie de niater- 
tera. Sceniata dicuntur ramusculi quos aduocati faciunt in ge- 
nere cum gradus cognalionuni parciuntur. ut pula ille filius. 
ille pater. ille auus. et cetera. Arrabo daturpro coniugio di- 
cta quasi arrabona. et dos. Pronuba et paranimpha huuelspce- 
per.sa Obstetrix Matrona hemurouiia. Mater, 

ununi liabens inlanlem. Malerfamilias. plures. Fratrissa. fra- 
tris uxor. Lanitrices duoruni fralrum uxores. Calus uiri so- 
ror. Friuolum esl cum eo separantur. ut rursuDi ad se inui- 
cem reuertantur. Repudium. 

Capilli capitis quasi piii. honethar vel t^has. Pili a pelle, id 
csi lichhar. Cesaries. ein schorenlach."" a cedendo vocata. 
Coma proprie sunt non ceci (/. caesi) capilli. boc est lanc. 
Greci enim comas a secando caimos nomiiianl. unde et ccrin 
londcre dicunl. inde et cirri. id est lebdo'loecas uocantur. 
quod idem cliam Greci mallonem appellant. Crines. ivisphas 
(so), quod vittis discernuntur dicti. Tinipora thiunnehein. sie 

niuidirsuiia über inüi'vpiiiictierlvtn v\ duabus soi-orihiis. 

patruus inagnus über propatruus. 

of/cr -latli ; n/i dem vorlelzlen bnchslubrn isl. (■(ivi'i'fiiorl . 



206 ERFURTER GLOSSEN. 

nuncupata qiiia mouentiir. Vultus gedena. a uoluntate aninii. 
Tautonibus ouer Facies ab effigie. Frons a foramini- 

bus oculoruni. Oculi. ([uod ciliis oculanlur. Papilla a pauitate 
dicta. eadem et päpula. Conas ovgan. Corona eo quod ambiat 
papulam. Palpebra a palpitacione. Lacrimae a lacerationc 
mentis. Has Greci dacria dicunt. Cilia eo quod celant oculos. 
Supercilia eo quod superposita sunt oculis. Intercilium inler 
oculos et supercilium. Gene inferiores partes oculorum uoeatae 
propter rotunditateni. quas Greci mala dicunt. Maxillae kin- 
iiebein.* propter diminutionem a malis. Mandibulae partes 
maxillae. Pinnula. orlappa ab acumine dicta. Nares dictae 
quia uos odore admonent ut aliqua sciamus, Olfecisse enini 
ueteres scisse dicebant. Praescissores. qui rem praesciunt. 
Canni. thesmannesgetkunche. Älolares quod quasi molant 
atque inniassent. Fauccs quod per eas famur. Arteriae vuinth- 
athren.*' dictae quod per eas a pulmone aer fertur. Tolles 
per diminutionem toxellas uocamus. quae in faucibus turge- 
scere solent. Mentiini quod mandibulae ibi iungantur. Gur- 
gulio a gutture noniinata. Rumen. hinc ruminatio, Sub- 

linguium dicuutur. quod illic uiscera torta uideantur. 

idem lacerti. idem musculi. idem et uiscera. Lingua, zhunga. 
Cubitus elenbogo. uel eleji. quod in ipso ciibanius. Ulnus se- 
cundum quosdam ycr^Äew. secundum quosdam cletinam. Greci 
ulenos cubitos uocant. Talias lenden. Alae oselen. a similitu- 
dine alarum eaedem ascillae. quod ex eis brachia excellantur 
et mouentur eadem et sub Ungulas nagala.*** bas Greci 

onices uocant. Truncus tota medietas hominis. ToraxGrecum 
nomen est. hoc est Imistlappa . quam Latin! arcam uocant. 
Pectus bj'i/.stbehi. siue una costa quod sit quasi pexum. Ma- 
mille per diminutionem a rotunditate quasi nialae Papulae 
imnrza quod eam infantes quasi papant. dum lac sugunt. Lac 
a colore dictum quia Greci leucos album uocant. Ubera quod 
lade uberant. Arpina spun?ia et liquando nece. Pulpa, orspin- 
na et est illud durum in aure. Cira quod palpitor eandem et 
uiscum uocanl (juia gluliuosa sit. Artus lilhe. et .iliquando 
limus dicii quod inuicem artentur. Compago meinbrorum. quod 

* kinnübein über maxillae. 

" das erste l von anderer band über^esehriebeii . 
"' nagala eorrifi?'erf, vorher stand iiajrola. 



ERFURTER GLOSSEN. 207 

sibi compacta sunt neruis. Veslibula imerfhehi. co qiiod in- 
flexionc nienibrormn uertiinlur. Carlilagines dictae 

(juod leni atlritu carent dolore. Terga quia eis iacemus in 
terra. Scapiila scoldra. Iota medictas inter scapilium. Palae 
scoldrin. sie diclae quod in luctando eas premimus. nam Greci 
palin luctam nomioant. Spondilia ritgbein. Spina rugelenda 
quia radiolos acutos habet. Sacra spina lendenbein.* hanc 

a 
Greci ieron oslen id est sacrum 6s nominant. eo quod haec a 
gentilibus diis hostia dabatur. Renes Icnden. quod riui ab bis 
obsceni humoris naseuntur. Lumbi Imf bein, ob libidinis lasci- 
niani. Umbilicus quod sit umbus ilioruni sie uocatur. Ilium 
lanvo et est Grecuni nonien quia ibi nos obuoluanuis. (irece 
siquidem ileos obuoluere est. Ciunes gofen. quod sint iuxta 
culuni. Genitalia liaec pudenda baec et inhonesla et ideni uere- 
truni quia uiri est lantum. Virus proprio bumor flueiis a natura 
uiri. Viscus pellis in quo tesliculi sunt. Posteriora dicta quod 
retro sunt. Mealus quod per eum meant id est egeranliir stcr- 
cora. Coxae quasi coniunctae axcs. Vertebra ^7/e/•A■Zla/^. quod 
in eis capila femorum uertentur. Suffragines, hainmen. quod 
subtus frangunlur id est flecluntur. Tibiae scinkan. quasi tu- 
bae. Crura schma. quia in bis currimus. Bathma (liioth. Ta- 
lus enkel. a tolo. nam tolus est emincns rotuudilas. Pedes 
Greci podas dicunt. Planlae pes anlea a planicie. Viscora. 
beitillel ßesc. dictum propter uiscum quod est rüidblood. sine 
billislr. Item uiscera intestina sunt, id est tharma. Item ui- 
scera uilalia hoc est liarlin/iolhere. Item uiscera capila neruo- 
rum ex sanguine et neruis copulata. quod est .scoodhra/t . 
Idem tori. idem lacerti. id est scnuhjran. Idem miirus et per 
diminutionem musculi a similitudine animalium sub terra deli- 
lescenlium dicti. Pulmonem Greci j)leuinon uocant. in qua 
pneuma id est spirilus inest. lecor quod ex co ignis in cere- 
brum subuolat. Fibre. leuerinlappan. sie uoealae quod apud 
gentiles in sacris ad Phebi aras forcbautur. StoniachusGreeum 
est et interpretatur 6s. et subauditur ueulris. 

Mitgetheilt ron kern/ docior IVailz ans ci/ivr in der 
amploniani sehen bibliothek zu Erfurt befind liclie/i hand- 

loinleiiiliciii die lis. 



208 ERFURTER GLOSSEN. 

schnft in octav aus dcvi \1njh.; aber da/s diese glossen 
aus einer älteren handschrift abgeschrieben si?id lehrt der 
augenschein. 



BONUS. 

Gotlichiu msere 
wseren uns vi^eudenbaere 
von dir ze sagene, 
küniginne aller magene. 

der wil ich einez recken. 5 

da sollu minen sin zuo strecken, 
daz ich dich lobe nach dinem rehle. 
wan mir sündigem knehte 
ist gar ze unmügelich. 

doch ist minem willen niht trseglich, 10 

ich si dir dienstes bereite, 
min Zungen mir geleite 
und süeze den liuten mine stimme, 
swes ich in dinem lobe beginne, 
du himelischiu küniginne. 15 

Einen kneht biet du dir erweit, 
der bete in dine gnfide verselt 
sinen lib und sin sele. 
des wuohs sin ere 

vor gote und vor den liuten. 20 

swa in diu schrift bediute 
da er solle dienen, 
des erwendele in nicmen, 
er wsere dienstes gereht. 

ich han gesprochn er wwr din knelif. 25 

vrowe der engelischen schar. 

Hie hebet (hebt /") sich an alsus (svs / ) von einem bischolf (pi- 
schof /') hiz (der hiez / ) Bonus MI. 1 jf. Lachmann zur klage 

s. 292. 1. Golliche M. 4. magdcn /. 0. do MI'. ster- 

»hen F. 8. svndigen F. 9. vielleiclit ist ez g. ze unm. 

11. dienst geraile /'. i'l. beraite J\ 15. hinielische /', hymeli- 

srhe M. 10. hile M. 17. De hcte in dein genade v. F. 

l\ . kau bi'deiiteii .]/. 2."). i^psiiroclieii er were M. 



BONUS. 2ü9 

des wurden alle die gewar 

die er nach biscliolflichen eron 

solde wisen unde leren 

den weg ze dem ewigen lebene. 30 

swaz im unser hßrre gab vergebene, 

daz nam er umb anders niht veile, 

denne swen er zuo dem ewegen heile 

gevürdern mohte tag und naht, 

dar an lag sin vliz und sin mäht. 35 

Bonus was er genant, 
der name het in wol ermant, 
wan er guot hiez und wolde guot tuon. 
er het den weisen viir sinen suon, 
die wilewen vür sin muoter. 40 

Bonus sprichet Guoter-. 
guot tete er zwäre 
tougen und offenbare, 
er was der dürf legen amnian. 
allez daz er ie gewan, 45 

daz im ze notdurft über wart, 
daz wart niht unz morne gespart, 
er gedahte ze allen ziten 
an sine hinevarl witen. 

Der von im welle vragen, 50 

Wachens künde in niht betragen, 
vaslen was sin gwonheit: 

wie selten er [keinen] tak vermeit. ^^ ^ 

er würde bihtig unde sunge. 
üf die muoter der barmunge 55 

liez er allen sinen gedingen : ' 

da muost im von rehte an gelingen, 
eines sitcs er ouch phlak, 
swenne kom der selbe tak *'" 

daz man unser vrowen hinvart begie, 60 

28. Öi her nach mil bisch. M. 29. soldeu M. 30. Den wege 
ZV d. ewigen leben M. 'il. vergeben M. 32. Daz man vmb anders 
n. V. M. 33. ewigen M {immer -igen). 3 4. ze tag vnd ze naht M. 

38. gute hiez M. 39. hele M. 40. sine M. 47. morgen M. 

52. gew. M. 54. bichlige M. 57. do mfste M. 59. kome M. 
Z. F. D. A. II. 14 



210 BONUS. 

so verlie er daz nie, 

er wser über naht an sinie gebete. 

eines beilegen nabtcs er sam lete, 

zuo einen hochzilen 

(diu Sache sol witen 65 

guoten liuten werden kunt getan). 

dö sacb er den himel offen stan, 

got weit wunder mit im began. 
Daz aller schoenste sank er vernam, 

als ez in wol von reble gezam 70 

die gotes kint sint genant, 

daz nieman so schoenez vant 

von wunneklicher wtse, 
,j,\ [daz hörte er] zem ersten ein teil lise, 

dar nach ie baz unde baz. 75 

der herre siner psalmen gar vergaz. 
Do sach er ein sträze, 

diu duhte in zuo der mäze 

als er [e] in den buochen het gesen 

in der himelischen Jerusalem, 80 

sani si wesen solde 

üz durch gesotem golde, j 

wol gezierel üz und innen r. 

von berlin und von gimmeu, 

rehte alsam ez brunne : 85 

daz was michel lieht an sunne, ,/ 

da enschein der mane noch der sierre. 

ey waz wunne der herre 
^...' in dem münster sach aleine .et) '.; 

die beilegen alle gemeine, 90 

si begunden lachen, 

sam si in ein senffe wolden machen. 

die do fuoren ze fal, 

rehte gegen dem belesal 

da dirre lag enkriuzestal. 95 

62. Er were — sinein fvebrt M. 65/. \v«M-dcu /lintn- sol M. 

78. in fehlt M. 79. gesen] so M. 86. U'^chte M. 87. Do 
enschcinc — Stern M. 88/. ey was wunne vnd was ern. Der herre 
sach in dem nivnsler alein M. 95. Do dirre Inse en kreii'ztal M. 



BONUS. 211 

Die koere wären underscheiden 
von Jungelingen und von meiden, 
als si der vorwise solden phlegen 
und den magden anlwurt geben. 
mit wunderlicher stimme 100 

beleiten si die kiineginne. 
der zwelifboten herschaft, 
ir orden was erliaff, 
do si si fuorten under banden, 
ein slat si erkanden, 105 

vor den alter frone 
saz diu maget schone 
und hele üf ein guldin kröne. 
Harte was der bischolf erkomen. 

er het im ein winkelstat genomen HO 

da er wände in swhe niemen. 
do vrägten die boten wer da got solde dienen. 
'Bonus' sprach diu frone maget, 
der sol werden her für geladet, 
den ich dar zuo wirdigen erkenne 1 1 5 

daz ich in zuo miner gnözschaft nenne.' 
die rede er harte widersaz, 
er smukte sich zesamne baz j/ü 

hinder den phila;re. 

daz gebot dühle in swa^re, 120 

er enphalch sich gote in sime gebete. 
do entweich diu sül von der stete 
wol zwelif kläfter wit : 
daz [zeichen] gesach man dö und nimmer sit. 
Bi der haut viengen si den herren, 125 

- . si fuorten in mit eren 
da diu frone maget saz. 
getröstet wart er aber baz 

08. vorweise M. 101. beleitent ^f. 106. dem M. 

109. bisc^olfe M. HO. hcte M. 111 . Do M. in. T 

116. genoschaft erkenne (: erkenne) M. U8. zv samne M. 

119. pheiler (: swere) M. 121. in sin gebet M. J24. vnd 

immer rae seil M. 12.5. Bi hiinden viengen? 127- D" — mag- 

<le s. ^f. 



212 BONUS. 

daz er sines unmuoles erwanl : 

si gesegenl in mit der hant. 130 

du reichten im die engel here 

daz messegewant mit grozer ere. 

als er vür den alter gie, 

manegen zalier er dö lie, 

die im in sinen buosmen fluzzen 135 

und die himelwat beguzzen, 

wan er sich unwirdik erkante 

da in diu maget zuo benante. 

und ein wunder daz geschach, 

do er daz gebete vor dem alter sprach, 140 

so man tuot zuo einr islichen messe, 

do sprächen die zweifboten gewisse 
i^i .; die wären indulgenciam. 

daz dühte den herren tröstsam. 

Uf huoben die [himelischen] degene 145 

daz ambet schone und ebene 

daz des tages ze singen was 
* ' ' von ir diu gegenwürtic saz. 

wem geschach solhes ie iht mer 

daz die erzengel her 150 

im reichten daz opher an 

unz diu messe ein ende nam 
'-'; und stuonden gezogenlichen an 

unz der bischolf sine gehorsam 

den zwelifboten erzeigte 155 

vor den er sich [nider] neigte? 

si gäbn im urloub zuo dem segene 
■- ^ und neigten sich gar hingegene. 

dö sprach diu maget fröne 

min dienstman Böne, 160 

hab dir ditz messegcwant ze löne.' 
Dö wart diu künegin Marjä 

131 /. Iier : er M. 136. himelwat so M. 138. do M. 141. einer M. 

142. zwelifboten gar gewisse M. 143. die] Den M. 145. de- 

gen M. 153. an] dan? 155. erraichet /)/. 156. vor dem — 

naiget M. 157. Si gaben — segen ^hingegen) M. 162- kviieginne 

Maria M. 



BONUS. 213 

also schiere diu ober hvk 

die nideren gerüeret 

ze himele gefüeret. 165 

der biscliolf stuont eine : 

sin gebete was reine 

unz an die niettine. 

do körnen die sine 

wol gelerten kaplän 170 

die im wären undertäu. 

dö si träten in den tuoai, 

si duhte als ein balsanmni 

allenthalben waere geströuwet, 

si wurden groezlich gefröuwet. 175 

uiht betrouc si ir sin : 

si sprächen, got were do mite samte in, 

daz erzeigte dö dez bischolf gewin. 

er beleip mit in steete, 

wan er kom aller von der wajte 180 

diu dennoch üf dem altar lac. 

dö in erschein der lieble tac, 

dö lie si der bischolf schouwen 

welch ein gäbe er von unser vrouwen 

des nahtes het enphaugen, 185 

dö er frönampt hete begangen. 

wizer denne der sne was diu wäl: 

da enmohte nieman keine nät 

erkiesen mit den ougen. 

ouch zeigte ern ander tougen, 190 

wie im diu süle was entwichen 

da er hinder was geslichen, 

diu in vor den engein niht gelorste verheln. 

dö huoben die phafFen mit heitern kein 

schoene gesank von unser vrouwen: 195 

164. nidern M. 165. daz si zv liiincl wart gefurel M. 

166. stvnde M. 168/. raellin : sin M. 177. were do mit samle 
in M. 177 /. vielleicht si sprächen, got wäer da mit in samt, daz 
erzeigte da der stanc. 179. beleihe M. 180. wan er erkom M. 

183. do im erscheine M. 184. welich M. 186. fron ampte M. 

189. do — dekeine M. 190. er in M. 192- do ^f. 

193. diu in niht getorste verheln? 194. dö huoben si mit h. k. ? 



214 BONUS. 

suiulicbea begunden touwen 

die heizen zeherbrunnen. 

[alle] die daz bedenken kunnen, 

die sulen iren muot keren 

daz si si immer gerne eren, 200 

die muoter des obristen hereen, 
Do der bischolf verschiet 

und sich dö gotlich beriet 

umb einen andern allherren 

der die liufe künde geleren 205 

den weg zuo dem ewegen riche, 

doch was er sinem vordem angliche 
G'C-f daz er so grozer durnehte 

' künde gephlegen oder mehte. 

doch gedahle er im sit, 210 

swenn koem unser vrowen hociizil, 

er wolde an sime gebete benahten 
03J unde mit gote belrahten 

ob im diu ere möhte geschehen 

daz er solde solch tougen sehen 215 

als der vorder bischolf sach. 

nu hoerl wiez im ergie her nach: 
ö^f ' in gie demüetikeit an, "eli. ii i'ji.» " , 

als noch vil manigen man. 

Do er minen trehtin an rief, 220 

üf der greden er entslief. jr ;'::t: ^b 

welch ein wunder im geschach 
OÜ: daz er an allen ungemach 

in sin bette wart geleget! ff 

er hetc liitzel ruowe gephleget, 225 

.lubdit ze metten wakte in der sinegöz. 
II. sin angest wart do vil groz 
' ■' wer in üz dem miinster biete bräht. 

196. svmlich iV. 200. daz si sein imer /»/. 203/. viel- 

leicht unde si do g(»l beriet mit einem u. s. w. 206. wege M. 
208. durnehte IH. 209. mechte aus mocht gebefnert M. 

211. swennc kerne M. 212. sioem M. 217. Nv höret wi ez M. 

219. nianik HI. 224. pcleit M. 225. rv gephlcit M. 

726. sinegoz finlinnabiiluin, Schmcllcr 3, 2.54. 227. sine M. 



BONUS. 215 

er weste wol deir kintlich liet gedüht 

daz er sich dem wolde geliehen 2.'50 

der unser vrowen so fliziklichen 

künde dienen als ich iu gesagel han. 

er klagte daz erz lorste ane gän. 

doch wart er ein guot man sit. 

küneges kint Davit, 235 

her an dise werlt wiird du geborn : 

läz unser keinen werden vlorn 

die dich ze vogtin haben l erkorn. 

229. deir] daz M. 232. diente? 233. er klagete daz er er. 

lorste an ergan M. 236. Herre MT. wurd r, wurde M. 

237. verlorn MP^. 238. ze vogtin /'; zv vogtinne M. 

Aus (M) der Melker handschrift 11,18, porg., \A jli., 
octav, hinter den sttnckerischen beispielen s, 212 ff. ab- 
schrift verdanke ich herrn Franz Pfeiffer, die ersten 18 
und die letzten 4 verse theilt Greith spicil. Vat. 62 y. mit 
aus {V) der vaticanischen hs. bibl. Christ, n» 1423, perg., 
vom j. 1347, 128 bll. octav. diese hs. ist wahrscheinlich 
eine abschrift der Melker hs. genau in derselben folge 
enthält sie, mit ausnähme iveniger, die nämlichen stücke, 
im ganzen zwei und vierzig. Banga in seinem Verzeich- 
nisse (im aufsefsischen anzeiger 1833, 2SAff.) hat das 2Qe, 
Greith in dem seitien {spicil. Vat. ^7 ff.) das 3e das 29c 
und das 33«? ausgelafsen. — von der legende vom bischof 
Bonus hat Hoffmann altd. bll. 1, 327/. eine bearheitung 
in lateinischen reimeyi nachgewiese7i. 

H. 

V, 



\,v 



216 



WALTHER UND HILDEGÜNDE. 

Da Karaj'an die von ihm entdeckten und in seiner fräh- 
lingsgabe im j. 1839 mitgetheilten wichtigen hruchstücke 
eines mhd. gedichtes vo?i JValther und Hildegunde der k. 
k. hofbibliothek übergeben hat, so war es mir vor zwei 
jähren möglich die beiden pergamentblätter ?iochmaliger 
durchsiclit zu unterwerfen, ich bekam ziemlich viel heraus, 
auch die zeilen wo oben oder unten nur spuren von buch- 
stabe?i geblieben wai^en ; blofs ein paar vom buchhinder zer- 
knickte Zeilen widerstanden, das durch das besch?ieiden 
vom 2n blatte verlorene konnte an einigen stellen leicht und 
sicher, aii andern gar nicht ergänzt werden, das ergänzte 
ist hier cursiv gedruckt, das imsichere, erloschene zwischen 
klammern gesetzt, die zeilenabtheilung der ha?idschrift 
bewahrt Karajans erster druck, zu dem ich nur bemerke 
da/s die wörterabtheilung am ausgange der zeileii noch 
mehr als dort geschah und fast i^egelmäfsig durch einen 
bitidestrich be zeichtet ist; 2, 18, 2 steht sogar vr'l'evnde; 
2, 13, 1 steht jener strich 7iach sl wohl nur abrückend oder 
sollte dem i (si) zufallen. 

Neuer abdruck dieser bruchstücke erfolgt hier weil 
Karaja?i, dem ich meine abschleift in IVien damals gern 
übergab, mir jüngst bei erbetener rücksendung schrieb 
dafs er so bald an keinen iviederabdruck kommen könne, 
bei meiner letzten anwesenheit in Berlin aber die dortigen 
freunde dazu antrieben, möge Karajan durch erneute be- 
mühung auch die von mir noch gelafsenen lacken ausfül- 
len, ein reagens wurde von mir nicht angeivendct. * 

H F. MASS3IANN. 

[einige bcmerliungen die ich ItinzuziiJ'ügen mir erlaubt habe 
und ditrr/i klammer// u/id 11. beieivhnel. Ifaupf.] 



VVALTHER UiND HILDE(iUNDE. 217 

1 

WALTHERS UIVD HILDEGtJNDEN HEIMKEH«. 

« 

1 in.) 

wol gehelfen, si rvhten minen win. 
von miner hende nemen an. (ic)h gan iv deste baz. 
daz ir vns leitet nah den iwern siten. daz svle wir dvl- 
den ane haz. 

2 Si enphiengen Volkere, vnd ovch die sine man. 
sehzec siner degene. die waren mit im dan. 
gevolget von dem Rine. dvrch den wasechen walt. 

er laitte so den gast vnd ovch die sine, daz ers vil 
wenich enkalt. 

3 Do sprach der eilende, nv hellFet mir bewarn. 

daz wir die twerhen strazen iht i den landen varn. 

wir svln gen leng's. da ist d* valer min. 

des anlwrt Volk* der vil kvne. des sol ich hvt* sin. 

4 Swie wir anders riten. so ist daz div lere min. 
daz wir da ze Metzen geste niht ensin. 
Ortwin hete drinne / wol tovsent kvner man. 

swaz der kvnic hernach darvmbe geredete, mit strite 
wrde wir bestan. 

5 Er hete wol geraten, si liezens ane strit. 

so er aller beste chvnde. so leit er siv sit. • 

di di ez sahen daz er da mite reit. 

die mohte do dem beide noch d vröwen vor i gerate 
deheiniv leit. 

6 Wa si die nahtselde. nahmen dvrch div lant. 

mit volk'e dem beide, daz enwart mir bechant. ^ 
d* kvnic mit sin* gvte im schone dinen hiez " 
Volk* d* was in also werden mvte. daz er sin wenic 
v*liez. 

7 Ovz Ortwines lande dvrch Bvrgonde dan. 

braht si do volk* d* vil kvne man. ' 

ob mä daz sin geleite, so starch niht het gesehen, 
so mvs in ouf der selben straze dikche. sin niichel ar- 
beit geschehen. 

5, 3 von ez sahen daz spuren oben an der zeile, die untere liälfte 
ganz erloschen, [6, 3. l. sinem guolc. mit Knrajan. U.] 



218 WALTHER UIND HILDEGL'NDE. 

8 Nv liorl ovch wie der reke frvt i(n sime) lanl. 
die boten die er hele dem kunige gesant, 

die riten ross div gvteu. vü fvrten spahiv kleit 
die sagten indem lande, daz er kome vfi och vrö Hii- 
deg*t div meit. 

9 Do der khvnic alker. gehorte dise sage. 

do entweich im vngemvte. vud ovch sin langiv klage, 
die boten er vlizichliche enphie. vnd ovch. sin wip. 
si wrden harte grozer vrevden riche. dvrch den wal- 

theres lip. 
10 öo sprach d* vogt von Spanyge so wol mich iwer sage, 
ich hete sorge manige. lang mine tage, 
daz sin s(in in der) fremde, was mir wol t^vsent iar/ 
ich sih in gern, swen i got send* div red ist entlichen 

war / 



1 1 Do ez div kvniginne. het mit im vernomeu. 

ir was von lieben magren, vil d traeh*en komen. 
von herzen indiv ovgen. weinde si do saz. 
si riet wie man si bede wolde solde enphahen. vnde 
tet vil willechlichen daz. 

12 Do sprach aber der rekche ir svlt mich hören lan. 
wie Etzele vnd frö Helche zv zin haben getan, 

.(T, do sprach der boten einer daz wil ich iu sage 

walth* ist vö dem kvnige so gescheiden. daz ez die 
Hivncn immer mvzen klagen. 

13 Ir ettelich' drvnder. daz si i wahren holt, 
er hat an svmelichen. vil wol daz versolt. 

daz si im immer flvchen. wand er hat in erslagen. 
an siner verte vil ir lieben mage. ich kan iv ands niht 
gesag. 

14 Do sprach der kvnic edele. ich sol mich vre wen sin. 
er mvz wesen herre. inden landen min. 

|8, 1. in sime lanl bezweifle ich, nicht wegen der in diesem tvortc 
nicht sellenen Verkürzung des datives, aber wegen des sinnes. eher in 
sinin lant. H.] 9, 1. alkeij 5. 2, 7, 1. 10, 1. blaues D. 11,4. wol 
de solde so. 



WALTHER UND HILDEGUNDE. 219 



er wirl der Hvne purgetor. 



swes Ezele vnd sine rechen ie begvnden. da was er 
ze allen ziten vor. 

15 MeR chvnic sprach zv den rekeu. wol öf alle mine man. 
vnd rilet im belegene, er hat mir liep getan, 

swer I nv gerne dienet, des vrivt (wi)l ich wesen. 
div lant svlt ir mit vns beiden bowen. ir mvgt bi wal- 
th* wol genese. 

16 Man sagt im daz in leite. d*ch Gvnth's lant. 
Volk' der vil kvne. d' was im wol erkät. 

vnd ovch des kvniges reken. driv hvndert od' baz. 
do bat er sin gesinde zv im gaben, di täte willechli- 
chen daz. 

17 Do hiez ovch sich bereiten des edeln kvniges wip. 
ia wolde si beleiten. d* Hild'gde lip. 

so si aller beste kvude. ze Lenges indie stat. 
ir vrowen si do wol kleiden begvnde. des si der kunich 
selbe bat. 

18 Sin warten sine livte. mit g^zer vngebite. 

dar nach in chvrzen stvnden. man sagt im daz da rite, 
daz Gvnlh's gesinde. mit in indaz lant. 
do kom d' wirt mit stolz* massenye. da er vnin Hild'. 
vant. 

19 Div kvniginne fvrte. wol sehzec niegedin. _j 
die aller schönisten. die d mohten sin. 

vn ovch d hohsten mage. di raä do bi in vant. 
do fvrten och des alten kvniges beide, vil harte her- 
lich gewant. ^ ^ 

20 K si vol drie mile komen waren dan. 

von der stat ze Lenges, in volgen tvsent man. 
od* dannoch mere. die zv den gesten riten. .., 
wand si d' kvniginne herc. beten 

14, 3. 4. die Zeilen sind in der hs. so abgclhvili. min. er «irt der 
Hfüe pur- I getSr. swcs Ezele vnd sine \ rechen ii. s. w. 15, 1. ro- 
thes D. 20, 1. blaues E. 4. mit heten bricht das erste blatt ab. 



^'.WmV 



220 VV ALTHER UND HILDEGÜNDE. 

2 

hildeg'vnde brvte 

1 Mv was zehove nienien. wan di da solden siti. 
het gesehen iemen. ein schöner magedin. 
denne wser Hildegvt do si da heime saz. 

da ir des ivngen kvniges reken dieten. ich gelovh luv- 
lich daz, 

2 Swaz man wesse vnpilde. di iemen het getan, 
er waire denne wilde zereht mvse stau. 

da walther d* vil kvene sines vater lant besaz. 
er phlach des landes nach der kröne rehte. wände im 
riet div ivnchfröwe daz. 

3 Die Walthers mvter. zafte wol die meit. 

daz sach der degn gvter. iz was im niht leit. 
si schvf ir hovegesinde. vil schöniv magedin. 
die bi Hildegvnde. ze allen ziten mit groze zvhte mv- 
se sin. 

4 Do div magt edele in ir heinliche saz. 
so getet ir chvrzwile/nie dekeine baz. 

wä so si des gedahte waz ir d* chvne degen. 
e daz er si vö den Hivnen brachte, het gedieuel ovi" 
den wegen. 

5 Dar zv sach er si diche. vrö was in d* m°vt. 
ir trivtlich' bliche siv beide dovhte gvt. 

er liebte swie er kvnde. daz mmnechliche kint. 

daz man lohes jnvse iehen ffi'ldegvnie. der 

'■ ' wncvToweü sint. 

6 Swa le des fvrsten hole /v'ten. dvrch daz lant. 

e^ wa7't den livten allen, mit sime tvn bechant "" , 

er wolde ÄoÄzite. mit Hildegvnde hau. 
der riebe kvuich rnUte mit sinen vrevnden. dar zv 
bereiten si<;h began. 

7 Crestvle hiez do wrchen dei' herre, alpker. 
ahzec her gesellen, vnt wa;n dannoch mder mer. 

hildegvnde brvte ist schliifs rofhcr Überschrift. 1, 1. bun- 

tes iN. [6, 2. die ausfüllung dieser zeile ist mir bedenklich, 

vielleicht er liiez den liuten allen inil vlizc luon bekant. H.\ 
6, 4. oder blofs miti' [vielmehr der r. k. mit den sinen vriunden. IJ.\ 

7, 1. blaues G. [7, 2. inder verstehe ich nicht, wohl unt wa;n 



WALTHER UND HILDEGÜNDE. 221 

.... der iesliclien wol zwez hvnderl man. 
die mit de ... . sehe chomen solden. des «-ßrches 
galien man hcg-an. 

8 Er schvf ovch allenllia/^e//. iaget inden walt. 

vf man'ic tyer wilde, der he enkalt. 

ouch mvsen v/schare. ovf wa^^e vnmvz?c ?^esen. 

si fvnden ir vil in den vnden. die von in 

e//kvnden genesen. 

9 Die sinen valchniere. der/i'rste peizen hiez. 
wie vil man der nezze. m\z\chlichen liez. 
verren vnde nahen, man der voge/e nie. 

. . . hiez(e)n a sneile a 

in s . 

10 E 

wie icher de e' daz. 

gesniten. 

di(e) da lieber ross gewnne der kom vil manig* dar 
gerite. 

1 1 Die Äohzile walther d*ge . . . . do der walt gelovbel 

was 



vnd daz die blvme vnd daz gras 



Afvnden allenthalben 6f den wisen breit. 

daz im </' sine geste körnen, so icas allez da bere(it.) 

12 vnmvzic waren hie. ze Spume lant. 

da h . . . nv . . . Hildcgvnl. kom heim . . . gesanl. 
ze Arrogön dem laot div ma^re hiez si sagen. 
daz si in chvrzen ziten wolde h'one. bi dem kvnin^P 
walthcre tragen. 

13 f^f'ol was iz in allen. (de)n si / den gTvz e?ib6l. 
ovch mvs in wol gevalhn. daz si von mang* 7wt, 
zen Hivnen was ^esceiden. vnd daz si brahte dan. 
de?' h walthere so rehtc \ohliche. da vö er ere vil 

gewan. 
<lannocli mcr. //.] [8, 2. vielleirhl vil inanic tier wilde der lierschaft 
enkalt. //.] [8, 4. ivohl die vor in //.] (9, 2. wie wenic Diler wie lülzel. 
vogelnetze sind gemeint. //.] 10, l.E iinddie Iniljte der zeilc noch auf 
der Vorderseite des zweiten blattes j mit wie endet die erste zei/e der 
rückseite. [U, 4. so wiere //.] [12, 3. ivolil ze Arr. dem lande 
inaere (ot/er diu m.) h. s. s. //.] [13, I. Liep was //.] 13. 3. mit 
gesc schliefst die zeile. [14, /i. nir/il hiofs her W.? II. \ 



222 WALTHER UND HILDEGUNDE. 

14 Des kmu'g'QS, ingcsinde. be(rei)te sich zeT vart. 

wol . . . saCz^te er di reken. wol geziret bf /'ossoii 

vn(gesp)art. 
rrowen yo ^her. 

15 Ke Engellant. man riten och die boten hiez. 
die wege man vil leiten, gar ^v^mvzic (lie)z. 
zNauarren vn Chijerlingen. da wart ez ovch bechanl. 
do rillten si sich gen der hohzite. i daz waltheres lant. 

16 Walther gie zerale. ob si daz devhte gvt. 
sine man vn sine mage. ob niht vbele gemvt. 
Ezel da vo w^rde. ob er die boten sin. 

im vnd der kvniginne Helch'n sande. vn ouch daz schon 
magdin. 

17 Daz wider riet im niemen. da von wart ez sit getan, 
sine brieve schriben. man dar zv began. 

die er da wolde senden in Ezelen lant. 
den selben boten l?e man niht gebresten. man gab in 
i'osse vnd och gewant. 

18 Mit den hiez man do rite, di da solten an den Rin. 
Gvnth* wol gedahte. vnd ovch die vrevnde sin. 

wie er siniv nnere. bete dar gesant. 

bi Volkere dem stolzen videlaere. in der ßvrgönde lant. 

19 Do sprach der vogt von Rine. vnd wier iz niht schände 

min. 
het ic\\ nv tovsent miner beiden, so wold ich gerne sin. 
'»% ze siner hohzite. waer ez d* Hagne rat. 
so wold ich dar 

If). 1 . blaues Z. 



223 



GEDICHTE DES ZWÖLFTEN JH. ZU VORAIJ 
IN DER STEIERMARK. 

Hei'r Joseph Diemer, scriptor an der k. k. imwersi- 
tätshibliothek zu Graz fand jüngst in dem regulierten chor- 
herrnstifte zu Voran im codex N. xi eine anzahl zum theil 
ganz unbekannter deutscher gedickte des I2n, vielleicht auch 
des 1 In jh. die handschrift, 183 pergamentblätter in breitem 
folio mit je zwei sechsundrierzigzeiligen spalteji und unab- 
gesetzt geschriebene?! verse7i enthaltend, besteht aus zwei 
hatipttheilen , deren deutscher bis bl. 135 reicht, von reo 
Ottos von Freisingen Gesta Fridarici vivique iniperaloris 
quae Wolfcangus scripsit iubente ßernhardo praeposilo von 
bl. ISG*" bis 183 folgen., leider nur die drei ersten bücher 
und zwei bliitter des vierten; nach dem einbände fehlen 
etwa 30 blätter. eine hand des vorigen jh. hat mit bleislift 
auf den Innern deckel geschrieben Quid fecisli frater Idio- 
ta, quod lacerasti hunc libruni tarn prsetiosuni? Otto von 
Vreisingen starb 1185, kaiser Friedrich 1190, Bernhard 
im j. 1202, nachdem er seit 1185 die würde eines präla- 
ten in Voran bekleidet hatte (Caesar. Ag. annal. 1. 682. 
2, 85). 

Der vordere theil der hs. enthält nun folgende ge- 
dieht e. 

1. bl. 1" — 73"^ die kaiserchronik bis zum beginne des 
kreuzzuges u?iter Konrad 3 im j. 1147, mit denselben war- 
ten abbrechend wie die Heidelberger hs. ihr werth im ver- 
gleiche zu dieser wird sich aus folgender gegenüberstellung 
des anfanges eingeben. 

Heidelberger hs. Vorauer hs. 

In des almecliligen gotis ininneii. In des almaelitigen gotis iiünnen. 

Wil ich dissis liedes beginnen. so wil ich des liedcs beginnen. 

Daz schult ir gezogeliche uer- daz scult ir gezogenlichc u*- 

neme. nenien. 

Ja mac Jv uil wol gezcnio. ia mag cz ech iiil « olc go/<'iii<'ii. 



224 



VORAIJER HANDSCHRIFT. 



Heidelberger hs. 

Ze hörne alle uruinecheil. 

Iz dunkel die tunimen arbeit. 
Sol man sie iciit leren. 

Odir wisdum gemeren. 
Daz in were nuzze. 

Sie ne phlegint nil guter wizze. 
Daz si ungerne horent sagen. 

Da uoa sie mochten haben. 
Wisdum uü ere. 

Uü Avere ie doch urume d sele. 



Vorauer hs. 

ze hören alliv frumichail. 

die tumben dunchet iz arebait. 

sculn si immer ihl gelerncn. 

od ir wislum gerne en. 

die sint unnuzze. 

vn phlegent niht guter wizze. 

daz si ungerne horent sagen. 

dannen von si mohten haben. 

baeidiv vvistüm vfi ere. 

uii waere iedoch frum der seit- 



Das weitere des anfangs in Hoffnianns fundgruhen, der 
nur z. 42 unerhört aus nv grife wir daz gute liet ane (vgl. 
z. 2) daz gute her machte. — wichtig ist z. 31 mit c. pa- 
lat. mit scophelichen Worten, woraus die übrigen {Manch. 
W^olfenb.) be7'eiis schimT^hlichen ge?nacht haben ; Prag, über- 
sprang. — der schlaf s ist 

Heidelberger hs. Vorauer hs. 

Der babes EugeniO. 

Der gewarp alsus. 
Er hiez iz clagen drate. 

Deme künrate. 
Vü deme kunige Ludewige. 

Daz ne stunt nicht lange wile. 
Vnz d abl)al Bernhart. 

Den uursten geliebete die vart. 
Er quam zu dem kunige Kiinrat. 

Er mancte harte. 
Mit sinir suzen lere. 

Er sp'^ch daz selbe unser herre. 
In dar zu erwelde. 

Der kunic nicht langer ent- 
weite. 

die Heidelberger hs. bricht mit dieser 8n zeile ihrer spalte 
105*^ ab, die foi^auer hat die mitgetheilten schlufsverse un- 
abgesetzt und schliefst mit bl. 135. ebenso schliefst die 
Wiener hs. 2693, die U'olfenbütfelcr 15, 2, und die Slrafs- 
burger. die München er geht nur bis Lothar 2. die an- 
deren voll stand i geil hss. {der jüngeren recension mit dem 
anfange Hoch gelobter altissinius), cod. Vindob. 2685, Vin- 
dob. Inspruk., Carlsruh. 52, Monac. germ. 965, gehen bis 
zu kaiser Friedrichs 2 lode, cod. JValdburg. Zeil, selbst bis 



Der babes Eugeuius. 

der gewarf do alsus. 

er hiez iz chlagen drate. 

dem chonigc Chönrat. 

unt dem Chonige Ludewige. 

daz enstunt niht lange wile. 

unze der abbat Pernhart. 

den uursten geliebte die vart. 

er chom ze dem chunige Chönrat. 

er manet in harte. 

mit siner süzen lere. 

er sprach daz selbe unser here. 

in darzu erwelte. 

der chönich niht langer netvelte. 



VORAUER HANDSCHRIFT. 225 

Rudolf von Habsbitrg. das jähr 1147 wird aus mehreren 
gründen das anhnltsjahr für dies kunige Inioch bleiben 
müfsen. 

2. hl. 74* — 96'' die vier bücher Mosis, von denen aus 
der fViener hs. nur das le buch und der anfang des 2n 
bekannt waren {Hoffmanns fundgr. 2,9 — 101, Mafsmanns 
ged. des I2n j'h. 2, 235 — 342). 

3. bl. 97'' — OS'' ein gedieht von der wvltschöpfung , 
bisher unbekannt, 32 Strophen, etwa 340 verse. Schöpfung 
durch die allma.cht gottes, auch der enget die fielen u?id an 
deren stelle die menschen in das paradies gesetzt wurdeji; 
gott gab ihnen bist und ivo?ine, um bei künftigen leiden auf 
die seligkeite7i ihrer ursprünglichen heim dt zurückzublicken, 
von den höheren geschöpfen verlieh gott dem menscheii ver- 
schiedene kräfte, von den steinen mannhafte härte der beine 
H. s. tv. dann wollte er ih?i schmücken aus allen vier de- 
menten i vom feuer gab er ihm den reijien sinn, von den 
höheren lüften das gehör, von den niederen den geruch, 
von den wafserti den geschmack, von der erde die stete 
regsamkeit der hä?ide und füfse. danach ward mit dem 
ersten menschen ein vertrag geschlofsen dafs er mit dem 
geböte einen zioeikampf bestehe ßlr das ganze menschen- 
geschlecht 

Daz er ein einwig rungi 

mit denio giboti uur mankunni : 
erlange er den sieg, so sollten wir niemals sterben; unter- 
liege aber unser kämpfer, 

wanti der iinsir chcmpho do geweich, 
so fielen rvir sämmtlich dem tode anheim u. s. w. 

4. bl. 98° — 100" loblied auf könig Salomo {in 24 Stro- 
phen, etwa 240 versen), von den drei m(in?iern im feurigen 
ofen, und von Judith (in 20 absützen von ungefähr 200 
versen). 

5. bl. 100" — 108'' ein gröfsej^es gedieht von der Ju- 
dith in etwa 2400 versen, wie die vorgenannten gänzlich 
IUI bekannt. 

C. bl. 109" — 115'^ der Alexander des pfafjen fjamprcclil. 
zwar nur die ersten 1000 verse, doch wird das fehlvndr 
Z. F. I). A. II 15 



226 VORAUER HAiNDSCHRIFT. 

blatt der Strafsburger hx. ergänzt. — Judith und Alexan- 
der wird herr Diemer demnächst herausgeben. 

7. bl. llö" — 125'* vom leben und leide?i Jesu, vom An- 
tichrist und jüngsten gerichte, aus der bisher einzigen 
Görlitzer hs. abgedruckt (fundgr. 1, 127 — 204); hier fehlt 
ein blatt (s. 149,9 — 155, 15), ebenso gleich im anfaiige 
die geschichte Johannes des täufers. nach dem schlufse ist 
das werk von einer frau gedichtet, 

Dizze buch dihlole 

Zweier cliinde muter 

Diu sagelen ir disen sin 

Michel niandunge was under in u.s.w. 

8. bl. 125'' — 128'' loblied auf Maria, ungefähr 800 
verszeilen, deren ernste dt^eizehn auf den inneren deckel der 
Zwetteler hs. 73 sich fanden, s. Hoffm. fundgr. 1, 260. 

9. bl. 128'' — 129 ein gedieht von 34 Strophen, etwa 
300 versen, ähnliches Inhaltes wie das unter 3, auf veran- 
lafsung des bischofs Günther von Bamberg (1057 — 1065) 
verfafst. 

Der gute biscoph gunter vone babenberch 

Der hiez machen ein uil gute werbe 

Er hiez die sine phaphen 

Ein gut lieht machen u.s.w. 
er beginnt mit der Schöpfung der weit und des ersten paa- 
res, dem sündenfalle und seinen folgen, der erlösung durch 
den Messias, icelche im alten bunde schon Abels und Abra- 
hams opfer und Mosis schlänge in der wüste vorbedeutete ; 
dann von der auferstehung u. s. w. bei der Schöpfung hoffst 
es auch hier wieder, gott bildete den meyischen aus acht 
theilen, vo?i der erde gab er ihm das fleisch, der thau ist 
ihm der schweifs, aus dem felsen schuf er das bein, aus 
den wurzeln die ädern, aus dem grase das haar, aus dem 
meere nahm er das blut, von den wölken den sinn und von 
der sonne die äugen, endlich verlieh er ihm. seinen gcist, 
damit er ihn fortwährend behalten, und die erkenntnis, 
dafs er sie stets mehren sollte (vergl. zcitschr. 1, 1). 

10. bl. 129*^ — 133" von den sieben gäbe?! des h. gci- 
stes und von der siebenzahl überhaupt {die 7 gaben des 
geistes, die 7 siegel des buches in der offenbarung, die 7 



VORAUER HANDSCHRIFT. 227 

zahlen der aslronomen^ die 7 wandelsternc am hirnmel, die 
7 tage der ivoche, mondwechsel^ lauf der sonne, entstehung 
und aushildung des menschen, die 7 altersslufen, die 7 freien 
kiinste und grade der verwandlschafL, die ü alter der welty 
die 7 hauptschnerzen des me?ischen, bei deren letztem der 
iod erfolgt) ; gcgc7i 900 verse. als verf ist genannt ein 
priester Arnoltli, vielleicht der aht Arnold zu Botineval, 
der de Septem donis spiritus schrieb, vertrauter freund Bern- 
hards von Clairvaux (1113), dessen lehensbeschreibung er 
i^erfafste. 

11. hl. 133*^ — 135 gedieht vom himmlischen Jerusa- 
lem {?iach offenb. 21. 22). in der minne seines namens, der 
die liimmel besefsen, die erde umfange7i, die regeiitropfen 
geziihlet, zu seinem dicnste die enget erivählet, beginnen 
wir dieses liedes ; sehr fürchte ich dafs etliche schelten y 
von dem himmel reden wir selten' u. s. lo. 

12. Ottos von Freisingen leben k aiser Friedrichs, s. oben. 
MÜNCHEN, 23 april 1842. H. F. MASSMANN. 



PREDIGTBRUCHSTÜCK. 

1 r?/'. a verzage nit ich bin der der dinen lip vfi din 
sele gescliafTen hat. Ich bin der der die edelkeit 
diner sele vn diner nature erkennet, da von er- 
barmctost du mir vn fvr von himelrich vsser mi- 
5 nes vater schoz daz ich dich suchte vn wider- 
brehte zv diuer edelkeit. Ach lieber mensche 
sprach er Ich bin din vater da von minnote ich 
dich so sere daz ich alles min blut vz goz. nv 
merke wie mir din v . . . c be . . . den het. da 

10 von bin ich wol gelich den velt blvmelin an mi- 
nen kleidern. Ich bin och gemeine allen dien die 
min geruchent. 3Iin tod ist gemeine, min genade 
ist gemeine, min himelrich ist gemeine. Ich vn 
min vater vn der heilig geist sin gemeine allen 

15 dien die Irosles ald genadcn gerent von rechte 
herzen, dien will ich mich selben geben mit vol- 

15* 



228 PREDIGTBRUCHSTUCK. 

leni Irosle. Vfi nach disem eilende wil ich selbe 
ir Ion vn ir vröde sin. mir ist nieman ze am 
mir ist nieman ze svndig. Ich bin ein eherer vn 
I vw.b alles daz dem tievel enphallet daz lise ich | vf vn 
5 eheren ez. Nv horent des gvten gottes gvti er 
gelichet sich einem eherer. Alz ir wol sehenl da 
die riehen Ivte snident da gant die armen Ivte 
nach vn eheren t. Ze gelicher wise tvt vnser 
herre. Der tievel ist der riebe man der snidet 

JO leider vber alle die Avelt manig edel sele die gol 
köfte mit sime wirdigen blvte. So ist vnser herre 
der arme man vn gat alles nah in eherende. Vn 
swa im ein sele mag werden die zvket er an 
sich. Vn des manet er den menschen vn sprach. 

15 we mensche gedenke daz ich ein eherer wor- 
den bin dvr din heil. Er sprach och lieber men- 
sche gedenke wie ich dich gesvchet han. Ich liez 
himelrich min rechtes erbe, vfi fvr vf ertrich vn 
wart mcnsciie. Vn liez mir min herze in minem 

20 libe vf tvn. vnd min zarten sele gap ich von mir 

ze scheidenne. daran gedenke vn erbarme dich 

vber mich eilende wan ich han mich dur din liebi 

Xi'w.a verellendet da von gib mir din herze daz | ich vf 

ertrich han gesvchet. gedenke noch an mich vn 

25 kere dich zv mir vn gip mir din herze zv einer 
rvwe vn din sele zv einer minnerin wan des han 
ich gegert. Nv kere wider lieber mensche zv den 
svzen vellblvmelin. er ist so vol miltekeit vn er- 
bermde daz er dich gvtlich enpliahet. Uwe ellv 

30 menschen die sich ie von disem lieben veltblvnien 
kertin. die keren hvte wider mit rechter trvwe 
zv siner genade. vn svchen trost an sin erbermde 
mit rechter demvtekeit. Wan er sprach selbe alle 
die mich svchent mit demvtige herzen die sun 

35 genade vn trost an mir vinden. Nv svnd ir wiz- 
zen daz vnser herre nil allein ist ein veltblvme 
alz er sich selben nemet. Er ist och sinen hein- 
lichen frvnden ein lylie in dem beslozenen garten. 
Wan ze gelicher wise alse man des lylien ze al- 



PREDlGTliKÜCIlSTUCK. 225) 

leii ziten sicher ist in dem beslozenen garten 
1 ri(\ b Also ist got ze allen ziten in dem | vridcsamea 
herze. Wan der mensche der sich flizet daz den 
vride behalte vzwendig mit eime ieklichen men- 
5 sehen beidv an werten vfi an werken. Vn der 
och inwendig hat ein Ivter gemvte ane nid vn 
ane vbeln willen der ist wol ein beslozzener garte, 
der sin herze also beslvzet daz alle argwan vn 
alle nid da vor mvz beliben. Vn och sinen munl 

10 also beslvzet. daz er nie manne uit arges sprach 
hinder im noch vor im. Vn alles daz ze gvte vn 
ze tvgenden keret das er sihel ald höret, der 
mensche ist wol ein beslozener garte, in dem 
garten wil got rvwen svzeklich vü frvnllich mit 

15 der lieben sele. Zv der sele sprach vnser herre 
mich het sere gelvstet daz ich din antlvle gesehe. 
So mag dv sele wol sprechen, alz si sprach in 
der minne bvche. Kvme her nider min geminter 
in dinen garten, nv kvvic min gemahel. min garte 

20 ist wole geblvniet mit aller hande tagenden ma- 

Ivw.a nige altekeit vn ist da vndergemischet | mit dem 

grase inneklicher begirde nach dinem biwescnne. 

da die sele sattet nach aller geuvgede. nu kvm 

her minner der minne dv da vbertriffet alle sinne 

25 ksvü. in dinen garten, der alvmbe mvret ist mit 
vorhte dine liebi ze verlierenne. Vn darzv mit 
hvte ze allen ziten dine heinlicbi vn dine frvnt- 
schaft zebehabenne. Nv kvm her zvcht vn schäme 
stand an der porte vn hvtent daz dv vn din min- 

30 uerin mit enkeiner vnzvcht werden erweket. Nv 
kvm her min vnbevaher vn min minner. din garte 
ist wol beslozen mit dem sloze rchter demvtckeit. 
So sprach denne vnser lieber herre. Ich wil 
nider gan in minen garten vn wil gesehen die 

35 bome in dem tal die blvmen vn daz gras. Vn 
wil scliowen ob die reben blvgcn. Nv merkenl 
dis. die böme in dem tal das sint die reinen ta- 
gende in der sele. Vn die schönen reben daz isl 
vrölichi in gote. swaz dich an gange daz dir das| 



230 PREDIGTBRUCHSTUCK. 

2 viv. b ein yvhdc in allen diue . . . 

.... soll dv rechte Aemuetige vrode mit gote 
han in diner begirde. daz dv s^weg vroliche ge- 
rest arbeit kvmhcr vfi not haben in der minne 
5 dines minners, d . . . die reben in der sele die 
blvegewi schone vfi vfwuesam swenne der mensche 
yrcelic/i ist in widerwertekeit. Y/idalweg bcgeret 
daz er ATbeit dvr got trage. Vnder die?i bömen 
vn bi dien reh&n r^nvet vnser herre. als er selbe 

10 sprach. Ich lian gervwet vnder dem schalten mi- 
ner ge;?^«Äelen, vfi die frvcht ir . . . den het mich 
gespiset. Vnd die spise ist mir gar svie in mi- 
nem mvnde vfi minei' kelvn. Nv svnd ir vfi:izen 
daz ein ieklich gvt yon vnserra herre vrode vn 

15 last git. In disem besloze/??/« garten des reinen 
herzen sint got vn dv sele zesawe/^e gemehelt. 
daz ist Qin r;??;?neklicher höngar^e imd ein para- 

dise der vrcede vnd lust da 

2 7'w. a .... füge I . 

20 t sprach dise 

frvndinne han ich gar sere geminwe^ vh bin men- 
sche -worden dvr ir liebi. Vn han arbeit dvr si 
gellten al da her von minen kintlichen tagen. Ich 
bin ein minner ivorden ires schonen \volge*/«//en 

25 antlvtes. Vnd ir wzV/neklichiv geschepfede hat 
mich ZV einem minner gew«chet. dar vnbe starb 
ich an dem criice daz mir ?ninv frvndin wrde zv 
ei//er minnerin. Vfi daz ich vfi sie //eplich ze 
samne geiyget vn gemehelt wrdin. vfid ist daz ge- 

30 schehen in dem Z^eslozenen garten da rvwet got 
vn dv selige se/e mil ein andern, da nietet sich 
dv sele einer syzekeit Alz si sprach in der minne 
bvche Ich saz under sime schalten des ich ie 
gerte. vn s'mes svzen wvchers nielel ich mich. 

35 daz wort ist nit so ze verstenne, als ob si s^rce- 

che ich Äan mich gesezzet 

.... et ze 

2 rtv. b ze n | scam sincr 

menscheit. Vnd lief vf zr warlonne hvngerigi'i an 



PREDIGTBKUCHSTÜCK. 231 

den edela wicher siner gotheil. Vii ich ellendv 
ze kvlenne vnder den schallen des heiligen gei- 
stes. we svzu sele wie rechte niiiineklich 
disv rvwe ist. da got rvwet in diuern paradyse 
5 daz ist din geblvnites herze in allen tvgenden. 
Vnd din sele rvwet vnder sinie gütlichen schat- 
ten, gcsach got die sele du mit rechter begirde 
rvwet vü erkvlet wirt vnder dem schalten des 
heiligen geistes. Du sele mag wol genesen vor 
10 aller vreise. Zv der sele sprach unser herre in 
der minne bvche, dv min aller liepstü wie 
schone dv bist in dime zarte. Nv merkent we- 
der der zart gotes si hin zv der sele. oder von 
der sele zv gölte. Vn welu sele diz zartes wir- 
15 dig si. Entrvweu daz sint die dvrnechtigen die 
demvtiges herzen sint. ez sint nit die valschen 
geislichen, noch die glichserin. ez sint och nit 
die hinderrede spvlgent vn verkerde. ez sint die 
demv 
Doppeltes quartblatt , pergavient , afi einer seite be- 
schnitten, abgelöst von dem einbände eities buches in octav 
in der Universitätsbibliothek zu Marburg, die abkürzufige7i 
sind aufgelöst, ergänzunge7i cursiv gedruckt. 

MARBURG. DR DIETRICH. 



ÜBER DIE BEDEUTUNG DES NAMENS ZIU. 

Je spärlicher unsere nachrichten über diesen gott, einsl 
einen der bedeutendsten, vielleicht den ersten, fliefsen, um 
so werthvoUer ist jede auch die geringste aufklärung über 
sein wesen. die folgende auseinandersetzung versucht es 
einiges licht wenigstens über seinen namen zu verbreiten. 

Grimm stellt in der mythologie s. 31 den namen Ziu 
mit dem lat. dcus und griech. Zii>g zusammen, und das ist 
wohl was das letztere worl betrifft unbezweifell richtig ; ge- 
gen die Zusammenstellung mit deus spricht aber einmal das 
diesem vollständig gleichstehende griechische Otög, dann aber 
zweitens das Ju- in Jupiter, das, wie wir weiter unten zei- 



232 DIE BEDEUTUNG DES NAMENS ZIU. 

geu wollen, dem Xiu und Ztin; entspricht, so dal's jene zii- 
saninienstellung nur möglich wäre, wenn man annehmen 
wollte, alle diese Wörter seien untereinander identisch, dies 
anzunehmen verbietet aber das sanskrit, wo das Xiu und 
Z^vq entsprechende wort tljaus (hinimel), das dem deus und 
■&töq entsprechende devas (gott) ist, was wir zunächst von 
Seiten des lautes nachweisen wollen. 

In deus und &^oq sowie in derns sind u, o, a, wie die 
declination ergibt, zum stamm gehörig und wir behalten 
demnach als wurzel de, •&(, und dev, woraus hervorgeht 
dals das griechische und lateinische den halbvocal v verlo- 
ren haben*), der indess im griechischen, wie ich vermute, 
nicht ganz verschwunden ist, sondern die aspiration auf den 
anlaut übertragen hat. denn es ist, um von einer verwand- 
ten erscheinung auszugehen, im griechischen häufig dafs eine 
im auslaut einer wurzel stehende aspirata ihre aspiration, 
wenn diese nach irgend einem lautgesetz schwinden mufs. 
nicht ganz aufgibt, sondern dieselbe auf den anlautenden 
consonanten überträgt; man vergleiche d-Qi'S. mit r^ixög, TQi- 
qto mit TQf\pof^tai, -OaTTToi mit hüqtjv u. a. m. nach demselben 
lautgesetz zeigt das griech, {yvyuT)]Q ein anlautendes O statt 
des d in skr. dithitd (f. dtihitar), goth. daiihtar, weil das 
griechische kein inlautendes h hatte und statt dessen die 
entsprechende gutturale media setzte, der ausfall eines di- 
gamma, das sich ganz den aspiraten anschliefst, hat nun zu- 
weilen dieselbe erscheinung herbeigeführt und diesem umstände 
verdankt z. b. -Ovqu sein x> gegenüber dem d von dvdr f. 
und dvdram n., die ihür; ein noch augenscheinlicheres bei- 
spiel ist (fiuoög (fett, glänzend) verglichen mit skr. pivaiYis 
mit derselben bcdeutuug, neben dem TiiuQog ebenso wie das 
einfache Tvioiv neben pivan besteht, welche zugleich zeigen 
dafs das erwähnte lautgesetz nicht in allen fällen durchge- 
drungen ist und den mangel fernerer beispiele erklären, dem- 
nach dürfen wir, denke ich, nicht zweifeln, das griech. -Ofüg 
dem lat. deus und skr. deeas an die seite zu stellen, und köu- 



(lenn im dorischen i}tvizzi&töi gchbrl v nicht zur würze! (isl also 
nicht aus einem früheren digamma vocalisicrt), da fr durch coniraclion 
aus fo entstanden ist. 



DIE BEDEUTUNG DES NAiMENS ZIU. 23:i 

neu iius nun zu der zweiten reihe der oben zusammengestell- 
ten Wörter wenden. 

Die richtigkeit der Zusammenstellung von Zfvg und Zit/ 
brauchen wir nach Grimms Vorgang nicht weiter zu erör- 
tern, und es bleibt uns nur die mit skr. dj'aus und zwar 
zunächst ebenfalls nur von der seile des lautes zu rechtfer- 
tigen, dies wort hat drei verschiedene stamme, von denen 
es seine casus bildet, nämlich div, dju und djö, deren letz- 
tere in den casibus erscheint, die Bopp die starken nennt, 
diese verhalten sich zu den schwächeren wie im griechischen 
die wurzelform des 2n aoristus vieler verba zu der des prä- 
sens, z. b. wie tcpvyov zu qfvy-oi, und die Verstärkung be- 
steht hier wie da häufig in der vorsetzung eines vocals (im 
skr. immer a oder d, mit denen ii in ö und au übergeht, 
im griech. u, e, o) vor den einfachen wurzelvocal. die bei- 
den formen dju und dj'ö reducieren sich demnach auf die eine 
ursprüngliche dj'u; diese erscheint nun in der declination 
des Wortes nur in den casibus, deren endungen mit einem 
consonanten beginnen, wogegen sich die erste form d/'v vor 
allen vocaliscii anlautenden endungen zeigt, demnach müfsen 
wir auch dju und div als identisch ansehen und zwar das 
letztere als das ursprüngliche, da v im sanskrit nur vor r 
und j erscheint und vor allen übrigen consonanten sich vo- 
calisiert oder verschwindet, daher hier nothwendig in Ji ver- 
wandelt werden muste, also diu, woraus sich dann unmit- 
telbar die andere form dju entwickelte, da das sanskrit nicht 
zwei vocale neben einander duldet. 

Gehen wir nun zur declination des wortes über, so zeigt 
eine Zusammenstellung der griechischen und entsprechenden 
indischen formen sogleich die formelle Verwandtschaft von 
djaus und Zfv,- (wobei wir das bei Boeckli im corpus inscr. 
sich findende digamnia zu hilfe nehmen). 

nom. djaus Ztvg 

gen. divas Jt\:6g 

dat. 1 divc , , 

loc. idivi .; 

acc. divam z/i\iu 

voc. djaus Ziv 
liierhoi isl nur zweierlei zu bemerken, nämlich (msIous dafs 



234 DIE BEDEUTUNG DES NAMENS ZIU. 

im iioiii. und voc. f an die stelle von dj getreten ist; die- 
ser lautwechsel erklärt sich jedoch leicht, wenn man erwägt, 
dafs i" ein doppelconsonant ist, der hier, wie die casus obli- 
qui zeigen, aus einem d nebst folgendem zischlaut besteht, 
welcher sich bereits dem vorhergehenden consonanten assi- 
miliert hat, wogegen er im sanskrit noch auf der ursprüng- 
lichen stufe verharrt ist. zweitens würde man an der stelle 
des griech. ev eher das vollere uv erwarten wie es z. b. in 
vuijg verglichen mit skr. 7iaiis (gleicher bedeutung) erscheint, 
indess zeigt gerade dies wort am besten die möglichkeit einer 
Schwächung aus au in iv, indem es im ionischen als vrjvg 
erscheint und die grammatiker eine form v£vg aufbewahrt 
haben, die vielleicht nur den genitiven veiäg und vioöv zu 
gefallen ersonnen ist, aber nichts desto weniger die richtige 
Stammform der letzteren ist, in denen das v nur, nachdem 
es frühereu lautgesetzen gemäfs in digamma verwandelt war, 
in der späteren sprachperiode nothwendig verschwinden muste. 

Die dritte Stammform des indischen Wortes, nämlich dju, 
erscheint nur im pluralis vor consonantischen endungen, hat 
aber dem römischen nameu des gottes den Ursprung gege- 
ben, indem nur das anlautende d, da das römische nie dj 
im anlaut hat, aufgegeben ist und so Ju-piter für Djupiter 
steht, die casus obliqui dieses namens lafsen die erklärung 
sowohl aus dem stamm dju als dju zu, indem neben ihnen 
nach \ arro auch Jovis als nominativ stand, dies wort erfor- 
dert nun aber noch eine erklärung in bezug auf seinen zwei- 
ten theil, die uns zu gleicher zeit über die bedeutung der 
oben zusammengestellten Wörter näheren aufschlufs giebt. 

Das wort fiter in Jupiter schliefst sich nämlich eng an 
das indische pitä (s. pitar)^ dervater, an, und es kann kein 
zweifei sein, wenn wir die bedeutung von sanskr. djaus, 
der himniel, und das lat. sub Jove berücksichtigen, dafs Ju- 
piter den himmelvater bedeutet, diese annähme gewinnt noch 
gröfsere beslätigung, wenn man ferner erwägt dafs auch Ho- 
mer den Zivg fast immer noch ttutj^q nennt, und die durch 
den leider zu früh verstorbenen Rosen uns eröflneten schätze 
der vedas entscheiden endlich vollends, bisher war uns aus 
den epischen gedicliten das wort djaus nämlich nur in der 
physischen bedeutung bekannt, in einigen vedahymnen er- 



DIE BEDEUTUNG DES NAMENS Zlü. 235 

scheint es nun aber als der personificierte liiinmel, und die- 
ser wird in einer derselben (Kosen Rig-Veda s. 177) pita 
djaus, vater Zivg, vater himmel, genannt, und ihm die 7ndtä 
prithivi, rautter erde, zur seite gestellt, gerade wie im ho- 
merischen Ztv TTuriiQ yrj Tf ^u]Tni), und so denke ich kann kein 
zweifei an der bedeutung von Zevg als himmel sein, womit 
dann zugleich dieselbe für Ziu gewonnen ist. was aber die 
form betrifft, so sehen wir dafs sich das angelsächsische 
Tiv (gen. Tives) am nächsten an die indische grundform 
diu anschliefst, diese ist nun als wurzel auch sonst noch 
vorhanden und bedeutet leuchten, glänzen, der himmel ist 
also der glänzende, eine durch die gewöhnliche vocalver- 
stärkung von i zu e geschehene ableitung von div ist nun 
aber devas, was demnach ursprünglich der himmlische heifst, 
und nun, wenn wir anders recht haben, auch beweist dafs 
deus und d^eög nicht mit Ziu und Zfvg in eine reihe gestellt 
werden können. 

BERLIN. A. KUHN. 



ÜBER DIE GESCHICHTLICHE GRUNDLAGE 
DES GRAFEN RUDOLF. 

Im jähre 1828 gab Wilhelm Grimm fragmente eines mit- 
telhochdeutschen gedichtes aus dem ]2n jh. heraus, unter 
dem titel Grave Ruodolf, deren trefflichkeit in ausführung und 
darstellung nach seinem Vorgänge ebenso anerkannt wurde 
als ihr Zusammenhang, die motive und der abschlufs des In- 
halts völlig räthselhaft blieb, unter diesen umständen hat 
jeder versuch hoffnungslos geschienen historische gestalten 
aufzusuchen mit denen die figuren des gedichtes zusammen- 
hangen könnten, und je gröfser die lebendigkeit ist mit der 
die bruchstücke den zustand des königreichs Jerusalem vor 
1187 vergegenwärtigen, desto mehr hat man den verlast des 
ganzen auch wegen geschichtlicher aufklärungcn die es viel- 
leicht enthalten hätte bedauert, ich gestehe freilich dafs ich 
dieses gefühl nicht theile und bei der sichtlichen freihcit der 
darstellung nicht glaube dafs wir hier für kenntnis der that- 
sachen irgend ein neues gewonnen hätten, — höchstens sonst 



236 GRAVE RUODOLF. 

schon lestgeslelltes hätte schärfere beleuchluug erhalten ; — 
desto lebendiger ist mir aber immer der umgekehrte wünsch 
geblieben, ob nicht trotz alles ungünstigen Scheines durch 
geschichtliche Untersuchung fernere aufklärung über den bau 
des gedichtes zu gewinnen wäre, wie weit ich nach mei- 
nem dafürhalten in der verwürklichung dieses Wunsches ge- 
kommen bin mögen die folgenden bemerkungeu darlegen: 
ich stelle fürs erste, um die nölhigen vergleichungspunkte 
übersichtlich zur band zu haben, den inhalt der vorliegen- 
den fragmente zusammen. 

König Gilot von Jerusalem gibt ein glänzendes fest, sich 
gegenüber setzt er einen herrn aus Flandern, der seinen söhn 
au der seite hat. 

Ein pferd ist beim zügel gefafst und soll weggeführt 
werden, des grafen knappe ApoUinart wird es gewahr und 
bringt eilend den Faris in sein behälter. 

Nachricht von einem kriegszuge, 'wir fiengen einen der 
das schönste ross an der band führte.' — habe dank männ- 
licher that" u. s. w. die ritter nehmen nachtlager und zie- 
hen auf Rudolfs bitten am vierten tage nach Jerusalem, wo 
sie mit geläut und heiligthum empfangen werden, am fünf- 
ten tage kommt ein böte von Scalun, ich war da, derselben 
bürg also nah dafs ich sah in das land.' es soll krieg ge- 
ben, Rudolf ermahnt zur tapferkeit, der könig dankt ihm, 
herr, ihr seid kommen in das land durch gottes ehre.' 

Vorgänge bei der belagerung. Girabobe führt von der 
bürg herunter ein gespräch mit Rudolf, bietet für die gefan- 
genen gold und silber, das Rudolf zurückweist, er habe ge- 
nug aus seinem lande mitgebracht. Girabobe hat die weiber 
in der bürg geschoren und in waffen gesteckt, er zeigt jetzt 
diese recken, könig Gilol beüchlt seinem beergrafen* die 
wachen zu henken weil sie so viel volkes in die bürg ge- 
lafsen, nimmt darauf aber den von Girabobe dem grafen vor- 
geschlagenen frieden an. alle werden feierlich in Jerusa- 
lem von dem cardinal von Bethlehem und andern empfan- 
gen ; Rudolf, von könig berufen, reitet in den palast, sein 

• ich glaube, der coniielablc wird gemeint sein, vcrgl. seine fun- 
• tionen lici Canciani 5, 148. 



(;mave ulodolf. 237 

adel, seine Schönheit wird gferühmt, die frauen blicken nadi 
ihm in niinne, der könig ehrt den kindischen beiden, der 
gegen arm nnd reich gleich liebenswürdig ist nnd dem könige 
gegenüber wenigstens nicht blöde auftritt, schon früher, auf 
einen ausriif des erstaunens, ist das wahr?' antwortet er 
ihm scharf genug, 'denkst du, ich sagte was ich nicht auch 
vernommen hätte?' jetzt, als Gilot meint, er möchte einen 
hofhalt wie den des kaisers bei sich einführen, lacht Rudolf 
laut, 'was denkst du? wessen unterwindest du dich? könige 
dienen dem kaiser, dir will ich guten rath geben — .' 

Liebesscenen zwischen Rudolf und einer darae, wie sich 
weiterhin zeigt, der tochter des heidenkonigs Halap, an des- 
sen hofe sich Rudolf hier befindet. Gilot sendet aus dem 
christenlande, entbietet dienst und minne und fordert Ru- 
dolfs auslieferung mit gebundenen bänden, er sei untreu im 
dienst gewesen und habe ihm den herzog und seinen söhn 
benommen. Halap will Rudolf zu gerichtlichem Zweikampf 
stellen, sonst aber nicht ausliefern. 

Rudolf kommt zu dem beere, das mit grofscr Streitkraft 
vor der bürg am meere liegt, gelangt mit list durch das be- 
lagernde beer in die bürg, richtet die gemüter wieder auf, 
und als Halap zum entsalz herannaht, macht er einen aus- 
fall, ohne jedoch anders als mit flachem schwxrle auf die 
Christen zu schlagen. Gilot erliegt dem Girabobe : man sieht, 
die bürg am meere ist wieder Scalun. 

In Conslantinopel. die fürstin weist alle bewerbungen 
des griechischen königs zurück, erhält in prachtvoller taufe 
den namen Irmengart, und läfst nur immer nach Rudolf for- 
schen, ob er noch am leben sei. Rudolf liegt in einem hause 
gefangen aus dem er mit mühe und noth entkommt, gotl 
läfst ihn sehr für seine missethat büfsen. elend versteckt er 
sich in einem dornbusch, manch harter schlag war ihm ge- 
geben und mancher stofs, liefe wunden, sehr grofse, hat er 
gewonnen, rücken und bauch war Ihm geschlagen dafs es 
niemand sagen kann, ein Avundcr dafs er am leben blieb. 

Rudolf und die königin enllliehcn mit ihren schätzen 
heimlich aus Conslantinopel, die königin wird müde, sie ma- 
chen ihr ein lager auf blinnen, IJouifail, Hudolfs ncfl'e, be- 
reits früher ihr kämmerer, hall wache. Überfall ^ on räubeiii, 



238 GRAVE RUODOLF. 

Rudolf erwacht, sielit BonifaiL und fünf räubcr bereits todt, 
erlegt die übrigen und beklagt den nelTen. 

Dies ist alles was uns zur begründung irgend einer an- 
sieht vorliegt; anfang und ende sind also ganz im dunkel, 
und auch innerhalb der fragmente selbst sind die lücken 
höchst wesentlich, den anfang unserer belrachtung, wenn sie 
nicht ganz im blinden rathen soll, niufs eine möglichst genaue 
Zeitbestimmung bilden, und ich denke, um über 1187, den 
allgemeinsten termin, hinauszugehen wird man eine Unter- 
scheidung zunächst festhalten müfsen. nämlich Grimm ge- 
winnt ein zweites datum aus Rudolfs äufserung dafs könige 
dem kaiser dienten, eine thatsache die damals nur zur zeit 
Wladislaws von Böhmen, 1158 bis 1173 vorgekommen sei. 
aus dem gleich anzuführenden gründe trage ich aber kein 
bedenken diese crwähnung nur auf rechnung des deutschen 
bearbeiters und nicht einmal des französischen Originals, zu 
setzen : dafs die handlung des gedichtes selbst nicht in die 
erwähnte periode passe ergibt die einfache bemerkung dafs 
so gut wie Jerusalem christlich, Ascalon dort saracenisch ist. 
man gewinnt dadurch nicht mehr 1187 als letzte oder 1158 
als früheste, sondern 1153 als äufserste grenzbeslimmung, 
und überhaupt müfsen die händel mit dieser Stadt, die im 
gediclile eine so beträchtliche stelle einnehmen, uns auf nä- 
here bestimmungen führen, es ist zwar unmöglich, aber für 
unsere zwecke auch nicht erforderlich, eine würkliche und 
förmliche belagerung Ascalons durch die Franken nachzu- 
weisen die den kämpfen Gilots und Girabobes entspräche : 
es wird uns vielmehr darauf ankommen eine periode in der 
geschichte des königreiches aufzufinden in welcher der krieg 
gegen Ascalon eifrig genug geführt wurde um einen dichter 
darauf aufmerksam zu machen und ihm allgemeines Interesse 
für dessen darstellung zu verheifsen. gehen wir in dieser 
rücksicht die einzelnen rcgierungen durch, so werden wir 
zunächst die ersten jähre Balduins I von vorn herein aus- 
scliliefsen mülsen. die damaligen kämpfe mit Ägypten waren 
einmal von anderer bedeutung, ein umfafscnder krieg zweier 
nationen, wo Ascalon freilich als waffenplatz seine grofse 
wichtigkeil hatte, aber niemand daran dachte es als gegen- 



GRAVE RÜODOLF. 239 

slaiid des slreiles zu betrachten; zweitens war auch der er- 
folg ein verschiedener, die Ägypter wurden abgewiesen, waren 
darum aber nicht weniger übermächtig, während umgekehrt 
in unserem gedieh te Gilot zuletzt eine niederlage erleidet, 
im ganzen aber kräftig genug den Ascaloniten gegenüber auf- 
tritt, später erscheint als das einzige streben Balduins I die 
besetzung der türkischen seeplätze, und nur in seinen letz- 
ten Jahren versuchte er sich in abenteuerlichen zügen gegen 
die ägyptische grenze, wobei aber gerade Ascalon nicht im 
mindesten berührt wurde, unter Balduin II wurde 1125 ein 
einzelner streifzug gegen die Stadt unternommen, sonst aber, 
durch umstände und vielleicht durch richtige einsieht bewo- 
gen, gieng die normale richtung seiner politik in abwehr und 
fortschritt durchaus gegen die syrischen und mesopotamischen 
feinde, von Fulco will ich sogleich reden und vorher be- 
merken wie Balduin III zwischen 1143 und 1148 nur den 
unglücklichen zug gegen Boszra versuchte, wie 1148 könig 
Konrad allerdings die belagerung Ascalons vorschlug, selbst 
dorthin gieng, sich aber von den übrigen fürsten verlafsen 
fand, worüber sein brief an Wibald das nähere und damit 
die erkläruDg des Nie. Ambian. gibt, dafs die iterata fraus 
auf die Christen, nicht auf die Saracenen geht, also zur er- 
klärung unseres gedichtes nicht benutzt werden kann*, dafs 
noch weniger als dies unternehmen die endliche belagerung 
von 1153 im grafen Rudolf gemeint ist erhellt aus dem ziem- 
lich schlagenden umstände dafs damals Ascalon erobert wur- 
de, im gedichte aber die Christen un verrichteter sache ab- 
ziehen müfsen. 

Nur die regierung Fulcos von Anjou ist noch zurück, 
und hier scheinen sowohl die Verhältnisse gegen Ascalon als 
die zustände im allgemeinen der art gewesen zu sein um in 
poetischer bearbeitung gebrochen ein bild wie das unserer 
fragmente abzuspiegeln, das auftreten Emadeddin Zenkis würkle 
in einer den syrischen Franken auch sonst geläufigen weise ; 
wo ein kralliger gcgncr auftrat vermieden sie die kämpfe 
mit ihm, statt sie zu suchen ehe jener völlig erstarkte: so- 
bald Zenki seine macht in Aleppo gegründet hatte war von 

• ep. VVit). 127. 



240 GRAVE RUODOLF. 

clirisüiclier seile keine rede weiter von einer offensive gegen 
ihn nnd die nordgrenze überhaupt, vielmehr wandte sich die 
einzige ihnen nicht abgenöthigte thätigkeit dem jetzt beinahe 
ungefährlichen süden zu. nicht mit bewuster planmäfsigkeil, 
sondern jenem factischen Verhältnis folgend versuchte man 
die ersten schritte auf dem wege der 1153 zu der einnähme 
Ascalons und 1 168 zu dem angriffe auf Ägypten führte : 
langsam heranrückend setzte man sich fest in der unigegend 
der Stadt und engte sie durch eine reihe starkbesetzter ca- 
stelle ein, so dafs 1138 die Ascaloniten nrhem per gyrum 
praesidiis mexpugnahilibus vallatnm erblickten und in völ- 
liger mutlosigkeit darüber an den chalifen berichteten, da war 
1132 Baitnuber (später Richards I mehrmaliger lagerplatz), 
dann näher 1134 Bersaba, 1137 Ibelin, 1138 die hohe Blan- 
chegarde befestigt worden*, von deren ihürmen man in die 
Stadt hineinsah und jede kriegerische rüstung bemerkte, nicht 
anders als der böte an könig Gilot berichtet, 'ich war da, 
ich sah in das land.' von diesen bürgen wurden die wenn 
auch unbedeutenden doch lästigen plünderungen der Ägyp- 
ter gehemmt und ein kleiner krieg ununterbrochen gegen 
Ascalon selbst gerichtet; der könig, der pafriarch, die barone 
hatten den grundstein der castelle legen helfen ; man sieht 
wie dies, in etwas gesteigert und concentriert, den kämpfen 
des gedichtes vollkommen entsprechen muste. und in der that, 
die kräfle des reiches brachten es zu wenig resultaten da- 
mals aufser diesen befestigungen : abgesehen von den folgen- 
losen zügen nach -Antiochien, zu denen Fulco sehr gegen 
seinen willen geuöthigt wurde, weifs Wilhelm von Tyrus 
nur die Vernichtung eines räubernestes zu erzählen, einer 
befestigten berghöhle, wie man sie auch sonst aus syrischen 
kriegen kennt, der punkt war berufen wegen seiner festig- 
keit, und nur die ankunft des grafen Dietrich von Flandern, 
ebenfalls 1138, gab den mut, seine hilfc den ausschlag bei 
dem unternehmen : ich meine, es wird auch hier nicht zu 

' diese zeitl)e.sliiuinuii};('ii weichen von Wilkeii ai), so wie (iee in- 
hail inelirerei" soiisliffeii behaiipliingen von ihm und den übrigen mir 
bekannlen geschichleii. ich niuls die nähere begriiiidiiiig einem andern 
orle vorbehailen und beziehe mich nur im allgemeinen auf Wilh. von 
T. 14. 



GRAVE RUODOLF. 241 

gewagt sein in den anfangsworten des gedichtes eine renii- 
niscenz an diese Vorgänge zu finden. 

Die Wahrscheinlichkeit hier im vierten decennium des 
Jahrhunderts den geschichtlichen aufenthalt des grafen Rudolf 
zu entdecken wächst mir aber noch in weiterer hinsieht, 
wie Ascalon und Flandern treffen auch die griechischen ein- 
fliilse zu, nicht als wären sie später geringer gewesen, aber 
damals tritt durch den angriff Kalojohannes der Wendepunkt 
ein mit dem eine neue bedeutung der Byzantiner für Syrien 
beginnt, seine persönliche tüchtigkeit, nicht minder die sei- 
nes Sohnes Manuel, war den dortigen Franken wohl bekannt; 
das unzweideutigste zeugnis darüber legt die politik der kö- 
nige von Jerusalem seil dem zweiten kreuzzuge, legt ferner 
in ausdrücklichen worten der erzbischof von Tyrus über Ma- 
nuel ab. wie umfafsend waren nicht Johannes asiatische plane 
als Vertreter der Christenheit den islam in dem kerne seiner 
macht, im chalifate, zu vernichten; dafs die erwartungen 
anderer nicht zurückblieben ist in jeder weise anzunehmen, 
auch dann noch als nach dem stürze der Monkaditen in Schai- 
sar die eifersucht der Franken seine fortschritte auf Klein- 
asien beschränkte, für einen dichter der von vorn herein 
nicht das detail der ereignisse, sondern ihren kern im äuge 
hatte, lag demnach stoff in hinreichender weise vor um einen 
conflict zwischen dem kaiser und dem rechten haupte des 
islam zu schildern ; was irgend ein emir errungen und er- 
litten halle wurde auf Zenki, den sanguinus rex Alapiae, 
den könig Halap, übertragen, — ein process, der sagenpoe- 
sie so geläufig wie kein anderer; — mit einem worte, so 
konnte Halap selbst der unterliegende in Schaisar und seine 
tochter nach (]onstantinopel geführt werden, denn von einem 
ähnlichen Standpunkte gehört die bemerkung hierher dafs ge- 
nau dieselbe zeit es ist in der die ersten geschiclilliclion 
nachrichten über liebesverhältnisse zwischen Christen und 
Türkinnen niedergeschrieben wurden, vor 1130 kenne ich 
kein beispicl davon, der fanatismus von 1097 verdammte er- 
oberungen dieser art statt sie zu preisen, jetzt aber wird er, 
hier wie in anderen gebieten, durch die gesetze ritterliches 
und sinnliches wesens gebrochen, es ist eine umwandelung 
auf der bedeutende theile der syrisch -fränkischen geschichte 
Z. F. D. A. II. - IC 



242 GRAVE RUÜDOLF. 

beruhen, liier in im crer frage ist es Orderic V ilalis der in 
jenem Zeitpunkte die belrefFenden erzälilüngen vernahm und 
aufzeichnete; man mufs die erfolge christlicher ritlerschafl 
auf diesem felde in seiner farbigen darslellung nachlesen um 
sich zu überzeugen welch frische popularilat damals diese 
dinge im abendlande gehabt haben müfsen. was geschicht- 
liche Wahrheit anlangt, so ergeht es ihm dabei natürlich nicht 
anders als dem Albert von Achen in seinen mystischritter- 
lichen neigungen ; es ist einmal unerlüfslich die beiden mü- 
fsen auch weibliche herzen und nicht blofs feindliche Schwer- 
ter besiegen ; so erfindet sich die sage ihr detail, wenn sie 
es nicht vorfindet, gelingt es uns nach sonstigen indicien 
den grafen Rudolf in einer geschichtlichen figur zu entdecken, 
so wird darin wenigstens kein beweis gegen die identitäl 
liegen dafs ein Verhältnis der arl in der erzählung etwa des 
Wilhelm von Tyrus mangelt. 

Fafsen wir alles zusammen, die griechischen geschich- 
ten, die liebe zu der heidnischen königin erlauben, Ascalon, 
könig Halap, der graf von Flandern führen geradezu darauf 
hin den stoft' unseres gedichtes in der regierungszeit Fulcos 
zu suchen, hiernach wird jetzt schon wer einige wifsenschaft 
dieser periode zur band hat nicht mehr zweifeln von wel- 
chem ereignis ich reden will ; es gibt nur eines, so viel uns 
bekannt ist, bei dem sich irgend eine möglichkeit des ver- 
gleichens zeigt, und ob ich dies eine mit recht hierherziehe 
möge der leser aus der folgenden erzählung beurlheilen, in 
der ich die vergleichungspunkle mit dem gedichte wörtlich 
nachAVilhelm gebe, im übrigen mir aber vorbehalte mehrere 
fehler und unvollständigkeilen des autors nachzubefsern. 

Es ist allgemein bekannt in welchem zustand von schwä- 
che könig Philipp 1 die cenlralgewall Frankreichs seinem 
nachfolger Ludwig biiiterliefs : eine menge sogar der kleinern 
barone stand in olfener Widersetzlichkeit und Ludwig konnte 
anfangs nicht von Paris nach Melun, nach Etampes, oder von 
Etampes, von Orleans gelangen ohne sich mit diesen caslel- 
lanen herumzuschlagen*, einer der berufensten war Hugo 

die belege dazu finden sich beinahe sämmllich verzeichnel bei 
Bouquet 12, ind. gcograph. unter Pitsaciitvi. ich bin so ausführlich 
weil gerade hier Wilhelm von T. 14, 15 so mangelhaft ist. 



GRAVE Rl OÜOLF. 243 

t]berliard, castellan von Pniset, einer bürg nicht weit von 
Orleans, der scliöne aber der rnchlose von Orderich bezeich- 
net, der keinen kaulinann des weges ziehen liefs und mit 
einer bände verzweifelter gesellen die ganze umgegend in 
schrecken hielt, in vielfachen kleinern und gröfsern bändeln 
sehen wir ihn schon unter Philipps regierung, das bedeu- 
tendste war dafs er im jähre 1106, als Boemund I ganz Eu- 
ropa zum kriege gegen Alexius aufrief, seinem bruder Gui 
die Verwaltung der chatellenie übertrug und sich dem nor- 
mannischen beiden anschlofs. wir begegnen ihm in diesem 
kriege mehrmals in ansehnlicher Stellung, er spielt eine rolle 
l)ei den friedensverhandlungen, besucht nachher Constantino- 
pel, pilgert nach Jerusalem*, und kehrt dann wieder zu dem 
alten treiben in die heimat zurück, hier war indessen Lud- 
wig zur regierung gekommen, mit dem festen entschlufse 
eine befsere Ordnung herzustellen ; eine bürg nach der andern 
wurde gebrochen und bald genug fand sich ein anlafs auch 
'Jen herrn von Puiset zu beseitigen, einmal befreite ihn zwar 
graf Theobald von Blois und Champagne (zwischen 1115 und 
1123), zum zweiten mal aber erlag er der königlichen 
macht, er selbst wurde gefangen, die bürg geschleift, die 
besitzungen eingezogen, unter diesen umständen suchte er 
nun von neuem, durch mehrere anläfse eingeladen, den 
Orient auf; könig Balduin II war sein vetter von mütterlicher 
Seite", ein anderer verwandter, Walram von Puiset, hatte 
sich so eben in glück und unglück neben dem könige aus- 
gezeichnet"*, genug Hugo, seine gemahlin Mamilia, eine ge- 
borene Roucy, mit ihm, langte in Palästina an und erhielt 
sogleich die grafschaft Joppe als erblehn, starb aber bald 
darauf, und Mamilia brachte Joppe ihrem zweiten gemahle 
Albert, einem bruder des grafen von Namur, zu. aber auch 
diese beiden starben nach kurzem besitze, und nun meldete 
sich als nächster erbe des lehns der mann auf den es uns 
endlich hier ankommt. 

Mamilia mufs wie 1123 so auch schon 1106 ihren ge- 
mahl auf seinen fahrten begleilel haben, wenigstens läfst sich 

Anna Coinnenn und (hilci iili. 
" Wiih. von T. I'i, Ift. 
Ordnricli. 

16* 



244 GRAVE RUODOLF. 

mir so die angäbe Wilhelms retten, dafs der jüngere Hugo 
in Apulien geboren und bei seinem verwandten Boemund er- 
zogen worden sei. wann er überhaupt nach Syrien gekom- 
men läfst Wilhelm unbestimmt, sicher ist er nur dafs er nach 
dem tode seiner mutler (etwa 1127? es träfe das mit seiner 
Volljährigkeit nach französischem lehnrecht iiberein*) Joppe 
ohne Schwierigkeit erhielt und mit könig Balduin stets in 
gutem vernehmen stand, hier fahrt nun Wilhelm in folgen- 
der weise fort, mit könig Fulco gerieth der graf aus ver- 
borgenen Ursachen sehr bald in hader ; nach einigen soll 
Fulco geargwöhnt haben Hugo führe zu vertraulichen ver- 
kehr mit der königin 31elisende, wofür in der that gar man- 
ches zu sprechen schien, denn der graf war jung, von statt- 
lichem aussehn und zierlichen formen, ausgezeichnet durch 
ritterliche thaten und in aller äugen beliebt, mit vollen bän- 
den schien die natur ihm alle Vorzüge gespendet zu haben; 
ohne zweifei hatte er im königreich keinen gleichen an 
Schönheit freigebigkeit und kriegerischer erfahrung; dazu kam 
seine nahe Verwandtschaft mit der königin, der tochter Bal- 
duins II. — andere freilich widersprachen jedem gerüchte die- 
ser art und behaupteten das allein sei grund des haders ge- 
wesen dafs Hugo, etwas hochfahrend und anniafsender als 
billig, gegen den könig sich weniger unterwürfig zeigte als 
die übrigen fürsten und manchen befehl eigensinniger weise 
vernachläfsigte. 

Hier bleibe ich einen augenblick stehen und frage ob 
man sich bestimmtere ähnlichkeit wünschen kann als zwischen 
diesem jungen grafen Hugo, dem schönsten manne des rei- 
ches, der den könig wie seines gleichen behandelt, dem man 
die liebe der königin ebenso zutraut wie die ritterlichste 
tapferkeit, und unserm kindischen beiden, unserm Rudolf, 
der den Gilot auf jeden zweifei hitzig zur rede setzt und 
die stolzen ideen des königs fröhlich verlacht, den die frauen 
minncn, an den die liebe von arm und reich sich heftet? 
auch die äufsern Verhältnisse stimmen: Hugo sowohl als Ru- 
dolf sind eben erst aus dem abendlande angelangt, und in- 
dem ich mich der Verwandtschaft mit Balduin, dem belgischen 

die unsicherhell des syrischen isl hinsichllich dieses punktes aus 
Wilken bekannt. 



GRAVE RUODOLF. 2i5 

grafen, eriiinei'e, koinnic ich auf Grimms frage zurück, ob 
nicht der herr aus Flandern oder sein söhn etwa Rudolf 
selber sei, geschichtlicher weise also nicht Dietrich, sondern 
die beiden Puisets, vafer und söhn, deren ankunft der dich- 
ter hier nui' zusammenfafste? ich lafse es dahingestellt; es 
ist gleichgülliger, da ja, wie wir sahen, sich auch für Diet- 
rich geschichtliche analogien ergaben : zunächst folge ich der 
lauf bahn des jüngeren Hugo weiter. 

Sein eigener Stiefsohn, der herr von Cäsarea, wie man 
sagte auf anstiften Fulcos, trat gegen ihn auf mit der klage 
auf hochverrath ; Hugo forderte ein gericht der pairs, dies 
aber erkannte auf Zweikampf; Hugo blieb aus irgend wel- 
chen gründen aus und wurde in contumaciam verurlheilt. in 
dieser noth ergriff er eine mafsregel die allerdings damals 
ohne beispiel war und erst in den letzten Zeiten des reiches 
nachahmung gefunden hat, die Wilhelm deshalb mit recht 
als eine unerhörte bezeichnet, er warf sich den Saracenen 
in die arme, segelte nach Ascalon und bat die Ägypter um 
hilfe gegen seinen lehnsherrn. der vertrag kam zu stände, 
Hugo gieng nach Joppe zurück, wo er sich befestigte, die 
von Ascalon begannen den krieg und streiften bis Arsuf, 
Fulco belagerte den grafen in Joppe ; darauf brach auch Tadsch 
el Moluk von Damascus los und eroberte die wichtige grenz- 
stadt Paneas, deren inhabcr mit den übrigen baronen vor 
Joppe stand*, die sache gewann gefähiliche bedeutung für 
das ganze reich, denn mit Hugo verbunden war auch Ro- 
manus von Puy, herr von St Abraham und besilzer der 
transjordanischen landschaft, so dafs also fast die ganze süd- 
grenze sich in offne feindschaft gegen das reich versetzt hatte. 
Dies nun ist Rudolf bei Halap, der letztere stets als 
repräscntanl der saracenischen fürsten überhaupt genommen, 
Rudolf und (jirabobe in der belagerten bürg am meere, mag 
nun Ascalon selbst oder Joppe gemeint sein, die niederlage 

* dies geschah vurdemSIn oct. 1133, da Abulf. a. 527 davon be- 
pichtet, da nun Fuleo kurz voriier erst aus Antiociiien zurück gekom- 
men war, nach Wilh. v. T. 14, 10 ziemlich gleichzeitig mit dem tode 
des Patriarchen Bernhard, so fallt der streit mit Hugo zwischen juli 
und november 1133 (nicht 1132, wie Wilkcn hat). Bernhard starb im 
36n jähre seiner amlsfiihrunp und war im Juli 1098 eingesetzt. 



246 GRAVE RUODOLF. 

Gilots gegen Halap, der einnähme von Paneas durch die 
Damascener entsprechend, wie man sieht sind alle einzeln- 
heiten auf das freiste bearbeitet, das gesammtverhältnis da- 
gegen steht in unverändertem lichte und man kann sich leicht 
überzeugen dafs alle abweichungen dazu dienen sein wesen 
nur reiner lebendiger und vollständiger zu entwickeln. 

In jener noth nahm sich darauf der patriarch Wilhelm 
der Sache an und bewog beide parteien zu der Übereinkunft, 
Hugo solle drei jähr lang freiwillig das reich meiden, der 
könig die grafschaft so lange verwalten, nach ablauf dieser 
Frist aber alles vergeben und vergefsen sein, bis zur über- 
fahrt gieng darauf Hugo nach Jerusalem zurück, und hier 
trat ein Zwischenfall ein über den ich wieder den erzbischof 
von Tyrus wörtlich reden lafse. der graf spielte würfel auf 
dem tische eines pelzhändlers Alfani vor dessen hause in der 
kürschnerstrafse, als ein bretonischer ritter, den jener mit 
dem spiele beschäftigt nicht weiter beachtet hatte, ihn plötz- 
lich anfiel und vor den äugen alles Volkes mit hieben und 
Stichen auf das gefährlichste verwundete, sogleich entstand 
ein gewaltiger auflauf, der ruf der nichtswürdigen ihat flog 
durch die Stadt, alles erhob sich, und öffentlich war die rede 
in jedermanns munde, ohne des königs mitwifsen habe das 
niemand wagen dürfen, jetzt sehe man des grafen Unschuld 
und den hafs des königs, den er ohne grund trotz aller Ver- 
dienste auf Hugo geworfen habe; kurz die sache des grafen 
war populär mit einem male, alle schritte gegen ihn wurden 
reiner bosheit zugeschrieben, nun entkräftete Fulco aller- 
dings die meisten dieser vorAvürfe durch die umsieht mit der 
er die Untersuchung und bestrafung des mordversuches an- 
ordnete; der graf blieb in Jerusalem bis zu seiner heilung 
und verliefs dann das land in tiefer betrübnis, theils wegen 
der zuletzt erfahrnen unbilde, theils weil er gezwungen war 
seiner besitzungen beraubt in fremden landen hilflos zu bet- 
teln, er gieng so nach Apulien, fand hier an könig Roger 
einen beschützer und erhielt von diesem die grafschaft Gar- 
gana ; indess starb er eines frühzeitigen todes ohne Palästina 
wieder gesehen zu haben. 

Zunächst will ich hier anknüpfen an das aufsehen wel- 
ches Hugos Schicksal in Jern.salem gemarhl. den aniheil den 



GKAVE KUODOLF. 247 

alles Volk daran j^enooimen lial. Fulco erscheiul durchaus 
in gehäfsigem lichte; es war, wenn dieser Standpunkt dich- 
terisch geltend gemacht und die gesiiinuug des königs in pla- 
stischen thatsachen ausgedrückt wurde, wahrlich ein gerin- 
ger schritt, zu dem mordversuch das gcfangnis und zu Hugos 
traurigem scheiden die äufseren hedrängnisse hinzuzufügen 
in denen die Iragmenie des gedichtes uns den grafen Rudolf 
zeigen, allerdings steht historischer weise Fulco etwas befser 
da als nach dieser annähme Gilot im gedichte ; es kommt 
uns aber auch viel weniger darauf als auf die nieinung der 
zeitgenofsen an, und hier läfst ja Wilhelms bericht die Sym- 
pathie des Volkes für Hugo deutlich genug erkennen, man 
nehme dazu wie vieles in Fulcos würklicher erscheinung ein 
vorurtheil dieser art begünstigen muste, die schwäche des 
alters, die planlosigkeit der regierung, der wunderliche man- 
gel alles gedächtnisses, endlich in Hugos sache der ausgang 
selbst, wo es zu einer gerichtlichen feslstellung des unrech- 
tes niemals kam, — und die entstehuug eines bildes wie es 
in Gilot erscheint wird nicht weiter in Verwunderung setzen. 

