(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Zeitschrift für romanische Philologie"

ZEITSCHRIFT 



FÜR 



EOIANISCHE PHILOLO&IE. 



HERAUSGEGEBEN 



Dr. GUSTAV OKOBER, 

PKOFESSOR AN DER UNIVERSITÄT STRASSBURG i. E. 



1890. 



XIV. BAND. 



HALLE. 

MAX NIE M E Y E R. 

IÖ91. 






Sc/ /^ 



INHALT. 

Sfite 
J. WiKPRECHT, Die lateinischen Homilien des Haimo von Halbeisladi 

als Quelle der altlothringischen Haimo-Überset/.ung (29. 8. 8q) i 
E. Gessnek, Die liypothelische Periode im Spanischen in ihrer Enl- 

wickelung (15. 9. 89) 21 

Ch. BoxxiEK, Etüde critique des Charles de Douai de 1203 ä 1275 

(4. 6. 89) ■ . 66. 298 

G. SCHIAVO, Fede e Superstizione nell'antica poesia francese (22. 6. 90) 89. 275 

E. GoRRA, Fonetica del dialetto di Piacenza (3. 11. 89) 133 

G. OsTERHAGE, Studien zur fränkischen Heldensage (9. 12 89) . . . 344 
C. Salvioxi, Per la fönte della Sequenza volgare di Santa Eulalia 

(30. 4. 90) 371. 

A. HoRNiXG, Zur Lautgeschichte der ostfranz. Mundarten (20. 2. 90) . 376 

L. Gauchat, Le patois de Dompierre (Broyard) (16. 8. 90) .... 397 

TEXTE. 
O. ScHtTLTZ, Der provenzalische Pseudo-Turpin (4. 9. 90) .... 467 
A. Schmidt, Aus altfranz. Handschriften der Gr. Hofbihliothek zu 

Darmstadt (24. 2. 90) 521 

VERMISCHTES. 

1. Zur Litteraturgeschichte. 

V. Crescini, Azalais d'Allier (4. 9. 89) ... 128 

G. Baist, Die Todienbrücke (10. 2. 90) i.Sq 

C. AppeI-, Zu Guillem Ademar, Grimoart Gausniar und GuiUcm Gas- 

mar (23. 9. 89) 160 

E. KOPPEL, Ist Bice Portinari Dante's Beatrice? (12. 11. 89) ... 169 

2. Handschriftliches. 

G. BiN'z, Zum Evangile des femmes {18. II. 89) 172 

3. Textkritisches. 

H. SucHiER, Zu Aucassin (tateron, so'iste) (25. 11.89) '75 

\. Wortgeschichtliches. 
H. Schuchardt, Wortgeschichtliches (22. 11. 89; 19. 2. 90; 20. 3. 90; 

30.3-90) 175 

G. Bai.st, Manera (lO. 2. 90) 183 

D. Behrens, Etymologisches (4. lo. 89) 363 

BESPRECHUNGEN. 
H. Andresen : A.Thomas, Podsies complctes de Bcrtran de Born 

(2.9-89) '«5 

A. Horning: N. du Puitspelu, Dictionnaire Etyniologiquc du Patois 

lyonnais (28. 12. 89) 218 



IV 



G. Baist : Lcopoldo deEguilaz yYanguas, Glosaiio etimolögico de 

las palabras espanolas (lo. 2. 90) . ^ 223 

H. R. Lang: A. Kressner, Bibliothek span. Schriftsteller (26. 10. 89) 226 
W. Rudow: I. U. larnik si A. Bärseanu, Doine ^i Strigäturi din 

Ardeal; Fl. Mari an, Descäntece poporane romäne (3.9.89) 228 

— M. Schwarzfeld, Poesiile populäre Colectia Alecsandri (5.1. 90) 235 

— A.D. Xenopol, Storia Rominilor din Dacia Traiaha (3.9. 89) 242 

H. SuCHiER : J. Bedier, Le Lai de l'ombre (5. 4. 90) 244 

A. Gaspary: Giornale Storico della Letteratura Italiana XIV, i —2. 3 ; 

XV, I — 2 (30. 9. 89; 20. 12. 89; I. 5. 90) 246 

— II Propugnatore N. S. Vol. II, parte I, fasc. i — 2. 3; parte II, 

fasc. 4 (15. 10. 89; 20. II. 89; 28. I. 90) 255 

W. Meyer, A. Tobi.er: Romania No. 72, XVIIIe annee, 1889 Octobre; 

No. 73, XIX»' annee, 1890 Janvier (16. 3. 90; 27. 4. 90) . 260 

W. Meyer: Archivio Gloltologico italiano (25.9.89; 27.4.90) . . 263 

II. R. Lano : Joäo Ribeiro, Grammalica portugueza (15. 10.90) . 54O 

V. Reinhardtstöttner : W. Storck, Luis' de Camoens Leben (25. 10. 90) 542 

F. Neumanx: Ed. Schwan, Grammatik des Altfranzösischen (30. 1.90) 543 

W. Foerster, Nachtrag zu Zeitschrift XIII 264 

V. Crescini, iSTachtrag zu Zeitschrift XIV 265 

C. Salvioni, Poscritta a p. 371 (10. 10. 90) 586 

O. Schultz, Nachtrag 586 

J. K. : Berichtigungen zu J. Kassewitz, Die franz. "Wörter im Mittel- 
hochdeutschen 587 

Gr., Neue Bücher 266 

W. List, Register 588 

Bibliographie 1889. 



Die lateinischen Homilien des Haimo von Halberstadt 
als Quelle der altlothringischen Haimo-Übersetzung. 

In seinem Aufsatz über die altfranz()sischen Bibelübersetzungen 
(Ztschr. f. rom. Phil. 1884, S. 425 ff.) hat Professor Suchier über 
die im Ms. No. 2083 der Arsenalbibliothek zu Paris erhaltene, 
altlothringische Übersetzung einer Auswahl der Predigten des Haimo 
gehandelt und bemerkt, dafs die Auswahl dieser Predigten nicht 
erst vom Übersetzer gemacht, sondern bereits in einer lateinischen 
Handschrift, die der Sorbonne angehörte und verloren gegangen 
ist, vorgelegen hat. 

A. a. O. hat Professor Suchier auf die Unhaltbarkeit der An- 
sicht Bergers, der Verfasser dieser Homilien sei „Aymon religieux 
de Savigny, mort en 1175" gewesen, angesichts der Thatsache liin- 
gewiesen, dafs dieselben in Münchener Handschriften aus dem 
XL Jahrh. überliefert sind. 

Es ist die Aufgabe der vorliegenden Arbeit , eine Unter- 
suchnng über die Vorlage dieser altlothringischen Haimo-Über- 
setzung und die Behandlung der Vorlage von Seiten des Über- 
setzers anzustellen. 

Die Arbeit wurde mir durch die Güte des Herrn Professor 
Suchier ermcjglicht, der mir die von ihm angefertigte" Abschrift des 
oben genannten Manuskripts freundlichst zur Benutzung überliels. 

Es möge mir gestattet sein, Herrn Professor Suchier dafür so- 
wie für die mannigfachen Ratschläge, die er mir bei meiner Arbeit 
zu Teil werden liefs, auch an dieser Stelle meinen Dank auszu- 
sprechen. 

I. Die benutzten Texte.' 
P)enutzt wurden folgende 5 Texte : 

I. 3 der Königlichen Hof- und Staatsbibliothek zu München 
angchörige Handschriften. 



' Für unseren Zweck waren nicht zu verwerten : 

1. Handschrift No. 14030 der Kgl. Hof- und Slaatshibliothei; zu ^Slüii- 
chen, die nur die Pars aestivalis der Trediglen enthält. 

2. D. Haymonis episcopi Halhcrstattensis Homeliac in Evangelia donii- 
nicalia per totius anni circulum etc. Köln, 1531; cd. Ouentell. Es enthält 
die dem Haimo Ilirsaugiensis zugeschriebenen Homilien, die früher oft mit 
den Homilien unseres Haimo verwechselt wmd.n. 

/i-itHclir. f. lüiii. l'liil. XIV. I 



2 J. WIEPKECHT, 

a) Ms. No. 18227, Pergamenthandschrift in Quart, aus dem 
Kloster Tegernsee stammend, geschrieben um die Mitte des ii.Jahrh. 
von Ellinger, Abt von Tegernsee. (T). 'Die Handschrift enthält 
die Stücke 2 — 8, 10 — 13 auf den Blättern 1591" — 2\o^ in fort- 
laufender Reihenfolge, Stück 15 auf den Blättern 227r — 22gv, Stück 
17 auf den Blättern 238'' — 2411'. 

b) Ms. No. 21536, Pergamenthandschrift in Folio aus dem 
f^nde des 11. oder dem Anfang des 12. Jahrb., aus dem Kloster 
Weihenstephan stammend. (W). Es enthält die Stücke im ersten 
Bande und zwar die Stücke i^ — 13 auf den Blättern I53r — igiv in 
fortlaufender Reihenfolge, die Stücke 14. 15 auf den Blättern 
und 202V — 204V, die Stücke 16. 17 auf den Blättern 21 n' — 214V. 

c) Ms. No. 17087, Pergamenthandschrift in Folio, aus dem 
Kloster Scheftclarn stammend ; nur wenig jünger als das vorher- 
gehende, vielleicht noch demselben Jahrzehnt angehörig (S). Es 
trägt die Bemerkung: Soror Irmengart scripsit. Enthält die Stücke 
I — 13 auf den Blättern 157^' — igoi" in fortlaufender Reihenfolge, 
die Stücke 14. 15 auf den Blättern 2iov — 2i5r, die Stücke 16. 17 
auf den Blättern 220i' — 222'^, Stück 16 ist durch das Fehlen zweier 
Blätter verstümmelt. 

Die Handschrift enhält die Stücke in derselben Reihenfolge 
wie die vorige. 

2. 2 gedruckte Ausgaben: 

a) D. Haymonis Homiliarum nunc tertio diligentissime excu- 
sarura Pars Hyemalis. Ex officina Eucharii Cervicorni. K()ln 1534. 
(H). In der Vorrede nennt sicli Hittorpius als Herausgeber. 

b) die Homilien Haimos in der Ausgabe von Migne, Patro- 
logia latina Band 118, der die Ausgabe von Johannes Prael, Köln 
1536 abdruckt. (M). 



II. Die beiden Redaktionen der lateinischen Homilien- 
sammiung des Haimo. 

Nach der Anzahl der in den Sammlungen der lateinischen 
Homilien des Haimo enthaltenen Predigten sind 2 Redaktionen 
(A und B) derselben zu unterscheiden. 

Der Redaktion A sind diejenigen Texte zuzuweisen, die nicht 
sämtliche in der altlothringischen Übersetzung (F) wiedergebene 
Stücke enthalten. Es sind dies: T, H und M. 

Zur Redaktion B sind zu rechnen diejenigen Texte, in denen 
sämtliche 1 7 Stücke vorhanden sind, welche F aufweist : W, S und 
die lateinische Vorlage von F, die wir mit V bezeichnen wollen. 

Die Stücke, die den Texten T, H und M gemeinschaftlich 
fehlen, sind i. Q. 14. 

Aufserdem fehlt in T Stück 16, in H und M Stück 17. 

Bei der Redaktion B sind die Stücke i. 9. 14 der „Expositio 
Haiinonis in Epistolas Pauli (Migne, Patrologia latina 117, 882. 740. 



DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HAI.BERSTADT. 3 

569)" entnommen und den Homilien des Ilaimo eingefügt und 
zwar die Stücke i und 14 mit genauer Wiedergabe des Textes, 
Stück 9 aber in freier Bearbeitung und l'.rweiterung. 

]*',s ist anzunehmen , dafs praktische Gründe die Vermehrung 
der Homihen veranlafst haben. 

Die drei hinzugefügten Predigten sind für wichtige Tage des 
Kirchenjahres bestimmt (so g für den Pahriensonntag, 14 für den 
Donnerstag vor Ostern). 

Da sich nun für viele andere Sonntage 2, ja zuweilen sogar 
3 Predigten vorfinden , so wird der Wunsch rege geworden sein, 
auch für jene wichtigen Tage mehrere Predigten zu besitzen.' 

III. Verhältnis der lateinischen Texte zu einander. 

Aus der Vergleichung der beiden gedruckten Ausgaben H und 
M ergiebt sich, dafs die Praelsche Ausgabe, die in ihrer Vorrede 
keinerlei Angaben über benutzte Handschriften oder gedruckte 
Texte der Homilien des Haimo enthält, nichts als ein mangel- 
hafter Nachdruck der Hittorpschen Ausgabe ist, der sich von dieser 
durch nichts Anderes als eine grofse Reihe von Entstellungen und 
Auslassungen unterscheidet. 

Migne hat die Praelsche Ausgabe ohne jede Kritik abdrucken 
lassen, wie die hier folgenden Abweichungen des Textes INI vom 
Texte H in der 11. Predigt beweisen: 

M 359 sed quidem leprosus fuerat; H quia pridem. M 362 
impudentia vinctus; H victus. M 360 dicendum est autem quia 
si alii discipuli indignati sunt ; H dicendum est autem quia si alii 
discipuli indignati sunt, causa utique pauperum indignati sunt. 
M 363 Expletis solemniis Paschae, transit Dominus ad sacra- 
menta novi Paschae demonstranda ; H Expletis solemniis veteris 
Paschae. M 366 Contristabatur . . ., his causis contristatur Do- 
minus; H contristabatur. M 367 Ut in ore duorum vel trium 
stet orane verbum ; H duorum vel trium testium (V. Mos. XIX 15). 
M 370 et iterum negavit cum juraraento; H negavit eum cum 
juramento. M 371 et illorum qui arguebant et illorum qui 
arguebantur; H illius qui arguebatur. M 371 primum deductus 
est ad Annam, deinde ad Caipham, qui principatum inter pontifices 
gerebant eo tempore; H gerebat (cf. Evang. Joh. XVIII 13). 
M 373 Memoriam enim Judaei liberationis suae de Aegypto hanc 
habebant consuetudinem; H Memores. M 373 aut pro futurorum, 
vel etiam pro cautela aliorum; H pro scienlia futurorum. M 373 
Non est mirura Judaei quiete et pace carent; II si Judaei. 
M 377 qui i)raeterierunt vitam; H viam. Die Ausgabe H ist, wie 
Hittorr) in seiner an Andreas Boelgen, „Veteris montis Abbas", 
gerichteten Vorrede bemerkt, mit der Beihülfe des Verlegers Eu- 
charius Cervicornus auf Grund zweier Handschriften veranstaltet, 
deren eine dem Abt Boelgen, die andere dem Abt Petrus Drols- 
hagius von Heisterbach angeh(')rte. Er bezeichnet beide als „co- 

I* 



4 .1. WIEPRECHT, 

dices vetustissimi" und hebt besonders die Ileisterbacher Hand- 
schrift als „Codex niirae vetustatis" rühmend hervor. Ül)er seine 
Thätigkeit bei der Herausgabe spricht er sich in dieser Weise aus: 
„In qua re, nc mea negügentia quisquam impediretur, nee 
labori , nee impensis peperci , donec bonis auibus , quantum 
licuit citissime in lucem euolaret: sie meo officio satis factum 

existimans, Huic conatui etiam id calcar addidit , quod 

uidebam studiosis quibusque , ut caetera Haymonis , ita hoc opus 
maxime gratum fore: .... Caeterum cum in plerisque locis opus 
oftenderim ordine perturbatum , in plerisque membrls mutilum. 
ac lacerum , in Omnibus fere orthographiae maculis conspersum, 
intricatis inuolutum iuncturis, uersibus aut male conjunctis, aut per- 
peram diuisis, tradidi opus ipsum Euchario fideli typographo, ea 
cura castigandum, qua solet in similibus rationem habere nominis 
sui. nie .... non conquieuit , donec opera et diligentia fretus 
humani cuiusdam iuxta ac docti uiri I^. Johannis Canther, tandem 
nancisceretur exemplar mirae vetustatis a uenerando patre D. Petro 
Drolshagio abbate in Heysterbach , cujus collatione , cum esset a 
mendis sat repurgatum, facile restituit, quod in tuo desiderabatur." 
Am Schlufs seiner Vorrede bemerkt er: „quicquid ubiuis fragmen- 
torum huius uiri in antiquis homiliarum collectaneis reperitur, per 
omnia nobiscum consonat. Consonant decem illae homiliae ex 
ueteri quodam Parisiensi codice." Man mufs sagen, dafs die Aus- 
gabe Hittorps den Erwartungen, die man nach den Worten der 
Vorrede an sie knüpfen kann, vollständig entspricht: Wir haben 
hier einen sehr guten Text, der nur wenig Fehler aufweist. 

Fehler in H (M). 
M 331, H sed nee ingratus Dominus beneficium suae prae- 
dicationis subtrahit ; TWS ingratis; (F gr Mais ne sostrait mie fioslre 
sires lo henefice de son pretche?7ieiii . nes a ceos ki greit ne l'eti savoietit). 
M 347, H secundum Mariam dixi parentes non secundum virile 
seraen; TWS duxit. (Von Maria vorher nichts erwähnt); (F 25r 
Pareni di ju selonc la btenav?-eü Marie). M 347, H Temporalia 
perdere noluerunt et vitam aeternam non cognoverunt; TWS 
cogitaverunt; (F 25V et a la vie permenant ne pensutti mies). M 353, 
11 Mons Oliveti non longe ab Hierusalem distat, sicut in libro 
Antiquorum invenimus; TWS in libris; (F 39V si cum nos trovons 
ens livres des anciens). M 387, H Non aequalis factus Divinitati, sed 
conscius aeternitati; TWS consocius aeternitati ; (P" 75r mais 
conpanz en Pelerniieit). M 388, H De tali quippe hora Dominus 
se ministrum facere et appellare dignatus est; TWS de tali quippe 
opere; (F 75V de teil oyvre). M 388, H Nam his verbis ab infirnii- 
tate nostra rapuit nos ad infirmitatera suam; TWS ad fumi- 
tatem suam; (F 76r a la seie fartneit). M 394, H Sunt quidem 
multa ejus genera, sed in Omnibus herbae praebent indicium, 
quod preciosius est; TWS . . . sed omnia herbae, praeter in- 
dicum, quod preciosius est; (F 82r Maitites inanieres voirement sunt 



DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALBERSIADT. 5 

/urbis fors k'cn fnde . />•(■ p/us est precioiis). I\I 381, H vcnit ipse Filius 
Dci, per quem creatus est, Bethaniam ad liberandum; TVVS ad 
liberandum Lazarum; (F 68v vinl davaiü seix jors de paskes li filz den 
en Bethanie por Ini delivrer per cui il estoü creez sie!). M 359, U 
proprio filio suo non pepercit Deus, sed pro omnibus tradidit illum 
TWS pro nobis omnibus (R(")m. VIII ^2)\ (F 44V anz lo Irait por 
noz toz). I\I 359, H qui dicitur ; TWS dicebatur (Alatth. XVI 3). 
(F 45r ki avoit iiiim Gjv/üs). M 361, H et quod hoc fecit in me- 
moriam ejus; TWS quod haec fecit; (F 47r ke ccste at fait). M 
365, Ti Non autem frustra in monte aliquando orabat et aliquando 
in valle: In monte etenim orat; TWS non autem frustra in monte 
orat; (F 51V Et nc mies por niani oret a hl fie/'e nostrc sires cl mont\ 
,AI 367, H Surgite, eamus. Ecce appropincjuab it qui me tradet); 
TWS appropinquavit (Matth. XXVI 46); (F 53V Cil aprocheret ki 
ine traieret). M 36g, H Petrus autem sequebatur a longe; TWS 
eum sequebatur (Matth. XXVI 58); (F 55V Et Pieres lo sevoit a fonz). 
INI 369, H Sed falsus testis est qui verba alio sensu interpretatur; 
TWS qui verba aliorum aHo sensu interpretatur; (F 56r Mais /als 
tesmonz est ki altrtii paroles mat cn nitre sen). M 370, H Alii 
autem pahnas in faciem ei dederunt; TWS in faciem ejus (Matth. 
XXVI 67); (F 57r lo battoient a facieies). M37i,H et vinctum 
duxerunt eum; TWS adduxerunt eum (Matth. XXVII 2); (F 58r 
.SV Panwncrent loicit). M 379, LI F^t multa corpora sanctorum ([uae 
dormierant surrexerunt; TWS qui dormierant (Matth. XXVIl 52); 
(F 65V Et maint saint cors ki estoient endormit releverent). Da der 
Text H (M) weder mit einem der Texte TWS noch mit dem über- 
einstimmenden Text von TWS Fehler gemeinschaftlich hat , so 
ergiebt sich, dafs der in H (M) vorliegende Text auf Handschriften 
z.urücUgeht, die einer anderen Klasse der Überlieferung angehören 
als TWS. 

Die Texte TWS, die nur wenig von einander alnveichen , er- 
weisen sich durch eine Anzahl gemeinschaftlicher Fehler als mit 
einander verwandt. 

Gemeinschaftliche Fehler in TWS. 
TWS Non admonet ergo Dominus sui gloriam corporis, 
qua»; tunc temporis non erat, sed potius spiritualem vigiliam mentis; 
M 366, H vigiliam corporis; (F 52r Xes soinont mies nosire sires 
veillier per cors). TWS Verumtamcn dico vobis, id est ab hac hora 
sive tempore meae passionis videbitis id est intelligetis et cre- 
ditis; M 370, H Verumtamen dico vobis, amodo, id est ab hac 
hora sive tempore meae passionis videbitis id est intellegetis et 
credetis ; (F 56V Mais totevoies vos di . ke /res or en avant . c'est des 
ceste höre . ou des lo lenz de ma passion veiroiz . c'est entenderoiz et croi- 
roiz lo fil). TWS quando ad vesperara immolabatur; M 361, M 
agnus immolabatur; (F 47V tjuant om sacrifinnd l'uiguel a vespre). 
TWS (juia primum dicebat significativum Pascha consummari ac 
deinceps Pascha verum induci; .M 363, II (|uia primum decebal ; . 



6 J. WIEPRECHT, 

(F 49V /■'// covenoit primiers). TWS ubi reorum capita clcLrun- 
cabuntur; M 376, H detruncabantur. TWS cum servatores ser- 
nionum tuorum Abrahae et prophetis praesumis; M 333, H prae- 
ferre praesumis ; (F 1 1 r quant tu oses preisier les vvardeors de /es 
paroles davant Abraham et les prophetes). TWS cum Dominus in 
cruce pependisset et jam spiritum amisisset; M 354, H emisisset ; 
(F 40r ei il ot reudtiif l'espir). TWS sed composito nomine fit 
Osanna per interjectionem unius vocalis de medio ; M 357, H 
per elisionem unius vocalis (F 43V fehlend). TWS non solum de 
radice confectum verum etiam quod preciosius esset; M 3Q4, \\ 
quo pretiosius esset; (F 8iv por ceu ke plus preciols ftisi). TWS 
visibiliter premat dentibus sacramentum corporis et sanguinis Christi, 
sed magis tanti regis sacramentum... M 349, H tantae rei. 
(F 27V lo sacrement de si graut cJiose). TWS Ego itaque humi- 
liatus vivo propter patrem, ille relictus vivit propter me; M 34g, 
H rectus; (F 28r eil est droiz . se vit por mi). TWS et furorem 
sceleratorum latendo potius devitarent; M 348, H potius devitarent, 
quam se ostendendo magis accenderent; (F 2 6v et il se vvardent de 
la forsennerie de la male gent repoiiant). TWS hie est enim sanguis 
novi testamenti; M 364, H sanguis meus novi testamenti (Matth. 
XXVI 28); (F 50r eist est li sans del novel testament). TWS tertio 
tradidit eum Judas, Judaei tradiderunt eum Pilato; M 359, H 
tertio tradidit eum Judas Judaeis, Judaei tradiderunt eum Pilato ; 
(F 44V Tieree foiz lo trait Judas as Geus). TWS accessit ad eum 
mulier habens alabastrum unguenti ; INI 359, H unguenti pretiosi 
(Matth. XXVI 7); F 45V /■/ avoit alabaistre d'oignement). TWS quid 
molesti estis muH er i?, M 360, H huic mulieri (F 46r de eeste 
femme?) (Matth. XXVI 7). TWS ubicunque praedicatum fuerit 
Flvangelium istud in Universum mundum; M 395, H in uni- 
verso mundo (cf. Marc. XIV 9). TWS cum esset Bethania; M 393, 
H Bethaniae. TWS nemini licebat nisi potentem et divitem 
ad praesidem introire; M 379, H nisi potenti et diviti. TWS in- 
ientes consilium ; M 359, H ineuntes consilium. TWS redi- 
merat; M 369, H redemerat. TWS Numquid potestatem non ha- 
bemus circumducendo sorores nostras ; M 37g, H circumducendi 
(cf. I. Corinth. IX 2). TWS factus oboediens usque ad signum 
crucis; M 34g, H usque ad lignum crucis; (F 28r devint obediens 
de ci al sigtie de la croix). Von den Texten TWS gehen W und 
S auf dieselbe Vorlage zurück. Beide haben dieselbe Anlage 
und denselben Text. Die Abweichungen beider Texte sind un- 
bedeutend und an Zahl sehr gering. So sind in den Stücken 6, 
7, 10, II nur die folgenden enthalten: 

S surget Christus; W resurget Christus. W excusant quidam 
Petrum apostolum , quod non negaverit Christum dominum sed 
potius hominem ; S fehlend. W Pontio Pilato ; S Pontio Pilato prae- 
sidi. W quia sicut dixi ; S quia sicut dixit. W de solio caelo ; 
S de solio suo. Die enge Zusammengehörigkeit der Hss. W und S 
wird weiterhin bestätigt durch eine Iveihe gemeinschaftlicher Fehler. 



DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALBERSIADT. 7 

Geineinschaflliclie Fehler in W und S. 
WS Num lex vestra judicet horainera, nisi audieril ab ipsa 
prius; M 346, T ab ipso prius (cf. Ev. Johannes VII 51); (F 25r 
s'ü/e ne Vot primiers de lui). WS quem Christus consiluit nee 
aperte ostendit. M 352, T non siluit ; F 30V de cui Criz jie sc 
taut mies). WS dixit unus ex discipulis suis; M 383, T ejus. 
WS Polens est nos Dominus de Camino ignis ardentis et de 
manibus tuis o rex liberare. — et si in animo morerentur; 
M 332 T et si in Camino morerentur (F lov Et s'i7 fussent morl 
t'ti la fornaise). WS facis mirabilia et abscondis te; M 340, 
T sed abscondite ; (F i8v faiz merveilles 7nais en repost). WS ut 
discipuli tui videant; M 340, T videant opera tua, quae facis; 
(F i8r porceu ke tei disciple voient assi tes oyvres). WS Respectus Do- 
mini misericordiam illius designat, qua Petrum dubitantem respexit 
et in fide confirmabit; M 371 confirmabat; T confirmavit ; (F 57V 
et il lo comfarmeit en foit). WS per significationem enim illum 
Jhesum in munda syndone involvit ; M 380 ille Jesura; T Domi- 
num Jhesum ; (F 67r Pe?- significhance envolopet eil Jhesum en mit 
linge). WS de quorum pretio; M 361,!' decorum pretium ; 
(F 47r bei/ preis). WS quia ego ; M 370, T quia ego süm; (F 56r 
ke jel sois). WS in montem educto OHvarum ; M 399, T educit; 
(F 87r moinet). WS Deus in noraine tuo salvum me fac; M 330, T 
... et in virtute tua judica me (F 8v et en ta vertuit me Juge). WS 
si sermo Dei factus est ad homines; M 345, T . . . ipsum verbum 
Dei quidem apud Deum quomodo non est Deus? Si per sermonem 
Dei tiunt homines; (F 23V Se li parole deu fut faite as hommes . 
ensi k'il fussent deu apeleit . li parole mismes deu . qui est eii aiers deu . 
coment 71 est deus? Se per la parole deu sunt devenuit li homnic deu). 
WS nee ea tantum pertinent ad corporalia ; M 388, T . . . quae 
ad misericordiam pertinent corporalem; (F 75V k'a corporel pitiet 
apartienent). WS Heli. Heli. Lamazaptani; M 378 Eli. Eli. 
Larama sabachthani ; T Heli. Heli. Lama zeptani ; (F 64V Hely 
hely lamazabaclani). Wie wir in W und S eine Anzahl gemein- 
schaftlicher Fehler konstatieren konnten, die T nicht aufweist, so 
konnten wir auch in T eine , allerdings nicht grofse Zahl von 
Fehlern notieren, die sich in den anderen Texten nicht finden. 
Wir müssen daher zwar T W S einer Klasse der Überlieferung 
auf Grund der gemeinschaftlichen Fehler in TWS zuteilen, aber 
T zu einem Zweige, W und S zu einem anderen Zweige dieser 
Klasse rechnen. 

Fehler in T. 
T novissirao festivitatis illius diei; INI 337 WS die; (F 15V al 
düirien jor de ceste feste). T Postquam coenavit dedit eis panem 
et vinum in mysterio videlicet corporis et sanguinis, eins; M 363 
W .S corporis et sanguiiu's sui. T ijui inebriantur, nocte ine- 
briabuntur; M 365 WS nocte inebriantur; (F 5ir per noit 
devienent j'vre). T recedant a ridc Christi i-l loganlur, illum 



8 J. WIEPRECHT, 

necare; M 367 WS illum negare; (F 53r c/ k'il nes covigiiet hii 
renoier). T cum juraraento; M 370 WS cum juramento quia non 
novi hotninem ; {F 57r Gl desnoieit davaiit toz et se dist Ne jii 
sai). T in futuro regnat cum Christo; M 388 WS in futuro sae- 
culo; (F 75V en l'aire seul"). T Et ex simplici scri p tu ra Domini 
ambitio divitum condemnatur, qui nee in tumulis possunt carere 
divitiis ; i\lWS ex simplici sepultura; (F logr de la simple sepul- 
iure nostre signor est cotidempeie). T digni visioni; M 37g WS 
digni visione. T misit ad Hierusalem, M 354 WS misit Hieru- 
salem. T monumentum quod exciderat de petra ; M 380 WS in 
petra (Alatth. XXVII 60). T me au'em semper non habetis; M 360 
WS habebitis (Matth. XXVI 11); (F 46V ?nats moi naveroiz vos mies). 
Für die gute Überlieferung des Textes in T W S haben wir 
2 Indicien: 

1. Die geringe Anzahl der Fehler in diesen Texten. 

2. Die wenigen Abweichungen der Texte T W S von einander, 
trotzdem die Texte T und W S zwei verschiedenen Redaktionen 
angehören, einem Umstände aus dem sich schliefsen läfst, dafs der 
Text in TWS in einer Gestalt erhalten, wie er vor der Veran- 
staltung der Redaktion B vorhanden gewesen. 

Die Vorlage V. 
Da die altlothringische Haimo-Übersetzung an den Stellen, wo 
die lateinischen Texte Varianten zeigen, teils die Lesart von II 
(M), teils die von TWS wiedergiebt und, mit Ausnahme von 4 
Stellen , keinen der Fehler, die in den lateinischen Texten ent- 
halten sind, gleichfalls aufweist, so mufs der Text V 

1. ein sehr guter gewesen sein, 

2. einer Klasse der Überlieferung angehört haben, die eine 
Mittelstellung zwischen den Klassen der Texte H (M) und TWS 
einnimmt. Aus den Texten H (M) einerseits und TWS anderer- 
seits läfst sich die Gestalt der Vorlage unter Zugrundelegung der 
Übersetzung leicht rekonstruieren. 

Varianten der Texte H (M) und TWS und die bezügl. 
Übereinstimmungen in F. 

Zum Beweise für die Angabe, dafs an den Stellen, wo H (INI) 
und TWS Varianten zeigen, F teils die Lesart von H (M), teils 
die von TWS wiedergiebt, führen wir hier die bedeutenderen Ab- 
weichungen von H (i\l) und TWS im Stücke 11, das die relativ 
meisten x\bweichungen enthält, an mit Hinzufügung der entspre- 
chenden Stellen in F. 

M 359 debuerant se praeparare, TWS debuerant cultum prae- 
parare, F 45r se dovoient atorneir. M 35g recte exsequendum putabat 
evangelista, TWS Recapitulat evangelista , F 45r Li ewangelistes 
recontet. M 364 sanguis hircorum et vitulorum, TWS sanguis hir- 
corum et taurorum, F 50r // suiis des bös et des toreis. M 365 qui 
requircnt eum, TWS qui requirunt cum, F 50V ki lo rcqtäereiit. INI 365 



DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALBERSl ADT. g 

l'A vitientes eum adoraverunt, TWS et viclentcs cum adoraveriinl, 
quidam autem dubitaverunt, F 51V d qiiant il lo virenl se Vaorereni, 
»Ulis li alqiuint doiierent. M 365 In monte etenim orat, ut tempore 
humilitatis nostrae, TWS In monte etenim orat, ut nos ea quae coe- 
lestia sunt, petere debere insinuet. In valle autem orat ut tempore 
orationis nostrae, F 51V orel a la fieie twstre sires el monl . porceii k'il 
nos e nsaig tiet a qicerre /es celestials choses . et en valleie orel . por ceii 
k'il nos ensaignet quanl nos orons. M 367 signa magicis artibus 
patrasse, TWS signa, quae fecerat, magicis artibus patrasse, F 53V 
oust fait les mirades Wil ai'oit fait per enchanlerie. M 367 in hora 
passionis suae, TWS in hora comprehensionis suae, F 53V qiianl 
oin lo penroit. M 369 stultum est ergo, cum gladiis me quaerere, 
TWS stultum est ergo, cum armis me quaerere, F 55r Porceii est 
fole chose de moi querre a armes. M 36g Uli dixerunt, TWS illi enira 
dixerunt, F 56r car eil dissent. M 370 vestimenta sua scinderent, 
ut ex scissione vestimentorum dolorem cordis ostenderent, TWS 
vestimenta sua scinderent, ut ex significatione vestimentonim dolorem 
cordis ostenderent, F 56V se trenchievent lor vesttire por ceu ke per 
ceu mostressent la dolor de lor euer. M 370 iterum negavit eum, 
TWS iterum negavit, F 57r Cil desnoieit. M 371 Et hoc notandum 
est quia gallo cantante Petrus ad poenitentiam redit quia videlicet 
cjuando per negligentiam corporis delinquimus, TWS Et hoc no- 
tandum est quia gallo cantante Petrus ad poenitantiam rodiit quia 
videlicet, qui per negligentiam corporis delinquimus, F 58r A7 ctu 
fait a notteir . ke quant li jas chatiteit . sainz Pieres repaireit a peni- 
tence . por ceu ke 7ios ki per negli*^ence de perice avons pechiet. M 371 
laboraverunt, T W S vigilaverunt, Y ^^\ veillerent. M 372 quid mer- 
uerunt qui discipulum ad traditionem sanguinis magistri provo- 
caverunt?, TWS quanto magis illi peccaverunt qui sanguinem justum 
emerunt et discipulum ad traditionem sanguinis magistri provoca- 
verunt, F 58V cum plus ptcherent eil, ki lo juste sanc achater cnt . et 
lo disciple provocherent de vendre lo sanc de son ?uaistre? M 373 (quia 
non suo arbitrio) eum morti adjudicabat, TWS eum adjudicabat, 
F 58V por ceu k'il nel jugievet mies. M 374 Si autem legatur per 
unum r et per duo bb, TWS Si autem legatur per unum r, F 6ov 
l\[ais s'om lo leist per une sole r. M 375 quod prim.o homini dictum 
est, TWS quod primo parenti dictum est, F 61 v k\il primier peire 
avoit esteit dite. M 375 Ut faciat opus suum alienum est opus ejus ut 
operetur opus suum, peregrinum est opus ejus ab eo, TWS Ut faciat 
opus suum peregrinum opus ab co, F bzx kar porceu kil ovrest son 
qyvre estrainge est son oyvre de lui. M 375 Unde bene Cyrenaeus fuisse 
dicitur, TWS Unde bene Cyrenaeus legitur fuisse, Y Ö2v Dont otn leist 
bien k'il fut Cireneus. I\I 376 vel ubi abundavit delictum, TWS vel 
ubi abundavit peccatum, F tlv Du lai ou habondet pechiez. M 376 
Et dederunt et bibere vinum, TWS Et dederunl ei vinura, F 63r 
■SV li donerent vin boivre. M 377 vel arctioris vitae, TWS vel altioris 
vitae, F 63V ou plus estroile vie. M 377 sed cjuia alios salvos fecit, 
TWS sed cjiii alios salvos fecit, V t\x mais ki Ics altres at fait sals. 



lO J. WIEPRECHT, 

M 380 In cujus aquilonari i)arle, TWS lu cujus acquilonari lalcre, 
F öyr En la pailic ki est vers Ardainc. M 380 quod furto mulierum 
vel discipulorum sublatum fuisset corpus Jesu, TWS quod furto 
mulieris vel discipulorum sublatum fuisset corpus Domini, F öjr kc 
les femmes 01/ li disciplc aussent embleit lo cors nostre signor. Wit> 
aus den Beispielen von Textverschiedenheit zwischen M (H) und 
den Handschriften TWS hervorgeht, bei denen F meist der Lesart 
von TWS folgt, läfst sich aus M (H) allein kein klares Bild der 
Vorlage V gewinnen. Da TWS in der Lesart meist mit F über- 
einstimmen, so sind sie für uns von grofsem Werte. 

Bei der Vergleichung von F mit dem lateinischen Texte, die 
zur Aufsuchung der Abweichungen beider angestellt wurde und 
deren Resultate das nächste Kapitel enthält, sind infolgedessen 
nicht nur H und M benutzt, sonderi\ auch TWS herangezogen 
worden. 

IV. Abvveichungen der altlothringischen Haimo-Über- 
setzung von ihrer Vorlage. 

Der altlütliringische Übersetzer der Homilien des Haimo hat 
bei seiner Arbeit den Text der Vorlage im Allgemeinen unan- 
getastet gelassen und in möglichst genauer Weise wiederzugeben 
versucht. 

Das letztere tritt namentlich bei der Wiedergabe der einzelnen 
Worte hervor, die häufig mehr eine künstliche Umbildung der latei- 
nischen Worte zu französischen als Übersetzung der betreffenden 
Worte ist. 

Ja, es findet sich sogar an einzelnen Stellen eine wörtliche 
Übersetzung vor, wo der Übersetzer, um logisch zu verfahren, den 
Text hätte ändern müssen: 

M 365 Scandalon enim graece, latine dicitur offensio sive 
impactio pedum, F 5 1 r Escaiidle eu Greu . en Laiin dist om corroz 
. ou ahurtemenl de piez. Von eigentlichen Fehlern ist die Über- 
setzung fast vollständig frei. 

Als Fehler enthaltende Stellen seien angeführt: 

^^ 373 Memores enim Judaei liberationis suae de Aegypto, 
hanc habebant consuetudinem ut in die festo unum vinctum a 
morte eriperent in memoriam suae liberationis de Aegypto; Y 6or 
Li Geil remenbrant de tor delivrement d' Egipte, avoient ceste costume 
k^il delivrevent a jor de feste un prison de mort . en la reinenbrance de 
son delivrement quant il furent delivreit d'Egipte. M 374 sed quia 
rebellionis crimen mihi contra Caesarem impingitur, vos videritis, 
F 6ir ceu vairoiz vos (Matth. XXVII 24). 

Das zugesetzte ceti in F beweist, dafs der Übersetzer die 
Worte vos videritis unrichtig aufgefafst hat. 

M 356 Discite a me; F 4ir Aprenneiz a moi. 

Bei einigen Stellen mufs es dahingestellt bleiben, ob man es 
mit Fehlern und Ungenauigkeiten der Übersetzung oder der Vor- 
lage zu thun hat : 



DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALBEKSTADT. I I 

IM 339 Alabastrum genus est marmoris pretiosi, variis colo- 
ribus intertincti, quod ferunt medici Optimum esse ad unguenta 
incorrupta servanda; F 45r dont li Gen dient k'il est molt boens por 
oignemenz Twardeir ke neu enpeireiit. M 374 abba liebraicc; F 6ov 
(irba en Hebreu. 

Als in gewisser Beziehung zu den Ungenauigkeiten der Über- 
setzung gehörend, kann hier angeführt werden : 

Wiedergabe lateinischer Worte durch franz()sische, deren Be- 
griff weiter als der Hegril'f jener ist und umgekehrt. 

M — (W i64d) persequenliura, F ^2v des a7iemins. M 367 per- 
secutorura, F 53r de la male gent. M 365 hymnum Deo canamus, 
F 50V rettdotis graice a den. M 364 Caerimonias, F 50V offrandes. 
M 383 corpus raeum tangere non potuit, F7ir ne poreit oindre 
iiion cors. M 397 venit cum duodecim, F 84V s'asembJeit avoc les 
doze. M 397 facti sui, F 84V de son pechiet. Von sonstigen Ab- 
weichungen, die als Ungenauigkeiten bezeichnet werden können, 
ist die Übersetzung auch an den schwierigeren Stellen frei. 

Dieser Umstand gereicht als Beweis von Sprachkenntnis und 
Aufmerksamkeit des Übersetzers bei seiner Arbeit diesem allerdings 
zum Lobe, ist aber auch zum Teil auf den engen Anschlufs der 
Übersetzung an ihre Vorlage und den sehr klaren Stil des latei- 
nischen Textes zurückführen. 

Änderungen. 
So sehr sich der Übersetzer im Allgemeinen an den Text 
seiner Vorlage hält , hat er doch , offenbar aus Rücksichtnahme 
auf den Bildungszustand des Laienpublikums seiner Zeit, in einer 
grofsen Anzahl von Fällen teils gröfsere, teils geringere Änderungen 
vorgenommen. 

A. Änderungen in bezug auf den Inhalt. 
I. Hinzufiifjungen. 

I. bei Bibelcitaten. 

Der Verfasser der Homilien pflegt von den Kapiteln der Evan- 
gelien, die er seinen Predigten zu Grunde legt, nur die Verse zu 
eitleren, über die er sich in der .'Auslegung weiter verbreitet. Der 
Übersetzer begnügt sich damit nicht, sondern fügt häufig die 
zwischen zwei Citatcn ausgelassenen Verse hinzu. Die Hinzu- 
fügung von Bibelversen tritt besonders im Stücke XI, das von der 
Passion Christi handelt, hervor. 

M 369 Novissime autem venerunt duo falsi testes, F 55V FA li 
princes des presies et toz li conciles <]uaroient fals tesmoignaige encontre 
Jhestim . porceu Uil lo livressent a ?noil. Se n'en irovercnt mies . ja soit 
cell qiic maint fals tesmon i venissent. A dairiens vinrent diii fals 
tesmon. M 370 f. Et iterum negavit cum juramento, quia non novi 
hominem, F 57r f. Cil desnoieit davant toz et se dist Ne jti sai . ne ja 
nentent ceii kc tu dis. Si usseit fuers davant la cort . se chanleit li 
jas. La pai ii.v t/idiiit une altyr aneete fat veiit . se dist a ceos ki lai 



12 J. WIEPRECHT, 

entor csleivenl . car eist est de ceos. Lo parax nn pctit apres dissent a 
Pieron eil ki lai esteivent vraienicnt tu es de ceos . car tu es assi Ga- 
lileus. Et eil eneomencet exeommunier et jurier . ke ju ne sai ke eist 
hom soit ke vos dites. Maintenaiit lo parax chaftteit li Jas. M 37g 
Inter quas erat Maria Magdalena, F 66r Entre les quels estoit Marie 
3Iagdalcne . et Marie li vieire Jaeobi et Joseph . et li' meire les fils 
.Zebedei. 

2. Hinzufügungen zur Verdeutlichung des Textes. 

M 363 fehlend, F 4gr Li altre disoient suis je eeu sire . eist por 
sa malvaise eonscienee cuverre dist. Suis Je ee maistres? M 355 
fehlend, F 4ir A kai om doit dire ke tiostre sires at mestier des dous 
beestes per signifieation eest de dous peules. M 37g Arimathia ipsa est 
Ramathaim civitas videlicet Elcanae et Annae, F 66v Arimatie est 
Ramaiaim . li eiteiz dont Elchana et Anna furenl li peires et li meire 
Saint Samuel. M 37g Dicta autem Magdalene a ]\Iagdalo castello, 
F 66v Et Magdalene ot nom . por le chastelat Magdalom dont elc 
fut. M 350 Quid manducat et bibit, hoc est, si manet et manetur, 
si habitat et inhabitatur, si haeret, ut non deseratur, F 28r Qui 
mainjut et boit . ccst s'il maint en deu et deiis en lui . s^il habitet en 
deu . et deus eti lui . s'il se tient a deu et deus fiel laisset mies. M — 
(W i34d) Crux quippe a cruciatu dicitur, F 36r Car eroix dist om 
porceu li'ille erueict . e^est tormcntct. 

II. Auslassungen. 

1. Auslassungen bei Bibelcitaten. 

Auslassung von Bibelcitaten, die der lateinische Text enthalt, 
findet sich in der Übersetzung selten. 

M 362 At Jesus dixit: Ite in civitatera ad quemdam, et dicite 
ei : Magister dicit, Tempus meum prope est, apud te facio Pascha 
cum discipulis meis'; F 47V Et Jhesus dist a ols. Aleiz en la citeit 
a im homme. M 347 Unus autem ex ipsis Caiphas nomine, cum 
esset pontifex anni illius, dixit eis. Vos nescitis quidquam, nee 
cogitatis quia expedit vobis ut unus moriatur homo pro populo 
et non tota gens pereat. Hoc autem a semetipso non dixit sed 
cum esset pontifex anni illius prophetavit, F 25V Et uns d^ols ki 
Cayfas avoit nom ki estoit eveskes de cel an profeileit. Vielleicht 
beruht die letzte Abweichung auf einem Versehen des Übersetzers, 
welches dadurch entstanden sein kann, dafs derselbe beim Lesen 
des lateinischen Textes von dixit eis auf prophetavit übersprang und 
dadurch die angeführte Stelle ausliefs. 

2. Auslassung erklärender Bemerkungen. 

Der lateinische Text enthält sehr viele weitschweifige, gramma- 
tische Erklärungen. Da der Übersetzer bei seinem Publikum weder 
Interesse noch Verständnis für derartige Erörterunsfen erwarten 



* Interessant ist die Hinzufiigung eines gereimten Satzes auf Blatt 4V 
ke li nohlesce de la char ne valt , ou li fioölesce del euer fall. (Einziger Fall 
dieser Art.) 



DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALBEKSTADT. I3 

küunto, SD reduzierte er dieselben durch Kürzungen und Aus- 
lassungen, so weit als es irgend anging. 

M 384 f. Notandum sane quod osia, verbuin 1 lebraicuui, com- 
positum est ex duobus corruptis et integro : salva naraque sive sal- 
vifica apud Judaeos dicitur. Na vero interjectio deprecantis, quo- 
modo apud Latinos interjectio est ciolentis heu , et interjectio 
admirantis, papae. Denique in Psalmo, ubi septuaginta interpretes 
transtulerunt: „O Domine, salvum me fac", in Hebraeo scriptum 
est: Anna adonai osiana, quod interprcs noster Ilieronymus, dili- 
gentius elucidans, ita transtulit : „Obsecro, Doraine, salva, obsecro". 
Idem namque significat o per iaterjectionera obsecrantis, quod ob- 
secro, Domine, per ipsum verbum obsecrationis. Osanna itaque 
salva obsecro significat, consumpta littera vel vocali, quae verbum 
prius interminat, cum perfecte dicitur osi, per virtutem litterae vo- 
calis aleph, a qua verbum sequens incipit anna, quod metrici in 
verbis scandendis synaloephen vocant, quaravis illi scriptara litteram 
scandentes transiliant; in hoc autem verbo osanna, iot littera nee 
saltem scribatur, sed sensu loquentium salvo, funditus intermittatur ; 
F jzr A 7iotteir fail . /{^osanna esl uns vioz Hebreus . ki est J'aiz de 
dous moz . d\in cntier ei d'im corrinnpuü. Car per cest mot dieiit li 
Hebreu . salve ou fai salf . et osamia est uns moz de priere. Car 
osanna signifiet ju te prei ke tu me salve. M 378 El enim dicitur 
Deus, i meus : lamma ut quid? sabachthani dereliquisti me; F 65r 
Cest a dire. Mes deus . mes deus . por kai 7/1^ as tu laissiet? Zu- 
weilen vertauscht der Übersetzer ein Fremdwort mit einem be- 
kannten Worte und läfst die in diesem Falle entbehrliche Erklärung 
des Wortes, die sich im. lateinischen Texte findet, aus. 

M 362 in paropside.i Paropsis vas est quadratum, dictum 
quod sit paribus absidibus, id est aequis lateribus. Est autem vas 
escarum, quod Marcus evangelista catinum appellat, quod est vas 
fictile; F 48V eti l^esquelle. M 342 In illo tempore facta sunt en- 
caenia Hierosolymis. P'ncaenia autem vocabatur solemnitas dedi- 
cationis templi, quam populus Dei ex antiqua patrum traditione, 
per annos singulos celebrare consueverat; F 20r E71 icel te7is ßst 
07/1 dedication e7i Jhertisale77i. Ein ähnlicher Fall ist: 

M 374 Cohortem universam congregaverunt. Cohors erat apud 
Romanos milites triginta; F 6ir s'ase77ib/erent a lui trente Chevaliers. 

3. Auslassung eines Begriffes, bezügl. Satzes bei 
mehreren koordinierten Begriffen oder Sätzen. 

M 344 una est aeternitas, perfecta aequalitas, dissirailitudo 
nulla, Y 2 2\ tme eterniteit per feite equaliteit. M 335 sum quippe 
praesentis temporis verbum, nee praeteritum, nee futurum sonat, sed 
semper praesens ; F 1 3V Car ju sois sig7iifiet ades ceu ke p/esenz est 
. ne mies ceu k'avenir est. M 344 Ideo Deus I'ater, ideo gignendo 

' Hervorgehoben zu werden venlient die gcschickle Übersetzung von 
Fremd Worten, z. li. M 362 Ltionia iiebriiicae lini^uuf tat, V 48r II est propre 
zostutne del lig>iiti;e des Jlebretis. 



14 .[. WIEPRECHT, 

dedit, ut Dens esset, gignendo dedit ut aequalis esset; F 22r Porceu 
deiis li peires done.l al fil e^igenranl qu^i/ Just cvvals. M — (W 1 04b) 
(juia de insipiente efficitur sapiens et de fiidocto prudens ; F 34r 
ca7- de sot devietit saiges. 

4. Auslassungen von Stellen, die der Übersetzer 
jedenfalls für unwichtig und nebensächlich gehalten hat 

Die Zahl der fehlenden Stellen ist nicht unbedeutend. Wenn 
man nicht annehmen will , dafs dieselben bereits in der Vorlage 
gefehlt haben oder vom Übersetzer aus Versehen ausgelassen sind, 
so läfst sich für das Fehlen derselben kaum ein anderer Grund 
als der obige angeben. 

Hier brauchen nur wenige Beispiele angeführt zu werden. 

M 339 Quaerit aliquis forsitan , baptizati in Christo, et in 
charitate praeceptorum ejus viventes, quare omnium gentium unguis 
non loquantur, dum certum est, spiritum sanctum eos accepisse? 
Quia ipsa Ecclesia, quae est corpus Christi omnium gentium Unguis 
loquitur; F lyr fehlend. M 355 Quid totüm? Ut Dominus propter 
animalia adducenda discipulos in civitatem mitteret ut vilibus ani- 
malibus in civitatem regiara portaretur; F 4IV fehlend. M 363 
Ipse enim dixit : Ego sum veritas. Dum fraternam caritatem aliqua 
fractione violant, quid aliud quam Christum tradunt; F 48V fehlend. 
M 364 Si enim solum vinum sine aquae permistione oftertur, possit 
talis esse intelligentia, quod nos absque adjutorio Christi et passione 
salvari possemus; F 49V fehlend. M 364 Hie est novi testamenti 
sanguis ad differentiam veteris testamenti dicit; F 50r fehlend. 
M 385 Per hoc quod Patri aequalis est, nos, ut essemus, creavit, 
per hoc quod nobis est similis, ne periremus, redemit; F 72V Per 
ceu per kai il est seviblanz al peire . nos creel il . per ceu per quai ü 
est semblanz a nos . nos rachateit il. M 379 sed quia olim sancta 
fuisset propter cultum unius Dei , nomine scilicet pristino perma- 
nente ; F 66r viais porceu quHlle avoit esteit saittte . et li anciens nons li 
estoit remeis. M 445 Ne propter opera diaboli, quae pertrahunt in 
interitum, apertum nobis iter regni coelestis nos ipsi claudamus ; 
F 1 2 1 V ke nos ?nismes ne nos cloions la voie del regne des ciels . per 
les oyures lo^ diavle. 

B. Änderungen in bezug auf den Ausdruck. 

a) Bei Einzelbegriffen. 
I. Hinzufügungen. 

1. Hinzufügung von Adjektiven. 

Gewöhnlich nur bei Namen von Heiligen vorkommend, sonst 
selten. 

M 327 apostolus Petrus, F 5r sainz Pier es li apostles. M 334 
Johannes, F 1 2v saiTit Johans. M 347 Mariam, F 25r la hieuavreie 
Marie. M Bd. 117, 882 cum sanguine, F iv a tot sanc. M 337 
multitudinem, F 15V grant muliitudijie. 

2. FHnzufügungen von Adverbien: 

M 330 pater mens misit me, F 6r niais nies peires nienvoiai 



niE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALP.ERSTADT. I5 

Siii. M 38g Turba autein cjuae slabat, V yOv Or li lorbe ki lai 
eskivit. M, I^d. 117, 883 cxposiiit ipse dicens, F 2x espouul il apres 
disanz. 

3. Hinzu füg u 11 g von Pronomini Inis. 
«) Possessiva : 

M, Bd. I 17, 883 per proprium sanguinein, F 2v /;(/' son propre 
sanc. M331 Spiritus Domini, Y '6\ li espiriz nostre siguor. (Heider 
Übersetzung von Dovihius ist durchweg das Possessiv Pron. iiostre 
hinzugefügt). I\I 366 post resurrectionom, F 50V apres sa resur- 
rection. 

ß) Demonstrativa: 

M 331 Ego non quaero gloriara meam, est qui quaerat et 
judicet, F 8v Ju ne quier ini''\ ma g/ore . il esl ki la qiiierl et ki 
jaget. M 359 et quia multum dilexit, F 45V et porceu Kele Pamett 
molt. M 367 oravit autera non pro sc, F 53V Poreit nc wies por 
soi. M 377 et dixerit non a Romanis sed potius a Judaeis dictum 
fuisse, V 65r et dire . ke li Gtu lo dissent. 

4. [Jinzufügung von Personennamen zu Appellativen. 
M 402 doctor egrogius, F gov li tiobles preichieres sainz Pols. 

Der angeführte Fall ist selten. Erwähnt möge an dieser Stelle 
werden die einige Male vorkommende Vertauschung des Namens 
mit dem Appellativum. 

M 360 dicens cum eodem Johanne, F 47r disant avoc cel mismes 
apostle. M 364 in utero Mariae, F 5or el venire de la virgine. M 
343 contra Augustum, F 2ir encontre Vempereor. Auch der um- 
gekehrte Fall zu 1, 4 läfst sich nachweisen: 

M 403 adversum Futychianos, I'' giv enco7itre les herites Kiiticiens. 

\\. Auslassungen. 

1. Auslassung von Adjektiven. 

iNl, Bd. 117, 883 semetipsum obtulit immaculatum, F 2v soi 
7>iismes offrii. M, Bd. 117, 884 unigenitus Def Filius, F .3V // 
filz deu. M 378 sacramenta coelestia, F 65V li saerement. M — 
(W 2i2d) haec sacratissima nox, F 123V ccste noiz. 

2. .\uslassung von Adverbien. 

M, Bd. 117, 88] et quia fortassis poterant dubitare, F 3V Et 
porceu ke puienl doteir. M 345 Et legem appellavit Dominus gene- 
raliter, F 2 3r Et loi apelel nostre sires. M 353 donec ibi pateretur 
et ibi resurgeret, F 3Qv iant k'il J'ut peneiz ei releveiz. M 378 Im- 
pleta est hie prophetia, F 64V se J'ut eniplie li profecie. Vi 388 
ad nostram rursum inlirmilatem temperavil, F 75V a nostre ßavoteit 
a tanipreit. 

3. Auslassung von l'r onomini bus. 

Nur selten stattfindend, wie sich schon von vornherein aus 
dem Bestreben des Übersetzers nach möglichst deutlichem .\us- 
druck ergiebt. 

M 236 jior eorum prophctas, )■" i ^r par les prophctes. M 358 



l6 J. WIEPRECHT, 

ut transcat de hoc mundo ad patrem, F 44r X''// trespast del vmnde 
al peire. 

4. Auslasssung von Konjunktionen. 

M, Bd. 117, 882 pontifex futurorum bonorum autem, F iv 
Eveskes des biens k'avenir estoiejit. M, Bd. 117 882 Tabernaculum 
autem, F 2x Li tabernacks. M t^t^t^ Ad quod etiam respondendum, 
F lov A kai oni doü dire. M 359 Est etiam alabastrum, F 45V 
Alabaslre est. M 365 Scandalon enim graece, F 5ir Escandle eji 
Greu. M 387 Si quis me non sequitur, F j^r Qui tie jne seut mies. 

5. Weglassung des verbum finitum beim Infinitiv und 
Umwandlung des Infinitivs in das Verbum finitum. 

M, Bd. 117, 884 Leges humanas hie videtur apostolus tangere, 
F 3v Les humaines lois lochet ci li apostles. M 328 non quod ipse 
per naturam malus esse possit, F 6r ne mie porceii kil soit mals per 
nature. Auf dasselbe Prinzip zurückgehend: Umwandlung eines 
Nebensatzes in einen Hauptsatz durch Weglassung des regierenden 
Verbs : 

M 377 Hoc non Judaeos, sed Romanos intelleximus dixisse, 
F 65r Ceu ne dissent mies li Geu mais li Romain. M 382 quod 
unguentum ex nardo pistika dicitur esse confectum, F 7or Et eil 
oingnemenz fut faiz de nart pistike. 

6. Weglassung des Appellativums bei Personen- 
namen (selten). 

M 364 Petrus apostolus, F 50V sai?iz Pieres. 

III. Verbreiterung des Ausdrucks. 

In der Übersetzung ist als durchgehender charakteristischer Zug 
das Bestreben nach möglichst deutlichem Ausdruck der Gedanken 
ausgeprägt. Eins der Mittel, durch den dieser zu erreichen ver- 
sucht wird, ist die Verbreiterung des Ausdrucks. Da jedoch der 
Übersetzer im Allgemeinen einer Wiedergabe des Textes in der 
einfachsten Weise den Vorzug giebt, so sind die Beispiele für die 
einzelnen Fälle von Verbreiterung des Ausdrucks weniger zahlreich 
als die unter IV behandelten Fälle von Vereinfachung. 

I. Umschreibungen. 

d) Umschreibung eines Adjektivs durch einen Relativsatz. 

M, Bd. 1 17, 882 futurorum bonorum, F i v des biens k'avenir estoient. 

M, Bd. 117, 884 mortem suam indebitam, F 3V sa mort k'il 
ne duit mies soffrir. M 331 nee ingratis subtrahit, F gr ne sostrait 
mie a ceos ki greit 7ie Pen savoient. 

ß) Umschreibung eines Adjektivs durch einen Finalsatz. 

M 359 ad unguenta incorrupta servanda, F 45V por oignerncnz 
vvardeir ke fi'eft enpeirent. 

y) Wiedergabe eines Adjektivs durch einen genetivus cjualitatis. 

M 328 durus, F 5v de dur euer. 

ö) Wiedergabe einer präpositionalen Wendung durch einen Satz. 

M 362 sine denominatione, F 48r nen nomment mies certe- 
nement, M 445 cum omni sollieitudine, F I2iv quant ke nos poons. 



DIE LAT. TIOMILIKN DES HAIMO VON HALBERSTAT>T. IJ 

f) Wiedergabe eines Abstractums durch einen Infmiliv. 

M — (\V 163c) ad ipsius Christi imitationcm provoranlur, 
F 32r /•'// semoiit densevre (hisl. M 372 ad traditionem sanguinis 
luagistri provocaverunt?, F 58V provochercnl de vendre lo sanc de son 
maislre ? 

2. Wiederholung von Worten. 

M — (W 165b) veniens evangeh'zavit pacem his qui longe 
erant et his qui prope, F 37r se vini s' aiionce.it paix a ceos ki lonz 
estoient . et paix a ceos ki pres cstoient. M 381 primo venit Betha- 
niam deinde etiara Hi(Tosolyraam . . . Ilierosolymam quidcm ut ipse 
ibi morerctur, F 68r En Jherusalem vint voirement poj- morir. 

3. (rebrauch von Substantiven an Stelle von Prono- 
m i n i b u s. 

M, Bd. 117, 883 per illum, F 2v par cel sanc. M — (W i64d) 
per quod primae praevaricationis mortui jacebamus, per lignura 
reconciliationis ad vitam revocaremur, F 36r porceu ke 7tos qui cheut 
estiens per lo fiist de prevarication , fuss^ens releveit per lo. Just de recon- 
ciliemeiit. M 360 potuit enim istud venundari, F 46r car cest 
flignaiietit pulst am vendre. Hinzufügung des Substantivs ?um Pro- 
nomen : 

M — (W 212b) hanc-, F 123 ceste noit. 

IV. Vereinfachungen des Aus drucks. 

I. Vereinfachung lateinischer Redewendungen und 
Umschreibungen. Feiner der am häufigsten vorkommenden 
Fälle von Abweichung. 

Da bei diesem die Individualität des Übersetzers am meisten 
hervortritt, so eitleren wir eine gröfsere Anzahl von Beispielen. 

M 329 ut nullus Judaeorum familiariter colloquium habere 
dignaretur cum eis, nee convivium participare, F 7r ke Jiuls Geus nc 
daignest a os nes belement parlelr . ne maingier avoc os. ]\I 32g 
Quemcunque autem Judaei improperio lacessere vole'bant, F 7r quant 
II Gen vololent aticucn hommc laldangler. M t^t^2 se suamque suboiera 
conditioni mortis substravit, F gv sc dampnelt a inort . et sol et son 
esclatte. M 2^}^'^ testimonia perhibent de me, F I2v nie iesmolgnent. 
M 335 feile invidiae comraoti, F I3r lull alrlet. M — {W 165c) luce 
clarius patet, F 37V ceu seit hom bleu. M 358 in hac celebritate 
festivitatis, F 44r a ceste feste. M 360 et misericordiara potcritis 
eis impendere, F 46r se lor poez bien faire. M 362 ne impudentia 
victus in barathrum negationis incideret, F 48V ke de honte nel des- 
nolet. M 365 quod scandalum essent passuri, F 5 ir /(■'// seront escan- 
dallzlet. M 366 blandientis alfectu , F 52r doucement et plement. 
AI 368 ut dicamus: „Amice, ad quod venisti?" ut interrogantis modo 
legatur, F 54r ke nos dlsons dcmandant . amlns a kal es tu veniilz. 
M 378 transeamus ab his locis vel sedibus, F 65r alons nos en de 
cl. M 395 futuras impii conturaelias tacendo praeteriit, F 83r dct 
blasine del fallvn se taut. J\l 396 lavairuni gratiae, F 84r lo hap- 

ZeitBchr. f. roin. Phil. XIV. 2 



l8 J. WIEPRECHT, 

tisme. M 397 et interdicentibus cibos ori suo, F 85r et laissievent 
lo maingier. M 3Q7 a proditione retrahit pedem, F 85r se retraisl 
de hl (raison. M 397 in exemplum Judae, F 85r cum Judas. 
M 406 furore superatos, F 95r airiez. M — (W 212b) Significans 
electos suos inter pericula persecutionum fructum bonis operibus 
insudandum, F I2 2v signifianz ke sei esleit . se doieni travillier en 
bones oyvres entre les periz des persecutions. An Stelle der Um- 
schreibungen für Appellativa setzt der Übersetzer das einfache 
Appellativura. 

M 356 in numerum coelestium civium, F 42r a la conpaignie 
des engles. M 358 israheliticura populum, F 44r les Geus. jNI 378 
ministri iniquitatis, F 64V // Geu. M 406 maligni spiritus, F 94r 
del diavlt. 

2. Zusammenziehung von Synonymen (sehr häufig). 

M 331 quia justum et aequum est, F 9r car droiz es/. 
M 334 Sed si ejus opera diligenter inspicimus, et ea spiritualiter 
consideramus, F I2v Mais se nos esvvardons bien et spiritelment 
ses oyvres. ]\I 348 continuo subjecit et dixit , F 27r se dist 
viainte7iünt apres. M — (W 164b) Peritorum raedicorum dicunt 
esse, ut variis morbis contraria opponant antidota, srilicet ut 
calida frigidis, et frigida calidis curent, F 34V Om dist ke li saige 
meie vvarissent diverses cnferteiz per contraires medicines . c'est les 
froides per les chaudes . et les chaudes per les froides. M 353 nocte 
ibi consumebant et comedebant, F 39V i despendoient. M 355 
mox remittuntur non in daemonacum servitum sed in liberum arbi- 
trium rediguntur, F 4IV viaintenant les laisset om . ne mies al servise lo 
diavle ?nais a lor franche volenteit. M 361 Praedicatur ergo inter 
alia miracula Salvatoris etiam Mariae benevolentia, et ejus devotio 
ab Omnibus laudatur, F 47r Or entre les altres miracles del salvaor 
s^est assi loeie li hone volenteiz Marie et sa devocions. M 396 Ubi 
est diversorium et refectio raea?, F 84r Ou est ina refections? M, 
Bd. 117, 570 nostris doctoribus et magistris, F i lov ki nostre maistre 
furejit. 

3. Unterlassung der Wiederholung desselben Wortes. 
M 363 Solemniis expletis veteris Paschae transit Dominus ad 

sacraraenta novi Pasrhae demonstranda, F 49r Quant nostre sires ot 
fait la sollempniteit del viez paskes . se vat avant por mostrer les sacre- 
menz del novel. M 368 Ea temeritate qua alium punis vel judicas, 
necesse est, ut eadem temeritate a Domino puniaris , F 54V kar 
per cele mismes baldise ke tu tor?nentes ou juges altrui . tormenterat da- 
medeus toi. M 387 Non enim rex Israel Christus ad exigendum 
tributum, sed rex Israel qui mentem regat, F 72V Car Criz n'est 
mies roi d^ Israel por detnandeir treu. . . . 7?iais por ceu qtiil govcrnet 
les ainjnes. 

4. An Stelle zweier verschiedener Worte zweimaliger 
Gebrauch desselben Wortes. 

M 328 verbura Dei audire contemnit, vel si cum aure corporis 
audierit , illud nullo studio vel labore in opere mittere conatur, 



DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALREKSTADT. IQ 

F 5v ne de la parole den nat eure et s'il l'ol n'a/ eure del maire 
en oyvre. Äl 390 Quid est ergo, ait quispiam, quia cHabolus de 
credentium cordibus ejicitur foras? jam fidelium neminem tentat? 
F 78r Or dist aneuens. Des ke li diavles est gitiez des cuers des feols. 
tie temptet il mais ?tul feol honune ? 

5. Positiver Ausdruck an Stelle des negativen. 
M 2i}) I mortem tamen corporis non evadent, F gv morir /es 
convenrat. 

b) Bei Sätzen. 

1. Umwandlung von passivischen Konstruktionen in 
aktivische. 

Eine der häufigsten Änderungen, da fast jede passivische Kon- 
struktion in eine aktivische umgewandelt ist. 

^i iö^ Qui ^b hominibus, injuste est judicatus, F gr ke li 
komme jugerent a tort. M 33 1 congregabuntur, F gr s asainbleront. 
^^ Zi^ Nimium extolleris, superflue elevaris, ultra modum eri- 
geris, F iir Trop t'orgoilles .trop t'eslieues . oltre mesure Vessauces. 
M — (W 164b) sed homo assumptus est a Domino, F 34r //w/j- deus 
pr ist P komme. M 373 Et cum accusaretur a principibus sacerdotum 
et senioribus, nihil respondit, F 5gr Et qmmt li princes des presles 
et li veil komme V acctiseivent . ne respondeit ?iiaut. 

2. F^lliptischen Sätzen ein Prädikat hinzugefügt. 

M 330 Custos quid de nocte, custos quid de nocte?, F jv 
Vvarde ke vois tu per noit . war de ke vois tu per noit? M 367 
Summa dementia infelicis judae !, F 54r Trop fut granz li forsen- 
nerie del malavrous Judas. M 368 Si rex, quomodo servus? Quo- 
modo enim rex et servus?, F 54V S''il est rois . comeut est serianz? 
Car coment puet il cstre rois et serianz. M — (W 213c) O mira 
pietas Salvatoris, mira benignitas, F 125V O cum granz et cum mer- 
villouse est li pitiez et li douceors de nostre salvaor. 

3. Rhetorische Frage durch positiven' Satz wieder- 
gegeben. 

M 382 Quid enim per unguentum nisi honus odor opinionis 
insinuat?, F 70r Li oygnemenz signifiet l'odor de bune renomeie. 

4. Umwandlung unpersönlicher Ausdrucksweise in 
persönliche. 

M — (VV 164 c) unde et in lege praecipitur, F 35r Dont deus 
comandet en la loi. j\[ — (\V 165a) Factum est maledictum, F 36r 
// fut pnr nos maldiz. AI 406 de hoc dicitur, F g4r De cestui dist 
li escriplure. jM — (W 2i2d) Quod autem in lectione evangelica 
dictum est, ¥ I2 2v Mais ceu ke li leizons de la seinte evvangeilc dist. 

5. Vereinfachung des Satzbaus. 

An einigen Stellen vereinfacht der Übersetzer den .Satzbau 
dadurch, dafs er Worte, besonders Personenbezeichnungen, die im 
Lateinischen im Ablativ mit oder ohne Präposition stehen, zu Sub- 
jekten macht und dadurch die Konstruktion des Satzes verändert. 

2* 



20 J. WIEPRECHT, DIE LAT. HOMILIEN DES HAIMO VON HALBERSTADT. 

M, Bd. 117, 884 quod a Christo accepimus, F 3v ke Criz nos 
at doneit. M 327 vos ex patrc diabolo estis, F 4V li diavie est vostre 
peire. M 354 et hostias et sacrificia, quae in die a popiilo acci- 
pi(ibaiü, F 3gv et les oß'randes et les sacrefices ke li peules lor dotieivel. 
M 37g ut ostendatur, quia aliter a praefecto corpus Domini non 
poterat impetrare, F 66v porceu qiCil rnostrcst kUiltremenl ne li otriast 
ja li si'res lo cors 7iostre sig7ior. M 380 se;ptima autem, quae nunc 
est, post Domini adventum in aniraa cum Domino requiescimus, 
F 67V mais a la septisme ki or est apres V aveiiemetil uostre signor . 
reposent tioz ainmes avoc tiostre signor. 

6. Verbindung von Sätzen. 

Anführungen in direkter Rede pflegt der Übersetzer meist 
(hirch eine Form des Verbum dire mit dem Vorhergehenden zu 
verl)inden. Im Lateinischen findet entweder gar keine Verbindung 
statt oder eine solche in elliptischer Weise durch iterum oder eine 
Personalbezeichnung, 

M 345 Nonne scriptum est, F 2 3r Or dist Jhesus . Doris nest 
il escrit. M 361 Quid vultis mihi dare?, F 47r se dist a o/s. Que 
me voloiz vos dotier. M 361 Ubi vis, F 47V Se dissent oii mje/s tu . 
M 327 et iterum, F 5r et li psalmistes dist. M 328 et iterum, F 5V 
se dist lo parax. M 331 Et Apostolus, F gr Et li eipostles dist. 
M — (W i64d) Et Jeremias, F Ttb"^' Et jheremies dist. M 357 
Turba autem quae praecedebat et quae sequebatur, I*' 43V Et les 
torbes ki darant aleivent . et ki lo sevoieyit . escrievent. 

J. WiEPRECHT. 



Die hypothetische Periode im Spanischen 
in ihrer Entwickelung. ' 

Die hypothetische Periode im Romanischen berulil zwar auf 
der lateiiu'schen, hat aber einiije besondere, allen romanischen Idiomen 
gemeinsame Züge aufgenommen, die sie von dem lateinischen Ur- 

■ A b k ü r z u u g e n : 
Abencer. (2. Hälfte des l<>. Jaliih.) — Ilistoria del Abencerraje y la lierniosa 

Jarifa : Biblioteca de Autorcs Espaiioles, Band 3. 
Ador. (13. Jahih.) — Adoracion de los santos Reyes : Bibliot. Band 57. 
Alex. (13. Jahrh.) — El Libro de Alexandre: Bibliot. Band 57. 
Alfav. (Ende des 16. Jahrh.) — Maleo Alenian, Aventuras y Vida de Guznian 

de Alfarache : Bibliot. 3. 
Amadis (c. 1500) — Amadis de Gaula : Bibliot. 40. 
AOnc. (14. Jahrh.) — Poema de Alfonso Onceno : Biblot. 57. 
Appol. (13. Jahrh.) — Libre de Appollonio: Bibliot. 57. 
Ayora (i. Hälfte des lö. Jahrh.) — Cartas de Gonzalo Ayora (nach Briefen 

Icitiert): Bibliot. 13. 
Berceo, Vida del glorioso confesor Santo Domingo de 
Silos 
„ Historia del Senor San Millaii 
tt^acr. I „ Del Sacrificio de la Misa 

BLaur. ' „ Marlirio de San Laurencio Bibliot. 

BLoor. I (13. Jahrh.) - Berceo, Loores de Nueslta Sei^ora 
BSI. I Berceo, de los signos que aparescerän ante del juicio 

BMI^;. I „ Milagres de Nuestra Sefiora 

BDV. I „ Duelos que hizo la Virgen Maria 

BSG. J „ Vida de Santa Oria 

Cabal. (l. Hälfte des I4. Jahrh.) — Don Juan Manuel, Libro del Caballero y 

del P2scudero : Bibliot. 51. 
Cart. Mar. (2. Hälfte des 18. Jahrh.) — Cadahalso, Cartas .Marruecas (nach 

Briefen citierl): Bibliot. 13. 
Caza (I. Hafte des 14. Jahrh.) — Don Juan Manuel, El Libro de la Ca^a, 

herausgeg. von Baisl, Halle 1880. 
Cclestina (c. 15O0) — Celeslina, Tragi-Comedia de Calislo y Melibea : Bibl. 3. 
<;iireslom. (10. Jahrh.) — Booch-Arkossy, Spanische Chrestomathie, Leipzig 

'857. 
Ciil — Poema del Cid, herausgeg. v. Vollmöller. 

Cid Tr. (rg. Jahrh.) — Antonio de Trueba, El Cid Campeador, ],eip/.ig i8(jI. 
Clarco (Mitte des 16. Jahrh.) — Los Amores de Clareo y Florisea : Bibliot. 3. 
Clemencia (19. Jahrh.) — Eernan Caballero, Clemencia, Lei])zig kS(>o. 
Comp. Joe. (19. Jahrh.) — Herrmann : (^omposiciones Jocosas en I'rosa, Leip/.ig 

i86r. 
Conq. (wohl 14. Jahrh.) — La üran Conquista de Ultramar: Bibliot. 44. 
Crilicon (Mitte des 17. Jahrh.) — Lor. Gracian, El Criticun, Madricl i(j04. 



22 E. GESSNEK, 

bilde unterscheiden. Dann haben wieder die einzelnen romanischen 
Sprachen innerhalb des ihnen Gemeinsamen ihre speziellen Eigen- 
tümlichkeiten ausgebildet, welche mitunter geeignet waren, das 
(lepräge der lateinischen Periode 'in ihrer äufseren Gestalt fast bis 
zur Unkenntlichkeit zu verwischen. Dies gilt namentlich von den 
Idiomen, die den lateinischen Indic. Plusquamp. in das hypotheti- 
sche Satzgefüge aufgenommen haben. So eröffnet eine jede der 
romanischen Sprachen auf dem Gebiete der konditionalen Periode 
der Beobachtung ein recht ergiebiges Feld. Die folgende Abhandlung 
unternimmt es nun, von dem Entwickelungsgange , den dies wich- 
tige Sprachgebilde im Spanischen genommen hat, ein Bild zu ent- 
werfen. 

Die lateinische Grammatik unterscheidet drei Arten von hypo- 
thetischen Sätzen. Von diesen ist die zweite, der sogenannte po- 
tentiale Fall, von verschwindenden Überresten abgesehen, überhaupt 
nicht in das Romanische übergegangen. Der Fall der Realität 
bietet wenig Bemerkenswertes. Der ungleich wichtigste und inter- 
essanteste, zugleich aber auch der durch die zahlreichen sich da- 
bei aufdrängenden Fragen schwierigste Fall ist der der Irrealität. 
Mit diesem will ich beginnen. 



Enxpl. (14. Jahrh.) — El Libro de los Enxemplüs: Bibliot. 51. 

FGerd. (Mitte des 18. Jahrh.) -— Isla, Historia del Famoso Predicador Fray 

Gerandio de Campazas, herausg. v. Lidforss, Leipzig 1885. 
FJuzgo (13. Jahrh.) — Fuero Juzgo en Latin y Caslellano, Madrid 1815. 
Gaviola (19. Jahrh.) — Fernan Caballero, La Gaviota, Leipzig 1860. 
Guar. Civ. (Ende des 16. Jahrh.) — Perez de Hita, Guerras ('iviles de Gra- 
nada: Bibliot. 3. 
Guzinan (Mitte des 15. Jahrh.) — Perez de Guzman, Generaciones, Semblan- 

zas e Obras de los excelentes Reyes de Espaila: Bibliot. 68. 
LazarM. (i. Hälfte des 16. Jahrh.) — Hurt, de Mendoza, Vida j 

de Lazarillo de Tormes 
LazarLic. (Mitte des 16. Jahrh.) — Segunda Paite de Lazar. de l ui 1: ,, -, 

Tormes por incierto autor ( ' ■'■ 

LazarL. (Anfang des 17. Jahrh.) — Segunda Parte de Lazar. de 

Tormes por H. de Luna j 

MEgipc. (13. Jahrh.) — Vida de Santa Maria Egipciaca : Bibliot. 57. 
Patr. (I.Hälfte des 14. Jahrh.) — Don Juan Manuel, Libro de Palronio : 

Bibliot. 51. 
Patran. (2. Hälfte des 16. Jahrh.) — Juan de Timoneda, El Patraiiuelo: 

Bibliot. 3. 
Pulg. Letr. (2. Hälfte des 15. Jahrh.) — Letras de Fernando de Palgar (nach 

Briefen citiert): Bibliot. 13. 
Quij. — Cervantes, Don Quijote, Paris Baudry 1845. 
RPal. (c. 1400) — Lopez de Ayala, Rimado de Palacio : Bibliot. 57. 
Roiz (Mitte des 14. Jahrh.) — Joan Roiz, Arcipreste de Fita: Bibliot. 57. 
Selva (2. Hälfte des 16. Jahrh.) — Jeron. de Contreras, Selva de Aventuras : 

Bibliot. 3. 
Solis Cart. (2. Hälfte des 17. Jahrh.) — Cartas de Don Antonio de Solls 

(nach Briefen citiert): Bibliot. 1 3. 



DIE HYPOTHETISCHE PERIODE IM SPANISCHEN. 2^ 

I. Der irreale Fall. 

Die gröfste Schwierigkeit, die sich hier zeigt, liegt in dem Um- 
stände, dafs für die Darstellung einer auf die Gegenwart oder 
Zukunft bezogenen Vorstellung Zeiten der Vergangenheit zur Ver- 
wendung kommen. Die Erklärung dieser auffallenden P>scheinung 
ist in verschiedener Weise versucht worden. Man hat zu diesem 
Zweck einen eigenen Modus der Nichtwirkliclikcit angenommen, 
indem man meinte, die Präterita wären ursjirünglich nicht eigent- 
liche Zeiten gewesen, sondern hätten zunächst dazu gedient das 
Unwirkliche auszudrücken, und zeigten diese ihre erste Bedeutung 
noch in der irrealen Periode.' Das Unbefriedigende dieser Ansicht 
liegt darin, dafs man damit dem Präteritum eine sonst nicht nach- 
weisbare Funktion beilegt lediglich zur Erklärung einer einzig und 
ohne Analogie in der Sprache dastehenden Erscheinung, wie es die 
hypothetische Periode ist. Andere Forscher halten an der tempo- 
ralen Bedeutung des Präteritums fest und versuchen eine Deutung 
bald in dieser, bald in jener Weise. Kühner in seiner ausführ- 
lichen Grammatik der griechischen Sprache, 2. Auflage, II S. 972 
sieht in dem bedingenden Satze {ti il/^ov) ein in der Vergangenheit 
Wirkliches, das einem in der Gegenwart nicht Wirklichen entgegen- 
gestellt wird. „Der in dem Bedingungssatze ausgedrückten ver- 
gangenen Erscheinung oder Wirklichkeit steht eine andere, entweder 
wirklich ausgedrückte oder aus dem (Jedankenzusammenhange zu 
ergänzende Erscheinung oder Wirklichkeit entgegen, welche gerade 
das Gegenteil jener vergangenen Erscheinung oder Wirklichkeit 
enthält, z.B. wenn du etwas hattest, so gabst du; nun aber hast 
du, wie ich weifs, nichts gehabt; aus diesem Gegensatz wird nun 
auf die Unwirklichkeit der einen wie der andern Handlung ge- 
schlossen." Aber indem Kühner das für die Gegenwart Verneinte 
aus der Vergangenheit folgert, ist er gezwungen für diese eine An- 
nahme zu machen, die doch blofs auf einer willkürlichen Fiktion 
beruht. Mätzner in seiner Syntax der neufranz<)sischen Sprache 
I 8g erklärt das Präteritum aus dem Gegensatze zwischen der auf 
die Gegenwart oder Zukunft des Redenden bezogenen , aber zu- 
gleich in dieser Gegenwart oder Zukunft nicht zur Existenz ge- 
langenden Bestimmung. „Nichts ist also natürlicher, als dafs das- 
jenige, dessen Realisierung der Ciegenwart und Zukunft voraus- 
sützlich nicht angehört, wenn es im Widerspruch damit dennoch 
als gesetzt erscheinen soll, in der Form der werdenden Vergangen- 
heit erscheint, deren veranschaulichende Natur den Widerspruch 
tler gesetzten und zugleich nicht realisierten Existenz um so greller 
macht." .^uch diese Deutung leuchtet nicht ein. Das im Wider- 
spruch zu einer vorhandenen Irrealität gesetzte Ciegenteil kann 
doch nur ein Akt des gegenwärtigen Denkens sein, und man sieht 

' V;,']. die vorircfllichc Abhandluiif; von Koppin: Giebl es in der ;jric- 
chisclien Sprache einen modus irrealis? in der Zeitschrift für das Gymnasial- 
Wesen, 1878, Januar und Februar. 



24 E. GESSNER, 

nicht ein, mit welchem Rechte für eine diesem angehörige Vor- 
stellung das Präteritum in Anspruch genommen wird. Es scheint 
fast, dafs bei diesem Erklärungsversuch der oben erwähnte Begriff der 
Irrealität sich durch eine Hinterthür wieder einschleicht, um unter 
etwas anderer Firma das präteritale Tempus zu decken. 

Vor allem wird man bei einer Erklärung der Sache auf den 
Modus der Irrealität verzichton müssen. Dieser ist eine blofse, der 
thatsächlichen Grundlage entbehrende Annahme. Offenbar hat das 
Präteritum in der konditionalen Periode keine andere als seine ge- 
wöhnliche Bedeutung eine Vergangenheit auszudrücken , also rein 
temporalen Sinn. Das zeigt sich so recht einleuchtend gerade in 
der romanischen Periode des Unwirklichen mit ihrem Imperf. Fut. 
(Konditionale) im bedingten Satze. Ohne einen festen und klaren 
Punkt in der Vergangenheit würde dieses Tempus völlig in der 
Luft schweben und auf seine Funktion das vom Standpunkte der 
Vergangenheit aus Zukünftige zu bezeichnen verzichten müssen. 

Indem ich nun zu dem Versuche schreite, das Auftreten prä- 
teritaler Zeiten in der hypothetischen Periode zu erklären, gehe ich 
mit Koppin von dem irrealen Wunschsatze aus, als der einfachsten 
und wohl ursprünglichsten, der vollständigen Periode zu Grunde 
liegenden Satzform. 

Bei dem irrealen, wie überhaupt bei jedem Wunsche wirken zwei 
Faktoren : das naive Begehren und der urteilende Intellekt. Der 
Wunsch in seiner reinsten und ursprünglichsten Natur ist ein in- 
stinktives Begehren, das nach der Erreichbarkeit oder Unerreich- 
barkeit nicht fragt; er zieht alles in seinen Kreis, an dessen Besitz 
ihm gelegen ist, ohne zu untersuchen, ob dieser Besitz möglich 
oder unmöglich ist. Die Entscheidung hierüber fällt dem sich alsbald 
meldenden Intellekt zu ; dieser hat zu erkennen , ob der Wunsch 
mit den realen Verhältnissen vereinbar ist (möglicher Wunsch), oder 
ob er mit diesen in einem unlösbaren Gegensatze steht (unmög- 
licher Wunsch). Indem nun der Intellekt den Wunsch vor sein 
Tribunal zieht und, wie das bei dem irrealen natürlich der Fall ist, 
seinen Widerspruch mit der Realität erkennt, bricht er den Stab 
über ihn und wirft ihn zu den Toten, d. h. der Gedanke ist nur 
noch ein Gewesenes, die sprachliche Darstellung desselben kann nur 
durch das Präteritum erfolgen. Der irreale Wunsch „wenn ich doch 
reich wäre" stellt sich also in seinem ganzen Verlaufe etwa in 
dieser Form dar : „wenn ich doch reich - — ach, ich war es einen 
kurzen Augenblick in meiner blinden Vorstellung, aber ich erkenne 
dafs ich es nicht hin." So erklärt sich mir die Vergangenheit bei 
einem Gedanken, der auf den ersten Blick einzig der Gegenwart 
anzugeh()ren scheint. Das, was darin vergangen, ist die lebendige 
Vorstellung des Besitzes, ist ein so schnell Vorübereilendes, so un- 
mittelbar durch den Intellekt Beseitigtes und somit der Vergangen- 
heit Überwiesenes, dafs es sich der Erkenntnis fast unwillkürlich 
entzieht. Was nun die Zeit betrifft, durch welche diese Vergangen- 
heit zum Ausdruck gelangt , so bedienen sich alle Sprachen mit 



DIE HYPOTHETISCHE PERIODE IM SPANISCHEN. 2$ 

Recht dazu des Imperfekts. Denn wenn auch der Gedanke der 
Vergangenheit überantwortet ist, so wird er trotzdem auf die Gegen- 
wart bezogen und bh='il)t mit dieser in einem idealen Zusammen- 
liange; er nimmt also in durchaus angemessener Weise die Gestalt 
einer noch unvollendeten dauernden Handlung an, wie das Präsens 
das in der Gegenwart Unvollendete, im Augenblick des Sprechens 
noch Dauernde zur Anschauung bringt. 

Gegen diese Auffassung kann nun, wie es scheint, der Ein- 
wand erhoben werden , dafs ja der irreale Wunsch die deutliche 
Erkenntnis seiner unmcjglichen Erfüllung von vornherein schon in 
sich schliefst; der Wunsch z. B. „wenn doch mein Ereund noch 
lebte" hat das Wissen dafs er gestorben ist zur notwendigen Vor- 
aussetzung. Das ist auch ganz richtig. Der Wunsch beruht immer 
auf einem Mangel und auf der Erkenntnis dieses Mangels, der 
irreale Wunsch auf der Erkenntnis , dafs der Mangel , wenigstens 
für den Augenblick, unabwendbar ist. Aber diese Erkenntnis ist 
eben Sache des hitellektes, den Wunsch läfst sie unberührt; dieser 
die realen Verhältnisse ignorierend geht seine eigenen Wege und 
bedarf der Rektifikation durch den Verstand, hi dem Verlangen 
den Ereund noch am Leben zu wissen will ich mich gerade der 
unfreundlichen Wirklichkeit entziehen ; ich beseitige sie in dem in- 
stinktiven Verlangen meines Herzens (meinetwegen mit Hilfe einer 
Selbsttäuschung, man braucht diesen Ausdruck nicht zu scheuen); 
ich hebe sie für einen flüchtigen Moment durch die Vorstellung 
des noch Lebenden auf, bis der unerbittliche Intellekt sie als nichtig 
erweist und der Wirklichkeit wieder zu ihrem Rechte verhilft, 
(jerade in diesem Auflehnen gegen eine unfreundliche Realität 
liegt das Wesen des irrealen W'unsches (der Gedanke „ach, dafs 
du noch lebtest" kann nicht lebendiger in mir sein als in dem 
Augenblicke, wo ich den leblosen Körper des eben Geschiedenen 
vor mir sehe), und das Charakteristische seiner sprachlichen Dar- 
stellung Ist, dafs dabei, da der Wunsch noch vor seiner vollen Ent- 
faltung abgethan ist, eben diejeiuge Zeilsphäre zur Anschauung ge- 
langt, in welche der Gedanke von dem prüfenden Verstände ver- 
wiesen wird. Überhaupt giebt es für das naive Verlangen des 
Herzens im (irunde nichts Unmögliches. Denn da ihm die Unter- 
suchung, ob eine Sache erreichbar oder nicht erreichbar ist, fvrn 
liegt, so kann auch nichts, was in seinen Gesichtskreis tritt, von 
vornherein als unraijglich erscheinen. Immer ist es erst der Intellekt, 
fler die Entscheidung fällt. Wo kein Intellekt, da ist auch kein 
unmöglicher Wunsch. Das unmündige Kind verlangt sell)sl nach 
dem .Monde und begreift nicht, warum man ihm denselben ver- 
weigert; sein Verstand sagt ihm noch nicht, dals sein Regehren 
ein unmögliches ist.' 

' Koppin in der oben ant;c;icbencn Abiiani-iluny tiklärl das PiaclLiiliini 
in dem irrealen Wunschsatz in anderer Weise. Er ^clil von dem auf Ver- 
gangenes bezogenen Wunsclie aus {t't'(}t nij (Inl'hcit-) und ycwinnl die Deu- 



20 E. GESSNER, 

Mit dem auf Vergangenes gerichteten Wunsche verhält es sich 
natürlich wie mit dem gegenwärtigen. Von dem Standpunkt der 
Vergangenheit aus angesehen gab es in dieser einen Moment 
rellexionslosen Begehrens, der durch den Verstand schnell beseitigt 
wurde. Dieser Vorgang kommt in der Gestaltung „wenn er doch 
gekommen wäre" zur Anschauung. Aber der unerfüllte Wunsch 
kann von der kühlen Reflexion auch schlechtweg als ein in die 
Vergangenheit fallendes Unreales aufgefaist werden, wobei das da- 
malige Begehren übergangen wird. Dafür hat die Sprache den 
Ausdruck gefunden „wenn er doch gestern kam". 

So enthält denn nach dem Gesagten auch der irreale Wunsch 
ein Moment instinktiven Verlangens, wo die Frage nach der Er- 
füllbarkeit unerörtert bleibt, also die Möglichkeit der Verwirklichung 
zunächst nicht ausgeschlossen ist. Freilich ist dieses Stadium von 
kurzer Dauer; es währt nicht länger als die Vorstellung braucht, 
um den Weg vom Herzen zum Kopfe zurückzulegen ; der erbar- 
mungslose Intellekt säumt nicht, sein vernichtendes Urteil auszu- 
sprechen. In jedem irrealen Wunsche ist demnach ein wenn auch 
noch so schnell vorübereilender Augenblick des Möglichen vor- 
handen , in dem u///huu dives essein liegt als schnell überstiegene 



tung des Aorists, indem er sa<;;t, dafs das, was der Vergangenheit angeluht 
und als solclies bereits der Gegenstand unseres Wissens ist, nur im Gegensatz 
zu seinem realen Status (die Zeit, die diesen realen Status angiebt, ist eben 
der Aorist dntr^art) gewünscht werden kann (S. IIO). Anders liege nun die 
Sache bei dem die Gegenwart oder Zukunft betreffenden Wunsche. Hier 
stehe nicht diejenige Zeit, welcher die gewünschte Handlung ihrem realen 
Status nach angehört, sondern obschon sie diesem nach in die Gegenwart ge- 
höre und für diese Zeitstufe ausgesprochen sei, stehe dennoch das Imperfekt. 
Letzteres rechtfertigt er nun, indem er sagt: „ist auch freilich die gewünschte 
Handlung ihrem realen Zeitraum nach noch nicht bereits vergangen, so ist sie 
doch wenigstens abgethan, die Entscheidung über die Sache ist bereits ge- 
fallen, und diese Entscheidung wurzelt natürlich in der Vergangenheit, nicht 
minder zugleich die über dieselbe von dem Wünschenden bereits gewonnene 
Erkenntnis. So nimmt die für die Gegenwart gewünschte Handlung, deren 
Unmöglichkeit bereits entschieden ist, in leicht verständlicher Weise ein Mo- 
ment der Vergangenheit in sich auf, und dieses allein ist es, was durch das 
Präteritum zum Ausdruck kommt" (S. I 1 2). Diese Erklärung nun hat doch 
etwas sehr Gesuchtes und Bedenkliches. Zunächst fällt die verschiedene Be- 
handlung des auf Vergangenes und des auf Gegenwärtiges bezogenen Wun- 
sches auf, da sich doch beide ohne Zweifel in derselben Weise müssen er- 
klären lassen. Während bei jenem das Moment der Vergangenheit einfach 
in dem realen Status der vergossenen Handlung liegt, mufs es bei diesem aus 
einer in der Vergangenheit liegenden Entscheidung über die Sache gewonnen 
werden. Allerdings gehört in deni Wunsche ffö-f tzt. t'C.t], tl'9-e TiXovoioq 
t]v die Entscheidung über das Leben des andern, über meine Vermögenslage 
der Vergangenheit an ; aber wenn ein darauf bezüglicher Wunsch in meinem 
Herzen aufsteigt, so tritt doch dabei jener Punkt der Vergangenheit schwer- 
lich in meine Vorstellung ein, ebenso wenig wie ich bei einem vergangenen 
Wunsche an den Augenblick denke, der über die vergangene Thatsache ent- 
schieden hat. Wenn es sich dort um die vergangene Thatsache allein han- 
delte, so kann es sich hier lediglich ebenfalls nur um den gegenwärtigen Zu- 
stand handeln, nicht um den in der Vergangenheit liegenden Augenblick, seit 
welchem dieser Zustand existiert. 



DIK HVI'OrHKTISEHE PERIODE IM SPANISCHEN'. 2"} 

Vorstufe ein utinara dives sim. Und da ist es denn kein Wunder, 
wenn der Dichter in seinem lebendigen Empfinden den Wunsch 
so gern auf der Etappe des freudig pulsierenden Lebens, des kräf- 
tigen Begehrens festhält, statt ihm jene Eorra zu geben, die das 
unter dem Hauche des Intellektes vernichtete Dasein zeigt. O mihi 
praeterilos referat si Juppikr aniios ruft bei Virgil der greise Euan- 
der, als die heftig erregte Empfindung ihm den Wunsch nach 
dem Besitze seiner jugendlichen Kraft im Herzen entzündet ; aber 
wie schnell die Illusion dahin geht, das bezeugen die resignierten 
Worte, mit denen er fortfiihrt: iion egn nunc dulci ampkxti divel- 
Urer usquain, Xale, tuo. 

Von dem irrealen Wunsche zur irrealen Periode ist kein weiter 
Weg. Der Unterschied zwischen beiden liegt nicht darin , dafs 
sich bei letzterer an eine Voraussetzung eine bestimmte Folge 
knüpft , denn diese liegt unausgesprochen meistens auch in dem 
Wunsche, sondern vielmehr in dem Umstände, dafs es sich dabei 
um einen Akt ruhiger Reflexion handelt, nicht wie dort, um einen 
Akt reflexionslosen Begehrens. Im ül)rigen ist hier eine sehr grofse 
^lenge von Schattierungen denkbar. Der in der irrealen Periode 
ausgesprochene Gedanke steht dem Wunsche bald sehr nahe, bald 
liegt er weitab davon in dem Gebiete des abstrakten Denkens. 
„Wenn ich es hätte, würde ich es dir augenblicklich geben" läfst 
deutlich genug den Wunsch erkennen „ach , wenn ich es doch 
hätte , wie gern würde ich es dir geben." Der Gedanke „wenn 
nicht Regen und Sonnenschein wäre, würden die Früchte nicht 
gedeihen" schliefst ihn dagegen aus und erscheint als Akt reinen 
Denkens. Aber für wie vielfache Abstufungen auch nach dieser 
Seite in der irrealen Periode Raum ist. der Vorgang in der 
Seele des Redenden ist immer derselbe. Stets handelt es sich 
um eine Wirklichkeit, die ich in meinem Geiste aufzuheben 
suche. Zu diesem Zwecke bilde ich eine Annahme, deren Ver- 
wirklichung die entgegengesetzte Realität herbeiführen raufs. Ich 
will in dem eben angeführten Beis[)iele das Gedeihen der Früchte 
aus irgend welchem (»runde in mir aufheben ; um dies zu erreichen 
mache ich die Annahme des fehlenden Regens und Sonnenscheins, 
die jene Realität besei:igt und die entgegengesetzte, das nicht Ge- 
deihen, an ihre Stelle setzt. Dafs es sich hierbei nur um eine 
subjektiv gesetzte, nicht um eine objektive Wirklichkeit handeln 
kann, ist selbstverständlich. Das Resultat dieser ( )peration nun ist 
dasselbe wie beim Wunsche. Der prüfende Intellekt stellt die vor- 
handene Wirklichkeit sogleich wieder her, indem er die ihre Be- 
seitigung anstrebende Vorstellung als nichtig erkennt und verwirft, 
so dafs sie nur noch als eine im Geiste einen .-\ugenblick vor- 
handen gewesene, also vergangene erscheint. Der geschilderte Vor- 
gang mag auf den ersten Blick in solchen Fällen, wo es sich um 
einen Prozefs des Denkens handelt, weniger natürlich erscheinen 
als bei dem Wunsche; denn bei diesem kann das kräftigt- rellexions- 
lose Verlangen ein Hinwegsetzen über die realen X'erhältnisse er- 



20 K. GKSSNRK, 

kliirlicli machen ; hier scheint das bewufste Denken einen .solchen 
Versuch auszuschliefsen. Und doch ist dies nicht der Fall. Wie 
der Wunsch einen empfundenen Mangel zu beseitigen strebt, so 
will das Denken in der irrealen Periode eine nach irgend welcher 
Seite hin unbequeme Thatsache in sich aufheben. Der Unter- 
schied ist nur der, dafs statt des blinden Verlangens im Wunsche 
hier der bewufste Wille eintritt, der von dem Intellekt als ein un- 
berechtigter erkannt und zurückgewiesen wird. 

Die romanische Periode der Irrealität. Die lateinische.' 
Formel für die irreale Periode, st haberem darem, ist zwar in das 
Romanische übergegangen , ist jedoch bei weitem nicht der ge- 
wöhnliche Ausdruck derselben ; sie hat hier bald nach dieser, bald 
nach jener Seite wichtige Änderungen erfahren. Was die romani- 
sche Periode am wesentlichsten von der lateinischen unterscheidet, 
ist die Verwendung des Iraperf. Fut. {^je donnerais) in dem be- 
dingten Satze, während in dem bedingenden sich nach dem über- 
wiegenden Gebrauche der Konj. Imperf. erhalten hat. Eine mehr 
scheinbare als wirkliche Ausnahme hiervon macht nur das Franzö- 
sische, wovon nachher die Rede sein soll. 

Neben dem Imperf. Fut. erscheint in einigen romanischen 
Sprachen im Folgesatz auch die aus dem lateinischen Indikativ 
des Plusquamperfekts gewonnene Zeit, also ebenfalls ein indikatives 
Tempus. Dieses Auftreten des Indikativs in dem bedingten Satze 
statt des lateinischen Konjunktivs hat nun allerdings zunächst etwas 
Befremdendes, dem man dadurch zu begegnen versucht hat, dafs 
man diesen Zeiten für die hy})Othetische Periode einen modalen 
Charakter beilegte. i Indes scheint es doch, als thue man, in der 



' Dies ist die Ansicht von Foth : die Verschieliun«; lateinischer Tem- 
pora in den romanischen Sprachen, in Böhmer: Romanische Studien Heft 8. 
Er erklärt den Gebrauch des Imperf. Fut. dadurch, dafs dasselbe nicht blofs 
die Zukuft vom Standpunkte der Vergangenheit aus bezeichne, sondern gemäfs 
seiner Bildung aus habere mit dem Inllnitiv noch den Nebenbegriff des mit 
Gewifsheit oder Notwendigkeit Eintretenden, des billigerweise zu Erwartenden, 
fast das lateinische liebere ausdrücke (S. 26 f), dieser Begrifl' des Müssens sei 
aber für die hypothetische Periode notwendig, denn er verknüpfe die beiden 
Glieder derselben auf das engste mit einander (S. 267). Aber wie erklärt sich 
dann das spanische und portugiesische Plusquamperfekt, dem doch ein solcher 
Begrifl" der Modalität nicht beiwohnt? Denn die von Foth (S. 277) gegebene 
Deduktion ist doch zu gewunden als dafs man sich ihr anschliefsen könnte. 
Dann scheint es mir aber auch sehr unwahrscheinlich, dafs das Imperf. Fut., 
wenn man auch infolge seiner Entstehung eine ursprüngliche Bedeutung der 
Notwendigkeit darin anzunehmen hat, diese so lange gewahrt haben sollte, 
zumal das analog gebildete Futurum den rein temporalen Sinn von den älte- 
sten Zeiten an so unzweideutig erkennen läfst. Auch Thielemann (Wölfflin : 
Archiv für lat. Lexikographie und Grammatik II) kommt in seiner sehr sorg- 
fälligen Untersuchung S. 180 f. zu dem Resultat, dafs sich bei habere mit dem 
Lnfmitiv die reine Futuralbedeutung schon in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts, 
zunächst auf afrikanischem Boden, nachweisen lasse. Und S. 187 giebt er 
sogar ein sehr altes lateinisches Beispiel einer vollständigen konditionalen 
Periode: sanare te habebat deiis, si confitereris, Gott würde dich heilen, wenn 
du bekanntest. 



