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I 



ZEITSCHRIFT 



FÜR 



DEUTSCHES ALTERTHÜM 



HERAUSGEGEBEIV 



VON 



MORIZ HAUPT. 



t^" 



VIERTER BAND. 



LEIPZIG 

WEIDMANN'SCUE BUCHHANDLUNG 
1844. 



<5ooS) 



I 

I 



SEIFRIED HELBLING. 

I 

Der aller dinge hat gewalt, 
des tugent nie wart üz gezalt, 
sin mute noch sin güete, 
der sende in min gemiiete 

also redelichen sin, 5 

ob ich ein teil unwise bin, 
daz er min sinne mere 
mit sines geistes lere, 
den ich meine daz ist got: 
der nem mich so in sin gebot, 10 

daz er al die sinne min 
rihte nach den hulden sin. 
ich bedarf sinne wol, 
so ich die wärheit sprechen sei. 
von kinde hän ich her gezogen 15 

einen kneht so betrogen 
der mir manege läge 
legt mit siner vräge, 
die nü ich im bescheiden muoz. 
von im wirt mir selten buoz, 20 

er vräg mich vremder ma;re, 
der ich wol enbaere, 
wa;r ich ein wilder Unger. 
dem meister tet der junger 
nie die not sus noch so 25 

an dem buoche Lücidäriö, 
die er mir mit vräge tuot. 
Überschrift Dacz ist der junge Lucidarins. 3. sin] Zein 24. Den 
Z. F. D. A. IV. 1 



SEIFRIED IIELBLING 1 

also stet des knehtes muot. 

so nenne wir daz buoch alsus, 

den kleinen Lücidärius : ^^ 

daz spricht ein liehtgebaere. 

nu grif wir an daz msere 



und ez ze rchte läzen kan. 
er ist ein guotsseliger man. 

mit guote ist im wol, ob er wil, 35 

mit guote tiiot er feren vil, 
mit guote vrist er sinen lip, 
mit guote gewinnt er schoeniu wip, 
mit guote lebt er saeleclich, 

mit guote dient er gotes rieh. 40 

Sit manz allez da mit tuot, 
da von ist ez geheizen guot. 
1'' lieber herr, wie nennt irz dem, 
der grozez guot hat in der schem 
daz er da mit heget kein ere? 45 

wan wie er sin gemach mere, 
dar an kert er sinen vliz. 
man sihet selten semein wiz 
üf sinem tische und klaren win ; 
er mac wol äne wiltprait sin; 50 

daz sine spart er swä er mac ; 
den armen kert er sinen nac, 
daz er in durch got niht gebe, 
er enruocht wie schenllich er lebe, 
daz des guotes werde mer. 55 

lieber herr, durch iuwer er, 
wie ist daz selbe guot genant? 
daz ist mir noch unerkant.' 

'gesell, du vrägst nach einem guot? 
die ewigen armuot CO 

ich dirz vür war nenne, 
wand ichz dar bi erkenne. 

3;J. die folgende l'dcke ist iti der hs. durch punkte angedeutet. 
34. er ist] Bist 43. nent 44. ind*^ sehe 45. leget deliain 
51. swaz 61. ver war nehnnc 



SEIFRIED HELBLING I 3 

swer hie bi guot wil arm sin, 
der hab üf den triwen min 

"^mit gemach an sin ende baz 65 

danne er junges wibes haz 
mit siner höfscheit wirbet, 
und enweiz niht wenne er stirbet. 
er habt den rucke ul" enriht, 
swie daz alter und daz gibt 70 

in vii dicke stunge. 
diu klare frou, diu junge, 
diu hebt im herze und muot enbor. 
oucb sol si daz wizzen vor 
daz er niht gehelen mac 75 

envollen vierzehen tac, 
er beginne sigen, 
wände er nach der gigeu 
bi sehzec jären hat getreten 
unde vrowen hat gebeten. 80 

des müeze got nü walten ! 
er hat einer alten 
wol drizec jär den rucke gekert 
und hat ir selten gemert 

daz wir heizen bettespil. 85 

des wil er nu triben vil 
2' mit der jungen, diu ist guol 
daz si sinen willen tuot 
und kan imz wol nach tragen: 
daz ist umb sinen alten kragen. 90 

lieber herre, berihtet mich, 
umb wiu der selbe narre sich?' 

'geselle, er wil ungemach. 
doch ist mir der antwurt niht so gäch 
gegen diuer wisen vräge. 95 

zwischen Wienne und Präge 
ist nindert din geliche 

nach 64 die lücke unbezeichnef. 67. hafschait 68. wann 

69. Rucken 7%. frau ist übergeschrieben. der junge 

74. ouch] Ruech 81. rouez 84. hat nach selten 

1* 



4 SEIFRIED IIELBLLNG I 

der so wisliche 

sine rede ersprenge. 

got mir des gehenge 100 

daz ich dirz bescheide also 

daz miner rede niht werden zwo, 

der ich hie beginne 

von dem selben sinne. 

ich sag dir, überigez guot 105 

git im iiberigen muot. 

da von er niht gedenket 

daz im doch niht wenket, 

ich meine, der gewisse tot. 

daz ist ein klag ob aller not. 110 

ob in sümt sin aller sin? 

der Wochen tage gßnt uf in 

sam die dachtroufen. 

er muoz schiere verkoufen 

an vriunt und an mäge 115 

mit des tödes wäge 

sin jungez wip und sin guot, 

von den im daz scheiden we tuot. 

swie kleine er dar umbe klage, 

ez ist gein äbent siner tage: 120 

nach dem äbent im genäht 

des vil grimmen todes naht.' 

'owö, ir fiiert mir ab dem wege, 
herr, die vräge der ich pflege 
umb den riehen alten man! 125 

sin wip schoene wol getan 
wser mit jugent wol sin kint. 
ir tugende also gröz sint 
daz sie imz erbiutet wol. 

s6 ich die wärheit sagen sol, 130 

ich hän gehoeret von ir 
2** niht eines, mör danne zwir, 

99. Zeioe 104. denselben 121. in genath 122. nath 

123. der abschreiber hatte Swe gesetzt, was der corrector des 17n 

jh. in we änderte. 126. vielleicht und wol g. 128. tu- 
gent 



SEIFRIED HELBLING l 5 

(laz sie in siinel nennet, 
swie alt sie in erkennet/ 

' vrumer kneht, hoere mich: 135 

vil wol ich sin bewise dich, 
ez machet ir Ineslich gekces 
dem allen h engest lochet so"« 
so er von dem brünen g6t. 

da bi er spottes sich verstet 140 

und siht vil selten umbe. 
so waenet er tumbe, 
er hab ir also liep gespilt, 
und weiz niht rehle waz sie hilt 
in ir wibes giiete. 145 

der wibe gemüete 
nieman rehte erraten kan; 
daz merken junge und alte mau.' 

'herre, got iu danken sol. 
ir habt mir daz bescheiden wol. 150 

lieber herre, beriht mich des.' 
'edel kneht, sag an, wes?' 
*swie gröz ist Ungerlant, 
doch ist uns daz wol bekant, 
ein Unger trit niht einen trit 155 

üz sinem ungerischen sit. 
da bi so ist Osterrich 
ein kleinez laut : vil ungelich 
lebent die Hute mit ir sit; 
der wont in manger hande mit." 160 

' lieber kneht, sage mir daz, 
wie wä unde waz 
vindest du da inne? 
der vräge du beginne.' 

'herre min, daz si getan. 165 

133. suenel 137. losleich gechöes 138. Dem altem li. lochet 

ZSes: von erster hand Den alten u. s. iv. cursivschrift bezeichnet 
was zu verbefsejm nicht gelang. 139. Prune gemeint ist wohl 

was Neidhard im rosenkranz die brunen bluomen nennt, oder ist 
brunnen zu schreiben? 142. er] eur 147. kan] mag 

148. Das merchen Junge man vnd alt 149. iu] er 153. Swie 

g'wz ist V. 156. seinen 157. Oesterreich 



B SEIFRIED HELBLING I 

ich wil des ersten heven an : 
ze wald und in der Ragzgegent, 
dii inne sumeliche pflegent 
s6 wunderlicher spaldcnier, 
an einem ermel halten vier 170 

ze rehtem wapenrocke genuoc. 
daz in sin muoter ie gelruoc, 
wie sie des an ir sele enkalt ! 
er ist so schentlich geslalt, 
3" oben sam ncijger drauch. 175 

wä im rücke unde buch 
in der cheuerpeiint si, 
des sinnes bin ich leider fri. ' 

' nü mizz an dinem leide, 
wand ich dirz bescheide. 180 

ez ist sin aller bester gelt, 
s6 er ritet über velt 
bi der naht und in dem nebel. 
herte isen unde grebel, 

örter ze den slozzen, 185 

vüert der unverdrozzen 
in dem einen ermel wol : 
in dem andern ligen sol 
ein geizfuoz und ein scheere 
der ich wol enbaere 190 

binden an mins stalles want. 
daz gefluochet si der hant 
diu gespan ie die vadera 
mit den daz selbe miuchelgadem 1 
ist gesteppet und genait. 195 

daz der herzog einez tset 

167. der ahschreiber hatte Wgz gesetzt, was der corrector in Rogz 
änderte. 170. an] In 175. neyger ßihrt auf neiger zr: nabiger 

bohrer. also vielleicht sam ein neiger- {oder auch sam eio eiger-, 
8. Schmeller 'i, 686). aber was ist drauch? an druch pedica läfst 
sich nicht denken, steht es JTrr truhe? 177. in cheuer- mag Iwcrh- 
ttecken. 179. muzz mizz ist so viel als miz ez, 7n//i es an dei- 
nem leide ab ; du kannst mit deinem schaden lernen was für eine 
tracht das ist. 189 Scher 190. enper 194. daz selb 

Weuchel gadem 



SEIFIUEÜ IlELBLIiNG 1 7 

1111(1 vorbiit si in disem lanl ! 

ir isl sündc uiidc sclianl. 

der rilerschelle welle pllegeii, 

der sol sie nimcr an jjelejjen. ÜOO 

ez ensint nilit spaldenier, 

man sol daz gelouben niier; 

ez ist anders genant. 

der tiuvel hAt si her gesant 

üz siner helle sutten, 205 

und heizent diupkutten!' 

'herr, got geh iu sielde nnl sin! 
daz ich wiser worden bin 
von iu, des habt ir niichel reht. 
ich bin iu ein gelriuwer knehl 210 

nähen unde verre. 
gar gelriuwer lierre, 
eines dinges ich iuch bit; 
bescheidet mir des landes sit 
in Osterrich, daz ist min ger. 215 

ez gat so wunderlich enlwer 
daz ich niht erkennen kan 
einen rehten Osternian.' 
3"' 'frunier kneht, leg nü für 

nach diner aller besten kür. 220 

vindestü den rehten da, 

üf min triuwe ich spriche Ja.' 

' herre, s6 wil ich iu verjehen 
daz ich einen han gesehen, 
der treit ungerischez här 225 

beierisch ist sin gebar, 
sin herze in den ermein stet, 
daz muoder niht da für gfet. 
so sint im die elenbogen 

in zwen gugelzipf gesmogen, 230 

die hangent verre hin ze tal. 

200. sie ist vom verbefserer. 202. mir 206. denpchuUen 

211. Nahen ist vom verbefserer statt Haben gesetzt. 215. Öster- 

reich 216. gat] Gott 218. Ain rechter 219. nü] nur 

220. alln 225. harr 226. Pairisch 230. Gugel Zupf 



8 SEIFRIED IIELBLIING I 

sin gürlel ist beslagen smal, 

dar an ein raezzer mit zwein schal». 

man sihl im doch die stivaln 

von des rockes kürze; 235 

daz er in nider schürze, 

des hat er guoten rät, 

so er zuo den liulen gät. 

ein ieslich man selbe spür. 

vor gent die hoseneslel für; 240 

binden siner schänden gwant, 

daz ist von mir ungenant. 

herre, ob ichz erraten hän, 

ist der selbe ein Osterman?' 

'frumer kneht, lüch dich wider! 245 

du hast ez niht erraten sider, 
als war ich bin din herre. 
er ist ein krutwerre 
von der werlde genennet. 

swer esel niht erkennet, 250 

der sehe in bi den oren. 
also ist dem tören, 
der stellet sich nach siner arl. 
füer din vräge ein ander vart.' 

'lieber herr, daz si getan. 255 

ist aber der ein Osterman, 
so er üf setzet sinen huot, 
und ist er boes oder guot, 
er senkt in bi den oren nider; 
herr, was sprecht ir da wider?' 260 

'lieber kneht, anders niht 
wan daz ein törheit im geschiht. 
der mit dem huote sinen köpf 
als einen althiunischen knöpf 
üf einem swerte stellet, 265 

241 . Minder 242. von ist vom vcrbefserer eingeschoben. 

243. ich 248. graut were 249. Vor 250. Der der abschrei- 

ber, Wer der verbefserer. vergl. Freid. 82, 10 y. 257. sein 
259. Ersenchetin 262. in 2G3. Die m. d. Huet jrn K. 264. (alt) 
Haimiscben der abschreiber, Heunischen der verbefserer. 265. Auf 



SEIFRIED HELBLING 1 9 

der hat sich gesellet 
4" mit den toren aller meist. 

vräge, ob du iht anders weist.' 

'ja, herre, ich weiz noch mer. 
got geh iu immer sxUle und 6r! 270 

min vrage wil ich baz vüeren. 
gestricket hüben mit sniieren 
sih ich sumliche tragen, 
der gestalt muoz ich sagen. 

si habent Schopfes vil da vor; 275 

binden kepfet im enbor 
ein spa^nel küme vingers breit, 
üf dem sinem nacke er treit 
ein gollier, daz ist selbwahsen. 
ze Diiringen und in Sahsen 280 

hat er doch dehein gelt ; 
diu kornsät hat im gevaelt 
ze Missen, wand er kam nie dar. 
nü nemt an dem selben war, 
welch tiuvel in des bit 285 

daz er nach vremdem lantsit 
sich s6 staete briutet? 
wie er sich des entsniulet 
daz er niht gereden kan ! 

'wal wolt gi, salik kumpan?' 290 

'lieber friunt, wil du iht? \ 
diu rede diinket in enwiht. 
nü sagt mir, lieber herre min, 
mag ab der ein Osterman sin?' 

' nein er, sam mir sant Johans ! 295 

er ist ein rehtiu ostergans. 
die gense seh wir für uns tragen 

ainen Swert stellet 268. änderst 272. Swieren der abschreiberj 
Snueren der verbeßerer. 277. spenel 278. nacke] Weche der 

abschreibcr, Rouche der verbefserer. 280. Ze Duringe 282. Ney 
Thorn (satt) der abxchreiber, Deu Chorn der verbefserer. geuell 
284. denselben 285. das 287. priietet 288. entsnieltet 

290. (wat) wolt saih chainan der abschreiber, woli saih kaman der 
verbefserer. das aufgenommene ist von Haupt, kumpan braiielit z. b. 
Gerhard von Minden mehrmals. 294. aber 296. rechteu' 



10 SEIFRIED HELBLliNG I 

kurzez houbel, langen kragen. 

also stellt der selbe sich. 

wii du ilit anders vrageu mich?' 300 

'ja, herre getriuwer. 
diu ere ist wol iuwer, 
daz ir mich wiser machet, 
sin lop si geswachet 

den des wil betragen 305 

daz ich iuch kan vragen 
nach dem rebten lantsit. 
min vrag niht lenger hat gebit. 
ich sach vor eim lithüse stän 
einen knappen, der het an 310 

ob einem ketenwambis guot 
einen roc nach sinem muot 
4'" gesniten vil gewahre 
üz einem Pöltingaere: 

daz was in der gerwe blach. 315 

ein gürtel ich in tragen sach, 
diu was ze breit noch ze smal, 
ein teil gesenket hin ze tal, 
da er mit dem dümen an greif, 
die andern vinger beten sweif 320 

umb ein starkez misencar. 
an sinen banden nam ich war 
zweier ketenbantschuoch guot. 
für gespitzet was sin huot; 
da was isen in vernaet. 325 

sin koller vest unde stsel 
üf unz an daz kinne. 
da was ouch isen inne, 
daz sin ze rehte was genuoc. 
ein swert er umb die siten truoc 330 

daz wol ze beiden ecken sneit. 
ez was scherf unde breit; 

298. Chnrze 310. hat 311. Chcten Wames (Wanihis : wis 

3, 198.) 312. Ain 315. der? grewe plach 319. Da er — 

ilran gr. 321. Misinar vergl. 8,879. Netdhard il, S, 3 Ben. 

325. einverneth 326. stelh 



SEIFRIED HELBLING 1 H 

wol gevazzet was der braut : 
da von leil er eine haut 

üf den knöpf des swertes vor, 335 

daz ez binden stuonl eubor. 
diu lifgebiu her für gie, 
güctlicb sie in enpfie. 
'sit willekomen, lieber herre T 
'waz wajnt ir daz mir werre? 340 

ich bau ouch daz da bizet. 
der sich gein mir vlizet 
keiner uugüele, 
ich sag im min gemüete. 

vrowe, tragt in die liute win! 345 

lät wazzer trinken diu swin!' 
sie truoc im einen köpf wit. 
'gebt her, daz ir saelic sit, 
liebiu litgebinne ! 

vrou sele, sit ir dinne?' 350 

sprach der junge vßdeman : 
'ich rät iu, so ich beste kan, 
wand ich bin iuwer sippe ; 
tretet üf ein rippe, 

weit ir nibt ertrinken. 355 

der win muoz in mich sinken 
sam in die dürren erde, 
daz ich vol allenthalben werde, 
vrouwe, des sit flizec. 

und slüende ein slunt drizec, 360 

5" ich wil iu gerne gelten, 
an bägen und an schelten ; 

333. Prant vergl. Roquefort gloss. 1, 179". in Leopolds des glor- 
reichen mautordnung für Siein an der Donau hei Rauch script. 2, 108 
de duobus gladiis dictis prant 1 denarium. 340. went 341. pel- 

zet 3i2. vlaizet 343. Khainer vnguett 344. mein Muett 
347. ain 348. daz fehlt. solich der absehreiher, selich der ver- 

befserer. 349. Lieber der abschreiber, Liebeu der verbefserer, 
350 ./T- vergl. Steinmar MS. 2, 105* min sele üf eime rippe stät (wä- 
fen!), diu von dem wine druf gehüppet hat. Haupt. 350. Vrane 

sei 351. jung Vete Man 355. Wolt 359. Vrau 362. Ohne 
— ohne 



12 SEIFRIED HELBLLNG I 

daz si iu van mir geseit, 

und lob iuz üf disen eil, 

so der tiufel raine toufe 365 

in sinen kragen soufe, 

ob ich iu immer iht behabe ! 

ich brauch ez ß mim vater abe, 

der mich von kinde hat gezogen, 

e daz iu von mir würde gelogen. 370 

vrowe, ich bin niht guotes arm. 

min kneht Wolvesdarm 

ziuht ein vihe in iuwern stal ; 

biet aber ich aller hengste wal, 

für in einen nsem ich niht dri. 375 

seht ob er niht kreftic si! 

diu valtor er enzwei dräst. 

do himel und erde zesaraen brsest, 

er wischte wol eneben uz, 

daz ich niht ein birsen grüz 380 

vorhte daz gerumpel nider; 

er braht mich wol gesunden wider.' 

diu hüsvrou sprach 'üf min sei, 

so ist er kreftic unde snel.' 

' Wolvesdarm ! ' ' herre, 385 

ich bin dir niht verre.' 

' genc her, swing in dich deu win 

und läz dir enpfolhen sin 

daz vihe aller beste, 

daz dem iht gebreste. 390 

Swing im vuoter, mach ez rein, 

streich im schone siniu bein, 

wint im üf den hohen schöpf. ' 

die wile kom ouch Girskropf, 

sin geselle, ein frumer kneht. 395 

' nü wis willkomen und sag mir reht' 

sprach der herre, 'waz hat dich 

365. mein 368. Ich prech ez ehe meinem vater ab 
372. Wolffsdarm 374. hengesl 375. airi nem 377. dre«sl 
378. Daz — prest 382. gesnnder 383. hösfraa abschr., Haus- 
frau verb. 387. Geher 392. seiner abschr., seineu verb. 



SEIFRIED IIELBLIiNG I 13 

s6 lange gesümet, des vrag ich?' 
'herre, ich Ict ein munkel ; 

dar nach gab mir ein klunkel 'iOO 

iuwer vrumer meier, 
sehs und drizec eier, 
zw«Mi k.Tse und ein spanvarc, 
daz was veizt unde starc, 
5'' ein Schulter und zwo hammen; 405 

ichn aht niht nieigrammen, 
pardisepfel, negelin. 
vrowe, tragt in die Hute win!' 
also sprach (»irskropf. 

si Iruoc im vol ein grozen köpf: 410 

den zoch er in die vlozze. 
' nü wol mich miner drozze ! 
waz da dinges durch vert 
daz mir den lip vor zadel nert!' 
diu vrowe sprach dem gaste zuo 415 

' ich sag iu, herre, waz ich tuo 
umb iur zwene kneble ; 
daz luon ich ze rehte. 
Girskropf zebrast nie ; 

so ist ouch gewesen ie 420 

Wolvesdarm gitec' 
' diu sorge ist unstrilec' 
sprachen die knehte beide. 
' viillel uns wol daz geweide. 
vrowe, so wir danne werden vol, 425 

ir geringet mit uns wol, 
wir gelten iu schöne dernäch.' 
Wolvesdarm aber sprach 
'vrowe, ich was nie s6 siech, 
ich viselet iu ein ohsendiech 430 

für ein kleinen gensefuoz : 
daz tet mir des hungers buoz.' 
owe, getriuwer herre, 

399. Munkhel 400. Chlunkhel 403. Spetivarch 40G. Mar- 

graininen, vergl. Schmeller 3, 550. 409 nach 410. 413. d" 

415. dem] Ze dem 427. darnach 430. Ich viselieht eii 



14 SEIFRIED HELBLING I 

ich füer iuch gar ze verre 

mit niiner vrage von dein wege 435 

(got hab iuch in siner pflege 

gesunl und unlcidec!), 

die liulc sinl so vreidec, 

ob sie unsern lantsit 

in Osterrich hegen da mit?' 440 

' nein sie zwAre, frumer kneht. 
ich wil dirz bescheiden reht. 
der sile von Beiern ist komen. 
die Beier dicke habent ürenomen 
in Osterrich der herren guot. 445 

von Hulbach und von Landeshuot, 
von Vüerding, von GoUenhoven, 
über niangen steinschroven 
sint sie dii her abe gevarn, 

durch daz sie da heime ir guot sparn. 450 

6" dar zuo hat got geschaffen 
manegen österaffen : 
swaz man dem äffen vor tuot 
daz tuot er nach und dunkt in guot.' 

'lieber herre, wer sint die? 455 

ich hän in disem lande hie 
gesehen sumeliche 
so rehte frumeliche 
gebaren daz sin was genuoc 
und mit den Worten also kluoc. 460 

get sin geselle gegen im, 
disen gruoz ich vernim 
' got gebe dir höveschen muol ! 
inä! wannen gäslu guot?' 

'herre min, saliger, 465 

ich gan her von miner swiger.' 
'sag an, hästu swiger hie?' 
'hie ze Wienne hän ich die. 
wer sold hie äne swiger sin? 

436. eu* 443. Payen 447. Gollenhauen 448. Steinschrauen 

449. sinl] Mit -451. bat sie Gott 463. hübschen 464. gachstu 
guett 465. Zelig.T 468. Wienna 



SEIFKIED HELBLINCi I 15 

da gänt so vil der tohterlin.' 470 

' frumcr knelit, verniin mich. 
ez ist Dibt unbillich, 
riht wir uns nach den Swaben. 
von den gotes gaben 

wart ein herzog uns gesant 475 

von Swaben her in ()slerlant. 
da von hat man die Swab hie baz 
dan ander Hut; biliicb ist daz.' 

' hcrrc, bescheidel mir noch m6r 
eine vrage der ich ger. 480 

ich sach einen löblich tragen 
gowant; da von wil ich sagen, 
ez was gesniten wol unt eben 
vor binden und eneben, 

in rehter lenge hin ze tal. 485 

weder ze breit noch ze smal 
truoG er ein gürtel umbe sich, 
der rinc was guot, den sach ich, 
von wizeni belfenbeine, 

ze groz noch ze kleine. 490 

da hienc ein guot mezzer an : 
als ichz gesehen bän, 
diu klinge mobt wol guot sin; 
daz heft was klein flederin. 

wol stuont im al sin kleit. 495 

daz niuoder was ze rehte breit 
6'' oberhalp des vordem gern, 
der enuel wolt er nibt enbern 
als im der arm was gestalt. 
sin mantel guot zwivalt ; 500 

der under niden für gie. 
sin bar er schöne wahsen lie 
dar in rehter lenge. 
sin hübe niht so enge, 
sie dahte im siner oren tiir; 505 

477. Schwaben 480. dez 489. weizzen 4'.t4. Nederein ahschr., 
flederein verb, 504. S. h. was n. so enge 505. seine »ihren 

twer 



16 SEIFRIED HELBLING I 

da gie niender krustel für, 

also doch vil mangem luol. 

wol und eben stuont sm huot; 

der was niht ze spa?he. 

swer gegen im was gaehe 510 

und im bot sin vreidekeit, 

dem het er schiere widerseit. 

er was gßn dem guoten guot, 

gen dem übelen hochgemuot, 

vrimüetic ander Schilde, 515 

ze rehte guotes milde, 

erkantes herzen gein got, 

wol behalten sin gebot, 

getriuwe wärhaft staete, 

in noeten guolcr rotte. 520 

gein schimpf kan er gebären wol, 

verswigen swaz geligen sol. 

er ist bedaehtic siner wart. 

sin lip sin guot ist unverspart 

vor ere, diu im sanfte tuot. 525 

vor allem meile ist er behuot. 

eiä, herre getriuwer. 

nü wart ich allez iuwer, 

daz ir mir saget wer er si: 

im ist michel ere bi.' 530 

'lieber kneht, ich sage dir, 
du hast rehte gezeiget mir. 
fürbaz soltü diu fragen län. 
er ist ein rehter Osterman.' 

'owe, herre, und ist er daz, 535 

wie kan ich gesweren baz? 
bi liep so hulden ! ez waire wol, 
waer ir daz laut allez vol, 
der site und der gebsere. 

swer da für gerne wffire 540 

ein Beier oder ein Sahse, 



506. 


Do — ChrusLel f. 511. 


Vradechait 


520. An 


521. 


Sein 525. Vor Eren 


526. allen 


528. Nun 


541. 


Poyer 







SEIFRIED IIELBLING I 17 

7' ich wünsche daz im wahse 

ein hover und ein grozer kröpf: 

er ist ein rehter giigelgopf: 

giuz im hier in den köpf! 545 

min frag hat noch nihl ende: 

herre, daz ist anwende, 

ich niüez iucli aber fragen. 

des lat iiich niht betragen, 

lieber herre, wand ichn kan 550 

erkennen niht den rehten man 

herzen unde muotes, 

libes unde guotes, 

behuol manlicher ern : 

den erkante ich gern.' 555 

' frumer kneht, verschöne, 
so dir min trehtin lone, 
dii hast also riehen sin, 
suoch in selbe: vindst du in, 
ich sprich Geselle, ez ist der; 560 

du solt nach im niht fragen mer.' 

' Sit ich den man suochen sol, 
ich vind in ninder also wol 
sam da der herzöge ein her 
gebiutet durch des landes wer, 565 

daz wir nach im über varn ; 
sin vinde welle er niht sparn. 
so ist daz lant an maze wit 
daz hie dishalp Tuonouwe lit. 
zwelf tageweide sinl gar 570 

gen Nuzdorf an daz urvar, 
eneben an der Pulka, 
ze tal an der Smida. 
die ab her von der Teie varnt, 
arme liut si wenic sparnt. 575 

die von der Lüesniz, von dem Kamp, 
nach den in einem jär ein lamp 

545 zu stvcichen'^ 552. Herze 559. selb du findest in 5(53. nider 
564. ain Herr 565. das 567. Sein Veint w8U 572. Neben von der 
Pulca 573. von der 575. wenic Haupt] weine 576, Laefznitz 
Z. F. D. A. IV. 2 



IS SEIFRIED HRLBUNG l 

in deheins ^ebüreu hove enbla-t, 
srans enschrit noch huon enkrivt. 
den armen liuten tiionl sie we. öSO 

ich wa^n daz iemen underste 
An ob der vürste wäre 
nach got ein rehter rihlare. 
des ralenl im die herren niht. 
von den der meiste schade geschihl. 585 

nianec herre ist so geniuot. 
iif sines nachgebüren gnol 
T'* leil er sich an widerbot. 

ez wier billich. sam mir gol. 

daz er im e widerseit. 590 

wand er tuot im schaden nnde leit. 

fruraer man hat er niht dri. 

swaz dos gezosres alles si 

da er ein dorf mit überkumt. 

sinie wirfe wenic vrnmt 595 

daz er im engegen get. 

so er von dem rosse stet. 

er bitel in willekomen sin. 

'habt danc. her wirt. ez ist ein win 

da ze dem n^hsten markte veil: 6C0 

der ist uns komen wol ze heil: 

wir trinken hinte anders niht. 

her wirt. ob des niht geschiht. 

wir sin alte and jnnge 

gein in an barmnnge ! 605 

der wirt sprach herr«. ich tnnn sem 

des ir weit niht enbern. 

ez ist woi ein sünde 

datz er in gaoter künde 

Iset also geniczen. 61 o 

er heizt in üf stiezen 

sinin schrin. siuin gadeni. 

der hiisvrowen ein zwirnes vadem 

578. erflet iid. ersrkrait - erclirett »81. i» ximoj 5S2. Ab ob 
384. Des Rat«n 593. Wes daz f^txof 598. bitt 605. SHn 
«II. ia 






sKiFiiiKi) iiF'i.nLr.Nf; i 



19 






iiiiidci' (lo hrlilii'l. 

<li(- .sir.'i/. iii.iii \.-islr Ii'iIm I 015 

die iialil. ^('itl des lirrrcti litis. 

kiii'lil«!, sriiiill iil' Arir pu», 
well ii' iiilil Ii.-iIh II iiiiiiiMi /orii, 
;;(M.sl('ii liiilt'rii wi'i/.r lv«»rii. 

dort slrl |iiciH'rli iiiidcr liii'S. (;20 

wir iiiolil ir ^'rv.ini wirs, 
hra-iil ir in iiilil in den ki-llcr nun? 
ich i/ dA liciiii vil ^'criin bnii. 
.ilso lM'};inl er liisclirii. 

kni'iilc, lAl iiiiiIm- rüsclicn ! (;25 

siKM-lil iiiii ilrcki'ii /cinnii kohrl, 
d.i/ iii.iii dar lilicr einen liolirl 
mit ^i'iicnni liiiilm /ii-iii'. 
der will lial, scImimicz viclie.' 
^rinnen liAl«; er nz ^efuorl; CüiO 

voll den wai'l viislr imilic ^osmiorl, 
wand ir iicircn lidl/wa^rii 
S" lief, vil liilzcl dar ^^clraj^cn ; 

«■r was zcsanj f(«'reiri. niil widcn. 
mit dem will wart lil' f;crid<'n : 035 

des wa;;(Mi was licslageii slarc; 
Wii'j^or einer liallx'ii iiiarc 
all! ieli <laz der selbe war. 
der wirl wa.s ein liieraT. 

er silfte liiiic und (,'edAlil 640 

der liuvel liAt mir /iio InAliI 
ininer lins^i^enAz sf> vil ! 
für wAr irlj daz sprechen wii, 
swie sie sich kne|)|iischen hAii, 
den einen sacli ich zacker ^An ((■iä 

und den andern i-iiehen (graben. 
* die intioz ich hiiil ze herreii haben! 
zc gol er nf blihle, 

il.i DU), ii.illi tV2l. iiiochl Ii2ß. 7.e uinen Cliol)(>l 628. M. 

iifii llcylcii xifli (i'2'J. Vieh (ilJO. fjcluerl (i'il. vuibgfsnucrt 

ir/. Ci'y.i. Hat iVM). Der *V.\7 . Iiiiihn innir O/i'i. küu] un 

T/.iilhcr (»47. lnMinl 



20 SEIFRIEI) IIELBLING I 

gegen himelrich enrihle : 

' lieber got, wis im bi 650 

rehte als sin gerihte si, 
dem fürsten in dem lande ! 
mir tselen kume als ande 
die vinde den er gegen verl/ 
ob er imz nimer gewert, 655 

der zornvluoch da von ergle 
daz man im niht enlie. 
rinder schal' swin unde lamp, 
wolle werc und akamp, 

bürsten streler nizkarap schaer, 660 

becher köpf und augstaT, 
salzvaz drivuoz pfanne, 
diu henne mit dem banne 
moht im niht empfliehen. 

des wirles betteziehen 665 

ziuht er abe durch den sin, 
daz kleine vazzt er allez drin, 
gürtel hosen unde schuoch, 
sleyer binden ermel tuoch, 

mantel roc unde pfeit, 670 

oberhemede und niderkleit. 
als er den sac gestrutet vol, 
er fremt in heim, daz tuot im wol. 
dannoch nimt er im mer, 

ka'se bachen unde smer, 675 

sin bete daz kalvve. 
Tzentschin der Valwe 
7'' der tajt im nimmer also wß, 
wan er waere gewarnet e. 

siner diernen gie ez eben, 680 

diu wart die naht umbegeben 
sam « in dem kruoge. 
in einem släfluoge 
diu husvrouwe unde ir kint 

649. G. himel Teich entribt 650. bis 657. nicht des enlie 

659. ochamp 667. drein 671. Oder h. 673. frent, d. i. Fremt 
rr: frumt. 682. Sam des in dem Chrueg 683. Siauf bucg 



SEIFIUEÜ IIELBLING I 21 

mit vil grözeu sorj^cn siiil, 685 

daz luoc was veslc unde guol, 

der wirl lict ez in siiicr liuol, 

wan sie ez noch niht diiii^ten an. 

den >virt sie fuorlcn von dau 

ze einem grözen liuwcr: 690 

holz was in nihl liuwer 

die wile bran daz vorder tor; 

liindcn was ein galer vor, 

der lac ouch da ze gliiele. 

ob es den wirt iht niücte? 695 

nindcr er des gewiioc. 

dö bran sin eide und der pfluoc 

uü sprach ir einer under in 

' her wirt, habt ir guoten sin, 

volget mir, ich tuon iu kunt, 700 

min herr wil von iu drizec phuul ; 

gebt ir im diu hint niht, 

so sag ich iu waz geschiht, 

des lät iuch niemen troestcn; 

her wirt, ich niuoz iuch rnesten 705 

als einen herinc üf der gluot, 

und hän willen unde muot 

iuwer wip unde kint, 

diu dort in dem luoge sint.' 

der wirt sprach 's waz min herre wil, 710 

ist des wenic oder vil, 

swaz ich gehaben mac, 

beit mir morgen an den tac, 

ich gewin da mit sin hulde. 

ir tuot mir äne schulde 715 

also grözeu ungemacb.' 

die zit er dö brinnen sach 

ein fiur in dem tuofa;r 

vor dem luoc, daz was im ,'^waer. 

692. Voder 694. der] daz? 701. dreyzehen abschr., dreyze 

verb. 702. der heunt 704. Iwesten abschr., trausteo, daraus 

trösten, daraus tröesten verb. 710. waz 713. Pait 

718. Tuoffer. Frisch 2, 394". Ottacker 427*. 



22 SEIFlllED HELBLING I 

ml huop sich des wirtcs klac; 720 

er Huf da der herre lac 
an einem belle unde slief, 
die klegelichen stimme er rief 
9" ' w6 hiute und immer wfe ! 

seht, herre, wie iu daz an st^ 725 

(nü habt ir allez min guot) 

daz man disen mort tuot 

an minen lieben kindcn ! 

diu mac ich tot vinden ! 

seht wie man sie roeslet!' 730 

der herr sprach 'ungelroestet, 

her wirt, sit ir hie ze slunl, 

ir gebt mir danne drizec phunt. ' 

'owe, herr, wä n*m ich diu? 

füert mich gevangen mit iu 5 735 

ich gib iu allez daz ich hän : 

heizt mir diu kinl leben Idn 

und die hüsfrowen min!' 

' her wirt, daz mac niht gesin 

daz diu vancnus erge. 740 

zweinzic phunt nim ich e. ' 

' herre, nemt fünviu von mier 5 

diu gewinn ich iu schier.' 

' nü gebt sibeniu vil drät 

unde driu in den ral; 745 

so nert ir diu kindelin 

und mac anders niht gesin.' 

' herre, ich wil sie gerne geben 

umb der minen kinde leben. 

heizt daz fmwer lesclien, 750 

daz sie ir lesten besehen 

nihl in dem rucke enphahen.' 

balde hiez er gäben 

üz leschen die brende. 

diu naht bete ein ende 755 

und erschein der liebte tac. 

721. lenBF 728. mein 733. dreyzc 734. oem 742. mir 

751. leisten 752. Ruc, vergL Schmeller 3, 45. 



SEIFRIED IlELBLliNG 1 23 

kleine der wirl trüreu mac 
iiiiib scheiden an dem morgen, 
als dicke tet mit sorgen 

der 3Iorung;er von liebe 760 

und ander minue diclie 
die der minne pdAgen 
so sie bi liebe lAgen. 
in was kurz diu wile : 

ez diilite ein halbiu mile 7(55 

den wirt gein dem rasten, 
sin gest nilil wolden vasten ; 
diu kuclien was beraten 
mit sieden und mit braten, 
9^ dar zuo sie vunden guoteu win. 770 

des uiuostc üf geladen sin 
daz die wege krachten, 
dö sie sich lif machten, 
miciiel was ir schallen. 

von Fult, von Saut Galleu, 775 

die zwen epte habenl kraft 
an mehtiger riterschaft, 
und varent zuo dem riebe 
niht so schedeliche 

als der arme herre tuet. 780 

hat er rehlen maunes muot 
der unbescheiden houbetman? 
lieber herr, da sagt mir van. 

frumer kneht, hab in da füer, 
er ist ein rehter meinswiier 785 

des lautvrides den man swert, 
der s6 schedelichen vert 
nach friunde verderben, 
die vinde einen Scherben 

habent uihl geusacht vor im. 790 

üf min wärheit ich daz nim, 
ez sin alt oder junge, 
die äne barmunge 

760. Morunger 768. Die Chuche was wolberalen 772. Chrathen 

773. mathen 783. von 784. dafür 785. Maiu swur 



24 SEIFRIED IIELBLING I 

nach friunde schaden Irahtcnt, 

der vint sie lützel ahtent, 795 

ob ez wol in dem lande st6. 

A 

daz urvar bi Uzensö 
ist ir rehter klagboura. 
ich hän des genomen goum. 
al sin mäht treit ein schef, 800 

er spricht 'got gesegen dich uef 
und min gesellen alle, 
swaz dem manne gevalle 
daz teilet güetlich. 

losä!' 'herr?' 'Heinrich' 805 

(der was sin seltraga3re), 
' sag minem kelna*re 
daz er daz vleisch salze 
und des weizes malze 

daz ich da heime finde hier. 810 

^ac ich, so kum ich schier, 
als ich den wagen abe gezer, 
ich scheide von des fürsten her.' 
10' 'wäfen, herre, wie ez get! 

wie eben daz geschefte stet!' 815 

sprach min kneht aber sä. 

zehant muost ich lachen da. 

ich sprach 'geselle, ez ist sin niht; 

fürbaz ze fragen dir geschiht.' 

'daz tuen ich, lieber herre min. 820 

sol aber daz der man sin? 
s6 der fürst ze velde lit 
gegen sinen vinden durch strit, 
so nimt der bescheiden man 
sinen herren hin dan, 825 

er spricht 'lät mich heim varn, 
herre min ; der acker lit Ungarn, 
da bi ist üf uns daz snit; 
ir schät mir, ob ich langer bit.' 
'vrumer kneht, daz wil ich dir 830 

805. L5se 806. Seltrager 807. Chelluer 816. so 

817. lachen doch 819. dir] die 



I 



SEIFUIEU HELBLLX; 1 25 

hescheidcn, daz geloube mir. 

dem luunnc ist baz inil bouwc 

dan er mit swertcii houwe 

ab dcu viiidcu rillers pris. 

er ist so klär und so wis, 835 

viillt er gruobe und kästen vol, 

in habent doch die hcrren wol.' 

min kneht sprach ' herre guot, 
g6t daz viir rehten mannes muot? 
herre, swie ich den rehten mau 840 

erraten noch erlinden kau, 
doch so weiz ich einen wol, 
so man zuo den vinden so! 
und ieslich man sin harnasch leit 
an sich für not in dem strit, 845 

so heizt er sine kuehte tragen 
daz harnasch üf sinen wagen, 
sin manheit ist so gröz 
er rilet zuo den vinden blöz 
sam ein sumertocke, 850 

niht wan in einem rocke, 
daz ist ein manlicli riten. 
wil er mit swerten striten 
und gegen renneu mit dem sper?' 

'vrumcr kneht, nein er. 855 

du soll sin haben deheineu wän. 
ein kunst heizet Hab hin dan ; 
diu selbe tugent ist im kuut, 
10'' si lajt in selten werden wunt/ 

'owe, herre, ich bar nü daz 860 

niemen kan gesagen baz 
wie der strit sich ane vie, 
welch ort in umbegie 
und welche du punierteu, 

wie sie huordierlen 865 

vor den scharn durch pris.' 

'geselle, er ist also wis 

834. Ob — Retters 835. chlair 845. vor noet 847. sein 

856. dehain 858. Derselben 865. heiFiirdiertea abtchr. 



20 SEIFRIED HELBLING i 

daz er ez kau wol yesagen. 

im was der isenhuot geslagen 

mit kolbcn viir diu ougen nichl. 870 

daz lierseuier im für daz lieht 

ninder was gerücket. 

er was niht umbc geziicket 

noch gehurt in dem strite, 

er habt hin dan an einer wite 875 | 

da er ein teil hat gesehen : 

vil mer hörte er dort verjehen J 

von künden und von gesten. 

ahlc in niht ze dem besten.' 

' herre min, da läz ich van. 880 

ich wil aber heben an 
von einem den ich hau gesehen, 
dem muoz ich der wärheit jehen ; 
so der vert ein hervart 

mit allen triuwen er bewart H85 

daz er den vriunden niht tuot. 
gein den vinden hat er muot : 
mag er in iht gebrechen abe, 
da wirt gemßret von sin habe, 
er hat got vor ougen 890 

in sinem herzen tougen 
und ze vrümekeit veslen muot. 
mit willn er nimer missetuot. 
er gert niht heim umb daz snit. 
ob sin herre ein jär bit, 895 

von im getaet er nimmer wanc 
heim durch sinen ackerganc. 
ob sin herre heim wolde, 
er spraeche, ern solde. 

jaihe sin herre, ern hicl niht, 900 

er spraeche ' herre, daz gescbiht 
den eilenden gesten. 
swer durch gebresten 

870. vor 872. geruchet 873. vmbgezuchet 874. gchuert 876. Do 
889. Do 892. vreurnkhait 897. sein 899. 901. Er spreche 
900. Jeh 902. Die 



SEIFRIEÜ HELBLING I 27 

sincn Herren la*t in not, 

hat er wazzer undc brot, 1)05 

ir biet er willbra-t unde win, 
er llez oucb den bcrren sin.' 
dannoch but er tugent vil. 
s6 er zuo den vinden wil, 

er leit sin barnascb allez au 910 

und gebaret als ein man 
der nindcr hat deheineu muot 
wan ich gewinne 6r unde guot. 
ob aber ich hie tot gelige, 

gol hell' mir daz min hcrre gesige 915 

und ich des gcliolfen ha!.', 
daz er mir danke in daz grab.' 
er habt niht üz der herle 
und ist ein nölgeverte 

sines berren in dem strit. 920 

swaz im got geliickes git, 
daz kan er ziihteclich verdagen 
und \xl ez ander liute sagen.' 

'vrumer kneht, wol ich dir gan, 
du bekennest wol den rehteu man 925 

nach dem du hast gefraget mich, 
vragens du geloube dich.' 

'nein, herre, sam mir min lip ! 
ir sult mir zeigen noch ein wip 
diu an allen wandei si/ 930 

' lieber knebt, des la mich vri, 
wand ez kumt ze sorgen dir, 
wil du die rehlen finden mir 
der ich ze der besten gich.' 
'getriwer herre, die suoch ich.' 935 

nü dar! ich wil sin miiezec sin 
ze hoeren, vriunt, die rede din.' 

'lieber berr, so sag ich daz 
mir gGviel nie wip baz 

dan eine diecb gesehen hän. 940 

herte guotes was ir man, 
913. Dan 932. khume 936. muzzet 940. ain ich 



28 SEIFRIED IIELBLLNG 1 

er sprach 'min vil liebiu trüt, 
leg wonic fleisclies in daz krüt, 
daz der }iache lange wer.' 

sie sprach ' lieber Rüegör, 945 

ja het ich des doch e muot ; 
ich gehalt vil gerne daz guot.' 
also lie sie im den strit. 
des morgens zuo der ezzens zit 
Iruoc sie im daz krüt liier. 950 

daz fleisch hie an einer snüer. 
ll*" sie nani ez bi dem selben vadem 
und truoc ez wider gein ir gadem. 
er sprach 'wa sol daz fleisch hin?' 
[sie sprach] 'daz behalt ich umb den sin, 955 
wand ez ist s6 smalzhaft, 
vier krüten gil ez kraft.' 
der wirt sprach sän ' wol mich din ! 
daz krüt möht niht bezzer sin. 
iz vaste kiineginne, 900 

wand ich an dinem sinne 
michel ere und triuwe spür, 
du rihtest mir daz beste für, 
da daz fleisch ist gelegen, 

und kanst min güetlichen pflegen. 965 

din ezzen ist vil kleine, 
ich izze ez allez eine, 
hab wir wenic oder vil, 
in weiz wes du leben wil.' 

sie sprach 'mir ist unsamft,' 970 

unde gab im einen ramft, 
den er mit im gein acker truoc. 
'ich hän von mittem tage gnuoc' 
gib her, du küneginne.' 

er vuor üz, do bleib sie dinne. 975 

daz mobte sie mit eren tuon : 

948. dem 949. ze der Ezzen zeit 951. Daz fleisches — Swür 

abschr., Snüer verb. 958. Sun 960. Ez 962. spyer 

971. tampf abschr., Kampf verb. 973. Mittentag 974. Khünegin 
975. du — din 



SEIFRIED IIELBLINf; I 29 

sie het ein gebraten liiion 
daz niht bezzcr möhle sin ; 
da zuo sie nam üz ir sclirin 
guolcn win und weizbrot. 1)80 

' got erläz in aller not 
von dem ich disiu prösenl 
so heimelichen swent.' 
also sprach sie zir dicrn. 

' vil lihle wir im iiolt biern: 985 

er sparte ez an siui libe. 
waz ist mir armem wibe? 
ich laz in wazzer blitzen : 
s6 w'il ich sin guot nützen. 

nie sin notdurfl azzer. 990 

ich mach im ka'sewazzer 
zezzen. 3Iatz, da prang ich bi, 
sam ich hincht vastent si.' 
'vTou, daz ist billich. zeiner stunt 
so leit spise in iuwern munt. 995 

des niuoz ich der warheit jchen, 
ir Sil so guot an ze sehen, 
12'' nieman bi iu verdriuzet.' 
zehant sie in giuzet 

'uim, liebe 3Iatz, unde trinc, 1000 

ein sprüngel vür die tiir sprinc, 
ob din herre noch da var ; 
des nim vlizeclichen war.' 
Matz diu swanc ein swüngel 
üz dem köpfe, ein sprüngel 1005 

spranc sie für die tür dar nach, 
dö sie den wirt ninder sach, 
sie gienc zuo der vrowen wider, 
'liebe frowe, sitzet nider. 
min herre kumt niht ze stunt. 1010 

982. (lise 984. ze ir diern 985. Piern 986. seinem 

988. putzen 989. nutzen 991. micliese wazzer abschr., ChePz 

wazzer verb. 992. prangen sich beim efsen zieren, nicht zugrei- 

fen, Schmeller 1, 343. 993. Sam ich hin enlpfestent sei 994. ze 
ain stundt 993. leithe 998. Giemen 1001. vor 1007. Da 

1008. ze 



30 SEIFRIED IIELBLING 1 

w.THl ir daz ein vurhunt 

so schiere von dem acker g6? 

ir ezzel wol vier eiger e 

und trinket dan ein beischerl. 

zwiu sol in der wan daz verl? 1015 

des ezzcl ir noch wol ein teil.' 

' gib her ! got geh im heil, 

er ist mir ein lieber man 

von dem ich den gemach han!' 

hin gein äbent kam der wirt. 1020 

diu vrowe ir tugent nihl verbirt, 

sie gie gen im uz her. 

' willekomen, lieber Rüeger! 

hungert dich? daz ist mir leit: 

din ezzen wirt wol bereit.' 1025 

'liebe trüt, des ist not.' 

si sprach 'nü her tuoch unde bröt!' 

Matze des ir gehiige Ireip. 

einen girslinen leip 

zehant si im für leit. 1030 

ein schüzzel tief unde breit 

vol varveln truoc sie dar. 

si nam des vil tougen war, 

dicke snilen sliez er drin. 

'also liep ich dir bin, 1035 

vrowe, die varveln sint guot.' 

' ezzens hän ich ninder muot. 

in weiz wie ez mir erget, 

daz ezzen mir gar widerstet. 

Älatze da hin naher trat 1040 

ungebeten an den rät : 

' ezzet vaste, lieber herre. 

waz miner vrowen werre, 

des sull ir ahten nihl vil. 

1011. Went wirhnni fitrchenzic/iender] Yur hundl 1014. Paischerl. 
vergl. Ui'ifer 1, 67. 1015. wannen? ?>« gefäj'se worin es {das ferkct) 
gebacken isl. vergl. Sc/tmcl/er i, S2. 1023. wir 1028. gcha<;cb 
1029. Ain gitT.sst«!n Lai[j 10.'52. Vorveln '/;m/^c.9 varuelen' sumerl. 
49,77. vergl. Sc/imcller l, -»Ol. 103.5. Als 1030. Vorueln 



SEIFRIKD IIELBLIXr. I 31 

12'' ein ma're ich iu sagen wil : I()/j5 

ir liabl ir ezzcii lilif gein{^rt 
«laz Sil vicrzec wochen wert, 
der wirt hegiuide lachen 

so woll min sichle wachen, 

liebe 3Iatze. wa-r daz wAr!' 1050 

diu vrowc sprach ez ist gar 
misseit, Malze, swie daz sl6, 
mir isl vor in dem houple w6.' 

vrowe, swaz iiich ezzens süm, 
wa,T ez in guolem milthrüm, lOär) 

sie iiielilcn bezzer niht gesin; 
daz ziiich ich an den herren min. 
der az vasl die selben vrisl: 
hunger guot ze muose isl. 

dö er sie gar in sich gesluoc, 1000 

' nim hin daz liioch ; ich han genuoc. 
liebe Malze, icli wil dich bilen, 
mich hat der piluoc hlule geriten, 
hilf mir an min bette nider.' 
'wer sol da ilil sprechen wider, 10(55 

lieber meisler? hie ze stet: 
ez ist ouch miner frowen bet. 
dö sis bediu nider braht, 
der wirt an Malzen rede gedaht, 
er greif der vrowen hin unde her, 1070 

' mich wundert hiute und immermer, 
wa so maezigez wip 
nscme also schoenen lip. 
so veizt und so gedrollen. 

du hast rehte verwollen 1075 

als ein müzersp:inze.' 
'mir ist als ein minze' 
gedaht sie in ir muote, 

ob dir von dinem guole 

1045. Ain Mehr 1040. leilh 1047. sit] stie weh absc/n-., mart vcrb. 
1052. wie 1055. waerens {die /arjeln)-^ Milchraunib 1057. dem 
1059. zu niuss 1073. .\em 1075. du bist? 1077. als aiiiem 

Miutz 



32 SEIFRIED HELBLING 1 

ninier dchein güelc geschiht 1080 

des cndarbc ich mich niht. — 
th un egisch er ah so i/iart, 
daz ich dich han, wol mich wart, 
du bist der beste pepelaer; 

ich gaebe niht umb zwen minnser 1085 

dinen gelriiiwen lip.' 
und ist diu niht ein biderbe wip, 
lieber herre?' sprach min kneht. 
ich wil dirz bescheiden reht. 
ich ahte daz sie biderbe si 1090 

und doch niht arger liste vri, 
13" da si vil lihte ein hekel bi.' 

' herre bescheiden unde getriu, 
ich müeze immer dienen iu; 
daz tuon ich von schulden gern. 1095 

vrägens mac ich niht enbern 
umb ein wip die ich han gesehen, 
lieber herre, ir sult niht jehen 
daz ich si unnütze. 

si bei zwei antlütze 1100 

ob ein ander wol getan, 
daz ober ich geprüevet han : 
dem was liehtiu varwe kunt; 
ougen klär, roter munt ; 

da lag an gotes vliz. 1105 

daz nider sieht harmwiz. 
diu vrow het sich geviizzen ; 
der buosem was gerizzen 
wit gein der semehe vor, 

da innes löblich Iruoc enbor 1110 

zwei hiufel tratz eben gedraet. 
der da zwischen sehen ba^t, 
von Zwetel einen miinich guot, 

1082. Thunegischer kann auch Thumgischer oder Thungischer gelesen 
werden. 1084. Pepeler J085. minner 1086. Dein 

1094. muez 1102. Das aber 1109. gein dem smocke vor? Haupt; 
vergl. gr. 3, 447. 1110. Da inne 1111. Zwai Heafel tratz eben 
gedret 1112. Der do — bett 1113. ein 



SEIFRIED HELBLING 1 3.} 

er gcwiinne zun der werlde muot. 

dd sie viir die Hute gie, II 15 

eyä, wie sie sich sehen lie ! 

der munt ir slaete lachet, 

loeslich si dft machet 

IruLsfliel mit den ougen 

liephch unde tougen. 1120 

da sie ir friunde wesse, 

den warf sie iiht zwei esse: 

der andern schanze waT ze vi|, 

da man ziihte hüelcn wil. 

sam mir gnot nnde lip ! 1125 

und Icht inder ein biderbe wip, 

herre min, so ist ez diu.' 

'du hast ez wol erraten, pfniu!' 
'plniu hin wider, herre min! 
sol daz niht diu rehle sin, 1130 

doch s6 hat sie eren vil,' 
'die rede ich bescheiden wil, 
lieber kneht. und ist sie guot, 
doch hat sie ze hohen muot; 
ob sie wibes güete kan, 1135 

13^ daz sie reizet so die man, 

da von ist sie niht wandeis an.' 

'owe, herre!' sprach min knehl, 
'daz ir niht ze der besten jeht 
von der ich iu hän geseit. 1 1 /i() 

herre, ez ist mir billich leit 
daz si niht gevellet iu. 
saget mir, ist aber diu, 
lieber herre, an wandel gar: 
liutsa'lic was sie selpvar; 1145 

doch bezzert sie hals unde kel. 
kecsilber gaffer weizmel 
mit altem smerwe streich sie an, 

1114. ze 1115. Do sie vor 1121. freundt weste 1122. Deu 

warff sie leichte zwai esste. de?- aiisdruck ist vorn Würfelspiel ent- 
lehnt. 1124. Do 1128. ir>9. pfneu 1144. ohne 
1145. Leutselch 1147. Cochsilber Goffer Waiz Meli 1148. Smerb 
Z. F. D. A. IV. 3 



M SEIFRIEl) HELBLINC; i 

vilzel unde p^rnman 

ob ir wciigeliüc ruet 1150 

von gcribcner 7ioet, 

und ist doch erbier da bi.' 

'vriunt, swie ßrbjer sie si, 
got la*t ir werden nimmer rAt, 
daz sie an ir sin hantgetal 1 1 55 

so gar verunriiochet. 
da über bat er gevluochet 
ir st'Ie ze einer immernol 
in den ewigen tot.' 

'owe, berre, wes han ich 1160 

gefräget! ez riuwet mich, 
und wand niht daz ez wsere 
s6 rehte wandelbare, 
'ja ez wserlich, frumer kneht: 
du biet da niht wol gespeht. WCü^ 

nu bedenke fürbaz reht. 

lieber herr, daz si getan, 
ein wip ich gesehen hän, 
ist diu niht an wandel gar, 

so w«ne ich lange irre var 1170 

6 ich min frage enbinde, 
daz ich die rehten finde, 
doch wil ich iu von einer sagen, 
14' die sach ich wiz gebende tragen, 

geflöhten klein ze den enden: 1175 

bi den gebenden 

sint die vrowen wol getan, 

und Stent in wiplichen an. 

diu frou ze kirchen ofte was, 

ir tagezit sie gerne las 1180 

und sprach ir päter noster da. 

den gloubn und ir ävfe Marjä' 

sprach sie da heim vil dicke. 

dar nach ir dwcrhe blicke 

giengen umb von dem ze dem. 1185 

1150. Oben jr wengelein ruet: ob röt : not? 1175. Geflochet 

1182. Den Glauben 1184. dwf-rbt 



SEIFUIEI) HKLHLIN(; 1 35 

so dich der viiil uns bcncm!" 
so sprach sie ziio der dieni. 
'mit dir wir gesiiinet bicrn; 
du dienest uns An alle vorht. 
wie ist der ka'se liz geworht ! 1190 

ich siho da/, ka'sewazzer wol ; 
daz ist guotcr topfen vol, 
mich triegcn die sinne min. 
der kneht mac dir heimlich sin, 
dem dii pcpelsl da mit, 1195 

du vil ba'se dchsclrit!" 
diu vrowe in die stubcn göt, 
der heizer bi der tiirc stßl, 
dem sieht sie cinez au daz mül, 
'boeswiht unrein undc iul, 1200 

wie stiubet s6 der asche ! 
so dich diu suht benasche 
daz dir hiit und har ab ge ! 
woldestii niht begiezen 6, 

des geniuzeslü talanc' 1205 

sie warf den lip uf die banc 
als er ir enpfallen wier. 
'nü püu dich, du snüdair!' 
sprach sie dem buknchte zuo. 
'du tuost mir spat unde fnio 1210 

an minem hovegereite schaden, 
daz dich wzen die madcn, 
wol ich dir des gunde.' 
an der selben stunde 

kam der wirt. fioi'ipft/isck ! 1215 

diu frowe'beiz umb als ein gruisch, 
sie sprach 'owe, herrc wirt, 
wie nütze ir dem hüse birl! 
als ein verfuortez pfluocrat, 
so eben iur geschefte stät.* 1220 

1187. ze 1188. Pirn 1192. Toplfen: s. Schmeller 1, 451. 

1196. vergl. Jac. Grimm myth. le ausg. 589. 120?. die Suth 
1205. tolanck 1208. snauder 1211. Hoffgerechte 1212. ezzen 
1218. nuz 

3* 



3f. SEIFRIKD HELBLIiXG I 

14^ 'vrowc ich sclialTe wol unt eben, 
heizt uns dralc ze ezzen geben, 
daz wir die sluben rünien iu.' 
lieber herre, ist aber diu 
ane wandel? daz sagt mir.' 1225 

' frumer kneht, ich sage dir 
war, als liep du mir bist, 
daz sie also vreidec ist, 
daz ist ein wandel, sam mir Krisl ! ' 

' nu wol mich hiutc und immer wart! 1230 
ich bin an der rehlen vart. 
einer vrage ist mir ze muot. 
herre, ich weiz ein vrowen guot 
diu niemen in ir hüse wert, 
swie unreht man ir guot zert, 1235 

dar umb sie zorn gar verbirt, 
si la^t ez allez an den wirt. 
an allen dingen ist sie guot. 
ir selben si vil wol tuot 

und kan sich schone zäfen. 1240 

wol gezzen, lange släfen, 
der frowen tugenllicheu zimt. 
sie enruocht waz der wirt nimt, 
daz ot sie genuoc habe. 

und brsech erz sinera Aater abe, 1245 

er beswärt niht ir gemüete. 
so groz sint ir giiete, 
wil ir der wirt heimlich sin, 
als ein guot lembelin 

swiget sie, swie er ir tuot. 1250 

swaz er wil, des hat sie muot. 
si ist klär und gelenke. 
daz sie inder wenke 
ir liebem wirt, swie dicke er wil, 
des dunket si allez niht ze vil. 1255 

also tuot vil mangiu niht. 

1223. stomben ranmben eu 1228. vradic 1239. selbe 

1240. schöne Czotfea 1242. Der fraue Jugentleichen 1249. Lemelein 
1253. nider 1254. lieben 1255. sei 



SKIFUIEÜ IIKLÜLLNG I 37 

so ir wirlc not gcscliilil, 
daz er sich ir nahen leil, 
' liint ist ein lieiligiii zil' 

beginnet sie im künden: 12G0 

'wir suln iiint nilit sündcn.' 
daz ist jnngeni manne leit: 
ein aller ist so gereil 
daz er nach der frowcn sage 
sie midel vierzehen tage. 1205 

15' hie mit laz wir von der: 

ich sag in von der ersten mei*. 

lieber herre, als hell' mir lirist, 

swaz inder wandelba-res ist, 

uinder daz von ir geschilil." 1270 

' frumer kneht, verswer dich niht. 
du ablest daz si biderbe si: 
ir ist ze lützel sorge bi; 
da voQ ist sie niht wandeis vri.' 
min kneht sprach 'lieber herre min, 1275 

diu vrowe möht an wandel sin, 
an daz ir sit ze merklich.' 
'wartä, helt Friderich, 
wie wol erz ervarn hat!" 

'des wirt guot rat, 1280 

uude bau ichz niht ervarn. 
wa gesahl ir ie sparn 
also geslen, herre min? 
lat iur zornrede sio. 

sit ir wiser dann ich, 1285 

daz ir wiser machet mich, 
da umbe wil ich dienen iu. 
lieber herre, ist aber diu 
an allen wandel? eine ich han 
gesehen, diu ist wol getan 121)0 

und gar innewendic. 

1259. Heunl 1261. soln heunt 1263. gesait 1276. iii.i.lit 

1279. eruorn 1280. rat llai/pt] Chunradt 1281. eruohrn 

1282/.? 1282. Und gesaht abschv., Wo g. vi-rb. 1291. inne 

"wendic 



38 SEIFRIED IIELBLLXG I 

doch ist sie behcudic 
an venslcrn, an glasen, 
luogen in die gazzen, 

daz mac sie niht vermiden. 1295 

sie winkt ir dierne Briden, 
' liebiu iiride, sihslü den? 
aht nach wem er sich sen. 
so ich in dem venster leine 

(waz er da mit meine?), 1300 

gein mir er vaste blicket: 
da von min herze erschricket.' 
'vrowe, leint iuch wider dar, 
lät mich des mannes nemen war 5 
ich sag iu schiere wes er gert.' , 1305 

'nü wis sin von mir gewert/ 
do von in beden daz geschach, 
Bride ir vrowen zuo sprach 
ein wisen rät riehen, 

'yrowe, ich sihe iuch blichen. 1310 

der man ist gein iu höchgemuot; 
dem gelich iur varwe tuot. 
weit ir sehen sinen kouf, 
lö*" recket einen vinger ouf. 

ich hän des guoten tretten, 1315 

mit geraden henden beden 

er iu vriuntschaft erzeiget. 

er hat sich iu geneiget 

und gebäret als ein man 

der hin ze iu hat lieben wän.' 1320 

diu vrou sprach ' liebe Bride, 

dinen rät ich mide ; 

üf diu triuwe daz vernim. 

dort stßt einer hinder im, 

durch den ich daz miden sol.' 1325 

1293. gl-izzcH vergl. 1354/. 129G. preideii 1297. Preide 

1303. eu 1307. Dauon 1308. Preidt 1309. Ain Wiseu Lad 

reich 1310. plaith 1313. Wolt Choptf ahschr., Chauff verb. 

1314. ouf: kouf 4, 483. 1315. gueten 1316. Mit geraden HendeD 
bellen 1321. preude 



SEIFUIED IIELBLIM; 1 ;{9 

' uein ir. ' zwilrc, ich silie in wol. 

vrouwe, er ist ein man 
der höfsclieit verswigen kan.' 
' wes sol er von uns verjehen 
an (laz wir sehen wider sehen l'.VM) 

uiul lac lien wider lachen ? 
waz wil er da von machen? 

nii huop min knehl aber an. 
vragen er mich bcgan 

herre, wie ahl ir die?' 1335 

' vrumer kneht, ich sag dir wie. 
die selben ich dir nenne 
nach einer venslerhenne. 
diu krizelt von ir man 

uä(;h einem andern hao. 134Ü 

also luoget sie dan.' 

' getriuwer herre, ich weiz noch eine, 
diu ist kiiisch und reine, 
von wiplicher giiete 

kam ir gemiiete 1345 

nie eines kleinen bares breit, 
des mac ir wirt sin gemeil 
daz sie ir mehelvingerlin 
in ir reinen herzen schrin 

so lüteriich behaltet. 1350 

des ein engel waltet, 
daz wirt niht be wäret baz. 
diu vrowe ir ziihte nie vergaz, 
ze kirchen noch ze gazze. 

luogen durch diu glase, 1355 

rünen umb iippekeit, 
daz was ie der vrowen leit. 
si was diemüete und wise. 
16* nach wiplichem prise 

ze got stuont ir gemiiete. 1360 

umb helfe siner giiete 

1328. wol khan 1329. Was 1330. wider] vor der 1333. aber] 
wider 1336. Vrum 1346. ains ciain 1354. gazzen 

1355. die glazzen 1356. vm 1358. diemutfa 



40 SEIFUIED HELBLE^IG I 

gerl sie dicke hin ze got. 

sie behielt wol daz gebot 

'minne got vor allen dingeu/ 

da von muost ir gelingen 1365 

an s^le und au libe. 

von so geertem wibe 

gehört ich nie mer gesagen 

bi allen niiuen lagen. 

ein lob ich an ir kroeue : 1370 

sie bezzert niht ir schoene 

und ist behuot alle zil. 

gespriuzet höhe buosem wit 

der vrowen sint unmare. 

doch ist diu sailden höre 1375 

underm ge wände wol getan. 

der güft sich niemen an ir man. 

diu vrou git niemen tue gein ir. 

man sol daz gelouben mir, 

twerhe blicke sint ir unkunt ; 1380 

ir zurtenzertelt niht der munt 

ieslichem ze blicke. 

ir ist als ein wicke 

swer sie velschlich luoget an. 

ir reinez herz hat ninder wän, 1385 

an gein dem der ir ist gezelt 

ze friuntschaft und erweit. 

owe, herre' sprach der kneht, 

'ob ir der niht an wandel jeht, 

doch so nam ich wol verguot 1390 

daz ich biet eine so gemuot, 

diu mir ze stete wsere erkorn.' 

'dir bei diu katze niht genorn, 
vrumer kneht und wser ez war, 
wand sie ist äne wandel gar, 1395 

1362. die nack 1363 Als geschriben sieht dortt 1372. behielt 
1373. Gesprizelt h. b. weip 1374. Vnmer 137.5. die selten Herr 
1377. des guett ahschr., des gueff verb. 1378. geith n, tuec, doch 

ist tuec sehr unsicher. 1381. zurtenzertelt?] zurten zerteil 

1383. ir] In 1386. ist fehlt. 1390. nehm 1393. genohrn 



:{'.)•.). (lauou 



SEIFIIIED HELULLNC; I II 

und alilc da/, ir kuinc si 

in ciuer wilcii gcgcnl dri : 

der ich, ob gol wil, eine lian, 

ob mich scheidel iiiiil da van, 

ich niüez ir mannen slrit lau.' I iOO 

' herre, daz ist goles {^chot. 

mit urloup, herre!' gesegen dich gol!' 



II 



16'' Eines lages nach dem ezzen 
was ich hindan gcsezzcn 
ein teil von minem tische. 
het ich niht wiltbraet noch vische, 
daz liez ich an zerwürlte. 5 

gol lübe ich niiuer dürfte 
nach der rehten slihte. 
mir luont min dri rihte 
da heime voUich also wol 

sam ob ich wa're krapfen vol 10 

und manger hande present. 
diu klaren condiment 
sint mir dicke liure 
bi minem kleinen viure. 

daz wil ich lazen also sin. 15 

ich trinke gerner vrischen win 
in miner herberge 
dann ab dem Nuzzberge : 
den muoz man tiure gelten ; 
da von trink ich in selten. 20 

also gesaz ich eine 
bi dem breiten steine 
in minem boumgarten. 
des begunde warten 

min kneht unde gie ze mir. 25 

er sprach 'herre, wizzet ir? 
der herzog wil ein vrage hän.' 
5. an zwiwurfft 6. durlft 9. vollecleicii 16. gerne 27. herzag 



42 SEIFRIED IIELBLING 11 

ich sprach lieber kneht, sag an, 

wes wil du vor im verjchcn? 

daz hl hie vor mir geschehen. 30 

ich bin an des fiirsten slat 

und wil dir nennen niiuen rat 

der uns hilfel gedenken 

wen wir hie bekrenken. 

geselle, ez sol einhalp min 35 

Triu unde Wärheit sin; 

ich wil daz anderhalp mir bi 

Schäme Zuht und 3lAze si, 

Bescheidenheit und Ere : 

wes bedürf wir mere?' '«<) 

'herre, ir sitzet edellich ; 
des lob ich got von himelrich. 
vor iu Stab ich disen eil, 
sag ich durch liep oder durch leit 
ihl an die wären slihle 45 

und niht durch reht gerillte, 
so werd ich gotes hilfe verzigen 
und aller siner heiligen.' 

vriunt, got müeze dich bewarn! 
du hast redelich geswaru. 51) 

17" nü wis des von mir bewist 
daz du ibt des helnde sist 
daz dem lande schedelich si. 
daz sage disem eide bi.' 

'herre, so si iu gesaget, 55 

bezzer laut nie betaget 
in der groeze sam Osterrich, 
an daz die liute unordcnlich 
lebent, des ich in niht gan. 
srebüren riler dienstmau 60 

tragent alle glichez kleit. 
swaz ein riter gerne Ireit, 
nach swelhem lande und swelhem sil, 
daz treit der gebüre mit. 

44. oder] noch 46. Vnd durch rechtes g. 53. Des 59. daz 
61. all gleiches 63. beide mal welchem 



SEIFIUED HELBLING 11 43 

Sit er ze dem jjfluoge ist crkorn, 65 

so gieiif^e er billicli aiie sporn, 

und undcrni iiiiol an lurriu luucii. 

vür \ encdier lianlscliuocli 

trüeg er licndelinge baz. 

dö man dem lant sin relil maz, 70 

inan erloubl im liuslodeu gru 

und des virelagcs bla, 

von einem guolen slampfhart. 

dehein varwe mer erloubl wart 

im noch sincm wibe. 75 

diu Ireil nu an ir iibc 

griiene brün rot von Jcnt. 

des laudes guol sie swenl 



daz Wandel des ich iu wol gan. 

dinget den knelit wider an.' 80 

ich sprach 'liebe Triu, daz si.' 

der kneht sluont mir daunoch bi, 

gein dem ich vragens niht vergaz. 

ich sprach 'sag mir fiirbaz, 

lieber kneht. weislü ibt mer? 85 

daz sage durch des landcs er.' 

'ja, herre, ich weiz noch vil, 
der ich einez sagen wil. 
daz g6t mir stözund umb die brüst, 
ez ist geheizen Dienstumbsust 90 

und gehoerl gewaltege herren an. 
Dienstumbsust ist ein man 
der wol twingen kau daz gen. 
ez ist der sem understreu 

der baz gedienen niac dan er. 95 

Dienstumbsust ist s6 her, 
17'' swaz er in dem lande tuot, 

67. ohne herrein thue C9. hendtlinge 70. Da — Landte 

71. haufs laden vergl. die stelle der haiserrlironik hei Jac. Grimm 
rechtsalt. 340. 74. vorb 7G. nun 77. Gryen die liicke nach 
78 ist in der handsehrijt durch punkte bezeichnet. 90. dienst vmb 
sunst 94. Ez ist der sein vnder slrew : ist für sein zu setzen swine? 



44 SEIFRIED IIELBLING 11 

daz bringt sin herre im ze guot : 

gcin dem fiirslen daz geschult. 

Dienstumbsust hat anders niht lUÜ 

von sincni herren, derst so arc. 

Dienstumbsust ist gewinnes karc. 

des haben in der sßle vlust 

der herre und sin kneht Dienstumbsust! 

wie sol getriuwer aruiman 105 

sich mit dienste nu began? 

gewaltege herren lönenl niht, 

an mit der guot den schade geschiht: 

des tragent si ir diener hin. 

da umb sie findenl ungewin IIU 

hin nach manec tüsent jar, 

und gelribentz immer hundert gar.' 

'gote lop' sprach diu Triuwe 
'ob sie afterrinwe 

umb ir gewalt findent. 1 1 5 

daz sie so mangen bindent 
in ze dienst umb ungetäl, 
des wirl ir sßle müelich rät, 
und ist ouch wandelba-re 

daz unbescheiden m*re, 120 

als der kneht hat geseit.' 
'des gesten ich' sprach diu Wärheit. 

'ist daz wandel dar geschriben, 
herre, so ist mir noch beliben 
ein rede, der mich niht betraget, 125 

ich sage sie gerne ungefraget 
und ziuh ez an den hoehslen Krist 
daz niht so wandelbares ist. 
in allem discm laut gemeine 
rihtet niur der herzog eine. 130 

diu sinen uächgerihte 
sint uf die uuslihte. 
daz miieze got erbarmen ! 
man rihtet niht den armen, 

101. der ist 105. getreu ein Arm Man 110. Do 113. Gollloli 
115. jrn gwall 130. Richter nur 131. Den 



SEIFRIEO IIELBLING II 45 

den riehen rihl man unib ir guol. 135 

wider got man daz tuot. 
hülf man dem fiirslen rihlcn 
nach den reliten sliliton, 
so soit ein ieslicli dienstman 
die sinen selbe dingen an 140 

18" und soll ir boslieit wenden: 
so kund mans niht gesellenden 
an in ze den lanlvrägen. 
daz wellcnls also wagen; 

sie briugenls zeigenschcfle 145 

mit der schänden krefle. 
da über sprach her Vridanc 
einen spruch niht ze lanc, 
er sprach 'dicke worden ist ze hoen 
getwungen dienst, geribeniu schoen.' 150 

also n)ac ez im ergen, 
wil er sin vint mit im besten, 
ich han gehört ein altez mser, 
daz ein rehler stritzroubwr 

in der herle si gar enwiht. 155 

er hat gewont anders niht 
wan twingen mit der geisel : 
sin gesmucliu reisel 
gcbent im immer genuoc. 

daz sie ir muoter ie getruoc 160 

die herren die sie heienl 
daz sie die armen schreient! 

137. stünde man dem fürslcn {der allein gerecht richtet 129/.) in 
der Verwaltung des rechtes bei, so sollte Jeder ministeriale die seinen 
{wenn sie iibeles thun) selbst vor gericht ziehen und ihre bosheit ab- 
wenden, geschähe dies, so könnte man sie {die ministerialen) nicht 
an ihnen {durch klagen über die unthaten ihres gesindes) bei den 
landfragen {vergl. der herzog wil ein vrage han 26) zu schimpf und 
schänden bringen, aber das wagen sie, weil sie duvch ihr räuberi- 
sches gesinde zu eigentkum gelangen, obwohl mit schänden. 
HilfT man den 141. Vnd schoL sein 143. An jn ze den Landt 

vr. 144. wollentz 145. bringens 147. der Vraidanch 

149. worden ist zehoen: vergl. 6, 47. 150. Getrungen d. geribene 

schoen 157. Dannen 158. Sein gesmueteu Raisel oder Taisel 

seine heimlichen raubfahrten? 



i(> SEIFRIED IIELBLING II 

der fiirsle ist bezzcr danne got. 

do der von sinem gebol 

sauf Pelcni den gewalt lie 165 

zenbinden, doch wirt im ie 

diu buGze von uns allen. 

nü ist ez so gevalien, 

unser forste hat gewalt, 

wem diu buoze si gezalt 170 

dazu weiz noch der drille niht. 

da van ze swigen mir geschiht.' 

dö sprach diu Bescheidenheil 
' herre, der kneht hat geseit 
mer wandel dann einez.' 175 

' und ninder ein kleinez' 
sprach diu Ere und diu Scham, 
diu Triu sprach ja, als ichz vernam,' 
und diu Mäze was ir bi. 

diu Zuht sprach 'ich wil, daz si 180 

allez wol ze schriben dar.' 
diu Wärheit sprach 'daz ist war.' 
ich sprach 'sit nü sint geschriben 
diu wandel ze rehte bliben, 
18'' getriuwer kneht, so hab üf mir, 185 

ich teilt sie willeclich mit dir, 
ob ichz der fürste selbe wser. 
sie sint so reble wandelbar, 
swaz so du ir für geleist. 

geselle, daz du s«lic sisl! 190 

got läze dir gelingen 
wol an allen dingen!' 

'genade, lieber herre min, 
ez möble nimer groezer sin 

iuwer tugent wider mich. 195 

zweier wandel ich in gich, 
daz eine ist nit, daz ander lüge.' 

'swer diu niht ze wandel züge 
der tort sich' sprach diu Triuwe. 

164. Da 165. Sant Peter 172. swaigen 178. ich ez 

179. ir] mir 187. ichs 196. zih 



SEIFIUED HELBLIX; II M 

'Nil vant (lio rrsle riiiwe. 200 

d6 er sich in dein liimel liuo|), 

er viel die gruuüosen gruop 

her ahc in die helle nider. 

dar nach liuoi) sich iVil wider 

an Adames kindcn, 205 

als wir geschrihen vinden, 

daz Kain sinen bruoder sluoc. 

des im jjfol doch niht verlruoc : 

er gebot im hin ze tal 

in den gruntloscn val, 'l\(\ 

um! nach im aller menschen kint 

diu nidec unde hazzec sinl. 

ow6!' sprach diu Triuwe, 

' min sorge ist alniuwe. 

ich wil, swa Haz und Nit si, 215 

daz l nlriuwc si da bi. 

diu was mir ie unmsere 

und isl ouch wandelbare. 

dö daz vernam diu Warheil, 
sie sprach freu Triuwe, mir ist leit 220 

daz ir der Lüge vergezzel. 
swenne ir swinde mezzet, 
Lüge viel den selben val 
mit dem Nide her ze lal 

in abgriinde der helle. 225 

daz geloub mir der da welle, 
der liuvel nieman betrüge, 
ob im hülfe niht diu Lüge. 
19' diu Lüge was dem slangen bi 

der Even riet ab dem zwi 230 

brechen daz ir got verbot, 
da von sie lilen micliel not, 
vrou Eve und her Adam, 
mit der ungehorsam 



200. Veit 202. fuel 207. sein 212. Die neidisch vnd haz- 

zel s. 214. alle neue 215. wo 222. Swan 223. fit 

226. Das geLaub mir d. d. w. 228. hilfe 



48 SEIFRIED HELBLING II 

bralil sie der liigewise 235 

üz dem paradise 

ze grozen arbeiten. 

doch begund sich breiten 

diu werlt von ir kinden. 

als wir geschriben vinden, 240 

sie lebten in des tiuvels vär 

wol üf fünf lüsent jar. 

gotes barmunge ergie, 

diu Warheit sich von himel lie 

und nani an sich die mcnscheil. 245 

Lüge und Nit warn bereit 

die Warheit ze wenden, 

wider den eilenden 

üz sines vater rieh. 

daz tribens emzeclich 250 

wol üf driu und drizec jAr. 

Lüge und Nit bräht ez dar 

daz Krist durch die warheit 

die bitterlichen marter leit 

und sinen menschlichen tot. 255 

do wart erwendet unser not 

mit veterlicher hende. 

nach siner urstende 

diu golheit die helle brach. 

da von sa,'lden vil geschach 260 

den reinen propheten, 

die ez vor gewizagt böten. 

den wart michel freude kunt. 

do er den allen nilhunt 

mit siner gotlichen haut 265 

in abgründe der helle baut, 

ir freude was an ende. 

Adam an siner hende, 

dem nach volgten alle die 

die sinen willen täten hie. 270 

239. Deu werk v. jrn Ch. 246. waren 250. ainzechleich 

254. Die Pilterleiche 255. sein 250. Da 200. selten 

265. guetlichen 266. In abgrnndt 270. sein 



SEIFIUED HKLÜLING II 49 

als6 bralil diu Warlieit wis 
Adamen in daz paradis, 

nu sprach aber sA min kneht. 
19'' 'lieber herrc min, nü ssht 

waz an den zwein wandcls Kt 275 

daz da heizt lüg unde nit. 

herre, bill den fiirslen des, 

so man im den wandcl les, 

daz er mir ein wandel gebe; 

so hiin ich gnuoc die wile ich lebe. 280 

swer daz nihl vermide, 

sin ehcnkristcn nide, 

der geh mir niur ein böne 

und hab gewandelt schöne. 

ich wa^ne, dehein klösler si 285 

in disem lande, ich hab da bi 

von nide böne veile. 

ob mir würd ze teile 

daz wandel von dem fiirslen, 

hungern noch dürsten 290 

liez ich mich selten immer. 

ich verzert ez nimmer, 

sold ich hundert jar leben, 

daz mir ein böne würd gegeben 

von den nitsüreu : 295 

ich meine die gebüren; 

die habent nides also vil, 

von wärheit ich daz sagen wil, 

mir würd ze Wiene in der slat 

umb nit ein so getan bönsät 300 

daz ich wolt erlichen leben. 

von des Fürsten ratgeben 

war mir etlich böne gezalt, 

mir na,*me si dann ir gewalt.' 

ich sprach ' geselle, hoere mir. 305 

daz wandel muoz sich füegen dir; 
von dem Fürsten daz geschiht. 

276. Daz do 283. nur ain Pon 284. halb 288. ze hail 

294. Wirt 299. ze Wien 304. Mir nem sei 

Z. F. D. A. IV. 4 



:,0 SRIFHIEI) lIELHLINi; H 

er sol oucli inin vcrgczzen iiilil, 

Sit ich frage an siuer slat. 

nü wil ich haaren dinen rat, 310 

unib welch wandel ich in bitc 

da ich si behalten mite?' 

niin kneht sprach 'ich ralc iu daz, 
dehein wandel iu flieget baz. 
ob iu der fürsle wol geborn 315 

ie von der lüge ein weizkorn 
schliefe in disem lande, 
min triwe nenit zc pfände, 
20" ir besachl iuch immer wol, 

man liugt iu weizes kästen voL 320 

ir soll ze vierzec nietzen 

einen slübich setzen J 

ze hove eneben an die stiege ; 

swer den andern da beliege, 

dienstman riler oder kneht, 325 

der werf dar in iuwer reht. 

mac er des niht beloufen, 

so samen in die goufen 

den lügeweiz zesamen gar 

und schule iu mit ein ander dar. 330 

swie kleine doch daz wandel si, 

da ist doch schände und lasier bi, 

ob der hof wsere gezogen, 

daz nimer niht da würde gelogen, 

ez waere drir Schillinge wert. 335 

des fürslcn hof niur eren gert. 

noch sult ir einen slübich haben 

ze Wiene an dem graben ; 

da ist manger bände veil. 

Sit ir indert bi heil, 340 

er wirt in vier tagen vol; 

310. Nun 316. Waizen Chorn 322. Ain stubch 323. neben 

"in ff. wird ihm des laiifens bei jeder einzelnen lüge zu viel, so mag 
er seinen lügenweizcn in die hohle hand sammeln und im ganzen dort- 
hin schütten. 335. dreier 336. nur 337. ein stubch 
338. Ze Wien 



SEIFKIED HELÜLING II 51 

dA vou iniigt ir zeren wol. 

und habt ein an der Schotten hove, 

s6 man zelte undc drave 

diu pCert an dein marktage. 345 

uf rain warheil ichz sage, 

da Ireslorl wciz von lügen in; 

vil mau liuget durch gewin. 

herre, hoert ein wunder gröz : 

ich weiz den iuwcrn hüsgenöz 350 

von des lüge vier tiiben 

niöhten den weize klQbcn 

daz ir kröpfe würden vol. 

im ist mit lügen also wol 

daz sie bi weiz von sinen lügen 355 

aller menneclich üz zügen. 

'owe' sprach ich, 'geselle min, 
in mühte in vinder niht gesin 
den lügenffiren allen glich ! 

bin ich von in weizes rieh, 360 

so ist in doch min herze gram ; 
sie liegent, daz ich mich sin schäm.' 
' herr, diu sache hab ein ende 
20'' von der missewende 

diu da heizt lüg unde nit. 365 

nü wil ich sagen, des ist zit, 

die aller meisten schände 

diu in disem laude 

ie und ie wart enbart, 

umb diu durchgründen wart, 370 

der man so vil sprichet. 

ob got daz niht riebet? 

daz machet der unruoch : 

wan des wissagen vluoch 

voUenclich an in erg^t, 375 

als er an dem saller st6t. 

der wibe nie wirs wart gedaht: 

daz hat der tiuvel dar zuo bräht. 

344. zell von draue 353. Dar jr 355. sein 356. menchleich 
358. Ir niöcht 370. durch gründen 374. Vlruch 

4* 



52 SEIFKIED HELBLING II 

wir sin doch all von wibe konien . 

ob einer lastcr würde vernoraen, 380 

daz sold uns allen wesen leit. 

nü ist sin manger so gemeit, 

(welch tiuvel in des bite?) 

er machet parat vil da mite. 

verlluochler boeswihl, der ez tuo, 385 

der sinne ein gans, der zühte ein kuo ! 

sin munt unreinet den liift, 

er fülcr stanc der hellegruft! 

niht baz ich sin gedenken kan. 

wes zücket sich der snürrinc an?" 390 

do sprach diu Bescheidenheit 
' herre, der kneht hat geseil 
beide schände und sünde. 
pfiu die unreinen münde 

da sie habent durchvart, 395 

also lästerlichiu wart!' 
'owe,' sprach diu Ere, 
'nü muoz ich truren mere. 
Schäme und Zuht sinl ergramt 
daz niemen boeser wort sich schämt.' 400 

als daz vernam diu Mäze, 
'dem tiufl er si verwazen, 
der sich boeser wort niht schäm ! 
dem bin ich und diu Triuwe gram.' 
diu Wärheit wislichen sprach 405 

'herre, ich sag iu waz geschach. 
einem kinde was gezalt, 
fünf jär wxre ez alt: 
21* umb boesiu wort diu ez sprach 

der vint ez sinem valer brach 410 

ab der schöz und fuort ez hin 
ze dem Ewigen ungewin. 
da bezzer sich ein alter bi, 
daz rät ich, ob der sinnic si.' 
'die siben tugende habent geseit 415 

379. alle 390. Wer Zuckhet sich den souerrinch an 410. Der 

Veünt 415. Tugent 



SEIFUIED HELBLING II 53 

daz Wandel, Triu und Warlieit, 

Maze Scham Zuiil und Er, 

Beschcidcnlicit, waz well wir mftr? 

man sol diu waudcl für tragen, 

der kneht well danne nitit mer sagen.' 420 

'ja ich warliche' sprach min kneht. 
'ich sage noch ze wandeis reht 
michcl liute zageliaft, 
snff'tu/i^e Wirtschaft 

und alter an alle lugenl, 425 

und der sich iilfet in der jugeut, 
giictlich gebaT an Iriuwe, 
nach miltc aftcrriuwe, 
ein guotswent an 6re, 

des glouben ein abkere, 430 

boeslich getät an alle schäm, 
ein herz frunies muotes lam, 
Juden gesuoch in kristcn haut, 
meinswern, der enkiilt ein lant.' 

'ow6 mir hiute sprach diu Er: 435 

' nu muoz ich aber trüren raßr, 
lieber kneht, umbe diu, 
der wandel sint wol zwelfiu.' 
'als ich sie gemerket hän' 

sprach diu Warheit, ' sunder wän, 440 

man sol sie billich schnbeu, 
daz sie ze buoze bliben 
von Haslou meister Kuonrät, 
der in disem lande bat 

den wandelbaren jüngelinc 445 

niur unib einen pfenninc. 
Sit hat unvuore sich gemert 

418. wol 420. w5li dann mer s. 426. vlft. Reinmar von Zwe- 

ier 2, 135" junc man, nu wis frö nnd doch mit zUhlen. iilffieit ist 
ein suht ob allen sühten an jungen ere gernden liuten. ülfheit er- 
ziuhet jungen lip so daz got noch reiniu wip in niht mügen geuiinnen 
noch getriuten. vej'gl. Jac. Grimm, myth. 2e ausg. s. 411. Haupt. 
427. ohne Treu 428. affter Reu 434. enchult 439. seu 

441. schol 446. Nur 447. sich fehlt. 



•>4 SEIFRIED HELBLING II 

iu discni lant, daz ich niht gert 

ze Wandel nier dann ein ort, 

und wolde haben fürslen horl/ 450 

du sprach aber so min knebt 
' herre, beget des landes reht. 
ir sult sitzen dri tage : 
21'' und swaz ich iu morgen sage, 

des wil ich hiute bedenken mich. 455 

mit urloub herre.' 'got segen dich!' 

des morgens do ich messe vernam 
und az, als mir von gote gezam, 
nach mines ezzens ende, 

twuog ich die hende 460 

und bliht üf und sprach alsus. 
glorjä tibi deus ! 
genade si dir, got, gesagt. 
an diner helfe ich nie verzagt, 
du keiser, den diu magt gebar. 465 

ich lob dich schepfer miner nar; 
der häslu mich die mäze gewert, 
also der päter nosler lert; 
gib uns unser tegelich bröt 

ze dürfte unsers libes not : 470 

niht fürbaz lert uns din gebot, 
gelobt wis, tugenthafter got, 
daz niht min kuche unde gl6t 
ze vier und zweinzec rihlen stSt. 
ich bin den vieren gerne bi; 475 

got si gelobt, und hän ich dri. 
der wil ich mich besachen.' 

des begunde lachen 
min kneht und sprach also 

'ow6 , hset ich guofer zwo, 480 

ich wolde minen friunden sagen 
'man hat mir 6rlich für getragen!' 

448. Lande das 451. Do — da m. 456. der abschnitt in der ht. 
unbezeichnet. 459. meinz 466. Var 473. Gleit 

475. Vierne 481. mein 



SEIFUIKD HELBLlNr. II 55 

zwo der Wivv der hell wol wert. 

" kukuk liiiiie uiide verl ! 

daz siiil benanuMi zwei jar. 485 

nu slant uf; du hast ez gar. 

iiiiii hin daz liioth, wir haben giiuoc ! " 

d(j er daz ab wege Iruoc, 
ich sluonl lif iiAch dem czzeii 
da ich was gesczzen 490 

bi niiiier wiiiiiiiie. 
ich dahle in ininem sinne, 
als uns tuonl die arzcf kunl, 
daz gt'^n nach ezzen si gesuul. 
do ich mich ein teil ergie, 495 

min kneht aber niht eniie, 
er kam und sprach mit witzen 
' herre, weit ir sitze» 
aber an des fiirslen stat? 
22* die sibeu lugende, iuwer rät, 500 

suhl mit samt iu sin bereit. 
Triu unde Wärheit, 
Schäme Zuht 3Iäze und Er, 
Bescheidenheit; nach der 16r 
sol man diu wandel schriben 505 

diu iu ze rehte bliben.' 

'getriuwer knehl, des habe dauc. 
wol dan mit mir ze einer baue, 
daz wir sitzen böde. 

dort sl^t ein grede 510 

schöne beleit mit griienem waseu. 
daz diu ougen im erglasen, 
der uns beden vint si! 
er boesewiht niht wandeis fri, 
rehter vriizmunt, ein häse ! 515 

der vah sich selben bi der nase, 
well er in gerne suochen, 

483. Zwo' des wer 488. Da er daz abweckhte tr. 495. Da 

498. wolt 500. Tugent 501. 505. Schol 511. Beleith schon 

mit graen w. 515. R. Vrastmundt ain baffz cid] er? uude? 

516. selbe 517. W5l 



56 SEIFRIED HELBLING II 

dem wir so swinde fluochen.' 

ich saz. zcliant sprach min kueht 

'herre, ich sage bi vrönreht 520 

und bi gotes hulden 

ze grozen wandelschulden 

einen kündigen man, 

der kündiclich gewinnen kan 

des landes guot, und sag iu mer, 525 

kündikeil ist äne er, 

kündikeit diu liuget, 

kündikeit diu Iriuget 

den fiirsten daz er waent, im si 

nienien so getriuwer bi 530 

und in den noeten so bereit. 

hab danc, liebe Kündikeit, 

daz dii dich machest so hin für. 

wir waren hinder der tür 

von dir alle samt verzert, 535 

Sit man da vor sich diu niht wert. 

ez beswsert niht kündigen man, 

und get daz laut ein not an ; 

habent die lantherren 

mit ein ander werren, 540 

des blibet er äne kämpf. 

stiez erz houbet in ein stampf, 

in traife niht der stempfei ; 

sin kündigen wempfel 
22'' brsehten in gesunden hin. 545 

ja get diu kündikeit fürn sin. ' 
'ow^,' sprach diu Wärheit, 

'lieber kneht, mir ist leit 

daz du vischest vor dem bßr.' 

'der sin get vor' sprach diu Er. 550 

'kündikeit, verfluochter nam' 

sprach diu Zuht und diu Scham. 

diu Maze und diu Triuwe 

sprächen 'leit und riuwe 

520. Vran recht 529. Dem 535. Vor 537. beswSrt 

54i. chundige 546. Da geth — furn syn 



SEIFRIED HELBLIXG U 57 

si dir fewiciich bereit, 555 

gar verfluoclile Küiidikeil ! ' 

do spnich ßestlieidenhcil {^ewaer 

' silzet, her schriLaer ! 

schribet daz groze waiidel au; 

da hab wir nil und wcrreu van.' 560 

ich sprach ' gesell, haslu vernoineu 
wie daz wandcl dar ist kumeu 
unde gcschribcn schöne ? 
so dir gol immer iöne, 

wcislu iht ander nia^r 5C5 

schedelich und wandelba;r, 
diu sag uns durch des landes er, 
daz wil ich dienen fürbaz mßr.' 

'ja, herre, ich weiz genuoc, 
daz den sin muoter ie gelruoc ! 570 

ez was ein unsa'ligiu zit 
an dem daz groze wandel lit 
daz von gitikeil geschult. 
ein gitic man erkent sich uiht, 
liez äne barmunge 575 

arm sin alt und junge, 
daz er eine biete vil. 
sin gilikeit ich sagen wil. 
der im zesamen schütte 

weizes tusent mütte 580 

an einen grözen houfen, 
und trüeg man im ein goufen 
des selben weizes hin dan, 
er waente sin gar zergän 

von siner grözen gitikeit. 585 

ez wirt noch siner sele leit 
ze helle, da der süwer wirt 
disen gruoz niht verbirt 
' willekomen sit, her witer sac ! 
ob ich dich ervüUen mac, 590 

557. Da spr. die b. gwer 558. sitzet her, her sehr. ? 568. dien 

571. vusellige 581. aine 584. wente 586. seine 588. D. 

gruoz er niht v. 590. erwuUen 



58 SEIFKIKD HELBLLNG II 

23' daz wil ich vorsuoclien. 

die armen liut mit fluocheu 

die liabenl des "gebeten mich, 

der guot du allez züg an dich, 

du bodemlöse ziille ! 595 

als ich dich gefalle, 

ich senk dich an der helle grunl ; 

da wirt dir allerriwe kunl 

dins grözen gewinnes. 

du pda'gc kleines sinnes, <>00 

üb duz t.Tl durch diniu kinl, 

diu umb daz guot ouch min siut. 

ich binz der hellescherge. 

gitikeit und erge 

habten nie s6 vast daz guot, 605 

ichu habe dich vaster in der huot, 

daz dir ilit zerrinne 

not und jamers hinnc 

und ewiges leides." 

hau ich mich des eides OK) 

wol eubundeu' sprach der kneht 

'den ich swuor bi vronreht?' 

diu Warheit sprach 'ez wa^re 
drislunt wandelbare, 

an libe, an sele, an muote, 615 

daz im von sineni guote 
nimmer dehein güete geschiht.' 
diu Triuwe sprach 'ich aht des niht 
daz er hab inder triuwe.' 

' ez ist ein eigen niuwe' 620 

sprach diu Schäme und diu Zuht, 
' daz er bi grözer genuht 
ist niht guotes riebe.' 
' er zert ze maezliche 

sin guot' sprach diu Mäze. 625 

'daz in got verwäze!' 

397. senck±e 606. Oder ich Lab 612. swer 617. gueti 

620. ein eigen niuwe, eine neue, seltsame art des besitzes : ain aigen 
reue die hs. 



SEIFRIED IIELBLLXG II S9 

sprach diu Kr, daz werde wAr. 

man sol in billicli scliribeii dar.' 

du sprach diu IJcschcideuheil 

'her schriber, nu sit bereit: 030 

er si dicnslman ritler kncht, 

schribet si an des fiirslen reht 

(billkh wirt dem sin wandelmiet), 

daz er in die gilikeit verbiet.' 

'ow6' sprach ich, 'geselle min, 035 

wie möhl daz wandel grcrzer sin 
23'' daz uns von dir ist viir geseit? 
diner 6ren si gepfleit 
von got, der alliu dinc wol weiz, 
die lenge umb aller himel kreiz, 640 

die hoehe tiefe wite nider. 
da enzwischen weiz ich viir noch wider 
ein kneht s6 wisen sam du bist, 
ich bit dich, so dir helfe Krist, 
daz du nach diner wisen kür 645 

des landes schaden bringest für.' 

min kneht sprach ' lieber herre min, 
iwer wille der müeze sin. 
noch habent uns die alten 

ein ma;re her behalten, 650 

dem wir hie volgen nach, 
bi einem Liupolt ez geschach, 
der disse landes herre was : 
sich fuogte daz man vor im las 
des landes reht; ez was sin bete. 055 

man nante im dri stete 
da er gerihle niht solde sparn, 
Niunburc Tuln Mütaru. 
da sold er haben offenbar 

driu lantteidinc in dem jär. 660 

bi den ziten daz geschach 

631. Reiter häiißg. 634. im 636. inocht 638. gepflegt 641. die 
Teuf die weite nider 649. Docli 650. Ain mer her b. 

651. hie] ehe 653. ditzs 654. Tdegel 657. Da er die g. 

658. Neuenburch, Tulin, Mautarn 



60 SEIFRIED IIELBLING II 

daz er ein lantteidinc sprach 
nach der lanlherreu rät 
hin ze Tuln in die stat. 

siniu wort giengen für sich : 665 

des hat man bewiset mich; 
niemen velsch mich umbe diu. 
warhaft er was und getriu; 
da von muost im gelingen. 

ze sinen teidingen 670 

mohten die werden gerne komen ; 
da wart nie falscher rat vernomen. 
als er in die schranneu 
gesaz mit sinen mannen, 

er mohte lihte gerihten ; 675 

sin laut lac üf den slihten, 
daz im niemen kam ze klage. 
er versuocht ez dri tage 
nach der herren urteil. 

er sprach 'drizec fiirsten heil 680 

hastü mir, lieber gol, gegeben. 
24' miniu laut Stent so eben, 

daz niemen des andern värt : 

got herre, daz hästü bewart ! ' 

sprach der fürste hoch geborn : 685 

'du hast ze SiElden mich erkorn. 

herre, ob du die sele min 

enpfsehest in daz riebe din, 

so hän ich ere dort unt hie. 

du hast min vergezzen nie, 690 

milter got, der meide kint. 

an dir alle tugende sint.' 

getriwer herr, daz mjere 

ist niht wandelba.'re' 

sprach an der stunt der wise kneht. 695 

'ich sag iu nu des landes reht. 

iz kostent mangen pfenninc 

ze Wienne diu hofteidinc. 

675. Leith 676. sliten 680. dreize 692. Tugenl 

697. Iz chosten 



SEIFRIED IIELBLING II 61 

der ist uiulicli ^^c(h\ht ; 

er hat sie hovelich dar braht, 700 

der si hat getihlet. 
als man ie mßr j^erilitet, 
s6 ie nior da wirl geklagt. 
daz des der herzog niht verzagt, 
vil s6re mich des wunderl. 705 

als geklageilt hundert, 
so sinl dannoch tüsent 
die umb die schrannen müsent 
und klagten gerne, obz möhle sin. 
so sinl hundert da zem win, 710 

die trinkent ze einer anlwurt. 
vliust einer ein Übergurt, 
er spricht ' waz sei ich daz heln? 
her wirt, sol man uns hinne stein? 
bi minen triwen und bi got! 715 

ich send iu hiute ein fürbot. 
daz muoz mich kosten wol vier; 
her wirt, die müezt ir gelten mier 
und abe legen minen schaden.' 
'wie wwrt ir in min hüs geladen' 720 

sprach der wirt, 'und tajt ir daz? 
heizt iwer knehte hüeten baz.' 
die schimpfrede läz wir sin. 
'wol dan, liebe gesellen min!' 
spricht einer, der ist hirngeil, 725 

' nü wol üf all, got geb uns heil 
vor dem hovegebrehte ! 
24'' der lüte geruofen mehte, 

er wser ein guot vürspreche. 

wir haben in unser zeche 730 

niemen der ez künne. 

got uns eines günne, 

dem diu schranne erschelle, 

swer da reden welle, 

daz er in betoere, 735 

701. sei 709. ob ez 710. ze dem 715. mein 718. mir 

727. Vur 728. Leuth 729. Vorspreclie 



i 



62 SEIFRIED IIELBLING II 

unz uns der herzog hnere.' 

also sint lui diu teidinc. 

daz sint wandelbseriu diac. 

arme unde riebe 

brehteat algeliche 7^iO 

mit einer grozeii ungenuht.' 

'daz ist war' sprach diu Zuht. 
diu Triuwe sprach ez wa;re 
daz geriht niht wandelbajre, 
der ez hiel mit zühten.' 745 

hin ze allen sühten!' 
sprach diu Mäze und diu Scham, 
diu Wärheit sprach 'als ich vernam 
an dem ersten maere, 

so ist daz wandelbaere.' 750 

'owfe mir hiule!' sprach diu Er J 

' nü muoz ich klagen m^r. 
diu zuht sich von uns ziuhet: 
wie sie daz lant vliuhct!' 

dö sprach diu Bescheidenheit 755 

'der gerihles w*re bereit 
driu lanlleidinc in dem jär 
und lieze diu hofleidinc gar 
und setzte lantrihtaere!' 

dö sprach ein schribtere 760 

'enwelle got! daz wajr uns ungesunt. 
sehzec fürbot ist ein pfunt; 
der gieng also mangez hin. 
ez na.'m ein bischolf den gewin 
von vier alterwichen ; 765 

lät uns ouch riehen.' 

dö sprach ich ' liep j^eselle min, 
sol daz niht ein wandel sin 
daz unser höchster prelät 

die grözen gitikeit begät? 770 

swenne er wihet urab daz guot, 
ich wa-n erz niht ze rehte tuot.' 

753. Di Zuht si 755. Da 760. Da Tftl. Wolle 704. nein 

771. Swan 



SEIFUIEf) HKLBLING II 63 

lieber licrre si)r.'uli min kiielil, 
ich wil iuz bcsclieidcn relil, 

ez heizt gesiinoiiict. 775 

IUI liabciil sich gefriel 
25'^ die phall'eii, swaz so sie begt^^nl, 
daz si des niht zc rehtc sl^iil 
vor des laiides herrcn. 

des hab wir j^rozcn werren. 780 

unrehlen gwin sie briiij^enl, 
ze Uome sie des dingcrit. 
ob in daz niemen weren sol? 
diu Sache lit ze wandel wol." 

'jiV sprach diu A\ arheil, 785 

'der kiielil lial wAr geseit; 
die phaflen wurden nie s6 fri. 
ob iz si an cibenl si, 
herre, von sanle P(iler? 

gil man im, so gcler 790 

beruoclien die kristenheil ; 
umb sust er niemen ist bereit, 
'owe!' sprach diu Triuwe. 
' wer hat rehte riuwe ? 

niur der den phairen git. 795 

waer der alle sine zit 
gewesen ein gesuocha'r, 
si sagent in niht got unmser.' 
zehant sprach diu Maze 

'ez gC'nt des tödes slräze 800 

die phafFen sam die leien hin: 
waz sol in unrnsczlich gewin?' 
owe herre' sprach diu Scham, 
' Sit phefQich leben an sich nam 
der heilig Gregörius, 805 

wie beiiallent sie sin 16re alsus !' 
' nü muoz ich jehen' sprach diu Zuht, 
'man seit der phafFen ungenuht; 
so ist doch warheit vil an in : 

788. Ob iza an 791. Geruechen 795. IVeur 800. gehn 

806. behalten 



G4 SEIFRIED HELBLING II 

swer in volget, der hat sin.' 810 

'ich wil gelouben' sprach diu Er, 
'daz man nach der phaffen 16r 
selten immer misseluot. 
waz wcl wir wie sie sint gemuot?' 
dö sprach diu Bescheidenheit 815 

' waz soi daz vor uns geseit 
des min herr niht rihten sol? 
docli stet ez ze wandel wol. 
der bähest ist ze verre ; 

ez rihtet baz min herre. 820 

ob ein phaffe unphelflich vert, 
billiche daz der fiirste wert 
und ander rehte leien. 
25'' waz sol phaffen zweien 

daz sie sich mit den nunnen tuont? 825 

nie dehein dinc in wirs gestuont. 

ob sie ir orden brechent, 

in wert sin niht ir dechent, 

ir bischof noch ir tuomprobst. 

pßu iuch, ir cardenäl an bäbst! 830 

die kristenheit ir roubet. 

an krislenlichez houbet 

seh wir der phaffen potich gen. 

ir dinc möht niht wirs geslen. 

wä wellent sie nü dingen hin? 835 

der herzog rihtet wol in.' 

do sprach aber so min kneht 
'vrou Bescheidenheit, des ir jeht, 
daz ist allez war, 

und st«t ouch ze wandel gar. 840 

doch hat diu pfaffheit ^ren vil, 
als ich iu bescheiden wil. 
an in michel sa^lde lit, 
daz sich got von himel git 

üz siner drivalt innerkeit 845 

ze spise diu uns wirt bereit 

814. wöl 815. Da 828. Techent 830. Pfui ea — ane Pabest 
835. wollent 836. wol von in 837. so] do 840. dar 



I 



SEIFRIEÜ IIELBLENG 11 «5 

in der pricstcr liendc, 

da mit wir üz dem clleudc 

au unser rehtez erbe kamen. 

daz ent wirt sa'leclicb benamen, S,")() 

<lö der uienscb an sündcn banl 

enprcebt von des pricslers hanl 

uiit rebter bibt, mil reinem muol 

daz lebnlic vleiscb; daz wäre bluot, 

als ez von Krisles wunden vlöz, 855 

macbl in der engel büsgenöz. 

laz wir der pfafnieil ir gewalt, 

Sit sie ze den eren sint gezalL' 

icb buop aber an, 
den knebt fragen icb began 800 

* lieber knebt, weist ibt raßr? 
diu Wandel sint ein teil ze bßr, 
als icb von dir hAn vernomen ; 
man mac ir nuiclich zuo komen.' 

'ja, herre, icb weiz nocb einez, 865 

daz ist oucb nibt ein klcinez. 
zwiu sol ein roemiscb kiinec erweit 
der ze Swäben pfenninge zeit 
und bi den Rinvranken? 

willen nocb gedanken 870 

hkt er ze Rom vil selten ^ 
des muoz böb enkelten 
26* diu kristenbeit in kurzer frist, 

wand sie an geisllicli boubet ist. 

naim uns daz wandel sin gewalf, 875 

so si der fluocb im gezalt, 

daz riter nocb vrouwen 

in nimmer gescbouwen 

under des riches kröne 5 

daz got im nimmer scböne 880 

den stein laz an sim nacke sten 

dem alle fürsten nach gen.' 

als daz vernam diu Warheit 

851. Da 857. jrn 859. aber wider au 866. niht fehlt. 

873. khuerzer 875. Nem 881. seinem 

Z. F. D. A. IV. 5 



m ' SEIFUIEl) IIELBLIING II 

sie spracli ' gesell, dii hast gesell 

rehle als ein bischof.' 885 

diu Triwe sprach 'du rehter gruf, 

Sinnes unde muotes.' 

' wir gunnc dir wol guotes' 

sprach diu Zuht und diu Schani. 

als diu Ere daz vernam, 800 

'gol nimmer dich verlaze ! 

des wünsch ich und diu Maze. 

dir ist allez unbilde leit.' 

'ja,' sprach diu Bescheidenheil, 

' wir loben dich von allem reht 895 

für einen wisen kneht. ' 

der kneht sprach ' hcrre, ob sie loben? 
die siben lugende beert ir loben 
mich vil kleine bcsinden. 

nü wil ich niht erwinden, 900 

ich welle sagen daz ich weiz. 
zwiu sol ein man dem nie wart heiz 
in harnasch, ob er edel ist? 
zwiu sol ein süfa?r alle frist 
nach guote des in niht bestet? 905 

zwiu sol ein man der niht begßt 
eren und hat guotes vil? 
zwiu sol ein riter der niht wil 
den schilt urborn in der jugent? 
zwiu sol ein dienstman äne tugent? 910 

er füerl niht riter liin ze hove. 
zwiu sol ein guotes richer grAve 
der selten immer ere heget? 
zwiu sol ein man der ab gestet 
sinem herren an der not? 915 

z\^'iu sol einem vil gedröt 
der sich einer müs niht wert? 
zwiu sol ein guot An ere gezerl? 
26^ daz grüeb man baz in einen mist.' 

885, Pischaue 886. Graue 887. Sin 896. ein 898. Tu- 

gent 899. ciain besinten 900. erwindien 901. wolle 

90i. sauffer 905. guett 911. haue 913. Nimer 919. ain 



SEIFIUEÜ IIELBLING II 67 

' geselle, als liep du mir bist' 920 

sprach diu l'^re, 'ez ist wAr, 
und sl«H oucli ze wandcl gar 
allez daz du hast geseit/ 
'des gestßn ich' sprach diu Warhcit. 

niiii knehl sprach üz wiser kür 925 

herre, ich wil iu legen für 
ein Sache wandelh;i;re. 
der üz gevarn wa>,re 
da ze Lilenvclde, 

er hiet sin grö^e meldf <)30 

von sineni iwhslen künne, 
und isl ein abctrünne. 
den liulen si daz vor gesant ; 
doch so tuon ich iu baz bekanU 
sant ßernhart, sant Augustin 935 

sant Benedict, die wcllent sin 
vil gerne gotes knehte. 
' ze wie glichem rehte 

stöt der keiser uud der kneht? 
ich wil daz des keisers reht 94O 

ze groezerme wandel ste. 
got selbe der gab uns die e, 
der keiser aller künege ist: 
dö gap nach der selben vrist 
sant Bernhart daz grawe leben. . 945 

der sich da in hat gegeben 
und den erden brichet, 
al diu werlt daz riebet, 
und sagent in ze krankem reht. 
den orden gap der goles knehl: 950 

so gap disen orden got. 
die e von sineni gebot 
und mit der kraft siner wart, 
der die von sünden machet schart, 
den hab wir alle samt für guot, 955 

swie er doch wider got tuot.' 
'owe, sprach diu Wärheit, 

932. Abtrune 941. grofsem 946. da ain 953. wortt 

5* 



i 



68 SEIFRIEI) IIELBLING II 

'getriuwer kneht, mir ist leit; 
ez ist vil nahen uf den wegen 
sain man der e welle verpflegen.' 960 

dö sprach diu Triuwe 'ez mac woi sin. 
diu krislenheil vergizzet min. 

ich wxn der dritte niht beste, ! 

er si ein ablrünne siner e.' ] 

als daz vernam diu Maze, 965 

sie sprach 'ich wil min slraze. 
in keinem lande ist so vil 
ebrechaer, von hinn ich wil.' 
27" do sprach diu Zuht 'daz ist war. 

waz sol schoen wiplich gebär 970 

ze der e unstates mannes lip 

der sich went an valschiu wip? j 

'ow6 mir hiule' sprach diu Scham, 

'daz er die e ie genam 

an sich des rauot und des Itp 975 

misserait als ein veilez wip!' 

'nü wol in hiute' sprach diu Er, 

' saelic sin sie immer mer, 

diu zwei diu ir e tragent 

daz sie gote da mit behagent!' 980 

dö sprach diu Bescheidenheit 

' billiche waer dem fürsten leil, 

swä in dem lande waere 

an schäme ein ebrecha^re. 

des solde niemen lachen; 985 

man sold in drumbe swachen 

als einen abetriinnen. 

got wolde des niht günnen 

sant Petern und der pfafFheit 

daz diu e würd abe geleit, 990 

wand er sie ze triwen bant 

mit siner göllicher haut, 

ich mein die kristenlichen 6 

960. w5U 968. voq hinnen 983. Swo — wer 984. Ohne — 

Eheprecher 986. druinme 987. Als ain Abtninnen 988. gün- 

nen 989. Sant Peter 990. werd 993 die Christenleiche ehe 



SEIFRIED IIELBLIiNG U 6i) 

und (lelicincii ordcn ine. 

«ü ist niaiiec »^narre 995 

der iu siner pfarre 

unibe slriclit nach wibcn 

und Ia>l eine belibcn 

die er biet an snnde wol. 

daz sie iniz über sehen sol lOOU 

diu nie wart triwen gcin im fri, 

Sünde und schände ist da bi 

und ist ouch wandelbiere. 

vil lieber schriba're, 

schrij) den selben nascher an 1005 

für einen abclrünncn man.' 

do sprach aber so min kneht 
'her herzöge, in daz laut seht, 
üf wider unde für. 

swaz man b(Bser valscheit spür 1010 

und verschämter sünden, 
daz wil ich iu künden : 
ir solt ez gerne undervarn. 
mit triwen ich des warn 
27'^ als der engel ze Ninive. 1015 

biet er die niht gewarnet e 
und die liute gebezzerl da, 
Gomor unde Sodomä 
waereu nie so gar ertrunken, 
sie wa-ren niht als gar versunken. 1020 

doch sag ich ditz laut wol fri 
daz dar inne ihl Sodomiten si.' 

'ow^' sprach ich, 'getriuwer kneht, 
der fürsten ir ze wandel jeht, 
die gebeut iu niht umbe daz, 1025 

an ob sie werdent iu gehaz.' 

min kneht sprach 'daz läz ich sin: 
ich sag inz durch die triwe min 
und benamen ane spot. 

994. khainen 995. manch ee narre 997. Vmb sireichen 

999. Die Eer hiet 1007. Da 1020. uiht fehlf. 



70 SEIFRIED HELBLING II | 

der fursten w.tndel nimt got 1030 

und la't sie biiezen an der stal 

dii der armen wirt woi rat. 

herre, ich luon iu mßr bekaut. 

lolslege nolnunlt nötbrant 

diebe rouber vaischen gwin 1035 

gebent nü die rihter hia. 

so wirt iuwer bi gcdäht : 

ir habt diu geriht ze hohe brähl 

und die verfluochten lotniiet. 

daz sie der übel tiuvel biet!' 1040 

'diu Wandel sint ze wünsche geseit ; 
des gestän ich' sprach diu Wärheit. 

' herre, stet üf, des ist zit. 1 

daz ir bi iu selben sit, 

des rat ich mit triuwen. 1045 

mich müeste immer riuwen, 
geschehe dem lande gelich 
als dem guoten künecrich 
Ungerlant ist geschehen. 

ich muoz des von schulden jehen, 1050 

sie habent not und riuwe. 
aller Unger triuwe 
trüege ein jaeriges kint; 
so gar sie verfluochet sint. 
herre, durch des landes 6r 1055 

sag ich iu morgen aber mer, 
weit ir gerne beeren mich, 
mit urloup, herr. ' 'got segen dich!' 

An dem dritten tage ich saz 
aleine, also fuogl sich daz 1060 

28" min kneht aber gie ze mir. 
ich sprach 'geselle, weit ir 
die dritten vrage grifen an? 
minen rät ich bi mir bän. 
Triuwe unde Wärheit, 1065 

1032. Do 1040. must 1057. Woll 1058. gesogen nach 

1058 kein absatz. 1060. flieget 1062. wolt 



SEIFHIEU IlELliLLNG 11 71 

Zahl und l'^re sinl bereit, 
Bcsclieideiilicil 3I;\z undc Scham, 
also isl ir aller iiaiii. 

der kiielil sprach ' herre, ir weit wol. 
jjerne ich iu sagen sol, 1070 

Sil ir sin niht weit enberu. 
daz wihlleisch izz ich niht so gern 
also ich sage, helf mir Krisl, 
daz dem lande schedelich ist.' 

ich sprach ' hab dauc, lieber kncbt ! 1075 

diu muot stet uf allez reht. 
swaz du weist, des vergich; 
wir wellen gerne hücrcu dich/ 

' herre, durch liep noch durch leit, 
bi gote unde üt" niinen eit, 1080 

sag icb biute dehein maT, 
czn si ze reble waudelbuir. 
des ersten icb au beben wil, 
der Juden ist gar ze vil 

hie iu disem lande. 10S5 

iz ist sünde und schaude. 
ez wart so gröz nie ein slat, 
sie wa?r von drizec Juden sat 
Stankes unde ungloubeu. 

swelch krislen lernet roubcn lOüO 

under der Juden panier, 
den velle got und luo daz scbier! 
zwiu sulnt in geumerklen Juden, 
an dazs ir ketzerlichez studen 
dem einvaltigen sagent vor? 1095 

daz wirt üf in den niunlen kör 
brahl für den höchsten Krist 
der 6 von in gemartert ist. 
ez bringeul noch alliu jär 
die Juden Kristes Diarter darj 1100 

1069. 1071. wolt 1072. ezz 1078. wSllen 1080. mein 

1084. Der hureu Judeu 1086. Ir ist 1087. Ez war 

1088. dreize 1093. schuln 1094. daz stüden (: jiiden) j^asctz, 
Satzung? vergl. Graff 6, 652. 1099. alle 



72 SEIFRIED HELBLING U 

ein krislen sie niordent. 
swä fürsten da mit hordent, 
waer der schätz uiiib sust veil, 
ich wold in lazen minen teil : 
mir widersliiende gekouftez guot 1105 

üz mines ebenkristen bluot. 
28'' dö got den Juden gap die e 
und der herre Äloysß 
von im nam diu zehcn gebot, 
da nach sie valschten wider got. 1110 

des in der sa^lcge niht vertruoc; 
die taveln er vil gar zesluoc 
da diu gebot stuonden an. 
herre, nü wizzet äne wan, 
ez bezeichent daz sie sint 1115 

noch hiute des gelouben blinl. 
die andern taveln er enpfie 
von gote, der in nie verlie 
und alle die des wielten 

daz sie diu gebot behielten. 1120 

gein der niwen e 
von der würze von Jesse 
ein gerte enspranc, an der bluot sint 
Jesus Krisl, Davides kint, 

als er die menscheit an sich nam 1125 

und unser vater Abraham 
ladete klein unde gröz 
in sine reine schoz 
der allez menschlich künne enbar 
wol üf viinf lüsent jar, 1130 

und daz gewissaget holen 
die heiligen propheten 
daz er künftic wsere 
und in ein reiniu niagt gebajre. 
der sie alle erloste, 1135 

er kam ouch uns ze tröste 
die nach im komen sollen, 

1101. mortem (: hordent) 1110. Dannach sie feisehten 1113. Do 
die 1122. Yesse 1123. an der Pluetsündt 1127. Ladet 



SEIFHIED IIELBLLNC; li 73 

ob wir bolialten wollen 
diu zcheii gebot und die iiiwen e. 
we iu, vcrlluoclile judcu, \vO! 1140 

wie iwer heil vergluvlicl ! 
ir slinkel unde pucket, 
verduochle judeu, uinbe daz. 
der warheil sil ir heriu vuz 
unde velschet von der 1145 

der daz himelrich hal ör 
und die der wissag künflic sach 
vor nianger zil, dö er sprach 
als ez an dem saller ist 

geschriben (swer den hiute lisl, 1150 

der muoz des min geziuc sin), 
[er sprach] ' herre, zuo der zesweu diu 
diu kiinigin gekleidet slät. 
29* von Hehlern golde ist ir wäl 

in manger bände varwe lieht.' 1155 

daz ir des geloubel niehl, 

verfluochle Juden, umbe daz 

habt ir immer minen haz. 

und w*r ich ein fürst ze nennen, 

ich hiez iuch alle brennen, 1160 

ir Juden, swa ich iuch kiem an. 

der keiser Vespasiän 

und sin bruoder Titus 

bäten iuch sin nihl umb sus ; 

Jerusalem sie störten. 1165 

da wart an allen orten 

gein iu michel not erhaben. 

iur wart geworfen in die graben 

daz man üf den löten über gie. 

ein teil man iwer leben lie; 1170 

die fuort man an den seilen 

und hiez iuch hin veilen 

umb ein kleinez dinc, 

1141. verglachet 1142. puekhet 1147. Weissage 1150. wer 
1152. ze 1153. Die Cbunegin Maria g. st. 1158. meia 

1171. fdert 



74 SEIFRIED HELBLING II 

drizec Juden unib ein pfenninc. 

swer iwer koufte ein pfcnwcri. 1175 

in swclch lant er mit in kßrl, 

daz wart von in gunreinet. 

got hat iuch vermeinet 

ze Sünden und ze schänden 

in allen kristenlanden. 118Ü 

die fürsten tuont ze träge 

umb iwer Synagoge 

die ir üf rihtet 

und den ungelouben tihtet. 

ez w*r wol der in verbut 1185 

ir kezerlichez talmut, 

ein buoch valsch und ungensem. 

verfluochte Juden widerzaem, 

ir get den rehten hellestic. 

der rote siechtuom und daz vic IIUO 

macht iuch bleich unde gel. 

verfluocht an lip und an sei 

Sit ir worden wandelbsere.' 

diu Triuwe sprach, ez waere 
ein wandel lanc unde breit. 1195 

'des gesten ich' sprach diu Warheil, 
dö sprach diu Zuht mit der Scham 
29** ' unbilde ich groezer nie vernam 
sam daz die Juden boese unrein 
sint bi der kristenheit gemein.' 1200 

'pfiu sie hiute und immermör' 
sprach diu Mäze und diu Er: 
'sie geloubent niht daz Krist 
von einer meit geborn ist.' 

do sprach diu Bescheidenheit 1205 

'du hast enbunden wol den eil 
den du vor minem herren swiier. 
lieber kneht, leg uns fiier 
noch m6r, des ich dir wol gan: 
daz wandel ist geschriben an.' 1210 

ich sprach 'lieber kneht, hoere mich. 
1175. Zw' eur 1193. wandelber 1194. wer 1201. Pfui 



I 

i 



SEIFIUED IIELBLING II 75 

diu Bescheidenheil fraget dich 
ob du noch iht wizzest nia?r 
schedeh'ch und wandelbaT. ' 

'herre, ich hau daz wol vcrnomen. 1215 

ir mügt sin wol von mir bekomen 
daz ich toerscher jüngelinc 
sage iu wandelbajriu dinc 
rehle als ichz gemerket hau. 
knappen riter dienstman 1220 

in iseninen banden 
gent in allen landen 
niht also sla'leclich 
sam hie ze lande in Osterrich. 
des ßrslen ist an sie geweten 1225 

kleiniu wambis mit keten, 
dii über legent sie ir gwant. 
er hat an islicher haut 
zwen hantschuoch wol geschicket, 
mit isen underspicket: 1230 

da sult ir rehte merken bi, 
ir sint ob ein ander dri. 
umb daz houpt ist er niht kal; 
er hat ein vest hirnschal 

zwischen zwen hiiete gemachet. 1235 

selten er erlachet, 
ich geliche in elewenne 
der hübohten henne. 
so diu an der sunnen gät 

und siht eneben sich ir schal, 1240 

diu henne von ir hüben 
siht den schale strüben, 
von Zorne schult sie ir gevider, 
30* so briustert sich der schale hin wider. 

also ist einem der sich gremt. 1245 

1213. mep 1214. wandelber 1216. sin] sei 1219. ichs 

1226. Chlaine Wambaifz 1227. Do 1235. huet 1238. Der 

Haubt Athen h. 1240. neben 1243. schadt 1244. preuslerl. 

das wort scheint anschwellen zu bedeuten, vergl. das alts. brustjaa 
Hei. 132, 15 und gr. 2, 40. 



76 SEIFUIED IIELBLING II 

lieber herrc niin, verneint 
an ir krenkc wie /;• dei 
da van daz lanl ist vngei. 
diu Sache lit ze wandel gar.' 

diu Warheit sprach 'daz ist war.' 1250 

diu Triuwe sprach uz wiser kür 
'ein wandel ich iu lege für. 
so getriu ist nü kein man, 
er häh ein morlmezzer an.' 

'owe mjr hiule' sprach diu Zuht, 1255 

' ze wem sol ich haben lluhl, 
dröut einer eime umb ein ei? 
'ich unrein dir den köpf enzwei!' 
spricht er vii ketzerlichen. 

van hin wil ich entwichen.' 1260 

' wäfen herre' sprach diu Er, 
'ob iemen riterschefte ger ! 
die brünner sinl alle gebeten 
umb ketenhantschuoch vn ver cheten 
halsberge hosen hersenier 1265 

bericht man imz wamhis daz ist mir. ' 
zehant sprach diu Maze 
' ich wil von hin min sträze. 
der geulwinger ist ze vil 

in disem laut; von hin ich wil.* 1270 

'ich wil des jehen' sprach diu Schani, 
' an in gevelschet ist min nam 
die innerhalp sint ungetriu 
und uzen lachent, nü pfiu!' 

d6 sprach diu Bescheidenheit 1275 

'mir ist ein sache an mäzen leit. 
gewaltege hinbringwre 
machent ze rihta*re 
den landes fiirsten gar euwiht : 

1247. chrenche 1257. Droet ainr aim 1258. vnrain 

125'J. Chertzerleichen 1203. Prunner 1264. Vmb cheteu handt- 

scbach vn ver cheten 12ö7. vielleicht bricht, so dafs der nacksatz 
ausgefallen wäre. 1274. uu pfui sey 1277. Gewaltige Hinpririger 
1278. ze rihter 



j 



SEIFRIED HELBLINCi II 77 

daz ist ein sclicdclicli {^escliilil." 1280 

cz sprach aber so in in kncht 
' hcrre, üf >^e'\n hinicl sclil, 
nnd klopfet iwer herze an, 
wand ich nie vcrnonicn han 
die wisheit her von niiner jiigent. 128.» 

wie ciirrot die lugent 
die rcliten wandel pHngot fiier! 
zwiu wserz ob icli dicke swüer? 
30^ ich sage susl die wärheit: 

bi got, üf niinen ersten eit, 1290 

so sint sie rchte wandclb.er, 

ich mein die lolersingier, 

die gent viir der hcrren lisch. 

einen Iwren arweizwiscii 

gaeb ich niht unib ir aller kunsl. 1295 

niht weiz meisler Riiebenlunst 

waz im riiichet üz der biater, 

s6 er als ein plalzloter 

vor des herren tische stäl 

niur in siner linwäl. 1300 

er schallet üf sam er lobe 

' herre, ich sing iu ze lobe ! 

ir Sit milter danne \ rnot 

und habt eines lewen muot 

an manheit, der iuch niht bevilt. 1305 

under lielme, under schilt 

beget ir Gämuretes werc. 

der triun ein starker velsberc 

Sil ir und wis als Salomön. 

daz ich iuch gesehen han, 1310 

mir ist ein wochen desler baz. 

herre, gebt mir eteswaz, 

s6 mach ich iwer ere breit." 

diu Ere sprach ' mir waere leit, 
woll ir im Ionen mit mier. 1315 

1280. gesiht 128C/'. in currot wird ein adjectioum stecken, sint 

ausgefallen und briogent zu lesen sein. 1293. vor 1395. Geb 

1300. Nur 1306. Helbm 1310. eu 1315. lanen mit mir 



78 SEIFUIED HELBLING II 

ir Sit ein armer belschelier. ' 
diu Wärhcit sprach 'ir ungezogen, 
ir habt den herren an gelogen, 
her ribalt, des bin ich iu gram.' 
dö sprach diu Zuht und diu Schani 1320 

'gelogen lop ist unwert.' 
diu Triwe sprach der des gert 
daz man in mit lügen lobe, 
ich hanz da für daz er tobe.' 
diu 3Iäz mit der Bescheidenheit 1325 

sprächen ' uns ist bßden leit, 
der niwen singer ist ze vil. 
von der wärheit ich daz sprechen wil, 
ir wart, ir doen sint ze kranc 
wider der alten meister sanc, 1330 

31" daz man da bi vergizzet. 
herre min, daz wizzet, 
diu Sache ist wandelba^re. 
schribet an, her schribsere!' 

min kneht sprach aber hie ze stunl 1335 

' ich tuon iu, herre, ir namen kunt. 
einer heizt der Miltengruoz. 
im tuont die milten sorgen buoz. 
swie vaste er niget ir haut, 
ez wirt an 6r von im verswant. 1340 

der ander heizt der Miltenrät. 
bitens wirt er nimmer sat 
die milten, daz sie im vil geben, 
da mit er lästerlich kan leben, 
der dritte heizt der Miltenvriunt. 1345 

der im g«be swaz er selpniunt 
immer möht üf im getragen, 
daz füere im durch sin eines kragen, 
der vierde heizt der Miltendienst. 
tiuvel, also wit du gienst, 1350 

daz du ir niht slindest ein teil ! 
daz laut het deste bezzer heil. 

1317. sprach ' ir] ward 1321. Gelogens 1329. Ir wart ir dan 

seit 1339. jrre 1350. ginst 



I 



SEIFIUED IlELBLIiNG II 79 

ich sag noch wandelbare 
die inufclsinf^aTc, 

den SlrafiiT, den 3Iehl;er, i;J55 

den Zwickier, den Tunj^.Tr, 
den Slrucluvr, den Trelljer, 
den Hazzier, den TwingaT: 
die sinl aller eren laT. 

daz ir ein teil verrunncn waer ]'M}{) 

in einer tiefen wazzersluohl ! 
sie werdent alle nimmer nuolil, 
nnd lücjenl doch die lierren an. 
nilit baz ich in erteilen kan, 
so daz sie gent riicklinges ganc 1365 

gein der liir. von manegeni swanc 
in klaffent üf die naite 
daz in nach dem gebrühte 
die helse vasle rolent. 

ruochl waz sie gespotent ! i:{7() 

ich wciz noch zw6n ungefiieg 
den Argenhaz, den Lasterrüeg; 
und der Ereuknolle, 
wines der volle. 

sm wip diu Erenknollinn 1375 

trinket vil in gotes minn ; 
3i'' diu jung Hazzerin alsani. 
in sol nienien wesen gram. 
swer gegen in ist höfsch unde milt, 
des sint sie bede niht bevilt. 1380 

noch sint zwen der herren hagel, 



1354. mutilon subtilitei- i/u/i'/nurare, Gjajf 7', 707 f. vielleicht ist aber 
niielt'lsingaere m schreiben. 1359. ehren e ler 1361. wazzer sluht 
1302. nullt 1363. flu'eint 1305. crugleinszganch. so deutlich, 

herr von der Hagen Jahrb. der Bert, gesellscha/t f. d. spr. 4, 201 
hat oeugleinsz gancli und denkt an den zwerg Euglein, der hier 
schwerlich etwas zu schaffen hat. riicklinges schien zu wagen, da es 
zum folgenden passt. 1360. G. il. twr vil manec swanch 

1367. In chlaUeu auf die necche 1368. gebreche 1361). roUen 

1370. gespotten 1373. Vnd der Eren chnoll 1374. Veines 
1375. deu eren cheioUin 1380. nith plumfhilt:? 



80 SEIFRIED IIELßLING II 

der Naternsweiz, der Schornagel. 

einer Iiiez der Argenvint; 

sam mir diu heilic naht hinl, 

het er den argen mcr vertragen, 1385 

er wser ze tode niht erslagen. 

die herren die da habent sin 

enba'ren ir vil wol bi in. 

sie irrents ir gcschefle 

mit unnützer klefte. 1390 

ir ist in dem laut ze vil. 

ze Wienne, so man ezzen wil, 

sie strichent umbe nach der pfrüent. 

vor der herren tisch sie lüent 

sam diu kelber nach den kiien. 1395 

ein gräwen münich möht ez müen ! 

s6 ein herr ze rehte 

riter unde knehte 

setzet wol nach sinem muot, 

sin schinipfrede dünkt in guot 1400 

die er ob sinem tische hat. 

zwene koment an der stat, 

der Wiser, der Doenel ; 

die doeneut üf ein hoenel, 

daz der herre wirt betoert 1405 

und in der sinen niemen hoert. 

als die zwen geswigent, 

zwen ander zuo sigent, 

'herre, daz gesegen iu got ! 

ein Sache uns gesümet hat, 1410 

wir sungen vor dem herzogen.' 

daz ist in ir hals gelogen ; 

durch ere nement sie sichz an : 

isweder singer niht vil kan.' 

do sprach der kneht gewaere 1415 

'diu Sache ist wandelbare, 
ich bän an discn stunden 

1382. D. Notern sw. 1389. Sie jrrent Sie jrs gescheffte 

1390. vnuzem 1395. n. der Chuen 1400. daucht 1401. ab 

1404. twenent 



SEIFRIED HELBLING II 81 

relile wol enbiindcn 

vor iu, hcrre, inincn eit.' 

des geslen ich' sprach diu VVarheit. 1-420 

du sprach diu Zuht und diu Scham 
'wir sin iu von schuldcu gram 5 
sie habent ein unsa^iec amt, 
daz sie wol halp sinl verschämt." 
diu Mäze sprach und diu Er 1425 

'daz ir nimmer würde m6r 
in disem lande danne vier, 
daz wolde got und ouch wier, 
daz der ze hove wa'ren zwen, 
und zwen soldiin umbc gen. 1430 

swaz die viere gesungen, 
daz fuogte alt und jungen.' 
diu Triu mit der Bescheidenheit 
sprächen ' swaz du hast geseit, 
lieber kneht, daz ist geschriben. 1435 

ist dir noch iht üz hüben?' 

'ja, herre, nü ncmt des war, 
daz noch werde geschriben dar. 
ein hanltr«ger gigair, 

ein alter holerpfifa^r, 1440 

ein singer ungedoenet, 
ein hofwart der vil hoenel, 
ein rätgebe äue Iriuwe, 
ein übelta'le an riuwe, 

ein vürspreche äne sinne, 1445 

ein siechiu hübscherinne, 
ein buochsager trunken, 
ein valsch ros erh unken, 
für kolbenslege ein ströhuot, 
daz allez ist für niht guot: 1450 

also ist ouch ze niht 
ein laut unverriht 
an siner ordenunge. 
alte unde junge 

1433. flieget doch wohl alten oder altn. 1440. holn Pfeiffer 

1445. vorsprach ohDe Sünne 1447. Ain Buech sager tr. 

Z. F. D. A. IV. 6 



S-j SEIFRIEI) IIELBLING II 

sint mir liic cnlwahseu. 1455 

ob ich si ze Salisen, 
ze BOlieim od in UugerlanI, 
daz ist mir noch unbekant ; 
ze Wienne gel cz allez in. 
s6 ich ze hove gewesen bin 1460 

vor des landes herren, 
des bei ich nihl werrcn, 
an swclch lant ich gedahl, 
ich sa'h da Hute in der ahl. 

gol mir des nihl giinde 1465 

daz ich Inder vunde 
nahen bi ein ander stän 
siben rehte Oslennan. 
an bar an gwanl an gebser 

islicher gerne wa.'r 1470 

von Eselsheim üz der slal. 
32'' des müez ir werden nimmer ral I 
daz sie ir lant unerenl 
und die site verkerent 

die ir vordem brählen her, 1475 

daz ist unbillich' sprach diu Er. 
'ja' sprach diu Wärheit, 
' sin vater nie an geleit 
mil langen ermelzipfen roc, 

und ist er doch ein Pri/eschoch 1480 

bi sinem valer, der im lie 
da mil er sich esell hie.' 
do sprach diu Zuhl und diu Scham 
' unbilde ich groezer nie vernam, 
daz ein lantsit wirt verkßrl 1485 

der wol ist aller eren wert.' 
diu Triuwe mil der Maze 
sprach 'got in verwäze 
der niden machet groziu bein 
und oben Ireil den bolech klein!' 1490 

1457. od] vnd 1464. seh do 1471. efzelshaim 1479. ernii-l Izipeii 

1480. brisloc (rr brisliicke), er ist doch von gebi/rl licni vornclimer 

fremder mann'f oder brisac? Haupt. 1483. dia fehlt. 148it. grozc 



SEIFHiKU HELBLLNG II h;{ 

do sprach diu ßcsclieideulieif 

'mir ist da/. ;ine mazcn Icil, 

diu wandcl diu wir schriben, 

und suhl uns diu hcliben 

ungcbczzcrl von dem herzogen, 1495 

da ist daz laut niil betrogen.' 

' st(^t iir, lior schribicre!' 
sprach der kncht gcwiere. 
' wirl uns daz gcrihlc 

nach des landes slihtc 1500 

in einem ganzen jar, 
so sul wir ncnicn war 
waz dem lande nütze si 
dem wir gerne wesen bi. ' 

sag an, sa'liger kncht, 1505 

wer sol daz wandel und daz reht 
dem fürsten bringen von dir?' 

' lieber herrc, daz sult ir 
oder ein ander gwisser böte, 
sagt im min dienest in gote, 1510 

daz er durch sin selbes er 
disem lande verker 
vremde site und uner, 
als er vind an miner 1er. 

des bite wir den fürsten hör, 1515 

daz er uns des alle gewer. 

Ii96. Do 1497. Ztel - Schreiber 1498. gwer 1503. nuz 
1509. gewisser 1513. siteii 1510. gewer. Amen. Hie liat 

das puech ain endt, Gott uns sein genade sendt (33") Von 

ebenfurt raaister Peters hendt Haben geschriben daz puech vor 

Sunebendt, Herrn Mainhardt dem frumen Man, Der im des wol 

gelonen chan. 

111 

' Sit nü diu vräge ist volbräht, 
so hün ich eines mir ged4ht 
daz nach unmuoze niht schal, 
ob bereit si daz bat, 



84 SEIFRIED HELBLING III 

des nim war, frimier knehl.' 5 

' hcrre, ir weit wol unde reht, 

ob ich da bi die warheil kies. 

ich hörte daz der bader blies 

und sach mit üiugebürstem här 

barfüeze an giirtel slichen dar 10 

unser nächgebüren dri. 

da kius ich die wärheit bi.' 

'ich wil dar, wol dan nach mir! 

nim min badchemd mit dir.' 

als ich zuo dem badehüse kam, 15 

der kneht von mir nam 
daz gewant und leit ez hin. 
ze dienste het er guoten sin. 
er sprach ' nu her an allen ladel. 
einen frischen niuwen wadel 20 

binden wol gebunden!' 
'den hän ich schiere funden' 
sprach der wirt und gap uns vier, 
dar üz näm die besten wier. 

als ich in die Stuben gie, 25 

daz badevolc mich wol enphie. 
sie beten unverdrozzen 
die diln wul begozzen, 
gewaschen schon die benke. 
ein wibel vil gelenke 30 

Dam min do mit dienste war. 
sie Iruoc mit bat ein scheffel dar, 
weder ze kalt noch ze warm, 
sie streich mir rücke bein unt arm 
als eim weteloufa're. 35 

do sprach min kneht gewahre 
'mich juckent arme und diu bein. 
nü dar ! zwei scheiFel an die stein, 
da wir nach erswitzen ! 

8. bort 9. neu gcbürsslea 13. nath 19. berr an aln 

20. Ein 22. ich fehlt. 24. nam — wir 27. Sea 31. da 

32. mit Päd: vielleicht mir bades. 35. Aia Wetlauifer 

36. gewer 37. M. Juchcl arm 39. Do 



! 



SEIFKIKD IIELBLLNG 111 85 

macht viusler da wir sitzen, 40 

33"* daz wir die wcdel swingeu ! 
lat an dem ovcn klingen 
zwen würfe mer die krachen!" 
des begund icli hichen 

in der vinslernüsse, 45 

ich traf ouch da daz küsse 
schiel mich und die banc. 
ich sprach 'geselle, uü hab danc 
dirre gramassein. 

durch den willen min 50 

bit noch zwrn würfe werfen dar.' 
des wart der bada-re gewar, 
er sprach 'seht da einez!* 
(daz was niht ein kleinez) 

'seht da einz und aber mßr, 55 

da mit ich den herren er ! 
seht einz durch des knehtes willeu!' 
do muosl ich uf die dillen. 
" nü dar, badeliute reht, 

ze uiinem herren!' sprach der kneht. 60 

Mal iu€h nihl bedriezen. 
riben und begiezen 
füeget nach der leche wol. 
guol louge man gewinnen sol 
lüter unde lieht gevar. 05 

ein badewibel füeg sich dar 
diu wol künne dwahen, 
des Ersten niht gäben, 
mit langen umbesweifen, 

wie gist in der seifen 70 

der kamerwibe gebende? 
also 1;U iwer hende 

40. Jo 43. wurff 46. do 47. Scbaidel 49. gramerziii, 

grofsen gefälligkeit? in Ulrichs Tristan 2340 dankend gramerzi, bele 
fsüt. 51. wurff 52. bader 53. set dar ainz 55. Set dar 

57. Set 58. diilien 59. Nu darnach 63. leche scheint be- 

netzung zu bedeuten, lekjan rigare (Jrajf %^ 100. 07. chiine 

68. gathcD 70. gist := gistet schäumt. 71. Der Chamer weip g. 



8(5 SEIFRIED IIELBLING ill 

in der gist dar strichen, 
ze lesle ncmt ein klichen, 

der louge ic mer unde mer; 75 

so luol daz jesen widerkSr. 
nü dar, her seher.rr, 
strichet scharsach unde scharr, 
ebent här und scheret hart ! ' 
ich sprach 'geselle, wol mich wart SO 

diner grozen sinne ! 
würd din der herzöge inne- 
er lieze dich mir nimmer, 
nü wil ich helen immer 

wie diu name si genant 85 

daz du im sist unerkant/ 
34^ dö iz allez geschach, 

min kneht stuont dar nach, 

dö saz ich uf die fürbanc. 

ich sprach 'geselle, nü hab danc. 90 

ginc her unde knie für mich ; 

ich wil ouch bewisen dich 

wS du mir bist ungezesem. 

ie lieber kneht, ie groezer besem : 

daz muoz an dir werden schin.' 95 

dö wart durch den willen min 

ein besem mir gereichet. 

der was wol erweichet 

die wile in einem heizen bade. 

'gesell, du hast min ungenade 100 

daz du bist so merklich. 

waz wil du der gebüren rieh? 

ob sich die kneppischen hau, 

daz soltü ungemeldet län, 

ir fliegunt hiiete, ir klingunt sporn, 105 

wil du niht haben minen zorn.' 