Eines noch will ich, da die fragmente uns hier verlafsen, 
nicht urgieren, aber wenigstens erwähnen, dieselbe theil- 
nahme wie bei dem mordversuche zeigt Wilhelm auch bei 
dem abscheiden Hugos aus Palästina; statt ihn einfach von 
Joppe nach Brundusium überfahren zu lafsen nimmt er das 
Interesse für den beltler in fi'emden landen in anspruch. wie 
wenn das gedieht eine hier unmittelbar sich darbietende ge- 
dankenreihe verfolgt und ausgebildet hätte? der armut helfen 
zwar Irmengards schätze ab, aber die Verbannung bleibt; 
ehe sie in die neue heimat gelangen ziehen sie von land zu 
land und sehen die nähe und die fremde unter strengerem 
oder milderem geschicke. wenigstens käme man damit auf 
kein der damaligen literatur fremdes gebiet; man erinnere 
sich an herzog Ernst und den heiligen Brandau, und, um ein 
beispiel unseres kreifses anzuführen, an die ritler Balduins II 
bei Orderic, die von (ihorlberl nur durch das innerste Asien 
nach Antiochien zurückkehren können, es wäre ein motiv 
mehr für den dichter gewesen gerade dieses Stoffes sich zu 
bemächtigen. 

lind hiermit, scheint mir, kann ich schliefsen. ich wüste 



248 GRAVE RLüDüLF. 

kein wesentliches eleiuent in dem gedichte das nicht irgend 
einer richtung, einem Verhältnisse von speciellerer oder all- 
gemeinerer bedeulung in der angegebenen zeit entspräche, 
läfst sich dies aber bei einem historischen gedichte nachwei- 
sen, so mufs man trotz aller abweichungen anerkennen, ein- 
mal dafs der dichter die richtige Stellung zwischen geschicht- 
licher und poetischer Überlieferung einzuhalten versteht, zwei- 
tens dafs die freie ausbildung des einzelnen nicht mehr als 
grund gegen die identität des Stoffes benutzt werden kann, 
und hierauf vor allem mufs es uns ankommen : was die ein- 
zelnen geschichtlichen thatsachen angeht, so ist nur das eine 
erforderlich dafs sie dieser identität nicht geradezu wider- 
spreciien. das wesentliche und positive liegt in dem beweise 
dafs aus der historischen begebenheit als ganzem vermöge 
richtiger ästhetischer beliandlung die vorliegende gestalt des 
gedichtes entwickelt werden konnte. 
BONN. VON SYBEL. 



WITEGE MIT DEM SLANGEN. 

Sphragistische aphorismen, von C. P. Lepsius. erstes 
lieft (aus den neuen mittheilungen des thüring. sächs. Ver- 
eins besonders abgedruckt) mit drei steindrucktafeln. Halle 
1842. enthalten schätzbare beitrage zu der siegelkunde des 
mittelalters. auf der zweiten tafel sind in sorgfältigen nach- 
bildungen siegel der schmiedezünfte bekannt gemacht, wel- 
che besondere aufmerksamkeit verdienen, das gewöhnliche 
Siegel dieser gewerkschaften enthält die natürlichsten Sym- 
bole ihres handwerks, hammer und zange. als beispiel ist 
das Siegel der schmiede zu Stettin, das nach der form der 
buchstaben zu urtheilen in die mitte des 14n (15 ist ein 
druckfehler) Jahrhunderts gehört, merkwürdiger sind drei 
andere von den schmiedezünften zu Halle Mainz und Augs- 
burg, die in dieselbe zeit fallen mögen; das hallische ist einer 
Urkunde vom j. 1327 angehängt und vielleicht das älteste, 
hier ist noch zwischen hammer und zange jedesmal eine 
schlänge gesetzt, welche in dem mainzischen und augsbur- 
gischen eine kröne von drei spitzen trägt, die in jenem sich 



WITEGE MIT DEM SLANGEN. 249 

iu kugeln, iu diesem in drei blumen oder kleeblätter endi- 
gen: in dem maiuzischen ist ferner ein gekrönter adler ne- 
ben die Schlange gestellt, wie ich vermute der deutsche 
reichsadler. statt der kröne steht in dem hallischen ein sechs- 
eckiger Stern über der schlänge, unter derselben aber ein 
halber mond. diese abänderung erklärt sich daraus, dafs man 
das hallische Stadtwappen, zu welchem diese beiden zeichen 
gehören, noch anbringen wollte ; der slern verdrängte die 
kröne, der verfalser hat den Zusammenhang des siegeis mit 
der alten sage von Wieland und seinem söhne Wittich rich- 
tig bemerkt und aus einander gesetzt, ich will seiner aus- 
fiihrung einige nähere bestimmungen beifügen. 

Die Wilkinasage beschreibt an zwei stellen (cap. 33. 
156) Wittichs rüstung. sein schild war weifs und mit ham- 
mer und zange von rother färbe bezeichnet, weil sein vater 
ein Schmied war, und über diesen zeichen standen drei kar- 
funkelsteine, um die königliche abkunft seiner mutter anzu- 
deuten, sein heim von dem härtesten stahl war mit nageln 
beschlagen, und es war ein giftspeiender lindwurm von gold, 
den man schlänge nennt, darauf eingegraben (thar var d 
markadur orrnur, sder slarigi heitir G. 33. d hans hialmhetti 
er skrifadur ormur qfraudigulti, sd er sla/ig7 lieitir c. 15G). 
dieses zeichen trug er auf seinem haupt, damit jeder daran 
seine tapferkeit und seinen zornmut erkennen sollte, auf 
saltel wafFenrock und fahne war derselbe lindwurm ange- 
bracht. 

AVir finden hier alle cinzelheiten des schmiedesiegels. 
die kröne mit drei spitzen und den kugeln darauf, welche 
dort die schlänge trägt, ist ohne zweifei aus den drei kar- 
funkelsteinen entstanden, welche über haramer und zange in 
dem Schild angebracht waren, die schlänge, da sie als hclm- 
zeichen nicht auf dem schild vorkommt, scheint unpassend, 
aber diese Verbindung zeigt sich auch in einem mit den sie- 
geln ziemlich gleichzeitigen gedieht, in Dieterichs drachen- 
kämpfen (heldens. 268), wo das zeichen in Wittichs fahne 
beschrieben wird, ein Immer und ein zange von golde rot, 
ein nater diu ist von golde (\. ,si/öer) wiz. und so konnte 
die sage oder ein Volkslied die schmiedezunft veranlafsl ha- 
ben sich durch aufnähme der schlänge in ihr siegel, die einen 



250 WITEGE MIT DEM SLANGEN. 

der bci'iiliintesteii beiden mit ihrem Handwerk iu Verbindung 
brachte, zu verherrlichen, die dänischen kjämpeviser (1,4. 
18. 80) unterscheiden aber noch bestimmt den schild mit 
hammer und zange (der drei karfunkelsteine geschieht hier 
keine erwähnung) von dem heim. 

In den dänischen liedern, wie in dem schwedischen (bei 
Arwidsson 1, 16) wird der heim Blank genannt, seltsam ist 
diese Verwendung des adj. für einen eigennamen, aber sie 
bestärkt mich in der Vermutung dafs er aus Slange entstan- 
den ist, weil man diesen namen für einen heim sich nicht 
zu erklären wüste, es würde damit stimmen dafs in dem 
ältesten Zeugnis, im Biterolf (heldens. 147. 148), der heim 
selbst Limine heilst, wenn ich dieses unverständliche wort 
durch lind wurm richtig erklärt habe, die stelle im jüngeren 
Titurel (heldens. 173), IFitege mit dem slangen entscheidet 
hier nichts. 

Freilich konnte der ganze heim den namen Slange füh- 
ren, wenn eine schlänge darauf eingegraben war, aber eine 
stelle in dem gedieht von Ecke nach der bearbeitung Kaspars 
von der Röhn (heldens. 226) leitet mich auf eine weitere 
Vermutung. Ecke spricht hier zu Dieterich von Bern 

' — hell, loiltii mich bestdn? 

der heim und den ich iijfe hdn, 

den wirkt JVielant vdt sitten, 

in sanl ein künec her über mer .- 

er revacht ein kdnecrich mit der wer. 

guldin ist er in mitten. 

nii Idz- dir von dem hclme sagen, 

ob dich dar nach belange. 

er ist so meisterlich beslagen, 

guldin sint im sin spange; 

dar 171 verwirkt ein wurmes schal. 

stoie vil man swert drüf slüege, 

da von gewint er doch kein mal. 
diese slrophe iiudet sich nicht in dem lafsbergischen text 
(wiewol Str. 78 von dem heim die rede ist), noch in dem 
slrafsb. und augsb. druck, allein Kaspar von der Röhn hat 
sie ohne zweifei in seiner quelle vorgefunden, zwar ist nicht 
von dem heim Willichs die rede, aber doch von einem den 



WITEGK MIT DEM SLANGEN. 251 

Wieland geschmiedet hat und der ganz gleicher art scheint 
gewesen zu sein, nicht eine schlänge war als zeichen dar- 
auf eingegraben, sondern die schuppige haut einer schlänge 
hinein verarbeitet, die dem stahl die übernatürliche stärke 
verlieh, so dal's kein seh wert nur eine spur darauf zurück- 
lafsen konnte : wie die dänischen lieder (1 , 28) sich aus- 
drücken, 'viele Schwerter waren darauf zerbrochen.' mir 
scheint es aber angemefsner dafs Wieland, der ein alp ist 
(heldens. 388. 389), dem heim übernatürliche kräfte verleiht, 
als ihn mit zierrat schmückt.* 

Kannte man überhaupt in früherer zeit den helmschmuck? 
er scheint mir erst im 13n jh. aufgekommen zu sein, das 
bild auf der spitze des heims finde ich zuerst bei Wolfram 
(Parz. 39, 16. 736, 10. 739, 16) und bei Wirnt, der es diu 
zimier nennt; uf keimen diu lieht schinenden mal Nib. 
1943, 4 (in einem späteren lied) scheinen dasselbe zu be- 
zeichnen (vgl. Andreas und Elene s. 92), könnten aber auch 
auf zierrat an der seite gedeutet werden, in den gedichten 
des 12n jahrh. habe ich nichts dahin bezügliches gefunden. 
im Rolandslied, da wo der heim Venerant beschrieben wird 
(117, 7 — 16), wäre gelegenheit dazu gewesen, auch in den 
bildern zu der pfälz. handschrift sind die heline ganz einfach 
und schmucklos : nur kaiser und könige tragen zugleich die 
kröne, die aber nicht auf der spitze des heims sitzt, son- 
dern die stirne umgibt. Waltharius 334 imposuit cnpiti rubras 
cum casside cristas stammt wohl aus Virgil. 

Demnach wäre glaublich dafs in den früheren sagen (die 
von Wieland gehört zu den ältesten) der vater seinem söhne 
einen heim schmiedete dessen kraft nicht blofs in dem stahl 
lag sondern zumeist in der eingewürkten schlangenhaut. es 
wäre nicht das erste mal dafs in der späteren quelle sich 
das ursprüngliche allein erhallen hätte. 

Endlich noch ein zeugnis von der Verbindung des hand- 
werks mit der sage, das älter ist als jenes siegel. in einer 
Urkunde vom jähr 1262 (Lang regesla boic. 3, 181) steht 
juxta domum ]Velandi fabri. möglich dafs ein schmied sich, 

Vulcanus ist {^otl der schmiede, selbst schmied, und lahm wie 
Wieland, dessen profsvater oder ahnherr \ ili<inus in irpend einem be- 
zog stehen miils zw Vulkan. JACOli GHIMM. 



252 VVITEGE MIT DEM SLANGEN. 

oder das volk ihm, den altberühmten namen beigelegt hätte; 
mein bruder glaubt dafs nach herkömmlicher sitte an dem 
haus ein bild von Wieland gestanden habe. 

WILHELM GRLMM. 



SCHON MEHR ÜBER PHOL. 

Neueutdecktem pflegt sich bald auzuschliefsen was vor- 
her, weil alle beziehung fehlte, noch unbeachtet blieb, so 
auffallend der heidnische name Phol zuerst erscheinen muste, 
bietet er sich glücklicherweise an andern stellen weiter dar, 
und alle zweil'el über seine mythische echtheit schwinden. 

Das wichtigste ist dal's die traditiones fuldenses und pa- 
tavieuses ihn in uralten ortsnamen gewähren ; glänzendes 
zeichen für die nolhwendigkeit diese sprachquelle sorgfältig 
zu erforschen. 

In den fuldischen Verzeichnissen begegnet bei Schannat 
s. 291 no 85 die merkwürdige stelle JVidcrolt comes tradi- 
dit sa?icto Bonifacio quicquid propjnetatis habuit in Pho- 
lesbrunnen in provincia Tin^ingiae* . Pholesbrunno ist das 
heutige dorf Pfuhlsborn unfern der Saale, von den Städten 
Apolda Dornburg (dem alten Doringeburc) und Suiza gleich 
weit, etwa anderthalb stunden abgelegen**, man wird aber 
aufserdem denken dürfen an Falsbrunn, Falsbro7in, auf dem 
Steigerwald, ander rauhen Eberach, zwischen Troisdorf und 
Theinheim, auf würzburgischem boden, nicht fern von der 

* meinem freunde Dronke, der auch den codex verglichen und die 
lesart genau so gefunden hat, verdanke ich diese miltheilung, 

" slaatshandbuch des grofsherzogthums Sachsen-Weimar 1840 s. 138, 
in noch ungedruckten Urkunden des kloslers Hausdorf erwähnt, eine 
undatierte, etwa zwischen 1285 und 1310 ausgestellte hat Lndolphus 
de Phubborn; eine von 135G doniiniis Heinricus de Phulsborn, eine 
von 1302 llenricus dictiis Schonehiife plebantis in Pfolczbiirn, vergl. 
Schmidt die Lobdaburg bei Jena (Jena 1840) s. 126. in der ehemali- 
gen voglei Dorla (im kreifse Mühlliausen) kommt eine w üstung Pfuhl- 
rode vor (Fiirslemann neue mitth. 2, 272) oder Ftilrode (Wolf gesch, 
des Eichsfeldes 1, 104). das dorf Pful/endorJ' bei Gotha (gewöhnlich 
Foliendorf genannt) heifst in urk. des 14n jh. Phtilsdorf. PfuHendorJ 
und PJ'iillingen in Schwaben sind bekannt. 



PHOL. 253 

bambergischcn grenze, ungefähr in der riclitung zwischen 
Eltmann am Main und Schliilselfeld : zwar in einer später 
zu Franken gerechneten gegend, doch früher konnte er wie- 
derum zu Thüringen gehören, das sich südöstlich noch wei- 
ter, bis ins bairische gebiet, erstreckte. 

Den andern gleich beziehungsvollen namen liefern mir 
die traditiones patavienses in einer zwischen 774 und 788 
fallenden Urkunde, Pholesauwa" . späterhin wird Pholesowe, 
Pholisoire gefunden "; und es ist das jetzt noch bestehende 
dorf Pfalsati (auch Pfahlso geschrieben) im niederbairischen 
landgerichte Griesbach, pfarrei Höhenstadt, etwa vier stun- 
den von Pafsau liegend. 

Schwerlich ist der genitiv eines dieser namen auf einen 
menschlichen eigner oder besilzer zu deuten, bei der gro- 
fsen Seltenheit des eigennaniens Phol, den wie Wuotan, Do- 
nar sterbliche sich beizulegen anstand nahmen, dürfen sie uns 
verschollenen Pholsdienst bezeugen, und dem gewicht der 
einzelnen Zusammensetzung wird durch das übereintreffen 
der beiden siciilbar hinzugefügt. 

Pholesbrunno wird also mythisch gefafst werden müfsen, 
nicht wie Hrabanes prunno (Eccard Fr. or. 1, 674), Litl- 
lanbrunna (Lüntzels Hildesheim s. 22), Botmbru/mo, Scal- 
chobrufüio, Hapnchopru/uio, und solcher örtlichen benennun- 
gen mehr, des gottes Verhältnis zu dem brunncn verstehen 
wir freilich nicht, in der nordischen mythologic kommen 
aufser ßalders brunnen auch Mhnisbrunnr und Urdarbrumir 
vor, der quell in welchen Odin dem weisen Mimir sein äuge 
zu pfand setzte und das heilige wafser der norn. wie wenn 
Phol und Mimir in naher berührung ständen? der letztere 
ist dem nordischen glauben wo kein gott, doch ein göttliches, 
erhabnes wesen, bei welchem selbst Odin sich rathes zu er- 
holen nicht verschmäht, ja es scheint dafs Odin und 31imir 
dem begriffe nach einigemal in einander übergehn. man hat 
hier die benennungen Vidritiimir, ndn'r, Heiddmpnir und 
Hoddropnh' zu erwägen. Sa.'m. 195'" werden lleiddraup/ns 

* M. B. vol. 28 pars 2 n» 23 5 das im reiclisarchiv zu München 
liegende diploin schreibt j)holcfauuua. 

" M. B. 28, 2 s. 30 n» 33. 29, 2 s. 263 ; daselhsl s. 'l(,\ 
i» einer tradition des 12n jh. Unclt de pliulsu. 



254 PHOL. 

haus und Mhnishüßid hinter einander genannt, ein Pholes- 
houbit wäre nur erst aufzufinden. 

Auch die Zusammensetzung mit aue eignet sich ganz zu 
der annähme eines altheidnischen cultus, nicht nur auf ber- 
gen wurden die götter verehrt, auch auf inseln oder von bä- 
chen und flüfsen eingeschlofsnen auen, da wo fruchtbare wie- 
sen trift, Wälder schatten gaben, so das castmn nemus der 
Nerthus in insula Oceani, so Fosetes land mit seinen weiden 
und quellen (mythol. s. 144). nach nordischen götteru hei- 
fsen Oäinsey (Onsöe) in Norwegen (fornmannasögur 12, 33) 
und Oäinsey (Odensee) auf Fiihnen, sonst auch Odinsv4 
(ve heiligthum, geweihter ort) benannt; pursey (wäre ahd. 
Donaresouwä) fornmannasögur 7, 234. 9, 17; Hlesay (Läs- 
söe im Kattegat); vielleicht Niariey (f Niardarey) fornm. 
sog. 2, 6. 3, 593 ; andere mehr, wie gerichte und Zweikämpfe 
häufig auf auen und inseln statt fanden, scheinen sich auch 
die christlichen kirchen gern solche platze auserlesen zu ha- 
ben, eine menge klosteruamen in Deutschland gehn aus auf 
-aue, z. b. Reichenau in Alemannien, Breitenau in Hessen, 
ein hersfeldisches nonnenkloster zu Aue an der Geisa wurde 
von abt Ludolf nach Blankenheim an die Fulda verlegt; 
merkwürdig wird in einem gedieht des 13n jh. vom nonnen- 
kloster Aldenburg in der Wetterau bei Wetzlar der ausdruck 
gebraucht in der megde omve (Diut. 1, 357). nun können 
solche auen aufser nach göttern auch nach beiden oder spä- 
teren eigeuthümern genannt sein, wie z. b. im Norden Sdm- 
sey, Vißlsey nach Sunir und Vißll, oder jene Reichenau 
(Augia dives) früher Sifitleozesomoa, nach einem gewissen 
Sintleoz", augiae insulae dominus, hiefs, der seine besitzung 



■ schlechtere formen Sintluz, Sinllar, Sindloch, stehen Pertz 5, 
147. Eccard Fr. Orient. 1, 348, das allein richtige Sintleoz sichert 
Neugart episc. Constant. s. 536 und cod. dipl. Alem. n" 188 (a. 816). 
diesen eigennamen durfte GralT 4, 1123 nicht unter HL bringen, ihm 
gebührt gleich den übrigen Adallioz, lieginleoz, ff^olßeoz, Hriiodleoz 
ein reines L, wie die vergleichung des bekannten isländischen Ulßiotr 
zr fVoIßioz lehrt, das altn. adj. liolr lurpis, deformis oder was es 
eigentlich bedeutet halic, inufs also auch in einem ahd. lioz, leuz auf- 
gestellt werden, und in einem golh. Huts, wovon liiila hypocrita, ver- 
sutus. dolosus. 



PHOL. 255 

der kirclie hingab, allein wie bei Pholeshruniio isl auch bei 
Pholesouicn die ainvoiidiiiig auf den golt vorzuziehen. 

Ich wüste den cigcnnamen Phol als menschlichen wie- 
der nur aus einer andern Urkunde der Irad. fuld. (Pislor. 

1, 142) anzuführen, wo sigiium Volea steht, Schannats ab- 
druck no 483 aber Vuoles liest, weder JVol noch Vuol z=: 
Fuol erscheinen sonst, aber l^ol ■==:■ Phol befremdet nicht, 
Dronkes fuld. giossen liefern phuoza pedes f. vuoza ; so wird 
noch später gar oft z. b. /?/tzVÄe=:zJzcÄe geschrieben (weislli. 

2, 290), Phumbei^g neben Vüncmhers^ (Böhmers cod. fran- 
cof. no 61. 74). dennoch mufs das beinahe festgehaltene i'H 
in Phol Pholeshrunno Pholesovirn bei künftig einmal zu 
versuchender deutung des namens angeschlagen werden. 

Darum sei noch eines andern eigcnnamens, wenn schan 
unsicher, gedacht. Resch annales ecclesiae sabionensis (Se- 
hen, später Brixen, in Tirol) liefern 3, 672 den seltsamen 
mannsnamen Heitphol, in einer conimutatio inier Albinum 
cpiscopum et Oudalricum (aus dem lOn jh.). die anmerkung 
728 zu dieser Urkunde gibt jedoch Heitphoc, wodurch mau, 
wenn zweimal verschi'ieben wäre, auf die lesart Heitpholc 
geräth, und in der that enthalten andere bairische Urkunden 
Heitfolcus (Ried, n« 40 a. 848), Heidfolch (Ried, n" 72 
a. 890), //e/f//ü/c (31eicliclbeck n" 63i), Heidjloc yMc\Q\\e\h. 
n" 502), Heitvolc (Längs reg. 3, 15 a. 1251). man vergleiche 
Sigffolc, Sigißoc (Meichelb. n" 427. 663). /ÖA-, obgleich den 
begrif von agmen, cohors ausdrückend, könnte doch wie das 
entsprechende slavische polk, pluk in mannsnamen vorkom- 
men ; das zeigt der berühmte name Svatopolk, Sratopluk, 
Zuenlepolch, ja die Versetzungen polk und pluk, Heitfolc, 
lloitßoc, SigiJ'olc, Sigijloc rechtfertigen einander, das ahd. 
heit, ags. had bedeutet ordo, ordo sacer, religio, das altn. 
hcidr honor, dignilas, und erinnert man sich der eddischen 
nymphe Heidr, der mythisclien namen Heidrün, Heiddropnir, 
so gliche unser Ilciljblc dem slav. Smtopolc (d. i agmen 
sacrum) aufs haar, aber selbst die form Heitphol lafse ich 
noch nicht fahren, sondern halte für möglich dal's phol und 
pholc sich berührten, und halte die versuchte Zusammenstel- 
lung zwischen Phol und Mimir irgend grund, so würde selbst 
Heitphol gemahnen an Hi'iddropnir. 



256 PHOL. 

Aber noch stärker Pholesbrunno an Balder, und die 
gleich nach dem ersten eindruck des gefandnen denkmals 
behauptete identität zwischen Phol und Balder. denn von 
jenem Baldersbrunnen, mit dessen wafser der siegreiche gott 
sein durstendes beer labte, weifs ja Saxo grammaticus s.42, 
noch heute führt BaMershrönd zwischen Kopenhagen und 
Roskilde den namen ; sollten nicht andere örter mehr, auch 
des innern Deutschlands, dafür zeugen? Chmels regesta Ru- 
perti n« 1069. 1074. 1836 aus späten Urkunden von 1400. 
1404 haben ein Baldehruji^ Baldeburn unweit Hagenau, das 
aus Baldeshrunn, Baldershrunn verderbt sein könnte*, und 

" ['Baldebrunno auf der Eifel' erwähnt Gratf 3, 311, leider wie 
gewöhnlich ohne angäbe seiner quelle, ich schliefse hier eine unge- 
druckte Urkunde an welche zu der deutung von Baldebrunn aus Bal- 
dersbrunn ein ähnliches beispiel gibt, sowie die nachfolgenden bemer- 
kungen verdanke ich sie der gütigen mittheilung des hn hofrath Gers- 
dorf. 'In nomine sancte et individue trinitatis amen, nos Eckinhar- 
dus burggraßus dominus de Sfarkinberch Omnibus Christi ßdelibiis 
hanc literam visuris in perpetuum. quoniam ad modum aque de- 
ßuentis mundi huius ßgura praeterit seci/m rapiens in obliuio7iem re- 
rum gestarum memoriam necesse ntique est ut quq memoria indigent 
quibtis subsistant indiciis muniantur. unde et presenti indicio per- 
lienni constare voluimus nocioni quod quidam noster ßdelis Rinkerus 
de Baldershain obtento super eo consensu seniorum ?iostrorum et no- 
sfro quidam ex his qu^ de iam dictis senioribus nostris et a nohis 
nomine feudi habuerat duodecim videlicet agros cum lignis sitos in 
campo iuxta villam Hartinrode quorum longitudo perienditur a pra- 
tis vill§ in Lntlmünshain usque ad agros illorum in Hartinrode. la- 
tifudo vero a metis lignorum Tnarchionis rustici de Frankenowe usque 
ad semitam qua itur de Lutwinshain in Hartinrode in dotem perpe- 
tiiani ecclesi§ Korbisen vendidit legitime etc. testes huius rei sunt 
nobilis vir auunculus noster Heinricus iunior aduocatus de Plane, do- 
vnnus Rewse auunculus noster de Gera etc. datum in Starkinberch 
anno dni m. ccc. xxvii. vi. Idus lunii. — Baldershain, jetzt ßalden- 
hain, ein zum herzogthum Altenburg gehöriges dorf, liegt in einer sehr 
fruchtbaren von laub- und nadelholzwaldungen vielfach durchschnitte- 
nen gegend am anfang des sogenannten Reichstädler grundes, andert- 
halb stunden von Ronnebnrg, zwei stunden von Gera, an der ehema- 
ligen strafse von Gera nach Allenburg. die in der Urkunde genannten 
dörfer sind sämmtlich nur ungefähr eine halbe stunde nach osten Süd- 
osten und Westen davon entfernt, in alter zeit gehörte Baldershain 
unstreitig zum gau Geraha, nicht zum gau Plisni. — sollte nicht 
auch in der nähe des Thüringer waldes oder in Oberfranken ein 



PHOL. 257 

weitern sich hier blicke, nicht nur auf die jüngeren sagen 
von Karl dem grolsen (myth. s. 103. 104), der uns mit glei- 
chem fug Wuotan wie Balder verträte, sondern selbst auf 
Castor und Pollux im hain der Nahanarvalen bei Tacilus 
(Germ. 43)? den Pollux kürzen eidschwüre in Pol, dafs er 
unserm Phol ganz ähnlich wird, und die römischen Casto- 
res erscheinen am brunnen der Juturna rosse tränkend. 

Halten wir das gewissere fest, dafs Phol nach Thürin- 
gen gehörte bestätigt nun Phokshrunno einleuchtend, Pho- 
lesouwa weist auf Baiern, Hcäphol noch südöstlicher. Thü- 
ringen und Baiern (oder alterthümlicher ausgedrückt, Her- 
munduren und Markomannen) verehrten also diese goltheit; 
ob andere deutsche stamme, ist uns noch verborgen. 

JAC. GRIMM. 



DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 

Hans Sachs, dessen poesie am reinsten und eigensten 
in den fabeln und schwanken waltet, deren slolF und umfang 
seiner lebenserfahrung und ganzen sinnesart am meisten ent- 
sprach, hat einen lieblichen, dem hauptinhalt nach ihm be- 
reits Überlieferlen mythus dreimal verschiedentlich behandelt, 
zuerst 1553, 23 sept., in dem spiel, wie der herr Evae kin- 
dcr segnet (band 3 iheil 1 bl. 243), dann 1553, 6 nov. in 
der comedie der ungeleichen kinder Eve (band 1 theil 1 bl. 10 
— 18), endlich 1558 in dem schwank von den ungleichen 
kindern Eve (band 2 theil 4 bl. 83), jedesmal trefflich und 
ausgezeichnet, doch wird man kaum anstehen der letzten 
undramalischeu erzählung noch den vorzug zu geben, es ist 
darin alles abgerundet und bis ins einzelne vollendet, der 
dichter scheint von dieser fabel gar nicht ablafsen zu kön- 
nen und wicderholentlich band an sie zu legen um ihr end- 
lich die gelungenste form zu verleihen. 

gleichnamiger ort si(;li finde;!!? in !neinen sauünlungeii linde ich Jo- 
hfinn Triichscf.i von Baldcrshcim riller, den P. Jovius im chi-onicoh 
Schwaizhui'gicum (vcrgl. Schötigen und Kfcysig diplomalar. 1,257) als 
unleil!'andl('r der gi-äfin Margai-ela \nn Schwaizbiü-g in saihcn diu- 
heiM'Schaft Hi-anüfck in Frankt-n im j. \W\ aiiriihi-l.' — 1!.] 
Z. F. I). A. II. 17 



258 DIE ÜNGLEICIIE^ KINDER EVAS. 

Als Adam und Eva aus dem paradies vertrieben waren, 
hauten sie die unfruditbare erde und erzeugten viel kinder 
mit einander, nach dem verlauf der zeit liels ihnen der all- 
mächtige gott durch einen engel entbieten dal's er zu ihnen 
kommen und ihren haushält schauen wolle, da war Eva froh 
der gnade gottes, kehrte und schmückte das ganze haus mit 
gras und blumen und begann ihre schönsten kinder zu ba- 
den strahlen und flechten, legte ihnen neugewaschne hemdcn 
an und ermahnte sie wie sie sich vor dem herru höflich nei- 
gen, ihm die bände bieten und züchtig prangen sollten, ihre 
ungeslalten kinder hingegen barg sie ins stroh und heu oder 
versteckte sie ins ofenloch, aus furcht der herr werde sein 
misfoUen darüber äufsern. als nun gott der herr eintrat, 
standen die schönen kinder in der reihe, empfiengen ihn, 
neigten sich, boten ihm die bände dar und knieten nieder, 
der herr aber fieng an sie zu segnen, legte seine bände auf 
den ersten knaben und sprach 'du sollst ein gewaltiger könig 
werden,' zu dem zweiten du ein fürst,' zu dem dritten du 
ein graf,' zu dem vierten 'du ein ritter,' zu dem fünften 
'sei ein edelmann,' zu dem sechsten 'sei ein burger,' zu 
dem siebenten sei ein kaufmann,' zu dem achten du werde 
ein gelehrter doctor!' gab ihnen also allen seinen reichen 
segen. Eva jedoch dies mit ansehend und die milde des 
herru erwägend gedachte, ich will auch meine ungestalten 
kinder holen dafs sich gott ihrer erbarme, lief hin und langte 
sie aus dem heu, der krippe und dem ofenloch und führte 
sie vor gott, eine unlustige gesirobelte grindige russige grobe 
schlüchtischc rotte, da lächelte der herr, sah alles an und 
sprach 'ich will sie auch segnen,' legte dem ersten auf seine 
bände, 'du sollst werden ein bauer,' dem andern 'du ein 
flscher, ' dem dritten sei ein schmied,' dem vierten sei ein 
lederer,' dem fünften ein weber,' dem sechsten 'ein Schuh- 
macher,' dem siebenten ein Schneider,' dem achten 'ein haf- 
ner,' dem neunten ein karrenmann,' dem zehnten ein schif- 
niann,' dem eilften ein böte,' dem zwölften 'du sollst ein 
hauskneclit bleiben, dieweil du lebest!' wie Eva das alles 
anhörte, sagte sie 'herr, wie thcil.st du deinen segen so un- 
gleich? hab ich doch alle kinder geboren und deine gnade 
sollte über alle gleich crgohn.' der herr aber versetzte 'Eva, 



DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 259 

(las verstehst du nicht, mir gebührt und ist noth dal's ich 
die ganze weit mit deinen kindern versehe; wenn sie alle 
Fürsten und herrn wären, wer wollte körn bauen, dreschen, 
malen und backen, wer schmieden, Aveben, zimmern, bauen, 
graben, schneiden und nähen? jeder soll seinen stand ver- 
treten, dafs einer den andern erhalle und alle ernährt wer- 
den, wie im leib die glieder.' da antwortete frau Eva 'ach 
herr, vergib! ich war zu rasch, dafs ich dir einredete; dein 
göttlicher wiüe geschehe an meinen kindern.' 

In dem spiel ist alles umständlicher angelegt und aus- 
geführt. Adam, der im schwank gar nicht mithandelt, ver- 
nimmt des engcls bolschaft und heilst Eva die kinder putzen 
und baden ; sie bringt aber nur einen tlu>rl und versteckt die 
andern in die streu und hinler den herd. als gott ein'^-e- 
trelen ist und mit Adam und Eva geredet hat, wendet er sich 
auch zu den kindern, läl'st sie beten und das valerunser her- 
sagen ; dann segnet er sie durch händeauflegen und macht 
den ersten zum könig, den zweiten zum riller, den dritten 
zum burgermeister, den vierten zum kaufmann ; hernach 
nimmt er sie mit, ihnen den lustgarten zu weisen, unter- 
dessen bereut Eva ihre häl'slichen kinder vor dem herrn ver- 
borgen zu haben, Adam rälh sie noch herbei zu schaffen, 
und als der herr wieder eintritt und scheiden will, kommt 
sie eilends mit den vier ungestalten kindern gelaufen ; sie 
sollen niederknien und beten, könnens aber nicht, auf Evas 
bitten läfst es der herr die armen kinder nicht entgelten und 
legt ihnen auch die bände auf; der erste knabe soll ein schu- 
ster, der andere ein weher, der drille ein schäfer, der vierte 
ein bauer werden. Eva beschwert sich über die ungleiche 
austheilung, wird aber zur ruhe verwiesen. 

Die comödie, nur wenige monate nach dem spiel ge- 
dichtet, scheint Überarbeitung desselben, vermullich auf äu- 
fscren anlafs, um sie auf mehr pcrsonen einzurichten, un- 
ternommen, viele Worte und ganze salze sind aus dem spiel 
eingeschaltet, die haupländernng besteht darin dafs Abel und 
Kain namentlich auflreten, Kain sich nicht waschen und 
schmücken lafsen will, auch hernach mit den übrigen unge- 
horsamen kindern verkehrl betet und gottlose reden ausslöfst. 
Abels und liaiiis opfei- und der hnidermord kommen mit in 

17* 



260 DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 

die Handlung, Satan und sein gefolge erscheint persönlich : 
dadurch wird die segnung der ungleichen kinder und der 
unterschied der stände zurückgedrängt, so dafs von manchen 
schönen ausführungen abgcsehn der haupteindruck der co- 
mödie doch dem des spiels nachsteht, es ist wohlgefälliger 
dafs die im segen hintangesetzten kinder nur als ungestalt 
und vcrnachlälsigt, nicht als boshaft dargestellt werden. 

Daraus leuchtet recht des dichters liebenswürdige be- 
scheidenlieit hervor, dafs er jedesmal seinen eignen stand, 
den des Schuhmachers, aus der mitte des verabsäumten und 
geringen geschlechts entspringen läfst. 

Hans Sachs, der alles dichtet und doch nichts erdich- 
tet, sondern gern aus einer namentlich angeführten quelle 
beglaubigt, nennt sie im eingang des spiels nicht ; bei der 
comedia aber läfst er den herold sagen dafs sie 
itrspimngklich hat zugericht 
im latein Philippus Melancthon, 
und nun zu gut dem gmeitien vion 
auch in teutsche sprach ist gewcndl. 
und vornen im schwank heifst es wiederum 
die gleisten haben zugericht 
vor jaren ein lieblich geticht. 
von Melanthon ist aber unsere fabel eben so wenig ursprüng- 
lich ausgegangen, er erzählt sie dem comes Joannes a Weda* 
in einem brief vom 23n merz 1539" und sagt y^cere 7ion po- 
tui, quin adjicerem narratiunculavi, quae in quodam poe- 
inate extat, non illam quidem historicam, sed venuslam et 
erudite confictani, admonendae adolescentiae causa, ut co- 
gitet et discrimina ordinum divinitus instituta esse, et uni- 

" Johann iv graf von VVied, ein freund und anhänger der refor- 
mation, war durch Peter Medmann, vertrauten rath erzbischof Her- 
manns von Köln an Melanthon empfohlen «orden. im mai 1543, auf 
der reise nach Bonn, sprach Melanthon bei dem grafen zu Wied ein. 
(J. St. Reck gesch. von Isenburg, Runkel, Wied s lOÜ). 

epistolae selectiores aliquot Pli. Mclanthonis editae a Caspavo 
Pvucero. Vitch. 1565. 8. s. 342 — 363, und cpistolarum J'h. M. liber 
primus editiis a Caspavo Pcucero. f Heb. 1570. 8. s. 377 — 397, wo 
auf der Iclzlen seile fälschlich 1530 für 1539 gedruckt sieht, es gibl 
auch einen einzelnen druck, ad comitem Joanuem a Weda ephtola. 
Francofurti apiid C. Egriiolph 1539 auf zwei octavbogen. 



DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 261 

cuique elaborandum esse, ul virtule suam pcrsonam tuea- 
tur. das gedieht worauf sich hier bezogen wird muls doch 
auch lateinisch abgefal'st gewesen sein, weil sonst kaum eru- 
dite coiijictam gesagt wäre, was von Hans Sachsens Vor- 
trag abweicht ist folgendes, kein engel bringt die botschafl 
von goltes vorhabendem besuch, sondern Eva schaut zum 
fenster aus und sieht ihn mit den engein nahen, sie hatte 
gerade schon wegen eines bevorstehenden festtags die kin- 
der zu waschen begonnen, war aber noch nicht mit allen 
fertig geworden, die ungewaschenen heifst sie also sich in 
heu und stroh verstecken, aber die gewaschnen dem herrn 
entgegentreten, mit ihnen hält nun golt eine förmliche kin- 
derlehre. Abel sagt das credo weilläufig her, nach ihm wer- 
den Seih und die Schwestern geprüft, alle bestehn aufs beste, 
dann aber befiehlt der herr auch Cain und die übrigen her- 
zurufen, deren abwesenheit dem allwifsenden nicht entgan- 
gen war. Cain erscheint trotzig mit Strohhalmen und heu- 
fasern im ungekämmten haar, er kann das credo nur ver- 
kehrt und verstümmelt herausbringen und äufsert sich frech, 
darauf läfst der herr den Abel herantreten, legt ihm bände 
auf und weiht ihn zum priester, den Seth zum könig, den 
bäurischen Cain aber zum knecht. als Eva wehklagt, trö- 
stet sie gott, reicht den kindern beim abschied die rechte 
und wird von der mutter noch eine strecke weit vom haus 
begleitet, bis er sie heimkehren heifst und in eine wölke ge- 
hüllt gen himmel steigt. 

Von dieser anmutigen, reinlichen einkleidung entfernt 
sich, wie man leicht sieht, die comedia des Hans Sachs in 
vielen stücken, indem er einzelne zügc ausläfsl oder hinzu- 
fügt, den auachronismus dafs Abel und Seth zusammen auf- 
treten ertragen beide Vortragsweisen. 

Es gibt von Erasmus Alberus ein gespräch zwischen 
gott, Adam, Eva, Abel, Cain, von der schlangen Verfüh- 
rung und gnade Christi, Berlin 1541, wiederholt Erfurt 1544, 
das ich mir nicht habe zur einsieht verschalFcn können, um 
zu ermitteln ob darin aufser den biblischen Vorgängen im 
paradies auch noch die fabel von den ungleichen kindern be- 
rührt wird, man darf es bezweifeln, weil sonst auf dem tilel 
wohl der Unterscheidung der stände gedacht wäre. 



262 DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 

Wichtiger aber ist uns eine stelle aus Agricolas Sprich- 
wörtern, die über die jähre 1558 1553 1539 hinauf, bis zu 
1528 zurückweist, ich hebe darum die ganze erzählung nach 
dem plattdeutschen Magdeburger druck aus, n° 264 bl. 127''. 
Etlike Seggen yn schertzes wt'se, de vürsten, hereit vnde 
eddellude hebten eren ortspnmg dar her, do Adam radede 
vnde Heiia span, krech Heua vele kinder. vp eine tid ivolde 
vnse here godl tho Heua ghan vnde besee?i, tvo se hushelde, 
nu hadde se euen all ere kinder vp einmal by einander 
vnde wusck se rnde smtickede se. do öuerst Heua vnsen 
heren godt such kamen tho sick, hadde se sorge, he mochte 
er eere vnküscheit voriviten, dat se so vele kinder hadde, 
vnde ging tho vnde vorstack etlike ynt stro, etlike ynt höw, 
etlike in de auenkulen, de alderhöueschten öuerst bchelt se 
by sick. vnse here godt sach de smuckeden kinderken an 
vnde sprack tho einem also, du schalt ein köninck wesen, 
tho dem andern, du schalt ein vörste syn, tho dem drild- 
den sprack he, du schalt ein eddelman syn, tho dem veer- 
den, du schalt ein bürgermeister syyi, tho dem vöfften, du 
schalt ein schulte, eiti- vagdt edder amptman syn. do nu 
Heua süth, dat ere kinder, de hervor weren, so incklick 
begauet weren, sprack se, here, ick hebbe 7ioch mer kin- 
der, ick wil se ock hervor bringeti. do se nu quemen, ive- 
ren se vngesmucket, swart vnde vngestalt, dat har hengede 
en villi stroes vnde hoiiwes, do sach se vnse here godt an 
vnde sprack, gy schalt buren bliucn, küye vnde swyneher- 
den, ackerlüde, etlike van iuw schvllen in den steden hant- 
wercke driuen , b?'uiven , backen vnde den ersten heren 
denen. 

Neben dieser mehr zu dem schwank als zu den dramen 
und Melanthon stimmenden darstellung der fabel sei noch 
eine spätere, schlechtere aus dem schlufs des 16n jh. bei- 
gebracht, wie sie in Georg Rudolf Widmanns ivarhajftigen 
historien von de?i grewlichen vnd abschewlichen sünden, so 
D. Joh. Faitstus hat getrieben. Hamburg 1599. 4. 1, 237. 
238 angetrolfen wird. 

Adam xvar sonderlich ein astronomus, und wie man fa- 
buliert, so hab er viel kinder gehabt, als er aujf dem erdl- 
reich und aufser seinem crrtriebncn land dem paradis seine 



DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 263 

Wohnung mnb Damnsco Iwlte, mvhii-fs ihm goll, er tuolle 
auj]' ein zeit ein/nah/ koninien und sehen wie er lebe, da 
ihn nun der herr auf ein zeit visitiert, lear des Adams hat 
und behuusung besehlnßen, der herr hlupjf'el an, als aber 
.Idaui und sein weib Heua durch ein loch den herrn ersa- 
hen, erschracken sie sehr, denn sie schemten sich, das sie 
so viel kinder haben sollen, der herr ivürde ihnen diejs 
aufmutzen, derhalbcn sie behend etliche kinder in die Win- 
kel und andern örtern verschoben, eines ander das hew, 
das ander ander das dach, das dritte ander die garben, 
das viert in ofen, das fiinJJ't in den kellcr, das sechst an- 
der die küfen, item wider das weinfafs, eins in ihren alten 
peltz-, in ihr bereit lach, damit sie hat die kinder beklei- 
den wollen, etliche under das leder und so fortan, die 
schönsten kinder aber, so schön von angesickt und haar, 
liefs er in der st üben, da nun der herr in die behausung 
hinein kam, und ihnen den segen ivünscht, gab er denen 
kindern, so er gesehen und umb ihn stutiden, die handt, 
sagte zu den eitern, seid friedlich, erschreckt nicht vor 
mir, wie ihr zuvor gethan habt, den alhie bleibt mein se- 
gen! segnet derhalben die kinder umb ihn und sprach, ei 
lieben kindlein, wachset und inehret euch, du sei könig, 
fürst, grajf, Jurist! und theilte also alle cmpter aus. da 
nun die eitern sahen, zu was hohem stand sie gesegnet 
worden, gedachten sie au die andern kinder, begehrten ih- 
rer Wohlfahrt auch und zogen die ungeschajfne kinder her- 
für, sagendt, herr, hie sindt noch mehr meine kinder. da 
nun der herr mehr solcher kinder sähe, da sprach er auch 
das benedicite über sie und sagte, sei du wechter, baur, 
meurer, ackerman, kemrnicJ feger, gerber, decher, keller, 
kubier, bender, kürfsner, Schneider, schustcr ! daher 7iun 
diese iveldl also begabt worden. 

So unbehoHeii und verworren hier alles vorgeli'agen wird, 
lalscn doch einzelne abgehende oder hinzulrelende unisländc 
schlielsen dafs VVidnian weder aus Hans Sachs noch aus 
Melanlhon und Agricola schöpfte , sondern einem andern 
schrillliciien oder jiuindlichen herichl folgte, der herr lindel 
das haus verschlofsen und klopft an, Adan» und Eva er- 
schauen ihn durch eine lucke ; auch hei Melanthon scliaul 



264 DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 

Eva durch das fenster und siebt gotl von weitem kommen, 
während ihn bei Hans Sachs eine botschaft des engeis ver- 
kündigt, den von Widmann und Agricola vorgegebnen be- 
w eggrund, dafs Eva wegen der menge ihrer kinder verweis 
von gott fürchtet und einen theil davon zu bergen sucht, 
kennen Melanthon und Hans Sachs nicht ; es ist viel müt- 
terlicher dafs Eva die schönen ausliest, die häfslichen ver- 
steckt; doch stimmen darin Agricolas und Melanthons erzäh- 
lungen dafs Eva beim waschen der kinder für den festtag 
von dem besuch überrascht und die ungewaschnen bei seile 
zu bringen genölbigt wird, bei Hans Sachs läfst erst nach 
empfangner botschaft Adam den befehl zum scheuern des hau- 
ses, zum streuen der maien und schmücken der kinder er- 
gehn. die catechisation mangelt in der letzten darstellung 
ganz, doch wird in ihr das verstecken und hernach der un- 
terschied der ämter mehr im einzelnen ausgeführt. 

Alle solche abweichungen machen eine lebendige und 
allgemeinere Verbreitung der sage von den ungleichen kin- 
dern Evas im ganzen laufe des 16n jh. wahrscheinlich, die 
gar nicht auf einen der angeführten erzähler zurück geführt 
werden darf, vielmehr sclion früher, namentlich im 15n jh. 
und länger bereits gangbar gewesen sein mufs. vielleicht 
war jenes lateinische gedieht, woraufMelanlhon sich bezieht, 
noch im 15n jh. abgefafst ; im 16n werden die lateinischen 
dichter schon zu namhaft, ihre arbeiten stellen sich durch 
wiederholte abdrücke sichrer, das ältere und fast volksmä- 
fsige umgehn dieser sage wird am sichersten dadurch erwie- 
sen dafs sie auch in den kreifs dramatischer Vorstellungen 
aufgenommen war. schon zwölf jähre vor Agricolas Sprich- 
wörtern im j. 1516 oder noch früher, im j. 1509, wurden 
zu Freiberg im erzgebirge feierliche spiele gehalten, deren 
Job. Bocerus in seinem gedieht Fribergum in Misnia (Lips. 
1577. 4. folio K. z. verso) und daraus Michael Neander in 
seiner orbis terrae succincta explicatio (Lips. 1597. 8. 
s. 140—146) gedenkt, eine im morgenblalt, jahrg. 1808 
n° 278 mitgelheille nachricht enthält darüber folgendes. I?i 
pß?igstjeiei tagen den 11. 12. 13 mai 1516 sind die ludi 
solemnes, so man zu Freiberg- gehalten, auf offeütlichem 
marlitr mit grnj'ser pracht vnd hosten agiert worden, da 



DIE UNGLEICHEN KINDER EVAS. 265 

denn dar hcrzos; Geors: zu Sachsen neben seiner uremalilin 
und ganzer hofhaltung, ivie auch viel andere hohe und nie- 
drige Standespersonen zugegen gewesen und zugesehn. hier- 
zu hat ein ehrsamer rath zum actore verordnet Hans Ru- 
dolfen, den damaligen stadtrichter, und ihm Hans Pfef- 
Jern, der hernach stadtvoigt loorden, zugegeben, sieben 
jähr zuvor 1509 ist genanter Rudolf gleichfals actor ge- 
wesen neben Nicolaus Perner., dem fürstlichen schofser. man 
hat aber, une gedacht, alle drei pfingstfeiertage nach ein- 
ander agiert, den ersten tag ist die geschichte gespielt wor- 
den von dem fall der engel, von ej^schajfung und fall der 
menschen, von ausjagung derselben aus dem paradiese und 
von deyi ungleichen hindern Adams und Evas, wie sie gotl 
der herr angeredet und examiniert, die personen dieses tags 
sind- gewesen gott der himmlische vater, Raphael, Michael, 
(iabriel drei engel, Cherub auch ein engel, Lucifer, Relial, 
Satan drei teufel, Adam, Eva, die schlänge, Abel, Seth, 
Jared, HeJioch, Methusalem, Lamech sechs gehorsame 
^Idams söhne; Kain, Bathan, Achan, Nahal, Esau, Nim- 
rod sechs ungeratime kindcr, samt dem chrenholde. den 
zweiten und dritten tag wurden Vorstellungen aus dem neuen 
lestament und die des jüngsten gerichts gegeben. 

Hieraus ist freilich nicht genug über die innere behand- 
lung der fabel von den uuglciclien kindern zu entnehmen ; 
da aber in Hans Sachsens coniodie die sechs gehorsamen u?id 
sechs ungeraten sün Eve ganz mit den nemlichen nanien auf- 
treten, so darf man voraussetzen, dafs der nürnbergische 
incister mit der hergebrachten einrichtung des älteren spiels 
bekannt gewesen sei und daran nichts wesentliches abgeän- 
dert habe, solche spiele werden aufser Nürnberg und Frei- 
berg an manchen andern orten Deutschlands aufgeführt wor- 
den sein, allem anschein nach schon während des 15n jh., 
wiewohl sich unter den mir bekannten fafsnachtspielen des 
Polz und Kosenblüt d;is von den ungleichen kindern Evas 
nicht erwähnt findet, noch weniger ist es mir gelungen in 
den mhd. dichlungen irgend eine spur der fabel zu gewahren. 

Wozu also hier sie genauer untersuchen? ich tr.iue ihr 
dennoch ein weit höheres aller zu. 

Durch die pocsie und den Volksglauben unserer vergan- 



2(;6 DIE IjNGLEICHEN KINDER EVAS. 

<^cnlicil ziehen auch faden geistlicher stofFe die der christli- 
chen, biblischen quelle unangeniefscn waren, nicht die apo- 
kryphischeu bücher sind damit gemeint, welche in frühen 
Jahrhunderten fern vom deutschen boden entsprungen mehr 
auf gelehrtem wege allgemeinen eingang fanden, ganz abge- 
sondert von diesen erscheinen in kleinen vereinzelten sagen 
zügen und selbst namcn hin und wieder beziehungcn auf 
gestalten des alten oder neuen testamenls ; sie gereichten zu 
unschuldiger crheiterung oder ausschmiickung des glaubens, 
die kirche liefs ihnen weder billigung noch tadel angedeihen. 
dahin rechne ich aufser vielen thier- und pflanzennamen, die 
auf Maria oder den teufel angewandt wurden, zumal alle 
Überlieferungen, in deren mittelpunct sanct Petrus und noch 
einige andere heilige sich bewegen, seine Verleugnung des 
herrn, der hahnkrat, selbst das durch den schliifsel empfangne 
himmlische thürhiiteramt benahmen ihm gleichsam an würde, 
wenn auch nicht an gewicht, und erleichterten den anflug 
welllicher sagen, fafst man dessen art und weise näher ins 
äuge, so werden sich leicht uralte, heidnische Überbleibsel 
ergeben, welche duldsam und fast unverhinderlich färbe und 
gewand des neuen glaubens annehmen durften, ihr dasein 
und Ursprung wäre sonst kaum zu begreifen. 

Wie nun Petrus bei jedem anlafs gern aus der himm- 
lischen Wohnung in die alte irdische heimat zurückkehrt, wo 
er sich mit seinen freunden letzt oder mit Spielern und 
landsknechten umtreibt, so sind mir die Wanderungen der 
götter auf der weit ganz besonders ein zug unsrer einhei- 
mischen mythologie. das alte testament läfst gotl den herrn 
nur im paradies vor den erstgeschalfnen menschen, hernach 
noch vor Noah und Abraham leiblich erscheinen ; später rich- 
ten engel seine befehle aus. in der griechischen fabel wer- 
den Zeus Hermes Apollon Athene und andere himmlische 
dem sterblichen geschlecht häufig sichtbar und nicht minder 
oft zeigen sich in der nordischen zumal Odin Thor Ha'uir 
und Loki. so besucht Thor seine freunde die Thelleböndcr 
zur braullauft ; diese schöne norwegische sage (bei Faye s.4) 
kennt auch eine schweizerische Überlieferung, begnügt sich 
aber mit dem einkehrenden zwerg statt des goltes. vor allem 
gehört hierher das eddische licd von lligr dem wanderer, 



DIE ÜNGLEICHElN KINDER EVAS. 267 

dem ich gerade unsere sage von den ungleichen kindcrn an 
die Seite stellen möchte, unter jenem namen zieht Heiiiulallr 
der gott zu den drei menschenpaaren und gründet den unter- 
schied der drei geschlechter, dieser mythus von dem ein- 
kehrenden, die stände festigenden gott mag von frühe au in 
raanigfacher form bei den heidnischen Deutschen umgegan- 
gen und fortgepflanzt worden sein, er trug sich zuletzt in 
geschickter anwendung unvermerkt auf Adam und Eva über, 
aus dem blofsen gegensatz zwischen Abel und Cain, aus 
dem über Cains nachkommen gesprochnen fluch allein leitet 
sich nicht die Umständlichkeit der ganzen erzählung, der 
durch das fenster gewahrte besuch gottes, sein anklopfen, 
die festliche ausschmückung des hauses* und der kinder, ihr 
theilweises verheimlichen und die genau ausgedrückte glie- 
derung der stände her. zwar weicht ab dafs hier die kinder 
schon geboren sind, in der edda erst nach des gottes anwe- 
senheit geboren werden, dafs hier alle von einem paar, dort 
von dreien ausgehn ; doch diese Verschiedenheiten konnten 
oder musten auf den langen wegen der alten fabel leicht 
erwachsen, im eingang der Völuspa heifsen alle menschen, 
die meiri ok minni (gröfsern und kleineren), megir Heim- 
dallar, des gottes söhne, und wenn der umziehende Petrus 
schon in gedichten des zwölften oder gar zehnten jh. nach- 
zuweisen ist, wird auch jener göttliche besuch bei Adam 
und Eva, den ich höchstens bis zum jähr 1509 hinauf brin- 
gen konnte, viel ältere grundlagen in der geschichtc unsrer 
poesie ansprechen dürfen. 

JAC. GRIMM. 

' kom hann al sal, suitr horfda di/r, var hurd luiigin, hri'ngr 
rar i '^iv.lti, '^i'ck hann inn al pa/^ gö/f' var strdd. Sa;iii. 103''. 



208 



ÜBER UMLAUT UND BRECHUNG. 

Etwas in meiner jüngsten darstellung der deutschen vo- 
callaule ganz neues, die annähme von brechungen, woran 
auch altn. und ags. grammatiker nicht dachten, hat noch 
kein aufsehii erregt, aufser bei Adolf Holtzmann, der neulich 
in den Heidelberger jb. 1841 s. 770 — 777 und, wie er pflegt, 
sehr scharfsinnig darüber gesprochen hat. er fafst die merk- 
würdige erscheinung nur anders auf. während ich die bre- 
chung des / und // vom umlaut des a trenne, bringt er die- 
sen damit zusammen, und nimmt ahd. umlaut des a durch 
/, des / durch «, des u durch a an, woraus e, e und o, 
nach meiner bezeichnung, entspringen, die sache ändert sich 
nicht, sie wird nur verschieden erklärt. 

Es wäre hübsch und einfacher, käme man mit den drei 
umlauten des «, /, u ab, d. h. könnte man überall die e, ü, o 
abhängig machen von einem / und a der nachfolgenden silbe. 
noch vollständiger würden fünf altn. umlaute erwachsen, zwei 
für a in e und ü, je nachdem / oder u folgt, zwei für ti in 
und 1/, insofern a oder / folgt, einer für / in e bei nach- 
folgendem a, so dafs auf a durch die nachstehenden vocale 
zweimal eingewürkt würde, ebenso vielmal auf u, nur ein- 
mal auf /. geborgen bleibt der reine vocallaut in allen fäl- 
len, wo jedem derselbe vocal folgt (a — a, i — /, u — //) und, 
weil i lediglich durch a afficiert wird, auch wenn ihm u 
nachtritt {i — ii). für den umlaut ergeben sich die formeln 
e — i, ö — u, ö — a, o — a, y — i. die Wichtigkeit der regel 
leuchtet zumal ein, wenn abgefallne vocale der zweiten oder 
dritten silbe aus beschaffenheit des vocals der ersten erra- 
then werden sollen. 

Meine bisherige darstellung entzieht die formeln e — a, 
— a dem umlaut und überweist sie der brechung. gründe 
welche sonderung des gebroohnon lauts von dem umlaut an- 
rathen sind nachstehende. 

1. die brechung scheint älter als der umlaut, von dem 
der goth. dialect durchaus noch nichts weifs. der ahd. blofs 



l TIMLALT UNI) BRECHUNG. 269 

den beginn, nicht die Vollendung aufzeigt, ii und o dagegen 
sind schon dem goth. ahd. und allen übrigen dialecten be- 
kannt, wenn gleich in abweichender geslalt. 

2. im golh. iiängl die brechung blol's von den conso- 
nanlen r und h ab, in den übrigen sprachen von consonan- 
lischen und vocalischen einflüfsen zusammen, so jedoch dafs 
jenes r und h überall noch, Aviewohl auf andere weise, sie 
bedingen, aufserdem aber auch zumal im ahd. nachfolgendes 
n gefordert wird, während nachfolgendes i und // beide das 
/ und u der wurzel schützen, mir schien als ob aus blofs 
consonantischer brechung der Gothen sich im fortschritt eine 
consonantisch vocalische im ahd. ags. und altn. entfaltet habe, 
späterhin sogar ist, zumal im mnd. mnl., die vocalische aus- 
gedehnt worden auf formen die ursprüngliches i und u in 
der letzten silhe haben, z. b. si'^^e ahd. sign, vrikJe ahd. 
fridif, schiinen ahd. scinun. auch die schwed. dän. präte- 
rita vierter reihe nehmen im pl. e für i in die wurzel, und 
sonst viele subst. zeigen solches c, z. b. schwed. dän. sm'ed 
i'aber, /f-V/ artus, altn. *w?V//', U(ti\ das nhd. sommer schwed. 
sommar dän. sommer nnl. zomcr zeigen o, da doch mhd. 
sumer ahd. sumar auf ein goth. stimnis (wie widar, pipar 
^v\{ viprus, bibrus, gramm. I, 147. 453) schliefsen lafsen, 
also der brechung nicht unterliegen sollten, dennoch schritt 
sie vor. 

3. Umlaut durch i zeigt sich in den flexionen weit sich- 
rer als brechung durch a. zwar in ahd. conjugation erster 
und zweiter reihe gewähren hilfu hilßs hilfii helfames 
hi'lfat heljant ; lisit lisis lisit lesames tesat lesant (und 
trutii trutames statt ti'üti tretames liefse sich theoretisch 
vermuten) zureichende beispiele, neben welchen in dritter 
reihe tragu, Iregis, tregit, tragames umlaut weist, der na- 
türlich an anderer stelle vortritt, auch in fünfter reihe bie- 
tet sich das part. scopan, logan dar, da doch in vierter nur 
scinan tripmi nicht scennn Irepan steht ; erst jene späte- 
ren mundarten gewähren würklich scheuen, schrevoi f. ahd. 
scinan, scriban. dies / in scinan crkläi't sich Iloltzmann 
aus einem übergewicht des / und i in vierter coiignjation, 
so dafs das einzige parlicip nicht zum e habe gelangen kön- 
nen, doch war ei in sccin, Ireip (\n\. sehen, ^^'X'/) *'*''" '' 



270 UMLAUT UND BRECHUNG. 

nahe genug, in der declination * erscheint aber gar kein ge- 
brochner im Wechsel niil ungebrochnem vocal ; mau halte ihn 
namentlich ahd. in den ersten starken declinatiouen zu ge- 
warten, denn wie neman nimu sollten jöe/'c, tvec, nest, got, 
hof im instrumental jnrku, wiku, ?iistu, gutu, hiifu, vorzüg- 
lich fem. wie gepa, piita, ercla, giwona im dat. gipu, pitu, 
irdu, giwunu zeigen, konnte hier wiederum das i und u in 
der Wurzel nicht durchdringen? oder sind die u der flexion 
unorganisch, wie das der dat. pl. auf um statt am in den 
ersten declinationen? weshalb mit recht kein wikum, nistum, 
gutum, pilum, irdtwii giwuniim erfolgte, dürfen wir aber 
uns einlafsen auf solche Verdächtigung der würksamkeit ahd. 
flexionsvocale, so müsten wir auch dem u in der prima sg, 
lisu, 7nmit, hüfu kraft abstreiten die brechung zu hindern, 
weil goth. Jisa, nima, hilpa gelten, in den zweiten decli- 
nationen sollte das thema i wenigstens im dat. sg. der bre- 
chung räum lafsen, doch nirgend begegnen die formen scriita, 
scelta, vohsa f. scrita, scilta, vuhsa, obschon der nom. sg. 
nach abgelegtem thema i sogar rückumlaut gewonnen hat, 
ast, gast, pale, anst, am, womit die umgelauteten casus 
esti, gesti, pclgi, e?isti, et'ni tauschen, man mufs in den 
zweiten declinationen übergange aus erster und dritter an- 
schlagen, und den ahd. dritten gewährt das thema u schütz 
vor brechung. längst entsprach keine ahd. flexion genau 
mehr dem goth üu des gen. dat. sg. wer wollte den nom. 
masc. und neutr. erster decl. nach abgelegtem thema a der 
flexion gebrochnes e, o in der wurzel statt ?, u zutrauen, 
wo sich die reinen laute zumal vor doppelconsonanz bewahr- 
ten? nie erscheint fcsc für ßsc, so angemefsen das e in 
liiscan, liskii scheint, im ganzen folglich darf der raangel 
der brechungen in ahd. declination, neben den entwickelten 
umlauten, diesen ein lebendigeres, jüngeres, jenen ein zä- 
heres, älteres })rincip bezeugen. 

4. den unilaut sehen wir fast ganz von vocalischem, 
die brechung wesentlich von consonantischem einflufs ab- 
hängig, es ist doch bedenklich, das goth. ai in bairan, vair- 

* icli ncliuic jclzl nur drei slarkc (loclinalioiu-ii mit dem lliema 
a, i, ti an, wie ich anderwärts (in einer academisclien Vorlesung) ent- 
wickelt lial)e nnd in der irrainmatik umständlich auslühren werde. 



UMLAUT UND ßllECHUNG. 271 

pan anders aufzufafsen als das alid. li in pi'rnn, wörfan. 
allerdings macht grofsen unterschied dafs das ahd. /'' iheils 
ausgedehnter ihcils eingeschränkter gilt als das gotli. ai, es 
findet sich auch in nöinan, li'sa/t, kl'paii ■=. goth. uiman, 
lisan, giban, und hört wieder auf in prrü, wirfU =: goth. 
hain'f), vaivpip. ein goth. nainian, latsa/i, ^aihnn wäre 
unglaublich, eher lielse sich denken dals bairip, vairpip nahe 
an birip, virpip grenzten, doch gerade wie h und r goth. 
brechung veranlafsen, welcher vocal auch nachher folge, 
hindern ahd. in und //, wenn andere consonanlen daneben 
slehn, alle brechung, wenn auch a folgt, es heifst pinrnman, 
rinnaii^ limfan, pi/itan^ prinhan, diusan und im particip. 
prnmvian, ninnan, lunija/i, punian, pninkan, dunsan^ nie- 
mals pr'emman proinmau, so dals diese durchfiihrung des 
z, u völlig der des goth. ai, ak in bairon, bauran gleich- 
steht, und der von vocalcn bedingte Wechsel des reinen und 
gebrochnen lauts nur in den übrigen ahd. formen zuläfsig 
Avird, freilich in den meisten, den umlaut des a durch i, 
sobald er einmal platz gegriffen hatte, scheinen consonanti- 
sche einwürkungen wenig zu kümmern, es heifst spnnnu 
spennis , g'nngi/ gongis , fnra fcris , icahsu irehsis. die 
in Position verbundnen m und 71 hemmen aber die brechung 
auch in Substantiven erster decl. wie sind, ivinl, hrinc, 
m///if, stiinna, slanla, im gegensatz zu clmi'ld, irolf, lii-IJa, 
molta, hi'vtd. 

5. der ahd. mhd. umlaut stätigt noch andere unterschiede 
günstig, wo im analogen fall die brechung unvvürksam scheint, 
denn wie von den adj. Icngi, Iwrli, Jesti die rückumlauten- 
den adv. lango, harlo, fasto gebildet werden, dürfte nun 
auch neben irri, durri ein adv. iirro, dori'o stattlinden, wenn 
schon nicht der wposition zugefallen neben lindi ein adv. 
li'ndo. die aualogien lafsen aber im stich. irran goth. 
airzjan hat ein dorran goth. paürsjan zur seite, so schön 
das transitive durran abstechen würde von dem intransiti- 
ven dorren, nie erscheint ahd. dorah per, immer durah; 
soll es erklärt werden aus einem vorgewicht von dt/ruh, 
durik? goth. pnirh zeugt eher für -ah. in onlnung sind 
/M/v janua und Lor porla, ////■/// osliola, doch gleich .s7^// und 
stcti wechseln tor und ////•/ nicht, sondern der reine odej- 



272 UMLAUT UND BRECHUNG. 

gebrochne laut haften im einzeluen wort wie sie sich einmal 
festigten, warum behauptete sich kein alts. hh^u gladius, 
wie bliran birid, sondern heru z=i gotli. hairus? warum 
alts. ehu ■:=. goth. aihvus? da doch sidii, ividu, simi gelten. 
warum mhd. mete mulsum neben site mos = goth. 7nidus 
und sidus, wie zu vermuten steht? ahd. scheinen mitu und 
metu zu schwanken, warum schon bei Tacitus Nertkus, 
Hermunduri, kein Nirthus, Hirmunduri? die goth. brechung 
vor r und h ergibt, auch von dieser seite, sich als die äl- 
. teste, freilich heifst es ahd. hiruz =: goth. hairtus, altn. 
hiörtr, also für hiruzu, während ^o««;' mehr zu ^oih. punrs 
als zu punf'us berechtigt. 

6. rathen es diese erscheinungen zusammengenommen 
an im ahd. und mhd. umlaut und brechung abzusondern, so 
begehren es noch entschiedner im ags. eigenthümliche. denn 
während der umlaut des a in e, des n in y ordentlich er- 
geht, weicht die brechung des ? und e, des u in o öfter 
von der ahd. ab und richtet sich wieder nach consonantein- 
llüfsen. so bleibt namentlich der reine lant meist schon vor 
einfachem /n und n : niman ahd. neman, numen ahd. noman, 
aber auch andere Wörter führen ihn durch, z. b. gifan ahd. 
kepan, gifcn ahd. ki'pan ^ otigitan ahd. i?itkl'zza?i, ongiten 
ahd. intkezzan. hingegen bricht sonst die prima sg. präs. 
den vocal: ete ahd. izzu, bere ahd. pirii , stele ahd. siilu, 
bri'cc ahd. prichu, wo man anzunehmen halte, der ausgang 
-e müfse ursprünglich gleich dem goth. -a, nicht wie im ahd. 
-u gewesen sein, obwohl jene niman, gifan, ongitayi aucii 
hier nime, gife, ongitc behaupten, in der zweiten und drit- 
ten person tritt freilich itst, it; hilfst, bird; stilst, stild^ 
bricst, bricd ein. was ferner u angeht, so haftet es ags., 
wo es nach ahd. regel zu o werden sollte, z. b. \n fugel 
ahd. fokal, punor ahd. donar, milf ahd. ivolf; doch in bo- 
ren, brocen, svollen, vorpen stimmt es zu ahd. poran, pro- 
chan, suollan, rvorfan. von besonderer Wichtigkeit ist nun 
weiter dafs neben i und i^ häufig eo stattfindet und zwar mit 
beiden wechselnd, niclit nur wird vita und veota procer, 
f'rido und froodo geschrieben, sondern auch efor aper und 
enfor, gifon oceanus und geofon, fida niultum und feola, 
f'cäer poniia und foodor , setel thronus und seotol ; ja es 



UMLAUT UND BRECHUNG. 273 

können die drei formen friäo, freocto, frl'do gelten, e und i 
verhalten sich gar oft wie die ahd. z. b. in den ableitnngen 
fiäre ahd. gifidiri, xowßkteri geviderc terapestas, ahd. gi- 
loitiri, von veder. co habe ich als ursprüngliche, der Ver- 
engung in e vorangehende brechung dargestellt, die dem goth. 
ai noch näher steht, und das wird dadurch bestärkt dafs sie 
wiederum vor r haftet, zumal wenn durch einen zweiten 
consonaut position erwächst ; veorpan, beorgan, hveorfa?i 
gleichen dem goth. vairpan, bnirgan, hvairban mehr als das 
ahd. iverfan, pergan, hiierpan; nur vor st, sc gilt e, ber- 
stan, perscon nicht bco7'stan, peorscan. auch scheint für 
ein höheres alter des eo zu sprechen dafs ahd. spuren von 
ähnlichem ia oder io vorkommen, die bald verschwinden, so 
das neulich aufgefundene sioza (oben s. 5) = ags. seotu. 
ohne zweifei ist also eo ein laut der uns das Verhältnis zwi- 
schen goth. ai und ahd. e vermittelt und nicht gestattet letz- 
teres lediglich von dem vocalischen einflufs des folgenden a 
abhängen zu lafsen. dazu kommen noch die ags. ea und ä, 
welche neben dem reinen a auftreten, ja dessen Übergang in 
0, die ich sämtlich lieber der brechung als dem unilaut ver- 
gleiche, ea hält sogar gleichen schritt mit eo in bearh, 
vearp, cearf von beorgan, vvorpan, ceorjan, entwickelt sich 
aber auch vor posilionalem / in healp, gealp von helpan, 
glilpan und in andern fällen, weder dieses ea für a in den 
starken prät. vearp, healp, ahd. umrf, half, noch das ä in 
gäf oder geaf, am wenigsten das ä in däg, däges, scriif, 
scräfes, ist aus folgendem a abzuleiten, weil dieses gerade 
den reinen laut in dagas, daga herstellt, wie es das ?/ in 
daguin, scraju thut. o in gomel, ?ioina, svongor wird durch 
m und 71 gewürkt. und die mnl. spräche hat vor posiliona- 
lem r gebrochncn laut r/e für a (gramm. 1, !>79), da sie doch 
für i blofs verengtes e zeigt, icii geschweige hier der an- 
dern mnl. so wie der friesischen vocallaute die noch ein- 
schlagen. 

7. aber die altn. spräche zeigt uns jene ags. i, eo in 
rcgelmäfsigerem Wechsel gewisser flexionen, dergestalt dafs 
hier das ursprüngliche / nur diircii ein nachfolgendes i der 
cndung gehalten wird, hingegen sobald a oder u folgen, die 
brechung ia oder deren umlaut iö eintreten, welcher letztere 
Z. F. 1). A. II. 18 



274 UMLAUT UND BRECHUNG. 

auch da stall findel wo u früher vorhanden, später wegge- 
fallen war. es tauschen demnach angenehme formen wie 
hiörn hiarnar hirni , Niördr Niardar Nircti, und freilich 
dieser einflufs des i scheint dem von i herrührenden umlaute 
des a in den analogen formen lögr lagar legi zu gleichen, 
ist aber kein umlaut, da der umlautende vocal niemals den- 
selben laut zeugt, vielmehr mufs man sagen dafs in hirni 
die flexion /' den urlaut schütze, in legi das a umlaute. 
Holtzmann will dies alln. ia für jünger halten als das e, 
und allerdings fällt die abwesenheit jenes in den starken 
conjugationsformen auf, es heifsl bera, gefci, nicht hiara, 
giafa; doch sehe man das gramm. 452 aufgewiesne biarga, 
gialda (wieder im positionsfall) und erwäge wie gangbar die 
ags. beorgan, weorpan gerade in starker form sind, auf 
der andern seile ist alln. e weiter vorgeschritten als ahd. 
und ags. ; man sagt selbst brenna, r'etma für brinna, rinna 
(gramm. 454) neben spi/ma. ja es nimmt den ganzen sg. 
prUs. ein: et etr , gijf gefr , nein neim^ , berg bergr , verp 
verpr, obschon in dritter reihe umlaut des ß in e gewürkt 
wird, el elr , stend ste?idr. ein nicht undeutliches zeichen 
dafs hier umlaut und brechung auf andern gründen ruhen, 
in die Ursachen des wechseis zwischen ^, ia und e überall 
zu dringen ist schwer genug; von den adj. iq/n und diarfr, 
die auf gleichem fufse stehn, wird sowohl ejna als dirfa 
geleitel; ahd. behaupten epan und epanon den selben laut, 
pidirpi aber schwankt seltsam über bald in pid'erpi, bald in 
piderpi d. h. umgelautetes pidarpi, und die nemliche Unsi- 
cherheit ist in pidirpan piderpan pidarpan pidcrpan. offen- 
bar war hier die ausspräche nicht mehr mit sich einig, da 
iie doch in den meisten andern füllen die laute reinlich 
sonderte. 

Was endlich die bezeichnung der beiden e betrifft, so 
ist sie mir gleichgiltig, sobald man sich darüber einmal ver- 
ständigt. Holtzmann will f für e (wie alln. o für ö), da- 
gen e für e, welches c unleugbar dem gebrochnen o äufser- 
lich gleicher stände*, ich halte ii vorgezogen um an das 
ursprüngliche i zu erinnern und weil der typus unsern 

schon Lachmann in seiner atiswahl halte erzp, folj^lieh ezne 
angenommen. 



UMLAUT UND BRECHUNG. 275 

druckereien nicht abgeht, dies spricht auch für das nord. 
ö, dem man in Dänemark schwerlich wieder entsagen wird, 
dafs in ahd. hss. ae und f für o, e und e erscheinen weifs 
jeder. 

JAC. GRIMM. 



VORANGESTELLTE GENITIVE. 

Nicht blofs wurzeln formen reclionen , sondern auch 
einzelne Wortstellungen erhalten sich in der spräche lange 
Jahrhunderte hindurch, ich will hier einige fälle behandeln 
wo der genitiv dem Substantiv das ihn regiert beständig 
vorausgeschickt wird, in eigennamcn und Zusammensetzun- 
gen verhärtet sich diese fügung häuflg, aber auch dem losen 
genitiv pflegen in gewissen redensarten wir noch heute im- 
mer den Vorrang zu lafsen, z. b. wenn es heifst von rechts 
wegen, aus leibes kräfien, seiner händc icerk. so setzte 
die alte spräche dem mit einer präposition verbundnen worte 
ende, bedeute es nun das vorderste oder hinterste, jederzeit 
den gen, voraus. Hildibrant ums eo folches at eyite ; that 
he wurdi is aldres at endie Hei. 82, 10 ; dryhteji sinne drio- 
rigne fand ealdres ät ende Beov. 5576; pd väs sund liden 
eotetes ät ende Beov. 446; wenn Andreas 221 mit vorge- 
schobner präp. ät vieres ende gesagt ist, möchte man auch 
da zu lesen vorschlagen meres ät ende. mhd. belege sind 
mir folgende zu band, gie des hovos an ein ende Gudr. 
1618, 4; toiset des hoves an ein ende Rab. 197; trihen be- 
gan des her es unz an daz ende altd. bl. 1, 342; ich kum 
es an ein ende Nib. 791, 3; vmvizzer dinge kam an ein 
ende Greg. 1197; nu bin ich ze ivdre diner mxre an ein 
f?/?</e Aowew Hahns Stricker 4, 283; ich bin des vf ein ende 
brdht Silv. 5190. noch in späteren Volksliedern meine ich 
gelesen zu haben gieng des weges a/i ein etide, denn aller- 
dings sind solche fügungen eher episch als dafs die höfischen 
dichter sich ihrer gern bedienten, sicher findet auch die 
phrase statt er kam sins libes an daz ende, wie gestüont 
sins libes an der J'reide (iudr. 495, 4; daz man so mani- 
gen recken sehe si?is libes in der freide Bit. 11376; reit 

18* 



276 ^()RAiNGESTELL^E GENITIVE. 

S//IS libes en freise Er. G096 ; minor sele ze freisc Haupts 
zeitschr. 1, 318, und ähnliches, die analogie bald der vor- 
gesetzten genitive (nhlres, /ibes'^, bald der von der präp. 
abhängenden Substantive schlägt dabei au, man dürfte auch 
bei at 07'de, in der tniftr gleiche Stellungen erwarten, aus 
der golh. spräche gehört hierher das bekannte seina misso, 
entsprechend dem altn. si7i ä viilii. 

JAC. GRI3IM. 



BESCHREIBUNG EINER IM JAHRE 1507 ZU 
ZERBST AUFGEFÜHRTEN PROCESSION. 

Am ausgange des 15w nnd im anfange des \&n jahr- 
hmderts, wahrscheinlich bis zum Jahre 1522, in welchem 
die sladt Zerbst für Luther sich erklärte, ward daselbst 
Jährlich eine jirocession, oder richtiger ein geistliches stra- 
fsenschauspiel, aufgeführt. 

Mehrfache abschriften von beschreibungen dieser pro- 
cessio?i in poetischer form sind im geheimen archive der 
sladt Zerbst vorhanden, ich habe dieselben^ die niemand 
bekatmt sein ko7inten, da das archiv seit fast zweihundert 
Jahren unberührt stand, bei anordnung desselben aufge- 
funden und der vollständigsten, in eichenholzschalen ge- 
bundenen, die im Jahre 1507 stattgefundene darstellung be- 
schreibenden handschrij't nachstehende mittheilung cntnom- 
men. über den zweck der procession gibt am füglichsten 
folgende Urkunde vom Jahre 1506 auskunft, durch ivelche 
beglaubigte abgeordnete des stadtraihs beitrüge zur bestrei- 
tung der processiofiskosten nach dem grofsen brande sam- 
melten welcher am 30// april 1506 die Stadt zu?n vierten 
theile in asehe gelegt hatte. 

ZERBST. FRIEDRICH SINTENIS. 

\ or allenn Cristgloubigenn frommenn szeligenn leuthenn 
was wirdenn Slandis Addir weszenn Die sein vnnd mith 
diesszem vnnzern offin briefle in deniulh zue der ehre gotts 
irsucht werdin Bekenncnn wir Burgeruieysler vnd Rath- 
mannc Richter vnnd Schcppenn der Sladt zcerwisch 



ZERBSTEU PROCESSIOxN. 277 

Szo alsdann nianicheun fronien menscliin bwustli, das 
liier zue der Erbietunge des Allmechtigenn golls vnnszers 
szelichiuecliirs Ejnn Erlich processieu bedeuliinge der bil- 
lern ghenge. die chrislus vnnszir beill vmme erloszuoge Al- 
ler menschlicher gesiecht zue seynen hymraelischenn vaters 
durch denn snielichin lodl ghanghen ist, der gleich gottis 
auszerwcllcn heillige phyu vnnd niarlir zcue bedenckenn, 
Alhier vorordenth vnnd aufF gericht isth, Jerlichenn in dem 
xVchten tage des heiligenn leichnams, mith koszperlichenn 
(Bguren des Aldenn vnnd nawen testaments Welche gherin- 
ge Erebiethunge der Erwirdigiste In goth vater vnnd herr 
hcrr Raymundus* Bebstlicher legal vnnd Cardinall In kor- 
Izin Jaren Alhier Irschenenn Dergleichenn der hoechwirdi- 
giste In goth vatir Irleuchlenn hochgeboren ffurst vnnd hcrr 
herr Ernstli ErlzbischofF zue Magdeburg primat in gcrmanien 
Administrator der kirchin zcue halberstadt herlzcogk zue 
Sachsszenn lanthgralTe In doringhenn vnnd margkgratf zue 
meysszenn vnnszer Gnedigister lieber herr, Inglcichcnn vnn- 
szir Gnediger herre von Brandinborch** vnnd 31erszeborgk"* 
Alles bevvagcnn vnnd Sulche processienn vnd Erbietunge 
Angeseheun den schaltzs der krisllichen kirchin Angegriflin 
vnd zelien ablas dar zue gegebin vnd Allen mylden hanth- 
reichern dys zue Irhalden Sodhann Schatzs nach vormel- 
dunge der brieff mithgeteill wie wol Rustunge vnd kostunge 
etzwas gestandin Isth doch leyder brandis vnd feurs noelh 
vorszeriget vnd beschedigel wurden, wir bewogenn cwer 
mylde hanlh betlichen zue irsuchin Deshalbin diessze kegin- 
werlige vnszer huszbesesszin gloubwirdige bothen Ahn ewer 
alle gunslh vnd liebe geschickt Wollen die Ere vnnszers 
zelichmechers betrachtin ewer zelen heil bedenckenn. Den- 
selbigenn vnnszeru bothen die mylden Almuszenn zue sul- 
cher Ehre obir die Irgangenn schodin bey euch zcuebiltenn 

' der curdlnal litiyiinuidiis ^ieiig am Vi n Januar 1503 auf seiner 
reise naeh Magdeburg durch Zerbst und ward daselbst aufs feier- 
lichste evipfangen. vergl. Bcekmaun ehr. von Anhalt. 6, 3 5. 13. 

" Zerbst gehörte zum. bisthiimc Brandenburg und zwar unter das 
archidiacunat des probstes zu Leitzkaa. 

"" fürst Adolf zu Anhalt war damals beim Merseburger bischof 
Thilo V. Tlirote presbyter, ward 1507 von ihm zum coadjulor ange- 
genommcn und sein nachfolger 1514. eergl. Ludtv. lieliq. i. p. i6\. 



278 ZERBSTER PROCESSION. 

vorgonnenn vnnd selbst mittetheilenn vnd auff" ernhanten 
tagk hier Irscheinenn Die belonunge vonn gote. der aller 
woltelhe eyn beloner isth zunehemen, Wollen wir ouch vmbe 
eynen yderen Bszundern wiliich vnd gernhe vordienenn. 
Diesszes zu warhafFtiger vrkunde habin wir vnnszir Stadt 
Secrelh vndenn Ahn ghehanghenn der gegebenn isth nach 
cristi vnnszers herrn geborth Thausentfunffhundert vnd Im 
Sechssien Jare Sonthages Voceni Joeundita tis. 

Äiifsere aufschvift der handschrift. 

Eyn sprach von deutung vnnd Irkleruug der ffiguren dy 

in der processien gehenn Donnertags in der heiligen phin- 

gistwoche Im funfzcehenhundersten vnd Sibenden Jarn. 

hmere aufschvift. 

ürdenunge vnd bestellunge der procession. 

Die ölsleger. 
Die scheppung der werlt nach der schepfer 
ffigura 
Des scheppers hoge gewalt 
Ist sichtlich mannigfalt 
Hymmel vnd erde vnd was do in ist 
Hat got gemacht allis auff eyne frist 
Aller wunder letzt vnd ent 
Ist das wirdig sacrament 
Schaw mensche deyne speysze 
Dy iesus marien szone der weysze 
An sich selbem hat gegebenn 
Der seien trosl vnnd rechtis lebeun 
Do got den menschen macht 
Was er Reyn vnsterblich geacht 
Die Bader 
Eynen Bom mit eyner slangen. Adam vnd Eua nakel 
mit queslen wan der rym geleszen szo sol der engel Adam 
vnd Eua vszslan 

ffigura 
Alsbalt aber vnszir vater adam 
w Den verbotten appel zcue sich nam 



ZERBSTER PRüCESSION. 27P 

Erslang er den ewygen lodt 

Des viel dy menschcit In herle nodi 

ffigura 
Der engel slug olin aus dem paradeysze 
Als dysse figur tliuet weysze 
Nackent enelendig vnnd bloes 
Darnach hub sich Eyn boszheil groes 
Browerknechte 
Cayn mit eyner klauen Abell erlichen gekleydel 

Alia figura 
Abraham eyn konnigk Melchisedech wein vnd brol 
ffigura 
Cayn slet abel seynen bruder lodl 
Der Im kein leyt gethaeu hodt 
Dy syntflut that gantze werll vortrincken 
Dan dy sunde soll allwege vorsinckenn 
Alszo bleib der mensche in sunden sweben 
Abraham hub an in horszam zcue lebenn 

ffigura 
Den ehrete konnigk melchisedech mit brot vnd weyn 
Das soll dyszes sacrament bylde seynn , 
Regenten * 
Abraham mit eynem geczogen Swert ysaac seinen So» 
bey der hanl 

ffigura 
Abraham brachte seynen szone gote zcue ehren 
Vnuorschont seyn leben zcue vorsehrenn 
Des Andacht got angesehnn hot > 

Dy Irloszung er do Im bot , i? , 

Das aus seynn gesiechte 
Wurde geborn der Irloser rechte 
Die Szever vnd dreszler 
Jonas in dem'wallissche ,3 

ffigura 
Jonas von dem walfische verslungen 
Am drytten tage war Im gelungenn 
Domit ist wurden künde 
Der Irstentnys die froliche stunde 
' Inhaber von altären und den damit verknüpften einkiinften. 



280 ZERBSTER PROCESSION. 

Die lakenmecher 
David eyn konnigk mit eyner harpfen vnd kneclite 
Ifigura 
David Eyn konnigk lobesam 
Dornach elierlich quam 
Das kreucz ciisti in der harffe 
DoraufF gezcogenn alszo scharffe 
Die murmeyster 
Irer viere als geschigkten zu wandern tragen eyne wyn- 
truben vnd eynen garten Engadi gehit vorn 

ffigura 
Engadi der lustiger weyngart 
Dor Inne ist der balszam wolverwart 
Auch vil ander schone blumen 
Domit wir dy newe ehe beruhmen 
Der zcyperbom vnd trubelen dor an gefunden seyn 
Reich vnd trubar gaben sie weyn 

ffigura 
Yrir zcwe Eyne trubele swerlich trügen 
Bedewt vns nach cristlichen fügenn 
Gottes irlosung den vbirfloes 
Vnd des herrn Jesu mylde gnad so groes 
Der verslossener gart ist muttir vnd maget 
Dor Inne Irgrunet got vnd mensch vns belagel 
Hir abe wir zue sagenn bann 
■ ' Vnd heben mit salomon ahn 
Die lakenmecher 
Salomon eyn konnigk mit seyner mutter vnd öre hofge- 
synde 

ffigura 
Davidis szon konnig salomon 
Sas in seynn konniglichim tron . ^ 
. Mit kostbarir schöner zcyrde 
Vnd kronete seyne muttir wirde 
Alszo hat got seyner muttir bewyszen 
Dorvon er ist genyszen 
Daraus ist cristus gespalt 
Nach vylen Jaren wol gezcalt 
Maria Eyne Juncfrawe reyn >■ 



ZERBSTER PROCESSION. 281 

Doraus got irsprossen vnd geborn alleyn 
Mit warer menscheit 

Die vorstender vnszer lieben fraweii 
Ortus conclusus mit seinem anhange tragen die bruch- 
slressere * 

Die besuchungc marien zu Elizabet vber das gebirge 
mit czwen engelen im rym leszen sullen sie sich vmbfangen 
czuchlich 

tfigura 
Höret ir cristen iewte 
Was ich hewte bedewte 

groes gnade vnd barmhertzcigkeit erczeyget 
Do sich got in gnaden zcue vns hat geneygel 
Der von hymmel ist gekommen 
Vnd die menscheit an sich hat genhomeu 
Das wir alle werden getrost 
Hat ehr in vnszir nature eidost 

ffigura 
Höret merket vorsteit dysser verslosne garte 
Beczeyget vns mariani dy eddele zcarte 
In dem sich got selber vorsloes 
Vnnd sich mit allen gnaden In sie ergoes 

ffigura 
Höret der pusch moysi brante von fewre vnuorczert 
Also maria entpfingk vnd gebar vnuorsert 
Juncfraw vnd rauttir gottis vorwar 
Ahn allen wandell vnd mangel gar 

ffigura 
Mercket dys bedewt dy rwte aaron bluete 
Beczeyget mariam dy do brachte dy blume allir gute 
Ir magelthum behilt vnd ewige keuschcit schone 
Gotts szon entpfing von hymmelischen trone 

fligura ' -■ ■ ' ' ' 

Dysser thron bedewt mariam zcart 
Dy do vor der erbsunde von gote wart bewart 
Mit vil tausent gülden Schilden 
Bleyb vnuormagkelt dy reyne vnd mylde 

slrtij'sf itiiicr t'orxladl voti Zerhsl . 



ZERBSTEK PROCESSION. 

ffigura 
Dysse güldene geslosne port 
Bedewt das maria was vnd bleib eyn Juncfraw vor 

vnd nach der gebort 
Vnd bleibet vmmer vnd ewig geslossen 
Der gebort wir alle zcue ewigem heyle haben gnossen 

ffigura 
Die person bedewt den engel gabriel gesanl 
Do ehr die Juncfrawe vorslossen fant 
Brachte ir allis heyles grossen groes 
Was sie allis leydes bloes 

ffigura 
Dys bylde bedewt wie der ewige eynhorn 
Quam zcue marien der Junefrawen auszirkorn 
In den keuschen schoes der ewige heylant 
Von dem hymmel mit allen gnaden sich swaut 

ffigura 
Dysser vier hundeleynn Jaget 
Got von Ewigkeit hat gesagt 
Frede vnd gerechtigkeit 
Warheyt vnnd barmherzigkeit 
Habenn got alle vier vorraocht 
Vnnt mit ir iaget zcue wege gebracht 
Das got von hymmel quam 
Vnnde die menscheil an sich nam 

ffigura i 

Dysse figur thuet euch bekant 
Wie got seyn Eygen szon hat gesaut 
Vnd wie die Juncfraw von dem heiligen geyste wart 

swanger 
Dancketh das got ewig mit eynander 

ffigura ! 

Das hat gabriel bereit 
Der engel mit seynem grussze i 

Macht er widder süsse 
Des sunder bitterkeit 
Maria ist wurden bereit 

ffigura 
Alsbalt sy iesnin hat entpfangenn ,■ ." 



ZERBSTER PROCESSION. 283 

Ist sie in das gebirge gegangen 
Zcue Elizabct yrir frundynne alt 
Drey mont ir gedynet niannigfalt 
Darnach hat maria gezcelt ane smerlze 
Jesum das nemet alle zcue hertze 
Die Wantsnyder 
Die gebort christi mit dem husischen darinnen maria 
vnd eyn kindichen sollen die vfczogere* tragen 

ffigura 
In eyner krippe geleget 
Grosz armiit gepfleget 
In eynem armen hawsze zcue falle 
gros armut vbir alle 
Dor In gelydenn vil iammer vnd zcwangk 
Im ist gebottenn lob vnd dangk 
Die Wantsnyder 
Die heiligen drie konnige wol gerüst hilgetom in ore 
hende weiszen vf die Sterne am husichen 

ffigura 
Vonn den heiligenn konnigenn drey 
Mit golde murra wiroch do bey 
In lyebe vnnd grosser andacht 
Hann sie das oppher gebracht 
Sy filen nydder vfF yre knye 
Wie wol sy ohn funden vntir dem vyhe 
■ Nach irkenten sy mensch vnd got 
Der yr hertze irluchtet bot 
wy wunderlich ist herre dcyne gebort 
vnszere lieben frawen vorstender 
Joseph ein erlich man wol gekleydet mit eyner Haschen 
vnd laschen Maria vf eynem Esell mit eynem kynde Joseph 
sol den esell leyden 

ffigura ,. ' ' i 

Maria nam des nachtis ire liebes kint 
Wie wol es weynte sere vnd swynt 
Vber berg vnnd vbir thael 
In armut ane zcall 

' die leide, welche die bierfäfser aus den braukellern zogen; 
Zerbst versendete damals Jährlich zehn bis fiinfzeh» lausend faß bier. 



284 ZERBSTER PROCESSIOPS'. 

Zcog sy In egiptenii landt 
Dor was sy mit Joseph vnbekandl 
Das macht herodes der vngelrewe 
Dem taet es sere rewe 
Aus hessigem boesenii raethe 
Die Becker 
Herodes eyu konnigk mit eyner krönen vf eynera pferde 
eyn czeptcr in seiner hant 

Item wolharnischtere knechte mit spysen kindere darvf 
steckende 

Item iiii frowen Svvartz gekleydt demutig die hende 
wringende Alszo das die mentell von den schuldern hengen 
sollen sich stellende zcu weynende 

ffigura 
Begingk er mort vnnd vbillhael 
An kiuder vnter zcwenn jarnn 
i ffigura 

Ahn dy muttir thaet er auch vbillarcnn 
Sehet wy Jammerlich sy weyne 
Vmme yre kint szo kleyne r '• -n'' 

Die barbirer 
Johannes baptista mit eynem lipkleyde Eyn lam im arme 
mit czwen fingeren dar vf wiszend Ecce agnus 

ffigura 
Johannes der allirheligister man 
3Iit seym finger zceygete er ahn v ,rY " 
Dasz lam gotls iesus crist -;* 

Der vnszir yrloszer ist. ',- ^; 

Die barbirer 
Jesus mit eynem tufell der tufel in der hani stcyne vnd 
Eyn rym Si filius dei es pp. 

Jesus eyn ryme non in solo pane pp. czwe cngel mit 
rymen Et angeli pp. 

ffigura " 

Nach der lawlle sobalt 
Wirt iesus gofurt in den walt 
Abir vonn Jesu do vorwuunen wail 
Der tewllcl eyn schalgk von art 
Jhesus zcuc viinszr^m Irosl ^okommcnn i,.: 



ZERBSTER PROCESSION. 285 

Die ankunschen* 
Jhcsus mit xii apostcllen barfus ihesus mitUMi iiin vnd 
alle diademala 

ffi{^ura 
Hat czue sich zcwelff Junger genommen 
Mit den zcog er widder vnnd vort 
Vnnd segele seynn heyliges wort 
Die czymnierlewte 
figiira Iterodis cum decollatione Johannis konniglich ge- 
kleydet in sampl seine frowen vnd tochter iiii wapener vnd 
iiii junger Johannis in korhemden 

ffigura 
Herodes rieht zcue eyn grosz essenn 
Seyns bruder weyb bey Im gesessenn 
Sy harffte sang vnd sprang wylde 
Darvmme wart der konuig mylde 
Vorhyesch ir allir bete vnuorsagt 
Herodiaden yr muttir sy befragt 
Johannes howbt in eyner schusscl sy bat 

Ifigura 
Gar halt wart gewbet dy thaet 
Im gefengnisz verlor sanl Johan seyn leben tewre 
Das langest bey den wylden thyrn vngehewre 
Sycher vnnd lebendig behilt vnuorlorn 
Benympt nach sundiger weyber has vnd zcorn 
Nymandes leyder nyinpt zcue synne 
Wie yrbermlich der gerechte kompt von hynne 
Johannes Jungern ane vorzcage 
Brengen Iren meyster erlich zcue grabe 
Die lynwefer 
Die erweckunge laszari vsz dem grabe ihesus mit ii 
vlgerackten fingern lasarus im grabe mit gcfalten henden 



lligura 
rgk er 
Vom tode lasarum Irwecket haet 



Grosse wunderwergk er thaet 



* der Ankiihn, grofse vorstadt der Stadt Zerbsl , oder vielnu-ltr 
eine eigene utadt {wie die nsustadt Mai^dchurg), unter Jiirstlii-hcr Ju- 
risdiction. 



286 ZERBSTER PROCESSION. 

Als sich irvolgete die zceyt 
Dor an vnnsir heil gantz leyt 
Die boddeker 
Jhesus vf eynem Eszel mit vfgerichten fingern 
xii apostel ii junge Juden vorn die tüchere werfen 
ii junge Juden die palmen werfen vnd singen hie est pp. 
ffigura 
Am palmtage alszo schyr 
Satzt er sich auff eyn thyr 
Vnnd reyt zcue Jherusalem in dy stat 
Das volgk ym grosse ehre that 
Nach dem heyligen abintessenn 
Die kannengisser 
Jhesus vnd Judas Jhesus eynen rym quid facere de cre- 
visti celeriter perfice Judas eynen Rym egone sum Domine 

ffigura 
Hat Judas ehre vnnd trewe vorgessenn 
Des Abinies in dy nacht spaet 
Er den herrn vorrathenn haet 
Die ackerlewte 
Den ölberch mit ihesu vnd iii apostellen als er ange- 
richlt is 

ffigura 
Der herre In eynen garten gyngk 
• ' Dor Inne vnszir irlosung anphingk 

V or drey seyner Junger zcyttern wart 
■> Zcum oelberge karte er seyn vart 
Seyn augenn slug er aulF zcue got 
welche angest vnd noet 
Er gelydenn in liebes brunst szo heys 
Vergoes auff dy erden blut vnnd sweys 
Mit willen sich vor vns begab 
Der verreter lies nicht ab 
Er viel zcue ym swynde 
Mit der pryster vnnd ander gesynde 
Judas drang sich zcue ym Eyn 
Der herre sprach frunt meyn 
Die Gerwer vnd Schuster 
Jhesus mit Juda der yn kusszen sali hie suilen die vo- 



ZERBSTER PROCESSION. 287 

rigen xii apostell von ankun zu disser figuren konien vnd 
szo lange vor dem Sacrauient stehen bisz das Jhesus gefan- 
gen wirt die apostellen sollen wegk. louffen Judas sal haben 
in seiner hant eynen groszen Rym Aue rabi in dem sollen 
sie ihesum angreifen Jhesus mit iiii gewapente Juden ange- 
griffen gebunden vnd getrecket 

Annas cum ihesu hir sal ihesus gebunden gehen vnd 
Annas als eyn biscop vf der eynen seite vf der andern seite 
Eyn Jude der die hant zum slan vf hebet vnd eynen Rym in 
seyner hant Sic tradilur pontifici vff dem markt im rym sal 
ihesus nidderfallen 

Higura 
Mit dem kues mensch vnd got 
ßrengestu bysz in den svveren tot 
Jhesus ist gesucht mit fachelen wapen holtzern vnd 

luchten 
Gefangen gebunden vnd gefurt mit vnzcuchfen*. 

ffigura 
Do lyeffen dy Junger wegk in gemeyne 
Vnd Hessen iesum yren hern alleyne 

IFigura 
Vor Annas der herre irstlich stundt 
Hertlich geslagenn an seyne wangen vnd munl 
Die bruvverknechte 
S. petrus mit eynenn langen niantel eyn diadem In ev- 
iicr hant eynen rym Nescio quid dicis In der lincken hant 
eynen rym Non noui hominem 

Zu ichlicher seiten Eyne maget mit rymen die eyne 
Et tu cum Jliesu naszareno eras Die andere: Et hie erat 
cum ihesu nazareno » ^ 

fligura 
Petrus ist von fragenn Eyner niayt 
Wurden vorschrockenn vnnd vorzcazt 
Das er mit tewren swerenn 
Vorloychent iesum vunszren lieben heru 



* andere lesart dieser beiden zeilen ; 

Irbermlich wirdt Jesus gefaoge 
Gefurt mit ernstlichem zwange 



288 ZERBSTER PROCESSIO^. 

Ehr der hane drey gekregt 
Grosz weynen er dor vmme pfleget 
Eyu Erbar Rath 
Cayfas cum ihesu gebunden gefurt 
ffigura 
Cayphas der ander richter was 
Vor dem aus neyt vnd has 
Falsche zceugen seyn gebracht 
Die hau vil logene vbir iesum yrdacht 
Seyn har geraufFt am harte 
Auch am howbte gezcogen mit der swarte 
Vor zcorn Cayphas seyn kleit zcueryssen hat 
Vnschulde den hern besagt mit honsprecher tat 
Frytags frühe mit dem tage* 
Must der herre eyn ketten am halsse trage 
Schuster 
Jhesus mit iiii Juden Eyne ketten am halsze pilatus vf 
der rechten seiten Eyn weisz holtz in seiner haut vnd ii 
banner vor om 

tfigura 
Vor pylatus gefurt zcue vorrichlenn 
Dy Juden tatenn vil klegede yrtichten 
Eyn Erbar Rath 
Herodes schon gekleydet Eyn krön vnd czepter vor im 
Jhesus vor om mit eynem weiszen kleyde vnd klatzere daran 
iiii Juden die ihesu gebunden leyten 

ffigura 
Herodes der vierde richter was 
Von dem zcue pylatus gefurt furbas 
Vor eynen thoren gewogen dy Ewige woyszheit 
Bespottet mit eynen langen wyszen kleit 
wolch Eyn Jammer vor allen 
Irbermlich vbir dy blocke gefallen 
Dy vudeu am kleyde gemacht 
Szo slym ist marienn kint voracht ' 

De Schuster vnd Gerwer 
Jhesus an der sewlen czvvey die in howen mit rulen 

* diese beiden Zeilen, die im originale an dieser stelle stehn, g-e- 
liViren zu der folgenden ßgur. 