DIR HYPOTHETISCHE IM'.RIODl'. IM SPANISCHEN. 2Q 

lateinischen Gestaltung befangen, der Sachr dadurch Zwang an; 
vielmehr deuten die von den Romanen für den Hauptsatz ge- 
wählten Zeiten unverkennbar an, dafs ihm die Folge als eine reale 
erschien. Zunächst, wenn diese für ihn einen modalen Charakter 
gehabt hätte, müfste es doch Wunder nehmen, dafs er diesen nicht 
durch den Konjunktiv zum Ausdruck brachte, der ihm durch das 
Lateinische geradezu gebieterisch aufgedrängt wurde. Wie kam ferner 
der Spanier dazu, sich des Plusquamperfekts im Folgesätze schon zu 
einer Zeit zu bedienen, wo eine andere Bedeutung als die rein 
temporale sich nicht nachweisen läfst .■' Die so konsequente, allen 
romanischen Sprachen gemeinsame Wahl indikativer Zeiten für den 
bedingten Satz zwingt zu der Annahme, dafs hier ein Reales ge- 
dacht wurde. Und das ist auch verständlich. Wenn es, wie oben 
ausgeführt worden ist, bei der irrealen Periode darauf ankommt 
eine vorhandene Wirklichkeit zu beseitigen, so kann dies nur da- 
durch geschehen, dafs man ihr eine andere Wirklichkeit entgegen- 
stellt , die in diesem Pralle freilich nur in der lebendig erregten 
Vorstellung existieren, nur subjektiv sein kann. Und da dieses als 
wirklich Vorgestellte aus einer Annahme gefolgert wird , so gilt 
dem Geiste auch das in der Annahme Gesetzte als ein Wirkliches, 
denn Reales kann sich nur aus Realem ergeben. Auch liegt in 
dem Umstände, dafs die Annahme von dem Intellekt deshalb ver- 
worfen wird, weil sie mit den realen Verhältnissen in Widerspruch 
steht, ein Beweis, dafs vor dieser Erkenntnis ein kurzer Moment 
der Realität in ihr vorhanden gewesen sein mufs. Gerade so ver- 
sucht in dem irrealen Wunsch das heftige Verlangen den mangeln- 
den Besitz durch das Setzen des vorhandenen Besitzes zu besei- 
tigen. Da sich nun die Folge nur an den vom Intellekt noch nicht 
verurteilten, also als real vorgestellten Gedanken knüpfen kann, so 
ergiebt sich diese selber als eine reale, die mit Recht im Indikativ 
zur Anschauung gelangt. Anders das Lateinische; dieses drückt 
durch den Konjunktiv gerade die Unwirklichkeit aus, welcher mit 
der beseitigten Bedingung ja auch die Folge notwendig anheimfällt ; 
es erscheint hier gewissermafsen das P^ndresultat der ganzen geisti- 
gen Operation, nicht wie in der romanischen Periode ein gewisser 
vor der fallenden Entscheidung liegender Zeitfjunkt. 

Wenn sich somit der Indikativ für den P'olgesatz erklärt, so 
bleibt die weitere Frage, warum der Romane gerade das Imperf. 
Fut. wählte. Auf den ersten Blick scheint sich dies in natürliclxT 
Weise so zu lösen , dafs die logische Folge als eine zeitlichi- auf- 
gefafst und also das sich aus der Annahm« ; Ergebende als das 
zeitlich später lüntretende und also in Bezug auf jene als das Zu- 
künftige aufgefafst wurde (.Mälzmr, Syntax I ioq). Allein die 
Sprachen pflegen die Folge in der hypothetischen Periode sonst 
nicht so aufzufassen, Bedingung und l-'olge fallen in der Auflassung 
zusammen, diese ist in jener von vornherein als nu't enthalten ge- 
dacht; und di<: Folge wird als das zeitlich Spätere nur dann kennt- 
lich gemacht, wenn ihr l'.inlreleu als ein wirklu;li erst zukünftiges 



30 E. GESSNER, 

bezeichnet werden soll. So sagen wir „wenn ein Gott ist, so straft 
er auch die Frevel der Menschen", aber „wenn ein Gott ist, so wird 
er diesen Frevel strafen", und in irrealen Sätzen „wenn ich es 
hätte, gäbe ich es" wie lateinisch si haberein dareni. Von diesem 
Gesichtspunkt aus, sollte man nun meinen, hätte sich in der roma- 
nischen Periode die Folge, wenn diese nicht eine erst später ein- 
tretende, sondern mit der Bedingung zusamrnenfallende ist, im In- 
dikativ des Imperfekts darstellen können. Und in der That zeigt 
sich auch dieses Tempus im Spanischen nicht ganz selten (natür- 
lich abgesehen von dem auf ganz anderer Linie stehenden Indik. 
Imperf. der Hilfsverben müssen und können, vgl. weiter unten); 
aber der ganz allgemeine und überwiegende Gebrauch hat sich 
doch für das Imperf YvA.. entschieden , und wie ich glaube mit 
gutem Recht. Wenn nämlich die Folge auch naturgemäfs an eine 
der Vergangenheit überwiesene Bedingung anknüpft, so hat sie 
doch einen klaren Bezug auf die Gegenwart des Sprechenden, und 
um diesen idealen Zusammenhang mit dem Jetzt anzudeuten, gab 
es schwerlich eine geeignetere Zeit als diejenige , welche von der 
Vergangenheit in die Zukunft verweist ; denn in dieser Richtung 
liegt die Gegenwart; diese ist von der Vergangenheit aus angesehen 
ein Zukünftiges.' 



' Eine andere Erklärung für das Auftreten des Imperf. Fat. im Folge- 
satz giebt Burgatzcky : das Impeif. u. Plusquamp. des Futurs im Altfranzö- 
sischen, Greifswalder Dissert. 1885. Er geht von dem Imperf. Fut. in realen 
Bedingungssätzen aus, wenn diese von dem Präteritum eines Verbs des Sagens 
abhängen (li Venicien distrent que se ü i aloent, li coranz de Paigue les en- 
menroit contreval le Braz) und meint , dafs dieses Tempus , nachdem es in 
solchen Sätzen durch den häufigen Gebrauch als konditional gefühlt worden, 
auch in den Hauptsatz irrealer hypothetischer Satzgefüge der Gegenwart und 
Zukunft eingetreten sei, in denen in der ältesten Zeit bis zum 12. Jahrh. der 
Konjunktiv Imperfecti in beiden Gliedern allein geherrscht habe (S. 14). Diese 
Ansicht nun läfst sich vielleicht nicht direkt widerlegen , aber sie hat sehr 
vieles gegen sich. Zuerst fehlt es nicht an Beispielen dafür, dafs das Imperf. 
Fut. in der irrealen Periode im Franz. sehr alt ist ; das Fragment von Valen- 
ciennes gewährt sogar den Fall einer vollständigen Periode (e io ne dolreic 
de tanta niilia homiiium, si perdict erent); andere alte Denkmale zeigen das 
Tempus in unvollständigen Perioden, so das Lied auf Eulalia in der Form 
sostendreiet, die Burgatzcky gegen Foth ausdrücklich für die irreale Periode 
in Anspruch nimmt. Ich will ferner kein besonderes Gewicht darauf legen, 
dafs es einigermafsen auffallen kann, warum nicht, falls man B.'s Meinung 
adoptiert, mit dem Imperf. Fut. im Hauptsatze auch in dem Nebensatze so- 
gleich der Indik. Imperf. mitauftrat, den die reale Periode bei Abhängigkeit 
von Verben des Sagens immer aufweist, und warum die Änderung sich zu- 
erst nur in dem bedingten Satze vollzogen hat. Aber darauf mufs doch vor 
allem hingewiesen werden, dafs andere Sprachen, wie das Spanische und Por- 
tugiesische , in der ältesten Zeit gar kein anderes Ternpus für den Folgesatz 
der irrealen Periode kannten als das Imperf. Fut. Soll man hier etwa auch 
ein Durchgehen durch die reale Periode annehmen? Augenscheinlich ist B.'s 
Blick in dem Franz. befangen, für das es ihm darauf ankam, den Ersatz des 
ursprünglichen Konj. Imperf. durch das Imperf. Fut. zu erklären. Am be- 
denklichsten jedoch erscheint mir B.'s Hypothese einer Vermischung der 
realen und der irrealen Periode. Es ist schwer anzunehmen, dafs das Sprach- 
gefühl zwei so grundverschiedene Verhältnisse mit einander verwechselt und 



DIE HYPOTHETISCHK PERIODE IM SPANISCHEN. 3I 

Es ist oben S. 28 bemerkt worden, dafs sich das Franz. in 
der Gestaltung der irrealen Periode von den anderen romanischen 
Sprachen entfernt. Dies ist in doppelter Hinsicht der Fall, einmal 
in dem in der ältesten Zeit und teilweise noch heute üblichen Ge- 
brauch des Konj. Imperf. (Plusquamp.) im bedingten und dann in 
dem Gebrauch des Indik. Imperf. (Plusquamp.) im bedingenden 
Satze. Was den ersten Punkt betriftt, so ist allerdings die Formel 
si feusse, Je donttasse in den ältesten Denkmalen die durchaus herr- 
schende.i Aber wohlgemerkt, dies gilt nur von der vollständigen, 
geschlossenen Periode. Sobald diese durchbrochen, sobald der 
Bann des Lateinischen, unter dem die volle altfranz. Periode liegt, 
gelöst ist, zeigt auch das Altfranz, die unverkennbare und unwider- 
stehliche Neigung, das Imperf. Fut. wie die verwandten Idiome in 
der hypothetischen Periode zur Verwendung zu bringen. Schon 
die ältesten Denkmaie weisen es in der unvollständige Periode auf 
(sosletidreüt, Eulalia 16; ?}iorir volria,^oc.i\\\\xs 117). Dann aber tritt 
es auch bald in vollständigen Perioden auf; zunächst noch mit 
gewahrtem Konj. Imperf. im bedingenden Satze 2; bald aber auch 
neben dem heute allein gestatteten Indik. Imperf. im Nebensatze, so 
dafs das Satzgefüge sich ganz in der heutigen Form darstellt. 
Schon im Villehardouin stufst man auf zahlreiche Fälle dieser 
modernen Gestaltung, im Joinville ist sie bereits die fast ausschliefs- 
lich beobachtete Regel, und mit dem 16. Jahrh. etwa ist sie zur 
Herrschaft gelangt, wenn sich auch die alte Konstruktion mit dem 
Konj. Imperf. in der populären Ausdrucksweise noch erhält.'' So 
hat sich das Französische schwerer als die anderen romanischen 
Sprachen von den Fesseln des Lateinischen befreit ; trotz der 



das eine auf das andere übertragen haben soll. Wenn die abhänginge reale 
Periode in ihrer äufseren Gestaltung im Franz. und in anderen romanischen 
Idiomen mit der irrealen zusammenfalh, so liegt das in den syntaktischen Ge- 
setzen dieser Sprache, nicht da wo B. es sucht. Das Spanische beweist sehr 
deutlich, wie das Sprachbewufslsein beide Perioden zu scheiden weifs; si 
tengo, dare giebt heute und gab von den ältesten Zeilen an bei Abhängigkeit 
von einem präteritalen Verb nur si tenia, darin, nicht si tuviese, darin, die 
Form der irrealen Periode. Vgl. unten beim realen Fall. 

' Vgl. für das Altfranz, die eingehende Untersuchung von Klapperich : 
historische Enlwickelung der syntaktischen Verhältnisse der Bedingungssätze 
im Altfranzösischen in P'ranzilsische Studien III 4. 

'-' Klapperich S. 18. Besonders lehrreich sind die Stellen in Über- 
setzungen, wo sich trotz des lalcin. Konj. Imperf. das Imperf. Fut. Bahn 
bricht: si tn'en dunasses mit de (es deniers, ne metereie inain sur le fiz U 
rei {si appenderes . . nequaquatn mitterem), Livres des Rois ed. Le Roux de 
Lincy S. 187. .SV mort l'eusse, ä niort vie tourner oit ; kar ne serreit 
pas ceted al rei {si fecissem . . latere potuisset), ib. Ebenso in der so sklavi- 
schen Übersetzung der Dialoge des Papstes Gregor : si ie . . volsissf tenir, 
celes . . ne receue roit {si tenere voluissem, non susciperet), Dialoge Gregoirc 
lo Papc ed. Försteer S. 8,5. Et quant il . . eust eure, iceaz ne troutroil 
tnie (dtimque ciiraret, . . illos non inreniret). ib. S. 62,11. Daher auch im 
Gregoire das wohl stän<lige volreie für lat, vel/em (S. 52,14 etc.). 

^ Klapperich S. 22. Vogels: Der syntaktische Gebrauch der Tempora 
und Modi bei Pierre de Larivey in Böhmer, Roman. Studien V 489. 



32 E. GESSNER, 

auch in ihm ganz unverkennbaren Neigung für das Imperf. Ful. im 
Folgesatz hat es sich doch in der geschlossenen Periode lange 
nicht von seinem lateinischen Vorbilde losmachen können. Es ist 
nun belehrend zu sehen , wie sich' dieselbe Erscheinung auch bei 
der auf Vergangenes bezüglichen Periode wiederholt. In der älte- 
sten Zeit wurde diese bekanntlich in der Regel durch dieselben 
Zeiten dargestellt, die für die Periode der Ciegenwart dienten. Als 
man nun später aber die zusammengesetzten Tempora zu ver- 
wenden anfing, hätte die so stark hervortretende Vorliebe für das 
Imperf. Fut. zum Gebrauche des Plusquamp. Fut. im bedingten 
Satze führen müssen. Aber gegen diese Zeit bekundet die Sprache 
lange eine unverkennbare Abneigung. Wie in der ältesten Zeit 
die Periode der Gegenwart den Konj. Imperf. in beiden Gliedern 
aufweist, so in dieser Epoche der Sprache, dem 15. und 16. Jahrb., 
den Konj. Plusquamp. in beiden Sätzen der auf die Vergangenheit 
bezogenen Periode, ein Beweis, wie sehr auch hier das Franz. in 
den Banden des Lateinischen lag. Im Joinville, im Petit Jehan de 
Saintr6, in den Quinze joyes de mariage kennt die reine mit si 
gebildete vollständige Periode der Vergangenheit keine andere Ge- 
staltung als si feusse eti, feusse chmni\ auch im Montaigne und im 
Heptameron verhält es sich schwerlich anders, und dafs auch das 
17. Jahrb. an dieser Form noch festhielt, lehrt Haase: Französi- 
sche Syntax des 17. Jahrhunderts, S. loi f. Nur wenn diese strenge 
Form in irgend einer Weise durchbrochen wird , sei es dafs die 
Periode unvollständig ist, oder dafs Mischung aus Gegenwart und 
Vergangenheit vorliegt oder anderweitige Änderungen eintreten, 
läfst sich das Plusquamp. Fut. zuweilen im Konsekutivsatze antreffen. 
Beispiele aber der modernen Fügung si favais eu, faurais doruie 
sind in der alten Sprache, wenn auch nicht unerhört, so doch sehr 
selten {t7-op nie serrcit mal avenu S''il aveient por mei eit Mal, dont 
il receussent mort, Vie de Tobie v. 7 7 1 in Herrig, Archiv, Band 

62,375 f-). 

Die zweite auffallende Erscheinung in der franz. Periode der 
Irrealität ist der Gebäauch des Indik. Imperf. (Plusquamp.) im be- 
dingenden Satze. Dieselbe Eigentümlichkeit zeigt auch das Pro- 
venzalische und das Catalanische. Dafs sie im Französischen schon 
ziemlich früh auftritt, ist schon bemerkt worden; vgl. auch Klap- 
perich S. 18. Der Grund zu dieser bedeutsamen Änderung scheint 
in der That ein mehr äufserlicher gewesen zu sein , der auf das 
Bedürfnis beide Glieder der Periode mit dem gleichen Modus aus- 
zudrücken zurückgeführt werden kann.i Denkt man an die innere 
Verwandtschaft, welche die beiden Glieder der Periode trotz ihrer 
Verschiedenheit als Voraussetzung und Folge mit einander haben, 
so erscheint es erklärlich , dafs der Indikativ im Haäptsatze auch 
den im Nebensatze herbeiführte. Nicht ohne Einilufs raas: dabei 



• Vgl. L. Toblcr in Zeitschrift für Völkerpsychologie II 49. Foth S. 279, 
280 Anm. 



DIE HYPOTHKTISCHE PERIODE IM SPANISCHEN. ^^ 

die reale Periode mit ihren indikativen Zeiten in beiden Gliedern 
gewesen sein; si j'ai, je Jonnerai konnte leicht Veranlassung zu 
einem si favais, je donnerais werden. 

Periode der Irrealität im Spanischen. Im Spanischen 
und in einigen anderen romanisclien Idiomen ist das Plusquamp. i ' 
für die irreale Periode herangezogen worden, aber in'rgend hat es 
einen so tief eingreifenden Einllufs darauf ausgeübt wie in der 
spanischen (portugiesischen) Sprache. Die überaus wichtige Rolle, 
die es hier spielt, n(')tigt zu einer eingehenden Betrachtung. 

Sollte das Plusquamp. i in die hypothetische Periode eintreten, 
so liegt die Vermutung nahe, dafs es seinen Einzug zunächst in 

' Diesen Kamen gebe ich dem aus dem latein. Indik. Plusquamp. ge- 
wonnenen Tempus {amara, aus amaveram) zum Unterschiede von den durch 
Zusammens'itzung entstandenen Formen habia aniado (Phisquamp. 2) und hiiöe 
amado (Plusquamp. 3). Zu ihm gesellt sich dann noch eine nach Analogie 
der übrigen zusammengesetzten Zf-iten aus dem Plusquamp. I von habere mit 
dem Partie, gebildete Zeit hubiera amado, die ich das zusammengesetzte Plus- 
quamp. I nenne. Dieses lat. Plusquamp. ist in alle romanischen Sprachen 
übergegangen , doch nicht in allen hat es dieselbe Lebensfähigkeit bewiesen 
und dieselbe Bedeutsamkeit erlangt. Das Franz. kennt es nur in den ältesten 
Denkmalen. Auch im Italienischen hat es nur ein kurzes Dasein gehabt. 
Dagegen tritt es, besonders in der hypothet. Periode, im Provenzalischen und 
Catalanischen, namentlich aber im Spanischen und Portugiesischen sehr stark 
in den Vordergrund. Auch aufserhalb der Periode findet es in den genannten 
Sprachen seine Verwendung, jedoch in den südwestlichen Idiomen in ungleich 
höherem Mafse als im Provenzalischen und Catalanischen, wo sein Gebrauch 
ein ziemlich beschränkter ist. Dem Umstände, dafs das Tempus vorzugsweise 
in der konditionalen Periode angewendet wird, verdankt es die verschiedenen 
Namen, die ihm die Grammatiker gegeben, und die Stellung, die sie ihm in 
dem Schema der Konjugation zuweisen. Meistens wird es zum Konjunktiv 
gerechnet und bald als Konditionale, bald als Preterito imperfecto oder als 
Posterior subjuntivo u. s. w. bezeichnet. Ich betrachte den Namen Plusquam- 
perfekt, wenigstens für das Spanische und Portugiesische, für den angemessen- 
sten , nicht nur wegen seiner Abstammung , sondern noch mehr, weil das 
Tempus in seiner ursprünglichen Bedeutung eines für die Vergangenheit Ver- 
flossenen in dem Altspanischen aufserordenilich gewöhnlich ist und sich darin, 
wenn auch in engeren Grenzen, bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Noch 
mehr ist dies bekanntlich im Portugiesischen der Fall ; hier ist seine Ver- 
wendung als präteritales Tempus aufserhalb der hypothetischen Periode noch 
jetzt eine recht erliebliche (wer sich davon überzeugen will, lese nur die ersten 
Seiten von Herculano's Monasticon). Mit Recht führt daher auch Braga in 
seiner Grammatica Portugueza die in Rede stehende Zeit unter dem Namen 
Preterito mais que perfeilo ein. — Was das zusammengesetzte Plusquamp. i 
anlangt, so zeigt es sich schon sehr früh innerhalb und aufserhalb der h\po- 
ihctischen Periode. Im Grunde ist es für die alte Sprache eine völlig über- 
flüssige Bildung, denn das einfache Plusquamp. genügte durchaus zur Be- 
zeichnung dessen, was damit ausgedrückt werden sollte. Ein Recht der Exi- 
stenz gewann das Tempus eigentlich erst in späterer Zeit, als die Sprache in 
dem Bestreben, Gegenwart und Vergangenheit in der hypothetischen Periode 
durch die Wahl einfacher und zusammengesetzter Zeiten kenntlicher zu 
machen, das einfache Plusquamp. i auf die Sphäre der (iegenwart beschränkte, 
so dafs nun das zusammengesetzte sowohl für die Darstellung der Vergangenes 
ausdrückenden hypothet. Periode, als auch aufserhalb derselben als Konj. 
Plusquamp. eine zwar nicht unintlii-hrlich"- . ili«r .In. )i h, ., , liti..i.- Stellung 
gewann. 

ZbitHchr. f. roiii. l'liil. \\\ . • 



34 E. GESSNER, 

die aul Vergangenes bezogene Periode und zwar in den bedingten 
Satz derselben gehalten hat, da ja der Romane für diesen überhaupt 
nur indikative Zeiten verwendete. Freilich kommt dabei die Dar- 
stellung des von der Vergangenheit aus Zukünftigen in Wegfall ; 
allein es ist verständlich, dafs bei einem Gedanken, welcher der 
unmittelbaren Gegenwart des Sprechenden entrückt ist, das Be- 
dürfnis hierzu sich weiu"ger fühlbar machte. Bedingung und Folge 
fallen, namentlich aus der Entfernung angesehen, in dem Geiste des 
Redenden so sehr zusammen, dafs sie sich der Behandlung mit dem- 
selben Tempus nicht ernstlich widersetzen. Schon das Latein hatte 
diesen Weg in einzelnen Fällen eingeschlagen [l-'erierat Imperium, st 
Fabius iatittmi ausus esset quanium ira siiadebat. Me trunciis illapsus ce- 
rebro Sustulerat, nisi Faimiis idum D extra levasset). Die Sache verhielt 
sich nun auch in der That so: die ältesten Beispiele im Spanischen 
weisen das Plusquamp. i nur in dem Folgesatze der irrealen 
Periode der Vergangenheit auf. Aber dabei blieb es nicht, das 
Tempus dehnte seine Befugnis in der konditionalen Periode immer 
mehr aus. Indem es zunächst auch den Folgesatz der auf die 
Gegenwart gehenden Periode für sich in Anspruch nahm, schuf es 
eine weitere nicht unerhebliche Neuerung. Einmal verzichtete die 
Sprache nun auch für die Gegenwart auf die deutliche Bezeichnung 
des Zukünftigen, wie sie in dem bisher allein üblichen Imperf. Fut. 
lag; und in Bezug hierauf kann auf die oben S. 30 gemachte und 
später zu begründende Bemerkung hingewiesen werden, dafs dem 
Spanier die Darstellung der Folge als eines von der Vergangenheit 
aus Zukünftigen weniger unerläfslich zu sein schien. Dann aber 
wurde durch diesen Gebrauch das Plusquamp. i auch seiner ur- 
sprünglichen Zeitsphäre entrückt, um eine einfache Vergangenheit 
auszudrücken. Aber dies Letztere wenigstens ist keine eigentliche 
Neuerung; diesen Übertritt hatte die Zeit bereits vollzogen. Voll- 
kommen entbehrlich neben den beiden anderen Plusquamp. mufste 
sie sich schon sehr früh dazu hergeben , auch das Vergangene 
schlechtweg zu bezeichnen und somit das Perfekt und Imperfekt 
zu vertreten. Vereinzelt treten Beispiele dieses Gebrauches schon 
im Berceo und im Poema del Cid auf, öfter im Fuero Juzgo, häufig 
dann im 14. Jahrh. Einen ungleich schwereren Eingriff in seine 
Natur dagegen erlitt unser Tempus durch seinen Übertritt in den 
bedingenden Satz der irrealen Periode, denn damit mufste es sich 
die Verweisung in den Konjunktiv gefallen lassen. Auf den ersten 
Blick erscheint es zwar vielleicht natürlicher, es in diesem Falle 
als eine indikative Zeit zu fassen und an einen ähnlichen Vorgang 
zu denken, wie er in dem franz. st favais zu Tage tritt. Aber im 
Spanischen ist das Gefühl für den Konjunktiv im Nebensatze der 
irrealen Periode zu fest begründet, als dafs man so leicht ehie Er- 
schütterung desselben annehmen dürfte. Während das Französische 
früh und leicht auf den Konjunktiv im «-Satze verzichtete, ist dem 
Spanier das Gefühl für diesen Modus stets lebendig geblieben und 
findet noch heute in der typischen Formel si tttviese daria seinen 



DIE HYPOTHETISCHK I'ERIODK IM SPANISCHEN. 35 

Ausdruck. Das Plusquamp. i im «-Satze wurde wohl ohne Zweifel 
direkt als Konjunktiv gefühlt; denn nur so wird es begreiflich, dafs 
dasselbe im Laufe der sprachlichen Entwickelung auch aufserhalb 
der hypothet. Periode ohne weiteres ganz allgemein die Bedeutung" 
des Konjunktivs annehmen konnte, eine Bedeutung die bei dem 
Plusquamp. i vor seinem Eintritt in dieselbe nicht nachweisbar ist. 
Fragt man nun, wie sich der Übertritt des Plusquamp. i in den 
bedingenden Satz erklären lasse, so ist eine Antwort schwer; viel- 
leicht führte das Gefühl für die verwandte Natur der beiden die 
Periode bildenden Glieder zu einer auch äufserlich gleichen I^e- 
handlung derselben. 

Anmerkung. Auch die anderen romanischen Sprachen, 
vornehmlich das Provenzalische und das Catalanische, kennen 
das Plusquamp. i in der hypothet. Periode. Bemerkenswert 
dabei ist, dafs sich dasselbe im Provenzalischen schon sehr 
früh als Zeit der Gegenwart einstellt, so dafs ein allmähliches 
1 lerabsteigen aus der Sphäre der Vergangenheit wie im Spa- 
nischen kaum nachzuw-eisen ist. Schon in der aus dem 
II. Jahrb. stammenden Übersetzung des Evangeliums johannis 
und in anderen dem 12. Jahrb. angehcirenden Schriftwerken 
erscheint es in der Periode der (iegenwart {st vös 7ne arnassdz, 
vos certas esjauviraz: si düigcreiis nie, gatider etis ulique, 
Bartsch Chrestomathie, 2. Ausgabe S. 11,45. ^'^ ^"'-^ fossäz 
(kl iniin, lo münz aniera zo que. era so: si dt' mundo fuissetis, 
mundus quod suum erat diligcret, ib. 13,4. Agren pechat : 
haberent peccatum, ib. 13,15). Was das Catalanische betrifft, 
so ist in der von mir genauer durchgesehenen Chronik des 
Muntaner für die Periode der Gegenwart si icnia darin die 
durchaus übliche Form; in der das Plusquamp. i aufnehmen- 
den Gestaltung bezeichnet dieses ganz überwiegend die Ver- 
gangenheit; nur verhältnismäfsig selten dient es auch zum 
Ausdruck der Gegenwart, am häufigsten noch in der unvoll- 
ständigen Periode. Hervorzuheben ist aber vor allem, dafs, 
so weit wenigstens meine Erfahrung reicht, das Provenzalische 
und das Catalanische den verhängnisvollen Schritt das Plus- 
quamp. I in den bedingenden Satz zu ziehen überhaupt nicht 
gethan haben. Für das Italienische bezeugt Foth S. 279 das- 
selbe, und auch im ältesten Französisch wird es sich nicht 
anders verhalten haben (vgl. Passion 38c: melz li fura non 
J'usses naz). Damit hängt denn auch zusammen, dafs dieses 
Tempus in den genannten Idiomen aufserhalb der hypothet. 
Periode niemals die Geltung eines Konjunktivs, wie so ge- 
wöhnlich im Spanischen und Portugiesischen , angenommen 
hat, sondern auf die Sphäre des Indikativs angewiesen bleibt. 
Überhaupt tritt im Provenzalischen und Catalanischen das 
Plusquamp. i im Gegensatz zum Spanischen und Portugiesi- 
schen nur in mäfsiger Weise aufserhalb der l^edingnngs- 
periüde aul. 



30 E- GE5SNER, 

Was nun das Erscheinen und allmähliche um sich Greifen des 
Plusquamp. i in der spanischen Periode spezieller angeht, so ist 
schon bemerkt worden, dais es in den 'ältesten Denkmalen zunächst 
ausschliefslich in dem Konsekutivsatze der Periode der Vergangen- 
heit auftritt So in Cid, Berceo, Appolionio. Aber schon sehr 
früh erscheint es, zunächst ebenfalls nur für die Vergangenheit, 
bereits auch in dem Konditionalsatze. Die ersten Beispiele finde 
ich in dem Alex. Nachdem es sich so der beiden Glieder der 
Periode der Vergangenheit bemächtigt hat, verdrängt es bald die 
anderen Tempora und wird aUmähüch die herrschende Zeit für 
diese Periode, sowohl in ihrer vollständigen wie in ihrer unvoll- 
ständigen Form. Denn gegen das Plusquarap. Fut. hat der Spanier 
lange eine entschiedene Abneigung bewi-- auch dem Plus- 

quamp. Konj. im Nebensatze ist er wenig So geschieht es, 

dafs das einfache Plusquamp. i schon im 14. jahrh. in stärkerer 
Weise hervortritt und dafs es in den folgenden Jahrhunderten seine 
Herrschaft inomer mehr befestigt. In Roiz, R Pal., Guzman, Ayora, 
Pulg. Letr., Celestina gebietet es so gut wie unbeschränkt über die 
auf die Vergangenheit bezogene Periode. Denn das zusammen- 
gesetzte Plusquamp. i ist in der alten Zeit immer nur wenig zur 
Venvendung gekommen ; viele Denkmale kennen es überhaupt nicht. 
\\'ährend es im ganzen Berceo vielleicht nur viermal, im Appol. 
zweimal, etwas häufiger im Alex, vorkommt, ist es im Cid, Roiz, 
Guzman gar nicht, in anderen älteren Schriftstücken vereinzelt vor- 
handen; kurz es schwindet immer mehr zu Gunsten des einfachen 
Plusquamp. i. 

Während dieser ganzen Zeit, etwa bis zum Ausgange des 
15. Jahrb., ist das Plusquamp. i in der Periode der Gegenwart 
selten. Der Übertritt in diese scheint sich erst im 14. Jahrh. zu 
vollziehen, also später als der in das ko: ' - Glied. Im Cid, 

Berceo, Alex., M Flgipc, Ador. läfst sich noch nicht ge- 

wahren, erst im Roiz tritt er ganz vereiuzdi auf. Namentlich in 
der geschlossenen Periode der Gegenwart vermag das Tempus 
gegen die übermächtige alte Formel si /miese daria nicht aufzu- 
kommen ; zwar begegnet man ihm in den Werken des Juan Ma- 
nuel, in Roiz, R Pal. und andern Werken, aber immer nur im 
ganzen selten. Mit der Zeit jedoch gewirmt es mehr Boden und 
bemächtigt sich nach und nach der ganzen Periode der Gegen- 
wart Einige Fälle dieser Gestaltung si tiivUra dura für die Gegen- 
wart finden sich schon in Pulg. Letr., nicht selten dann in der 
Celestina. Besonders aber wird sie von der 2. Hälfte des 16. Jahrh. 
an eine ebenbürtige Nebenbuhlerin jener ältesten Form. In Guer. 
Civ. ist sie das fast ausschhefsliche Schema für die Periode der 
Gegenwart ; im Alfar. wiegt sie vielleicht vor ; im Quij. und in Cart 
Mar. erscheint sie neben si heviese daria als gleichberechtigt; 
im Criticon und in SoUs Cartas ist sie die Hauptform; im 



DIE HYPOTHETISCHE PERIODE IM SPANISCHEN. 37 

FGerd. findet sie sich häufig, obwohl hier si iuvüra darin gewöhn- 
hcher ist. 

Wenn somit in dieser Epoche si tuviera diera sich in starker 
Weise der Periode der Gegenwart bemächtigt hatte, so blieb doch 
daneben diese Formel auch für die Vergangenheit zunächt noch 
vorwiegend in Gebrauch. Ganz entschieden ist dies z. B. in Alfar. 
der Fall, fast nicht weniger in Quij. und Criticon. Dieser Um- 
stand nun, dafs dasselbe Schema unterschiedslos zum Ausdruck 
der Vergangenheit und der Gegenwart diente, führte zu der ebenso 
interessanten wie begreiflichen Erscheinung des Wiederauflebens des 
zusammengesetzten Plusquamp. i, nur mit dem Unterschiede, dafs 
diese Bildung sich fortan nicht nur eines frölicheren Gedeihens, 
sondern auch einer besseren Berechtigung als früher erfreute. Der 
indifferente Charaker des einfachen Plusquamp. i, in dem Gegen- 
wart und Vergangenheit zusammenfiel, mufste leicht das Bedürfnis 
erzeugen , diese Zeitsphären in, einer äufserhch erkennbaren Weise 
auseinander zu halten, und hierzu war die Wiedereinführung des 
zusammengesetzten Plusquamp. i ein vortrefl^liches Mittel. Man 
gelangte so im Laufe der Zeit naturgemäfs dazu , das einfache 
Plusquamp. auf die Gegenwart einzuschränken und in dem zu- 
sammengesetzten einen deutlichen Ausdruck für die V^ergangenheit 
zu gewinnen.' Besonders machte sich dieses Bedürfnis deutlicherer 
.Scheidung für die aus Gegenwart und Vergangenheit gemischte 
Periode fühlbar, und so ist z. B. bereits in Quij. die Bezeichnung 
der Vergangenheit durch das zusammengesetzte Tempus in solchen 
Perioden die weitaus überwiegende Regel. Es ist jedoch wichtig 
zu bemerken, dafs die damit eingeführte Änderung auch hier sich 
nur allmählich vollzog. Bei Perioden, deren beide Glieder Ver- 
gangenes ausdrücken , ist zunächst Verwendung der zusammen- 
gesetzen Zeit in beiden Sätzen das ungleich Seltnere ; man be- 
gnügte sich damit die Vergangenheit nur in dem einen Gliede 
kenntlich zu machen, indem man die richtige .\ufi;assung dem Ver- 
ständnis des Hörers überliefs. Dafs sich nach diesem ersten 
.""Schritt ein Eintreten des zusammengesetzten Tempus bald in beiden 
Teilen der hypothet. Periode entwickeln mufste, ist natürlich und 
war nur eine P'rage der Zeit. Diese weitere Entwickelung liefs 
denn auch nicht lange auf sich warten. FGerd. und Cart. Mar. 
lassen bereits das selten verletzte Gesetz erkennen, die Vergangen- 
heil in der hypothet. Periode durch zusammengesetzte Zeiten aus- 
zudrücken. Dies ist das moderne Prinzip. Eine natürliche Folge 



' Beobachten läfst sich dieses stärkere Heranziehen des zusammcH- 
^:esei/ten Plusquamp. etwa von der /weiten Hälfte des 16. Jahrh. an. Inter- 
essant ist z.B. ein Vergleich des Lazar.Nf. (erste Hälfte des 16. Jahrh.) mit 
seiner Fortsetzung von Luna, die gegen Endedicses oder wohl richtiger in ilcn 
Anfang des 17. Jahrh. fällt. In jenem ist si tuviera diera die einzige Form der 
auf di'- Vergangenheit bezüglichen Periode; in dieser ist sie es nur noch ganz 
vereinzelt: der Regel nach ''-" i" <i">"-. il>-r l.ii.l. n (i)i,i!.r 1.. .'i^i nun n- 
gesetzte Plusquamp. ein. 



36 te. GESSNER, 

Was nun das Erscheinen und allm;ihliche um sich (ireifen des 
Plusquamp. i in der spanischen Periode spezieller angeht, so ist 
schon bemerkt worden, dafs es in den ältesten Denkmalen zunächst 
ausschliefslich in dem Konsekutivsatze der Periode der A'^ergangen- 
heit auftritt. So in Cid, Berceo, AppoUonio. Aber schon sehr 
früh erscheint es, zunächst ebenfalls nur für die Vergangenheit, 
bereits auch in dem Konditionalsatze. Die ersten Beispiele finde 
ich in dem Alex. Nachdem es sich so der beiden Glieder der 
Periode der Vergangenheit bemächtigt hat, verdrängt es bald die 
anderen Tempora und wird allmählich die herrschende Zeit für 
diese Periode, sowohl in ihrer vollständigen wie in ihrer unvoll- 
ständigen P^orm. Denn gegen das Plusquamp. Fut. hat der Spanier 
lange eine entschiedene Abneigung bewiesen und auch dem Plus- 
quamp. Konj, im Nebensatze ist er wenig hold. So geschieht es, 
dafs das einfache Plusquamp. i schon im 14. Jahrh. in stärkerer 
Weise hervortritt und dafs es in den iulgenden Jahrhunderten seine 
Herrschaft immer mehr befestigt. In Koiz, R Pal., Guzman, Ayora, 
Pulg. Letr., Celestina gebietet es so gut wie unbeschränkt über die 
auf die Vergangenheit bezogene Periode. Denn das zusammen- 
gesetzte Plusquamp. i ist in der alten Zeit immer nur wenig zur 
Verwendung gekommen ; viele Denkmale kennen es überhaupt nicht. 
Während es im ganzen Berceo vielleicht nur viermal, im Appol. 
zweimal, etwas häufiger im Alex, vorkommt, ist es im Cid, Roiz, 
Guzman gar nicht, in anderen älteren Schriftstücken vereinzelt vor- 
handen ; kurz es schwindet immer mehr zu Gunsten des einfachen 
Plusquamp. i. 

Während dieser ganzen Zeit, etwa bis zum Ausgange des 
15. Jahrh., ist das Plusquamp. i in der Periode der Gegenwart 
selten. Der Übertritt in diese scheint sich erst im 14. Jahrh. zu 
vollziehen, also später als der in das konditionale Glied. Im Cid, 
Berceo, Alex., M Kgipc, Ador. läfst sich derselbe noch nicht ge- 
wahren, erst im Roiz tritt er ganz vereinzelt auf. Namentlich in 
der geschlossenen Periode der (Gegenwart vermag das Tempus 
gegen die übermächtige alte Formel s/' iuviese daria nicht aufzu- 
kommen ; zwar begegnet man ihm in den Werken des Juan Ma- 
nuel, in Roiz, R Pal. und andern Werken , aber immer nur im 
ganzen selten. Mit der Zeit jedoch gewinnt es mehr Boden und 
bemächtigt sich nach und nach der ganzen Periode der Gegen- 
wart, lünige Fälle dieser Gestaltung si iuviera diera für die Gegen- 
wart finden sich schon in Pulg. Letr., nicht selten dann in der 
Celestina. Besonders aber wird sie von der 2. Hälfte des 16. Jahrh. 
an eine ebenbürtige Nebenbuhlerin jener ältesten Form. In Guer. 
Civ. ist sie das fast ausschliefsliche Schema für die Periode der 
Gegenwart; im Alfar. wiegt sie vielleicht vor; im Quij. und in Cart. 
Mar. erscheint sie neben si Iuviese daria als gleichberechtigt; 
im Criticon und in Solls Cartas ist sie die Hauptform ; im 



DIE HYPOTHKTISCHK I'EKIODK IM SPANISCHEN. 37 

I""Gerd. lindet sie sich häufig, obwohl hier si tuviera darin 'g^.\sb\\\\- 
1 icher ist. 

Wenn somit in dieser Epoche si tuviera diera sich in starker 
Weise der Periode der Gegenwart bemächtigt hatte, so blieb doch 
Lhmcben diese Formel auch für die Vergangenheit zunächt noch 
vorwiegend in Gebrauch. Ganz entschieden ist dies z. B. in Alfar. 
der Fall, fast nicht weniger in Quij. und Criticon. Dieser Um- 
stand nun, dafs dasselbe Schema unterschiedslos zum Ausdruck 
der Vergangenheit und der Gegenwart diente, führte zu der ebenso 
interessanten wie begreiflichen Erscheinung des Wiederauflebens des 
zusammengesetzten Plusquamp. i, nur mit dem Unterschiede, dafs 
diese Bildung sich fortan nicht nur eines frölicheren Gedeihens, 
sondern auch einer besseren Berechtigung als früher erfreute. Der 
indifferente Charaker des einfachen Plusquamp. i, in dem Gegen- 
wart und Vergangenheit zusammenfiel, mufste leicht das Bedürhiis 
erzeugen , diese Zeitsphären in^ einer äufserlicli erkennbaren Weise 
auseinander zu halten, und hierzu war die Wiedereinführung des 
zusammengesetzten Plusquamp. i ein vortreffHches Mittel. Man 
gelangte so im Laufe der Zeit naturgemäfs dazu , das einfache 
l^lusquamp. auf die Gegenwart einzuschränken und in dem zu- 
sammengesetzten einen deutlichen Ausdruck für die Vergangenheit 
zu gewinnen. 1 Besonders machte sich dieses Bedürfnis deutlicherer 
Scheidung für die aus Gegenwart und Vergangenheit gemischte 
Periode fühlbar, und so ist z. B. bereits in Quij. die Bezeichnung 
der Vergangenheit durch das zusammengesetzte Tempus in solchen 
Perioden die weitaus überwiegende Regel. Es ist jedoch wichtig 
zu bemerken, dafs die damit eingeführte Änderung auch hier sich 
nur allmählich vollzog. Hei Perioden, deren beide Glieder Ver- 
gangenes ausdrücken, ist zunächst Verwendung der zusammen- 
gesetzen Zeit in beiden Sätzen das ungleich Seltnere; man be- 
gnügte sich damit die Vergangenheit nur in dem einen Gliede 
kenntlich zu machen, indem man die richtige Auifassung dem Ver- 
ständnis des Hörers überliefs. Dafs sich nach diesem ersten 
Schritt ein Eintreten des zusammengesetzten Tempus bald in beiden 
Teilen der hypothet. Periode entwickeln mufste, ist natürlich und 
war nur eine Frage der Zeit. Diese weitere Entwickelung liefs 
denn auch nicht lange auf sich warten. FGerd. und Cart. Mar. 
lassen bereits das selten verletzte Gesetz erkennen, die Vergangt-n- 
heit in der liypothet. Periode durch zusammengesetzte Zeiten aus- 
zudrücken. Dies ist das moderne Prinzip. Eine natürliche Folge 



' Beobachten läfst sich dieses stärkere Heranziehen des zusanimen- 
^,'eselzten Plusquamp. etwa von der /.weiten Hälfte des 16. Jahrh. an. Inter- 
essant ist z. B. ein Vergleich des LazarM. (erste Hälfte des 16. Jahrh.) mit 
seiner Fortsetzung von Luna, die gegen Endediescs oder wohl riclitiger in den 
Anfang des 17. Jahrh. fällt. In jenem ist si tuviera diera die einzige Form der 
auf die Vergangenheit bezüglichen Periode; in dieser ist sie es nur noch ganz 
vereinzelt; fier Regel nach tritt in oinein der beiden Glieder das zusanimcn- 
geseiztc Plusquamp. ein. 



40 E. GESSNEK, 

in vielen Fällen die Sache einfach genug dadurch, dafs der Redende 
in seinem Berichte sich so lebhaft in die Vergangenheit versetzt, 
dafs er auch bei einer aus der Erzählung heraustretenden und von 
seinem gegenwärtigen Standpunkt gemachten Bemerkung den Boden 
der Vergangenheit nicht vcrläfst. Die in den Bericht einer ver- 
flossenen Begebenheit eingestreute Bemerkung „wenn er damals so 
und so gehandelt hätte, würde er die Gefahr vermieden haben" 
wird unter diesen Umständen zu einem „wenn er (jetzt) so und 
so handelte, würde er die Gefahr vermeiden". Diese Darstellungs- 
weise entspricht auch sehr wohl einer mehr kindlichen, naiven, nach 
der Seite der Reflexion weniger entwickelten Anschauungsweise 
jugendlicher Völker. Das häufige altfranz. lor veissiez (altspan. ve- 
riades, vierades), da hättet ihr sehen können, ist ein recht bezeich- 
nendes Beispiel für dieses lebendig der Vergangenheit hingegebene 
Denken. Aber auch von solchen Fällen abgesehen erscheint es 
mit dem Wesen eines ungebildeteren , natürlicher und unmittel- 
barer empfindenden Volkes wohl vereinbar, wenn der Redende es 
mit der strengen Bezeichnung der Zeit weniger genau nimmt. Der 
Hauptzweck der irrealen Periode besteht darin , eine Vorstellung 
als mit der Wirklichkeit im Widerspruch befindlich, etwas als un- 
wirklich oder unmöglich zur Anschauung zu bringen. War das 
erreicht, so konnte der Sprechende das Übrige dem Verständnis 
seiner Zuhörer überlassen, er konnte sicher sein, dafs diese den 
Gedanken in die richtige Zeitsphäre einordnen würden. Wie man 
aber hier auch deuten möge, die Thatsache ist vorhanden, in allen 
romanischen Sprachen und so auch im Spanischen ist für die 
älteste Zeit nichts üblicher als der Ausdruck der Vergangenheit 
in der konditionalen Periode durch die Tempora der Gegenwart. 
Speziell dem Spanischen und noch mehr dem Portugiesischen wohnt 
diese Neigung so tief inne, dafs sie auch heute noch nicht völlig 
überwunden ist ; Perioden der Vergangenheit, in denen die Ver- 
gangenheit nur in dem einen Gliede zum Ausdruck kommt, während 
in dem andern die bequemere und kürzere Zeit der Gegenwart für 
ausreichend erachtet wird, sind bei modernen Schriftstellern durch- 
aus nicht unerhört. Auch die oben S. 37 besprochene Erscheinung, 
dafs die mit dem Plusquamp. i gebildete Periode si tuviera dura 
lange ohne Unterschied sowohl die Gegenwart als auch die Ver- 
gangenheit angab, wird hier in Erinnerung zu bringen sein. 

Ich gebe nun Beispiele für die in Rede stehende Eigentüm- 
lichkeit. Zugleich ziehe ich, um auf diesen Punkt nicht mehr 
zurückkommen zu müssen, auch die aus Gegenwart und Vergangen- 
heit gemischte und die unvollstihidige Periode hierher. Eine ge- 
wisse Schwierigkeit bietet für die zu wählenden Stellen das Plus- 



schiebimg der Zeitsphäve aus der Vergangenheit in die Gegenwart anuininil 
(S. 260). Dies ist gewifs unrichtig und beruht auf einer unklaren Auflassung 
der hypothet. Periode. Das Imperf. B^it. hat in dieser wie überhaupt immer 
und überall durchaus präteritalen Sinn. 



niK HVI'OrHETISCHE I'KKIODK IM SPANISCHEN. 4I 

quanip. i. Soll man es als Zeit der Vergangenheit oder der 
Gegenwart ansehen ? Für die letztere wird man es erst etwa von 
der Mitte des i8. jahrh. in Anspruch nehmen dürfen, für die erstere 
nur in den ersten Jahrhunderten, ungefähr bis zur zweiten Hälfte 
lies 15. lahrh.; in der mittleren Zeit mufs es unberücksichtigt blei- 
ben, wenigstens in demjenigen (iliede der Periode, wo es auf cVn: 
Entscheidung ob Gegenwart oder Vergangenheit ankommt. 

a) Vollständige Periode. 

I. Beide Glieder drücken Vergangenes aus. 

(i) In beiden Gliedern stehen Zeiten der Gegenwart. Dies 

giebt die Formel si tuviesc. daria, in den ältesten Quellen die fast 

absolute Regel, die nur selten einmal eine andere Konstruktion 

aufkommen läfst. 

Trobaronlo con alma ii legre i sin danno, Xoji serie tan vicioso si 
iflgtäese eii vanno, BMlg. i52ab. -5V los judios descreidos non se- 
guiesen la sombra de las anloyancas de la vcrdad, . . non crucißgarie>i 
al sennor de la gloria, FJuzgo i8Qb ob. Xunca oya razon qiie en 
coracoti nun ienia, Sil mas demostrassen el mas apre?ideria, .\lex. 
i8bc. Vgl. Mlg i02cd; 344b; BSil. 122c; BMil. 43c; Appol. 
iijcd; jMEgipc. 436; Guzman 7i3b,48; ein späteres Beispiel si 
algunos concurriessen </ oirlos, no seria ciertamente para dexarse 
persuadir, FGerd. I go. 

ß) Nur das eine Glied weist das Tempus der Gegenwart auf, 
das andere hat in irgend welcher \\'eise die Bezeichnung der Ver- 
gangenheit. 

aa) Die Gegenwart erscheint in dem bedingenden Satze als 
Konj. Imperf. oder modern als einfaches Plusquamp. 1. 

Sabtt bien que si ellos le viessen, noji escapara de miierl. Cid 
2774. Si ante lo sopiessen lo que depues sopieron, Non li ovieran 
fccho esso qne li fifieron, BMIg I48cd. Vgl. Cid 1950; 2760; 
BMlg. 564d; BMil. 288d; Alex. 389cd; 721b; i6"i6abc; spätere 
Fälle Clareo 440a, 4 {ä quien ella no consciera atmque le tornase d 
ver); Guar. Civ. 5553,68; 684b ob. Modern: s; no corriera ä giia- 
rccerse tras el tronco de un roble . . , hiibiera acabado con el, Cid 
Tr. 33 u. Si no tejniera asustarä sit prima . ., le kubier a dado un 
ciiartn conato de vahido, Galdos, Fontana de Oro, Ausgabe Brock- 
haus S. 288 ob. 

(://9) Die Gegenwart erscheint in dem bedingten Satze als 
Imperf. Fut. oder modern als einfaches Plusquamp. I. 

.Sy dü)i Adavi oviesse de tat fructo comido. De tan mala nianera 
non Serie de{ibido, BMlg. I5bc. Qui la toviesse finia, segiin oy 
eaniar. De nengtina postema non podria ßnar, Alex. 94cd. Für 
spätere Zeit: es posible que sea tan pobre hombre, que no advicrta 
que el Ave Maria es una oracion que se reza li la viisina J'irgen, 
y que, si Santa Ana se la huviera ensenado, la enseiiaria d ijue se 
rezasse ä si misma ?, F(ierd. I 158 unl. Vgl. ib. 11 236,8. Modern; 



42 E. GESSNKK, 

. . )■ huhiesen perdido fni alma, si Dios no me cm'iara con la »merk 
Uli aviso de la eternidad, Clemencia 192. 

2. Die Periode ist aus Vergangenheit und Gegenwart geuiisciit. 
Das auf die Vergangenheit bezogene Glied ist durch eine 
Zeit der Gegenwart ausgedrückt, so dafs das Satzgefüge äufserlich 
die Gestalt einer Periode der Gegenwart erhält. 

Quando non lo leyesse, defir 7ion lo qtierria, wenn ich es nicht 
gelesen hätte: BSil 73c La ciial si atitc de agora tio conosciese y 
no sinticse ins saludahles olores, fto podria creer que carc$cicseti de 
cngano ins palabras, wenn ich nicht kennen gelernt hätte : Ce- 
lestina 523,20. Vgl. BSil. 431c; BLoor. Q/ac; BMlg. 544ab ; 
Appol. 551 cd. 

b) Unvollständige Periode. 

1. Konsekutivsatz. Er wird durch das Imperf. Ful. oder 
modern durch das einfache Plusquamp). 1 ausgedrückt. 

Vidicron qiie viniera esto por la G/oriosa, Ca ofri non podrie 
fa(er iantannna cosa, ein anderer hätte nicht machen können : 
BMlg. Il4ab. E tanto havie el cuerpo genfor Qiie iin fijo de empc- 
rador La prendria poi uxor, MEgipc. 251. Vgl. BSil. jd; 20b; 
BMil. 34c; BDV. 17c; Appol. 45d; Alex. 31c; Conq. 220b ob. 
Spätere Beispiele : si no lo ptido haeer ciiando sano y bueno, como 
lo haria molido v casi deshccho? wie hätte er es thun können : 
Quij. 17 ob.; FGerd. I g8 [persuadiria), 99 {basiaria). Modern: 
no pensara de In juicio qiie te expresases asi, i':h hätte nicht ge- 
dacht, Clemencia 179. Je la ciial no se nioslrö ella tan sentida 
eomo (i su honra conviniera, wie es sich geziemt hätte: Crestom. 
376 unt. Daher das so häufige veriades, später rderais, und ähn- 
liches: AI caigar de las archas veriedes gozo tanto. Cid I70'> ih. 
697; 726; Conq. 245b ob.; 248b ob. {oiriades); Alfar. 2 15a, 54. 
Modern : oiriais alli la peroracion contundente del oficial primero, 
Galdos, Fontana de oro, 5 ob. 

2. Konditionalsatz und das vergleichende como(qne) si. 
Die zur Verwendung kommende Zeit ist der Konj. Imperf. (ider 
modern das einfache Plusquamp. i neben dem Konj. Imperf. 

Abinie en el jnego, fazie tan aguisado, Como si fuesse de pequenyo 
hi criado, wie wenn er von Jugend auf darin geübt worden 
wäre, Appol. I45cd. Visticronlo niuy bien pannos de grand valia, 
Como si fliese doetor en filosofia, Roiz 43ab. Vgl. Appol. 59 id; 
Alex. 27c, 76c; LazarL. 1143,57 [si ?ni dicha 6 desdicha no orde- 
nase). Modern : respondiö en voz inmutada y tan queda como si ä 
si misma quisiese ocultar la cmocion qiie la dominaba, Clemencia 
193 ob. Alli Clemencia desheclui en lägrimas, apretnba entre las 
suyas las muertas manos de su Padre, como si quisiera comunicarle 
por siis porös su propia vida, ib. 175. 

Anmerkung. Die angeführten Beispiele liefern den Be- 
weis, dafs die Tempora der Gegenwart sich, wenn auch natür- 



DIE HYrOTHKTlSCnF. PKKIODK IM SPANISCHEN. 43 

lieh weniger häufig, besonders in unvollständigen und in den 

aus Gegenwart und ^'^ergangenheit gemischten Perioden bis 

auf den heutigen Tag erhalten haben. Noch stärker ist dies 

der Fall im Portugiesischen, wo sogar die vollständige Periode 

der Vergangenheil noch jetzt unbedenklich in dem Gewände 

der gegenwärtigen erscheint. 

Se OS que o acaiavam como um predestinado soubessem qiiäo tiegra 

era a predeslinacäo do poeta, por Ventura ijue essa especie de cidlo 

de que o cercavam se converteria ein cotnpaixäo, ou anles eni terror, 

Herculano, Monasticon, Ausg. Brockhaus, S. 1 2 unt. Ao primeiro 

aspecto sentirieis atiraccäo para o mais velho , e repellir-vos-hia o 

mais mofo', »las se reparasseis attentameiile Jios olhos dos dous 7nongcs, 

OS affedos se vos irocariani, ib. II 13. Quando el-rei, nas continua- 

das jornadas que ohrigava a fazer pclo reino a guerra com Cas- 

ielia, ra easualmetite pousar a Alcobafa, quem visse apparaio com 

que era hospedado diria que vwnarcha recebia gasalhaih de um 

principe seu igual, ib. I 254. Se a lingua poriugueza seguisse a sua 

evolufdo natural, chegaria indtibilavelmente a essa contracfäo das 

palavras, que tanto distingue a lingua franceza, wenn siö gefolgt 

wäre, wäre sie gelangt, Braga, Manual da Ilistoria da I.itteralura 

Portugueza, S. iio. 

Nach Erledigung dieses Punktes erübrigt nun, die verschiedenen 
Gestaltungen der auf die Vergangenheil bezogenen Periode, inso- 
fern dazu wirkliche Tempora der Vergangenheit dienen, zur An- 
schauung zu bringen. Dafs hier das einfache Plusquamp. i eine 
wichtige Rolle spielt, ist nach der obigen Auseinandersetzung selbst- 
verständlich. Vorher jedoch eine das Pluscjuarap. Fut. und den 
Konj. Plusquamp. angehende Bemerkung. 

Diese beiden Formen sind gerade in der ältesten Zeit häufiger 
anzutreffen, treten dann aber in dem Mafse zurück, als das einfache 
Plusquamp. i sich der konditionalen Periode bemächtigt, so dafs 
es einen ziemlich langen Zeitraum giebt, wo sie fast verschöllen 
sind. Namentlich gilt dies von dem Plusquamp. Fut., gegen welches 
die Sprache lange eine entschiedene Abneigung bekundet. Der 
Konj. Plusquamp. läfst sich eher einmal beol)achten.' F.rsl später 
als man die strenge Fessel des si tuvicra diira für die Periode des 
Vergangenen zu losen begann, kommen beide Zeiten wieder in .\uf- 
nahrae und zwar der Konj. Plusquamp. früher und häufiger als das 
Plusquamp. l'ul. Man sieht also, es verhält sich damit ziemlich 



> Das Plusquamp. tut. Uomnit in Roiz , RVal, Celesiina , LazaiM., 
LazarL., Clarco, Selva, Palran. überhaupt gar nicht vor ; selbst die Cart. Mar. 
aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. zeigen es noch nicht in einem ein/igen 
Falle. Auch in dem, was ich von Quij., Alfar., Criticon, FGcrd. für die Be- 
obachtung der hypothetischen l'eriode gelesen, habe ich es nicht angetroffen. 
Nur ganz vereinzelt tritt es hin und wieder einmal auf. Nicht viel besser 
steht es rnit dem Konj. Plusquamp. In den meisten der eben genannten 
Schriftwerke fehlt er ebenfalls gänzlich ; so in Roiz, RPal., Lazarl,., LazarM., 
Selva; selten ist er in Celcslina, zuweilen in Ciarc.i, s.ln -,iliiii .uu h in Ouij. 



44 K- GKSSNKK, 

genau wie mit dem zusammengessetzten ^Plusquamp. i (vgl. oben 
S. 36); das einfache Plusquamp. i hatte eben während einiger Jahr- 
hunderte alle andern Tempora verdrängt und beherrschte fast ab- 
solut die Periode der Vergangenheit. So geschieht es denn, dafs 
in dieser die zusammengesetzten Zeiten gerade in den früheren 
Jahrhunderten häutiger auftreten und dafs sie im 15., 16., ly.Jahrh. 
beinahe ganz in Wegfall kommen, um erst von dieser Zeit an sich 
zunächst allmählich, dann aber immer entschiedener wieder zur Gel- 
tung zu bringen. 

Si hubiese tenido, habria dado. 

Si 7ion fuesse Szagrio ian adelante ido, Si ovicssc sii Icugua itn 
p'oco reienido, Non seria ennci ira dcl Cn'ador caido, BRllg. /Oabc. 
Vgl. BDV. 5gabc; Alex. 236CCI. Modern sehr gewöhnlich: si no 
hubieseis pensadu en c//o, yo os lo habria j-ccordado , y os hiibiesc 
rogado qiie lo bicierais, Clemencia 156. 
Si hubiese tenido, hubiera dado. 

Si mtierta vie oviessen, ovieranme guarida, BDV. I7d. Bacus ^c 
non oviesse el sii Inga}- dexado, Nöti oviera el regno de Yndia ga- 
nado, Alex. 234cd. Vgl. Enxpl. 4783,30; Alex. 221 Sab. Modern 
nicht ungewöhnlich : para sacudir el yugo que jamas los hubiera 
oprifuido si hubiesen maftienido d rigor de las cosiumbres de sus 
antepasados, Cart. Mar. 4,1 13. Vgl, ebenda 35,76; 86,14; Comp. 
Joe. 224 unt.; 227 unt.; 2^,2 unt.; 256 ob. 

Si hubiera tenido, habria dado. Ein altes Beispiel steht 
mir nicht zu Gebote. Modern : 

La inmovilidad dcl rio era ial, que habria parecido helado, si 710 
le hubiera hecho sonreir de cuando e?i cuando la cariaa dcl ala de 
un pdjaro, Gaviota 160. Vgl. ebenda 214. 

Si hubiera tenido, hubiero dado. In den alten Quellen 
selten, seit Mitte des 16. Jahrh. häufiger, modern neben si hubiese 
tenido, habria dado die gewöhnliche Form. 

Fuera mal cscorrido si lo ovieran fallado, Alex. 934<i. ^SY ho- 
bieras buscado mis tripas, hobieras fallado peso de ttna onza de ja- 
einto, Expl. 460b, 15. 3Ias si hubiera salido el capitan 6 algun va- 
Icnton, les hubiera dado mas cuchilladas que arenas hay en el mar, 
LazerL. ii2b,46. Vgl. Selva 490b,4i; Guer. Civ. 667b Mittel 
Quij. 377 unt,; Criticon 22a, 14; Cart. Mar. 3,101; 7,175. Moderne 
Beispiele unnötig. 

Si hubiese tenido, dicra. V(jrzugsweise in alten Schriften 
vorkommend. 

Mucho mas li valicra, si se fuesse qucdado, BMIg. 73 id. Si 
cstonce fuesse muerto nol deuiera pesar, Apj)ol. 3d. Fl regno de 
Felipo fuera muy mal traydo Si non fuesse cl infante tan ayna 
venido, Alex. I73ab. Vgl. BSÜR i52ab; Appol. 533d; Alex. 
342cd; 5i4d; Enxpl. 4783,34 

Si hubiera tenido, diera. Alt selten, von der Mitte des 
16. jahrh. an häufiger. 



DIE HYPOTHETISCHE I'EKIODE IM Sl'ANlSCHKN. 45 

Si /o oiiiera fecJio non fueia engajinado, Alex. 12740. Nol esto- 
diera bien se al ouiera fecho, ib. 1613CI. Si no me hubieran hur- 
iado la capa, yendo cnbierUi co7i ella, ?i(> echärati de ver si esiaba 
safio de mis dedos ptiJgares, Alfar. 205t), 26. Vgl. Clareo 46oa,52 ; 
LazarL. ii6b,63; 1173,62; (hier. Civ. 634b ob.; 667b Mitte; 
Quij. 227 unt.; 406 ob. 

Si tuviera, habria dado. Seltene Form. 

Lo aial, si los suyos lo supieran, le habrian liecho pedazos, (hier. 
Civ. 674b Mitte. 

Si iuviera, hiibiera dado. In der alten Zeit selten, in Cid 
und Berceo nicht vorkommend; von der Mitte des 16. Jahrli. an 
häufig. 

Ouierale por poco lo. cabeca corlada, Sy alargara el braco ijuanto 
una pulgada, Ale.x. I077cd. Si supiera aiando mozo lo que agora 
se, oiramenle hobiera vivido, Pulg. Letr. 1,97. Mticho fnas cierlo tue 
hubiera placido, si antcs que se tratara el casamieiito me dieras parte 
dello, Patran. i64b,2g. Vgl. LazarL. 1143,19; 119a unt.; iigb,58 
(vgl. oben S. 37 Anm,); (nierr. Civ. 6143,32; 626a unt.; Quij. 177 
ob.; 188 unt.; 336 ob. 

^V tuviera, diera. Zwar nicht in Cid und Berceo, die den 

bedingenden Satz durch den Konj. Imperf. darstellen (oben S. 41/3, 

a«), sonst aber von früh an überaus gewöhnlich bis in das 

17. Jahrh. hinein; einzige Gestaltung in Roiz, R Pal., Cuzman, 

Ayora ; ganz gewöhnlich noch in Quij., der z. B. in den ersten 

vierzehn Kapiteln (etwa der elfte Teil des Ganzen) keine andere 

Form kennt; nicht minder üblich im Criticon; erst im Verlaufe des 

17. Jahrh. allmählich zurücktretend. Jünige ältere Beispiele sind: 

Se podiera Nicholao, repenlirase de grado, Alex. 1 24d. Pero a 

don lulotas fizieral mal depuerto, Si non fuera Juneas quel loiio 

graut tuerto, ib. 991 cd. Quisiera jutieho de grade, si pudiera , ser, 

que los partiese el Papa, Patr. 3Q6b,38. Vgl. Alex. I488cd; 1550c; 

Patr. 4i3b,i6; Enxpl. 448b,46 ; 478b,45. 

Si hubiese tenido, hubiese dado. Bei der oben S. 39 ob. 
berührten Abneigung dos Spanischen gegen den Konjunktiv im be- 
dingten Satze ist diese und die folgende Form durchaus autlällend ; 
sie scheint nur modern bei einigen Schriftstellern vorzukommen.' 
Con esla exclamacioi se hubiese vendido <i si misma, si auu le 
hubiesen quedado dudas al l'izamde, Clemencia 257 ob. 

.SV hubiera tenido, hubiese dado. 
Si hubieran querido casarse, se lis hubiese oeurrido </' ellos dntes que 
d ti, Clemencia 159 ob. .SV no hubieran sabido que era lo suyo lo 
que ardia, se lo hubihemos ocultado, il). 162 unt. 



' Den Konj. Plusquainj). im Konsekutivsal/c liahc iili last nui in Clt- 
mencia nclroffen , dort aber trill er sehr oft auf; vj^l. weiter unten bei der 
fjemischten und der unvollst.'indinen Periode. 



46 E. GESSNEK, 

3. Periode, in der das eine Glied auf die Gegenwart, das andere auf die 
Vergangenheit bezogen wird (gemischte Periode). 

Hier und bei der nachher zu behandehiden unvollständigen 
Periode wird man neue Erscheinungen nicht zu erwarten haben ; 
es kommt nur auf einige Beispiele zur Anschauung an. Im übrigen 
halte man sich gegenwärtig, was über die in der alten Zeit häu- 
figeren, dann aber zu Gunsten des einfachen Plusquamp. i zurück- 
tretenden und erst wieder seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. 
stärker in Betracht kommenden zusammengesetzten Tempora gesagt 
worden ist. Insofern die Vergangenheit durch Zeiten der Gegen- 
wart ausgedrückt wird, vgl. oben S. 42. 

a) der Nebensatz drückt Vergangenheit, der Hauptsatz Ciegen- 
wart aus {si habuissem darem). 
Si hubiese tenido, daria. 

Serie Cannas por sietnpre rica c arribada, St elli iion oviesse la 
sej'ia cmiviada, BSil. 45cd. Tanio que si yo no lo iiubiese visto, no 
lo creeria, Celestina 53b,25. Si cojiociendo lo corto de su juvenhid 
hubiese mirado las cosas sölidas, se hallaria <i cierlo tiempo colocado 
en algmia clase de la repüblica, Gart. Mar. 82,12g. Vgl. BMlg. 
Siyac; BSJ. 34ab; Alex. 284c; Lazarlnc. g4b,46. 
Si hubiese tenido, diera. 

Si aquella que alli esid en aquella catna me hubiese ä mi creido, 
jamas quedara esta casa de noche sin varon, Celestina 5 5b, 15. .SV 
yo hubiese sido muchos siglos hä nn honibre de es tos insignes, y re- 
sucitase ahora ä recoge)- los frutos del 7iombre que deje aun perma- 
nente , sintier a mucho oir estas o semejantes palabras. Gart. Mar. 
28,56. 

Si hubiese tenido, diese. Sehr selten. 

Asi la (vida) fenesca yo sirvierido ä Dios, que si della fuese ya 
salido, no la tornase d tomar, aunque me la diesen con el ducado de 
Borgona, Pulg. Letr. 12,34. 
Si hubiera tenido, daria. 

Ya estarias vengada , si las limosnas del emperador no nos hu- 
bieran atado las manos, Alfar. 248b, 14. Mira, Sancho, yo bien te 
senalaria salario, si hubiera hallado en alguna de las historias 
de los Caballeros andantes ejemplo que lyie desciibriese . . Quij. 357 
unt. Cuanto mas benemeritos de si mismos serian, si nos hubieran 
dado una obra de esta especie. Gart. Mar. 16,52. 
Si hubiera tenido, diera. Sehr gewöhnlich. 
Don Ulan dijole que . . se toviera por mal aventurado , si le ho- 
biera dado parte de las perdices, Patr. 38ob,2g. Habeis de säber 
que el amor de siiyo bueno fuera , si por vosotros no hubiera sido 
vuelto en otro gener de ser malo, Selva 48 7a, 15. No nie puedo 
persuadir que haya hoy en la tierra quien favorezca viudas, ampare 
doncellas, . . . y no lo creyera si en vuesa 7nerced no lo hubiera visto 
con mis ojos, Quij. 3g7 Mitte. Vgl. Gelestina 50a, 10; Glareo 455b, 
28. Quij. II unt.; 24 Mitte; 3g Mitte; 420 unt.; Griticon 26b,i; 
FGerd. 1 7 Mitte. 



DIE HYPOTHETISCHE PEKIODK IM SI'ANMSCHEN. 47 

St tuviera, daria. 

Si a vos sirviera, vos habriades dello duelo, Roiz 1547b. P01 
qui jugasle el caballo, iahur, hellaco ? Qtic si por ;/// no fuera, 
estarias tu viJ ahorcado, Celestina 6ia,ig. Vgl. LazarL. ii2b,45. 

Si luviera, diera. 

Si de otra guisa me lo dijierades, hien cuidara que lo dijierades 
por me probar, Patr. 3733,21. De todo esio me tengo yo la cnlpa, 
que si tomara el consejo de aquella que bien tue quiere . . ., 710 me 
viera agora entre dos paredes sola, Celestina 643,38. Todo eso 
fuera bien excusado, respondiü D. Quijote, si d mt se me acordara 
de hacer utia redoma del bälsatno de Fierabras, Quij. 37 unt. Vgl. 
Patr. 3943,47; Pulg. Letr. 4,44 ; 6,52; Clareo 4556,26; Alfar. 
2183,36; Quij. 462 Mitte (übrigens seilen in Quij. nach dein 
S. 37 Gesagten). 

b) der Nebensatz drückt Gegenwart, der Hauptsatz Vergangen- 
heit ans {si haberem dedissem). 

Si tuviese, habria dado. 

Se nos aqueste rio podiessemos passar, Como quier que podiessemos 
a la ysla entrar, Auriemos a Poro buscado graul pesar, Alex. 
i839abc. 

Si tuviese, hubiera dado. 

Pues si bien entendiesedes el sujeto de lo que habeis oido, cou mas 
razon os hubierades holgado, Selva 4803,50. 

Si tuviese, hubiese dado. Über d3s Ungewöhnliche des 
Konj. Plusqu3mp. vgl. S. 45 Anm. 

No hubieses hecho eso si yo tuviese padre ä hermano, Cleruen- 
ci3 218. 

Si tuviese, diera. 

Si de tan rehez omne ßncasseti escarnidos, Alucho ?naes lis valiera 
que Jion fuesseti 7ias(idos, BMil. 2o6cd. .SY lal no fuese, no entrara 
acä por fuerza de armas, Amsdis 68a. 

.SV tuviera, hubiera dado. 

Sefiora mia, si yo no os quisiera mas que d mi, no hubiera hecho 
este sentimiento, Abencer. 5iol),2 2. Si fueras caballero cojno no lo 
eres, yo hubiera castigado tu sandez y atrevitniento, Quij. 32 oben. 
Vgl. Guer. Civ. 5223,21; FGerd. I 118; C3rt. Mar. 48,12. 

Si luviera, diera. 

Si los que asi erraron contra vos Jueran tales como . . ., )ivn fi- 
cieran lo que ficieron, P3tr. 4 13b, 17. Vgl. Patr. 414I), (2; Pulg. 
I,<tr. 6,63. 

B. Unvollständige Periode. 

I. Periode der Gegenwart. 

;i) i\. i> ii-^eku ti vsatz. 

Daria. Vun den ältesten /eilen Im's anl den heuligen Tag 
in (iebrauch. 



48 E. GESSNER, 

Diera. Kommt im Cid, Berceo, AppoL, Alex, noch nicht 
vor; erst mit dem 14. Jahrh. erscheint es, zunächst selten; seit 
dem 1 6. Jahrh. häufig. Einige alte Beispiele sind : 

Qtie yo dexe a Orabuena la que cobre anlanno ? En dexar yo a 
ella 7-ecibiera grand damto, Roiz 1670b (das älteste mir bekannte 
Beispiel im Konsekutivsatz der Periode der Gegenwart, zugleich 
das einzige in Roiz). Suphfluo y demasiado fuera poner 01 leUas 
/(lies dos autos, riqueza e lisonjas, Guzraan 704b,25. Yo (juisiern 
que mi priino Lope Sanchez y yo furramos despues de tnanana a 
Francia, Ayora 1,126. 
Diese. Selten. 

Yo ie cerlifico no diese mi parte por media marco de oro, por mal 
que la vieja la reparta, Celestina 48b,ig. Por Dies creo que fuese 
cojHO im gatno, seguii el temor tengo de estar aqui, ib. 52b,30. 
b) Konditionalsatz nebst dem vergleichenden como 
(<jue) si. 

Diese. Die von jeher bis jetzt gewöhnliche Form. 
Diera. Der öfter erwähnten Entwickelung gemäfs in den 
ersten Jahrhunderten nicht vorhanden ; dann führt sich das Tempus 
allmählich ein und erweitert im Laufe der Zeit seinen (Gebrauch 
dergestalt, dafs es in einzelnen Werken wie Selva, Patran. den 
Konj. Imperf. fast verdrängt. 

Pues me fio en ins manos, pues quise cumplir tu voluntad, tio 
sea de peor condicion por ser piadosa quesi fuera esquii'a y sin 
7nisericordia, Celestina 58a unt. 

2. Periode der Vergangenheit. 

Insofern die Vergangenheit durch Zeiten der Gegenwart aus- 
gedrückt wird, vgl. oben S. 42. 

a) Konsekutivsatz. 

Habria dado. Nur alt oder modern. 

Recudioli Lucillo como bien acordado: Yo fecho avrie esso de muy 
buen grado, BLaur. 8 2 ab. Quisiera su offrenda aver hy offrecido, 
E avrie de su grado daquella agua bevido, Alex. Il27cd. Vgl. 
l^Mlg. sSgd; 5gob ; Appol. 604c. Moderne Beispiele sind er- 
läfslich. 

Hubiera dado. In alter Zeit nicht häufig; erst in den 
mittleren Jahrhunderten mehr hervortretend und heute neben dem 
vorigen die gewöhnliche Form. 

Por poco le ouiera la cahega cortada, Appol. 37 7d. Si 710 7ion 
77ie ouiera a yantar conbidado, ib. 5 1 gd. Por poco ge ouieraii fecho 
77ial trebejo, Alex. ig2c; ib. 465cd. Vgl. für später Clareo 464a,4i; 
Guer. Civ. 54gb,43 ; Alfar. 24ob,4o ; Cart. Mar. (hier schon so gut 
wie Regel) 7,107; 16,67; 20,8. 

Hubiese dado. Ungewöhnlich, vgl. oben S. 45 Anm. 

Por lo de7/ias se hubiese creido que la casa estaba deshabitada, 
Chrestom. 500 ob. D071 Galo se puso tan aiicho , que en aquel 



DIE HYl'OrHETISCHF. PKRIOKK IM SPANISCHEN. 4Q 

mommto no sc hubüsc cambiado f>or un Rothschild, Cleim-ncia 250. 
Vgl. CleuKMicia 212 IMiltr ; 2ioMilt»'; 249 iMillo; 25O .Miiu-; 
158 unt.; 269 uiu. 

Dilta. Von früh an durch alle Jahrhunderte sehr gebräuchlich 
bis in die neue Zeit, wo das Tempus in die Gegenwart gerückt ist. 
Esla lid en Toledo hi ßzieradts, mas tion quisiesles vos. Cid 3597. 
üuicra hy contida por poco ^tiint mazdla, Monirro lodol mtmdo del 
rio la querella, .Mex. 838cd, bemerkenswert wegen des Wechsels 
von einfachen und zusammengesetzten I'lusquamp. i in demselben 
Sinne. Für die folgenden Jahrhundertc sind Beispiele für den 
so gewöhnlichen Gebraucii überllüssig. 

b) Konditionalsatz nebst dem vergleichenden como 
(que) si. 

Hubicra da da. 

Ansi como si por su boca lo hobicra confesado, dicron sentencia que 
lo dcscabezasen, Enxpl. 454b,53. Asi lo disimuli'i como si no lo hu- 
biera senlido, LazarM. 79b,24. Daiido cuchilladas y reveses </ todas 
partes, eslando tan despierto como si nunca hubicra dotmido, Quij. 
27 ob. De una conversacion muy provechosa que un Beneficiado del 
Lugar tta'o con Fray Gerundio , si Fray Gerundio huviera sabido 
aprovecharse de ella, FCJltiI. 1 109. Überschr. 
Hubiese dado. 

Probü commo ton bono fö de tat pafien(ia, Commo si lo oviesse 
priso en penitenfia, BSil. 256cd. Perdio mal talento e lorno tan 
pagado, Cucmo se ya ouiesse todo esto recabdado, Alex. 75cd. Todos 
nos hablaban tan amorosa y agraciadamente, como si grau tiempo 
nos hubiesemos criado juntos, Clareo 44ib,63. Luego al puntu que- 
doban sanos de sus Ilagas y heridas, como si mal alguno no hubiesen 
tenido, Quij. lO ob. 
Diera. 

Seredes seguro, cumc fuc et gallo, si esttnura en el primer drbol, 

Patr. 381b, 19. Fallaron la seilal del fuego en las piedras ante el 

altar, asi como si alli el cuerpo de aquella mujer fuera quemado 

(on fuego corporal, Knxpl. 490a,42. .Später äufserst gewohnlicli. 

Indem ich diesen Teil der Untersuchung abschlii-fse, fasse ich 

da.s Krgebnis derselben kurz zusammen, um in wciu"gen Worten 

ein Uild von der Kntwicklung der irrealen Periode in ihn-n llaiipl- 

erscheinuugen zu geben. 

Kür die Periode der Gegenwart ist si luviese daria die älteste 
bis heute lebendige Form. Kr.si mit dem Enile des 14. Jahrh. 
tritt danelK?n // litviera diera auf. Allni.ihlii h erstarkend wird dieses 
von der zweiten Hälfte des lO. Jahrh. bis weit in das 18. Jahrh. 
hinein aufserordrnllich gebräuchlich un<l verdrängt in einzelnen 
.Schriftstellern fast die ältere Gcn>taltung. Dann weicht es wieder 
etwas zurück, erhält sich aber bis auf diesen Tag neben si tuviese 
daria in gleich«r Herechtigung. Die aus beiden gemischte Periode 
si tin<iese diera ist nickt häulig ; be'iebter ist si tmiera daria, das 

/«iuobr. r. roiD. IMiil. XIV. , 



50 E. GESSNER, 

namentlich von einzelnen Autoren stark bevorzugt wird. S/ iiiviese 
diese ist selten, wie überhaupt der Konj. Imperf. und Phis(]uanip. 
im Konsekutivsatze dem Spanischen widerstrebt. 

Die Periode der Vergangenheit wird in den ersten Jahr- 
liunderten vorwiegend durch Zeiten der Gegenwart ausgedrückt, 
ein Zug, den das Spanische mit allen anderen romanischen Sprachen 
in ihrer ältesten Periode gemein hat und der in ihm selbst heute 
noch nicht V(Jllig geschwunden ist. Daneben trifft man jedoch 
auch Fälle, wo die Periode mit wirklichen Zeiten der Vergangen- 
heit {liabria, huhiera, hubiese dado) gebildet wird. Und zwar sind 
diese gerade in der alten Zeit häufiger; sie treten dann während 
einiger Jahrhunderte sehr entschieden in den Hintergrund (nament- 
lich das Plusquamp. Fut. ist fast gänzlich verbannt), um erst wieder 
etwa vom Ende des i6. Jahrb. an sich mehr zur Geltung zu bringen 
und nach und nach zu ihrer heutigen dominierenden Stellung 
zu gelangen. In dieser mittleren Zeit ist die Periode der Ver- 
gangenheit fast ausschliefslich im Besitze des einfachen Plusquamp. i 
{si tuviera diera). Seiner Bildung entsprechend hat dieses Tempus 
von den frühesten Zeiten an diese Funktion ausgeübt , zuerst im 
Konsekutivsatz, sehr bald (Alex.) jedoch auch schon im Konditional- 
satz ; dann verdrängt diese kurze und bequeme Form sehr schnell 
alle übrigen und wird im 15. und 16. Jahrh. beinahe allein für die 
auf Vergangenheit bezogene Periode verwendet. Erst gegen Ende 
des 16. Jahrh. tritt allmählich eine Änderung ein, die auf das 
Bedürfnis die Periode der Vergangenheit von der der Gegenwart 
äufserlich in kenntlicher Weise zu scheiden , zurückzuführen ist. 
Von da an erscheinen die zusammengesetzten Zeiten wieder ; am 
schwersten vermag sich das Plusquamp. Fut. Bahn zu brechen. Das 
moderne Prinzip für die Bildung der Periode der Vergangenheit 
kann als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. durchgesetzt be- 
trachtet werden. Von da an darf man auch das einfache Plus- 
quamp. I als reine Zeit der Gegenwart ansehen. 

Bemerkungen zur irrealen Periode. 

A. Relativsatz statt des bedingenden Satzes. Es ist eine be- 
kannte Eigentümlichkeit sehr vieler Sprachen und so auch des 
Spanischen, den bedingenden Satz der konditionalen Periode durch 
einen relativen zu ersetzen (wer ihn sähe, würde sagen = wenn 
jemand ihn sähe, würde er sagen). Man könnte solche Satzgefüge 
hypothetische Zwitterperioden nennen ; denn sie stellen zwar den- 
selben Gedanken dar wie die hypothetische Periode, verzichten 
aber dabei auf das deutliche Wechselverhältnis von Bedingung und 
Folge; der bedingende Satz büfst in dieser relativen Form seine 
gröfsere Selbständigkeit ein und tritt als untergeordnete Bestimmung 
in den Hauptsatz (der ihn Sehende würde sagen). Für die Be- 
handlung derartiger Bildungen im Romanischen ist es wichtig dies 
festzuhalten. Indem also auf diese Weise der konditionale Satz 



DIE HYPOTHETISCHE PERIODE IM SPANISCHEN. 5 I 

geopfert wird , entschwindet dem .S[)ra(hgefühl leichter der im 
eirunde so ganz verschiedene Charakter der beiden den Gedanken 
darstellenden Sätze und damit das Bewul'stsein der verschiedenen 
ihm zukommenden Zeiten. So geschieht es, dafs der Relativsatz 
in Bezug auf das Tempus von dem Hauptsatze angezogen sich 
diesem assimiliert und in seine Zeitsphäre hineingezogen wird {qui 
h verrait, diraii statt si on le voyait, oii dtrait). Aus dieser eigen- 
tümlichen Zwitternatur solcher Satzbildungen erklären sich nun auch 
die verschiedenen Methoden , die die romanischen Sprachen in 
ihrer Darstellung befolgen. Entweder nämlich halten sie den 
eigentlich konditionalen Sinn des Relativsatzes fest und konstruieren 
ihn in Bezug auf Tempus und Modus wie den bedingenden Satz, 
oder aber sie behandeln ihn, was das l'empus betrifft, ganz wie 
den Hauptsatz. Im Französischen sind beide Konstruktionen ver- 
treten ; die ältere Zeit bevorzugte noch den Konj. Imperf.; doch 
tritt daneben schon früh das Imperf. Fut. auf, welches dann später 
die allgemeine Regel wurde. Das Provenzalische verhält sich 
ebenso ; der Relativsatz hat entweder das Imperf. Fut., oder ent- 
sprechend der Konstruktion des bedingenden Satzes den Indik. 
oder den Konj. Imperf. , denn die beiden Hauptformen für die 
Periode der Irrealität sind hier si tcnia daria und si ttiviese dieraA 
Genau so ist es auch im Catalanischen , das sich für die irreale 
Periode derselben Darstellungsweisen bedient wie das Provenza- 
lische.2 

Sehr beachtenswert den erwähnten Sprachen gegenüber ist 
nun das Verhalten des Spanischen. Hier ist es bis auf den heu- 
tigen Tag feste Regel , dem Relativsatze seine eigentliche kondi- 
tionale Bedeutung zu wahren d. h. ihn ganz ausschliefslich mit 
dem Konj. Imperf., daneben später auch mit dem gleichwertigen 
Plusquamp. i zu bilden; Assimilation mit dem Hauptsatze, also das 
hnperf. Fut., kommt meines Wissens nicht vor. 

E qui al quisiesse Serie su ocasion, Cid 3460. Qtii ende lo ca- 
miasse Serie loco lollido, BSil. 139c-. 0?>me que hi morasse, nunqiia 
perdrie et viso, BMlg. I4d. Nunca qui las ouiesse carria en mes- 
qui7idai, Alex. 8ld. Tod ombre que lo cnbriesse non seria tan can- 
sado, Que non folgasse con el en su vir lud tornado, ib. 91 cd. Quien 
con ella luchase, tion se podria bien fallar, Roiz 984c. Quien qui- 
siese fablar en esias tres tnäneras complidamcn/e, habria manera asaz 
para facer un libro, Patr. 438a, 39. Segunl Icy de Partida caeria 



* E quem dirin mcn partis, l'arinm morir des era, Bartsch, Chrestom. 
44,24. E qui be l volria lauzar, D'un an no y poivia venir, Willi, v. Poi- 
ticrs. Qü'esquers semblaria d'auzir, Qui us volia la faizon dir Ni la ri- 
queza que lai es, Jaufrc. {)i ben nun los cresia non seria crestians be, 
Sancla Agnes. — No pogra sonar mot qui Ih des XV regnutz, I'ierabras. 
A re no degr^om melhs fugir Com mal senhoriu qui pogucs, Pcire Vidal. 

'■' Queiis dire'r Que qui comptar vos ko volria tot, seria cosa qur allon- 
garia la mia materia, Muntaner. E qui tot ho volia comptar, seria tant llonga 
escriptura, que tot hom sen enujaria de oyr, ib. E quim donas gran cosa, 
■ yo nom aturura que a eil no vingues, ib. 



52 E. GESSNER, 

e}i iraygion El qiie lo encuhriese un punlo iiin saso?i, RPal. 2 87 cd. 
Quien lo qum'ese hacer habria meiiestef- teuer la pmdola mas delgada 
V el ingenio mos soiil, Clareo 4533,60. Caeria eti mal caso el 
Caballero atidajite (/ne otra cosa hiciese, Quij. 5 1 unt. i n Predi- 
cador Apostölico que stibiesse d la Cathedra del Espiritu Santo con 
el unko fin de enamorar d los oyentes de la virtud, se avergonzaria 
de esos afectados adornos, FGerd. 1 8g. Sucede al pie de la letra 
d qide?i los profiere, como sticederia al que resiicitase hoy eti Paris 
liablando galo, Gart. Mar. 83,65. AI contrario, expresarla mejor 
wia idea la persona ä quien no sujetase esta regia, Clemencia 208. 
Fälle mit dem Plusquamp. i: recebi tanta alteracion de placer, 
que cucilqtiier que me viera ine lo conosciera en el rostro, Celestina 
2ga,4i. Siibese por la calle arriba con tan gentil semblante y con- 
tinente, que quien no le conociera pensara ser, muy cercano pariente 
al conde de Ar cos, LazarM. 853,55. Como sabia que le escuchaba 
SU a?nigo Anselmo, decia cosas que el que le oyera le tuviera mncha 
mas Idstima que ä Camila, Quij. 212 ob. ' 

B. Indikativ Imperf. statt Imperf. Fut. im bedingten Satze. Es 
sind hier zwei Fälle zu unterscheiden, insofern nämlich dieser 
Tempuswechsel die Hilfsverben müssen, können, wollen und inso- 
fern er andere Verba betrifft. 

I. Müssen, kcninen, wollen. Hierbei handelt es sich um 
einen, allgemeinen romanischen Gebrauch, der sich unmittelbar an 
das Lateinische anschliefst. Dem Römer galt als das nicht Wirk- 
liche die in dem von müssen abhängigen Infinitiv ausgedrückte 
Handlung, nicht das Müssen selbst. In diesem sah er ein objektiv 
Wirkliches, ein allgemeines Gesetz, das zwar auf einen speziellen 
Fall bezogen wird , deshalb aber nicht seinen allgemein gültigen 
Gharakter einbüfst ; dieser aber kann nur im Indikativ seinen Aus- 
druck finden. Der Satz: si ulla in te pietas esset, patris eum loco 
colere debebas drückt demnach aus : „wenn du einige Pietät be- 
säfsest, so würdest du ihn wie einen Vater ehren, denn jeder 
pietätvolle Mensch mufs so handeln." Bekannt ist übrigens, dafs 
sich das Lateinische von diesem allgemeinen Prinzip sehr wohl 
entfernen kann, indem es den Begriff" des Müssens seiner Allgemein- 
heit entkleidet und ihn als die im Infinitiv ausgedrückte Handlung 
modifizierend und auf diese eingeschränkt vorstellt [haec si diceret, 
tamen ignosci non oporteret, Madvig Lat. Sprachlehre § 348c). 

Der lateinischen Auffassung schliefst sich wie das Romanische 
überhaupt, so auch das Spanische in zahlreichen Fällen an, indem 
es das Imperf. Fut. der genannten Hilfsverben in der hypothetischen 
Periode durch den Indik. Imperf. ersetzt. Zwar besafs es in dem 

^ Auch im Portugiesischen ist der Konjunktiv Regel: quem tivesse re- 
parado em Fr. Vasco perceberia facüniente que na sua alma se passava 
tambem alguma cousa extraordinaria, Herculano, Monast. 1 246. Quem o 
visse passear de Ufn para outro lado da estreita cella . . ., suspeitaria facil- 
?nenie que o agitavam petisamentos encontrados e violentos, ib. I 262. 



DIR HYPOTHETISCH !<: PERIODE IM SPANISCHEN. 53 

Imperf. Fut. schon eine indikative Zeit; aber sollte das allgcmeiuc, 
sich auf alle ähnlichen Fälle erstreckende (iesetz zum Bewufstsein 
gebracht werden, so war dieses Tempus doch unbrauchbar, weil 
es nur die aus einer bestimmten Bedingung sich ergebende , also 
einzelne Folge bezeichnet; das allgemeine Gesetz aber kann sich 
nicht aus einem Besonderen ergeben. Daher trat der Indik. Im- 
perf. ein, niemals jedoch eine zusammengesetzte Zeit; und in der 
That war diese auch entbehrlich, denn das allgemeine Gesetz um- 
fafst die Vergangenheit ebensowohl wie die Gegenwart und die 
Zukunft. 

Noch ist zu bemerken , dafs im Spanischen dieser hidik. Im- 
perf. bei dem Begriffe „müssen" aufserordentlich häufig ist, nament- 
lich in der alten Zeit, doch auch bis auf den heutigen Tag. 
Seltner läfst er sich, abweichend vom Latein, bei „können" beob- 
achten ; sehr selten kommt er bei „wollen" vor, wo auch latei- 
nisch der Konjunktiv die Regel ist. 

Müssen: deber, haher de, ser menesler u. s. w. Menazasme a 
luerto, yo digiendo derecho, Noii devies por tal cosa de mi aver des- 
pecho, BSil. I45bc. Madre, si tu quissiesses e fuesse tu planer, En 
mi esti ludicio fton dehie perecer, BMIg. ySÖcd. Si et tu mal su- 
pieses dcuies auer dolor, Appol. ögd. In Appol. ist der Gebrauch 
des Indik. Imperf. fast die Regel, im Berceo das Überwiegende 
neben dem seltneren Imperf. Fut. El omne que non ha de coydi 
a exir, Qtumto mas po.diesse se deuie encobrir, Alex. 1 46oab. Tienai 
algunas cosas preciadas e de qucrrer, Que non les ponen honra, la 
quäl debian haher, Roiz I364cd. No hay niFio ni viejo en toda 
la ciudad que no lo sepa ; hahiale yo de ignorar? Celestina 2ib,5. 
Buenos homhres, vosotros nunca habiades de rogar por un hombre en 
quien Bios tan senaladamente se ha senalado, LazariM. 89a,63. Asi 
las damas, que -uvimos libres, no hahiamos de dar cridito d vuestras 
palabras y proniesas, Guer. Civ. 52 7b,3l. Los historiadores que de 
menliras se valen, habian de ser quemados cömo los que haeen moheda 
falsa, Quij. 343. Advertid que los que auian de ser cabe^as por su 
prudencia y saver, essos andan por et sueto, Criticon 483,20. C aer- 
sete debia la cara de vergüenza de haberte incomodado con tu madre, 
Gaviota 17. La i/ue le sigue que debia ir en descenso oeupa los 
cuartos segundos y terceros. Comp. joc. 44. 

Können. Todos los sus miraglos qui los podie contar? BSil. 
384a. Quien todos los lenguages quisies aprender, Alli podie tod 
omhre certedumhre saber, Alex. 1359b. l'n ßlöso/o fuc que dijo, 
que tan delicada e fan dulce es la vision ü vista de Dios, que si 
todas las cosas podiese home haber e non hohiese esta vision, que non 
podia ser bienaventurado, ante serie mezquino, Knxpl. 48Qa,44. Afu- 
chos en.xiemplos drstos podia aqui desir, RPal. 167a. Por nombre 
tan Santo conto esle libro tiene, se podia perdonar su ignorancia, 
Quij. 21 unt. Con este surtido, que podia 7'enderse en cualquhr 
libreria ä precio hecho, se quitaria uno el trabajo de escribir una 
nsma de papel, Cart. Mar. 89,8. Vgl. Cabal. 243a,i5; Quij. 50 



54 E. GESSNER, 

unl.; iq6 Mitte; 348 Mitte; 630 ob.; FGerd. 1 2 1 ob.; 2;^ mit.; 
Clemencia 25g unt. 

Wollen. D/xo Sancto Domingo: yo al queria, Que aqiii vos 
Jijicassedes fastal terce?-o dia, BSil. 5l4cd. Flaqiicciö el demonio, 
perdiö toda poiengia, Ya querie secr fuera si li diessen li(en(ia, ib. 
6g 7 d. Muchos homes dicen ä otros que noti fagan tal cosa, ca los 
homes qticrian giiar darlos de I/o et non les razonaii ä que es, Cabal. 
252a,40. 

2. Von diesen Hilfsverben abgesehen ist es jedoch im Spani- 
schen nicht ganz ungewöhnlich, das hnperf. Fut. in dem bedingten 
Satze durch den Indik. Imperf. zu ersetzen. Die Beispiele sind 
nicht übermäfsig häufig, doch aber in genügender Anzahl vor- 
handen, um eine gewisse Neigung der Sprache dazu erkennen zu 
lassen. Namentlich die vertrauliche Rede scheint leicht zu diesem 
Tempus zu greifen. 

Nunca blanca ganc en que no tiiviese su iniiad; pero no vivia yo 
•enganada si mi fortuna quisiera que ella nie durara, ich würde 
nicht leben, Celestina iga,l. Esla es la fortiia que enire ellos se 
tiene . . .y gudrdase en tanta nianera . que se tenia por grmi igno- 
minia si trayetido luio hablasen, man würde es für eine grofse 
Schande halten, Lazarinc. 104b, ig. Porque era imposible que si 
esto asi no Juera, que estas inis Idgrimas no ablandasen tu tan duro 
corazon, es wäre unmöglich, dafs meine Thränen nicht dein Herz 
erweichten, Clareo 4.62a, 34. Quando bieti no hiciessedes otra cosa 
que despertar a otros a hazerlo, haziades harto, wenn ihr auch 
nichts anderes thätet, würdet ihr genug thun, Diälogo de las 
lenguas S. 8 Si eso ßiese verdad, eso bastaba Para iriunfar cn 
Roma de Numancia, Cervantes, Numancia IV esc. 2. Si los palos 
que ine disron eyi estos viajes se hubieran de pagar ä dinero, aunque 
no se tasaran sino ä cuatro niaravedis cada imo, en otros den escudos 
no habia para pagarme la mitad, Quij. 345. Si pudicse andar tan 
vivo como äntes, la echaba ä Vd. de cabeza d la calle, Clemencia 
140. Vgl. Pulg. Letr. 15,4 {incurria); Celestina 5ga,4Ö (eras); 
LazarM. 823,26 (letiiades); Guer. Civ. 568a, 65 {estaba); Quij. 353 
Mitte [merecian); ib. 350 unt. [tenias); Criticon 12a, 20 [destruia); 
ib. iga,26 {avia); Cart. Mar. 27,13 {era); FGerd. I 13g oben 
(atrevid); Clemencia g ob. {bastaba); ib. 115 Mitte {era); ib. 151 
unt. {tenia cuenta); Comp. joc. 41 unt. {cogian); ib. 86 Mitte 
{bastaba). 

C. Auch im bedingenden Satze stellt sich zuweilen der hidik. 
lmj)erf. ein, doch ist dies überall nur selten. 

Cd si niuy tiertia era, Muy ligera podrä quebrantar eti la car- 
rera, RPal. 651 cd. Dijele el sueFio y la soltura . . ., covio viviria 
siempre pobre y baldonado si no mudaba el consejo, Celestina i8b,35. 
Si al estilo anadia el traje y ademänes correspond/entes , todos los 
desocupados irian ä verlo por curiosidad, Cart. Mar. 88,68. S' ese 
bien me habian de quitar, mas quiero el mal que tengo, Abencer. 



DIE HYPOTHETISCHR PERIODE IM SPANISCHEN. 55 

50ga, 1 8 ; Quien havia de ser Predicador, st /odds ias 7ioticias se 
havum de cnconlrar en los libros?, FGerd. I 156. Die beiden 
letzten Stellen sind vielleicht weniger beweisend, da haber de mit 
Infinitiv auch sonst die Neigung verrät in den Indikativ zu treten, 
selbst wenn die Konstruktion den Konjunktiv verlangt. 

D. Der Indik. Imperf. in der auf die Vergangenheit bezogenen 
Periode. Wie dem Deutschen ist es auch den romanischen Idiomun 
in bald höherem bald geringerem Grade eigen, in der Vergangenes 
ausdrückenden Periode statt den zusammengesetzten Zeiten den 
Indik. Imperf. entweder in beiden oder nur in einem Gliede ein- 
treten zu lassen (wenn ich es hatte, gab ich es ; .$■/ letiia daba = 
si hiibiese letiido, hahria dodo). Die Erklärung der Sache ist nicht 
schwer. Die für die Vergangenheit gebildete Annahme und die 
sich daraus ergebende Folge erscheinen dem das fern Liegende 
ruhiger ansehenden Sinne in drra Lichte einfach vergangener 
Tliatsachen. 

Das Spanische folgt auch hier dem allgemeinen Zuge der 
Schwestersprachen. Der Indik. Imperf. in dem angegebenen Sinne 
ist spanisch durchaus nicht ungewöhnlich ; seitner allerdings er- 
scheint er in beiden Gliedern des Satzgefüges zugleich ; vorwiegend 
steht er, namentlich in der älteren Sprache, im Folgesatz, ohne 
dafs jedoch sein .\uftreten im Bedingungssatze ausgeschlossen ist. 
Besonders der Begriff „müssen" unterliegt oft dieser Behandlung. 
Beispiele mit ,, müssen": Xon hn deviemos totnar por varrogatias, 
Si HÖH fuessemos rrogados, Cid 2759. Fijo, ä nit debiedes dehnte 
vos levar, BDV. 128b. l'o non vos podria responder nin vos res- 
poudi laji cumplidamente como era mesler, Cabal. 2563,48. Si tuvieras 
numotia del pasado amor que le luve, la primera posada qtte lomases, 
venido nucvamenie en esta ciitdad, habia de ser la niia, Celestina 
323,38. El poeia puede contar 6 canlar las cosas no como fueron, 
sitio como debian ser, y el historiador las ha de escribir tio como 
debian ser, sino como fueron. Quij. 341. Vgl. Cid 3297; BLoor. 
115c; RPal. 199b; Patr. 4093,44 ; Celestina 38b,8 ; Patran. 153a, 
35. — Anderweitige Beispiele: Li-vaba gratit lazerio, vivie vida 
lazdrada, Si la muerte li viniesse, tetiies por veniurada, BMil. i 77cd. 
Sdo que la podiesse soniiar tina vegada, Teniase por guarida e por 
muy confortada, BSOR. l86cd. Con grandes higrimas, sin mas 
pensar, se iba ü lanzar en la mar, si no fuera detenido de aquellos 
que iban con el , Clareo 4363,27. .SV al cabo de tanto tiempo 
volviera sin blanca y sin el jumenio ä mi casa, negra Ventura me 
esperaba, Quij. 345. .SV tal era su intencion , lo hubiese llevado d 
cabo, Clemencia 177. Vgl. BLoor. 59c; BMlg. 844ab; MFgip. 
994; Alex. 113b; Pulg. Letr. 23,61; Celestina 603,19; Selva 488I) 
unt. (f7-<2 res/ituirlas); Guar. Civ. 56lb,38 ; 6033,61; Quij. 33 {si 
se acertaban); FGerd. I 88 (podia). 

K. Das historische Perfekt im Folges3tze. Selten ereignet es 
sich, dafs das historische Perfekt (defini) statt des Pluscjuamp. Fut. 
im bedingten Sat/,-- «Irr irnaltMi Periode angetrolTen wirtl. 



56 E. GESSNER, 

Aule que pariesses afogar mc deviste, Appol. 53 id. Si non la 
desper lassen, cuidö seer folgada, BSOR. 1390!. Por eslo Jonatas de 
muerie fue nidgado, Si el pueblo non oviera por el mucho 7-ogado, 
RPal. logcd. Corno d mi me sucediö, si Dios la verdad no decla- 
rara, Selva 492b,28. Este suelo donde mella Piido hacer el llanto 
mio A no ser tan duro y frio, dieser Boden, den meine Thränen 
hätten aushöhlen können, wenn er nicht so hart wäre wie je- 
mand . ., Amantes de Teruel II, sc. 6. El caräcter se ie oculta 
De la edad en que naclsie\ Tu en oira vivir debisle Mas inocente 6 
mas culia, du hättest in einem anderen schuldloseren Zeitalter 
leben sollen, ib. 

F. Das Imperf. Fut. im bedingenden Satze. Wohl in allen 
romanischen Sprachen findet sich hin und wieder einmal die Kon- 
junktion si mit dem Imperf. Fut. verbunden. Diese Erscheinung 
ist in verschiedener Weise gedeutet worden. Mätzner (Syntax I 
iio) meint, dafs diese Konstruktion an und für sich nichts Auf- 
fallendes habe; denn es sei nicht abzusehen, warum, wenn einmal 
im hypothetischen Satzgefüge bei Beziehung auf die Gegenwart des 
Redenden von dem Standpunkte, welcher nicht der des Redenden 
ist, ausgegangen werden durfte (wie z.B. vom Imperf.), nicht auch 
hätte von dem Fut. der Vergangenheit ausgegangen werden dürfen. 
Diese Ansicht, an welcher auch Foth S. 267 und Burgatzcky S, 16 
keinen Anstofs nehmen, beruht auf einem Verkennen des Wesens 
der irrealen Periode und des im Anfange dieser Abhandlung dar- 
gelegten Verhältnisses zwischen Haupt- und Nebensatz. Wie sollte 
sich auch das Imperf. Fut. erklären, wenn nicht ein Boden der 
Vergangenheit, von dem aus sich der Blick in die Zukunft wenden 
kann, gewonnen ist? Irrtümlich ist es auch, wenn INIätzner sich 
zur Begründung seiner Annahme auf das spanische Plusquamj). 1 
in Sätzen wie si hcviera, diera beruft ; mit diesem Temjius hat es, 
wie man gesehen, eine völlig andere Bewandnis. Mehr Berech- 
tigung hat die Meinung, dafs die Verbindung von si mit dem Im- 
perf. Fut. dann eintritt, wenn der Nebensatz zugleich im Verhältnis 
eines Hauptsatzes zu einem andern versteckten Nebensatze steht 
(Ayer, Gram, comparee de la langue fran9. § 452. Holder, Gram, 
der franz. Spr. S. 449 Anm.). Aber diese Erklärung läfst sich nicht 
überall anwenden, und es bleiben Beispiele genug übrig, die einer 
Deutung harren. Ich sehe in solchen Fällen nichts anderes als 
eine sprachliche Untugend, deren wir uns auch im Deutschen 
schuldig machen, wenn wir sagen „wenn ich es thun würde" statt 
„wenn ich es thäte". Die irreale Periode ist ein recht kompli- 
ziertes, durchaus nicht leicht verständliches Sprachgebilde; die 
beiden Glieder desselben haben dadurch, dafs sie als eng mit 
einander verbunden und sich gegenseitig erfordernd und meist 
zeitlich zusammenfallend dem Geiste vorschweben, und dafs beide 
in affirmativer Form doch ein Negatives, nicht Wirkliches bezeichnen, 
so viel innerlich Verwandtes, dafs es nicht verwunderlich erscheint, 
wenn das getrübte Sprachgefühl ihren inneren Unterschied über- 



DIE llVrOTHRTlSCHK PEKIOOE IM SPANISCHEN. 57 

sehend sich ijelegentlicli einmal in ihrer sprachh'chen Behandlung 

vergreift. 