'genäde, herre' sprach min kneht; 

73. gifz 74. cbleichen 77. Scherer 78. Scher 79. Eben 

85. si] sein 86. erehant 91. Gieng 93. vngezesem : vergl. 

gr. 2, 153. 95. muez 103. Chnepischen an 104. Daz soit 

vngemelt 105. büt v5 ir 106. mein 



I 



I 



SEIFKiED IIELBLLNG 111 87 

"^icli meld ez diirt'Ii des laiides relit. 
als der {^ebur liölliclie tuol, 

zelianl lial er lierreii niuot, 110 

und ist daz lanl docli lierren vul. 
ich enweiz wie sich bcsacheii sol 
daz edel volc klein uiide gröz, 
macht ir die geburen husgenoz.' 
ich sprach dCi boeswiht, nein ich. I I ;» 

daz du so kriegest wider mich, 
daz ich dir niht vertragen mac. 
d6 wart im erst ein besemslac. 
ich sprach du meldest riler rieh. 
Icbenl sie niht rilcrlich, 120 

sie habent doch 6r unde guot. ' 
'ja, herre, und rilerlichen muot' 
sprach der kneiil 'sie iiabent vil. 
ir geschrei ich bescheiden wil: 
' puch schevaliers ! roter munt! 125 

man git den weize unib fünf phunt!" 
ich sprach 'ouwe, gesell, waz tuest? 
vil siege du liden muost 
hiule disen langen tac' 

dö wart im der ander slac. 130 

'waz wil du edler litgeben? 
enruoche wie die liute leben; 
daz lä sie luon üf ir reht.' 
ja gerne' sprach min kneht. 
34'' ' biet ein bischolf win veil, 1 35 

ich spra5che ' herr, got geb iu heil, 
dar zuo sa'lde unde sin, 
und aller litgeben gwin!" 
'geselle, des gruozes ist ze vil 
gen einem fiirslen. sint du wil 140 

niht erwinden, oeder sac, 
des hab ouch dir den dritten slac. 

120. Lewent seu 121 seu 125. Puchsehr waliers Roteu muiult 

131. leitgeben 132. Ruech 133. seu 136. sprach Herre 

137. s5ld 138. Leitgewen gwin 139. gruezze 140. seint 

141. oder sache 



88 SEIFRIED HELBLING III 

lieber kneht, noch volge mier. 

waz wil du wiler spaldenier? 

sIüfF einr in einen rossebouch, 145 

den liezest sin gewäfent ouch.' 

gerne, herre,' sprach min kneht. 

'ich sage daz üf iuwer reht, 

sie miiezen baz gewäfent sin 

denne Feirefiz Antschevin, 150 

den ein edliu küneginne 

het uz geflöret durch die minne. 

des wäfen grozer richeit wielt, 

ir triwe sich nie von im gespielt. 

daz gap ouch guoten willen 155 

der riehen Secuudillen, 

diu in sant iif riters wal. 

Orilus unt Parziväl 

und der riebe Anfortas, 

ir dehein baz gewäfent was 160 

sam der nü hat ein spaldenier. 

daz got einez vuogte mier ! 

swie so ich arme t»t, 

daz sich ein geswulst hin dan blae* 

üf für miniu wange, 165 

ich sseze in dem twange 

daz man mich lihter funde 

ze walde in einem gründe.' 

'din gelichnus mir zorn ist 

an dich, geselle, als helf mir Krist!* 170 

üf huob ich minen besem : 

'sam mir toufe unde chresem 

daz got an mich hat geleit ! 

du laest mir deheinen strit 

hiute disen langen tac.' 175 

ich sluoc dar den vierden slac. 

143. nach v. mir 145. Sluffe ainr 146. D. Liezzest sei 

149. Sea 150. D. Verauiz antschavein 151. Dann ein 

153. Daz woffen grözzer 156. Setundilien 162. fuget mir 

163. Wie .<so ich dem arme tet 164. geswnlt hin dan plet 

166. saz 167. lichter 169. geleichnu^n 



SEIFRIED IIELBLIING III 89 

' herre, waz ir da mit well 
daz ir die siege üf mich zeit 
uud ich in alles guotes gan? 
ir solt mich des geniezen lau 180 

35" daz ich iu dien so stiellich 
und iu nimer fuoz entwich 
mit dienste einen halben tac. 
daz ich des niht geniezen mac, 
da ist wol ein wunder bi. 185 

lieber herr, von wiu daz siV 
' frumer kneht, geloube mir, 
die rehten zuht rate ich dir. 
als ich rede wider dich, 

miniu wort niht underbrich ; |«J0 

du solt stille swigen : 
niht guot ist ze gigen 
in der müln gedoeze : 
ouch nim ich bi der groeze 

den besem, daz mac werden schin 195 

der wipfel an dem rucke din.' 
'neinä herre, deheinen wis ! 
ich swige als ein wambis.' 
'diu zabelrede la, frumer kneht. 
ich wil dich sin bewisen reht. 200 

ezn sint üf allem ertrich 
zwei menschen niht ein ander glich, 
iz si man, iz si wip, 
sich sunder doch ir eines lip, 
an gestalt, an varwe. 205 

und habe ouch begarwe, 
swaz ungelichen schin tuot, 
daz ist ouch ungliche gemuot. 
waz wildu ob einer Ireit gewanl 
üz der Elsazen lanl, 210 

der ander nach den Swäben? 

180. 1er solt euch 182. euch n, fug 183. ein 193. Mulle 

194. nam 196. Der Wiphsel an d. Ruke sein 199. D. Zabel 

red la frura Chn. 201. ezn sint] Vind 202. Zwai meosch an 
ein ander gleich 209. wild 



1)0 SEIFRIED MELBLINCi 111 

daz soltü allez loben, 
(lein drillen sollü danken, 
ob er der Rin franken 

sile mit gewande kan. 215 

der vierd iial liht gewanl an 
nach dem Swanvelde: 
daz selbe du nibt melde, 
ze Düringcn und in Sabsen 

Itet man diu bar nibl wabsen 220 

an die reiiten lenge ; 
der büben gelwenge 
macbenl in kleiniu spa'neiin : 
daz laz ouch dinen willen sin. 
waz Avildü Pülan bocbbescborn? 225 

den Ungern wa're daz vil zorn, 
35'' der ir langem bare erküer 
die hohen polaniscben schiier. 
waz wiltü wie Stirare leben? 
die riehen sitzent da vil eben ; 230 

so lä die armen machen 
rüebekrüt ze geizbacben. 
läz Beyer trinken biremost. 
schaufln kürsen für den vröst 
koment uns von Tsechen ; 235 

die läz ouch hier zechen 
mit sant den Merba'ren. 
wines sie enba^ren, 
deswar sie vil gelicb, 

an durch daz liebe Osterrich : 240 

des geniuzet manec laut, 
gen Ungern geb wir allez gwanl: 
gen Pazzou lad wir gröziu schef; 
die Beier sprecbenl 'sich üf, nef! 
uns mac her üf komen sin 245 

212. soll 218. Daz selbe allez du 219. Ze Duriuge 

223. ciainen spendelein 226. wer 227. erchur 228. schür 
229. W. wild w. Steirer 1. 232. zu 233. Lazze Boyei- Ir. pie- 

rcn most 234. Scheifen 236. Jazze 237. Mercheren 

238. so 239. Des wer sey 241. Das 244. siech 



SEIFKIED HELBLI^G III DI 

Oslorwciz und Oslerwiii. 
wir Silin uns alle hniclcn, 
den zadohvurni Irrten, 
der uns dicke liat genagen.' 
geselle, ich wii dir niiner sagen ; '25(1 

stanl üf und ginc in goles gewall. 
la diu sorge nianicvall 
umb iegeliclies mannes sit. 
got der sinen gnaden bit, 

daz er uns geruoche geben 255 

mit freuden daz 6wic leben, 
und uns got durch smen löl 
die iuinierewigen not 
von sinen gnaden wende. 

niin zuht hab nü ein ende 2(j0 

der ich gen dir hab gcpdegen. 
nü hin! daz dich got gesegen.' 
der kneht sluont üf, im was endanc. 
ich rümte euch die selben banc 
da ich was gesezzen. 265 

min wart nihl vergezzen, 
begozzen wart ich vor der tiir. 
dei was mir gerihtet für 
ein bette, als ich wolde, 

da ich ruowen solde. 270 

als ich geruote, zehant 
der kneht reichte mir daz gwant; 
ich leit mich an vii schone, 
die badeliut nach ir löne 

dienten; des wart in gegeben. 275 

36" 'herre, got laze iuch lange leben, 
der aller ding wol Ionen kau!' 
sprachens, dö ich schiet von dan. 
min kneht aber niht enlie, 

er sprach, do ich von dannen gie, 280 

/herre, mich hat iwer zuht 

246. Osterwaz 25'2. sarig 255. geruech ze g. 256. freiden 

259. sein 265. Do 271. geroubt 277. all dioge 

280. da 



92 SEIFRIED HELBLIN(; 111 

gÖQ iu braht üf die lluhl, 

und sa'li ich alle niiinche tragen 

gewanl mit silber beslageu, 

und die leien kutten, 285 

sa*h ich in haderlutten 

alle riche fiirstinne gän, 

und die gebüren Scharlach an 

Irüegcn, daz geviel mir wol, 

sint man unreht niht rechen sol. 290 

fuorten die phafTen harnasch lieht, 

daz wolt ich allez rechen nicht. 

punierten sie mit schalle, 

und daz die riter alle 

fuorten körröckel an, 295 

daz diuht mich allez rehte getan. 

sseh ich die edeln kneht 

gewant tragen, den wser reht, 

so sie in den wegen giengen, 

daz in die ermel hiengen 300 

für die siten hin ze tal, 

daz die zipf tagten val 

gegen den wagenleisen. 

wer solte scha?i beueisen 

sin gewant sam daz ist getan? 305 

iz lit so rehte eben an : 

herr, des wolt ich dem gewande jehen. 

iu ze lieb daz müeze geschehen 

daz drizec mit ein ander lügen, 

die lüge alle an mich zügen, 310 

der wolt ich ir geziuc sin 

durch iwer liebe, herre min. 

sint man niht bushcit rechen sol, 

so muoz mir lüge gevallen wol.' 

ich stuont, den kneht ich an sach, 315 

282. Gehn eu 283. 286. sech 286. huder. lütten 290. Seint 

— Riehen s. 292. richea 293. seu 295. Chorrochel 

297. Sech — Chnechte 298. Gwanl — dein wer Rechte 

299. seu 304. schöner brisen? 307. daz 308. mues 

313. Seint — riehen s. 314. muez 



SEIFHIEI) IIELBLING III 93 

üz rehtcin unimiol ich sprach 
' lAz diu blickonblacken. 
dir ist als llillvlackcu ; 
swaz diu ze einem male bcgan, 
daz hie ir vierzic wochen an, 320 

wan sie künde der maze niht, 
36'' als ouch dir vil lihle geschihl: 
swaz du immer redunt wirst, 
dar an du mäze gar verbirst.' 
'nein ich, Iierre' sprach min kneht. 325 

ich wil iiiz bescheiden reht. 
durch iuwer lugent verslctz. 
ich mizze ebener danne gcrz 
die nie dchein man iibermaz. 
herre, beert mich fiirbaz ; 330 

daz wil ich immer dienen, 
ein Sahs biirlic von Wienen, 
des miieze nimmer werden rät, 
ein Diirinc von der Niuwenstat 
hab im oucli minen fluoch : 335 

er rehter landes unruoch, 
der sinen lantsit niht kan ! 
von Bruk biirlic ein Polun, 
der ist rehte wandelbaT. 

von Heinburc ein Missena;r, 3/iO 

von 3Iarchecke ein Brabant, 
von Niunburc ein lloUant, 
ein Rinfrank von Trebensß, 
den selben geschehe allen w^. 
ein Hesse bürtic von Tuln, 345 

swie geliche sie gehuln, 
ein Beheim von sant Polten, 
so sie über wölten 

317. Lazze d. plikchen plakchea 318. hilt vlakkea 320. puchs 

328. ewenr in gerz n'ird ein dcminuierter weihlicher name stecken 

und der knecht des herren Sprichwort von Hildßacken durch ein an- 
deres erwidern. 333. Des muefs immer 337. Landt sie 
338. Prukch 3i0. haimwurch 341. V. Maricliek eio Probant 
344. gesehech 346. Wie gleich seu g. 347. Ein Peliem v. s. 
Pellen 348. So seu vber wollen 



94 SEIFRIED HELßLING III 

von 31ularn gegen Stein, 

iz würde von in zwein 350 

geredel wenic viirna'nis. 
bi eim Weslvül von Krems 
üz der stat her bürlic 
wirde ich buozwürtic. 

lieber herr, daz tuot mir ant. 355 

alle die ich hän genant, 
ka^mens von ir landen her, 
man solt in billich bieten er : 
daz sich danne ein Osterraan 
nimt den selben lantsit an, 360 

daz bat der tiuvel im erkorn. 
lieber herr, mit iwerm zorn 
vart gen mir doch stapfes ! 
enplipfes und enplapfes 

daz lant alles get, 305 

wand iz niemen understet. 
diu selbe sach mich sere müet. 
37^ herre, seht ir die witen hiiet 
mit irhen underzogen? 

daz sag ich iu ungelogen, 370 

der wintvanc sieht für die nase, 
under einem huofblat der hase 
so wol niht ist verborgen, 
ob er si in sorgen? 

ja, herre, des ich wol swüer: 375 

er luogt s6 wiltlich her füer; 
swaz er habe verbernt, 
umbe sust er sich niht ternt. ' 
lieber knehl, gloube mir, 
gerne bort ich von dir 380 

349. Maulern gehn 351. Vil geredet wenich vornems. der sinn 

schien zu verlangen Cber die würde wenig geredet werden, sie er- 
regten kein anfsehn. 352. Bin ein 353. Der aus der St. 
wer purlich 354. VVierd ich puez wurtich 357. Chemen seu 
363. stapfs 364. Enplips vnd enplaps 369. hreo : über irh, weifs 
gegerbtes leder, Grajf I, 461. Schmeller 1, 97. 377. 378. ver- 
bernt : lernt so : und an ternt, verbirgt, ist wenigstens nichts zu än- 
dern. 



SEIFRIED IIELBLLNG IM 95 

diu rede, ich bin ciiivcldcc, 

so bist du ball und incldec. 

daz brinj^et mich in werren 

gen niincü lanlherren. 

die w.Tnenl icli si schuldec 385 

(laz du so uiiiluldec 

und so rrhlc merklich bist.' 

der knehl sprach als lielf mir Hrisl, 

des sull ir gar an angesl sin. 

und habt uf den triwcn min, 390 

sint ich den relilcn lanlsit Icr, 

daz tuon ich durch des landes 6r 

und durch dehein ander noi. 

herre, swaz ir mir gedröl, 

unrehte sife ich melde. 395 

niemen des enkelde, 

an der sich ziehe den sniirrinc an; 

der wart nie ein biderhe man. 

hie mit min rede ende sich. 

'vriunt, got gesegen dich! 400 

willu volgon miner 1er, 

wis so merklich niht mßr. 

miner bete mich gewer; 

so hab wir bede frum unl er.' 

381. ainfällicL 3S2. meldich 385. went 391. Seiiil 

395. Vnreht 397. snuerrinch 



IV 



Hnert mit sinnes kreflen 
von den vier margrafscheften, 
wie vier herrn in Osferlant 
wol sich selbe liabent geschaut. 

swaz in dem lande 6 geschach, 
da gedäht ich dicke nach, 
unz ich Schimpfes began. 
da hau ich nü lazen van : 
37'' mit gemach wil ich nü leben ; 
5. er 8. Do 



% SEIFRIED HELBLING IV 

dem knelite ich urloup Iian gegeben. 10 

so ich iz bedenke reht, 
wunderlich was der kneht, 
mir ze lidenne swier. 
sine vrage siniu maer 

wären wunderliche. 15 

arme unde riche 
nam sin dicke wunder, 
so höfschiu msere kunder. 
ich horte einez von im, 
niemere ich vernim 20 

dehein moer s6 wunderlich, 
daz hie ze lande in Osterrich 
wären vier dienstman 
die daz riche bulen an, 

ob ir fürste würde verkert, 25 

der riches hört w«re gemert 
alle jär vierzic tüsent marc. 
die herren listic unde karc 
wolden dannocli dienen mer, 
füeren durch des riches 6r 30 

dem künege vier hundert man ; 
swä in gienge ein not an, 
die liez erm versmähen 
verre unde nähen, 

ob in Osterrich daz lant 35 

würde in des küneges hant. 
der vier dienstman einer sprach 
' ir herren, rihtet iuch dar nach, 
iz muoz benamen kosten vil 
swer dem riche volgen wil.' 40 

der ander sprach ' iz ist war, 
iz muoz also komen dar, 
werd wir hie gewaltec, 
daz so manicvaltec 
diu koste in dem lande iht si. 45 

13. leiden swer. li. Sein vr. seineu Mer 17. Namen 

18. hobschen mer 20. Nimer 28. vnd starch charcli 

29. dannach 31. Chunich 33. erm] im 38. eu 39. benam 



SEIFRIED IIELHLINf; IV U7 

rilaere uud knelil siut gar ze fri: 
der leben sul wir setzen 
in einen rollten motzen, 
daz sie liaben doch genuoc. 

dem guoten acker sin piluoc ,')(> 

büt, der sol sla'tlitli 
uns bereit sin und dem rieh 
schöne varunt als ein biderman. 
da stet anders nilit an.' 

der dritte sprach ob daz geschiht 55 

38* daz man uns gcwaltic siht, 
wir haben also vil gewins 
daz wir dem riebe sinen zins 
vor üz bescheiden wol. 

kästen unde kcller vol 00 

hab wir dannoch volliclich. 
von dem roemischen rieh 
noch nicr ich für legen wil. 
einschilt riter habcnt vil 

und rilcrnia.'zic knchte; 05 

den sul wir nach ir rehte 
islichom die mäze geben, 
wie sie uns ze dienste leben ; 
wir suln in ze hüse gen, 

daz diu in rchter maze slon. • 70 

ein riter sol ein fuoder gar 
wines haben ze einem jär. 
dem knoht erloube ich niur ein vaz : 
billich hat man die riter baz.' 
der vierde sprach zuo den drin 75 

' ir rätmezzer gar äne sin, 
sam der vischet vor dem bßr, 
weit ir volgen minor I6r? 
lät alle rede beliben, 
heizet brieve schriben 80 

46. Retter vnd Chnecht 47. schulte 49. seu 50. Dem gutes 

acher einen phluch 51. sol] so 53. Schön 58. seines eins 
64. Ain Schilt Vetler 66. schulle (38. seu 69. schulten 

70. die 73. nur 

Z. F. D. A. IV. 7 



98 SEIFRIEO UELBLING I\ 

die dem künege rchle sagen 

waz daz lauf inac getragen. 

da von wirt er wol gemuot, 

nach unserm rille er gerne luol. 

s6 hab wir denne Fürsten kraft. 85 

wir suhl vier niargrafscliafl 

üz disein lande machen. 

des begundcn lachen 
alle die daz nuvre rehte 

horten von dem knehte. 90 

ein alter riter stuont da bi, 
'geselle, als liep ich dif si, 
wie ka^m du zuo der spräche ? 
so diu gotes räche 

über ir bluotegez leben, ge! 95 

wie tuot in unser gmach so w6? 
suln riter des niht wirdec sin 
daz sie zeren weiz unde win, 
die sin doch wol habent stat? 
got selbe den riter geret hat. 100 

als er under heim kumt, 
in strite den fürsten kleine frumt, 
hat er witer lande kraft; 
38'' er muoz im geben husgnözschaft, 

• kumt er in dem strite an in. 105 

geselle, als liep ich dir bin, 
la dir min rede niht wesen swa?r, 
grif wider an daz mser.' 

der kneht zühticliche sprach 
[herre] diu einunge also geschach. 110 

ze walde an eime gejeide 
ze sam sie swuoren eide 
wider aller menneclich. 
die niht dingten an daz rieh, 
g6n den waer in niht wol ze muot. 115 

86. schullen 91. stunde dabei 94. So du 95. plutgez 

97. Schullen wirdec Haupt] wider 100. selber geehrt 

101. helme 104. Er muez — Haufznozchaft 111. aincm 
112. seu 



SEIFKIEU IIELBLLNG IV 99 

sie hietea vriuut unde ^uot, 

iz künde uiiumer so crgt^u, 

daz luul müesl aa in vieren sl6a.' 

der rilcr s|)racli '{geselle uiiu, 
lie man dicii lii doni rate sin?" 120 

' nein, iiorre, niil willen nilil. 
ich kam dar von gescliilil.. 
du wir ze den liiircn gazco, 
ze sumen sie dö sAzen 

sam sie einen sigslcin 125 

bliesen, ich wart des eneia 
daz ich an allen vierea krouch 
ia eia sliidon, diu was rouch, 
da inncs min nihl sahen. 

ich was in doch so nahen 1,'tO 

daz ich horte ir ahten, 
ir wegen, ir betrahteu, 
wie daz lant solle slen, 
ob got ir willen lieze ergcu. 

der alte riter aber sprach 135 

geselle, 6re und gemach 
geb dir got hie sailiclich 
nndc dort daz himelrich ! 
lä dir min vrag nihl wesen swa;r; 
alte Hute hcerent gerne niiur." 140 

der kneht sprach 'mit willen gern, 
herre, wil ich iur alter ern 
und iu diu ma^re tuou bekant 
wie die brieve wurden gesant 
dem künege ÜF über Rin. 145 

vier margraven sollen sin 
in diseni lant, wie kleine ez si. 
'werd wir des herzogen vri, 
iz sol an uns vier fürsten sten, 
iewederlhalp Tuonouwe zwen. 150 

der eine ist wol ze Wienen ; 

116. Sen 118. must 12 i. Zc sam seu 129. Da inne seu 
131. Alheu 134. wille 150. le woderllialbe der Tliuenaw zwea 

l.'il. Wienm- 



100 



SEIFRIED HELBLING IV 



dem sol daz lant dienen 
39" von Ilcimburc an den Semernic. 
er ist niht unsajlic, 

ob er gewaltic vvirt iesä 155 

üz den bergen an die Litä!" 

der riter sprach 'gern ich erkant 
wie der niargrave wwre genant.' 
'west ir iz gerne?' sprach der knebt: 
'er beizet inargraf Lebsenbreht. 160 

wirt im diu margrafschaft, des namen 
endarf der belt sich ninder schämen, 
dö sie dem einen des gehullen, 
der ander sprach 'Niunburc und Tüllen 
si ze dienste mir bekant, 165 

daz Tulner velt und daz lant, 
der vorst und daz Ibser velt, 
über den Strenberc si min gelt, 
Ens Linz unde Wels.' 

er biet gewäget tüsent bels, 170 

daz er komen wser da van. 
iz ist war, er balz getan, 
und ist wider die unsa'ligen 
ze grozen eren im gedigen.' 

der riter sprach 'des lob ich got, 175 

daz der märgräven gebot 
s6 rehte lützel für sich get; 
daz lant so baz in eren stet, 
der mich nü wizzen lieze, 
wie der raargräve hieze!' 180 

der knebt sprach 'herre, wol heizt er 
der edel margräf Rüdensmer. 
der nam füegt siner werdekeit, 
s6 er dem riebe ist bereit. 

der dritte sprach zuo den zwein 185 

' ir herren, werd wir enein : 



152. dienne 153. Seinereich 156. an deu Leita 160. Lech- 

senprecht 162. Bcdorff sich der hold n. seh. 163. seu 

167. Ybbse 168. .Slrenwerch 169. Ennz — Welfz 

182. Rüdensmer 183. sein 



SEIFRIED IlELBLINd IV 101 

iwer margrarscliari sinl guol. 
ich han ouch ze diennc muol 
dem riche, ob iz gol wil. 

j;ill min teil nihl so vil 100 

sam daz iwer, so Ic^cl mör 
dar durch des riches er, 
und haben doch j^eliche krafl. 
daz ist guol geselleschaft.' 

die dri sprachen ' wol weit ier: 195 

des sul wir swern alle vier.' 
dö sie geswuoren, sa zehant 
zeigten sie im sin lant. 
Krems und Stein nach ir rät 
39^ solte wesen sin houbetstat. 200 

durch die Wachouwe, 
üf bi der Tuonouwe, 
au des herzogen gebiet 
van Beiern er gewalt biet. 

sin gewalt wirt vil starc : 205 

daz Machlant, die Rietmarc 
üf vür die Vrinstat 
an daz Beheimisch er hat; 
der Lüesnitz nach dem Gmünde, 
des ich im niht engünde : 210 

Litschouwer walt, die säze, 
gerne ich daz laze. 
da wirt daz vierde lant mit 
gevürstet nach des riches sit. 
nii keren datz Gemünde wider, 215 

für daz Piuchrich her nider, 
zwischen Egeuburc und Pulka, 
ze tal an die Smida, 
diu sol daz gemerke sin. 

'an die Tuonouwe wirt iz min, 220 

daz laut' sprach der drit. 

188. dinne 195. Ir 1«6. schulle 199. Chrembrz 201. deu 

Wachaw 205. wrt 208. Behmisch 209. Der Lunsniz nach 

den gmünd 210. Daz — enchünd 215. Nu ehern datz geraurid w. 
216. Peuchreich 220. In diu Tuenaw 



i02 SEIFRIED IIELBLLXG IV 

' ist daz min vuoz getril 

in Fürsten amt, ich schaffe daz 

daz man liilzel iemen baz 

hAt in des riches hof.' 225 

' hab danc, niargräve luslof!' 

gedaht ich in der slüdcn mir: 

'ja gcrisl so vil nilit dir 

in den buosem so du waenst. 

ob du dich des underrenst 230 

daz dins rehlen herreu ist, 

des schündet dich din valscher list. ' 

lazze ivir dauon danch sint frey : 

sint verrihtel sint die dri, 

dem vierden schrib wir noch ze lant. 235 

daz dem küncge werd bekant, 

Niunburc 3Iarchek unde La, 

üf bi der Tey alsä, 

von der Tuonowe an den Schelsch. 

den markgräf wser vil Iimdernetsch, 240 

gieng iz nach dem willen sin.' 

der riter sprach 'geselle min, 
nenne mir den einen sam die dri.' 
der kneht sprach ' lieber herr, daz si : 
ich gewert sin nieman an iuch. 245 

er heizet margräf Henneriuch. 
40^ der nanie zimt im fürstlich, 
er hielt vor dem rieh.' 

der riter sprach got lone dier 
daz du die fürsten alle vier 250 

mir so güetlichen nennest, 
wie reht du sie erkennest ! 
wan ich sie geliehen wil 
dem schalkhaften vederspil : 

so man daz ie baz hat, 255 

ie mer untugent ez begät. 

222. mein fuezze gedritte 226. eusloEF 227. ich fehlt. 

228. gereist 229. wenst 230. vnderrenst 232. schundt 

234.* Sein verr. 235. zlant 236. Chanich 246. Ilennereuch 

248. Er — Reich : ? 2i9. lan dir 252. 253 und häv.fi^ sen 



SKIFHIED IIELÜLLNG I\ lO:; 

ich wil dir der warlieit jelieu. 

ze hove iiaii ich daz gesehen: 

der herzog sluonl, sie säzeu, 

so sie sin verwAzen ! :l(H) 

saz er bi in, sie leinten. 

da mit sie bescheinten 

ir unzuht; daz was unreht. 

nü sprach aber so der kiiehl. 
' lieber herre, tuot so wol, 2G5 

lät iu daz niKre sagen vol 
hie au disen stunden, 
sie wellen, ob sie künden, 
über in setzen ir stuol. 

der iu der tiefen helle phuol 270 

von hiuiele geworfen wart, 
der schündet sie der höchvarl,' 

ich stuont allez da bi. 
daz aber ich der riter si 

der den kneht vragt so vil, 275 

wol ich mich des bereden wil. 
ich bin anders gemuot. 
swer ein grözez unbilde tuot, 
den heize ich gerne schriben an, 
daz sich da bi ein ieslich man 280 

bezzer, der iz hoere lesen, 
ein dienstmau sol getriu wesen 
dem fürstcn, daz ist safliclich ; 
ein fürste si getriu dem rieh, 
also sol iz allez slen, 285 

der uider nach dem hohen gen. 
swer ein langez ma're seit, 
iz si im licp oder leit, 
iz wirt dicke underrel, 

als der alte riter tel 290 

mit vräge gen dem kneble, 
ich biet ouch ze reble 
geswigen ; des enmac Ich nihl, 

201. seu lanntea 262. sea beschaDten 208. wollen 271. ge- 

warffen hat 273. stunde 278. Wer 



104 SEIFRIED HELBLING IV 

s6 grözez unbilde geschihl. 
40"' als wir geswigen stille, 295 

daz was des knehles wille, 
er huop aber an. 
sagen er uns began 
wie er in der slüden lac 

wol gen einem halben tac 300 

da die Herren sazen. 
'wes sie sich verniazcn, 
daz hört ich allez sant von in. 
der herzöge muoz schier da hin 
mit allen sinen Swäben. 305 

des welle wir got loben. 
iz beeret niemen dan wir vier.' 
'ja scheiz!' gedäht ich mier, 
ich sei sin törel ewer sin. 

er ist niht so linin, 310 

daz ir iuch sin mugt erwern. 
weit ir dem riebe meinswern, 
sünde und schände iu geschiht' 
gedäht ich mir und sprach sin niht. 
gedanke sint fri, daz ist war. 315 

weit ir daz ma?re hoeren gar? 
die herren sprächen alle vier 
'ob ez erget also daz wier 
gewaltic sin an alle müe, 

nieman verliuset schäf noch küe, 320 

iz muoz ergen an allen schaden, 
hab wir den künic her geladen, 
daz sol von uns verswigen sin 
die wile er ist bi dem Rin. 
kumt er uns so nähen 325 

daz wir in enphähen 
hie üf dem Trunvclde, 
ob wir kaemen des ze melde, 

294. grozze 297. Er hueb aber wider an 305. Swoben 307. nicm 
(lanne wir Vier 308. mir 309. vielleicht ir sult sin torlsere sin, 

vergl. 7, 836. torel 15, 126. 310. leinein 318. wir 320. Niem 
327. Traunueldt 328. chamen des zemelt 



I 



SEIFRIED IIELBLIXG IV 105 

(laz kan uns ge.scliadcn uilil; 
s6 relite wol uns gescliilil. 330 

trahtea üf unde nidcr ! 
der herzog niuoz gi^n Swaben wider 
mit allen sincn SwAbeu ! 
des sul wir gol loben.' 

nü sprach der niargräf Lehseubreht 335 

die mir ze Wienne sint gcreht, 
die wil ich für zücken 
und die nider drücken, 
sie sin alt oder kinl, 

die nach dem herzogen sint.' 340 

' mit gemache guot unt 6r* 
sprach der margraf Rüdensmer 
' nieman gewinnen kan. 
welle wir daz urliug heben an?' 
41" 'weit ir umb rinder und um schäf 345 

sprach der margraf luslof 
'gewunnen spil wagen ? 
wir suln im anders lägen, 
ob der künic ze lange waer, 
iz gedige uns ze einer swser.' 350 

'weit ir, ich jag; weit ir, ich fliuch' 
sprach der margraf Henneriuch. 
'wir haben niangen jungen neven 5 
der lazen zwen daz urliug heven 
heimlich nach unserm rät. 355 

ob iz in dan so eben gät 
daz iz in niemen weren wil, 
dannoch hab wir zit vil 
daz wir uns danne underwinden 
swaz wir an wer vinden.' 360 

als diu rede vol geschach, 
der eine zuo den drin sprach 
'wir suln die spräche enden, 
dem künege brieve senden 

334. schuUe 335. Lechsenbrecht 343. Niem 346. euslaff 

348. schullen 352. hennereich 353. Nefen 354. hefen 

356. danne so ewen 357. Daz iz in j\iem 363. schullen 



\{H\ SEIPHIED IlELBLIiNG IV 

die im besclicidenliche sa^^en, 365 

ob er kaenie in kurzen tagen, 
wol uns daz gevalle.' 
' nii habt uf den snalle' 
gedalit ich ' sunder snellen, 

ir valschcn eilgescUcn !' 370 

daz ich niht rette, niur gedahl, 
diu vorhle mich dar zuo braht. 
ich lac in der stüdcn. 
zispizen undc snüden 

muost ich an mir twingen. 375 

ich het den gedingen, 
ob sie min würden gewar, 
daz sie mich fuorlen bi dem här 
hin da ich geslagen würt 

daz man iz an niiner hut spürt. 380 

diu spräche nam ein ende, 
schöne grifFens in die hende 
und lobten mit ir triwen daz 
sie waeren allen den gehaz 

die gehuUen dem herzogen. 385 

lip und guot sie wolten wagen, 
iz miieste nach ir willen gen. 
sie begunden üf sten, 
winken ir knehten, 

daz sie in gerehten .*»yO 

diu pferift schiere und balde, 
sie wolten heim von walde. 
dannoch lac ich an dem bouch, 
41'' hinder mich her für ich krouch 

und streich loup unde gras 395 

ab mir da ich inne gelegen was. 
zwei pferift vie ich an, 

366. cham 368. den so. 309. ist suudersnellen zu lesen und 

dein snalle z= der siielle {Obcrl. 1425. Frisch 2, 215". recktsalt. 
72C)? der sinn wäre Möchtet ihr euer heimliches geschwätz auf der 
wippe, dem schnellgalgcn, halten! 371. ret nur 374. vielleicht 

zispern. 375. mich? 382. Schan 387. Iz must 389. Iren 

391. baldt 39^. Waldt 



SEIFHIEI) IIE[.BLIN(. IV 107 

als ein knciit der dienen kan, 

niinoni licrrcn daz sin, 

ich selbe saz üf daz niiu. 400 

dö w\y nu waren bereit, 

die lierren vraglen um daz jcil, 

wie iz sie vervienge, 

ob iz in wol erj;ien|^e. 

'der uns gesagen künde, 405 

wie liufen die liiiiide?' 

ich sprach 'lierr, daz weiz ich wol. 

s6 ich die wiirlieil sagen sol, 

nie hunde gelinlcu baz 

danne Nil Valsch unde Haz. 410 

Fürst was unverdrozzen; 

er het wol genozzen, 

im was von der vert niht gäch. 

Fulis und Wolf im slichen nach, 

wolden sin genozzen hau: 415 

daz künde Fürst underslan; 

er erbiaht die zende unde grein, 

woll in lazen niht ein bein. 

Wolf ist gilslündec, 

so ist Vuhs vil kündec : 420 

daz half sie niht gein einer her ; 

Fürst was an siner wer. 

wol Huf Wenk und Werre: 

unsielic si der hene 

der die zwen von ruore lie ! 425 

Triwe kam ze verle nie : 

diu was geseilet vasle, 

gebunden ze einem aste 

smachliche hnene unde truop ; 

loufcn wol unhoch sie huop. 430 

daz Triwe Schilt Milt unt Er 

ze verte kscme nimmer mßr, 



401. Da 402. fragea 406. lauffen 409. gelauffen 

414. suchen absclir., slichen verb. 418. Wolt ich in latzen 

er wolt? 423. lauf 425. Kuer 429. heun vnd Irueb 



108 SEIFRIED HELBLING IV 

in wileiii unibesweife 
liuf Erge unde Grife, 

liasp unde Gite, 435 

tal berc und lite, 
ebene unde gründe, 
daz verlluocbte gehünde 
kan zervücicn ditz laut, 
42* daz horte ich und ist mir bekaul. 440 

Wünsch wil ze verre sin, 
der streich üf zuo dem Rin. 
Wünsch ist wunderlicher art, 
er vert selten rehte vart. 

iz ist den jagern vil zorn 445 

daz Wünsch so dicke ist verlorn. 
Merk under einer slüden lac 
hiule disen langen tac, 
daz er nie ist worden lüt; 

er vorht iz gieng im an die hül. 450 

also ist daz gejeit ergän.' 
die herren vast mich sähen an. 
der eine sprach sä ze stunt 
'du nennest frömde hunt. 

ich hän hie wol niun. 455 

einer heizet Striun, 
der ander Wän, der dritte Wank, 
der vierde Fruot, der fünfte Frank, 
der sehste Sturm, der sibent Drenk, 
der ahte Louf, der niunde Schenk.' 460 

der ander herre dem was zorn. 
er nam daz pferit mit den sporn 
und sprach ' wes wel wir biten ? 
wir suln heime riten. 

iwer antwurt ist mir leit. 465 

der kneht kan vil schalkheit.' 
der dritte sprach ' ez ist war, 

434 Lauf erige vnd graiff 435. Raschp vnde geit 436. leit 
437. grundt 438. geliund 439. Taacen Vieren 443. wnnder- 
leich 447. Merch vüd ainer 450. Slreyu 457. Wän] von 
458. frad 460. luef 463. welle 



SEIFRIED IIELBLLNG IV 109 

sin rede gM uz eiiiic vär: 
swen er meine du mit?' 

der vierde sprach 'ez ist sin sil^ 470 

er kan sellsa-niu ma'r 
und ist bi inincni scliriba.'r 
wol ein lialbcz jar gewesen, 
der unser brieve hat gelesen. 
den weiz ich in den triuwen wol, 475 

swaz er ze reht verswigen sol, 
für war sult ir wizzcn daz, 
nimmer kumt iz fiirbaz.' 
sie rilen über einen furl. 

' boes rede enhal nihl anlwurl' 480 

gedaht ich in dem niuol; 
' min rede sol wesen guot 
gen in 5 iz kumt wol ouf, 
ob sie veilent rehten kouf", 

daz ist An missewende.' 485 

daz ma're hat ein ende, 
so in der tiuvel sehende 
der vride und gnade uns wende!' 
du daz mare wart volbraht, 
42'" 'ich wil gen' ich mir gedaht. 490 

der riter huop aber an, 
den kneht hiez er stille stau 
und sprach 'dil muost sagen mir 
6 ich scheide von dir 

wie iz umb die spräche st6 495 

diu geschach ze Trebcnse.' 
der kncht sprach 'lieber herre, gern, 
sint ir sin niht weit enbern. 
morgen ist der tac vil laue, 
so nem wir uns einen ganc, 500 

sitzen zuo ein ander nider. 
dem hiut daz ma3re ist niht wider 
und iz im wol gevellcl, 
ob er sich uns gesellet, 

471. seizemeu mehr 476. Waz 491. hueb wider an 

49f». Tuenise absehr., Triembsce verh. 498. Seint — wolt enpern 



HO SEIFRIED IIELBLING IV 

wil er morgen bi uns siu, 505 

daz ist wol der wille min.' 

ich gic und sprach ein wort niht 
und gedahl mir 'red ich iht, 
der kncht hebt aber gen mir an, 
als er ofle hat getan.' 510 

swes ich mir her nach gedaht, 
min gelelös mich dar zuo braht, 
ich wolt diu nuere hceren gar 
und ir also nemen war 

daz sie würden an gcschriben, 515 

hundert jär nach uns beliben 
zuo einem urkünde, 
daz die totsünde 
die schände und den werren 
unser lantlierren 520 

uimmernier gegriffen an, 
daz wwre sa'liclich gelan. 
ich gie heim, als ich gedahl, 
und weite ezzen gen der naht, 
nach dem ezzen ich niht lie, 525 

an dem lüfte ich mich ergie 
ein wile nach der meister rät, 
unz daz iz wart so spät, 
dem keiner hiez ich winken 
daz er min släftrinkeu 530 

mir bneht, ich wolt mich nider legen 
und die naht gemaches phlegen. 
des morgens ich ze kirchen gie. 
nach der messe ich enphie 

den segen und gie aber hin 535 

da ich lange gewesen bin. 
in minem hüs ich gebot 
üf ze tragen kuocli unde brot; 
ich wolt ezzen. daz geschach. 
do ich ein wile gesaz dar nach, 540 

43" ich stuont üf und gie da hin 

509. aber] wider 5IÜ. Iiale 511. Wes 51 '2. gellos 

513. wil 526. lusl 535, aher] wider 



SEIFUIED IlELIiLIN(; IV III 

in min kanier; durcli den sin 
an niirli loil icli ander gwani 
daz min der knehl nilit kanl. 
an die slraze iili üz gie, 5^i5 

da sazen dise, da sazen die, 
ieslicli alsA sie fanden slal. 
an ir rehlen rezzat : 
also nennl nianz in dem göu ; 
ir licrren, daz iiicli gol gevröu, 550 

der daz worl gescliriben silil 
hab mich für geburen nihl. 
ich gie fiirbaz alzehanl 
dA ich den alten riter vant. 

giiellicli er mich enphie. ö;").") 

der knehl der wile zuo gie 
und sprach gen uns sinen gruoz. 
' gol tuo dir aller sorgen buoz!' 
sprach der riter; 'des ger ich. 
so rehle gerne sihe icii dich! 560 

' herre, daz ir mich gerne seht, 
des lob ich got' sprach der knehl. 
biz an daz ma-re ge, 
ein vor red wil ich sagen e. 

ich was iiovegesint, 565 

herre, von einem knehlkini 
bi einem ritcr den ich vragl 
so vil daz in sin beiragt. 
er was alt und wise. 

do ich sinem rise 570 

enlwahsen was, er änl sich min 
und wolle mit gemache sin. 
daz ich die rede han getan, 
lieber herr, daz ist da van, 
der riler der uns sitzet bi, 575 

swaz er minem herren si, 
got weiz wol von himelrich, 
er ist aller dinge gelicli.' 

54'j^ diz 549. mans 561. gereii 503. Diz an 500. einen 
576. \Va/. 578. alle ding 



112 SEIFRIED IIELBLLNG IV 

ich spracli ' swcm ich gelich bin, 
dich mag wol triegeu diu sin. 580 

als liep mir din hulde ist, 
ich enwciz niht wer du bist, 
an daz ich gerne bi dir wter 
durch diu selts»nen ma'r.' 

der alte riter aber sprach 585 

'geselle, gedenke dir dar nach 
wä du daz mare liezest, 
als du uns gehiezest 
nelilen im unde mir. 

daz hoer wir gerne von dir.' 590 

43^ ' herre, daz wil ich iu sagen, 
swaz heimlich wirt an getragen, 
daz kumt ze hove dicke für. 
rünet einer bi der tür 

sim gesellen in daz 6r, 595 

der ist da von wol ein tör: 
vil ir umb in dringent 
die iz hin vür bringent. 
da von rät ich so t'e nehn zäun 
daz man da ie stille run. 600 

do der herzog wart gewar 
daz sie sprächen im ze vär, 
die herren er besande 
alumbe in disem lande, 

daz sie ze hove solten komen. C05 

des wart ein tac für genomen 
nach des herzogen rät 
hin ze Wienne in die stat. 
der tac also zuo gie. 

die lantherren er enphie GIO 

und nam der besten vier von in. 
er sprach 'ir herren, habt ir sin, 
der si ze rate mir gezelt. 
dem riche ein künic ist crwelt, 
der betrahtet minen schaden. 615 

579. wem 584. selzem 589. Rehten 598. Die in h. 

OOl. Da 



SElFllIED HELBLLNG IV li;i 

iiü hau ich iiicii iicr geladen 
daz ir ralcl mir da zuo 
waz ich umb dise saclie luo.' 
der eine sprach vil drale 

' herrc, nach sA hftheni rAle, (j20 

an iiircDi willen daz gcslß, 
wir wellen uns besprechen 6.' 
der herzog sprach 'daz si getan.' 
mit urloup giengens hin dan. 
dö sprach der eine zuo den drin 625 

'iz wx're wol und hiet wir sin 
ze disen grozen Sachen.' 
des begundc lachen 
der ander unde sprach zehant 
'er zittert als ein steinwant. 630 

swie ez uns gßn im erge, 
er ist niht vil geschrecket 6.' 
der dritte sprach ' nü lät da van. 
grife wir mit zühten an, 

daz wir im anlwurt geben 635 

diu uns i'iiege wol unt eben.' 
der vierde sprach 'daz rät ich. 
weit ir fürbaz beeren mich ? 
44' wir suln im raten dar zuo 

daz er der herren willen tue 640 

• die daz laut gehoerent an: 
niht baz ich im geraten kan." 
des gehuUens alle vier, 
der dritte sprach ' nü ger wier 
daz ir sprechet unser wart. 645 

ir Sit an der rehten vart, 
diu Sache ist iu wol kunt; 
Sit hiute unser vormunt, 
mit iu si wir unbetrogen.' 

sie giengen für den herzogen. 650 

der ein sprach ' herr, mit urloup wier 
iu wellen raten alle vier. 

631. Wie 636. ewen 641. gehörnt 642. ich fehlt. 

651. wir 

Z. F. D. A. IV. 8 



114 SEIFIUEI) lIKLBLliNG IV 

iNverii ral liab wir gcswarn: 
den welle wir also bewaru. 

der laiilherren willen tuot, 055 

lierre, so ist iu niht also guol.' 
der herzog sprach vil wislich 
' nü hnercl arm uiide rieh, 
swä ich bra'che ir willen, 

mag ich daz geslillen, (560 

daz luon ich mit friwen gern, 
ditz lanl wil ich immer ern.' 
des lob ich got' sprach der ein 
und der eine zuo den zwein, 
der drille zu dem einen. (>(>;") 

gol wil uns bescheinen 
sin gnade' der vierde sprach, 
'gel min herre der rede nach. ' 
der herzog sprach 'benanien gern, 
lanl und liute wil ich ern, ()/(> 

so ich aller beste kau. 
nach iwerm rät daz si getan ; 
den wil ich hoeren hie ze stet, 
doch und ist iz iwer bei 

daz ir iuch besprechet e, 07;") 

iwer wille dar an erge.' 
ja, herre, durch iwer er 
läl uns der lantherren mer 
gesprechen (die sint wol da bi), 
waz dem lande nütze si.' 680 

mit der rede sie gicngen hin, 
daz lerle sie ir bester sin. 
swä sie die wisen funden 
die in geraten künden, 

der rät w*r nütze unde guol, 685 

ob sie in rieten nach ir muot. 
44'' da von sag ich iu niht mer; 
wie siez wägen hin unl her, 
daz wil ich läzen under wegen. 

659. Wo ich prech 669. benahm 675. eu 681. gienpcn sie 

682. lert 686. im 688. seuz 



SEIFHIED IIELBLING IV 115 

wir lifrrcn iz wol für legen (»IM) 

nocli liiiile vor dein herzogen. 

des sol uns lürbaz uieiuen vragcn 5 

wir werden sin wol inne. 

dö sie nach ir sinne 

bedahlcn sich, alzehant (>95 

sich der rede underwani 

der ir wart vor sprach : 

dem wollens alle volgcn niich. 

sie giengen mit eiuunge für. 

der herzog sprach üz wiser kür 700 

' nü dar, ir herren ! grifet an ! 

waz han ich wider iuch getan?' 

der eine sprach vil ziihliclich 

'mit urloup, herr von Osterrich; 

swaz ze reden mir geschiht, 705 

daz ist min eines rede niht; 

sie wellentz alle mit mir hän, 

min herren, die dienslman/ 

'ich han iz ouch gerne mit' 

sprach der herzog: 'swaz ich lit 710 

von in umb beschcidenheit, 

diu w«re umb sust üf mich geleit. 

hie mit min rede bab ende. 

swaz ir weit daz ich wende 

und swaz dem lande schedelich si, 715 

des bin ich iwerm rate bi.' 

der vürsprech zühticlichen sprach 

' hcrre, gedenket in dar nach. 

wir haben ein gebresten, 

daz mit vrömden gesten 720 

ditz laut ist überladen, 

daz wir nemen grözen schaden. 

und well ir uns wenden daz, 

so sage wir iu fürbaz." 

691. Nach — Herzageu 692. niem 693. Wir werren 

695. alle ze h. 099. mit der Ainunge f. 700. aus wes Chur 

707. wollentz 709. geren 714. Waz ir wolt 715. waz 

717. Der Vorsprech 723. wolt 

8* 



116 SEIFRIED IIELBLING IV 

der herzog sprach uz wiser kür 725 

'legt uns nach ein ander für, 
ob sin noch ihl mör hie si. 
swes ich iuch mac hlzen vri, 
mit rehlen triwen tuon ich daz; 
ungerne lid ich iwern haz. 730 

ich hoer iur meinunge wol.' 
'min herren iuch ze dem andern mal 
biltent, da daz laut an lil, 
daz ir ane hofgesinde sit; 
45* sie wellen selb ze hove sin, 735 

sparn ir weiz und ir win, 
mit samt ir phenningen. 
sie kunnen als wol dringen 
als einer von Elsazen. 

ir sult da heime lazen 740 

Swäbe und Rinfranken; 
des welns iu immer danken, 
diu dritte ist ir aller bet; 
bürge merkt unde stet, 

daz iemen der gewaltic si. 745 

da si ir aller rät bi. 
ze dem vierden male rat wir iu 
daz ir dem lande sit getriu. 
in dem laut gebt iuwern solt; 
silberphenninc unde golt 750 

niemen üz dem lande gebt, 
nach unserm rate da mit lebt, 
in driu teilt des landes guot : 
ein teil mit der kost vertuot, 
daz andr an phert, an kleider, 755 

der bedürft ir beider; 
mit dem dritten hordet ier, 
ein richer fürsle ir werdet schier, 
ze dem fünften male ist uns haz, 
ritser und knehte hat man baz 760 

728. ea 732. eu ze d. a. mol 733. Bitten do 738. chaunen 

742. wolns 743. Der dritte 745. iem des 751. Niem 

755. Das ander an Phiert 757. Ir 759. ist vnz das 760. Retter 



SEIFRIED IIELÜLINf; IV 117 

danne uns nllcu licp si ; 
du von siiit sie gar ze vri. 
gebt uns g6n in bczzer relit. 
er si riler, er si kncht, 

unser relil sol für gt^n. 765 

sie suln niht mit relile slen 
gen uns in den schrannen. 
an den dienslinannen 
urteil und vräge sol geligen ; 
von den armen si geswigen. 770 

ja mach wir durch des landes ftr 
iu der dienstman desler mßr, 
daz sie der urteil uns gesteu. 
unser geziuc sol für gen.' 

daz was den armen ungemadi. 775 

ein riter zorniclichen sprach 
(der stuont nahen da bi) 
'pfiu, daz er verwäzen si, 
ein gemachter dienstman ! 

niht baz ich in ahten kau 780 

(er rehter unruoch ! ) 
als bi stivaln buntschuoch. 
weint sie iu dienstman machen?' 
45'' der herzog muost des lachen 

und sprach 'daz iuch got gesegcn ! - 785 

lät nach ein ander für legen.' 

der fürleger sprach 'nü hoert! 

lilliche man die hochvarl sloert 

der sie gön uns habent vil. 

mßr ich für legen wil. 790 

iz sol nienien bürge hän, 

niur die rehten dienstman, 

die habent sie wol. 

uu bile wir iuch ze dem sehsten mal 

einer bet, der sit nihl wider: 795 

die göuvest brechet alle nider; 

so dient daz göu dem herren 

778. Phui 783. Wellent seu eu 785. eu 792. Nur 

794. auch 



118 SEIFRIED HELBLING IV 

gar all allen werreii. 

des waren die hell wol wert.' 

'kukuk hiurc unde vert! 800 

so koinciil zwei jär für' 

sprach einer liinder der tiir : 

' wil der herzog volgen in, 

er hat einen luniben sin. 

ich enruochle wer iz im da vor 805 

gerünle heimlich in sin 6r. 

der rede wart vil gemachel, 

heimlich gelachet. 

daz was ein ungemach. 

der die fürlegunge sprach 810 

der herren gen dem herzogen, 

er sprach ' ich wil iuch alle vrägen 

waz ich fürbaz reden siil? 

niht guot ist herphen in der müL' 

der herzog sprach ' swiget stille!' 815 

ervoUet wart sin wille. 

do diu stille was gelän, 

er huop aber an, 

ze dem sibeulen mal er dö sprach 

' swer einen in dem lande slach, 820 

daz man im nach dem selben tage 

eigen und leben widersage, 

daz ist miner herren rat. 

van swem er diu leben bat, 

diu suln ouch dem ledic sin. 825 

daz reht gebt uns, herre min. 

dar umbe si wir iu gelriu ; 

daz eigen erteil wir iu. 

swelcb dienstman bat verlihens vil, 

der hat ein guot kapfenspil; 830 

ob all tag vaihten sine man, 

er solt sin niht understän. 

800. Kuknch 801. chament 806. geraunt 807. war 

812. eu 813. sol 814. Mull 818. aber wider an 820. ain 

824. Van wem 825. Schullen 830. chaphen spil 831. Ob 
alle Tag Vehten 



SElFIllKD HELBLING IV 119 

lieiTC, die sibcii sarlie 
4t)" zc öreii und ze gniache 

hab wir disoiii laiil f,M*daliU 835 

als sie iu siiil für bralit.' 

der berzog spracb 'j;()l Ion iiil 

ml Sil bescbcid'.Milicbc üctriu, 

ir dicnslniaii von Ostcrricb, 

daz ir mir ralel wislich. 840 

uiiu erste antwiirl beb ich an. 

als ir mir habt kunl getAn, 

ich sul die {!;esle lazen varn, 

daz wil ich nibt langer sparn, 

an ich wil beballcn die 845 

die wi[) und kinl liabcnl bie, 

doch von iurem könne. 

des sult ir mir günne. 

trib ich die liz dem lande, 

daz wa're wol ein schände. 850 

der andern bet ich wol enba^'r, 

daz ich an bofgesinde ihl wa'r, 

wände iz waere unfürstelich. 

der biderbe herzog Friderich 

mit sinem bofgcsindc bie 855 

t'rumkeit und öre vil begie ; 

sin dienstman buiren im wol des : 

so bitt ir ich enweiz nibt wes. 

ir guot sie örlich zerten 

mit ir scbiltegeverten, 860 

den sie kleider gaben : 

diu ere was ze loben. 

ir herberg sluonden bt^rlicb, 

da von die stete wurden rieb. 

daz kam dem fiirslen alzehaut, 865 

lost er den berren ir phant. 

also soll iz noch st^n, 

daz guot zwischen uns umb gen, 

van iu an mine burgser, 

837. lau 838. beschaidenleichen 843. schulle 847. Chunne 

848. guQtte 866. Logt — irrea ph. 869. mein 



120 SEIFRIED HELBLING IV 

der sliure ich gewis wwr. 870 

ich würde ninicr also boes, 
iu allen gx'b ich phanlhcs/ 

873. gel) nach 872 ein strich in der hs. ist das gedieht zu ende? 



Swen des uiht beirage, 
der hoer des landes klage. 

Ey, kiinec Iluodolf, sit ir gelriu 
roemiscber erd, so klag ich iu 
und iwern Swäben allen dich. 5 

ich armez lant Oslerrich 
ich man iueh des daz ir vier jar 
ab mir näml die iwern nar. 
sin bin ich ja'merlich gedigen, 
daz wirt iu lenger niht verswigen. 10 

46'' ir habt mich armez lant betrogen, 
den ir mir habt geben ze herzogen, 
so mir die Unger nement re, 
so vert er jagen hin ze le. 

ich klag iu über die herzoginne, 15 

diu hat nach guot so starke sinne, 
swaz sie des begrifen mac, 
daz schiubt sie allez in ir sac 
und sendet iz gen Kernten lant 
ir vater, daz si iu bekant. 20 

ich sag iu schedeÜchiu werc. 
ein schriber sent gen Nüerenberc 
miues silbers manic 16t 
und stßt mir z'eren niht ein kät. 
ich klag iu über den gräven wis 25 

von Rabenswald ist sin pris. 
swä er vil geschatzen mac, 
beidiu naht unde tac, 

'i. Dcu hör 3. Sit] sen 4. Römisch 5 geleich 7. Seih 

man eu 12. Den habt ir mir 13. rex 14. hintz lex 

20. lerem — euch b. 22. sem gehn 24. zu ehren n. e. Chött 



SEIFUIED FIELBLING V 121 

unz er wol gefüllt sin schrni, 
(laz habt üf den triuweu min, 30 

sin soumer ladet er zchant 
und sent iz gi^n Diiringe lant. 
die sine gricvin ket er ein. 
des swesler her von Hellenslein, 
ein alliu Swa-binne karc, 35 

lihet plienning unib die marc 
und koufet weiz unde körn 
und behalt daz, als iz si verlorn, 
unz ir k;em ein liwerz jar. 

gloubt mir, her künic, ich liän war. 40 

ich klag iu über den Tüfersier; 
ein kündiger glichscnier! 
er neiset liute unde lant, 
er kündic vuhs, iu sin haut, 
umb Heiniburc er müset : 45 

swenn er ze soume geklüset 
sinen kündigen gewin, * 
den sent er zun der Etsch hin. 
ich klag iu über die prediga^r, 
die habent des silbers sagerier, 50 

den lantschriba're, an sich gezogen ; 
da ist der herzog mit betrogen, 
werlllich schand und sünde 
hat der apt von Agmünde 

braht in ditze lant. 55 

her künic, daz si iu bekant, 
vil valscheit er pflict. 
s6 in sanl Benedict 
gescheut, des orden er füert veil, 
hin allen tiufeln ze teil! 60 

zwiu sol der an Fürsten rät 
47* der ordenbrechen leben hat? 
ich klag iu daz der rAtgeben, 
der rät der herzog solde leben, 
nimer ist danne vier. 65 

33. Di seinen Grefin let er ain 34. Herr 38. si fehlt. 

41. Taufferser 47. Sein 53. und] tut 02. orden prechens 



122 SEIFRIED HELBLING V 

her künic, daz geloubet mier, 

den einen hat grät" Ybau 

gevangen, des ich im nihl gan, 

ich mein den Puocheiniaere: 

baz er ze Wienne wx're 70 

gewesen bi dem Fürsten junc ; 

da wiird im manec vrischer truuc, 

und traet ouch manegen vrischcn sprunc. 

der ander rätgeb der ist gröz, 

den datz liove nie verdröz, 75 

er liege ol an des fürsten rät. 

gräf Ybän sinen bruoder hat; 

daz klaget er klegelich. 

der herzog sprichet ' Friderich, 

ez ist mir endiclichen leit. 8() 

ist daz min her wirt bereit, 

den Ungern we von mir geschiht. ' 

stant seheiz bricht den satel niht ! 

der dritte ist'siech an einem bein, 

Stirecke und der Rotenstein 85 

im ze ratmiet worden ist. 

iz ist wol, so helf mir Krist, 

daz er Kapelle verbezzert hat. 

smutz der tiuvel, welch ein rat ! 

des vierden ich niht nennen wil; 90 

her künic, der hat guotes vil 

und sprichet gerne sin gebet. 

swä er mac an aller stete 

so ruoft er tiwer hin ze got. 

so sie ertrinken in dem kät, 95 

daz sie iht unreinen 

daz lüter wazzer ! meinen 

kan sie min vluoch. ich armez lanl 

bin von ir gitekeit geschaut. 

roemischer künic, daz klag ich 100 

ze einem mal, nü beeret mich. 

66. mir GS. ich fehlt. 72. wierd 73. treti — vreschen spr. 

76. leg 77. Ybaofs 81. Herr 83. etwa gar sanl Scbeiz? 
85. Steirek 89. wilch 95. Chott 100. ich dir 



SEIFUIED ^ELHLL^(; V I2:i 

ze dem aiiderii male ich in kia^. 

ich hau den \ollen iniiicn tag, 

volendel ir sin iiiht, 

daz ir mir rihtel ihl. 105 

uu isl min drillcz klagen, 

der liulel scliize iu in den krajicii ! 



o^ 



lOJ. iblj iiil 107. srhiezz 

VI 

lloerl alle und junge, 
daz ist von der samunge. 

' Iz ist erhaben' sprach lluolant. 
herzöge Albrehl, wis genunit, 
daz dich IViimkeit erbeut sint. 5 

des roeniischen küneges kint 
47'' bistii, von dem ich han vernomcn 
daz er ist an sin alter komen 
gewit als ein gerl 

mvA er hat behert 10 

daz rcemische riche 
mit eren riterliche. 
nu wii ich umb des iandes schaden 
die besten iu ze helfe laden, 
beidiu junc unde alt. 15 

herre von Rabenswalt, 
ich wil datz iu beben an. 
fiierl dem Fürsten hundert man. 
daz ist billiche ; 

ir Sit an mäzen riche. 20 

iwer groziu guot ich melt. 
llepsch unde Witervelt, 
Pulkii unde Rez, 
da ist groz der mez ; 

den lat also ab risen 25 

daz man iuch miige geprisen. 

3. vergl. Rol. 144, 11. Strickers Karl hh''. 4. genant 5. an 

erbenl s. ? 9. Gewitt als ein geritl 10. Vntz — beheritt 

21. grozze 2%. wider Veld 26. eu 



124 SEIFRIED HELBLIN(i VI 

herre von Kuenringen, 
wir sehen nach iu dringen 
riche ritr und niangen edeln kneht. 
durch liebe und durch daz groze rehl 30 

ich iu wol der eren gan 
daz ir füert dri liundert man 
wol bereit, wandeis vri, 
daz iht gebüren drunder si, 
niur die satelknehte, 35 

die sint da ze rehte. 
herre von Missouwe, 
sint iu wol gelrouwe 
der roeniisch kiiuic, als ir jehl, 
sin sun der herzöge Albreht 40 

iu vil raaneger eren gan. 
dem fuert ir wol zwei hundert man, 
die dem marschalkambt gezemen 
und den solt von iu nemen. 
daz ir sie iht twinget, 45 

e daz irs ze velde bringet! 
getwungener dienst, geribeniu schoen 
dicke worden ist ze hoen.' 
alle Sunberga*re, 

ob ir noch als vil waere, 50 

den gebiut ich bi dem banne 
daz icbs mit sibenzic manne 
bi dem edeln fürsten vint. 
swie ir zwen rätgeben sint, 
die Werdaere al geliche, 55 

arme unde riebe, 
niht fürbaz ich sie ahten kan 
48" denne daz sie füerent fünfzec man. 
truhsaz ze Greitschensteine, 
so füert ir fiinfzic eine. 60 

waz wil ich iuwer ze 16rn? 
ir dienet benamen gern. 

/t7. Chunringe 28. noch 29. Reiche Retter 34. darnnder 
35. Nor 37. Meissaw 38. Seint euch w. getraw 39. reht 
51. 52. so. 55. Werder 61. eu ze leren 62. benam gern 



SEIFHIED IIELBLING VI Pif) 

von ßuochelni ein Bcier, 

von Liehlcnwcrl ein Meier, 

von Wcigcrberc ein Stira-r. G5 

von VVeii^erberc er wa;r 

billiche ein Oslcrnian, 

wan daz ich nilil wizzen kan 

wie wer ode waz, 

odc wa oder daz, 70 

oder enez oder ditz. 

der lierre ist wankelwilz; 

doch ist er wol so rieh 

daz er fiierel billich 

sehzic man wol bereit. 75 

den lob ich üf oiincn eit 

daz sie vil unsücziii wart 

hoerent in der hervart. 

von Pilchdorf her liuonrät, 

des fiirslen rät an iu stat, 80 

iwer kreflic sin ist mir kunt, 

ir sprecht uz der prophelen nnint: 

die Wolkerstorfer alle dri, 

daz die und ir ein dinc si 

und daz iuch iht verkiese 85 

der von Bokvliese. 

hundert man hab iwer schar 

und leit dem Fürsten üz dem jär, 

wand er hat ze schaffen vil 

mit den der ich niht nennen wil, 90 

von Telesbrunne her Ternolt, 

gebt zwein hundert man den solt. 

daz markvelt ist wit 

des ir gar gewaltic sit, 

dar zuo ein groz guot iu wart 95 

daz der biderbe Eberharl, 

iwer Werder bruoder, lie, 

dö der tot an im ergie. 

65. Waigerberch 66. VVeierberch 69. Wie wer cttewaz 

70. Ette wo oder daz 86. Der v. Poch fliefz 88. leit : ? 

91. Teletsprunne 92. Mane 93. Marichvclt 



126 SEIFRIED RELBLING VI 

der was ein belt gen vindes nnl. 
nü si doch für sich eine tot; lOü 

weit ir iz nu schaffen baz, 
daz wil ich läzen äne haz. 
von Gerlos her Wülfinc, 
ich wil iu raten ein dinc : 

iuwern schätz riieret 105 

sibcnzic man dem fiirsten liieret: 
48'" der hat den Tüfersa-r verlriben : 
vor dem waer iu niht beliben. 
üz iwerm kästen weiz unt körn 
nam er iu, daz was iu zorn. 110 

wie treit ze same ein bie? 
sam tet der selbe vrie. 
sin kündikeit was manicvalt. 
swaz kiindiclich was gestall, 
mezzer oder scharel, 115 

daz hiez wir Tüfersserel: 
also sint in Osterrich 
die Hute leider merklich, 
die Haselouwer bede, 

tretet ab der grede 120 

von iuwerm vater her zetal. 
swie der tot sins libes val 
hat, sin wirde ist noch ob iu. 
er was benamen gar getriu, 
biderbe unde wol gezogen. 125 

er biet ze hove niht gelogen 
umb deheiner slahle guot, 
und stet ouch übel, swer ez tuot. 
her Otte und her Kadolt, 

gebt sehzic mannen den solt. 130 

her Ott von Rotensteine, 
der füert ir vierzic eine : 
des treit er über rucke 

99. holt 100. ain 103. Gcrlofz 111. pei 112. Sam tut 

_ vrey 114. Waz 115. Scherl 116. Tauferserl 

119. haslauuer 120. Treffet 124. benam 126. nicht mer ge- 

logen 129. Chadolt 131. Rottenstain 133. er] eu 



SEIFUna) IlKF.nLIiNG \ I 127 

die burcjijrafschufl zc Brücke, 
von TiiUinansdorf her Sliilisc, 135 

zc kleine wa-r ein bülise 
ze iwerni uiiUerlicljoiii j;uol. 
die silberkisten üf tuol 
und iwer kornkaslcn. 

ir siillz 6 iiberva.sleu, 140 

ir bricht zuo des fiirsten her 
hundert man ze landes wer, 
und wert daz iu iht abe gc 
der gewalt unz an den Furtes sii. 
die Polcndorfcr alle dri 145 

\ind wir staeJe ein ander bi, 
nahen bi der Lila, 
die werdent von den sorgen grä, 
daz man urliugen sol. 

sie gewünnen sust zUngern wol 150 

win wciz undc körn, 
wirl sant Margrcleu verlorn 
und Merliusdorl", so gel iu abe 
ein teil der ungrischen habe, 
daz sult ir gerne undcrslän. 155 

her Kuonrat, viicrl hundert man. 
49' her Heinrich und her Sibot, 
hundert man hab iuwer rot. 
iz mac anders nihl gcsiii 

wan trinkt und gellet Ezeln win. 160 

ir herren uz dem Forste, 
ob ich gcwünschen lorste, 
so wünscht ich daz ir wacrel rieh, 
ir Sit alle cbenglich, 
der geburt ich meine, 105 

134. Pruck (: ruk) 135. V. Traulmannstorff lierr SluchCz 

136. PuclisTz 137. vnlioleiclien : vergl. 202. 140. soltz ehe 

141. brecht 142. lanns 143. euch 140. an ander 

147. Nahten 149. verleugen 150. sust vug n 

156. Für 157. Seubolt 158. H. m. h. ewr Katt in Goll 

160. Danne Trinchel vnd gelt Esels wain : i'et'gl. Nib. 1897, 3. 

163. uintsch 



128 SEIFRIED HELBLING VI 

dienslman ze Pilsteine. 

etliche die sint baz geborn, 

so sint suniliche üz erkorn. 

waz wil ich des zereizen nu? 

ir heizet alle ein ander du. 170 

wol uf, Sit bereit schier 

mit manger liebten panier ! 

swie vil der paniere si, 

sint zwei hundert man da bi, 

des sol uns geniiegen wol, 175 

so man die wärheit sprechen sol. 

von Lengenbach her Kameras, 

ir Sit ze groz und ze swaer, 

grift iuwer groz guot an, 

versoldet üz zwei hundert man 180 

die mit dem herzogen varn. 

umb wiu weit ir guot sparn ? 

ir habt niht der kinde. 

ein altez mrere ich finde, 

daz ist doch ze mazen lanc ; 185 

ez sprach her Bernhart Vridanc 

' zwiu sol der riehen witewen lat, 

an daz sie dest me bitel hat? 

ir gröz guot wol fliegen kan 

daz sie nimt ein junger man. 190 

für ir alte runzen 

git sie im silberpunzen : 

die kan er wol nützen 

und rent ir üf die sprützen.' 

von Kapelle her Uolrich, 195 

tuot einem wisen manne gelich, 

grift iuwer grozez guot an, 

fiiert dem fürsten hundert man: 

üf min triuwe, den sil ir 

wol ein houbetriler, daz gloubt mir. 200 

169. zeraitzen 170. alle an einander 175. Dez 180. auz 

182. Vmb beu 186. her] der 188. dester mer pitel li. 

189. grozze 192. piinzen /«/ier, s. Schmeller 1, 288. 
200. einen 



SEIFRIED HELBLING VI 129 

habt ot ritcrlichen muot, 
iuwer unlnerlicliez guot 
(laz enspart nilit raßr 



201. Habt oe r. 202. vnlorleichcz 20S. entsparl die folgen- 

f^enden drei seilen der hs. leer. 



n 



vn 

51" 'Aller wisheit anevanc 

ist gotes vorhte sunder wanc' 
sprach der wise SalomoQ. 
ob ich in unwisheit won, 

daz wend an mir, herre Krist, 5 

Sit duz diu wäre wisheit bist, 
geruoche uiiner sinne pflegen, 
ich hän ein maire für ze legen, 
daz iz wol verslendic si 

den die mir nahen sitzen bi. 10 

got man nennet alsus, 
miräbilis deus ; 

daz sprichet Wunderlicher got. 
sin wille werd mir ein gebot, 
ich wil siner wunder 15 

Zellen einz besunder. 
swaz man in velde schouwet, 
s6 daz der Meie betouwet, 
wise anger beide unde walt 
zehant sich verwet manicvalt; 20 

so griienent berg und elliu tal. 
die rösen bluomen, vial, 
sihet man üz der grüen 
gar wünniclichen blücn, 

walt und ouwe geloubet: 26 

die vögele unbetoubet 
singent spa?he dcene. 
in der selben schoene 
ich gie eins morgens schouwen 
1. 2. Freidank 1, 5/. 18. Moey 27. spezziu don 
Z. F. D. A. IV. 9 



\'M) SEIFUIKD HELIM.ING VIl 

da ich zwo jiinovrouweii 30 

vanl. ander einer linden, 
den sleich ich also liinden 
daz sie min nihl sahen, 
und kom in do so nahen 

daz ich vernam ir niwre. 35 

wie ir beider nanie wsere. 
daz was mir ilniuwe. 
diu eine sprach 'ver Triuwe, 
liebiii swesler, wa sit ir 

gerne? vrowc, daz sagt mir/ 40 

diu Triwe sprach 'ver Warheit, 
min wesen ist mir dicke verseit 
du ich serne wolle sin. 
Warheit, liebiu swester min, 
swä ein valschcr rat geschiht. 45 

da belibe ich fürbaz niht. 
ir ist in disera lande vil 
die ich gerne miden wil.' 
diu Warheit sprach an der stal 
'unser vater hiez der Rät; 50 

51*' triwe und warheit er uns riet, 
ze muoter uns got beschiel 
die Scham, diu uns hat getragen, 
ir zuhlbesem üf uns geslagen. 
den sie hiute als uns ziige, 55 

der schämt sich valscheil unde lüge.' 
diu Triu sprach ' VV arbeit, swester min, 
wie !ange wel wir hie sin? 
sich hebet in diseni lande 

sünde unde schände 60 

sit wir dar uz sin gevarn.' 
'got müeze dich bewarn, 
Triu, min liebiu swester! 
ich was dannoch gester 
gevarn in einen phafFen, 65 

35. Jreu mer 36. Namen wer 37. itneu 38. verlren 

45. Wo 50. Iiitz 52- Zemweler 53. Deu selia.ni die 

58. wolle 59. haliel Ol. sini 



I 



I 



SEIFUIKD IIELÜLING VII I.'JI 

der lict so vil ze klalleii 
und treij) daz also lauge 
daz ich uiicli in sin waugc 
eiulialp muoste sniicgen 

und lie in l'iir mich liegen. 70 

owe daz sin ie gedalit warl! 
er louc an sanl ßcrnhart, 
saut Paul und saut Augusfiu: 
die rieten Oeisch und guolen win, 
gröziu bröt, zein aller tragen ; 75 

zeni sibendcn, zen Jarlagon 
und ze der bevilde 
soll man weseu milde 
mit opfcr und mit selgcrtel, 
und swer des niht entset, 80 

der waT in dem banne 
von wiben und von manne; 
da von kuml er nibt lihle. 
' phenninge von der bihle 

sei er vrumeclichen geben, 85 

wil er krislenlichen leben, 
man sol den kinden koulcn 
chresem unde toufen, 
daz lieilic öle gellen wol. 

s6 ich die warheil sagen sol, 90 

wir phalTen haben veile 
iu allen ze einem heile 
den wären gotes lichamen : 
des dürft ir iuch niht enschamen ; 
swaz ir uns phafTen eren tuol, 95 

diu miete ist bezzer danne guot, 
da iuch got wirt umbe geben 
in daz ewige leben.' 
der prediga're ein ende schuof 
52" und huop den gebüren einen ruof, 100 

den raunt er wit üf tet: 

69. Ain halbe must sineygeu 70. ieygen 75. Grozzer brot zdem 

80. eutrat 84. Phening 93. leicbnam 94. eoscham 

97. eil 



132 SEIFIIIED IIELBLIJNG MI 

dA vnor ich uz an der slct 
unde kam da iier ze dir.' 
' liebiu swester, wis mir 

mit allen triuwen vvillekomen ! lOr» 

groz unbilde han ich vernomen.' 
diu Triu sprach ' liebiu Warheit, 
ein ma*re liaslil mir geseit, 
daz wil ich dir gelten. 

ez flieget sich vil selten, 110 

uns miiezc etwaz werren. 
ich was bi einem herren, 
der düht sich selben gar getrin. 
von dem vuor ich umbe diu : 
er ist mit boeseu listen 115 

gen sinem ebenkristen, 
dem er gar vint ist. 
lange der vor im genist: 
er wartet siner wil, 

ob er im einen pfil 1^0 

heimlich niiige geschiezen ; 
(des kan in niht verdriezen), 
und griiezt in güetlich da bi; 
ob ez umb sin herze si, 

daz weiz er und der tiuvel wol, 125 

der so getan sünde wizzen sol,' 
ich kam an dem morgen vruo 
dar und horte in allez zuo 
ir rede daz ich sprechen mac 
wol unz an den mitten tac. 130 

nu kam ein böte gegangen, 
der wart niht wol enphangen, 
des mich wol da bi gezam. 
wunderlich was sin nam. 

diu Wärheit sprach 'her Wankelbolt, 135 

wir böde iu wurden nie holt, 
ich und diu liebe swestcr min.' 

102. Da vür 104. pist 105. trauen 11.3. sie selb 

115. lüssteti 116. NebenChrisslen 118. unlange? 126. Sagctan 
130. vnzt meistens. 



I 



SEIFRIED HELBLINC; MI 133 

|)liii alle die uiista'lc sin ! 
gol lazc ir nimer werden rat!" 
sprach diu Triwe uf der slal; 140 

nilit anders sie in cnphie. 
zuo in heden er doch <;ie, 
ev sprach ' Triu und Warheil, 
ir dienst in habenl widerseit 
Unlriu Lüge Ilaz unde Nit; 145 

sie wellen iuch in kurzer zit 
suochen mit einem grozem her. 
ob sie vindcn iuch in wer, 
daz ist in licp sunder spot. 

nu merkt iz bi dem widerbot, 150 

ir samenung wirt ze Trebens6. 
ist da iht gesprächet e, 
52'' vil nütze waren sie da bi. 
waz iwcr beder wille si, 

daz leit minhalp niht dernider, 155 

ich wirb ez endehaft hin wider.' 
nü sprach diu Wärheit ' Wankelbol 
<ier Lüg du von mir sagen solt 
und dem Hazze da hi, 

ich und diu Güete in vint si. 160 

vil schände wirt erziuget 
da man in hazze liugct. 
daz wirt in vil kurzen tagen 
üf ir beder köpf geslagen!' 
diu Triu sprach ' VVankelbolt, nü sage 165 

dem Nide daz diu erstiu klage 
von im für got konien si. 
her Käin was niht nides vri; 
vil nides er in im truoc, 

dö er sinen bruoder sluoc, 170 

den reinen Abeln, 
waz sol ich daz heln? 
Untriu Nit da bi was 
dö der arme Judas 

138, Pfui 151. Trembse 152. gesprechet 155. derwider 

164. Choff 1Ü8. Herr Kay war 170. 174. Da 170. seinem 



13i SEIFUIED HELBLLNG VII 

den waren gotes sun verriet 175 

benamcn umb ein kleine miet 
die er mit lasier cnpliie : 
der verzagt sich selben hie. 
Kain braht Nif, Judas Uutriu 
in die ewigen riu. 180 

nü hat sie aber uz gesaut 
der Tiuvel in elliu laut, 
daz sie die liule schünden dar, 
ze meren sin verfluochle schar. 
umbe daz si in widerseit 185 

von mir und von der Rehlekeit.' 
diu Triu zuo der W iirheit sprach 
swcster, gedenke dir da nach, 
wanne und ze weihen lagen 
der böte miig unsern vinden sagen 190 

daz wir ritcn in ze vär.' 
' liebiu swester, du hast war; 
wir miiezen geben e den soll. ' 
diu Warheit sprach ' Wankelbolt, 
var hin, unsern vinden sage 11)5 

von suntag an dem alilen tage 
si wir warden des enein, 
wir welln uns über den wägrein 
bi Ekendorf ze velde legen 

mit manegem erlichem degen." 200 

Wankelbolt üf spranc. 
hin fuor er : des hab ich danc, 
ob ich so gewerben kan, 
daz unbilde wirt getan.' 
53* ' nü rümten sie die linden. 205 

niht lange stuonl ich binden, 
ich ilte heim üf mine baue, 
gerne ich az unde tranc, 
als einer hiute tuon mac 

176. Benahm 179. Kay 180. In diu 181. Nu hat aber 

183. (leu Lcut 184. verfluecbteu 189. lachen (: sagen) 

196. Von Santag 197. warten 198. wollen 199. Echendorff 

206. ich da binden 



SElb^lUEÜ IIELULLNG Ml 135 

der vasict eiiioii laiif^tMi lac. 'IH) 

midi (lulil diu avculiiiro 
so relile gcliiure 
daz ich czzeiis nie ^cdalil, 
diu rede einviiide volltralil. 

Iiiii undc her ich iz wac, '-ilö 

beidiii naht uiide (ac, 
vil gedaht ich mir da nach 
daz ich liigenl nie {^esach, 
als si ein mensch he"ie. 



an 



d" 



ich spracli ' lieher got, nu wie 220 

isl diu sa'lde mir geschehen? 

juncvrouwcn ich hau gesehen 

die nach den lugenden siul genanl, 

als ich sie vor dem walde vant 

under der griienen linden. 225 

owe, kund ich ervinden 

wie der strit sich fliege dar, 

s6 diu reiue tugeudeschar 

mil den Untugenden striten sol ! 

lieber got, nü tuo so wol, 230 

lä mir den enge! wesen bi 

dem ich von dir bevolhen si, 

daz er minem sinne eubinl 

msere diu unsihtic sinl, 

guoter got, swem ich diu sage, 235 

daz er in sinem herzen trage 

der lügende zeichen offenbar 

und ker von der untugende schar!' 

uü was diu zit wol dar komen, 
als ich die hervart het vernomen 240 

und als sie Wankelbolle seit 
Triu unde Warheit. 
ich kert des endcs vor dii hin, 
daz lerte mich min bester sin, 
üf des wägreines steten. 245 

got wolt ich ane beten ; 

'IM. wurdl 223. Jugenten 233. meinen Synn 240. die] der 
243. eher 



13G SEIFRIED IIELBLING VII 

ich kniet, ralit üf min heude, 
'lieber got, nü sende 
mir einen wisa*re 

der mich der rehten nia5re 250 

bewise, wie der lugende schar 
gen den anlügenden kome dar/ 
als ich gesprach daz gebet, 
üf sliiont ich an der stet. 

ich sach Tuonouwehalp daz her 255 

53'' ligen mit starker wer, 
vil swarzer panier, 
diu unreinen lier 
warn dar inne gebildet. 

'der sin ist mir erwildet, 260 

waz daz zeichen meine?' 
ich was der Hut gar eine, 
ein stimme sprach dö ze mir 
'vriunt, nu wil ich sagen dir, 
swaz untugent wirt getan, 265 

der tiuvel daz wol schünden kan 
und lonet sin mit schänden, 
sihstu nach den branden 
gevarwiu wäpenkleil? 

den ir slurmvanen Ireit 270 

her Käin, mordes anevanc. 
sin schar ist breit unde lanc; 
alle morder, Haz unde Nil 
wol an sinem ringe lit. 

haz truoc er dem bruoder sin 275 

und nit, daz unser trehlin 
sin opfer wirdiclich enphie. 
daz sin er välschlich begie ; 
got was ez unmaere. 

da von der morda^re 280 

Abeles bluot durch nit vergoz, 
daz üf in die lüfte schöz, 
ze tal in abgründe, 

252. cbamen 255. wnnau*halb 259. Warn darin 270. stürm 
vanoe 271. Kay 



SEIFRIED HELBLLN'G VII 137 

da er die uiortsütide 

«Hviclichen arncl. 285 

alle inordcr sin gewariiet, 
sie niüezen alle iiaih im dar 
ze nitiren sin vervluoclilc schar. 
' nü sa{|je an, lieber engel min, 
wer mac der ander vienl sin? 290 

diu schar ist lanc undc breit, 
'vriunt, nü si dir geseil' 
sprach aber dö diu slimme, 
' in valsch der muoles grimme 
den wir nennen Judas. 295 

Unlriu, Zaglieil bi im was. 
an Krist er unlriu begie, 
von zagelicit er sich selben hie, 
nach im swer untriu begät. 

eins zagen wirt ouch nimer rat: 300 

des ist gemeret sin schar, 
du sihst wol daz ich hau war.' 
'liebiu gotes stimme, nii sage 
wer den dritten vanen trage, 
diu schar ist in der mäze wit, 305 

si g«b wol allen scharn strit.' 
54" ' nü hopr mich' sprach diu stimme ; 
' ir houbetliut sint grimme, 
der uamen sin dir dri geseit. 
Höchvart Lüge und Gitikeit 310 

hie in allen landen 
von Sünden und von schänden 
und von Untugenden habent kraft, 
der Tiuvel pfligt der riterschaft 
under einem vanen pechvar. 315 

lieber vriunt, nim selbe war, 
der Höchvart krön dran brinnet. 
du weist wol wes beginnet 
hie diu Lüge und Gitikeit. 
sie füegent, der die selben leit, 320 

284. Do 290. Voent 293. so 298. er sie selber 303. nuer 
sag 306. geb 314. pflegt 315. pevabr 320. denselben 



I 



138 SEIFRIED HELBLING V 11 

erge und argcl riuwe. 

Girlicil 3Iissctriuwe 

SchalklieiL unde Honkusl 

vücgenl dort der sele verlusl 

und sint hie doch an cre. 325 

vriunt, waz sag ich m^re? 

die unlugent sint geschart. 

kör dich umhe iif der wart 

und sich wer dir zuo vert/ 

ich sprach 'got hat mir beschert 330 

dich zuo einem wisser. 

diu schar ist so achtbger, 

ir vane lieht, wiz als ein swau ; 

da stet schone gemälet an 

ein beseni in einer zeswen hant. 335 

wie der houbetman si genant, 

daz sag mir, lieber gotes bot.' 

'vriunt, ich sage dir bi got, 

ez ist diu Zuht der tumben jugent 

und der marschalc aller tugent.' 340 

' lieber engel, sag an mer. 

ein groziu schar vert an der, 

ir banier wiz, dar inne gemalt 

ein wäge, dar üf rotez golt \ 

gewegen, daz iz ab riset. 345 

ir schar ist wol gepriset 

in harnasch, rieh ir wapenkleit. 

nie schar wart so wol bereit. 

ich wa^n sie wellen striten 

üf blanken räviten. 350 

dehein ander varwe sihe ich da, 

swarz vizzelvech rot noch gra ; 

lieht klär sint ir schilte.' 

'vriunt, iz ist diu Mute' 

sprach diu stimme hin ze mir. 355 

321. Argel : arge? arge und erger riuwe? 322. Geirszeit 

327. geschert 328. Wortt 333. ler von 334. sehen 

343. darin 345. Zewegen 349. willen 351. Dehaimb an der 
353. Liet 



SEIFKIED Ilfc:LULl>(; VII ISU 

' alrßst wil ich sagen dir 
wer mßret der Mille ir schar. 
54'' sant (jcorgen iiini des «}rslen Avai-; 
der liiert den vanen in der hanl. 
dir si der millen mer bekaiil. 360 

sanl Merlin und sant Oswalt 
zun den millen sin gezalt. 
ez so! ouch bi den millen sin 
der edel künic Salaliii 

und der milleclich j^enuiot 365 

genant von Tenniarke \ ruot. 
ez hal ouch eren vil getan 
in Diiringen laiitgraf Uennan ; 
des nieret er der millen schar, 
noch sul wir eines nemen war, 37(J 

genant was er gräf Liutolt 
von Hardek. silber unde golt 
gab er so bald von siner baut 
sam iz an die viüger brant. 

der millen ist so vil da bi 375 

daz sie miner zal sint vri.' 
ich sprach 'uü lat sie ungezalt/ 
gesaht ir in dem meien wall 
mit wizer bliiete [ie baz] gellort? 
noch baz sich die lugende schart 380 

under manger banier lieht, 
dannoch legt sich der marschalc nicht; 
er habt als ein degcn maer. 
do kamen diu vürrcnna-r; 

die herbergl er ül" der stat 385 

schone nach der Mille rät. 
nü kamen sie gevarn zuo, 
ez was dannoch wol so vruo 
daz der man ie wol besach 

wä sin herre biet gemach. 390 

zehant er mit zühten bat 

356. All erst 358. Georgen 362. Ze 368. In duringe 

370. Nach suUe 379. weizzeo bluell 380. N. paz s. die tu- 

gendte schort 



140 SEIFIUED IIELBLING Vll 

(len inarschalc unib die selbeu stal. 
sie wart im zühticlicli gegeben; 
daz marhl ich üf der wart vil eben, 
ich sprach 'vil lieber gotes bot, 395 

sag mir nemlich durch gol 
wes der wize vaue si : 
dar in gemalt daz agnus dei, 
ein kriuz in siner zeswen klä, 
des die propheten waren vrö, 400 

wan inz beschiet sunderma;r. 
sant Johans der toufar 
zeiget mit sim A'inger dar 
und sprach da sie des namen war 
' seht daz gotes lamp zeig ich 405 

daz unser schult nimt an sich/ 
die stimme güetlichen sprach 
' vriunt, da du vrägest nach, 
daz wil ich bescheiden dicr. 
55* ez vüert die selben banier 410 

Semftikeit und Güete, 
Gedultikeit Diemüete 
Liebe unde Rehtikeit. 
diu wäre 3Iinne ist ouch bereit 
ze meren die selben schar. 415 

nü nim ouch der Wisheit war: 
swä sich der vane hin wendet, 
ir rotte ez allez endet, 
vriunt, ob du dich erest, 

daz du din sinne körest, 420 

gedenke nach der selben schar, 
got hat die lugende alle gar. ' 
ich sprach 'lieber engel min, 
des gelouben wil ich sin, 

er hab ir tüsenstunt mer. 425 

daz ich volge der 16r, 
als mir von dir geraten ist, 

394. wortt 398. Darin gemalt: ob da ist gemalt? 399. chllu 
400. Daz — worn vrei 403. seinem 409. dir 416. Nu 

nembt — wor 






SEIFRIED IIELBLLNG VII 141 

des helfe mir der wäre Krist!' 
lieber vriiinl, mi will dii wol. 
inör ich dir sa{;cii sol. 430 

ein wizer vanc verl da her, 
Triwe Barmunj;e uiidc Er 
fiierent wol mit ereii den. 
swcr wil nach gotes hulden stdn, 
der si den lugenden gerne bi. 435 

ich wil, in dem hiniel si 
diu Triu in 6ren wol erkant. 
gol die liarnuinge sant 
durch Triwe nach dem siinda?r, 
daz er bi im in eren wajr.' 440 

\ 

'so isl Triu und Er von himel komen, 
als ich han von dir vernomen, 
redelicliiu stimme, 
silber golt noch gimme 

wold ich nemen nihl für dicii. 445 

alrerst du bewise mich 
umb die allermeisten schar. 
under einer banier liehtgevar, 
niilten in gelpfer wize, 

an dem ende mit filze 450 

ein swarziu liste ist erhaben 
meisterlich mit buochstaben. 
ich bin der kunst niht eulwesen, 
von verre hän ich dran gelesen 
'ein got ie was und immer ist, 455 

den wir nennen Jesus Krist." 
nü sprach diu stimme wider mich 
'ich beer die Warheil nennen dich: 
der schar sich billich breitet, 
diu St.Tte ir vanen leitet; 460 

3iaze mit der Bescheidenheit 
machent die schar lanc unde breit: 
des hilfet in diu Sterke. 
55'' lieber vriunt, nü merke 

die tugent hat algeliche 465 

434. wil] sie 443. Redlicher 459. sich] sie 



U2 SEIFHIED HELBLING VII 

got in dem himclriche. 

der Kiusch ist wol den lugenden bi, 

daz icmcn übermazic si 

ofl'cnbar uocb stille. 

diu Manhcit und der Wille 470 

viiegent wol in strit ze wer. 

nü ist geschart der lugende her. 

lieber vriunt, ich wil von dir' 

sprach diu stimme hin ze mir. 

'die leste schar legt sich hin zuo : 475 

s6 wirt der strit morgen vruo. 

niht raer sollü vriigen mich : 

ich han wol verrihtet dich 

wer sie sint jen unde dis, 

in got du gesegent wis.' 480 

ich sprach amen, daz werde war! 

dö sich geleit diu leste schar, 
zehant diu sunnc nider gie, 
der tac den liebten schin lie. 
ich gie ab dem berge 485 

und suochte mir herberge 
nähen da bi in einem graben; 
da wold ich gemach haben, 
her vür nam ich durch hungers not 
üz einer twehel kses unde bröt. 490 

mit win ein lägel wol beslagen 
het ich mit mir dar getragen ; . 
nach der spis dar üz ich tranc, 
unz mir diu ougen zuo twanc 
der slaf. wol in der wile 495 

daz einer gienge ein mile 
mir Iroumte wie iz wa^re tac. 
üz dem släfe ich erschrac 
und ilte wider üf die wart. 

diu her sach ich hie unde dart. 500 

der lugende viur brunnen 
glich der liebten sunnen: 

472. geschort 475. schor 483. vnder gi« 404. zne wancli 

499. 508. worlf r)00. dorn 



I 



SEIFRIED IIELBLING Vll 143 

(l;l der uiilugcMidc viiir brau, 
geiniscliler rourli j^ic du van 
den ich ylicli crkande 505 

sam man die kol brande, 
vil schiere der tac üi" gie. 
die warte ich in der tunkel lic 
und sleich ze tal zuo dem her. 
die roUierlen sich ze wer 510 

baz dan irli gepriieven kan. 
nu kam die wile ir warlman 
mit den relilen nia-ren 
daz ir vinde wieren 

ze velde komen in ze var: 515 

sie helen vor ninr dri schar: 
der sint sehs gemachet.' 
56** diu A\ arheit des erlachet 

und sprach ' wer hat sie daz gelerl 

daz sie die schar hant gemört?' 520 

der ander wartman zuo reit, 

genant diu Bescheidenheit, 

er sprach ze den wiganden 

' ir sult iuz hiute enblanden ! 

Sit hohes muotes unde vrechs ! 525 

der schar sinl grozer sechs 

die iwer wellent biten, 

benamen mit in striten. 

die ersten schar fiiert Erge 

Schalkeit unde Kerge. 530 

die andern schar Haz unde Nit. 

mit der dritten schär lit 

Gitikeit Lnlriuwe. 

die vierden schar biet riuwe, 

ob iemens kraft viir sie züge ; 535 

die viiert Valscheit unde Lüge. 

so fiiert die fünften schar bereit 

Misstriu unde Glichsenhcit, 

Unmäze Trunkenheit da bi, 

515. zenoi- 510. nur dreu schar ä2?i. Er spr. yeden VV. 

526. grözzer 



144 SEIFRIED nELBLING VII 

daz ir diu schar niichel si. 540 

die sehsten vüert diu Höchvarl : 
we daz ir ie gedaht wart! 
ir vane ist swarz nach peche gar; 
da inne ein kröne viurvar 

ist gekeret hin ze lal. 545 

daz bezeichent uns den val 
den Lücifer von himel viel 
umb höchvart in der helle giel. 
diu selbe schar strilet niht, 

an ob den vünven not geschiht. 550 

ich hau iuz bescheiden gar; 
nü nem der man sin selbes war/ 
diu Wisheit üf sluont unde sprach 
' ir herren, rihtet iuch dar nach ! 
suoch der man den sinen; 555 

ich vinde wol den minen. 
Zuht und Milde, habt ein schar, 
nemt Erge unde Schalkeit war. 
Liebe und Güete, in dem strit 
bestet den Haz und den Nit. 560 

vrou Triu, ir habt ein schar breit; 
suocht Untriu unde Gitikeit. 
vrou Wärheit, mit der Slihte 
hebt iuch dar enrihte 

da Lüge unde Valscheit si; 565 

die lät hiut niht strites fri. 
Verstendikeit Rät unde Sin, 
kßrt iuch gen den vinden iiin, 
suocht Glichsenheit 3Iisslriu Unmaz ; 
so vart ir die rehten sträz.' 570 

56'' diu Wisheit sprach 'die sehsten schar 
viier ich wol mit 6ren dar; 
des hilfet mit Gedultikeit 
diu Diemuot. unser schar ist breit 
under einem vanen lieht, 575 

da man daz gotes lamp an sieht. 

540. Daz er 550. Vünffteri 554. 564. 568. eu 558. Arg 

567. V. guett rat vnd Synn 573. mir 



i 

I 



I 



SEIFUIED HELBLLNG Ml »45 

uns hilfet Sterk iManheil unt Er; 

waz sol ich iu sagen iiitir? 

unser kunfl git jainers (lAn 

den bi dem vancu mit der krön.' 580 

nii Iiuoben sie ze den vinden sich, 
üf der sla volget ich. 
die Zuht und die Milte 
lützel des beville, 

ze stril« waeren sie bereit. 585 

die Erge uud die Schalkeit 
sie vinllich an ranlcn : 
schier sie daz erkanten 
daz diu tugent von hiniel was. 
sie vluhen da her Sätanas 590 

habt mit dem vanen hellevar, 
ungevüege was sm schar. 
nü vie üf dem nach jagen 
diu Milt die Erge bi dem kragen 
und diu Zuht die Schalkeit. 595 

' mir geschach nie groezer leit' 
sprach diu Erge zuo der Milte. 
'wol zehen tüsent scliille 
het wir daunoch hiute fruo.' 
diu Mite sprach der Erge zuo 600 

'wer hat iu die läzen?' 
sie sprach 'der verwäzen, 
genant der helle scherge. 
mit schalkeit und mit erge 

hab wir sie al zer helle bräht; 605 

nü ist in ninder gedäht 
daz sie uns helfen wellen, 
die boesen hergesellen.' 
nü sprach diu Zuht 'des göt in not, 
wand sie den ewigen tot 610 

von iwern schulden lident; 
billich sie helfe mident.' 

579. dan 580. Chraa 582. slag 585. wem 587. veintlei 

590. do der S. 59;j. Vngeuege 595. Vnd die z. deu seh. 
605. zder, häußg. 

Z. F. D. A. IV. 10 



146 SEIFRIED HELßUNG VII 

nu huop sich der amier slril, 
an den Haz und au den Nit 
diu Liebe und diu Giiete. (515 

mit semflem gemiiele 
■ so geslreit nie schar baz. 
diu Liebe sprach 'wie iiu, her Haz? 
wä sint iwer helfa'r? 

ir Sit in bilHche unmaer. 620 

sie niugeu uns nihl an gesehen: 
daz ist von iweru) rale geschehen ; 
den habent sie begangen.' 
nü wart der Haz gevangeu. 
57* diu Güele sprach ' nü hau ich zit. 625 

wie nü, bnesewiht, her Nit? 
wä ist iwer Käin? 
iz fliehent vast mit im da hin 
alle nitmorda're 

in die ewegen sw^ere.' 630 

der Nil sprach ' mir ist geschehen 
daz ich iu muoz siges jehen.' 
an den selben stunden 
Haz und Nit sie bunden 

zesamen als sie solden ' 635 

und sie behaldcn wolden. 
diu dritte schar die zit streit, 
üntriu unde Gitikeit. 
Triu Manheit unde Mäze 

kerten die rehlen slräze, 640 

da diu verfluocht Lntriwe was. 
diu Triwe sprach ' her Judas, 
ir seht daz ichz diu Triwe bin, 
und vlieht mit iwer schar da hin, 
die verzagten alle mit iu. 645 

daz ist billich umbe diu: 
diu 3Janheit raste an sie jagt, 
swelch siinder also verzagt, 
daz er sich selbe toetet, 

628. Iz flibens 630. ewigeu 632. iu] nu 635. Zcsam 

637. diu Zeit str. 



SEIFRIED IIELBLING VII 147 

der töl in also iinelel (550 

mit jämcr iitid mit s6re 
an ende immcrinore. 
nü sprach diu 31az zer (iilikcil 
iur scliar was laue uude breit; 
die flielicul hin, des ^H in not, 055 

wand sie den ewigen lol 
von iuwcrn schulden lidcnt: 
hillich sie helle mident. 
ir liezt sie hie nie werden vol; 
des müezen sie des jamers hol 660 

ze helle buwen immer: 
des geniczt ir nimmer, 
diu 31azc ir rede war lie, 
hi dem kragen sie si vie. 

alsam der L ntriwe geschach 665 

und der Zageheil da nach. 

die vierden schar der unlugent 
vuort Valscheit, Lüge, alter, jugent, 
viiegent sie den gotes haz. 

Slihte und Wärheit stet in baz : 670 

den wünschen heiles an dem strit ! 
üf einem swarzen ravit 
iiuoj) sich von der schar diu Lüge 
gen der \^ ärheit, sani sie vlüge ; 
diu Valscheit gen der Slihte. 675 

ze miner angesihte 
wart der vierde strit erhaben, 
ich was da bi üf eime graben, 
57'' daz mir von treten nie enwar. 

diu Lüge ruoft 'zuo her, min schar!' 680 

sie vlöch vast die zit da hin. 

ein stimme sprach 'Lüg, hastü sin, 

daz wir dir helfe sin bereit 

und der verfluochteu Valscheit? 

von iu beden wart uns kunt 685 

derjämer bernde hellegrunt : 

602. ir ir? 671. au deu str. (580. zu her die hs.: ziuch her? 

oder tuo her (vergl. grainm. 3, 306)? 682. lug hastu ge^in 

10* 



148 SEIFRIED HELBLINfi Vit 

so ist diu Warheit wol ze wer. 

von himclriche ist ir her: 

des niuge wir niht an gesehen; 

von lügen ist uns daz geschehen 690 

und von valscher meintät.' 

hie mit min rede ende hat. 

nü wart niht lenger gespart, 

diu Lüge dö gevangen wart 

gefuorl für die Warheit. 695 

dannoch genendiclichen streit 

diu Sliht, dö sie die Valscheit vie. 

der vierde strit also ergie. 

den vünften strit zehant streit 
Misstriu Unniäze Glichsenheit. 700 

Verstendikeit mit ir schar 
kert genendiclichen dar. 
nü sprach diu Güete und der Sin 
'ir helfer vliehent da hin; 

sie müezen all vor uns dernider!' 705 

diu Glichsenheit ruoft vaste wider: 
ir antwurt eine stimme 
üz jämer mit grimme 
'ich was ein apt in der gebser 
samz himelrich min eigen wser. 710 

ze vesper und ze complel 
ich dicke wol getrunken het 
und verslief die mettin 
durch gemach von guotem win. 
über daz gebot ich 715 

daz alle Hute lohten mich. 
Glichsenheit, von dime rät 
brinne ich um die misselät 
ewiclich an ende : 

so dich der tiuvel sehende!' 720 

ich wil niht anders sagen hie. 
so diu Tugent den gevie 



688. ir Herr 694. da 703. der Gott 708. Suz 712. ge- 

trungen 713. deu Mertein 715. geboett 716. vorhten? 

717. dem 



SEIFHIEÜ IIELULKNG VII 149 

des untuj^enl g^ii ir was, 
<lannocit habt her Satanas 

stille mit siin vaticii darl. 725 

sie besazen >vol die wart 
und zoglen lur die VVisheil: 
diu habt in vreiidcn sunder leit. 
sie wurden wol enphangen. 

' wie ist iz iu ergangen, 730 

ir lieben hergesellen?' 
diu W arbeit sprach ' wir wellen 
58* sagen iu diu waren niaer. 
iz habt der sele verra^'tier 

wolt mit uns nilit striteu, 735 

er wil iwer biten. ' 
diu Wisheit sprach 'des walte Krist. 
«wer von iu gevangen ist, 
den gebt ze halten, daz er st 
vürbaz nimer also vri/ 740 

diu Wärheit sprach 'daz si getan, 
ich wil des ersten heben an. 
Lüge, du waer mir ie unmaer; 
var in einen rostüschrer. 

wart min an der selben stat. 745 

vlozgallen, beinwahs unde spat, 
gebt ez allez hin für guot: 
Lüge, habt niht vürbaz muot!' 
'Valscheit' sprach diu Slihte, 
'vart in ein gerihte, 750 

sliefet in den rihtaer; 
müelich iwer der enba;r. 
von dem gerihte git er zins ; 
an iuch biet er niht gewins. 
nü vart ninder anderswä, 755 

ver Valscheit, unde wart min da!' 

723. g. im w. 724. der 725. dort 726. wortt 

734^7". es hält still der seele verräther, der seele verräther wollte mit 
uns nicht streiten. 737. des wolt 740. Vürwaz 

743. werd 746. Peinwachst 751. Sleuffl 

754. An eu 



ISO SKIKHIED IIELBLÜNG VII 

diu Liebe sprach ' mi pliu dich, Haz ! 
ich kan dich niht behalten baz. 
in einen riehen man du var 
der sich niht gewern tar, 760 

er warne vliesen sin guot. 
von siüi zagchaften niuot 
ist er sta'te hazzes vol. 
bi im vind ich dich wol.' 

diu Güete sprach ' nu dar, her Nit ! 765 

vor got ir verwazen sit. 
varl in einen gebiiren, 
da mugt ir wol getüren, 
wand sin nit ist so groz, 

hat einer sin hüsgenöz 770 

bi im einen acker breit, 
vor nit ist im also leit 
daz er den rein im hin ert. 
dar umbe er ze helle vert 

nach dinem rät, verflnochter Nit! 775 

bi dem gebüren dii min bit.' 
diu Triwe sprach dich riuwe, 
ich meine dich, Lntriuwe, 
daz dich got verfluochet hat. 
nü var hin üf der stat 780 

in einen verralwre ! 
e daz er din enbaere, 
er riete e sin kint an. 
viirbaz hab deheinen wän !' 
58'' diu 3Iäze sprach 'ver Gitikeit, 785 

nü wol üf! sit bereit, 
vart in einen phaffen hin! 
er hat manigen gewin 
und kan doch nimer werden vol. 
bi im wartet ir min wol.' 790 

diu 3Ianheit sprach 'ich wil den zagen 
von mir in einen weber jagen 

757. pfudicb 761. Er weene vervliezzen 771. ein 775. ver- 
flucht 777. spr. dein Reu 784. dehain 785. vergei- 
tichait 



SEiFRIED MELBLING Vn 151 

der sitzet stajte an scliamgewant; 

da bi sin zajjeheit ist erkauL' 

diu Miltc sprach ' vrou Erge 795 

waz liiltet iwer kcrj^e? 

ir iniiezt, und niuf^pl nilit bewarn, 

in einen argen lierren varn 

der sich niht la'l erbarmen 

den notliaften armen. 80U 

an dem meht er gedienen got; 

dehein ander milt ist sin gebot. 

gaebe er vrischalla'ren 

und valschen lobsing:eren, 

daz wa;re nacli des liuvels rAt. 805 

Ergc, nü wart min an der slat. 

diu Zuht sprach ' vrou Schalkheit, 

wol bin drate ! sit bereit, 

vart in einen schelman 

der nie tugenl gewan 810 

und sprichet gruntbieser wart 

vii üf siner nouvart. 

bi im sult ir warten min. 

nü hin balde ! ez muoz sin. 

diu Ere sprach 'vrou Schande, 815 

ich trib iuch üz dem lande 

gerne, unde möht ich wol; 

DU mac ich noch ensoi. 

ein edel man der trunken si, 

da sult ir min warten bi. 820 

lät in nimer werden nuoht; 

ich weiz wol daz ers enruoht. 

der Sin sprach ' vrou Torheit. 

iwer schar ist vil breit, 

die ir alle tneret: 825 

von den lut unde hnerel, 

vart in einen erbesuon. 

der niht iäzen wil da von, 

793. an schäm g. 799. erbarm 800. Arm 801. gedien 

803. Vrej Schallern 808. drot 816. eu 821. nueht 

822. er enrueht 827. Eribs Sun 828. wil da Ynn 



152 SEIFRIED IIELBLING VII 

er ziehe sinem erbe zuo. 

beidiii späte undc vruo 830 

ist er gerne in den sielen, 
zeni wine, zen guolen meleu. 
sin erbe er da mil vertuot, 
ver T«'>rhcit, nach ivverm muol. 
59* nu daz iiich irre dehein niser, 835 

ich vind lach bi dem förlffir!' 
diu Dienmol sprach Wroa Wisheil, 
wir suln alle sin bereil. 
mich niüel, so mir helfe Krist, 
daz noch nihl gevangen ist 840 

diu Hochvart, und hat ein her, 
daz der künec Terramer 
ein groezerz g6n Orans nie bräht. 
billich uns daz versmähl, 

Sit wirz die gotes lugende sin, 845 

und daz in hellevarwem schin 
diu Hochvart gen uns haldet dart.' 
nu kam diu Sorge ab der wart 
si sprach 'wol ilf, sil bereit 
ich vüer alhie die Vriheit, 850 

als ich sie vor der schar vie. 
wer kan mir baz behalten die 
danne ein alter spilman? 
schäm noch zuht er nie gewan, 
an daz er vrilich gäbe gert ; 855 

got und der well ist er unwert.' 
nü sprach diu Wisheit in zorn 
'heiz blasen diu herhorn ! 
ez wirt nihl langer gespart, 
wir müezen gen der Hochvart: 860 

diu hat der hellekünege vil, 
den ich doch strit schaffen wil ; 
gfen dem künic Phäräon 
hern Moyses und Aron, 

829. 833. Erib 832. Zden — zrlen: so hävß^. 835. Jen A. mer 
836. torler 845. tugent 846. Helle varben 847. dort 

848. Wortt 861. der helle Chunege 864. Herr 



SEIFRIED ilELBLING Vil 153 

geborn ze guolcu werken, 865 

sam die i)alrierkcii, 
Abraham Isac Jacob. 
Jacobes zweit" sün, ze lob 
sint sie üz erwclliu kiiit. 

islichem zwelf liisenl sint 870 

gezeichcnl in daz himelricb 
von sini gesiebte siL'liclicb. 
der erst Jacobes sun Judas, 
Rüben der ander was. 

der dritc was Neplalin genant, 875 

31anass6 der vierd erkant. 
wa nü der vünft? Kad hiez der, 
und der sebste Äser, 
der sibent beizet Simeon, 

Levi ich für den abten hau. 880 

der niunte heizet Isascbär, 
59^ der zehent Zabulon für war. 
der einleft, Joseph nenn ich in, 
und den z weiften Benjamin, 
die babent also zwelf schar, 885 

ieglicber zwelf tüsent gar. 
nü seht, ob her Pbaraön 
da müge vinden sinen Ion. 
im wirt vergollen üf der stet 
swaz er den Israelen tet, 890 

die er durch daz mer treip ; 
sin her mit schaden da beleip. 
ob ich der künege nante mer, 
so spreche diser unde der, 
icb wolle langer maere pflegen ; 895 

dji von icbz läze underwegen. 
diu Diemuot sprach vil wislicb 
'arm üf erd, ze himel rieh, 
die lugende bede sint an mir. 
ob ich der böchvarl enbir, 900 

872. V. seinem Gshlehte 875. D. dritte w. JVeptUlin genaul 

880. ohten 887. ob der Ph. 888. Do — sein 1. 890. Was 

899. Tugendt 



\M SEIFHIED HELBLING VII 

daz tuon ich von schulden gern, 
wand sie stet ze deheinen 6rn 
dort in der ewikeit. 
seht wie sie ir kröne treit! 

diu hanget nider viurvar. 905 

min kröne stet en 6ren gar 
in dem oberisten Irön 
dem alwaltigen künec schön 
und der küniginne. 

dieniiietlich und geminne 910 

sint sie uns hie gewesen, 
als wir die phaffen hoeren lesen 
an der heiligen schrift, 
so ist diu Höchvart ein gilt 

diu tribet in die helle. 915 

swer immer helfen welle, 
der si üf, mit mir bereit!' 
zehant sprach diu VVisheit 
'vrou Stat, hebt üf den hervanen ! 
bi iu ze nähest heiz ich wonen 920 

den Willen 3Ianheit Sterke, 
ein islich man daz merke, 
swer die dri tugende hat, 
der mac volbringen beides tat.' 
nü sprach diu Triu 'ich muoz jehen, 925 

ein groezer her wart nie gesehen, 
und ist niur ein vane bi. 
swer der selp vener si, 
60' er phligt deheiner giiete.' 

dö sprach diu Diemüete 930 

'liebiu Triu, ez ist der, 

ze himel vlös er al sin er. 

dar nach in diu gotes haut 

umb höchvart in die helle baut.' 

' Sit wir nu alle sin bereit' 935 

sprach diu reine Wisheit, 

'ich wil iu raten unde manen, 

002. dehain 908. D. Albaltigen 919. Vra stet 920. zeiiost 
923. Tugeadt 927. nuer 928. Wer — Venr sei 932. loz 



SEIFHIKD HELBLIiNfi VII I5Ö 

seht alle Tif den einen vaiieii 

niil, der lanibes {^iicle. 

iiu sacli (Im Dirmiiele 940 

die llnclivarl hallen vor der scliai'; 

si hii(>[) sieh snellielieiien dar. 

nü sumte sieh diu ÜMelivart iiilil, 

si sprach 'ein sniiehe mir f^cschihl, 

daz ich mit dir steilen iniioz. 945 

reck her dan den lenken fuoz, 

la (lirn giiellich ahc slalien/ 

diu Dienmol sprach ' lA din gahen. 

iz kuml ze nianeyen stunden, 

snuehe vint und snuehe wunden 950 

ze schaden dicke sint «rkant: 

du hast den habcch an gerant!' 

diu her habten stille ; 

daz was ir bßdcr wille. 

wol was der lugende her j^escbart. 955 

diu Dieniuol an die Hochvart 

sich huop mit ungevüegen siegen. 

da vaht diu Hochvart engegen, 

sie sprach ich han gedingen, 

begrir ich dich mit ringen, 960. 

so muost du mir siges jchen.' 

<liu üiemuot si)rach 'ez mac geschehen. 

wol ist dir e gelungen, 

do du hast gesprungen 

von hinielrich, daz ist mir kunl, 965 

umb hochvart in der helle grünt. 

zem andern male dich min hant 

in die selben helle bant.' 

diu Hochvart sprach ' s6 waerst duz got?' 

'jA, ich bin sin gewisser bot. 970 

got ist diu rein diemiiele, 

got ist diu wäre giiete, 

got ist diu 6re An ende breit, 

got ist diu ganze wislieit, 

938. ain 950. Snieh v. vnd smeliwundcn 951. dicli 

952. Hawich vergl. pf. Amts 102. 957. Si hueb 964. Da 



156 SEIFRIED HELßLING VII 

got ist diu warheit bekaut, 975 

got ist diu Irin, diu mill genant, 
got ist diu zui)t und diu schäm, 
got ist aller tugende nam, 
got ist diu manlich sterke. 
60^' armiu Hochvart, merke, 980 

miniu wart sint eliiu war!' 
si viel der Hochvart in daz här 
und warf sie üf die erd zetal 
einen ungeviiegen val. 

diu Hochvart schrei 'wä nu min her? 985 

ich bin sigelos äne wer.' 
ir antwurt ein stimme dö 
'wir helfen dir niht sust noch s6, 
gar vervluochtiu Hochvart ! 

daz diu ie gedaht wart, 990 

des lid wir kuniber unde not 
und den ewigen tot.' 
diu Hochvart sprach in giiete, 
'vil reine Diemiiete, 

ich wil dir loben Sicherheit. 995 

sin helf hat mir der widerseit 
dem ich von Adam allez her 
hän gesendet seien mer, 
dann ander untugende vier, 
wan sie schepfent in mier 1000 

die untugende aller meist, 
nü hat uns der verfluochte geist 
her geschündet an den strit 
der uns wol ze schänden lit. 
nü habt er dort an ere.' 1005 

der rede wart niht mere. 
diu Diemuot nach der Hochvart greif 
und vie sie an eim afterreif, 
si vuort sie der Wisheit vür. 
diu Wisheit sprach daz sie erkür 1010 

wä sie wesen wolde 5 
vürbaz si niht solde. 
992. leid 999. 1001. Vnlugcndl 1000. Scheffpeut 1008. ein 



SEIFIUED HELBLING VII 157 

(lö sprach diu arme Höchvart 
' wol mich hiiile und immer wart, 
daz icli hau von iu die wal. 1015 

ze Komc in einem kardinal 
bin ich durch iwern willen gern, 
wan der lebt in hohen <}rn 
gar hohverlicliche. 

guotes ist er riche, 1020 

daz ist mir für war kunt. 
er provist niht gßn eim pl'unl 
der kleinen pFcnninge; 
si diinkent in ze ringe. 

der im die grözcn viir leit, 1025 

al sin sünd er im vergit 
an riuwe und ane buoze. 
s6 vellet im ze fuoze 
der arme sünder unibe daz 

daz er im gebe den autläz ; 1030 

des hat er vil umb silber veil, 
61" al der krislenheit ze heil.' 

diu Diemuot sprach nü wis da 
und var ninder anderswa.' 

ez ist wol ergangen 1035 

daz Uli sint gevangen 
die unlugende also gar. 
zehant ilt ich viir die schar, 
da liuf dannoch Wankelbolt : 
diu Slihte was im niht vil holt, 1040 

die rehten hant sluoc sie im ab. 
' nim in die lenken dinen stab, 
und ile balde hin von mier, 
du vil armer betschalier. 

die zit du vertribe 1045 

bi eim iibelem wibe 
diu gar wankelmüetic si; 
da lä mich dich vinden bi.' 
also sprach diu Slihte 

1022. probitzt 1026. vergeit 1033. Deu diemaclte 1034. ni- 

Jer 1037. Vntugendt 1039. laui' 



158 SEIFIUED HELBLliNG Vll 

zuo dein breswihte. 1050 

ich saeli der untugende her 
wücleii, sani daz wilde mer. 
ir lioubelmau was grimme, 
er schrei mit luter stimme 

'habt iuch vasle her ze mier ! 1055 

der tilgende her uns uahent schier: 
ine weiz wie uns wil geschehen, 
wir mugcn ir niht an gesehen, 

si habent überliehlen schin. * 

seht ir dort daz Icmbclin 1060 j 

gezeicheiit in dem vanen lieht? 
wir mugen in gestriten nieht. 
als er die rede vol gesprach, 
ein wunder gröz do geschach. 
daz her sich zuo ein ander krampl 1065 

in einen engestlichen tanipf. 
do wart von pech und von swebel 

bediu rouch unde nebel; | 

anders sach ich do niht mer. 
' we, zergeuclichiu er!' 1070 

ein stimme jamerlichen schrei, 
' swer dich koul'et umb ein ei, 
dem bist du gar ze tiure, 
Sit man in dem viure 

unzillich ere gelten muoz, 1075 

da nimmermer wirt kumbers buoz/ 
ein ander [stim] schrei 'ach unde we ! 
weeren die untugeode e 
gevangen, do wir lebten darl, 
so het wir uns baz bewart 1080 

vor Sünden die uns brahlen her 
zuo dem ewiclichen ser.' 
61'' der nebel huop sich uf enbor 
und gie minen ougen vor. 

über Tuonou sach ich in 1085 

gfen in daz gebirge hin, 

1055. eu 1001. in dein Von I. 1064. da 1007. Da 

1079. da — dart 



SEIFIUEÜ IIELBLLNG VII 159 

üf vür den Oclscliau. 

iiimer sag ich iu du vau. 

der lugende her kam gcvaru 

dar niil wüiiuccliclieii stliarn. 1 (»'.»(> 

dö sie niht slrites vundeii, 

an den selben slundcn 

wurden vil banier ül" geslagen. 

' wä sint nu die boesen zagen? 

sprach diu \V isheil offenbar. 1095 

' unser rilerlichiu scliar 

üz Abrahäiues gercn verl ; 

da ist in vreuden vil beschert 

in dem vronen paradise. 

ein sielde ich an in prise, IIÜO 

diu gßt allen sadden vor, 

daz sie in dem niunlen kor 

den Spiegel der golheil 

sehent, da in ist bereit 

volliu gnade und ere 1105 

an ende immer mere." 

die lugende sprachen algelich 

' wir gaben in daz himelrich, 

und gebenz noch dem der sin gert. 

er wirt sin anders niht gewert, 11 10 

ez gescheh nach unserm rät 

mit reliter lugenllicher lät. 

s6 gebeut die unlugende 

alter unde jugende 

die ewigen helle. 1115 

swer des niht glouben welle, 

der si den anlügenden bi ; 

der helle wirt er nimmer vri. ' 

umb daz her huop sich ein lieht, 

des moht ich erliden nicht, 1120 

ez was so bilterlichen starc, 

daz ich diu ougen under bare 

und kniet üf die erd zetal. 

1097. guetten 1098. Do 1099. Vron 1104. do 1117. Vu- 

tugende 



160 SEIFRIED HELBLING VII 

do hört ich singen siiezen schal, 
ein schar sanc Aroelich also 1125 

'glorjä in excelsis Jeö!' 
so sanc diu ander schar alsus 
'et in terra pax hominibus!' 
und üf der erd frid allen den. 
da engegen sprach ich 'amen!' 1130 

schiere stuont ich üf dar nach. 
62* niemen hört ich noch ensach, 
ich kerte heim min sträze ; 
diu was in der mäze 

wol gen drin milen. 1135 

umb wiu soll ich ilen? 
ich slief da heime und het gemach. 
in eime troume mir geschach 
daz ich diu wunder hän gesehen, 
ich wil der fiventiure jehen 1140 

ZUG einem schnenen sinne 
magzogen und magzoginne, 
daz si der jugent vor sagen 
waz tugende höher eren tragen 
und waz unlugent schänden git, 1145 

der ir mit willen ane lit. 
ein magzog der sol wesen vri 
daz er niht wankelmiietic si. 
er sol nach eren sin gcmuot, 
warhaft, gewizzen, daz ist guol. 1150 

der tugcnd sich aller undcrwinl, 
so ziuht er wol der hcrren kint, 
ob sie entwahsen simc beseni, 
da von si in niht ungezesem. 
hoert er, daz ir einer lüge, 1155 

hovelich er in des enziige, 
spreche ' vil lieber herre min, 
lät iwer rostüschcn sin.' 
spreche der ander bcesiu wart, 

1125. vreulich 1130. Da engeng 1132. Niem 1136. Vmben 

1141. Sinn 1142. M. vnd Magzogiii 1144. Tugendt 1140. ohne 
1155. lug 1156. enzug:? 



SEIFRIED IIELBLLNG VII 161 

gßu im diu rede si ungespart 1 1 GO 

'junc herre, ir Viirl enouwe, 
daz ich ungernc sciiouwe, 
wand diu Zuht die Sclialklieit 
in einen bcescn sclicfniau jeil.' 
ich sprach 'vil lieber niagzoge, 1165 

miuer rede iuch niht beirage, 
sagt iwern juokherren daz, 
si künn sich niht behiieten baz 
dau vor der bnesen trunkenheit, 
Sil daz diu Er die Schande jeit 1170 

in einem trunken edeln man, 
daz sie nenien sich da van. 
ir sult in raten rilerschaft : 
diu hat in der jugenl kraft, 
in dem alter gßl im abe ; 1175 

daz man in nach eren habe, 
sin jugent daz gedienel hat 
in maneger iobelichen tat. 
daz alter hat niht krefte mßr 
wan wisheit und der jugent ler. 1180 

62'' ein junger riler haben sol 

niun lugent, die ich nenne wol. 

diu erste tugent si im kunt, 

daz er gol niinne in alier stunt. 

zem andern mal minn reiniu wip, 1185 

daz ungevelschet si ir lip ; 

des gewinl er vreude und sa^lde. 

guot riten üf dem velde 

zem dritten mal nem wir vür guot. 

zem vierden manlich hochgemuot, 1190 

zem vünften eren wise, 

zem sehsten triu ich prise, 

zem sibenlen wärhaft siner wart, 

zem ahlen milt in rehter varl, 

1165. ich sprich? oder zu streichen''^ magzog 1166. betrog 

1168. chunnen 1172. sich] si 1175. im, dem rittcr. 

1179. crefften 1180. Dann 1185. hier und im folgenden überall 
zdem 

Z. F. D. A. IV. 11 



162 SEIFRIED HELBLING VII 

zcm uiunleu mal barinherzikeil, 1 195 

daz im der armen schade si Icit. 
swelch riler nü die lugende hat, 
daz er si voUedich begat, 
ich uim iz üf die triuwe min, 
er niac vor got ein riter sin. 1200 

owe, wa;rn in Oslerrich 
drizec riter also lobelich, 
den die lugende wa-ren bi, 
swie vil doch der riler si, 

ir hiel daz laut immer er. 1205 

waz sol ich iu sagen mer? 
ich vveiz den riler des getät 
euch wol uiun lugende hat. 
mit bü, mit guol behalten, 

mit gwinnen manicvallen 1210 

hat er riterlichen muot. 
wer hat veil zwei lehenguot, 
der stapf gen im üf den rinc; 

er sticht den selben jiiugelinc, 1 

ez si im liep oder zoru, 1215 

daz diu leben sint verlorn, 
owe, waz wil ich riterschaft? 
ja hat min riterlichiu krafJ 
vil nahen an mir ende. 

got herre, an missevvende, 1220 

habe mich baz in diner pflege, 
ich suoche bedenlhalp die wege ; 
nü zeig mir nach der mitte, 
mir gevellet küm der drille ; 
so gevalle ich dem vierden niht : 1225 

dar an mir vil rehte geschiht. 
ich bin ein teil dar an betrogen, 
daz ich 1er die magzogen 
und die magzoginne. 

si habenl viir mich sinne, 1230 

63' daz ich kum geruofe dar. 

1196. arm 1229. Magzogin 1230. Synn 



SEIFUIED IIELBLING VII Iti^i 

ich soldc sagen ollciibar 

iniiic Iroiimc der tuiubeii jugenl, 

wiiz scliaiideii ycbeiil uiiliigciil 

und waz diu liigcnl crcii biit 1235 

dem des si ycwallic >virt. 

si git im t're üf erde liie, 

ein guot ende, ich sag iu wie. 

ob er in ercn sich verwigt 

gemaches des diu werll pfligt, 1240 

so git im lugenl sa*Iiciich 

gemeinsam in dem himelricli. 

hoer vülez aller, lumbiu jugenl, 

got selbe ist diu wäre lugent. 

den hab vor ougeu, rat ich dir; 1245 

tuost du unrehl, daz hab üf mir. 

daz büechel sul wir enden, 
den wisen liuten senden, 
die künnen woi gewendcn 

der unfugende sehenden. 1250 

mit des tiuvcls blenden 
gen der helle brenden 
verre üz sincn zenden 
sul wir ninder lenden, 

da die tugentswenden 1255 

trürcn und verphenden 
vreudc, in drin genenden, 
mit den gewaltes heuden 
die von der belle gewenden 

uns losten mit Adamen, 1260 

sunder loese uns, lugende got, 
durch aller diner krefte gebot 
vor allem übel. amen. 

1243. tumer 1253. ? 1254. nider 1257^/. ? nach 1263 

Recordare virgo maier dum steteris. la conspectu dei vt loquaris 

pro nobis Bona et vt auertas iodignatioiiein suam, Aue Maria 

ein hört reicher Sinne Aue Maria du heil Vuegerinne, Aue 

Maria vueg vns ze gewinne, Aue Maria die worn Minne, 

Aue Maria hilff Chuueginne, Aue Maria so wir schaiden hinne, 
Deines Chindes zorn eher vnd wis, A nobis. die folgenden drei 

Seiten der hs. leer. 

11* 



164 SEIFRIED IIELBLING VIH 



VIII 

65" Gcwonheit diu ist riche. 
dem luol wol gelfche 
min knelil niil der vr.ige. 
er hat sine läge 

wä er eine vinde mich. 5 

zehanl fiirdcrt er sich 
und kumt ze mir gegangen, 
sin rede wirt an gevangen 
schoene und wislich da zuo. 
ich gie eines morgens vruo 10 

an daz velt schouwen 
wie mir wa*r gebouwen. 
daz was ze den stunden 
dö sich üf bunden 

die lerchen mit gesange. 15 

nü sümte sich niht lange 
min kneht aber zuo mir gie. 
sin rede er wislich ane vie, 
er sprach 'lieber herre min, 
mac iz mit iwerm urloube sin, 20 

ich wil iuch aber vrägen : 
des lät iuch niht betragen, 
so iuch got immer vrist. 
eines siunes mir gebrist, 

daz ich niht erkennen kan 25 

einen rehten dienstnian. 
waz der ze reble haben sol, 
des wist mich, herr: so tuot ir wol.* 

ich sprach ' sseliger kneht, 
ein dienstman haben sol ze reht 30 

rita;r und edel knehte 
die gerne unde rehte 
im dienen eigenliche. 
gebeert er zuo dem riche 

Wie die gebaurn ze Reitter werden. 1. Gibonheit 13. zdcn 
14. Da %l. eu 2G. Ein 28. Das 34. zdem 



SEIFUIED OELBLING VIII 165 

und hat diciistniaiincs nameii, 35 

des darf er sich niiidcr schämen, 
er sol daniioch haben niOr 
von dem liche, des hat er ör. 
daz er vogt der golcshuse si 
und üf sinem eigen fri 40 

sol er von dem riche hau, 
stoc galgen unde bau. 
er sol ouch pfarre lihen, 
und sich der miete verzihen 
die ein phafTe im geben wil : 45 

der werde nimer also vil, 
er miige ir gerne haben rat ; 
lihe sie nemlich dem durch got 
der ir in sime nameu ger; 

des hat er lön von got unt er. 50 

65'' liht er die kirchen umbe guot, 
daz er die simonie tuot, 
ich sage dir, trülgeselle, 
diu fewige helle 

ist im da von beschaffen 55 

und dem verfluochlen phait'en.' 

der kneht sprach 'herr, ja kumt iz dar 
daz sin got nimer wirl gewar. 
die phaffeu sint wol gclert. 
sineu sin er dar zuo kert, 60 

er sprichet 'lieber herre min, 
mac iz in iwern gnaden sin, 
liht mir die kirchen, her, durch got. 
ich setze in iuwer gebot 

allez daz ich inder hiin. 65 

wirt diu gnade mir getan' 
von in, lieber herre, 
iz ligent niht gar verre 
mines silbcrs sehzic marc; 

ich wirde nimer s6 arc, 70 

nemt irs an dem nächsten tage, 
daz ich iemen binz iu klage. 
30, sie 47. rot 49. seim Name 64. earn 7?. iein 



16(5 SEIFRIED HELBLLNG VIII 

ein herre nimt sfra vogtinan wol 

daz er doch verswigen sol.' 

der herre spriclil 'her pharrar, 75 

ir Sit so wisc und so gewaer 

diu rede hab ende zwischen uns. 

im nanien des vater und des suns, 

des heilegen geistes da zuo, 

ich iu dise gnade luo, 80 

anders unib dehein guot. 

ir Sit so tugcnllich gemuot, 

als iwer wille wirt erl'ull, 

ir wizzt wol waz ir luon sult/ 

nü hnpret, herre, sunder spot, 85 

diu kirche gelihen ist durch got/ 

'seliger knehl, tuo hin! 
du hast einen tumben sin, 
daz sie durch got gelihen si. 
da sint zwo groze siinde bi. 90 

simoni diu eine, 
die arider ich meine 
ir välschlichez liegen, 
daz sie wa'nenl Iriegen 

den der elliu herze verstel 95 

e der gedanc da von get. 
66' nü sprach min k«eht gewaer 
'ich wänte, swaz ein pharraer 
gaebe sinem herren, 

daz biet er äne werren 100 

sinem lip und siner sei.' 

'geselle, ich sag dir sunder hei, 
vür die wärheit duz vernim, 
nimt er daz silber von im 

daz er im geheizen hat, 105 

ir bßder sei wirt nimer rät.' 

herre, got müez iuch bewarn, 
läze wir die phaffen varn, 
swaz in schadet, swaz in vrumt. 
swer von in ze rede kumt, HO 

79. D. heilligeo geist 104. Mint 109. beide mal was 



SEIKlUlil) IIELBLING Vlli 167 

heiTc, daz ist iin wende, 

ez iiiiiit St) lilit iiiiit ende. 

herre, hebet wider an. 

sol ein reliter dienstinan 

von gote ikmIi ilit liahen iner? 115 

daz saget mii- durch iwer <>r. 

'ji\ gerne, Iriinier knehl. 
iz sol ein dienslnian ze rehl 
haben sin und wilzc, 

<laz er mit i^ren sitze 120 

an des lantlürslen rat 
der daz lanl ze lehen hat 
von des riches herren, 
ein dienstman niht werreu 

gen dem selben fürstea hab. 125 

sazt im daz riche einen slab, 
dem solde wesen underlau 
ein gelriwer dienstman 
dem lantviirslen si getriu ; 

geselle, ich sage dir umbc diu 130 

daz daz lant mit vride si. 
er sol sin valscher ra.'te vri 
mit sineu husgenozen 5 
so beginnet grözen 

dem lande alliu sa^likcit 135 

und kleinel trüren unde leit. 
da triu ist wider triuwe, 
da wirl niht aflerriuwe.' 

min kueht sprach ' nü sagt m6r, 
lieber herr, durch iwer ßr 140 

waz ein rehter dienstman si. 
66'' ist er eigen? ist er vri? 
mit urlouj) ich des vräge 
ob der herzöge 
eigenschaft jeh uf in?' 145 

ich sprach 'lieber kueht, tuo hin! 
daz laut ist sin eigen niht, 
wan man inz euphahcn siht 
118. Ic sol 134. werteo 136. Saz 133. HauTznozzeu 



168 SEIFRIED IIELBLING VIII 

ze lohen von dem riebe. 

ich sage dir endcliche 150 

in disem lant ze rehle 

sint riter, edel knehte, 

eigen der rehten dienstman, 

die daz riche hoerent an, 

die gebaren alle vri, 155 

swes ir guol ze rebte si, 

si sitzcnt uf buroreiile. 

dienstman riler kuebte 

jehenl ir ze holden, 

daz sie dienen solden 160 

niht wan ir rehten zins. 

si bieten also vil gewins, 

der si braebt ze hocbvart. 

got bat iz da mit bewart, 

swaz die selben vrien 165 

zesamen als die bien 

durch daz jiir bringent, 

da mit si küme gedingent, 

dienststiure von ir guot 

wert in dicke iibermuot.' 170 

der knebt sprach 'lieber herre, 
ich gedenke verre, 
doch wolt ich lieber eigen sin, 
dö man mir lieze daz min, 

dan ich ein vri hieze 175 

und man mich niht erlieze, 
ich miieste stsete sin bereit 
mit dienst von miner arbeit, 
herr, doch wil ich iu verjehen, 
den riter ich hän gesehen 180 

des vater ein gebüre was. 
sin muoter des wol genas, 
ders ein gebürinne hiez ; 
niemen sluoc in noch enstiez 
dar umbe, ez was diu wärheit. 185 

156. Wes 166. Zesam 179. ich vh v. 183. Derz ein gebo- 

rinse h. 184. ISiem slueg in so e. 



SEIFRIED IIELBLING VIII IG9 

ob ir suii nlers kicidcr Ireil, 
67" lieber Iicrr, wie fliegt sich daz ? 
daz beschcidel mir baz 
iiinb die selben rilorschafl; 
hcrre, so sil ir tugenlliaff. ' 190 

gesell, du iiianst so hohe mich 
daz ich uihl verzihc dicii. 
vrag mich alles des du wil ; 
des dunkel mich niht ze vil. 
ob duz Iiancn wil von mir, 195 

lieber knchl, so sag ich dir, 
ein hcrr hat einen amman, 
der im guol wol fliegen kan 
ab sinen holden, swie iz göl, 
daz im sin guot heslet. 200 

da von wirt er riebe. 
er trabtet wisliche, 
daz er ze hove wert si. 
dem herren ist er gerne bi, 
der gwinnet vil nach sime rät, 205 

da von er in wol hat. 
sinen sun er ze hove laet, 
sin tohlcr vor vrouwen nat 
schone ab eiinc bilda^'r, 

diu billich da licime wa^r, 210 

daz sie ir muoter spin. 
zwiu möhle si spilgewin 
wagen, dazs ir vielen wol? 
so ich die warheil sagen sol, 
lieber knchl, iz gel der kouf 215 

swie got wil, der ab, der ouf. 
eins geboren grozez guot 
bringt in an den übermuot 
daz er dunkel sich so wert, 
ze konschalt er niht gert 220 

siner hüsgnözinne, 
in leitent sine sinne 

210. do 211 Jf. ? 211. spun 212. Zweu moht si spill gewan 

213. Wogen daz Jer Viellen woil 221. haufznozzine 



170 SEIFRIED IlELßLING VIII 

(laz er eins rilers loliter bil. 
niancgciii riter wonenl mit 

vil kiiil Hilde uoelikeit, 225 

der sin tohler nilit verseil 
dem selben gebüren. 
so er niüeze erknüren! 
des wünsch ich. pGu sinen nac, 
daz er den hänfinen sac 230 

leit zer edeien siden ! 
daz solde wol verniiden 
67*' ein gebiurischez barn. 
von in werdent zwilarn 

daz mein ich ir beder kinl; 235 

so diu nü gewahsen sint, 
diu dünkent sich dan vruoter 
nach der edeien muotcr, 
also sint die goles gab 

wunderlich, der üf, der ab. 240 

frumer knehl, geloube mir, 
nü wil ich rehte sagen dir 
wie der selbe riter wirt. 
der tot, der niemen verbirt, 
im sinen vater sterbet, 245 

von dem in danne erbet 
ein michel teil guotes ; 
daz hilft im übermuotes. 
er get zuo dem herren sin 

und sprichet 'lieber herre min, 250 

ir sult mich riter machen, 
swes ir zuo den Sachen 
bedürft, ich gib iz heimlich dar 
und wil iuch verrihten gar. 

weit ir zer hochzit iemen laden, 255 

daz geschiht an iwern schaden.' 
der herre sprach durch sin 6r 
*hästü iht ze reden mär? 

228. erchnauren: vergl. Schmeller 2, 375. 229. pfui 230. Ha- 

netfeinen 231. zden 233. gebeyrisclies 237. danne 

243. Swie 244. niem 249. zdem 254. cu 255. iem 



SEIFHIED HELBLING VIII 171 

ich hkn mich des wul beduht, 
gol dich mir lial ziu» brAlit. 260 

swaz sA du mir liebez luost, 
wol du des ijeniezen muost. 
der lierzdjif nach de s landes krall 
wil Ilaben grozc rilcrscliafl. 

au des brief biu ich geschriben ; 205 

übel wierst du üz beliben. 
hast du ze riterschefte muot, 
des ist dir miu wilie guot. , 
du biet von mir burcreht 

die wil dii bist gewesen kneht ; 270 

des wil ich mich verzihen, 
dir ze leben lihen.' 
der knappe sprach 'so tuot ir wol. 
swaz ich gen iu luon sol, 

daz luon ich williclichen gern, 275 

und des ir niht well enbern.' 
der herre sprach 'ich lihe dir 
und mach dich riter mit mir. 
so ich dich ze geverlen hän, 
so bin ich wol ein dienstman, 280 

68" und mäht du in den eren din 
ein einschill riter wol sin.' 
also kumt der riter dar. 
tuot war, seht, her Engelraär, 
Guilnorisch her Eberrüsch.' 285 

'wie ir tribet iuwern tusch!' 
sprach min kneht der vrägser. 
' herr, ir sit s6 wandelba;r. 
iu ist misselungen 

daz ir mit zwein zungen 290 

redet, des ersten huobt ir an, 
iz biet ein rehler dienstman 
ritier und edel kneble: 
nu bringet ir ze rehte 
ein gebüren under schilt 295 

263. noh 281. mocht 285. Guitnoriscli {so der verb., Guetnisch 

der abschr.) her Eberausch 



172 SEIFRIED IIELBLING VIII 

der rilcrscliaft ist will, 
an daz ich in geliche 
zuo der ostenviche. 
diu göt über dehein geiz : 

umb daz lanip ich wol weiz, 300 

daz will do gewichet. 
diu Sache sich gelichet, 
daz der wäre rilers segen 
deheins gcbüren niac pflegen, 
ich wolle daz mich got gewerl, 305 

s6 man im schilt uude swert 
segenl, daz im an der stet 
der schilt wiird ein mollbret, 
daz swert ze einer riutel, 

sin sidiner biutel, 310 

s6 er den an hienge, 
daz er umb in gienge 
und wajr ein guot sietuoch. 
noch la't ich im einen fluoch, 
ob mich got erhörte, 315 

daz sin gürtelborte 
ein hänfiner vuoterstric 
würd; so sxh ich lieben blic. 
lege er riters kleider an, 

so werd im sin vürspan 320 

gelich einer eiden. 
daz müez er also liden 
und daz im sin rennegewant, 
s6 er üf den buhurt rant, 

würd ein altez plahenväch, 325 

und im allez liefe nach 
ein fül in der gewahre, 
daz ros sin muoter wiere. 
wir solden alle schrien 
68'' 'lät, hell, daz vüle dien!' 330 

ich sprach ' trütgeselle, 
'umb wiu dienst du die helle? 

298. Zder 301. da geweihet 302. geleihet 314. Nach 

317. haneüencr 337. gewer 330. daz rdll teien : ? 332. Vmb beu 



SEIFRIED RELBLING VIII 173 

dem got sin werdikcil hie niCr, 

mit got dii den selben 6r 

als diiien ebenkrislen.' 335 

der knehl sprach mit listen 
'lieber lierr, ja luon icli daz, 
An daz mir gcviele baz 
ein gebür rieh unde wert. 

so man dem gesegent svvert, 340 

der wirt unwert ein riter. 
herre, sa-Iic siter ! 
er hiet in siner iiüsgnozschaft 
an sinen wirdcn bezzer kraft. 
swie rieh ein gebüre wa-r, 345 

billiche er riterschaft verbair. 
ciiischiltcm riter ich niht gan 
daz er si ein dienslman. 
ein dienstman sol wesen fri 

daz er niht ein gräve si. 350 

ich wil raten, daz ein graf 
habe niht richer vürsten hof. 
ein vürst treit kiineges kröne niht 
6 wal und wihe an im geschiht. 
der keiser gßt den kiinegen vor, 355 

wan in der habest hebt enbor 
ze houble al der krislenheit. 
herre, daz si iu geseit. 
ein frumer nian in siner art 
der sin triu sin ere bewart, 360 

er sol uns allen liep sin ; 
daz rat ich, lieber herre min.' 

'frumer kneht, diu rat ist guot 5 
des han ich ze volgen muot. 
doch sag ich dir offenbar, 365 

iz kumt so ordenlich niht dar 
also duz gemezzen kanst. 
ich sage dir, ob du mir sin ganst, 
noetigem riter des gezimt 

daz er ze konschefte nimt 370 

357. alle 367. geniezzen 368. miersii ganst 370. CLonschafft 



174 SEIFRIED IIELBLINC; VIII 

ein gebüriniie umbe p\o[. 
ein dicnstman flaz selbe tuot. 
ist er noellc endelich, 
da bi ein einschilt riter rieh, 
69' des tohter niml er umbe daz, 375 

er beireit sich dester baz. 
so ist ein richer dienstnian, 
der nach 6ren werben kan, 
des giiol unde des sin 

vueget im ein grajvin. 380 

ein gräve rieh ist so wert, 
ob er eins vürsten tohter gcrl, 
die git man im als er wil ; 
vürsten habent kinde vil. 

ichn weiz, wes ich anders jech. 385 

die liut wol halp sint alstervcch, 
daz müelich iemen vinden kan 
einen reht gevierteu man 
her von sinem kiinne. 

got mir Salden günne, 390 

so mac ichs gelüren. 
dienstman riter büren, 
daz hän ich in miner aht, 
wir werden schiere einer slaht 
bie in disem lande. 395 

mir ist daz vil ande, 
swie edelliche ein man tuot, 
des aht man uiht, ern habe guot. 
Sit guot den liuten edel birt 
und man von guot edel wirt, 400 

swie iz kumt zesamme, 
des walt ein siechiu amme ! 
ich wil daz lip und guot zergß ; 
swie iz umb die sele st6, 

als lip und guot ist gewesen, 405 

also muoz diu sele genesen. 

371. gebörinn 385. Ich waiz was 387. iem 388. gefiertlen 

392. gebaurii 398. er 401. zesam 402. Sicheu Ainm 

404. Wie 



SEIFIUKD HELHLliNG VIII ll^t 

gel lip und j^uol zo rclilc liiu, 

daz ist der s«}le ein reiu gewin. 

ist \i[) und guot in ii:isselal, 

s6 wirl der s61e nimer nU. 410 

owö, sii'liger knelil, 

uiiuer zuhl brich ich ir rehl! 

daz min rede ist so lanc, 

des hal) diu wisiu vräge danc; 

diu git vil ze reden mir. 415 

noch einez wil icli sagen dir. 

ez kam bi allen zilen sus 

CU'' daz der keiscr Julius 

den Tiulsclien allen gap die 6r, 

daz sie hinfür immer ni6r 420 

ir übcrgenoz hiczcn ir, 

man sol daz geloubcn mir, 

diu gäbe was alilba^re. 

der selbander waere, 

' ir herren' spra'ch man wol zuo in ^ 425 

'du herre' daz wa^r äne sin, 

Sil ir isl mer dan einer. 

seilen ist deheiner, 

er waere euch vil gerne zw eu ; 

ob er möbte uuderslßn 430 

daz in sin vriunde erliezen 

und in nihl du hiezen, 

des dulil er sich also her. 

da von sag ich iu niht mer. 

ez sint her bi minen tagen 435 

ze löde niör dan dri erslagen 

die ir genrkze hiezen du. 

waz sol ich anders sprechen nü ? 

daz fiirbaz iemen duzel, 

ein semel, einen struzel, 440 

Qseoi ich dar uuibe niht ze mir, 

und wil daz mirs got verbir. 

die liute sinl so wenslick, 

412. brinch ich ^^T ff- vergl. das Jnrwlied in frackeniagc/s h:uli. 
184, iff. 42.'i. Ahiper 439. iein duzel 443. wensicich 



176 SEIFRIED HELBLING VIII 

er si arm, er si rfch, 

der kelcnhantschuoch an hat, 445 

niins duzen hat er guotcn rat, 

wan er in der mäze gebart, 

er va'hte mit eim umb ein wart.' 

min kneht getriidichen sprach 
' lieber herre, habt gemach : 450 

ze hove sult ir niht dringen vii. 
eines ich iudi warnen wil, 
die kullenwite ermcl tragen, 
der e niur die niünche pflagen, 
den sult ir niht ze nähen gen ; 455 

lät sie ze hove eine sten. 
ich waene er sich umb sus niht pfnus. 
under die ermel üf die mos 
hat er gebunden armleder. 

herre, da tuot umbe entweder, 460 

weit ir mit im dringen da, 
der arm niac iu werden blä 
von der leder herte. 
ez sol sin geverte 
70* in gedrange niemen sin, 465 

daz rät ich an den triwen min." 