ZERBSTER PROCESSION. 289 

ffigura 
Ahne sache lies pylatus iesum an eyn sewlo bynden 
Irbermlich gegeiselt vorn vnnd hyndenn 
Dor an liessenn sich dy Juden nicht genugenn 
Sy Ihaten furbas befugenn 
Die Schuster 
Jhesus vf eynetn stule ii die im die kröne mit stehen 
vfdrucken Eyn Jude mit eynem Rore Eyn rym Aue rex Ju- 
deorum 

ffigura 
Eyn dornenn kröne mit smertzc 
Honlich gehalten geehret yn scherlze 
Noch rieffenn dy vntrewe lewte 
Krewczyge ohn balde hüte 
Die Schepfen 
Pilatus schon gekleydt Jhesus ym leibkleyde mit eynem 
roten mantel Eyn dornenkron vfF seinen houbte 

ii knechte Eyner binden eyner für mit eynem hecken 
Pilatus eynen rym Ecce homo 

ffigura 
Pylatus nam den herrn leyte -' ' 

Ahn Ein fenster hoch vnnd breite 
Ach sehet Jammer an den menschen vud armen 
Lasset euch seiner Irbarmen 
Fn grosser liebe vnnd gedult 
Die Snyder 
Jhesus mit eynem crucz vf dem rücken Eyn altraan die 
im helft tragen ii Schecher mit crucen iiii Juden die in fuh- 
ren ii Juden die die Schecher füren ii kleine Juden die in 
werfen Wur die Strassen weit sein sollen die Schecher ne- 
ben in gehen wur enge binden 

ffigura 
Ist iesus gcfurt ane seyne schult 
Zcum todc seyn kleit in dy wunden gebacken 
Eyn swer krewcze aufl' seyn nackenn 
Als thaten sy Jagenn 
Eynenn altenn der musl helH'en tragenn 
Z. F. D. A. II. ly 



290 ZERBSTER l»R()CESvSION. 

Ifigura 
Mit zcwen buefenn in rechter vnsclmlt 
Lest sich iesus furenn mit j^edull 
Die Craraer 
Eyii wolgescliigkle frowe die dy feronica trcgel demn 
liy gekleydet Eyii criice vfgerichtt 
Tenebre 
Maria demüttigliken geschigktt 

Johannes bey marien in einem weiszen manlel Kyn 
blosz Swerl zu marien gekert 

Darnach maria magdalena mit eyner buxszen 
Maria kleopfas swartz gekleydct yre namen in yre hende 
Cenlnrio rillichen zu pferde geschigkt vf ichlicher sei- 
len ein knecht In seiner hant eynen rym vere lilius dei erat 
isle Longinus mit eynem vfgerichtem spere wol gekleidet 
Eynen jungen der in leydet 

ffigura 
Veronica das edel weib vnd milt 
Erwarb des herren angesichl vnd bilt 
Tenebre fade sunt et hie pausatur fiat Brevis pnisns 
in turri 

ffigura 
Das krewcze ist aufgerichl 
Wer das liewle ansieht 
Der gedencke an dy martir groes ' ' '.^ ' 
Vnnd seyn heiliges bluet das do floes 
-^li.. f. Das tregt der prister in seyne hant 
-(■:,( Dancken wir iesu dem rechten heylant t ;', 

' '^ ; ~ ffigura 

.■<• ! ' Dem volgele maria mit trawre 
Dy vorgoesz yre trene tawre 
Dor zeue Johannes bey der muttir gehet 
Maria Cleophas auch do bey stehet 

ffigura 
Magdalena steyt auch in rawenn ' ' ' 
Mit Irenen vnd ganizenn trawen 
Dy cristlich kirche was do nicht 
Dan in marien das heylige licht '» •' H • 



ZERBSTER PROCESSION. 291 

Centurio der ryü" vor aller schar 

Dis ist gotis son vorwar 

Dem hernn langet meii Etzigk her 

Jfigura 
Longinus reichte das scharfl'e sper 

Vrbanus richard* 
Die begrebnisz vnnszers lieben liernu 

ffigura 
Der herre nach seyuem lode herbe 
Als er vor vns wolde sterbe 
Lies er sich legenn Im steynen grabe 
Dy drey marien wolden nicht gehn darabe 
Warer got vnd Mensch Im grabe gelygenn 
Dy gotllche sele zcuer hellen gestygenn 
Mit selbest mechtiger thaet 
Die altvetere yrloszet haet 
Die Smede 
Die vferstentnisz Jhesu mit eyner fahnen eyn liebkleydt 
mit V wunden Desz sal bey dem grabe sein ii wolgeruste 
wepener vnd ii engelle mit weiszen tuchern 

Item ii greber darinne ii personen mit weiszen mutzen 
vnd mit gefalden henden 

ffigurä 
Am drytlen tage irstandcnn ist 
Vnnszir lieber herre ihesu crisl 

ttigura 
Andere mit cristo irstandin seynn 
Dy geben dem glowbenn scheynn 
Die ackerlevvte 
S. SteHan als eyn Ewangelier ii Juden die SfefTanum 
werffen Steffanus sal ein ror in der liant habrii 

Higura ' " 

Stephanus der mertcler mildt 
Ist der Irst der des leydens bildt 
An sich volbracht haet ' '■' '" 

Die boddeker 
xii aposleli ichlicher sein marter czeichen in alben an- 
" ein Zerhster bürger. 

19' 



292 ZERBSTER PROCESSION. 

i^eczogen Dyademata vf yren haubten Die nhamen dar inn 
geschreiben vnd ichlicher eyn rym des geloiibens eynen ar- 
tikel vor siner brüst 

ffigura 

Hyr volget der heylige rael 

Der zcwelff golliche böte 

Petrus andreas irwelt von gote 

Johan Jacobiis der grosse 

Symon Judas seyn genösse 

Bartholomeus vnnd matlhias 

3Iattheus dorzcue thouias 

Philippus Jacobus der kleyne 

Das seyn sy in gemeyne 

Dy ganze werlt han sy bekart 

Vnd den cristen gelowbenn gelarl 

Ir bluet han sie alle vergossenn 

Eyne grosze schar der mertelere 
Die Schiitmeyster 
S. Sebastian an eynersewlen im libkleydemit pfeilen durch- 
macht Eyner mit eynem bogen eyner mit eyner armbursle ne- 
ben ym ' 

ffigura 

Sant Sebastian der heyliche herre 

Mit pfeilenn ist er durchschossenn 

Sein bluet miltlich geflossenn 

Vorstender S. Valentini 
S. Jürgen vf eynem pferde ritlich im harnnisch 
Eyn juncfrow mit eyner krönen kostlich geczirt die sal 
den trachen leiten 

ITigura 
Sant Jörg in gotts dynst hat thuen wachen 
Vnd irstochenn den gresenlichenn trachen 
Vorstender S. ßartholoniei 
St Laurentz als eyn leulte eyn diadem vnd eyn rost 
in der hant vnd eyn ror 

S. Ciriacus mit eynem diaken rocke Eyn diadem 
Eyn tewfelsbilde bey im 



ZERBSTER PROCESSION. 293 

Ifigura 
Sant lorentz vnd Ciliax zcwene leuitenii 
Hau mit yrem tode thun streitenii 
Vorstendcr S. Nicolai 
S. lefin eyn biscop liutli vnd korkappe Eyii slapp Eyii 
czange mil einer czungen 

S. uicolaus als eyn bisscofl" mit eyner körkappen vnd 
hüte Eyu stab vnd iii klosz gold in den fienden die hant 
zur benedictio vfgerichtt 

ffigura 
Sani liuinus hat ane zcunge gesprochen 
Sant Nicolav^^es hat vil vnrecht gerochen 
Die korszner 
S. Gregorius gefurt als eyn babist mit eynem hüte vnd 
eynem crutze 

S. jeronimus als eyn cardinal mit eynem hüte vnd crutze 
S. ambrosius als eyn biscoff 

S. augustinus als eyn biscoff Eyn crutze mit iii stralen 
Sollen alle jre nhamen an yren hüten haben 
ffigura 
Vier lerer sollen wir merckenn i ,. i. 

Die han dy kirchen thun sterckenn ..,i 

Gregorius Jherouimus dorbey ' 

Ambrosius Augustinus von sunden frey ■ .-,,> 

Die Slechterkoche 
S. Michell als eyn engel czirlich geschigkt Eyn crutze 
vor seinem houbte- Eyn stola am halsze crutzweisz vnd sal 
füren eyuen tewfel an der kethen 

Higura 
Sant michael den tewifel verwann -< 

Szo schriebet in geheym sant Johan , ,. , 

Die Szeler 
S. Cristoff barfusz Eyn kindt vf seinem nacken Er vnd 
das kindt Diadema crutze vf dem houbte das kinl sal ii fiu- 
ger vfrichten vnd eyn alt mennichen eyne laterne vor sich 
tragen 

ffigura 
Cristoffcrus am lybe groes 
Seyn bluet vor chrislo vorgoes 



294 ZERBSTER PROCESSION. 

Vorstender S. Gerlrudt * 
Anna demutlich gekleydt bey annen eyne junckfrow in 
marien weysze Eyn kindichen in ihesus weysze angetzogeu 
mit eyneui diademate 

Elizabet in hoffliclier demut mit eynem minister in irer 
haut Die nhamen alle in ire hende 

ffigura 
Anna Elizabet dy heyligen frawen 
Thun ir hy mit scbawen 
Die 31üller 
S. Mauritz selb sybende Swartz beramit vnd in har- 
nissche mit einer syden fanen Mauritius ein rot schilt mit 
eynem gelen crutze gutten harnissche alle crutze vor den 
houbten vnd schortze vber die lenden 

fiigura 
Sant moritz mit seyner heyligenn legion 
Hau auch der merteler krön 
" '';t '" Sechstausent sechshundert sechs vnd sechzcigk man 
^ Sollenn wir In Ehrenn bann 

Vorsteher der elenden" 
xiiii nothulfer mit diademata vnd crutze vf ore houbte 
Jhesus kindes weysze im mittel 

S. wendelinus ein hirte mit eynem hörn Sacke vnd 
tassche 

fBgura 
'\r Vierzcehn nothelffer seyn gezcelt f^ 

" •' " ' Von gote sunderlichenn auszirwelt 
Vorstender corporis cristi** 
S. katherina schön eyne krön vnd marlir czeichen 
S. margareta eyne krön vffs schönste geczirt eynen tra- 
chen vff yrem arm 

S. Barbara mit eynem tonn kelche vnd hostia 
S. dorothea eyn knebichen bey der hant mit eynem 
roszenkorbe 

Darnach folgen junckfrawen szo viel der sein kan yre 
martirczeichen vnd nhamen in ore hende n3;^*»ji 

kapeile zu Zerbsi. 
" geistliche brüderschaftcn zu Zcrbsf. ' '''"'■ " f'*^' 



ZERBSTEU I'KOCESSION. 295 

lliyura 
Saut kalherinu uiargarel reyiiii 

Ifigiira 
Barbara dorolliea nicht allein 

ffigura 
Sundere Andere Juncfraweiin aue zcall 
Dy lian gelydcn grosze luartir vnd (|uall 
Dy nhameu tragen sey in vre hcnl 
Zouni rechten vbir sey iian gelenl 
Die lakenscherer 
S. Ursula konnigiichen geczirt iii slrale in ore haut vor 
ir ein kiiabe mit eyncm czepler Eyner der ir die kleider 
nachtrege L 

üarnacii sollen ir folgen szo vil junckl'rawen als man 
vuimer darzu vororden kan in weyszen kleyderu crulze vor 
ire houbte pfeile strale vnd andere wapen in irc heudt iiii 
vnd iiii bey eynander 

Higura 
Sant vrsula mit yrer schar 
Han vorloren ir leben gantz vnnd gar 
Vor cristus dem herrn gute 
Dy alle mit yrem bluete 
Han gebawet dy cristenheit 
mensch zcue andacht dich bereyt 
Dan kurtz ist deyn leben 
Got wirt nach den wcrcken das loiin geben 
Tisscher vnd maier 
Der todt im liblarwcn kleide mit eyner wolgeschicktcn 
lodenkappe 8al langszam sleichen Eyne scnszen zum liawe 
in seiner hanl tragen geleich vf der straszen bleiben 

ffigura 
Gedencke der todt kompt gewyslich 
Abir dy stunde ist ganlz myslich 
Die knocheuhawer 
Das hymmelriche Jhesus forne daran mit cynem regen- 
bogen szo geschigktl das mau inn funlT wunden gesehn kan 
vf der eynen selten maria eyne junckfraw demuttich gekley- 
det vnd mit gefaldcn henden 

vf der andern seilen S. Johannes mit eyueni diadema 



296 ZERBSTER PROCESSION. 

ouch mit eynem libkleyde vnd mit gefalden heuden in dem 
hymmelhausze Iwten pffiffen trummel vnd allerley seitenspill 
szo vil man das habe 

vor dem hymmel sollen sein kinder weisz gekleydt von 
allerley stenden Babist Bisschoff Cardinal vnd pfaffen Die 
helfFle sal iiaben einen engell im stricke gehen zu der rech- 
ten hant mit frolichem gemute 

Die andere helfte der kinder von allen stenden obin be- 
rurt Sal eynen teufell füren in eyner kethen Die kinder vf- 
recken ire hende wenen vnd heulen als vorthumet 

Item am regenbogen zur rechten seitten eyne lylige 
Eyn rym venite benedicti patris mei 
Zur linckeu seiten Eyn Swert Eyn rym Ite maiedicti 
in ignem eternum 

Eyn engel sal bey dem gerichle tragen ein crutze mit 
allen wapen vnszers hernn 

ffigura 
Schaw den richter sytze 
Dy büszen zcuer hellen in dy ewige hytze 
welch vnlust vnnd swerir hon 
Dy guten weysl er zcue hymmelstron 
Vorstender des hospitals 
X wolgesmuckte juncfraweu v mit bernenden lampen Iro- 
lich vnd v mit geneyten lampen trurich vnd weynende 

ffigura 
Bedewtenn dy zcehn Juncfrawenn 
Dy ir thuet schawenn 
• . Funff tragen bernende lampen vnuordrossen 
' FunfF han das oel vorgossenn 

Eya wy ferlich ist vnnszir weszenn 
Wollen wir hyr geneszenn 
Ist vns noet vnd behufF 
Das wir geyssen vnnszir gebet vnd ruIT 
Zcue Jennigem am ent 
Wirt getragenn in des pristers hent 
Der vnszir trost vnnd heil 
Seyne gnade ist das seyl 
Do mit wir gezcogenn werdenn ' ' ' ' ' • 
' " '' Sich got ist bey vns auff erdenn 



ZERBSTER PROCESSION. 297 

Des alleyne liir iujjedenckenu 
Dorzcue deyiie andacht sol lencken 
Dysze figuren thun iesum bewyszenn 
Er wil vns mit seynem leichnam speysen 
Gyb lob vnd dang o cristenheit 
Ane spot habe Innigkeit 
Eytelcheyt saltu hewte meydenn 
Gedenck seyn heyliges leyden 
Darzcue wil man hyr in eyne saclie* 
Billich gebort vns Inen zcue lobenn 
Synget mit andechtiger slymme zcue gole Irhobeu 
Incipiatis Crist du bist mild vnd guth 
Die schoknechte 
Die helle 



ZUR LEX SALICA. 

Über die ausdrücke die in den stellen der lex salica, 
welche von gräbern und deren Verletzungen handeln, vor- 
kommen und nicht aus älterem Latein sich erläutern. 

Wir begreifen unter den in der Überschrift bezeichneten stellen 
diejenigen welche in der von hn Laspeyres besorgten nicht ge- 
nug zu rühmenden synoptischen ausgäbe der lex salica, die uns 
überhaupt bei unsern Studien die trefflichsten dienste geleistet 
hat, s. 46 — 51 unter den Überschriften De corporibus cxpo- 
liatis oder De eo qiii vioHiiiim hommem eaypoliarerit zusam- 
mengestellt sind, und bringen die erörterung der einzelnen 
ausdrücke, wie sie in den handschriflen und paragraphen auf- 
einanderfolgen, in regislerarliger weise zum vortrage. 

1. Si quis honünem mortumn (al. corpus occisi homi- 
nis) antequam in terram mittatur, expolinverit (ma/b. chreo 
' in einer andern handschrift stehen hier Johlende teilen 

Er gebe vns seyncn sege 

Hir bleibt in der nege 

Es wirt hir Jhesus vor vbbirzyhc 

Fallet alle auf Ewer knye 

Betet an seyn fleis vnd blut ' 

Danckende vmb seyn bewisenes gul 



298 ZUR LEX SALiCA. 

mosdo, ?A. cheo mosido, d\. ckreomardo, al. mulher) u.s.w. 
der erste llieil dieser malbergischen glosse welcher chi'eo 
lautet (cheo ist Schreibfehler) ist genau das gälische creadli 
d. i. der nieuschliche leib, leichuam ; mosedo, musido, mu- 
sedo, vmrdo sind offenbar das gälische mortadh, mui'tadJi 
(spr. murto), welches jetzt mord bedeutet; aber in älteren 
Zeiten mag das wort wie das entsprechende deutsche eine 
allgemeinere bedeutung gehabt und nicht sowohl homicidium 
als facimis clandestinum bedeutet haben, der Wolfenbütt- 
ler codex hat in einem entsprechenden paragraphen noch die 
glosse norebero; das wort ist gälisch, nämlich nar schmach- 
voll, und ein verbalsubslantivum von beir nehmen, weg- 
bringen, welches jetzt irregulär breith lautet, aber regulär 
beirendh lauten müsle. norebero bedeutet Schmachvolle weg- 
nähme, schmachvoller raub. 

2. Si quis haminevi moriuum (al. corpus iam sepultimi) 
exfodierit et expoliaverit {malb. thurnichalt, al. iurni cale, 
al. turnecale, al. tbt/rn?'cha/e), war^gus (al. virgo) sit i. c. 
expellisset (al. expulsus de eodem pago) usque in dient il- 
hnn quam ipsa causa parentibus defuncti faciant emendare, 
et ipsi parentes rogare ad iudiceni debea?it, ut ei liceat 
inter homincs habitare u. s. w. das wort tu7'nicha/t (so 
scheint die richtige Schreibung) kommt überein mit gälischem 
torraii das grab, und cailte oder caillte verdorben, zieht 
man die Schreibung cale vor, so ist es cailleadh das zu- 
grundericiiten, verderben ; turnichalt zerstörtes grab, tnrni 
cale Zerstörung des grabes. dal's das wort ivargus oder 
virgo keltisch und von den Kelten erst an die deutschen 
Stämme gekommen sieht man einmal daraus dal's angelsäch- 
sisch i^earg oder allnordisch vargr ohne wurzel, vielmehr 
selbst erst ausgangspunkt für einige ableituugen ist, sodann 
daraus dafs vargus bestimmt als keltisches wort bezeichnet 
wird: Sid. Apoll, ep. 4, 6 iHirgorum nomine indigenae lu- 
trunculos nuncupanl. oflcnbar ist hier die bedeutung la- 
h'unculus nur die speciellcre, gewissermafsen convcnlionelle ; 
die allgemeine bedeutung ist AiisgestoFsener, verfolgter, cxul, 
die eigentliche grundbcdcutung aber ist Elender, denn es ist 
die aspirierte form des gälischen mairg, also mhairg (spr. 



ZUK LKX SAUCA. 299 

iiuirg oder ivarif)' (1. i. janimervoU, unglücklich. — die län- 
gere falsung des paragraplieu im VVollenbüUeler codex hat 
noch et qiii ei, antequam componat ciun parentihus, ante 
penc (litt tor, qui tale dcderit (oder nach anderer falsung 
el quicunqm nntea ei aut yanem mit hospilale dce uxor 
sua sive yroxima ei dedent, und anderwärts mit noch eini- 
gen Varianten), ich halte die worle yene auttor für uialber- 
gisch, entsprechend dem gälischen benn. umgehen mil jemand, 
behandeln jemand in einer weise, ead"\ negatives prätix, und 
deöra der ausgeslorscne, verbannte, ein Verbalsubstantiv 
von bean würde beanadh lauten und bebandlung, Umgang 
bedeuten: ead-deüra {ea-deöra) der nicht verbannte, pene 
auttor bedeutet Behandlung als nichtverbannten, und so über- 
setzen es auch der Pariser codex und die emendata, qui ei 
hospitium dederit ^ das wort panem scheint aus misverstand 
des malbergischen pene erst hereingekommen. 

3. Si qiiis hominem morluum super alterum in naufum 
(al. in qffb, al. in aufa, al. in nachao, al. in naufo, al. 
in nofo) aut in petra, quae vasa ex nsu sarcophagi di- 
cuntur, iniserit {rnalb. idulgus, al. hidulgus) u. s. w. die 
Verlegenheit des Schreibers ob er jf oder ch schreiben solle 
ist erklärlich, da es sich hier um einen laut handelt der 
zwischen / und ch in der mitte liegt, wie zuweilen das aus- 
lautende englische gh. dieser laut, der im auslaut einsilbig 
ger Stämme ganz jenem englischen gh ähnlich, nur mit stär- 
kerem hauche gesprochen wird, wird gälisch gh geschrie- 
ben, und ofjo, aufo, achao ist gälisches uagh das grab, das 
todtenlager. das n, das in der malb. glosse bald davor steht 
bald nicht, gehört ebenfalls dem keltischen lautsystem an, 
wo in gewissen lautverbindungen bei vocalisch anlautenden 
Substantiven ein n vor den stamm gesetzt werden mufs. 

' einzelne dialeele inoelihMi auch das / stärker und aussehlielsen- 
dei- hervorheben, und so die form viri;o entstellen, im jetzigen Irlän- 
dischen vcrtheileti sich diese dreierlei aussprachen des ai (als a, ä, i) 
an verschiedene worte, z. b. tain (spr. takn) ruinour , aingeal (spr. 
iiigel) angel, air (spr. ürr) law/u/. , i,,,, ; 

" dem malbergischen (ui entspricht mit seltenen ausnahmen ca, 
und das aiil der malbergischen glossen ist fast stets ead, z. b. pedero 
aut freodu, verschrieben für prdcro aut treodo, ein kalb was nicht 
zur herdc gehör» {eud- treudaeh), was noch mit der matter läuft. 



300 ZUR LEX SALICA. 

idulgus (mit dem h verhalt es sich ganz gleich wie eben 
hinsichtlich des 71 erwähnt ward) ist gälisch eiti furchtbar 
(das wort wird besonders zu bezeichnung des gespensterhaft 
furchtbaren gebraucht) und olcus frevel, idulgus =z grau- 
senbringender frevel. 

4. Si quis aristatoiiem (al. cheinstadima, al. arestatio- 
nem) super hominem mortuum capulaverit {inalb. viandoado) 
aut silave (al. selave), quod est pontictilus, super hominem 
mortuum deiecerit^ de unaquaque {malb. chreohurgio) u.s.w. 
das wort aristaton wird in der emendala durch staplum er- 
klärt, die gloss. Est. fügen das wort banculas hinzu; der 
codex Estensis hat sonst scaplum, was für staplum offenbar 
verschrieben ist. das wort staplum ist offenbar deutsch, 
Stapel, der höhebau zu welchem stufen führen, auch der 
thurm. aristaton ist gälisch a riastadh (spr. a risto) die 
einfafsung und tiiam das grab, — aristaton die grabeinfafsung. 
hanculas halte ich für verlesen oder für verschrieben für 
banculac i das wäre synonym, banc querstrich, furche, ein- 
fafsung, grenze, und ndhlac das begräbnis: es hiefse auch 
grabeinfafsung, — die raalbergische glosse mandoado erscheint 
in der emendata latinisiert als mandualis mit dem beisatze 
quod est stn/ctura ; es scheint aus den gälischen Worten 
mam der hügel und dual die einfafsung, der rahmen, zusam- 
mengesetzt, = die grabhügeleinfafsung ; mandoado wäre 
dann für mandoalo verschrieben, silave oder selave (Wol- 
fenbüttler Codices haben auch salive, sillabc) wird durch 
ponticulus (porticulus bei Herold scheint ein Schreibfehler) 
erklärt, die Verschiedenheit der Schreibung erklärt sich aus 
den gälischen Worten die zu gründe liegen, sail die bewah- 
rung und uaimh der grabraum, das grab, wenn mau schriebe 
seluaiw, so wäre die ausspräche genauer ausgedrückt, aber 
doch nicht lautlich genau, was überhaupt mit unserni aipha- 
bet nicht möglich ist. offenbar war es der überbau, die 
brücke über dem grabesraum, über dem lodlenlager (off oder 
auf ■=: uagh; ave oder abe z=:tfaimh), welche das einstür- 
zen des darüber errichteten aristaton verhinderte und die 
leiche vor diesem bedrücktwerden behütete, an dieses be- 
drücklwerden der leiche scheint sich gespensterhaftes ange- 
knüpft zu haben, wie man aus dem oben erwähnten verböte, 



ZUR LEX SALICA. 301 

eine leiche auf die andere zu legen, schliefsen darf. — zu 
bezeiclmung aller dieser unter 4 erwähnten grabfrevel zu- 
sammen hat nun die heroldische glosse noch das wort chreo- 
bnrgio, wozu als anders und zugleich üdsch geschriebenes, 
übrigens sonst gleiches wort chlebarbio des Pariser codex ge- 
hören mag*, auf jeden fall ist letzteres in chvebarbio zu 
ändern, die richtige lesung scheint chreoburdio oder chreo- 
bardio, von creadh der leichnam und buaireadh die Störung. 

5. Si quis tornbam (al. tunibam) super mortiium homi- 
ncm expoliaverit {inalb. turnichalis u. s. w. das wort tur- 
yiichalis ist schon oben erläutert; tumba oder tomba ist gä- 
lisches iuam das grab. 

6. Si quis basilicam super hominem mortuum expolia- 
verit (inalb. ehre ottar sino) u. s. w. die glosse ist offen- 
bar abzutheilen ck7\'o ttarsino d. i. gälisch creadh der leich- 
nam und darsa das haus, die wohnung, das gebäude. 

Von diesen freveln ward, wenn wir die bufsen über- 
blicken, am härtesten gebüfst das legen einer leiche auf die 
andere, über noch einmal so hoch als der raub in einer 
über dem grabe errichteten kapelle, über viermal so hoch 
als die meisten anderen grabstörungen, und nur das ausgra- 
ben eines schon bestatteten leichnams und die beraubung 
desselben hatte noch höhere bufse. offenbar aber hat das 
gesetz verschiedenartige grabeinriclitungen vor äugen, gräber 
mit einer kapelle (basilica) darüber, gräber mit einem ein- 
fafscndcn und deckenden aufbau (aristato?i), gräber mit einem 
durch einen vorbau umfafsten erdhügel (rnandualis). 

H. LEO. 

iler lieroldischo codex hat auch zu clireoburgio am rande bardio. 



302 



MITTELNIEDERLANDISCHES OSTERSPIEL. 

Vor eitiigor zeit erlaubte 7nir herr bibliothekar Holtrop 
hieselbst mit gewohnter freundlichkeit die durchsieht der im 
verflofsnen sommer aus dem ehemaligen Slaivantenkloster bei 
Mastricht an die hiesige kömgliche bibliothek gekommenen 
handschriften . ich fand darunter nur eine vo7i Wichtigkeit 
ßlr die altfiiederländische literatur, und aus ihr sind die 
nachstehenden mittheilungen entnommen, sie ist gegefiwär- 
tig bezeichnet n° 377 und enthält 247 pergamentblätter in 
folio. nach einem zwei hliitter einnehmenden inhaltsver- 
zeichnisse folgen von hl. 3 v. bis 232 i\ 47 predigten, von 
welchen ich wegen der Seltenheit altniederländischer prosa 
zwei kürzere aufs gerathewohl herausgegivffe?i habe, bis 
dahin geht eine und dieselbe deutliche, feste, 7vahrschein- 
lich dem ende des \An j'ahrh. ajigehöinge hand. mit bl. 232*^, 
dem ende der 20w läge, bricht die letzte predigt plötzlich 
in der mitte eines wertes ab, und es folgt von bl. 233/'. 
bis 1kl V. das leider sehr verstümmelte osterspiel, welches 
ich ah ältesten Überrest niederländischer dramatischer poe- 
sie vollständig wiedergebe, die hand ist mit der vorherge- 
henden ziemlich gleichzeitig, ich glaube aber nicht sehr 
zu irren, tvenn ich die predigten sowohl als das osterspiel 
mindestens ein halbes Jahrhundert älter achte als die hand- 
schrift. — die Orthographie habe ich unverändert gelafsen, 
trotz ihrer grofsen mn^egelmäfsigkeit, leeil das osterspiel, 
wahrscheinlich auf der grenze entstanden, im texte wie in 
den reimen deutsche und niederländische formen und Wör- 
ter mischt, ich begnügte mich deshalb aufser der inter- 
punction einzelne kurze anmerkungen und verbefsei^utige?i 
am rande beizufügen, einige j)arallelstellen welche herr 
dr Jonckbloet hieselbst mir gefälligst mittheilte sind mit J 
bezeichnet. 

Derselbe machte mich aufmerksam dafs das von herrn 
von Karajan in dieser zeitschr. 1, 97 ff. mitgetkeilte brach- 



MNL. OSTERSPIEL. 303 

stück einer nieder Uindischen bcarheitnng der Karlssage zu 
den brabantischen yeeslen des Jan de Kleine gehört, in der 
ausgäbe von Willems {BrüsseJ 1839. 4.) hoek 2 v. 2180 
— 2475 s; 146—156. 

HAAG 5 aprll 1842. JULIUS ZACHER. 

hl. 233'' Dit is begi7i, loie vnse here die werelt zen irsten 
hegonde ze machcne ende allet des he begerde, ende 
sprag das Ego siim alfa et o. 
f^nse here zu sich seluer 

Ich ben ende efi aneginne. 

gew or gol gerechte minne ! . 
Hie macht vnse here dat irstc, dat loas himel ende erde. 

Nu wil ich dat gewerde 

hlmel ende erde, 

inde wille hanen schone 5 

engele in niinen trone, 

die minen lof sengen 

inde immer in vrouden rengen. 
Hie sengen t die engele gloria in excelsis deo. dar na 
besach sich Lucifer in die driueldicheit inde spi^ach das 

Ich sien in minen claren schin 

dat is mich diinke werdich sin 10 

dat ich minen stnl in eisten 

sezze ende gelich dem hoisten. '■ 

\\\i prüuel gesellen alle 

wie lieh dit beualle. 
Ein enget Satan ror si alle spricht ' 

233'' Vns dunckil gut de seine wain, , 15 

dar umbe wir dich gestain. 
Hie wirt Lucifej' virstosen, ende spricht rtise here 

Lncifor, din ouermiiet .w \ 

hait dir benomen al dat guet, 

inde dal der himel beneit, 

8. rengeii. vcv^l. Minnen loep, lis. der /iön/i'L bibl. im Haag, 
hl. ;U)'' \N ye in den eorsten (giael van minne) ringlict v(ieM, Dacr meest 
onsediclieit in valt. Die .sai hehberi in syn hehall Mate, waer lii hene 
gael. ./. 



304 MNL. OSTERSPIEL. 

dat der zu vrouden was gereit 20 

ende alle dineii gesellen. 
nii vart zu der hellen 
da ir quellt inne 
van disen aneginne 

immer sunder ende 25 

in iemerlich meswende. 
Hie werden die e?igele duvele ende spricht Beizebub 
Owe leider ende owach ! 
dat uns die doirheit ie geschach 
die uns dus hait mishandelt ; 
want uns schonet is vorwandelt 30 

in eine arge vorme. 
na eime leitlichen worme 
sin wir nu alle geschaffen, 
wir daden als arme äffen 

dat wir uns des ane noraen 35 

des wir inmochten voUekumen. 
Hie machet vnse here die iverelt. 
Nu so wil ich machen 
wale duen gerachen 
alle creaturen 
{hier fehlt ein blatt.) 
234" Vnse here quam in paradis ende spach zu Adame 
Sage Adam wo bes du? 40 

wat hais du begangen nu? 
Adam sprach zu imsen here 

Here, ig han dine stimme gehört. 
van uorten so ben ig zestort, 
went ig nacht ben ende blois, 
des is mine schemede grois. 45 

Vuse here zu Adame 

Adam wijs dir geschyt 

dat du in hais behauden nyt 

dat ig dir hadde geboden? 

went van miner gcnaden 

so must du hauen w^nne 50 

euer al ersehe kunne. 



MNL. OSTERSPIEL. :«)5 

Adam zu i/nscft hero 

Dal wyf, dal du mir geues, here, 

die dede ic, ende hör lere, 

dal ich mig' hau uirgessen 

inde van dem appel gessen. 55 

l'nse here zu vorn Yven 

Eua, war umbe hais du brail 

minen man zu der gedait, 

dat he sig dus hait vergessen 

ende van der vruchte gessen? 
f^or lue SU unsen hären 

Here in' dail is selue niet ! 60 

dis slange hi steil mir dal riel. 
Vnse here zen slangen 

Slange, went du dit hais gedaen, 
234*' so in saul du nil reichte gaen, 

mer du saul crufen ende slenden, 

dig up dinen bugge wenden; 05 

alle die werelt sal dig vlin, 

dich bespien, node ane syn. 
f^^nse here zu vorn Yuen 

Wyf, nu si dir dal gesail : 

went du dit hais zu brail, 

ende minen man bedrogen, 70 

so si dir dat zu plogen 

dat dir ende allen Aviuen 

die vrut van vren liuen 

sal kumen zu bit iamergeil 

inde bit groisser arbeit. 75 

/ nsp here zu adame • . \ 

Adam, wenl du den wiue diu 

me gehordes dan dat gebol min 

her umbe ich dich vorwise 

vsser den paradyse, 

dich ende alle dine nakumeri, 80 

den si ewige vroude benoraen 

53. ic ist coi'iififerf aus mid ; es mufs wohl mir oder ie heij'sen. 
64. cruipen, kriechen, itt slenden vergl. slyntvvorm, lyntworm 
Teuth. 243'. 

Z. F. D. A. II. ' 20 



3(|(i MNL. OSTERSPIEF.. 

immer evveliclie 

van den himelriche. 

ende als du kiimes zu der erden 

so muz dir sur werden 85 

in dinen sueize diu broit 

dürg des billers lumgers noil, . 

als du Salt hacken ende roden. 

dat geschie dir zu vngenaden 

dal beide, distele ende dorne, 90 

wasse under dinen körne. 
234'= Hie driuet Cherubin, der engele, Adame ende 
Yuen usser dem paradyse mit einen sirerdo. 

Adam ende Yue, ir hait versünil 

vg. dit paradis nu riioit 

inde ilet her vore ; 

ich muz huden dise dore. 95 

Viise here spricht die hitfarmeherthigkeit ane 
«■; f Virnemet vuer Gerehügcit, 

ende docher, vor Inlbarmicheit. 

wes ig ug nu vragen sal : 

of einichen kende dat geual 

immer geschien muge, 100 

dat dar zu duge 

dat mit einichen sinne 

dat erue wider gewinne 

dat usser sines vader hanl 

ze voren erfliche is gewant 105 

ende willenllige is gegeuen 

einen andren al sin leuen? 
Die Intbarmicheit spricht 

Ich was ie ende sal immer syn 

diu dohter, ende du der uader min. 

intfarmicheit h^n ig genant, ' 110 

de name is mir van dir bekanl. 

in woldis du dere nit informen 

die up dig scrien ende karmen " ■' 

wie wers du dan der vader min. 

of wie bliue ig die dohter din, 115 

96. /. vor (vrou) 97. /. doli (er 



iMNL. OSTERSPIEL. 307 

234'' die ie einsamen waren gader, 

ig- din dohter ende du min vader, 

inde immer müssen wesen ein 

ende vngesundert in vns zwein, 

vader dar vmbe is dat min rait 120 

dat du irlois dine hantgedait. 

uu du vp dine gotliche arme 

ende vederliche dig irbarme 

ouer Adams ende Yuen kent 

die al ze lange in noden senl! 125 

J'^nsc here ze JVairheide 

Dohter, vor Gerechtigeit, 

gef mir rait ende vnderscheit 

wie ig bit rehle ende bit minnen 

wider muge gewinnen 

dat ig gegeuen ende gewant 130 

ban erfliche in eins ander hant. 
Die Wairheit antwnrt 

Ig ben genant gerebtigeit, 

de name van diner gotheit 

an mir is geruet ende gegeuen, 

ende wir sin vngesundert bleuen 135 

iemals, ende sulien immer sin 

vngesundert. vader min, 
. -. dedis du inl'armicheit, 

wa bliue dan die gerehticheit? 

her vmbe setz ich den rait an dir, 140 

want it unmügelich duchte mir 

dat einich kent sich vnderwndo 

des erues, des sin vader gunde • ' 

sinem andren manne ze voren * 

235* e dat kent worde geboren. 145 

in were, oll mugelich were, 

dat eine mait ein kent gebere 

ende bliue mait als si was 6. - 

dat seine kent, ende niman me, 

mothe rait reichen witzen 150 

dat seine erue besitzen 
15U. /. inobte — rehten ' • : •' 

20* 



308 MNL. OSTERSPIEL. 

dat erflich was us gegeuen 

e dat kent gewinne sin leiien. 
yrise here ztt sich sprach 

Want Dauid, niia prophele, sprag, 

des is leiden nianich dag, 155 

gereitheit ende vride hant sig gekust. 

intfarmicheide hait gelust 

ende wairheide, dat si in ein 

sich han verdragen in hon zwen. 

nu willich dat irvollet werde 160 

van miner irbarmunge die erde. 

her umbe beuellet mir ze dune 

dat ich wille machen sune 

intuschen die gereicticheit 

indc die barmheerzicheit, 165 

inde wille dun bit desen vride 

als ich mit Abrahame dede, 

deme ig einen wider sande 

den he vor sinen sun virbrande, 

da mide ich ienen troiste 170 

inde leidichte Ysac van den roiste. 

also willich genendeu 

ende sal Christum dat lamp senden 

der nie schuldich inwart. 
235'' de muz up ertriche dun die vart, 175 

da he den kelter trede alleine, 

vp dat mine hantgedait gemeine > 

mit sine dode werde irloist " 

inde van ewiger pinen gelroist. 
f^Tise here in sich sprach 

Nu willich dat werde kunt 180 

durg miner propheten munt 

dat ich wille senden . .^ 

minen sun ; de sal sich wenden 

in einer meide lichame 

ane menschliche schäme, 185 

P„ , inde mine goithcil 

bedecke bit der minscheit ; 
172. genenden, t^ergl. Huydee. op Sfoke%, 328 ff. 187. /. bedecken 



/ 



MNL. OSTERSPIEL. 309 

di pine ende nianiclie noit 
liden muz binz in den doit y 

durg den minsche, de vorerst •/ y '^'^ 

is zer hellen ende vorderst, '- ^ 

inde halt geweset lange 
in des duuels bedwauge. 
nu dunckit mir nu wesen reit 
dat ig loise minen kneit, 19.'» 

des ben ich uirsünnen. 
ich wille dal werde vorwünen 
mitz Criste ant cruce, de uorwan 
an deme holze uiinen man. 
Vor Ecclesia sprecht zu Balani 

du uan irste Balam, 200 

sage wal dir vore quam, 
\ve sal der losere sin? 
willich sint die reden din? 
235" Balam antwort Ecclesien 
Van Jacobs künne 

heft sich eine w<Jnue, 205 

ein schone leide sterre, 
de sal schinen verre ,. 

ouer alle die werelt breit, 
allil dat sich ruret ende geit 
sal ime wesen vndertaen. 210 

sine krail in sal zegaen 
nummerme nog nimmerme. 
himcl, erde ende se 
sal weruen al an siner hanl. 
he sal alle die lant 215 

beduengen al geliche. 
dat wisset weirliche. 
Ecclesia spricht zu Ysaiam 
Ysaias, godis driit, 
sage uns ouer lüt 

van der gebort heirlich 220 

so gut ende so minentlich. 
Ysaias zu Ecclesien (Ecce virgo..) 

Got sal ein wonder geuen ; 



310 MNL. OSTERSPIEL. 

ouer alle die leuen 
\ sal gaen ein kent zeuoreu, 
V "* ^at werdeff" sal geboren 225 

A » van der maffet eine, 
^ die sal wesen reine 

da dat kenl sal kumen af 
ane mans gemeischaf. 
Ecclesia zu Virgilis 

Heiden man Virgilis, 230 

235'' du saut uns ouch macben wis 
van der ^eiliger gebort, 
sage, wie sint dine wort? 
Virgilis zu Ecclesien 

Ho van biemelricbe 

sal kiiinen wnderlicbe 235 

eine nuwe gebort, 
die sal werden gevort 
van aller bände creaturen, 
vor die nit en kan geduren 
■•<'' beide, doit ende leuen, 240 

be sal si beide mugen geuen. 
Hie sent unse here Gabriele zu Marie zen irste/i male. 
Gabriel, virnem niig reitbe ! 
van Dauides geslete 
han icb ein müder erkoren, 

raanicb zijt liie beuoren, ■> 245 

di mich maget sal gebaren »i 

(dat sal der belieb geist bewaren) •' 
ende na geburde sal maget bliuen, • ■ 
V reine vor allen wiuen. > iis ti" , ii 

Maria is si genant. ;• " 2S0 

zu Galileen in dat lant, .!^ 

in die stat van Nazaret w iauw,» 5W'.',A..A - 

da vindis du si in ore gebet. l 

Gabriel spricht zu Marien < a 

' " (Ne timeas Maria etc.) .'; i li- -vi' 

Maria, wie gebers du so? 

Hall dig, reine maget, vro, 255 

•242. /. rehte 243, /. geslehle rf,i'(.'. U\>: 



MNL, OSTERSPIEL. 311 

du hais voiiden j-enade 
2.'}(>* van den liijueliclien gode. 
Maria antwort den engele 

(Quomodo fiel istud. etc.) 

engel van liimelriche, 

id dunckit mich wnderliclie 

dat it in)iner me geschie, 260 

want ich man bekunde nie. 
Gabriel zu Marien spricht 

(Audi Maria virgo fpc Tcs etc.) 

Maria, maget reine, 

in hat" vorle engeine ! 

dat kent, dat du salt gebaren, 

dat sal der heiligeit bewaren. 265 

Maria zen engele spricht 

(Ecce, ancilla doniini etc.) 

Such, die godis dirne ben ich, . . 

heilich engel, inde an mich 

volge die susze boitschaf diu, 

want der vrouwet sich die sele min. 
Ecclesia zu Marien spricht 

Aue ! reinicheidc spigel, 270 

inde meitlich ingesigel, 

rose aller wiue, 

so wale dinen liue 

dat du ie wordes geboren, 

zu hiraele so bis du irkoren. 275 

der genaden aneginne 

heil dir kunincginne 

von Dauites kiinne ! > i. 

id sal eine w°nnc 

van dinen liue kümen 280 

236'" die der werelde sal urümen. 

du sali dragen crone 

in den hoistcn Irone. 

in den himelriche, 

immer eweliche. 285 

Hie hauet der engel zo Joseppe ende beuill ome Ma- 
rien in sine hude. (Josep fily dd'.) 



312 MNL. OSTERSPIEL. 

Josep, Dauites künne, 

du Salt vrouden wonne 

mit dinen ougen schouweu 

bi der reiner juncvrouwen. 

keir vm mit vroen müde, 290 

nem Marien in dine hude. 

in la si niet, stant bore bi, 

inde wes aller vorlen vri ; 

went der beliebe geisl 

de sal duen sin volleist 295 

- ' an der heilieber gebort 

di die mait sal brengen vort. 
Hie deit der enget den hirden kunt dnt Jesus gebo- 
ren St. 

(Aununctio uobis gaudium magnum.) 

Ir birden up den uelde, geit, 

beft up ur boft ende uirsteit, 

ich brenge ug liue mere : 300 

der werelde loisere, 

den die engele bau irkoreu. 

de is alzebant geboren. 
Dei' hirden ein spricht zu siine gesellen 

Höre gesellekin, boire 

in des bimels koire 305 

wie die engele sengen, 

die di boitschaf brengen i - 

-1 dat dat kent geboren si v 

dat die werelt niaeben vri •? 

sal. bit groissen eren ■ 3J0 

la uns da bine kereu. 
Ihr ander hirde sirne gesellen i 

Geselle, wir willen ane vaen 

dat wir zu Betleiui willen gan, I) :ut>. 'n:'.-: 

inde machen raeren 

dat bit groissen eren '315 

geboren si dat selue kent n ü »' ci . 
< . deme weder ende went^ 

biniel, erde ende se 

dinen sulen immerme, 



MNL. OSTERSPIEL. 313 

als uns der engel sathe 320 

de VHS die boilschaf brathe. 
Der irste hiinle zerti andren 

Vromve dich geselle sere, 

ich dich liue mere. 

die boilschaf die der engel brate 

indc bit vrouden sathe 325 

vns liint an diser nait, 

dat is gescheit van godis crait : 

want ich sach dat kindolin 

ligeu in der kribben sin. 
Hie quam ein bode ende sprag zen hirden das 

(Quem vidistis paslores dicite. etc.) 

Er hirden, wie gebert ir so? 330 

inig dune ir siet van herten vro. 

saget, wat hait ir uirnomen, 

ol" wat is uch zu voren kunien? 



In der engel trone 

soige wir also schone 335 

dat vile selich kindolin 

dat der werelde here sal sin. 
Hie kument die dri kuninge ende uolgent deine slerren 
ende sukent, dat kent 

(Hoc Signum niagni regis est.) 

Dit is ein zcigin sicherlichen 

des küningis van liimelrichen ' • vi > ■ \' 

dat he nu geboren si. 340 

volge wir liine alle dri 

so wäre uns leideit der stei're. ' ' 'i? 

golt, wirouch ende mcrre ■ ' 

wil wir ime zu öftere dragen '• 

indc eweliche lof sagen. 345 

Hie kamen die dri kiininehe in die stat ende vragen 
umhe dal kenl. 

;{23. nach ich fehlt das verbitm. WK) f. l. iiachl : kracht 
:i33. /. oreii nach 333 J'ehll die iiberschriß zur anlwort der liirten, 
welche in der hs. überhaupt von der fraise des boten nicht fielrennt ist. 

335. /. saghe (saghcii) 



314 MNL. OSTERSPIEL. 

(Vbi est qui natus est rex ludeorum). 

Wo is he nu, de is geboren, 

de zu kunincke is erkoren 

ouer alle iuzge diet? 

einen sterre han wir gespiel, 

herus van da die sunne up geit, 350 

de uns dat bekant deit 

dat geboren si dat kent, 
237" dat weder ere nog sent 

so eidel nie geboren wart, 

dat suke wir up diser varl. 355 

Hie kiwipt der bode ^u Herodes 

Here, uirnem in dinen genaden, 
', . ' • hie sint kumen nuwe boden 

ze Gersleim in die stat; 

vor woer sage ig dir dat 

si weruen an din ere. 360 

höre künninc here, 

si sagen ongehorche reden, ' L 

, , . want si willen ane beiden 

ein kindolin, dat is geboren, -' n 

dat die engele hant irkoren 365 

zu keisere ende zu heren. , '•' 

ouch willen si vomieren ' 

dat it geweldich sule werden, 

beide in hieniel ende in erden. 
Herodes zu deme boden <» ■ • •;/ ■■■ 

Sage, wat hais du vernomen? 370 

we is, dat do sal komen, 

de muge sin gelich? 

wie sal he bedwengen mich 

inde driuen us minem trone? 

so mir mine crone ! ; . li 375 

mich moithis uile lithe ^ ^ • \ ^ 

dat ijt ander ricthe. ' »■ « 

Der irste riddere zu Herodes 

Des du nit, here min, 

di boden, die da kumen sin, 
376 ,/■ '■ 'iiicli muotets vile lihte dal icl anders rillte. 



MNL. OSTERSPIEL. 315 

die du houe kumen, 380 

vnze du hais uirnumen 

wes si hauen gedait; 

so maicli du bit diner inait 

den kuninc vordriuen 

lüde selue kuninc bliuen. 385 

Her ödes zu den riddere 

So gebiden ich dir 

dal du si kümen dus vor mir. 

dat ig van on dat höre. 

dis dunckit niig ein dore. 
üer ridder zu den künicinngen. prinius 

Got grus ug heren alle drij ; 390 

will ir wissen wat id sij ? 

Herodes, min here, 

intbudet uch mere 

dat ir sult ze houe kumen, 

want gerne hedde min here vernoiiien 395 

war umbe ir sijt kümen here. 

dat is sines herzen gere. 
üer drier kiinincke spricht ein 

Gerne kume wir ze houe 

deme keisere ze loue, 

inde ime sagen dat, -'400 

wie ende umbe wat ''S ' 

(of it ime it mach vromenj 

dat wir us sin kümen. " " 

Hie kwnent die dri kimincge vor Herodes ende sen- 

gent Viue rex in eternum. 
Herodes Saluet (/. Salulat) uos gralia mea. "' •' 
Der irste kuninc sprich zu Herodes dus '' 

Heil dir, kuninc here ! •, ' 

diu lof ende diu ere ' '' ' " '•' ' , 405 

musze immer irmeren sich. 
Herodes antwordet ze hant 

Siet willekume ir heren mig ! 

mine genade si uch bi. 

ine weis wanne urc cinicli si 



316 MNL. OSTERSPIEL. 

oc wat ug vs hail gedragea. 410 

dal sult ir mig, ir heren, sagen. 

Der irste kilainc zu Herodes 

Keiser, geweldich here, 

der hais vns geuraget niere 

we wir sin, ende wanne wir kunien. 

dal saut du schire han vernomen. 415 

Arabien, dat riebe lant, 

dat wiruet al an miner haut, 

ende wat da ridet oue geit 

dat is mir zu dinste gereit. 
Der ander kihihic zu Herodese 

AI dat lant von Tarsys 420 

inde menich helit wys 

sin mir vnderdenicb, 

der ben ich al geweldich. 
Der dirde kuniiic zu Herodese 

Kaldewen al dat riebe 

bau ich geweldenclige 425 

in miner baut bedungen, 

beide, alden ende iungeu ; . / ^" 

inde dise beren die hie staen 
237' sint mir zu dinste underdaen. 

Nu spricht he nog me 

Nu weis du, keiser, we wir sin. 430 

nu wille wir dig och dun scbin 
. war umbe wir sin kumen vs. ^^ 

Ysaias ende Virgilius 

inde andre propbeten bau gescreuen 

van eines kendis leuen. 435 

des wir sere ruken 

van bercen, ende gein suken. . , , 
Herodes spricht zen kiininc 

Ir bereu di sich küninc nennet, •■ ^. \".« Aä 

sait wa ane ir dat irkennet ' 

dat dat keul nu si geboren. 440 

wat is ug kiunen ze voren, 
Ul. /; "reu 



MNL. OSTERSPIEL. 317 

of wal (liebl) ir uirnoraen, 

we is (lat da sal kunien? 
Die kunincke zu Herodes. primus 

(Vidimus slellam eius) 

In Oriente verre 

sagie wir einen sterre. 445 

dar ane han wir bekant 

dat nu geboren is in't lant 

ein kent also herlich 

dat nie enwart des gelich 

nog nimmer en deil 450 

als uns lert vnse wisheit. 
Herodes zen künincgcn 

Ir heren di vor niig sit kumen, 

van deme dat ir hait vernuraen 

vragel na deme kende. 
238" so \va mant irgen vende 455 

dat sult ir mich sagen. 

min offer willich ime dragen 

ende na uren seden 

wil ig it ane beden. 



primus: 
Kuuincinnc Marie, 460 

edel ende vrie, 
wir brengen dig gauen 
dinen kende zu loucu, 
deme wir sin nnderdaen ; 

liflich Salt du si enti'aen. sfcundus. 465 

Marie antwt ivider dus: 

So wale sal uch des immer sin 

dat ir wodet geruken min 

zu eren minen kende • 

her in dit eilende 

verre vsser vremde lant 470 

inde mig dise ere hait bekant. 

442. hebt /('/(//. nach 459 eine liicke von vier zeilen. 

4(57. /. woudet 



318 MNL. OSTERSPIEL. 

Hie varetit die kiniincge inweg. tercixis 

Vrovwe zu dineii eren 

wille wir henne keren. 
Hie kumpt der cngel ende sait dait si gein einen an- 
dren weck zu Marien ende Joseph. 

(Audite verbuni domini gentes) 

Ir heren liort mich ende versteit ; 

ich rade nch, dat ir nit engeit -475 

238** den seinen wech den ir sit kumen, 

want ich ben uch zu vromen 

heir gesanl virholentliche 

van den hoen hiemelriche. 
Der bode zu Herodesse 

Here in dinen genoden 480 

nu bis du uirraden. 

die sich kunincge hant genanl 

die sint gekert in or laut 
' andren wech dan si quamen, 

want si dat uirnamen 485 

dat du si vaen woldes 

inde uirderuen soldes. «• ,,.:;. . 

nu niuz he kuninc bliuen , ' ■ . 

de dich will vordriuen. 
Herodes riddere spricht ein secundus 

Halt dich kuninc bit genaden. 490 

ich sul dich wale raden 

dat du bit diner gewalt :- 

den genen vordernen salt 

de sig des virmessen hait, 

of du volbrenges niinen rait, • 40® 

dat he sule kuninc bliuen 

ende dich bit geweldc vordriuen. 
Herodes spricht zcn riddere • :;:. 

Dinen rait willich voUebrengen 

bit aller slathen dengen. 

inde dich geen ze lone . ;, ■, 500 

niine guldine crone. 
De ander ridder zu Uerodese 

Here, du dine riddere senden 



MNL. OSTEKSPIEL. 319 

wideii in allen enden, 

indc du alle die kindolin 

die bennen zwen iaren syn 505 

so wo si se venden doit slaen. 

id in mach ninimer so irgaen 

dat kent in si dar vnder 

do dise so manicli wonder 

lange ane liain gesait. 510 

so bliues du here in dincr mait. 
Herofles zume rid(le7'e spricht 

Du liais nnch wale geraden. 

vp riddere ende boden ! 

duet doden alle di kindolin 

die bennen zwen iaren sin. 515 

Gabi'iel kumet zu Marien ende heizit si vlie?/ zu Egip- 
ten voert. 

(Descende in Egyptum.) 

Joseph, nem Marien wäre 

mit ire kcnde, ende vlu al dare 

da ir nimanne en syt bekant, 

dal is in Egyplen lant; '.,•,, ,V'- . ,., 

indc also lange al da bes 520 

wint doit is Ilerodes. 
Hir kumenl die riddere Herodes ende sukent di kent. 
Rachel sprichet das zti in 

Walen ! wat sal mir geschien 

van den luden, die ich sien 

so balde kunien herwert? 

wat sulen ire gerothte swerl 525 

inde ire vreslich gebere? 

mich wondert uile sere 

war umbe si herwert rennen 

of wes si gesennen. 
Hie sleit man doil die kent. — primus 

Gef her din kent, baude wyf, 530 

wilt du behalden dinen lyf; 

want ig müsset doden 

van des kunninz noiden. 
Rachel zu den ridderen 



320 MNL. OSTERSPIEL. 

Here got van hiemelriche, 

nu müsse dis ieinerliche 535 

(loit vor dinen ougeii sin 
van denie liuen kende min. 
wanl haddis nu uirschoit. 
nu willich mine ungedolt 

gerne laissen bliuen, 540 

went si woudeu entliuen 
Jhesura, dinen liuen sün, 
van deme der küninc Salomon 
lange ze uoren hait gesait; 
want dus wale Ionen mait 545 

minen kende ende mich, 
des biddich liue here dich. 
Hie kument die riddere zu Herodesse trider. — Se- 
cundus 

Höre, here, wat ich dir sagen : 
die kent haen wir irslagen 

in al dat lanl van Juda. 550 

iomer worte wir alda. 
Der engel zu Joseph 

(Tolle puerum et malrem eins) 
239** Joseph, liue bode, 
stant up uile drode, 
nem Maria bit der haut, 

strich zu Juda in dat lant 555 

went si doit sin ende gestoruen 
die no des kendes sele woruen. 
Hie uert Maria ende Jhesiis ende Joseph zu Egypten 
(1. uil Eg.). Hie was Jhesus zioelf iare alt. Ma- 
ria zu iren sune 

Jhesus, sun, horis du, 
du hais wale dat ander nu ' w . 

dal du wale bit uns mait gaeii 560 

in den tempel, ende uirstaen 
wat man in den tempel deit, ■ '■ 

inde wi mau dat hogezide begcit. 
Jhesus zu siner müder 

538. etwa wanl wat hadd'is nu virsclioll'.' 



m^L. OSTERSPIEL. 321 

Milder, bit iig gaen ig gerne. 

des insteit mich uit zu inberne, 565 

geit uore, ich benz gereit 

vch ze uolgene ende gemeit. 
Hie ginc .Ihestis in den tevijyel imder die iuden ende 
sprach 

Er iuden, ig hume zu ug her, 

dat is mines herzen ger 

dat ich bit ug wil disputiren 570 

inde offenbare probiren 

inde bit reden machen wis 

dat ir geleit syt up ein ijs, 

went ir den ewe haut nnrethe 

de uren geslethe 575 

hie beuoren wart gegeuen 

Moisi in einen stein gescreuen. 

ouch weis du wale wat Daniel sprag 

hie beuoren manichen dach : 

als heilich gisle der heiligen wirt gesanl, 580 

jutschaf, so uel us diner hant 

die künincliche rüde 

in eine vremde hude. 
Cayf'as zu Jhesus 

Jhesu, wir vuirsten dich wale. 

du spriches ungehorte zale. •" .SSö 

he in is noch nit gesant, 

dat is vns wale bekant, 

de uns sule troislen 

inde kumen van den hoisten. 
Jhesus SU Cayfase 

He is van einer maget geboren, 590 

as Ysaias hie beuoren 

inde alle die propheten screuen. 

dat in is nit achler bleuen 

nog in mag nit achter bliuen. 

hiniit wil ig dich wider driuen 595 

dins ungelouen hie zestunden. 

sage, wo wirt irgen vunden 
580. /. als der heilig geeste wird gesant 
Z. F. D. A. ri. 21 



322 MNL. OSTERSPIEL. 

ein kuninc under uren kiiiine, 
deme got des gunne 

dat he gesaluet werde 600 

ze kunincge up die erde, 
als got hie beuorcn dede? 
begef dine hicheliche rede. 
Cayfas zu Jhesusse 

239° War umbe solde wir geswigen des? 

went he nog mit kumen in es, 605 

de uns zu troiste sal sin gesant. 
Mesias so is he genant 
des wir alle wardende sin; 

dar unibe la die rede din. 
Jhesus zu Cayfasc 

De messias, des beidet, 610 

mit deme wert ir uorleidct. 

he in sal nit kunieu van gode, 

want he is des duuels bode 

mit deme dat he wirken sal 

inde die werelt uirleiden al, 615 

al binz an die seine zyt 

dat die selue werelt syt 

dal on Cherubiti irslcit 

inde siner valsheil wider steil. 
Cayfas antwrt Jhesusse 

Jhesu vns Wandert sere 620 

dal du so sware lere 

vns ze koirnisse sais 

zu der iugede die du hais. 
Jhesus zu Cayfase 

An is mine meusgeil zuels iar alt, 

mine wisheil is manichfalt, 625 

die an mir wirt bekant 

van irae de mig hait gesant. 
Hie kumet Mcma ende Joseph ende vendeu Jhesum imder 
,. den luden i?i ire schote, dus spricht Joseph zu Jhesu 

610. /. des ghi beidet 622. cornisse, Versuchung; vgl. coringe, 
yelthem sp. hisi. 3, 22, 64. Jonckbloet specimen c litt, neerl. {Felth. 
sp. h. h. 3) s. 100. 127. 624. /. AI is 



MNL. OSTERSPIEL. 323 

239' Wes silzes du, Jhesu, hie uirborgen? 

wir liaii groissen sorgen 

dich gesut, wale zweue dage, 630 

indc gedriuen sware clage, 

wanl wir diu inlboreu 

ende dich wonden han uirloren. 
Jhesu.s antwort 

Wat ist dat ir mich suket 

inde min nu geruket? 635 

in wist ir nit dat ich müs sin 

in dinste des vader min, 

den he uns hait beuolen, 

als gude kinder sulen. 
Hie kumct Jhesiis zu seilte Johanne baptisten eiide will 
van ime gedoßt sin 

Johannes, ich küme zu dir 640 

dat du di doifTe geuis mir. 
Johan?ies zu Jhesu 

Genade, liue sceppere ! 

mich wndert harde sere 

dat ich solde doifFen dich. 

ich bidde dat du heilicli mich. 645 

Jhesus antwort Johantiesse 

Min oitmuet will ig dun schin, 

dat ig gedouft van dir wil sin, 

dat kirstcn ewe da mit geste 

ende der iutzaf aler ge, 

dar umbe ganc vort ende du 650 

des ich dich han gesprogen zu. 
Eine stimme van den hirnele sprach 

240' (Hie est filius meus dilectus.) 

Dit is min sün de mir beuellet, 

in deme ich mich han uirsellet; 

den gebort in allen stünden 

so wert ir in den besten vonden. 655 

Du Jhesus gedoufet was du ginche in ein einnode up 
einen stein sich beiden, dit sach Lucifer ende sprach 

629. l- inet groissen (j30. /. gesoekt 649. dat iuedscap, 

Maerl. 2, 201. vgl. Gr. gr. 2, 521. /. achter 

21* 



324 MNL. OSTERSPIEL. 

Horis du, (lief Sathan, 

mich w^'iiderl sere, we de man 

si, de >itzit up deme steine 
in sinen geheide alleine, 

sunder essen ende dranc, 660 

nu uichtet mig in min gedanc 

da he de selue minsche si 

de uns kumen moithe so bi 

dat he rouuet uns die helle. 

nu var, Sathan, liue geselle, 665 

inde nem des wäre 

dat he uns namals nit endare. 
Sathan zu Lucifere 

Meister, dat willich gerne dilen. 

ine wille nimmer geriien, 

ich ine kume ime so bi, 670 

dat ich wisse we he si, 

mit miner schalcheide, 

e ich van ime gescheide. 
Hie kumpt Sathan zu Jhesit. 

Gut man, wes sitz du hie so eine 
._; vp diesen harten steine? 675 

240* hais du einis hungers noit, 

nem dise steine ende magge broit; 

ich weis wale dat kans die list 

of du godis sun bist 
Jhesus zu Sathan 

Niet in vrages du des, 680 

wistes du wat da gescreuen es, 

dat man in brode alleine 

leuen moithe deine 

dan int wort godes 

inde int duen sins gebodis. 685 

Hie vurle der duuel Jhesus vp den tempel ende sprach 

Of du godis sün bist, 

V'al her nider bit diner list, 

du weis wat da gescreuen steit, 

662. /. dal ()fi7. darcn, schaden. 070. ich ist zu tilgen. 

680. /. vragdos 



MNL. OSTERSPIEL. 325 

die cngel kuiuen dich gereil, 

die dich bewaren inde waren, 690 

dal dich die steine niren 

in nuigen hende nog wusse, 

so dal dijl si vnsusse. 
Jhesus ze/t duiielc 

Id is gescreuen du bes uirloren, 

duü sali dinen sceppere nil bekoren. 695 

Hie nirt der duuel vnsen here up einen berg- ende sprag 

Nu val uider hie ze sieden, 

ende wolt du mich ane beden 

so bist du here al disser lanl, 

die geue ich dir an diner haut, 

so wat du hie niait gesien, 700 

240° of du an mig wolt gien. 
Vnse here sprag 

Wat soude mig dinc richeit, 

want al da gescreuen sleit 

dal alreisle dalz din val, 

ende man nit ane beden en sal 705 

dan got, dinen here, 

aller denge sceppere. 

Sathanas, nu snelle 

dich wider in die helle. 

na dinem werke dir geschie, 710 

du in hais numme ze dune hie. ' 

Nu kumit unse here ende vindet Petrus ende Andreas 
gande up deine mere vischende ende sprach zu 
im dus 

Peter ende Andris, laisset staen 
• vr seif, ir must bil mir gan. 

ich sal uch uugcn zu anderen saggen 

inde vitschere der lüde machen. 715 

690. /. vüreii 701. gien, mhd. jebeii. Maerlant (?) geestel. 

gedickte (n. tverk. d. maalsvh. v. lett. 5 deel % st. s. 27). Zech 
mensche, merc ende hevie, Zageslu mecirii rouwe ye Dan du an mi hc- 
ves vonden? Wat mocht, ic mere doen dor die Dan hangen, sterven, proef 
ende ghie, Mit aldus svvaren wonden ? ebctid. s. Ol Doe god die werell 
wilde vvieden — Outflo Noe mel zinen lieden Enlie aen ghelove ghiedcn 
In die arke mctten dieren, ./. 



326 MNL. OSTERSPIEL. 

Sente Peter' spj'ach 

Meister ende here, 
gerne dun wir dine lere, 
AI 110 dinen gebode 

iude no dines seines rode ; 

dar umbe saut du uns here säen 720 

wat lone dat wir sulen haen 

alle Sachen achter loissen 

inde vns zu dinem dineste soissen. 
f^7ise here spricht xen opostel 

Dat sult ir han ze lone, 
240'' ir sult sitzen up den trone 725 

mit mir, ende urdeil geuen 

vuer die doit sin ende leuen. 
Vnse here zu setite Petere 

(Petre, anias me ? — Tu scis dne) 

Sage Peter, rains du mich? 
[Sente Peter zu v/isen here)* 

Du weis wale, here, ig minnen dig. 
Vnse here zu sente Petere 

(Pasce oues ineas)** 

Van nu vort ende allewegen 730 

salt du rainer schafe plegen 

ende hauen sie in diner huden 

inde bit den worden godis vuden. 
Sente Peter zu unseri here 

Meister, dat is mine begerde 

dat din wille an mir gewerde. ' 735 

Jhestis spricht 

(Tu es Petrus) 

Du bis Peter, up disen steine ' 

so Stiche ich die kirge reine, 

inde beuele dir eweliche 

den sluzel van den himelriche, 

di da cloppcnt die la in, 740 

si sulen alle inlfangin sin. 
Sente Peter sprach 

722. achter te laten ? ' fchU. in der hs. " Frise, Pascc | 

diese beiden Zeilen sind in der hs. iimi'csteUl . 737. /. stirhle 



MNL. OSTEKSPIEL. 327 

llere ineister, du mir kiinl, 

of mau siilc sieuen stunl 

alle die siuidigen intfaeii 

oC sie zu buezeri willen staen. 745 

f^/ise herc .s/jrach (üi mitte se|).) 

Ja Peter, ze siueu ende siuenzich stunden, 
241' ende so decke als he wirt vonden 

in Sunden inde he die wilt scrien 

Genade sal man ime uirlien. 
Miij'ia zu unscn herc 

Here sun, willen gaen, 750 

of dirt gut duncket gedaen, 

zer bruloit Johans, dins neuen, 

deme ein brul hait gegeuen 

de riebe wirt Arcbitriclin, 

da müdes du der urt'nde din. 755 

Jkesus zu siner müder 

Müder min, id dune mig zucbt 

dat wir zu der brulucbt 

inde zu anderen unsen vrunden gein 

inde ire vroude nit vorsmein. 
Archüriclin 

(es schet'/ti etwas zu fehlen.) - 

Maria zu Iren sune 

Hie in is, meister, iugein win, r 760 

dar umbe du dine genade schin, •- 

dat ein zeigen hie geschie - - . 

von dir, dat dal volc gesie. 
Jesus {zu") siner müder 

Wijf, wat soude mir ane genomen? 

mine ure in is noch nit komen. 765 

duet Wasser in die krugen gissen, 

vp dat sijs alle genissen 

di her zu urouden kumen sin, 

id sal wandelen sich in win, i 

inde drait si Architricline, 770 

dal he drencke van den wine. 

750. /. \vi,i willen 75H. /. bniilof'l 755. /. vrieiid«' 

XU fehlt. ; ' ! 



328 xMNL. OSTERSPIEL. 

Architriclin spricht 

Dis will (lunckit mir der beste, 
241'* went hene up dat leste 

gehalden hait sinen vrundea, 

inde will dit zeigen hie uorkuuden. 775 

Hie kiimet Maria Magdalena. 

Vrout ug alle, iunc ende alt, 

went die vroude is manichfalt 

die men syt nu ouer al 

vp den berg inde den dal. 

man hoert vor den walde 780 

dat uorgangen is dat kalde, 

went die bluuien sprengen 

inde die uogele sengen. 

dat uelt cirt sich ouer lut. 

an der erden drengen vi 785 

manicherhande blumen 

der ich nit inkan genümen. 

der uogel saue wirt olfenbor, 

inde die lucht wirdet cloer. 

uorgangen is vns og dat sure. 790 

des vrout sig manich creature ; 

der nog hait geweset bange, 

die vrouwet sich bit blidem sänge. 

also willich e it lanc 

van vrouden sengen nuwen sanc. 795 

Hie^singet Magdalena 

Alle creaturen 

vrouwent sich der liuer zijt, ,i 

rosen blumen hure : 

siet man springen wider strijt. 

si woren versunden, 800 

si hant or leit vorwonden, 

sie dun uns den sumer kunl. 
241' susze, suuerliche, 

werde ich vrouden riche 

dal deit mir diu roder munl! — 805 

nu hait ir van der zijt gehört 

77fl. /, inde in 800. /. verswunden 



MNL. OSTERSPIEL. 329 

beide, sanc in wort, 
im mut ir vorwert leren, 
wilt ir den sen keren 

ze minen worden reichte, 810 

juncvrouwen ende knechte, 
went min lere si is guet; 
ig han ir seine decke besuet 
bit vrouden ende bit schalle, 
dar urabe rade ich ug alle 815 

dat ir willet uolgen mich, 
ig sal ug machen vrouden rieh, 
nu schouwet alle gemeine, 
grois ende deine, 

wie ich schire minen lijf. 820 

als ein w^nnencliche wijf 
sich van reichte ciren sal 
an iren lijf, al ouer al, 
also sult ir ueh ciren, 

inde vren lijf orniren, 825 

ende behagel machen, 
dat mans muge lachen, 
dus nemet einen spigel, 
da ir reichte als in ein sigel ^ 

rauget ur gedene beschouwen. 830 

beide, knapen ende iuncurouwen, 
ir sult au ure liende trecken 
zwene henszen, ane vlecke, 
die uch die heude wale bedecken. 
241*^ ir sult ouch umbe ur houet strecken, 835 

ir iuncvrouwen, ein quac, 
de uch ur hair al sunder lac 
muge leigen ende richten, 
bit eime kambe sult ir slichten, 
dil is sicher die lere min. 840 

ir meide, ir sult ug halden üu, 
als ig duen, intgeen die knechte. 

807. inj /. inde 808. leren ist lernen. 813. besuet] besoect. 

820. /. cicre 830. gcdaente, gestalt. 837. gebreck, lack; 

(lel'ectus, macula. Teulhonista 39". 



330 MNL. OSTERSPIEL. 

beschouwel luiu gedeiie rechte, 
ich wil ug sagen we ich si. 
edel bin ich ende vri, 845 

ouch ben ich wale bekant, 
Magdalena ben ich genant, 
(ich in hans ingeine schäme). 
31aria is min reichte name. 
ich säen uch sunder waen, 850 

Magdalum is mir vnderdaen, 
eine burch herlich ende guet, 
dar vmbe vrouuet sig min nuiet. 
Lazarus de is min bruder. 

ich in haen vader nog müder, 855 

sunder mine suster eine, 
siet, dit is si die ich meine, 
si steit enen dore gelich, 
des gebaut ug ane mich. 

went si weis eine ander zale 860 

die mich nit en beuellet wale. 
Martha zu Marien spricht - - 

3Iaria, du sais dat min zale 
dich nit beualle wale. 
242'* weis du, war umbe dal dat is? 

ich wil dirs machen gewis : . 865 

went dich nit in is bekant 

got, nog van ime gesant ■ 

troist ende minne, 

dat hais du dine sinne 

an der werelde rum gelait. 870 

des inbes du nit wale bedait 

dat du dine sinne dig leis drigen. 

die werelt inkan nit dan ligen 

inde bit sunden umbe gaen, 

dar ane will du volstaen. 875 

des is din name sich verwandelt 

went du dich dus hais gehandelt. 

8i9. Magdalum, v.astnnn in littore maris Gulilaeae, ac in tribii 
Zabvlon, a quo vohtui Mariam, de qua Math. 27. 56, Magdalenam esse 
iiominatain. s. 63" des anhanss n/r l'vlgata, Paris. Dezallier 1702. 4. 



MNL. OSTERSPIEL. 331 

Maria sulde man dich nennen 

so moichte man dich bekennen. 

der ewangeliste hait uns gelert 880 

dal din name si umbe gekert, 

ende sis eine siinderinne genant 

wijt ouer alle die lant. 



Magdalena zu Marthen 



War umbe is mir benomen 

min name wat so mag dat vromen 885 

dat ig min vroude sule laizen 

of miner vrouden mig gemazen? 
Martha zu Magdalena 

Maria, ich wille dirt sagen 

went du mig beginnes vragen. 

dine vroude in is nit gut, 890 

wanl si is ze umbehiit. 

si is suntlich ende vnreine, 
242"' si is ouch alze sere gemeine. 

want suntlich werc sin veruuazen 

van godis munde ; wolt du si laiszen, 895 

ig wil dir dar zu geuen rait 

wie si dir sulen dünken quait. 
Maria zu Marthen 

Ja, liue suster min, 

rait mig up die truwe din 

al dal mich mag wesen giiet, 900 

wanl mig dunkil ig ben vnurut. 
Martha zu Marien ' . 

Wolt du dan uolgen niiner lere? 
Maria zu Marthen 

Ja ich, nu ende immermere. 
Martha zu Marien 

So höre mig wale ende uirstant: ' 

spigel, hcnschen ende gcwant 905 

sali du balde van dir duen. 

dun sali og nimmer geruen, 

883.//'. Klwa min name, of wut mag dat vromen dat ig — gemazen '*. 
überhaupt schcini die ganze stelle v. 874 — 884 mehrfach verdorbpn. 



332 MNL. OSTERSPIEL. 

dun sulis suken deu heilant, 
de van liirael is gesant 

VHS zu eineu Iroiste. 910 

he was, de irloiste 
Israhel van Egypten lauge, 
he was, de on och sande 
van den heimel dat suze broit 
in der uusehten, si haddens noil. 915 

nu es he up ertriche kiinien, 
also als wir haen uirnümen, 
ende wilt zu ime bekereu 
den sundere bit siner leren, 
he cleit zechen manichualt. 920 

an ime gelouuet ifinc ende alt. 
nu so salt du up staen 
inde uollencliche da hine gaen 
da du vendis disen here, 

Jhesum, den irlosere. 925 

he sal dich macheu sunden vry 
ende troislen och dar bi. 
Maria za Marthen 

Marta, ich begenne z' uulen 
wo diese wort hine sulen. 

got deil mig sine genade schin. 930 

si vliszen in dat herte min 
als ein riuir nu ze'stüut. 
gebenediet so si diu münt. 
ich wille min herte keren 

na alle derre leren ' 935 

die Salomon der küninc, 
de uil wise iuncgelinc, 
bit sinen raiinde gesprochen hail. 
dat dunckit mir der beste rait. 
he sait van der idelcheit, 940 

da die werell mit ümbe geit, 
dat sy quait si ende vol sunden. 
nu willich anders mig Vormunden, 
ich wille us duen dit gewant 
{n-i. I. liiiid.' 915. /. woesten 920. /. deil 



MiNL. OSTERSPIEL. 333 

da ich niide ben geschant, 945 

iiule wille di sunden vorwerl laiszcn. 

IUI var, dattii sis uirwaiszen ! 

du hais iiiig decke gedaen leide, 

spigel der unreiuicheide. 
242' ich wille zen spigel gaen 950 

in deme die gedene staen 

reichte volmacht ende wale, 

da man sich alzemale 

in beschouwe sunder leit, — 

dat is die driueldicheit. 955 

Hie biddet Syinon der siehe Jhesum zu esse?ie mit ime. 

Here ende nieister min, 

ich bitte dig, ouet muge syu, 

dat so la mich al hie wessen, 

of du dar hem wls kiimeu essen. 
.fhesus zu Symone 

Ja ich, Symon, dine spise 960 

vorsaen ich nit in geiner wise. 
Maria Magdalena spricht 

Man spricht einer hande zale > , ■ 

die han ich gehauden wale, 

dat niman zu hone in sule knmen 

(also as it haen uirnumen) 965 

hene si chirst dar geladen, 

of id mag ime wale schaden. 

des in mach dog nit loiszen, 

die sunden han mig so nerwazen, 
^ an sal man wenich up mich ruken, 970 

ig müz dar den gienen suken 

den ig da kenne in Symons hus. 

genant so is he Jhesus. :' 

ich wille vallen an sin uiise 

inde bidden also siize 975 

dat he wille mins inlfarmen, 

want lie is, de durg uns armen 

wolde minsche geboren werden 

van Marien up der erden. 

957. /. of «'t 965. /. icl 960. /. zf irsi 970. /. al sal 



334 MNL. OSTERSPIEL. 

zu siuen uiisen wil ich gain 980 

ende achen sinen riiche stain, 

waut ich sain ug dat introuwen, 

in dar sin anllitze nit beschowen. 
Hie kämet Mai^ia Magdalena in S?/mons hus, inde g-ois 
ir sahie up Jhestis houet. Dit sack Si/mon ende 
spi'ach dus 

[ch sieii mit den ougen min 

dat mich ein wonder diinkit sin 985 

van ime den ir meister nennet, 

dat he dise niet enkeunet 

die au sine uusze lyt. 

he inkent si wale nyt. 

were he prophete van gode gesanl, 990 

so were si ime wale bekant. 

si is eine sunderinne gemeine. 

mich dünc dat he is wisse deine. 
Jhesus Sil Symo?ie spricht 

Symon, in wenig sal ig dir sagen, 

dat in sal dir nit mishagen, 995 

Symon zu Jhesu :'■ 

Nein id, here meister min, 

sage mir den wille din. 
Jkesi/s zu Symoti .•■.*.'•■ 

Zwene knechte schuldich waren 

zu einen thiden hie beuoren 

einen manne eine deine güit. ;, 1000 

243^' des so waren si vnurut 
. ; wa mide sit gelden moiten ^ 

of si zu der gülden doiten. 

der ein was schuldich den seinen here 

wiif hundert pennincge, inde nit mere ; 100.5 

der ander nünzich mit reichte. 

die zwene kneichte 

ime gcgelden inkunden. 

zu den seluen stunden 

nam is der h*e gftde gedolt 1010 

he uorlois in ire scholt. 
981. /. achter sinen rugge 



MNL. OSTERSPIEL. 335 

im sage mig, Simon, sunder wanken, 

we soride iiue alremeisl du danken? 
Si/mofi zu Jhesu 

Here meister, dat sain ich dir, 

so dus willes vollen mir, 1015 

deine he uirlies die meiste scholt, 

alre meist was he ime holt. 
Jhesus zu Symo/ine 

Symon, du hais wair gesait, 

inde dit vrdeil reichte uolbrait. 

dit wyf sis du Symon wale. 1020 

ich quam zu dir al sunder zale, 

du ingeuis mincn uüszen niet 

wasser, als dit wyf hie liet 

hait gedaen bit iren treuen. 

euch insalt du des nit wenen, 1025 

si in haue gedrugel bit iren hare, 

beide stille ende offenbare. 

og is dich me uirgeszen 

sent ig hire ben gesessen 
2/13"^ des kussens uan dinen münde. ' 1030 

> süg, al van der seiner stunde 

dat si in dat hus getrat, 

so hait si begangen dat 

reine ende susze, 

inde gekussct mine vüsse. 1035 

du in salt dig nit müden sere, 

ig wil dich vorwisen mere. 

sent dat ich zu dir ben kiimen, 

so hais wale min wort vernomen 

van disen dat hire is geschiet. 1040 

uu in hais du Symon niet 

min hoit begossen bit der saluen, 

diese hait mig in allcnthaluen 

mine uüze gesaluet wale, 

dat sult ir wissen al ze male. 1045 

dar umbe säen ich dir dat, 

«ilzehant up dieser stat, 
1013. du =: (ioe. 1031. süg a7. sie, vidv. oerg/. '20(5. 



336 MNL. OSTERSPIEL. 

dat si der süiiden genade vint, 

wanl si van herten sere mini. 

Maria du saut up staen 1050 

inde vort in vreden gaen. 

din geloue hait dich gesimt 

geniagt nu zu diser stunt. 
Jhes^us zu sinen aposteleu 

Ir heren, laist uns up staen, 

dat dunkjt mich wale gedaen, 1055 

inde laist uns gaen in dat lant 

dat Judea is genant. 
Petei' zu Jhesu spricht 

Meister, wat soude dig dat gedaen? 
243** du bes ze kune, als it verstain. 

wat wiit du da mide meinen? 1060 

die iuden wouden dig dog steinen. 
Jhesus antwort 

Noch wist ir wale, dat it sin 

zwelf stunden an den dage schin. 

so we bit den dage wandelt, 

he is de sich wale handelt. 1065 

wilt he euer in der nait 

gain, dat si uch gesait, 

he müz an den wege sneuen 

went he dat lyt hait begeuen. 
Maria Magdalena 

Höre her zu mir, iungelinc. - - ^ 1070 

ich wil dir sagen ein deine dinc. 

wolt du uns ein boitschaf driuen? 

einen brif sule wir dir scriuen 

zu Jhesum, unse herc, 

de inie sal clagen vns beswere. 1075 

De bode zu Marien 

Ja ich, vrouwe, ich ben bereit. 

loen mir minre arbeit. 
Maria zu den bode 



1059. l. ict 1006. aver, aber. 1068. sncuveii, deßcere, 

vacillai'e, adi^ersa pali. KU. 1069. /. liclit. vergl. 1184. 



MiNL. OSTERSPIEL. 337 

Üinen Ion wil ich dir geuen 

so mich got hehuet dat leuen. 
D&v bode zu Jhn.su 

Höre, meister ende here, 1080 

ich säen dich eine nuwe mere. 

dich enlbident ende dun künt 

zwa gesusteren nu zestünt 

di dich han usser maissen lijf, 
244" si sendent dig disen brijf, 1085 

inde entbident dich dar inne 

hören dinst ende höre niinne, 

inde willen dat dir si kunl 

dat ir bruder is ungesunt, 

Lazarus, der vrunt din. 1090 

des du ime dine helpe schio. 
Jliesus zu den bode 

Die suchde sal wesen sunder noit, 
1 sine sal nit dragen zu der doit, 

mer an ime sal sin gemeert 

godis name, ende ouch geert. 1095 

Jhesus zu den apostelen 

Nunc niuge wir nit langer staen,. 

wir müssen da hine gaen ; 

zu miner liuer uründe hus. 

alda slefet Lazarus. 

den so willich, of ich mach, 1100 

inlslafen dün up disen dach. 
SenU' Pete)' zu Jhesu 

Ilerc, wir venden dat geleissen : 

slefet he so is he genesen. 
.Uiesus zen apontelcn 

Ich wilt ug sagen offenboer 

(want ig weist wal vorwoer) 1 105 

dat he doit is ende begraiien. 

dat wil ich uch nu sagen, 

inde wil mich vrouwen sere 

vmbe uren wille immermere, 

vp dat ir gelouuct des. 1110 

ine was da nit, des sijl gewes. 
Z. F. D. A. II. 22 



338 MNL. OSTERSPIEL. 

2/iA^ Seni Dummois zen apostelen 

Owie ! got ende here, 

dit is uns eine kranke mere. 

geit dane, gesellen, loist uns weruen 

dat wir bit ime mögen steruen. 1115 

des so is uns groisse noit. 

decke reikede he uns sin broit, 

inde sine susteren beide. 

des is mir alze leide. 
Hio kumet der bode ende sait Marthen dat her Jhe- 
sus kume. 

Martha, du salt up staen 1120 

ende balde her us gaen. 

nit en mache lange merre, 

Jhesus in es henne nit uerre. 
Martha loiifet intgein Jliesu. 

Here, vns hait gewesen bange, 

dal du van uns also lange 1125 

hais geweset sunder noil. 
;,!<,■; nu so is uns bruder doit. 

wers du bi uns bleiuen 

behalden, so hedde he it leuen. 

idoch so wisse wir al gader, 1 1 30 

wat du biddes dinen vader, 

dat he dinen wille deit, 

want sin rait an dir nu steil. 
Jhesus zu Marthe?i 

Hall dich des al sunder waen. 

din bruder, he sal up erstaen. 1135 

Martha zu Jhesu 

Ich weis dal wale, dat he sal 
244" vp erstaen, hait heis geual, 

also ich han virnümen, 

als got zen urdel wil kumen. 
Jhesus zu Marthen '•■ 

Dal uperstentinisse ben ich. 1140 

des sali du gelouuen mich, 
>iti inde in der wairheide bekant. * - 

dal leuen ben ich og genant. 



MNL. ÜSTERSPIEL. 339 

we gelouuet ane mich, 

were he doit, he wecket sich. J145 

ende allel, dat da leuent es, 

so id gelouft (des sijt gewes) 

all mig, he instiruet niet; 

want ich ben dat geware lijt. 

Martha geloufes du des? 1150 

Martha zu haut 

Here, ich bens gewes 

dat du bes godis süa genant, 

de in dise werelt is gesant. 
Martha zu Marien 

Maria, ich san dir iiue mere, 

dat linse meister ende unse here 1155 

is kumen zu unser sericheide. 

nu stant up, ende la uns beide 

heimeliche zu ime gaen. 

ich hau lange bi ime gestaen 

inde ime geclaget vnse noit 1160 

dat unse bruder si nü doit. 

stanl up ! he ruft dich alzehant. ' • ; 

vnse ruwe is ime wale bekant. 
244*^ Maria ginc zu Jhesus. dit sach ein iude inde 
sprach 

Mich dune Maria is up gestan. 

zu den graue wilt si gaen 1165 

inde iren bruder weinen, 

Lazarum, den reinen. 

wir willen alle bit hoire 

zu den graue gaen her uüre. ) 

Uli Maria unscii here nach, du vil si ze siueti aussen 
ende sprach 

(Dne, si hie fuisses, Lazarus etc.) 

Vrünt, here ende meister min, 1170 

wa hais du so lange gesin? 

hetz du bi uns mugcn wesen, 
rj ■ so were uns bruder wale genesen. 

Il5ft. serichoclc. Irauor, uiiiiliick. rcr^l. Hiiydtc. op Stoke h. 3 v. i. 

22* 



340 MNL. OSTERSPIEL. 

Jhesus zu Manen 

Sait mir, wa liait irne gelail? 
Maria zu haut 

Here, dat si dir gesait! 1175 

will du bit uns da hine gaen, 

wir dun dich kurteliche verstaen. 
Der irste iude 

Vor wor si uch dat gesait, 

he hail sine minue an iine gclait. 

des duukit niig, hen kans geloissen, 1180 

he weinet inen usser moissen. 
Ein afider iude 

In künde he dat nit gsraachen, 

de bit als gemelicher sachen 

deme blenden wider gaf sin lijt, 

dat Lazarus in sturne nijt? 1185 

Jhesus geit zen graue 

245^* Tastet ane, hefl up den stein. 
Martha ze haut 

Ey here, durg got nein ! 
(Martha singet ende spricht) 

(Ecce iam fetet, quadriduanus est) 

Here, id is hude der uirde dacli 

dat ine her in legen sach. 
Jhesus zu Ma7'theH 
. ■ Martha, ich säen dir minen sen, 1190 

dat du niet en suis zuiuelen 

of du wolt sicherliche 

beschouwen godis riebe. 
(Hie hil Jhesus sinen vader) 

Vader van himelriche, 

ich danc dich sünderliche 1195 

aller genaden der du mig deis, 

want ich dat wale weis 

dat ich van dich ben gebort 

iude nie mine beide inwart zeslort, 

dun dedis minen wille 1200 

offenboer ende stille. 

Uli biddicli dig als minen vader 



MNL. OSTERSPIEL. 341 

vmbe diser wille alle gader 

die hie umbe stände siju 

dat diiie gotheit werde schiu, 1205 

ende dat on allen werde bekant 

dat ich van dig ben gesant. 
(Euer Jhesus) 

(Lazare, ueni foras) 

Lazare, du salt up staen 

inde usser diseu graue gain. 

loist ime af die bende 1210 

an uussen ende an hende. 
Hie sendet vnse here sente Petere ende sente Johanne 
vmbe eine eselinne. 

Peter ende Johannes, 

in di slat di uor uch es 

sult ir al beide gaen, 

da vent ir eine esselinne slaen 1215 

inde ire iunc gebunden, 

die brenc mir nu zu stunden. 

will dat iman widersaen, 

sait, ur meister wil si haen. 
Sente Peter zu Jhesu 

Here dat si gerne gedaen, 1220 

na den eissei wil wir gaen. - i 

Der bodc zen apostelen 

Ir hereu sait, wat sukit ir hi? 

war umbe inbendit ir dit vie? 
Sente Peter zu den bode 

Gut man, uns meister sal drüp riden. 

dar umbe in salt du it nit beniden. 1225 

vor woer salt du wissen dat, 

he hait ze dune hie in der stal. 
Der bode zu deine volke 

Hort ir heren eine mere, 

hie kumet Jhesus, der lerere, 

her zu ug gereiden, 1230 

einen eissei hait he beschreden. 

dunkit ug allen gut gedaen, 

intgegen ime wil wir gaen. 



342 MNL. OSTERSPIEL. 

Ey7i pha7'iseiis spricht 

245" (Aue rex nr fili Dauid.) 

Willekume sijs du here, 

der werelde scheppere, 1235 

van Israhel kuninc herlich, 

Dauites sun geweldich. 

du bis van dines vader haut 

vns zu troisle gesant, 

als der propheten bugge han inue, 1240 

van dei' w^erelt aneginne. 

des sis du gebenedijt 

van nu vort zu aller zijt. 
Di kindere süngen gloria laus. 

(Gloria, laus et honor tibi sit) 

Hude si dir lof ende ere, 

Crist, der werelde losere, 1245 

r I in deine dat di kusche iuget 

in dir sere wirt erhuget. 

ebreis vole kümt dir intgegen 

mit palmen ende blumen allerwegen 

inde gert dat it dich intfange 1250 

beide bit loue ende bit sänge. 
Hie dreif hei' Jhcsus us den templc die kqßude 

Ir misdedige, henne vlijt! 

in disen tempel insult ir nijt 

driuen meisdait ende rouf 

nog uorweselen vren kouf. 1255 

Hie bleif her Jhesu in den tempel, ende ?iiman inba- 

den zu essene sunder Martha. 
(. Here, wilt du mit uns" gaen ti 

245'' inde dat in guet uirstaen 

dat wir han in vnsen hus, - 

da is vnse brüder Lazarus. . . .»vk. ' a\ 

da wil wir dir in güden trüwen 1260 

deilen des uns is uirluwen. 
Jhesus zu Marthen ;- ; 

Vor Martha, gerne willich gaen 

mit uch essen, ende Infant 
1201. verliehen. 1263. /. ontfaen ■'-'■■ t\:*'y\-<^\\}^ ■ . 



MNL. OSTERSPIEL. 343 

des ir liait in vren huse 5 

indc wir venden Lazaruse. 1265 

Maria Magdalena kumet in Sijmons Jius, da her .fhe- 
sus saz-, ende g'ois ime up sin honet aromata dal 
gecrude. Dil sag Judas ende spj^ach 

Dil werc Las acliter bleuen, 

vnibe dil gecrude were gegeuen 

zu llchtea gedinge 

dri hundert penninche, 

ze geuene den armen 1270 

der man sich sal irbarmen. 
Jhesus antwort sinen iiingeren 

Gedougel ug, laist bestaen ! 

want si hait wale an mir gedau. 

bi ug sult ir alle zijt die armen 

venden, der laisl uch irbarmen. 1275 

mich in muit ir uiet sien 

in aller zijt, dat müs geschin. 

dit is bekennisse, 

dat man hi ane wisse 

bedutnisse van minen graue, 1280 

246" inde ich den doil ze lidene haue. 
Ein phariseus, ein inde, sprichet das 

(Quid facimus, c^uia hie . . .) 

Ir heren, wilt ir nemen rait 

vmbe dat sich hi erbauen hait? 

hi in disen lande 

hell sich eine nuwe schände. 1285 

hie kumet des diiuels bode 

inde mach sich zu einen gode. ,, , , .vV 

vch allen is he bekant. 

Jhesus is he genant. 

sin vader was eyu cimmerman. ^ , 1290 

ig weis dat wale dat heue wan 

an eynen wiue Marien. .,, ,;V\ 

sins wille wir uirzien. 

sin koggelspel dat is so grois 

1278. betekenisse? 1293. sins willen wir versien, n'ir wollen 

uns vor ihm vorsehn, versien prospicere, vavere, praecavere. 



344 xMNL. OSTERSPIEL. 

ine weis uirgen sin genois. 1295 

uuwens so hait he gedaen 

(lat ime eyn dode na gaen. 

dat is de seine Lazarus 

de hude mit ime in sin hus 

zer tafelen hait gesessen 1300 

inde hait gedrunken ende gessen, 

des nie inplagen ander doden. 

helpe wir vus vs diser noiden! 

inde dencken, wie wer den rait gegeueu 

dat wir benemen ime sine leuen ; 1305 

want zu grois wirt sine gewalt. 

ime volget junc ende alt. 

virnement dit die Romere 

aldus gedane niere, 
246'' si nemeut vns dat lant, 1310 

inde antwordent in vremede hant 

vuse wijf ende vnse kent. 

here Cayfas, nu vent 

eynen rait de vns si gut, 

da mide wir wale sin behüt. 1315 

Cmjas antwort 

(Expedit nobis; 

Er heren, mirkit alle 

of uch min rait beualle. 

wir sien dat volc irre gaen. 

dan dunckit mir nit gut gedaen. 

besser ist dat eyn man sterue 1320 

dan die werelt al vorderue. 
Der irste iude sjrricht 

Nu hört wat ich dar zu sage : 

niet an den heilichen dage 

iusull ir dis begennen, 

wilt ir den man vorwenuen. 1325 

Hie kumpt Judas zen rade 

Alleiue inplit mans nit ze hone, 

ich muz dog mit vrloue 
■;■' ' 'V ^ mich zuchen an diseu rail. 

ich weis wale wa it hine galt. 



MNL. OSTERSPIEL. 345 

ist als ich gemirken kau, 1330 

so geit die reide Jhesum an. 

will ir reichte stan dar na, 

ich wen, it iig andirs nil vorva, 

ir inweruet mine minne, 

dat ine uch gewinne. 1335 

ich were ug harde gut daran. 
246"" he is ein sere wis man. 

he is uch decke entgangen 

als irne umbe vangen 

haddet alle gemeine, 1340 

inde up ime druget steine. 

nu siet wat ir mir willet geuen. 

he wirt ug wale, sal ich leuen. 
CayJ'as zu Judase 

Judas, dine zale 

behait mir sere wale. 1345 

wilt du uns bit truwen weruen 

so in mait du uit verderuen. 

vnder vns haen wirs geual. 

dan af in mache ingein geschal. 

wilt du ouch gedinge machen 1350 

van aldus gedaner Sachen, 

wir geuen dir uil schone 

drizsich pennincge zu lone. 
Judas wider .; 

. Da in rede ich nit wider. 

gef mir nu ende euer sider. 1355 

berichtet vre knechte 

dat si mirken reichte, 

so wen ich küsse vor sinen raunt 

den grifet ane zer seiner stunt. 

nu hört wat ig hie mide meine 1360 

dat ich hie dus kume alleine 

inde ich ualle in vren rait, 

went id is vmbe vndait. 

dat mich soude vrümcn 

dat is mich bcnümen. 1365 

\:Wi. I. ende ii 



346 MNL. OSTERSPIEL. 

246' Maria quam van vruade haluen 

mit einer kostlicher saluen. 

si were so wo mare hedde begerl 

drihundert penniuche wert. 

die gois si in implit. 1370 

dat in behade mir nit. 

des was ich ein kemerere. 

of si virkoit were 

so were der tinde penninc min. 

der penninche sulden drissich sin. 1375 

id sule mig hinderen oue vrümen, 

des schaden willich na kümen. 
CayJ'as zu Jiidase 

Judas, du reides reichte. 

we mich in schaden brechte 

des wolde ich immer na kümen, 1380 

id solde hinderen oue vromen. 

nu du vns dis Sicherheit, 

dal war dit venden al gereit. 
Hie sendet her Jhesus si?ie apostelen in eine stat. 

Peter inde Johan, 

Jacob, mine villeiue man, 1385 

in die stat sult ir gaen. 

dat sult ir wissen sunder waen. 

dat sult ir venden hude 

eynen man den ich ug dude. 

he dreit ein legellen an der haut, 1390 

. vol Wassers, dat si ug bekant. 

ir sult ime sagen mere, 

dat ur meister ende ur here 

wile sin paschen 



(es fehlen mehrere bl'dtter) 
IM" of ich der niartilien möge in sijn 1395 

voirhussen, oft si der wille dijn. 
niet na rainen wille, vader, 
mer na den dinen allegader. 