Im Spanischen sind Beispiele dieser Konstruktion sehr selten. 
A quäl parle van ho quc omnes son ? Si me podria con cllos hir 
Graut lalaule daqui ssalltr, MKgipc. 299. Pues si esto fariamos 
por omes como uos vivos, Muy mas debemos faserlo por laulos e tan 
esquivos, Reiz I556ab. Pucs, si un Maestro y un Predicador haria 
mal eti censurar, y viucho peor en dar reglas de cortar ni de coser 
ä un Zapatero; serä lolerable que un Zapalero se tnela en dar reg las 
de predicar a los Predicadores? FGerd. I 85. V si no argüiria 
bieji el que dixesse , . ., larnpoco arguvö bien cl Hermano Fray Gc- 
rundio, ib. 158. In den drei letzten Fällen kann man den si- 
Satz als Folge einer versteckten Bedingung betrachten. 

Cr. Die mit vergleichendem cö?no, que gebildeten Konditional- 
sätze der Unwirklichkeit bedürfen keiner besonderen Fj-örterung ; 
ihre Behandhnig ist dieselbe wie die des gewöhnlichen bedingenden 
Satzes der irrealen Periode ; sie sind daher auch oben gelegentlich 
miterwähnt worden. Hier mag nur bemerkt werden, dafs como si 
auch durch cual si, lo mismo que si, como que vertreten wird. 

Cual si. Cual si fucra de piedra, sin mas mencarse lo dejö alli 
mucrto, Alfar. zwh,!"]. Por un dia rcinö una complcta y muslia 
calma, cual si los eletnenlos se pr eparasen y lomasen alicnlo para sii 
intnensa lucha, Clemencia 81. 

Le mismo que si. Lo mismo rnc he (juedado quc si me hubicra 
caido un rayo Kotzenberg, Grammatik S. 417. 

Como que. Die Formel ist durch alle Jahrhunderte gebräuch- 
lich gewesen. Sie ist wohl auf ursprünglich relatives que zurück- 
zuführen , wie schon die überwiegende Konstruktion mit dem 
Indikativ andeutet. 

Indikativ. A^or en vuino Icuaua, Commo que yua a cafar, Aünc. 
264ab. lutnzo una saeta contra cl cielo, commo que se querie vengar 
de Dios, Knxpl. 487a unt. Alzö la espada como que lo queria ferir, 
Araadis 68b ob. Leyendo en su manual como que decia alguna 
devota oracion, en mitad de la leyenda alzö la mano, Quij. 1 2. Los 
pajaritos cantaban tan alegres como que ignoraban que existia la 
pölvora y las redes, Clemencia 78. Vgl. Fnxpl. 494a, 22; Guer. 
Civ. 550a,53; 5713,38; Alfar. 233l),66; Quij. 10; 209; 623; 
FGerd. I 64. 

Konjunktiv. Mi compancru, lornando amarillo, comtnzö <i tcmblar 
como que adeviuase algun mal, Clareo 4503,9. l\ntonces vieron como 
salia por el suelo de la cämara rodando un libro como que viento 
lo llevase , Amadis 50b. Parece que me Inder on douacion de la 
liberlad, y como que me la hallara en la calle , quede muy aUgre, 
Alfar. 411b unt. Vgl. .Mfar. 276b Mitte. 

H. .\uch statt der gewcihnlichen Konjunktion des li\i.utlieli- 
schcn Satzes si treten manchmal andere Partikeln ein. Wenn man 
zuweilen einem por si, para si begegnet , so erklärt sich dios aus 



58 E. GESSNER, 

der Gewohnheit des Spaniers, Nebensätze unter die Herrschaft einer 
im Hauptsatze enthaltenen Präposition zu stellen. 

Este debdor tetiia un hordon cavado de denlro i: Ueno de oro, c 
Icväbalo coiisigo para si alguna cosa hobiese menester, er trug ihn 
bei sich für den Fall wenn . . ., Enxpl. 487a, 12. FA rey mandö 
que saliesen den caballeros armados, qiie fuesen en guarda de Maliquc 
Alübez, por si estuviese puesta algtma emboscada de erislianos, Guer. 
Civ. 528b,48. Vgl. Guer. Civ. 569b,62 ; 62gb unt. 

Auch cua?tdo nimmt, wie franz. quand, nicht selten konditio- 
nalen Sinn an. Quando non lo leyesse, defir non lo querria, BSil. 
73c. Dijo que asi se Jtaria , v que cuando los que alli eshiviesen 
HO üsdseu , que el nie prometia seguirme, Lazarinc. g5a,3i. Si 
ainarüi, respondiö la herinosa Vitoria, cuando yo iuviese vitencioft de 
casanne, Selva 500a, 65. Vgl. Lazarinc. io8b, unt.; Quij. 202 unt. 
Die ältere Sprache zieht auch das Ortsadverb donde für den 
konditionalen Satz heran. Das Altfranzösische kennt diesen Ge- 
brauch von oü gleichfalls in bescheidenem Mafse. 

Donde esto no hiciesemos, cayeramos eji mal easo >ios c todos los 
olros Grandes de vuestros Regnos que vueslro servieio derechamenk 
aniamos, Crönica de Don Juan Segundo S. 549b. 1 

Auch que (eigentlich gesetzt dafs) zeigt sich hin und wieder, 
wo man das einfache si erwarten würde. 

Soltariemos la ganancia que nos diesse el cabdal. Cid 1434. Xo, 
dijo el Caballero, nias que lo fuese, que seria por ende? Amadis l6a. 

I. Dem irrealen Bedingungssatze entspricht in der Darstellung 
das konzessive Satzgefüge der Unwirklichkeit ; denn auch hier ist 
Bedingung und Folge vorhanden, wenn auch in einer ganz andern 
Wechselbeziehung : der im Hauptsatze ausgesprochene Gedanke ist 
nicht die Folge der ^Annahme, sondern drückt etwas aus, das über- 
haupt stattfindet und auch stattfindet trotz einer Voraussetzung, die, 
wenn verwirklicht, dasselbe aufheben zu müssen scheint. 

Die hauptsächlichen im Spanischen für dieses Verhältnis ge- 
bräuchlichen Partikeln sind cuando, aun cuando, aunque, zu denen 
sich noch eine ganze Anzahl anderer teils seltnerer teils veralteter 
gesellt. Der Modus ist wie bei dem hypothetischen Satz durchaus 
der Konjunktiv oder das gleichwertige Plusquamp. i. Wenn das 
Franz. nach qucind, quand meme das Imperf. (Plusquamp.) Fut. setzt, 
so ist dies nach dem in Bemerkung A aufgestellten Gesichtspunkte 
zu beurteilen. 

Cuando. Cuando yo quisiese olvidarrne de los garroiazos que me 
hau dado, no lo consent it ian los cardenales que aun se esidn frescos 
en las costillas, Quij. 341. 7''enia ianio empaeJw como mia doncdla. 



' Natürlich beschränkt sich dieser Gebrauch von donde nicht auf die 
irreale Periode. Do la muger olvidares, ella te olvidard, Roiz 6630. Do 
estas tres guardares, non es tu obra vana, ib. 447d. V^d. ebenda 96c; 197b; 
384d; iii3d. Daher das nicht seltene donde no, wo nicht, Clareo 4343,51; 
Guer. Civ. 559b, 71 ; Quij. 16; 44. 



niE HYPOTHETISCHE PERIODE IM SPANISCHEN. 59 

r cuando fitcra imiv homhre, nie avcrgonzara de su vergiittiza, Al- 
fa r. 228b. 

Auii cuando, Es cl pcrdon virtud tau noble y generosa, (jiie pur 
eso solo se praclicaria nun cuando no fuese un deber cn'sliano, Cle- 
mencia 227. Aun cuando eslo se pudiera hacer con la facilidad qiie 
se dccia, era imposihle salir bien de aqiiel irance, Guer. Civ. 66ob. 

Cuando bien. No querria hahlar en ella, quando bien a tni nie 
Juesse muy sabrosa, Dial. de las lenguas S. 7. Quando bien no 
hiziessedes otra cosa . . ., haziades ario, ib. 8. 

Atinque. No la lornase ä tomar, aunque nie la diesen con el 
ducado de Borgona, Pulg. Letr. 12,36. Xon fablaron ningunas 
razoties entre si, nin hobo tiempo aunque lo quisieran fazer, Patr. 
3983,28. 

St. Si los otros sus fradres lo quisiessen sofrir, Ell de la eglesia 
nunqua querria e.xir, BSil. giab. A^o nie a/revere ä forjar ni sus- 
tentar una nieniira, si me fuese en ello la vida, Quij. 212. 

.SV biefi. Aquel es de tni iierra cuyas virtudcs 7ne conientan, si 
bien sea nacido en Polonia, Dial. de las lenguas 164. Zwar kein 
irrealer Satz ; aber es versteht sich von selbst, dafs die hier auf- 
geführten Konjunktionen auch für andere Konzessivsätze gelten. 

Ann si. Aun si ganase el imperio de Fr angin, Non serie mas 
alegre, Appol. 548bc. Vgl. BMlg. 689c. 

]\[as que. Acd traemos plata para pagarlos, mas que Juesen de 
oro, Clemencia 91. Vgl. ib. 130; FGerd. I 84. 

Porque. Otro procurador non me viandes buscar. Cd porque lo 
buscasse no7i lo podrie irovar, BMlg. 797cd. Vgl. ib. 754a. 

Aun porque. Aun porque quisiesse, non terria que dar, BSil. 
176c. Vgl. BMlg. 235ab. 

Puesto que. Puesto que salgas con ella como deseas, no lias de 
queiar ni mas ufano , ni mas rico que estds ahora, Quij. 193. 
Vgl. ib. 195. . 

Que. Selten. Senor, justo es lo que demandais, e que lo no 
fuese, conociendo vuestra mesura, lo haria de grado, Aniadis5ib. 

K. Sehr leicht verbirgt sich der Konditionalsatz der hypothe- 
tischen Periode unter anderer Gestalt (mit deinem Beistande würde 
es gelingen = wenn du mir beiständest). Dies geschieht in sehr 
verschiedener Weise. Bald versteckt sicli die Bedingung unter 
einer Substantiven Satzbestiinmung, bald unter einem Infuiitiv oder 
einem Partizip, bald auch kleidet sie sich in die Form konjunktio- 
naler oder unabhängiger Sätze. Ks handelt sich bei diesem Punkte 
um eine allen Sprachen mehr oder weniger geläufige Ausdrucks- 
weise. Das Spanische bietet hier kaum besondere Züge; die Sache 
kann daher kurz abgemacht werden. 

Präposition mit Komplement. jYon falsarie su dieho por aver 
monedado, BSii. 7d. Qui fuera hecho sin ella?, Gelestina 53b. 

Infinitiv. La muger sin verguenza por darle diez Toledos Ä'on 
dexaria de fager sus antojvs aredo<-, Roiz 445cd. .Sehr gewöhn- 



6o K. (iESSNEK, 

lieh, wie im Französischen, der Infin^ mit d: <i no volvcrlc la 
tspadii tn tl Camino, aqucl solo golpc fiiera baslantc para dar fin d 
SU rigorosa contienda, Quij. 35. 

Partizip, Gerundium. Del mundo mc qucjo, porqtie tio mc dando 
vida, no engendrara en el ä Melibea; no nascida fio amara, hätte 
sie mir nicht das Leben gegeben, wäre sie nicht geboren worden, 
Celestina 74b. 

Konjunktionale Sätze. IJäufig tritt für die Bedingung ein Satz 
mit „aber" ein. Bien quisieran los de fuera a las amenas sohir, 
Mas bien gelo sabien los de dentro refferir, Alex. I075ab. Vgl. ib. 
1002; Ayora 1,88. Auch ein mit „als" eingeleiteter Temporal- 
satz steht statt des negativen Bedingungssatzes. Ya quisieran 
abrazarse, cuando enirö por el jardin don Roilrigo, jVlfar. 208a. 
Vgl. für das rVanzösische Klapj)erich S. 48., Provenzalisch: Fie- 
rabras386; 492; 501. Spezieller spanisch ist der Gebrauch von 
salzH) que, salvo porqtie als Ersatz des konditionalen Satzes. Mucho 
mas k diria, salvo que Tum me atrevo, ,Roiz 41 id. No es diibda 
que lo hicieran , salvo por que Fernan Alvares les es/orzö mucho, 
wenn er ihnen nicht stark zugesetzt hätte, Cronica de Don Juan 
Seg. 522a. Vgl. Pulg. Letr. 27,3; (iuzman 69Qb,45.' 

Selbständige Sätze, in konditionalem und in konzessivem Sinne. 
No fuera el pobre, y casarase con Quileria, wäre er nicht arm, so 
würde er die Q. heiraten, Quij. 41g. Quisiera teuer cien ojos y 
den nianos para poder satisfacer curiosidades del alma, y no pudiera, 
Criticon I4b,40. Fuera oira la que tal consejo me da, y ya mi mano 
Ic hubiera arrancado la lengua. Cid Tr. 3g. 

L. Endlich ist noch die Verkürzung des konditionalen Satzes 
zu erwähnen. Sie ist allen Sprachen gemeinsam, doch hat hier 
das Spanische einige eigentümliche Wendungen. 

Die Fähigkeit den Bedingungssatz mit Auslassung eines vorher- 
gehenden Verbs durch si no {cuando no, donde no) darzustellen teilt 
das Spanische mit vielen anderen Sprachen. 

Fo esio quiero quanto querer lo debo, Si non, de mi faria a los 
demonios cebo, BSil. I02ab. Notificado que . . . le daria ä su hija 
por mujer, cuando no, que le cortaria la cabeza, Patran. 145a, IQ. 
Dentro de treinta dias Iiabeis de dar caballeros que os deßetuidn; 
donde no , se procederä contra Z'os conforme d la ley, Guer. Civ. 
55gb unt. 

Sehr gewöhnlich ist ferner im Spanischen der übrigens auch 
anderen romanischen Idiomen 2 nicht unbekannte Gebrauch des 



* Ähnlich im älteren b'ianzösisch sans que mit dem Indikaüv. Jl braqua 
si a propos une colluurine, que, sam ce que ledict Marquis, voyatit »lettre 
le feu, se lansa a quartier, il fut tenu qii'il en avait dans le corps, Mon- 
taigne ed. Dezeimeris I 29. Sans que mo7i bon geiiie au-devant vi'a poussc, 
Dijä tout f/ioti bonheur eüt ete renverse, Moliere, l'Etourdi I II. 

- Französisch : se pnnr tioiis n^ert, tost faroit compare, Auberon ed. 
Graf 1473. ^^ '^^ ti'estoit pour la craincte de Dien, je t^assomerois de cotips 



DIE HYPOTHETISCHR PERIODF. IM SPANISCHEN. 6l 

unpersönlichen s^r por, ser porqiu, um ein Vorhinderndes auszu- 
drücken. 

Si por elld noii J'uesse, laznamos amoriidos, wenn es nicht an 
ihr läge, weiui sie es nicht verhinderte, BMlg. 621c. Vgl. Appol. 
519h; Alex. 5i8cd; Celestina 6ia,2o; Quij. 468 Mitte, — Si iw 
fuera porqtie toda esia histona es de coscorroties, armas y bataUas, 
tratariamos de propösito de los eslremodos omores de oiiibos, CiUf^r. 
Civ. 62ga unt. Vgl. Quij. 64 ob.; 174 unt. 

Was nun dieser Konstruktion im Spanischen ein charakte- 
ristisches Gepräge verleiht, ist cjje Auslassung von ser, wodurch die 
gleichbedeutenden Wendungen si no por ', .$•/ 110 porqtie entstehen. 
Letzteres wird stets mit dem Indikativ verbunden. 

Estmian en gran coyta e en fiero pesar, Si iion por el posfafo 
ya se querien tornar, Alex. 676cd. Que biien inanjar, si iion por 
el escotar ! welch prächtiges Mahl, wenn das Zahlen nicht wäre, 
Roiz g I Bd. Fuera el viucrto ö preso, si non por im Caballero que 
le acorriö con su caballo, Conq. 241a unt. Si no por el, los olros 
dos no hubieran contado el lance, Cart. Mar. 7,106. Vgl. Alex.655d; 
AOnc. 2285cd (wo pasaran statt pasaron zu lesen); Roiz io8ocd; 
Pulg. Letr. 4,55. — Si 7ion porque esiaba preso e bien legado, Farie 
vialos trebeios, luego desaborado, BSü. 628ab. Dize Don iohan que 
sinon porque de tienpo aca les llaman neblis . . . , que el por una 
natura los judgaria, Gaza 13,26. Älas razones destas le diria, sino 
porque la prolijidad es enojosa al que oje, Celestina 25b, 35. Vgl. 
BSil. 404cd; Alex. 435bc; 5gocd; AOnc. 64Qcd ; Conq. 33gb; 
251a; FJuzgo S. Vb; (nizman 701b. 

Gleiche Bedeutung hat endlich auch sino que mit dem Indikativ, 
das ebenfalls durch Ausfall von ser zu erklären ist (vgl. Muntaner 
.S. 441 e dich vos que, si no fos quell hauia aquests richs homens ab 
dnltres honrrals per capdellar, eil 7iou soßerra, nias no podia als /er). 
Mas OS diria desto , sino que pienso que querriades mas cuairo 
remedios de idiolas que cinco consuelos de ßlüso/os, Pulg. Letr. 8,38. 
Que es eslo, desvariado? Riirnie querria, sino que no fmedo, Cele- 
stina 38a, 26. Vgl. Celestina 7 2b,45 ; Lazarinc. 104a, ig; 1043,63; 
iogb,8. 



II. Der reale Fall. 

Über ihn ist wenig zu sagrn ; das .Spanische zeigt hirr keine 
besondere Erscheinungen ; eine Aufzählung der verschiedenen Kom- 
binationen, die bezüglich der /«'iten fler beirlen die reriode bil- 

lä oii tu es, Heplamcron III 119. i'rovcn/aliscli : E si no fos pel rey, car 
aychi es prezen, Vos fonttz hen batulz per lo cors Siin l'ist'n. I'"i<Tahr;is 3831. 
V<;1. ebenda 3871. 

' n.TluT die W'eiidimj,' si fin />.'/• piicii, die den Sinn vnn ,,l>einalie" an- 
nimmt, /.. H. Al(\. i;.«'; ii3l»- 



62 E. GESSNER, 

denden Glieder möglich sind, erscheint also überflüssig. Beachtung 
verdient jedoch der Fall, wo der reale Satz unter der Abhängig- 
keit von einem Zeitwort in die Vergangenheit übertritt (wenn er 
es hat, wird er es geben ; er versprach dafs, wenn er es hätte, er 
es geben würde). 

Für das Spanische, wie für andere romanische Idiome i ist es 
Gesetz, dafs bei einer solchen Abhängigkeit das Präsens des be- 
dingenden Satzes zum Indik. Imperf. wird. Auf den ersten Blick 
freilich scheint hier in der spanischen Sprache eine grofse Willkür 
obzuwalten, insofern man in solchen Sätzen sehr oft auf den Konj. 
Imperf. anzutreffen glaubt; allein dies ist in Wirklichkeit nicht so. 
Der Spanier nämlich konstruiert bekanntlich die Konjunktion s/, 
wenn es sich um etwas Zukünftiges handelt, mit dem ihm eigenen 
Konj. Fut. Die Sätze st tiene, dard und si .tuviere, dard unter- 
scheiden sich so, dafs der letztere das Haben als ein zukünftiges 
auffafst, während es in dem ersteren ganz allgemein ohne zeitliche 
Beimischung gedacht wird. Da nun die dem Konj. Fut. ent- 
sprechende Vergangenheit der Konj. Imperf. ist, so ergeben sich 
ganz folgerecht die beiden Sätze dijo que si tenia daria und dijo 
qiie si iuviese daria. Der Konj. Imperf. ist also in diesem Falle 
eine durch die spanische Syntax notwendig werdende Zeit , die 
mit dem Konj. Imperf. der irrealen Periode nichts zu schafi'en hat. 
Beispiele für beide Konstruktionen sind ungemein zahlreich. 
Wenn sich dabei manchmal der Konj. Imperf. in Fällen zeigt, wo 
der Indikativ dieser Zeit zu erwarten wäre, so ist dies aus der 
Vorliebe des Spaniers für den Konj. Fut. zu erklären, den er leicht 
auch da setzt, wo der Begriff der Zukunft sehr in den Flinter- 
grund tritt. 

Indik. Imperf. Respondiüle que poco seso decia, si por esta razon 
queria alotigar el casamiento, Patr. 38ga,7. Diciendo que cesase mi 
habla y me quiiase si uo queria hacer ä sus servidores verdugos de 
mi posirimeria, Celestina 29b ob. Maese Nicolas decia que si al- 
guno se le podia comparar, era D. Galaor, Quij. 2. Vgl. Roiz 38ab; 
Patr. 379b,55 ; LazarM. 89a,56 ; Patran. 1403,42; (juer. Civ. 528b, 
61; Quij. 14 ob.; 426 Mitte. 

Konj. Imperf. Assil dieran la fe e geh auien iurado, Que si 
antes las catassen que ftiessen periurados, Cid 163. A Dios e al 
confessor rogaha e difia Que si h detid librasse ntmqiia vialo seria, 
BSil. 750cd. Dijome que si falta hubiese yo lo veria, Alfar. 234b, 



' So im Franz. , Provenz. , Catalan. Abweichungen davon kommen 
schwerlich vor und beruhen dann auf irgend einem besonderen Umstände. So 
führt namentlich in Übersetzungen aus dem Latein der lateinische Konjunktiv 
leicht auch den Konjunktiv im Romanischen herbei , z. B. quar, il aiioit dit 
ke ü lur tolroit la communion se eles fi'aniendassent lur consiumes et luv 
paroles {eas quippe se communione priuare dixerat, nisi mores suos et verba 
corrigerent), Gregoire ed. Foerster S. 90,13. "Juranz ke il n'en riroit pas, 
se il ne resuscitast son filh {/tirans quod non recederet, nisi eitis filium re- 
suscitaret), ib. 99,16. 



DIE HYPOTHF.TISCHR PKKIODK IM SIWNISCHEN. 63 

67. Vgl. Alex. 150:1!) ; 24811; Celestina 54b,32 ; Guer. Civ. 54^1), 
21] Quij. 12 ob.; 331 iint. Statt des Konj. Imperf. kann auch 
das riusquarap. i eintreten. Aw Jhi, pensc si niirora, por vaüiira 
seria acusado de ladroituio, Lazarinc. g5a ob. Vgl. Alfar. 20ib,2 ; 
2ioa,42. 

Hier mag noch der im Spanischen wie in allen Sprachen 
nicht unüblichen Vermischung von realer und irrealer Periode 
Erwähnung geschehen. Die Erscheinung ist eine weitgreifende. 
Will man sich nicht zu sehr in Einzelheiten verlieren, so scheinen 
folgende zwei Gesichtspunkte die wichtigsten F;ille zu umfassen. 

1. Der bedingende und der bedingte Satz stehen nicht in 
unmittelbarer lieziehung zu einander. 

In diesem Falle wird eine l'hatsache mit einer irrealen An- 
nahme in der Art vereinigt, dafs der dieser Annahme entsprechende 
Konsekutivsatz, welcher erst die innere Verbindung mit dem That- 
oächlichen herzustellen hätte, unterdrückt und statt seiner der 
dieses Reale enthaltende Gedanke in die l'eriode hineingezogen 
wird. Es liegt somit eine Attraktion vor, indem das lebhaft erregte 
Denken die Folge überspringend zu dem Gedanken forteilt, der 
ihm besonders wichtig ist. Vgl. Tobler in Lemcke, Jahrbuch X 
251 zu V. 1777. 

Si bleu lo mkndiessedes, sodes bien escapados, wenn ihr es richtig 
ansähet, so seid ihr gut fortgekommen = wenn ihr es richtig 
ansähet, würdet ihr zugeben dafs ihr gut fortgekommen seid, 
BMil. 276a. Todo es in ■ provecho , si lu lo enUtidiesses, HSil. 431a. 
Ca si lo bien enietidiesses, miuho ie escarnefen , Alex. 36od. Ann 
cuatido se arrasaran toda la muralla y las casas, qiie por la inayor 
parle esiaban arrimadas ä ella, desde alli abajo habia una allura 
lau grande de peüa lajada y pelada, que no sc podia balir, Guar. 
Civ. 654b. Ann en isla gaile brtila puso Dios dones de precio, si 
supiesen aprovecharsc dellos, Alfar. 2l4b,6i. 

2. Der bedingende und der bedingte Satz werden unmittel- 
bar auf einander bezogen. Das Tempus der Realität erscheint 
bald in diesem bald in jenem Gliede der Periode. 

a) der bedingende Satz ist irreal. Die mit Lebendigkeit V(ir- 
gestellte Folge erscheint dem Redenden als ein Wirkliches und 
kleidet sich ilmi in den Modus der Realität. 

El home que lodas las pudiese conoscer verdaderamenle que podrä 
obrar con ellas cosas tnuy aprovechosas, Cabal. 2523,18. Estoy tan 
loco del ardienle fuego que tl amor en mis entratlas ha pueslo, que 
7ne pottgo al estremo de la viuerle, si Dios no nie socorriese, Selva 
482^,20. Si la rapides de estilo, vidubilidad de lengua, torrenle de 
voces . . forniasen un orado rperjecto, ninguno paede serlo lanlo, Carl. 
Mar. 10,12. 

b) der bedingte Salz isl irreal. In diesem l''alk; giebl sieh 
die Annahme als ein bestimuil zu l.ruarleudes, mit Sicherheit 



64 E. GESSNER, 

Vorausgesetztes, lebhaft Vorgestelltes und stellt sich somit im In- 
dikativ dar. 

Vo non ternia que soe fijo darssamario, Sil tion fago que prenda 
de mi un mal escarnio, Alex. I33cd. Si vos queredes dejar viiesiro 
estado el lotnar vida de örden, non podriades excusar que non vos 
acaedesen dos cosas, Patr. 37 3a, 2g. Si J1171I0 con mi senor lo veis, 
ti duro podriades conocer cudl es el uno 6 el oh-o, Amadis 62a. Aö 
me Ilamaria yo Reinaldo de Montalban, si no me lo pagare 11 pesar 
de todos sus encantamentos, Quij. 25. 



III. Der Potentiale Fall. 

Dieser Fall im Sinne und Umfange des lateinischen Gebrauches 
ist nicht in das Romanische übergegangen ; dahin gehörige Sätze 
werden der realen oder überwiegend der irrealen Periode über- 
wiesen. Mit einem gewissen Rechte können jedoch für das Spa- 
nische diejenigen bedingenden Sätze hierher gezogen werden, in 
denen si mit dem Konj. Fut. dem deutschen „sollen" entspricht 
(wenn er kommen sollte), wo es sich also um etwas Mögliches, 
Wahrscheinliches, Erwartetes handelt , etwa dem griechischen h\r 
mit dem Futurum (Imperativ) im Hauptsatze entsprechend.^ 

Diese Bedeutung des Konj. Fut. ist im Spanischen sehr ge- 
wöhnlich. Im Hauptsatze steht entweder das Präsens, Futurum 
(Iniperativ), oder das Imperf. Fut. 

a) Präsens, Futurum (Imperativ) im Hauptsatz. 

E si me dijeres que estäs ahi encerrada , digoie que asi lo estdn 
aca las huenas, Pulg. Letr. 23,32g. Si esto no hastare, ven matiana 
por ella muy secretamenle, Celestina 253,37. Mas hare por tu 
doliente, se menester fuere, en pago de lo sufrido, ib. 253,54. Vgl. 
Solls Cartas 10,30; Cart. Mar. 58,28. 

b) Imperf. Fut. im Hauptsatz. Der Gedanke gewinnt dadurch 
eine bescheidenere, höfUchere, zurückhaltendere Form. 

Aquesia tal escala deues bien comedir, Ca si fuere 7nuy corta 
podrias tu fallir, RPal. 65gbc. Crev habreis alguna paciencia en ese 
irabajo do esiais ; e si no la hobieredes, no sabria pör agora deciros 



' Der Konj. Präs. (Perf.) in diesem Falle, wie überhaupt, ist spanisch 
sehr selten, doch fehlen die Beispiele nicht ganz. Vgl. Cid 1072; Appol.488c; 
Celestina 24b, 27; 62b,i6. Häufiger ist er im Allfranz. Vgl. darüber Klappe- 
rich S. II und 25. Die dort beigebrachten Beispiele könnten ohne Mühe 
nocli vermehrt werden. Selbst in späterer Zeit fehlen sie nicht {le couvent par 
nous vous fall assavoir que s^iulcune malle vueillance ou nouvelle en ad- 
viengne, ü s'en exeusera et deschargera du tout sur vous, Jehan de Saintre. 
Comme si cete gener euse ieunesse , desdaignant tout autre ioug que de la 
vertu /nesmes, on luy aye deu fournir seulement des mäistres de vaillance, 
priidence et iustice, Montaigne). Wie bekannt, hat sich dieser Konjunktiv 
im Französischen bis heute in einem zweiten, mit que angereihten Konditional- 
sätze erhalten; das Altfranz, unterdrückte dieses que gewöhnlich; vgl. Klap- 
perich S. 59 f. 



DIE HYPOTHETISCHE PERIODE IM SPANISCHEN. 65 

otra consolacion, Pulg. Letr. 19,12. Si el falcon fuere doliente 
flaco muy ??iagro, tiunca podria fazer biien buelo nin ca^Air commo 
deue, Caza 34,24. Vgl. BSI lab; Appol. 358h; Palr. 378b,i5 ; 
Alfar. 232a ob. 

Statt des Konj. Fut. tritt aber in beiden Fällen aucli sehr ge- 
wöhnlich der Konj. Iraperf. ein. 

a) Präsens, Futurum (Imperativ) im Hauptsatz. 

Si 6'/ 7ne cometies, el lenarä el prez, sollte er mich angreifen, 
Alex. 649c. Si o'i'ies lugar e tiempo por qiumto de dos oia Deseavos 
fiiuc/io T.ter et conocer vos querria, Roiz 63 1 cd. Si los pidiese, harik 
creer que los ha comido, sollte er danach fragen, Celestina 393,44. 
Ctiäles vencerän, si lucha fmbiese? Clemencia 178. Vgl. BSil 3861! ; 
Roiz 797ab; Caza 27,7; Cid 135 1; Cart. Mar. 8,105. 

Wie leicht hier der Konj. Fut. und der Konj. Imperf. für ein- 
ander eintreten, zeigen folgende Stellen : 

Olrosi consejovos, que si alguno feciese por vos alguna cosa que 
vos cunipla , et despues non federe todo lo que vos querriades , que 
por esto tiunca le desconozcades el bien, Patr. 4023,9. Gomo debe 
Jacer, si fuere iimy rico d abondado, e como cuando (= si) lo iiou 
fuese iaiito, 6 cuaiulo hobiese desto algima jnengua, Cabal. 2373,56. 
Vgl. Appol. 255d und 256d; Guer. Civ. 677a (cuando esluviesen 
durniiendo, si durmiereu). 

b) Imperf. Fut. im Hauptsatz. Dann also fällt der potentiale 
Fall in der äufseren Erscheinung mit dem irrealen gänzlich zu- 
sammen. 

Si tu por mi denuasses una missa catitar, Vo sano e guarido 
cuidaria tornar, BSil. 476cd. Si Ahi quisiese que alcanzase victoria 
de tan buen caballero, todas las glorias del serian viias, (iuer. Civ. 
5i9b,29. Fernere Beispiele dieser häufigen Konstruktion sind 
unnötig. 

K. Gessner. 



/elt»uhr. 1. rom. Phil. XIV. 



Etüde Critique des Chartes de Douai de 1203 a 1275. 

(s. Zeitschrift XII I 431.) 

Herne partie : 

Caracteristique des Chartes de Douai. 

Experience. 

En effet, quoiqu'on ait pu dire sur les avantages 
qu'il y a pour l'experimentateur de n'avoir pas 
d'idees precon9ues , il est demontre , par des 
exemples innorabrables , qu'on laisse souvent 
echapper les phenomenes qu'on ne s'attendait 
pas ä rencontrer, et que l'observation est bien 
plus intense et bien plus fructueuse quand le 
Chercheur sait d'avance ce qu'il doit trouver et 
qu'il s'acharne ä le trouver malgre de premiers 
insucces. 

Marey. (Revue scientitique. 3. Juillet 86. 
P-3)- 
Dans les Recherches que nous avons faites prccedemment, soit 
avec l'aide du patois, soit par la simple Observation du pheno- 
mene des doubles formes, nous avons ete amenes a cette conclu- 
sion que les Chartes ne representaient pas le langage vulgairc. — 
Nous sommes donc conduits logiquement a la seule explication des 
Chartes qui reste, et qui consiste a y voir le produit d'un scribe, 
et, par suite, de l'Ecole a laquelle il appartenait. 

On nous objectera que cette idee est aussi hypothetique que 
Celle que nous combattons ; nous repondrons a cette objection en 
etablissant une experience pour contröler notre idee prcconcue. 

De l'observation des Chartes I'idee nous est venue qu'elles 
n'ctaient que l'expression des habitudes d'un scribe qui devait y 
mettre les formes de la languc qu'il avait apprise quelque part; 
disons, pour preciser, dans une Ecole. 

Cette idee et ce raisonnement nous poussent a „instituer" 
l'experience suivante. Nous allons contröler les Chartes de Douai 
par les Chartes de Tournai, du Ponthieu et de Saint- Quentin, 
dans l'esperance de voir se degager le caractere probable du scribe, 
caract^re qui sera forme des ressemblances et des differences qu'il 
aura avec les autres scribes. Quand nous voudrons connaitre la 
langue qu'il pref^rait 6crire, nous noterons les formes qui sotil 
le plus /tprt'scnh'es dans ses Chartes, et nous les contrölerons par 



KTUÜK CKITUJUE DES CHAR lES DK DOUAI. 67 

les formes des Scribes precitcs et par les traits reconuus pirards, 
qui ont ete etablis ;\ l'aide des manuscrits et des Chartes. Si notre 
experience est bien faite, eile devra nous permettre de coiUiöler: 
„ce sera une Observation provoquee dans im bui de controle.'' 

II nous fallt avant tout vcrifier nos Instruments de contrnle. 

Caracteres gcncraux des Chartes. 

Nous devons etudier en premier lieu leur origine. 

Nous sommes ici sur un terrain solide. Les Chartes, la plupart 
du temps , nous donnent une date et un emplacement pr^cis , ce 
qui les ditTerencie des manuscrits litteraires, oü la date et l'origine 
sont souvent si difliciles a determiner. (Cf. Etüde sur St. Leger, oii 
M. Suchier cnumcre les diflerentes opinions sur l'origine de ce 
porme). 

M. Raynaud, apres M. de Wailly, insiste sur ce point „Les 
Chartes, dit-il, presentent la langue vulgaire . . . a une epoque et 
dans une localite determinees (p. 53) et M. Neumann voit .en elles 
„des raateriaux dates et localises avec precision." 

II en resulte que les Chartes de ]\L d'Herbomez proviennent 
de Tournai, celles de ^L Neumann de Saint-Quentin, Celles de j\L 
Raynaud du Ponthieu et les nötres de Douai. 

Voila la provenance etablie ; mais, si nous voulons savoir plus 
particulierement le fonds d'oii elles proviennent, voici d6ja l'incer- 
titude qui commence. M. d'Herbomez les a „choisies" au milieu 
,,d'actes d'interet prive" qui se trouvent reunis dans les Archives 
(Je Tournai. — De meme, M. le Proux a puise ses Chartes, sauf 
deux , dans les Archives communales de Saint-Quentin , mais il a 
deja des indications plus pr^cises. — Sur ses 50 Chartes (car la charte 
fran^aise de 1257 ne compte par pour nous) la rnajorite provient 
des Archives municipales de Saint-Quentin et sont 'des Chartes de 
Chirographe, traitant de ventes, d'acquisitions, qui ont du rtre faites 
dans la ville mc'-me. Remarquons en passant que ces Chartes ont 
beaucoup plus d'aflinite avec le patois moderne que les autres. 
Une dizaine au plus appartient a des fonds difterents. 

Nos Chartes de Douai sont de raeme presque toutes des 
Chartes chirugraphaires , ccrites a Douai (sauf une exceplion, la 
Charte IX ä üaisnain) — Mais, au contraire des irois autres 
recueils, les Chartes qu'a employees M. Raynaud sont loin il'ol'lrir 
une pareille identite de provenance: il les a recueillies a la biblio- 
iheque et aux .\rchives Nationales et enlin aux Archives de l'I lolel- 
Dieu d'Abbeville. — II ne nous indique pas si, dans ces dilVercnls 
fonds, on reconnait la meme ecriture, cm si ce sont dilTerenls 
scribes qui ont ecrit ces Chartes. 

II nous faut maintenant nous demander qutl degre de conliance 
nous devons accorder a ces Chartes, au point de vue de l'ori- 
gine. Si elles provcnaient toutes (dans chacun d(;s .) rectueils, bien 
■ enlendu) d'uii niiiinr fonds, la certiludc scrail plus grandc, el l'on 



Ö8 CH. BONNIER, 

pourrait rechercher quels etaient les Scribes de cette 6poque dans 
las comptes de la ville ou de l'etablissement reh"gieux ou civil dont 
il serait question. Au moiiis l'on pourrait admettre, si ces ren- 
seignements faisaient dcfaut, que dans un meme fonds, a de courts 
intervalles, un meme scribe aurait pu transcrire plusieurs Chartas 
de suite. Mais , dans des Chartes de diverses provanances , de 
fonds differents, comment s'orienter? Nous voyons ici un avantage 
que les Manuscrits tant decrics ont sur les Chartas. Las Scribes 
des Manuscrits litteraires peuvent etre moins fideles pour la langue, 
pour l'orthographe, comme le dit M. Raynaud, mais, au moins, on 
a devant sei une personnalite , quelque chose de tangible, a qui 
on peut appliquar une critique precise; parfois meme on a le noni 
du scribe. La Critique de taxtes, teile que l'a ctablie M. Gaston 
Paris pour les textes romans dans son Alexis, serait donc impos- 
sible avec les Chartes. 

Une autre cause d'incartitude est la fa^'on meme dont on a 
recueilli les Chartes. M. d'Herbomez (p. 2) dit a ce propos: „Nous 
avons donc chohi, parmi plus de douze cents du Xllle siecle, les 
soixante Chartes que nous editons aujourd'hui." De meme, M. 
Raynaud (p. i): „Entre les nombreux documents du meme age que 
nous avons compulses . . . nous avons du forcement restreindre 
notre choix qui, du reste , a toujours ete subordonne a l'/wAvv/ 
philulogique." 

Mais cet interet philologique est diametralement ojjpose u 
rinteret que l'on peut avoir a rechercher quel etait le scribe. — 
11 y a ici une dift6rence importante entre les Chartes telles que 
M. le Proux et nous les avons recueillies et Celles de M. Raynaud 
et d'Herbomez. Aux premieres s'attache une certaina vraisemblance, 
qui est bas6e sur une serie continue allant d'une date a une autre, 
et qui peut autoriser la conjecture, qu'alles provenaient d'un meme 
scribe. Voila donc deux causes d'incertitude pour l'origina. 

Date. 

Si nous passons a la date de ces Chartes, nous trouvons qu'il 
y a peu de methode scientitkjue a observer dans son choix. M. 
Raynaud indique qu'il a choisi avec Intention l'epoque de ses 
Chartes : 

„Notre plus ancienne Charte, dit-il , est de 1254 et nous 
nous arretons au miliau du XlVe siecle , cpoqua ;\ laquclle la 
centralisation royale commence a penetrer dans les provinces, et 
oü les pieces souvant r6dig6es par des scribes etrangers ne pre- 
sentant plus les mcmes garanties de verite locale „ — C'6tait la 
seula vraisemblance qui le guidait, et ses successeurs l'ont imite . . . 
Par ordre d'anciennete, voici les dates: „Chartes de Douai, qui 
vont de 1203 a 1275, Celles de Tournai de 1207 a 1292, cellas 
de Saint-Quentin de I2i8;\ 1250, Celles du Ponthieu de 1274 



ETÜDE CRITIQUE DES CHAKTES DE DOUAI. 69 

Kn resume, on voiL qiie les Charles, daiis cc qu'elk-s onl de 
plus sür, c'est a dire dans leur origine, prcscntent bimi des dilTi- 
cultcs a ceux qui veulent las caractenser. 

Ces considerations faites sur las instruments de controle que 
nous allons employer, nous passons ;\ la Caracteristicpie du Scribe. 

Scribe. 

La prämiere question que l'on a ;i se poser est la suivaiite : 
A-t-on a faire a un seul scriba ou a plusieurs? 

Jusque maintenant ceux qui nous ont precede dans ces etudes 
out laisse cette question de c6t6. — Elle a son importance; je 
dirai plus : c'est de l'incertitude oü nous somraas sur ce sujet que 
resulte la presque non-valeur scientifique des etudes de ce genre. 

Se basera-t-on sur la date das Chartas? On n'aura qu'une 
vraisemblance mais bien faible. — Si les Chartes vont de 1203 ;\ 
1275, comme celles de Douai, il est probable qu'il y a eu deux 
scribes, a moins d'admettre qu'un seul scribe pendant 72 ans ait 
iranscrit des Charles. — Pour las Chartes du Vermandois, ■ il serait 
plus vraisamblable qu'il n'y en eüt ([u'un. 

Aura-t-on au moins una preuve par la changemant d'ecriture? 
11 n'en est pas de mcme que pour les Manuscrits litteraires oü l'on 
peut conjecturer d'apres les ecritures : les chartes variant d'ecriture 
d'un jour ;\ l'autra, souvent aussi a des dates ditlrrentes on ren- 
contre la merae ecriture. 

On ne possede donc aucun criteriura. 

Nous sommes par suite incertains sur ce point, le plus important. 
Si l'on adraettait l'hypothese que chaque Charte fiit d'une main 
differente, hypothese aussi vraisemblable que les autres, les travaux 
sur las Chartas n'auraient plus aucune valeur. — Ce serait une 
vraie „Schreibermischung" encore j)lus difticila a expliquer que la 
„Sprachmischung''. 

Cependant nous admattons qu'il n'y a eu qu'un scribe, pour 
deux raisons. — La prerai^^ra est que nos devanciars en ont l'ait ' 
autant , et qu'en nous plavant sur la m^-me terrain qu'eux, nous 
pourrons experimenter si leurs conclusions, merae basees sur cette 
condition hypothctiiiue, sont acceptables. — La seconde raison est, 
y eut-il plusieurs scribes, les conclusions que nous aurons obtenucs 
seront aussi bonnes et aussi legitimes. — Au lieu de ni,' s'applicjuer 
([u'a un seul scribe, cela s'appliiiiiiTa a plusieurs, mais toujours a{)par- 
tenant a une mrmt- Ecole. 

(."etle questi(jii tranchee, nuus ptjuvons cumnu-ncer le contrüle. 
Adraettons avanl tout ciu'enlre diflerentes forraes adoptees par les 
scribes, ce sera la statistique qui decidera. 



' Leurs aflirmalions Ic prouvcnt du moins. — Ou s'ils nc se sonl pas 

OCCUpc'S de cette qUCSlioH iK mit rli- sin'Milii'irnicnl IkikIIs de s'.iViMlunl a\w-'\ 

sur uu terrain inconnu. 



yO CH. KONNIRK. 

MM. Raynaud, Neumarm et d'Herbojnez en avaient deja fait 
usage, comme nous l'avons montre plus haut, mais dans le but de 
dcterrainer le Dialecte que represeiitaient les Chartes. — Nous 
pouvons poser en axiome : „que les formes les plus representees 
sont Celles qui appartiennent au scribe et a son dialecte. Ceci a 
l'air d'une naivete, mais il est necessaire pour notre these de partir 
de cette proposition. 

M. Raynaud (p. 88) est d'un autre avis : „si le meme mot, dit- 
il, se trouve ecrit dans une meme Charte tantöt avec une forme 
picarde, tantöt avec une forme frant^aise, ce n'est pas que 
le scribe put arbitrairement choisir entre deux orthographes pour 
representer le meme son, mais c'est qu'il avait ä lutter contre des 
influences dialectales autres que Celles du pays oü il ecrivait: ne 
dans Xlle de France et force de copier des Chartes pkardes, ou 
bien picard d'origine et s'occupant d'ordinaire ä transcrire des 
manuscrits litteraires frangais, le scribe trouvait sous sa plume des 
formes etranglres qu'il ecrivait involontairement." 

M. Raynaud entend par ces formes etrangeres les formes 
etrangeres au pays oü ecrivait le scribe ; nous avons vu plus 
haut avec le contröle du patois (]ue les formes etrangeres 
etaient plus representees que les formes du pays meme oü ecrivait 
le scribe. — Nous verrons plus loin les formes preferees du scribe. 
Corame le dit JNI. Raynaud, „le scribe qui redigeait une Charte 
avait cependant une raison plutöt qu'une autre pour ecrire un mot 
de teile ou teile fa9on ; c'etait soit la prononciation, soit l'etymo- 
logie, soit un souvenir qui le faisait se d6cider pour une forme de 
preference u une autre (p. 88)." — C'est la statistique qui nous 
raontrera cette raison : nous l'emploierons donc, mais avec precau- 
tion, c'est a. dire en ne donnant la preeminence a une forme que 
quand eile l'emporte de beaucoup sur une autre, et, dans le cas 
oü il y aura presque balancemeiit de chiflres, nous ne d6ciderons 
rien, non plus que quand la forme sera trop peu representee. 

Nous jüignons a nos Chartes, dans cette etude , los Chartes 
du Ponthieu, de Tourna)' et du Vermandois, quoicjue MM. Ray- 
naud, d'Herbomez et Neumann ne se soient pas occupcs de la Ca- 
ract6ristique de leurs Chartes. 

Nous allons proceder du general au particulier. 

Matiere des Chartes. — Diplomaticjue. 

Les Chartes, employees par M. Raynaud, traiteut en general 
de sujets plus eleves que les autres. La plupart du temps dies 
sont faites pour des Chevaliers , ecuyers ou Gens d'eglise. Plus 
rarcment nous avons a faire avec le Maire et les Echevins d'Ab- 
beville. 

11 en est autrement pour les Chartes de lournai: ce sont des 
transactions de Bourgeois ä Bourgeois, ou de Paysans ä Bourgeois 
devant les Echevins. — Tres-rarement apparaissent la Noblesse ou 



ETUIMi; CKITIQUK DKS CHARTRS DR DOUAl. ~ I 

le Clergc. — II en est de mrmc pour les Cliartes tlu \'ermandois, 
i|ui trailent, comme le dil M. le Proux, de „ventes, ac(iiiisitions, 
affaires de vie courante." — Kniin, pour nos Charles de Douai, ce 
sont le jjlus souvent des prets d'argent, des Testaments, des Ventcs 
faites entre bourgcois ou paysans. Nous ne voyons apparaitre qiu; 
six fois des Chevaliers et des nobles, deux fois des Gens d'cglise 
et une seule fois le Roi d'Angieterre , pour une sorame dont il 
etait redevable ;\ Jacqueme Boignebroke, bourgeois de Douai (LIX). 
En resuine, sauf ies Chartes de M. Raynaud, les autres prü- 
sentent jusqu'ä un certain point des garanties de fidclite, au moins 
pour leur objet ; elles s'adressaient ;\ des bourgeois et a des gens 
de basse condition, et traitaient de questions tres terre-a-terre. 

Nous allons passer ensuite ;\ la Diplomatique. 

Celui qui a transcrit les Chartes de Douai avait appris quelque 
part ;\ ecrire et a transcrire des Chartes: voila qui est certain.' — 
Nous allons donc faire la statistique des formules diplomatiques de 
nos Chartes. 

a) Formules du Commencement (ou d' Adresse). 

Nous en avons plusieurs: 

i". Co sacent tot eil ki or sunt et ki auenir sunt que . . 

2". Sacent tout eil ki or sunt et ki auenir sunt que , . 

Ce sont les deux le plus represent^es : la premiere 20 fois, la 
soconde 61. — Les autres formules, qui ne sont que des variantes 
comme: „Ce sacent toi eil ki res lettres verronl", ou : „saeeiit tout eil 
ki ces lettres uerront" sont en petit nombre, si raelangees que Ton 
ne peut en faire la statistique. 

Nous pouvons donc conclure que la seconde formule etait 
Celle que le scribe avait apprise et qu'il ecrivait le plus souvent, 
rar eile est trop representee pour ne pas avoir cette signitication. 

Nous devons signaler aussi le melange des ^ raots letres et 
cscrit. — Un fait plus remarquable est le melange des Formules : 
„qui cest escril verroui'- et „ki sont et auenir sont", melange qui 
se presente 5 fois. — Si nous essayons de dater chronolo- 
giqueraent, nous pourrons dire que la premiere formule d'adresse 
se presente plus frequemment dans les premieres Chartes (1203-I- 
1225) et que la seconde domine detinitivement a partir de .Mai 
1255 juscjuVi la lin, avec des periodes ou eile se presente sans In- 
terruption (XLIV + LI) et (LXXVl + Cl). 

Nous allons passer maintenant aux F(jnnules de Date. 

a) de lemps. 

Nous en trouvons deux, niais prescpie aussi represenlees l'unc 
que l'autre : 

l", ( 'e fu fait en l'an de rincarnation notre segiieur. 

2". Ce fu fait en le hale devant cskevins — en Tau de . . . 
avec la date du lieu), ijui st; Irouvcnt 16 et 17 fois. 

' Ceci, nous rcspeions, scra adiiüs luC'me par ceiix <|iii nc |).irta^t.iil y.xs 
nos Uicorics. 



72 CH. HONNIEK, 

Nous ne mentionnons par les autres formules trop peu reprc- 
sentees. 

Pour la maniere de dater Tann^e, on ne peut rien dccider, 
car l'annee de l'incarnation n'est indiquee que 57 fois. — Dans la 
premiere Charte seulement, eile est 6crite en latin: „al an del incar- 
nation millesimo ducentesimo tertio." Autre part, on se contente 
de donner la date de l'annee. — Le mois est indique gene- 
ralement. 

b) de lieu. 

Pour la date de lieu, eile est negligee le plus souvent (79) et 
quand eile est marquee, il s'agit surtout de la Halle de Douai, la 
halle des metiers, oü les actes se passaient devant les Echevins. „En 
pleine hale, dans le hale". — Deux fois seulement, il y a exception: 
pour la Charte IX qui est ecrite ä Gaisnaing, et pour la Charte 
XLV, qui est faite ä Douai, mais dans Xenclostre Saint Arne. 

Si nous comparons avec les autres scribes, njus voyons: 

Que le scribe du Ponthieu date par l'Ircarnation et aussi par 
Tan de gräce, — Les scribes de Tournai et du Vermandois emploient 
generalement l'annee de l'incarnation. 

On peut donc en conclure que les scribes de Tournai et de 
Saint-Quentin etaient plus corrects et plus fideles a leurs formules 
d'Ecole que ceux du Ponthieu et de Douai. 

Terrainons cette revue par deux details, qui ne sont pas d'une 
grande importance, mais peuvent contribuer a fixer la physionomie 
du Scribe. 

a) La premicre personne du pronom personnel n'est reprcscntce 
que 12 fois dans nos Chartes; on y parle le plus souvent a la 
troisieme personne. Dans les autres Chartes, eile est beaucoup plus 
representee, surtout dans les Chartes du Ponthieu. 

b) Nous avons dit plus haut que nos Chartes etaient des 
Contrats Chirographaires, en deux parties, dont l'une restait cntre 
les mains du Contractant et l'autre a l'Echevinage. 

Le mot Chirographe est represent^ dans nos Chartes de diverse 
fayon: les formes les plus frequentes sont: „Cirographe" et en- 
suite „Cirographum". — La forme latine se presente tres-souvent 
{2:^ (Cirographum, Cyrographum, Cirografum, Cirographus, Chiro- 
graphum) mais a des places si eloignees les unes des autres qu'elle 
ne peut servir de criterium. — Nous n'en trouvons pas dans 13 
Chartes: est-ce oubli, ou les Chartes n'etaient-elles pas Chirogra- 
})hairej»? — Enfin, ce mot est 3 fois ecrit en caracteres fantaisistes, 
et 6 fois abrege. 

Nous ne pouvons en conclure que ccci : le scribe preferait la 
forme „Cirographe". Nous ne trouvons, de plus, Chirografc que 
tout a la fin, ainsi que Chirographiwi. 

Nous ne venons d'etudier que les cötes tout exterieurs des 
Charles: avec l'examen de la Graphic, nous pouvons esp^rer 
penetrer plus avant dans sa personnalitc. 



ETUDK CKiriQUF. DES CHARTKS DK IJOUAl. "] T, 

Graphic. 
Nous posons en fait que, dans Tabrcviation plus eine partout 
ailleurs, le scribe devait suivre une methodc. La plus interessante 
question a examiner est celle des abreviations latines; car, nos 
Chartes etant las plus anciennes de toutes, il doit s'y trouver plus 
d'anciennes habitudes des scribes. — Nous avons deja vu plus 
haut que la forme latine de Chirographe est repr6sentee tres- 
souvent. 

II semble logique que ce soient les mots qui representent des 
monnaies, des mesures, qui soient surtout conserves sous la forme 
latine. En effet, ce devaient etre les premiers qu'on eut appris ä 
abrüger au scribe dans l'ecole oii il etudiait, a cause justement de 
leur difficulte, et il ne les oubliait jamais. — De plus, il ne faut 
pas oublier qu'a cote des Chartes du treizieme siecle en langue vul- 
gaire existaient de nombreuses Chartes latines, des Comptes, des 
Inventaires, transcrits en latin, oii les mots denier, soii, livre etaicnt 
reprcsentes presque a chaque ligne. Pour toutes ces raisons, nous 
ne nous etonnerons pas de voir ces mots toujours abrcgcs commc 
des mots latins. 

soll. Le mot sou est represente par deux abreviations: sui et j" (8 
sur lo). On peut se demander toutefois si f ne repre- 
sentait pas sous ou saus, formes vulgaires. 
livrc. Mais on ne peut avoir le raeme doute pour le mot livrc, qui 
est abrege par tih (30), 11) (6), //y, A La notation ///> est 
representee 30 fois, th huit fois: nous ne trouvons qu'unc 
fois tes et /. On ne rencontre pas ce mot non abrege. 
Notons en passant la notation chiffree de l'annee en 
latin, qui ne se trouve que dans la premiere Charte: w, 

cc, llj. 

iniiül. Le mot iiiuid est tantöt abrege, tantot pas,, mais son abrc- 
viation latine est /«, qui ne peut se resoudre ni par inui, 
ni par moi. 

niiiit. Ici le doute est permis, car les abreviations sont les sui- 

vantes : vi et m , et nous trouvons iiiarc et iiiarcs. 
sollt. L'Abreviation de Ja troisienie personne du verbc etre: f, 
peut se resoudre, d'apres les exemples, aussi souvent sunt 
que sont. 

Signaions enlin l'abrciviation de Jesus : /hu. Le signe 
5 pourrait signilier demi (I 5) : (LXXV 4) = 3 livres et ^. 
.-\pres les abreviations latines, nous rencontrons les abreviations 
vulgaires. 

Signaions d'abord quelques graphies ijue nous n'avons pu 
nous expliquer: le mot Rasure est represente par le siLnir R^»: 
nous trouvons le mot et representt- [)ar d'autres signes. ' 



' Xous n'in^li<|uon^ j):!?. ici ces sii,'ncs, iroj) difticilcs ;\ rc|)roiluirf pour 
la lypographic. 



74 CH. HONNIER, 

Dans les trois autres scribes, la lettre .v est employee unique- 
nient coinme abreviatiou de us, mais le nötre l'emploie {xnir repre- 
srnter le son particulicr es. — Ex.: cxeptions (2 fois). 

Pour les abreviations ordinaires, nous ne les notons pas. — 
Mais nous avons pris pour methode de resoudre les abreviations 
par la forme entiere du mot la plus represent6e. — Cela est trcs- 
arbitraire, nous en convenons volontiers, car ce n'est pas une raison 
parcequ'un mot se trouve repr6sente le plus souvent dans une 
forme pour que teile abreviation isolee la represente. 

Notons enfin que nous nous trouvons en presence d'un me- 
lange d'abrcviation pour le mcme mot. — Ce melange est encore 
plus surprenant que pour la langue, car les abreviations etaient 
comme raecaniques chez le scribe: c'etait le fond de son mutier, 
ce qu'il devait savoir par cceur: 

Charte. 

VI. sol et ^" 

XXVII. sol et ,v" 

XLVII. srt et sä (setier ?) 

LXIX. £.77 et coine. 

Nous trouvons des contradictions comme iiumsigfi abrege et 
a cöte sigfieur. 

Nous allons, pour terminer, classer methodiquement los autres 
abreviations qui n'ont plus rien d'interessant. 

La barre suscrite qui represente ordinairement la nasale, est 
employ6e dans nos Chartes pour toute espece de notation: Kx. 
quanq(es), Aum(ans), Coiaum(ent), escheO(ins), esteuen(es), par"(esis), 
deii(iers), dois(iens), aü(aine), s(ont). 

L'abreviation de la liquide r combinee avec une voyelle (rc 
ou ra, er ou ar) est representee par le signe suivant: p^merain, 
Eng>ans, B^nars, mais quelquefois aussi par une simple barre hori- 
zontale : Ex.: Roiji, tmine. 

Nous trouvons les abrevations ordinaires de per, pro, prae. 

11 est interessant, enfin, de noter les mots cjui sout le plus 
souvent abreges. — Nous trouvons que et ses derivcs; sou, muid, 
demi, marc, rasiere, premier, Chevalier, livre, paresis, cent, douisiens, 
notre, segneur, artisiens, Jesus, denier, sont, par, per, i)ro, comme, 
cinquante, Incarnation, echeuins, et, saint. 

Nous avons donc, en majorite, les mots qui se trouvent dans 
le Formulaire du scribe. 

11 s'agit de determiner aussi la signification „que les divers scribes 
des Chartes oni attrihuee mix letlres'^. 

o, e n'ont rien de particulicr. 

/. Pour l'emp'oi de l'i ou du j; au commencement des mots, 
le j domine. 

iustice (i), justice (2), Jehan (20), iehan (i), ior (i), jor (3). 

Ordinairement le scribe ne met pas de point sur 1'/; cependant 



ETLDK CKiriQUK HKS CMARIKS DK DOUAI. 75 

noiis en Irouvons un iiuir()ur daiis K) inols: un daus hi secondc 
Charte cl i8 a partir du mois de DL-cembre 1232 (XXVIll). 

L'« Ol le V sout confondus. 

L'\ est une fac^on de raarquer l'i final oii simplrmeiil iiu i 
daiis n'importe quelle positiou : 

Ex.: Cysoing, Symous, Gylain, i\Ia\, S}inoii, Hrussyoii, Cyro- 
graphe, aydior, Douay, Devyoel, Nicolay, Symier, Quincy. 

Consoniics. 

Le C. 

Eskieuins (43), Escheuins (37), Esceuins (i). 

Pour ^ on a : g, gh, j. 

Pour q, on a qu, k, c. 

(74) qu. (330) 1<, (20) c. 

Pour V et IV. 

wuide — Wide, wil (17), vuide (i). 

Nous ferons le resume methodique de ces Caracteres diplo- 
matiques et pal^ographiques dans le portrait (un peu vague) du 
scribe, qui se trouvera ä la fin, mais nous ne pouvons tarder a montrer 
combien peu de renseigneinents nous offrent les Chartes. 

Elles manquent d'interet , et c'est surtout leur caractcre de 
n'en avoir pas. — Leur raatiere etait tres-peu variee, et le scribe 
ne pouvait se manifester ;\ cause du manque d'occasion. — Qu'on 
le corapare par exemple avec un scribe d'un manuscrit litteraire, 
corame celui-ci devait appliquer son intelligence a resoudre des 
problemes complexes de phonetique, de syntaxe et de metriquc. — 
Notrc scribe au contraire trouvait toujours le merac contrat devant 
Uli, applicjuait Ics meines formules, n'avait que les noms a 
changer. — Or, plus la besogne est facile, moins l'liomme se pi.T- 
fectionne et se diffirencie. 

En etudiant sa langue, en faisant l'etude des formes plipne- 
tiques et flexionnelles qu'il alfectionnait, nous pouvons csperer 
irouvcr des Caracteres plus precis de sa physionomie. 



Etüde des formes Phonetiques des Chartes de Douai. 

jusque raaiiitenant on a pris les Chartes coinrae base d'etudi's 
LÜalcctales. — On a compare les formes cjui s'y trouvaient avec le 
latin, comrae M. d'IIerbomez; avec le Eran(,ais, comrae M. Ray- 
naud, en suivant soit la methode ascendante, soit la methodi- des- 
ct-ndante. — Prenant pour principe cpie les Chartes representaient 
la langue vulgaire dans toute sa purete, ils ne pouvaient agir 
autrement. 

Pour nous, qui ne voulons ici qu'etudier le scribe, notre me- 
thode sera differente. — Nous emploierons la methode compara- 
tive, et nous prendrons pour jjase les resultals que Ton a acquis 
jusque niaiiilenant par l'etude des te\tes pour les tlialei.les et nuus 



76 CH. P.ONNIKR, 

leur comparerons ce qui se präsente daps nos Chartes, et aussi 
dans Celles du Ponthieu, du Verraandois et de Tournai. 

Nous avons vu plus haut les raisons qui nous empt^chaient 
de voir dans les Chartas une source scientifique pour l'etude des 
dialectes; ces raisons sont: i". les Doubles formes qui se presen- 
tant an trop grande abondance pour les memes mots; 2'\ les In- 
certitudes de Graphie ; 3'*. la Comparaison avec le patois, qui nous 
a montre combien peu de formes vulgaires existaient dans les 
Chartes ; 4", enfin le caract^re administratif et savant de ces 
Chartas, qui ne devaient pas c^tre comprises par les gens pour qui 
on les ecrivait. 

Mais, si nous voulons etudier le caractere du scribe, tout prend 
un autre aspect. — Nous devons noter tout ce qui se präsente de 
particulier dans les Chartes , au point de vue des formes ; en un 
mot, il s'agit de savoir a quelle 6cole appartenait notre Scribe, 
et, si nous ne pouvons lui donner un nom, indiquer au moins la 
langue qu'elle enseignait. 

Par quel moyen y arriverons-nous? par le meme cjue nous 
avons employe precedemment, par la statistique, avec le meme prin- 
cipe indiquc plus haut. 

II nous reste donc ;\ determiner les formes les plus reprc- 
sentees dans nos Chartes et sur un territoire dit picard , oii se 
trouvent les villes de Tournai, d'Abbeville et de Saint-Quentin. 

M. H. Suchier, le maitre par excellence dans la science des 
Dialectes, a dress6 dans son „Aucassin (p. 56) et dans son etude 
sur le Dialecte du poeme de Saint Leger, d'aprcs la comparaison 
des poemes et des Chartes, en un mot d'apres des textes, le tableau 
des principaux caracteres picards. — Nous n'avons qu'a comparer 
les formes predominant dans nos Chartes et dans celles de MM. 
Raynaud, le Proux et d'Herbomez , avec celles qu'a indiquees M. 
Suchier, et nous aurons sürement la langue qua ces differents 
scribes avaieut apprise. 

M. Suchier, dans son etude sur le „Leodegarlied", divise les 
traits })icards en cleux parties: i". les traits j)honctiques et flcxion- 
nels qui ne se trouvent que dans Ic picard ; 2". ceux qu'il partagc; 
avec les autres dialectes, comme le Walion et le Lorrain. — Nous 
suivrons le meme plan. 

1. 'l'raits propres au Picard seul. 

a) t (ou d)4-s a la finale arrive tres-vite en Picard a s, tandis 
que les autres dialectes ont /z. 

Dans les Chartes de Douai, nous ne trouvons pas la graphit; 
£, ni dans les participes presents, ni dans les adjectifs ou substantifs: 
il n'y a pas d'exceptions. Dans les Chartes de Tournai, il en etait 
de meme. 

Nous ne trouvons que c/imz {ce/i/'\-s XXXIV 89) dans celles 
du Ponthieu. 



RTUDF. CRITIQUE DES CHAKTKS DE DOUAl. 77 

Dans les Chartcs du \'erraancl()is, iious trouv<Mi.s dekiz, aveiz. 

b) c-f-'i originaire. 

11 conserve en picard sa forme latinc ainsi que sa grapliie, dil 
]\I. Suchier (Aucassin 56), — Devant e venant de a, il conserve 
aussi le son latin, mais il est ecrit iju, k, plus souvent c. 

M. Tobler (Dis dou vrai aniel) a exposc cette loi: 

c-j-a, o, u = c (ou doit rtre lu <•); c-l-e'"*, e, i = eh. 

a) c-j-a, o, u. 

Les Chartas de Douai donnenl la j)reference a la (iraphie c. 
II en est de meme i)our le Ponthieu (Ex.: pour Douai = cangeor 
(I 2), connenence (1 5), reconuc (I 6), cors (IV 28), capons (VI 5) et 
Tournai et Saint Quentin. — Cette cpieslion n'a jamais ete con- 
troversee. 

b) c + e<=^>, i. 

Les Charles de Douai ont la graphie k en majorite. Par 
exemple pour le mot : scabhiiis, qui se prcsente dans presque toutes 
les Chartes, on a esküiän en majorite, mais une forte, minorite 
(X Escheiiin. — II en est de nieme pour Tournai et le Vermandois. 

Les Chartes du Ponthieu, au contraire, ont toujours la graphie /■. 

II ne nous appartient pas de decider ce qui se cachait derriere 
ces graphies: si ch etait la meme chose que /:, comme le pense 
M. Raynaud : si c'etait un signe diacritique, signifiant que ch est 
un autre c que c sans h (Romania I 294, Gaston Paris), TSH(f) 
comme le pense M. Lücking, ou le son y comme M. Schuchardt 
(Romania IV 282) ou enfin, comme le dit M. Suchier (Leodegarlied 
p. 287) „un c dur qui etait sur le point dt> devenir 'FSH, mais qui 
n'avait pas franchi le derniere Station." 

Toutes ces opinions peuvent etre justes, mais elles ont autant 
dt; chances d'etre fausses, n'etant pas basees sur la langue vulgaire. 
— En comparant avec le patois, on peut dire qu'a -Pheure qu'il. est, 
a Douai (;t dans les environs, le c est dur, et l'on no peut crcire 
qu'il s'etait afiaibli au 13^ siecle pour redevenir dur a l'epoque actuelle. 

II en est de meme pour g devant a ou e (a). 

Nous avons dans les Chartes de Douai devant a, o, u et meme 
e (a) la graphie g en majorite. et aussi, mais moins souvent gh. 
Nous pouvons comparer gh ;\ ch. Kn eilet, etant donne qu'on ne 
s'appuie pas sur le langage vulgaire , pourquoi quand ch a le 
son chuintant , gh n'aurait-il pas represente un aflaiblissemenl 
equivalent ? Si les scribes etaient logiques, // devait avoir la meme 
signification pres de c que pres de g. 

Kxemples: g-f-a. (javerüU i^'^W 2), hcr/ugtufcs {XIX 12), (roy 
(XXI 5). Gomialiers (XXXVI 2). 

g^-e(a). cangeor (I 2), herbcgü (XXXIl 5), houlcugiers (LVIII 
2), emoagier (LXXII g), hieberghies (CI 8). 

11 en est tle meme dans les Chart«;s d<- Tournai, mais pour 
^4~''» ' i' y 'i "fi^ exceplion ä propos du niol Oonrgcois, (!;crit tautul 
boijuis, lantüt /migiiis. 



■Jö CH. BONNIER, 

Dans les Chartes du Ponthieu , on^ a toujoiirs g. A Saint- 
Queiitin, comme a Tournai, oii a l'exception botiriois (XXXVI 6) 
et bourgois. 

Pour le son g, nous pouvons dire qu'il conserve presque tou- 
joiirs sa graphie, mais le Scribe du Ponthieu le note toujours avec 
plus de rigueur que les autres. 

3. c-f-e, i latin, ainsi que t. 

Nos Chartes de Douai conservent ordinairement c comme 
graphie: Ex.: Ponciel (XCIII 3), ciunc. (L g), cinqiioiUe (XVI 35). 

Cis, eil, pourciaus, couuenence se presentent beaucoup plus sou- 
vent que chius, couuenenche, quitajiche. 

Dans les Chartes du Ponthieu, c'est ch qui domine de beaucoup, 
quoiqu'on se füt attendu au contraire. 

Le c domine dans le scribe de Saint-Quentin. — A Tournai, 
il y a balancement de c et ch. 

Nous voyons donc ici que les scribes de Saint-Quentin et de 
Douai fönt predominer c, contre celui du Ponthieu qui raet toujours 
ch. — Le scribe de Tournai met egalement les deux graphies. 

II. Traits communs au Pi(^ard et au Wal Ion. 

4. Changement de ivus en iu. 

Nous n'avons qu'un exemple : baiUivus, qui donne bailliu, dans 
nos 4 sources: cela ne suffit pas. 

5. Les Dialectes picards, dit M. Suchier, repr6sentent par 
au et eu la diphthongue oti (avec un ouvert) du nor- 
mand et du francique. 

Chartes de Douai : nous trouvons le mot trau (LXVIII) quatre 
fois dans la meme Charte (On ne peut pas croire que ce soit 
trati de traugum qui se serait conserv6, car dans les langues ger- 
maniques l'o existe d6ja). Nous avons aussi ot (de (h)abuit). 

Chartes du Ponthieu : nous ne trouvons pas le mot trou. 

Chartes de Tournai : nous avons ol (XXXII 6) mais euiuml 
(XV 4). Les Chartes du Vermandois offrent beaucoup plus 
cl'exemples: eut^ eurent (I) et sans exception. 

En presence de ce petit nombre d'exemples, nous ne pouvons 
rien decider. Cependant le scribe du Vermandois semble ecrire 
plus rigoureusement la notation eu (lue les scribes de Douai et de 
Tournai. 

6. O ouvert devant /, qui se vocalise («) devient au. 
Nous trouvons dans les Chartes de Douai les formes rvaura, 

vaura, mais aussi volront. Elles se balancent en nombre. Mais, 
pour le mot niol(i)nariufm) nous n'avons que des formes en ol et 
ou, pas en au. 

Ex.: mounier (II 11), volra (VII 14), vaura (X 16). 

Dans les Chartes du Ponthieu, la notation au est en majorite. 
Seiile exception pour le mot sous. 

La meme Ciraphie se presente dans les Charti;s de Tournai, 
mais 011 a aussi 7'olra. 



ETUDK CRFTIQUE DES CIIAKIES DK DOUAI. 7Q 

Pour Saint-Queiitin, noiis avons balancrmeiil des formes 7'oii- 
roünt et vauroient. On n'a pas saus, raais sous. 

11 y a donc dans les trois scribes de Douai, Tournai et Saiiil- 
Quentin hesitation entre les sons o}, oit et <?//. Lc scrilie du l'oii- 
thieii niet au presque toujours. 

7. iau et (7« (allus, ellus) arrivent a i'a eii picard et en 
wallon , niais surlout dans les textes plus j)ri)clies de 
nous. 

Nous avons dans nos Chartes toujours au et iau, jamais ia. 
II en est de meme dans les trois autres sources. 

Cependant pour ,,ad illos" nous rencontrons souvent la forme 
as au Heu de aus. 

Dans les Chartes de Tournai, as l'emporte sur aus. 

Dans les Chartes du Vermandois, il y a balancement. 

Dans les Chartes du Ponthieu, on voit tres rarement as. 

Nous avons de menie gues (quels) mais deux fois seulement, a 
Douai (XXIX 4, 5). Dans les Chartes du Ponthieu, nous trouvons 
lestjuis, asques, its. De meme ä Saint-Quentin et a Tournai. 

Mais les quatre scribes emploient plus souvent les formes als 
ou aus, eis ou eus. 

8. Le w, dans les mots d'origine germanique, est con- 
serve sauf de rares exceptions. 

Dans nos Chartes de Douai. Ex: Wautiers (11 21), Wasiejs 
(III 9), Werin (V), Willaumes (VIII 2), iverps (XXXll au dos.), e,i- 
tvagier (LXXII 9). 

De meme chez les trois autres scribes. 

g. Le / isole a la fin des mots est reste dans le Picard, 

wallon et Lorrain, surtout derriere u, ä une epoque oii 

il etait torabe dans les autres Dialectes. 

Pour e (a)-|-t, nous avons dans nos Chartes, bleu, kl (II 10. 

XXI 7) 7 fois contre une seuie fois blt. Pour les participes passes 

en atum, nous avons 36 fois el, contre 10 fois e (Ex.: noineit, nonii 

(ill 5), utriet (II 2^'^, mais olroie (XVII 2). — Pour ulum, nous avons 

10 fois vendul contre 2 fois vendu. Ex.: vmdul (II 2), vendut (XIX l). 

Les Chartes du Vermandois, au contraire, donnent la preferenci' 

aux formes sans /, excepte pour ut, ou / est en majorite conservt'-. 

Dans les Chartes du Ponthitni, il en est de meme pour les 

participes passes de la premiere conjugaison, mais les formes en // 

l'cmportant sur les formes en ut. 

Les Chartes de Tournai suivent l'exemple de Celles de Douai. 
Ainsi, nous trouvons les scribes de Douai et de Tournai gardant 
toujours (ou presque) le / final ; le scribe de Saint-Quentin lu; le 
(Mjnserve plus que pour ulum et le scribe du Pitulhicu d(jniie par- 
tout la preference aux formes sans /. 

10. Dans le groupe bl (pl) 1«- l'icard, l«- Wallon »-l le 
Lorrain changenl // en v: ccliii-ci pml sc vocalisr-r «-l 
disparailrc. 



8o CH. BONNIER, 

Dans les Chartes de Douai, oii a en g6neral des formes en 
auks (on ne sait si c'est v ou ti). 

Ex.: sauumle (VI 4), pesnaiik (XLV 7), ospilaul (XXVI 2) je. 
mais meuhles (XL VI 13). 

Dans les Chartes du Ponthieu, 011 a en majorite les formes 
en nie. 

Le scrihe de Tournai hesite, et les formes oü h est reste, 
sont presque aussi frequentes que les formes en u 011 en v. 

II en est meme pour celui de Saint-Quentin. 

Nous voyons ici reunis les scribes du Ponthieu et de D(iuai 
contre ceux de Tournai et de Saint-Quentin. 

11. Un trait commun au Picard, au Wallon et au Lorrain, 
est le Changement de iee en ie. 

Ce Changement est en majorite dans nos Chartes: si-mencies 
(II 12). — traueUes (VI 10), emp/aidies {id.) paiie (avec un accent 
sur le dernier / (LXXII 9) 2c. 

11 en est de meme dans les trois autres. 

1 2. Dans la troisieme personne du pluriel du parfait de 
l'indicatif, quand i- se rencontre avec r, le normand et 
le francique ont eu le groupe sir (^pristrefit, 7nislreiii), 
le Picard, Wallon et Lorrain ont supprime Vr. 

11 est un fait remarquable : les Chartes de Douai n'emploient 
presque pas le parfait defini, mais preferent employer l'auxiliaire. 

Les trois autres scribes l'employaient et ils ont eu en majorite 
des formes en ise7ii. 

13. Les lettres d'appui <•/ et />, qui en Normand et en 
Francique se trouvent d'ordinaire entre les groupes 
1-r, n-r, m-1, manquent en picard. 

Nos Chartes conservent ce caractere. (Voir plus haut les 
exemples : vawa, volra, volrotil, vauroni, Devenres (Sept. 1 248. 1 8). 
— II en est de meme pour les trois autres. 

14. a nasal et e. nasal entraves. 

Le Picard, dit M. Suchier, ainsi que le wallon, ont conserve 
chaque son pur, et fait venir plutöt ? de ä que le contraire. 

Dans nos Chartes a-j-n = an, e-(-n = en ainsique i-j-n. 

a Ex.: ans (I 4), atuijit (I 10) 2C. 

t' P^x.: cenl (VI 21), despendre (XI 5), Coimmice (I 10) mais cv- 
utiianc/ie. 

Nous n'avons donc d'exception que pour e-f-n entrave: 

Le scribe du Ponthieu montre les exceptions: en (annum), 
pilfuchiets. — Genvier ne compte pas, si comme le pcnse M. 
Suchier, par la coraparaison avec l'italien , il vient d'un primitif 
roman, ou ä etait d6ja passe ä. e. 

II en est de meme pour le scribe de Saint-Quentin: ennees, 
JeJien, mais Jelian et annees beaucoup plus souvent. 

Les memes exceptions se rencontrent chez le scribe de 
Tournai. 



ETUDK CRITIQUE DES CHARTKS DE DOUAl. öl 

15. Traitement de la terininaison ore(m). 
u) Dans les Charles de Douai, la notation lur l'emporte de 
beaucoup (40) sur les autres notations or (3), eor (i), ere (7), 
uer (i). 

Pour le inot si^niorem, nous avons la statistique suivante: 
segneiir (VI 50), signer (LXIX 10), segtiuer (XXIX 8), s-gnor (LXlll lü). 

17 3 2 ' I 

et pour le mol illor(um). 

kur (VI 38), lor (VI 38). 
9 3- 

Dans les Chartes du Punthieu , la forme ue i'emporte sur 
d'autres graphies ur, our. 

Dans Celles de Tournai, or remporte sur eidr. 
De raeme dans les Chartes de Saint-Quentin. 
b) Le ö est aussi traite dift'eremmenl par le scribe. " 
Dans les Chartes de Douai, nous avons comme pr^dominante 
la notation ue (22), puis oe (20), puis eu (7) et e (5). 
Devant /: ve/t (XXVII 9), veut (XXV), vielt (LX 1 3). 
/: noef (XXIII 5). 
r: suer, seur (LXI 5). 
V. Tioeue (XXX VIII 3), ?ineue (2). 
c: auoec (8) VII, auec (7.) XII. 

Dans les Chartes du Ponthieu, il y a differentes formes: oe, eu. 

Chartes de Tournai; on en compte plus: 0, ou, ue, eu, oe, 01, 
oie, 10, ui, mais la forme üe l'emporte. 

Chartes du Vermandois : ue, eu, oe, mais e : la forme ue l'em- 
porte. 

Le scribe du Ponthieu n'a pas la forme t/e, et le scribe de 
Tournai seul a les formes ou, _o, ui, io. 

16. En Picard, / et / (mouillee) se consfervent derriere /, 
sous la forme vocalisce, tandisqu'elles tonibenl en Nor- 
mand et en Francique. 

Chartes de Douai: Nous avons les formes y/7/«i et eeee i/le-\-s 
(ou illos). 

{^)fi/s (Vg) et (9)>. (VI 46). 
mais (9) cils (XXXIX 7) et (16) cius (XLVII 11). 
II y a donc hcsitation pour le scribe de Douai entre les 
formes ins et iis. II en est de meme a Tournai. 

Chcz le scribe du Ponthieu, il y a deux notalions /// et ieus. 
Kii Vermandois, on a toujours ßus et cius. 

Nous devons maintenant soumettre nos sources aux traits par- 
tif uliers du Wallon, car deux d'entre elles, Celles de Douai et de 
Tournai, se trouvent a la limite (geographitiue) «les deux «ontrecs. 

17. Kn Wallon, on a pour ./ latin et libre tonique le re- 
>,ultat ei. 

/.filsolir. f. ri.iii. l'lill. XIV. h 



ö2 CH. BONNIER, 

Les Chartes de Douai ont cette graphie. Par exemple, pour 
le mot ble. 

Nous avons trois fois bkit (XXI 7) — 4 fois biet (II 10, XLV 
3) et ble (XL VI 6). 

On a aussi no)nei (I 14) et nomeit (III 5) mais les formes en e 
sont plus nombreuses (volenle, agiler, creante, quele, acaie, Ihire). 

Chez le scribe du Ponthieu on a toujours e. 

Chez le scribe de Tournai, on a le plus souvent e, mais assez 
frequemment ei (plus souvent qu'a Douai). 

Enfin, fait curieux qui montre que le scribe de Saint-Quentin 
se rapprochait plus des scribes vvallons que ceux de Douai et de 
Tournai plus rapproches geographiquement , le scribe de Saint- 
Quentin, disons-nous, met aussi souvent ei que e. 

6 jtireis, 5 ju7-e. 
Terrainaison de l'infinitif are = eir (4), er (i). 

du parfait erent (6), eiretii (6). 

On a les mots: freire, peire. 

1 8. Quant aux Caracteres wallons : 
Imparfait en eve, suppression de 17, troisieme personne pluriel 
du parfait en arent; nous n'en avons pas trouve d'exemples dans 
nos 4 recueils de Chartes : elles ont l'imparfait en oie, conservent 17 
<lans aiitre ou eaus (seule exception : as), ont la troisieme personne 
pluriel du parfait en eretil. 

ig. Un trait wallon est ei venant de e-|-i. 
oi venant de ö-|-i. 

On a peu d'exemples des mots de cette classe dans les 
Chartes. 

Signaions pourtant dans Celles de Douai dis (decem) et nti 
(medio) zvil (LXXXVII i. 2). 

Les autres recueils ont de meme i et ui. 

On voit donc en resume que sauf pour ei venant de a, nos 
Chartes n'ont rien de commun avec les traits particulierement propres 
au Wallon. — Signaions de plus que nulle part nous ne trouvons 
la notation /// pour 17 mouillee. 

20. Pour les formes du futur, il est une graphie parti- 
culiere au Wallon : ce sont les formes en ra aulieu 
de era. 

Chartes de Douai: on a une faible majoritc pour les formes 
en ra. 

Ex.: dura, kerra, auroient, rendroH; mais: duera, atiera, r ender oi/. 
Les Chartes du Vermandois ont les formes ra en majorit6. 
De meme pour Tournai et le Ponthieu. 

2 1 , Traitement de j dans je 

Nous avons dans nos Chartes de Douai les trois formes: 
iou (7), io (4), ie (2) 
(Ui), (I17). 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAl. 83 

La forme iou Teraportc' , et cela aussi bien dans las formes 
atones que toniques. 

En Ponthicu, on a iou et ie. 

A Tournai, le scribe prefere iou (15) u ie (5) i io (i). 

De ineme ä Saint-Quentin. 

22. La forme le de l'article feminin est picarde. 

Les Chartes de Douai n'ont jaraais la mais toujours Ic au cas 
regime. 

II en est de meme dans Celles du Ponthieu. 

En general le est })rcfcre par le scribe de Tournai, mais il 
y a 7 fois la. 

A Saint-Quentin, on a en general le, mais deux fois la. 

Ici les scribes de Douai et du Ponthieu se differencient de 
Tournai et de Saint-Quentin. 

Pour terminer cette revue des formes, nous allons dresser un 
tableau comparatif de la langue des quatre scribes, avec leurs dift'e- 
rences et ressemblances. — Pour confirmer notre theorie, une com- 
paraison du patois des quatre endroits oü ont 6t6 ecrites les 
Chartes nous prouverait quelle difference il y a entre les deux 
genres de sources. — Mais l'ailiance des scribes (iloignes, la dis- 
cordance de scribes voisins est, a defaut du patois, une preuve de 
la vraisemblance de notre opinion. 



Ressemblance et Differences des Graphies des scribes. 
I. Accord des 4 scribes. 

1. La Notation w pour les mots d'origine gerraanique est 
conservee presque sans exception. 

2. L mouillee n'est jamais represent^e par ///. 

3. ?-}-?' et y-j-i aboutissent a / et «/, et non u ei et oi. 

4. t (d)-\-s finale = en general s et non 2. 

5. ä et ^ entraves conservent chacun leur nolation, presque 
sans exception. 

6. i(e aboutit a ie. 

7. Pour les formes du futur, on a plus souvenl ra quo era. 

8. Les lettres d'appui d et l> (m-1, n-l, d-r) iie sont pas em- 
ploy6es. 

2. Accord de 3. scribes 
(P = Ponthieu; D = Douai; T = Tournai; V= Verraandois). 

1. orem est le plus souvent (jcrit eur (PDV). 

2. a lonique libre aboutit a e, mais graiide minorite de ei 

3. ü loni(jue ;= ue ( I'VD). De plus lournai u vu, o, ui, to. 

4. ö-\-l. II y a hesitation entre les graphies ol, on, au (DTV). 

5. c-\-e (a) = k en majorite (D). — II y a hesitation entre c, 
eh. qu, k (TV). 

0* 



84 CH. BONNIER, 

6. g-\-a, 0, n et g-{-e fa), e, i = presque toujours g, mais 
qui'lquefois gh et j (DTV). 

7. / et /' apres / = hcsitation entre les graphies ih et ins 
(DTV). 

8. je =^ jou en majorite (DTV). 

9. article feminin , cas regime = /(•, mais dt;s exceptiuns la 
(PTV). 

3. Accord de deux scribes. 

1. i-\-a, 0, u = (jraphie c en majorite (DP). 

= hcsitation entre les graphies c, k, tju (VT). 

2. / final isol6 en roman est conserve en majorite (DT). 

3. bl (pl) = u/es (DP). 

= balancement entre les Graphies i/, ul (TV). 
j. c-\-e, /= Graphic c en majorite (DV). 

4. Un seul scribe. 

1. Douai a toujours la forme Ic. 

2. t final tombe (P). 

3. a libre = e sans exception (P). 

4. c-\-e (a) = toujours k (P). 

5. g^a u _ ^ 

ou e (aj i t> \ r 

6. <) + /= au (P). 

7. II = oe, eu (P). 

8. / = ms, jamais ils (P). 

g. fejgo = ie en majorite (P). 

10. / final n'est conserve en majorite qiie pour utum (V). 

11. a = et presque balance avec e (V). 

12. ore??i = or (T). 

III. C o n c 1 u s i o n. 

Nous avons dit })lus haut (}ue nous cherchorions les caracteres 
du scribe et par suite l'ecole ou l'enseignement qu'il avait suivis, 
en comparant ses Charles avec Celles des territoires voisins et ce 
c|ii'on sait generalement des Caracteres dits Picards. 

La Comparaison est faite: voyons en le resultat, 

Scribe et son F.cole. 

Diplomatique. 

Sa formule d'adresse etait: 

„Sacent toiit eil ki or sunt et ki auenir sunt (jue", mais ce- 
pendant ii lui adjoignait parfuis : „Co sacent tot eil ki or sunt 
et ki 2c." 

Sa formule pour dater est : „Ce fu fait en l'an de l'incarna- 
tion." — II neglige le plus souvent de dater par le Heu; quand il 
le fait, il nous indique l'endroit ou il redigeait ses Contrats : dans 



ETLDE CKITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 85 

ia halle des metiers de Douai, devaiit les Kclievins. II iic sc dc- 
place que deux fois. 

11 datait par l'annee de rincarnation. 

II fait parier les contractants a la troisiruie j)ersonnc , i-t, 
comrne ce sont des contrats Chirographaires , il met ordinairement 
Ic mot Cirographe. 

Graphie. 
En ce qui concerne les abreviations , il nous faut reraarqui-r 
qu'il avait encore Thabitude de certaines abreviations latines. — 
Ses abreviations vulgaires resserablent a Celles des autres scribes 
de la contree : sa personnalite se pr^cise dans certaines abreviations 
faiitaisistes, que nous avons not^es plus haut, et qui, si elles etaicnt 
plus nonibreuses, seraient vraiment une bonne caracteristique. Kn- 
lin, de merae qu'il a m^lang^ les formes, il m^lange aussi ses abre- 
viations et se contredil. 

Langue. 

Nous pouvons conclure ici legitimemenl de la Grajjliio; (elablic 
par la stalisticjue), a une langue enseignce. 

Le scribe de Douai se rencontrait avec les scribes du l'on- 
ihieu, de Tournai et de Saint-Quentin sur les points suivants, ce qui 
signifie que leurs Ecoles avaient ceci de commun : 

1. II avait conserve le n; dans les mots d'origine gennaniquc. 

2. II ne connaissait pas la graphie /// (ilh) pour represcnlt-r 
17 mouillee, ce qui est un caractere dit wallon. 

3. II se separait de ce dialecte par sa fagon d'ecrire les luots 
Oll se trouve e-\-i (decem, medium) avec un / et non ci, et les 
mots oü se trouve Xd-\-i avec ui (octo, nocere). 

4. Le z que les scribes franciques et normands ecrivaient jiour 
/ (d)-\-s, il le remplayait ])ar s. 

5. 11 sejjarait dans la graphie les voyelles nasales cntravees 
u et e. 

6. Jic (venant di- y-f-ala) al)i)Utissait chez lui ;\ ic, qu'il ecrivail 
//<■, mais en accentuant le dernier / (= iie). 

7. Le futur (r + ^ibet, il l'ücrivail ra ou //(/, presque janiais oa. 

8. Knfin dans les mots oii ni-l, n-1, 1-r se rencontrent par la 
chi'ite d'une voyelle, il n'introduisait pas, comme les scribes nor- 
mands et franciques les Icttres d et /> comme lettres d'appui. 

11. II s'accordait avec les scribes du Vcrinandois it de Tournai 
sur les points suivants : 

g. 11 rendait le son laiin orein le plus souvcnt par la 
graphie cur. 

10. Comme dans les lextes wallons, il avait une grandr tcu- 
danc«' ä i'crirc le rcsultat tle </ libre = ii\ mais ( ependanl la 
tiraphie < domine plus encore a Douai qu'a Saint-Quentin. 

11. II rendait v par la graphi(; uc, mais il n'avait pas l'abon- 
dance de Graphics qui caraclcrise le scribe de Tournai. 



86 CH. BONNIER, 

12. Pour rendre o-f-l» ü ecrivait ol, ou, au. 

13. Pour les gutturales c-{-c(a), 'il rendait le son par la 
graphie k. 

14. Le ^ latin devant a, o, u, ou : e (a) i, il l'ecrivait le plus 
souvent g, mais assez frequemment il employait la graphie gh et 
quelquefois / 

15. Quand / et / mouillce se trouvaient derriere /, il hesitait 
entre les graphies i/s et m. 

16. Pour le pronom personnel (e)go , tonique ou atonc, il 
employait de pr^ference la forme jou. 

III. II etait d'accord avec le scribe du Ponthieu pour : 

17. c-\-a, 6, u: il employait le plus souvent la forme avec c. 

18. bl, pl: il ecrivait ii (ou v)les. 

II etait d'accord avec le scribe de Tournai. 

19. pour la conservation du / final. 
Et avec celui de Saint-Quentin: 

20. pour la graphie c pour le c latin devant c, i. 

IV. II se differenciait des trois autres scribes en deux points : 

21. II avait toujours la forme le pour l'article feminin au cas 
regime. 

22. II employait la lettre .v, non seulement pour l'abrcviation 
du HS, mais dans excepiion (LV i). 



R e s u ra 6. 

Apres nous etre convaincu, dans un precedent travail, que la 
langue des Chartes ne pouvait pas representer fidelement la langue 
vulgaire du 13^ siccle, par la raison qu'elle n'avait presque rien 
de commun avec la langue actuelle, et que les sons des deux langues 
n'avaient pas pu suivre une evolution identique, nous sommes passe 
a l'examen de ces Chartes en elles-memes. 

Le caractere principal de ces Chartes a ete le melange des 
formes que nous avions dejä etudie precedemment en le com- 
parant avec celui qui existe dans le patois; etude qui nous avait 
amenc a cette conclusion que les formes vulgaires etaient les raoins 
representees. — La theorie de M. Schuchardt sur la „Sprach- 
mischung" nous a contraint de reexaminer cette question, et nous 
avons vu que les formes etaient trop m61angees dans les Chartes 
pour qu'on les put considerer comme des representantes du me- 
lange qui existe dans le patois. 

Ce premier caractere observe nous a amenc a faire l'experiencc 
suivante : 

Etant donne que les Chartes ne sont pas , pour nous , des 
reproductrices de la langue vulgaire, elles doivent etre le produit 
d'un scribe, et par suite de l'Ecole ou avait 6t6 ce scribe. Nous 
avons compare dans ce but nos Chartes dans leurs caracteres diplo- 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 87 

matiques, paleographiquos et linguistiques avec les Charles du Pon- 
thieu, de Tournai et de Saint-Quentin, et, specialement pour la 
langue, avec les traits linguistiques reconnus picards. 

Nous avons devant les yeux le rcsultat de cetle exjxirience, 
d'oü nous tirons les conclusions suivantes : 

Si la physionomie du scribe ne parait pas assez forteraent 
dessince, du moins ä quelques caracteres on le voit se distinguer 
des scribes voisins ; et nous avons montr6 que ce manque ou cette 
penurie de renseignements provenait des Chartes elles-memes, do- 
cuments oü le scribe ne pouvait se manifester. 

II nous apparait ensuite corame ayant des points de ressem- 
blance avec les scribes des environs : nous pouvons en conclure 
que les ecoles oii les scribes apprenaient leur art dans le nord 
de la France se ressemblaient par beaucoup de points, mais des 
contradictions comrae celle que nous avons signalee pour le scribe 
du Vermandois, qui a un trait que nous rencontrons dans les textes 
wallons, nous montrent que des scribes de pays etranger pouvaient 
aller d'une ville a. l'autre. 

Comment expliquer, de plus, que le scribe de Douai s'accorde 
tantöt avec celui du Ponthieu, tantöt ait des caracteres opposes ä 
«'eux du scribe de Tournai qui, si l'on considerait les dialectes, 
devrait etre le plus rapproche de lui. 

Toutes ces questions doivent embarrasser ceux qui veulent voir 
derriere les Chartes un dialecte, car il semblerait 6tonnant que le 
meme phenomene se produisit de nos jours. 

Ce n'est qu'une hypothese que nous avan^ons , niais cette 
supposition deviendrait une v6rite scientifique si on etudiait los 
Chartes de l'ancienne France : on les verrait se separer en groupes 
par affinites non de langue, mais d'ecole. 

La raison qui nous a fait faire cette exp6rience est surtout 
l'envie de resoudre un probirme, qui est d'une grande imj)ortance. 
Si nous n'y avons pas reussi, d'autres seront plus heureux et hotre 
travaii n'aurait pas üte inutile si un partisan de la doctrine adverse, 
qui veut voir dans les Chartes des reproductrices du langage vul- 
gaire, nous convainquait par des preuves de l'erreur de notre theorie. 

Methode j)0ur la publication des Charti'S. 

( hl peut dire qu'il y a unanimite chez tous ceux qui ont 
publie des Chartes au point de vue linguistique dans le regret 
d'etre force de publier les Chartes a la manierc ordinaire. 

M. le Proux (p. 440) a ete le plus hardi dans cette theurie, 
quand il a dit : „l'Ideal en ce genre serait une publication toute 
en fac-siraile" et il en denn»- la raison. „Pour nioi, dil-il, des 
textes presentes comnie s])ecimens du langage, doivent reproduire 
la physionomie exacte et le caraclere graphicjue des Chartes elles- 
mt'mes". M. Oaston Paris exprimait la meme opinion : „II est 
regrettable qu'on ait resolu les abreviations uu du niuins qu'on 
n'ait jias indiquo leur jjrescnce." 



88 CH. BONNIER, ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 

Depuis M. Raynaud jusqu'a M. d'Herbomez on a toujours ete 
en augmentant dans cette voie: on a supprime l'accentuation, puis 
on a iudiqu6 la place des abr6viations. 

A plus forte raison nous qui etudions le scribe lui-meme et 
ses habitudes ne pouvons-nous changer le caractere des Chartes 
qui servent de base ä cette etude. Apres avoir vu par exemple 
que le scribe ne mettait pas de points sur l'i, on ne peut en 
mettre dans les Chartes: de meme on ne peut remplacer Xu par 
le Vy dans l'incertitude oü on est sur la valeur de ce signe, et quand 
c'est justement un caractere de ce scribe de Douai de marquer 
toujours u, et ainsi pour d'autres exemples. — La difficulte 
qu'eprouvera l'imprimeur, pour etre un peu plus grande, n'est pas 
cependant insurmontable. 

Charles Bonnier. 



Fede e Superstizione nell' antica poesia francese. 

Prefa zi one. 

Lo Schröder, tre anni or sono, pubblicava uno studio sopra 
la Fede e la Superstizione neue poesie antico-francesi, che, per 
quanto voglia dirsi incompleto, presenta pur sempre il. vantaggio 
di dare cjuasi una specie di prontuario intorno a questo soggetto, 
cosi importante a chi indaghi 1' intimo spirito di una eta bizzarra, 
e alla nostra tanto strettamente connessa, com' c- il Medio-Evd.i 

Nella RomaniaXV 480 furono notati i principali difetti di questo 
lavoro, e fu osservato che 1' autore aveva trascurata una fönte im- 
portantissima, i Fabliaiix. 

Dai Fabh'aux appunto io cercai di trarre un nuovo contri- 
buto a quest' ordine d'indagini, per compiere la lacuna avvertita 
nella Memoria dello studioso tedesco. 

]Ma, oltre i Fabliaux, c' c un' altra fönte piii importante degli 
stessi poemi epici e cavallereschi, per il materiale, che offre alle 
nostre ricerche, vogliam dire : i Contes Devots, i Dits^ e tutte quelle 
altre opere di genere affatto popolare, che stanno a parlarci delle 
idee religiöse e superstiziose della Francia medievale ; opere 
che , per quanto possano trarre 1' origine loro da vecchie rac- 
colte agiografiche, redatte in latino, non per questO' rifleltono meno 
il carattere di chi le ha scritte, e quindi anche, in gran parte, 
le idee del tempo in cui furono coraposte.- 

Ecco pertanto la fonti delle quali mi sono servito. 

1. L. A. ■=■ Legrand d'Aussy, Fabliaux ou Contes. Paris, 1779. Vol. 4. 

2. B. M. = Barbazan Meon, Fabliaux et Contes. I^aris, 1808. Vol. .}. 

3. AI. = M6on, Nouveau Recueil de Fabliaux et Contes. Paris, 1S23. 

Vol. 2. 

4. yjT = A. Jubinal, Jongleurs et Trouveres, Paris, 1835. ^ ^^- '• 



' R. Schröder, Glaube und Aberglaube in den altfranzüsisclicn Dich- 
tungen. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Mittelalters. Krlangcn, Dci- 
chert, 1886. 

* Non si puö dire che lo Schröder abliia Irascur.ito inttraniantc cjuesta 
fönte, ma k. pur vero che non la consultö con tutta la diligenza necessaria; 
mentre infatti sottopose ad esanie cjualche vita speciale di santi, ne lasciö la 
maggior parte, e delle raccoltc studiate da nie, non inostra di coiisiderarc che 
il Nouv. Rec. de Contes etc., publ. p. A. Jubinal, e solo per attingerc al Dit 
de Flourence de Romme. Cfr. Schröder op. eil. pp. 2--0. 



rjO G. SCHIAVO, 

5. jfMjs = A. Jubinal, j\lysteres inedits du XV. siec/e. Paris, 1837. 

Vol. 2. 

6. yCD = A. Jubinal, Nouveau Recueil de Contes, Dits, Fabliaux. Paris, 

1842. Vol. 2. 

7. OCR = A. Jubinal, Oeuvres completes de Rutebeuf. Paris, Saul Dafhs, 

1874. Vol. 3.1 

8. RGF ^:^ Recueil gencral et complet des Fabliaux — sei volumi, 1' ul- 

timo non pubblicato ancora, il P a cura di Anatole de Mon- 
taiglon — Paris, 1872; gli altri a cura di Anatole de Mon- 
taiglon e di Gaston Raynaud, successivamente 1877, 1878, 
1880, 1883. 

Non intendo cosi di avere consultate proprio tutte le fonti 
possibili, come d'altra parte dichiaro che il mio lavoro non e che 
im contributo di ricerche nuove all' ampio tema, che non potrebbe 
cosi presto esaurirsi. 

Aggiungo pure che, limitandomi appinito a dare uu quadro bene 
ordinato di ciö che le fonti consultate offrono in riguardo al tema, 
non intesi di illustrare comparativamente le narrazioni, le imagini, 
i concetti insieme raccolti. 

Ciö premesso, credo giusto e convenevole dare qualche cenno 
sul libro dello Schröder. 

II lavoro e diviso in 1 2 capitoli : 

Dio — il Culto di Maria — / Saiiti — gli Angeli — Piirga- 
torio e Paradiso — // Diavolo — V Inferno — rAnlico Testamenlo 
neue poesie oilaniche — Fate, Giganii, JVani elc. — /(/ Supcrslizione 
nei vari campi della natura — // Giudizio di Dio — la Fede dci 
Pagani. 

Lo Schröder trova (c. 1) raro il concetto di Dio Trino nelle 
opere da lui consultate. Dio Padrc si presenta invece specialraente 
come giudice e vendicatore che punisce i malvagi, abbatte i ne- 
raici, sostiene i suoi fidi, comparisce di rado, fa compiere, general- 
raente dagli angeli, i suoi voleri. Dio Figlio non risponde ancora 
all' idea nuova di un Dio misericordioso che muore per gli uomini; 
avveniraenti prodigiosi accorapagnano e seguono la sua venuta e 
la sua morte. Non si fa menzionc dell'infanzia di lui, ma si tro- 
vano invece accenni ai fatti principali della sua vita. 

La fede esagerata nella Vergine (c. II) converte il culto di 
lei in vera idolatria; illimitata la potenza a lei attribuita presso il 
trono di Dio ; continua la protezione che accorda a quanti ricor- 
rono al suo aiuto. INIa tuttavia questo capitolo lascia non j)OCO a 
desiderare: e troppo scarso di notizie dirette. 

Per gli antichi poeti (c. III), come Carlo imperatore e circon- 
dati dai suoi pari, cosi Dio, in cielo, e circondato dai suoi santi 
che tratta affatto famigliarmente. I santi intercedono presso Dio 



* Non pofei valermi della piii recente edizionc curala dal Kressner 
(Wolfenbüttel, 1885). 