'so wil ich gerne volgen dir, 
Sit duz in Iriwen ragtest mir.' 

der kneht sprach 'lieber herre, 
und rede ich ze verre, 470 

des enzieht mich gnsediclich. 
hie ze laut in Osterrich 
nimt sich gar ze maneger au 
daz er si ein dienstman, 

und hat doch einen riter nihtj 475 

dar zuo in niemen lihen siht 
sentma^zigen liuten leben, 
herre, lät uns iwern rät geschehen, 
wil der selbe für uns gen, 

448. Er Veht 453. Die Chulten weit 454. nur 45G. Einsten 

457. wenn 40 1. in dr. do 462. plo 465. niem getvöhnlick 

466. rott 470. ze fehr 



SEIFRIED IIELBLLNG VIII 177 

ob wir gßii im ul" sti'n? 4S0 

sitz wir stille, iz ist im zorn ; 
er (Hinket sicli so wol geborn. 
'frumer knelit, j^cloubc mir. 
mir ist reliLe alsam dir. 

er gibt der bcrrcn zc neven : 485 

wä sie die sippe dalz in beven, 
daz wterc mir zervarn lanc. 
ez spracli ber Uernbart Vridanc 
' hocbvertigiu armuot, 

daz ist riebeil aiie guol : /i9() 

armiii böcbvarl iiilit raör bat 
waii bübe gcdanke, an ercn spol. 

der knelit spracb vil war bat er. 
berre, lal in sagen mer; 

daz wil icb immer dienen. 495 

icb was datze Wienen 
und wolde bin ze hove gen ; 
dö sacb icb bi ein ander st^n 
üf der boben slräze 

zwen berren in der mäze, 500 

daz niemen do hi in drauc. 
der eine sprach der tac ist lanc ; 
wir suUen gen, daz ist min rat. 
kurzwilen in die stat 

zuo dem Kuonringtere. 505 

vil billicb ez wa're 
daz wir baz beiten den. 
des alten Hadmäres en 
was unser anen basen veler. 
ez miiese sin ein übel weter 510 

daz in immer von uns brseht, 
70'' so er an die sippe geda'bl.' 
viirbaz bin ze bove icb gie: 
bi minen ziten ban icb nie 

485. nefen 486. datz inheben 488. der Freid. 43, 20 vr«- 

licliiu armuot, deist groz richeit ane gaol. 491. Armer 

49;J. Dann Holigedanckh an ehr vnd spotl 490. daz 497. hintz 

ze hof 505. Chuenringer 508. Ehn 

Z. F. D. A. IV. 12 



178 SEIFRIED HELBLING VIII 

s6 manegen dienstnian gesehn 515 

des valer sitz uf einem lehn. 

der heizet da die herren du. 

waz sol ich anders sprechen nu? 

si komenl selten hin für, 

an daz si uns bi der tür 520 

die besten in ze mäge zelenl, 

da mit si in herschaft welenl. 

etcliches rede ich vernini, 

sam si diu lember mit im 

haben da heime gehalten. 525 

des müez der tiuvel walten ! 

ich sag iu, lieber herre min, 

suln sie alle dienstnian sin, 

ir wirt ein michel gedrasch. 

allez herren!' sprach der vrosch. 5:i(> 

gie diu cide über in: 

wie ich uiit in bekumbert bin ! 
islicher minen schaden mert 
der mir den buch üf kert: 

also gröz ist ir gewalt. 535 

min sorge diu ist manecvalt. 
ich sprach ' trutgeselle min, 

la diu zornrede sin. 

man weent liht ich si schuldec 

daz du bist ungeduldec : 540 

so bin ich gar unschuldec an, 

wan ich dirz nihi erwern kan. 
herre, der wa'uel, der enweiz. 

grinunden bunt der nie gebeiz 

sult ir harte vürhten niht. 545 

dicke man iuch trüren siht 

unde sorgen alle zit; 

von noeten ir gerumpfen sit. 

herre, nü habt guoten muot, 

luot dem libe gerne guot, 550 

517. do 519. chomen 525. do 529. gedrosch 530. Allez 

hern -. herren scheinen die zacken der egge genannt zu werden. 
531. Gie sie den 532. im 548. Noet ohne von: etwa note? 



SEIFHIED IIELBFJNG VIU 179 

trinket so iucli dürste, 
ich sa;;^ iu, daz ein bürste 
so vil iiilil hat der börste, 
ob ichz genenneu torstc, 

die diciistniaii die gi^nt eiizal, 555 

breite sti-jc siut ul" der sal, 
si geut nach ein ander nibl; 
da von der schade aluicist geschihl. 
71" g6t einer in dem wege dar, 

des wirt der ander gewar, 560 

der ilet vastc hin enebcn. 

waer ez dem dritten gegeben 

ze l)uoze an der bihle 

(daz wa-re doch nihl Übte), 

mit strucben in den schollen 565 

bnozt er allen vollen. 

dem vierden ist dar vil gach, 

e daz er gieuge binden nach, 

im ist ir vor gßn so zorn, 

über sligeln, durch dorn, 570 

slüff er einhalp bin vür, 

daz er niht hüsgnözschaft verlür, 

ich mein der rebten dienstman niht: 

ob man ir einen noetic sibt, 

billiche man im wichen sol ; 575 

daz lerl diu zuht und stel wol. 

swer sich dan wil nemen an 

daz er si ein dienstman 

und küme ein cinschilt riter ist, 

daz müet mich, also hell" mir Krist. 580 

die dienstman in Osterrich 

sint an wirden ungelich. 

dienstman ze Pilsleine 

ze den besten ich niht meine. 

daz einscliill riler inder si 585 

in dem Vorst, des ist er fri. 

552. Vuerst 553. porst 554. dorst 555. enzat vereinzelt. 
561. neben 566. Puest 567. da vil goh 568. hinten nnli 

572. haufznozschatrt verbuer 577. danne 584. Zdem 

12* 



m) SEIFRIED HELBLING VIII 

umb Lengenbach die dienstmau 

sul wir iiilil zen besten hän. 

Slah lif und Pfif mit der floit, 

die liez uns alle der luomvoil.' 590 

ich sprach 'owe, du bnesewihi ! 
daz du dines mundes niht 
hüelest, daz ist mir vil leit. 
Ja j'zz hio haiin nicht olheif 
sprach der kneht wider mich. 595 

ich sprach ' waz meinst du ? pfiu dich ! 
du bist ein unnützer kneht 
und redest üf daz unreht. 
' herre, ir redet mir übel mit, 
und ist daz immer iuwer sil 000 

daz ir zürnet gen mir.' 
'gesell, daz wil ich sagen dir, 
da bistü selbe schuldec an. 
waz wildii der dienstmau? 

die gewinnestü ze vint.' 605 

71'' ' sam mir diu heilic naht hinl! 
herre, ja ist ir gar ze vil. 
nimer ich nü reden wil, 
an ob uns got gesande 

den künic her ze lande, 610 

so wolt ich danne reden m^r, 
herre, durch des landes er.' 

ich gedäiit in minem muot 
got mit dem knehte wunder luol. 
der siner rede dinget, 615 

an den künec bringet, 
kumt si niht ze rehte dar, 
ich vürhte, er übele gevar.' 
nach den gedanken sprach ich daz 
geselle, mir geviele baz 620 

daz dii die tumben rede din 
liezest vor dem künic sin. 
er ist so ahtbaere 
daz diu dinen meere 
- 588. zdem .i96. pfui 61.5. seiner 



SEIFIUEJJ IIELULING VIII 181 

M>i im null t'ilielloiil wol. 02;") 

so icli die warlieil saften sol. 

Iierre, ich läze iiilil da vaa! 

sag an, wie vvillu heben an? 

als diu sa'lde mir geschihl 

daz den kiincc min ou<^e an sihl. iVM) 

licne, als ir nnch lial gevragt, 
ich g»^n vür des riches vogt 
und striche ' künec des riches, 
iu lebt niht geliches, 

An gol der viir iuch hat gewalt, (i35 

des wirde nie wart iibcrzalt. 
Uli Sit von mir im üf gesell 
von des genaden man iuch weit 
ze scheruie al der krislenheil. 
swie hoch, swie lief und swie breit 640 

sin wirde übr alle kiincge si, 
im sint doch die lugende bi, 
daz er den armen e vernimi 
6 den riehen ; daz geziml 

dem oberislen keiser wol. 645 

her künic, ob ich reden sol, 
mit urloup, des mir nol get, 
dilz lant unordenlichen slfil. 
man dringet umb den vürgauc, 
iaer sinl die scheniel, vol diu banc 650 

sie sLigent an dem übermuot. 
her künic, daz enwart nie guot. 
72" zeigt uns die rehlen dienstmau, 
die welle wir ze herren hän, 
und gebiett, als daz geschiht, 655 

daz uns die andern absein niht. 
gebt dem riter ouch sin reht, 
und daz ein rilermwzic knehl 
der drizec jär hab unde tage 
niht Silber üf gewande trage. 660 

ez suln tragen wan diu kint 

636. wart] word 639. alle 650. die Pauch 6.54. ze hören 

han 656. Absein 661. Ez schullen 



o 



182 SEIFRIEÜ IIELBLING VIII 

diu riterschaft ze juiic siut, 

und ein richer koufman, 

dem stät ez niht übel an. 

ein gestanden edel knelit, 665 

Ireit er silbr, er tuot nihl rehl; 

heiz iz vergolden gern 

sinen kinden ze ern, 

also daz er riler si : 

da ist micliel ere bi ; 670 

daz si heizen riters kint, 

des si sust erlazen sint.' 

frumer kneht, geloube mir, 
ez ist müelich, sage ich dir, 
vor dem rieh ze reden vi!. 675 

' ijo mier, herre, ob got wii. 
der künec ist so tugenthaft, 
daz er in siner herschaft 
genaediclich bedenket sich 

und vil gerne hoeret mich. 680 f 

so tuot er geliche 
got in dem himelriche, 
der den armen hoeret baz 
danne den riehen ; wol zimt daz 
siner almehtikeit. 685 

lieber herr, mir wiere leit, 
wand iz dem riebe misseza^me, 
ob er mich armen niht vernähme, 
als den hcehsten den er hat. 
ich bin des selben hantgetät 690 

der in gehoehet hat viir mich, 
er wart als jämerlich sam ich 
geboru von der muoter sin. 
mich truoc ouch diu muoter min 
als in diu sin hat getragen. 695 

näcii unser beder lebefagen 
wirl er mir aber so gelich, 
ich vil arm und er rieh 
72'' geligen bedc in einem wert, 
fi62. Du- 683. Am 694. truegl 696. lebt ta|;eij 



SEil'lUKI) llELBLl.NG Vlll 183 

gelicli der uiij;t'länrii eil. 700 

liAl er hie werdikeil liir mich, 

«1er sül er dort iiiiil trccslcn sich. 

ich mein des riches ratgeben ; 

man soI mich h(i>reii uuch vil eben. 

lieber herre, rede ich reht?" 70;") 

ja, vil sa'liger kneht, 
du redest wislich vor mir. 
get din i'ede als eben dir 
vor dem nrmischcn kiinege dort, 
dir velschet niemcn diniu Avorl. 710 

der kneht sprach aber wider mich 
herre, wieuet ir daz ich 
dutze hove rede also? 
solt ich einem sagen dö, 

wie er wart und wer er wirt, 715 

min zuht daz vil wol verbirt. 
ob ich rede hie vor iu, 
herre, daz ist nmbe diu, 
ir geheizet mir niht wol 

daz ich billich reden sol. 720 

ich bin ein unbesprochen kneht : 
s6 ist daz riebe niur daz reht. 
swä daz reht niht enwaT, 
da waer daz riebe wandelbaer. 
man sol uns alle geliche 725 

hoeren vor dem riebe, 
wil man dem riebe tuon sin reht. 
miuiu wort sint vil sieht, 
ist daz diu saelde mir geschiht 
daz den kiinec min ouge ansiht, 730 

ich wil in manen unde bilen 
nach den rehten lanlsiten, 
als die e sint gewesen, 
da mit in Osterriche genesen 
ist vil manic werder man. 735 



ob mir got die sinne gan, 
dem kiinege werden sol b 
722. Reich nur 724. Do 731. monen 



184 SEIFUIED HELBLING VIII 

uiiib daz kokanisch gewani 
des man in diseni lande pfligl. 
einen daz vil ringe wigt, 740 

s6 iz den höhen got erbarm, ^ 

daz er dri ein an die arm 
über ein ander snürket. 
da mit er sich verwürket. 

der bolich vierstunt ist s6 groz : 745 

den liez er e gewandes bloz, 
73' die ermel miiezcn vollich sin. 
nu hoerel, lieber herre min, 
kamt diu klage dem kiinege vüer, 
er hoert sie gerne, des ich swiier, 750 

wan sie ist ze beeren guot, 
so der künec ist wolgemuot. ' 

'gesell, daz ist vil billich. 
kum mit den maeren viir daz rieh, 
er laet der viirsten boten sten 755 

und heizet dich hin viir gen, 
wan diniu gumpelmsere 
sint so ahtbsere.' 

'owe, herre, ir spottet min; 
daz sult ir billich läzen sin. 760 

der herzöge ist des küneges kinl. 
so vor dem rieh die Fürsten sint, 
die Beheim tragent ir gewant, 
als sit ist in Beheimlant, 

die Sahsen und die Pölän 765 

tragent ouch gewant an 
da bi man sie erkennet, 
nach ir lande nennet. 
Beier und Rinfranken, 

den ist wol ze danken 770 

daz si niht manecvaldent, 
ir lantsit behaldent; 
dar an tuont sie wislich. 

73». kokanisch so: hängt das wort mit Gocagne zusammen? 
741. dem 743. snurchett 747. luiessen 755. der] den 

7.i7. Kumpel mer 760. soll 7()9. Bnyr 



SEIFRIED IIELBLING VIII I8ü 

so der vürst üz Ostcrrich, 

des kiineges suii, ze hove g6l 775 

und vor sinem vater stet, 
sC) iiiac der kiinoc iipiiion war 
daz ein nirsllicliiii scliai 
da bi sincni snii waT, 

an daz sie allerslaliticr 7JS0 

sint mit ir gewandeu 
uz ander fürslen landen, 
si tragent nach der Belieini sil 
gewant, da sie mörent mit 

der Bt'^lieini schar unbiMich, 785 

und sinl doch von Ostcrrich. 
ich wolle, swer in Osterlant 
triieg nach Beheini sit gewanl, 
swes in vragte ein biderb man, 
daz er sprajch nie roszmie pan, 790 

und mit sinem munde 
nihl anders reden künde ; 
73'' und swer in dem lande snite 
gwant nach der Pöläne site, 
daz dem sin bar wa^re geschorn 795 

hoch üf vür diu orn, 
daz sold im nimer wabsen; 
und swer nach den Sabsen 
in Osterricbe gewandes pHa'g, 
daz im diu Osterspräche gelwg: 800 

er sei reden 'wit wal waet. ' 
got ich des vil gerne ba^t 
daz er niht kunt reden mer. 
man bat des ze Sabsen tr 

daz sich nimt ir lautsit an 805 

manic tumber Osterman : 
daz sol der künec verkßren, 
daz laut da mit eren.' 

ich sprach Trumer kneht, sag mir, 
ist der rede ernest dir? 810 

780. aller slabter 789. Pidennaii 790. d. i. nerozumjin, pane 

ich verstehe tiichf, herr. 801. wel 802. bet 



I8f. SEIFHIEÜ HELULINi; VIII 

wil tili ir vor dem kiinege pllegen, 
der kunipanie vür zc legen? 
des isl dir ein teil ze vil, 
ob du sin nihl erwinden wil. 

nein ich, lieber herre min: 815 

diu rede sol sieht und eben sin, 
daz ist wol billich. 
kume ich vür daz rieh, 
ich kere allen minen sin 

daz ich bi mir selben bin. 820 

ob ich ze vil rede vor in, 
lieber her, daz isl von diu 
daz ir sorget umbe mich, 
swiez ergß, daz wäg ich, 

und kumt uns der künec her, 825 

ich rede ie des landes er, 
ez si daz man mich binde, 
der rede ich niht erwinde.' 

vrumer kneht, nü ein dich des 
hie vor mir, ich sag dir wes, 830 

daz ebene sten diniu wart 
vor dem kiinege, ob sin vart 
wendic wirt in unser laut, 
daz sinem sun doch werde erkaut, 
den er uns ze viirsten git, 835 

waz tugent an dim rate lit. 
rietest du dem fürsten wol, 
der künec dir des danken sol.' 

min kneht sprach 'herre, sitzet nider: 
red ich unrehte, so seit wider, 840 

so wende ichz nach iwerm riit. 
74° nü sitzet an des küneges stat: 
ich wil den zühten wesen bi, 
sam ich vor dem kiinege si.' 

ich sprach 'vrumer kneht, hab danc!' 845 

und saz nider üf eine baue 
under einer louben. 

SI2. \r fehlt. 824. orgeth 833. Wen dich 839. siz 

nider 



I 



SEIFniKD IIELHLING V 111 187 

wus sie gedahl mit sclioubcii. 

des ii;nn wir vi! kleine war. 

icli sprach ' lieber vriunl, iiü dar ! 850 

la mich an des kiineges slat 

ha*ren dineii wiseii raf, 

ob er dem lande viiege rcht. 

'gerne, herre' sprach min kuelit. 
des ersten ich anheben wil, 855 

in dem lant ist A'intschaft vil, 
die wil ich in kunl tuon. 
unib da/ verlluochte geuhuon, 
treit bruoder sime bruoder nit, 
ob man imer mer git. S()0 

die gebüren machent daz : 
iegliciier wil sich herren baz, 
danne er geherrct si von gel; 
des hat der tiuvel sinen spol. 
gröz wisöl er niht verbirt, 865 

unz er des guotes äne wirt; 
s6 ist er danne ein knappe, 
daz in ein ber sappe ! 
sin armuol er da mit hilt, 

tac und naht er morilich stilt. 870 

her kiinec, well ir wenden daz, 
so sag ich iu fürbaz.' 
ich sprach 'geselle, rat wie.' 
ir sull daz lant setzen hie 
■ als iz der herzog Liupolt liez. 875 

die gebüren er tragen hiez 
kniilel l'iir die hunde; 
der swert man in niht gunde, 
noch der langen misicar. 

man schuof in zeiner lipnar 880 

vleisch unde krut, gerslbrin ; 
an willprwl solden sie sin : 

848. gedechf 858. geuhuou, vergl. rechtsalt. 374, Haupt: gehuon 

die lis. 862. Iierru 803. gelieret 865, wisot Haupt: weifseid 

die hs. 868. Per sapp 877. Kiiiiteln 879. Misigar: vergl. 

1, 321. 880. zener 



1.S8 SEIFRIED HELBLING VIII 

zeui vasttag haoi', lins unde böii; 
viscli und öl sie liezen schön 
die Herren ezzen, daz was sit. S85 

ml ezzent sie den herren mit 
swaz man guotes vinden uiac. 
74^ daz ist dem laude ein scliürslac. 
her künec, ich wil iu raten mer. 
verriht daz lant, des habt ir er: 890 

da inne ist haz unde nit, 
sam mir diu heilige zit; 
niht baz ich iu geswern kan. 
mine herrn die dienstmau 

sumlich, ich enweiz um waz, 895 

tragent nit unde haz 
riteru unde knehteu. 
sie woltens an ir rehten 
bekrenken. durch got, daz wert, 
her künec. ir habts e ernert, 900 

nü lät iuch noch erbarmen, 
ir sit ein vogt der armen 
genant von dem riebe ; 
die schermet alle geliche, 

her künec, und habt daz vür sltel, 905 

daz iuch got nimer verladt 
hie üf diser erde, 
und iuch in sinem werde 
setzet ze himel schone 

mit Zepter under kröne. 910 

ich weiz der dienstman wol dri, 
swä ez in disem lande si, 
den gebüren lieber sint 
dan riter unde riters kint. 

des haben in sant Georgen haz 915 

und gotes vluoch umbe daz ! 
swer sich zieh den snürrinc an, 
her künec, wizzet ane wän, 

883. Iiaiiif linfs vnd Ponn 'JOl. erbarm 902. Ann <)05. ver- 

stell 906. verlel 908. eu in seinem werlh 910. M. Cepeter 

912. disen 



SEIFIIIED HELBLIN(i \ III 181» 

der sl6t iu in aller nöl 

niht g«'ii Cime lialben löl. i>20 

des wir zen besten eren jelien, 

daz ist von riterschafl gesclieiien. 

iierre, sol diu rede also sti^n, 

s6 ich vür den künec gön?" 

'ja, gesell, vil waTlich. 925 

dilze lant Osterrich 
hat sin ere undc frumen. 
wirl diu rede von dir vernumen, 
daz der kiinec volget dir, 
ez vruinl in selp, daz liab uf mir.' D.'iO 

min kneht der buop aber an, 
noch mer ich ze reden hän' 
sprach er ' lieber herre min. 
möht ez mit gotes helfe sin, 
75' ich >volde wünschen, daz ich slat 935 

hiele an des küneges rät : 
dem w;er ich ein nützer kneht. 
ein teil weiz ich des riches reht: 
daz wil ich iu vür legen, 

herre, und iwers rates pflegen : 940 

den teilet mit mir sunder spot 
durch iwer ere und durch got!' 

' lieber vriunt, geloube mir, 
hoer ich des riches reht von dir, 
da nach ich dir raten wil. 945 

doch hästu selbe sin so vil 
daz dir mines rätes niht 
an deheinen sachen not geschiht. 

'herre, ich hoer wol waz ir weit, 
des ßrsten si iu vor gezelt, 950 

swen der bäbst ze banne bracht, 
billich biet er des riches *ht, 
trüeg er den ban über jar. 
herre, nü merket offenbar, 

921. zdeiu 92.T. werieicli 927. fiiiinb 928. vernumb 

931. aber] wider 946. Do h. selb Sinin- souil 951. preht 

952. eht 



IUI) SEIFUIED IlELBLIiNG VIII 

iz isl war daz ich sage, 055 

alliu jar an dem anllazlage 
tuot der habest in den ban 
vürslen graven dienstman 
phalTen rilcr buren ; 

die des wellenl türen, 9G0 

daz sie vür selzeut umbe guot, 
ze banne sie der habest tuol. 
diu Ahte solde da nach gen 
und liez in niht des besten 

daz sie unrehte gewunnen. 965 

so wfere wol begannen 
der liehe, als min herze gerl, 
zwischen slole unde swert. 
dem keiser daz wol gezsem 

daz er ir guot allez uaem 970 

unde fuorte ez über mer 
mit einem kristenlichem her 
dem muten gote zeiner gab 
hinz dem heiligen grab. 

ow6, herre valer Krist, 975 

waz ir in dem lande isl 
die wuochernt mit listen 
und kunnen sich wol vristen 
75'' daz mans niht ofFenbair 

nennet gesuochair, 9S0 

doch sie gewinnent üf ir s6l. 
ez ntcme der Jude Smoyel 
den gewin wol viir vol, 
der offenliche gesuochet wol. 
nü dar, des keisers münzhamer 985 

slahe ir guot ins riches kamer! 
daz erteil ich' sprach min knehl 
bi got und hi vrönreht. 
Sit der bähst ze banne tuot 
die selben umb ir wuocherguot, 990 

956. Alk- 959. gebaurn 961. Vuersezent 963. da noh 

978. chuunp 979. offenbar 980. gesuechar 98.3. vervöl 

986. Slaht 989. wann.; 



SEIFIUEÜ IIELIJLING Vlll 191 

des lAl sie oihl geiiiezen : 

her kiinec, heizt üf sliezen 

ir silhers volle kislen 

die ah ir chcnkrislen 

gevüllel sint mit gesiioch ; <l9r) 

des will in der gotcs vluocli. 

daz silber dem riche 

wirl vil billiche, 

daz der kiinec nach mincm miioi 

griff nach allem wuocherguot. 1000 

sin würd so gar an niaze vil, 

niil warheit ich spreclien wii, 

ob erz na-m nach inincni raf, 

daz er Jeriisalcni die stal 

cnhalp mers büte wider, 1005 

diu vaste ist gevellet nider. 

swie hoch, swie edel w»r ein man, 

uf dem laeg der wuocherban, 

dem seit diu aht werden kunt, 

daz im kunie belibe ein phunt 1010 

ze Samen, der in wider bracht 

in des liiivels ahera'hl. 

' null baz ich dir geraten kan, 
vrumer knchl, lä da van 

daz du will raten dem rieh. KU 5 

dem bislil minder gelicii 
an sinne noch an muotc, 
an libe noch an guole. 
daz- rieh manegen vürslen wert 
hat der radlet unde lerl 1020 

den kiinec waz er luon sol : 
da von enbirt er din wol. 

' herre, von wiu mac daz geschehen? 
mügt ir mich doch an sehen, 
76' so wirt iu von mir wol kunt, 1025 

ich hän ougen nase unde munt, 
Aren füeze und hende 

993. Silber 1005. MörFs 1008. leg 1009. oehr 1012. Aiier 

oeht 1021. Dem 



m SEIFHIKD HELBLING VIII 

und in dem munde zende. 

wolt einer bizen mit niier, 

ich üherbizz in lilite als schier 1030 

sam er überbizze mich. 

der ich da bin, der bin ich: 

so si ouch er, der er si. 

ist der künec mins rätes vri, 

ich sag im doch, kumt er her, 1035 

des landes frum und sin er. ' 
'geselle, wol ich dir des gan. 

des ersten solt du heben an 

wie der herzog Liupoll 

über mer gap den solt 1040 

und wie er vuor über mer 

von Osterrich mit eime her 

und bule enhalp ein werc, 

die guoten burc Starkenberc, 

die er den diutschen herren gab 1045 

ze helfe dem heiligen grab, 

die in doch sider an gewan 

von Babilon der soldan. 

wil du fiirbaz sagen mer 

dem künege disse landes er, 1050 

s6 tuo im dar nach bekant 

daz der künec von EngellanI 

in disem lande beschatzet wart, 

ein künic rieh von hoher art. 

owe, nü muoz ich m6r sagen! 1055 

umb ditz lant wart erslagen 

der biderbe herzog Friderich. 

den wir klagen klegelich, 

wan sich liuop angst unde not. 

s6 schedelich was uns sin tot. 1000 

dar nach ladet wir einen her, 

herzöge Herman, so hiez der, 

von Baden, wie er ende nam 

und war künec Ezel ie bequara, 

1032. do 10.50. ditz 105'i. Engelnlandt 1059. sich] si 

1062. HiJrmari 1004 /. da von weiz noch niemen war der künec 



SEIFRIED IIELBLING Vlll 193 

des kan ich gesagen nilit: 1065 

da von ze swigcn mir geschult, 
der küncc uz der HcMieim lanl 
sich diser lande underwanl, 
76^ Oslerrich und Slire. 

er pllac deheiner vire, 1070 

so er geint^ren mäht sin habe. 

Ungern hei er unz an Rabe; 

sin gcwalt was also starc, 

er hei die windischen marc; 

Kernden unde Krein 107r) 

dicnlc im allez gemein; 

Porlcnowe, ob der Ens daz lanl 

im ze diensle was erkanf, 

und Eger vor dem wähle 

dient im ouch vil balde, 1080 

Troppower lant, Pulissin. 

er sprach 'ez ist allez min, 

daz wil ich bewceren, 

Czechen und 3Ierha>ren.' 

nie künec was so herlich ; 1085 

er was mchlic unde rieh. 

wol uf vünf und zweiuzec jär 

disiu lant im dienten gar; 

sime gwalt was niht gelich. 

nach dem keiser Friderich 1090 

daz riebe lange an houbet was. 

vor den fiirsten man niht las 

des riches brief und sin gebet 

unz daz des verhängte got. 

der habest durch des riches not 1095 

ein concilium gebot. 

ze Lugidani daz ergie. 

da hin lat man alle die 

den man vürsten namen gab. 

Ezel ie bequam klage 4398 L. 1071. hab 1072, Rah 

1075. Cheroden vnde Chrain 1077. Portenau 1081. Troppouer 

landt Puttisseia 1083. webern 108i. Merichern 1086. moh- 

ticb 1097. Ze lugidany 1099. name geb 

Z. F. D. A. IV. 13 



194 SEIFRIED HELBLING VIII 

under imfcl, kriimbe stab, 1100 

wurden alle geladen dar, 
lind die leiviirsten gar. 
swer nihl ehafl not crzalt, 
den bien er von sime gwalf. 
dö si alle dar komen, 11 05 

an den rät wurden gcnomen 
die besten die des waren wert 
daz man ir ze rate gert. 
unser geistlich vater sprach 

'ir herren, ratet uns dar nach. MIO 

der stuol ze Rome an scherm ist 
gewesen alze lange vrist; 
daz sag ich iu endelich. 
77" nach dem keiser Friderich 

wart noch nie roemischer voget : 1115 

da Sit rätes umbe gevraget, 
wä man einen künec nem 
der dem riebe wol gezem.' 
die vürsten zühliclich im nigen, 
nach der rede ein wil si swigen, 1120 

einer den andern an sach, 
der mit der ersten stimme sprach 
vater al der kristenheit, 
die walviirsten sint bereif 

und wartent iuwers gebotes.' 1125 

' nü dar in dem namen gotes ! 
sitzet balde an die wal. 
der den himelischen sal 
buwet immer ewiclich, 

der vüeg uns einen dem rieh 1130 

der im sin ere bringe wider 
diu im ist enphuort sider. 
er wirt von mir gewihet schon 
und setz im üf des riches krön, 
wer möht die rede alle erzein, 1135 

1100. steh 1103. chafft 1105. chamen 1110. roltel uns tlo 

nach 1116. Do seit H23. alle 11.30. ein 1132. Dor im 
1135. moht 



1 
i 



1 

( 



SEIFKIED IIELULLNG VIII 195 

wie sie ahten, wie sie wein? 
fjeliclie sie gcliullon. 
alrt^rst diu luu-rc erscliulleu, 
sie giengeu vür deu lia'lislcu nU, 
'geistlich valer an gotes slal' 1140 

sprach der örsle, ' iu ist erweit 
dem riebe ein üz gcuoinen hell. 
/ der ander sprach daz ist war. 

er ist wise und manlich gar, 
der drille sprach sin Irin hat kraft. 1145 

der vierde er ist wärhaft.' 
der viiufle 'er ist wol gezogen, 
daz rieh an im unbetrogen.' 
der sebste sprach *er lat nibt wider, 
got selbe müest in vellen uider; 1150 

er muoz immer vür sich 
au sinen 6ren, des swer ich. 
der sibent sprach ' iu si geseit, 
an aller siner werdikeit 

wart er von kinde nie unvuorc. 1155 

gräf Ruodolf von Havechbuorc, 
also ist der hell genant: 
ir berren, daz si iu bekant. ' 
daz mwre in diu lant erschal, 
er wart gewihel nach der wal 1160 

mit sant der küueginnen. 
77*' zwo krön hiez man gewinnen 

die si vor vürsten solden tragen. 

dA nach in vil kurzen tagen 

der künec einen hol" geböl 1 165 

den viirslen umb des riches not. 

des riches brieve wurden gesanl 

den vürsten allen in diu lant. 

daz düht si ungewonlich ; 

so lange an scherni was daz rieb. 1170 

dö diu zit nü was körnen, 

1138. All erst 1149. leht 1155. vnfuerhc 1156. Hauch- 

puerchc llGl. Chuneginn 1162. gewhio 11§4. Da noh 

1167. brief: vielleicht brief wart? 

13* 



11)6 SEIFRIED HELBLING VIII 

als der hof wart genomen, 

die vürslen kamen alle dar 

mit maneger crlichcn schar. 

dem rieh si alle swuoren. 1175 

die höchsten die dar fuoren 

swuoren da des riches rät. 

der künee vragt si an der stat 

ob dem rieh ihl üz lege n 

des er billichen pflege. 1180 

er geliez da nimmer van, 

ez miiest im wesen underlän. 

der rät gert gesprechen sich. 

diu spräche was doch kurzlich; 

si weiten einen nach ir kür 1185 

der ir rede solde legen viir 

vor dem roemisclien voget. 

'herre, als ir hat gevräget, 

daz sag wir alle, ich niht ein, 

die windsclien marc, Kernden, Krein, 1190 

Stire und Osterriche, 

daz hat gar unbilliche 

der Behcim künec lange vrist, 

wand ez dem riche ledic ist.' 

boten er dem künege sant, 1195 

er liez im ligen diu lant, 

diu sinen er billiche 

enphienge von dem riche. 

des was der von Beheim wider. 

von dem Rin huop sich her nider 1200 

der künec ; Stire und Osterlant 

er sich mit eren underwant. ' 

der kneht sfuont, sach mich an, 
'lieber herre, lät da van. 

künec Ruodolfs werdikeit 1205 

ist so lanc und so breit, 
ir mugt sie halbe niht gesagen. 
der Bßheim künec wart erslagen; 

1179. auzleg 1183. rott 1185. noji 1190. Die windischeii 

Marc cherdeD Chrein 



SEIFIUED IIELBLING VUl 197 

unib (lisiii laut daz j;esiliach. 
78* iu kurzen jareii d;\ nach 1210 

loch er diu lanl den kindcn sin 
und k^rle wider zuo dem Hin : 
da ricliscnl er niil »'rcn gar. 
doch nanien ende sfniu jar, 

iu eren slarp der werde hell. 1215 

ein ander kiinec wart erwell, 
der ouch nach disem lande streit, 
wer im daz gar widerseil, 
da sag dem künege niemen van, 
wand er diu ma're selp wol kan. 1220 

nü ist der ander kiinec l6l 
unib disiu lanl, daz ist ein nöl, 
und ein werder herzöge. 
lieber herre, s6 iuch betrAge, 
s6 lest diu ma're an der stunt, 1225 

dem künic sint sie alliu kunt, 
vor sagt ir im alliu maer, 
diu im der alte Haselouwajr 
vor zweinzec jären hat geseit. * 

'nü gescheh dir allez leit! 1230 

boesewihl, ginc von mir, 
Sit ich nihl gevalle dir.' 

den kncht begreif sin aller tue, 
er sprach 'des wirt guot rät, kukuc ! 
herre, und änet ir iuch min, 1235 

miuiu rede sol anders sin. 
und kumt uns der kiinec her, 
ich rede ie des landes 6r. 
lieber herre, läl da van. 

swaz die kriege haben getan, 1240 

ditz ist ein guot lendelin : 
des "wirt man inne bi dem Hin. 
hän wir hiwer boesen win, 
des sol uns got ergetzunl sin, 
ob er wil, hin ze jär. 1245 

amen, daz werde war.* 
1224. euh : iuchs niht? 1232. geuallen 1240. Was 1245. »lintz ze yar 



198 SEIFRIED HEL13LING IX 



IX 



TS'' Dies illä, dies irß, 

lang vor tiisent järeu 6 

ist gesprochen gen dem tac, 

dö nienien erwenden mac 

gotes gerillte, sinen zorn. 5 

w6 daz ich ie wart geborn, 

Sit ich im so nähen bin, 

daz ich niiit gedenk da hin 

und hie bedacht min unrebt!' 

lieber herrc' sprach min kneht, 10 

'ez mac noch lüsent jar gestfen 
6 wir vür gerihte gen.' 

vrumer kneht, geloube mir, 
got rihtet alle tage dir. 

swie ofte du die sünde tuost, 15 

als ofte du sie biiezen muost 
hie mit dem libe sunder hsel 
oder dort an der sei.' 
' herre, diu rede ist uns swair; 
ir sult sagen guotiu ma;r.' 20 

'geselle, ich sage niht anders dir : 
beerst duz ungerne, ginc von mir; 
rehte wol ich diu enbir. 
ich bin die maze betagt ein man 
daz ich wil noch enkan 25 

minen vriunden niht geleben, 
dö mir diu jugent künde geben 
bediu muot und den gelimpf, 
ich treip mit in manegen schimpf, 
des mir nü vil abe get, 30 

die mäze als ez umb mich stßt.' 

ich saz in gedanken, 
dö mir begunde kranken 

IX. Überschrift Hie vrlaubt er den Chneht 6. geworn 14. tage 

von (lier 17. hell 18. Seil 20. soll 22. du 24. moz 

2fi. Vreinden 29. im 31. moez 33. Da 



SfcilFUlliD HKLULhNG 1\ VJd 

der liji in alloi's iiiii;oinacli. 

liurc siiil'l icli uiide >|)racii 3ö 

'ow6, luiiibiu Jugt'iit min! 
ich lian von den schulden din 
vi! Sünde, ho>se gewonheit. 
daz si dein hohen yol gekloil, 
daz ich mich nihl crweren kan, 40 

mir hanget allez noch au 
ein viec der allen kürsen min. 
billich soll ich läzen sin 
die minen jungen liicke. 

ez wx're min geliicke, 45 

lieze ich lumpheit under wegen. 
79" mir gel alle läge engegen 
der Tot ein lageweide.' 

in dem selben leide, 
<lö ich bedaht min unrehl, 50 

uu kam aber do min kneht. 
er sprach 'gelriuwer herre, 
wie sorget ir so verre? 
ir mugt noch leben drizec jär; 
ob gol wil, herre, daz wirt war.' 55 

ich sprach 'diu lä mich leben gar, 
so hän ich sehzic vor gelebt, 
als got sprichet ' wider gehl 
die zit iuwers lancleben,' 

ow6 miues wider geben ! 60 

dö man unreht gen rehle wigt, 
min unreht wol der swa;re pfligl 
daz ich min rehl aht da bi 
als die veder wider bli. 

nü tuen ich gar ze trage 65 

daz ich' üf die wage 
uiht guoter dinge pflige ze legen 
diu minen siinden wider wegen 
der ich lauge hau gepflegen.' 

35. senffl i2. Ein Viech d. a. ChurseD m. 44. tuch 

45. geluch 50. So 51. aber so 56. legen 59. längs leben 

60. widerä geben 



200 SElFRIEl) HELBLIiNG IX 

der kneht sprach 'weit ir verzagen? 70 

gedenket an den wissagen; 
als er die sünde getet, 
ze gote sprach er sin gebet 
nach den sünden alsus 

' misererfe mci deus ! 75 

got erbarme dich min, 
durch die gröze barmunge diu 
und durch die inenge diner bermikeit. 
vertilg min unreht, daz ist breit, 
erwasch mich üz der schalkeit min, 80 

reine mich von der sünden pin, 
wan min unreht erkenn ich. 
min sünde alzit ist wider mich : 
dir eine ich gesundet hdn 

unde übel bi dir getiin.' 85 

der kneht buop aber an 
' herre, got was ie gnaden rieh, 
weit ir vürhten helmeglich, 
so kumt niraer üf dehein stro. 
da sult ir des wesen vrö 90 

daz min got ie gedäht hat. 
ich gib iu sin und wisen rät 
79** der iu z^e hohen 6ren stät.' 

'frumer kneht, ich vreu mich din 
lülzel zuo den sachen min. 95 

hab urloup unde ginc von mir ^ 
vürbaz wil ich mit dir 
wenic noch vil ze schaffen hän. 
ich wil wartunt sin ein man 
der wären gewisheit 100 

diu uns allen ist bereit, 
dem riehen als dem armen, 
im kan niht erbarmen 
der alte noch der junge ; 

er ist an barmunge 105 

imer unser lestiu not; 

78. lueiiig 79. Vertilige 81. Raining 83. alle Zeit 

84. ein 88. helmcleich 89. So chambl 90. Do 



SEIFRIED HELBLING IX 201 

icli meine den i^ewissen lAl. 

dem werd wir alle geliclie, 

arme unde riebe, 

daz ist nnwendelichc' 110 

der knclil wider umbe sacli, 
vil un^iielliclie er spracii 
' seht, berre, ich g6n da bin. 
lat mich sin der ich bin, 

und sit oucb ir der ir sit, 115 

wan ir sorget alle zit. 
gelich ich iucb vinde 
dem vorbtigem kinde 
daz beunsubert sin pfeit 

t daz bat wirt bereit. l'-iO 

ich sag iu die warbeit.' 

ich sprach 'swic, vervluochter balc ! 
du bist ein rehter dielscbalc. 
ich wil mich gerne änen din : 
daz bab üf den Iriwen min 125 

und üf miner wärbeit.' 

'herre, daz solt mir wesen leit? 
daz enist ez aber niebt. 
gebt mir daz gwanl, berr, unde flieht; 
lät mich scbaflen umb deu Sani, 130 

sit iucb der tot wil an komen, 
als ich von iu hän vernomen.' 

ich sprach 'er sol komen dir, 
ob got wil, e danne mir. 

ginc und var din weide!' 135 

dö schied wir uns beide, 
als diu schidunge geschach, 
ich gedäbte unde sprach 
got bat wol an mir getan 

daz ich bin des knebles an. 140 

er künde niht geswigen. 
80' die Gumpoltes gigen 

119. Daz ßeuaseuwert 128. Dezen ist 129. Her 

130. umb den sämen? 131. wil ancham 132. han vernom 

142. Gumppoltes 



202 SEIFRIEÜ IIELBLING IX 

wolt er haben stalle an niicli, 

swie er möhl, des vleiz er sich. 

so ist mir nindert ze iniiol. 145 

möht ioli nii ein leben guol 

in uiineni aller gelragen, 

gedachte an den wissagen 

wie er hin ze gote spracli 

(bi sime leben daz geschach) ! 150 

'quia defec^rnnl:' 

daz ist uns an dem salter kunl 

und gescbriben da bi 

' sicut fumus dies mei, 

min tage zergiengen als ein roucli. 155 

also tuont die minen ouch : 

die tage der ich ledic bin 

leider sint mit siinden hin 

noch tuont mir die sünde leit 

von boeser gewonheit. 160 

daz miieze got erbarmen, 

ob sich an mir armen 

der boese wille niht verkert. 

daz alter wsere des wol wert, 

ob im witze unde sin 165 

volget an sin ende hin, 

des ich immer wünschunl bin. 

143. hohen stet 144. moht 155. zergengeu 158. No luent 
167. wuschund 



Maria, muoter äne raeil, 
aller heiligen heil, 
du wäriu himelvrouwe, 
der engel spiegelschouwe 
bistu erwelliu küneginne, 
ein gruntveste der wären minne. 
kör mich von minen siinden. 
din barmungc ergründen 
X. kein absatz in der hs. 7. Cer mich vor 



SEIFIUED HELBLliNG X 203 

noch j^cmcz'/en iiicincii kan : 

den selben IrtVst >vil ich han. 10 

du bliiende gert Arönes, 

du tron SalaniAucs, 

ICzechieles porle, 

dem du mit einem worle 

gein dim kinde helfen wil, 15 

der liJit aller Salden zil. 

wand ich der selben gnädcn ger 

au dich, reiniu maget hör, 

durch dine güetc mich gewer. 

trösl aller sündtere, 20 

Sit du den geba're 
der uns geschuof und loste, 
so kum mir, vrowe, ze tröste 
SO** und wis bi minem ende, 

swenne ich ditz eilende 25 

der kranken werlte rüme, 
daz ich min söle iht sume. 
ir ßrstiu vluht si ze dir: 
du mäht wol gehelfen ir, 

ob sie bringet sünden meil, 30 

daz din barmunge lieil 
die selben sündemasen, 
6 daz die engel blasen 
ze gerihte an dem losten tage, 
vrou, daz mich din giiete sage 35 

ledic vor dins sunes zorn. 
dii bist ze seiden uns erkorn 
üz gutes drivallikeit; 
dir wirt nimmer niht verseil 
von dem oberisteu got; 40 

din wille ist im ein gebot, 
got ist din vater, got din sun, 
got ist der heilic geist ; ob dun 
bitest umb aller werlte heil, 
er entwert dich nimmer teil : 45 

so vol bistü genaden da. 
11. blueuude 12. trone 23. Vrau mir 32. Sundenmosen 



204 SEIFRIED HELBLING X 

da von ruof wir gfen dir sä 
'6 dulcis MariÄ!' 

vater, sun, Iieiliger geist, 
als du ein wariu gotheit sisl, 50 

also hilf mir, ich ger niht m6r. 
din gotlich gücte an mir er, 
daz niiner s61e werde rät. 
got, ich bin din hantgetät; 
din menschcit mich erarnet hat. 55 

nü hoert ir lieben vriunde min, 
sol diu rede niht bezzer sin 
nach dem wären goles reht, 
danne ob mich ein tumber kneht 
mit siner vräge brachte viier, 60 

daz ein islich man geswüer, 
mir geviele sin wise niht? 
nimmer daz an mir geschiht. 
swaz so tuot ein biderbe man, 
daz ist allez wol getan, 65 

da von ich im 6ren gan. 

ich wart nie so merklich, 
bede arm unde rieh 
sie gedingten mit mir wol ; 
81' daz man da bi merken sol, 70 

bi der menege was ich gern, 
wolt ich Schimpfes niht enbern, 
mit schimpf sie daz galten mir. 
des ich nü vil wol enbir 

an daz ich mich dar nach sen. 75 

kint vater unde en 
bin ich allez sant gewesen, 
möht mir nu diu sele genesen, 
des vreute sich min gemiiete. 
got durch alle sine giiete 80 

mich da vor behüete 
daz in der helle gliiete 
min armiu s6Ie niht erglos. 
helft ruofen Xhristß, audi nos, 
64. pidennan 78. inoht 83. erglofs 



SEIFRIED IIELBLING X 205 

jubß domnß beiiedicer»^ ! 85 

gesegeu dich vor allem var, 
der, den ein magfct reine gebar.' 

XI 

Av6, der gruoz von Gabriel, 

der gevreut vil manic s61, 

die kumber böten 

in der vinsler, daz sie niebt 

sahn daz vreuden wernde liebt, 5 

doch die prophßten 

wissagten vor, also der kiinftic wa;re 

den ein niagct niagtlicb rein geba^re, 

ende nwni ir swarc. 

Maria, ein raersternc lieht, 10 

sich kan dir geliehen niehl 
an allen 6ren. 
wir israhelisch arniez her 
Sweben üf dem jaraers nier : 
du bist der steren 15 

der uns leiten sol uz dem eilende 
hin ze vreuden ewiclich an ende, 
dehein sach daz wende. 

Gralia, genaden vol, 
der gruoz zimt dir, maget, wol, 20 

du reine und werde, 
daz din reiner lip unibgreif 
den der den witeu umbesweii", 
himel und erde, 

umbgriffen hat und alle creätiure. 25 

6 süeziu magt, gip uns genaden stiure, 
du rein gehiure. 

Plena, vol genaden du 
Sl*" 3Iaria, also Sprech wir nü 

von wären schulden. 30 

du gnaden iibervliizzic vaz, 

XI. kein absatz in der lis. 3. Die Chumber Herrn 7. als 

y. nam 10. mehr Sterne 15. Stern 17. Ze Vreyden hin 



206 SEIFRIEÜ IIELBLING XI 

dem der dich gnaden übermaz 

bring uns ze Imldcn, 

daz diner gnaden iibervluz von rise 

an den wec der uns relile wise 35 

zeui paradise. 

Dominus, unser herre Krist, 
der von dir geboren ist, 
inaget reine, 

nach dem wir kristen sin genau l, 40 

der clliu dinc in siner hant 
hat gemeine, 

6 siieziu frowe, daz du rein gcbajre 
den gotes sun gar äne alle swwre 
und maget waere! 45 

Tecum, mit dir ist wol bekleit 
gotes drivaltikeit, 
diu des gedähte 
daz sie in diner eren schrin 
selb in wonunge wolde sin, 50 

als sie volbrähte. 

wä beslöz ie maget hört so grözen? 
dir Salden kefs vol heilikeil gestözen 
kan niht genozen. 

ßenedictä, du gesegcnt 55 

ob allen wiben diu da pflegent 
wiplicher güete, 
den bistü gesegent obe. 
Maria, vrouwe, dir ze lobe 

stet min gemüete. 60 

du eren hört, got selbe dich erte, 
do er ze dir nach siner menscheit kerte : 
diu saelde er merte. 

Tu in mulieribus 
sprach der engel niht umsus. 65 

ob allen wiben 
bistü gesegent und erweit, 
zer hoehsten kiinegin gezell, 

34. von reis: ? 35. wcch 53. seiden Chefz : vergl. fVh. Grimm 
gold. schm. XXXV, 17. 56. di do 61. hört 62. noh sein 



■i^ 



SEIFHIED IIELBLING XI 207 

und kaust vertriben 

unser nol, du bliiend ArAncs gerte, 70 

Kzecliiclcs porle, diu uns norlc 

von unf^everle. 

lA benediclus, und gesegent 
in gole, wol in die des pflegenl 
wol erkennen 75 

82" daz du maget muoter wier, 
uns ze trost den sun gebser 
den wir nennen 

Jesu Krist, oinborn kint der gnaden : 
in gotes rieh si wir mit dir geladen 80 

uz mancgcni schaden. 

Truclus, diu vruhl von dir bequani 
diu uns al den zwivcl naui, 
magel werde. 

daz got sel|) vor nianeger stunl 85 

sprach uz der prophelen niunl 
liF der erde, 

daz was den einvalligen vor gema'rel ; 
o süeziu magel, ez ist nü enbäret, 
mit dir bewaerct. 90 

^ entris, din reiner lip beslAz 
den der al der werlde groz 
wart ze besliezen. 
sin sint die himel alle vol, 

diu abgründ er erfüllet wol. 95 

laz uns geniezen. 

wcrdiu maget, daz er was so kleine, 
dö in besloz din lip algemeine, 
maget reine. 

Tui, din lop werdiclich, 100 

Maria, in dem himelrich 
ist gemeret, 

daz du des muoter magel bist 
der gotes sun einboren ist. 
drumb dich eret lOö 

70. bliicund Aaronefz 7i. des] daz? 83. allen den 85. selbe 

88. vorgemert 89. enperet 90. beweret 93. Word zbesliezzeii 



208 SEIFRIED IIELBLING XI 

gol und al sin engel immer möre. 
hl autem, (lomint% nostri nnscrere. 
dt'o gralias. 
106. alle sein 108. man erwarfef den drillen reim. 

XII 

Quinque sunt vocales, 
A i: I L. 

Diu erst vocälis ist daz ä. 
owe, nu wa'r ich gerne da ! 
wil mich iemen vrägen vva, 5 

dem zeig ich niht anderswä, 
danne zuo der raaget Marjä. 
sold ich die sehen, ich sprseche sä 
'von dinen gnaden mich niht lä ; 
so wirde ich nimmer sorgen grä. 10 

ob daz min bestiu vreude wa'r? 
82'' uf min warheit sprich ich ja.' 
Waz wil ich bluomen unde kle? 
mir tuot ein ander sorge we. 
ich sten uf der sünden le. 15 

der solde ich mich gelouben fe. 
ich wil, diu sträz ze helle ge, 
da not ist in dem jamerse. 
got selbe in miner helfe sie ; 
waz wil ich danne genaden me, 20 

ob mich sin barmunge ncrl 

dort nach mines todes re? 
Diu dritt vocalls ist daz i. 
got herr, durch dine namen dri 
wis mir mit diner helfe bi, 25 

reht als diu warheit an dir si. 
von dir uns wuohs der saelde zwi 
an dem wir wurden Icdicvri. 
ez was ein jämerlicher schri 

XII. kein absatz in der ks. 3. Vocales 15. Ich ste 16. ge- 

lonbe ehe 18. Do 22. noh 23. Vocales 25. dein 



I 



SEIFKIED FIELÜLING XII 209 

an (lern kriuze '(Mi, cli ! 30 

lielf uns der ruof und iriu leit, 

diu dich gebar, magllicli Mari! 
Waz wil ich bluonieii rot unl blo 
ieh unsa'lij^er dan ein krA? 

grözer sorgen hän ich zwo : 35 

diu eine, so min ougenbro 
beluchent, wie mich vinde d<^ 
der tot ; diu sorge lil mir ho, 
diu ander not, wie unde wo 
wirt min gcverte, ich sprich also 40 

' wis mir mit diner helfe bi, 

du herre, genant alpha et 6. 
Diu viinl't vocalis ist daz ü. 
waz sei ich anders sprechen nu? 
3Iaria, vrowe, sprich selbe zii 45 

dem dinen lieben sun Jesu. 
mir hilfet niemen baz dan du. 
min siind mich leider selten rü, 
der ich vil üf min sei gebrii; 
doch gent min tage hin als ein tu. 50 

nu ner mich, der Jacoben nert 

vor sinem bruoder Esäü. 

3Ü. Chreyz 36. Die ain 37. Pelaurhent 3*t. Dtii 43. Vo- 

cales 46. Dem dein 52. Osau 

xiri 

Ein mare ist guol ze schriben an, 
da zwen hovegumpelman 
an ein ander sendent brief. 
der sin ist krcflic unde tiel, 
83" wan sie beten bede kunst. 5 

an al mines herzen gunst, 
ist der eine meister l6t 
der dem andern enböt 
'lieber vriunt, her Julian, 

sinen dienst hat iu kunt getan 10 

xin. kein absafz in der hs. 2. hoff kumpeil man 

Z. F. D. A. IV. 14 



t>10 SEIFRIED HELBLING XIU 

ich armer Uclblinc Sifrit. 

treu aller swindenl mir diu lit ; 

ich han die besten überlebt 

der miiol nach höhen eren strebt. 

von Ilarleck waren zwen genant, 15 

zen besten wirden wol erkant 

mit aller lobelichen tat, 

f^räf Otle und gräf Kuonral. 

der schilt ich priief rot unde wiz, 

baz dan des riehen Feirefiz 20 

Schildes richeit üz genam 

von Eschenbach her Wolfram. 

nü gnäd iu got, her Kol, her Krall 

von Sliunz, zwen degen ellenthaft. 

den schilt in einer varwe griien 25 

vuorten die beide manlich küen. 

uf eren schanz lac ir gebot 

als wahrlich so genäde in got. 

der Kuonringwrc werdikeit, 

da ist iu lange von geseit; 30 

die bräht mit grözen eren her 

ein Heinrich Hadmär Alber. 

hey Kuonrinc Witrä Tiernstein, 

wie dick dö löbelich erschein 

der schilt von zwelf strichen klar :ir) 

zobelswarz lieht goltgevar! 

der ligent zwei teil nü dernider; 

daz dritte habt sie gerne wider, 

von Tiernstein her Liutolt : 

der gsebe noch der 6ren solt; 40 

so weiz man im sin rehte danc. 

zykä, wie schön der vogel sanc, 

von Valkenberc der alt Rapot ! 

owe, nu genäde im got. 

wie des sin muot biet getobt, 45 

II. Helblinch Seifrit 12. swent 20. Veraueifz 21. Cliildes 
23. H. Chol H. ChrafTt 24. Von Sleüntz 28. Als werleich 

29. Der Chunringer 31. Die Probten 33. Chunring VVcitra 

40. Der geh noh 43. Valchenwercb 44. nun 4.5. biet tobl 



SElllUEl) HELBLING XIIl 211 

ob icnien vür in Wiur gelobt, 
swenn rr kont undcr Schildes dach, 
den man dnVr vaiwc sach. 
ein teil gcweckel swarz unl wiz, 
daz ander rot. er het des vliz 50 

daz erz zimier in einen kränz 
verteilt, der stael an triwen ganz, 
83'' under belm.e niuotic fri. 
daz siner sßle gena'dic si 

der elliu dinc bescheiden kan ! 55 

die wile er was, dö lebt ein man 
in werdidiciicr schouwe. 
lebte von Missouwe 
her Ölte, ein üz erwcller hell ! 
er was zen besten ie gezelt, 60 

so man gen vinden helle gert. 
erklangt ie löblichen swert 
riters lianl, daz let diu sin. 
sin scbilt gap goltvar lichten schin 
bi swarzer varwe dem einhorn. 65 

er was zen besten üz erkorn, 
gßn riterlichem prise: 
er was manlich wise. 
ich klag die edelen Weisen. 
g6n vinllicheu reisen 70 

pflagens riterlicher sit. 
her Kadolt und her Sifrit, 
zwen beide manlich unde milt, 
vuorten den leun au dem schilt 
und beten ouch des leun muot. 75 

der leu snelliclichen tnot 
sin gelat mit krel'te. 
so sie ze riterschefte 
zimierten üf riters wal, 
Gamuret und Parziväl 80 

47. Swan 48. dreie Varibe 51. Daz erz zu niert 52. Ge- 

uierteilt der stel 58. Meyssau 60. zdein 62. Er chlengt 

64. Goltt vor 66. zdem 69. waisen 71. pflagen si 72, Der 
r.hadolt vnd der Seifridt 80. Kamoret 

14* 



212 



SEIFRIED IIELBLING XIIl 



lieten do vunden strites vil. 
doch brahl ir lop zeni hoehsten zil 
her Wolfram von Eschenbach, 
der ir einen nie gesach : 

so hän ich dise wol gesehen, 85 

daz in ist eren vil geschehen. 
die werden immer sint ze klagen, 
doch so muoz ich mich bejagen 
so ich aller beste kan. 

lieber vriunt, her Julian, 90 

kam ich in merkt und in stet, 
da vind ich beide umb diu brel. 
die rünent unde winkent: 
ävoi, wie sie triukent, 

die selben waltswenden ! 95 

man siht an ir henden 
mit vil hurticlicher ger 
iriu wines volliu sper 
gen dem munde senken 
84* und sich zer tjoste lenken 100 

diu in niht harte vellet. 
nach dem trunke er snellet 
ein hovelichez snellin, 
' hurtä, geselle, daz ist win, 
den wir sehen vür uns tragen! 105 

wer möht im sinen munt versagen? 
er ist snidec linde klär!' 
klüegelichen trit ich dar, 
min gruoz wirt in kunt getan ; 
den hoere, lieber Julian. 110 

ich sprich ' von Tenmarke Vruot, 
geh iu seligen muot, 
und gesogen iu disen win 
der milte künec Salatin!' 

da griiez ich die werden mit. 115 

' willekomen, lieber Sifrit!' 
sprichet ein kneht getriu : 
'vrouwe, tragt im vieriu!' 
83. Der 91. merch 94. Avi 98. Wein 116. Wil chum 



SElFKIEl) IIELHLIiNG \11I 213 

der ander s|)riciicl iiacii dem 
ez wa'r immer mir ein scliem, 120 

belib er von mir unjjcj^rl: 
tragt im selis plieriwert! 
durch miiic» willen diu Irinc, 
Silrit, lieber lleibline!' 

der dritte und der vierde 125 

bictent mir die wierde ; 
<iaz zabelines dinc stet vvol. 
als ich danne wirde vol, 
von mir wirl üf gebrieren 

' läzä runibcliereü!" 130 

<laz ist ein s\v;ebisch krie. 
'slülziu massenie, 
ich sag iu guoliu mare, 
wol zehen vüereere 

varent, des bin ich gewer, 135 

üf der Kremser slräze her. 
ir wegen die sint ringe, 
sie vüerenl plienninge 
nach Weizen hinz dem Aunis. 
jrüian, bistü nü wis 140 

so merk ir namen rehte, 
sie sint va^ric knchtc. 
Sifrit, du redest ze lüt' 
sprichet Kunzel Unkrüt. 

ßrichenvrid Gebürenhaz 145 

sprechent ' sagt uns viirbaz 
84'' nach der rehten sliht.' 

'der herzöge doch nihl rihl, 

er hat so vil ze schaffen 

mit leyen und mit phaffen 150 

daz er nimmer miiezic wirl, 

da von er geriht verbirt: 

des sulu wir vroelichen reschen' 

sprach liinzgrap, Stantbidervlescheu : 

122. Pheuiwert 124. Heblinch 127. Daz Zobeleins diiich 

129. aufgebriern 139. Oaiieifz 140. auu 142. Vcrich 

145. Prihen Vrid 153. retschen 154. standt 



214 



SEIFRIED HELBLÜNG XUl 



' wir sin eitgcsellen. 

hellen daz sie hellen 

die phaifen, wir gewinnen guol. 

ist der tiuvel unj^emnot, 

dem slah ich eiuez an die kel. 

Endänriu und iEhldersßl, 

wol üf, zwen göret knappen, 

so iuch die bern sappen!' 

' her GrolnürT sprach Miischenrigel, 

' swer hiuwer niht gebüren vigel, 

dem sin die rosen widcrseit!' 

' Strülensac, bislü bereit? 

sprach sin geselle durh den S w eller : 

wir vliehen niht inz waltgeczeler; 
der lantvride ist so guot 
daz uns niemen niht entuot!' 
' nü wol mich wart' sprach Geizvuoz: 
losä, geselle, hemschen gruoz, 

got vrist uns disen herzogen 

bi dem wir in dem lant so brogen!' 

üf die straze ist in gäcli ; 

ich rit von verren binden nach. 

also muoz ich mich began, 

lieber vriunt, her Julian. 

wirt mir niht Scharlach unde zobel, 

ez wirt mir eins gebüren hobel 

von eim guoten Pöltingsere. 

hurtä, ir degen ma^re!' 
heb ich an min krie, 
so mant in sin ämie 
daz er den gebüren libertret, 
s6 er von dem pherft wet. 
daz msere si in kunt getan, 
lieber vriunt, her Julian, 
gilt iu iht daz selbe werc 



155 



100 



165 



170 



175 



180 



185 



160. eht der Sei 166. Strulten sach 167. in durh den Sweller 

wird ein name auf -swelch a?/ suchen und in der folgenden zeih 
waltgezelch zu lesen sein. 172. Loes an g. heniisclier gr. 

176. Ich reit von Vertten 182. Vurltra 



SEH UiKL) HELBLING Xlll 21:) 

von La uuz an den Mcinliailsberc, i*.M) 

des gan ich in mit triwcn wol, 
als ein geselle dem andern sol. 
85' ob ir wol sciiairol iwrr dinc 
des vrenl sieh Siliil llelhlinc. 

l'IU. \<*ll l.dO 

xrv 

Eines lages ich gesaz 
in gedanken unde ma/. 
ieglichen lanlsit, 
der dem lande wonel mil. 

so isl dem lande niht gelicli 5 

<laz da heizet Oslerrich. 
die liule wintschaffen sinl. 
winlschaft'en Ireit ein kiul 
und ist dem alten euch vil reht. 
den selben sit ir an uns seht. 10 

swes ie ein lantvolc began, 
hie ze lant daz grif wir an. 
ich hän gehört von verre, 
daz unsers landes herre, 

der biderbe herzog Friderich, 15 

den Ungern stalte sich gelich. 
wir sin des niht entwahsen, 
kurzez bar nach den Sahseu 
hab wir oucli getragen hie. 

der Beheim sit uns niht vergie, 20 

daz wir jehen niiiezen, 
unser vriunde grüezen 
tohroytra des morgens, 
dö was niht ane borgens, 

wir künden unser lachen 25 

groz beheimisch machen, 
ich sag iu dem was also 

XIV. kein absatz in der ht. 8. Ireidl 13. von Verren 

14. her* 23. genau dobre gilro odei' dobry'tro, guten morgen. 
'li. ohn porgens 



216 SEIFRIED HELBLING XIV 

'huersi/na so eso eso. ' 
do was unser lachen üz. 

'witoipan! yopomau<V 30 

daz gie cnzwischen uns entwer. 
dannoch hab wir vuoge mer, 
die wil ich iu nennen, 
wir kunnen ros rennen 

sam die 31issena're, 35 

nider huet, nilit swaere 
und wacker mit dem houbet. 
s6 man uns niht erloubet 
vrilages ksese und eier, 

vreidic sam die Beier 40 

si wir mit gevroeze. 
wir dünken uns als rseze 
85'' sam die Stiraire. 
tsepischiu maere 

künne wir sagen da nach 45 

uz der Kerndensere sprach, 
ze Kreine si wir des gebeten 
daz wir windischen treten 
nach der blaterpfifen. 

uns kan niht entslifen ; 50 

wir vüeren mit den Walhen 
liderine malhen. 
nü hänt uns die Swäbe, 
des ich gol immer lobe. 

her in ditze laut bräbt, 55 

des ich e nie gedäht, 
sälel als die krippe 
gönt uns umb die rippe 
als die zarge umb den tuorn. 
s6 wir kurzwilen vuorn, 60 

do der turnei was snel, 
bekelhüben bräzel 

30. wjtey pane willkommen herr ; bopomozi glück zu. die 28e zeile 
weifs ich nicht mit Sicherheit zu deuten. Haupt. 35. Meissehner 

36. Nider hnet nit swer: ? 38. Sa 44. Tepischeu 49. Plotler 
pheyffen 51. Walichen 52. Malicben 59. Zarig 62. Pechel 



SEIFRIED HELBLING \IV 217 

liez wir allcz underwegeu ; 

des wir nü vil gerne pflegeu, 

durch der Swabc willen. 65 

ez kan sich nihl verzilleii, 

des Osterliulcii wirl ze niuol; 

si grifcnz au und luon ez guot. 

den landen ist niht gelich, 

Slire unde Oslerrich, 70 

diu zwei wol geherret sinl. 

des roeniischen küneges kint 

sint zw6u ahlbaTC viirslen hie. 

s6 guot vride wart noch nie 

an allen genierken. 75 

dar an kan uns wol Sterken 

der künec abher von dem Rin. 

daz sol umb in gedienel sin 

von disem lande endelich. 

ir dienslraan wurdet nie so rieh; 80 

aliez daz ir vindet veil, 

des koul'el ir ein michel teil. 

daz lat etliche wile sin, 

und vart üf zuo dem Rin ; 

daz rat ich bi den triwen min : 85 

ir trinket unde geltet den Ezelines M'in!' 

liauben Pramzzeli : auf hriiztl führt die altfranzösisc/ie heuennung der 
aviiischiene, brachelle. 80. wnerd 86. Ezleins vergl. Nib. 

1897, 3. 



XV 



86* Got in dem hnehslen tron 
in sinen drin persön 
mit vollen genäden ewiclich 
ist in siner vreuden rieh. 
wes er da beginne, 
des bin ich äne sinne 
daz ich von den werken sag 
siner gotheit. ich enmag 
IV. Überschrift Dacz ist der taugen buch. 8. ich mag 



218 



SEIFRIED HELBLING W 



gedenken iiilit die vröude, 

diu an der bescliöude 10 

siuer golheit niao gesiii. 

daz envollen waren min 

aller engel sinne, 

uiüelicli wiird ich inne 

waz dort t'reuden ist bereit 15 

in dem Spiegel der gotheit. 

die erwellen manic tougen 

mit geistlichen ougen 

in des himeis vreude sehenl, 

des sie ze vollen gnaden jehenl. . 20 

sit min sin ist ze kranc, 

ich wil wenden den gedanc 

an menschliche sinne, 

ob ich rede beginne, 

daz die wol verstendic si : 25 

gotlicher sinne bin ich vri. 

ditz ist mins Sprechens anevanc. 

ir herren, dünkt ez iuch ze lanc, 

SO kürze wir daz ende 

an alle missewende. 30 

der kneht den ich hän vertriben, 
von dem ist mir ein msere beliben, 
des sag ich iu die wärheit. 
bi den ziten ich reit 

schöne üf einer strAze sieht. 35 

nü reit enneben mich der kneht, 
er sprach 'herre, geruochet ir 
eine rede bescheiden mir, 
umb waz die Hute in Osterrich 
gebärent also blüclich. 40 

ob einer gerne vreudic waer, 
den heiz wir einen rogzser. 

10. bescheidt (: Vreüd) 20. gebeat 27. meins preclis ohne Vanc 
28. dunchz eu 35. Schön 40. Geworn also plaueleich 

42. Roggtzer: das wort rogzaere erklärt sich durch das baierischc 
rohezen (Schmeller 3, 78) und das ahd. röhön, röhjan, rugire (Graff 
2, 431/.). 



SKIFIUKU HELBLING \V 219 

ist eiu ander vr6 dii bi, 
86'' wir wellen daz er tninkcu si. 

ich sprach vriunl, wie incinslu daz? 45 

daz bcscheide mir noch haz. 

' herre, ich \nv.v die allen sagen 

daz bi ir alten lebelagen 

daz lant gar mit vrendeu was. 

so die bluomen iinde gras 50 

ensprungcii in dem meien, 

die hoch geniuolen leien, 

ich mein die horren mille, 

die gäben kleider, schilte : 

so huop sich turnieren, 55 

tanzen, tjosticren, 

buhurt in den gazzen, 

schilt rilerlichcn vazzen 

vor den sciioenen vrouwen. 

dö was guot ze schouwen 60 

gezieret manic klärer lip, 

b^diu maget uude wip. 

die riter truogen kleider. 

des ist nü niht leider. 

ein riter nimt gar viir guot 65 

zem winder einen vehen huot 

und eiu kürsen scluelin : 

daz sint nü diu kleider sin : 

zem sumer einen zendäl, 

under einem huote hin zetal 70 

ein roc äu suckenie. 

den herren ich verphie 

der s6 zcgelichen luo ; 

geb die suckeni da zuo ! 

ich sprach ' swic, unwiser kneht ! 75 

diniu uKcre sint n)ir unrehl; 

du vliusest mir äne schult 

der lantherren hult. 

er sprach ' herre, erloubel mir 

50. und daz gras? 71. Sukkaney 72. verphey 74. Sukkeney 

75. swei 



220 



SEIFRIKD IIELBLLNG XV 



87* 



87. Wien 
102. nuz 



ze reden mer : ich urit ir 

sfn die maze wol vcrswigen 

daz diu rede sol geligen.' 

ich sprach 'kanslü verswigen, 

so gerne horte ich gigen 

niht sam diniu ma;re.' 

dö sprach der vil gewahre 

' herre, ich kam ze Wienen 

und sach ze hove dienen. 

dö der vürst von tische stuont, 

ich tet sam die geste tuont 

und stuont üf eine la;re banc. 

diu wile was mir doch niht lanc 

der aller besten vier 

sazen so nahen mier 

daz ich ir rede wol vernam. 

si sint niht in dem munde lam, 

iriu mxve hörte ich wol, 

herre, diuch iu sagen sol. 

ez sprach der altist under in 

'hoert, ir herren, ich hän sin 

unde wisheit da zuo. 

der ein guot nütze kuo 

hat, den wer ich üf der stat 

daz er ein vuoder milch hat 

von ir in eime jär. 

daz sag ich iu vür war.' 

ich dähte, seht, wä Gämurel 

vor Camvoleis daz beste tet ! 

lützel er sin eilen spart 

unz im diu küneginue wart, 

Herzeloid, diu sehnen, diu klär, 

mit ir zwei künecrich vür war.' 

der ander sin rede huop 

' ich freu mich zehen korngruop 5 

die hiez ich verstözen wol, 

wan sie sint getreides vol. 



80 



85 



90 



95 



100 



105 



HO 



115 



88. dieD 91. auf ain lerpanch 98. die icfa eah 
107. wo Kameret 111. Herzen laud 112. verbar 



SEIFRIED ÜELBLING XV 221 

wol ich des geniezen niac 
hin unz umb sanl Georgen lac* 
(lo dahl ich seht hie Parzival ! 
wie er wuole uinb den gral 120 

und wie er ranc nach werdikeil, 
dö Orilus mit im streit!' 
dö sprach der dritte dienslnian 
'zwar ichn weiz unde kan' 
an daz ich hiwer in dem lesen 125 

gar ein lörel bin gewesen, 
umb vierzec jihiinl koufl ich win vür: 
den besliuzct min kellertiir, 
daz ich in trink vil selten; 

er muoz mir wider gelten 130 

min phenninge und so vil mer 
daz ich sin niht ze wandel ger. ' 
ich dähte owe, Gramoflanz ! 
87'' wie er tobete umb den kränz 

den Gäwän ab der linden brach, 135 

daz er die herzoginne sach, 

Orgelus, die sehnen, die klar, 

diu in mit ir brahte dar. ' 

der vierde sprach ' ir herren, 

wir haben einen werren, 140 

der ist uns niht rehte. 

riter unde kneble 

ein teil ze höchvertic sint. 

die minen ich doch überwint 

daz sie sich miiezen smücken. 145 

wir suUens nider drücken 

swä wir immer kunnen ; 

niht sulle wir in gunnen 

daz sie vordem an uns gab. 

hab der man daz er hab. 150 

ob wir umb sust vunden 

ros bi drizic phunden, 

diu sul wir in so niht geben. 

120. wieltet vmb den Cral 125. ich 12G. niht gar? 132. Ora- 
ineflaotz 134. tobt 135. Kaban 137. Origelus 153. Der 



222 SEIFRIED HELBLING XV 

wir siillen aliten ^ vil eben 
(laz er gclt diu vünf feil: 155 

wirl im daz selisle ze heil, 
des siut doch wol vünf pimiil. 
da bi sol im werden kiiut, 
daz er statte si bereit 

und uns lob üf sinen eil, H>() 

die wile und daz march lebe, 
daz erz nimmer hin gebe, 
ich gedahte ' künec Artus, 
ze Karidol in dinem hüs 

milticlichen gap din haut! I(>5 

des hat mich dirre her ermant. 
do straft ich aber den kneht, 
sim, dii boeswiht, sag mir reht, 
was der von Kuonringe da?' 
'nein er, er was anderswä, 170 

ich waene dalzc Velsberc/ 
ijol durch diniu hoehstiu werc 
wis gelobt der raa^re ! 
nie dehein Iiuonringsere 

gap dehein ros an vier bein: 175 

sie habentz al vergolten ein, 
da zuo phantloese gegeben, 
got der vriste in ir leben ! 
88" ich mein, die Kuonringa>re sin. 

dA Kuonringaere vuore an schin, ISO 

die ner uns sant Marien kint ! 

ich weiz wol, so sie nimmer sini, 

hundert jar hin nach ir nam 

wirl genennel zeiner schäm 

den boesen ungeslahten 185 

die schemlichen trabten.' 

'lieber herre min, nü seht, 

ir Sil zornic' sprach der kneht. 

' nü nemt iu vil guoten muol : 

ich sag iu ma^re, diu sint guot. 190 

168. sim: vergl. gr. .3,303. 779. 169. Chunringe 171. dotze 

179. 180. Chunringer 180. Do — otin schein 183. hin noch 



SEIFUIED IIELÜLI.NG XV 223 

nie dicnstniaii wart ze rehle 
an ril(M' aude an knelite 
die oucii rilcniuezic sin. 
Iiiet er gohles volliu sclirin 

der riler nilil {^eliaben kan, 195 

wie inac der sin ein dicnslnian? 
er ist boese unreine : 
sin guol zert er ze kleine; 
er wa'nel ez erbe an sin kinl. 
got machez krnnip unde blinf! 200 

ich mein daz selbe unvascl. 
ez bringet birche noch din liasel 
mit siegen nimer da zuo 
daz ez edellichen luo. 

vaterbalp ist ez verschämt 205 

und ist nuiolerliai|) erlami 
an aller handc werdikeit, 
an daz er grozen nit Ireit 
und ninder sich gesellet 

da man sich vrumelich stellet.' 210 

ich sprach 'nn swic, vrunier knehl 
der rede, uns siiil doch ungerehl 
sumeliche dienstnian. 
get daz lanl ein not an, 

mit wem wellent sie daz wern 215 

und vor vinde schaden nern?' 
der knehl sprach ' herre min, 
da wellen t siz läzen sin : 
dem tagten sie geliche wol, 

so ich die wärheil sagen sol, 220 

da enhalp Tuonouwe. 
an sinem hove an bouwe 
manec man sach leiden blic, 
von Wieue unz an den Semeruic. 
88'' der Harlberc wart niht vermiten, 225 

daz lanl allez abe gerilen 
bi der Lila hin zelal. 

199. erib 2ÜU. iiiahs 203. pirli 210. D.. 211. swei 

216. Veint 218. sihs 219. D. Töten sili 



224 SEIFRIED HELBLING XV 

da die Unger heten wal, 

da ist daz lant gar verhert, 

wand inz leider nieraen wert.' 230 

' nü lä niichz immer dienen, 

gesell, waer du ze Wienen, 

do die vinde viir die stat 

suchten? wie wart daz pfat 

getreten an dem tokzen ! ' 235 

min knelit begunde wakzen 

daz houbet, 'lieber herre min, 

des lät iuwer vragen sin. 

ich stuont bi stuben burctor 

in einer zinn. da sach ich vor 240 

einen riehen dienstman 

sinen kneht ruofen an 

' Ekwart, ile hin und goum, 

daz der vorder schrancboum 

inder sich entzwicke. 245 

sie ritent also dicke 

als daz in der sunne vert. 

waz uns von in si beschert? 

sie rennent üf dem grieze/ 

der mich hin üz lieze.' 250 

sprach ein ander da bi, 

' ich braeht ir zw6n oder dri 

her in gevangen mit mir.' 

dem wart verhabet do diu gir, 

daz er anders niht entct, 255 

wan er lie'z durch friunde bet. 

ich sach umbe in die stat. 

ein herre sinen knappen bat, 

der mohte wol ein baseman sin, 

er sprach 'lieber Gozwin, 260 

du hast ein jopen, diu ist guot, 

veste ist din isenhuot, 

228. 229. Do 234. Suchten 235. Toegzen 236. wegzen 238. Des 
tat mich ewer 240. nach dieser zeile in der hs. ein querstrich. 

244. schran paum 245. In der s. entzwiche 250. mich] mir 
256. Danne er liez 259. Pazman 260. Gözzwein 261. Vöppen 



i 



SEIFUIED HELBLIi\(; XV 225 

so bislü, lielf, vermezzeii, 
wol üf gesezzen. 

ml nini min väiicl in die hant 265 

und wis vlizeclicli geniant, 
rit für das burctor, 
und liab iz lobelich enbor, 
daz ez der herzog selber sehe 
und uns beiden frumkeit jehe/ 270 

89* dem knappen was zer verle gäch, 
der herre ruoft im aber nAch 
' habe, la dir sagen mer. 
wis an die vinde niht ze ger. 
du hast vor diner starken wamp 275 

gesoten hanifakamp, 
<laz dir niht gewerren kan. 
Gozwin, hab den hengst her dan : 
wirt er dir erschozzen, 

ich gap dir unverdrozzen 280 

ein phunt vert dran ze stiure, 
daz giltest dii mir hiure. ' 
' ir mant in alze vcrre' 
sprach ein ander herre. 

'owfe, wä sint die minen? 285 

nü get iz an ein grinen. 
den Ungern gie iz nie so eben, 
in ist Ebersdorf gegeben: 
s6 iz si verwazen ! 

ow6, wie hat mich hizen 290 

Gerolt, den mir min vater lie 
üf einem hengest, der noch nie 
gras an fulzande enbeiz ! 
ich leiste im doch den geheiz 
der mich düht niht sncßde, 295 

do ich daz wisnede 
ze phingsten sinem vater liez 
da von daz ich imz gehiez 

266. vleifselcich 281. daran 285. Awe 291. den] de 

293. Grafs an falfzezeod nie cnbayz 295. snode 296. Weisode 
Z. F. D. A. IV. 15 



'>-.><; SEIFRIED IIELßUNG X\ 

an dem liengsl ze sliure. 

' lierre, klaget nilil so linre' 300 

sprach ein rennaTC, 
' ich weiz diu rehten rnivre. 
ein bekklotz, ein meslswin 
er ze des Pibers türlin 

kündiclichen uz bräht: 305 

ze sincr herberge er gabt : 
da sitzet der veltlursle ; 
meizlinc unde wurste 
kan er machen wol da van : 
er dient iu gerne, swie er kau. 310 

ich wil an in nihl riten. 
bring in, ich wil sin bilen. 
die vinde uf den griezen 
die Innern des niht liezen, 
89'' sie huoten wol der schrancboum : 315 

daz sag ich niht üz eime troum. 
ein dienstman kam mit grimme, 
zornic was sin stimme, 
er vuort ein venel in der liani, 
'alze nahen ist der brant 320 

der vor der stat üf get !' 
dri schützen er da het 
die vuorten ärmst unde bogen. 
'wir sullen vür die stat zogen! 
swes man da beginne, 325 

so lät diu pherifl hinne' 
sprach einer vor dem burctor: 
'da hat niemen pherift vor, 
wir tokzen da ze vuoze.' 

daz setze gol ze buoze. 330 

aller unser vordem sei, 
die wären zuo den vinden snel. 
niöhten sie gedenken wider 

303. Pekhkloz 304. Daz er zc des P. t. .305. hinauz 

308. Maysling vach 312 in der hs, ein querstrich. 315. Schran- 
paum 325. Wes 328. Do hat mein Ph. v. 329. W. Cegzen 

do 331. Alle 



SEIFHIED HELBLLNG XV 227 

wie wirz liAn geschulFen sider, 

ez waT in dorl ein wize wol. 335 

so man die warlieit saj^en sol. 

ow6 her Schenk von llüshach, 

waz iu ^ren hie gesciiach ! 

gol iuchs geniezen laze 

daz man ze Wienne ein strAze 340 

nach iwer herberge hiez. 

billich iu der viirste liez 

die burcgräfschalt ze Brücke, 

wand ir truogt über rucke 

daz gemerke wa-rlich. 345 

zwene beide nuiolcs rieh, 

ich mein die werden Priuzel, 

die liieten niht ein griuzel 

umb tiisent Lnger gegeben, 

s6 sis gen in sähen streben. 350 

ir banier gesparret, 

wol diu bi vinden harreJ. 

Richerstorf! sie kriren 
zehant die Lnger schriren 

' fugal fush niingrcl ! 355 

hie kumt Wuhart krel ! ' 
90" ich nennes niht zen riehen : 
bi herzog Friderichcn 
siut sie hofgesinde gewesen, 
die besten het er üz gelesen 360 

alumbe in disem lande, 
swen er vrum erkande, 
der muoste hofgesinde sin. 
des landes brot, des landes win 
er mit in erlichen zert; 365 

daz wart vrumclich gewerl 
von in an allen enden, 
daz wellent sie wenden 
und den viirslen rihten abe 

337. Scheuch von Haufspach 339. euchz 343. Prukh 

344. rukh 345. werleich 350. So si 351. gesparel 

353. Reiherstorff 357. Ich nennf siu nich zden reihen 367. im? 

15' 



228 SEIFRIED HELBLLNG XV 

daz er niht hofgesinde habe. 370 

der hof ist nihl des kleiner, 

deham selb ist niur einer. 

des ist daz lant allez vol. 

riche hern daz bew^rent wol 

die selbe hofgesinde sint. 375 

wä nü riter riters kint! 

ir Sit ze hove niht erkorn, 

iuwer herr get ane sporn, 

er bat diu pherift heime gesant. 

da mit sit ir des gemant 380 

daz man iu niht vuoter git. 

wä sin herberge lit, 

daz wizzet ir liht baz dan ich. 

des herren kiiche, dünket mich, 

ein vil lülzel riuhet. 385 

der kocb ab wege fliuhet 

und muoz iu unwierden. 

er hat niur im selbvierden 

bereit ein liitzel spise; 

daz schuof der herre wise. 390 

da ist niht schoener wecke. 

Kuonrät von Marchecke 

git iuz willeclicher, 

ern ruocht werd er sin richer. 

des vürsten hof niht wol gevert,. 395 

so der rät zesamne swert 

geselleschaft durch gewin. 

niht wol daz gevellet in, 

so ein herre erlichen gßt 

hin ze hove, swä er stet, 400 

90'' daz riter umb in dringent. 

zem vürsten sie gespringent, 

ir einer im zuo snallet 
wie der sin guot verschallet, 

lieber herre, äne not! 405 

372. nuer 38.3. leit paz 383. Ein vil luzel reuhet 386. fleuhet 
392. Marichekk 394. Rueht ohne ern 396. rott 404. sein 

gurtt 



SEIFHIED flELBLING XV 229 

ich Wien die ezzenl al sin bröl 

als er die rede kume verla-l 

der ander liiiizuo dra'l, 

' herre, ich han deheincn nuiot 

daz ich veiiogzen well min guot.' 4 10 

deui vürsten er ziio runet. 

' sparn guot, des sliiiiel!' 

s6 daz verninil der dril, 

hin näher er getril, 

er spricht ' waz suln riler vil? 415 

an der gerne swenden wil 

vische wiltpral guolen wiu, 

der läz vil riter bi im sin.' 

so sprichet danne der vierde 

' nimmer vro ich wierde, 420 

liebez herrel, wan hi dir. 

daz ist billich, du pepelst mir 

reht sam dinem kinde. 

din win klär unde linde 

tuot mir voUiclich als wo! 425 

sam ob min herberge vol 

riter unde knappen saeze, 

der ieslicher aeze 

üf minen schaden, herre min. 

ich gibe min weize, minen win, 430 

lieber umbe silbcrplischel, 

danne ich imz geb na pischel : 

daz ist ein übel zabelwart ; 

der liuvel var im in die swart, 

der sin ie gedsehte 435 

und ez erste vür bra'hte. 

der vürst solt wesen grüezec : 

uü tuont si in so unmüezec 

daz ein nigen küme erget 

406. die Ezzen alle 407. vertat 408. drei 410. wolle 

412. Sporn guett des slaunet 416. wil] vil 418. Der lazze v. 

421. wao] nuer 431. Silber pUeshel: vergl. plasch Schmeller 1, 338? 
432. na pischel r'st vielleicht eine scherzhafte entstelltitig des höhmi 
sehen napj se trink ! 434. varm in 



230 SEIFUIED HELBLING XV 

gein dem, der dort iu.eren stöt. ^^q 

der beginnet danne jehcn 
'den viirsten han ich wol gesehen 
und sine ralgesellen. 
waz sie da mit wellen? 
91' sie nagent im diu ören. 445 

ze einem landes toren 
wellent sie in machen.' 
des mac der liuvel lachen 
daz er inz niht erwern kan. 
ich wil niht langer hie stän, 450 

wir suln zer herbergc. 
Kuonrat von Silzenberge, 
nim diu gesellen mit dir, 
ir sult ezzen vor mir. 

als ez üz gewendet, 455 

der hof wirt eullendet 
daz man in siht blözen. 
einen schoch grozen 
siht man nach im üz geu. 

daz dühte e ein wol sten ; 460- 

nu ist ez gar ze nihte. 
Heber got, daz rihte 
über al die snuder da zuo 
daz man edellichen tuo,' 

'owe, waz redest, frumer kneht? 465 

ich biet aber sträfens reht 
gßn dir, daz du sagen wil 
des mir ze beeren ist ze vil 
und ist disem lande 
ein werltlichiu schände.' 470 

' herr, nü lät mich doch genesen ; 
ir sult mir geneedic wesen. 
ditz ist der tougen buoch genant ; 
daz sol niemen sin bekant, 
an heimlichen gesten 475 

441. gehen 446. torren 451. zder Herwerig 452. Sizzenperig 
455. ez] er? 456. enelendet? 460. Daz douht e ein Wolstcn 

463. Vber alle die snauden da zue 470. wertleicheu 



SEIFKIEJ) HKLÜLI.NC; XV 231 

die Ulis den gebresleii 
iiiisers landes liolfcn klugen. 
den sullr wir viii- Inigen 
unser buocli der louf^en. 

Iiorr, daz isl Ane lougen, 'iSO 

daz u);i'r niuoz an ein ende, 
sliiegel ir niicli an die zende, 
so wil ich doch reden nit^r. 
was ez der lantherren er? 

do man enhal|) Tuonouwe branl, 485 

do roublens disehalp daz huil, 
ze VVieune, wol drin tüsenl man. 
waz gewunnen sie den vinden an 
in sehs woclien unde baz? 
91'' üwe, unib win lie man daz? 490 

kleinen schaden man in tet. 
ez wieren bürge oder stet, 
da die vinde suochten hin, 
uienien het deheioen sin 

der in iht abe bra-che 495 

und sjnen schaden ra*che. 
in sumlicher veste 
wert man sich der gesle 
leider bceslich genuoc. 

ein gebüre sin släfluoc 500 

wert vrunieclicher vaster. 
daz ist wol ein laster. 
Rorouwe, Kirchenprel, 
Swabedorf, sant Pßternel, 

daz gefluochet si der zit 505 

dö ßrste wart an iuch geleil 
morter unde steine ! 
man wert iuch gar ze seine. 
s6 der schade geschiht, 
s6 spricht man lehn getrül sin niht. 510 

484. Waz 48fi. Do raublenst 488. gewinoe 490. vmbeu 

492. purign 495. Der 500. SlauHnech: vergl. !, 68.3. 

503. Rorau Chiichen prel 504. Swobdorf sand P. 507. Mauter 

nIO. So sprihten ihn getrauzen niehl 



23^ SEIFRIED HELBLING XV 

daz sie bedachten e den shi ! 

Getriitsinnilit reit den hengst hin, 

wan sie ze nahen lit dem hiern. 

ich sach hiute wol an viern, 

den waren sie unnütze. 515 

in diu antlülzc 

enphiengen sie die schrimpfen, 

daz sie sie muosten rimpfen. 

mit urloup, lieber herre, 

und rede ich ze verre. 520 

jr sprecht liht waz ich würke? 

der bischolf von Giirke 

vlös nier pf'erift an wer 

dan allez ungerischez her 

in disem lande tujte^ 525 

daz habet gar vür staete» 

diu rede hab ende, herre min, 

nu lät iu enpholhen sin 

daz sie niht kume viirbaz : 

die herren würden uns gehaz, 530 

ob von in diu schände 

erschülle in disem lande.' 

'geselle, ich bring ez niht vür, 
92" so slipfic ist niht diu tür 

mines mundes daz ich sage 535 

swes ich billiche verdage/ 

'ow6, künec Ruodolf, 
des muots ein leu, der raeze ein wolf 
der steete vür sich wirbel 

daz er niht verdirbet. 540 

der muot was volliclich an im, 
üf min wärheit ich daz nim, 
biet imz niht erwant der tot, 

512. Getranzen niht: wer achtlos ist kommt zu schaden, dem die aus- 
rede 'ich dachte das nicht' nicht abhilft, ähnlich ist Trauwol ritt da» 
pferd hinweg, bei ^gricola und noch im volksmunde. aber die fol- 
gende zeile, in der hs. Wann sy zenahen leit dem Hyern, scheint 
verderbt. 515. Den woren si vnaz : unverständlich ehe das vorher- 
gehende klar wird. 520. redde 521. werckh 522. Cuerkh 
529. chöm 534. stiphich 536. Wes 543. erwendet 



SEIFRIED IIELBLliXG XV 233 

er hiet gerochen unser not, 

daz sin ditz rieh hiel immer 6r. 545 

von Augustus allcz her 
wart nie sin j,feliche 
ilf allem crlriche, 
noch nimmer m6re werden kan 
in diser werk dehein man 550 

s6 gar an missewende. 
got herr, ze diuer hende 
si diu s^le dir gesielt! 
er was ein unverzagter hell 
hie an allen dingen : 555 

dar umbe geruoch in bringen, 
lieber got, üz aller not 
durch dinen menschlichen tot ! 
uü wart ein vride geworben, 
der was unverdorben 560 

des kiiniges halp, der herzogen, 
die sazten sich an undervragen 
bedenthalp an ir rat, 
daz, ob got wil, wol ergat. 
nii laze wir die rede stän 565 

und hebe wir aber an 
unser altez msere. 
wer bi der spräche wa're 
des kiineges halp von Ungern da? 
der bischolf von Goletschä 570 

und mit im etelich wiser man 
der ich niht genennen kan. 
der unsern ich niht nenne, 
swie wol ich sie erkenne. 

sie wägenz hin, sie wägenz her, 575 

dis wolden vil, jen woldcn mßr; 
des was es ungescheiden 
enzwischn den viirsten beiden, 
der bischolf sprach üz wiser kür, 
' nu leget iuwerm herren vür, 580 

92'' ob im diu rede viiege. 
562. sazzenl 566. aber wider an 



234 



SEIFRIED HELBLING XV 



der die nol zertrüej^e 
die wir in dem lande begön, 
got niöhtc lieber niht gesten 
uf der erde an deheiner stal. 
so welle oucli wir niins herren räl 
viirbaz da über vinden 
und wellen uns enbinden 
daz in süni niht unser sin.' 
dis vuoren her, jen vuoren hin 
da sie den künec vunden. 
au den selben stunden 
wurden sie wol enphangen, 
giietlich mit in gangen 
hin näher von den Hüten baz. 
der künec dö ze rate saz 
mit den aller besten 
die sinen rät wol westeu. 
gräf Myssä und gräf Ybän 
wären von dem rate getan, 
wand in stet ir gemüete 
üf deheine güete. 
der bischolf wislichen sprach 
' herre, sa^lde unde gemach 
und küneclichiu ere 
volg iu immer mere. 
lät werden mir ein stille, 
herr, siz iwer wille, 
daz ich iu rehte vür gelege 
wie ich iwer eren pflege 
g§n iwern widerwinnen, 
der rede wil ich beginnen.' 
zehant man swjgen began. 
dö huop er wislichen an 
' herre, des herzogen rät 
datze Wienne üz der stat 
komen üf daz velt gfen mier, 
der aller wisislen vier, 
die er gewinnen mähte. 
584. Gott luoht er 1. 590. Des v. h. gen 591. Do 



585 



590 



595 



600 



6Ü5 



610 



615 



SEII UIEÜ llELBHiX; XV 235 

(Ja engegen ich beträhle, 620 

ob ich 6 reden wolle 
u(l in gunncn solle 
daz sie gen mir spraechen 6. 
swiez umbe gedanken slß, 

ein man vil dicke gedenket, 625 

daz im doch uiht wenket. 
dö wir mit gruoze enphiengen 
93° ein ander unde giengen 
hin ZUG einem ringe stan, 

wir sahen vaste ein ander an. 630 

ich sprach in einer stille 
und si daz iwer wille, 
ir herren, ich luon iu bekant, 
der groze voget üz Ungerlant 
enbiut iwerm herren daz, 635 

well er wenden sinen haz, 
daz er sin lant im wider gebe 
und mit im vriunilichen lebe. 
waz sin wille si dar an, 

daz sult ir mich w^izzen län.' 640 

si swigen nach der rede min. 
die minen rede liez ich sin, 
daz sie erfunden wol ir sin. 
dö sprach der wisist under in 
herre, ez hat daz selbe lant 645 

errungen so mins herren hanl, 
daz ez in kostet also starc 
wol üf vierzec tusent marc. 
git uns die der kiinec her, 

wir sin des landes sin gewer.' 650 

ich sprach ' sagt ir von koste mir, 
ez bieten iwers herren vier 
niht daz kostet unser her. 
von dem Riuzischen mer, 

von Priuzen unz an Walhen, 655 

die bälgen und die malhen 

«22. od] Er 624. Wies 625/. vergl. 1, 107/. 634. Vngern- 
landt 652. eurz 655. V. Preusen — Wulichen 656 J'. ? 



236 SEIFRIED HELBLIiNG XV 

luil Silber nilit möhteii tragen, 
ane karren Ane wagen 
liunderl niile üf dem rucke. 

Heinburc unde Brücke, 6G0 

Hiüiperc und die Niwenstat 
gebt uns, daz ist min rät, 
unde Slarkenberc da zuo, 
daz man iu niht schaden tuo.' 
herre, also schiet ich dan 665 

und die dinen werden man.' 
der künec sprach 'nü Ion iu got, 
üz erweiter gotesbot, 
der rehtikeit ein ewart. 

du verst der getriwen vart 670 

in diser werlt: des wirt din slat 
dort vor der hohen trinität. 
ir herren, ir habt wol vernomen 
daz min rät ist widerkomen 
93^ gar an allez ende. 675 

swenn ich im mer noch sende, 
so hazz mich allez daz si ! 
da was doch niht schände bi, 
wand ich in niht ervorhte, 

an daz sich verworhte 680 

min volc an dem sinen. 
do lie ich daz schinen 
daz ich ein rehter kristen bin, 
und sande mine boten hin.' 
dö sprach der bischolf von Gran, 685 

' und hoeret daz gräf Y bän, 
der ahtet des vil kleine, 
möhte er alters eine 
verderben laut unde liut, 

im wa;r sam er mit einer briut 690 

vroelichen heim rite, 

657. mohten getragen 058. Ane Cham ane W. 660. Hainwuerch 

vnde Pruckb 663. Starchenwerc 665. schiede 669. retticheil 

676. Swan 680. An daz si v. 681. den 682. la 
688. allers so ein 



SEIFIUED lIELBLIiVG XV 237 

also sl6t des uiannes site.' 
dö sprach der von Vetzprem 
' min her au sineii ral nein 

den wilden gravcn Mizzen; 695 

nimer guolen bizzen 
gizzet der herzog mit im : 
uf min ambet ich daz nim. ' 
dö sprach der bischolf von Rahe 
' herr, luot iuch unmuoles abe. 700 

wir Süllen von dem rate sten : 
heizet die leien zuo iu gßn. 
swä man trelt gßn vinden haz, 
da zuo ralent leien baz/ 

der von Viinfkirchen sprach 705 

' min phafheil waer mir ungemäch, 
e min herre liez sin lant, 
ich slüege mit miner haut 
bßdiu wip unde kint : 

an mich doch vil phafien sint!' 710 

gräf Ybau hin näher trat, 
' mir ist verborgen iuwer rät, 
her küuec, umbe daz, 
der herzöge ist mir gehaz, 

er hat mir schaden vil getan, 715 

daz ich ein teil gerochen hän 
mit iwer helf, daz ist billich, 
wand ez ist daz künecrich 
mit rehtem erbe an iuch komen. 
swaz er mir 6 hat genomen, 720 

94' do daz laut an herren was, 
doch ich selbe vor im gnas, 
so er üf mich vuor mit her, 
er vant mich nie äue wer. ' 
der küuec wislichen sprach 725 

' bödiu vride unde gemach 
schüef ich benameu gern, 
swä ich möhte mit ern. 
Sit des dan niht mac gesin, 
703. tratt 727. penatn 



238 SEIFRIED HELBLING XV 

s6 ratet, werde helde min, 730 

wä und welch ende 
ich min her hin wende, 
ditz lant ist s6 erarmef 
daz cz mir erharmet.' 

dö sprach der gräf Vbän 735 

' nihl baz ich in geraten kan, 
ir heizet morgen rennen 
viir Wienne nnde brennen 
also nähen vor der stat 

daz alle die der viirste hat 740 

den rouch hin in smecken : 
ob die isenkecken 
gen uns ze velde haben muol, 
daz die brenner üf ein huol 
her dan vaste fliehen, 745 

unz wirs umbeziehen, 
daz wirs vähen äne wer. 
die zit vart mit iwerm her 
zelal in die Vizze, 

daz der woldan wizze 750 

nach iu komen üf die sla 
und iuch benamen vinde da." 
der rät geviel in allen, 
sie wurden ane schallen 

ir gevertes do enein. 755 

des morgens do der tac erschein, 
begund üf brechen daz her. 
wie hoert man bullen daz mer 
von den Sturmwinden? 

den döz moht man do vinden 760 

dö wol sehzehen sprach, 
die dem kiinege volgten nach, 
begunden sich üf machen, 
man horte wegen krachen 
94'' über stein, über gras. 765 

was da vihes, was da has, 

739. voD 750. Wolddan 752. benam 758. pullen : vergl. 

Graff 3, 92. 760. möht 762. volgen 766. Haz 



SEIFIUKD [lELBLING XV 239 

(laz was allez vor in l(U. 

der vogel in den lullen not 

leil von des heres galni 

uiiz in nider lie der twalm 770 

daz man in mit der hende vie. 

also rumJon sie liie 

nAch unsrrni schaden ditze lanl. 

der woldan der vor Wienne branl 

kam ouch nngestrilen dan ; 775 

hin nach do legen sich began 

daz her in der \ izze. 

do sprach der grave Myzze 

' her, her kiincc, sendl hin abe. 

von Comorn unde von Habe 780 

heizt diu schef bringen her, 

ich rat ez durch iuwer er. 

wir suUcn sie über varn 

und daz lanl wenic sparn 

von der March an den Kamp. 785 

ez si schuf oder lamp, 

pherfl rindcr unde swin, 

daz sol allez unser sin. 

uns kan niht enbresten : 

in den boesen veslen 790 

gwinne wir Hut unde guot. 

her künec, sit hochgemuot. 

si ez iwer wille, 

ligt mit dem her stille : 

lat mir zehen tiiseut man, 795 

da hän ich liut envollen an. 

der herzöge mit sinem rät 

vuor ze Heinburc in die slaf. 

ein vride wart gemachet. 

sin 6r si ungeswachet, 800 

der die rede ane vie 

von der diu reise wider gie. 

772. A. rauintcns sie liie 774. Wolddan 785. V. d. Maricli an 

den Champ 789. Vnnd 79G. Des hau 798 Hainwurch 

799. war 801. ohne vie 



240 SEIFRIED IIELBLING XV 

der kiinec und der herzöge 
sazten sich au uudervräge, 

islicher an sehs man. 805 

swiez die zwelfe legten an, 
also waer cz gescheiden ; 
daz lobten sie mit eiden. 
die schidliut naher giengen, 
95° ein stat sie geviengen. 810 

dö sie die rede griffen an, 
dö sprächen des küneges man 
ir herren trahtet üf und nider. 
min herre hab sin lant wider, 
diu schidung wirt nimmer guot. 815 

daz nemt rehte in iwern muot. ' 
do sprach des herzogen rät 
'min herre grozen schaden hat. 
dem gunt daz er sich reche, 
diu diuphiuser breche, 820 

diu mit urliug er gewan 
gar unrehten liuten an 
die ir bosheit niht helnt, 
tages roubent, nahtes steint, 
und sint mit rehter wärheit 825 

zwischen zwein landen überseil, 
dö sprach der bischof von Grau, 
ir sult guoten muot hau. 
min herre ist so gewaere, 

so rehter rihta.Te, 830 

daz er sie selbe breche, 
des landes schaden reche. 
Sit irz danne nemt viir vol, 
man sol iu sin gunnen wol, 
an swelch burc rains herren si, 835 

die sult ir läzen brechens vri, ' 
hie mit gehullen sie gelich 
und giengen viir den kiinec rieh, 
dem sagten sie diu maere, 

808. loben 809. Schidleith 826. vber seit 833. ver 

834. eusengunnen 



SEIFKIED IIELBLING XV 241 

wie ez gesclieiden wrerc. 840 

(15 daz graf Vban veniani, 
als ein cberswin er lani 
und vuor enwcc sa ze sUinl 
sam ein winnnnder hunl. 

die goisel er vast ruorle, 845 

sam in der liuvel vuorle. 
also wart diu suone getan, 
her, daz wizzet ane wän. 
ine wciz wes man dö noch began; 
die Unger riimlen dö den plan. 850 

well ir mich vragens nihl erlan, 
ich sag in niur als ichz kan. 
des haut geschuof den ersten man, 
der tuo uns aller sorgen an. 
854. an. Aincii. 



bl. 96 stehen die folgenden anmerliuugen. die blattzahlen sind dir 
einer älteren kandschrijt. die eingeklammerten Verweisungen sind hier 
im abdrucke hinzu gesetzt worden. 

Fol. 1 (2, 147?) Bernhardt Vrcidanch wierdt etlichinal gedacht, ob «t 
Autor sey oder nit. 
12 (?) Hie hebt er an die vollen Knappen zu reprehendiern. 
27 (?) Postprineipia. 

69 (2, 85 i/.) Conimuuio sab vtraquc, ein tail 7c hör, id est iq 
hoch, sensus, dise Wandel ein Infidens, als von den Cardinaln. 
Bischoffen vifd Pfaffen, sei gar zu schwer, wie auch die vom 
Kayser, quod priuata curat, publica id est Schisma Romannm 
negligat. 

(2, 869?) Franken, gallica moneta. 

70 (2, 926 i".) Contra Pfaffen. 

91 (3? ' .ff-) Ain anders gcsprech des Herrn vnd Knechts im Badt. 

94. 1 (3, IQIff.) Strafft er die Paurn, das sie wie Edel leuth leben. 
3 (3, 122 If) Strafft er die Ritterschafft, das sie sich mer auf 
den Geiz: als Ritterschafft geben, vnd der Teurnng freien vnd 
daiüber Juh/.on, dan vmb 5 iL ist ein teurung, vide obser- 
vaciones in verbo caristia. 20 fs ist sonst ein gemainer Kauff 
gewesen. 

3 (3, 135) Die Edlen, davon wil er nicht sagen, Mengt doch 
die Bischoff daruiider, die Wein leit geben. 

4 (3, 145) Werden reprehendiert, di weiten Ermel, so er spal- 
denier nent, so sie vber die risslung truegen, daruon supra im 

Z. F. D. A. IV. 16 



242 ZU SEIFRIED HELBLING 

lui-idariü, folio 5. pulo ilesigiiari : die Hofleulli, dise Ermel wer- 
den an einem andern Ort CliulleMErniel };eiianl. N ide observa- 
ciones meas, Verbo : -Veslilns Austrialiuin. 

(3, I6i) Swi die Gesehwulsl her da plel. Vide interpretacio- 
nein in meis obsernacionibiis. 
Toi. 102 (4, 1,//'.) Die vier landUierren so Oesterreich in vier Mar- 
grallsebaft laiin wollen, Chueariug, Sunierau, Liecblenstain, vide 
Lalii Genealogiam Austriani, fol. 195. Annales Austriae sub 
Anno 1305. 

129 (4, TU ff.) Herzog Friderich hal allerlai liorgeüindl, quare, 
dann er ist mit dem Herrnsl.aiindl nit wol gestandlen. Ist Epi- 
logus Argument!, das die Herrn allain dem Herzogen haben wol- 
len dienen, daher zusehen, das difs gediihl alles zusammen ge- 
bort, anzufahen, v ie die 4 landlberren ralhschlagen. 

135 (7, l Jf.) In disem Gedicht werden die Lasster gestrafft vnd 
werden tugent vnd lassler eingefiiert . das si miteinander ein 
sehlaebl thain. 

137 (7. t)5y/.) Wider die pfatTen. 

167 (7, 1131?) Altera pars. 

174 (8, l J/'.) Ein anders gedieht wider den Herrnslandt. 

178 (?) Zwajen, id est. Uiuent Zwayen sieh vermischen, vide qnod 
notaui sub, LandtRichter, in hune loeum. 

183 (8, 629) Seide. Vide in meis observacionibus. 

184 (8, 738) Kukäniseh. Ain iedes Landt hal sein Gewandt allain 
Oeslerreieb nit. 

192 (8, 1037,^.) Narratio bist. Aust. Die zulezt der Cbnecht spott. 
Slarebenberch von den erzelt wierdt in der Oesterreichischen 
Croniea manuscripla reimweifs von Herzog Leopoldo, der Teul- 
scben Herrn, die iezo gedachte Histori diuersum sagt, er babs 

den Jobaoiterordens etc. quare. Ist beraufszunehmen, das 

er vber Mehr eines Landt so er Slarebenberch genant hat. vnd 
nit daz in Oesterrek-h das heylige Grab dort. 

193 (?) reprebendiert das der fyersst do er die Landlberren griessen 
sei, sie in daruon abhalten, das er sie kaum naiget, difs buch 
ist gemachl wider die kargen Herrn. 

2(>5 (13, liff.) Mich gedeucht er wölk durch dise Specification an- 
zaigen, das er die besslen im Lande schon überlebt bab, son- 
dfrlich die Hitler vnd Chnecbl gefiirderl h.rben. daher bei den 
von Chuenring. der geb noch der Ehre snldl vnd Meiss Reitter 
handt das thctt. 

211 ,13, l'iAff.) Wider die Strassenrauberei der Chnappen. 

215 (? Thomae {Thema?) Die Herren trag<'n ncid vnd baz wider 

Ritter vnd Cbnecht vnd machen in odium nobililalionis I'aurn 

zu Ritter fol. al.hinc 23. 

der dag binwider wie es der Rilterstandt vermessen vnd sy ge- 

zigen hat, Ritter vnd Cbnecht seyn gar zu frey, droben supra 



zu SEIFK[E1J HELBLING 243 

im Gedicht von den vier Laridlherrn et iiifra im Gedicht das ist 
der lu{;en bnecii, in das \ ii-rlcn Ilfiifn llud, so daselbst einge- 
fucrt «ierdl. 
fnl. 217 (15, oi//".) Sentenz, .le/.o peb sy kaiiie claider. 

(15, 72) Verphey put«» pro lob, der es auch thue vnib so vil 
Hier, wann der Suiviveuey vielleicht Soekhen auch darzue gibt, 
Painclaider. 

220 (15, 241 ^•) Die Landtherreu haben das Landt lassen verhörn. 

221 (15, 2bSJf.) Hie sticht er den Dienstnian. das sie nur Jre 
Knecht an den fcindt schickhcn. 

228 (15, 500) Ein l'aur sein Schlal'loch wert besser. 

(15, 523) Die Hungern das Landt verderbt. 
231 (15, 559^.} Ad historiam, Frids tractation mit Hungern. 



Sei/'ried Ilelbli/ig, so nennt er sich selbst iviederlioU, 
13, H. 124 und 194, ist um 1230 geboren, diese annähme 
beruJit auf folgendem sehluj'se. in einem seiner büehlein, 
dem neunten, das dem inhalte nach vor das vierte rückt — - 
z. l^^ Jjf- vertreibt er nämlich seinen knappen und 4,10 w- 
wähnt er dies — , nennt er sich z. 57 einen sechziger. 
nun kann aber das vierte gedieht nur zwische?i dem spät- 
herbste 1295 und dem hochso?nmer 1298 verfaßt sein, denn 
die verschwürung der landherren ist vorüber, nach z. 322^^. 
tmd könig Adolf lebt noch, z. 6 12 Jf. i folglich gewinnt 
unser schlufs volle Sicherheit. 

Dafs er ein Österreicher war bedarf keines tceiteren 
beweises als der betrachlung seiner überall hervortretenden 
ausschließend österreichisch patriotischen gesinnung und 
seiner innigen liebe für Österreich, das er höher hält als 
alle übrigen lunder und dessen freie volksthümliche enl- 
wickelung ihm durch das eindringen fremder sitte gefähr- 
det scheint, 1,225. 1,280. 1,443. 1,473. 2,63. 2,1463. 
3, 210. 3, 332. 14, 5. 14, 11 u. s. w., abgesehen davon 
dafs er, tvo er von Österreichern .spricht, sich häußg mit 
einem wir oder uns ihnen beizählt, so z. b. 1,475. 1,566. 
3, 243. 8, 394. 14, 12. seine liebe zum vaterlande ist da- 
bei so echter art daß er mit ehrenwerther gesinnung das 
fünfzehnte seiner bücher, das manchen bitteren tadel ent- 
hält, nur vor vertrauten fremden gelesen wünscht, daz sol 
niemen sin bekant, an heimlichen gesten, die uns den ge- 

16* 



•244 ZU SEIFRIED HELBLiNG 

brcslen iinscrs landos helfen klagen z-.A7\ff.; schon die 
iiberschrij'l der lougen boucli, cergl. 5.473, verrätli gleiche 
absieht, hierin ist er ohne vergleich zar {fühlender als die 
tadler unserer zeit, die die schniach des Vaterlandes scham- 
los am fremden herde ausposaunen. 

Ich hiinnte hier eine lange reihe urkundlich erschei- 
nender Ih'lhlinge von 1145 bis zinn heutigen tage aufzäh- 
len; ich selbst henne drei mitlebende stadtgennfsen dieses 
namens; doch scheint mir dies cbeiiso fruchtlos wie mein 
mühseliges immer tvieder begonnenes suche?}, das am ende 
doch keinen Seifried zu tage förderte, ob sein geschlecht mit 
dem in Tijrol erscheinenden ritiergeschlechte der Ilelblinge 
von Strafsfried (F. A. Brandis, des tirolischen adlers ini- 
mergrünendes ehrenkriintzcl. Botzen 1678. 4^. 2, 66), ivel- 
ches 1436 ausstarb, vei^wandt war, iveifs ich nicht; so viel 
ist aber gewiss dafs er selbst dem ritterstande angehörte, 
weil es sich aus seinem werke schlief sen liifst. denn abge- 
sehen V071 der ganz ritterlichen gesinnung in der er seinen 
stand höher hält als alle übrigen, sehnsüchtig in die tha- 
tenvolle Vergangenheit blickt, 4, hjf., ja alles ernstes noch 
zum kreuzzuge mahnt, 8, 970 ff. 8, 1003j^., tadelt er, ivo 
es erscheint, unritterliches leben, 7, \2Q7ff. 13,91. 15, 65^., 
misbilligt bitter die absieht der mächtigen grundbesitzcr 
den freien stand der ritter zu unterdrücke?}, 4, 760—^782. 
8, 894. 15, 140, ja er bezeichnet sich an melü'eren stellen 
geradez?? als eine?i solchen, so 4, 275. 4, 565. 7, 1217. 
8, 263, und hält ei?ien knappe?i 1, 16, den er selbst edel 
kneht anspricht 1, 152, und betschelier d. i. bachelier ?ien- 
nen läfst 2, 1316. seine jugeiid hat er ivahr schein lieh am 
hofe irgend eines ?nächtigen österreichische?} n}i?}iste?nalen, 
etivn Liutholts vo?} Hardek oder eines von Kuo?irinc zuge- 
biacht, treil er diese besonders preist 7, 371. 15, 169, und 
er hält sich ?}och i?n aller in der ?}ä1}e der besilzungen jener 
geschleditcr auf. man vergleiche 1,568. 1,167. 1,1113. 
7, 199. 7, 1133. i/} der e?H?u}er}t?}g a?} jene e/}tschwundene 
zeit, zu der ar i??}?ner iviederkehrt, wi?'d er weh?nütig in 
seine?n a}isd?rueke und fühlt seine zeit jener ihatkräftigeim 
nur zu unähnlich, .in läfst er 15, 47 seinen jugendlichen 
knappen aim-ufen herre, ich h(er die alten sagen daz bi ir 



zu SEIFHIKD flEIJJf.INC 245 

alten lebctagcii daz laut gar mit vreiiden was. s6 die bluomeii 
undc {,n'as cnspriiuj^cn in dem meien, die liöcli|;cinuolcn leien, 
ich mein die lierreii niilto, die j^abon kleider, schule : so 
huop sich liirnioren, tanzen, tjoslieren, buhurl in den gaz- 
zen, schilt literlichen vazzen //. s. w. im dreizehnten ge- 
iliclile aber nennt er eine reihe berühmter vuinncr seines va- 
ter/findes, deren thaten er selbst gesehen habe, niitnlieh Otte 
und Ixi/onrät ron Hardelc 13, 18; die von Sliunz 13, 24; 
Albreht, Heinrich und Uadmdr von Kuonrinc 13, 29; Liitt- 
holl von Ticrnstein 13, 3ü ; liapot von Valkenberc 13, 43; 
Otte von Missou 13, 58; Ixddolt und Sifrit die Weisen 
13, 69 (vergl. über die genannten die u/iten folgenden er- 
iäuierungen) und bemerkt gerührt ich armer Helblinc Sifrit, 
g6n alfer swindenf mir diu lit, ich hän die besten überlebt 
der muot näcli hohen eren strebt, ebenso in?iig preist er 
den rahm des letzten Babenbergers, Friedrichs des stj'eit- 
baren, dessen heldenmütigen tod (15 juni 1246) er erlebt 
hat (vergl. Ulrich v. Lichtenstein 529, 29 ff.), so wie Ru- 
dolfs von Habsburg iüchtigkeit, tvo sich nur veranlafsung 
findet, doch mit der gegenwart ist er zerfallen und er- 
klärt sie geradezu für jeder festen i'ichtung entbehrend, 
vergl. 1,216. 1, 158. 2, 58. 3, 364. 8, 648. 8, 762. mir 
gevellet kum der dritte ; so gevalle ich dem vierden niht 
üufsert er 7, 1224, und an dieser trüben Stimmung mag 
zum theil wohl auch sein vorgerücktes alter schuld sein, 
was er auch an viehreren stellen, aufser der oben ange- 
führten an der er sich be?'eits sechzig jähre vorüber nennt, 
ausdrücklich eriviiJmt. einmal 7, 1218 ow6, waz wil ich 
riterschaft? ja hat min riterlichiu kraft vil nahen an mir 
ende; dann9^24, vei^gl. 9,164, ich bin die maze betagt ein 
man daz ich wil noch enkan minen vriunden niht geleben, 
do mir diu jugent künde geben bediu niuot und den gelimpf, 
ich treip mit in manegen schimpf, des mir nü vil abe get. 
vergl. 5, 5(jöjf. 

fVie man aus 1, 1398 und 2, 490 sieht war Helbling 
zur zeit unserer dichtungen lerehlicht, und dafs seine ehe 
keine kinderlose loar bemerkt er selbst mit den Worten kint, 
vater unde en bin ich allez sant gewesen 10, 76. seines Hau- 
ses erwähnt er 2, 17 vergl. 4, 537, eines baumgartens2,2Z., 



246 ZU SEIFRlEl) HEf.BLINC 

so trie eine s fei des 8, 10. aufser dem erwähnten knappe/i 
erscheint noch ein kellna're 4, 520 in seinen diensten und 
vuifs zur feldbestellunfc doch wenigstens ein 'bauknechV an- 
genommen werden, er nennt sich übrigens an mehr als ei- 
?ier stelle mit seinem auskommen xn frieden, so 2, 6. 2, 472 
//. s. te. 

Do/s Helbling nicht zu Wien selbst ansäj'sig war läj'st 
sich ai/s inehreren stellen seiner gedichtc schliefsen, so 
1. 568,/r. 7, 199. 5, 1133. 8, 496 u. s. w., obwohl er mit 
den örtlichkeiten dieser Stadt ziemlich vertraut ist. so ein- 
wohnt er den graben 2, 338, den Schottenhof 2, 344, die 
hochstrafse 8, 499, das biberthürlein 15, 304, das stuben- 
Ihor 15, 239, das haus des Kuonringers 8, 505, die Schen- 
kenstrafse 15, 340; doch hält es nach der zu unbestimmten 
angäbe im siebenten gedichte z. 1133 ^ind 199 schwer sei- 
nen auf enthalt genauer an zif geben. 

Seifried war für einen laien 7iicht ungebildet, er kotrnte 
lesen, wie er selbst 7, 450^! zu versleheji gibt, war in der 
bibel zieinlich bewandert, ja er liebte es sogar hie und da 
lateinische worte seinen gedichten einzureihen, die er dann 
geschäftig verdeutscht, so 2, 462. 7, 12. 8, 1126. 8, 1128. 
9,75. 9,151. 9,154. 10,48. \^,M u. s.iv. nicht minder 
bekannt zeigt er sich mit der schönen literatur. am häufig- 
ste?} envähnt und preist er Jf^olfram von Eschenbach, die 
stellen 3, 150. 13, 20. 13, 80. 15, 107. 15, 119. 15, 133. 
15, 163 beziehen sich auf dessen Parzival, 7, 842 wahr- 
scheinlich auf den Wilhelm, den Morunger erwäh?it er 
1, 759; einen meisler Kuofirut von Haslou 2, 443, der ohne 
zweifei Osterreich angehörte wie der dichter jenes rügelie' 
des das er 2, 699 als vor kurzem gedichtet erwähnt, auch 
der 2, 147. 6, 47. 6, 186. 8, 488 angeführte Bernhard 
Freidank scheint mir ein zeitgenofse und landsma?m Sei- 
frieds zu sein, wie schon der reim hat : spot 8, 491 zeigt, 
dafs er mit dem bisher bekannten Freidank nichts gemein 
habe braucht demnach wohl kaum erwähnt zu iverden, um 
so weniger als die von Seifried angeführten stellen allein 
schon sich des älteren Freidanks unioürdig zeigen, dafs 
Seifrieden bei seinem iverke jenes gr'öfsere klaggedicht des 
Strickers (bei Hahn xii) vorgeschwebt habe, besonders beim 



zu SEIFUIKI) HELBLIX; 247 

fünften gedickte, scheint mir nicht unmöglich, so wie «, 283 
hc/T Engeliiiür mich <in ^eidharl erinnerte, einer mir un- 
bekannten viel leicht striche/sehen Ja hei ist die leider so 
kurze anj'ührung 8, 530 entnommen, doch rer mochte ich sie 
unter den bekannt gemachten fabeln dieses dichters nicht 
aufzufinden. aus G, 3 IdJ'st sich auf bekann tschaft mit 
Strickers liarl oder seiner quelle dem liolandsliede schlie- 
fen, auf die sage von den Nibelungen deutet G, 160 und 
11,86: auf die klage (z. 2159 Jf.) 8, 1064. dem Jnno- 
liede scheint 8, 417 nacherzählt, so wie die wieder halte er- 
wähnung des königs Fruote von JJiinemark?, 366 und 13,111 
an dichtungen jenes kreifses denken liifsl. 

Einige seiner biichlein hat Helbling der form jener 
vielvej'breiteten in gesprächen zwisckefi meister und schaler 
abgefaj'sten laienenci/clopädie des mittelalters nachgebildet, 
bekannt unter dem namen Lucidarius, Elucidarium, oder 
Aurea gemma. ich sage nur einige, denn das zvas sich uns 
i?i der einzigen papierhs. cod. phil. «"50 der kaiserlichen 
hofbibliothek zufTien (vcrgl. IluJ/'manns Verzeichnis s. 156 
unter n° lxxv) von Helbling erhalten hat ist eine auf der 
scheide des 16// jh. veranstaltete V7id geschriebene Sammlung 
seiner verschiedenen gedickte, deren zivei er selbst 'buch' 
und 'büchlein' nennt 7, 247 und 15, 473, ein drittes der 
alte Schreiber schon (2 nach z. 1516). es icar Seifrieden 
in diesen gedickten hauptsäcklick itm wahrke.it zu thun, die 
er auck unverzagt verkündet, vergl. 1, 13. 1, 31. ferner 
swer ein grözez unbilde tuot den heize ich gerne schriben an, 
daz sich da \i\ ein ieslich man bezzer der iz hoere lesen 

4, 278. im ackten gedickte aber z. 826 Jf. Uifst er den 
kneckt sagen swiez ergß daz wag ich. und kunituns der künic 
her, ich rede ie des landes ßr, ez si daz man mich binde, 
der rede ich niht erwinde, denn, bemerkt er an einer an- 
dern stelle 2, 89 daz gßt mir slozund umb die brüst; 3, 394 
aber herre, swaz ir mir gedröt, unrehte site ich melde ; 
15, 482 slüegel ir mir an die zende, s6 wil ich doch reden 
mer. dabei gekl es zuweilen nickt ohne derbkeiten ah, 
wie man 1, 84. 1, 139. 1, 296. 1, 451. 1, 1199. 2, 385. 

5, 83. 5, 89. 5, 95. 5, 107 //. s. w. seken kann. 

Dafs eine solciie Sammlung freimütiger rügen Jur die 



248 ZU SEIFRIED HELBLLNG 

sitte?igcschichte über/ioi/pt, fiai/ipfitlich aber für die innere 
geschickte des Inndes das sie betreffen, als quelle von nicht 
geringem iverthe sein miifse begreift sich; befremdend aber 
ist es dafs sich bis zur stunde nirgends auch ?iur eine spur 
einer zweiten hs. hat entdecken lafsen, loährend noch am 
anfange des 17« jh. verschiedene hss. der einzelnen vor- 
handen traren, ivie sich aus der wechselnden Schreibweise 
unserer Sammlung darthun läfst. wir haben also in der oben 
bezeichneten leider so späten abschrift alles beisammen was 
uns von Seifried erhalten ist; denn dafs jene unter dem 
nainen eines Seifrieds bekannte Alexandreis nicht unserem 
Helbling angehöre lehrt, aufser der über ein halbes Jahr- 
hundert jüngeren spräche, schon die betrachtung dafs Hel- 
bling, sollte er der dichter jener elende?i bearbeitung sein, 
über ein hundert und zwanzig jähre hätte leben und dabei 
noch so viele kraft bewahre?i müj'sen um bei einer so end- 
losen und leei^en reimerei nicht schon nach de?i ersten tau- 
send Zeilen zu erliegen, übereinstimmend ivird. nämlich in 
den hss. der Alexandreis jenes in sehr dürftigen Verhält- 
nissen lebendeji Seifried das jähr 1352 als das der abfa- 
j'sung augegebeii. die mittheilung über die Münchener hs., 
welche den Alexander auf 10,000 Zeilen bringt, verdanke 
ich der gute des herrn Franz Pfeiffer, die Heidelberger 
und die drei Wiener hss. habe ich selbst eingesehen. 

Die aufschrift Dacz ist der junge Lucidarius, loelche 
das erste gedieht unser-er sam?nlung trägt, bezieht sich ohne 
zweifei nicht auf alle, und schon zur zeit des Sammlers war 
man dieser ansieht, denn Reichart Strein freihei^r zu Schwar- 
zenau, welcher, wie ich nach der fafsung der alten in der 
hs. erhaltenen anmerkungen schliefse, höchst loahrschein- 
lich der summier war, (vergl. über ihn F. C. F. llhauz 
versuch einer geschichte der österreichischen gelehrten. 
Frfl. und Leipz. 1755. 8. s. 22^ ff.) führt in einem aus- 
zuge seiner genealogischen notizen, handschriftlich im archive 
der niederösterreichischen stände zu Wien, mehrere stellen 
aus Helbling auf, erwähnt aber unterscheidetid immer nur 
die cinzelüberschriften der gedichte, als der taugeabuech, 
von den vier markgrafscheflen, des landes klage u. s. w. 

Die einzelnen büchlein sind auch in verschiedene?i jah' 



zu SEIFIUKD HELIJMNG 24'J 

ren entstanden, das iilh-sle, ndmlich das J'ii/iJ'fe.. nuch rin- 
dern 25// april 1289, an we/c/iem tage Alhrecht mit bedeu- 
tendem heere gegen den graj'en Yban ron (iüssing auszog, 
folglich der vorwarf z-. 13./'. nicht mehr passte, das jüng- 
ste aber, das vierzehnte, in der zeit der regierung von 
Albrechts des 1// sühnen, Rudolf und Friedrich, das ist 1299, 
sieh z. 73 ,//". das erste, dritte, sechste, siebente, zehnte, 
cilfte, zwölfte und dreizehnte fallen ohne schärfere bezeich- 
nung in diesen zeitrauvi, denn xilbrecht heifst überall noch 
herzog; das fünfzehnte nach dem zuge Andreas des 3n ron 
Ungern, des f enezianers, gegen Jflen, also nach 1291; 
das zweite ohne zweifcl in den sommer, höchstens herbst 
1292, wie die erwähnte sedisrncnnz nach pabst ±\icolaus dem 
4n, zusammengehalten mit allen übrigen Verhältnissen, schlie- 
fsen läßt, das vierte gedieht mit seinem Vorläufer, dem 
neunten, ist wie schon erwälmt zwischen dem spätherbsle 
1295 und dem hochsommer I2d8 abgefafst, das achte endlich 
harz nach deui 27 n Juli 1298, denn hönig Adolf lebt nicht 
mehr, die nähere begründung dieser bestimmungen geben 
die unten folgenden anmerkungen. 

Helblings gedichle in einer leserliche/i- gestalt und von 
den ärgsten entslellungen der späten hs. ?uöglichst gerei- 
nigt den freunden unserer geschieht e und literatur zu über- 
geben war meine absieht, die liegend gedruckten stellen 
zeigen leider wo meine kraft nicht hinreichte der schweren, 
ja vielleicht unmöglichen aufgäbe zu genügen, denn das 
werk eines dichters des dreizehnten Jahrhunderts von dem 
auch sonst noch anderes in guten hss. und von ziemlichem 
umfange erhalten ist, nach einer einzigen dem ausgange 
des 16// jh. oder beginne des 17 n ungehörigen herzustellen 
ohne gewalt anzuwenden, gehört schon zu den schwierig- 
sten aufgaben besonnener kritik ; was aber erst wenn der 
dichter aujserdem völlig unbekannt ist? ivenn er noch dazu 
vom bekannten sicheren pfade reiner höfischer spräche ab- 
lenkt i?is wilde gestrüppc mundartlicher eigenheiten'? wenn 
nirgends ein halt sich zeigt, die hs. willkürlich ändert, 
der dichter willkürlich wechselt, der boden unter den fü- 
fsen wankt? welche schioierigkeiten bot nicht Neidhart ei- 
nem Benecke und rvas war das för eine hs. ? aber Helbling 



2ÖÜ ZU SKIFHIKD HELBLING 

ccrdtetitr os gar sehr ans licht zu treten, de/i/i seine Schil- 
derungen sind roll leben, wenn auch nicht zierlich, doch 
wahr, er ist ein derber zeuge seiner zeit, aber ein auf- 
richtiger, dem das herz blutet tven/t er tadelt und der den 
mächtigsten zeitgenoj'sen. Ja ganzen stdndeji gegenüber ohne 
scheu verwarf was ihm verwerflich schien. 

Zu herzlichem danke fühle ich mich meinem freunde 
Moriz Haupt verpflichtet, dessen aufmunterung mich wäh- 
rend der arbeit ermutivrte und der noch während des druckes 
half wo zu helfen tear. 

Wien den 23// niärz 1844. 

THEODOll GEOIiG VON KARAJAN. 



AN3IERKUNGEN 

1, 167. ze wald. das ist im nordwestlichen theile Österreichs 
unter der Enns, noch jetzt 'das waldeiertel' genaiinl von 
den auslaufen des mächtigen Böhmerwaldes, der sich von 
da an weithin an die gränzen Baierns zieht, auch jen- 
seits heifsen die ihm anliegenden gegenden, nördlich von 
Straubing DeggendorJ' 7/nd J^i/shofen 'imwahV oder vor 
dem leahV (Schmeller wb. 4, 62,/) und schon früh, in 
einer Urkunde kaiser Konrads desZn vom jähre 1139 Jinde 
ich die gegend wn Zwetlel mit nordica silva bezeichnet 
(kirchl. fopographie Österreichs bd. 16 s. 8). die benen- 
nung galt übrigens für die ganze gegend bis herab an 
die Krems, wie man aus dem alten salbuche Passaus 
lernt (mon. Boica 29% 66). 

in der Ragzgegent. nm Hetz an der gränze Mähre?is, 
oder wie andere wollen, sechs stunden tvestlieher um 
Raabs, indem sie das urkundlich oft erscheinende Ra- 
kez, Rachez, Rakz, Ragtz, Ragz u. s. w. auf den letz- 
teren ort beziehen (vergl. F. Kurz Österreich unter Ot- 
toc. und Albrecht bd. 2 tirhmde xiii, xliii und xliv; 
M. Fischer merkw. Schicksale Kloster -Neuburgs 2, 68. 
S. Calles annales Au,striae 2, 584 anmerkung c, und R. 
fr. V. Stillfried • Rattonitz genealogische gesch. d. burg- 
grafen v. Nürnberg. Görlitz 1843. s. 3jf.). 



zu SKIKHIED IIEI.BLING I 251 

I, 170. an fiiipin ermcl liiilen vier zo lelitein wäpeurocke 
geiiuoc. über die tolle aiisartt/nf^ der traclU dieser ge- 
ge/idcn setze ith die zußilli<j; crhalletie äufserung eines 
zeili^enqßen hierher, weil sie mir zum vergleiche mit 
Ilelhliiigs tndrl an mehreren stellen seiner gediehte, z. b, 
8, 454. 8, 7'i0 //. s. ir., lehrreieh seheint, iiotandum ([iiod 
post inorlcin Albcrti regis Uoiiiaiiormii in AusJria et in 
Sliria et eliam in aliis lerris plures adinvenliones et 
nnvitalcs in sarcicndo vosics siirrexernnt. alii in tunicis 
sinislrani nianicam de alio paiiiio Icrebanl: alii i|)sam si- 
iiisfrain iiiaiiicain in lanlum ainj)liabant iit anipliliido ex- 
cedorcl lnii>;iiudinem ijj.siiis tunicc ; alii amhas nianicas in 
tantuni ampliahanl ; alii siuislram nianicam ornabant di- 
versimodc, vel cum sericis vel cum argenio ; alii cannas 
argenteas in sericis dcpendcbant per lolam illam nianicam ; 
alii laniinam de alieno panno cum litleris argenteis vel se- 
ricis in peclore defcrebant; alii in sinistra parte pectoris 
imagines defercbanl; alii circulis serieeis circa pectus per 
toluin se circumcingebant. in tantum eliam arlabant fere 
omncs luiiicas ul aliqui nisi per adinlorium aliorum, ali- 
qui per nodulos, per brachia a manibus usque ad bumeros, 
et per pectus et per totum ventrcm inlierenlcs tunicas 
iiigredi vel egrcdi valuerunl. ampliabant eliam tunc ca- 
picia, id est foraniina per que caput veslem egreditur, ut 
in bominibus istis buuieri, scapule, pectora in niaxima 
parle apparerenl. tunc eliam de alieiiis pannis magnilica- 
bant limbrias Innicarum et ornabant ul quondam fatuis 
contingebanl. inlcrdum iucisuras in linibus vestium facie- 
bantelpro ümbriisporlabant. capuciis eliam omnesinceperunt 
Uli, lam (/. tanquam) ruslici, Judei, paslores. cessavit eliam 
tunc usus mitrarum viriliuni, per quas inier laicos plures 
Cbristianus agnoscebalur a Judeo. de coina eliam vel valde 
parum vel omnino ut Judei vel l ngari comam dividebant. 
cingulos eliam mutabanl. nam vel zonam vel sie muni- 
tissimas corrigias deferebant et valde profunde, videlicet 
nisi super bracile, deferebanl. tunc etiam pallia in tantum 
curtabant quod aliquibus vix posleriora langebant. ince- 
pit etiam in sericis tunc varietas a famulis et clientibus 
ttsa contra militum antiquam consuetudiuem. in superio- 



•252 ZU SEIFIUED HELBLIiMG 1 

bus lunicis ctiam aciirlabanl iiianicas, ut super bracliia \ix 
ad cubilum allinüjebanl; sub cubilu vero longuui quid ul 
vcxilluni dcpendebat. so der anonymus Lcobiensis bei Pez 
Script, rer. austr. 1, 947 zum falschen jähre 1336. vergl. 
Böhmer fontes ?'er. germ. 1, 425 n7imerkung 4 zu Jo- 
hanji von Victring. 

[1, 177. Cbeverpcunt ein. ortsnamc icie Keferloh {Schmeller 
2, 285)? oder gar gemahnend an das seltsame ags. cea- 
forlün {mi/th. 1e ausg. G55), da tun gerade loie peunt 
septum, hortus? Jacoh Guimm.J 

1, 314. uz einem Pöltingaere. das ist aus tuch von St. 
Polten, einer sehr alten Stadt Osto'reichs unter der Enns. 
sie liegt im viertel ob dem Wiener loalde an der Trai- 
sen und trieb im 13» jh. lebhaften handel. auch sonst 
werden ösferreichische tücher in Jener zeit genannt, so 
bei Neidhart 29, 2, 6 Ben. si truogen beide rocke nach 
dem hovesite Osterricbes tuocbes. den bürgern St. Pöl- 
tens aber gestattet eine Urkunde könig Ottackers vo?n 
18/^ apj'il 1259 die einfuhr gefärbter tücher nach fVieri 
{monumenta Boica 29'', 138). flandrische tücher erscheinen 
bei Helbling 2, 77 und zwar griien brun rot von Jent. 

1, 444. die Beier dicke habent genomen in Osterrich der 
herren guot. schon der umstand daj's Osterreich ob der 
Enns bis 1156 zu Baiern zählte, datin die auch noch 
später gröstentheils durch Schenkung den bairischen Stif- 
tern Salzburg, Pafsau, Regensburg, Bamberg, Freising 
u. s. w. unterthänigen zahlreichen besitzungen im inne- 
ren des landes musten dem einflufsc des nachbarstaates, 
besonders in früheren zeiten, bedeutenden Vorschub lei- 
sten. Pafsau stand aufserdem durch sein diöcesanverhält- 
nis in bedeutendem übergewichte, und es begreift sich dafs 
der zahlreiche niedere adel des grofseren mutterlandes 
durch lehe?isnahme, vogteien, erbpachl und sonstige dienst- 
verhältnisse diesen ihm günstigen einßufs zu nützen loohl 
wird verstanden haben, in den österreichischen Urkun- 
den jener zeit erscheinen dem entsprechend allenthalben 
bairische edle in dienstverhältnissen zu den geistlichen 
körper schuften und den herren des landes. der dichter 
rügt diesen einßufs von seinem Standpunkte aus, als die 



Zr SEIFHIED IIELBLING I 253 

freie entwich elung des nationalcliarak(e7's hemmend, so 
wie später 

1,472. ez ist nilit unbilluli, rilit wir ims nacli den Swaben 
jenen des schwäbischen adels, der am ho/c Albrechts des 1«, 
besonders in der ersten zeit nach dessen ankunfl in Oster- 
reich und nach dessen ernennung zum herzog (1 juni 
1283; Ph. Lambacher österreichisches interregnum. Jfien 
1773. a/ihang s. 191)) auf hosten des heimischen sich 
platz zu machen suchte. 

1, 564. sani da der lierzoge ein her gebiulel. der Sammel- 
platz des heeres, das hier ohne zweifei gemeint ist, war 
die ebene um Traiskirchen, zwei stunden südlich von 
Wien, auf welcher herzog Albrecht am 25/^ april 1289 
(sant 31arcbstac Otlack. sp. 267*') fnit ^fünfzehn tausejid 
mann gegen den grafen Yban von Güssing auszog (ve?'gl. 
St. Itätona hist. critica Hungariae, stirpis Arpadianae. 
Budae 1782. 7, 986 Jf.). den verlauf des feldzugs 
erzählt Ottacker sp. 267'' Äw 281'' ausfuhrlich und leben- 
dig wie immer, aber auch er, wie Seifried, unten 1,822 
bis 829, vergl. 1, 894 ,ff., vnterläfst nicht sp. 275" 
deji heimzug der edlen hehlen zu schnitt feldbestellung 
und iceinlese zu rügen, in seiner iveise ernst tadelnd wo 
Seifried spottend geifselt. 

1, 569. daz hie dishalp Tuonouwc lil. der z eile 1, 167 ent- 
sprechend ist auch hier die gegend ze walde und um 
Ragz gemeint, etwa eine stunde südöstlich ßiefst näm- 
lich die Pulka von tvesten nach osten, und diese richtung 
nimmt auch nothwendig das heer der aufgebotenen aus 
der traldgegend, also eneben an der Pulka 572, bis etwa 
zum uralten markte Pulkau, damals zur grafschaft Ilar- 
deck gehörig, wo sich die strafse südwärts der Schmi- 
da zuwendet, diese um Röschitz erreicht 7ind bis zu ih- 
rer mündung in die Donau in der nähe des z. 4, 496. 
7, 151 u. s. tc. anscheinenden uralten Trübensee oberhalb 
Stockerau nicht wieder verläfst, also ze tal an der Smi- 
da 573. vergl. 4, 217/. 

Die z. 574 genannte Teie d. i. die Thaya bildet die 
gränze Österreichs gegen Mähren, ßiefst vo?i west nach 
ost und wer von ihr oder aus der grafschaft Hardeck der 



254 ZU SEIFRIED HELBLING I 

Donau zu will mujs nothwcndig südwärts ziehen, dahei- 
die ab her von <lcr Teic variil x-. 574. der richtung des 
Kamps wird aber folgen wer von der Lüesnilz, jetzt 
Lainsitz, Leisnits, zuweilen Luschnitz genannt {vergl. 
rationarium Stiriae bei Rauch Script, rcr. austr. 2, 207, 
die Urkunde von \ 185, /'ern er das chronicon antiquuni de 
finibus Austriae, ebenda 1, 246, die kirchl. topographic 
Österreichs 16, 4 7i. s. w. sie erscheint noch öfters bei 
Helbling, so 4, 209), an der grunze Böhmens, aus dem. 
tcestlichen theite des waldviertels ost- und südwärts etwa 
über Zwettel an die Donau zieht, an dieser selbst wird 
auch 

1, 677. Tzenlschin der Valwe tim^d irgend einen bestimm- 
ten. Jetzt nicht zu ermittelnden anführer der Humanen 
bezeichnen, loenn nicht an Matthäus Csuki von Trentschin 
(*f* 1318) zu denken ist, der seiner gewaltthaten wegen 
im nahen Ungarn so gefürchtet war dafs noch heutzutage 
sein name daselbst spricliwörtlich den kinderii wie bei 
uns der des knechles Ruprecht klingt, über das leben 
des Matthäus vergl. F. Budai Magyar orszäg polgäii 
hislöriäjära valö lexicoii, d xvi szdzäd vegeig. Grofs- 
ivardein 1804. 8*^. 1, 4SS Jf. noch heute heifst eine 
strecke von 26 meilen an der fVag, einst seine besi- 
tzung, ' Matthäus - land ; Hormayrs taschenbuch. jahrg. 
1820 .V. 62. 1823 .y. 200. A. Szirmay Hungaria in pa- 
bolis. Budw \M\. 8^ s. 36. er hat 1278 die March- 
feldschlacht mit gekämpft, ivie man aus Ottacker 144'' 
sieht. 

1, 785. ein rehter ineinswüer des lantvrides den man swerl. 
der landfriede Rudolfs von Habsburg, JVürzburg am 24« 
märz 1287 (7ieue sajnmlung der reichsabschiede 1, 34),. 
ist gemeifit. 

1. 797. daz urvar bi Uzense zu suchen sein, entweder in 
der gegend um Stocket^au, wofür mir auch die Urkunde 
vom jähre 1014 in den iii^h. Boic. 28% 450 zu sprechen 
scheint, welche ein oulcinesseuue zugleich mit Tuln nennt, 
oder, wie Fischer will in der kirchl. topographie 15, 236 
und zwar in der erläuteru7ig zur Urkunde xxxiii dessel- 
ben bandes s. 172, eine stunde nördlich von Wien dem 



Zr SEiriUED FIELBLING I 255 

urvar ze iNuzdorl", das oben z. 571 erscheint (eergl. Jac. 
Grimm treisllt. 3, COÜ) gegenäher, an der slollr des heu- 
tigen .ledlersee. in der eben angejahrten arhunde, sie 
ist vom 'lOn jiinner \\\1. erscheint auch zweinia/ das 
Urvar zc V czesse, nirgends ist aber ein anhaltspunkt für 
nähere örtliche bestimmung zu finden, eine Urkunde des 
k. k. geh. hausarchirs zu ffl'en dat. ff^ien 12 mai 14(57, 
in welcher der prior des Augustinerklosters daselbst sei- 
nem stifte zehent und bergreehte zu Grofs - Enzersdorf 
iXolendotf im lirotendor/'er fekU L'rleiusdurf, Uczcssee 
und lii/iglinssee reversiert, weist in dieselbe gegend. die 
im alten PaJ'sauer salbuche, mon. lioic. 28'', 478 neben 
Uczcssee aufgeführten ürtliehkeiten seheinen für Jedler- 
jiee zu sprechen. 