1370. in ontplit ? unbedachter wetsei' plief, cura, observatio, Hilian 



MNL. OSTERSPIEL. 347 

Hie unse* here loider ende vint sine iungere slafende 

ende sprach 
(Symon, dormis? Non potuisti vna hora vigilare me- 
cum, et ludas non dormit. Quomodo non dormit, 
sed festinat me tradere Iiideis.) 

Slefes du Peter, liue kent? 

die wort van mir gescreuen senl. 1400 

also sint si volle brait 

hint, an dire seiner nait, 

van einer enstelicher Sachen. 

in moites du nit in wenich wachen, 

als Judas deit, de sich bereit 1405 

wie hie die Juden an mig geleit, 

inde begint dar streuen 

dat he beneme mir dat leuen. 

ir sult ur slafen laissen stan, 

inde rufen minen vader an 1410 

dat uch der duuel nit bekore. 

der geist, de is gereit doch zwore, 

ouch wie der licham si ungesunt, 

den doit zu lidene nu zerstunt. 
Hie geit uns here anderwerf beden. 

Herteliue vader min, 1415 

of id nit anders in mach sijn, 

dat ich nit inraag intwenken 

ine mnsze van disen kelge drenken, 
247'' ig in wille die martilie nit entsien, 

din wille müsze an mir geschien. 1420 

Hie kurnet unse here, ende vindet sin iungere sla- 
fende, ende geit sich dirdewerf beden up den 
berg. 

(Pater, manifestaui nomen tuum etc.) 

Vader, ich han in aller stünt 

dinen name gemachet künt 

den luden die du hauis mich 

gegeuen, vor die bid ich dich. 

in in wille nit rufen ane " 1425 

/. Hie coml unse 



348 MNL. OSTERSPIEL. 

vnibe die werelt dineu name. 

went ich zu dich sal uaren, vader, 

so bidde ich vmbe inine vrunt algader. 
Hie kumet Gabriel ende troistet vnsen here. 

Here Jhesu, durg dine gude 

nu Salt du din vngemude 1430 

loissen ende och dine clage. 

vorstanl ende hör wat ich sage : 

dir inbudet sicherliche 

din vader, got van himelriche. 

ich ben as van ime gesant 1435 

eyn bode, Gabriel genant, 

de ze diner müder 

Marien der guder 

wart gesant vm des minschen noit. 

dar uinbe so müz du den doit 1440 

liden, de dich sal geschin. 

van dinen vader is he vorsien. 
247' den müz du doigen nu zestunl. 

war umbe it is datz dir wale kiint. 

dar umbe la din ungedout. 1445 

id is umbe die irste schout, 

di da in den paradyse 

sich irhuef in maniche wise. 

her umbe müst ze rade gaen 

got, din vader, sunder waen, 1450 

wie ende mit wilcher Sachen 
fv- : ; den minsche wider vri moichte machen. 

^ he sig du genande, 
^ Jhesu, dat he dich sande, 

inde gaf dir dat ze dune 1455 

dat du suis machen süne 

tuschen dich ende dinen vader 

inde der Averelt allegader. 

nu ist kimien an der zijt 

dat zebrochen wirt der strijt, 1460 

• , ' want du hais die sune vorbrait, 

als hie vore is gesail. 

nu Iroisle dich Jhesu, liue name, 



MNL. OSTERSPIEL. :M9 

du Salt liden simder schäme 

vmbe des minscheii wille den doit, 14 05 

ende stürzen och din blut roit. 

dan sal dich nit wesen leit, 

want van dir gescreuen steit 

dat du suis werden sunder noit 

geleil als ein schaif zer doit. 1470 

nu valr ich wider in dat lanl 

dan ich here ben gesant. 
J-nsc here zu den apostelen 

247 '' Slafet kinder, nemet raste ; 

Judas de so nekit vns vaste 

mit allen den viende min. 1475 

steit up, laist ur slafen sin ! 

wat so sal die lange rue? 

dis minschin sun der wirt itzu 

getreckit in der sunder haut. 

vrunt, dat si uch bekant: 1480 

we so hait zwene rocke 

de so loufe uppen stucke 

virkoufer einen ende gelde eyn swerl. 

des is urber ende wirt begert, 

weme id sie lief oue leit. 1485 

went alse gescreuen steit, 

ich sal den schaef hirde slaen, 

sin schaef sulen gesprcdit gaen. 

inde als ich uperstanden ben 

vor gaen ich uch in Galileen. 1490 

Sente Peter zu Jhesu 

Here zwey swert sinl hie. 



Jhesus 



wat wolt du dat der mit geschie? 



Peter, der is gnuch der niide. 
gedougc wir uns nu zu siede. 
Judas zu den luden lief. 

Ir heren, hört wal ich ug sage. l/i«.).") 

id is iezu vor dcnic dage 
dal Jhesus in gcbcde 
liet, na unsen sede. 



350 MNL. OSTERSPIEL. 

will irne vangen oue slaen, 

so must ir balde bil mir gaen. 1500 

Dit horten die luden ende 



Et uos similes hominibus. etc. 

bl. 3" Dese wort spreect onse here te sinen jongeren ende 
teen igeliken menschen, ende spreken de wort aldus in dit- 
schen: gi sult gelic sin dien menschen die beiden hares he- 
ren, die geuaren es ter bruloyt, dassin gereet inlaten. dese 
brudegoem es got, ende die brut es sin menscheit. die hef- 
ter te himel geuurt. ende in den iuncsten dage so wilter 
her weder comen. ende sprect onse here in den ewange- 
lien : siet dat gi bereet sijt, want gin wet nit wanner nog 
welges dags des menschen kint compt. dats dar bi want wi 
alle Iweere mehschen kinder sin. ende hi en es nit dan 
enes menschen kint ende gots. ende daer tue dwangen die 

M. dassich got mensch macde, ende die menschen te gode, 
als dar vore steet, dar onse here sprect, dat wi gode wer- 
den, dat macde allene die m. want m. es so edel ende so 
werdech, dasse den menschen ane allen dengen gode gelic 
mact, in der maten dat hi henie gelic mag werden, nu sprect 
hi dat wi gelic sulen wesen dien menschen die beiden hars 
heren, die geuaren es ter bruloyt, als hi weder compt, das- 
sin gereet in laten. ende die dus hars heren beiden, si su- 
len drie denc hebben, wille sis wale beiden. 

Dirst es dasse waken sulen. ende sulen waken dor drie 
denc. dirste darse orabe waken sulen dats dat hen nit ver- 
stolnen werde, dander es dat hen tfür nin verlesschc, op 
dasse heme ligl eniegen brengen. terde es dasse bereet sin 
den brudegoem in te laten. — si sulen den irsten waken 
dat hen der scat nit verstoln en werde, dar af sprect s. Pau- 
lus: wat maech ons Aerstolen werden dan die sile? derre 



MNL. PREDIGTEN. 351 

wacht der diuel lallen tiden, datier ons die verstele. ende 
bidien sleel ons vlilelic te waken dat wi die behuden. wi 
Silin oec waken op dal tfiir nin lessche. dit für en es an- 
ders nil, dan die genade ons heren. ende dir genaden sal 
der mensch dogenllike wagten ende plegen, ende sal telken 
liden dir genadcn tu leghen mit guden werken, mi lest in 
den auden wet, dat gol geboet dat elken tijd een vur bernde 
in den altare, ende der hude van den wette sult dat vur 
maken, ende alloes tu leghen dat nin verleschde. geliker 
wis es ons gebodeu, dien de genade ons heren in den her- 
len bernt. ende der hude van den wette dat es des men- 
schen beschcidenheit. die sal dat vur der genaden sloken 
met guden werken, ende sal die dogde vffenen vlitelikc, die 
heme got gegeuen heft, met singene, met lesene, met bedene, 
ende met eenre igeliker guder arbeil, als vele als hi vermach, 
ende na dien dat heme got genaden heft gegeuen die sal hi heme 
weder geuen. want en will hi die genade nit vffen so menret 
se in gode. alsoe sprect s. Paulus: gefl weder die genade gode, 
gi verlisse anders, onse here sprect oec in den ewl. : so wi die 
genade verbergt, dire van gode heft, ende nit en vfTent, die 
nempl hi heme ende gifse een anderen, darse nutler es. die 
prophete sprect : in wil nemmer rasten eer ic come in die 
heilecheit gots ende an hare dat iuncste. also sprect hi sei- 
ner in Apoc. : ego sum alpha et o, ic ben begen ende ende, 
ende also sprect der prophete dat hi nemmer en raste, hin 
com ten begenne ende ten ende dal got es. hi sprect oec 
meer: viemor fui, ic gedagle ane gode, ende mi weder vu- 
ren drie denc. due ic ane gode dagte due losts mi, ende 
bidien vffendic gude werc, ende mi tevloel min gest van dir 
sulecheit die ic in minre gedechtcn ane gode vant. uii les! 
van der coninginncn Hesler, du se vor den coninc Assuerum 
sulde gaen, due cruerelse hare sere. want der coninc had 
dien sede, wi vor heme quam ongerupen, hi must den doel 
liden. ende tenen male must die coninginne vor heme comen 
ongerupen. ende due ciretse hare met edelen clederen. ende 
du se vor heme sulde gaen, due vurlse eene joncfrouwe met 
hare, die hare die cleder op ligde. ende du se den coninc 
ane sach, due dogl hare dasse der coninc een deel verbolgelic 



352 MNL. PREDIGTEIN. 

aiie sege, .ende verscoet alsoe sere (lasse al bleec wart, ende 
neigde sich op die joncfrouwe. bi den coninc Asswero es 
betekent onse here Jhesus Christus, ende bi der coniginne 
Bester es betekent die sile. want als die sile begint te ge- 
denckene aue gode ende ane die schoenheit des himels, so 
en rast die sile nemniermeer, eerse met hare gedegten come 
vor gots stul, ende stict dan har ogen in din godeliken spi- 
gel. ende alsoe als mi lest van der cög. dasse verscoet, 
due har dogle dasse der coninc verbolgelic ane sege, alsoe 
geschiet der silen, alse met baren gedegten vor gode compt, 
ende sich got an sulker maten geft te bekenne, also dasse 
sin anschin bekent, ende van dien anschine verschit die sile. 
ende bidien dat der coneginne dogte dat har der coninc een 
deel verbolgelic ane sege, bi dir bolgescap es betekent ene 
wandelinge dis anschins. die wandelunge geschiet als die 
sile hare oegen stict in gode, ende sich got har geft ter- 
kenne. so verscit die sile, inde der lighanie verlist al sine 
cragt, ende trect sich dbuet (/. tbloet)allet enwert. want therte 
heft so grote beruringe ontfaen, dat der mensch bleec wert, 
ende neigt sich dann der geest op den lighame ont der mensch 
wider te sich seiner compt. terde, darse ombe waken sulen, 
dats dasse gereet sin den brudegoem in te latene als hi compt. 
alsoe sprect onse here : ic sta, ende cloppe tes menschen 
herten. selech sinse die mi in laten. met hen willic ho- 

getide hebben. hie sprac oec in der m. büke, du mi op, 
min liue suster ende tortelduue, ende laet mi hogetide hebben. 
Dander es, si sulen wale gesiert sin als danschin stem- 
peis, ornaverunt faciem templL mi lest in den auden wet 
van den temple, dat was gecirt met güldenen cronen ende 
met güldenen scilden, ende waren ane die orde des tempels 
ombehange op geslagen met güldenen vingeren. gelikerwis 
sal der mensche gecirt sin. dat sprect s. Paulus : onse 
lighame es een tempel des leuentgen gots. sent wi nü een 
lempel gots sin, so sulwi gecirt sin met eenre guldenre cro- 
nen. s. Jo. sag ene vrouwe, die hadde die sonne tenen 
cleede ende den mane tenen vutscemele, ende was gecroent 
met XII ligten sterren. hi sprect oec: ich sach een teken 
an den himel, dal was wonder groet, ende was ene vrouwe. 



MNL. PREDIGTEiS. 353 

det möge wi betekeu anc onser vrouwen. vvant si badde 
vvale die sonne tcncn clcde, du se die ewege sonne onlünc, 
ende si ende got eren gemeinen son te gader liadden. si 
liadde oec den mane tenen vulscenielc. dal was die hose 
werelt, die Iiadse versuiaet. si was oec gecroeut ende es 
noch gecroent in himelrike mit xii sonderliken eren. ende 
dat hi sprac: ene vrouwe een wif", dat meint lii dar mede, 
dasse müder ende magt es. wi mögen oec dese betekeninge 
keren ane ene igelic sile die gots tempel es. die sonne, dar 
die sile mede es gecleet, dats die gre, die onse bere den 
guden menschen geft in den gebede. die mane, dats die böse 
werlt. die sal der mensch versmaden ende vlien. als S.Pau- 
lus sprecl: mi es die wcrclt le meste worde vor min oegen. 
regte als of hi sprake : ic hebbe die werelt so verworpen 
ende versmaet, dat ic nit meer op bare en agle dan olTe een 
mcst wäre, darna wert die sile gecroent met eenre cronen, 
die bclt XII sterren. das sin xii gemein sterren des himel- 
rics, die een igelic mensche heft dire oc ni beft (?). bi ge- 
winl VI sunderlike vroiide ende gecirde an din liue, ende vi 
an dir seien, aldus sal die sele gecronet sin, die gols tem- 
pel es. wi sulen oec gecirt sin met güldenen scilden, alse 
dat lempel. also sprac Dauid, doiiiine ut scuto. oy here, 
du best mi gecroent metten scilde dins guden willen, an den 
seilt sin drie orde. dar bi es ons dit betekent. en ort dat 
sin ons beren gebot ende sin leringe. die sal der mensch 
vlilelike hauden, ende sinen rade na volgen. dander ort es 
ene igelicke regele, terde es die setlinge die mer ons sei 
ende heit. dat sal der mensce gullike ende vrolike behau- 
den, ende sal sin herte dar tu ordeniren, dat willeglike ge- 
horsam sie sinre mccsterscap ende sire ordenen. alse der 
mensce dese drie ort heft so es bi wale gecirt vore gode, 
ende es een tempel des leuende gots. dat tempel was oec 
gecirt mel iiij ombebangcn. dal sin iiij dogede, die der men- 
sche sal hebben die gots tempel es. der erste es outfarme- 
cbeit, die der mensche sal hebben ouer enen igeliken men- 
sce, alse uerre alse hi mag. ende sal mel enen igeliken men- 
schen dragen wat so beme mescomt, het si an Jiue, ogte an 
seien, ogte an herten, ende sal uor beme bidden. der ander 
es gehorsamheit, die sal der mensce willeglike Icslen, met 
Z. F. D. A. II. 23 



354 MNL. PREDIGTEN. 

herten ende mit liue. der derde es geduldecheit. der mensce 
sal gediildeglike sine ordene dragen ont in den doct. der 
uirde onibehanc ende der leste, dats otmuet. der mensce 
sal oelmudelike alle sine werc uolbrengen. ende sal ontfar- 
mecheit, gehorsamlieit ende geduldecheit ciren met der oet- 
mudeclieide. met desen vier onibehangen sal dat tempel gots 
gecirt sin. ende dese oinbehange sulen op geslagen sin met 
güldenen uingeren. also sal der mensce alle sine dogede 
ophefen melter M"., ende sal sine sele ende gode te samen 
nechgelen metter M". en geliker wis, alse een vingeren ront 
es sonder ende, also es die M". sonder ende, want alse 
alle dogede tegaen, so blift se stedeg. want sis eweg. mi 
leset van Moyse, di wart geworpen in een water, ende wart 
vonden op din watere, ende mi bragte dat kint der coni- 
ginne, ende si hilt drie dage. bi din es ons betekent een 
igelic geestelic mensce. Moyses sprect een mensche di vt 
enen watere es getrecl. dat sin geestelike lide. di sin ut 
yn watere getrect derre vlitender werelt. want geliker wis 
alse dit waler ulit ende onstedeg es, also es die werelt allen 
tid ongetruwe. also sprect ene wise urowe : wi uliten henne 
alst dat water. also sprect die screft: een igelic dinc ilt dal 
werde, ende dat sins sec nit meer en sie. also es die un- 
getruAve werelt alse dat waler. vt din watere sin gestelike 
lide gelogen in geeslcliken leuene. dar in sulense dri dage 
weiden gaen legen dal himelrike. der erste dag es gans ende 
regt ruwe. der ander dag es ganse ende regle bigte al der 
Sunden, der derde dag es stedege bvte toten ende, mi leset 
in den auden wet, dat onse here gebot dal mi een tempel 
macte, ende dat cirde met drin uarwen. met witler ende met 
roder ende met himel varwen. bi der witler uarwen es be- 
tekent die kuscheit ene geslelike scanie. daraf sprect S. B*.: 
ic weet ene liarde scone doget, si es gebeten geestelike 
scame. si es harde guet geweten, si es een heimelic vrint 
gols. si es een bchutinge der kuscheit, ende een sluel ende 
een beginsel der dogede, ende ene bereidinge des herten, 
ende ene ouergulde alre dogede ende alles gudes. bi der 
roder uarwen es belckenl gedencnisse ons heren marlelen. 
dar sal der mensce bedinken al dis dal hi dor ons leden hefl, 
ende wie grole minne hi ons dar niidc toende. ende dar 



MNL. PREDIGTEN. 355 

sal sich die sele iierwen inettin blude dal ut slnen Herten 
vloet. also sprect S. Agnelc: ons heren bluet es nii eae 
uarwe an minen wangen. hofsce urouwen plegent sich le 
verwene raet witter varwen ende met roder. also sal sich 
dl sele verwen met kuscheide ende met gedenckenisse ons 
heren martelen. dat lempel was oec gecirt met himel- var- 
wen. dar raide es belekent begeringe ende M*., die wi su- 
len hebben tin himelsce lande, ende die M". salt ons loenen 
ende mit gode verbinden, also sprect S. Paulus: die M*'. es 
een baut dar onse here bitter seien mide wilt gebunden sin. 
S. Agnes sprect oec: die M^. es een sutebant: si bint gode 
ende die sele sulelike te sanien. hi sprect oec: oy JVP. du 
best ene edele doget, ende best die nit en begcrs allene te 
hebbene. du deeist di al den genen die in der minnen sin. 
so sprect dan S. Paulus: die IVP. es edel, ric ende gewel- 
deg, ende slat also metter M". si mact den riken arm ende 
den armen rike. ende wi sonder M*. es, die es arm, al wäre 
oec alle die werelt sin. ende wie oec die M"" heft di es rike. 
aldus sal die sele gecirt sin met drin uarwen alse dat tempel. 
Terde es wie degene dun sulen, die hars heren beiden, 
die ter brulogt es geuaren. dats dat si sulen geduldechlike 
beiden, also dals lien nit en verdrite, of hi te lange mert. 
si sulen geduldechlike beiden dor dri dinc. die geduldecheit 
meret din loen. so der mensche geduldeger es in sinem bei- 
den, so sin loen mere es vor gode. dander es, si jioget 
die werdecheit. so der mensce merre werdecheit heft, so 
hi hoger wert vor alt himelsce her. terde es si breit die 
uroude des himelrikes. so der mensce merre geduldecheit 
heft, so sine uroude mere es vor gode, ende an heme seiner 
ende an alt himelsce her. also list mi van S. 3Iertcnc, die 
was also geduldeg dat hi seide: here wiltu ic Icue, wiltu ic 
Sterne, wat gi will dat willic, v wille gewerde an mi. mi 
lest van enre urouwen, die hit Rebecca, die dnig Iwe kin- 
dere, ende die kint cregen in der müder onder sig. bi dir 
vrouAvcn es bctekent der gude sente Merten. die drng twe 
willen, die cregen onder sig. dal was doet ende leucn. wat 
gots wille wäre, dal dat oc sin wille wcre. were dal gofs 
wille dal hi leucde, so wolde hi leuen, gode tedinste. wolde 
oec got dal hi storue, so wolde hi stcruen gerne, op dal hi 

23* 



356 MNL. PREDIGTEN. 

ter hiinelscer gelorien queine. gol geue ons guden wille, 
ende din also te haldene dat sin ere ende onse orber sie. 
Amen. 

XXI 

Dets wie sich got g^elict eenre blumen. 

bl. MO* Be/loiun't caro inea etc. Alsus sprect onse here 
dor dd. mont. min vlesch es weder gebloit. nu suldi mer- 
cken dal sig onse here gelict eenre blumen, ende die blume 
hefl ses bladere. derre bladere suhvi mercken drie ane sinre 
mensheit, ende drie ane sinre golheit. ane sinre mensheit 
was oetmudecheit, kuscheit ende gehorsamheit, onse here 
Jhesus xpc was der oetmudechste mensche die ie geboren 
wart, hi was also sere versmaet, dat noit mensche op ert- 
rike so versmaet en wart, hi was oec der kuste mensche 
die ie geboren wart, ogte emmer geboren sal werden, sin 
wort, sin werc, sin gelaet, sin wandelinge ende alle sin le- 
uen was also reine ende also kusch alst van regte wesen 
soude. want hi es een beginsel alre kuscheit. hi was oec 
gehorsam sinen vadere totter doet. want gehorsamheit ban- 
den ane een cruce, ende schiet sine edele sele van sinen 
lighame, ende sfunt an den cruce also iamerlike, dat sinre 
liuer müder harte herle tebreken mogte. ende due se also 
iamerlike stunt bi heme, ende also hertelike sere weinde, 
(want muderlike herle es harde morwe, ende si sagene in 
groter noel), due sprac hi te hare : sech, liue rauder, waer 
din kint staet ! dat was also vele gesproken: sech, liue 
müder, wie ic stae ! mi sin min vute anl cruce genegell met 
also scarpen nagelen, dat ic di niet ter herbergen geleiden 
en can. min hande sin mi geuegell, ic encan di din oegcn 
niet gedrogen. min bluet es mi ontfloten van minen herlen. 
in can gespreken nog en can di nit gelroeslen. ende due 
sprac hi te S. Jo. ewi*. die bi heme stunt: ecce vialcr tua. 
dat was als vele gesproken: sech, Jo., ic bcuele di minre 
liuer müder; müder, ic beuele di Jo., minen liuen iungere, 
tenen sone. dat was een cranc wesscl. hi gaf den here 
oinb den knegt. Owi ! nu merct muderlic herle, ende prüft 



MNL. PREEIGTEN. 357 

wie herleliken wec Marien sinre müder was due si bare kint 
so iamerlike sa<^ staen ant criice ende si den iungere muste 
nenicn vor den nieester. siet of Jhesus gehorsam was. 
want wat drcuene in sinre doet ant criicc? — aldus hebdi 
gehört wie onse here Jhesus xpe drie bluraen hadde an sinre 
mciisheil. nu suldi oec drie mercken an sinre hoger golheit. 
dats gewaut, schoenheit ende ewecheit. sin grote gewaut 
niogdi mercken ane meiiger creialuren. merkt dat hi gewel- 
deg es himels ende erden, ende al dis dat ie gewart, ende 
oec dis noit en wart, ende al dis dat emmer werden sal. 
sin gewaut en can niman voltellen. niet enen worde macde 
hi himel ende erde, ende alle denc, ende alle creiaturen, 
ende es nog al in sinre gewant besloten. dits die blume van 
sinre gewaut. nu merct die van sinre Schönheit, van sinre 
scocnheit es bouen male le sprekene, ende es onseggelike, 
want sin Schönheit es ongelic eneger Schönheit die mi ge- 
uisiren can. ende alle Schönheit es ene donkelheit iegen sin 
Schönheit, nu bort een gelickenisse geft een wis man. hi 
sprcct: die name al dat ie wart ende emmer werden sal, 
beide, hout ende stene, blumen, gras, ende al dat bernen 
mag, ende van al din een vier maecde, dat worde een harde 
groet ligt, ende die daii ene kertce name, ende onlfencket 
se, ende hillse ihegen dat groet vier — regte (sprect hi) 
alse die kertce wäre ihegen dal vier, also ongelic es alle die 
Schönheit in hiraelrike ende in ertrike ihegen die Schönheit 
die ane gode es. dits die blume sinre Schönheit, nu suldi 
mercken sin gotlike ewecheit. dat eweg es, dats sonder ende, 
also suldi weten dat die gotlike ewecheit sonder ende es. 
ende oec sonder beginsel. hi was altoes, ende hi es altoes, 
ende hi sal alloes wesen. siet, dits die blume van sinre 
ewecheit. ende aldus es got weder gebloyt. nu sul wi heme 
bidden, dat hi ons bloyende ende groiende make, ende ewe- 
like le bliuene met sinre ewecheit. Amen. 



35S 



EIN MÄRCHEN AUS DER OBERLAÜSITZ. 

Eine nonDe ein bergmanu und ein schmied wanderlen 
mit einander durch die weit, einmal hatten sie sich in einem 
grofsen finslern walde verirrt, so dafs sie Iroh sein muslcn 
als sie endlich in der ferne ein gemäuer erblickten in dem 
sie dachten obdach zu finden, sie giengen also darauf zu 
und sahen dafs es ein alles wüstes sciilofs war, schon vei'- 
fallen, aber dafs man doch zur noth noch darin wohnen 
konnte, darum beschlofsen sie darin zu bleiben und hielten 
rath wie sie sich einrichten wollten und wurden bald einig 
dafs immer eins von ihnen daheim bleiben und die Wirtschaft 
bestellen sollte während die beiden andern aus wären. 

Das lofs zu hause zu bleiben traf zuerst die noiine. als 
nun der bergmanu und der schmied in den wald gegangen 
waren, besorgte die nonne die küche, und als ihre gerährten 
zur mittagszeif nicht heim kamen, verzehrte sie iiiren iheil 
von der malzeit, da trat auf einmal ein graues männclien 
zur thür herein, schüttelte sich und sprach 'o wie friert mich !' 
die nonne antwortete 'setze dich zum ofen und wärme dich.' 
das männchen that wie sie es hiefs, aber bald rief es 'o wie 
hungert michl' die nonne sagte 'auf dem ofen sieht cfsen, 
so ifs.' da machte sich das männchen über das eisen und 
afs in geschwiudigkeit alles auf was da war. darüber wurde 
die nonne zornig und schalt es dafs es für ihre gerährten 
gar nichts übrig gelafsen hätte, da gerieth auch das männ- 
chen in einen grofsen zorn, nahm die nonne, schlug sie und 
warf sie von einer wand zur andern, darauf liefs es sie 
liegen und gieng seines wegs. am abend kamen die beiden 
gefährten der nonne nach hause, und als sie hungrig ihr 
efsen verlangten und nichts da war, machten sie der nonne 
grofse vorwürfe und wollten ihr nicht glauben als sie ihnen 
erzählte was ihr widerfahren wäre. 

Den folgenden lag erbot sich der bergmanu das haus zu 
hüten und versprach schon dafür zu sorgen dafs niemand 



EIN MÄRCHEN. 359 

hungTig zu bette gehen dürfte, so giengen die beiden an- 
dern in den wald und der bergniann besorgte das efsen, 
verzehrte seinen Iheil und setzte dann das übrige auf den 
ofen. da trat das uiännchen herein, aber wie erschrack der 
bergmann, als er sah dal's es zwei köpfe halte, es schüt- 
telte sich und sprach 'o wie friert mich ! ' ganz voller furcht 
verwies es der bergmann zum ofen. bald darauf fieng es an 
zu klagen 'o wie hungert mich, 'auf dem ofen steht efsen, 
so ifs!' antwortete der bergmann. da fiel das männchen mit 
seinen beiden köpfen über das eisen her und bald war alles 
aufgezehrt, als der bergmann es deswegen ausschalt, ergieng 
es ihm wie der nonue : das männchen schlug ihn, warf ihn 
von einer wand zur andern, liefs ihn dann liegen und gieng 
davon, als nun am abend der schmied mit der nonne heim- 
kam und nichts für seinen hunger fand, gerielh er mit dem 
bergmann in streit und vermafs sich hoch und theuer, morgen 
sei an ihm die reihe das haus zu hüten und da solle es 
keinem an efsen fehlen. 

Als am andern tage das efsen fertig war, kam das männ- 
chen w-ieder, und dies mal hatte es drei köpfe, es klagte 
über frost und der schmied hiefs es sich an den ofen setzen. 
als es darauf über hunger klagte, theilte der schmied von 
dem efsen etwas ab und setzte es ihm hin. damit war das 
männchen geschwind fertig; es sah sich mit seinen sechs 
äugen begierig um und verlangte mehr, uud als der schmied 
sich weigerte ihm mehr zu reichen, wollte es ihm mitspie- 
len wie der nonue und dem bergmann. der schmied aber 
war nicht faul, nahm seinen grofsen schmiedehanmier, gieng 
auf das männchen los und schlug ihm zwei von seinen kö 
pfen ab, so dafs es eilig die llucht ergriff, der schmied lief 
ihm durch viele gange nach, bis es bei einer eisernen ihür 
plötzlich vor ihm verschwand, nun muste der schmied es auf- 
geben das männchen weiter zu verfolgen, nahm sich aber 
vor nicht eher zu ruhen als bis er mit seinen beiden gelahr- 
ten alles glücklich bestanden hätte, indessen waren der berg- 
mann und die uonne nach hause gekommen, der schmied 
brachte ihnen, wie er versprochen halte, ihr efsen und er- 
zählte ihnen sein abenteuer und zeigte ihnen die beiden ab- 
gehauenen köpfe, die sie mit verdrehten äugen anstarrten. 



360 ELN MÄRCHEN. 

darauf bcschlofsen alle drei sich von dem grauen männclien, 
wenn es möglich wäre, gauz zu befreien, und gleich am fol- 
genden tage giengen sie ans werk, sie niusten lange suchen 
ehe sie die eiserne thür fanden hei der das männchen ge- 
stern verschwunden war und es kostete grofse mühe ehe sie 
sie aufsprengten, da that sich ein weites gewölbe vor ihnen 
auf: darin safs ein schönes junges mädchen an einem tische 
und arbeitete, sie sprang auf und fiel ihnen zu fiifsen, indem 
sie ihnen für ihre befreiung dankte und erzählte sie sei eine 
königstochter und von einem mächtigen zauberer hierher ge- 
bannt worden ; gestern mittag habe sie auf einmal empfun- 
den dafs der zauber gelöst sei und seitdem habe sie jede 
stunde auf ihre befreiung gehofft, aber aufser ihr sei noch 
eine königstochter in dieses schlofs gebannt, darauf giengen 
sie und suchten auch diese auf und befreiten sie. in grofsen 
freuden dankte sie ihnen und sagte dafs auch sie gestern zu 
mittag es gefühlt habe wie ihre Verzauberung gelöst sei. nun 
erzählten die beiden königstochter ihren befreiern, in ver- 
borgenen kellern des schlofses sei ein grofser schätz den ein 
schrecklicher hund bewache, sie giengen nun danach und 
fanden endlich den hund, und der schmied erschlug ihn mit 
seinem schweren haramer, wie sehr er sich auch zur wehre 
setzen mochte, der schätz aber war gold und silber, ganze 
pfannen voll, und dabei safs als hüter ein schöner jüngling. 
der gieng ihnen entgegen und dankte ihnen dafs sie ihn er- 
löst hätten, er sei der söhn eines königs, aber von einem 
Zauberer in dieses schlofs gebannt und in das dreiköpfige 
männchen verwandelt worden, als er zwei von seinen köp- 
fen verloren, da sei die Verzauberung der beiden königs- 
tochter gehoben worden, und als der schmied den gräfslichen 
hund erschlagen, da sei auch er erlöst gewesen, dafür soll- 
ten sie nun den ganzen schätz zum lohne haben, darauf 
ward der schätz getheilt und ehe sie damit fertig wurden 
hatten sie lange zu thun; die beiden königstochter aber hei- 
rateten aus dankbarkeit für ihre erlösung die eine den schmied 
und die andere den bergmann, und der schöne königssohn 
heiratete die nonne. so lebten sie in frieden und frcude bei- 
sammen bis an ihren tod. 



361 



LAÜBACHEIl BARLAA3I. 

Berichtigung zu s. 13G des lu bandes. 

Die angäbe dafs von der Laubacher handschrift des Bar- 
laam Diefenbach zuerst nachricht gegeben habe ist unrichtig, 
schon im j. 1820 hat Benecke in seiner beurtheilung von 
Köpkcs ausgäbe des rudolfischen Barlaam (Gott. gel. anz. 
st. 34) sie mit wenigen Worten beschrieben, deren wieder- 
abdiiu'k nicht überflürsig sein dürfte. 

'Die geschieh te des Barlaam und Josaphat, die eben so 
gut eine empfehlung des eremitenlebens als des christenthums 
hcifsen kann, mufs vor Zeiten ein sehr beliebtes buch gewe- 
sen sein, niciit nur Rudolf brachte es in deutsche reime, 
der verfafser dieser anzeige hatte vor einigen jähren aus der 
zu Laubach befindlichen bibliolhek des grafen Solms eine 
handschrift in liänden die im j. 1392 geschrieben wurde und 
eine von Rudolfs gedichte ganz verschiedene, im ganzen aber 
schlechtere bearbeitung desselben Stoffes enthält, als verfafser 
derselben wird am schlulse ein bischof Otto genannt, der 
reimzeilen mögen vielleicht ein paar tausend mehr sein als 
bei Rudolf, auch schliefst sich der bischof genauer an das 
lateinische an als Rudolf, so heilst es zum beispiel gleich 
im anfange, im lateinischen Rebus igitur bene se habentibus 
et aureis (ut ita dlcam) pennis multis in coeltwi volantibus 
suiTcxit quidam rex Avennir nomine, dies übersetzt Rudolf 
in drei zeilen ohne etwas von den aureis 'pcnnis zu erwäh- 
nen ; Otto hingegen, dem gerade dieses bild sehr gefallen 
mochte, 

er gülden gefedere 

daz druog sy hen tvedere 

zuo den hymchchen koren. > 

nu moget er gehören 

waz die vcder dnten 

an den guden Inten : 

wachen fasten 

t/nd dar zuo lulzel rasten. 



302 LAUßACHEIl BARLAAM. 

und arbeiten sef^e 

ahhirch die godes eye, 

daz- forct en die scle 

ziio sante Mychele. 

in den selben stunden, 

do die lade begiinden 

als US ze gode streben, 

do begundc ein konig leben u. s. w. 
als fingerzeig für denjenigen der etwa eine zweite bs. die- 
ser arbeit Ottos auffindet mag diese probe genügen ; eine 
weitere vergleichung mit Rudolfs gedieht gehört nicht hier- 
her, nur dies verdient hier noch bemerkt zu werden, dafs 
die im zehnten kapitel des lat. buches erzählte fabel von dem 
Vogelsteller (Bon. fab. 92, vergl. EUis roui. 1, 139) von Otto 
übersetzt ist, bei Rudolf aber, man begreift nicht warum, 
fehlt; — 

Stuttgart, 10 merz 1842. FRANZ PFEIFFER. 



BURIDAN UND DIE KONIGIN VON 
FRANKREICH. 

De Buridano et Noverra historla Johannis Jeiicz 
incipit fellciter. 

Buridanus, nacione Picardus, perspicacis vir ingenii, dum 
in alma universitate Parisiensi degeret in collegio Na- 
verre, quod omnium collegiorum ibidem est maximum, 
quamvis varios libros composuerat ceteraque preclara fa- 
5 cinora sequenlibus posterisque ad sui sempiternam memo- 
riam slatuendam reliquit, tunc aliis suis preclaris factis 
dimissis solum unum memorie tradere visum est, quaUter 
nephandam mulieris libidinis cedeni stullorumque adoles- 
centum ac amatorum miserandam cladem et oppressionem 
10 mira callidilate prohibuerit. naui quodam tempore ad Buri- 
dani aures loquax fama rumorque perveuit de regina Fran- 
cie Navarra nomine, qualiter plerosque adolcscentes Pa- 
risiensis universilatis studcntcs successive ad se iusserat 

2. pariensi regerei 4. /. couiposueril 5. ad suis senipilcr- 

num 6. /. reliqueril /. taniPii //. 8. vielleicht muliebris 



BÜRIDAIN UND DIE kÖiMGlN VON FRANKREICH. 303 

accersiri, quoruiii nulius ab ea rcverti visus esf. Buri- 
(lanus vero erat vir magna prcdilus solertia. ex regine 
palalii silii, quod super aquam Secanam iacet, slinlenlum 
perdicionis causam apud se rede rimatus est. ul ergo 
5 ulleriorem miserorum amancium submersionem impedire 
posset, ad boc opportune vestlmenlorum ornalu reginc 
curiam lusum ingrcdilur. dum autem scopbi ludo pluribus 
secum vario cursu laborantibus certaret, ipse cunctis te- 
Icrior cunctisque agilior et in corporis multiplici flexibi- 

10 litate cunctis expedilior visus. regina vero Navarra de 
pallacio versus eandem curiam ad ambitum egrcssa Buri- 
dani celeritatem nüralur, totiusque ludi iocunda celebri- 
tas uon tantum quantum solius Buridani gracile corpus 
eiusque veloces saltus reginam delectare videbantur. nul- 

15 lum autem maius solacium Navarra in regis mariti sui 
absencia posse babere credidit ut quanto citius velocis sal- 
tatoris poliretur aniplexibus. nam qui corea veloces sunt, 
eciam in amoreis amasiis expediciores esse credunlur. 
nee fit mora. misso nunccio Buridanus vocatur ad reginc 

20 pallacium. quo veniente, slratis per cuncta sedilia tapeti- 
bus alque celalis vasis mullo auro argentoque fulgenlibus 
per mense ambitum pro ccna ducenda ordine locatis, opta- 
tus amator gaudenter suscipitur. cena vero vario cibi po- 
lusque apparatu, multiplici sermone, diverso ioco citbaris 

25 resonantibus in multam noctem splendide ac solenniter 
deducitur. dum vero longe dulcis Bachi indulti blanda Ve- 
nus utriusque amantis corpore surripere visa est, innu- 
meris osculis ultro citroque datis sei^cia sacra ingredi 
moliuntur. sed ubi Naverra talibus gaudlis trium dierum 

30 atque noclium spacio perusa fuisset atque libidinis ardore 
minuto et communis insanle crescenlc, ne eins scelcrc 
palefacto publicum sibi scandalum alque dedecus orirelur, 
femineo fraudis vero expers Buridano, ut plerisque dudum 
consueverat, necis boram hiis verbis nunciavit, 'non te 

16. /. quam ut 18. vielleicht ia aiuoie celeris amasiis H. 

20. lapedibus 21. sclalis 20. 27. /. indultu — corpori surrc- 

pere //. 28. uiro vielleicht e*icic d. i. Erycinae L. secreliora? //. 

29. molliuiitur 31. /. et communi insania decrescente 

'.Vi. puplicum 33. /. femiiiee 



364 BURIDAN UND DIE KÖNIGIN VON FRANKREICH. 

conturbet, mi amator, quoil post lalia gaudia ultiuium spi- 
rilum rcddere debeas. nani tu non solus hanc viain iturus 
es. sunt etenim uonagiuta novem iuniores te adolescen- 
tes, qui post meos amplexus Secane fluctus non potiierunt 
5 evadere. non igilur tc conlurbel, si post dulcia experieris 
aniara.' Buridanus vero huiusce malicie non ignarus iaui 
dudum per suos discipulos navim foeno onustara dispo- 
suerat, que geometrica altitudine ad l'oranien illud, quo 
Buridanus de regine pallacio ad Secanam precipitandus 

10 esset, poterat altingere. tali itaque auxilio fretus ad regine 
miuas lete ac hilariter hiis verbis respondisse, o sere- 
nissima domiua, o niea flamma, o meus amor, tuus ro- 
seus aspectus, tuus dulcissiuius amplexus, tuum lenerum 
corpus meum animum tarn ardenti cupiditate, tain firniis- 

15 simis kathenis sibi ad perpetuain dilectionem colligavit ut 

nulla mors tam aspera tamque dura esse possit quin eam 

tui amoris causa libentissime subire paralus sim. ymmo 

si vivus a te separari debcam, nullam futuram vitam scio 

• michi amplius fore iocundam. ut ergo in tuo amore gau- 

20 denter mori valeam, de triplici prece, inclitissima domina, 
me securum digneris efficere : pro quibus tuis preclaris 
beneficiis in altero seculo incessabilem amorem etcrnis 
obsequiis velim rependere.' regina autem, quamvis cru- 
delem sibi cepisset animum, Buridani tum verbis mitigata 

25 ita respondil, 'o duicissime amator, ex mille amatorum 
numero nullus unquam tam amasium tamque fidele cor 
michi habere visus, nullus unquam tibi similis repertus 
est, ea de causa quicquid postulabis vita cxcepta impe- 
trabis, si sallem michi quoquo modo possibile fuerit re- 

30 tribuere.' ad hec Buridanus, 'o clementissiraa domina, ut 
meum corpus, ymmo non meum sed tuum, quo tu perusa 
es, si unquam in ripis Secane repertum fuerit, honorilice 
sepulture constilui possit vigiliarum alque niissarum cele- 
bracionibus pro anima tuo amore sauciata consequentibus, 

35 quatenus pecuniam ad hec nccessariam sub brachio michi 
alligare velis primam oracionem oflero devotissime.' ad 
haue pelicionem regina maguum auri sacculum eins ca- 
misie assuisse asseritur. secundo petit ut auream cathe- 

5. expereris 10. vieUchlit frelus ferlur 16. süui 24. tum] /. tarnen W 



BURIDAN UND DIE KÖNIGIN VON FRANKREICH. 3Gö 

nam quam regina in coUo gestabal sue cervici vclil ponerc, 
ut torques ipsa in fuluro seculo Buridani aninie appensa 
veliit memorialc qiioddam ipsum in prislinos Naverre am- 
plexus posset reducere. qua impetrala nee terliam sibi 
5 regina pelicioncm recusare poluil, dum orat ut ante omnia 
dexlram manum liberam habere posset. qua per foramen 
inclinalus aque Secane benedixil, ne quis sibi nialignus 
Spiritus nocendi vim quousque modo habeat. dum sie lerna 
vive expressa mediocre .voee aquam benedixit in nomine 

10 palris et filii et Spiritus saneti, sui diseipuli navim pre- 
diclam foramini appropinquauti eins dextram firmitcr arri- 
puerunt. dufti regina ipsa Iradit, ipsi trahunt afque ingens 
saxum aquam inieiunt, itaque magnus sonus in aqiia au- 
dilus rcgine salis faeeret afFectibus. hoe eum non contenta 

15 adhue maiorem desuper lapidem misit proiicere, ut, si 
vellet surgere Buridanus, non posset. sed fideles diseipuli 
ioeunda magislri liberaeionevigilanlissime potiti dulei quieli 
eorum trahunt corpora. postera vero die Buridanus in sum- 
ma sccretorum suorum e gralitudine diseipulorum non le- 

20 vium personarum niore seeius regine revelare, sed subtili 
quadam versucia patefaeere in dabiam suspicionem ponere 
curavit. nam emptis ferme omnibus aviculis que in pon- 
libus Pariseus haberentur, seripsit hee verba, reginam 
Naverram interficere noiite timere quia bonum si quis 

25 consenserit ego non contradieo.' hiis verbis rotulis inseri- 
ptis et coUo avium assutis et alligatis omnes volare di- 
misit. quas iterum auceps una cum rotulis cepissent atque 
doctoribusmagistris eeterisqneuniversitalis suppositis verba 
rotularum ostendissent, quisque legeneium se dubitare as- 

30 serebat utrum dicta verba reginam interimcndani an inter- 
fectionem eins metuendam affirmarent. cum dubia de ro- 
tulis avium fama vago rumore vario per omnem non modo 
uuiversilatem, sed et civilalem Parisiensem volutaret, il- 
lud quod diu erat in dubio factum est in ore omnium fere 

1. /. imponcre //. 11. /. appropinquanles 13. /. in aquam 

itaque] ila ul //. 14. hoc autem nou contenta? //. 18. /. tra- 

dunt //. 19. /. suorum congralulaüone //. 21. /. palcfacere et 

22. enipli 23. /. Parisiis 27. /. quas eum iterum aucupcs 

33. /. volitaret 



3GÜ BURIDAN UND DIE KÖNIGIN VON FRANTCREICH. 

populo, (iiiod Buridanns debeat ille fuisse qui predicta 
scripseral. de quoruni verborura intellectu et construccione 
interro-jatiis dicitiir respondisse 'lucide scriptum est, iit 
quisque acciperet prout siio liberet arbitrio.' 
ö Hee ßiiridani solercla ex communi fama cepi Pariseus 
et presertim a quodani cenfenario qui senio confectus ad- 
liuc vivcbat anno domini 14(50. is dicebat se dum adhuc 
adolescens esset Baridanum malura etatc iam vidisse. in 
ecclesia vero, ubi sepultus est Buridanus, ut fecerunt 

tO Picardi studentes, de predicta pecunia usque in hodier- 
num diem perpetuum ccnsuni fecisse narralur pauperibus. 
itaque omni dieVeneris unus albus francigenus, qui qua- 
tuor valet denarios, cuilibet venicnti pauperi pro eius 
anima in elemosinam datur. regine vero Francie Naverre 

15 meretricis silencio populi oblileratus nichil reliquit aliud 
unquam in coUcgio Naverre pro prediclo scelere perpe- 
tuus census quibusdani studentibus regina institueret, qui 
horas canonicas pro ea in evum decantare astricti sunt, 
hee et tanta de Buridano ad postulacionem eommendabi- 

20 lis bonarum arcium sectatoris magislri Petri de Gelingen 
ex vago rumore in unura colligere conatus sum alma in 
universitate Lipczensi anno domini Mf4''7'' quorum Buri- 
dani et regine anime rcquiescant in pace. amen. 

1. populo] jii'opalam? 5. /. Parisiis 13. quiühel 

15. in der /is. melc(j. wajj künnfe das ganze inigefülir so le- 
sen, rcgine vero Francie Naverre memoria silencio populi oblilerala 
nichil reliquil aliud quam quod in coUegio Xaverre pro predicto sce- 
lere perpetuos census quibusdani studentibus regina institueret w. s. w. 

Die obtiTd in einem neniisch von classischevi und init- 
telaltei^lichem Intein abgefaßte erzHldiing des Nico/. Jent.svh 
habe ich ans einem noch niclil co/isignierten papiej'codex der 
Leipziger 7inieersitätsbibliothek, in qiiart, der von einer 
nachlfifsigen hand gegen ende des Ihn jh. geschrieben ist. 
wider vermuten fand icJi, als ich in Bai/les dictionnaire hist. 
et crit. (Amst. 1740) den artihel Buridan nachscliliig, dnfs 
nach notc a hijchst ivahi'scheinlich dieselbe erz(ihlii7ig noch 
anderwärts, nämlich in einer hs. des klosters Seitenstctten 
in Oberöstreich vorhanden ist. in der note heifst es 'ce fait 
etoit dune noloriele bien publique, du nioins dans les pais 



BURIDAN UND DIE KONIGIN VON FRANKREICH. 367 

elrangers, puis qiie dans la Saxe — un maitre ez arls de 
runiversite de Leipsic coniposa en 1471 un petit ouvrage 
sous le litre de commentariolus historicus de adolescenlulis 
per Blridanum nalione Piccardum ab illlcitis cuiusdam reginac 
Franciae anioribus relraclis. 31. Krause qui pag. 186 de son 
Journal literaire aleman imprime in 8° a Leipsic en 1715 
parle de cette piece comme etant un nianuscrit de la biblio- 
theque du monastere de Seitensladt dans la haute Aulriche, 
devroit bien, soit dit en passant, en procurer Timpression.' 
bei de?' beri/fiing auf J. G. Krause vtufs eine irrung vor- 
gefallen sein, denn trotz- allen naelisuchungen habe ich we- 
der in den von ihm redigierten neuen Zeitungen von gelehr- 
ten suchen noch in seinem hüehersale das cilat auffinden 
können. 

Nicol. Jentsch neiint in seiner erziihlung die königin 
schlechthin Naverra ; aus andern nachrichten erfahren wir 
dafs die sage damit die königin Johanna vo?i Navarra 
{\ 1304), die gemahlin königs Philipp des An meinte, das 
älteste Zeugnis dafür scheint das des Robertus Gaguinus 
("f- 1501) zu sein, der in seinem Compendium super Franco- 
rum gestis, Paris I50i fol. im 7n buche bl. 70"'' sagt, Fue- 
runt quoque insignibus feniinis sua fala, nam uxores liliorum 
Philippi Ires addulterii insiniulatae sunt, und bald darauf ob 
hanc impudicitiam insignium mulierum natam fabulam reor, 
quae de Joanna Philippi pulchri uxore a rerum impcritis me- 
morari solct, eam videlicet aliquot scholasticorum concubitu 
usam eosque ne pateret scelus, protenus extinxisse et in 
Sequanam araneni de cubiculi sui f'encstra abiecisse ; sed unum 
tantum 13uridanuin eo periculo forte liberatum et proplerea 
sophisma ab eo editum esse 'reginam interlicere nolile tirnerc 
bonum est.' fuit siquidein JJuridanus Joanna posterior u. s. w. 
Gaguinus selbst hält demnach das gerächt nicht für wahr ; 
nach seiner Vermutung wäre zu dessen entstehung der um- 
stand veranlafsung gewesen dafs die drei gemahlinnen der 
söhne Philipps des 4n, Margaretha Johanna und Bianca, 
des ehebruchs angeklagt und die erste und dritte als scJiul- 
dig befmden von ihren männern verstofsen wurden (vergl. 
E. A. Schmidt gesch. v. Frankreich, Hamb. 1835. 1,723). 
es haben auch andere, wie J. Launoy in seiner iicgii Na- 



368 BURIDAN UND DIE KONIGIN VON FRANKREICH. 

varrae gymnasii historia, Paris 1677. 1, 14. 15, die gehalt- 
losigkeit dieses gerückts zu zeigen versucht, indem sie dar- 
znlhin sich bctnähicn da/s Buridanus viel zu spät nach der 
königin Johanna gelebt habe, allein sie bringen kein ent- 
scheidendes Zeugnis bei. nach dem verfafscr des artikels 
Buridan /// der biographie universelle (Noel) soll Buridan 
im j. 1358 sein nach ihm benanntes haus der picardischen 
nntion vermacht haben und man schliefst daraus dafs Bu- 
ridan vielleicht auch in demselben Jahre gestorbe?i sei. dem- 
zufolge könnte Buridan wohl ein zeilgenofse der Johanna 
gewesen sein, glauben tvir mehr der relation des Nicol. 
Jentsch, nach tvelcher der hundertjährige greis, der ihm 
1460 in Paris die geschichte erzählte, den Buridan in sei- 
ner Jugend jioch gekannt haben will, so mufs dann Buridan 
noch über das Jahr 1370 hinaus gelebt haben, dies erliält 
dadurch einige Wahrscheinlichkeit dafs ihn 3Ia?'silius ab 
Inghen (-]; 1396) in seiner Oratio dictiones clausulas et ele- 
ganlias oralorias coniplectens, Heidelb. 1499. 4. als zeitge- 
nofsen von sich auffährt, ivic dem auch sei, so ist geiviss 
die königin Johanna bei dieser geschichte ganz nnbethei- 
ligti es bestand, ivie wir gleich sehen werden, eine ältere 
an der Universität Paris haftende sage, die sich später an 
Johanna von Navarra aus keinem andern als dem gründe 
anlehnte weil diese kurz vor ihrem tode im J. 1304 das col- 
legium von Navarra stiftete (vergl. darüber Launoy a. a. o.). 
Nicolaus Jenttch hat zugleich mit der sage noch einiges 
von dieser Stiftung, aber in großer entstellung, erfahren. 
Die sage ist, wie ich bemerkte, älter, wir habe?i ein von 
Martin Schlecht oder Schleich in des Späten ton verfertig- 
tes gedieht, welches die heraiisgeber des ivunderhorns 2, 237 
rnelfach verändert zuerst bekannt machten, in echterer ge- 
stalt Jindet es sich in Görres meisterliedern s. 195 und nach 
einem jlieg enden blatte aus dem anfing des \^n Jh. in Pb. 
Mar Köi^ners histor. Volksliedern, Stuttg. 1840. 8. s. 201, 
womit der te.vl in dem Frankfurter grojsen liederbuche 
{v.J. 1599. 8.), w" 226, im ganzen übereinstimmt, dieses 
gedieht hat ganz dieselbe sage zum gegenstände ; in ihm 
tritt aber Albertus Mägnf/s an die stelle des späteren Bu- 
ridanus. aufserdem dafs in diesem gedichte die sage sich 



BURIDAJN UND DIE KÖNIGIN VON FRANKREICH. 369 

in einfacherer gestalt erhalten liat {die zahl der von der 
königin umgebrachten ist z. b. JiicJit 99, sonderji mir 9) 
loird auch mir einer königin von Frankreich, nicht von 
Navarra gedacht, die, nachdem es ihr mit Albertus M. 
misslungen, auf seine ermahnungeii in ein klosler geht, in 
dem sie noch \% Jahre in reue und leid zubringt. Albertus 
M. (geb. 1205) befand sich um das j. 1230 in Paris ; nach 
dem alten Hede mäste es dami Bianca von Castilien (-]- 1252)^ 
witwe Ludwigs des 8n, sein mit welcher er verbotenen um 
gangs pßog. dafs die ältere sage diese Bianca auch meinte 
geht aus einem späteren zeug/iisse hervor, der dichter Jo 
hannes Secundus machte im Jahre 1532 ei?ie reise nachFrank- 
reich; in Paris sah er das an der Seine gelegene schlofs 
voji tvelchem herab nach der sage die königin Alba ihre 
liebhaber durchs fenster in den flufs gestürzt haben sollte; 
er hat darauf das folgende gedieht gemacht {opp. LB. 
1651. 12. s. 119 und s. 276). 

In arcem reginae Albae Parisiis. 
Cernite flaventes ubi volvit Sequana lyniplias 

Seniirutam, fertur quam coluisse prius 
Effera funcstae regina libidinis, arcem, 

Nunc ultore mali ut tempore sola iacel 
Et quassata undis ventis habitatur et imbri, 
3Iulta ubi ferales nocte querantur aves, 
Cypris ubi milis flammas exosa cruentas 

Chaonias sedem ponere nolit aves, 
Qua strix, qua Furiae volitent et plurima fatum 

Exululet raucis queslibus umbra suum. 
Sic domus aeternum numerosae conscia caedis 

Impia lascivae lacta luit dominae. 
Labuntur lentis et condemnata ruinis 

Implorant hominum pendula saxa manus. 
Implorant Iruslra: stant haec rata lege severa, 

Instauratricem ne l'erat uUus opem,' 
Aut subeat gladios prelium pietalis iniquae 

Et quis adhuc ausit facta nefanda sequi. 
En etiam saxis mortem censura minatur 

Longaquc post cineres stant raonimenta mali. 
7na7t. sieht toohl leicht dafs Alba der lalinisicrtc name ist für 
Z. F. D. A. II. 24 



370 BURIDAN UND DIE KÖNIGIN VON FRANKREICH. 

Bianca, wenn die geschickte auch nichts erwähnt ivas un- 
serer sage historische Wahrscheinlichkeit verleihen könnte, 
so hat sie doch mehrcres über Bianca von Castilien über- 
liefert was die keuschheit dieser königin stark verdächtigt 
(vergl. Bayle dict. u. d. artikel Caslille und Schmidt a. a.o. 
s. 487;. 

Der alte französische dichter Fraji^ms Corheuil dit 
Villon gedenkt der sage in seiner ballade des dames du 
temps jadis {Recueii des plus belles pieces des poetes Fran- 
fois — par Barbazan. Pa7'is 1692. 12. 1, 11) mit folgen- 
den warten, 

Semblablement ou est la reyne, 
Qui comracnde que Buridan 
Fust jelte en ung sac en Seine? 
und, wahrscheinlich nach dem deutschen Hede, Eyering, pro- 
verbiorum copia 1,4, 

Dann als der Albertus Magnus 
Nicht (wie andre) so tröstlich was. 
Verriebt er doch der königin mort 
Aus Franckreich durch die vögleiu zart, 
Den er die zeltelin in mund 
Dergestalt in jhr schneblin bund. 
Das wo sie sich salzten zu essen 
Der zetlelin im mund vergessen 
Sie fallen Hessen zu der fahrt, 
Dardurch jhr mort verrahten ward, 
Vnd in jhrn reich vnd gantzen landl 
Ein raörderiu alldo genandt, 
' Die neun Studenten bracht umbs leben, 
Gott wol jhr solche sünd vergehen. 
Der durch den abschreiber sehr verunstaltete text der 
erzählung von Nicol. Jentsch bedarf noch der verbefserung, 
die sich mit hilfe einer zweiten hs. leicht ergeben loilrde^ 
durch freundliche beihilfe des herausgebei's dieser Zeitschrift, 
dem ich das 7ns. vorher viittheiUe, sind indessen mehrere stel- 
len lesbar gemacht worden deren herstellung mir nicht hatte 
gelingen wollen. — scophi Indus s. 363, 7 ist ballspiel ; Du- 
cange gibt wohl unrichtig scopha jrila, Gallice pale , für 
scophus. HERM. LEYSER. 



371 



ZU SILVESTER. 

155. 156. (laz (er) dicke und ofle dö 

vrömder geste vil gewan. Haupt. 

292. tugentlose wiht. 

300. disiii] diu. w/V scheint disiu in der Senkung und mit 
verschliffencm nuslaut zu hart für Konrad. H. — ich 
habe dieselbe Vermutung gehabt, aber wieder gestj'i- 
chen weil Kowad, ivenigstcns im Silvester^ jenes de- 
monstr. liebt, vergl. 197. 2256. 2306. 3857. 44 14. 
5039. 5160. 

772. verswein. 

1127. ab ich? H. 

1325. beide setzen die abschreiber so ivillkiirlich dafs ich es 
auch hier lieber ihnen zutraue als dem dichter gegen 
die regel {Lachmann z. Nib. 646, 1). 4874 /. und. 
im Silvester scheinen mir die zweisilbige?t auftakle 
leicht hinweg zu räumen. 12. 104. 1730. 1812. 2133. 
2310. 2395. 2847. 4622. 5171 und. 588. 633. 1126. 
2627. 2643 dann oder dan. 749 iur. 1054 eim. 
1215 wir sin [her] üf dise erden. 1892 leit {vergL 
2026). 1903 über al roeinisch riebe. 2165 prüef. 2228 
müez. 2542 geläzen ohne oucb oder ouch lazen. 2673 
umbo</trum. 2877 üf. 2895. 4755 als. 3073 würd. 
3080 selb. 3291. 4098. 5158 und. 3332 so bedarf. 
3427 well. 3498 reht. 3501 niuost. 3797 wenn aber 
oder wenne ab. 3867 wolt. 3981 swig. 4453 müg. 
4632 swenn. 4643 fui. 4736 von prime. 4823 rünf. 
4843 und liuoben. 5022 ezn niiige, H. — ich bemerke 
dagegen folgendes. \i(^\\^. findet sich gold. schm. 844 
in ganz gleicher Stellung und wird durch das zeugnis 
von zehn handschriflen geschützt, freilich läfst der 
zweisilbige auflakt in den meisten füllen sich mit Icich- 
tigkeit loegschajfeti, und ich kann noch weitere vor- 
befserungen dieser art vorschlagen. 927 umbe gc- 
nisl. 1111 wser. 1353 wann. 1904.3086. 3506 als. 

24* 



372 ZU SILVESTER. 

2297 keiner. 3097 irdisch. 3453 od. 3454 sprach er 
ist zu löschen, ferner go Id. sehn. 847 ders. ti^oj. kr. 
1687 ilz. 2593 ich wil statt ml wil ich. 24651 daz ist 
zu streichen. 5383 iu weiz. 15932 oug über ouge zal- 
1er. 24651 daz fällt weg. es fragt sich aber zunächst 
ob die herbei geführten kürzungen auch alle für Kon- 
rad zuläfsig sind: von einigen, z. b. von iur, od, 
möchte ich es noch nicht behaupten. ^dann aber bleiben 
noch andere falle zurück wo sich der zweisilbige 
auftakt nicht wohl entfernen liifst, z. b. Silvester 937 
man bevalch diu reinen Icindelin. 2948 einen men- 
schen suln wir machen, 2959 einen menschen snl wir 
bilden, die kürzung ein oder einen hat Konrad schwer- 
lich gebraucht. 1209 wir sin Peter unde Paulus. 
3450 weder was daz erlriche. gold. schm. 1999 von 
der engel süezem schalle. u?iter diesen umständen 
scheint es mir angemefsener die regel noch nickt fest 
zu setzen so7idern das zeugnis der handschriften zu 
erhalten, erlaubt hatte ich mir im Silvester und für 
unde, vergl. zu 113, auch 4720 drin, weil es durch 
gold. schm. 5 gesichert war. 2877 üffe hatte ich 
selbst rschon bezweifelt, s. vorr. xi. — \^Z7 könnte rei- 
nen, 3450 weder entbehrt iverden. 1209 ivUrde ich 

\ an Petr und Paulus nicht viel gröfseren anstofs neh- 
men als an sein 209. aber 1263 die getouften goles 

•^ " knehte weifs ich nicht mit Wahrscheinlichkeit zu än- 

dern, da man goles nicht wohl streichen darf: viel- 
leicht geteufte gotes knehte? leichter läfst sich 3754 
ändern, die geburt entsloz uns [Jesus] Crist. auch 
die zweisilbigen auftakte der goldenen schmiede la- 
fsen sich fast alle durch genauere Orthographie hin- 
weg schajfen. 146 swenn. 623 dürr. 641 kann. 670. 
1817 würd. 688. 930. 970. 1374 vrow {wie 74. 1874). 
1007. 1322 schön. 1172 müg. 1255 zeim. 1269 denn. 
1279 verr. 1370 liet. 1851 grüen. 1881 schier. 1987 
manc. 847 würde ich lieber leit als ders schreiben. 
CS bleiben, auf ser jenem beide 844, nur drei bei spiele 
übrig. 14 oder: die hss. schwanken und deuten da- 
durch gerade aufoA. 1384 der geschepfde sin zc löne : 



zu SILVESTER. 373 

so lese?t nur acg, die fcrgamenthandschriften wei- 
chen ab; doch, glaube ich. Hegt in jenern fkts ivahre 
der geschepfde ze lone, dejin sin ist im gegerisatze 
zu dem folgenden der sclicpfaer sich ervrischete ganz 
entbehrlich, 1999 das oben erwähnte von der engel 
siiezem schalle : hier möchte ich süezcm streichen. H.'\ 
1395. guote war. Konrad liebt die silben zu zählen, loarum 
sollte er hier die Senkung fehlen lafsen, ivo guole 
war doch die gewöhnliche redensart wäre? H. — 
ivir sind nicht gewiss, da die ßexion wegfallen kanfi, 
vergl. gramm. 4, 482. freilich steht auch troj. kr. 
158* keine war, aber das entscheidet noch nicht, 
de?m gleichförmigkeit ist nicht nöthig, auch nicht 
natürlich, die letzte Senkung fehlt in dem. gedieht 
nicht selteji, z. b. 862. 879. 1030. 1744. 2213. 2987. 
3478. — \in diesen beispielen, mit ausnähme des letz- 
ten, fehlt die Senkung mitten in einem loorte, prisant, 
ungeloubhaft (vergl. geloubhaft 1420, dagegen gelou- 
behafl 2812), herschaft (außer 1030 noch 1110.2553), 
andäht (außer 1744 noch 4435. 4521. 5189), äkust 
(außer 2213 ?ioch 372G), Silvester (außer 2987 ?wch 
111. 169. 242. 419. 808. 1225. 1284. 1458. 1464. 
1686. 2786. 2987. 3084. 33S0. 3389. 3924. 4089. 
4549. 4590. Silveslro 423. 724. 853. 1505. 1864. 
2974. 5131. Silveslrum 293). ich füge die übrigen 
beispiele hinzu, urdrutz 5. bischaft 19. 3875. 3892. 
4135.4263.4281. LiutoltSO. Jusla 105. CyrinusllO? 
Thyraoleus 166. 198. Thymoleum 294. bischof 246. 
Paulo 279. Paulus 1408. 1429. 1488. unreht 339. 
gesunUicil 493. hanfgift 534. zwelfbole 582. ursjjriuc 
654. 5032. IVeislich 728. golheit 751. 2818. 2940. 
3701.3712.4095.4119. Petrus 774. 805. Honoi'ä- 
tus781. serpant 796. palas 951. 1086. 1748. 4601. 
palastl834. siecheit 1004. 2541. meintat 1019. tunip- 
lich 1067. gewonheit 1091. billich 1095. 4316. 
sicchtagen 1222. 1679. 1849. pfafheit 1229. Serapliu 
1283. gütlich 1427. buochslabcn 1482. 4725. gew;er- 
haft 1605. Jonas 1653. 1664. samzlages 1695. Sau- 
lus 1801. vriheit 1877. denuiot 1977. menscbeit2165, 



374 ZU SILVESTER. 

2784. 3724. 4207. 4374. urloup 2197. wistuom 2211. 

2458. abgote 2301. warheit 2455. 2643. 2744. 3243. 

3941.4531.4946. (Iiensthaft2480. 5186. volleist2506. 

botschaft2567. J6as2749. G6d61ias2750. Annan 2752. 

Kusi 2755. 3467. Davit 2900. 3012. trehtin 2946. 

3008. 3462. 3532. 3878. 5138. wonhaft 3057. dürnin 

3069. 3184. 4464. Ysäiä 3091. Ysäias 3398. wis- 

sage 3101. 3151. 3225. wissagen 3277. 3301. 3333. 

4321. gewissaget3359. Zacharias3122. wisheit3137. 

Judas 3161. Jeremias 3187. 3213. dannoch 3475.3485. 

autwurl3573. 3603. 4002. 4577. 4679. arbeit 3641. 

4120. 4140. 4756. välant 3838. 4902. hovart 3839. 

3860. vräzheit 3879. 3897. unkust 3977. 4424. 4541. 

Jobal 3989. 4083. Tharä 4223. smächeit 4329. iirbap 

4403. also 4483. Zanibri 4642. 4658. 4741. unlob- 

same 4674. freissam 4912. 5040. freissamen 5066. 

urteil 4927. einige dieser beispiele icürden an sich 

nichts beweisen, da mit vollerer form der loörter sich 
die fehlende Senkung gewinnen liefse, goteheit ge- 
woneheit götelich dienesthaft (icie 20 steht) boteschaft 
arebeit unlobesame; es bleiben genug übrig denen 
man nichts anhaben kann, die goldene schmiede bie- 
tet folgende belege, richluom 55. Gotfrit 97. Fran- 
ciscus 155. brütstuol 307. urhap 357. forest 467. got- 
heit 581. 784. 1633. 1651. güetlich 589. Afrer811. 
Cuonrät890. menscheit 961. 1733. arbeit 1067. vol- 
leist 1138. ursprinc 1141. wirouch 1404. sidin 1417. 
gewissaget 1722. zwivalt 1750. trehtin 1939. wissa- 
gen 1967. viel seltener als mitten in einem ivorte 
läfst Konrad die letzte Senkung des stumpfen vei^ses 
nach einem warte fehlen. Silvester 1246 wird viel- 
leicht statt dri stunt befser geschrieben drislunt, wie 
gold. schni. 507. n/isicher ist dri tage 762. 1545, da 
drie tage jvohl so gut als in Hartmanns Gy^egor 1540 
stehen dürfte, und bereit was 1749, da bereite gar 
zu nahe liegt. inuotwas950, latin wol 2711 werde?i 
des herausgebers wahrscheinlichen vei^nutungen ivei- 
chen müfsen. 41{^S vermutet er dise woV für die not ; 
mit demselben rechte wird man 2053 dilze heil ,////' 



zu SILVESTER. 375 

daz heil i'orschlagen dürfefi. 1544 (nii luo) mit wil- 
len daz ich dir sage würde al vor daz vertragen, es 
bleibt übrig drizic jär alt 458. zwei jär 841. lant sin 
{wo doch der herausgeber riche sm vorschlägt) 928. 
sprach er 2988. brot az 3154. dorn nie 3478. in den 
zweitausend zeilen der goldenen schmiede fohlt, wenn 
ich tiichts übe7'sehen habe, die letzte Senkung ?iur 
zweimal anders als mitten in einem worte. 198G diu 
sunne erlasch und wart sal, 873 diu doch die reinen 
bluot birt. allein die zweite stelle ist imsicher, denn 
ein theil der hss. bietet diu doch den schoenen bluo- 
men birt. aus dieser Zusammenstellung, bei der ich 
mich absichtlich auf den Silvester und die goldene 
schmiede beschränke, ergibt sich die möglichkeit daj's 
\^^^ ^woivf AT richtig ist^ aber zugleich die unwahr- 
scheifilichkeit ; denn einfallen muste dem dichter das 
üblichej^ guote war. H.^ 
1418. gewallic. f/cv^/« kein ander gewallic hl scheint mir ge- 
schmeidiger. H. — aber Konrad legt selten die he- 
hung auf ein tonloses e, zumal bei zweisilbigen Wör- 
tern, vielleicht bewähren sich nicht einmal die bei- 
spiele die Halm zu Otto 158 anführt, wenigstens 
ist gold. schm. 378 zu streichen, und warum sollen 
wir defi dichter noch geschneidiger machen als er 
schon ist? — [<Jfiß i^^^ ''"^ unrecht kein ander gc- 
waltic ist vermutet habe mufs ich ^Anräumen, ebenso 
dafs ich 3725 mit unrecht die lesart der handschrij't 
in schütz genommen habe, aber an kein ander gwal- 
lic ist nehme icJi immer noch anstofs. denn loas ich 
von der letzten Senkung bemerkt habe {zu 1395), 
dafs Konrad sie mitten in einem tvorte häufig feh- 
len läfst, nach einem worte sehr selten, das gilt auch, 
in hinsieht jeder andern stelle des verses. im Silreslcr 
falleTi vielleicht einige beispiele durch andere, dem 
dichter nicht nngemäfse, betonutig himveg, 1958 und 
lie vliezen lougen. 2978 daz sun valer unde geisl. 
4483 bok g«;gen b('>kke also, einige stellen erledigen 
sich wenn man genauer schreibt, 229 hicz er que- 
len unde slahn, 346 ich wil dich quclen harter. 4724 an 



376 ZU SILVESTER. 

die schalen silberin. 4899 der stier verloren hat sin 
leben, hierher gehört auch 2439 mit guoter sclirifte 
V'oUekomen (schrifte ivie 2771). vom herausgeber sind 
verbefsert 665 und guot geniste {für guole genist) ha?te 
2md 3279 daz unrehte {für unreht) warnest du. unver- 
ständlich und verderbt ist 3426 der uns wart noch ge- 
däht. bei 1039 den wagen üf dem er saz tvird man fra- 
gen können ob ?iicht hier das 2897 verworfene (s. zu 
1325) üiTe stehen darf, loodurch der vei^s alte Senkun- 
gen einhält wie 1642. leicht zu ändern ist 4981 den 
pharren daz er geniset in disen pharreu daz er 
gniset. V071 den beiden zcilen 4952/1 daz er tot unde 
leben Beide mac vil wol geben, die hinter einander 
Konrad gewiss nicht so geschrieben hat, ist die zweite 
sicher ditrch gegeben zu verbofsern, vergl. 4961 f. 
daz du wider mäht gegeben Dem ohsen ein gesundez 
leben : die erste zeile weifs ich mit Wahrscheinlich- 
keit nicht zu ändern, endlich gehören nach der ge- 
lööhnlichen betonung hierher 338 und wart sin zorn 
älse groz, 4612 ich weiz einen goles nämen. in der 
goldenen schmiede steht 695 wazzer fiur erde luft, 
aber Kom^ad kann die unorganische aber nicht seltene 
form^wer gebraucht haben . 1310 kann man vielleicht 
lesen din heil sime glücke. 432,/. würde ich mandel- 
kerne vorziehe?i, denn Konrad kann neben der star- 
ken form auch die schwache gebraucht haben, und 
er zog sie vor, wenn die folgende ansieht richtig ist. 
Senkungen, aufser der letzten, läfst Kojirad mitten 
in einem tvorte im Silvester mehr als aclizig mal, 
in der goldenen schmiede ungefähr dreifsig mal feh- 
len, unter so vielen beispielen ist beinahe kein ein- 
ziges völlig sicheres von fehlender Senkung nach er- 
ster den vers beginnender hebung. denn Silv. 25 15/". 
Sit du von den touben Abgöten bist getreten beweist 
nichts ehe ?nan nicht darthut dafs Konrad ?iicht abe- 
göten sagen komite, welche form hier und da er- 
scheint. 380 heifst es man sol dich underwisen Daz 
Thymoleus nihl enwas Meintaitic, wand er las In sins 
edeln herzen niuot. hier hat Grimm bereits bemerkt 



zu SILVESTER. 377 

dafs in {Christum) fehlt, ich möchte aber dieses in 
nicht zu anfange des letzten verses einschalten, son- 
dern so schreiben, 31eintäelic, wände er in las In sincs 
u. s. w. so ist mit dem anstofse des sinnes hinweg- 
geräumt loas mir bei Konrad ein metrischer anstofs 
scheint, es bleiben drei verse übi^ig (2759. 3922. 3963) 
in denen die erste Senkung des verses nach der er- 
sten silbe des namens Archel oder Arkel fehlt, da 
aber, ivie in der anmerkung zu 2759 angegeben ivird, 
die kaiserchronik die legen da aurea und das passio- 
nal einstimmig Arocl haben, so scheint mir hei Kon- 
rad Arohel die richtige Schreibung ; daraus loard 
zuerst Archel, dann x^rkel. wenn also, wie es scheint, 
Konrad an dieser stelle des verses die Senkung selbst 
mitten im icorte nicht leicht hat fehlen lafsen, so dünkt 
es mich unwahrscheinlich dafs er sich dies nach einem 
loorie eher eidaubt haben sollte, ich halte also AloQ 
meine Vermutung freclien unde geilen fdr sicher, denti 
ein dichter wie Konrad gebraucht zwar manches sel- 
tene des verses wegen, schwerlich aber gegen seine 
metrische gewohnheit ?/ngewöh?iliches wo das gewöhn- 
liche ihr vollkommen entspräche. A0A9f wo die hs. 
Davide und zide gibt, 7nöchte ich nicht lesen oucii 
sprach zuo hern Davit Gol in der alten zit : sollte der 
dichter nicht geschrieben haben ouch sprach zuo hern 
Dävite Got in der alten zilcl freilich Davites in defi 
akd. fViener fragmente?i (ii, 18. viii,21.23) beweist 
dafür nichts. 1104/! heifst es ich, der mit miner hant 
Hiin überwunden elliu lant: hier will ich mich aller 
Vermutungen enthalten und glauben dafs durch die 
fehlende Senkung der nachdruck des ich erhöht ^ver- 
den soll, aber 1418/6'^, glaubeich, zu schreiben kein 
ander got gewaltic ist Wan der vil reine süeze Crist : 
vor dem folgenden worte konnte got leicht ausfallen, 
und der Zusammenhang fordert beinahe dieses ivort, 
denn vorher geht des kaisers mcinung dafs Petrus 
7ind Paulus mügen — vil üz erweite göle wcsen. //.] 
1538. und gerne leisten d. g., abhängig von niht. ich gebe 
zu dafs ungern möglich ist, aber auch der ausdruck 



378 ZU SILVESTER. 

dünkt mich, bei verbindendem und, passender wenn 
und gerne geschrieben loird. H. 
1897. dräne Benecke (Gott. anz. 1841 s. 728). es müste wohl 
des ane heifsen; aber das erlaubt das versmqfs nicht, 
vergl. IValth. 31, 10 sich dran läzen. 
21.56. müezcnt. dejin läzen 2672 ist wohl V plur. praes. 
conj. H. — Hah?i hat schon vorr. zu Otto s. 9 amn. 
die 2' plur. praes. auf -en bei Konrad nachgeiviesen ; 
dazu ßige ich troj. kr. 21266 ir versehen im reim auf 
spehen. in einem spätem gedieht (altd. wälder 2, 142, 
240. Hätzleinn 129'') ir erkalten : spalten. 
2550. du] ich glaube dun (= du in), gerade wegen 2280. 
2320. vergl. noch 2880. 4880.-^. — ich hatte es auf 
Dävides riche bezogen, aber allerdings wird es befser 
mit der jüden got 2545 in Verbindung gebracht. 
2674. swederz, vergl. 2681^. H. — s^tiAtTs hat die ha?id- 
schrift, und teil keifst hier partei, wie 2838 der jü- 
den teil. 
2765. der eilift. H. 

2779. siner B. und H. — ich glaube auch, siner ist rich- 
tiger, aber ich bin nicht ganz gewiss, vergl. Graff 
präpos. 82. Iwein 3273. 
2782. einen (druckf). 
2876. wellent daz. 
343'7/- vielleicht 

und an der schrift gelesen ie 

daz got den ersten menschen hie (=i den ersten men- 
schen der hier war). H. 
3451. Adam. 

3725. 7nit der handschrift so waere Adames Verlust (oder 
'Adämes. H. — 3471. 3498. 3510. 3528. 3688. 3730. 
3763 Adam, 3451. 3503 'Adam, 3587 Adame, 3512. 
3520. 3683 Adamen sind sicher, «Ae/* Adames, 'Adämes 
hier ohne beispiel und für Konrad bedenklich. 
3837. der wissäge Davit. de?m da wider ist nur ein Schreib- 
fehler den der Schreiber, als er das richtige Davit 
gleich selbst setzte, auszustreichen vergafs. H. 
«.141. U7iten in der anmerkung l. 4351 statt 4356. 
4307. ze den] ze rede? //. 



zu SILVESTER. 370 

4483. er ivohl am besten hinter bok. H. 
4570. iuch. H. steht auch in der haudschrift. 
4750. frechen, grammatisch mag sich frech verteidigen la- 
fsen, aber es ist unwahrscheinlich daj's Konrad ohne 
noth die seltene ausdrucksweise gebraucht und damit 
gegen sei?ie gewohnheit die Senkung aufgegeben haben 
sollte. H. — bei blofser Wahrscheinlichkeit gestatte ich 
noch keine änderung der handschrift, und hier kann 
ich nur eine vermutu?ig sehen, eine Senkung, sogar 
zivei in derselben zeile, liifst Konrad nicht allzu selten 
fehlen.— [s, zu IA\^. H.^ 
5199. Iriujjet B. — ich stimme vollkommen bei. die hand- 
schrift hat trüget, demnach ist auch die bemei^kung in 
der vorr. vii u?id \\\i zu streichen. 
5209. Iriuwen (druckf). 

Ich habe im Silvester allzeit (218.840.3327.3391.3474. 
3741. 3766. 4442. 4474. 4520. 4965. 5026. 5063 offenbar 
geschrieben, /«cÄ^ offenbar, weil ich, Schmellers ansieht 
(Graff 1, 163) beistimmend, jenes für das richtigere halte, 
und weil Konrad, tvenn auch nur in einzelnen fällen, a : ä 
bindet und anderwärts bei ihm {Engelhard bog. 1^ 11) offen- 
bar: gar vorkommt, wie bei Friedrich dem knecht3IS.2, 116". 
andere schwanken. Neidhard, dem a undk im reim kaum ei- 
nen unterschied zu machen scheinen, gebraucht offenbar {Be- 
necke s. 340. 358. 439) ebenso oft als offenbar {Beneckc 
s. 424. fVackeivuigel lesebuch 1, 513, 29). der 3Ieis?ie7' 
{altmgb. 27"*) reimt das wort mit jär und schar, der dichter 
Beinfrieds von Braunschweig mit gevar {Hannöv. hs. bl. 149'') 
und jar (206*). allein da Konrad das wort vorzugsweise auf 
-är reimt (im Silvester, und Otto 391. troj. kr. 4995. 5063. 
6003.7391. 10505.12933.16313.18890.19181.21642.21835) 
und andere, welche a: ä zulafseji, wie Freidank 23, 17. 42, 5, 
LichtensleijiFrauend.27 , 16, blofs offenbar zeigen, so, glaube 
ich jetzt, geht man sicherer wenn man, wenigstens für diese 
dichter, ein unorganisches offenbar als adj.und adv. annimmt, 
das ist auch Haupts meinung. dazu kommt dajs Gottfried, der, 
so viel ich weifs, kein a : a gestattet, J'reilich nur einmal {in 
dem lobgesang, bei IVackernagel leseb. 1, 431, 27), offenbar 
auf war reimt: er gebraucht daneben das adj. offenbaTC 



380 ZU SILVESTER. 

(Trist. 10997. 17716. lobgesang str. 56 Hagen, auch bei 
andern, z. b. in Rudolfs Barlaam 322, 40 imd in dem un- 
echten Hede Konrads MSH. 3, 340") und das adv. offenbare 
{Trist. 15069, vergl. JFatther 7, 20. Stricker ged. 3, 33. 
Bite7^ol/' 1328&). dieses adj. mag den langen vocal veranlafst 
habe?i, der in dem ahd. offanpar und offanparo ?iicht darf 
vorausgesetzt werden; ein niederdeutsches ufDnbere kommt 
aber im reim auf hele schon im zwölfte?! Jahrhundert vor 
{Hoffmann fundgr. 2, 136, 15). 

ZUR GOLDENEN SCHMIEDE. 

lies xxui, 3. 4. aus der kaiscrchronik sind eifrige bibli- 
sche gleichnisse von der Jungfräulichkeit anzti fähren. 
XLix, 5. Dävides. 142. lebermer. 284. brüt. 

1085. ir 1285. ähte Lachmann. 1466. kuochen. 

WILHELM GRLMM. 

WATE. 

Jacob Grimm hat {ubeti s. 5) aus dem reime Waten : ge- 

gaten im Alexander und aus der ags. Schreibung Vada dar- 

gethan dafs man Wate schreiben mufs und nicht Wate, dies 

bestätigt die Gudrun. - - 

232, 2 (928) da man Walen den alten [ bi sinen beiden vant. 

357, 1 (1427) der fürsteHagene fragte I Waten und sine man. 

507, 1 (2027) do kam der degen Fruote | und Wale mit si- 

ner schar. 
509, 4 (2038) zeHagenen dem wilden | hiezen si Waten den 

alten dringen. 
514, 1 (2055) do gieng üf Walen den alten | der kiinic mit 

grozen siegen, 
520, 3 (2081) er künde [da] Waten den alten | niht von im 

bringen. 
522, 2 (2088) er kam ze Waten dem allen | daz was dem 

beide leit. 
687, 4 (2750) und wil nach Waten dem allen | uiide nach 

den andern . . . senden. 
889, 1 (3555) swä man Waten den kiienen j in stürmen ie 

verncim. , 



WATE. ZUR GUDRUN. 381 

925, 1 (3699) dö sprach Wate von Stürmen | 'ich mag iuch 
niht verdagen. 

1135,4(4544) Wate mit sime gesinde | was dem magnelen 
komen al ze nähen. 

1397, 4 (5592) si vorhten Waten den allen | alse einen grim- 
men lewen wihlen. 

1457, 2 (5830) Waten und sine mau. 

1465, 3 (5863) ich muoz ze Walen dem allen : | swie mir da 
gelinge. 

1466, 3 (5867) do besUiont er Waten den grimmen. [ daz was 
dem helde ein ere. 

1468, 1 (5873) Wate vil zorniclichen | lief Harlmuolen au. 
1470, 3. 4 (5883,/".) ez was ein michcl wunder j daz dö Ilarl- 

muot 
von Waten niht muoste sterben : | vil grimme was der 

recke gemnot. 
1480, 3 (5923) nü stet der recke Harlmuot | vor Waten in 

grozer freise. 
alle diese Zeilen können nicht richtig gelesen xoerden ivenn 
man nicht Wate oder Waten zu einer silbe verschleift. 

Einige Zeilen Icifsen sich nun, da ivir die richtige fonn 
des namens kennen, leicht aus ihrer Verderbnis herstellen und 
dienen so zur bestätigung. 
329, 4 (1318) die irowen erbiteu küme | unz si die site an 

Waten dem allen erfunden, die hs. hat an dem alten 

Waten. 
340, 1 (1359) Do hiez man Waten den allen | zuo der meide 

gän. die hs. den alten Waten. 
1455, 1 (5821; Üf Walen und sine helde | so grimme man dö 

schöz. die hs. wiederholt an^nach und. 
1508, 3 (6035) nü ner uns kiiniginne | vor Waten und sinen 

mannen, die hs. wiederholt \ov nach und. 
Ich übergehe die stellen die metrisch nichts gegen Wale 
beweisen, wie 759, 2, leo zwar kein verstütidiger unde Watn 
dem allen billigen wird, aber und Walen dem allen a7i sich 
unanstöjsig tväre, 7venn nicht die emnittelte form des namens 
lehrte da/'s es heifsen vivfs unde Walen dem alten, 

hl den wenigen zeilen also in denen dieser name mit kur~ 



382 WATE. ZUR GUDRUN. 

zem a dem versmäfs nicht entspricht^ wird mafi einen Jehler 

der hs. zu suchen haben. 

235, 4 (942) er dahte wie er Waten, j sinen alten Munt, solle 

cnphähen. lies er gedahte wie er Waten. 
300, 4 (1202) Horant und Wate aller erst hin ze hove ir gäbe 

sanden. wahrscheinlich Horant und Wate ir gäbe | aller 

erste hin ze hove sanden. 
451, 3 (1805) sich bete der Wate | gesümet nach ze lange. 

es ist nichts nach der einzuschalten, sondern es mag ge^ 

heifscn haben sich bete Wale der alte. 
574, 2 (2296) den enphalcb er Waten, j er zöch daz kindelin. 

vielleicht auch hier den enphalcb er Waten dem alten. 
859, 4 (3438) die hs. ich wil daz her Wate der alle seinen 

scbilt niht mussig liesse. der abschnitt kann nicht nach 

Wate eintreten, vielleicht ich wsen her Wate der alle] 

sinen schilt do niht miiezic lieze. 
1512, 3 (6051) willekomen, Wate! | wie gerne ich dich ssehe. 

lies wis willekomen Wate. 
1539, 4 (6160) die hs. nu thüe Wate waz er welle mit den 

gysel seinen, lies nü tuo et swaz er welle | Wate mit 

den giselen sinen. 
mir vier hebungen hat die letzte halbzeile der 1485w strophe 
(5816), daz er mirHarlrauoten | von dem alten Waten erlöste. 
hier können leicht ßinf hebungen herausgebracht loerden, 
wenn man schreibt von Walen dem allen erlöste. 

Hieran mögeji sich, um den bogen zu Julien, ohne beson- 
dere ausivahl einige hemerkungen über andere stellen dieses 
gedichtes reihen. 
9, 4 (36) hat Ettmüller richtig geschrieben die fuoren mit 

ir gerne, inid hierdurch ändert sich eine bemerkung Jac. 

Grimms, zeitschr. 1, 8. aber auch die folgende zeile 

10,1 verlangt verbefseimng. In magellichen eren die ir 

(nicht ye, ie) da fuoren mite. 
15, 3. 4 (58/".). den vil guolen nioeren diu guotcn salelkeit 

hiengen für die hiicve nider üf daz gras, die hs. Äar^büef- 

fen ; tvas die letzten herausgeber schreiben, für die hüf- 

fen, ist ein sprach/'ehler. vergleichen lajsen sich viele 

stellen, z. b. WolJ'r. IFilh. 360, 4 unz üf den buof daz 
ors vil gar gewäpenl was mit kovertiur. — dieselbe ände- 



ZUR GUDRUN. 383 

rung ist nöthig 552, 3 (2209), (diu ros) den die man 
verre üf die hüeve giengen. die hs. hat hufe; die letzten 
herausgeber setzen hülle, aber bis zu den hilflen (liuf ist 
7iicht bug) zu 7^eichen loürde den mahnen schwer gewor- 
den sein. 
134, 2. 3 (534/*.) Ir niuolet miiier froinven dazs iwer gesinde 
wesen. an seyn liilffe si miigcu wol genesen. Ettmüllcr 
schreibt mit Ziemafin äne sine helfe, tcohl nur aus ver- 
sehen, denn gebilligt hat er schwerlich dessen übcrselt- 
same erhlärung, 'sin bezieht sich wohl auf gott, desse/i 
namen hier auszusprechen gotteslästerlich gewesen icäre! 
lies ane dine hilfe. der zorn duzt. 
145, 1 (578). Er hiefs sy fragen wie sy getorsten komen in 
daz lant. lies Er iesch wie si getorsten u. s. w. dasselbe 
wort ist herzustellen 295, 1 (1179) Her Wate iesch ge- 
dinges des landcs herren biten. in der hs. steht haisst, 
aber das präteritum ist nothwendig u?id iesch ivahr- 
scheinlicher als hiez. es folgt dort man mohle do wol 
kiesen an sinen heren siten, den sin gewalt geruchte, 
daz er da grimme waire. lies gereichte. 
168, 4 (674). Hagene der kiiene erpot sinen nanien (den na- 

men Valant aller künege) vlizidiche. lies urbort. 
174, 1 (695). Üf einem wilen plane herbergen man die hiez 
des riehen kiineges geste. lies h. man dö hiez. in dieser 
hs. steht oft die ßir dö ; iii der Gudrun ist derselbe foh- 
ler zu verbefsejm 633, 2 (2530). 724, 1 (2895). 
258, 1 — 3 (1031^.) (wir sulen sagen Hagenen daz wir küme 
üz Stürmen sin entrunnen) Und daz (uns) ungenäde der 
künec Hctel tuo (die hs. thue). mit unser grözen gäbe 
sul wir ofte zuo (zuo foJilt) ze Hilden und ze Hagenen 
hin ze hove gan. 
288, 2. 3 (1152,/'.). — hin ze Hagenen bürge, so wir hoeren sa- 
gen, da er herre wa,'re, ze Polay lasterliche, lies ze Ba- 
liän der riehen (: geliche). 
314, 2 — 4 (1256 j^'.). sin kraft und [ouch] sin eilen sinl starc 
und ouch sin hant. (er) hat uns geswachet an manegen 
freuden guot, daz wir sin von schulden deste trüeber ge- 
muot. ich habe er eingeschaltet und das gemaciiet der hs. 
rej'ändert. freuden statt freunden hat schon Ziemann. 



384 ZUR GUDRUN. 

meine Veränderung dieser stelle, ivie die der folgenden, 
habe ick schon an einem andern orte mitgetheilt, ich 
iviederhole sie hier, iveil sie von dem neuesten herausge- 
her übersehen ivorden ist. 

322, 4 (1290) lies daz slüende uns allen schentliche. die hs. 
schedlich, icas hier keinen sinn gibt. 

456, 4 (1826) lies swie si des nilit gedrehten, ja gewunnen si 
der arbeit mere. die hs. wann sy des iclit gedachten. 

538, 4 (2154) lies ich kan des niht geläzen, ich engrüeze iuch 
willicliche. die hs. han iind ich graesse. auch 13G9, 2 
(5478) muß k:x\\ für han gesetzt werden, daz sint vil 
(kiiene) degene, als ich gesehen kan, vergl. 1374, 2 
(5498) als ich mich kan versehen, 

646, 1 . 2 (2583/!) lies Do si heten gerne die porten zuo ge- 
tan, dö muosten si daz lernen durch schunipfenliure Ver- 
lan, die hs. d. ni. s. das lernen das schimpfen tewre ward 
Verlan. r/?//"schumpfentiure scheitit auchEttmüller {s.^&) 
gekommefi zu sein, obwohl ich seine meinung nicht recht 
verstehe. 

662, 2 (2648) lies du hast mit dicneste hiule hie versolt daz 
u. s. w. die hs. mir dienst. 

669, 2 (2676) lies ez wan den niht geviele die erz wizzen 
liez. die hs. etlwan. ^ 

686, 3. 4 (2745y.) lies henden: — ja kan ez nienien anders 
so wol genden(=geenden). die hs. handen und geauien. 

693, 1 — 3 (2771^.) lies Der wirt wol tusent helden gap ros 
unde wat: diu zugens iiz den seiden, so si der ofte hat 
der vehten wolte riten zuo langen slräzen. die hs. rofs 
vnd gewant — so sy die offt hant — ze — . 

707, 1 — 4 (2827 Jf.) lies Do si zesamen wären, von den ich 
han geseil, komeu mit ir kreften, äne freude leit heten 
' zallen ziten die recken unde sorgen, waz in die naht ge- 
schehe, si dahten 'wie leben wir den morgen?' die hs. 
an freunde lait und die recken vnd wegsorgen. 

H. 



385 



DIE GUTE FRAU. 

GEDICHT DES DREIZEHNTEN JAHRHUNDERTS. 

Die einzige handschrift in der dieses gedieht erhalten 
ist befindet sich in der k. k. hihliothek zu IVien (cod. 
2795, früher philol. 42, Arnbr. 435, jHipier, 45 blätter 
kleinfolio, vergl. Hojfinanns Verzeichnis s. 55 u?id von der 
Hagen im alld. museum 1, 550, der zugleich angibt dafs 
die handschrift aus dei^ handbibliothek kaiser Maximilians 
stammt), sie fuhrt den titel Anonymi poema de Caroli 31. 
origine et genealogia. bekannt war das gedieht bisher inir 
seinem Inhalte nach durch Ferd. fpolfs schrift über die 
neuesten leistungeii der Franzosen für die herausgäbe ihrer 
national -heldengedichtc s. 73 — 97. ich entnehme es einer 
abschrift die Schottky im J. 1817 für die Berliner könig- 
liche bibliothek (ms. germ. quart 12) besorgt hat. 

Der verfafser, über den loir nichts erfahren als dafs 
er das gedieht auf den wünsch eines markgrafen geschrie- 
ben hat, war ein mäfsiges taleyit n?id hatte noch wenig 
Übung gehabt; sein loerk scheint ein ei'ster jugendlicher 
versuch und wenn er sich durch den erfolg desselben nicht 
zu iveiteren arbeiten ermu7dert gefühlt hat, so darf die 
liteimturgeschichte dies nicht zu sehr beklagen, seine weise 
ist die allgemeine epische des \Zn jahrh., die durch Hart- 
mann vertreten wird, denn IVolfram und Gottfried zeichfien 
sich durch eine zu scharf ausgeprägte individualität aus 
als dafs sie für den gesammtaus druck ihrer zeit gelten 
könnten, aber auch dieser stehende typus der epischen poe- 
sie erscheint hier ziemlich dürftig, die darstellungsiveise 
ist arm und eintönig, dies zeigt sich besonders bei den 
Übergängen der erzählung, deren das an stoff äufserst rei- 
che gedieht sehr viele bedurfte, selbst mittehnäfsige dichter 
des 13/1 Jh. haben es den ?neistern abgelernt ivie man du?'ch 
feine, vorzüglich durch naive ivendungen des lesers aufmerk- 
samkeit auf das folgende neue spannt; hier tverden tvir fast 
Z. F. D. A. II. 25 



386 DIE GUTE FRAU. 

immer mü einem dürren nu oder dö weitergeführt, aus 
dem wecliselvollen Schicksal der Heldin erwuchs die schönste 
gclegcnheit zu genaueyi ausführlichen Schilderungen und 
scharfen gegcfisätzen ,• doch der dichter benutzt dieselbe nie. 
dafs er keine psychologische entwickelung, zu der ihn der 
Stoff aufforderte, gibt machen wir ihm nicht zum Vorwurf; 
diese findet sich selbst bei den besten dichtem dieser zeit nur 
njivollkommen. allein die herkömmliche ironie der mhd. 
poesie selbst, mit welcher andre dichter, die durchaus nicht 
originell sind, manche artige Wendung erhaschen, steht ihm 
nur in geringem mafse zu geböte, neben dieser armut ist 
seine erzählungsiveise nicht selten geradezu nachUifsig und 
dadurch unklar, besonders bei anordnung der personen (vgl. 
z. b. 862^., 921^. wo ick 923 durch Verwandlung von er 
in der nachzuhelfen gesucht habe, 12oGff.). dieselben ge- 
da?iken, ganze vei^se werden höchst matt bald ivörtlich bald 
mit geringer dnderung tciederholt {man vergl. 43 f. und 
685/ = l/i45/ 2231/ 2779/, 364 U7id A18, 813/. 
955/ und 2725 f, 912 und 1152, 913 und 1063, 1541/ 
und 2iol f., 1791/ und 2917 f., 1837/ und 29^5 f., 
1847—52 ?///rf2937— 42, 1957/ und 197 o f. vergl. 1251 f., 
2013 f und 2427 f., 2301 ?/?id 2705, 2421/ z/nd 2737 f 
u. a.). ja es scheint dafs der dichter sogar den grundge- 
danken seiner f ab el nicht verstanden hat. dieser ivar ohne 
zweifei der ethische, theologisch jnj/siische, dafs gott 
jnüchtig genug sei um die tvelche seinethalb sich der ir- 
dischen guter begeben nicht nur durch seineji himmel 
sondern durch noch gröfseres irdisches glück zu belohnen 
und vor jeder entehrung zu bewaltren. dieser mystische 
Charakter geht bereits aus dem ganzen gange der sage her- 
vor ; wenigstens iväre ohne die annähme eines fortdauern- 
den unmittelbaren eingrcifens der gottheit, welches auch 
dort thätig zu denken ist wo der dichter davo?i schweigt, 
dieses zutreffen so höchst verschiedenartiger und zum theil 
sehr ungewöhnlicher ereignisse, die dem dichter stets in die 
hand ivachsen ivie er sie eben braucht, vollkommen abge- 
schmackt, unser poet dagegen stellt am schlaf se des ge- 
dicktes das glück der keldin als lohn ihrer ckelicken treue 
dar; aber kierbei irird zunäckst nicht begriffen iveshalb 



DIE GUTE FRAU. 387 

auch der mann glücklich wird., man milste ihn denn etwa 
nur für ein mittel zur hegründung und erhaltung des glückes 
der fr au ansehen; ferner geht diese ansieht so wejiig aus 
der anläge des gedichtes hervor dafs die frau alsdann viel- 
mehr sterben, sich selbst tödten mäste als eines zweiten und 
selbst des dritten mannes bett besteigen, zumal da sie selbst 
gar nichts dazu beitrügt dafs sie rein bleibt. Ja nicht hof- 
fen darf es zu bleiben, sondern nur wider erwarten, das 
erste mal durch gottes unmittelbaren schütz (2019 — 2026), 
das zweite mal durch ein glückliches zusammentreffen der 
umstände {den hafs der königin von Frankreich die, nach- 
dem sie dem gemalil entßohen, ihn durch Zauberei der lie- 
hesfreude beraubt 2433 — 2444), gerettet wird.* 

Dafs die fabel ursprünglich von der karlssage unab- 
hängig gewesen zmd nicht früher mit ihr vereinigt worden 
sei als der kerlingische und bretonischc sagenkreifs so all- 
gemein gefallen hatten dafs die dichter jeden beliebigen 
Stoff durch anlehnung ati einen von beiden anziehender zu 
machen hofften, haben bereits von der Uagen und Jfolf 
bemerkt, dafs der dichter einen zug seines Stoffes benutzt 
um Pippins klei?iheit zu motivieren (3025 — 3030) klingt auch 
in seinem munde fast mir scherzhaft, die vcranlafsung zur 
anlehnung an die karlssage aber tvar ohne zweifei, tvie 
ebenfalls schon Wolf bemerkt, die ähnlichkeit welche das 
Schicksal unserer heldin mit dem der Berta {denn mit ihr 
wäre sie identisch) hat, wie dieses im roman de Berte au 
grand pie erscheint, dafs die ivenigen Idnweisungcn auf 
bekannte historische punkte {dafs Karls vater Karlmann ge- 
heifsen, daß Pippin Karls bruder gewesen, dafs Karls va- 
ter nach dem tode des früheren kÖnigs durch einen volks- 
beschlufs auf den thron erhoben sei u. s. lo.) falsch sind 
bedarf keiner erwähnung . ob die übrigen ereignisse die 
der dichter als historische gibt {z. b. der krieg des königs 
von Spanien und des herzogs von Bretagne mit dem grafcn 

' auch hier iinirdc ein dichter der wie Jf'olfram bewiistvoll sei- 
nen Stoff ordnet das erste motiv, golies schütz, als das gewichtigere 
zuletzt gebraucht haben; doch unser verfafser schlofs sich ohne Zwei- 
fel hierin der wälschen quelle an, die überhaupt an der dürfligkeit 
des deutschen gedicktes grofsentheils mit schuld sein mag. 