FEDE E SUPERSTIZIONK NKLL' ANTICA POESIA EKANCESE. QI 

pei peccatori, talvolta scendono sulla terra, fanno miracoli, i malali 
traggono continuaraente a visitarne il sepolcro. Profonda e radicata 
la fede nelle loro reliquie. Qui lo Schröder oflfre una lista dei 
nomi di santi iiicontrati : lög maschili, 25 femminili. S. Dionigi <■ 
ricordato piü spesso d' ogni altro; molto celebri sono pure S. Giorgio 
e S. Martine. 

Gli Angeli (c. IV) appariscono bianchi come neve, gettano 
tutto d' intorno luce vivissima. Non si mantiene serapre la distiii- 
zione fra angeli e arcangeli; dei setti arcangeli biblici si ricordano 
solo Gabriele, IMichele e Rafaele. 

La fede popolare nel Purgatorio (c. V) non doveva essere 
molto radicata: le opere consultate dallo Schröder accennano solo 
di rado a questo regno intermedio. 

D' altra parte molto scarsi gli esempi di miscredcnza o in- 
differenza per ciö che riguarda il Paradiso. Ma invano si chiedc- 
rebbe allo Schröder come gli antichi poeti francesi si ügurassero 
questo luogo beato : egli non vede che il Paradiso della leggenda 
di S. Brandano, non procede per via di raffronti con alfri luoghi 
che possano condurre a una sintesi compiuta. 

II Diavolo (c. VI) apparisce come lo spirito dei male dai nomi 
stessi che gli si da nno :_/<?/ anemis, malvais ledere, aversier Salhanas 
etc. Gli dei pagani si trovano spesso nominati come deraoni. 
Varie le maniere di rappresentare il diavolo; per lo piü e descritto 
nero, bruttissimo, cornuto, caudato. Qualche volta apparisce sotto 
forma umana per conseguir meglio il suo intento ; contro di lui, 
mezzo efficacissimo di difesa il segno della croce e il pronunciare 
i nomi di Gesii e di Maria. Lo Schröder porta poi un esempio 
di lotta fra angeli e demoni , aggiunge che queste battaglie sono 
frequenti, ma si potrebbe desiderare che ci offrisse degli altri passi. 
Lo spirito maligno puo anche inlrodursi in un corpo umano o di 
un animale. II giorno poi dei Giudizio Universale verra l'Änti- 
cristo a ricevere le anime destinate all' Inferno. 

E r Inferno c appunto il regno dei demoni (c. VII). Nella 
descrizione di esso non si sanno scoprir bene gli elementi ger- 
manici; c' c qualche ricordo della fede pagana. Cerbero e nominato 
una volta; si accenna a corrente un'odiosa, come sovrani infernaii 
si presentano Belial, ßelzebuh, Baratron, Mahonut. 

Molti luoghi fanno vedere che la coiicezione principale del- 
r Inferno e di una paludc lurida e puzzolente; si ricorda inoltre 
un gran fuoco , la piü larga e miiiuta descrizione delle penc in- 
fernali ci e data dal racconlo di S. Hraiidano. 1 demoni croci- 
figgono, sferzano, irapiccano; i dainiati, ora ardono nel fuoco, ora 
intirizzrsicono di gelo , sempre oppressi dal piü grande di tulti i 
lorraenti, quello di assistere alla gioia dei beati nel cielo. Dali' in- 
ferno fu liberato un solo, Traiano, per K; preghicre di S. Ciregorio. 
Tutti gli infedeli, in genero, vi sono dannati: fra loro Maometto, 
Pilato e Nerone. 



92 G. SCHIAVO, 

In questo capitolo si potrebbe desiderare una disposizionc 
migliore del materiale raccolto , cosi che 1' analisi preparasse la 
sintesi. 

Abbastanza frequenti le allusioni agli avvenimenti dell' antico 
Testamente (c. VIIl), Si ricorda spesso 1' opera della creazione, 
la caduta di Adamo, i fatti che seguirono : Noe salvato nell' arca, 
il sacrificio di Isacco, le piaghe d' Egitto, la lotta di David contro 
(iolia, la guarigione di Tobia, tutti ricordi staccati, senza un'intima 
connessione fra loro. 

Forse era inutile aprire im capitolo per cosi poco. 

II culto degli antichi Celti pei fiumi, le roccie, le montagne 
(cap. IX) non iscompare dinanzi alla fede Cristiana, ma solo 
si trasforma. I boschi specialmente sono abitati da fate ora avverse, 
ora benigne all' uomo , da giganti , da nani , da draghi. Le fate 
vestono di bianco , portano sul capo una Corona , hanno i capelli 
d'oro, bellezza sovrumana, voce soavissima, predicono il futuro. 
La loro potenza, piü che in se stesse, sta specialmente in un 
oggetto che portano seco; tengono pure fra gli uomini i loro fa- 
voriti, li trascinano spesso in un' isoletta lontana , per lo piü nel- 
r isola di Avalen. Luoghi, in cui piü spesso si incontrano, sono i 
boschi o le sorgenti: ivi si portano, la notte, i neonati, per inten- 
dere le profezie che le fate pronuncierebbero sopra di loro. Piü 
che quali streghe, passano per esseri benigni; credono in Dio e 
nella legge di Cristo. 

Morgana e la loro regina ; Auberon, figlio suo, il loro re, seb- 
bene siä un nano ; a lui non si attribuiscono che buone azioni. 
I\Ia non e dovunque diffusa la credenza in questo strano perso- 
naggio, nato prima che Gesü venisse al mondo, e che andrebbe al 
cielo, quando fosse stanco di vivere. 

Neil' antica poesia francese si introdusse inollre la saga ger- 
manica del famoso fabbro Wielant o Galant. Le spade piü famose 
escono dalla sua officina: esse non sono molte, solo due, secondo 
alcuni luoghi, solo nove, secondo alcuni altri: Durlindana fra queste. 
Wielant poi e nato da una fata; lavora in una oscura grotta del 
mare ; ha, come aiutanti, due fratelli ed altri. 

Quali nature diaboliche appariscono i Giganti ; non si appog- 
giano a Dio, ma all' Inferno, di aspetto orribile, hanno gli occhi 
rossi, Corona sul capo, sono armati di clava, o, come i nani, di 
frusta. 

Si riguardano inoltre come esseri diabolici i serpenti, il loro 
alito e velenoso, dalla bocca gettano fuoco. Se hanno le ali, si 
dicono draghi. 

Lo Schröder nota poi 1' alta importanza data ai sogni. In 
cssi i traditori appariscono sotto 1' aspetto di leoni, leopardi, draghi, 
grifoni, aquile e lupi. 11 cane ora r simbolo di fedelta, ora d'in- 
fedelta. 

Codesto e forse il capitolo meglio condotto e il piü interes- 
sante. 



FEDE E SUPERSTIZIONE NEU. ANTICA I'OESIA FRANCESE. Q3 

Grande il valore dell' Astrologia (c. X); la qualitä fisica di 
una Stella o di una costellazione inrtuisce sulle qualita fisiche e 
raorali di un uomo. I sogni si possono interpretare, nella quäl cosa 
sono valenti i romiti; la magia passa per una scienza iinporlantissima, 
che non ^ per tutti, ma che si puo apprendere e non ripugna alla 
religione. Quindi la fede di {)oter richiainare in vita gli estinti o 
di scongiurarli, la negromanzia, quindi la fede negli incantesimi. 
La malattie derivano appunto da raali incantamenti, e per forza 
magica devono perciö sranire, specialraente davanti le secrete virtu 
di molti metalli e pietre preziose, che non sempre hanno tuttavia 
questo potere raeraviglioso. 

Gli astri poi influiscono sulla forza stessa delle pietre, di cui 
i cavalieri adornano 1' elsa della spada e le donne i braccialetti. 
K nel secolo XIII appariscono appunto dei libri sulle pietre utili, 
i famosi Lapidari. Come 1 2 sono i segni dello zodiaco , 1 2 i 
mesi, 12 gli apostoli, 12 le mistiche virtü di Gesü, 12 le stazioni 
della sua passione, cosi 12 sono le pietre che portava sul petto 
il pontelice dei Giudei, e di cui la Cristianita, fino dai [)rimi suoi 
tempi, pote impadronirsi. 

Vi hanno poi dei corni magici; faraoso quello d' Orlando, tulto 
tempestato di pietre preziose, e che suona come 60000 corni in- 
sieme. Ma il corno di Elia e piu potente ancora, e sopra ogni 
altro quello di Auberon, che si fa udire per tutta la terra. 

La fede saldissima che Dio soccorra 1' innocente e faccia trion- 
fare la giustizia (c. XI), si riÜette ancho nelle opere consultate dallo 
Schröder. Ecco 1' origine dei duello, come un giudizio diritlo di 
Dio: le battaglie stesse si svolgono per far trionfare il diritto difeso 
dal cielo. Un cavaliere innocente ha tanta fede nel soccorso di 
Dio che si hatte anche contro due o tre : 1' aramalato delega un 
sostituto. L' accusato nega con giuramento ogni valore all' accusa, 
e getta il guanto di sfida. Pei due contendenti stanno dei malleva- 
dori, quelli dei vincitore possono andarsene liberi, quelli dei vinto 
si tengono in carcere. L' innocente prega Dio e gli si raccomanda, 
r empio confida solo nella sua forza. (ieneralmente il colpevoK-, 
o il vinto, c condannato a morte; cosi pure i suoi mallevadori. — 
Scarse le allusioni a un altro genere di giudizio di Dio, comi> la 
prova dei fuoco. 

La idea che il popolo avcva dclla fede dei Pagani (cap. XU), 
coraprendendo sotto questo nome specialraente i Maomettani, non 
rispondeva carte alla realta. Grandissimo il nuraero degli dei, 
Apolin, Tervagant, Jupiter: a capo, Maometto. Seguono in ordine 
molti altri. Le loro statue sogliono farsi d' oro e di pietre pre- 
ziose, ardono dinanzi a loro candele su grandi candelabri, trt; di 
questi celebratissimi, due alla Mecca, uno a Costantinopoli. Le 
candele sopra di essi ardono serapre, essendosi accese la notte che 
Gesü nacque in Betlerarae, percio i Cristiani aspirano a possederli. 
Ma so (|upsli odiano i maoinrtiani , costoro non odiano nicno i 



94 G- SCHIAVO, 

cristiani ; tuttavia si potrebbe dire che nei cristiani 1' odio e piü 
intenso. Essi Hanno inventato una brutta istoria, per cui Maometto 
sarebbe morto della morte piü obbrobriosa, caduto briaco su un 
mucchio di letame, e divorato dai maiali^' 

Non mi si mova rimprovero se del libro dello Schröder ho 
dato un riassimto forse un po' troppo largo ; cosi non ci sarä 
bisogno di rimandare continuamente all' opera consultata, e il mio 
studio, procedendo piü libero , potra riuscire meno noioso e pe- 
sante. 

Avverto tuttavia alcune cose. Potro raantenere benissimo i 
primi 4 capitoli, come !i ha disposti lo Schröder : cosi pure il V, 
VI e VII, ma invertendone 1' ordine. 

Lo Schröder poi non tenne conto di una cosa, secondo me im- 
portantissima ; non ricercö quäle risulti il concetto dell' anima umana 
dalle opere da lui consultate, e fece male, perche, come vedremo, 
questa indagine e del piü alto valore. Percio, naturalmente senza 
uscire dalle fonti da me studiate, tratterö in un capitolo speciale 
delVAm'ma e della Vüa futura. "^^vX^ Antico Testamento e sul Giudizio 
di Dio avendo trovato pochissimo, mettero quanto ho potuto rac- 
cogliere in appendice al capitolo 1°. Ne aggiungero un capitolo 
speciale sulla Fede dei Pagani; solo vi accennerö al capitolo VI. 
Radunero in un tutto le varie superstizioni, con le distinzioni che 
saranno piü opportune. 

Mio studio principale sara pertanto di disporre tutto quanto 
ho raccolto, in modo che la sintesi scaturisca spontanea dall' analisi 
piü rigorosa e paziente. 

II lavoro riuscira quindi diviso in g capitoli: 

I. Dio. 

II. II Culto di Maria. 

III. I Santi. 

IV. Gli Angeli. 
V. II Diavolo. 

VI. L'Anima e la Vita Futura. 

VII. Purgatorio e Paradiso. 

VIII. Inferno. 

IX. Superstizioni Varie. 

Di questi capitoli, quello che si riferisce alla credenza nel 
Diavolo, fu gia pubblicato come saggio dell'intero mio studio 2, ed 
ebbe cosi incoraggianti accoglienze, che mi sono indotto a riaccora- 
pagnarlo agli altri, dai quali lo avevo staccato. 

Obbligo di giustizia e sentimento di riconoscenza mi impon- 
gono inoltre di ringraziare affettuosamente 1' ottimo maestro mio, 



' Sopra il modo della morte di Maomello, cfr. A. D'Ancona La leg- 
genda di Maometto in Occidente, Giorn. Stör, della Lett. ital. XIII 202 ff. 

- Atti del R«'. Ist. Venelo di Scienze, Lettere ed Arti, T. VII, S. VI. 



FEDE V. SUPERSTIZIONE NET.T.' ANTICA POESIA FRANCESE. 95 

il prof, Vincenzo Crescini, per la preraura vivissima, con ciii 
volle aiutarmi, per i consigli, di tnii mi fu largo o cortcse sempre. 



I. Dio. 

Die Trino e ricordato rarissimamente. Alerlino proinette al 
villano ricchezze, purchr ogli onori la S. 'Irinitä : 

Se je t'avoie jii de povrele ti^i6, 
* Serviroies-tu la sainte Triniic? 

JCD /o st. \2 V. 2 — 3 /. 130. 

Dio Padre, Figlio e Spirito Santo r invocato distiiUamente da 
Rutebeuf : 

Or prions au Roi glorieux 
Et ä son chier Fil precieux 
Et au saint-Esperit ensemble. 

OCR /" La Nouvelle Complainte J' OM.t. 357 — 9. 

Cosi pure in quest' altro luogo : 

En non de Dieu l'esperile 
Qui treibles est en unite 
Puisse-je commencier ä dire etc. 

OCR Les ordres de Paris p. 187 t. I — 3. 
A Deu et ä seint Esperite 
La commant et au Sauveor 

RGF V. F". F. CV p. 161 V. 116— 7. 

Occorre qualche volta lo scongiuro elittico par xaintc 'l'riniti-, 
tal' altra si nomina solo lo Spirito Santo : 

Foi que je doi seint Esperite, RGF, IV F. LXXXVI p. 261 v. 82. 
Si m'aist li sainz Espeiites „ /■". LXXXVI II p. 270 v. 266. 

I Fabliaux, intorno a Dio, ci dainio poco piu che delle escla- 
niazioni, degli scongiuri : 

.... par le euer Dieu RGF I" F. XVI p. 179 v. 49. 
i'ar l'ordre De ... . ,, „ p. 180 v. 59. 

. . . se Diex m'ait ,. „ „ v. 4.6. 

J'ar Dieu qui fist et mer et omlf RGF II 1'' F. LXV p. 83 ?-. 78. 
.... par sainte patrenoslre ,, „ p. 83 v. 51; //'" 

/'". LXXXIV p. 241 V. 434. 

Dio si trova ricordato insierae con qualche santo : 

Dieu et saint Ladre d'Avalon RGI-', II" F. XXXI V p. 47 v. 25. 
Si m'ait Diex et sainl Remis „ ///" F. LXII p. 83 v. f;i. 
Gli L'scnipi si potrebhcro portare a diecinc. 

Si saluta in nome di Di<K 

A iJitu voisics vous, daine amic, 
qui. Vous >/arl, 



96 G. SCHIAVO, 

Consaut et ait et regart 

Kt vous doinst boine destinee 

RGF, //« F. XXXIV p. 88 v. 1966. 

eil Dieu voüs saut 

Olli sor loz hommes puet et vaut! 

RGF. IV F. LXXXIV p. 231 ?'. 121 -2. 
Cil Dien qui fist le firmament 

Vos do'i'nst hon jor 

RFG, V" F. CXXIII p. 116 V. 40. 
Cil qui fist toute creature 
Vous otroit grant bone aventure 
Par sa doucor et par sa grasse. 

RFG, IV" p. 34 V. 187—89. 

Ma, qualche volta, si invoca anzi che la benedizione, la raale- 
dizione di Dio: 

Que Diex maudie vostre chiere. RGF, 11^ F. XXXIV p. 78 v. 1170. 
De Diex soit-ele maleoite RGF II" F. XXXVI p. 121 w. 205—6. 
Dieus confonde le cors Jouglet. RFG IV" F. XCVIII p. I2t v. 267. 

Cosi , in queste esclamazioni e nei saluti in nome di Dio, 
come d' altro canto nelle imprecazioni , si ricorda Dio quäle po- 
tente Creatore del mondo e dei viventi, e che puo vendicare o 
punire. 

Ma il Dio terribile e giudice severo, si trova invece continua- 
mente nei Contes Dtvots e in altre opere di genere sacro. Un 
esempio chiarissimo della fermezza di lui nei punire i malvagi si 
ha nei DU de Florence de Rome {JCD P), in cui Dio stesso annuncia 
a Florence che i suoi traditori pagherebbero il fio dei torti a lei 
fatti soffrire. La donna infelice qui si mostra piii demente di Dio, 
dichiara che non vorrebbe vederli puniti a nessun patto, e prega 
che a loro sia riraessa ogni colpa , ma il giudice irremovibile non 
cede, anzi 1' amraonisce di non dir cosi fatte follie. 

E irremovibile onnisciente, Iddio ci appare anche da questi 
passo : 

Diex qui les repostailles voit 

Et qui les cuers des genz connoist, 

A qui l'en ne puet rien auibler, 

Ne par fuir, ne par celer, 

De nos preuz nos semont et prie ; 



Et Dame Diex ilec prendra 
De nos meffez vengance aperte. 

M II". De la Damisele qtii ne vot encuser son anii 
p. 129, V. I S£g. 

Una prova evidente che Dio c severo e non transige in fatto 
di cio che gli compete come possesso sicuro , si ha nei Dii d^un 
Her mite qui mist s'aine en plege potir cele an J'evre {ISl II" p. 427 sgg.). 



PEDE E SUPERSTIZIONR NRIJ, ANIICA POESIA l'KANCKSR. g7 

II fabbro t- caritalevole, il romito prega Dio di arricchirlo, pcrch^ 
cosi farebbe del bene ancora raaggiore; Dio esige da lui 1' anima 
sua in peguo di quella del fabbro, che potcva andare dannato, cor- 
roinpendosi per la ricchezza. 

Del resto, senza fermarci piii a Umgo, notiaiuo che Dio, nelle 
opere vedute da noi, come nel Dil de Floiirence o (^<&V! Anpereriz e 
nel Dil de la Damisele <jut Tie vot encuser son anii, fa sempre pagare 
a caro prezzo le opere malvagie, i torti recati agli innocenti. 

Dio, giudice severo, appariscc anche nelle descrizioni del giu- 
dizio universale, come vedremo al cap. VI". 

Ora pertanto, se Dio sta a punire i malvagi, egli deve esser 
teinuto. 11 padre, che apprende al tiglio la sua morale pratica, gli 
consiglia spesso di temere Iddio, lo avverte poi anche che il li- 
more di lui fa coraggiosi : 

Se tu criens Dieu et toi crienbiont 
Totes les choses de cest mont, 
Et se tu ne criens, tu crienbras 
Totes les riens que tu verras. 

BM. Le Castoiemetit d'uu pere a aov Fils.^ 

A questo passo fa riscontre il seguente : 

Qui ainme Dieu et sert et toute 
Volentiers sa parole escoute, 
Ne crient maladie, ne mort, 
Qu'ä lui de euer ameir s'amort ; 
Temptacions li cemble vent. 

OCR. La Cumplainte dou Conti' Je Poitiers. /" 

/. 55 Z/. I Sg^r, 

K il buon padre dice altrove al liglio che il limon; di Dio i- 
inizio di sapienza [BMW p. 40 — i v. 13 sgg.), avvertinu-iili) clu' si 
trova espresso anche in questi altri versi : 

As saiges dit et fet savoir 
Li tres bons livres de savoir 
Que la poor de Dieu commence 
L'inicion de sapience. 

M 11^. De r Anpeieriz de Rome p. I ?■. i 4. 

-Ma Iddio non si considera poi sempre con sacro terroro, e 
gia vedemmo che in. nomc di lui si saluta e si augiira il bene. 
Cosi pure e detto buoiuj da Ouiot de Vaucres.son, sebbene coslui 
lanicnti il poco raccolto d' uva in quell' anno : 

Biaus sire Diex, rois deljoncre. RGF 11^ {>. 140 v. 1. 
Altrove : 

Li roys ile ciel nostre do^ pere, BAI l" p. 270 v. 11. 

• Per l'origine di codesla raccoUa di racconti nioiali si vejjjjn l:i belli 
prefazione di G. Paris alla sua edizione ild Lai de l'Oiselet, Maris 1S84. 

ZeitNciir. l. ruiii. I'liil. XI\' 



g8 G. SCHIAVO, 

Cosi pure in altri liioghi , ma a rae basti notare un passo in 
cui si trova quel ravviciiiamento di Dio coli' Araorc che fu comune 
ai poeti medievali.^ 11 grazioso uccellino, dopo aver raccomandato 
ai cavalieri e alle dame di onorare il Signore, continua : 

Dieus et Amors sont d'un acort. 

Dieus aime onor et cortoisie, 

Et tine Amors ne le het mie ; 

Dieus het orgueil et fassete, 

E Amors les tient en vilte ; 

Dieus escoute bele proiere, 

Amors ne la met pas arriere ; 

Dieus convoite sor tot largece, 

II n'i a nule male tece. 

Le Lai de V Oiselet. — Ed. G. Paris p. 82 — 3 v. 1 54 — 162. 

Dio, del resto, non si ricorda sempre con rispetto o con amore. 
Un curioso confronto di due passi puö darci inoltre un chiaro 
esempio della dift'erenza che separa la poesia religiosa dalla pro- 
fana. Nella Btble au Setgtior de Berze [BM II) si dice che Dio, 
redento il mondo, volle dividere la societa in tre ordini, quello dei 
sacerdoti, quello dei cavalieri, e quello dei lavoratori (p. 399 — 400 
V. 179- 86). In un Fabliau {RGFlll p. 175, F. LXXVII Des 
pulains et des hrheors) si ripete interamente la stessa idea, ma, con 
satira atroce e terribile, si iramagina che Dio, credendo di avcro 
ordinato ogni cosa pel meglio, stia per partire, quando 
Une torbe de Iricheors 
Si con putains et lecheors v. 15 — 16 

si fa a gridare verso di lui perche la avesse dimenticata. Dio si 
rivolge a S. Pietro per domandargli chi mai sia quella gente che 
si lamentava con lui; messo a cognizione di tutto, assegna ai preti 
quelle povere donne, sotto comando di nutrirle e vestirle molto 
bene, e i buffoni, adulatori o cortigiani, che si voglia dire, ai cava- 
lieri, sotto la stessa raccomandazione. L' autore conchiude che i 
preti saliranno al cielo, giacchfe ottemperano con ogni premura al 
volere divino, ma i cavalieri andranno all'inferno, perche non lo 
adempiono. Dio non fa certo la piü bella figura. 

I Fabliaux ci offrono inoltre espressioni non troppo riverenti 
verso Dio : 

For le cul Dieu RGF I^ F. XIX p. 208 v. 318, p. 209 v. 330, 

p. 112, ^'- 469- 

E basti questa , che a volere non si finirebbe gia cosi presto. 
Si aggiungano le strane e impudenti mescolanze di nomi sacri alle 
cose piü turpi. Chi ne volesse una prova veraraente edificante 
potrebbe leggere il Fabl. XXI, RGFV\ 



' A proposito di questo avvicinamcnto di Dio con Amore, il Boccaccio 
si serve della figura di Venere a simboleggiare Dio. Vedi V. Crescini. 
Contributo agli studi sul Boccaccio. Torino 1887 p. 96. 



l'EDH E SUPERSTIZIONK NELL' AN IICA l'OESIA FKANCESE. QQ 

Cn'slo c norainato molto piu spesso nei racconti sacri che nei 
Fabliau\ ; in questi ultinii non r che invocalo, corae r invocato Dio : 

Par Dieu, le hl Marie RGF //«, XXXIl' p. 71 v. 756. 
A Dieu, le lil sainle Marie RGF IP\ XXXIV p. 78 v. 966. 
.... par le Sauveor RGF I^. XXIII p. 252 v. 210. 
Foi que devez au Sauveor RGF 11^, LIII p. 264 v. 164. 
Jla! par la crois au Sauveor RGF IV", CHI p. 152 t'. 66. 

A Gesu si raccoraanda, in nome di Gesu si saluta, si ringrazia, 
si giura : 

Que Jhesucriz, li filz Marie 

Gart marcheanz de vilonie. RGF, II" p. 128 v. 143 — 4. 

Uue Jhesucriz, li filz Marie 

Doinst au marcheanz bone vie. 

RFG, II" p. 129 V. 167—8. 
A Jhesu vous commant RFG, IV p. 243 v. 473. 
Ge vos commant i Jesu Crist RGF, IV" p. 277 t. 64. 
Li sire qui de la Virgine nasqui, 
Et deigna pur nus morir 

Vous rende, dame, cest venir RGF, II" p. 224 v. 270. 
Entre eles .III. Jhesu jurerent RGF, I" p. 168 ?•. 4. 

Nei Fabhau di Martin H apart, che e piuttosto im Conte 
Devot, si accenna a Gesu giudice. S. Michele difatti pesa dinanzi 
a Gesu il bene che il leguleio avcva fatto, e 1' anima pun sahre a 
Dio (RGFIPp. 177). 

Si incontra invece, molto piü frequentemente che nei Fabhaux, 
nei Contes Devots, nei Dits etc. Qualche volta ci appare in atto 
severo e duro verso gli uomini, ma ben piü spesso invece in tutta 
la sua mansuetudine. Si, lo Schröder ha ragione : Cristo si pre- 
senla piü che altro come il dio rigido e adirato ' che si coramove 
solo per le preghiere di Maria; ma bisogna tener conto di luoghi 
molto importanti in cui si mostra in tutta la sua bellezza la mite 
natura di lui. 

Gesu ha compassione della povera doima che il marito ab- 
bandonö al furore del raare. Ella da gran tempo non vetleva il 
marito ed i fi^i ; Gesü volle procurarle questo conforto: 

Mais le douz Jhcsu-Crisl tjui sur lous a ])uissancc 
Vout monstrer ä la dame belle senefiance; 
Car bien sout qu'ot soutlorie cruele j)enitancc. 

JCD /". Li DU des Amh^s sf. 181 v. 2—4 /. 29. 

E Gesü .stesso, per una voce misteriosa, la avvisö che fra l)reve 
li abbraccierebbe. 

Troviamo altrove queste espressioni: 

' Schröder op. eil. p. ji. 



lOO Ct. SCHIAVO, 

Li filz la Vierge pure et monde 



Li aignieaux Diex 

Li dolz aigneax, li dolz Salveires. 

BM I". S. Leocade p. .280 7/. 320— 30. 

Gesü e rassomigliato alla vigna, che da vino soave e squisito, nel 
Mnrlyre de saint Baccus {/CD P) e a lui si rivolge la preghiera 
(leir autore. 

Ne cotesto solo e il luogo in cui direttamente si preghiGesa: 
sarebbe anzi lungo il portarli qui tutti. Si noti che per lo piii in 
queste invocazioni si ricordano specialmentc gli alti della sua bonla 
e clemenza, finche visse vita d' uomo. Basti, ad csempio, questo 
passo: 

Sire. Diex, qui resuscitas 

Saint Lazaron, et perdonas 

La Magdelene ses pechiez, 

Quant ele plora b. tez piez, 

Et que feis de l'eve vin 

Aus noces Saint Archedeclin *, 

Aiez de moi merci, biaus Sire, 

Et ne monstrez vers moi vostre ire. 
BM I^. La Bible au Seignor de Berze /. 419 v. 801 — 8. 

Ma un fatto importantissimo puo spiegarci, meglio d'ogni altro, 
come Gesü si considerasse pietoso e mansueto. Abbiamo due 
redazioni di un racconto, molto diverse nei particolari; vogHo dire 
il DU de Florence de Romme {JCD P) e quello de VAnpereriz de Rome 
[M IP). Mentre nel Dit de V Anpereriz, costei si vota specialmente a 
Maria, e Maria la custodisce, la preserva da ogni pericolo, la mette 
in grado di far miracoli, di guarire i suoi traditori, di costringerli 
a confessare tutto il male a lei fatto ; nel DU de Floretice, per con- 
trario, tutta questa parte spetta a Gesü. 

A lui Florence si vota: 

Et voua ä Jhesu-Crist que jamais en sa vie 
N'auroit ä homme nul charnelle compaignie, 

yCD /» p. 89 St. 5 V. 1—2. 

A Gesü ricorre contro la violenza del fratello di suo inarito, 
e Gesü la libera dopo che ella si e votata a castitä per sette anni; 
fmalmente se la povera perscguitata opera miracoli, lo puo solo per 
amore di Gesü verso di lei. Difatti 1' imperatore, ferito alla testa 
da un quadrello, viene a lei, senza averla riconosciuta, e : 

Jliesu-Crist pour Flourence beles vertus y fist, 
Car la pointe du fer du dolerenz quarrel 



* Dal gieco i((j/iT(jixkn'0^. Cfr. Schröder, op. cit. p. i; 



FEDIC E SUl^EKSJl/lONlC NKLL" ANllCA TOIiSIA VKANCESK. 



Sailli hors sanz main metre. T^e miracle fu bei. 

st. 172 V. I —3 /). 116. 

E gli esempi dell' amorc di Gt'Sii verso i suoi devoti sonu 
luoltissimi : i romiti, i frati, k' raonache si raccomandano continua- 
ruente non tanto a Maria, quanto a Gesu, che non li abbandona. 
Basti a noi ricordare il brutto caso successo a un buon romito, 
accusato da una fanciulla di averla fatta luadre. L' accusa i- falsa: 
il romito , battuto ingiustamente ed ofteso , perdona per amor di 
Gesü. La fanciulla, al momento di partorire, sta per soccombere, 
confessa che 1' avea tradita un suo amico , manda a chiamare il 
romito e gli chiede perdono , riconoscendo, nella stretta terribile 
che r avea presa, il castigo di Dio. Appena confessato il suo in- 
ganno, ella e libera e sana {M II De Li Damoisele gut ne vol en- 
cuser sott ami).^ Ma non solo ciu : Gesu veglia anche sopra i suoi 
devoti, per farli migliori o toglierli in ogni modo al pericolo di mon- 
tare in superbia. Ce ne da una bellissiraa prova il fatto seguente. Zo- 
zima, buon romito, che dovra poi ritrovare S. Maria Kgiziaca e sommi- 
nistrarle l'Eucarestia prima che ella mussia, un bei momento s' era 
persuaso seco stesso di aver fatto quanto puö meglio un mortale, 
e se ne compiaceva non senza un po' di vanita. Gesü temette 
per lui, gli mando un angelo per fargli conoscere che al mondo 
c' era qualcuno migliore di lui [OCR II La V'ü Samte Marie 
r Egiplianne p. 284 v. 563 — 81). 

E un' altra prova , che vale anche a mostrarci quanto Gesu 
sia tenero del rispetto che gli deve il mortale, ci e data da questo 
rairacolo. Un frate ha in animo di derubare il raonastero e fug- 
gire, tuttavia compie egualmente il sacrificio della messa. Gesü 
scende dal cielo proprio nel momento che il frate innalza 1' ostia, 
la leva di mano al ministro sacrilego: 

Si come l'oiste sainte prist 
Et par devant soi la hausa, 
Li Fiuz de la Virge lensa 
Sa main et l'oiste sainte prist 
Kt en sa main destre la mist. 

Lo ha fatto per punire il monaco? no, per convertirlo. Di 
fatto il frate, al chiaro segno del cielo, si penti subito di cuore e 
allora : 



' E probabilmcnte un ricordo dtl miracolo operato da Dio, per salvarc 
r onorc di S. Jean Bouche li'or. La figlia di un re che aveva avute col- 
r amante troppo intime relaziuni, accusö S.Giovanni di seduzione, onde questi 
fu punito. ila , j)el torlo fatto, la giovane dove' per 7 aiini giaccre a lelto 
fra mille dolori , tinclK:, richianiato il santo, per ptcghiera di lui, ella si 
sgravö linalmenle di un fanciullo di 7 anni. ("fr. Schröder, op. cit. 
p. 50, nota. 



102 G. SCHIAVO, 

Li enfes l'oiste li lendi 

Pour la promesse qu'il ot feie, 

El pour sa conscience neig. 

ü///". Du Clerc Golias qui volt rober s\ibaie, 
p. 453 — 4, V. 190 — 4 e 220 — 2. 

In tutli codesti luoghi , e non ho scelto che i piii nolevoli, 
Gesn ci appare adunque tutt' altro che il re del Cielo inflessibile 
e rigido, ma il conforto, la guida, 1' amico dell' uomo. Anche sc 
si invoca il suo sdegno contro qiialcuno, e pin che altro pel bene 
comune. Cosi Rutebeuf e nella Complatnte de Sat?jte Eglise {OCR 
11), e piü ancora in quell' altra poesia ardente di zelo religiöse e 
di sdegno altissimo contro i vizi dei prelati che la Chiesa prosti- 
tuirono, poesia in cui quegli si mostra cosi incisivo, acuto, potente, 
da trasfondere nel lettore tutto il fuoco dell' accesa anima sua : 

S'en ai le euer taint et piain d'ire 

Quant je la vois en tel point mise. 

Ha, Jhesus-Criz! car te ravise 

Que la lumiere soll esprise, 

C'on a estaint por toi despire. 

OCR II, De Samte Eglise p. 45—6 v. 5—9 sgg. 

Dato qiiesto puro ideale di amore, di rassegnazione, di sacri- 
ficio , dato questo uomo che muore per redimere gli uomini , e 
naturale che la storia della sua passione, dei suoi dolori e della 
sua morte si ricordi con un senso di infinita tristezza, Non c' e 
bisogno. di ricorrere ai Misterii per trovar larghi accenni ai fatti 
principali della sua vita; senza volere portar innanzi tutti i luoghi 
in cui se ne parla, notiamo che non una volta la Vergine si rivolge 
a Gesü per impetrarne la grazia in favore di chi ricorre a lei, che 
non ricordi d' essergli madre e d' avere crudelmente sofferto nel 
vederlo patire e morire. Aggiungiamo che, anche quando i mortali 
si rivolgono a lui, mettono sempre innanzi i meriti suoi intiniti 
per costringerlo in certo modo ad esaudirli, sia pure che se ne 
riconoscano indegni. Perfino impartendo 1' Kucarestia, si ricorda 
quanto Gesü fece per gli uomini e come egli sia il vero figlio 
di Dio ; per non ricordare che un eserapio chiarissimo , segue 
questo costume lo stesso Zozima, comunicando S. Maria Egiziaca 
(op. cit. p. 301 — 2). 

INIa se Gesü mori per l'unianila, quanto tristi devono esser 
stati i Giudei ! Quindi 1' odio contro di loro che si manifesta ogni 
qualvolta accada di nominarli ; i Giudei sono dannati nell' Inferno 
a eterna impiccagione [BAI S. Leocade, I p. 282 v. 370), i Giudei 
sono di dura cervice. Riportero due passi, il primo a dimostrarc 
fin dove quest' odio sapesse spingersi, 1' altro a dare insieme il luogo 
in cui si parla piü distesamente che altrove dei fatti che accom- 
pagnarono la vita e la morte del Redentore. L' autore di una 
strana rassoigna del signilicato di ogni leltera dell' alfabeto, lunga 
e noiosissima tirata, arriva finalmente alla lettera Y. Questa e la 



FEDE E SUl'ERSTl/lONK NELL ANIICA I'OESIA FKANCESE. IO3 

lettera piü antipatica che egli abbia incontrato e ne da subito la 
ragione. Vedete, ci avverte il brav' uomo, questa lettera fu inven- 
tata dai Giudei, che avevano il costume di introdurre nella loro 
Hngua lottere Greche e Caldee, per indicare con esse Gesü, ofl'en- 
derlo cosi senza che egli potesse capire il vero signilicato de! segno 
con cui lo indicavano : 

Quant li Juys orent Dieu pris, 
Qui sovent ert par aus repris, 
Si metoient en lor ebrieu 
Lettres de Caldieu et de Giieu, 
Et cuidoienl que Dame-Dieux 
Ne seust ce entendre d'els, 
Tant estoient fol et estout; 
Mes Dame-Diex entendoit tout. 

yCD II. La Senefiance de l.'J, B, C p. 287 jY. 29 
V. 5—12. 

L' altro passe si incontra nella storia di S. Leocade. Piglian- 
dosela coi Giudei, 1' autore li dice piü duri di pietra dura, dacche 
non vollere riconoscere la venuta di Cristo, quando pure tutto il 
mondo 1' aveva riconosciuta : 

II sont plus dur que piene dura, 

II sont plus dur que acier ne fers, 

Li ciel, la mer, la terre, enfers, 

Nes li caillou, les pierres dures, 

Et totes autres criatures 

A lor Criator s'assentirent, 

Et sa- venue bien sentirent. p. 278 — 9 ?'. 242 sgg. 

Continua dicendo che si accorsero i cieli della sua venuta 
quando mandarono la loro Stella che aprisse ai magi la via; il raare 
che per lui fu queto e che lo sorresse, e la terra, tanto spaventata per 
la sua morte che tremo tutta e fremi-. La Luna c il Sole poi sc 
ne accorsero : 

yuar de sa Seinle Passion 
Orent si grant compassion, 
Que luit en furent noir et tainl 
Et lor clartez tote en estainl ; 

I.f ]>i<nre e ie roccie inoltre ebbero 

tel tristece 

Tel angoisse et tel destrece, 
Qu'escarlelerent et j)artiient 
Et esinirent et fendircnt. 

Perfino 1' Inferno riconobbe la venuta di Cristo, lasciando uscire 
Ie anime oppresse. 

Kcco aduncpu; coine un riassunto, datoci dallo stesso poeta, 
dcj falti piü notevoli che accompagnarono la vila (> la morte dcl 



I04 G. SCHIAVO, 

Salvatore. Ma non sono i soli. Lo Schröder nota giustamente che 
la storia della Redenzione c trattata con predilezione in tutti i 
generi e in tutti i periodi dell' antica letteratura francese i ; senonche, 
non avendo io ritrovato nelle opere da me consultate, piü di quanto 
rinvenne lo Schröder, non stimo opportun© aggiungere qui le mede- 
sime cose. Mi limiterö pertanto a notar solo le principali. 

Nei Misten che riguardano la storia di Gesü, pubblicati dal 
Jubinal, e che sono : la Nativüe de N. S. Jhesu-Crist — le Geu de 
irois Roys — la Passton de Notre Seigneur — la Resurredion de 
Nostre Seigneur (JMys 11), si narra e si rappresenta la vita di 
Gesü, ma anche qui dall' avvenimento solenne della sua nascita, si 
salta senz' altro a quello non meno solenne della sua morte, aggiunti 
i soliti fatti piü comuni, come la conversione della Maddalena, la 
Resurrezione di Lazzaro, 1' ultima cena, il tradimento di Giuda, la 
ascesa al Calvario, la sepoltura di Cristo per Nicodemo, il miracolo 
operato su Longino, quindi la discesa all' Inferno, 2 

Noto piuttosto che nel mistero della Nativitä (JMys II p. i — 78) 
si ricorda che lo sposo dato a Maria, le era stato scelto dal cielo. 
Dio stesso mandö 1' angelo Michele ad annunziare al vescovo di Na- 
zareth di raccogliere il popoio, e di scegliere per marito alla don- 
zella quello il cui bastone improvvisamente rinverdisse.3 Lo Schrö- 
der poi avverte che tra i segni , i quali preannunciarono e 
accompagnarono la venuta del Messia, si ricordano questi : Socrate 
era raorto per non aver creduto agli idoli, ma a un' unico Dio; in 
Egitto una statua, rappresentante la Vergine, con in braccio un 
fanciullo, resto in piedi all' apparire della sacra famiglia, mentre le 
altre statue di idoli caddero infrante; in Roma c' era un tempio 



^ Schröder, op. cit. p. 14. 

"^ II giorno in cui Cristo mori e ricordato con venerazione anche nei 
Fabliaux, e rispettato fin dai ladroni. Anzi costoio osservano qualunque Ve- 
nerdi, evidentemente in omaggio a Gesü. Alcuni ladroni per es. avevano 
nascosto un prosciutto : uno di loro, la sera del Giovedi, propose di andarlo 
a levare, per mangiarne un pezzo, 1' indomani essendo vietate le carni {RGF 
V" p. 126 V. 329 — 31). 

II Venerdi Santo i buoni cristiani vanno a messa. Ce lo ricorda il Fabl. 
Du Prestre qui dist la Passion {RGFX F. CXVIII). 

Cosi nel Dit du Chevalier au Barizel {BMW) si ricorda con orrore 
che il cavaliere aveva ordinato di grasso ai suoi cuochi il Venerdi Santo. 
Questo giorno si dice spesso : le graut Vendredi, le V'endredi ahorree, le 
jour de la croix ahorree etc. 

3 Tradizione piuttosto comune. Secondo il Viiali {Vita ed opere di 
S. Giuseppe , Roma, Saraceni, IIa ediz. 1885, Libro 1" c. XXI, p. 226 sgg.), 
essa c antichissima e appoggiata da alcuni Padri e da molti dottori e Scrit- 
tori sacri. Essa narra che il sommo sacerdote degli Ebrei (749 di Roma), 
ispirato da Dio, rinnovö la prova che aveva fatto Mose nel deserto, trattandosi 
di dare il sommo sacerdozio ad Aronne. Cosi furono deposte nel tempio 
delle verghette aride e secche di mandorlo, e la mattina seguente solo quella 
di Giuseppe aveva germogliato e dato vaghissimi fiovi. 

Rafiaello stesso nel suo ,,Sposalizio" tenne conto di questa tradizione. 



FEDE K SUI'EKSII/.IONK NM I. ANIICA POKSIA FKANCKSK. I05 

che sarebbe rimasto intatto finchc una Vergine avessc parlorito im 
figlio.' 

Or bene, nella Na/ivi/c' ricordata, si presenta Cesarc con un 
suo sacerdote che trova scritte sul piedestallo della statiia di Giovc 
queste luisteriore parole: 

Dum Virgo nialer pariel 
Ista ymago corruet. — 

E la statua cadde di fatto, e le parole sparirono al raomento della 
nascita del Salvatore. 

Cosa affatto singolare e invecc quella di aver dato alla Ver- 
gine, nel momento del parto, una specie di levatrice, certa Hoiic- 
slasse che e la prima ad accogliere, con gioia infinita, fra le sue 
braccia, il divino fanciullo. 

Le Geti de trois Rots (JINIvs II p. 79 — 138) ci da anche il nome 
dei re, fedele alla tradizione cristiana e popolare: Melchion (Mil- 
chiorre), Baliazar (Baldassare) e Jaspar (Gasparo). Li dice inoltre 
guidati dalla Stella di Balaam, anche in ein non alterando nulla.- 

Ma dove altera e inventa (!■ nel raccontare come questi tre re 
movessero 1' uno all' insaputa dell' altro e separataraente verso il luogo 
a cui la Stella li conduceva, nel dichiarare che questi tre re erano 
stati continuamente in guerra fra loro, ma che, incontratisi nel 
comune pensiero di onorare il re de' re, s'erano rappattumati, diven- 
taudo amici. 

Or, bene, Cristo e morto ; una tradizione speciale ricordera ch(^ 
alcune goccie del sangue suo furono raccolte dal buon Giuseppe 
d'Arimatea; nelle opere nostre si ricorda invece che la croce su 
,cui mori non andö smarrita: essa sta nel tempio di Gerusa- 
emme, e i Cristiani il di dell' Ascensione si recano anche da lon- 
tani paesi ad adorarla. La stessa Maria Egiziaca era venuta, su 
una nave, dall' Egitto con molti pellegrini diretti con questo tine 
a Gerusalemme : 



' Schröder, op. cit. pag. 15, nota. 

■^ Cfr. Matteo c. II". A proposilo di profezie e di profeti si avvcrla 
che nci misteri dati dal Jubinal inlorno a Gesü, comc fondo al quadio ge- 
nerale si rappresenla rinferno. I ileiiioni si corrucciano conlinuanienlc alle pro- 
fezie che vanno fra loro scambiandosi nel Limbo i vaii profeti, Arnos, Elias, 
Isaia, Daniele , poi lo slesso Giovanni Batlista, suUa \ icina liberazionc dalle 
loro pene. 

Inoltre 1' auloritä della Sibilla dagli stessi profeti viene citata conie 
pegno sicuro che il Redentore doveva comparirc. Lo dice lo stesso Arnos 
ad Elia: Hdlie, suz l'auctoritc 

Devons entendre Scbile 
Uui fut roync nioult nobile, 
Et dist qu'uns nestroit de fainnie, 
Sans corrupcion, sans ditTanie. 

La Nativitt! p. 1 4 ?'. 1 5 j^^y- 
Ouanto fosse comune la credenza nelle Sibille, o nella Sibilla, nel Medio Kvo 
apparisce dal verso del J)ies irae: Teste DaviJ cum Sybilla. - Vedi anche 
JMys. II, Xolfs p. 38 1. 



I06 G. SCHIAVO, 

Le jors vint de l'Acenssion : 
La gent ä grant porcession 
Aloit aorer la croiz sainte 
Qui dou sanc Jhesu-Crist fu tainte. 
OCR II. La Vie Sainte Marie V Egiptianne p. l~jQ v. l8l — 4. 

Secondo una nota leggenda, la croce fu fatta del legno del- 
r albero fatale, per cui avean peccato i primi parenti. Nella Xa- 
tiviU di N. S,, Dio stesso per mezzo di Rafaele manda a Set, figlio 
di Adamo, un ramo dell' albero da plantar sulla tomba del padre 
(JMys II, 19, V. 17 — 25). Qui Iddio non annuncia che da quel 
ramo dovra tagliarsi piü tardi il legno per innalzare la croce a 
Gesü, ma dal contesto si capisce benissimo che a ciö volevasi al- 
ludere.i 

Ed ora, dopo aver parlato di Dio, come si presenta nelle 
opere da noi consultate, vediamo di riepilogare in poche linee, 
cerchiamo di dare come in un tutto il concetto di Dio quäle si 
manifesta alla mente dei nostri poeti, servendoci dello studio fatto 
da noi e dallo Schröder. 

La rappresentazione di Dio non puo essere che aftatto volgare 
e spesse volte rozza. Cio apparirä ancora meglio dal seguito 
delle nostre ricerche, quando verremo a parlare del Paradiso. Tut- 
tavia, comunque i nostri poeti si raffigurino Iddio, sta il fatto che 
egii e concepito specialmente come forte, potente, eterno custode 
della legge , rigido e inflessibile giudice. Bisogna venire a Dio, 
considerato' come il Figlio amoroso che e morto per gli uomini, se 
si vuole incontrare presso di lui la dolcezza e la carita tutta pro- 
pria della nuova Fede. Tuttavia questo carattere non si presenta 
sempre in tutta la sua chiarezza ; notammo difatti come lo Schröder 
trovi predominante 1' idea di un Cristo adirato e severo. 

Cio e quanto dire che il concetto di un Dio pietoso, com- 
passionevole e benigno non si forma cosi presto negli antichi poeti 
francesi, ma si svolge poco a poco, precisamente come grado grado 



* Mussafia: Sidla Leggenda del Legno della Croce, Rend. dell'Accad. 
di Vienna, 63, pp. 165 sgg. 

Cfr. anche G. Paris, La litt. fr. au Moyen age, pp. 203, 267. Lo 
Schrödei' poi ricorda due tradizioni sopia un albero egualmente impor- 
lante (op. cit. p. 133). Cosi in un Fabliau troviamo ricordala la santa lagrima 
che nostro Signore pianse su Lazzaro, onorala al moiiastero della S. Trinitä 
di Vendome, ove appunto era stata portata, secondo la leggenda. Si tralta 
in questo Fabliau \rGF IV, F. XCIV p. 81, v. 412 — 18) di una donnina 
asluta che, sorpresa dal marito in uno dei consueti momenti un po' imbaraz- 
zanli, lo persuade che egli stava perdendo il senno e lo consiglia a votarsi 
alla Santa Lagrima : Sire voes vos a Vendosme 

Que li oeil vos sont ennubli; 

Ne le metez mie en oubli, 

Ne requerez respit ne terme, 

Mais alez ä la seinte Lerme : 

Bien sai, quand vos 1' aoroiz veüe, 

Oue Diex vos rendia la veüe. 



FEDE E SUPEKSriZlONK NEI.L' ANTRA POESIA EKANCKSE. lOJ 

entrano nel popolo i sentimenti nuovi del perdono e della carita 
pel prossimo. 

Aggiungiamo ora, quasi appendice a questo capitolo, il poco 
che potemmo trovare intorno aWAfif/'co Testamenio e al Giudizio 
di Dio. 

Si puo dire che tutto quanto si riferisce ai fatti dell' Antico 
Testamento si trova raccolto nei Misteri di N. Signore. Tanto nella 
XativiU che nel Geu de trois Roys, nella Passion e nella Risurredion •, 
si presentano, come notammo, i profeti che, aspirando alla prossiina 
liberazione, ricordano la caduta dei prirai genitori. 

Inoltre appariscono Adamo ed Eva che rimpiangono ancora il 
loro fallo, ed c a notare che tanto nella yativitc che nella Resur- 
redioit, si comincia proprio ab ovo, si rappresenta la creazionc di 
Adamo ed Eva nel Paradiso Terrestre, la disobbedienza commessa, 
la cacciata dal luogo beato, quindi le fatiche che devono sostenere 
in pena del loro peccato. Questa triste istoria della caduta del- 
r uomo da uno stato di felicita a quello di dolori e . di stenti, 
deve avere maggiormente agitato e commosso le menti del popolo ; 
ci e ricordata percio anche in altri luoghi. Si avverte, per es., che 
la gola fu il peccato per cui 1' umanila cadde in perdizione : 

Glouteiie 

Qui le monl a en sa baillie : 
Ceste tist premerain jadis 
Geter l'onrae de paiadis 
Uuant il menja le fruit niortal 
Por quoi sot le bien et le inal. 

yCD II, Moralites siir six vers, p. 30 1, st. 10. 

Nella Bible au Seignor de Berze {JCD II) si ricorda che se 
Adamo ed P^a non avessero peccato. Ja niis en Enfer n^ en en- 
'Irast invece Dio vide necessario il suo sangue per redimere il 
mondo, condotto a perdizione Por une pomme malastroue (p. 398). 

Si incontra piii di rado il ricordo degli angeli ribelli. . Nel 
IMistero della Xaliviti , e piu ancora in quello della Rcsurrcclion, 
vedremo a suo luogo come i demoni rimpiangano la perdita fatale 
del Paradiso, ma fuori di questi passi non mi venne fatto di ritro- 
varnc un cenno che nelle jMoralitcs sitr six Vers. — Orgoglio e 
quello che insegna ogni vizio: 

Primes fisl les angies pecliiei 

Orguex et dou ciel Irebouchiei, 

Puis a el monl seine mainl mal. /. 301 st. 9. 

Bisogna ricorrere alla Bible au Seignor de Berze, per avere due 



' Non Iio polulo consultare il Mislero ilella Resurrection du Saiiveur 
elc. cdil. dal Jubinal, J'aris, 1834. Ma d' allra parle nullu di nuovo avrci 
Irovalo, perchc esso aderisce completamenle al icsto evangelico, nel ripor- 
tato in martnne nel codice (Ved. D'A n rnn.n, Or/^. '/''/ Teatro in Ita/ia 
I 68). 



I08 G. SCIIIAVO, 

allri ricordi del Vecchio Testamento. L' autore, per dimostrare 
come non si debba far nessun conto della vita a noi assegnata, 
porta 1' esempio di Mathusalem che stabili di non fabbricarsi nes- 
suna casa , dopo avere saputo, per rivelazione divina , che egli 
vivrebbe soli novecent' anni, e quello di Giona profeta che, volendo 
fuggire la morte a cui temeva di andare incontro, se fosse arrivato 
a Ninive , venne poi a cadere nel ventre di una balena [BM 
p. 410 — II — 12 V. 529 — 612). 

Sono frequenti, per contrario, le allusioni agli avvenimenti del 
Testamento Nuovo. Giä il passo riportato dalla storia di S. Leo- 
cade ce ne da una prova : aggiungiamo che nei Misteri intorno a 
Gesü compariscono continuamente la Maddalena e le altre donne 
pie che piansero sugli strazi sofferti dal Redentore : gli Apostoli 
pure intervengono, specialmente Giacomo, Pietro e Giovanni. Rute- 
beuf poi nei suoi Compianti si riporta continuamente ai fatti del 
Nuovo Testamento, specialmente ai martirii dei santi e degli apostoli 
per amore di Gesü, cercando di ridestare nello spirito dei Cristiani 
1 ardore per le Ciociate. 

{pCR\. La Co?nplain/e d'Üufre-Mer p. 107 — 8 v. i sgg. ; La 
Nouvelle Complainte d'O. M. p. 144, v. 344 — 51; Li diz de la Voie 
de Tunesl, p. 161 v. 5 — 12 e altrove).' 

Nei misteri piü specialmente riguardanti gli apostoli e i primi 
martiri si continua pure il vivo ricordo dei fatti che seguirono a 
Gesii, ma di cio parleremo al cap. IV. 

Quanto al Giudhio di Dio siamo davvero stati poco avventurati 
nelle nostre ricerche. La ragione e, del resto, evidente : lo Schröder, 
consultando la poesia epica e cavalleresca (cap. IX p. 135 — 50), 
poteva trovare larghissimo materiale: io non rinvenni che un solo 
caso, strettamente parlando, tanto che si potrebbe anche trascurare. 
Ma nulla credendo inutile, lo aggiungo. Esso ci e dato nel Dil 
des AneFes {/CD 1), La moglie sedotta e sorpresa, non riconosce 
piii il legittimo sposo. II giorno del combattimento si portano le 
reliquie dei santi: prima giura il marito che quella era sua moglie; 
costei, pentita e confessa, giura esser quello il suo sposo. Allora 
le parti si invertono; il seduttore riconosce che non era dessa la 
donna sua, ma egli, che per sedurla aveva fatto di tutto, la accusa 
di averlo sedotto. Giura il perfido, ma questa volta sono contro 
di lui Dio stesso e S. Giacomo, a cui appunto si erano diretti in 
pellegrinaggio i due sposi e il cavalier seduttore : 

1 Notiamo che Rutebeuf, nel suo feivore, cade perlino nell' ascetico. 
Cosi in questo luogo : 

Ce dit eil qui por nos out asseiz honte et lait : 
,,N'est pas dignes de moi qui por moi tot ne lait" 

Li diz de la Voie de Times, I p. 165 v. 8 t — 2. 

Lo stesso pensiero e svolto ancora piv. largamente nella Nouvelle Conipl. 
d'Ontr. Mer, p. 134 v. q8 — 102; cosi pure nella Complainte d' Outre-Mer. 



FEDE E SUPERSTIZIONE NEU.' ANTICA POESIA FRANCESE. I Og 

A celui qui out tort avint tel mescheance 

Oue quant il fu el champ son cheval n'ot puissance 

D'aler cncontre l'autre. C'estoit <jrant demonstrance etc. 

p. 14, st. 85—6. 

L' altro allora gli fu .subito addosso coUa .spada e lo obbligo 
a confessare tutta la sua colpa. II seduttore fu preso e gettato 
in prigione. 

Kgualmente un tentativo di Giudizio di Dio, non una vera e 
propria sfida compiuta , ci offre il Dit de la ßorjoisse qici Jii grosse 
de son fil {M II). 

Difatti, qui il demoiiio che accusa, trasforraato in raedico, la 
vedova incestuosa, provoca, per sostenere cio che disse all' impera- 
tore, una specie di Giudizio di Dio. Propone che si accenda un 
rogo, e che dentro sia gettato egli stesso : se poi non brucia.sse, 
fosse po.sta tra le fiamme la vedova : 

Fetes un feu, si m'i getez 

Se je n'i ar, si li nietez. p. 403 ?-. 229—^30. 



II. II Culto di Maria. 

Lo Schröder nota giustamente ch^ il culto di Maria doveva 
estendersi specialmente in Gallia, fra un popolo che, mi.sto di ole- 
menti germanici e romanzi , univa 1' ardente fantasia e 1' estro 
dei Latini, coli' intimo .sentimento e col profondo ossequio per la 
donna dei Germani.' 

Le opere da noi consultate ridondano di lodi alla Vergine ; i 
rairacoli che a lei si attrihuiscono sono moltissirai; la venerazione, 
l'amore, che per lei si nutre, la fede nella sua potenza e nella 
sua bontä, si raanifestano ogni momento. 

I Fabliaux ci presentano qualche luogo in cui la puri.ssima 
fra le vergini non si nomina col rispetto consueto-, ma ben di raro, 
anzi piii raramente ancora che non si faccia con Dio. 

All' incontro ci danno essi pure esempi di venerazione per lei : 

foi que doi Sainte Marie liGF. //o F. XXXVl p. 119 v. 160. 

Saintc Marie, aie, aie RGF IV F. LXXXVIII p. 279 v. 135. 

Diex et saint Ladre d'Avalon 

Reclama, et sainte Marie 

Que vraie conseil et vraie aie 

Li envoiast prochainement. 

RGF II, F. XXXIV. p. 47 V. 24. 

' Schröder, op. cit. p. 27. 

- . . . por le cul sainte Marie. RGF 1 F. XIX p. 214 v. 489. Tal- 
volta il nome di Maria si ricorda fre le cnse piü lurpi. — Cfr. RFG 11, 
F. LXXXIV p. 235 V. 22f; c in qualche allro luüfjo. 



I lO G. SCHIAVO, 

La vedova, piangendo la morte del marito, sfoga in una calda 
apostrofe alla Vergine il suo dolore : 

Duke Dame, sainte Marie, 
Com sui dolent et esmarie etc. 

RGF, II, Fab. XLIX p. 198 -v. 15 sgg. 

Si tralta di un giuUare che, in contra tosi in re Artu, invece di 
adularlo, gli da dei consigli buoni, sebbene in una forma tutta 
jiropria del carattere suo allegro e spensierato? Ebbene, fin dal 
principio del Fabliau, si prega la Vergine di mandar sempre uomini 
iVanchi e sinceri al re, che sappiano dare buoni consigli: 

Prions la doulce benoiete Marie 

Qua des Engleis ele eie merci, 

Prions que ele vueille semoigner 

Cil tregetours ä sermoner 

Et ä nostre sire donner conseil 

Tiel come le loiax menestrel. 

RGF, II F. 411, p. 242 V. 15 — 20. 

Ma per incontrare la donna, in cui tutte le virtü , tutte le 
grazie e la bellezza piü pura armonicamente vengono come a rac- 
coglicrsi in una sintesi unica ed intera, per trovare la santa che e 
sopra tutti i santi e sopra gli angeli, rdiixiliimi peccalorum, la regina 
del cielo che discende sulla terra a confortare 1' uorao , bisogna 
uscir dai Fabliaux. 

Ave, roine coronee, 

Com de bone eure fus nee, 

Oui Dieu portas, — 
OCR II. UAve Maria RiäeheuJ p. 143 ?•. 34 — 36. 

Si ricordera con ontusiasmo la sua concezione: 
Tu iez et vierge et fille et mere. 
Vierge, enfantaz le fruit de vie *; 
Fille, ton fil, mere, ton peire ; 

OCR II, Les IXJoies Nostre-Datne, p. 153 v. 3—6. 

E Maria e il giglio su cui Die riposa, il rosaio che mette 
rose bianche e vermiglie {OCRW, V A.vc Maria p. 146 v. 115 — 20), 
il cielo che da luce al mondo, il porto di nostra speranza, dolce 
rim(>dio di morte amara (Les IX Joies, p. 153 — 4). Giä quanto 
ella fosse eccclsa sopra ogni creatura apparve a S. Giovanni che la 
vide coronata di 12 stelle, il sole sopra il capo, sotto i piedi la 
luna, Maria, fontana di nostra vita, tortora che gli amor suoi non 
muta, aquila e fenice che dal sole riceve giovinezza perenne, esempio 
della Trinitä , superna regina , rocca inespugnabile (Les IX Joies 
p. 157 V. 89 sgg.). 



» Quanta somiglianza col verso di Dante: Vergine madre, figlia del 
tuo tiglio! 



FEDE E SUPERSTIZIONTE NELL ANTICA POESIA FRANCESE. I I 1 

Da lei nacque il dolce bambino che doveva liberare il mondo, 
Maria deve invocare il navigante nelle procelle , chu Maria c la 
Stella del mare, e nave e riva. (Les IX joies p. 155 — 56 v. 49 — 56, 
e V. 57—64)- 

A Maria ricorra lidente il peccatore che 

Qui de euer s'escrie 
Et merci 11 crie 
Merci trovera : 
Ja n'uns n'i faudra, 
Qui de euer la prie. 
OCR II, Une Chanson de Nostre Dame p. 150 7'. 32-36. 

Chi solo ne proferisca il nome, sara libero da tiMitazioni : 
Quand son doulz non reclaimmenl pdcheour 
Et il dient son Ave Maria 
N'ont puis doute de maufei tricheour, 
Qui mout doute le bien que Marie a. 

Une Chanson etc. p. 150 t. rg — 22. 

Tale appare Maria in tutte Ic opere che celebrano le lodi 
sue. Rutebeuf ci ha servito a meraviglia, in lui esscndo come 
raccolto tutto quanto troviamo sparso qua e la : presenta egli 
inoltre il vantaggio immenso che 1' autoritä sua non puö esser sos- 
petta. Noi dobbiamo ritenere pure e sincere queste lodi di lui a 
Maria, come forti e sincere suonano le sue terribili invettive contro 
la corruzione del clero. 

Che se ai passi citati di Rutebeuf, aggiungiamo come dagli 
anirai ardenti dei suoi devoti, ella sia paragonata al carbonchio 
ardente • che accende di grazia e d' amore, si avra una lista com- 
pleta dei nomi che si danno a Maria. 

Quindi ritornerä a lode di ognuno, e sopra tulti dei re, ono- 
raro Maria e volerla onorata. 

Re Artü non e lodato meno come forte guerricro che come 
devoto a Maria : 

La Vierge doii eslre honnouree, 
De tous et en toute contr^e, 
De roys, princes, conles et dus ; 
MouU l'onnoura li rois Artluis, 
Aussi le fist li rois Lois, 
JCD. II» p. [99 V. 1 — 6. Du Roy Arthiis et de Saint loys. 



Escliarboucle luisant qui cuers plains de dolours 
Enlumes de grace, fort chastel, ferme lours, 
Oii touz desconfortez doivent aler secours 

JCD I, Florence de Rome p. 98, st. 63 ?'. 2—4. 
Vous estes rescharboucle qui puet enluminer 
Les cuers des fins amans qui vous veulenl amer 

JCD J . Le DU Je tyoi.\ C)ianiiine< p. 277, st. 77 v. 3 — 4. 



112 G. SCHIAVO, 

Re Artü ebbe guerrc molte, ma egii onoro sempre la Vergine, 
fido in lei , e nel suo scudo ne iiso portare 1' immagine. Maria 
ncm lo abbandono, si che egli vinse per lei e per volere di Dio, 

En son escu avoit l'ymage 

De la puissant et de la sage, 

C'est de la pucele Marie, 

Pour ce que li fust en a'ie. 

Et si fu-ele ta piteuse : 

Moult eut victoire merveillease. 

Li fait Arthus sont merveiables 

Si qu'aucun les tiennent ä fables ; 

Mes Diex et sa mere Marie 

Font moult de fais quant on les prie. />. 200 ?'. 3 t — 40. 

S. Luigi? 

Quant Saint Lo'is chanter vouloit 

De Dieu ou de sa mere chantoit ; />. 201 v. 49 50. 

Un suo sondiere canta certe canzoni non troppo edificanti: il 
re Santo gli proibisce di cantare cosi, e gli fa ap[>rendere l'Art- 
Maris Slella. AI garzone non garbava troppo, 

Mes obeir li convenoit, 

Dont il et li gracieus roys 

Souvent chantoient ä haute vois 

Ce que savoient de la Royne 

Dame Marie p. 201 v. 54 sgg. 

Quindi non meravigliamoci se Maria verra perfino preposta a 
Dio stesso. II demonio ofFre ogni bene a un cavaliere se questi : rinunci 
a Dio e a tutti i santi; or bene, costui a Dio rinuncierebbe pure, 
ma non niai alla Vergine. 

Ce ne ferai-je ja, 

(Jue je renoie cele qui le cors Dieu porta, 
Qui la perte du monde par son corps restora, 
Et la pais et l'amor de son Fil nous donna. 

yCD /". Le DU du Chevalier et V Escider, p. 121 si. 20. 

E non a torto si dice Maria bella e splendente; quand' ella 
appare ai mortali spande luce tutto d' intorno , spesso gli angeli 
r accompagnano, ma ella rifulge in mezzo a loro, bianca come 
giglio, o coronata di fiori e di pietrc preziose, coperta di fulgide 
vesti : 

Lors s'apparut ä, lui la Virge Dieu Marie, 
Qui des anges avoit moult bele compaignie, 
Clers luisans comme flambe, et la Virge Marie 
Comme soleil sus lune par dessus eulz tlambie. 

yCD I , Le Dit de iij Chevaliers p. 148 st. 24. 
La douce Nostre-Dame de sains cieus descendi, 
D'anglcs avecques lui moult belle compaignie; 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' ANTFCA PORSIA PRANCESE. I 13 

Devanl Felix s'asemblent 

Tous li cieus eslincele de la hiaute de li. 
yCD I. Des trois Chanoines p. 2']b st. 66 v. 4, st. 67 v. I — 3. 

II inonaco sagrestano e l'araante sua sono in carcere : a Inro 
apparisce la Vergine, e 

De la tjranl clarte souveraine 
Fu si toute la chartre plaine, 
Que la gent qui furent humain 
Ne porent movoir pie ne main. 
OCR: <■ BM p. 136 — 7, V. 529 — 65. Du Smicretain et de la 
Farne an Chevalier. 

Air imporatrice, ahbandonata sul nudi:» scoglio, appare la ^\'l■- 
gine : 

Si trc's clere, ce li est vis. 
De la clarte de son der vis 
Tote la mers est esclarie. 

M IL De PAnpereriz Je Rome, p. 70 v. 2204 — 7. 

AI cavaliere clie la Vergine toglie all' amore forsennato per 
Ulla (lama e volgc al suo, ella apparisce projmo di aspctto di sposa : 

Isnelement s'est demonstree 
D'une couronne couronnee, 
^^laine de pierres precieuses, 
Si flamboianz, si glorieuses, 
Pour peu li oel ne Ten esduiscnt. 
Si ve.stimenl ausi reluisent 
Et rcsplendissent com la raie 
Olli au matin en este raie, 
Tanl par a bei et der le vis, 
Que buer fu nes, che li est vis, 
Qui s'i peust ass^z mirer. 
Uns Miracles de Nostre-Dame. BM I p. 354 v. 184^94. 

Perfino il buoii vescovo lldefonso, dormendo, la vide seduta, 
splendento di bellezza, sulla cattera della Chiesa. 

Et fu tant bele, c'est la somc, 
Nel' saroil dire langue d'dnie, 
En sozrianl ä bele chiere, 
Plus blanche assez, ce li est vis, 
Oue ne snnt ncf, ne llor tle lis. 

JIM I, S. Leocade p. 2t)0 r. 61c; — 19. 

Cosi al inonaco lebbroso, guarilo da lei, 

s'aperl blanche et llorie 

Plus <|ue n'esl llor (|u'a cspanie 
La rousenl rouscc de May. 

BM II. Miracle de Nostre-Dame, ijiii sunt im Mtdne 
p. 431 V. 95-97' 
Zeltachr. f. roiu. Phil. XIV. {J 



114 ^- SCHIAVO, 

II monaco risanato, descrivendone poi la suprema bellezza, dice 
che se in cielo non ci fosse altro splendore che (|uello che omaiia 
dal volto di lei, gia troppa sarebbe la luce: 

tant est plaine de biaiite, 
Oiie si n'avoit autre claite 
Em Paradis que son der vis, 
S'est-il trop clers, ce m'est avis. 
De biaute n'a nule pareille. 
Ce ne fu mie grant merveille 
Se Diex sa Mere en deigna fere. 

/. 434 7'. 171— 77.» 

]Ma se i devoti la lodano e la dicono bella sopra gli angeli e 
i saiiti, ne hanno ragione : ella e ancora la piii potente fra tutti 
nel cielo. Gesü puo, non per desiderio di Vendetta sugli empi, 
si solo per criterio di giustizia, resistere alle preghiere di tutti i 
santi, ma non di Maria. Ne abbiamo un esempio evidente. Muore un 
monaco, in vita sua non troppo illibato, Senza confessione ; i demoni 
ne portano 1' anima seco. Ma non hanno fortuna. S. Pietro, di 
cui il monaco era stato molto devoto, prega Gesü a liberare il 
povero frate. Non riesce : allora fa pregare Iddio dagli arcangeli, 
dagli angeli, dai santi, dai confessori, dai martiri, insomma com- 
move tutto il Paradiso, ma inutilmente. x\lla line ricorre alla Ver- 
gine, che riesce nello scopo : anche stavolta la via del giusto non 
1' avrebbe permesso, ma si cerca un mezzo ripiego : 1' anima ritorni 
nel corpo, viva ancora sulla terra, si penta {AI 11. Du Maine qiicunoil 
S. Pierre). Ma non basta: perfino 1' in fern o riconosce nella Vergine 
una potenza illimitata. II diavolo, molto destramente, fa che un 
povero sciocco si uccida per certo peccato commesso mentre era 
diretto a S. Giacomo di Gallizia ; 1' anima dovrebbe adunque esser 
sua, alcuni demoni accorrono difatti e la portano con se, ma, via 
facendo, incontrano S. Pietro e Giacomo che la contendono a loro. 
I due santi offrono ai demoni di appellarsi a Maria, ma costoro 
non vorrebero a nessun patto, che riconoscono di non avere nemi- 
co di lei piü terribile e parziale, tanto che, dicono essi, 

. nous n'osomes contredire 
Nus jugemens qu'elle nous face, 



' Tuttavia non proprio sempre discende fra gli uomini in tanto splen- 
dore. Talvolta prende 1' aspetto di qualcuno dei suoi devoti. Cosi nel Dif 
du Chevalier qui ooit la Messe et Notre-Dame estoit pour lui au tornoiment 
{BMI), la Vergine, combattendo e vincendo per lui, ne assume la figura; 
nel Dil du Povre Chevalier [JCD I) si presenta al cavaliere, affatto identica 
alla donna sua; nel Dil de la Soucreteine {MW) per piii di due anni dis- 
impegna gli uffici di una monaca sagrestana, gettatasi nel mondo, ne alcuno 
puö accorgersi dello scambio. 

Qualche altra volta , pur facendo che ella apparisca ai mortali nel suo 
vero aspetto, non si descrive menomamente la sua bellezza, ma questi luoghi 
sono rarissimi. 



FEDE E SUPERSTIZIONK NKLL AN IICA l'OESIA FKANCESE. II3 

Ne de riens qu'elle iious mcfl'ace 

Ne nous veult onques Dicx droit fere. 

AI II, De: Cehii qtii se tiia par raiiiottesteniriü du 
Dyable p. 151 v. 142 — 5. 

Siamo cosi venuti, cjuasi inconsciaraente, a veder la \'^ergiiu' 
in lotta coi demoni. Si puo Stabilire , senza tema di esageraro, 
che, quante volle Maria compie un miracolo , 1' opera sua , piii o 
meno direttamente , si volge contro 1' eterno nemico dell' uoino. 
Noi vogliamo tuttavia esporre per primi quei miracoli in cui la Ver- 
gine si mostra direttamente in contrasto coI diavolo; cosi 1' impor- 
tanza di questa lotta riuscira ancora piü chiara. II diavolo e astuto, 
r uomo e debole e facilmente puo essere sopraffatto ; egli aveva 
quindi bisogno di un aiutu, di una potenza da opporre ad una 
forza per lui invincibile. Le antiche religioni trasformeranno le deita 
malefiche in deita benefiche, o cercheranno di placarle con sacri- 
fici ; la nuova religione non conosce transizione di sorta fra il bene 
cd il male. Lo spirito maligno si scateni pure cou tutta la rabbia 
sua contro il mortale : questi c piü grande di lui , ha saputo , ha 
potuto trovargli, nel regno stesso del bene e della virtii, un osta- 
colo, un nemico insuperabile. 

Una madre incestuosa sta per dare alla luce il frutto doila colpa 
coramessa col figlio suo ; e tuttavia devotissima di .Maria, il denioiiio 
la incaiza perchc ella uccida il neonato; 

Mais la Vierge Marie, qui pour ses aniis veille, 
Pour li bri«ment secourre s'esmout et appareille. 

JCD I, Li Dil du Buef, p. 51 st. 52 v. 3 — 4. 

La donna infelice, fra le doglie del parto, il riniorso e la ver- 
gogna, smania e delira sotto la tentazione diabolica, nia ecc(3 la 
Vergine : 

Anemi, va-t'en sanz nul respit! 

Va-t'en en sus de li, anemi Sathanas ! 
Elle n'aproche james I fui-t'en isnel le pas! 

P- 5' ■'^- 54 1'- /''• >■''• 55 ^- • — -■ 
E il demonio fugge precipitoso. 

Si tratta dello stesso faito, raccontato con alcunc difterenzc 
di particolari? Sta sempre tuttavia il fondo comune: una madre 
incestuosa e la Vergine che la libera dall' odioso nemico. Nelle altre 
due redazioni di questo truce drarama', il demonio riesce nell' in- 
tento di fare uccidere dalla madre il neonato, poi si irasforma in 
un bravo medi<:o, acquista celebrita, , e la accusa. Ma egli e vinto 
anche qui, la Vergine fa che la donna accusata si coiifessi ; viene 
il giorno della prova , il demonio dichiara di non riconoscerla piü, 
e sparisce. 

* Ld DU de la Bourjosse de Romme, JCD i . I >u Senntitii ,/, /\iini,- 
DU de la Borj'uise qui fu grase de son fil, AI II. 



IIb G. SCHIAVO, 

Nel Dit du Favre Chevalier {JCD I), quando il cavaliere devc, 
secondo il patto, condurre al demonio la donna sua, la Vergine, 
per compassione della sua devota, prende le sembianze di lei, si 
fa condurre dal povero uomo al luogo stäbilito, lo incoraggia, via 
facendo, a bene sperare. Quando il demonio la vede, grida subito 
al cavaliere : 

Hostes-moi ceste fame que tu m'as amenee, 
Car ce n' est pas la danle que tu as espousee. 
Seuv toute riens la lie : tu m'as ta foy faussee. 

p. 142 st. 290 T. 2 — 4. 

Un sagrestano , frate in un convento , innamora di una bella 
donna che ogni mattina va alla chiesa a udir niessa. La donna 
innamora di lui, stabiliscono di fuggire assieme una notte : il frato 
portera via quanto puo dal convento, la donna tutto quanto ella 
trovi di prezioso in casa. Cosi fanno, ma sul piü bello sono sco- 
perti, per opera del demonio, sono gettati in carcere, il frate come 
ladro, la donna come ladra e come infedele al marito. Ma 
si rivolgono entrambi alla Vergine, ella discende dal cielo , entra 
nel carcere e questa volta non costringe solo alla fuga il demonicj, 
ma lo obbliga a servire a lei. 

Lungo tutto il racconto si osserva che tanto la moglie infe- 
dele, quanto il sagrestano erano stati condotti al mal passo dal 
demonio: ciascuno di loro ne aveva uno sempre vicino. Cosi i 
due diavoli si trovavano presso di loro quando la Vergine entro 
nel carcere, ragione per cui ella pote costringerli a una buona 
azione: 

Les maufez tint enchaenez 

Qui ses ganz ont si mal menez ; 

Tant d'amor lor commande ii feie 

Comme il ont fet de contreie. 

Cil ne l'oserent refuser, 

Ne ne s'en porent escuser. 

BM IV. Du Soucretain et de la Fame au Che- 
valier, p. 136 V. 71 — 6.' 

E ciascuno dei due demoni dove riportare la vittima propria: 
1' uno , la donna al suo letto , vicino al marito , senza destarlo ; 
l'altro, il frate, nel suo, senza destare i monaci. Cosi pure dove 
rimettere al posto di prima quanto avevano rubato il frate e la 
donna, Non basta: essi dovettero poi rimanere nel carcere in 
cambio dei due colpevoli, finche la mattina i frati venuti sul luogo, 
ebbero a constatare il miracolOvSO evento.i 

Lo Schröder nota (p. 34) che la Vergine puo strappare le 
anime giä in potere del demonio, e ricorda il famoso miracolo 
di Teofilo. Questo e uno dei piii begli esempi del potere di lei. 



* Vedremo al cap. V un racconto molto simile a questo, D^uji Moitu 
qui contrejisl V Ymage de Deable. 



FEDE E SUI'EKSTIZIONE NELL ANTICA POESIA FRANCESE. I I7 

Si poteva aggiungere tuttavia che qui il demnnio, costretto a com- 
parire dinanzi alla Vergine, non cede cosi facilmente: egii aveva 
un contratto scritto, e quindi nega, siille prime, di consegnare la 
preziosa cedola : 

Je In vous lende! 

J'aim miex assez que Ten me pende. 

OCR II p. 259 V. 82—3. 

Y. non cede che alla uiinaccia della Vergine di schiacciargli 
il ventre : 

Et je le foulerai la pance. /. 259 v. 88. 

Ma nella lotta continua contro il demonio , la Vergine non 
cede un istanle. La vedemmo costringere i demoni ai suoi voleri, 
perfino a far del bene; ma chi avrebbe pensato mai ch'ella appro- 
fittasse appunto del demonio e delle sue arti malvagie, per farsi 
innalzar quelle statue che al demonio stesso fanno tanto spavento ? 
Eppure e cosi. I pagani solevano innalzare statue ai loro dei ; 
la Chiesa non permetteva, nei suoi primordi, di erigerne ai 
suoi santi. Se non lo sapessimo, ce lo apprenderebbe il racconto 
miracoloso De Cehn qui espousa /'}'miigc de pierre (.1/ II P..293 sgg.). 
Papa Gregorio, per raeglio combattere la fede pagana, ormai in 
gran parte abbattuta, fa gettar tutti gli idoli nel Colosseo, mal- 
conci, mutilati, oggetto di scherno da parte di quanti si raccoglie- 
vano neir antico edificio, specialmente di giovani che la accorrevano 
a lottare fra loro. Uno di questi un giorno, per esser piii libero, 
pensa di levarsi 1' anello, e, veduta una di quelle statue , rappre- 
sentante una donna, glielo melte in dito, scherzosamente dicendole 
che cosi la sposava. Tornato a prenderlo, con (jrrore si accorge 
che la statua avendo stretto il dito, era impossibile levarle l'ancllo. 
Ritorna tuttavia a casa, nascondendo a tutti il caso stranissimo, raa 
quando la notte gli venne desiderio di avvicinare la moglie, ecco la 
statua frapporsi a loro, reclamando i suoi diritti di sposa. Se il 
raarito volle liberarsi dalla odiosa compagnia dovette scostarsi .dalla 
moglie. II di seguente si fa venire il prete con 1' acqua benedetta 
c la Stola, il marito si accosta alla sua donna, cd ecco di nuovo 
la statua coraparir d' improvviso. II prete benedice e getta acqua 
Santa, ma la statua risponde che non cessera mai di comparire, 
finche il giovane si ostinerä a sconoscere i suoi doveri verso di lei. 
Intanto il prete: 

<Juanl le deable oi parier 

Ne s'i osa plus arester />. 301 z. 57 — 5h. 

La donna si separo dallo sposo e 1' immagine scomparve. La 
cosa tir«S innanzi finche, neppure il pai)a sapendo scioglier 1' enimma, 
il marito sfortunato ricorse a un buon romito che lo consigliö a 
votarsi con preghiere alla Vergine, che gli avrebbe mandato con- 
siglio. 

Cosi fece il giovane sposo: dopo un anno la Vergine gli ap- 
parve in sogno bclla, sploiidrntf , si rivolse a hü c. gli imposc di 



I l8 G. SCHIAVO, 

(arlc farc una immagiiie che le somigliasse perfettamcnte, con in 
braccio un bambino (p. 304 — 5 v. 357 — 80). 

11 pover' uomo si leva il mattino coUa piü bella inlenzioiic di 
ottemperare al comando, ma una legge vietava rigorosaraente di 
innalzare statue sia d'uomini, sia di donne; il papa, consultato, 
proibi. La notte seguente riappare la Vergine al suo devoto, irata 
questa volta e minacciosa. II papa non cede ancora. Maria si 
mostra una terza volta all' infelice sposo, lo rimprovera e gli pro- 
mette castighi; il papa cede finalmente, e colui fa lavorare una 
bella statua rappresentante la Vergine , come a lui era apparsa e 
col bambino fra le braccia. 

La statua e posta sull'altare dedicato a Maria, ed ogni giorno 
il popolo e il devoto suo ne ascoltano la messa. Un bei mattino 
la statua improvvisamente scompare, tutti piangono, pregano la Ver- 
gine a non volerli abbandonare, finalmente : 

L'ymage devant touz revinl 

Et sa main destre close tinl : 

Si virent tuit qii'el mestre doli 

De la main un anel avoit. 

En esjoissent s'esbahirent 

Du miracle apert que tuit virent, 

Dont maint mescreant s'amenderent, 

El ä la loi Dieu se doneienl. p. 30g — 10 v. 535 — 41. 

II papa consiglin il giovine a levare 1' anello , P imraagine 
apri subito la mano, e quegli pote riavvicinare la donna sua, che: 
Li malfez ne li covut seure, 
Qui bien sept ans tvavaillie l'ol. p. 310 z'. 564 — 5. 

In questo modo la Vergine seppe volgere tutta a suo pro- 
fitto r arte del demonio.i 



1 E curioso che di questo stesso miracolo abbiamo una ledazione molto 
diversa nel Dit du Varlet qui se maria ä Nostre-Dame , dont ne volt qii'ü 
hahitast ä autre {BMW). Oui non si svolge il fatto in Roma, ma in un 
villaggio qualunque; a quanto si puo dedune, un villaggio di Francia; qui 
non si tratta nc di idoli, ne di papa, ma il fatto corre molto liscio. Dinanzi 
una vecchia chiesa sta una bella immagine della Vergine per raccogliere i 
denari che i pii passeggeri volessero oftVire al rialtamento della chiesa stessa. 
Li d' intorno si radunano spesso dei giovanetti a giuocare; uno di loro, per 
esser piü libero, si leva 1' anello, va per posarlo sul muro, vede la bella im- 
magine, si getta ginocchi, dichiarando di non volere altra sposa che Maria, le 
mette in dilo 1' anello, come pegno d'amore. Improvvisamente 1' immagine ri- 
piega il dito , nessuno potrebbe aprirglielo ])üi. 11 giovanc grida , la genle 
accorre , tutti lo consigliano a farsi frate. Ma il poveretto aveva un' amica 
molto bella, piii ancor dell' immagine; 1' anello era un dono di lei. Eglidimentica 
presto 1' avventura corsa, e pensa bene di far dell' amante la riioglie sua. Si cele- 
brano splendide nozze, ma quando egli fu a letto colla donna sua, Ne li 
sovint de nul delit, e si abbandonö al sonno. (tH ])arve di vedere intanto la 
Vergine frapporsi a lui e alla moglie, mostrandogli 1' anello e rimproveran- 
(lolo ; si desta, va tastando per il Ictlo, non Irova T innnagine, ])cnsa di essere 
stato ingannato da un sogno fallace. Rimprovera a se stesso la sua stordi- 
taggine di non avor sa]nilo godore della donna sna, ma la Vergine gli riap- 



FEDE K SUIMCKSIIZIONE NKLL ANTICA PORSIA FKANCESK, I IQ 

Ma non occorre che la Vergine si trovi seiiipre in contatlo 
col dcmonio per conibatterlo: ella puo sconfiggerlö anchc seiiza 
ch' ei si j^resenti. 

Nel Dit de la Borjoise de Narbonne {/CD 11), il figlio clella 
buona donna tanto devota, trova a corapagno il demonio che lo 
fa peggiore, finchc lo conduce al mal passo di riibare iin caHce ii^ 
chiesa, esser colto in flagrante e condannato alla forca. Dopo ciö, 
de! demonio non si fa piu parola, ma si narra della madre infelicc 
che prega la Vergine pel tiglio vicino all' ora suprema. INIaria di- 
scende dal cielo a confortarla, le proraette la liberazione di lui, 
ed ecco il miracolo: 

A la justice vinl la glorieuse errant ; 

La corde estoit ja mise ens el col son enfant. 

Estes-vous .1. branden de fcu ardant chcant ; 

Les gens s'esparpeillierent, de paour vont criant. 

La Virge a l'enfant par la main combie; 

Les Cordes li desneue el si l'a deslie. J>. 41 st. '^\e 52 v. 12. 



Quindi : 

e poi: 



Les clüches de la ville par elles si sonnercnt st. 53 v. 2 p. 41; 

Le peuple vit la mere le roy Jhesu puissant 

Monier en paradis ^-4' •''(• 54 i'. i — 2. 

Cosi pure nel Du dt- V Anpcreriz de Roiiit (J/II), It il demonio 
la prima origine di tutti i mali softerti dall' infelice perseguitata ; il 
trionfo di lei sopra i suoi nemici, per opera di Maria, nun 
sarä che la vittoria della Vergine contro le arti malvagie dello spirito 
ingannatore. 

E la Vergine soccorre la pcnera monaca, sua divota, secondo 
il Dil de PAbaesse (jiii Ju grosse (J/II). Klla era tanto but)na, il 



pare in atto minacioso, lo dice rinnegato e spergiuro, lo. avverle che sarebbe 
caduto in Inferno. II poverello non sa piii resislere, balza di lello; senza che 
nessuno se ne avvegga, lugge, si fa monaco, resta fädele a Maria. 

Come si vede, le dilTerenze fra Funa e l'allra redazione sono grandissime. 
Xella prima si iralla di spiegare, in cerlo modo, come sia sorio il costume di in- 
nalzare immagini a Maria, e si dii a questa consueludine un' origine aflallo so- 
prannaturale ; nella seconda non si manifesla che un lentalivo di allrarre sempre 
nuovi fedeli al culto della Vergine. Ouando si sappia che quesla seconda 
redazione i- opera di un Rencdeltino , (Jautii-r Je Coiiisi, frate di S. Mcdanl 
de Soisson, priore poi a Vi sur Ainc, luoghi che vedremo tanto faniosi per 
una bella compagnia di corpi sanli (v. c. III); quando si aggiunga che l'aulorc 
esordisce in lono proprio dcclamalorio (Tenez silence, hone gcnle, — Un 
miracle qui nioull esl gcnl - Dire vous veil el rcciter, Por les pech^ours 

exciter (v. i — 4); quando si osservi ancora che nella chiusa si consiglia a la- 
sciar lulle le Marie lerrestri, per següire una sola, nialedicendo pertino al 
malrimonio, non si poträ vedere in (pieslo miracolo che uno tlegli attcntali 
piii ardili all' amorc c alla gioia umana , condannali come beni salanici , uno 
degli esempi piii efficaci del fcroce asceiismo mc<iievalc. Tullo tr;uli>ce in 
quesla seconda redazione una copia alurata della prima, men" rrndelc, seb- 
bene piii sciocra. 



I20 G. SCHIAVO, 

diavolo venne a tentarla, le prese Capriccio di amare un giovinotto, 
il convento si accorse che in lei era avvenuto qualcosa di anor- 
male, il vescovo ne fu avvisato e venne sul luogo per constatare 
r accusa. L' abbadessa, a tale nuova, si g'etto in ginocchio dinanzi 
uu' immagine di Maria, prego, scongiuro, pianse tanto che la Ver- 
eine le apparve, e, rimproveratala alquanto, si presto poi a soc- 
corerla. L' abbadessa cadde come in un dolce sopore, e: 

La Mere Dieu, par sa puissance, 
D'un vallet li fist delivrance, 
Qu'onques cele n'en traveilla, 
Ne tant ne quant ne s'esveilla. 
La Dame un ange avec li ot, 
. Voir deus, et par Tun tantost 
L'enfant d'ilecques envoia 
A un hermite /. 320 — i v. 217 — 24. 

Per mezzo degli angeli stessi impuse al romito di nutrirlo 
per quattro anni, poi di metterlo agli studi : miracolosamente fa che 
una cerva ripari al romitaggio e si ferrai ad allattare il bambino. 
Intanto il vescovo manda cinque raonache, fra le piü avverse alla 
badessa, sotto la direzione di un arcidiacono a esaminare in tutti 
i sensi il corpo dell' infelice ; la prova , e negativa , il vescovo ne 
manda altre cinque, ma coUo stesso risultato. La monaca tuttavia 
si confessa: quindi vive una vita di privazioni e di mortificazione 
continua, e muore da santa. Santa vita conduce pure il figlio 
suo, che, fatto prete , viene eletto vescovo , alla morte di qucUo 
che aveva potuto constatare il miracolo. Cosi anche qui la Ver- 
gine dalle arti diaboliche fa scaturire il bene : anziehe lasciare 
un' anima in potere di Satana, ne conquistö due al Paradiso. 

II diavolo potra tentare egualmente un' altra monaca devota 
a Maria, trarla a fuggir dal convento e a vivere per due anni dis- 
soluta fra la crapula ed ogni vizio, trastullo di chi voglia goderla; 
r ora del rimorso verra iinalmente , la povera monaca tornerä al 
suo convento, e confessata a un abate, non temera di esporsi alle 
beffe di ognuno. Ma quäl meraviglia la sua, quando avvicinatasi 
all'uscio del monastero, vede aprirlo una donua. a cui confessa, chi 
ella fosse, e da cui, avendola richiesta del luogo ondc venisse c del 
nome, s'ha (juesta risposta: 

Je sui la Mere Dicu Marie, 
A qui tu as moult mal merie 
La grant bonlö que je t'ai fetc ; 
Droiz est que devant toi la niete. 
J'ai ci esle ta chevechierc, 
Ta bajasse, ta maregliere, 
D'uis ouvrir et de sainz soiier, 
El de tes lempes alumer, 
Et si ai fet l'autre servise 
En la maniere et cn le guise 



FEDK E SUI'KKSri/lONli NKI.I, ANIKA l'OESIA FKANCESK. IJI 

Que tes ordres fere le doit, 
Si que nus rien n'i amendoil', 
Et que de moi par nia vertu 
Cuidoit-l'en que tusses tu ! 

M II p. 169 2/. 477— 90. De hl Soucretcine. 

Ma, giä lo disse lo stesso Rutebeuf, e con lui lo ripetono in coro 
Lutti i fedeli: al solo nome di Maria il demonio ftigge, le tentazioni 
svaniscono. 

Un povero cavaliere cede per duecento lire la sua figlia bcl- 
lissima a un canonico che arde per lei d' impuro amore. La fan- 
ciulla aveva votata la sua castita a Gesi^: costretta a entrare nel 
letto stesso del canonico, c richiesta da lui del norae suo. Maria, 
ella rispose ; ein fu la sua salute, perchc 

(Juant le chanoinne entent Ic dous noii de Marie, 

Tanptacion se fu tantost de li partie 

l'üur Taniour Nostrc-Dame, qui est nelc et polie, 



11 saut sus et se vest. l^n sergant apella ; 
Au Chevalier sa tille doucement envoia. 

yCD I p. 177 st. 30— I . 

La Vcrgine poi, in ricompensa, libera da morte il suo devoto, 
caduto in un tiume, facendolo portare da gli angeli neila sua 
stanza e metterlo a letto (p. 17g st. 3g — 40). 

A questa seconda classe di rairacoli della Vergine si puo 
riportare anche quello di aver fatto conoscere a un cavaliere, suo 
devoto , che ne fosse dell' anima di un suo araico , morto empio 
peccatore, senza confessione. I\gli aveva pregato specialmcnte Dio 
di volergli far sapere qualcosa in proposito, ma la Vergine disccsc 
ella dal cielo, gli ordino di mcttersi a cavallo, che, per via, ajjpren- 
derebbe tutto quanto cercava. Cosi fu: in un bosco incontro un 
diavolo • che portava seco T anitna dell' amico estinto. {JCD II, 
Le Dil de ij Chevaliers). 

Ma non sempre occorre questa lotta , piü o meno dirella; 
abbiamo alcuni casi in cui Maria, opcrando prodigi, non raira 
specialraentc ad abbattere 1' antico avversario, bensi piuttosto a soc- 

' E, nel fondo, lu stesso racconlo dato dal Lej^rand [^LA IV p. 54 s^'g.). 
Solo c a notare che cpii la monaca, j^iovane di vciit' anni, stabilisce di fuggir 
coli' anianle, che c un prete; ma per hen duc volle, passando, prima di uscire, 
dinanzi un' immayine della Vergine, a cui recitu un' Ave , irovö poi alla 
porla una donna ciie in alto di minaccia la cüslrinse a tornare. II ter^o 
giorno riusci a fuggire, evitando di vedere la sacra immagine. Visse dieci 
anni nel mondo, poi lornö a penitenza. 

In un'altra redazione {LA IV p. 58 — 59) la monaca e scdolta da un 
nipote. della badessa, ma non consenle a fuggire che dielro promessa di malri- 
monio. E arreslata anche c|ui alla porla da una donna ignota, ma fuggita fmai- 
menle, si marita coli' amanle, ed ha figii, ma dopo 30 anni ritorna al convento 
penlita, c lo '.posn si fa inonaco. 



122 G. SCHTAVO, 

correre chi sia vittima di qualche inganno, o le sia caro , per 
devozione a lei. Cosi nel Dit de la Roine que Xostre-Dame delivra 
etc. {M II p. 256 sgg.), si tratta di una povera donzella, vilmente 
tradita. II re d' Egitto !' aveva chiesta in isposa: una notte, prima 
ancora che le nozze si celebrassero , egii dovea passcire seco lei 
qualche ora felice ; ma il siniscalco , suo confidente, lo dissuase dal 
recarsi al convegno. Allora il re vide che avrebbe commessa un'azione 
indegna, e dette al siniscalco la chiave di una porta segreta, 
da riportare alla donzella. Colui aspetta invece che la notte fis- 
sata sia giunta, ed entra, non conosciuto, fra le tenebre, dalla don- 
zella. Ella, credendolo il suo amato, gli si concede, ma accortasi 
poi deir inganno, tratta dal fodero la spada di lui, gliela iramerge 
nel euere , e coli' aiuto di una sua cugina , ne getta in un pozzo 
il cadavere. 11 siniscalco non si trova piii , le nozze si cele- 
brano, ma la povera giovane prega 1' amica di passare le prime 
ore della notte col re. Quella acconsente, poi non vuol piü 
levarsi, per farsi cosi conoscere dal re e a^verlo a sposo; la povera 
giovane, disperata, appicca il fuoco al letto, fugge col re, menlre 
1' altra arde miseramente. Le cose procedono a lungo ignorate, 
finchc la nuova regina, tormentata dai rimorsi, volle confessarsi al 
sacerdote di una chiesa che ella aveva innalzata a Maria. Costui 
perfidamente la minaccia di narrar tutto al re, se ella non cedesse 
alle sue voglie: dietro rifiuto da parte di lei, egli mantiene la parola; 
e la regina e condannata a morte. Ma la Vergine non la abban- 
dona. Un buon romito, che abitava poco lunge, la notte antece- 
dente al di del supptizio, ebbe avviso dal cielo di trascinarsi, seb- 
bene decrepito, alla corte del re, che un bei miracolo doveva com- 
piersi per la sua venuta. Di fatti la regina fu condotta dinanzi 
al romito, legata le mani, bendata gli occhi, ma appena fu alla sua 
presenza , caddero i legami e le bende, vennero a lei dal cielo 
una veste, un velo ed un breve che spiegava ogni cosa. 

Mes Diex la deslia tantost 

Oue 11 sainz hom veue l'ot '^, 

Et un autie cas li avint, 

yu'un vestement de sainz ciex vint, 

Et un voll qu'il mist seur son chiel. 

Desus le voll avoit un bricf 

Uui devisoit son evrement. /. 275 v. 611 — 17, 

11 re ebbe cosi a riconoscere nella moglie la prediletta del 
cielo, il prete fu arso, dispersi i parenli del siniscalco, e la cosa 
terrainö ottimamente. 

Quanto poi Maria sia tenera dei suoi devoti,.ci appare anche 



' Giacchi: cade in acconcio, notiamo clic quando la Vergine o i santi 
Dpciano niiracoli , li opciano per conressidnc divina ; ciö si rilieva (|ui e in 
tulli j»li escnipi rirordali e che rirorderemo, ipiando piii, quando mcno espli- 
citamente. 



FliDE E SUPKRSTI/IONK NEM. ANIICA POESIA FRANCKSE. 1 2 T, 

dal /?// (hl Chevalier qui ooit la Messe et Notre-Dame estoit pour lui 
au lontoiment {Bi\fl, p. 82 sgg.). 

11 cavaliere fa per andare al torneo ; passa dinanzi una cliicba, 
odo che vi si canta una messa in onore di INIaria, e vuole fermarsi 
ad assistervi. Lo sondiere lo invita a partire, che la sua mancanza 
al torneo sarebbe stala una vilta , raa inutilraente , perchc egli 
vuole Star li a pregare, e ci sta finche sono dette tutte le messe di 
(juella mattina. Intanto ha luogo il torneo : quando il cavaliere 
esce di chiesa, quello c giä chiuso. Per via si incontra nei carapioni 
che si erano battuti : ognuno lo ricolma di lodi, alcuni si fanno a 
lui prigioni, riconoscendo il suo alto valore. 

Allora egli comprese di che si trattasse, comprese che la Ver- 
ginc avcva combattuto per lui. 

Lors ne fu plus esbahis, 

Car il a entendu tantost 

Que cele fu pour lui en l'ost 

Pour qui il fu en la chapelle. 

Les barons bonement appelle, 

Et leur a dit, or m'escoutez, 

Tuit ensemble par vos bontez 

Car je vous dirai tel merveille 

C'onques n'oistes lor pareille. /. 85 v. 76 s^£. 

Non nieravigliamoci se egli conchiuderä. : 
Fox resoroie se retournoie 

A la mondaine vanite : P- ^S ^'- 9^ — 7- 

e si fa monaco. 

A costui r onore, ad altri la Vergine salva la vita. Un buon 
giovanetto, a lei devoto, per una sciocca calunnia del maestro suo, 
e condannato a morire da un re d'Egitto, che lo amava prima mol- 
tissimo, come figlio di un suo siniscalco fedele. Doveva entrare in 
un bosco, e cercarvi un uomo, a cui il re aveva imposto di accen- 
dere un gran fuoco, e di gettarvi dentro chi venisse a lui in norae 
suo. Ma, via facendo, entra nella chiesa di un eremo, dove si 
celebrava la messa; entra, recitando le lodi di Maria. Intanto, 
raentre il romito corapie suU' altare il sacrificio, discende un biauco 
colombo con un breve nel becco, che esso lascia cadere ai piedi del 
Santo uomo. Costui lo raccoglie: il breve gli intiraa di non lasciar 
partire il giovinetto prima che il mezzogiorno fosse passato. II re 
raanda intant(j al bo.sco il maestro stesso, per saper qualche cosa : 
ma (juello del fuoco, visto 1' uomo che doveva, secondo lui, essere 
la vittima designata, lo prendo, lo gctta nel rogo. Cosi la virtu 
r salvata c punito il tradimento (.1/ II. /J// Jih au Seneschal). 

Maria .salva ancora la vita a un monaco suo devoto. Quando 
si oss'crvi »he que^to miracolo (• opera (W (niii/iir de Oiitisi , il 
Benedettiui) di .^. .Mt'flard, si pin'i spcraif i|i iitlii ccrlo t|ualci)sa 
di bunno' 



124 G. SCHIAVO, 

Ormai il raonaco dovrebbe soccombere: la lebbra ne copre 
liitlo il corpo, i confratelli lo Hanno lasciato , ma la Vergine non 
vuole che il suo devoto muoia di una morte cosi orribile. Discende 
dal cielo, 

Moult doucement les lui s'apuie, 

Toutes ses plaies li essuie 

D'une toaille assez plus blance 

Que noif negie n'est sor brenche: 

Moult doucement s'en entremet, 

Sa blanche main polie met 

Desor son front moult doucement, etc. 

^i II, Miracle de Nostre-Dame qui ^ari un moiiic 
de son let. p. 431 — 32, v. 103 — 109. 

Non basta: clla fa ben di piu: 

La douce Dame, la piteuse, 

Txait sa mamelle savourese, 

Se li boute dedenz la bouce, 

Et puls moult doucement li touche 

Par sa dolor, et par ses plaies. p. 432 — 33 v. 124-28. 

11 raonaco, senza piii attendere, si desta come da un sonno ; 
balza da letto, con sorpresa di alcuni, con spavento di molti, guarito 
completamente. 

La vergine soccorre inoltre una donna piü infelice che colpe- 
vole, discende dal cielo a nascondere la vergogna di qualche pia 
devota, ' e, come, per le preghiere di una madre sventurata, a lei 
carissima, tronca all' umana giustizia il suo corso [le DU de la Boi- 
joise de Xarboime), cosi arriva perfino a liberar dalla forca un la- 
drone terribile a tutti, e del resto un po' curioso ; che non andava 
una volta a rubare senza invocar 1' aiuto di jNIaria. (J/ II. Du 
Larron qui se commatidoit a Xostrc-Dame toutes les fois qu'il aloii 
einbler). 

Preso e condannato al laccio, prego tanto la buona patrona 
che la costrinse a salvarlo : 

Cele qui nus des siens n'oublie, 

Moult errament vint en s'a'ie ; 

Les blanches mains suz ses piez tint, 

Qui ne soufti douleur nc poine. /. 444 v. 33 — 37. 

II di seguente, venuti i carnefici per seppellirlo, si meravigliarono 
di trovarlo ancora sano e salvo ; fecero per ucciderlo a colpi di 
spada, ma non poterono in nessun modo fargli danno, 

Car encontre tenoit ses mains 

La Mere au Roi qui tout cria. /. 445 v. 56 — 7. 

11 miracolo fu a tutti palese, tanto piü che il ladrone stesso 
lo confessö loro. Liberato cosi per amore della Vergine, volle ser- 
virla degnaraonte, si fece frato. p niori poi da giusto. 



FEDE E SUPERSTIZIONK NELI/aNTICA POESIA FKANCESE. I25 

Cosi anche qui abbiarao, per opera di Maria, la redenzione 
morale d' im peccatore che la giustizia umana aveva condaimato 
all' estremo supplizio. 

Ma, se la Vergine ha cura della vita corporale di un iiomo, 
non ne avra ancor piii della spirituale? 