. 798. ist ir rohlcr klai^bonm. das heifsl der Sammelplatz 
all dieser auswürftinge, wie der klogbaum. zu trien der 
sammelj>latz für alle 'sundcrsiechen oder aussätzigen, 
man vergl. die deutsche sliftungsurkunde dieses erst 126C 
gegründeten versorgungshauses in Hormatjrs gesch. JViens. 
\r Jahrg. bd. 5 urkundcnbuch s. vn nrk. cxxix. unter 
dem bäume der klage, dacz dem CJiigpawm, wird man sieh 
wohl ein kreuz mit den beiden klagenden frauen vorzu- 
stellen haben, und würklich zeigt das alte sieget des hau- 
ses mit der Umschrift S. DOAII.XAIiVM IN CIILAGPAVM ei,/ 
grofscs kreuz, über dessen beiden armen sonne und ?no?id. 
unter denselben aber zwei vögel (tauben?) erscheinen, 
der bäum der erkenntnis und des lebens aus genesis 2, 1> 
(ligiuim vitae) auf das kreuz des erlösers übertragcTi mag 
den ausdruck vermittelt liaben, 7/nd schon Otfried 5, 1, lU 
und 21 wechselt mit krüzi und houm. in einer Urkunde 
des Stifters vom 2bn nov. 1267, mon. Boic. 29'', 468 ur- 
kunde xcii, heifst das sundersieehenhaus zum klagbaum 
befremdend in honore sancli lol) ad marlyreS nominatuni. 
und ich weifs diesen namen mit dem otjigen nicht zu ver- 
einigen, jedoch scheint mir die benennung datz dem chlag- 
paum mehr der örtlichen läge und gangbaren bezcich- 
nungsart derselben entnommen, während s. lob ad niar- 
lyres fuehr de?i eigentlich kirchlichen namen der Stiftung 



256 Zn SEIFRIED HELBLIiNCw 1. II 

enthalten dürfte, daß der hlagbaum übrigens der Sam- 
melplatz- für alle aussätzigen war, selbst für solche wel- 
che fTien nur durchreisend berührten, sieht man ans der 
folgenden bestimmung der eben angeßlhrtcn Urkunde 
(s. 478) insuper per ipsorum (der nionialium ad s. lob) 
procuralores de liiis frequenler tencndo scruliiiiiini, quos 
eiusdem lepre morbus cruciat et casligat, eosdem ubiquc 
suffragio mei successoris iudicisque civium auxilio inuo- 
cato a ciuilalc wiennensi et villis in terniinis parrochie 
constitutis poslulent cici et excludi, ne quis ipsorum con- 
tagio infici possit uel offendi. Iiospiles aulem leprosos 
uadecunque et quandocunque de aliis parlibus venieutes 
in Signum humanitatis et compassionis sepedicti mei in- 
firmi per tres dies secum teneant ut requiescant, et iidem 
hiis transactis ullerius tunc procedant. 

1, 1046. lies gemerf. 

[1, 1315. lies creden, glauben, der crede, ags. se crfida. 
Jacob Grimm.] 

2, 18. dann ab dem Nuzzberge. der Nnfsbcrg zieht sich 
von dem oben erwähnten urvar ze Nuzdorf nordwestlich 
zu den höhen des Kaiengebirges hinan und ist noch jetzt 
seines weines wegen im lande berühmt. 

2, 70. dö man dem lant sin reht maz. vergl. 2,652. 8,876. 

[2, 94. sin understreu ka?m richtig sein, nu bedünkent si 
sich vri, nu muoz ich sin ir underströu MSHag. 3, 195*. 
ich hatte an der swine understreu gedacht; — er wirt 
gekapfct an als er si ein wilder man und muoz sin der 
ganzen (der hengste) underströu MSHag. 3, 283''. Haupt. | 

2, 338. ze Wiene an dem graben, da ist manger handc 
veil. duo hospicia an dem graben und in fossato, dies 
zweite mahl zwischen dem Petersplatze und der heutigen 
Breuner.strafse, heij'st es in den beiden grundbuchsaus- 
zügen des Schottenklosters zu IVien, dem ersten vom 
jähre 1314, dem zweiten von 1398, in Hormayrs gesch. 
Wiens \r Jahrg. \r bd s. ui 7ind lvi urk. xx und xxi. 
diese beiden anjührungen, vergleicht man ihre Umgebung, 
gestatten den schlufs daß der markt an dem graben an der 
stelle des noch jetzt so genannten plalzes zu suchen sei. 



zu SEIFRIED IIELBLLNG II 257 

2, 343. an der Schotten liove. der ^t^undriß Augustin Hirsch- 
vogets vom Ja/irc 1547 zeigt im inneren der engen atadl 
zwei platze unter dem namen rojsmarkt. den einen an 
der süd'ostlivhe/i fortsetzung des heutigen Lob/cowitz- 
plülzes, den zweiten mit der bczcichnung am allen llos- 
niarckl an der stelle des heutigen Stockimeisenplatzes. 
hier lernen wir einen dritten kennen, der, wie die Urkunde 
d. }Vien 7 juli 1303 in Horma//rs gesch. ff^iens \r jahrg. 
2/' bd urkundenbuch s. lxv «° lxiv lehrt, in der heutigen 
Renngafse zu suchen ist. denn dort und zwar an der 
stelle des kaiserlichen Zeughauses lag das dem erzbisthu- 
nie Salzburg verkaufte haus ouf dein rosmarclite zeWic- 
nen daz da leit hinter vnserm (des Schottenklosters) gar- 
ten von dem die oben angeßihrtc Urkunde spricht, vergl. 
Hormaijr \r jahrg. 2röds.67*. 

2, 443. von Haslou ineister Kuonrut. schwerlich ist hier 
herr Konrad von Haslau gemeint der urkundlich 1268 
ej'scheint und dessen söhne Seifried, Otto und Ulrich ihn 
1301 bereits todt nennen (sieh F. Ii. IViJ's grill Schau- 
platz des landsiifsigen ?iieder-öster. adels. }Vien 1800. 
4, 198), iveil derselbe sonst, als einem der edelsten 
geschlechter des landes angehörig, dessen glieder noch 
lebten und in hohen würden standen, gewiss mit dem sei- 
nem stände gebührenden her wäre erwähnt worde?i, son- 
dern wahrscheinlich irgend ein zu Haslau in Osterreicli, 
im viertel unterm Wiener wald an der Leitha, gebor?ier 
dichter, dessen werke, vielleicht auch satirischeti Inhalts, 
uns leider verlor eii scheinen, schon F. }V. JV eiskern 
topographie von Niederösterreich. IVien 1769. 1, 242 
bemerkte dies, aber auch er, wie fFurmbrand, Rauch und 
und uTidere nach ihnen bis auf herrn von der Hagen 
MS. 4,374 noteG, spincht von einem Ronrad von Haslau, 
der schon hundertjährig Österreichs hanner in der March- 
feldschlacht 1278 geführt haben soll, ohne zu bemerken 
dafs der alt Ilaslouvvwre, von dem dies gilt, nicht Kon- 
rad sondern Otto hiefs, wie aus Ottacker 72'' längst zu 
entnehmen war. meister Konrad scheint übrigens nach 
2, 447 und 448 zur zeit unseres gedicktes würklich nicht 
Z. F. D. A. IV. 17 



•258 ZU SEIFRIED IIELBLING II 

mehr am Ivben, auch 2,699 bis 7 dl Jährt auf die spur 
eines jetzt wahrscheinlick ver/ore/te/i üsterrei':hische/i dich- 
fers, ire/ui sich nicht etwa unter den uns noch erhaltenen 
leider zerstreuten wer/icn des StricA'ers ein solches ge- 
dieht noch findet. 

[2, 515. lies rcliler vraslimiude ein liase. vergl. vrastnuinl 
secretum G raff 2,813. J. Giumm.] 

2, 520 bis 546. diese ganze stelle bezieht sich ohne zweifei 
auf Haug den TauJ'erser. vergl. 2, 574 bis 609 und 
zu 5, 41. 

2, 652. bi einem Liupolt ez gestliach. es scheint ein mü- 
fsiges geschäfl unter den .ipdteren Leopolden des babe?i- 
bcrgischen Stammes {an die früheren ist nicfit zu denken) 
jetzt mit unseren schwachen hilfsmitteln einen bestimmten 
als träger des hier erzählte?i zu bezeiclinen, oder mit an- 
dern Worten, ?nehr wifsen zu wollen als unser dichter 
selbst, der gewiss nicht ohne grund liier den unbestimm- 
ten artikel gebraucht, die stelle .sagt soinit nicht inehr 
als dofs schon zu zeiten der Babenberger nach Jierkömm- 
lichejn rechte jdhrlich drei landtage gelialtcn xourden und 
ztcar zu Neubursc Tu In und Mautern, die damals nach 
JVien die drei grbsten städte Osterreicfis unter der Enns 
waren, alle drei am haupt ströme, der Donau, gelegen, 
vergl. 4, 199. da dieser landesbrauch Jahrhunderte durch 
in Übung blieb, so liifst sich aus dem umstände dafs auch 
in dem zuerst von J. P. Ludewig reliquiae manuscripto- 
rum. Frft. 1722. 4, 3, darnach von H. Ch. von Sen- 
ckenberg visiones diversae. Lips. 1765. *. 213 herausge- 
gebenen sogenannten österreichischen landrechte dieselben 
orte für die jährlichen landtage erscheineii liein sicherer 
Schlafs zu genauerer Zeitbestimmung jenes rechtsbuches 
ziehen, um so weniger als unsere stelle selbst höchst un- 
bestimmt .sich ausdrückt, übrigens ist zu vergleiche?i was 
unten 8, 874 bis 888 folgt. 

2, 697. iz kostent mangen pfenninc ze Wienne diu hoftci- 
dinc. die einführung dieser hofgerichtstage an der stelle 
der alten landtage und die aufhebung der landrihtaere, 
welche die übrige zeit des jahres hindurcfi das gerichts- 
verfafiren der sonst freien gemeinden schonend überwach- 



zu SEIFRIED IIELBi^IiNG II 259 

ten, ja fast fiur bei fi/iwcfidu/ig- des peinlichen rechtes 
als gewallboten des landesfürsteti die rechtliche form zu 
geben hatten, fällt höchst wahrscheinlich in die zeit 
Ottachers von Böhmen, der überhaupt für maschinenar- 
tiges cenlralisieren wie für gewohntes allein- und viel- 
regieren Vorliebe hatte. daher verlangt unser dichter 
wiederholt die Wiedereinführung der alten landrichter und 
so mittelbar der landtage 2, 129. 2, 756. 2, 1038, auf 
denen der arme leichter zu seinem rechte gelangte als 
auf den entfernten hoftagen, die dem einjlufse der mäch- 
tigen zu nahe lagen, kurz die frühere unbeschränktere 
Stellung der gemeinden, diese klagen waren ebenso tief- 
gefühlt und weitverbreitet wie die von 2, 767 bis 858, 
besonders 810 und 820 folgenden, die sich noch spät 
in der beabsichtigten Vereinigung des geistlichen und welt- 
lichen Oberhauptes der Christenheit in einer pe?'son, in 
Maximilia?is des In kühnem plane, als fortdaucrjid kund 
geben, vergl. unten 8, 966. 

2, 830. pliu iuch, ir cardenal an bäbsl ! die sedisvacanz 
zwische?i Nicolaus dem 4n und Cölestin dem 5n, durch volle 
zwei Jahre und drei monate, vom An april 1292 bis 5/t 
j'uli 1294 während, ist gemeint, vergl. 2, 874. 

2, 867. zwiu sol ein roemisch küuec erweit der ze Swaben 
Pfenninge zeit? seit dem Juni 1281 war Rudolf nicht wie- 
der nach Osterreich gekommen und den gleich darauf 
folgenden Vorwurf der begreiflich auch auf könig Adolf 
von den zeitgenofsen übertragen ward, macht Rudolfen 
und seinem söhne auch Dante purg. 6, 97, o Alberto 
Tedesco, cli' abbandoni oostei {Italien ist gemeint) eh' e 
fatta indoinila e selvaggia e dovresli inforcar li suoi ar- 

cioni oh' avete tu e'l luo padre solferto per cupi- 

digia di costa distretli, che '1 giardin dello 'mperio sia di- 
serlo. vergl. purg. 7, 91. 

2, 929. da ze Lilenvelde, einejyi noch bestehenden Cister- 
cienserstiffe Ostei^reichs unter der Enns, im sept. 1206 
gegründet durch den vorletzten Babenberger Leopold den In . 

2, 1048. als dem guoten künecrich Ungerlant ist geschehen. 
schon 1209 den 20« mai schrieb pabst Nicolaus der 4e 
klagend über die Verwirrung in Ungarn als durch die 

17* 



260 ZU SEIFRIED IIELBLING II. III 

einfalle der Tarlare/i, die niederlafsung der ketzerischert 
Nogai/ei', kurz- durch die scJuvache i'egiert(?)g des tnimiin- 
digen Ladislaus des hn herheigeßihri. Od. Raynaldus 
antinl. ecclesiast. unde einsdeni regni mullimode lurbalo re- 
giniine eccicsiarum iura cl aliorum piornm locoram temere 
usurpanlur ac hoiia fidclium iii regno ipso niullis direptio- 
nibus ac vaslalionibus cxponiuüur cl überlas ccclesiastica 
oonculcalur: ex iis aiiimaruin deploranda pericula et hor- 
renda conlingunt excidia personarum: mulliplicalis in regno 
ipso dissidiis alia noii facile numeranda discriinina subse- 
quuntur. ?mch der ermordung des jimgen königs aber, 
10 juli 1290, als könig Rudolf dies reich als ein heirti- 
gejallenes lehen bald seinem söhne Albrecht dem In (Ur- 
kunde d. 31 august 1290 bei F. Kurz Osterreich unter 
Ottocar und Albrecht 2, 203 n'^. xvii und xviii), bald, 
wie es hiej's (man sehe den brief an den bischof von Re- 
gensburg bei B. Pez, thesaurus 6, 2, 204") zur hälftc 
dem könig von Böhmen verlieh, vo?i anderer seite her 
Karl der 2e V07i Anjou für seinen söhn Karl Martell an- 
spräche erhob. Ja im inneren des reiches selbst ein aben- 
teurcr, vielleicht maschine irgend einer selbstsüchtigen 
parteiy sich für Andreas, des verstorbenen königs bruder, 
ausgab und so die Spaltungen unter den grofsen des rei- 
ches sich nur noch steigerten, bald hier hin bald dort- 
hin die wage schwankte, da muste der neu erwählte kö- 
nig Andreas der 3c dem fernen bcobachter verloreti schei- 
nen und der dichter konnte allerdings erbittert meinen^ 
aller Ungern treue wiege so leicht dafs ein kind von ei- 
nem jähre sie zu tragen vermöchte. 

[2, 1247/. dit : ungebit. vergl. dien 8, 330. 

2, 1264. unverketen (unfarquetan). Wortspiel zu ketten- 
handschuh. vergl. 8, 445. 

2, 1266. daz ist mier (liep oder endanc wie 3, 263). die 
ellipse etwa schon gr. 4, 953. 

2, 1479. doch nicht brisschuocb ? J. Grimm.] 

3, 35. als eim weleloufare. diese stelle läfst schlief sen dafs 
das 'renne7i zu ei?iem Scharlach' nicht erst, loie man an- 
nimmt, neunzig jähre später unter Albrecht dem Zn 1382 
ist eingeführt worden, sondern schon zur zeit Albrechts 



zu SHIFIUED IIELBLLNG III 261 

des \fi in iihnng xoai\ weil sn/tst ein solcher oei gleich 
UNpassend schiene, eergl. ./. E. Schlagers ff^iener skiz- 
zen ff/is dem mitlelalter. JUen 1835. 1,1. 

3, 63. lies lecke. 

[3, 70. f^ist von jescn. der wiii j;,"ejas (gnhr) in IhidolJ's 
wellchronik. über \e.scn lieders. 1,434. auch steht '3, 7(j 
jescn. 

3, 73. gis richtig, nicht gisl. J. Grimm.] 

3, 217. nach dem Swanvelde. Lachmann zu den Nibcl. 
1465, 1. der betrügerische Erasmus St/'lla bei Menken 
Script, rer. german. 3, 2041 und Spangenbergs mans- 
Jeldische cJtronik. Eisleben 1572. s. 12'' bezeichnen die ge- 
gend um Zwickau, damals zur markgraf schuft MeiJ'sen 
gehörig, die SwanveldaTC erscheinen übrigens bei Haug 
von Trimberg im rcmicr, z. 22256 der Bavibergcr aus- 
gäbe, als Franken. 

3, 227 f. lies erkür : schür. 

3, 242. gen Ungern geh wir altez gwant. Friedrichs des 
letzten Babenbergers wassermautslariff ßir Haimburg, 
Rauch Script, rer. austr. 1, 208, spricht ebenfalls von 
diesem kandelsziveigc. es keifst daselbst swaz ein menl- 
ler füert altes gewandes gen Ungern, der inner landes ge- 
sezzen ist, der git niur 2 pfenninc. ein gast von eini 
uiuwen gewant 2 pfenninc, von eim allen gewant 1 pfen- 
ninc //. s. w. doch bin ich nicht sicher ob hier unter al- 
tem gewande bereits getragene kleidungsstücke (vergl. 
Schmeller bair. lob. 4, 101) zu verstehen sind {denn wie 
vertrüge sich das mit der völlig verschiedenen landestracht? 
und die nachäjfer, die unser dichter geiselt, wareii doch 
wohl mffallende ausnuhmeii) oder ob man sich 7iicht viel- 
mehr unter altem gewande bereits nach der landestracht 
verarbeitete tücher zum unterschiede des in stücken ver- 
führten neuen gewandes d. i. tuches zu denken habe. 

3, 243. gßn Pazzou lad wir gröziu schef. die ausfuhr von 
getreide und wein nach Baiern erwähnt noch Friedrichs 
des schönen stadtrecht für Wien vom jähre 1320, Rauch 
Script, rer. austr. 3, 21, mit den Worten ist daz ein bur- 
gsere gein Ungern farn wil oder gein Beiern üf dem waz- 
zer, so git er von allem sinem guot, swaz er füert an 



262 ZU SEIFRIED IIELBLING III. IV 

eim schcffe, zwen pfenninj^e, an von getreide und von 
wioe aleine so git er von dem niülle zw6n pfenniiige, iif 
oder abc, von dem fuoder wines sehs pfenninge, uf oder 
abe. ist aber der win und daz Ircide im selben gewah- 
sen, so git er nihJ. noch in der Münchener polizeiord- 
nuns^ von 1370 kommen die ostervaz 7nit wein und ihr 
einfuhr szoll vor. Schmellcr 1, 288. Pez ihesaur. 2, 210 
hat einen brief Wcrnhcrs abts des klosters Allaich in 
Baiern, gestorben 1317, an den herzog von Osterreich 
bewahrt, worin er diesen ersucht licet corpus monasterii 
uostri extra limites principaliium vestrorum exislat, quia 
tamen gratiae vestrae subiacent subsidia vilae nostrae, 
sub cuius doniinio sita sunt quaedam praedia de quibus 
pro maiori percepimus corporalia nutrimenta, docli per fre- 
quentem expericnliam ad vestram benignitatem recurrimus, 
roganles bumiliter, qualenus navem in qua vinum nostrum 
fuit deducendum sculo proleclionis solitae defendatis. 

[3, 304. in schan beweisen steckt wohl neisen, vergl. 5,43. 
gramm. 1, 183. der acc. folgt; könnte scbande im gen. 
vorausgehe?i? J. Grimm.] 

4, 1. Hoert mit sinnes kreften von den vier margräfscheften. 
die hier leider nur angedeuteten oder, was bei der ar- 
mut unserer quellen noch trostloser ist, nur obenhin ver- 
höhnten Vorgänge, des jahres 1295 sind bis jetzt noch 
nicht ganz klar gemacht, auch die hier zuerst veröffent- 
lichte quelle bisher unbenutzt, das Jahr selbst der ve?'- 
schwörung schwankt. Ottacker, der auf mehreren zwan- 
zig spalten deri gang der ereigniase schildert, 572" bis 
583% thut geheim mit nennung der hauptpersonen, der 
Herren wären vier, bei man sie halt genant micr, so en- 
wolt ich ir niht nennen 572'', und setzt offetibar ein fal- 
sches jähr 1297, den7i Albrechts neue handfeste als be- 
lohnung für die treue der JViener ist schon vom \2n fe- 
bruar 129G, IJormayr gesch. Wiejis \r jahrg. bd 2 
s. XI urk. LV, des Kuonringers treubrnef aber vom 2b juni 
1296, F. Kurz Osterreich unter Ottoc. und Albrecht 2, 215 
n°. XXIX, so dafs der verlauf der ganzen Verschwörung 
nothwendig ins jähr 1295 rückt. 

Die vier markgrafschaften scheinen mir erßndung des 



zu SblirniEÜ IIELULING IV 2(53 

dichters, der ilainiL recht ^rrll die si-lbslauclii der ver- 
schworenen und um leas siehs drehte zeigen wollte, so 
viel sich aus llelhlin!:; und Oltacker schliej'sen liifst wa- 
ren Liutholt von liuonrlnc, Albrecht von üuucheim, 
Heinrich von Liechtenstein und Huonrat von Suminerou 
die seele der Verschwörung und sind jene vier dienslinan 

4, 23 die In unserem gedieh te unter den nanieu Lehsen- 
breht 160 Rädensmer 182 Juslof 226 und Hennerluch 240 
verkappt erscheinen, spätere quellen, die bei ncnnung 
der nnmen nicht mehr, wie die zeltgenoj'sen Ottacker und 
Hclbllng, beengt waren, bestätigen die annähme der oben 
genannten vier mlnlsterlalen, die Im lande reich begütert 
und den ältesten einheimischen geschlechtern angehörig 
alles aufboten um dem eingedrungenen fremden adel ge- 
genüber Ihre verlorc7ien rechte wieder geltend zu machen, 
an denen Albrecht und vor ihm schon Ottacker scho- 
nungslos rüttelten, vergl. 4, 719 bis 742. selbst die 

feinde ihres Vaterlandes, könlg Adolf Ottacker 583% 
könlg Wenzel, Ottacker fi7?>^\ der graf von Güsslng, Ott. 
579', wurden in bewegung gesetzt ntn das ziel zu errei- 
chen, das sie an der festigkell Albrechts, vergl. 4,310, 
scheiternd dennoch verfehlten, unser dichter macht Ihnen 
aufser dem melnelde, von seinem Standpunkte aus, noch 
den vorwarf der beabsichtigten Unterdrückung des ritler- 
standes. man sehe 4, 46 bis 74, 759 bis 783. 

4, 10. dem knelite ich urloup hau gegeben, die zeile lehrt 
dafs diesem gedichte ursprünglich das mit ix bezeichnete 
vorausgleng. 

4, 164. Niunburc und TuUeii. Kloster -Neuburg an der Do- 
flau, drei stunden nordwestlich von ßflen ist gemeint; da- 
gegen unten 4, 237 Korn -Neuburg. 

4, 166. daz Tuluer velt. auch bei Neidharl 18, 4, 3. 20, 

5, 8. 21, 7, 1 erscheinend, die fruchtbare ebene rings um 
die Stadt Tuln, helfst bis zur stunde noch dos Tulncr- 

feld oder der Tulnerboden. 
4, 166. daz laut der vorsl. das coiuma ist zu tilgen, die 

graf schaß Pellsteln ist geineint wie man aus 6, 161 bis 
166 sieht, vergl. die anw*'rkung zu dieser stelle. 
4, 167. daz Ibser vell. die gegond um Ibs, eine stunde ober- 



264 ZU SEIFRIED IIELBLING IV 

halb des alten Becheldren an der Donau, der in der näch- 
sten zci'lc erscheinende Strenberc, Jetzt Strengberg, liegt 
vier stunden westlicher, zwei stunden von Eims. 
4, 199. Krems und Stein, die beiden städte mit dei' eben- 
falls uralten schwesterstadt MiltArn, jetzt Mautern, ge- 
genüber, liegen am eingange der gleich unten z. 201 
genannten Wachouwe, dem gla?izpunkte der herrlichen 
Donau fahrt von Linz nach IVien. heutzutage versteht 
man u?iter der Jf^achaue die ganze strecke von Krems 
aufwärts bis Melk, dem alten 3Iedeliche. über die alten 
gränzen des bezirkes vergl. die Urkunde könig Ludwigs 
vom 6n october 830 in den mon. Boic. 31, 58. 
4, 206. daz Machlant. ehemals ein theil des späteren Mach- 
landviertels Osten^eichs ob der E?ms, welches jetzt unter 
. dem namen des unteren Mühlviertels hekanjit ist. die al- 
ten gränzen dieses bezirkes sind jetzt schwer zu ermit- 
■ ieln. vergl. F. Kurz beitrage zur geschichte des lajides 
Osterreich ob der Enns. Linz 1805. 3, 367. Hormayr 
herzog Luitpolt .y. 51 imd 52. das gebiet um Freistadt, 
die Rietmarc üfvür die Vrinstat an daz Bßheimisch, sowie 
. das Machland zählten schon zur alten markgrafschaft 
gegen Böhmen, die Riedmark finde ich erwähnt in einer 
Urkunde markgraf Leopolds des heiligen vom ^juni 1115 
in ridmarcha uel in omnibus locis mei regiminis trans da- 
nubium positis. F. Kurz Osterreich unter Albrecht dem 4n. 
Linz 1830. 2, 453. vergl. über die Verhältnisse dieser 
alte?i gränzmark die abhandlung von Kurz in seinen bei- 
tragen zur geschichte Österreichs ob der Enns. Linz 
1805. bdk, 492 — 522, besonders ^ö^Z jf., dann Hormayr 
herzog Luitpolt s. 52. 
4, 209. der Liiesnilz nach gßn Gmünde. so ist zu lesen für 
dem. die Lüesnitz entspringt an der böhmischen gränze 
hinter Gmfs-Bertholds und fiiefst an IVeitra vorüber ge- 
gen Gmünd, einem kleinen Städtchen an der cinmündung 
des Braunaubachos {vergl. JV. C. W. Blumenbach neue- 
ste landeskunde von Österreich. G uns 1834. 1, 115), von 
wo sie sich nordwä?'ts nach Böhmen wendet, dj^ei stun- 
den nördlich von Gmünd liegt das Städtchen Litschau 
rings von dichtem walde umgeben. 4, 211. 



zu SEIFIIIKÜ HELBLiiNG IV 265 

/i, 216. (laz Piuchricli. die sorgend um St. Bcriihurt bd Hörn 
im vicrlvl ob dem Manliartsbergc, wie man aus dem sal- 
buche /.Wedels bei Link annales c/arara/ienses 1, 389" 
sie/if. abt Ebro, -J- 1305. bezeiehnet daselbst die fegend 
also ad sanclmn Hernliardiim in dislriclu Peuclircich utique 
infraPolan, d. i. ^iltpiilla zwei stunden westlich von Hörn, 
vergl. das unserm Helbling gleichzeitige deutsche gedieht 
bei Pes Script, rer. austr. 2, 289 u. 295. in dem Piucricli 
daz gescliach, da vliuzet der Tefrenbach d. i. die Tajf'a 
an einer slal diu liiez ze Kruoc; alda sie gmacbes gwun- 
uen gnuoc //. s. w. ; Jerner dar nach wart der nainc Kruoc 
verkerel jnil solher vuoc : von Pazzou biscliof ßcrnhart 
hiez künden allen dise genäd, swer Kruoc sanl IJernbarl 
nant, dem gieng her abe zeliant siner sünden zehen tac. 
vergl. übrigens A. Buchner gesch. von Bayern. München 
1826. 4, 204*. 

[4, 233 scheint mir klar, vergl. 315. J. Grimm.] 

4, 237. 3Iarohek unde La. ersteres eine stunde nördlich ober 
dem einßufse des die grunze gegen Ungern bildenden 
MarckJIuJses in die Donau, nordwestlich von dieser Stadt 
ergiefst sieh die von der grunze Mährens und Österreichs 
kommende Tha>/a nach zahllosen krümmungen in dieMarch. 
üf bi derTey 4, 238. an dieser liegt auch die uralte stadt 
Laa, oft in der zweiten hälfte von Enenkels fdrstcnbuch 
erscheinend . 

4, 239. von der Tuonouwe an den Schetsch. über den berg 
Scketsch, jetzt Saß genannt, um Göjfritz im viertel ob 
dem Manhartsberg vergl. Blumenbach neueste landes- 
kundc 1, 146. ferner Enenkels fürstenbuch (Megisers 
ausgäbe. Linz 1618) s. 8. 7non. ßoic. 29^, 312. 

4, 308. lies scbiz. so auch 5, 83. 

4, 327. hie üf dem Trünvelde. die ebenen um den Traun- 

flufs, jetzt zum theile 'die f Felser heide' genannt, bis 

Lambach, in einer Urkunde Gleinks vom jähre 1088 

bereits unter diesem namen anscheinend, mon. Boic. 29^", 

43. Kurz beitrüge 3, 295. 

4, 496. Trebens^. vier stunden nordwestlich von fVien ?iahe 
an der Donau der uralten stadt Tuln gegenüber unweit 



266 ZU SEIFIUED HELBLING IV. V 

der miindung der ScJnnida in die Donau, von diesem 
landtago spricht auch Ollacker 575". der ort erscheifit 
übrigens schon seit dem neunten Jh. in Urkunden Passaus 
als Trebinsec, Trebinse. mon. Boic. 30% 382. 31, 338 u. 
340. vergl. unten 7, 151. 
[4, 548. vezzät clunis, vergl. ßanz. fesse, auch Schmeller 

1,580. 
4, 599. euebeii zun? ennent ziin? J. Giumm.] 
4, 606. des wart ein tac für geiiomen. diesen tag beschreibt 
Ottacker 574". 

4, 854. lierzog Fridericli. Friederich der streitbare, der letzte 
Babenberger, ist gemeint, vergl. Lirich von Lichtenstein 
529, 29/". 

5, 7. daz ir vier jiir ab uiir nämt die iwern uar. Rudolf 
verweilte vom beginne des octobers 1276 bis anfangs juni 
1281 in Osterreich. (Böhmers regesteii 4259 bis 4409), 
also strenge genommen vier jähre und acht monate. 

5, 13. so mir di Unger nenient r6. ohne zweifei sind die 
eil fälle des grafen Yban von G'dssing geineint, die schon 
seit längerer zeit wählten, namentlich zum nachtheile der 
Leithagegend undJViener-iSeustadts. vergl. Ottacker 211^. 
der feldzug von 1289, vergl. oben zu 1, 564, nniste der 
klage unsers dichters genug thun und dieses gedieht ivird 
daher noch ins spätjahr 1288 zu setzen sein. 

5, 15. ich klag iu über die herzoginne, diu hat nach guot 
so starke sinne. Elisabeth^ gemahlin Albrechts, eine toch- 
ter Meinharts des An von Kärnten, wenn der bittere vor- 
warf den der dichter seinem vaterlande über die herzo- 
gin in den mund legt gerecht ist, so fiel wenigstens der 
apfel nicht weit vom stamme, denn auch Meinhart tvar 
habgierig und in zahllose besitzstreitigkeiten verwickelt, 
vergl. liormayrs tuschenbuch 1826 *'. 29 bis 65. R. C. 
Coronini a Cronberg, tentamen geneal. chronol. promo- 
vendae seriei comitum et rer. Goritiae. edit. 2'°. Vieri- 
nae 1759. s. 2\2t ff. und Johann von Victring bei Böh- 
mer fonies 1, 334, der nicht unterläfst über Meinhart 
verständigen genügend anzumerken filiis thcsauruni nia- 
gnum reliquit, res ducatus et comitalus prediis ac posses- 
sionibus pluribus augmentavit, in excommunicatione de- 



zu SEIFKIED HKLüLliNG V 267 

cfssil propler qii.isdaiu ecclesias quas leserat in boiiis 
eiiruni. 

5, 22. ein scliriber scnt jijcn Xiierenberc. /// ilrtt Jahren 
1288 bis 1291, und in spiitcrc zeit kann unser }f ('dicht 
nicht fallen, denn liönii;- ihidolf lebt noch, finde ich als 
herzuglichen landschrciber Österreichs, und zwar in rein 
österreichischen angelegenheiten, namentlich mit ausschlufs 
Steiermarhs, das seinen landschrciber für sich hatte, ei- 
nen nieistev Gottfried in Urkunden, einmal in einer Ur- 
kunde herzogs ytlbrecht d. Neuburg- 20 febr. 1288 in 
angelegen heilen des österreichischen stiftes St Florian 
als Magister Golfridus prollionotarius nosler dilcclus, J. 
Stülz gesch. von St Florian. Linz 1835. a. 327 : dann 
in einem aufsandbriefe ll'dlßngs von Sunnberg für das 
kloster Aschbach d. Wien 25 febr. 1288 als Magister 
GotlVidus l*rolhonolarius Ducis Auslrie, mon.Boic. 5,17ü; 
dann in einer Urkunde herzog Albrechts d. Wien 26 febr. 
1288 als prollionotarius nostcr in gleicher angelegenheit, 
ebenda s. 177; endlich, allen zweifei hebend, in einem 
reverse Pabos jrrobsten des klosters Neuburg bei Wien 
d. 2!S Jänner 1291 als niaister Gotfrid obrisler Schreiber 
des herezogen von Österreich, M. Fischer merkwürdige 
Schicksale Kloster- Neuburgs. fFien 1815. 2,301. es ist 
derselbe meister Gottfried welchen der herzog von ff^ien 
aus unterm 20 nov. 1291 .dem bischof Bernhart von Pas- 
sau für die erledigte pfarre zu Jfeitra in Osterreich 
unter der Enns vorschlägt, mon, Boic. 29'', 576. er war 
also geistliches Standes, wie der neue landschreiber Steier- 
marks. vergl. übrigens 5, 50 Jf. 

o, 26. von Rabenswald ist sin pris. 77iit dieser stelle ist 
nothwendig 6, 16 bis 20 zu vergleichen, wo wir den gi'a- 
fen, es ist Berhtold der \e ivie sich unten zeigen wird, 
als besitzer der oben zu 1 , 1 67 und 569 erwähnten 
hcrrschaften Raabs, Betz und Pulkau finden. Witervelt, 
Jetzt Weitersfeld, liegt in derselben gegejid eine stunde 
nördlich vom oben erwähnten Pulkau, eine und eine halbe 
von Hardeck an der Taya, dem hauptorte der gleich- 
namigen grafschraft, init welcher nachWifsgrills (4, 105) 
angäbe könig Rudolf ihn unterm 5» dec. 1278 belehnt 



•.>68 ZU SEIFRIED HELBLING V 

hatte, er erscheint als zeuge in vielen Urkunden, deren 
einige man bei Jf^ijsgrill nachlesen mag. zum vergleiche 
mit den äi/fserungen Hetblings und zur erläuterung der 
gleich folgenden zeile 34 unseres gedichtes sin swesler 
her von Helfenstein setze ich aber aus dem todtenbuche 
der predigermönche zu Refz folgendes hierher, vii Idus 
Augusti, d. i. 7 ai/gusf. Anno Dom. mcccxij* obiit D. Co- 
mes Berichtoldus de Hardech, fundator convenlus nostri 
in Retz et consumnialor, qui fuit oriundus de Thuringia, 
de comilia nomine Rabenswalde. hie rexit pacifice comi- 
tiam de Hardech in omni iuslitia et aequitate commenda- 
biliter plusquam Iriginta quatuor annis cum uxore sua 
Domina Wiibirgi. sie staj'b zwei jähre nach ihm, loie 
nia7i ebendas. unterm 27 aug., vi Kai. Septembris mcccxiv, 
sieht. R. Duellius miscellan. 2, 172. sie hatte ih?n 
die graf schaß zugebracht, nach Wifsgrill loar Wilbir- 
gis eine geborene griißn von Helfenstein, wonach z. 34 
unseres gedichtes swester die Schwägerin Berhtolds be- 
zeichnete, vergl. Kei'ler gesch. der grafen v. Helfen- 
stein. Ulm 1840. s. 42, wo statt Ravensberc Rabenswald 
zu lesen ist. die angäbe der quelle über die Verbindung 
IVilbirgis mit dem grafen vermifse ich bei Wifsgrill und 
Kerler. 

5, 41. ich klag iu über den Tüferseer. Haug von Taufers 
ist gemeint, einem tyrolischen in der ersten hälfe des 
\An Jh. ausgestorbenen geschlechte angehörig. F. A. 
Sinnacher beitrage zur gesch. der bischöfl. kirche Sä- 
hen und Brixen in Tijrol. Brixen 1821—1837. bd. 4, 
1 92 ff. er war zu Neuhaus in der pfarre Gais im thale 
Taufers, einem seitenlhale des Unterpuslerthalcs, zu hause, 
über seine Schicksale in Osterreich ist besonders Ottacker 
zu vergleichen und zwar 142% 144S 209\ 233\ 267\ 
274\ 280'' und 28l'',jf. 

5, 43. er neiset liule unde lant. ähnlich sagt Ottacker 283' 
er het alliu jär und er des rätes pflac so wol gevüllt sinen 
sac daz er in oben küme verbaut. 

5, 45. umb Heimburc er müset. Ottacker 209^ gräf Hug der 
Tüfersaere umb Heimburc mit hüse saz, das ist Heimlnirg 
an der Donau, hart an der gränze Ungarns. 



zu SEIFRIED IIELBLING V 2C<.t 

5, 49. ich klag in über die prediguT. ihifs die ordensbrüilcr 
des heih'f^^en Domhiiciis, schon, in den drci/'si<^er jähren 
des dreizehnten jh. zu ffien ansäj'sig, so ivie jene des 
heiligen Franz von ^Jssisi, rom landesherren bei wichti- 
geren das gemeine leohl betreffenden rcrfügiingen zu ra- 
thc gezogen wurden geht ans einer Urkunde ^llbrechts, 
d. Wien 25 juli 1281, auszugsweise bei Calles annales 
Austritte 2, 585 note B, hervor, in welcher es heij'st do 
besant wir prcdiguT und miiiiier briicder, die wisesteu und 
die besten von den zweien hiusern ze Wienne. den ge- 
viel diser üfsatz wol. 

5, 54. der apl von Agmünde. Heinrich der 3<? abt zu Ad- 
mont, einem noch bestehenden Benedictinerstijte der obe- 
ren Steiermark, wahrhaft classisch ist die Schilderung 
dieses abtes in Ottackers chronik bei mehr als dreifsig 
verschiedenen anliij'sen. ich setze über Heinrich zur ver- 
gleichung nur eine stelle aus der gleichzeitigen reihen- 
folge der übte Seitenslettens, ebenfalls eines Benedicti- 
ner stiftes Österreichs unter der Enns, hierher aus //. 
Pez scriptor. rer. austr. 2, 309, weil sie fast wie ironic 
klingt, cuius {des abtes honrad \2^0ff.) tempore Hein- 
ricus Abbas ecclesiae Agmontensis floruit. qui capita- 
neus Stvriae et landscriba existens sub duce Alberto et 
postea rege Romanoruni in omnibus agendis alque guber- 
nandis sapienter se habebat, adeo quod fama eins celebris 
non solum per Germaniani, verum eliam per Galliam et 
Ilaliam est respersa. regi etiam Francorum familiaris fuit 
mullum in secretis, in tanlum quod litteris et xeniis se 
niufuo visilabant. nach der series abbatum Admonlen- 
siuni, bei E. Fröhlich diplomataria sacra ducatus Styriac. 
Viennae 1757. 2,51, von einem gleichzeitigen mitgliede 
des Stiftes verfafsl, heifst es von Heinrichs tode tandem 
animi causa supra monteni Dielniarsberg cum nepote ascen- 
dens sagitte ictu, quem nepos in feram intcnderal, im- 
proviso laclus interiit, annos vix quinquaginta natus, anno 
Mccxcvij. bei Ottacker fehlt leider die vollständige er- 
zdhlung des mordes, der erhaltene schlufs aber spn'chl 
schon gegen unabsichtliche tödtung. Ottacker 596*. 

5, 63. ich klag iu daz der ratgeben . . . nimer ist danne vier. 



270 ZU SEIFRIED IIELBLING V 

Z'Ur rr/of/feri///g- dieser slellc ist Ottaclicr 209'' zu beach- 
ten und das hier bis z-. ^!k folgende hinzuzunehmen, der 
rath bestand 1. aus Albero von Buocheiui. die anspiehing 
z. 67 geht auf dessen gefangennehmung durch graf Yban 
von Güssing, welche Ottacher 233'' erzählt; sie fiel 7iach 
dessen daf\stellung ins Jahr 1286. — 2. ausFriedrich truch- 
säfsen von Lengenbach, dessen bruder Berthold, bei Ott- 
acker 227'' als der junc von Lengcnbacli und 228'' der 
truclisaeze her Berhtlioll erscheinend, bei derselben gele- 
genheil mit Albero von Buochcini gefangeri ward. — 3. aus 
herrn Ulrich von Kapellen, vergl. Ottacker 331'', derscho?i in 
der Marchfeldschlacht mitgcfochten hatte, Ottacker 146''. 
153% und ebenda 276*. 321'". 331^ 38r u. s. w. noch in 
mehreren anderen zügen herzog Albrcchts verwendet er- 
scheint, auf einem derselben ivird er wohl auch zu sei- 
nem siechen bcine gelangt sein, unten z. 84. er hatte 
den heinamen der lanc Kapeller. im Jahre 1279 ward er 
landeshauptniann in Österreich ob der Enns und kaufte 
1280 von herrn Albero von liuonring die herrschaft 
Steijereck, drei stunden unterhalb Linz an der Donau 
gclegeji. Rotenstein, z. 85, Jetzt Ruttenstein genannt, 
im Mühlviertel Österreichs ob der Enns, erhielt er im 
Jahre 1284 pfandweise vo7i könig Rudolf und herzog Al- 
brecht sammt den vesten Stain, If^aseneck, Münzbach 
dem markt u. s. w. mit dem beisatze, dafs die von Ka- 
pellen dieser veste Rote7istein ewige burggrafen sein und 
bleiben sollen, so JVifsgrill a. a. o. 2, 4 aus des frci- 
herrn von Enenkel urkundlichen Sammlungen, vielleicht 
bezieht sich hierauf der ausdruck daz er Kapelle verbez- 
zert hat 5, 88. vergl. 6, i9ajf. über Ulrich sieh beson- 
ders Sechster bericht über das rnuseum Francisco -Caro- 
linwn. Linz 1842. s. 85 — 104 7ind J. G. A. fr. v. Ho- 
heneck Die stände des erzherzogth. Ost. o. d.Enns. hd. 3, 
61j^. — 4. aus herrn Stephan von Meissau, den Helbling 
absichtlich verschweigt, 5, 90. vergl. tvas von seiner Stel- 
lung zum herzog 6, 37 bis 46 gesagt ist und unten zu 
15, 170. ferner {IVurmbrand) Collectanea 18*^ . er war 
landesmarschall Österreichs, der ritterlich den siges van 
mit gewalt viieret in dem lant, obrisler marschalk genant 



zu SEIFHIED HELBMNG VI 271 

liei/sl CS in dem oben erwulinlen alten gediehlc auf die 
sti/h/ng des ?intinen/i'loslct's St Benihard !iit Piucrirli 
durch unseren Strj/han, vergl. zu A,'Z\^. Pez Script. 7'er. 
austr. I, 291. //v/v i// seiner ron Seifried herroj^gehobe- 
nen frünunigheit slimnil. über das traurige schicfisat sei- 
nes vnters belehrt dasselbe gedieht. 

6, 16. vergl. zu 5, 26. 

6,27. Iierrc von Kiionilngcn. rcrgl. 13. !?9 — 42 und 15, 
169—181. Iicrr LiuthoU ist goneint. 

6, 37. vergl. zu ö, 90. 

6, M . alle Suiihorga-re. ///// die zeit unseres gedichtes leb- 
ten lladniar ron Sunneberc nebst zwei gleichnamigen söh- 
nen ' lladinar und aber lladmaf dann Liutwin, Herman 
und ßf'üljinc. sie erscheinen in 7/iehreren ur künden Li- 
lienfelds bei Uanthaler rccensus dipl. geneal. archiri Cam- 
piliensis. f 'im nae 1820. '2 , 27 4 Jjf'. , ivo überhaupt der i^oll- 
ständigste aufsehlufs über dieses geschlecht sich ßndet^ 
dem noch M. Fischer merkwürdige Schicksale Kloster - 
Neuburgs 2, 275 beigefügt werden kann. 

6, 54. swic ir zw6n ratgcbcn sint die Werda-ro al geliclic. 
in einer Urkunde Melks com jähre 1308 übergeben die 
brüder 'liddolt, Hddmdr und Kunnrut' eine hnfstal an das 
Stift. Ph. Ilueber Austritt ex arch. Mellic. illustr. Lips. 
1722. .V. 36. vergl. Hanihaler recensus 2, 346. 

6, 59. Irulisa'z zc (ireilsohensteine. jetzt Kreuzenstein, ein 
ausgedehntes nun verfallenes schlnfs auf einem hügel des 
linken üouauufers zwischen Stockerau und Kornneubursr. 
über dieses geschleckt ist nur sehr wenig bekannt, ich 
vermag der zeit unseres gedichtes ?ioch am nächsten 
rückend nur Heinrichen truchsäfsen von ' Grischenstein 
aufzuführen, der in einer Melker Urkunde vom 13 decevi- 
ber 1256 bei Hueber s. 24 erscheint, das geschlecht im/fs 
früh ausgestorben oder sonst herabgekommen sein, denn 
schon 1303 sehen wir das stnmmschlofs dem landesfür- 
sten anheimgefallen, wenigstens für diesen durch herrn 
Dietrichen von Pillichdorf verwaltet, kirchl. topographie 
Österreichs 9, 119. Verwechslungen mit den Greifenstei- 
nern mögen übrigens in tmseren genealogischen werken 
auch unterlaufen, wie ich gleich jenem Henri<'us da- 



272 ZU SEIFRIED HELBLING VI 

pifer de (ireiflicnslciii bei Hatithalor 1,332 zum jähre 1257 
nicht recht trai/e, der bei ansieht der originnlurkunde 
höchst wahrscheinlich in unsern obigen Heinrich überge- 
hen dürfte. 

6, 63 bis 71. ich gestehe den sinn dieser zeilen nicht zu 
verstehen, obwohl ich die örtlichheiten nachzuweisen ver- 
mag. Buocheim, Jetzt Buchheim, liegt im Hausruckvier- 
tel Österreichs ob der Enns, nahe an der straj'se von 
Linz nach Salzburg, zwischen f^öcklabruck und Schwa- 
nenstadt ; Lielileawcrt im viertel untej'm ff^ienerwald, öst- 
lich von Neustadt an der kleinen Fischa. über das ge- 
schlecht das sich nach dieser ehemaligen gränzveste 
nannte vergl. Hanthaler 2, 77^. Weigerberc aber, jetzt 
JVeyerburg, liegt im viertel imterm Manhartsberge, etwa 
drei Viertelstunden östlich von Ober-HoUabrunn, der vier- 
ten postStation der strqfse von lVie7i nach Znaim. 

6, 79. von Pilchdorf her Kuonrät. vergl, über ihn und sein 
geschlecht die kirchl. topographie Österreichs 11,239. er 
erscheint bei Ottacker 381" im jähre 1229 zugleich mit 
bischqf Leopold von Seckau, Liutholt von Kuonrinc, Ste- 
phan dem Meissauer, dem langen Kapeller, herrn Pernolt 
vonTelesbrunn, vergl. unten 6, 91, und herrn Berchthohl 
von Emmerberg als vermittler des friedens zwischen An- 
dreas dem 3« dem Venezianer und herzog Albrecht, 
vergl. zu 15, 570. Pillichdorf liegt am fufse des Hoch- 
leitengebirges an der nordwestlichen gränze des March- 
feldes, eine halbe stunde von Bockßies, ivonach der un- 
ten 6, 86 erscheinende landherr sich yietmt. 

6, 83. die Wolkersdorfer alle dri. es sind Hermann, Diet- 
rich und Bernhard, deren Stammsitz im viertel u?iter dem 
Manhartsberg, drei Meilen nördlich von Wien liegt, 
vergl. über dieses geschlecht die urkundliche Zusammen- 
stellung in der kirchl. topogr. 11, 52 bis 56. 

6, 86. der von Bokvliese. wahrscheinlich Wichardus de Pok- 
flyes, de7i ich in einer Kloster- Neuburger Urkunde vom 
24 april 1279, bei Fischer 2, 274 ßnde. 

6, 91. von Telesprunn her Pernolt. so ist zu lesen, beide 
brüder Pcrnold und Eberhard, unten z. 96, fnde ich in 
einer Urkunde von 1287, nach welcher der erstere corani 



zu SEIFRIED IIELBLING VI 273 

placito publico, praesidenle ipso Alberto i duce, renuiiciat 
occupalioiii iuriiiin in villa Wizcistorf, bei Ilanlhaler re- 
ceusus 2, 279, tvo auch sonst noch 7iachweisungen zu fin- 
den sind, vor gl. zu 6, 79. 

6, 103. von Geiios her Wiillinc. fflfsgrill 3, 280 hat nebst 
vielen nachweisungen über dieses geschlccht aus den enen- 
kelsehen hss. auszugsireise eine Urkunde vom jähre 1285 
imveleher irulfinc nebst dem oben 6,49 erwähnten Had- 
mar dem älteren und Jüngeren von Sunnberg, dann Liut- 
u'in und Hermann, auch noch Liutwin und Kadolt voti 
ff^erde, vcrgl. zu 6, 54, als zeugen erscheineyi. vergt. 
Hanthaler 1, 318/ 

6, 107. der hat den Tüfersier vcrtriben. vergl. zu 5, 41 
und was Ottacker 281'' bewahrt hat. 

6, 119. die Haseiouwer bßde. Otto und liadolt, wie man 
unten z. 129 sieht, die söhne des alten Otto von Haslau ; 
vergl. zu 2, 443 und unten 8, 1228 undlVifsgrill 4, 199, 
wo viele nachweisungen. 

6, 131. her Ott von lloleosteine. einen Ulricus de Roten- 
stain finde ich im Jahre 1270 urkundlich bei Hueber 26, 
vergl. das sieget auf tafel 6 n^. 1 und 2, und über das 
geschlecht Hanthaler recensus 2, 228. einen Otto de Ro- 
tenstaya hat Lazius de gentium migrationihus s. 182, 
zum Jahre 1300, doch scheint 7nir dieser, wenn die ganze 
a7iführung überhaupt stich hält, einem Kärntner gc- 
schlechte anzugehören, die ruinen eiriei' alten veste Ro- 
tenstein liegen nächst Heinburg an der Donau, hart an 
der gränze Ungarns, unter der burggrafschaß ze Brücke 
z. 134 ist Druck an der Leitha, das auch bei Ottacker 
z. b. 375^ nur kurzweg Bruk genannt wird, zu verste- 
hen, fänf meilcn südöstlich von JVien an der ungarischen 
gi^änze. 

6, 135. von Trutmansdorf her Stiihse. wahrscheinlich herr 
Albero, der in den Jahren 1285 und 1308 bei Hantha- 
ler 2, 295 erscheint, das geschlecht war, wie bekannt, 
schon in Jener zeit so zahlreich dafs die sage geht es 
sein in der Marchfeldschlacht allein vierzehn, in der 
Mühldorfer Schlacht gar achzehn dieses namens gefal- 
len. Hormaijr taschenbuch 1822 .v. 90, j^'. und Hanthalei' 

Z. F. D. A. IV. 18 



274 ZU SEIFRIED HELBLING VI 

*2, 293 ///.y 296. TrautmaiinsilorJ\ schloj's und markt, liegt 
an der Leitha eine stunde östlich von Brück. 

r», 144. unz an den Fiirles s6. der Neusiedler see in Un- 
garn, nicht iveit von der südöstlichen grunze Österreichs, 
er hei/st auf 7in garisch Förlö. M. Bei compendium Hun- 
garinc geographicum. Pnsonii et Pesthini 1792. s. 14. 

(). 145. die Folendorfcr alle dri. 'her Kuonrdt, her Heinrich 
und her Silwt,' wie man unten 6, 156 sieht, sie erschei- 
nen alle drei in den Jahren 1277, 1279, 1289, 1294 H?id 
1308 in Urkunden Lilienfclds, im letzten jähre zugleich 
mit dorn oben zu 6, 135 nachgewiesenen ' Albcro^ hier 
' Albcrf von Trautmannsdorf, Hanthaler 2, 186. Konrad 
aufserdcm unten zu 15, 570 als bevollmächtigter herzog 
Albrechts zur Schliessung des griinzvertrags mit Andreas 
dem 3« von Ungarn. Votlendorf, jetzt ein markt mit 
einem sehlojse, liegt nahe an der ungai^ischen g?'änze 
zwei und eine halbe stunde nordöstlich von Neustadt. 
Hanthaler hat s. 181 — 188 eine abhandlung über dieses 
geschleeht, das, ivie man schon aus Helbling 6, löOjjf. 
sieht, auch jenseits (ein teil) der ungarischen gränze be- 
gütert war. — Margreten, nicht zu verwechseln mit Mar- 
grcthen am Moos bei .TrautmannsdorJ", liegt eine halbe 
stunde von Rusl, am oben 6, 144 erscheinenden Furles 
se : 3Iertinsdorf aber ist das jetzige Mattersdorf, unga- 
risch noch Nagy - Märtony, etwa zwei stunden südöst- 
lich von Neustadt, eine stunde vo?i der österreichischen 
gränze. 

6, 161. ir Herren üz dem Forste. 7ioch bis heute heifst die 
gcgend um st Leonhard im viertel ob dem IVieiiertvalde, 
eine und eine halbe stunde südlich von Melk, im forste.' 
st heonhard, dermal ein 7narkt von fünfzig häusern, 
bildet im vereine mit Peilenstein und /.iverbach eine be- 
deutende patrimonialherrschafl. schon bei Neidhart 4, 4, 9 
und 4, 5, 2 erscheint es als sante Lienhart im vorsle U7id 
noch auf der visscherschen karte Österreichs vom jähre 
1672 zeigt sich die Umgehung dieses ortes mit grafschaft 
Peiluslain bezeichnet, die ganze stelle von 5. 161 bis 176 
ist jetzt unmöglich genügend zu erläutern, da nirgends 
ZU finden ist iver in jener zeit als dienstmann zur graj- 



zu SEIFHIED IIELBLING VI. VII 275 

Schaft Pil stein gehörte und weil, nimmt man bei bvant- 
wortung dieser tehens/rage hlnj's das terrain zur rickt- 
schnur, sicher vermengungen eintreten müj'sen. denn wer 
im gebiete der gra /schaff saj's, deren gränzen, wie man 
aus dem eingange zu Enenkels J7irstenbuche sieht (Rauch 
Script. 1, 249 ///i^/ 250), sehr ausgedehnt und durchbro- 
chen waren, war deshalb noch nicht nothwendig dienst- 
mann der graj'schqft. wie ist aber hier olme allem an- 
hallspunkt zu unterscheiden'? schon Strein in seinem oben 
erwähnten handschriftlichen auszuge sei7ier genealogischen 
Schriften ßihlte bei diesen stellen Hclblings über die 
dienstmänner Peilsteins die nothwcndigkeit der scheidimg 
dieser verschiedenen dicnslverhültnisse und drückt sich 
darüber in seiner weise folgendermafsen aus, s. 47, diensl- 
raan zu Peilslain sein den dicnstmaii in Österreich darumb 
nit gleich dals sie aines grauen oder grauschafl't diensl- 
raan sein, die andern aber haben sich genent dienstberrn 
oder auch dienslinan in Österreich vnd von den marggrauen 
vud herzogen de ordine minislerialiuni vnd gehörn dz reich 
an u. s. w. vcrgl. unten 8, 583 Jf. 
6, 177. von Lengenbach her kanierar. Friedrich von Len- 
genbach, wie man aus der Urkunde d. Kreyns 7 october 
1291 beiPez, thesaurus 6, 2, Umsieht. Lengenbach, jetzt 
Alt-Lengbach im viertel ober dem Wienerwald etwa vier 
stunden östlich von st Polten am Tulnerbache gelegen, 
vergl. über Friedrich auch Hanthaler recens. 2, 65. 

6, 195. von Kapelle her Lolrich. vergl. zu 5, 63. 

7, 151. ze Trebense. vergl. zu 4, 496. 

7, 199. über den wagrein bi Ekendorf. Ekendorf, noch jetzt 
Eggendorf am JVagram genannt, liegt im viertel unterm 
Manhartsberg am linken Donauufer drei viertel stunden 
nördlich von ' Trebense'. unter dem Wagram d. i. wagrein 
versteht man in jener gegend den von Stockerau am lin- 
ken Donauufer aufwärts bis Krems sich fortziehenden 
rand der hügelreihe die daselbst mit Weingärten be- 
pßanzt gegen süden ins Donauthal sich senkt, alle in 
jenem bezirke liegenden orte mit allgemeineren auch sonst 
vorkommenden namen werden mit dem beisatze 'am Wagram" 
vor Verwechslung mit anderen gesichert, so z. b. nufser 

18* 



270 ZU SEIFRIED nELBLING VII. VIII 

Eggendorf am JVagvnm noch Kirchbcrg n. fF., Hmis- 
leuthen a. JF. i/. s. w. Ilclhling hofindct sich daher z. 245 
ilf des wagreimes sleten ufid sieht Tuonouwehalp das heer 
liegen, und als später z. 1083 der nebel sich votn schlacht- 
fchh- hebt, sieht er ihn über die Donau dem jenseits lie- 
genden gebirge zuziehen, das sich von hier aus gesehen 
grofsartig erhebt und in dessen mitte der Octscher, 
z. 1087 Oelsclian, zur höhe von nahe sechs tausend fujs 
hinansteigt. 

7, 332. lies ahlbaer. 

7, 382. lies nicht. 

7, 709. ich was ein apt ff. tvahrschei?ilich ist in diesen 
Zeilen abt Heinrich von yJdmont gemeint, vergl. zu 5, 54. 

8, 107. vor herre fehlt das zeichen der rede. 

[8, 285. vielleicht slavisch. sloven. hud böse {böhm. chud, 
chudy), noriz //arr. 

8, 443. Schmeller 4, 78 hat wemseln, wimsein, kriebeln, 
winseln. J. Grixtm.] 

8, 499. üf der hohen sträze. ?ioch auf dem plane Augustin 
Hirschfogels von 1547 ist die jetzige Herrengafse mit 
Die Hoch-Slrafs bezeichnet. 

8, 505. zuo dem Kuonringsere. wahrscheinlich ist hier Al- 
bero von Kuonring gemeint, dessen haus in der nähe der 
porta Judeoruni, also vom heutigen Arsenale gegen das 
Elend hin lag, wie der auszug aus dem älteste?i grund- 
buche des Schottenklosters lehrt, mcccxiv conscriplus per 
D. Nicolauni Abbatem, Hormayr gesch. IFiens. Irjhrg. 
\r bd. urkundenbuch s. li n° xx. 

8, 583. dienstraan ze Pilsleine und das folgende ^ vergl. zu 
6, 161. 

8, 590. die liez uns alle der tuomvoit. Ulrich v. Lichtenst. 
frauendienst 285, 10 dö kern der vogt von Lengenbach: 
der tuomvogt so was er genant, ebenda 66, 1 aber heifst 
es von Regensburc der luomes vogt da ritterliche zwar 
in zogt, herr Ott hiez er von Lengenbach {sieh die be- 
richtigung auf s. 724) der, was ritterliche pracht be- 
trifft, selbst von Ulrich angestaunt ward (vergl. die vie- 
len stellen auf welche das Verzeichnis der namen weist). 
um seiner ncigung zu genügen mag Otto wohl auch des 



zu SEIKIUEI) IIELÜLING \ lli 277 

guten zu n'cl gelhon haben, so Jojs seine verntögensvcr- 
hältnisse nicht ivuner gleich glänzend (80, 13 Llr.) blei- 
ben konnten, somit auch seine ilienslleute, besonders nach 
seinem tode, nicht gleiches ansehen J'ovtgeniejsoi konn- 
ten, vergl. man. Boica 29'", 313. so erkläre ich mir die 
bittere anspielung des dichters. an Friedrich von Len- 
genbach, der zur seit unseres gedichtes noch lebte, we- 
nigstejts noch 1294 (sieh Hantlialer 2, 65), ist schon des- 
halb nicht zu denken weil er ?iirgends als domvogt, son- 
dern immer nur als kämmerer und truchsäjs erscheint, 
eergl. oben zu 6, 177. 

8, 609. ob uns got gesunde den künic her ze lande, dafs 
hier leie 8, 775, 832, 851 //. s. w. Albrecht der \e ge- 
meint sei, geht aus unserem gedichte z. 1221 hervor, ivo 
de?' tod könig Adolfs erwähnt wird, sotnit ist unten 
8, 761, 774 und SZ\ herzog Rudolf, der erstgebor nc Al- 
brechts, zu verstehen. 

8, 874. ir sult daz lant setzen hie als iz der herzog Liu- 
polt liez. vergl. oben zu 2, 652. 

8, 1039. wie der herzog Liupolt über mer gap den soll. 
vergl. Enenkel bei Rauch 1, 290 und Ottacker 839\ 
Leopold der 6e der tugendhafte, 1177—1194, aus dem 
hause Babenberg, ist gemeint, die ereignisse fallen ins 
jähr 1191 und 1192, der vcrlust Acres, Ottacker 389^ ff- > 
ins Jahr 1291 . 

8, 1057. herzog Friderich. der letzte Babenberger, gefal- 
len in der schlacht gegen die Ungern an der Leiiha, 
15 j'uni 1246. vergl. Ulrich v. Licht. 528, 13.#'. 

8, 1062. herzöge Herman, s6 hicz der, von Baden. Ottacker 
25'' setzt Hermanns Vermählung mit Gertruden ins Jahr 
1249 — daß die Vermählung vor dem 23 mai 1249 fällt, 
lehrt die Urkunde bei Fischer 2, 208 — und läfst ihn 
im vieiHe?i Jahre darnach sterben, 25**, also 1252. den 
tag ohne angäbe des Jahres nennt das todtenbuch Klo- 
sterneuburgs, Fischer 2, 112, iv Non. (Ö67oZ»m) Herma- 
iius dux Austrie et comes de Paden. er liegt auch da- 
selbst begraben, nach Fischer 1, 107. die ungewissheit 
unseres dichters über den ausgang Hermanns, z. 1063/"., 
wird daher wohl einer Verwechselung Hermanns mit dem 



278 ZU SEIFRIED HELBLING VIII 

erste/i reichsveiuroser Otto von Eberstein zuzuschreiben 
sein, tvclchov noch im Jahre 1248 oder 1249 mit mehre- 
ren inisvergniii^ten zum kaiser nach Verona zog, unter- 
tvegs überall gewalllhätig' angehalten ward und niemals 
tviederkehrte. vergl, A. Rauch österr. geschichte. IVien 
1781. 3, 34. 

8, 1082. er sprach, ez ist allez min. charakteristisch ist die 
äufserung welche dieser stelle Helblings entsprechend 
Ottacker 103" detn künig vcn Böhmen in gleichem sinne 
in den mund legt. Ottacker zieht nämlich an der gränze 
des gebietes von Aquiloja und spricht sein heer, das sich 
bereits Rom nahe wähnt und sich unheimlich in Jener ge- 
gend fühlt, also an ich wil läzen iuch daz sehen an, 
swenn da her kumt ein Pölän gevarn ode ein Beheim, 
daz den dünkt er si da heim, sol ich der jare werden 
alt, als verre muoz min gewalt werden volrecket und üz 
ein ander gestrecket. 

8, 1097. ze Lugidani daz ergie. diese von allen bisherigen 
so abweichende angäbe Helblings über de?i ort der kö- 
nigswahl Rudolfs von Habsburg ist eben so auffallend 
wie das bekannte allseitige schwanke?! über den tag der 
wähl, vergl. Gerbert cod. epist. Rudolf s. 2 ?iote 3 und 
s. 7 noteZ. dafs Lyon nicht der oj^t der definitiven wähl 
Rudolfs seilt konnte lehrt schon der ei'ste brief des kU- 
nigs an den pabst nach der würklichen wähl; ob aber 
nicht eine der viele?i Verhandlungen, vielleicht sogar die 
bestimmendste (post multos et varios de futuri regis ele- 
clione tractatus sagt Rudolf selbst im eben erwähnten 
briefe) zu Lyon im heisein des pabstes und concils statt 
hatte wäre erst noch genauer zu untersuchen. 

8, 1165. der künec einen hof gebot. ' üf sunt Mertinstac 
d. i. 11 nov. 1274, und nach Nürnberg. Ottacker 121*. 

8, 1200. von dem Rin huop sich her uider. sept. 1276, 
nach den reges te?i bei Lichnowsky gesch. d. hauses Habs- 
burg bd l. n° U8jf. 

8, 1208. der Beheim künec wart erslagen. 26 aug. 1278. 
F. Palacky gesch. v. Böhmen 2, 275. 

8, 1210. in kurzen jären da nach lech er diu laut den kin- 
den sin. die belehnungsurkunde d. Augsburg 27 dec. 



zu SEIFIUEÜ llhLbLiiX; Vlll. 1\. \lll 27i) 

1282 hat A. Hauch ö.sferv. •fv.schichtc, im anhange des 

3 bdes s. bl. 
», 1212. uml kcrle wider zm» dt iii Hin. das war schon J'rii- 

hor ireschehcu. dir letzte aus Österreich datierte Urkunde 

liudulfs ist t'uui \n Juni 1281, Biihmer regesta 4408. 
8, 1215. in ercn starp der \v«Mdc hell. Gennersheini \bjuti 

1291. Böhmer s. 251 nach Gerbert <;lxiu. 
8, 12 IG. ein ander küuec wart erweit. 5 mai 1292 zuFranh- 

f'urt kihiig Adolf. Böhmer a. a. o. 
8, 1221. nü ist der auder kiiiicc tut. Adolf, 2 Juli 1298. 

Böhmer s. 262. 
8, 1223. und ein werder lierzoge. Friedrich der streitbare 

ist gemeint, vergl. zu 8, 1057. 

8, 1228. der alle Uaselouwa-r. vergl. zu 2, 443. 

[9, 129. flieht verstehe ich nicht, gebt mir daz gwant her 
unde pflilil und im folgenden versc unib diu samen für 
alles das zusammen? J. Giumm.] 

9, 142. die Gumpoltes gigen. zur vcrgleichung ivill ich hier 
anmerken dafs im viertel unterm JVienerwald nahe bei 
Baden auch ein uralter l andesfurstlicher markt liegt der 
Jioch jetzt Gumpoltskirchen heifst. einem bischof G um- 
polt von Pafsau, an den die kirclil. topogr. 4, 127 als 
erbauer der kirchc zwischen 915 bis 931 erinnert, kann 
aber der name des oi'tcs nicht zugeschrieben werden, weil 
es einen solchen nie gegeben hat, ebenso wciiig einen 
bruder Leopolds des erlauchten aus dem hause Baben- 
berg, dem eine zweite sage die benennung zuschreibt. 
\ich denke die Gumpoltes gigen an einen hähen ist ein 
sprichwörtlicher ausdruck für ' seinen spott ?nit einem 
trcibe?i ;' vergl. gumpelman gumpelspil gumpclwise und 
der gl. Haitt.] 

13, 15. von Hartek waren zwen erkant. Otto und Konrad 
fielen in einem blutigen treffen gegen die Kumanen am 
26 Juni 1200 bei Staat z im viertel unterm Manharlsberg. 
das todtenbuch Kloster -Neuhurgs, Fischer 2, 108, hat 
hierüber folgende stelle vi Kai. (lulii) Otto Chunradus 
comites de hardek. Chadoldus orplianus. Chrafto de Slevntz 
occisi cum aliis multis circa Slevz obierunt. mcclx occisi 
sunt, mit Otto und Konrad starb der haupt.stamm der 



280 ZU SEIFRIED HELBLING XIII 

alteji grofen von Hardek aus. sieh Wifsgrill 4, 103 
und ßlgc hinzu Otlaekcr 7Vß\, wo die ganze begeben- 
heit aus/uh?'/ich c7'zählt wird. 

13, 23. her Kol her Kraft von Sliunz. über Ki^aft sich die 
vorhergehende amncrkung, Kolo de Sleunze et Otto frater 
eius ßnde ich in einer Urkunde vom Jahre 1213 bei hu- 
dewig rcliquiae ?nss. 4, 37. 

13, 32. Heinrich, Hadmar, Alber, von Kuonrinc, die söhne 
ffadmors des 2/^, erschein e?i alle drei in einer Urkunde 
d. Zwettel 5 jäimer 1220 bei Link 1, 274. vergl. das 
namenverzeichnis bei Ulrich v. Licht. JVifsgrill 2, 49. 
Hohcncck 3, 90^. Hormayrs archiv 1829 s. 209^. 
U7id F. Kurz Österreichs handel in alt. zeiten. Lins 
1822. s. 133. übrige?is Helbling unten 15, 169. 

13, 33. Kuonrinc, Witrä, Tiernstein. JVeitra im viertel 
ob dem Manhartsbergc nordwestlich von Zivettel loar der 
sitz Heinrichs; Tiernstein, jetzt Dürenstein, an der Do- 
nau bei Krems jener Hadmars. 

13, 39. von Tiernstein her Liutolt. das hier und z. 37 
und 38 angedeutete bezieht sich wahrscheinlich auf die 
der schon obeii erwähnten Unterwerfungsurkunde Liutholts 
(bei F. Kurz Österreich unter Ottoc. und Albr. 2, 215) 
vorausgegangene ächtung durch den herzog Albrecht. 

[13, 42. zyka. vergl. cicha Doc. misc. 2, 205. J. Gbimm.] 

13, 43. von Valkenberc der alt Rapot. vergl. zu Ulrich v. 
Licht. 474, 25. ivie man aus der Urkunde d. IVieji 12 dec. 
1285 bei Fischer 2, 285 sieht loar der alte Rapot iri die- 
sem jähre nicht mehr am leben, zugleich mit dem in 
der zeile 

13, 56. die wile er was dö lebt ein man . . . von Missouwe 
her Otle, erscheinenden Otto von Meissau ßnde ich ihn 
als zeuge an einer Urkunde vom ^ juli 1248 bei Fischer 
2, 206. über Otto vergl. Ulrich v. Licht. 93, 1 und die 
übrigen stellen im vei^zeichyiisse der namen. der oben 
zu 5, 63 angeführte Stephan von Meissau war dessen 
söhn, vergl. Hanthaler recens. 2, 108. 

13, 69. die edelen Weisen. Seifried und Kadolt erscheitien 
oft in Ulrichs v. Licht, frauendienst, sieh das namen- 



zu SEIFIUEÜ IIELBI.ING XIII. XIV. XV 281 

vers., dann in Enonkcls fuvstcnbuch hei Rauch I, 3iG,^'. 

vergl. oben zu 13, 15. 
[13, 129. j^ebrireii rzr gebriscn? J. Grimm.] 
13, 139. hinz dem Aiiiiise, nämlich an die Enns. 
13, 169. der lanlvridc ist sA guot. sieh zu 1, 786.' 
13, 181. von einem guotea Pölliiigfjere. vergl. zu 1, 314. 

13, 190. von La unz an den Meinliartsberc. Laa an der 
grunze Mährens, Junf stunden östlich von Reiz, der 
Manhartsberg zieht sich von dieser stadt südlich bis ins 
Dunauthal herab, nämlich bis an den Kamp, eine stunde 
nordöstlich von liretns. 

14, 15. der biderbe berzoge Friderich, der letzte Baben- 
herger, wie oben 8, 1057. 

14, 40. vreidic sam die Beier. vergl. oben zu 1, 438 bis 
443. 

14, 74. s6 guot vride wart noch nie. vergl. hiei^mit tvas 
F. Kurz Österreich unter Ottoc. und Albr. 1, 231 über 
den leider nur so kurzen friedlichen zustand Österreichs 
während der regierung der söhne Albrechts bemerkt. 

15, 169. was der von Küenringe da. wahrscheinlich ist 
Leuthold gemeint, vergl. zu 13, 39. 

15, 171. ich wa'ne dalze Velsberc. jetzt Feldsbei'g im vier- 
tel unterm Manhartsberg nahe an der mähi'ischen gränze 
und eigenthum des Järsten von Lichtenstein, vergl. die 
stellen in Ulrichs v. Licht, frauendienst nach dem Ver- 
zeichnisse der namen. 

15, 221. dö enhalp Tuonouwe j^'. von hier an beginnt die 
Schilderung des einfalls und der belagerung Wiens durch 
Andreas den Zn den Venezianer, über dessen veranla- 
Iqfsung und verlauf ich vor allem auf J. Czechs aiif- 
satz in Hormaijrs taschenbuche ßir 1831 .v. 135 — 168 
verweise, wo auch die entsprechenden stellen Ottackers 
angezogen sind. 

15,224. unz an den Semernic. das ist an die gränze Steier- 
viarks drei stunden südlich vo?i Neustadt. — südöstlich 
von diesem berge liegt 

15, 225. der Hairlherc, jetzt Hartbergerkogel genannt, ?iö?'d- 
lich vom Städtchen Hartberg in Steici^mark, acht meilen 
7iordöstlich von Graz. 



282 ZU SEIFIUKD HELBLING XV 

15, 227. bi der Litä hin ze tal, also dem laufe de?' aus den 
südlichen bergen nach nordost JUefsende.n Leitha nach. 

[15, 259. bascman? Pazman ist ein österTeichischer name. 
vergl. Pazmaiisdorf tceisth. 3, 694. J. Gkimm.] 

15, 288. in ist Eberstorf gegeben, das jetzige Kaiser-Ehei's- 
dorf nahe dem aiisjhij'se der Schwechat in die Donau, 
zwei stunden südöstlich von ff'l'en. 

15, 304. ze des Pibers türlin. ohne zweifei ein ausfallthür- 
lein des Pibcrthuvms der noch viel später erscheint (Schla- 
gers fi'lener skizzen aus dem mittelaltei' 1, 166) ander 
stelle der jetzigen Biberbastei. Hormaijr gesch. fViens. 
\r Jahrg. 2r bd Zs heft .y. 69*. 

15, 337. owe her schenk von Hüsbach. es ist schwer zu 
entscheiden welcher aus diesem geschlechte hier gemeint 
sei, da man zwischen Ulrich Gundacker Heimlich Gott- 
fried und Konrad in den urkundlichen stellen bei Jf^ifs- 
ginll 4, 212 aus dieser zeit die wähl hat. die voi^dere 
und hintere Schenkenstrajse zu Wien ßihren aber noch 
heute diesen namen. 

15, 343. die burcgräfschafl ze Brücke, ohne zweifei Brück 
an der Leitha, das hart am gemerke, z. 345, Ungarns 
liegt, vergl. oben zu 6, 131. 

15, 347. diu werden Priuzel. einer davon war Heinrich, 
wie man aus Ottacker 74' sieht, der andere Bernhart, 
sie erscheinen allenthalben zusammen : so bei Ulrich v. 
Licht.; dann bei Enrnkel, Rauch 1, iioOjf. 

15, 353. Richerstorf sie kriren. hier wie oben ist der kämpf 
Belas mit Ottacker iyn jähre 1260 auf dem Marchfelde 
gemeint, welchen Ottacker 73'' bis 76'' schildert. Rei- 
chersdorf liegt auch in jener gegend, ganz nahe dem oben 
zu 6, 79 nachgewiesenen Bockjlies. 

15, 355. fugat fush mingrel. vielleicht fussatok mind el d. i. 
lauft alle davon! vergl. Ottacker fuscho meyn gele, so die 
hs. y fol. 24 V. a. die nächste zeile gibt keineri sinn. 

15, 3d8. bi herzog Friderichen. abermals der letzte Ba- 
benberger, wie oben 8, 1057. 1223 u. s. w, 

15, 392. Kuoorät von Marchecke, diesen Konrad finde ich 
in den mir zugänglichen quellen nicht. 

15, 452. Kuonral von Silzenberge. während ich mehrmals 



zu SEIFIUED HELBLING XV 283 

einen Cnonradus de Sizcndorf um diese zeit urliundlirli 
naclauu'i'iseTi vennn^, finde ick nir^^e/ids einen ron Sitzen- 
bei'i^-, jetzt einem darf mit lierrschaßliehem schloj'se im 
viertel oh dem JUenenrnld etwa eine stunde nordöstlich 
vom stifte Herzof^^enhurp^. 

15, 503. Uorou Kirclienprel SwAbdorf sant Peternel. siimmt- 
lieh in der umgegend von Bj'uck an der Leithn gelegen. 
Uörou hart an der alten Parndorf'er schanze, nord- 
östlich von Brück; Kirthenprel jetzt Prellenkirchen auf 
der anhöhe östlich von liohrau ; SwAbdorf ye<^/ Schwa- 
dorf nordwestlich von Brück an der Piesting ; Peternel, 
das ist Petrnnell an der Donau nördlich von Bohrau am 
anfange der schanze. 

15, 522. der bischof von Gurke, es könnte nach der rei- 
henfolge der bischöfe {Marian österr. klerisei 5, 524J 
nur Hartwich sein, 1280 — 1298; doch scheint mir hier 
eine Verwechslung mit dem bischof von Seckau eingetre- 
ten, sieh unten. 

15, 570. der bischolf von Golelschä. Johannes bischof von 
Ixolocza, wie 7nan aus dem jetzt bei Lichnowsky 2, cclxxvii 
gedruckten friedens- und gränzvertrag vom 28 august 
1291 sieht, ich setze die betreffende stelle hierher, weil 
sie auch die sonstige?i vermittler des Vertrages nennt, 
vergl. zu 6, 79. Lodoiiicus Strigoniensis et Johannes (]o- 
locensis dei gracia ecclesiarum archiepiscopi, Gregorius 
banus comes JNytriensis et Barosiensis, magisler doniini- 
eus quondani palatinus, Wernliardus Pathawiensis et Leo- 
poldus Secowiensis per eandera graciam ecclesiarum epi- 
scopi, Stephanus de 31yssowa et Conradus de Pathundorph 
ordinatores et arbitratorcs per illustrissinios principes An- 
dream dei gracia regiii Vngarie regem illustrem, domi- 
num Albertum eadem gracia ducem Austrie Styrie, domi- 
num Carniole 3Iarchie et portus Naonis deputati. über 
die Verhandlungen vergl. den aufsatz Czechs und die zu 
demselben bezeichneten stellen Ottackers, der auch sonst 
über diese Verhältnisse sehr ausführlich und, wie auch 
Czech note 54 bekennt, sehr wohl unterrichtet ist. 

15, 599. gräf Myssa und gräf Ybän. unter dem grafen Myssa 
d. i. Moses ist entweder der zu 15, 570 genannte comes 



U84 ZU SEIFRIED HELBLING XV 

Nytrieusis oder der graf von Tolna tind Bodrog zu ver- 
stehen, verg/. A. Leholzkij stentynatographia Hungariae. 
pars i *. 118. 134 und 153. graf Yban ist der schon 
oben 5, 63 erwähnte graf von Güssing. 

15, 661^. Hiulberc unde Starkenberc. die übi'i- 

gen orte sind bekannt. Hiinberg ztvei u?id eine halbe stun- 
de südlich von Wieji, eine nordöstlich von Lachsenburg. 
Slarkeiiberc, jetzt Starhenberg, westlich von Neustadt 
am Halten gange zwischen JVopßng und Ober-Piesting ; 
noch jetzt sind die ruinen der ausgedehnten veste die be- 
deutendsten im ganzen lande. 

15, 685. der bischolf von Gran. Ludwig, s. oben zu 15, 570. 

!5, 693. der von Vetzprem. bischof Betiedict von Vefsprim. 
s. Czech s. 155. 

15, 699. der bischolf von Rabe, yindreas. s. Czech. 

15, 705. der von Vünfkirchen. bischof Paul. s. Czech. 

15, 749. die Vizze. die gegend um die Fischa, die allent- 
halbe?i bei Enenkel und Oltacker unter diesen namen er- 
scheint, die Fischa selbst ergiefst sich bei Fischament, 
vier stunden östlich von Wien i?i die Donau. 



WERNHER VON ELMENDORF. 

Pergamenthandschrift des \An jh., 10 blätter in quarty 
n°. 1056 in der bibliothek der Augustiner chorherren zu 
Kloster - Neuburg . das gedieht gehört dem 12n jh. aji. 
zwei bruchstücke aus einer hs. des 13// jh. (z. 87 — 155. 
356—420) sind abgedruckt in denaltd. bliitteyvi 2, 207—210.* 

HOFFMAJ\N V. F. 

* für die unter den text gesetzten Vermutungen bin ich verant- 
wortlich. Haupt. 

Diner rede hat ich gedacht; 
Di het ich gerne vollinbracht. 
Do zcu bedarf ich einer volleist; 
Di such ich an dem heyligen geisl, 
Daz er mich daran beware, 5 

Lies 1 , Einer 



WEUNIIER VON ELMEiNDOHF 285 

Vn swer si gcliorc, daz er so geiiaro 

So cz sye sin fi-iimo vn sin crc. 

Daz (lidih'f der pliaplic Wcrnere, 

Von l^hnindorf der capeian, 

Vn lialez dureh daz getan, 10 

W'andez ane gebot vnde bal 

Der probisl von Hcligcnslal, 

Von Kiniindorf her Ditericb. 

Da zeu denuileget licr sich 

Vn liz mich in sinon buchen 15 

Di selbe rede suchen. 

Nv sta ich zu uwir allir gebolc, 

Daz ir mir gnaden hellilt zu gote. 

Wenil daz ich iz au mime hercen funde. 

Der rede han ich gut vrkunde. 20 

Vn allim ist daz vrkunde heyden, 

Dar vmme lazet v di rede nicht leyden. 

Ich sage vch durch welche not. 

Wan do Salomon dein tragen menschen geboth, 

Her sprach 'sich in der amciten schüre: 25 

Di spisc wirt ir nvmmer Iure, 

Si samenet in der erne also vile 

Daz si al daz iar lebit mit spile.' 

Waz meinet her do mite? 

Daz wir besseren vnsir site im 

Vn der tugende so vil zcu samene lesin 

Daz wir vmmer mit gnaden wesen. 

Sol ich an ein wurmelin sien 

Wi ich den vntugenden sule inflien, 

So muz ich an eime heyden wol merken 35 

Wi ich nach den lugenden sule wirken. 

Ouch en sit dez nicht ane wane, 

Ich ein habez ouch durch daz getan 

Daz sich alle di schämen 

Di sich in crislenemc namen 40 

Zcu den boshevden keren. 

11. ane] ime? 18. helfet 19. VVtXnet ir — funde als frage? 

21. Allein ist 25. in] an? 33. ein» 38. Ich enhabez 

4 1 . ei/i vers fehlt. 



286 WEHNHKR VON ELMENDüHF 

Iz ist manic cristen man 
Der gniick wislieit kan 

Vn si an sich selben inne keret, 45 

Noch eyner den anderin nicht lerel, 
Vn in tut doch so vile 
Daz her si mit lust oder mit spile 
An ein blal gescribe, 

Daz man sin gedenke nach sime libe. 50 

Diz ist ein iamir vil grose. 
Also ierit ein gedene sinen gnoze. 
Daz mach man wol versuchen 
In den heydenischen buchen. 

Iz in hilft vbir al nicht 55 

Daz man en burnet eyn licht 
Vn beslurzil iz vndir eyn vaz ; 
So in sehet nieman deste bas. 
Ouch em sal her nvmer riche werden 
Der sinen schätz begrebel vnder der erden. 60 
Diz selbe gedute 
Get an di lute 

Di di anderin wol geierin kiinnen 
Vn in der selikeit nicht gunnen. 
l*" Doch in ist ez so nicht bliben, 65 

Vns si also vil gescriben 
Von vnserin heyligen voruarin 
Daz wir di sele wol mugen bewarin. 
Nv denke ouch zcu denie libe, 
Daz ez vmbewaril inne blibe ; 70 

Wanne wirt er in den eren erzogen, 
So blibet di sele vmbelrogen. 
Dv salt beuelin al din leben 
Vil getruen ratgeben : 

Dez warnit dich alsus 75 

Der wise man Salustius ; 
Her spricht ' so gach si dir zu keiner tat, 
Dune suches e diner frunde rat; 
Du tust anderes lichte daz dir nicht touck/ 
Salomon her sprichet ouch 80 

45. niene 52. gedene] beiden? 59. cnsal 70. niene 80. der 



WEKiNIIEK \ ON ELMENDOUF 287 

' Üiiic oiijjon sulhMi diue wrrc bewarin." 

üaz spiiiliel, dci- rat sal vinmcr uoriiarin. 

üri sacliiii hören an den rat. 

Da by alle tiijjcnl nu slat. 

üaz eine daz is crc, daz ander Ironte, 85 

Daz dritte \vi man do zu kome 

Daz man dnicli liebe noch leyde 

P^rc VM IVomc vmmer nicht gescheyde. 

W az solden si sundir? 

Ir newcdir in touc ane dar andir. 90 

Tvlius sprichel von deme ralj^cben. 

Her suUc selbe wislicli leben 

V n suUe an allen sacliin vorsehen 

Waz danach mujje gesehen, 

Waz zu beiden banden muge komen, 95 

Beide zu schaden vn zu Ironien, 

Daz her danach nicht in dürfe sagen, 

Als man den schaden beginnet clagen, 

Daz her dez lutzel dechte, 

Daz her also kumen machte: 100 

Her schämet sich ouch zu späte 

Nach dem schedelichen rate, 

IfMan abir sprichet alsus 

Der wise man Bohecius 

' Iz in kumit nicht zu der wisheite 105 

Daz man sich donacb breite 

Daz nu geschafiin ist ; 

Man sal daz ende prüfen mit rechter list.' 

Valschir frunde der ist vile : 

Da Avur liule dich zalleme spile : 110 

Wenne suchez tu iren rat 

Vmme eine scheideliche tat. 

Sine wellen dinen zorn nicht erarneu, 

Daz si dich dines schaden gewarnen. 

An dine worl wellen si ien, 115 

Daran machlu ire bosheit wol sen. 

90. daz ander b {bruchstück j woraus hiev nur angeführt wird was 
den texl befsert). 100. her] iz b. 103. /. Wr.o aber: Dan 

.nie b. 106. bereidc b. 112. scliediliclie b. 



288 WEKNHER VOIV ELMEiNDORF 

Si flizciit sich alle geliche, 
Welcher dich aller suzelichis bcswichc. 
Diz iz allez dem vil na; 

Des waruit dich Seiieca. 120 

Nv merke ouch da mite 
Der gctruwen ratgeben site. 
Swer dir vaste zu sprichet 
Vn mit scharfen Worten slichet 
Vn dich diner duniheit berufil, 125 

Daz is der diner eren gebruchil. 
2" Der sin vil di sich getruwe sagen 
Vfi dez an deme hercen nicht tragen. 
Der in kau sich sundir nicht genennen ; 
Hi an saltu si bekennen: 130 

Si dringin sich an dinen rat 
Vn loben alle dine tat; 
Si kunnen sich also flien, 
Alse si vnder dinen wusen wellen lieti. 
An di list han si sich geflizen, 135 

Di geswasheit wollen si witzen; 
Da mit beginnent si dich twingen, 
So mustu all ir liet singen. 
Her is wis der di zungen midet 
Di vor salbit vn nach snidet : 140 

Vil suze ist ire gecose, 
Daz ende wirt dicke hose. 
Manie is der sich inne versinnel 
Als man in loben beginnet, 

Vn denket an sime gemule, 145 

Is kume von siner gute 
Vn von siner frumekeit, 
Vn kumez zu groser erbeit. 
Dez muget ir bispel hören 

De rege Medoruni, 150 

Daz spricht von Meden riebe ; 
Daz bispel warnit vns alle gliche. 



118. suzlichest b. 


126. gerochit b. 


127. /. sint 


ist b. 


129. sich] ich h. 


130. fline h. 


143. nie ne b. 


148 


knmit iz b. 









VII 



WEUMIEK \ ÜN ELMEiNDOHF 289 

jfMcrses waz der kuuic getiant ; 

Her iiiitot siiicin volke in da/ (^riciiiiilaiil. 

\\ anue uierdes bediichte, 155 

l)az liei iz wol breiigen niiiolilc. 

Aiser der unmu zu hegan, 

Her sanienet sine beisle man 

\'u redete mit in stille; 

Her sagete in sinen willen, lf>0 

Her sprach In vnibe wil ich wucrs rates leben. 

Do antworte im ein sin ralgebe 

Heil du kunic hcrrc min ! 
Selic nuisiz du vnnner sin ! 

So ne mugen sich di Crichin nicht bereiten 165 
Daz si dines volwigis crbeiten. 
Vorwar wil ich dir iz sagen, 
Zu der flucht wellen si sich gehaben, 
E wir in daz laut kumen : 

Andirs in mac in nicht gelrumen. 170 

üiz is al min kummir. 
Do sprach ein andir 

Nehein angist han ich so groz, 
So wir daz laut vinden bloz 

Vn itel di bürge veste, 175 

So ne weiz ich wan dise edelen geisle 
Ire manheit bescheiden. 
Den iarair mac ich weinen ; 
Diz iz al min kummir. 

Do sprach ein andir 180 

' Is wirl ein groz gedrenge. 
Daz mere iz vns zu enge, 
Vnser schifherre in mac ez nicht gelragen. 
Diz ist al min angist daz ich habe, 
Daz wirrit mir dar vndir.' 185 

Do sprach ein andir 
'AI ein han ich iz lange vorborgen, 
Doch sage ich wes ich sorge. 
Hi is zu rosse so manic riter gemeit 

153. Perses ft; /. Xerxes 155. merdes] indes? 157. uninäze begaii 
176. wa geste 177. bescheinen 183. schifhere 184. daz] die 
Z. F. D. A. IV. 19 



290 WERNHER VON ELMEiNDORF 

Daz ich in wez nehein velt so breit, 190 

2'' Ob iz in volcwigis gesladete, 

Daz ez vnimer icht grünes me geladete. 

Diz ist al min kummir.' 

Do sprach ein andir 

'Ich niuz nu sprechen zu leistz, 195 

Wandich in kan iz nicht allir best^ 

Ouch lide ich iene not, 

Talanc in hortich neheine also groz, 

Swenne wir beginnen sciezen, 

Wi iz der hirail sulle geniezen. 200 

Iz is damit al getan, 

Der luft in mac vnsir gescor nicht vntfan." 

Di heris craft sagelin si so groz 

Daz der kunic wenit sin der gote gnoz. 

Sin gemute begunde do stigen. - 205 

Do ne mochte nicht langer geswigen 

Deme rat der aide ; 

Der sprach do vil balde 

Aiser wol wiste 

Daz ez komen solde zu letzste. 210 

'Herre, bistu dez gewiz, 

Daz here, daz hi gesamenit iz, 

Daz du an furchtin macht 

Dich verlazen an sine craft? 

Nicht in ist so starc uf der erden, 215 

Ez en muge verwnnen werden, 

Vn so daz here ist von grozeren creftin. 

So man iz wirs mage berichten, 

Vfi swanne man iz berichten nicht in mac, 

So beginnet dir der lediste tac 220 

Der dir ie quam zu banden. 

So wirdistu zu maze dinen vinden. 

Berichte dich nach der heren gelfe. 

Du verheisches wol waz iz helfe.* 

Diz sprach der aide deme rat; 225 

Vnde also quam ez an der tat 

190. enweiz 192. gehabete 195. ze leste 197. eine 

202. gescoz 207. 225. Demärät 220. leidiste 



WEKNFIER VON ELMEXDüflF 291 

Daz der kunic sin ere verlos : 
Kumme iutran er sigelos. 
M^v merke an disme gedichle 

Wedir man mit mereme rechte 230 

Volge zu den erin 
Den valschin lugencrin 
Oder den sielin luten 
Di di warheit wol kunnen beduten. 
Bistu rechte becanl, 235 

Du veres zu der bezzeren hant. 
Ouch wil ich dich lerin 
Dez du bcdarft zu diner erin. 
Alle tugent saltu minnen, 

Daz saltu an deme rechten beginnen. 240 

Daz recht iz ein sulich tugent, 
Alsir alle merken wol mugent, 
Daz niman iz so hose 
Den ein andir so wil genofe, 

Mac her sin recht erstriten, 245 

Er lezet ime vngerne engliten. 
Owe manic den anderin verstiezen 
Vn im dez sinez nicht lieze 
Vn in almelalle verdrunge, 

Ob in des recht nicht twunge. 250 

Nicht in hat vns die natura bescheiden 
Me denue den vihe an der weiden. 
Si gab vns alle dinc gemeine. 
Do begreif sumelich al eine 

Dez manic leben muchte. 255 

Dar vmme salzste man daz gerichte, 
Daz man vngerechte lule twunge, 
Daz igelich den anderin nicht vordrunge. 
3' Swer da gerichte hat gerne, 

Dem is ist gut daz her lerne 260 

Wi der arstit tut mitten wunden : 
Is da dehein gelide sich vnder den gesunden 
Vn geset er, daz ez nicht mac genesiu, 

244. so vil geneise 246. Er 1. ez 247. verstieze 250. daz 

252. dem 263. gesihet 

19* 



vy*2 WEKNHEIl VON ELMENÜORF 

So sal erz also f;;ereil wesen 

Daz er mit sineme wafene ablose; 205 

Ez machit andcriz alliii den lib böse. 

Diz gctrillet zu den bösen wichlen 

Di da niman niac berichten; 

Di sol man von den tagen tun, 

Daz gute Inte mugen gerun. 270 

üucli wil ich dicli lerin 

VVaz Seneca si»richit von den richterin, 

Daz er also dicke schuldick si 

Alsc nianigen schuldigen er lezel vri ; 

Wander also zcu gerichte sal sitzen. 275 

Daz in brengen von sinen witzen 

Wedir gut noch zorn. 

Durch di wirl manic reth urtil virkorn 

Vn lidet man manige uorchte, 

Dez man nicht dorfte, 280 

Si leten kurcer reda zva : 

Sus saget uns Seneca : 

Der di mochte geslilleu, 

Di lule beten al iren willen; 

Daz spricht, wene min vfi din, 285 

Di lule mochten al mit gemache sin. 

Teilele al geliche, 

Wir werin al ebenriche, 

Sone dorfte niman ermeliche lebin ; 

Nv muz der riche dem armin gebin. 290 

Daz sint allir tugende meiste 

Vn kumit von eime milden geiste. 

Mildekeit iz ein tugent. 

Di ir alle gerne minncn mugenl. 

Si tut dich ein anderin des gunnen 295 

Dez tu mit pinen has gewunnen. 

Si ne lezet dich frume habe nicht gerin, 

Din eigen tut si dich wol enperin. 

Owis leidir manic tumme 

Vn nicht weiz hier vmme, 300 

265. erz 272. dem rilitaerc 281. Sine? 287. man fehlt . 

297. fremder habe 299. \u ist 



WEn.MIKU VO.N KL.MKMJOMF '29A 

Vfi woiiic sich kcrin ;m «li mildekeil 
Vfi beyrilil sich mit der iickeil. 
üaiaii iz er so viilorstinneii. 
üaz iiiic sine vonlerin hcHeii •jewuiiiieii 
l)az vorgehil er zu viisliiiidcii 'M)^t 

Vii wirt so mit kümmere verladen 
Daz er sich dar uz in kan nichl, intwirken. 
Daz salin rechte niirken, 

Vii willu mir ichtez j^etruwen, 310 

Vffe diseu j^runt salin nichl bnwfrn. 
Manie lia( daz zcn sitin, 
Als man in beginnet biten, 

So wirl er dinier nmmc sin ougen, 315 

Si dunkit in vnnutzze, 
80 wisel er ein vnfrolich anllilze. 
Diz kumit von einer siner gute. 
So claget er sin armute, 

Groz angist gel in ane, 320 

Gerne wer her danne, 
Er gel here vnde dare ; 
So wirt der ander wol gewarc 
Daz da nicht in ist gewunnen. 
Dez siten wil ich dir nicht gunnen. 325 

3^ Is daz du gesis den armin, 
So laz en dich erbarm in 
Mit dinem gutem willen. 

Du in salt im nicht gestalen 330 

Den hungerigen salin säten ; 
Is er nackeit, gib im daz cleit. 
Ein wort weiz ich so leit 
Noch zcu sprechene so schemeliche 
So daz wort ' ich bite dich.' 335 

An deme gebene ist nichl so gutes 
So daz man neme vn gebe al eines niutes. 
Iflanic man bitet durch not 
\ n wirt zu hant von scanien rot ; 

301. Und waenet 306. eüi vers fehlt. 315. dinster ein vers 

fehlt. 318. deheiner? 3..>6. gesihesl 329. ein vers fehlt. 

330. sin niht gespoten? 333. Debein 



294 WERNHER VON ELMENDORF 

Dar an tut er wol schin, 340 

Her liez ez gerne, mochtes sie. 

wi selicliche er tete, 

Der deme ge e dan her bete, 

Daz her dez schamin erlazen were ; 

Sone weiz ich keine gäbe so dancbere. 345 

Is sint allir schänden meiste 

Daz man vil gelobe vn lulzil leiste 

Vn di lote mit schöner rede leite. 

Mauigeme iz liber, e er zu lange beite, 

Daz man im zu haut versage, 350 

Dan er ein itele hofFenunge trage. 

Swer dan get in richte, 

Der zwiualdiget sine gifte. 

Woch wil ich dich lerin, 

Dez du bedarft zu dinen erin. 355 

Din gut gib nicht zu rome 

Noch zu vil wider dime richtume. 

Verermistu dich mit gufte, 

Da nach volget vil lichte 

Daz dir vbele mac gezemin ; 360 

So mustu eineme anderin nemin 

Da« du den anderen hates zu gebene : 

Daz gezimit ubil gutes mannes lebene ; 

Vü ienen den du minnes 

Mit dem gute daz du sus winnis, 365 

Er in ist din frunt nicht vil deste baz : 

Von deme anderin hastu steten haz. 

Dem du sin gut hast genumin ; 

Des wechseles machtu gerne abekumin. 

BToch sol ich dich lerin 370 

Dez du bedarft zu dinen erin. 

Also setzze din gemute, 

Dustu imanne keine gute, 

Dez du inne genuzis 



375 



Du weris ouch vil vnforsunnen, 

343. gaebe e 352. git 358. gifte b. 374. nie ne b. 

375. sich daz du iz ime nit airwizis b. 



WEHNUKK \0N ELMK.NDOIIF 295 

Swodu den Iruul uiil diner cosl hetes j^ewuiiueu, 
Daz du in verluris uiil diner zungc 



]!Voch sol ich dich Icria 380 

W estu bedarll zu dinen erin. 
Biginnel dir iniau sin no» clagen, 
üenic saitu mit arclisten nicht vorsagen 
Keine bete. 

Also der kuniuc Antugenes tete ; 385 

Do in ein dürftige eines pundis bat, 
Er sprach so groz were dir nicht gegat. 
üo bat er in eines cieinen dinges, 
Eines einiges phenninges. 

' Dez mochte ich mich' spracli er schämen 390 
4* Miues kuniclichen nameu, 
Daz ich gebe also deine.' 
Sus in tete siner bete keine. 
Daz weizgo der riebe, 

Er uersagete mir bösliche, 395 

Ob er ez gemirken künde, 
Er in gebe mir nicht zcu vil au eiueuie phuude 
Durch sine kunicliche ere. 
Noch ouch des nicht zu lutzil in were, 
Daz er im einen piienninc tete, 400 

So in ein dürftige bete. 
JMichil baz tete ein ander, 
Der kunic Alexander. 
Do in ein arme gnadin bat, 

Er gab im wol gebuete stat. 405 

Des ginc den armen angist ane, 
Er in waz der almusen nicht gewone, 
Er waz arm vü bloz, 

Er sprach 'mir ne gecimit keinen gaben so groz.' 
Do sprach der kunic riebe 410 

'Ich in ruche waz dir geliche. » 

Waz achtich uf dineu cranc lebin? 

379. diz widir radin ich aldin unde iungin b. 385. antigonus b. 

393. sus ne teder b. 394. weiz got b. 395. 397. mir] ime b. 

409. necliein gäbe b. 412. dinen krangin lebin b. 



296 WERNHER VON ELMENDORF 

Ich weiz wol waz mir cimit zu gebin.' 

Bfoch sal ich dich lerin 

Dez du bedarft zu dinen erio. 415 

Daz salin kunuin begatin, 

Welche dir dine habe zu meriu statin 

Kerls an des armin gute 

Oder an daz riehen obirmute. 

Der riebe wil dir liebe han getan. 420 

Daz er dine habe wil inphan ; 

Er denket oueh do bi 

Daz er von sime gelucke kurain si. 

So hastu im ein groz dinst getan ; 

Ich in weiz waz ez dir muge uerstan. 425 

Du wenist zu hant fruntschaft vinden ; 

Si werit seiden von dem vater zu dem kinden. 

Gesistu einen armen, 

Daz schinit alse si dich al erbarmin, 

Ez komit ouch also, 430 

Von hoffenunge werdin si alle l'ro. 

Du gewinnis nicht ire allir minne; 

Si wizzen daz wol in irem sinne, 

Swaz du in gibis dines gutes, 

Daz du irs darvmme nicht vermutes. 435 

Wen daz din gnade eineme teit, 

Si hoffen, ez si in allin gereit, 

Swanne si iz an dich gesinnen. 

Hi saltu fruntschaft gewinnen. 

Von tummir minne saltu dich hüten ; 440 

Si lenget sieh seiden mit guten, 

Si kumit dicke zcu leide. 

Wil tu daz ich dir daz bescheide? 

Manie wunsehit siner ammen 445 

'Muste si eine sucht ligen 

Daz ich dir doch so muse wisin 

Di sucht wolde ich vmmcr prisin.' 

So denket ein andir an sine mute 

417. wedir dine b. 419. des b. 421. gäbe b. 423. /. cz 

435. ? 436. tuot 440. Vor 444. ein vers fehlt. 446. liden 
449. muoter 



WEHNHEH \'ÜN ELMENÜOIIF 297 

Eia, reclileii f;iile, ioO 

S(»l(]e si riiinin daz laut ! 
Mit ir wol ich zu liaul. 
Lcbir helle ich daz si in eilende were 
üaz ich ire iiininiermere . . . .' 
4'' So denkel ein aiidir slille 455 

'Daz mere in isl nichl niine wille 
Daz sinenic lietc zu lebin 
Wenne daz ich ir sohle gebin ; 
So brechte si wol ininne 

Mit wckheme hercen ich si mirine." 460 

Daz vcinde viidir in soldcn, 
Daz wunschin di turnmen iren holden. 
Nv merke di selben niinnen, 
Sw'i suzelichen si ire beginnen, 
E si sich vmmer gelendc, 465 

Si vn der haz nemint al ein ende. 
Also me is ime zcu mute 
Deme sin niinne nicht wirt so gute 
Alse deme der sinen anden 

Nicht mac gerechen an sinen vinden. 470 

Nu lobich nicht vil baz 
Der tummen minne denne den haz. 
ülToch sallu ralis lebin 
Vmme deme gift in saltu nicht gebin : 
Do uolget ere noch fronie na. 475 

Sus sagit vns Seneca 
'Lezistu scenken dinin win 
Den lulen die vertrungken sin, 
Ich ein weiz waz dirz nie geniez is 
Wene ob du wazzer in den vin gizes.' 480 

Gib dem manne des er gere. 
In deme gemule gewere ; 
Daz siet er dicke mit dem hercen ane ; 
Is isl schände daz man siner gift mane. 
Dv weist wol welcher maze 485 

450. trehten gaoter 452. wolde 453. Lieber 454. abgerifsen : 
es fehlt enbaere 456. Daz wjere niht wider m. willen? 457. si 

niene 462. Des 407. Als6 we 479. enweiz 480. win? 



298 VVERNHEK VON ELMEiNDüKF 

sali vn lazen. 

Nv lerne och da bye 

üaz er dir al zu danke sye. 

Swaz dir ieman gibet sines gutes 

Danke im froliclies niutes. 490 

Daz sallu tun obirlut 

3Ie danne iz so trut 

Her geciemit och wol vndir holden: 

Doch in ist die gäbe nicht so verguldeu. 

Gutes willen danke mit werten, 495 

Widir gift sal man gäbe warten. 

Bistu abir mit dem gelde 2u ga. 

So uolget dir daz da na, 

3Ian sprichet, du weris mit einer bürden ver- 

ladia. 
V'on di beite vfi warte scaden. 500 

Daz sage ich dir zu wäre, 
Is fuget sich nicht zware 
Daz man mit der wider gifte also iage 
Als ein campslac wider slage. 

Wi kurz di rainne in dem hercen belibet 505 

Da ein di ander vs tribet! 
UToch sal ich dich lerin 
Dez du bedarft zu diaen erin. 
Wirt diu frunt beclaget in gerichte, 
Daz im zu schaden kumin mochte 510 

31ac er diner vorsprechin icht genisen, 
Dez in sal dich nicht verdrisen, 
Vn sehe daz di den einen so vorespreches 
Daz du den anderin in keinen kummer nicht 

steches. 
Wil man einen man enterben 515 

5' Odir dez libes alsus verterben, 
Machtu in den icht gutes geleriu, 
Daz komit dir zu allen erin. 
Mac er dich zu vorsprechin gewinnen, 
Damit in tustu nicht wider des clagers minne. 520 

486. du geben sali? 488. ez 492. ? 511. din ze vürsprechen? 
513. di] du 



WERNFIER VON ELMENDÜRF 291» 

JVoch sallu daz nierkiu, 

Wil ich ieniaiiae au sine cre wirkiii 

Vfi wil ich dir clage bevclin, 

Daz in wil ich dir nicht heilen. 

Mach tu iz uiil rechte vntgan, 525 

Di clage in saltu nicht bestan. 

Daz teil sallu gernir kisen 

Daz tu hilfis bchalden dan Verliesen ; 

Wände nieman iz so wise, 

Er komis zu grozeme vnprisc ; 530 

Waude man kerit allen rogeren 

Ir ammeycht zu grosin vncrin. 

Swaz dir got zu gnaden habe getan, 

Daz in tu nieman zcu missetaten stau. 

Saltu yeman vorsprechin in gerichte, 535 

Wur in an wareit vil rechte; 

Iz stet dir schentlichen, 

Sprichistu daz lugenin gliche. 

En machtu nicht irvaren di wareit, 

So tu alse in Salustio gescriben steil: 540 

'Allen haz saltu senken, 

In keiner fruntschaft saltu gedenken, 

Zorn saltu lazen, 

An den gnadin saltu dich mazen ; 

Wenne dise sache viere 545 

Verkerint di wareit vil sciere.' 

Din dinc saltu noch tun, 

Dez hastu erin vfi frum, 

Wil der richter mit dicheinen dingen 

Zu sere durch niet iemanne verdenken, 550 

Da saltu dem vnrechten widerstan. 

Dez wirt doch nv lutzil getan ; 

Di werlt iz nv also gewant, 

Der allir meist gibt in di haut, 

Der machit von einem svanen ein raben. 555 

Dez sitins in saltu nicht habin. 

]^och sal ich dich ein tugent lerin 

522. 523. für ich scheint beide mal er {der klüger) zu lesen. 
536. Füere? 542. Enkeiner 550. verdringen? 



300 WERNIIEH VON ELMENÜOHK 

Di dir niit iz czu diiiea criu 
N II oucli di. aniiiii scie labil; 

Sclich iz der si liabit. 560 

Daz ist redeiichcn ; di saltu ininiieu. 
In gole sallu der bejii^inueu. 
Daz saltu tun alHr erist 
Daz tu dich dinez vnrechtes bekcrist. 
Daz ist die erste selicheit. 565 

Der werlt vustetikeit, 
Dine saltu nicht in Iratin; 
Laz dir selbe got ralin; 
An sine gnade saltu dich beueliu; 
In keine dine geswasheit in saltu hin hylen ; 570 
Kundistu dich rechte versinnen, 
So guten rehenere in machtu nirgen vinden : 
Din dine selzit er ebene, 
Alse du bedarft zcu diuem lebene ; 
Lieber hat er din heil 575 

ö*" Den du selbe ein michil teil. 

Daz in beniuiit dir kein vnmuze, 

Du ne kumes alle tage zu sinen vusin, 

Vn spriche zu im kurtliche, 

Vn meine daz inicliche, 580 

Daz dir von sinen gnadin blibe 

Ein recht in dime gesundiu übe. 

Diz gebet vollen kurtz, 

Nichtis menis dir dürft. 

Diz hat vns luuenalis bescriben ; 585 

Sehet dise man waz ein beiden. 

Och spricht Seneca von den sitin 

Daz wir tumphilich bietin; 

Her spricht 'wi mochte mere torheit 

Dan daz der man vor sime scheppere steit 590 

Vn rumit im in sine oriu 

Daz er keinen man lise horin.' 

Daz sin bezzere site, 

567. enträten fürchten. 570. Enkeine — in helen 577. enbe- 

oeme? .584. Nihte« me enist? 588. biten 591. ninet 

593. sint 



WERMIEH VON ELMENDORF 301 

Alle der ni,iii got biete, 

üaz er spreclie an sine oriii 595 

Alses alle di lule liorin 
Vn also lebe vndir den luleii liio 
Als iz got ane sehe. 
Diz ist grose selickeit 

Da zu höret truwe vn wareil. OdO 

Von dirre wareit sagit alsus 
Ein buch daz scribel er Tullius, 
Warlieit sie daz man da truwe heisil, 
Daz man alle gelubede leislit. 

Nv gelobe elteweme daz in nose: 605 

Leislit iz daz ist bosc. 
Is mac vndir stunden scadin wirken. 
Daz machtu an disen bispellen merkin. 
Si Irel'en zu der rede wert. 

Di beiial ein sinnic man ein swert; 010 

Daz haslu im wider geiobit: 
Nv komil er lofende vn tobil; 
Deme in sallu iz nicht wider geben, 
Wan der beniemit eltesvcme sin leben. 
'Xv weristu min frunl so stete (115 

Daz ich dir min gut zu behalden lete : 
So komil iz so vnder deme gedinge 
Daz ich din laut mit vrlo^e twinge : 
lieristu mir daz gut wider zu haut, 
So urlogistu din eigen lant; (;2(> 

So misselustu sere ; 

Dir in sal nicht sin widir dinis landis ore, 
Vn swanne dir zwei vbil anligen, 
Der du beide nicht mach vercien, 
Daz saltu alsus masen, 625 

Daz ergere sallu lasin. 
A.n eine lugint sallu dich keren : 
Din darft dich nieman lerin, 
Doch iz sc zu wizzene gut; 

Si sal lerin dich fliese vn blut; 630 

Tz sal dich von naturen an konien: 
594. Alse — hite 605. neise 606. Leislestuz 6l(t. Dir 



:k>2 weunher von elmendorf 

Swaz du dineii niagen macht gefromen, 
Da vore sallu nicht sparen ; 
Dines hindis erin saltu bewarin. 
Dazu tribet dich kein nieisterschaft, 635 

Wanne iz dir di natura gab. 
Hin aber sprichet Seneca alsus 
' Nemo coartandus : ' 

Daz spricht nieman darf in an twingen dazu 
6' Daz er im selben gut tue.' 640 

Swaz wir vnsen magen tun zu gute, 
Daz tu wir vnsin fleische vfi vnsim blute. 
Hin abir spricht alsus 
Der wise man Tulius 

'Nyman getruwe deme 645 

Der sine mage gerne ergreme. 
Wi mochte er eines anderen frunt sin vnde 

bliben 
Der sinen mach von siuen eren wolde triben?' 
mfoch salich dich ein tugent lerin 
Di beide nutzze iz zu den erin 650 

Vn gibet dir golis hulde. 
Daz ist di wäre vnsculde ; 
Di saltu in din herce vazzen, 
Vnrecht gewalt saltu hassen, 

Keine vngtuginl tu habe 655 

Di dich tungke groz vn vnreine, 
Vn du hettis si gerne von dir vertriben. 
Daz abir hat Oracius gescriben, 
Ob ich iz rechte sagen künde, 
' Nyman wirt geborn ane sunde ; 660 

V^n swen di deine drigen, 
Di mac mit den meisten desle baz gedingen.' 
Din leit in rieb nicht zu sere : 
Tustu iz, daz iz din ere. 

Manie iz zu der räche zu ball 665 

Vn wirt iz lichte sere gevalt. 
Weislu waz Ouidius sprichit? 
'Der sin leit zu sere richit, 
C55. Untugent du habe keine? 601. dringen 664. unÄre 



VVERNIIER VON ELMENDORF 303 

Her inacliil sich selben schuldic.' 
Bis an diiieine zoruc geduldic, (570 

Wanne Salomon tut vns des gewis 
Daz der man sterker iz 
Der sich in sincnie liercen versinnel 
Den der di hure mit stürme gewinnet. 
Gewin guter lute künde, ^75 

Mache dir vil der guten frunde. 
Di saltu stete kiesen, 
Nicht lichte saltu sie verliezen, 
\\ enne iz ist also Seneca sprichit 
Als ein l'rnnt daz gesiet 680 

Daz man den anderin betrüget, 
Wi schire sich di fruntschalt virzugit!" 
Diz wort saltu pruben ; 
Mit eineme machtu den anderin belruwen : 
Daz spricht, wiltu vntrue an einen kereu, 685 
Da mite machtu di anderin alle erveren. 
Is iz als ich wene, 
So iz stete fruntschaft vil selzene. 
Di gezeme wol vndir holdin 

Di sich durch recht minnen solden. 690 

Dar abe hortich Salustium sagin, 
Si soldin al ein gemute tragen ; 
Si suUin sich stille zu den erin maniti, 
Alse di da vechten vnder einem vanin, 
Vn igelich so vil er mochte 695 

Den anderm zu sineni prise brechte. 
]Voch wil ich dir kundin 
Waz Seneca sprichet von den frunden. 
Her spricht ' iz ist recht, den du minnis, 
6'' Daz du in keiner dinge ancsinnis 700 

Da im siner erin an gebreche ; 
Er tut baz daz er dine bete vur si reche.' 
Vh swaz er wolle heiin, 
Daz in dietin dir nummer beuelin; 
Wil her iz dir vbir daz sagin, 705 

Daz saltu beslozzen in dime hercen tragen; 
702. verspreche 704. Daz enbit in 



304 W ERNHER VON ELMEiNDORF 

Bnieliz iz dinir zvtigen ; 
Is iz dir lichte vnlsprungen : 
Ez ga dan zu schaden odir zu rromin 
Daz worl in niac numnicr wider kuiniii. 710 

Sezze al din ere an dines Irundes hanl. 
Den salin abir e vil rechte hau derkanl; 
Iz stet dir andirz vil ho, 
Dez warnit dich Cycero. 
. Her spricht 'kein laj^e scadel so serc 715 

So vndir frunilichen j>eberc. 
Dez wurdin Troiani betrogen, 
Daz die Crichen so heilicliche Ingen. 
Si sprachen, si brechten ein gotinne : 
Da waren gewafenete ritter inne. 720 

Nicht in bizet mit so scarfen zanden 
So der wol vnder derae scaiene gewaiide. 
Dune hutis dich vil garewe, 
Dich betrugit des wolfis varwe. 
Dez warnet vns Oracius ; 725 

Er meinetiz abir alsus 
' Bestet dich ein man mit schonir list 
Da vor du vngewarnil bis, 
Er mac dich lichte ervellen. ' 

Hute dich vor dem rotin gesellen. 730 

Daz des wolfis varwe gligit, 
Daz is der dich aliir erst beswiget. 
Nicht in weis zu freuele. 
Is komit dicke vuele 

Daz man dankes not besla 735 

Vfi nicht in merke wi iz irga. 
Stritis tu wider dinen geliehen, 
Is ist zwiuel wo der sie hin wiche. 
Stritis tu wider den der dir zu starc is, 
Do hastu den schaden gewis. 740 

Stritis tu wider einen cranken, 
Dez siges in darft dir niman d:mken. 
Ouch in laz dich nicht verdruckin, 

716. So under vinden fr. g. 112. wolf 731. j-lichcl 

732. beswichel 733. »»nwis 



WEHXHEK VON ELMEiNUOUF 305 

Wanne daz man dir zu lästere zacken, 
Dez salin dich mit nianlieit vnlsaj^en 745 

Odir man sezzel dich vndcr die zagin. 
Zaj;chcil vfi freude 
Di j;ecimin beide vhele. 
Jiislii kiine, daz ist gut: 

Vil alz iz dir nicht not tut, 750 

So bis gerne mit friede. 
\ rlouge iz gut vormiden ; 
Vn in machlu iz nicht verlazen sin. 
So tu daz werliche schin, 

hl tele man dir nicht vnrechle, 755 

Daz dich kein honinl da zu brechle. 
So ne dorfslu nicht beiten : 
3Iil llize sallu reden. 
Keinir drouwe laz dich irverin. 
Ouch wil ich dich lerin 760 

7' Zwaz da zu habin sali : 
Recken snel vn halt, 
Di sullin sin \z erkorin, 
Da zu di din eigen sin geborn. 
Di saltu haldin mit schöner spise, 765 

Vn tu sie ire brune eckin wisen 
Die so wol sniden 

Daz si keinen slahel hol nith gemiden. 
Wenne du dich denne bereiten macht, 
Sone sume nicht mit der heriscraft, 770 

Wanne iz vmme die mudekeit 
Alse in Lucano gescriben steil. 
Her sprichit ' nocuit deferre : 
Jz spricht, iz in ist nicht dem schaden verre 
Daz man zu vil obir daz heilet 775 

Sin daz man sich zer sachin wol bereitet. 
Di muzekeil in hat ander gute 
Wenne si machil vnslele gemute. 
In la dich keinen slaf da zu brengen 
Daz dich dine viende vnsamfle ersprengen. 780 

744. zacke 753. es niht erlazeo s. 758. Jich bereiten? 761. du 
fehlt. 766. brunen ecken wise 771. W. iz ist 776. [Sin]? 
Z. F. D. A. IV. 20 



m\ WEKNHKK \()N ELMENDOKF 

Kus vndir diiicn j^csrllcn 

\\'arlmaii von kuncto rllin, 

Di dicli vor la^in wol bcwaren. 

Du selbe ril vruler den scharin 

Vn tu iz gul, daz iz billich; 785 

Daz machit daz volc wunllich. 

So mane dinc beide zu den banden 

Daz si sieb bouwen uz den scbanden : 

Sage in von iren alderin, 

Mane sie daz sie ir ere behalden 790 

Di an si iz geerbet ; 

Sage in daz ein tot alle di lule sterbet 

\ h der selbe sciere iz irgan. 

Di ere raac vbil ane der weide stan. 

Wanne du den sigen hast gewunnen, 795 

So bis wol versunnen; 

Den besten hilfen dez libes; 

Si daz du keinen morder lides, 

Daz dich dine vinde beslin 800 

Vn lazen dich vffe dine sichereit varin. 

Di truwe saltu wol bewaren ; 

Daz ist daz wol gescimit. 

So spricbet man wa man verniniel 

'Wer solde valschis uirdenken? 805 

Er in wolde sine truwe wider sine vinde 

crenken.' 
Och tu daz di wole steit, 
Minne rechte sletikeit. 
Weistu waz daz sie? 

Wes dinez liercen vrie : 810 

Dinis glukis vrowe dich zu niaze ; 
Dinen kumnier in saltu dir nicht zcu leit 

lasen ; 
Bis gerecht zu iewedirre baut ; 
So wirdislu vor einen stetin man bekanf. 
OiK-h tut vns Seneca kunllich 815 

782. von kiienem eilen? 78G. unverwuntifcli ? 794. ? 

797. Den gesten hilf? 800. ein vcm ßhll. 804 swä niiinz 

805. in valsches' 807. dir 



WEHMU:U VON ELMEM)OKK ;{07 

Wi der stete man si vuuerwuiitlicli. 
Her sprich 'diz iz daz wäre sceicliiu, 
Man in niac nicht lichte verweichin, 
Sin herce mac an siner slat wol bliben ; 
Her lezit sich nicht als einen hasen vubelriben." 820 
^Ictikeit in iz nicht cinir bände. 
üi mochte baz heizen scande, 
Daz man so siele an dem zwiuelc is 
7'' Daz man niimmer wirl gewis 

Swaz man endelichen sal tun. 825 

Daz mac daz herce nimmer mer gerun 

Danne als da man uf ein schotke tritit 

V n alle den tac wider wint slritit : 

Alse strilil di man wider sin gemute, 

Dem gescbil scldin odir nimmer kein gute. 830 

Oracius sagit daz ; 

Her spricbit diruit ediOcat:' 

Daz sprichet, er brichet vn buwel; 

Er tut daz in zu hant geruit; 

Er in ist wol siecht noch ru; 835 

Daz her nicht wolde, daz bitit er nu. 

Manie is dcz gewone, 

Kumit er di vustetikeit ane, 

Daz er also vaste daran steil. 

Daz iz mac heizen sin stclikeit. 840 

So mac her sich des namen 

INvmmer zcu der werlde schämen. 

luimit dir ein leit zcu banden, 

Vii mac dirz nicht wol geandin, 

Da zcu saltu dine dult kerin. 845 

Ua abe hortich Bohetium alsus leren 

'Daz leit daz tu nicht macht gereeben, 

Daz machlu mit vngedult swerer machen.' 

Therencius spricbit ouch 

Daz iz dir zu uichte touc 850 

Daz du strebis wider clagetwanc, 

817. sprichet — wärzeichen 819. tiach mac fehlt in 82fi. Des 

827. schocke, Parz. 181,7. 835. wol] weder 836. des bitet 
842. Immer? 844. mäht duz 

20* 



308 WERNHER VON ELMENDORF 

Dune koniislis abe, du wirdis cranc. 

Da komit ein groz vbil na, 

Daz abir sprichet Seneca 

' Dez sieben vndult 855 

Macbit ime den arlit vnholl.' 

I^ocb merke waz man dich lere. 

Kushe wort vn schone gebere, 

Daran salin dich vlizen. 

Di schäme mach dir niman verwisen. 860 

Manie Iz vnchusher wone 

Vn dunkit er nicht in missetue. 

Da nicht so iz manic der daz midil 

Vn sine wort schone besnidet. 

Vndir disen beiden 865 

La dich di natura bescheiden; 

Vn da na daz si hat gelazt 

Ein igelich an sine stat, 

Beide vbir lut vn vorholen, 

AI da mac man di wort geholen. 870 

Daz sprichit, dez sich di ougen Schemen, 

Daz saltu beschouwen an dem namen. 

Ich sage dir waz noch vbele cimit, 

Daz man einen notlichen rat zcu banden, 

Daz man da spotus phleget, 875 

Wanne daz leitit den rat vz dem wege. 

Swar du einen cleppere weist, 

Vor deme hei dine geswasheit allir meist. 

Her mac dich lichte melden : 

Wiltu in dar vmme scheiden, 880 

So antwort her dir 

'War vmme saget ir mir? 

Wi soldich iz vormiden? 

Wanne lize du dine zunge swigen? 

Ich pin al zuspalden ; 885 

Von dir in mocht ich iz nicht behalden. 

Waz machtu mir daz heiin zu eischen 

862. nach dunket /e/*// in 863. Da gegen so ist? 867. gesazt 

874. Da nimt fehlt. 87.5. spotes 884. zunge szunge die hs. 
888. niht envr. 



WERMIEU VON ELMENDORF 309 

8* üaz ich au dir nicht er vcrcische?' 
!Diz selbe si dir von denie Ircnkere : 
An den ia du nicht din ere. 890 

V on vbir tränke salin dich hüten ; 
Du sies wol, iz tut den man wüten. 
Ez in schadit im keiner maze. 
31il in ezzen saltu lazen ; 

Is in hat keine fuge: 895 

lez vn trinc daz dir di natura genüge. 
Vn du der lusl wirdis gewone, 
So ligct dir bosheit ane ; 
Vn halt si an dime getwange vil vaste, 
Odir si jnachit dich dinir erin zu eineme gaste. 900 
Sie euch daz dich dine schone 
Zu der werlde nicht gehoue. 
Dar abe hortich luuenalem, 
Daz si seiden in ein wol getragen, 
Schone vnde reinikeit. 905 

Dinir grozen bis nicht zu gemeit: 
Is ist mislich wie is dir irga. 
Hin abe sprichit Seneca 
So di vederen sin von grozereme namen, 
So sich di kint me mugen schämen.' 910 

Sal man in daz verwisen, 
Daz si wederdigen heizen ? 
Weistu was luuenalis spricliit, 
Da er einen bösen edelinc gesiet? 
Er spricht 'dez hettis tu grozir ere 915 

Daz ein undiege din vater were 
Vn du dich tugende so an neraes, 
Daz du iz in ncbin bozzcsten sprches, 
Den du einen guten vater hettis 
Vn dine dinc also böslich zetzis 920 

Daz du wordis so smelich 
Daz man dich den ergesten bete gelich. 
Dune wellis selbe tugende ladin, 
So stet dir zu geliehen schadin 
Dinir mage ere vü rum 925 

893/. ? 899. Enlhali 901. Sich 



310 WERJNHER VON ELMENDOKF 

Vn dinir vindc richtura. 
So dinc ma^e io froniere sin. 
So diu boshcit io me wirdit schin ; 
Vn dine vinde me nuigen tun, 
So du wers vor in macht gerun. 930 

Swoso iz ein bosewicht, 
Deme in hilfet iz nicht, 
Priset man vil sine mage. 
So man io sin mit dem ersten gewage. 
Ai wie swar daz gecimit, 935 

Daz ieman daz ane nimit 
Daz er an eines anderin fromekeit warte! 
Dicke wirt er betrogen harte 
Swer sich an den stab wil sturen ; 
So er in allir gernist hette, so wirt iz im ture. 940 
Saltu gesinde wol inthalden, 
Dez muz al maze gewaldin : 
Diz saltu allir erst mirken. 
Lesistu selbe ein hus wirken, 

Daz in buwe nicht zu rume 945 

Noch zu groz zu dime ingetume, 
Des wil ich an den Tulium ien. 
Ouch habe ich selbe gesen, 
Swar so iz ein groz hus 

Vn sin sine winkele itel vn bloz, 950 

Komin dar in die lute seiden, 
S*" Di nicht in daz hus brengen. 
Der geiste wil ich swigen, 
Daz sint seiden wol beraten hien. 
Steit iz denne an einer slrazen, 955 

So mac iz gut man vbele lazen, 
Als er da vore beginnit varin, 
Vn dez grosen huzes wirt geware. 
Er in wolde da in kerin. 

So hat iz der wirt luzzil ere, 960 

Daz man in in eineme wüsten huse vinden 

930. So du wsenes vor ir mahl geruon ? 934. m. den ergsten gewage (ge- 
wahene) 951. Dar koinen in 952. Die iht? 953. 972. 976. gesle 
961. vinde 



WERMIEU VON' ELMENDOIU' .{11 

Mil erniecliclieiii gcsindc. 

Vveislu waz Seticca icl? 

Ii'li weiie cv luge oiicli iiichl; 

Her sjiriclit ' kein Im/, iz so clfiiio. '.M).") 

Is iz aiidcris gcfiigo viide reine, 

llcrbergcl iz inanigoii lihcii gasl. 

Is iz wol groz vh vasl.' 

Willu Lucanes worlcu getriiweii, 

So sallu in der niazcii buwen. '.»70 

Beide in groze vn in vcsle, 

Wusliii dich ilemie viilroliclie geisle. 

Den winleris ingesinde, 

Daz is dich vnwerohafl nicht vinde. 

Daz iz sne regen vii winl V)75 

In deme huze leide geiste sinl : 

Ob si mit freuele wollen lebin, 

Daz du mit gewalt si muges verlriben. 

Sallu gesinde habin mit erin, 

Du sali si dine sitin lerin. 080 

Komit ir da wol mite zu samene, 

So hat ir vuder ein ander luzzil zu clagene. 

Danne abe horlich Oracium sagen 

Daz si seidin wol in ein getragen, 

Der grozir vroude wil phlegen, 985 

Vn der andir iz zornic vn grimme. 

Daz machil dicke daz sich scheidet din gesinde. 

Diz sallu inzit bewarn, 

Daz dir dine hien vnlelliche nicht in zu varin : 990 

Vn des du vnschuldic bist, 

Dez mache si sicher vn gewis. 

Nicht in la sie zu lange heilen 

Dez du sie mit rechte sali bereiten 

Von ge wände vn von spise, 995 

So salin igelichen zu sinen werkin wise. 

Seneca spricht du hast dez vnreichl. 

Haslu einen eigenen knecht, 

Wenistu daz er alliz si din : 

Daz bezzere teil sin iz von dir vri, 1000 

973. Dfs <)85. ein vers fehlt. 990. unstaleliche' 



312 WERNHER VON ELMENDORF 

Daz sinis libes allir meist, 
Daz sanlc got da in, daz is der geisl. 
Vbir di licde machtu wol gebietin, 
Dune darfl abir mit drouwe noch mit niietin 
Vbir den geist keine walt gewinnen. 1005 

Joch den lip do her wonet inne, 
Er in niac si so vil gewalde 
Daz er in vbir sinen wille niuge behalden. 
Als er dcnne rumit mit siner gewalt, 
So blibet stoc bloz vn kalt; 1010 

Der geist verit zu lande 
Zu vnserm herren der in here sante.' 
Hat er denne daz heimute verwarcht, 
So wirt sin eilende vil starc. 
9* Versin du dich vil rechte 1015 

Vn var si eteliche mit dimc knechte ; 
Vn alse du gedenken salt 
Daz du sin habes gute gewalt, 
So gedenke ouch da bie 

Wi geweldic din herre sie, 1020 

VS laz in dez von dir clagen 
Destu dime herren nicht wilt vertragen. 
Bislu als von suUchin luten komen 
Daz du salt dinen vmme dinen frumen, 
So kus dir einen herren, 1025 

Deme du mugis dinen mit eren 5 
Vn swaz dinstes du im tun salt. 
Da zu wis gefuge vn halt; 
Vn ob dir sin spise nicht behage, 
Dez in getu du nuramer keine clage ; 1030 

Wanne alz ich iz von Lucano han vornumen, 
Iz in mac dir nimmer wirs bekomen 
Dan iz dime herren tut 
Daz sin gefoure iz crenclich vn nicht gut. 

1001. Daz ist 1006. Joch der? 1007. Er enmac siq 1010. der 
stoc : mens quidem sui iuris, quae adeo libera et vaga est ut ne ab 
hoc quidem carcere cui inclusa est teneri queat quo minus inipetu suo 
ntatur et ingentia agat et in infinitum comes caelestibus excat Sen. de 
boief. 3,20. 1016. siteliche 1021. in niht des 



VVEKNFIEIl VON ELMENDOKF 313 

Clageslu zu vil viiiiue sin brol 1035 

Vn tut iz dir ein teil iiol, 

\s iu liurit niinaii so wis, 

Er in spreche daz du ein vbil sclialck sis. 

JJes wil jch an Oraciuni i(Mi 

Da/, iz dicke iz gesehen, 104(1 

Swer siner not wil verswigen 

Vn sinen herren des beislen zien, 

Ifer niac mit grosernie rechte 

\Varlcn nach grosir gifte 

Uanne der dez gewonet, 1045 

Daz er sinis dinstes zallen ziten nianel. 

Alle die des siten habin, 

Di uenien bilde an dem rabin. 

Der rabe hat ein vbele wise, 

Mit roue izet er sine spise : 1050 

Mochte er arme des vergessin 

Vn wolde her stille essen, 

Her hette dicke mc mazes 

Vn miuner niedes vn hasses. 

Sus kumit iz vmme den clepphere 1055 

Der vil geclait vmme sinen herreu. 

Ich horte zu eine 

Ein wort von luuenale ; 

Ich gedenke dicke sin da bie : 

Er spricht daz an dem schalke nicht erge 1060 

Is si dan die zunge an sinem munde : 

Der gelichet deinen bellenden hunde. 

Von dir in bis dinir wort nicht zu balt 

Widir denie du diiien salt. 

Bislu mit armute bevangen 1065 

Vn wiltu vngerne dar an hangen, 

Volge mir mit eine sachin, 

Zu hant wil ich dich riebe machen. 

Alsus sagit daz buch 

'Des tu has des dunke dir gnuk 1070 

Vn ne gere nichtis rae, 

1042. besten 1047. den site 1057. male fehlt. 1060/. eige- 

res si Dan: Jiiv. 9. 120. 1063. Von rliu enwis 



314 WERNHEU VON ELMEiNDÜUF 

So uis des iiiolil der dir zuste 
So in iz kein were so breite, 
Daz dich so sciere zu deine ricliluni leite. 
Dinis armules in saltu dich nicht misse trösten. 107ü 
Di habe vol<^et dicke den besten. 
9'' W eiste war vmme si daz tu? 

Si in hat mit dem mildin keine ru, 

Si iz mit imc allir lute gemeine; 

Von die hat ir manic man deine. 1080 

Nv wil ich dir duten 

Wi di habe spiichet A^on den milden luteu. 

'Wiltu mich sus vmme Iriben, 

Sone mac ich mit dir nicht bliben. 

Lisestü mich in deme brüte ligen, - 1085 

Ich were desle baz gedigen. 

Nv muz ich mich zu den bösen zien : 

Derne tar des nimmer geien, 

Daz ich da mite ime sie ; 

Von sineme getwange bin ich vri; 1090 

Ich in kere mich nicht an sine drouwe 5 

Her iz min knecht, Ich bin sin vrouwe, 

Er legit mir in einer ulewaz zu; 

Er bewaret wol daz er min ich abe tu, 

Er beheldit mich alleine. 1095 

Mit ir waz ich zu vil gemeine ; 

Daz in mochtich nicht wol vertragen. 

Doch wil dir ich vor war sagin, 

Swaz deme schalke waz angeborn, 

Daz in han ime nicht vorlorn. 1100 

Sinir bosheit ich im nicht in nenne. 

Wol weiz ich daz ich im vbele gezeme. 

Is iz böse vmme den man 

Der keine maze nicht in kan, 

Daz er die abe zu zere minnit. 1105 

Vn so er ire io me gewinnet, 

So sizzit der mudinc vn quilet, 

1072/.? 108.5. in dime brote 1.? 1087. zuo (ieiii 1093. mir 

immer etewaz zuo? 1090. Mit dir 1100. i'me IIOI. ennime 
JI02. gezime 1105. die habe 



WEHMIKU V(hN ELMEMJOUF 315 

Daz im (U'z gutes moiic crvilol. 
So iz (lez so vile des er wolde 
iicide an silber vii an *;joldc. II 10 

Ilrr vcrj^issel dez er is gewis 
\ II Henket nach dem daz einis andireii iz. 
Oraciiis sprieliil vil rechte, 
Swcr is den heidene an hrechle, 
Er spricht der man is rechte bekanl, 1115 

Swl hilzil inic konie von golis haut. 
Daz er iz fioliche vnfeit. 
V'n niinnit vor f^roze richcit. 
Her sprichet ouch da bi 

'Daz dineme liebe wol sie, 1120 

Sone mac dir des knniges richtum 
Nicht nie zu gemache tun.' 
Ms iz groze tiniipheit 

Daz man groze pine vninie ein habe besteil; 
Wandes in is ninian gewis, 1125 

Der hüte wol varinde is, 
Daz er bis morgene blibe. 
Ich wene das Oracius daz selbe scribe. 
Ouch in lial Seneca nicht gelogen; 
Her spricht 'damite si wir alle betrogen 1130 

Daz wir an den tac beiten 
So wir von dirre werlde scheidin 
Vn wenen daz daz vnse tot sie : 
Her is vns alle tage bie, 

Wir ne wollinz nicht so note, 1135 

Daz wir gelebet han daz boret zu dem tote. 
Meli sage dir noch waz du lazen sali : 
Vnmaze pin vn groze gewalt. 
10" Daz saltu dar vmme miedin, 

Wenne zu haut beginnet mau dich uiedin 1040 

Vn di dine vrunt waren 

Di beginnen dinis lasteres faren 

Vn sin vmmer an dem willen, 

Swi dich von der geuellen. 

1108. niene 1120. libe 1135. ? 1143. sin» 1144. Swie si 

d. V. d. gewalt gevellen? 



316 WERNHEU VON ELMENDOKF 

Si wcriii diu gerne ane. 1145 

Dilz horlicli von Lucane. 

Gewall lian sie schiere gewannen, 

Di der nach werben kunnen. 

Beginnet man sie denne niediu, 

80 iz is niislich wi lange sie danne daran 

hüben. 1150 

Des hat mich Seneca berichtet 
Mit einem worle daz er dichtet ; 
Her spricheit 'an einir kurzen stunden 
Hat man gelucke fanden ; 

Sal man ez abir keine wile behaldeu 1155 

Dez muz groz heil gewaldin.' 
Swer vmme groze gewalt pinet 
Vfi die kurzen wile biderbe scinet 
Vn in hat iz an deme herzen nicht, 
Also schire sin wiile geschiet, 1160 

So in iz borlanc dar na, 
Sus sagit vns Seneca, 
Is in werde wol offinbare 
Wilich man er da vor were. 

Manie man iz ouch mute 1165 

Vfi in machit kein sinis herzen gute, 
Der sinen mut ho setzte 
Ob er iz an deme gute vn an der gewall 

stete helle. 
Der herre sal sin also beginnen, 
Daz in sine vndirtane minnen. 1170 

Geschäft er daz in sin volc forten sal, 
Daz ich lichte siner erin val. 
Daz date ich dir baz : 
Den du forchles, dem bislu gehas, 
Vn swen du nides sere, 1175 

Du rouchis lutzil vmme sin ere, 
V n queme im ein lasier zu banden 
Von sinen vindcn. 
Du soltis in lutzil rechen. 

Sus hortich Salustium sprechin. 1180 

1163. Iz enwerde 1165. Iiöchmücle? 1172. ich] ist 



WERMIEU VON ELMENDORF 317 

Von dir sal sich der licrrc vcrsinncu 
\ n scliallc daz in sine liilc minnen ; 
So die ninin sie im mit Iruwen 
Baz dan durch sin drouwen. 

lluni daz iz itcl ere. 1185 

Den ladir vinincr niere. 
Da in iz kein frufhl anc. 
Der ninime hal abir des gewonef, 
Ime iz lieber daz er böse sie 

Vfi daz man in lobe da bic 1190 

Dan er sich alle tugcnl anneme 
\'n dez nimmer zu prise ([ueme. 
Oracius sagil mir daz ; 
er spricht 'falsus honor iuual/ 
Den lummen gelüstet iteler cren. 1195 

Ouch mac man in lichte crweren, 
Daz man in bosheit ziet 
10'' Doch da kein wareit ane ligel. 
Wiltu dich an tugendin (lizen, 
Sone mac dir niman nicht verwisen 1200 

Dan din hercc beswere. 
Daz sagit mir Senofon zware. 
Iz iz manic der bosheit midit 
Vn dar vmme angist lidet, 

Ob er dar ane queme 1205 

Daz er des grosin kummcr nemc. 
Vn lezet iz dar vmme schiere. 
Der gelicheil sich dem wilden tivre. 
Der woIf daz vie dicke neme 
Wan daz er vorchtet daz iz ime vnrechle 

queme 1210 

Wi schire sich der 

Et sie ßnis. 

1181. Von diu 1183. So dienent sie 1180. Den iä dir unina;re 

1188. Der ruomsere hat aber des gewone 1203. Iz ist 

1208. gelictiet 



31 S 



IIF^LMBIIECHT. 

Die er Zählung von dem tneierssohne Helmbrecht, wie be- 
hebt sie auch gewesen sein mag (zeilschr. 3, 279), hat sich 
bis Jetzt nur in zicei späten handsclirij'len gej'undcn, i7i 
dem ^imbrascr sogenannten heldcnbuchc aus dem anfange 
des sechzehnten Jahrhunderts, und danach hat sie hcrr cu- 
stos Joseph Bergmann im Sön bände der // iener Jahrbücher 
der literatur (1839) abdrucketi laj'sen, und hinter einem Ti- 
turel aus dem fünfzehnten Jahrhundert der aus fVien in 
die königliche bibliothek zu Berlin gekommen ist (mss. Germ, 
fol. 470j. die Berliner handschrijl, von der Lachmann mir 
eine abschrift gütig mitgetheilt hat, enthält vieles was sich 
sogleich als absichtliche änderung des in der Ambraser über- 
lieferten kund giebt ; so sind z. b. in vielen versen Senkun- 
gen die dort ganz- richtig fehlen hier loillkdrlich ergänzt. 
ich durfte also bei dem versuche einer herstellung des ge- 
dichtes nicht ohne nolh von der Ambraser handschrift zu 
gunsten der anderen abgehen, damit inuste vielleicht auf 
manches echte verzichtet iverde?ii ich bin zufriede?i wenn 
ich von den lesarlen der Berliner handschrift nicht viel er- 
weislich richtiges vei^schmäht habe und wenn meine arbeit 
im ganzen leistet was die hilfsmitlel erlauben und die treff- 
lichkeit des gedichtes fordert. 

Dafs die in der Berliner handschrift enthaltene bear- 
beitung dieses gedichtes von einem Österreicher herrührt 
kann nicht bezweifelt werden, wo der Ambraser text zwi- 
schen Höhenslcine und Ilaldenberc giebt (192j setzt er zwi- 
schen Wels und dem Trünberc, imd statt des brunnens ze 
Wankhüsen (897) erwähnt er eines anderen ze Liubenbache, 
oder nach der hs. Leubenbach, und bleibt damit in dersel- 
ben ob er österreichischen gegend. Liubenbach ist das heu- 
tige Leojibach, auf halbem wege von tfels nach Ki^emsmün- 
ster, von beide?i zwei stunden entfernt, wie LiupoU in Len- 
polt Leopold so gieng Liubenbach über i?i Leubenbach Leobn- 
bach Leombach Leonbach, von dem orte handeln B. Pillwein, 



HELMUHECHT 310 

geu-^/'f/p/i/r imil shilisti/,- (fs/c/'i-i'/chs oh der hlnns (L///z- 
1828) 2, 370, die hirrlil. topo-rraphic Österreichs hd 14 
ahlli. 2 s. ()(5, ,/. (i.^i. fr. rnn Hidie/ierl,-. die stände Oster- 
reivhs oh der En/is {Linz 1747^ 3, Al'i. ein lehenshriej' 
kaiser Friedrich des \n vom '27 n nirrz- 1 472 //// /r. /r. ge- 
heime/i hausnrchire nennt den zclieiü auf (Iciii nicdcrnliof zu 
Lewbmpacli miiI auf dem |)a\vngarlciiloliou in \\ eiskirclicr 
[iliarr j?clc|^en. die pf'urre WeifsUirchen liegt anderthalh 
stunden nördlich von Leonhach, ganz nahe an dem alten 
' Liubenhache^ von dem Leonhach den namen hat und der 
schon in einer urkundlichen stelle von 1143 erscheint (se- 
cus Liuboiibaoli) hei Marianus Pachmat/r historico-chrono- 
log-ica series ahhatum 1 1 religiosorum monasterii Cremi/a- 
ncnsis (Sti/rae 1777 — 1782) 1, 74. jetzt gehört I^eonbach 
nicht zu dieser pj'arre, sondern nach Sippachzell, etwa eine 
stunde nördlicher, das alte nun verj'allene schloj's Liuhen- 
hach war vom ausgang des 14// Jh. an eigen thum des im 
lün Jh. ausgestorbenen geschlechtes der herren von dem 
Miurlin ze Liiibenhach' oder wie Hohen eck schreibt ' Meurl 
zu Lcomhach. ' alle diese nachweisungen verdanke ich mei- 
nem freunde Ixarajan. 