25* 



388 DIE GUTE FRAU. 

von Püilou^ die kämpfe des grafen Guido von AuvergnCy 
der raub der französischen königin durch den könig von 
Portugal) ga7txi oder zum theil begründet sind, dies zu 
untersuehen hielt ich für zwecklos, zumal so lange die fran- 
zösische quelle nicht bekannt ist. das gedieht ist weder 
der anläge noch der ausfdh^ung nach so ausgezeichnet 
dafs wir hoffen kön?itefi bei einer solche?i nntersucliung den 
geist der mittelalterlichen poesic zu beimischen wie er die 
geschickte nach des dichters zzvecke?i j/mgestaltetc 7/nd den 
gestalten der sage einßocht. im allgemeinen verweise ich 
auf die Vermutungen die IVolf in den sorgfdltigC7i anmer- 
kungen zu seiner inhaltsangabe aufstellt und füge nur die 
herichligung hinzu, die ich herrn prof Leo verdanke, dafs 
Barria, die heimat tinsrer lietdin, nicht Bar sondern Berry 
ist, wozu es vollkommen pafst dafs der ritter auf seiner 
ersten fahrt in das benachbarte Poitou zieht, dafs die gute 
frau von dem ebenfalls benachbarten grafen von Auvergne 
angegriffen wird it7id dafs die Schlacht am Allier (Aller 
1080) statt findet, als besonders auffallend hebe ich iiur 
den offnen ividerspruck gegen das salische gesetz {2\A^ ff.) 
und die enoähtiung der 12 fürsten {auf jeden fall der pairs 
Karls) hervor, deren macht' so grofs ist dafs sie den könig, 
wenn er ihnen nicht zu willen ist, absetzen (2537 — 68).* 

Die zeit der abfafsung des gcdichts läfst sich nicht 
genauer begrenzen als durch die jähre 1212 und 1280. 
der ganze ton zeigt, dafs es erst nach der Umgestaltung 
welche die deutsche poesie am ende des 12// und im erste?i 
jahrzehend des ISn jh. erfahren hat geschrieben ist; dafs 
es aber nicht ganz an das oide des ISnjh. zu rücke?i ist, da- 
für bürgt eine gewisse einfachheit und natürlichkeit die das 
gedieht bei aller sonstige?i armut zeigt; iväre es aus so 
ganz später zeit, so würde es sicher an Übertreibungen, 

eben so wenig tafsen sich von vnlcrsuchungen über den Ursprung 
■und die fortcntwickelung der sage sonderliche resultate erwarten, sie 
hat ühnlichkcil mit der legende vom heiligen Eustacinus {s. derRcemer 
tat herausgegeben von Keller s. 166 Jf.), auch, wie schon bemerkt, 
mit der sage von Berla mit dem j)lattfufs; vieles in ihr ist nur all- 
gemein hergebrachtes zur phrase herabgesunkenes sagen- und mär- 
chenelamcnt. 



DIE GUTE FRAl. 389 

L^esuchtem prunh\, spielei^eien und anderen aiLswächsen lei- 
den, auch u'ürde die spräche schweidich so rein sein, nach 
der g'anzen haltung würde ich es, ohne diese bosti)mtiung 
durch dufserc gründe stützen zu können, in die Jahre 
1230 — 40 setzen. 

fVenn ich oben gesagt habe dajs Hartrnann als repriisen- 
lant des jnhd. epos dasteht, so ist dies bekanntlich nicht so 
zu verstehe?}- als ob die übrigen dichter in denen sich die- 
selbe tveise findet ihn speciell nachgeahmt hätten, wie 
IVolfraui und Gottfried eine ganze reihe von diclitcrn ängst- 
lich gefolgt ist; wenige dichter wie IVirnt ausgenommen 
war diese Übereinstimmung mehr eine unwillkürliche. Hart- 
jnatin hat die demente seiner poesie nicht geschaffen, icie 
jene beide7i allerdings vollkommen neues, bis dahin noch 
nicht gekanfites aus sich erzeugt haben, sondern nur das 
was er vereinzelt bereits vorfand zusammengefafst und hö- 
her entwickelt, unser dichter dagegen scheint freilich Hart- 
vianns werke vorzüglich gelesen zu haben, wid, er hat sie 
in einem mir in der mhd. poesie sonst nicht bekannten 
grade ausgeschrieben, man halte folgende stellen zusam- 
men die mehr oder minder wörtlich übereinstimmen: 23/". 
= Erec 3687 f., 248 = £'rec 4642 (tnit hinzusetzung eines 
durch vor lüter auch = Gottfr. Tr. 11730), 263 = Greg. 
325, 372 = /m^. 7864, 416 = Greg. \2lö, A24 — 26= Erec 
132 — 34, 605—10= Greg. 1807 — 12, 883—85= Greg. 
1983 — 85, (925/ = Iw. 3073/) 1199 — 1202 = Greg. 
1921 — 1924, 1204 = E7^ec 1520 und Iw. 4766, 1450 
=: Greg. 323, 1474 — 76 = arm. Heinr. 58 — 60, 242 1 /". 
(= 2737 f.) = Iw. 365 f. und Erec 8361/, 2425/ 
z=i Erec 7Q78 und 6351/, 2859/ =//«. 2533/ wenige 
dieser stellen sind so allgemein dafs ma?i glauben könnte 
der dichter habe sie ohne Vorbild zufällig auch gefunden, 
einen einßufs Gottfrieds könnte man sehen in den versen 
103 — 106, 167 — 174, 301 — 312, 1341—1359, vielleicht 
auch in dem gedanken der 2189 — 98 ausgesprochen ivird, 
so wie in dem häufigen spiele mit licp und leit, das sich 
zwar bei allen mhd. dichtem, doch bei Gottfried besonders 
häufig findet; dagegen braucht der dichter gegen Gott- 
frieds art in Übereinstimmung mit Hartmann auffallend we- 



390 DIE GUTE FRAU. 

nig französische toorter, turnier 219, hashart 1094, äniis 
1344, schappel 1947, malätes 2631, condwieren 2677 (zwar 
conjectur, doch unzweifelhafte^^ punte 2803, la hone dame 
3022. aus den anfangszeilen des gedichies könnte man schlie- 
fsen dafs der dichter nicht nach einer schriftlichen quelle 
sondern tvie JFirnt nach mündlicher erz'dhlung des kaplans 
oder des markgrafen gearbeitet ; doch scheint diese folge- 
ning bei so ivenig bestimmten ausdrücken voreilig und las 
(6) seile (9) saget (575) können sich auch auf das vorlesen 
beziehe?! . 

In sprachlicher hinsieht sind nur folgende durch den 
reim verbürgte formeii zu bemerken, gesät (: stat 704. 1552, 
: bat 957) das auch Hartmanri und besonders Rud. vo?i 
Ems haben, iiiet (: schiet533. 2601. 2616. 2772, :diet2998), 
genuogcn (/?^> geniiegen 1370) diu kalte (628, Xi scheint den 
einflufs des i gestört zu habeti, vergl. die conj. prät. der 
schw. verba sande, künde, funde und die gehemmte kraft 
des a in bindan), diu grüebe 2024. vott formen die verschie- 
dene dichter verschieden brauchen finden ivir folgende im 
reim: sie (: ie 246, gie4I4, lie 1992), prät. ind.vonMn, 
hate (121. 542. 656 und oft) ha;te (55) het (:T61et 2433), 
sint (für sit, das auch im reim vorkommt, 1928. 2958), 
drin (tribus, 1120), wir sin ind. (1910) und wir sin (3034. 
504, in der letzte?! stelle kön?ite es alle?falls co?y'unctiv 
sei?iu?id vielleicht ist 1910 wir hin ^w sch?'eibe?i), tete (348. 
^62)u?id tet (243 und sonst), dieselben for?nen b?^auchenRud. 
ff'^irnt und der Stricker ?iebe?i ei?iander, vgl. graimn. 1, 965 ; 
femi?ii/ia auf In (2050. 2173. 2216 u?id oft) inne (302. 1326. 
1333. 1954. 2202. 2229. 2515. 2553) u?td in (2869 und im 
reim auf dar in 2847, da dies wort so?ist im reitne ?ncht 
vorkommt habe ich diese gewöh?ilichere form vorgezogen)^ 
adv. auf liehe (43. 128. 688 u?id oß) liehen (889. 2124) 
liehe (867) liehen (897), herre (: merre 93. 230. 855, das 
auf kein anderes woiH reimt), nu und du stehen ?iicht im 
reim. 

Das ??ieti'um wird oft ei?itö?iig und ungefüge, die bei- 
de?! zusamtnengehörigen ?'eimzeile?i loerden selten durch den 
sinn geschieden ; doch fehlt die se?ikung sehr oft und dies 
spricht für eine frühe abfafsung des gedichts. kli?ige?id 



ÜIE GUTE FKAU. 391 

reimende vevse za vier hebtt/igen erlaubt sich der dichter 
wie uujscr Gottfried und Konrad von IVürzburg wohl alle 
dichter des 13/< jk. das tonlose e irird im in- und auslau l 
innerhalb des verses wie im reim (hier sogar in formen wie 
kiat dat. 29. 349), so oft es dem dichter unbequem ist, ab- 
geworfen. 

Im reime zeigt er ferner folgende freiheiten. er bin- 
det n : m auffallend oft und zwar an : am (47. 51. 323 und 
noch 20 mal) aru : arm (gevarn : arm 2179) an : am (jjetan: räm 
2795) ein : eim (zwein : oelieim 591) ün : um (Urilüii : rum 843; 
uon: uom (tuon:ruom 1563) iens : iems (Urliens : Riems 1807); 
aufscrdem naht : gemachl 2395, bilde : milde 2383 wo der 
Schreiber mit richtigem gefiihl milte setzt, komen : vromen 
2097 (vergl. gramm. 1, 205. 3^ ausg.). dafs er ursprüng- 
lich geschlofsnes e mit offnem in wesle : beste 57, weste : 
veste 1201, gerne :erue 581 bindet wird nicht als freiheit an- 
zusehen sein, sondern in seiner gegend wurde das geschlofsene 
e einiger tvörter in der that als offnes gesprochen tvic auch 
Hartmann das e in weste als offenes behandelt. 

Was endlich die beschaffe nheit der handschrift betriff't, 
so geht dieselbe, besonders die höchst verderbte Orthogra- 
phie, aus den auszügen bei IVolf Hoffmann und Hagen 
hinlänglich hervor; ich habe daher in den hemerkungen 
nur die wörter der handschrift aufgeführt in denen ich ivürk- 
lich abgewichen bin oder die ihrer form wegen in irgend 
einer hinsieht bemerke nswerth schienen und führe hier nur 
noch an dafs ei für i, scbvv sohl scbn sehr und die ausl. 
media dort ivo sie im inL hervortritt bereits fast ganz 
durchgedj'ungen ist; dafs das poss. ir bereits als adj. ße- 
clierl wird ; dafs sich die adj. ßexion iu nie findet, ebenso 
wenig ein swer, swaz u. s. ic, zwei oder drei fälle ausge- 
nommen in denen zw geschrieben ist, sondern stets wer 
steht; ferner sind fast durchgehend ou für äne, nit, nun, 
zwingen, zwahen, iarbc, jemand, niemand, verlor, häufig 
ich sagen und ähnliche (gramm. 1, 958); nirgend ein dirre, 
und es rvird nur vn vnd vndd, yiie unl oder unde geschrieben, 
die handschrift stammt aus dem \än, vielleicht, wie Graff 
Diut. 3, 349 will, aus dem Hin ßi. ; es liegt wenig daran 
dies genauer zu untersuchen, neun verse fehlen, nur bei 



392 DIE GUTE FRAU. 

V. 2404. 2856. 2890 bemerkt Schottky die lücken; mögen 
Wiener freunde der altdeutschen poesie, icenn sie das ge- 
dieht dessen loerth halten^ und ich hoffe dafs es hei al- 
ler mangelhaftigkeit doch gelesen zu tverden verdient, 
nachsehen ob sich auch die ührigen lücken in der hs. fin- 
den, geschrieben ist die hs. ivahrscheinlich in Schwaben, 
loenigstens zeigt sie folgende vorzugsweise schwäbische 
eigenthütnlichkeiten, au für ä, ent für et in der 2. pei's. 
pl., doch nie im reim, dagegen hlofses t einige mal ^ volle 
formen wie lebolen, begegnot, seltaa; kllche (2107, doch 
1649 kirche) und den abfall des e am cfide der ivürler, 
rergl. Beneckes vorrede zum fVig. s. 43y. da sich nicht 
annelimeii läfst dafs das gedieht eine grofse Verbreitung 
gefunden^ so darf inan hieraus, so wie aus des dichters ge- 
nauer bekanntschaft mit Hartmann, ivohl schlief sen dafs auch 
er ein Schwabe gewesen, tadehi wird man es nicht dafs 
ich bei einer so gänzlich unverlafsbaren hs. manches ge- 
regelt habe was auch in den besten hss. schwankt, dafs 
ich z. b. die form vrouwe bis auf die stellen in denen der 
vers vrowe fordert durchgesetzt habe, während die hs. stets 
auch im reim frow schreibt, bei gleichgiltigem schwanken 
wie ode oder aide alder bin ich der hs. gefolgt. 

Schliefslich habe ich herrn prof Lachmann meinen er- 
gebensten dank zu sagen für die grofse liebe mit ivelcher 
er mich, ivie bei meinen Studien überhaupt, auch bei diesem 
kritischen versuche unterstützt hat. die eitelkeit dafs ich 
mir bei diesem probestück gern den geringen schein eines 
eigenen Verdienstes bewahren mucJite macht es mir iinmög- 
lich alles aufzuführen was ihm im einzelnefi an dieser arbeit 
gehört. 7nöge ich künftig im stände sein ihm gröfseres und 
befseres vorzulegen, dafs er zeit und mühe nicht als ver- 
loren beklagen mufs. 

BERLIN 15 Juli 1842. Da EMIL S03J3IER. 

Ein buoch lit ze Arie 

daz der kiinec Karle 

hie vor vrumle geschriben, 

2. Was der küug (küng nach Schottky, kinig nach tVolJ stets) 

3. frümbt 



DIE GÜTE FRAL. 393 

wie sin geslähte waTe beclibeii 

und wie ez dar komen was. 5 

der ditze buoch las, 

der was von Munferran 

des margraven cappelän : 

der seit im diu m^ere, 

wie ez komen w*re 10 

und wiez von erste huop sich. 

dö bat der margrave mich 

daz ich diu ma^e rihte 

ze liutschem getihte. 

nu hän ich es begunnen : 15 

die ez vernemen kunnen, 

unde wellen die gedagen, 

so wil ich in vil rehte sagen 

von der besten vrouwen 

die mau dö mohte schouwen. 20 

Ez saz ze Frankriche 
hie vor gewaltecliche 
ein herre biderbe unde guol, 
an sinen triuwen wol behuot. 

4. plibü und 5. wyt für wie ez. beliben konnte höchstens heifseti Wie 
sein geschlecht lange gewährt, sich erhalten habe, so dafs es dasselbe 
wäre tvie wite dar (bis auf Karl den grofsen) komen. ich zweifle 
ober zunächst ob sich dieser sinn in belibea hineinerklären läfst, so- 
dann ci'hielten wir gleich am anfang eine matte Wiederholung, und 
vorzüglich hat sich Karls geschlecht nach unserm gediehte durchaus 
nicht weither {und kann wite dies überhaupt heifseti f), durch viele 
glieder, forterhallen, da Karl selbst erst das zweite oder, wenn man 
die altern der heldin mitrechnet, das drifte glied ist; deshalb beson- 
ders habe ich auch wile geändert, auch schien mir das gcfühl des 
Icsers zu fordern dafs das subject (ez) wiederholt werde; und die ver- 
bifserung wird bereits durch den titel der hs. angedeutet, de Caroli 
origine (becliben) et genealogia (dar komen), der wahrscheinlich in der 
älteren hs. die der unsern zu gründe liegt übergeschrieben und aus 
den anfangszeilen entnotnmen war. — über den Wechsel der modi 
(wKi'e, was) vcrgl. Lachmann zu If^^alth. 29, 34. 6. dis 

7. IVuiilTevran NuiiH'eoran NuafTeman Hagen , NunlFecran Schotthy, 
'Vüiiirerran Jf'olf, iNumfetran Graff {Diut. 3, 349), Nüinfretran Iloff- 
viann. 15. l)egünncn lü. verniemcii {nergl. 301. 735. 1228) 

künucn 17. wiillen die still gelagn 21. gewalleuclichc 



394 DIE GÜTE FKAIJ. 

er was Kuopreht genant, 25 

Barria hiez sin lant. 
er was sttete und raanliafl 
und het an guote wol die krall 
daz man in mit gewalle 

wol zeiuem gräven zalte. 30 

an gewalt und au eren 
er künde wol bekeren 
siniu dinc nach sinem muole. 
do der herre giiole 

bi sinem wibe gesaz 35 

zwei jär alder baz, 
dö gewan se ein kindelin, 
daz schoenesle löhlerlin 
daz mannes ouge ie gesacli. 

diu diet im alle samet jach, 40 

do ez wahsen begunde, 
dö jähen im zestunde 
,alle geliche, 
beide arm und riche, 

ez künde so wol gebären, 45 

käme ez ze siuen jären, 
da wüehse ein salec wip an. 
si jähen als ez sit kan. 
Bi im was gesezzen 
ein herre vermezzen : 50 

der was disse gräven man 
und im doch genozsan, 
der in nihtes dorfte vlehen 
niuwau umbe daz liMien 

daz er von im luete. 55 

er was al siuer nele 
der ha'hsle und ouch der beste : 
swaz der eine weste, 
daz was ouch dem andern kunt : 

25. es w. Ilupprecbt geuampt 33. siiiiuj Diso 37. sy 

42. I)ü Jacheiit Jm sa zcrst. 40. Kein 47. wiichs 48. Do 

spraclicnd als er sicli kan 51. dicz 53. Dar Jon nichlz bedorlil 

54. ^iunlt■Il 55. hole 50. an seineu lellcn 



DIE GÜTE FRAU. 395 

si waren sament zaller stiiut, 60 

sameat hie, sament dort: 

ez wa-re wise oder wort, 

daz was ungesclieideu 

zwischen den herren beiden. 

getriuweni vriundc ist nütze bi, 65 

swie unwert triuwe nü si, 

si niuoz doch imer mere 

ein honptschar sin der ere. 

Der herrc, disse gruven man, 
üuch ein kindeh'n {^ewan : 70 

daz was ein siin wol getan, 
nu mac et niemen niht hän 
wan als im got wil gunneu: 
het er noch zwei gewannen, 
diu wa-ren wwrliche 75 

beide worden riche. 
diu zwene beten zwei ensam, 
die wurden so liebesam 
daz man noch wunder seit dar abe. 
diu juncvroawe und der knabe 80 

wären sament zallen stunden, 
daz si gedenken künden 
wie holt sc einander wahren. ', 

an spräche und an geba'ren 

minten si sich sunder. 85 

da hwret michel wunder, 
si wuohsen in der minne, 
ob ich rehte mich versinne, 

60. zesament 65. Ain gelreiiwü iVüiul. die form nütze (iiücz ia 

der A.V.), statt des gewöhnlichen nuz nutzes in., habe ich gestützt auf 

das alid. wwltX f. {GraJJ't., 1123) bewahrt. 68. hepplschar, vergl. 

1339. 60. dis 72. et iebt niemät n. h. 73. giinnen 

74. gewinnen IT f. Die zwen herren Lett zwene Die wurdenl so 

lieb seine, ich weifs ensam blofs durch die analogie von bisam init- 

sam zesam zu stützen; aber andere verbefserungcn {etwa die zwene 

[herren] beten zwei kint diu wurden so geliebe sint (sinl im reime 

1928 tmd 29.58) schienen mir zu gewagt. 81. zesament 

82. daz, seit der zeit dafs. 83. sy ainandren waren 84. spra- 

ohen u. a. gebaren 85. besonder 87. wücbstend 



396 DIE GUTE FRAU. 

(laz ir ielwederem wa're 

des anderen sweere 90 

leider dan diu sine. 

dö starp dem raägetline 

ir vater, der edel hßrre. 

dö wart diu rede vil nicrre 

zwischen den kinden beiden 95 

daz si vorhlen sin gesclieiden 

dann umb in der du tot gelac. 

si wanden, soltens einen tac 

von einander sin gewesen, 

daz si iemer möhten genesen. 100 

ja herre, waz ist minae? 

man vindet wunder drinne. 

ez wirt von ir gewalle 

der junge als ouch der alte, 

der alle als oucli der junge. 105 

si heizet wandelunge 

baz danne niinne. 

si verkeret rehte sinne 

ze wunderlichen dingen. 

den niemen möhle bringen 110 

üf deheiner slahle arbeit, 

dem git si liep unde leil 

und machet in vil drale 

an werken unde an rate 

als er ein minuajre 115 

ie gewesen wtere. 

Nu lac der alte herre tot, 
als gol von himele geböl, 
von dem ich e hau gesagt. 

dö wart sin husfrowe und diu i/iagl 120 

die er ze tohlcr liale 
mit ir vriunde rate 
bevolhen harte sere 
dem andern an sin ere, 

9'i. <ler red uil mcr 98. siillends ein ',)".). aiu andren 

101. Da hurend HO. Die niemat mocli |ir. 118. hiemel 

II'.). der Vil. helle 122. friinde vud ralte 



DIE GUTE FRAU. 397 

(laz er ir pflegen sohle, 125 

als er bilh'che wolde. 

deswur daz tct der riclie 

vil gctrimveliche. 

er nanis in sine huole 

mit libe und mit guote 130 

und scluiof alle ir sache 

ze eren und ze gemache 

als die sine oder baz. 

dö diu vrouwe gesaz 

zwei jar nach ir manne, 135 

dö starp ouch sie danne 

dö der edel weise 

von des tödes vreise 

verlos sin muotr und sineu vater, 

raanege riche man bater 1 40 

durch ir bürge und durch ir lant. 

in was allen wol bekant, 

swellien si ze slaele 

zeinem man genomen ha^te, 

dem wter als wol geschehen daran 145 

als dem der si sit gewan. 
Nu schuof ouch mit gewalte 

der tot daz der alte 

behendeclichen tot gclac 

der der juncvrouwcn pdac. 150 

dö starp ir vriunt und ir raf. 

dö tet si als der beide hat 

sailde unde wisheit: 

si was dem armen vil bereit, 

dem riehen hcrrn ze vuoge. 155 

ir jähen des genuoge 

daz wibes name ie würde 
137. wyse 140. batt er. sie lad die Jiirsten zu sich zum empfange 

de)' lehcn, vergl. vür sich bilen (s. b. Parz. 344, 22) und unser bit- 
ten, einladen. 142. welchen 145. also 146. genam 
147. zwang, so viel ich weifs steht twingen mhd. so wenig als un- 
ser zwingen ohne obj'ect; doch tveifs ich nichts bejseres als das un- 
wahrscheinliche schuof an seine stelle zu setzen. 149. Beschaiden- 
lichcn 157. wurde 



398 DIE GÜTE FRAU. 

so fri vor valsches bürde 

an allem ir gemüete. 

si schuof mit mancher giielc 160 

daz si über allez daz lant 

diu guote vrouwe wart genant. 

soltich iu von ir dingen 

gar zeinem ende bringen. 

wie rehte guot si w«re, 165 

daz würde ein langez nia>re, 

an ir was vür säze 

guot und elliu mäze, 

mäze junc, maze alt, 

mäze blüc, mäze balt, 170 

mäze diemuot, mäze here : 

an ir gebrast niht mäze merc, 
\ ' wan si was äne mäze guot, 

da mäze niuwan schaden tuot. 

disiu reine junge !*•'> 

diu saz in zvvivelunge 

wie si ir leben slizze 

daz man ir niht Aerwizze. 

si gedähle 'ich wil mich äne man 

begän, ob ich iemer kan: ISO 

mir ist sus sanfte unde wol. 

swaz ein vrouwe haben sol 

von bürgen und von lande, 

von pferden und von gwande, 

von rittern und von vrouwen, 185 

daz mac ich allez schouvven 

in minem hove, svvenn icii wil: 
. , darzuo maneger bände spil, 

beizen, birsen, unde jagen, >.'• 

videlen, singen, unde sagen, 1,90 

des hän ich alles gewalt. 

158. valscher Bürde 162. genamt 167. satze (: massc). vergl. 

fValth. 8,24. MS. 2, 215'^ (min wort min doene geträten nie uz reliter 
sinne säzen) vnd 2, 224''. in ihr war als in seiner behattsung, in ihr 
hatte sich eingemietet. 168. an alle 173. wan fehlt. 

174. Die niasz nicmal 180. iemi-r fehlt. 181. 193. sunsl 



DIE r.lTE FRAU. 39y 

wie niölite ich senfter werden all? 

mir ist sus micliel baz 

dann ich iemen über daz 

minnle vür min selbes lip. 19-5 

ich horte sagen, so diu wip 

mannes minne hinderge, 

daz in dannc wirs si dan e. 

3Iir ist niht kunl umbe man : 
als aber ich mich verdenken kan, 200 

an in sint zwei dinc leider, 
der ich erviirhle beider, 
ob ich einen man ha'te, 
dem wa're ich also sla*le 

daz ich nimer verliezc 205 

swaz ich in luon hieze. 
baete ich danne daz er sich 
enzucte eteswes durch mich 
daz er lihte nlht verba're, 

daz würde ein sölhiu swa're 210 

diu mich vil serc müete. 
so liete ich miner güele 
cngolten harte sere. 
dannoch vürhte ich mere, 

swenne er uz wa're 215 

durch rilterlichiu mare 
in turniern unde in slriton, 
so müest ich zallen ziten 
da heime grozen angest han, 
wie ez im dort soll ergän. 220 

so het ich jugent unde leben 
gar einem manne gegeben, 
lebte er mir nilil danne, 
'• •• so wsere ich zc manne 

al zc vrüeje geriten. 225 

ez ist bezzer wol gebiten 
dann übele gegähet. 

201. zvvai laid 203. Die i. e. itaid 208. etwas, es könnte auch 

elcwu heißen. 210. Da 211. mültc 212. gute 219. hai- 

inen grossen 222. man gebfi 225. früg. wohl s//ric/iit<(ir//ir/i. 



400 DIE GUTE FRAU. 

swer also sich selben vahet, 

der ist betalle ane siii. 

ich wil eht leben als ich bin.' 230 

Nu wart der junge herre 
balder unde merre 
danne in dem riebe 
keiner sin geliche 

der bi der vrouwen was gezogen. 235 

si tätenz alle ungelogen 
die in ie an gesahen, 
ob si im gruozes jähen, 
schiere kam er üf die vart 

daz er loplichen wart 240 

ze ritler als ein edel man. 
dar nach er dienen began 
siner vrouwen als er e tet. 
daz was ir wille und ir gebet, 
wände si in minnet ie. 245 

also tet er ouch sie. 
ich sage iu wie ir rainne was : 
lüter als ein Spiegelglas, ^ 

an aller slahte geviere 

mit werten unde gebwre. 250 

. ' • ■ si gedähte 'ich sol im holt sin. 

sin vater underwant sich min , 

also schiere, dö min vater slarp. i 

daz ich dö uiht gar verdarp, 

daz schuof siu hilfe und sin rät. 255 

daz er zuo mir getan hat, ;, 

des het ich iemer schände, 

beviinde ieman im lande 

ald in mime gesinde, ■ 

ine waT ouch sinem kinde ?6.0 

holt an sines vater stat. 

228. selbs vacht 231. wuchs, was ich mit dem aüjeclivischen incrre 
zu verbinden anstehe. 232. mer 233. ich 236. hetten all 

237. grücz verjacheii 245. Wann sy mini 247. sagen wie 

{lu fehlt) 249. geuar 250. gebar 259. mine 

200. ine] Ich 



DIE GUTE FRAU. 401 

ich weiz vil wol wes er mich bat, 

do er an sinem ende lac 

und nimer anderthalben tac 

nach dirre rede werte. 265 

do bat er unde gerte 

an mich vil sere 

daz mir an mine ere 

sin kint bevolhen wsere. 

vergaize ich sölher majre, 270 

so waere ez vil gar verlorn 

swaz triuwen an uns ist geborn. 

D6 was aller sin gedanc 
als in diu groze liebe twanc. 
er gedähte in sinera muote 275 

• "ja herre got der guote, 
nu geruoche mir geben 
die sa;lde und daz lange leben 
daz ich gediene sere 

die manecvalten ere 280 

die mir diu vrouwe hat getan, 
ich muoz anders iemer hän 
der Hute spot unde ir haz, 
ine getuo eteswaz 
. daz man spreche und schouw«,. 285 

swaz disiii guote vrouwe 
disem manne liebe tuot, 
daz enist niht ein verloren guol.' 

Do gedähtes alle tage 
da wider als ich iu sage, 290 

"min vater nie gewan 
getriuwern mäc noch man 
dan sinen vater, dem er mich lie. 
solher triuwe pflägens ie, 

daz Sit unz an ir ende schein, 295 

die liezen si uns zwein : 

262. WZ 271. ez vil] ich 273. seiner 274. nv zwangk 

277. nn fehlt. 284. Jnen getüg 289. sy altag 292. getrüver 

magt 293. seia 294. pflag sy ie 295. an vncz Jr end 

schin 296. Do üessent sy vncz zwain. wir haben die trette ererbt. 
Z. F. D. A. II. 26 



4(»2 DIE GÜTE FRAU. 

IUI sols oucli stiele beliben. 

man viinde noch an wiben 

Iriuwe unde statte, 

der in ouch rehte ta?te. 300 

Do erzeigte in diu Minne 
daz si ein vüega?rinne 
ist über allez daz ic wart, 
unde ir slüzzel hat \erspart 

swaz iemer man von minnen -Mi» 

möhte gewinnen, 
die slüzzel treit si beide 
ze liebe und ze leide, 
sie sliuzet unde entsliuzet, 

ir engiltet und geniuzel 310 

manger zaller stunde, 
nu beeret wie si begunde 
michel wunder stellen 
under diseu zwein gesellen, 
die rainne, diu undr in was 315 

noch vester danne ein adanias, 
die schriet si mit kraft enzwei, 
daz si sich kloup als ein ei. 
er nam sin teil in sine hant, 
• ' diu Minne in überwant, 320 

der sine vrouwen muoste län 
und wart der Minne undertan, i 

Als er in ir gewalt kan^ .i 

do wart er ein trürec man, 
,t ' ob er die solte bän verlorn 325 

die sin herze het erkorn 
vür alle die er gesach. 
diu Minne wider in sprach 
we du vil armer tumbe, 
t du enweist niht darumbe. 330 

swic unde warte mir. 
ich löne eines lages dir, 

297. solts 298. an den 299. Jn anders och 318. klob 

321. der] Var odei^ Nar, undeutlich in der hs. 329. Turne 

331. wie V. wart 332. Ionen .•"■ ■ , ' 



DIE GÜTE FRAU. 403 

daz du mit sselden mäht leben, 
ich wil dir ein wip geben, 

daz dir niemer mere 335 

guotes noch cre 
hinnän vür gebresten kan.' 
dö sprach der kindesche man 
'vrouwe, ich leiste al iwer gebot 
und wil iuch biten durch got, 340 

weit ir mir gensedec sin, 
so gebt mir eht die vrouwen min, 
ob ir der gewaltec sit, 
bi der ich alle mine zit 

uf gnade her gewesen bin.' 345 

dö sprach diu Minne wider in 
'gsebe ich dir nach diner bete, 
daz ich nie manne tele, 
künege noch küneges kinl, 

die mir underta^nec sint. 350 

so hat mich min wisheit 
durch dich vil nidere geleit. 
ich wil dir sagen min wesen : 
swer mit mir wil genesen, 

swaz der ungemaches lide, 355 

so muoz er als ein side 
•ij,: ze aller stunt gewaschen sin, 

ald ich geloese mich sin. 
raines hoves geselle 

ist der himel und diu helle: 360 

wan niemen nimts deheine war, 
wan als er hat gedienet dar. 
von diu scheiden wir uns, daz ist guol. 
du hast deheJner slahte muot 
der von schänden vliehe 365 

336. Gucz 339. ein absalz in der hs. 341. Vnd wiill 

347. gel) — gebelt 348. iiiemäl tält 357. gewaschen, ich kann 
diesen sprichwörtlichen ausdruck sonst nicht nachweisen, sehe aber zu 
änderunge?i (gewaehe, gevücge) kein recht. 358. glos 359. mei- 

nem hoj'e gleich. 361. VVa niemant man niemetz kain w. 

363. diu] dir 365. von scheiden 

26* 



404 DIE GUTE FRAU. 

aide zeren sich ziehe. 

var hin swä du e wsere 

diner vrowen almuosencere. 

da wil ich dich lazen sin : 

gebiutet ez diu vrouwe din, 370 

so wil ich dich da bi ir län. 

du enhäst gedinge noch wan 

daz dir an si üf der erde 

immer gelonet werde.' 

Do sprach daz kint wol geborn 375 

vrouwe, senftet iuwern zorn. 
wiset mich, wie ich werbe : 
e daz ich gar verderbe, 
so volg ich iuwern eren.' 

si sprach 'ich wil dichz leren. 380 

boesiu wip niide, 
und mit den besten lide 
swaz dir ze liden geschiht. 
swelher man da valscheit gibt, 
der euhabe keinen wän. 385 

wellest du die guoten willec han, 
wis getriuwe und manhaft, 
vliz dich üf ritterschaft : 
da mit soltu gewinnen 

daz dich die besten minnen.' -^ 390 

er sprach 'vrowe, daz tuon ich : 
got eutoele danne mich, 
' so tuon ich durch sie eteswaz, 

daz man mich lobet dester baz. 
diu mir ane valschen list 395 

lieber was und lieber ist, 
dann in der wcrlde ie wurd ein wip, 
durch die wil ich miuen lip 
arbeilen unde Lwingen. 
ze etelichen dingen, 400 

366. zerren 368. alinusnere, bcttler? 370. min 372. nach 

379. eüvch gerne 380. es lernen 385. en fehlt. 387. Bis 

392. ertölt 395. valscher 397. weit stets, doch nicht im 
reim. 



DIE GÜTE FIL\U. 405 

«z si niin schade oder uiiu vruiue, 
daz ez ir ze dienste kume.' 
Er bereite sich vil dratc 
iiAch der Minne rate 

und beriet sich zehanl 405 

daz er wolle riimen daz lanl 
und daz er üz ein jär belibe, 
und ob er daz also tribe 
daz manz vür guot ha.'te 

daz ers noch mere tiete. 410 

als er sich bereite, 
niht lenger er enbeite, 
vür sine vrouwen er dö gie,' 
also sprach er wider sie. 

raöhte ich iu und künde 415 

ijenäden mit dem munde 
als mirz daz herze meinet ! - 
vrouwe, ir hat bescheinet 
an mir vil ganze triuwe : 

des ich vil groze riuwe 420 

han, wie ichz vergelte, 
daz man mich nihl enschelte. 
gebiet mir, vrouwe, ich wil varn. 
der himelkeiser ruoche bewarn 
i.«i iwer werdeclichen ere : -425 

ir gesehet mich niemer mßre, 
in getuo durch iuch eteswaz 
daz man mich lobe dester baz. 
daz ist wol min wille/ 

do sprach diu vrouwe stille -430 

guoter, wes hästu gedaht 
ode wer hat dich ane bräht 
disen willn und disen muot? 
der was diu vriunt niht guot, 
der dich wil von mir keren. 435 

408. ain Jar tribe 412. laug 413. Von seiner 415. iu] n» 

416. Gnad 423. Geblüt, noch ihrzen sich die beiden, die hs. macht 
hier einen absatz. 425. wcrdenl. 427. Ich getun 428. mich 

fehlt 431. Gutt 432. Ad 



406 DIE GUTE FRAU. 

du mäht mit grözen eren 

mir hie dienen, daz ist reht, 

als wol ritter, als kneht.' 
'Daz ist war, vrouwe min : 

ja wil ich in iuwern dienste sin 440 

swä in allen landen 

ich schaffe mit den handen 

unde mit der zungen.' 

diu laut sint betwungen : 

wiltu mir dienen, daz tuo hie 445 

in dem daz mir min vater lie : 

da mac ich wol gedienen dir. 

wiltu nu scheiden von mir, 

wem wiltu denne läzen mich? 
} , V si sint gedigen an dich, 450 

die mir guot sollen sin : 

der vater und die muoter min 

diu sint leider beidiu tot. 

dannoch ha^te ich mine not 
' mit dinem vater überkomen, 455 

hsete in der tot mir niht genomeu : 

nu hat ir got beroubet mich. 

von diu soltu wol bedenken dich 

e du scheidest von mir.' 

er sprach 'min wille und ouch min gir 460 

stät gar in unkundiu lant. 

ich bin leider unbekant 

in vremden landen, des niht guot. 

ich slize jugent unde muot 

anders danne ich solte, 465 

ob ich gedenken wolte 

waz miner jugent gezseme 

und dem alter i'ehte kseme. 

440. iuwer dienest? 442. landeu ziveimal. 441. Wo 

442. ich schaffe fehlt und mit steht zweimal, eine genügende ver- 
hefserung habe ich umsonst gesucht. 444. sy sprach betwungen 
verstehe ich nicht, vielleicht hedruogen, die angrenzenden länder sind 
mit krieg überzogen. /k^k^. tu 453. Die -456. mir schon nach 

Hell 458. diu] dir 4()0. och hegir 46t. vnkunden 

463. dz nit 4Ü5. Änderst i,. ^ , imu j, 



DIE GÜTE FRAU. 407 

swer sich verlit in siiier jugent, 
<laz schadet dem alter sere an tiigenl : 470 

er wirt vil dicke schamrot, 
diso vorhle und dise not, 
nuic ich, die wil ich bevvarn. 
lat mich mit iuwern hulden varn. 
swar ich kiime, ich hin ouch hie, 475 

min herze daz geschiet sich nie 
von iu, noch niemer getiiot. 
wizzet rehte mineu muot : 
swa ir weit, da muoz ich sin 
mit triwcn und mit dem herzen min 480 

imer unz an minen tot. 
Iiie von wart si schamrot 
und was iedoch der ma3re vrö. 
si bat in unde sprach also, 

wiltu bi mir beliben, 485 

diniu jar mit mir vertriben, 
des gelone ich dir harte wol. 
er sprach 'ichn mac noch ensol 
beliben niht mere.' 

daz muot die vrouwen sere, 490 

daz si in wolte erwenden 
und ez niht mohte geenden. 
do muoste si in varcn län. 
•''« si sprach 'wilt du iht des ich hän, 

Silber oder deider?' 495 

vrowe, der hän ich beider 

ze eime järe genuoc.' 

einen köpf man dar truoc, 

der was von golde durclislagen : 

475. kom 479. weiil. ctiva wonl? 487.'gel()iieii 488. irli 

eniiiag 491. wenden 403. er 494. iclitz 499. voll gold. 

nicht rächt deutlich isL mir durchslagen. es steht zugleich mit durcli- 
worlit in Heinrichs Tristan 4481, wo von einem mit gold verzierten 
tnantel die rede ist. bcchcr heifsen ebenda 4805 durch legi mit edelen 
steinen. roseng. 740 werden helnic mit gesleine wol durchslagen. 
klar ist dafs die steine iti das gold gej'nj'st uuirden , doch fragt es 
sich ob sie durch giengcn, so dafs der bcchcr an den einzelnen stel- 
len durchsichtig wurde, oder ob sie bloß auj'sen anlief ügt wurden 



408 DIE GÜTE FRAU. 

da inöht man wunder von sagen 500 

wie der geworht wa^re: 
so lengert ez daz msere. 

Sie sprach 'hie bi gedenke min 
die wile wir gescheiden sin. 
nu sage mir war din wille si : 505 

ist er verre aide bi?' 
ich sag iuz gerne, vrouwe. 
ich wil gen Poitouwe 
da hat der künec von Hispanje 
und der herzöge von Britanje 510 

den gräven bestanden, 
gen disen zwein landen 
ist im not guoter wer, 
wan si hänt im Überher. 

dem wil ich helfen, obe ich mac. 515 

' ' » gelebe ich iemer den tac, 

ich hebe mich üf die sträze.' 
daz muote äne mäze 
die vrouwen unde was ir leit: 
daz meinte ir einvaltekeit 520 

daz ez si so sere muote. 
iedoch sprach diu guote 
'got gesegen dich, nu var.' 
si enwiste aber niht waz im war. 
in twanc minne unde ir baut, 525 

' . da von ouch wilent Tristant 

gröze not und arebeit 
durch sine vrowen Isalde leit. 
so was ouch er gebunden 

vil sere zallen stunden 530 

mit siner lieben vrouwen. 

do moht man wunder schouwen, ' 

des sine mohte wizzen niet, 
do in ir minne von ir schiet. 

Sinem knaben er dö sagete 535 

und die innere wand des hechers ganz von golde war. 501. ge- 

würckt 508. pettowe, ve7'gL 1162. 1178. 1424. ,514. sein band 
517. (lisc 524. nit wo od* war 528. ysald 533. Das sein 



DIE GUTE FRAU. 409 

des morgens dö ez lagete 

daz man im diu ros bereite. 

niht leiiger er enbeite. 

dö vuor mit dem kinde 

gar ein wenigez gesinde, 540 

aht knaben wol beraten 

als si des State bäten. 

daz was ein rotte deine. 

er vuor gesellen eine : 

daz muote in dicke sere. 545 

dö kam vrou Sa?lde und Ere : 

die wurden sine geverten 

die in sit dicke ernerten 

von aller slahte swa;re. 

des hoert ein schoene ma;re. 550 

Er kam ze Poitouwe in daz laut, 
den gräven er da heime vant 
mit unstaten ze wer bereit. 
' ^ daz scbuof sin gröziu vrümekeit 

der sich so lange werte, 555 

s6 sere man in herte. 

sines landes daz beste, 

diu dörfer und die veste, 

was allez samt verbrant. ' 

so ja'merliclie stuont daz lant 560 

daz ez zerbarmenne was. 

der armen iützel da genas: 

si warn wol halbe hungers tot. 

wer möht ouch leben äne bröt? i 

fragt nu ieman der msere, • 565 

wä von der gräve wsere 

zerstoeret unde sin lant, 

den berihte ich ez zehant. . ,.r 

der künec da von Spangen jach, 

daz da vor nie geschach, 570 

er seit sin lant von im han. !"' 

542. statt 544. gesell 550. Da 557. «ler best 558. lest 

561. zerbarmen 563. halb hungcr 564. mochl o. lang l. 

569. Spangen 571. soll 



410 DIE GUTE FKAU. 

(16 wolt er sich vertriben län 

e daz iemer geschaehe 

daz ers von im jaehe. 

des wart urliuge so groz 575 

daz es vil manegen verdroz. 

man saget uns vür war, 

ez werte wol driuzehen jär 

daz nie dehein jär wart, 

si kwniu mit niuwer hervarl. 580 

nu was ez vor dem erne, 

so diu liute gerne 

ir vienden schaden tuont. 

daz körn üf dem velde stuont : 

daz wollen si in hän genomen, 585 

. '*' darumbe wärens dar komen 

mit harte grozem gezoge. 

der britänische herzöge 

der was betallecliche ein helt 

ze allen noeten üz erweit. 590 

''■' der künec was sin oehein. 

der gräve werte sich in zwein '- 

daz er niht mere mohte. 

sin wer im lützel tohte. 
Nu erschrac der gast ma^re, '' 595 

' ■' swie er doch komen wa^re ' 

durch ritterschaft in daz lant. '• 

daz machete, im was bekant - 

an ritterschaft wan der name. '■ 

als aber er verliez die schäme, '.• GOO 

do wart vil schiere ouch er 

beidiu mit schilde unde sper '« 

so behende und ouch so wise '• 

daz ez in bräht ze prise. ' 

575. wards vrlog 580. kemin. des verses wegen mochte ich in J'i/r 
inil setzen. 581. eriulc, 589. betallccliclien. ich kann diese 

form nicht nachweisen ; doch sah ich /{einen griind sie tu tilgen, das 
versmajs würde dem einfachen belallc nicht entgegen sein. 593. ze 
zw. 594. im] nü 597. macht in vast unbekant (501. vil schiere 

Jehll. 



DIE GUTE FRAU. 411 

swä si an die vinde kämen, • 605 

swelhen schaden si dti nämen, 

so vergie in selten daz, 

er engetaete ie eteswaz 

da von er wart ze schalle 

und ze prise vür si alle. 610 

im enschatte ouch niht sere 

daz vrou Sailde und vrou Ere 

sich sin underwunden, 

dö sin üf der sträze vunden. 

vrou Sa'lde loste im diu pfant : 615 

dar nach versatzte si zehant 

vrou Ere aher vürbaz. 

den strit den liez er äne haz. 

daz was sin wille und ouch sin muol : 

swenn im der gräve bot guot, 620 

des werte er sich schone, 

und ern wolde niht ze löne . 

wan siner vrouwen minne: 

got gebe dör die gewinne. 

der kiinec eines sites pflac, i ". 625 

daz er die sumerzit lac 

im lande mit gewalte t; 

unz in vertreip diu kalte. 

die wile wuostc er daz laut. 
. swa er den gräven guot vant 630 

. ■ aide sine belfere, 

daz was im allez miere. 

er fuorte sine antwerc 

beidiu an tal unde berc, 
- ebenhoehe und mangcn. 635 

• ; swaz er moht erlangen, 

daz was allez samet verlorn. 

ez wart der gräve wol geborn 

605. koinen 6Ü6. nomeii 007. So woll ie doch selten) 

608. eiigeltet ich habe diese stelle nach Ilarhiiainis Greg. 1807 — 12 
ücrandert ; doch scheint 607 eine urtdere lesarl verborgen zu sein. 
611. entschal 614. sy in 616. sy si 020. Wann 622. zc- 

lün 624. derj dir 625. sitlcns 628. der k. 635. Eben hoch 



412 DIE GÜTE FRAU. 

uie überladen so vaste 

von urliuges laste. 040 

Der künec fuor mit gewalte. 

manege burc er valte, 

ir müre nider in den graben. 

der gräve mohte niht behaben : 

er verlos an der vart 645 

Cäwirz unde Müsliart, 

die im dicke dienten sere, 

und behabte niht möre 
,. ;;, wan siner stete viere: 

diu nenne ich iu schiere. 650 

Linode unde Rodel, 

die behuop der helt snel, 

und Poitiers, daz waren dri, 
>'.• ' daz vierde daz was Lenseni. 

der gräve nam ze rate 655 

alle die er häte, 

er sprach 'nu ratet, ez ist zit 

(min lant mir allez wuoste lit), 

wie ir wellet daz ich werbe *, 

6 daz ich verderbe. 660 

ob wir siiln mit in vehten 

(got lät geniezen uns des rehteu, 

w'an si tuont mir äne schulde), 
,' ald ob ich des küneges hulde 

gewinne, der uns hat getan. 665 

wil ich min lant von im hän, 

so hat der kriec ein ende. 

e aber ich sehende 
, : mich selben und min erben, 

ich läz mich e verderben. 670 

swem ez danne nach mir werde, i b 

der wer als ich sin erde 

oder tuo swie im gevalle.' 

640. Vrlougs 648. behablü 654. daz viertle, vergl. Iw. 92. 

frolfr. trh. 45, 20. 661. oh fehlt. sollent mit Jm 662. uns 

vor geniezen 665. uns] es 666. ich] ouch 669. selbs 
673. tüg 



DIE GUTE FRAU. 413 

dar nach rietens alle 

bczzer ist iiiil ern verstriben 075 

dan mit schänden hie beliben.' 
den selben willen hän ouch ich. 
vertribenl dise herren mich, 
daz enist niht ein wunder. 

doch stirbet manec gesunder 080 

e ich min laut rüme. 
si vertribent mich vil küme 
die wil mir helfe gestat 
diu mir unz her geholfen hat.' 
si sprächen alle geliche 685 

beide arme und riebe 
'herre min, nu ist guot 
daz ir wisliche tuot, 
swelh not iuch an ge. 

ir wäret doch bescheiden e : 690 

daz selbe lät nu werden schin. 
ir sult von uns gewis sin, 
wir helfen unde raten 
als wir noch ie geläten, ■'■' ' 

weit ir unsern rät begän. 695 

die selben stete die wir hän 
die sult ir schiere bewarn 
und sult selbe in eine varn 
• diu iu diu liebeste s\. 

dennoch haben wir nu dri : ' 700 

dar in varen aber wir. 
herre, dar nach schallet ir 
daz werde iegelicher stat 
'' ein sölich houbetman gesät 

ander den die andern swern 705 

daz si sich hüeten unde nern ' 

rehte als er si heize, 
daz schallet ageleizc.' 
Si rieln im alle vaste 

674. rittend sy 687. min fe/ilt. 692. sond 694. noch] iudi 
697. 698. sond 704. hopptman gesalzt 708. angelaisz 

709. rictlend 



414 DIE GUTE FRAU. 

(laz er sinem gaste 710 

muote unde bsete 

daz erz durch in ta^te 

und ze Linöde füere, 

und im daz volc da swüere 

daz si im wceren undertän. 715 

si woltenz alle da vür hän 

daz undr in niemen waere 

ze not so trostbwre. 

der gräve gienc sä zehant 

-da er sineu gast vant. 720 

,^y:i er nam in von den liuten dan, 

er sprach 'mir räteni mine man 

daz ich iu des muote 

daz ir in iuwer huote 

miner stete eine ruochet nemen. 725 

:;«.,■ - wil iuch des durch mich gezemen, 

daz gediene ich imer me benamen/ 

do begunde sich der gast schämen 

der an in wolte keren 

die arbeit mit eren. 730 

,.tj • er sprach des sult ir mich erlän. 

si hänt dar an niht wol getan 

die iu an mich rieten. 

got sol in gebieten 

daz si iu rätn an einen man 735 

,i, der iu baz gedienen kan, 

da beeret kraft zuo unde sin. 

so wizzet ir wol daz ich bin 

in iuwern diensten also ^,; 

daz ich von herzen wa?re vro, 740 

{i swaz ich gedienen möhte 

daz iu ze dienste tobte. 

der gräve vlehetc unde bat 

unz er gelobete die stat 

ze behüeten und bewarn , -•' • 745 

710. seinen gast 713. zclinodc liere 714. schwierc 717. tlaz 

fehlt. 725. nicniea 726. zimen 727. ymer by namen 

729. der] daz 735. si fehlt. 737. hört 



DIE GUTE FRAU. 415 

und durch in dar in varn. 

er reit des morgens vruo. 

man schuof im hundert ritter zuo. 

da fuor er und die sine 

in daz laut ze Linödine. 750 

als er ze Linödine kan, 

do was da dehein man 

si swüeren alle in sin gebol 

unde baten des daz got 

im salde und ere giinde, 755 

Sit er sichs underwünde. 

nu was er unlange da, 

er enschüefe ouch eteswä 

der über allez daz laut 
,zem besten ritter wart genant. 7()0 

ich sage iu rehte w^es er pflac. 

er geruowte selten keinen tac 

von grözer arebeite. 

läge unde reite 

kund er wol gestellen. 7«}5 

im hülfen sine gesellen 

mit manheit und mit rate 

daz er geschuof drate 

daz in daz her vorhte. .; .j.. 

vil dicke er si entworhle 770 

,11. mit viieterunge. 

der volkomene junge 

schuof in michel ungemach: 

ir guoten market er in brach 

daz in diu spise tiure wart. 775 

,s,',j der kiinec hete an der vart 

dem graven sin laut gar genomen, 

wser er im niht ze hilfe komen. 
Der kiinec zürnen began, 

747. morges 749. siiien 753. schwüren 754. daz] darunil) 
755. Sed v. e. gunde (im fehlt) 75C. sich hell vndcNvundcii 
758. entschuU' 759. der] Dar 762. sellan kain 708.' g.schafft 

hat (drate /t'Ä//) 771. wohl Durch das ausziehen nach speise. 

772. volkomenl 774. markt 



416 DIE GUTE FRAU. 

er sprach 'daz uns der einec man 780 

in disem witen lande 
besitzet, d^st ein schände, 
der tiuvel brähte in hiure her. 
tsete mir ieman als er 

sinem herren tegeliche tuot, 785 

dem waere hilfe unde guol 
von mir iemer unversagt. 
nu müeze ez gote sin geklagt 
daz ich nieman enhän 

der in getürre bestän.' 790 

do sprach der herzöge here 
herre, ir sult niht mere 
reden von disen dingen. 
*'• ich wil in schiere bringen 

eintweder gevangen oder tot.' 795 

ein triuwe er im des dar bot. 

niht lenger er entweite, 

üz den sinen er dö weite 

daz ir driu hundert wären. 

die begunden sin da vären. 800 

si vuoren üz alle tage, 

ir knehte riten nach bejage 

als si ouch e täten. 

also wart er verraten. 

daz wart dem beide unverzagel ' 805 

dar nach schiere gesaget 

von einem garzüne 

daz sin die Brituue ' 

lägeten aller tegelich. 

dö sprach er 'daz ist billich 810 

daz man den vinden schaden tuo '-■ 

beidiu späte unde vruo,' 

do ergienc ez vil bereite ' 

als er üf leite. 

782. besitzt das ist 783. hür, vcrgl. 625 JT, 797. enlwalle 
798. walte 801. allen tac 803. tetleii 808. sin] im. viel- 
leicht ist der dativ zu bewahren, vergl. 844. 811. lüg 
812. früg 813. Do gieng er uil 



DIE GUTE FRAU. 417 

(16 diu ros daz vuoter gazen, 815 

zehanl si druf säzen. 

sus reit der helt balde 

sä gegen eime walde 

des selben nahtes späte, 

den er erkoren häte 820 

zer aller besten huote. 

dö bat si der guote 

daz si stille laegen 

und deheines Schalles pfla?gen. 

er sprach 'swie wenec unser si, 825 

uns lit ein michel her hie bi.' 

als lägen si mit sorgen. 

dö in erschein der morgen, 

dö sprach er 'ich wil riten: 

nu sult ir min hie biten 830 

hinder disem rise. 

nu tuot als ich iuch wise. 

in si daz allen vorgesaget, 

swer mich da her zuo iu jaget, 

dem hänt wir wol geliehen strit. 835 

als ichz erhebe, so komet enzit. 

wirt aber der jegere ze vil, 

so sage i'u wie ich tuon wil : 

ich vliuhe ein ander sträzen, 

so sult ir mich läzen 840 

vliehen und verliget ir, 

und ritet danne nach mir, 

so iu werde der rün. 

unser läget der Britün 

mit siner geselleschefte 845 

die hänt uns überkrefte. 

von diu pflegt gewarheit ' 



817. Sunsl 821. Zc 826. gotli^ das rechtt 835. Denn 

838. ich üoch 839. So fliuch ich e. a. strassze 840. mich] nil 

841. Fliechent 843. run 844. Vnns lagcnt die pritün 

845. gesi'llschaflte 846. iiberkrafft*; 847. die pfligt warheil 

848. Aiu nüw wirt widerrail, woraus ivh nichts zu machen weiß, 
Z. F. D. A. II. 27 



418 DIE GUTE FRAU. 

Nu tüten si als er in riel 
vroeliche er von in schiet 850 

selbe vierzehende. 
(16 reit er umbe spehencic 
bi den viuden lif der warle. 
dö kam sä vi! harte 

der Britüne herre : 855 

des schar was diu merre. 
als er si hätc gesehen, 
er sprach 'uns mac niht geschehen 
., : wan daz uns geschehen sol. 

daz gevüeget sich ouch wol. 860 

wir suln in striten üf reliL' 
do enbeit der guote kneht 
unz si si wol besahen, 
dö sin begunden nähen, 

zuo zini der da habLe 865 

gezogenliche er drabte 
^ vor in werliche. 
siege unde Stiche 
die wären da wol veile : 

der wart im vil ze teile. • 870 

man stach unde sluoc in 
über ein wit velt hin. 
ich sage iu rehte wes er gnas : > 
daz er ein ziere ritter was 

unde manhaft genuoc. • ; ^ . 875 

vünf ros er in sluoc 
, unz hin zem holze vorne, 
dö warf der wol geborne 
sin ros hinwider diu ougen. 

die da lägen tougen ' 880 

verborgen in dem walde, -^ 

die körnen sä vil balde. 
dö wart der scha'neste strit 

849. lelleud 853. der] einer 854. kiim so. vielleicht ist gähtc 

zu schreiben, icegen harte. 855. pritun höre 861. söllent mit Jn 
862. cmbaiezt 864. Do beg. Jnen 866. Gezoglich 873. in 

fehlt. 877. verne 



DIE GUTE FRAU. 419 

der vor des aide sit 

von so vil liuten ie geschach. 885 

diu minder schar durch brach 
durch die merren vil ges winde, 
der gast und sin gesinde 
vähten nianlichen. 

des muosten in entwichen 890 

des herzogen ritterschaft. 
si bestuonden si mit sölher kraft 
daz sis ze vlühtc twungen. 
do begegenle dem jungen 

der herzöge in dem strite. 895 

in harte kurzer zite 
twanc er in manlichen, 
wan im warn entwichen 
die im helfen sollen da. 

do vienc in der hell sä 900 

und twanc in mit gewalte, 
den pris man im dö zalte. 
swen nu der rede wundert 
daz hundert driu hundert 
. , viengen unde ersluogen, 905 

daz geschsehe oueh hiute genuogen, 
swä ungewarnte liute riten 
und ir gewarnete biten 
verholen in einer läge, 

daz man von sinem mäge 910 

vlühe e er bevünde 
aide wol gcmerken künde 
welaht jener wa^rc. 
also vuocten sich diu ma^re. : 

si sluogen unde viengcji 915 

swaz so si ir begiengen , . 

884. (lez aller zilt 893. sis] sy 894. De begegnol 

906. geschacli — gnüge 908. Je. der dichter hat sieh entioeder die 

gottfriedische unrej^elmäfsigkeit erlaubt (und ir gewarnete biten, ver^^l. 
zu Iw. 6575, denn lindc ir gewarnte biten tväre zu hart) oder gewar- 
note gesagt. 911. Flucht er befände 913. vergl. 1063. da die 

form welacht zweimal vorkommt, wage ich nicht zu ändern. 
915. schlug 

27* 



/,20 DIE GUTE FRAU. 

und rilen vroeliche liein. 

dö muost der kiinec sinn oehein 

biiezen unde gelten. 

dem gräven dem was selten 920 

da vor so wol gelungen. 

nu dankete er dem jungen. 

als der zc Linode kan, 

do sante er sinen boten dan 

und enbot dem gräven m?ere, 925 

wie im gelungen waere, 

und der im kunt Isete 
,. - daz er gevangen hsete 

den von Britanje laut. 
. ' . dö daz der gräve bevant, 930 

dö schiet in daz miere 

von aller siner swa're. 

er kam ouch zallem guote. 

im wart nach sinem muote 

vergolten iesä zehant 935 

' beide roup unde branl. 

Dö der gräve und sin lanl 
,' ' mit grözen eren überwant 

sinen kumbr und sine not, 

sinem gaste er dö bot ; ~ 940 

sin tohter ze wibe , 

und nach sinem libe 

daz lant ze Poitouwe. 

des erwande in sin vrouwe. 

er sprach 'des erlät mich : ' 945 

ez waere unvuogelich. ' 

ich wart der eren nie wert. " *- 

der herzöge iuwer tohter gert, 

den ir da gevangen hat: 

dem gebet si, daz ist min rät: 950 

ich rätez üf die triuwe min. 

918. seiu 920. seltan 923. der] er. iinsci^ ritter ist gemeint. 

925. embollen den gr. mere 927. dar Jim 929. den herczogen 
939. kumer 943. peltowe 945. des] der 948. begert 

951. ratts 



DIE GÜTE FHAU. 421 

so mac iuwer suone sin 
stselc linde veste. 
(laz (lunket mich daz beste. 

<laz ergic vil bereite 955 

als er üf leite. 
(16 diu suone wart gesät, 
zehant er urloubes bat 
jze riten heim ze laude. 

der gräve in des ervvande 960 

harte kiime und doch mit bete, 
daz er ungerne tete. 
nu möhtc niemen wizzen 
wie si sich alle vlizzen 

ze tuonne swaz er wolle. 965 

swenn er ze hove solle 
ald zer herberge riten. 
so dolle er zallen zilen 
von gedrange michel ungemach. 
swer in zuo einem male gesach, 970 

der wände sin vür war 
deste sa^liger ein jär. - 

in dirre wirdekeile 
vant in ein böte bereite, 

der sagete im leidiu ma.Te, 975 

daz siner vrouwen wäre 
ir laut wol halbez genomen. 
dö sprach er 'wie ist daz komen? 
aide wer hat daz getan?' 

daz läze ich schiere iuch verstän. 980 

der gräve Wide von Averne 
haite si ze wibe gerne, 
dö enwolt ab si sin niht. : - 

da von ir daz leit geschiht. 
er reit mit her in ir lant: 985 



952. sun 957. sunn 960. in des] iiil 961. kom 962. er, der rittcv. 
963. inoclil 965. zelun 972. sin vor ein 974. in ein] min 

977. hall) 980. bcstan. dies soll nach Zieinarin MS. 1, 70'' in der 

bedeiUung von verstän vorkommen, ist aber dort so gebraucht wie iv 
diesem gedichtc 1315. 



422 DIE GUTE FRAU. 

daz hat er allez verbräm 
und liget noch mit gewalte da/ 
vür sinen herren vuor er sä. 
an sinen vuoz er sich bot, 

er sprach 'nu ist mir erste not, ^90 

weit ir mir iemer rät geben, 
al die wile ich hän daz leben 
so muoz ich vertriben sin, 
vertribet man die vrouwen min 
diu mich von kinde hat gezogen. 995 

ode mir hat ir böte gelogen, 
si urliuget sSre 
und hat hilfe lützel mere. 
. ' nu hat si her an mich gesant.' 

Do sprach der gräve zehant JOOO 

'des wil ich iemer got loben 

und den guoten sant Jacoben 

daz ez ir solte widervarn. 
• nu wil ich niemer gesparn 

weder lip noch daz guot. " ^ 1005 

swer dem andern wol tuot, 

tuot er im da wider leit, : , 

daz ist ein groziu bosheit. 

ir hat vil wol an mir getan. 

daz ich min laut hiute hän, ' 1010 

des hülfet ir mir eine ^v; 7 • - ,' i . 

und anders iemen deine. 

ich hilfe iuch da widere 

ald ich gelige darnidere.' 

der gräve boten sante : ' 1015 

nach den boten er selbe rante. 
■ er sprach mäge unde man, • 

unz er vünf hundert ritter gwan 

den eines ringes niht enbrasl. 

die riten alle durch den gast 1020 

harte willecliche. ' ' 

998. verluget 999. in der hs. schon hier absatz. 1005. daz 

fehlt. 1013. ouch 1Ü16. ist bolen zu strcichenlf stlb da 

1021. willeacl. . ■ 



DIE GUTE FRAU. 423 

sus vuüi- der lugeiilriche 
wider heim ze lande. 
mit ereil äne schände. 

<lö der hole siner vrouwen kam 1025 

und daz si rehte vernani 
sin wirdeclichen ere, 
dö vreute si sich sere 
und gedahte in ir muote 

ja herre got der guole, 1030 

diner gnaden der ist nie 
dan der vische inie se. 
noch wirt min alse guot rat 
als der diu einen man hat. 

ich weiz wol daz da her verl H)35 

ein man der min laut wert 
so er aller beste kan.' 
dö daz her diu msere vernan 
'■ daz da krem ein ander her, 

gen dem schuofen si ir wer. 1040 

dö si komen in daz laut, 
der e gast was genant, 
der wart nu wirt, si gaste. 
in schuof der muotveste ■ 

gemach als er wol künde, 1045 

wan er in guotes guude. 
dar an enwas dehein zil : 
rosse und liute heten si vil, 
nu enböt er siner vrouwen, 
si soll ir balde zouwen 1050 

im senden swen si möhle haUo 
daz wart vil schiere getan: 
si sanle im in einer schar 
• ' . vünf hundert biderber ritter dar 

und tilsent serjande, 1055 

die besten von ir lande, 
die wären willec üf die vart 

!022. Sunst für 1027. winlencl. 1038. frowl 1039. kaem ein] 
kain 1042. genamt 1043. vü sy 1046. wol gulz 

1048. hatten 1050. sölt — scLowen 1057. viilicht 



424 DIE GUTE FRAU. 

und liezn ir hiuser wol bewarl. 

Do si zeinander kämen 
und die geste verniimen 1060 

von den vome lande, 
do was in harte ande, 
welaht jener wsere. 
sich huop urliuges majre. 

dö hugelens alle uf einen strit. 1065 

des wurden si gewert sit : 
wan im was strites gedäht, 
der si dar hete bräht. 
der reit des morgens zehant 
da er die viende vant 1070 

...' und kam in also nähen 

daz si einander sähen, 
er schuof sim her durch gemach 
ir herberge an einen bach 

der zwischen in nider vloz. 1075 

daz wazzer was also groz 
daz ez ze den selben ziten 
da niemen moht erriten, 
so rehte tief was der sant. .. • > 

ez ist noch Aller genant. 1080 

der gräve Wide von Averne 
dem tobte ouch niht zemberne, 
erne schliefe under in 
beidiu wer unde sin: 

wan er hete dri starke schar 1085 

die im gevolget beten dar. 
des siges des versach er sich . , , 
und was ouch gnuoc werlich : \,,,. 
des was er innerlichen vrö. 
da wider gedähte er aber do 1090 

1058. liessz 1059. zu aia. körnen lOCO. v nomen 

1061. vome] von dem 1064. vrlougs 1065. hugetes 

1066. gewar 1069. der] do morges 1073. sein 

1078. erriten in dieser bedeutuns kenne ich nm- aus Notk. ps. 67, 25. 
1080. gedannl 1083. Den dog» 1083. Er scliulT 1089. inne- 

clichen? 1090. selb 



DIE GÜTE FRAU. 425 

ich hau ez dicke gesehen 

und ist mir selben geschehen, 

swä ein spil geteilet wart 

nf breite ald an hashart, 

swer da daz wseger kos, 1095 

daz er dicke verlos. 

also ist mir geleilt ein spil 

dar an ich gewinnen wil, 

ob ich sailec wart geborn : 

wirt aber min teil verlorn, 1100 

so enruoche ich wer diu pfant hat, 

wan so wirt min nimer rät.' 

hie von het er beide 

liebe unde leide. 
- Mit rede ich iuch betiute, 1105 

von welher bände liute 

er dri schar hüte : 
-, die nenne ich in drate. 

der gräve von Murlan, 

dem was Gascön undertän, 1110 

der kam durch sinen willen dar. 

dö braht die anderen schar 

ein gräve, der hiez Lufer, 

von Provenze was der. 

diu dritte schar sin selbes was. 1115 

üz den drin scharn er dö las 

die besten alle die naht 

mit den er smorgens vruo vaht. 

dö schuofen jene under in 
. , zwo schar gen den drin. 1120 

der guote kneht sich underwant 
» der die er brähte in daz lant: 

die teten gern swaz er si hiez. 

iuy4. vcrgl. Jacob Grimm in der zcitsclir. f. d. alt, 1, 57ti. dort wird 
ein lia.seli.irt lif einem brel erwähnt; hier scheinen nf breite und an 
hashart verschiedene spiele zu sein, diese stelle ist ohne zweij'el die 
älteste in dei' dies ivort bisher gefunden ist. 1095. da fehlt. i 

1099. ob] das 1110. Gason 1112. ander 1118. dez ni. vor 

1122. er fehlt. 1123. gern zu streichend 



426 DIE GÜTE FRAU. 

dem gräveii er die sineu liez 

und bat in nächhuote : 1125 

daz lobete im der guote. 

niorne, dö ez tac wart, 

si körnen beidenthalp geschart 

mitten ilf ein ouwe. 

dö vrumt diu guote vrouwe 1130 

des selben tages sä zestunt 

vii manegen töten unde wunl. 

daz was doch an ir schulde gar. 

zesamene körnen dise schar 

mitten ime vurte, 1135 

da man manegen nider hurte 

der niemer mere üf gesaz. v 

-'M j si wurden müede unde naz. 

swelher da nider kan, 

den generte nie man, 1140 

er muoste da beliben tot. 

daz lüler wazzer wart röt 
'• ' vil schiere von dem bluote \ •, »■: 

da die beide guote 

striten in dem wäge. 1145 

nieman bedarf der vräge 

wie ez der helt strete 
■ ' des selben tages tsete. 

er werte mit siner hanl 

sine vrouwen unde ir laut 1150 

des tages mit gewalte. 

den pris man im zalte. •. , =. 

er dranc unde er hurte, 

unz er üz dem vurte ,1 

getete sunder twäle . ' 1155 

mit gwalt die Provinzäle. . 

als er daz laut dö gewau, 

sin herre mit den vanen kan. * 

dö wart gevärwel daz gras 

1127. Mornen 1135. in ain fute 1140. nieinaii 1144. heldeii 

1155. sonder wal 115(i. den prouiczal 1158. raueu. »n hcrro 

rer/,'/. 907. 1177. 1159. grün grrasz 



DIE GCTE FRAU. 427 

röt, daz e grüene was. 1160 

der gräve und die sine, 

die stolzen Poitewine, 

drangen sament durch die schar 

als ez wa^re ein ror gar. 

do bestuont der gräve Wide 1165 

mit harte grozem nide 

die herren vorne lande. 

vil verre mann erkande : 

sin wäfenroc was riche, 

er erschein gar werliche 1170 

von im als ein Sterne . 

der gräve von Averne 

der was ein helt ze aller zit 

doch kund er niht genern sit 

den gräven von Murlan. 1175 

daz het er gerne getan : 

do enliez in des gräven man 

der von Poitouwe kan. 

waz sol ich iu nu mere sagen? 

da wart gevangen unde erslagen ■ ' 1180 

meistec allez daz da was. 

der aber entran und genas, 

der verlos ganzliche. ... 

"• jene wurden also riche 

daz si ez fuorten küme. 1185 

si vuoren hin zem pflume '' 

und herhcrgcteu zehant. 

dise vrouwen unde ir lant 
' erloste ir geselle. ' 

nu löne im so si welle! 1190 

ouch wart er an der selben stunl 

in eine hant sA s«;re wunl 

daz er einen krumbcn vinger gwan 
■'■ der im sit ze grözeii slalen kan. 

do disiu rede also ergie 1195 

116U. cj es 1162. Do stoUzleii boitwinen 1168. man in 

tl69. Waffen rot 1172. wid v. A. 1174. doch — sit] als man von 
Iin seil 1185. Iure Itomcn IIS'J. Er erlossl ir Jr gesellen 



428 DIE GÜTE FRAU. 

imd sich daz her nider gelie 

und daz diu vrouwe veruam, 

zehant si geriten kam 

harte schöne über daz vell 

vür des gräven gezelt 1200 

da si in inne wesle. 

do enpfienc der muotveste 

die vrouwen schone unde woi, 

als man lieben vriunt sol. 

ouch enpfienc in diu riche 1205 

gar güelliche: 

si hiez in willekomen sin 

und sprach vil lieber herre min, 

ir hat vil wol an mir getan. 

mich wolte der herre hän 1210 

*: mit gewalte äne reht, 

als ir selbe wol seht 

wie er min laut verwiiestet hat. 

daz ez nu vrideliche stat, 

des hat ir mir geholfen wol. , .^ 1215 

. . nune weiz ich wie ich dienen sol 

dise manecvalten ere, 

wan daz ich ieraer mere 
, in iuwerm dienste schine 

mit triuwen und die mine.' 1220 

[er sprach] Vrouwe, ir müezt die rede län. 

swaz ich in gedienet hän, 

daz tete ich gerne an iuwer bete.- 

danket ir es dem durch den ichz tele. 

mir half ein iuwer lantman, 1225 

^ ; daz ich ez niemer enkan 

gedienen als ich solte, - , • 

ob er dienest nemen wolte. 

mir half sin manheit und sin sin 

daz ich ein richer herre bin, , 1230 

und was, do er ze mir kau, : 

belalle ein vertriben man. 

1199. (lazj ciids U17. meniguult 1223. gebelt. 1225. aiiier 

1228. nicmeii -<.'.•;. '' vi 



DIE GUTE FRAU. 42U 

den selben sult ir willec hän, 

so kan ez iu nihl missegAn.' 

ilannoch enweste der hell halt 1235 

wiez undr in zwein was gestalt. 

Diu milte und diu riebe 
enpfienc vil werdeclicbe 
ir gesellen den degen. 

da wart ir nacb vil nianec segen, 1240 

dö diu vrouwe gemeit 
wider bin ze büse reit, 
soll ich iu sagen wie si reit 
und wie si wwre becleit, 

und ir juncvrowen besunder, 1245 

daz diubte iucb ein wunder, 
si heles an guote wol gewall :■ 

und was ouch dar zuo gestalt 
alse wol ze wäre 

an libe und an bare 1250 

daz ir alle die jaben 
die si des tages gesäben, 
si geswben nie so scbcene maget. ; 
swaz iu von ir was gesaget, 
des jäben si ir alle nie. 1255 

Wol dri tage unde me 
reit er bin wider mit in. 
do teilten si ir gewin 
und riten vroeliche hein. 

do sacb man under in zwein 1260 

manege triuwe ein ander geben, 
die wil si möbten geleben 
daz iemer wtere mit kraft 
sta'te ir gesellescbaft. 

daz kint scbiet trürende dan. 1265 

daz machele, im lac allez an 
sin berze in eime stricke 
und ermante in vil dicke 

1^33. sond 1?35. wisst nicht d. 1238. werden!. 1240. vuor? 
1243. Soll 1247. hell es 1256. in der hs. kein absatz. 

1262. mochten 1265. trurig 1266. lang allsan 1268. Ja ermant uil 



430 DIE GÜTE FRAU. 

(laz er nach liebe hete leit. 
(16 was diu Minne vil gereit: 1270 

si riet im, als siui e riet, 
do er von siner vrouwen schiel, 
daz er guotiu wip erte 
und von den boesen kerte 

und dar au stsete belibe, 1275 

und swie lang er daz tribe 
und swie wenec ers genüzze, 
daz ez in niht verdrüzze. 
daz treip er also manegen tac 
daz ich viir war wol sprechen niac 1280 

daz man in wälscher zungeir 
so wol gelobeten jungen 
in allen enden niender vant, 
• wan er siner vrouwen het ir laut 

erlost albetalle: 1285 

' w - des jähen si im alle. 

nu erbarmte die Minne, 

daz er lip und sinne ^ 

an ir genäde häte ergeben 

und ein so jgemerlichez leben 1290 

von ir schulde ha^t erkorn. 

si Iwanc die maget wol geborn 

daz si ouch wehsein began 

ir minne wider den man. 

ir wart nach im als we '1295 

als im nach ir was gwesen r. 

als si von der Minnen 

also waren überwunden, 

swaz si da vor künden 1300 

trinken oder ezzen, < 

des wart gar vergezzen, 

lachen unde singen 

1269. liebin 1271. sim] Jm 1283. iiieiiert 1286. Das 

1291. von] Vnd 1293. si fehl/. 1298. etwa au iibe unde an sin- 
nen, oder, da die Hielte nicht bezeichnet ist, um 1296 zu glätten, als 
im was gewesen «'• nach ir in sinen sinnen. 1300. dauon 



DIE GÜTE FHAI . 431 

daz warl ze andern din<»en 

harte verkeret. 1305 

swen minne leben lerei, 

dem widervert dicke 

liebe und iierzen schricke. 

swie groz diu liebe si, 

so wcse gewarnet da bi 13l() 

mit liebe und mit leide, 

wie si die gescheide 

die mit vröuden selten werden alt. 

herre, wer gap ir den gewall 

(ern beslät si ze nilite) 1315 

daz si scheidet äne gerihte 

daz gerne samet wa^re ? 

der selbe scheida^re, 

der heizet missew^ende 

und liep ze leid ende. 1320 

Babilonje diu stuont e, 

die wile disiu werlt gesle 

so gewinnet niemer mere 

dehein stat so michel ere. 

da was gesezzen inne 1325 

ein richiu küneginne. 

ez enwart nie küneges gewalt 

zuo der vrouwen gezalt 

noch enmöhte niemer werden. 

si was uf al der erden 1330 

gewaltec rchte als in ir iianl: 

si vuor mit her in elliu laut. 

diu selbe küneginne - . 

pflac wunderlicher minne. 

si was vil selten äne man: 1335 



1304. Dez 1309. die liebü ist sy 1310. wese] bis 1311. liebi 
1315. er einbestat 1318 und 1319. Die, was ich nicht, wage stehen 
zu lafscn. 1330. liep ze leid ende ist wie ein ivort zu betrachten, 

vielleicht ist jedoch liebe leidez ende zu schreiben oder mit grüj'se- 
rer kühnheit 1310 scheide zu lesen, 1318 und 1319 in klammern zu 
schliefsen, und zu verbinden den gcwall daz si scheide and — ende. 
1323. niemät 1325. da] Das 1330. aller der 1335. sellan 



432 DIE GUTE FRAU. 

s weihen si des nahtes gwan, 

er laite ir liep oder leit, 

dem was des morgens bereit 

daz man imz houbet abe sluoc : 

si verdarbte liute genuoc. 134Ü 

also git Minne beide 

liebe unde leide. 

si lönet ze gelicher wis 

als diu künegin ir ämis. 

diu gap ie den Ion den tot: 1345 

als lonet si mit seneder not. 
..< . nu ist iedoch vrou Minne 

meister aller sinne, 

si einec ist betalle 

honec unde galle, 1350 

alt unde niuwe, 

vreude unde riuwe, 

weich unde herte, 

sieht und ungeverle, 
- grilsen unde vehen, 1355 

dröuwen unde vlehen, 

släfen unde erwecken, . 

zarten unde erschrecken : 

des hat si alles gewalt. 

ir gevalt ist manecvalt 1360 

daz ir niht des widerslät ., . . ■ 

daz herze unde sinne hat. 
Swer nu an disen kinden 

wil ze rehte vinden 

waz si leben äne minne, 1365 

der enhät deheine sinne. • - 

swem rehte kunt wa3re 

ir mauecvaltiu swcere 

die si nach ein ander truogen, '., 

den möhte ez wol genuogen. 1370 

ich sage iu sinen kumber : 

1336. die n.ichlz 1337. teil 1338. morgcs 1339. heppt 

1340. verderbt 134». all belallc 1361. iiiclitz w. 1363. an 

feh/t. 1368. nuiiiiguällige 1371. kumer 



DIE GUTE FRAU. 433 

er gedähte ich vil tumber, 
waz solle mir der tumbe wän? 
von der ich liebe wände hän, 
diu ist ein vrouwe riche: 1375 

so lebe ich armliche, 
si wirt mir also schiere 
als Melze, alse Triere. 
dö was der vrouwen giiote 

anders ze muote, 1380 

vil reht als iu sagen wil. 
und merket iemen uns daz spil, 
so si sin gröziu vrümekeit 
gein mime guote geleit: 

so mac ez wol geliche sin. 1385 

rätent ez die vriuude min, 
ich nime in gerne zeinem man. 
ob ichs niht an in vinden kan, 
ich minne in an ir aller rät. 
der rehte wisse wiez nu stät, 1390 

der hülfe mirs bezite. 
swaz ich vürbaz bite, 
daz ist wider minen danc' 
diu Minne si zesamme twanc: 
diu kundes wol gevellen 1395 

,:, ' ensamt ze einem wellen, 

si sante nach ir mannen 

und nach ir vriundeu dannen ' . -^-^ 

und dähte, swie si den gelüge 
und si mit listen betrüge, 1400 

daz ez doch guot wtere. 
si sprach mir wart ein maere 
gesaget nähten späte, 
daz man aber rate 
an min guot und an min ere. 1405 

1372. Turner 1378. Also mctz also Trier 1382. Vnd merk uff 

dz sp., und tadelt es jemand. 1384. Gen Jn min g. 1385. ez] 

Jr 1389. Ich ich min (nim?) Jn on aller Jrer r. 1390. rechten 

wicz 1391. gar zitte 1395. kund sy 1396. One sant ze sine 

wollen, ohne zweifcl ist wellen noch verderbt. 1403. nacht 

Z. F. D. A. II. 28 



4S4 - DIE GUTE FRAU. 

nu viirhte ich mir vil sere : 

ich bin eia maget äne sin.' 

dö sprach einer under in 

'vrouwe, ir sultz vür guot han, 

disiu vorhte und dirre wän 1410 

ist uns bereit ze aller zit. 

die wiie ir äne man sit, 

so sint wir alle verlorn, 

irn kieset einn man wol geborn 

der uns wer und iuwer laut. 1415 

do sprach diu vrouwe zehant 

ich enwil noch enmac 

hinnen vür deheinen tac 
' " '8Ci "z iuwerm rate geleben. 

weit ir mir einen man geben, 1420 

1^ den kieset als es iuch gezeme 

daz ich in durch iuwern willen nemc. 

si sprächen alle 'vrouwe, 
r,i: der dem gräven von Poitouwe 

sin laut widere gewan, 1425 

weer iu der liep ze einem man,. 

der bete iuch billiche. 

der wert euch iuwer riebe 
ij: manlichen als ein helt.' ;- 

diu vrouwe sprach 'sit ir in weit, s 1430 

ich nime in gern durch iuwern rät, •; 

Sit daz ir mirz geraten hat. t 

dö wert in vrouwe Minne '■ 

1 ; an libe unde au sinne n - 'ii.i 

vil rehl nach sinem muole > 1435 

an wibe unde an guote < 

als sim geheizen bäte. 

swer nach ir rate > 

1409. soll es 1411. isl /vhlt. 1414. Jr kiessct ,\r aineii 

1415. yvcv fehlt. 14'il. gezim 1422. daz] sit neme] niiii 

1424. Der den gr. 1425. poitowc 1428. wirl 1429. Manlich 
143Ü — 32. vielleicht ist die dreimalige erwähnung des rathes wenig- 
stens einmal dadurch zu vermeiden da/s man 1431 ze hirät schreibt. 
1438. War .... ,••• r^ A'Vv,, "il. --.r, i. 



DIE GÜTE FRAU. 485 

Wirbel, derst behalten, 

und wil er sinne walten. 1440 

Do ditze raa?re üz kan, 
daz diu vrouwe bete disen man, 
daz wart über al daz laut 
ze grozen eren bewant. 

si spracben alle geliche, 1445 

beidiu arme und riebe, 
er solt si billicbe bän. 
oucb bet si wol an im getan, 
er was vro und si was vro : 
ir vreude scbuof sich also 1450 

alle stunde und alle vart 
daz in ande niene wart, 
daz bekumberte laut -^ 

den aller besten vride vant 

der da vor ie drinne wart. 1455 

ir ungenäde was verspart. 
'< dem bcrren liebte sin wip 

beidiu leben unde lip. 
er lebete als er wol künde. ('j,i 

hebeche unde ouch bunde, 1460 

valken unde winde 
bet er in sime gesinde v ,' 

ze allen zilcn harte vil. 
hundc unde vederspil 

was sin kurzwil allen tac, 1465 

swenn er da heime müezec lac. 
! doch verlac er selten durch gemach, 

swa ime lande iht gescbach ' ». 
daz iht traf ze rillerschaft. 

er und sine gcsellescbaft 1470 

wären wol da vorne. .ii- 

1439. <ler ist li-41. kein ahsatz. 1443. allez 1446. Bälden 

1452. Das Jin das ander Je wart, ich habe die unwahrscheinliche und 
matte wendiing' nur um keine l'dcke zu laj'sen in den tcxi gesetzt. 

1453. bekümbrot 1460. Häbk 1464. Ilüad 1467. seltan 
1469. Das zer ritterschaft icht trafft. daj's der dichter reime wie rit- 
terschaft: gesellcschaft 7iicht mied zeigt 1255/. die alte form gesel- 
ieschaf ist schwerlich anzunehmen. 1471. vornen 

28* 



436 DIE GÜTE FRAU. 

der mille üz erkorne 

was ein zil der eren : 

die künde er wol gemeren 

mit aller hande tagende. 1475 

er was ein blnome der jugende. 

Nu kam es zeinen ziten 
daz der helt wolle riten 
mit sinen hebechen an einn bach 
da er sich vögele versach. 1480 

er reit daz wazzer ze tal : 
do vant er vögele äne zal, 
; , viir eine mülen gie sin pfat: 

dar an giengen driu rat 

diu harte sere liefen. . ' 1485 

vor der mülen da sliefen 
zwelf vil arme dürftigen, 
" ' die sach er da vor ligen, 

halze unde blinden, 

die niender künden vinden , 1490 

vor ir ungemache rehte wege. 
do vragete er, in wes pflege 
daz gotes her da waire. 
do sprach der miilnsere 

herre, mir hat si gesant 1495 

diu guote der ditze laut 
ist (der ist ouch disiu miile), • ; ' 
daz ich si hie behalten süle 
und ich also mit in werbe, 

swenn ir einez sterbe, 1500 

e ich daz iemer begrabe, 
daz ich zehant ein anderz habe. 
Do sweic er und reit vür sich 
und dahte 'diz ist wunderlich, 
daz ich sündiger man 1505 

gote niht gcdanken kan 
der manecvalten erc. 

1472. usserkoren 1476. der] in seiner 1477. kein absatz. 

1478. wol r. 1479. hebcchn an einen? oder sinen zu streic/umif 
1483. 148G. mülin 1490. nienerl 1497. mul - ■ • 



DIE GUTE FRAU. 437 

hete er mir niht mere 

gegeben wan min saelec wip, 

so enkunde min lip 1510 

gedienen niemer mere 

die manecvalten ere 

die er mir hat getan. 

sit ich nu ganzlichen hau 

swaz ein man haben sol, 1515 

so stüend ouch da bi harte wol, 

[daz] ich geda'hte wannen ez kan 

und wiez einn urhap gewan/ 

do sin beizen ergienc 

und er der vogel so vil gevienc 1520 

daz er ir genuoc häte, 

dö reit er wider dräle 

alles in dem muote, 

er gedähte 'got der guote, 

gip mir sinne unde mäht 1525 

daz ich wol geswüere 

daz ich mit gwalte vüere, 

wolt ich, in diu riebe. 

nu bekenne ich sicherliche 1530 

daz niht so grozen schaden tuol 

als ere unde guot. 

daz ist ein mortgalle 

zem ewigen valle.' 

den gedanc den verliez er nie 1535 

unz er ze naht ze bette gie. 

dö lac diu vrouwe riebe 

bi ir manne güelliche. 

diu liebe ergazte in der clage. 

si sliefen beide unz ze tage. 1540 

dö der tac durch daz tach 

beide lühte unde brach, 

dö er den morgen erkös, 

I5Ü9. Mir geben waü 151.3. mänigiialt 1518. ain vrhab gewän. 

1525. inaht ohne ztisatz fällt auf. vielleicht fehlt mehr als ein vers. 
1532. Dan alz er 1536. bet 1538. Jieni 1541/.=2451/. 1542. lüchi 



438 DIE GUTE FRAU. 

daz' er des äbents verlos 

do er sich nider leite, 1545 

daz vant er vil bereite 
in sinem herzen stecken : 
riuwe begunde in wecken, 
er lac an sinem bette, 

wider sich selben er dö rette, 1550 

'mich hat an eines wolves stat 
got üf die erde gesät, 
dem man die gans vür leit : 
so er die vroeliche treit, 

so ist dar an gehenket 1555 

«< ;;; ; daz im diu bein ab swenket. 

als trage ich zaller stunde 
die gans in minem munde: 
dar zuo versneit mich sere 
guot und werltlich ere. 1560 

,^.. f ez eusol, ob got wil, niht sin, 

vind ich ez an der vrouwen min, 

daz ich werltliche tuon. i, 

so suln wir ere unde ruon 

durch got vil schiere üf geben 1565 

■; : und ditze unstsete leben, -, 

läzen unde erwerben, m 

s6 wir an dem übe verderben, ■ jj.; 

daz die sele sin erstanden , x\..h 

vor grözen hellebanden. \ 1570 

Do erwachete diu reine '.■,/- ' 

und erhörte an siner meine 

da ouch ir wille stuout zuo. 

si sprach 'waz redestu so vruo? 

'daz sage ich dir, guote. .. 1575 

weere dir ze muote . 

als mir ze muote ist, ■ ; ,^i.i 6i' 

so wolt ich in vil kurzer vrist . , i 

die werlt läzen durch got.' 

1540. Da 1550. selber, inelleichi zu siTcicheu. 1557. also 

1559. uil sere 1561. ob} es 1564. sollen — riiom 156i>. se- 

ien sind 1570. helbanden 1572. seine 1575. sasa fehlt. 



DIE GUTE FRAU. 439 

si sprach ovve, ez ist din spol. 1580 

warumbc hilstu daz mich? 

ja weistu wol, est biilich 

daz ich läze unde tuo 

swä diu wille stände zuo.' 

si berieten sich zehant 1585 

daz si bürge unde lant 

liezen ganzliche ligen 

und sich alles des verzigen 

daz in nütze wa're. 

durch ir schepfa're 1590 

si hielten an daz wort sich 

daz gol sprichet, 'swer sich durch mich 

nideret üf der erde, 

der kamt ze hohem werde: 

in mines vater tröue 1595 

Ireit er iemer kröne/ 
. nach dem tröste was iu gäch. 

iesä schiere dar nach, 

<lö diu liute släfen kämen, 

dürftige gwant si an sich nämen. 1600 

dö die liute sliefen, 

si strichen unde liefen 

iu ein unküude. 

e daz ieman bevüude, 

dö warens in dem lande 1605 

Vt .»i da si nieman erkande. 

dö sich verwandelte ir gewanl. 

verwandelt sich ouch zehant 

ir här und ouch ir varwe : 

1610 
;.'r:i gestellet ze wäre 

innen einem järe, 

swer si da vor hete gesehen, 

1581. dez 1582. es ist 1583. tüg 1584. .stand 1587. gancz 
1592. swcr] wen 1599. komc 1600. nonin 1603. vnkunde 1604. E 
das CS Jenen bestünde 1605. waren sy von d. I. 1606. Do 

1610. es fehlt etwa si wurden so begarwr 1612(zzl955) innen] in- 
wendig Jn ... 



440 DIE GUTE FRAU. 

der enhete niemer gejehen, 
würdens hundert jär alt, 1615 

daz si iemer wiirdeo so gestalt. 
gemaches wart in schiere buoz. 
vil manegen ungüetlichen gruoz 
si vil dicke enipfiengen : 
- . so si nach der spise giengen, 1620 

dö sprächen de alten und diu kinl 
swä so starke liute sint, 
die solten dienen umbe brot : 
<^:f. I wir heten mit den michel not 

die es niht gedienen künden. 1625 

ja wsen ich, si sünden, 
swer so starken liuten git.' 
des vreüten si sich zaller zit : 
-V, i si dulten gerne disen haz. 

man gap in ie doch eteswaz, 1630 

ez wa.'re dort oder hie. 

swä der wint her gie, 

da wart ir roc hin gewant. 

ir vesten bürge unde lant 

wurden den diez haben solten, .• • 1635 

dö sis niht mer enwolten 

disiu vrouwe gienc mit ir man 

unz si zwei sünelin gewan. .. :; 

daz wären arbeite genuoc, 

do si der kinde ietwederez truoc. 1640 

daz si zer grozen arbeit m u 

deheiner slahte gewarheit 

mohte hän, wä si belibe, 

so si ir not dar zuo tribe. 

so gevuocte sich ie ir gemach 1645 

daz si gewan daz obedach. 

der man ir daune da pflac . •: • ^ . 

1614. ninner 1615. Waren sy worden 1621. sprachent die allfi 

vnd d. k. 1624. bettend 1625. kunuen 1626. yd fehlt 

Wenn 1628. frowtü sich 1634. feslin 1636. sy es 

1637. diu? 1639. Daz maicn arbait j,'. 1640. dö] Daz 

1642. Schlacht warhait 1646. obertach 1647. da] dar 



DIE GÜTE FRAU. 441 

die wile daz si da lac. 

swenne si ze kirchen gienc, 

zwo jtmehte si eiipfienc. 1650 

daz was ein swaere werc, 

und daz si lal unde berc 

der kinde eiuez muoste tragen, 

wä si durch got iht möhte bejagen. 

Do wart ir eines tages w6, 1655 

daz si enmohte niht me 
der kinde gesougen noch tragen, 
do wart der man ir zweier wagen, 
er wart wagen unde rint, 

unz er die muoter und daz kint 1660 

brähte sunder twäle 
zuo einem spitale 
in eine harte schoene stat. 
der man ir dar inne bat 

swaz er ir erwerben künde. 1665 

si lac da so lange stunde 
unz ir elter kint wart so groz 
daz ez siner krefte genöz 
und daz ez mit dem vater lief, 
so er umbez brot rief. ' 1670 

daz ander daz Avas deine : 
daz sougle diu vil reine 
mit milch uz einem hörne, 
ez z6ch diu wol geborne 

unz ez der milch wol enbar 1675 

und im daz ezzen niht enwar. 
dö wartez in einem jare 
wol so tiure ze wäre 
daz ein man az mit gewalt 
ein brot daz einen schillinc galt. 1680 

dö betelete der guote >, 

unz ez die liulc muote. 



1648. dazj da 1049. Wenn sy k. g., tta fehlt ze. vielleicht do si 

ze k. g. 1650. zw(» schwäre ainächl 1654. Wo sy durcht iclil 

mocht b. 1662. seinem 1670. vinb dz 1677. aine 

1680. ain seh. 



442 DIE GÜTE FRAU. 

dö ez die liute verdroz, 

dö kam vil dicke sin schoz 

zer herberge leere 1685 

swie not in spise wsere. 

daz was ein j.Tmerlichiu clage. 

si wären dicke zwene tage 

daz si brötes nie enbizzen. 

nn enmöhte niemen wizzen 1690 

wie den vil getriuwen 

wip und kint begunde riuwen. 

dö sprach die vrouwe 'nu ist zil, 

Sit daz uns niemen niht git, 
' 'f daz wir sehen wie wir werben 1695 

e daz wir gar verderben. 

ganc warte ob iener hie bi 

in der stat ein vrouwe si 

diu dir umbe mich iht gebe : 
tj: der diene ich die wile ich lebe. 1700 

sage ir, daz si mich hol : 

ja gediene ich harte wol, > n süji 

genise ich, mine spise. 

ich bin von werke wise : 
'.'•i mit drihen und mit spelten 3 ii-. 1705 

kan ich ez wol vergelten, 

ob si min eine wile enbirt, 

uuz mir der lip wider wirt. \ui 

ob ich daz niht vinden kan, 
.'■'' so bistu noch ein junger man: 1710 

ganc ner dich und diu kiudelin ; iiri 

wir sterben, suln wir sament sin. 

und la daz varn, sterbe ich, 

daz ist bezzer, danne ir driu durch mich 

verdürbet unde ich Isege tot. 

daz was ein angestlichiu not, 

IG'JO. enin(»chl niemr^l 1G94. nicmet nücz git 1705. Mit schin: drihe, 
ein wci'kzeiig ztim würken, besonders von borten, zusa7nmen mit speltf 
fro/fr. Tit. 91,4. Gott/r. Trist. 6559, allein /rolfr. Tit. 137, 2. 
über spcltc s. IFh. Grimm zur gold. schm. 350. 1711. vnd dinc 

kind (: sin) 1712. söUii wir samS s. 1715. leg • -^ 



DIE GUTE FRAU. 



443 



diu got erbarmen solte^ 
ob ia iht erbarmen wolle. 

Do sprach der triuwen riclic 
du redest lierlecliche, 
und solde ich dich danne län, 
ob ich enwec wolle gän. 
ich wil benamen hie besehen 
waz uns sament süle geschehen.' 
do sprach die vrouwe wider in 
'du bist betaue ane sin., 
du mahl mit dirre schulde 
Verliesen gotes hulde 
an mir und an den kinden, 
wiltu niht erwinden. 
der hunger tuol uns vil not, 
diu kint sinl nach vor zadele tot, 
wan si weinent ie genote 
vil lüte nach dem brote.' 
dise rede Ireip si ie 
unz daz er sinen wec gie. 
er gie so lange unz er vant 
eine vrouwen, diu zehant 

'. v~) mit im gie da si lac ;- « , 

kindes unde unrates pflac. .r 

dö si ir schoenen lip ersach, 
do erbarmtez si, unde sprach 
'ez was ein süberlichez wip. 

>>r't gil ir got wider den lip, 

daz er vil lihte niht entuol, 
si wirt mir nütze unde guot. 
dö sprach si zuo ir manne 
guot man, well ir mir danne 

- daz guote wip ze koufen geben, 

daz si mir allez ir leben I 

diene, obe si genese, 
und iemer mer min eigen wese, 

1720. liorleHclich 172:{. hie fehlt. 1724. siill 

der 1734. lüU 1737. lange] laucz 1739. .lo 
sy 1745. villiclil en tut, o/me niht 1750. alz 



1720 



1725 



1730 



1735 



1740 



1745 



1750 



1727. dirre] 
1742. erbarmt 
1751. Dienen 



444 DIE GUTE FRAU. 

(larumbe gib ich iu zwei pfunt. 

do gedäht diu sieche zestunt 

'herre, wan wa^r daz geschehen!' 1755 

dö moht man grozen järaer sehen, 

do der gnaden bestroufte 

sin wip durch not verkoufte. 

er gap si als er niohte, 

. 1760 

der spise zeniberne : 

siniu kint diu äzen gerne. 

do wart michel schrien, 

do er die edelen vrien 

der vrouwen vür eigen gap. 1705 

'''.A der man der suochte sinen stap, 

da mit er ref unde wagen 

samet häte getragen. 

sin leit begund er gote clagen. 

diu vrouwe hiez si hin tragen 1770 

' '• ' heim in ir gewalt 

als schiere dö si im vergalt. ;a- ^^'■ 

dö er die pfenningeenpfie, 

diu vrouwe stricte sim hie 

in einen zendäl, der was röt: 1775 

ir manne si den dar bot. 

mit jamer und mit leide 

schieden si sich beide. - - < 

er bat ir got vil dicke pflegen, 

ouch bevalch si in in gotes segen. 1780 

siniu kint truoc er enwec ^' 

und kam gegangn an einen stec. 

daz wazzer wuohs unde döz 

daz ez üz an daz laut vlöz. 

er sazt der kinde cinez nider 1785 

und woltez hau geholt wider 

1755. wenn 1757. bestrafRe 1758. verko'ffte 1760. es fehlt wohl 
wand in lenger nilit cntolile 1764. dö er] Da 1765. Der frowii 

sich für 1767. repp : übe}- ref s. Graff i, 1154. Schmeller 3, 61. 