Un povero cavaliere, innaraorato perdutamente di una bellis- 
sima donzella sdegnosa c superba , ia per lei raille pazzie , corre 
giostre e tornei, cerca di tutto per commoverla, ma sempre invano. 
La sua passione non lasciandogli piü bene, ricorre fmalracnte a un 
abate chiedendogli consiglio ; costui promette sollievo ai siun 
dolori se, per un anno, reciti ogni giorno 150 volte l'Ave Maria, 
II cavaliere si assoggetta alla prova : un anno dopo , passando, 
mentre e caccia in un bosco, dinanzi una vecchia cappella dedicata 
alla Vergine, si inginocchia a recitare le ultime 150 Ave-Maria. K 
allora gli appare la regina del cielo, abbigliata da sposa , ricca- 
inente vestita, beliissima, ammagliante. „To sono quella, gli dice, 
c;he devo farti riavere 1' amica : 

ür pren garde, que tu feras, 
Cheli que tu miex ameras 
De nous deus aras ä amie. 
I>M I, Uji Miracles de Nostre-Danie p. 31^4 ?'. 213—1;;. 

11 cavaliere dichiara che ella c inlinitamento piii holla; la Ver- 
gine gli promelte di conibrtarlo dell' amor suo in cielo ove cgli 
r avrebbe sempre amica fedele, ma a un patto: 

. . . il convienl, n'en doutes niic, 
C^'aute.s com tu pour l'autre amie 
As fait, eilest an faches pour moi : 
Onques ne fai autre tournoi 
Pour moi, n'autres Chevaleries, 
Chent et cinquante salus dies, 
Jusc'ä un an saus passer jour, 
S'estre veus sire de m'amour. p. 354 7'. 228 — 36. 

Cosi egli si fa frate : un anno dopo muore, e Maria discende 
per recarselo in cielo. 

II rairacolo del Cavaliere che stette a udir le messe , mentre 
la Vergine si batteva per lui, e questo or ora esaminato, mirano allo 
stesso fine, a volgere cioe all' ascetismo piii rigide coloro che nieno 
lo amavano: i cavalieri. Cio appare tanto piu evidente quan<lo si 
osservi che del Miracle de Nostre Dame, abbiamo un' altra redazione 
{I^A IV p. 34 sgg. Dil Bourgeois qui iiima une Jame), in cui si tratta 
invece di una vedova giovane e belissima, raa che non vuole pas- 
sare a seconde nozze, e di un borghese ricco, di lei perdutamente 
innamorato, Costui non riuscendo a commoverla, ricorse a un Giudco 
che se la intendeva col diavolo, ma tuttavia non volle rinunciare 
alla Vergine. Pentito e addolorato, stava un di piangendo in chiesa 
dinanzi un' immagine di lei , la pregava o a volergli concederc! 
r amore della sua bella o a Iure in modo ch' egli non 1' amasse piü. 



126 G. SCHIAVO, 

L' immagine annui del capo , il borghese non se ne accorse , ma, 
per caso trovandosi allora in chiesa la vedovella sdegnosetta, in 
virtii del miracolo, vide nel borghese il protetto dal cielo, e gli di- 
chiaro d'esser pronta a concedergli la sua mano. Cosi i due sposi 
vissero vita lieta e felice. 

Egualmente, se Maria Egiziaca diventa santa, lo deve in gran 
parte alla Vergine. 

Ella difatti puo entrare in chiesa solo dopo 1' ardente sua 
preghiera a Maria, e se si decide sul luogo da scegliere per con- 
durvi mia vita casta e ritirata, non fa che seguire il consiglio 
di Iri. 

Une voiz o'i ä delivre 
Qui li dist „De ci partiras, 
Au moustier Saiut-Jean iras, etc. 
OCR II. La Vii' Sainte Marie V Egiptianne, p. 276 t'. 350—64. 

Maria, d' altra parte, gradisce i doni che a lei fanno i devoti ; 
cio appare evidente dalla storia di S. Leocadia. lldefonso, il buon 
vescovo di Toledo, ama fervidamente la Vergine; ella si mostra a 
Uli una notte, e un' altra ancora per ringraziarlo di im lii)ro fhc 
egli aveva dedicato a lei, celebrandone le lodi: 

De cel livre tel gre li sot 

La douce Dame gloriose 

La douce Virge, la pitose, 

Que devant lui une null vinl, 

Entre ses braz le livre tint, 

Molt doucement l'en mercia, 

Et vers lui moll s'umelia. i) J/ /. p. 289 v. 598 — 604. 

Ma ella fa anche di piii: vuole rimunerare T araico del dono 
a lei oflferto, onde gli appare una notte seduta su una cattedra in 
chiesa dicendogli: 

Beax tres dolz chiers amis 

Cest aube ci qui tant est bele, 

De Paradis t'ai aportee : 

Garde que seit si bien gardee, 

Que nus, fors toi, ne la reveste, 

Tant soit halz jors, ne alte feste. 

Beax dolz amis, mais ge te di 

Qu'ä ma messe le samedi 

En Tenor de moi la revestes 

A mes vigiles, ä mes festes. p. 290 v. 620 sgg. 

Aggiunge che sulla cattedra, ove ella sedeva, non salisse che 
egli soltanto, che qualunque osasse trasgredire i suoi comandi, 
morrebb(> improvvisaraente ; e cosi avvenne di fatti al vescovo suc- 
cessore. 

Dunque , dopo l' esarae delle fonti nostre , e dopo lo studio 
dello Schröder, possiamo conchiudere: Maria neu' antica poesia 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' ANllCA POBSrA FRANCESE. l 2J 

francese ci appare come la potente regina del cielo , a cui 
Dio non sa negare quanto ella chiegga, sia giusto od ingiusto il 
concederlo. K, d' altra parte, l'ostacolo piü forraidabile che il dia- 
volo incontri nelle sue imprese contro il cielo, 1' amica fedele del- 
l'uomo, la speranza piü sicura degli iiifelici e dei peccatori. 11 
culto della Vergine bella c pietosa decade talvolta, per le esagera- 
zioni a cui fu portato , diventa im' idolatria , da nel gofib e nel 
ridicolo. Ma ad ogni modo, fuor che in pochi casi, anche 1' antica 
poesia francese, nella venerazione a Maria, ci da nel fondo, il culto 
della donna idealizzata nella sintesi piü pura e piü bella di 
tutte le virtü e di tutte le grazie. Curioso contrasto! si maledice 
ancora alla donna terrena, se ne disconoscono generalinente i sacro- 
santi diritti, nella sua virtü non ha fede quasi nessuno, ma si credc 
a una donna ideale, raadre, eppur vergine, apoteosi, diro cosi, della 
castita femniinile. 

(Si conlimia.) 

(1. ScillAVO. 



Azalais d'Altier. 

Lo Schultz, nello studio cosi ben fatto su le poetesse proven- 
zali, giunto a Clara d'Anduza, tocca necessariamente della storia 
d'am(3re, che fu tra costei ed Ugo ch sain Circ, secondo la re- 
dazione della biografia del trovatore, che ci fu trasmessa nel codice 
laurenziano 42, PI. 41 [P). Si sa che storia sia stata : un bei giorno 
si pose tra gli amanti , invidiosa quant' era avvenente , madonna 
Ponsa, che seppe adescare il volubile poeta, rubandone a Clara 
l'intendimento e le canzoni. Ma come Ugo fu tutto di lei, Ponsa 
non attese le promesse dolci, con che lo avea sedotto ; ond'egli 
se ne stanco, e itosene corruccioso ad un'amica di Clara, tanto 
pregö, che quella s' indusse a cercare ch' egli riavesse la grazia 
della dama d'Anduza. La pace fu fatta, ed Ugo effuse la piena 
del gaudio in una canzone, che volle inviare a „n'Alazais d'Autier".' 
Chi era costei? e come entrava negli amori del trovatore? Lo 
Schultz, non ne sa nuUa. Or bene, io richiamero l'attenzione di 
lui e degli altri compagni di studio sopra il .'icihä, che chiude il 
canzoniere provenzale della Marciana (F). Si tratta di una lettera 
(hretta da Azalais d'Altier, la stessa cui Ugo mando la canzone, 
ad una Clara, come ci mostran gli Ultimi versi, ove Azalais prega 
che quella orraai sia benigna all' amante, e soggiunge: 

anz li sias fina et clara, 

qel 7ioms nil senblanz nous desmenta. 
Ognun vede che questa Clara dev'essere la dama d'Anduza, 
l'amante di Ugo di sain Circ. La lettera ci rappresenta in diversa 
forma la situazione, ch'e pure in due altre coraposizioni della rac- 
colta, diremo cosi, femrainile dello Schultz: una pietosa interme- 
diaria, volgendosi ad un'amante irata, la esorta a perdonare al col- 
povole amico.2 Di prima giunta si crederebbe che la lettera fosse 
da riferire alla fase principale, teste accennata, della storia amorosa 
di Ugo e Clara; ma tra la narrazione del biografo e i dati, che 
rivelansi dai versi di Azalais, non c'^ perfetta rispondenza. II bio- 
grafo dice che il trovatore, volendo riacquistare le grazie deH'araante, 



1 Hist. litt, des Tr. 2,177—81; Diez, L. u. IV. der Tr.'^ 337—40; 
ilerrig, Archiv ^0,zt,^; Chabaneau, Les biogr. des Tr. p. 52; Schultz, 
Die prov. Dicht., p. 15. Per la canz., Gr. 457,4. 

^ Schultz, pp. 25, 29. Cfr. anche p. 19 (Alamanda); e 4" razos dei 
sirvcntesi di ßerlvaa de Born in Chabaneau, dj). cit., p. 19. 



AZALAIS D ALTIER. I 29 

„anet s'en a una amiga de madorana Clara": dalla lettera invece 
risulta che Azalais non aveva raai veduta la poetessa d'Anduza. 
Inoltre, s'e rammentato ora che fu Ugo a lasciare Clara per 
ahra donna: al contrario, Azalais terae che Clara vogUa liberarsi 
deH'amico, senza averne alcun grave raotivo. lo penserei dunque, 
che la lettera fosse scritta in un periodo prccedente di 
questo romanzetto , in occasione di una di quelle guerriciuole, 
che tratto tratto turbavano 1' idillio filato dal trovatore e da 
Clara. Peru che il biografo dice, prima di venire all' episodio 
di madonna Ponsa: „lonc teraps duret lors amors; c majtias 
guerras e inantas patz fet-on nitre lor." Cosi Clara c Azalais saran 
divenute amiche; e quando si sara trattato dell' altra maggior 
guerra, Ugo niemorc de' buoni uffici anche prima prestali dalla 
corapiacente Azalais, di nuovo avra pensato di ricorrere a lei, come 
ad intermediaria gia felicemente provata ; poic;hr c- ben giusto 
imaginäre che la riconciliatrice pure nella peggiore scissura sia 
stata Azalais, se fu a costei che Ugo volle ne andasse, prima che 
altrove, la festosa canzone, inspiratagli dalla gioia di avere rigua- 
dagnato il favor di Clara. 

IIo detto che la lettera e nel cod. provenz. della JVIarciana : 
aggiungevo che occupa il f. 149 di esso. Si sa che la parte lirica 
del codice fu diplomaticamente riprodotta dal Grüzraacher : questi 
ha giudicate illeggibili alcune poesie, non esclusa la tanto nota ro- 
manza di Guglielmo VII di Poitiers, che l'Heyse aveva gia alcuni anni 
prima pubblicata proprio di sullo stesso cod. (f. 148b).' Cosi il Grüz- 
macher non ha saputo decifrare la nostra lettera: l'ha invece letta 
e trascritta il Bartsch, che ne ha fatto cenno nel GrundrJssP- Cu- 
rioso e pero che egli l'abbia citata come domnejaire anonimo, mentre 
fin da' primi versi l'autrice si nomina. Non so poi che il Bartsch 
stesso l'abbia pubblicata; ne trovo il nome della nostra poetessa 
nella lista degli autori provenzali, che segue alle biografie dei tro- 
vatori edite dallo Chabaneau. La scrittura sembra la stessa del vers 
del conte di Poitiers e delle altre liriche qua e la inserite nel co- 
dice a riempiere i vuoti lasciati dalla mano piu antica, del sec. 
XIII (si raramenti che il cod. porta la data 1268), cui si deve il 
piu di questa raccolta. La mano piu tarda e della fine del 300 
o del principio del 400.^ AI pari delle liriche, che sono in questo 
codice, la lettera e stesa in linee di prosa. 

La forma metrica h la piu comune dei saliitz: ottosillabi rimati 
a coppia. S'e accennato che il Bartsch considera questa poesia 



' Herrig, Archiv 36, 455. Ileyse, Rom. Ined. 8 — 12. 

* Bartsch, Beiträge zu den rom. Lit., Jahrbuch für rom. u. engl. Lit. 
11,60 — 61; Gr. p. 41. Anche il Suchier ha ricopiato il noslro sa/ut, nia 
nemmen egli l'ha fatto conoscere. Ne ha imilalo il principio nella gra/.iosa 
lettera in versi provenzali diretta al prof. Chr. Schlüter {Marien i^ebete, 

P- 5). 

3 Bartsch, Beiträge cit.; Gröber, Liedersamm/. der Tr., Rom. SluM. 

9. 596. 

ZeiUchr. f. rom. Phil. XIV. o 



130 V. CRESCINl, 

un do?imeJaire , ma allora s'ha a dir troppo rigorosa la definizione 
del donmejaire da lui data seguendo il Raynouard {Choix II 258). 
Infatti la nostra lettera finisce, ma non coraincia con Dojuna.^ Nel 
dare i pochi versi di Azalais m'attengo alle sollte norme : riproduco 
quanto piü fedelmente il ms., ma sciolgo i nessi, compio le abbre- 
viature, distinguo al modo nostro u da v, i da j: dove aggiungo 
adopero il corsivo ; se altrimenti correggo e modifico , in nota 
oflro la precisa lezione del codice. 

(fol. 149") Z'anz salutz et tantas amors, 

et tanz bens et tantas honors, 

e tantas finaj amistaz, 

e tanz ganz com vos volriaz, 
5 et tanz ris et tant d' alegrier, 

vos tramet n' Azalais d'Altier ; 

a vos, donna, cui ilh volria 

rtiais vezer qe ren qel mon sia : 

qe tant n' ai auzit de ben dir^ 
10 a ceilh qeus es hom et servire, 

qe per lo ben, qu' el me n' a dich, 

ai tant inz e mon cor escrich 

vostre senblant, qe sius vezia, 

entre müh vos conoisseria. 
15 et die vos ben aitan en ver 

qez anc donna, senes vezer, 

non amei tan d' amor coral ; 

et die vos ben, si deus mi sal, 

quez el mon non es nulla res, 
20 q'eu penses qez a vos plagues, 

qi?zeu non fezes volenti(?ra, 

senes mant e senes preguit'ra. 

etz ai, donna, trop gran desire, 

quez eu vos vis, aus pogues dire 
25 tot mon cor et tot mon voler, 

et pogues lo vostre saber. 

aras, donna, es enaissi. 

r autre jorn s' en venc zai a mi 

lo vostr' amicx tristz et ma?v-iz, 
30 com hom enchausatz e faiditz, 

e dismi q'en ditz ez en faitz 

es vas vos mespres e forfaitz, 



6 quos o auos. 12 &mo. 22 priguira. 24 &us. 29 trislrz & '.naiz. 
31 dixis digi (?). 



• P. Meyer, Le salut d'Ainour dans les Litt. fr. et prov., Bibl. de 
l'Ec. des Chart. 28, 131. 



A/ALAIS IJ ALTIEK. I 3 I 



segon, donna, qe vos dizes, 
q' eu non cuidera q'el disses, 

35 ni q' elh a nuilh jorn de sa vida 
fazes vas vos .... 

. anz q' el vos obezis 
niais qe nuilla ren q' elh anc vis. 
pero, donna, si vos cuidatz 

40 q'eu n' aj' esmai, ben es vertatz ; 
qe vos aves ben tan de sen, 
de valor et d'esengnamen, 
qe si lo tortz granz noi fos, 
ja noilh trobaras occaisos, 

45 per quel feses de vos partir, 
ni aissi desirant languir; 
ni non podes jes per raizon 
azirar lui per 1' ucaison, 
q' eu sai, ei elh e vos sabes. 

50 pero s' auzire lo voles, 

vostra sera la perda el danz, 
et pois per totz los finz amanz 
deures en eser meinz prezada 
per totz tenij)s, ez uchaiso^zada. 

55 ez aquilh qe non o sabran, 
cuidaran si qe per talan 
d' autrui amar, vos 1' azircs, 
et de vos amar lo lunges : 
ez intrares in folla bruda, 

60 si est per canzaritz tenguda, 
q' esqern fai de si mal retraire 
Brizeida, qar ilh fo cangiaire 
SOS cors, qar laisel Troilus 
per amar lo fil Tideüs. 

65 autressius er en mal retrach 
sius partes de lui sens forfach ; 
qeus vol eus desira eus ama, 
tant q' en moren n' art e n' adama. 
e s'atra donna l'agues mort, 

70 eu cuidera qe molt grau tort 
vos agues fait, si m' aiut dieus, 
qar eil es miclls vostre qe sicus. 
f. 149''. e s' el, donna, per sobramar 
vos fez de ren vostre pesar, 

75 amors o fez, e non gens elh ; 
per q^2 eu conosc ben qez elh 



34 diesses. 36 — 37 fazes uas uos ameus anzeus (?) obezei o obezes (?). 
40 qeu naiamai\ 44 occaisons. 51 sera] er. 59 brnida. 66 scnes. 67 
&US d. &US a. 70 cn. 



132 V. CRESCINI, 



non deu perdre vostra paria, 

ni 1' amor qe de vos avia ; 

ni nulla donna non es bona 
80 pois q'estra ni toi zo qe' dona. 

eras qon q'el sia estat, 

o per la vostra volontat, 

o per lo tort qeus a «gut, 

vel vos aissi mort et vencut, 
85 qez el non dorm, ni non repausa, 

ni el mond non es nulla causa, 

qe jal puesca donar conort, 

si doncs ab vos non troba acort : 

per q' eu vos prec per gran merze, 
qo qe vos, tot per amor de me, 

li perdones el finiscatz 

los tortz, don vos l'ucazonatz; 

ez eu faz vos per lui fianza, 

qe ja, en diz ni en senblanza, 
95 non faza nul temps, ni non diga 

ren per qel sias enemiga, 

et nol sias omais avara, 

anz li sias iina et clara, 

qel noms nil senblanz nous desment a : 
100 e prec Amor qeus o cosenta, 

bona donna. 



77 den. 78 avia] ama. 

Note. 

V. 6 Altier — nella canz. di Ugo di s. Circ {Gr. 457,4) Autier — e un 
comune del dipart. della Lozere, circ. di Mende, cant. di Villefort, a non 
molta distanza da Anduze (Anduza), ch' era il paese di Clara. 

V. 44 trobaras puö essere esempio del cond. in -ara ; ma vv. 34,70 
cuidera. 

Vv. 61 — 64. Qui s'accenna all' episodio notissimo del Rom. de Träte, 
agli amori di Briseida e di Troilo , che quella dimentico per Diomede : sarä 
dunque da aggiungere questo agli altri esempi di allusioni provenzali alla leg- 
genda di Troia (Birch-Hirschfe 1 d, Lieber die den frov. Tr. des XII. und 
XIII. Jahrh. bekannt. Ep. St., pp. 8 — 12). Un altro accenno trovadorico a 
storia troiana e pur nel saliit di Arn. de Maruelh pubbl. dallo Chaban eau , 
Revue des lang. rotn. 20,53 — 59, v. 151. 

V. Crescini. 



Fonetica del dialetto di Piacenza. 

N o t i z i e B i b 1 i o g r a f i c h e. — Per questo studio, che prende 
ad esarue il dialetto che si parla ai nostri giorni nella citta 
di Piacenza , abbiamo soprattutto attinto alla voce del popolo. 
Tuttavia ci furono di valido aiuto anche gli scrittori vernacoli e i 
compilatori di vocabolarii e di raccolte dialettali. Non ripeteremo 
qui le notizie bibliografiche data dal Biondelli nel suo . Saggi'o sui 
Dialetti gallo-ilalici (Milano 1853, p. 315 e sgg., e p. 433 e sgg.), 
raa ad esse aggiungeremo quelle che ci fu dato raccogliere nella 
Bibliotcca Comunale di Piacenza. Due grossi volumi manoscritti, 
recenteraente acquistati, contengono molte poesie del migliore tra 
i mediocrissirai verseggiatori piacentini, Carlo Bongilli, che fiori dal 
1820 al 1840 circa, e parecchi componimenti vernacoli che videro 
la luce neH'almanacco popolare la Piligreitia, di cui non ci fu dato 
vedere nessun numero a stampa. Meritano tali scritture una men- 
zione particolare non solo perch^ inedite la maggior parte , raa 
perche la grafia vi e molto corretta , e costante la cura di ripro- 
durre fedelmente la pronüncia. Delle altre scritture rimaste ignote 
al Biondelli che ci fu dato esaminare ricorderemo le poesie di 
Vincenzo Capra , per tacere di quelle che su fogli volanti conti- 
nuano a stamparsi ogni giorno.' 

Altri materiali offrono i Vocabolarii. Del Conte Carlo Anguis- 
sola esiste inedito un Dizionario piacentino-tosca7io' (1826), che noi 
potemmo esaminare mercc la cortesia del conte Giuseppe Nasalli, 
al quäle rendiamo qui le piü vive grazie. Esso non manca di 
pregi , raa non puo essere ciecamente adoperato dal linguista, 
perche la grafia vi e spesso incostante ed erronea.'- Dell'Anguis- 
sola esistono in Biblioteca anche le Effemeridi ttieditc, raa esse ser- 
virono poco all'uopo nostro, perchi- sono scarsc le parole e le 



* Poesie dialettali possono leggersi anche nei mss. 30, 310, 310 bis del 
Lascito Pallaslrelli. 

' Basti notare le forme azzalin accanto a cantaina, dintr, simpr, cimozza 
allato a simozza. DeirAu;;iii.ssola esiste anche La Grineide inedita , che 6 
una Serie di tredici sonelti non privi di salc, ma scritti in iin piacentino non 
molto puro, come provano le forme d'infmito atnazzar, spcrar, ed altre conie 
Volpin allato a Volpuin, ßnistrin accanto a birickain. (^uesta diversil^ nella 
scritlura fa fede dclla tcnden/.a clic avcva l'autore di srostarsi dalla pura par- 
lata del volgo. 



134 E. GORRA, 

frasi dialettali che contengono. Francesco Nicolli, oltre al Catalogo 
ecc. (1832) menzionato dal Biondelli, scrisse un'opera intorno al- 
V Elünologia da nojui di luogo degli stall diixali dt Paj-ina, Piacenza e 
Guastalla (Piacenza 1833, 2 volumi), la quäle contiene poche cose 
buone in mezzo a molte aberrazioni ; wWArcheologia universale par- 
mensc piaccntma e guastallese (Piacenza 1834), libro farraginoso e 
privo d'ogni valore linguistico, che potrebbe perö servire a chi 
volesse studiare i nomi locali delle regioni di cui si occupa, e una 
Filologia piaceiilina e parmigiana inedita (Ms. 4 Lascito Pallastrelli), 
la quäle deve aver servito all'autore per la compilazione del 
SUD Calalogo , ma che egli dev'esser sempre andato arricchendo 
anche depo la pubblicazione di questo, perche ne e pifi ricca di 
voci e perche spesso vi sono citate le Etimologie pubblicate dopo 
il Calalogo slesso. Tre edizioni ottenne il Vocabolario piacentmo-ilaliafw 
di Lorenzo Foresti (1836, 1855, 1883), ma e soltanto dell'ultima 
che noi vogliamo occuparci. L'autore nello scrivere l'opera sua si 
propose uno scopo eminentemente pratico, vale a dire volle regis- 
trare quasi soltanto quelle voci che piü si scostano dalla lingua 
letteraria, tralasciando quelle alle quali ognuno puo facilmente trovare 
il corrispondente italiano. Ma se questa parsimonia e da un lato un 
pregio dell'opera, diventa pero un difetto grave per chi abbia bi- 
sogno di conoscere il riflesso popolare degli etimi comuni al tos- 
cano ; e d'altra parte non c un glossario che l'autore scrisse, 
perche troppo ricco di quelle voci ch'egli appunto s'era proposto 
di tralasciare. Tal disegno dell'opera si trovava giä nelle prime 
edizioni; quest' ultima fu arricchita di molti voci e di nuovi segni 
grafici che meglio servano a riprodurre la pronuncia. Ma la 
grafia adottata non e scevra di gravi mende. Innanzi tutto non e 
contraddistinto il suono nasale, che ha tanta importanza nel nostro 
dialetto ; inutile invece ci sembra la distinzione fra ä ed ä, come 
quella fra e ed e, ed ö. Ue non ha precisamente il suono del- 
Veu francese, e quindi non e identico a quello dell'Ä L'o non 
esprime un suono ou, ma il suono nasale francese on. Una in- 
conseguenza nell'uso dei segni si nota in tutti gli infiniti della 
prima coniugazione, la cui vocale tonica doveva essere indicata 
non con ä ma con d. L'accento tonico si confonde spesso coi 
segni grafici, come per es. in addbb, adöss ecc. La voce adess della 
Tabella si riscontra nel testo scritta adess, e l'atona, ad es. di gäbbä, 
porta erroneamente il segno della tonica. In gravi errori puo 
indurre anche la tendenza alla grafia etimologizzante , poiche il 
popolo non pronuncia servizi ma sarvizi, non canestrella ma canas- 
trella, non vedariar ma solamente vadaridr ecc^ 

Oltre ai saggi dialettali editi dal Biondelli, che noi riscon- 
trammo sui manoscritti , e molto notevole quello pubblicato dallo 



' Altri Studiosi piacentini pubblicarono brevi lavori intorno al proprio 
dialetto, ma essi sono informati aj^li antichi metodi e mancano quindi di ogni 
valore scientifico. 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA. 135 

Zuccagni - Orlandini nella sua Raccolia dt diaklti italiani (Firenze 
1864, 152 — 1Ö3), sebbenc non sia privo d'errori e d'incongruenze'; 
meno importante c quello del Papanti, I parlari üaliani in Cer- 
ialdo (Livorno 1875, 357). 

Chiudiamo questi cenni col rendere pubbliche grazic al chiar. 
sign. Avv. RalTaele Gemmi, Bibliotecario della Comiinalc di Piacenza, 
alla cui dottrina e corlesia dobbiamo la maggior parte delle notizie 
bibliografiche da noi esposte, e all'ottimo prof. Carlo Salvioni del- 
rAccademia di INIilano, che ci lu largo di aiuti e di consigli. 

Grafia eSuoni. — Per d, ä, e, ö, d, T, ü, ü, ü [ü), n, i, ^, g 
vedi Archivio glottologico iialiano deirAscoli, I, p. XLIII e sgg. Con ^ e 
o indichiamo i suoni aperti di <? e di 0. e con s il suono sibilante 
sordo {ss, g). \J'e indica un suono che partecipa dell'a e deir«^ 
francese di peu^ ma volgente piü a questo che a quello; e Man \x\\ 
dittongo il cui primo elemento partecipa dell'ß e dellVz^ di coeiir, 
con qualche prevalenza dell' elemento vocalico a, come provano 
anche le grafie degli scrittori.- 



Vocali toniche, 
A. 

I. In sillaba aperta e riuscito finale si riduce di regola ad 
d : viazddda sost. da miscitare, cäntdda, midga armeniaca, mdga 
rancore, Idg, dla, sdl. vidi, anitiidl, mdr, anidr, rdr, pdri, ndz naso, 
pdz pace, dürdz, rdva, cdv chiave, fdva ; Iddar e Iddra -^ mdgra, 
sndvra', prd prato, sird, ghid pungolo *aculeata; caritd, misld 
immagine di santo *majestate-; -d = -äto- -ata, -d == -äre, 
-dva = -ab am ecc. — Inoltre in parole sdrucciole o State sdruc- 
ciole : sdgma, dzna asina, mdzna macina, tdvla, cdvga chiavica, sal- 
vddag selvatico, aliddga lugliatica, uva, fänldzma, spdzatn spasirao. — 
Anche riducesi ad d l'ä dei nessi -äl + cons., -är-f-cons. {eccet- 
tuati -all-, -arr-): nid/va, sdlva salvat, sdls, zbd/s, e, con 1 caduto, 



' Valgano come esempi viage, jersira, gnent, per, de la, pernis, pirucche, 
pever, fin, la tova brocca. Siano qui ricordali anche gli Eserchii in dialetto 
piacentino (Piacenza 1872) di C. Berta/.zoni. Una raccolta di voci piacenline face 
anche il Conle P. Selvatico, giä Bibliotecario della Comunale di Piacenza, c 
una nota del Pallastrclli reca : „Taverna ha fatlo la serie in dialetto piacen- 
tino dei nomi delle arti, mestieri e utensili o foise tento questo lavoro." Una 
copiosissima raccolta di proverbi , sentenze , motti piacentini ha condolto a 
lermine l'avv. R. Gemmi, ed e da augurarsi ch'egli si decida linalmente a ren- 
derla di pubblica ragione. 

* Anguissola : bain, birichain, dottraina ; Bongilli : dastaei, baei bei bat 
bene, daifi dentro, saimpar scmpre ; Capra e i piii recenti : Pirei, seint, 
seimpr. La gratia che meglio riproduce la pronuncia C- quella adottata dal 
Bongilli. 

^ Non interamcnle assimilato c taj'iit/ar tealro. 



136 E. GORRA, 

cdd caldo, di (accanto ad dlt) alto ', dtar altro, sdvta salvia; Idrg, 
cdrla, bdrba, cdrati carne, ärzan argine. — Lo stesso d risponde 
all'ä delle desinenze latine -älio-, -älli, e ein, ritengo, per In- 
fluenza regressiva dello j: viarmdja, niddja *metallea, dj aglio; 
cavdj cavalli, gdj galli; qui anche tndja tenaglia. 

2. Rimane inalterato nei seguenti monosillabi: ca casa, fa 
facit, sta, da, va, sa, al g'a egli ha-, üi jam, dfml solamente non 
magis, /a; nelle voci verhali /ag io fo, s/ag, vag, trag, dag"^, e 
nel proparossitono sdlaz salice.4 

3. Anche la posizione protegge di regola l'ä: labbar labbro, 
sabbia, rabbia, bracc can bracco, vacca, spüdacc sornacchio, qitacc 
quatto, staffa, sgaff schiaffo, cavall e cavala, ga/l, stala, sappa, zappa, 
al cappa acchiappa, carr, barra, casca egli casca, frasca, rasca egli 
raschia, /«^Jt' maschio, gross, zdass setaccio, inatt, galt; e qui vadano 
pure gala, st'gala cicala e parga/a specie di pero (v. n. 98); -aneo-: 
?)iünidna, cavdäna strada coltivabile che sta a un lato dei campi 
*capitanea. 

4. E triplice l'esito del suffisso -ario- (-«r, -dr, -dri): camarer, 
cändler, era aja ; grandr, calsüldr, lldr telajo, cücdr cochleario-; 
cfinirdri, lämbddri lampadario, äiiliqiidri.^ Ha ragioni proprie ge^ra 
glarca (cfr, milan. gpa, piemont. gaird). 



5. L u n g o. — In sillaba aperta di regola (? = e : cändela, 
iela, red rete, seda^ segret, tnimeda, vmier *muliere-, mcz raese ; 
de'biil, dtbit; vüre e vre volere, püde\ me, le. 



' Nell't' del rustico _/V// alto riconosceremo l'influsso dello 7' (v. n. 93; 
cfr. ieut nei dialetti gallo-italici della Sicilia, Morosi Archivio glottologico 
ital. VIII 409). 

'^ E quindi nella terza singulare del futuro deU'indicativo. 

^ Cfr. Mussafia Beilrag zur Kunde der nord. Mund. pp. 20 — 21 e Dar- 
stellung der rom. Mund. § 261; Salvioni Arch. glott. IX 229. 

* Si tace dei proparossitoni non assimilati come prdtic, dbit, stumätic, 
o assimilati sollanto in parte come armdtag puzzo, ' aromatico ', di fronte a 
salvädag, fürmdj *formatico-. — Non popolare e cap capo, e formati sul- 
le voci arizotoniche possono ritenersi scap io iendo e fesso, e crap fesso 
(cfr. n. 98). 

* Nel vitueria vettovaglia citato dal Foresti abbiamo una special risolu- 
zione di - a r i a (cfr. cativeria, lavoreri ecc). Qui notiamo anche l'esito di 
-äneo- in Jilen fdare delle viti Arch. glott. VIII 353, castina castanea, 
termine rustico (cfr. Mussafia Beitrag 42, Ascoli Arch. I 276 e 414; Nigra 

■Ibid. III 7; Ceci Ibid. X 168 e specialmente Salvioni Ibid. IX 1940.), e 
quello di -äsea in srcza cerasea. Per guer guari v. Ascoli Arch. II 113 
e 133 n. — Anche nel piacentino i soliti grcv ed alegar, e anche il rustico 
crbiü albero, che e pure esempio molto difFuso (cfr. Ascoli Arch. I 276 n., 
il 113). Esempio illusorio di ^ da a e beg verme Flechia Arch. II 36. 
'L'avoe causidico citato dal Foresti e la voce francese. Un piccolo problema 
ci offre invece pic//a piastrella , in cui e forse da xedcre pela da pila (cfr. 
Salvioni La storia di Apollonio di Tiro, Bellinzona 1889, Lessico) con 
immistione di 'piano', 'piatto', ne farebbe ostacolo il doppio /, pel n. 98. 
Pel solito pwna pialla v. Beitr. 88. In mnrcia, iircia marcia via! va via! e 
in vurda, tirda guarda ! abbiamo alterazioni specifiche dell'imperativo. 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA. 137 

6. Ma ^ da e in r^ rcx, tr<^ tres, femminile. 

7. E / da e nei soliti: sira sera e cera, bütiga, maislar rnae- 
stro-, sil sebo-; bida beta.^ 

8. In posizione t-' da e : becc becco, l'ecc io lecco, st'ecc stecco, 
melga melica, siella, b'erla donnola *bellula, d'ezda, de-j-excitat, 
cr'ess cresco e crescere, cr'etta fidanza *crOdita, f'ella fetta Dicz 
EW. 5a ed. 137, jt'e-y/ schietto, r'ezzW sagrato, orezzo. 

Ai quali eserapi ne andranno aggiunti altri con e da ö fuor di 
posizione, quali i proparossitoni originarii ir'edaz tredici, sedaz sedici, 
c'erag clerico-, e cr'ed, cr'eda credo credit.2 

9. Brave, e = 6. In sillaba aperta: vieda mieta, scda 
sedet, nega negat, prega, pegura, fei, mel, zel gelo, jar heri, 
tcvad tiepido, daz dieci, pe piede. In posizione: Pcdar Pietro, 
inireg intiero, mej mclio-, pell, svelt, pel petto delle vacche, 
ßnestra'^, ncspid , ess vcss jcss essere, mezz vaüdio-; püslerla, 
atravers, iers terzo, meral medo, Tnvcrafi, perd perdo e perdere, 
verum verme, nc'rav nervo, cverc coperchio, verl aperto, perla, 
azerb acerbo ; anell, cürtell e cüriela, uzell uccello, zmell geraello, 
päd (da A 

r 

Isla, nell'iato troviamo / da 6 in mi'a pron., züdio giudeo , in 
fräse imprecativa. 

10. e da e ci offrono i proparossitoni zenar genero , /enar 
tenero, rezga resecat^ ri'mga *remicat per rümicat, il cui e 
sorto dapprima nelle voci arizotoniche c passalo poi alle rizotoniche, 
e /rema tremit, pr'ema premit. 

11. Sono eserapi di j? da e di posizione zvvV, sp^fi, lerra, 
s^lla, b^ll, fi^sta, iimpcsta, s^ll, risp^tiß 



• Diverso e il caso di i in tri tres masch. da *trei^ (cfr. n. 31). 
Vedi poi nella flessione la risoluzione dclle uscite verbali -ebani, -ere, 
-elis ecc. 

'•* II conlado ci ofTre anche esempi di ^i da e negrinfiniti av^i, pudci, 
laiei tacere. Nella provincia sono due borgate dette dal volgo Sarei C er- 
rät um e Carpanci Carpaneto. — Aggiungeremo qui i soliti esempi di ti, u 
da c per effetto assimilalivo di suono labiale che segue: fnmna femina, 
sumna seminat, e anche riimla sebbene da re + molere Beitr. 93, Ascoli 
Arch. I 313; biastüma blasphcmat, Tndüniia vindemiat, che ripetono 
il loro ü dalle voci arizotoniche del verbo , come da quesle ripetono il 
loro a le altre voci verbali idra serräl, tänta lentat, slänta stenta (cfr. 
Beitr. 51 n, Ascoli Arch. IV 1 26 n.). Var verso c seniprc in proclisi : var 
mc verso me (cfr. n. 69). 

^ Ma mn^slra mineslra. 

* Fanno eccezione i femminili s'iircUa, Jan^lla, gainqlla, fritqlla, assqlla 
ascella, iitch^lla loquela, vclia vela (cfr. S.ilvioni Arch. IX 199 n.). 

■'• Le forme risea egli arristhia , rised arrischiare saranno dottc; cfr. 
anche i corrispondenti milanesi. 

" Nelle voci verbali crap crepo, mniiirn macerat 1'«/ provicnc dalle 
voci arizotoniche (cfr. n. 98). 



1.^8 E. GORRA, 



I. 



12. 



Lungo. — Intatto ; in sillaba aperta : lid lite, cridä 
quiritat, irida tri tat, fidag, fig, nm/'g, sü/i7, diz dicit, cativ, dt 
die, man'; -/=-]re -ito- -itis; in posizione: mt//, spilla, villa, 
visi, /rät, lim libbra, vifia. 

13. Riduzione speciale di un 1 riuscito finale offrono acsc -sie, 
■ che -hie, le illic, de dies.^ ^ 

14. Breve. — ? =^ !• Iri sillaba aperta: scd site-, /ed, 
frega fricat, brcga briga con \ germanico, pcl, per, büter bu- 
tyro-, bcv. In posizione: vedar vitro-, negar, famej famiglio, 
smeia simlliat, püler puledro, vera viria, feram, serca circat, 
(Jrpag erpice, verd, pe'var pepe, zncvar ginepro, pcza pece. 

15. Ma numerosi sono gli esempi di e da i in posizione 
latina o romanza : vl'dd video, ms'emma insimul, s'enar cinere-, 

fr'edd, secc, p'enna, vesc vescovo, fresc, r'esca arista, tfidesc tedesco, 
cresp, vessa vicia, fressa frlctia, pess pTsce-, tressa treccia tri- 
chea, less lesso, elixo-, messa, cresta, nü'tt mittere, nelt, sajetta, 
malad'ett (ma, colla solita distinzione , diu), slr'ett, i'etta mammella, 
?«^'Ä/a miscitat; -ifsco-: Fränsesc; -fssa: badessa, cüntessa; -fstro-: 
cavesiar capestro ; -rt j o -: car'essa q.ci.x&li^., ligressa, bascav'ess scam- 
polo *bis + capitio-; -6tto- {= ftto-): crav'ät capreüo , careii 
earretto ; -ismo-: batieiz battesimo. 

16. Esempi di i da i sono: in sillaba aperta i soliti: via, per 
es. va via! sia; inoltre liga ligat, slria striga, did digito- (cfr. 
Ascoli, Arch. I 22 — 2;^^, D'Ovidio Grundriss der rem. Phil, hrsgg. 
V. G. Gröber I 507); in posizione: sicca sit'la, üricca auric'la, ca- 
vicca se da elavic'la, nei quali esemplari e da notare l'attiguita 
del suono palatino all'/.- Inoltre diil detto, miss misso-, pist pisto-, 
7nisL mlxto-, ßsca fist'lat, visc visc'lo-; -inio-: malin, ruadrina, 
gramiM, ma per cavi capillo- v. Salvioni Arch. IX 201. 

17. ^ da 1 di posizione danno It^n legno , c(^sia , adess se 
da ad -ipso- (cf. D'Ovidio Grundriss I 505 — 506), g^'ss.'^ 



' f7 = i dinanzi o dietro suono labiale occorre nei rustici prütn e 
prüma primo, -a, süma cima, süntmia scimmia, e va. fübbia fibla; inoltre in 
spügla spigolat, ,dairinf. spügld, e in vümna vimine , da vümnd viminata (v. 
n. 42). — h = 1 ci offrono sthbbia slTp'la, e stombal stim'lo (cfr. per tuUi 
- Beilr. 57 — 58, 105; Ascoli Arch. I 174, 256; Ni<,Ma Ibid. III 10). Per calüzna 
caligine v. Beitr. 41. Fränghl fringuello fu cstratlo da un *frängHlaei frin- 
guellino, a norma del n. 38. In una carla latina del I140 si legge: Hotno- 
deus fraftguellus [Heg. Magnum del Comune di Piacenza, f. l6n). 

* Per niisc e cavicc cfr. D'Ovidio Grundriss I 506. Qui andrä forse 
anche rigga lamina di ferro, se pure da regula e non da rigula (cfr. ital. 
riga). Tale spiegazione potrebbe forse darsi anche dell'/ di ticY tetto e di 
ticc'a tegghia (cfr. n. 84 n.). 

^ Trasposizione d'accento si ebbe in meistar e meinstar magistro-. 
La Serie cnst questo, custa, cnll quello , c'üUa rapprcsenta la contrazione di 
-ue- fuori d'accento; mentre i plurali quisti e chisti, qtäj c qiiilli. chilli sono 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA. I39 

O. 

18. L u n g o. — ü ^^ Ö. In sillaba aperta : nvüd nipote, siil 
so\e, püm, n fi m uome, uro, viii vocg, gü/üc ; pascadür, cassadür; bun- 
ddnsiuz generoso, mürfii amante; in posizione: cübhia pariglia di cavalli 
cöpula, iirdan ordine, /tcrma, cürt coxia, iürta, müstar inönstro-, 
cünüss cognösco, scüi abscönso-, lüza tönsat, jr/>2<i sponso-, 
SM *deösum; -orio-: rflcV<r ra so rio-, w/j-z'^/a messe) ria, falce, ür- 
didür orditojo. 

19. = in nn no, in tiiös, so suös, do, sto, oral orulo-, 
pioppa pioppo. 

20. ö = ö in tröja (cfr. Salvioni, Fon. Milan, p. 43 e D'Ovi- 
dio Grundriss 1 521 n.), Höd nodo. In tiiJi nös si ha il dittonga- 
mcnto che suol produrre siill'ü la nasale seguente (v. n. 32d; cfr. 
il lombardo nun Ascoii Arch. VIII 107, D'Ovidio Ibid. IX 56— 
57 n. A Fiorenzuola d'Arda nd, come vd uno). 

21. Breve. — In sillaba aperta ö = (5: möd modo, cröda 
cade *corrötat, röda ruota, fög, log, mala macina, föra fuori, cöz 
cuocere, cöv covone, bö bue e buoi ; -6I0-: tiinsöla nocciuola, arbiö 
*alve61o-, chinö *cuneölo-. Inoltre nei soliti nöra riuora, piöva 
pluit, scöd scuotere e scotolare, e nelle voci rizotoniche dei verbi 
irüvä e 7iudn nuotare.' 

22. II piacentino ci offre anche esempi di da ö in sillaba 
aperta: brod, scola, sali liscio sölido-, coma chioma, limnzna. INIa 
TApennino: brödu, scöla, söli (v. n, seguente). 

2-^,. Nella posizione il piacentino di citta non ama il dittongo: 
occ occhio, birocc biroteo-, oH, coli, son sömnio-, scopp schioppo-, 
bosc, oss, pgsl, nqtt\ -öceo-: iniscoss miscuglio ; -Otto-: inascolt 
raaschiotto; colga corica, vota volta, sod sol'do-, orb, morbi mör- 
bido-, torc torchio, cor da, cor an corno, zmorsa *ex4-n3Örtiat, 
torsa törcea ecc. 

24. I\Ia non sono pochi gli esempi di ö da ö di posizione, i 
quali abbondano spccialmente nel contado e piii ancora sulla mon- 
tagna : sikla zoccolo, födra fodera, vbd vuoto Flechia Arch. IV 
370 — 371, tögg e tö tolgo e togliere, vl'ij voglio, föja fölia, a möj 
in molle , imm ranno, dljja döiia, löj loglio, söj bigoncio solio-, 
zarviöj germoglio, löja noia, Tncö -\\bd\ü-, böss bosso, päss possum, 
^ös/w« bozzima , pözz pödio-, övra opera. Esclusivamente al con- 
tado appartengono arlüj orologio, öä' occhio, //// olio, .V'v7 sdiuic 
e sogno, cüssa coscia, coli cotto, ///// tolto. 



i regolari conlinualori di un -ut;'- di pluralu ridollu ad -ttl- per Tinllusso dul- 
l'-i d'uscila. 

• Anche qui 11 od ü da ö nei soliti: fnra foral, viil e vula volo e 
volat, sti'ima^ ; li'iran torno, Tuturan, stiiran Storno, fiiran forno, cii/p 
colpo; uss uscio, cüz consiio e consucrc. 



MO E, GORRA, 

U. 

25. Lungo. — ü = ü. In sillaba aperta: scüd, süg sugo, 
dür, zgüra risciacqua *ex + curat, ///~ fu«ü, mcüiafi *incudjine-, 
fiäficü dai larghi fianchi, travarsü dalla larga schiena; film, Ulm 
lume, piilma, ümid. In posizione latina o roraanza: brilna prugna, 
fuilsc muschio, lüss lücio-, agüssa acütiat, büst, siltt *ex-|-sücto-, 
carjialilss Beitr. 41, pillga *pulica, rilzna aerügine-; c qui vadano 

■pure 7nüll mulo e 7nütt muto (cfr. n. 98). 

26. ö da ü aU'uscita ci offrono pö plus, j-J^süsum e vö vos 
(cfr. il lomh. vil, che e pure di Fiorenzuola). 

27. Breve. — ?/ = u. In sillaba aperta: giila, cüva cübat, 
züv*]Vigvo-, güvan jüvi^ne-, tndfiva -flbi, crüz crOce-, iiia q tüva, 
süa e süva, du due femm., gümad gomito. In posizione: bücca, 
cudga *cut'ca, sagidl satüllo-, culam colmo, culpa, slüppa, sürd, 
siürpia *extürpiat, lürr, cürsa, crusta, russ rosso, rü// rüpto-, 
püvar pulvere-. 

28. Ma da ü: aU'uscita in io tuo, so suo D'Ovidio Arch. 
IV 408, IX 41, Flechia Ibid. VII 123 n.; in posizione in vargona 
D'Ovidio (jrundriss 517, miolla mediilla, znocc genüc'lo-, porc 
nella fräse figüra porca e sporc sudicio, che sara spürco contaminato 
da porco (cfr. Arch. IX 248 n.).i 

Dittonghi tonici. 

2g. Au, latino o romanzo: nra aura, venticello, fola, lodla 
allodola, al sora *exaurat. Dittongo secondario: toUa latta'^tabula, 
mota fango maltha, topa talpa, /o fagus Ascofi Arch. X 98, änl 
chiodo Flechia Arch. II 334 e D'Ovidio Grundriss 500. Anche 
qui il solito riflesso dell'au di cauda in cüa. 

In parole non popolari il dittongo suol risolversi o per dv: 
apldvz applauso, cdvza causa; o coU'immettere fra i due elementi 
che lo compongono un v che estirpi lo iato : Idviir lauro, Mdvür 
Mauro, Pdvfd Paolo, cdviXl cavolo. 

30. (,' = ä-i: cänte cantatis, salte; asse ad-satis; ändc io 
andai ; ici fe tu fai. 

31. / = e-i: si siete ; vdi videtis, tazi tacetis ecc. 

Influenza della nasale sulle vocali toniche. 

2^2. Nell'esporre, neue pagine precedenti , le vicende della 
tonica piaceiitina, abbiamo omesso di parlare delle speciali altera- 
zioni cui essa va soggetta, seguita che sia da nasale. L'importanza 
del fenomeno, che non c solo del piaccntino, ma che in esso ci 



' La montagna ha zcnöccu ginocchio, e comune alla cittä e piöcc *pe- 
düculo-. — ü da li di posizione si ha nei soliti cürt corto, pürga sost. e 
verbo, gücca ago, ?nücr mucchio, ciicümar citrioki. 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA. I 4 I 

pare abbia una esplicazione maggiore che non negli altri dialetti 
gallo-italici, ci ha indotto a raggrupparc insieme, in un sol capitolo, 
tutte le alterazioni dflla tonica che son promosse dalla nasale (v. 

n. 57 e 59); 

a) A dmanzi a n e a m di sillaba chiusa si riduce ad ä: pä pane, 
cä, dmä de-mane, riul, pramiä parmigiano, femra. säna^, taiia, pram- 
zäna; säni'^, iäni, ciinläiil, ändClml andando; camp, lämp, gämbii; 
anijtl, (ja?igüla glandola, mäntai niantice ; gambar, lambda lampada, 
sfinamhula. 

Ma l'a rimane intatto (senza nasahzzazione): i" nei proparossi- 
toni origmarii, dov'esso era od c tuttavia in sillaba aperta: cätiva 
canapa, änina anima, dura anitra, manag raanico, inänga manica, 
dnai anice; cdmra camera, avnfila tarlo; 2^ dinanzi a n gcminato: 
atm anno, patin, dann, inanna, catma. 

b) E ed i, di qualunque provenienza siano, si riducono dinanzi 
a n e a m di sillaba chiusa ad aeT: srai'T sereno, irail terreno, ovailna, 
qiundzailjia quindicina; (^ötTbene, saema ccna,yi7t^7 fieno; sa'elni sen- 
tire, «/ae^Tw/dente, jvatv««/ vendere, testamaiuni; dzaeTmbar dicemhre, ia'nmp 
tempo, saeimpar; vizael \\clno-, faa fino-, va'el smo, chaiFina cllnat, 
spaeina, faraana ; didaa ditino, maznaa diminutivo di raacina, ma- 
ta'elna; saeJ 'SÄwo-; lai'Tngva, bai'mda, saancu cinque, tradlnla, ma- 
zeing maggese; paeJndüla, la'emdna lendina; taampura, ia'fimpra tem- 
perat, aandaz indice, novo (cfr. loinb. mdes), sailngüra zingara, 
saeinija cing'la, praemsip principe; sailmplis, taampan timpano, 
timballo. 

Ma se precede suono palatino o palatile, allora l'(/<?7si puo restrin- 
gere in i: sempre in: pji pleno-; pasjinsa pazienza, sjTnsa scienza, 
hlijmt boUente, irunil sudicio, per trupnt da tröja, zgalnt part. pres. da 
zgai e zgaji gridare ; lapnt tagliente , sliidjTnl soprastante ecc. (v. 
n. 104); füjuia foglina , zii e ziJyia diminutivi di zio e zia ecc; 
iiint niente, ecc; 7i<«r Antonino, gum maialino, da gon ecc; uccT, 
dim. di occhio, picci piccino, ijvii gente, sarijini sergente, (iin(fJ da- 
merino ecc; ma lüzaelnt ecc. (v. 75). 

Ma le condizioni che sottraggono l'a alla nasalizzazione, sot- 
traggono pure l'e e l'i al dittongamento: zenar genero, tmar tenero, 
cr'imaz cremisi, sänaz un sornmesso , misura, ri'mga *remicat (v. 
n. 10); si'nar einer e-, pinula pillola, shnaz cimice ; crinna piccola 
scanalatura, pi'nna. 

c) o, qualunque sia la quantila sua, davanti a nasale si riduce 
ad v\ bu buono, sd suono, cappd, lissü, cürDno, padrdna; pdnt pönte-, 
mdnt, prvni, cZntra, brdnz, cvnca, cumpra ; gdndfda, cl^ndul ciondolo ; 
7tdtnbal *lonibulo-, tdmbüla. 

Ma, nelle condizioni citate per a c ed i, ad u-f-nas. risponde // 
od 0, senza nasalizzazione: ///////i,'«? inönica, betunga erba l)elonica ; 
pümza poraice, dasiümga stomaca (verbo); donna, cülonmt. 

* V. per la pronuncia n. 5g. 
=* V. n. 59. 



14^ E. GORRA, 

d) u davanti a nasale si dittonga in in : vöt uno e suoi com- 
posti : prln per uno, quärcUn e qudidöl alcuno e alcuni, a7i':öl nessuno ; 
inoltre Unna luna , dnna cuna, ^^/cw digiuno, fürtöTna , al Cmln it 
Comune. 

Ma in posizione da lo stesso riflesso di o: hzdnl bis-f-üncto-, 

pont puncto-, imojit -emüncto-, ariwnsia renüntiat; tronc trün- 

co-, ;«5«^ mundo-, sTmza axüngia; pidmb plüiubo-,. dmhra ümbra; 

.dmja üngula, sponz pOngere: romp rümpere, rdmpaii rom- 

p o n o. ' 

E anche qui normalraente: innga tonaca, ümda umida; vi'mna 
una, prünna per una, ansihina nessuna. (Per le nasali atone v. 
Aggiunte). 

Vocali Atone. 

2,2^. Frequente l'aferesi, specialmente di a e di e: d^ss allato 
ad ad^ss, diiccd adocchiare. Iura allora, rüvd arrivare, piiit appetito, 
sassa'ei assassino, pTndissi appendice, baiä abbaiare, häjidfmä, bündänsa, 
ghid pungolo, bniiga, h'gria, Lissändar, lodla allodola, marasca^ ristü- 
cratic, ri'sca arista, sonza axungia, spdrz e spdraz asparago, sprella 
'asperella', strolag, vert aperto, vi avuto, zerb acerho •,^dücas/d, limozna, 
pataffia macchia, da ' epitaffio ', 7-izia eresia, vesc e ve'scüv, razai'T fan- 
ciullo, se da heres Caix Studi di etimologia romanza n" 478, cü- 
Iwnia economia; nel prefisso ex-: sürd lasciar evaporare il sudore 
*exaurare, sütt *exsucto-, spaltd, jr/^r/ in buona salute, 'esperto'; 
extra-: stravacd rovesciare, siravöd -vuoto; — läja noia *inodia, 
nlnsä sfe da initiare (v. n". 92, 94), fiürättt ignorante, rflndätia 
rondine, stü isto-, lahä italiano; — ni vota ogni volta, rezz il sa- 
grato 'orezzo', scür; — bfiraei uberino, bübba *upüpa, na donna 
una donna. 

34. Frequentissima e l'elisione delle atone interne, spe- 
cialmente di e e di i. Etlisse di prima protonica — di a: gleit 
solletico Flechia Arch. II 323, zndr januario-; — di e primario, 
oltre che nei casi di cui al n. 36, in bdd pedone, bzd pesare, dga?}i 
tegarae, dmä de-mane-, dzaeimbar dicembre, dz'öi digiuno, frd 
ferrato, inferriata, fla'eina fettina, mddja medaglia, vidänl mietitore, 
mzddar mezzadro, mzdda mesata, Xe'ngd e annegato, «OT<<f n e p o t e-, 
pcd beccare e peccare, pla'elna dimin. di pelle, pjiell pennello, 
psaei piedino, psiga vescica, plill appetito, schaeJ zecchino, sla'elna 
. dirainutivo di sella , spcds specchiarsi , sprella asperella , sra'el 
sereno, sreza cerasea, stcd steccare stld stellato, sttnäna settimana, 
zdass setaccio , zgd segare , zgüra scure, zld gelare , z?}iell ge- 
mello, zzael sesino, tldr telaio, llo telone, tndja tenaglia, trael ter- 
reno, tsddar tessadro, vcd vecchione, vlüd velluto, vfä venire, vritd, 
vtüra vettura; di e secondario: mnd menare, ynsdl messale, anld 



* Eccezione fanno öindai undecim, per influenza di vöi (cfr. lomb. 
vündez), cölnt conto (cfr. lomb. cünt) e autöt auUinno (lomb. autün). 



FONETICA DEL DIALEITO Ol l'IACENZA. 143 

nettare, nv<t nevarc, pia, plnz, pso accrescitivo di pesce, scä seccare, 
snd accresc. di segno; — di i: brclla birreto-, inc dvii mi pare, 
dziva dicebam -at ecc, mn^stra, vinüd minuto, aggettivo, pttiss 
*pittacio- Caix Studj n" 448, vdiva videbam ecc, hiönl, dzarlür, 
diiUal un disutilaccio, Iscvad *dissipido-; — di o: c?nänd, 
cnic corae (cfr, Salvioni Arch. IX 255), andr comarc, criissi 
corruccio, vre volere, cnunsd, cmTnsipiä corainciare, crüdd cadere, 
delle frutta e dei fiori *cum-j-rotare, cse. cosi; — di u: psügd 
buzzicare. 

35. Ne meno frequente c Tctlissi di seconda protonica — di 
a: öassmaeT specie di uva, da balsamo, parmür in causa, 'per 
amore' Ascoli Arch. I 21Q n., dastümgä '&\xycas,caxQ, sbavid sbavaz- 
zare ; — di e primario o secondario : iihdi obbedire, hactailna bac- 
chettina, cadmiss catenaccio, cadnil porta catene da camino, adsadfss 
adesso-f-adesso, vialdisid, rfimnd numerare, con metatesi reciproca, 
bändelt benedetto, cänd/er, lündc lunedi, qiiindzaeJna quindicina, cün- 
ftüra, inzmis ingegnarsi, caplä, capldr, cargaeT da carcga sedia; piw- 
släna porcellana, rnarfld martellare, sarvcll cervello, pfissid posses- 
sione, rastld rastrellare, sizlä cesellare; -ello- caplaei cappellino, 
</«A;(7 anellino, cürtld coltellata ; -etto- cartalu carrettino, cravtai'T 
caprettino ; — di i : Tndvind, ürana da uricca orecchia, cargd cari- 
care, arjtiella noccxoXo *aniraella, nijwi*' usignuolo, />2<i-/a positare, 
ruzgd rosicare, iuzgd tossicare, viaznd macinare, azndda asinata, in- 
cavcd *inclaviculare, cavdu alare *capitone-, cavddl cappezzolo; 
'-igiano-': pramzä parmigiano, hurgzä borghigiano ; — di o : ciügd 
coricare collocare, cumdä accomodare, räntld rantolare, arlo(j(j 
orologio, armätag puzzo, da aromatico, lavrer cane leporario-, 
lavroti lepratto, savri sapörito; nei diminutivi e accrescitivi: tavlail 
tavolino, diavlass diavolaccio, ecc. 

3Ö. AI nesso risultante dalla sincope si rimedia col premet- 
tervi un a, il che avviene di regola quando la voce incomincia 
per liquida: atcd leccare, alst'a lisciva, alne.ra legnaia, alvd levare, 
alze'r e aldze'r leggiero; prefisso re-: urbdlza botola, arbatl ribat- 
tere, arcalzd rincalzare ecc; arlichia reliquia, arvaeina rovina, arzä 
Reggiano; — angd annegare, ansät nessuno, antd nettare.^ 

37. Nc rari sono gli esempi di etlissi di postonica interna, 
specialmente di i; — di a: lämbda lampada, cdnva canapa, spdrz 
accanto a spdraz asparago ; — di e : födra, camra, vipra e lipra, 
passra, ie'ssra, biizra buggera, lottra, l'wra opera, iilsra ulcera; — di 
i: cudga cnti ca, perdga pertica, f/ie/ga melica, pü/ga *pulica, fumna 
femmina, laeTndna lendina, iünga tonaca, da tunica, münga raonica, be- 
iünga erba betonica, mänga manica, lüganga salsiccia *lucanica, anma 

' II Nicolli, Catalogo, cila anche le forme Alzia Lucia, arbüst robusto, 
armitr rumore, ma a noi non fu dato nc di leggerle altrove, n6 di udirlc. — 
II fenomeno h qui meno frequente che nel romagnolo. — Talvolla alla sincope 
si rimedia anche col lasciar cadere la consonanlc iniziale : ili venire, per *vni. 



144 E- GORRA, 

änra anitra, nasta odorato dei cani *nasita, süzda soccita, 
quarezma , creztna , bözma bozzima , limoina , dzna , calüzna , cretta 
*credita, grdvda gravida , cdvga chiavica; — di o: rümla da 
re-j-molere, büssla bussola, brizla briciöla, idvla tavola e vedva 
vedova. 

38. Anche il piacentino, come il roraagnolo 1, raostra una 
spicxata predilezione per la vocale atona a. Esso tende quindi 
non solo a conservare l'a originario, ma anche a risolvere in a 
ogni e od i atono. 

a) a da e di prima protonica : nahhid accresc. di nebbia, bacco 
accresc. di becco, spaca dimin. di specchio, sadio sediolo, radaana 
dimin. di rete, viadgö medicastro, madzaeTiia medicina, tajäiar teatro, 
bialael tegamino, da 'biella', malgd accresc. di raelica, palpinana 
da Perpignano, svaliessa da svelt, Gialtrüda Geltrude, bandät bene- 
detto, gaitrai'T dimin. di genere, tanra'el. tenerino, dars^.tt diciasette, 
tasio accresc. di testa, fastaeina festina, vastaluna vestina, bastio bes- 
tione, rastd restare, hiastd innestare, dastai'i destino, caziöla chie- 
suola, dazdoit diciotto, daznöv d"ciannove, dazdd destare, razdür reg- 
gitore, razgd re + secare, crazmd cresimare, lattaeT lettino, pratd 
accresc. di prete, chiaiael quietino, 7mblaUd imbellettare, Intavdi in- 
tiepidire, lavrott lepratto. lavrcr levriere 2; saraei sereno, accanto a 
sraeT, sard serrare, arbetta, cvarcd coperchiare, mar cd mercato, 
pardd, bargafnoit, cargd chiericone, vargona, sargmt, marlott, par- 
laelna perlina, Barndrd, parniza pernice, varniza, arpagd, sarpaeJni, 
tarsarö terzaiuolo, tnvarsd rovesciare, jarsira, bartavclla vertovello-, 
/>ör/ö^<7 perticone , sarvell cervello, narvd , sarvissi , farvd da 
febbre; par- = per-: par fd per fare, parfpt, e qui anche 
/>ar/ci«</ profondo, spar/ündd , parfüm, parsütt prosciutto ; int er-: 
mtarmczz, tarnagd puzzare *inter-f-necare; tarbiä trebbiano, 
cardaetnsa credenza , armadio , tarzaant trecento , pargd pregare 
(cfr. no. 96). 

/?) ß da e di seconda protonica: Giüzappael, ßnastro, mazard 
macerare, mataridl, lizarö leggero, accanto a lizrö, tazarq tacerö, 
tazarev accanto a lazrö tazre'v ecc, difaraeint , läntamo , dzartür 
disertore, libarid, divartis, lüzarld lucertone, cünsarvd e Fränsascael 
Franceschino, cüntassa'elna. 

y) a da i di protonica: balänsa bilancia, salappa cilappa, sal- 
vddag, rnsalgd selciato, sänijüll singulto, mastürd, dasprd; dazmTngd 
. dimenticare, dasfd, dasped; bascavi'ss scampolo, bascotl, bar Hirn, zbar- 
liizd; -ar- = -ir- in Vargifiia, marinell dito mignolo *mini- 
mello-, marrndja, martell \egno myrtello-; bargüz hrigoso; — vad- 
raeina vetrina, vadi videtis, accanto a vdi ecc, sanrö accresc. 
di cenere, pascadür, Tncraspd, tn^assd ingessare, mazdd miscitare, 



» Cfr. Mussafia, Darstellung ecc. § 125. 

"^ II Nicolli op. cit. riporta anche samnd Seminare, spaddl spedale, abrei 
e abrdll ebreo; Atah Italia, crastiä cristiano, master mestiere. 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACRNZA. I45 

straüan dirain. di strctto, mattiva ecc. mittebam, Impavrd coprir 
di pepe, pavnri'Tmj erba, pavrö peperone; sarai ccrcare, vardd da 
verde , sfardi raffreddare , svargassa colpir con vcrghe , furgd 
fricar e. 

6) n da e di postonica: ölndaz undecim, dhdai dodici, ccc. 
fino a j<"(/r/c' sedici ; slraeitizas stringere-|-se, ;«(7/<^/^ mettersi, bürhar 
burbero , libar, piffor, vcspar, t'eiiar tenero , i'enar genero , scnnr 
cenere, yniar genere, pcvar *pipere-, sizar *cicere-, Idtar lottere, 
caddvnr, povar, (JHvan juvene- (raa nei feraminili e nei derivati Va 
cade: povra, ianra'el tenerino, tncadavri). 

8) Diffusissimo c Va da i in postonica interna : per sag persico, 
manag manico, cerag cherico, portag portico, dazmc'slag domestico, 
aggett.; milntaz mantice, pölaz pollice, ürt'vaz orefice, sä/az salice, 
cdmaz camice , simaz cimice , dttaz anice; Icvad tiepido, tsc'vad; 
Tticüzan *incudjine-; dzütal un disutilaccio, üial (Nicolli); üllam, 
lüsln'ssani, dllam attimo (Nicolli); ürdan ordine, pclfan , drian; 
dzan asino, frdssan ; salvddag ; güniad gomito. - Inoltre nellc se- 
conde persone singolari d' imperativo : cr'cdam credimi , möval 
muoviti.2 

3g. Si altera in a anche 1'^ vocale irrazionale-*:' niediocar, 
sdcar, alc'gar, mdgar, utübar ottobre, dzainmbar, sdvar saure, dtar 
altro, mhstar, Iddar, pddar. finc'siar finestrc, squddar squadro, e 
cosi tutti i plurali femminili che terminano in Muta-f-r; inoltre 
coran corno, Infcrati, gurati giorno, vidram marmo, vc'ram, cnlam 
colmo, filam olmo ; mfcatirzam, rümatizam ; tie'rav nervo, sc'rav serve, 
se'lav sehe. 

40. Sono casi sporadici di i da a protonico interno : dami- 
scha'dlna o mischaelna prugna damaschina, ligilr ramarro, se da 'hin- 
guria ' Caix n** 378, e in vicinanza di palatina: cicard chiacchie- 
rare (cfr. iacra chiacchiera). In viincra, viisid immagine di santo 
*majestate- e Ghuitä Gaetano r*ei si c contratto in z'.^ 



' I feminili corrispondenti sono mdnga, tt'vda, ültma ecc. 

'•* Rari sono gli esempi di a da o, u in sillaba protonica : sparpüiit 
sproposito (v. anche n. 38a); piü frequenli in postonica: nei suffisso -ulo-: röial 
rosulae, söccal zoccoli, buccal orecchini bucculae, hrügal foruncoli *bul- 
luculae, U'\dal allodole, muffal specie di guanti, nüvnl nuvole (i singolari 
• orrispondenti sono röila rosa, söcla ecc); vifdav viduae; numbal lombulo-, 
süfal zufolo ; nüval nuvoloso nubilo-, strolag astrologo , Jdciim; liivii/ 
rovere robure-, snlfar sulfure-; nei gerundio cui si unisca un pronome 
ciiclitico: vedaeltidam vedendomi, s~ntae~ndat sentendoti; nella scconda plu- 
rale d'iniperalivo pure in unione con prononii enclilici : baihmas baciamoci, 
Inündumas intendiamoci ; nella desinenza verbale -unt della IIT e IV coniu- 
gazione: rötnpan rompono, diian dicono, dorman dormono. -ar- ila ru- in 
barnö dimin. di prugna; a da u in gargaid gola, da gurges (v. n. 91). 

•* Crf. Mussafia Darstellung ecc. §§93 — 96. 

''Anche qui /wt/r/a e /«t/rfytf Andrea, con immislionc del prelisso in- 
(cfr. Ascoli III 443). Esempi analoghi sono: ~ngüria cocomero, accanlo ad 
iltigüiia, 7mbisi(f ambizione. Oui si ricordino anche Inmitä iniilarc, Ttdiiciif 

Zi'itüclir. f. roin. Tliil. XI V. in 



146 E. GORRA, 

41. E invece normale 1'/ da e che si trovi: i^ nell'iato : 
galioit , aridl giulivo *leale-, sim senior e-, fort-V/ beato , miolla 
medulla, criänsa, piöcc *pedüculo-, lio leone, so ja so io?; 
20. in vicinanza di palatale: Giröm Jeronimo, nnpinds impeg- 
narsi, par Vavin per l'avvenire; 30. davanti a nasale: /;/;/(~ be- 
none, al rino le reni, dazrinds rompersi le reni, trinüss peggiorativo 
di terreno, timpg'sta, twipe'ri bufera, ilmprd temperare, llmpi empiuto, 
pTndissi appendice, difindwa, mündiva intendebam, tmdaeina ten- 
dina, mindd emendare, cardinso armadio, atttnsid, pTnsd pensare, 
pinser, dvinid diventare, sttnid, pTntis pentirsi, stntcr, tazintd tacere 
Beitr. 114, smtiva, örc-ftt/rt risciacquare *recentare, rfT/z/ö morsicone, 
brintür brentatore.i Inoltre sicilr, sicüra, sidiva sedebam ecc, 
pigüro pecorone, angil, piligraeT, Lissändar, Tirizai'T, C7-isiiv, dizaana 
diecina, viild, lizrö leggero, sizld cesellare.^ Rimane poi intatto l'i 
originario davanti a nasale: spino allato a spai'ma spina, ß?u' a 
füi'T finire e fine ecc. 

42. Per l'attiguita di consonante labiale, a, e, i riduconsi a 
vocal labiale nei seguenti esempi: hmiibdz bambagia, sümdri, mür- 
lüs (contado) merluzzo, accanto a mai-lüss, biilso staggio; e in po- 
stonica: Bdrbüra, zevül cefalo; — sünmd Seminare, diivc deberc 
in tutte le sue voci arizotoniche, büviva io beveva ecc. , büvro 
beverone dei maiali, büraei uberino, biasfümd bestemmiare, »liaidga 
armeniaca, nel contado, mdÜ7nid vindemiare Nigra Arch. III 21; 
— raslübbid da *stup'la, strmibld stimolare, e in postonica: ätium 
attimo, ncspid, semfila farina Canello Arch. III 334 — 335; siüvdj 
stivali , fübbid fibulare, spüg/d spigolare, lü?nal maiale (rustico) 
vümnd viminata, sümd cimare (cfr. per tutti il n. 13 n.), Püfäni 
Epifanio, Püfania, pünäta pentola *pineata, büzöna (e bi'gna, cfr. 
pel toscano Canello Arch. III 341), vizübüi (Capra), fiiidvfd fitta- 
bile, Tnipüssibül, passäbül e mizerabül (Nicolli). — Inoltre in piü- 
nctla oroscopo , piund piallare, bastünddag pastinaca, /n7?i faina 
Nigra Arch. III 10, scändül , saangnra vecchia strega, zingara ; 
piüvida pipita, da *püvida, süßd zufolare, rüvd arrivare (nel 
contado). 

43. o atono si riduce sempre ad ü {n): üdür odore, fiaj 
dimin. di occ, uvarö da öv novo, nulndass da mond. Esempi di ü 
da o interno sono : büdidl hoteWo-, cilcd accoccare Caix Studj 
n" 136, j/«r?ü storione, cüzi cnciio, cüzael cngmo, cüzaetna coquina, 
filzig viülaei, scürid frusta *ex-|-coriata, üztnara'el rosmarino ; e 
vicino a palatale: cücdr cucchiaio, cünd cognato. i per -io- pure 
vicino a palatale ci offre cicüldt cioccolato. 



illusione, vmpnteca ipoteca, Indea volto (contado), Ingi'trd augurare, Jmharidg 
ebriaco-, Tnzibi esibire, Ingudl eguale, instihiasw oslinazione, Impüniö oni- 
nione, Tnguaelnt unguento. 

' Aväntur avventore farebbe eccezione, ma forse il primo a vi ha cliia- 
mato il secondo. 

- Piuttosto contiazione di ie in i si aviii in pitänsa pictanza, palz *pa- 
je nse-. 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA, 147 

44. Esemplari di / da u sono: cJuTiö ^cuneulo-, binö forun- 
oolo Diez Et. \V. 73,5" ediz., fiTnsö/a nocciuola, e nell'iato : Itins 
bifolco, accanto a /»'ft/s se da hubulci, pivell se da puello-. 

45. Atone all'uscita. — Di regola incolume l'a dapper- 
tutto. Cade nei participii pcrfetti, i quali hanno il femrainile uguale 
al maschile, ma dove potrebbe anclie trattarsi della contrazione di 
-äa: viäii^ä = -äto- -ata, e nei norai propra in -ina: Rüzail 
Rosina. 

E cade: fcd, sed sete; // donn le donne, ü scrav le serve, 
alegar allegre; manyd mangiare, idz tacere, lez leggere, sa'cini sen- 
tire; cäntäss cantassem, taziss, mätujariss =^ -issem; saancü 
quinque, s(^l/, tiöv nove ecc. ; 7ndl male, bail bene, finalmallnt. 

I permane in : cavdj cavalli ecc. ; müj muli ecc. ; fradcj ecc; 
sccüi secoli ecc; ne rimangono le traccie in fe, sie, de, tre, se, 
gh'e, ve tu fai, stai ecc; parle voi parlate (v. n. 30). 

o di regola cade. Rimane in slü isto-, e si tratta di voce 
proclitica. Ne restano le vestigia in co capo, caü addio, "da 'schiavo'. 
E 'sub judice' se do, fo ecc. si ripetano da *dago ecc. 



Dittonghi atoni. 

46. A u. Aferesi : scül/d, GüslaüT. 

47. Ell. // da eu: Üfhnia, Üichbi. — ü da cu: rumatizam 
roumatisirio. 

Co^isonanti Continue. 

J- 

48. Iniziale — intatto : y?°^i/(7t7 Giuseppino, Jäcavi e Jä- 
chm; — (/ = j: f//is/ ju\io-, fjüzwi juvcnc-, (jüiepp', — ^=j- 
za jam, zi'ig joco-, ziiv *jugvo-, ziird jurarc, zncvar juniparo-, 
zndr Januar io-, zdncla correggia pe' buoi As coli Arch. 1 303. 

49. I n t e r n o — c = j : dziuui d e -f- j f j " '^ '^ '' '^' » ^(/cWvXi^ mag- 
gese, pezi pejus, Inilül stanga bajulo- Beiir. 36, Caix Sludj 
n". 180.' 

50. J implicato. 

«) Ij: dj allio-, cavdj cavalli, h^j belli, fradcj, vuldja *.mo- 
tallca, mija mi\ 10-, pd ja, vöja, w/?//«/ *molleare, y/rV figliuoli, nmi't'r 
*mulicre-, pnstid i)OStigliono, pajass, niinr meliore. 

,:/) nj: vitia, riänca neanche , Ttlnt nientc-, sinnr, Ihvi , mun- 
lana, cavdi'nia (v. n. 3), chdim pomo cotoneo-, Ttm Antonio, pa- 
drih, madrina. 

-/) rj : V. n. 4. 

d) mj : di regola intatto; socondario in miolla medulla. 

f) dj: il rillesso di un dj seriore r _v : .V''///<7/// dianianlc, (fdvul 
diavolo, mcrijäiui la nicridiana, (jnlv'ja Dio Io voglia !, (jnsst} Dio 

IG* 



148 £■ GORRA, 

sa! ecc; per l'antico dj: 6ü *deosum; rö;;;' radio-, 7nrzz, mcüzan; 

— cadde il d in löja noia *in-|-odia, Tficö -ho die-, jiUa adjutare. 

Tj) cj: brass braccio, fassia faccia. 

{)•) tj: cmifidaansa, bündänsa, li7isl'> *linte61o-, sarvissi, a/li'ssa; 

— s = -tj-: dasprczi offesa, nüränlizia ignoranza (contado). 

C) stj: il riflesso popolare e sc: besca bestia, bascd bestione 
(cfr. il beschia dell'Arch. II 449), brnsca spazzola brostia, ecc. 
Anche qui üss hostio-. 

y) sj: ceza chiesa, Bidi Biagio, y'öiw i'd^inolo, parzö prigione 
prehensione-, cazera luogo dove si fa il cacio, da caseo-, bdz 
basio-. 

2) v]: füppd da fovea Beitr. 116, Ascoli Arch. I 414, 510. 

L. 

51. r = 1. Iniziale: na^'w« *luscini61a; interno: wr volere, 
vriva ecc. volebam ecc, drbi truogolo alveö-, quarc qualche, 
arcqva, sürc solco, marvdz malvagio, carcdh calcagno. 

52. « = 1. Iniziale: ?tilia (e liiia) fango, se da *liquida; 
interno : cnniüra coltura dei campi , crininrael uccello che sta 
sulle zolle, bändoria baldoria, gimd e guno sorso, accanto a giüo 
da gola, bd7i(ja e bonza vaso dei ramieri, bolgia, mdjiz mungere. 

53. Dileguo di 1 interno: dinanzi a dentale: cdd caldo, säd 
saldo, ascüd, mado pastone da maltha Flechia Arch. IV 37, sod soldo, 
gdd giallo, dtar altro, vota volta, vüia)- oltre, dt (e dU) alto, said e 
sdt (e sdlid, sdll), tot tolto, cütar coltro, scüta ascolta tu, piita polen- 
tina, patona polenta di castagne, da *paltona, lat. pultis Caix Studj 
n'\ 442 ; dinanzi a sibilante: düs dolce, biüs accanto a biids bifolco ; 
dinanzi a labiale: sufrael fiammifero, da solfo, scafaroit accanto a 
scalfarott Beitr. 103, cüpd *accolpare Caix Studj i t,"] , papiJiäna (e 
palptnänd), sdvia (e sdlvia), saviella salvietta, püvar polvere ; *-ölo- 
arbiö truogolo *alveölo-, chinö, fiö (v, anche n. 50a). 

54. L implicato. 

a) pl: pö plus (cfr. Ascoli Arch. I loi n.), pigd plicare, 
sanuipi simplo-. 

/3) cl: iniziale: rä»/^' chiamare, cdr chiaro, tv/z'chiave; interno: 
firura orecchia, cavicca, masc masculo-, miscd; ma itidja *te- 
nac'ia. 

7) gl: (jända, säfujütt *singluto-, f/ass, str/(/(ja striglia, dfif/a 
*u n g' 1 a. 

6) tl: sü'ta *sit'la, v^cra, scgpp; ma saiVd e scürld scuotere 
*crotlare Ascoli Arch. I 59 n. 

fc) i\: fracca quantitä, moltitudine, se da flaccare Beitr. 59. 

R. 

55. Cade all'uscita piacentina dell'infinito dei vcrbi: mdtiijd, 
tdi taccre, durom dormire, mär morire. Inoltre inyiV fuori; ncl nesso 



FONETICA DEL DIALETIO DI PIACENZA. I49 

str in tioss nostri, vnss, mussä mostrare, delle vergogne; nella voce 
d'imperativo väi/a guarda! se pure non v'ha inlliiito 'vcdi-re' o 
' badarc '. 

56. /=r: fra vocali : ma/üssr'r mediatore Flechia Arch. II 
II 363 ; dinanzi a consonante : ibdlhi barbio, pcsce, palpignana da 
Perpignano (cfr. n. 53).' 

]M. 

57. Semplice, fra vocali, o finale, si pronuncia come se fosse 
geminato ; quindi äima o aimma clamat, füm o fümm furao. Se 
gli segua originariamentc consonante fa assumere un suono nasale 
alla vocale che gli prccede: gamba, tromba (v. n. "^2^ 5g e Aggiunte). 

58. « = m iniziale: ucspül mespilo-, riiss livido, raezzo *mitio-; 
all'uscita latina : so sum, cd cum.2 

N. 

59. Nei casi di cui al n". t^i, esso fa assumere alla vocal 
precendente un suono nasale (che va col tempo sempre pin affie- 
volendosi) se mediano; all'uscita si riduce a un semplice strascico 
nasale. Per esprimere questa differenza nella pronuncia abbiamo 
solo nel primo caso mantenuto il n (o il m). Perö nei femminili 
in ^n^' lo strascico nasale d'uscita del maschile permane , ma il 
;/ ricompare, e nel singulare si unisce alla sillaba seguente, quindi 
sd sano, femm. sätia cioe sä-\-na, e cosi tätia tana, Idna lana, bona, 
pjlna piena, lölna luna •', e al plurale: // iän le \.?Lne, pj7n piene, 
/'ac7n fini, cioe // tä-\-n, il pj7-{-n. 

60. Cade, iniziale, in änchaeT tela nanchina ; interno in siür 
seniore-, lüdria lontra Beitr. 74 — 75. 

61. /= n interno: cülumia economia (cfr. pero n. 92).' 

V. 

62. b = \: iniziale: bartavoüa vertovcll'o-, biöla bigoncia, 
'veggia-f uolo' Beitr. 120, bdiia *vasea Ca ix Studj 187, bazloit, 
baililla e baziöla mento , briigla se da *verrucula Ca ix Studj 
n". 224, V. n. 92, balcd dimininuire, sceraare, valicare; e con b rin- 
forzatoin/, per cfTetto della sorda seguente: psiga vescica. In- 
terno: drbi, ärbiö truogolo, zbiM svignare, cfmiiibia da *coniugia 
*coniuvia Flechia Arch. III 132 — 133. 

63. g =v : iniziale : guniitd vomitare ; interno : üga uva, 



' Un esempio di ss da rs ci ofTrirchbe Tmbi'issd chiuderc un vaso capo- 
volgendolo, da invorsare (v. perö Ascoli Arch. I 60). 

- Esempi di m sviluppatosi dävanli a labiale oflrono i sülili strStnb 
strabo- e lämbrihca. 

. •* Nc {,'li scrillori vcrnacoli, nc i vocabolari conlrassegnano il suono na- 
sale ; lultavia l'Auguissola nel suo Vocabolario incdilo scrivc : pjin-ua, pion- 
?ui, lun-na ecc. 

* Tiirli c Inrlid'ur proverranno da tornire o da lornulirc ? 



150 E. GORRA, 

spagheU tinxore, da. pavor, pagüra, 2l>agüh', sag ü// satoWo *savullo-, 
st'gfäa cipolla (cfr. n. 94). 

64. /=v: iniziale: Hpra (e viprd) Flechia Arch. II 358; 
interno: (jügüla *jujuva = jujuba Flechia Arch. III 172; al- 
l'uscita forse sä sego *sevo- (v. n. 7). 

65. ^y = SV iniziale in sfi'ila civetta.i 

66. Dileguo di v : Tndümiä vendemmiare , ürda (accanto a 
vürda) guarda ! v. n. 4n. ; viända carne, da vivanda, vesc allato 
a ve'scüv , pgr povero , in proclisi, scrüa donna scaltra, allato 
a scrüva , bfu e htm bevuto , da eh da venire (Bongilli) , ändd id 
andar via, al n'iU egli non vuole (e al na völ), al n^ürdv ei non 
vorrebbe, a g'öl ci vuole, ecc, stüd e sülvd ' stufato ', lo stracotto, 
sMa stufa, s/üo stufaruola, süar (e süvar) sopra. — II nesso vr si 
riduce a r nel futuro e condizionale del verbo 'sapere': saro sapro, 
sarev saprei, ecc, e del verbo * avere ' : g'aro avrö, g'arev avrei. 

F. 

67. 27 = f interno: ürc'vaz orefice, Slc'van, ravanrll rafano, 
scrüva scrofa ecc. (v. n. precedente). 

S. 

68. Iniziale e caduto in pdnga spugna öJiöyyoQ. 

6g. Cade all'uscita latina; ma anche nel piacentino ne ri- 
mangono le traccie in sei sex, sc pur non c foggiato su d(p, e in 
sisla sii tu, in fräse imprecativa (cfr. As coli Arch. II 418 n., Sal- 
vioni Fönet. Milan, p. 223 n.). In strazüra fuor d'ora, e strazür- 
difidri v'e fusione di extra- e di trans- Flechia Arch. III 14g. 
All'uscita piacentina cade in var verso (cfr. Ascoli Arch. III 272, 
n". 74 ; cfr. n. 8 n.). 

70. jj=:=-sce-, -sei-: cri'ss crescere , fass fascio, asst^'lla 
ascella. 

Consonanti Esplosive. 

C. 
Dinanzi ad a, o, u. 

71. Iniziale scade sovente a g: gavdö (e cavdd) alare *capi- 
tone-, gümbind, gdbüla inganno e cabala, gabüz che risale a Ca- 
put Beitr. 62, gärd cardo, gauu^lla *camer'la; nel nesso er-: 
graeingul gx^.v(\\^w?i, da cxin^i, gradzii IIa graticella, gravalo crabone-; 
nel nesso sc: zgablae'T, c^j^czM masticare, c^^/iVv/ risciacquare *ex-|-cu- 
rare, zgüra scure, zgardüssd cardare e carminare, s^^^azcV/« da scdja. 

72. Interno fra vocali degrada di regola a g\ zog giuoco, fög, 
lüg, cnntneg con meco, fig, fidag, vnbaridg ecc, psiga vescica, viadgd 



' sg da sw ci offie sguissar monello, cioc svizzero. 



FONETICA DEL DIALE T TO DI PIACENZA. I 5 I 

medicare, pargd pregare, lüganga , zgd secare, Tnsalgd selciato, 
pü/ga *pulica, mi'/ga melica ecc. ; gr = er interno: mdgar c 
mdgra, sdgra dies Sacra. 

73. -CS-: /(? j.w' 1 a X a r e , ftss, Lissändar, frdssan, fossag io^'^ico, 
sam sciame ; — ('Zijl'Tnipi, ezäm. 

Dinanzi ad e, i. 

74. Si riduce a j' (f) iniziale: sira cera, saana cena, smar 
cenere, sizar cece, scrc cerchio, scd codere, snd cenare; ma cin- 
tc'zim centesirao e in altre voci dotte ; — dopo consonante : pnr- 
sell porcello, pürsläna porcellana, prnislpi, düs dolce. 

75. I\Ia piu spesso si riduce a i\ pdi pace, idz tacet, niii, 
Cruz, sd/iiz, diz dicit, dudoz dodici, ardüz reducere, uzell, düzacinf, 
cöz cuocere, cüzaeTna cucina, niazard imbibire, 'raacerare', fürndza, 
lüzaeint lucente, razanrll schiantolo racemo- Caix Studj n" 114, 
laza'elna ascella lacinia Beitr. 72, li'derta, mü/zael morbido, 
'mollicino' Beitr. 80, vTndzell venticello, vzinänsa, zerb acerbo, 
aizJnld risciacquare *rec:entare; — dietro consonante: slorz 
torcere , s/razz fragile , da fracido , fradicio (cfr. lose, sozzo = 
süccido-).^ 

Qv. 

76. ch ik) == qu: cht, chiet , lüch^lla loquela, arlichia, chisii 
questi (piur.), chilli quelle (e quisti, qiaUi). 

'j-j. ^6' = qu: acva aqua, pascva. 

78. Rimane intatto in qtudlar, quatördaz, quacindaz, qiiddar ecc; 
e, finale, in sa'ancü cinque. 

G. 
Davanti ad a, o, u. 

79. Si dilegua in stria slriga, ksiä agostano, dna doga, mia 
(e viigd), zkv *jugvo- Ascoli Arch. 1 gi, lemm legurae Flechia 
Arch. II 58 n., fo fagus, sia porca di terra, che il Flechia ' deriva 
da un 'sega' Arch. III 128 (cfr. per IV n. 41). Per vajd [ilndd a 
t'<y<J andare a zonzo) da vagus 'vagone' v. Flechia Arch. III i6g. 

80. gv: la'cingva lingua, Ingvannl unguento ; — all'uscita pia- 
cenlina si riduce a gü\ sängu sangue (cfr. sai'Tncu, n". 78). 

Davanti ad e, i. 

81. :'=<):: iniziale: zld gelare, znorr ginocchio, zi'nar genero, 
zinziva gengiva ; — interno : rüzna ruggine , Tnim ingegno , lez 
litggere, accnrzas accorgersi, piiliii piangere ; ma Ungil , (irgTnl, 
vfrgina e cosi in allrc parole dotte. 

82. Dilesru" : "/'>V/,;;- .■ in.riiK/.ir m :i ■■ i-i fi- ■..li:'//.! ^anilla. 



' Dileguo di c fra vocali nci solili viU *vocito-, di dicerc. Per fa- 
cerc V. Asiiili An-h. I 81. 



152 E. GORRA, 

T. 

83. Tra vocali scade di regola a d: büdoll , padella, pnde 
potcre, spädfda, idass setaccio, bida bcta-, stuia, pr^'da, idella si- 
tella; dr = ix: päda?-, mddar (e pnr, mar), vr'dar vetro, Iddar. 

84. Cade nelle uscitc verbali : «w/r' andate, j'?«// sentite ; nelle 
desinenze -ato-: pro, sid\ -ato-: caräd; -ito-: nifij'i. Inoltre in 
azf aceto, se sete (accanto a S{'d)A 

D. 

85. Non e raro il dileguo di d fra vocali: nid *nidata, piöä: 
pidocchio, malett maledetto, miolla midoUa, Pa ilt egli ha detto, 
wor^/ morbi[d]o-, pe pe[d]e-: nel nesso -dr-: carega scranna 
accanto a cadrega), pdr, mar padre e madre (v. n. 83), püler pu- 
ledro, e änra anitra, di fronte al rustico nddra. 

86. / = d fra vocali : sigala cicala, Gilio Egidio (cfr. B i a n c h i 
Arch. IX 434; Romania VI 309; Biadene Studj di fil, rom. 1 
228 n.). 

P. 

87. /^ = p iniziale : hi'da pula, büh hoX^o pul so-, baslünddag 
pastinaca; zb = sp: zbagüli sgomento, che risale a pavito- Caix 
Studj 37, zbarld sparare, ibürgds sornacchiarc *ex-j-purgare. 

88. 11 riflesso normale di p fra vocali e v\ caveslar capestro, 
dvin ape, luiva, te'vad, cavi-, riva, savö, save, pe'var pepe, savür, savri 
saporito, cverc coperchio, ainva canapa, nvild nipote, övra, pavro, 
cavsril capezzale ; z»r ^ p r fra vocali : crdva capra, cravell, znevar 
ginepro, derav *de-|-aperire, snvar (e siiar^ sopra (cfr. As coli 
Arch. I 103). 

B. 
8g. Fra vocali degrada a j»: avi habere, <7z^/y/ abete, galavro 
calabrone, trdv, -dva = -ab am. 

90. Cade nel nesso -br- in lira libra.- 

Accidenti Generali. 

91. Assimilazione progressiva tra vocali puo ve- 
dersi , raalgrado il n". 38, in larainotl terrcmoto, maladctt, cur alier, 
carnavdi, il Bandallaan le Benedettine, basalicö, manascdlc, gargaid 
gorgozzule, 'gurges'; in barbaslell lo Schneller vede l'inlluenza di 
barba (cfr. Beitr. 2)2)- — Assimilazione regressiva tra vocali: 
pataffia raacchia, da epitaffio. — Assimilazione tra conso- 



* Per l'esito della combinazione str- v. 11. 55. Donde ticc tetto e ticca 
tegghia? (cfr. n. 16 n.). 

^ Etimologia popolare c il rustico vdgamd>id vagabondo, e forse su di 
esso fu foggialo mnrimdnd moribondo. (Cfr. perö, pel catalano, Parodi 
Rcnd. dci Lincci VIII 198). 



FONETICA DEL DIALETTO Dl PIACENZA. 153 

nanti attigue: crctla fidanza *credita, parpella palpebra *pal- 
pet'la, vurrä vorrä; pr r dg a ^erixcdi, cu'iga cni\c?L, vTiKizi'f/ \cn\.\r{A\o, 
pilndiell poiiticello, bd<) pedone, hid pesare, lämbdnri, dgain legaim-, 
pcd beccare, psi'ga, :diiss setaccio, :gd segare, s/i'/Za civetta (v. n. 65), 
Tmban'ng, Tmblalld, Fäm passd l'anno passato, 7m pdi in pacc. — 
Assimilazi one transultoria tra consonanti: durd tordo (cfr. 
Ascoli Arch. I 526), tjdugüla glandola, drbra pioppo *albula, lünsö 
lenzuolo, «7>W(7" allato a Ivisd spezzare, änsäna alzana, pänlän, 7iaamp 
allato a laeimp erapire (v. n. 95), tnündbael molto bene, citato dal 
Flechia Arch. II 340. 

Q2. Dissimilazione tra vocali: palmd polmone Ascoli 
Arch. I 505, scarpid scorpione. — Dissimilazione tra conso- 
nanti attigue: annella nocciolo *an'mella, manuell dito mig- 
nolo *rain'ruello-, marmdja; b'cnla e berla donnola *bellula; 
dars^il 'dcz'-j-sette '; dnnza'ema 'dod'cina' (v. pero n. 94). — Dissi- 
milazione transultoria tra consonanti: r-l = 1-1: cürlell, 
briigla foruncolo *bullucula (v. n. 62), sfrarjell gran quantita, 
da flagello , aridl giulivo, da leale-, I'üriän^lla Pollicin(>lla, 
parpella *palpe'tla, ümbrigid umbiliculo-, nmbarsnl umbili- 
ciale-, caramdl calaraaio ; — ;/-/ = 1-1 : numbal lombulo-, pinüla 
j)illola; d-l = 1-1: lüdln ululare, fidell specie di pasta *filello-; — 
il 1 cade per dissimilazione in cavicca *clavic'la, faii^lla, gnmisrll 
*glomicello-; — J-n = n-n : lomma nomina, lümind Ascoli 
Arch. I 263, sänt^ Anlulai'i S. Antonino, BulmaeT Bonomini, iTnsa 
sc da *in-}-in'tjare (v. n. 94); — d-n (m) = n-n (m): dma sola- 
mente non-f-magis, dsöT nessuno (cfr. il provenzale degus); — 
l-m ^ n-m : cidfania, lümal maiale 'animale' (tusüco), ßlthfania = 
*ßnosomia fisonomia, Girülam (e Girn?n); — /-;- ;=: r-r: galavru cra- 
brone-, Giallrüda, Ricaldo, culdiidar coriandro, pianta; — r-l ^ 
r-r : inrtla tortora, ruval rovere, cränfil cremore ; — il r cade per 
dissimilazione in pistindr prestinaio , donde pislaei jirestino , spüri 
prurire, rastell rastrello. 

93. Prostesi di vocale: di a dinanzi a j impuro (cfr. 
Arch. I 109): ascoli scuole, aslo sto, as/ors sforzo , asci'tl schietto, 
aspi'z spese ecc, quando preceda parola che termini in consonanto (v. 
n. 36). — Prostesi di consonante: di j: jer heri (v. pero 
D'Ovidio Arch. IX 53), iess essere Ascoli Arch. 1 256 n., iell 
alto (cfr. n. i n, e ev7/ di Val d'Intragna .*\rch. I 256); — di z\ 
davanti a vocal labiale: röT uno, voll otto, vu/ar oltre, e vrss 
essere; — di j: sqtidz quasi, sgirrs guercio, sgazza gazza, sdfir- 
drvla da tordo-, = ex- rinforzalivo o peggiorativo : sgalavfrna 
piovvigina, da caligo + hiberna Beilr. 38 n., ecc; — di (j nel 
rustico i'pistar cstro. Per drrbga erpcte v. .Salvion i Fon. Milan, 
p. 268." 

94. Epentesi di vocale: di a fra Ahila-{- Liquida: cavariö 
strumento di legno, da 'caj)riolo', cavarid, vadariü vetriolo, gravalo 
crabrone-, mitaria mitria, fimbariuz ombroso, di cavallo, pariur 
jiriore, tmbaring, patarintU sparavi r giacchio ; di /': piuvida *puvida 



154 E- GORRA, 

(v. n. 42). — Epentesi di consori^ante: di y_per estirpare lo 
iato : tajdtar teatro, ideja, saj'etta^ Indreja (e Itidrea); — di z; 
pure di iato : cüva (e cüa) coda, cävül, Idvür lauro, parsüvdz persuaso, 
Pdvül, Mdvür, sdvar sauro, äncüva acciuga, balavüstra, (jezüvitta, bavül, 
havütia, crüvait croato, ristdvar ristauro, V e vüra egli e ora, vedva 
vidua, stdtuva, t?-idüv, cunlmfw, tüva (e lud), süva (e süd). Sara esempio 
illusorio piöv pluere Ascoli Arch. I 34; — di b: siombal ^\m^o\o 
*stim'lo, cämhrds quagliarsi *camerare-f-se; — di </ in aldzer 
allato ad aUer leggero '; — di /: scibna ant. alto ted scöma, vi- 
cosiar, gogia e magogla; — di r: h-fcnd tuonare, tro, sndvra €\x\?l^q 
(cfr. il milan. setidvra, con immistione di ginepro), früstani fustagno, 
früsta, parvostar, varnarde venerdi, e forse anche cartialüss gorgoz- 
zule, da 'canna' Beitr. 41; — di n'. davanti a sibilante : 7unsöla 
nocciuola, meJnstar maestro, rnnsn") {q rüssnö) usignuolo, n7nsd ta.g- 
liare, se da *nitjare, v. n. 92; davanti a gutturale: ängmia agonia, 
äncona nicchia, da £ix(6i>, mängand (e tnagand), marlngo falegname 
Flechia Arch. II 364; davanti a dentale: Ghintä Gaetano, gvintd 
tener d'occhio alcuno per aggredirlo o danneggiarlo, se da gua- 
tare ; davanti a palatale : äncuva acciuga {p. pero n. 40 n.), Itnger 
leggero (rustico), x\scoli Arch. 150 n, /w/^^'ö ragione (Capra), rä}ind 
e rß««? accresc. e dimin. di raii ragno, ränna (e raiid) rana. 

95. Elementi concresciuti: Articolo : / in la luvatta l'o- 
vatta, lasaraa, pomo che risale ad acerola Caix Studj n". 374, al 
lüssar V\i^?,a.xo , al lagüzai;7 Vagozzino , al länlcör Vanticuore, malore, 
al lam l'amo. Pronome: lüdld ululare, lacTmp empire, linsd se da 
*in'tjare v. nn. 92, 94, läiisd ansare Beitr. 69. 

96. Metatesi — nella stessa sillaba crov corvo, dnwi dor- 
mire, frem fermo, sparposil, scnrld crollare, fürmaant, cardaeinsa, 
larmd tremare, iarzailnt trecento, pargd pregare, parzünia prigionia, 
parsipissi, partrza pretesa, bargfizhxigo^o, (/«rt</ö/7rtt7 quadrettino; — 
da sillaba a sillaba: preda pietra, cadrr'ga, crümpd comprare, drüvd 
adoperare, crdva capra, Jreva febbre, crastd castrare, dei-av *de + 
aperire, ('()7na *cora'la, zgün/d conflare, capd *cap'lare, sän- 
(jütl *singluto-, piopp, cqpa piccolo mucchio , macchia d'erba 
*cop'la; /--/ = 1-r: rigidisia liquirizia; l-v = v-1 : faliva favilla 
Flechia Arch. II 342; ?«-/=l-m: parsänül petro-selinon; r-d 
= d-r : marüd maturo ; inoltre : naröncül ranuncolo, riwina nume- 
rare, baii'cca bacchetta, laccitt (e lattiä), vigilatüra villeggiatura. 

97. Rammollimento di consonante: oltre ai soliti, rafia 
e ränna rana. 

98. Raddoppiamento di consonante: galla, sigalla, pargalla 
(v. n. 3) e alcuni altri in -ala, milla mila, vdla vela, tedtar o tajdliar 
teatro, anndltag puzzo, * aromatico ', cap o capp capo, crapp fesso, 
ed altri (Cfr. Rönsch Itala und Vulgata, 2a ed., 460). 



1 Per d di mdal 'nel' v. Ascoli Arch. II 404. 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA. I55 

99. Dileguo — di vocali, v. nn. 33—35, 37, 45; — di con- 
sonanti, nn, 53, 55, 60, 66, 68, 69, 7g, 82, 84, 85, 90, 92. 



Note Morfologiche. 

100. Articolo. — Determinato. Maschile, singolarc, davanli a 
consonante al, davanti a vocalo /'; plurale /, /'. Femrainile sing. 
la, /', plur. /'//, y. al risale probabilmcnte ad ' el', a norma del 
n. 38; il femm. plur. /// e foggiato su chill, chilli t]uclle, agg. c 
pron. Preposizione articolata : pt-'al e per /' per il, 7n dal, Tiid/a ncl, 
nella ; la preposizione da ha usurpato il posto di di. — Indetermi- 
minato. Masch. ilu, ün, hna ; aggettivo numerale e pronome vö7 
e vüniia. 

10 1. Nome. Terminano in a raolti nomi della terza decli- 
nazione passati nell'analogia della prima : butia botte, seza sicpe, 

furnnza , p^sta , pumza pomice , radiza , na cäntdnta una cantante ; 
gli aggettivi duha, forta, grätida, vergina ; abündänia, ändänla [roba 
dnddnta) sciupata, usata, qiiänta donn, tänla voi\ i plurali dei nomi 
maschili della prima declinazione : i pücta, i papa, i prüfe ia , e 
quindi / rnfd'etta gli arrotini. In alcuni nomi di misura Xa h, la 
desinenza del maschile : ün dida un dito, che e primitivamente la 
forma specifica del plurale. — Scambio di genere si ha in : la snl 
il sale, la sülfra (e al sül/ar), la son il sonno; /In simaz una cimicc, 
Sono femminili cdd caldo, fri'dd, rid, son nelle frasi ima cdd un 
caldo, fma fri'dd, una rid un ridere, Ü7ia son un sonno, ma al cdd, 
al fri'dd ecc. — ■ 11 plurale dei nomi maschili riesce uguale al sin- 
golare ; e cosi anche quello dei femminili che si mantengon fedeli 
alla III declinazione latina : la mddar ill tnädar; ma i femm. in a 
perdono al plurale la loro desinenza: la donna, ill donn, la srrva, 
ill sipav. — In alcuni nomi il positivo cedette il posto al dimi- 
nutivo, comc la rözla la rosa. — La forma antica del plur. por- 
tata al sing, e in atJiiz amico e amici, fönz fungo -e funghi ecc. 

102. Aggettivo numerale. Flessione: vöi, vünna; du 
due, maschile, du duae, /// tres, masch., tro femm. 

103. l'ronome. — Personale. Siamo suppergiu alle con- 
dizioni del romagnolo ' ; piii esteso e nel piacentino l'uso del pro- 
nome a"^-, che si preraette a tutte le persone dei verbi, fuorche alla 
terza plurale; csso si unisce anche. al pronome enclitico, e quindi: 
ine fag iü faccio i; ////.' (/ f^gf l^l fü c /(■ at fc, Uli Ja e li'i al fi, 
al pddral dziva e al pddar la diiva il padre diceva ; ma / diian 
essi dicono, /// biss i g'ann al vilall le biscie le ci hanno il veleno. 
L'obli(|uo dei |)ronorai personali e ;«. /, s, g, s, n, v, g. Se non 



' V. M U .1 ^) .1 1 l.i iJ.ii ^iLiiun;^ in * . y- :..\ ^ c >^);. 