Die scene der erzählung nach dem echten te.vte der 
Amhraser handschrift hat man bisher in Niederösterreich 
gesucht und Ilolienstcia für das im viertel oh dem Man- 
hartsberge gelegene Jetzt verfallene schloj's gehalten, aber 
fär das dabei erwähnte llaldcubcro ist in Jenen gegenden 
kein gleichnamiger ort aufzufinden, weshalb Lachmann 
(über singen und sagen s. 12) an Nakenherg an der mäh- 
rischen grenze dachte, eine ganz andere deutung theilt 
mir Uarajan mit. Wankliusen. Jf anghausen im Innvier- 
tel, gehört Jetzt freilich zu Österreich, aber bis zum schlu- 
fse des achzehnten Jahrhunderts war es baierisch. ivie 
für dieses baierischc ffanghausen in der Berliner hand- 
schrift das österreichische Leubenbach untergeschoben ist 
so sind nach Ixarajan von dem österreichischen umarbeiter 
IVels und der Traunberg anstatt unösterreichischer orte sre- 
setzt und mit Höllenstein ist nicht die österreichische bürg 
gemeint, sondern die fränkische an der Pegnitz, nordöst- 
lich von Xürnberg. sie gehörte im \3n Jh. zur advocatie 



320 HELMBKECHT 

Hohcnstnufen ; J\07iva(h'n verknnftc sie zu Augsburg am 
24// october 126G dem pfalzgrafen Ludwig von Baiern, s. 
?non. Boica 30" s. 354. Haldenberc aber liegt am Lech, 
ziviscken Lichtenberg tmd Landsberg ; daher es bald miter 
diesem bald unter jeriem orte mit auf gejährt teird ; z. b. 
unter Lichtenberg im geographisch- statistisch- topographi- 
schen le.vikon von Baiern {Ulm 179C) 2, 191. es ivar ein 
ynächtiges schloj's mit doppelter ringmauer und gehörte wie 
Hohenstein zum officium Sloufcnse. ein berühmtes baieri- 
schcs adelsgeschlecht führte durch Jahrhunderte von diesem 
schlofse den namen, s. z. b. mon. Boica 6, 532. 541,/". 
568. 7, 186. 426. 8, 302. 311. 9, 335. 10, 114. 22, 264. 
301. 23, 129. Püterich von Reichertshausen bei Duellius 
exe. '2.71. der sinn jener stelle in der Hohenstein und Hal- 
denberg erwähnt werden ist dieser 'selten hat ein bauer von 
norden bis süden, hoch oben von Frankeii bis hinab an das 
ende des Lechfeldes, an seinen warkus (gardecorps) solchen 
fleifs gewendet.^ hält man zu der ei'wähnung von Hohen- 
stein und Haldenberg die von IVanghausen, so wird man 
darauf geführt als den Schauplatz der erzählung nicht Oster- 
reich sondern Baiern anzunehmen. 

Für Karajans a?isicht dafs die erzählung von Hehn- 
brecht ein baierisches gedieht sei läfst sich vielleicht in an- 
schlug bringe7i dafs der alte Helmbrecht in seiner Jugend 
gerade vom herzog Ernst von Baiern hat am hofe lesen 
hören (955,/.), das gedieht das im J. 1180 graf Berchtold 
von Andechs von dem baierischeii hischofe Ruprecht von 
Tegernsee zum abschreibe?i begehrte (Pez thes. anecd. 6, 2, 13). 
alles ziveifels wären wir überhoben, zvenn sich 444,/". ver- 
binden liefse e du mit roube koufesl win datz Oslerriche : 
den?i von alle?i ?iachbarn Ostei'reichs haben allei?i die Baiern 
keinen wein; sie holten ihn vornehmlich aus Osterreich 
{Karajan zu Helbl. 3, 243). aber der Zusammenhang der 
folgejiden zeilen lehrt dafs fiach win (444) stark zu inter- 
pungieren ist. clamirre (445) verstehe ich zwar nicht, doch 
ist deutlich dafs der vater eine gemeine in Osterreich be- 
liebte .speise nennt, daraus folgt aber nicht dafs er ein 
Österreicher ist; er kann auf den brauch des nachbarlan- 
des hinweisen, und zu einer solchen hinweisung auf ein 



IIELMRHECFIT 321 

minderes land als die heimat stimtnt da z. 448. ondlich der 
Spessart (37) ka/iH zwar füglich übcrhaupl als ein be- 
kannter grofsrr leald genannt sein, aber ein Baier konnte 
auf ihn leichter geralhen als ein Österreicher, wie gerade 
Wolfram seiner gedenkt Parz.2\Q, 12, /FÄ. 96, 16 {der 
ll'iirzburger lionrad Iroj, kr. 25021). 

f^erjaj'st ist der Helmbrecht nach jXeidharls lade (217), 
also nach 1234 (s. Wackernagel in des herrn von der Ila- 
gen minnes. 4, 438), and noch bei lebzeiten kaiser Fried- 
richs des 2n (411), also vor 1250 (vergl. Lachmann über 
singen und sagen s. II). der dichter bezeichnet sich als 
einen fahrenden mann {^M fj\) und nennt sich am schlaf sc 
\A cnilicr den {^artciuiTC. herr von der Hagen {Jahrb. der 
Berl. gesellsch. f. d. spr. 1,267) meint, er sei ' ohne zwei- 
fei von Garda, deutsch Garton., am Gardasec, benannt. ' 
mir ist diese annähme sehr bedenklich -. Werjihcrs leben- 
dige sprachgewandte darstellung trägt nichts fremdes an 
sich ; sie fühlt sich heimisch in der landesart die sie schil- 
dert, ich fafsc garleuaere als einen appellativischen bci- 
nameu. 

Die Ambraser handschrifl habe ich a genannt, die Ber- 
liner b. abschnitte bezeichnen beide durch gemalte anfangs- 
huchstaben folgender verse, 259. 279. 299. 329. 361. 403. 
487. 509. 561. 577. 601. 635. 653. 697. 749. 913. 984. 
1049. 1177. 1257. aufserdem a 21. 45. 57. 73. 85. 107. 
117. 185. 221. 389. 519. 795. 805. 839. 859. 1575. 1713. 
1913; b 295. 439. 471. 517. 611. 835. 1115. 1185. 1231. 
1265. 1385. 1411. 1463. 1487. IIALPT. 

bl. 225"' «, Einer saget waz er gesiht, 

s. 452" b. der ander saget waz im geschiht, 

der dritte von minne, 

der vierde von gewinne, 

der fünfte von grözem guote, 5 

der sehsle von hohem muole : 

Das puech ist von dem Mayr Helmprechte. a, Hie hebt sich an ain 
mär von de Helmprecht der was ain narr und auch ain gauglSr amen. h. 
l. was im geschieht b. 2. and b. was er gesiebt b. 

3. drit a, dritte sagt b. 4. von ungewinne 6. 

z. F. D. A. rv. 21 



32? MEf.MBRECHT 

liie wil ich sagen waz mir geschacli, 

ilaz ich mit iiiinon ougen sach, 

ich sacli, (leisl sicherlichen war, 

eins gebaren sun, der Iruoc ein här, H> 

daz was reide nnde val : 

ob der ahsel hin ze tal 

mit lenge ez volliclichen gie. 

in eine hüben er ez vie, 

diu was von bilden wa^he. 15 

ich wa'ne, icman gestehe 

s6 maugen vogel üf hüben. 

siteche unde liiben 

die waren aldar iif genäl. 

weit ir nu hncren waz da stal? 20 

Ein nieier der hiez Helmbrehl : 
des sun was der selbe knehl 
von dem daz nia?re ist erhaben, 
sam den valer nanle man den knaben ^ 
si bede hiezen Ilehubreht. 25 

mit einer kurzen rede sieht 
künde ich iu daz raa^re 
waz üf der höben wwre 
Wunders erziuget. 

daz msere iuch niht belriuget: Mi 

ich sage ez niht nach wane. 
binden von dem spane, 
225° a nach der scheitel gegen dem schöpfe, 
rehte enmilten üf dem köpfe, 
der lim mit vogelen was bezogen, 35 

reht als si waeren geflogen 

7. Ich wil euch s. b. 9. das ist a. Ains gebauren sun trüg 

aio har b. 10. eines gepaura a. Das isl sicberleicheD war /;. 
11. raide a, rayd b. 12. Auf die b. 14. gevie b. 19. all 

darauf genat b, alle darauf geoäet a. 20. slet a. Nu hört wie 

ez viii die hauben stat b. 21 — 20 fehlen b. 21. Helemprecht a. 
24. nennet a. 27. Ich wil euch künden die mar b. 28. mer 

war b. 29. W. vil erz. b. 31. Ich red ez b. 32. von a: 

auf b. 33. 34. Minen auf dem kopffe Nach der schaitel gein de 

schöpfe b. 35. der lün a, Das leym b. vogel b. 36. Als ob 

sy dar waren g. b. 



HELMBHECflT 323 

üz (lein Spelilliarte. 
üf jjcburcn s warte 
kam nie bczzer lioul)t'l(Jacli 

dan man ül" IIelml)relile sacli. 40 

dem selben geuloren 
was ge','en dem zeswen Aren 
nf die hüben genaf 
(well ir nü beeren waz da stäl?) 
452'' b wie Troye wart besezzen, 45 

do Paris der vermezzen 
dem kiincge üz Kriechen nam sin wip, 
diu im was liep als sin iip, 
und wie man Troye gcwan 

und Eneas von danne eulran 50 

üf daz mer in den kielen, 
unde wie die liirne vielen 
und manic steinuiüre. » 

owe daz ie gebüre 

sölhe hüben solle tragen 55 

da von so vil ist ze sagen ! 
well ir nü beeren me 
waz anderhalp dar üf st^ 
mit siden erfüllet? 

daz nia^re iuch nilit belrüliet. 60 

ez sluonl gegen der winstern hanl 
wie kiinic Karle und Kuolanl, 
Turpin und Oliviere, 
die nolgeslaldeu viere, 

37. spechlliarle b, speclit harte a. spetharte {d. i. Spelithartc) Mb. 
908, 3 A. Spechlhart Jf'h. 96, 16 p. 38. Auf des g. sw. b. 

39. Koin b. houbet dach b, hoube dach a. 40. helmprechte b. 

42. W. zudem b. 43. genacet a. 44. nu fehlt b. stet a. 
nach 44 Das sult ir mir gelaubea Gcnat was auf die hauben b. 
i5. was b. 47. künige von a, künig vö b. 48. lieb was sam b. 

49. Do man troy da g. b. 51. Auf dem m. b. 52. wie fehlt b. 

54. awe a. 55. Ain solhe b. 56. so ist vil b. 57. au. fehlt b. 

58. W. anderhalben darauf ste b, w. anderhalb auf der hauben stee a. 

59. wol gefnUet b. 60. betrillet a. 61. Es stund gein der vin- 
ster h. b. 62. kiinic fehlt b. Karl a, Karll b. vnde b. 

63. vnd Olefiere a, vnd auch Olyfcre b. fii. notgestalten a. 

21* 



32/« HELMBRECHT 

waz die wundcrs mit ir kraft 65 

worhlen gegen der lieidenscliaft. 
Provcnz und Arie 
betwanc der kiinic Karle 
mit manlieit und mit witzen ; 
er betwanc daz laut Galitzen : 70 

daz waren allez beiden 6. 
weit ir nü hoeren waz hie ste 
von ener nestel her an dise 
(ez ist war daz ich in lise) 
zwischen den oren binden? 75 

von frowen Heichen kinden, 
wie die wilen vor Raben 
den lip in stürme verloren haben, 
dö si sluoc her Witege, 

der küene und der unsitege, 80 

und Di^thern von Berne. 
noch mügt ir beeren gerne 
waz der narre und der gouch 
truGc üf siner hüben ouch. 

ez het der gotes tumbe 85 

453* b vor an dem lime alurabe 
von dem zeswen oren hin 
unz an daz tenke, des ich bin 
mit warbeit wol bewseret 

(nü beeret wiez sich mseret), 90 

man möht ez gerne schouwen, 
von rittern und von frouwcn, 
ouch was da niht überhaben, 
beidiu von mägden und von knaben 
vor an dem lime stuont ein tanz, 95 

66. gein b. 67. arll b, Arel a. 68. d. künig Karel a, d. kayser 
karll b. 72. Hört was noch auf der hauben ste /;. 73. einer a, 

jener b. 74. euch a, nun b. 76. fraw b. 77. weylen b, 

weylend a. 78. stürmen a. In stürm ir leib verlorn h. b. 

79. erslüg b. Weittege a, wittig b. 81. Vnd her dietreich v, 

perne b. 86. leym ab. 88. lencke das a, lenge des b. 

89. wol berichtet b. 90. nu boret wie es s. m. a, Nun hört wie 

ez s. tichtet b. vcrgl. 1788. 91 7iarh 92 b. 91. es a, sy b. 
94. Baid von mägten b, baide von rittern a. 95. leyme stuend a, 



llELiMBUECHT 325 

geiiAl niil sidcii, diu was glänz. 

ie zwischen /.wein fidwcn sluonl, 

als si nucli bi tanze (lutnt, 

ein riller an ir liende ; 

dort an enein ende 100 

ie zwischen zwein meiden gie 

ein knabe der ir hendc vie. 

di\ sluonden videla're bi. 

Nu lireret wie diu hübe si 
geprücFel Helnibrehle, 105 

dem lumbcn ra'zen knchle. 
noch liabl ir alles nihl vernonieu 
wie diu hilbe her si komen. 
die nale ein nunne gemeil. 

diu nunne durch ir hübscheil 110 

üz ir zelle was cnlrunnen. 
ez gescliach der selben nunnen 
als vil nianeger noch geschiht; 
min ouge der vil dicke siht 

die daz nider teil verraten hat: 115 

225'' a da von daz ober mit schänden stät. 
Helmbrehles swestcr Gotelint, 
der nunnen ein genamez rinl 
gap si ze kiichenspise. 

si was ir werkes wise; 120 

si diente ez wol mit najte 
an der hübn und an der Wiele. 

Do Gotelint gap dise kuo, 
nü hoeret waz diu muoler tuo. 

leyme stund h. 96. geiiaeel a, Genät h. die warn a, der was h. 
97. le fehlt b. 100. ainem a, jene b. 101. Stund zwüscben 

zwain maiden ye b. 102. chnappe h. 104. Nun mercket b. 

107. alles b: alle a. 108. dar b. 109. naet a, näl b. 

110. Die was d. ir höbschhait b. 111. was fehlt b. 112. Dirr 

selben nuuncn b. 113 — llö fehlen b. 115. nidertail a. 

117. Gab helmpreclites swöster götliiit b. 118. Ain genämes siayge- 
rint b. vergl. 1291. 119. kuclien speyse a. Zu der kuche 

speyse b. 120. ir werches b, irs werche a. 121. näte b, nate a. 
122. hoaben ab. wate b, wate a. 123. da a. Götlinl die gab 
die chü b. 124. die müter tU b, der vater thue a. 



326 HELMßHECHT 

diu gap s6 vil der zweier 125 

der nunnen, k.Tse und eier, 

die wile si ze revende gie, 

daz si die selben zil nie 

so manic ei zerkluclc 

noch kaese versmucle. 130 

Noch gap diu swcsler möre 
dem bruoder durch sin 6re 
453'' b kleine wize linwäl, 

daz lützel iemen bezzer hat. 

diu was so kleine gespunnen, 135 

ab dem tuoche entrunnen 

wol siben websere 

e ez volweben wajre. 

ouch gap im diu muoter 

daz nie seit so guoter 140 

versniten wart mit schsere 

von keinem snidajre, 

und einen beiz dar under 

von so getanem kunder 

daz üf dem velde izzet gras; 145 

niht so wizes in dem lande was. 

dar nach gap daz getriuwe wip 

ir lieben sune an sinen lip 

kettenwambis unde swert ; 

des was der jiingelinc wol wert. 150 

noch gap si dem selben knaben 

zwei gewant, diu muost er haben, 

gnippen unde laschen breit; 

125. Die b, der a. 127. Die weil vnd sy b. ze reuende a, 

zerenend b. 128. zeit a, lag b. 129. zerklugkte a, verchluchte b. 
132. Durch ir brüder ere b. 133. Vil chlain weys b. leynen 

wat a. 134. pessers a. 135. Die b, das a. 137. Wareu w. 

s. webbäre b. 138. vol webet ab. 139. auch a, Dar nach b. 
142. von dbalDem a, Vö dechainc b. 143. Vnd aine peltz dar an- 

der b, vnd einer pellltz darundler a. 146. weysses a, wachs {d. i. 

wajhes) b. 147. gab im d. ab. 148. Ir lieben b, irem lieben a. 
149. ketten wambis a, Cheten wambis b. 150. Jüngling wol a, 

chnappe vil wol b. 151. noch a: Auch b. 152. mue.st a, 

müst b. 153. Gnypen b, Gmpen (? ich denke Gnipen) a. bei Neid- 



er ist iiocli la'xc der si li"ei(. 

Ü6 si ^ckU'idel lict (JtMi knuln'ii. IT);'» 

(lo sjH"K'li IT miiolcr. ich rmntz li;il)iri 
dar über ciiwii warkus : 
und soll ich des beliiieii sus. 
s<i wuTe ich j;ar vcrswachel. 
der s(»l (Mich sin gemachel, HW) 

also diu oiige in au ^csihl, 
daz dir diu herze des verj-ihl. 
du haltest des kiiides ere, 
swar ich der laude köre." 

Si het noch in den valdeii IC».") 

ein röckelin behalden : 
des uarl si ane leider 
durch des siiiies kleider. 
si kont'le im tuocli, daz was bla. 
weder hie noch anderswa 170 

Iruoc nie deheiu ineier 
einen roc der zweier eier 
wiere bezzer dan der sin; 
daz habt bi den tiiuwen min 
er künde in lügende leren 175 

und hohen lop gemeren 
der im daz bei geraten. 
454" b nach dem rückes brAlcn 

von der giirti unz in den nac 

ein kncipfel an dem andern lac ; IHO 

diu wären rot vergoldet. 

Iiart MS. 2, 71' — ein vil guot swert: dar zuo Ireit er eine gnippe 
ist man versucht an einen dolc/i zu denken. MSIIag. 3, 253" — schaf 
daz der oede krage mit siner gnippen Jiaiif;e lehrt nichts, nach unse- 
re)' stelle scheint die gnippe zum ^civandc (152) zu gehören. Jacob 
Grimm erinnert mich du/'s F'risch I, 528'' kniplasehe hat, e'ne lasche 
die sich schliefst, zuknippt, und lasclien steht hier neben gnippen. 
154. noch a: nil b. 157. ainen b, einer a. 158. soll a? 

159. geswacliet b. 161. in] den a. .\ls den dein aug an sieht b. 

UV», hercze gicht b. 164. War ab. der lande b: danne a. 

165. noch fehlt b. 166. rScklein b, tüeclielein a. 171. dechaiii b. 

kain a. 174. auf die trewe m. b. 176. hoches b. 178. nigkt's 
|)r. a, ruckbraten b. 179. giirll vnlz in a, gürte! viilz in b. 



328 * HELMBRECHT 

ob irz uü hoeren woldel 
von dein rocke fürbaz, 
durch iwcr liebe sagte ich daz. 
da daz goUier unz an daz kin 18;"> 

reichte, unz an die rinkeu hin, 
diu knöpfel wären silberwiz. 
ez hat selten solhen vliz 
an sinen warkus geleit 

dehein gebiire der in treit, 190 

noch so koslclichiu werc, 
zwischen Hohensteine und Haldenberc. 
seht wie in daz gevalle: 
driu knöpfel von kristalle, 

weder ze kleine noch ze gröz, 195 

den buosem er da mite beslöz. 
er gouch unde er tumbe. 
sin buosem was alumbe 
225"^ a bestreut mit knöpfelineu. 

diu sach man verre schinen 200 

gel blä grüene brun rot 

swarz wiz, als er gebot; 

diu lühten so mit glänze, 

swenn er gie bi dem tanze, 

so wart er von beiden, 205 

von wiben und von meiden, 

vil minnecliche an gesehen. 

ich wil des mit wärheit jehen 

daz ich bi dem selben knaben 

den wiben het unhohe erhaben. 210 

182. nl) irs nu gern h. w. a, Ob ir nü h. w. h. 184. sag h. 

185. Da fehlt b. kyn a, kina b : kin im reime bei Raumeland 5? J. 

186. raichet a, Gericht b. 188. het ab. 189. Am b. 
192. Zwu sehen weis vnd de traunb g b. 193. euch ab. 

190. verslos b. 201. Gel pla a, Gel brann b. praun vnd rot a, 
blaw rot b. 202. S\v. vnd weys wie er g. b. 203. die leuchten 
so a, Die lanchten wol b. 204. Wann a, Wen b. bey dem t. a, 
an dem t. b. 205. von in baiden b. 208. des für war j. b. 
210. den weihen ab: der dativus wie in der hs. des J'rauendienstes 
362, 12. 376, 8. 452, 24, vergl. gr. 4, 238. hohe stän mit dem dat. in 
hss. Nib. 329, 3. vnhoch a h. 



IIELMBIIECIIT :i21» 

Ak der crmel au daz niuoder gät 
aliiiubc und uinbc was diu uät 
behanj^cu wol mit soht'llcn : 
die hört man lute hellen, 

swenne er an dem rcien spranc ; *il5 

den wiben ez durch diu ören klanc. 
her Nithart, undc solle er lebeu, 
dem hele jjot den sin gegeben, 
der kuude ez iu gesingen baz 
dann ich gesagen, nu wizzet daz. *i20 

si verkoufte nianic huou uul ei 
6 si im gewiinne diu zwei, 
-'i54'' fj hosen und spargolzen. 

Als si do dem stolzen 
siniu bein hei gekleit, *22ö 

'min wille mich hiuz hove treit 
sprach er. ' lieber valer min, 
nu bedarf ich wol der stiure diu. 
mir hat min muotcr gegeben 
und oucli min swesler, sei ich leben, 23U 

daz ich in alle mine tage 
immer holdez herze trage.' 

Dem vater was daz ungemach. 
zuo dem sun er dö spracii 

'ich gibe dir zuo der wa'te 235 

einen hengest der ist dnete 
uud der wol springt ziun unde graben, 
den soll du da ze hove haben, 
und der lange wege wol loufe ; 

212. Vnd vmb vnd vmb b. 214. erhellen b. 21.5. Wen b, 

wann a. den b. 216. die orcn a, ir oren b. 217. vnd sott 

der 1. a, soll er noch 1. b. 219. Das er euch kund ges. b. b. 

220. nu fehlt b. 221. Sy verkauften b. 222. .E. sy gewunneu 

dise zwey b. 223. spargolzen, MSHag. 3,278*. Oberl. 1528. 

224. Damit sy dem st. b. 225. heten b. 226. hincz b, hin ze a. 
227. lieber a: vil lieber b. 228. JVü bedürft ich w. d. trewe d. b. 
229 —222 fehlen b. 229. geben a. 234. do a, in spotte *. 
235. wüte b, farte a. 236. ist drale a, lauffet drate b. 

237. und fehlt b. springet b, springe a. 238. da fehlt b. 

239. wol fehlt b. 



XM) HELMKKECHT 

gerue ich dir den kouFe, 240 

ob ich in vcile vinde. 

lieber suu, im erwinde 

hinz hove diiier verle. 

diu hovewise ist herte 

den die ir von kindes lil 245 

liabent nilil j'evolj;;eL niil. 

lieber sun, nii incn du mir, 

od habe den pfluoc, so nien itli dir. 

und bouwen wir die huobe; 

so kumsl du in drne gruobe 250 

mit grozen 6ren alsam icli. 

zwäre des versihe ich mich. 

ich bin gelriuwe, gewa're, 

niht ein verr«Uere. 

dar zuo gibe ich alliu jar 2ö5 

ze rehte minen zehenden gai'. 

ich haa gelebet mine zit 

iiue haz und äne nit. ' 

Er sprach 'lieber vater min, 
swic und lä die rede sin. 2(»0 

da niac niht anders an geschehen, 
Man ich wil benamen besehen 
wie ez da ze hove smecke. 
mir sulen ouch dine secke 

nimmere rilen den kragen. 2G5 

ich sol ouch dir üf dinen wagen 
nimmere mist gevazzen. 
so solle mich gol hazzen, 
swenn ich dir ohsen wa^le 
und dinen habern sa'le: 270 

"240. Wie gern b. 242. du fe/iä b. 243. Hincz b, hin ze a. 
245. 246 fehlen b. 247. Vil lieber s. b. nü mene mir b, nu mey 
du mir a. 248. oder ab. men b, mey a. 249. Vnd bawe 

mir b. 250. dein ab. 251. M. guten eren b. 253— 258/t'Ä- 

len b. 259. lieber a: vil lieber h. 201. an fehlt b. 

262. sehn b. 263. tia f-hlt b. 264. ouch fehlt b. 

205. 207. nymmer ab 265. N. gereiten meinen ehr. b. 

268. soll ab. gehassen a, wol hassen b. 209. wenn a, Wan b. 

dir ohsen welle a, dir deine ohsen mänte b. 270. vnd dein habern 



HELMBHECHT 33i 

(laz zii'iiie iiilil zcwAre 

miuein langen valweu liare 

unde ininem reideni locke 

und niinoin wo! slAnden rocke 

und iiiitier wol standen liubeii 275 

und den sidinen tilben 

die dar uf nälen frouwen. 
455" b ich liilfe dir ninimere bouwen. 
' Lieber sun, belip bi mir. 

ich weiz wol, ez wil geben dir 280 

225' a der nieier Ruopreht sin kint, 

vil schAfe, swin, und zehen rint, 

alter unde juiiger. 

ze hove hast du hunger 

und muost dar zuo vil harte ligen 285 

und aller gnaden sin verzigen. 

Uli volge miner lere, 

des hast du frum und ere; 

wan vil selten im gelinget 

der wider sinen orden ringet. 290 

din ordcnunge ist der pfluoc* 

du vindest hoveliute genuoc, 

swelch ende du kerest. 

din laster du genierest, 

sun, des swer ich dir bi gol;. 295 

der rehlen hoveliute spot 

wirdest du, vil liebez kint. 

du soll mir volgen unde erwint. ' 
' Vater, und wirde ich geriten, 

ich trouwe in hovelichen siten 300 

immer also wol genesen 

saete a, Oder deine haber säte b. 272. valwö lange h. 273. Vnd 
meinen rayden locken b. 274. Vnd ineinen wolstenden rocken b. 
275. wolsteenden a, wähen b. 270. den b: die a. 277. fiawen b, 
tauben a. 278. bilf a, wil b. nymmer bawen b, nymer ze 

pauen a. 279. Der vater sprach lieber sun beleib bey mir a, Der 

vater sprach beleib bey mir b. 281. seine kint b. 282. zehen 

fehlt b. 286. gnade b. 289. wann s. a, Vil s. b. 29.3. wel- 
ches ennde a, Welchs endest b. 294. merest b. 298. soist b. 
299. Er sprach vater wird (vnd wirde a) ab. 



3S2 HELMBRECHT 

saiu die ze hove ie siut gewesen, 
swer die hüben w.nehe 
mF niincm lioupte sa*he, 

der swüer wol tusenl eide 305 

für diu werc beide, 
ob ich dir ie gemente 
od pliluoc iu furch gedente, 
swenne ich mich gekleide 

in gewant daz si mir beide 310 

ze stiure gäben gester, 
min muoter und min swesler, 
so bin ich sicherliche 
dem vil ungeliche, 

ob ich etewenne 315 

körn II f dem lenne 
mit drischelen üz gebiez 
od ob ich stecken ie gestiez. 
swenne ich iüeze unde bein 
hän gezieret mit den zwein, 320 

hosen und schuohen von korrün, 
455'' h ob ich ie gezünle zun 
dir oder ander iemen, 
des meldet mich niemen. 

gist du mir den meidem, 325 

Ruoprehle zeinem eidem 
bin ich immer verzlgen : 
ich wil mich niht durch wip verligeu.' 

Er sprach 'sun, eine wile dage 
und vernim waz ich dir sage. 330 

303. wer ab. 308. Oder pllüg in furch b, Oder den phluog in der 

furch a. 309. wenn ab. bechlaide b. 312. vnd ouch mein 

8w. a. 315. ettwenne a, je ettwenne b. 317. Mit tryschelu 

ausgepiess a, Mit der drisehel vns gepiefs b. vergl. Lachm. ISib. 

1823, 2. 318. Oder ab. nar.k 318 dir oder anders yeinand. 

das meldet mich niemandt a, vergl. 323/. 319. Sweü b, wenn a. 

321. corraun a. Hosen schlich vnd karraun b. 322. gezeunte ab. 
32i fehlt b. des vermeltet a, vergl. zu 318. 325. Geyst b, 

gibst a. maidem a, maiden b. 326. mayr Ruoprehlen a, Mair 

Riiprechten b. aydem a, aydeu b. 327. ymmer a, nymmer 

luer b. 



iiEL.MHUEcirr .'m 

swer volgel ^iioler lere 

der gewinnet fruni und ßre : 

swclch kint sines valcr rät 

ze allen zilen iibcrgal, 

daz siH zc jungest an der scliani 335 

und an dem schaden relite alsant. 

will du dich sichcriichen 

genözen und geliehen 

dem wol gebornen iioveman, 

di\ misselingct dir an ; 340 

er tregt dir dar unibe haz. 

du solt ouch wol gelouben daz, 

ez klaget kein gebüre niiil 

swaz dir da ze leide geschilu. 

und nicmc ein rchler hoveman 345 

dem gebüren swaz er ie gewan, 

der gedingte doch ze jungest baz 

danne du, nu wizze daz. 

nimst du im ein fuoter, 

lieber sun vil guolcr, 350 

gewinnet er din obcrhant, 

s6 bist du bürge unde phant 

für alle die im habent genomen. 

er lät dich nicht ze rede komen ; 

die Pfenninge sint alle gczalt; 355 

ze gote hat er sich versalt, 

sieht er dich an dem roube. 

lieber sun, geloube 

mir diu ma,Te und belip 

331. wer ah. 333. Swelches b, welches a. 335. zc jüngst a, 

zelesle b. 340. Da müs dir misselingen an b. 34'i. Auch soltu 

g. d. b. 343. klaydt kain a, chlaugt dechaia b. 344. Was b, 

war a? da zc laide a, davon laids b. 346. dem a: Ainen b. 
was a, das b. 347. gedingete a, gedinget b. ze iungste a, zem 
Icsteo b. 348. Dan du solta wissen d. b. 352. Du bist borge // ; 
vergl. anm. zu Jf'altlicr 26, 2 z. 5. 353. die im haben b, die im 

icht haben a. 355. 356 fehlen b. 355. gezelt a. der atis- 

druck wird sprichwörtlich sein, 'die rechnnng ist lairz.' 356. ver- 
selt ff. er glaubt ein gott gefälliges werk zu thvn ? 357. Er 

siecht dich b. 359. die ab. 



334 MELMBHKCFIT 

und iiini oiii oliclicz wip. 360 

' Vater, swaz so mir gescliilil, 
226" a ich laze ininer verte niht; 

ich niuoz benamen in die biine. 

nü heiz ander dine süne 

daz si sich mit dem pfluoge müen. 365 

ez miiczcn riiidcr vor mir liien 

die ich über ecke Iribc. 
456" daz ich so lange bclibe, 

des irret mich ein gurre. 

daz ich niht ensnurre 370 

mit den andern über ecke 

und die gebüren durch die hecke 

niht enfüere bi dem hare, 

daz ist mir leit zewäre. 

die armuot möht ich niht verdoln : 375 

swenne ich drin jär einen voln 

züge und als lange ein rint. 

der gewin wwr mir ein wint. 

ich wil rouben alle tage; 

da mite ich mich wol betrage 380 

mit voUiclicher koste 

und den lip vor froste 

wol behalte in dem winder, 

ez enwelle et niemen rinder. 

vater, balde ile, 385 

entwäle deheiner wile, 

gip den meiden balde mir; 

ich blibe lenger niht bi dir/ 
Die rede wil ich kürzen 

einen loden von drizic stürzen 390 

360 ein eeliches a, dir ain eleicti b. 361. Er sprach valer ab. 
was so mir a, was mir b. 363. Icli wil b. bey (pey i) namen ab. 
püne a, pun b. 3C4. Du b. 365. den pflügen b. 372. bau- 

ren b. 373. IN'icht Tür //. 376. wann a, VV'eü b. 378. gwin b. 

380. vil wol betrag b. 381. voUiclicher a: völliger reicher b. 

384. es sei denn dafs niemand belieben zu rindern trägt und die ge- 
raubten mir abkauft. Ich mäs ot haben rinder b. 385. Dar vmb 
ualer bald eyle b. 386. Etwell dechain w. b. 388. nicht len- 

ger a b. 390. dreyssig a, drein 1i. 



iii:LMi{i{K(;riT 3:^5 

(also saget uns daz ma're. 

(laz der lode wiiTc 

aller loden leiigcst), 

den gap er au den liengesl, 

und guoler kiieje viere. .'{Qö 

zw6n oliseu und dri stiere, 

und vier mülte korues : 

owe dir, giiol verloruez I 

er koufte den liengst um zehen pliunl; 

er het in an der selben stuiit /lOO 

kiinie gegeben unihe driu : 

(•wt} vcrlorniu sibeniu I 

Do der sun wart bereit 
unde er sich het an geleit, 

nu lia'ret wie der kuabe sprach. 405 

er schütte dez houbet unde sacli 
ul" ictweder ahselbein, 
ich bizze wol durch einen stein; 
ich bin so muotes ra.'ze ; 

hey waz ich isens Iraeze ! 4 10 

ez Dseme der keiser für gewin. 
vieng ich in nilit und züge in hin 
und beschazte in unz an den slouch, 
und den herzogen ouch, 

unde eleslichen graven. 415 

über velt wil ich draven 
45G'' // an angesl niines verlies 

391. Als uns sagt b. 394. an a: vnib h. 395. kiie a, chii b. 

39G. drey a, zwey b. 397. vnd vier mute a, Vnd darrzu vier 

uiütt b. 398. kornes : verlornez wie einez : meines llif- oder ist 

hier etwa owe, guots verlorni-s und in der anderen stelle nieinez zu 
schreiben Y hiis : liz 17l)9y. lüj'st sich nicht genau verglvickcn. 
wo gut verlornes b. 399 — ^^2 fehlen b. 402. verlorniie a. 

403. Da a. 4Ü4. hat a. 405. im fehlt b. clinappc b. 

406. er schüt (schulte b) das a b. 407. Auf sein ycgleich achel- 

bein b. 408. pisse a, peysse b. 410. Wey wes ich evseiis 

ässe b. 413. iii fehlen b. 413. unz an den sluch bis an den 

Schlund Y vergl. Frisch 2, 193". 415. Den herczogen und etlich 

grauen h. 416. Vber ecke h. traben n. 417. Anc vorcht h. 



336 IIELMBRECIIT 

und alle weit dwcrlies. 

la mich üz diner liuole: 

iiiuiien für nach mincm nuiotc 420 

wil ich selbe wahsen. 

vater, einen Sahsen 

züget ir lihter danne mich.' 

Er sprach ' sun, so wil ich dich 
nuner zähle läzen fri. 425 

nu zno des der neve si ! 
Sit dich min zuht sol niiden 
an dem üf riden, 
so h fiele diner hübe» 

und der sidinen tüben, 430 

daz man die inderl rüere 
od mit übele iht zefiiere 
und din langez valwez hare. 
unde will du zeware 

miner zuht nimniere, 435 

so fiirhle ich vil scre 
du volgst ze jungest einem slabe 
und swar dich wist ein kleiner knabe." 
er sprach 'sun, vil lieber knabe, 

419. er sprach vater la a. 420. Hinnen für b: von hinnen phur- 
ren a. 421. selben a. 423. Den zügt h. er lönte im sit so 

hohe sam einem wilden Sahsen oder Franken Gudr. 366, 4 (1400). 
424. Dich zu avfang der folgenden zeile b. 420. neue ab. 

denselben spricliw'örtUchen ausdvuck zeigt mir Lachmann bei üttacker 
53 , wo die königin von Arragon die Unterhandlung mit dem burg- 
grafen, der sich weigert ihre Schwester frei zu geben, abbricht : der 
künigin versmahte daz, and hiez in varh an sin gemach. ' nu dar 
balde' si do sprach, füert einen {der gefangenen die in ihrer gewalt 
sind) nach dem andern her. ez ist wol nach miner ger daz in der tot 
wone bi. nu dar des der neve si!' der sinn scheint in beiden stellen 
'ich will nichts mehr mit ihm {damit) zu schaffen haben.' 
427. seyt ich a, Seint ich b. 428. auf reyden b, aufreiden a. ich 
weifs diese zeile nicht mit Sicherheit zu deuten. 149. so fehlt b. 
431. nyndert b. 432 oder ab. nicht a, fehlt b. 

433. Dein lang valwes hare ohne und b. hare : zware ab. 

ebenso haben beide hss. 791 f. zware: ein jare. 435. nicht mere b. 
437. volgest a. zleste b. 438. vnd war ab. kleiner fehlt b. 
439. der vater sprach n. 



IIELMBRECIIT 337 

la dich noch rihlen abc. 440 

du soll leben des ich lebe 

und des dir diu niuoler gebe. 

trinc wazzer, lieber sun min 

6 du mit roube koulesl win. 
226'' n dalz Oslerriclie claniirre, 445 

ist ez jener ist ez dirre, 

der luinbe und der wise 

haut ez da für hcrren spise. 

die soll du ezzen, liebez kint 

6 du ein geroubtez rint 450 

gebest umb eine henne 

dem wirle eteswcnne. 

diu umoter durch die wochen 

kan guotcn brien kochen : 

den solt du ezzen in den grans 455 

6 du gebest umb eine gans 

ein geroublcz phärit. 

sun, und helest du den sit, 
457" b so lebtest du mit eren, 

swar du wollest keren. 460 

sun, den rocken mische 

mit habern e dii vische 

ezzest nach uneren. 

sus kan din vater leren. 

volge mir, so hast du sin : 465 

si des niht, sd var da hin. 

erwirbst du guot und ^ren vil, 

für war ich des niht enwil 

mit dir haben gemeine : 

hab ouch den schaden eine.' 470 

440. La mich d. n. weysen ab h. 445. Dacz 6, da ze a. 

chlamirre b. was das J'ür eine speise ist habe ich nicht ßnden noch 
er/raffen können. Vermutungen, wenn sie reifen, sollen später mit- 
getheilt werden. 446. Es sey jenr es sey dirre b, 448. Hand b, 
habent a. dafür b, 451. Gäbest b. 452. etswenne a, elt- 

wenne b. 454. preyn k. a, prein wol k. b. 456. .E. das du 

gäbest b. 457. phaerd a. 458. Hey sun bettest b. 

460. War b, wohin a. 464. sunst c b. kan dich dein b. 

470. alleine b. 

Z. F. D. A. IV. 22 



338 HELMBRECriT 

' Du soll hinken, valcr min, 
wazzer; sA wil ich trinken win. 
und h du {^eyslitze ; 
so wil ich ezzen dilze 

daz man da heizet huon versotcn. 475 

daz wirt mir nimmer verboten, 
ich wil ouch unz an minen tot 
von wizen scnieln ezzen brot : 
haber ist dir geslaht. 

man liset ze Rome an der phaht, 480 

ein kint gcvälie in sincr jugent 
von sinem toten eine tugent. 
ein edel ritter was min tot : 
saelic si der selbe got 

von dem ich so edel bin 485 

und trage so höchvertigen sin!' 

Der vater sprach nü gloube daz, 
mir geviele et niichel baz 
ein man der rehte taete 

und dar an belibe stsete. 490 

waer des geburl ein wenic laz, 
der behagte doch der weite baz 
dan von küneges fruht ein man 
der tugenl noch ere nie gewan. 
ein frumer man von swacher art 495 

und ein edel man an dem nie wart 
weder zuht noch ere bekant, 
und koment die bede in ein laut 
da niemen weiz wer si sint, 

471. Er sprach du ab. 473. ysse ab, geislicze b. ich kenne auch diese 
speise nicht xmdweijs nicht ob geiz- oder güu- in dem worte steckt, auch 
mit 'glicerium giseliz' sumerl. 27, 5 ^ Diut. 3, 145 weifs ich nichts 
anzufangen, den eigennameii Geislitzer ytwrfe ich in einer Wiener vr- 
kundc von 1309, mon. Buica 30, 2 «.41. 475. Da man haisset b. 

479. H. der ist b. 481. inder jugent b. 482. Noch seinen glit- 
ten b. ain b, einen a. 483. mein gut b. 484. dersclbig a. 
485. also b. 480. Vnd han also b. 487. nu fehlt b. 488. ot b. 
492. Der geviel d. d. w. vas b. 4'JG. an fehlt b. 497. Tugent 
noch h. bekant b: nie bekannt a. 498. Körnen {ohne 
and) b. 



HELMBRECIIT 331) 

man lial des swaclicn niannes kiiit äUO 

457'' b für den edeleu lukligcborn 

der für 6rc hat schände crkorn. 

SUD, und will du edel sin, 

daz rate ich üf die Iriuwe min, 

so tuü vil edcUiche. 505 

guol zuht ist sichcrliche 

ein kröne ob aller edclkeit: 

daz si dir für war geseit.' 

Er sprach ' vater, du hast war. 

mich enläl min hübe und min här 510 

und min wol steudc gewaete 

iiiht bclibcn sta'te. 

si siot beide so glänz 

daz si baz zahmen einem tanz 

danne der eidcu oder dem phluoc* 515 

' W6 daz dich muoter gctruoc!* 

sprach der valer zuo dem suon. 

'du will daz beste län unlz boeste tuoü. 

sun, vil schojuer jüngelinc, 

du soll sagen mir ein dinc, 520 

ob dir wonent witze bi, 

welher baz lebender si, 

dem man fluochet unde schiltcl 

und des al diu weit engiltet 

und mit der liule schaden lebet 525 

22C' n und wider gotes hulde strebet; 

uü welhes leben ist reiner? 

so ist aber einer 

des al diu weit geuiuzet 

und den des niht verdriuzet, 530 

500. Da hat man des b. 502. Da für er hat b. 506. Gut tugent 
ist vil Sicherleiche b. 510. vnd a : noch b. 511. wol stendes 

gwUte b. 513. Die siol mir baide so glaucz b. 514. Das ich 

Las zini an aine tancze b. 515. oder a: und b. 516. We das 

dich dein inüler ye gelrüg b. 517. Sprach aber der v. b. 

sun ab. 518. du wilt das pcste lan vnd das böse tun a, Du wilt 

et laider übel tun b. 521. ob d. wonen w. bey a, Ob d. wone die 
wirde bey b. 522. W bas lebendig' scy b. 523. den c. 

524. all die a, die 6. 528. aber a ; da pey b. 530. des /cA/f b. 

22* 



340 HELMBRECHT 

er werbe naht unde tac 

daz man sin geniezen niac, 

und fi;ot dar under eret. 

swelhez ende er keret, 

dem ist got und al diu weit holt. 535 

lieber sun, daz du mir solt 

mit der warheil sagen daz, 

wer dir nü gevalle baz.' 

' Vater min, daz luol der man 
des mau nihl engelten kan 540 

und des man geniezen sol ; 
der ist lebendiger wol.' 
458" b lieber sun, daz waerest du. 
ob du mir wollest volgen nü, 
so bouwe mit dem phluoge ; 545 

so geniezent diu genuoge : 
din geniuzel sicherliche 
der arme und der riebe ; 
din geniuzet wolf und der ar 
und alle creatiure gar 550 

und swaz got üf der erden 
hiez ie lebendic werden, 
lieber sun, nü bouwe : 
ja wirl vil manic frouwe 

von dem bouwe geschcenet; 555 

manee künic wirt gekrcenet 
von des bouwes sliuwer ; 
wan niemen wart so liuwer, 
sin hochvart wsere kleine, 
wan durch daz bou aleine. 560 

' Vater, diner predige 
got mich schiere erledige. 

533. eret a, auch eret. b. 534. welches ennde er k. a. Welches 

ends er sich k. b. 535. all die a, die b. 536. daz fehlt b. 

546. geniesset a. 549. der wolüc vnd der ar a, wolf und ar b. 
551. vnd was a, Was b. 553. Vil 1. s. b. 554. Es wirt b. 

555. Von pawe wol g. b. 557. sleur a. Vnd des bawes sleü- 

rer b. 558. wan fehlt b. tewr a, teurer b. 559. wäre 

klaine a, wurd vilchlaine b. 500. das paw (baw b) ab. 

561. Er sprach vater ab. 562. Mich got b. 



ÜELMBUKCIIT 34i 

und ob uz dir worden wjere 

ein rcliter |)rcdij;;i'i(', 

du brii'lilcsl liulc wol ein her 565 

niil diuer prediije über nier. 

verniui waz ich dir sagen wil: 

bouwent die geburen vil, 

si ezzeiil wol desler ni6. 

swie hall mir min dinc ergß, 570 

ich wil dem phluoge widersagen 

und sol ich wize hende tragen. 

von des phluoges schulde, 

s6 mir goles hulde, 

so wa're ich immer geschanl, 575 

swenne ich tanzte an irowen haut. * 

Der vater sprach ' nü Trage, 
daz dich des iht betrage, 
swä du sist den wisen bi, 

mir troumte ein troum, waz daz si. 580 

du betest zwei lieht in der haut; 
diu brunnen daz si durch diu laut 
lühlen mit ir schine. 
lieber sun der mine, 
458'' b sus Iroumt mir verl von einem mau; 585 

den sach ich hiure blinden gän.' 
er sprach ' vater, daz ist guot. 
ich gelaze nimmer minen muot 
umb sus getäniu maere: 
ein zage ich danne wa;re.' 590 

In enhalf et niht sin 16re. 
er sprach 'mir troumte mßre. 
ein fuoz dir uf der erde gie ; 
du stüeude mit dem andern knie 

563. und fehlt b. 565. Du brächtest ain ganczes her b. 

568. pawen a. 570. wie ab. 571. dein pflüge b. 572. Solt 

ich swarcz h. tr. 6. 575. So würd ich vil ser g. b. 576. wenn a. 
Waü ich tanczt frawen an der h. b. 578. des b: der a. 

579. VVa b, wo a. 585. sunst ab. 589. vnd sunst a, Durch 

so b. 591. In haltf ot b. 592. mir entraumte m. a, mir träumt 

ot m. b. 593. erden b. 594. da stuondest dn mit d.a. knie a, 
^'nd du mit d. a. chnie b. 



342 HELMBRECIIT 

hohe uf einem stocke. 595 

dir ragcte uz dem rocke 

einez als ein ahsen drum. 

sol dir der tronm wesen fruni, 

oder waz er bediute, 

des frage wise liule.' 600 

'Daz ist saelde unde heil 
und aller riehen freuden teil.' 
er sprach 'sun, noch troumte mir 
226** a ein troum, den wil ich sagen dir. 

du sollest fliegen hohe 605 

über weide und über lohe : 

ein vetich wart dir vcrsniten : 

dö wart dm fliegen vermilen. 

sol dir der troum guot sin? 

owe hende füeze und ougen din !' 610 

'Vater, al die tröume din 
sint vil gar diu sa^lde min' 
sprach der junge Helmbreht. 
'schaf dir umhe ein andern kueht: 
du bist mit mir versouraet, 615 

swie vil dir si getroumet.' 

' Sun, al die tröume sint ein wint 
die mir noch getroumet sint: 
nü hoere von tröume. 

du stüende üf einem boume : 620 

von dinen füezn unz an daz gras 
wol anderhalp kläfter was : 
ob dinem houbte üf einem zwi 

593. Stnndt auf aine st. b. 596. do ragte dir a, Dir regt auch b. 

597. achsendrumb a, ächsen drüm b, 601. Er sprach das ab. 
602. riehen fehlt a. Vnd aller reichtüm und friiden tail b. 

605. du soltes fl. hohe a, Wie du sollest fl. hoch b. 606. über 

walt u. ü. lohe a, V'bel veld uü über loch b. 607. veder b. 

608. da ab. gar vermitten b. 610. awe a. 611. V. alle 

träume d. h. 614. einen a, aine b. 616. wieuil dir a. Was dir 
halt s. g. b. 617. Er sprach sun all die tr. sein ein w. a, Die 

tröme sint alle ain w. b. 618. Gein den die mir getraumet s. b. 
619. nu hier von ainem (aine b) tr. ab. 620. Du stund b, da 

stuondest a. 621. niesseu vntz an a, Hissen an b. 



IIELMÜHKCIIT 343 

saz ein rabc, ein krA dA bi : 
45'.>" b diu bar was dir bestroub«'! : 625 

dö streite dir diu boubel 
zesweiibalp der rabc da ; 
winslerbalp scbiet dirz diu kra. 
ow6, sun, des troiinies ! 

owö, suu, des boumes ! 630 

ow6 des raben ! ow6 der krau ! 
ja waene icb riuwic bestau 
des ich au dir hau erzogen, 
uiir habe der trouni daune gelof^en.' 

Ob dir Uli, vater, wizzc Krist, 635 

Irounite allez daz der ist, 
beide übel uude guol, 
ich gelaze nimmer minen muul 
hinnen unz an miuen löt. 

mir wart der verte nie so not, 640 

valer, gol der hiiete diu 
und ouch der lieben niuoler min ; 
iwer beider kindeliu 
miiezen immer sa-lic sin : 

got Iiabe uns alle in siner pflege.' 645 

da mite reit er üf die wege ; 
urloup uam er zuo dem valer, 
hie drabete er durch den galer. 
soll ich allez sin geverte sagen 
daz enwiirde in drin lagen 650 

od lihle in einer wochen 
nimmer gar volsprochen. 

Lf eine burc kam er gerilen. 

024. rab ain a, mpe vnd ein a. 025. zerstraubct b. 020. <la ab. 

627. Zeswt'uhalb ain rab da b, ceswentbalbe ein rabe safs da a. 

628. Vinslerbalb b. dirs b, dir a. 029. awe a. 030. awc a, 
Owei b. 631. awe (\Ve b) den rabeu awe (we b) den cran (cbran b) 
ab. 032. traurig müs gestau b. 635, vater a: vasser b. 
638. Zwar ich gelas doch meinen m. b. 039. hynnen a, Nimmer b. 
642. der a : die b. 644. Die müssen b. 046. Da mit so rait b. 
647. zum valer a, da zede vater b. 048. hie trat er vber den g. a, 
\lhin so drät er durch de gatter b. 650. enwurd b, wurde a. 
drein fc, dreyen ö. 651. oder leicht a, Oder villeicht fc. <",n3. knnier i- 



344 HELMBRECHT 

da was der wirt in den siten 

daz er urliuges wielt 655 

und oucli vil gerne die behielt 

die wol gelorslen riten 

und mit den vinden striten. 

da wart der knappe gesinde. 

an roube wart er so swinde, 660 

swaz ein ander liegen liez, 

in sinen sac erz allez stiez ; 

er nam cz allez gemeine. 

dehein roup was im ze kleine ; 

im enwas ouch niht ze groz. 665 

ez wsere rüch, ez waere blöz, 
459'' b ez waere krump, ez waere sieht, 

daz nam allez Helmbreht, 

des meier Helrabrehtes kint. 

er nam daz ros, er nam daz rint, 670 

er lie dem man niht leffels wert ; 

er nam wambis unde swert, 

er nam mantel unde roc, 

er nam die geiz, er nam den boc, 

er nam die owe, er nam den wider; 675 

daz galt er mit der hiute sider. 

röckel pheit dem wibe 

zöch er ab dem libe, 
266® a ir kiirsen unde ir mandel : 

des het er gerne wandel, 680 

dö in der scherge machte zam, 

daz er wiben ie genam ; 

daz ist sicherlichen war. 

654. in solchem siten b. 655. Das er stät vrleuges w. b. 

656. ouch fehlt b. 657. reiten b, streiten a. 658. streiten b, 

reiten a. 659. knabe a, chnab b. 661. was a, Das wol b. 
anderr b. 662. ers alles a, er das b. 664. dhain a, Chain b. 

665. was ab. 666. oder blos b. 668. alles der junge Helm- 

precht a, als der selbe cbnecbt b. 669. des mayr a, Des mayers b. 
670. beide Aaz fehlen b. 671. dem manne a. 673. vnd röclt a, 

et nam rock b. 674. die fehlt b. die pöck a, bock b. 

675. die ob a, die au h. 677. Rock b. 681. Gehabt do ab. 
machet a. 



HELMBUECIIT 34ä 

ze wünsche im daz Orsle jar 

sine Segelwinde duzzen 685 

und sinin scliaf ze heile fluzzen. 

sines muotes wart er geil 

da von daz im der beste teil 

ie geviel an gewinnen. 

dö begunde er heim sinnen, 690 

als ie die iiute phlagen 

heim zuo ir magen. 

ze hove er urloup genam 

und ze dem gesinde sam, 

daz si gol der giiote 695 

hete in siner liuote. 

Hie hebet sich ein maere 
daz vil müelich wa're 
ze verswigen den liuten. 

künde ich ez bediuten 700 

wie man in da heime enphie ! 
ob man iht gegen im gie? 
nein, ez wart geloufen, 
al mit einem houfen ; 

einez für daz ander dranc, 705 

vater unde muoter spranc 
als in nie kalp erstürbe, 
wer daz botenbrot erwürbe? 
460* b dem knehte gap man äne fluocb 

beide hemede unde bruoch. 710 

sprach daz friwip und der kneht 

' wis willekomen Helmbreht? 

nein, si entäten ; 

ez wart in widerraten : 

si sprächen j'unkherre min, 715 

ir sult gote willekomen sin.' 

685. seine a, Sein b. 686. seine a, sein b. 687. er so gail a b. 
688. Dar umb das b. 689. gewinne a. 693. nam a, do nam b. 
697 ff . vergl. Lachm. zur klage t. 700. Ey künde ich b. 

704. All b, alle a, 709. Dem gab man es äne fluch b. 711. das 
frey weib a, das weib b. vergl. 743. 1088. 1727. 712. bis ab. 

716. willekomen a: vil wilkome b. 



34G HELMßUECHT 

' vil liebe susterkindekin, 

jrol lale iach immer Sivlic siu. 

diu swestcr gegen im lief, 

mit den armen si in umbeswiel : 720 

dö sprach er zuo der swester 

' grätiä vesler.' 

hin für was den jungen gäch, 

die allen zugen binden nach, 

si enphieugn in beide äne zal. 725 

zem valer sprach er 'd6u sal;' 

zuo der muoler sprach er sä 

beheimisch dobrayträ.' 

si sähen beide ein ander an, 

beidiu daz wip und der man. 730 

diu hüsfrowe sprach ' her wirl, 

wir sin der sinne gar verirt: 

er ist niht unser beider kint: 

er ist ein Beheim oder ein Winl. ' 

der valer sprach 'er ist ein Walch: 735 

min sun den ich gole bevalch, 

der ist ez niht sicherliche, 

und ist ime doch geliche.' 

dö sprach sin swesler Golelinl 

'er ist niht iwer beider kint: 740 

er antwurt mir in der laliu ; 

er mac wol ein pfaffe sin.' 

'entriuwen' sprach der friman, 

'als ich von im vernomen hän, 

so ist er ze Sahsen 745 

od ze Bräbanl gewahsen : 

717. er sprach vil liebe swesler kintekin a. Er sprach vii liebe süs- 
sen kindc h. 718. lat lat a, Got las b. 719. die sw. entgegen 
im 1. a, Gegen im sein swoster 1. h. 721. zder b. 723. dem b. 
724. zogte b. 726. zum a, Zedem b. deus h. 728. do 
braytra b, de braylra a. 729. ain ander an b, an einander an a. 
731. hausfraw ab. herre w. ab, 735. vater a: wirt b. 
736. Mein b, meinen a. enipfalch b. 737. sicherleich b. 738. doch 
gar änleich b. 739. Da a. nach 740 Do ich im engegen gicnch 
Und in mit armen umbeviench b. 741. er antwurtet mir in der la- 
lein a, Do antwart er mir latin b. 743. frey man b. 746. odf-^r /» /> 



IIELMBHECHT 'M7 

460'' f/ er sprach "liebe susler kiudekin;" 

er niac wol ein Salisc sin.' 

Der wirl sprach mit rede sieht 

'bist duz min snn Ilelnibrcht? 750 

dil hast mich gwunncn da niile, 

sprich ein wort nach unserni silc, 

als unser vordem taten, 

so daz ichz niüge erraten. 

dii sprichest immer "döu sal," 755 

daz ich enweiz zwiu ez sal. 
226' a erc diue muoter unde mich, 

daz dien wir immer umbc dich, 

sprich ein wort tiutischen ; 

ich wil dir dinen hengest wischen, 760 

ich selbe unde niht min kneht, 

lieber sun Ilelmbreht; 

daz du immer sadic miiezest sin!' 

'ey waz sakent ir gebürekin 

und jenez gunerte wif? 765 

min parit, ininen klaren lif 

sol dchein gebiirik man 

zware nimmer gripen an.' 

des erschrac der wirt vil sere. 

dö sprach er aber mßre 770 

'bistuz Helmbreht min suon? 

ich siude dir noch hinte ein huon 

und brate dir ab einez, 

daz rede ich niht meines. 

und bist duz niht Helmbreht, min kint, 775 

747. liebe swester kiodekin a, liebe kindelein b. 748. Des mag er 

wol b. 750. Pistu b. 751. gcsvunnen ab. 753. unser vonle n 
b, vnsere vordere a. 755. du sprachest ymmer a. deus b. 

758. das dienen — vinb d. ab. 759. Nu spr. ein w. endeutsche fr. 
760. Dein pfärt wil ich dir wische b. 761. selb b, selben a. 

mein b, dein a. 763. immer fehlt b. 764. sackent a, sagt b. 
gebäurelein b. 765. Vnd dicz ungerte wief /;. 766. Mein pert 

und mein chlare lief b. 767. Sol dehain gepurick man a, Sol de- 

cbein gebaureckein man b. 768. gryppen b, gegripen a. 770. da a. 
772. Ich hais sieden dir ain hün b. 773. ab] aber a, darzü b. 
eines a, aines b. 774. maines b. s. zu 398. 775. Bistu aber 



348 HELMßUECHT 

Sil ir ein ßeheim oder ein Wiiil, 
so vart hin ziio den Winden, 
ich han mit niinen kinden 
weizjjol vil ze schalFen: 

ich gibe ouch keinem pfafl'en 780 

uiht wan sin barez relit. 
Sil irz null llelmbreiit, 
hei ich dan alle vische, 
irn Iwaht bi jnineni lische 

durch ezzen nimmer iwer hanl. 785 

Sit ir ein Salise od ein Bräbanl, 
461' b oder sil ir von Wallien, 

ir miiezel ez in iwer nialhen 

mit iu hän gefiierel. 

von iu wirl gerüerel 790 

des minen niht zeware, 

und waer diu naht ein järe. 

ich enliän den mete noch den win : 

junkherre, ir sult bi herreu sin.' 

Nu was ez harte späte. 795 

der knabe wart ze rate 
in sin selbes muote, 
'sam mir got der guole, 
ich wil iu sagen wer ich si. 
ez ist hie nindert nahen bi 800 

ein wirl der mich behalte, 
niht guoter witze ich walle 
daz ich min rede verkere : 
ichn tuon ez nimmer mere.' 
er sprach 'ja bin ich ez der.' 805 

der vater sprach 'nu saget, wer?" 
'der da heizet alsam ir.' 

nicht mein kint b. 780. dhaiuem a, decliaine b. 782. irs a, 

ir ez b. 783. Vnd bet ich a. v. b. 784. Ir entwacht b, ir 

twacht a. 786. oder ab. 78S. So möcht ir ew' malhen b. 

789. mit euch a, Mit euch wol b. 790. Von euch wirt nicht g. und 
791 ebenfalls nicht a, Von euch so wirt g. b. 794. bey den her- 

ren a. 796. Des ward der chnapp zerate b. 799. iu] euch ab: 

in? 804. Ich eotiin 6, ich tun a. 805. ich es b, icbs a. 

806. 808. vater a : wirt h. 



HELMRRECHT 349 

der vater s|ir;«oli (Ini nennet mir. 
ich bin j^elieizen llolinbrehl; 

iwer sun und iwer knelil 810 

was ich vor einem jare : 

daz sage ich in zeware. 

der vater sprach ' nein ir. 

'ez ist >vär.' 'so nennet mir 

min ohsen alle viere/ ^ 815 

daz tuon ich vil schiere. 

der ich do wilen pdcgte 

und minen gart ob in wegte, 

der eine heizet l wer; 

ez wart nie gebüwer 820 

so riche noch s6 wacker, 

er za>me üf sinem acker. 

der ander der hiez Ra-ime; 

nie rint so genwme 

wart geweten under joch. 825 

den dritten nenne ich in noch : 

der was geheizen Erge. 

ez kunit von miner kerge 
461*' b daz ich si kan genennen. 

weit ir mich noch erkennen? 830 

der vierdc der hiez Sunne, 

ob ichs genennen kunne, 

des lat mich geniezen, 

heizet mir daz tor üf sliezeo.' 

der vater sprach ' tiir unde tor, 835 

da solt du niht sin lenger vor; 

beide gadem unde schrin 

sol dir allez offen sin.' 
227* a Unsolide si verwazen ! 

812. zware a, fiirware b. 813. spr. zwar nain ir b. 816. Das 

tu ot ich V. seh. b. 817. da ab. 819. ower a, awer b. 

820. gepaur a, gebawer b. 821. So reich noch also w. b. 

822. seine b. 823. der hiePs a, haisset b. länie b, rame a. 

824. Ain r. also g. b, 825. Ward nye g. b. 8'2t). So nenn 

ich euch den dritten noch b. 828. k8int b. 829. ich sy b, 

ichs a. 831. fler haisset s. b. 832. ichs a: ich sy b. 

833. mich niT g. b. 839. On selde a. 



;{5ü IIELMBRECHT 

ich bin vil gar erlazeii 840 

so guoler harideluiige 
als do het der junge, 
sin phiirt wart enphettet, 
im selben wol gebettet 

von swester und von muoter. 845 

der valer gap daz fuoter 
weizgot niht mit zadele. 
swie vil ich var enwadele, 
so bin ich an deheiner stete 
da man mir tuo als man im tetc. 850 

diu muoter rief die tohter an 
'du solt loufen und niht gan 
in daz gadem unde reich 
einen polster unde ein küsse weich,' 
daz wart im under den arm 855 

gelegt üf einen oven warm, 
da er vil sanfte erbeit 
unz daz ezzen wart bereit. 
Do der knabe erwachet, 
daz ezzen was gemachet, 860 

und er die bende het getwagen, 
hoert waz für in wart getragen, 
ich wil iu nennen d'ersten trabt: 
wair ich ein herre in hoher aht, 
mit der selben rihte 865 

wolte ich haben phlihle : 
ein krül vil kleine gcsniten ; 
veizt und mager, in bcden siten, 
ein guot fleisch lac da hi. 
beeret waz daz ander si: 870 

842. als da hat a, Als alda hei b. 844. Im selb ward wol g. b. 
847. zadel b, zodel a. 848. wie ab. entwadel ab. enwadele 
hin und her, vage, ir sia fuor anwedele, sam vor dem wint diu ve- 
dere und ouch daz loup gerne luol Wcvnh. Mar. 154, 28. wadalön 
vngari Gvajf 1, 777. 851. riieirt a. 855. uuder seinen arm b. 
857. sauFl auf erbait b. 859. chnappe h. erwachte a. s. Lachm. 
zu fValth. 36, 33. 860. gemachte a. 861. het zwagen a, hat 

getwagen b. 803. die ersten a b. 864. in a : von b. 

867. vil a: was vil b. 870. Nu höret b. 



HELMnilECHT 351 

462* /> ein veizicr ka'se, der w;is mar; 
diu rillte wart f^elrayeii dar, 
nu lurrl wie ich daz wizze. 
nie veizler gans an spizze 

bi liiire warl j^ebrAlen : 875 

mit willen si daz t;\ten, 
ir delieinen es verdröz; 
si was micliel unde groz, 
gelich einem trappen ; 

die sazl man für den knappen. 880 

ein luion gebraten, einz versoten, 
als der wirt liet geboten, 
diu wurden ouch getragen dar. 
ein herre nwme der spise war, 
swenn er gejeides phla.'ge 885 

und üf einer warte l«g'e. 
noch spjse maneger bände, 
die gebure nie bekande, 
also guote lipnar, 

truoc man für den knaben dar. 890 

der vater sprach und bei ich win, 
der müeste hiute getrunken sin. 
lieber sun min, nü Irinc 
den aller besten ursprinc 

der üz erden ie gefloz ; 895 

ich weiz nilit brunnen sin genöz, 
wan ze ^^ ankliusen der: 
den Iregt et uns nu nienian her.' 

Do si dö mit l'reuden gäzen, 
der wirt niht wolle läzen, 900 

872. ward a, ward auch b. 874. spizze, s. zu Engel/i. 2213. 

875. bcy dem feur a. 877 nach 878 b. 877. ir dbaincs des v. a, 
Ir dehaines des v. b. 880. knaben (: trappen) a. 881. aines v. a, 
vnd aios v. b. 882. Der wirt daz bet gepotten b. 884. näm b, 

nam a. 885. Wen b, wann a. gejägcs b. 888. erkande b. 
889. als guot a, Xnd also güle b. 890. Die trüg — chna|)pen d. b. 
892. ra'dste b, muesset a. heut a, beint b. 893. min fehlt a. 

895. Der aus der e. b. 89G. nicht prunncn a, nyndert b. 

897. Dan ze leubenbach der b. 898. Den trait uns aber nü nye- 

man her b. 899. da sy do mit u, Do sy mit b. 



352 HELMBHECHT 

er fragte in der inaere 

wie der hovewis waerc 

da er waere gewesen bi. 

'sage mir, sun, wie der si ; 

s6 sag ich dir denne 905 

wie ich etewenne 

bi minen jungen jaren 

die liule sach gebären.* 

'valer min, daz sage mir; 

zehant so wil ich sagen dir 910 

wes du mich fragen wil: 

der niuwen site weiz ich vil.' 
' Wilen dö ich was ein knehl 
462'' b und mich diu ene Helmbrehl, 

der min vater was genant, 915 

hin ze hove het gesant 

mit kaese und mit eier, 

als noch tuot ein nieier, 

dö nara ich der rilter war 

und markte ir geverte gar. 920 

si wären hovelich unde gemeit 

und künden niht mit schalkheit, 

als nü bi disen zilen kan 
227*" a nianic wip und manic man. 

die ritter beten einen site, 925 

da liebtens sich den frouwen mite. 

einez ist buhurdiern genant; 

daz tet ein hoveman mir bekant, 

do ich in fragte der mare 

wie ez genennet wa^re. 930 

si fuoren sam si wollen toben 

(dar umbe hörte ich si loben), 

902. der hofweifz a, der hofweyse b. 906. etlwenne a, entwenne b. 
908. sacli a: da sacli b. 911. Wes du wilt fragen mich b. 

912. siten a. Der neuwen siten weis ich dich b. 913. Der vater 

sprach do ich waz chnecht b. 916. Hiucz ze b. hat a. 

917. käs b, käsen a. frauetid. 297, 4 mit gel zendal gefurrirt wol. 
vergl. 1331/. 1343 J^. 919. da a. 920. merckte ab. 

921. hoflich a, schön b. 923. nü b, man a. 926. liebten sy 

sich ab. 928. mir ein hofeman a, mir ainer do b. 932. hört a, 



llELMBKECIir 353 

ein schar hin, diu ander her; 
ez fuor diser unde der 

als er enen wolle slözen. 935 

undcr niinen gcnözen 
ist ez selten geschehen 
daz ich ze hove han gesehen, 
als si danne daz getAlen, 

einen tanz si danne traten »J/jO 

mit hochvertigeni gesange : 
daz kürzt die wile lange. 
vil schiere kam ein spilman ; 
mit siner gigen huoj) er an : 
dö stuondcn üf die frouwen ; 945 

die Diöhl man gerne schouweu; 
die ritter gegen in giengeu, 
bi handen si si vieugen. 
da was wunne Überkraft 

von frouwen und von ritterschaft 950 

in siiezer ougen weide, 
junkherren unde meide, 
si tiinzten froeliche, 
arme unde riche. 

als des danne nie me was, 955 

463* b so gie dar einer unde las 
von einem der hiez Eruest. 
swaz ieglich aller gernesl 
wolte tuon, daz vander. 

dö schoz aber der ander 9()0 

mit dem bogen zuo dem zil. 
maneger freude was da vil : 
euer jagte, diser birste. 
der dö was der wirste, 

so hört b. 934. dirr b. 935. enen a: den andern 6. 

940. danne a : da b. 942. die a ; in die b. 943. kom dan ein b. 

945. da a, So b. 946. möcht a, macht b. 949. Da was dan 

wun vn über chraft b. 954. Bald arm b. 955. des dann nym- 

mer a, daü des nicht mer b. 958. was jeglicher (mit ei b) ab. 
900. da a, So b. 962. froden b. 963. einer jaget a, Ainer 

rait b. diser pirset a, dirr pirste 6. 964. da ab. wirste b: 
wirset a. 

Z. F. D. A. IV. 23 



354 HELMBRECHT 

der wa^rc uns nu der beste. 905 

wie wol ich elewenne wesle 
waz Iriuwc und cre nierte 
e ez valscheit verkßrte ! 
die valschen und die lösen, 

die diu reht verbösen 970 

mit ir listen künden, 
die herrn in dö niht gunden 
ze hove der spise. 
der ist nü der wise, 

der lösen undc liegen kan ; 975 

der ist ze hove ein werder man 
und hat guot und ere 
leider michels mcre 
danne ein man der rehle lebet 
und nach gotes hulden strebet. 980 

als vil weiz ich der alten site. 
sun, nü 6re mich da mite 
und sage mir die niuwen.' 
'Daz tuon ich entriuwen. 
daz sinl nü hovelichiu dinc : 985 

" trinkä, herre, trinkä trinc! 
trinc daz üz ; s6 trinke ich daz. 
wie möhte uns immer werden baz? ' 
vernim waz ich bediute. 

e vant man werde liute 990 

bi den schoenen frouwen : 
nü muoz man si schouwen 
bi dem veilen wine. 
daz sint die hoehsteu pine 

den äbent und den morgen, 995 

wie si daz besorgen, 
ob des wins zerinne, 

965. uns fehlt a. 966. hey wie wol a. etwenne h, elweii a. 
968. die valschait a, die valhait h. 970. verbösen b. 972. her- 

ren a b. 973. Da zu hof b. 983. der neuwen b. 984. lunn o, 
tu Ol b. 986. trincke tringk a. 987. aus a, fehll b. 

989. V. recht was ich b. b. 994. Da sint h. 997. weines 

zerynne a, weines zrinne b. 



HELMBHECIIT 355 

wie der wirt gewinne 
/jfi.'i'' h einen der si als guot, 

da von si haben liolien nuiot. 1(100 

daz sint ml ir niinno, 

"vil siiczc lilgcbinnc, 

ir sull füllen uns den niaser. 

ein äffe unde ein narre waser, 

der ie gesente sinen lip 1005 

für guolen win unibe ein wip. ' 

swer liegen kan, der ist geiueit; 

Iricgcn daz ist hövischeit; 

er ist gefücge, swer den man 

mit guülcr rede versiiidcn kan; 1010 

227*^ n swer scliillet sclialcliclie, 

der ist ml tiigentriche. 

der allen leben, geloubet mir, 

die du lebent alsam ir, 

der ist nu in dem banne 1015 

und ist wibe und manne 

ze genoze als mtere 

als ein hähaere. 

aht und ban daz ist ein spol/ 

Der valcr sprach 'daz erbarme goi 1020 

und si im immer gekleit 

daz diu unrelit sint s6 brcil. 

die allen turnei sint verslagen, 

und sint die niuwen für gelragen. 

wilen hörte man kroyieren so, 1025 

999. Ainen andern der sy also gilt b, 1001. das sint nu ir bricfe 

von niynne a. Das sint ir brief vnd minne b. ich habe bricfe von 

nicht lilofs di'.i verses wegen gestrichen, sondern weil es für den ge- 
dankcn, hier wo von keiner botschaft die rede ist, und Jur den ge- 
gensatz zu 990 y. unpassend schien, der plurulis minue mag die ün- 
derung veranlafst haben. 1002. leitg. a, laidg. b. 1003. ir solt 

f. vnns d. maser a, \5 füll vns wol den naser b. 1004. unde 

fehlt b. wasscr b. 1007. wer ab. 1008. hofischait a, 

liöbpschait b. 1009. wer a, nü wer b. 1011. wer ab. 

1013. lebüt b. 1014. lebent a: lebüt b. 1015. Die sint b. 

lOlC. Vnd sind b. 1017. Zu genes also m. 6. 1018. Alsam b. 

1020. vater] alle a, alt b. 1022- berait a. 1025. horl ah. 

23* 



356 HELMBRECHT 

"heya, rillcr, wis et frö!" 

ml kroyicrt man durch den lac 

"jagä, riller, jaga jac ! 

sticha slich ! slahä slach ! 

slümbcl den der e gesach ; 1030 

slach mir dem abe den luoz ; 

luo mir disem der hende buoz : 

du soll mir disen hähen, 

und enen riehen vahen, 

der git uns wol hundert phunl.' 1035 

'Mir sint die site alle kunt. 
vater min, wan daz ich enwil, 
ich trouwe dir gesagen vil 
niuwan von den niuwen siten. 
ich rauoz slafen; ich han vil gerilen; lO^iO 

464" b mir ist hint ruowe not/ 
dö täten si als er gebot, 
lilachen was da fremde ; 
ein niwewaschen hemde 

sin swester Gotelint do swief 104 5 

über daz bette da er slief 
unz ez höhe wart betagel. 
wie er nü vert, daz wirl gesagel. 

Ez ist biliich unde reht 
daz der junge Helmbreht 1050 

üz ziehe, ob er iht bringe 
von hove gämelicher dinge 
dem vater der muoter und der swester. 
ja zewäre, unde wester 

waz ez allez wa;re, 1055 

ir lachtet der msere: 
dem vater er bräht ein welzeslein, 

kroyren a, grogieren b. 10^6. Heya b, hell a. wis ot b, we- 

set a. 1027. kroyeret a, grogiert b. 1028. iage rinder iagc iag a. 
1029. schlahe schlach a. 1031. disem b. 1033. Vnd lü mir 

dem b. 1034. vnd enem r. nahen a, Vnd ainen r. vahen b. 

1035. Der uns geh wol 6. 1038. Ich getraut b. 1039. Nü wan 

von b, nun von a. 1040. \\\ fehlt b. 1042. da tetten a. 

1043. was da a, waren im b. 1044. new waschen b, new gewa- 

schen a. 1047. was b. 1056. lachet a, lachet gnüg b. 1057. er 



HEL.MIJUECHT 357 

(laz nie nispüer dclieiii 

in kunipf bczzern j;cbanl, 

und eine scgenso, (laz nie lianl lOHÜ 

so guolc gezöcli diirdi daz gras : 

hey welch geburkleinol daz was! 

und bralil im ein bilc, 

daz in nianej^cr wile 

gesmidl so guolez nie kein sniil, lOGu 

und einen haken dfi mit. 

einen fulispelz so guoler, 

den brahl er siner muoter, 

Helmbreht der junge kuabe: 

den zAch er einem pCaH'en abe ; 1070 

ob erz rouble oder sUele, 

vil ungernc ich daz ha'le, 

w'ier ich sin an ein ende konien. 

einem krämer het er gnomeu 

ein sidin gebinde; 1075 

daz gap er Golelinde, 

und einen borten beslagen, 

den billicher solle tragen 

eines edelen mannes kint 

dan sin swesler Gotelint. 1080 

dem kneble schuoh mit riemen. 

die het er ander niemen 

464'' b so verre gefiieret 

noch mit banden gerüeret. 

so hövesch was Helmbreht: 1085 

bracht b, bracht er a. eineu a, ainen b. 1058. mader ab, 

1059. kunipf, s. Schmeller 2, 302. lOGO. ein (ain b) segens ab. 

1062. hey welch gepawr klainat das was a, fehlt b. 1063. im auch 
ain b. b. 1065. geschniit a, Gesmitt b. chain b, dhain a. 

1066. vnd ain hagiieu daniit a, Vnd ain hollzhackeu auch mit b. 

1067. so guoter] ähnlich siden — der guoten, roc und mandel des 
guuten, in den bcispielen bei Lachm. Nib. 353, 2. 1071. ers a, 
er es b. 1073. kumen a. 1074. gcnomen a, genumcn b. 
1075. ein seyden gepinden a, Ain seydine binden b. 1076. das g. 
er Gotlinden a, Die g. er götlinden b. 1077. port abgeschlagen a, 
borten wol beslagen i;. 1081. d. kn. schuche mit r. a (i'er/j7. 1087). 
Dem chnecht bracht er schüchrienien b. 1082. anders b. 

1083. -Vlso b. 1085. so hübsch a, Also gar hübsch b. 



358 HELMBRECHT 

weere er noch sins vater kiieht. 

er hei in hlzen äne schuoch. 

dem friwibc ein houbettuoch 

braht er unde ein bcndel rot; 

der zweier was der dierne not. 1090 

Nu sprechet wie lange si 
der knabe dem vater bi. 
sibcu tage, daz ist wAr. 
diu wile dühto in ein jar 

daz er niht enroubte. 1095 

227^ a zehant er urloubte 

von vater und von niuoter. 

' neina, lieber sun vil guoter. 

ob du trouwest geleben 

des ich dir hau ze geben 1100 

immer unz an min ende, 

so sitz und Iwach dine hende; 

genc niuwan üz unt in. 

sun, tuo die hovewise hin ; 

diu ist bitter unde sür. 1105 

noch gerner bin ich ein gehör 

danne ein armer hoveman 

der nie huobegell gewan 

und niuwan zallen zilen 

uf den lip muoz rilen 1110 

den äbent und den morgen 

und muoz dar under sorgen 

swenn in sine vinde vähen, 

stümbeln unde bähen.' 

'Vater' sprach der junge, 1115 

diner handelunge 
der solt du immer haben daoc. 

1086. waer a, Vnd war b. seines vaters a. 1089. einen a. 

1090. die zway warn a. 1092. d. knabe dem a: D. chnappe alda 

dem h. 1094. in wol ain j. b. 1095. raubete a. 1090. vr- 

lanbete a. 1101. Ymmer vncz an h, vnd ymmer an a. 

1102. dein ah, 1103. Ge nü wan b, gee nur a. 1106. pawr a. 
1108. hüb gelt b. 1109. nü wan ze a. b, nun zu a. a. 

1113. wenn ab. sein veinde h, sein veint a. 1114. Vnd Stum- 

meln oder b. b. 



HELMUUECHT 359 

(iocli Sit ich iiilil wiiics tranc 
des ist iiiiir dauiie ei» woclie : 
des ^ürle ich drier loche 1120 

au der giirtel nitri hiiihiiidcr. 
ich nuioz el hahcii riuder 
6 diu linke jjeslö 
405" b an der slat dA si was e. 

ez werdeul phliicge gesilmel 1125 

und riuder üf gerümcl 

6 mir der li|) geraste 

und aher wider geniasle. 

mir hat ein richer getan 

so leide daz mir nie mau 1130 

als vil getan hat. 

über mines toten sät 

sach ich in eines riteu. 

niöht et erz erbiten, 

er giltet mir mit hout'eu. 1135 

sine rinder niiiezeu loufeu, 

siniu schäl', siuiu swiu, 

daz er dem lieben toten min 

also zertrat sin arbeit : 

daz ist mir inneclichen leil. 1140 

noch weiz ich einen riehen man, 

der hat mir leit ouch getan, 

der az zuo den kraphen bröt : 

rieb ich daz niht, so bin ich tot. 

noch weiz ich einen riehen, 1145 

daz mir sicherlichen 

deliciner leider nie getete^ 

durch eines bischoves bete 

wolt ich ez niht enlän 

daz er mir leides hat getan.' 1150 

1118. Doch seint i. n. wein Ir. b. 1119. lue b. 1121. min 

fehlt h. 1122. ot b. 1123. ringgc mir g. b. 1125. wer- 

den ab. 1129. reicher a, richter b. 1131. Also vil zelaid g. 

h. b. 1132. tüten a, guten b. 1134. uiohl et ers a, Miicht ers b. 
113G. Sein b. Wii. tötten a, gute b. 1139. betrat b. 

1142. Der mir auch laidc hat g. b. 1143. Der aufz zu dem b. 
1144. ieb fehlt b. 1149. wolt Ichs n. lan «. 



360 HELMßRECIIT 

der vater sprach 'waz ist daz?" 

'er lie die giirlel nider baz, 

do er saz ob sinem tische. 

hey waz ich des erwische 

daz du heizet sin! 1155 

daz mnoz allez wesen min 

daz im ziuht pfluoc unde wagcu. 

daz hilfet mir daz ich sol tragen 

gewant ze wihnahten, 

swie ich daz mac betrahten. 1160 

wes w«nt et er vil tumber gouch, 

zwäre und etelicher ouch 

der mir herzen leit hat getan ? 
465*" b liez ich daz angerochen stän, 

so wsere ich niht ein frecher. 1165 

der blies in einen becher 

den scbüm von dem biere : 

und raeche ich daz niht schiere, 

so würde ich nimmer frowen wert, 

zwäre, und solte ouch nimmer swert 1170 

gürten umbe mine siten. 

man hoeret in kurzen ziteu 

von Helmbrehte mare 

daz witer hof wirt Ijere ; 

und vinde ich niht den selben man, 1175 

s6 tribe ich doch diu rinder dan.' 
Der vater sprach ' nü nenne mir, 

daz ichz immer diene hin ze dir, 
227* a dine gesellen die knaben 

die dich daz geleret haben 1180 

daz du dem riehen manne 

sine habe nemest danne, 

1152. nid* h, weiter a. 1154. Ey b. 1157. zeuhet ab. 

1159. G. zu disen w. b. 1160. wie ab. getrachten h. 

1161. waeoet et a, wänet b. 1163. hat herczelaid g. b. 

1166. Er b. 1168. und fehlt b. 1170. Oder ich solle n. sw. b. 

1171. Gegürten b. vmb mein a, vmb meine b. 1172. hört a. 

1173. Helmprechten a, helmprechte b. 1175. nnA fe/ilt a. 

1177. DO nenne m. a, sun mene m. b. 1178. Das dien ich ymmer 

gegen dir b. 1179. Dein g. die bösen chn. b. 1182. habe b: 



IIELMBRECHT 361 

so er zuo de» kraphen izzcl brol ; 
die nenne mir, des ist mir nöl.' 

' Daz ist min geselle Lemberslinl 1185 

und Slickenwider ; die zweue sinl 
von den ieh lian die 16re. 
noch nenne ich dir möre. 
Hellesac und Uiilelschrin, 

daz sint die schuolmeisler min, 1190 

Küefräz und Müschenkelch. 
nü sich, lierrc vater, welch 
knaben sinl an der schar, 
die sehse ich hau {^eucnnel gar. 
min geselle Wolfcsguome, 1195 

swie liep im si sin niuonie 
sin base sin ceheim und sin veter, 
und waere ez hornunges weter, 
er lat niht an ir übe 

dem manne noch dem wibe 1200 

einen vaden vor ir schäm, 
den fremden und den künden sam. 
min geselle Wolvesdriizzel, 
466* b üf tuot er äne slüzzel 

alliu sloz und isenhalt. 1205 

in einem järe ich han gezall 

hundert isenhalt gröz, 

daz ie daz sloz danne schöz, 

als er von verren gie dar zuo. 

ros ohsen unde manic kuo 1210 

ungezalt sint beliben 



'o* 



habest a. 1183. zudem b. 1185. er sprach das ist jnein a, Er 

sprach mein b. 1186. Schlickenwider a, sleich wider b. 

1187. die] dise ab. 1189. Helle sach b. 1191. gemüschte kel- 

che unter den verbotenen pfätidern im baierischen landrecht, bei 
Schmeller 2, 642. 1193. Chnappcn das sint b. 1194. die sechsse 
(sechs b) han ich ab. 1195. wnlfsgiim (: miim) b. 1196. wie a 6. 
1197. das letzte sin fehlt b. 1198. der febriiar ist erwähnt wie 

bei JValther 28, 32 nü cnrürhte ich niht den hornunc an die zchcn. 
1200. noch b: vnd a. 1201. vor b: an a. 1202. Dem frömdea 

vnd künden sam b. 1203. Vnd mein b. 1206. han ich ab. 

1208. danne b. 1210. mauige a. 1211. die ung. sint b. ab. 



36-.> HELMBRECIIT 

diu er uz hove hat gelribeu, 

daz ie daz sloz von siner stal 

schöz, swenu er dar zuo trat. 

noch hau ich einen compan, 1215 

daz nie knappe gewan 

einen nanien also hovelich ; 

den gap im diu herzoginne rieh, 

diu edele und diu frie, 

von Nönarre Narric : 1220 

der ist geheizen Wolvesdarni. 

ez si kalt oder warm, 

roubcs wirt er nimmer vol. 

diupheit tuot im s6 wol, 

der enwirt er nimmer sat. 1225 

einen fuoz er nie getrat 

üz der iibele in die giiele. 

im strebet et sin gemüele 

gegen der übeltäte 

als diu krä tuot zuo der saete.' 1230 

Der vater sprach ' nü sage mir 
wie si sprechen hin ze dir, 
ieglich din geselle, 
so er dir riiefen welle.' 

'vater min, daz ist min name, 1235 

des ich mich nimmer geschame, 
ich bin genant Slintezgeu 
die gebüren ich vil selten freu 
die mir sint gesezzen. 

ir kint miiezen ezzen 1240 

uz dem wazzer daz koch. 

1212. die ab. hofe a, höfen b. 1214. schos wenn — Ir. a, 

Fürder schos wan er dar trat b. 121"). kumpan b. 1216. knabe 

g. a, chnappe me g. b. 1217. als b. 1220. von Nonarre Na- 

reye o, Von navarre hylarye b. 1221. wolfsda'm b, Wolfftami a. 
1224. also b. 1225. wirt b. 1227. aus der vbel a, Ans übel b. 
1228. strebt a, strebt ot b. 1229. Gein d. üblen t. b. 

1232. Lieber sun wie sprechiis dir b. 1234. dir rütfea b, dich 

riieffen a. 1235. mein n. a, ain n. b. 1236. D. i. m. vil wenich 
scbam h. 1237. genant Slinlzgew a, genennet slinczgew fc. 1238. vil 
selten frew a, wenich fr8w b. 1240. kinder b. 1241. choch 6: 



HELMBRECnr 363 

leider tuoa ich in noch : 
dem ich daz onjje üz drücke, 
466'' b discn howe in den rücke, 

disen binde ich in den ameizsloc, 1245 

enem ziiihe icii den loc 
mit der zange üz dem harte, 
dem andern rize ich die swarle, 
enen mülle ich die lide, 

disen henke ich in die wide 1250 

bi den sparradern sin. 
daz die biiren hant daz ist min. 
swa unser zchen riten, 
ob unser zweinzcc erbiten, 

daz ist umb alle ir ere, 1255 

227' a ob ir noch wiere mere.' 

' Sun, die du da nennest, 
swic wol du si erkennest, 
baz dan ich, vil liebez kint, 
doch swie ra*ze si da sint, 1260 

so got wil selbe wachen, 
so kan ein scherge machen 
daz si tretent swie er wil, 
waer ir noch dristunt als vil.' 

' V ater, daz ich 6 tete, 1265 

hin für durch aller künege bete 
wolle ich sin nimmöre tuon. 
nianege gans und nianic huon, 
rinder k.'cse unde fuoter, 

han ich dir und miner muotcr 1270 

gefridct vor miner seilen vil: 
des ich nu niramöre tuon wil. 

vergl. Sclimeller 2, 278. 1242. Dar zu lün ich in leider noch b. 
1244. habe a, plow b. 1245. Den b. 1246. Diseni z. i. seinen 

1. b. 1247. Zangen b. 12 49. einem niiillc a, Aine inüll b. 

1250. bengk a, heog b. 1251. sparr ädern a : vergl. Schmeller 

3, 574. 1252. baure habüt b, gepaurn band a. 1253. VVa b, 

wo a. 1257. Er sprach snn ab. 1258. 1260. 1263. wie ab. 

1261. selbe b: selber a. 1265. er sprach vater ab. 1267. Wil b. 
nymmer ab. 1268. manig g. a, Manicb g. b. 1271. meiner ge- 

sellen vil a, meinen geselle vil b. 1272. nymmer tuon a, nicht 



364 HELMBRECHT 

ir sprechet alze sere 
frunien knabeii an ir 6re, 

der delieincr nimmer missetuol, 1275 

er roube, er stele daz guol. 
hetet irz nilit verkallel 
noch s6 vil üf uns geschallel, 
iwer tohter Gotelinde 

die wolle ich Lemberslinde 1280 

mime gesellen hän gegeben ; 
so bete si daz beste leben 
467" b daz ie wip bi einem mau 
in der weite ie gewan. 

kürsen manlel linwat, 1285 

als ez diu kircbe beste hat, 
des gäbe er ir den vollen bort, 
hetet ir so scherphiu wort 
gegen uns niht gesprochen. 

und woltes alle wochen 1290 

ein iteniuwez siegerint 
ezzeu, daz bete Gotelint. 
nü hoere, swesler Gotelint, 
dö min geselle Lemberslint 

mich von erste um dich bat, 1295 

dö sprach ich an der selben slat 
"ist ez dir beschaffen unde ouch ir, 
daz soll du wol gelouben mir 
daz ez dich nicht sol riuwen. 
ich weiz si in den triuwen, 1300 

des wis gar an angest, 
daz du iht lange hangest, 
si slahe dich mit ir baut abe 
und ziehe dich zuo dem grabe 
üf die wegcscbeide. 1305 

entüa b. 1273. Du spricliest als zusere b. 1274. chnappen b. 

1275. dbainer a, dechainer b. 1276. daz ist gut b. 1277. het a, 

Hett b. 1279. Gotlinden a, götlinden b. 1280. Lemperslinden ab. 

1281. meiiicni a, Meine b. 1284. ze der weite a. 1287. geb ab. 

1288. het ab. scherphe a, scbiirpfleiche b. 1290. wolt sy ab. 

n^l fehlt b. 1296. da a. 1299. bereuwen b. 1302. nicht b. 

1303. .slach ab. 1304. zeucbt ab. dicb selb zdcin gr. b. 



IIELMBHECFIT 365 

wiroucli und niirre beide, 
vil sicher du des wesen mäht, 
da mite si dich alle naht 
umbegAl ein ganzez jar: 

daz wizze für war, 1310 

si rouchel diu fjcbcinc, 
diu fifuolc und diu reine, 
ob dir diu sa-lde widervert 
daz dir blintheit wirl beschert, 
si wiset dich durch alliu laut 1315 

wege und siege an ir haut. 
wirt dir der fuoz abe geslagen, 
si sol dir die stelzen tragen 
ze dem bette alle morgen. 

wis ouch ane sorgen, I,'i2() 

ob man dir zuo dem fuoze 
der einen hende buoze, 
407'' b si snidt dir unz an dinen tot 
beide fleisch unde bröt." 

wider mich sprach dö Lemberslint 1325 

• " nimt mich diu swesler Gotelint, 
ich wil ze morgengabe ir geben, 
daz si dester baz mac leben, 
ich han voller secke dri, 

die sint swa're als ein bli. 1330 

der eine ist vol uuversniten 
klein linin tuoch in den siten, 
swer sin ze koufe gert, 
diu ein ist fünfzehn kriuzer wert: 
die gäbe sol si prisen. 1335 

in dem andern ligent risen, 

1306. inirre die baide a, mirrc die baiden (: wegscbaide) b. 
1310. D. gelaub mir für w. b. Kili. daz dir die [A. a. 

1310. weg vnd steg ab. 1320. iiii alle s. b. 1321. dir zu dem 

fues3e a, dir zu dem fiisse b. 1322. bufse b, puessc a. 1323. sney- 
det b, schneidet a. 1325. da a. 1327. ze (Zu b) morgengab 

wil ich ir g. ab. 1330. als a : sam b. 1332. kiain leynen- 

luoch a, Chlain lyncyn tüch b. 1333. ze kauffe a, da zuliofe b. 

1334. die eile ist wol fünftzehen kreutzer wert a. Die eil war fiinr- 
zebü hall werd b. 



m] HELMBRECHT 

vil röckel iiiide hemde 

(anmiol wirt ir fremde, 

wird ich ir man und si min wip) : 

daz gibe ich allcz an ir lip 1340 

zware an dem nächsten tage, 

und immer mer swaz ich bejage. 

der dritte sac der ist vol, 

üf und üf geschoppet wol, 

fritschäl brünät, v6he veder 1345 

dar under zwo, der ielweder 

mit scharhit ist bedecket, 

und da für geslrecket 

einez, heizet swarzer zobel : 

die hau ich in einem tobel 1350 

228" a hie nähen bi verborgen ; 

die gibe ich ir morgen. 

daz hat din vater undervarn. 

Golelint, got müeze dich bewarn ! 

din leben wirt dir süwer. 1355 

so dich nu ein gebüwer 

nimt ze siuer rehten e, 

so geschach nie wibe als we. 

bi dem muost du niuwen 

dehsen swingen bliuwen 1360 

und dar zuo die ruoben graben. 

des hete dich alles überhaben 
468'' b der getriuwe Lemberslint. 

owe, swesler Gotelint, 

diu sorge muoz mich smerzen, 1365 

sol an dinem herzen 

als unedel gebüwer, 

1337. vnd darzü b. b. 1338. ir vil fr. b. 1340. icii ir alles afc. 

1342. waz b, was a. 1343. sack ist auch vol b. 1344. gela- 

den b. 1345. Fritschat b. pruiiat n, brauriat b: s. zu En- 

gelh. 1308. vehe feder a, vech veder b. 1347. scbat- 

lar a, scbarlach b. 1350. Die h. hie pey laine kobel b. 

1351. Naben hie verb. b. 1355. säur ab. 1356. gebaur b vnd 

mit p a. 1358. als a : so b. 1359. Pey dem so müstu ncuwcn b. 
1360. d. sw. vnd pleuen a. 1361. riiben b. 13G2. het b, bat a. 
1364. awe a. 1365. die a, Dein b. 1367. gepawr a, gebaur b. 



IIELMBRECFIT IMM 

des minne dir wirt süwer, 

immer naht eiilslAfen ! 

wAlcn, lierre, walen \'Mi) 

gesclirirn über den valor diu ! 

ja enisl er nilil der valer min : 

für war wil ich dir daz saj^eii. 

dö mich miu muoter hei {^elraj^eii 

fünfzehen wochen, 1375 

dö koin zuo ir gekrochen 

eiü vil fi^efüeger hoveman. 

von dem erbet mich daz an 

unde ouch von dem loten min 

(die bede müezen sadic sin) \'^H^) 

daz ich alle niinc tage 

minen muot so höhe trage." 

Dö sprach sin swesler Golelini 
ja wsene onch ich sin kini 

von der wärheil niht ensi. 1385 

ez lac miner muoter bi 
gesellidiche ein riller kluoc, 
dö si mich an dem arme Iruoc. 
der selbe ritter si gevie, 

dö si den abent späte gie 13U(» 

suochen kelber in dem lohe: 
des stet min muot so höhe, 
lieber bruoder Slinlezgeu, 
daz dich min Irehtin gel'reu' 
sprach sin swesler Golelini, 1395 

'schaf daz mir Lemberslint 
werde gegeben ze manne; 
so schriet mir min pfanne, 

1368. sawr a, säur b. 137?. ja er ist n. a. 1374. het Ira- 

gen b. 1370 da a. 1378. Von dem so erbet h. 1379. von 

dem tüten m. a, vö den glitten m. b. 1383. da a. 1384. ia 

wanu auch ich s. k. a, Ia wen auch ich das ich s. k. h. 
1385. lebt a. 1389. ritter a: herre b. 1390. da a. des 

abendes b. 1301. in den loch b. 1392. Des stet auch mir m. 

müt hoch b. 13'J3. Vil lieber b. 1390. schaffe a, Nu schaffe b. 

1397. werde geben ze einem m. a. Gegeben w'd zu ra. b. 1398. die 
phanue b. die wile ich weiz dri hove so lobelicher manne, so ist 



3()8 HELMBRECfIT 

so ist gelesen mir der win 

und siul gefüUel mir diu sclirin, 1400 

s6 ist gebrouwcn mir daz hier 
unde ist wol gemaleii mier. 
werdent mir die secke dri, 
468** b so bin ich armiiete fri, 

so hän ich z'ezzen und ze hiil; 1405 

sich waz mir gewerren süi ! 
so bin ich alles des gewert 
des ein wip an manne gert. 
ouch trouwe ich in gewern wol 
des ein man haben sol 1410 

au einem starken wibe : 
daz ist an minem Übe ; 
swaz er wil daz hän ich. 
ez sümet wan min vater mich, 
wol dri stunt ist vester 1415 

min lip dan miner swester 
dö man si ze manne gap. 
des morgens gie si äne slap 
und starp niht von der selben not. 
ich waene ouch wol daz mir der tot 1420 

da von iht werde ze teile, 
ez si dan von unheile, 
bruoder min, geselle, 
daz ich mit dir reden welle, 
durch minen willen daz verswic. 1425 

ich trite mit dir den smalen stic 
an die kienliten; 
ich gelige bi siner silen ; 
nü wizze daz ich wäge 

vater muotr und mäge.' 1430 

Der vater niht der rede vernam 

min win gelesen unde sdset wol min pfanne If'altlier 34, 34. 

1402. Vnd ist auch wol b. mir ab. 1404. armiite b, armuot a. 

1405. ze hiil ab. 1406. gewerre siill b, gewern sül a. 

1408. an aine m. g. b. 1409. in ftidt a. 1413. Waz b, was a. 

Uli. wan] nuon a, fehlt b. 1418. one starp a. 1420. Ich traw 

auch w. b. 1425. versweige b. 1426. den sra. stige b. 

1427. kicD leiten a, chien leiten b. 1430. mueter a, müter b. 



HELMBUECHT 36U 

noch diu imioler als.ini. 

der bruodor wart zc ralc 

mit der swesler drate 
228'' a daz si im volgle von dan. 1435 

' ich gibc dich dem selben man, 

swie Icil ez diiiem vater si. 

du geligcsl Lembcrslinde bi 

wol nach dinen eren. 

diu richluom sol sich meren. 1/iU) 

will du ez, swesler, enden, 

ich wil dir herwider senden 

Ulineu holen dem du volgcn soll. 

sil du im bist und er dir holt, 
469" h iu beden sol gelinj^en 1445 

vil wol an allen dingen. 

ouch l'iiege ich dine höchzit 

daz man durch dinen willen git 

wambis unde rocke vil: 

für war ich dir daz sagen wil. 1450 

swesler, nii bereite dich; 

Lemberslint sam tuot er sich. 

gol hüete din, ich wil da hin : 

mir ist der wirt als ich im bin : 

muoler, got gesegene dich.' 1455 

hin fuor er sinen alten stricJi 

und sagte Lemberslindc 

den willen Gotelinde. 

vor freuden kusle er im die hani, 

umbe und umbe an sin gewanl, 14(50 

er neic gegen dem winde 

der da wate von Gollinde. 
Nu hoert von grozer freise. 

manec wilewe und weise 

an guote wart geletzet 1465 

1434. vil drate a6. 1437. wie ai*. 1438. leraperslinden h. 

1440. reichait b. 1441. will dus a, Willu des b. 1444. Seint b. 

1447. dein a, solche b. 1457. Leraperslinden ab. 1458. Gotelinden a, 
götlinden *. 1460. an sein g. a, an seine g. b. 1461. er naigle a. 
1462. waeete a, wate b. 

Z. F. D. A. IV. 24 



370 HELMBRECHT 

und riuwic gesetzel, 
do der helt LeniberslinI 
und sin {^enialiel Golelinl 
den briutesluol besäzen. 

swaz si trunkn und äzen, 1470 

daz wart gesamnet wilen. 
bi den selben zilen 
vil unmiiezic si beliben ; 
die knaben fuorlen unde Iriben 
üf wagen unde uf rossen zuo 1475 

beide späte unde fruo 
in Lemberslindes vater hüs- 
dA der künic Artus 
sin frowen Ginoveren nain, 

diu selbe hochzit was lam 1480 

bi der Lemberslindes : 
si lebten nilil des windes. 
do ez allez wart gerelit, 
sinen boten sanlc Helmbrehl, 
der vil balde gähte 1485 

und im die swester brähte. 
469'' b Do Lemberslint het vernomen 
daz Gotelint was komen, 
balde er gegen ir gienc : 

beeret wie er si enphienc. 1490 

'willekomen, frou Gotelint.' 
got lone iu, her Lemberslint/ 
friuntliche blicke 
undr in beiden dicke 

gegen ein ander gieugen entwer; 1495 

er sach dar, si sacb her. 

1466. Vnd rewig gar g. h. 1467. da a. 1469. preulstui a, hraiU- 

stiil b. 1470. was sy Iruncken a, Was sy da druncken h. 1471. ge- 

gammetafc. 1472. bey ö. Zu h. 1474. chnappen fo. 1475. Auf 

wägen vnd b, vnd fiierten a. 1477. vaterhauss a. 1478. da a. 

1479. Gyaoueren b, Ginoferen a. Ii84. sant h, sendet a. 148 j. der 

a: Das er b. gachte a, gjicbte b. 1486. die sw. brachte a, sein sw. 

brächte b. 1487. het a, das het h. 1489. Wander bald er gein ir 

g. b. 1490. Nu höret b. 1491. fraw a fc. 1492. sprach got a, 
Sy sprach got h. her fehlt n. 149:5. Vil h. hl. b. 



HELMBREGHT 371 

Lcmbcrslint scIiAz sinoii bolz 

mit geliiej^en worlen slol/. 

gegen (iotelinde : 

daz galt si Leinberslinde 1500 

uz wiplichcin munde 

so si beste kundc. 

Wir suln Gotelinde 
geben Lemberslinde 

und suln Lemberslinde 1505 

geben (iotelinde. 
uf stuont ein alter grise, 
der was der worte wise, 
der künde so gctaniu dinc. 

er Stalles beide in einen rinc; 1510 

er sprach ze Lemberslinde 
' well ir Gotelinde 
oliclien ucmen, so sprechet J4/ 
gerne' sprach der knabe sä. 
er fragte in aber ander slunt : 1515 

gerne' sprach des knaben raunt. 
228" n ze dem dritten male er dö sprach 
' nemt ir si gerne?' der knabe jach 
so mir sele unde lip 

ich nim gerne ditze wip. 1520 

do sprach er zuo Gotliude 
'weit ir Lemberslinde 
gerne nemen zeinem man?' 
'ja, herre, ob mir sin got gan. 
' neml ir in gerne?' sprach ab er: 1525 

li99. gegen Gollinden a, Gein jückfraw göllinden b. 1500. 1504. 

l.)ll. Leinpcrslinden ah. 1503. wir sollen Göllinden a, Nu sull wir 

göllinden b. 1505. 1506 /e/(/e?2 a: vergl. 1529./^. 1505. Vnd süllen 
leinperslinden b. 1506. G. göllinden b. 1507. ain alt greyser b. 
1508. weyser 6. 1509. Erb. dingen. 1510. er stellet sy baide in 
ainen ringe a. Er stall sy baid an ainen rinch b. 1512. Göllinden a, 

frawn göllinden ^. 1 514. chnappe i*. 1515. änderst, ab. 

1516. sprach aber d. chnappen b. 1518. chnappe b. 1521. da a. 
zu Göllinden a, zn göllinden b. 1522. VV. ir Leinperslinden a, Vnd w. 
ir leniperslinden b. 1523. zu ainem ab. 1525. gern spr. aber er ab. 
die versschlüfue ab er und was e 1124 befremden bei diesem dichter so 
wenig als die ähnlichen bei Neidhart die Lachm. z. Iw. s. 476 anmerkt. 

24* 



372 HELMBRECHT 

'gerne, herre ; gebt mirn her. 
470" b ze dem drillen male 'well irn?' 
'gerne, herre; nü gebt inirn.' 
dö gap er Golelinde 

ze wibe Lembcrslindc 1530 

lind gap Leniberslinde 
ze manne Golelinde. 
si sungen alle an der stat : 
lif den fuoz er ir trat. 

Nü ist bereit daz ezzen. 1535 

wir suln niht vergezzen, 
wir enschafTen anibelliute 
dem briulegomen und der briute. 
Slinlezgeu was marschalc ; 

der fülle den rossen wol ir balc. 1540 

so was schenke Slickenwider. 
Hellesac der sazte nider 
die fremden unde die künden : 
ze truhssezen wart er funden, 
der nie wart gewahre. 1545 

Rülelschrin was kamera*re. 
küchenmeisler was Kiiefraz: 
der gap swaz man von küchen az, 
swie manz briet oder sol. 

Müschenkelch der gap daz brot. 1550 

diu höchzit was niht arm. 
Wolvesguome und Wolvesdarm 
unde Wolvcsdriizzel 
lärlen manege schüzzel 

und manegen becher witen 1555 

ze den selben höchziten. 

1526. mir in her a 6. 1527. mal sprach er weit irin i». 1.528. Vil 

gerne herr b. 1529. da a. Gotlinden ab. 1530. ze w, Lemper- 

slinden a, Dem chriappen lemperslinden b. 1531. lö^l Jchfen b. 

1531. Lemperslinden a. 1532. Gotlinden a. 1537. &n fehlt ab. 

1538. preuttigam a, breütgaum b. 1539. SIeintzgew b. 1541. Do w. 
seh. sleichen wider b. 1544. trugksafs a, druchssäss b. erfunden b. 
1547. Kuefrass fl, chiifräss 6. 1548. was at. 1549. wie ab. 

1550. Att fehlt b. 1553. Vnd der chnappe wolfsdrussel b. 1554. iär- 
ten a, Secht die lärten b. 



IIELMHMKCIIT 373 

vor ilt-ii knabeii swuiil diu spisc 
in aller der wise 
als ein wiiit vi! drate 

j>i ab dem tische wAle. 15(50 

ich wjeiie iegliolier a-ze 
swaz im sin Irulisa-ze 
von kiiclieii dar Iriiej^e. 
ob der liiinl ilil nüej^e 

iiacii in ab dem beine? 1565 

daz let er vil kleine: 
wan ez saget ein man wise 
' iej^lich mensche siner spise 
unniazen s6re gäbet 
470'' b so im sin ende nähet.' 1570 

da von gählens uuibe daz, 
ez was ir junges lez maz 
daz si immer mere gäzen 
od froeliche gesazen. 

Do sprach diu brut (iolelinl 1575 

'ow6, lieber Lcmberslint, 
mir grüset in der hiute ! 
ich fiirhie fremde liule 
uns ze schaden nähen sin. 

ey vater uude rauoter min, 1580 

daz ich von iu beiden 
so verre bin gescheiden ! 
ich fiirlitc daz mir wecke 
die Lembcrslindes secke 

vil schaden unde unßre; 1585 

des fürhte ich vil s6re. 
wie wol ich heime wajre! 
mir ist der muot so swa;re ; 
niines vater arniuot 

1557. chnappen verswand b. 1302. was ab. 1563. dar gelrüge b. 
15(55. im a. 1566. vil a : harte b. 1568. yeglicher mensch a, Ain 

yegleich mensch b. 1570. ende a: lod b. 1571. gachten sy ab. 
1573. Wan es was ir jüngstes Fiss b. 1573. ymmer me b. 1574. Oder 
frbleich b, oder froelichen a. 1575. Da a. 1570. awe a. 1578. Ich 
furcht (furcht &) das fr. I. a/y. 1580. Eya ^. 1586. vil«; harte/;. 
1587. heime] daheime a, da da hayme b. 1589. vaters a. 



374 HELMBRECHT 

ii*nie ich niichels baz für guol 1590 

daune ich bin mit sorgen hie ; 

wan ich horte sagen ie 

die Hute algenieine 

daz dem würde kleine 

der ze vil welle. 1595 

diu girheit ze helle 

in daz abgründe 
228' a vellet von der sünde. 

ich verdenke mich ze späte. 

owe daz ich nü so dräle 1600 

gevolget her mim bruoder hAn ! 

des muoz ich riuvvic beslan.' 

dar nach vil schiere sach diu brüt, 

daz si da heime ir valer krüt 

het gaz ob sinem tische 1605 

für Lemberslindes vische. 
Do si nach dem ezzen 

wären eine wile gesezzen 

und die spilliule 

enphiengen von der briute 1610 

471" b ir gäbe und von dem briulegomen, 

dar nach ze haut sach man komen 

den rihter selpfünfte. 

mit der sigenünfle 

gesigete er den zehen an. 1615 

der in den oven niht entran, 

der slouf under die banc. 

ieglich für den andern dranc. 
1591. Danne das ich b. 1594. wurde (wurd 6) vil claine ab. 1596. girs- 
heit a, geiticheit b. 1599. mich nü zu sp. b. 1600. awe daz ich 

mich so dr. a, we das ich da so dr. b. 1601. meinem a, meine b. 

1603. sach a, sprach b. 1604. irs b. 1608. Waren ain weil b, wa- 
ren io weyle a. 1611. preuttigamen <z, preütgaumen b. 1612. Sa 
ziihand do sach 6. komen i ; kamen a. 1613. selb funffte a, selb 
fünften b. 1614. m. der signunfTle a, M. der sigenüften b. der plural 

mit den sigenünften vertrüge sich schwerlich mit der spräche, mit selp- 
fiinfte statt der genau richtigen accusative selben Fünften vergleicht sich 
er ertrancle swaz dö was also daz nieman dö genas der werlde keiner 
slahte biz an Noe selbahte in einem, ungedrucklen gedichte von Marien 
himmelfahrt 39 #. 1617. vnnder a, aber vnder b. 1618. yeglicher 



üliLMHIlECflT 375 

der IC viere iiilil eull(k:li, 

des sciier<:^cn kiiclit aleiiie in zocli 1020 

her dir hi ileiri luh'e. 

daz .saj!;c ich iu liir wäre, 

ein rehlci' (li»'|), swie kiiciie er si. 

slüege er eines tages dri, 

daz er sich vor dem scherjen Hi'ir) 

iiiininer inac erwerjeii. 

sus wurden si gebunden, 

die zehcn, an den slunden 

mit vil starken banden 

von des scherten handen. 1630 

(•olelinl vios ir hriulegewanl. 

hl einem ziinc mau si vant 

in vil swacher küste. 

si hei ir beide brüste 

mit handen verdecket. 1(»35 

si was unsanfte erschrecket. 

ob ir anders iht gesehiehe, 

der sage ez der daz siehe. 

got ist ein wundera5re ; 

daz beeret an dem uia're. 1640 

sliiege ein diep aleiue ein her, 

geio dem Schergen hat er keine wer: 

als er den von verreu siht, 

zehant erlischet im daz liht ; 

sin rotiu varwe wirt im gel. 1645 

swie kiiene er 6 wa;r und swie snei, 

in vaiht ein laraer scherge. 

sin snelheit und sin kerge 

die sint im alle gelegen, 

{mit ei b) ab. 1020. tbneclil den allaia zoch b. 1632. fürwartJ hier ab, 
813 6. verf;l. gr. 3, 108. wohl nichts als eine formerweiterung wie die 
au 433 bemerkten. 1623. wie ab. Iü24. Vnd sliig er b. 

I6"?5. Schergen b, scheren a. 1020. erweren ab. 1G27. sunstul». 

1631. G. verlos ir preullicb gewant a, Gölliiid verlos auch ir prent ge- 
wandt. 1633. koste a, kost 6. 1634. baider a. 1635. Mit ir 
handea gedecket b. 1638. Das sage der das s. //. 1642. Gein de b, 
gegen dem a. dhain weer a, nicht wer b. 1646. wie k«ide mal a b. 
1647. vächt b, vacht a. 1648. schnellikait a. 



376 HELMBRECHT 

so got wil selbe der räche phlegfen. 1650 

Nu lioeret den Sprüchen, 
471'' b wie die diebe kriichcu 

für gerihlc mit ir bürden 

da si erhangen würden. 

Gotelinl wart ungefreut, 1655 

dö Lcmbcrslinl zwo rindcs heul 

wurden an den stunden 

üf sinen hals gebunden. 

sin bürde was diu ringest. 

da von truoc er daz niinnest, 1660 

durch des briutegomen 6re. 

die andern truogen mer und raöre. 

es truoc sin geswie 

ruher hiute drie 

vor dem Schergen; daz was reht: 1665 

daz was Slintezgeu Helmbreht. 

ieglich truoc sin bürde mit im hin ; 

daz was der rihters gewin. 

Do wart vürsprechen niht gegeben. 
der in lengen wil ir leben, 1670 

dem kürze got daz sine ; 
daz sint die wünsche mine. 
ich weiz den rihter so gemuot, 
ein wilder woIf, gajb im der guot, 
und erbizz er allen liuten vihe, 1675 

von der warheit ich des gihe, 

1C50. der räche (räch b) wil .selber ah. 1651. nu beeret das maere mit 

Sprüchen a, Nb hört das ward (daz wort?) mit spruchen h. wie die hss. 
diesen vers überliefern verstehe ich ihn nicht, 'nun horcht auf die erzäh- 
lung' ist passend und sprachrichtig, s. gr. 4, 696. der dichter thut sich 
avf die folgende darstcUiing etwas zu gute j daher nennt er sie Sprüche. 
1652. ehrlichen b, kruchen a. 1653. purden {mit h b) ab. 1654. Do b, 
wurden ab. 1655. vngefreut ff, vngefröwt ft. 1656. Do lemperslind 
zwo rioder heut 6, da Leniperslinden zwo rinders heut rt. 1661. des 

preutligams a, das brautgaums b. 1662. truog ye mer vnd mere a, 

trüge ye mere b. 1667. yeglicher a, Yegleich* b. purde a, dich 

{d. ?. diube) b. 1669. da ward vorsprechen ab. gebü b. 

1674. gab a. 1675. und erb. er] bis (Piss b) er im vnd ab. weder das 
einfache bizen noch dafs auch des richters vieh erbifsen werden soll schien 
mir passend. 1676. das b. 



HELMHKECHT 377 

er lieze in umbe guot genesen, 

swie des doch nilil solle wesen. 

der Scherge do die iiiiiiie hie, 
228"' a den einen er d<^ leben lic 1G8Ü 

(daz was sin zehende und sin rebl); 

der biez Slinlezgeu lieliubreht. 

Swaz geschehen sol, daz gescbiht : 

gol dem vil seilen iibersibt 

der Inot des er niht tuon sol. 1685 

daz schein an Helnibrehle wol, 

an dem man den valer räch ; 

der Scherge im iiz diu engen stach. 

dannocb was der räche niht geuuoc; 

man räch die muoler, daz man sluoc 1090 

im ab die hanl und einen fuoz. 

dar nmbe daz er swacben gruoz 
472* b vater unde muoler bot, 

des leit er schände unde not. 

do er sprach zuo dem vater sin 1695 

' waz sakcnt ir gebürikin?' 

und sin muoter biez gunertez wip, 

von den siinden leit sin lip 

maneger slabte not, 

daz im lüsent stunt der tot 1700 

lieber möble sin gewesen 

dan sin scbämlicb genesen. 
Helmbreht, der diep blinde, 

schiel von Golelinde 

üf einer wegescheide 1705 

mit riuwe und mit leide. 

den diep blinden Helmbreht 

braht ein stap unde ein knebt 

beim in sines vater hüs. 

1677. 1678/fÄ/en ff. 1G78. Wie «;. 1G80. Den zelinden 6. 1681. Der 
was b. zeheadt a, zebüt b. 1(183. was ab. 1686. Iielniprechir" b. 

1688. die augea aus b. 1089. der racli nicht was b. 1690. 1691. im 
nachjaanab. 1693 erfe/i/la. 1695. da a. 1696. sagenl a. 

sagt b. vergl. 764. 1697. Vnd biet sein miiter ungcrtes w. b. 

l&^S fe/ilt b. 1699. dise inaniger slaclileu n. b. slachteii fr. 

1706. Dem blinden dieb b. b. 



378 HELMBRECHT 

er behielt iii nihl, er Ireii) in üz, 1710 

sine swaere er im nibl buozte, 

hoeret wie er in griiozle. 

'dt^ii sal, her blinde ! 

dö ich was ingcsinde 

ze hove wilen (des ist laue), 1715 

dö lernte ich disen anlvanc. 

get ir nü, her blindekin! 

ich weiz wol, an iu mac gesia 

swes ein blinder knabe gert. 

ir Sit ouch da ze Walhen wert. 1720 

den griioz sull ir von mir haben, 

also griieze ich blinde knaben. 

waz touc langez teidinc? 

got weiz, her blinder jiingelinc, 

die herberge ir mir rümet. 1725 

ist daz ir iuch sümet, 

ich läze iuch minen friman 

slahen daz nie blinde gewan 

von siegen alsölhe not. 

ez w«re ein verworbtez bröt 1730 

daz ich hint mit iu verliir. 

ir hebt iuch üz für die tiir!' 

' Neinä, herre, lät mich betagen!' 
sprach der blinde, 'ich wil iu sagen 
wie ich bin genennet; 1735 

durch got mich erkennet.' 
er sprach 'nu saget dräte. 
zöget iuwer, ez ist späte, 
ir sult iu suochn ein andern wirl; 
472'' b min hant mit gäbe iuch gar verbirt.' 1740 

1710. Der hielt b. 1713. Deus .sal b, Deuol a. 1714. Wes seit ir 

ingesinde 6. \1\^ — \1%Q fehlen b. 1716. daß. anfang a. 

1718. ich wajTs wol daz an ew wol mag gesio a. 1719. was a. 

1720. iunckherre ir seit a. 1721. sult b, soit a. 1723. taugt b. 
1725. mir fehlt b. 1727. lafs a, hais b. 1729. solhe a. 1732. ew 
hin aufz für b, euch aus balde für a. 1733. naine a. 1738. zöget 

cwr a {vergl. gr. 4, 35. 943), Zogt aas b. 1739. suechen ainen an- 

dern a, suchen ain andern b. 1740. mit a: mein b. euch gar a, 

ftn b. 



»ELMBHECHT 379 

beidiu mit leide und mit schämen 
seil er dem vater sinen naaien, 
' lierre, ich binz iiiwer kint.' 
und isl der knabc worden blinl 
der sich dA nanle Slinlez^eu? 1745 

nu vorht ir nilit des schergen dreu 
noch alle rilitaerc, 
ob ir noch m6r waere. 
hei waz ir isens äzet, 

do ir uf dem hengsle sazel 1750 

dar umbe ich gap -miniu rinder ! 
unde kriechet ir uü blinder, 
daz enwirl mir nimmer zorn. 
mich riwet min lode und min körn, 
Sit mir so tiuwer ist daz bröt. 1755 

und heget ir vor hunger tot, 
ich gibe iu nimmer umbe ein grüz. 
ir sult iuch balde heben üz 
228*^ a und luot nimmer mere 

ze mir die widerkcre.' 1760 

Do sprach aber der blinde 
' Sit ir min ze kinde 
geruochet nimmöre, 
durch die gotes ere 

sult ir dem tiuvel an gesigen : 1765 

lät mich als einen dürftigen 
in iuwerm hüse kriechen ; 
swaz ir einem armen siechen 
weit geben in der minne, 

durch got daz gebt mir hinne. 1770 

mir sint die lantliule gram : 
leider nu sit ir mir sam. 

1741. baide a, Baid b. 1743. er sprach hcrre ich bin a, Er sprach ich 
bins b. 17 4 4. chnappe b. 1746. nu vorcht er a. der seh. drow b. 

1748. mere b. 1749. Ey b. 1750. So ir auf e\v*m b. 1751. mei- 
ne a, mein b. 1752. Vnd b, fehlt a. 1753. wirt a. 1754. mein 
loden vnd mein körn a, mein lod vnd körn b. 1757. vmb einen graus a. 
vergl. zu Enge/h. IDü. 1758. soll a. 1759. Vnd getüt 6. 1761. da a. 
1763. nymmere a, nymmer mere b. 1765. Siilt b, soll a. 1768. was 
ab. 1772. mir alsam a. 



380 HELMBRECIIT 

ich eninac nihl geneseu, 

weit ir mir uiigenivdic wesen.' 

Der wirt lionlaclite, 1775 

swie im sin herze krachte 
(er was sin verch und sin leint, 
swie er doch stüende vor im bliul). 
' nü fuort ir dwerhes die weit 5 
473' b iwer nicidem gie nie enzelt, 1780 

er dravelc unde schufte, 
manec herze von iu sülte. 
ir wärt so ungehiuwer. 
manec wip und bin wer 

sint von iu habe worden fri. 1785 

nü sprechet ob die troume dri 
an iu sint bew«ret. 
noch hoeher ez sich maeret, 
daz iu wirt wirser daune we. 
e der vierde troum erge 1790 

hebt iuch balde für die tür. 
kneht, sperre, stöz den rigel für; 
ich wil hinaht hän gemach. 
den ich mit ougen nie gesach, 
den behielt ich unz an minen tot 1795 

e ich iu gsebe ein halbez bröt.' 
aliez daz er het getan, 
daz itewist er dem blinden man. 
er was gar sin schiuhe. 

'sich, blinden kneht, nü ziuhe 1800 

in von mir der sunnen haz.' 
er sluoc den 'kneht: ' nü habe dir daz. 

1773. ich mag a, Laider ich mag b. 1776. wie ab. hercz doch ehr. b. 
1777. Es h. 1778. wie er doch stuonde a. Wie es doch stund b. 

1779. er sprach nu Tderet ir dwerhes die weit a, Er sprach nü fürt ir 
twerches das feld /;. 1780. maidem a 6. nie a .- nicht ö. 1781. er 
draffle vnd schauffte a, Er endrabte noch enschuftzte b. 1782. er- 

saufiFte a, erseüftzte ft. 1783. vngehewr 0, ungeheur &. 1784. ge- 

paur ö, gebaur b. 1785. euch alle w. ab. 1786. an fehlt b. 

trawme a, träme b. 1787. seint b. 1790. E. das der b. 1792. sloss 
rigel f. b. 1793. heint b. 1795. hielt b. ee vntz an a, e. uncz 

an 6. 1797. er ye het i. 1798. itweisst b, etweyset a, 

1799. scheuhe a, scheuche b. 1800. zeuhe ab : vergl. crwinde 242. 



iiEf.MüHKcnr :i8i 

(liuein meisler l;i't ich sam, 
wan daz ich mich des schäm, 
ob i^'h blinden sliiege. 1805 

ich bin wol so geliiege 
daz ichz kan vermiden. 
doch niac cz sich verriden. 
des hebt iucli, ungelriuwer Rüz, 
b;ihle für die tür hin üz. 1S10 

ich ahle nihl lif iuwer not.' 
im gaj) diu muoler doch ein brol 
in die iianl als einem kinde. 
hin gie der diep blinde. 

swä er über velt gie, 1815 

dehein gebure daz vcrlie, 
er schrire in an und sinen kneht 
'hahA, diep Helmbreht, 
473'' b betest du gebouwen alsam ich, 

so züge man nu niht blinden dich.' 1820 

also leit er ein jar not 

unz er von haben leit den tot. 

Ich sage iu wie daz geschach. 
ein gebure in ersach 

dii er gie zuo einer frist 1825 

durch einen walt um sine genisl. 
der gebure kloup da wit, 
ander büren ouch da mit. 
daz was eines morgens fruo. 
dem bete Helmbreht eine kuo 1830 

gcnomen von siben binden. 

1803. tat &, tet ff. 1804. daz /eA//! a. 1807. ich es ft. 1808. Ye- 

(loch inöcht es b. doch kann es sich verhehren ; es kann noch so weit 
kommen dafs ich ihn schlafe, daz iii d;\ misselunge, daz Isege et eben 
an. daz sich doch vil lihte mac verriden; welleiils ir getelse niht vermi- 
den, sich mügcn zwenc an miner weibelruoten wol versniden Ncidh. 16, 3 
Ben. 180'J. des/(V(/^ a. rtns b, heraus a. Riiz rz Riuze) nennt 

der vafer den söhn weil er so ivenig als von dem fremdesten manne von 
ihm tvij'sen will. s. Lachm. zu Jf'allh. s. 190. 1810. hin aus b, aus a. 
1814. dieb b, deubc a. 181."). VVa b, wo a. 1817. schricr b, schray a. 
1818. ha ha a. 1821. laidc a. 182-2. hengen b. 18211. sein ab. 

1828. Ander gebanren auch damit b, nach der gepauren sit a. 1831. von 
seinen kinden a. 



382 FIELMBRECHT 

do er sacli in also blitidoii, 

er sprach ze sinen holden 

ob si im helfen wolden. 

entriuwen' sprach der eine, 1835 

' ich zerre in also kleine 

sam daz in der sunne vert, 

ist daz mir in nieman werf. 

mir und minem wibe 

zoch er ab dem libe 1840 

unser beider gewant. 

er ist min vil rehtez plianl.' 

do sprach der dritte da bi 

oh sin eines wseren dri, 
229' a die wolte ich toeten eine. 1845 

er vil unreine, 

er brach mir üf niinen glet 

und nara daz ich da inne het. ' 

der vieide der den wit kloup, 

der bidemt vor girde sam ein loup; 1850 

er sprach 'ich briche in als ein huon. 

von allem rehte ich daz tuon. 

er stiez min kiut in einen sac 

do ez släfende lac. 

er waut ez in ein bet. 1855 

ez was naht dö er daz tet. 

do ez erwachte unde schre, 
474" b do schütte erz üz an den sne. 

sin ende het ez da genonien, 

waer ich im niht ze helle komen. 1860 

'entriuwen' sprach der fiintte, 

'ich freu mich siner kiinfte 

s6 daz ich mines herzen spil 

1832. da er sacli a, Der ersach b. 1835. Entrewn b, cnlraun a. 

1837. sunnen b. 1838. niemant a, yeinan b. 1842. mein a, ah 

mein b. 1844. waren a. 1848. Vnd nani mir wris ich darin het b. 

1850. sam b: als a. 1851. die zepriche ich sam daz huon Jtul. 135, 16 

(ich zebriches alle als ein huon Strick. Karl öl"), ich zerbraicbe dich als 
ein huon Erec 5482. 1854. da a. 1855. übe?' bet für bette s. Lacinn. 
zum Iwein \%\t. 1858. Do schut fc, da schüttet a. 1859. Seinen 

endet. 1861. entrawn a. der a: do der J!>. 



HELMfUtRCFIT 383 

hiute an im f^cschouwen wil. 

(M- iiAlzogelc mir min leint. 1805 

wa-r er noch dii slunt also blinl, 

ich sol in hahcn an den asl. 

selbe ich im kiime enhrasl 

beide nacket nndc blöz. 

\\\Tre er als ein hüs so grAz, 1870 

ich wirde an im erroclien, 

Sit er sich hat verkrochen 

in disen walt sA tiefen.' 
'dar näher!' si dö riefen 

nnd kcrten alle reble 1875 

gegen Helmbrelile. 

d(5 si sich wo! an im errachen 

mit siegen, si sprachen 

'nu hüete der hüben, Helmbreht!' 

daz ir dar vor des schergen knehl 1880 

het lazen ungeriieret, 

daz wart nü gar zerfüeret. 

daz was ein griuwclich dinc. 

so breit als ein phenninc 

beleip ir niht beinander. 1885 

siteche und galander, 

sparw^re und türtcllüben, 

die genälen üf der haben, 

wurden gestreut üf den wec. 

hie lac ein loc, dort ein flec 18<>0 

der hüben und des bares. 

gesagte ich nie iht wäres. 

doch sult ir mir gelouben 

daz niaere von der houben, 

wie kleine man si zarte. 1895 

ir gesaht nie swarle 

1864. Alhie mit im haben w. b. 1865. nolzogte b, notznpet ti. 

1866. als a. Vnd «är er noch dreystui.d pliiid b. 1868. S. koum 

ichimenprast b. 1869. naekent a. Is72. Seint fc. 1874. dar 
fehlla. 1877. rächen ft. 1880. Was ir da vor fr. 1S83. greu- 

lich a, grealeiches b. 1885. bey einander a. pey ain ander b. 

1889. Die wurden ab. 1892. ich ye ibi a, ich ye b. 1895. zer/.arle b. 



384 HELMBRECHT 

474'' b uf Iioubete also kalwc. 

sin reidez har daz vahve 

sach man in swachem werde 

ligen üf der erde. I9(M) 

daz wac si doch vil lilile. 

si liezen sine bihte 

den müedinc dö sprechen. 

einer begunde breclicn 

ein brosemen von der erden. 19Ü5 

dem vil gar unwerden 

gap er si zeiner sliuwer 

für daz hellefiuwcr, 

und hiengen in an einen bouni. 

ich waine, des valcr trouni, 1910 

daz er sich hie bewsere. 

hie endet sich daz m«re. 

Swä noch selphcrrischiu kinl 

bi vater und hi nuioler sint, 

die sin gewarnel hie mite. 1915 

begent si Helmbrehtes site, 

ich erteile in daz mit rehtc, 

in geschehe als Helmbrehte. 

üf den slräzn und üf den wegen 

was diu wagenvarl gelegen: 1920 

die varent alle nü mit fride, 

sit Helmbrehl ist an der wide. 

nü seht üf und umbe : 

rate iu wol ein tumbe, 
229'' a dem volgt und ouch des wisen rat, 1925 

1897. kale a. 1898. das vahve b, falbe a. 1.S99. swacher a. 

1900. Da ligen b. 1901. das was jedoch a. Das was doch b. 1902. sy 
licssen in seine peichle a, Sy Hessen in nicht sein p. b. 1903. da ab. 
1905. ein proseni a, Ain brosem b. 1907. sizu einer slewr o, die zu 

ainer steur 6. 1908. hellefeur a, helle feür t. 1909. an aine pau- 

me 6. 1910. träume 6. 191 1. Sich alhie b. i. 1912. Wo noch 

selbherrisch k. a, Wanoch selb rechte k. b. man kann an selpherriu 
denken, welches adj. bei ßerchloldilC) vorzukommen scheint. 1913. das 
andere hi fehlt a. 1915. seint h. da mit b. 1921. die warent a, 

Die füren b. 1922. Seint helmprechl hieng an der galgen wide amen 

Explicit Finis adest vere et vere Scriptor debet pretiü hre b. 



HELMBRECHT :{«5 

waz ob Helmbrclil noch hat 

etewÄ junge knchld? 

die werdent oiich Hclmhrehlel. 

vor den gib ich iu niht fride, 

si konien danne ouch an die wide. 1930 

swer iu dilzc nuere lese, 

bittet daz im got geoa'dic wese, 

unde dem tihtsere, 

Wernher dem gartena^re. 

1928. werden a. I'JSO. sy kommen auch dann a. 1931. wer «. 

I'.I34. der haysset VVernlier der Gartensere a. 



ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE. 

1. DIE GÖTTINNEN DER ZWÖLFTEN. 

In der vorrede zu meinen märkischen sagen habe ich den 
aUmärkischen namen des ärnlefcstes, vergodendcl, als ein 
ß'6 Goile/f (fei zu erklären gesucht; E. Sommer (preufsische 
staatszcilung vom KWi april 1843) dagegen sieht darin Jrü, 
und ich mul's ihm jetzt darin recht geben, indem in densel- 
ben gegenden, wo sich jener ärntcgebrauch findet oder ehe- 
mals land, eine fr// Gode oder Goe bekannt ist, die in den 
zwölften umzieljen und, wo sie noch hede auf dem wockea 
findet, diesen verunreinigen soll, der name derselben findet 
sich besonders im nördlichen theile der Allmark, in der um- 
gegeud der Städte Salzwedel und Osterburg. weiter südlich 
ist er mir nicht vorgekommen: dagegen fand ich hier eine 
andere bezeichnung bis ins Hannoversche hinein zwischen 
Broma und Fallersleben; man sagt nämlich dort, wenn am 
heiligen drei königs abend der flachs nicht abgesponnen ist, 
so kämt de koen un hHelt in de höi. koe7i, mit kurzem oe, 
das nahe an u streift, ist eine alte form des dortigen dia- 
lekts für könig und der könig im kegelspiel heilst noch koen; 
man wird deshalb zu der annähme geführt dafs einer der 
heiligen drei könige an die stelle der alten göttin getreten 
sei, und daher die beschränkende bestimmung, dafs der koen 
nur an dem abend jener heiligen komme, platz gegriffen habe. 
z. F. D. A. rv. 25 



380 zun DEUTSCHEN MYTHOLOGIE 

ilocl» licfsc sich ;(ik1i denken dals koen die bezeichniing für 
den allen goU sei, da jene,/)'// Gnde ofFenbar an die sielle 
des Wodan j^elrelen ist; dann niiislc diese bezeiclinung frei- 
lich sehr all sein, es wäre daher Aviinschenswerlh dafs al- 
les was sonst noch in dortiger gegend vom koen erzählt wird 
nesanunelt werde ; ich konnte nur was ich niiltheile darüber 
erfahren ; vielen war der ausdruck ganz unverständlich, an- 
dere bezogen ihn auf die heiligen drei könige. 

In der Mittelmark ist der name für die in den zwölften 
umziehende göllin ziemlich allgemein Jru Harke (daneben fin- 
det sich frü Harfen, fn'i Harfe, auch frü Arkc und der 
Haken) und dieser name scheint ziemlich weit südlich hin- 
abzu"-ehen, denn ich habe ihn auch in IJallenstädt am Harz 
noch gefunden, im oslen der 31ittelmark tritt aber ein an- 
derer auf: nämlich in Hauen bei Fürstenwalde sowie bei 
Wendisch -Bachholz heilst es, wenn in den zwölften der 
flachs nicht abgesponnen sei, so komme die Miirraue (der 
accent auf der ersten) und hesudle ihn. wenn jemand in 
den zwölften sjünnl, so bewürkt die 31urraue dafs die schale 
auf dem gehöft von der drehkrankheit befallen werden, und 
aufserdem schickt sie noch allerhand Ungeziefer, als rallen, 
mause, schaben u. dergl. ; die letztere strafe verhängt sie 
auch, wenn am Silvesterabend spänc im ofen verbrannt wer- 
den, stiehlt jemand in der neujahrsnacht seinem nachbar 
eine wagenrunge und nimmt diese auf seinen wagen, so be- 
würkt die Murraue dafs ihn der förster nicht sieht, wenn er 
in die beide fährt um holz zu stehlen. — derselbe name 
Mt/rraue bezeichnet aber zugleich auch das aipdrücken. — 
an den kienhäumen findet man öfter zweige die ganz kraus 
zusammengewachsen sind und fast das ansehen eines nestes 
haben ; wenn es nun regnet, so mufs man sich hüten unter 
einem solchen zweige fortzugehen, weil wer von einem re- 
gentropfen aus demselben getroffen ist in der nacht von der 
Murraue gedrückt wiid. von einem menschen dessen au- 
geubraucn zusammen gewachsen sind sagt man, er sei eine 
Murraue. 

Wir sehen hier also zunächst dafs die Murraue dem Alb 
ganz gleich sieht; wobei ich bemerken mufs dafs der letz- 
tere name. wie er neben ?nofii' oder rnahri vorkommt, sich 



ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE 387 

sich auch hier daneben [indpf, und dals wie es überall in 
der 31ark vom alb oder nialir licilsl, man luire sie ehe sie 
sich dt-m schlafenden auf den leib lej^en ordenliicli hvran- 
scliloi-ri'/i, dies auch liier von der Murraue berichtet wird, 
wie dem Alb die verlil/.iMif^ der haare, der wichtel- oder 
weichscIzopC, zugcschiicbcn wird, so scheint hier die Mur- 
raue das kiause zusammenwachsen der zweige hervorzuru- 
fen, vielleicht auch in dem nestähnlichen gewächs ihre Woh- 
nung zu haben, da ja auch sonst die astlöcher der bäume 
den Alben zugeschrieben werden, dafs ferner ein mensch 
mit zusammen gewachsenen augenbrauen eine Murraue heifst 
mufs auf einer eigcnlhiimlichen Vorstellung von der elbischen 
geslall beruhen, die irh jedoch nicht nachweisen kann. 

Aulserdeni Irilt nun die 31urraue aber offenbar auch als 
ein liölieres wescn auf das in den zwölften erscheint und 
ganz einer reihe von göllinnen sich an die seite stellt die 
mehr oder minder identisch mit einander sind, ich meine frau 
Gaue, frau Harke, frau Holle und frau ßerchte ; wie bei je- 
nen steht auch bei dieser das spinnen unter ihrer besondern 
obhut und wer ihr fest uiclit feiert, in dessen haus sendet 
sie allerhand plage; frau Holle und frau Berchte stehen aber 
mit den Eiben im nächsten Zusammenhang und unsere göt- 
tin ist sogar im namen nicht mehr von den Eiben geschie- 
den, dafs sie dem welcher eine wagenrunge stiehlt unsiclit- 
barkeit verleiht steht jedesfalls auch mit der elbischen na- 
lur, die ja eben das vermög«Mi der unsichtbarkcit hat, in Zu- 
sammenhang; wie, läl'st sich liier nur vermuten, vielleicht 
sollte man ursprünglich eine runge für den wagen, auf dem 
auch sie ihren umzug halten mochte, stehlen und dafür be- 
lohnung erhallen, wie der bauer der einen keil für den wa- 
gen jener göttin haut durch goldene späne belohnt wird, soll 
man vielleicht darum keine späne am Silvesterabend verbren- 
nen? ich wüste wenigstens dafür keinen andern bezug nach- 
zuweisen. 

Nach den angeführten thatsachen scheint mir kein zwei- 
fei darüber walten zu können wohin wir die göttin in un- 
serer mythologie zu stellen hätten, aber eine andere frage 
ist die, ob wir sie überhaupt dahin stellen dürfen, die an- 
gegebenen geographischen punkte, namentlich der letztere, 

25* 



388 ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE 

der durch das beiwort bereits deutlich spricht, weisen auf 
wendische bevölkerung, die hier um so länger ihre einwür- 
kung bewahren konnte, als noch bis heule wenige meilen 
südlich sich die Lausitzer Wenden ungeschwächt in ihrer 
naiionalität erhalten haben, auch der name 3Iurraue, der 
sich dem böhmischen /;»/>« = alb ziemlich nahe stellt, möchte 
auf slawischen Ursprung weisen ; doch läl'st sich auch der 
deutsche wegen der Übereinstimmung mit jenen göttinnen 
nicht ganz abweisen, auch steht die form 7A/flV = alb, beson- 
ders bei dem hiesigen breiten dialekt, der form murraue nicht 
so fern dafs nicht an eine möglichkeit des Übergangs aus 
jenem in dies gedacht werden könnte, ferner habe ich an 
aberglauben und dergleichen wenigstens an dem nördlichem 
der beiden punkte so viel mit dem deutschen übereinstim- 
mendes, auch in namen, gefunden dafs ich mich für jetzt 
weder für slawischen noch für deutschen Ursprung entschei- 
den mag. vielleicht stehen wir hier auf einem Übergangs- 
lande in dem slawische und deutsche mythologie mit einan- 
der verschmolzen. 

Bei dieser gelegenheit möge hier noch eine bemerkung 
stehen. Grimm weist auf den Zusammenhang des namens 
zwischen frau Holle und den guten hollen hin 5 ganz ähnlich 
sieht es mit Berchta, der glänzenden, der weifsen frau und 
den elben, wenn, was mir nicht zu bezweifeln scheint, 
Grimms annähme dafs alb den weifsen bedeute, richtig ist. 
die geister werden ja bis auf den heutigen tag noch überall 
in weifser gestalt gedacht. 

2. NABERSKRÖCH. 

In meinen märkischen sagen n° 19 habe ich bereits mit- 
gelheilt dafs in der Altmark das dorf Neu-Ferchau den bei- 
namen Naberskroch führe ; hier noch ein paar kleine nach- 
trage, man sagt, nur die todten aus der Alfmark kommen 
dort zusammen; liegt einer im sterben, so heilst es ?iu war- 
tet ba II na Na berskröch chd n ; besonders wenn einer viel 
getrunken hat heifst es, er komme nach Naberskroch und 
man sagt he lett sik nomdl tmen gcmoeti. 

Ebenda n" 110 habe ich den Nobelskrug besprochen; die 



ZUR DEl TSCIIEN »IVTFIOLOGIK 389 

stelle liegt eine halbe stunde von Hauen an der stralse nach 
Storkow, und die jjcnauere sage lautet, vor zeiten habe dort 
ein krug gestanden in dem ein krügcr namens Nobel ge- 
wohnt; der ist dort, niemand weifs weshalb, erschlagen wor- 
den, und zum andenken hat mau steine und tanneuzweigc 
auf die stelle geworfen und thut es noch, nachts ist es nicht 
recht geheuer an der stelle, und schon manchem der um 
niitternacht einsam durch die beide daher kam sind |»lötzlicli 
zwei schwarze männer über den weg gelaufen, oder er sah 
einen weifsen Ziegenbock an der stelle liegen. 

Bemerkcnswerth ist endlich noch dafs an der stelle des 
bei llictz unweit Brandenburg untergegangenen Näberskröch 
(märkische sagen n " 62) nach mündlichen nacbrichten eine 
grofse menge alter graburnen, über deneu zum theil noch 
ganz vollständige gerippe lagen, ausgegraben worden sind, 
und dafs von diesem orte die sage von dem riesenmädchen, 
das bauer mit pilug und ochsen in ihre schürze nahm, er- 
zählt wird (s. unten n» 4), was wohl darauf deutet dafs das 
beidenthum sich hier lange gewehrt haben mufs. 

3. ELBEN. 

In Bauen bei Fürstcnwalde sagt man, wenn einer hefti- 
ges kopfweh hat, er habe die verkehrten oder schwarzen 
elben. soll er wieder gesund werden, so bindet man ihm 
abends ein tuch um den köpf, läfst ihn damit die nacht hin- 
durch schlafen, nimmt es am andern morgen ab und geht 
zu einem klugen manne; der büfst dann das tuch und die 
elben gehen fort. — aufser den schwarzen elben, welche die 
schlimmsten sind, gibt es auch noch rothe und weifse, und 
bei allen dreien äufsert sich die krankheit vorzugsweise darin 
dafs dem damit behafteten das gcdächlois schwindet. 



4. GESTIRNE. 

Ein alter hirt zu Brodewin in der Ukermark erzählte, 
Die sonne geht nachts unter der erde durch und badet sich 
alle morgen, ehe sie heraufkommt, in der grofsen see, wo- 
durch sie so hell und ihre strahlen so brennend werden dafs 



390 ZIR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE 

die soliift>i- welche iu jenen gegendon fahren (und das hatte 
ihm sein soli\vai::er j^jesagl, der zur sce gewesen war) nichts 
weiter zu thun hahen als die schiffe fortwährend mit wafser 
zu begiefsen, weil sie sonst in der glut aufgehen würden. 

Derselbe hirt behauptete, in den mondsflecken könne man 
deutlich einen mann mit einem bunde erbsenstroh auf dem 
rücken erkennen, der an der ihüre des mondes siehe. 

Endlich sagte er, jeder mensch habe sein licht am him- 
mel, und wenn er sterbe, so gehe es aus; es kommen aber 
statt der alten immer gleich wieder neue zum Vorschein, da 
immer wieder neue geboren werden. 

5. BESPRECHUNGSF0R3IELN. 

a. ivenn man das ßeber hat, viufs jna?i abends in den wald 

gehen, eine eiche umgehen und dabei sprechen 
goden abend, du gode olle, 
ik brenge di dat warme un dat kolle. 

b. gegen versehenes vieh. 

dat grote mül het di verröpen, 

tw6 falsche ogen hebbcn di versßn, 

dre goden sollen di weddersen. 

dat erste is gott der vater, 

dat twede is gott der söhn, 

dat drüdde gott der hillige geist. 

c. gegen die zahnrose. 

es kam eine j unter aus Engelland, 

eine rose trug sie in ihrer h^^nd, 

bis die sonne Untergang 

die siebenundsiebzigsterlei zahnrose verschwand. 

d. will man die setern (ßechten) besprechen, so mvfs man 

an eine gelbweide gehen, mit einem zweig davon drei 
mal über die zetern fortstreichefi und sprechen 

die zeter und die weide 

die wollten beide streiten, 

die weide die gewann, 

die zeter die verschwand. 



ZI K UbliTSCIlEiN MVlHOLlXilb: .T.M 

(\ hlulbcsjtr(uliv/i . 

es ^iiij^en drei jimreni "cii lioleii we;;: 
die erste nahm das niiide, 
die zweite iialiin das Inill, 
die drille drii<kt es nieder 
dals es iiiclil koiiiine wieder. 

J. blulbesprecltcn (u/irullsliiii(lig). 

CS kamen drei j unfern .... 



die eine, die liicls Hillc, 

die andre sprach ' lilul sich slille.' 