1774. diu] sin? 1775. zendat 1776. ir mä sy dar b., ohne den 
1781. kinl/e/i//. hinweg 1782. ain 1783. dosst 1786. wolcz 



DIE GÜTE FRAU. 445 

und nani daz ander üf den riigge 

linde triioc ez über die Lrügge. 

do erz brähte an daz lant, 

dö sazle erz nider sä zehanl 1790 

und wolle jenez geholt hän 

da er ez hate verlän. 

do der genadenlöse man 

enmitten üf die brügge kan, 

do truoc daz wazzer enwec 1795 

beidiu man unde stec. 

vil küme gchienc er dar an. 

dö vlöz der stec und der man 

in einer kurzen wile 

mer danne ein halbe mile. 1800 

dö treip inz wazzer ze Stade. 

er geruole Avcnec nach dem bade : 

er gähte wider zen kinden 

und wände si da vinden 
^i da er si haite verlan. 1805 

do verlos er arbeit unde wan. 

Nu het der bischof von Riems ' 

und der gräve von Urliens 

ein gesprseche geleit 
;. '\ vdä man über die brügge reit. 1810 

dö diu brügge was zerbrochen 

dö enwart da niht gesprochen, 

wan gruoz gegen gruoze : 

daz machele ir unmuoze. 
' '' , ir ietwcder nam zehant 1815 

daz kindelin daz er vant. 

daz wazzer hiez diu Seine. 

hin über ruolt der eine 

'ich han ein kint vunden hie.' 

der ander in da wizzcn lie . 1820 

daz er eincz ouch het vunden. 

1787. Ruggfi 1788. brügge, ebenso 1794. 1810. 1811. 1797. ge- 

hängt 1801. in dz 1803. Er gedacht w. zun k. 1813. grus 

g. grus 1814. ir] Jn 1817. hie der sein: vcv'^l. 2957. 

1819. ain schön kind 1821 — 1830 stehen mit geringer abwcichttng 



ViC, DIE GUTE FRAU. 

si ritea dan ze stunden, 
diu gotes gnade da erschein 
an disen erbelosen zwein, 

daz got ielwederem bescherte 1825 

den der ez zöch uude nerte. 
~ . dö der gnadelöse man 

hin wider zuo der brügge kan, 
daz wazzer harte verre gie 

da vür da er diu kint lie. 1830 

dö däht er 'ez hat si genomen : 
war w«rens anders komen?' 
zuo einem boume er gesaz 
miiede unde harte naz. 
t'ij/'i gp 2Öch ab siniu cleider 1835 

(diu wären boese leider) 
und hanctes an die este. 
sin jämer der was veste. 
üf huop der eilende 
■ ' gen gote sine hende, 1840 

Mu gaebe mir ein schoeue wip, 
dar zuo kint und gesunden lip : 
der haste ouch äne mich getan. 
Sit ich nu noch den lip han, 
der biieze dir die wil er wer. 1845 

deheiner vreude ich mer beger.' 
unsern herren er an rief, 
unz er in den sorgen entslief. 
uf den boum koni ein ar: 

der wart dort nidene gewar 1850 

wa siner pfenninge sac 
rot neben im lac. 
der hunger in des betwanc 
daz er sich schiere dar swanc ; ^ 



zweimal hinter einander. 1822. <liin] sa beide mal. 182G. Dem 

beide mal 1828. zu der briig das erste mal, zu bürg das andere. 

1829. veri- gie das erste mal, vergie das andere. 1830. Dauor 

beide mal. 1832. wärent 1841. Er sprach her* du gäbt 

1843. bastu 1845. Der biiTs dir die weit erwer 1850. dort 
1853. des fehlt. 



DIE GÜTE FRAU. 447 

und zuctez, wan im was gtich. 1855 

der man spranc uf und lief im nach, 

[er sprach] Mierre vater unde geist 

und du, heiliger sun, wol weist 

min groze widerniüetc. 

nu tuoz durch dine güete, (860 

getroest mich dirre leide, _ 

so ich von der werlde scheide. 

an zöch er sin gewant, ' 

mit jamer rumele er daz lant. 

dö die vögele wurden gwar 1865 

daz geladen vuor der ar, 

do begunden in an schrien 

kreien unde wien. 

si triben in iimbc als ein rat i '' 

unz hin gegen der selben slal 1870 

da disiu sieche vrouwe was. 
' i durch bäc si her üz kras . 

si sach die vogcle mit dem arn 

harte sere umbe varn. 

in sliez ein vogel an den nac, ^ 1875 

daz im pfenninge nnde sac 
' enpfielcn. do siz ane sach, 

do huop siz üf unde sprach 

'öwe vil armer miiedinc, 

war sint nu komen diniu dinc? 1880 

ich waen du bist von hunger tot, 
^^ • daz dich die vogele durch ir not 

ga3zen und zerlrüegen, 

wie mohte sich daz vüegen? ' * 

ich wsen ez sich gevüegct hat 1885 

daz min niemer wirt rat. 
-' ' nu miiezen vasten miniu kint, 

1859. widermüll 18G0. liiii es d. din gut 18G1. dil'z laide 

1865. gewar 1868. kräyen : vergl. Grajf i, bSl . 1872. balck 

— kraifz. krcsen, re;;erc, vc7'gl. 3812. Gi^aJ' A, 6lij. 1874. vinblai-n 
1875. sliez] schier dem nag 1876. Dar Jim pfeiiing 

1877. 1878. .sy es 1879. owe] 1880. Wo — kind 

1883. Gassen vnd zerlrügri 1884. möchl 1887. müssend 



448 DIE GÜTE FRAU. 

diu noch in den jären sint 

daz ich si solle bewarn. 

wie hän ich arme so gevarn? 1890 

wseren wir doch sament beliben, 

het ich si niht von mir vertriben, 

stürben si doch danne, 

so enweere ich niht ze banne.' 

Do si geweinete genuoc 1895 

und sich zen brüsten vil gesluoc 

mit jämer und mit riuwen, 
-/. do enhalf si niht ir bliuwen 

wan daz ir deste wirs was. 

daz disiu vrouwe genas, 1900 

daz was groz wunder. i 

si gedähte hier under 

'nu weiz ich doch wol daz wir hän 

an got vil verre uns verlän. 

den erkenne ich wol so riebe 1905 

daz ich billiche 

dirre clage enbaire : t .i 

der si ouch schirmsere 

über mich und über in. 

er weiz wol wes wir dürftec sin: 1910 

des welle er uns beraten.' . . 

in eine kemenäten, 
•/ . diu ir sunder was verlän, r, " 

da sir gemach solt inne hän, 

gienc diu vrouwe zehant. 1915 

ir wart von gote ein trost gesanl, 

daz si deheiner sorgen pflac. 

si nam pfenninge unde sac 

und leite si gehalten. 

si sprach 'got müeze walten ; , ' 1920 

mins mannes zuo den kinden. 

der Simeon dem blinden ^r. i::... ... ■; 

siniu ougen wider gap 

1888. dem Jar 1894. zc banne, in botmiifsigkcit. 1896. zu den 

1903. herunder 1907. Der cl. 1914. Jun soll hau 1922. Sy- 

ineone den plinden 



DIE GÜTE FRAU. 449 

und der die vrouwen Räap 

getroste ze Jericho, 1925 

der getroesle uns also.' 
disiu vrouwe unde ir kint, 
diu häten gemach sint: 
ir sailiger man leit 

kumbcr unde arbeit. 1930 

daz künde nieman bewarn, 
er muose tuon unde varn 
als ein genädelöser. 
ze wiuter ervroser, 

ze sumer verbran im diu hut. 1935 

schiere wart der gotes trul 
gestalt üz ungersete, 
. ob in sin wip hajte 
vor ir hin gesehen gan, 

sine möht es nihl erkennet hän. 1940 

dö wart ab ir vil wol gepflegen. 
dö si ir suht het üz gelegen, 
do gediente si vil wol ir solt. 
man koufte ir silber unde golt. 
da mite worhtes an der ram 1945 

borten und dar nach alsam ' 

gürtel unde schappel ' 

breit unde sinewel, 
daz man nie spadier wcrc gesach. - 
ir vrouwen lieber nie geschach ^ ' 1950 
dan daz si si brähte hein. 
si gap si ir tohtern zwein 
ze einer meisterinne. : 

die brähte si ze sinne 

innen einem jare 1955 

. • also wol ze wäre 

daz in alle die jähen 

1934. rab 1930. Koiucr 193(). gotesj grolz 1937. Gestelt 

von? 1938. wis 1939. ir] in 1940. inöchlz nit 

1941. aber 1943. Jren 1945. worchl sy an d. kam 

1949. schinech* 1950. Der frown 1951. haiia 1955. Jnwendig 

1956. wol xweimal. 1957/. = 1975/. vet'i-L 1251/ 

Z. F. D. A. II. 29 



460 DIE GUTE FRAU, 

die si ie gesähen, 

ir leben wwr ein wünne, 

üz allem ir künne. i960 

also waren si volkomen, 

si möht ein keiser han genoincn. 

Diu vroiiwe ouch des wol genoz 
daz si ir lere nilit verdroz. 

ez muosen ie geliche sin 1965 

ir raentel unde ir röckelin. 
do si ir ungeniach verlie 
und wider ze gemache vie, 
do wart si schoene, reht als e, 
und er wart niuwan wunt ie mö. 1970 

schiere kam ez üf die vart 
daz nie in dem lande wart 
kein vrouwe als wile ma-re 
als disiu vrouwe erbaere : 

wan ir alle die jähen 1975 

die si ie gesähen, 
s wannen si ka^me in daz lant, 
zir wser ein riebe wol bewant. 
disiu stat hiez Treis 

und was des gräven von Bleis. 1980 

do der diu nnere vernan, 
do sante er nach dem koufuian 
und vrägete in der ma;re, ' ' ^ 

ob ez also wa^re 

als im w*re geseit. 1985 

do verjach er im der wärheit. 
er sprach 'so sollu mir si geben, 
all die wil ich hän daz leben ;■ 

so wis miner sliure vri, ^ -r 

swie not mir pfenninge si.' 1990 

dö er im die sliure lie, 

I'JCiO. Jrem l'J62. si] Jedetwed erc 1964. Dz sy in ir 1er 

1965. Es inufs iegliche s. 1970. nit wunder e nie. die verbefse- 

rujig ist zweifelhaft. 1973. mere 1974. erbere 1977. Wanna 
sy kein 1978. .Ii- 1979. Die slatt 1980. der 1983. fragt ir 
19S6. der] die 1987. ü fehlt. 1989. bis 



DIE GUTE FRAU. 451 

zehant gap er im sie. 

dö hiez si der gräve holn. 

dö muost si dulden unde doin 

swaz si mit ir scimofen. 1995 

do begund si sfere wuofen, 

überlüt und in ir muote. 

si sprach 'got der guote, 

der kume mir ze tröste, 

der oucli Sussanen erlöste 2000 

von grözen werltschanden. 

ich stän ouch in den handen ^ 

vil sere gebunden : 

ich niuoz in kurzen stunden 

Verliesen sele und öre. 2005 

swes gerte ich arme mere, 

wan WKr ich tot bi minem man, 

den ich vil erliche nan?' 

dö si dem gräven kam da hein 

und also rehte schoene erschein, 2010 

ir minne in des betwanc 

daz in der tac duhte lanc. 

dö der ta& da verswant, 

si giengen släfen zehant. . i 

dö er lac bi siner brut, 2015 

do entorste er ir vvize hüt 

niender gerüeren häres gröz, 

swä si iender schein blöz. 

ir huolc ein kamereere 

dem niht ze vil wa'ire, ■ 2020 

ob er der helle abgründc 

und der erde volmiinde 

uf in die lüfte hiiebe n 

und die selben grücbe 

dem lulle machte gelich : 2025 

daz enweer im niht unmügelich. 

1993. si fehlt. 1996. ruffen 1997. in ir] .Irn 2000. sussanaz 

2002. banden? 2009. dahin 2010. schon erschin 2017. Niert 

2018. Jencrt schin ph.s 2021. abgrundo 2022. itflumüde 

2023. hübe 2024. grübe . , 

29* 



452 DIE GUTE FRAU. 

dem bevalch si ir getriuwer mau, 
do er ir durch hungers not entran. 
do diz der grave gesach, 

daz wunder daz an im geschach, 2030 

daz er wol wiben tohte, 
und mit ir niht eumohte 
geslälen als er e pflac, 
do schämte er sich unde erschrac. 
er sprach also in siner schäme 2035 

'reine guot wibes name, 
bistu maget aide wip, 
daz mir din süberlicher lip 
also ist vor beslozzen? 

ich hän din niht genozzen. 2040 

wan daz ich bin ervseret 
und harte an dir beswseret. 
si daz von zouber gewesen, 
so sage mir ob ich müge genesen, 
ich meine dich so sere 2045 

daz ich niemer mere 
von dir niht gewenken kan. 
' ich si din geselle ode din man, 

wir müezen iemer sament sin. 
du muost heizen graivin, 2050 

so ich grave bin genant.' 
mit vollen ougen sprach zehant 
disiu vrouwe schone 
'herre, got der lone 

in des guoten willen. ; ' 2055 

ir mugct an mir gestillen 
iuwer siinde ein michel teil 
und ouch gemeren michel heil, 
ich bin ein wip und niht ein magt. 
als ir mir da hat gesagt, 2060 

daz enliän ich zware niht getan, 
weit ir, ich wil iuch wizzen lan 

2027. Jre gctiiwü: s. 1779. 2033. c fehlt. 2037. als 

2041. erfercl 2043. Sid 2049. müssent sin] din 2051. gc- 
Damt 2052. sprach sy z. 2055. Euvch 2062. Woll 



DIE GÜTE FRAU. 453 

und rclit iif mine triuwe sagn, 

vvaz Wunders mich her hat getragn.' 

Do sprach der griive zuo ir 2065 

liebe vrovvc, daz sage mir: 

ich kan ez harte wol vertragen. 

du kanst mir sölhes uiht gesagen 

da von ich din welle enbern. 

ich wil dich alles des geweru 2070 

des du gerst ane mich, 

daz du min erbarmest dich.' 

des was diu vrouwe vil vrö : 

also sagte si im dö, 

min valer hiez Ruopert, 2075 

der was rieh unde wert. 

er was von ßarriä genant. 

er starp und erbete ich sin laut. 

do ich wuohs als ich hiute bin, 

do kerte ein herre sinen sin 2080 

daz er mich gerne wolte han. 

do het ich keiner slahte wän 

daz ich iemer wurde mannes wip. 

durch mich verlos er sinen lip. 

im täten mine man den tot. 2085 

!•; daz tel in michel not. 

er reit mit her üf mich : 

dö muosten si wern sich: ., 

si sluogn in under siner schar.' 

diu vrouwe sagte im rehte gar 2090 

, ';!' von aller ir geschihte, 

und doch niht wan die slihte. 

do sim ez bäte geseit, 

do erkande er wol die wärheit: < 

ez was im reht alsam gesagt. 2095 

er bat ir ouch do si was magt : 

2063. mine] eüver 2064. wunder 2068. sölUchs 2009. woll 

2070. allez dez 2071. Das 2072. mir 2073. Das die, ohne 

was 2075. rupperch 2077. parria 2079. gewuchs 

2080. sein sin 2083. mans 2084. verlor er sein 1. 2086. Jm 

2089. schlugen 



454 DIE GUTE FRAU. 

nu ist si im dar heim komen. 
was dann? er blibt ir äne vromen. 
daz man da heizet bi gelegen, 
des enmohl er niht mit ir pflegen, 2100 

und was im doch äne kip 
lieber dau sin selbes lip. 
do disiu rede also ergienc 
und der tac an gevienc, 

do man liuten begunde, 2105 

üf stuoudens da ze stunde 
und giengen hin zer kirchen sä. 
ze eigen gap er ir da 
-■ ' ': bürge, laut, und diensstman, 

und allez daz er ie gewan 2110 

gap er ir ze eigen da. 

ze messe giengen si sä, 

unde was diu vrouwe dö 

in ir muote harte vrö 

daz si was unbe wollen 2115 

und doch het guotes vollen. 

si bete man nach wäne 

und was doch mannes äne, 

als ich iuch wil bescheiden. 

diu liebe gap in beiden 2120 

so groze vreude mit kraft : . { . 

daz sich ir geselleschaft ■,: in' 

möhte wol geliehen .: -: - 

den die tägelichen : i!> 

sament nach kinden rungen, 2125 

als noch tuont die jungen. 

der gräve was so vrö nie, 

unde si niht des erlie 

swä von si al der erden 

möhte getiuret werden. 2130 

diz was ir unmuoze : 

mit gäbe und mit gruoze 

2098. plibt 2100. Dz 2106. stund sy 2107. kilchen 

2108. ir fehlt. 2115. vnbewallen 2116. gutz vallen 

2118. mans 2120. liebin 



DIE GUTE FRAU. 455 

künde si die liute oilDiieu. 

si schuof mit schoenen sionen 

daz ir des grävea mäge unt man 2135 

waren baz gehörsan 

dau si im selben wa3reu. 

der tugenl kamera^rcn 

mit aller hande lügende 

* 2140 

lebten schöne und äue baz : 

ez wart nie zwein lieben baz. 

do scbiet der tot si mit gewalt, 

und starp der gräve Diebalt 

der vrouwen al ze dräte, 2145 

den si geerbet bäte 

vor allen sinen mägen, 

wan si sament lagen. 

swer ze Fraukriche ist komen, 

der weiz ez unde hatz vernouien, 2150 

da enist kein scbidunge an, 

da erbt daz wip als der man. 

als erbte oucli si den gräven guol. 
diu reine kiusclie wol gemuot 
diu saz in ir lande 2155 

mit eren ane schände, 
schadte ir iht, daz tct daz 
daz si hinder sich baz 
gedahte danne vür sich : 

daz wart genuoc wunderlich. 2160 

daz bescheide ich iu so ich beste kan. 
in ir herzen sach si an 
waz ir ze leide was geschehen 
und enkunde daz niht ersehen 
daz ir künflec wu^re. 2165 

daz was ir meiste sw*re. 
Do disiu rede also ergie 
als ich iu han gesaget hie, 

2137. selber 2138. kamer creii 2140. Sv do hegunde : ? 2143. Do 
sy der tod mit gwalt 2151. Das enisl 2153. Also 2154. künseh 
2161. uveh 2162. sy dari 



456 DIE GÜTE FRAU. 

d6 was vil lasterliche 

dem künge von Frankriche 2170 

sin wip diu künegin genomen, 
dö sim dar heim solle komen, 
von Arragon diu künegin. 
do wold er äne wip sin, 

unz daz er si mit banne 2175 

gewünne von ir manne 
an dem selben male, 
von dem von Portigäle. 
mit im was si da hein gevarn. 
dö was diu kristenheit als am 2180 

daz man des bäbestes ban 
gar deine war nan. 
do diu künegin wart verlorn, 
dö was den landesherren zorn 
daz er niht anders wibes nan. 2185 

im rieten mäge unde man 
daz er ein ander wip na^me 
und erben mit ir bekseme. 
nu hat diu minne einen sit, 

dem volget kein staite mit: 2190 

■'^l^' swa sie zwei gelieben vindet 

und diu zesamene bindet, 
werdent diu gescbeiden, 
so ratet si in beiden, 

daz vür ietwederes swwre 2195 

niht so guotes wa^re 
noch sich baz ze tröste stelle 
dan ein ander geselle, 
als twanc si ouch den künec guot 
daz er verkerte sinen muot. 2200 

er gedähte in sinem sinne 
von Bleis diu graevinne 
diu ist rieh unde wert, 
ob ir min liut ze vrouwen gert, 

2172. sy im 2173. Ar'ogoni 2178. portagale 2179. dahaiii 

kome gefarfi 2185. wib 2189. hett d. m. ainer 3191. Wo s. 
z. geliebt viridt 2194. ratlend 2199. also 2202. Beieis 



DIE GUTE FRAU. 457 

gevellel si den allen 2205 

si nuioz ouch mir gevallen.' 

er sprach an sinem rate, 

da er die vürsten häte, 

ich weiz in minem lande 

ein vrowen, ob ich si nande, 2210 

diu ist als erbsere, 

ob ein künec noch richer wsere, 

dannoch vuogte ez sich so, 

er niöht ir iemer wesen vrö.' 

si sprächen 'herr, wer mac diu sin?' 2215 

■^ez ist von Bleis diu grajvin. 

diu ist mir so verma>ret 

daz ich niemer wurde beswaTet 

von ir so gröz als umbe ein här. 

wizzet rehte vür war, 2220 

die staete na:'nie ich vür ein lant/ 

si sprächen alle zehant 

'herre, ir hat wol gedäht: 

schaffet daz ez volbräht 

nach iuwern eren werde. v 2225 

ez enlebt üf al der erde 

dehein wip so volkonien 

als wir von ir haben vernomen. 

si zimet uns wol ze küneginne.' 

'so schallet daz ich si gewinne.' 2230 

si sprächen alle geliche, •*»■ 

beide arm und riebe, 

'der abbt von sant Dönise, 

der ist biderbe und wise, li- 

den sult ir zuo ir senden dar 2235 

der si gespreche und iu ervar 

ob ir muot dar zuo stß : 

ir nemet si gerne zuo der 6. i 

ir sult ir ouch enbieten 

2205. gcuallct 2213. fugt 2210. Beieis 2219. also 

2221. Stätte: vielleicht süeze? selbe? 2223. habent 222(5. aller 

erd 2230. Er sprach so 2233. Denise] nise. ebenso 2628. nisten 

2660. 2235. sond 



458 DIE GUTE FRAU. 

daz iu die vürsten rieten, 2240 

und die herrn von iuwerm riebe 

alle gemeinliche 

mit rate an iuch ksemen, 

und si gern ze vrouwen nwmeu. 

so ist si so wise und so guot 2245 

daz si ez wairlichen tuot.' 

der abbet der was da zehant, 

der wart schiere dar gesant, 

nach der vürsten rate. 

in schuof der künec dräte 2250 

zer vrouwen nach der vürsten bete. 

der abbet daz vil gerne tele. 

er vuor ie sä zehant 

da er die grajvinne vant 
'•*;•■. und sagte ir disiu maere, 2255 

daz der künec wsere 

mit den vürsten allen 

an den rat gevallen 

daz des landes kröne -. 

'./:': so wol noch so schone 2260 

niender wsere bewant. 

nu hänt si mich her ziu gesant 

darumb ob ir si wellet tragn. 

\Touwe, nu solt ir mir sagn 

ob iuwer muot dar zuo stät. 2265 

wan elicher hirät 

der enwirt noch enwart nie, ? 

got unser herre vüege in ie. > r 

die vürstu üz unserm riebe 
.;. alle gemeinliche 2270 

hänt iuch zuo der kröne erkorn. * -V- 
die hänt ein vrouwen verlorn i lo 
der in got niht wolte gunnen. •'■ -• 

2240. ui'ch 2241. herben v. eüveru 2242. Als 2243. Sy mil 

rat an sy komen 2244. Vm sy frown han genomeii 2251. Ze 

frowü : vielleicht ze verte? 2254. grävin 2262. zu iw', 

2263. wöllenl 2260. hirat] ee Ilal 2267. Den 2269. für- 

slen von 



DIE GUTE FRAU. 459 

diu ist dem künge entrunoen 

mit einem « man. 2275 

dem got deheiner sielden gan, 

den kan er wol gedrücken, 

und den üf gezücken 

den er ze seiden hat erkorn. 

weit ir, ir sit dar zuo geborn 2280 

daz ir der hoehsten einiu sit 

di hiiite lebent, äne strit/ 

swaz er gesprach ie, 

diu vrowe geantwürte im nie 

6 er gerette und gesweic. 2285 

dö stuont si üf unde ncic 

dem künge alters eine 

und den vürsten gemeine 

und dankete in vil sere 

der grözen houbetere 2290 

der si gedäht hseten ir, 

si sprach 'herr mm, nu sult ir mir 

teidinges gunnen. 

ich enbin niht so besunnen 

daz ich gesprechen künn dar zuo 2295 

da niich als es mir not tuo. 

ich sage iu morgen miueu muot/ 

daz lobte der abbt und dühte in guot. 

Des abbets man vil wol pflac. 
dö diu vrouwe an ir gebete lac, 2300 

dö knietes üf den esterich. 
si sprach 'herr got, ich liez durch dich 
michel ere und gewalt: 
dö gulte du mir zwivalt. 

wiltu mir ouch mere geben, 2305 

so laz mich niemer daz geleben ;^, ■ 
daz mich dehein ere 
von dinen gnaden köre.' 

2:275. Mit ainem seins maus man 2276. seldan 2282. Die hiitl 

lebt 2285. geschwig 2286. Do stund er uff vn schryg 

2288. U. d. fdrstn allen g. 2290. hoppt ere 2293. Tädlngs 

günnf- 2294. besinne 2300. Jnn 2301. kniet sy 



460 



DIE GUTE FRAU. 



si weinete unde clagte 

vil nach unz ez tagte. 2310 

in den sorgen si entslief. 

ein stimme ir in daz öre rief 

'es enraac dehein rät sin, 

du muost werden kiinegin 

da ze Frankriche 2315 

und dar nach ewecliche 

ze himele tragen kröne : 

daz git dir got ze lone.' 

dö diu vrouwe erwachte 

und si sich üf gemachte, 2320 

niht lenger si sich werte, 

si dähte zuo der verte. 

do man des morgens gaz, 

der abbet zuo der vrouwen saz, 

er sprach 'vrowe, lät werden schin 2325 

daz ir sit und müezet sin 

der hoehsten wibe eine. 

weit ir, als ich ez meine, i 

den kiinec loben ze manne, 

so muget ir imer danne 2330 

mit vreuden leben und alten 

und grozer eren walten, 

als ein küneginue sol.' ^ 

si sprach 'herr min, nu tuet so wol 

(min gesinde deist enbizzen), 2335 

lät irz die herren wizzen, 

so gespriche ouch ich si danne. ' • 

sw'elch vrouwe ze manne 

gäbet, tuot siz äne rät, .- 

ob ir danne missegät, ■^^■^■•*' 2340 

so muoz siz eine slizen. ••' •'<• 

wem solt siz danne wizen?' "^'' 



2309. clagt 2310. tagt 2310. ewenclich 2326. sind 

2328. Wölt 2329. Dem küng leben 2330. So mugent Ji 

ymer d. 2333. küngin 2335. dz ist 2336. irz] ir 

2338. Welche 2339. Gaben 2341. sy es ainig scblissen 

2342. Wann s. sy es 



Jn 



DIE GÜTE FRAU. 461 

Der abbet nam dö alle 
die wisen vome schalle 

und sagte in dise rede dö. 2345 

des wärens alle samet vro. 
do sacb man von in allen 
michel vuozvallen 
vür die vrouwen da si saz. 
si sprach 'stät üf, waz hilfet daz 2350 

daz man so nider vellet? 
redet sus waz ir wellet.' 
si sprächen alle gemeine 
vrouwe edel und reine, 

tuot des iuch der abbet bite : 2355 

da sin wir alle mite 
gezieret und geeret, 
und unser heil gemerel.' 
diu vrouwe wisliche tet 

und volbrahte ir gebet. 2360 

er horte gar dar an. 
si sprach ze berren und ze man 
ich lobe en künec, swie ez mir gat. 
lät beeren mich der vürsten rät, 
wie si wellen deich gevar. ,,^ ,; 2375 

wellent si her od sol ich dar? 
daz sol allcz sin getan : 
ich wil mich genzliche län 
üf ir triuwe und üf ir eit.' 

der abbet vroeliche reit 2370 

mit endehafter widersage 
und kam an dem sibenden tage 
da er den künec mit disem ma;re 
schiet von aller siner swsere. 
er sprach zen selben stunden 2375 

herre, ich hän funden 
daz beste wip deich ie gesach. 

2346. D. warent sy allsamt 2349. do 2350. stand 2352. sunst 

2353. sprachenl 2355. Tund dz uvch der alt pit 2359. wifzlich 

2361. unverständlich. 2363. en] an 2368. han 2373. Do 

2377. dz ich 



462 



DIE GUTE FRAU. 

und als ich si von iu gesprach 

und von den vürsten die hie sint, 

dö was ez allez sam ein wint 2380 

swaz ich von zühten hän vernomcn. 

ist iender üf die erde komen 

von himele wibes bilde, 

daz ist diu vrouwe milde. 

iu enbiut unser kiinegin, 2385 

si welle iu undertanec sin : 

swie ir gebietet, daz si reht. 

nu kieset selbe unde seht 

wie man si mit eren hol : 

daz vüeget sich ir namen wol/ 2390 

Der künec sante schiere 
nach ir vürsten viere, 
dö er si dar bereite 
ze Paris err erbeite. 

dar kömens über vierzehn naht. 2395 

gfen der vrouwen was gemacht 
ein gestüele iierlich. 
der künec der bereite sich 
zuo den hohziten. 

man sach die vrouwen riten 2400 

gar schöne gen der stat. 
der künec die pfafFen bat 
daz si gen der vrouwen giengen 



dö kämen zuo dem tuorae • * '' 2405 

mit ir heiltuome 

all die preläten. 

swaz si gezierde häten, 

diu wart genzliche erwegt 

und die sträzen umbelegt 2410 

schöne und ouch behangen. 

si wart vil wol enpfangen. 

2378. iuv'ch 2380. samt 2384. milte 2385. Wenn bütt 2390. Jrem 
2391. kein absatz. 2392. N. ir der f. v. 2394. er Jr 2395. Dar 
komen sy über xiiij nacht 2399. dem 2402. bait 2404. es 

fehlt etwa und si werdecliche enpfiengen 2405. kam 2410. vjub legt 



DIE GÜTE FRAU. 463 

dö der antfanc ergie, 

der künec si an der stunde enpfie. 

ze rehte er si koufte. 2415 

von diseoi brutloufte 

Seite ich iu vil, wolte ich, 

wan er was harte grozlich. 

nu solde man ouch ezzen gäo. 

da enwart niht verlän, 2420 

man gsebe in alles des die kraft 

daz man da heizet Wirtschaft. 

do man daz ezzen verlie 

und diu naht au vie. 

do was ouch slafennes zit: 2425 

daz liez der künec äne nit. 

dö der tac do verswant, 

si giengen släfen zehant. 

dö lac diu vrouwe riche 

vil harte güetliche 2430 

bi einer küneginne man 

diu mit dem von Portigale entran. 

diu selbe vrouwe bi ir het 

einen meisler von Tölet 

der von nigromanzie las 2435 

und des listes gar ein meister was. 

der schreip ein karacteres 

und half der küneginne des ■' 

daz si dem künge getan hate, 

daz im alle sin arzäte 2440 

niht gehelfen künden, 

daz er ze keinen stunden 

mohte mit den wiben 

mannes werc Iriben. 

swie leit und swie swsere 2445 

daz dem künege wsere 

und swie nach ez sinen hferren gie, 

2413. anfang 2421. Wann geb in allez dez. mit dieser nnd der ' 

folgende?! seile vergl. 2737/. 2425. schlaffetz 2427/. —2013/. 
.2428. giengent 2431. künigine 2434. Talet 2438. küngin 

2439. hal 2440. arczat 2447. sinem herzen? doch t^ergl. 2188. 



464 DIE GUTE FRAU. 

diu vrouwe ez äne clage lie. 
nu sliefens beidiu vaste, 

der wirt bi dem gaste. 2450 

dö der tac durch daz tach 
beide lühte unde brach, 
do erwachten sie beide, 
der künec lac in leide : 

zuo der küuegin er sprach 2455 

'ez ist wol ein jär daz mir geschach 
daz ich dir niht entuon kan 
als einem wibe sol ein man. 
nu soltu mich geniezen lan 
daz ich dich da vür erkorn hän: 2460 

solz iemer werden übersehen, 
■u daz muoz von diner tugent geschehen.' 

. des was diu vrouwe vil vro : 
also antwiirte si im dö 
j;. 'herre, ir miiget die rede län. 2465 

got hat vil wol an mir getan 
und w^rliche erzeiget hie 
daz in sin gnade nie verlie 
noch niemer mere verlät, 
, j der rehte statte an im bestät. 2470 

als hat er ouch an mir getan. 
ir sult daz vil gewis han 
daz ich in bin statte unde guot : 
got gebiete iu, daz ir mir wol tuot. 
ich läze diz wol äne haz : 2475 

mir geschach an keime dinge baz: 
ich sol es äne clage sin.' 
der künec sprach zer künegin 
'ich wil dichs ouch ergetzen 
und wil dir daz reht setzen, 2480 

so du morne wirst gewihet, 
ob dir got her näcli Übet t , /// (,.•; 

2449. schlieffend sy 2453. sy 2460. darfiir : vielleicht da zuo ? 

2465. Sy sprach h. 2467. wellichen erzaig 2469. mere fehlt. 

2470. staete] stat 2476. nie an kaim 2479. dich es 2480. wil 
ist vielleicht zu streichen. 2481. gewicht 2482. Hehl 



DIE GÜTE FRAU. 



465 



2495 
2500 



einn andern man unde kint, 
daz die iemer riclie sint.' 

uu geschach daz selten ie 2485 

an zwein lieben alse hie, 
daz des einen herzeswsere 
des andern vreude wsere. 
da von der künec sware truoc, 
da von gewan si vreude genuoc 2490 

und was es innecliche geil, 
si dülite daz ein guot heil 
daz si got der guote 
vor schänden Lehuote. 
do der künec also trütc 
und man zer messe lüte, 
man entsloz die kemenäten. 
dar kömen die da häten 
Leslozzen kröne und gewant 
da mit daz riche und daz laut 
harte wol gezieret was. 
manec saphir und ballas 
und rubin dar an lac, 
der rehte liebte als der tac 

von dem golde lühle. 2505 

die künegin beduhte^ 
do manz ir an hate geleit, 
ez wair ein wol stende cleit, 
als ez von rehte solde. ■ ' 

•■■<'- dö schatte dem golde 2510 

ir reiniu wibes varvve : 
diu het ez begarwc . i . 

vil nach verswachet, 
swie schöne ez was gemachet. 
■' dö saz diu küneginne ' 2515 

gckrocnet dar inne 
unz daz der künec gekroenet wart. 

2483. AiQ 2485. seltan 2487. Dz das ain hercz schwär 

2491. Jnnerlich 2495. rüwte 2490. lutte 2502. pallas 

2504. lichte] lucht 2508. wol ain stend 2509. solle 2510. schat- 
tet den 2511. raiue 2514. schön 

Z. F. D. A. 11. 30 



466 



DIE GUTE FRAU. 



si beidiu giengen en gegenvarl 

über den hof schone. 

lant unde kröne 'iö'iO 

gap er ir zeigen ieuier nie 

und nam die vrowen ze siiier e. 

diu gäbe beleip skele : 

swie sis nilit gedienet baete, 

so beleip si doch sirele da. 2525 

ze messe giengeu si iesa. 

do die messe wart gesungen 

und daz volc was üz gedrungen, 

do gienc der küncc enbizen. 
i- man sach der vrouwen giizen 2530 

bi dem här daz öre 

als den sne bi einem niore. 

der hof was von gewandc 

gezieret maneger bände, 
,, ■ wiz blä gel griieue brün rot, 2535' 

als der künec dö gebot. 

do geschach in alse noch geschiht 

swä man grözeu höf sihl, 

so der zergat so ist alz ein troum. 
, ,' man sibt ze meien manegen bouiu . 2540 

schöne stän geloubet : 

so si dan der winter roubet, 

so staut si dürre unde blöz. 

ez enwart nie ere als groz, 

si zergange genzliche, >, ' 2545 

wan ere in gotes riebe. 

Nu lazen wir die rede sin. t 

der künec und diu künegin 

diu lebeten schöne ane not: ■.,.. 

öwe, dö schiet si der tot. 2550 

e daz ez volle wart ein jar, 

dö starp der künec, daz ist war, 

und liez die küneginne 

2518. g. zegegfi vart 2521. me] ic 2524. sy es. da sie nur sc/iein- 
har sein weih war. 2532. ainc iiiorc 2540. 1\I. sieb zemaycn mengfi boin 
2544. erd 2547. kein absalz. 2549. lebotn . 2551. voll ward 



DIE GUTE FRAU. 467 

an vil grozeni gwinue. 

si hete lant unde schaz 2555 

und beleip äne widersaz. 
nu slAt Frankriche 
des einen lierliche, 
da sint zwelf genoze, 

daz sint viirsten groze, 2560 

den mac der künec niht verzihen, 
er miioz in daz reht lihen 
mit vanen und mit banden, 
ze raten sinen landen. 

und koment die zwelfe über ein, 2565 

so bat der künec reht debein : 
er muoz in werden undertän 
- . ald aber in daz riebe län. 

die zwelve wollen nibt enbern, 
si niücst diu künegin gewern 2570 

eins mannes der in tobte 
und si beschirmen möbte. 
diu süeze äne gallen 
sprach zuo den vürsten allen 
'wenn ich des küneges jarzit 2575 

begän und ir bie hi mir sit, 
so bin ich iu so geborsan 
umbe einen andern man, 
swie ir muotet, daz ergät. 

iwer gebot und iuwern rät 2580 

ich iemer beballen sol. 
ir bat gehandelt mich so wol i 

daz ich ez iemer dienen wil 
unz an mines endes zil.' 
, beide ir rede unde ir muot 2585 

die vürslen alle düble guot, 
und volgcten es der vrowen da. 
urloup nämen sie ie sä 

2554. grossen gewinne 2559. gnossen 2560. grossen 

2504. ze raten] Rat ze 2569. absatz. woltend 2570. musst 

2571. mans — tochte 2572. mochte 2578. ain 2579. er gal 
2580. Eiiver — eüver r. 

30* 



468 DIE GUTE FRAU. 

und vuoren heim zc lande 

iinz daz si nach in sande. 2590 

diu künegin da heime beleip. 

daz jar si also vertreip 

mit almuosen und gebete. 

mit guoter andalit si daz tele, 

daz ir got des gnnde 2505 

daz ir zer selben stunde 

ir man wider kreme, 

ald aber von im verneerae 

ob er lebte aide wa;re tot. 
'■' daz was ir aller groeste not 2600 

daz si mohte wizzen niet, 

Sit daz er 6rste von ir schiet, - 

ob er lebte und diu kindelin : 

da mit muoste si beswierel sin. 
'■' ' - doch het si eines gedaht: 2605 

so daz jar waer volbrähl, 

ob er dan niht wider ka'ine, 

daz si einen andern man na'me, 
e daz iemer wurde getan 
''•}' •' so wolte si e varn län 2610 

beidiu kröne unde laut: 
des bewac si sich zehant. 
also dö diu stunde 

nahen begnnde, ''• 

als der künec da verschiel, ■" . 2615 

dö sumte sich diu vrouwe niet, 
ir boten si wite sande 
zen herren vome lande, - > : 

daz si ktemen äne strit, ■ 

daz man des küneges jarzit • ' ' ' 2620 

begienge nach gewonheit. 
manec böte nach den armen reit, 
da si horte sagen ma're 

2589. fürten 2592. also] vielleicht: Mcz'^. 2593. mit gebet 

2595. Atsfvhll. 2001. nit 2603. leblin 2608. E das sy dafi 

ain 2612. bezwang 2616. Do sompt — nit 2621. Begingin 
2622. dem Arme ■•i. 



DIE GUTE FRAU. 469 

daz ir aller meiste waere, 

in den spitäl si enbol, 2625 

swera da ihtes wwre nol 
von gewande und von spise, 
der seid ze sant Denise 
ze des kiineges järzite komen. 
dö si daz halten vernomen, 2630 

malates unde siechen 
begunden dar kriechen 
an zal und aue ahle. 
diu künegin geahte 

harte wenec üf den schaden : 2635 

si hiez vil balde üf laden 
raanegen karren unde wagen, 
swaz die mohten getragen, 
Jaz man der armen diete 

cleider drabe schricte. 2640 

des hat si alles war geuomen. 
M:.: ■ dar zuo wären ir ouch komen 
da bi üz einer zelle 
zwelf bärtinge snelle, 

daz si in diu cleider mtezen 2645 

und ir pfUcgcii, so si sezen. . . ' 
dö si der armen ähte 
also ze ende brähle 
daz ez gole wol mohte liehen, 
do schuof man den riehen 2650 

guoter spise genuoc. 
> :•_ man vuorte dar unde Iruoc " 

swaz ie gevlouc oder gevloz. 
dö was diu Wirtschaft so groz ' 

daz die armen gäzen 2655 

nocii mcre, da si säzen, ' • ' 

2028. Dciiisc] iiise 2029. Zuo des 2030. betten 2031. Ma- 

let/,: malates i^cimt a«/ widerrates Ulr. Tr. 2161. 2634. gedacht 

2638. traga 2610. darab 2642. warent 2644. bärtine, laieii- 

hruder. vergl. Schmeller 1, 203. 2645. der cl. messe 2646. plle- 
gin so sy ässe 2653. gpflog 2654. Ritterschaft groTs. ohne so 
2655. Daz sy die 2656. sässen 



470 DIE GÜTE FRAU. 

dau si iemer getaeten, 
ob si ez gekoufet hseten. 

Do der groze järtac 
ze sant Deuise gelac, 2660 

als man den künec da begruop 
und man die messe ane huop 
die der abbet selbe sanc, 
do was da gröz gedranc : 

des enmohte kein rät gesin. 2665 

ie doch beleip diu künegin 
an vil guotera ruome hie, 
. i- ? do si ze opfer gie 

mit zweiuzic bisanden. 

mit snewizen banden 2670 

si si an die stole bot. 

dö was ein diirftege durch sin not 

gedrungen zuo der künegin, 

'gebt mir ein gäbe, vrouwe min, 

daz des küneges sele - 2675 

von sante Michahele 

hiute gecondwieret si.' 

si gap im zwene oder dri • 

ald aber lihte viere. 

da gegen greif er schiere. 2680 

als er die haut bot dar, 

do wart diu künegin gewar 

eins krumben vingers an der hanl 

den si selbe heilte unde baut, 

do er im ab geslagen wart - ■ i 2685 

ze ritterschaft an einer vart. 

do erschrac si unde sach in an : 

si erkand in wol, ez was ir man. 

dö wart si vor vreuden rot: 

ir groziu zuht ir daz gebot 2690 

daz si vil lüte niht erschre. 

däne tweltc si niht me, 

2657. getelten 2658. koufft hellen 2660. Denise] nisten 

2666. plib 2672. dürftig 2671. ain gab sprach er frow 

2677. geanliwürt 2691. si /e/(/^. erschrai 2692, Danne wolle 



DIK GÜTE FRAU. 471 

diu siieze und diu sliL-le : 

si vienc in bi der waete 

und zöch in vroelichen dan, 2695 

iinz ir ein kameraire kan, 

zuo dem si lieplichen sprach 

sclial mir dem armen guot gemach : 

im geschiht genadc von mir hie.' 

der arme vroelichen gic 2700 

da sin wol gepflegen wart. 

kleine was sin hochvarl. 

<ld diu messe wart gesungen, 

daz daz volc was üz gedrungen, 

do knietes üf den estcrich, 2705 

si sprach 'herr got, du hast durch mich 

ein michel wunder getan, 

daz ich minen man vunden hän, 

von dem ich jämmerliche schiet. 

nu hilf mir daz ich dirre diet 2710 

noch hiute bewaere 

diz wunderliche mamre.' . ' 

Si vragte wä w«re 

ir oberster kameramre. 

«r wart ir schiere gewunnen dar. 2715 

si sprach '\[ balde uude var, 

schal" mir dem armen ein bat 

und kom du selbe in die stat 

und gewin mir im bezite 
w vome besten samite 2720 

cieider diu im reht sin 

und wol geviilt mit hermelin, 

und si daz bereit vor none, 

4laz ich dir es iemer löne.' .,■;,! 

*• ■ daz ergie vil bereite 2725 

als si üf leite. 

si schuof dar mit guotem liste, 

2090. Vncz er Jn ain kamer kam 2698. disem : vergl. 2717. 

2701. Do nü sein 2705 = 2301. kniivel sy 2710. diser 

2719 ir. vergl. Lackm. zu den Nib. 1113, 3. 2721. sind 

2723. Viid dz berait sey 2725. braite i i ■ 



472 DIE GÜTE FRAU. 

daz ez liitzel iemen wiste, 

schuohe und linin gewant, 

und gienc si selbe zehant 2730 

hin üz zuo ir gesten. 

dö satzle man die besten 

und die andern alle dar nach. 

do was den truhssezen gäch, 

si truogn in vür daz ezzen. 2735 

desn wart niht vergezzen, 

man gap in alles des die kraft 

daz man da heizet Wirtschaft. 

dö si alle gäzen 
f.!'.- und dar nach gesäzen, 2740 

si schuofen daz man üz treip 

daz gesinde und niemen da beleip 

wan diu künghi alters eine 

und die vürsten alle gemeine. 

si sprachen 'vrouwe, nu ist zit, 2745 

die wil ir also müezec sit, 

werbet als wir iuch bäten e, 

daz iuwer lant mit vride ste, 

des ein vrouwe niht gepflegen kan. -^ 
« v kieset selbe einen man. 2750 

swen ir weit, der ist uns guot.' 

do sprach diu vrouwe wol gemuot .. 

die mich es hinte baten, \. 

wolten mir die raten, i, 

so verswigete ich si niht, > 2755 

in seit in alle mine geschiht.' 

si sprächen alle gemeine ;. -.s 

'saget uns, vrouwe reine: . .ü, 

iuwer not ist uuser leit.' 

des buten si alle ir eit. 2760 

hie mit diu künegin ane vie, 

die vürsten si dö wizzen lie 

beide ir namen unde ir lant 

2728. yemant 2729. Schuch 2731. Jren 2736. Denen ward 
2737. allen 2742. niemat 2749. Dz 2751. vvält 2753. hür 
2756. in = ichne] Jr 2762. wisse 



DIE GÜTE FRAU. 473 

uud wie ir vater was genant, 

daz er grave Ruopreht hiez. 2765 

dar nach si si wizzen liez 

wie si ir eigen lanl lie 

und durch got da von gie 

und ilf der straze bi ir man 

zwcne schoene siine gewau 2770 

und wie sie der hunger schiel. 

dar nach verswigte sie niet 

wie si des gräven laut gewan, 

daz er doch nie wart ir man. 

si sprach 'ich muoz iu mer verjehen. 2775 

ein wunder ist an mir geschehen : 

min man der ist her wider komen.' . 

do si daz häten vernomen, 

si sprächen alle gcliche, 

beide arme und riebe, 2780 

'den bat uns got her gesant 

ze einem künege in daz laut.' 
Si waren alle samet vrö 

unde vreuten sich do ,: 

daz in so liebe was geschehen 2785 

daz si die vrouwen sollen sehen 1 

und oueh ir vil lieben man. ,, ,'. 

si komen alle samet dar an, 
' er wa^re wol wert der kröne. 

./ X si sprach 'so bring ich in ze löne.' 2790 

der arme in dem bade beleip 

unz man daz hör von im treip : 

daz schoenete in vil deine. 

im bedahtc sin gebeine 
iw . ein hilt swarz als ein ran: 2795 

daz was vil rehte getan ; 

gevar nach der aschcn. ii 

in half vil deine ir waschen, 

2765. rüppercht 2770. sun 2773. sy nie 2775. eüvcli 

2778. hettcn 2783. allsamet 2784. Frown vnd fi-üad frowtü sich do. 
frauen sind nicht zugegen. 2785. lieb 2787. Jren 2788. allsamt 
2792. har. 2794. Jn beduciil 2797. eschen 2798. waschen 



474 DIE GUTE FRAU. 

wau (laz ez in gelroste 

(laz in got dervon erlöste. 2800 

er was zeu brüsten durcliflach : 

an sinem libe man vvol sach 

(laz in vil manege puntc 

mit speren und stieben wunte : 

ouch sacb man oberbalp der bra 2805 

daz im die ringe wa unt \va 

inz houbet waren geslagen. 

dö im daz hör was ab getwagen 

dö jach der kamera;re 
' ' daz ez ze wäre wäre 2810 

da vor ein ritter gewesen, 

swie küme er kaime dar gekresen. 

als er getruckente gar, 

zehant brähte man im dar 
^^■' ^^ ein hemede und eine niderwät: 2815 

daz was gar wol genät 

mit harte wizer varwe. 

man zoch dar in begarwe 

einen gürtel harte wa'he, 
( swer in noch hiute saehe, 2820 

der möht in gerne schouwen. 

in worbten juncvrouwen 

er sprach 'durch got, waz so! daz sin? 
♦ ' ■ ■ 

i' ' weit ir mir geben rehte wät, - 2825 

so gebt mir diu mir rehte slat, 

minen alten roc und niinen sac : 

diu sint nu vil manegen tac 

min wät und min geverte.' ' 

: swie lange er sich werte, 2830 

si zugen im an daz selbe cleit. 
des schämte er sich, und was im leit. 

28Ü0. got fehlt. 3803. puiicle 2804. vnd mit stiehcu 2806. wa 
unt wa] vergl. Goltfr. Tr. C53. 2807. Jn das lioppt 2808. Dz Jin dz 
har was ab geczwagen 2809. Do Jachen die: vcrgl. 2714. 2810. ze 
Avai-e] war 2812. gekrisen 2815. Ain wifs hemd 2822. vorchten 
2824. etwa her l^^iimcrajre, ir spotct min. 2827. Min — min s. 



DIE GÜTE FRAU. 475 

si zugen im an vil dräle 

zwo hosen von scharlute, 

dar nach daz hermine gewaut, 2835 

daz man uiender an im vant 

daz im iht arges würre. 

do sprach der arme dürre 

'vvan lät ir hiute durch got 

mit mir den ungeviiegen spot? 2840 

ir möhtets wol vergezzen. 

weit ir iuwer cleider mezzen, 

so mezzet si an etesweme 

den iuwers Schimpfes gezeme: 

ich mag es niht erliden.' 2845 

von golde und ouch von siden 

sand im sin wip diu künegin J-. 

einen wachen gürtel dar in 

und cnhöt im diu mtere i< 

daz si da vrouwe waire 2850 

worden in dem lande 

an sünde und äne schände, 

als ez got gevüegen wolte. 

do miiest er unde solle 

von allem rehten küuec sin. 2855 

do nam in besunder 
der rede michcl wunder, 
ob daz selbe mwre 
"r .' w'ar ald erlogen wa^re. 2860 

er gediihte in sinem muote 
'ja herre got der guote, 
ist daz wunder hie geschehen, . i 
so mac man endelichen sehen 
• ' ^ daz du ein wunderajre bist 2865 

über allcz daz der ist.' 
do lute man die none. 

283G. Do mü nicaert au vaiul 2837. iclilz args wurde 2838. diir 
2839. hiute] herte: herreu? 2841. niöchtend es 2844. schimpf 

gezäm 2848. ein glirtcl ist schon 2819 erwähnt. 2853. Higfen 

2854. luust 2858. mich 2866. alle 



476 DIE GÜTE FRAU. 

über hof giengen schone 

die viirslen vür die künegiii 

uad die andern alle mit in. 2870 

do si zesamne kämen 

und die herren genämen 

iegelicher sine slat, 

diu künegin einn viirslen bat 

ir wort da betiuten '2875 

durch got den landes liuteu. 

si sprach als ez ir wol gezam. 

dö daz lantliut vernam 

diz wunderliche mare 
• i-' % rehte, wer si wffire, . 2880 

des wärens alle samet vrö. 
^ also jähen si ir dö, 

da wa^re geschehen wunder an. 

dö gienc si unde holte ir mau. 
. ' Dö si kam daz si in sach, 2885 

' si vienc in zuo ir unde sprach 

'wis willekomen, lieber man. • .!■; 

Sit mir got der swlden gan, 

daz dich min ougen haut gesehen, 

. 2890 

ez ensi nu allez sament guot.' 

sich vreute sere ir beider muot > . 

daz in so liebe Avas geschehen i'.' 

daz si einander solten sehen 
' lebendec üf der erde hie. 2895 

bi der hanl si in vie - ■ ; ■■ 

und zöch in vroeliche dan 

zen viirsten, ir vil lieben man, >- 
- die ouch engegen im giengen: ■. ■■ ■ 

nach eren si in enpfiengen. 2900 

dö si in brähte her vür, 

si bat die vürslen an der kür, i 

daz si im wahren undertän. 

2878. Do dz die lands lüt vcrnamen 2881. Dez waren sy allsaml 

2883. Do wer 2884. Jrn 2887. Bis 2888. kan 2890. etwa so kund 
ich anders nihi jehen, 2894. ain andren 2902. Sy b. der f. der chur. 



DIE GUTE FRAU. 477 

des si si gebat, daz wart getan : 

si waren im gehörsan, 2905 

beide mage unde man. 

zir manne sprach diu künegin 

'iierre, war sint komen diu kindelin?" 

'daz wil ich dir vil rehle sagen. 

ich brähtes beidiu getragen 2910 

an ein wazzer, daz was breit. 

ich schiet si durch gewarheit 

und truoc si besunder. 

nu hoere raichcl wunder, 

wie sich min leit merte. 2915 

do ich wider kerte 

und jenez geholt wolte hau 

da ich ez bäte verlän, i- 

do drucle des wazzers last 

die starken brügge daz si brast. 2920 

do leit ich ungeverte, 

wan daz mir got bescherte 

einen boum, da ich an beleip 

unz er mich ze Stade treip. i-*;, 

als ich kam an daz laut, 2925 

do gahte ich widere zehant - 

da diu brügge nider gie • - 

und da ich miniu kint lie. 

do cnweste ich war si waren komen : 

ob si daz wazzer het genomen, 2930 

daz was mir leider unerkant. 

do saz ich zehant 

zuo einem bounic riuwevar 

min gewant daz nam ich gar 

und hanctez an die cste. i 2935 

min janier der was vestc. ' ' 

unsern herren got ich ane rief, 

unz ich in den sorgen enlslief. 

oAne an 2904. Was 2910. Ich bracht sy 2917/. = 1791/. 

2918. helt 2923. Ain pom do 2926. gedacht: vergl. 1803. 

2928. do 2929. enwusst 2933. ruw var 2935/ = 1837/ 
2937 — 42 = 1847 — 52. 2937. hcrrgol 



478 DIE GUTE FRAU. 

uf den boum kam ein ar 

und wart dort uidene gewar 2940 

wä miner pfenninge sac 

rot neben mir lac, 

die mir da wurden von dir. 

sich, vrouwe, die nam er mir 

und vuorles ich enweiz war.' 2945 

'nu sich, do brahte er si gar 

zeim boumgarten da ich was 
■ und warf si vür mich üf daz gras:' 

so sprach diu vrouwe wol gemuot. 
: .. 'sit uns got diz deine guot 2950 

also wider hat gegeben, 

do sulnt ouch diu kint leben. 

des ich im getriuwe verre 

daz in niht enwerre.' 
■■■'■'"' do sprach ein gräve zehant 2955 

'ez sint wol vier jär daz ich vant 

bi der Seine ein schcene kint: 

daz hän ich wol behalten sint. ... 

ouch weiz ich wol, do vander 

der bischof daz ander. 2960 

diu sint beide samet hie.' 

nach den kinden man do gie. 

unde brähtes her ze hove. 

dem graven und dem bischove 

dem wart vil nähe gedrungen. 2905 

so vil gevröut und gesungen 

vor noch sit nie wart 

dö diu vrowe zesamne gewan 

beidiu ir kint unde ir man, 2970 

vor vreuden stuont die schcene vrouwe 

als der rose in dem touwe 

2940. (lert nidnen 2945. ich waiss nit war 2947. .Tn aine bomg. 
(lo 2948. Warir {ohne und) sieh mich für dz gras 2949. Do 
2952. sollen 2954. Dz ich nit enwere 2957. Sy der sein 

2959. vander z= vant ir. 2960. der ander 29G3. brachtz 29G8. es 
fehlt etwa danue an dirre selben vart. , 



DIE GÜTE FRAU. 47t) 

stet vil schöne gebluot 

und siniii löiiber üf tuot, 

diu beide wiz siiil unde rot. 2975 

ir was deheiner varwe not. 

dö schein ab er riuwevar: 

daz machte, sin was deine war 

geuoraen in vier jären, 

Sit si gescheiden wären. 2980 

In der selben stunde 
sprach mit süezem munde 
von wibes namcn daz höhe zil 
'swer mir daz niht gelouben wil 
daz diu rede also si, 2985 

so lit min lanl hie nahe hi 
da von ich hie vor gie 
und ez durch got varn lie : 
daz liut bring ich ze schine. 
ouch ligent in minem schrine 2990 

die selben pfenninge 
dar umbc ich mit gedinge 
miner vrouwen wart gegeben. _ ■: 
ouch hat si selbe noch daz leben, 
da mit ich ez erziuge wol, 2995 

obe ich ez luon sol.' 

do sprach elliu diu diet : 

'vrouwe, ir bedürfets niet. 
wir wizzen wol die warheil 

daz ir uns niht hat missescil.' 3000 

zen vürsten sprach diu kiiuegiu 
'ich bevilhe iu diu kinl min 
iif iuwer Iriuvve und miiien man, 
so ich allerbeste kau, 

daz ir in sil ze aller zit 'M)06 

reht als ir mir gewesen sit, 
Sit daz ich iuwer vrouwe hiez 

2973. Statt uil schön geplüt 2976. Ja 2977. aber Jr rüvo varb 

2978. sy was cl. var 2986. nach 2989. Die lütt br. ich her 

z«!schine 2993. gebfi 2995. erzüpil 2997. alle 2998. be- 
dürüent nit 3003. min 



480 DIE GUTE FRAU. 

und mir der künec sin lant liez. 

got weiz wol, ich gewan nie man 

wan disen den ir sehet an.' 3010 

die vürsten dar giengen, 

von dem künege si enpfieugen 

beidiu bürge unde lant. 

dar nach swuorens im zehant 

vil zühteclichen hulde. 3015 

Aal schone er daz verdulde 

unz daz si im geswuoren 

und rehte dan vuoreu. 
Der ditze riche gewan, 

der was geheizen Karelman. 3020 

do was der küneginne name 

niht anders wan La bone dame. 

dö hiezen ir kindelin 

Karle unde Pippin. 
■> '• Pippin der was deine: 3025 

daz machte daz eine 

daz sin diu muoter niht wol pflac, 

do si in dem spitäle lac 

und in diu wol geborne 
' ; sougte üz dem hörne. 3030 

der merre der hiez Karle: 
. '■ der wart künec ze Arie. 

Sit gewan der künec Pippin 

daz lant da wir hie inne sin, 
'■■ ' und der biderbe Karle uns mähte 3035 

die herliclien pfahte. *•■ 

des suln im iemer danken 

die Swäbe und diu Franken 

daz er si vor aller diet ''-■• ' ' 

an ir rehte üz schiet. 3040 

sit gewan der selbe gotes trat 

ein tohter, diu hiez Gerdrüt. 

3010. den] diu 3014. sy im 3015. züchtenclichen 3018. dan] 

mit Jm 3019. Wer dis 3022. labonedaue 3031. mcrer 

3035. Karlin der vns macht 3036. pfahte] ach 3037. sollen 

3038. An der sehen die swabn vä die frankfi 3041. got 



DIE GUTE FRAU. 481 

diu heilige vrouwe 

diu lit ze Haspelgouwe, 

des edelen wibes wünne, 3045 

von der diz reine künne 

von aller erste känieu. 

in gotes namen amen. 

Des bite ich sünda^re. 
nu hän ich ditze ma?re 3050 

voUebräht an die stat 
als mich der margräve bat. 
nu w'ü ichz heizen schriben 
ze eren guoten wiben, 

daz si merken unde schouwen 3055 

bi dirre guoten vrouwen 
daz niemer wibe missegät 
diu Iriuwe gen ir manne hat. 

3045. scheint verderbt. 3046. dis reme komc 3047y. Von aller 

erst Jn gotz nameii Aincn, ohne kamen, der plural des verbums bei 
dem singulare des nomcns wie 890^. 3049. Djs 3050. (lifz 

fFolf, dafs Schotlky. 3051. Volbracht 3056. diser 3058. Jreni 
man hat Amen. '.»'A' 



Em MÄRCHEN AUS DER ORERLAUSITZ. 

Es war einmal ein schönes mädchen, das hiel's Helene, 
ihre mutter war früh gestorben, und die Stiefmutter die sie 
bekommen hatte that ihr alles gebraunte herzeleid an. Helene 
gab sich alle mühe ihre liebe zu gewinnen, sie verrichtete 
die schweren arbeiten die ihr auferlegt wurden fleifsig und 
uuvcrdrol'sen, aber die böse Stiefmutter blieb in ihrem har- 
ten herzen ungerührt und verlangte immer mehr von ihr. 
denn weil Helene so emsig und unermüdlich war dafs sie 
immer bei Zeiten mit ihrer arbeit fertig wurde, so glaubte 
sie, was sie ihr auferlegt habe sei noch zu leicht und zu 
gering gewesen und sann auf neue aufgaben, eines males 
verlangte sie von ihr, sie sollte zwölf pfund federn in einem 
tage abschieifsen, und drohte ihr mit harten sti'afen, wenn 
sie abends heim käme und die arbeit nicht gethan fände. 
Z. F. D. A. II. 31 



482 EIN MÄRCHEN. 

Die arme Helene setzte sich mit angst und thräneu zu 
ihrer arbeit und konnte vor kummer kaum einen anfang ma- 
chen, wenn sie aber endlich schon ein häufchen geschlilse- 
ner federn vor sich liegen liatte, da muste sie wieder an ihre 
noth denken und bitterlich weinen, und dann stoben von ih- 
rem seufzen die federn aus einander, so gieng es ihr immer 
wieder und ihre angst stieg aufs höchste, sie bedeckte ihr 
gesichl mit beiden bänden, bückte sich über den tisch, und 
rief weinend aus 'ach ist denn niemand auf gottes erdboden 
der sich meiner erbarme?' da antwortete auf einmal eine 
sanfte stimme 'tröste dich, mein kind : ich bin gekommen dir 
zu helfen.' erschrocken sah Helene auf und erblickte eine 
fee, die freundlich fragte 'was weinst du so?' Helene hatte 
lange kein freundliches wort gehört, sie fafste vertrauen und 
erzählte was ihr für eine arbeit aufgegeben sei und dafs sie 
damit unmöglich zur bestimmten zeit fertig werden könne, 
sei ohne sorgen, mein kind' sprach darauf die freundliche 
fee, 'lege dich ruhig schlafen ; unterdessen will ich deine ar- 
beit verrichten.' Helene legte sich zur ruhe und unter den 
bänden der fee flogen die federn fast von den kielen, so dafs 
die arbeit lange vor der gesetzten zeit fertig war. darauf 
weckte die fee Helenen, die allen kummer verschlafen hatte, 
und verschwand, als diese ihr danken wollte, am abend kam 
die böse Stiefmutter nach hause, wie erstaunte sie, als sie 
Helenen neben der fertigen arbeit ruhig sitzend fand, sie 
lobte zwar ihren fleifs, dachte aber bei sich auf neue und 
noch schwerere arbeiten. 

Am andern tage befahl sie Helenen einen grofsen teich 
der in der nähe lag mit einem lölfel auszuschöpfen, und der 
lölfel den sie ihr dazu gab war durchlöchert. Helene machte 
sich an ihre arbeit, aber bald sah sie ein dafs es unmöglich 
war das gebot ihrer Stiefmutter zu erfüllen, voll unnuit und 
angst wollte sie eben den löfl'el von sich Averfen, als plötzlich 
die gute fee vor ihr stand und sie freundlich fragte warum 
sie so betrübt sei. als Helene ihr von dem geböte ihrer 
Stiefmutter erzählt hatte, sprach sie 'verlafs dich auf mich : 
ich will deine arbeit für dich verrichten, lege dich unter- 
dessen nur ruhig schlafen.' Helene war getröstet und legte 
sich zur ruhe, aber bald ward sie von der fee leise geweckt 



EIN MÄRCHEN. 483 

imd erblickte das vollbrachte werk, voller freuden eilte sie 
zu ihrer sliefimilter und hoffte, ihr herz werde sich nun end- 
lich erweichen, aber diese ärgerte sich darüber dafs ihre 
tücke so wunderbar vereitelt worden war und sann auf noch 
schwierigere aufgaben. 

Als es morgen geworden war befahl sie Helenen bis 
zum abende ein schönes schlofs zu bauen das sogleich be- 
zogen werden könne und an dem nichts fehle, weder küche 
noch keller noch irgend etwas. Helene setzte sich nieder- 
geschlagen auf den felsen der ihr angewiesen war und trö- 
stete sich nur mit der hoffnung dafs ihr die gute fee auch 
diesmal aus ihrer noth helfen werde, so geschah es auch : 
die fee erschien, versprach das schlofs zu bauen, und schickte 
Helenen wieder zur ruhe, auf das wort der fee erhoben sich 
felsen und steine und fügten sich in einander, so dafs bald 
ein prächtiges schlofs da stand, vor abend war auch inwen- 
dig alles fertig und in vollem glänze, wie dankbar und freu- 
dig war Helene, als sie die schwere aufgäbe ohne ihr zu- 
thun erfüllt sah. aber die Stiefmutter freute sich nicht, son- 
dern gieng spürend durch das ganze schlofs von oben bis 
unten, ob sie nicht irgend einen fehler fände wegen dessen 
sie Helenen strafen könnte, endlich wollte sie auch den 
keller be trachten, aber in dem augeublicke wo sie die fall- 
thür erhoben halte und hinabsteigen wollte schlug die schwere 
thür plötzlich zurück, so dafs die böse Stiefmutter die treppe 
hinabstürzte und sich zu tode fiel. 

Nun war Helene selber herrin des schlofses und lebte 
in ruhe und frieden, bald kamen viele freier die von ihrer 
grofsen Schönheit gehört hatten, unter ihnen war auch ein 
königssohn mit namen Lassmann, und dieser erwarb sich die 
liebe der schönen Helene, eines tages safsen beide vertrau- 
lich vor dem schlofse unter einer hohen linde beisammen und 
Lassmann sagte Helenen dafs er von ihr zu seinen altern 
reisen müfse, um ihre einwilligung zu seiner heirat sich zu 
holen, und bat sie unter der linde seiner zu warten : sobald 
als möglich schwor er ihr zurückzukehren. Helene küsste 
ihn beim abschiede auf den linken backen und bat ihn so 
lange er von ihr entfernt sein werde sich von niemand auf 

31* 



484 EIN MÄHCHEN. 

diesen backen küssen zu lafsen. unter der linde wolle sie 
ihn erwarten. 

Helene baute felsenfest auf Lassmanns treue und safs 
ganzer drei tage lang' vom morgen bis zum abende unter der 
linde, als aber ihr bräutigam immer noch nicht kam, gerieth 
sie in schwere sorge und beschlofs sich auf den weg zu ma- 
chen und ihn zu suchen, sie nahm von ihrem schmucke so 
viel sie konnte, auch von ihren kleidern nahm sie drei der 
schönsten, eins mit Sternen, das andere mit monden, das 
dritte mit lauter sonnen von reinem golde gestickt, weit 
und breit wanderte sie durch die weit, aber nirgend gerieth 
sie auf eine spur ihres bräutigams. am ende verzweifelte 
sie ihn zu finden und gab ihr suchen auf, aber nach ihrem 
schlofse wollte sie doch nicht heimkehren, weil ihr dort ohne 
ihren bräuligam alles öde und verlafsen vorkommen muste: 
lieber wollte sie in der fremde bleiben, sie vermietete sich 
bei einem bauer als hiriin und vergrub ihren schmuck und 
ihre schönen kleider an einem verborgenen orte. 

So lebte sie nun als Iiirtiu und hütete ihre herde indem 
sie an ihren bräutigam dachte, sie gewöhnte ein kälbchen 
von der herdc an sich und halte an ihm ihre freude, fütterte 
es aus ihrer band und richtcle es ab vor ihr nieder zu knieen 
wenn sie zu ihm sprach 

'kälbchen, knie nieder 

und vergifs deiner ehre nicht, wie der 
""' prinz Lassmann die arme Helene vergafs, 

als sie uuler der grünen linde safs.' 
^ach einigen Jahren, die sie so verlebte, hörte sie, die 
tochter des königs in dem lande wo sie jetzt wohnte werde 
ein königssohn mit namen Lassmanu heiraten, darüber freu- 
ten sich alle leute, aber Helenen überfiel ein noch viel grö- 
fserer schmerz als sie bisher erlitten hatte, denn sie hatte 
immer noch auf Lassmanns Irene vertraut, nun traf es sich 
dafs der weg zur königsstadt nicht weit von dem dorfe vor- 
bei gieng wo Helene sich als hirtin verdungen hatte, und 
so geschah es oftmals, wenn sie traurig ihre herde hütete, 
dafs Lassmann an ihr vorüber ritt ohne sie zu beachten, in- 
dem er ganz in gedanken an seine braut versenkt war. da 
licl CS Helenen ein sein herz auf die probe zu stellen und 



EllN MARCHEiN. 485 

zu versuchen ob es nicht möglich sei ihn wieder an sie zu 
erinnern, nicht hinge darauf kam Lassmann wieder einmal 
vorüber: da sprach Helene zu ihrem kälbchen 
'kälbchen, knie nieder 
und vcrgil's deiner ehre nicht, Avie der 
prinz Lassmanii die arme Helene vergal's, 
als sie unter der grünen linde sal's.' 
als Lassmann ihre stimme horte, da war es ihm als solle er 
sich auf etwas besinnen, aber hell wurde ihm nichts, und 
deutlich hatte er auch in'cht die worte vernommen, da He- 
lene nur leise und mit zitternder stimme geredet hatte, so 
war auch ihr herz viel zu bewegt gewesen als dafs sie hätte 
acht geben können welchen eindruck ihre worte machten, und 
als sie sich fafste, war Lassmann schon wieder weit von ihr. 
doch sah sie noch wie er langsam und nachdenklich ritt, und 
deshalb gab sie sich noch nicht ganz verloren. 

In diesen tagen sollte in der köuigsstadt mehrere näclite 
hindurch ein grofses fest gegeben werden, darauf setzte sie 
ihre hoffnung und beschlofs dort ihren bräutigam aufzusu- 
chen, als es abend war machte sie sich heimlich auf, gieng 
zu ihrem verstecke und legte das kleid das mit goldenen 
sonnen geziert war und ihr geschmeide an, und ihre schö- 
nen haare, die sie bisher unter einem tuche verborgen hatte, 
gab sie nun frei, so geschmückt gieng sie in die Stadt zum 
feste, als sie eintrat, da wandten sich aller äugen auf sie, 
alles verwunderte sich über ihre Schönheit, aber niemand 
wüste wer sie war. auch Lassmann war von ihrer Schön- 
heit wie bezaubert, ohne zu ahnen dafs er einst mit diesem niäd- 
chen ein herz und eine seele gewesen war, bis zum morgen wich 
er nicht von ihrer seile und nur mit mühe konnte sie in dem 
gedränge ihm entkommen als es zeit war heim zu kehren. 
Lassmann suchte sie überall und erwartete sehnlich die näch- 
ste nacht, wo sie versprochen hatte sich wieder cinzuiinden. 
am andern abendc begab sich die schöne Helene wiederum 
so zeitig als sie konnte auf den weg. diesmal hatte sie das 
gewand an das mit lauter silbernen monden geziert war und 
einen silbernen halbmond trug sie über ihrer stirue. Lass- 
mann war froh sie wieder zu sehen, sie schien ihm noch 
viel schöner zu sein als gestern und die ganze nacht tanzte 



486 ELN xVlÄRCHEN. 

er allein mit ihr. als er sie aber nach ihrem naraen fragte, 
antwortete sie, sie dürfe ihn nicht nennen wenn er nicht er- 
schrecken solle, darauf bat er sie inständig den nächsten 
abend wieder zu kommen, und dies versprach sie ihm. am 
dritten abend war Lassmann vor Ungeduld frühzeitig in dem 
saale und verwandte kein äuge von der thür. endlich kam 
Helene in einem gewande das mit lauter goldenen und sil- 
bernen Sternen gestickt war und von einem Sternengürtel 
festgehalten wurde; ein sternenbaud hatte sie um ihre haare 
geschlungen. Lassmann war noch mehr als zuvor von ihr 
entzückt und drang in sie mit bitten sich ihm endlich zu er- 
kennen zu geben, da küsste Helene ihn schweigend auf den 
linken backen, und nun erkannte Lassmann sie auf einmal 
wieder und bat voll reue um ihre Verzeihung, und Helene, 
froh ihn wiedergewonnen zu haben, liefs ihn nicht lange 
darauf warten. 



G R E G O R I U S. 

U7iter mehreren meist auch sonst bekannteji lateinischen 
gedickten die in eine handschrifi der königlichen bibliothek 
zu München {cod. Aug. s. Vir. 113. 4°. papier) von einer 
hand des 14w jh. zusammengetragen sind ist eines (hl. 43* 
— 52*') das in 453 hexametern die sage von Gregorius auf 
dem steine erzählt, wer die gemütliche deutsche behand- 
lung desselben Stoffes durch Hartmann von Aue kennt wird 
sie gern mit dieser lateinischen vergleichen, die loeniger als 
eine andere, von welcher H. Leo in de?i blättern Jiir lite- 
rarische Unterhaltung für 1837 s. 1431 und danach Jac. 
Grimm in der vorrede zu den lat. ged. des 10« und \\7i 
jahrh. s. xlv/. ein bruchstück mitgetheilt hat, für eine nach- 
bildung derselben zu halten sein dürfte, da sich die haupt- 
momente dieser christlichfrommen sage auch in älteren des 
germanischen nordens ßnden und vielleicht ebendaher ent- 
lehnt sind, so wird dieselbe, ob auch in lateinischem ge- 
wande, eine stelle unter deutschen alterthUmern in anspruch 
nehmen dürfen, gesteht man ihr, auch als lateinischer dich- 
tung, ein gewisses verdienst zu, so wird ihre bekannt?na- 



GREGORIÜS. 487 

chung aus einer ziemlich fehlerhaften ahsckrift, an der hier 
nur das verhefserlichste verbefsert ist,* vielleicht veranla- 
fsung' sein dafs auch noch lesbarere und. richtigere texte 
atis tageslicht gezogefi werden. J. A. SCHMELLER. 

* ich habe mir erlaubt vcrmtitimgen, so viele mir einfielen, hin- 
zu zu fügen, sie sind mit H bezeichnet. Haupt. 

Gratia potentis, quae cunctarum moderatur 

/?erum processiis, quae regem misit ab arce 

jE'xcelsi solii miseris succurrere, sanctos 

Gratuilis ditare donis, relevare iacentes, 

Oppressos homiues extollere, viiicula vinctis 5 

/fumpere, peccata dimittere, crimina mundi 

/ustitia delere siia, dignetur adesse, 

Ui valeam vitam cuiusdam scribere metro 

iSancti, qui possit speculuin peccantibus esse. 

Postquam praecipiti ceciderunt omnia casu, 10 

^xpulsis primis de sede parentibus alma, 

Coeperunt homiaes ia terra inultiplicari, 

Crimina creverunt populo crescente, nee uUus 

^Iterius portabat onus, sed lege relicta 

Totus erat mundus confusus, venit Olympo 15 

Omnipotens, ut ferret opera, solusque valebat 

ßeddere quod periit et solus cuncta redemit. 

Kex recto ritu regende regna tenebat. 
Nobilis huic dederat prolem natura geraellam, 
Natum cum nata. probus bic fuit, illa decora. 20 

Tempus edax longusque dies scniumquc molestaus 
Regem cogebat morli sua solvere iura. 
Convocat hie proceres. veniunt. praesentibus illis 
Nato commiltitur regnum, natam quoque nato 
Commitlit, sed committit nimium, meliusque 25 

Non commisisset. manet inviolabile fatum. 
Sed quoniam, sicut testalur Naso poela, 

1 — 17. ob das acrosticiüsche Gregorius poccator auf jenen, den doch 
das gedieht als einen heiligen verherrlichen will, oder etwa auf den 
dichter gehtif 1. pollentis? //. i. /. bonis //. 24. /. coui- 

miltit H. 27. Naso] her. 2, 85. '! 



488 GREGORIUS. 

Exitus acta probat et finis cuncta coronat,- 
Qui mala commisit, conclusit fine beata. 
Rex moritur, sed non penilus, quia filius eius 30 

In regno regnat et rede regna gubernat. 
Cuncta regendo bene, se non regit, immo ruinam 
In se convertit, dum non ut frater auiavit 
Germanam. dilexit eam, dilectio crevit, 
Ut Byblis fratrem dilexit, 3Iyrrha parentem. 35 

Hanc muUi petiere proci: procul ipse procorum 
Esse iubet turbam, quoniam procus improbus ipse 
Vult optatque sibi soli quam non cupit ulli. 
Ergo iocos fingit, dat basia, brachia stringit, 
Aggreditur, sie transgreditur commissa, querelas 40 
Exequitur, solatur eam quocumque vovendo. 
Et licet ambo scelus hoc velint dissimulare, 
Non tameu id celat uterus, loquiturque pudorem, 
Voce carens, parlu turgens. iamiam manifesta 
Crimina sunt utero, ne factum fama loquatur, 45 

Rex quodam conclusit eam. fuit unus in eius 
Regno vir prudens, qui regi iam tumulato 
Consulerat, cuius sapieutia vicerat onmes 
lUius regni sapientes. hunc vocat, illi 
Factum denudat humilis. consultor ad isla 50 

Vir prudens stupuit, relevat, solatur, et illi 
Consilium spondet dicens celare pudorem. 
'Hunc ego celabo, quoniam mihi provida coniunx, 
Auxilio cuius sie facta premam, quod in omni 
Nemo sciat regno praeter nos. esse paratus 55 

Ad mea verba velis.' se totum subiicit illi 
Rex humilis, proceres vocat, coram quibus illi 
Regnum committit prudenti: nam cruce meutern 
Et vcstem signat, dicens se velle sepulchrum 
,,<,' Visere pro voto domiui. benedixit et ivit. 60 

Istud consilium sapiens suggesserat illi. 
Quid moror? hie moritur, seu couscia praecipitavit 
Mens vitam summa dies, angustia mentis 
Saepe dies hominis prorupto tempore rupit. 

33. ^y. fehlt. 42. /. vellent //. /i8. e* steht vinccrat .57. / 

proceresque //. 63. seu summa d.? //. 



GREGORIÜS. 489 

Vir prudcüs regnum moderalur, femina cuius 65 

Factum sie celat quod nuUi fama revelal, 

Diccns quod niilliis rej^inam cernerc possit 

Donec rex reditmn faciet, vel forte per annnm 

Hanc servare velit, ne fiat causa doloris, 

Si procus hanc vel si velit ipsa procari. 70 

Tempus adest partus, puerum parit et pariendo 

Elficitur mäter : amitam tarnen esse fatetur 

Se : si vixisset pater eins, avunculus esset. 

Vir prudens puerum toUit capsaque recondit, 

Purpuren pauno circumvolvit, mediamque 75 

Particulam panni mater linquit, et superaddit 

Viginti marcas auri, tabulisque nota\it 

Quod puer gentilis adhuc quoque rex pater eins 

Reginaque mater, celatum non negat ortum, 

Et rogat in tabulis, si forte pepercerit illi 80 

Sors, si quis fuerit pueri tabulaeque repertor, 

Aurum toUat, alat puerum, baptizel eundem. 

His actis tabulam claudit, linit intus et extra 

Glutine, ue possit liumor fluetinus obesse, 

In mare mittit eam, procul hanc rapuere procellae. 85 

puer infelix, miser et miserabilis, heu! 

En alter Moyses repetit cum piscibus undas. 

fatum dirum, cur non dampnare vereris 

Tam parvum puerum, sie innocuum sine noxa, 

Qui uil deliquil, nisi quod genuere parentes 90 

Incesti ? sed nos numquid peccata parenlum 

Sic omnes fuimus ? sed et excusabile fatum 

Se faceret, si fata forent. sed lata relinquo, 

Ad creatorem revertor. qui mare fecit, '" 

Qui mare calcavit, puerum servavit in unda. 95 

Est locus ad littus maris : illic regula quondam 

CoUegit domino famulantes. hie veniam det 

Lector produci Gregorium aul breviari. 

70. haue aliquis? Si poscal procus hanc? Si procus hanc poscal? //. 
76. /. malri linquil, superaddit //. 78/. Quod gcnlilis adhuc (juodquc 
esset rex pater cius, Ref^iiia inalcr, cclalum? die prosodie rcginä ii'ic 
z. b. 207. H. 83. tabulam] capsaiii ? //. 80. /. ohen //. 

91. sed] scu? //. 1)2. /. iuimus //. '.»i, /. Adquc //. '<■ 



490 GREGORIUS. 

Hoc nomeii fuit abbalis. isti pueroque 
Nomeo erit idem cum baptizabitur ergo. 100 

Sed quocumque veliat luetro ponatur ubique. 
Suppleat interdum totum monosyllaba nomen, 
Ut si dicam Gre, vel sie dissyllaba, Grego, 
Vel Irisyllaba sie, Gregori Gregoriusque, 
Vel Gregorius. occufril saepius illud 105 

Nomen: propterea veniam de nomine quaero. 
Ad seriem redeo. fratres Gregorius abbas 
Rexit, direxit, correxit, corpore, mente. 
Festa dies aderat et pisces meusa petebat. 
Defuerant. claustrum abbas pro piscibus exit 110 

Et piscatores iubet ut sua retia laxent. 
Res nova: qui pisces cupiunt, puerum capuerunt. 
Ignorant quid sit. cogenlibus ergo procellis 
Adpeliunt, sed vix in navem retia ducunt. 
Spes trahit abbatem. propinquat et speculatur, 115 

Sed quod rete ferat, nihil invenit. ergo bacillo 
Retia dimovit. piscatores mala verba 
Danl illi, 'numquid fures sumus, ut tibi pisces 
Furemur? te propterea sie retia nostra 
Volvere non deeuit.' abbas recedit. iecti 120 

Vagitus pueri resonat sub retibus. abbas 
Audit, miratur, latitat, reperit, reseratur, 
Et puer et tabulae pariter cernuntur et aurum. 
;ij; Abbas scripta videt, reseiseit singula signa. 

Tunc, quia discretus, piscatori dedit auri 125 

Tres mareas, puerum committens, toUat ut ipsum, 
Praeeipiens ut eum baplizari roget, ut se, 
Conipater ut fiat, rogat. isla facit sapienter. 
Piscator puerum recipit, ut lilius eins 
Si fuerit, eum baplizari facit, abbas 130 

Compater efficitur pueri Gregorius, illum 
Aequivocum facit esse suum. fratres tarnen illud 
Aegra mente ferunt. abbas obpescuit omnes. 
Ecce puer erescit tarn corpore quam probitale. 

101. vclim? //. 105. occun-it iiain {odo' quod) s. i. ? //. 

112. rapueruiil? //. 120. iecli] ? 12i. es steht rediscil 

128. /. ropel //. KM), illum? et cum? //. 



GHEGORIUS. 491 

Cum pueris liidil quasi gernianus eoruui. 135 

Quod sit adoptivus nescit puer, al tarnen iutus 
Hunc natura docet quod voluit degencr esse. . 
Cum pueris ludens (seu casu laeserit illum, 
Luden tem laesit) dum quodam tempore ludit, 
OlFendit forte puerum, quem nomine fratris 1 40 

Esse fratrem putat. laesus puer ad genitricem 
Accusat Grego. mulier commota novercam 
Induit et nescit se simulare novercam, 
Quamvis non voluit, verbis exprimit iram. 
Spurius ille puer nupcr defluxus in undis, 145 

Quem mare reiecit, quem vix haec terra recepit, 
Insultat nostris pueris et verbere saevit. 
Prob puer hie etiam noslram pervenit ad aedem : 
Sit procul a nobis et sit maledictus et expers, 
Exul, inops vivat, aliena limina lustret.' 150 

His aderat verbis Gregorius, at tarnen illum 
Nescivit mulier. puer hie tristatur et omnem 
Infra se celat gemitum iiullique revelat 
Probra, sed extremae mandat muliebria cellae. 
Tempus adest quo adesse debet scolae puer. illum 155 
Compater apponit studio : discit puer et sie 
Imbutus Musis, et quem neglexerat ortus, 
Ingenio fortuna beat. procedit ad annos 
Sic iuvenis nimis hunc nimio stimulante dolore. 
Laetitiam simulare negat, sed trislis in omni 160 

Facto fit. quid agat, dubitat. considerat illud 
Abbas discretus, quaerens quae causa sit illi 
Tristitiae, vix extorquens. illi probra Grego 
Narrat feminea. paler inquit 'quid placet inde. 
Hoc totum faciam.' Grego dixit 'volo miles 165 

Esse, pater, mihi cum dominus dabit unde. sed hoc scis 
In domino confido Jesu: sj)eranlibus in se 
Semper adest.' dominus abbas dixit 'bene dicis. 
Da domino laudes, quia dives es:' dederatque 
Inventum aurum, superaddens foenora multa. 170 

135. /. quasi sil //. \',\7. <iii(k1 iiolil ? //. 143. /. sc dissimu- 

l.ire //. 144. et verbis? //. 150. /. alicnaque //. 153. /. In- 

tra //. 157. /. Iinbuilur //. IGO. mihi Jehlt. Iti7. fido? ff. 



492 GREGORIUS. 

Mililal ergo Grego, crescens niulta probilale, 
Adiiingitque sibi socios. abbas pater inquil 
'El modo quid Facies?' Gre dixit 'non requiescaii» 
Doncc percipiaui qiiae mibi sit terra, quis ortus, 
Quis pater et mater, vel quae cognalio, vel quac 175 
3Ie fortuna regat.' tabiilas buic protiilit abbas, 
Quae genus illius memori scripto retiuebaut, 
Quas prius ille senex parvae coniunxerat arcbae. 
Quando conclusit, grates Gre multiplicavit. 
Ex hiiic eximius proGciscitur et loca quaeril, 180 

Quae sibi sit patria se noscere quaerit, et ubi 
lani reperit loca mulla uialrera mirabilis ecce 
Occurrit casus, casu pervenil ad illani 
Urbem quam mater sua rexit solaque mansit 
Sub ditione sua: dux quidam cetera bello 185 

Caslra tulit, vix haec iu castroque mansit. 
Ingreditur castrum, movet hunc iniuria matris. 
Quam matrem uescit, regiuae coudolet, armis 
Succinctus pro iustilia iubet citius omnes 
Armari senes, ut se comitentur in armis. 190 

Ista iubet cives, ut ei succurrerc totis 
Viribus insistant. et eo iam produce fiunt 
Audaces, acies acuuntur et arma parantur. 
Ecce repentiua feslinat l'ama venire 
Dux castrum ducis bosles. iam vulgus adesse 195 

OD Indicat. occurrit illis Gregorius, hostes 
Impugnät, vastat, confundit, cetera turba 
Plus audet quia sie audere nitet, probitasque 
Civibus excrevit audentis de probilale. 
Hostes consternunl, quia consternuntur et ipse 200 
Dux fugit. binc cives cilantur proque triumpbo 
Victima digna dalur, quaerit regina quis iste 
Sit miles per quem virtus sie crevit, et omnes 
Ignorant laudantque virum et ipsum 

174. /. Uli Sil oder sil mihi //. ISÜ. f.v slelil cxiinius prollcitur 

181. Sil fefiU. l. ul)i(|ui' //. 182. matrem]? 18G. vix liuec 

in boc casli'oquc rcmaiisil? //. 187. es steht: luovoiil liuc 

189. /. ociii.s //. 190. si'iicsj cives? //. 195. K.\ caslro ducis? // 

'iOI. /. laelanlur //. '204. m fclill etwas. 



GREGORIUS. 493 

l[)sa vidcre ciipit, ([uoniani Grogorius illi 205 

Mulla traiismiscral cl niisit vice versa 

nii regiiia sna munera. dicitur illi 

Ante fores templi, cum forsan lempla subibit, 

fpsa viruni spcctare potes, iam templa palebuiit/ 

Stal Grego ante fores, quem regia purpura vestit 210 

Qua puerum mater involverat et paler abbas 

Hiuc vestes illi formavit. suspicionem 

Maler habet, sed diüidit quod filius eius 

Vivat adhnc, l'aio ponlo piscique relictus. 

Grates illa referl de laclis, munera praebel. 215 

Argentum, vestes, aurum quoque respuit ille, 

Ut dives, quoniam rerum sibi copia fluxit. 

Dux bellum renovat, rursus iit maior in armis, 

Urbem circnmdat. Gregorius associalus 

Civibus bosliles insultat, macte retuudit, 220 

Hostes coaf'undit, necat hos, fugat hos, capit illos. 

Ut lupus ovibus, ursus capris, ut leo dammis, 

Buteus asper aquis velut accipiterqiie columbis, 

Est ense manu vel sie Gregorius et inmitis. 

Qui possunt fugere fugiunt, reliqui capiuntur 225 

Aut occiduntur, dux sie confunditur ut iam 

Vires non ausit rursus hello rcnovare. 

Omnes conveniunt, gralulantur, Gregoriusque 

Iq Caput eligitur pro hello, profugi ducis 

Cives invadunt reginae castra, requirunl 230 

ümnia vixque duci domus vita relinquitur, in qua 

Delateat. pacem rogat, vix obtinet illam. 

Turba coit procerum, reginae suggerit ut se 

Coniungat viro quia regniim rege carerc ' 

Non decet. illa rel'ert vellem sine coniugc vitam 235 

Ducere, sed quia suadetis nie nubere viro, 

Parebo verbo, vos tarnen quacrile regem 

Qui vobis placeat et me tegat/ petit illam 

3Ü5. Mulla traiisniisil el traiisiuisit? //. ^-.v steht wtrsa vice 223. aquis, 
denßscficn im luaj'ser? II. 224. Erisc manuque vclox Grcj;orius est ini- 
micis. //. 229. profugi ducis] jn-ol'ugieiilis, mil einer im mittelaltcr nicht 
seltenen mefsitn-^? II. 231. /. doiuus nna r. //. 232- /. at vix //. 

233. es sieht sugeruut 237. vos lautuin? //. 238. /. adpolii //. 



494 GREGORIUS. 

Nunc hie nunc ille et rex sperat quilibet esse. 
Protrahit illa nioram, quia vellet vivere casta. 240 

Fata negant. proceres reginae consilium dant, 
Ut se coniungat equiti per quem sua castra 
Perdita restitui sibi viderat. annuit illa, 
Consilium se'quilur, natum nubit, quia nescit 
Esse suum natum. melius non nata fuisset, 245 

Si deus omnipotens fieri non consuluisset. 
Gregorius regnat, scelus ignorat tamen illud. 
Conscia mens mordet, tabularum scripta relegit. 
Nam solus saepe cubile clausit ubique 
Questus singultus gemitus et verbera plangit 250 

Et lacrimas multas efFudit. noverat illud 
Unica reginae famulans ancilla fidelis 
Reginaeque refert. rogat hanc regina, ut ipsa 
Insidias ponat, vasculo labulasque repostas 
Ciam rapiat. cameram claudit clavemque reponit. 255 
Illa videns tabulam rem seit tabulasque relegit, 
Cum gemitu lecto se ponit, raox revocare 
Venatu regem facit. hie redit. "et mihi quid nunc 
Tarn subito mandas, venatio noslra valebat 
Si me forte duas absentareve dies tres ?' 260 

Illa gemens longa trahit suspiria, dixit 
'Heu misera, quid agam, cum me dominus genitriceni 
Esse tuam voluit ? ulinam genitrix tua tantum 
' ; Et iam non coniux ! proh, sum tua mater et uxor. 

Vellem non esse, vellem non nata fuisse, 265 

Ne fierem mater. vehemens dilectio qua me 
Frater dilexit male dilexit. frater 
Qui nieus, est tuus ille pater: tua sum modo mater 
-; Et coniux, amilamque vocas cui nomina tot sunt 

Confusi generis voluit natum tumulare. 270 

Heu quot quaeque mihi sunt nomina! nescio quo sim 
. Nomine diceuda : sum mater et uxor 
Sum socrus ac amita, sum neptis, filia, pellex: 

244. /. nato 246. ex steht consiluisset 2i9. Nam solus se saepe 
cubili clausit ibique //. 250. planxit? //. 253. reginaque, ut 

ipsi? //. 254. /. vasclo //. 2()1. /. traxil //. 267. Frater 

dilexit, dilexit me male, frater? //. 270. ? 272- eadem sum? //. 



GHEGORIÜS. 495 

Quo potius dicar? socer est genitor mihi: socnis 
Sum patriquc filia sive geuitorquc nepotem 275 

Tiniens appellat : avus tuus ipse sororera 
Fraler me dicit: pellex siini facta diiorum :: 
Est tuus ipse pater tibi factus avunculus et me 
Sic amitam tuam esse facit, sum tua mater. 
Altera describi possunt problemata Sphingis. 280 

Sic de Lot legitur idem de quo scriptum rcperitur 
'Est avus ipse pater pueri, sator quoque maler, 
Estque noverca sibi matertera, sie soror illi.' 
Numquid de stirpe sum Laii? credo quod alter 
Oedipus tu sis, cgo sum locasta vel ipsa 285 

lafelix 3Iyrrha vel ßyblis adultera fratris 
Vel si Vera loquor possum iuiianaque dici. 
Nominibus tantis ex omni parte relictis 
Esse volo mater, tu tamen consule matri/ 
Sic queritur dubia tristis regina, sed ante 290 

Quaesierat genus ipsius dicens 'scire volo 
Quae stirps, an sis mihi compar nobilitate/ 
Grego respondit 'scio quod sum nobilis et me 
Rex e regina genuerit. solicitari 

Non debes inde.' mater tabulas sibi dedit et inquit 295 
'Vera refers.' visis tabulis Gre vix valet inde 
Ad coelos oculos attollere, sed gemebundus 
Ip'sum solatus et tristis talia fatur, 
'0 deus, domini lesu sanctissima mater, 
Quid res ipsa notat, non est audacia ullis 300 

Temporibus visa vel talis confusio rerum. 
Post chaos explicitum, post |)rimula mundi 
Tale nefas quis percepit, quae pagina scripta 
Exposuit, penna conscripsit, penna paravit? 
Sed pius ipse deus, fons tolius bonitatis, 305 

Qui facit omne bonum, mala pcrmittens, meliora 

275. ? 276. avus et tuus? //. 279. Sic amitam facit esse tuam, 

cum sim tua mater? //. 281. idem zu tilgen. IL 282. sator] 

soror est? //. 285. es steht locusta 28G. es steht l)elis 

288. iunaiiaque]? 289. tu tan tum? //, 291. /. volo scire //. 

292. L Quae sit stirps //. 294. /. Rex et regiua geuuerunt//. 295. inde] 
hinc? 11. 3Ü0. /. Quod, und vielleicht, nach deutscher weise, nnWis II. 
301. vel] /. aut //. 302. post primaque iiiilia? //. 



496 GREGORIÜS. 

Pravis eliciens, de petra mclla propinans, 

De nigris corvis faciens pro velle columbas, 

Qui dixit Veni nou iustos ut renovarem, 

Sed peccatores se corpore posse fatentes 310 

Promptus suscipere, nobis dignetur adesse, 

Qui Petrum flentem, Matthaeum lucra petentem, 

Disraam pendeiitem, Mariam sanclanique gementem 

Vidit, suscepit, audivit, sauctificavit, 

Vitam det nobis per tot tempora continuare 315 

Ut digne nostriim possiiniis flere reatum. 

In regno maneas et clam lua crimina plangas: 

Exul ero, quaerain locum plorantibus aptum.' 

Regnum dimittit baculumque rapit, procul hiuc it, 

Commoda postponit, veniam petit et loca quaerit 320 

In quibus ipse suas possit deplangere noxas. 

Dum loca sie multa perlransit, venil ad aedem 

Cuiusdam duri piscatoris. rogat illura 

Hospitium nocle. piscator durus et asper 

Corripit miserum verbis, obstuua quid optas? 325 

Unde venis? quid vis? quo tendis? pondera ferre 

Deberes polius quam sie discurrere. longe 

Sit tibi nostra douius. latronem te puto : velles 

Nobis occisis res nostras tollere nocte.' 

Gregorius supplex lacrimis ita dixit obortis, 330 

'Eya, mi domine, non est ita, loca quaeram 

In quibus acta luam mea crimina, namque miser sum 

{)(l Peccator, veniam peto, mihi gratia tameu 
Hospitii detur per noctem: cras eo mane 
Quo me cumque deus duxerit et loca quaeram 335 

Quae de commisso me purgent crimine.' sponsa 
Ilospitis hinc pelil ut miser ille quiescat. 

<-r. 'Sed peccatorum si forsan mole gravaris, 

Si me cras sequeris, si vis commissa delere, 

Ad loca te ducam quae te cito sanctiücabunt/ 340 

310. ? 315. per lempoia oder tot tempora o/ine per //. 

318. /. quaeramque //. 332. xenil Je /ilt. 325. /. Corripuit H. 

obsluua in den mittleren hnchstaben undeutlich, o sciirra ? H. 

330. es steht lacrimas und abortus. 331. /. sed loca H. 334. ve- 

niaiuque — lanlum? //. 335. /. direxerit H. 337. Hospilis hiac 

noctem petit? //. 



GREGORIUS. 497 

Gregorius laetalur in his, grates agit, intrat 

Porcorum slabula, sufFragia paucula sensit 

A piscatore. sol occidit et oritur sol. 

Piscator more mane consurgit in undas, 

Ut victum quaerat, clamans 'cur non venit ille 345 

Peccatorum sero volens sanctissimus esse?' 

Femina Gregorium vocat, 'o miser, cito ! navem 

Vir mens intravit.' mox ille sopore relicto 

Evigilat, tabulis oblatis ad niare currit. 