- Sulla sua orijjinc v. Salvioni, Ncl 25" anniversario calledralicü di 
J. G. Ascoli IS n.: « li . anche Ü'Ovi.li.. \i.l. I\ -(., 



156 E. GORRA, 

aderiscono encliticamente ad altra parola, s'appoggiano enclitica- 
raente o procliticamente al medesimo pronome a, e per cio tro- 
viamo le forme atn via, at ia ecc. Accuyativo : le la-m völ ella la 
mi vuole, la na-m völ la non mi vuole, a^n v'edat mi vedi tu?, al 
tna völ egli mi vuole. Dativo : idem. II g pero serve solamente 
pel dativo nel singulare: al völ ca ga scriva egli vuole che gli (le), 
scriva; ma al plurale = nos, nobis (cfr. il tosen): al ga cürra 
dre egli ne corre dietro, al ga völ bazd egli ne vuol baciare. Ma 
di nuovo solamente al dativo nella terza plurale: ai Mmddar an 
s'ag credda viiga ai bugiardi non ci si crede mica , me an ga bdd 
miga io non bado loro, par quänt me gabia ditt per quanto io 
abbia detto loro. — Ne (lat. inde): avessan aversene, vürhi volerne, 
cM n'In dziv cosa ne dite voi? — Questo pronome a si unisce 
anche al pronome -I0-: lü al la völ lui egli Io vuole, le al la diz 
lei ella Io dice ; e al plurale : lü al ja völ, le al ja diz, dove si 
vede che il pronome personale di terza persona singolare maschile 
e quello femminile possono coincidere. — Dimostrativo. Iste 
ecc. Aggettivo: slü sta sl' iste, sll slj' isti; sla sl' ista; s/ill slj' 
istae; pronome: ,cüsl hie, cüsla haec, cktslt e quisti hi, chilli 
e quillt hae. — cüU cV quello, chi f/y ' quelli , da cP quella, 
chill chj^ quelle, aggettivo ; pronome : cüll quegli, qui quij coloro, 
cülla quella chilli quilli. — Possessiv o. Maschile agg. : 7ne mio, 
io tuo, so suo, nosiar e noss, vostar e voss, so loro ; pron. : al me 
il mio, al io il tuo ecc. Femminile: agg.: me mia, /o, so, tioslra 
e nossa, voslra e vossa, so loro ; pron.: la mia, la tiia, itiva ecc. 

104. Verbo. Avere. Inf. [ave), avf, vi. Le persone di 
questo verbo sono spesso accompagnate dal pronome g: Indicativo. — 
prescnte : 7ne g'o io ho, lei g'o, lülga, nöi güm o g'üma, vö gh'i, lür 
i g'än. — imperfetto : tue g'dva , iel g'dv, Uli g'dva , nöi g'dvam o 
g'av'?na, vö g'av'va, lür i g'dvan. — futuro: me g'aro, iel gare, lül 
g'arä, nöi g'arwn, vö g'ari, lür i g'arä. ■ — Congiuntivo. — presente : 
che nie g^ abbia; — imperf. : che me g'aviss, che nöi g' avissam o 
g'avissma — Condizionale : g'arev o g'ariss io avrei, g'arcvnia o 
g'arissma noi avremmo. 

Essere. Inf. ess, vcss, iess, iss. Part. perf. sld. Indicativo. — pres. : 
so, e, e, siun p süma, si, j'en sunt. — imperf. : la prima persona 
sing, ha il solito s- analogico: me s'era io era. — Congiuntivo- 
pres. : sia, sii, sia, süma, si, sian, E da notare che accanto alla prima 
del singolare si trova la forma sippia, forma analogica sul congiuntivo 
di 'habere', e che la seconda del plurale si confonde coUa corrispon- 
dente del verbo 'sapere': che vö sappie che voi siate (e sappiatc); 
anche accanto alla prima plurale si trova sappiuma siamo e sappiamo. 
Questo si spiega dal fatto che ' sapere ' ed ' essere ' s'incontravano 
in alcune voci, come ad esempio nel futuro e nel condizionale (v. 
n^*. 66), e da cio nacque la confusione in altre. — Cong. imperf. : 
fiss, fiss, fiss, fissäm o fissvia, fissav o fissva, fissafi. — Condizionale : 
me sarev o sariss ecc. (come 'habere'). 



FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA. I57 

Verbi regolari. — Presente — Indicat. : la prima e la seconda 
persona del singulare sono prive di desinenza: nie miinij, iet sailnl; 
la terza finisce in a per ogni coniugazione, e vorra dire che la 
la ha attralto le altre, la prima" plurale in /////, ünia '; la seconda 
plurale in e od / nella la, in /neue altre; la terza plur. esce sempre 
per -an, desinenza che potrebb'essere di ragion fonetica anche in 
quanto risponda ad -unt (cfr. n. 38^ n. 2). — Congiunt. : la sing, 
-ö, 2a ^ indic, 3^-6/, il plur. come nell'indicat. — Condiz. : la 
sing. viäiKJrev e riiilntjnss, tazrev e lazriss ecc. 

Imperfetto. — Indicat.: la sing.: -dva, -Iva, -iva, -i'va; 2a sing: 
-dv, -i'v, -IV, -iV ; 3a sing, come la la; la plur. : äva?n e a'v/no (cfr. 
'habere'). — Congiunt.: -dss, -i'ss, -iss, -/'ss pel singolare; plur.: 
-dssam e -dsstna, -dssav e -dssva, -dssan. 

Perfetto. — Tende a scomparire e percio e poco usato. Qui 
riportiamo le forme che abbiamo raccolte negli scrittori. — Perfetto 
debole: la coniug. : Inamtrc incontrai e incontro, raslc, andc, caschc, 
passe, lave, piäntc, cmlnsc cominciai, am lucchc mi tocco, cüstc, al 
rüzf vocio; 3a plur.: sgubb('nu sgobbarono, Iraltcnn trattarono, prvi- 
sipienn principiarono, cämhiciin. Inoltre risprmdi rispose, al dzi ei 
disse, Sinti io sentii. Notevoli sono hüvass io trovai, fiss io fui ecc, 
vale a dire Io scambio dell' imperfetto congiuntivo col perfetto 
indicativo, promosso senza dubbio dall'incontro di alcune altre voci 
(-äste, ecc). — Perfetto forte: ^//w dixi dixit, cürs corsi corse, y"e 
feci fecit, vist, ioss tolsi tolse, voss volli volle, sie stetti, vailns 
venne, fniss mise, /}>/« fecero, däin diedero. 

Infinitivo : indntjd, Idz tacere, lez leggere, sailnt sentire ; ma 
pndt' e püdi, vre e vri, avc, avi, finl finire ecc. 

Participio perfetto -d, -/, -/, -/. Forte: arnidst (e armani). 

Participio presente. Notiamo alcuni participii della priraa coniu- 
gazione entrati nell'analogia delle altre: sciUaanl che scotta, hras- 
saeinl gior.:aliere , da 'braccia', cülaanl che,cola, hazpnl da bizid, 
il punger delle api, zgüjTnl che fa scivolare, 'zgüjä!, plaelnt che pela, 
j///«^>«/ soprastante (cfr. Ascoli Arch. I 544, II 133, 458); — della 
seconda e terza entrati nell'analogia della prima sono: ardnd hae- 
rentem o adhaerentem Beitr. 94, preiiiniänl presuntuoso. 

Gerundio : Citiamo il rustico ridänd ridendo. 

Noteremo inline le forme verbali: vag (e vo), /ag (& fo), dag 
(e do), slag (e sin), Irag (e Iro) getto, foggiate su dig Ascoli 
Arch. I 82 n. Inoltre lag tolgo che si coniuga nel modo segucnte: 
Indic. pres. : li'ig, lii, löz, tudum, liidi, lözan; impcrf. : liidiva ecc; fu- 
luro : tudrö, litdri', Ihdrd ecc. — Cong. pres. : tUgga, lUgg ecc ; ini- 
perf.: liidiss. — Condiz. : indrcv ecc. Kicordercmo anche [><il puü 
foggiato SU vi'd vuole. Cliä notammo che il fuluro dell'indicativo 



• Per la gencsi di (|ucstn desinenza rimandiamo al Meyer finindriss I 538 
c al Sucliier liiid. 61 1. 



158 E, GORRA, FONETICA DEL DIALETTO DI PIACENZA. 

e il condizionale del verbo * sapere ' sono identici a quelli dcl verbo 
'essere' (v. n. 66 e 104).! 

105. In declinabili. Favorito anche qui il conservarsi e il 
prodursi deU'a finale degli indeclinabili : contra, Ins'ema, fora, piim, 
Tndfiva, vlüntcra, dmca, änca, nanca, faana fino, siciira, Fe vcra, jcr 
pässa ieri l'altro, süUa sotto. 



1 Sono frequenti negli scrittori le forme higna bisogna (cfr. n. 42) e mUi 
convicne, midva conveniva, tnidra converrä. 

Egidio Gorra. 

A g g i u n t e. 

n". 7. — Per stl cfr. il bolognese sejj pure irregolare (Vedi Gau- 
denzi, I suoni, le forme e le parole deU'odierno dialetto 
della citta di Bologna. Torino i88g, p. 6). 

n". 13 n. — Per /rä?tgfd cfr. il ho\ogrie?,e ß'angiiael (Ibid. p. 24). 

n". 38£ n. 2. — Neil'« di postonica dei plurali femminili potrebbe 
forse anche vedersi la vocale irrazionale anziehe un nor- 
male succedaneo dell'ü. 

n". 45 bis (cfr. n. ^2). — Aggiungeremo alcune notizie suUe vocali 
nasale atone. 11 suono nasale della tonica permane nell'atona 
solo quando alla consonante nasale segua originariamente 
un'altra consonante. Quindi säfit e säniificd, ätigü e ängüaei, 
camp e campana, lambda e lämbddri, sallnt e sintiva (cfr. n. 41), 
mcraspd, ta'e'imp e iimpürdl, mZmt e inäntana (cfr. n. 43), 
compra e cumprdva, un cä, bzont e hzuntd ungere, dmhra e 
fimbrüi', ma pa e panaltc'r, ina e manctta, una donna, sran 
e sri7tä rasserenare (cfr. n. 41), bael e bind benone, so e 
sünd suonare, löifia e lündtic, ifiamürd , inastd innestare; 
prmniä parm(i)giano, ganraeJ gen(e)rino, tanran ten(e)rino, 
sanrd da cen(e)re, ansöi n(e)ssuno, antd n(e)ttare, dastümgd 
-stom(a)care, lünde lun(e)di, urdan ordin(e), gfivan giovan(e). 

n". 10 1. — Scambio di genere. Aggiungi la viel il miele, la fcl 
il fiele, la Ulm il lume (lucerna), pei quali tutti v. ]\Ieyer, 
Die Schicksale des lat. Neutrmns im Rom. pp. 10, 17, 99. 
Inoltre la güssa il guscio, la buccia; al pcgür il maschio 
della pecora (Ibid. 46). 



VERMISCHTES. 

I. Zur Litteraturiies Chi eilte. 

I. Die Todtenbrücke. 

Den von Gaston Paris Romania XII 508 über die Schwert- 
brücke im Lancelot gegeben Nachweisen kann ich zwei neue hin- 
zufügen, von welchen der eine mehr für orientalisch-römischen, der 
andere für keltischen Ursprung der Tradition zu sprechen scheint. 

Noch einige Jahre vor Gregors d. Gr. Dialogen findet sich 
das Hemmnis des Todtenweges bei Gregor v. Tours, Hist. Franc. 
^^ ö3- Sunniulf, Abt von Randan um 570, schaut die Brücke im 
Traum über dem Feuerstrom der Verdammten, so schmal dafs sie 
kaum einem Tritt Raum giebt; wer ad distringe7idum conimissum 
gregem fuerit ignavus stürzt hinab, der Strenge gelangt in das 
weifse Haus auf der anderen Seite. Die Beschränkung auf die 
Geistlichkeit ist eine Umbildung die individuell sein wird, zeigt 
aber immerhin eine bemerkenswerte Entfernung von dem Gesicht 
des römischen IMiles. 

Die Tundalusvision ist, wie ich Ztschr. f. rom. Phil. \T 125 an- 
gemerkt habe, von den Dialogen unmittelbar abhängig, .\nders 
die etwa dem g. Jahrh. angehörige des Adamnan.' Sic eiithält 
keine der bei Gregor vorliegenden bezeichnenden Einzelheiten und 
entwickelt die Idee der Brücke in eigenartiger theologischer Aus- 
malung: für die Guten breit, die Reuigen erst schmal dann breit, 
die Verstockten erst breit dann schmal. - 

Wo der Glaube an ein Todtenreich ausgebildet war lag es 
nahe genug dasselbe durch einen Flufs abgeschieden zu denken. 
Brücke und Kahn sind uralte Verkehrsmittel : je nach der örtlichen 
Anschauung mufste durch eines oder das andere die Verbindung 
hergestellt werden. Der gleiche mythologische Gedanke tritt daher 
unabhängig an verschiedenen Stellen auf.-' Es ist also an sich sehr 



' Jjonov.in, Grammar, 440. /.iilm/i Iki W imiisili, liish 1 cxl^^ I 105. 
- Danach w(j1i1 tlic Oenusvision, Mij^nc 180, 996. 
•' Vjjl. auch Piclcl, Orifjincs III- 255. 



l6o VERMISCHTES. I. ZUR LITTERATÜRGESCHICHTE. 

wohl möglich dafs er selbständig keltisch ist, in Urverwandtschaft 
mit dem Mythus der Zendavest oder ohne solche; ja sogar dafs 
ihn die irischen Pilger des 6. Jahrh., welche nach den Erzählungen 
der beiden Gregore schon etwas vor Colümban nach Gallien und 
Italien kamen, dahin gebracht hätten. Doch wird auf dem in der 
Kaiserzeit von orientalischen Religionsanschauungen durchtränkten 
l?oden Roms, was Muhamedaner und Juden glauben, auch aus dem 
Morgenlande gekommen sein. In der That spricht für den um- 
gekehrten Gang der Übertragung, neben der hier wenig gewichtigten 
Priorität der Überlieferung, die Erwägung dafs, von Irland aus 
betrachtet, das Jenseits als Insel gedacht werden dürfte. So erscheint 
es durchaus auch in den von Zimmer Zeitschr. f. d. A. ;^2 und 33 
analysierten Fahrten. Bekanntlich hat die frühmittelalterliche Dar- 
stellung der Scheidung zwischen Guten und Bösen durch die Wage 
einen ganz ähnlichen Weg gemacht. Ägyptischen Ursprungs, wurde 
sie dem Seelenführer Mercur in die Hand gegeben. Als sie das 
Christenthum {cfr. Job. 31,6 Daniel 5,27) übernahm trat Michael an 
jenes Stelle , der erste unter den Boten Gottes , der als solcher 
mit Flügeln und Stab ausgestattet ist. 

Alle dem gegenüber dürfte zu betonen sein, dafs die Trennung 
der Todten in Seelige und Verdammte, des ursprünglich einen 
Todtenlandes in eine höhere und niedere Region, bei Chretien 
spurlos fehlt. Der Gang über die Brücke fügt sich sehr gut zu 
jener vorgeschrittenen und jungen religiösen Idee, ist aber an sich 
jedenfalls älter: die Lebenden können den Weg nicht betreten 
(N^aitiz par komme ne fu passez), nur die Schatten. Ich sehe also 
hier einen wurzelächten Zug, nicht spätere Verdunkelung. Gaston 
Paris schlofs mit Recht aus der von ihm nachgewiesenen Ver- 
breitung auf eine alte keltische Tradition ; hier ist die Bestätigung 
durch den Inhalt gegeben. Der Insel Avalon gegenüber mag 
darauf hingewiesen sein dafs auch bei den Griechen auf engem 
Raum Ocean und Acheron , zwei ganz verschiedene Vorstellungen 
sich zur Seite laufen. Die Überlieferung in den Dialogen ist orien- 
talisch ; ihr schliefsen sich die irischen Visionen an, aber auf Grund 
des einheimischen Volksglaubens, der im Lancelot zu Tage tritt. 

G. Baist. 



2. Zu Guillem Ademar, Grimoart Gausmar 
und Guillem Gasmar. 

Auf das Verhältnis dieser drei Trobadors zu einander noch- 
mals zurückzukommen vcranlafst mich der Aufsatz Zenkers in dieser 
Zc^itschrift XIII 294 ff., da mich seine Ausführungen trotz der Be- 
stimmtheit, mit der mein Irren dort behauptet wird, nicht von der 
Richtigkeit der Annahmen Zenkers überzeugen konnten. — Zenker 



G. HAIST, DIE TODTENHRl'CKE. l6l 

Stützt sich beim Beweis der Identität der drei Dichter zunächst 
auf die Trobador-Satire Peire d'Alvernhes, in der er Str. 7 und 8 
für interpoliert hält. Kr glaubt nachweisen können, dafs dir achte 
Strophe die in IIs. CR von Peire Bremon, in / von Arnaut Daniel 
handelt, in beiden Fassungen unecht sei und dafs die Peire-Bremon- 
strophe der anderen, aus der Satire des Mönchs von Montaudon 
entlehnten Strophe erst nachgedichtet ist. Hiervon ausgehend 
schliefst er, dafs die von Grimoart Gausmar oder Elias Gausraar 
handelnde 7. Strophe bei Peire d'Alvernhe ebenfalls der Guillem- 
Ademarstrophe des Mönchs nachgedichtet sei, u. s. w. 

jene Peire-Bremonstrophe könnte nun in der That nicht ur- 
sprünglich sein, wenn dort von dem späten Trobador P. B. Ricas 
novas die Rede wäre, wie Z. für bewiesen hält. Er stützt sich dabei 
darauf, dafs die Vorwürfe, welche dem Peire Bremon in jener Str., und 
die, welche ihm in einem Sirventes Sordels gemacht werden, die glei- 
chen seien: „es heilst in der Satire, der Graf von Toulouse habe 
P. Bremon mit Recht übel behandelt, und dem P. Bremon Ricas novas 
hält Sordel in dem Sirventes Verz. 437,20 Str. 4 vor, der Graf von 
Toulouse sei ihm richtig begegnet, indem er ihn, der seinem Herrn 
die Treue gebrochen, nach Marseille zurückgeschickt habe" (Zeit- 
schrift XIII 295). Hätte Z. sich nicht begnügt diese Worte von 
Schultz, Zeitschrift Vn 211, einfach zu entlehnen, sondern hätte er 
die prov. Texte nebeneinander gestellt {Satire : E Peire Bremoiis se 
bayssei, Ptis que ' l coms de Toloza ' l det Qiianc no soayiet d'avmen ; 
bei Sordel, Str. 6, nicht Str. 4 wie Z., zwei Zahlen bei Schultz ver- 
wechselnd, sagt: Getil fa saubut lo valenz coms onrar De Toloza, st 
CO ■ /// taing ni ' s cove, C^a Marseilla Va fait azaut iornar. Per que 
laissel soji seignor e sa Je)\ so würde er gesehen haben, dafs in der 
Satire nicht nur nicht vom „mit Recht übel behandeln" die Rede 
ist, wie Schultz (der den ganzen Punkt nur beim Vorbeigehen in 
einer Anmerkung berührt) sich, ich weifs nicht weshalb, ausgedrückt 
hat, sondern dafs die Worte gerade einem Bezug auf einen gleichen 
Vorgang widersprechen. Jener Beweis der Identität beider Peire 
Bremons scheint mir also zu schnell erbracht. Ob nun jener P. B., 
wenn er nicht Ricas novas ist, der andere uns bekannte sein kann, 
lasse ich jetzt dahingestellt, denn es ist insofern von minderer Be- 
deutung, als der Name Peire Bremon selbst in der Satire nicht 
feststeht. Z. hätte bei seinen Annahmen von Entlehnung und 
Naraensunterschiebung, meine ich, gröfseres Gewicht auf die Über- 
lieferung der Gedichte legen sollen, wozu ihm freilich das Material 
nicht zur Hand gewesen sein mag. Auch mir liegt das Material 
der Satire nicht ganz vollständig vor ; doch fehlt mir von den 8 
Handschriften, die sie überliefern, nur A' das nebeln DI leicht zu ver- 
schmerzen ist. Da der Text zu den meist besprochenen der prov. 
Litteratur gehört, gebe i( h ihn hier nach den anden-n 7 Hand- 
srhriffen: 

Hss. A 214, C 183, D iq8, / ig5, N'- 56, R 6, a 127. 

Zeitoühr. r. rmii. I'liil. XIV. 11 



102 



VERMISCHTES. I. 7.UK LlTTF.RATURORSCHICFlTE. 



■g -j-. <u S aj ^ 



— ] , O <D 



r -? «, rt 



(U S — 3 



^ ÖJO 



3h 75 



-SS -^ 



^-. u 1- 



M-5 = 



^ ,^ ix 



O r!^ 't^ ^ 



5 c > 2 
o ^ o <u 



3 f^ O -ä 






U CT' <u aj CT" 'o 



d, o (U "C O 



t-J CT c« CT 



^„ 



2 -^ • ^ 



ü 

o 


J3 
o 


CS 

'c5 




ca 


> 


-1 


M 


H 


f^ 


^ 


^ 


>, 


Ol 


(1) 


-a 






s 


er* 


-a 


3 


v< 


<u 




a 


o 
c 




C 
u 


















CTi 


o 


t-1- 


oi 


C 




C 


4) 


-H 


(fl 





CJ er <u 






Q S. 



<U HJ ^ 



wl 






e ;s ■" 









C 'S 



"" 's 
in 

3 o 



o< 






— 


-a 




M 




a. 


U 

o 

s 




o 


c« 

C 


'S 


CS 


u 


o 




CS 


n! 


6£ 


t/1 




!« 


fa 




}-• 


3 





•o ?"a " is " S^ 

-^ ^ CS <u 

"^ S o c i o. 

.- -2 -JT 5 ü ^ 

l. CS t, U <LI -, 

CS Ä O ^ ^ 

-ti (j (/) cS -^ 3 

~ a • ^ s P 

^ T u c er CT 



Öi) S Jl 3 U. C 

o Ji Ji S .2i »i 

1) N CS 3 "^ ^ 

'S Q. o 52 o "^ 

CLi -- c :S ■= 

_ o t^ .2; 3 u 

CS a i^ P 



a. !T D <u ex 



m 9 ^ ä- 



t- "-i <U CUO 



3 ii 

o 
c :^ 
o x> 

p 



P cS 0) 



1) 



,',3^3 O 

W er CS er <u c 



ti CS CS 

§2 " g 

^O CS 

d 'O ^ 00 

2 ^ v> '-^ "■ 

=0 3 -^ ;S 
2 > 

3 

■ t^ ^ 'o ^ 

•^ <LI 

'S y) 'T3 ler 






O^' 



ÖJO 



C. APPKL, DKK.I IKOr.AUOKS. 



l6 



— "^ c £ 



f ö — 






— . — o 



M 2 
o- -fi 



c .5 



.5 ^ T3 



(1) rt ^^ (/l 



2 e 



w v 



er i; Oi 5 2 



•— 1« 


■ 


CJ >- 


rl 


3 rt 




^ 'ojO 




— .2 


C 


W 3 


o 



. 3 •- ^ 



12 fcio ^ 5 



O 



«US 3 u 



— ,„ •" O 



rt D *j ^. 



>-C'a 



o — c 



> 






-y N ^ r 






— c »- 



W 'er 



£ c 



•1= 'S T" fi --er 



B c ^ ^ 



^^ U OJ t/5 ^ 



(U I^ <U ^ 



.ä - w 



a. 2 



^0 VI w ^ 



t« -a 3 «J 

-Q lU ■- ^ 

c5 



t/i .^ ^ 



-= "- C 



P N >" ■" 

^ ? 2 s 



t« -^ 1) g „ 



11 C u o 



C) W" 


.^ 




IN O 


i; 






C/J 








N > s 


•v, 






c 
o 




<■' C 3 ^ 


*r^ 




c S^ S 


CO 

u 




• ^•^•S'^ 


^ 




^'.t;^^ 


o 




C 




»J — Ol« 
















C) 




O C « ü 




^ 


— (U ►^ 




^ 


^{^TS^ 


rt 


T3 


*^ 3 rt 






i: '=^■7^ 










3 :: £ 

^ — 'x "« 



Ci; ^ « 



-^ « — 



- y 



.S n «5 



',325 






« -^ w 



N 

n. 


03 

B 

JU 

"-1 




B 
rt 


B 


PQ 


^ 
^O 
V 




<n 


B 


rt 


TT 


•r. 


3 


er 




e« 




Ol 


N 


o. 


o 


CS 

•c 


O* 


u 


B 


rt 


k> 


*^ 


a 


«T 


3 


^^ 


rt 


'S) 
n 


o 


£ 


3 
rt 

"rt 

C 


rt 


3 

o 






u 


u 


rt 


c 


V 


ifl 


3 




3 


r.l 


3 



3 er t* E CT" 



,c _^ 



C «i E w ." ~ 



c 3 



^ *- .rt 



<U .^ IN ^ u 

S 'rt O .U 3 _g 



H *" m ■« 

rt 3 E 

i 00 B 

ja n rt 

4> O i" _ 

rt 4; -• 



IÖ4 



VERMISCHTES, I. ZUR UTTERATURGESCHICHTE. 



i gss. • ^ ^ ^ . -ss^'^l 

0;3d.-«^c 15c§i=ö «'^^nSS 

^o«ti-^ o^.S-^c o^.^^.ä.^'" 

r^^S^og -l^-.o^ -'^'«-^^^ 

0^^"5-S^ J-Sg^Sl 2cgß2S 

>äö§^'5, -"dlaa. ^«C^Sö 

>SOt3^m P^oS^-^g. .?^^ä:^3 



"rt S 



0) r- •— » 

fi fü^ (D •"• 



c -o C -O 



•,,<"'".„ <u j" :f ö ^ -" - &< , , <u g ^ C5 i: 

W:ri>ccrcr •<;a.oDi)« WctSdOhD« 



^ if ^. .-SS^^-I S'gfe«-- O'^^M 

>^r'"t:£2 ^""§£^3 O^^gU«: Qo>D.'^^S 

^SoP.fe^f Qco"^°-C gögogc« -s £«^JJ 

^S=^>'B'" ■g^iSci.rt.r cS„S=«t:^ «"^ Q^^ 

S = ^^--n gls-^i:" .-S5§m:S ^^^^o^-^ 



- s I -§ -2 1° 

rt c^ .1-1 



<icS^ii'^ «.S^"'.^^- T^^S-ß^ 



c 



-O O c« G 






5 ."= ^ ."ä - o -° « J2 ^ o .2 P^ « »:!,■« ■-:; ?i 

00 « 









5: Wl <u 






rt.ii^^-So j^r::;^^-"- ,^2'a-('^« «o"^ 



^'^--«J«- l'^-iig. goa^-^-S 3 2^ 

2"g.-5TS5 ggSS«!' ä-^e^S^ Ste-^ 

Mtn":^«« GE«u3g ^rn^l'SS ^ 3^ ^ 

^«^Srt^S m-o-5«'; g^>SfS'? S-^^-^ 

r.'^lsT-«,?' ^«."'^^Hs r-'*j£^=«"=s t-n^ 

,,3^. „DD ..DdScT D«DDD ^o- -C 

WcruHcrcr Mcxcrcxuc« WcrEo^o, er '*i(uÖ 

^ ^ S> ■ eqao« 



C. APPEL, DREI TROBADORS. 



I6.S 



Wh M 






^ N ^ .5 



n .S 5 .s 



i. £ CS 



^ "" O S 

W er ü -3 






W CT* C 



c -w Ü .-H 



. u c " 



^ c 



C 1) -3 'S 



- O '^ 

3 O 
^ «J c 






i; ^ ^ 



-O ^ CT 



^ c u 



W ._ - :r '-S 



Ui rt '33 3 O- — 



3h n! 



^* .5 3 M 



■£ (2 






c "" r= •= 



O 0) ,rt 



1$ r;: ^ c M rt 



o 

C 

o 

in 
1) 


.2 


C 
O 

c 

'5 


CS 


o 
o 


1^ ^s-g. 




o 




- 


c 


iS 


C 


Cu 


^ 








c 


'S 

o 


o 

c 
o 


«^■^^"^^ 


OJ 


0» 


CS 


o 


•a 


-^.^g-- 


er 




o 


^ 


■;« 





" ü 



Ij 'E. o 
3 ., S 



w C G .£ 



Ji o" .5 



2 " - 



_ o ti — ^ f 



UJ u- 



3 2 3 w 



3- a 



ü e ;: £. 



u :::. --i 



« J" CS 

1« £ 3 

O) o ^ 

M — 

4> 'j C 

c -^ <« 

CS -O 



3 2 



CS (U "• .-T 



^ O 



O - . ^ 
5 ß =« e 



o u z: 



= o 



ü v2 ^ c 

C 1« 3 o 

O . O* D 

^ ^ c ■* 

t) o- 2 u 



3 .„ 



öi 1 
<s .i 

•c 



l66 VERMISCH IKS. I. ZUR Uli ERATUKüliSCHlCHTE. 



Co ^ rt .S 

o a 

-^ £/) ü ^- 

<3 r= 1^ 



^ 



^, J-. ^ r; o) r" tn *-> "■ c 



£ _ T^ 



S 'S 



^ ^ ^ 



O fft ^ ^ ril -Z. 'i'. 



'U in ^^ 



^ CS ^ C " 3 ^ 

o 'S "^ 2 ^ '-• ^ 



(uCL,rt(uPHCTcjCL.rtu Wer 



^'^^ 









s - - ^ 






s ^ ä o ^ ^ c^ 

^ oi I; A r/> __ r-. 






£«5;^?:-H --; c/iirt^ o > ---Cr— I 3*NS ^^^ 

o a -S o i2 g- ^ « ci S c c -^ .^ -S J t-^ "^ S <J S 

„ -3 = o s -g Si -o 3 o '=j ^ ^ n== %. ^"^ '^^ .5 

i- r2 -TT ^u ^ n^ '^^ !2 .- <» ^ ^ 

t^ 00 00 <,3]^^3)S O.'n 



O, ^ c« O 



? g s -^ i s 

^ "" *^ s £ 



.^. 


s: 


o 


J3 


CjC 




o 


rs 




O 


V 

■^ 




V 


r-t 


o> 




O 


1) 


CiO 


rt 


l> 




" 


o 


3 


N 




£ 


e 


F 


Cu 


(« 




3 


o 




C 

o 


£ 


o 


> 


3 


O 


^ 



^ '^ 



=2 00 



Ü ^ 3 



<1 2 



c 


o ^ 


3 


4=- 




ni 


'•" 


H 


■j5 


c.l< 



, , 3 ^ OJ X i" 3 



C. ArPl'L, DREI TKOBADORS. 1O7 



per iina busla cui s'alcn c dilz cjc si de re • 1 (.lesiuenl 

90 c'a plus aniple con il'un cabes ni la pol tener en cscos 

e fora • il meils pesqes ab rct qe lantas dara dels dos 

en mar caii non la movo lo venl. caxes a mal pas plus nun prent. 

Ä/-. 13. ^fr. 16. 

E-1 dotzes US clergalz Peirols 105 El .XV. es P. Vidals 

ab cara maigra secs musols gabaires messongiers e fals 

95 e can vol chantar va lossent e no i qeiratz gola de sen 

c'aissi n'es esclarzitz lo sols per so a pres .c. colps le pals 

c'a totz vos en penria dols qe amic no i ac nuils corals 

tan fa lag son captenemeni. de lai sa foudatz non dizcnl. 
S(r. 15. 
E'n G. Faiditz fai chanzos 
100 de si donz no potelz pelos 

Wir sehen, dafs C-R und ADIN'- je eine Gruppe bilden, elcnen 
a als einzelne Hs. gegenübersteht, indem es bald an den Lesungen 
von CR, bald an denen von ADIN'- teilnimmt. Der Verdacht ist 
zunächst nicht ausgeschlossen, dafs der an sich nicht viel Vertrauen 
erweckende Text von a aus zwei oder mehr Hss. der jWIX- und 
der C7?-gruppe zusammengewürfelt sei. Gerade die uns interessie- 
rende Strophe scheint mir dagegen zu sprechen. Hätte der 
Schreiber, der das Bedürfnis fühlte, auch Folquet de Marselha, 
Peirol, Gaucelm Faidit und Peire Vidal unter den Verspotteten 
zu sehen, entweder Arnaut Daniel oder Peire Bremon vor Augen 
gehabt, so würde er gewifs einen von beiden oder beide genommen 
haben. Anstatt dessen bringt er einen Namen , der uns ebenso 
unbekannt ist wie vier aridere im Gedicht Peire d'Alvernhes. Wenn 
aber Z. vermutet, dafs P. de Monzo aus P. Bremon se (baysscl) 
entstanden sei, so ist doch noch wahrscheinlicher, dafs umgekehrt 
der bekannte Name P. Bremon dem unbekannten P. de JNIonzo 
untergeschoben ist. Und für die Autorität von a spricht ferner, dafs 
hier die in allen Strophen stehende , nur bei P.' ß. vermifste Zahl 
des Trobadors sich findet: Ab P. de Monzo so .V//.; und hier 
findet sich ja nun auch die Erklärung, weshalb die Strophe auf 
Peire Bremon mit der auf Arnaut Daniel gleichen Reim zeigt, was 
Z. für Nachdichtung der Peire-Bremonstrophe nach der anderen 
geltend machte. So scheint mir denn, dafs in dieser Strophe die 
IIs. a das meiste Vertrauen verdient und dafs für Z. hier nichts 
zu gewinnen ist. 

Daraus nun, dafs die (nur in der Vorlage für CA' stehende) 
1'. Bremonstrophe der Arnaut-Danielstrophe des Mönchs von Montau- 
don nachgedichtet wäre, schlofs Z., dafs die vorhergende, allen 
Hss. gemeinsame (iausmarstrophe bei Peire d'Alvenihe der Guillem- 
Aderaarstrophe beim Mönch nacligedichtet sei, da auch diese beiden 
wie (aus jetzt versländlichem Grunde) jene, untereinander gleiche 
Reime z<;igen ; ein Schlufs, der an sich anfechtbar ist. Wir sehen 



l68 VERMISCHTES. I. ZUR LITTERATÜRGESCHICHTE. 

nun, dafs auch das unabhängige a Gratfioart Gausmar hat, wie A 
DIN'-; auch CR hat Gmismar wenn auch mit anderem ersten Namen. 
Es scheint mir so durchaus geboten an dem Überlieferten fest- 
zuhalten und nicht Ademar für Gausmar einzusetzen. Die Überein- 
stimmung des Reimes aber erklärt sich, wenn wir sie nun einmal 
doch nicht für rein zufällig halten wollen , durch das Vorbild, 
welches die Gausmarstrophe der Ademarstrophe geliefert hat, nicht 
umgekehrt. 

Was nun Guillem Gasmar angeht, den Zenker ebenfalls für 
identisch mit Guillem Ademar hält, so ist uns dessen Tenzone mit 
Eble in 8 Hss. überliefert: ACDEGIKL, von denen mir Ä' wieder 
nicht zu Gebote steht. Von den anderen haben ADGIL : Guillem 
Gasmar, und zwar je dreimal: in der Überschrift, v. lo und v. 28 
(nur G scheint keine Überschrift zu haben); C hat Guillem Guays- 
mar v. 10 und 28, en Gay mar in der Überschrift; E hat Guillem 
Gaimar in v. 10 und 28; also kein einziges mal ein wesentliches 
Schwanken. Auch hier scheint mir durchaus verboten von der 
Überlieferung abzuweichen. Grimoart Gausmar einzuführen , wie 
Chabaneau will, verhindert schon das Versmafs, und Guillem Ade- 
mar macht, auch abgesehen von der Überlieferung, das Versmafs 
wenigstens bedenklich. Natürlich ist mir keineswegs unbekannt, 
dafs neben dreisilbigem Azemar auch zweisilbiges Aimar vorkommt ; 
immerhin ist die dreisilbige Form die weit gebräuchlichere, die auch 
Guillem selbst, Grdr. 202,3 v. 62 auf sich anwendet, und die Fälle 
von zweisilbigem Aimar mögen sich bei kritischer Gestaltung der 
Texte wohl noch weiter verringern, wie denn der Vers, den Z. 
a. a. O. S. 296 wählt um zweisilbiges Aesmar zu belegen, nur in 
2 Hss. von den sechs, die ich vergleichen kann, Senher navmar 
(C) bez. Segner naesmar (G) beginnt. E hat Senher nazcmar, DIM 
Ennazemar bez. En afeviar. 

Wird so Guillem Gasmar oder Gaismar durch alle Hss. be- 
stätigt, so steht die Bestimmung de Saignas bei Eble dagegen allein 
in A, nicht einmal in DI, die doch mit A zusammenzugehen pflegen. 
Dieser Name ist also nicht sicher, und wenn man seine Hinzufügung 
der Willkür des Schreibers von A anrechnet, steht nichts im Wege 
den Eble der Tenzone mit Eble d'Uisel zu identifizieren, wie Z. 
will. Mit der Unsicherheit des Namens de Saignas fällt aber 
andererseits der Grund weg den Eble de Sanhas in Peires Satire 
mit Eble d'Uisel gleich zu stellen. Wir werden sie nach wie vor 
getrennt halten müssen. Und mit alle dem fällt denn auch die 
Datierung des fraglichen Streitgedichts (Z. „die prov. Tenzone" 
S. 86), bei deren Gelegenheit ich, wie mich Z. belehrt, seine Mei- 
nung falsch verstanden habe. 

C. Appel. 



C. APPEL, DKEI TROHADORS. 1 69 

3. Ist Bice Portinari Dante's Beatrice? 

Der Zwist zwischen den Realisten und Allegoristen betreffs 
Dante's Beatrice ist noch keineswegs beigelegt. In Italien hat die 
allegoricüä assoluia in diesem Jahrzehnt zwei entschiedene und be- 
deutende Vertreter gefunden in Rcnier ' und Bartoli 2, deren Aus- 
führungen in Deutschland Gaspary •' entgegen getreten ist. Meine 
Sympathien und Überzeugungen sind vollkommen auf Seite der 
Realisten, die in Dante's Beatrice ein Wesen von Fleisch und Blut 
sehen. Um so mehr habe ich, wie wohl die meisten Verfechter 
dieser Anschauung, bedauert, dafs wir für unsere Überzeugung, 
dafs Dante's Beatrice in der von Boccaccio"* zuerst genannten 
Bice Portinari zu erkennen ist, keinen thatsächlichen Beweis 
führen konnten. Es war mir deshalb eine grofse Freude, wie 
sich mir die Möglichkeit zeigte, eine faktische Verbindung zwischen 
Dante's Beatrice und der historischen Bice Portinari herzustellen. 
Zur Begründung dieser Möglichkeit habe ich zwei vielbesprochene 
Eigentümlichkeiten Dante's in Kürze zu berühren. 

Dante's Vorliebe für die Zahlen drei und neun ist bekannt.^ 
In dem Büchlein, welches uns die Geschichte seiner Liebe erzählt, 
in der „Vita Nuova", dominiert die Zahl neun. Gegen das Ende 
seines neunten Jahres erblickt Dante zum ersten Male die im 
Anfang ihres neunten Lebensjahres stehende Beatrice (cap. II). 
Dann vergehen neun Jahre, bis er sie wiedersieht und sie ihn in 
der neunten Stunde des Tages mit einem süfsesten Grufs be- 
glückt (cap. III). In der folgenden Nacht hat er in der ersten 
Stunde der neun letzten Stunden der Nacht die Vision von Amore, 
der Madonna mit dem glühenden Herzen des Dichters speist 
(caf). III). Dante verherrlicht in einem Serventese die sechzig 
schönsten Frauen der Stadt, in welcher Beatrice wohnt, und der 



' cf. Giorn. Stör. Lcit. It. II (1883) P- 379 ^- in eiiver Besprechung der 
drei Ausgaben der Vila Nuova von Ancona, Giuliani und Luciani. 

- cf. Storia della Lettcralura Iialinna IV (Firenze 1881) p. 171 fi".; V (ib. 
1884) p. 52 (T. 

^ cf. Geschichte der italienischen Literaturl (Berlin 1885) p. 239 fl". und 
Anhang p. 5 1 2 f. 

* cf. Vita di Dante (Teste Crilico di Francesco Macri-Leonc, Firenze 
1888) p. 14; Comento sopra la Commedia (Opere di G. B. vol. V, Firenze 
1724) Cap. II p. 112. 

* cf. Bartoli IV 173 fT., V 53 Anm, 2, Von den an letzter Stelle citierten 
zwei Schriften des I'rofessors Aniato Amati habe ich mir nur die eine ver- 
schaflen können : Dei rapporti di alcuni passi Jella Vita Nuova coUa Divina 
Commedia ; Rendiconli de! Reale Istituto Lombardo di Scienze e Lettcre, 
Serie II vol. VIII p. 234 fl'. (Milano Napoli 1875). Amati berührt hier die 
Neunzahl in der VN. und führt aus, dafs dieselbe in doppeltem Sinn zu 
deuten sei, historisch und mystisch. Von seiner zweiten von Bartoli citierten 
Schrift: // ternario »eile opere di Dante — nach Bartoli in den Atti del- 
TAteneo di Bergamo, niarzo 1875, veröffenllichl — spricht Amati p. 235 
Anm. 4 als im Druck befmdiich, indem er bemerkt, dafs er in Dantes Werken 
ca. 300 ternarj gefunden habe. 



I/O VERMISCHTES. I. ZUR LITTERATURGESCHICHTE. 

Name der Geliebten läfst sich in dieses Serventese nur an neunter 
Stelle einfügen (cap, VI). Die dritte Erscheinung Amore's erfolgt 
in der neunten Stunde des Tages (cap. XII). Der Dichter er- 
krankt, und am neunten Tage seiner 'Krankheit hat er die ge- 
waltige Vision, welche ihm den Tod der Geliebten verkündet 
(cap. XXIII). Beatrice stirbt in der ersten Stunde des neunten 
Tages des Monats, im neunten Monat des Jahres nach syrischer 
Rechnung, in dem jähre des. 13. Jahrhunderts, in welchem die 
vollkommene Zahl (10) neun mal vollendet war (am 9. Juni 1290). 
Für diese zwischen der Geliebten und .der Zahl neun bestehende 
Verbindung giebt Dante zwei Erklärungen : ein Grund könnte sein, 
dafs alle neun Himmel bei ihrer Erzeugung harmonisch zusammen 
wirkten ; der tiefer liegende Grund aber sei , dafs die Geliebte 
selbst eine Neun gewesen sei, ein Wunder, dessen Wurzel, wie 
drei die Wurzel von neun ist, die wunderbare Dreieinigkeit sei 
(cap. XXX). Dieses seltsame Herrschen der Zahl neun liefert den 
Allegoristen eines der mit gröfstem Nachdruck betonten, plausi- 
belsten Argumente gegen die historische Auffassung der Vita Nuova. 
Nicht minder auffällig ist Dante's Neigung, Zahlen und Buch- 
staben in rätselvolle Verbindungen zu bringen — Zahlen durch 
Buchstaben, Buchstaben durch Zahlen auszudrücken. Der 
erste Fall liegt uns vor in den Buchstaben I und M, welche die 
Zahl der guten und schlechten Eigenschaften des Ciotto di Jeru- 
sakmme angeben 1 — der zweite in den Zahlen fünfhundert zehn 
und fünf {DXV), welche den Führer, den DVX, der Zukunft pro- 
phezeien. 2 Auch mit Buchstaben allein operiert Dante nicht 
selten. Schneller als je O oder / geschrieben wurde, verbrennt 
der von der Schlange durchbohrte Sünder 3; sieben P schreibt der 
Engel am Thor des Fegefeuers mit der Schwertspitze auf Dante's 
Stirnc*; in dem Himmel des Jupiter bilden die Seelen der Ge- 
rechten die Buchstaben der Worte: Diligite justiiiam <]ui jiidicatis 
terram, und der Dichter giebt genau an, wie viel Buchstaben dieser 



' Par. XIX 127 ff.: 

Vedrassi al Ciotto di Jerusalemme 
Segnata con un I la sua bontate, 
Ouando il contrario segnerä un emme. 

2 Purg. XXXifl 43 ff. : 

un Cinquecento diece e cimiue, 

Messo di Dio, anciderä la fuja 

Con quel gigante che con lei delinque. 

3 Inf. XXIV 100 ff. 

Ne O si tosto mai ne I si sciisse 
Com'ei s'accese ed arse, e cener tutto 
Convenne che cascando divenisse. 
* Purg. IX 1 1 2 f. 

Sette P nella fronte mi descrisse 

Col punton della spada 

ib. XII 121 ff. Rispose: "Quando i I', che son rimasi 
Ancor nel volto tuo presso che stinti, 
Saranno, come Tun, del tutto rasi . . . 



K. KOKIM'EL, ISl' MICl-: I'OKIIMAKI DANIES lUiA IKICK. IJI 

Satz enthält: fünf mal sieben Vokale und Konsonanten.' Mit 
den Buchstaben des Namens der Geliebten endlich — man darf 
wohl sagen — spielt er, wenn er erklärt, dafs schon B (Variante: 
/)'/,"■) und ICE genügen, ihn mit Ehrfurcht zu erfüllen.- 

In Berücksichtigung dieser Eigentümlichkeiten Dante's scheint 
es mir sehr beachtenswert, dafs sich der uns überlieferte Name 
der (leliebten Dante's vermittelst seiner Buchstaben in den ge- 
heimnisvollen Kreis der Zahlen drei und neun ziehen läfst. Durch 
folgende drei Erwägungen : 

1. Der Familien-Name der Jungfrau: Porltnari enthält neun 
Buchstaben. 

2. Der Name Bice — oder Beatrice — Portinari enthält /, 
den neunten Buchstaben des Alphabets, drei mal. 

3. In dem einzigen Gedicht, in welchem die (ieliebte ohne 
Glorienschein , als das von der Sehnsucht des Dichters begehrte 
Weib erscheint, in dem Sonett : Guido, vorrei, che tu e Lapo ed io, 
spricht Dante selbst von ihr als Moima Bice."^ Monua, die übliche 
den Frauennamen vorgestellte Bezeichnung, geht mit dem Namen 
eine so enge Verbindung ein, dafs sie gleichsam zu ihm gerechnet 
wird, wofür Boccaccio im „Decamerone" viele Beispiele bietet. ^ 
Momia Bice enthält neun Buchstaben. 

Dante hatte für Zahlen und Buchstaben ein scharfes Auge; 
er liebt es die kühnsten Gebilde seiner Phantasie auf dem Boden 
der Wirklichkeit zu bauen. Die erwähnten Zahlenverhältnisse der 
Buchstaben des Namens der Geliebten sind ihm gewifs niclit ent- 
gangen. In ihnen , verbunden mit dem Datum von Bcatricens 
Todestag, an dem nicht zu rütteln ist — denn was hätte den 
Dichter bei freier Erfnidung abhalten können , den Todestag in 

' l'ar. XVIII 76 IT. 

Si (lentro ai liimi sante cieature 
Volitando cantavano, e faciönsi 
Or D, or I, or L, in sue lij,'ure. 
ib. 88 fl'. Alosträrsi dunque in cinque volle seile 
Vocali e consonanti ; ed io nolai 
Le parli si come mi parver dcUe. 
Diligite justitiam, priniai 
Für vcrbo e nomc di lullo il dipinlo ; 
Oui judicalis terram, für sezzai. 
•« I'.ii. VII 13 n. 

-Ma quella rivcrenza che s'indonna 
Di tuilo mc, ]nir per IJc e per ICE. 
Mi riclünava com l'uoni ch'assonna. 
^ V. 9 (1. K Munna Vanna e Monna Bice poi, 

("on «juella cli'c sul nuniero del Irenta, 
Con noi ponessc il buonu incanlalure; cf. VN. XXIV. 
* cf. Giorn. III Nov. IV La vioglie , che monna Jiabettn area nomc; 
VI, III una gioviine donmi , il cui nome fu monna Nonna </«•' Pttlci; VII, 
X tina sua donna chiamata monna Mita; VIII, II una , che aveva nome 
monna ßelcolore. 



172 VERMISCHTES. II. HANDSCHRIFTLICHES. 

den neunten Monat des gewöhnlichen Jahres zu setzen? — , in diesem 
Zusammentreffen von Äufserlichkeiten mag Dante die erste An- 
regung gefunden haben, die Zahl neun eine so bedeutende Rolle 
in der Geschichte seiner Liebe spielen zu lassen , indem er zu- 
gleich die Möglichkeit der tiefsinnigen Deutung dieser Zahl er- 
kannte. 

So wendet sich eine der von den Allego risten mit Vorliebe 
geführten Waffen gegen sie selbst, und die Lösung des Rätsels 
der Neunzahl liefert uns das vermifste Band zwischen der Beatrice 
der Vita Nuova und Bice Portinari. 

Emil Koeppel. 



II. Handschriftliches. 

Zum Evangile des femmes. 

Vor einigen Tagen fand Herr Oberbibliothekar Dr. Sieber in 
einem Convolut Amerbachscher Papiere , das sich im Besitze der 
Universitätsbibliothek in Basel befindet, eine bis jetzt unbekannte 
Handschrift des Evangile des femmes. Da mir dieselbe für die 
Feststellung des Wertes der übrigen Handschriften nicht unwichtig 
zu sein scheint, möchte ich mir erlauben, sie hier näher bekannt 
zu machen. 

Das Manuskript besteht aus 6 Papierblättern in 8". Die Schrift 
weist etwa auf die Zeit von 1450 — 1470. Die erste Seite ist quer 
überschrieben mit dem Titel Lcuarigille des femmes. Seite 2 ist leer. 
Auf S. 3 beginnt der Text; von den 14 Strophen des Gedichtes 
stehen je 2 auf einer Seite und zwar sind die Verse der Quatrains 
abgesetzt, d. h. jede Strophe ist achtzeilig geschrieben. Die 3 
letzten Seiten sind wiederum leer. Den Text drucke ich genau, 
nur mit Auflösung der wenigen Abkürzungen, ab, indem ich die 
beiden Vershälften auf eine Linie setze. 

[1] Leuuangile des femmes vous vueil cy raccompter 
Moult graut prouffit en vient qui le veult accouster 
Cent ans de vray paidon y pouues conquester 
Que gente pucelle apporta doultre mer. 

[2] La maniere des femmes si est moult sainte et digne 
Selon se que noz racompte Marie de compiegne 
Femme ne pence mal ne nonnain ne beguine 
Ne que fall le regnart qui prant une geline. 

[3] Nest pas droit ne rayson que des femmes mesdie 
Saiges sont et apprinses de moult grant courtoisye 



G. HIN?, ZUM F.VANnil.K DES KEMMKS. 173 

Car ad ce quellcs dyenl fol est (|ui ny st fye 

Conime le bergier au loup tiui la berbis es])ie. 

[4] Qui diroit mal des femmes ce seroit granl nierueilles 
Car quam vienl a bien faire chascune sy sapparcille 
Et aussi saifjenient se pouruoit et conseille 

Comme le papillon qui sart a la chandelle. 

[5] Homnie qui se fie en femme comnie aroit il mesaize 
Cest ung medecine cjui tous les maulx apaise 
Oll en puet aussi bien estre asseur et ayse 
Que dun morceau destouppe en ung ardanl fornesc. 

[(>] Grant merueille est de femme oncques teile iien fut 
De tout bien entreprendre ont tousiours larc landu. 
Par leur science sont maint liomme et secourru 
Tout et ainsi que loseau qui est prinz au glue. 

[7] Moult de bien a en femme prouffil lionnesteste 
Saiges sont et secretes et plaines de bonte 
Car on peut aussi bien garder leur amytie 
Que Ion pourroit garder ung glasson en este. 

[8] Hz sont aucuns gens qui sen plaignant si fort 

Mais il me semble bien quilz ont de ce grant tort 
Car on y trouve autant de bien et de confort 
Quon fait en une serpent qui en trayson mort. 

[9] Se on se fie en femme ce nest pas merueille 

Quant est de loyaulte il nest chose pareille 

Et si Celle aussi bien cela quon luy conceille 
Comme celuy i\m chantc en une sourde oreille. 

[10] Sur tout riens est femme damiable talant 

Tousiors eile vieult faire ce que on luy deflanl 

Or dist or propose or vuelt or se rcpent 

En son propos se ticnt comme le cocliet au vent. 

[11] Oncques il nama bien qui les femmes na chier 

Leur vertu et leur grace sont grandcment a priser 

On les peut aussi bien reprendre et chaslier 

Que Ion pouroit la mer düng panier espuiscr. 

[12] Doulce cllOSt Ol ili: Iciuilics cl en (li/. (.1 eil l.ill/. 

Nc sont mye riottcuses et nont point trup de |ilail 
Quant clles sont csmcus si doulccment fönt paix 
Tout ainsi que Ic cinge feroit pour les mauvailz. 



174 VERMISCHTES. III. TF.XTKRITISCHES. 

[13] Moult a de bicn en femmes mais il est trop reclus 

Ne trouuer ne cognoistre ne le poura ja nulz 

Leur science resamble la mayson dedalus 

Quant on y est entre on ne scet trouuer luys. 

[14] Qui conseil vieult avoir bon seur et certain 
A femme laille querre siz nyra mie en vain. 
Leur conseil est si bon et au soir et au matin 

Ja homme ne sera honny si femme ny mest la main. 

Explicit. 

Bei einer Vergleichung der Lesarten der Basler Fassung mit 
den bis jetzt bekannten, fällt sofort die grofse Übereinstimmung 
mit der von Mall (cfr. diese Ztschr. I 337 ff., VIII 44g ff.) bevorzugten 
Handschrift D auf. Nicht nur stimmen von den 14 Strophen von 
b — so möchte ich die Basler Handschrift bezeichnen — 13 mit 
denjenigen von D, wenn auch in etwas veränderter Reihenfolge 
überein ; auch im einzelnen bestätigt b die Lesarten von D fast 
durchweg. Unmittelbar mit einander in Beziehung stehen können 
die beiden freilich wohl nicht. Einmal hat b im ganzen jüngere 
Sprachformen, was allerdings bei dem geringen Alter der Hand- 
schrift begreiflich ist, sodann fehlt die Strophe D3, während b,(,, 
die in D nicht vorhanden ist, offenbar einer späteren Interpolation 
zur Last fällt, welche auch die andere Gruppe von Handschriften 
aufweist ; ferner machen es Abweichungen im Wortlaut unmöglich, 
direkte Benutzung der einen Handschrift durch die andere anzu- 
nehmen. Andererseits aber scheint b an einzelnen Punkten einen 
ursprünglicheren Text bewahrt zu haben als D , so namentlich 
b;^ = D-j Vers 4 (jui la berhis espie, das bei gutem Reim besser in 
den Zusammenhang pafst. Vielleicht ist auch in bg = D,i die 
Lesart comvie celuy qui chante en wie soiirde oreille derjenigen von 
D vorzuziehen ; ob in b, = Dj que geilte pucelle apporta doultre mer, 
wo also Marie de Compiegne nicht mit Namen genannt wird, älter 
ist als Marie de Compiegne le conquist oiilre me?\ wage ich nicht 
zu entscheiden. 

Es ist mir leider nicht möglich, näher auf die Untersuchung 
der Fragen einzugehen, die sich für mich an die Auffindung der 
Basler Handschrift anknüpfen. Ich hielt es aber für der Mühe 
wert, den Fund anzuzeigen, in der Meinung, es sei dies eine solche 
von pi unabhängige Handschrift, von der Mall (Ztschr. VIII 455) 
Fortschritte in der Erkenntnis von dem Gedichte selbst und den 
damit verbundenen Fragen erwarten zu dürfen glaubt. 

G. BiNZ. 



H. SIXHIF.K, /.V AUCASSIV. 175 

III. T X t k r i 1 i s rh «^ s. 

Zu Aucassin [latt-roti, so'/sl,'). 

Aucassin 14,20 haben bisher alle Herausgeber, auch der unter- 
zeichnete, le üiliion de sa mainek gelesen. Dafs caleron hier Brust- 
warze bedeutet, darüber läfst der Zusammenhang keinen Zweifel ; 
es fragt sich nur wie das Wort zu dies(*r Bedeutung kommt. Denn 
es ist ein semel dictum , für welches auch Godefroy keine zweite 
Stelle beibringt. In der ersten Aullage meiner Ausgabe vermutete 
ich, das Wort sei eine; Ableitung von cattus, inid dachte bei dem 
Bedeutungsübergang daran dafs die Blüten mancher Pflanzen, wie 
der Weiden, in Deutschland Kätzchen heifsen. Eine andere Er- 
klärung schlug Mussafia vor (Ztschr. III 267), der das Wort für 
eine Ableitung von caput halten möchte. Doch spricht dagegen 
dafs das Suffix eron schwerlich in die Zeit hinaufreicht, wo man 
in Frankreich noch caput capitis deklinierte. 

Das Rätsel wird gelcVst durch einen glücklich (ledanken Hugo 
Andresens. Derselbe schreibt mir, nach seiner Ansicht sei vielmehr 
taUron zu lesen. Die grofse Ähnlichkeit zwischen c und / in den 
Handschriften des XIII. Jahrhunderts ist ebenso bekannt, wie die 
Neigung der Sprache den Vokal in der ersten vortonigen Silbe in 
a umzusetzen [paresse, balance, chactni). Dieses taleron gehört nach 
Andresen zur Sippe ielta Zitze. Das Wort dient im Franz<)sischen 
noch jetzt zur Bezeichnung einer Pilzart {itleron), und im Deutschen, 
wo mundartlich Pi(Z für Brustwarze gesagt wird , heifst der selbe 
Pilz Friuimpicz. Damit wird die Richtigkeit von Andresens Con- 
jectur evident. 

Ich benutze die Gelegenheit, um einen zweiten Punkt zur 
Sprache zu bringen , das Wort so'isle societatem betreffend. Von 
anderer Seite werde ich gefragt, weshalb ich so'fsic als dreisilbiges 
Wort ansetze. Die Form ist freilich ungewöhnlich ; allein auf Drei- 
silbigkeit deuten die Schreibungen soieske (bei Roquefort) soesic 
soieste soyesU soiheste (sämtlich bei Du Gange, Artikel soestes sorsliira) 
hin. Das Wort mufs wohl ein Lehnwort sein, da sich seine Form 
mit den Erscheinungen des allgemeinen Lautwandels nicht verträgt. 
Die noch heute übliche Form socu'te , die Littre erst aus dem 
I j. Jahrhundert belegt, findet sich bereits Amis 1000. 

H. SUCHIER. 



IV. >\ o r 1 1; e s (• li i r li 1 I i c li c s. 

I. Span. Jin<^iu. 

In dm Zi-itungen winl iu;ui;rdings vielfach von der asiatischen 
/><7/i,'w<-k rankheit gc^sproclum, wc'lche den .Sach- und Sprachwörler- 
büchcrn im Allgemeinen noch frcnnl L'cblicben zu sein scheint. \'er- 



176 VERMISCHTES. IV. WORTGESCHICHTLICHES. 

schiedene Herleitungen dieses Ausdrucks treten dabei ans Licht, die 
meisten ganz abenteuerlich, z. B. >> engl. Aden ague. Eine einzige 
kommt der Wahrheit nahe, die >> engl, dqitdy. In ' Hobson-Jobson ' 
(1886) S. 789 heifst es unter ^/^«_g-//^ : "The term is of West Indian, 
not East Indian, origin, and has only become known and familiär 
in India within the last 15 er 18 years. The origin of the name 
which seems to be generally accepted is, that owing to the stiflf 
unbending carriage which this fever induced in those who suffered 
from it, the negroes in the W. Indies gave it the name of 'dandy 
fever '; and this name, taken up by the Spaniards, was converted 
into dengy or detigue" Ob der Ausdruck dandy fever in Westindien 
wirklich vorkommt oder sein Vorkommen nur vermutet wird, weifs 
ich nicht ; jedenfalls ist das westind.-span. dengue nicht daraus ver- 
derbt. Macias Dicc. cub. (1888) führt dengue nicht nur in seiner 
allgemein spanischen Bedeutung, sondern auch in der eben er- 
wähnten, an: "Tenemos una [significacion metaförica], que omiten, 
todos nuestros autores, menos Ä'rmas: cierta afeccion catarral acom- 
panada de calentura, como en la epidemia de 1828." Dazu die 
„kritische" Bemerkung : " xVrraas la cree introducida por la gente 
de mar, y siendo asi, la acepcion fundamental serä estotra : " Uno 
de los nombres que dan ä los barcos con que se pesca la sar- 
dina en la costa de Cantabria." Dengue als Bezeichnung für ein 
Fahrzeug ist mir sonst unbekannt, falls es nicht dasselbe wie span. 
dinga, port. dengtiim, worunter aber eine asiatische Art von Fahrzeugen 
verstanden wird (s. Ztschr. XIII 50g). Vielleicht ist " los barcos " zu 
bessern in "las redes" (s. unten). Man sieht nicht ein was eine 
„Barke" mit „Ziererei" oder „Fieber" zu thun hat. Dafs eine ge- 
wisse Art Fieber den Namen „Ziererei" erhalten habe, das ist sehr 
wohl denkbar {dengue wird erklärt als "melindre mujeril que consiste 
en afectar delicadezas, males y, ä veces disgustos"); näherer Auf- 
schlufs aber wäre erwünscht. 

Ich sah mich bei dieser Gelegenheit nach dem Ursprung von 
Span, dengue, „Ziererei" um. Diez bezieht es auf deftegare, was in 
formeller Hinsicht ein geringes , in begrifllicher aber ein sehr 
schweres Bedenken erweckt. Wohl kann „Ziererei" zu der Bedeu- 
tung „Verweigerung" kommen ; aber auch umgekehrt „Verweigerung" 
zu der von „Ziererei" und weiter zu „Zierrat", „Frauenmäntelchen 
mit langen Zipfeln", „Sardellenzugnetz" ? In den romanischen, den 
germanischen, auch den slawischen Sprachen findet sich ein laut- 
nachahmender Stamm dand-, dhtd-, dond-, welcher eine Hinundher- 
bewegung ausdrückt („baumeln", „schaukeln", „schlenkern" u. s. w.), 
so franz. dandiner, rumän. dändarii, engl, dandk, deutsch tändeln, 
oberd. dantern — tosk. dindellare, friaul. dinduhi, bearn. dindoukya, 
tschech. dyndali, poln. dyndac — ital. dondolare (franz. dodiner, engl. 
düddle), wovon dann Substantiva mit den Bedeutungen „Gehänge", 
„Baumel", „Franze", „Spielerei" u. s. w. abgeleitet sind, z. B. ital. 
diiiderlo, dondolo, sard. dindalö. Für das zweite d tritt, vermittelst 
Dissimilation , zuweilen ein g auf, z. B. bearn. dingouleya (> <//«- 



H. SCHUCHARDT, DENGUE, MIMUS, MOMUS. 177 

doulcya) , dhigue-chuigue , sizil. dangaliari , engl, datigle (>» dandlc). 
Daher auch span, dingolondangös, "adornos cargados y ostentosos 
en los trajes de las mujercs" und unser dcngtie (vgl. pelmdengue, 
pt-rendengut). Vgl. Borao Dicc. arag.2 252 : " guilhidnjes n., adornos 
superfluos 6 inipropios, en el traje de la niujer: Rosal define dhi- 
gcmdiijts por dijcs , de donde probablemente , se ha derivado la 
voz guilindujes.'" 

2. JSlitmis, inoinus. 

Höchst wunderlich kommt mir die Diez'sche Herleitung des 
sp. pg. mimar und des it. viimma von lat. viinimus vor. Tosk. viimmo 
ist Kinderwort für himbo und läfst sich ohne Weiteres daraus er- 
klären ; doch lehnt es sich vielleicht an ma?nma an, von dem in der 
Lombardei und in Piemont eine Verkleinerung 711(711171, -im, „Brust- 
warze", „Mama" vorkommt (vgl. tschech. 7nwn7tko, „Wickelkind"). In 
ital. 7iii7ncUa, „junge Buhlin" hat aber wohl das mlat. 7ni7na, „Land- 
streicherin", 77iimarüÜ7e, „unzüchtige Geberden" oder „freche Worte" 
Priminius Arch. f. lat Lex. u. Gr. 1 262, III 261 mgr. fiifiäj:, „Buh- 
lerin", fiific'cQioi', „Bordell", hineingespielt. Und noch reichere 
Lebensentfaltung dürfen wir von einem Worte erwarten bei dem 
zwischen Sinn und Klang eine starke Beziehung stattfinden mufs, 
dafs es da wo es kaum eingepflanzt worden ist, schon wieder 
Schöfslinge treibt (so franz. 77n7ne7-, port. 77ii/7iar, deutsch 77U7>ie7i, engl. 
lo vii7nic, magy. i/umehii, welche keine Fortsetzung jenes 77U77ia7-e sind 
von dem DG. ein Beispiel aus dem 14, Jahrh. beibringt und das 
wiederum nicht das gr. ^ifitlv fortsetzt, sondern von 7ni77ms ab- 
geleitet ist). Ich sehe in dem sp. pg. 7/117)10 nichts anderes als das 
lat. 7)117/1115'. „Geberdenspiel", „Nachäftung", „Äfferei", „Ziererei", 
„Liebkosung", daher dann das Vb. sp. //liz/iar, pg. az/iimar (vgl. 
" mii/ia i. 7/iimatio bestiarum " arab.-lat. Glossen bei DC). Endlich 
scheint i/iimtis im Romanischen auch begrifflich ein anderes Wort 
beeinflufst zu haben. Gr. ^oj//oc, „Spott", „Tadel" lebte, von dem 
mo7/ieriu//i Commodians abgesehen, im Latein fort und ging auch 
dem Romanischen nicht verloren: arag. 7/107/10, //io//ie/-o, „spöttisch", 
„Spötter", 7710//IUS, „spöttische Geberden". Mit diesem Worte stiefs 
nun 7/nmo zusammen , und beide schienen Brüder zu sein , jenes 
der gröfsere, gröbere, dieses der kleinere, feinere. Mii/iiis und 
i/io7/itis stehen in den Wbb. öfter nebeneinander. Im Ganzen 
schliefst sich die Bedeutung von sp. pg. 7/107/10 an die ältere Be- 
deutung von 7/imo an : „PossenreiPser" (diesen Sinn hat auch ngr. 
Hojfioq) und „Possenspiel", „Nachälfung"; aber es ist ihm auch auf 
seinem weiteren Wege gefolgt: pg. 7/10//10 kommt im Sinne von 
„Ziererei" vor, sp. i/ior/ios in dem von „Liebkosungen" {//aar //10//10S 
ii u/ia senora, „einer Dame den Hof machen"). So erklärt es sich 
auch dafs der (iott Momus, der vor Ärger platzte (und noch die 
französischen Renaissanceschriflsteller nannten nach ihm einen Neider 
und Verläumder //loz/n), in neuerer Zeil mit der lustigen Schcllen- 

ZeiUolir. f. roiii. l'liil. XIV. i^ 



178 VERMISCHTES. IV. WORTGESCHICHTLICHES. 

kappe dargestellt wird. Freilich hat das Wort momus noch eine 
zweite Begegnung erfahren , und zwar mit einem germanischen 
Worte; altfr. momer [monier ie) ist = sich vexmiwimen [Munwierei). 
Monier, wie das allgemein und auch von Diez geschieht, schlecht- 
weg aus dem Deutschen herzuleiten* das geht nicht an, da es sich 
von sp. pg. niomo nicht trennen läfst. Ich denke dafs eine gegen- 
seitige Angleichung stattgefunden hat. Keinesfalls darf übersehen 
werden dafs dasjenige Wort von dem man für das Deutsche aus- 
geht , kein ausschliefslich deutsches ist. Eine künstliche Schreck- 
gestalt (für Kinder) wird in den verschiedensten Sprachen durch 
Doppeltsetzung eines dumpfen , Schrecken einflölsenden Lautes 
bezeichnet, und dieser pflegt zu bestehen aus einem Labial und 
einem dunkeln Vokal, so deutsch Mumum , magy.niunius, rumän. 
nion/äie, ngr. fiafiovvafcj, südsard. mommöi (lomb. Mdd. niomo, „Teufel", 
niömo, „häfslicher, lächerlicher INIensch"; vgl. ven. niomu, „Drohung") 
— deutsch Wauwau — poln. boho, kymr. hivbach — port. papäo u. s. w. 
Wiederum hat seitens solcher mit m anlautenden Wörter das orien- 
talische mumia u. s. w. gelegentlich Umdeutung erlitten oder bei 
ihnen Umformung hervorgerufen, so it. far k ?nunimie , „Kukuk 
spielen". Ich gedenke schliefslich noch der beiden Wörter welche 
mich zu dieser kleinen Untersuchung angeregt haben : mojnu, 
„stumm" im Malaioportugiesischen wie ' es im vorigen Jahrhundert 
zu Batavia gesprochen wurde, und ?ndmo, „Popanz" im Malaiischen 
von Batavia , welches nicht wenige portugiesische Elemente ent- 
hält. Dafs sie auf port. ?7w?no zurückgehen, ist zu bezweifeln ; aber 
ganz zufällig ist deshalb diese Übereinstimmung nicht zu nennen, so 
wenig wie die zwischen engl, muni, „stumm" und io mumm, „ver- 
mummen". 

Ich sehe erst jetzt dafs Gaster Zeitschr. III 473 rum. momi 
„reizen", „locken", verführen" zu griech. fimne.VBLV, „tadeln", 
„höhnen", „verspotten" stellt; der Bedeutungsübergang würde dem 
obcMi für das span. niomo nachgewiesenen entsprechen. 



3. IMalandria. 
Mistrals Vers: 

Aqui que de pertout s'adus li 7naJandrous 

führt mich auf den Vers im Leben des hl. Alexius : 

Nul n'en i at qui 'n alget malendos 

und auf die Anmerkung von Gaston Paris dazu ; und neben dieser 
Anmerkung finde ich "lat. malandrial" mit besonderem Bezug auf die 
" forme secondaire " malajidre >> ??ialand <; mahn. Das hatte ich 
damals, bald nach Empfang des schönen Buches, hinzugeschrieben, 
mit der Absicht die Sache zu verfolgen; ich bin nicht dazu ge- 
kommen und gebe nun bei dem erneuten Anstofs das was ich im 
Augenblicke gerade hierüber finden kann. 



H. SCHUCHARDT, MALANDRIA, GILET. I7Q 

Der Vater der Dichtkunst sagt: 

To fihXui' (Sq Villi ufKfixffMaai;. 

Was hat man unter dem „Schwarz der Eiche" zu verstehen ? Die 
Einen — Aristarch ist unter ihnen — sagen : die Rinde des 
Baumes, die Andern : das INIark des Baumes, und jede dieser An- 
sichten hat etwas für sich. Mit der letzteren läfst es sich bestens 
vereinigen dafs man die Stücke des eingesalzenen Thunfisches 
^lEXäi'ÖQva ifitXar (Jpüo^' war zu einem Worte: ^i^Xc'cvdQii ov 
geworden) nannte; zwischen ihnen und der Eichenrinde besteht 
nicht die geringste Ähnlichkeit. Dieses Wort ist ins Latein über- 
gegangen : inelanJiya. Davon kann nun ein anderes lat. Wort, 
malandria (ebenfalls Plur.) oder malandriac nicht verschieden sein ; 
aber es verlangt dafs das „Eichenschwarz" als „Eichenborke" erklärt 
werde. Einer solchen nämlich läfst sich die krankhaft zerklüftete, 
krustige, mit Auswüchsen bedeckte Haut von Tieren und Menschen 
vergleichen (bezeichnet doch auch Galle ähnliche pathologische 
Erscheinungen bei Pflanzen und Tieren). Jenes lat. ■ Wort nun 
(dessen mal- >> viel- sich ebenso erklärt wie das von it. vialmconia ') 
bedeutet nach Georges: „Blasen (Blattern) am Halse, vielleicht Aus- 
satz , Räude" (dazu das Adj. malandriosus); es handelt' sich be- 
sonders um Pferde. Daher kommt nun sp. malandi-ta, it. inalandra, 
fr. inalandre, südfr. ?nalandro als Ausdruck für die bei uns „Mauke" 
genannte Pferdekrankheit. Fr. iJialandre heifst auch „fauliger Knor- 
ren im Holz", was uns einigermafsen an Homer erinnert, und für 
Franz. und Span, wird noch die Bedeutung „Aussatz" angegeben. 
Im Logud. ist mahmdra „Druckwunde" (der Lasttiere), in gewissen 
nordfr. Mdd. malandre „Geschwür", „Blatter", im Südfr. malandro 
„Schafpocken", hier aber auch „chronische Krankheit", „auszehrende 
Krankheit", und einen noch weiteren Sinn, nämlich den von „Krank- 
heit" schlechtweg hat malandre in andern nordfr. Mdd. Das lat. 
vialum mischte sich erst in die Wortform ein und führte dann die 
Verallgemeinerung des Wortsinns herbei : -andra wurde als eine 
ableitende Endung empfunden. Und da als eine solche auch das 
-an(tio) von it. malanno, südfr. rnalan, „Unglück", „Elend" > lat. malus 
anmis empfunden wurde, so ist es begreiflich wie dies Wort zum 
Teil die des andern angenommen hat: südfr. nordfr. Mdd. malan, 
„Grind", „Schorf" u. s. w., altfr. malan, „Aussatz", „Geschwür". Es 
hätten sich beide Wörter auch formell mischen können: mahnd, 
aber wo kommt diese von G, Paris angeführte Form vor? ]\Ialendus 
ist nicht auf ein Subst. *malend zu beziehen ; es geht auf lat. ma- 
landriosHS zurück und Mireio ist in diesem Punkte altertümlicher 
als das Alexiuslied. Das -r- wurde hier unterdrückt wie es in 
fr. filandres, südfr. petandro hinzutrat; vgl. altfr. malingeux neben 
malingre (inalingreux) . 



' In Isiilovhss. liest man maltDuhin, //uilunJicn da wo von Tlninfiscli- 
slückcn die Rede ist. 

12» 



l8o VERMISCHTES. IV. WORTGESCHICHTLICHES. 

4. Franz. gilet. 
Ich komme noch einmal (s. Zschr. V 100) auf dieses Wort zurück, 
dessen Zusammenstellung mit span. gileco^ — es war mir entgangen 
dafs schon M. Müller (und nicht erst er) sie gemacht hatte — auch in 
der gegebenen kürzesten Form mir durchaus zu genügen schien um 
die an sich ja nicht unwahrscheinliche, aber doc:h jedes bestimmten 
geschichtlichen Zeugnisses entbehrende Herleitung von Gilles aus 
den Wörterbüchern zu verdrängen. Der Einspruch G. Paris' (Rom. 
X 444), der sich auf das verhältnismäfsig späte Auftreten von gilet 
im Franz., d. h. in der Schriftsprache, stützt, hat mich sehr über- 
rascht. Dafs gilet eine unmittelbare Fortsetzung des span. gileco 
sei {gilet >» gileco, wie ich jetzt schreiben würde), meinte ich mit 
dem vieldeutigen Gleichheitszeichen gerade nicht und meine es 
heute noch weniger. Das türk.j't'M-', griech. yslt'KL, rum. ilic u. s. w. 
("gilet") hat sich bei den Romanen des Mittelmeers meist mit 
einer romanischen Endung festgesetzt : span. gileco, Jaleco, chaleco, -a 
^ox\.. jaleco, -a, lingua franca dgileko (im " Dict. de la 1. fr." Mars. 
1830 unter "gillet"), ita\. giulecco, sizil. gileccu, cileccu, sa.rd. gileca/, 
nizz. gileco (bei Mistral unter " gilet "); es scheint aber auch dafs 
das Wort durch Unterdrückung des /.' angepafst worden ist: sizil. 
sard. gile (gleichbed. mit gileccu), welches wohl kaum auf fr. gilet 
zurückgeht, so jedenfalls fr. gilet selbst! 

5. Span. port. tomar. 
Diez ist, was sich aus seinen Anfängen erklärt, der Herleitung 
romanischer Wörter von germanischen ein wenig zu sehr geneigt. 
Dem span. port. toz/iar möchte er gotische Herkunft zusprechen. 
Warum gedenkt er hier nicht, auch nicht in ablehnender Weise 
— wie er in ähnlichen Fällen zu thun liebt — eines lautlich sehr 
nahestehenden Wortes? Ich meine jenes romanische A-verbum 
lo?/ii- (twnb-), tom- (tum-), welches nicht nur „fallen", sondern auch 
, (fallen machen" bedeutet und zwar gerade in den Sprachen der 
r}renäenhalbinsel selbst (tumbar, tombar'). Der transitive Sinn hat 
sich vielfach modifiziert, so südfranz. iownba i. „ausgiefsen", 2. 
„unterkriegen", „herumbringen" (vaincre, persuader, flechir) und da- 
neben tuma, „mit den Hörnern oder dem Kopfe stofsen", Schweiz, touma, 
tema, „ausgiefsen", sard. faljtumbare, -ai i. „mit den Hörnern stofsen", 
2. „herumbringen" (indurre, piegare). Können wir nicht von irgend 
einer dieser transitiven Bedeutungen zu der von span. port. tomar 
(das eine mundartliche Nebenform von tumbar, tombar sein würde, 
wie südfranz. tuma von toumbd) gelangen? So wäre z. B. „nieder- 
werfen" im kriegerischen Sinn zugleich " nehmen ", und man dürfte 
dabei auf jenen noch stärkeren Bedeutungsübergang obstare -< fr. 
olcr verweisen , der entsprechende Lebensverhältnisse voraussetzt. 
I\lan vergleiche auch span. tumbar, „im Scherze überraschen und 
dadurch böse machen" mit span. port. tomar, „befallen", „über- 
fallen." 



H. SCHUCHAKDT, TOMAK, MAUVAIS. löl 

6. Fianz. mauvais; ahhanz. mauvt'. 

Körtings neuestes Unternehmen ist ein ganz besonders ver- 
dienstvolles; es läfst uns übersehen was wir heutigentags über den 
Ursprung der romanischen Wörter wissen und nicht wissen, und 
regt uns so aufs Lebhafteste zu weiterer Forschung an , auch da 
oder vielmehr gerade da, wo uns „vorläufige Beruhigung" empfohlen 
wird. Ich habe mich als ich unterwegs das erste Heft durch- 
blätterte, u. A. durch den Artikel 1026) beunruhigt gefühlt, obwohl 
auch ich der Gröberschen Herleitung des franz. mauvais vor den 
andern bisherigen den Vorzug gebe. Es tauchte in mir so- 
fort der Eigenname Bonifälius auf — die Schreibung mit / hatte 
ich schon in einer meiner Doktorthesen als die richtige verfochten — , 
welcher von bomivi fatum abgeleitet ist und soviel wie „Glück- 
seliger" besagt. Ihm gegenüber läfst sich ein *mali/atitis, „unselig" 
annehmen ; der Übergang „glückselig" < „gut" und „unselig" < 
„schlecht" erregt keinerlei Bedenken (man vergegenwärtige sich 
die heutige Verwendung von franz. malheureux) und wird überdies 
hier durch die seit dem frühesten iNIittelaller herrschende Schrei- 
bung Bcnifacius und Deutung „Wohlthätiger" geradezu bestätigt. 
Mein Grofsvater Bridel sagte von einem seiner Vorfahren, Boniface 
Bridel, durch dessen Schuld, zu Anf. des 16. Jahrb., die Vermögens- 
verhältnisse der Familie zerrüttet wurden, er hätte eher Maliface 
heifsen sollen. In -^malifatius wurde f zxa v ehe vortoniges ^ > / 
schwand, und v blieb dann durch Anlehnung an / geschützt. Das 
ital. malvagio würde als eine aus Frankreich in früher Zeit ein- 
gewanderte Form zu betrachten sein. Diesem Reiseeinfall vermag 
ich nun einiges Stützende und Ausführende aus Büchern hinzu- 
zufügen. Ob ich die Vok. III 317 (1868) gegebene Herleitung des 
Namens Bvnifatius von fätiim aus Eigenem oder aus Fremdem ge- 
nommen habe , weifs ich nicht mehr ; schwerlich war mir die Be- 
merkung von Pott in der Zeitschr. f. vgl. Sprchf. VI 247 (1857) da- 
mals gegenwärtig. Bergk hat Phil. XXVIII 447 (i'Sög, aber schon 
1864 geschrieben) ebenfalls das Richtige gesehen; vgl. auch R. P. 
C. im Rhein. Mus. N. F. XXIV 132 (i86g). Am Ausführlichsten 
handelt über den Namen Bvnifalms ein Aufsatz, dessen Nachweis 
ich Herrn Dr. K. E. Georges verdanke: Robert Mowat, 'De l'ele- 
ment africain dans l'onomastique latine ' in der Revue archeol. n. 
s. XIX 2H fl". (i86g). Unter den Belegen für die Länge des a 
vermisse ich hier den Vers des Sidönius Apollinaris: 'quorumunus 
Boiiifaliura secutus '. Wenn man auch in s[)äterer Zeit, im Wider- 
spruch mit der angenommenen Herkunft des Namens, Ilonißicius 
mafs, so erklärt sich das daraus dafs er sonst nicht wohl im Vt-rs 
angebracht werden kcjnnte. Mit dt-m thüringischen Bischof Boni- 
facius setzte übrigens Mowat den italienischen Namen des Zungen- 
oder Kehlkrautes (einer Art des alexandrinischen Lorbeers) botii- 
facia = bislingtia in Zusammenhang. Das Wichtigste ist nun aber 
dafs malifalius wirklich vorkommt, obwohl nn-ini-s Wissens in keinem 



IÖ2 VERMISCHTES. IV. WORTGESCHICHTLICHES. 

Wörter- oder Namenbuch verzeichnet, und zwar als Adjektiv, nicht 
als Eigenname, was ja auch schwer begreiflich wäre, wie ich aber 
Vok. I 155 leichtsinniger Weise behauptet- habe (wo auf das „z.B." 
kein Gewicht zu legeij ist) und wie mir Corssen^ I 56 f. zugleich 
mit der von mir später widerrufenen Herleitung Bonifatius ^'^Bojii- 
fadius nachgeschrieben hat. Die Inschrift der Fabrettischen Samm- 
lung auf welche ich mich an der ersteren Stelle beziehe, lautet 
vollständig: "Urbice orfane et malifatie q. vix. ann. XXIII in pace", 
der verwaisten und unglückseligen (etwa = span. malogradä) Ur- 
bica. Schon Fabretti hatte malifatia als " quasi morti per male- 
ficium adacta " gefafst. Mowat, zunächst durch Corssen auf diese 
Inschrift aufmerksam gemacht, hat sie nachgeschlagen und ab- 
gedruckt. Er merkt dazu an (S. 240 ff.): "C'est donc bien la meme 
idee que nous devons voir dans bonifatius, en tant que corr61atif 
de malifatiiis. L'un et l'autre me paraissent resulter de la synthe- 
tisation adjectiv6e de locutions oü le faiinn entre tantöt avec le sens 
metaphysique , comme dans ce passage d'une inscription (Anm. i: 
Gruter, p. 661, n" 6, et Orelli, n*> 4748. — Cfr. Petron. Satyr. 42: 
"At plures medici illum perdiderunt, irao magis malus faius"): 
"fructum alium meritorum suorum reportare fatus (sie) 7nahis ne- 
gavit"; tantot avec le sens personnificatif de la divinit6 a laquelle 
s'adressait la formule invocatoire Fato Boiio inscrite sur certains 
ex-voto." Von dem Bonwn Faium oder Faitmi Bonum ist dann 
S, 243 f. des Weiteren die Rede. S. 242 fährt Mowat fort: "Je 
me borne ä remarquer que ce genre de construction synthetique 
rend compte de la presence de Xo dans la deuxicme syllabe de 
Bovo<fäxia qu'on lit sur une epitaphe grecque. Au surplus, 
l'analogie des exemples ne me fait pas d6faut; M. E. Le Blant a, 
de son c6t6, demontre que le nom d'homme ^crit Bonoememortus, 
Bonememorius, et meme Bo7ioinemorius, devait provenir de l'apposition 
bo7iae memoriae si frequente en cj)igraphie. C'est en vertu du meme 
proccdc que je rattache aux qualifications divines Alma Dea, Bojia 
Dea, le nom de femme Abnadea, le nom d'homme Bonadeus porte au 
XlVe siecle, c'est-a-dire en plein christianisme, par un 6veque de 
Modcne ; tout extraordinaire que ce dernier fait puisse paraitre, 
on s'en 6tonnera moins si Ton songe que Dea Morosini, femme du 
doge Nicolas Trovo, morte en 1478, porta, sans qu'on en fut 
scandalisc, le prenom de Deesse; ainsi l'atteste son epitaphe placee 
dans une des principales cgliscs de Venise. A une epoque en- 
core plus recente, la latinisation du nom de Michel de Nostre- 
Dame en Nosiradamus est-elle autre chose que la contrefa<,-.on du 
proccde grammatical dont je viens de reunir quelques echantillons? 
Ea significatiön que j'adopte pour Bonifaiiiis va se trouver con- 
firmee par des preuves afferentes a la provenance ethnique de ce 
nom; par la, j'entends qu'il n'est pas indigene dans la nomen- 
clature latine; tout concourt, au contraire, a lui assigner une ori- 
gine punique, si l'on en jugc par le nombre relativement tres-con- 
sidcrable d'iiidividus qui l'ont portc dans l'Afrique romaine". Gegen 



G. HAISr, MANEKA. 183 

Alles dieses regen sich Einwände und Bedenken : das von liovo- 
(fi'cTia wie von Bonomcmorius ist wohl der assimilierenden Ein- 
wirkung des folgenden Labials zuzuschreiben; Bona c nie moriiis ist 
kein Eigenname, auch nicht Le Blant zufolge (vgl. Vok. I 176); 
wenn Boni/alius, welches allerdings in Afrika besonders beliebt 
gewesen zu sein scheint, die Nachbildung eines afrikanischen 
Namens war, wie Hifst sich dann das Adjektiv malifatius darauf 
beziehen ? u. s. w. Darauf kann ich vorläufig nicht eingehen ; ich 
gestehe dafs mir die Bildung honifatius noch in einiges Dunkel 
gehüllt ist, besonders wenn ich sie neben die durch die Glossen 
bezeugte bonifaius {EVfioiQO:;) stelle , wie das schon von O. Jahn 
Ben d. säch. Ges. d. W. XIII 361 (1861) geschehen ist. Handelte 
es sich nur um Eigennamen (auch Bdnifalus und daraus abgekürzt 
Bonifas dürfte bestanden haben, wenngleich ich jenes in der von 
L. Renier Rev. arch. XI 446 [1854] angeführten Inschrift nicht 
wiederfinde), so könnte man ans gr. Evxvjfriq, Evxv)(^ioq er- 
innern. Aus diesem bonifaius schliefse ich auf ein *mali/aius < 
span. tnalvado prov. malval, altfranz. maiive. Malus faius ergiebt alt- 
franz. tnau/'t. 

H. SCHUCHÄRDT. 



l\faüera 



stellt W. Meyer Zeitschr. XI 256 und vor ihm die span. Akademie 
zu golh. manna. Es ist richtig dafs gascogn. 7)iafie für urspr. «« 
spricht, nicht so pg. 7)tamnha, das ganz regelrecht von *niauhinha 
kommen könnte. Die Verbreitung ist dem germanischen Etymon 
wenig günstig. Das von M. vernachlässigte Baskische bietet mandoa 
Maulesel , bearn. auch unfruchtbar vom Tier und als Schimpf von 
der Erau. Wir werden dadurch unmittelbar auf das bekannte lat. 
mannus geführt, das eben den Maulesel bezeichnet, in der späteren 
Latinität durch burricus • verdrängt ward. Im ßaskischen gehört 
das Wort zu den ältesten lateinischen Eindringlingen; die der 
Sprache fehlende Geminanation ist behandelt wie bei spanisch- 
italienischer Entlehnung: pendon-pmnone , päuiola zu pennolina. Zu 
maiiera (Suffix wie bei cordero) stelle ich auch catal. dialektisches 
matter zahm. Es ist hier nn nicht ausschliefslich zu ny geworden ; 
ein Teil des Gebietes hat von Anfang die provenzalische Behand- 
lung geteilt, ein anderer die spanische, welche unter dem Einilufs 
des Verkehrs allraälig vorwog. Heute noch ist ohum, oinam, cana- 
t'tT« auch nach dem Wi^rtcrbudi lililicIuT als iiiuviim u\\^\ Lanwuirii. 



' Heute der Esel, weil als Dimin. zu butro empfunden, während das 
Suffix ursprünglich eine Dimensionsvcrschiebuny auch nach der entjjegen- 
geselzlen Richtung bezeichnet liaben nmfs; vyl. span. vicjote gej^en franz. 
vieiliot u. a. 



184 VERMISCHTES. IV. WORTGESCHICHTLICHES. 

cana als Elle gegenüber caiia von der Buchsprachc aufgenommen, und 
wenn jetzt nur daiij', mty geschrieben wird ist alt dan, dam, an 
häufig genug. Son gilt ausschliefslich wobl in Folge der Abwesen- 
heit anderer vokalgleicher Worte ; neben dotta steht auch donya, don 
ist spanisch , ein Unterschied zwischen lat. mn und «« auch hier 
nicht erweisbar. Manero (als ant. bei der Acad. ; ob belegt ?) und 
7nanmho sind vor Isidor gebildet, da dieser das Stammwort als 
volkstümlich nicht mehr kennt. 

G. Baist. 



BESPRECHUNGEN. 



Poesies completes de Bertran de Born , publices dans le texte original 
avec une introduction , des notes , un glossaire et des extraits incdits du 
cartulaire de Dalon par Antoine Thomas. Toulouse, Privat, 1888. LH, 
212 S. 8". 

Das Verdienst dieser neuen Ausgabe besteht zunächst in einer besseren 
und übersichtlicheren Anordnung der Lieder. Der Herausgeber hat sie 
in drei Abteilungen zerlegt : die erste Abteilung umfafst die politischen Ge- 
dichte (27 Lieder), die zweite die Liebesgedichtc (7 Lieder), die dritte die 
Gedichte vermischten Inhalts (8 Lieder). Alle sind, soweit es anging, chrono- 
logisch geordnet. Man kann sich mit dieser Einteilung einverstanden er- 
klären. Als grofser Vorzug der neuen Ausgabe vor der von Stimming ist 
ferner anzusehen, dafs die razos den Liedern, auf die sie sich beziehen, un- 
mittelbar vorgedruckt sind. Dafs dies Verfahren das einzig richtige ist , hat 
Bartsch seiner Zeit (Ztschr. IH 412) in überzeugender Weise dargelhan. Vielen 
Gedichten — manchmal schien es unthunlich — hat der Herausgeber eine 
kurze Notiz über die Zeit und Veranlassung der Entstehung beigefügt. liier 
stützt er sich meistens auf die scharfsinnigen Untersuchungen von Cledat (Du 
röle historique de Bertrand de Born), ohne jedoch dessen zuweilen recht kühnen 
Hypothesen blindlings zu folgen. Vier Gedichte bei Stimming (6, 22, 42 und 
I), die in einigen Handschriften Bertran de Born zugeschrieben werden, .aber 
von ihm nicht herrühren können, wie Cledat a. a. O. 94 und 95 gezeigt hat, 
sind von Thomas mit Recht nicht mit aufgenommen worden. 

Dem Text der Lieder geht eine knapp gehaltene, aber völlig genügende 
Einleitung vorher, in der der Verfasser unter Fernhaltung aller legendenhaften 
Ausschmückung uns das Bild des Dichters so vorzuführen sucht, wie es uns aus 
seinen Gedichten entgegentritt, die ja fast die einzige Quelle seines Lebens und 
Wirkens ausmachen. Im Anhang teilt Thomas Auszüge aus Urkunden der 
Abtei Dalon mit, die sich auf Bertran de Born beziehen, und läfst am Schlufs 
seiner Ausgabe ein Glossar folgen, das auch die in den Liedern vorkommenden 
Eigennamen enthält. 

Was den Text selbst anlangt, so sagt der Herausgeber in der Vorrede, 
dafs derselbe mit dem von Stimming im Allgemeinen übereinstimme ; zuweilen 
habe er eine Lesart aufgenommen, die Stimming unter die Varianten verwiesen, 
seltener eine eigene Konjektur in den Text gesetzt. Nur im letzteren Fall 
habe er die handschriftliclie Lesart in einer Anmerkung angegeben. Gegen 



l86 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

dies Verfahren läfst sich im Prinzip nichts einwenden. Eine aufmerksame 
Vcrgleichung der Texte beider Ausgaben, wie sie weiter unten folgt, und 
die mir bei einem so wichtigen Denkmal wie die Gedichte Bertrans de Born 
doppelt unerläfslich schien, zeigt nun aber, dafs Thomas seinem löblichen 
Vorhaben keineswegs treu geblieben ist; er hat vielmehr auch an vielen Stellen, 
wo eine handschriftliche Grundlage gar nicht vorhanden war, eine Änderung 
eintreten lassen, ohne dieser Änderung auch nur mit einem einzigen Worte zu 
gedenken. Für diesen Mangel an Gfenauigkeit und Gründlichkeit vermögen 
weder die vortrefflichen Textverbesserungen noch auch die mannigfachen 
höchst willkommenen Aufklärungen über Personen und Örtlichkeiten , denen 
wir in der neuen Ausgabe begegnen , in genügender Weise zu entschädigen. 
In Betreff der historischen und besonders der geographischen Nachweise ist 
die neue Ausgabe der von Stimming weit überlegen, während es andererseits 
bei der Vergleichung beider Texte so recht ersichtlich wird, wie trefflich trotz 
mancher Versehen der vom ersten Herausgeber hergestellte Text ist, so dafs 
dem neuen Herausgeber oft nichts Anderes übrig blieb als denselben einfach 
wieder abzudrucken. Dies gilt nicht etwa blofs von leicht verständlichen 
Stücken, wie z.B. den beiden Klageliedern 26 (bei Thomas S. 24) und 41 
(S. 28), ferner 4 (S. 84) und 19 (S. 122) sondern auch von schwieligeren Ge- 
dichten wie 37 (S. 103) und 12 (S. iio). 

Die Einrichtung des Glossars ist nicht eine solche wie man sie von 
einem umsichtigen Herausgeber zu verlangen berechtigt ist. Alle , die die 
Lieder Bertrans de Born in der neuen Ausgabe lesen wollen und die nicht 
zugleich die Ausgabe Stimmings neben sich haben , dessen Glossar bekannt- 
lich mit grofser Sorgfalt abgefafst ist, werden dem Veranstalter derselben 
wenig Dank wissen, dafs er nur bei Eigennamen , nicht aber bei den andern 
Wörtern auf die betreffenden Stellen im Texte verwiesen hat. Hierzu kommt, 
dafs man eine Reihe von Wörtern und Ausdrücken dort vergebens sucht.' 
Schon Chabaneau in seiner Anzeige der Ausgabe von Thomas (s. weiter 
unten) hat auf die Mangelhaftigkeit des Glossars hingewiesen und mehrere 
Wörter namhaft gemacht , die dasselbe nicht aufführt oder bei denen doch 
eine nähere Erklärung vermifst wird. Ich führe noch folgende an, indem ich, 
wie auch weiter unten bei Betrachtung der einzelnen Lieder die erste Ab- 
teilung nach Chabaneau's Vorgang mit A , die zweite mit B , die dritte mit 
C bezeichne und die Nummer, die das betreffende Lied bei Stimming trägt, in 
Klammern setze : se metre en gratis A X(2Ö), 34 ,,sich bemühen, bedacht sein"; 
esser a dire XVI (5/), II „mangeln"; nols =z no los XVIII {40), 38; getar a 
non-cura C V (27), 37 „verachten". Bei restar ist die A XVII (2), 44 passende 
Bedeutung nicht angegeben, ebenso wenig bei devinar die C I (7), 23 in Be- 
tracht kommende (s. weiter unten zu den beiden Stellen), noch auch bei segle 
die Bedeutung „Zeit, Leben", die das Wort A XXVI [25), 19 hat. eus wird 
zwar aufgeführt, aber nur als eu vos, eine Erklärung, die C VI {39), 42 nicht 
in Betracht kommt, während lai zwar sowohl als la als auch als la i er- 



' Zu erwägen ist auch , ob nicht bei Abfassung des Glossars zugleich 
die beiden Biographien sowie die razos wenigstens in der Weise zu berück- 
sichtigen wären, dafs die dort vorkommenden Orts- und Personennamen auf- 
genouunen würden. 



A. THOMAS, BERTRAN DE BORN. .187 

klärt wird, ohne dafs wir jedoch, da die Verweisungen auf die Stellen ja 
fehlen , erfahren , was nach des Herausgebers Ansicht hii C VI [SO), 8 be- 
deutet. 

Indem ich mich nun zur Betrachtung des Textes selbst wende, bemerke 
ich, dafs wo im Nachfolgenden auf Tobler verwiesen wird, dessen von Slim- 
ming in den Anmerkungen mitgeteilte Verbesserungen gemeint sind ; wo auf 
Suchier , dessen Anzeige von Stimmings Ausgabe im Literaturblatt 1880 
S. 140 fl". Häufig angeführt sind ferner die beiden ausführlichen Artikel von 
Chabaneau , der eine über Stimmings Ausgabe , der andere über die von 
Thomas. Ersterer erschien in der Revue des langues romanes IV« serie, 
tome premier (1887) p. 603 ff., letzterer, den ich schon erwähnte, ebd. tome 
deuxiöme (1888) p. 200 ff. Sie sind der Kürze wegen mit IV i und IV 2 be- 
zeichnet worden. 

A I {23), 2 haben mehrere Hss. na raimon, dsgl. IV {13), 7 und XXIV (6'), 
51 einige Hss. na enrics bzw. naenrris, ebenso C III {16), 22 und 29 die einzige 
Hs., die das Gedicht bietet, na tempra, na tempre. An sämtlichen Stellen 
ist von einer männlichen Person die Rede. Es könnte nun unbeschadet der 
Richtigkeit des Verses en Rai77ion, en Eyirics, en Tempra gelesen werden ; 
allein vielleicht ist es doch möglich der Schreibung der Handschriften gerecht 
zu werden, ohne gezwungen zu sein mit Stimming na Raimon, na Enrics, na 
Tempra zu lesen. Was den ersten Namen anlangt, so sucht sich Thomas dadurch 
zu helfen, dafs er n^Arramon setzt: letzteres sei die gascognische Form des 
Namens Raimon. Dieser Notbehelf wird Niemand befriedigen. Sehen wir 
uns nun aber die Hss. an, so nehmen wir wahr, dafs nur vier von acht na {en) 
Raimon haben, C hat narramon, JK na ramon, F en ramo?i. Da wir über 
den Herrn von Esparron sonst nichts wissen, so sind wir berechtigt ihn ebenso 
wohl n'Aratnon, n'Arramon als en Raimon oder gar na Raimon zu nennen. 
Aramon aber würde dem ahd. Namen Arimund Aratnund entsprechen. Vgl. 
Förstemann I 629 und Il6 (ebenso Hadahald neben Hadibalt ■= Hathubahl 
ebd. 642 ; Hadawich neben Hadiwih = llathu-wic 647. Das verhältnismäfsig 
seltene Vorkommen von Aramon wird die Verwechslung mit dem häufigen Rai- 
mon herbeigeführt haben, die um so leichter eintreten konnte, wenn sich na 
von ratnon getrennt hatte : na ramon statt n'aratnon. Was den zweiten Namen 
anlangt, so setzt Thomas n'Aenrics n'Aenris und erklärt diese Form als 
die ursprüngliche. Eine dreisilbige Form des Namens Heinrich ist allerdings 
berechtigt. Er lautet ursprünglich Haganrich und aus diesem entwickeln sich 
die von Foerstemann I 592 angeführten Formen Haeinricus, Aianrich, Eenrich, 
Eihenrich. Aenrictis steht ferner in den documents historiques p. p. Leroux, 
Molinier et Thomas I 67; nai henrics, nainrics verzeichnet Stimming S. 305 
als Schreibungen der Hss. F. und M. — Der sonderbare Name Tempra Tempre 
kommt noch in zwei anderen Gedichten Bertrans vor: A IX (,W), 47 («a 
Tempres na Tempre!) und B V (.36'), 89 {na Tempra). An den beiden letzten 
Stellen ist es zweifelhaft ob er einen Mann oder eine Frau bezeichnet; allein 
nichts hindert uns auch hier wie C III (iÖ) Ersteres anzunehmen. Versländ- 
lich ist der Name nur, wenn wir ihn als Verstecknamen auffassen und in ihm 
das Substantiv tempre ■=■ frz. trempe erblicken , so wenig geeignet es auch 
zur Bezeichnung einer Person sein mag. Neben tempre ist auch alempre in 
derselben Bedeutung üblich; s. Raynouard L. r. 5,318. Möglicher Weise 



l88 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

haben wir darum an allen vier Stellen zu lesen n^ Atempre. Zu Tenipra für 
Tempre mag ein Schreiber durch das vorhergehende na veranlafst worden 
sein, — Der hier genannte Herr von Esparron Jst zwar, wie schon bemerkt 
wurde, eine sonst nicht weiter bekannte Persönlichkeit, indessen hat Schultz 
(Ztschr. IX 127) darauf hingewiesen, dafs die Esparron eine altadlige und oft 
erwähnte Familie waren, die ihren Namen von ihrem Besitztume Esparron im 
Arr. Gap (Dep. Hautes- Alpes) führte. — 13 ATolosa pari Montagtit ist die 
• schon von Bartsch (Ztschr. III 423) empfohlene und von Thomas aufgenommene 
richtige Lesart. Letzterer nimmt aber doch an dem Ausdruck Anstofs , ob- 
wohl er nichts Befremdendes hat. Toulouse liegt von Autafort ausgerechnet 
pari Montaigut (Dep. Tarn-et-Garonne , Arr. Moissac) „jenseits von Mon- 
taigut, über Montaigut hinaus". — V. 17, wo die Hss. sehr von einander ab- 
weichen, hat Thomas die von M gebotene Lesart aufgenommen. Sie ist zwar 
verständlich, aber schwerlich die ursprüngliche. Bartsch (a. a. O. 423) glaubt, 
dafs 17 und 18 beide Male jairem zu lesen sei, was wenig glaubhaft er- 
scheint. Vielleicht E nos lor trairem de viro , worauf JK.F führen. — 
Gleiche Unsicherheit besteht in Betreff des 38 vorkommenden Namens. Die 
Handschriften haben Mon Albio, Mon Albeto, Alon Arbezo. Letztere Lesart 
setzt Thomas in den Text und sagt, Montauberon vor Montpellier sei damit 
gemeint, was schwerlich richtig ist. Im Glossar fehlt der Name. — 42 setzt 
Thomas frairel rei (= fraire lo rei)\ allein die Lesart der besseren Hss. 
frair del rei ist zu belassen, wie schon Chabaneau anmerkt, IV 2 p. 202. 
Die Änderung des Herausgebers fällt um so mehr auf, als er IV {IS), 5 und XI 
(S2), 20 frair und IV (IS), 5 pair unangetastet gelassen hat. Die Formen 
frair und pair sind bei Bertran freilich nirgends durch den Reim, wohl aber 
an den drei eben angeführten Stellen durch das Metrum gesichert. 