Dk A. lilllliN 



SAGEN AUS DER 31ARK. 

1. DER HELLJÄGER. 

Auf dem Thiirilzer felde in der Allmark hört man oft des 
nachts wie der holljäj^^er dahin fährt und vernimmt aus der 
Infi das gifl'en und gaffen seiner hunde. es war aber ehe- 
dem ein graf von Schukiil)urg zu Apenburg und was jansch 
(lull iippoi Jagont, so dal lifi 6h sü/idachs met de hunne 
üminer dörcht korcu tri'cklo ; dräin is hei den verwünscht 
waren cw/ch to ja gen. 

2. LAND ABGEPFLÜGT. 

In Kerkow in der Altmark war einmal ein bauer, der 
hatte seinem nachbaren ein stück seines feldes abgcpfliigl 
und muste dafür zur strafe nach seinem tode mit dem pflüge 
umgehen und alles wieder anpflügen. da sieht man ihn denn 
um mittag mit seinem pflüge, den vier Schimmel ziehen, ge- 
waltig dahin arbeiten und mit jedem umzuge den er thul 
wirft er nicht mehr als ein sandkorn um. das sahen auch 
einmal ein knecht und ein Junge mit Verwunderung und jener 
fragte ihn ob er denn dächte dals er heute damit fertig wer- 
den würde, der pflüger aber antwortete dals er auch fast 
daran verzweifele, fragte jedoch den knecht, ob er ihm nicht 



392 SAGEN AUS DER MARK 

vielleicht helfen möchte; dann möchte er es vielleicht noch 
vollbringen, der knecht, der ein gutmütiger bursche war, er- 
klärte sich bereit dazu, und der erfreute pfliiger reichte ihm 
seine band, indem er rief nun so schlag ein!' da wehrte 
aber der kleine jenem und sagte 'reich ihm deinen stöker'; 
das that er und im augenblick war die stelle an demselben 
welche die fünf finger berührt hatten kohlschwarz gebrannt, 
und knecht und junge liefen eilig davon, denn sie merkten 
nun wohl mit wem sie es zn thun gehabt, der pflüger aber 
zog mit seinen vier schimmeln weiter und pflügt noch bis 
auf den heutigen tag. 

3. DE DRE WITTE JUMFERN. 

Bi Rohrberg in de Ollmärk licht en groten borchwall, 
d6 het de Kätinkenborch ; wo hfi düsen näm krejen hett, dat 
w6ten se nich to verteilen, äwer se seggen ümmer dattet da° 
nich recht richtich is, un dat sik da ümmer drß witte jumfern 
Seen läten. da was 6k mal en halfwassenen perjungen, de 
hoede sine per oever nacht un kam tolest gansch nä annen 
borchwall ; da süt hfe innen klären mänschin de dre witte 
jumfern silten, un as he en oevcrmoedigen jungen was, näm 
he sin pitsch un schlok damang un drap dat snopdok van de 
ein, dattet an de pitsch sitten blew; dun kümt de jumfer hin- 
ner em drein, he sprinkt rasch up ein van sine per, äwer 
se kunn' drister lopen as he riden un was all gansch nä bi 
em, da nimt h^ dat snopdok un smittet van sick. da let se 
af van dat verfolgent un sechte 'dats din glück west, süst 
hetste sterwen mütten.' 

4. RIESEN UND ERDWÜRMER. 

In Rietz bei Brandenburg war einmal eine hüne, der wa- 
ren die Schweine auf der weide gar weit auseinander gelau- 
fen und alles rufen war vergebens, sie konnte sie nicht wie- 
der zusammentreiben; da rifs sie endlich einen gewaltigen 
eichbaum aus, kam damit her gestürmt, trieb sie glücklich 
zusammen und kehrte nach hause zurück, da sah sie unter- 
weges zu ihrer grofsen Verwunderung einen menschen der 



SAGEN AUS DER MARK 39:^ 

piliigle, nahm ilm alsbald auf und packle ihn samnit ochsen 
und pflufj in ihre schürze, damit kam sie nun zu ihrer mut- 
ier gelaufen und sagte 'sieh muller, was ich da für erdwür- 
mer gefunden habe!' die multcr aber sprach 'geh eilends 
zurück mein kind, und Irage alles an seinen ort, denn das 
sind unsere verlreibcr die nach uns kommen.' und also- 
bald packle das liünenmädchen alles wieder zusammen, ging 
zurück nach der gegend von Brandenburg zu, wo sie den 
pllüger gefunden, und setzte alles wieder an seinen ort. 
darauf schüHctc sie den grofscn llielzer borg auf, damit die 
verlreibcr nicht allzu schnell nach Rielz kommen könnten, 
und der liegt noch bis auf den heuligen lag da. 

5. SELBERJEDAN. 

Da was emäl ens en schepper, dö hadde sik bi Detz 
vuerene wint elecht un junk innen käne sitten un wull sik 
tische fangene. as he nu sonne janze lit angelt hadde un 
noch hadde, da junk h6 wedder in sin schep, kroch sine pan 
her un wull sik de fische bradcne. da sal h6 nu so bit 
fu^er, kümt up emal en walernix nie Häele up sin schep, de 
was so grot as en lüt haneken un hadde ne rode kap uppene 
kop, un stellt sik bi em hen un fracht em, wo he hitt. ' wo 
ik heten do?' secht de schepper, ' ik het Selberjedjin, wen det 
weten wist.' 'na Selberjedän' secht de walernix un kunne 
knap reden, wil he et janze mül vull padden hadde, ' Sel- 
berjedän, ik bedrippe di. ' 'ja, dal sasle mal dön' secht de 
schepper, den n^mikken stak un schlä di dämet ar de rügge, 
datte janz krum un schef wären säst.' sever de walernix 
kert sik da nich wat an un secht nomäl 'ik bedrippe di,' 
un ir sik min schepper dal versiene deit, spukt he em alle 
padden in de pan. da krßch de schepper sinen stak her un 
schlöch uppene walernix janz barbarisch los, dal he jotsj.im- 
nierlicke an to schriene fung un alle de wälernixe lo höpe 
kernen un em frogcn, wer em den wat dan hedde. da schrech 
de walernix 'Selbcrjedan [het mi geschlän]!' un as dat de 
ängern walernix hu'erten, sechten se 'best diil selber jedan, 
so is de nich lo helpene,' un jungen wedder af, un de eschläe- 
ne sprunk 6k wedder in de Häele un het kenen schepper wed- 
der bedript. 



:W4 SAGEN AUS DER MARK 

6. LÜCHTE3IÄNNCHEN GEFANGEN. 

Da war einmal ein kuliliirl zu Ferchesar bei Kallieuow, 
der halle mit seiner herde in der beide umherf^etrieben, und 
halte, als es schon finslcr zu werden begann und er heim- 
trieb, nicht bemerkt daTs er eine kuli verloren habe, als er 
nun nach hause kam, ward er dessen inne und machte sich 
alsbald auf um sie zu suchen, er gieng deshalb wieder in 
den wald und suchte hier und dort, konnte sie aber nicht 
linden und setzte sich endlich vor ermüdung auf einen alten 
baumslumpf und wollte sich eine pfeife anstecken, wie er 
aber da so da sitzt, kommt auf einmal ein grofses beer von 
lüchtemännchen, die tanzen wild um ihn herum dafs ihm or- 
dentlich hätte bange werden können, wäre er nicht ein drei- 
ster bursche gewesen, er blieb aber ruhig sitzen und stopfte 
sich seine pfeife, aber wie er sie eben anstecken wollte und 
feuerslahl und stein sowie die schwammbüchse hervorzog, 
da flogen sie ihm um den köpf herum, dafs er jeden augen- 
blick dachte, sie würden ihm die haare versengen, deshalb 
nahm er seinen stock und schlug gewaltig um sich, aber je 
mehr er schlug, desto mehr lüchtemännchen kamen, so dafs 
er endlich zugriff um einen zu haschen, und da hatte er auf 
einmal einen knochen in der band, das mochte jedoch den 
andern häufen erschreckt haben, denn sie giengen davon, 
er aber steckte sich den knochen in die lasche, brannte seine 
pfeife an und gieng nach hause, andern morgens trieb er 
mit der herde wieder hinaus und fand auch seine kuh wie- 
der; als er aber abends nach hause kam und es schon dun- 
kel geworden war, da sah er ein paar lichtchen vor seinem 
fensler und weil er glaubte es sei ein naclibar der mit der 
laterne zu ihm komme, um sich wegen eines kranken vie- 
hes raths bei ihm zu erholen, öffnete er das fenster und sah 
nun die ganze dorfslrafse voll von lüchtemännchen, die ka- 
men in gewalligen häufen daher gehüpft, wirbelten unruhig 
durcheinander und riefen 'gibst du uns unsern kameraden 
nicht heraus, so stecken wir dirs haus an.' da liel ihm 
erst der knochen wieder ein, und er sagle 'ach so macht 
doch kein dumm zeug, der knochen kann doch euer kamerad 
nicht sein!" aber sie riefen nur immer lauter 'gibst du uns 



SAGEN AUS DEH MAHK 395 

unserii kameraden niclil heraus, so stecken wir dirs liaus 
an." da dachte er, es könnte doch wohl ernst werden, nahm 
den knochcn, legte ihn sich in die (lache hand und hielt ihn 
zum Icnsler hinaus; da war er sogleich wieder ein hell- 
llackerndes Itichtemiinnchen und hüpfte davon und die andern 
alle umringten es wie im jubd und hüpllen und sprangen 
lustig zum dorfe hinaus. l)n A. KÜHN. 



ZU HARTMANN VON AUE. 

Die Strophen viit denen Hartninnn sein e/^stes bücklein 
schliefst sind von herrn von der Nagen in seine snmmlung^ 
der minnesinger (3, 468*^') als ein leich aufgenommen wor- 
den . gegen diese benenjiiing habe ich mich in der vorrede 
meiner ausgäbe der kleineren gedichlc Hartmanjis {s. vii) 
mit unrecht erklärt. Lachinann macht mich auf x-wei stel- 
len aufmerksam in denen der dichter gcsang andeutet, 1713 
des habe ich selten gelpl'en sanc und 1868 dem sage ich unde 
singe, auch ist ohne die annähme von gesang der Über- 
gang aus den kurzen rrimpanren in ungleiche Strophen nach 
einem gcsetze wunderlich, gesungen aber sind diese Stro- 
phen allerdings nur ein leich. ein beispiel ähnliches Über- 
ganges eines ungesungenen gedichtes in beschliefsenden ge- 
sang führe ich am besten mit Lachmanns ivorten an {über 
singen und sagen s. 5). 'Ulrich von Lichtenstein schliefst 
jeden absatz- seines dritten büchleins mit einer daktylischen 
seile, den letzten aber noch aufserdem mit einem ganzen 
abgesange des mitgesandten liedes, den er offenbar wollte 
gesungen haben (39 i, ^ ff), 

in allen miiien leiden 

trowe ichz dar zuo bringen 

daz mir helfen singen 

friund unde vind offenbare 

'Trost miner jare, 

daz ist ir schouwe, si frouwe, zewäre : 

mich sol ir lachen vro machen, si schoene, si clare.' 
zu s. XVI bemerke ich dafs Haug von Salza Günthers va- 
ter vielleicht der Hugo de Salza ist der im april 1251 citie 



396 ZU HAKTMANN VON AUE 

tirkunde deti uiarks^rafon Hemrich von Meißen bezeugt, 
s. Förstemouns monumenta verum llfeldensium s. 17. er 
erscheint zu spät a/s da/s man an den dichter denken 
könnte; vielleicht war er ein gleichnamiger söhn desselben. 

büchl. 1, 1208. da Lachmann zum Iw. s. 267. 
2, 770. so sul wir si dem livel üf seilen altd. bll. 1, 234, 
667. Schmeller 3, 225. H. 



ZU WOLFRAMS TITÜREL. 

Kiotes kint Si^üne alsus wuohs bi ir iiiuomen. 

er kos si für des meien blic, swer si sacli, bi tounazzeii 

bluomea: 
üz ir herze bliiele saelde und ere. 

lUt ir lip in diu lobes jär volwahsn, ich sol ir lobes sa- 

gen möre. 
wer in JVolframs Titurel diese Strophe (die 32e) liest, der 
erwartet gewiss nicht dafs der dichter in Sigunens lobe 
fortfahren tverde: er bricht hier oJfe?ibar von ihr ab und 
verspart ihre ierherrlichu7ig für den verlauf seines gedich- 
tes. dennoch folgt 

Swaz man an reinem wibe sol ze ganzen tagenden mezzeu, 
an ir vil siiezem libe was des ninder bares gröz vergezzen, 
si reiniu fruht, gar lüler, valsches eine, 
der werden Schoysiänen kint, gelicher art, diu kiusche 

junge reine. 
die Strophe icäre erträglich, schwächte sie nur nicht durch 
ihre gewöhnlichen ausdrücke den glänz der vorhergehen- 
den, der sie unerwartet nachhinkt, auch die nächste ist 
7iicht frei von anstöfsigem, 

Nu sulen ouch wir gedenken Herzelöude der reinen, 

diu künde ir lop niht krenken. mit wärheit wil ich die lie- 

ben meinen, 
si ursprinc aller wiplichen 6ren, 
si künde wol verdienen daz man ir lop nmos in den 

landen raören. 
nun sollen wir auch Herzeleudens gedenken, dieser Über- 
gang oder diese rückkchr loie zu lange vorher erwähntem 



zu WOF.FHAMS TITIREL :i97 

dünkt mich ?ncht sehr geschickt ; denn die muome /// der 
32« Strophe ist ja eben Herzeleitde, mit namen genannt in 
der 26// 27// 21)//. dafs ir loj) zweimal in derselben Stro- 
phe vorkommt mag hingehen; aber ist es dem gedanken- 
reichen ff^olfram zuzutrauen dnj's er hier sagte si künde 
wol verdienen daz man ir lop mnos in den landen nißren 
und in der- folgenden schönen Strophe ir lop daz fuor die 
virre in mangiu riche? dieser zeile geht vorher swer bi ir 
juni^en zile sprach fronwen lop, dane erhal nilil so helles : 
untadelhaft ist dann der ausdruck lop iciederholt ; aber nun 
haben wir dieses wort in zwei Strophen viermal, ohne be- 
deutsamkeit der hiiuf'ung. dazu kommt der mittelreim der 
34// Strophe, gedenken : krenken, an dem Lachmann voi^r. 
s. xxviu keinen anstojs nimmt, zu dem aber die anderen 
bedenken in dieser strophe treten und ein mittelreim in der 
nicht minder bedenklichen 33//. denn dort ist wohl ohne 
Zweifel mit wibe und libe ein reim beabsichtigt und sol ge- 
hört zur zweiten hälfte des verses. ich halte also beide 
Strophen für unecht, wie sie denn auch in der älteren der 
beiden hand.schriflen des bruchstückes fehlen ; doch ist dies 
Tieben den inneren gründen von geringem gewichte, da in 
derselben handschrift echte Strophen (30. 31. 36. 53) aus- 
gefallen sind. Infsen wir ohne nachschleppendes lob Si- 
gunens und ohne breite Vorbereitung sogleich die 35e stro- 
phe auf die 32e folgen, so stellen wir, glaube ich, echt 
wolframische kunst wieder her. ohne nennung des namens 
ist din niagluoinliche witewe, daz kint Frimuteiles, deutlich 
bezeichnet, mit ausdrücken die ims aus der 27n strophe 
noch im gedächtnisse sein sollen (diu an Gahmurets arme 
lac mit ir magtuonilichem libe: des siiezen Frimulelles kinl). 
die 35e strophe mit den worten frouwen lop und ir lop rückt 
unmittelbar an die zeile lal ir lip in diu lobes jar volwahsn, 
ich sol ir lobes sagen mere. also auch hier lop viermal 
hinter einander, aber bedeutsam ; denn die innere Verbindung 
der gedanken ist diese, ' Sigune ist jetzt noch zu jung zu 
vollem lobe; vo?i Herzeleuden kann ich sagen dafs sie vor 
allen gelobt war.' H. 



398 



ZU FREIDANK. 

/// dorn zweiten der neulich zu Zürich entilechten und 
i'on Ettmüllei' in den sch/'i/ieu der Züricher antiquarischen 
gesell.schaj't und in einem besonderen abdrucke (sechs briej'e 
und ein leich. Z.ürich 1843) herausgegebenen altdeutschen 
liebesbriefe hei/st es z. 29 Jf. 

swer ane sinne iiiiiinet, 

wie seiden dvr gewinnet 

kaine wunnecliclie zfl! 

wan her Vridanc der cvil 

'ain man der rechter niinne hat, 

wie digge er von den linden g;il. 

er drnrel ze allen stunden 

und clagel sine wunden, 

die noch unverbunden slant, 

wä sime nifine haut 

der si kiinne gehinden, 

so si bluoden beginnen.' 
Ettmüller fajst mit unrecht nur zwei Zeilen (ain man — gät) 
als anführung. herstellen Iqfsen sich alle acht mit leich- 
ter mühe. 

ein man der rehte minnc hat, 

wie dicke er von den liuten gat! 

er triiret zallen stunden 

und klaget sine wunden, 

diu noch unverbunden slal, 

wan si nieman enhat 

der si gehinden künde, 

so si bluoten begunde. 
wenn diese zeilen würklich von Freidank sind {und ich se- 
he keinen grund zu zweifeln), so lehren sie dnj's von sei- 
7iem gedichte mehr und anderes fehlt als die ?^on ff^h. 
Grimm s. 182 gesammelten stellen vermuten liejsen. 

In den Züricher liebesbriefen ist zu sch'ciben 1, 26 
miner 47. daz min herze wilde 52. leiden 

2, 20. vielleicht ze hage 5, 13. vielleicht wider 

20. swachet oder \7 f. stunden und begunden. H. 



399 



ZUR GUTEN FRAU. 

Einlcitun'^ s. 3S8 c. ',>;{. /. 2:)57 — 68. s. .389 3. 26 

Cr 

— :n. ßiii-r hinzu 937—939 r= iireg. 20 13./:,- 2188 = 
iireg. 2()i8; 2366 (.v. /|6I ist die ai//' 2:\G0 fo/gez/dc vers- 
zahl rcrdrucht) = Jiv. 8034; 2593 = Greg. 2991 t//id 
Itv. 1 110. A-. 390 z. 1 füge hinzu serjaut 1055. 

c. 9 /. 577. z. 16. zu liiii kallc rergl. das nicht nni (au- 

tende a der rerba mit wurzclhußem ll Ik. (granim. 1,942). 
z. 21. hu-te (55) ist zu streichen. s. 391 z. 5. die zahl 

29 /.s7 zu streichen. z. 27. /. .sihm statt sehr. 

//// gedichte 2Ü. döj ic 55. hate 56. er was an 

sinein rate 77. 6."j(). 3038. die 160. inaiij^er 

205. daz ich in iiiiniiicr crliezc Lachmann. 245. waii 

si iniiinel in ic L. s. zu hv. 7764. 258. bcvünde ie- 

nieü iine lande 327. die er ic jjesach L. 351. ha'le Z>. 

423 anvi. I. noch ihrzt der ritter die frau; sie duzt ihn 
als ihren diensl/uann/ 499 anm.ßlge hinzu Erec 202i 

daz daz {jesmide soldc sin, daz was von silber durchslajijcn. 
(g. (ierh. 4477. 59 i7. 11.) 524. si cnwist ab niht 
568. es 573. icnicr 575. des wart dcz urliuge L. 
632. allezj als L. 658. wiieste L. 660. verderbe; 

675. mit eren vcrlribcn 679. dazn ist 747. er reit 

dan des nior>jens vruo L. 792. ir cnsull 818. sA 

gejjen] zegejjon oder engegen L. zu 826 ist die anmer- 
kung zu streichen, da das feindliche hecr geineint ist; 
vergl. 837. 846. 908 wird undc ir gewarnte biten wohl 

angehen. 1078 annt. füge- hinzu Eraclius 1300. 1441. 

rergl. ergan ///-. 3503. Trisl. 7275. 1123. taten; zu 

gern rergL 1431. 1258. 1742. 2088. sie {dagegen 

2191. 2588. 2771 si) 1278. (S 1349. si eine ist al 

bclalle L. 1353. nach hcrte punkt statt komma. 

1360. gcwalt 1381. als ich in mit der hs. 1413. sin 

1443. daz wart ir über? 1470. sin 1677. wart ez 

1683. es 1757. do 1858. bcileger 1864. nimtc 

1910. sin {vergl. einl. .s. 390) 1996. ruofen L. 

2006. WCS 20Ü9 und 2179. da] der 2264. sult 

2295. künne derzno 2395. dar koraens über vierzehen 



m) ZUR GUTEN FKAU 

naiw 2396. gcmalil 2il8. gniizlich 2439. daz si 

dem klinge schale? L. zu l/c. 7654. 2575. swenn 

2593. und mil gebele 2599. ald 2657. iemer 

2692. donc L. 2803. manec 2952. dö] so L. 

2971. diu schoene ahsätzc sind zu machen 625. 1243. 

1677. 1865. 1927. drcumßexo fehlen 120. 345. 678. 

716. 838. 1253. 1743. 1984. 2150. 2399. 2544. 

E. SOMMER. 



ZU KONRADS ALEXIUS. 

147. und eine 196. dar inne 474 und 600. s. zu 

Engelh. s. 239. 629. nienian iht 729. von in was 

mit der hs. 890. Arcadius 891. Honorje 

895. manec 1035. sich] im 1263,/. man müste nach 

Do stehen, die stelle verlangt andere bej'serung. ?iichl 
jvahrscheinlich icäre Do man die klageba^ren sach in disen 
swaeren 1271. was nach der hs. 

zu den anmerkungen. 233. daz i. 447. ez sprach i. 

456. gebete ?. 851. von 952. dirre] der i. 

1252. s'\c\\ fehlt /. 1265. io fehlt I. 

verbefsc7't/nge/i von Lachmann. \7\jf.'l gemähelt in dem 
templo daz sanle Bonifacio dem niartersere gewihet ist. 
192. ganc uf schouwen dine brut 250. unde im gerne 
698. sp6 odei^ spite : in der urslende 106, 18 spiten. 
771. wären da und 772 sa für gar? 969.? ich waene 

et den hän funden. 1043. ie wart 1053. daz daz 

geschach nie keine stunt 1143.? bekennen 

1160. brähte 1 162. geklaget wart Alexius 1180. ach] 
ouch oder et 1297 ^ ff. daz si gesuntheit fuorten dan, 

swie si geruorten die bare, daz in wart gegeben 
1323. sider 1371. zeim ende H. 



iOl 



HAUGDIKTERICH UM) WOLFDlETElUCll. 

Nach ci/ier abschriJ'L von dr Karl Frommann aus der 
ff^iener handstJiriß 2947 (ehedem pliilol. 299, papier, aus 
dem ende des 15« Jahrhunderts ; verg-L HoJJ'manns Verzeich- 
nis s. 101). l/eim abdrucke ist die in der handschrift gänz- 
lich fehlende interpunction hinzugefugt, unzweideutige ab- 
kürzungen sind aujgeliist und die reimzeilen abgesetzt ivor- 
den ; in der handschrij't sind die reime nicht abgetheilt mid 
oft zwei oder drei Strophen in einen absatz mit gemallem 
anjangsbuchstaben vereinigt, wo dies der fall ist beginnen 
die in der handschrift unabgerUckten Strophen im abdrucke 
mit kleinen anfangsbuchstaben . die übergeschriebenen vo- 
cale e oder zwei punkte lafsen sich oft nicht sicher un- 
terscheiden ; wo sie über w oder y stehen, sind sie hier 
weggelafsen worden. 

JEs wuchs in conslantinopel aiii Junger kiinig reich, bl. V 
gewallig vnd piderbe, der hicsz hoch dietreich. 
Auf von chindes Jugent chunt der held wol leben, 
durch got vnd durch er paide leyheu vnd geben. 

2 Er was an dem leibe wol gcschaircn vber all, 
gedrol als ain kertze vber die huH'c hin ze tal. 
sein har was im raid, darczii langk vnd fal; 

es gieng im vber die achsel auf die hiiff hin tal. 

3 Sein valer was gehaissen der künig anczrvs, 

ain kfinig in kriechen landt, das püch sagt vns alsus. 
der het auf seine hofl' erczogen, das ist war, 
aincn allen lierczogcu, der lebt vil mauig Jar. 

4 das was herczog perchlung, geporen von meran. 
der künig anczrvs der Lies in fiirsich gan. 

Er sprach 'Ich hau crczogen dich in wirdikait. 

des lass mich geniessen ; ich enphilch dir auf meinen cyd 

5 Hoch dielreich, mein vil liebes chindelein, 

vnd darczü lanndt vn leül liincz den trewn dein. 
Z. F. D. A. IV. 26 



.m HAÜGDIETERICH 

der lodt hat mich crsliclien, dir well mTisz ich Verlan.' 
Ritter vnd knechte sach man Iräwriklichen stafi. 

6 Er sprach ' herczog; perchlung, du soll mich geniessen lau, 
Ich lert dich messer wcrlleu, des getar dich niemanl bestan: 
Da gab ich dir weibe die edel lierczogin : 

vnd 1er es hochdietreichen, als lieb ich dir miig gesein.' 

7 Er sprach 'lieber herre, des sült h' siecher sein; l'' 
was ich kan, ich lerfs den lieben herren mein. 

Ich getrawe got von himel, Ir miigt noch wol genesen.' 
'Navn' sprach der kiinig, 'das mag nymmer enwesen.' 

8 Darnach in kürczen tagen der kunig da erstarb. 

mit züchten herczog perchtung vil schiere daz erwarb 
wie er begraben wurde als mafi nodi kunigen tut. 
Er nam zu im den Jungen, vil traurig was sein müt. 

9 Darnach zoch er seinen herren huncz an daz czwelfte Jar. 
do sprach hoch dietreich, das sag ich euch fürwar, 
'lieber raaister perchtung, ich suche trewe zu dir: 
durch alle deine tugent du soll czaigen mir 

10 Nach ainer schönen frawen : so stat mir der müt. 
du waist wol, lieber maisler, ich hau ere vnd gut, 
payde lant vnd leüt, weyt ist die herschafft mein : 
ob ich nu also stürbe, wes soll es danne sein?' 

11 DO was herczog perchtung die rede nicht laid. 

Er sprach ' ich pin gewesen in landen verre vnd weyt 5 
Ich gesach nie mit äugen frawen noch magedein 
die dir hie zelande mugen genossam sein. 

12 Hat sy es an dem leibe, so ist sy ain dienst weib ; 
hat sy es an dem adel, so ist ir vngeschaffen der leib. 
Dauon chan ich vinden chainer stachle mafs 

die ir hie zelande zw frawen woU gezauges.' 

13 DO sant hochdielreich vber all in sein lant. 

Da chom gen hoff geritten manig cliüener weygant. 
Er sprach ' nu rat alle an ain magedein 
die mir hie zu frawen müge wollgenossam sein.' 
1-4 Er sprach 'vil lieber herre, das tun ich euch kunt, 2" 
es siczczet ze saluckke ain kunige, haisset walgunl; 
sein fraw ist gehaisscn die schone fraw liebgart; 
sech, die habent ain tochter, daz nie kain schöner wart. 

5,3 mich vor hit aus^esfric/ien. 13, t. (]\c itarli sanl aitsgcslrichvn. 



HAUGDIETEHICH /.U3 

15 Ililpurch du schöne so ist sy genaal. 
man l'undc ircn j;elcichcn nicht, der auch für durch alle 

hijit, 
weder kunigein noch kainer shichl niaj;;el, 
die ir hie zc lande zefrawen als wol behaftet. 

1(5 Sy ist von aller art edclii clninij^ gebar. 

ir wonel pey zuchl vnd ere, daz sag ich auch fiirbar; 
uials vnd auch schani, darczii beschajdenhait, 
lugent vnd auch schani, die tragt die schone magt. 

17 Auir aineui turn geslossen so ist die werde niayt. 
ir vater hat versworen sy allen mannen versait 
hiincz an sein ende die weyl er hat das leben; 

daz vmb sy pül der chaiser, er wolt im sy nymuier geben. 

18 Ir phligt ain wachler schon ze aller czeit 

vnd auch ain lorwerlel, als man ir ze essen Irait, 
vnd auch ain JunkliiVaw die ir darczü behaget: 
sunsl ist sy behiit die kayserleiche maget. 

19 Was hilft euch, vil lieber herre, daz ich euch verie- 

hen han 
von der schonen frawen? die müst ir raren lau; 
mit allen ewrn synnen miigt ir sy nicht gewinnen ; 
ir müst sy lan daliaim, was euch darumb beschicht.' 

20 'Du waist wol, lieber maistcr, daz die tümen chint 2'' 
ze slunli vnd ze slrevten dhain frum nicht ensinl, 

noch ze hohen raten, da maa der phlegen sol. 
rat mir durch dein trewe, an mir so tüeslu wol. 

21 Nach der schonen frawen so slat mir der müt. 
ich lern nän vnd spinnen, ob es dich dunkhet gut, 
darczü würken mit seyden vnd mit vaden; 

mit frewleichcr zuchl wolt ich mich vberladen. 

22 Hays mir palde gewinnen die peste maislerin 
als sy in dem lande indert mag gesein 

die mich lern würchen mit seyden an der ram 
vn darauir cnlwerflen paidc wild vnd czam, 

23 Vnd mich lern an der hauben die wunder an zail, 
darumb gen die porten paide prait vnd smal, 
hirschen vnd binden, als es müg gesein. 

Ich mufs mit listen werben vmb das schöne magedein. 
17, 4. sy rtach daz ausgestrichen. 

26* 



404 HA[IGDIETEUlCn 

24 Der maister hcrczog pcrclilung den lierrcn an sacli, 
da er von ovclf Jarea so lislcnleiclien sprach. 

er gewan im diirdi ain wunder die peslen niaisteriu 
als SV zw Jtrieclien lande indcrl möchte gesein. 

25 Da lernt hochdielereich wol ain gantzcs Jar 
also wach würchen, das sag ich fürbar, 

was sy im vor worcht, sein gelrewe niaisJcrin, 
des wart er auch maisler ze den henden sein. 

26 Nach weipleicher stymme so chert er seinen mnl; 
das har liefs er wachsen an der selben stund. 

da ward vil schon vnd auch gar niinikleich, 
oberlhalb der gurtl ainer frawcn gar geleich. 

27 In weipleicher wat er sich sechen lie, 3" 
da er zw conslantinopel hincz der kriechen gie. 

der in vor wol erchanle, den Fürsten lobesaili, 
der niöcht wol fragen wer sy wer die wolgetafi. 

28 Also hoch dietreich das an im erfant 

daz er in was worden den leuten vnerchant, 
des frewt er sich vnd höchet sich sein müt. 
er gedacht, chäm er gen saluekke, sein werben das wur- 
de gut. 

29 Er sprach 'vil lieber maister, nu gib mir deinen ratt, 
Seyt du wol sichest daz es alles an dir stat, 

mit welher hant weyse sol ich von hinnen varen?' 
da sprach der alte greisse 'ich sol es wol pewarn. 

30 Du soll mit dir füren herfi hoch dietreich 
vnd funfczig riller chün mit klaid loblich 

vnd vier hundert kappen, das sy sein wol perait, 
sechs vn dreissig Junkhfrl die auch sein wol geklaydt. 

31 Du soll mit dir füren dein vil reiches geczeltt 
hin gen saluekke für die pürg auf das vell, 

vnd haisse es schöne auff slacheu auf dem grünen plan ; 
darunder siczczel mit ewr chrone, Ewr diener haisset 

vmb euch erslan. 

32 So wirdt von dem kunig vil schier zu euch gesannt, 
durch welher haut abentcwr ir seyt chömen in das 

lanndl. 

2i, 3. siirach nach er aitsgcslr. 30, 3 zwischen daz und sy ist scy 
ausifpsfr. 



IIAIGÜIETEHICII 400 

zuliaiidl siill ir sjtrcchcii, vil lieber lierre mein, 

"ich |)iii aus coiistantinopiiel aiii cdol kuiiifjeiii," 
33 V n<l cucli liab vcrlriben dein prüder hoch dietreicb : 

der wolf dich geben aiuein mau, der sey dir nicht ge- 
leich, 3'' 

ainem vngelaul"len in der liaydeiischari ; 

viid du seist chomen auf genad z,u dem kiinig so tugenl- 

hallf, 
S'i üaz er dich behalt, der auserchoren, 

liüuoz daz gen dir verlasse dein prüder seinen czoiii. 

so lal er dich pelciben; so pcleib du dort 

selbvicrde, das gesinde sende wider daü. 
35 vnd wirb du dannc das pestc pys in das ander Jar ; 

so wil ich zu dir reitten, das sag ich dir lürbar, 

vnd dannc suechcn vnd spehen 

ob dir icht zesaluelke sey abentewr beschehen.' 
3G Do ward hoch dietreich desselben rates frö. 

funfczig rilter frum hiesz er klaidcn die, 

vier hundert kappen, die waren wol perait, 

Sechs vnd dreyssig Junkhfrawen, die truegent reiche klayd. 

37 Sein reiches geczelt niüst wesen da perait 
vnd ander sein gesinde, als es vns ist gesayt. 
vrlaub nam sy schier, als wir haben vernomen. 

au dem acht zehenden morgen warens gen saluekk chomen. 

38 Harte reileich slug man aufT die zeit 

für die pürch ze saluekke niderauf das vellt. 

vier karfunkel gaben auf dem knoppfe schein. 

die lewt nam vil grofs wunder wer die geste möchten sein. 

39 Aiu ritter hies der degen, der ward zu im gesant, 
durch welher abentewr sy weren chomen in das laut, 
der ritter da vil pald aus der pürge gie ; 
hochdielrcich vnd die seinen er tugentleiche enphie. 

40 Also der werde ritter die herren erst an sach, 
gern mügt ir hören wie er do zu ir sprach. 

'edlein künigin, wannen mügt ir her chomen sein? 4- 

das sult ir mich lan wissen vnd was sey der wille dein.' 

41 Des antwurt im der fürste, der was gar vnuerczagt, 
'ich von constantinoppel bin ain miniklithe mail. 

3.3, 2. vor der correctur vngetauftem 



400 HAÜGDIETERICH 

da hat mich verlribeii mein prüder hoch dielreich ; 

der woll mich geben ainem man, der ist mir vngeleich, 

42 Ainen vngelauften in die haidenschaft. 

nu pin ich chomen auf genade zu dem künig so tugenl- 

haft, 
daz er mich behalt selb vierd, der aus erchoren, 
vncz daz mein prüder verlafs gen mir seinen czorn.' 

43 Der ritter gieng hinvvider da er seinen herren vant; 
Er sprach 'herre, selczam gest die sint chomen in das laut, 
es ist von constantinoppel ain edle knnigin 

chomen her czu land, her, auf die genade dein, 

44 Daz du sy behaltest selb vierd, her aufs erchorn, 
vncz ir prüder liöcli dietreich verlafs gen ir seinen czorn. 
euphach sy tugentleichen, vil lieber herre mein, 

seyt sy ist kömen her czü lande durch den willen dein. 

45 Das stat herleich, seyt sy her cliömen ist 

so verre aus fremden landen vnd doch an argen list. 
du hast sein frum vnd ere, künig edler aufserchoren ; 
sy ist ain magt her vnd darczü hochgeporen. 

46 Man hat ir vil von dir gesait, du seyst ein tugenthaf- 

ter man ; 
des solt du sy, her, hie wol geniessen lan.' 
Walgunt der herre aus der purge gic, 
hochdietreichen vn die seinen er tugentleich enphie, 

47 Hoch dietreich liesz sich nider für den künig lobesam ; 4'' 
walgundt der künig werd pat sy bald auf stau. 

hoch dietreich sprach ich peüt mich, herre, zu den fues- 

sen dein, 
herre, mein liebleich grüssen last mit deinen hulden sein, 

48 Daz du mich behallest selb vierd, künig aus erchorn, 
vncz mein prüder verlafs gen mir den sein czorn. 

des danckt ir wol mit eren dem kunig also reich, 
als er mich lat ze hulden, das wisse siclicrleich, 
so wil ich von dir schaidcn, herre tugentleichen.' 

49 Seyt ir von Constantinoppel ain edel künigin, 

wes ir weit des sült ir ewrn chinen vor mir lassen sein. 

müt wes ir weit, des sült ir sein gewert. 

das ir, frawe, vor mir chniet, des pin ich nicht wert. 

50 Ir vnd ewr gesinde sült hie pey mir sein. 



MAUGDIliTERICII W7 

von essen viiii von Irinkclien süll ir ain vollen lian 

durch hoch dietrcichs willen, vil edle kuni-jin.' 

zu im sprach die wcrd ' herr kunig, des mag nicht gesein. 

51 3iich hat her bela\l von conslantinoppel der 
von mcran herczog perclilnng mit rilterlcicher wer. 
der ist ain fürst werd vnd hat ain weytes land. 

Ich niüsz iins wider liaym senden, des ist mein trewe 

sein phant.' 

52 ' Maister perchlung erkenne ich wol, das sag ich dir 

fiirbar. 
der hat mir gedient hincz in das' drille Jar. * 
er sant sy wider havm vnd klavdel sich reichleich. 
da belayb er seih vierd, der kunig hochdietreich. 

53 Der kiinig walgunt in pey der hande nam 5 

er fürt in tugenlleichen auf die purgk hin dan. 5" 

die edel kunigin in do engegen gie; 

den herren vnd die seinen sy tugenlleichen enphie. 

54 Do sprach der kiinig walgunt ' vil liebe frawe mein, 
die magel schöne lal euch enpholhcn sein 

vnd nembt euch sy zemasscu, die künigiu auserchoreu^ 
wir wären wol ir aigen, als hoch ist sy geporeu.' 

55 do hiesz die künigiu ain sidel dar tragen 
mit edlen seyden polstern, das sag ich für war. 
'daraulF so sült si sitzen, frawe zu der stund/ 

sy fragt in wie er hiesz. do sprach sy ' hildegundt.' 

56 Do begund klain spinnen hildegunt zehanndt: 
miln biet nicht iren geleichen funden in dem lanndt: 
darczü wach nän manig klueges vogelein 

mit gold vnd mit seyden, als es lebenlig möcht gesein. 

57 als die künigin die reichen chunst an sach, 
nu mügt ir hörn gern wie die frawe sprach. 

'das solstu mir czwo leren hie der Junklifrowen mein.' 
er sprach 'ich tun es gern, vil liebe frawe mein.' 

58 'Darumb wil ich dir ymmer wesen holt. 

Ich gib dir auch zelone silber vnd auch das golt. 
wes du getarst muten, das ist dir unuersagt.' 
des dankt ir tugenlleichen der rilter vnuerzagl. 

59 da lernt hochdietreich czwo Junkfrawen, das ist war, 
also wach würchen wol ain halbes iar. 



408 IIAlir.niRTElUCll 

tisch lachen sclion, die waren wcyl vnd prail, 

daz man sy znhochczeylcn für cdele iTirslen leyl, 
f)0 Mit slij;lil.z vnd inil, czcyslein, dröschel vnd nachlifijal, r»** 

das was zu dem andre ende gezieret, hin zc lal. 

andei'halh der greyü" vnd anch der adler 

zc vödrist zu der gesichl daz man sein nam da war. 
C)\ aiiderhalh der falkli vnd hähich dan linken 

vnd anch das i^clii^el schön nach im hin zug. 

millen in der lewe wihle vnd anch der lind wnrili, 

sam sy hiellc miteinander aiii i^rossen stürm. 
02 Hasen vnd anch luchs vnd das auch 

demort der Icopart also rauch, 

das eherswcin zc waidc, mit im die hundt rol. 

aller erst man es dem fiirslen wol er|)ol. 
G3 hirschcn vnd hinden die stunden au(h dar an 

in der vil roten golden, sam sy das lehen möchten Iian. 

sällzamcr aheiitewr stund vil dar an. 

das schawet an dem lisi-hlachen vil manig pider man. 

64 Da sprach der kunig walgunt ' wer hat vns das gcnäl, 
ditz sälczam wunder das vor vns hie slal?' 

da sprach ain chamrer an der seihen stund 

'das tut alles von kriechen die schöne hildegunl.' 

65 aller erst wurden im die leiit in dem lande holt. 

er begunde herfiir zu succhen sein klain gespunnen goll. 
da würcht er ab ain hauhcn die wunder anczal; 
darumb giengen porlen, aincr prayl der ander smal. 

66 Als er die wol gecziericn hauhen het perait, 
do sant er nach dem kunig, als vns ist gesait. 
er saczt im aull" die hauhen mit den licndcn sein : 

'das trag zu diser hochczeyt, herre, durch den willen mein. 

67 ir still sy durch meinen willen vor ewrn gesten tragen, 
als sy cliomcn haym zu lande, daz sy dannc chunne ge- 

sagen, 6" 

ir tragt auf ewrm haubt ain vil reiches klayd. 
er sprach 'genad, liehe Irawe, vil nnkleiche mayt. 

68 Ir habt mich wol gecrl, vil edle knnigin. 
mutet was ir weit, des wcrd ir gewert. 

ül, 3. vor der curn-rlur iiiitUiin 



iiAii(;i)iinKi(i(:if 



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laut. VII .iu(li Iciilc, ulli'H iliiN o.wn'. Ufvr/r. K''"'» 

ii;li KÜ» nicli drs iiuun Irrwr, «l«*H küII ir si-iii grwrrl. ' 

<»y rr H|ir;ir|i ' vil lirlicr lu-rnr, iiia^l .ilicr «i.iH mIüI j^riK-in? 
Do N|ir;n li (1(1 kiiMif? w«*nl Miis hol lirKcliriicii Müiii.' 
NO lal'N ah «Inii tiiin /u mir «wr lo( iilcr gaii ; 
NO wil irli viiili dir iiaiilx-ii iimIiI iiM-r /.«-loiic li;il)<-ii. 

7(1 l'ir spracli rdic. kiiiii^iri, drs siill ir M'iii |4«rw«*rl. 
ir iii(ii-lil<-l VN ol i'cic.iMrr ^al> .m iiiiiii lialicii ^('rl. 
|iaid«' hiiil. viid liriil, sillicr viid ain^li das ^oll, 
daH hicl i(r|i riicli ^i-Ihmi, oIi ir v.s iiciiicii wolt. 

71 Da saut kiiiii^ wal^iiiil. Vlicr alle, seine laiil.. 
/elioir ilioiiieti (^ei'illen vil iiiaiii^ kiieiier we.y^aiil, 
licre/o^cri viid ^raleti iiiil klaider loldeieli. 

do Naiil die kiiiii^in iiacli iiiaiii^eii iVaweii reieli. 

72 All aiiic liocIic/.ryllKJelH'ti laj^e die .loiiklilraw ab dem 

liini ^:ir. 

do lieH/ siitii dielreieli Ciir sy iiider aiil' die elinie. 

Ny villi) lieii;^ in iiiil ariiM n vnd [lal. in wilelioineri Hein. 

Ky N|)rae|i ' slal. auf, .Iniikfraw; lal. ewr knien vor mit 

Hein. 
7'.i i'raw lieli^arl die selion e/winelien in jiaiden (^ie ; 

rnil yeiweder liende sy in arme geiiic. 

Hy liirl «y aull' ain hvdel ((esee/l, Heclil., d.is war als<i 

rieli. 

do sacii er also ^erii die Jonkliliaw miniklieli. 
74 da Aae/t man /n am ander die .liiii^cii kiini^in. 

man jiraclit in ^i'ili- KpeyH vnd darc/ii klaren wein. 

da Hith/. der werde lürsle jiey der Irawen wol^elan. 

Nv |iliklen lu^enl.leiellen an ainandirr an. 
7.'> I'jV |ii)I ir den |)eelier vii n( linaidir iiir dan prol. ; 

lioH'leir.lier e/.iielil er ir do iiil er|iol,. 

wie moelil. dem lierren «ein gewesen (la» 
. da er pey Heiner Irawen an ainem lise.lie san/. ? 
70 I'raw lieli^ail. die <;de,l die |ililii-|iL ymmer dar; 

ir jiaider gejwirdc iiam ny vil gi'il war. 

NV raiilil. ir in da» or, der jungen kiinigin 

(In soll e/.u«lil jiey ir lern, vil lir-lie, loclilei mein. 
77 der kiiiiig walgnnl, li-nger iiielil. enlie, 

wie pald er ze lioll Iiir nein genle gie, 



410 HAUGDIETEllICH 

die er zu der hochczeit het geladeu dar! 

durch seines holles cre iiain er schaden, das ist war. 

78 Da sprach ain graffe herr, tut mir bechafit 
durch aller ewr tugeut, wer hat euch gesant 
dise hauben wach? das ist aiu stolczes klayd/ 
'das hat getan von Kriechen die miniklciche raayt. 

79 die ist ingesinde pey meiner lochler hie. ' 
der künig do vil palde für die frawen gie. 

da sassen pey einander die czwo gespilen gilt : 

wer sy nu wolle schaiden, der het nicht weissen müt. 

80 Do sprach die schone hillpurg 'vil lieber vater mein, 
ich pät dich also gern, möcht es mit hulden gesein, 

das du mir auf den turn liessest Hildegunl: 7' 

die wolt mich lern was sy chafi gar in kürczer stund.' 

81 er sprach 'vil liebe lochter, darumb pin ich dir holt, 
ich gib ir auch ze lön silber vnd auch das golt; 

wil SV ainen herren, lafit vnd leüt mach ich ir vnder- 

tan/ 
'nain' sprach da hildegunt, 'ich wil dhainen man." 

82 Die hochczeyt nam ain ende, die herren ritten von dan. 
wie pald der chiinig walgunt die czwo gespilen nam ! 
man fürt sy aufF den turn, darauf man sy verslofs. 

des wart hochdietreichs frewd raichel vnd grofs. 

83 In ward darauff geschafft aller der gemach 

daz sy paide pedorffen ; mit vollem das beschach. 

der Wächter vnd der torwertel müsten ausserhalben sein : 

man pot in wes sy bedorfften da zw aine vensterlein. 

84 da ward hochdietreich der Junkhfrawen also holt ; 
er lernt sy sprach würchct mit seyden vnd mit gold, 
darnach in der lichte wiirchen an der ram 

vnd auch darauf entv/erffen päyde wilde vnd czam. 

85 nu merckhet ob der fürste nicht grosser cziichte phlag, 
vnczt daz er wol acht wochen auf dem turn lag, 

daz er sy nie pracht innen daz er was ain mann, 
huncz daz die starkhe minne an dem held enprann. 

86 Er vmb vieng sy mit armen, zu im er sy gesloss, 
sein halsen vnd sein küssen das ward also grosz. 

77, 4. zwischen nam und er isl ere ausgestrichen. 86, I. vor der 

corrcctur geslossen 



IIArGDIETEHICH 411 

do sich nu die inyniie iiiilil luociil verlielen, 

do begiind sich sein geselle vil pald her für zu slclleii. 7'' 

87 Do sprach hilpurj:; ' vil traut gcspil mein, 

was pedawt dicz träulen oder was mag es gcseiu?' 

'geliai)l euch zu dem pesleu, chiinigein reich: 

Ich bin von conslaiiliiioppcl der kiniig hochdiclrcich. 

88 ich hau durch ewren willen erlitten grol's arbait, 
und tun es noch gern, wünnikleichc mait. 

ich wil euch eleichen zu aincr l'rawen ; 

Ja siilt ir ze conslanlinoppcl viider der chron gan.' 

89 Si begiind haisse waincii, Jr äugen wurden vil roll. 
Sy sprach ' wirdt sein innen mein valer, so müssen wir 

ligen lod.' 
er über cliöm sy mit gut, daz sy ir wainen lie; 
Jn wart auch wol zeniül, ir paider wille ergie. 

90 da het hochdielreich die frawcn, das ist war, 
voUikleichen woll sechs wochen vnd ain halbes jar, 

daz sein niemant wart Jnnen vnd niemant ward gewar, 
wie ofFt die künigin gie zu i-n paiden dar. 

91 \ ncz daz die l'ravve enphicng von im ain chindelein. 
Saluekk vnd auch kriechen die wurden paide sein ; 
tüskan vonpüll, rom vnd latran, 

darczü alles römisch reich wurden dem chindc vnderlan. 

92 als die Junkhfrawe des chindcs do enphannt, 
sy pegund vor layd wainen, ir hennde sy wannd. 
Si sprach ' hochdietreich, fürstc lobesan, 

ia wann ich vnser frewdc die müfs ain ende haben. 8" 

93 ich enpliinl in meinem leibe, Jch trag ain chindelein. 
wir müssen pey einander hie gcuangen sein; 

wir cbünnen mit vnseren svnnen chomen nicht hinab.' 
Er sprach 'liebe frawe, durch got dich woi gehab. 

94 In den reichen got vnser paide leben stat: 

der sol vns von hinnen helfen vnd geh vns seinen rat 
vnd sol vns behüten vnser ere vnd vnser leben 
daz er von seinen genaden vns paiden hat geben.' 

95 fraw liebgart die künigin nicht lenger enlie, 
zu ir schönen tochter sy auf den turn gie. 

sy schawt wie sy lernt ir liebes töchterlein, 
vn auch durch kurczweyle chöm sy zu in. 



412 HAUGDIETEIUCH 

96 Da sprach die schöne hiltpur^^ 'vil liebe niuter mein, 
Ich pät dich also gern mit deinen hulden sein 

daz du vus ain weylc liessest an die czinnen gan, 
ob wir icht abentewr möchten han.' 

97 si sprach 'vil liebe tochter, Jch wil dir es nicht ver- 

sagen.' 
sy hiesz auf entsliessen den turn vnd das gaden. 
Hildeguut die schon sy pey der hende geuie ; 
mit den Jungen paiden sy an die czinnen gie. 

98 Da Sachen sy über das geuilde seigen ainen vannen ; 
darunter ritten schon czwelf hundert mann. 

wer die herren waren, das was den vnchunt: 
vil schier sy do erchannt die schöne hildegunt. 

99 Er sprach 'die wir dort sehen, die sint mir wol bechannt; 
die hat mein prüder hochdietreich her nach mir gesant. 
es ist herczog perchtung, ain ritter aufserchoren. 

Es hat gen mir mein prüder lassen seinen czorn.' 8"* 

100 Da sprach die schöne hiltpurg ' nain, mein trawt gespil, 
tu es durch got den guten vnd la die rede sein. 

seit ich dich verliessen in so kurczer stund, 

so näm mein fräwde ain ende, vil schöne hildegunt.' 

101 da sprach die schöne hildegunt 'vil liebe gespile mein, 
vnd soltest du also lange von deinen freunden sein 

als ich hie pin gewesen, vnd sant man nach dir, 
du frewest du dich in deine herczen da pey gelaub auch 

mir.' 

102 ES gie an den abent daz mann in essen trüg. 
sy betten zw allen czeyten aller wirtschafft genüg, 
von in gie do slaffen die edel künigin : 

sam let auch hoch dielreich mit der lieben l'rawen sein. 

103 Er het desselben nachtes vil manigen gedank 
von so grossen sorgen da er so ser mit rang, 
wie er mit füge chäm von der künigin, 

daz er behüt ir ere vnd auch das chindelein. 

104 Er sprach 'edle künigin, als ich euch gehaisscu hau, 
Jr sült zu constantinoppel vnder der krön gan. 

Jr müst arbait leyden, vil liebe frawe mein: 
des wil ich euch ergetzen' sprach da hochdietreich. 
103, 4. flas nach vnd aiisgeslr. 



IIAIGDIETEIUCII 413 

105 ' Weuii IUI clnunbl die czeil daz ir ze clieinnatcn ^iu\ 
mit vnser paidcr cliiiil daz wir von golles genaden haben, 
den Wächter vnd der torwerlel neniel niet zu euch herein, 
vnd auch die Junkhfrawc, daz sy laufTen das chindelein. 

106 haisset ains morgens frw hiincz dem niiinsler traj^en, 
daz sy es vorholen taullen, das wil ich euch sagen. 9" 
sey es ain niaget, so hayzz es, frawe, nach dem willen 

dein; 
sey es ain knab, so haizz nach den willen mein dictreich. 

107 ain aramen haiz es schon ziehen, es sey ain lochter 

oder ain knab. 
wann du dann erst milgest, so chüm zu im hin ab ; 
nym zu dir czwen riltcr vnd vier magedein, 
den wachler vnd den torwerlel vnd auch das chindelein. 

108 Als du dan chomest zu kriechen an das lanndt, 

so schaffe daz der riller ainer zu mir werde gesannt; 
so wii ich gen dir reillen mit manigen werden mann 
vnd machen dich auch gewallig alles dazz ich han.' 

109 si sprach Sil lieber herre, des raltes ich volgen sol. 
nu vber heb mich der schäm durch got vnd tu so wol 
vnd gewinnet mir die geuiillrin die ich dann süU han.' 
do pegund hoch dictreich ze hannt von dem pelle auf stan. 

110 Er gieng an die czinnen da er den wachter vant. 
er rüel't im an ein vensler, tut vns das püch bechannt. 
' sälczam abenlewr, wachler, wolt ich dir sagen. 

vnd wärest du so getrew daz du es wollest vertragen, 

111 So wolt ich enlsliessen gen dir das hercze mein, 
des müst du wol geiiiessen, wollest du getrewe sein, 
das soltu versweigen, wachter zu diser stund.' 

Er sprach 'vil liebe frawe, es chumbl nymer vor meinen 

mundl.' 

112 so lafs dir sein enpholhen die Junge kunigin 
vnd sey das das gewinne ain klaines chindelein, 

so soltu geuatter werden vnd soll auch das vertragen.' 0'' 
er sprach 'sweigt, Junkhfrawe ; was wolt ir mir sagen? 

1 13 Wie biet ich dann gehütet, vnd wer yemanlkomen her ein 
pey dem wer swanger worden die liebe frawe mein? 
wurd der rede jnnen mein her der kuuig walgunt, 

er hiesz mich an den turn henkchen an diser stundt.' 



/lU HAUGDIETEIUCll 

1 1 '« Da sprach hoch dictreich 'an alle dein schulde ist es 

erjjangeu. 
dich laf auch dein herre vil wol sein hulde han. 
Ich couslantinoppel hoch dietreich künig; 
pey mir so tragt das chindel die kunigin reich. 

115 das soltu versweygeu, wachter tugenthaJTt: 

V'nd chuiii zii mir gen kriechen; ain gancze grafschaft, 
darczii piirge vnd lewt soltu auch für aigen haben : 
vnd pring mit dir die fräwe vnd auch das chindelein. 

116 Den torwertel vnd die Junkhfräwe soltu auch mit dir 

lafi, 
vnd wifs, tausent markh geldes mach ich dir vndertan 
vnd ain vil gute veste damit beslossen ist das lannt : 
des see mein kiinigleiche trewe vnd mein ere für all cwr 

phannt.' 

117 do ward der wachler der guten gehaisse frö. 
mit den seinen trewen lobt er do dem herren. 
do frewt er sich der märe daz er geuatter was : 
er tet auch was er soll, da die fravve gcnafs. 

118 Hochdielreich gieng hin wider da er sein frawe vant. 
er sprach ' wenn ich müfs reyten von dir aus disem lanndt, 
so hau ich euch wol bewart, viel liebe frawe mein, 

vnd dein ere behüt vnd auch das chindelein.' 

119 Des morgens chara herczog perchtuug auf den hoff ge- 

ritten, 
sy erpaiczten von den rossen nach fürslleichem sitten 10' 
sy fürten von golt manig reiches gewannt. 
da enphieng mann den herren ire pherd zehanndl. 

120 Walgunt der künig reich engegen in gie. 
herczog perchtuug er gar tugentleichen cnphie. 

Da sprach herczog perchlung vil lieber herre mein, 
wie gehabt sich von kriechen die edel kunigin? 

121 Ich pin he'^r nach ir komen, edel künig reich, 
seinen zorfi hat verlassen gen dir hoch dietreich. 
paide lanndt vnd leüt mag sy wol gehan.' 

da spraclr der künig walgunt 'Job wil sy niemant lafi. 

122 ich han sy meiner tochler zu ainer gespilcn gegeben, 
pey der wil sy beleiben die weyl sy hat das leben. 

das hat sy mir gehaissen, die frawe wol getan.' 



IIAIGDIETEHICII 415 

da sprach ilor lierczojj perclilung 'ir siill mich sy se- 

clicri hin.' 

123 An (Ipiu andorcii iiiorf^^on gicnjj er ab dem lurfi Iierab. 
es bcschach nie so laid aiiic dem mann fürt liiucz dem grab, 
vater vnd miiler als hiltpurgen beschach. 

124 als do hochdielrcich ab dem turn gie, 

seinen maister perchtungen er gar tugenlleichen enphieng. 
Er sprach 'lieber maister perchtung, als lieb ich dir müg 

gesein, 
wie gehabt sich hochdietreich, der liebe prüder mein?' 

125 Er vmb vieng in mit armen, er rafibt im in das or, 
er sprach ' ich hann erworben die frawe, das ist war. 
für mich mit dir von hinnen, mein Irewer dienst man, 
oder ich mufs das leben, das wissen, verloren hau.' 

126 Da sprach der kunig walgunt ' vil edle künigin 

du soll pey mir beleyben, vnd lafs dein räumen sein. 10'' 
purg lant vnd leüt mach ich dir vodertan, 
daz du pey mir beleybest, fraw wol getan.' 

127 Do sy nu betten geessen vnd man von tisch gie, 

da liez sich hochdietreich für den künig nider auf die chnie. 
'vrlaub haim zelannde gebt mir, kunig aus erchorn, 
seit gen mir mein prüder hat Aderlässen seinen czorfi.' 

128 er sprach 'ewr Aville ich euch gehaben nicht, 
es müfs aber meiner tochtcr freüd sein begraben.' 
Do sprach hochdietreich zu der jungen künigin 

*tü es durch mein willen vnd lafs dein wainen sein.' 

129 Die frawe zoch ab ir liende ain guld vingerlein. 
'das für mit dir von hinnen, traut gespile mein. 

du soll es durch meinen willen tragen an deiner hant: 
als offt du es an plikhest so pis ain trewe gemant.' 

130 Der chünig hiefs im palde ain reyleich gewannt her 

tragen, 
das was reichleich vnd kosper das sag ich euch für. 
Do sprach zu dem herren 'vil edle künigin, 
das traget in ewrcra lannde, frawe durch den willen mein.' 

131 Er hiefs in pald pringcn vier phärd wunnesam. 

die gab er hochdielerichen vnd seinen Junkhfrawen wun- 

neklich. 



416 HAIGDIETEKICH 

viiaub iiain sy schiere, do kerllen sy von dann, 
der kiinijj «^ab im das gelaid mit mauigem werden mann. 
J32 Do sprach der künig walgunt ' vil libe frawe mein, 
ich mufs hie haim beleyben, das lat mit hulden sein." 
Er sprach ' vil lieber herre lat euch enpholhen sein 
hilfpurgen mein gespilen vnd auch die tck'hter dein.' 

133 do rait hochdielreich haim in sein aigen lanndt. 11" 
sein stctt vnd auch sein pürge er wol in wirde vannt. 
gegen im ritten schiere die seinen dienstmann ; 

sy enphiengen iren herren als es in wol geczam. 

134 Do belayb er ze constanlinoppel wol ain halbes Jar. 
er wardt ofTt Irawriges müles, das sag ich euch fiirbar. 
als offter anplikt das guld vingerlein 

da Irawrt im das hercze nach der frawen sein. 

135 aIso tett hillpurgen zu saluekken hie, 
da sy mit grossem laide auf dem turn gie. 
mit iren paiden henden sy das har aus prach, 
da liefs ir traut gespilen weder hört noch sach. 

136 Do sprach der wachter vil liebe frawe mein, 

tut es durch got den guten vnd lat ewr wainen sein. 

von stund hincz weyle vncz daz chom der tag 

so hilf ich euch des pesten des ich chann vnd mach.' 

137 sy verdrukt in irem herczen, die edel kunigin, 
grols laid vnd smerlzen vnd maniger bannt pein, 

von stund hincz weyle vncz daz nu die czeit chommen was 
daz nu die frawe aines schönes degen chindes genas. 

138 An aine morgen frw® da der tag her gie, 
da was die kunigin aines chindes genesen hie. 

der wachter vnd der torwart chonien zu ir hin ein 
vnd auch die junkhfrawe. sy pcdekten das chindelein. 

139 da begunden die kunigin schawen vnd auch spehcn 

ob SV ichl abentewr an dem chinde abentewr möcht gesehen 
SV wandt im czwischen schultern ain rotes krewtzlcin, 
da pey so da erchannt ir liebes chindelein. 11'' 

140 Also das chindel klain ward aus dem paid erhaben, 
mann vanndl es in schöne tüecher, das wil ich auch sagen. 
ain chiiis von palraat seiden man vmb das chindel wand ; 
ain giirll seiden was des chindes wiegen panndt. 



IIAÜGDlIiTEUICIl 417 

141 fraw liebgarl die alt nicht lennger enlie, 
zu ir scLöneii loclilcr sy auf den lurfi gie. 
sy hiez sich palde einlassen, die edl kunigiu. 

da weslen sy nicht war sy sollen mit dem iungen chin- 

delein. 

142 Do sprach der wachter 'vil liebe frawe mein, 

tut es durch got der guten vnd lat ewr wainen sein, 
wie Süllen wir geparen mit dem chindelein? 
hört es ewr muter wainen, daz ez ist erst geporen, 
SO müls wir sicherleichen das leben han verloren. 

143 wie wellen wir geparen das chlain chindelein?' 

ich chann euch nicht geraten' so sprach die künigein. 
der reiche got von himel, der es beschaffen hat, 
der sol es behalten vnd geh vns seinen rat.' 

144 Do sprach der wachter 'fraw, seyt wolgemüt. 
ich han funden ainen list, ob es euch dunkchet gut. 
wir Süllen es vber die maur hin ab in den hag lann 
an eine sayl, das dunkt mich gut getann. 

145 so ist wol verporgen, fraw, dein chindelein.' 

CS dunkhet mich das peste' Da sprach die kunigin. 
ee das die kiinigin ward in den turn gelan 
man liefs es vber die maur hin in den hag hin dann. 

146 Fraw liebgart die alt zu ir lochter gie. 

si sprach 'wie ist dir beschehen? du pist erplichen hie.' 12* 
'da wolt mich haben ergrummen, fraw müter, ich wais 

nicht was. 
ich was nach gestorben ; nu ist mir worden pas. 

147 ich het vil nach verczweiuelt, fraw muter, vmb mein 

leben.' 
ain edle speys hies sy ir geben 
von essen vnd von trinkchen, als ir dürft was: 
die alt künigin chund ir wol gefiigen daz. 

148 czwaier hant sorgen die Junkhfraw in irem herczeu 

phlag: 
die ain das daz chindel in dem hag lag 
also vnbehuet vnd nicht west wie im was; 
so was die ander sorge daz sy sein also genas. 
147, 2. sy am rande, im texte ich ausgestrichen. 

Z. F. D. A. rV. 27 



418 HAUGDIETEUICH 

149 Das verdrillet in ircm herczen die edel kiinij^in. 
SV laid vil grossen smcrlzen vnd nianigerliannl pein 
denselben lag als langen vncz auf den abent bie, 
vncz das ir liebe niüler von ir ab dcia turn gie. 

150 Dannocbt lag das chindel verporgen in dem bag. 
denselben tag so langen es der rw pblag 

daz es swaig so stille vnd es nieniant vernani. 

von pas vnd aucb windeln was im sein recbl getann. 

151 Ain wolf nacb seiner speysc in den bage gie, 

dar Jnne er biiener vnd kappawfi er uil dikbe geuie: 
der nam das kindel klain vnd vasst es in den nuindl; 
es trüg es büncz wald an derselben stund, 

152 Gegen aine bocben perg, der was Jnnen bol. 
der allen waren czwene, das sag ich euch wol. 

Sy hellen vier Junge, die waren ainer wochen alt; 

der wicz vnd auch des chindes waren wol geleich geslalt. 12*^ 

153 für sy legt da der allt das klain kindelein 5 
Es soll der jungen wolf speyse gewesen seyn. 

da schuef es die Jugcnt daz sy dannocbt warent plint: 
das half die künigin, da genas ir das chint. 

154 jNv lassen wir das chindel pey den Wolfen hie 
vnd hören wie es der nuiler zu saluckk ergie. 

Sy sprach ' lieber wachtcr vnd traut geuatter mein, 
sage mir durch all dein tugent, wie gehabt sich mein chin- 

delein?' 

155 wie pald der wachter ab dem turn gie 
aussen zu der maur da er das cbindelein verlie. 

er cbundet sein nvndort vinden: der wolf bei es hin ge- 
tragen : 

er sprach ' wie mir der märe ! was sol ich meiner frawen 

sagen?' 

156 Maniger bannt gedänkh er in seine herczen pblag, 
er gedacht ' ich wil peleiben bicuor dem langen lach 
hincz an den morgen frw" daz es beginnet tagen, 

Sam ich es habe getauffet, vnd wil das meiner frawen 



sagen. 



157 so wirdt es wol verswigen vmb das cbindelein 

149, 3. als vor lag aitsgestr. 154, 1. vor der correitiir «bindeiein 

1 56, 2. vor der corr. hiciior vo dem 



IIALGDIETERICIl 419 

vncz (laz sy kunibt aus dem pctlc, die liebe frawc mein. 

präclil ich yetzuiid innen daz es war verloren, 

vor laid so niust sy sterben, die trawe liochjjeporen. 

158 An dem anderen morgen, da es begunde lagen, 

der waebter cham gegangen, secbt das wil ich euch sagen. 
Da sprach aber die frawe ' vi! traut geuatter mein, 
sag mir durch all dein tugenl, wie gehabt sich mein chin- 

dclein?' 

159 Er sprach 'vmb es stat es wol, vil liebe frawe mein, 
da hann Ich es gelauft, ewr liebes chindelein, 

ich vnd die Junkhfraw die es mein Ilerre pat; 13' 

es hat auch der torwarl hein nacht gchut an meiner slat.' 

160 Der kiinig wolt Jagen reylen, als ich euch beschai- 

den hie. 

Da sacii mann das der wolf dort in dem hage gye. 

Da ward das gejaid alles auf den wolf verlann; 

mann iagt in hinlz walde, da er den schaden bei gelann, 
IGl Gegen aine hochen perge, der was Jnnen hol. 

do was niemant so kün der in das lug wolle gan. 

Der allen waren czwen, sechl daz ich euch für war nu woll 
1G2 »0 sprach der kiinig aus czorfi 'Wir müssen doch die 

wölf haben.' 

Herren vn auch knechl die niuslen vasst graben 

paydentlialben des luges grofs arbail haben. 

das nivnikleich kindel mann an den wolffen räch ; 

vil schier man die allen in dem lug erstach. 

163 Als die allten paide waren nu gelegen tot, 
hinein sloff da aiu Jägr der sy heraus czoch, 

er vandt die Jungen vier, der mocht nymmer sein. 
Do er wolt von dannen schaiden, do er vant das chin- 
delein. 

164 Er trueg es pald an das liecht, schawen er es began, 
er biet nie mer gesehen ain chint so wunnesam. 

Do sprach der Jägr ' wart, ('dler kiinig walgunnt, 
Ja hann ich euch funden ainen gar reichen fundt. 

165 SCchau, lieber herre mein, welch ain kind ich funden 

han. IS"» 

159, 3. mit Herre, dem ersten moi'fr vo» hl. 13", beginnt eine andere 
hand. 

27* 



420 HAUGDIETERICH 

es niöclit in allr weit nicht schöncrs sein gclann.' 
Sy sprachen alle geleich das wer erste geporen. 
Der künig sprach 'Es müst mich rewen vnd wer es also 

verloren.' 

166 Do sprach der kunig zu dem Jägr 'liebr, nu sueche 

das weyb, 
ob sy der wolf verdekchet hab, die da trueg des chindcs 

leib.' 
als man da die frawen nicht in dem perge vandt, 
vor dem künig mann do schier das kindel aufF pandt. 

167 was sich danne sol füegen das miifs doch beschfchen. 
des mag mann abentewr an den chinder spehen. 
naturleich trew den künig des petwanng 

daz er sein pest gewant übr das chind swanng. 

168 er wolt es uiemant lassen, Er namm es an den arm, 
er sprach 'wir süUen freüleich gen saluekch varn.' 

rittr vnd auch knecht des lengr nicht behielt, 

sy fürten gen der veste das chindel vnd das will. 

169 DO chomen sy vil schyer auf den hoff geritten. 

Do erpaysten sy von den rossen nach fürstleichem sitten. 
Do gieng der künig walgundt für sein frawen stann. 
'nu schaw, vil liebe frawe, welch ain chind ich funden 

han.* 

170 Wie es die wilden wolff betten in den perg getragen, 
Wie mann es biet gebunnen Pegunde er Jr zesagen. 14* 
'Es ist noch vngetauffet vnd ist neüleich geporen 5 

es müst mich ymmer rewen, vnd wer es also verloren. 

171 mann sol es paden das klain kindelein. 

Ich will es hayssen tauffen, vil liebe frawe mein, 

vn will es schon ziehen ; vnd wirdt es ain pider mano, 

tausent markch gutes geltes mach ich im vndrtann.' 

172 DO gewann er im ze götten den grafen zu wulfing 
vnd auch von galicien vnd ain edel markchgrafein 

vnd den rittr Jörgen gar ain pidr mann. 

Der Wächter vn der torwertel musten auf hocher stann. 

173 aIso do wart perait das schon kindelein, 

Do Voigt Jm nach der tauff der künig vnd die frawe 

sein. 
168. die Strophe ist erst bei Er namm abgesetzt. 



HALGDIETEHICH 421 

Rittr vnd auch knechl die daucbt es wuuderleicli. 
Der küni{j liiefs es lanfl'en vnd hyel's es Dyelreich. 

174 AUso do das cliindcl Avardl aus der tauf gehaben, 

Do schepht uiann im aiu nanien, der volgt im in sein grab, 
wolfdyelereich, Aiu herr übr alle landl. 

175 im gab aiu markch goldes der graf wiilfein 5 
Do gab im auch aiu edle mar gräliu ; 

Do gab im auch Jörg ain guidein vingerlein, 

das mann destcr Pas zug das klain kindelein 14'" 

176 Aiuer reichen Ammen das chind cmpholhen ward. 
Die zoch es also schöne, es wart ir also zart; 

es wart also schöne dar nach in kiirtzen tagen, 
von purg iiincz purg miist mann es tragen. 

177 ES wuchs in kiirtzen tagen das chindel wunnesam, 
es wart also schon vnd auch gar wol getann 

das mann in dem land von im pegunde ze sagen. 
Dreystund in der wochen miist mann es für den künig 

tragen. 

178 Fraw liebgart die allt nicht lenger enliefs, 
zu ir lieben lochter sy auf den turü gieng; 
sy pegund ir sagen mär von dem chindelein. 

Do erschrakch sy in irem hertzen, die Junge kiinigein. 

179 wie es die Jungen wolf hetten in den perg getragen, 
wie es der künig biet funden pegunnd sy ir ze sagen, 
wie recht schön es war, das edel chindelein. 

Do sprach die Jungkfrawe ' herre got, wes mag es gewe- 
sen sein?' 

180 DArnach in kürlzen stunden die muter von Jr gie. 
die Junge kunigeiu lengr nicht enlie, 

sy sprach zu dem wachtr ' vil liebr geuattr mein, 
sag mir die rechten mar, Wie stat es vmb mein kinde- 
lein?' 15' 

181 Er sprach 'es gehabt sich woll, vil liebe frawe mein, 
ich hann es getauffet, ewr liebes chindelein.' 

Sy sprach ' Ich mane dich des gerichtes das zu le"st müfs 

über dich gann, 

175, 2. mar am rande nachgetragen. 178, 2. lochtcr vor lieben 

ausgestr. 179, 3. es vor schön ausgestr. 



422 IIAÜGDIETEUICH 

sag mir die reciilcu wariiait wie es vmb mein kiudei sey 

gelann.' 

182 Alls sy den wachlr so lewr het gemanet, 

Jm übrlulleu die augcu, sein hende er do wannt, 
er sprach 'liebe frawe, das will ich euch sagen; 
ich chund es uynderl vinden, Ich weils wer es hin hat 

getragen.' 

183 Die edel knnigcin het do leydens genueg. 

mit ircn päyden henden sy sich zii den prusten slueg; 

Sy klagt so klägleichen, die frawe wol getann, 

sy klagt es got von himel das sy das leben ye gewann. 

184 ' DAs ich von niiifcr ieybe zu der weit ye wart ge- 

poren ! 
wie hann ich gottes hulde vnd auch mein chindel verloren, 
vnd auch hochdietreichen, den lieben herren mein! 
von cren vnd von gut muls ich geschaiden sein.' 

185 Do sprach aber der wachler ' vil liebe frawe mein, 
tut es durch got den guten vnd last ewr wainen sein. 

es hat Eür vatlr funden ewr liebs kindelein ; lö** 

der zeucht an ewni schaden, des siilt ir freüleich sein. 

186 Welt ir mir nicht gelaubeu, so hört was ich euch sage, 
so pittet ir ewer miiter das mann es mit ir herauf trage, 
vn schawet dann vil rechte dasselbe kindelein ; 

so wert ir des wol innen ob es mag ewr gesein.' 

187 Fraw liebgart die alt nicht lengr enlie, 
zu irer schönen tochter sy auf den turn gie. 
sy begund ir abr sagen von dem chindclein. 

Sy sprach 'got berre von himel, wes mag es gesein?' 

188 Da sprach abr die Junge vil liebe mutr mein, 
Ja sech ich also gern das selb chindelein.' 

Sy sprach ' dein vatlr hat es lieb ; der wil es niemannt 

lann.' 
'so hayfs die Ammen morgen mit dir herauff gann.' 

189 Des andern morgens früe pracht sy die ammen sa ze- 

hannt. 
die Junge nam es aulf die scliofs ; wie pald sy es auf pandl ! 
Do vandt sy im tzwischen den schultern das goltuarb 

kreüczelein. 
sy zoch pald ab ir hende ain guidein vingerlein 



IIArCDIETEMICH 423 

190 vüd gab es der Aminen zu dem cliindclein, 
das sy es desfr iials zügc, das klaiii chindelein. 
Sy sprach ' wör ich pey den leulen, ich woll dir gcniidij^ 

sein 

lül DArnach in kiirczcn czeyttcn die mülr pey Jr safs ; IC 
sy redien von abenlewr dilz vnd das. 
Sy sprach zu der mulcr ' vnd lörsl ich euch verjehen 
scilzamer abenlewr die mir hie sinl bcschelien/ 

192 sy sprach ' vil liebe locliler, du macht mir wol sagen 
was dir hie ist beschehen pey allen deinen tagen ; 

das mag ich woll versweygen' sprach do die kiinigein. 
'so wisset das, Irawe müler, das chint ist mein.' 

193 Wie es die wilden wölf in den perg hellen gelragen, 
vnd wie es darzu kömeu war, pegund sy ir nü sagen, 
vnd wenne sy es biet gebunnen, dasselbe chindelein. 
'Nu sag mir, liebe lochler, wiir mag sein vattr gesein.' 

194 sy sprach 'liebe müler, das tun ich chunnt. 

ir wisset wol von kriechen die schöne hildegunt, 

der mich lernt die hawben wündrleich: 

das ist von wilden kriechen der künig hochdietreich. 

195 Piiy dem hann ich gebunnen ditz kindelein. 

gehab dich zum besten, seyt es nicht anders mag gesein. 

Ich hann dir gesait die warhail, rech als es umb mich 

stal. 

das ich chom zu im gen kriechen, darzu gib mir dei- 
nen rat.' 

196 'ich Irew niicli der merc' sprach die kiinigin, 

das du hast ainen Herren des aigen du wol möchtest ge- 
sein. 16'' 

nu sweig vil liebe tochler, seyl es also vmb dich stal. 

daz du chomest zu im gen Kriechen, darczu gib ich dir 

meinen rat.' 

197 Darnach die kunigein pey irem herren lag 
vnd maniger haut freuden er mit Jr pflag. 
Sy sprach 'künig walgunt, liebr herre mein, 

wie sol man darzu geparen das nihl anders mag gesein 

198 vnd aul" der weld chann niemanl vudrslau?' 

190, 3. nach sein die zeile viit strichen geju/lt. nach der 19(3/? 

ist die 195e Strophe iviederholt, aber roth durchstrichen. 



424 HAUGDIETERICII 

Des antbort ir der herre 'das sol mann varen lann. 

'des gebt mir ewr trcwc, das es müg stät gesein.' 

er sprach 'Ich prich es nymmcr, vil liebe frawe mein/ 

199 'DEs grossen wunnders müfs ich euch verjehen 
das vnnsr lieben tochter kürtzleichen ist beschehen. 
So ir fund in dem wähle ain schöns chindelein, 
das ist hiltpurgen, der lieben tochter dein. 

200 vnd wer scy tun auch ich dir chunnt. 

Jr wisset woll von wilden chricchen du schöne hildegnnt, 

das sy lerent wiirchen die hauben wunnderleich : 

das ist gewesen von kriechen der künig hochdietreich. 

201 Pey dem hat sy gcbunnen dilz kindelein. 17* 
nu gehaben wir vnns zu dem pesten, seyt es nicht anders 

mag gesein. 
Ir sült nach im senden vnd sült im sey gern lann, 
wann paide leiit vnd lanndt mag er wol gehann.' 

202 noch het der chiinig walgunnt vil manigen gedankcb 
von dem grossen zorn der in seinem herczen rang. 

er gedacht vmb sein tochter den herrn hietten angelogen 
vnd biet dem torwartter odr dem wachtr vbr sich ge- 

czogen. 

203 'GElaubet ir es fraü, so tut ir es vil tumpleich. 
Jr antlutz vnd ir varb was ainr frawen vil geleich; 
sy was minikleich vnd darczü wol getan : 

ich fürchte, frau, vnnsr tochter hab den herren angelogen.* 

204 an dem andern morgen hycl's er pald gaben, 
den torwertel vnd den wachter hiefs er do vahen. 
er sprach 'Ir müst mir sagen von der tochter mein, 
pey wem sy hab gebunnen daz kindelein.' 

205 DO sprach der wachter wider den herren so zehant 
'gelaubet mir, lieber herr, so tun ich euch bechannt 
wie es sey ergangen vmb die tochter dein, 

pey wem sy gewunnen ditz kindelein. 

206 Hildegunt die schön, die nam mich pey der bannt, 
auff Dem turn an ain vcnstr, tun ich dir pechannt, 17'' 
do sagt sy mir mär, die waren wundrleich, 

er war von wilden kriechen der kiinig hochdietreich. 

207 Das byes er mich versweygen, der herre so tugenl- 

hafft: 



HAUGDIETERICH 425 

darumb jjab er mir zc miete ain ganczc grafschaft, 

piirgc vnd laiml must auch mein aigen sein, 

(las ich im prächt mein frau vnd auch das chindelein. 

208 Do li'tt ich sam der tumme vnd was der gchaysse frö ; 
mit meinen ganizen Irewen loht ich dem herren do 
senden hincz conslanlinopel. miige es nicht also gesein, 
so hayssel mich hcnckcn, vil liebr herre mein.' 

209 ER sprach ' liebr herre, was hei ich schult daran 
das ir zu ewer lociiter verspart ainen mann? 

es ist nicht vngefuege, hat sy ain chindelein.' 

Do sprach künig walgunt ' nu habet die hulde mein.' 

210 Ell sprach zu seinen herren 'nu hett euch doch ge- 

poren, 
ich gab sy nicht ze manne, die Junkhfrawen hochgeporeu 
nu hat sy sich gemannet, die schön magedein : 
nu sprecht ob ich woU müg der ayde ledig sein.' 

211 'IR seyt der ayd wol ledig' sprachen sy do all ge- 

leich. 
'Ir siilt kurlzlcichen nach im senden, dem künig reich, 
daz er chöni zu lannde, die frawen weit ir im lann, 
seyt er ist ain herre vnd ain fiirste lobesam. 

212 Do sprach der kunig walgunt 'liebr gralf wiilffein, 18* 
Jr vnd der ritlr Jörg Siilt mein poten sein. 

Jr seyt sein geuattern, darzu hann ich euch erweit: 
nü pringet mir von kriechen hochdietreichen den hell.' 

213 Do waren die zwen derselben potschafft vil frö. 
vier vnd czwainczig rittr hiefs er klayden do ; 

mit den füren sy von dannen, tut vnns das puch bekannt; 
sy miisten poltschaft werlTen in der kriechen lanndt. 

214 DEr künig hyefs do pringen für sich die schönen mäyt. 
er fragt sy ob es war als der wachlr biet gesayt. 

'es ist also ergangen' So sprach das magedein, 

'vnd anders nicht, des mufs mein haubet phannt sein.' 

215 DO sprach die Junkhfrawe 'vil libr graff her wüIfFein, 
ir vnd der rilter Jörg sult mein poten sein. 

Sagt im ze wartzaichen, er wifs wol was er mir 
des nachtes an dem pette, da er des morgens von mir 

schved. 

216 HAisset in pesenden weytten in sein lanndt, 



420 IIAUGDIETERICH 

da/, er zu im gewin nianii;cn chiiniieu weyyaiil, 
(laz er küni ze land mit nianigem werden mann, 
daz mann in ze saluekch niiijj für ainen lierreu hann.' 

217 'ICIi will das tun gern' sprach der graff lobesam. IS** 
gebt mir vrlaub von hinnen, fraw wol gelann/ 

vrlaub nam er von dannen, als wir haben vernomeu. 
An dem achtzchenden tag warens gen constantinopel cho- 

men. 

218 sy chomen gar reichlich auf den hoff geritten. 

Sy erpavczlen von den rossen nach furstleichera sillen ; 
sy giengcn gen constantinopel für den künig stann ; 
do eniphieng sy hochdietreich, der fürste lobesann : 

219 Do lie sich der grafF für in nider auf die knie. 

er sprach 'durch ewrn willen, hcrre, so sein wir hie. 
gebet vnns das petten prott, edler kunig frumm : 
fraw hillpurg, ewr frawe, hat ainen schönen sunn. 

220 DOch sein wir nicht herchomen allain vmb das petten 

prot: 
Ich will euch sagen recht was euch der kunig empeiil: 
Ir sült nach der fraw'en, er wil euch gern lann, 
vnd darczii lanndt vnd leüt macht er euch vndertann.' 

221 'Wenn genofs sy des chindes, die liebe frawe mein?' 
'des ist wol ain halbes Jar, vil liebr hcrre mein.' 

er sprach 'got von biniel, wer mag mein geuatter sein?" 
'das pin ich vnd der rittr' sprach graff wiilfein. 

222 DO ward hochdietreich der geuätterit vil frö. 
pey yetweder geuie er ainen do ; 

er fürt sy gezogenleichen auf den sal hinein ; 

man saczt sy auf ain gesidel, mann praclit in guten wein. 

223 'wenn ward mann sein innen vmb die frawe mein? 
Wie tet der kunig walgunnt gen der tochter sein, 19" 
die Junge küiiigein? das biet ich gern vernomen.' 

das Junge kindelein ergangen war, als es darumb was 

pechömen, 

224 wie die wilden wolf das kindlein betten getragen, 
wie es der künig het funden, von den sy im sagten, 
vnd Avie recht wunderleich es war nach eren. 

er sprach 'got herre von himel, das ich ye gcporen wardl, 

225 Seyl es die wilden wolf betten in den perg getragen, 



HAUGDIETERICH 427 

wie maij es dann liaysscii? das soll du mir sagen.' 
Da spracli der ^vati' werde 'das tun ich euch pcchannt, 
es haisset woil' dielreich durch daz mann es pey den Wol- 
fen vaundl.' 
22(i ES gie an den abent daz mann in essen Irueg; 
sy hellen ze allen zeyllcn AvirlschafH gcnüchl. 
Iiuiiderl markch goldes er im zcdiefisl polt, 
rol's vnd auch gut klaidcr gab er im zepellen prot. 

227 DO chom herczog Perchlung gerilen in das lanndl. 
da sagt man im die mär, dem fürslen, so zehannl. 

er sprach ' wir siillen reytlen nach der frawen wol ge- 

tann ; 
ir siill sy hie laiidt zu aiucr kiinigin hann.' 

228 DO besannt sich hochdielreich iibrall in sein landt. 
vil schier so chomcn geritten zchoff' manig chiieuner wey- 

ganl, 
wolfl' fiinir tausent beide, die waren vnuerczayt, 
mit dem kiinig Hochdielreich gen saluekch rayl. 19'' 

229 aIso do die sämer wurden bol geladen 

vnd auch die chammer wagen als sy sollen tragen 

trinkciicn vnd s[)cyse durch die weylen lanndt, 

das riet im wol nach eren vil manig chiinner weyganndt. 

230 DO hiefs er pald klaidcu manigen riltr gut, 
die zu seiner hochzeyt mit eren woU behüt. 
freyen vnd grafen, vil manigen werden mann, 
in silbr vnd in gold sach man reichlichen gan. 

231 DO sprach herczog perchlung 'vil liebr herre mein, 
das goll vnd das silbr lat euch nicht gar ze lieb sein ; 
gebt es lugenlleichen payde frawen vnd man, 

daz man euch zu saluekch für ainen herren müg gebann.' 

232 er sprach 'vil liebr maister, als lieb ich dir mug sein, 
schair daz es slee nach eren, als ich chumm mit der 

frawen mein.' 
vrlob nonien sy von dannen, als wir haben vernomen. 
an dem achczehendem morgen warens gen saluekch komen. 

233 DO hei der kiinig walgunt gepawen auf ainen weg 
manige herleich gestiil vn manig reiches gezelt. 

230, 4. reillen vor reictileichen ausgrstr. 232, 4. morgens, das s 

ausgestr. 



428 IIAUGDIETERICH 

die kuöph daraiill' leücliteiil vnd gabeu lieclilen sciieiu. 
die leüt nam niicliel w uiindr wenn die geste chämefi darein. 

234 DO cham der rittr Jörg vor im hin gerannt; 20* 
er saget im daz er chäni mit eren in das lannl. 
walgunt der kiiuig lierre sich darczu perait, 

wol ain ganlze tagwait er im engegen rait. 

235 Alls er hochdiclrcich vcrren ansach, 

vil gern miigl ir hören wie er zu im sprach. 

'got will chömmen, herre vnd frawe ! wie habt ir mich 

betrogen ! 
Ich sich es an ewr varbe, der wachlr hat nicht gelogen. 

236 Den wolt ich von ewrfi wegen, herre, verderbet bann.' 
Do sprach hochdielreich 'das war vil vnrecht getann, 

Ir holt sy nieniant geben, die edel künigein; 

do müst ich mit listen werben nach der frawen mein.' 

237 DO enphie mann die gesste so gar tugentleich, 
manigen rittr chün vnd auch den künig reich, 
mann het sy alle schon, vil manigen werden mann, 
die dar waren chomen mit den fursten lobesann. 

238 DO chomen sy da schyer in das gestiil geritten, 
da betten sy chürtzweyl nach fiirstleichen sltteu. 

da sprach hochdietreich ' möcht es mit hulden sein, 
so säch ich also gern mein liebes kindelein, 

239 Noch dem mir nach so grosses layd was beschehen. 
die andern sein freünt die bann ich woU gesechen : 

Ich säch mein kindel gern Das mir der wolf nam.' 20'' 
do müst die amme palde für in mit dem kinde gut. 

240 ER nam es an den arm an der selben stund, 
er chust es gar schon vil ofl't an seinen mund, 
er sprach ' wolfdietreich, mein liebes chindelein, 
constantinopel sol dein aigen sein vor andern meinen 

erben.' 

241 seinen mantel liefs er sleyffen. Der was so reileich gar, 
nidr zu den fuessen, daz ich euch für war, 

der was mit liechtem golde reiche wol durch slagen, 
den hiefs er do die ammen mit dem kindelein fuder tragen. 

242 DO ward sein die amme aus der massen frö; 
sy sprach genad' liebr herre, zu dem kinde da. 

236, 3. holt über ausgestrichenem soll 



IIAUGDIETERlCn 429 

'got durch all sein guele lals euch mit sälden leben. 
Ir habt mir zu dem kindc so reyleich gegeben.' 

243 FIlaw liebgart die kunigein lengr nicht enlic, 
mit ir schönen lochter sy^ im eugegcn gie; 
zway woll spilende äugen vnd ain rolln niundt 
tctten hochdielreichen aiu liebleich gruessen chunt. 

244 Da sprach fraw liebgart 'vil liebr herre mein, 

Ich wolt sein nicht wanen daz es also mocht gesein, 
Do ir so schon worclit die haubcn wunderleich.' 
des pegunde do lachen der künig hochdietreich. 

245 DO besanl sich künig walgiint nach manigen werden 

mann. 
Do choni zu der hochzeyt geritten nianig werdermann, 21" 
freyen vnd grafen, durch die weyten lanndt. 
aller erst ward hochdietreich ze salueke erchant. 

246 den herren man schon ir herberge geuie. 

Der werde künig walgunt mit seinen gessten gie ; 
essen vnd trinken ward da nicht gespart, 
alle varende diet da wol beraten ward. 

247 Die hochzeyt wert mit vollem drey wochen odr mer. 
do füren sy von dannen mit maniger grossen schar, 
'weit ir mit mir von hinnen, walgunt, sweher mein?' 

er sprach 'Ja vil gern pey den trewen mein.' 

248 VRlaub nam hochdietreich, das wisset sicherleich. 
sam tett von Salueck die kunigein. 

hundert weysser maul prachl mann der kunigein ; 
Jr yegleichs trüg den kriechen Ain schönes magedein. 

249 DO pesannt sich kunig walgunt nach manigem werden 

mann, 
wol vierhundert riltr er zu im gewann, 
das waren held küen vnd auch gar vnuerczayt. 
mit seiner tochter er gen constanlinopel rayt. 

250 DO peraytlet sich von galicien die edel märgräfin 5 
mit irem lieben geuatterfi wolt sy auch varen hin 5 
woll mit sechczig Jungkfrawen ward sy do berayt; 

nu schaAvet Wie gar erleich die fraw von land rayt. 21'' 

251 DO hueb sich zesalueck ain vil reicher schal, 

245, 1. mit wiederholtem Zu der beginnt das blatt. 2. Do cham 

vor freyen ausgestr. 



430 HAUGDIETERICH 

do sich das gesind niacliL von danueii übr all. 
vrlaub sy zu der uiiiler, als ich euch beschaiden wil. 
do sach man vor der frawen vil maniger hanndt spil. 

252 DO kaufft mann auf die Strasse des ye der fiirsle gerf ; 
mann lelt da nieniant scliaden aines phennigs wert. 

sy ritten übr tzwainlzig lag mit der frawen wol getann. 
darnach des nächsten morgens sahen sy constantinopel an. 

253 DO het herlzog pottschafTt in die hmndt 

vnd het zu im gewunnen manigcn chiinnen wcygannt. 
er rayl seinem herrcn engegen mit manigem werden mann 
vnd enphieng in wirdigkleichen vnd die frawen wollgetan. 

254 DO chomen sy gar reichleich auff den hoff geritten. 
sy erpaysten von den rossen nach fiirstleichem sitten. 
sy giengen mit der frawen auff den vil schönen sal. 
do hueb sich allenthalben ain vngefüeger schal. 

255 vierczehen tag so lanng het mann dieselben hochzeyt. 
mann het dauon zesajifen in dem land wevt. 

Vrlaub nam künig walgunt vnd auch die seinen mann 
datz seiner liehen lochler. do hueb er sich von dann. 

256 Sy rillen haim zelannde, als wir haben vernomen. 22" 
an dem achtzehenden morgens warens gen saluek chomen. 
er chunt die mär dahaim wol gesagen ye 

wie mann es da constantinoppcl mit tochler begie. 

257 DO wart der rillr Jörg kamrer der kunigynne ; 
do ward ir phlegerin die edel märgräfin 5 

Der lorwerll vnd der wachter muslen auch herren sein. 

258 DO het er die frawen hunlz in das achtend Jar. 

sy gewunnen auch zwen süu, das sag ich euch liirbar: 
Der ain liiefs Paug, der ander waschraüt. 
Darnach in kürlzen zeylten verschyed die frawc gut 

Amen. 

259 DA lassen wir peleyben disen künig reich 
vnd kürlzen wir die weyl mit wolf dielreich. 

es wuchs in constantinopel das chindel wunnesam 
vntz im slarbe sein vattr; sein freüde was zergan. 

260 aIs nü wolfdietreichs vattr an seinem ende lag, 
seiner lieben cliinde er woU mit trewen pllag. 

254, 4. sich vor- hueh ausgcsfr. 



WOLFDIETEHIcn 431 

Er licl zwen siiii Jiiugc, die luefs er für sich gan, 
sein laut vnd auch sein Iciil machet er in viidcrlaiiu. 

261 er sprach ' vil lieben kinde, nu hört was ich eiith 

sage : 
ich wails nicht ob ich Icnger mag leben ainen lag.' 
er gab wachsmiilen Pey der y\)\) hiudan; 22'' 

do gab er Paugen ain weyt landf, das dicnut dem künnen 

mann. 

262 ER sprach zu wolfdielreicheu 'couslantinopel sol we- 

sen dein 
vnd was dir zugehöret vor den andern erben mein.' 
Do hiefs er herczog perchlungen vil palde für sich gann : 
'Ich enphilch dir wolfdietreichen, du pist ain getrewer 

mann.' 

263 Darnach am funlTten tag der Iierre sein ende nam. 
Do ward er bestattet als es im wol zam. 

vill schier herczog perchlung wolfdictreichen nam ; 
er fürt in in sein aigen landt, der vil getrewe mann. 

264 Do zoch er seinen hcrren wol in das fünlflc iar. 
er lernt in niauigerlay, das sag ich euch fürbar; 

er lernt in weyt springen vnd schiessen wol den schallt; 
er lernt in auch mit trewen spiles maniger bannt kralll. 

265 DO lernt er in mit messer werffcn. secht des beschach 

im not: 
er war von ainem hayden anders gelegen tod, 
do erstuend in nöten vor dem havden hochgremüt: 
dem gesigct er an, des hallf in got vnd sein maister gul. 

266 Was in sein maislr lernet, des ward er maister gar 
von maniger handt kürweyle, das sag ich euch für. 

er wart in seiner Jugent biderbe vnd gut : 

des freut sich des Werden herczog perchlumbs müt. 23" 

267 DArnach in kürtzen zeytlen betten im sein prüder ge- 

nomen 
was im von conslautinopel gutles solt sein chomen. 
Im wolten sein prüder sein lannt nicht dienen lannj 
sy iahen ia er wer ain chebeschinl, er mocht nicht erbes 

gehann. 

268 Allso herczog perchtung dieselben mär vernam, 
267, 4. wer am runde nachgetragpti . 



432 WOLFDIETERICII 

er gieng gezogenleichen für seinen herren stan, 

er sprach 'herre wolfdietreicli, du soll Riürleichen leben; 

dein lannt vnd auch dein leüt müfs man dir widr geben." 

269 ER sprach 'liebr maistr, nu gib mir deinen ratt, 
seyt du woll waist daz es alles an dir stal.' 

ein swert nam er nach wirden, an ainem phinstag, 
der werde degen piderb der auch vil tugent phflag. 

270 Alls im der herczog pe^rchtung das swert zeder pracht, 
Er sprach 'ich bann sechszehen sün, die sint biderbe vnd 

geslacht, 
darczü fuuff hundert ritlr, die sint kün vnd lobesam, 
die leg ich auf die wag mit dir vnd alle meine mann.' 

271 DO sant herczog perchtung übrall in sein lanndt. 
vier tausent held chün chomen im so zehannt. 

die mästen sweren aid, Secht das wil ich euch sagen, 
Sy hulffen wolf Dietreichen sein aigen Landt behaben. 2.3'' 

272 ' nerre, was Ir nun weit das sol als ergann.' 
Do ritten sy mit züchten aus der stat zemeran. 
Sy grüssten tugenlleichen die menge übrall. 

do rittn sy vil schier ze egpaü In das tail. 

273 auf punden sy die segel, die aus erweiten mann, 
do füren sy mit freüden übr des meres trän. 

Sy chomen chürtzleich gen constanlinopel in die hab ; 
sy füren nur drey wochen; got in das gelügk gab. 

274 Do erpaysten sy vil pald nidr auf das lanndt 
auf ainen grünen angr, die vil chünnen weygant. 

Do sprach herczog perchtung 'vil lieben herren mein, 
Ich vnd mein herre wolfdietreich süUen heinnacht ze hoffe 

sein.' 

275 ER sprach zu seinen sünen 'Ir sult hie pestann, 
vnd vernembt ir mein stymme, so chumpt, ir chüenen 

mann; 
so get es vnns an dy ere vnd das man streytten sol ; 
so chömpt ir vnns zehilff, des getrewen wir euch wol.' 

276 Do giengen sy vil palde in der zwayen künig sal. 
woll enphieng mann den alten, das gesinde übrall ; 

269, 2. das nach seyt ausgestr. 274, 1. vor pald ist schyer aus- 

gestrichen . 



WOLFDIETEUICII 433 

sy enpliicugen herczog pcrchlungen, den Juntjen Hessen 

sy slann. 
er sprach 'was liat mein hcrre zelayd euch gelann?' 

277 Do sprach Waschniul, das was ain Jungr mann, 24" 
'nu sag mir, herczog pcrchUing, wem wildu zu herren han?' 
er sprach ' wolfdietreichcu, der ist ein gelrewer mann; 
den enplialch mir sein valtr; ir siill im sein erbe hinn.' 

278 DO sprach der kiinig Paug, ain vngetrewer mann, 

' woH'diclreich ist ain chcbcs kint ; der mag erbes nicht 

geliann : 
mann vannd in zc waldc pey Jungen wölflein : 
du solt in varcn lassen vnd solt vunser aigen sein.' 

279 'Was sagt ir mir von Wolfen die laufent zu hollz? 
er ist ain dcgen küen vnd auch ain weygannt so stoltz. 
Ir sult im sein erbe durch recht widr lan. 

Ich will da'mit legen alles das ich Inndert hann.' 

280 DO sprach woH'dielreich ' vil lieben prüdr mein, 

tut es durch got den gutten vfi lat mich pey euch sein ; 
habet euch das lanudt halbes das mir beschaiden ist 
vnd lat mir es halbes vnd die slal, daz doch vil pilleich 

ist/ 

281 DO sprach kiinig paug, der vngetrewe mann. 

Du pist ain chebskiut, du machst erbes nicht gehann. 
Du heb dich von hinnen, vnd wcllestu genesen; 
odr es müfs noch heilt von mir dein enle wesen. ' 

282 \)o sprach herczog perchlung 'das war mir ymmer 

layd, 24'' 

solt ich allso verliessen mein vil grosse arbait 
die ich an den fürsten han lange geleget, 
her*, er müfs gewaltiklichen hicuor euch allen stann.' 

283 DO sprach kiinig Paug du allter zugpart, 

daz du auf vnnserm hofl" wurd ye so lange gespart ! 

du wilt sein nicht erwinden, du wi-rst sein anders gewar, 

das har von deine mund hayfs ich dir zerren gar.' 

284 DO sprach wolfdielreich 'wie ir seyt die prüder mein, 
wer an riiret meinen maistr, der mufs verschrotten sein 

278, 1. kiinig über geschabtem und durchstrichciiem hercz . . c 

279, 3. ir vor im ausgesir. 283, 2. so lang egespart 
Z. F. D. A. IV. 28 



4,Vi WOLFDIETEIUCII 

von meiiiö guten swört, odr ich niiil's ligcn lol/ 
Also anlbort er aus czorn, der gic in grosse not. 

285 Die herren wichen paid gegen ainer liir hindan. 
sich verwappenl auf der purg vil küener mann. 

sy sluHcn in die ring, als wir haben vernomen ; 

sy hellen in gern verderbel, niöcht es also sein chömen. 

286 DO sprach herczog perchlung ' vil liebr herre mein, 
hüllet wol der liir, lasl nienianl aus noch ein: 

wer aus odr ein welle slicd'cn, der sol sein haubl hie lann; 
so sült ir werden innen ob ir habt aincn dicnslmann.' 

287 Do sprang für die liir herczog perchlung der chiiene 

mann, 
ain hörn rot von golde pliel's der hell so lobesani. 
daz erhörten sein Siin, sy gachten pald dan, 25'^ 

mit allem irem gesindc chomens an die porlten hinan. 

288 DO hueb sich in der piirg ain vngefiieger schal, 
Do die ritlr drungen in der purge iibrall. 

des wesl nicht der alt das sein her* stund in grossr not. 
do miisl von wolfdielreichen manig held ligen tot. 

289 sy stritten ainen langen tag, das wil ich euch sagen. 
Do wurden herczog perchtungen sein held all erslagen, 
nur hüntz an seine süne, die peliben dannocht gar, 

vnd sein herre wolfdietreich vnd er selber das ist war. 

290 DO sprach wolfdietreich 'wir sullen von hinnen varen, 
seyt vnns die held sind erslagen. got miifs vnns pcwaren. 
noch lebent all dein sün, die füren wir von dan ; 

vnd verlür ich der ainen, so müst ich traurig stann.' 

291 Do sprach herczog perchlung 'vil liebr herre mein, 
es süUen alle mein noch hie pey dir sein: 

es sol ir yegleicher noch hundert mann peslann; 
Sam tun ich selb czway hundert' sunst sprach der küene 

mann. 

292 DO giengen sy zu dem streit, das wil ich euch sagen, 
do wurden herczogen perchtungen seiner sün sechs er- 
slagen. 

als er ir ainen sach vallen, den herren plikt er an 

vfi Irost Inn taugentleichen, der fürst iobesam. 25'" 

290, 3. bin vor dan atisgestr. 4. sein vor staii ausgnstr. 

291, 4. innn vor sunst auxge.ifr. 



WOLFDIETERICH /i35 

293 1)0 ward wolfdiclrcich gcdruiij^en verr liiiulann, 

das czwischcn im vnd sein sluiideii wol Izway buudcrl 

niaiiti. 
des wi'st nicht der alt, der stund in grossr not 5 
er wannt, sein licrrc woirdielrcich w(T nu gelegen lol. 

294 1)0 sach mann den allen gar Iraurigkleichcn staun; 
im iibrluH'en die äugen, dem vuuerczaglen mann. 

Do sprach sein sunn hack, der fürst lobesam, 
'Ich sich die swörl dort plckchcn, da stat der cliüene 

mann.' 

295 die schilt namen sy zu dem rugken, maniger schlag 

darauf erhal ; 
sy vachten grymmikliclien, do sy drungen durch den wal; 
sy erslugen wol czway hundert sein werd dienslmann, 
vncz das sy sahen iren herren mit äugen an. 

296 DO hell beides werch erzuget der fürst vil gemait; 
mer dann czway iiunderl tollen ligen hett er sich vmb 

sich gelayl; 
da mitten stund er in, der vuuerzayt degen ; 
da hett sich des leybs, das wifs, gar verwegen : 

297 ob im stund ain degen, der was gar hochgemut; 
der warir im ain wunden durch seinen heim gut, 
DAuon wolfdictreich slraucht vnd viel nidr auf den plan. 
Do lag er in vnkrcften, der tugenthalfte mann. 

298 wie pald Iierczog perchlung iibr in sprang! 

er zugkt In aufl' vil pald, die weyl was im nicht langk. 26** 
DEn heim von dem haubl prach im der chuene mann, 
'wol mich daz ich euch, herrc, noch lebenlig funden hau! 

299 nu süUcn wir von hinnen, das wil ich euch sagen, 
sevt vnns die beide sint alle zetod erslagen. 

werdcnt vuusr die kriechen innen, so sein wir alle tod.' 

do gachlen sy zu den rossen, von dannen was in nott. 
30Ö DO chertten sy von dannen, die küenen degen pald, 

so sy paldest mochten gegen ainen grüenen wald ; 

fünf fausent ire veint die gachten im alles nach; 

Wolfdictreich vnd den seinen ward auch vil gach. 
301 Sy Gliomen neben der stral's in ain wild hin ze tal 

296, 2. totten zu ende der zcilc nachgetragen. 297, 3. mit Dauoi» 

Strophenabsalz. 298, 3. inif DKn strophcnabsatz. 

28* 



436 WOLFDIETERICH 

auf ainen grüenen angr. gelegen was der schal, 
da beliben im die berren ; streytes betten sy sich ver- 
wegen; 
doch betten sy gedingen, sy sollen dennocht lengr leben. 

302 Sy pclibeu da, die berren, vncz sy begrailF die nacbl. 
Do sprach wolfdietreich zu den beiden geslacbt 

' Ir lield, legt euch slafTenn ; ich wil der schilt wacht pflegen.' 
'nu welle got' sprach back, der auserwelte di'gen. 

303 DO sprach herczog pcrchlung 'vil liber berre mein, 
warumb wolt ir vnns dienen, seyt wir ewr aigen sein? 
lut mich vfi mein Gesind heinnacht vor euch slann 26^* 
vnd leget ir euch slaffen ; ir seyt ain müder mann.' 

304 DO sprach wolfdietreich, ain kiiener degen her , 
' ia furcht ich gedienen ewr chainem nymmer mer. 
lat mich euch beint dienen, das ist der wille mein.' 

305 DO sprach herczog Perchtung 'ewr wart ain rauhes 

weyb: 
wie weit ir vor der selben gefristen ewrn leib? 
sy ist euch nach gegangen vnlz in das dritte iar; 
sy biet euch gern zu manne, das sag ich euch fürbar.' 

306 DO sprach wolfdietreich 'wie sol ich das pewaren? 
es ist mir libr in der Jugent was mir laydes sol widr- 

uaren 
dann ob es wurd gespart mir in das alter mein, 
was ich arbait müfs leyden, das mag anders nicht gesein.' 

307 DO legten sy sich slaffenn sein aindlef dienslmann ; 
wachen woll huncz auf mitte nacht herczog perchtung pe- 



gann; 



wolfdietreich wolt nicht slaffen, er gedacht, der kuene 



mann. 



ob sein maistr gen dem tag möcht ain weyl rw gebann. 

308 Als sein maistr do entslieff, do chora das rawhe weyb 
zu dem feür gegangen, sy sach des fürsten leib, 

Sy gieng auf allen vieren recht sam sy wer ain perr, 

er sprach 'pistu gebewr? welbr leiifl pracht dich her?' 27" 

309 DO sprach die rauch fraw eise 'ich pin gebeiir gar. 
nu mynn mich, wolfdietreich, so chumbstu von sorgen 

für war. 
305, 2. dan nach ir ausgestr. 



WÜLFDIETERICH 437 

Ich gib dir ain kiiuigrelch, darczü aiii weytes laudt, 
daz es dir, her, für aigeii dient an dein hant.' 

310 'Nayn ich auf mein trewe' sprach do wolfdielreich. 
'Ja wil ich dich nicht mynnen, du volantinne reich. 

du hi'b ich zii der hiUe, du pist des tcüfels genofs. 
Ja niiit mich an massen dein vngefüger döl's.' 

311 Vor zorn nam sy ain zaubr vn warll' es auf den mann, 
dauon sich wolfdietrclch nicht gar wol versann. 

vil pald sy im sein gut swert vnd seinen volen nam; 
ee das er cham zu im selbr da het sy es von dann. 

312 Pyfs er sich nu versan do grayf er nach dem swert 

hindan; 
er wolt sich vnd die seineu vmbrisscn han. 
aiser es nicht envannt, do eylt der chiiene mann 
suechen seinen volen: sy het in auch von dann. 

313 DO sprach wolfdietreich 'wes sol ich hie pestaü? 
vnd ist das nü erwachet mein aindlef dienstmann, 

so peiit mir ainer sein swert, der ander wil mir auch das 

sein geben ; 
so kann ich nicht gewissen wie ich mit in sol leben.* 

314 DO chert wolfdietreich von in in den vinsterfi dan. 27'' 
sy het gemachet von zauber ain strafs, da cham er auf 

gegangen. 
er lief desselben nachtes zwelf meyl, der küene weygant, 
vndr ainen schonen pawm da er die rauhen eisen vandt. 

315 Sy sprach 'wild du mich noch mynnen?' do sprach 

wolfdietreich 
' uain ich auf mein trewe, du valantinne reich, 
du gib mir palde widr mein swert vnd meinen volen, 
daz du mir, vngeslachtes weyb, hast so gar pösleich ge- 

stolen.' 

316 Sy sprach ' nu leg dich slaffcn, du pist ain müdr mann, 
vnd lafs mich dir schaydelen deine löckh wunnesam.' 
'Der teufel sol pey dir slaffen!' so sprach der küene 

degen : 
'was gemaches solt ich pey dir rauhen weyp phlegen?' 

317 Uor zorn nam sy ain zauber vfi warff es auf den 

mann, 
das pcstund im an der prust; slaffen er begann, 



438 WOLFDIETERICH 

(laz er miist nydr seyi^en aulF den griienen plan, 
do verschriet sy im sein, dem vnuerczagten mann. 

318 Sy nam des bares czwefi lock von den slaff hindann. 
sy macht in zu aine toren, den lugenthaften mann, 

daz er lief unuersunen da ze wald ain halbes iar 

vnd die speyfs nam von der erde, das sag ich euch fürbar. 

319 DO erbacht herczog perchtung, der gelrewe sa ze- 

haunl. 28" 

er erschrakch in seine herlzen, da er den herren nicht 

enuannt. 
Er sprach zu seinen sünen ' nu greyf das vnrecht an 
vnd wert der zwayer kiinig zekriechen dinstmann. 

320 IR. siilt in ayd sweren ; sich hebt arbait vil. 
wie ir die ayd behaltet Ich euch beschaiden wil: 
wenn ir ewrfi herren secht mit äugen an, 

daz ir den der ayd seyt ledig' so sprach der chüene man. 

321 Stab vnd auch taschen nam der kiienne degen. 

er sprach 'vil lieben chint, got ruch ewr eren phlegen.* 
klagent vnd auch waynent er von seinen kinden schied; 
er suecht seinen herren, als im sein synn riet. 

322 DO tetten die Jungen das in der alt gepot. 

sy chertten von der wild, des twang sy grosse not. 
sy chomenn zu den Jungen künigen vnd wurden ir dienst- 
mann, 
vnd taltens doch nicht gern, die hold lobesam. 

323 DO wolt herczog perchtung von dem mer hin dan 
mit gar traurigem müt, vnlz er gen alten troyen kam, 
da er die rauhen eisen vor aine münster vannt; 

sy griiest in taugentleichen, die frau, so zehannt. 

324 DO sprach herczog perchtung 'vil edel kiinigin, 28^ 
ich pät euch also gern, möcht es mit hulden gesein, 

daz ir mir zaigt meinen herren, den ir mir habt genomen. 
awe meins lieben herren! wo ist er hin chomen?' 

325 DO sprach die rauch frau eise 'ich han sein nicht ge- 

sechen. 
wie getürt ir mich sein zeyhen? euch möcht wol layd ge- 
schehen.' 
'Ach' sprach er, ' liebe fräwe, als ich mich chann verslann, 
Ir seyt im nach gegangen, dauon ich in verloren bann.' 



WOLFDIETEIUCII 43i) 

326 ER sprach nu iiiuls aller erst mein freiid ain cude 

iiaiin. 
awe meius lieben lierren!' so spracii der cliiienne niaim. 
'lieber got von liiincl, wie sol mir nu geschehen, 
vnd sol ich meinen licrren nyninier lebcnlig gesehen!' 

327 DO »alt herczog perchlung durch die haydenschaH'l 
mit traurigem müt, Icyhes liet er wol die kraft, 

Vbr pcrg vnd übr tal. da er sein nicht cnuant, 
von lavde was er nach verdorben, der vil küene wev- 

gannt. 

328 DO schift er mit layde übr des wilden meres trän. 
Do vannt er seine siin in der kiinig hofl" gann. 

do ward er avoI enphaiigen, vil laides was im beschehen. 
Sy sprachen ' habt ir noch nindert wolfdictreichen gesehen?* 

329 ' Nain ich' sprach der alt. 'Ja furcht ich laydr, er sey 

todt. 29" 

mein hertz in meine leybe leydet arbait vnd not.' 
'lieber got von himel, wie sol vnns dann geschehen, 
vnd siillen wir vnsern herren nymmermer in freüden ge- 

sechen !' 

330 Dannocht lief wolfdietreich woU ain halbes iar 
wilder da ze wald, das sag ich euch fürbar, 

vnczt got nicht lengr wolt die arbait sein vertragen ; 
er sanndt der frawen ainen engel, secht das wil ich euch 

sagen, 

331 Der engl sprach zu der fraüen 'was hastu gelann, 
das du wild verderben ainen gar piderben mann?" 

du wider thü es pald, du vngeslachtes weyb, 

oder dir nymet der tonner in drein lagen den leib.' 

332 Alls die küniuvnne dieselben stvmme vernam, 

daz sy von got was chomen, do hüb sy sich von dann 

pald hincz wald da sy in het verlann ; 

da vannt sy wolfdictreichen, den gar gelrewen mann. 

333 'Wilt du mich noch mynnen?' sprach do die frawe 

reich. 
Des anlbort ir von kriechen herr wolfdietreich 
'vnd wert ir getauffet sprach der küene degen, 
'so wolt ich mit euch wagen paide leib vnd auch leben.' 

334 Er sprach 'edle künigin, nu saget mir Fürbar, 29'' 



440 VVOLFDIETERICII 

ob ich euch gern niyiint, wie chäin ich euch durch das 

har?' 
sy sprach 'darunib soltu liitzel sorgen han, 
wann ich es sicherleichen vil wol gefügen chann.' 

335 DO fürt sy in in ainen chyel, den vnuerczagten mann, 
do füren mit freuden übr des meres trann, 

da het sy ain künigreicli vnd auch ain weytes landt. 
sy sprach ' wilt du getrew sein, das dient dir an dein 

hanndt.' 

336 Sy furle in in dem lannl, den fiirsln lobesam, 

für ainen perg, do wesst sy ainen Junkch prunnen stan ; 
der w^as ain halb ehalt, anderhalb was er warm ; 
darein sprang die frawe, sy pat sich got pebaren. 

337 DO ward sy getauffet. ee was sy rauch eise genant; 
nu hiefs sy frau sigmynn, die schönst übr all lant. 

sy het die rauhen haut in dem prunnen gelan; 

er het nye mer gesechen ain frawen so wolgetann. 

338 Sy was an dem leib wol geschaffen übr all, 
gedroU als ain kertz übr die hüff hin ze tal ; 
ire Hechte wängel waren gar rosen var; 

sy legt an klayd von seyden, das sag ich euch fiirbar. 

339 Sy sprach 'wildu mich noch mynnen, wolfdietreich?' 
des anlbort ir von kriechen der wörd fürst reich 

' ir seyt worden schön vnd auch gar mynikleich : 
ir habet euch woU verchert ; Ir w art vor dem teüfel ge- 
leich.' 

340 'DAuonsoltumichmynnen, vil vntugenthafter mann.' 30" 
des antbort ir w'olfdietreicb, der fürst lobesam, 

'wer ich nu als schön als ich was vor aine iar, 
so mynnt ich dich gern, das sag ich dir fürbar.' 

341 DO sprach fraw sigmynne 'vnd wellest du nu schön 

Wesen, 
so spring in den prunnen, so pistu woll genesen, 
so wirstu sam ain kindel von czwelf iaren gar, 
schön vnd mynnigklich, das sag ich dir fürbar.' 

342 DO sprang er in den prunnen, der tugenthafte mann, 
als er daraus, zu aine pet fürt mann in dann ; 

336, 2. vor der correctur Junkchfrl jirunncri 



WOLFDIETERICII 441 

daran legt er sich sclilafTen, der gelrewe wolfdictreich, 
zu seiner schönen frawen; sy waren niynikleich. 

343 DO het er hochzeyt mit der frawen wolgctann, 
daz er nie gedaclit an sein aindlef dienstmann. 

im chom in sein syn aines nachtes vnd in den mul 

wie er mit kaiser Orlneit solt streyllen, dem degen gut. 

344 DO sprach wolfdielreich 'vil liebe frawe mein, 

nu helfet mir meines mütes, als lieb ich euch mug gesein, 

das ich gestreyt mit orlneit, dem kiienen mann. 

Ey reicher got von himel, vnd biet ich im gcsigct an V 

345 Sy sprach 'vil lieber herre, was hat er euch ge- 

tann, 30' 

daz ir in also gern mit streit wolt pestann?' 
er sprach ' vil liebe frawe, ich will euch wissen lan, 
da ich was ain klaines kindel, do wolt er mich twungen 

bann. 

346 Do sannt er seiner grafen zwelf in meines vaters 

landt, 
ich solt im zinsen purg vnd auch lannt, tatten sy mir pc- 

channt. 
ich enpot im hinbidr, als ich wurd zu aine mann, 
so wolt ich in zegarten vmb mein aigen laut pestann. 

347 Nv pin ich gewachsen vn worden zu aine mann ; 
nu wil ich in zegarten vmb mein erb bestaun; 

sein gesell wil ich werden, vnd gesig ich im an : 
darczii siilt ir mir raten, fraw gar woU getann.' 

348 Sy sprach ' ir seyt mir lieb, ich hilf euch aus der not, 
daz ir von kayser ortneyt nicht geliget todt.' 

Do hiefs sy im peraiten ainen chyel gar wunnesam 
mit gutem greiffen gefider, der was woU getann. 

349 DO hiefs sy dem herren in den chyel tragen dar 
ain palmat seydem herabde, das sag ich euch fürbar : 
sannt pangräczien hayltumb darjnn versigelt was; 

es was von hundert vachen ; darjnn er vil dikch genafs. 

350 Auff punden sy die segel, die vnuerzagten mann, 
do füren sy mit freuden übr des meres traun. 

Do er kom zu landt, er chert gen garten hin dann; 31* 
da erpaist er ündr ain linden, der tugenlhafte mann. 

351 Vmb dieselben linden was es also getann 



442 VVOLFDIETEHICH 

das nicmaniil diiroli chürlzweyl gelorsl dariindr ganu, 

er war dann durch strvt chonien in das landl; 

darunib so was wolfdietreich chönien, der cliüene weyganl. 

352 Auir derselben linden sungen die vogelein. 
wie möclit do sein freiide grosser gewesen sein? 

als er die stynime erhört vfi den freiiden reichen schal, 
do freut er sich der wunne, do sang wol die nachligal. 

353 DO sang wol yeder vogel sein stynime sunderbar; 
dauon wart wolfdietreich in hertzen freudn 

vnd daz von dem schal entslieff der chiienne mann. 
Do cham kaysr orlncyt an ain zynnen gann. 

354 ER stund an aincr zynnen, der wörd kayser gut. 
pey im die schön frau liebgarl; die gab im hohen mut. 
Sy sprach 'kayser ortneyl, wart hin, vil werder degen, 
ich sach sich so gewalligklichen niemer kainen darlegen.' 

355 ER sprach 'vil liebe frau, das gat im an das leben 
kurczleichen von meinen banden, das wisset, schönes 

weyb. 
er vert mit ainem schal sam das lannt sein aygen sey. 
es wonet vil grosser vberniüt seinem hertzen nahent 

pey. 31'' 

356 DO sprach die schone fraw 'nain lieber herre mein, 
er mag wol wesen miit vnd verr gestrichen sein. 

ir lat in rw pflegen ; er ist ain küener degen : 

sich getorst ain zager nymmer mer vnder die linden legen.' 

357 ER sprach ' vil liebe frawe, ich gelaub, ir seyt im 

holt, 
in chan doch nicht gehelfen sein vil rotes golt 
daz im durch die prunnge vnd durch den heim gut. 
Ja mül's er mit mir streyttcn, wer er noch als hochge- 
mut.' 

358 Sy sprach ' vil liebr herre, warnmb soll ich im wesen 

holt? 
ich gesach in mit äugen, darumb wil ich wol sweren wolt. 
Ja rat ich euch auf mein trewe, ir sült sein nicht peslann.' 
do sprach kaysr ortneyt 'ia wirdt er sein nicht erlann.' 

359 ER sprach 'jtey meinen Irewcn, ich gesten im kam- 

phcs pey. 
354, 4. sy so vor sich so ausgestr. 



WOLFDIETEIUCII 4i3 

er vert mit aiiir sclialle sam das laut sein ai^'cn sey. 
(las haun ich her pehalten vor inaui|jem Averden manu ; 
er mul's mein reich sicLrleidi lij^en hmn.' 
300 DO sprachen sy do alle, die seinen dienslman 
' herre, snllcn wir mit euch zu der linden gann?' 
'Ich will in alain zu hochen preyfs pestann.' 

361 DO hiel's er pald springen seinen harnasch für sich 

p ringen ; 
an wapent sich der kaysr, sechl, das wil ich euch sagen; 
ainen Schaft grossen nam er in die haut; 
Do gieng er zu der linden da er wolfdietreichen vanndt. 

362 ER slyefs in auf die prust, der kayser hochgemut. 32* 
auf sprang wolfdietrcich, vil zornig was sein mul, 

er sprach 'vn phlagt ir tugent, ir solt mich anders ge- 

wekchet hann. 
ir vordert mich vngefiige, ir habt vnhödich gelann.* 

363 ' IR werdt slreyltes nicht erlassen, streilles pestann 

ich euch pey. 
ir vart mit ainem schal sam das lanndt ewr aigen sey: 
das bann ich her behalten vor manigem werden; 
Ir müesset mir sicherleichen mein reich ligen lann.* 

364 'SO strikchet mir die riemen, seyt ir ain pider mann, 
ich waifs euch woU so chüenen das ir mich wol türt pe- 
stann. 

ich hann von ewr manhait alsuil vernomen 

vnd pin auch durch slreyttes willen auch her land chömen.' 

365 'IR werdt sein nicht erlassen, degen hoch gemut.' 
auft' pannt er wolfdietreichen seinen heim gut; 

do strikt er im die riemen mit den henden sein ; 
Do cham hin nach geslichen die edel chäyserin. 

366 DO wolt sy besehen weder dem andern angesiget. 
do giengen sy zii slreyt die czwen küenne mann. 

do wurden sy nicht innen der frawen wol getann ; 
die schilt begunden sy vassen, die zwen küenne manu. 

367 Sy stunden gegen ainandr, ainer den andern an sach. 
gern miigt ir hösen wie der kayser sprach ; 

er sprach 'degen chiien, nu sag mir Deinen namen, 32'* 
das ich dich miig erkennen des soltu dich nicht schämen.' 

368 DO sprach wolfdietreich 'das wer ain grosse zaghait, 



4i4 WOLFDIETEIllCII 

vnd soll ich dir so pald von meinem künn sagen, 
wer mein valer wer odr von wannen ich sey geporn. 
was habt ir des zefragen? das ist mir auf euch zorfi/ 

369 ' 3Iich zymmet an ewrn gepärden (ir scyt so hoff- 

leich), 
ir seyt von wilden kriechen wolf her dictreich, 
Ich hau von euch vernomen daz ich gern gehört hann.' 
'so wert euch, heV orlneit 5 euch wil der wolf pestann.' 

370 DO Sprüngen sy zesamen, die czwefi küenne mann, 
üo ward vil michel wundr von in payden gclann. 

es slueg ye ainer den andern drey stund auf das land; 
zu dem vierden mal wolfdielreich viel zu der erden zu 

hanndt. 

371 Wie pald wolfdielreich widr auf sprang! 
sein vil gut swert im in der hende erklang. 

'nu wert euch, chaysr ortneyt! ee sich volendel diser tag, 
so wirdt euch wol vergolten von mir diser vngefüger 

slag. ' 

372 Sein swert zepayden henden wolfdietreich nam, 
mit vnuerczagtem mut lief er den kayser an ; 

er slueg im auf das haubet ainen so geswinden slag 
daz der kaysr ortneyt vor im lag, 

373 Vnd daz er auch zu der stund weder gehört noch 

gesach 
noch zu denselben zeytten nie kain wort gesprach 
vnd daz im das plüt ze mund Vnd ze oren aus sprang. 33' 
wie pald die kayserin vbr iren herren spranng ! 

374 Sy sprach ' vil lieber herre, was hann ich euch getann, 
daz ir mir habt verderbet meinen lieben mann? 
pringet mir des prunnen, daz ich den herren mein 
gelab.' Do sprach wolfdielreich 'wo mag das wassr sein?' 

375 ' DA cheret ir zelal von der linden hin ze lal 
vnd fudert euch herbidr zu vnns auf den wal, 

das ich gclab den herren. tut es durch den willen mein.' 
er sprach ''ich tun es gern, vil liebe frawe mein.' 

376 DO gieng wolfdietreich durch den vinstren tann. 
in seinem guln heim er des wassers nam. 

Do cherl er zu der linden da er sy payde vant; 

da labten sv in mit züchten, orlneyten, sa zehanndl. 



WOLFDIRTKIUCFI 445 

^77 Als er cliain zekrclllcn viid wider auf sacli, 
vil gern mügt ir hören wie der chayser sprach, 
'vil lieber herre, Ist das die frawe mein? 
mag sy mit kainer lieb ewr gewesn sein?' 

378 DO sprach gezogenleichen der getrewe wolfdielreich 
'nain sy zwar, lierre ; i\cm tut sy nicht geleich. 

ir wärt des leybes ain gast, war die l'rawe mein, 
sy sylzel euch wol so nahen sy mag wol ewr sein. 

379 Do sprach gezogciileiclien Orlneyt, der chüene man 
'war es an ewrri willen, Ich wolt euch zugesellen han.' 33'' 
Do sprach woirdielrcich 'mein trew wil ich euch geben 
das ich euch haun zugesellen die weyl ich hann das leben.' 

380 DO swuren sy zesamen, die fiirslen lobesam, 

sy schied niemant dann der todi, Die czwefi kuen mann. 
Do sprach wolfdietrcich, der ausscrwelte degen, 
'was du wild, das sol geschehen.' er kiind wol lugenl 

pflegen. 

381 DO giengens mitcinandr auf die purg hin dann. 

do wurden sy woU enpliaiigcn von den frawen gelann. 

DO chert sich herumb die edel kayserin, 

sy pat die czwen gesellen got billchomen sein. 

382 DO pelayb er zu garten woil ain halbes iar, 
daz er nie gedacht an sein frawe chlar, 

die er dalz allen troyen het hindr im gelann ; 
des verdrofs fraw sigmifi nach dem vil kiienen mann. 
3S3 IN pegunde die kayserin mit äugen plikchen an. 
das sach gar vngerfi orlneyt der werde mann : 
er gedacht das sy mynnet wolfdietreichen schönen leib; 
doch verlofs er nicht gern sein ere vnd das w^eyb. 

384 DO sprach gezogenleichen Orlneyt der kayser gut 
'wenn wildu von hinnen, gsell hochgemut? 

hat dir yemant icht gesaget von der frawen dein, 
vnd auch von deinem land, ob es wirden gesein?' 

385 DO sprach wolfdielreich, der tugenlhafte mann, 34" 
'nain, vil liebr gsell, ich hann gar vnrecht gelann; 

ia prich ich mein trewe an der lieben frawen mein; 
Ich soll vor manigen zeylten zu meine lannde sein.' 

386 VRlaubt sich von danuen der tugenlhafte mann. 
Do körlt er sich vil pald gen dem mer dann : 



44C WOLFDIETEIIICII 

da vannd er sein frawen aii dem sladc stann ; 

sy was im nach gciiaren vnd wolt in gesuecliet hauii. 

387 Sy fureu hin widr vbr, sy waren gar wunnsam, 
hincz der allen Iroyen, als wir vernomen liann. 

da peliben sy mit Ireuden zwelf wochcn odr mör. 
aines lages rait wolfdietreich zu ainem grossen see. 

388 DA wolt er Jagen mit den liundcn sein ; 
mit im fürt er sein frawen in den wald hin ein 

vndr ein gezelt von seydeu ; sein freud ward maniguall ; 
er wolt ain weyl eiintwadlin der cliüenc degen pald. 

389 Recht als er kiirlzweyl mit der frawen wolt hann, 
Do cham vil schier gelauffen ain tyer gar wunnesam : 
das was ain hirfs schöner, secht das sag ich euch wol; 
sein gehiirn was im guidein mit gold, des was er dol, 

390 Als in ain allter ritter het in denn Wald gesannt 34'' 
durch schöner frawen willen, der was traisian genannt, 
als wolfdietreich den hirfs an sach, 

vil gern mügt ir hören wie der getrewe sprach. 

391 'N\ lat euch nicht verdriessen, vil liebe frawe mein, 
ich mufs nach dem wild mit den hunden mein.' 

er Jagt im nach vil pald vnd andr sein mann ; 
die fraw ward allain vndr dem gezelt verlan. 

392 DO cham der allt rittr zu der frawen wolgetann, 
die fürt er von dannen vbr des wilden meres trän 
auf ain schöne vesst, die was gar wunnesam, 

die lag in seine lannd ; dauon wolfdietreich layd gewann. 

393 DO hett er die frawen wol ain halbes Jar, 

das nicmant west wo sy was, das sag ich euch fürbar. 
wolfdietreich das gejaid auf den hirfs uam ; 
er eylt im pald nach so laung vncz im nu mueden pc- 

gann. 

394 Do erpaist der degen edel da er sein frawen het gelan, 
der chün degen pald er cham des abenlz spat zu dem ge- 
zelt gann; 

da vannd der herre niemant der da pey wer peslann. 

395 Als er do die frawen nindert vinden chund, 
sein klag ward vngefüeg an der selben stund; 
Do sprach aus laide der getrewe wolfdietreich 

vnd sullen wir nu verloren han die frawen miniklich?' 



\N OLFDIICTKIUCII 447 

39G ER nam aiiieii rauhen liolzen, er legi in an dm 

leib ; 35' 

sein swerl in .liiien jtalnj niaclit er vnd sueclil sein weib ; 
ei" flierl liin vnd j^edaclil ob sy wer hain» körnen 
odr ob in seinem lannd venianl von ir icbl vernomen. 

397 DO er sy da baini nicht vannt, do cberl er vbr des 

nieres Irann 
in seinen jaulen ehyel den im die fraw hei verlann. 
Do er chom binvbr, Do bueb er sich von dann 
mil vil traurigem niut vucz er gen garten cham, 

398 Aul' die guten vesten da er ortiieyln vanndl. 
da was iiiemanl da der den hcrren ercliannl, 
wie im doch da wer liebes vil gescbelicn 

vn mann in auch vil dikch bot in l'reüden gesehen. 

399 J)0 in do niemanl ercbannt, den tugenthallen mann, 
Do pal er chayser orlneyt das er in da liel's peslann. 
Do sprach kayser orlneyt 'Ich wil euch sein nicht ver- 
sagen. 

wannen baslu bi-r gewallel ? des mül's mich wunder haben. 

400 llastu ibt ver gewallel durch die Ironibden lannd? 
odr baslu icbl vernomen von woll'dielreichen dem weyganl?' 
er sprach 'vil liebr herre, Ich ban sein niclit gesechen 
vnd chann auch der warhait nicht recht von im verjeben. 

401 ich pin vil vcrr herr gewall durch die frombden lannd. 
der da baist Wolfdielreich, der ist mir vnercbannt.' 3ä'' 
er nam in pey der hende, er weist in mit im dann, 

• er rugkt im einen sessel für den tisch, der kiiene mann. 

402 IN pegunde die kayserin mit äugen plikcben an; 

Do erluchl sy lugentleichen, sy ercbannt wol den küenen 

mann, 
als sy nu heücn geessen, der kayser wolt slallen gann, 
mil im die schön fraii liebgart, die was gar woU getann. 

403 Als der kavsr do entslieU", do hub sv sich von dan ; 
do vannt sy den waller auf dem hofe gan ; 

sy enphicng in schon vnd sprach 'Ich ercbenn euch wol.' 
do wurden im vor layd die augcu wassers vol. 

404 Sy sprach ' wolfdielreich, wie seyt ir so getann? 

ist euch icbl laid bescheben? das sult ir mich wissen lann.' 
402, 2. mil äugen voi' lugentleichen ausgesfr. 



448 WOLFDIETEHICII 

er sprach 'seyl ir mich erchennet, so muls ich euch ver- 

iehcn, , 
mir ist in frombdcn landen gar uil zu laid bcschehcn,* 

405 Er sprach 'Ir siilt mich nicht melden als lieb ich euch 

müg gesein.' 
'Ich gelraw es wol versweygen' so sprach die kayserein. 
do gieng sy vil pald da sy orlneylcn vandt; 
do was er nu erwacht, der kiiu sa zchannt. 

406 Sy sprach 'vil lieber herre, was sol den der zelonc 

bann 
der dir zaigt wol gesunden Wolfdietreichen den küenen 

mann?' 30' 

Do sprach der kayser, ain ausserwelter dcgen, 
'Ich woll im immer gern payde leyhen vnd geben. 

407 N nd solt ich meinen gesellen mit äugen sehen an, 
mir möcht in aller weit nicht lieber sein getan.' 

sy nam in pey der hende vnd hisfs in mit ir gann ; 
do funden sy den waller dort in der purg stann. 

408 Sy sprach 'schaw deinen gesellen, wie er ist getann, 
vnd klagen wir seinen kummer; er ist ein getrewer mann.* 
als in do der kayser verrist an sach, 

gern mögt ir hörn wie er zu wolfdietreichen sprach. 

409 Er sprach ' warumb verlaugenst du gen mir des namen 

dein? 
wenn ich dich nicht erkenne, du sollest dich nicht schä- 
men sein.' 
Do sprach er mit züchten, der getrew wolfdielreich, 
'Ich klag dir meinen kummer, vil werdcr kayser reich. 

410 Ich hct die schönsten frawen als sy ye kain man ge- 

wann ; 
die ist mir verstolen ; dauon ich kummer bann.' 
'wie lang baslu sy gesuecbet? das sag mir, küener degen.' 
er sprach 'ain halbes iar bann ich vngemaches pflegen. 

411 Vnd solt ich also lang leben, so wer mir pesser der 

tod.' 
Do sprach der werde kayser 'Ich hillT dir aus not.' 
Do sprach von Kriechen der getrew wolfdielreich Sß^ 
'so lallest du zwar aine kind geleich. 
411, 4. nach kiod ist wolfdielreich aiisgestr. 



WOLFDIETEUICII 4/*9 

412 ia sollu hie zu lannd poy deiner fraweii pcslann. 
waruiub wolleslu die von meinen wegen lann?' 

Do sprach gezoj^enlcichen orlneyt, der kayser reich, 
'Ich will mit 4lir von hinnen, das wil's sichrleichen. 

413 Seyt ich dich, liebe gesel, lebenlig hann gesechen, 
paydc lieb vnd layd miils mir pey dir beschehen.' 

die herreu woiden payd mit einandr von dan: 
des begunde hayls waynen die fraw wolgelann. 

414 Sy klagt daz sy mit äugen het wolfdielreichen ye ge- 

sehen, 
seyt ir so grosses laid von im seit beschehen. 
Do sprach gezogenleich der getreu wolfdietreich 
'Ja will ich allain suechen mein fraw sichrleich. 

415 Dauon gebet mir vrlaub ; ich wil von hinnen varen. 
ortneyt, mein geselle, got mufs dich pewaren.' 

Do sprach gezogenleichen ortneyl, der kayser reicJj, 
'Ich will mit dir von hinnen, gscll wolfdietreich. 

416 Vnd wil dir helfen suechen dein frawen wolgelann, 
odr mich sich ze garten In früudcn nymmer mer kain 

mann.' 
Do zugen do die herren paydc ze fuessen von dan ; 
rofs vfi auch gute klaidr 31üchtens woll gebunnen hann. 37" 

417 Sy giengen holcz vn hayd, die czwen küene mann, 
an trinkchen vnd an speyfs, als ich euch wol gesagea 

kann, 
sy giengen miteinander, die czwen dcgen gut, 
vnlz an den vierden morgen, die degcn hochgemiit. 

418 Sv chomcn hincz ains waldners haufs, die czwen kücne. 
der wirt sy tugentleich enphieng, als wir vernomen lian. 
Do sprach der waldncr ' vil lieben herren, 

weit ir heint hie peleiben, ICIi gib euch mein prot vnd 

mein wein 

419 vnd auch wilprät' so sprach des waldes mann, 
'ir habt mir hie zewald nie nicht zelayd getann,' 

Do sprach kayser ortneyl ' wir snllen dir sein nicht ver- 
sagen : 



du hast mir vil gedient; des soltu genad haben 



412, 3. fiirste r vor kayser ausgcstr. 418, 4. viit peleiben sclilicfu 
in der hs. die strophe. 

Z. F. D. A. IV. 29 



/,5() WOLFDIETEniCII 

4*20 Nv ist also chomcn das vnns ist beschöhen not.' 
aiii gantze reiche Wirtschaft in der waldner do erpot. 
Do sprach abr der waldner ' vil lieben lierren mein, 
Ir sült encli legen slallen ; Ir niügt wol mued sein. 
'«21 als der kayser do enlsliell", wolfdietreich hueb sich von 

dann. 
DO liefs er sein gesellen hinder im peslann. 
gar tngenlleichen er sich dem waldncr erpot; 
er sprach du soll im nicht zaigcn nach mir des ist im not 
All Tliu es durch meinen willen vnd Iiieis den kücncn 

man 37'' 

hie haim pey seine land pey seiner frawen pestann.' 
vrlaub nam er von dem waldner. Do chert er von dan. 
er cliani auf ain smalen staig, darauf chert der kiiene man. 
42.3 DO gieng er hollz vnd hayd volligklich woU siben 

tage, 
an trinkeben vnd an speyfs, das sag ich euch fürbar, 
dan laubes vnd auch wnrtzcn, die er ze wald vannt, 
vnd auch des grüenen kräutz nert sich der weygant. 

424 DArnach der knene degen ser raüeden pegann. 

pey ainer hochen stain wanndt entslief der kuene mann, 
vor dem selben stain vannl er ain linden stann, 
darob so lag ain mermel, der bas gar wunnesam. 

425 DArvndr was ain vrsprung vnd dapey guter wurtzen vil : 
darzu legt er sich slaffen ; der smakch was seines herczen 

spil. 
Do was derselb stain hoch michl vnde prayt. 
do het sigmin an ain venstr gelait. 

426 DAs gieng aus der purg darein vnd sy gefüret was. 
do het sich im ze hail vil wol gefuget das 

sy zu dem venstr was komen zu derselben zeyt 
ee das er chäm von dannen, der fürst vil gemait. 

427 DA schawt sy vbr den wall gegen dem prunnen dan. 
Do sach SV auf dem stain li^jcn den wallenden mann. 
Do kam zu ir Gegangen der alt drasian : 38* 
sy sprach 'vil liebr herre, weit ir nü mein hulde bann, 

428 SO pring mir den waller der dort auf dem stain leyl; 
so will ich pey dir slaffen. ' Do sprach er des wer woU zeyt.' 

420 die slropJie leicht in der hs. bis 421, 1 von dann 



WOLFDIETEKICII 451 

Do gieng er aus der piirg der all drasian. 

Do vaiid er wolfdiclreiclien; er liiels in pald auf staun. 

429 er spracli 'willu mit gemach an mein herbcrg wesen, 
Ich laist dir gut Wirtschaft, du machst auch wol genesen.' 
Do sprach wolfdietreich des ist mir also not; 

ich wil es ymmer dienen.' des twang in hungers not. 

430 'Sein ist manig tag das ich nie wirt gewann.' 
'So gang mit mir von hinnen' sprach do der drasian. 
er fürt in tugenlleichen mit im auf die purg hin dan ; 
er safs zu ainem fcür das gar schon prann. 

431 DO safs wolfdielreich vnd het guten gemach. 

wie uast der degen edel in der purg all vnib sich sach ! 
er wart nach seiner gewonliait. Do sach der kiienc manu 
ainen schönen vnibhanng, dauon er freüd gewann, 

432 Der im mit der frawen von dem gezelt ward genomenn. 
er gedacht 'ich pin zehayl zu diser purg körnen. 

wie pald wolfdietreich von dem feür aufsprang! 
do schaut er also gern denselben vmbhanngk. 

433 DO sprach der all drasiann 'dir möchl vil liebr sein, 38'' 
der dich liefs pey dem feür vnd phflegen des gemaches 

dein, 
dann das du al vmb schauest.' Do sprach der küene mann 
'mann schawel manig ding durch wunder: als hann auch 

ich gelann.' 

434 ER sprach ' ich hann vil fröiiidcr mifr kiirlzleichen 

komen, 
die nu in dem land erst sind aus chomen.' 
Do sprach der alt 'was mag das gesein? 
vnd möchteslu vor vntreüenn phlegen nicht des gemaches 

dein?' 

435 Do sprach wolfdietreich ' wie sol es vns ergann, 
daz der kayser orlneyt betwinget so manigen man?' 
Do hellen sy der mer also vil gesait: 

do safs gezogenleichen mit ganlzer wirdigkail 

436 wolfdietreich pey dem feür: in dauchl die weyl gar 

zelanng 
vntz das mann mit der speyfs zu dem tische drang. 
mann begund laut rueffen das mann das wasser näm. 
Do kom gen hof gegangen gelwerg gar wol gelanu. 

29* 



452 WOLFDIETEUICII 

437 DO tranng für den tisch m.inig klueges twerg; 
die pautcn siclirleichcn die piirg vnd den perg. 
Darnach kam gegangen die kaysercin reich ; 

SV pat got willkomen sein den getrewen wolfdielreich. 

438 Sy naygt im mit dem haubt, also teil auch der kiiene 

man, 
sy sprach 'mann sol den waller heint vor mein essen lann.' 
mann trneg im ain sessel für den Tisch dan. 39" 

in pegund die kayserin vil dikch plikclicn an. 

439 Sy sprach 'habt ir iclil verr gewallet durch die lannd? 
habt ir icht vernomen von aine der ist wolfdielreich ge- 
nant?' 

er sprach 'vil liebe fravve, ich lian sein nicht gesechen 
vn kann auch euch der warhait nicht recht von im ver- 

ielicn.' 

440 Sy sassen an dem tisch, kürlzweyl hellen sy vil, 

sy hellen von Irinckchen vnd von speys ires herlzen spil, 
wes sy nur gerlen, vnd darczu sayllen klang, 
manigerlay kürlzweyl, dauon ir hcrlz in freuden rang. 

441 DO sy nu hellen gessen vnd die tische wurden hin 

getragen, 
das wil ich euch sagen. 

er gedacht in seine miit ' nu getrau ich gesogen wol 
wes mir nu wirdt zu müt zwe recht; mein ding stat 

woll.' 

442 ER sprach ' ich hann vil frömbder mt"r kürlzleich in 

dem land vernomen 
vnd die auch kürlzleich ze wege sint komen.' 
Do sprach der alt drasian 'was mag abr das gesein? 
raagslu von vnlreücn pflegen nicht des fridcs dein?' 

443 ER sprach 'es hat ze allen troyen ain Jungr künig 

reich 
kürlzleich hochtzeyt gehabt mit ainer frawen miniklich.' 
die frawe pegunde wainen, die äugen wurden ir rot 
vnd vbrliifTen ir dikh, des gieng sy grosse not. 

444 DO sprach abr der alt drasian 'was hastu getann? 39'" 
du hast petriibt mein frawen ; es mufs dir an das leben 

gann.' 
444, 2. gann roth durchstfichen. 



WOLFDIETEIUCH 453 

Do sprach die frawe 'nain, liebr herrc mein 5 

so wolteslu an mir preclieii die grossen Irewe dein.' 

445 Sy sprach ' herre, icli wolt noch nie deines willen 

pflegen : 
des wii ich mich verbegen, daz du in lassest leben.' 
de sprach abr der all drasian ' vnd mag das slät wesen, 
Ich wil in durch deinen willen noch gern lann genesen.' 