Hunc ratis accepit, piscator transvehit ipsum, 350 

In riipera ponit, ubi pauca gramina tantum, 

Et riueis fluxit remis, nulluni quoque lignum, 

Nee pira nee poma creverunt, sed neque mora 

Ulla fuit causa cur rupem viserit illam 

Nullus homo, quoniam fuit locus sine fructu. 355 

Illic piscator Gregorium compede vinctum 

Emittit, clavem quoque compedis in mare iecit, 

Dicens 'haec clavis fuerit si quando reperta, 

De sceleris venia sit tibi liducia certa.' 

Hacque iacens rupe planxit Gregorius aunos 360 

Quatuor atque decem. dominus, qui pavit Heliam, 

Qui pavit Moysen, illum pavit sine pane. 

Hie piscator abit. denis cum quatuor annis 

Non seniel in meutern subiit Gregorius illi. 

Finito dicto iam tempore Roma carere 365 

Incepil propter papam nee possunt habere. 

Roma facit vota pro sanclo patre. revelat 

Uni devoto deus, pro patre pelatur 

Qui sedet in rupe Gregorius. omnibus ista 

Visio complacuit. famuli mittuntur ubique 370 

Ut sanctum quacrant. lustranlur singula missi 

Ac illac islac quacrunt de nomine, tandem 

Ad piscatorem dictum veniunt duo, quaerunt. 

Tempore iam longo si quemquam rupe sedcntem 

343. et] /. atque //. 347. o miser, o cito? II. 349. vielleicht oblitis, 
wenn der (lichter dann vei-gej'sen hat das wunder von der schriftlos ge- 
wordenen ziirückgelafaenen taj'el tu erzählen. II. 351. paucula? //. 
352. Et nullus fl, rivus ? //. 355. /. Uilus — fuit ille locus s. fr. H. 
359. /. tibi sit //. 360. es steht Gregorius planxit 366. papam, 

possunt nee habere? //. 368. /. ut pro H. 

Z. F. D. A. II. 32 



498 GREGORIÜS. 

Noveril, ignolum sibi dicit: 'sed tarnen olini, 375 

Vix raemiui, quidam fuit hie peccator, eumque 
In solo posui deserto. sed tarnen illum 
Post haec non vidi : non credo vivere.' 'ducas' 
Tunc clamant illi 'nos ad rupem, videamus 
Ul saltem rupem, licet hunc non inveniamus.' 380 

Annuit his hospes, missos traducit, euntque 
Ad rupem. sedet ecce miser quasi Spiritus, illum 
Vix vivum credunl, rapiunt, gaudendo reducunt. 
Aspectus pallor eins erat, crura minuta, 
Inplicitus crinis, caro vix caro, sobrius artus. 385 

Ista probant illum signacula iam fore sanctum. 
Vinctum deducunt gaudentes. unus eorum 
In mare rete iecit, missum quoque tempus edendi 
Iam fuit, ut pisces aliquos deprenderc possent. 
Ad mensam rete missum iure capiturque 390 

Lucius eximius. gaudet, exenteral illum 
Unus, in hoc clavem reperit. piscator ul ipsam 
Aspexit clavem, clamat, sicut adiuvet ipsum 
Iam deus, 'hanc clavem manus haec proiecit in undas. 
Compedis est huius haec clavis.' compede rapta 395 
Absolatum vinctum cuncti stupuere videntes. 
Hinc repetunt Romam. Romanis nuntia fama 
Dicil adesse virum. cuncti carpunt iter, illum 
Suscipiunt, papam statuunt, sanctum venerantur. 
Pater papa patrum parcit peccanlibus et se 400 

Exemplum statuit poenae venientibus ad se, 
Dat veniam cunctis miseris peccanlibus, in se 
Cognoscit quae quisquis possit, quod misereri 
,, Nil credit esse maius, sine quo nil posse mereri 

Vel sanctum credit, a papa nemo recedit 405 

Quin hunc propitium per totum praedicet orbem. 
Fama volat, plane quod tam mitis miserator 
Non fuit Romae, qui sie sciret misereri 
Simplicibus miseris, veniam peteutibus acgris. 

384. /. A. pallor erat eius //. 388. /. iacit //. 393. /. sicut lu- 

vet oder sie adiuvet //, 395y. vielleicht compede rupta Absolvit viu- 
cturn : //. 400. /. Papa pater palruin //. 404. esse zu tilgen //. 

408. /. fuerit //. 400. /. veniainque //. 



GREGORIUS. 499 

Papae faina volat, niatris pcn^enit ad aures 410 

Ipsius papae. venit spes. haec trahit ipsani 
Ad papam, cum ignorat quod filius eius 
Sit Uoinae papa. rcjjnum disponit iterque 
Ipsa rapil Romaui. quo dum pervenit, ad aulam 
Feslinat propere, pedibus provolvitur eius. 415 

Papam noii iioscit, veniam poscit. stupet ille, 
Mirando malrem coepit cognoscere, papa 
Dissimulat matrem, maier supplex. 'crimen inquit 
Si quod liabes, doraina, die, ut iustificeris. 
Si peccata deles, si vis dimittere crimen, 420 

Omnipotens tibi dat coeli contingere limen. 
Nunquam peccator tautus fuit, ut miserator 
Non esset dominus, crimen deleret ut eius 
Qui puro corde sibi viveret et sine sorde.' 
Mater spe veniae concepta de pietate 425 

Papae propitii suspirat pectore toto 
Ac exponit ei tolum cursuni seriei, 
Quem non ignorat, quoniam seit sicut et ipsa. 
Ad gemitum cordis confessio iungitur oris. 
Corde delens, palmis plaugens, oculis lacrimando 430 
Ostendit vere se velle commissa delere. 
Papa videns matrem tantum commissa gementem 
Solatur verbis et ei delicta remissa 
A domino dicit. tenet baue quasi sit peregrina, 
Vel plus poeniteat non cognita. nomine tandem 435 
Appellat matrem. mater stupet et sua proles 
Quod sie non credit, tarnen bunc accedit et inquit 
'Si meus es natus, si sum tua mater, idemque 
Miror et admiror quod te Fortuna reservet, 
fili, si lilius es. mirabilis ipse 440 

Dicitur esse deus : quis posset scribere vel quis 
Posset narrare quae tanta deus benediclus 
Nobiscum Iccit ac in nobis est operatus?' 
Papa suum casum matri per singula narrat. 
Ambo deum laudant, ambo domino benedicunt : 445 

ill. es steht hanc tmUil ipsa 412. cum] quoniam ? //. 418.? 419. mi- 
hi die? //. 420. /. doles //. 430. /. dolens H. 431. admissa ? //. 
437. /. Sit //. 438. /. ilemquc //. 443. /. facit N. 

32* 



500 GREGORIUS. 

Haec satis est Ulis, concordant vota duorum 
lu laudem domini, grates persolvere summas 
Ambo Student, verba vix inveuiunt quibus illum 
Laudent quem coeli laudant, quem laudat abyssus, 
Quem terra laudat et quem cuncta benedicunt. 450 

lila vale dicit puero, puer hanc benedicit, 
Papa regit Romam patriamque petit sua mater, 
Mater salvatur, Gregorius almificatur. 

446. /. Nee H. 

ZUR LEX SALICA. 

1 
DIE MALBERGISCHE GLOSSE DER LEX SALICA.* 

1. allgemeines, einleitendes. 

Wenn nicht in Wales bis auf den heutigen tag sich ein 
rest der alten britischen spräche gehalten hätte, würden wir 
kaum eine ahnung davon haben dafs sie auch noch in den 
letzten zeiten der römerherrschaft in Britannien, und nicht 
das lateinische, die herrschende spräche gewesen. — ein 
ganz ähnliches Verhältnis aber mufs in Nord-, namentlich in 
Nordostfrankreich stattgefunden haben ; wenn man auch in den 
Städten lateinisch sprach, das landvolk war gallisch geblieben 
und bei keltischer rede, das sieht man deutlich an der ganz 
unterschiedenen buchstabenbehandlung lateinischer worte im 
nordfranzösischen, s. g. normandischen, dialectc im vergleich 
mit der buchstabenbehandlung lateinischer worte in den süd- 
franzüsischen dialecten. in Nordfrankreich kommen nicht so- 
wohl regelmäfsige lautverscliiebungen innerhalb derselben con- 
sonantenreihen, als vielmehr consonantenmortificationen und 
consonauteneclipsen vor, wie sie die gälische spräche in ihren 
beiden innig verwandten, fast nur in eigenheiten der aussprä- 
che, aber in sehr wenigen lexicalischen und grammatischen 
eigenheilen sich scheidenden dialecten kennt. 

' [statt handschriftlicher miltheilung an freunde und befreundete, 
von dr 11. Leo. nur in fünf und zwanzig exeinplaren abgedruckt. Halle 
1842. viit erlaitbnis des verfafsers hier tviederholt.^ 



ZUR LEX SALICA. 501 

Während die keltischen dialecte des nordwestlichen Frank- 
reichs sich denen in Wales und Cornwallis innig anschliefsen, 
schon weil diese nordwestlichen gegenden Galliens in den 
letzten zeiten des Rönierreiches durch Briten aus England, die 
vor den Sachsen wichen, sehr bedeutende Zuwanderung erfah- 
ren haben, miifsen wir dagegen die sprachverwandten der 
nordöstlichen Gallier in Irland suchen, wo noch eine reihe 
alter traditionen von ein Wanderungen und colonisationen re- 
den die durch Belgier statt gehabt hätten, wir wollen hier 
den historischen werth dieser traditionen auf sich beruhen la- 
fsen, können aber nicht umhin zu bemerken dafs irländische 
Sprachforscher schon längst darauf aufmerksam gemacht ha- 
ben dafs eine reihe von rechtsausdrücken die sich im mit- 
telalter in latinisierten formen von Frankreich und von Bel- 
gien her über Europa ausgebreitet haben eine gälische ety- 
mologie beweisen, ich selbst habe mich, wie viele andere, 
früher abgemüht diese ausdrücke auf deutsche wurzeln zu- 
rückzuführen, weil ich, wie fast alle meine gelehrten lan- 
desgenofsen, mit der gälischen spräche völlig unbekannt war. 
Diefenbachs Celtica haben mich zuerst aufmerksam gemacht 
auf das licht was bei den Galen zu finden sei, und so mufs 
ich ihm jetzt, nachdem ich mir die mühe genommen das gä- 
lische etwas näher kennen zu lernen, ganz beistimmen, wenn 
er z. b. vassus, imsallus aus keltischen wurzeln ableitet: 
uis und uais heifst ursprünglich ein f/if'mstetiali's, dann ab- 
geleitet nohilis; uasal ist eine abgeleitete form von uais, 
hat aber dieselbe bedeutung wie uais. — ich verfolge hier 
den gegenständ nicht weiter, da es mir zunächst nur auf 
eine kurze notiz an freunde und befreundete ankommt, de- 
nen ich mittheilen wollte dafs ich entdeckt, die malbergische 
glosse sei ganz und gar in einem keltischen dialecte geschrie- 
ben, der sich zum gälischen etwa so verhält wie althoch- 
deutsch zu mittelhochdeutsch ; ich muste zu diesem ende blofs 
ganz kurz die hauptgründe berühren weshalb eine solche er- 
scheinung nicht von vorn herein zu den unglaublichen din- 
gen zu rechnen sei. 

Das wort malherg. selbst erklärt sich mit hilfc des gä- 
lischen vollkommen, denn mol heifst eine Versammlung, ein 
Haufe, und heargnadh heifst die landessprache jeder gegend, 



502 ZUR LEX SALICA. 

— malberg. ist also die abkürzung eines keltischen Wortes, 
welches Die landessprache des haufens, welcher den gerichts- 
umstand in gewissen gegenden bildete, war. im tit. xlx de 
incendiis § 1 des heroldischen oder Fuldaer codex heifst es, 
nachdem von einer angelegten feuersbrunst und den dem da- 
mit intendierten verderben entronnenen die rede war, per 
mnlberg. seulandevevas. das letzte wort werden wir unten 
im 2n abschnitt behandeln und erklären, wir führen die stelle 
hier nur wegen des per an, welches offenbar andeutet dals 
hier von einer anderen spräche die rede ist durch welche 
die Sache ausgedrückt werden soll, es mufs aber diese sprä- 
che neben der fränkischen und lateinischen in derselben ge- 
gend gesprochen worden sein wo das salische gesetz, wenn 
nicht zuerst abgefafst, doch frühzeitig mit Zusätzen verse- 
hen ward, denn eine reihe dieser malb. spräche angehörige 
Worte haben in latinisierten formen eingang gefunden in den 
text des gesetzes ; z. b. in dem tit. de corp. expoliat. so 
werden wir auch als hieher gehörig unten im 3n abschnitte 
das wort argutarhis kennen lernen, ich führe hier sofort 
noch ein paar an. in tit. ii de furtis porcorum § 14 heifst 
es si quis porcellum tertussum usque ad. atinicolatum fura- 
verit, dazu die glosse drace- ehalt, aber vorher § 5 si quis 
porcellum Juraverit qui sine matre vivei'e possit, und dazu 
die glosse yrnuis fith sive thertestin. dieses thertesun ist 
offenbar das malbergische thema was in tertussiis als latini- 
sierte Variation erscheint, und wir haben drei synonymen 
für die eine sache, ymnis-fith, thertesun, drace -ehalt, be- 
trachten wir diese in ihrem Verhältnisse zu gälischen Wor- 
ten, der letzte theil von ymnis-fith entspricht dem gälischen 
fithean das schwein, denn die endung -ean ist nur diminu- 
tivform; der erste theil entspricht dem gälischen ioinain; als 
verbum bedeutet dies Eine herde austreiben, eine herde hü- 
ten ; als substantivum Die ausgetriebene , gehütete herde 
selbst: — ymnis-fith ist ein schwein was ausgetrieben wird, 
oder was zur ausgetriebenen herde gehört, ein treiberschwein, 
ein hcrdcschwein. das wort thertesun hängt zusammen mit 
dem verbum taii'thaim wachsen ; porcellus tertussus ist also 
ein schon herangewaciisencs schwein, was nicht mehr mit 
der sau geht, kein milchschwein mehr ist. für drace -ehalt 



ZUR LEX SALICA. 503 

lindet sich im Münchner codex die Variante dränge — ; die- 
ser erste theil des Wortes hängt zusammen mit dem gälischcn 
dragh trennen, abnehmen von etwas; der zweite theii ist 
das jetzige gälische coiUeadh oder cailleadh das Schwein, 
in speeie die sau (diese speciellerc bedeutung hat das wort 
in Irland, woraus sich die lalsciie ableitung Armstrongs von 
caille der testikel, cailleadh ein geschnittenes schwein, er- 
gibt) ; draee- ehalt ist also ein von der muttersau getrenn- 
tes schwein. dafs ehalt würklich in dieser Verbindung (denn 
in sonisehalt hat es anderen Ursprung und andere bedeutung) 
eine sau bezeichne beweisen § 6 und § 7; in jenem, wo von 
einer getödteten sau die rede ist , steht die glosse vara- 
chalt, in diesem, wo von einer scrofa furata die rede ist, 
die ^o&SQ Jbeiehalt : — vara \si '^ÄWsdi rnharbh (spr. loarw) 
d. i. todt; _/o« ist gälisch yb^/< d. i. raub. — ein anderes 
beispiel ist tit. lxiv de Haroioeno, wo dasselbe worl in der 
malbergischen glosse des § 2 charoweno geschrieben wird; 
es ist abzutheilen cha - rowe?io von gabh (spr. gah) und 
robamn (spr. robänj) der raub ; cha - roweno ist Raub- 
nahme. 

Das bisherige kreuz aller ausleger der malbergischen 
glosse, leodardi und leudi, erläutert sich durch das gälische 
sehr einfach : das verbum leadram drückt jede widerrechtli- 
che behandlung, rechtsverletzung gegen einen anderen aus, 
von der blofsen moralischen mishandlung, der Verhöhnung, 
bis zur ärgsten physischen mishandlung, bis zur massacre ; 
jede solche rechtsverletzung heilst leadaivt oder leod^ die 
beiden wörler sind synonym und Ifodardi und leudi sind die 
correspondierenden malbergischen formen derselben. t 

In tit. XXXVII de sepibus § 4 ist die rede davon dafs je- 
mand eine gestohlene sache auf einem anderen gehöfte ohne 
wifsen des besilzers des letzteren verbirgt, und von der 
strafe dessen qui hoc misei'at ; dazu die glosse Jer ihebero 
d. i. gälisch /mr a tabhairt von fear (spr. Jer) der mann, 
und thabeiriin oder tabeirim geben, bringen, — der bringende 
mann. 

In til. xxxui de eoueitiis wird § 1 cinitus durch die 
malbergische glosse quinluo erklärt; im gälischen heifst coint 
das weib. § 2 ist zu dem Schimpfwort meretrix die glosse 



504 ZUR LEX SALICA. 

extrabo; — im gälischen heifst strahaid die hure und ex- 
traho ist wie tit. ix des Wolfenb. codex § 5 excuto für scuto 
(d. i. gälisch sgud heraushauen). 

Doch wir brauchen nur eine reihe glossen durchzuge- 
hen um uns zu überzeugen wie fast alle Wörter der malber- 
gischen glosse sich im gälischen wiederfinden, z, b. tit. \\\ 
de furtis animalium hat zu vitulus lacta/is die glosse pedero 
oder iüi Pariser codex podor ^ im gälischen ist das wort 
baothair, was eigentlich Dumm, kalbig, bedeutet und ad- 
jectivum ist, auch gäng und gäbe theils um einen kalbigen, 
jungen menschen, theils um ein kalb selbst zu bezeichnen, 
der paragraph 2 hat zu anniculum animal die glosse och- 
saiora, und § 11 zu bos die glosse ohseno ; im gälischen 
heifst agh (spr. öch oder öh) das rind; ochsaiora ist agh 
searr ein kalbiges rind, rindskalb, denn seai^j^ heifst jedes 
junge thier unter drei jähren; ohseno ist agh seine ein äl- 
teres rind, denn seine heifst Alter, in § 5 steht mala als 
erklärung zu i'ffcc« j- das gälische maol heifst eigentlich Kahl ; 
dann in beziehung auf rindvieh Hornlos ; bo mhaol die horn- 
lose kuh ; — allein maol wird auch allein zu bezeichnung 
der kuh gebraucht, da racen mit hornlosen kühen auf den 
britischen inseln häufig sind; sie waren aber auch im alten 
Deutschland, also wohl auch in den salfränkischen gegenden, 
gewöhnlich, wie Tacitus sagt ne ai'mentis quidem suus honor 
aut gloria J'rontis. in paragraph 4 steht zu vacca cum vi- 
iulo die glosse zymis pedero malia ,• das letzte wort ist of- 
fenbar dasselbe mit mala die kuh ; pedero, haben wir ge- 
sehen, heifst das kalb ; so mufs also zymis heifsen Mit dem 
oder mit seinem — nämlich kalbe die kuh ; nun heifst soimh 
oder saimh gälisch würklich Gepaart, verbunden, zusammen ; 
das scheint dem zym zu entsprechen; isi ist nachdruckge- 
bendere form für si, d. i. ea, bedeutet also eadcm. da nun 
alle personalpronomina übrigens im gälischen in nächster be- 
ziehung zu den possessivpronomen stehen, ist es leicht mög- 
lich dafs sonst statt des jetzt für beide geschlechter und 
auch im plural gebrauchten possessivpronomen a (sein, ihr), 
verschiedene pronomina vorhanden waren nach den verschie- 
denen geschlechlern, und das is das possessivpronomen der 
dritten weiblichen person (suus, sua, suum in beziehung auf 



ZUR LEX SALICA. 505 

weibliche gegenstände, deutsches Ihr), oder aber der geni- 
tiv der dritten persou (also emsde/n) war, und zj/7n ts pe- 
dero malia bedeutet Mit ihrem kalbe die kuh. — dieselbe 
glosse findet sich zwar auch § 3 zu ganz andern Worten, 
ist aber hier olFenbar durch versehen des Schreibers herein- 
gekommen, der nach furaverit in dem übrigens gleichlau- 
tenden 4n Paragraphen zu schreiben fortfuhr und also auch 
die nach § 3 gar nicht gehörige glosse aufnahm, bimus tau- 
rus hat bei sich die glosse traslo, d. i. gälisch treas laogh 
(spr. tras lüh), starkes kalb. 

2. zur deutschen tlilersage. 

Ich habe oben darzulegen gesucht dafs die malbergische 
glosse der lex salica Wörter einer keltischen, der gälischen 
sehr verwandten, mundart enthalte, auf diese darlegungen 
gestützt gehe ich zu einem bestimmten theile der lex salica 
der für unsere thiersage Wichtigkeit hat, zu tit. vii de fur- 
tis avium über, ich mufs dabei vorausschicken dafs die gä- 
lische spräche zu bezeichnung der thiere eine menge bildli- 
cher ausdrücke hat; so heilst z. b. der wolf nicht blofs 
Wilder hund {madhradh alla, cu alluidh), sondern auch 
Sohn des landcs ()/i(ic-tire) -, und fuchs, bär, hirsch u. s. w. 
haben zehnerlei namen, namen die zum theil poetische bil- 
der enthalten, wie z. b. der name des fuchses (rod-7nm/i), 
welcher einen wegekundigen oder Wegweiser bedeutet, ein 
anerbieten, geschenk, und ein reh werden zuweilen durch 
dasselbe wort bezeichnet, earb. der bär iieifst magh- 
ghah1iuin?i, d. i. kalb der ebene. 

Solche poetische namen der thiere begegnen uns nun 
auch in dem bezeichneten tit. der lex salica. schon ort- 
J'ocio, offenbar dasselbe mit dem gälischen wortc ord-ßack 
streitbarer vogel, ist poelisch genug; ebenso das in der lex 
salica synonym dazu gesetzte weiano (oder in anderer les- 
art veganus), denn es ist zusammengesetzt aus Wörtern die 
den gälischen baighe der streit, kämpf (in vielen Wortver- 
bindungen geschrieben bJiaighc, spr. wojc) und ean der vo- 
gel, entsprechen, und bedeutet also auch Kampf-vogel, streit- 
barer vogel. noch poetischer aber sind die namen der haus- 



506 ZUR LEX SALICA. 

vögel : die henne heilst solampinam^ offenbar aus Wörtern 
welche den gälischen sallan (der gesang) und hinn (laut, 
schrill, hell) entsprechen ; es bedeutet einen lautrufenden 
vogel und ist dasselbe mit dem Chantecler der thiersage. 
der bahn heifst chanaswido, offenbar aus Wörtern zusammen- 
gesetzt die den gälischen caii und svicid entsprechen, denn 
die gälischen mundarten haben kein w, sondern dieser laut 
ist überall ein mortificiertes b oder mortificiertes vi; die 
mortincation aber (im ursprünglichen aiphabet durch einen 
puuct über dem buchstaben, bei dem gebrauch der lateini- 
schen buchstaben durch zugesetztes h, also durch hh oder 
mh ausgedrückt) ist theils grammatisches bildungsmittel, theils 
bei einzelnen Worten mundartliche eigenheit, w^ie hier, wo 
offenbar bei den belgischen Kelten smheid (spr. swed oder 
siüid) für gälisches s?/ieid galt, das wort can bedeutet sin- 
gen, smeid das blinzeln, winken des auges ; chanaswido be- 
deutet also ein thier welches die äugen zudrückt, mit den 
äugen blinzelt, wenn es singt; das ist wieder genau der 
ChantecUn der thiersage. bedenkt man nun dafs die deut- 
sche thiersage in der gestalt wie wir sie kennen ihre älte- 
ste heimat gerade auch in jenen gegenden hat die als die 
heimat der malbergischen glosse der lex salica zu bezeich- 
nen sind, so ist klar dafs wir in einigen der thiernamen der- 
selben alte keltische einflüfse anzuerkennen haben. 

Stünden sotampinam und chafiaswido allein, so könnte 
man noch einen zweifei haben ob überhaupt solche art aus- 
legung und deutung der namen zuläfsig sei; allein sundelino 
welches anserem auf anatam bezeichnet, also einen Schwimm- 
vogel im allgemeinen zu bezeichnen scheint, ist ganz ähnli- 
chen Charakters ; denn der erste theil des wortes ist offenbar 
verwandt den gälischen worten siinnd freude, lust, sunnda 
keck, lustig, und sunndach fröhlich ; der zweite theil aber 
dem gälischen worte Htm, welches jedes stehende wafser, 
eine pfütze, einen teich, einen see bezeichnet ; — sundelino 
ist der auf stehendem wafser muntere, lustige, fröliche vo- 
gel. in dieselbe klasse von bezeichnungen gehört der name 
des Sperbers, sifceli?i, denn er ist verwandt dem gälischen 
präfixum so oder soi, welches mit dem worte vor welches 
es tritt den begriff der tüchligkeil, geschicklichkeit verbin- 



ZUR LEX SALICA. 507 

(let, und dem worte ciall oder ccill der sinn, verstand; — 
sucelin ist ein vogel der tüchtige sinne hat, der kluge vogel. 

Dafs sich in dem Pariser codex zu dem worte weiano, 
oder wie es in diesem codex lautet vcganus (in § 3), und 
im Fuldacr codex zu den Worten ortjocia (für ortfocio) sive 
tvciano in jenem antcte, in diesem jiayidctc findet, hat eine 
andere bewandtnis. dieser zusatz findet sich noch häufiger 
in der lex salica ; vergleichen wir einige der stellen, so wird 
uns sofort die bedeutung derselben entgegentreien, und mit 
der bedeutung zugleich haben wir auch die gälischen worte 
augenblicklich gefunden denen sie entsprechen. 

Tit. IX de furtis apium § 1 . si quis apem de intro clavem 

furaverit — malb. gl. antidio elechdrdis. 
Tit. VII de furtis avium § 3. si quis accipitrem de intro 

clavem repositum furaverit — malb. gl. ortfocla sive 

iceiano pandete {ah cod. antete). 
Tit. XII de furtis ingenuorum vel offrncturis § 3. si vero 

ingenuiis de intus casa furaverit etc. — malb. gl. an- 
tidio. 
Tit. xn de furtis ingenuorum vol ejfracturis §.5. si vero 

ingenuus clavem effregerit et per furtum aliquid 

tulerit etc. — malb. gl. antidio. 
Aus diesen vier stellen schon gehl hervor dafs antete 
oder a?idete oder antidio bezeichnen dafs etwas im inneren 
eines hauses oder bedeckten raunics, innerhalb eines ver- 
schlufses, statt gefunden hat. nun sind die gälischen mund- 
arten zu bezeichnung oft ganz einfacher dinge zu wunder- 
lichen Umschreibungen genöthigl, und Innerhalb läfst sich gar 
nicht ausdrücken als durch eine redensart welche wörtlich 
heifst Auf der seile im hause, an taobh s tigh (spr. a?i thö 
s thih); — das einzeln stehende .y in dieser redensart ist rest 
von an7is ; wahrscheinlich sagten die belgischen Kellen in 
diesem falle aber nicht Auf der seile im hause, sondern blol's 
Auf der seile des hauses; das wäre an taobh tighe oder aus- 
gesprochen an ikü lhih;~ das ist unser antele, andete oder 
antidio. eine parallele dazu bildet die malb. gl. zu tit. x 
de damno in messe u. s. w. § 5. da heifst es si alicuius 
porci aul quodlibel pccus, pastorc illud cuslodiente, in mes- 
sem alienam cucurrerit, et ipso neganle si ci fucrit adpro- 



508 ZUR LEX SALICA. 

bntum u. s. w.: hiezu die glosse leodardi (gäl. leadnirt, d. h. 
es wird ein solches falsches leugnen der Ihalsache, wie in 
allen ähnlichen fällen, unter die klasse der frevel gesetzt 
welche als leodardi bezeichnet werden) sive ande sitto ; — 
hier ist ande wieder an taobh; das wort sitto aber entspricht 
dem gälischen sidhite (spr. sijite) d. i. bewiesen; ande sitto 
heifst An der seile des bewiesenen, oder Im fall es bewie- 
sen ist. 

Anders dagegen verhält es sich mit andehau oder an- 
deba (tit. xix de incetidiis § 1), denn dies compositum ist 
abzutheilen an-debaii, an-deba*. der erste theil des Wor- 
tes ist identisch mit dem praef. intens, an; der zweite ist 
deobhadh (spr. deivo) die Zerstörung ; und das ganze bedeu- 
tet Arge Zerstörung, Verwüstung, dafs diese erklärung rich- 
tig ist beweisen eine reihe ähnlicher worte in demselben ti- 
tel, z. b. §8 leos-deba, verwandt mit lias der stall, der 
viehstall, besonders für kälber, lämmer u. s. w., und mit dem- 
selben deobhadh; leos-deba ist also Stall -Zerstörung, und 
eben davon ist in dem betreffenden paragraphen die rede, in 
demselben paragraphen, so wie in dem vorhergehenden, 
kommt die glosse sal- deba vor, deren erster theil mit sealbh 
besitzthum, herde, habe, zusammenhängt; Ä«/f/eÄff ist Zerstö- 
rung des bewahrten vorrathes, und eben davon, von der Zer- 
störung der körn- und gelraidescheuern, der heuscheuern 
und gctraidefeimen, ist in den betreffenden stellen die rede, 
endlich kommt in demselben tit. § 1 — aber aufserdem an 
vielen steilen, z. b. tit. xx § l tit. xxi § 1 — die glosse vor 
seul-andevera, seul-andevevas, seul-andovevas. in allen die- 
sen stellen ist von intendiertem verderben die rede; das eine 
mal ist es eine feueranlegung, deren verderben aber leute 
entrinnen : das andre mal ein mordlicher anfall, wo aber der 
todeshieb nicht trifft; das dritte mal die anklage eines un- 
schuldigen abwesenden vor dem könige (also in einer sache, 
die an leben, freilicit oder ehre geht), wo aber die falsch- 
hcit der klage sich erweist, der Wolfenbültler codex hat 
dasselbe wort auch zu tit. xviii de inaleßciis § 2, wo davon 
die rede ist dafs einer einen anderen durch ein maleßcium 

' dafs die abthcilung so richtig ist beweist die glosse zu tit. x\ 
§ ! des Pariser codex, wo hloPs dcha stellt. 



ZUR LEX SALICA. m) 

verderben will, der dadurch bedrohte aber davon kommt, 
hier ist das wort geschrieben sel-andoeffa. überall also in- 
tendierte Vernichtung ; und diefs a/ideveva, andovevas, an- 
doeffa ist nichts als andeha, was wir schon kennen, und hängt 
mit deobhadh Vernichtung, Zerstörung, zusammen, der erste 
theil des Wortes aber, seid oder sei, ist verwandt mit seolaim 
anordnen, veranstalten, lenken, intendieren, dasselbe worl 
begegnet in derselben bedeutung, Intendiertes verderben, 
auch in tit. xxxi de elocationibas § 2 wenn einer einen men- 
schen durch einen andern wegfangen lafscn will ; § 4 wenn 
einer einen menschen durch einen anderen tödten lafsen will. 
Ich denke, es wird dies einstweilen hinreichen zu be- 
weisen, wie vollständig sich die malb. glosse zu tit. vii de 
furtis avium mit hilfe des gälischen nach allen Seiten erklä- 
ren läfst, und der gewinn den diese glosse für die deutsche 
thiersage gewährt, wird, wenn auch klein, doch nicht zu ver- 
achten sein. 

3. nachträgliche ei nzel nhe iten. 

Die Überzeugung dafs meine entdeckung, die malbergr- 
sehe glosse sei in einem dem gälischen verwandten kelti- 
schen dialecte geschrieben, richtig sei, anderen mitzutheilen, 
wird wohl am geeignetsten sein, den theil der glosse zu be- 
sprechen der die entdeckung herbeiführte, es ist tit. xvin 
de homicidiis parvulorum § 2. si vcro fuerum criniium. sine 
consilio aut voluntate parcntum tolondcrit (malb. schiiisara 
chy^ogino). diese beiden worte der glosse fielen mir auf; es 
war mir lächerlich dafs sie so gälisch klangen ; als ich sie 
näher besah und nicht blos gälischen klang, sondern auch 
ganz gälischc bedeutung fand, erschrak ich fast vor erstau- 
nen : siosar heifst die schere, gi'og heifst das haupUiaar. 
nimmt man an dafs dem substantivum siosar (spr. schiosar) 
früher ein zeitwort siosaraim ich schere, ich schneide ab, 
entsprach, so hiefsc sinsaradli (spr. schiusai'o) das abschnei- 
den; und wir brauchen über den werten der glosse nur den 
punct über dem i zu translocieren und statt schuisara viel- 
mehr sehiusara clwogi/io zu lesen, so haben wir einen al- 
terthümlichen, aber vollkommen gälischen ausdruck für Ab- 



510 ZUR LEX SALICA. 

schneiden des haupthaares ; denn dafs die alten keltischen 
mundarten vollere, besonders vocalischere bildungssilben ge- 
habt haben ist aus den aus dem alterthum bewahrten orts- und 
Personennamen schon klar, ein genitiv chrogino für jetzi- 
ges groig kann also nichts auffallendes haben ; schon des- 
halb nicht weil die irländische und hochschottische spräche 
nicht allein dem Schicksal ganz entgangen sein kann, was 
seit abfafsung der malbergischen glosse alle anderen euro- 
päischen sprachen mehr oder weniger gehabt haben, ihre vol- 
len, vocalischen formen zu verlieren, sie einschrumpfen zu 
sehen, das abschneiden des haupthaares in beziehung auf 
eine puella wird § 3 genannt theoctklia^ dies hängt im er- 
sten theile zusammen mit diotheach oder ditheach (spr. dio- 
hach oder dihach) d. i. carens, indigens, wovon das ver- 
bum diothachahn oder dithachaim, indigentcm reddere, ca- 
rentem reddere, jyrivare. den zweiten theil des composi- 
tums, sei er nun tidia oder idia, w^eifs ich zur zeit nicht zu 
erklären; vielleicht hängt er mit tiddhle (glänzend, liebrei- 
zend, angenehm) zusammen, und theoc-tidia bedeutet Raub 
des (locken-)glanzes, des liebreizes, 

Ein wort welches zeither alle ausleger aufserordentlich 
geplagt hat ist vialacina. die auslegung dieses Wortes ist 
aber höchst einfach, sobald wir festhalten, was ohnehin die 
übrigen glossen bekräftigen, dafs in der malbergischen glosse 
das c nie den laut z-^ sondern (wie in der angelsächsischen 
und gälischen schrift) immer den laut k hat. vialacina ist 
dann dasselbe wort mit dem gälischen bcalach, was in der 
aspirierten, häufig in der rede eintretenden, form bhealach 
(spr. wealach) noch fast ganz so lautet wie vialacina, nur 
dafs auch hier eine vollere eudung, und wie es (nach der 
analogie von chrogino) scheint, eine genitivendung das wort 
schliefst, bealach heifsl jedes defile, jede enge passage, 
Schlucht, hohlvveg, dann aber (und dies am allgemeinsten) 
überhaupt strafse, weg. die stellen wo das wort begegnet 
sind folgende. 

Tit. XVI et XVII de super cenüs et expoliationibus. § 4. 
si quis hominem, qui alieubi migrare disponit et deri- 
gere habet praeceptuni regis, et si aliunde icrit in 
mallum publicum, et aliquis extra ordinationem regis 



ZUR LEX SALICA. 511 

restare cum facil aut adsalire praesumserit ; — hiezu 
die raalb. glosse : alac facis vialacina^ d. i. ealc, ma- 
litiosus ; fogh der raub, der Überfall; '* in (präp. die 
den genitiv regiert) ; und bealach der weg, die stralse. 
es ist also zu schreiben alac faci* '* vialacina und 
zu übersetzen Böswilliger anfall auf der strafse. 
Tit. XXXIV de vialacina § 2. si vero mulierem ingenuam 
de via sua ortaverit aut impinxerit — und dazu malb. 
glosse urhi \s vialacina, — ferner § 4. si quis viam, 
quac ad farinarium ducit, clauserit — und dazu malb. 
glosse urhi 's vialacina, d. i. urhhaidh (spr. urwe) 
bewachung, bewahrung, haft , 's in , und bealach die 
strafse: haft, arrest auf der strafse. dieselbe glosse ist 
(ohne zweifei durch blofses versehen des Schreibers) 
auch in tit. xxv de furtis in rnolino commissis § 2 her- 
eingekommen, die Wiederholung des Wortes farinarium 
mochte den unkundigen dazu veranlafsen. 
Ein wort welches ohne zweifei auch sehr dazu beige- 
tragen hat die malb. glosse für der deutschen spräche an- 
gehörig zu betrachten ist tit. iv de furtis ovium § 1 das 
wort le?n zu ag/ius lactans; — allein das wort ist auch kel- 
tisch , ja wahrscheinlich den Deutschen erst von den Kel- 
ten zugekommen, denn im deutschen ist das wort lamm ein 
völlig verwaistes,** im keltischen hat es noch lebendige, or- 
ganische Verbindung, nämlich luim oder leim oder laiui heifst 
in verschiedenen gälischen mundarten Die milch , und luim- 
han, leimhan oder laimhan Das lamm, es ist als wenn wir 
im deutschen sagen wollten Milcherchen, denn die endung 
an giebt deminutivbedeutung. zu tit. v de furtis caprarum 
§ 1 hat die malb. glosse ebenfalls das wort lamp zur bc- 
zeichnung einer ziege. hier hängt das wort offenbar nicht 

' J'aci oder foei ist die alte form, wie wir aus foci- ehalt, d. i. 
schweineraub, sahen. 

" gauz Uhiilieii verhält es sieh mit dem deutsehen werte Stute, in 
unserer spraehe steht es verwaist da , im gälischen in organischer le- 
bendigkeit: A7e?/rf heifst Schnell laufen, rennen; steudach schnell; und 
steud oder componiert xtcud-eack ein rennpferd. dafs es im deutschen 
für das weibliche pferd vorzugsweise gebraucht wird mag daher kom- 
men dafs die alten Deutschen, gleich den Arabern, die sluten fiir schnel- 
lere läufer hielten. 



512 ZUR LEX SALICA. 

mit dem subst. leim (spr. lern die milch), sondern mit dem 
verbum lehn oder leum (spr. löm) zusammen, d. i. springen, 
hüpfen, und ist eine poetischere bezeichnung der ziege, Der 
Springer, die Springerin, am rande des cod. Fuld. fanden 
sich die synonymen afrcs sive lamp-hebros vel pectis. hier 
mufs man sich erinnern dafs das gewöhnliche gälische wort 
zu bezeichnung der ziege gahhar (spr. gawar) ist, welches 
mit dem angelsächsischen häfer und lateinischen capra iden- 
tisch ist. in der mundart der malb. glosse erscheint nun die 
anlautende gutturale geschwächt, die inlautende labiale ver- 
stärkt, so dafs aus gabhar, hebros und in wahrscheinlich 
anderer mundart aß'es geworden ist ; lamp - hebros ist spring- 
bock, springziege. das wort pectis scheint verschrieben oder 
verlesen; wahrscheinlich war eine s. g. angelsächsische 
Schrift in dem codex von welchem der Fuldaer abgeschrie- 
ben war oder in diesem selbst gebraucht; in diesen schrift- 
zügen sind c und t so ähnlich dafs sie hundert Verwechse- 
lungen erleiden, und so ist pectis für jjeccis geschrieben oder 
gelesen, die Galen haben zur bezeichnung der ziege näm- 
lich auch das wort poc, in obliquen casus und ableitung 7?o/c 
oder pnic, z. b. das zicklein sowohl als das junge reh hei- 
fsen puicean und puichiu. dieses puic (spr. byc) scheint in 
peccis zu suchen zu sein. 

In tit. VI de furtis camrni heifst es § 2 der lex sal. 
emendata si quis — veltrem leporarium, qui et argutarii/s 
dicitU7\ furatus fuerit vel occiderit. diesem paragraphen 
entspricht im Fuld. cod. § 4 si vero argutario furaverit, da- 
zu die malb. gl. chimno vatio, oder im Pariser cod. chuna 
bana. offenbar hatte die windspielrace welche zum hascn- 
hetzen gebraucht ward eine silbergraue färbe; denn ckuna 
hana oder chunno vano bedeutet einen weifsen hund, von 
cü (in den obliquen casus noch jetzt cui?i) der hund *; und 
bän oder bäin weifs, in den aspirierten fällen bhÜ7i (spr. 
wan). dadurch erklärt sich auch das lateinische wort ar- 
gutarius, welches offenbar ein keltisches, in Gallien latini- 

offenbar ist das n was die ohliqueu casus haben ursprünglich 
auch am noiniuativ gewesen, und dieser lautete curt, dem xvojv, canis, 
hund, entsprechend. 



ZUR LEX SALICA. 513 

sierles ist und mit gälischem airgiod, d. i. silber, zusam- 
menhängl und silbergrau bedeutet. 

Derselbe tu. vi de furtis canum gibt uns noch zu ei- 
nigen anderen interessanten bemerkungen veranlafsung. der 
§ 3 nämlich hat zu caneiii qui ligameyi noverit die glosse 
theophano, d. i. von teud der strick, und fan bleiben, aus- 
harren : der am stricke bleibende, am rande steht rcppo- 
phano, von rop (in cas. obl. j^oip) der strick, nn^Jan: 
der am stricke bleibende, merkwürdiger noch ist die glosse 
zu § 2 si quis seg-usium magistrum canem furttverit (malb. 
tro-widowano tuene chunne) und am rande ti^oci withier 
cunni. wir können diese glossen nur erklären, indem wir 
tit. XXXVI de vetiatio?nbus hinzunehmen, hier findet sich § 3 
zu erläuterung der textworte welche einen hirsch angehen 
qui ad venationcvi faciendam mansuetus factus est, die glosse 
trowandio, im VVolfenbiiltler codex trovisido; § 4 zu einem 
ccrvus alias domesiicus qui in venatione adhuc non fuisset 
die glosse trowidio cham stala * und im Wolfenbüttler codex 
Avieder trowisido ; am rande aber tvowido; endlich § 5 si 
quis cervum lasswn, quem alterius cajies movenml et adlas- 
saverunt, involaveril aut celaverit, wieder hiezu die glosse 
trochwido. 

Es ist deutlich, die reinste Schreibart ist trocwido oder 
trochwido; die Schreibart tro-wido mag mundartliche Ver- 
schiedenheit oder nachläfsigkeit des Schreibers enthalten ; tro- 
vandio und trovisido sind Schreibfehler eines unkundigen, 
denn wid ist genau das gälische j^ö^/ä (der hirsch, das wild, 
wildpret überhaupt) in seiner aspirierten form fkiadh (jetzt 
wich ausgesprochen, früher wohl wied"), der erste iheil des 
compositi troc-, troch-, tro- aber ist einfach das adjectivum 
dorch, doirch, dunkel**, was sich mit der übertragenen be- 

chaui ist (las iriscli-gälisclie gan, scliollisch -gälische <^nn, d. h. 
ohne ; und stala das gälisch«; stalac (ider stalc, welches jede listige 
jagd hezeiciinel, das jagen mit dem schieTspferd, das Vogelfängen mit 
dem netz, das lischeii mit der angel; daher z. h. stalcar der vogel- 
Tänger. cham stala heilst Ohne jagd, qui in vcnationc adhuc non 
fuisset. 

" verwandt mit dem vvorte scheint auch dearg braunrolh, welches 
Wort geradezu zu bezeichnung eines hirsches (der braunrothe) gebraucht 
wird. 

Z. F. D. A. II. 33 



514 ZUR LEX SALICA. 

(leulung Schlecht, übel, auch im gälischen in der Umsetzung 
droch, droich zeigt; droch-fhiadli (spr. droch-ivieh) be- 
deutet also ein dunkel-wild (wie wir sagen, roth-wild), be- 
deutet einen hirsch : die randbemerkung froct-withier cu/ini 
ist also hirsch -hund, Jagdhund auf hirsche, die glosse (ro- 
ividowano tuetie ckunnc bezeichnet einen Suchhund , denn 
tuinidhc (spr. tuinije) bezeichnet das lager des wildes ; das 
worl kömmt von iuin welches im allgemeinen Aufenlhaltsorl 
bezeichnet, leicht aber in der älteren mundart auch schon 
die specielle bedeutung haben konnte die im heuligen gäli- 
schen das abgeleitete tuinidhe hat; trowidowano scheint ein 
von trowido abgeleitetes adjeclivum oder diminutivum zu 
sein: trowidoivatio tuenc ist ohne zweifei das hirschlager, 
und iroividowa/io tuene chnnne ein hirschlager- hund, ein 
Suchhund. 

Diese bemerkungen mögen einstweilen hinreichen die 
entdeckung, dafs wir in der malbergisclien glosse reste einer 
alten keltischen mundart die zur Römerzeil und in der er- 
sten Frankenzeit in Nordfrankreich und Belgien gesprochen 
ward zu sehen haben, zu beweisen, ungeachtet ich schon 
fast über alle anderen einzelnen glossen in ähnlicher weise 
auskunft zu geben im stände bin, beschränke ich mich doch 
fürs erste auf obiges ; ein weiteres tieferes eindringen in die 
geschichte und den jetzigen bestand der keltischen sprachen 
wird mich hoffentlich in nicht zu langer zeit in den stand 
setzen die entdeckung weiter zu verfolgen, und (was vor 
allem noth ihut) das laulliche und grammatische Verhältnis 
der malbergischen glosse zum gälischen bestimmter festzu- 
stellen, historische ergebnisse schliefsen sich diesen sprach- 
lichen Untersuchungen unwillkürlich an, denn es geht deut- 
lich aus der beschaffenhcit der glosse in den verschiedenen 
handschriften hervor dafs die abweichenden worte der ver- 
schiedenen handschriften synonymen sind, woraus sich also 
ergibt dafs die spräche noch in frischem reichthume lebte, 
als diese glossen aufgezeichnet wurden, ferner die aufnähme 
so vieler keltischer worle in den lateinischen text selbst, 
namentlich bei Standesbestimmungen und bei grabheiligthü- 
mern, beweist dafs das gesetz nur in einem locale zu stände 
gekommen sein kann, wo Franken und Kelten schon längere 



ZUU LEX SALICA. 515 

zeit vermischt lebten, auch der name des Saliers selbst, 
Francus Sah'gus oder Francus Salccus, erhält nun endlich 
eine auf'klärung, denn dies Sa/igus oder Salecus entspricht 
einem keltischen adjectivum welches marinus (von sal das 
meer) bedeutet, die Franci Saleci oder Salici sind also 
Frauci marini, meeranwohnende Franken, im gegensatze der 
im binnenlande wohnenden, rifländischen Franken, der alte 
name der Moriner (von inoir oder muii' die see) ist so auf 
die Franken die sich in den niederländischen küstenland- 
schaftcn zwischen Maas meer und kohlenwalde festsetzten 
gewissermafsen übergegangen, wenigstens in einem synony- 
men ausdrucke wiederholt und auf die Franken übertragen, 
auch Dispargum wird nun wohl ein ursprünglich keltischer 
Ortsname sein, Dise-barg, der glühende häufe, die rothe 
aufschüttung, die rolhe schanze. 



VORLÄUFIGE BEMERKUNGEN ZUR GRAMMATIK 
DER MALBERGISCHEN SPRACHE.* 

1, ab (oder ob)^ zeichen des infinitivs in der 
nialbergischen glosse. 

Die gälische grammatik führt ihre verba auf entweder 
nach der ersten person des präsens im indicativ welche auf 
im ausgeht, z. b. rnealaim ich betrüge, oder, und dies ist 
ohne zweifei das richtigere, nach dem imperativ, z. b. vteall 
betrüge du. das letztere ist das richtigere weil der impe- 
rativ den stamm des Zeitwortes rein darstellt, in den Wör- 
terbüchern pflegt zu dieser ersten präscntis oder zu diesem 
imperativ dann das erklärende englische oder lateinische Zeit- 
wort im infinitiv gesetzt zu werden, und das ist, da wir ge- 
wohnt sind die verba so zu bezeichnen, für uns ebenfalls 
das passtMulsle und hat nichts störendes für den der das sach- 
verhältnis kennt, den gälischen infinitiv anzuführen hat be- 
denken, da er durch aspiralion des anlautenden consonanten 
sehr oft eine vom vcrbalstamm etwas abweichende bilduug 

' [Halle 1842. in 25 cxemplaren gedruckt.] 

33* 



516 ZUR LEX SALICA. 

hal; er besieht nämlich aus derselben form die auch zur bil- 
dung der participia des aclivs gebraucht wird und unterschei- 
det sich von diesen nur durch die verschiedenen vor die 
form gesetzten parlikeln: ag^ mealadh heifst Betrügend, iar 
mhealadh heifst Betrogen habend, do mhcaladh oder a mhea- 
ladh aber heifst Betrügen. 

Nun ist ganz deutlich, auch die malbergische glosse be- 
zeichnet ihre infinitive, wo deren vorkommen, durch eine sol- 
che vorgesetzte partikel, bildet also (mit ausnähme der aspi- 
ration oder mortification, die ohne zweifei in der malbergi- 
schen spräche geringere ausdehnung hatte als im gälischen) 
den intiuitiv ganz dem gälischen analog, wie sofort beispiele 
zeigen werden, gleich die erste glosse ist ein Infinitiv : 
tit. I de manire § 2 findet sich in der Wolfenbüttler hand- 
shrift zu dem latinisierten viallare (von inol die Versamm- 
lung; versammeln, zur Versammlung aufbieten) die glosse ah 
iena. ah ist infinitivzeichen ; tena ist dasselbe mit, oder 
vielmehr der einfachere stamm zu dem schottischen teanail, 
irländischen tional, tionadh, versammeln, zur Versammlung 
aufbieten, englisch summo?i (wälsch dyiinau spr. deönaii ver- 
einigen).* eine ähnliche infinitivische glosse haben wir tit. xv 
de eo qui uxoreni tulerit alienam vivo marito: da steht 

' die alle irische form ist teaina (spr. theiia)^ wie man aus Fiechs 
lied auf den heil. Palricius str. 24 sieht, 

Lassias immidne imhai 

Asan teaina d galastar. 

Er leuchtete (entbrannte) lieblich in wohlwollen 

Wo er versammelte schüler. 
O'Conors Übersetzung dieser einfachen stelle, die aus nichtberiicksich- 
tigung der noch im schottischen glilisch vorhandenen reste der alten 
spräche und aus dem bestreben eine Wiederholung des mosaischen Wun- 
ders vom feurigen busche in des Patricius leben zu bringen hervorge- 
gangen, enthält die wunderlichen worte exarsit rubiis in quo erat, ibi 
iniscuerunt colloqitiam . doch will ich mich durch diesen tadel nicht 
ähnlicher sünde schuldig machen als andere an mir früher in beziehung 
auf nicht ganz richtig behandelte schwierige alte angelsächsische ge- 
dichtstellen begangen haben, wo alle noch schüler sind hat jeder dank- 
bar die bemühungen des Vorgängers anzuerkennen, das richtige dersel- 
ben als gewinn einzutragen, und wo er auf falsches stöfst, es durch 
die Schwierigkeit des gegenständes zu entschuldigen, vor allen dingen 
aber nicht zu vergefscn dafs ihm des Vorgängers bemühungen bis auf 



ZUR LEX SALICA. 517 

uämlich in § 1, der eiue solche ran-away-match behan- 
delt, zu den lateinischen worlen si quis uxorem alienam 
vivo marito tulerit die glosse ahtica oder in dem Pariser 
codex abteca ; die Unsicherheit zwischen z' und e beim stamin- 
vocal deutet schon an dafs wir ein gälisches ei zu suchen 
haben ; nun heifst teich (altcrthiimlich miiste der zu diesem 
stamm gehörige inßnitiv a theachadh lauten) auch würklich 
Er lief davon, he mm aivay : es ist also abzulhcilen ab teca. 
bretoiaisch heilst tccha noch Davonlaufen. — tit. xliv de 
homic. ingen. § 3 heifst es si quis komi/iem in puteum aut 
in vipida iactaverit: dazu die glosse chalip sub dupio oder 
im Pariser codex challis ob duplio. es ist beides ein wenig 
verderbt, wenigstens die buchstabentheilung des ersteren; es 
mufs heifsen chalips üb dupio, und itb steht falsch für ob; 
es ist nämlich wieder infinitivpartikel, denn dub heifst gä- 
lisch Untertauchen; also malbergischer infinitiv ob dupio; 
und chalips ist ein adverbium welches dem gälischen adje- 
ctiv galba (stark, gewaltsam) entspricht. 

Tit. xLii de plagiatoribus handelt von sklavenverfüh- 
ruugen, auch vom sklavenstehlen ; § 1 hat zu den Worten 
si quis mancipia aliena soUicitaverit die glosse theulasina 
oder theolasina ; dies wort ist ein compositum und entspricht 
dem gälischen dao oder daoi (schlecht, gemein, verworfen) 
und lasan (die entflammung, die leidenschafl). statt dieses 
Wortes, wodurch das verlühren, verlocken der sklaven eines 
fremden herrn gebrandniarkt wird, hat der Wolfenbütller 
codex einen inlinitiv, oh sculte d. i. sgoilt abreifsen, ab- 
splittern, abschlcifsen. als ein absplittern wird es bezeich- 
net, wenn einer einen sklaven zur untreue gegen den herrn 
verleitet. 

Wenn anders die cndungen richtig behandelt sind, ha- 
ben wir also sehr unter sich verschiedene inlinitivendungen, 
tena, tica^ dupio, sculle ; das entspricht auch wieder ganz 
der gälischen spräche, in welcher allerdings die meisten, 
aber keinesweges alle Infinitive auf adh (spr. o) ausgehen, 
sondern sich bei einzelnen verbis die verschiedenartigsten 

einen gewissen grad den pfad gebahnt und die entdeckung des unrich- 
tigen darin erst erleichtert haben, ohne O'Conor wäre mir die ganze 
Untersuchung unmöglich. 



518 ZUR LEX SALICA. 

infinitivendungen linden. * die vorgesetzte partikel ist es 
welche sie characterisiert. 

Dieselbe verbalform welche den infiniliv und die parti- 
cipien des activs hergibt dient (ohne aspiration des anlauten- 
den consonanten, wie diese ja auch beim partic. präsentis 
fehlt) zugleich als Verbalsubstantiv : mealadh heifst Das be- 
trügen, solche substantiva verbalia finden sich nun auch in 
menge in der malbergischen glosse ; sie gehen (grofsenlheils 
wie der infinitiv) auf a oder o aus, und o ist auch die aus- 
spräche der jetzigen gälischen silbe adh, wenn sie das wort 
schliefst, man sieht daraus dafs hier dem aspirierten d nie 
ein würklich vorhanden gewesenes </, wie in anderen fällen, 
entspricht, sondern dafs dieses adh rein eine orthographi- 
sche figur ist, zu bezeichnung eines lautes den man sonst 
nicht wohl erreichen konnte (den das wälsche auch blofs mit 
vocalen schreibt) : denn das o welches durch adh ausgedrückt 
wird ist nicht rein, sondern zwischen o und u und wird hie 
und da als u ausgesprochen, die altirländische spräche noch 
schreibt für dieses adh zuweilen blofs a, wie z. b. den in- 
finitiv consena in Fiechs altem liede auf den heil. Patricius 
(str. 14) und andere beispiele (wie ardriaghla für ardriagh- 
ladh in v. 88 des gedichtes A colcha Albain uile; auch 
der oben angeführte infinitiv teaina, den ich freilich so ge- 
schrieben nur in einer note gefunden habe und der also in 
dieser gestalt, statt teainadh, auch neuere formation sein 
könnte, aber dann doch voraussetzt dafs er nach anderen 
dem autor bekannten ähnlichen formen gebildet sein mufs) 
aus den aller ältesten irländischen Schriftstücken beweisen. 

* im wälschen ist es ganz eben so ; primitive substantiva können 
in ihrer eignen form auch als verbalstämme behandelt werden, z. b. 
bod das wesen und bod sein ; diese fälle ausgenommen werden die ver- 
balstämme aus Substantiven oder adjectiven so gebildet dafs sie einen 
vocalischen verbalauslaut als infinitivzeicheu erhalten, z. b. car der 
freund, caru lieben ; dmvd ein depositum, dodi deponieren ; daivn die 
gäbe, rfowiV/M begaben ; e«M'g- der lachs, eoea lachse fischen, lachsen ; — 
diese vier vocalausgänge a, i, aw und u bilden alle formell abgelei- 
tete infinilive (bis auf gewisse ganz specielle bedeutung habende verba 
mit consonantischen ausgingen), wie wir in der malb. spräche die vo- 
calischen ausgänge a, e und io sehen, auch im wälschen tritt gern ein 
partikelhafles « oder y vor den infiniliv, doch braucht man es nicht 
zur grammatischen bezeichnung. 



ZUR LEX SALICA. 519 

Um beispiele solcher verbalsubstantiva aus der malber- 
gischen glosse zu geben, führen wir nur folgende an. 
diba, (loba, debau, doeffa, dei'cva, die Zerstörung; gäl. 
diobhadh und deabhadh (spr. diüiro und deivo). (die 
vielen formen des Wortes sind wie noch im brel. zu- 
gleich ta?'/, tarv, taro, terff\ ferr, der stier). 
brio-rodero der finger welcher beim bogenspannen zum 
pfcilhalten dient (quo sagittatur) ; gälisch briogh (spr. 
bri oder hn'o) die kraft, hauplsubstanz ; ruadharadh 
(spr. ruajavo, ehemals wohl ruadaro) das fechten; 
kraft, hauptsubslanz des gefechtes (oder ist der letzte 
theil des Avortes hier participisch, Mit kraft fechtend?). 
scuto, eoocuto, sehoto, wenn vieh gepfändet wird und je- 
mand unternimmt es dasselbe aus dem pfändungsarrest 
eo'pellere mit excutere; gälisch sgudadh das heraus- 
hauen (excutcre), von sgiid heraushauen. 
schuisära (für schiusära)^ indem es einem supponierten al- 
ten gälischen siosaradh eutspriclit, gehört ebenfalls hie- 
her. Das abschneiden mit der schere. 
murdoy rnusido, musedo, mosedo, raubüberfall ; gälisch 
murtadh, mortadh, das morden (die formen mit s sind 
wahrscheinlich verschrieben; es bliebe sonst keine ab- 
leituug übrig als von mus^ d. i. nimis, und eadaich 
verslohlne dinge treiben, was docli zu gezwungen er- 
scheint). 
meledeno der kleine finger; gälisch meall gut, und taoin- 
ncadh das lockenmachen, kräuseln : der finger, der zum 
lockenmachen gebraucht wird (ist wohl hier entschieden 
participisch Gut locken machend). 
minechhhio der kleine finger; gälisch min niedlich, und 
glanadh oder glaineadh das reinigen, das sichschmuck- 
machen (ist wohl auch participisch. Der niedlich schmük- 
kende). 
Vielleicht nimmt mancher unserer leser an crklärungen 
wie die der Wörter brio-rodho (kraft des gefechtes), viele- 
deno (gut- locker), mine-chUhw (niedlich -schmücker), als an 
zu gesuchten künstlichen Wendungen anstofs; gerade aber 
diese ausdrucksweisen sind ganz in kellischer rede gegrün- 
det, die überall wo sie nachdrücklich, solenn oder poetisch 



520 ZUR LEX SALICA. 

darstellen will zu solchen compositis ihre Zuflucht nimmt, 
altgälisch z. b. heifst dal oder data eine Versammlung, Ver- 
einigung, hrio-dal (eigentlich Kraft der Versammlung, Sub- 
stanz der Vereinigung) heilst aber captatio henevolentiae, 
Schmeichelei, artigkeit; /e//r heifst gras, min-fhcur (eigent- 
lich Niedliches gras) bedeutet aber die binse. in älteren wäl- 
schen gedichten nun vollends ist dieser art Zusammensetzun- 
gen kein ende, man findet eine kleine Sammlung von bei- 
spielen solcher compositionen in Owens grammatik s. 27ff., 
und diese entfernt die sache nicht erschöpfende Zusammen- 
stellung zählt doch 170 beispiele. viele keltische thierna- 
men sind so gebildet. 



2. der malberg^ische artikel a, o oder an ; das 

malbergische präteritum durch die partlkel de 

gebildet. 

Der gälische artikel lautet im masculinum an oder am, 
im feminin ati oder a""; nämlich die form w tritt vor labialen 
ein, die form «' überall vor aspirierten consonanten (mit 
ausnähme des fh) und da im nominativ nur feminina im an- 
laute mortificiert werden, kann auch nur im feminin die form 
«* als nominativform angegeben werden. 

In der malbergischen glosse kommen die beiden Wort- 
verbindungen vor, ff ba zym pedero die kuh (oder allge- 
meiner das rind) mit einem kalbe , und o ho sino das äl- 
tere rind (denn ba oder ho heifst gälisch das rind, gewöhn- 
lich specieller die kuh, haothair das kalb und seine älter; 
welches letztere Avort in oh seno d. i, agh seine nochmals 
begegnet und eben in dem schwanken des vocals, sejio, sino, 
auf gälischen stammvocal ei deutet), in diesen beiden Wort- 
verbindungen ist a oder o deutlich der artikel. 

Das wort anhunerbo, womit das gewaltsame fortschaf- 
fen eines pfluges vom acker bezeichnet wird, scheint eben- 
falls in mehrere Wörter {an hun erho) zu zerlegen, es kommt 
öfter vor dafs malbcrgisches h ein gälisches g ersetzt, wohl 
weil doch die sonst gewöhnliche Schreibung des ch für gäli- 
sches g in manchen fällen eine zu starke gutturale audeu- 



ZUR LEX SALICA. 521 

lete, oder aus uachläfsigkeit, iodeni eiu c vor h vorweisen 
ward, so z. b. hoc her (wahrscheinlich verschrieben für 
Jer, oder absichtlich um den milderen laut des mortilicierten 
f in fhear auszudrücken) jtaan de escrippas d. i. gach (jeder) 
fhear (mann) bami (gesetz, band, gesetzlich gebundenes, 
tetitum), da (partikel welche das prüteritum bezeichnet) 
sgj'iobas (prüteritum* von srgr/'oö, furchen, pflügen), — die 
ganze redensart heilst also Jeder mann welcher** gesetzlich 
gebundenes (d.h. anderem gesetzlich gehöriges) pflügte; und 
sie findet sich im Wolfenbütteler codex tu. xxvi de furtis 
diversis § 21 zu den lat. Worten si quis campo alieno ara- 
verit. aufser dem dafs wir aus dieser redensart sehen dafs 
die bildung des präteriti im malbergischen der im gälischen 
ganz analog war (nur dafs de statt da steht, wie jedoch zu- 
weilen auch im allen irländischen der fall ist, z. b. die form 
de chaidh in dem gedieht Eirc ogh ims ?ia naoimh v. 148 
und de iainic v. 140. ebenso de taiiiic a thiugbas, es kam 
sein ende, in dem fälschlich Oissin zugeschriebenen, bereits 
im 14n Jahrhundert aufgezeichneten gedichte welches O'Co- 
nor (i, 1 s. cxxiii) aus einer bodleyanischen handschrift 
herausgegeben hat), geht daraus auch hervor (indem hoc für 
gach steht) dafs malb. /* für gälisches g stehen kann.**' 

' diese form ist freilich nur allirliindisch ; das aber ist im vorlie- 
genden falle noch beweisender, die graininaliker geben sie bloPs in der 
ersten person ; die zweite hat nach ihnen sgriühais, die dritte sgriob 
(neuerdings sgriohh), allein wahrscheinlich hat die abschwächung bei 
der drillen angefangen; jetzt lauten alle drei personen sgriobh und 
werden nur durch pronomina unterschieden, dafs sie wohl auch für 
die drille person slalthafl sein kann bewrist Fiechs altes lied auf den 
heil. Patricins n" 14 (O'Conor scr. Ilio. vol. i in proleg. s. xcii), wo die 
form pritchais (er predigte) begegnet, und anderwärts leghais, lassais, 
ariais u. s. w. im wälschen ist es ganz so, viele präterita gehen in 
erster person auf ais, in dritter auf acs, as, es aus. 

*' mit dem relativum ist das gälische in ähnlicher Verlegenheit wie 
unsere ältesten deutschen mundarlen ; die s. g. relativen pronomina 
sind im gründe bloPse pai'likeln ; oft wird die rclation durch einen be- 
sonderen modus des verbi ausgedrückt; zuweilen wird sie nur verstan- 
den wie in gewissen fallen im englisclien. 

* * " bei der Schreibung haroioeno oder haroeno für charowsno, c/iae- 
roeno, chereno (raubnahme) tritt derselbe fall ein, denn das wort kommt 
von gabli (spr. gah, d. i. nehmen) und rohainn d. i. raub, im wäl- 
schen stehen meist labialen an der stelle gälischer gutturalen ; da hcifsl 



522 ZUR LEX SALICA. 

einige andere beispiele kommen zu hilfe. nehmen wir nun 
dies hz=i g an, so steht hun für goht, das stolsen, schla- 
gen ; erbo hängt auf jeden fall mit ar ackern (wälsch aru), 
arbhar die saat, airbhrc die saat (im walschen erw das 
ackern und der acker) zusammen und mufs entweder einen 
pflüg, einen ackersmann, oder das saatbestellen bedeuten, 
denn zu den Worten an hun erbo im tit. xxvii der herold. 
ausgäbe de furtis ditersis § 20 gehören die lateinischen worte 
st quis vero de campo alieno aj^atniin anteortavicrit mit ja- 
ctaverit; also bedeutet die glosse entweder Das wegstofsen 
des pfluges, oiler Das wegstofsen von der saatbestellung; 
auf jeden fall scheint an der artikel zu sein. 

3. von der Formation des pliirals der nomina in 
der malbergischen spräche. 

Wir haben einige glossen unter den malbergischen wel- 
che offenbar pluralformeu darstellen, einmal haben wir auch 
den Singular dazu, nämlich bei dem worte ehalt (das schwein, 
in specie die sau), den singular sicher in den glossen vara 
ehalt (todtes schwein), drace ehalt (der sau entwöhntes 
schwein), foci ehalta (raub des Schweines), den plural in 
der glosse {tit. ii de furtis poreorum § 10) in zym i sexa 
ehaltet eepto tua septun chunna. diese glosse gehört zu den 
Worten si quis tres porcos aut amplius furaverit usque ad 
sex capita denar. mcccc qui Jaciunt sol. xxxv. das wort 
zym (habe ich anderwärts erwiesen*) heifst Zusammen, mit. 
das wort is mufs, wie ich ebenfalls dargethan habe, in be- 
ziehung auf feminine subjecte suus, sua, suüm, oder viel- 
leicht ursprünglich (da im gälischen alle pronomina possessiva 
genitive der personalia sind) eiusdevi, earundem bedeutet ha- 
ben, das s in diesem woi"te is gehört aber der emphatischen 
form an {i-si gülisch eadeni, dagegen / nur ea). das ein- 
fache possessivum lautete also wahrscheinlich für das femi- 
nin i im singular, und wohl auch im plural." im cornischen 

also »las malbergisclie hör, giilische i^acli (oder allere euch), nun pub 
uud paivb. 

zeilscliriri lür deulselies alterllium 2, 159. 
' " (loch könnte ohige glosse vielleicht auch zu sdireiben sein in 



ZUR LEX SALICA. 523 

heifst suus, suo, suum für den singular femininer subjecte 
denen etwas angehört einlach /, im plural gef, aber das g 
ist hier keine gutturale, sondern nur leise aspiration, so dal's 
also auch hier (wie bei dem gälischen a der fall ist) Singu- 
lar und plural fast gleich lauten, das wort in bedeutet wohl 
Bis : es ist das um so wahrscheinlicher, da selbst das viel- 
fach durch malbergismen corrumpierte latein der lex salica 
das wort m in diesem sinne gebraucht, z. b. im Wolfenbut- 
teier codex tit. IV de ovibus furatis § 3, wo von diebstählen 
in beziehung auf vervices die rede ist, certe si in (res mit 
ampliiis fin^averit d. h. wenn er aber bis drei oder noch 
mehr gestohlen haben sollte, die worte in zym i sejca ehal- 
tet bedeuten also Bis zusammen deren sechs schweine. — 
dieser plural ehaltet kdiun nichts befremdendes haben bei ei- 
ner keltischen mundart in Gallien, da auch noch jetzt im 
bretonischen aufser anderen gerade die Wörter welche thiere 
bezeichnen ihren plural auf ez, oz oder ed bilden.* wir ha- 
ben also den singular im nom. ehalt, im gen. ehalta, im 
acc. wahrscheinlich wie im gälischen dem nominativ gleich, 
den plural im nom. und auch wohl im accusativ ehaltet. 

Die folgenden worte cepto tua septun chiinna beziehen 
sich auf den betrag der bufse. cepto ist gälisches gabhta, 
das heifst eigentlich Genommen, dann aber Verpflichtet, in 
anspruch genommen (ingaged). septun ist gälisches seach- 
duin, nach einem feststehenden, grammalisch längst zur evi- 
denz gebrachten lautwechsel dem zu folge in vielen fällen 
das gälische an die stelle des /; verwandter dialecte ein c 
oder ch setzt; seachduin heilst eine siebent, z. b. eine sie^ 
beut von lagen, eine woche ; dann überhaupt jede siebent, 
das wort chunna ist gälisches enignear'"' d. i. fünf, wie eine 

Äy/M is sexa ehaltet u. s. w., iiulcin nach di-iii klang die wiirti'r ge- 
schrieben worden wären und so in den beiden Wörtern is sexa bei 
verschleifender ausspräche nur das eine .9 getiinl hätte. 

* auch im wälschen bilden die Wörter welche lebendige wesen be- 
zeichnen ihren plural gewöhnlich auf ed. 

" ich bemerke hierbei dafs nn (oder ml, denn so wird in altereu 
gälischen Schriften h« unAählliche mal bezeichnet) und gn oder ///* und 
ugh in fast allen keltischen dialecteu einander sehr nahe, oft zum vor- 
wechseln nahe liegende laute bezeichnen, für welche unser deulsi^hes 
aiphabet, da die deutschen sprachen die laute nicht haben, auch keine 



524 ZUR LEX SALICA. 

andere glosse noch deutlicher beweist, septun chunna sind 
Fünf siebente, also fünf und dreifsig. im tit. lxxx werden 
die bufssätze erläutert, bei dieser erläuterung mufs die ein- 
heit nach welcher gerechnet wird ein halber solidus sein, 
denn septun chunna (eigentlich 17^2 sol.) wird im gericht 
für 17 sol. gerechnet*, und thue septen chunna (das ist das 
tua septun chutma der glosse die wir eben erläutern) be- 
deutet Zwei mal fünf siebente halber solidi, also 35 ganze 
solidi; sexan chunna (d. i. fünf halbe duzende halber solidi, 
fünf sechsenle halber solidi) sind 15 ganze solidi. ein sol- 
ches halbes duzend (eine sechsent) scheint auch ivalt** zu 
heifsen, thue walt chunna ist die doppelte summe von sexan 
chunna. — genug, die worte cepto tua septun chutma be- 
deuten entschieden In anspruch genommen zu zweimal fünf 
siebenten, nämlich halber solidi — das ist zu 35 sol., wie 
der lateinische text hat. 

Auch analoges mit dem bretonischen plural der bezeich- 
nungen der thiere auf es oder oz bietet die malbergische 
glosse. zu tit. V de furtis cafrarum § 1 (welcher lautet si 
quis capram unarn, duas vel tres furaverit) hat die herol- 
dische glosse das wort lamp, von welchem wahrscheinlich 
ist dafs es eine ziege und zwar als springendes thier be- 
zeichnet ; denn es kommt wohl vom gäl. leum (wälsch. llam) 
springen, indem die vocale eu und ea mundartlich und hie 
und scheinbar individuell willkürlich in dem stamme einer 
menge gälischer Wörter wechseln; so findet sich z. b. fast 
ebenso oh freumh (die wurzel) geschrieben als freamh. bei 
dem worle leum ist allerdings jetzt die Schreibung leam 
nicht gewöhnlich, aber nur um die Verwechselung mit der 
contrahierten form leum (d. h. mit mir) zu vermeiden, am 
rande nun findet sich zu dieser glosse lainp noch der zusatz 
qfres sive lamphebros vel pectis. nun heifst gäl. gabhar 
(wälsch. gavyr) sonst die ziege; da ich anderweitig darge- 

bezeichnung bielel. das polnische alphabet allenfalls liefse darch n und 
ng näher kommen ; doch ist das ng zu hart, nicht glatt genug. 

* wahrscheinlich ist die bezeichnung eines halben solidus in der 
lat. erklärung nur durch nachläfsigkeit eines Schreibers ausgefallen. 

** dieses iralt ist die aspirierte form des gälischen halt {bhalt) 
d. h. zusammcnfarsuog, einfafsung, rahmeu, rand, zahlbrel. 



ZUR LEX SALICA. 525 

than habe dafs malbergischcs h oft gälisches g ausdrückt, 
so haben wir als beuennung der ziege ohnehin habar oder 
havar zu erwarten, und hcbros scheint nur ein plural von 
habar, was vielleicht auch hebr oder habr lautete ; afres 
ist mundartlich verschieden mit mortificiertem anlaut*; ganz 
wie das wälsche neben gavyr die form evyr hat. dafs das 
gälische bh, wälsche v, hier durch b und /' neben einander 
ausgedrückt ist ist nicht zu verwundern, denn keiner von 
beiden lateinischen buchstaben drückt den keltischen laut bh 
oder V aus, der, ungefähr dem englischen v gleich, zwischen 
beiden in der mitte liegt, pectis ist entschieden für peccis 
verlesen oder verschrieben, was bei s. g. angelsächsischer 
Schrift des mittelalters sehr nahe liegt, wie hebi^os oder ofres 
plural ist von heb?' oder afr, so ist peccis plural von poc, 
welches im gälischen in den abgeleiteten casus seinen stamm- 
vocal in oi oder tii wandelt (also poic oder puic), welcher 
gälische (scheinbare) diphthong oi im malbergischen immer, 
und ui wenigstens sehr oft, durch e dargestellt wird, hcbros, 
afres und peccis sind nun offenbar solche plurale, wie sie 
die Bretonen bei den namen der thiere bilden auf oz oder 
es. der vocal der endung wird ein kurzer, halbverschluck- 
ter gewesen sein, wie noch zuweilen in den flexionssilben 
im gälischen der fall ist. jetzt hat sich dafür eine bestimmte 
Orthographie festgestellt ; bei dem aufnehmen des Wortes blofs 
durch das ohr mochte mau zweifelhaft sein ob man os, es 
oder is zu schreiben habe.*' 

dafs die Kelten der Roinerzeit die mortification des anlautenden 
consonanten in ihrer spräche halten, sieht man deutlich aus dem vor- 
kommen doppelter formen von eigennanien der Völker, von denen die 
eine die mortificierte form darstellt, z. b. Suessones und Uessones, 
Tectosages und Aegosages u. s. w. 

** solche Unsicherheit des vocals in der endung könnte manchen 
befremden, allein es lafsen sich aus den noch lebenden, sogar zu dem 
besitz einer literatur gediehenen keltischen mundarten unzähliiche ana- 
logien anführen, statt vieler nur eines: die endungen der In, ;2n und 
3n pluralis des impcrfects der s. g. derivativen verba im fälschen 
schreiben die einen -etil -ech -ent; die anderen -yin -yck -ynl; die 
drillen -om ■ och 'Ont. — e und i wechseln in denselben endungen 
im wülschen häufig, in alten gälischen Schriften ersetzen sie einander 
überhaupt, wie es mit e und y im wälschen noch jetzt fast ist. 



526 ZUR LEX SALICA. 

Indessen so allgemein ^\ie im bretonischen kann die er- 
scheinung consonantischer pluralbildiing bei den bezeichniin- 
gen der thiere im malbergischen nicht gewesen sein, denn 
es kommen ganz entschieden auch vocalische pluralbildungen 
vor, z. b. die schon früher bei einer anderen gelegenheit * 
besprochenen wörler ßt miha chunna (zwanzig schweine fünf) 
enthalten den plural miha schweine (verwandt dem gälischen 
inuc das schwein, viuic in obliquen casus, iniican im plu- 
ral).** einen anderen vocalischen plural bei einer thierbe- 
zeichnung bietet nur scheinbar die Übersetzung von vervices 
in der glosse der heroldischen ausgäbe tit. iv de furiis ovium 
§ 3, welche \?i\\iti feisfecho et fetischefo. das letztere worl 
halte ich für verschrieben statt fetisfecho; die glosse will 
offenbar zwei formen, zwei aussprachen eines und desselben 
Wortes geben; liest man Jcisfecho et Jet/sfecho, so ist auch 
offenbar nur dasselbe wort wiederholt, einmal mit wahrge- 
nommener mortification des t, das anderemal ohne dieselbe, 
im gälischen heilst Jeithis sowohl In eine herde vereinigen, 
als Eine herde hüten ; daher fets die Vereinigung, Versamm- 
lung, herde ; feitidhe das herdevieh ; faich aber heilst Das 
offene feld, die wiese, die weide, die bedeutung also von 
feisfecho sowohl als von J'etisfecho ist Herde des feldes, 

' Zeitschrift für deulsches alterlhum 2, 163. sollte jemand austoFs 
daran nehmen dafs hier zwar in gälischer weise das Substantiv, zu dem 
die zusammengesetzte zahl gehört, zwischen die beiden theile der zu- 
sammengesetzten zahl (20 und 5) gesetzt, aber die gröfsere zahl und 
nicht, wie im gälischen, die kleinere vorangestellt ist, so verweisen 
wir ihn auf das wälsche, wo diese Stellung wie in der glosse vor- 
kommt, in zwei stellen eines alten gedichtes findet sich sogar im gä- 
lischen diese Stellung, nämlich v. 289 des gedichtes Eire ogh inis na 
naoimh liest man in einer handschrift Fic/ic air cliiiig, in der anderen 
Ficlie as cuig i jenes bedeutet Zwanzig zu fünf, dies Zwanzig und fünf, 
und V. 347 desselben gedichtes steht xl ar cett tri, Vierzig zu hun- 
dert und drei. 

* ' das entsprechende wälsdie wort tnocli sollte im plural mych 
haben , wenn es selbst ein reiner Singular wäre, d. h. ein einzelnes 
schwein bezeichnete ; es bezeichnet aber die gattung schwein, und hat 
keinen numerus (aufser wenn etwa einmal von mehreren schweinegat- 
tungen die rede w äre) , sondern wenn ein einzelnes schwein bezeichnet 
werden soll, wird die diminutivform gebraucht, mochyn. mycli ist der 
inall)ergischen form miha nahe genug. 



ZUR LEX SALICA. 527 

speciell auf scliafe bezogen, wahrscheinlich halten schon die 
Kelten ähnliche Verwendung der ausdrücke die ursprünglich 
eine menge überhaupt bezeichnen für bestimmte gattungen 
von gegenständen, wie wir sie auch haben in Kudel hirsche, 
schwärm bienen, flug tauben, volk hühner, karlel genisen 
u. s. w., und wie ich auderwärls* gezeigt habe dafs ruta 
die herde vorzugsweise bei ziegen zu bezeichnen und jede 
anzahl von mehr als drei ziegen zusammen zu heil'sen scheint, 
so mag sich /eis oder fctis specieller auf schafe beziehen 
und jede anzahl von mehr als drei schafen bezeichnen, der 
W olfenbüttler codex hat auch nachher zu § 5 um eine Schaf- 
herde zu bezeichnen einfach das worl Jcto und der Pariser 
codex verschrieben dafür f'veto. hier ist also der plural nur 
scheinbar, zu bemerken ist hiebei noch dafs wenn felischejb 
nicht verschrieben sein sollte für fetisfecho, es dann nach 
andeutung der Pariser (im ersten theile des Wortes entschie- 
den verschriebenen) handschrift frettis chaeto (für fetus- 
chaeto) wenigstens in dem zweiten /' verschrieben oder ver- 
lesen sein mufs für J'efis-cheto d. i. herde schafe, denn catt/t 
ist ein gälisches wort welches ursprünglich milch, milchrahm, 
dann aber zuweilen auch ein schaf bedeutet, also Jetis-cketo 
herde der milch, oder herde der schafe. 

4. die malberg-isclicn Zahlwörter. 

Die zahl eins kommt in der glosse dem lateinischen so 
gleichlautend vor dafs man sie bis jetzt immer für das la- 
teinische Zahlwort gehalten hat. sie lautet wmm, wie noch 
jetzt im bretonischen unun (in Vannes uno/i), und im wäl- 
schen un, im gälischen aon und eiin. zwei kommt nicht 
vor, sondern nur zweimal oder zweifach, und dies licifst 
malbergisch (in tit. ii) tun oder (in tit. lxxx) thiicwi', thue, 
tJiu. vielleicht ist die cardinalzahl dasselbe wort, drei kommt 
nicht vor; vier begegnet wohl, wovon aber weiter unicn. 
dagegen fünf begegnet oft; immer lautet es chiinna (gälisch 
cuigncar). eine fünft (anzahl von je fiinfeii) scheint cunih 
zu heifsen, dem Pariser codex {tit. c) zu folge, wofür der 
heroldische codex (///. lxxx) sundc verschrieben oder verlc- 
* zcilschrilt für deutsches allei'lhuiu 2, 103. 



528 ZUR LEX SALICA. 

sen hat. sechs lautet sexa (die sechsent ^e^?««,« wenigstens 
die pluralform ist so), wie wir anderwärts erwiesen, die 
siebent lautet septmi oder septeiii also sieben wohl septe. 
acht kommt in tit. lxxx vor, acto (actotelus chunde oder 
acto et usunde, beides wohl für acto tetus cunde : achtmal 
zehn fünften, nämlich halber solidi, d. i. 400 halbe oder 200 
ganze solidi). die neunt heilst we^ oder ne (theiiwe net chiinna, 
theive ne chunna für thueive ne chunna d. i. zweimal fünf 
neunten, nämlich halber solidi d. i. 45 ganze sol.); dies 7iet 
oder 7ie entspricht ganz dem gälischen two, naoi (spr. nö) 
neun, zehn scheint tetus (was vielleicht für tecus verschrie- 
ben oder verlesen ist) zu heifsen in der schon angeführten 
glosse ; einigermafsen analog ist das gälische deich, noch nä- 
her das bretonische decg. 

Nun erst nachdem wir die bedeutung von cunde (die 
fünft)* festgestellt, können wir auch von der vier reden, sie 
lautet malbergisch (dem bretonischen pyder analog) ßtter ; 
nämlich die glosse ßtter tius chunde oder ßtter nu cunde 
scheint verschrieben für ßtter ticus oder ßtter tecus cunde 
d. i. viermal zehn fünften, nämlich halber solidi oder 100 
ganze. 

Nun nachdem wir die ersten zahlen, unum, tua {thue), 
drei fehlt, ßtlir, chunna, seocn, septe, acto, ne (?iet), tecus 
(tetus), leidlich festgestellt haben, können wir den tit. lxxx 
der heroldischen ausgäbe oder tit. c des Pariser codex im 
zusammenhange erläutern. 

' solche subslantivisciie zahlausdrücke sind auch ganz altirliindi- 
sche sitte ; öfter kommt iu den allen gedichten statt Zwei (da) vor 
Ein paar {dias), statt jNeun (nao) Eine neunt {naonmhar und naonar), 
statt Acht {oc/id) Eine acht (orhtar) u. s. w. — auch die rechnungs- 
art ist durchaus gälisch, und iiöhere zahlen werden sehr häufig nicht 
durch additions-, sondern durch multij)licationsausdrücke bezeichnet, 
so um nur einige beispiele sofort anzuführen : in Eh'e ogli in/s na 
naoimk findet sich v. 299 die zahl ceathrar ix bhßchit d. i. qiiatuor 
et novics viginfi, 4 -f (9X20) r= 184. ebendaselbst v. 279. 280 die 
angäbe Da blladhain ier s in vii n deich ecc Maelscchlainn siiaich- 
nidli, zwei jähre nach diesem und siebenmal zehn (72), vom todeMael- 
sechlainns des hervorragenden, ebendaselbst v. 343 u. 344 in einer 
Variante Seacht mbliadlina seacht moghad oll Jgi/s ciiice cell gan 
iomrall, sieben der jähre sieben male zelin und fünf hundert ohne 
überlreibung (d. h. nichts darüber) d. h. 577. 



ZUR LEX SALICA. 529 

Der kleinste der bufsansätze welche in diesem titel mit 
malbergischen Worten erwähnt werden besteht aus 6 halben 
solidis, also, da nach goldsolidis zu 40 denaren gerechnet 
wird, aus 120 oder einem grolshundert denaren. es scheint 
eine ähnliche reciinungseinheit zu sein wie man z. b. ein 
schock meifsnischer groschen sonst anführte, und es mul's 
dies geldmafs von einem grofshundert denaren eine vielfach 
im gebrauch vorkommende summe gewesen sein, da sich 
mehrfache ausdrücke dafür finden, sie heifst ivalt; das ist 
die aspirierte form vom gälischen halt, halt bedeutet einen 
rahmen; auch blofs einen rand*. wahrscheinlich waren die 
zahlbretter mit ihren rändern so rahmenartig eingerichtet 
dafs gerade ein grofshundert denare sich hineinzählen liefs, 
die man deshalb einen rahmen geld nannte, auch sejca (sexan 
ist wohl pluralform) wird diese summe genannt, weil sie aus 
6 halben solidis bestand, endlich kommt auch der ausdruck 
vor tlioa lasthi oder tlioalasti. offenbar ist hier ein Schreib- 
fehler der öfter begegnet im spiele, dafs nämlich, wenn 
zwei Wörter zusammenstehen deren erstes mit demselben 
consonanten auslautet mit dem das folgende anlautet, dieser 
consonant nur einfach geschrieben erscheint, also thoa lasthi 
steht für thoal lasthi. thoal ist das gälische dual, was wie- 
der einen rand, einen rahmen, eine einfafsung bedeutet**; 
lasti oder lasthi ist das gälische last oder lasd d. h. die la- 

' wälscli heifst das wort byliad (in leichter form vyliad) die 
einfafsung, einrahinung; hylit cinfafsen, einrahmen ; hyl (in leichler 
form vyl) der rand ; — das y scheint aber ursprünglich aus a her- 
vorgegangen, denn a lautet oft in e und y um, wenn dünne vocale 
folgen ; bal (in leichter form val) heifst jedes hervorragende ; ver- 
wandt \i\, fal, die einfafsung rund herum, fahl die hürde. 

verwandt ist das wälschc tiol ringseingefafste fläche, in specie 
der eingefafste hausplatz, dit; leichte form des Wortes ist dwi, die 
aspirierte dliwl, die sanfte tliwl. in allen vier formen kann das wort, 
und in jeder häufig, am wenigsten liäulig aber ohne zweifei in seiner 
absoluten form twl vorkommen, ich Tühre dies an, weil auch die gä- 
lischen mundarten in ihren mortilicationen und ellipsen, endlich (die 
älteren gälischen Schriften häutiger, die neueren fast nur bei Wortzu- 
sammensetzungen) in der Verdoppelung (d. h. ersänftigung) der anlau- 
tenden consonanten eine ganz ähnliche reihe haben wie das wälsche in 
der leichten, aspirierten und sanften form der initialen, man mufs das 
bei allen keltischen etymologicu berücksichtigen. 

Z. F. D. A. II. 34 



520 ZUR LEX SALICA. 

düng, Ihoalasti ist also Rahmenladung, die einmalige ladung 
des zahlbrettes. 

Paragraph 1 des erwähnten titeis, innim thool lasthi 
■=. eine zahlbretsladuug =: 3 solidi ist also klar. 

Paragraph 2, sexan chiinna = 6X5 halbe solidi =15 
solidi ist ebenfalls klar. 

Paragraph 3, sepüm chunna = 7X5 halbe solidi ::=17V2 
solidi ist in sofern nicht ganz klar als der text nur 17 solidi 
erwähnt und den halben ausläfst. es könnte gerichtsgebrauch 
gewesen sein in diesem falle den halben solidus nicht mit 
zu zählen ; eher glaube ich dafs die nachläfsigkeit des einen 
Schreibers (denn dieser satz kommt nur in der heroldischen 
ausgäbe vor) die worte et dimidio ausgelafsen hat. 

Paragraph 4, thuc walt chimna = 2x6x5= zweimal 
fünf rahmen = 2x6x5 halbe solidi = 30 solidi ist klar. 

Paragraph 5, thue septen chimna r= 2 X 7 X 5 = 
zweimal 35 halbe solidi =: 35 solidi ist einfach und klar. 

Paragraph 6, thuewe ?iet chunna = 2 X 9 X 5 =r 
zweimal 45 halbe solidi =: 45 solidi ist einfach und klar. 

Paragraph 7, thoto cunde sitme chunna z= 25 X 5 halbe 
solidi =: 62 '/2 solidi. diese glosse ist mir nicht ganz erklär- 
bar; thoto oder (nach dem Pariser codex) thotho scheint 
eine bezeichnung von zwanzig zu sein, zwar bietet tit. ii 
§ 1 1 für zwanzig den ausdruck fit, welcher dem gälischen 
ßtche entspricht ; indess wie man im älteren deutsch zwei 
Worte zu bezeichnung von 100 hatte, nämlich einhunt und 
zehanzug, so kann man auch im malbcrgischen zwei worte 
für zwanzig, gehabt haben, nämlich aufser ^? noch tho-io 
welches etwa einem Zweimalzehn entspräche*, cunde (oder, 
wie es in diesem falle bei Herold gesciirieben ist, condi) ist 
die fünft, vielleicht aber, wie im gälischen sowohl cuignear 
als cuig fünf bezeichnen, auch eine zweite form für fünf 
wie sie bei zusammengesetzten zahlen gebraucht werden 
mochte ; also thoto cunde wäre 20 + 5 = 25. das chunna 

' gerade so ist es im alten irlündischrii, wo neben fiche, Jitche, 
ßchet, fiticfed, ßchead (zwanzig) nicht blofs der ausdruck da deich 
(zweimal zehn) begegnet, z. b. im alten gedieht Eirc ogh i/t/'s na naoimh 
in V. 45 Diarmaid da deich da b/iad/iai», Diarmad zweimal zehn jähre 
u. s. w., sondern auch das wort dnchnt zwanzig. 



ZUR LEX SALICA. 531 

am ende ist seiner bedeutung nach auch klar, was bedeutet 
nun abei' sitme oder, wie die heroldische ausgäbe liest, toeth? 
ist hier ein Schreibfehler, so scheint er grofs zu sein, ich 
weifs keinen rath aulser den das wälsche gewährt, wo gwaith 
(wenn es angehängt wird blol's tvailh) so viel bedeutet wie 
unser deutsches Mal (z. b. unwaith einmal, ywaitli hon 
diesmal), nach streng regclmäfsigem buchslabenMechsel ent- 
spricht diesem wälschen worle das gälische faoi (z. b. J'aoi 
do zweimal) ; iveth chunna hiefse also fünfmal, in dem worte 
siiine könnte aber ein flickwort stecken, wie das gälische 
tna seoilh wenn so, dann (fünfundzwanzig dann fünfmal), 
oder seadh me meine ich, schätze ich, wie die Nordameri- 
kancr jetzt 1 g-ness flickwörtlich brauchen (Tünf und zwanzig, 
taxiere ich, fünfmal). 

Paragraph 8, fittei' tecus cunde = 4x10x5 = 200 
halbe solidi zr: 100 solidi ist einfach und klar. 

Paragraph 9, acto tecus cunde i=. 8x10x5 = 400 
halbe solidi = 200 solidi ist einfach und klar. 

Von den beiden folgenden paragraphen will ich zuerst 
den eilften zu erklären suchen, er lautet Jitlertos (wohl 
ßttertn vierzig , wie thoto zwanzig 5 die heroldische ausgäbe 
balßllerno, offenbar verlesen oder verschrieben) cmide thue 
apta (so hat die Pariser; die heroldische aptheo) chunna. 
hierin ist einfach erklärbar 40 X 5. das sind aber erst 200. 
die ganze summe welche herausgebracht werden mufs be- 
trägt IGOO halbe solidi; da chunna am ende steht, wie bei 
den vorhergehenden zahlen, müfsen also die dem worte chmma 
vorausgehenden Zahlwörter die summe 320 geben, welche 
5 mal genommen dann die 1600 voll machen, da Jiltcrto 
cunde erst 200 sind, so müfsen thue apta gleich sein 120 ; 
da wir wifsen dafs Ihue zwei lieifst, ist also apt ein aus- 
druck der, gleich unserem Schock, CO bezeichnet, die ganze 
glosse ßtlerto cunde thue apta chunna stellt sich also so 
dar (40 X 5) -f (2 X (50) X 5 = IGÜO halbe solidi oder 
800 ganze. 

Nun ist der zehnte paragraph diesem ganz analog. 
tlirioto (die heroldische ausgäbe hat llieiolJio, das Pariser ma- 
nuscripl iial tlü'iolus: beides scheint ihcihveise verlesen oder 
verschrieben ; die heroldische Schreibung mit ausnähme des 

34' 



532 ZUR LEX SALICA. 

c für r die richtigere)* cunde tertheo chunna. von diesen 
•Wörtern scheint thrioto dreifsig zu bedeuten ; thnoto cunde, 
dreifsig fünften, sind also 30 X 5 = 150. da bleiben noch 
neunzig übrig welche das tertheo ausdrücken mufs. wahr- 
scheinlich ist es ein zusammengezogenes wort was ursprüng- 
lich tei^ thrioto (dreimal dreifsig) etwa lautete, wie ja auch 
jetzt noch das gälische und bretonische mit den zahlen 20 
bis 100 ein wenig in unbequemer ausdrucks weise sind und 
z. b. zehn und zwanzig sagen müfsen um 30 auszudrücken, 
zweimal zwanzig um 40 u. s. w. , viermal zwanzig (guntre- 
vingt) um 80, und viermal zwanzig und zehn um 90 aus- 
zudrücken, da ist dreimal dreifsig noch compendiös dagegen, 
es ist wie das vulgäre irische wort für 27, nämlich tri- 
naonmhar (3x9). dieser ganze zehnte paragraph der glosse 
stellt sich also nun so dar, thrioto cunde tertheo chunna 
= (30 X 5 4- 90) X 5 = 1200 halbe solidi = 600 solidi. 

Ich denke so erklärt sich dieser fast ganz in malbergi- 
scher spräche abgefafste titel der lex salica höchst einfach 
und der jetzigen gälischen ausdrucksweise von zahlen ganz 
analog, die Überschrift incipiunt chunnas, d. i. hier begin- 
nen die fünfen, ist offenbar gewählt weil mit ausnähme der 
ersten, den inhalt des zahlbrettes angebenden glosse, alle 
folgenden eine verfünffach ung eines ansatzes enthalten und 
mit dem worle chunna schlicfsen ". es ist übrigens in alten 
gälischen aufzeichnungen nicht ohne beispiel dafs unter den 

* ganz ähnliche formen finden sich allg'älisch, z. b. chaogad fiinf- 
zig (a eolcha Albain iiile v. 105, und das eine manuscr. von Eiris ogh 
inis na naoinih v. 16). ebenso cetlirachat oder cetrachat vierzig (die 
anderen mss. von Eiris ogh inis na naoimh v. 16). diesen formen ge- 
mäfs ist auch eine alte form triad dreifsig zu präsumieren, malber- 
gisch correspoudieren dann iriad zr thriuto, cetlirachat izz fitterto, 
caogad zn chunto'f 

" einigermafsen etwas analoges findet sieh in den leges JFaUice 
tit. XLvm. quot modis dicitur duodcnarius numerus in lege, duode- 
cies rcdduntur nii denarii sine elevationc u. s. w. an den wälschen 
gesetzen ist es nicht die 5, sondern 3 und 4; und 3 mal 3 (9); und 
3 mal 4 (12); und 4 mal 12 — welche alles bestimmen, auch 3 mal 3 
(9) und 4 mal 4 (16). das zahlenprincip ist also vorhanden wie im sal. 
gesetz, aber es sind andere grundzahlen gewählt, nur in bezug auf 
frauenangclegenheilen kommt auch die 5 vor, fit. xxvi. triades § 20 
Pimpl riuei gureic (quinque praecipua uxoris) u.s. w. und bei schuld- 



ZUR LEX SALICA. 533 

zahlen die fünf (so wie in gröfseren summen dann die zwan- 
zig und das hundert) hervortritt, so wird z. 1>. die zahl acht 
öfter durch Drei zu fünf zusammen ausgedrückt: tri bliadhm 
Ja chttig gau roinn (drei jähre zu fünf ohne trennung) heifst 
es in dem alten gälischen gedieht aus dem eilften Jahrhun- 
dert welches nach seinen anfangsworlen a eolcha Albain 
uile genannt wird, im 43n verse. neun und zwanzig wird 
V. 17 des alten gedichtes Eire ogh im's na naoimh ausge- 
drückt durch cethrar cuicc coicc d. i. vier und fünfmal fünf. — 
dies gedieht ist aus dem 12n jh., heruft sich aher auf ältere 
historische lieder und scheint zuweilen deren text aufzu- 
nehmen. 

zahlungeil bestimmten einige die frist statt nach 3 mal 3 tagen nach 
3 mal 5 lagen, tit. lvii de furto § 26. 

H. LEO. 



DIE ALTDEUTSCHE STAMMSAGE BEI DEN 
SCHOTTEN. 

Jacob Grimm im anhange seiner deutschen mythologie 
XXVII f. theilt in einer stelle des Nennius und in der eines 
unbekannten compilators Zeugnisse mit von dem fortleben der 
alten deutschen bei Tacitus zuerst sich lindenden stammsage 
von einer dreitheiluug des Volkes nach den söhnen des Man- 
nus, dem Isco, Ingo und Hermio. diesen späteren stellen 
zufolge hat Escio oder Hisicio (so wird Isco genannt 5 die 
letztere form, die sich bei Nennius findet, hat schon ein 
keltisches vorgeschobenes It) vier söhne, Francus, Romanns, 
Alamannus und Britus, oder es stammen von ihm ab Franci, 
Romani, Alamanni et Brietojies. hier wird also die bcvölke- 
rung Italiens, Galliens und Britanniens von Isco abgeleitet. 

Es ist bekannt welches sagengewirr die irische und 
schottische Urgeschichte bildet, die üüfsigkeit kellischer laute 
hat es leicht gemacht irische und schottische namen etymo- 
logisch an die sprachen und namen der eutfcrnleslen Völker 
anzuknüpfen, und wie es in neuerer zeit, seit England in 
nächste Verbindung gekommen ist mit Ostindien, nicht ge- 
fehlt hat an leuten die alte indische Überlieferungen mit gä- 
lischen namen und stammsagen in Verbindung zu bringen 



534 DIE ALTD. STAMMSAGE BEI DEN SCHOTTEN. 

gesucht haben, so haben im mitlelalter irische und schotti- 
sche mönche nicht blofs den Eber der israelitischen Urge- 
schichte, sondern auch Phönicier, Iberier, Skythen und wer 
weifs was alles der landesgeschichte der britischen inseln in 
der Urzeit verknüpft, man wird bei diesen versuchen die 
Urzeit zu bevölkern lebhaft an unser deutsches Sprichwort 
erinnert Bei nacht sind alle kühe schwarz. 