II (44). In der razo zu diesem Liede ist Zeile g statt En Richartz mit 
Stimming (Zeile 10) zu schreiben Ä'w (== E en) Richartz, wie 15 richtig stein. 
Ebenso ist En in E^n zu verbessern razo zu A VIII {2t) Zeile 4; zu XI {S2), 
15,32,34,39; zu XXIV (S), 3 ; zu B V (.%'), 8 ; dsgl. Lied A XXIV (<S'), 
39. Richtig steht E'n in der razo zu B I (.i)V), 3. — Die Reihenfolge der 
Strophen in diesem Liede ist bei Thomas etwas anders als bei Stimming: 
12453678 statt 12345678. Diese Anordnung halte schon Stimming selber 
S. 216 als die vielleicht empfehlenswertere erkannt. — V. 5. In dem Aus- 
druck Pou e la mealha ist mealha , wie Thomas , Raynouard und Stimming 
berichtigend, hervorhebt, nicht das frz. moelle, sondern das frz. ?naille (kleine 
Kupfermünze). Pou e la mealha d. h. Alles was ich an Lebensmitteln und 
Geld besitze. — 16 {23). se tartalhar heifst „in zitternder Bewegung sein"; 
Thomas, dem Chabaneau IV 2 p. 202 beistimmt „se debattre"; s. Diez E. W. 
'{tartagliare). — 22 {29) ressolli gehört nicht zu ressolvre, wie Stimming an- 
nimmt, sondern nach Chabaneau (IV l p. 611) und Thomas zu einem Verbum 
ressollar „wieder besohlen", das hier wie auch retalhar in derselben Zeile 
in übertragenem Sinne gebraucht ist. — 23 {30). Die Erklärung, die Stimming und 
Thomas von calh geben (i. Sing. Prs. Ind. von calhar = it. qiiagliare cagliare 
„gerinnen", hier aber transitiv gebraucht ,, gerinnen machen, zusammenhalten") 
scheint annehmbarer als die von Chabaneau (IV i p. 611) aufgestellte, der zu- 
folge calh lat. caleo entspricht. — 29 {15) fort batalh stimmt besser zum Fol- 
genden als fol batalh , wie Stimming hat , allein die erstere Lesart wird nur 



A. THOMAS, HER IRAN DE HÖRN. I 89 

von M geboten und ist darum nicht unbedenklicli , während drei Zeilen da- 
rauf Mais per savt e per musart bei Stimming sicher irrtümlich ist. Thomas 
ist hier mit Recht dem befriedigenderen Text von AM gefolgt : Pero per fol 
(bric) e per musart. — 44. Bei fnalh wird schwerlich , wie Chabaneau IV 2 
p. 202 annimmt, an das Maillespiel zu denken, die Wendung vielmehr durch 
den Reim hervorgerufen sein. — 45. Eine Reminiscenz an das Schlachtrufs 
Renaud's von Montauban liegt bei Baiart schwerlich vor, wie Thomas mit 
Recht meint. Pferdenamen wiederholen sich, zumal solche, die sich auf die 
Farbe gründen, wie Baiart, Blanchart, Ferrant, Morel u. a. m. 

III {SB). In der razo Zeile 8 hat auch Thomas wie Stimming alqual ei 
avia toltas las rendas de las caretas. Allein Bartsch (Ztschr. III 415) be- 
merkt, dafs, da F. tolto totas habe, anzunehmen sei, dafs die richtige Lesart 
laute : toltas totas und toltas in JK wegen der Wortähnlichkeit mit totas ge- 
fallen sei. — Gegen einige Änderungen , die Thomas in dieser razo hat ein- 
treten lassen, wird nichts einzuwenden sein: Ciarens (vgl. V. 9 des Liedes) 
Zeile 18, quatre gran baro 19, Engolmes 20; Stimming Clarensa (Z. 21), 
gran quatre baron (22), Engolmesa (23).* Allein e lauzan lo setihör de Puoi 
Guilhem etc. Zeile 20 konnte stehen bleiben (Thomas los senhors); vor Allem 
aber plus prosperos (Stimming Z. 18), das Thomas ohne zwingenden Grund 
in plus pros (15) verändert hat. Nach el senher de Taunai 25 {29) fehlt bei 
Thomas el vescoms de Siorai el senher de Talhaborc. — Was das Lied 
selbst anlangt, so sind die Abweichungen nicht bedeutend : V. 32 hat Thomas 
auf Grund von AC das gewifs richtige otnenes aufgenommen , das aber hier 
wohl eine konkretere Bedeutung (Land, Landbesitz) hat, wie Chabaneau IV 2 
p. 202 bemerkt. — V. 41 hat Thomas si paireja in den Text gesetzt statt si 
panteja. Das Verbum pairejar, das von drei Handschriften geboten wird, 
und keine andere Bedeutung haben kann als die ihm von Cledat (Du röle 
historique de B. de Born p. 45) und Thomas (schon Ecole des chartes XL 
476 bei Besprechung des genannten Buches von Cledat) gegebene „seinem 
Vater nachahmen", ist in der That besser am Platz als pantejar „keuchen, 
Angst haben". Doch ist das Wort sonst noch nicht nachgewiesen. — Ciarens 
V. 9 ist von Thomas verifiziert worden (= Clerans), dsgl. Granhol ebd. (= 
Grignol), Gavardas 18 (= Gavardan, früher kleine Vizgrafschaft in der Gas- 
cogne, östlich von der Vizgrafschaft Marsan gelegen) und Aics 20. Unter 
letzterem ist nicht, wie Stimming annimmt, Aix zu verstehen, sondern, wie 
Thomas schon in seiner Anzeige von Stimmings Ausgabe (Ecole des chartes 
XL 478) bemerkt, das im Westen der Gascogne im Dep. Landes gelegene 
Dax , früher Acqs geschrieben , lat. ad Aquas. Wegen der eigentümlichen 
Bildung vgl. Ouicherat, de la form. fr. des anc. noms de lieu p. 25. — Die Lage 
der Feste, die bei Bertran 35 Clarasvals heifst, ist bereits von Cledat a. a. O. 
44 bestimmt worden. Wir haben sie in der Nähe von Chätellerault zu suchen, 



* Die Vergleichung besonders der umfangreicheren razos in den beiden 
Ausgaben Bertrans wird leider dadurch sehr erschwert , dafs Tiiomas es 
versäumt hat den Abdruck dersell)en wie (loch Stimming gelhan mit fort- 
laufenden Ziffern zu versehen , die auch abgesehen von diesem Zwecke nötig 
gewesen wären der etwaigen Verweisungen wegen. HolTenllich wird der 
Herausgeber diesem mifslichcn Übelslande bei einer zweiten Aullage ab- 
helfen. 



igO BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

etwa neun Meilen nordöstlich von Poitiers , dort wo noch heutzutage 
Scorbe-Clairvaux liegt. Chätellerault sowie auch die 34 genannten Mirebeau 
und Loudun gehörten zu Anjou und deshalb eben mufste Heinrich der Junge 
den Bau der Feste übel vermerken, denn Anjou betrachtete er als sein väter- 
liches Erbe. In MatafeUo 40 haben schon Cledat (a. a. O. 44) und Thomas 
(Ecole des chartes XL 478) das heutige Mateflon in Anjou erkannt, bei 
Seiches im Dep. Maine-et-Loire, Arr. Bauge. Dafs der Nanie sehr bezeichnend 
für eine Feste sei, bemerkt mit Recht Thomas.' Er kommt übrigens oft vor. 
Hugo de Mathafelo7te und sein Sohn Theobaldus nahmen an dem weiter unten 
zu XV (5S), 17 erwähnten Kampf bei Alen9on Teil; s. die dort angeführte 
Chronik von Anjou Seite 146 — 7. Ein Thebaldus de Matefelon , kaum 
derselbe wie der eben genannte , erscheint in dem Verzeichnis der militum 
ferentium bannerias tempore Phüippi II. regis (d. h. Philipp Augusts) bei 
Duchesne, Hist. Norm, scriptores antiqui p. 1033 D. ; ferner ein Herr von Mate- 
felon als Mitunterzeichner eines vom 3. April 1344 datierten Urteilsspruches 
Philipps VI. von Frankreich, durch welchen mehrere normannische Grofse wegen 
verräterischen Einverständnisses mit den Engländern zu Schleifung und 
Enthauptung verurteilt wurden; s. Histoire de Saint - Sauveur - le -Vicomte 
p. 99. Ebenda p. 266 bzw. 268 werden Pierre und Juhez de Mathefelon 
unter den Edelleuten genannt , die bei der Belagerung von Saint-Sauveur im 
Jahre 1375 zugegen waren. Im Chevalier au cygne kommt derselbe Name 
Matefelon zur Bezeichnung einer (wohl fingierten) Örtlichkeit in Syrien vor 
(V. 9818), dsgl. verwendet Huon de Mery ihn allegorisch in seinem Tour- 
noiement Antecrist (bei Stengel A. und A. LXXVI S. 70): ... de doiiz afere 
Est li dars: amours le ßst fere El chastel de Mate-felon , Car mis n'a le 
euer si felon . . . SHl sentoit le dart . . . QuHl ne fust douz et atemprez. 
— 41 — 46 fafst Thomas als eine einzige Tornada auf. Eher empfiehlt es sich 
blofs 4r — 44 zusammenzufassen und 45 — 46 für sich folgen zu lassen. So 
Chabaneau IV i p. 609 und IV 2 p. 202. 

IV {13). Die razo zu diesem Liede spricht von einer Reise des jungen 
Königs Heinrich nach der Lombardei , um hier des Turnierens und anderer 
Kurzweil zu pflegen. Allein wie bereits Cledat 48 vorgeschlagen , setzt 
Thomas Normandia statt Lombardia , indem er mit Recht vermutet , dafs es 
sich hier um einen Fehler der handschriftlichen Überlieferung handelt. — V. 7 
des Liedes wegen n'Ae?t7-ics s. weiter oben zu I 2. — 17 ist die Lesart der 
Hss., die Stimming unangetastet gelassen hat, keineswegs sinnlos, wie Thomas 
meint, jfa per dar mir non er de Coberlanda Reis dels Engles ist = ya per 
dorniir non er reis dels Engles de Coberlanda. Vgl. die Wortstellung A V 
(Stimming 14), 49. Diese Stelle bedarf also keiner Änderung. Wohl aber 
V. 21, wo Thomas die Lesart von A in den Text gesetzt hat: ni sera ducs 
statt ni ducs clainatz. — Unter Canda 19 versteht Thomas Cande, allein es 



* Ebenso nannte Heinrich I. von England eine im Jahre 11 19 neuerbaute 
Feste Mate-putain, wie Ord. Vitalis IV 395 berichtet; und Richard Löwen- 
herz erbaute auf seinem Zuge nach Sicilicn II 90 bei Messina ein Schlofs, dem 
er den Namen Mate-grifon gab ; s. Benedict von Peterborough ed. Stubbs II 
138. Ein Befestigungswerk Mata-hou kommt in der Albigenserchronik vor 
ed. P. Meyer V. 9494. 



A. THOMAS, RERTRAN DE BORN. 1 Q I 

ist wohl Candes gemeint, früher Cancle geschrieben, das besser zu Monsaurel 
= Montsoreau stimmt. Beide Örter liegen an der Mündung der Vienne in die 
Loire. — 28 Stimming; anz asetga eis aranda; Thomas: anz assetja eis a 
randa. Beides schwerlich richtig. Es ist vielmehr zu lesen : Anz assetj'als 
(= assetja los) a ra>nia. — "Was Thomas 31 in den Text gesetzt hat ist 
sicher unrichtig: El reis torneja ah cels de Garlanda , da der Sinn einen 
Konjunktiv verlangt. Besser Stimming : El reis tornei lai ab cels de Gar- 
landa, allein Chabaneau's Emendalion (IV 2 p, 203) verdient den Vorzug: El 
reis tor?iej' ab aicels de Garlanda. 

V (i4), 7 — 8. Tost Vagral reis jovcs matat Sil coms nol n''agiies en- 
senJiat , wie Stimming und Thomas haben, ist schwerlich richtig „schnell 
würde ihn (Richard) der junge König (Heinrich) besiegt haben, wenn der 
Graf (Richard) ihn (Heinrich) nicht darin unterwiesen hätte". Das ist nur 
einigermafsen verständlich, wenn wir annehmen, dafsBertran sagen will : Heinrich 
ist von Richard im Spiele unterwiesen worden und dieser läfst sich (als Lehrer 
dem Schüler gegenüber) nicht so schnell besiegen. Chabaneau (IV 2 p. 203) 
conjiciert sehr gut: Sil coms nos n^agues ensenliat „wenn der Graf sich nicht 
darin unterrichtet hätte. — 18 rnas sos cors nolh erra (besser non Verra mit 
Stimming) „aber sein Lauf führt ihn nicht irre", er wird eben der wütende 
Eber sein. Stimming hat die Stelle ganz richtig verstanden, wie aus seiner 
Anmerkung hervorgeht , giebt aber im Glossar nicht die hier passende fakti- 
tive Bedeutung von errar an. Auch bei Thomas findet sich unter errar nur 
die Bedeutung „se tromper" verzeichnet. — - 25 sind li guazan nach Stimming 
„die Bauern". Thomas in den Nachträgen vermutet scharfsinnig, dafs zu lesen 
sei: li Guizan „die Aquitanier" vgl. VI (,2(i), 63. — 32. Statt per etnndat ist 
besser mit Chabaneau IV 2 p. 203 zu lesen per [rjenvidat ,,für überboten". 
Dafs dies die ursprüngliche Lesart sei, meinte schon Stimming selbst (s. die 
Anmerkung zu der Stelle). -— Da in der sechsten Strophe der zu Anfang des 
Gedichtes vorkommende Vergleich mit einem Spiele wieder aufgenommen 
wird, ist 34 statt l'estatgier zu lesen Vescachier ,,das Schachbrett" (so Cha- 
baneau IV I p. 606 und Thomas in den Nachträgen) und unter den pezos de 
Valia sind die pions (, .Bauern im Schach" ; so schon Chabaneau ebd.) und 
zugleich die pictons „Fufssoldaten" aus der Grafschaft Anjou zu verstehen. 
Valia ist von Thomas klargestellt worden. Valee heifst ein Teil von Anjou 
an den Ufern der Loire von der Touraine an bis zu den Ponts-de-Cd.^ Dieser 
Nachweis ist um so willkommener, als durch denselben auch mehrere Stellen 
in den normannischen Chroniken von Wace und Benoit Aufklärung erhalten. 
Wace, Rou IS. 180 V. 3925 sagt: Flamenc crient „Arras" e Angevin „ Valie"; 
Benoit II S. 215 V. 21694 »Valie" crient tiiit enßn Quens Geofrei e si An- 
gevin; dsgl. III S. 121 V. 35245 IT.: Li qiiens d' Anjou Gefrei Martel Qui 
de l'ovraigne esteit mult bei I vint od riclie compaignie E od ses archers 
de Valie. — Zu den Schlachtrufen 41: Ar rat, Monjoi, Deus aia vergleicht 
Cledat passend die aus dem Rou, ebenso Thomas. — Da prezat, das 56 steht, 
in derselben Strophe V. 59 noch einmal erscheint , so ist vielleicht an der 
ersteren Stelle mit Chabaneau IV i j). 606 lauzat zu lesen. — 76. Ebenso sagt 

' Der Name Valeia begegnet u. a. in der Chronik von Anjou (s. zu 
XV 17) Seite 88 und 91. 



ig2 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

Faulet von Marseille Lo plus ardit de Bure tro en Alamanlia; s. Revue des 
langues romanes III 7, 279 und Levy zu dieser Stelle. Stimming selber führt 
die Stelle schon an (S. 260), ohne jedoch wie es scheint die Übereinstimmung 
mit Bertran bemerkt zu haben. — 75 — 6 bilden, wie Chabaneau bemerkt (IV 
2, p, 203) eine zweite Tornada und sind darum von den beiden vorhergehenden 
Versen zu trennen. — Einigen Änderungen , die Thomas mit dem nur von 
einer einzigen Hs. gebotenen Text vorgenommen hat, wird man beistimmen 
können : 6 Del quäl dels ßlhs, Stimming : Dels quals dels filhs (hier scheint 
der Plural dels filhs den Fehler Dels quals veranlafst zu haben); 38 Mas de 
lai lor er afinat, Stimming : Mas de sai lur es afinat. Letzteres kann nicht 
richtig sein, da ein Gegensatz zu der vorhergehenden und den folgenden 
Zeilen vorliegt, er für es in der nämlichen Zeile ist weniger sicher. — V. t6 
scheint es natürlicher, mit Thomas aiic statt qu^anc zu lesen als 15 mit 
Stimming ni in crei zu verändern. Eine unnötige Änderung hat Thomas 23 
und 36 eintreten lassen, wo der Text von Stimming nichts zu wünschen übrig 
läfst. Auch Monjoi 42 konnte (als prov. Form) bleiben. 

VI {26). In der razo zu diesem Liede fehlt etwas in dem Abdruck, den 
Thomas giebt, nämlich die Worte e lo reis joves ad el tnelhs qu'a konie 
del man. — Die Änderung des handschriftlichen ni V. 54 des Liedes in neis 
erscheint wenig gerechtfertigt, während im folgenden a garan gewifs richtig 
ist statt agaran bei Stimming. a garan heifst hier ,, behutsam, sorgsam", vgl. 
Raynouard L. r. 3,423. So auch Thomas im Glossar. — 74 — 76 lauten bei 
Stimming und Thomas ; Non pretz un besan Nil colp d hin aiglan Lo mon ni 
cels quei estan. Beide scheinen an dem „Schlag einer Eichel" keinen Anstofs 
genommen zu haben, wiewohl der Ausdruck doch sonderbar genug ist. Nun 
bieten aber statt colp drei Hss. cop d. h, die Masculinform von copa ,, Schale" 
(s. Diez E. W. unter coppa). Nil cop dUm aiglan heifst demnach „noch das 
Schälchen, das Näpfchen (frz. cupule) einer Eichel". 

VII {41), 12 hat der Dichter mort Vi-aA mortal absichtlich neben einander 
gestellt : Trop an agut en 7nort mortal guerrier. Vgl. XI 62 : El n^enviet 
per mar marritz La domna eis Grecs que ac traitz; XII 29 Que de sos pres 
pres esmenda Del rei; B VI 7 Qu'aitan volgra volgues mon pro na Lana 

Com lo senher de Peitau. — 17 setzt Thomas Estouta mortz, wie Suchier 
conjiciert hat.> Bartsch stellt im Glossar zu seiner Chrestomathie estenta, wie 
C hat (T senta) und welcher Lesart er gefolgt ist, zu estendre, und übersetzt 
es mit ,, gewaltig", ursprünglich also „ausgestreckt , ausgebreitet" {extenta). 
Auch Chabaneau IV i p. 610 fafst estenta als extenta, aber in der Bedeutung 
„ausgereckt, mager, entfleischt". Einer ganz andern Erklärung zufolge , die 
Delius vor Jahren zu geben pflegte, ist estenta als Partizip von estenher auf- 
zufassen, „erloschen, bleich". 

VIII {;il). Zeile 4 der razo hat Thomas statt virar bei Stimming das 
einzig richtige 7«/-a^ eingesetzt auf Grund dessen was Bartsch (Ztschr. III 414) 



^ Diese Lesart scheint auch der Verfasser der schwungvollen französi- 
schen Übersetzung, die Cledat (Du role historique de B. de Born 53) von dem 
Klageliede milleill, für die richtige zu halten ; wenigstens lautet der Anfang 
der dritten Strophe bei ihm : Cruelle mort, ä fiotre hu7neur chagrine Vante 
tes coups. 



A. THOMAS, IIKKIRAN DE MORN, 193 

bemerkt halle , sowie 6 Ghiiei stall (liime!. Die letztere Verbesserung war 
bereits von Chabaneau gemacht worden (Re%'ue d. 1. r. III 2 p. 86). Gimel ist 
noch heutzutage ein icleiner Ort in Limousin , nicht weit von TuUe gelegen. 
Ugo de Uimello kommt in einer der von Thomas mit Bezug auf Bertran de 
Born im Anhang mitgeteilten alten Urkunden S. i6o als Zeuge vor; in späterer 
Zeit scheint die adlige Herrschaft Gimel in den Besitz der Herren von Len- 
tillac übergegangen zu sein ; wenigstens wird sie als zu deren Besitztümern 
gehörend in dem 1698 verfafsten Memoire sur la gendralite de Limoges auf- 
geführt, das in den bereits genannten Documents historiques p. p. Leroux etc. 
t. II p. 149 ff. abgedruckt ist. — 9 (lO bei Stimming) ist un comte de Gas- 
conha Apposition zu eu Centolh d'' Estairac und darum wohl von Thomas in 
Klammern gesetzt, was jedoch kaum nötig war, ebensowenig wie die Ände- 
rung des handschriftlichen Estarac Estairac in Astarac (Grafschaft im Süd- 
osten der Gascogne). Richtig ist dagegen wieder Engolesme 7 statt Engo- 
leima. — V. i des Liedes hat Thomas mit Recht die von Bartsch a. a. O. 424 
vorgeschlagene Änderung aufgenommen. — 15 ist das handschriftliche und 
von Stimming bewahrte Ni zu belassen , wie auch Chabaneau bemerkt IV 2 
p. 203. — 27 und 55 ist Thomas M gefolgt , an der ersteren Stelle ohne 
zwingenden Grund, an der letzteren mit Recht, da mar ja Femininum ist. — 
V. 24 scheint E'n, wie Stimming hat (= E en) natürlicher als En, ebenso 35 
Qn'en (Stimming) besser am Platze als das von nur wenigen Handschriften 
gebotene, aber von Thomas aufgenommene En. Letzterer läfst auf das erste 
Geleit noch ein zweites an den Spielmann Papiol gerichtetes folgen, das, da 
es sich nur in A vorfindet, Stimming in den Text aufzunehmen Bedenken 
tragen mufste. — Zu V. 55 bespricht Chabaneau IV i p. 607 die Form esto, 
in welcher er mit Recht, wie schon Diez Gr. II 205 gethan hatte, eine An- 
bildung an die entsprechende Konjunktivform do von donar erblickt, und 
führt als eine weitere Form des Prs. Conj. von estar die Bildung eston/a an, 
die gleichfalls durch Analogie von donar entstanden ist. Es liegen demnach 
fünf verschiedene Formen vor: estei, estia, esteja, esto, esto7ija. Drei von 
diesen Formen, die erste, zweite und vierte, sind bei Bertran durch den Reim 
gesichert: A XIII {11), 20, XVI (.77), 5, bezw. B VII (.«/), 60 und A VIII {21), 
55. Die vier ersten werden schon von Diez a. a. O. angeführt. — 82 ist statt 
Si Dieus e sains m^anpar, wie Stimming hat, entweder zu lesen : Si Dieus lo 
sains m'anpar oder nüt der Hs. F Si Dieiis e fes »i'ampar. So Thomas. 

IX {3lj), 5 ist wegen der Unsicherheit der Bedeutung von passada (s. Stim- 
ming Ztscbr. IV 432) besser auf Grund von ADJK zu lesen: E sis /an vas 
vos estrada „und balmen sich zu dir einen Weg". — 14. corellia oder que- 
rrela, wie die Hss. haben , giebt, wie Thomas ganz richtig bemerkt, keinen 
Sinn. Er setzt coralha mit der Bedeutung „Brust". Vgl. zu C IV (Vi), 7. 
Der Sinn läfst nichts zu wünschen übrig. Chabaneau's Änderung (IV 2 p. 203) 
Avem coralha prestada scheint nicht n(itig. — 20 Colombier weist Thomas als 
Weiler bei Turenne nach. — 34. In salavier salabier der Hss. vermutet Thomas 
den Namen der Stadt Salisbury, altfrz. Salesbieres, Salebiere, und setzt E osas 
de Salabier. — 42 Stimming /«'», Thomas mi. Letzteres ist natürlicher. — 
Die Verse 43 — 49 fafsl Stimming als zwei Geleite, Thomas als eine siebente 
Strophe auf; letzterer nimmt dann als Geleit die vier an Papiol gerichteten 
Verse auf, die nur M bietet. — 47 conjiciert Chabaneau IV 2 p. 204 genseis 
Zeit»chr. f. roiu. Ihll. XIV. j , 



194 BESPRECHUNGEN. H. ANDKESEN, 

statt genser. Unter Aufnahme dieser Conjectur ist zu übersetzen : „Herr 
Tempre sagt mir auf schönere Weise zu , der (oder da er) mir durch seinen 
Boten die Meinung der Welt verhehlt hat". - Worauf sich dies bezieht ist 
'reilich dunkel. Wegen des Namens Tempre s. zu A I {23), i. 

X {20). Razo Zeile 4 ist com so fossa causa qu'en Bertrans nach dem 
was Bartsch a. a. O. 414 darüber bemerkt hatte, die richtige Lesart. — Nach 
tals Z. 18 fehlt etwas. Stimming (,2i): en loqual era tats ora e tals poinz, 
Thomas : en loqual era tals pointz.'^ Noch an mehreren anderen Stellen weicht 
der Text bei Thomas von dem bei Stimming ab, ohne dafs erkennbar wäre, 
aus welchem Grunde geändert ist und ohne handschriftliche Grundlage: 19 ni 
iVastroloynia, 20 E Costantis, 25 el el coms Richartz, 39 auziron e viron ; 
Stimming 22 e d'astrolümia, 23 E'n Costantis, 28 el coms Richartz (33 haben 
beide el el coms Richartz = el e lo cotns Richartz), 42 auziron so e viron. 
An zwei anderen Stellen aber war eine Änderung geboten, nämlich 33 und 
42 (Stimming 36 und 46), wo Thomas ohne Zweifel richtig verbessert hat. — 
Was das Lied selbst anbetrifft, so hat Thomas nur an wenigen Stellen ge- 
ändert , allein auch zu diesen Änderungen lag kein genügender Grund vor. 
Die Änderung V. 30 E ja'b (so besser mit Tobler statt E fab) mi per fort 
in Ja ab mi per fort ist um so weniger am Platze als der Stimmingsche 
Text ja ganz verständlich ist und das was Thomas dafür gesetzt hat , von 
keiner Hss. geboten wird. V. 34 ist er A gefolgt , man weifs nicht recht 
weshalb. — tal enans 4 wird Druckfehler sein für tals enans. Anzumerken 
ist noch, dafs auch die p. 207 angegebene Änderung von sai in ai V. 5 nicht 
nötig ist, obwohl sie durch CE (1. ai tan statt aita7i) gestützt wird. — Wer 
unter tt'Amblartz II zu verstehen ist, bleibt zu untersuchen. Vielleicht ist 
damit der in den Urkunden von Dalon (bei Thomas p. 158) genannte Am- 
blardus d'Anz{?) gemeint. — 19. Dafs partz nicht zu partir, sondern zu 
parcer gehört, bemerkte zuerst Suchier, später Chabaneau IV l, 607. Die 

I. Sing, parc steht XIX [29), 11. 

XI (32). In den Worten, die in der razo vor der Anrede des Königs an 
Bertran stehen, stimmen die beiden Texte nicht mit einander überein. Stimming 
hat: el reis lo receup tnolt mal el reis Eiirics sil dis, Thomas ; el reis lo receup 
fnolt mal e silh dis. — Z. 20 nulls temps und 22 vers brauchte nicht in nul temps 
(18) und ver (20) verändert zu werden. — La comtessa d'Atnillau (40) ist eine 
richtige Verbesserung von Thomas, die er schon in seiner Anzeige vonStimmings 
Ausgabe (Ecole des chartesXL p. 478) gemacht hatte. Gemeint ist das heutige 
Millau in Rouergue. Der lateinische Name lautet Amiglavum, daher die drei- 
silbige prov. Form. Indessen auch die Form mit unterdrücktem Anlaut, 
Melhau, findet sich bei Bertran, und zwar in dem Lied selber, zu dem die 
vorliegende razo gehört, V. 13. Derselbe Name kommt in Stimmings Ausgabe 
42,5 vor (das Gedicht ist nicht von Bertran de Born), wo jedoch schwerlich, 
wie Thomas in der eben genannten Besprechung sagt, Amelhau zu lesen sein 
wird. — V. 9 des Liedes hat Thomas der Lesart von DFJK den Vorzug 



' Zu dem in der razo berührten Aberglauben, dafs es nicht gut sei, ein 
Werk am Montag zu beginnen (aus dem sich Bertran freilich nichts macht ; 
s. das Lied V. 25 ff.) s. Chabaneau in der Rev. d. 1. rom. III 9 (1883) p. 165, 
sowie in Betreff des Glaubens an gefährliche Tage überhaupt P. Meyer zu 
Flamenca p. 335 und im Ebert-Lcmckeschen Jahrbuch VII 49. 



A. THOMAS, HKKTKAN DE HOKN. 1^5 

gegeben ; mit gutem Grunde, da, wie er anmerkt, derselbe Gedanke, dafs der 
König von Aragon durch Geld bestochen sei , in dem folgenden ebenfalls 
gegen ihn gerichteten Sirventes Strophe 8 wiederkehrt. — Auch 25 ist eine 
richtige Verbesserung: (Ju'a Vi/atnur En Tohal tetion per perjur ,,denn zu 
Villemur in Toulousain halten sie ihn für meineidig" nicht e'nTolsal, wieStimming 
hat. Denn Tolsa ist keineswegs dasselbe wie Tolosa ; andererseits liegt aber 
Villemur im comitatus Tolosanus und zwar einige Meilen nordöstlich von 
Toulouse. — Die Bedeutung von dehurar V. 16 ist unsicher. Stimming : 
,, krumm biegen, einschüchtern"; Thomas: „renverser" mit Fragezeichen. Cha- 
baneau IV l p. 609 denkt an depur von depurar. — 28 Castrasoritz ist die 
spanische Stadt Castrojeriz, aus dem latein. Castrum Caesaris unter deutlicher 
volksetymologischer Anlehnung an son'tz ,,Maus". — 49 Besandunes ist der 
Gau von Besaudun, latein. Bisuldunum, jetzt Besalu in Catalonien. Vgl. Diez, 
L. U.Werke d. Tr. 602, Mila y Fontanals, de los trovadores en Espaiia 

P- 325- 

Xn (35). In der razo haben Stimming (4) und Thomas (3) si ios volc 
retraire; allein es ist eher mit JK zu lesen: si lol. Vgl. Bartsch a.a.O. 
S. 415. — • Beide setzen Castellotz (7 bzw. 6), allein Castellot der Hss. konnte 
bleiben. — fronteressa de Sarazis 7 ist eine gute Emendation des neuen 
Herausgebers. Chabaneau hatte dasselbe conjiciert IV i p. dos^: — 20 — 21 
lui e un seu companho, e Artusetz el seus companhz; Stimming (23) lui et iin 
son companhon. Et Artusetz et us sos companhs. — Lied V. 13 1. Per qu^es 
dreitz, da sonst der Vers zu lang ist. — 19 ist unter Castellot wahrscheinlich 
das heutige Castellote in Aragon zu verstehen. Es liegt in der Provinz 
Teruel, am Guadalope. — 40. Statt Qiieti ist vielleicht mit Chabaneau IV i, 
p. 609 Queu (Quel ^ Que lo) zu lesen. — 43 hat Stimming Fotts Ebraus, 
Thomas Fontebraus. Letzteres ist allein richtig: Fontebrau (= Font Ebrau) 
in der razo (Stimming Zeile 41, Thomas 38) mit Flexions-s. — ,,Die Alte, 
welche Fontevrault erwartet", ist Heinrichs IL Gemahlin Eleonore, die dort 
1204 starb. Vgl. Thomas zu der Stelle. — 50 scheint die handschriftHche 
Lesart AI prim quel vi j'oves reiaus mit Thomas belassen werden zu müssen, 
so auffallend auch der Nominativ ist. Zur Not liefse sich konstruieren: „sobald 
als er (Alfons) ihn (Peire Rois) als königlicher Jüngling erblickte",- wobei 
nicht qutl vil mit Chabaneau IV 2 p. 204 zu setzen wäre. — 53 — 4 enthalten 
ein Wortspiel, das den Herausgebern nicht aufgefallen zu sein scheint, zwi- 
schen badalhar und batalha : Reis que badalh ni s\'stenda Quant au de ba- 
talha parlar Sembla o fassa per vanejar O qu'en armas na s^entenda. — 
58 <■ rt Laraus steht in keiner Hs. Stimming: ni a Laraus, das zu belassen 
war. — 62 afanar mit dem Accusaliv wird richtig erklärt von Thomas: ,,mit 
Mühe gewinnen, abarbeiten". 

Xlli (11). V. 7 und 8 hat Thomas wohl daran gethan der Lesart von 
JK.d zu folgen, die bei weitem den Vorzug verdient. — \1 E mos Rassa ist 
eine auf Grund von A aufgestellte etwas kühne Konjektur, auf die auch Cha- 
baneau IV I, p. 605 gekommen ist, der noch weiter ändern und lesen möchte: 
E mos Rassa s'es accordatz Socorr'al rei E non a negun dels comtatz. Jeden- 
falls gewinnt die Stelle durch diese Konjektur (E mos Rassa) bedeutend an 
Klaihcit. So wie Stimming sie bietet kann sie unmöglicli richtig sein. — 
Statt adrei, wie Siimiuing V. 13 hat, -.el/t Thomas gewifs richtig a drei „\n 

'3* 



ig6 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

rechter Weise, so wie es sich gebührt"; vgl. XVI (ö'i), 43. — 15 Stimming : 
Del pauc rei de Terra Menor, Thomas : Del pauc rei de Terra Major. 
Letzteres, das die Lesart von JKd ausmacht, verdient den Vorzug, da durch 
den Gegensatz zwischen pauc rei (König Philipp August) und Terra Major 
(Frankreich) die Ironie noch feiner wird. — 19 sind die Hss. verderbt, aber 
Thomas hat durch eine vorzügliche Emendation den Vers verständlich zu machen 
gewufst: Pols veticutz los a ves Ar atz. Fast ganz ebenso konjizierte Cha- 
baneau IV i, p. 605. — Aus V. 44 geht hervor, dafs auch 40 mei frair, wie 
Thomas hat , das Richtige ist. Bertran hatte ja auch zwei Brüder : aufser 
Constantin noch Itier; s. Thomas zu Vers 40. Indessen bedarf die ganze 
Stelle noch der Berichtigung. Chabaneau IV 2 p. 204 stellt die sehr annehm- 
bare Vermutung auf, dafs unter Pautre meitatz 42, das nur Subjekt des 
Satzes sein kann, Constantin zu verstehen und outra autrei ,, wider Zuge- 
ständnis, trotz seines Zugeständnisses" für autre autrei zu lesen, demgemäfs die 
ganze Stelle folgendermafsen zu gestalten sei: Quels dons que mei frair trCan 
jtiratz E outra autrei Vol retener Vautre meitatz. — 45 ist die Lesart von 
Stimming unsicher : Ges per lezidor doblador. Thomas : Gesperlegidors d^orador. 
Im Glossar wird legidor als ,, Leser", orador gar nicht erklärt. Chabaneau 
vermutet IV l, p. 605 Ges per lezidor s d^obrador, IV 2 p. 204 Ges per lezeros 
d\->brador. Die letztere Emendation verdient vor allen anderen den Vorzug. 
— 56 dizon, wie Thomas auf Grund der Hss. statt ditz hom in den Text ge- 
setzt hat, findet seine Stütze in dizon 54. — 57 Papiols e tu vai viatz liest 
Thomas richtig mit Suchier. — 58 und 62 nimmt er Toblers treffliche Ver- 
besserungen in den Text auf. 

XIV {34). Razo Zeile 17 1. si'n. — Statt del castel de Montron e 
d^Agen quelh avian taut bei Stimming Zeile 21 hat Thomas (19) dels castels 
de Nontron e d^Agen quelh avian toltz. Im Lied selber (32) hat auch Stim- 
ming Nontron. Die Hss. aber der razo bieten übereinstimmend, die des 
Liedes zum Teil Montron. Nontron (die bekannte Stadt in P^rigord) wird 
indessen das Richtige, und dafs dafür Montron mehrere Male in den Hss. 
erscheint, dadurch zu erklären sein, dafs es einen Ort dieses Namens in der 
That giebt. Und zwar liegt er gleichfalls in Perigord, im Arr. Perigueux. 
Die Änderung von del castel in dels castels war hier ebenso wenig nötig als 
weiter oben (razo zu III) die von lo senhor in los senhors. — 22 hat Thomas 
die Lesart der Hss. ohne Grund geändert; besser Stimming (2Z^)valens hotn 
e larcs. — V. 5 — 6 des Liedes macht der neue Herausgeber auf das Wort- 
spiel aufmerksam zwischen aus (von ausar) und ausel und vermutet zugleich, 
dafs Bertran sein voler dem volar der Vögel gegenüberstellen will. — 10 
nimmt er wieder Toblers Emendation mit Recht in den Text auf. — 34 
Wegen Momnaurel s. zu XV (5(9), 18. — Dafs 37 Folcaus zu lesen ist, hat 
Thomas schon Ecole des chartes XL 478 bemerkt und zugleich nachgewiesen, 
dafs darunter Foucaud d'Archiac (in Saintonge) zu verstehen sei. — las patz 
39 konnte bleiben. — 43 ostasvalhs ostasvaus der Hss. ist nach Thomas ent- 
stellt aus Altasvaus, Name eines Klosters im D6p. Haute-Vienne, heutzutage 
Tavai d. — 44. Die Lage von Rosiers ist unsicher; vgl. Schultz, prov. Dichterinnen 
S. 15. — 47 la terra Saint Aimon wird wohl richtig von Thomas als das 
Land des heil. Edmund d. h. England erklärt. — Unter Tinos 50 ist nach 
Th. San Pablo de Pinos in Catalonien zu verstehen. — 52. Th. ändert das 



A. THOMAS, RERTRAN DE BORN. IQJ 

handschriftliclie e foii bzw. i-l Jons in e Seit und setzt De leis qiie te Ca- 
brera e Seit d'Uigel. Allein Chabaneau IV 2 p. 204 macht darauf aufmerk- 
sam, dafs fon der Hs. vielleicht a\^ fuit zu fassen sei, „Seu d'Urjjel" aufserdem 
den Bischofsilz des Bistums von Urgel bezeichne , der nicht gemeint sein 
könne, es aber ferner auch gewagt sei anzunehmen, dafs die Form ,,Seu d'Urgel" 
schon zu Bertrans Zeiten gebräuchlich war. Aber Fon(t) iV Urgel bezeichne 
möglicher Weise eine ()itlichkeit. — 54 del ßn joi quem trames ist die Les- 
art von C, die freilich weit besser pafst als was der Text von Slimming bietet. 
Neben C kann nur noch M in Betracht kommen. — ;«Vw tarnet 55 steht in 
keiner IIs.; ein Grund zur Ä'nderung lag nicht vor. — 57 vermutet Thomas, 
dafs statt Gauceran Durtz (eine sonst nicht weiter bekannte Persönlichkeit) 
zu lesen sei: Gauceran d'Urtz. Vielleicht kommt Urt im Arr. Bayonne in 
Betracht oder Urtg y Vilar in der Diöcese Urgel. 

XV {28). Zu Anfang dieses Liedes hat Thomas die sehr abweichende 
Lesart von CRT aufgenommen. Allein der Text bei Stimming scheint doch 
den Vorzug zu verdienen (unter Tilgung des Kommas nach <?, wie Suchier 
bemerkt), da bei Thomas das Bild verloren geht und der Ausdruck „es ist 
mir lästig eine Treppe hinabzusteigen" ohne weitere Beziehung sehr trivial 
erscheint. Slimming hat die Stelle ganz richtig erklärt, wie mich dünkt: das 
Hinabsteigen behagt Bertran nicht, er will in die Höhe. Eine ganze andere 
Erklärung der Stelle giebt Chabaneau IV 1, p. 609; vgl. IV 2, p. 205. — 
Vers 5 ist die Interpunktion nach affan zu tilgen. — 8 Molierna ist, wie 
Thomas zeigt, das heutige Mouliherne in Anjou, im Dep. Maine-et-Loire, 
Arr. Bauge. Gemeint ist mit dem Herrn von Mouliherne vermutlich der König 
Heinrich II. von England (Thomas), nicht Richard Löwenherz (Stimming), der 
vielmehr V. il, ebenfalls umschrieben, genannt wird. — 9 scheint es unnötig 
mit Thomas A zu folgen , während 22 bei Stimming der Besserung bedarf. 
Thomas hat die Lesart von T aufgenommen; allein es scheint natürlicher ein- 
fach zu lesen: Pois quan intra la Jreidor. Der Fall dafs der c. obl. als No- 
minativ gebraucht ist, kommt ja bei Bertran auch sonst vor ; s. zu A. XVIII 
{40), 5. — 17 Zu dem von Bertran genannten Berlai (ahd. Berleih, lat. Ber- 
laicus; vgl. Foerstemann I 226) von Montreuil ist zu bemerken, dafs mehrere 
dieses Namens im 12. und 13, Jahrh. als Gegner der englischen Herrschaft 
auftreten. Schon unterm Jahre 1098 kommt bei Ord. Vitalis (IV 48) Berlais 
de Mosterolo als Widersacher Wilhelms des Rothen vor, als dieser seinen 
Kriegszug nach Maine unternahm. Derselbe Berlai nahm an dem Kampfe 
bei Alcn^on im Jahre 11 18 Teil, in welchem Heinrich I. von England gegen 
Fulco den Jungen von Anjou unterlag; vgl. die Chroniques d'Anjou p. p. 
Marchegay et Salmon I 149. Besonders hartnäckig war der Kampf, den Hein- 
richs I. Schwiegersohn Gottfried der Schöne von Anjou um die Mitte des 
12. Jahrh. gegen Giraud Berlai von Montreuil zu fuhren hatte, wie aus dem 
ausrührlichen Berichte Johanns von Marmoulier hervorgebt, des Verfassers der 
Geschichte Gottfrieds des Schönen. Vgl. ebd. S. 282 ff. Derselbe zeigt uns 
den Besitzer von Montreuil als einen ungemein kühnen und kriegslustigen 
Baron, der sich mitten im Frieden gegen Gottfried empörte, von diesem in 
seiner Feste lange Zeit b<.lagtri wurde, sich zwar endlich ergeben mufstc, auf 
Verwendung des französischen Königs jedoch seine Besitztümer zurückerhielt 
und nicht lange n.-iihher auf« Neue /u din Waffen griff, naclulim i-r, um sich 



igS BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

die Mittel zum Kriegführen zu verschaffen, die in der Umgegend von Mon- 
treuil liegenden Kirchen und Klöster beraubt hatte. Er fiel endlich zum 
zweiten Mal in die Hände Gottfrieds , der ihn ^amt seiner Frau und seinen 
Kindern gefangen nach Saumur bringen liefs. Dafs Bertran diesen zuletzt ge- 
nannten Berlai von Montreuil im Sinne hat, dürfen wir demnach als fest- 
stehend annehmen. Der heutige Name der alten Feste Montreuil-Bellay, 
einige Meilen südlich von Saumur, bewahrt die Erinnerung an die einstigen 
Besitzer. — 1 8 Der hier genannte Guilhem de Montnaurel führte seinen Namen 
entweder von Montmoreau im Dep. Charente oder von dem gleichnamigen 
Orte im Dep. Dordogne; vgl. Thomas zu XIV 34/ — 26. Nach Thomas ist unter 
Cruissa Croissa der Ort Creysse zu verstehen, bei Martel, und unter Mirandol 
ein Schlofs ebenfalls bei Martel gelegen. — Nach der vierten Strophe folgt bei 
Thomas eine Strophe mehr, die zuerst Chabaneau bekannt gemacht und mit den 
nötigen Erklärungen begleitet hat (Revue d. 1. rom. III li, p. 235). Zweifel- 
haft bleibt Beirmes in der zweiten Zeile , worin Thomas Benauges sieht. 
Botenan ist nach Chabaneau der prov. Name eines Schlosses Boiitavant im 
Vexin. Dunkel ist in derselben Zeile die Prophezeiung Merlins, V. 40. — 
44 fafst Stimming (36) gran als gram „betrübt, trübsinnig", während Cha- 
baneau IV I, p. 609 der Ansicht ist dafs gran hier ^ gr andern sei, das auch 
sonst öfter mit flac verbunden vorkomme. Derselben Meinung scheint Tho- 
mas zu sein, wenigstens führt er im Glossar gran nur in letzterer Bedeu- 
tung an. 

XVI {31). In der razo 2 hat Stimming s'il, Thomas eil; zu lesen ist 
jedoch, wie schon Suchier bemerkt, si mit F. — 6 konnte era bleiben. — 
7 Die schon früher (Ecole des chartes XL 478) von Thomas hergestellte rich- 
tige Lesart Sevra bietet F Zeile 13 (Stimming 15). — 11 hat Thomas que 
dt'fendian que la batalha non era verändert in que defendian que la batalha 
non fos. Allein era ist zu belassen : „welche verhüteten , dafs die Schlacht 
stattfand". — 18 d' Aquitanta, Stimming (20) de Quitania. Letzteres konnte 
bleiben. — loquals 19 scheint Druckfehler zu sein für loqual. — Nach l'aiga 
24 hat Thomas per passar outra unterdrückt , das aber keineswegs deshalb 
weil es gleich darauf noch einmal kommt , ein Versehen zu sein braucht. — 
31 comensa far apelar richtig mit Bartsch (Ztschr. III 414). — 35 <? del vas- 
salatge qu^ei fazta a' n Richari ist sicher unrichtig, da König Philipp Augu'^t 
ja als Oberlehnsherr Richards und dieser als dessen Vassall anzusehen ist. 
Vielmehr ist die Lesart bei Stimming die richtige: e del vassalatge quelh 
fazia en Richartz ,,und in Betreff' des Vassallendienstes den ihm (dem Könige 
Philipp August) Herr Richard leistete." — 41 ist die Einschiebung des e 
vor conselheron eine gewifs richtige Verbesserung. — 52 1. E^n Bertrans. — 
54 en la guerra dels dos reis konnte bleiben. — V. 3 des Liedes 1. quant 
er (Druckfehler). — 16 qu^om li grei „den man ihm für gut befinde, zugestehe, 
bewillige". Der König soll den Frieden diktieren, meint der Dichter, und 
sich nicht aufdrängen lassen. — In der dritten Strophe setzt Thomas nach 
riquesa V. 17 einen Punkt und liest 20 £u no cuit ges. Allein eu bietet 
keine, non nur eine Hs. ; auch ist die Stelle bei Stimming durchaus verständ- 
lich, wenn wir auch wohl besser statt cuges mit Tobler cug ges zu lesen 
haben (vgl. cuich ges in AB). — 29 war Thomas mit Rücksicht darauf dafs 
es sich ja um eine bekannte Pcrsc'inlichkcit (G'jtcrri) aus Raonl de Cambrai 



A. THOMAS, ÜERTKAN DK HOKN. 199 

handelt , berechtigt Lo sors Guerics in den Text zu setzen , obwohl keine 
Hs. diese richtige Lesart bietet. Eine Vergleichung der Lesarten läfst er- 
kennen, dafs die Verderbnis des Namens früh begonnen hat und besonders 
dadurch gefördert wurde, dafs statt gueric sich gtienric einschlich. — 42 Tho- 
mas setzt statt glesa auf Grund dreier Handschriften gresa , ohne jedoch 
im Glossar zu bemerken was er darunter versteht. Nach Chabaneau IV 2 
p. 205 entspricht gresa hier der Bedeutung nach dem fr.greve; vgl. die razo 
(6): soöre la riba d'un flum. Raynouard, Suchier, Bartsch (Chrest.) und auch 
Chabaneau IV i p. 609 fafsten glesa als ,, Scholle, Feld (fr. glebe). — 43 a 
i/r« scheint natürlicher als adrei, wie Slimming hat, der es als Adjektiv 
zu sirventes auffafst. — 44 haben mehrere Handschriften Crespin für Crespi. 
Anlehnung an den Personennamen Crespin {Crispinus). 

XVII (2). In der razp Zeile 8 fehlen \i2ic\\. perdet die Worte per viutat. — 
9 Slimming : del cor Enric, Thomas : lo sor Gueric auf Grund von F und A XVI 
29. — Ebd. l'oncle de Raols del Cavibrais bei Stimming war, wie Tho- 
mas es thut, zu bessern in l'oncle de Raol de Cambrais, ebenso 10 Raols in 
Raol. — 12 Besser als die Emendation von Thomas, der guerra nach co- 
mensava eingeschoben hat , befriedigt die Konjektur von Bartsch (Zlschr. III 
413): pois comensava ad autre rei plait per terra. — 13 hat Thomas ohne 
ersichtlichen Grund patz ni treva in treva ni patz verändert. — 35 Stimming: 
qu/eron qitatre fraire gran raubador. Das Wort fraire fehlt bei Thomas. 
— Vers 2 des Liedes heifst la elesta nach Stimming „das Auserwählte, der 
Glanzpunkt", nach Chabaneau IV i p. 604 und Thomas ,,die Ankündigung". 
Ersterer verweist auf B IV (10), 51, wo eslire in der That mit „ersehen, ent- 
nehmen" zu übersetzen ist. — 3 zerlegt Thomas das handschriftliche sescon- 
tenta in ses contenta und liest mit Zuhülfenahme von CE Del novel temps 
sens contenta, offenbar eine bessere Lesart als die bei Slimming do7t lo nous 
tetnps s'escontenta. Ein Verbum escontentar ist schwerlich vorhanden. — 
21 ist unter dem senher de Roais Philipp August zu verstehen. Selbstver- 
ständlich kann Roais hier nicht = Edessa sein, wie XXllI (ß), 26 und B VII 
(S») 23. Aber auch Rouy, wie Thomas vermutet, kommt wohl nicht in Be- 
tracht ; gemeint scheint vielmehr Roaix zu sein, bei Vaison im heutigen Dep. 
Vaucluse. Auch im Chev. au cygne 20651 ff. in der Erzählung von der Er- 
oberung Jerusalems kann Edessa kaum in Betracht kommen. Die Stelle lautet : 
Ly uns y crie Flandres, ly aultres Normandie, Et ly aultres Hayyiau et ly quars 
Picardie, Et Liege et Namurois, sy crie on Lotnbardie, Toscane et Sesillois, 
Bouloigne et Rommenie, Monj'oie Saint Denis, Bertaigne le garnie Et Buil- 
lon et Rohays et Biauvais le jolie. Da hier alle andern Namen europäische 
sind, so würde Rohais als Edessa aufgefafst sehr auffallend sein , wenn auch 
letzleres sonst sehr oft in dem Werke vorkommt. In der Albigenserchronik 521 
handelt es sich gleichfalls wahrscheinlich nicht um Edessa: Mot gonios i ars, 
mot ebne e mot gambais {)ue foron faitz a Chartres, a Blaia o a Roais.^ — 



' Chabaneau IV 2 p. 205 iiall liatür, dafs an der vorlicgtudcn Steile bei 
Bertran de Boin Kichanl Löwenherz geincinl sei, unter Berufung auf einige 
prov. Verse, die licwcisen, liafs auch in Englaml ein Roais war; alkin die 
vierte, fünfte und sechste Strophe zeigen, ilafs von Philipp August die Rede 
ist, wie Siiiiiiiiiii:' liLiiRiUi. 



200 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

nol 22 steht in zwei Handschriften, trenchar Z'i,, ferir 2\ dagegen in keiner; 
auch ist der Text bei Stimming durchaus befriedigend ; ebenso war er und 
ni 42 zu belassen. In der letzten Zeile des Gedichtes war die Änderung eher 
berechtigt, da plus auch in JK fehlt. — 26 Sais , alte Form (vgl. Benoit, 
Chrouique 15095, 22571) des Namens der Stadt in der Normandie, die heut- 
zutage Seez lieifst. — 44. restar hat hier die Bedeutung des allfr. retnanoir 
(das oft, wie Tobler im Eberl-Lemckeschen Jahrbuch XV 249 bemerkt, ,, unter- 
bleiben, Hindernis finden" heifst). Qu'eu sai ben qu'en lui non resta La 
guerra ,,denn ich weifs wohl, dafs an ihm der Krieg kein Hindernis findet". 
Diese Bedeutung findet sich bei Thomas nicht angegeben. — 51 ist die An- 
spielung unklar, auch keineswegs sicher, wie Chabaneau IV i p. 604 bemerkt, 
dafs es sich um Tarentaise handelt, da die Handschriften abweichen. 

XVIII [iO). V. 5 hat R cal dans, C cals dans. Der Reim läfst dans 
nicht zu, allein quah dan, wie Stimming und Thftmas lesen, ist dem Sprach- 
gebrauch zuwider, da die attributive Bestimmung mit dem Substantiv über- 
einzustimmen pflegt, daher zu lesen ist : quäl dan. Dafs Bertran auch sonst 
dem Reim zu Liebe die Deklinationsregel hin und wieder verletzt, zeigt Stim- 
ming zu der vorliegenden Stelle. Vgl. auch zu A. XXVII {18), 16. Beide 
Herausgeber schieben ferner, um den um eine Silbe zu kurzen Vers herzu- 
stellen, ein e vor quals moriz ein: Del rei Felip [e] qiials mortz e quäl dan. 
Natürlicher scheint: Del rei Felip quals mortz [es] e quäl dan. — Wenn es 
zu Anfang der zweiten Strophe heifst, dafs Richard Hasen und Löwen erjagt, 
so ist dieser Ausdruck wohl bildlich zu verstehen und der Dichter will 
sagen, dafs Richard Alles in seine Gewalt bringt, sowohl was schwach und furcht- 
sam als was stark und mutig ist. Das handschriftliche £ si V. 8 hat Thomas 
mit Recht belassen. — 10 ist der neue Herausgeber mit dem was die Hand- 
schriften bieten sehr frei verfahren. Diese haben Enans los (las C ) fai dos 
e dos [doas Q.) remaner. Thomas setzt: Enanz los fai quetz e clis retnaner, 
ohne sich jedoch über diese starke Änderung auch nur mit einem einzigen 
Worte auszusprechen. Die Mitteilung dessen was die Handschriften bieten 
genügt doch nicht, ebenso wenig wie es der etwaige Hinweis darauf dafs der 
Ausdruck quetz e clis XXIV (S), 20 vorkommt, thun würde. Noch auch kann 
für den Mangel irgend welcher Begründung der Umstand entschädigen, dafs der 
Sinn der Stelle in Folge der Aenderung nichts zu wünschen übrig läfst, wie 
Chabaneau IV 2 p. 205 bemerkt. Letzterer nimmt indessen mit grofsem Recht 
die handschriftliche Lesart in Schutz : Enans los fai dos e dos remaner „viel- 
mehr läfst er sie je zwei und zwei bleiben", kann, wie er meint, auf Solche 
gehen , die versprengt worden und verhindert sind sich zu einem gröfseren 
Trupp zusammenzuschliefsen. — 26 Stimming pejuran, Thomas besser mit R 
perjurati.^ — 27 l'a, wie Thomas hat statt a las auch Chabaneau IV i 
p. 610. — 32 Qitar om (Thomas) ist vielleicht die richtige Lesart. R hat 
Quar ain. — Wegen des Reimes y?örj -.Jos 36 s. Levy zu Guill. Figueira 2, 
136 (S. 87). - 38 Stimming tions {no nos), das nicht richtig sein kann. Tho- 
mas tiols (conjiciert aus nous in R). Letzteres pafst gut, setzt aber voraus, dafs 



1 Verwechslung beider Wörter kommt auch sonst vor, z. B. in den 
Handschriften der Gedichte des Mönches von Montaudon ; s. die Ausgabe 
von Klein (hei Stengel a. a O. VII) S. 28. 



A. THOMAS, BERTRAN DE BORN. 20I 

Bertran no los im Sinne von tio lor gebraucht hat, was Thomas freiHch auch 
A XXIV 13 annimmt. — 39 setzt er gleichfalls no/s; hier aber konnte notts 
bleiben. — 30 ist unter dem Man pres Saint Sever vermutlich mit Thomas 
Mont-de-Marsan zu verstehen, heutzutage eine Stadt von fast doppelt so grofser 
Einwohnerzahl als das durch seine Benediktinerabtei berühmte Saint-Sever. 
Letzteres liegt südlich von ersterem, beide in der Gascogne, im heutigen Dtip. 
Landes. 

XIX (29). In der razo vermif>t man den Satz am Schlufs si tost com 
el aiizi etc.; s. Stimming S. 113. — Zu V. 1 1 des Liedes Mais per aisso rn'eii 
sofrisc e m'en parc (v. parcer, s. zu X 19) vgl. Arn. Daniel ed. Canello 
XVII 19; Car en patz prenc l'afan el sofr' el parc (aber ebd. 27 ist parc 
= part). — 13 Lizinhan Lezinhan (jetzt Lusignan) ist die gewöhnliche prov. 
Form (vgl. A III 25). Auch der latein. Te.xt des Benedict von Peterborough 
(ed. Stubbs) hat fast durchgehends Lezinan oder Lezinnan. Diese Form ent- 
stand in Folge Vermischung von Liciniac(um) und Licini(ac)um. Eine Millel- 
form ist Lizenun in der Chronik des Robert von Torigni II 98. — 13 Rati- 
com =^ Rancon in Limousin, einige Meilen nördlich von Limoges. — Bei der 
Stelle 17 — 19 Sil reis Felips n'agues ars una bar ja Denan Gisortz o crebat 
un estanc Si qu\i Roani entres per forsa el parc ist nicht mit Diez (L. und 
W. der Troub. 226) und Stimming (S. 66 und Glossar) anzunehmen, dafs parc 
„Verschanzung" bedeute. Vielmehr hat Bertran hier ohne Zweifel den Park 
d. h. Wildgarlen bei Ronen im Auge, der in mittelalterlichen Urkunden öfter 
erwähnt wird, z. B. in einer um I170 ausgestellten Urkunde Heinrichs II. 
bei Delisle, cartulaire de Phil. -Auguste N. 16 (Mem. de la Soc. des Antiq. 
de Normandie XVI p. 5), dsgl. von Wace im Rou 5863. — Um die Worte 
Bertrans „eine Barke vor Gisors verbrannt hätte", zu verstehen , mufs man 
sich erinnern, dafs Gisors an einem Flusse liegt, nämlich an der Epte, die die 
Grenze zwischen normannischem und französischem Gebiet bildete. Der König 
mufste also erst über diesen Flufs , um in die Normandie zu gelangen. — 
Die auffallende Schreibung Giortz Guiortz mit synkopiertem s ist in den Hss. 
der Gedichte Bertrans de Born die gewöhnliche; s. Slimmings Ausgabe zu 
2,38; 14,40; 29,18; 31,12. — 24 Sansonha {Saxonia) mit eingeschobenem n 
ist eine häufige prov. Form (s. die Lesarten in Stimmings Ausgabe zu diesem 
Verse S. 313 und die razo zu 19 S. 109), die vermutlich in Folge Einflusses 
des Namens Sanson entstand. Thomas hat Saissonha dafür gesetzt. — 26 
hat Thomas Unrecht daran gelhan nicht no'n beizubehalten. — 28 Das n vor 
Oc e No bietet keine Hs. und ist auch wenig am Platze. — 40 bisestar ist 
seltsamer Weise von Thomas im Glossar mit einem Fragezeichen versehen, 
obwohl Suchier das Wort bereits in durchaus befriedigender Weise erklärt 
hat. Vgl. noch Chabaneau IV i p. 609.- bissextus heilst geradezu „Unglück"; 
s. Ord. Vitalis IV 464, V 66, Du M^til, po6sies populaires latines du moyen 
äge, Patis 1847 p. 170; Du Gange. Allfranz, bisseste bissestre, besistre (s. 
Godcfroy); noch bei Molicre im Etourdi V 7 und dialektisch noch heut- 
zutage gebräuchlich (s. Jaubcrt, glossaire du centre de la France) in der 
Form bissetre, die offenbar an t-tre angelehnt ist. Sogar bicetre kommt vor, 
ebenso geschrieben wie das im Mittelalter viel genannte Schlofs bei Paris. 
Vgl. Gönin, lexiquc compare de la languc de Molicrc p. 39. — 42 Trainac, jetzt 
TreigDac in Limousin (so Thabancau IV 1 p. 609 und Thomas), nicht eben 



202 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

weit nördlich von Tülle. Der Ort kommt auch in einer von Thomas p. 159 
mitgeteilten Urkunde der Abtei Dalon vor (Trakinac). — Zu 44 ist die von 
Stimming angeführte Bemerkung Toblers zu vergleichen. 

XX (.50). V. I ist unter nostre senher nicht, wie Thomas meint, Christus 
zu verstehen , sondern doch Richard Löwenherz , wie Stimming unter Ver- 
weisung auf V. 10 richtig angiebt, da sonst V. 3 und 4 nicht verständlich 
wären: Qu'anc mais guerra ni cocha nol destreis Mais d'agtiesfa si ten fort 
per grevatz ,,denn nie ging ihm Fehde noch Not nahe , aber in Betreff 
dieser ist er sehr beunruhigt." Der Kriegszug nach dem heil. Lande liegt 
ihm sehr am Herzen, destrenher kann doch nicht, wie Thomas im Glossar 
angiebt , mit „eprouver" übersetzt werden. — In der zweiten Strophe dieses 
Liedes findet sich das Wort /ri?/2 absichtlich fast in jeder Zeile. — 19 kann 
qu'adreitz, wie Stimming hat, bleiben, und braucht nicht mit Thomas in qu'a 
dreit verändert zu werden. — Dafs die vier Verse 19 — 22 kein Geleit, son- 
dern der Anfang einer uns nicht vollständig erhaltenen dritten Strophe sind, 
bemerken übereinstimmend schon Bartsch (Ztschr. III 410) und Chabaneau 
(IV I p. 609). 

XXI {17). V. 1 1 ist statt engema zu lesen e geina, denn genta heifst 
„Pech", wie Chabaneau (schon Revue d. 1. r. III 2 p. 86 und dann IV i 
p. 607) nachgewiesen hat. So auch Thomas in den Nachträgen. Vgl. Du 
Cange {gema) und Jauberta. a. O.: gerne „Pech, dessen sich die Schuhmacher 
bedienen". — 25 wird man der Conjectur von Thomas dafs statt se croizavan 
zu lesen ist se tarzavan, beistimmen können, denn vgl. A XXII 10. — 35 
konnte ai bleiben. 

XXII (4) 42. Wegen des Arbre sec s. (aufser Stimming) namentlich 
Scheler zu Bast, de Buillon S. 238 zu V. 209. Er wird oft erwähnt; s. Ray- 
nouard 1. r. 2,112. 

XXIII (.5). V. 9 empfiehlt sich die von Thomas eingeführte Lesart sehr 
wenig, da, wie Chabaneau bemerkt (IV 2 p. 205), bressoh kaum Subjekt sein 
kann. Es ist mit Chabaneau zu lesen: colj^ eis meus bressols. Stimming: 
colgua eis meus bressols. — Wenn cols 12 als zu colhir gehörend aufgefafst 
wird, wie Stimming und Thomas es thun, ist ein befriedigender Sinn aus der 
Stelle nicht zu entnehmen , wohl aber, wenn wir darin mit Chabaneau (IV 2 
p. 205) die 2. Sing. Prs. Ind. von colre erblicken: Fatz cors, pus ella Ven- 
chanta. Tu t'o cols E fas i que fols „albernes Herz, da sie dich bezaubert, 
treibst du damit Verehrung und du handelst darin thöricht". — Zu 21 — 22 
bemerkt Thomas mit Recht, dafs mit dem Herrn, dem Mantes und Moreuil 
(um diesen in der Picardie im heutigen Dep. Somme gelegenen Ort handelt 
es sich höchst wahrscheinlich) gehören , nur der König von Frankreich ge- 
meint sein könne. Weniger klar ist was der Dichter meint, wenn er mit Be- 
zug auf ihn V. 23 — 24 sagt S''es prims de tersols Tornatz ab que sai no 
rest. Stimmings Erklärung „hat sich zuerst von der Jagd losgerissen" ist 
schwerlich richtig. Bei Thomas findet sich gar keine Erklärung und im 
Glossar beim reflexiven tornar nur die Bedeutung ,,s'en retourner" angegeben, 
die hier nicht pafst. Dagegen hat sich Chabaneau IV l p. 604 mit der Stelle 
beschäftigt, ohne jedoch zu einer befriedigenden Erklärung zu gelangen, was 
auch nicht möglich war, da er wie Stimming von der irrtümlichen Annahme 



A. THOMAS, BERTRAN DE BORN. 203 

ausging;, dafs mit dem Herrn, dem Manles und RIorcuil {gehören, Richard 
Löwenherz gemeint sei.' Seine Übersetzung „il est devenu premier de lier- 
celets" scheint mir sonst das Richtige zu treffen. Bertran will sagen ,, ge- 
setzt dafs er nicht hier bleibt (aö que sai no rest), was immer zu fürchten 
steht (Philipp August zögerte ja lange bevor er sich zum Kreuzzug enl- 
schliefsen konnte), hat er die höchste Stufe von Ruhm und Ehre erstiegen 
unter den Grofsen die das Kreuz genommen (die hier mit Habichten verglichen 
werden). — 28 Araiis vielleicht = Aram, die Heimat des Bileam (4. Mosis 23,7: 
De Aratn adduxit me Balac rex Moab) oder das in den Kreuzzügen oft ge- 
nannte Schlofs Härene bei Antiochia. — 31 Statt mazanta liest Suchier, dem 
Thomas folgt, m'azanta (= m'adanta), das hier die Bedeutung haben soll „es 
widert mich, ich empfinde Überdrufs". Allein dies pafsl sehr wenig zum 
Folgenden. Chabaneau (IV l p. 604) sieht in mazantar das zu tnazan (V. 38) 
gehörende Verbum, das er mit „erklingen lassen" wiedergiebt. Die Stelle 
bedarf noch genauerer Untersuchung. — 54 steht zu vermuten dafs die urspr. 
Lesart Nortenton (aus Northamtun) gewesen und r später eingeschoben ist. 
— 58 Coras ist dunkel. Vielleicht ist zu lesen: Eboras ^= York ; vgl. el 
bore in C) e Cans. — Nach V. 63 nimmt Thomas noch die (sehr dunkeln) 
Verse aus M auf. Er hat den Text berichtigt, allein dieser ist trotzdem noch 
recht unklar. Auch wird destols im Glossar nicht aufgeführt. 

XXIV (6). In der razo Zeile i setzen Stimming und Thomas beide ab 
en Bertran de Born, statt con Bertran de Born, wie die Hs. F, die allein 
diese razo hat, bietet. Allein es ist mit Bartsch (Zlschr. III 413) einfach ab 
Bertran de Born zu lesen , da F. auch sonst statt ab der anderen Hss. ge- 
meiniglich con oder com hat, so auch Zeile 4; s. ferner in Stimmings Ausgabe 
razo zu 2,11; 31,14 und 40; 32,2 und 36; 33,6 und 9, 37,1 etc. — Ebd. elh 
ac konnte bleiben. — 3 1. E'n statt En. — Lied V. 6. Die Form ansessis 
ancessis, die an ancessor angelehnt zu sein scheint, ist auch sonst häufig; 
s. Raynouard 1. r. 2,135 ""<^ Revue d. 1. r. III 6 (1881) p. 126 V. 9; Suchier, 
Denkmäler S. 311 und 554. Unter Anlehnung an haut begegnet das Wort 
assassin altfr. in der Form /taussast'n (s. Godefroy), während es als völlige 
volkselym. Umdeutung im Chev. au cygne 7958 und in B. de Sebourc I S. 321 
auftritt: hier heifst „der Alte vom Berge" /y rojrs Haus^ssis bezw. li rois 
des Haus-Asiis. — 8 Stimming intraretz (Fut.), Thomas intreratz (Cond.). 
Die Lesarten der Hss. machen es nicht wahrscheinlich, dafs das Cond. hier 
das ursprünglich Richtige ist. — 10 1. be leu (Druckfehler). — 13 ist eine 
unsichere Stelle. So wie Stimming sie bietet Si volon c'aü lor remanha ist 
sie nur verstandlich, wenn wir annehmen, dafs ris (U) Subjekt ist. Thomas 
liest unter Zuhülfenahme von F Si/s platz qu'oin ab lor remanha, wo Sils = 
Si lor wäre; vgl. A. XVIII 38. Chabaneau (IV i p. 605) conjiciert, da re- 
manha auch V. 21 das Reimworl ist, Si volon c'ab lor rei n'anhu (auf iam 
gegründete Form des l'rs. Conj. von anar). Eine völlig befriedigende Emen- 



' Dafs dies seine Aiisu:lil ist, siliLiiii wciugsU-ns il.iiaiis lici voi/aij^L-liL-n, 
dafs er vermutet, die Worte iVj primi de tersols tornatz seien eine MKl- 
liche Ausdrucksweise, und der Sinn der Stelle : ,,cr hat von den ilrei Brüiicrn 
die höchste Stelle eingenommen." Die drei Brüder siml Heinrich, Richard 
und Gottfried (Johann kommt als zu jung nicht in Betracht). 



204 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

dation ist noch zu finden. — 32. Wej^en sobrus s. Ztschr. XI 359. — 33 Be 
volgra lo mal chausis ist eine gute Verbesserung des in den Hss. unver- 
ständlichen Verses. „Gern möchte ich, dafs-er das Übel wahrnähme" (näm- 
lich das Geschwür, an dem Limousin krankt). — 39 1. E^n Guts. — In die 
in der sechsten Strophe vorkommenden Anspielungen hat Thomas dadurch 
einiges Licht gebracht, dafs er die dort genannten Namen Chanzis und Mal- 
niiros aus Urkunden der Abtei Dalon nachweist (s. S. 152, 153, 156, 159, 
160), aus welchen hervorgeht, dafs dies Nachbarn von Bertran de Born waren. 
Auch den in der nämlichen Strophe genannten Peiro La Cassanha hat Tho- 
mas durch eine Urkunde derselben Abtei zu verifizieren vermocht (s. ebd. 
153). Noch heutzutage, wie er dazu bemerkt, giebt es einen Ort La Chas- 
sagne-Murgueix, — 51. 'WtgQXi. n'Aenris s. zu A I {23), 2. — 53 hat Thomas 
pert conjiciert statt des unverständlichen prcs , wodurch eine befriedigende 
Lesart hergestellt ist. pres wird sich aus dem vorhergehenden Verse ein- 
geschlichen haben. 

XXV (5). V. 6 ist das Komma nach far schwerlich richtig. — 13 
wird, wie drei Hss. bieten, poiran zu lesen sein. — 15 hat Thomas das 
unpassende mesprendre durch reprendre ersetzt, das einen guten Sinn giebt. — 
20 tretaiis = (a)tretaus ; s. Chabaneau IV 2 p. 206. Ebenso tertal = (a)tertal 
an der von Stimming angeführten Stelle. — Der auf 23 folgende in allen 
Hss. fehlende Vers hat vielleicht folgendermafsen oder ähnlich gelautet: E 
hotnes mortz sobre terra estendre. — 25 Unter basclos sind Wegelagerer zu 
verstehen; vgl. Baacli et ruptarii qui populum et terram vastabant (Du Gange 
unter Bascli). Auch Thomas „routiers". Vgl. basdois bei Godefroy. — 
Den lückenhaften V. 27 stellt Thomas folgendermafsen her: Sacs [d'esterlis] 
e de motos. In Letzterem sieht er das frz. moutons. So hiefs im Mittelalter 
eine Art frz. Goldmünzen, und zwar deshalb weil sie das Bild eines Lammes 
trugen, daher sie auch agnels genannt wurden. — V. 32 heifst estendre nicht 
„lenken", wie Stimming angiebt, sondern ist im eigentlichen Sinn zu fassen. 
Vgl. Chabaneau IV i p. 604 und IV 2 p. 206, wo noch eine weitere Stelle die 
Bedeutung des Wortes klarstellt. 

XXVI {25) 5. Der Ausdruck a mueis e a sestiers zur Bezeichnung 
einer grofsen Menge ist sowohl prov. als altfr. häufig ; s. Daurel et Beton 
V. 1128, Albigenserchronik 7591, 9411, Rou II 771 zu 10894. — ^ konnte 
sa benanansa bleiben und brauchte nicht s'a benanansa geschrieben zu werden. 
— 13 und C II flJ) 35 aratge=erraticus; s. Chabaneau IV I p. 608, Schultz 
prov. Dichterinnen zu 14,1 (S. 35). — aficatz = afizatz 22 ist nicht in afiat 
zu verändern, wie Thomas gethan hat. E per caniis non anara saumiers 
Jörn afizatz heifst „und auf Wegen (auf den Landstrafsen) wird nicht ein 
Saumtier einen Tag (d. h. „niemals") ungefährdet gehen"; vgl. Chabaneau IV 
2 p. 206. 

XXVII {18). Den Aenderungen von Thomas in diesem Stücke wird 
man beipflichten dürfen; so 20 7ii, 32 «0'« dirai statt n'i, non dirai; dsgl. 
der abweichenden Gestaltung der fünften Strophe. Die bessere Lesart bieten 
hier, wie auch Suchier bemerkt, meistens schon JKd. — 10 gas = gaps; so 
Suchier und Chabaneau IV l p. 607. — 12 chausa de fer ist schwerlich ein 
Hufeisen (Stimming), vielmehr eine eiserne Beinschiene (Thomas: javibüre); 
vgl. Bartsch, Chrest. 263,38. Die Bedeutung von randar in diesem Verse {tii 



A. THOMAS, ÜKKIKAN DK ItOKN. 205 

chatdsa Je /er tion randa ist jedocli nicht sicher. Nach Die/. K. W. 2O3 heifst 
randar „schmücken, putzen". Letzleres würde passen : „blank machen, vom 
Rost reinigen". — 16 besser mit drei IIss. 5V.f tals In fls com lo comensamen; 
s. zu XVIII 5. — 27 Unter us coms de Saint Tomas ist, wie Thomas in 
annehmbarer Weise erklärt, ganz, allgemein ein englischer Graf zu verstehen. 
Vgl. la terra Saint Aimon XIV 47. 

B I (37). Razo Z. 4 brauchte statt Maeuz nicht Maeut gesetzt zu werden. 
— 20 (Stiraming 22) ist der Lesart von F mit Recht der Vorzug gegeben : e de 
bhismar. — 26 war proosamen zu belassen. — V. 12 des Liedes befriedigt 
der Te.xt weder bei Stimming noch bei Thomas. Das Richtige ist Rassa, 
dompn'ai qiies fresc^e fina, worauf die Lesarten von vier Hss. hinweisen. — 
35. sonar heifst hier eher „anreden", als „sprechen", wie Stimming und Tho- 
mas angeben ; vgl. Flamenca 557 fi".: Vos autreus tenes per pagat Si donina 
es de bon agrat E queus sone gent eus acuilla. — 41 ist statt bttzatador, wie 
beide Herausgeber lesen, mit vier Hss. zu setzen buzacadqr, von buzac XVIII 
(40)14', Ableitung von 6mj<? (französisch), der Bussard, worunter eine niedrige 
Falkenart zu verstehen ist , die sich zur Beize wenig eignet (s. Thomas zu 
der letzteren Stelle), biizacador bezeichnet, wie Thomas sicher richtig an- 
giebt, Einen der mit Bussarden jagt (nicht, wie Stimming meint, einen Lieb- 
haber von Waldgeiern) d. h. der sich mit armseligem Weidwerk abgiebl, im 
Gegensatz zur edeln Beize, die mehr Umsicht und Kunst erfordert. Dafs dies 
die Bedeutung des Wortes ist, geht auch aus dem Folgenden hervor : gaban 
de volada d'austor , .spottend über einen Habichtsflug", d. h. sich lustig 
machend , wenn sie einer edeln Beize zusehen. Mit dieser geben sie sich 
nicht ab , weil es ihnen an Tüchtigkeit und Geschicklichkeit dazu mangelt ; 
noch viel weniger aber wollen sie mit Krieg und Liebesdienst, die beide ja 
Aufopferung verlangen, etwas zu thun haben: Ni ja mais d'armas tii d'amor 
No parlaran mot entre lorr — 51 Stimming: Mauris (1. Maurin) ab n'Algar 
son senhor Ten hom per bon envazidor, Thomas : Mauris ab n'Aigar son 
senhor Ac guerra ab pretz valedor. Beide Lesarten stehen sich an Wert 
ziemlich gleich. Thomas hat auch Aigar in den Text gesetzt , obwohl der 
Name sich in keiner Hs. so geschrieben findet. Allein er war zu der Aen- 
derung ebenso berechtigt wie weiter oben XVI 29, da es sich ja um eine 
bekannte Persönlichkeit handelt. — 55 konnte die Lesart von Stimming 
bleiben, da sie nichts zu wünschen übrig läfst. — 59. Statt de la Tor ge- 
wöhnlich de las Tors. So sagt Gaucelm Faidit mit Beziehung auf das 
Löwenabenteuer des Golfier de Lastours ^ (Raynouard 1. r. I 374): Aissil serai 
fis ses falsa entresenhn Cum fol leos a'n Golfier d^ las Tors, Quan l'ac 
estort de sos guerriers pejors. Ebenso de las Tors an der von Bartsch 



' Busacius kommt auch als Beiname vor. So hiefs der Sohn Wilhelms I. 
von Eu. Er empörte sich gegen Wilhelm den Eroberer und wurde in Folge 
dessen verbannt, erlangte jedoch später durch Heinrich I. von Frankreich 
die Grafschaft Soissons. Vgl. Wilhelm von Jumicges bei Duchesnc, Hisioriae 
Norm. Script, antiqui 277 C. 

* Die Bedeutung, die Chabancau IV l p. 609 (irrtümlicher Weise schon 
zu Stimming 27 angemerkt) dem Wort gabar an der vorliegenden Stelle 
giebt, ,,grofs thun, sich rühmen" ist hier nicht am Platze. 

' Vgl. 1'. M' >• I in der Romania VII 454. 



206 BESPRECHUNGEN. H. ANURESEN, 

Ztschr. II 322 mitgeteilten Stelle. Lat. Gulferius de Turribus z. B. beiOrd. 
Vitalis III 580. Vgl. auch die Urkunde von Dalon bei Thomas S. 154 und 
155. — 61 haben die Handschriften Papiol [PauiolM) mo7i chantar recor 
(ricor M). recor ist nicht =■ recort mit abgefallenem t, wie Stinnning meint, 
aber auch nicht, wie Chabaneau IV i p. 610 und Thomas angeben, ::= recurrit. 
Die Handschriften haben mon chantar, also einen c. obl. Es wäre nun sehr 
seltsam , wenn dieser hier in der Bedeutung eines Nominativs stünde , so 
dafs mit Chabaneau und Thomas zu lesen wäre : 7nos chantars recor, weil 
man dann anzunehmen hätte, dafs die Kopisten übereinstimmend denselben 
Fehler begangen hätten, der um so mehr auffallen müfste, wenn eine Zeile vor- 
her der richtige Nominativ mos chantars die ursprüngliche Lesart ist. (Doch 
wird er nur von A geboten ; E und M weichen ab). Es ist deshalb anzunehmen, 
dafs recorre an der vorliegenden Stelle faktitiv gebraucht und mit „befördern" 
wiederzugeben ist. Ebenso steht in faktitiver Bedeutung revenir „anregen, 
beleben" A. VI (56'), 53 (nicht := reparer , wie Thomas im Glossar angiebt), 
Bartsch Chrest. 93,20, Guilh. Figueira 7,6, Suchier, Denkmäler 245 V. 134, 
Schultz prov. Dichterinnen S. 23 (i,35); „wiederherstellen" Bartsch Chrest. 
208,13, reflexiv 207,1; „wieder gut machen" 291,27; tomhar „werfen" Stim- 
ming Bertran de Born I 37 (S. 222); tornar , .zurückführen" Flamenca 247; vgl. 
3103; descazer ,, zu Fall bringen" Bartsch, Chrest. 275,1 1, 366,11, Albigenser- 
chronik 71. Vgl. Diez Gr. III 114, Gaspary Ztschr. IX 425. 

II (^16). Razo Zeile 8 hat Stimming Si la lauzava [hom] fort en comtan 
e en cha?itän. Bertrans enans qu'el la vis era sos a?nics. Die Einschiebung 
von hotn ist nicht am Platze ; s. Chabaneau, Revue d. 1. rom. III 2 p. 86, viel- 
mehr das Subjekt des Satzes Bertran. Thomas gestaltet die Stelle folgender- 
mafsen: Si la latizava fort en Bertrans en comtan e en chantan enans qu'el 
la vis [e] era sos amics. Allein diese Änderung ist zu gewaltsam. Wahr- 
scheinlich ist zu lesen: Si la lauzava fort en comtan e en chanta7i [en] Ber- 
trans enans qu'el la vis [e] era sos amics. Der Kopist vergafs das en vor 
Bertrans, weil er durch das zweimalige en {en comtan e en cha7ita7i) ver- 
wirrt war und liefs aufserdem eines der beiden aufeinanderfolgenden e (e era) 
aus. — 9 Wegen des Ausdrucks venir a marit s. Chabaneau IV i p. 603. — 
Bei Thomas folgen in der razo die beiden Strophen, die bei Stimming No. i 
bilden (S. 127). V. 5 dieses kurzen Gedichtes ist noch eine unsichere Stelle. 
Stimming: SV« ven a nos el cors estej"" enceis, Thomas: S'en ve7i a vos el 
cors estei anceis, Chabaneau IV r p. 604: S'e7i ven a 710s ol cor estet anceis. 
Die zuletzt angeführte Emendation verdient den Vorzug. — Guiscarda wird 
auch bei Schultz, prov. Dichterinnen (s. S. 33 zu 6,2) genannt. — Hinsichtlich 
des Inhaltes von Lied II {15) vgl. die merkwürdige Ähnlichkeit im Ebert- 
Lemckeschen Jahrbuch V 159,2. — reirazar 22 scheint ,, Hinterwurf, Wurf der 
hintennach folgt" zu bedeuten und eine Zusammensetzung zu sein von reire (retro) 
und azar (fr. hasard). Das Wort kommt nämlich auch bei Arn. Daniel vor 
ed. Canello III 25 fl'.: De drudaria Nom sai de re blasmar, C'autrui paria Tor7i 
ieu 671 reirazar d. h. wohl, wie der Herausgeber annimmt „acht' ich für 
nichts". — lo reirazar derrier bei Bertran de Born ist also jedenfalls ein sehr 
schlechter Wurf, über dessen nähere Beschaff"enheit wir freilich nicht unter- 
richtet sind. Dafs aber auch altfr. hasard einen bestimmten Wurf im Würfel- 
spiel bedeutet zeigen die Stellen bei Littre. — 23 SHeu antra dotnpna tnais 



A. IHOMAS, HER IRAN DK HOHN. 207 

dc-tnan ni enquit-r brauclUf niclil vcriindcrl l\\ werden, ebenso wenij,; 20 Metg' 
e sirven e ji;iii/iis e' portier um! 40 SinW e grua et aigrou bianc e nur; 
Thomas 23 S'autra Jotnna inais de man ni cnqnier; 29 Meiste, sirven e 
gaitas e portier, 40 Cinhe, grtta e aigro blanc e nier. — 32 1. E pois non 
sapcfia que m'aj'a »testier. So auch Chabaneau IV 1 |). 606 und Thomas in 
den Nachlriifjen. — gallinier 41 heifst „auf Hiilincr gehend, Hühner jagend"; 
vgl. 37 anedier. So Chabaneau IV i p. 606 und Thomas. — Die Interpunk- 
tion, wie Thomas sie in der siebenten Strophe hat eintreten hissen, ist gewifs 
richtig: er setzt nach apoderar ein Komma, dsgl. nach nier und fafst 41 — 42 
als Frage auf. Dafs es sich um eine Frage handelt , geht aus der Stellung 
von volrai hervor. — Die unechte Strophe , die bei Siimming als achte 
folgt, hat Thomas nicht mit aufgenommen. — In der lel/.ten Zeile hat Stim- 
ming laissasetz, Thomas laissessetz. Die Form mit a ist jedoch eine durch 
häufiges Vorkommen berechtigte. Vgl. donassetz A. VIII (Vi) 79 (wo auch 
Thomas nicht geändert hat), anassetz Raynouard 1. r. I 423, talhasetz Bartsch 
ehrest. 40,5, pensassetz 111,1},, a^nassetz 76,19, Mönch v. Montaudon ed. Klein 
12,55. Vgl. Diez, Gr. II 204. 

III (12). Razo Zeile 5 ist statt des Perfekts dis , das freilich wenig 
pafst, das Präsens ditz vom Herausgeber gesetzt worden. Zeile 8 ff. hat Tho- 
mas den Text in sehr glücklicher Weise emendiert. Bei Stimming lautet die 
Stelle : E penset pois qti''el no7i poiria cobrar negiina quelh pogues esser 
egals ; e la soa domna li conselhet qu'el en fezes una en aital guisa etc.; bei 
Thomas dagegen : E penset pois qu'el nd'n poiria cobrar neguna que pogues 
esser egals a la soa, don cl si conselhet qu'el en fezes una en aital guisa. 
Diese Emendation ist offenbar durch die richtige Überlegung veranlafst wor- 
den dafs es sehr wenig wahrscheinlich dünkt , dafs Maeuz von Montignac 
selbst den Dichter zu seiner domna soiseubuda veranlafst haben sollte. — 
13 wird gran, wie Thomas mit F liest und schon von Suchier vorgeschlagen 
war, die richtige Lesart sein. — V. 27 des Liedes liest Stimming Mi donz 
na Elis, Thomas Mi donz n'Aelis. Ersteres steht in Übereinstimmung mit 
der razo Zeile 5 : de n'Elis de Monfort. Nach Diez L. u. W. d. Tr. 185, sowie 
Stimming S. 20 und 254 hiefs die Edelfrau EHse, während Thomas sie Alice 
nennt. Beide Namen haben etymologisch nichts mit • einander zu . thun : 
ersterer ist eine Abkürzung von Elisabeth, letzterer = Adalaidis (Documents 
historiques p. p. Lerou.K , Molinier cl Thomas I 66), Adelidis (Chronik des 
Robert von Torigni I 215, Ord. Vilalis II 397, III 18), Adeliz (R. de Diceto 
ed. Stubbs I 243). Der Name ist sehr häufig und findet sich auch in lat. Denk- 
mälern oft in der Form Aeliz; so bei Robert v. Torigni I 160, R. de Diceto 
I 173 u. a. m. — Aus ACeJliz entstand wieder mit dem Feminin-a verschen Alizii 
Alizia Alissa bei R. de Diceto I 342, Gerv. v. Canterbury ed. Stubbs II 381, 
sogar Alesia. So nennt wenigstens Benedict von Pelerborough gewöhnlich 
die Schwester Philipp Augusts, Alice, die mit Richard Lowenhcrz verlobt 
war; vgl. II 29, 66, 70 fl'. — Neben Aeliz etc. entstand aus Adalaidis der prov. 
gleichfalls sehr häufige Name Adalais Azalais, auch Aladais A/azais. Letztere 
F"orm tritt schon früh auf; s. Bartsch Chrest. 7,12, 21. 31 In De Cltales la 
vescomtal ist vescomtal schwerlich als Substantiv zu fassen ..Vizgrälin", son- 
dern als Adjektiv ■=■ fr. vicomtal „vizgräflich" (vgl. comtal ,, gräflich" A I 
{23), 15). Die ,,Vizgräfliche von Chalais" ist der Bedeutung nach freilich so 



208 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

viel wie die „Vizgräfin von Chalais". — 37 1. dara'n; vgl. Chabaneau IV I 
p. 605. — 39 war die Aenderung von per totz in per tot nicht nötig. — 4I. 
Audiart ist nicht = Hildegard, wie Thomas- angiebt, sondern == Aldigärt 
(Foerstemann I 49). Letzterer Name wird , wie so mancher andere altd., als 
Masculinum und Femininum gebraucht und so erklärt es sich wohl auch, dafs 
Raimon von Miraval und sein Gönner sich Audiart nannten ; s. Diez L. und 
W. d. Tr. 380. Gewöhnlich ist Audiart freilich Frauenname; so auch bei P. Vi- 
dal 46,46 (s. Bartsch LXII) und Ponz von Capdolh ed. Napolski S. 19 und 
27. — 43 Quelh estai gen liazos heifst „denn Kleidung (oder Putz, eig. 
Binden, Schnüren) steht ihr gut". So Chabaneau IV i p. 605, der zwei Stellen 
anführt, wo se aar mit ,,sich kleiden" wiederzugeben ist. Vgl. auch Revue 
d. 1. r. III n (1884) p. 227. — 57 gran ,,Gröfse". So schon Suchier und 
Chabaneau IV l p. 606; vgl. Zeile 13 der razo. — 60 1. besser mit Suchier E 
nos camhia nis muda. So drei Hss. 

IV (20). V. 3 ist dorn (= do ?ni), wie Thomas mit JKd liest, die 
bessere Lesart. — 11 ist nicht ersichtlich , warum Thomas Lemozin (Limou- 
siner) — es handelt sich um den Vokativ — in Lemozis verändert hat. Auch 
noi 16 konnte bleiben und ama'ti 22. — V. 28 ist, wie schon Tobler bemerkt, 
ein Semikolon zu setzen, während nach 29 jede Interpunktion entbehrt werden 
kann. — 29 braucht no7i nicht als no'n gefafst zu werden. — Die verdächtige 
Lesart bei Stimming 41 Guilhelms e Bertrans fai saher hat Thomas dadurch 
in glücklicher Weise beseitigt, dafs er S. 157 einen Wilhebnus Bertrandi aus 
einer Urkunde von Dalon als Sohn des Geraldus de Born nachweist. Er 
liest darum 41 Guilhelme Bertran fai saber. Ebenso wie neben e/m die 
Form elme (A XXV = Stimming 5, 23, Bartsch, Chrest. 33,21, Daurel e 
Beton 1326) ist neben Guilhelm ebenso wohl Guilhelme im Prov. üblich, wie 
uns am besten die Albigenserchronik lehren kann ; s. das Register II 492. 
Der Name ist hier meist nicht ausgeschrieben, doch s. z. B. V. 3053, 3931. — 
Demgemäfs setzt Thomas auch V. 49 Guilhelme. — 43 Stimming: E qui pros 
er esforss'en se, Thomas ; E qui pros es esforseti se. Die Aenderung von 
er in es scheint nicht ratsam: esforsen se ist wohl Druckfehler für esforse'n 
se. — 46 hat Thomas die Konjektur Toblers in den Text aufgenommen. 
Die fünfte Strophe ist um zwei Zeilen kürzer als die vorhergehenden. Es 
fragt sich jedoch ob etwas fehlt, wie dies Chabaneau IV i p. 605 annimmt. 
V {38). Bei den Namen Maeuz [Maeutz) und Tibors kennen die razos 
nur diese Formen, die zugleich im c. obl. gebraucht werden. Thomas, der auch 
sonst eine etwas genauere Nominalflexion durchgeführt hat, setzt, wo es sich 
um einen c. obl. handelt, Maeut, Tiborc; so Zeile 2, 8, 27, 28 ; 5, 25, 26. Über 
den letzteren Namen (deutschen Ursprungs) s. die lehrreichen Bemerkungen 
von Schultz zu seinen prov. Dichterinnen S. 13. — Zeile 2 hat Thomas esditz 
bei Stimming in esconditz verändert, dsgl. 9 esdich in escondit. Allein die 
handschriftliche Lesart ist schwerlich anzutasten, esdig heifst „Widerruf" 
(s. Bartsch Chrest. 94,34 und Raynouard 1. r. 3,56) und diese Bedeutung pafst 
sehr gut. — Zeile 6 ist das e vor de valor nicht zu unterdrücken. — 8 1. 
E'n Bertrans. — lo degnes wohl Druckfehler für degues, dsgl. 13 alegre 
für alegra. — 23 a mantener e a far lo concordi auf Grund von F ist offen- 
bar besser als was Stimming hat: a matitener a far lo concordi. — 25 und 26 
konnte das Futurum bleiben: amara, servira, während 26 in der That era (F) 



A. THOMAS, HERTRAN DE HÖRN. 20y 

besser ist als er. — 27 hat Stiniming (29) E nui domna na Tibors, Thomas 
E madomna Tibors; 33 Stimming (36) e la promession qii'ella avia faicit ad 
el, Thomas e la promessio (ju'e/a avia faita ad el. Hier ist allerdings an- 
zunehmen, (.lafs der Schreiber von den beiden aufeinanderfolgenden a in faita 
ad eins ausgelassen hat. — 36 Slimming (39) Don ßertrans de Born fetz. 
Thomas Don Bertrans fetz, 39 Slimming {43) dis, Thomas ditz. Der Schlufs 
der razo ist nicht mit abgedruckt worden, wiewohl er doch zu dem Lied ge- 
hört {von V. 34 an). Hier ist gazanhs Zeile 48 eine sehr gute Ergänzung von 
Stiniming. — V. 3 des Liedes ist D'tai, wie Thomas mit fünf Hss. liest, 
sicher die beste der in Frage kommenden Lesarten. — 39 — 40 hat Thomas 
der von Tobler empfohlenen Conjectur den Vorzug gegeben : E vei los totz 
temps garnitz Coina Vivian d'estors. Unter der hier genannten Persönlichkeil 
versteht er den aus Guill. d'Orange bekannten Helden.' Indessen macht Cha- 
baneau IV 2 p. 206 darauf aufmerksam, dafs die meisten Hss. de cors haben. 
Vielleicht ist auch hier der A III (33) 19 genannte Vivian oder Vezian von 
Lomagne gemeint (an diesen denkt auch Chabaneau IV i p. 610) und in cors 
steckt ein Ortsname. Etwa Cours im Arr. Agen.-* — Zu 63 bemerkt Cha- 
baneau IV 2 p. 206 richtig, dafs frezir bei Slimming und Thomas irrtümlicher 
Weise mit „verringern" übersetzt sei; es heilst jedoch ,, erkalten" (vgl. Ray- 
nouard, 1. r. 3,390). — 75 — 76 ist die Lesart von Stiniming zu bewahren : 
Mas eis non estrenh correis, Sol c^ab eis s'en an Vargens ,,aber sie drückt 
kein Riemen, wenn nur das Geld mit ihnen geht". Das Drücken des Riemens 
ertragen sie gern , wenn nur das Geld bei ihnen bleibt. Chabaneau IV 2 
p. 206 hält dafür, dafs in beiden Versen el zu lesen, non = «0'« zu fassen 
und zu übersetzen sei „aber er zieht darum seinen Gürtel nicht fesler an", 
d. h, es bekümmert ihn nicht. Diese Aenderung scheint mir nicht das Rich- 
tige zu Ireflen , wenn auch gegen die Erklärung nichts einzuwenden ist. — 
77 brauchte s^en nicht in en verändert zu werden, ebensowenig 81 der Singular 
befag in den Plural befaitz. — Stimmings Anmerkung zu V. 88 hat Thomas 
wohl übersehen , da er sonst schwerlich fesson in fezes verwandelt hätte. 
"Wegen der Sache vgl. auch Levy in der Revue d. 1. rom. III 7 (1882) p. 286 
und IV I (1887) p. 423. — 89 zu dem Namen Tempra s. zu A I (23), 2. — 
93 haben die Hss. Papiol ses tan arditz, wofür Slimming setzt Papiols,- s'est 
ta?t arditz, Thomas Papiols s^es tan arditz. Die Form es als 2. Sing, kommt 
zwar vor, allein es liegt auf der Hand, dafs von den beiden unmittelbar auf- 
einanderfolgenden t sehr leicht eins vom Schreiber vergessen worden sein 
kann und darum zu lesen ist : Papiols, s'esftj tan arditz. 

VI (19). Die razo Z. 3 nennt die Fürstin Eleina (so steht bei Stimniint; ; 
Thomas: Elena) oflenbar nach dem Lied selber V. 7. — 5 1. E'n Richariz. 
C Slimming: si l'aissis lofic temps sa seror ist nicht recht verständlich. Tho- 
mas liest : si l'assis lonc sa seror „und setzte ihn neben seine Schwester, 
liefs ihn zur Seite seiner Schwester Platz nehmen." Diese Emendalion läfst 
nichts zu wünschen übrig und ist um so besser als J lonor hat, das oflenbar 
aus lonc verderbt ist, ferner aber die Stelle so genau mit dem stimmt was im 



* Sicher ist dieser, wie beiläufig bemerkt wenien mag, gemeint bei Arn. 
Daniel ed. Cancllo XII i ", : '••■ Anm. 

Zeluohr. f. rom. P1UI.XJ.V. 14 



2 10 15ESPKECHUNÜEN. H. ANDKESEN, 

Lied V. 27 bericlitel wird : E tnos senher m^ac pres de leis ussis. Zu dem 
Ausdruck vgl. Peire Rogier ed. Appel 2,46 (S. 43) St uns s'i prezenta, Quel 
denk lonc se assire, Ges no m''espaue7ita. — -9 Stimming e Valens, Thomas 
e tan Valens. Diese Aenderung war kaum nötig. — 10 fehlt bei Thomas 
fort vor per pagatz. — 13 (Stimming 15) setzt Thomas mit F dias. — Vers 7 
des Liedes wegen Lana s. zu V. 9 des folgenden Gedichtes. — In der ersten 
Zeile der dritten Strophe fallt es auf, dafs hier nicht die vierte Silbe auf ar 
ausgeht, wie in der ersten Zeile der übrigen Strophen: disnar : sahidar : 
esgar : parlar. Letztere Übereinstimmung kann kaum ein Zufall sein. — Zu 
V. 31 E de solatz ?ni sembiet Catalana hat schon Stimming auf einige weitere 
Stellen verwiesen, wo gleichfalls die feinen Umgangsformen der Catalanen mit 
Lob bedacht werden. Vgl. noch Chabaneau IV 2 p. 206 und Klein , Mönch 
von Montaudon S. 40. — V. 32 ^ d'acolhir de Fanjau steht Fanjau nach 
Thomas blofs des Reimes wegen , während Chabaneau IV i p. 607 darin eine 
Anspielung auf ein Stück bei P. Vidal (Bartsch S. 22) sieht. Gemeint ist die 
in Languedoc nicht weit nordöstlich bei Mirepoix gelegene kleine Stadt Fan- 
jaux oder Fanjeaux. Die Yoxxd Fanjau bei Bertran ist ungenau; die richtige 
lautet Fanjaus (lat. Fanum Jovis; vgl. dijous = dies Jovis). Der Ort kommt 
öfter in der Albigen serchronik vor: 781, 1959, 2000, 215 1. — 41. Mit dem 
Verstecknamen na Majer (= major „gröfser, vorzüglicher") läfst sich der 
Versteckname en Plus Lejal vergleichen bei Ponz v. Capdolh ed. Napolski 
p. 67 und Folquet v. Marseille (Bartsch Chrest. 124, 25), ebenfalls ein Com- 
parativ. Möglicher Weise haben wir mit Stimming S. 23 in Majer eine An- 
spielung auf den Namen Maeuz = Alathilde — so hiefs die Fürstin — 
zu sehen. 

VII (.9). V. 9 schreibt Stimming Una gaja, lisa Lena, Thomas Una 
gaja, lisa, lena, fafst also lena nicht als Helena, sondern als Femininum von 
len {lenis) auf. Stellen wie Gienf e fresca, blanca e lena und Estrenha 
vas me Son cors blanc, gras e le , beide von Raynouard im 1. r. unter len 
angeführt, könnten die letztere Erklärung als die einzig richtige erscheinen 
lassen. Bei dieser Annahme wird man jedoch durch das na Lana in dem 
eben behandelten gleichfalls an Mathilde gerichteten Liede (V. 7) in grofse 
Verlegenheit gebracht. Dies kann kaum etwas Anderes sein als eine dem Reim 
zu Liebe vorgenommene Aenderung von Letta. Da auch die razo zu dem letztern 
Gedichte die Fürstin , wie wir sahen , Eleina nennt , so wird Stimmings Er- 
klärung (S. 249) wohl die richtige sein. Dies wird auch Thomas später em- 
pfunden haben, denn im Glossar wird nicht nur Lana, sondern auch Lena 
als Personenname aufgeführt. Aehnliche Freiheiten dem Reim zu Liebe be- 
gegnen ja auch sonst. Vgl. Suchier Denkmäler S. 535, Schultz, prov. Dich- 
terinnen S. 32 zu I 42. cric für crec steht Bartsch Chrest. 68,14, vist für vest 
ebd. erste Ausgabe 66,50. Vor Allem aber ist zu bedenken , dafs Bertran 
auch sonst mit Namen ziemlich frei verfährt: IVoja = Troyes A XXI {17), 
36, ebenso geschrieben wie die Stadt des Priamos ebd. 33; Susest := ?>visse\, 
Cans = Caen XXIII (5) 54 bzw. 58; Corozana = Khorassan B VI (i9),39. Auch 
der Name der Stadt Arras kommt einmal in der Form Arrat vor A V {ü), 
41 statt des richtigen Arratz XIII [U) 19. Vgl. Thomas S. 21; s. auch Ar- 
gentos weiter unten Vers 31. — Übrigens gestattet sich Bertran nicht nur, was 
Namen anlangt, sondern auch sonst dem Reim zu Liebe mannigfache Frei- 



A.THOMAS, ISKKIKAN DK BORN. 211 

heilen. So seui er retena 24 des vorliegenden Gedichtes statt retenha A VI 
(5Ö) 25, 39. An mehreren Stellen ist / dem Reim zu Liebe abgefallen, wie in 
</r«^» A XIII (/i), 13, XVI (.V/), 6, 43, esplei, destrei ebd. 12 bezw. 19, au 
B VI (i.'') 22 statt Jifit. espleit, destreit, auf. Solche Formen erlaubt sich 
auch der Mönch von Montaudon im Reim , worauf schon Suchier im Eberl- 
Lemckeschen Jahrbuch XIII (1874) S. 341 aufmerksam machte. Vgl. die Aus- 
gabe von Klein 2,6; 5,18 und 23. Ebenso finden wir im Reim Abfall des ,v 
in Fanjau B VI (19), 32, Alansei für Manseis (gewöhnlich Mances, z. B. im 
G. de Rouss. bei Bartsch Chrest. 36,3, 37,33 oAcx Mancel bei Bertran A XI V= 
Stimming 34,42, neufran/. Manceaux) A XVI (ßl), 26 ; Orlei für Orleis (sonst 
Orlhes, gleichfalls im Gir. de Rouss. bei Bartsch 44,22 aus Orlie(n)s) ebd. 33, 
Francei für Franceis aus Frances, ebd. 39, Valei für Valeis aus Vales ( Va- 
densis) ebd. 44. In den zuletzt genannten Fällen ist also zugleich e zu ei 
den Reim zu Liebe erweitert; ebenso in sei ebd. 18 und mercei },\, wie auch 
in rei A X {20), 8. Vgl. Stimming zu der letzteren Stelle, wo solche Formen 
auch bei andern Dichtern nachgewiesen werden, ferner Bartsch Ztschr. II 136 
und Hofmeister, spr. Unters, der Reime B. v. Vent. (bei Stengel a. a. O.X) S. 27 
und 28. Aus demselben Grunde gestattet sich Bertran zuweilen Auflösung des 
auslautenden /, so B VI (7.9) in ostau, cabau, rejau, emperiau, cristau statt ostal, 
cabal etc., und vor Flexions-J A XXV (.5) in taus, caus, tretaus, venaus, 
maus, aitaus und ebd. XII (.3.0) in cavaus, vassaus, coraus, Fontebraus, 
rejaus, maus statt tals, cals etc.; s. Stimming zu 19,2. Solcher Formen be- 
dienen sich auch Raim. v. Mirav. (Bartsch Chr. 149,20) und Jaufre Rudel ed. 
Stimming III.' — Es ist femer / dem Reim zu Liebe abgefallen in trepei A XVI 
(.^1) >3 (vgl. casla fiir caslar bei Meyer, Recueil 174,5). — Nicht selten ge- 
braucht Bertran französische Formen und Endungen: laje C I (7), 9, apaje il, 
ent^uatge 25, Frederis, Enris A XXIV (8) 49, 51, enenii XXII {4), 23 (sehr 
auffallend: amic ni enemi); di ebd. 37, pais XVII (ii), 40, 50, gas XXVII 
(IH), 10, estor C II (//), 33 statt laja, apaj'a, enguatja, Frederics, Enrics, 
emmic, die, patz, gaps, estorn. Ferner findet sich auch complia statt com- 
plida B VII (.9), 25. Mehrere dieser Formen hat bereits Suchier zu 18, 20 
aufgeführt; s. auch letzteren im Ebert-Lemckeschen Jahrbuch XIV 307, wo er 
vire für vira als bei B. v. Vent. im Reim auftretend nachweist. Auch ver- 
zeichnet Stimming zu 7,25 dieselbe Form bei Folq. de Rom., dsgl. ebd. sal- 
vatge für salvatja bei Alb. de Sist. — Von Thomas S. 25 mit Recht als 
französisch bezeichnet ist auch poissan A VI (2G), 36 und XXIII (.!>') 50, wo- 
mit sich valhans in der Albigenserchronik 6121 vergleichen läfst. — Die gleich- 
falls frz. Formen (s. P. Meyer, Flamenca S. 260 zu 6617 und Daurcl et Beton 
S. XLI) /«/iV, retenir, mantenir treten bei Bertran de Born nicht auf, obwohl 
gerade diese von anderen prov. Dichtern öfter im Reim gebraucht werden, z. B. 
von Guilh. Anelicr (s. Ztschr. II 131), Malfrc Ermengaud (s. ebd. VII 406), Arn. 