446 DO sprach abr der alt drasiann ' wir sullen slafleu 

gan.' 
also sprach er aus fräudcn, er was gar wunnesam. 
die twerg giengen von dannen ; er nam sy pey der bannt: 
wie pald wolfdietreich den kotzen aufpanndl ! 

447 Sein swert aus dem palm prach der kuene manu, 
'sy ist lang hie gewesen, die fraw wolgetann ; 

sy müls mit mir von bynnen. ir vngetrewer mann, 

ir stall mir sy läslerleichen, do ir sy fürt von dannen.' 

448 Do sprach der all drasian ' vn well ir euch vmb sy an 

neraen, 
vad peslund ich euch zägleichen, das möcht mir vbl 

zemen. 
wir süllu vmb sy slreitten, vnd wer sy den behab, 
dem werd die schon frawen vn alles das sy hab.' 

449 Do ward wolfdietreich aus der massen fro. 

drey vil liecht prunnen pracht mann dem Wirt do; 40* 

die trug man vil schyer zu in auf den sal. 

der wirt sprach ' nym dir aine, ich wil dir lann die wal.* 

450 Ain priinne die was all vnd weylter ring gar: 
die tzwo waren liecht vnd auch gar silbr val. 
wie pald wolfdietreich do zu der alten sprang! 

do sprach der alt aus layde 'was geyt dir disen ge- 

dankch?' 

451 Au wappeul sich do pald der alt drasiann. 
wolfdietreicheu den verwappenl die frawe wolgetann : 
do strikt sy im die riemen, die frawe miniklich ; 

die freüd sich in dem hertzen der getreu wolfdietreich. 

452 DO Sprüngen sy zesamen, die czwen kiienen mann. 

445, 3. Das du in lassest leben vor do sprach als anfang einer neuen 
stroi)he iviedcr/ioU. 450, 2. gar nach liechl ausgestr. 4. er 

vor dir ausgestr. 



454 WOLFDIETERICH 

do ward vil michel wuiidr von in payden gelann. 
es sclilueg ye ainer den andern auf das landt 
wol funfstund. zu dem sechsln mal wolfdietreich vil, der 

kiienne mann. 

453 DO sprach die kunigin 'gott herre, will du mich lann?' 
do rief er vnsern hcrrcn in seine hertzen an, 

er sprach 'got herre von himel, du soll mir pey stann, 
vnd perait mir auch ze kriechen mein aindlef dienst- 

mann !' 

454 DO waren die wilden twerg vil auf den sal komen ; 
sy hetten gerö wolfdielreichen sein leben genomen 5 

sy würfen vnd Schüssen auf den vil chüenen mann ; 
sy wollen wolfdielreichen gerü A^erderbel hann. 

455 Wie pald wolfdietreich widr aufsprang! 40^^ 
sein vil gut swert im in der hende erklang. 

er sprach nü wert euch, drasiann! es gat euch an den 

leib, 
wie gelorst ir es erleben das ir mir stall mein beib?' 

456 Wolfdietreich der getrewe sein swert zu payden hen- 

den nam, 
mit vnuerzaglem mül lief er den allen an ; 
er spielt in von der achsel vnlz auf die gürll dan, 
daz er viel zu der erde vnd auch sein ende nam. 

457 Des nü des hauses herre was gelegen todt, 

die twerg fluhen von dannen, des gieng sy grosse not 5 
sy purgen sich in die winckl von dem vil küenen mann, 
wolfdietreich vnd sein frawe die hueben sich von dann. 

458 Die frawe sprach ' mir babent die twerg zelaid vil 

getan.' 
'des süllent sy engellen' so sprach der kuene mann, 
wie pald er ain feür zündt mit seiner hannt! 
in ainer kurtzen weyl wardt die purg mit in verpranndt. 

459 Wolfdietreich vnd sein frawe hueben sich von dann 
auf ain smalen steig; do chertten sy durch den lann. 
sy giengen in fünf lagen widr huntz dem wald hinan 
von dem in siben tagen der chiin was gegangen. 

460 DO fragt er den waldner wo sein gesell wer hin- 

kömen. 
452, 3. auf das landt zwischen senkrechten doppclstrichen. 



VVOLFDIKTEIUCH 455 

er zaigl im auf sein Strasse nach im, haben wir vernomen. 

er cylt Im mit der Irawen hinnach, der kiicnnc wey- 

gant. 41» 

darnach in kiirlzen zcyllea er kayser orlncyl vannl. 
461 Alls er do den kavsr verren ansach, 

vil gern mügt ir hören wie der liirsl spracli. 

'pils wille chonicn, gesell! Ich hanii dich gesechen, 

mir möcht auch von kainem nicht lieber sein geschehen. 
402 'Sv Ion dir got der milt' so sprach der chiin manu. 

'wie pistu so swartz worden? was haslu getann? 

daz du mich hast gesuchet, des ist mir layd geschehen.' 

vnd mich doch nicht mocht vinden, weder hören noch 

Sechen.* 

463 DO sprach gezogenleichen orlneyt, der kayser reich, 
'das wifs sichrleich, gesell woUdielrcich, 

ee ich prich die aid die ich dir bann gesworen, 
ia müsl ich ymmermer, das wifs, sein verloren. 

464 Ich vandt vor ainem perg ain grossen risen stann, 
mit dem ich an mafs vill gestritten. 

mit ainer stachlein slafig lief er mich dickch an ; 
doch half mir got von himel das ich den sig gewann. 

465 VOr aine hohen perg, der was Jnnen hol, 
getwerg vnd vil die laut was er aller vol. 

die zünden an den swebel das pech vnd auch das hartz ; 
von dem swebel tampf pin ich worden also swartz. 

466 Der rise iach im zeherren ainer, haisset drasian; 41*' 
dem dient derselb berg, das ward mir chunnd getann.' 
Do chcrlten sy gen gartten, die czwene kiiene mann; 

do funden sy fraw liebgarten an ainer zynnen stann. 

467 Die biet ir mit layde gewartet nianigen tag. 

sy freiit sich in ireni berlzen, als ich euch woll sag. 
als sy ersach die herren, mit iren Jungkhfraweu buch sy 

sich dar; 
ia ward ir also gach, das sag ich euch fürbar. 

468 Sy giengen in engegen, die frau, sa zehannt, 
pald vbr den hoff da sy wolfdietreichen vandt. 

40*2, 1. Sv] dem nibricalor ein ii vorgeschrieben, also Nv. 4. we- 

rcn vor weder ausgestrichen. 404, 2. nach gesiritlen ist a ausge- 

slvichrn. 



/i56 WOLFDIETERICII 

sy cnphieng in tugenllcichcn, den vnuerczaglen mann, 
Sy sprach 'wo ist mein hcrre? wo habt ir in hin gelann?' 

469 Ell sprach Sil liebe frawe, crchennet ir sein nicht? 
secht ir clisen swartzcn? dauon euch lieh geschieht. 

das ist ewr der kayser.' Do sprach die kayserin 
wie mag er in diser stund so gar swartz wordn sein?' 

470 Sy giengen mileinandr in die purg hin dan, 

do wurden sy wol enpliangen von der frawen wolgelann, 
mit also grossen eren ; die edel kayserin 
pat sy vnd frau sigmin got wil konien sein. 

471 DO beliben sy zw garten mer dan vierczehen tag. 
er sprach ' Wir siillen von hinnen, es ist war das ich 

euch sag. 42" 

gebt mir vrlaub von hinnen, ortneyt, geselle mein, 
ia mag ich nicht wol lenger von meine lande sein.' 

472 'NV wolt got von himel' sprach der kaysr reich, 
'das ich dich möchl gehaben pey mir, wolfdietreich. 
soll ich dich so schier hie verloren bann, 

so ward ich nymmer recht frö' so sprach der küen mann. 

473 ' ich mag nicht lenger beleyben' so sprach wolfdietreich. 
'es slat vbl in meine lannd, werder kayser reich.' 

'es stat hie destr wirscher daz du vnlang pist aus ge- 
wesen, 
wie sint dann die meinen so lanng an mich gewesen?' 

474 Da ist sein vil nahen ain iar das ich von danncn 

schied, 
seyt hab ich gewallel wo mir mein synn hin riedt, 
vncz ich nu hab luuden die lieben frawen mein, 
nu will ich haim ze land, das last mit hulden sein.' 

475 VRlaub nam er do zu dem gesellen vnd da zu der 

frawen wol getann. 
do chert er mit der frawen gegen dem mer dann, 
er biet in gern lenger behabt, wann er im das veriach 
daz er sich fr/iut von herczen, wenn er wolfdiclreichen 

sach. 

476 DO füren sy mit freiiden Vbr des meres trän 
hincz der alten troyen, als wir vernomen ban. 

409, 1. ir vor erchennel ausgestrichen. 



WOI.FDIETERICIl 457 

(lo wurden sy wolenplian^en Von nianigcn werden niaun 42"" 
vnd auch von schönen Irawen, die waren wol getann. 

477 DO pclaib er |)ey der frawcn wol ain lialbcs iar, 
vnlz got vbr die frawen gepoll, das sag ich euch fiirbar. 
sy hig an irem ende: wie schon die frawc verschied! 

do starb frau signiyn, sunsl kündet vnns das licd. 

478 Als nu Iran sigmyn was gelegen lol, 

darnach in kurlzcn zovllen kam kavsr ortnevt in grosse nol. 
im sannt sein swehr in das hinnl zweii wiirin gar fraissaui 
vnd ain vngefüeges weyb vnd ainen grossen mann. 

479 das was der rise hell, ain vngd'iieger mann, 
sein weib frau runtz, der zorn der was fraissam. 

sy trügen die würmc wilde pey garten in ainen walt, 
von den verlols der kayser sein leben, der degen pald. 

480 Die wurme er in dem pcrg gar sichrleich vcrparg. 
sy zugen vntz daz sy wurden gar michl vnd starkch. 
do giengen sy aus dem wald vnd lalten schaden grol's ; 
es lebet nicmant in dem lannt der war der würm genol's. 

481 DO beguude man dem kaysr vil dauon sagen; 

weih schaden sy da telln in dem land, hört mann do 

sagen, 
an manigem werden riltr vnd manigen chüenen mann : 
des wolt Nymmer vertragen der kayser lobesam. 43* 

482 ER gieng gezogenleichen für sein frawen stann, 
er sprach 'edle kayserin, Ich sol dein vrlaub hann, 
reytten hincz wald vnd löse das erbe mein ; 

ich mag sein nicht erleydcn, süllent mein leüt verdorben 

sein.' 

483 DO sprach die kayserin 'nain, vil lieber herre mein, 
du soll hie haim peleibcn als lieb ich dir müg gesein. 

du erchennest die wurme nicht recht (der streit ist dir 

gar fraissam) 
vnd das vngefüege weib vnd Iren grossen mann.' 

484 DO sprach gezogenleichen der kayser lobesanu 
'wie lang sol ich verderben lan manigen pidermanu? 
ich bestund mit gottes hilf alain wol hundert mann: 
vnd solt ich dan die leüt in solhen nöten lann ?' 

485 Sy sprach ' vil lieber herre, Ich hör euch des ver- 

leben. 



458 WOLFDIETEiUCH 

ir weit nicht erwindcn, ir weit die wiirnie scheu : 

so miils ich euch seiu gunden vud auch mein vrlauh jjebeu, 

nu frist euch got von himel ewr iunges werdes leben!' 

486 Sein gut harnasch liefs er für sich tragen. 

au wappeut in die frawe, das wil ich euch sagen, 
sy hiefs in tugentleichen die kayscrin herr, 
sy sprach 'mir sagt mein herze, ich gesich dich nynimcr 

mer.' 

487 Aln rofs hiefs der wcrd mit züchten ziehen dar, 43'' 
vnd seinen schilt von golt pot mann im auch für bar; 
sein helili rot von golt raicht manu dem fürsten reich 
vnd ainen guten laidhund, das wisst sichrleich. 

' 488 Als er auf das rofs gesafs, er sprach zu der frawen 

sein 
'Ich var mit deinen hnlden, vil edle kayserin. 
sey das mir die würm wild gesigen an, 
so soltu zu herren nemen ainen piderben mann, 

489 Der nach mir die würme gelürr wol pestann.' 
do begunde hayfs waynen die frau woigetann. 
'Ich waifs abr kainen so gar mutes reich, 

CS thü dann mein geselle, der getrew wolfdietreich. 

490 Der trait in seine hertzen aines beiden mütes. 
vnd chöm er her zu land, edle käyserinne gut, 
vnd ist das ich verdirb, so nim in zu aine mann, 
wann er getar die würme mit streit hol pestann.* 

491 VRlaub nam er zu der frawen. do chert er von dann, 
er kam au(F ainen steig, der trüg in in den tann 

vndr ain linden grücn. da erpayst er auf dem grafs, 
da des risen geuert zu allen zeytten was. 

492 Ain hörn rot von golt pliefs der kayser gut. 
das erhört der rise hell, vil zornig was sein müt. 

er begrailf ain stächlein stangen ; do liucb er sich von dan; 
do vannt er Kayser Ortneyt allain vndr der linden stann. 44* 

493 DO sprach der vngefuege du klaines wichtelein, 
warumb hastu mich erwckchel? es müfs dein ende sein, 
du sluegsl paumgarlen, den lieben nefen mein: 

nu bann ich dich hie funden ; es mufs dein ende sein.' 

487, 2. dar nach auch ausgnslr. 493, 4. es mufs dcio ende sein 

zweimal hinler einander. 



WOLFDIETERICH 459 

494 Do sprach kayser ortneyl, der kiieii di-^jcu pald, 

• 'du valant vngclieiir, was iiraclil dich in disen wald ? 
ich getrau meine reich nocli woU vor ewr gehaben ; 
ich wil dir noch heul gar ujanleich widrsagen.' 

495 Das was dem slargkhii risen aus der masscn zorn. 
des het der kayser wi-rd das leben nach verloren. 

die Stangen hueb er hoch, der vngefiiege mann, 
er slueg der linden eslc vor im uidr auf den plan. 
49G wie pald der kayser ortneyl von der linden sprang ! 
sein vil gul swerl im in der hende erklang. 
er schriet im ab die slange recht sam sy pleyen wer: 
des ward der kayser ortneit in seine herlzen freüden wer. 

497 Wie pald der rise hell hindcr sich sprang ! 

er zugkt ain swerl, das was wol zwelf eilen lanng. 
er slueg den kayser nidcr, der vngefiiege mann 5 
er woll des landes herren gern verderbet bann. 

498 EH begund laut ruefTen, der vngefiiege mann, 
das erhört fraw Runnlz do sy da licff vmb den tann. 

sy Pegraif Ir Stangen ; do hiib sy sich von dan ; 44'' 

do cham das vngefiige weyb zu irem grossen mann. 

499 Sy begund laut riieflen 'was ist dir beschehen? 
hat dir yemanl iclit getann? des soltu mir veriehen.' 
er sprach 'ich bann den kayser hie zutod erslagen. 

nu wirdt die herschafl vnnsr: des süllen wir freiide haben.* 

500 DO gedacht in seine müt ortneit, der würde mann, 
'vnd rür ich mich nü indert, so müfs ich das leben ver- 
loren bann. 

ich wil ligen styl' gedacht der kiiene mann, 

'ob ir ains von dem anderen gieng in den wald hindann.' 

501 Der pragk begund gelfen do er lief dort in den tann. 
das erhört irau runlz. da hub sy sich von dann. 

sy gedacht, es war ain Jiigr vnd woll sy pestan. 
sy kert hin nach vil pald do sy die stymm vernam. 

502 Wie pald kaysr ortneit widr auf spranng! 
sein vil gut swerl im in der henndt erklanng. 

do sprang er von der linden, der vnuerczagte mann ; 
do lielT er den recken gar grimmikleich an. 

503 Do sprach der vngefiige 'vnd pistu noch genesen? 
495, 3. auff nach hoch ausgestrichen. 



a 



460 WOLFDIETEHICH 

Ja wolt ich des wäueri, es wäre dein ende gewesen. 

ia kann dich dein nianhail gen mir nicht vernähen : 

ich wil dich mit meinen henden noch heüt zn lod erslahen.' 

504 Das swert der rise ze payden henden trüg. 45' 
wie gar neydigkleichen er es nach dem kayser slüg, 
daz er vast musl weychen, der vnuerzagt man! 

er schriet der linden esle nach im nidr auf den plan. 

505 Wie pald do kayser orlneyt von der linden sprang ! 
mit seine guten swert er auf den risen Irang ; 

er gab im auf den rugken ainen swinden slag, 
vnd daz im die nider giirtl vnder den füessen lag. 

506 üo trat der rise hell gegen dem küenen mann. 

er wolt den kayser gern mit ainem fuefs gestossen hann. 
der kayser was behende, das pain slueg er im ab 
recht sam es war ain sw ein ; sein manhait im das gab. 

507 DO trat er zu der linden, der vngefiiege mann ; 
do graif er mit den henden nach des pawmes stam. 

der kayser sprach 'mich rivet daz dich mein swert nicht 

pas versnaid ; 
vnd ist dir herbidr gewachsen ain fuefs, das ist mir laid. 

508 ICh mufs es pas versuechen' so sprach der kiieue 

mann, 
mit vil zornigem mut liefT er den risen an ; 
er slueg im ab das ander pain mit seiner edlen hannt, 
das er mocht gesten nicht lengr, er vil nidr auf das lant. 

509 DO liefs er ainen lauten gar vngefüegen schal, 

daz der perg vnd auch der walt vil vast darnach erhal. 
Do das erhört frau Runtz, das es was Jr mann, 45'* 

sy vergafs der slächlein Stange, ainen Jungen paum sy 

nam; 

510 sy swang in Vbr die ahsel (secht das wil ich euch 

sagen) ; 
den möcht von swäre ain wagen nymer haben getragen, 
die tolden vnd die esle liefs sy hangen daran ; 
do hueb sy sich vil pald zu der linden dann. 

511 Sy vant den kayser ortneyt ob irem mann stann. 
sy ueruält des herren vnd traf iren mann, 

.^08, 1. pald V07' pas aiisgestric/icn. 



WOLFDIETERICn 461 

das es in dem wald darnach dosen pegann 5 
sy woll den lierrcn <^ern vcrdt'rl)ct liann. 

512 Do sprach gezogcnleichen do der kayser orlneyl 
'ich cnwaifs nicht wclher leiifel dir so grosse krefle geyt. 
ey reicher gol von himel, ich slan in grosser not! 

vnd hilft mir nichl dein giil, ia miiCs ich ligen tot.' 

513 Als sy do war Jnncn das sy hell Iroiren iren man, 
do erschragk sy also serc daz sy viel hindersich hindann, 
wie pald do kayser orlncyt hin nachcr pafs gelrat! 

sein swerl furl er in der hcnde an derselben stat. 

514 Ell slueg ir ab das liaubt, der vnuerczagt di-gen. 
sy begunde mit dem pain vast al vmb sich geben ; 

sy trair in mit dem pain vnd stiefs den kiienen mann, 
daz er viel sichrleiclien nidcr zn der erden dann. 

515 Wie pald der kayser ortneyt Wider auf sprang! 4G" 
sein vil gut swert im in der band erklang. 

er sprach 'vnd warst du noch lebentig, mein sorg die war 

grofs. 
Ja ward nie kain leufel, du warst wol sein genofs.' 

516 Auf sein rofs safs er schier, der tugenlhafle mann, 
er kam auf ein stral's, da trabt er durch den plan. 

do rait der degen edel wol ainer meyl weyt: 
do hört der werd fürst an derselben zeyt 

517 Vor im in den wald ain fraislcicher stürm. 

da slreyt ain helfant wilde mit aine grymmen wurm, 
er fürt an seine schilt ainen helfant, der was rot: 
durch desselben willen er dem wilden helf pott. 

518 Ell stund von seine rofs, sein swert er zu der hende 

namm, 
mit gar vnuerczagten mut lief er den wurm an, 
er slueg in kürczleichen tieffer wunden drey, 
der wurm floch von dannen, der helfant bestuend im pey. 

519 EK sprach 'wie nu helfand, wildu hiucz walde gann 
oder wildu hie pey mir in trewen pestan? 

Ich füre dich hincz garten' sprach der degen her 
'vndfreydich vor dem wurm, daz er dich geangstet nymmermer.* 

520 DEr helfant naigt mit dem haubt gegen dem vil kiienen man. 
er sprach ' Ich sich wol ir weit pey mir * 

* hierauf nach der ahschn'ft 4 Iccrc selten. 



462 WOLFDIETERICIl 

521 3Iorgen kam der dcgen pald 48"' 
goriflcn ane sorge für ainen grücnen wald 

auf ain prayle hayde, der fürslc lobesam. 
da sacli er für im ain schöne pürg stan. 

522 An derselbe pürge wol czbay hundert turn lag. 
die zynnen auf der mauren, die leuchtent als der tag. 
er sach aulT der zynnen woll fünf hundert haubt stanii. 
Do plikt er auf gen himel, der lugenlhafte mann. 

523 es mag vii woll die purg sein da ich von vernomen 

han. 
nu berat mir got ze kriechen niain aindlef dienslman.' 
do erpaitz er zu der erden nider auff das laut, 
do klagt er klägeleichen, der küene weygant. 

524 'Awe, mich nu habent verlriben die lieben prüder 

mein! 
das wolte gol, vnd solt in der kriechen landt dise purg 

sein, 
das mit gemach süssen mein aindleff dienstmann ! 
darumb wolt ich ymmer mit vngenaden gann.' 

525 sein rofs das was schöne, das gurt der degen pas. 
hart Vermessenleichen er darauf safs. 

da trabt er gen der purgc, der lugenlhafte man. 
der hayden vn sein schone tochler waren an die zynnen 

gan. 

526 als in die Jungkfrl. verren an sach, 
gern sült ir hören wie die Junkchfrl. sprach. 
' Vatlr herre ich wil dich wissen. 

525, 1. das v i'or sein ausgestrichen. 



/iG3 



DIE SAiNCT(;ALIJSC:iIi: RHETORIK. 

(>/. :.9 r.) DE MATERIA AUTIS KIIETüIUCAE. 

Quot sunt gcncra causarum? Irin, quac? iudiciale gcnus 
causae. Deliboraliunm gcnus causae. Dcinoiisiraliuuni ge- 
mis causae. Quid coiisidcranduin est in iuridiciali geiiere 
causae? quid aequum, (59 v.) quid iniquum, quid iusluui, 
([uid iuiuslnm, (|uid bonum, quid nialum. In qua rc uersa- 
lur? In [(reinii et peiiao pelicione, iti accusalionc et delcn- 
sioue. Quid cousiderauduni est in delibcratiuo genere cau- 
sae? (juid ulile, quid iiiulile. In qua re consideralur? In 
suasione et disuasionc. Quid consideranduni in demonslra- 
tiuo genere causae? Quid honesluni, quid turpe. in qua re 
uersalur? In laude et in uituperatione. Et una quaeque 
Iiaruni frium causarum diuiditur in duos Status, in raciona- 
lem et legalem. Et ralionalis slalus diuiditur in iiii., in con- 
iecturani et in finem et in (jualitatem et in translationcm. 
Tres autem ex illis, i. coniecturalis et diliniliuus et Iranla- 
liuus, inlelleguntur per sc, non in suis partibus. Et ille quar- 
tus qualitaliuus non traclalur per se, sed in suis partibus, 
i. in iuridiciali et negotiali. Negotialis enim inlellegitur per 
se, non in suis partibus. luridicialis autem non tractatur 
per se, sed in suis partibus, i. in absumptiuo et in absolulo. 
Absolulum autem intellegilur per se, non in suis partibus. 
Absumpliuum autem non tractatur per se, sed in suis parti- 
bus, i. in comparatione et in remotione et in relatione et in 
concessione. Trcs autem ex illis, i. comparatio remotio re- 
latio, intelleguntur* per se, sed in suis partibus. (60 ;•.; 
Et ille quartus, concessio, non traclalur per sc, sed in suis 
partibus, i. in purgatione et deprecalione. Deprccatio intel- 
legilur per se, non in suis partibus. Purgatio autem non 
tractatur per se, sed in suis partibus, i. in inprudenlia et 
in casu et in necessilate. Et illi tres Status intelleguntur 
per se, non in sui.s partibus. Legalis Status diuiditur in 

/. non intellpffuntur. 



464 DIE SANCTGALLISCHE lUIETORIR 

qiiinque, in scriptum et sentenliani, in ambiguas leges, et 
contrarias Icges, diniiiilionem, et raliocinationem. Nam in 
coniectura de inlenlionc, de puls-ione facti constilutio dino- 
scilur. ut ante regem salomonem diiae meretrices conlen- 
dunt. dorniicns, inquit altera, obpressil filium suum. E con- 
trario illa dicebal: menliris. In dininilione non factum, sed 
nomen Hicli negatur. vt in ciccronis exemplo. Qui Sacra 
uasa de domo priuati subtraxit, sacrilegi arguitur. confessus 
furtum, sacrilegium ncgat. In translatione minime cerlalur 
de facto aut de nomine facti, non oportere tarnen fieri ubi 
factum est, vt in plalea niissas celebrare ; aut quando factum 
est, vt archiepiscopum pallio uestiri in die non sollemni ; 
aut quibus* factum est, vt ab herelicis bablizari; auquo ** 
crimine, vt si scismalicus est, hereticus scribatur; at*** 
qua pena, vt morte affici qui uerberibus castigandus sit. In 
qualitale, i. in generali constitutione, queritur, hoc quod fa- 
ctum est bonum sit an malum, utile aut inutile, iustum aut 
iniustum. ut in partibus eins declaralur. sunt enim iuridi- 
ciale et negotiale. Negotiale (60 v.) enim est, dum inuo- 
luta est questio et ex utraque parte ueri siniile uidelur hoc 
quod dicitur, nee facilc altera pars alteri concedit. vt quidam 
uxorcm duxit in quadragesima, quae ex eo genuit filium. 
patre iam mortuo, et-|- germani fratres hereditatem conantur 
subripere filio dicentes : non potest heres patris fieri, qui de 
lali malre nalus est, quae tempore ducta non legitimo ipsa 
facta est non legilima. Defensores eius dicunt: quomodo, 
quae licita erat palri, non legilima quoquc esset? Et si li- 
cita matrimonia inlicite perpetrasset et inique, filius non 
porlabit hanc iniquitalem patris. De quibus uerbis hinc et 
inde oriuntur plurima, quae implicilas in ciuili iure gencrant 
qucstiones. Ergo ciceronis exemplum de hac constitutione 
aliquanlura abhorret a noslra consuetudine. luridiciale aulem 
planius est, quia in eo, quid aequum, quid iniquum sit se- 
cundum iura nalurac requiritur, non secundum consuetudi- 
nem iuris ciuilis. et ideo iuridiciale isla constilucio uocatur, 
quia in eo de iure naturali dicitur. Habet ergo partes ab- 
sumptiuum et absolulum. Absolutum est, ut qui seruum dis- 

* aut a quibus ** aut quo *** aut -J- ecce 



DIE SANCTGALLISCIIE RHETORIK. 465 

traxil, obiur<^atus ab aliqiio iiil defcnsionis aliundc rcquirit, 
Heere hoc taiiluin dicil. Absuinpliuo sunt iiii. partes, com- 
parallo, reinolio, relatio, conccssio. Agnoscitur eniin coui- 
paralio, dum ille, (jui arjjuilur de aliqua inprobauda re, ea 
sc dicit niaius daninum uitasse, ul (61 r.) cius cousidera- 
tionc laudanduin sit quod ipse fccit. Ergo quidain piscalor, 
socium delapsum de naui dum ccrncrct mcrgi, relraxit cum 
uiico ferrco, quem liabuit ad piscandum, cius iniixo oculo. 
qui postea duclus in iudicium pro lesionc cius oculi defen- 
dil se comparatione maioris periculi, quod non aliler euade- 
rct mortem, llemolio est vt delendat se quis neglegentie 
dicens : non ad me perlinuit ut hoc faccrem. aut si arguitur 
facti, alterius iussu ad quem hoc pertinet se fecisse dicit. 
vt minister qui panem obtulit, obiurgatus cur et potum non 
dederit, remouet a se culpam et pinccrnam Iioc oflicii habere 
dicit. Et si sumptuosc agere, non sc, scd dominum sibi 
iubcnlem hoc agere ostendit. Relatio est dum culpa retor- 
quetur in prouocantem. vt de oreste dictum est. Concessio 
criminis duplex est. In purgatione et deprecatione. Depre- 
cationem coltidiana cxempla docent, quando delinquentes in 
iudicio ueniam postulant et nil defcnsionis aliundc parant. 
sicut et dauid confessus est pcccala sua dicens: peccaui do- 
mino, et nathän propheta indulgentiam proraisit atque respon- 
dil: dominus transtulit pcccatum tuum, o dauid. Purgatio 
sequitur triplex, Inprudentia casus Neccssitas. inprudentia 
purgat se qui patrem uel fratrcm in lumultu non agnouit et 
occidit. Paulus (61 v.) quoque confessus est inprudentiam 
dicens: nesciui cum esse principem sacerdolum. scriptum 
est cnim : principem populi tui non malcdiccs. Et item: 
plasphemus et pcrseculor eram ; scd ueniam conscculus sum, 
quia ignorans feci. Casus dcfendit eum cui aliquid iniungi- 
tur, et preucnlus morbo aut uulnere aut hostili gladio aut 
subita inundalione fluuii aut aliqua re graui inopinatu non 
potest obedire. Non sicut ille qui ait: uxorem duxi et ideo 
non possum uenire. poluit cnim, sed noluit. Necessitatem 
docet quod scpe audiuimus, ui obpressä mulierem et innoxiani 
iudicari.'* Legalis Status diuidilur in quinque, in scriptum 

* /. ui obpressam mulierem inno\iam iudicari. — obiger stelle ent- 
sprechend im Boeth. s. 59 Purgatio ist triplex. Ein purgatio heizet 
Z. F. D. A. IV. 30 



-466 DIE SANCTGALLISCHE RHETORIK. 

et scnlcntiam, in anibiguas leges, et contrarias leges, difini- 
lioneni, et ratiocinalionem. Scriplura et sentenciam. Ergo 
cicero huius Status nobile dcdit exempluni de greca historia, 
quoniodo epenienondas dux ihebanoriira, dum annuam polesta- 
tem haberet, successori suo statuto tempore exercilum se- 
cundum scriptum legis non redidit, sed pro ulilitate rei pu- 
blice diutius aliquantum secum retinuit scque contra scriptum 
scntencia scriptoris racionabililer defendit. Ambiguae leges 
sunt, ut est ciceronis exemplum : 3Ierelrix coronam auream 
non habeto, uel si babueril, publica eslo. Polest dubitari, 
meretrix an corona publicelur. Apud uos paulus legem sla- 
tuit dicens : vnus quisque habeat suam uxorem propter for- 
nicationem. 3Ielius est enim (62 r.) nubere quam uri. Am- 
biguum cnim uidetur, an de laicis uel eliam de clericis dixe- 
rit. Coutrariae leges uidenfur de quibus scriptum est in libro 
saloraonis: Ne respondeas stulto secundum stulticiam suam, 
ue efficiaris ei similis. Et item: Ilesponde stulto secundum 
stulticiam suam, ne sibi sapiens uidealur. Sed utraque per 
discretionem suscipienda sunt. De romanis legibus exemplum 
est: qui lirannum occiderit, rem quam uelit a senatu pro 
premio accipiat. Item altera lex est. Tiranno occiso eius 
quoque quinque proximos cognatione magistratus necato. Con- 
tigit alexandrum lirannum ab uxore inlerlici. hec filium suum 
quem ex tirano babebat sibi in premii locum deposcebat. 
sunt qui consenliant, sunt qui puerum occidi ex lege dicant. 
Diffinilio communis slalus est, quia sicut ralionalis ita et le- 
galis est. in hunc modum. Diuina lex est: diliges proximum 
tuum sicut te ipsum. fit questio : quis est meus proximus? 
fit diffinilio: qui facit midiam*. Et ilem : saucium se facere 
in naui, i. relinquere naucm, et de scapha gubernare nauim, 
hoc est remanere in naui. De raliocinatione lale exemplum 

casus t. eil. keskiht. Mit casu antseidöt sih ter dir chit taz inis lazli 
anderes mannes töd aide sin selbes suhl aide etelili ungewändiu geskilit. 
Anderia purgatio heizet necessitas t. eh. not, also daz ist, übe er ze 
Worte habet taz er warte captus aide vi obprcssas aide in vincala mis- 
sus. Tiu dritla purgatio heizet impruJenlia d. eh. nnwizentheit, also 
Panlus sih antseidöla tö er chad : nesciebam eum esse priucipcm sa- 
cerdotum. die ehhaftc noth des deutschen rechtes begreift beides in 
sich, casus vnd necessitas. 

* {d. i. misericordiam. s. Luc 10, 37. //.] 



DIE SANCTGALLISCnE RIIETÜHIK 467 

habetur, famis tempore a quodani audilum est, qui bumanis 
carnibus uescebatur. quo duclo ia iudicium non est iiuien- 
tum qua paenitentia uel qua paena dignus sit. Ergo prima 
est maleria, i. causa de qua diximus. deinde oratio, quam 
nunc diciulus. quae oslen- (62 zk) dit causam qualis sit. Jpsa 
oratio ex oratoris procedit senicnlia, quam rethoricam uoci- 
tamus. vt bene inlcllcgas caui cxtrinsecus haurire de ma- 
teria quae de intus propinet. Et eadem quid sit, sie deli- 
niatur. Rethorica est bencdicendi scientia. Quid est bene 
diccre? apposite, i. apte uel congrue aliquid dicere ad per- 
suadendum uel ad disuadenduni. vnde quis haec potest? na- 
tura adniinistrat ea, doctrina uero nulrit et äuget. Partes 
eins sunt quinque, Inucnlio dispositio memoria elocutio pro- 
nuntialio. Non solum orator, sed et prcdicalor et qui nun- 
cium fert, et quicunque uiua uoce uult narrare, bis partibus 
indiget. Scriptores autem librorum etsi non quinque, qua- 
tuor tamen partibus fretos esse oportet. Et cum sex sunt 
partes orationis illius qua orator utitur ia causis, Exordium 
Particio Narratio Confirnialio Reprehcnsio Conclusio, earum 
nuUa nisi bis quinque poterit partibus expcdiri. Quicquid 
enim in omni loculione rcprehendilur uel laudatur, ad has 
quinque pertinet partes. 

De inueiitlone. 

Inuentio est excogitatio rerum uerarum aut ueri simi- 
lium quae causam probabilem reddunt, i. quam defendere uis 
in iuridiciali genere causae uel suaderc in deliberatiuo ge- 
nere causae uel lau- (63 r.) dare in demonstratiuo genere 
cause. Cur aliter deicndatur suadeatur laudetur, nisi sit 
probabilis? Excogitauit enim salomon rem qua probauit, quae 
ex duabns raeretricibus nialer esset infanlis uiui, dicens : 
diuidatur gladio. boc noluil audire* quia quae mater est di- 
ligit filium. quae autem mater non erat, hoc postulauit Oeri. 
Sic et danihel inuenit argumentum quo probauit falsum te- 
slimonium prolatum esse contra sussannam. Quia sub cino 
et sub rino** repugnant et non possunt simul stare. causam 
igitur sussannae quam ipse defendit fecit probabilem. haec 
sunt in coniectura iudiciali. Ia coniectura autem delibera- 
* es fehlt etwa quae maier erat, "' Dan. 13, 54. 58. 

30* 



468 r>IE SANCTGALLISCHE RHETORIK 

tiua inditb inucnil rationeni, qua holofernem occidendo, hostes 
fti'Miido causam suani, quac est non oportere tradi ciuila- 
leni, reddidil probabileni. lu coniectura autem dcnionstraliua 
samuhcl oslendit saulem populo diccns: hie est quem elegit 
deus. Fit controuersia in populo. alii salutant eum dicentes: 
viuat rex. filii autem belial di(Mint : num poterit iste sal- 
uare nos? Deinde pergunt simul saul et Samuel cum populo 
contra iilios ammon et reuersi sunt cum uictoria. Inde inue- 
niunt qua causa* suam probabileni faciant lii qui sludiosi erant 
parcium saulis et samubelis (63 v.) dicentes ad samuhelem: 
ubi sunt uiri qui dixerunt: non poterit saul reguare super 
nos? date nobis illos, ut occidamus eos. 

De disposione (.so). 

Dispositio est rerum inuentarum et sententiarum in or- 
dinem distribulio, Täs chit scäfunga vnte ürdenihiga des 
ke chösis. Bona dispositio est rem eo ordine quo gesla est 
narrare. non est hoc obserualum in libris regum nouissimis, 
nbi prepostero ordine quorundam regum obitus, deinde quid 
in uita gesserit (so), narralur. Rationabilis dispositio luci- 
dam facit orationem. 

De memoria. 

Memoria est firma anirai rerum et uerborum ad inuen- 
tionem percepio {so), Tds chit kehi'/gida des tu geddhiöst 
se sprcchenne. Sufficit de memoria dicere, si non sit na- 
turalis, artificiosam parere, quod solet üeri uigiliis et assi- 
duis meditationibus. Solemus eliam suceurrcre obliuioni scri- 
bendo et notando quac cogitauimus et monitores subslitucndo. 
Nam, ut solinus dicit, bonum memoriae facile elabitur uel 
morbo uel aliquo casu. Ait ergo omnis orator, ut aduersa- 
rios frangat, iudices et auditores attrahat et, ut cicero dicit, 
persuadeat dictione. Quid persuadeatur? Utique (64 r.) fa- 
ctum quod ipse defendit bonum iuslum aut honestum esse, 
aut econtra quod inpugnat lurpe et in pudendum et ab omni 
religione atque iuslicia alienura. 

* /. quo {()ö.cr ralionem (jua) causam suam 



DIE SANCTGALLISCIIE RHETORIK 469 

(^iiid sit elücutlo. 

Elorulio est idoncorinn ucrboruin ad inuenllüncm aconi- 
luodatio (Elociiliü, ilnz chit i'eht /ccsprache uel J'eht kechose, 
ist Ideonoruin ucrhoniin aconimodalio ad inucnlionem, ücro 
sculdii^o/i uiiorto h'giJa ze dinen kcdanchin, zc deino so du 
sprechen uuellest). quod si hoc non feceris, acyroloyani pa- 
ris. Item cloculio est perfecta locutio. Siciit ciiini ebibe 
est lotuin bibe, Ita est eloqiii ad inle{^runi loqui. Idoncoruni 
uerborum aconimodalio ad inueutionein, i. propiorum {so) et 
coiiuenicntium uerborum adiunclio ad excogitationera. Ergo 
elocutio pars elociucnliac, quia elocutio ipsa et ceterac partes 
pariunt eloquentiam. Elocutionis duplex ratio est, vna qua 
in singulis uerbis lumen apparet, Altera ut dignitas eloqucndi 
copulationis ipsius decore seruetur. Et structurae totius elo- 
cutionis cicero duo fundamenta posuit : latine posuit loqui pla- 
neque dicere. duo fastigia : copiose ornateque dicere. pro- 
pria uerba rebus dare, hoc est plane dicere. Haec pro- 
pterea fun- (64 r.) danienta sunt, quia stabilem inlellectum 
et certum consliluunt. Sunt tarnen et alia propria precepta, 
queniadmodum plane quis dicat. Translata uerba et alienie- 
uata (so) ad ornatum pertinent. Nam dum uilescunl propria, 
requirunfur aliena, ut eis splcndida et illustris efllciatur ort-i- 
tio. Propter hanc subliniitatem haec quasi fastigia dicuntur. 
Noslri itaque scriptorcs plerique scriplores (.so) in funda-. 
mentis studiosi fucrunt*, fastigia ucro quasi superuacua re- 
fulaucrunt. Ergo ad iuuentioneni idonea sunt propria uerba, 
aut pro eis aliena quac decenti simililudine sint propinqua 
uel contraria, ut, si minus intellegentcm stultum dicamus, 
proprium est. Si asinum uel insulsum, alicnum est, commo- 
dum tamen propter similitudincm. Si sapienlem, plus alie- 
num est, scd per contrarium non minus commodum est ad 
intellcgendum. In propriis simplcx locutio est. In alienis 
figurata locutio est. Ilis et dominus usus est. Nam quod 
dixit: Ite dicite iohanni, simplex et propria locutio est. Ite 
dicite uulpi illi, pro herodi, per similitudincm figurata locu- 
tio est. lila autem : quid existis in desertum uidere? harun- 
dincm uento agitatam ? uel homincm mollibus ucslitum? per 
aus posuerunl gebefsert. 



470 DIE SANCTGALLISCIIE RHETORIK 

contrarium simililcr figurata est loculi *. Aliquando desun 
propria, queninfur aliena. ut geniniare uites, (65 ?'.) i. ou- 
gcn die reba, dicimus et letas segetes, i. sconiu chorn, non 
inuenicnlcs quid alius** dicamus. Aliquando sunt propria, 
quae quia non sunt ornala, requiruulur aliena. ut fluctuare 
segetes pro moueri dicimus. Non solum autem singula uerba 
idonea, sed et senlenlias oportet licri idoneas. Sunt namque 
et ipsae simplices et figuratae. Intcndcndum est cautc, quia 
quod oralor dicit ad inuentionem pcrlinct qualilcr dicat, et 
quo ministerio ucrboruin aul scnlentiarum ad elocutionem 
perlinet. Si quodcunique causa remcdium requirat, hoc pa- 
ratum liabeant, ex inuentionis abundantia est. vt si irali 
sunt iudices et ille sciat rem uel personam introducere, qua 
illos placatos et beniuolos faciat. Hie non parum refert, 
splendidis an festiuis {lag ältlichen) an grauibus instet, quia 
grauem rem aut personam grauibus uerbis, iocosam rem aut 
ridiculosam, sicut est parasiti, festiuis conuenit explicare. 
Hoc ad elocutionem pertinet. Ergo omnis locutio simplex 
uel figurata siue in sentenliis siue in singulis dictionibus 
idonea fieri potest ad inuentionem. Simplex intellegentiam 
rei amministrat proprielatem*** uerborum. figurata commen- 
dat se eliam uenustate compositionis arlificiosae aut signifi- 
cationis alienae. vt apto*J- uirgilium : Marsa (65 v.) peligna 
cohors leslina uirum uis-|-f. Ma et na, gna et sa, ors et 
ars, uis et ui, similes sillabae dissimilibus distinctae, gratam 
quodammodo concinnitudinem et concordem uarietatem dant. 
et fit per induslriara talis composilio im omni lingua causa 
delectalionis. sicut et illud teutonicum : 

Söse snel snellcmo 

pegügenet ändermo, 

so uuii'det slierno 
ßrsniten sciltriemo. 



Et item; 



Der hchcr gut in litun, 

tregit sj>er in situn : 



* /. locutio ** alias *** proprielale -j- apud 

■{• f [Marsa manus, Peligua cohors, Vcslina {so Dousa und JS'i'vbu/ir 
röm. gesch. 1, 112) virum vis. der vers wird bekanntlich dem En- 
nius :,ii geschrieben . II. \ 



DIE SANCTGALLISCIIE RIIETOUIK 471 

sin bald rllin 

/IC /dz et in urllin. 
Ilae lii^urac lexeos grece dicilur*, i. dictionis, in quibus sola 
coniposilio placet ucrborum. Aliae sunt daneos, ** i. sen- 
tenlianini, ubi aliud dicilur et aliud inlellcgilur. ut est illud : 
Porcus per taurum scquitur uesligia ferri. Nam sinodocli^;*** 
de operc suloris lolum dicilur et pars intcllegilur. vcl ypcr- 
bolicc. ut uirj^ilius dixil de caribdi : alque uno-^j- baralri Icr 
gurj^ile uastos sorbct in abrulum (.so) lluclus rursusquc sub 
aurasEgeril altcrnos et sidcra uerberat unda. Nani plus di- 
cilur et minus iutellegilur. Sicul et leutonice de apro : 

Imo sint ßiozc 

fi'iodermdze, 

imo sint bärste 

eben hu forste^ 

ünde zene sijic, 

zuuelif einige. 
Hec aliena, sed propinqua sunt. Item per contrarium intel- 
leguntur sentenliae. vt in sueludine latinorum interroganti- 
bus: quesiuit nos aliquis? (68 r.) respondelur: bona Fortu- 
na, i. Hei undc salida, et intellegitur: nemo, quod durum 
esset, i. iinminesam se sprechennc. Simililer teutonice po- 
stulanlibus obsonia promitlimus sie: Alles liebes gnuoge-^^., 
et intellegitur per contrarium propler grauilatem uocis. Sed 
bi modi numerali sunt in grammaticae tropis. Ilic tan tum 
dicilur, qiiia aliquando idonei sunt ad inucnlionem. Ad hoc 
perlinct scire alias oraliones esse continuas, alias uero per 
membra dislribulas. Conlinua est: Christus assislens pon- 
tifex futurorum bonorum per amplius et perfectius taberna- 
culum non manu factum, i. non liuius crealionis, neque per 
sanguinem hircorum aut uilulorum, sed per proprium sangui- 
nem inlroiuit semel in sancta. Hec non recurrit, sed sem- 
per ultra tendit, quia non possunt superiora intellegi, nisi 
proxima consequanlur. proplerea finis tolius sentenliae ex- 
pectalur, ut inlellegalur. Alia aulem est districta, cuius 
omnes partes per se inlellegunlur, quae dicuntur cola et com- 
mata, hoc est membra et cesurae. ut est illud : Noli mihi 

dicuntur ** Doeen dianoeas *** Docen synecdochice f imo 
•j-i ik hebbe gott uii allewege wol d. say;. der br. Grimm 1, 360. 



472 DIE SANCTGALLISCIIE RHETORIK 

moleslus esse : iani oslium clausuni est, et pueri mei mecum 
sunt intus in cubili : non possum surgere et dare tibi. Hec 
periodos dicilur et potest conslare duobus nienibris uel tri- 
bus ucl quatuor uel sex. Si uno membro (68 v.) senten- 
tia constal, non periodos, sed colon dicitur. Deum nemo ui- 
dit umquani. Marhanus pcne similem difiinitioneni de colo et 
coniniate dat, plura uerba absoluta nienibris, duo uerba* uel 
plura ilideni absoluta caesis Iribuens. Cacsuni est autcin pars 
eins, quod colon dicitur, et per se non intellcgitur. vt est: 
omnis plantatio quam non plantauit pater mens celestis. Hie 
necessario ad plenuni intelletum (so) subiungendum est: era- 
dicabitur. et fit colon duobus commalibus. Sed caesuni est, 
quando sensus per se non stat, statim autem subinfertur. 
ita : Nisi dominus edificauerit domum: caesum est. mox se- 
quitur: in uanum laborant qui edificant eam. et inipletur 
sententia, fitquc colon coramate diuisum. 

Dicendum est quoque de uitiis elocutionis, quae cauenda 
sunt singulis et compositis dictionibus, et quae non sunt 
idonea ad inuentioneni. In singulis, ut sunt barbara, corru- 
pta, inpropria, antiquata, turpia, differentia, longe recta, in- 
solenter prolala. barbara, i. Kndirskm älder frocviidiu, i. 
qualia donatus dicit Maslruga cateia magalia, et legibus ala- 
mannorum plurima leguntur, ut nahisteit et uucregeldum et 
fredum.* Corrup- (67 r.) ta, i. sämerartiu, ut est cirogra- 
phuni pro chyrographum, perfodiri vt quidam legunt in euan- 
gelio pro perfodi, et peiurus pro periurus, intelligere pro 
intellegere, et omnes barbarismi. Inpropria sunt, i. tiu un- 
sculdigcn^ quas grammalici achyroloias *** grece dicunt, et 
interpretari possumus raanuales dictiones. ut sperare pro ti- 

* /. membra ** Docen nasthai et fredum et uncrigeldum ; /. 

Alam. 5G nastahit d. h. nastait. es wird hier als name des eides be- 
zeichnet den eine frau der tnorgengabe wegen sehwort ; dabei pßegten 
aber die frauen aiifser der brüst noch de?i zopf zu berühren (rechts- 
alterth. 897. schwabcnsp. landr. 20, 6. Blunfsehli Zürich 1, 108); 
ein Wort für brüst ist der erste bestandtheil schwerlich : mithin bleibt 
wohl nur die bedcutiing von zopf oder flechte, ivürklich sieht auch 
nast im ablautsverhüUnis zu niist und nusta, eben wie im lat. nodus 
und nidus verwandt sind, und nestila ist der umlaut dazu. 

*** im anfang dieses abschnittes acyroloya, nämlich axvQoloyia ; 
der verfafser versteht jedoch achirologia. 



DIE SANCTGALLISCIIE RHETORIK /i73 

nicre, Sicut in illo ucrsu : llunc cgo si pofui lanlum sperarc 
dolorem. Nam sperarc de boiiis ditimus, timcre de inalis. 
Tale est: iuslo itinere pro recto itinerc, aul ueniain dci pro 
gratia dei. Aiiliqiiata, i. Jiniiu ucl inntuorfeniu., vt aluci- 
nari cerritum caperratum, quae anti({uis in usu fuisse mar- 
tianus lestafur. Intellegitur enini aliuinari nana somniare. 
Est auteni proprio alucinare tilioncs aj^ilarc, ut lunien ui- 
deatur. Cerrilus esl insanus, a cererc dicfus. Capcrralus 
hispidiis et pilosus uel rigosus, sicut est cornu capri. et 
apud plautum plurima iam obsolcla. Turpia sunt, ut arrige 
aures, paniphile, quod in roniana lingua de erectione uirilis 
membri diiilur. et sie lodius * pro malicia sua slercus cu- 
riae dicalur. et si propter uirtutem alfricani morlc eius ca- 
strata res publica dicatur. Diflercnlia sunt aliena, i. i'inge- 
häftiit, quae sccundum marlianum sine ulla ralione dicuntur, 
ut si iioniincin nequc corpore durum neque ingenio stolidum 
lapidcm dicamus. longe repetila sunt, i. ze uerro getiorne- 
niu, vt si uastam caribdim luxuri- (67 v.) osam dicamus. 
Insolenter prolata sunt, id est ui/ider goinioneheite, quae per 
deriuationem aut interpretalionem nouanlur, i. noua inue- 
niuutur, et potuissent quidem dici singulariter, sed non so- 
lent. vt a capile capitatus, manu manuatus, ala alatus, remo 
remitus. a quibus temperandum est propter insolentiam, i. 
seltsam aide Wigeuuoneheite. Sic ciceroni insolens uisum 
est soterem interpretari saluatorem, quod apud nos soUemne 
et celeberrimum est et ait qui salulem dedit. 

De uitiis coniuctorum {so) uerborum. 

In compositis autem uerbis aliquando slructura, ali- 
quando clausula iit uitiosa. Malam structuram soloecismum 
gramniatici uocant. Cuius species sunt moitacismi, lauta- 
cismi,** iotacismi, polisignia,*** omoeoprofora, diprofora, 
hiatus, freni, coUisiones, turpia quoque, uel cuiuslibet lite- 
rae assiduitas repetita, uel multae breues sillabae. Moita- 
cismi lautacismi iotacismi polisigmia sunt ubi he literae m 1 
i s uel plurimum soiiant uel male distinguuntur a sequenti- 
bus uocabulis. m ut bonum aurum, bonum amicum. 1 ut 

* /. si clodius " mytacismi, lainbdacismi *" polysijinia, 

wie nachher. 



474 DIE SANCTGALLISCHE UHETORIK 

sül et liina caelo luceiit, et luna lucct luce aliena. i ul iure 
iuiio ioui iuncta est, uel non est isliid iudicium iudicii si- 
mile, iiidices. s ut sosias sedens in solario suo suebat so- 
leas siias. Omocoproforon est siinilis proniinliatio, vt apud 
cnniuiii : tite, üite, (68 ;•.) tati, tibi tanta, tyranne, tu- 
iisti. Diproforon bis prolatuni, vt protere pedem pede. Hiul- 
cae sunt conipositiones quae hiatum oris faciunt multis uo- 
calibus conclirrcntihus, vt insulae ionio in magno. CoUisae 
niullis consonanfibus duriter concurrentibus, vt nuillum ille 
et terris iactalas et alto. Freni diciinlur iioces quae in ore 
bis sunt, * vt fratres terrore prostrati in terram ruunt. Tur- 
pis compositio, ut iuat (so) ire et dorica castra uidere. Casa 
(.90) in roniana linguaest: uentrem purga. Sic et numerum cum 
nauibus aequat, turpe est, quia cunna una tantum litera di- 
stante ostium niuliebris uuluae significat. vnde et lalini fu- 
giunt dicere cum nobis, ac prepostero ordine dicunt nobiscum, 
ne turpitur sonet. Assiduitas cuiusque literae in odiuni re- 
petitae est (vn/ustsamo gohabente)' buostab**), ut casus cas- 
sandra canebat. Et apud ciceronem : forlunatam natam 
me consule roniam. Diuina uero pagina non est obligata bis 
regulis, ut interpres timeret dicere : Oranis homo primum 
bonum uinum ponit. uel hoc : si conresurrexistis cum chri- 
sto, quae sursum sunt, querile. Flures quoque sillabae bre- 
ues uitandae sunt, vt: quam timida leuipedis animula lepo- 
ris ! Sanctum est canere: 31agnificat anima mea dominum. 
Haec ante finem senlenliae cauendae*** sunt. Dehinc clau- 
sulae quae pessimae sunt non minus cauendae. Sed de bo- 
nis prius doceamus. De bo- ((J8 v.) nis clausulis. Mono- 
silb? (so) dictioncs ubi colon aut comma finiuntur melius 
ponuntur quam in fine sentenfiae. Ergo si in longam desi- 
nat, ut lex aut nox, precedat trocheus. ut cicero : non scri- 
pta, sed nätä lex. Item ipse : At debct esse legum in re 
publica prima uöx. Si autem in breuem desinat, anapestus 
aut iambus precedat. vt salustius : Tola autem insula mo- 
dica et cultibus uäriis est. Haec monosillabae-]- dictio posi- 
lione longa, natura et accenlu breuis est. Item : filius filii 
meus nepös est. Dissillabae dictiones aptiores sunt claudeo- 

• hiscnnl ' ' Ducen uiiluslsaino geaberter puchslab 

* ' ' cauenda •{• monosyllaba 



DIE SANCTGALLISCHE RFIETORIK 475 

dis sentcnliis. Et quidem bona claiisuhi ianibus et spondcus, 
vt est: felix patria quae continet bonos couciues.* Aut iani- 
bus et trocbeus, vi est: Corona ambiat capfit regTs. licne 
qiioque ponuntiir diio trochei, vi illud est: Lex est bonorum 
ciuiuin magna cürä. Similiter placcnl trocheus et spoiideus, 
vt est: Haec sunt quae maximi priiicipcs sola cüränt. Tris- 
sillabam clausulam, si uelis niolliter (luere eam, fac trocheum 
et molosnni, vt illud tiillii : Marc fluctuanlibus litiis .igTlanti.** 
Item pulclira erit, si media molosi in duas breues, vi: lilüs 
emiliT'. vel si terciam solueris in duas breues, vt: litüs 
aequabile. Item üt elegans, si penultinia trochei et prima mo- 
losi soluatur, vt est: curas regere änimörüm. Item de ui- 
tiosis. In monosillabis, si aut breuis (69 r.) breuem aut 
longa longam seclalur in colo aut conimale, non sine uitu- 
peratione est. vt illud: Isla mea res est. Et ut cicero pro 
ligario : Non lu eum qui (so) patria priuare, qua caret, sed 
Ulla uis. Quod uoluntate orator, non errore composuit. Dis- 
sillabae displioent duobus iambis, vt est: inueni öues meäs. 
vel spondeo et iambo, vi: teuui seruös mcös. Aut spondeo 
et pirrichio, vt est: Consül uidt-t. Aul duobus iambis, vt 
est: pugnare iuuenes pro parentibüs suis. Aut ianibus et 
pirricliius, vt est: pugnare iuuenes pro suis pärentibiis. Dis- 
plicet ualde pirricliius post pirrichium. ita : perdidi bon.i 
meä. Aut pirricliius et trocheus, vt est: Conqueritur süä 
facta. Aut pirrichius et spondeus, vt est: Tmputat sibT de- 
mens. Aut trocheus et iambus, vi est: Omnia nempe uTdes. 
Aut trocheus*** vt est: Aspice läctä meä. Talis clausula 
finera elagiaci (so) pentametri turpiter reddil. In trissilla- 
bis pessima conclusio est spondeus et molosus, vt est: Marc 
fluctuanlibus rüpes eieclis. Item pessima pirrichius et mo- 
losus, vt est: 3Iare fluctuanlibus äpex eieclis. Item uiciosa, 
si molosi ullimi prima breuis sit syllaba, quia heroicum com- 
nia nascitur, vt est: lilüs ämicis. Item cauendus est spon- 
deus ante molosum, s. in tercia syllaba resolulum, vt est: 
Si semel ad meas capsäs äd- (69 v.) miserö (so). Item ne 
incurras in endecassillabi phalleulii (so) pecularilatem, vt est 

/. cives ' ' ein bcispiel mit drm reinen molossus und dann ei- 
nige Worte über die aiißüsuug der ersten länge desselben fehlen, 
'"fehlt et pyrrhichius 



476 DIE SANCTGALLISCIIE RHETORIK 

illud ciocronis : Successit tibi lutius nictellus. Sic omnes 
fines inetricis similcs uitiosi sunt. Quos tarnen nee cicero 
prae niagnitiidinc operis sui potuit uitare. De elocutionis 
dignitate. Post inuentionem niaximam uini habet clocutio. 
Cicero in libris rethoricorum de sola inuentione tractat, De 
ceteris partibus ad herenlium (so) scripsit. Namque habet 
elocutio nimiuni exercitationis, i. et (so) nimiuni industriae, 
ila ut inuentio parum prosit, si non elocutio assit. Sic de- 
muni aparet excogilatio, si sequitur eins per uerbum expli- 
catio. Nani quorum maxime luiramur iiigenia, duabus parti'- 
bus clari erant, alius iuuentione et alius in (so) eloculione. 
In hac palmam habet uarro, in illa tullius cicero, Diceute 
augustino in libro de ciuitate dei : quanlo iuuat uarro stu- 
diosum rerum, tantum deleclat cicero studiosum uerborum. 
Ea* grata seraper est elocutio, vt a quibusdam poslponere- 
tur inuentio vilem estimantibiis materiain, quae non esset 
eloquio decorata, vt hieronimus testatur in expositione euan- 
gelica dicens : Quia mulli accesserunt legere nostras scriptu- 
ras, sed abhorruerunt ab exteriori cortice antequam perue- 
nirent ad interioreni meduUae dulcedinem. Et augusti- (70 r.) 
nus in libro confessionum de iuuentute sua loculus discernit 
inter eos, quorum auditor erat ipse, inter manicheum scili- 
cet et ambrosium, quod aliquanto ornatus** esset eloquium 
manichei quam ambrosii, De cetero autem nuUam haberet 
comparationem, Tribuens bis uerbis ulilitatem sensuum ara- 
brosio, uanilatem nitidi sermonis manicheo. Tanta enim di- 
gnitas elocutionis apud anliquos fuit, ut sine magisterio 
uerbi pene ingralum esset omne quod audirelur et cicero, 
ut predictum est***, abuli literis iudicaret qui eas nesciret 
decorare et artificio commendare. 

De pronuntlatione. 

Pronuntialio est ex rerum et uerborum dignilale uocis 
et corporis moderatio. Possumus haec uerba sie interpretari. 
Pronunliatio däz ist tut gerertida dero slimma iöh tis li- 
chamhi näh tcvo geriste dero uuorto ünde dero dingo. 
Item, quid est pronuntialio? kcrirlida, kebärda, kehäba, 

* l. Tarn ** orualius *** diese Jrühvre slcllc fehlt jedoch. 



DIE SAiNCTGALLlSCIIE lUIETORIK. 477 

keuurßli^i, kezdini, s/'/ifsdnii*, zi'ihtigi. Ilcin iironuntiarc 
(licimus /'('rrenun sägen, i. preuciiirc uerba geslu corporis 
et qualilale uocis. Quid est gestus? Antpära, tiilutiirliim' 
ga**, äntcn'i/iga, iiurrbida. Kt quid est moderalio? .vc«- 
l'unga, mezunga, rm'-tenscüß. llinc aparel bene illuiii pro- 
iiuntiare, qui loqucns dignc (70 v.) bis rebus de quibus lo- 
(juitur contincre se sciat. Ad baec in oralore uox, uultus, 
geslus, et habiUis oris obseruanlur. De bis singulis prc- 
cepla relborice digesla sunt. Bonitas uocis constat clarilale, 
lirniilale, suauitale, quae etsi natura tribuit, nutriunlur la- 
incn tibi, polus, coitus Icniperanlia, precipueque ut corpus 
dcanibulando nioucatur inlra breuc spaciuni redilu niaturato. 
Qui niolus cum dij^estionem facileiu prestat, sine dubio pur- 
j;;at et uocem. Nimia excursio et longa deambulatio extenuat 
et fatigat uocem. Post banc deambulationera statiin se ora- 
lor ad sludia conferal, priusque quam sit dicendum uocem 
lectione suscitet. Nee ab inicio clamandum, sed tenui mur- 
mure inchoandum, vi paulatim in uocem possit crescere. 
vultus quoque pro senleuliae dignilale mulandi sunt, sed non 
ila ut ystrionibus mos est, i. anterdrin, qui ora torquendo, 
1. priohi'/i mächofido, ridiculos molus, i. spilcliche gebdrda, 
spcclantibus prestant. In bac parte oculorum magna est mo- 
deratio, i. rnezäfligi, qui tum bilarilate, tum intentione, i. 
(inaseungo, tum minaci mouentur aspectu. Nee nimiuni gra- 
uioribus superciliis premendi aut pelentibus frontem nudandi 
sunt oculi, i. df i'inde nider (71 r.) gd/iddu dinbrduuun*** 
iiist ze uuistrinne näh se uuitsehunnc. Quod in pisone tul- 
lius amare uituperat, i. häntegu scillit. JNec molliter agitandi 
sunt gcslus, i. nüh ze liso nc rudrc sih, nee muliebriler de- 
ducenda sunt latera, {nüh uuiblicho Jieuuänchue mitten si- 
tdn) nee iactanda deformiler ceruix (nü/ine hd/.suuerfue ze 
i/ngezemeroj nuis), ne in illas borlensii illecebras, i. ün- 
zi'ihte, quibus etsi uenuste tamen non uidcbantur {so) uti 
uiriliter, i. di er tcta ziero, ni doch kömelicho. Ad su- 
mam •]*•{* geslus non is oratori tencndus est, quo scbenae 
placere dicuntur actores, i. recitatores, s. fabularum comi- 

* Doccii sintsami; /. sitisainf oder silesaini " /. taluurchunga ; 
Docen Quid est gestus? aut parauufchunga *** d. i. dien brä- 

uuön j Docen gantendin brauuon •}• ebenso Docen. ff /. summam 



478 DIE SAJSCTGALLISCHE RHETORIK 

carum ucl Iraicarum, raanus in contenlionibus fusa porreclius, 
i. ze nörro hina g-erärter* arm stridendo**, in sermocina- 
tione uel narralione contracta, i. ünde aber mildere gezüh- 
t6r sdgendö. Precipue in hac prcslandum, ut deccant cun- 
cta, quod magis prudentia quam ulla preceptionis huius arte 
serualur. 

Epilogus. Has quinque partes rethoricae, qui tenet ip- 
sam, tenet et partes, cum ipsa nihil aliud sit quam quod par- 
tes eius. lalet autem in occulto, sicut omnis scientia, vi- 
delicct in intime cordis, ubi et anima sedem habet, qua sine 
haec locum habere non posset. Sed in- (71 v.) uenta oc- 
casione manifestam se prebet, et in mullitudine populi, ubi 
sunt iudicia plebis et consilia principum curam regni mini- 
stranlium, ibi maxirae gloriatur, ex bis quae de foris hausit 
quam uera de intus erucluet. Hoc namque totum opus est 
rethorum, qualis sit ipsa et ingrediens ad eam materia atque 
de ea egrediens oRAxio. 

I?i derselben Zürcher handschrift, jedoch von a?iderer 
handy als die im altd. Icseb. 111. 142 und in den altd. blät- 
tern 2, 133 mitgetheilten stücke; ein kleinerer abschnitt 
bereits im leseb. 109. aus einer zweiten, zu München lie- 
genden redaction dieses sanctgallischcn collegienheftes, die 
wie es scheint theilweis ausßlhrlicher, namentlich aber rei- 
cher ist an eingeschalteten Verdeutschungen, hat Docen in 
Arelins beitragen 7, 290—294 auszüge gegeben unter dem 
wenig passlichen namen virgilianischer glossen. auf diesen 
abd7'uck gehn die vergleichungen die oben hin und wieder 
vorkommen. 

* Docen gerachter ** Docen strltendo 

WILH. WACKERNAGEL. 



479 



GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS. 

/// einer reihe von auszügen aus verschiedenen histo- 
rischen werken des jnittelaiters (Gottfried vonVilerbo it. a.), 
die jedoch übel genuin geordnet und durch mancherlei fremd- 
ortige einschaltungen, z. b. gedichte in deutscher spräche, 
unterbrochen ist, enthält die pergamenthandschrift //" 260 
der stadtbibliothe/c zu Bern vom Hin bis zum 134« bl. 
auch eine ziemlich ausführliche erdbeschreibung, oder viel- 
mehr, da nur die einzelnen länder in alphabetischer folge 
vorgeführt tcerdett, ein geographisches Wörterbuch, über- 
schrieben De orbe et eius diuisione ac viiiuersis rcgionibus 
tocius niundi. aus ivelchcr quelle zunächst dieser theil der 
hs. geschöpft sei habe ich nicht ermitteln können : dafs in 
dem capitel De Tuscia auch alle die hauptstädte dieses lan- 
des na mhnft gemacht iverden, was bei anderen gerade nicht 
so geschieht, möchte norditalischen Ursprung vermuten la- 
fsen : die hs. selbst gehörte früherhin dem convent der cö- 
lestiner zu Metz. v\inder schwer ist die zeit der abfafsung 
zu bestimmen, obschon es da bei ziemlich weiten grenzen 
bleibt: nach dem, was cap. 126 und 171 über Esthland 
gesagt ist, fällt das wer/c zwischen ff'aldemar den in und 
ff'aldemar den Sn von Dänemark, zwischen den anfang des 
13// und die mitte des \An jahrh. ich will nun von den 
175 capiteln diejenigen mittheileti die auf deutsches land 
und volk beziehung haben ; zuvor jedoch einige irrthümer 
berichtigen die dem verstorbenen Grajf bei exccrpierung je- 
ner deutschen gedichte (Diut. 2, 240 — 266) begegnet sind, 
die hs. ist nicht aus dem 13/^ sondern aus der zweiten 
hälfte des \An jahrh., wie denn auch die historischen aus- 
züge bis zum j. 1350 reichen, von den zahlreichen lese- 
fehlern sind die erheblicheren s. 258 z. 14. brunnen : die 
hs. brunen; 260,5. minnen: hs. minnc ; 9. zu zen andern: 
hs. züzen ander; 24. we: hs. me ; 261, 8. gotl : hs. golt; 
18. VügeUin beschihet: hs. vögellin da von beschihel; 262, 5. 
fröudesenden : hs. fröude senden; 15. niinnengliche (<^ noch 



480 GEOGIL\PIIIE DES MITTELALTERS 

durch einen cursirbiichstob bekräftigt) : hs. minncncliche ; 
31. niinnen : hs. iiiinne ; 265, 26. schaden vfi fruuien : hs. 
schade vn frünie. noch ist übersehen dajs unter Neidharts 
Hede steht Hie endet der rosenkranlz, und dafs in dem re- 
gister zu anfang der hs. die tenzone von den ztoei Johan- 
sen mit dem namen Klein heinzelins, die zioei Strophen aber 
Gut wahter wiz und Wer nun (so) verhohlen niinnen phli- 
get {Gr. 256) als tage liet verzeichnet sind. 

De Alamannia. xiij. capitulum. 

Alamannia est regio in Europa nobilis et generosa ale- 
mannio* fluuio. ultra danubium secunduni ysidorum sie vo- 
cata ubi illius terre incole prius habilauerunt qui a fluuio 
Lenianno alenianni dicti sunt. Hec et gerniania dicta est. 
vt dicil ysidorus libro .xv. ut^ dieit post daciam que finis 
est sicie inferioris. occurrit gerniania ab Oriente habens da- 
nubium a meridie Renum flumen a septenitrione et occasu 
occeanura. et est duplex germania scilicet superior que se 
extendit usque ad alpes et niare mediterraneum sine adria- 
ticum. Vbi mare magnum sistitur inaquileis parlibus per palu- 
des. 3 Alia est gerniania est terra inclila et tarn iuribus quam 
diuiciis ac bellicosis populis nunierosa. Vnde a fecunditate 
gignendorura populorum a germiuando gerniania est vocata. 
Vt dicit ysidorus libro .xv. * generosos enim et inmanes gignit 
populos de quibus dicitur in libro ix. ysidorus. germanie 
nationes sunt inulte inniania corpora habentes viribus fortes 
audaccs animo et feroces indomili raptu caplibus et venatio- 
nibus occupati facie decori et formosi comati et coma flaui. 
liberales animo hylares et iocuudi. et potissime saxones qui 
in predictis sunt precellentes. de quibus dicit ysidorus. Saxo- 
num inquit gens in occeani finibus et liltoribus constituta 
uirlule et agilitate agilis. vnde et sie appellata. eo quod 

1. /. a lemanno. ich will jedoch weiterhin nur die wichtigeren fehler 
anmerken. ^ 2. /. ubi 3. am randc IVota bene. 4. Isidorns 

sa^t origg. 14, 4, 4 propter fecundidalem gignendoruin populorum (ler- 
mania dicta est, wie auch nach Paul. Diac. 1, 1 tautac populorum 
multitadines Ursache sind nl generali vocabulo Germania vocitetur. 
also Germania von Irman volk, Germanus a?if deutsch gairmans volks- 
genofs. 



GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 481 

valculissinium sit genus lioiniiiiiin. preslanlius celeris priua- 
tis. Non ciiira per torram soluin suis hoslibus sunt infesli. 
verum et per niarc illis qiii sc nioleslant. ac si essent saxei 
sunt inporlabilos alque duri. quorum terra est ualde fructi- 
fera. aquis et lluniinibus opiimis irri<^ua. in ipsorum cciam 
niontaiiis oHodiuiilnr lere oiiiiiia inclalla prclcr sla;,'num. Sunt 
et alie prouinc'ic in utraquc {^(Miiiania quc non sunt minus 
laude dij;nc. ul sunt Auslria. Bawaria. Circa danubium. 
Franconia. Sweuia. Alsacia. circa renum. et inulte alie 
quas per singulas cnunicrarc esset lediosum. Angii ' proces- 
serunt quorum jirogeiiies et successio. IJrilannicam insulam^ 
quorum iinguam et mores anglorum gcns usque^ inpluribus 
imilatur. \ t dicil Beda in libro de gcstis Anj^iorum. Quere 
inl'ra liltera scilioel* de Savonia. 



De Anjjiia. xiiij. Capilulum. 

Anglia occeani est insula maxiraa quc circumfusa mari a 
loto orbe vndique diuisa. que quondam albion ab albis rupibus 
alonge circa maris litora apparentibus est uocata quam suc- 
cedente tempore, quidam proceres de Troge excidio disce- 
denlcs facta classe palladis ut lertur oraculo ad predicte in- 
sule lillora peruencrunt. qui cum gygantibus qui tunc ter- 
ram possederunt diucius pugnanles arle pariter et nirtute 
insulam superalis giganlibus suo dominio subieccrunt. et 
abruto qui illius exercilus erat princeps. tcrram vocaucrunt 
Britanniani. quasi insulam abrulo lunc lemporis arniis et 
potencia acquisilam. A cuius Bruli prosapia reges potissimi 
processcrunl. quorum opera magnifica. si quem audire de- 
leclat hysloriam Bruti legal. lila autcm insula post longa 
lempora a saxonibus germanicis multis et varijs interuenien- 
tibus seuissimis prelijs est acquisita. et a suis posteris est 
posscssa. qui Brilonibus uel morluis uel exulatis insulam 
inter se diuiserunt. et singulis prouincijs secundum lingue 
sue proprielates nomina imponentes lingue ^ genlis sue me- 
moriam reliquerunt. Vocanles insulam Angliam ab Engela 
regina. clarissimi ducis Saxonum filia. que illam insulam post 

\. fehlt etwas; vielleicht Ex Saxonia Angli 3. fehlt etwa habitat 

3. fehlt hodie 4. /. littera S 5. lingue zu streichen. 

Z. F. D. A. IV. 31 



482 GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 

niuUa prelia pl^ * possedil. ysidorus tarnen dicil. Angliam 
ab angulo dictani quia ^ terram in fme uel quasi mundi au- 
gulo consliliilam. sed bealus Grcgorius. videns Anglorum 
pueros ronie venalcs tempore paganorum. Audiens quod es- 
senl angli. alludoiis j)alrie vocabulo respondil. vere inquit 
sunt angli quia wllu nitent ut angeli. illis oportet uerba 
annunciare salutis. Nam ut dioit Beda. fer auila nobilitas 
adhuc in pueronim wllibus resullabat. de bac insula dicit 
plinius mulla, siuiililcr et Orosius. Sed ysydorus suniiiialiin 
tangil expressiua que alij obscurius retulere. ' Brilannia 
que scilicet nunc dicitur Anglia est insula que ■* contra aspc- 
ctum Gallie et byspanie sila circuitus eins obtinet Qnadragies 
octies. Ixxv. niilia. nnilia et magna flumina sunt in ea fon- 
tes calidi. melallorum et larga copia gagades lalis * ibi plu- 
rimus et niargarila. gleba optima, et diuersis fructibus valde 
apta. ibi oues lanigcre in precipiiri babundancia. ibi ferarum 
et cerunrum mullitudo nimia inuenilur. pauci lupi uel nulli 
in insula reperiunlur. et idco oues que ibi maxime babun- 
dant tucius in caulis et pascuis sine custodia relinquuntur. 
Vi dicit Beda. Vnde quidam describens insulam Anglicanam 
nietrice sie dixif. Anglia terra ferax et sterilis angulns 
orbis. § Insula prediues que toto vix eget orbe. § Et cu- 
ius totus indiget orbis ope § Anglia plena locis nee non gens 
libere ^ mentis. Item libcr* lingua. sed lingua nielior libe- 
rior que ^ manu, mullas alias prosequitur genlis et insule 
dignitates. quas bic interponere esset longum. quere int'ra 
de Britannia. 

De Brabancia xxv. capilulum. 

Brabancia germanie finalis est insula, que gallie bellice ^° 
est contigua. babcns Uenum ab Oriente et Irigiam ^ ^ . Britan- 
nicura occeanum et Flandricum sinum siue ^- ab aquilone infe- 
riorem galliam ab occidente superiorem uero Franciam a me- 
ridie. quam Acupius famosa pretcrfluit multa habens opida 
et famosa. terra fertiiis in frugibus populosa. gens elegantis 

1. /. patris 2. /. quasi 3. am randc Nota 4. que zu strei- 

r.hPTt. 5. /. lapis ^.am randr Noia 7. /. libera 8. /. libera 
0. d. h. liberiorqne 10. /. Belpicae 11. d. i. Frisiain 

12. siue zu streichen. 



CEOGUAPHIE DES MFiTELALTERS 483 

slaliire cl venustc forme bcllicosa aniniosa coutra hosles. In- 
ter se autcm placita et «juiefa. 

De Bohcniia. xxx. Caiiiluhim. 

Bocniia pars est messic' ad plaj^ani orientalcni in quarla 
Germania posila in iMiropa qiic a moiilihiis maximis et sil- 
uis (iciisissimis et allis vndiciiic circuinscripla a (jeniiania et 
paiuionia cl uacionibus alii.s per monlcs ,siluas et (liimiiia est 
diuisa. Est autem regio moncium alliliidine in plurimis sni 
partibns ualde firnia camporum et pratorum planicic conspi- 
cua facie celi saluberiima glelia lorlissima. in vineis liabun- 
dans et annona in auro argcnlo staj^no alijs metallis ditis- 
sima. fontibiis et fluuijs irrigua. Nam terram irrigat. albia 
fluuius nobilissimus qui in monlanis orilur Bocmorum. simi- 
liler et muUa quasi - prcterfluil IJragam regiam ciuitatem. In 
eins nionlibus habundant pini et abietes, habundanl et berbe 
innumerabiles non solnmmodo. pascnales. verum eciam aro- 
nialice et mcdicinales ibi diuersortim generum babundanl. 
lere innumerabiles. scilicel vrsi. apri. Cerui capreole. Tru- 
gelapbi Uubali seu Bisontes. et inter has feras est quedam 
Habens niagniludinem bouis. llec beslia ferox est et seua et 
habet magna corniia et ampla. cum quibus se non defendit. 
sed habens sub menlo amplum folliculum in ipso aquas recol- 
ligit et cursando aquam miro modo in illo folliculo calefacit. 
quam super venalores seu canes sibi nimis appropinquantes 
proicit et quicquid leligerit depilat borribiliter et exurit. et 
boc animal lingua Boemica loth nuncupatur Hec terra circui- 
tur ex parte orientis mazouia et pannonia. Ex parte Euri. 
aquilonaris Polonia. ex parte ucro meridionali Auslria. Ex 
parte occidenlis Bauwaria Germanica et Missenensi marchia 
circumdalur et ambitur. 



De Franconia. Capitulum Lvi. 

FRanconia germanie est prouincia in Europa a Francis il- 
lius regionis incolis nominata. cuius 3Ietropolis HerbipoHs 
est nominata sita super ampnem. Mogum. Ab Oriente habet 

1. d. i. Moesiae 2. l. Mulda quae 

31* 



484 GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 

Thuringiam Saxonuni. A nieridic Danubiura et Bawariam. 
Ab occasu Siieuiam et. Alsaciam. a septeinpirioiie. Henen- 
seni. * cuius 3Ielr()polis est Moguruia. sila super Renuni 
quem Mogus ibidem subintrat. Est autem terra opJima fe- 
cunda frugibus et viniferis. siluis decora. opidis et castris 
munila. et pluriinum populosa. 

De Flaiidria Caplliiliim Lviij. 

Flandria est prouiiicia (iallie IJelgice iiixta litus occeani. 
constitula apnd - Gcrmaniaiii. ab occidentc (so) insiilain Brita- 
niam a septemptrione. Ab occidentc inare gallicuin A nieridie 
Galliain Senonensem et Burgniidiam. Hoc proiiincia (juaiiiuis 
situ terre sit paruula. niullis tarnen boiiis sliigularibus est 
referla. Est enim terra pascuis vberrima. et armentis et 
pecudibus plena. nobilissimis opidis et portibus maris inclyta. 
Ampnibus famosis. scilicet Scandaleia undique irrigua. et per- 
fusa. gens eius elegans corpore et robiisla. nuilliplcx in so- 
bole et in substancia. in oniniuin mercium diuicijs locuplex. 
Venusla facie generaliler et decora. alFeclu pia. AlTatu blanda. 
geslu matura. habitu honusta. erga domeslicos pacifica. erga 
extraneos valde fida. Arte et ingenio. in opere lanifico 
preclara. per cuius induslriam niagne parti orbis in laniücis 
subuenitur. § Nam preciosam lanam quam sibi Anglia com- 
municat in pannos nobilcs sublili artificio Iransmulans. per 
mare per terras multis rcgionibus aniministrat. § Est autem 
terra plana et friigilera in ^ in mullis locis niullas quidem 
arbores. non tarnen nuillas siluas. gandet quibusdara locis 
palustribus in quibus effodiiintur glcbc que siluarum supplent 
defectum quo ad ignium incremenlum. Nam ex liijs calldus 
et fortis ignis solet lieri niagis ellicax quam ex lignis. sed 
inulilior et vilior quo ad cinerem grauior quo ad rcdolen- 
ciam et odorem. 

De Frigia. Capilulum. Lxi. 

Fnisia est prouiucia afinibus inferioribus germanie super 
litus occeani tractu longissimo constituta. que a fine Reni 

i. i 2. /. habet 3. /. habet 



GEOGHAPniE DES MITJELALTEIIS 485 

incipit et niare danico tcrminafur. cuius iiuole Frisones a 
germanicis uuncupanlur. In liabilu anlem et nioribiis pluri- 
muni «lifTeninl a germanicis, Aani viri fcre omncs in coma 
circulariter sunt allonsi. ([ui ([uanto sunt nobiliorcs tanto 
altius circunitondcri gloriosius arbilranlur § Est auleni gens 
viribus lorfis proceri corporis seucri aninii et fcrocis. Cor- 
pore agilis. ianceis utens ferreis. pro sagittis. terra plana, 
pascuosa palustris et graminosa lignis carens pro ignium fo- 
mento. terre bituminosis cespilibus sepe utens. gens quidcm 
est libera. extra genteni suam alterius dominio non subieeta. 
niorti se exliibcnl gracia libertatis. et pocius mortem diligunt 
quam iugo opprimi seruilutis ideo militares dignitates abnuunt. 
et aliquos inter sc sublime ^ non permitlunt. sub milicie ty- 
tulo subsunt. Tarnen - iudicibus quos annuatim de se ipsis 
eligunl. qui rem publicam inter ipsos ordinant et disponunt. 
castitatem multum celant^ et omnem inpudiciciara seuerius pu- 
nientes iilios suos. et filias ad conpletum fere adolescencie 
terminum fere castas seruant ex quo contingit quod tunc 
temporis dato nuptui temporum soboles prolem conpletam ge- 
nerant* et robustam. 

De Gothia. Lxxi. 

Gothia Sicie inferiorls est prouincia in Europa, que ut 
creditur a Magog iilio laphet est uocala. ut dicil ysidorus 
libro. ix. Vndc dicit quod illas naciones magis Gethas quam 
Gollios nominauerunt. et fuit quondam gens forlissima mole 
corporum. ingeos armorum. genere terribilissiraa. de quo- 
rum sobole maxima pars Europe et Asye. creditur populata. 
§ Nam eorum soboles sunt daci et multe alic naciones ex 
parte occidentis. Getuli in Affrica. Amazones in asya. ex 
Gottorum prosapia proccsserunt. vt dicit idem. libro. ix. et 
XV. § Est autem usque bodie regio latissima ab aqnilone Ha- 
bens Nouergiam ac daciam. in alijs eins lateribus niari oc- 
ceano circunidatur. Huic regioni adiacct insula qucdam no- 
mine Gothlandia. Gottorum terra dicta quia a Golts (so) anti- 
quitus fuit babita. et est insula frugifera pascuosa plurimum et 

1. /. sublimes 2. titulo. subsunt tarnen 3. colunt? 

4. /. data uuptui soboles pr. c. generat 



486 GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 

piseosa et mulliplici genere merciuni maxinie negociacionis, 
Nam varie pellcs cl ccicraram* copie de regionibus diuer- 
sis ad illam insulam nauigio deferuiilur. et indc in gernia- 
uiain Brilauiain et Hyspaniaui per occeanum deducunlur. 



De Karinlhia. Capitulum. Lxxxiij. 

KArinlhia prouincia est modica gcrmanie in Europa. Ha- 
bens Pannoniam ab Oriente, ab occidenle ytaliam. Danu- 
bium a seplemtrione. Dalmaciam et Salmoniam a meridie. 
montibus in vna parte cingitur. et in alia mari adrialo ter- 
minatur et est terra ferlilis in niullis locis. habundans feris 
pecudibus et iumentis. gens bellicosa et fortis. niunita i« 
apidis et in caslris. § Est aulem terra propter alpium vici- 
nitatem frigida. niuibus et pluuijs frequeus. ubi propter fri- 
giditalem aquarum a niuibus solularum eirca monlana. plu- 
Fimi sunt slrumosi ul dicitur. ibi ursi mnlli. Bisontes et 
alie bestie mirabiles. et siluestres. ibi eciam sunt glires 
comestiales. qui quaniuis uideantur esse de genere murium 
comeduntur tarnen, quia habent carnes sapidas atque pingues. 

De Liuonia. Capitulum. Lxxxviij. 

Liuonia est eiusdem ^ regionis ydiomatis prouiucia spe- 
cialis que longo niaris occeani interiectu a finibus germanie 
est diuisa cuius incole Liuoues vocabantur. quorum ritus 
iuit niirabilis. anlequam acultura demonuni ad unius dei fidera 
et cultum per gernianicos cogcrcntur. Nam deos plures 
adorabant. proplianis et sacrilegis sacrificijs responsa a de- 
monibus exquirebant. augurijs et diuinacionibus seruiebant 
mortuorum cadauera tuniulo non tradebanlur. sed populo 
facto rogo maximo usque ad cineres conburebant. ^ post mor- 
tem autem suos aniicos uestiebant et eis pro viatico eius* 
oues et boues et alia animancia exbibebant seruos et ancil- 
las cum aliis rebus incendebant credentes sie incensos ad 
quandam viuorum regionem feliciter perlingere. et ibidem 
cum pecorum et seruorum sie ob graciam domini conbusto- 

1. /. ceterae 2. das vorhergehende cap. ha7idelt De Lectouia {Lit- 

thauen). 3. /. a populo — conburebantur 4. /. el pro viatico eis 



GEOCH M'llIE DES MITTELALTEUS 487 

runi inulliludiuc fclicilalis et uitc Icmporalis j)alriani iuucnire. 
llec i»atria tali crrorc dcinomiin anli(iiiissimo leinporc fasci- 
nata. iiiüdo in parle nia^iia cum iiiullis regionibus subdilis 
uel annexis. proccdenle gracia'. et cooj)crante geruianoruin 
polencia iam crcditur a prediclis crroribus esse liberata. 

De Lothoringia. Capilulum. xci. 

Lollioriiigia gcrmanie est quasi vltima et ßnalis prouiii- 
cia a rege Lolario uoniinata. IIcc ab Oriente babel Keciani. 
siue^. Brabanciaui. A nicridie. Ucnuiii et Alsaciam. sub oc- 
cidenleni galliam seiioiiensein. A seplcmptrione (ialliam Bel- 
gicam. Haue 3iosa fluuius preteriluit. in hac ciuilas Metis 
consislil. t;) Est autem regio inniullis locis fruclifera vini- 
l'era. fonlibus et aiiipnibus irrigua. iiionluosa siluestris et 
nemorosa feris pecudibus et armentis fccunda. gens est mixla 
gallicis et germanicis. fontes habet niirabiles et medicinales. 
ex quorum potu languores varij sanantur. 



De 3Iyssena. Capilulum. Cij. 

Myssena germaiiie est prouincia. ab urbe que Myssene 
dicilur sie vocala. cum Bohemia coniuncta et polonia. Iii- 
solis orlu cum Bawaria In nieridie cum Saxonibus. elTurin- 
gis in occidenle. cum Kelia et tinis Reni ^ a scptempirione. 
et est terra ampla et spatiosa. nunc plana nunc monluosa. 
ferlilis niullum. et pascuosa aquis optimis irrigua. Nam no- 
bili fluuio Albie pro niaiori sui parle per eins longiludinem 
est perfusa ciuitates habet forles et opida et castra habet 
forcia et munita cuius gens locuples* est generaliler in di- 
uicijs frugibus et pecudibus et melallis. et cum sit populus 
magne pulchritudinis et rorlitudinis et elegantis proceritalis. ^ 
§ Est autem gens benigna et pacifica ex natura minus ger- 
niinalis. habens in omnibus feritatis. ^ 

1. /. dei gracia 2. Reciain. siue. zti streichen. 3. ? 

4. aus locuplex gpbrfsrrt. 5. fehlt der nachsatz. 6. [vielleicht 

minus Germanis habens omnibus feritatis. //.] 



488 GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 

De Norwegia capitulum. Cv. 

Norwegia latissima est Europe. prouincia niari fere vn- 
dique circumcincla. sub aquilone dislenta. Gotorum regioni- 
bus coniuncata* § Nam a parle meridiana et orientali per 
quendam fluuium qui albia dicilur est diuisa a Gothia. Est 
autem regio asperrima et frigidissima. monluosa. silueslris 
et ncmorosa. cuius incole plus de piscatura et venacione 
viuunt. quam de pane. Nam rara est ibi annona. propler 
frigoris magnitudinem. ibi fere mullo ut albi vrsi. ibi eciam 
sunt fibri qui et castores dicuotur. mira sunt ibi raulta et 
monstruosa. fontes enim sunt ibi quibus omne impositum co- 
rium siue lignum statim in lapidem commutatur. in eins aqui- 
lonari parte nou uidetur sol occumbere in esliuali solsticio 
per plures dies, nee eciam videtur sol ibidem per lotidem 
dies in Solsticio hyemali. Vnde tunc teniporis oportet inco- 
las terre operari cum candclis. frumenti. vinei. et olei ex- 
pers est nisi aliunde deferantor. gens autem ingenlis corporis 
est slature et pulchre forme et magne fortitudinis. ac robuste. 
Validi sunt pirate et animositatis magne. Ab Oriente babet 
galaciam. ^ a septemptrione Irlandiam. Vbi mare perpetuo 
congelatur. ab occidente et hybernicam oeceanum et ßritan- 
nicum. A meridie Dacia et Gothie finibus terminatur. 



De Olondia. Capitulum. Cx. 

Olondia est quedam prouincia modica sita iuxta bostia 
Thema ^. vbi intrat mare Brabancie contigua a meridie vi- 
cina frigie. Ab Oriente occeano. vnde Britannice coniuncta 
ab aquilone inferiori gallie bellice est propinqua atque Flan- 
drie ab occidente § Est autem terra palustris et aquosa. 
fere ad modum insule. vndique maris brachijs. atque Reni 
fluminis circumfusa. Habens lacus et stagna mulla et pascua 
valde bona, et armentis pecudibus et iumentis est referta. 
eins gleba inlocis plurimis est valde frugifera. et in pluri- 

1. /. coniuncta oder conuicina [oder continuala //.] 2. cap. 131 

De Ruthea (Ruthenia) . . . Hec aquadam parte sai Galacia est vocata 
et eius incole quondam Galatbe vocabantur. qnibus dicitnr Paulus apo- 
stolus dixisse epistolam direxisse. 3. /. Rheni 



GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 489 

bus eciam ncniorosa plures et vliles liabcns veiiaciones. in 
pliiribus eciam est buliuosa.* ex qua lormalur nialeria apta 
ad ifjiiium uutrinicnla. et est terra diuicijs que Irauseuiil 
per iiiare et per (liiiuina imilluin opuleiila. cuius ciuitas 
Traier.liiin iiifcrius nimcupalur in lalino. liuztreht vero dici- 
lur in ydioniale gernianicoruni. ad germaniam enim perlinet, 
quo ad siliim. quo ad mores quo ad dominum, et eciam quo 
ad linguam. cuius gens elegans est corpore, robusta viribus. 
audax animo. venusta facie. honesta in moribus. deuola deo. 
lida hominibus et pacilica. minus prcdis intendens et rapti- 
bus quam alie germanice naciones. 

De Rencia. - Capitulum. Cxxv. 

Rencia Renensis est prouincia regio scilicet quam Renus 
circumduit ac perl'undit. sie dicta eo quod sit iuxta Renum. 
ut dicit ysidorus libro. xv. et est terra habens multas ciui- 
tates. et opida ualde firma. cuius gleba est frugifera et vini- 
fera in multis locis. gens t'orlis et animosa in uita et iu 
moribus conuenienciam habens cum germanicis non tarnen ila 
inhyat spolijs et rapiuis. 

De Riualia. Capitulum. Cxxvi. 

Riualia est prouinciola quondam Barbara dislans cuius 
pars uironia est vocata. multum audax. Nunc autcm est 
sub cbristi fide. regno dacie est subiecla. a virore sie dicta. 
eo quod sit graminosa et pascuosa in locis pluribus nemo- 
rosa. cuius gleba mediocriler est frugifera. aquis et stagnis 
irrigua a piscibus marinis et lacualibus est fecunda. Plures 
habens greges pecudum et armenta. Sicie vero partibus est 
coniuncta solo fluuio qui varna ^ a noricorum et Megardorum'* 
regionibus est dislricla ut dicil Erodocus. 

1. /. bitumioosa 2. der ehjinologie wegen aus Raetia entstellt. 

Fischart im gütchbnften schiff Rhrintzii-rland. 3. /. narva, und 

fehlt etwa vocalur 4. /. Nagardorum 



490 GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 

De Rinchonia* Capilulum. Cxxvij. 

Rinohonia quedaiu est terra inodica a ciuilale Magun- 
lina. Cilia * super Ripam Reni inter moiites protensa. usquc 
ad opidiim quod Pinguia nominatur. Vnde et a Reno qul per 
eius medium defluit Rinchouia est vocata et est terra quamuis 
modica in ulroque Reni lillore usque ad monlium cacumina 
aniena mirabiliter et fecunda. tante enim pulchritudinis est. 
et tam incrcdibilis fcrlililalis quod tarn ibi habilanles quam 
eciam per ipsam Iransilum facienles dclectat et reficit. quasi 
orUis inestimabilis voluptalis. tam duicem enim habet glcbam 
et lam pingues (so), quod fructus et fruges mira fecunditate 
paritcr et celeritale procreat et producit ineodem agro arbores 
pomiferas diuersi generis parturit et nuces gignit. et tandem* 
propter tantam frucluum mulliformilalem fruges parere non 
obmitlit. arborum eciam diuersitas vinela non impedit immo 
vnus et idem agellus pariter fruges. et vna nuces et poma. 
sorbas et pira. et mulla alia habet ^ frucluum genera. produ- 
cere consueuit fontes calidi et medicine corporum necessarij 
ibi de uisceribus lerre oriuntur. multa alia habet commoda 
vite mortalium necessaria que recitare per singula esset 
iongum. 

De Saxonia. Capltulum. Cxxxix. 

Saxonia prouincia est in germania cuius incole agrecis 
dicuntur contraxisse originera et partes ubi nunc habitant. 
nauigio aduenisse. Turingis qui tunc usque ad litus occeani 
habitant nuillis plus '^ sedes obtinuisse. gens enim semper 
fuit bellicosissima elegantis forme, procere slature. robusta 
corpore et audax mente. § Est autem Saxonia terra quo 
ad glebam ferlilissima. frugum et omnium fructuum valde 
ferax. in montuosis nemorosa. in campestribus frugifera. 
et pascuosa. fecunda in gregibus et arraentis opulenta. In 
argento. cupro et alijs mineris ac metallis. montes enim ha- 
bet insignes. de quibus effodiunlur lapides qui igne fortissi- 
me resolulis in eris substanciam conuertuulur. Flumina habet 
nohilissima et famosa. scilicel weriseram. Linriam. Albiam. 

1. /. Rinchouia Rheingau 2. /, sita 3- /. tarnen 4. habet zu 

streichen. 5. /. inuilis? [Turingisque tunc — habitantibus pulsis 

sedes obt. //.] 



GEÜGHAI'HIE DES MITTELALTEKS '«91 

Salam alqiie Kodani. et niulta alia quo Icrrain prelerlluunl 
Iraiisalbinam. loiites liahcl salsos in iimllis locis. ex quibus 
sal albissiiiiiiin et ()|)liimiin decoqiiiliir. ac paralur. Ciullates 
habet plurinias forlissiiiias et iminilas. forcia opida et caslra. 
tarn in campeslribiis (iiiam in iiiontanis. luxta monleni aulem 
iibi cuprum lodilur imienilur inons inajjnus cuius lapidcs re- 
doleiit sieut violc. In aliqiiibns cciam nionlibus inuenilur 
luarmor valde puUhrnm et hoe potissinic iuxta cenobiuni quod 
lapis sancti Mitlialielis nuncupalur. in illis nionlibus maxi- 
mus est conoursus rerarnin et besliaruin. Aprornni. Vrsorum. 
Ccruorum et damularnm et idco in illis nionlibus ncmorosis 
uiulla veuacionuni gcnera excrienlur. IIcc et niulla alia laude 
digna in Saxonuni regionibus inucniunlnr. quere supra de 
Germania in lillcra. G. el ^ inliltcra. A de aleniannia. Habet 
auteni Saxonia Jioeniiam et Poloniam. Ab Oriente. Wesliua- 
liam aboccidenle. Frisonum lacus ad occeanuni. a sepleni- 
ptrione. Thurinj^orum uero genlem et Francorum a nieridie. 
cuius gcns fortis inclita usquc hodie pcrseueral. ul dicit 
Erodocus. 

De Selandia Capilulum Cxliij. 

Selandia maritima ad modum insule. flumine et maris 
brachijs circumdala. habet autem Hollandiam ab oricnle. 
Fiandriam a ineridie. occeanuni ad occidcnleni. Britanniam 
ad septemplrionein. Sunt aulem plures ibi insule parue et 
magne braciiijs maris separate ab inuicem. et disiuncte el 
sunt ille insule fortissimis aggeribus accincle in circuitu con- 
tra maris impelum et niunite. quarum glebe sunt valde fer- 
tiles quo ad segeles. sed quo ad arbores est quasi nuda. 
Non enim possunt arbores propler maris salsugine (so) prolun- 
dare suas radices. et ideo post plantacionem cito deficiunl el 
arescunt § Est aulem Selandia valde populosa. diuicijs opu- 
lenfa varijs gens magne slalure fortis corpore, et audax 
menle. circa cullum dei deuota inter se pacilica et quiela. 
multis bcnefica. nullis molesla. uisi quando hoslium inso- 
lencie resislere est coacta. 

1. in littcra G. el zu streichen. 



492 GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 

De Swecia Capitulum Cliij. 

Swecia regio est inferioris Sycie in Europa, a qua tota 
Golhia que infer dauorum et Noricorum aquilonarium regna 
regio est niaxima hodie nominata. Habens Balcicum mare ab 
Oriente, occeanum Brilannicuni ab occidente. Noricorum pre- 
rupta et populos. a seplenipJrione. a meridie vero datorum 
confinis lerniinalur. § Est autem Swetia que et Golhia est 
vocata. quo ad soluni frugifera. Vinearum tarnen expers. sed 
in pascuis vberrimis alios defectus recuperat et metallis. 
§ Nam preter divicias quas illa regio ex mari multipliciter 
contrahit. in feris pecudibus et iunienlis. in argenli fodinis 
et alijs lucris mineris nuiltas regiones alias preexcellit. gens 
valde robusta. cuius niililaris potencia. quondam fcre tocius 
asie et Europe partem niaximam nuillis temporibus edomauit. 
quos aggredi tempore Alexandri magni grecorum audacia ex- 
timuil. lulij etiam cesaris inuicta potencia superatis. Gal- 
licis. Almanicis et Britannicis cum Danis et Golhis Noricis 
et Aquilonaribus proprijs ^ alijs congredi formidauit. secun- 
dum quod tradunt scriplores liyslorie tarn grecorum quam 
eciam Romanorum. quorum dictis potest et debet merito ^ 
adliiberi. in quibus sicut nee religiosi ^ fidei nee eciam ra- 
cioni poterit obuiari in aliquo ut leronimus. illorum inquit 
poetarum et scriptorum scriptis et diclis fidem adhibere con- 
uenit. quorum relacio fidei moribus non preiudicat nee mer- 
cati* agnilc conlradicil. Ex istorum prosapia. Amazones 
processerunt. \ t dicit Orosius. et ysidorus libro xv. 



De Sweuia Capitulum Cliiij. 

Sweuia Germanie Renensis est prouincia in Europa, cu- 
ius gens habere maximum dominium in Germania consueuit. 
Vt dicit ysidorus libro. xv. dicit autem idem in capitulo de 
vocabulis gencium libro. ix. Sueui inquit sunt pars Germa- 
norum in fine Septemptrionis de quibus dicit Lucanus. Fun- 
dit ab extremo flauos. Ab aquilone Sueues ^ equorum ® fuisse. 

1. /. populis 2. l. ucritas 3. /. scilicet nee religiosae 

4. /. ueritati 5. Fundat ab extremo flavos aqailone Suevos Luca7i. 

2, 51. 6. quorum oder' et quorum 



I! 



GE0GUAI>H1E DKS MITTELALTERS 403 

c. pagos et popiilos iiiulli credideruiil. v;; üioli aulem sunt 
Sueui a Siieuiu niunte qui ab ortii lieriiianic orliiin habet, 
et illius inoiilis loca et coniinia primitiis colucruiiL vt dicit 
idein. !:) Ileni ul dIcit idem. ab ortu habet Daiuibiiim cum 
Hawaria. Ab occasu Renuin cum Alsacia. A nieridie lugera 
Alpium cum ylalia. a sepleniptrione Fraiicoiiiam in inferiori ' 
Geruiauiam. et est duplex Sueuia. Inlerior conlra llenum. 
Superior contra alpes et danubinm vlraquc est terra optima 
et frugifcra et viuilera in nuiltis locis. habens ciuitates mu- 
nitissimas opida et castella. circa campcstria et montana 
ainpnes et lluiuina ncmora nuilta. graniina et pascua. ouium 
greges et arnicnla. circa montana eciam lerruni habet, et 
argcntum procreat ac melalla. gens populosa niniis fortis. 
audax et bellicosa. procera corpore, flaua crine. venusta fa- 
cie et decora. 



De Thuringia Capituluiii. Clvi. 

Tiiuringia Germanie est prouincia media inter gcnlem 
Saxonum cl Francorum et Weslfaloruni. habet enim ßoenios 
Saxones ab orienle. Francones et Bawaros a nieridie. Swe- 
uos et Alsalicos ab occidente. lienenses Westfalos ab aqui- 
lone. «::i Gens siquidem sccundum nomen patrie Thuringia 
idest dura conlra hostes raaxinie seuera. est enim populus 
numcrosus elegantis stature. fortis corpore, durus et Con- 
slans mente. habens tcrram monlibus lere vndiquc circum- 
vallatam et niunitani, Inlcrius vero planain valde frugiferam. 
a venenis - eciam non experlem. opida mulla. caslra forcia 
non solum in monlanis. \ nde ^ eciam per plana, ampnibus 
stagnis lacubus irrigua. aere saluberrima. j)abuli übertäte 
gratissima. Arnienlis et grcgibus valde plana, in eius mon- 
libus diuersa iuucniunlur niineralia et melalla ul dicit idem 
Erodocus. qui nulialenus permisit secreta Germanie coniinia 
inscrutata. 

De Westfalia. ('apilulum Clxx. 

Uvestfalia germanie inferioris est prouincia. habens Saxo- 
niam ad oricntem. Thuringiam et Hessiam ad meridiem. Ke- 
1. /. i't inferiorem 2. amoenitatis? 3. /. scd 



494 GEOGRAPHIE DES MITTELALTERS 

mim et Coloniani ad occidcntem. occeanum et Frisiain ad 
aqniloneni. Nobilissimis duobus fluminibus in eius extrenii- 
tatibus cingilur. scilicet visccra alquc Renonam.* Renum 
langit versus occidentem terra nniltum nemorosa pascuosa. 
plus alcndis gregibus quam ferendis frugibus apta. multis 
fonlibus et ampnis est irrigua. Lippia scilicet atque Rura et 
mullis alijs fonles liabcl salis. et montcs fcriilcs. in nietal- 
lis babundat terra, fructibus, glandibus. nucibus atque pomis. 
eciam fcris. porcis pecudibus et iumenlis. populus communi- 
ter eleganlis slature est et procerc. Venuste forme et forlis 
corpore et audax mente. niiliciam habent copiosam ac mira- 
biliter animosam. promptam ad arma continue et paratam. 
ciuitates habet forles. et niunitas castra fortissima et opida 
tarn in niontibus quam in planis. 

De Vironia. Capitulum. Clxxi. 

Uironia prouincia est paruula. Ultra daciam versus orien- 
tem a virore dicia eo quod sit graminosa et nemorosa mul- 
tis aquis et fonlibus perfusa cuius gleba est frugum ferax 
gens quondam Barbara seua incomposita ac inculta. Nunc 
vero Danorum regibus pariter et legibus est subiecfa terra 
vero tola est a Germanicis et Danis pariter habitafa. quere 
supra in littera R. de Riualia. § Hec terra Anagardorum - 
gente et Rutheorum per fluuium maximum qui Narwe dici- 
tur est separata. 

De Winlandia ^ Capitulum Clxxij. 

Uvinlandia est palria iuxla montana. Norwegie versus 
orientem sita super litus occeani protensa non multum ferti- 
lis nisi in graminibus et insiluis. gens eius est Barbara, ag- 
grestis et seua. magicis artibus occupata. Vnde nauigantibus 
per eorum littora uel apud eos propter venti defectum moram 
conlrahenlibus. uenlum venalem ofTerunt atque vendunt. glo- 
bum de filo faciunt et diuersos nodos in eo connectenles 
usque ad tres nodos, uel plures de globo extrahi precipiunt. 

1. /. Reno. nam 2. d. i. a Nagardorum 3. /. Vinlandia zz Fin- 
landia 



GEOGRAI'FIIE DES MITTELALTERS /i05 

secundum quod volucriiit Ventura habere forcioreni. quibiis 
propter corum incretiulitalein illudenles dcnioiics coiicitnnt et 
ventum niaiorcm uel minorem excilanl secundum quod plures 
nodos de lilo cxlraliunt uel pauciores et ([uandcxjuc dictum 
commouent ucntum quod miseri talibus lidem ahibcntes iusto 
iudicio submerguntur. 



De Yselandia ('.apilulum. Cl.xxiiij. 

^ selandia est rcj;io ultima iu Europa a scpteniptrionc vl- 
tra Nor\vej;iam. sita porpelua glacie in remocioribus eins 
linibus condempnata protcnditur. sunt' super litus occeani 
maris versus seplemptrionem vbi mare pre nimio frigore con- 
gelatur. ab Oriente babcns siciam superiorem. ab austro 
Norwegiam. ab occidente occeanum Ilybernicum. ab aquiloue 
mare congel.itum et est dicla yselandia. quasi terra glaciei. 
eo quod ibi dicuntur esse montes iuncti - glaciei duricicm 
congelati. ibi cristalli inueniuntur. § In illa eciam regione 
sunt albi vrsi maxinii et iortissimi qui vnguibus glaciom rum- 
punt. et foramina niulta laciunt. per que in mari sc submcr- 
gunt. et sub glacie pisccs capientes. eos extrahunt per fo- 
ramina predicla et ad litus deferentes inde viuunt terra est 
sterilis quo ad fruges exceptis paucis locis in quorum valli- 
bus vix crescit aucna gramina tanlummodo et arborcs in lo- 
cis ubi liabil.iut boniincs parlurit et producit. et in illis^ 
partibus feras gignit et iumenta nutrit. Vnde de piscibus et 
venacionibus et cornibus * pro maiore parte populus uiuit. 
oues pre frigore ibi uiuere oon possunf. et ideo incole de 
ferarum et vrsorum pellibus quos venatu capiunt. contra fri- 
gus se muniunt et corpora sua legunt. alia uestinienta habere 
non possunl nisi aliunde dei'eranlur. gens eciam multum cor- 
pulenta. robusta et ualde alba. 

WILH. WACKERNAGEL. 

1. sunt zu streichen. 1. fehlt in [cuncti in? //.] 3. /. aliis 

4. /. carnibus 



496 



DIE ZWÖLF MEISTER ZU PARIS. 

U/iter den hohen schulen des mittelalters gciiiefst auch 
bei deutschen auioron der zeit die graste und älteste der 
theologischen, die zu Paris, eines fast sprichtrörtlichen ruh- 
ines: wo Universitäten zu nennen sind, darf Paris nicht 
fehlen, und es pßegt dieser name vora^if zu stehen {altd. 
wäld. 3, 24. Reinh. s. 335. rninnes. vdH. 2, 213\ Re?tner 
Bamh. 34''. 154''. 159''),- wird im gedieht der name einer 
theologischen schule gebraucht, so heifst sie loiedcrum nur 
Paris (Reinh. s.Z34jf. Re/mer 15 A\ Bonerius 99) ; ja man 
geräth damit so in das sagenhafte da/s im kriege auf der 
Wartburg (vdH. 2, 11") fF alt her sich rühmt zu Paris Con- 
stantinopel und Babijlon studiert zu haben, um so auffal- 
lender ist dafs Berthold 42G nur von Orleans Montpellier 
Salerno Padua und Bologna spricht. 

Bei solcher sprichwörtlichen Jind sagenhaften bedeutung 
des namens war es weiter keine willkür mehr, ivenn theo- 
logische erörterungen von allgemeinerem interesse gleich 
nach Paris und meistern dieser schule in den ?nund gelegt 
wurden, so der streit welcher Johannes den vorzug ver- 
diene, der tauf er oder der ev an gelist. Klein Heinzelin theilt 
das spiel unter zwei frauen eines ungenannten klosters 
(vdH. 3, AOSff.): dagegen bei Berthold 141/. so lobet 
man die heiligen ie nach den lügenden die si gehabet hänt, 
und dar umbe so kriegent die mcisler ze Paris, ez kriege- 
len zwene meisler mit einander, da kriegete einer, sant 
Johannes Baplislc waere hoeher da ze himele. da kriegete 
einer, ez wa^re sant Johannes Ewangeliste ; der wa;re hoe- 
her u. s.f so auch in einer Zürcher papierhandschrift des 
\An jh. Uvafserkirche B. 223/730. bl. 122 rw.— VZ4rw.) 
folgender Wettstreit um das tiefste treffendste erbaulichste 
wort; zwölf meister, so viel der schule vorgesetzt sind, 
nehmen daran theil, nach der anzahl der beiden und der 
sänger im rosen garten; daruiiter zivei die allerdings zu 
Pa?'is gelebt und gelehrt haben, nur in ganz verschiedenen 



DIE XII MEISTER ZU PARIS 497 

Seiten, Albertus magniis und inoistcr Eckard; der dritte 
name ist neu, der ron Kro/ienherg ; die neun übrigen sind 
nicht benannt. 

Zwclf ineistcr sinl erhaben ze paris in der schuolc. Do 
sprach ieklichcr vsser sinein sinne das nechste des er sich 
verstuond. (] Der erst nieisler spracli 'Es ist besser die 
sünde gelassen dur gol denne für die siind als vil gelitten 
als unser herre ihcsus leide do er vf ertrich gieng. So ist 
besser das man die siind dur got lasse, denne das der iMen- 
sche also vil liüe als unser liorre ihcsus ehrislus leit do er 
den tot leit an dem kriuz.' (| Der ij mcisler sprach 'Got 
hat elliu ding dem menschen ze also grossem guo {so) ge- 
schalTen, Die minsten tugent die er getuon mag die mag im 
got nit vergelten mit allem dem das er ie geschuof: Er 
muos im sich selber geben.' (I Der iij meister sprach 'Als 
verre der sunne lutrcr vnd klarer ist denne der slerne, Als 
verre ist gedult edler in lidcnder uebunge denne groessriu 
(/. groessiu) werk an gedult.' (I Der iiij meisler sprach 
'Ich wölt lieber sterben mit dem den got Iritlet mit sinen 
fuessen in der zit, denn mit dem den got küsset an sinen 
muQt. Was heissen wir trellen? Wenne es uns übel gal an 
dem lib vnd an dien friunden oder an dem guot, so sprechen 
wir "Got zürnet vf uns." Wenne es uns aber wol gat 
beidiu liplich vnd geistlich, so loben wir got vnd danken im. 
So wölt ich verre lieber sterben mit dem dem niemer lieb 
geschieht in der zit, denne mit dem dem alles guot geschieht.' 
(I Der V meister sprach 'In der selben ewigen minne als der hi- 
melsch vatter sinen ein gebornen svn in liden sant, In der selben 
ewigen minne sendet er noch aller menschen liden vnd in keiner 
andren minne. Weri liden nit das edelst das got in der zit 
geben mag, er hetti sinen ein gebornen svn nie in liden ge- 
sent. 3Iit liden heint die heiligen alle ir viende überwnden; 
Mit liden heint die heiligen das rieh gotles erkrieget.' (I Der 
vj meisler sprach ' Da ein Mensche were das mit andaht vnd 
mit inrkeit ein pater noster spreche, der mensch möchte 
sprechen "Herre, behalt mir dis pater noster vntz an die 
iungsten zit das ich sin bedarf." Vnd weri der Mensche 
küng vnd keiser vf ertrich gewesen, er möht an siner iung- 
Z. F. D. A. IV. 32 



498 DIE XU MEISTER ZU PARIS 

steu zil sprechen zuo iinsrem lierreu " llerre, umessigc dich: 
Ich hau enwenig mit dir ze sprechcnne. Ich gab dir an enr 
weit ein pater noster : das hast du mir vnvergullen. Du geh 
mir, herre, niut %van das du geschafTen hallest: da mit hast 
du mir vnvergullen din schuld." Also edel ist das andeh- 
tig palcr noster.'* Der vij meister sprach 'Werl ein Men- 
sche wis als salanion vnd stark als sampson, schoen als Ab- 
solon, vnd der mensche alle die slerki, Alle die wisheit vnd 
alle die scha*ni verzarli, ob es muglich wer, in aller der 
siecheitdie elliu Menschen haut siechen vnd malatzen : Den- 
noch weri dem himelschen vatter löblicher das der Mensche 
belibi an siinde, denne das er das alles litti für sin siind. 
Ich sprich me. das der soldan von babiloni Sprech "Ich 
wil mich lassen loufen vnd alle heidenschalt" zuo einer iunk- 
frouwen dar vmb das si iren magtuom ze einem mal sölti 
verlieren: so weri dem himelschen vatter vil loblicher das 
diu iunkfrouwe magt belibe, denne das die hciden alle ge- 
toulTet wurdin. Also edel ist der Mensche der in siner er- 
ster luterkeit belibet.' Ü Der viij meister sprach ' Wisdi 
der mensch wie verre er sich verret mit dem minsten ge- 
dank den er uebel wider got, er Cörcht gol also sere das 
er in nieraer getörsti gebilten. So sprich ich her wider: 
Wisti der Mensche wie nach er sich nehet mit der minsten 
tugent die er geueben mag, er diucht sich also kündig, das 
in des diucht das er golles niut mer bedörl'ti.' G Der ix 
meister sprach 'Mensch, wiltu gotlcs antliut schouwen, so 
gib wider alles das du schuldig bist. Von erst so gilt dinem 
ebenmenschen alles das du im schuldig bist nach siner gna- 
den vnd nach siner erberrade, Vnd Ino denne das du mahl. 
Zuo dem ander mal, hast du ieman sinen guoten liumden 
benomen, den gib im wider, ob es in der warheit ioch weri. 
Si das din ebenmensche ein siind begangen hab, Vnd seist 
du es do man sin vor nit enwissel, Vnd benimest im also 
sin guotes wort, Du gebist im denne sin guot wort wider, 
das antliut golles beschouwesl du niemer me. Ze dem iij 
mal entwürt dinem himelschen vatter in der zit ein also lu- 

* eben diesen spruch, jedoch theilweis deittlicher abgefaßt, giebt 
dieselbe hnndschrijt hl. 77 rw. 78 vw. als ein wort brudcr Johanns 
von Hasla : x. altd. lescb. 892- 



ÜIE XII MEISTER ZU PARIS 499 

ter klar sele, das er sin ewiges wort wider in dir geberen 
uiüg a» vuderlass : so liaslu im vergullen.' G Der x niei- 
ster sprach, das was biscliof albreclit, 'Das ist got löblicher 
vnd dem Menschen nutzer, das der Mensche in der zit die 
wil er lebet vnd gesunt isl ein ey durch got git, denne nach 
sime tot als vil goldes ;ils von dem crtrich vutz an den hi- 
niel geligen möchle. Ich sprich me. Es ist besser das der 
3Iensche ein widcrwerlig wort dur got mit gedult vertreit, 
denn er als vil ruolcn vf sime riiggcn zcrslueg, me den ein 
wagen getragen mocht. Ich sprich aber me. Vergib dime 
vieud, vnd der dir leit tuol, dem tuo dv guetlich dur got: 
das ist got löblicher vnd ist dir besser, denne ob das mög- 
lich wer das du alle lag von hinnen vntz an das mere gien- 
gesf, das dir das bluot von dinen fucssen vs giengi. Ich 
sprich noch me. Wil man fragen nach den wisosten pfafen 
die vf ertrich sint, die vindet man ze paris in der schuol: 
Wil man aber fragen nach der heimlich gottes, so frage man 
nach dem ermstcn menschen der vf ertrich ist, der mit wil- 
len gern arm isl dur got: der weis gottes heimlich me denne 
der wisost pfafl'c der vf ertrich ist.' (I Der xj meister 
sprach, das was der von kronenbcrg, 'Got hat alles das er 
wil: im gebrast nie keines dinges denne eins. Nv möcht 
man sprechen ''Wes gebrast got? er ist doch gewallig vnd 
mehlig." Sit das got den menschen geschuof, so vant er 
nie so vil reiner herzen noch luler seien dien er sich vol- 
komenlich möcbti geben als er gern teli. Wan er gebe sich 
gern allen menschen gciich, einem als dem andren, den boe- 
seu als den guolcn, werin die menschen luter vnd rein, das 
siu sin enphenklich weren. des gebristet got vnd anders 
nil.' (I Der xij meister sprach, das was Meister cghart, 
'Got helt den menschen also lieb, das er hell getan als alle 
sin gotheit an dem menschen ligge. ''Ich sprich das es bes- 
ser ist ein almuosen dur got euphangen denn hundert mark 
dur got gegeben." Nv möcht man sprechen "Wie mag das 
war sin?" Das sag ich iuch. Das almuosen ist an im sel- 
ber heilig vnd guot. Das ist war. Wer das almuosen git, 
so ist es an im selber alle zit heilig vnd guot. Ich wil iuch 
aber bewisen das es war ist. Git ein Mensche hundert mark 
dur got, im wirt zwei hundert mark wert eren wider. Als 

32* 



500 DIE Xn iMEISTER ZU PARIS 

verre nv ere besser ist denne guol, als verre gewinnet er 
me den er dar vmb geb. Als dik der rieh man sin hant von 
im streket mit dem almuoseu, als dik enphahet er wollust 
vnd ere in aller siner natur: Als dik aber der arm mensche 
sin hant von im biutet nach dem alniuosen, so git er alle 
sin ere vmb ein almuosen brotes, vnd vertrucket sin natur 
alle zit vnder den, von dem er das almuosen enphahet. Als 
vil nv dem himelschen valter versmecht werder ist vnd 
lieber denne ere, als vil ist im der arm lieber denne der 
rieh der es git. Ich sprich mc. giengen zwei menschen 
einen weg mit enander, vnd iundin einen bluomen an dem 
weg stand; Der ein mensche gedehti "brich den bluomen: 
er ist so schoen" vnd gedehti denne da wider "Lass in stan 
dur got" ; Der ander 3Iensche gat im nach vnd brichet den 
bluomen: Der tuot enhein siind daran; Aber der in dur got 
lat stan, der verdienet also grossen Ion wider dem der in 
da brach, also hoch der himei ob dem erlrich. Sit unser 
herre vmb so kleiniu werk so grossen Ion wil geben. Was 
wenent ir denne das er dem geben welle, der sich selber 
vnd elliu ding dur in lat?'* 

WILH. WACKERNAGEL. 

* denselben spruch vom geben und nehmen, in kürzerer und sonst 
auch abweichender fafsung, aber gleichfalls unter mcister Eckards 
namen, hat die handschrift ß. ix. 15 der Basier Universitätsbibliothek. 

SCHWEDISCHE VOLKSSAGEN. 

Endlich wendet man sich auch in Schweden, dessen ab- 
gelegene unberührte strecken, gleich den norwegischen, mehr 
davon austragen als die übrigen länder unseres Stammes, 
zur Sammlung der noch unter dem volk lebenden lieder sa- 
gen und gebrauche, den reichen vorrath konnte man ahnen 
nach dem was gelegentlich und fast wider willen in histori- 
schen oder geographischen werken angeführt war. auch dort 
hat sich die neigung der sammler zuerst auf die lieder ge- 
richtet, den svenska folkvisor von Geijer und Afzelius 
(1814 — 1816) folgten svcnska fornsdni^er von Arvidsson 
(1833. 1837, der dritte band soll 1843 erschienen sein), 
demselben Afzelius danken wir svenska folkets sagohiifder 



SCHWEDISCHE VOLKSSAGEN 501 

(1839 — 1843 in Itiuf abllioiliingen, aber noch ungesclilofsen), 
welches werk nicht auf eigcnllichc sunimlung ausgeht, son- 
dern die ganze schwedische gcschichlc aus ihm zugänglichen 
liedern und sagen zu erläutern sucht, wobei viel willkomm- 
nes und unbekanntes niitgelheilt, dennoch ein gewisser zu- 
schnitt des Stoffs vorgenommen wird, der uns dessen voll- 
ständigere nulzung nicht entbehrlich maciit. nur wenige niär- 
cheu stehen beiAfzelius; unterdessen überrascht die ungemein 
frische Sammlung norwegischer von Asbiörnsen und Moe 
(Christiania 1842), der sich eine gleich ansehnliche schwe- 
discher bald an die seile stellen möge. 

Erst neulich ist mir zugelangt Runn, en shrifl ßir Ja- 
dcr/icslandcts forfiviinner, ulgijvcn af Richard Dijbeck 
(Stockh. 1842. 18/i3), in vier heften, womit bedauerlich schon 
das buch geschlofsen wird ; wie es scheint haben die unnö- 
thigen vielen bilder es zu kostspielig gemacht, und man mufs 
wünschen dafs der strebsame herausgeber auf andre weise 
fortfahre bekannt zu machen was von treu und einfach auf- 
gezeichneter Volksüberlieferung bereits in seinen bänden sich 
befindet, er ist ein schlichter landmann (dagakarl), der noch 
selbst mit dem pflüg zu acker geht, in der Volkssprache 
heimisch, vom werth der sage und des lieds, wie sie auf 
dem lande fortwähren, lebhaft durchdrungen ; ungelehrl aber 
wohlunterrichtet : frdn späda barndomen drog^ hau ock ali- 
ud hcldre tili skogs an tili boks, och da' kan änmi ett harn 
stod och beundrade fosterbygdens 'nattomhöljda borgar (er 
scheint aus Westmanland gebürtig), hjssnade tili vallhjone- 
sangerna (hirtenlieder), af hvilka hau inhdmiade r'dtt ma n- 
ga af cti oförgdtlig, nu hädangangoi, moder, tankte han 
väl pd ingen ting miridre, an att derom ski^ifva prosa eller 
ddlig poesi. — ddlig läfst sich fast nicht übersetzen. 

Das buch beschreibt nun schwedische landschaften nach 
ihren wäldern, bergen, bügeln, thälern und theilt sorgfältig 
mit was sich von sagen, liedern, denkmälern daran bindet; 
feste und trachten werden nicht vergefsen, einzelne merk- 
würdige nachrichten aus handschriften oder seltnen werken 
beigefügt, alles sehr löblich und dankenswerth ; seinen etwas 
schwärmerischen ton mufs man dem begeisterten verfafser 
zu gute halten. 



502 SCHWEDISCHE VOLKSSAGEN 

Ich wähle aus dem im vierten sliick s. 23 — 46 gegebe- 
nen hundert schöner dalsländischcr sagen einige besonders 
anziehende. 

Die zehnte, ein mann in Höklida gieng auf seine wiese 
und mähte, da kam eine riesin gchuifen und sagte ihm 
wirst du jemand sehn, so schweig!' damit fuhr sie ihres 
wegs, gleich darauf kam der riese geritten und fragte den 
mann 'hast du jemand gcschn?' der mann schwieg, deutete 
aber mit dem Metzftein nach der seile wohin die riesin ge- 
gangen war, der riese fuhr ab, als am folgenden tag der 
mann sich wieder auf seiner wiese einfand, kam die riesin 
und warf einen scharfen stein nach seinem haupt, wovon er 
starb, dies geschah bei einer tanne, die von der zeit an fahl 
und verdorrt stand. 

Hierzu mufs sage 48 genommen werden, ein mann lag 
m einer waldscheune und ruhte, da kam eine riesin durch 
das fenster der scheune gesprungen auf der flucht vor einem 
woIf, der ihr in vollen zügen nachsetzte, die riesin setzte 
sich ins fenster, ihre füfse nach aufsen herab, sie hielt sich 
für gerettet, schlenkerte mit den füfsen und sagte spöttisch 
zum Wolf: 

lasse tar td , 

om du kati nd l * 
der mann, der in der scheune lag, sagte; 

fasse tar td , 

när hau kan fd ! ** 
sogleich hüpfte der wolf in das fensler auf, zog die rie- 
sin nieder, welche dem mann zurief 'dir und deinem ge- 
schlecht soll es nimmer wohl ergehn!' und rifs sie in stücken. 
In beiden sagen wird die treulosigkeit dessen gestraft 
der einen (liehenden gast dem nachfolgenden feinde deutlich 
oder undeutlich anzeigt, das erstemal thut er es blofs durch 
deuten, nicht durch worte, und hier haben wir in lebendi- 
ger Volksüberlieferung die dem mitlelalter schon geläufige, unter 
die phädrischen fabeln gestellte (appendix fab. a Marq. Gudio 
ex ms. Divionensi descriptarum n" 23): h/pus, pastor et ve- 
nator. der wolf, vom jäger verfolgt, flieht zum hirten und 

* tatze nimmt zehe, wenn du kannst kriegen. 
** tatze nimmt zehe, da sie kann fangen. 



SCIIWKDISCIIK VOLKSSACEN 503 

biltcl iliii niclil zu vcrrallicii. dein Iragcndcu jagcr sagt der 
iiirtc er Höh liiikwärls', iiiil den äugen nach der rcciilen 
seile winkend, den wink aher verkannte der Jäger und enl- 
tcrnlc sich, lupo tunc paslor t/t/as habcbis graf/as f/uod 
te cdarimT 'maxiinas lin^iiae tuai-' li/pi/s ai^o' dixit, 
(it ocitlis J'aUacibits anternae cacciUüi'in noctis iniprccor.' 
Acsoj) hat die fabel nicht, aber sie stellt bei Marie de France 
42 und ist von nihd. dichtem zweimal beliandelt (lleinh. 
luchs s. 328. 348), das einenial mit der bedeutsamen annä- 
herung an die schwedische sage, dal's der jägcr ein wilder 
mann (=: turs oder riese) ist, und der wolf zum bauer, der 
sein heu schobert, fliichlel. der zweiten schwedischen sage 
ist der wolf zum Verfolger geworden, da er weit besser den 
(liichlling d. i. varg, vargus exul (IIA. 733) bezeichnet, 
hier aber schweigt der mann nichl, er reizt den wolf zum 
aufspringen gegen die sich sicher wähnende riesin. der er- 
sten sage mangelt der fast wesentliche zug des augenwin- 
kens, vielleicht dafs er vollständigeren fafsungen nicht ab- 
geht, dafür gebricht der lat. und mhd. fabel die räche und 
Verwünschung von seile der riesin. zuweilen gewinnt alles 
guten ausgang. nach sage 51 war eine frau mit backen be- 
schäftigt, als die riesin kam, vor dem wolf lliehend der sie 
verfolgte, die frau trieb mit einem ofenschieber den wolf in 
die lluchl. da rief die riesin 'du sollst glück haben und 
krunmihörniges vieh' (welches man für das beste hält). 

Das nachgewiesne Verhältnis bestätigt mir, was ich längst 
glauble, dafs den besten und ältesten äsopischen so wie phä- 
drischen fabeln würkliche volkssagen zum gründe liegen, die 
wir, sobald uns die uordische, linnische, litlhauische Über- 
lieferung näher bekannt sein wird, noch grofsentheils in die- 
sen, und zwar mit roheren aber frischeren motiven aufzu- 
decken hoffen dürfen, das wirft licht auf die beschaffenheit 
und den Ursprung der fabel und stellt sie in engen Zusam- 
menhang mit der ältesten poesie der Völker überhaupt. 

Sage 57. bei Gillanda in liölandasocken steht ein un- 
geheurer grabstein. ein riese, der in der gegend wohnte, 
war ausgegangen und hatte sich so lange unter dem blofsen 
himmel verweilt dafs der aufgehenden sonne strahlen an ihn 
Helen, da verwandelte er sich in diesen stein. — sage 65. auf 



504 SCHWEDISCHE VOLKSSAGEN 

einer höhe bei Frendö in Fergelandasocken findet sich der 
gTundwall einer begonnenen baute, ein riese hatte unter- 
nommen jede nacht steine auf die stelle heranzutragen wo 
jetzt Fergelandakircbe steht, in einer nacht aber, während 
er geschäftig war einen solchen stein zu tragen, hatte er 
damit gezaudert bis die sonne aufgieng. da verwandelte er 
sich in einen grofsen stein, welcher noch zwischen Frendö 
und Fergelandakirka bei Skrikclorp aufrecht steht, und der 
stein, den der riese im augenblicke der Verwandlung trug, 
liegt daneben. 

Nach 3, 24 hauste in einer waldhöle bei ßerga in Taxin- 
gesocken (auf Hernön in Söderraanland) ein riese der men- 
schen und gut raubte, eines tags hatte er einen knaben er- 
griffen und wollte ihn eben zur hole schleppen, als der knabe 
rief ' halt, lieber vater, schau auf zum himmel, da wirst du 
eine schöne Jungfrau sehen.' der riese erhob seine äugen, 
in welche die strahlen der sonne fielen, da zersprang er 
und der knabe entkam, ähnliches meldet ein färöisches lied 
von Gangerolf (antiqv. annaler. Kbh. 1820. 3, 295. 296) 
und eine norwegische sage bei Faye s. 15 vom jutul in Spi- 
rillen, hier aber mengen sich riesen mit zwergen, denn 
beide sind bergmänner und können kein Sonnenlicht ertragen 
(vergl. mythol. s. 435. 1195). 

Mythol. s. 631 gedenke ich der schwarzen kuh, und auch 
sonst wird in Deutschland, Schottland und im Norden von 
eibischem vieh in blauer, schwarzer und grauer färbe be- 
richtet, zufolge der ersten dalsländischen sage wohnen in 
Tonshög bergriesen, welche ihr schwarzes fettes vieh bei 
nacht auf den umliegenden triften weiden, eine frau mit 
nameo Stina wohnte vor wenigen jähren dort in der gegend; 
sie konnte nie feuer unterhallen eh die sonne untergieng, 
denn bei tag löschte ihr der riese immer das feuer aus. 
mitternachts sieht man auf der höhe ein licht brennen, es 
scheint ganz hell und bei diesem schein weidet der riese 
seine herde. die riesin kommt dann aus dem hiigel und 
trägt einen silbernen stab. sie melkt ihr vieh das aber blut- 
rothe milch giebt, und wo etwas davon aufs feld gesprengt 
wird, erscheint dieses ganz versengt. 

Sage 28. schiffer giengen auf einer abgelegenen insel 



SCHWEDISCHE VOLKSSAGEN 505 

im Wenersee ans land. sie trafen da einen riesen, welcher 
sagte dals er hier wohne seitdem er vor Öhrbjelie (der 
glocke) aus Borrekoll entwichen sei. dort habe er, tiigte 
er hinzu, einen grofsen schwarzen stier zuriickgelaCsen, und 
ermahnte sie ihn aufzusuchen, das thier solle ihnen gehören, 
als die miinner bald darauf nach Borrekoll gelangten, such- 
ten sie den stier mehrere nächle hintereinander, sie hörten 
wohl in den naligelegnen wäldern vieh brüllen, konnten es 
aber nicht finden, der diesen stier erlangen kann wird nie- 
mals irgend nolh leiden. 

Sage 47. auf Berg in üdsköldsocken liegt ein berg mit 
einer grofsen riesenkanimer, in welcher vordem riese und 
riesin wohnten, sie hatten eine schwarze kuh, die sie auf 
den umliegenden wiesen weideten, noch sieht man im berg 
wo die kuh an eine eisenketle gebunden stand. 

c o 

In Westmanland (3, 14) geht die sage, dafs bei Angsjön 
von zeit zu zeit das von den leuten auf der weide gelafsne 
vieh in den berg geführt {bergtagen) wurde, vorzüglich 
schwarzfarbiges, dem die berggeister begierig nachstellen, 
sie wifsen es so an sich zu ziehen dafs es nicht mehr auf 
das locken der menschen hört, selbst wenn man ihm die 
schönsten namen gibt, ein mittel dagegen ist, drei blühende 
blumen zu nehmen und sie dem vieh zu frefsen zu geben, 
indem man spricht 

en hlomma en, det gür en, 
en blomma bla , det gür tvd, 
en blomma te {= ////, zu) det gör tre. 
übrigens ergibt sich, wenn jemand auf solche art ein stück 
vieh verliert, meistentheils dafür ersalz, ja zuweilen fand 
sich anstatt des vermisten im stall ein schöneres und fette- 
res, allzeit aber schwarzes, ganze herden solches schwar- 
zen, feiten, glänzenden viehs erblickt man nachts in den wäldern. 
In einem hof von Westanforssocken (in Westmanland) 
halte jemand eine schwarze kuh, die ein weib zur weide 
führte, diesem trug die bergfrau einen tausch der kuh ge- 
gen zwei schwarze geifse an. man hörte im berge rufen 
diu svarta ko, mina tva svarta getter! eines abends sagte 
es die hirlin zu, ohne es ernstlich zu meinen, und morgens 
standen im stalle zwei geifse an der schwarzen kuh stelle. 



506 SCnWEÜISCFIE VOLKSSAGEN 

Sage 66. ein widder stand frühmorgens vor der stall- 
Ihür zu Klappe in Odeborgsocken. das mädchen kam und 
meldete es der Iiausmulter, die fragte, welche färbe der wid- 
der habe, das mädchen antwortete schwarze' und die frau 
sprach 'sage nie ein worl davon.' bald darauf lammten alle 
schafe, und seit der zeit fand man in diesem hof immer die 
besten lämmer. 

3Iylhol. s. 507 mutmafste ich recht; auch in Söderman- 
land wird folgendes erzählt, ein riese lag an seinem ende, 
die riesin gieng aufs feld, wo sie einen mann den acker pflü- 
gen fand, sie nahm mann, pflüg und vorgespannte ochsen 
in ihre schürze, trug sie zum berg dem sterbenden riesen 
hin und sagte, 'sieh vater, was ich da für kleines zeug 
{tingcstar) auf dem felde fand.' der riese schaute auf und 
erwiderte 'lafs du die in ruhe, das sind die nach uns kom- 
men und nach uns den acker bauen werden.' der sterbende 
riese weissagt seines geschlechts hinsterben. 

Es darf nicht verwundern dal's auch unter dem schwe- 
dischen landraann ein uralter rechtsbrauch (RA. s. 668 11". 
weisth. 3, 222) unverschollen ist. bauern von Dräggesta in 
Westraanland hatten einen hirtenhund gelödtet der nach 
Ekeby gehörte, die sache wurde vors gericht auf Lundboa- 
berg gebracht und der spruch gefällt, die angeklagten sollen 
schuldig sein den klägern so viel körn zu geben dafs der 
todte hund in einer leeren scheune (i en tom hinge) aufge- 
stellt davon bedeckt werde, die verurtheilten erboten sich 
jedoch den Ekebyern, die damit zufrieden waren, einige 
flecken laudes abzutreten und diese heifsen seit der zeit 
Hundana. 

Bei Frostaby in Köpingsocken (Westmanland) findet auf 
einer anhöhe sich ein kreis von steinen, in der mitte steht 
ein spitzer fünf eilen hoher, in alten tagen, und auch wohl 
jetzt noch, sah man, wie die sage geht, einen eher um die- 
sen mittelstein im kreise wandern und hörte ihn grunzen 
{frnmgrijm ta) 

sve sve ryggabörst, 
vill du Ja i Ida fih'st (2, 7). 
zu Röleby CGunnilbosocken) hingegen, wird erzählt, sollen 
in einem wald zwei zäune mit einem gegen die enden offnen 



scnwEDiscnE volkssagen :m 

weg gewesen und in diesem weg ein eher geselin worden 
sein, in dessen rücken ein blankes goldnielser slccklc. das 
thier wanderte ohne unlerlals auf und ab in dem weg und 
grunzte 

skär och ät, 
skär och ät! 
d. i. schneid «ind ifs; unversländliclicr sind mir die worte 
des ersten ebers, doch läfst sich riickenborste nicht verken- 
nen, dieser umgehende eher gemahnt an die vielfachen spu- 
ren des heidnischen Frodiensles Cmylhol. 3. 44. 194 — 196. 
632. 1201) und ich lürchle nicht mehr daCs man die von 
Notker angeführten reime, worin der borsten und hauer des 
GuUinbursti gedaclit wird, auf den erymanthischen eher deu- 
ten wolle, wie die gelobenden auf den sonargöltr die bände 
legten, vielleicht Schwerte und mefser in ihn steckten, wie 
noch heute bei gastmalen die feierliche gesundheit ausge- 
bracht wird wann das mefser im braten steckt, so läfst 
auch Hans Sachs im Schlauraffcnland die gebratenen saue 
umgehen : 

jede ein messer hat im 7'ück, 
damit ein jeder schneid ein stück 
und steck das messer loider drein ; 
in diesem scherz sogar hat sich der heidnische brauch er- 
halten. 

Ich schliefse mit einer 1,21 zwar aus des verrufenen 
Rudbecks Atlantica 4, 70 entnommenen, aber auf volkssage 
(wie auch angegeben wird) gegründeten erzählung, könig 
Toril richtete seinem vetler oder söhn Erik die hochzeit aus, 
zu welcher sich auch viel armes volk eingefunden hatte, als 
das gastmal zu ende war stiefs ein anderer könig auf eine 
alte bei der hochzeit gewesene hexe und fragte sie wie al- 
les abgelaufen sei. das weib antwortete, niemals habe sie 
dergleichen gehört und glaube nicht dafs je solches wieder 
geschehen werde ; da seien mehr menschen gewesen, als sie 
zählen könne, thiere, vögel, fische ohne zahl, er fragte, wo 
sie denn so viel fische fiengen. sie antwortete, Toril brannte 
mit blitz ein grofses meer auf, da fiengen sie so viel gebra- 
tene fische dafs alle pferde in seinem (des fragenden königs) 
reiche die fische nicht auf sich laden könnten, er fragte. 



508 SCHWEDISCHE VOLKSSAGEN 

wo sie so viel vögel fiengen. sie antwortete 'derselbe blitz 
brannte alle wälder im lande auf, davon bekam man so viel 
gebratene vögel.* er fragte, wie man so viel thiere fieng. 
sie antwortete 'der blitz verzehrte so viel städte, da fiengen 
sie beide Icute und thiere gebraten.* 

Unverkennbar ist dieser Toril kein anderer als Thor selbst, 
und die volkssage hat uns einen echten mylhus aufbewahrt. 

JACOB GUBIM. 



JAHRSGANG. 

Peter Rudbeck, den man nicht mit Olaus verwechseln 
darf, theilt im 56n capitel seiner ungedruckten smäländska 
antiqviteter folgende merkwürdige in Dybccks Runa4, 82. 83 
ausgehobene nachricht mit. 

Jahrsgang nach alter sitte zu gehen, es war in Smäland 
althergebrachter brauch die beschaffenheit des künftigen Jah- 
res zu erforschen und vorauszusehen alles was sich im jähre 
ereignen wird, wie die ernte ausfallen, wer im hof sterben 
soll oder nicht, ob ein grofses sterben eintreten, ob ein au- 
fser landes gefahrener heimkehren, krieg ausbrechen, feuers- 
oder wafsersnoth über haus oder über Stadt kommen, böse 
Zauberei statt finden, gute fischerei und jagd zu hoffen sein 
wird, und anderes mehr; und diese sitte jahrsgang zu ge- 
hen hat sich vom heidenlhum her bis auf jetzt (den schlufs 
des 17n jh.) in Smäland erhalten, gilt aber für eine beson- 
dere kunst und heimlichkeit, und es wird folgendermafsen 
dabei verfahren. 

Fünf nächtc im jähre sind vor andern dazu ausersehen, 
1 Thomasnacht, 2 julnacht, 3 Stephansnacht, 4 neujahrs- 
nacht, 5 dreizehntentagesnacht. die den jahrsgang gehen 
wollen faslen nachmittags und offenbaren es keinem men- 
schen, sagen es niemand dafs sie ausgehen, und kein feuer 
dürfen sie den tag schauen, geschähe es aber dafs sie irgend 
ein feuer an dem tage im hause gesehen hätten, so schlagen 
sie feuer mit stahl und stein und glauben von diesem feuer 
werde das hindernis gedämpft das aus dem andern feuer 
entspringen könnte, nicht mehr dürfen folgen als zwei und 



JAIIHSGANG 509 

kein wort sollen sie reden, sobald sie aus der stube treten, 
noch zurück, schauen, nicht lachen, es komme ihnen auch 
noch so lustiges und seltsames vor, noch weniger erschrecken, 
sondern ernst, still und schweigend gehen, erst gehen sie 
nach dem kircliliof, wenn sie sich dahin und wieder heim in 
der nacht zurecht finden können, und da schauen sie viel 
seltsame Sachen ; zumal wenn ein grolses sterben im bevor- 
stehenden jähr eintreten soll, so werden hier die ganze nacht 
von vielen sichtbaren leuten gräber gegraben ; soll gute ernte 
erfolgen, so schauen sie auf den ackern kleine männcr grofse 
garben tragen und es dünkt sie als ob sicheln und sensen 
in den steinen rauschen, und kleine mause schwere lasten 
frucht tragen, grofse biertonnen gefahren werden, kommen 
sie an ein haus, so klopfen sie sachte an die wand und sa- 
gen 'wird hierin jemand sterben?' dann antwortet der wel- 
cher sterben wird 'ja,' oder, wenn keiner von denen stirbt 
die im hause sind, 'nein', und diese antwort geschieht ha- 
stig, sie schlafen nun oder wachen, bricht krieg aus, so 
hört man greulich im walde hauen als solle stürm gestiegen 
werden, gerüstete männer reiten auf und ab auf den wegen 
und pfeifen erschallen, soll raiswachs eintreten, so zeigt 
sich nur wenig volk auf den ackern, kleine garben werden 
zusammengetragen, das volk sitzt auf den feldsteinen traurig 
und weinend, feuer und wafserfluten erscheinen an den hö- 
fen, die sich das jähr über ereignen werden, und zauber, 
spuk und unzählige Vorbilder lafsen sich blicken, aber so 
viel seltsames oder lächerliches vor ihre äugen komme, den 
jahrsgang gehenden ist es streng verboten darüber zu lachen : 
verziehen sie nur den niund zum lächeln oder brechen sie in 
laute lache aus, so bleibt ihr mund schief stehen. 

Sind sie nun sieben jähre lang so gegangen und haben 
sich gebührend betragen, so erscheint im siebenten jähre an 
dem letzten tage des jahrsgangs ein reitender mann, aus 
dessen hals das baare feuer schlägt, dieser mann hat einen 
runstab im munde 5 ist nun der, welcher jahrsgang geht, 
dreist und schnell, dafs er hinzu springen und dem andern 
den Stab aus dem munde nehmen kann, so wird er durch 
das bei sich tragen dieses stabs klug und weise, so dafs er 



510 JAHRSGANG 

alles weifs wonach man ihn fragl, ja er soll neun eilen nie- 
der in den erdbodon sehen können und anderes mehr. 