Interessant mufs es uns aber sein dafs an einen schot- 
tischen mönch, der kurz nach der mitte des eilften Jahrhun- 
derts ein gälisches gedieht verfafste das O'Conor mittheilt und 
das nach seinen anfangsworten A eolcha Albain uile ci- 
tiert wird, auch unsere deutsche stammsage gekommen war 
und dafs er sie, gleich Nennius, mit der abkunft britischer 
Völker in beziehung setzt, ich gebe die beiden hierher ge- 
hörigen Strophen zuerst in ihrem gälischen text und dann in 
der Übersetzung, den gälischen text, ungeachtet sich in 
Deutschland nicht viele dafür interessieren werden, füge ich 
theils der urkundlichkeit wegen bei, theils weil meine Über- 
setzung an zwei stellen von O'Conor abweicht, der hier sehr 
nachläfsig gewesen zu sein scheint; da aber O'Conor als Ir- 
länder die präsumtion richtigeres Verständnisses für sich ha- 
ben könnte, mufs ich doch dafür sorgen dafs sachverständige 
meine Übersetzung vollständig controllieren können. 

Strophe 2 
Albanus do ghab ria n slogh, 
Mac sein oirdhairc Isiocoi?i, 
Brathair do Britus gan brath; 
raitir Alba eathrach. 

Strophe 3 
Ro ionnarb a bhrathair bras 
Britus tar muir, n iocht namhnas ; 
Ro gabh Briotus Albaiti ain 
Go roinn ßaghnach Fothudain. 
die Übersetzung ist 

2 
Albanus nahm es (nämlich Albanien) mit seinem heere^ 
Der ältere söhn des edeln Isiocon, 
Bruder (nämlich war er) zu Bntus gewisslichi 
Von ihm loird genannt Alba (Albanien) das schiff reiche. 



DIE ALTO. STAiMMSAGE BEI DElN SCHOTTEN. 535 



Es cer trieb xcine/i b rüder geicalltliiiiig 
Der Briius übern mcer, nicht pietät war das ; 
Es nahm Britus das preiswürdige Albanien 
Bis zur gcgo/id des wildprotreichen Fothudanie/i. 
Hier haben wir den Isiocon als valer des Albanus und Bri- 
tus wie bei Nennius den Hisicio als vater des Alamannus 
und Brutus, offenbar hat sich der Schotte der deutschen 
Völkergenealogie, in welche er bereits einen Britus einge- 
flochten finden mochte, weiter bemächtigt und den Ala- 
ynannus in Albanus verkehrt, oder sollten hier wiirklich ur- 
alte den Germanen und Kelten gemeinsame Überlieferungen 
zu gründe liegen? allein die lateinischen namensendungen, 
Albanus, Britus, verralhen eine gelehrte lateinische quelle, 
und der name Isiocon (spr. Isicon) zeigt dann deutlich dafs 
ihn der vcrfafser nicht nach einer nominativform Isico, son- 
dern nach formen anderer casusflexionen, Isiconis u. s. w., 
gebildet hat. H. LEO. 



DER S^ELDEN TOR. 

In den homerischen dichlungen gibt die menschliche auf- 
fafsung der götter jedem derselben sein eigenes haus auf ei- 
nem der umwölkten gipfel des Olympos, und die personifi- 
cation und Vergöttlichung der träume besteht hauptsächlich 
darin dafs ihnen thore zugeschrieben werden, bald eins an 
dem der schlafende ruht (Od. 4, 809), bald zwei aus denen 
sie selber hervorgehen (Od. 19, 562 ff.). 

Die Vorstellung von gotteshäusern ist, wie mehr als eine 
stelle altnordischer dichlungen zeigt, auch der deutschen my- 
thologie nicht fremd gewesen; nur hat sich der poetische 
redegebrauch, der die" Synekdoche liebt, nach und nach an 
einen ausdruck dieser art festgeheftet und spricht bei götlli- 
chen wcsen und göttlich bewalteten dingen nicht von einem 
hause, sondern von einem thore derselben, von dem thore 
das auch sonsl das ganze haus symbolisch vertritt als dessen 
geheiligter ein- und ausgang (rechtsalt. 174 ff. 726 ff.), so 
heifst die Eider ahd. Egidora Agadora, alln. Aegisdyr d. h. 



536 DER SALDEN TOR. 

thor des meeres- und schreckensgottes (mythol- 174)*; so 
kennen nihd. dichter ein thor der Minne (vdH. 2, 157^), 
der Liebe (Ulr. v. d. Türlin Wilh. cod. pal. 98»), des To- 
des (ebenda 34") **, und ein allitterierender reisesegen wahr- 
scheinlich des 12n jh. (Diut. 2, 70) nennt neben einander 
dis sigidoi\ diz selgidor (lies swldeioi'), diz ivägtdo?' und 
ätz ioäßndor'\. 

Der Sivlde toi\ dieser eine ausdruck wiederholt sich be- 
sonders häufig, von Jacob Grimm ist nachgewiesen (myth. 
504 ff.) in wie heidnisch sinnlicher weise noch das ganze 
mittelalter von der glückseligkeit spricht, wie sie da schläft 
und wacht ff, zürnt und lacht, so nun hat sie auch ein 
thor (leseb. 1, 274, 25) das ihren lieblingen sich öffnet, den 
unbegünstigten verschlofsen ist, und ebenso ein thor ihre 
böse Schwester, die UnsKÜh : Unscelde si mir itf getan ! 
Rabenschi. 57'\ 

Was jedoch nicht zu übersehen, gewöhnlich und beinah 
überall heifst es nicht der Swlde, sondern mit anderer en- 
dung </er swldeti tor : Walth. 20, 31. Grootes taschenb. 138 
(vom j. 1402). der stehlen für Heinr. v. d. Türlin 45. 160. 
vdHagen 1, 93\ der sceldcn porte leseb. 1, 331, 36. 
diese form aber ist mehrfacher auslegung fähig, entweder 
ist da Saide ganz als weiblicher eigenname verstanden und 
deshalb schwach flectiert (wie Unscelde vdHagen 2, 209'), 
oder es ist gen. plur. : letzteres dann entweder auf grund 

* die Eider ist der grenzflufs zwischen Sachsen und Dänen, und 
als hauptgottheiten der letzteren werden Juppiter und Neptun genannt : 
Ermold. Nigell. 3, 5 ff. 4, 451 ff. eine Urkunde der Karolingerzeit im 
Staatsarchiv von Zürich hat am Zürcher see einen ort namens Agasül, 
wobei in betracht kommt dafs Columban und Gallus an eben diesem 
see idola lovis et Neptiuii vorfanden (mon. Germ. bist. 2, 61). 

'* vergl. die thore des todes und der finsternis und das haus des 
lichtes Hiob 38, 17. 20. 

•}• bislozin si dir diz wdgidor, samt si dir diz wdßndor ; in einem 
andern reisesegen herre got, du muozist in biscirmin vor wage unde 
for ivdßne Diut. 2, 293. 

ff swer die nu solle schoitwen, des swld was niht enlsldfen ülr. 
V. d. Türlin 46". wcpnt ir das min swlde tht wache? cod. pal. 341, 
340*^. gaiiziu tvgent, meines teil: da wachet schände und sldfet heil 
Heinr. v. d. Türlin 44. vergl. fortunam eius in malis tantitm civili- 
bus vigilasse Amm. Marc. 14, 10. 



DER S.ELDEN TOR. 537 

der annähme mehrerer glückgöttinnen, oder indem sa'lde mit 
aufgebung der persönlichkeit lediglich abstract genommen und, 
wie das bei abslracten zu geschehen pflegt, in den pluralis 
gesetzt ist. 

Diese dritte auslegung, nach welcher tor beinahe nur 
nocli ein ausdruck ist ohne bestimmt bewusten sinn, möchte 
wohl den Vorzug verdienen, denn jedesfalls hat Hartmann 
die mythische grundanschauung bereits verloren, wenn er golt 
selbst als pförtner die stelde/i porte verschliefscn läl'st (le- 
seb. 1, 331, 35), und nach analogie des altgewohnten thores 
der glückseligkeit wird hin und wieder auch solchen ab- 
slracten ein thor beigelegt für die eine einstmalige personi- 
fication zur gottheit nicht wohl anzunehmen ist * : der riuwc 
tor Parz. 649, 8. der wünne forte vdH. 2, 125% und gar 
der rittei-schefle tor Suchenw. 1, 14; da aber begegnen uns 
ganz unzweifelhafte plurale : der früuden tor vdH. 2, 157''. 
313'**. 

Dergleichen ist dann eine eben so unmythische, nur noch 
dichterische Sinnlichkeit der darstellung wie das sinkende 
haus des rechts in Aeschylus Eumeniden 516 neben den tho- 
ren der träume und den götterhäuseru Homers. 

' wie eben solche nun auch schlafen und wachen gleich der Saelde: 
vergl. anm. zu Walth, 2, 172. man siht ofte wachen unwize und 
kunst sldfen Hcinr. v. d. Tiirl. 4. ir güefe und ir besc/icidenheit ist 
leider gar gein mir entsldfen vdH. 1, 66''. niio begitnd mir freude 
weken gehügde Ulr. v. d. Tiirl. Hü''. 

*' vergl. hl werdem man so wachent wi'bcs güete vdll. 1, 343*. 

WILH. WACKERNAGEL. 



IN DEN WALD WÜNSCHEN. 

Zu den gedichten Walthers von der Vogelweide welche 
die kunst der ausleger necken gehört besonders der an Leo- 
pold von Osterreich gerichtete spruch bei Lachmann s. 35. 
so viel ist klar, der herzog hatte Wallhern in den wald ge- 
wünscht, der dichter entgegnet indem er mit scherz und 
Wortspiel den wünsch zurückgibt, die hauptsachc wird nun 
sein zu erklären was sich das miltelaller bei einer verwün- 



538 IN DEN WALD WÜNSCHEN. 

scliuiig in den wald gedacht habe, zu Walthers zeiteii viel- 
leicht nichts recht bestimmtes mehr, vielleicht auch mehrer- 
lei neben einander, ich will zur ergänzung und weiteren 
begrüudung dessen worauf bereits der commenlar zu Sim- 
rocks Übersetzung 2, 168 hingewiesen hat die mehrfachen 
bedeutungen die möglich seien zu entwickeln suchen. 

Ein allüblicher ausdruck enthält dieselben alle kurz ver- 
einigt, dei' wilde iva/d, eine zugleich ablautende und allitterie- 
reude wortpaarung wie das grüne g7'as und wie im grie- 
chischen ovQuvbg fv^vg, ev(tvg uqovqu. 

De?' loilde icald, es ist das aus dem munde des behag- 
lich eingehausten und gesitteten menschenlebens gesprochen. 

Denn dem unfruchtbaren walde steht erstlich das feld, 
der bestellte acker entgegen : wie denn auch Walther sagt 
wünsche mir ze velde und j\iht ze ivaldc. wer daher jemand 
in den wald wünschte, der wünschte ihn vom segen des 
menschlichen fleifses weg in die von menschenhand noch un- 
berührte, unangebaute wildnis. 

Da aber mit dem ackerbau der feste wohnsitz verbun- 
den ist, weshalb bauen (das gr. qveiv) sowohl vom bepflan- 
zen des ackers als dann auch vom wohnen und vom errich- 
ten der Wohnung gesagt wird, so ergibt sich der allitteiüe- 
rende gegensatz heim und holz- (leseb. 1, 113, 21), der 
wirtliche wohnsitz und der unwirtbare wald, und die Ver- 
wünschung in letzteren ist eine Verwünschung fort aus dem 
verkehr der draufsen angesefsenen menschen, deshalb Wal- 
lher Id uiich bi den Hüten: möglicher weise noch ein Wort- 
spiel mit Liupolt, eben wie der wünsch in den wald eins 
mit Walther. 

Sollten fehler und häuser an die stelle des wilden wal- 
des treten, so musle man diesen zuvor ausräuten. das war 
aber die arbeit roher, selbst halbwilder bauern, so dafs die 
alli Iteration hof und holz den gegensatz von bildung und 
bildungslosigkeit, von hölischer feinlieit des Verstandes und 
der sitte und bäurischer Stumpfheit und unsitte ausdrückt 
{swer niht enmerket daz er siht, er enbezeri sich da von 
niht: im mühte sin als mwre daz er da ze holze wo're so 
da ze hove welsch, gast 1, 2), und derjenige den ein fürst 
in den wald wünscht damit vom hofc weg in das schwere 



IN DEiN WALD WÜNSCHEN. 539 

leben der lürper verwünscht ist. Walther eiwiedert ickn 
kan niht riuten. 

Erst dann ein sitz menschlicher cultur wenn er ver- 
schwindet, ist der wald so lange er steht nur die heiniat 
des wildes : der mensch betritt ihn nur als Jäger, während 
er im kriege mit menschen, auch in diesem uufriedlichen 
verkehr mit seinesgleichen, lieber auf freiem felde bleibt, so 
aufgefafst können feld joh ivald auch krieg und jagd bedeu- 
ten (Otfr. 1,1, 62), und der in den wald verwünschte ist 
verwünscht zu den thieren, zu den hölzittgen, wie ein alter 
euphemismus den >volf, den sciirecken des holzes, nennt 
(Keinh. lv). 

Aber der wald ist auch das reich unheimlicher wesen : 
wer sich da verirrt, den schrecken auch ivalilsclwaten, kolz- 
iveiblein, icaldteufel jeglicher art, oder er geräth einem men- 
schenfrefsenden türsen in die bände (leseb. 1, 559. vdHagen 
2, 331''), und es laufen da aufser den Wolfen auch wehrwölfe. 
insofern sich nun fluche und Verwünschungen gern zurück- 
beziehen auf Vorstellungen des heidenthums, möchte der ur- 
sprüngliche, wenn schon nicht der immer und allein festge- 
haltene sinn der Verwünschung in den wald eine Verwün- 
schung zu allen teufein desselben gewesen sein* oder eine 
anfluchung dämonischer wolfsgestalt. in der that gibt es auch 
wenigstens zwei stellen die unzweifelhaft nur in solcher 
weise können verstanden werden, eine in der Crescenlia, 
wo der marschall, nachdem er Cresccntien eine unholde ge- 
scholten, noch hinzusetzt (kaiserchr. cod. pal. 73*^, vergl. 
Kol. cod. s. 262) du soldcs billecher da ce holz- varn" dan 
die megede lue (bei hofe) bewarcii, und eine die noch dem 
15n jh. angehört, in der Mörin Hermanns von Sachsenheim 
(Worms 1539. xvii"), die kihigin sah den Eckart an Vnnd 
.sprach ' herting, geschiveig der xvortl Lieff'eslu i/m jhenem 
wald dort Vnd werst einwolff, das acht ich klein! 'Gnad, 

' vergl. wie Filiiner der Gothenkiiiiig die Aliorunen (d. h. Ilalio- 
runen, ahd. helliriina) in die wiidiiis jagt, wo sie mit den waidiniia- 
nern sicli vermischend das vnlk der Hunnen erzeugen, Jornand. 24. 

fahren bezeichnet auch sonst das wild unstäte leben dämoni- 
scher weiber: hagliedissen ende varcnJe vrouwen hör. belg. 1. 119. 
varende wif der Wirbelwind mylhol. 017. 



540 liN DEN WALD WÜNSCHEN. 

fraw, so lieff ich wider heyin P^ml wer gleich Eckart als 
auch vor! 'IVer weyfs^ man schlug leicht zu das thor 
Vnd Hofs dich Schnecken blenden gon! 

WILH. WACKERNAGEL. 



ZWÖLF SCHWERTER UND NEUN HERZEN. 

Eine recension des Rosengartenliedes legt Siegfried, dem 
könige aus Niederland, zwölf schwerler bei, er vileret zwelf 
swert, einez ist Balmunc genant. Wilhelm Grimm (Roseng. 
s. v) ist geneigt die worte für verderbt zu hallen und ver- 
mutet als ursprüngliche lesart er vilert der zwelf swerte einz, 
deist Balrmmc genant; worin dann eine beziehung liegen 
würde auf eine hie und da anklingende sage von zwölf un- 
ter die verschiedenen beiden ausgetheilten elfenschwertern. 
gleicherraafsen ist ihm wahrscheinlich dafs die erzählung des- 
selben und noch eines andern Rosengarlenlexles von zwei 
oder drei halsbergen, die Siegfried angelhan habe, nur auf 
einem misversländnis beruhe; ein älteres lied habe von dri- 
lichen d.h. dreifach geflochtenen halsbergen gesprochen (hel- 
dens. s. 250. Roseng. s. v). 

Ich weils jedoch nicht ob diesen Vermutungen beizustim- 
men sei. denn die rohere kunst (und sicherlich zeigt sich 
im Rosengarten die poesie des volkes roh und verwildert 
genug) scheut sich nicht abstracte eigenschaflsbegriffe auch 
auf die abenteuerlichste weise sichtbar zu versinnlichen ; 
Inder Slawen Mongolen dichten und bilden vielhändige viel- 
häuptige gölter, Griechenland hat seinen dreiköpfigen Cer- 
berus, seinen hunderläugigen Argus, der scandinavische nor- 
den das achtbeinige pferd Odhins und riesen mit drei, mit 
sechs, mit neunhundert häuplern (mythol. s. 222 f.) : warum 
nun die drei halsberge, die zwölf Schwerter nicht eben der- 
gleichen vergröbernde Symbole, dieses der zwölffachen manns- 
stärke, welche das Nibelungenlied 336, 3 dem beiden in der 
tarnkappe ausdrücklich zuschreibt, jenes der unverwundbar- 
keil, die sonst minder auffällig durch die hornhaut symboli- 
siert, aber auch so immer nur symbolisiert wird? 

Und dies um so mehr als die dichtunsen des deutschen 



ZWÖLF SCHWERTER UND NEUN HERZEN. 54t 

wie des romanischen miltelallers sonst noch manches der- 
selben, ja noch viel roherer art enthalten, der drei schwer- 
ler des Ferabras nicht zu erwähnen, weil zwei davon über 
den Sattelbogen des rosses gehängt werden (Fierabr. s. 9) : 
in dem gleichen Rosengarten wie in der altschwedischen Vil- 
kina-saga hat Heime vier eilenbogen (heldens. s. 257. Ro- 
seng, s. Lxxiv) d. h. riesenhaft langa arma ;' im Reinardus 
kommen widder vor mit vier, sechs, acht hörnern, worauf 
der dichter schwerlich durch die vielhörnigen schafe Islands 
geführt worden (Jac. Grimm Reinh. s. lxxii); in einem 
Volksmärchen (n» 38) fuchse mit zwei bis neun schwänzen 
d. h. von doppelter bis zu neunfacher fuchseslist; und einen 
menschen von aufserordenllichen geistcsgaben nannte man 
ehemals neunherzig, der übertraf an verstand und gemüt die 
gewöhnlichen menschen wohl um das neunfache, von Me- 
genze lool niunherzic man heifst bei Reinmar von Zweter 
(vdH. 2, 210'') der erzbischof Siegfried der 2e von Epstein; 
so nimt mich wunder daz er niunherzecUche kan geleben: 
mit ebne Übe erz allcz luot" . die Adelnhauser hs. in Zü- 
rich (altd. bll. 1, 343) deutet n» 52 die neun herzen auf 
neunerlei geistliche eigenschaflen. ein rehte guot mensche 
sol kan nivn herze, ein herze mit allem vride. ein behuetit 
hercc mit allem vlize. ein linde herze daz ein iegelich in- 
gesigel wol müge enphahen nach sime dinge, ein wit herze 
da himelrich und ertrieh wol inne mügen gestan. ein vf er- 
haben herze ob allen zerganclichen dingen, ein gebunden 
herze mit rehter gehorsami. ein entluhtende herze mit der 
gotlichen ininne. ein gesament herze, mit der gotlichen wis- 
heit. ein beslozzcn herce mit der heiligen drivallikeit. die 
spätere zeit hat diesen symbolischen ausdruck in dem ge- 
schlcchlsnamen Neunherz fesigehallcii (ein Job. Neunherz, 
geb. zu Schmiedeberg 1(553, gest. zu Hirschberg 1737, ver- 
fafser der Evangel. sabbaths-freude. Zittau 1690. 12), und 
zugleich ihn ganz uusyinbolisch auffafscnd ein grauscnhafles 
zaubcnnitlcl daraus abgeleitet, 'wer von neun herzen noch 
ungeborener knaben gegefsen, konnte, welchen diebstahl oder 

* der schlufs dieses Spruches bedarf noch der befscrung; walir- 
schcinlich daz iiu'l ich dne ziri'vcl Idzcn. im ist nach creii also '^w 
daz nie ein hiin^ergüic bcr so nCtlec wart nach süczes lionegcs ra'zcn. 



542 ZWÖLF SCHWERTER UND NEUN HERZEN. 

sonstiges verbrechen er immer begehen mochte, dabei nicht 
ergriffen werden, und wenn er dennoch durch einen zufall 
in die gewalt seiner gegner gerathen sollte, sich unsichtbar 
machen und so seinen banden sich wieder entziehen Tettau 
und Temme, volkssagen Preufsens s. 266. 

WILHELM WACKERNAGEL. 



THEILEN, THEILEN UND WAHLEN, 
THEILEN UND KIESEN. 

1. Die letztwillige Verfügung jemandes über den eintritt 
anderer in sein eigenthum wird im altdeutschen mit dem 
zeitworte teilen bezeichnet : es liegt darin beides ausgedrückt, 
die sonderung des gutes in seine bestandtheile, und die be- 
stimnuuig der einzelnen personen welchen dieser und jener 
zufallen solle. Walth. 60, 34. Reinm. vdH. 1, 176\ die frei- 
heit solcher Verfügungen war jedoch in mehr als einer weise 
gesetzlich beschränkt, und es kamen dieselben immer nur 
ausnahmsweise vor. der regel nach war es den erben über- 
lafsen mit berücksichtigung der bestehenden rechte die sache 
unter sich selbst in Ordnung zu bringen, da aber waren 
verschiedene verfahrungsarlen möglich und gebräuchlich. 

2. Das erste verfahren zeigt jene beiden seilen der 
letztwilligen Verfügung in geschickter weise unter die erben 
vertheilt; zugleich ist es ein beispiel für die characteristi- 
sche neigung des altdeutschen rechtes das justum und das 
aequum mit einander zu vereinbaren, ich meine das durch 
alle Stämme, durch alle Jahrhunderte gehende gesetz, wo 
zwei zu einem erbe geboren seien, solle der ältere theilen, 
der jüngere wählen, der ältere die erbschaftsmasse in zwei 
hälften zerlegen, und dann der jüngere zuerst sich erklären, 
welche der beiden hallten er wolle, sachsensp. landr. iii, 29. 
schwabensp. landr. 26, 2. 237, 2 (andere stellen rechtsalt. 
s. 480). damit wird sowohl der erstgeburt ein Vorrecht, 
dem gereifleren alter ein übergewicht der Verständigkeit, als 
auch dem jüngeren sein gutes anrecht, eine freie willkür des 
liiuns und lafsens zugestanden, hier und dort aber dem über- 
greifenden eigennulze würksam vorgebeugt. 



THEILEN. 543 

Auf diesem gebrauche des iheilens und wälilens beruht 
eine sprichwörtliche redensart die uns bei den dichtem des 
niitlelalters häußg begegnet : von einem der die ganze fülle 
des gliickes und der gewalt in bänden hat wird gesagt, er 
selbst, er allein tiieile und wähle zugleich. Hartmann büchl. 
2, 615 f. vdH.1,94''. 127^ 2, 78^ Ulr. v. Turh. Wilh. cod. 
guelf. 60'' so uwidet ir hau bcidiu tJaz- teilen imd daz iveln. 
Dasselbe verfahren, nur mit einer merkwürdigen um- 
wendung der aequitas, indem der jüngere theilte, der ältere 
wählte, kannten auch die einwohner von Wales, indessen 
die britischen rechtsgebräuche berühren sich auch in ganz 
anderen stücken mit denen des deutschen Volkes, und hier 
möchte sogar eine blofse entlehnung im spiele sein: denn 
eben jene umwendung war auch normannischer grundsatz, 
rechtsalterth. 480. das aber ist auffallend, dafs einmal auch 
die Römer davon gewust haben; dafs uns, abweichend von 
dem ausgebildeten recht der späteren zeit, welches davon 
auch nicht die leiseste spur mehr übrig hat, doch für die 
sagenhaften anfange der römischen geschieh te die sitte des 
theilens und wählens deutlich bezeugt wird, nämlich in der 
erzählung von Numitor und Amulius bei Plutarch Rom. 3. 
Amulins, also auch hier der jüngere bruder, iheilt, als einen 
theil die guter und schätze des hauses, als anderen das blofse 
königthum vorlegend ; Numitor, der ältere, wählt, und zwar 
das königthum. welche erzählung Pompouius Laelus, oder 
wer sonst verfafser des dem Aurelius ^ictor zugeschriebenen 
buches de origine gentis Rom. sein mag, in dem einen punkte 
aus misverstand oder absieht ändert (cap. 19) dafs Numitor 
die guter gewählt und das königthum dem nachgeborenen 
überlafsen habe, bei üionysius von Hai. 1,76 ist Numitor 
nicht durch iheilung und wähl, sondern schon durch die erst- ■ 
gehurt zur thronfolge berechtigt. 

3. Zu dem Vorrechte der theilung kam in dem falle wo 
es angestorbenes hcergewäte (lodleibe) betraf noch eine wei- 
tere bevorzugung des älteren erben : er nahm das schwert 
des verstorbenen zuvor und ward damit als dessen eigentli- 
cher nachfolger, als erster schwerlmag, als neues haupt des 
hauses und vogt der unmündigen miterben bezeichnet: sach- 
sensp. landr. i, 22. schwabcnsp. landr 26, 1. 3. für das 



544 THEILEN. 

übrige galt der gewohnte brauch des theilens und wählens, 
nach umständen auch der verloosung (vergl. 4 5 Sachsenspie- 
gel und Schwabenspiegel sagen minder bestimmt dat andere 
delet sc gelike under sik): hier um so mehr als bei der un- 
gleichartigkeit der einzelnen gegenstände welche das heer- 
gewäte ausmachten ein blofses abzählen und vertheilen der- 
selben unmöglich war. 

Wo also ein manu von ritters art (nur ein solcher be- 
safs heergewäte) zwei ebenbürtige söhne hinlerliefs, theilte 
der ältere beider erbe und heergewäte, der jüngere wählte 
nur, und das schwert das jener zuvor empfieng durfte wohl 
auch als lohn seiner mühwaltung erscheinen. 

Hierdurch erklärt sich ein sonst dunkler und nüifsiger 
zug in der erzählung aus Siegfrieds Jugend die im Nibelun- 
genliede 89 ff. Hagenen in den mund gelegt und theilweis ab- 
weichend im Dietleib SO** als sorglicher gedanke Dietrichs 
vorgeführt wird, der erzählung w^ie Siegfried sein wunder- 
bares schwert und durch dieses den hört und die tarukappe 
o^ewonuen habe. Siegfried kommt dazu wie die beiden kö- 
nigssöhne Nibelung und Schilbung ihr anerstorbenes erbe 
theilen wollen und, mufs man ergänzen, darüber in zwisl 
gerathen sind, weil die iheilung des älteren den jüngeren 
bruder nicht befriedigt, sie bitten ihn das streitige geschäfl 
zu übernehmen, und geben schon im voraus im ze miete daz 
Niblunges swert. aber auch er kann es ihnen nicht zu danke 
machen, und im neu erhobenen hader erschlägt er sie mit 
der kaum empfangenen waffe. 'man begreift nicht' sagtWilh. 
Grimm heldens. s. 78 'warum sie ihm das schwert Balmung 
voraus zum lohne geben, ehe noch die theilung geschehen 
ist.' da jedoch Siegfried mit der Übernahme der theilung in 
ein recht eintritt welches sonst dem älteren erben zukommt, 
und da der ältere erbe aus dem heergewäte des verstorbe- 
nen dessen schwert zuvor erhält, hier aber eine verlafsen- 
Schaft der art zu theilen ist dafs auch heergewäte dazu ge- 
hört, die verlafsenschaft eines edcln, eines königs, so ist es 
nur eine nothwendige folge des alten rechtsgebrauches dafs 
bei dieser erbtheilung er die auszcichnung und den lohn des 
erstgeborenen, schon im voraus das väterliche schwert em- 
pfange. 



THEILEN. 545 

4. Die Vorschrift des theilens und wählens war jedoch 
nicht überall durchzuführen : die zahl der erben und die be- 
schaffenheit der erbstücke konnten auch andere verfahrungs- 
arten nöthig machen, entweder eine freie Verabredung der 
erben, wie z. b. in dem französischen märchen vom gestie- 
felten kater, während das entsprechende italiiinischc (märchen 
3, 304) mit einer letztwilligen Verfügung des sterbenden va- 
ters beginnt; oder aber das lofs, eine Übergabe der thcilung 
und vertheilung in gottes hand. dat erve schal de oldcste 
dehn, de juugeste kesen; is er aver rner den/i twe, so de- 
le?i sc mit gelote rigisches recht, Oli'ichs s. 140. wd zwene 
erbbi krigen umtne teildte erbis oder frigis (sc. eigens), 
mochten die nicht mit löschte noch mit fr.untschaft ubir ein 
gelrage, so sal der eider e teile, he si knabe oder juncfrawe, 
man oder wib, und der jüngere kise (also nur noch ein aus- 
kunftsmittel). is aber der er bin tne denne zivene, so stil- 
len sie teile iif ein glich lös Erfurter stadtr. (Walch 
beitr. 1) 19*. 

Der Sache nach gleichbedeutend mit dem lofse ist das 
angerufene Schiedsgericht eines zufällig hinzukommenden un- 
parteiischen dritten, wovon uns wenn schon nicht die rechls- 
bücher, doch wenigstens dichtungen des Volkes erzählen, so 
das 92e märchen der grimmschen Sammlung, so auch ein 
magyarisches bei Gaal s. 166 ff. und ein arabisches der 
1001 nacht bei Habicht 10, 252 Jf. : märchen die mit dem 
vorher erwähnten jugendabcntcuer Siegfrieds mannigfach über- 
einstimmen, zum beispicl auch und namentlich darin dafs der 
streit der erben gleiciifalls guter von zauberhafter würkung, 
wunschdinge betrilft, und dafs es zuletzt der Schiedsrichter 
ist der im besitze derselben bleibt: aber nicht minder grofs 
ist die abweichung: es handelt sich hier nicht um tiicilung, 

' bei thcilung von ländfireien ward als lofs ein seil gebraucht: 
den so ^ehmot wirt, die rnvgen sprechen 'funes ceciderunt mihi in 
praeclaris' (ps. 16, 6). die gcbruodere teilent ir erbe hie in dirre wcrlte 
eltewenne mit seilen : da denne daz seil hine gcvellct, ez si ubcl oder 
guot, dd muoz ez der nomcn, der denne wellen sol Diut. 2, 279. viel- 
leicht aber ist das nur unitlare auflafsung und Übertragung der ange- 
führten und andrer altteslanienllichcn stellen (vergl. deuteron. 32, 9) : 
Notkcr setzt diesem mosaischen seile als theilungsgeräthschaft seiner 
zeit die ruthc entgegen, und zwar als mal's, nicht als lofs, ps. 77, 55. 
Z. F. D. A. II. 35 



546 THEILEN. 

sondern um verlheilung; nicht um Zerlegung der erbschaft 
in hälflen oder drittel, damit nachher jeder der streitenden, 
und der jüngste zuerst, das ihm beliebige auswählen möge, 
sondern, indem die wunschdinge bereits gelrennt und einan- 
der an werlhe gleich vorliegen-, nur noch um Stellvertretung 
der erben in der streitigen wähl, auch ist der sittliche cha- 
racler des ausganges hier ein anderer als dort bei Siegfried, 
der Schiedsrichter überlistet die streitenden nur, er über- 
wältigt sie nicht; sie verlieren nur die gegenstände ihres 
ihörichlen zankes, nicht auch das leben, wie dort die Ni- 
belungssöhne, durch deren ermordung mit eben dem Schwerte 
das sie selber ihm zutrauensvoll gegeben Siegfried zuerst 
den fluch des Verderbens über sich herabruft. 

Durch die Verschiedenheit des ausganges in characteri- 
stischer weise noch weiter abweichend, sonst aber auch hie- 
her gehörig ist die sage vom wolf der sich bereden läfst in 
einem alten rechtsstreite zwischen vier widdern den Schieds- 
mann zu machen: da ergehts ihm wie überall ; er kommt da- 
bei zu schaden, die widder stofsen ihn jämmerlich zusam- 
men: Reinh. lxxii: vergl. cclxxvi. 

5. Die rechtliche praxis des mitfelalters liefs aber auch 
da theilcn und wählen wo es keine erbschaft, sondern an- 
dere dem nur analoge verhältnifse galt, die Görlitzer glosse 
zum sachsensp. landr. nr, 29 (Görl. hs. 28) besagt ausdrück- 
lich hettin IuIp mit einander gesselleschaft odir bruderschaft 
odir gcmeinschqft anoime dinge do siille der eldeste teilin 
und {der) jüngste kiesen. 

Die märchen- und fabelpoesie, in welcher auch der über- 
listende Schiedsrichter zuweilen da auftritt wo die streiten- 
den nicht gerade um eine erbschaft, sondern überhaupt nur 
um besitz in Zwiespalt sind (löwe bär und fuchs bei Aesop 
Kor. 39, das deutsche märchen 3, 225, das tatarische ebda 172, 
das persische 1001 tag vdHagen 4, 3G3 f.), macht nicht 
minder gebrauch von jener freien ausdehnung des theilens 
und w ählens ; sie fügt nur noch eine neue freiheit hinzu, 
denn in den mannigfach sich gestaltenden fabeln von der 
socielas leonina, dem löwen und dessen jagdgcsellen, ist die 
abschliefsende wendung jedesmal ein theilen und wählen, 
und zwar, wie in jener sprichwörtlichen redcnsart der mhd. 



THEILEN. • 547 

dichter (s. 2.) beides von einer und derselben band ausge- 
übt, nur kommen dabei nicht die verschiedenen altcrsslufen 
in betracht, sondern das eine mal ist es die überwältigende 
stärke des löwen kraft welcher der die gemeinsame beule 
theilt und alle theile dann für sich selbst erwählt (Reinh, 
ccLxii, vergl. cclxxxv. cccxii), das andere mal die Weisheit 
des gewarnten fuchses die jenem das ganze zuspricht und 
für sich selber höchstens ein kalbsfüfslein erbittet (Reinh. 

LXXVr. CCLXll). 

So tritt uns dieses verfahren, den natürlichen und na- 
lurrechtlichen motiven gemäfs aus denen es hervorgegangen 
ist, aller orten und zu den verschiedensten Zeiten entgegen, 
bald in der, bald wieder in jener anwenduug: eigentlich 
rechtlichen bestand jedoch und grundsätzliche einschränkung 
auf ein bestimmtes rechtsverbältnis hat es nur bei den Deut- 
schen gefunden. 

6. Verschieden vom theilen und wählen ist das theilen 
und kiesen, hier handelt sichs nicht darum wie eine und 
dieselbe erbschaft auf dem billigsten wege unter zwei gleich- 
berechtigte personen könne verlheilt werden : sondern eine 
person soll sich entscheiden, welchem von zweien ihr schon 
gesondert vorgelegten, ihr bereits getheilten dingen sie den 
Vorzug gebe um dieses dann für sich zu behalten, der un- 
terschied der Synonyma wählen und kiesen ist also der, dafs 
bei jenem mehr ein gegonsatz der subjecte, bei diesem einer 
der objecte stattfindet; was ganz zu der etymologie beider 
stimmt: Idesc/i gehört zum gr. yfunp, lat. giistare, und be- 
zeichnet eigentlich ein kostendes prüfendes urtheilen; tvä/i- 
len dagegen zu wol/e/i, insofern dies ein nicht- sollen, eine 
freie anders woher unabhängige eulschliefsuug ausdrückt. 

Stellen wo vom ihcilcu und kiesen oder, jenes unaus- 
gesprochen, nur vom kiesen die rede ist, sind z. b. Walth. 
46, 27 (u'c'l/e/i hieze sicherlich nur des Wohllautes wegen 
statt kiese?i hiezc) if. vdll. 2, 208''. I^lcken ausf. Lafsb. 131. 
Ottok. 336". das subst. heilst kär Ollok. 559". selbchur 
Diul. 1, 289. minder genau mal vdll. 1, 333". 

Das theilen und kiesen ist eine sache zumeist des ge- 
sellschaftlichen Spiels und redespieles (daher auch spil teilen) 
und es beruht auf ihm als einer dialectischen formel die ganze 

35* 



548 TIIEILEN. 

dichtiingsart der tenzone (prov. jocx partits, partimens, par- 
fia, fr. jeii parli oder parturc). rechtlicher natur ist es 
nicht: die fälle wo dennoch von rechts wegen getheilt und 
gekoren wird gehören der poesie an. es sind das die öfters 
wiederkehrenden sagen von einem jugendlichen übelthäter 
dessen gesinnung durch eine vorgelegte wähl zwischen werlh- 
voilen und werthlosen oder gar schädlichen gegenständen, 
wie aber ein kind sie liebt, auf schuld oder Unschuld geprüft 
wird (märchen 2, 2e auf!, s. vii f.): da greift jedesmal eine 
höhere band ein, zu schneller und guter entscheidung lei- 
tend, und es bewährt sich 'die kindheit der gedanken, die 
obst für gold erkiest' (Opitz). 

WILH. WACKERNAGEL. 



VERLÖBNIS UND TRAUUNG. 

Es ist bekannt wie im achten Jahrhundert der Staat mit 
der kirche übereinkam die rechtsgültigkeit der eben fortan 
abhängig zu machen von der mitwifsenschaft und dem segen 
des geistlichen, und zugleich bekannt wie dennoch das ganze 
mittelalter darüber hingegangen ist bis die kirche ihre im 
Christen ihum wohlbcgründeten ansprüche durchgesetzt und das 
Volk sich überall gefügt und gewöhnt hatte das rein bürger- 
liche Verlöbnis gegen die kirchliche trauung zu vertauschen 
oder doch in dieser erst den rechten vollen abschlufs des 
Verlöbnisses anzuerkennen*, ein nothwendig begleitendes re- 
sultat dieses lang andauernden kampfes zwischen altem recht 
und neuem gesetze war die fortschreitende schmälerung der 
unkirchlichen förmlichkeilen durch welche nach altdeutschem 
brauch das eheverlöbnis befestigt ward, und als Vorbereitung 
des gänzlichen verschwindens das hinabsinken derselben auf 
die niederen stufen des Volkslebens, wo der unterschied zwi- 
schen ehe und concubinat nur ein geringeres mafs practischer 
bedeutung hatte, günstige umstände haben uns eine hinrei- 
chende anzalil von Zeugnissen und dcnkmälern aufbehalten 

' wo man und so lange man von li-auung nichts wustc, bestand 
zwischen veilöbnis und Vermählung kein rechtlicher unterschied ; da- 
her hrut auch gcmahlin, gemahelc auch braul bedeutete. 



VERLÖBNIS ÜIND TRAUUNG. 549 

(He wenigstens vom 12n jalnlmndcrl an bis zum 15a diesen 
slufengang deutlich vor äugen legen. 

Dem 12n jahrh. geliört das zuerst von 3Iafsmann (rhein. 
museum f. jurispr. 3, 281 ff.) bekannt gemachte Formular des 
eheverlöbnisses freier Schwaben (leseb. 1, 189 f.), eine auf- 
zeichnung erst der feierliciieu reden mit welchen der Schwabe 
die Schwäbin des mitbesitzes all seiner guter versichert, 
dann der Sinnbilder welche den Übergang der braut aus der 
band des geborenen vogles in die des ehelichen bezeichnen ; 
jene noch in alter fülle, altem schmuck der poesie, diese 
noch theilweis hindeutend auf den altgermanischen rechts- 
grund der ehe, den kauf des weibes. demgemäfs steht auch 
der bräutigam redend und handelnd im Vordergründe, nächst 
ihm der geborene vogt der braut, ihr vater oder ihr näch- 
ster verwandter von vatersseite : ihr selber bleibt an dem 
ganzen rechlsgeschäfte nur ein ganz passiver antheil; keine 
meidung davon dafs sie zuvor um ihr jawort befragt worden, 
und eben so wenig ist von kirchlicher einwilligung und ein- 
segnung die rede, der bräutigam kauft und begabt die braut, 
so enphuhet er si, luide habesimci in haec munera uxor 
accipitur. 

Im 13n jahrh. pflegen die höfischen dichter, wo sie von 
geschlofsenen eben erzählen, zugleich der Irauung durch 
priestershand oder doch eines vor der kirchengemeinde ab- 
gelegten bekenntnisses zu gedenken, aber nicht als wären 
diese benedictio, diese professio unumgängliche bedingungen, 
nur weil es so wohlanständig sei und glückverheifsend (Gottfr. 
Trist. G26ir.). die volksmälsigen dichter dagegen wifsen nur 
von einem Verlöbnis vor zeugen aus dem laienstaude (Gudr. 
6593), und nunmehr auch von einem jawort der braut (Nib. 
568.1622. Gudr. GGS-i); nach vollzogenem beilager gehen 
mann und weih wohl in die kirclie (Nib. 594), aber es scheint 
nicht um ihre ehe nachträglicji segnen zu lafsen. dieser ge- 
gensatz zeigt uns das unkirchliche Verlöbnis als altes, jetzt 
schon auf das niedere volk, und auch da l)ereits mit einer 
concession sich einschränkendes recht ; die kirchliche trauung 
als eine neue fremde gesetzlichkeit, der einstweilen die hö- 
heren stände anfangen sich zu bequemen, das nun übliche 
eheritual des volkes wird uns in dem raeicr Helmbrecht aufs 



550 VERLÖBNIS UND TRAUUNG. 

anschaulichste vorgeführt, der dichter beschreibt die Vermäh- 
lung eines räubers, Lämmerschlind, mit Gottliuden, einer 
bauerndirne (1507 ff.). 

vf stuont ein alter grise; 

der was der worte ivise, 

der künde so gctdniu dinc. 

er staltes beide in einen rinc. 

er sprach ze Lemberslinde 

' loelt ir Gatelinde 

Glichen nemen? so sprechet Ja* 

'gerne sprach der knabe sä. 

er vrcigte in aber ander stunt. 

'gerne sprach des knaben munt. 

zem dritten male er do sprach 

'nemt ir si gerne?^ der knabe jach 

'so rnir sele undc lip, 

ich nime gerne dize wipl 

do sprach er ze Gotelinde 

'weit ir Lemberslinde 

gerne nemen zeinem man?^ 

'ja, herre, ob 7nir sin got gan.' 

'nemt ir in gerne?^ sprach aber er. 

'gerne, herre l gebt mim herV 

zem dritten male 'ivelt im?' 

'gerne, herre 1 nu gebet mirn^ 

do gap er Gotelinde 

ze wibe Lemberslinde, 

U7id gap Lemberslinde 

ze manne Gotelinde. 

si sungen alle an der stat. 

vf den vuoz er ir trat. 
die gegenwart eines copulierenden priesters wird dabei we- 
der von den hochzeitleuten noch von dem dichter vermifst: 
aber schon beruht auch die ganze feierlichkeit der haudlung 
in der dreimaligen frage und dem trille des bräutigams auf 
denfufs der braut, dem zeichen der besitzergreifung und der an- 
getretenen herrschaft (rechtsalt. 142. Freiberger stadtr. 189)*. 

wer auf den rechten fufs eines Zauberers trilt, in den geht die 
Sehergabe des letzleren über: lieders. 1, 593. 



VERLÖBNIS UND TRAUUNG. 551 

Wie iiiiii im 14n jalirhunderl? aus diesem haben wir 
in dem jjediclile von Melzcn und ßclzcn hochzeil (Diut. 2, 
78 ir. lieders. 3, 399 ff), dessen iieiniat in Schwaben zu su- 
chen ist, ein seilcusliick zu jenem abschnitt des österreichi- 
schen meiers llelmbrecht, und da lallt es dem verfafser, 
nachdem Metze und Betze die nur noch einmalige frage eines 
alten bauern vor all den übrigen bäurischen hochzeitgästen 
bejaht und somit den ehesland geschlol'sen haben, da lallt es 
ihm bereits auf dal's weder schüler noch pfalFen zugegen ge- 
wesen seien. 

'nu swiget, all unde juncV 

sprach der wise Nuodiinc. 

'Bez, du bist ein grad man ; 

wiltu Mezeil zuo der <1 hdn?' 

er sprach 'ja, loil si mich' 

Nuodmic sprach '31eze, gich: 

willu Bozen hdn zuo der e?' 

si sweic. er vorschles aber me. 

'ja, heizet viicliz min muoter.' 

Nuodunc spi'ach 'si entuotder 

niht dar umbe: gloube mir.' 

also nach ir beider gir 

wart in diu e bcschafen 

an schuoler und an pfafen. 
sonst gehl es in allen rechten her, und es ist keine vaga- 
bundenhochzeit : Metze bringt ihrem manne sowohl eine 
stattliche milgift zu, als auch diese von Beizen mit schönen 
gegengaben 'widerleil' wird ; von symbolischer überanlwor- 
lung derselben erzählt jedoch der dichter nichts, vielleicht 
nur weil er vorwärts eilt, was aber für uns hier das wich- 
tigste ist, morgens nach dem beilager ziehen Betze und Metze 
im fröhlichen gcleit ihrer hochzeitsgästc zur kirche und wer- 
den da am beschlufs des gottesdienstes noch einmal priester- 
lich zusammcngegcben , wie das der text des licdersaales 
s. 407 ausführlicher, der in der Diutisca s. 81 kürzer und 
mehr andeutungsweise berichtet. 

do zogle miinglich df dir rart 

der mit ir zuo der laichen looll. 

man vuortcs als man billich soll 



552 VERLÖBNIS UND TRAUUNG. 

höflich unde schöne : 

ei?thalp tneier Crone ; 

anderhalp do greif si an 

der g-7'dwe meier Colmon. 

Diem und Liiigart beide, 

den was der hriitlouf leide, , 

wan si Mexen gespilen ivdn; 

die muosten vor ze kilchen gun. 

do man gesanc und allz ergie, 

wan gaps zesameji, als nu ie 

da her die Hute hänt getan. " 

die briit hiez man daz paz enphdn: 

daz buoch bot ir der mesner. 
Während somit diese dichterstellen für eben dasselbe 
land, wo noch im 12n jahrh. das alte volksrecht der Verlöb- 
nisse unverkümmert galt, nun im 14n die priesterliche trauung 
auch eines bäurischen ehepaares schon als rechtlich befser, 
ja als nothwendig neben und nach dem verlöbnis anerkennen, 
und zugleich die feierlichen reden bei letzterem nun auf das 
äufserste mafs zusammengeschmolzen zeigen , nimmt das 
wahrscheinlich gleichzeitige landrecht von Berg die alle ge- 
wohnheit der laiencopulalion selbst noch für die ritterschaft 
in anspruch : iva?i ein man van ridderschaft ein wyf nemen 
wil, mach sie zosamen geven ein leyhe vur den luyden of- 
fenbairlich : dat wise?i die ridderschaft ind scheffen van 
Upiaden, dat sye ein rechte echtschaft under die ridder- 
schaft ind eine aide gewoenheit Lacomblet s. 95. 

Wir besitzen jedoch aus eben dieser zeit und gleich- 
falls vom Niederrhein noch ein anderes und ausführlicheres 
Zeugnis, ein ziemlich umständliches Verlobungsformular nach 
kölnischem rechtsgebrauch (aus einer haudschrift der kölni- 
schen Statuten milgetheilt von WallrafiF in der samml. von 
beitr. z. gesch. d. st. Köln 1, 159 f.); und diese gewährt 
in der hauptsache wesentlich dasselbe resultat als jener be- 
richt über die bauernhochzeit in Schwaben, es lautet aber 
dies interessante denkmal folgendcrmafsen. 

der (lichter fingiert um seine personen wichtiger zu machen, erst 
sie hätten die sitle der kirchlichen copulation aufgebracht. 



VERLÖBNIS UND TRAUUNG. 553 

So wer irre zive zosamen gevcn sal so der e, de sal 

dese wort sprechen, de hernä stent. 
Item Zorne irsten sal he vrdgen den man 'bistu he, dat du 
Beilgen {pf loe si heist ; den namen sal man nennen) zö 
eimc 6ligen loive ind z6 eime bedgenössen' havvn wultT 
so sal der brudegem sagen 'ja ich! so sal he de brüt vrd- 
gen mit ii^me 7iamen 'bistu he, dat du Heinrich {of we sich 
der brüdegam mempt) haven wult z6 eime mumber** ind 
bedgenösse?i ? etc. so sal si sagen 'ja ich.' so sal der 
brüdgam dan den rinc nemen ind stechen dan den rinc der 
brüt in iren vinger neist dem kleinen vinger\ etc. dan 
sal der gene, der si z6 hof gift, dat siden doch mit xij 
tomeschen in dat doch gebonden nemen-];'];, ind sal sagen 
'ich bevelen iich z6 hof up frenzer erden mit golde ind ge- 
steinen, silver ind gold, beide nä Franken wise ind Sasse?i 
e ];•]"];, dat ürre gein den anderen lassen ensal umb lief noch 
umb leit noch um gein dinc dat got an eme geschaffen hat 

' a\is. gibeddcd, in der inLd. gencsis g-ci/eZ/e; Rollenbagcn froschin. 
1, 9 (auch in männl. form von einem weihe) schlafgescll. 
muntbor muntporo vormund vogt. 

■{• in (lerne fierden scinent ßngerlln die zieren, dd mite der man 
spulget [spulget d. ynanl sin wib viahilen \mahilan'\ fundgr. 2, 14. 
ringe als zeichen der Vermählung, öffentlicher wie heimlicher, laPsen 
sich bis in die ältesten zeiten nachweisen (rccbtsalterth. 177 f. 432): 
ist somit der reipus ri'pus, hei Franken und Langobarden der symbo- 
lische kaufpreis der braut (rechtsalterth. 425 f.), also auch des rechtes 
ihr den brautring anzustecken, unser hochd. reij'f mit umgekehrter 
Übertragung gebrauchen wir Schilling fiir schlag, weil unter umstän- 
den eine anzahl gerichtlicher schlage mit eben so viel Schillingen konnte 
abgekauft werden. 

■{■f dat doch wie der rinc: also bekannte, altgewohnte Symbole, 
die zwölf lorneschen (kleine silbermünzen von Tours, tiironcnses, toui'- 
nois) die der zuhaufgebende von dem bräutigam empfängt, und die her- 
nach im namen der braut an die armen verschenkt werden, sind der 
reipus der alten Franken. 

-j-f ■}■ Köln liegt auf fränkischer erde, aber so dafs Franken- und Sach- 
senrecbt einander dort begegnen : daher wird beim Verlöbnis auf bei- 
des geachtet, aber worin ? etwa indem die braut nach fränkischer 
weise mit band und halm, nach sächsischer mit torve inde tvige über- 
geben wird (vergl. rechtsalterth. 128. 431)? nur ist dann neben dem 
tuch mit silhermünzen in der band des verlobenden eine bestimmtere 
erwähnung dieser beiden cbaracteristischen Symbole zu vermifsen. 



554 VERLÖBNIS UND TRAUUNG. 

oder geschaffen mach hissen wanden ^ dan sal der gene, 
der si zösamen gift, dat doch dal de torneschen in hat 
ebne gcven de it der brat behalde : de sal dan dat gell 
umb got geven armen luiden. dan sal de brütgem der brät 
schenken üsse eime kopp, ind der brüdgem sal irst drinken, 
ind der brüt dar nd schenken". 

Hier mangelt es zwar nicht an alterthümlichen Worten 
und Symbolen, und das ganze macht den eindruck eines bla- 
fseren gegenbildes zu jenem Schwabenverlöbnis des 12n 
Jahrhunderts : gleichwohl ist nicht zu verkennen dafs hier 
absichtlich unentschieden gelafsen wird wem es zustehe braut 
und bräutigam zusammenzugeben, ob einem priester, ob nach 
altem gewohnheitsrecht einem weisen laien : mit raura geben- 
der weitläuftigkeit heifst es wiederholentlich nur so wer irre 
zwc zösamen gevcn sal zö der e, — der gene der si ze höf 
gift, — der gene der si zosamen gift. 

So ist das 14e Jahrhundert auch in diesem stücke wie 
in vielen andern der entscheidende Wendepunkt zwischen al- 
tem und neuem ; im 15n ward der sieg des kirchenrechtes 
vollendet und der schlufs der ehe als eines sacramentes gänz- 
lich und allein den bänden der geistlichkeit überlaCsen. wie 
aber diese nunmehr bei der copulation verfahren sei, wie sie 
da blofs den canonischen Standpunkt eingenommen habe, lehrt 
uns eine für priester bestimmte anweisung Ad Copidandum^ 
die sich in einer breslauischen papierhandschrift (iv, 9. 8°. 
bl. 56) erhalten hat. 

Poslquam vefieris ad locum copulandi, primo interroga 
nomina cor um. die primo ad vir um ' Petir, bis tu her ka- 
nten , das du katherinain will nemen czu eyjiir elichin 
frawen T post responsionem sui, scilicet viri, Rouertc te 
ad virginem, et conclude eadem vcrba dicens ' katlierina, 
bistu her kamen, das du will petir czu eine elichin manne?^ 
Post responsionem Interroga virum de periculis instantibus, 

* der bei allerlei verlrägen übliche weinlrunk: rechtsalterlh. 191. 
(vergl. II. 3, 295 ff.), das ebenda s. 441 aus Gottfr. Trist. 12642 ff. 
angeführte trinken frühmorgens nach dem beilager bezeichnet der dich- 
ter selbst als eine vorzeitliche, zugleich wohl auch als eine fremde 
sille ; in dem gedieht von einem Übeln weibe 2S if. werden eier in 
schmalz und brot und als trunk zum efseu auch ein becher morafs 
vors bell gelragen, •■ • 



VERLÖBNIS UND TRAUUNG. 555 

vtrum. ipsc habet vxorcm, rel promiserit altcri, cl de pro- 
pinqiiitate seil amicicia. st non dabit responsioiie.m quo ad 
periculum, tiinc interroga virginem eadem verba similiter quo 
ad virum fecisti ; et tiinc publice htterroga omries ci'rcumstan- 
tes si sciunt depericulofuturo; quod dicunt manifeste, et. postca 
tacea?it. post hoc accipe Manum dexteram viri et dextcram 
virginis, et coniunge eas adinvicejn, et die ad vir um illa verba 
'Sprich mir noch, petir. Ich petir nevie dich kafherin czu 
eynre elichin frawen, vnde globe dir des rneync trewe dick 
czu vorivesin.' et die ad virgine?n 'Sprich rnir noch. Ich 
katherin neme dich petir czu eyrne elichin manne, vnde 
globe dir des meyne trewe vnde gehorsam czu leistin bis 
an meyn eyide^ Et audi quod verba supra dicta non mu- 
tant, quo facto die secreto modo hec verba ' Quos deus 
coniunxit homo non separet^ et die 'Ego coniujigo vos in 
nomine patris et filij et spiritus sanctiJ Et sie percute cum 
supra scapulas etc. recede. 

Also doch wenif^stens ein volkslhümlichcs synibol, ein 
schlag auf die achsel um dem gedächtnis nachzuhelfen, wie 
sonst zu gleichem zwecke maulschellen gegeben werden: 
rechtsalterth. 76. 144. 253. 

WILH. WACKERNAGEL. 



F. H. TH. 

Beispiele wo im deutschen die aspirierten laute der ver- 
schiedenen Organe auf dieselbe art gegen einander vertauscht 
werden wie die Sabiner für II, die Aeolier und Lateiner für 
TH die labiale F gebrauchten (z. b. fedus für haedus ge?fs, 
veferc für vehere tytiv wegen, fordeum für hordeum ^(jtüri 
gerste, fostis für hostis gast; qijo ferus für t^'/;(j tier, fo- 
ris für -Ov^u tor, fumus für {)viioi toum, rufus für t^^qöq 
rulilus rot"; wie die Spanier seit vier bis fünf Jahrhunder- 
ten das F zahlreicher lateinischer grundworle in H vcrwaii- 

* F für II zuweilen auch im lalciiiisclien : verf?!. x^.öot iiclvns {(elb 
und flavus J'ulvus, -/oli] galle und fei, xiw haurio ifiej'scn uud Jodio 
fimdo; uud da für inlautendes F iin lateinischen lieber B gesetzt wird, 
nun auch t(jvü(j6s und ruber, ov&u(i uterus cuter und über. 



556 F. H. TH. 

delt haben (z. b. fiimus in humo : vergl. Diez gr. d. roui. 
spr. 1, 184), und die Rufseu S schreiben, aber (1> (ßta) 
aussprechen*, dergleichen beispiele finden sich auch im deut- 
schen gar nicht selten, schleifen und schleichen, taufen und 
tauchen sind wesentlich eins ; wie denn auch die alamanui- 
sche mundart ein von schlicheti hergeleitetes faclitivum 
schleiken hat im sinne des hochd. schleifen und des eigent- 
lich niederd. schleppen, das niederl. und das nhd. haben eine 
ganze reihe von worten mit CHT für FT : sacht echt be- 
schwichtigen Schlucht gerächt für sanft vhaft swiften schluft 
gejmfte*". aus dem F m ßehen fliehen, welches ursprüng- 
lich scheint (vergl. lat. jüico precor), machen die Gothen 
ein TH, thlaihan thliuhan. ebenso nQ^Treip, frevel, ags.fro- 
fer, ahd. fluobara trost : dagegen goth. thrafstjan trösten- 
umgekehrt ist das hochd. F in finster der secundäre, das D 
d. h. TH in dinster düster der eigentlich gebührende laut: 
vergl. xdvM tenebrae du?ist. H für TH zeigt das goth. ahma 
TTffVfiu, verglichen mit urftö^ und odcrn. das H im goth. 
auhns tcXijupog stimmt zu lat. ignis (vergl. mythol. 359) : 
im hochd. heifst es ofen. 

Sonst erscheint dieser Übergang von H in F als beson- 
dere eigenthümlichkeit der fränkischen, vielleicht auch der 
langobardischen mundart: eine handschrift des Gregorius Tu- 
ronensis auf 3Ionte Cassino gewährt Flotharius Flodouechus 
(Pertz, archiv 5, 55); ebenso kommen anderweitig /7or/o«/'- 
dus und Frodoaj'dus vor, und in den Reali di Francia Fiovo 
als entstellung von Chlodoveus ^ das hochd. hroch rock lau- 
tet im latein. der fränkischen klöslev froccus floccus ^ und 
wie daher noch das französische froc, so wird auch flanc, 
ital. fianco auf ein hochd. hlancha als ältere form für lancha, 
weiche, zurückzuführen sein. 

Nach diesen vorläufigen bcmerkungen möchte ich bei ei- 
nigen Worten, deren etymologie von interesse, aber ohne die 

* aulTalleiid wie umgekehrter weise der gotliischo buchstab für TH 
dem griechischen bald ähnlich ('/'), bald vollkommen gleich sieht. 
' ** die Wurzel von swij'ten (oicpojv aupXög sibiliis) zeigt aber auch 
sonst im deutschen stäts den gaumenlaut, swigcn sweige (die zusam- 
mengeblasene herde) swegald ; sie vereint in sich die begriife hohl bla- 
sen und zischeln. . >. ■.^.^. ..■ , 



F. H. TH. 557 

annähme solches aspiratenwechsels kaum erreichbar ist, in 
etwas länger verweilen dürfen. 

1. Hermann Müller (die marken des Vaterlandes s. 97) 
belegt afa apa als nebenform von aha ahva, lat, aqua; sei- 
nen beispielen ist Ascapha (geogr. Rav.) beizufügen, und 
Schaffhausen das an die stelle von Ascapha gebaut w erden : 
Schaffhausen ist dieselbe aphärese von Aschaffhausen wie 
Schafnahurgum von Aschafnahurgum und Falterbach (Schmel- 
ler 1, 89) von Affalterbaeh. zu eben diesem afa gehört 
auch apfel die saftige frucht, Avie pomum zu poto^ und das 
einfacher gebildete schw. masc. äffe: das thier wird damit 
als ein über see gekommenes bezeichnet; also ein wort wie 
meerkatse meerschweinchen . das pferd, auch ein überseei- 
sches thier, nach dem mythischen ausdruck eine Schöpfung 
Poseidons, hat seinen pelasgischen und altsächs. namen von 
derselben wurzel, /'xxo? (dorisch für Ynnog) equus ehti; vergl. 
aequor, aequus wafserrecht, ln^üg, tx^i^vg wafserläufer (zu 
■&i(a wie fuOüg) fisch. 

2. Das mittellal. feodum feudum mufs, wie es auf ein 
eigenthümlich deutsches rechtsverhältnis geht, auch einer deut- 
schen Wurzel entsprungen sein : an das lat. fidcs oder foe- 
dus wird niemand mehr im ernste denken, aber aus wel- 
cher? aus ßan fijan, als erkriegtes feindesgut? und dann 
vielleicht eine Umbildung des gotli. fiathra feindschaft? dem 
widersprechen die laute co und cu; aus ßands ist auch kein 

feund geworden, oder, worauf die Schreibung yea^/c?«*- (urk. 
von 1217 bei DuCange) führen könnte, eine Zusammensetzung 
mit aud od gut, wie alaudes alodis (rechtsaltcrth. /i93. 950) 
und wie der eigenname Faidaudes {faida fehdc) auf einer 
römischen Inschrift zu liasel- Angst ? dem aber widerspricht 
die kürzung yt'«.y, die iinmitlelbur neben unverkürztem alode 
zu lesen (urk. von 9G0 bei DuCange) und das zweite F der 
formen f<'fß'offare^ das mit dem D von aud nicht zu ver- 
einigen ist. alle sciiwierigkcilen heben sich so wie man ß':o- 
dum ßcofurn ß'eus, zunächst ein fränkisches worl, als frän- 
kische ausspräche des goth. thiulh, und dieses subslanlivisch 
auffafst. thiuths gehört mit thiuda zu der wurzel ihius die- 
ner, thivi dienerin, ahd. dionon dienen : thiuda das dem 
könig dienende volk, ihiulhs dienlich, gut, und als neutr. 



l 



1 



558 F. H. TH. 

subst. wiederum gut. hier noch bestimmter das wofür, wo- 
von man dient, diensfgut; wie denn auch servitiurn im sinne 
\on feil dum gebraucht wird, gut im allgemeinen bezeichnet 
es in dem faderphius oAe,v faderphium d. h. faderthiuth des 
langobardischen eherechtes. 

3. Theodorich der grofse, Autharis der Langobarden- 
könig und unter den westgolhischen zuerst Reccaredus leg- 
ten sich den namen Flaviiis bei. vielleicht dafs sie dies nur 
den byzantinischen kaisern nachahmten, die sich Flavier 
nannten seitdem Constantinus den geschlechtsnamen der bei- 
den Vespasiane gleichsam als kaiserlichen titel erneuert hatte; 
vielleicht aber dafs sie zugleich oder auch allein ein deut- 
sches wort dabei im sinne hatten, das goth. thiaqvus uttu- 
f.ög: als königlicher beiname entspräche das zunächst dem 
clevicniissimus und dementia im titel der römischen kaiser. 
auch wir sagen jetzt Jlau mit F, und schon des Arminius 
bruder hiel's Flavus, ein fränkischer hausmeier des ßurgun- 
deni'eiches (Fredegar 89) Fluochatus. 

4. Ulphilas übersetzt das griechische otuv^joüv mit hram- 
jan (vergl. gr. y.ijenm'w^u, ahd. i'ama stütze rahm, i^ctm auf- 
gestecktes ziel) ; die lex salica hat die latinisierung adhra- 
mire oder achramnire im sinne von befestigen, bestätigen; 
dazu in einigen hss. (Diut. 1, 330) die Variante adframire. 
dies leitet auf die richtige erkläruug der mishandclten fra- 
mea der Germanen : es ist die haftende und heftende, mit 
unverändertem H ist auch Rhamis hierher zu ziehen, nach 
Strabo 7, 1 der name von Scsithakos gattin, und mit dem 
lippenlaut das deminutivum fvunca, im ags. ein wurfspiefs. 
alsdann hat das volk der Franken eben wie das der Sach- 
sen seinen namen von einer characteristischen walle em- 
pfangen. 

5. Der mittelalterliche name eines waldes und eines gaues 
in Schwaben ist Virgun Kirgunt; Jacob Grimm stellt es 
gr. 2, 175 treffend zusammen mit dem goth. fairgiini berg, 
und eben damit mythol. llGf. die nordischen göltcrnamen 
Fiörgjjnn und Fiörgi/n und den liltiiauischen des donner- 
gotlcs Perkanas. es wird erlaubt sein noch weiter zurück- 
zugehn und auch die Hercynia silva, von der die Virgun 
nur ein iheil und Überrest war, und die gewiss mehr als 



F. H. TU. 559 

eine dem donnergott geheiligte statte darbet, mit fairguni 
und Pet'kunas zu verbinden. 

6. Das gotli. mathl ayoQo. (mofhlei XaXiä, mathljan A«- 
\hv) nimmt mit der späteren zeit drei verschiedene j^eslal- 
ten an: die regelrechte Umformung /««ö^rt/ behauptet sich ahd. 
nur noch in eigennamen wie Madalger, das ags. madhel 
oder medhel auch in zusammengesetzten appellativen (gr. 2, 
469) ; sonst heifsl es mahal gerichtsstätte gericht, und mit 
fränkischem F in der lex salica mqfolum neben mahalum 
(Diut. 1, 330). dazu kommt noch mit assimilation des thl 
in eben diesem rechlsbuche und anderswo mallurn jnnitarc 
so wie der ortsname Thiotmalli Detmold, während mahal 
inahaljau mahnUm begreiflicher weise auch in mal mdijnn 
mdlon können zusammengezogen werden, mit diesen so ent- 
standenen Worten sind mal fleck Zeitpunkt und indlen pin» 
gere, die schon im gothischen einsilbig mel und mrljan lau-' 
ten, unverwandt und wohl zu unterscheiden, vergl. rechlS' 
alterlh. 746. 

7. Endlich das wort ocJise, goth. aiihsus. auch hier 
scheint mir ein aspiralen Wechsel im spiele und H für F ein- 
getreten zu sein, des lat. ops wegen, das ursprünglich eben 
jenes ihier mufs bezeichnet haben, denn es wird erzählt, 
als die Sabeller einen heiligen lenz von Jünglingen in die 
fremde sandten, sei ein theil derselben von einem spechle 
nach Picenum, ein anderer von einem stier in das land der 
Opiker, der häufe der späteren Hirpincr von einem wolfe 
geführt worden (Niebuhr I, 103). die Picentiner führte ein 
picus, die flirpiner ein hh'pus : denn so ward auf samuitisch 
der wolf genannt; demnach kann der stier an der spitze des 
dritten zuges nur ops geheifsen haben, und da dieses P im 
lateinischen unverändert bleibt (die bedeulung ändert sich wie 
von pecit in 2)cciüna), während sonst, wo im oskisclicii P 
für C oder Q steht, die Lateiner den gebührenden laut her- 
stellen (z. b. osk. po, lat. que, goth. nh : vergl. Olfr. 3Iül- 
lers Elrusker 1, 30 — 32), so hat die verlauscliuiig des lip- 
penlautes gegen den kehllaut, die im deutschen auhsus vor- 
liegt, eben erst im deutschen, erst auf der stufe der aspira- 
tion stattgefunden, hier aber ist der wurzel noch ein 



560 F. H. TH. 

abieilendes S angehängt worden, was gerade bei thiernamen 
besonders häufig vorkommt: gr. 2, 275. 

WILH. WACKERNAGEL. 



DREI LÜGENMÄRCHEN. 

I 

fViencr hs. 2705 (Hoffm. w» xxxiv) bl. 145=" ^ 

Ez ist der lügenaere 

so rehte lügebaere, 

daz er liuget alle zit 

und daz im lüge wol ergit. 

er liuget naht, er liuget tac, 5 

er liuget swaz er geliegen mac; 

er liuget sinen vater an, 

siner muoter liuget er sam, 

er liuget siner swester ; 

diu lüge ist dannoch vester 10 

die er sineni bruoder tuot. 

des stet ze lügen gar sin muot. 

er liuget her, er liuget dar, 

er liuget stille und ofenbär. 

also liuget er durch daz jär, 15 

daz man wirt siner lüge gwar. 

e daz er niht enliege, 

er lüge e daz ein stiege 

in den himel reihte ; 

er lüge daz ein mucke seihte, 20 

ez tribe wol vier mülrat. 

liegens wirt er nimmer sat, 

liegens kan er ein her, 

er liuget daz daz mer 

üz trunke ein ämeiz, 25 

und liuget daz er einen scheiz 

6. die hs. gelivgen wie 42 livgen, 22. 23. 41 livgens 24. ^2. fehlt 
ein ivort. 



LüGEINMARCnEN. 561 

einen so grozen lieze, 

der einen berc nider stieze. 

im ist so rehte wol mit lügen, 

er lüge e daz die berge flügen 30 

noch sneller denne die valken. 

er kan vil gewaiken 

rehte als ein lügevilz, 

er liuget daz einer siuren milz 

si groezer denne eins husen. 35 

er liuget, mit dem musen 

vieng er einen walvisch, 

und leite den uf sinen tisch ; 

den louc er drier raste lanc. 

Sit im an der lüge gelanc, 40 

so kan er liegens harte vil, 

so niac er liegen swaz er wil. 

dennoch liuget er ofenbscre 

daz er vierzec müraere 

fuorte in einer nüze häl 45 

(solher lüge kan er schal) 

unz enmitten üf daz mer; 

da hiez er müren durch wer 

zvvene turne üf ein' linden blat; 

der lügensere mit flize bat 50 

daz die steine wahren märniel rot, 

ob er koenie in dehein not, 

daz er sich dar ufe nern solte, ü> ' : 

ob im iemen schaden wolte. 

der selbe lügewise 55 

der liuget daz er üz ise 

ein guot fiuwer mache, 

und liuget daz ez krache 

als ein praslelender wile : 

da ist der lüge genuoc mite. 60 

34. siure milbc 35. hs. ein 3r>. den 38. sinen Ivge tisch 
30. (Irie 44. movraere 45. 46 scheinen verderbt. 52. er] 

hs. der Ivgnaere 59. 60. prastelvader wit : mit. von isländischem 

eise, so hart und trocken dafs man damit heizen kann, erzählen Adam 
V, Bremen und das hruchstück einer iveltbeschreibung J'undgr. 2, 5. 
Z. F. D. A. Jl. 36 



562 LÜGENMÄRCHEN. 

der selbe lügewsehe 

der Hiiget daz er siehe 

üf den wölken varn einen slilen 

mit so snelleclichen silen, 

diu geliche als er flüge. ß5 

er louc daz in ein esel züge, 

und üf dem selben sliten reit 

siben frouwen wol gekleit; 

die fuorten alle kröne. 

dö liefen neben in schone 70 

zwelf garzilne, 

die bliesen busüne ; 

die horte man lüte hellen. 

guldiner schellen 

der hienc gnuoc an dem sliten. 75 

dar nach tüsenl rilter riten 

mit als manigem soume ; 

der liigenajre nam des goume 

daz si nach dem selben sliten 

allez üf den wölken riten, 80 

und wolten da mite über mer. 

also liuget er äne wer. 

er liuget, er seehe" üf einer wise 
iV daz ein getwerc unde ein rise, 

die rungen einen halben tac. 85 

dö nam daz getwerc einen sac, 

da stiez ez den risen in ; 

und liuget, ez liefe da mite hin 

siben lange raste, 

und baut in zeinem aste 90 

üf ein boum wol tüsent kläfter hoch. 

daz getwerc da mite dan zöch 

und lie den risen hangen. 
t da was diu lüge ergangen. 

er liuget, er sa*he üf einem wasen 95 

GG. in fehlt in der hs. 71. 72. 73. garzvne bvsvne Ivte. ein räth- 
sel über jähr monate ivochentaj^e {vcvgl. Reirun. v. Zw. vdll. 2, 311''). 
wird hier als lüge missvcrstanden. 86. hs, da 91. einen 

94. oder dö? ;. • , n'.i.v v » 

.t>! ' 



LUGENMARCHExX. 563 

slriten einen wilden hascn 
hier bricht der Schreiber ab, und folgen statt des übrigen 
SVa leere spalte. 

n 

Ein ander lacherlich Lied. 
In Frauwen Lobs Speteii Thon. 

Liederbogen in 8. Basel bei Joh. Schröter 1612 5 die verse 
nicht abgesetzt. 

Eue ich auff Erd geboren was, 

vnd eh die Mauter mein genafs, 

in einem Landt da hört ich das 

Ein Esel, Ku, die selben spitzen liesen. 

In einem alten schüsselkorb, 5 

dem waren weib vnd kind gestorb, 
das klagt sich ein seges worb, '" ' • 

der bracht jm gelt, vnd darzu Kornzinsen. 

Dem schüsselkorb ward wee zu einem kinde, 
ein hafenräfF ward gefatter so geschwinde, 10 

er gbar ein stal vol gutler feifster Schaffe, 
del's frewet sich ein läre tasch, j 

ein bettelsack ein maltzeu fliisch, 
ein ofengabel in der äsch, 
die kamen dar mit jhren gespiele gloften. 15 

Das was ein dryfufs vnd ein rost, 
ein kesselring gab jn gut trost, 
ein hechel ein armbrost 
die kamen dar, mit eins kr.lmers Hütten. 

Elin (Jumpeslfals ließ" mit jn dar, 20 

ein spatz einen jungen hund gebar, 
defs ward, ein Slorckennest gewar, 
es lieir auch dar, in eines Münches kulten. 

Sie namen rat by einem alten karren, 
wie sie allzeit inn freuden selten harren, 25 

ein kunckel vnd ein haspcl wurden gefatter, 
sie safsen alle vmb das fewr, 

4. lies spitzten linsen: Hans Sachs Kcmiitn. ausg. 1, 165 für alle 
Kürtzweil Linsen spitzen gleich wie ein Kind bei einem Jahr. 

36* 



564 LÜGENMÄRCHEN. 

nun hörend fürbafs abenthewr, 

dazu kam ein öde scheur, 

ein kiibel malck an einen dürren gatter. 30 

Ich stund eine kleine weil darbey, 
ein lamer erlieff drey Hasen frey, 
ein nackender nam jras alle drey, 
vnnd stiefs sie in den busen behende. 

Das sah ein blinder stumm der sprach, 35 

ein Igel einen baren stach, 
ein katz fieng meufs in einem bach, 
ein kuchen schlug den koch wol vmb die lenden. 

Defs Irewen sich häfen kel'sel vnd auch pfanne, 
mit freuden dantzt ein alt futer wane, 40 

ein kuh gieng auff ein seil vber ein grabe, 
f. ein Esel sprang mit freuden embor, 

da dantzt dort her ein grosse Mor, 
ein kalb das pfieff hin durch ein ror, 
ich mein nit das, kein man gesehen habe. 



(H 



III 



Ein kurtzweiligs vnd lächerlichs Lied, Vom SchlaurafFen 
Landt, welchs das allerbest Landt auff Erden ist, etc. 
Im Thon : Wie man den Lindenschmidt singt. Getruckt 
im Jahr 1611. 

Der Schrift nach z-u urtheilen von Joh. Schröter in Basel 
gedruckt i die zeilcn nicht abgesetzt. 

Nvn höret zu vnd schweiget still, 
{,,■ vnd höret was ich euch singen will, 

von einem guten Lande, 
es blieb mancher daheimen nit, 
wenn jhm das wer bekandte. 5 

Die gegend heist Schlauraffen Landt, 
ist faulen Leuten wolbekandt, 
ligt hinder einem Berge, 

6. SchlaurafTe aus schlauderaffc {Seh. Braut im iiarrenschijf schluder- 
affe) wie mundartlich schlauren aus schlaudern schlüdcru nachläjsig 
arbeiten, faulenx-eii. 



LÜGENMÄRCHEiN. 565 

derselb ist nichts den lauter Dreck, 

wer nein will niuls die zwerche. 10 

Sich beissen durch den Berg hiuaul's, 
gaiilzer drey Meiin, vnnd wenn er nauls, 
kompt rede ichs ohn schaden, 
da sein alle Häuser gedeckt, 
mit eytel Eyerfladen. 15 

Welche Magd oder Geselln, 
dil's Lands Ort geniessen wciUn, 
mögen sich dahin verfügen, 
wenn man die Dacher brichet ab 
haben sie Fladen mit genügen. 20 

Thür vud die Wand das gantze haufs, 
ist gut Leckkuchen vberaul's, 
die TrAm mit Schweinen Braten, 
kaulll einer dort ein pfenning werth, 
hie gilts einen Ducaten. 25 

Vmb jedes haufs so ist ein zäun, 
geflochten von bratwürsten braun, 
resch gebraten frisch gesotten, 
es mag sie essen wer da will, 
sein niemand nicht verbotten. 30 

All Brunnen voll Malvasier da sein, 
rinnen eim selbst ins Maul hinein, 
vnd andere süsse Weine, 
vnd wer sie gerne trincken thut, 
der mach sich bald hineine. 35 

Die Fisch wol auff dem wasser gähn, 
gebacken, gebraten, gesotten schon, 
bey dem Gcstad gar nahen, 
vnd gehen auft" das Land heraufs, 
lafsen sich gerne fahen. 40 

Auch fliegen vmb mochl jhr glauben, 
gebratne Vogel, Gänfs und Tauben, 
vnnd wer da ist so faule, 
der sie da wolte fahen nit, 

dem fliegen sie selbs ins Maule. 45 

Die Säw all Jahr gar wol gerahten, 
17. lies An 



566 LÜGENMÄRCHEN. 

laufifen herumb vnnd sein gebraten, 

tragen Messer im Rucken, 

damit keiner gesaumet werd, 

das jeder schneid ein stücke. 50 

Die Creutzkafs wachsen wie die stein, 
im gantzen Lande grofs und klein, 
das mag ein jeder glauben, 
die stein sein all zu essen gut, 
sein lauter Karpffen vnd Tauben. 55 

Feilt im Sommer ein Wetter ein, 
so regnets lauter Honig fein, 
alle die gerne schlecken, 
die lauffen in das Land hineyn, 
da haben sie zu lecken. 60 

Im Winter wenn es schneyen thut, 
schueyt es lauter Zucker gut, 
gute Rosin vnd Mandel, 
vnnd wer sie gerne essen thut, 
der hat ein guten Handel. 65 

Auff den Thannen wachsen KarpfFen, 
wie hie zu Landt die Thannzapffen, 
auff Fiechten wachsen Schnitten, 
auch thut man von Birckenbäumen, 
gute Speckkuchen schütten. 70 

' Auff Weydenbäuraen wechst auch frey, 

frisch Semmel vnd Löffel darbey, 
> darunder Milchbäch fliessen, 

die fallen selbs in Milchbach nein, 

das jeder kan geniessen. 75 

Liederlichs Gsind, faul Megd und Knecht, 
sein in das Land gar eben recht, 
wol auff Gretlein vnd Stoffel, 
macht euch zu dem 3iilchbach hinein, 
mit ewerm grossen Löffel. 80 

Wer Rolfs hat wird ein reicher Meyer, 
sie legen grosse Körb voll Eyer, 
gar manchen grossen hauffen, 

55. 66. lies Krapffen 



LÜGENMÄRCHEN. 567 

tausendt man vmb einen pfennig gibt, 

noch will sie niemand kaufen. 85 

Auls Eseln schütt man Feigen gut, 
auch wer sechs grosse Gröltzer thut, 
bekompt sieben batzen zware, 
vnud welcher auch nicht gerne zahlt, 
wenn die Schuldt alt wird ein Jahre. 90 

So mufs jhm sein Glaubiger eben, 
noch so viel Gelts darzu geben, 
solch freyheit hat ein jeder, 
vnd welcher da sein Gelt verspielt, 
dem gibt mans zwifach wider. 95 

Ein furtz gilt auch von jederman, 
ein batzen wer nur wol fartzen kan, 
darff da vmbsonst nichts ihone, 
vnd der ein grosse Lügen thut, 
der hat all mal ein Kronen. 100 

Hie leuget mancher viel vmbsonst, 
dort helt mans für die beste kunst, 
all die wol können liegen, 
die auch darvon nit werden rot, 
thun ins Land all wol tügen, 105 

Es hat grofs Walde in dem Land, 
darinnen wächst das best Gewandt, 
Rock, Mäntel vnd auch Schauben, 
Wammes vnd Hosen auch darbey, 
da mag jm einer raul's klauben. 110 

Darzu wächst aufF der wilden Heyden, 
Damasch t, Sammet vnd genede Seiden, 
darzu gut Englisch Thuche, 
auff den Stauden da wachsen auch Hut, 
Stiöel vnd gute Schuhe. 115 

Das Land hat 3Iärckt vnd freyheit viel, 
und der sein wcib nicht haben will, 
mag sie vertauschen eben, 
man gibt jm eine junge darfür, 
vnd gibt jhm gnug darneben. 120 

Das Land hat auch ein gute gnad, 
es hat darinu ein warmes Bad, 



568 LÜGENMÄRCHEN. 

das ist von grosser KrafFte, 
alte LeQt die baden darinu, 
die werden jung geschaö'en. 125 

Welcher ein alte Frawe hat, 
der schick sie auch mit in das Bad, 
sie badet kaum drey Tage, 
so wird daraufs ein Mäydiein jung, 
vngfehr bey achtzehen Jahren. 130 

Der am weitsten schiest von dem Ziel, 
der gwint das best, hie seind jr viel, 
die weit neben aufsschiessen, 
ziigen sie in das Land hinein, 
da würden sies geniessen. 135 

Im Landt ists Geldt zu gewinnen gut, 
sonderlich wer viel schlaflen thut, 
hat von der stund einen batzen, 
da kan er sein Gelt mit schlaffen verdienen, 
hie mufs er sehr drumb kratzen. 140 

Welche da grosse Trincker seyn, 
haben vmbsonst den besten Wein, 
darzu ein guten Lohne, 
von jedem Trunck drey batzen bar, 
gibt man Frawen vnd Manne. 145 

Wer gerne arbeit mit der band, 
dem verbeut man das gantze Land, 
vnnd der nichts guts will lernen, 
M , der das böfs thut, vnnd lest das gut, 

den helt man in hohen Ehren. 150 

Wer dolpisch ist vnd gar nichts kan, 
der ist im Land ein Edelman, 
vnd der nichts kan als schlaffen, 
'iMj essen, trincken, tantzen vnnd spielen, 

der wird zu einem Graffen. 155 

Wer der allerfeulst wird erkannt, 
ist konig vber das gantze Landt, 
er hat ein grols einkommen, 
II. i dcis Landes art vnd eygenschal't, 

habt jhr also vernommen, ü ! ii • 160 

Der sich will macheu auff die Reifs, 



LÜGENMÄRCHEN. 569 

vnd der selber den weg nicht weils, 

der mag einen Blinden fragen, 

ein Stumm der ist auch gut darzu, 

thut jhm nicht vnrecht sagen. 165 

Solchs ist der faulen Zunfft erdacht, 
weil müssiggang nie guts hat bracht, 
darmit zu fexiern v^nd straffen, 
die lieber hunger leiden denn arbeiten, 
das maus weifs ins Landt Schlauralfen. 170 

ENDE. 
Nach einer andern, vielfältig abweichenden rccension ge- 
druckt in den altd. hl. 1, \^^ff. unser te.vt hat manches vor- 
aus, z. b. 69jf. den hübschen zug dafs gerade an birken und 
weiden, an den bäumen also von loelchen man sonst ruthen 
schneidet, hier so gute dinge umchsen ivie Speckkuchen sem- 
mel und löjj'el dazu, und die milchbäche darunter hin fliej'sen. 

WILH. WACKERNAGEL. 



WAR DIE EIDE? 

Ich bin verschiedentlich nach dem wortsinn des Spruchs den 
ich einer schrifl vorgesetzt habe gefragt worden ; so wenig ver- 
breitet ist die künde unserer alten spräche dafs leser an der 
Partikel tvar auslofs nahmen denen ein homerisches ttjJ ver- 
ständlich gewesen wäre, mich zieht es an wahrzunehmen wie 
nahe in solchen ausbrüchcn des gefühls die griechische poesic 
zu der deutschen stimmt und das menschliche herz von selbst 
ewige formcln llndct. war si?it die eide komen? Nib. 562, 3 
wird auch Hol. 76, 12 ausgedrückt ivnre chomen die eide di si 
mir swuoren? bei Homer steht das futurum, ttj) Öt) auvOiaiuo re 
xui 'ö^jy-ia ßrjGfrai 7]f.ui/ ; II. 2, 339, jenes nfj l'ßav '6(jxiu; wird 
aber durch nfi i'ßav fv/oykal ; II. 8, 229 nachgewiesen, ebenso 
nov TOI, uniilai; II. 20, 83 und noö toi utihIuI ui'/ofTui; II. 13, 
219 und Titj dl] coc fu'vog o'txfTui ; 11.5,472; wa/- kamen dine 
sinne? Nib. 784, 1. nicht anders bei Äschylus Choeph. 900 
nov dt] TU lumoc Ao^iou fiuiiTtuf.(.uiu r« 7ii'd6'j((i',f>i^(^, itimcc Ö 
ivü^natfiuiu; JAC. GllIi\lM. 



570 



AUS STRASSBURG. 



Während ich der zehnten sttzung des ivifseiischaftlichen 
congresses i'on Frankreich zu Strqfsburg- beiwohnte theilte mir 
herr bibliothecar und professor dr Jung in cod. Joh. A. 148. 
4". perg. 12 jh. (bl. l^ auszüge aus homilien u. s. w.) fol- 
gende anweisung den oslercyclus zu finden 7nit. bl. 1*. Wil 
dv wizzin. wie vil sie vndVzwishen. | winnahten vude vaslvn. 
sonim disi zale. | AndSni erstin iäre. sint iiivn wochin. An- 
de I mi andVn iäre sibin wöchin. Andme driltin ] zehine. 
And*mi vierd*n iäre nivn wochin. | And*mi fivnftin sehsi. And mi 
sehstin nivne. | And*mi sibindin ahtöwe. And mi ahtod n iäre| 
einlive. And*mi nivnd*n iare nivn wochin. | Andrai zehind n 
iäre sibin wochin. And*mi ein | liflin iäre cehin wochin. Andmi 
zwelftin iäre | ahte wochin. And*nii dricehind n iäre sibine.| 
And*mi vier cehend^i iäre cehin wochin. An | demi fivnf ce- 
hend*n iäre ahtöwe. And'mi seh [ cehind'n iäre sibine. And mi 
sibincehind^n iäre | nivn wochin. Andmi ahtcehind n iäre ahle[ 
wochin. And*mi nivncehind'n iäre ahte | wochin. Andmi nivn- 
cehind*n iäre einlif wo j chin. Bihaltist dv die zale. dV nivn- 
cehin j iäre. so ver irrost dv niniir zeware. 

Bei diesem anlafse berichtige ich in der nachricht über die 
merkwürdige Vorauer hs. {oben s. 223jf.) einige unangeneh- 
me druckfehler. s. 223 z. 18 lies 1158. 20 Aq. 5 v. u. 
zweite spalte gotes 1 v.u. iuh {statt ech) s. 227 

z. 9 lies 1157 (?). 

Aus wahrem inneren bedürfnisse aber benutze ich zugleich 
die gelegenheit zu der erklärung dafs nicht nur das verdienst 
die Vorauer handschrift gefunden und in ihrem werthe er- 
kannt zu haben herrn scripfor Joseph Diemer an der k. k. 
Universitätsbibliothek Jetzt zu JHe7i gebührt, sondern auch 
die fast durchgängig wörtlich von mir beibehaltene Schilde- 
rung ihres einzelnen Inhaltes in jener von 7nir unterzeich?ie- 
ten anzeige, ich fügte nur die s. 223 — 225 gegebene ge?iauere 
vergleichung der Heidelberger u. s. tv. hdschr. der kaiser- 
chronik ein. übrigens war ?iicht dieses der grund warum ich 
meinen namen darunter setzte, sondern ein mit der art wie 
mir die ganze Schilderung des fundes zu handen kam eng zu- 
sammenhängender, was aber beides hier nicht räum rauben 



AUS STRASSBÜRG. 571 

soll, den ich, aufser der hemerkung dajs die ganze erste no- 
lis über den erfreulichen fand ursprünglich vorn r^erjafser 
gar nicht ßir diese wifsenschaftliche Zeitschrift, sonder'n Jiir 
die Augsburger allgemeine zeitung bestimmt war, lieber noch 
dazu benutze herrn scriptor Dicmer schon Jetzt ßir die edle 
hereitwilligkeit zu danken ynit loelcher er mir zur endlich 
bevorsteheyiden herausgäbe der kaiserchronik den Vorauer 
höchst ivichtigen text bereits weiter hinein so sauber als sach- 
kundig- abgeschrieben hat. seiner seit darüber das nähere. 

H. F. MASS3L\JVN. 



NACHTIL4GE UND BERICHTIGUNGEN. 



zum ersten bände. 

s, 373 in einer niederdeutschen Übersetzung des buches liher Alexandri 
M. regis Macedoniae (s. Droysen gesch. des helienismus 1, 715) 
beifst es zu den Worten in tlirono erant imagvtcs in quibiis crant 
scripti versus graecis litevis et lafinis nomina omnium provin- 
ciaritm qiiac serviebant Alexandra — niyt Grekscher, Jodisc/irr vnde 
Latinsclier bokstauen. das gemahnt an Tacilus Germania 3 tno- 
nmnentaque et tumulos quosdam graecis literis inscriptos, wo der 
codex Neap. (Farnesianus) am rande momimta in cojinio gertna- 
nie getis iscripta litteris liest. H. F. MASSMANN. 

411 z. 13 V. u. — 416 z. 17 ist später aus derselben Miinchener hs. 
gedruckt erschienen in Kellers ausgäbe der deutschen gesta Romanorum 
s. 155 ff. eine ältere abfafsung derselben erzählung steht im an- 
hange der fabeln aus den zeiten der minnesinger (Zürich 1757) 
s. 255 ff. 

503 V. 12328. eiden ist nicht anzutasten, ahd. egida die egge. 

zum zweiten bände. 

s. 216 z. 4 V. u. ein reagens wurde von mir nicht angewendet] zu die- 
ser hemerkung des hn professor MaPsmann fügt herr von Karajan 
die erklärung dafs noch ehe dies«; bliilter der k. k. hofbibliothek 
übergeben worden, abt-r nach ihrem abdrucke in der frühliiigsgabe, 
von einem anderen galläj)fellinctur angewandt worden sei und dafs 
diese bekanntlich erst nach jähr und tag ihre rechte würkung zeige. 

232 z. 20 1. ■&()iifJO!uai. 

269 ff. die starke flexion des nomens zeigt in erster declination kein 
i aufser dem goth. gen. -is, der ahd. schon zu -es, alls. sogar 
mitunter zu -as geworden ist; man wird also von wec nur w'c'ges, 
kein wiges (goth. vigis) erwarten dürfen, aber in schwacher form 
war dem gen. und dal. ahd. -in geblieben, wie goth. -ins und -in 
gelten ; hier konnte von prro Iti-po konio vo/o ein gen. und dat. 
piriji kipin kuinin vulin eintreten, wofür ich keinen beleg kenne; 
bald verdünnt sich auch -inzu-en. unorganisch wird das t der flexion 
nicht sein, obgleich ags. -an und selbst nltn. -a stattfir>.dcn, da, frei- 



572 NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN. 

lieh nur ausnahmsweise, umlaut des a durch ahd. -in bewürkt ist, 
wie der dat. henin gallo lehrt, für den jedoch meistentheils hanin 
vorkommt, das * war also frühe hier seiner kraft herauht. ganz un- 
würksam erscheint das schwache weibliche A in bezug auf i und u 
der Wurzel ; mau findet immer cheld cheliai, sci'ltd sceltiin, hosci lio- 
sün, während dasselbe /1 (oder mag es schon verkürzt u sein) altn. 
allgemein a in ö wandelt, atmna ömmu, aska üskii. umgekehrt ha- 
ben die ahd. Wörter tild mamma, pipa tremor überall i bewahrt, d.h. 
auch im nom. sg. kein h' angenommen, noch besondere aufmerksam- 
keit verdient das -n oder -iu der ahd. nom. sg. fem. und nom. acc. 
pl. neutr.; denn zwar neben k'e'rc'r lioler wird nicht kiriu huliu gebil- 
gebildet, doch neben deser allerdings disiu disii, was sich wiederum 
der ausnähme ellii elliu von alli'r an die seite setzen läfst, da die re- 
gel smaler smalii, klater klatu weist, nämlich eUu wäre spur eines 
alten umlauts des a durch u und gliche dem altn. '611, das sich zu al- 
ler allaz verhielte wie disu zu deser desaz. JAC. GRIMM. 

s. 300 z. 20 If. ungeachtet die malbergische glosse im Verhältnis zu den 
keltischen noch lebendigen dialecten die lautstufe des gälischen hält, 
dient doch in vielen fällen das wälsche zu ihrer erklärung, wie ich, 
seit ich diese niundart in den bereich meiner Studien gezogen, deut- 
lich erkannt habe, die erscheiuung erläutert sich einfach dadurch 
dafs von dem alten wortvorrathe der keltischen sprachen manche 
Wörter im gälischen nicht, aber im wälschen gehaftet haben, dahin 
gehört das wälsche maen der stein, zwar scheint das gälische mein 
und 7nen und mian (metall, bergwerk, mine) damit verwandt, aber 
unmittelbar hat sich das wort gälisch nicht gehalten, dem wälschen 
toi decken, überdecken, überdachen, wovon toad das dach, und 
toawl (adj.) dachartig, abgeleitet sind, entspricht nach regelrechter 
lautverschiebung gälisches tiigh (spr. tliiij), wofür aber tiibh (spr. 
t/iuw) gewöhnlicher gebraucht wird, decken, bedachen, nun finden 
sich aus diesen wintern, mit der nothweudig eintretenden Schwä- 
chung des anlautenden consonanlen des zweiten wortes zusammen- 
gesetzt, im wälschen noch die Wörter viavndoad steindecke, stein- 
dach, und macndoawl steindachartig; da haben wir fast buchstäblich 
das malbergische wort mandoadu und das latinisierte mandualis, die 
ich früher falsch aus niain der hügel, und dual der rand, die einfa- 
fsung (hügeleinfafsung) zu erklären suchte, weil ich glaubte nur gäli- 
sche Wörter zur erklärung herbeiziehen zu dürfen, in ähnlicher weise 
greift noch vielfach bei erläuterung der malbergischen glosse der 
wälsche dialect unterstülzeud ein. so brauchte ich weiter oben bei 
der erklärung der glosse traslo (s. 160) das der form nach schon fer- 
ner liegende gälische laogh (spr. lö/i') das kalb, während das wälsche 
geradezu dasselbe wort /o, das kalb, hat. H. LEO. 

373 z. 3 1. der geschäft ze lüne. 

383 z. 4 und 18. herr professor Lachmann macht mich darauf aufmerk- 
sam dafs er gedähte wie er Waten und w'is vnllekömen Wüte mit 
einsilbigem ffate in der cäsur sehr anstöPsig sei (zu den Nib. 118,2), 
dagegen untadelhaft er ddlile wie er Uätvn und wiUekomen, JVäte. 
t also wird 451, 3 (1805) das rechte sein sich hete her JFäte gcstimet 
nach ze lange und 574, 2 (2296) ist den enphalch er Waten, er znch 
daz kindel/n nicht zu verändern. 



573 



INHALT. 



Allerhand zu Gudrun, von Jacob Grimm s. 1 

Sioza, von demselben - 5 

Buch der rügen, herausgegeben von Th. von Karajan - 

Sand Oswalds leben, herausgegeben von Franz Pfeiirer - 92 

Biblische geschichle, von Mafsraann - 130 

Einiges zur lex salica, von H. Leo - 158 

Chrenechruda, von demselben - 163 

Aurea fabrica, herausgegeben von H. Leyser - 168 

Zu Bertolts Crane, von Wh. Müller - 176 

Zum Iwein - 187 

Zu den Merseburger gediehten, von Jacob Grimm - 188 

Crede mihi, von demselben - 191 

Das -er örtlicher appellative unadjectivisch, von demselben.... - 191 

Frau kein wildes thier, von demselben - 192 

Marienlied, herausgegeben von Benecke - 193 

Gollhica minora, von Mafsmann •• - 199 

Erfurter glossen, herausgegeben von Waitz - 204 

Bonus, herausgegeben von Haupt - 208 

Walthcr und Hildegunde, herausgegeben von Mafsmann - 216 

Gedichte des 12n jh. zu Vorau in d. Steiermark, von demselben - 223 

Prediglbruchstück, herausgegeben von Dietrich - 227 

Über die bedeutung des namens Ziu, \ on A. Kuhn - 231 

Über die geschichll. gruudlage des gr. Rudolf, von H. v. Syi)el - 235 

Witege mit dem slangen, von Wilhelm Grimm - 248 

Schon mehr über Phol, von Jacob Grimm - 252 

Die ungleichen kindcr Evas, von demselben - 257 

Über Umlaut und brechung, von demselben - 268 

Vorausgeslcllte gcnitive, von demselben - 275 

Beschreibung einer Zerbster proccssion vom j. 1507, herausge- 
geben von Fr. Sintenis - 276 

Zur lev Salica, von II. Leo - 297 

Mittelniederliindisches oslerspiel, herausgeg. v. Julius Zacher. - 302 

Mittelniederländische predigten, herausgeg. von demselben - 350 

Ein märchen aus der Obcrlaositz, von Haupt - 358 

Laubacher Barlaam - 361 

Buridan und die königin von Frankreich, von H. Leyser - 362 

Zu Silvester, von Wilhelm Grimm - 371 

Wate, vou Haupt - 380 



574 INHALT. 

Die gute frau, herausgegeben von E. Sommer s. 385 

Ein märchen aus der Oberlausitz, von Haupt - 481 

Gregorius, herausgegeben von Schmeiler - 486 

Zur lex Salica, von H. Leo - 500 

Die altdeutsche stammsage bei den Schotten, von demselben... - 533 

Der saelden tor, von Wilh. Wackernagel - 535 

In den wald wünschen, von demselben - 537 

Zwölf Schwerter und neun herzen, von demselben - 540 

Theilen, theilen und wählen, theilen und kiesen, von demselben - 542 

Verlöbnis und Irauung, von demselben - 548 

F. H. TH, von demselben - 555 

Drei lügenmärchen, herausgegeben von demselben - 560 

War die eide ? von Jacob Grimm - 569 

Aus Strafsburg, von Marsmann - 570 

Niichträge und berichtigungen - 571 



DRUCK VON BREITKOPF UND HÄRTEL IN LEIPZIG. 



PF Zeitschrift für deutsches 
^^^ Altertum und deutsche 
^^ Literatur 



Bd. 2 



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