Haben sie aber noch zwei jähre länger und ohne fehl 
den gang gelhan und kommen spät abends auf den kirchhof, 
so linden sie da viele kleine knaben, welche varfvar heifsen, 
alle mit hüten auf dem haupte, spielen und unendlichen 
scherz treiben, in der absieht den ganger dadurch zum lachen 
zu bringen, lacht er nun, so ist all sein neunjähriger gang 
umsonst und er mul's von neuem neun jähre gehen, falls er 
den hut haben will, richten aber die knaben nichts durch 
ihr spielen und scherzen aus, so suchen sie ihn durch schreck- 
liche, seltsame erscheiuungen fortzujagen; misglückt ihnen 
alles, so mülsen sie ihm stand halten und können nicht von 
ihm weichen, ohne dafs einer den hut im stich lafse, so sehr 
sie mit ihm ringen . und rufen 'du erhältst den hut nicht, 
aufser du kannst ihn einem von uns mit gewalt oder ge- 
schwindigkeit abnehnien!' doch zuletzt läfst ihn einer gut- 
willig los. dieser mann, solciiergestalt ausgerüstet mit dem 
Stab und hut {livarj'shalten)^ gilt für einen weifsager und 
weifs alle verborgenen dinge, ohne dafs er nöthig hat wei- 
ter jahrsgang zu gehen, wenn er weifsagen will nimmt er 
den hut aufs baupt und den slab in die band. 

Soweit der bericht, dessen Veröffentlichung wahrschein- 
lich auskunft darüber verschaffen wird, ob noch heutzutage 
in Smäland oder andern schwedischen gcgenden spuren je- 
ner gewohnheit zurückgeblieben sind, von den deutschen 
weifsagern habe ich mylh. 1060 — 70 zusammengestellt was 
sich aul'linden liefs. in Niedersachsen dauert der glaube an 
voraussichtige menschen, sogenannte vorkiekers zulängst, 
es scheint aber eine gäbe, die ihnen selbst lästig und nicht 
erst mühsam erworben wird, auf Scheidewegen, aufdächern 
und an wafserfällen lauscht der mensch den künftigen din- 
gen, es pflegt gewöhnlich in der neujahrsnacht, wo sich al- 
tes und neues jähr scheiden, zu geschehen, aber die dreizehn 
tage, in welchen den allen göttern und geislern noch eine 
gewisse macht gelafsen ist, schicken sich überhaupt zur weifsa- 
gung. den ausdruck varfvai^ verstehe ich nicht, wenn er 
nicht mit dem nachher gebrauchten hvarfshatt verwandt sein 



JAIIKSGAiNG 511 

soll; (las allu. Iirarf bezeichnet plötzliches verschwinden, 
hrer/'a aus den atij^en enlriickl werden, hrarfshatl ist also 
der uusiclilhar machende tarnhiit oder die nebelkappe (mvlhol. 
s. 4.'}I), die vorzüglich zwergen beigi-legt wird, und die als 
knaben geschilderten rar/rar oder /war/rar scheinen elbi- 
sche wcsen, die ihren luil ungern an den mann ahlalsen. 
das ist das charakleriscbe der ganzen meidung dals die kraft 
des wcifsagens einmal von dem runsfab des reiters, welcher 
Oden sein könnte, dann von dem hui der elben abliiinjrisr <re- 
macht wird, gleich seinen geislern trägt aber Oden selbst 
den bcziehungsvollen hui oder maulcl, dessen der jünger der 
Weisheit so wenig enlralhen kann als ein (in drei statt neun 
Jahren vorbereiteter) doctor der philosophie hules, mantels 
und Stabs. JACOB GRI3JM. 



DIE 3ILLRADSPRACHE. 

Ich weifs nicht ob auch bei andern Völkern das klappern 
des mülrads in worlc gesetzt wird, dem unsrigen mul's es 
von aller zeit her bis auf heute gcläulig gewesen sein, schon 
in der heldensage, als Heime vor üietleib auf der flucht ist 
und an einen flufs gelangt, svd er sagt, at mylnn cor i (hi- 
ni oc goc/,- inijhia/i, cnii llcimi licijrdist svä tu sein inylnti 
hinlin UvU sih'i 'sing slag' oc ' drep drepV svd f)utti Heimi, 
sem epiir hotuim J'ffvi hinn gamli liitriilfr oc mielli vid si/n 
sinn Thetleif högg liögg' oc drep drcp V in der zum 
gründe liegenden niedersäclisischen sage wird es aber wohl 
geheil'sen haben drip en stach! denn wir werden aus den 
andern bcispielen sehen dafs die formcl lieber vom laut auf 
den ablaut springt (gramm. 1, 562). das märchen vom machan- 
delbom läfsl den vogel fliegen, nn he ßög wit ivech ?ia enc 
viäl, un de mal g'dng ' klippe klappe, klippe klappe,' un 
in de viäl dor seien twintig inälenbursen, de hauden enen 
sten un harkden ' hick hack, hick hack, hick hack,' un de 
mal güng 'klippe klappe, klippe klappe, klippe klappe.' 
dem auf die Wanderschaft gehenden handwerksgesellen haben 
erst die raben zugeschrien 'er zieht weg, er zieht weg!' 
dann drei alle weiber umzukehren geralhen, er schreitet 



512 DIE MULRADSPRACHE 

tapfer zu, an des dorfes ende sagt ihm die miile ' kehre wi- 
der, kehre wider!' (nihd. kei'd hell 7iu kercl) und er ant- 
wortet 'miile geh du deinen klang, ich will gehen meinen 
gang.* raben frauen und miile waren ihm ein rechter an- 
gang (mythol. s. 1077). hübsch erzählt ist im Renner 
7876 — 91 

ein mül mit einem rcdelin 

hi einem kleinen dorfelin 

hete hie vo?' ein armer mati. 

SU ivazzers dem red/in zcran 

und ez niht hete vollen swane, 

mit jdmer cz umbe gie unt sanc 

'hilf herre got! hilf her re gotl 

dir ist alleine bekant min not.' 

nü was da bi ein dorf vil gruz 

hi dem ein kreftic wazzer ßöz ; 

daz treip zwei reder krefteclich, 

die slaberten mit einander glich : 

hilf oder Idz, hilf oder Idz ! 

diu erd si trocken oder nazy 

so hob wir doch guot tac unt ?iaht; 

uns wirt so manec sac her brdht.' 
aus der Wetterau meldet Phil. DiefTenbach folgende sage, bei 
Rodenbach liegt eine miile mit einem gang, die gewöhnlich 
kleines wafser hat und deren rad gar langsam umgeht, an 
dieser miile gieng ein bursche vorüber zur kirchweih und das 
langsam drehende rad schien ihm zu sagen 'juckt dich dein 
buckel? juckt dich dein buckel?' das war schlimme Vorbe- 
deutung, auf der kirb tanzte er lustig; es dauerte nicht lange, 
so bekam er streit und fafste eine gute tracht schlage, als er 
nun abends heimkehrte und wieder an der müle vorbeikam, 
war das wafser von gewitterregen stark angeschwollen, das 
rad drehte sich rasch und sagte 'hat dich dein buckel gejuckt? 
hat dich dein buckel gejuckt?' hier ist auch aus dem präsens 
in Präteritum, wenn man will, in reduplication übergegangen; 
wie jenes i in a fällt, ohne zweifei werden ähnliche ge- 
schichten noch anderwärts in Deutschland gehört. 

JACOB GRIMM. 



:>13 



LOBr.ES.ViXG AUF MARIA UND CHRISTUS 
VON GOTTFRIED VON STRASSBURG. 

Ein glücklicher fu/iil setzt mich in den stund den lü.cke7i- 
hqfl iihevlieferten groj'sen lobgcsong Gottfrieds von Strqfs- 
hiirg der Vollständigkeit näher zu bringeji. aber lieber als 
ergänzungen lafse ich das ganze gedickt, so viel von ihm 
erhalten ist, nach kräften gereinigt abdrucken : man mufs 
ja die bis jetzt bekannten strophen aus mehreren bänden 
mühselig zusammen lesen. 

B, die jydngarter liederhandschriß, die ich in herrn 
Pfeiffers ausgäbe gebraucht habr, enthält von s. 229 — 238 
ohne Überschrift 30 Strophen, alle aus dem theile des ge- 
dichtes der an Maria gerichtet ist. die letzte seile hat 
nur eine Strophe, also räum für noch drei, und die folgejide 
(239) ist leer, ivie in dieser handschrift mehrmals selten 
oder blättcr für nachtrage frei gelafsen sind. 

C, die Pariser liederhandschrift. bl. 364'' — 367^ giebt 
sie 03 Strophen (Meister Golfril von Strasburg 7 — 09). sie 
setzt die anfangsstrophen des gedichtes an das ende, 7i7id 
auch dort noch in falscher Ordnung, vielleicht ivareyi in 
ihrer quelle die einleitenden Strophen nachgetragen. 

K, eine pcrgamenthaudschrift von S. Georgen in der 
Karlsruher bibliothek, in kleinem formate, aus dem vier- 
zehnten Jahrhunderte, hinter deutschen homilien stehen ohne 
Überschrift 11 strophen an Maria, von deneji zwei bisher 
unbekannt waren, die erste und den schlufs der elften thcilt 
der anzeigerfür künde des deutschen mittelalters 3(1834), 42 
mit, ohne zu rnerken dafs sie von Gottfried sind, herr 
hofrath Adolf Hollzmann hat die gute gehabt sie auf meine 
bitte Jur jnich abzuschreiben. 

Über meine Unordnung der strophen weif ich ohne weit- 

läußgkeit nicht zu sprechen ; sie mufs versuchen sich selbst 

zu rechtfertigen, bescheidet sich aber an mehreren stellen 

sehr unsicher zu sein, wie wäre dies auch anders möglich 

Z. F. D. A. IV. 33 



514 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

in einem gedickte das in keiner handschrift in einiger Voll- 
ständigkeit einhalten aus dreien zusammengestellt icerden 
jnufs? weder durch bestimmten Jortschritt des gedankens 
noch tcie das sonst ähnliche ivcrk, Ronrads goldene schmie- 
de, durch fest verkettete reimpaare war es gegen Verluste 
und Umstellungen geschützt, noch manche strophe mag ver- 
loj^en sein : wenigstens der schlujs fehlt ,• denn ich glaube 
nicht dafs der dichter ohne alle abrundung mitten in der 
Unruhe seiner ausrufungen abgebrochen hat. 

7 august 1844. 31. HAUPT. 

Swer gotes niinnc wil bejagcn, MS. 2, 183'' 

der muoz ein jagendez herze tragen 

daz niht verzagen 

künn üf der jagenden weide. 
5 er muoz ouch beides krefte hau, 

wil er die reinen niiune van, 

und vaste slän; 

ringen, striten, diu beide, 

diu muoz er haben naht unde tac 
10 nach der gewihten minne : 

si gät niht släfende in den sac ; 

wan muoz si twingen in den hac 

sieht unde strac 

mit reinem staeten sinne. 
2 Diu gotes minne ist hochgemuot, ISS*" 

da bi diemiietic unde guot: 

swer niht entuot 

als er sol gegen der minne, 
5 dem wirt sl niemer rehte kunl, 

noch minneclicher wunden wunt 

ze keiner stunt 

wirt er in sinem sinne. 

sist also sseliclich gemuot 
10 daz si wil olfenba're 

sin in dem herze dez höchste guot 

und aller liebste herzebluot : 

swer des niht tuot, 

der muoz ir sin unmtere. 



GOTTFRIEDS LOÜGESAJVG 515 

3 Dien gotes minnc frömde sinl, 183'' 

die siiit mit liclileri ougcii bliut : 
diu selben kint 
diu hcizent kinl der erde. 
5 diu aber golcs niinne haut, 
diu kint sint gotes kint genant 
übr elliii laut 
mit niinncclichcm werde, 
ir berndiu l'ruht hat bernden regea 
10 und hinicllouwes siieze; 

ob in SU swebt der gotes segen 
der ir kan zalien ziten pflegen: 
daz er uns wegen 
zen hohen fröideu miieze! 

4 Swen gotes niinne nie getwanc, 
nie der in höhen fröiden ranc 
noch guot gedanc 

im nie gewurzet inne. 

5 swer gotes minne nie bevant, 184' 
derst als ein schale an einer want 

dem unerkant 

ist leben witze und sinne. 

swem gotes minne nie besaz 
10 den sin noch daz gemiiete, 

der ist der gnade ein itel vaz, 

blint ist sins herzen Spiegelglas, 

sin lip ist laz 

gein aller soliden blüete. 
5 Daz ich nu von der minne sage 184^ 

und ich ir doch so lützel trage, 

daz ist ein klage 

diu wol ze klagenne wsere. 
5 versuochle si mir minen muot, 

als si diu reinen herzen tuet 

diu wol behuot 

sint unde unwandelbaere, 

s6 möhte ich deste baz gesagea 
10 von der gewihten minne: 

nu muoz ich an der rede verzagen, 

33* 



516 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

wan ich ir leider hän getragen 

bi mincii tagen 

so liitzel in dem sinne. 

6 Und hülfe mich nu sendez klagen, 184" 
ich klagele, daz manz möhte sagen, 

daz ich der tagen 
s6 lützel hele der minne 
5 mit der ich solte geworben han 
daz licp daz niemer kan zergän. 
mich Irouc der wän 
der manegem ninit die sinne ; 
ich wände und wolte wizzen nihl; 
10 ich bin der wsener eine 

der inne ist blint und uzen siht, 
als allen toren da geschiht: 
des ist enwiht 
mins herzen fröide kleine. 

7 Gelriuwer got, nu erbarme dich 184* 
genaideclichen über mich : 

der gnaden ich 
bedarf von allem herzen 5 
ö wan rainer sünde der ist me 
dan wages in dem Bodens^ : 
des ist mir we 
und dulde manegen smerzen. 
ich hän dich lützel mine tage 
10 geminnet, däst an lougen: 

däst ouch daz ich dir, herre, klage, 
ich was gein diner minne ein zage : 
da von ich trage 
ein wundez herze tougen. 

8 Swä lugentrichiu herzen sin 184* 
dien disiu klage werde schin, 

diu sulen min 
dur got ze gote gedenken 
5 und zuo der süezen muoter sin, 
daz si dem dürren herzen min 
den lebenden win 
der wären riuwe schenken. 



GOTTFUIEDS LOßGESAiNG 517 

des bile ich dur daz höre bluol 
10 daz er göz dur uns armen, 

sial mir ze siner miiuie guol 184*' 

diu dürrez herze Liiiejeu tuol, 
und mir der niuot 



in riuwen mucze erwarmen. 
9 Nu wil ich lau die klage varu 

und wil ein lop zem andern scharn 

des man sol warn 

mit lülerlicher miune, 
5 mit ane gtinder reinekheil. 

der Sünde der si widerseit 

diu berndcz leit 

kan beru und arge sinne. 

wan sol ir gar und gar gedageu 
10 swä man ♦ 

liet oder msere welle sagen ; 

wan sol si von dem herzen jagen 



10 Swer hoehen welle nu sin leben 
und dort mit got in fröiden sweben 
und sich ergeben 
dem vride und ouch der minne, 
5 swer welle lernen widerstän 
der boesen sünde an allen wän 
und sich erlän 
vil maneger argen sinne, 
der lerne disen minncsanc 

10 und tuo nach siner 16re, 

so entliuhlet ime der siieze inganc 
den sin den muot und den gedanc 
an allen wanc 
mit hoher wirde und 6re. 

11 Swer beeren welle daz er nie 
vernaeme, von mir, daz er ie, 
der hoere hie 

swaz im min zunge entsliuzet 
5 und neme des süezen lobes war 



518 GOTTFRIEDS LOßGESANG 

von der diu goles kint gebar, 

da von si gar 

genäden über vliuzet, 

alsam der luft des touwes luot 
10 in siner bernden wünne. 

sist also saileclich gemuot, 

ez wart nie kiuscher lierzebluot, 

so rein, s6 guot, 

geborn von wibes künne. 
12 Ir bcrndcn himel, neigt iuch har 

und ncmet des siiezen lobes war 

daz ich enbar 

von dem gewihten bilde, 
5 diu sich uns vor gebildet hat 

mit reiner schäm, mit kiuscher tät,^ 

diu siiezen rät 

git mangem herzen wilde. 

neig ouch diu beilegen oren din 
10 zem lobe daz ich singe, 

Jßsus, der siiezen muoler din. 

daz si gesegent müeze sin ! 

wan si ist ein schriu 

vol aller guoten dinge. 

13 Ir lop mit bernder wirde uf ge 
sam loup gras bluomen und der kld 
durch griienen It 

von bcrndes regens giiete. 
5 ez muoz uns sigen in den muol 
alsam der tou von himele tuot 
üf bernde bluot ; 
ez muoz uns daz gemüete 
enlliuhten sam den morgenröt / 
10 der fröudenbernder sunne; 

ez muoz uns bern daz lebende bröl 

daz guot ist für der s61e tot 

an rehter not: 

des hilf uns, lebender brunne. 

14 Du reine uns, reinebernder muot, 
lachender rosen spilendiu bluot, 



GOTTFRIEDS LUUGESAJNG 519 

walleiidiu lluol, 

(liezeiuliu lioncfifes süeze; 
5 rein uns, daz wir diili lohende loben, 

und valie uns inil der niiunc kleben, 

daz man uns oben 

ze frouden sehen nuieze ; 

giuz uns daz berude niinuelrauc j 
10 in lihe in s61e in herzen, 

daz aller herzen widerwanc 

noch ie mit lebender süeze twanc; 

gip uns gedanc 

der wären riuwe smerzeu. 
15 Enlliuhle uns, liehlebernder tac, 

inbrinndiu niinne, balsmen sniac, 

blüejender hac, 

inbriinstiu herzen hitze. 
5 erfriihte uns, bernder gnade ein fruht, 

leid uns der sünden ungenuht 

und alle unzulit 

uns von dem herzen slitze. 

teil mit uns, vrowe, dinen segeu 
10 den dir der engel brahle, 

dö dich begöz der sa'lden regen: 

zen selben sa^lden hilf uns Stegen 

der dir der degen 

mit fröuden zuo gedähte. 
16 Du rösen bluol, du liljen blal, 

du künegin in der hoehsten stat, 

dar nie getrat 

kein frouwen bilde mere, 
5 du herzeliep für allez leit, 

du fröude in rehter bitterkeit, 

dir si geseit 

gesungen lop und 6re. 
des lebenden gotes zelle was 
10 din lip vil saeldenbaire : 

rehl als der sunne durch daz glas 
kan dringen, süezer unde baz 



520 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

dranc äne haz 

ze dir Krist der gewähre, 

17 Du rösen tal, du violvelt, 
du wiinneberndez herzen gelt, 
du blüender hell, 

du süeziu gotes wünne, 
5 du lichteberndcr morgenröt, ' 
du relitiu friundin an der not, 
daz lebende brot '<■ 
gebaer du küneges künne, 
daz manic vinster herze kalt 
10 erliuhtele unde enbrande 

mit siiezer minne raanecvalt; 
so rehte slarc ist sin gewalt: 
des wirt gezalt 
din lop in manegem lande. 

18 Du minneclicher bluonien glänz, 
du blüemest aller niegede kränz; 
der sselden swanz 

dich hat alumbevangen. 
5 du bist daz blüende himelris 

daz blüende blüet in manege wis, 
wan gotes vliz 
der ist an dir ergangen, 
des wirt dir hohes lobes sanc 
10 ze wünsche wol gesungen; 

vil maneges herzen guot gedanc 
dir klenket manegen süezen klanc 
an allen wanc ; 
s6 wol ist dir gelungen. 

19 Du bluomen schin durch grüenen kl6, 
du blüendez lignum älöe, 

du gnaden s6 

da man mit fröuden lendet, 
5 du wiinneberndez fröuden lach 
da durch man regen nie gesach, 
du guot gemach 
des ende niemer endet, 



GOTTFIUEDS LOBGESANG 521 

du helfeberiidcr kraft ein lurn 
10 vor vieiillicliein bilde, 

du wendest uianegcn liertcn stur» 
den an uns luol durch siiicu liurn 
der helle wurn 
und ander wiirine wilde. 

20 Du bist ein sunne, ein mäue, ein steru, ' 
du bist diu elliu guot kan wern 

und uns entwern i 

von des viandes stricke: 
5 die kraft die h;\t dir got gegeben, 
daz frone lieht, daz lebende leben; 
des sihct man swcben 
din lop in eren blicke, 
du hast in reiner reinekeit 
10 daz ha'hsle lop gewunnen 

daz an die werlt ie wart geleit; 
ez fliuzet schöne an allez leit 
wit unde breit 
üz maneges herzen brunnen. 

21 Du gimme, ein golt, ein edel stein, 
ein milch, ein r6tez helfenbein, 

ein honecsein 
in herzen und in munde, 
5 du bernder lugende ein edel krüt, 
ein minneclichiu gotes brüt, 
ein siiezez Irüt, 
ein sseldeberndiu stunde, 
du rehler kiusche ein blanker sne, 
10 der reinekeit ein trübe, 

der wären minne ein grüener kl6, 
der gnade ein grundelöser se, 
und dar zuo mö 
der triuwe ein tiirlellübe. 

22 Ob aller siieze ein siiezer schin, 
du siiezer danne ie wurde win, 
diu siieze din 

mir blüen ze saelden müeze. 
5 du bist daz siieze minnetranc \ 



522 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

dar in diu goleheit suoze dranc: 
I SirOuen sanc 

nie wart so rehte siieze. 
du gast dur oren ougcn in 
10 ze herzen und ze sinne: 
da birstu wünneberndeu siu 
und stoezest alle unvröudc hin. 
du bist gewin 
der herzeclichcn niinne. 

23 Ob aller wünne ein wünne trut, 
du schoener danne ie küneges brut, 
du liljen krüt, 

du bliiender rösen tolde, 
5 du brinnder stern, du brinnder man, 
ob allen bilden wol getan, 
du bliiender plan 
lieht under sunnen golde, 
wiz als ein sne, blanc als ein swau, 
10 var sam der butten bliiete, 

ganz als eins wilden ebers zau, 
so bist du roseblüender stau; 
der sa'lden gan 
dir got von siner giiete. 

24 Ob aller tugende ein süeziu tugent, 
du jugent an ende in bliiender jugenl, 
des si wol mugeut 

din lop ze liebte bringen, 
5 die bimele und der bimele kiul 
und alle die mit gote siut. 
ja sint si blint 
an allen guoten dingen, 
die dinc siiezen werdekeit 
10 niht erent innecliche, 

die got an dich da bat geleil 
mit manger hohen wirde breit, 
daz von dir seit 
manc herze tugende riebe. 

25 Vol aller gnade ein reioez vaz, 
der staeten tugent ein adamas, 



GOTTFRIEDS LOBGESANG 523 

ein spiej^elj^Ias 

der wuiiiie diu sich wunnef, 
5 du heiles und }:^eliickes rat, 
des iieilcj^cu geisles niinnesat, 
an froncr stat 
diu bilde wart gebrunnet, 
dar in der lebende goles degen 
10 von himele nider dräte 

sam üf die bluomen siiezer regen ; 
so siiezer senfte künde er phlegen : 
des ist sin segen 
bi dir fruo unde spate. 

26 31ariä, reiniu werdekeit, 
swaz man dir singet oder seil, 
daz ist gcmeit, 

lieplich vor allem sänge; 
5 ez tuot den lip die sele vro, 
ez lüftet sinne herze ho, 
nu sus nu so, 
mit süezem anegange ; 
ez blüejet schone in bluomen wis 
10 in herzen und in muote. 
du bist so gar ein paradis, 
der wünne ein bliiendez röseu ris, 
der saelde ein pris, 
der gnade ein wiinsclielruole. 

27 Got hat dir siben hande kleit 
an dinen reinen lip geieit: 

daz wirl geseit 
wie diu geschaffen wären. 
5 daz eine kiusche was genant 5 
daz ander tugent ist uns erkant ; 
daz dritte gewant 
genant was wol gebären : 
daz vierde kleit daz ist d^muot, 
10 daz fünfte erbärmde reine, 
daz sehste stsliu triwe guot, 
daz sibende zahl, der ßren bluol, 



524 GOTTFRIEDS LÜBGESANG 

diu dich bcliuot 

hat gar vor allem meine. 

28 Eilf bände kiusche hat din lip 

die nie gewan noch magel noch wip : 
die, frowe, Irip 
ze sagenne üz mineni munde. 
5 kiusch ist din sehen, din angesiht; 
,kiusch din gehoerde in aller phliht; 
din rede was niht 
wan kiusch ze aller stunde; 
kiusch was din maz, kiusch was din tranc ; 
10 kiusch wären dine sinne; 

kiusch was din herze und din gedanc ; 
kiusch din gebären und din ganc : 
da von dir dranc 
ze herzen gotes minne. 

29 Du sunne, ein mäne, ein tac, ein stero, / 
der valer wolte niht enbern, 

er wolte wern 
din Crist ze einer muoter: 
5 zem herzelieben kinde sin, 

daz uns birt leben und lebens schin, 
brot unde win, 
die kiusche din behuoter, 
daz diaer bernder tugende zwi 
10 nie Sünde dorn beruorte; 

sin brinndiu minne was dir bi, 
diu dich tet alles wandeis vri; 
ein golt, niht bli, 
wie dich diu sa.'lde fuorte ! 

30 Du reiner lip üz höher art, 
nie frowen lip so reine wart, 
so trüt, so zart, 

alsam din lip, der here. 
5 Maria, bernder eren zwi, 
gewihtez templum domini, 
der dir ie bi 
was unde ist iemer märe. 



GOTTFRIEDS LO «GESANG 525 

du bernder fröude ein anevanc, 
10 du Salden ancgcnge, 

diu golcheit in din herze dranc 
dar an uns allen wol gelanc : 
des IiAstu danc 
die breite und ouch die lenge. 

31 Dir spriche ichz beste daz ich kan. 
nie muoter reiner kinl gewan 

noch kinl gewan 
ein muoter nie so reine. 
5 er sellele sich da nach er was ; 
sin reiniu goteheit üz erlas 
daz reinste vaz 

von fleische und ouch von beine 
daz muoter ie ze herzen Iruoc 
10 enzwischen himcl und erde, 
an dir lac alles des genuoc 
des man ze tugenden ie gewuoc; 
diu SKide sluoc 
dich an von hohem werde. 

32 Du wahsdez liep für alle dol, 
du triulinne aller gnaden vol, 
ja ist nienien wol 

von herzen wan dem einen 
5 der rehle erkennet wer du bist 
und dinen sun, den werden Crist, 
der alle vrist 

uns gnade kan erscheinen, 
dem iuwer siieze ist unerkant, 
10 derst witewe unde weise, 

und dienten im joch elliu lanl: 
so vil ist gnade an iuch gewant; 
ir sint ein bant, 
ein turn vor aller freise. 

33 Du bist ein lieht, ein anevanc 
des lebenden Icbens an allen wanc 5 
vor dir uns Iwanc 

diu gnädelose vorhle 
5 unz daz din bernder sunnen schin 



526 GOTTFRIEDS LOB GESANG 

uns hat mit dcme liebte din 
die vinstcriii 

vertriben, du biinclporte. 
du entsliizze uns der genäden tor, 
10 daz leider alze lange 

uns armen was beslozzen vor; 
du bülfe uns an dem reblen spor : 
des vert enbor 
din lop mit siiezem sänge. 

34 Dich eren, frowe, sa'lde birt 
diu bernde stunde niemer erwirt: 
er sfflic wirt, 

si saeligiu wirtinne, 
5 die dich ze herzen künnen laden 
in daz geminnete niinnegaden ; 
die müczen baden 
in unzallicher minne. 
dich 6reu minne machen kan 
10 an zamen unde an wilde; ' 
dich eren minnen tuot den man 
dem minne nie ze herzen bran : 
so lobesan 
du bist in wibes bilde. 

35 Dich eren, frowe, fiieget daz 
daz man dir traege wirt gehaz 
und daz man laz 

wirt gegen übeler sünde ; 
5 dich eren, frowe, daz ist kunst 
die niht verderbet kein Ungunst 
noch diep noch brunst 
noch keines wäges ünde ; 
dich eren, frowe erlinden kan 
10 diu flinscherten herzen; 

dich eren, frowe, tuot den man 
und ouch daz wip untugende an 
und verre dan 
von aller sünde smerzen. 

36 Dich eren, frowe, beten tuot 
verstabten munt, verzagten muot, 



GOTTFIUEDS LüBGESANG 527 

daz kalte bliiol 
des herzen liitzen suozc ; 
5 dicli ereil, frowe leren kan 
die siinde miden niane^en man 
des herze bran 
in wallnder siinde uniniinze ; 
dich ßren, frowe, dest ein zwi 
10 dar an diu sielde blüejet; 

und ouch daz gole iiit liebers si 
diu wizzende ist mir vaste bi : 
got tuot in vri 
der helle diu da brüejet. 

37 Dich eren, l'rowe, swer daz tuot, 
dem giuzet got in sinen muol 

der minne bluol: 
du bist so rehte reine. 
5 swer dich hie lobet, der erel in 
und sinen hohen goles sin ; 
6st ein gewin 

ein minne und ein gemeine, 
ein sta'ter wille und ein gewalt, 
10 ein nein, ein ja, ein minne, 

und wirt daz niemer umbe gevalt, 
wan ez ist ßweclich gestall: 
des wirt gezalt 
din lop von manegem sinne. 

38 Nu lobe dich hiut wip unde man 
und swaz von muoter libe ie kan, 
wild unde zan, 

mit lobender wirde untrAge ; 
5 so lobe dich hiut swaz lebendes lebe 
und in dem himeltouwe strebe, 
vliez oder swebe 
in walde, in wildem wage ; 
hiut lobe dich aller Sternen schin 
10 der mäne und ouch diu sunne ; 
hiut loben dich d'elemente die; 
hiut müezestu gesegenet sin, 



528 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

du fröundcr win 

und aller j;iiadc ein brunne. 

39 Hiiit lobe dich got der dich geschuof 
und lieplich aller herzen ruof 

hoert unde ir wuof, 
ir fröude und ouch ir swsere ; 
5 hiut loben dich aller engel schar 
und aller hinielschen megde gar ; 
hiut nemen diu war 
mit lobe die niarlcraere ; 
hiut loben dich gewillten schrin 
10 die Hehlen hiniel schcene 
und alle die dar inne sin, 
die troue und ouch die cherubin, 
die seraphin, 
und aller engel doene. 

40 Hiut lobe dich, siieziu reinekeit, 
swaz ie den tot durch got geleit ; 
hiut si geseit 

dir lop von allen zungen; 
5 hiut lobe dich, blüendez rösen ris, 
der kiuschen megde höher vliz; 
hiut si din pris 
durch al die werlt gesungen; 
hiut eren dich gesegenten bort, 
10 dich, fröudenberndiu wünne, 
die hie da sin, vor gote dort; 
hiut si dins süezen lobes wort 
hob über bort 
gelobet von allem künne. 

41 An swem so vil der sa;lde lit, 
der mac sich vröuwen ze aller zit 
in widerstrit, 

als an dir, vrowe reine. 
5 an dir lit al der werlte heil 
und aller himel ein michel teil; 
6st allez geil 
von diner minne aleine. 



: 



GOTTFRIEDS LOBGESANG. 529 

du bra'lile uns wider den lebenden schm 
iO mit diner reinen giiete 

den uns verlos der helle grin : 

des soll du, vrowe. in vröuden sin; 

daz licrze diu 

sol Sweben in liocligemüete. 

42 ^ il rciriiu inuolcr, nii wis vrö, 
Sit dich gehcßhet hat alsA 

s6 rehtc hö 

din kint daz sacldenbajre. 
5 du soll in hiij^cuden fröuden leben ; 
du solt in riclier wiiunc sweben: 
dir ist {gegeben 
ein leben an alle swa?re. 
daz reine kiusclic bilde din 
tO sol in der wiinne bliiete 

an ende in allen fröuden sin : 

ez hat der lebenden sunnen schin 

dich 6ren schrin 

erweit zer hnehsien giiete. 

43 Nu fröu dich, aller vre wen pns, 
nu fröu dich, wiinne paradis, 

nu fröu dich, ris 
der schncnen rosen bliiete. 
5 nu fröu dich, frowe, wunnesan, 
nu fröu dich daz dich rüefet an 
wip unde man 
durch dine hohen giiete. 
nu fröu dich daz du hast gemein 
10 mit gote an grozen dingen: 

din ja sin ja, din nein sin nein, 
an ende hellent ir enein ; 
groz unde klein 
wil er dir vollebringen. 

44 Nu fröu dich daz du bist genant 
diu hcehste in hirael übr elliu laot 
und dir bekant 

sint aller engel süeze. 
5 nu fröu dich daz du bist betaget 
2. F. D. A. IV. 34 



530 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

zen höchsten fremden, so man saget; 
nu frön dich, maget, 
der sunnenheizen griieze 
die dir sint ze allen ziten knnl 
10 von manegen reinen herzen ; 
nu frön dich aber liisentslunt 
daz du wirst niemer mere wunt 
noch ungesunt 
von keiner slahte snierzcn. 

45 jNn fröu dich daz du bist erkorn, 
daz du soll stillen gotes zorn, 

der da geborn 
wart uns von dinein libe. 
5 nu fröu dich daz der lebende Crisl 
din kint din got din schepfer ist 
und daz du bist 
ein Spiegel aller wibe. 
nu fröu dich daz diu minnebliiol 
10 von herzenberndeni leide 

enbunden hat vil menegen muot 
der bran in leide alsam ein gluoL 
nu fröu dich, guol, 
der güete ein ougenweide. 

46 ^u fföu dich daz unniiltekeil 
die diue niilte nie versncit. 

du wa-re bereit 

ze gebenne swer es gcruoclile. 
5 du gsebe den nackenden die waf 
und twte in menegen guoten ral. 
geschriben slät, 
swer dine gnade suochle, 
daz dem nie helfe wart verzigen 
10 von dir durch gotes ere : 

des ist diu lop so höhe gestigen 
daz ez kan niemen übersigen ; 
des wirt genigen 
dir üf genade sere. 

47 Nu fröu dich, rciniu vrowe zarl, 
daz nie din lip bewollen wart 



GOTTFRIEDS LOBGES.LNG 531 

von keiner art 
an herzen noch an sinne: 
5 des niahlu s6re vrönwen dich, 
wan cz ist s6rc lobeüch. 
sich, frowe, sich, 
waz '^n{ der edclen niiniie ' 
dir in diu rcinez herze göz 
10 und in diu rein geniiiete ! 

da von du niender hAst genoz 
wan einen der genözclos 
ist und so groz 
an eren bernder bliiele. 

48 Nu fröu dich, siieziu zuckerwabe, 
duz dir gol Gabrielen abe 

der gotes liabe 
mit liöher wirde sanle; 
5 daz er dir kunte sinen gruoz 
der ienier siieze wesen muoz : 
liht was sin fuoz, 
snell er zuo dir gcrante. 
'dich griieze gol ! genäden vol 
10 so bislu, maget reine. 

din lip in fröude enphahen sol : 
dar umbe habe enheine dol ; 
ez kumet dir wol 
und aller werlle gemeine.' 

49 Nu fröu dich, frnudebernder rät, 
daz dir der lebenden sselde sat 

mit reiner tat 
got in din herze säte. 
5 nu fröu dich, vrönez paradis, 
daz er in türteltüben wis, 
din siieze ämis, 
von himele nider dräle 
durch daz vil beilege öre din 
10 alunder diue brüste : 

da von du muost gesegenet sin. 
ach aller engel künegin, 

34* 



532 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

waz birt din schin 

der Wunderbernden lüsle ! 

50 Nu fröu dich daz daz herze dm 
enzunte des beilegen geisles schin : 
da von du sin 

muosl ienicr sa^ldenba-re. 
5 nu fröu dich, lebendcz heil belagelr 
daz du geba're ♦ maget 
gar unverdaget 
belibe an alle swaere. 
nu fröu dich, reiniu reinekeit, 
10 daz du mit reine enphienge 
und in gebore an allez leit; 
daz manec zunge machet breit, 
swar wirt geseit 
daz cz dir wol ergienge. 

51 Nu fröu dich, lichter sunnen schm., 
daz die gesegenten brüste din 

daz kindelin 

des lebenden goles sougten. 
5 nu fröu dich daz dir waren bi 
von frömcden landen künege dri,. 
her unde vri, 
die dir ir minne erougten 
an dem gewihten kinde din 
10 daz si mit gäbe sähen. 

nu fröu dich daz des Sternen schin 

si wiste hin zcn 6ren din. 

ach 6ren schrin, 

waz eren si dir jähen ! 

52 Nu fröu dich, reiner muoter barn, 
daz du saih üf ze hiraele varn 

als einen arn 
Jßsum den du gebaere. 
5 nu fröu dich daz er mcnegen segen 
dir giebe under den selben wegen, 
der suoze phlegen 
din künde wol vor swaere. 



I 



GOTTFRIliUS LÜßGESANG 533 

nu fröu dich daz du ssehe daz 
10 wie in die liiflc cnpliienj^en, 
wie niiuneclicli an allen liaz 
er üf der winde vederen saz, 
wan er gol was 
dem si engcgen giengcn. 

53 Nu fröu dich, iemer berndez leben, 
daz du solt helfen urteil geben 

dÄ man siht streben 
vil manegen jämmerlichen 
5 an deme zorneclichen tage, 
so got mit gnisenlicher klage, 
mit grimmer sage, 
den armen und den riehen 
tuot sine hOren wunden kuut, 
10 frisch und von bluote niuwe, 

der er wart durch uns- armen wunt; 

des meneger wirt uugesunt: 

ow6 der stunt, 

ow6 der seueden swaere ! 

54 Ich hän gelobet die muoter din, 
vil süezer Krist und herre min, 
der eren schrin 

in dem du mensche würde : 
5 nu wil ich ouch dich, herre, loben, 
tset ich des niht, so künde ich toben, 
du swebest oben 
ob aller 6ren bürde, 
sibenstunt an dem tage sol 
10 dir lop von mir erklingen: 

diu wirde zimt dir, herre, wol, 
wan du bist aller tugende vol ; 
Icillichc dol 
kanslu von herzen dringen. 

55 In dinem namcn so lobe ich dich 
daz du, herr, ie geschüefe mich ; 
alsus lob ich 

dich, minneclicher keiser. \ 
5 so lobe ich, herre, daz du bist 



534 GOTTFRIEDS LOBGESAiNG 

ein warer got, ein wxTer Krist, 

und nil)t euisl 

an diucm bilde heiser. 

ez ist an allen lugenden klär, 
10 durchliuhlic unde reine; 

da ist wandeis an nilit unibe ein här 

ez ist reiit sieht unde war 

und offenbar 

und alles valsches eine. 
56 Ich lobe dich, vater, herre Krist, 

daz dir so ma;re der sünder ist; 

du gist im vrist 

vil lange üf bezzerunge. 
5 so si gelobet naht unde tac 

diu lop, daz mich vil armen sac 

gein dir enmac 

verteilen menschen zunge. 

wan dir sint elliu herzen kuut 
10 und offen allez tougen, 

du weist daz mer unz üf den grunl 

und allez daz ie menschen munt 

ze keiner stunt 

gesprach, däst äne lougen. 

57 So lobe ich, herre, dinen tot, 
der in vil strengebernder not 
uns helfe bot 

und uns vil armen löste 
5 von iemer wernder brinnder brunst 
da jämer ist und jämers gunst 
so ♦ 

der uns s6 tiure tröste. 
des sol dich loben swaz äten habe 
10 mit höher wirdc und ere, 

wip unde man, kint unde knabe, 
dar nach swaz fliege fliez unt trabe, 
kriech unde snabe, 
an ende und iemer möre. 

58 Got, aller giietc ein anevanc, 
tief unde hö, breit unde laue: 



GOTTFHIliüS LOÜGESAiNG 530 

si kau ^cdanc 

siicz in dem licrzcn luaclieii; 
5 SI iliuzcl üz der iniiiue laut; I 

vil wol im dem si wirl crkaul ! 

dem muoz zehaul 

sin herze in fröiden lachen : 

swaz im diu werit ze leide luol 
10 daz ist im gar ein wiinne ; 

so suozc enzündct im den muol 

din siieziu brinndiu minnegluül; 

du bist so guol 

ob allem menschen kiinne. 
5J) Du bist diu senfte siiezekeii 

die man vor senfte unsanfte treil, 

und herzeleit 

wart nie solichez mere 
5 alsam diu senfte süeze din; 

ez ist ir wünueberuder schin 

für senden pin 

ein saelde richiu Ißre. 

doch kam din süeze niendcr hin 
10 wan in diu reinen herzen: 

da birt si wünnebernden sin 

und ziuhet alle gnade driu 

und der gewin 

vertribet grimmen smerzen. 
60 Du küel, du kalt, du wann, du heiz, 

und aller sselde ein umbekreiz, 

der dich niht weiz 

wiest dem so rehte swaere! 
5 im ist der tac eins järes lanc, 

im gruonet selten sin gedanc, 

erst aiie wanc 

gar aller fröiden lajre. 

du bist so gar des herzen schiu 
10 ein fröidcbcrnder sunne, 

ein herzeliep für senden pin, 

für triure ein fröide voller schriu. 



536 GOTTFRIEDS LüBGESANG 

den gerndeii sin 

für durst ein lebender brunne. 

61 Liep unde liep, liep unde zart, 
nie liep so liep eim liebe wart; 
du bist von art 

liep allen reinen bilden. 
5 dich minnent mcgde, süeziu wip, 
und nianic tugentbafter lip: 
da von vertrip 
swaz uns dir welle wilden, 
dich minnet erde und ouch daz nier, 
10 fiur, luft und ouch die winde, 
die hiraele und allez himelher; 
sus gistu blüender bluomen ber 
an alle wer 
dim liebsten ingesinde. 

62 Vil maneges reinen herzen trüt, \ 
vil manger reiner mägde brüt, 

lieht unde lüt 
in ir getrütem sinne, 
5 dich triutet raanic edeler niuot, 
dich triutet herze und herzebluot, 
du bist s6 guot 
ze triutenne, trutminne. 
dich triutet aller Sternen schin, 
10 der mäne und ouch der sunne, 
dich triutent d'elemente din; 
waz möhte baz getriutet sin? 
kein triutelin 
sam du getriiter brunne ! 

63 Du voller man, du voller stern, 
wer möht din iemer stunde enbern? 
der tugende gern 

kan unde süezcr minne, 
5 der muoz din inneclichen gern, 

wan du kanst wunder wünnen wem; 

du bist ein stern 

in herzen unde in sinne : 



GOTTFRIEDS LOBGESANG 537 

du erliuhtcsl daz nie sunneu schin 
10 noch sicrn erliuhtcn künde, 
so mille ist dincr niinne win, 
swem er kunit in duz herze sin, 
des herzen schrin 
wirt fluiden vül von gründe. 

64 Du nianges herzen niinncbant, 
du brinndiu niinnc übr elliu lant, 
ez wart bckant 

nie lieberz üf der erde. 
5 din liep in lebendem liebe lebet : 
eia, wol im swer dar nach strebet ! 
des herze swebet 
in wiinneberndem werde, 
du bliiejesl in dem reinen muot 
10 als in der lichten ouwe 

ein bernder boum schoen unde guol 
lachende sine blüende bluot 
blüejende luot 
üf gegen dem morgentouwe. 

65 Tief ist des wilden meres grünt : 
noch tiefer tüsenthundertstuut 

(daz ist uns kunt) 
ist din erbermde reine. 
5 si reichet von den slernen abe 
unz üf die grundelösen habe ; 
si ist ein wabe 
des lebenden honges seine 5 
si fliuzet fliuget unde gät 
10 dur mangiu wildiu wunder. 

du bist ein visch unz üf den grät; 
din süeze wandeis niht enhät ; 
du bist ein siit 
durfrühlic übe und under. 

66 So lobe ich dich, vil süezer got, 
daz also reine ist din gebot 

an allen spot, 
so staete und so getriuwe. 
5 so lobe ich dich daz du bist da 



538 GOTTFRIEDS LOBGESANC. 

swä man din gert, verr uude nä, 
iiud daz dir gä 
ist nach des menschen riuwe. 
so lobe ich daz du, siiezer Krisl, 
10 versniahtest nie den armen : 
din heilic ore entslozzen ist 
gein siner stimme zaller vrist, 
wan du der bist 
der sich da kan erbarmen. 

67 Sit daz du, berndiu minnebluot, 
bist also tugenlrich gemuot 

und also guot 
daz dine bernden güete 
5 mit rede nie volenden kan 

der engel dort, hie wip noch man, 
swie vil wir hän 
gemiiejet diu gemüele, 
ouch zimet wol daz ich dir sage 
10 ein lop durch dine minne 

daz blüejende in die werlt ertage 
und ez den besten wol behage, 
an alle klage, 
in herzen unde in sinne. 

68 Du bist diu erbarmherzekeit 
diu höhe üf in den himel treit 
und überbreit 

des wilden meres breite ; 
5 ir tief abgründe ist äne grünt, 
ir lenge wart nie menschen kunt, 
swie maneger stunt 
man ie da von geseite; 
ir gnade niender ist so smal 
10 daz ir diu werlt geliche; 
ir triuwe diu ist ane zal; 
ir minne füllet berc unt tal 
in maneger wal 
durch elliu künicriche. 

69 Du bist genant daz lebende heil 
daz dur uns wart dem lodc veil; 



GOTTFRIEDS LOBGESAISG 539 

du la'le uns geil 
mit (linio heizen söre; 
5 du fröilesl uus mit diner nut; 
du lieze uns leben und liege löt : 
die Iriuwe erbot 
nie mensche menschen niöre. 
Sit daz Adilm von diner haut 
10 gebildet wart von erden, 

son wart nie hoher triuwe erkant 
noch niemer wirt; dast unerwant: 
des wirt gesaut 
dir lop zc himel von erden. 

70 Du bist gesungen und geseit 
daz lamp daz unser sünde treit, 
daz dur uns leit 

mit willen alze verre. 
5 wir warn dir, herre, gar ze trüt; 
du spien din golt an bloze hüt; 
wit unde lüt 
erschal, getriuwer herre, 
diu reine staete minne din, 
10 diu siieze, unwandelbare, 
des müezeslu gesegent sin, 
du reiner herzen sunneu schin, 
du lebender win, 
du fröide in rehler swsere. 

71 Du bist genant der guote got 
an des gewalt, an des gebot, 
an allen spot, 

nie niht enkunde werden. 
5 ez loufe, ez klinne, ez sliche, ez strebe 
* ez rinne, ez flieze, ez swebe, 
swaz Inder lebe 
enzwischen himel und erden, 
der aller leben ist dir bekant, 
10 dien allen birstu spise, 

der aller leben stat unverwant 
in diner gotelichen haut: 



540 GOTTFRIEDS LOBGESAiNG 

sus ist bekant 

din gnade in maneger wise. 

72 Du Icbendez lieht, du lebendez heil, 
und aller scelde ein s*lden teil, 

wer waere geil 
enzwisclien himel und erde, 
5 euwaer din minncbernder muot 
der aller reiner herzen bluol i 
ze fröiden tuot 
mit minneclichem werde? 
du fröiwest aller engel muot 
10 und aller menschen sinne; 

swaz iender hat bein oder bluot, 
ze fröiden ez din güete tuot; 
du bist so guot, 
du reiner herzen minne. \ 

73 Du zallen ziten hast zertän 
din arme, uns armen wilt enpfän, 
swie vil wir hiin 

getan gein diner hulde : 
5 und wellen wir ze hulden vän, 
die sünde dur din minne lan, 
so willu uns hän 
unschuldic unser schulde, 
du bist so guot, so rehte guol, 
10 so guot ob aller güete ; 

din güete lebendiu wunder tuot, 
si bringet dar zuo töten muot 
daz berndiu bluot 
swirt üz des herzen blüete. 

74 Dich minnebernde minnebluot, 
dich minnet sin, dich minnet muot, 
dich minnet guot, 

des reinen herzen güete, 
5 dich minnet lip, dich minnet leben, 
diu sei die man siht drinne streben, 
wan du kanst sweben 
ob aller minne blüete. 



GOTTFKIEDS LOBGESANG 541 

des bistu minne iniundeii bi 



10 



den minne niinnden wandeis frf, 

swie vil der si, 

den fliuzestu ze muote. 

75 I^n bist der minne ein anevanc, 
noch niemer mßr ein abeganc ; 

du bist ein sanc 
des niemer stunde verdriuzcl. 
5 wan minnet dich mit wcrdekeit, 
lief undc hoch, wit unde breit, 
an allez leit, 
din minne verre fliuzet. 
wan minnet dich für win, für bröt, 
10 für golt, für edel gesteine ; 

wan minnet dich für scharlüt röt ; 
wan minnet dich unz üf den tot: 
und tuot daz not ; 
du bist so reble reine. 

76 l)u bist der brinnden minne fluz 
der minnde giuzet manegen guz 
und süczen duz 

in brinndiu minndiu herzen, 
5 und süezest in sin unde muot 
alsam daz tou die bluomen tuot ; 
din minndiu bluot 
vertuot in allen smerzen. 
diu herzen diu diu haut bekort, 
10 diu müezen sich des gesten 

daz du der lebenden minne ein bort 
bist beidiu, hie, ze himele dort; 
da von din wort 
dir blüement dalre besten. 

77 Got, von dir reden, got, von dir sagen 
kan in diu herzen minne tragen 

und kan versagen 
uuminne ir süezen porte. 
5 got, von dir reden, got, von dir sagen 



542 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

kan in diu herzen schoene tragen 
und kan dich wagen 
mit manegem siiezen worte. 
got, von dir reden, got, von dir sagen 
10 kan herzen fröide machen. 

got, von dir reden, got, von dir sagen 
kan rihten üf der soliden wagen 
der uns soi tragen 
da man sol iemer lachen. 

78 Got, von dir reden, got, von dir sagen 
kan trüren ilz den herzen jagen 

und kan drin tragen 
des beilegen geistes minne 
5 got, von dir reden, got, von dir sagen 
lert dine heren marter klagen 
und lert si tragen 
ze herzen und ze sinne, 
got, von dir reden, got, von dir sagen 
10 ist wol halp himelriche. 

got von dir reden, got von dir sagen 
lert uns ze himelriche jagen; 
ez wart nie sagen 
so rehte minnecliche. 

79 Got, von dir reden, got, von dir sagen, 
d4 mite wirt diu sünde erslagen, 

und kan verjagen 

den tievel in die helle. 
5 got, von dir reden, got, von dir sagen 

kan dinen höchsten Iröst bejageu 

und kan zuo tragen 

dem herzen guot gevelle. 

got, von dir reden, got, von dir sagen, 
10 ist wiinue ob aller wiinne ; 

ez luot daz herze in fröiden wagen, 

die reinen sele nach dir klagen: 

so schöne ertagen 

kanstu menschlichem künne. 
HO Got, von dir reden kan riuwe geben 

und leiden elliu valscben leben; 



GOTTFIUEDS LOIJGESANG 543 

so slehf, sA eben, 

so f^al diu wort daz reine. 
5 ez duldet nünre valsclion niimi 

dannc daz nier die siinde tuut; 

so reinen niuot 

birt ez, daz wandcls eine. 

got, von dir ceden birt reinen sin 
10 und kiusdiez hocligemüete 

und jaget den tievel von uns hin ; / 

des ich vil wol versinnet bin : 

ez ist gewin 

der iemer wernden giiete. 
Hl Cot, von dir reden birt gnaden vil 

und ist daz aller liebste spil 

daz ich wol wil 

für elliu spil llorieren. 
5 ez kan dem libe wünne geben ■ 

und tuot die sele in fröiden sweben ; 

lip unde leben 

kan ez mit fröiden zieren. 

swH sich gesellent zweue od dri 
10 in diner süezen minne, 

den bislu, herrc, enmitten bi 

mit diner bernden gnaden zwi 

und tuosl si fri 

von wandclberndem sinne. 
82 Hu bist des reinen herzen spil; 

cz hat dich also dicke ez wil; 

du birst so vil 

der minne in manegem sinne. 
5 wan hat dich hie, wan hat dich da, 

wan h;\t dich bi verr unde na, 

nu aber sä, 

mit herzesiiezer minne. 

du bist daz aller liebste trüt 
10 daz ougen ie gesähen; 

zem herzen in dur ganze liüt 

gästn ze diner kiuschen briit; 



544 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

lieht unde lüt 

sol man dir liebe nahen. 

83 Des cdelen menschen reiner niuot ' 
mac gerne sin kiusch unde guot, 

sin herzebluot 
mac gerne wesen reine 
5 dur dich, vil reinez herzebluot; 
du bist so rein, du bist so guot, 
s6 wol behuot 
vor allem valschen meine, 
mit rehter reinekeit enpfie 
10 dich diu von herzen reine; 
reinez gebern an dir ergie; 
daz seiher reine wart noch nie 
uf erde alhie 
noch üf dem himel gemeine. 

84 Ach bluomen richez bluomen krut, 
ach kiuscher herzen sundertrüt, 

ach süeziu brüt, 
ach minneclichiu minne, 
5 ach herzeclichez herzen bluot, 
ach güete ob aller giiete guot, 
ach edeler muot, 
geblüemet üz und inne, 
ach siieze anblic, ach süeze an sehen, 
10 ach süeze an dich gedenken, 
ach siiezez von dir süeze jehen, 
ach süeze dich vil suoze an spehen ; 
din süeze an sehen 
kan sendiu leit verkrcnken. 

85 Ach reiner sele süeze ämis, 
ach wie wol zimt dir höher pris 
und daz man iliz 

an dir der tugenden üebe ! 
5 ach keisers kint, ach küneges barn, 
ach swebender ar ob allen am, 
wie wol bewarn 
du kanst vor sender trüebe 



GüTTFlUEDS LOBGESANG 545 

die dich da ininDent ane waiic 
10 inil lulcrlic-lier luiiiiie ! 

aeli iu den ören siiezer sanc, 
ach in den herzen frö gedanc, 
ach harplcii klanc, 
in muotc, in allem sinne! 

86 Ach {joles kinl, ach siiezer Krisl, 
ach herre (ihr allez daz der ist, 

ach der du bist 

ein sunne cngegen dem morgen, 
r> ach siiczez leben, ach siieziu zil, 
ach voUiu IVöide an allen nit, 
waz an dir lit 
der saeldcii unverborgen ! 
ach minneclicher umbevanc, 
10 ach vol vriunllichcr grüeze, 
ach nie kein süeze naher dranc 
ze herzen noch so liefe ensanc 
an allen wanc 
alsam diu bcrndiu siiezc! 

87 Ach herzen trül genäden vol, 
ach wol und icmer mere wol, 
ach Sender dol 

ein siieziu arzcnic, 
5 ach herzen bruch, ach herzen not, 
ach sendiu Iriuwc unz üf den tot, 
ach rose rot, 
ach rose wand eis vrie, 
ach jugendiu jugent, ach jugender muot, 
10 ach blüendes herzen niinne 

ach wahsdiu tugent, ach wahsdez guot, 

ach redelichez triubelbluot, 

ach honeges fluot 

in muote, in allem sinne ! 

88 Ach wahsedez liep von tage ze tage 
baz unde baz an alle klage, 

ach siieziu sage 
dur örcQ in diu herzen, 
5 ach gernder ruowe ein guot gemach, 
F. D. A. IV. 35 



546 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

ach f^ar für scndiu leit ein lach, 
ach klingdcr bach 
für durstebernden snierzen, 
ach schoene anllülz, wol siendcr niunf, 
' 10 ach reiniu valkcii ougen, 

ach liep unz üf der sele grünt, 
du tuost din liep mit liebe wunt ! 
daz ist uns kunt, 
diu rede ist ane lougen. 

89 Ach brehender slerne, ach brinnder man, 
ach glenzder sunne wol getan 

dur manegen plan, 
ach blüendiu berndiu beide, 
5 ach ougen vol, ach herzen 'sat, 
ach liep dar nie kein liep gelral, 
♦ 

ach richiu ougenweide, 
ach liep aldä, ach liep alhie, 
10 ach liep in allem sinne, 

ach liep daz noch kein lieberz nie 
erwuchs in menschen herzen ie ! 
nie herze enpfie 
in sich so liebe minne. 

90 Ach iezunl wol und aber wol 
und iemer wol an allen dol, 

du bist so vol 
der wünnebernden wünne! 
5 ach zuckersiiezer honecsein, 
ach rein ob allen dingen rein, 
ach ane mein, 
ach rein ob allem künne ! 
ach rein ist er, ach rein ist si, 
10 ach ssblic sint si alle 

die dich da minnent, ^ren zwi; 
ach swaz in wont der sselden bi ! 
ach daz si fri 
sint vor dem helle valle ! 

91 Ach iczunt fro und aber frö 
mit fröiden hö nu sus nu s6 



UÜTTFIUEDS LOBGESANG 547 

• 

du (lisrm und dem gemeine! 
5 ach iezunl jjuol und aber guol 
und ieuier guot, so reiner uiuol! 
so lial din bluot, 
din li{), din s«^le, reine, 
ach süezer wunder äuc swerl, 
10 ach sundcr fiur brennaere, 

wol im swer wunden von dir gert! 
der wirl der liebeslen gewerl 
die ie der hert 
gelruoc; daz ist gewsere. 

92 Ach aller arebeit ein Ion, 
in leide ein fröidebernder dön, 
ein bernder bön 

der alle genäde bringet, 
5 ach zeller aller arebeit 

die durch dich ie der mensche leit, 
ach millekeit 
diu alle swwre ringet, 
ach wiser man der nie vergaz 
10 der dir ie bot kein ere, 

ach künec der ie zeinander las 

daz guot durch guot, daz übel dur haz, 

ach Spiegelglas 

der lüterlichen 16re ! 

93 Ach rein ein tugent, ach rein ein vaz, 
ach kiuscher ougen Spiegelglas, 

ach adanias 

der bernden tugende giiete, 
5 ach wünnebernder 6ren tac, 
ach saelde diu sich nie verlac, 
ach bismen smac, 
ach bluome in bliieuder blüete, 
ach himelriche swä du bist, 
10 in himele, in erde, in helle, 
ach aller liste ein Überlist, 
ach vor dem niht verborgen ist, 

35* 



548 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

ach Heber Krist, 

ach siiezer rodegeselle ! 
1)4 Ach lugent alhie, ach luj^enl alda, 

ach tugent lif maneger wilden slä / 

verre unde na, 

ach lugent in allen enden, 
5 ach wol gcwizzniu reinekeil, 

ach güete die din herze treit ! 

die sint so breit 

deiz nieman kan volenden. 

ach valer rauoler unde mac, 
10 ach bruoder unde swesler, 

ach ganzer triuwe ein IsAac, 

♦ 

ach äne Iräc 

ein friunt hiut also gester! 

ANMERKUNGEN. 

1 = Meister GStfrit von Strasburg 61 C. 1. gottes C. 
2. iagen des herzen : verbefsert von Bodmer. 3. kunne C. 
iagundea C. 8. beide aus beidu gebcfsert C. 10. gewibtun C. 

2 =r 62 C. 1. hob g. C. 9. si ist C. 11. herzen dis 
hohste g. C. 12. vü das allerliebste C. 

3 = 63 C. 2. lichten Bodmer -. lihten C. 17. über C. 

4 = 64 C. 6. der ist C. schalten C, schatten Bodmer. 
11. der ist der genaden ein ital v. C. 14. gegen C. 

5 — 65 C. 

6 =r 66 C 3. der tagen: ver'^l. Lachmann zu den IS ib. 461, 2. 
4. hatte C. 8. nianigem C. 11. innan C. 12. beschihl C. 
13. des ist als ein wiht C. 14. mis C. 

7 = 67 C 3. der genaden C. 6. danne C. 8. mani- 
gen C. 10. dasl ane C. 11. dast — kl.] das ouch ich dir h. 
kl. C. 12. gegen C. 

8 =: 68 C. 3. die suln C. 4. zc gölte C. 9. here licrr 
von der Hagen : h're C. 

9 := 69 C. 2. ob zein oder zein undeutlich C. 5. m. ane- 
gender reinigheit C. 10. kein räum für das fehlende C. die liickc 
kann eben so wohl nach maere angesetzt werden. 13. 14. zwei Zei- 
len leer gelafscn C. 

10 = 58 C. 8. inauiger C. 

11 z=. 59 C. 4. entsliesse C 6. der] dero C. gottes C. 
8. von genaden C. 10. wiinne Ilagen: ininne C. 11. si ist C. 



GOTTFIUEÜS LüUGESANG 549 

11 = l li {ohne Überschrift), OÜ C. 1. rit-igeiit BC. 

2. ueineiit ßC. 8. luaiigt; C, inaiiigeui ß. 9. neige BC. hei- 
ligen BC. 10. ze dem BC. singe ß: da siuge C. 11. mo- 
t€r B. gese-^pent in\zi B. 14. guoter C. 

13 = 'i B. 3. grvnez ß. 5. invte iJ. «. himel B. 
y. morgen rot ß. 

14 = 3 i?. 1. Du reine vns reiner berndern m. // : verbefsert 
von herrn von der Haften. 5. reine B. 7. obeiieu B. 

9. güze — minne tr. ß. ID. herze ß. 12. noch ie lebende 

sivze tw. Zf. 13. gedanke B. 

15 rr: 4 //. 1. liehl' bernd* B: verbefsert von hcrrn von der 
I/a^en. 2. inbrinnende m. baisamen smag B. 5. er fVivhle B. 
gnaden B. 6. leide ß. 8. slitze] liez B. 12. ze den selben 
{aus seiden gebefsert) s. B. 13. der] die B. 

i6 = ö ß, 7 C, l h: 1. blust K. lilicn 5, lylien K, gili- 

gen C. 2. du /«". künigin T/i', kuneginne B. hohestvn B, 

hohen C, hohün /i'. 4. ni^gei l'row'n N, ie vrouwen C, menschen ß. 
5. du fehlt C. 6. dii vrode />". biterkeit BC. 7. sie A". 

8. ere feh/f, am ende der seile, h'. 9. gelles BK. 11. rehte B. 

12. sivzer B, süzer A*, süsser C 14. zu 6', zv A'. xpc K 

\7 = 6 ß, 8 C, 1 N. 2. w. berndcs BCK. 3. blivgender ß. 

4. suze C." gottes Bh'. wunne C, wnne ÄA". 5. lichter bern- 
der ß, liehtebernder A". morgen rot BCK. C. rehte C. frivn- 
dinne ß. 7. brote B. 8. geber A*, gebe're B und dreisilbig 
aueh C. du A'. küniges 6'? kvnne B. 10. erlühlet vnd 
enbrande B, entluhle und euch enbrande C, erlüht vü üf enzünte {ob- 
wohl im reim a?// lande) K. 11. manikvalt C, manigvalt Jf. 

12. so reht starg B. 14. in ßli: an C. manigem BC, ma- 
nige A'. 

18 = 7 B, C, 3 A. 1. blime C. giance B. 2- ine"- 
gede B, megde CK. krance B. 4. al ünbe vangen A". 

5. blivgende himel riz B. 6. de blivgende blvt in manege wiz B, 
daz blunde blüiet manige wis C, de blünde blüget manig wis A'. 

7. gottes Bh'. 9. wirt ßli: ist C. 10. wusch ß. 11. mane- 

ges A': maniges BC. 12. dir denket manigen svzen klang B, klen- 

kit suze mauigen klaok C, dir klenket süze manigen klank A*. 

13. ane BK. 14. des hastu si (hast du su A") betwnngen CK. 

19 = S B, \(i C, i K. 1. dur C. 2- du A". immer. 
blündes K, blivgendes B, blünd* C. 5. du minneberndes frouden 
lach B, du (du A) wunnebernder vroude (vrode A") ein lach (tag A") 
CK. 6. da dur C, dürh den A. 7. gemach fehlt K. 9. helfe 
bernder A". 10. vigentliche A', vintlichem B. 11. manigen CK. 
12. dur C. hürn A*. ivas hurn bedeutet weifs ich nicht. steht 
hurm in ahlautsverhältiiis zu härm? 14. wrme B, w'rme K. 



550 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

20 = 9 B. 1, Sterne B. %. e'lliv B. 5. krafte B. 

9. reiner] einer B. 10. höhest B. 12. ane B. 13. vnd B. 

21 = 10 B, 14 C, 6 jR". 2. ain micheltron ain helfenbain K. 
3. honiksein C, honecseim B, honigsai K. 4. Du bernder tagende K, 
dv berndern tvgende B, ein berndü tugent C. 6. 7. 8. du reine 
suze stunde C, woA/ oÄ/?e andeiitung der lücke. 6. gottes brut B, 
goltcs trut ü'. 7. du seiden brU A\ 8. du rainu siizil stünde ü". 
11. warvn B, warun K. 12. gnaden D. der gnade ein gruntse C. 
13. darzv B, dannoch K, darna C. 14. Iriiwö Ii. turtelt, ohne 
Umlaut BCK. 

22 =: 11 C, 5 A\ 1. Ob K: Du C. 2. denne Ä". 3. ze 
selde C 6. suze K. 7. syrenen C, serenün K. 9. gast C. 
dür oren dii ogen in K. 10. das erste ze fehlt C. sinnen K. 
II. da birst du vns w. K. 12. stozest K, störest C. 

23 z:: 7 K. 2. dv shoner dan K. 4. dv blvder b {neue 
seife) blvnder A*. 5. beidemal brinnender h'. 7. blvnder K. 

8. liehlv svnne vnder golde A'. 9. wize K. bläh A'. 

10. bvtten A'. dieses wort wird nicht zu ändern und nicht gerade 
niederdeutsch sein, denn Dasypodius hat arbutus, ein buttenbonm, 
Pictorius botten und butten. s. Frisch 1, 159''. bivte A". 

11. ainer A\ 13. rosblvder stam K. 14. gvti K. 

an der stelle dieser Strophe, d. h. nach unserer 22«, hat C (12) 

Ob aller wünne ein schoenez trut, 

ezn wart {die hs. es enw.) nie stein (die hs. gestein) noch 

edel krut 
noch menschlich brut 

so schoen {die hs. schon), vil schoene vrouwe. 

« 

« 

* alsam 

daz lieplich hinieltouwe. 

ez bliiejet {die hs. blüwet) dar und aber dar 

vil süeze {die hs. suzer) unde süeze {die hs, vü süsse). 

küm ich dich an gesehen tar {die hs. sehen getar) 

vor diner reinen süeze {die hs. süsser) klär. 

mit höher war 

si got der dich da griieze. 
die lücke habe ich mit herrn von der Hagen angesetzt, weil nach sei- 
ner angäbe mit der in zcife eine seile der hs. schliefst, in die an- 
merkungen habe ich diese Strophe verwiesen ivcil ich ihr im gedieh te 
nur willkürlich eine stelle hätte geben können, dafs sie hier stört 
sieht man leicht : die drei in ihren beiden ersten zeilen sich ähnlichen 
Strophen 22, 23, 24 müfscn auf einander folgen, an der echlhcit der 
neu hinzugekommenen 23« ivird man nicht zweifeln können; eher ist 
mir die strophe die statt ihrer in C steht als crgänzung verdächtig. 



GOTTFRIEDS LOßGESAiNG 551 

24 rz 13 C, 8 I\. 1. süsse lu^i'iit C, süssiv tvgende li. 

2. du lügende C. dv tvgeiide in bl\ nder ivgeiide li. 3. dez K. 

5. beidemal liiinel CA*. 6. gölte Cli. 7. jo CA". sv K. 

8. 50 /»■; au sinnen vn an g. d. C. 9. svzvn Ix. 10. niht eranl 

inneklicli K. 12. inaniger C. hoher wirdekeit /»'. 14. manik 
CA". lügenden rieh A", tngenlrielie C. 

25 1= 16 C, y A". 1. gnade C, tvgendc A". 2. der stelvn 
gnade 7«". 4. d. wnne dv sich in dir wouet A'. 5. glvkes A*. 

6. minne sat C. 7. froner A", vrone C. 8. gcbrunnel C, gebrv- 
net A". ist gebrunnet so viel als gegozzen ? 9. goltes A". 

10. bimel CA". nider die C, nidertrale A\ 11. sam C; als A. 
12. so svze seuTle konde A", so senfler süsse künde C. 13. 14. des 
— dir fe/ilt uhne dafs räum gelafsen ist C, vrßre vn(?) sp. C, 
frv vü sp. A". 

26 = 15 C, 10 A". 1. reiniu werdekeit fehlt A. 2. oder 
K: unde C't 5. du lüsl C. 6. herze hohe A', herzcl ho C. 

8. süsse C, sCzc A". anegenge A". 9. ez bli'iet A", du blujest C 

14. der genade C. 

27 = 1 1 j9. 1. sivbenhande B. 5. de ein kivsch B. 

6. tvgende A'. 10. rein B. 11. de sehzte B. 12- de siv- 

bende B. 14. ^mr fehlt B. 

28 =: 12 B. 1. Einifhande B. 2. noch wip fehlt B. 

5. kivsche hat dia s. B. 6. din gehSrde kusche B. 12. gauc 
Pfeiffer: gedank B. 13. dir] drin B. 14. goltes B. 

29 z= 13 5. 1. Sterne B. 2. der vatler wolt nit erbern B. 

3. wolt B. 4. moler B. 5. zv dem B. 7. vnd B. 
8. die kivsch* diu behvte B. 11. hrinnendiv B. 

30 = 14 i?. 3. trut B. 5. schin vor zwi getilgt B. 

6. gewihler B. 7. dir fehlt B. 9. frovden B. 

31 r= 15 ^. I. ich de beste B. 2. moter B. 3. 4. noch 
kint dawider ein. uioter gewan nie so rein B. 5. Er gesellet sich 
B. 7. reinest B. 8. von fleisch — bein B. 9. moler B. 
gelrvg B. 10. entswischent B. 12. gewuoc Pfeiffer: getrvc B. 

32 = 16 B. 1. Dv wahsendes B. e'lliv i?. 3. Joch ist 
niemanne w. B. 5. reht B. 8. gnaden B. 9. sivze ist vnr- 
kant B. 10. der ist witwe vnd w. Zf. 12. gnade B. 

14. tvrne B. 

33 = 17 A. 2. ane B. 5. diu] div B. 6. hat] kau B. 
de 1. A. 7. die vinsteri B. 9. dv entsliiz B. gnaden B. 

34 r= 18 B. 1. fr. se^ldenb^r B. 5. kvnnen ß. 6. minne 
g. B. 7. mvzent B. 10. ane zamen vn ane wilde B. 

11. miunen Hagen: minne B. 

35 = 19 B. 4. ivbelen sivnden B. 8. ünde A. 9. erlia- 
den Hagen: erliden B. 10. flinzberlen B. 11. irowe fehlt B. 

12. aae ^. 



552 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

30 =: 20 B. 1. betten B. 2. 'obstipeo obrigeo, i, fersta- 

ben' sumerl. 12, 35. vergl. Graff 6, 613. Schmeller 3, 602. 

4. s\^ze B. 8. wallender B. 9. de ist B. 11. got B. 

12. vaste B. 14. brvgelt B. 

37 =r 21 i?. 4. rein B. 6. gottes B. 14. me^negem Ä. 

38 =: 22 /?. 1. hivte wip vnd man B. 2. moter B. 
3. wilde B. 5. lobt 5. bivte B. lebt Ä. 6. strebet B. 

7. swebet /?. 8. wilden wagen B. «). lob B. II. bivte I. d. 
die vier elementen din B: vergl. 62, 11. 12. biütc mvzislü gcse- 
genat sin B. 13. frowender B. 14. gnaden ein brunne B. 

39 = 23 B. 1. nivle lob B. 2. liplich ^. 3. boret vnd 
ir w^fen B. 4. swar B. 5. hivte lobent B. 7. biüte B. 

8. marterer i?. 9. hivte B. 10. schone i?. 12. throni B. 
14. done B. 

iO = 2i B. 1. Hivte lob B. 2. vnd swc ie B. 3. hiute 

gesaget si B. 5. hivte lobent /?. blvgendes B. 7. hivt werde 

din priz B. 8. alle die weite B. 9. erent B. 12. biüte j?. 

13. hohe ivber wort B. 14. allen kvnnen B. 

41 =z 11 /C. 1. swe K. 2. vrowen A'. 4. an a?« rawrfe 
nachgetragen K. 5. aller der weite haile K. 7. gaile A\ 

10. gvti H. 12. vröden K. 14. in hohem gemvte K. 

42 = 25 5. 1. moter B. 4. se^'idenb^r B. 5. bivgen- 
den Ä. 6. 10. wnne B. 8. ane B. 10. bivte ^. 

11. ane B. 13. erin B. 14. erweite ze hShvnsten {die buchsta- 
be7i vn rfurcA punkte getilgt) B. 

43 r= 26 ^. 1. frowe B. so immer. 2. wnne B. 

5. frowe fehlt B. wnnesam B. 7. vnd B. 8. hohe B. 
10. got B. 12. ane j?. in ein B. 13. vnd B. 

44 = 27 i/. 2. höhest B. ivber Ä. 5. genant vor be- 
taget getilgt B. 6. ze den B. 8. der sunnen herzen grvz B. 
vergl. die nachtrage zu Honrads Engelhart 5563. 12. mer //. 

45 = 28 B. 6. Schöpfer B. 9. daz fehlt B. 14. gfti J?. 

40 = 29 B. 2. die /cA/^ B. 4. ez ^. 6. tet B. 

8. swer diner gnaden rvhte B. 10. gottes B. 12. nieman ivber 

stigen : verbefsert von Herrn von der Hagen. 

47 = 30 i?. 11. nieneger B. 12. wan einen dinen genoze- 
loz B: meine verbefserung meint Christum. 

48 — 31 B. 2. her abe B. 3. dir gottes h. B. 4. wirdi 
sant B. 5. das aus des gebefsert B. kvnt B. 8. snelle oAwe 
er B. 10. so] si B. 12. en hein if. 14. gemein B. 

49 = 32 B. 2. lebende /?. 3. getat B. 4. sat B. 
5. paradise aw« paradiz geändert B. 6. tvrteltvben wise B. 
8. von himel niderbrahte B. vergl. 25, 10. 9. heilig B. 
10. brvste 5. 11. gesegenat B. 14. livste B. 

50 =r 33 ;ß. 2. heiligen B. 5. lebendes heil dir betaget B. 



GOTTFRIEDS LOBGESANG 553 

6. etwa und reiniii in. 8. blibc aiie ß. 9. dich reinekcit reine 

B. 10. rein ß. 11. anc B. 

51 zr 34 )7. 2. gesegenetvn brvste B. 4. goltes. sovge- 
ten. B. 7. here vnd B. 8. erovgeten B. 12. si wisete hin 
ZV den B. 14. siv B. 

52 ^ 35 //. 1. niolcr IL 2. s^he vf ze himel Jl. 

6. dir gab vnder den selben wegen B. viellviclit \oa J'iir vnder? 

7. si'ze B. 10. lüfte] Hüte //. 11. ane B. 14. siv B. 

53 rrr 30 //. 4. janierlichen /y. 5. dem B. C. grvsenli- 
cher B. 'J. [uot fi-/ilt B. siner heren wnden wnt J7. 11. Iri- 
sche ß. 13. slvndc B. 

54 = 17 r. 1. gelobt C. 4. wurde C. 0. kSode C. 

8. bürde C. 

55 =: 18 6". 1. dine C. 2. herre C. 5. lob C. 

6. wscrer] werer C: warer H'ackernagcl. aber es braucht nicht das- 
selbe adjectivum sich zu wiederholen; Gottfried konnte, mit einer art 
von Wortspiel, ein verwandtes folgen lafscn. der wiere Crist Silv. 
331. 4437. vei'gl. zu Engelh. s. 219. Krist der gcwa;re unten 16, 14. 
12. der vers ist schwerlich vollständig : denn der auftakt fehlt nur 
54, 9 in dem zahlworte sibenstunt. vielleicht wan ez ist u. s. w. 

56 = 19 r. 1. lob C. 5. gelobt C. 7. gegen C. 

57 = 20 (\ 1. lob C. 5. brinnender C. G. iamers gu 
vor iamer ausgestrichen C. 7. ,////' die liicke kein räum gelafscn C. 

8. turre C. 12. flieze trabe tVackernagel. 14. snabe IVaeker- 
nagel : gnabe C. 14. aü fehlt C? 

58 r= 21 C. 4. süsse C. 6. im swirt erkant C : verbefsert 
von herrn von der Hagen. 7. de C. 10. im fehlt C 

11. süsse C? 12. d. süsse brinnende minne blüt C. 14. allez Cif 

59 == 22 C. 4. soliches C. 8. riebe C. 10. in fehlt C. 

60 = 23 C. 1. kille C. 4. wie ist C. 6. grünet C. 

11. froidebernder oder — de Cf 12. triure ein] truren C: ein ist 
Jiöthig und triure eine gottfriedische form. 

61 rr 24 V. 2. nie liep ein liep so liebe w. C : verbefsert von 
fVackernagel. 5. süsse C. 10. hiinel C. 11. sust C. 

14. dine liebestcn C. 

62 = 25 C. 1. inaniges C. 4. getruten C. 5. maniger 
edel m. C. 8. trut in. ('. II. d'elemente] vier elemente C: 
vergl. 38, 11. 

63 = 26 C. l. mane C. 2. mühte C. 11. milt C. 

12. er /f'ackernagel : ez orfer ts C f 

64 = 27 6'. 2. du brinnende m. über C. 6. stöbet C. 

9. invte C. 11. bon schone C. 12. sin C. 

65 ::= 28 C. 1. mers C. 7. wan si ist C : verbefsert von 
Jf^ackernagel. 10. inange wilde ('. 11. grat C. 12. milte 
i'or süeze C, von herrn von der Hagen gestrichen. 



554 GOTTFRIEDS LOBGESANG 

66 z= 29 r. 1. 5. 9. lob C. 2. rein C. 6. verre C. 

12. gegen C, 

67 = 30 C. 1. berndez {oder — s) C. 4. diiie IFackerna- 
gel: diner C. 5. nie] nieman C. 6. der] weder C, 

9. ziint f. 8. hat C diu orfer din? 

08 = 31 C. 2. der höh C : vcrbefsert von Jf^ackcrnagcl. 
7. swie aus swer gchefsort C. maniger C. 9. ie genade C. 

13. maniger T. 

69 rr 32 T. 3. uns IFackcrnagel : fehlt C. 6. liez C. 

11. sonc r. 12. das uns genant C : vcrbefsert von Jf ackernagel. 

14. vielleicht ze himele werde und 10 von erde, das adverbium werde 
hat Gottfried im Tristan 490. 

70 = 33 C. 2. unsir C. 5. warn] wä C. 8. erschal 
es C. 

71 = 34 C. 5. die richtige form wäre klimme; aber es kann 
ein mittelreim auf rinne beabsichtigt sein. slreb C. 7. swa es 
in der welle lebe C: verbefsei't von hcrrn von der Hagen; nur schien 
mir swaz passender als swa ez. 8. entzwischen — erde C. 

12. gotlichen C. 13. sust C. 14. d. genade in maniger w. C. 

72 ■=z 35 C. 2. aller seiden C. 4. ealzwischen C. 

5. enwcere 6'. 

73 =: 36 C. 4. gegen C. 6. dine C. 11. lebende C. 
14. blute C. 

74 = 37 (^'. 1. minnet berndes C: verbcfsert von ff^ackerna- 
gel. 6. diu sei Hagen : die sele C. 9. 12. minnende C, 

10. 11 f eitlen ohne dafs räum gelafsen ist C. 

75 = 38 C. 9. brot C. 13. not C. 

76 =z 39 6'. 1. brinnenden C. 2. minnenden C. raani- 
gen C. 4. brinnendiu minnendiu C. 7. minnendiu C. 

10. müssen C. 13. bist ömä bei gebrfscrt C. hie und ze hi- 

mel d. C. 

77 = 40 C 6. diu] dien ü. 8. manigem C. 

78 = 41 C. 4. heiligen C. 0. Irrt C. 

79 = 42 C. 2. da mitte C. 6. hohsteu C. 8. de ^7. 
12. diu reinun C. 

80 z= 43 C 2. die sünde If^ackernagel in Hoffmanns fund- 
gruhen 1, 284: dii linde C. 8. birt si du C : ein ähnlicher fehler 
81, 8. Wandels Hagen: wandel C. 

81 := 44 C. 1. genaden C. 8. ez] si C. 9. zwene alder 
dri C. 

82 =: 45 C. 2. also Hagen: als C. 4. manigem C. 

6. verre 6'. 7. nu uü- aber nu C, 13. lieht Hagen: lihl C 

83 = 40 C. 8. alle velsche C. 11. rein* gib*n C. 
12. selker C. 14. de C. 

84 zz 47 C. 7. edelr 6'. 9. amblik C. süsses C. 
12. suoze] suesse C. 13. süsses 6'. 



GOTTFRIEDS LÜBGESANG 555 

85 zr 48 C. 5. künipes barn (b aus a gebefsrvt) C. 
80 =r 49 C. 3. über C. der] dir C. 3. der] wer Cv 
ü. volliu /lagen: wullü C. nit C. 10. griizc C. 

87 rr 50 C. 8. vrie C. lü. hlügendes 6". 11. ach wali- 
sendiu t. ach wahsendez g. C. 14. alle C. 

88 = 51 C. 1. wahsendez C. 7. klingender C. 
8. durstbernden 6'. U. anllüt C. 

89 := 52 f . 1. biinnender niaiie C. 2. t^lenzcnder C. 
getane C. 3. manigen C. 4. blunde C. 7 ß-ldt ohne leereti 
räum in C. 11. kein Hngcn : fehlt C. 14. lieber C. 

90 = 53 C. 1. iczonl V. 2. ane C 8. allG C. 
13. des C. 

91 ^ 54 C 1. 5. iezoDt C. 3. keine lUcke, wie es scheint, 
in C gelafsen. 12. licbestun C. 13. de C. 

92 =: 55 C. 1. arbeit C. 3. bou C. 11. der iezont an 
derlas C. 

93 = 56 C. 4. lugenden C. 

94 =: 57 C. 2. inaniger C. 3. verre C. 5. gewis- 
sem'! C 6. die] der C. 8. daz (oder das) 6'. 9. valier C. 
11. trüwen C. für 12 A-ci« ra«;« in C. 14. hiute als C 



ZUM EiNGELlIART. 



15. noch fV (Wh. Wackernaget): aber wie zuweilen bei 
gern tvird nach auch bei verlangen stehen können, daz uns 
muoz nach in belangen fFalth. 28, 12. 206. näher an 

das überlieferte hiilt sich dran er vil sselic bilde : so auch }V. 
300. unde] unibe 71^. 441,/'. meine Vermutungen von ime 
und min herze ich wol geslime sind mir jetzt sehr bedenk- 
lich, denn zu der Verbindung dieses verbums mit dem ac- 
cusativus, die ich nicht belegen kann, kommt noch die starke 
form desselben, die ich nach Jac. Grimin gr. 1, OSS/". an- 
genommen hatte, aber ebenso wenig beweisen kann, das 
verbum gestemen findet sich auch in den Icsarten zu Parz. 
553, 2 und dreimal im Lanzelot. vorzuscJilagen weifs ich 
nichts befseres als von dane und min herze ich wol geniane. 
687. el] her /F. 689. nach bereit beßer punkt und 691 
nach geruochen komma. 1136. verholne 1301. wan 

daz W. 1343,/. jehen : gesehen: vergl. 5174. W. 
1347. mit eine W nach dem drucke. 1447. hie] ie fF. 



556 ZUM EiNGELHART 

1985 — 1993. gewar, — waere. — waii si g'ahte, im kseme 
baz so balde und also dicke ir spilende ougen blicke enpflü- 
gen u. s. 11'. fr. 2021. mir f^. 2094. erläzen fF. 

2411. zc libe schone ff^. 2732. ez giille manegen bisant. 
daran ha hon Lachmann JVackernagi'l und ich selbst ge- 
dacht: aber auch diese Vermutung hilft nichts, wenn es nicht 
gelingt die vorher gehende zeile mit loahrscheinlichkeit zu 
verbefsern. zu der in der anmerkung versuchten verbejse- 
rttng bemerke ich dafs der hause bei dem Schulmeister von 
Efslingen MS. 2, 93' in einem sprichworle vorkommt, rize 
er mir baz des hüsen dar, od unser eltiu friuntschafl kan 
geweren niht die lenge. 3043. gebrisen 3089. dar 

obe] des daches JV. 3184/". ir triieben sorge Lachmann. 
3244. inie] in W. 3294. enpfallen Lachmann. 

3390. sehe JV. 3628. geweinet }V. 3635. ze langer 
zit IV. 3761. 5504. 5526. swenn] so JV. 3806. en- 
gegen werte JV. 3872. geste deutet JV als 'zum gast 

mache, ßir befreundet erkläre.' 4065. gezecket JV. 
4588. ersehen JJ^. 4668/! so si solten vor dem k. 

sXx.JV. 4692. des /r. 4782. nach /f^. 4854. von IT. 
4879. kert (fegt) in deme w. JJ^. 5040. ze deme wah- 
tsere JF. 5263. sä zehant JV. 5318. viir 

5563. von der sunnenheizen gluot. so habe ich in Gottfrieds 
lobgesang 44 (r= 27 B), 8 geschrieben der sunnenheizen 
griieze. 5340. ze wunnen und ze wunder JJ^. ich glaube, 

die SU 1625 gegebenen beispiele von Verdoppelungen schütze/i 
diese stelle, noch näher steht wunder unde wunder in Al- 
bers Tundalus 49, 43. 63, 6. 5614. 5782. smäheit 
5900. niht mit dem drucke. 

anm. zu 115. triwe unde wärheit 5?ezV.scAr. 1,459, 761. 
174. nü tuont im die secke vil gedon Neidh. 5, 6, 11 Ben. 
209 s. 219 z. 10. richiu 382. ti^oj. kr. 166'' befsert 

Lachmann länt mich — hie werden iuwer ßlich man. 
s. 237 s. 11 f diu ist steht bei Bodmer 2, 198' und bei 
Goldast paraen. s. 457 U7id nur durch einen druckfehler ist 
diu bei herrn von der Hagen ausgefallen, aber ungewöhn- 
lich bleibt diust bei Konrad. s. 239 ä. II. Silv. 3725 
ist vielleicht, worauf Lachnann mich führt, Verlust ifi 
muolgelust zu verwandeln ^ vcrgl. 4542. 721. das citat 



ZUM EXGELHAirr 557 

' Alexius 1323' ßilll durch Lnchmanns verbofseritn';- (sidei) 
weg. 809 .V. 242 z. 20 halle ich die geziihllr/i ausrii- 

fungen nicht einen frostigen ein/all des dichtrrs nennen 
sollen. Lachmann erinnert mich an die gezählten accla- 
mationen der Römer, z. b. bei Trebellitts Pollio Claud. 4, 
Flavius yopiscusTac. 5. rergl. Ferrari de veteriim acclama- 
tionibas et plausu im Gn bände von G?'(ives thesaurt/s. 
1217. lieber haben bei ff^ernher von E/mendo?'J' 453. 575. 
daz iucli min vater liep hat in Grieshabers deutschen pre- 
digten des 13// jh. (Stuttgart 1844) s. 26. sun du soll din 
^lich wip han liep alsam din selbes lip Tirol von Schotten 
MS. 2, 250\ 1397. swic sanfte man in triiege, er mölile 

lieber gan tfalth. 30, 4. 1025. gar und gar Gottfried 

ijn lobgesang 9, 9. als bat in der künic dicke und dicke 
Grieshabers prcd. s. 73. die müezen iemnier und iemmer 
brinnen in dem eiloven der bilteron helle s. 138. daz si die 
ßwigon fröude besizzeut diu niemmer noch niemmer kan zer- 
gAn s. 76. verre und verre br. Berchtold s. 17. 
1706. so ist sin vil noeter armen liuten Grieshabers pred. 
s. 73. s6 des ie nceter ist br. Berchtold s. 110. ziler i\>7;. 
911, 2. 1989. wan er bcgond (/. began) sich dö belia- 

ben troj. kr. 96''. am schlvfse der anm. zu 2475 /. 

Silv. 1739. 2482. ze foresten Hag. MS. 3, 47\ 

3046 s. 263 z. 6 v. u. l. kriiegclin. das wort kügellin, 
das ich nicht nachweisen konnte, steht MS. 2, 237". die 

anm. zu 4291 ist zu streichen. 4080./. Botter 29, 19 

sich hebet nianig grozer winf, des regne doch vil kleine sint. 
nach grözem donre dik beschichl daz man gar kleinez wei- 
ter sieht, ez dröut mit worten manig man, der doch wßning 
schirmen kan. 4702. er lebt in eime süezen döne Diut. 
1, 316. 5325. komen sint die bluomen maneger bände 

leie jS'eidh. 10, 2, 2 Ben. 6294. soso iz, s. Lachm. zum 
Iw. s. 558 z. 32. 6346. schüeben Leysers pred. 83, 17. 

schüpvische und scliübe Grieshabers pred. s. 146. scbiipe 
sumerl. 17, 61, scöpochter 31, 30. 

zur vorrede s. xi. des milten Fruoles lugende Sigeher 
MS. 2, 221*'. den milden Fruie meint auch Spervogels mich 
riwet Vruote über mer MS. 2, 227''. H. 



558 ZUM ENGELHAUT 

2 

Mone in seinem anzeig-er Jilr künde der deutschen Vor- 
zeit 5, 353./. gicht nach einer handschrift des 15^^ jh, die 
sich zu Arras bejhidet inhalt und stellen des in alexandri- 
nern gedichteten roinans von Auiilles und Amis, ein zwei- 
ter codex eben desselben^ in meinem besitz, hat den vorzug 
eines altern echteren textes und grofserer Vollständigkeit, 
doch ist auch er aus dem i5n j'h. und auf papier ; 74 i7i 
spalten beschriebene folioblätter ; auf dem letzte?i Explicit 
le roumant damilles et daniis commenciet le .xvj^ ioiir de 
mav laa .m. iiij^ xxv. et finet en celi incarnation le xxiij". 
iour de Juing le nuit Saint Jehan bapllsle enlour .iiij. apries 
dlsner. ich theile daraus anfang und schlufs des gedich- 
tes mit; jenen weil er der handschrift von Arras mit dem 
ausgeschnittenen ersten blatte fehlte diesen weil in ihm eine 
hauptabweichung beider texte beruht: der meinige bricht 
bei der Vermählung Gerarts mit der schönen Ermengart ab, 
während der von Arras den genealogischen faden noch um 
ein stück länger und dünner ausspinnt, nur damit der ro- 
man von Jourdain de Blavcs sich gleich daran knüpfen 
lafse. 

1" Signeurs or faites pais sores boine cancou 
Que nostre sire dieus qui . . . a passion 
Voiis octroit boine fin et de dieu le pardon 
Isloire voiis diray v il na se voir non 
En le ville de blaues en escript le Irueue on 
Droit per dedens leglise .S. gerart le baron 
cest damis et damiles qui furent conipaignon 
les plus loiaus du monde menlir ne vo puet on 
bien parut le valeur de leur condition 
car li boins quens amiles que dIeus face pardon 
occist ses .ij. enfans que de fit le scet on 
pour rendre au conle amis certaine garison 
de le meselerie dont il ol se parcon 
ensi que vous ores es viers de le cancon 
mais anchois vo dirai le droite extraction 
dont eil furent estrait le lieu et le roion 
damiles et darais dont ie fai mention 



ZUM ENGELIIAIIT 55« 

vous ont aucun canto inais nen sceuent le soii 
ne le commcnccnient ne lour iesiiasion 
le vray ores \n\r nioy se il vo vioiil ahon 
et on se vocilc laire 

Baron ceslc malere doil nioiilt * eslre oie 
cesl darines et daniours de boine compaigiiir 
a clennonl en auuerjjne celle eile iollie 
ot. I. conte iadis de grant- sii^nourie 
anliames ol anon pour voir le vous aiie 
amiles fu ses iieus qui tant ol lourloisie 
el li compains amis dont lisloirc esl furiiie 
eis coiilcs que ie dl fu de nioult saiule vie 
vne moullier auoil de j;;ranl biaule garnfe 
donneur el de biaule moull bleu auctorisie 
plus bielle de son cors au tams ne resnoil niic 
X. ans l'urent ensamle en boine amour prisic 
eonquis hoir not li quens de le dame iolie 
dont il prierenl dien tout doy a vne fie 
cun hoir leur enuoiast par diuine maistrie 
I. enfanl qui tenisl leur terre apres leur vie 
affin se cest hoirs malle ains lanee acomplio 
Iront au .s. sepulcre en terre de surie 
Ibesus li tous poissans a leur parolle oie 
car .1. lil engenrercnl en icelle nuitie 

l** tout le plus gralieus en nianiere adrecie 

qui fusl si lonc con va par terre sans nanie 

amiles fu clames moull ol baceleric 

buiuiais ores istore qui doit eslre prisie 

Je croy que de milleur ne soit lions que vo die 

ne de plus veri table 

Apres chou que eis enfes signeur fu engenres 

le porla le ducoise .ix. mois en ses cosles 

li pers ^ fu moull lies de li fu dieus loes 

et disl pers ^ poissans qui en crois fu penes 

bien doit iestre vo non de parmoy aoures 

cils qui de euer vo siert niert ia desconforles 

et se cest .1. hoirs malles quenuie lamenes 

au beneoit sepucre (so) iert li miens cors passes 

1. /. etwa inoutl bien 2. grandc 3. 4. peres 



500 ZUM ENGELFIAIIT 

cnlrcmi et m,! feniine et nies rices barnes 
lies il yala dont cc fu grans pites 
signeur li quens anliamcs dont vous oit aues 
fu sires de cleruiont cl dauuergne deles 
.1. senescal auoil qui henris fu clames 
mais en ce propre iour que vous oit aues 
que le femme au boin conte qui tant ot de biautes 
deliura de cel hoir qui tant fu desires 
deliura dun biau fil ce dist lauctorites 
le femme au senescal qui henris fu clames 
de viaire et de corps et tout ensi moles 
que li fieus le contesse camiles fu nommes 
tout a vne iournee furent li enfant nes 
la yot nioult de princes cheualier et casses 
cardinaus et legaus euesques et abes 
laposlole de romme quenterre est dieus nommes 
estoit a ycel tamps dedens ces hiretes 
parins fu ces enfans lapostole senes 
.ij. nioult rices hanas leur a ce iour donnes 
dun granl et dun affaire dune facon ouures 
qui toudis les veist tant les eust auises 
on ne seuist au quel on se fust ix tournes 
li fieus au conte fu amiles apielles 
li sencscaus henris qui bien fu doctrines 
a dil a lapostole ie voelle et sest mes gres 
con apielle mon fil amis cest mes penses 
car pour tant le vo dy et men sui auises 
cau fil mon signeur soit et amis et priues 
1" et Jay encouuent dieu qui de vierge fu nes 
que se nies sires passe a calans et a nes 
son enfant garderay et ses grans hiretes 
que ia pour iestre occis et treslous decopes 
nen sera amenris le monle de .ij. des 
senescaus dist li papes preus iestes et senes 
amis ara anon quant vous le commandes 
amiles fu deuant en fons rengeneres 
mais sur liere aporta cils fais iert bien prouues 
grande senefiance 



ZUM EiNGELMAHT 561 

73"^ Antiame saccminc et si esploila laut 
qiiil est veniis v Ircl olivier et rolaiil 
inoull saloiciif IVancois dcliii osmoruillant 
ne sciireiil v il riirotil inoull en lurenl dolant 
quant li coiilc out veul antiame le vaillani 
seil furent a leur euer baut et liet et wianl 
adonl de ses nouuiellcs il li vont dcinandant 
et antianies leur dist qiie riens ni va celant 
or tos dist il baroii ales vous adoubant 

73'' car le cite de tis arons nous mainlenant 
qnanl loent li barou si en furent ioiant 
doni manderent tous ceus v plus se vout llanl 
.X. M. en foul venj^ier uers le perle dcnanl 
antianies leur a dit ne vous alcs parlant 
tanl que .iij. fois ores soniicr mon oliphant 
puis venes lienicnt' a le porlc acourant 
ear le eitel arons se ne soinnies mcscant 
viie aulre conii)aignc - en reprcnl mainlenant 
en Celle compaignic mena roy gloriant 
et florise son frere que ses corps amoit lant 
les .xij. pers de france qui moult furent poissant 
adieu les commandc le per roy aniant (so) 
ny et fcu alume ne clairle aparant 
que ne sen perceuissent sarasins ne persant 
eil ca le fause porle sen alerent deuant 
sen aloienl apiet loul biellemenl passant 
vienent sur le fosset la se vont arrestant 
antianies li genlis y est enlrcs deuant 
dedens le fause porle vont li baron cnlrant 
la csloit le pucielle auocc le ber ostrant 
V caslicl sonl enlret li chcualier vaillant 
quant il y furent loul lors vont li cok canfant 
signeur dist le pucielle ales vous esploitant 
mainlenant sera iours ie le vous acreanl 
venes enl apries nioy et eil le vont sieuant 
par le ville sen vont li cbeualier vaillant 
venus sont a le porle par deuers euriant 
orable le pucielle a fail au porfier lant 

1. lieement 2. compaignie 

Z. F. D. A. IV. 36 



562 ZUM ENGELIIAHT 

que le porle a ouiierlc a no gcnt mainlenant 
el le pont aualcl a le caiiie peiidant 
auliames li gentieus sonna son olipliaiil 
et li .X. JM. sonl briefmciit vcnul courani 
en le eitel eulrerenl lors voiil eslounnissaiil 
le ville tout au tour el deriere el deuanl 
les sarasias aloienl en leiir lil üciant 
11 ny vonl deporlant ne femme ne enfant 
ensi esse de gerre oii le voit aparanl 
li noble marceanl el li ketif deuanl 
loul adies le comperent 
31ise fu le eitel a graul destruision 
tout raeitenl a lespee li nobile baron 
74" viers le palais sen vonl fail de vielle facon 
tout lonl enuironne en tour el enuiron 
agrapart out saisi li francois de renon 
II lonl pris el loijet et niis en leur prison 
et sarasins sen fuienl en reclaniaut uialiou 
par le creliaus haulains saloienl v nioilon 
du fosset granl el lel qui estoit moull parfon 
li .1. ront vne cuisse li autres le nicnlon 
ensement furent niis a Iribulation 
ne feiumes ni enfant ni ol garison (so) 
prise fu le cites donl ie fai mention 
sur le niaistrc crclicl onl posel le pignon 
karle en fu moull lies en se conditioii 
lendcniain au nialin lierbegier (.so) li vit oii 
et y lint noble courl de ceus de son roiou 
orable baptisserent eu lonneur de ihesum 
par droit non de baptesme uiaric ol eile auon 
anfiame le genlil li donncnl a baron 
la endroit lespousa li princes de renon , 
grandes furent Ics noeces 
Aprieis ce mariaige que vous oii aues 
manderenl agrapart qui fu emprisonnes 
quant glorians Ic voil li siens freres carnes 
II li a dil biaus freres enuers moi entendes 
laissies le loy mahon se vous cbrestiennes 
Je vo prie pour dieu le baptesme prcndes 



ZUM KNGKLHAHT 563 

qiianl a-^rapurs loy li saus li csl mues 
sc li a (Jit Irailres tu soies vergoiidcs 
car iaroie plus kicr icslre en .1. Icu ieles 
que maliüu renoaissc et scs .saiutes. boulcs 
et se ie te teuoic la (ieliors en ces pres 
Ic (iestc le loroie Iraitres desfaes 
quanl gloriant lenlcul li sans li est niues 
11 (lisl* a karluni enuers moy entendes 
11 ny a liomme ci qui laut soit redoules 
sil ocioit niou t'rere deuii i'ust ia ames 
si vo pri laissics nicnl faire nies volentes 
bieu nie plcst ce dist karle li lors rois courouiies 
gloriant trait lespee qui li pendoil au les 
puis a dit a sou frere vous chrestieuneres 
ueuil dist agrapart pour uoiant enparles 
74'' dont le liert ijloriant ce dist lauclorites 
si quil le pourlcudi eufresi qucus v ues 
puis dist a chrestieus nion frere mentieres 
car ianiais a uul iour niere par li greues 
ne clireslieus ossi qui de niere soit nes 
or poes vous sauoir se cest vo volentes 
se ie sui sur nion droit baplisies et leues 
adont lacola karle et li rices barnes 
la fu grande li ioie et li solemnites 
la endroil fu antiames v palais couronnes 
et de liongrie fu li drois rois apielles 
puis alerent conquere les nobles biretes 
bours villes et castiaus et toules les ciles 
ensi ont de hongrie lous les pas abites 
si en fu rois antiames sires et auoes 
auoeckes se niouUier vesqui de puis asses 
karle li empereis** ne si est ariestes 
ses .ij. neueus apielle quil auoit couronnes 
cest florise li rois anlianie a lautre les 
florise dist li rois en venise en ires 
le roiame de la vo pri que vous gardes 
et se besoing vo croist vistement me mandes 
et ie vo secourai a .C. M. adoubes 
* a dit ** empereres 

36' 



564 ZUM ENGELIIART 

en france meii irai il cn est tamps passes 
et vous antiames nies cy endroit dcniores 
le pays de liongrie vo pry que vous gardes 
et ie vo secourai se bcsoing en aues 
dont baisa les enfans se les a acoles 
et les mouUiers ossi qui les corps ont moles 
voire celui de quoy antiames fu doues 
aicelle parolle sen est karle seures 
II trespasse les tieres et les grans hiretes 
vcniis en est (so) a geneues qui est boine cites 
la ot vne pucielle v grans fu li biautes 
et fu suer a basin qui tant fu natures 
erniengart ot anon celle dont vous oes 
a karle saparut qui tant iert redoutes 
marit li demanda voiant tous ses barnes 
karle se regarda se vit a .1. des les 
le ber gerart de blaues dont moult fu honnoures 
gerart ce dist li rois cest (so) dame prendes 
et gerart respondi sicome vous (so) coniniandes 
74" la endroit lespousa ce dist lauclorites 

et de celle ierraengart fu iourdains li doutcs 

qui conquist par se force .xiiij. roiautes 

et fu li plus preudons qui au monde fu nes 

mais aincois fu gerart bien .x. ans maries 

conkes eust fieu ne fille. 

Bielles furent les noeces quant gerart espousa 

iermengart le ducoise qui loialment lama 

et .XV. iour apries gerart le ramena 

en le ville de blaues karle Ic conuoia 

et tous les .xij. pers cauoec li mena (so) 

ens V palais a blaues rois karle soslela 

et pour laraour des noeces .viij. iours yseiourna 

tont rendy a gerart le pays par dela 

et il len fist hommaige conkes ne len fausa 

karle a pris congiet et uers france sen va 

et son rice barnaigc auoec li remena 

li bers gerart de blaues asses le conuoia 

quant du roy se parti tenrement larmia 

et sen reuint a blaues v se femme trouua 



ZL'M ExN'GELIIAUT 565 

Ions tttmps fureiil cnsauilc quc nus iruis ncnkicrla 

(lont gerarf fu dolans et inoult li aiioia 

sc list prijere a dieu qui nous üsl et crea 

quil li cuuoic fruit qui sc ticre tenra 

dicus ny se prijere qui uo list et crea 

car li contes gerart cn se feinme engenra 

.1. lil noble et poissant qui noblenicnt regna 

ce fu ie biau iourdaiu qui maint mal eiidura 

dessus les sarasins que tous iours gcrria 

signeur oit aues nies cors dil le vous a 

damiles et daniis (jue ihcsu laut ama 

Cliy linc li islore ne plus auan uen a 

Ihesu voelle garder qui escoutee la 

tautos ores dune autre 

WILH. WACKERNAGEL. 



MADOC. 

Die seil einigen jähren in der burgundischen bibliothek 
zu Brüssel befindliche holländische handschrift des Rcinaerl 
beginnt mit den Worten 

Willem, die Madock maecle, 

daer hi dicke oni waecle, 

hem jamerde seer haerde 

dat di gceste van lieinaerde 

niet tc recht en is gescreven : 

een deel is daer after gebleven : 

daeroni dcde bi di vite soeken 

ende iiecflse uten walscen bocken 

in duutse aldus begonnen. 
Jacob Grimm zog Madock als Opposition zu Willem und 
glaubte dei^ dichter habe 3Iadock geheij'sen. allein abge- 
sehen da?'0fi dafs Madock doch als beiname fast nicht vor- 
kommt, auch nur eine schwierige erklärung bietet, führt 
Grimm selbst aus Maerlant eine stelle an tvo offenbar ein 
gedieht Matocs droom genannt wird, offenbar ist also zu 
übersetzen ' ffilhelm welcher den Madock dichtete.' 

JVas hat es nun mit diesem Madock för eine bewandl- 



566 MADOC 

nis? früh schon ?»i{fs der name nicht mehr verstanden wor- 
den sein, denn die Stuttgartei' hs. hat dafür das verwäfserte 
Willem die vele boeke maecte. doctor Geyder in seiner 
Übersetzung des Reinaert {Breslau 1844) scheint mit Jf^il- 
lems an den tvälschen fürsten 3Iadoc, den soJm Owe/t Gwy- 
neddSf zu denAen, de?' um 1170 Amerika entdeckt haben 
soll, allein nicht der geringste grund ist vorhanden der 
diese annähme stützen könnte, dagegen liegt eine andere 
entrüthselung sehr nahe, der dichter hat jenen eingangs- 
versen zufolge in unilschen büchern eifie vollständigere dar- 
stellung der thiersage gefunden als die Deutschen unter dem 
namen Madock bis dahin kannten; deshalb macht er diese 
vollständigere wälsche erzählung zu einer deutschen, sei 
es nun dafs hier unter icälsche?i büchern nur französische, 
sei es daf$ im engeren sinne ivälsche d. h. in der spräche 
von Wales gedichtete zu verstehen sind, auf jeden fall 
keifst madoc oder madog in der spräche von ff'ales der 
fuchs; und zivar ist es eine dichterische benennung, denn 
die gewöhnliche ist Uwynawg oder llwynog, wohl verwandt 
mit dem hretcnischen und corjiischen louarn, dem altwäl- 
schcR lowarn. der poetischere ausdruck ist madog oder in 
vollerer form madawg. das xcörterbuch von Oweri Pughe 
gibt folgendes 'madawg the word reynard. it is also a 
very common name of men.^ offenbar liegt diesem worte 
eine älto^e in abgang gekommene form mad zu gründe, 
denn nur daraus erklären sich die anderen verwandten 
wörtei', maden ein junger weiblicher fuchs, madyn ein jun- 
ger männlicher fuchs, madryn ein kleiner fuchs, auf den- 
selben stamm iceisen hin die verwandten gaelischen wörter 
madadh, madradh oder madra, jedes thier vom geschlechte 
canis, insbesondere zwar der hund, aber auch ivolf und 
fuchs, obwohl in letzterer bedeutung gewöhnlich noch näher 
durcji a^jectiva bezeichnet, der wolf z. b. als wilder hund. 
auch maduigh heifst im gaelischen dei' hund, welches buch- 
stäblich dem wälschen madog entspricht. 

Es scheint demnach, es habe ein altes Jüdisches oder 
überhaupt keltisches gedieht gegeben (mochte es auch für 
den dichter fVilhelm wohl nur noch französisch vorhanden 
oder ihm nur in dieser spräche bekannt sein) ivelches den 



MAUOC 567 

wülscheji titel führte Madoc d. i. (Irr fuchs oder Hehieke. 
liilhelm miij's dieses gedieht in irgend einer weise bear- 
heilet haben. Maduvk und Reinaert sind also ganz tai/to- 
iogisch zu f'afsen. der sinn jener verse ist dieser. ' H il- 
helm, der den Madocii {die frühere dirhtung von Hvinhnrl 
fuchs) dichtete, weshalb er viele nachte verpachte, der he- 
daurrte d<fs die geschickte von Hein hart nicht recht ge- 
schrieben ist; ein theil ist zurück geblieben, deshalb suchte 
er die vila und hat sie aus den wälschen büchern zu deutsch 
also begonnen. H. LEO. 



BELGISCHES KELTISCH >OCH ANDER- 
WÄRTS ALS IN DEN 3IALBERGISCHEN 

GLOSSEN. 

Bischof AI bei'ick von Kammerich, welcher 770* bis 79ü 
diesen sitz inne hatte, liefs einen liber canonum herstellen, 
oo^ii welchem der 8e band des archives der gesellschaft für 
ältere deutsche geschichtskunde s. 432 und 433 eine höclist 
interessante nachricht gicbt. mitten nämlich in diesem la- 
teinisch geschriebenen und dem gebrauche der geistlichen 
seiner diöcese bestimmten buche findet sich eine stelle in 
keltischer spräche, die sich dein alt irischen so nahe an- 
schliefst dafs sie mit hilje schon bekannter irischer wörter 
und formen sich leicht erklären läfst. dnfs die stelle blofs 
einer jener häufig in lateinischen handschriften begegnenden 
irischen zusätze sei läfst sich in diesem falle, wie schon 
Leglay in seinem catalogue descriptif bemerkt hat, schwe?'- 
lick annehmen, da sie eine anrede enthält die in der diö- 
cese verstanden werden sollte und da doch nicht vorauszu- 
setzen ist dafs damals alle geistlichen von hammerick und 
Utrecht oder auch nur deren mehrzahl Irländer gewesen 
sein: auch müste man bei dieser annähme davon ausicehen 
dafs der Schreiber in einem etwas abweichenden irischen 
dialckte geschrieben habe, was freilich nicht unter die Un- 
möglichkeiten gehört hätte, es bleibt nicht wohl eine an- 

' die Jahreszahl 763 (/w archive) ist falsch, wie Leglay anßihrt, 
chroDiqne d'Arras et de Cambray par Balderic s. 430. 



568 BELGISCHES KELTISCH 

ihi'e Wahrscheinlichkeit als dqfs die belgische mundart des 
keltischen selbst eine der irischen so ganz nahe stehende 
jvar wie ich es schon bei erklärung der malbergischen glos- 
sen zu zeigen gesucht habe, und daj's Leglay vollkommen 
recht hat in seiner Vermutung, es möge uns in dieser stelle 
ein bruchstück allbelgischer spräche einhalten sein, um die 
leser, deren schwerlich viele altirische texte zum gegen- 
stände ihres besondern Interesses bis jetzt gemacht haben 
möchten, über das Verhältnis ins klare zu setzen gebe ich 
im folgenden 1) den anfang der stelle: denn sie ganz zu 
commentieren möchte bei dem übrigens nicht eigenthümlichen 
Inhalte langweilig sein; 2) die deutsche Übersetzung des 
mitgetheilfen Stückes i 3) a/imerkungen die das Verhältnis 
der Wörter der mitgetheilte?i stelle zu den betrejfefiden iri- 
schen Wörtern besprechen. 

1 

In nomine dei summi. Si quis null post me uenire, 
abneget senictipsum et tollet crucem suam et sequatur nie. 
insce inso asber arfeda chfi* fricach noein dince ne. ludo 
me arenindur he analchi ood. ocu sapelthu "1 ocüs arati- 
nola. soalclii. ocus arenaireiua. futhu. ocus airde cruche 
archrist ceinbes iclioraus coirp ocus anme aires exhethar scli- 
ctu arfedot indag nimrathib isaireasber. Si quis uult post 
me uenire, abneget seniet ipsum et tollet crucem suani ocuis- 
tiosalh achruich et sequatur me ocuisnum sichethre — u. s. w. 

2 

In nomine dei u. s. w. — dieser auspruch loiederholt 
sich (gilt wieder) vollständig in beziehung auf uns. sagen 
wir nicht? von jedem manne in miterdrückung {kuimner): 
er ivird vereinigt, welcher ist in sitten eifrig und reif, und 
heloknung folgt solcher sitte, und, abrechnung darunter 
(d. i. zwischen leiden und folgender belohnung des eifers), 
und die indiehöhehebung (aufnähme) des kreuzes unseres 
Christus soll gnädige erlösung sein des leibes und der seele. 
klare einsieht in schlichter und vollständiger weise (ist) 

* di-r druck giebt zwar ihü, aber dies würde sich in keiner weise 
erklären, noch würde bei der so nahen verwandtscliaft mit dem iri- 
schen sich ein solches inlaiilendes h in solcher Stellung nur denken 
lafsen ; deshalb erlaube ich mir die .kleine ändcrung des i in c. 



BKLCilSCHES KELTISCR nc.y 

darin in iibcrflufs, und r ort reff lieh wirdfi'holl sich {^ill 
wieder): Si (luis vull posl nie venire, abnej|;et semelipsiim 
et loUcl cruccin suani und nehme auf sein kreuz el seijua- 
tur nie und er folge mir- — //. s. w. 

3 

Hinsichtlich der erläuternden bemcrkungen beginnen 
wir von hinten, weil die keltischen würter ociiis licsalh a 
cliriiich offenbar den lateinischen el tollet cruceni suani und 
die keltischen Wörter ocais luiin sidicth re offenbar den la- 
teinischen et seqiiatur me entsprechen, also ihre bedeutung 
gesichert ist und einen mnfsstab giebt für den übrigen In- 
halt der stelle, dem ersten satze würde in altirischer sprä- 
che entsprechen ocus toigcadh sc a chroch 'und er nehme 
auf sein kreuz f dem zweiten ocus num seiclieadh se 'und 
mit mir folge er.' die formen licsath und siclielh ,///> loi- 
geadh und seiclieadh würden also der belgischen mundarl 
angehören, icclche mundartlich für toig utid seich die dün- 
neren verbalstämme tics (doch halte ich das hier auslau- 
tende s für schreibe- oder lesefehler) und sich gehabt hätte, 
die meisten bedenklichkeiten dürfte das re erwecken iji 
siciiethrc, was, wenn es würklich zu sicheth gehört, etwa 
einem irischen sc entspräche, doch ist möglich dafs dies re 
auch eine art adrerbialischer bedeutung gehabt, es wird 
auch im irischen zuweilen in dieser weise nach verbis ge- 
braucht, z. b. eisdeadh re aufmerken, hören aiif (etwas) ; 
so könnte sichelli re auch 'folgen auf (etwas), nachfolgen 
bedeuten, obgleich dieser begriff schon in dem sicheth al- 
lein zu liegen scheint, du iui neueren irisch seicheadh nicht 
sequi sondern persequi bedeutet, auf jeden fall reichen 
diese parallclstellen hin das Verhältnis des keltischen unse- 
rer stelle zum alten irischen zu erläutern ; es ist deutlich 
nur eine mundartliche eerschiedenheit die hier obwaltet, zu 
dem folgenden katm dies re nicht gehören, denn die Wör- 
ter is ear ndiltuth dünn entsprechen ganz altirischen is iar 
ndiultadh duine 'und nachher (d. h. in folge davon) ver- 
leugne sich der me?isch,' so dafs ein diesem satze vorge- 
stelltes re keinen sinn hätte. 

ff^enden wir uns nun, nachdem hiermit das Verhältnis 
dieses fragmentes im allgemeinen zum irischen festgestellt 



570 BELGISCHES KELTISCH 

üt, zu dem anfans^c desselben, die ersten beiden wör/er 
sind i'olllionnnen allirisch, iusce inso 'tiusspruch dieser;' 
sie haben gar keine Schwierigkeit, dagegen asber würde 
große ?nühe machen, kämen nicht auch im altirischen inehr- 
fach Übergänge von präjigiertem ath- oder aith- i?i as- oder 
ais- vor, z. b. suidh- sitzen, assuidh- sich wider setzen, ßir 
ath- suidh- ; lill- sich wenden, aisßll- sich loider wenden, 
sich zurück wenden, JÜr ailhlill- u. s. w. dieser analogie 
zufolge haben tvir in asber eine mundarlliche parallele zu 
allirischem althbeir, 'regenerat, re?iovat, repetit.' 

Arl'eda ist irisches air feadh, d. h. w'ih'tlich 'in der gan- 
zen länge,' dann überhaupt adverbialisch 'vollständig', chu 
ist im irischen gebräuchliche abbrerialur für chu'^Ainn, d. i. 
die zusammenziehung von chuige inu 'in beziehung auf uns, 
her zu uns.' fri cach noe iu dince sind ganz altiinsch, 
'von jedem manne in Unterdrückung (betrübnis).' ne ludo- 
me ; — die ?iegalive form lautet irisch ni, und die ludome 
etitspr Gehende irische form wäre ludhamaoi : also ne ludome 
;=: 'sagen ivir nicht? bezeichnen loir nichlT tvir werden in 
unserem texte noch einige beispiele davon finden dafs e an 
der stelle von irische7n ao oder aoi steht. 

. Areniudur. die jetzigen irischen passivfornien werden mit 
-ifiV gebildet i bei der vorhandenen mundartlichen abweichung 
dürfte also diese form in -dur auch eine passivform sein; 
und da wir eben c an der stelle von aoi sahen, so kann 
aren für araoin oder araon stehen; araon heifst im irischen 
'zusammen, vereint,' und ein verbum könnte recht gut da- 
von gebildet werden, ähnlich dem jetzigen aontuigh etwa 
aroinigh ; einem solchen ivorte etwa mufs das alte keltische 
von desseti stamme die form areuindur gebildet ist analog 
gewesen sein, aus diesen gründen rathe ich blofs dafs 
arenindur bedeute 'er ivird vereinigt.' 

Da be auch irisch bedeutet 'er ist,' und in den kelli- 
schen sprachen, ebenso wie in den älteren deutschen mund- 
arten und noch in der englischen, das relativum oft ohne 
weiteres ausfällt, übersetze ich 'welcher ist.' an alchi, — 
auch altirisch heifsl an oft 'in,' und alchi scheint irischem 
ailce parallel, welches bedeutet 'das handeln, das betragen, 
die Sitten.' also an alchi -=- im betragen, iri seinen sit~ 



ßELGISCIlES KELTISCH 571 

ten/ ood, — i/m diexex wort zu erkl(wc7t, iiplime ich die 
an der malheri^ischen <^lnsse geuiacltle u'ahrncliinuii'i\ dafs 
irische^ cä helgi.svliem o oder au entspreche, zu hilj'e ; Jolf^- 
lich schliej'se ich von ood auf irisches cäd, und dies bedeu- 
tet als suhstautie 'ei/er;' adjectieisch erhält es dem ge- 
brauche nach jetzt im irischen noch eine bildungssilbe, 
cadacli. das hindert aber nicht auf den sonst durchgehen- 
den satz zurückzu/ionunen dafs in den kellischen sprachen 
einfache stamme zugleich substantivischen, adjectirischcn 
und verbalen gebrauch haben und in diesen verschiedenen 
anwendungen nur nach läge der suche andere Jle.vioncn er- 
halten; so kann man dem belgischen ood auch die bedeu- 
tung eifrig zuschreiben. 

Die Wörter ocu sapelllui sind ojfenbar nach der ver- 
schleifenden ausspräche geschrieben und sollten getrennt 
sein ocus apctlliu. ocus kennen wir schon, es ist dasselbe 
viit ocuis 5 apcllhu scheint dem irischen apaidli reif" ver- 
wandt zu sein (es bedeutet ursprünglich 'was fertig ist,' 
also auch 'todt'). nach a\)ell\m folgt das zeichen ~1, wel- 
ches sonst im irischen 'und' bedeutet; da aber ocus dane- 
ben steht, ist es wohl nur aus versehen noch vom Schreiber 
hineingesetzt, aralin ola entspricht ganz irischem aradliain 
ola 'nachfolgende belohnung, belohnung welche nachfolgt. ' 
so alchi, — letzteres wort kennen wir schon; ersteres ist 
das demonstrativum 'dieses, solches.' die ?iachsetzung be- 
zeichnet wahrscheinlich die genitivische bezeichnung zu 
arailiiain ola, 'solches betragens, solcher sitte.' 

In arcnairema haben wir zuerst wieder das schon obe?i 
begegnende aren {irisches araon), und dann entspricht airema 
wahrscheinlich dem irischen aireainli 'die Zählung, rech- 
nung ; also aren -airema 'die zusammenzählung, berech- 
nung. ' lullm 7nufs mit irischem l'uil 'zwischen, unten ver- 
wandtschaj't haben ; auch im altirischen heifst fula 'unter 
ihnen.' airde ist ganz irisch, 'die erhebung ; also airde 
cruche 'die erhebung, aufnähme des kreuzes.' ar christ, 
'unseres Christus' ivilrde auch altirisch ebenso lauten, cein 
bes icliouius; ce'm für irisches caoiu 'jnild, gnädig,' da wir 
oben schon e mehrfach an der stelle von ao xind aoi sahen; 
hes ßir irisches blas 'soll sein;' ichomus verwandt irischem 



57? BELGISCHES KELTISCH 

I' caim odej' icim 'ich heile, zahle eine schuld, kaufe los, 
befreie; da i'e?'balst/bsfa?ifire sowohl «w/" -aiuh als auf -Mi 
als ^//// -amliiis irisch rorkoitnnen, würde ichomus bedeuten 
heilung, befreiung, erlösungS coirp ocus anme ' des körpers 
und der seele' ivürde altiinsch lauten coirp ocus anma, also 
fast gleich. 

Aires exhelli entspricht irischein airis exide 'einsieht 
klare.' ar slictu; da ein irisches vorgesetztes i\T adverbiali- 
sche bcdeutung vermittelt und sliclu wohl mit irischem sliog 
'eben machen, schlicht machen' als eine von demselboji kel- 
tischen verbalstarnme abgeleitete participialform {irisch 
sliogla, altirisch könnte auch sliocta geschrieben tverden) 
zusammenhängt, dürfte ar sliclu bedeuten "^in schlichter tveise.' 
der auslout u m sliclu statt irischem a entspriiche dann gerade 
wie oben futhu dem irischen futa. arfedo ist nur dasselbe 
wort was uns oben arfeda geschrieben begegnete, also 'in 
vollständiger weise, vollständig. ' das t scheint nur eupho- 
nisch eingeschoben, was im gaelischen ganz ähnlich wie im 
französische?! (y-a-t-il) vorkommt, indag ist ivohl durch ver- 
schleifende ausspräche, die ja allen kellischen sprachen (wie 
in einem gewisse?i grade dem französischen) eignet, aur 
ionta ag, icie die Wörter irisch lauten icürden, zusammen- 
gezogen; ionta heifst 'darin,' und ag schliefst sich sofort 
dem folgenden nioirathib an, was sich durch die endung als 
dativus pluralis kund giebt und ganz irischem nioniradliaibh 
entspricht; ag niuiralhib heifst 'in mengeii, in überßufs.' 
isaire scheint irischem is saire zu entsprechen ; is ist, ivic 
CS uns schon weiter oben (is ear) begegnete, copula {ein in 
seifiem anfange verschluckt ausgesprochenes ocuis ; gerade 
so kommt es altirisch vor); saire ' die vortrefflichkeit' wird 
auch irisch adjectivisch u?id adrerbialisch gebraucht im sinne 
von 'vortrefflich, vollkommen, sehr. ' asber endlich habe?i wir 
schon oben besprochen. H. LEO. 



573 



ALTÜELTSCIIE DKJITEU. 

KLAGE IM OTTOKAK VON BiilfMEX. 

Die einzige bis Jetzt bekannte hnndsvhrif't der liolma- 
fer geschichtsdenkmale des \^n Jh., teelche JVursiisen als 
Annales Colmarienscs und Clironicon Colmarieuse ttnvoll- 
ständig herausgegeben hat, irurde mir im vorigen somnier 
auf der öffentlichen bibliothek zu Stuttgart durch meinen 
freund bibliothecar Stalin bekannt gemacht, sie ist in quart 
auf papier und aus dem sechzehnten Jahrhundert, zwischen 
Jenen beiden geschieh tswerken enthält sie manche alterthüm- 
liche nachrichten, wovon folgende, die ich so genau abge- 
schrieben habe als ick sie vorj'and, der deutsclien dichtkunst 
angehören. 

Frater Hugo Ripilinus de Argentiiia prior longo tem- 
pore luricensis postea factus argentinensis bonus cantor lau- 
dabilis predicalor dictalor scriplorque bonns atqiie drpicior 
vir in oniuibus graciosus sumiiiam fecit iheologie verilalis. 

Frater Henricus prior basiliensis ordinis fratrum predi- 
catorum fecit rilhnios tlieutonicos bonis nmlierculis ac devofis. 

Frydanckns vagiis fecit rithnios tlieutonicos gratiosos 

Conradus de Wirciburc vagus fecit rhitnios ihculoiiicos 
de beata virgine preciosos.* 

Primas vagus multos versus edidit raagistrales 



Cantilena de rege Bohemie. 

Wafin iemer mere 
es weint milt und ere 

den kunig usscr behem lant 
dem lod wil ich fluchen 
sol man den kung nite suchen 

und sin gebinde band. 

* der tod Konrads von Jf ürtbiirg ist bekannllicli in den .inn. 
Colm. beim j. 1287 so angegeben Obiit Cuonradus de Wirzihurcti io 
teutonico raultorum bonoram dictamiaum cumpilator. 



574 KLAGE UM OTTOKAU VOiN BÖHMEN 

Man sol den kung Otacliir klagen 
ia her got er ist erschlagen 
sin milte sach (es , fehlt man) nie verzagen 
er was ein schilt in sinen tagen 
über alle cristenheit. 



Den falwen und den heideu 
was er den cristen ir leidin (so) 

den schilt er gegen bot 
er was ein low an gemüte 
ein adler an gütte 

der werde kuug ist tod. 
Der behem kuug ist nun gelegen 
des weiueut ougen iamers regen 
wer sol den witweni (so) weisen pflegen 
der kunc ist tod recht als ein legen 
der noch eren streit. 
in der hs. ßndet sich noch ein a/ijafig von vmsiknoten mit 
den loorlcn wafin iemer mere es weint. 

Frankfurt am Main Dr BÖHMER. 

30 wai 1844. 



BESCHREIBUNG DER GESTALT CHRISTI. 

Adelnhauscr handschrij't auf der ivafserkirche in Zürich 
(C 76/290) w"53. 

An den alten bvochen ze rome. da liset man das vn- 
ser herre ihesus cristus was von den beiden geheisen ein 
wissage der warheit. vnde man liset da das er were adeli- 
cher geschepphede. au lengi mitteler maze. vnde gelvstlich 
vnde das er helle ein ersam aullutze. alse die in an sahen 
das siv in wol mohlen minnen vnde fiirhten. vnde was sin 
bar var alse ein zilig haseluvs. vil nahe vnze an die oren. 
nidewendig der oren was es ime reide vnde gel vnde slvg 
ime vber die abseien, vnde er hate eine scheilelen en mit- 
ten ame hovbete. nach den silten der nazareneu. vnde sin 
stirne was ebene vnde wit. Sin antlütz was ane rvnzen 
vnde flecken gezieret mit einer ersami (.so) roeli. an sinre 



BESCHREIBUNG DER GESTALT CHRISTI 575 

naspn vnde an sime mvnde was enliein f;;ebreste. Sin bart 
was föUicIi vnde nilil ze ivuclich noch ze lang, vnde ebcnvar 
sineni bare, vnde an dem kinne gcleilit. Sin angesibt was 
einvalteclicb. vnde zitelicb (/. sitelicbj. Sin ovgen warent 
brvnvar vnde gar Ivter. vnser berrc ibesiis crislus. was an 
der bestrafvnge crscbrokenlich vnde was vnclicb mit crncste. 
>nde weinde etwennc vnde gelacbele nienier. an lengi vnde 
an groezi des libis was er vollich vnde rebter maze. Sin 
bende vnde sine armen (so) waren gelvsllicb an ze sehenne. 
an der rede was (so) eruestlicb vnde bescheidenlicb. selzen- 
lich vnde mezig vnd das ist billicb in dem salter von eime 
(so) gesprocben er was schoene an der gescbepphede vber 
alle menschen kint ame\. 

Eben ein solches stück auch am schlufs der Bas/er hand- 
schrift ß. j\. 15. 

WILH. WACKERNAGEL. 



BRUDER BERTHOLD UND ALBERTUS 

MAGNUS. 

Bruoder berchtolt der lantbrediger kam einest zuo dem 
bischof albracbt vnl fragte in vil dingen, vnt fragte ouch vnder 
andern dingen also, Avenne ein mensche sin süude geriuwet 
helti, das si ime got het vergeben, do sprach er 'wenne ein 
menschen sin sünde riuwent also vil das er do von bewe- 
get wirl, der sol wissen das ime got het sin sünde vergeben.' 

Do fragte er in zuo dem andern male wenne ein men- 
sche vnserm herren siner marter het gedancket. do seit er 'wenn 
ein mensche an vnsers herren marler gedenket also vil das 
ime das ouge uas wirl, ist ioch das der Ircher nit herus kä- 
met, das wil got von dem menschen nenien, als ober ime 
sin wunden vnder dem criuce mit baisame habe geweschen.' 

Zuo dem trillcn male do fragte er in was liplicher werc 
gölte aller loplichest were. er sprach ' wenne ein mensche 
sin ebenmenschen sieht in gepresten vnl in arbeilen, vnt er 
iu denne Iroestet mit worlen oder mit werken vnt ime ce 
helfe kumet als verre ime denne müglichen ist, das ist gölte 
das loplichest werc das der mensche geluon mag. 
Z. F. D. A. IV. 37 



576 niUlDER BERTHOLD UND ALBERTUS MAGNUS. 

Do fragte er in zuo dem vierden male wenne ein men- 
sche wissen möclile das er ein niinne irehern het geweinet, 
do sprach meisler albrachl ' wenne der mensche ^ weder dur 
vorchte der helle noch dnr liebi des himelriches noch dur 
die marter die got erlitten hat ald kein sin heilic, wanne 
das er^ von rechter minne vnt liebi so er zuo got hat vnt 
vmb sin lutern guetin triuwe vnt edelkeit die er an got er- 
kennet, der sol wissen das er ein minne trehern het ge- 
weinet. ' 

Perga7nentha?idscfn'fft des \Afi jh. auf der universit'dts- 
hihliothek zu Basel B. ix. 15. etwas abiveichend auch in 
der handschr?'ß der loafserkirche. zu Zürich B. 223 / 730. 

WILH. WACKERNAGEL. 

1. 2. fehlt weinet 



KIRCHLICHE UND UNKIRCHLICHE 
SEGNUNGEN. 

Die Basler handschrift A. iv. 24, auf papier, aus dem 
1i5n Jh., e?ithält unter verschiedenen in lateinischer spräche 
abgcfafsten Schriften theologisches und historisches inhal- 
tes auch eine klcinej^e deutsche vom j. 1405, worin sich ein 
augustinertnönch, bruder IVernher von Frydberg, mehre- 
rer unkirchlichen lehrsiitze, deren er vor dem bischof von 
Speier angeklagt tvorden, schuldig bekennt vud dieselben 
xciderruft. es sind ihrer acht; von intcresse für die deut- 
schen alterthümer ist der vierte, der in der einleitenden 
aufzdhlung der anklagepunkte also lautet daz segen zimlich 
sigent. vnd avne sünde mügent geschcchen. Wernher ge- 
steht nun folgendes zu. Item vff den vierden artikell. daz 
segen zimlich* vnd ane sünde geschehen mügent Da han ich 
geantwürt vnd veriechen daz ich also geprediet han Sind alle 
segen valsch. warvmb segnet man denne. äschen. palmen. 
eyger. vnd fleisch &c. Des han ich ein vrsach genomen 
Es kamcnt frowen zuo mir mit einem kinde. dem was we 
an einem finger. zuo den sprach ich. war vmb si daz kinl 

* sigent fnlilt. 



KIIICIILICHE UND UiNKIUCHLlCIlE SEGNONGEN 577 

uit Hessen segnen. Do sprachen si. es ist einer lierr* ze 
der niuwenstall vnd och ander priesler die daz slraflenl vnd 
verbieltend ^ 11' daz sprach ich die vorgcnanlen worl. Ileni 
do wart icli ^^cfraj^el oh ich söliche segcn könde. Do sprach 
ich ich könde niut denn einen mit disen worlen (h'istus wart 
geborn. crislus wart verlorn, crislus wart wider l'undcn. 
der gesegen dise wnnden. In dem nanien dez vatlers. des 
sunes vnd dez heiligen geisles Amen Ich han ovch veriecheu 
daz ich den selben segen gelriben han an mir selber vnd 
bin da mit gesunt worden Vnd han in ovch geleret einen 
Jungen bruoder mines ordens vll" die nechsten crislnacht in 
einer messe. Doch so han ich nit veslenklich gelovbt daz 
derselb segen also kreflleklich sige. daz er die wunden hcille 
Item ich iian ovch veriechen daz ich etwenne so ich bicht 
gebeert han. befunden han von den die mir gebicht band daz 
si semlich getan band vnd han mir die** tuon sagen Vnd in 
welem segen. der tiufel nit an gerueffet wart die ban ich 
nit gestraÜ't noch verbotten da von zelassen Vnd sprach si 
waerent wol zimlich Aber in welem segen. man den tiufel 
nemmet. daz die nit zimlich werint. endlich der widerruf 
dieser irrthüiner : Vnd bekennen von dem vierden arlikel. 
von der segen wegen, daz alle die segen die von Ordnung 
vnd Satzung der heiligen kilchen vnd guoter gewonheit der 
gemeiner {so) cristenheit geschechcnt. alz an der äschen. 
palmen. tovlF. liecbler. wasser. saltz. fleisch, vnd ander 
ding nit anders zuo gand noch krafft band, denne in beder 
wise von der heiligen kilchen die got so geneme ist. daz 
si nit vnerhoert wirt belibt {so). Aber min segen vnd sem- 
lich segent (so) alz hovptsegen. ovgen segen. pferit segen. 
wunden segen. vnd dez gelich die von der heiligen kilchen 
nit geordnet noch gesetzt sint zuo sölicben dingen, man 
nemme den tiufel dar inn oder nit. kein krafft habent noch 
dar an ze glovben ist Vnd bekennen alz mir ovch liule von 
semlichen segen band gebichtet. vnd si da von nit gewiset 
noch gestrafft, noch buofs dar vber gesetzt han. daz ich dar 
au geirret vnd nit recht getan hab. 

WILH. WACKERNAGEL. 

* einer] vielleicht hej'ser ein; herr d. h. geistlicher, pfarrer: 
Schmcller 2, 230. ** die] nämlich segen 

37* 



578 



ALTDEUTSCHE ZUNAMEN. 

1. üie zeile ihuuegischer ahselhart bei Helbling 1, 1082 
ist zwar unverständlich, aber alisellitirt wird nicht anzuta- 
sten sein. Cluinraduni Acliselharduni plebanum ecclesie sancti 
Pauli Patavie finde ich in einer Pnjkauer Urkunde vom j. 
1308, 7non. ß. 30, 2, 39. oh7ie zweifei dasselbe ist Chun- 
radus Hochselhordus vicarius chori in eitier Pqfsaiier Urkunde 
vom j. 1288, mon. B. 4, 159. 

2. Das wachlelmäre mit seinem ein wahlel ia den sac 
u. s. w. ist bekanfit. mit den wachtein die in den sack ge- 
hen scheinen die lügeii gemeint, wie man noch heutzutage 
hört 'er lügt in seinen sack.' ivie sie dazu kommen weijs 
ich nicht; der ausdruck mujs aber verbreitet gewesen sein: 
bei Ottacker 364"* heifst ein böte Peter der wahtelsac. 

3. Kaudern von undeutlichem reden wie vom gekoller 
des truthahns und kauderwälsch sind gewöhnliche ausdrücke, 
auch der letztere ist alt. Berchtoidl Khawdervvalch bürger 
zu Rain 1379 mon. B. 16, 450. 

4. JVh. Grimm theilt in den Gott. gel. a?iz. 1835 
s. 447 aus einer Karlsimher hs. folgenden spruch Freidanks 
mit, driu dinc sint al eine 

aller manne geraeine : 

pfaffen w ip unt spiler win ; 

begozzen bröt niagz dritte sin. 
er bemerkt dazu 'unter pfaffen w ip tvij^d wohl meretrix, un- 
ter spiler win der gewöhnliche wein verstanden ; begozzen 
bröt ist mit fett beträufeltes iveifsbrot, eine wie es scheint, 
häufige näscherei. MS. 2, 191 so der haven walle unt daz 
veizte drinne swimrae, so begiuz in wiziu bröt. fragm. 30* 
belröifete wecke.' hierzu stellt sich ein beiname: her Hein- 
rich der Begozzenbröt stadtpßeger von Augsburg 1347 mon, 
B. 33, 2, 135. 136; Johansen den Gozzenbröt bürger zu 
Augsburg 1374. 1378 mon. B. 33, 2, 474. 511. 

5. Walther der Vogelweid von Veitheim in einer Ur- 
kunde des klosters Schönfeld vom j. 1394 ynon. B. 16,459. 



ALTDEUTSCHE ZUNAMEiN 579 

der beiname dieses iralthcr kann auf den berühmten dich- 
ter anspielen. 

6. So spielen beinamen auf die he/densa^e an. Diete- 
ricli voiic ßenie biirger zu Augsburg 1 1G2 inon. ü. 33, 1,42. 

li. 



KLEINE BExMERKLNGEN. 

1. Nib. 963, 2. dö wanden sumelichc, si sohlen kicider 
Iraj^en. diese zeile ist, wie mich dünkt, noch nicht recht 
gedeutet worden, ihre erk/drung- Hegt in der vorhergehen- 
den Strophe, ivo erzählt wird wie Siegmund und seine hun- 
dert mannen aus den betten springen, die waj/'en rasch er- 
greifen und hin stürzen wo Kriemhilt und ihr gesinde klagt, 
jetzt heijst es 'manche von den rittern meinten, sie sollten 
sich doch erst ordentlich ankleiden ehe sie zu den J'rauen 
eilten.' es fällt mir nicht ein die 9G3e strophe für echt 
oder erträglich zu halten, ich wollte blqfs zeigen was ihr 
verfafser in der vorhergehenden einfältig vcrmifste und hier 
ungesch ickt ein seh o b . 

2. Im Helmbrecht \&7^ ff. wird erzählt 

der Scherge do die nlune hie, 

den einen er do leben lie 

(daz was sin zehende und sin reht) ; 

der hiez Slinlezgeu Ileluibrehl. 
hiermit vergleicht sich was Fritz Closener unter dem jähre 
1333 (s. 79) berichtet, die Strafsburge?' belagern Schwanau 
am Rhein, wo rüubcr nisten, und verbrennen ein 7'itterhaus 
in der bürg; die belagertest entweichen auf den thurm. nu 
woreut wol lx duffe, edel und unedel, der degedingetent 
sich wol vij US und gobenl die andern in den tot. der wur- 
den! XLviij, ellich sprechent lüj enthoubetet. drie werg- 
mansraide und zimberlule die dufle worenl wurdent gewor- 
fen mit dem qwolwerke gegen der bürg, zwen uflenander 
gebunden und einre alleine, donoch brochent sü die bürg, 
die von Slrosburg gundent dem henker daz er ein alles men- 
nelin daz unschadeber was zu zehenden nam, vnd ein jun- 
ges rennerlin wart ouch ledig geloszen, wand es ein kint was. 



580 ZU HARTMANN VON AUE 

3. Fi'its Closcner in seiner erzähl ung von iler grofsen 
geiselfahrt im Jahre 1349 theilt (s. 89,//'.) den brief mit 
der nach der geiselung als eine von hinunel auf sanct Pe- 
ters altar zu Jerusalem herab gekommene botschoj't verle- 
sen wurde, dieser brief ist eine abkürzende auflösung eines 
gedicktes aus dem \Zn Jh. das in den alt. blättern 2, 241 bis 
263 steht. H. 



ZU HARTMANN VON AUE. 

Zu den liedern. 4,7. gelobe 8, 13. daz im et] dem 
9, 17. 24, 17. ja] joch. ebenso 23, 5. 24, 8 für joa : 
vergl. leseb. wb. cccxv. 14, 9. 10. gäheloseu: vergl. 

Grimm, gr. 2, 565/*. unruochelosekeit incuria Konr. von 
Heinrichau Bresl. hs. iv, 4°. 92. [swä kluokheit ist mit val- 
scher ger, diunzimet niht wol wan den argelosen Reinmar 
von Zweier MS. 2, 130''. Hpt.^ 18, 20. uude muoz ie] 

unde muoz 

Zn den büchlein. 1, 37. allen den ich truwe 40. und 
wa're dar zuo State mir, 145. 146. verderbe : sterbe 
232. 233. hat] het 294. Freuden 297. erziicket 

503. also er den schaden getuot: vergl. den scaden Lampr. 
AI. 4608, di not 4688, den zorn En. 98^ 561. sit 

du mich ze rate erwelet hast 672. hast du oder luost 

du dir 916. ichn hän gewaltes wan den muot: vergl. 

gr. 4, 647. 1144. dem muoz sin sin geswichen : vergl. 
büchl. 2,241. 1357. von rehte] uarehte 1498. ziuht] 

ziert 1519. diuhte 1584. an 1654. ob mir gar 

geswunde 1679. liep 1691. brant {%b =i ivährejid) 
1716. doch] ouch: ebenso 2,^2^. 1731.1732. kranc: — 
diuhte swa;re, 1755. me] nie 1831. ich wx-ne 6 

1833. deist 1906. 8. 10. erwerbe ersterbe verderbe 

2,87. vor 147. miner triwe 717. danne si manne 
(oder der manne) tuo 754. der wil (oder waen) ich daz 
der waeger si 757. iz] si 760. 761. wol, und muoz 

WILH. WACKERNAGEL. 



:)8i 



ERKLÄRUNG. 

In der noiicn ans<;ai)P meiner niylliologie konnte dem 
anlianj^, wie ihn die erste enthält, kein räum gejifehen wer- 
den, es liälle eines {ganzen dritten bandcs bedurft um die 
sehr erweiterten Untersuchungen über die alten slammlafeln, 
den angeschwoUncn vorralh des aberglauhens und der segcns- 
formeln aufzunehmen, von meiner niul'se sowie von dem 
willen des publicums mag es abhangen ob ich einen solchen 
drillen band hinterher sende, angeführt werden mustc bis 
dahin noch nach dem ersten druck. 

Vorrede xlvh, 18 ist zu lesen: und die parallele Wuo- 
tan, Donar, Zio irz: Kadigast, Perun, Svetovit sieht unbe- 
zweifelbar. JAC. GRI3L\I. 



LIES s. 345 V. 086 schcf 358 c. II 13 wenn {die anmcrluing ist 

zu streichen.) 



582 



INHALT. 

Seifried Helbling, herausg. von Th. von Karajan s. 1 

Wernher von Elmeadorf, herausg. von Hülfmann - 284 

Helmbrccht, herausg. von Haupt - 318 

Zur deutschen mytbologie, von A. Kuhn - 385 

Sagen aus der Mark, von demselben - 391 

Zu Hartmann von Aue, von Haupt - 395 

Zu Wolframs Titurel, von demselben - 396 

Zu Freidank, von demselben.., - 398 

Zur guten frau, von Sommer - 399 

Zu Konrads Alexius, von Haupt - 400 

Haugdielerich und Wolfdieterich, herausg. von K. Frommann. - 401 

Die sanclgallische rhetorik, herausg. von Wh. Wackernagel.. - 463 

Geographie des mittelalters, herausg. von demselben - 479 

Die zwölf meister zu Paris, herausg. von demselben - 496 

Schwedische volkssagen, von Jacob Grimm - 500 

Jahrsgang, von demselben - 508 

Die miilradsprache, von demselben - 511 

Lobgesang auf Maria und Christus von Gottfried von Strafsburg, 

herausg. von Haupt - 513 

Zum Engelhart, von Haupt und Wh. Wackernagel - 555 

Madoc, von H. Leo - 565 

Belgisches keltisch noch anderwärts als in den malbergischen 

glossen, von demselben - 567 

Altdeutsche dichter; klage um Otlokar von Böhmen, von Böhmer - 573 

Beschreibung der gestaltChristi, herausg. von Wh. Wackernagel - 574 

Bruder Berthold und Albertus Magnus, herausg. von demselben - 575 

Kirchliche und unkirchliche Segnungen, von demselben - 576 

Altdeutsche zunamen, von Haupt - 578 

Kleine bemerkungen, von demselben - 579 

Zu Hartmann von Aue, von Wh. Wackernagel - 579 

Erklärung, von Jacob Grimm - 581 



DRUCK VON BREITKOPF UND HÄRTEL IN LEIPZIG 



^^ Zeitschrift für deutsches 
^Uüj Altertum und deutsche 

•^ Literatur 

Bd. 4 



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