• Wie der Herausgeber zu dem letzteren Gedicht S. 36 anmerkt, sind diese 
Formen den Leys zufolge gascognisch. Dialektisch sind auch die Perfektformen 
auf c statt / (vgl. l'aul Meyer zu Daurcl et Beton LXIII), die manche Dichter 
sich gleichfalls im Reim zu Nutze machen; s. Bartsch, Denkmäler S. 325 zu 
82,4, dessen Chrest. 261,39, Ponz de Capdolh ed. Napolski XXIII 26, Revue 
des langues romanes III 7 (1882), p. 279; Schultz, prov. Dichterinnen 8,1 
Vers 28 (S. 23). 

14* 



212 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

Daniel III 15 [tejiei- XVII 46), Ponz von Capdolh XXVII 21 und 41 {teuer IV 
51). Weitere Belege bei Fichte, der Infinitiv im Prov. S. 16.' Als Doppelt 
formen (vgl. Bartsch, P. Vidal LXXVIII, Hofmeister a. a. O.) sind anzusehen 
paes C. VIII (45), 43 — pais B. VI [19), 19. Ebenso gebraucht der Dichter 
der Albigenserchronik je nach Bedürfnis des Reimes sowohl ases, mes, promes 
als auch asis, tnis, promis, s. P. Meyer ebd. II p. CIX, ferner Jaufre Rudel 
in demselben Gedichte (V) platz und plai, jenes V. 21, dieses V. 45; ja Ponz 
V. Capdolh sogar in der nämlichen Strophe dir und dire: XXVII 23 bzw. 
34. — 9 lisa braucht nicht auf geistige Vorzüge zu gehen, wie Stimming an- 
nimmt, sondern heifst ebenso wie in dem zuletzt betrachteten Liede V. 35 
„weich, glatt, fein". — 12 dijous de la Cena auch im Gir. de Rouss. (bei 
Bartsch, Chrest. 44,21). Vgl. auch Godefroy. — 20 — 21 hat Thomas der Lesart 
von CET den Vorzug geben zu müssen geglaubt: Mais il es sobre lor mais 
Que non es aurs sobr^arena, und auch 22 das Qu^eu bei Stimming durch E, 
wie mehrere Handschriften haben, ersetzt. Bedenklicher ist es , einer Lesart 
zu folgen, die nur von einer einzigen Hs. vertreten ist, wie Thomas es 32 
gethan hat, zumal die, von Stimming bleiben konnte, wenn mal = ma (mai) 
lo auch wohl im Ganzen selten vorkommen mag.^ — 24 Stimming und Tho- 
mas: Ses cuidar que notji retena. Besser mit Tobler auf Grund dreier Hss. 
Ses cuidar qii'ellam retena. — 31 ist unter Ar gentos die Stadt zu verstehen, 
die jetzt Argentan heifst, im südlichen Teil der Normandie an der Orne gelegen. 
Hier hielt sich die Herzogin Mathilde vom Sommer I182 an längere Zeit 
auf.-* Die Form Arge?itos befremdet, nicht wegen des o, da die ältere Form 
Argento7i [Argentotniim) heifst, aber wegen des s. Wahrscheinlich hat der 
Reim auf die Anwendung dieser Form Argentos eingewirkt. — 36 De la 
Saissdm defendia ,,der Sächsin schützte mich". — 38 hat Thomas ni für «?'«, 
41 Anz statt E in den Text gesetzt. Ersteres bieten zwar vier, letzteres 
zwei Handschriften, allein an beiden Stellen war eine Aenderung nicht 
geboten. — 48 empfiehlt es sich mit Chäbaneau IV 2 p. 207 zu lesen: 
Totz lo 7nons en gensaria. Weniger gut Stimming : Totz lo nionz n^agen- 
saria, denn der Dichter wird das Verbum gensar, das schon 41 vorkommt, 
auch hier gebraucht haben ; noch weniger gut Thomas : Tot lo mon en gen- 
saria. — 63 konnte apensos bleiben. — 61 — 65 sind schwerlich, wie Chä- 
baneau IV I p. 605 vermutet, der Anfang einer sechsten unvollständig er- 



1 Anders verhält es sich mit manir bei Ponz v. Capdolh III 35, rema- 
nir bei Levy, Revue d. 1. rom. IV i (1887), 433, denn diese Formen sind 
weder frz. noch prov. 

2 In der Schrift von Hengesbach, Beitrag zur Lehre von der Inclination 
im Prov. wird (S. 14) aufser der vorliegenden nur noch die Stelle aus A. Da- 
niel IX 45 der Ausgabe von Canello angeführt : Mal cors ferms fortz Mi fai 
cobrir Mains vers. 

3 Sie war ihrem Gatten Heinrich dem Löwen gefolgt , als dieser, von 
Friedrich Barbarossa zur Verbannung verurteilt, sich nach der Normandie 
zu seinem Schwiegervater Heinrich IL von England begab. Der Herzog 
selbst unternahm kurze Zeit nach seiner Ankunft daselbst eine Wallfahrt nach 
Santiago, war jedoch schon am ersten Weihnachtstage 1182, als Heinrich II. 
Hof in Caen hielt, dort wieder zugegen. Vgl. Ben. von Peterborough I 291. 
Mathilde starb schon 1189, in demselben Jahre wie ihr Vater, erst einige 
drcifsig Jahre alt. S. ebd. II 72. 



A. THOMAS, BERTRAN DE KORN. 2 13 

haltenen Strophe. Das Lied schliefst mit diesen Versen wenigstens gut ab, 
obwohl andererseits freilich zu bedenken ist, dafs sie nur in C und E, in 
letzlerer Hs. verslümmelt, erhalten sind. 

C I (?). Mit diesem Gedichte läfst sich Lied 6 des Mönches von Mon- 
taudon vergleichen ; s. Klein in seiner Ausgabe S. 47. — V. 3 folgt Thomas 
M, allein der Text bei Stimming (C) ist vorzuziehen, da das Verbum laüsar 
>chon in der vorhergehenden Zeile steht. Dagegen hat Thomas mit Recht 5 
.iiipncs in den Text gesetzt. — V. 4 hat C aitans d^efans und dies konnte 
bleiben, wie Tobler bemerkt. — 8 bes, wie M hat, ist die bessere Lesart. 
Vgl. Chabaneau IV l p. 605. — 9 ist auf Grund von Toblers trefflicher Emen- 
dation (so auch Chabaneau IV 2 p. 207), die Thomas mit Unrecht verlassen 
und durch eine fast unmögliche Lesar verdrängt hat, zu lesen : pux c^a pel laje. 
Letzteres steht dem Reim zu Liebe für laja, wie 1 1 s'apaje für s'apaja und 
25 enguatge statt enguatja , wie Stimming bemerkt, der noch ähnliche Be- 
lege namhaft macht. S. weiter oben S. 211. Der Vers lautet auf Grund von 
M (Suchier): Per vielha tenc domna pus c'a pel laje. — Chabaneau IV 2 
p. 207 vermutet dafs der Sinn von Vers 13 Vielha la tenc, s^ama dinz son 
castel sei: wenn sie ihren Gatten liebt. Vielleicht will der Dichter sagen: 
wenn sie sich von der Gesellschaft abschliefst und für sich lebt, um ungestört 
ler Liebe zu fröhnen. Die gute Sitte verlangt, dafs sie sich zuweilen zeige. 
— 14. Das Femininum faitilha verzeichnet Diez E, W. 135 und Gr. II 331. — 
Nach devinar 23 ist ein Komma zu setzen. Es bedeutet hier „verläumden 
(so Stimming), schlecht machen, klatschen". Diese Bedeutung findet sich bei 
Thomas im Glossar nicht angegeben. — 27, 29, 31 wird Joves se te, wie 
Thomas hat, das Richtige sein. C hat auch so an den beiden ersten Stellen. 
Dagegen ist nicht ersichtlich, warum Thomas 28 E es joves in E joves es 
verändert und doch 26 und 32 die ursprüngliche Lesart E es joves bewahrt 
hat. Mit Recht nimmt er dagegen 39 die Lesart von M auf, die schon 
Suchier als bessere empfahl. — 41 Stimming: Mon sirventesc pbrV e vielh e 
novelh , Thomas : Mon sirventesc porta vielh e novelh. Vielleicht verdient 
Toblers Conjectur den Vorzug: Mon sirventesc port de vielh e novelh. — 42 
macht Thomas auf die Vermutung Canello's aufmerksam, dafs hier mit dem 
Spielmann Arnaut der Troubadour Arnaut Daniel gemeint sein könnte.' — 
44 Stimming : Qu'ab thezaur jove pot [bonj pretz guazanhar, Thomas : Qu'ab 
tesaur pot jove pretz gazanhar. Die letztere Lesart ist jedenfalls abzu- 
weisen, da thezaur jove beibehalten werden mufs, weil es einen Gegensalz zu 
thezaur vielh der vorhergehenden Zeile bildet. Vielleicht: Qti'ab thezaur 
jove pogra pretz guazanhar. 

II (//). Die Abweichungen beider Texte sind in diesem Gedichte nur 
unbedeutend. V. 9 liest Thomas auf Grund mehrerer Handschriften per cam- 
panha, 34 maintz vassals. An der letzteren Stelle ist der Plural offenbar 
besser am Platze : E maintz vassals ensems ferir. Stimming : per campanhas, 
maint vassal. — ' 5 -^ platz mi en mon coratge ist der Vokal von mi zu 
elidieren , wenn der Vers zu Stande kommen soll. — 32 1. Escutz (Druck- 
fehler). — Die nur in wenigen Handschriften enthaltene sechste Strophe bei 
Stimming druckt Thomas nicht mit ab, auffallender Weise jedoch, obwohl er 
CS selber für unecht hält, das zweite Geleit, das nur T bietet. — Statt guer- 
rejiitz 53 sollte m:in , wie Thnm:is tin<l Chabaneau IV 2 p. 207 bemerken. 



2 14 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

den Conjunctiv guerrejetz erwarten. Chabaneau conjiciert darum: no guerr^ 
ajatz. 

III [16). V. 7. Stall geh, wie Stimming und Thomas schreiben, hat die 
einzige Hs., die das Lied bietet, ges. Allein bereits Raynouard 1. r. 3,451 las 
gel. — 12 asiata „Wohnung". So Thomas und Chabaneau IV i p. 6ü6. Vgl. 
assiete de manoir bei Godefroy. — 14 lata von Thomas gewifs richtig er- 
klärt als „Latte, die als Einfriedigung dient". — 17 hat Thomas die schon von 
Suchier und Chabaneau (Revue d. 1. r. III 2 p. 86 und IV l p. 606) in Schutz 
genommene Lesart der Hs. mit Recht beibehalten. Wie letzterer bemerkt, 
stellt der Dichter hier die beiden Söhne des Grafen Elias V. von Perigord 
einander gegenüber. — 23 ist E fatz o quofna esparviers die richtige bereits 
von Tobler empfohlene Lesart. — 25 ist die handschriftliche Lesart wieder- 
herzustellen : Mas ieu con sahus aßcat Desqu'en lä rota m'dbata Non auria 
mit ans camjat Qu' ieu sivals tot Jörn not glata, wörtlich „aber ich wie ein 
beharrlicher Spürhund würde , sobald ich mich in die Rotte stürze , nicht 
tausend Jahre gewechselt haben , dafs ich dabei nicht wenigstens allezeit 
kläffte". Der Dichter vergleicht sich hier in einem anschaulichen Bilde mit 
einem eifrigen Spürhund , der, wenn er einmal losgekoppelt ist , sich durch 
nichts von der Spur des Wildes abbringen läfst, und stellt sich in einen 
Gegensatz zu dem bald schlaff' werdenden Tempra, den er mit einem leicht 
ermüdenden Sperber vergleicht. Er selbst ist so zähe, dafs er auch wenn er 
schon tausendmal den Jahreswechsel erlebt hätte, wenigstens durch Kläffen 
noch anzeigen würde, dafs er noch nicht abgestumpft sei. — Wegen sahus 
=:it. segugio (Diez E. W. 290, dazu Baist Ztschr. VI 427), altfr. seuz (Constans, 
ehrest. S. 348) s. Ztschr. XII 265, Romania XVII 625. — 29 — 31. Auf das 
Wortspiel zwischen Lüuckata {='Leuca\.e inNieder-Languedoc, im heutigen Dep. 
Aude) und Datniata (= Damiatte in Ober-Languedoc , einige Meilen westlich 
von Castres) haben schon Suchier und Chabaneau (Revue des langues romanes 
III 3 p. 281 sowie auch IV i p. 607) hingewiesen. Es ist klar, dafs Bertran 
bei Lieuchata an die Wörter Ieu und cazer, bei Da?mata an damnatge denkt 
und sagen will: ich bin nicht so glücklich daran dafs mir Alles was ich 
wünsche leicht in den Schofs fällt, sondern mufs Schaden und Verlust er- 
leiden. Suchier kurz : ich bin nicht von Treß'eleicht, sondern weile in Scha- 
denstadt. 

IV (,24). V. I ist Mailoli, joglar malastruc, wie Thomas hat, die dem 
Sprachgebrauch angemessene Lesart. Vgl. zu A XVIII 5. — 7 <rora/Äa halten 
Stimming und Thomas für dasselbe Wort wie das weiter unten 18 vorkom- 
mende coralha. Allein beide Wörter haben nichts mit einander zu thun. 
Vielmehr entspricht coralha an der ersteren Stelle dem altfr. curaüle „Ab- 
fall, Kehricht" (s. Godefroy). -viure d'autrui coralha heifst „vom Abfall 
Anderer leben, von dem leben was Andere übrig lassen." coralha und curaüle 
hängen zusammen mit curar, escurar, franz. eurer, ecurer ,, reinigen, säubern, 
fegen." Von curaüle ist wohl zu unterscheiden das altfr. oft vorkommende 
coraille ,, Eingeweide". Letzteres haben wir 18 vor uns: coralha, das hier 
„Mut" bedeutet. Vgl. A II {44), 14. — 8 faisstic kommt von /als „Last" 
und hoitsl darum „lästig, beschwerlich". So auch Chabaneau IV i p. 608. — 
12 porc gu'om regarda mühargos heifst „ein finniges Schwein, das 
man beschaut" (Thomas: „forc gue Pon langueye"). mühargos w/irtlich 



A. THOMAS, BERTRAN DE BORN. 2 15 

„voll Hirsekörner {*mi7iarwsus)"; vfjl. fr. j^rains de lepre oder ladrerie. 
Offenbar, wie die Stelle zeigt, mit inilhargos identisch ist miUargeiix bei 
Godefroy. — 15 Qu'ieiis hatte schon Stimming selber in den Anmer- 
kungen in Qtiius verbessert. So denn auch Chabaneau IV i p. 608 und 
Thomas. — 16 hat Thomas die von Stimming mitgeteilte Bemerkung 
Toblers übersehen: vers der Hs. ist beizubehalten. — 23 setzt Thomas E 
a major cor us soiros.^ So ist die Stelle verständlich „und eine Milbe (die 
richtige Bedeutung hatte schon Tobler nachgewiesen) hat ein gröfseres Herz". 

— 36 — 41 faCst Stimming als zwei Tornadas; allein wahrscheinlicher dünkt 
es, dafs sie eine sechste Strophe ausmachen, der die erste Zeile fehlt. So 
Chabaneau IV i p. 608, und Thomas, der auch 42 —47 nicht als zwei Tor- 
nadas fafst. — 41. Thomas nimmt die Ansicht Toblers auf, der zufolge zu 
lesen ist non Pempansetz. Chabaneau IV i p. 608 liest: non Ven passetz, in- 
dem er auf folgende Stelle des von ihm herausgegebenen altfr. Roman de 
Saint -Fanuel (Revue d. 1. r. III 14 p. 167 V. 417 ff.) verweist: Pomes ot de 
hone nature, Ce nos raconte Vescripture ; Ainc Dex ne fist si dolerox, Si 
malade ne si lieprox, S'il en eust le col passe, Qtie maintenant n'eust sante. 

— 42 Unter Planel ist vielleicht Le Plagnal zu verstehen in Vivarais, im 
heutigen Dep. Ardeche, Arr. Largentiere. Eine Persönlichkeit dieses Namens 
(Rahnon de Planel) gab es nach Chabaneau (IV 2 p. 207). 

V (27). V. 5 vint e trenta scheint Druckfehler zu sein für vint o 
trenta, wie Stimming hat. — 7 1. acaptar (Druckfehler). — 22 verdient die 
von Thoraas aufgenommene Lesart von R den Vorzug, während 30 7ti bei 
St. ebenso gut ist wie o, das Th. ohne handschriftliche Grundlage eingesetzt 
hat. Dagegen bietet dieselbe Hs. R wieder 31 — 32. eine bessere Lesart, der 
Thomas denn auch gefolgt ist und mit Rücksicht auf welche er 28 vilas ge- 
setzt hat. Auch Chabaneau IV i p. 608 entscheidet sich für R. — 33 kann 
rassa nicht das frz. race sein, da dies Wort, wie Gröber Ztschr. XI 557 her- 
vorhebt, gleich dem mit demselben identischen it. razza, neuprov. raza, span. 
raza in den mittelalterlichen Texten der romanischen Sprachen nicht zu finden 
ist. Rassa als Beiname Gottfrieds von der Bretagne (s. die zweite Biographie 
bei Stimming S. 105, bei Thomas S. LH) kommt an der vorliegenden Stelle 
nicht in Betracht (vgl, Stimming S. 277). Suchier macht .darauf aufmerksam, 
dafs rassa bei Du Cange in der Bedeutung conjuratio vorkomme. Vielleicht 
ist dies Wort hier gemeint, wenn nicht etwa ras(s)a als Schreibfehler für raca 
(vgl. aficatz bei Stimming 25, 22 statt afizatz durch Verwechslung mit aficatz 
ebd. «6,25) anzusehen ist. raca heifst „schlechtes Pferd" (daher das frz. racaille; 
s. Diez E. W. IIc. — 37 hat Thomas unnötiger Weise getan in meton ver- 
ändert, als ob ersteres unrichtig wäre. Beides ist gebräuchlich: getar a non- 
cura steht bei Guilh. Figueira 2,72 (s. Levy zu der Stelle p. 85), Rev. d. 1. 
r. III 6 p. 66, metre a non-cttra bei B. Zorzi 4;26 (p. 48), 7,48 (p. 57). Ebenso 
sagt man getar a non-caler (bei Schultz, prov. Dichterinnen IV 35 (S. 31), 
Rev. d. 1. r. IV 3, p. 107) und metre en non-caler (ebd. 108, Schultz, prov. 
Dichterinnen III 29), auch metre en non-calensa (B. Zorzi 4,48). — 39 Chabaneau's 
Conjeclur (IV 2 p. 208) Quar Den getan a non-curn E lejaltat e dreitura A 

' Die Verderbnis der Hs. Ez as major cors c'uns soiros entstand da- 
durch dafs das Sulijckl in ungewöhnlicher Weise naclislchl. 



2 I 6 BESPRECHUNGEN. H. ANDRESEN, 

dam (ad da»inu»i) cuidon contrafar ist geistreich ; doch läfst der Text bei 
St. und Th. an Verständlichkeit nichts vermissen. Vgl. Stimmings Anmerk. 
VI {ßi>). In der ersten Strophe macht Bertran einem vornehmen Herrn 
Vorwürfe dafs er einer ihm geneigten Dame nicht mehr Entgegenkommen 
zeigt: er selber empfindet Scham darüber al for de Catalonha (v. 6) „nach der 
Weise von Catalonien, nach catalanischer Art". Bedenkt man, dafs die feinen 
Umgangsformen der Catalanen berühmt waren (vgl. weiter oben B VI 31), so 
darf man annehmen , dafs Bertran sagen will : ich bin betroffen ob eures 
Mangels an Liebenswürdigkeit gegen die Dame, wie die Catalanen es sind, 
wenn sie Jemand sich unfein benehmen sehen. — Zu V. 2 hat Thomas die 
Anmerkung Stimmings übersehen, da er sonst wohl nicht/«/, das alle vier 
das Gedicht bietende Hss. haben, in faitz verändert hätte. — 8 lai ist nicht, 
wie Stimming meint, = illac, sondern = la i [illam hie); vgl. Chabaneau IV 
I p. 610. Der Irrtum Stimmings hängt damit zusammen dafs er fadiar mit 
„sich dumm benehmen" übersetzt. Es heifst ,, vergebens warten lassen" wie 
Thomas im Glossar angiebt. — 16 s'aturar bedeutet ,,sich aufhalten, zögern", 
wie Chabaneau IV 2 p. 208 bemerkt. Diese richtige Bedeutung findet sich 
schon bei Stimming angegeben. — 21 — 24 lauten in den Hss. S'acsetz boti 
cor d'amar [d'anar A) antrebeira (antrebera JK, autrebera D) e Dordonha 
De regart nous daratz (dara D) sonha Ni ja noiis degra fuembrar. — Zu- 
nächst ist wie 24 so auch 23 ein Conditional am Platze und demgemäfs 
setzen Stimming und Thomas beide dera in den Text. Thomas giebt ferner 
21, wie mir scheint mit Recht, der Lesart von A d'anar vor der von DJK 
d'amar den Vorzug. Grofse Schwierigkeit macht jedoch der Anfang von 
V. 22. Stimming denkt an den Flufs Ain , der aber wohl kaum in Betracht 
kommt. Chabaneau (schon Revue d. 1. r. III 2 p. 86 und dann IV i p. 610) 
conjiciert : Antre Beira e Dordonha De regart nous deratz sonha und ver- 
mutet in Beira den Flufs Vezere unter Heranziehung von veire neben vezer 
(= videre). Jedenfalls hält er dafür (vgl. noch IV 2 p. 208) dafs es sich nur 
um einen Flufs handeln kann. Mit den Buchstaben der handschriftlichen 
Überlieferung annährend im Einklang bleibt die Emendation von Thomas: 
Anc Ribairac e Dordonha, die sich aufserdem durch den Umstand empfiehlt 
dafs Riberac im Dep. Dordogne gelegen ist, freilich noch ziemlich weit ent- 
fernt vom Flufs Dordogne. Es fragt sich indessen, wie Bertran dazu kommen 
sollte, Riberac als einen Ort zu bezeichnen, den zu passieren Mühe oder gar 
Gefahr mit sich bringt. Über einen grösseren Flufs zu kommen wie die Dor- 
dogne, war im Mittelalter immerhin mühselig. Aber einen wahrhaft Liebenden, 
meint der Dichter, würde auch ein breiter Strom nicht zurückschrecken. Viel- 
leicht ist demnach zu lesen: S'acsetz bon cor d'anar, Autr' Ebera e Dordonha 
De regart nous dera sonha „wenn ihr rechte Neigung zu gehen hättet, so 
würde ein anderer Ebro (d. h. ein Flufs, der ebenso grofs wäre wie der Ebro) 
und die Dordogne euch keine Sorge vor Gefahr bereiten". Der Ebro heifst 
zwar sonst ^^xos. Ebre; wenigstens bei A. Daniel XVI 45, entsprechend dem 
span. Ebro (lß?j()oq); allein daneben kann eine, was die Betonung der zweiten 
Silbe anlangt, dem lat. Hiberus näher stehende Form bestanden haben (auch 
ital. Ebro und Ibero); und was die weibliche Endung anlangt, so lassen sich 
die von Diez Gr. IT 18 angeführten Wörter orta (neben ort ^= hortum), rama 
(neben ratn = ramtim) u. a. m. vergleichen. Auch findet sich bei Ord. Vi- 



A. THOMAS, BERTRAN DE BORN. 2 I 7 

talis die Form Ebtira V 20: Ad Fragam duo flumina currunt, ab Herde 
Segra et Ebura a Caesaraugusta. — 42 nimmt Thomas Suchiers Emendation 
auf: Qtii s'onor eus (= ipse) abria. Chabaneau IV i p. 610 Qui s'onor ens 
(= e ftos) abria. — 43 haben die Hss. car, wofür Suchier, Chabaneau (Revue 
d. 1. r. III 2 p. 86 und IV i p. 610) und Thomas gar lesen. Da garar ein 
so gewöhnliches prov. Wort ist, so wäre es sehr auffallend, wenn die Schrei- 
ber übereinstimmend denselben Fehler begangen hätten. Vielleicht ist deshalb 
car zu belassen und als im Reime für cair stehend anzusehen, das der Con- 
junctiv Präs. von cairar wäre in der Bedeutung „abrunden". Diese Bedeu- 
tung hat wenigstens das Corhpositum escairar an mehreren Stellen bei Ray- 
nouard 1. r. 5,11. Sie pafst sehr gut: Cid nostre seither car Sa pauca lom- 
bardia ,,dem unser Herr (vermutlich Richard Löwenherz, s. Stimming Ztschr. 
IV 435) abrunde seine kleine Lombardei".* So nennt Bertran, wie Chabaneau 
rklärt (TV i p. 610) die Vizgrafschaft Limoges vergleichsweise im Hinblick auf 
das Bündnis, das die lombardischen Städte damals gegen Friedrich Barbarossa 
geschlossen hatten. — 46 s'ettbronhar nach Chabaneau IV i p. 610 und Thomas 
=: s'enbroncar „sich ducken, scheu werden". — 47 Stimming: anz resonha, Le- 
mozin fai reserar, Thomas: anz ressonha Letnoges faire serar. Keine dieser 
beiden Lesarten befriedigt. Einen guten Sinn bekommt die Stelle jedoch, 
wenn wir nach Chabaneau's Vorschlag (IV l p. 610) Limotgel, wie JK haben, 
einsetzen : anz resonha Lifnotgel (= Limotge e lo) fai reserar „vielmehr sorgt 
er für (wacht er über) Limoges und läfst es wieder schliefsen" (d. h. mit 
Mauern umgeben oder befestigen). 

VII {43). V. 4 konnte correr bleiben. — Wegen congrenz 9 s. Cha- 
baneau IV 2 p. 208. — Die scharfsinnige Conjectur von Thomas dafs V. 10 
statt Lous der Yii,%. Baus Bos zu lesen sei, findet ihre Stütze darin, dafs ein 
Boso von Turenne bei Bertran vorkommt (B IV = Stimming 10,50), diese 
Persönlichkeit aber sehr gut in den Zusammenhang pafst. — 16 1. mit Tobler 
no n^i a un. 

VIII {45). V. 2 nimmt Thomas Stimmings Conjectur lu für bo auf, wo- 
mit er auch wohl das Richtige getroffen hat. Es würde sich hier also um 
den umgekehrten Fehler handeln wie V. 10 des eben behandelten Stückes: 
dort / für b, hier b für l. — 4 haben die Hss.: E sei po'gues ueniar. .Stim- 
ming conjiciert: E se lo pogues revenjar, Thomas: E sils pogues nulz oin 
venjar. Die letzlere Conjectur ist wenig annehmbar, da es der ganzen 
Denkungsweise des Dichters entspriclit sich selber als Rächer hinzustellen; 
pogues haben wir als erste Person aufzufassen. Vielleicht : E sei [perdre] 
pogues venjar „und wenn ich den Verlust rächen könnte", lo perdre auch 
A XXVI {25) 16. — II nimmt Thomas Toblers treffliche Emendation auf: 
la rend(a) ej ces. Derselbe Ausdruck auch beim Mönch von Montaudon ed. 
Klein 13,56. — 12 emendiert Thomas sehr gut: Quel sens deja saber guidar. 
— 13 hat Thomas gleichfalls die von Tobler hergestellte richtige Lesart auf- 
genommen. Das Gleiche hätte er aber auch 17 und 18 thun sollen, wo Tobler 
mit den Hss. liest: A'egisme sori mus rei no /c's E contat tnas non comt ni 



* Bertran wii^-^cht, dafs dur Vizgrat Aileniar V. von Limoges aus unsichern 
Grenzverhältnissen zu einem festen und unantastbaren Besitzstande gelangen 
möge. 



2l8 BESPRECHUNGEN. A. HORNING, 

bar. — 28. Unter Berrautz, wofür er Berartz liest und Bauduis versteht 
Thomas zwei Gestalten aus der Sachsenchronik von Jean Bodel ; Berart von 
Montdidier und Balduin, den Milchbruder RolaJids. — 33. Statt tornes, das 
nicht richtig sein kann , ist vielleicht cortes zu lesen , woran auch Thomas 
denkt. — a'n Richart, wie Thomas 42 und 50 hat, bietet keine Hs. Stim- 
ming a Richart bzw. en Richart. Beide Lesarten konnten bleiben. — 47. 
Statt senes en contar hat Thomas die schon von Tobler aufgestellte Con- 
jeclur aufgenommen: senes enconträr. Die Stelle ist so verständlich, doch 
würde senes son contar ,,ohne seine Rechnung , ohne dafs er ihm Rechnung 
trägt", der handschriftlichen Lesart näher kommen. — lais s'enferar a^% scheint 
Druckfehler zu sein für lais s'en ferar, wie Stimming hat, was um so eher 
vermutet werden darf als h\ok ferar, nicht enferar im Glossar verzeichnet wird. 

H. Andresen. 



N. du Puitspelu, Dictionnaire Etymologique du Patois lyonnais 
(Vollständig in 4 Heften, ein fünftes in Aussicht gestelltes Heft soll Gram- 
matisches enthalten). Lyon, Librairie Generale Henri Georg, 1887 — 1889. 

Mit seinem nunmehr zum Abschlufs gebrachten Dictionnaire Etymologique 
bietet Puitspelu allen Freunden der Erforschung lebender Mundarten eine 
willkommene Gabe , für die wir ihm vor allem unsern besten Dank aus- 
sprechen wollen. P. hat den Mut gehabt, um den ihn mancher Romanist 
von Fach beneiden wird, ein etymologisches Wörterbuch zu schreiben, 
und wenn auch manches Etymon als verfehlt betrachtet werden mufs, so ist doch 
in zahlreichen Fällen das Richtige getroffen, in anderen der Weg zur Erkenntnis 
des Wahren angebahnt: ich verweise nur auf die wohlgelungenen Artikel 
aclia, attofayi, barlet, barletier, bartavelle, charneus, gobille, groUi, niayiri, 
ragi. Herr P., der Autodidakt ist, wenn wir nicht irren, aber Autodidakt 
in des Wortes bester Bedeutung, ist unablässig bestrebt, sich die genaue 
Methode der heutigen Forschung anzueignen , und in dieser Beziehung be- 
kunden die letzten Hefte einen merklichen Forlschritt gegenüber den ersten, 
in denen noch ein allzu reichlicher Gebrauch von keltischen Etymologieen 
gemacht wurde. In einem Anhange teilt der Herr Verfasser nicht nur Nach- 
träge und Berichtigungen , sondern auch Deutungsvorschläge von Böhmer, 
Chabaneau und Meyer-Lübke mit. Mit den folgenden Bemerkungen will 
Referent, der aus Puitspelus Schriften seine Kenntnis des Lyonesischen ge- 
schöpft hat, seinen Lehrer nicht meistern, sondern nur Zeugnis ablegen für 
das Interesse, mit dem er das Dictionnaire Etymologique gelesen hat. 

Zu aiva, „qualit^, race", prov. aib war vor allem Thurneysens (Kelto- 
romanisches S. 88) Herleitung von keltischem aibd zu erwähnen. 

amolü kommt von einem jetzt bezeugten (s. Georges) lateinischen 
molare. 

In s'apraizi „faire le paresseux" pigritiare entstand der sanfte s- 
Laut regelmäfsig aus intervokalischem ty vor dem Ton , oder or wurde auf 
analogischem Wege durch perezu pigritiosus hervorgerufen; irz. paresseux 



N. DU PUITSPELU, DICTIONNAIRE ETYMOLOGIQUE. 2 I Q 

ist bekanntlich eine Ableitung von paresse. Die Betonung des Infinitivs 
apresi statt apresi ist durch die slammbetonten Formen des Verbums bedingt. 

assadö „kosten", nicht von ad und satum, sondern von sado sa- 
pi dus. 

assetö „sich setzen" ist das im Osten häufige adseditare. 

averö, in der Ardcche avella, „atteindre ä, aveindrc, arrachcr" leitet 
man wohl besser von avellere als von adverrere ab. 

bariöta „brouette" kann nicht ohne weiteres birota sein, da t ge- 
schwunden wäre. Aus birota ist zunächst beroue entstanden, dann mittels 
Suffix otta berouotta oder bariota. In der letzten Form ist / an Stelle des 
im Hiat stehenden «-Lautes getreten; cfr. siou sudorem. 

bochet „pierre formant corbeau dans l'^paisseur du mur" ist m. E. 
identisch mit bochet „petit bouc". Ähnliche Bezeichnungen sind sehr häufig. 

bian, biessi, bie ,, Birke" sollen keltische Formen sein. Aber konnten 
dieselben nicht aus einer Bildung wie byul hervorgehen , dem regelmäfsigen 
Vertreter von betulla in der Franche-Comt6? Die Suffixe, deren Erklärung 
nicht ganz leicht ist, werden ohnehin nicht keltisch sein. 

cheire „fallen" kann nicht ohne weiteres auf cader e zurückgehen, wie das 
Schlufs-^ beweist. Ein vulgärlaleinisches Substrat c ädere wird man aber des- 
halb nicht ansetzen dürfen. In dem Dialekt von Lyon findet ein Übergang vieler 
Verba in die dritte lateinische Konjugation statt, ohne dafs man jedoch befugt 
ist, die entsprechenden Substrate schon in das Vulgärlatein zu verlegen. Dahin 
gehören boudre (nach Puitspelu von bullere), chandre „echaufler" von c an- 
dere, fierdre von ferire, ja sogar cuidre cogitare und im Jura t'sir 
cacare. Daher ist es mir wahrscheinlich, dafs auch essure „secher" (im 
Jura die regelmäfsige Form) von exsucare und nicht von ex sugere kommt. 
An Ableitung von exsuctum ist nicht zu denken, da t nicht geschwun- 
den wäre. 

cachi „meurtrir" ist nicht coactare, sondern coacticare, vgl. coiti 
coctare. 

chamba „Bein" ist keineswegs aus dem Provenzalischen zu erklären. 
Zu dem Gebiet, in dem man camba statt gamba sagt, gehört nicht nur das 
Lyonnais, sondern auch schon der Jura und die Franche-Comt^ : tsäb sagt 
man unmittelbar südlich vom Welschen Beleben in Befort. 

chandilhi, nicht von einem unmöglichen candeleare, sondern von 
candiculare, aus candicula. 

chapon, mit/, erklärt sich nur aus capponcm, nicht aus caput. 

charopa ,,femme de mauvaise vie" und dann als Schimpfwort über- 
haupt soviel als charogne , soll eine ,,corruption fanlaisiste" von charogne 
sein. Sicher ist dies jedoch nicht. Man findet karapi in der Marne Revue 
des Patois Gallo-Romans I 207 Z. 24; tsaropa (personne engourdie) in Vion- 
naz; tseropa (parcsseux), tseropyondze (parcsse) in der Waal (Odin, Phono- 
logie du Canton de Vaud S, 138A). 

chirat, altlyonn. chierrat „Steinhaufe" wird vom kellischen kiirn ab- 
geleitet. Ich wage die Vermutung, dafs das Etymon einfach capra „Ziege" 
ist, das heute chura, chivra lautet, woraus aber bei vortoniger Stellung des 
a und in Verbindung mit dem Suffix ■«// sehr wohl chirat werden konnte 
(zum Schwund des v vergleiche noch fira febris). Dafs bu'sa ,, Steinhaufe', 



2 20 BESPRECHUNGEN. A. HORNING, 

in den Vogesen und bokat „Steinhaufe" im Melzischen mit busa und bokat 
„Bock" identisch sind und auch chevre als Bezeichnung für einen Heuhaufen 
vorkommt, habe ich Zeitschrift IX 500 gezeigt. - Chiratö „grimper par dessus 
les chirals" erklärt sich dann in einfacher Weise. Es hätte ursprünglich 
„klettern wie die Ziegen" bedeutet. 

In conchon statt cochon wurde n nicht vor ch eingesetzt. Vielmehr 
rief der Nasalvokal d der letzten Silbe den Nasal in der ersten hervor. Ahn- 
lich erklärt sich fonliotuiö sidXi foliön7tö von folium. Zuweilen genügt ein 
nasaler Konsonant, um den folgenden Vokal zu nasalieren: so Mondeleina 
Mir Madalina ,, Madeleine"; monzotta s. v. masua ; manques = maques. Auch 
glaube ich nicht dd^is j'anofi „Knie" auf genonem beruht. Vielmehr wurde 
die Nasalierung des (aus -uculus) durch den vorhergehenden Nasal herbei- 
geführt. In den Vogesen findet man znd neben znu, und im Jura zndy, das 
die Endung -onem ausschliefst. Ahnlich ist im Jura ty^endy = qiienouille 
zu erklären. 

corrati ,,courtier", Puitspelu sucht das Diez'sche curatarius zu 
retten , indem er Beeinflussung desselben durch courir annimmt. Er hätte 
besser das Diez'sche Etymon vollständig aufgeben, vgl. Ztschr. XIII 325.' 

dem igt ,,demanger" neben deminji. Die Entnasalierung des i ist nach 

P. sehr selten. In demselben Worte kommt sie auch in den Vogesen vor, 

wo man neben meü auch nieii und mizi findet , s. meine Ostfrz. Grenz- 

c 
dialekte § 21. 

altlyonn. deyntes, deytes „Leckerbissen, Nachtisch" ist deynte zu 
betonen und giebt, wie längst anerkannt, lat. dignitatem wieder. 

altlyonn. tf/?^Ä? ist nicht de usque, sondern de usque ad, das früh 
zu düskii geworden sein mufs, wo dann ursprüngliches lateinisches q aller- 
dings wie c vor a behandelt wurde; auch sonst findet man afr. dusche. Der 
Ausdruck „duchi a" ist demnach pleonastisch, sofern die Präposition a zwei- 
mal darin enthalten ist.^ 

epid, mit betontem a, von spica. Betontes 7 im Hiat und betontes ü 
im Hiat wurden in vielen Dialekten des Ostens nicht geduldet (daher ey = 
le, ow = i'ie im Wallonischen und in den Vogesen). Daraus erklärt sich die 
Accentverschiebung in epid : man hätte zwar epiya sprechen können, indessen 
empfand man auch die Aufeinanderfolge der beiden z'-Laute als unangenehm. 
In piva pica wurde zur Tilgung des Hiats ein v eingesetzt. 

In etregni sternutare kann P. die Mouillierung des n nicht erklären. 
Sicher ist mir indessen , dafs man zunächst e(s)ternüa sagte , dafs darauf das 
ü im Hiat wie in gewissen Dialekten der Vogesen und Burgunds zu i wurde 
und das n mouillirte. Vgl. parniö und parmiö permutare und siou su- 
dorem. 



^ Zu meinen Einwänden gegen curatarius bemerkt Paris Rom. 18, 
629 „courtier se ratlacherait ä currere ä cause du sens de courtier dans 
j)lusieurs patois ; mais ce sens peut tres bien s'y etre developp^ par etymologie 
populaire." Ich hatte vor allen zwei lautliche Bedenken gegen curatarius 
geltend gemacht. Wie Paris das t in spätem couratier auflfafst, sagt er nicht. 
Zu den analogen Bildungen ferratier, clouatier, puisatier kommt noch coy- 
ratier (marchand de cuir) bei Puitspelu S. 455 s. v. essanours. 

^ (3habaneau S. 454 denkt ebenfalls an de usque ad, nimmt aber die 
Zwischenstufen dttsqiiia, dusqitja, dusrha an. 



N. DU PUITSPELU, DICTIONNAIKE ETYMOLOGIQÜE. 22 1 

etresillon m., „morceau de bois qui se met cn travers d'une fouille, 
d'unc baie etc. pour lilayer". In Paris braucht man tresillon in derselben 
Bedeutung. Kann nicht von trabs kommen, da dergleichen Ableitungen vom 
Nominativ bis jetzt unerwiesen sind. Das lyoner Patoiswort stammt wahr- 
scheinlich , wie F. meint , aus dem Französischen. Man darf vielleicht an 
I lerleitung von (res trans denken. 

fdi'na kann nur fägina, nicht fagina sein. 

farno „mürir" von den Früchten ,,qui murissent dans le fruitier" 
=;rheint mir identisch zu sein mit farno „faire cuire legcrement au fnur" das 
1'. von furnus ableitet. 

fer s. m. soll „bete sauvage" bedeuten in den Versen 

(Per quey), villy sorciry, viu dragon des enfers, 
vieu fer, villi singy, fourmilliry de ver. 
Ich kann in dem Worte nicht ferum gleichbedeutend mit fera „wildes Tier" 
sehen, da ja ferum nach dem s.v. fuirdu Gesagten zw fiar wird. Bedenk- 
lich ist auch, dafs das Wort heute spurlos aus der Sprache verschwunden ist 
und dafs die verwandten Dialekte nur fera kennen. Sollte der rätselhafte 
Ausdruck nicht einfach das Französische ,,vieux fer" ,, altes Eisen" sein, das 
als Schimpfwort gebraucht wurde? 

fien, phonet. fiä „Mist" ist nicht fimus, sondern femus (vgl. afr 
felis und die patois der Vogesen); ähnlich wurde insemel zu insian. Be- 
tontes em-|-Vokal wird somit anders behandelt als en + Vok. und als im 
Auslaut stehendes em, da bene und rem zu be' und re wurden. Ja selbst 
durch w + Konsonant gedecktes e scheint zu diphthongieren, wie tian 
tempus neben ve ventus lehrt. 

Als Substrat zu herpi ,,Egge" ist eine Bildung wie hirpea undenk- 
bar; herpi ist vielmehr das durch das Verbum harpayi beeinflufste hersi 
herpicem. Ähnlich verhält es sich mit dem wallonisch-metzischen liirp. 
Die lothringisch-burgundischen Formen des Wortes beweisen , dafs das latei- 
nische Substrat nicht irpicem, sondern crpicem lautete. 

An der Existenz von lazi „Faulpelz" ist nicht zu zweifeln. Auch in 
den Vogesen sagt man in derselben Bedeutung bd-lahi (s. meine Ostfrz. Grenz- 
dialekte Glossar s. v.). Das Etymon ist sicher loisir Heere: lazi statt letzt ist 
eine dialektische Form. 

melin m. „Mehlthau" hängt nach meinem Dafürhalten mit mehl(thau), 
mil(dew) etymologisch nicht zusammen. Wie das von Puitspelu citierte ital. 
meligine, neugriech. ueQOjitXi zeigen, geht es auf ein lat. melliginem zu- 
rück. (Zur Endung vgl. afr. calin caliginem, orin originem). 

mit an, altlyonn. wöy/i?«^ (das t hat hier keinen etymologischen oder 
lautlichen Wert, cfr. Clddats Revue des Patois I 23). Was P. über das Wort 
sagt, ist lesenswert, doch kann ich die Richtigkeit des von ihm vorgeschlagenen 
Etymons medietantem nicht anerkennen. Den Ausgangspunkt jeder 
ferneren Untersuchung über dies Wort mufs die Frage bilden, ob es nicht, 
zunächst im Osten, eine «--Form gegeben hat (lat. Grundlage ^-w-l-Kons). Da- 
für sprechen: l. das Lothringische mweto (Ostfrz. Grenzd. Glossar) in Mund- 
arten, die etymologisches dn*: durch J, *«* durch o wiedergeben. In einer 
Paloiser/ählung Lcs Kedales et les Voinraux (Jacquol, Rcmircmont, 1872) in 



2 22 BESPRECHUNGEN. A. HOKNING, 

der beide Lautgruppen auf das sorgfältigste unterschieden sind, ist das Wort 
S. 9 moueto geschrieben. Haillant, bei dem derselbe Unterschied durch- 
geführt ist, schreibt moetot, Essai sur un Patoi§ Vosgien III 72. 2. Im Jura, 
in Ortschaften, in denen jedes an, auch gedecktes, zu e wird, hörte ich das 
Wort mit der Endung ä, die hier zunächst auf <?«* hinweist, mitä in Dele- 
mont und Moutiers, mwatä in der Nähe von Baume-les-Dames. 3. Das ait- 
lyonn. moytent (vgl. auch meitent in Cledats Revue des Patois I 42 Z. 3 v. u.). 
4. In Vionnaz, wo aw^ zu ä, en^ zu e wird, sagt man matte, das schon Gil- 
lieron (es war mir dies entgangen) auf medium t e m p u s zurückführt. Nicht 
gegen dieses Etymon spricht pic. mitä, obwob' in der Pikardie <?«* im all- 
gemeinen zu e wird, denn auch t e m p u s macht eine Ausnahme und wird zu 
tä (s. Revue des Pat. Gallo-Rom. I 108 Z. 22 und 33). — Sicher steckt in 
der ersten Silbe des Wortes das lateinische medius (vgl. noch im Pato's 
von Bourberain motyä mit votyür vectura und m.oyu meliorem Rev. d. 
Pat. Gallo-Rom. II 186 und 53). Für medium tempus spricht endlich 
auch franz. müan, das eine zusammengesetzte Bildung zu sein scheint wie 
mi-di, mi-lieii. Läge ein Substrat wie medietantem zu Grunde, so würde 
man eine andere Behandlung der vortonigen Vokale erwarten, etwa moitan, 
wie m e d i e t a t e m zu moitie wird. Ich bemerke noch , dafs sich nii temps 
hl der Bedeutung von vtitan bei Roquefort findet ,,s'il ne fournist de reponse 
dedans mi-temps de l'assise prochaine." — Es entgeht mir nicht, dafs dem 
vorgeschlagenen Etymon auch gewichtige Bedenken entgegenstehen : zwar läfst 
sich die Ableitung mitanier wohl erklären, wenn man annimmt, dafs es eine 
verhältnismäfsig späte Bildung ist (vgl. printanier von printemps). Schwerer 
fällt ins Gewicht, dafs es in Südfrankreich, wo <?«* regelmäfsig zu / wird, eine 
Form mitä giebt (vgl. tneytä in der Correze Rev. des Pat. GaHo-Rom. I 129 
Z. II). Im Bagnard findet sich ?neta7iey „second berger" neben ve ventus. 
Ich halte es nicht für unmöglich, dafs die «-Formen in den zuletzt genannten 
Dialekten aus dem Französischen stammen oder durch franz. mitä beeinflufst 
wurden. Giebt man dieses nicht zu, so vermag ich die ä-Formen neben den 
auf laf i?M* zurückführenden nicht zu erklären. 

mouet, phon. mwc ,,monceau, tas" ist nach P. das francische 7noie 
m e t a , das mwe gesprochen worden wäre. In dem Laut e hätte man fälsch- 
lich das Suffix et itlus wiedergefunden (meta selbst wurde im patois lyon- 
nais zu maya). Ich bin der Ansicht, dafs mouet nicht francisch, sondern ein 
echtes aus meta+ittum zusammengesetztes Patoiswort ist, dem tnwa \n den 
Vogesen genau entspricht. Der Labial scheint von Einilufs auf die Gestaltung 
des Anlautes gewesen zu sein. 

nesi, phon. nezi „faire rouir le chanvre" kann nicht von naxa kommen: 
sanftes j entwickelt sich im Inlaut nie aus x. 

niici, 2 silbig, aus nescia. Da ^ vor folgendem y diphthongiert, und 
zwar gleichviel, ob dies e gedeckt ist oder nicht, so ist das erste i lautgerecht 
entwickelt. 

paour „rustaud, homme lourd et sot" ist doch wohl dtsch. Ärtw^r. Mit 
p wird es auch in den Vogesen gesprochen imd im Rätischen pur, pour etc. 
(s. Gärtner, Rätorom. Grammat. S. 18). 

petras, '^\oxi. petrd ,,rustre, gros lourdaud , homme sans education" 
soll von (em)petre kommen, was mir äufserst unwahrscheinlich ist. Ich sehe 



^. DU l'UITSJ'ELU, UICriONNAIRE ETYMOLOGIQÜE. 2 23 

darin eine Weiterbildung von /«VVr^, a.h. auch peestre von pedester. Nach 
Scheler bedeutet das Wort häufig „vulgaire, commun, ch^tif". Die Endung 
as ist das pejorative Suffix -aceus. 

pöussa f. „poussiere", auch proven^. und in der französ. Schweiz weit 
verbreitet, kann nur Weiterbildung eines ursprünglichen noch im Proven^a- 
lischen erhaltenen /ö«/j sein, das nach Meyer-Lübkc's Erklärung ein latein. 
Neutrum p u 1 v u s wiedergiebt. 

poyl ,,puits" kann nicht von puteus kommen, da /y nicht zu jv» wird. 
V^ielleicht von podium? / ist arius. 

rataplana f. „chauve-souris" ist nicht ,,souris qui plane", sondern 
plana ist hier Feminin von plan und bedeutet „uni, lisse, chauve". 

raze X „radeaux" ist wohl eher = radeaux mit proven^alischem Wandel 
von </ zu 2 als rase 11 um. 

r ei-petaret ..mCde du hanneton" und ,.roitelel" ist nicht rei-petit-rei. 
Petaret ist identisch mit petiro ,, kleiner Knabe" in den Vogesen (bei Jouve 
ptero) und bis auf das Suffix mit peterine Pred. Beruh. 92,28 : et, lothr. o ist 
Suffix -ittus. 

Silin, so an scheint mir somnus, nicht somnium zu sein; vgl. das 
allerdings nicht lyonesische /ö?<aw ponlem. Auch im Rätischen diphthon- 
giert das o von somnus. 

tatina, tona ,,guepe", das nur tiibana sein kann, stellt sich zu /a««rt 
in Val Soana (s. Meyer-Lübkes Grammatik S. 497) und spricht für eine ur- 
sprüngliche Betonung täbanus des lateinischen Wortes: daraus durch Suffix- 
vertauschung einerseit.s lyon. burgund. /^az^J tabänum, anderseits franz. /«ow 
tabönem: lat. tabone ist jetzt Arch. f. lat. Lexic. 6,168 nachgewiesen. 

vequid „voili". Puitspelu kann sich das a nicht recht erklären. Ich 
verweise auf Philipon's Deutung Rev. d. Patois Gal. Rom. 1 261; eine andere 
versuchte ich Ztschr. XII 581. 

A. HORNING. 



Eguilaz y Janguas, Leopoldo de, Glosario etimolügico de las 
palabras espanolas (castellanas, catalanas, gallegas, mallor- 
quinas, portuguesas, valencianas y vascongadas) de origen 
oriental (ärabe, hebreo, malayo, persa y turco). Granada, Imprenta 
de la Lealtad, 1886. XXIV, 591 S. 8°. 

Dozy selbst halte, wie ich von seinem Verleger höre, eine dritte Auf- 
lage seines Glossaire in Aussicht genommen. Seit 1869 war neben seinem 
eigenen Supplement aux dictonnaires arabes der von Schiapparelli verölVent- 
lichle Florentiner Vocabulista in arabico erschienen, ein Seitenstück zu Pedro 
de Alcalä; die Druckbogen von Simoncts Wörterbuch der lateinischen Bestand- 
teile des spanisch-arabischen Dialekts ', welche einigen Begünstigten mitgeteilt 
worden sind, boten mancherlei wertvolle Aufschlüsse. 

Auf Grund der so vervollständigten Kenntnis der Ursprache konnte Eg. 
eine Anzahl gegebener Etymologien berichten, eine Reihe von neuen hinzu- 
fügen. Von Nutzen waren ihm handschriftliche Vorarbeiten zweier Spanier, 

' Ist inzwischen erschienen, bei viel zu weitgehender allgemeiner Tendenz 
ein sehr gelehrtes und lehrreiches Werk, 



2 24 BESPRECHUNGEN. G. BAIST, 

Rosal und Alix ; Guadix und Tamarid, auf welchen Covarrubias fufst, wurden 
direkt benutzt; Covarrubias selbst und Marina haben eine kleine Nachlese 
erjjeben. Devic's Bearbeitung des französischen Materials bot weiteren Zu- 
wuchs. Dagegen sind Hyrtl, das Arabische und Hebräische in der Anatomie, 
und manche kleinere hier und da zerstreute Beiträge nicht verwertet : kein Vor- 
wurf für einen Gelehrten in Granada. Unter den neuen Worten sind solche 
die von den Wörterbüchern gegeben werden und die der heuligen Sprache 
geläufig sind, wie hato *, dessen germanische, dem Verf. unbekannte Ableitung 
in Wegfall kommt, da es nur in Spanien heimisch ist. Andere sind aus 
Büchern, aus gedruckten und ungedruckten Urkunden entnommen, wesentlich 
örtlich bequem erreichbaren Quellen, einiges wohl im Zusammenhang mit der 
neuesten Ausgabe des Diccionario der Academie. Der Zahl nach stehen hier 
voran die einfachen Transscriptionen , die Dozy grundsätzlich ausschlofs, 
welche aber ein gewisses Interesse beanspruchen. Das geringste die von 
Reisenden gegebenen ; sie sind nur ausnahmsweise für die Lautlehre ver- 
wertbar, gehören an sich ins arabische Wörterbuch. Etwas mehr die in an- 
dalusischen, maurische Dingen betrefl'enden Dokumenten, da hier und da 
wenigstens die Möglichkeit eines thatsächlichen Übertritts in die Sprache ge- 
geben ist. 

Praktisch durchaus angemessen war die Au'"nahme ausgesprochener 
Arabismen einmal aus dem Archipreste de Hita und Cervantes, dann der 
wissenschaftlichen Alfonsos X., welche sicher in gröfserer Anzahl, als bis jetzt 
konstatiert ist, in die spätmiltelalterliche Gelehrtensprache übergegangen sind. 
Nur ist die Auswahl, so weit sie sich kontrolieren läfst, eine etwas undurch- 
sichtig eklektische , auch vom subjektivsten Standpunkt aus. Es ist nicht 
nur von Fällen abgesehen die vielleicht schwer, sondern auch von solchen 
die leicht zu bestimmen waren , oder die von Devic und von Dozy im Sup- 
plement bestimmt sind, die bei Clavijo, Marmol , Cervantes, Alfonso X. 
vorliegen. 

Die vermehrte varia lectio ist nicht kritisch gesichtet, eine Aufgabe die 
ja füglich dem Romanisten von Fach überwiesen werden durfte; es kann in- 
dessen nicht verschwiegen werden dafs die sehr unvollkommene Zusammen- 
stellung unter dem nicht immer richtig gewählten Schlagwort, und die Ver- 
nachlässigung der Rückweise bei der geringen Brauchbarkeit des Index jenem 
die Aufgabe unnötig erschweren. Auch nicht dafs die Citate mehr den selb- 
sleigenen Zettel, als die Wortgeschichte zu geben beabsichtigen. Auch so 
bleibt es dankenswert dafs Eguilaz überhaupt gesammelt hat. 

Die Beurteilung des Lautwandels war schon bei Dozy eine willkür- 
lichere als bei Engelmann; hier liegt ein weiterer Rückschritt vor, mehr noch 
in den Einzelartikeln als in der vorausgeschickten Darstellung der ,, euphoni- 
schen" Umgestaltungen. Eine ausführliche Untersuchung dieses Teils der 
spanischen Sprachgeschichte werde ich demnächst veröffentlichen, und damit 
auch dem Orientalisten für die Zukunft seine Aufgabe erleichtern. Es ist hier 



* Von den zur Auswahl gegebenen Etymologien hazz, katd und katt 
ist nur die ersterc lautlich zulässig, zugleich aber vollständig befriedigend. 
Eine Nachlese bleibt auch jetzt noch zu halten ; ich führe nur an dafs sich 
raza aus arab. ras nachweisen läfst. 



L. DE EGUILAZ Y JANGUAS, GLOSSARIO ETYMOLOGICO. 225 

Vieles auszumerzen. Zu tilfjen sind ohne weitere Erörterung als lateinisch 
die Artikel valenc. (und catal.) mesell und die beiden coto — der Verfasser 
scheint Diez nicht direkt benutzt zu haben — ferner pg. cot6 (= frz. couteau), 
catal. eyna (mlat. aenea, inea, Kessel, danach das arab. Wort des Florentiner 
Voc), cerro, exartia. eral (von era), und andere. Es ist hierbei mehrfach die 
Übertragungsfolge lateinisch-arabisch-spanisch angenommen, welche nicht so 
beispiellos ist wie man glauben könnte. In der That ist Rückübernehmung 
romanisch-arabischer Lehnworte mehrfach eingetreten; ich führe hier nur 
azufre an , das man ohne Weiteres im Supplement aux dictionnaires arabes 
nachtragen darf. Um die Fälle zu unterscheiden mufs man aber die Laut- 
gesetze kennen. 

Das Gesagte wird ersehen lassen dafs wir hier, trotz der zahlreichen 
Ausstellungen die auch noch nach anderen Richtungen hin zu machen wären, 
ein stofflich wichtiges, dem Romanisten unentbehrliches Hilfsmittel vor uns 
haben. Nur darf man nicht annehmen dafs Dozys Glossaire ersetzt sei ; auch 
abgesehen von jenen ausführlichen gelehrten Einzeluntersuchpngen , die nicht 
schlechthin kopiert werden durften. Nicht nur auch dafs vielfach die Fassung 
hier schwächlich, dort überzeugend ist. Es sind mehrere Artikel ganz über- 
sehen : alvarral, ataragar, azalato, cabaya, caftan. Anderwärts ist eine 
falsche Etymologie gewährt, die richtigere Angabe Dozys nicht einmal bemerkt : 
azarcon i. d. Bedeutung eines Geschirrs, pg. alfeizar, recua, garrafa. Die 
Citate zeigen schwere Versehen. Defremery hatte jambette , das einigemale 
vorkomme, von ganbia leiten wollen, Dozy kennt das Wort nicht, bemerkt 
dafs es die Spanier jedenfalls aus Frankreich erhallen hätten , ist aber der 
Erklärung nicht abgeneigt.' Eguilaz schreibt unter Jambete „v. Ganibete"' und 
behauptet von diesem Defremery-Dozy hätten es von ganbta statt, wie Scheler, 
von knifr leiten wollen. So wird für adutaque die von Dozy gegebene Ety- 
mologie gegen denselben aufgestellt. Es berührt sich das schon mit jenen 
Fällen in welchen auf Grund einer stillschweigend dem Supplement ent- 
nommenen Berichtigung gegen das Glossaire polemisiert wird.- Diese stehen 
ihrerseits im Zusammenhang mit einer höchst bedauerlichen Thatsache. 

Eguilaz erhebt S. XIV gegen Engelmann und Dozy die Beschuldigung 
diese hätten sich stillschweigend den gröfsten Teil der von ihren spanischen 
Vorgängern gegebenen Etymologien angeeignet. Es ist das absurd. Engel- 
mann hatte jene in dem Vorwort gewürdigt ; bei den einzelnen Artikeln citiert 
er sie nur dann wenn ein sachlicher Anlafs gegeben ist. Er legt kein Gewicht 
darauf dafs er selbst auch so manche ganz neue Zusammenstellungen bietet 
und sucht den Wert seiner Arbeit allein in der erstmaligen methodischen 
Sicherstellung der Ergebnisse. Dozy, wo er bemerkt dafs von E. etwas Rich- 
tiges bei Marina oder Covarrubias übersehen war, weist ausdrücklich darauf 
hin. Eguilaz nennt nun bei jeder auch noch so selbstverständlichen Etymo- 

' Es gehört zu jambe, die Form ist rein französisch, und auch als Lehn- 
wort müfste span. jambete stehen. 

* z. B. entnahm Engelmann für Albihar dem \Vb. der Acadcmie eine 
falsche Erklärung. Dozy berichtigt diese Suppl. I 121. Alles was dort ge- 
sagt ist führt Eg. etwas umgestellt unter der schlcclit gewählten Form Abiar 
gegen Dozy an, und hat dabei das kleine Mifsgeschick dafs er auch den 
Druckfehler narcissus tagetta für tacetta mit abschreibt. 

ZeU=olir. f rom. Plill.Xi.V. je 



2 24 BESPRECHUNGEN. G. BAIST, 

Rosal und Alix ; Guadix und Tamarid, auf welchen Covavrubias fufst, wurden 
direkt benutzt; Covarrubias selbst und Marina haben eine kleine Nachlese 
ergeben. Devic's Bearbeitung des französischen Materials bot weiteren Zu- 
wachs. Dagegen sind Hyrtl, das Arabische und Hebräische in der Anatomie, 
und manche kleinere hier und da zerstreute Beiträge nicht verwertet : kein Vor- 
wurf für einen Gelehrten in Granada. Unter den neuen Worten sind solche 
die von den Wörterbüchern gegeben werden und die der heutigen Sprache 
geläufig sind, wie hato \ dessen germanische, dem Verf. unbekannte Ableitung 
in Wegfall kommt, da es nur in Spanien heimisch ist. Andere sind aus 
Büchern, aus gedruckten und ungedruckten Urkunden entnommen, wesentlich 
örtlich bequem erreichbaren Quellen, einiges wohl im Zusammenhang mit der 
neuesten Ausgabe des Diccionario der Academie. Der Zahl nach stehen hier 
voran die einfachen Transscriptionen , die Dozy grundsätzlich ausschlofs, 
welche aber ein gewisses Interesse beanspruchen. Das geringste die von 
Reisenden gegebenen; sie sind nur ausnahmsweise für die Lautlehre ver- 
wertbar, gehören an sich ins arabische Wörterbuch. Etwas mehr die in an- 
dalusischen, maurische Dingen betreffenden Dokumenten, da hier und da 
wenigstens die Möglichkeit eines thatsächlichen Übertritts in die Sprache ge- 
geben ist. 

Praktisch durchaus angemessen war die Aufnahme ausgesprochener 
Arabismen einmal aus dem Archipreste de Hita und Cervantes, dann der 
wissenschaftlichen Alfonsos X., welche sicher in gröfserer Anzahl, als bis jetzt 
konstatiert ist, in die spätmittelalterliche Gelehrtensprache übergegangen sind. 
Nur ist die Auswahl, so weit sie sich kontrolieren läfst, eine etwas undurch- 
sichtig eklektische, auch vom subjektivsten Standpunkt aus. Es ist nicht 
nur von Fällen abgesehen die vielleicht schwer, sondern auch von solchen 
die leicht zu bestimmen waren, oder die von Devic und von Dozy im Sup- 
plement bestimmt sind, die bei Clavijo, Marmol , Cervantes, Alfonso X. 
vorliegen. 

Die vermehrte varia lectio ist nicht kritisch gesichtet, eine Aufgabe die 
ja füglich dem Romanisten von Fach überwiesen werden durfte; es kann in- 
dessen nicht verschwiegen werden dafs die sehr unvollkommene Zusammen- 
stellung unter dem nicht immer richtig gewählten Schlagwort, und die Ver- 
nachlässigung der Rückweise bei der geringen Brauchbarkeit des Index jenem 
die Aufgabe unnötig erschweren. Auch nicht dafs die Citate mehr den selb- 
sleigenen Zettel, als die Wortgeschichte zu geben beabsichtigen. Auch so 
bleibt es dankenswert dafs Eguilaz überhaupt gesammelt hat. 

Die Beurteilung des Lautwandels war schon bei Dozy eine willkür- 
lichere als bei Engelmann; hier liegt ein weiterer Rückschritt vor, mehr noch 
in den Einzelartikeln als in der vorausgeschickten Darstellung der ,, euphoni- 
schen" Umgestaltungen. Eine ausführliche Untersuchung dieses Teils der 
spanischen Sprachgeschichte werde ich demnächst veröffentlichen, und damit 
auch dem Orientalisten für die Zukunft seine Aufgabe erleichtern. Es ist hier 



1 Von den zur Auswahl gegebenen Etymologien hazz, katCi und kati 
ist nur die ersterc lautlich zulässig, zugleich aber vollständig befriedigend. 
Eine Nachlese bleibt auch jetzt noch zu halten; ich führe nur an dafs sich 
raza aus arab. 7-äs nachweisen läfst. 



L. DE EGUILAZ Y JANGUAS, GLOSSAKIO ETYMOLOGICO. 2 25 

Vieles auszumerzen. Zu tilgen sind ohne weitere Plrörterung als lateinisch 
die Artikel valenc. (und catal.) mesell und die beiden coto — der Verfasser 
scheint Diez nicht direkt benutzt zu haben — ferner pg. cotö (= frz. couteau), 
catal. eytta (mlat. aenea, inea, Kessel, danach das arab. Wort des Florentiner 
Voc), cerro, exartia, eral (von era), und andere. Es ist hierbei mehrfach die 
Übertragungsfolge lateinisch-arabisch-spanisch angenommen, welche nicht so 
beispiellos ist wie man glauben könnte. In der That ist Rückübernehmung 
romanisch-arabischer Lehnworte mehrfach eingetreten ; ich führe hier nur 
azufre an, das man ohne Weiteres im Supplement aux dictionnaires arabes 
nachtragen darf. Um die Fälle zu unterscheiden mufs man aber die Laut- 
gesetze kennen. 

Das Gesagte wird ersehen lassen dafs wir hier, trotz der zahlreichen 
Ausstellungen die auch noch nach anderen Richtungen hin zu machen wären, 
ein stofflich wichtiges , dem Romanisten unentbehrliches Hilfsmittel vor uns 
haben. Nur darf man nicht annehmen dafs Dozys Glossaire ersetzt sei ; auch 
abgesehen von jenen ausführlichen gelehrten Einzeluntersuchpngen, die nicht 
schlechthin kopiert werden durften. Nicht nur auch dafs vielfach die Fassung 
hier schwächlich, dort überzeugend ist. Es sind mehrere Artikel ganz über- 
sehen : alvarral, ataragar, azalato, cabaya, caftan. Anderwärts ist eine 
falsche Etymologie gewährt, die richtigere Angabe Dozys nicht einnial bemerkt : 
azarcon i. d. Bedeutung eines Geschirrs, pg. alfeizar, recua, garrafa. Die 
Citate zeigen schwere Versehen. Defremery hatte jambette , das einigemale 
vorkomme, von ganbta leiten wollen, Doxy kennt das Wort nicht, bemerkt 
dafs es die Spanier jedenfalls aus Frankreich erhalten hätten, ist aber der 
Erklärung nicht abgeneigt.' Eguilaz schreibt unter Jambete „v. GaHibete" und 
behauptet von diesem Defr6mery-Dozy hätten es von ganbta statt, wie Scheler, 
von knifr leiten wollen. So wird für adutaque die von Dozy gegebene Ety- 
mologie gegen denselben aufgestellt. Es berührt sich das schon mit jenen 
Fällen in welchen auf Grund einer stillschweigend dem Supplement ent- 
nommenen Berichtigung gegen das Glossaire polemisiert wird.- Diese stehen 
ihrerseits im Zusammenhang mit einer höchst bedauerlichen Thatsache. 

Eguilaz erhebt S. XIV gegen Engelmann und Dozy die Beschuldigung 
diese hätten sich stillschweigend den gröfsten Teil der von ihren spanischen 
Vorgängern gegebenen Etymologien angeeignet. Es ist das absurd. Engel- 
mann hatte jene in dem Vorwort gewürdigt; bei den einzelnen Artikeln citiert 
er sie nur dann wenn ein sachlicher Anlafs gegeben ist. Er legt kein Gewicht 
darauf dafs er selbst auch so manche ganz neue Zusammenstellungen bietet 
und sucht den Wert seiner Arbeit allein in der erstmaligen methodischen 
Sicherstellung der Plrgebnisse. Dozy, wo er bemerkt dafs von E. etwas Rich- 
tiges bei Marina oder Covarrubias übersehen war, weist ausdrücklich darauf 
hin. Eguilaz nennt nun bei jeder auch noch so selbstverständlichen Etymo- 

' Es gehört zu jambe, die Form ist rein französisch, und auch als Lehn- 
wort müfste Span, jambete stehen. 

* z. B. entnahm Engelmann für Albihar dem \Vb. der Acadcmie eine 
falsche Erklärung. Dozy berichtigt diese Sup])!. I lii. Alles was dort ge- 
sagt ist rührt Eg. etwas umgestellt unter der schlecht gewählten Form Abiar 
gegen Dozy an , und hat dabei das kleine Mifsgcschick dafs er auch den 
Druckfehler narcissui tagetta für tacetta mit abschreibt. 

Zelt»ohr. f rom. PUll.XlV. je 



2 26 BESPRECHUNGEN. H. R. LANG, 

logie die Namen sämtlicher Spanier welche sie gegeben haben mit Einschlufs 
der vor ihm ganz unbekannten handschriftlichen Arbeiten, und schweigt dann 
von dem Gloss. auch da wo er seine arabischen Belegstellen aus demselben 
herausschreibt. Die Artikel bei welchen ein Autorname fehlt, sagt er, huenas 
6 jnalas, son tnias. Das ist unwahr; über hundert solche kommen aus dem 
Glossaire oder auch dem Supplement. 

G. Baist. 



Bibliothek spanischer Schriftsteller, herausgegeben von Dr. Adolf 
Kressner. Leipzig, Rengersche Buchhandlung. Gebhardt & Wilisch. 
1885— 1889. 8". 

Diese Sammlung, von der bis jetzt acht Bändchen erschienen sind, ent- 
haltend : I. Cervantes' Novelas ejemplares, II. Calderons La vida es sueno, 
III. Fernan Caballero's Novelle Con mal y co?i bien d los tuyos te ten, IV 
und VII. Siebenundzwanzig Kapitel des Do7i Quijote, V. Calderons El al- 
calde de Zala?nea, VI. Hartzenbuschs Los amantes de Teruel, VIII. Lope de 
Vega's La esclava de su galan, „verfolgt den Zweck, das deutsche Publikum 
mit den hervorragendsten Erscheinungen der spanischen Litteratur in leicht 
zugänglichen Ausgaben bekannt zu machen". Der Herausgeber scheint sich 
die Lösung dieser Aufgabe nicht eben schwer gemacht zu haben. Die bio- 
graphischen und einleitenden Bemerkungen berühren nur das Äufsere, und 
zeugen, wie die Einleitung zu Calderons La -vida, nicht immer von selbstän- 
diger Bearbeitung. (Vgl. Krenkel in der Vorrede zu seiner Ausgabe des 
Alcade). In den Einleitungen zu Lope de Vega und Calderon hätte der 
Leser wenigstens in Kürze auf die besondere Bedeutung, die das klassische 
spanische Drama heute noch für uns hat, den Unterschied der zwischen den 
beiden Hauptvertretern derselben in der Schilderung der damaligen spanischen 
Gesellschaft etc. besteht, aufmerksam gemacht werden sollen. Der Kommentar, 
der „dem Leser Anleitung zum Verständnis des Textes und zur richtigen Auf- 
fassung der Gedanken geben und auf eine zutreffende Übersetzung hinweisen" 
soll, verrät nicht genügende Vertrautheit mit dem spanischen Sprachgebrauch, 
und versäumt zu oft die lexikaHsche sowohl als auch namentlich die Sach- 
erklärung, die gerade bei den Dramatikern des 17. Jahrh. geboten war, deren 
Werke so viele Anspielungen auf die Sitten und die gesellschaftlichen Ver- 
hältnisse Spaniens enthalten. Auch wo der Dichter aus dem seinem Publikum 
geläufigen Gedankenschatz schöpft, ist dem Leser von Wert zu wissen. La 
esclava III 446 ff. wird auf das bekannte Sprüchwort quien calla, piedras 
apana angespielt; Vida I 253 scheint die Erzählung vom Weisen unmittelbar 
der Volkstradition entnommen zu sein; wenigstens lebt sie in einer jetzt noch 
populären copla fort (cfr. Marin, Cantos pop. esp. IV 197); II 20 ft". bezieht 
sich Calderon auf den Wunderglauben seiner Zeitgenossen, und 5 1 1 auf eine 
allen Nationen geläufige Ansicht, die ihm in einem Kinderreim wie dem fol- 
genden vorschweben mochte : Quien da , quien da , ä la gloria se va ; quien 
da y quita, d la gloria maldita. Vgl. denselben Gedanken schon bei Plato, 
Philebus 19 E ; Alcalde III 501 war die Bedeutung des Sprüchworts en Castüla 



A. KRESSNEK, HIHLIOTHKK Sl'ANlSCHER SCHRIFTSTELLER. 227 

el caballo lleva la silla durchaus zu erklären. Von andern Stellen, die ent- 
weder gar nicht oder unrichtig erläutert worden sind, mögen nur noch fol- 
gende hervorgehoben werden. Novclas ejetnplares p. 2 heifst es zu poca mas 
edad: „Vor 7nas kann statt Adv. mucho und poco auch das gleichlautende 
Adjektiv eintreten." Es findet hier einfach Attraktion durch das Geschlecht 
des Subst. statt, die nicht auf mas beschränkt ist. Man vergl. noch Esteb. 
Gonzalez (Riv. 33,293»): una poca de a^ua; Garduiia (ib.l76'>); luia poca de fruta 
und so oft; p. 16: poner como nuevos nicht mifshandeln, sondern genauer „bis 
auf die Haut plündern", ,,ganz entblöfsen"; p. 55 : Con la mano en la mejilla 
eine jetzt nicht mehr gebräuchliche, aber dem älteren Spanischen geläufige 
Redensart für ,, betrübt", die in keinem Wörterbuche sich findet, hätte erklärt 
werden sollen; p. 70: piovano bedeutes nicht, wie es den Anschein hat, 
„frommer Mann", sondern ist ein hier wohl angebrachter italienischer Aus- 
druck für „Pfarrer". Vgl. pieve pi(e)viale. — Vida\ 16: Es mag in diesem 
Falle angehen, arrugar al sol el ceno de su frente mit ,,der Sonne die Runzel 
seiner (des Berges) Stirne entgegenfalten" zu verdeutschen, aber ceno bedeutet 
in dieser Verbindung nicht „Runzel", sondern „Braue", wie ■ deutlich aus 
folgenden Stellen hervorgeht : Este monte eminente Cuyo arrugado ceno, cuya 
frente Es däzica coluna. L. Perez (Riv. 9,254c); Deste rüstico monte la espe- 
sura, Cuyo ceno de robles coronado, Amenazö del sol la lumbre pura. Purg. 
(Riv. 7,159c), sowie auch aus der noch heute geläufigen Redensart _/>-««<://- el 
ceno, die Brauen zusammenziehen (Vgl. Engl, to knit the brow ; the brow of 
a mountain). Damit stimmt auch Baists Ableitung (Rom. Forsch. I p. 134 — 5) 
von (epijscynium, oxvviov AngQnhxzkWs; 55: 7>//«z'«ar hier nicht „beendigen", 
sondern „wahrnehmen", „erkennen". Vgl. Lope, Dineros (Riv. 4i,68i^): Alli 
apenas se termina un edificio ; 75: Der in galeote en pena enthaltene Aber- 
glaube bedurfte der Erklärung; II 514: Hier war zu bemerken, dafs das Be- 
ziehungswort zu lo aus dem vorhergehenden el dar zu ergänzen ist. Vgl. 
z, B. P. del Cid v. 2950: Tienes (el Cid) por desondrado, mas la vuestra (sc. 
desonra) es mayor; 935: Quien in Bezug auf Sachen gebraucht ist nichts un- 
gewöhnliches in der Sprache des 17. Jahrh., war übrigens schon I 446 zu be- 
achten; 952: Restado, schon zu Calderons Zeiten seltene Nebenform von ar- 
restado entschlossen, kühn, durfte nicht unerklärt bleiben; III 176: Die 
Redensart al mejor tiempo, jetzt veraltet und in keinem Wörterbuch zu finden, 
war zu übersetzen (= heutigem d lo mejor); 802: Der Vorschlag, toca nach 
al arma zu lesen, rührt von Krenkel her, und mufste diesem zuerkannt wer- 
den. — Amantes de Teruel p. 4: Tietnpo hace ya nicht = /öco Äa, sondern: 
vor geraumer Zeit. — Con mal p. 5 1 : Rogar por las almas ist nicht :=^ r. 
para 1. a. — Alcalde II 823 ff. : Guardar in diesem bekannten Sprüchwort be- 
deutet „retten", nicht „aufbewahren". Vgl. das Wortspiel darauf Encanto 
(Riv. 12,1251): La gala del nadar en tö ixxd perder la ropa; III 600 ff. war 
die in der Stelle enthaltene Anspielung auf die Folter zu erklären. Vgl. 979 ; 
695 wird solicita wohl aus Versehen falsch durch ,, gelingt" wiedergegeben; 
881 bedeutet qu^ mds se me da nicht: was wird es mir denn verdacht, son- 
dern wie gewöhnlich : was mache ich mir denn daraus. — Esclava I 34 be- 
deutet el centro frio ebensowenig als V'ida I 1 50 ,,das Herz", sondern „das 
kalte Element". Vgl. die Redensart estar en su centro, in seinem Elemente 
sein; II 428: Ase serd justo empleo ,,so wirds schon recht sein, dafs mau 

15* 



230 BESPRECHUNGEN. W. RUROW, 

zwar zu den Spottliedein auf die Männer; 568 zu III 2; 569 f. sind Liebes- 
beschwörungen; 571 Liebesgespräch; 572 f. Segen und Verwünschung, beide 
allgemein gehalten, also zu den spruchartigen "Hören , wenigstens 572; 573 
pafst dem Tone nach besser zu den Beschwörungen. 

Ohne auf IV und V einzugehen, eilen wir nun zum zweiten Hauptteil, 
den Tanzliedern, und lassen alle Bedenken beiseite, die gegen diese ganze 
Einteilung , welche nicht auf dem Wesen der Lieder, sondern nur auf ihrer 
Verwendung beruht, zu erheben wären. Sie zerfallen in: I. scherzende, 
II. spottende, und diese wieder in i. solche gegen die Weiber, 2. gegen die 
Männer. Nun gehören aber verschiedene weder zu I noch zu II, so die sehr 
ernstgemeinten Liebesklagen 77, 84 u. a. Man müsste diese also — wenn 
man sie nicht zu den Doinen gleiches Tones und Inhaltes rechnen will — 
für sich nehmen. Alecsandri teilt (S. 323 seiner Sammlung) die Tanzlieder in 
solche, die von allen oder doch mehreren Teilnehmern, und in solche, die 
von einem gewöhnlich aus dem Stegreif gesungen werden, also Tanzreime, in 
Süddeutschland Schnadahüpfl genannt. Dies würde also mit obiger Ein- 
teilung ungelähr zusammentreffen , da die eigentlichen Tanz- (nämlich Chor-) 
lieder unseres Wissens sämtlich von Liebe handeln, denen also der gröfste 
Teil der Hören unserer Sammlung als Tanzreime gegenüber zu stellen wären. 
Unter den scherzenden (I) wären wieder die von Liebe handelnden besonders 
zu nehmen — bezw. mit den Doinen gleichen Inhalts I 8 zusammenzuordnen — 
die übrigen handeln vom Wein , Gesang und Lebenslust überhaupt. — Die 
spottenden gegen die Weiber (II i) würden sich nach den gerügten Fehlern 
weiter einteilen lassen in Spott über 1. Faulheit; 2. Trunk-, Putz- und Hab- 
sucht, l^urz Hang zur Schwelgerei ; 3. Käuflichkeit (nur 273), 4. körperliche 
Mängel /besonders der Reichen) und 5. Alter. An den Männern werden 
namentlich Ungeschick , Trunksucht und Gewaltthätigkeit getadelt. 6. ist 
Selbstironie, 188 verspottet die Alten, also nicht scherzend. 

Von den „Verschiedenen" gehen 337 auf die Schwiegermutter ; 338 f. 
auf alte Weiber; 340 auf den verliebten Alten; 341 — 354 gegen den Küster 
und besonders den Popen und die Seinen , 342 und 345 bekommen auch 
Richter und Schulze ihr Teil. 355 — 358 werden einzelne Ortschaften ver- 
spottet. 359 die Zigeuner, 360 die Deutschen. 361 ist ein passender Schlufs, 
obwohl nicht spottend, sondern scherzhaft : 

Ich hab' euch gesungen ; mir machts kein Beschwer ; 
Und wenn ihr noch mehr wollt, so sing' ich noch mehr! 
Der dritte Hauptteil oder Anhang, wie man will, enthält: i — 4 er- 
zählende Dichtungen, 5 und 6, wie oben schon gesagt, lyrisch-erzählende, zu 
denen man auch 8 , gleichfalls Gespräch , stellen kann ; doch ist dies mehr 
lyrisch. 7 ist eine B'abel, 9 und 10 Colinden oder Weihnachtslieder, Legende 
oder Heiligensage mit Bitten am Schlufs. 11 endlich ist ein Trinkspruch 
mit einem Rätsel. 

Dafs sich von den Balladen oder rein erzählenden Dichtungen, die den 
Hauptteil des Alecsandri ausmachen und auch sonst in grofser Zahl gesammelt 
sind, hier nur 4 finden, entschuldigen die Herausgeber erstens damit, dafs die 
andern nicht vollständig überliefert waren. Aber einmal ist es sehr schwer, 
wenn überhaupt möglich , zu entscheiden , ob eine erzählende Volksdichtung 
vollständig ist oder nicht — sofern man nie wcifs, ob sie überhaupt zu einem 



U. lARNIK SI BAKSEANU, DOINE SI STIGATURI DIN ARDEAL. 23 I 

abgeschlossenen Ganzen gediehen ist — und sodann oder eben drum sind 
hier auch Bruchstücke von Wert, für den Genicfsenden und in noch höherem 
Mafse für den Forscher, der vielleicht irgendwo das Fehlende findet. Zweitens 
sollen die vollständigen Balladen gröfslenteils schon gedruckten zu sehr ge- 
glichen haben. Aber ist dasselbe nicht auch bei vielen Stücken aus den 
ersten beiden Hauptteilen der Fall? Wenn wir uns der Kürze wegen auf 
Alecsandri beschränken , so finden wir teils fast wörtliche , teils wenigstens 
wesentliche Übereinstimmung zwischen Doinen: i und AI. Do. 18; 7 Anfang 
und AI. Höre 36; lO Ende und AI. Ho. 10, v. 3 f.; 14 und AI. Ho. 43; 33 
und AI. Do. 66; 65 und AI. Do. 63 Anf.; 99 s. AI. S. 47 u. 383; 112 Ende und AI. 
Do. 116 Anf.; 139 Anf. u. A. Do. 69, 144 ist wesentlich der Schlufs von 146; 
174 ein Teil von AI. Do. 37, vgl. A. Bessarabische Lieder 7. 204 s. AI. Anh. i 
Ende; 216 und AI. Do. 65 mit geringer Abweichung; 244 Anf. und Ende und 
A. Höre 19 : 264 und AI. Do. 24, der Schlufs ist aus 207 gekürzt ; 270 Anf. und 
A. Bessarab. Lieder 14; 273 Anf. scheint auch schon vorgekommen zu sein, 
doch konnte ich es nicht wiederfinden. 295 und A. Ho. 37 Anf. 328 und A. 
Do. 67 Ende; 339 = 437 Anf. und 326,2 — 4; 371 und Bessar. Lieder 5; 387 
ausgeführter als A. Do. 70 und Bessar. Lieder 8 ; 390 und A. Do. 69 ; 396 
vgl. 412 und AI. Anhang l; 426 Anf. zu ergänzen aus AI. Do. 6 Anf. 448 
vgl- 390 und AI. Do. 69. 568 ausgeführter als das Lied, das AI. zu Bai. 17 
als siebenb. anführt. 576 und A. Do. 26 Anf. 605 und A. Do. 58 vgl. 634 f.; 
628 Anf. vgl. A. Do. 72. 

Auch mit anderen Sammelwerken finden sich Berührungen, so 512 wie 
Dorul tinerimei S. 128, nur mit anderem Schlufs. 

Tanzlieder 14 und AI. Do. 74 Anf, 151 vgl. AI. Ho. 5 Anf. 223 vgl. 
117; 246 und A. Ho. 40, die länger ist. 308 vgl. A. Ho. 48; 311 kürzer als 
A. Do. 71 (v. 22 f.). 340 und A. Ho. Vorwort. 

Im dritten Hauptteil findet sich nur 2, v. 68 ff. = Al. Bai. 26, IV 19 ff. 
Wir haben noch eine Menge Stellen angemerkt, wo i, 2 oder mehr 
Verse sich in übrigens verschiedenen Gedichten finden ; aber es würde zu 
weit führen, sie alle aufzuzählen und mufs daher einem gröfseren Werke vor- 
behalten bleiben , worin wir die rum. Volksdichtung mit besonderer Rück- 
sicht auf ihre Quellen zu behandeln gedenken. 

Soviel über Einteilung und Auswahl der Lieder, woran beide Heraus- 
geber in gleichem Mafse beteiligt sind ; wir wollen nun das besprechen , was 
aufserdem jeder besonders beigesteuert hat. Von Bärseanu rühren die sach- 
lichen Erläuterungen her, sowohl die am Schlufs der Hauptteile abgedruckten, 
als die, welche Jarnik im Wörterbuche bringt. 

Sie sind durchweg dankenswert, besonders für den Fremden, wie sich 
von selbst versteht; auch der weniger mit dem rum. Volksleben Vertraute 
wird kaum eine weitere Erklärung nötig haben. Wir hätten nur zu bemerken, 
dafs die Erzbrücken, die nach der 67. Anm. zu den Doinen das Jenseits sind, 
richtiger als der Übergang zu demselben zu bezeichnen wären, wie ja auch 
da steht: An der kupfernen Brücke wird meine Seele Rechenschaft geben 
(Doine 382), ehe sie nämlich in den Himmel kommt. Die 3 Brücken (von 
Kupfer, Silber und endlich Gold, auch Silber, Gold und Edelstein, Fundcscu 
2, vgl. Ispir. 21) finden sich z. B. im 3. Märchen der Sammlung Fundescus, 
im 2. der Ispircscus , im 13. der Kremnil/., und nocli jetzt breiten die Ru- 



2^2 BESPRECHUNGEN. W, RUDOW, 

mänen Tücher aus , über welche die Leiche getragen wird, und nennen dies 
a face podtirl , Brücken bauen — einer ihrer uralt heidnischen, weil ver- 
breiteten Bräuche. Kremnitz 20 treten an Stelle der Brücken Kupfer-, Silber- 
und Goldwald, schliefslich aber ein Edelsteinstrom, über den eine unüber- 
schreitbare Brücke führt. Ispir. 22 ein Garten mit einer Kupfermauer, dann 
Silber-, Gold- und Edelsteinwald u. s. w. In den Märchen des Westens 
findet sich ähnliches genug; vgl. noch Meyer, Indogerm. Mythen I 150, die 
Höllenbrücke des Koran, Sure l, Saxo Grammaticus u. s. w. 

Der Ursprung dieser Anschauung ist also rein mythisch oder dichterisch ; 
die Unterscheidung nach den Erzen scheint dagegen auch auf priesterlichem 
Brauch zu beruhen Avie der Totenpfennig : je näher dem Grabe und dem Toten- 
richter, desto gröfser die Furcht und demnach desto wertvoller das Opfer. 

Dies beiläufig. Aufserdem scheint die letzte Anmerkung zu den Tanz- 
liedern verfehlt. No. 360 heifst: ,, Soviel Hanse mit grofsen Schuhen, soviele 
Räuber; soviele Menschen aus dem Walde, lauter gute Gesellen." In der 
Erklärung steht nun , die Rumänen hätten einen Hans (Sachsen) bewogen 
aus Furcht mitzutanzen und obige Verse in schlechtem Rumänisch zu singen. 
Man sieht nicht ein, warum der Sachse den Rumänen so fürchten soll, dafs 
er dessen Hansnarr wird. Die Verse scheinen vielmehr ein Spottlied der 
Unterdrückten, auf denen ja die Faust der Deutschen schwer gelastet hat, s. 
m. „Rum. Volkslieder" S. XX f. 

Soviel von Bärseanu ; nun zu Jarniks Wörterbuch. Über die Not- 
wendigkeit des Wiederabdrucks der Stellen in einem Sonderwörterbuch , das 
seinen Quellen angeheftet ist , kann man streiten : der Verf. selbst begründet 
diese Fälle halb entschuldigend mit den Worten König Karls: Das Über- 
flüssige schadet nicht! auf S. VIII und IX seines Vorworts, nachdem er S. VII 
auf den Nutzen hingewiesen , den die Anführung der Wörter in ihrer Ver- 
bindung mit andern dem Forscher bietet. Die äufserste Sorgfalt der Aus- 
führung bedarf keines Lobes; sie spricht für sich, und man ist sie vom Ver- 
fasser des Wörterverzeichnisses zu Diez nicht anderes gewohnt. Nicht also 
um irgend eine Ausstellung zu begründen , sondern nur um zu zeigen , dafs 
wir das Werk gelesen , wollen wir bemerken dafs sest für seziit und andere 
dgl. Formen, die hier ebenso häufig wie der Schriftsprache fremd sind, hätten 
besonders aufgeführt werden können, zur Erleichterung für den Anfänger: 
und dafs bei hasna die Verweisung auf Cihac fehlt; er hat es nur unter der 
Form hazna, s. den türk. Teil. Im übrigen ersparen diese Verweisungen zwar 
viel Nachschlagen , doch scheint Verf. zu bescheiden, sofern er nicht gewagt 
hat auch nur einen der zahlreichen Irrtümer Cihacs, die ihm nach S. XI nicht 
unbekannt sind, zu berichtigen oder bei den Wörtern, die dieser nicht hat, 
eine Erklärung zu versuchen. Deutschen inbesondere hätte die Erlernung der 
auch hier zahlreichen slavischen Wörter durch Hinweis auf Verwandtes oder 
Bekanntes vielfach erleichtert werden können. So bogat, vgl. bog Gott in 
Jüterbog, eig. Oster- oder Frühgott; gornic, vgl. Tschernagora (Montenegro) 
und viele Ortsnamen in Deutschland; Gören, Görike u. s. w. trosc, polnisch 
trzaszkac, Dreschen u. s. w. 

Das beiläufig ; solche Kleinigkeiten können das Verdienst der sorg- 
fältigen Ausführung nicht schmälern. In einem Punkte scheint uns die Ge- 
nauigkeit sogar übertrieben : dafs nämlich auch die Abweichungen der Schreib- 



U. lARNIK SI BARSEANU, DOINE SI STRIGATURI DIN ARDEAL. 2;^^ 

weise beibehalten sind. Wären die Gedichte von den Verfassern nieder- 
geschrieben , so hätte man nichts dagegen einwenden können ; den Schülern 
gegenüber, welche die Sachen aufgezeichnet haben , scheint diese Rücksicht 
nicht angebracht. Die von den ConvorbirT literare und ihrem Anhange be- 
folgte lautgetreue Rechtschreibung wird schliefslich den Sieg erringen , und 
um so eher, je mehr sie angewandt wird. Unseres Erachtens hätte dies im 
vorliegenden Werke geschehen können, ohne dafs irgend jemand dadurch be- 
einträchtigt würde — selbst die Akademie. 

Ebenso wie hier erweist sich das gute Alte als siegreich gegenüber dem 
besseren Neuen in dem Brauche der bucureschter Akademie, die Druck- 
bogen der von ihr herausgegebenen Werke durch eines ihrer Mitglieder 
durchsehen zu lassen, statt wenn nicht allein, so doch nebenbei vom Ver- 
fasser, wie Jarnik es S. X mit Recht als wünschenswert bezeichnet. Eine 
Menge Druckfehler wäre dadurch vermieden, die Jarnik mit gewohnter Sorg- 
falt z. T. im Wörterbuch am Schlüsse verbessert. Nur wenig hat er übersehen : 
S. II, Z. 2 von unten mufs es heifsen truful statt timpul. S. 29, Z, 5 von 
unten m'ai statt mal, wie öfter. S. 199 CD XXVI statt CDX. S. 301 Z. 3 
busiiioc. S. 332, Anm. 16 intrebuinfatä statt interb. S. 472 unten: ve ve(i 
supera — wenn ve nicht etwa in der Handschrift fehlte. S. 507, Z. 2 chin 
statt chiu. S. 514, v. 9 Cräciun statt Cärc. Endlich soll es 415 unten und 
S. 416, Z. 2 ochinci statt des gleichbedeutenden ochü heifsen; das Wort war 
uns unbekannt, fehlt auch im Wörterbuch. S. 97, Z. 17 1. säruta u. s. f. 

Somit hätten wir über die Arbeit der Herausgeber genug geredet und 
könnten über die Lieder selbst wenigstens noch einige Worte beifügen. Die 
Berührungen mit fremden Liedern wollen wir beiseite lassen und nur Proben 
geben. Die Wahl macht Qual: fast jedes Lied ist in seiner Art vollendet. 
Vielleicht das am tiefsten empfundene ist die 146. Doine, wo das Mädchen 
zunächst wie im slavischen Volksliede des Jünglings Kleid (Gürtel und Feder) 
werden will; dann aber noch hingebender seine Leuchte, um sich für ihn zu 
verzehren. 

Kürzer, doch nicht minder rührend ist 336: 
In dem Teich auf freiem Felde, Über den die Weide hängt. 

Hat ein Mädchen sich ertränkt ; 
Rote Schuhe an den Füfsen, Bis zum Gurt ihr Goldhaar reicht, 

Keine ihr an Schönheit gleicht. 
Sprich mir nicht davon — ich weifs es! Denn in Zucht und Ehren war 
Sie mein Lieb ein ganzes Jahr, 
Was sie in den Tod getrieben, ist nicht gesagt; nur aus „Zucht und 
Ehren" können wir Untreue und Reue darüber als Grund ihrer That ahnen. 
Aber gerade dieses Geheimnisvolle ergreift um so tiefer, und wir bemitleiden 
sie wie ihren braven Liebhaber. Wer das Lied einmal gelesen oder gehört, 
der wird die malerischen roten Schuhe und das goldene Haar nicht ver- 
gessen. 

Von solchen Liedern gilt 446: 

Wer die Doina sich ersann, War betrübt, ob Weib, ob Mann, 
Dem, der sich die Doina sang. Tief ein Leid das Herz durchdrang. 
Wer die Doina sich erfand, Ach ! dem war das Herz verbrannt, 
Wie auch ich's an mir empfand! 



234 BESPRECHUNGEN. W. RUDOW, 

Die Kehrseite des Bildes bieten die Tanzlieder. Wie witzig, sinnlich 
und dennoch unanstöfsig ist 21 (vgl. Weber, Demokritos, Über das Naive): 
Liebchen hat mich sehr erfreut : 
Schweinerippchen briet sie heut ; 
Hab' sie drauf mit Wein begossen. 

Auch mein Schatz ist froh und satt; 
Denn sie afs mit mir und hat 
Dann noch Fleisch von mir genossen. 
Eine ebenso schöne und feine Sinnlichkeit herrscht in 69, 70, 71 und 
andern. Wir wollen nicht mehr verraten, sondern mit dem Wunsche schliefsen, 
dafs auch unsere Landsleute den Dank , den sowohl Sammler wie Heraus- 
geber dieser Schätze in so reichem Mafse verdient haben, dadurch abtragen, 
dafs sie das Werk lesen; sie können sich auf keine leichtere und angenehmere 
Weise mit dem Rumänischen vertraut machen. 



Bei dem zweiten ebenfalls sehr sorgsamen und reichhaltigen Werke 
können und müssen wir uns kürzer fassen. Die gewöhnlichste Form der von 
Marian selbst gesammelten Zaubersprüche ist diese : 

N. N. ging aus , frisch und gesund , da wurde er krank und flehte um 
Heilung. Aber niemand hört ihn als die Mutter Gottes, die ihn fragt. Da- 
rauf erzählt er in fast denselben Worten wie vorher sein Unglück und wird 
erhört. Stehend sind hier (doch auch sonst) die Wendungen : s'o sinecat, j'o 
manecat. Ersteres erklärt der Hrsg. für unsicher (S. 7). Sinecat = silit 
scheint uns Volksableitung; S. 218 steht daneben ; j'o suflecat; hat die Ärmel 
aufgestülpt. Auch die folgenden Ausdrücke des Klagens stimmen oft überein ; 
ganz stehend ist wieder das wunderschöne : Cu glas mare pdnä'n ceriu, cu 
lacrimi pdnä'n pament (mit lauter Stimme bis zum Himmel, mit Thränen bis 
zur Erde) und das folgende: niemand sah ihn, niemand hörte ihn u. s. w. 
Dieser Art sind, l, 6, 7 m, 11, 12 11, 13, 17, 2211,111 (bes. ausführlich), 261 — 
m, 28 V. In der Ichform (ich ging u. s. w.): 5, 16, 25 11. — Ähnlich 28, nur 
ohne Maria. Dagegen bescliwört sie 23 die bösen Geister (mit schöner Ein- 
leitung) vgl. 28 III und die erste der Beschwörungen Saulescus. 

Aufserdem wird die Heilung erbeten oder es werden vielmehr be- 
schworen: 2 9 Jungfrauen. 

21 II die 3 Sonnenschwestern, 111 die 3 Mäherinnen. 
9 9 Wölfe, vgl. Saulescu 8 die 9 Hindinnen. 

19 u 9 Morgenröten, vgl. die 9 Störche, die Geschwülste entführt haben, 
zu 151. 191, 2411 Cosma Damin; s. Gaster, literatura popularä; 141 endlich 
soll das Wasser den Zauber abspülen. 

Umgekehrt werden 221 die 9 bösen Elfen gescheucht, 28 11 — iv Borsa 
der Alte, Schwarzlippe, Schwarzfliege und der Waldmann, die Krankheits- 
bringer. 

Endlich heilst man die Krankheit selbst gehen oder heilen : 3, 4, 7 1 u. 
II, 8, 10, 151, 18, 191, 20 mit eigentüml. Erzählung, 211, 271, rv, v mit Er- 
zählung, 28 II, 29, 31, 241, 251. 

Besonders merkwürdig ist noch der Eingang von 15111: Samca (sonst 
böser Geist) hatte 9 Söhne ; sie sterben : also möge die Krankheit vergehen. 



F. MARIAN, DESCANTECE POPOKANE ROMANE. 235 

Auf den reichen mythischen Gehall können wir hier nur hinweisen ; ihn 
erschöpfend zu behandeln, würde allein ein Buch erfordern. So S. 79 ein 
Donnergott, S. 100 die ganze Gesellschaft aus den Märchen: Krüppel (sonst 
Däumling) Langbart, Drache, Drachin u. s. w., S. 114 eiserner, S. 252 weifser 
Vogel , der die Krankheit fressen soll. S. 242 tV. der Waldmann und seine 
Sippe entspricht völlig den Ghandarven u. s. w. s. Meyer, indogermanische 
Mythen I. S. 268 die Fee Morgane, hier Märgälina genannt, mit ihren beiden 
Gelährtinnen u. s. w. Das meiste ist von anderswoher bekannt, nicht weniges 
aber fanden wir hier zum erstenmale , so Samen, ein böser Geist, vgl. poln. 
samiec, samca Männchen , jedoch mit anderer Endung, worüber später mehr. 

Ganz ähnlichen Inhalts wie diese von Marian selbst gesammelten sind 
die folgenden Zaubersprüche, die aus Saulescus Nachlafs stammen ; aufserdem 
aber findet sich manches eigentümliche: 9 Liebeszauberspruch, 10 Gebet an 
den hl. Nicita als Schutzgeist, li f. Regengebet, entsprechend dem slawischen 
Brauche der Dodola (Regenmädchen), s. Schwende, Mythologie der Slawen 
(Aberglaube und Gebräuche). 

Dasselbe gilt von der dritten Abteilung, den siebenbürgischen Beschwö- 
rungen. Bemerkenswert sind hier S. 331 die 9 Heldinnen, die mit Lanze und 
Pfeil den Kranken verwundet haben; S. 339 heifsen sie die Schönen, S. 341 
die Wald- oder Feldmädchen. Sie erinnern an die nordischen Walküren, 
wie die 9 heilenden Jungfrauen (s. o.) an Friggs 9 Begleiterinnen im Fiöl- 
swinnsmal der Edda. Letzteren entsprechen S. 347 die 9 Brüder, die statt 
des Paradiesbaumes die Krankheit ausroden sollen. — Mehr als alles dieses 
aber interessiert uns der Pleilspruch S. 345 : Es ging Gott mit Petrus auf dem 
Wege bis zum grofsen Wasser. Gott ging hinüber, Petrus konnte nicht. 
„Geh, Peter!" „Ich kann nicht, Herr! Mein Rofs ist gestrauchelt, N.'s 
Hand ist verrenkt!" — „Besprich es, Peter! — „Ich kann nicht, Herr!" 
Sprich wie ich dich lehre: „So füge sich die Hand wie der Zigeuner (;= 
Schmied) das Eisen schmiedet". Wer denkt da nicht an den Merseburger 
Heilspruch (S. Mannhardt, German. Mythen 69 ff.). So knüpft sich das 
Fernste an das Nächste, der vergleichenden Volkskunde eröffnet sich hier ein 
schier unabsehbares Gebiet, das dem der es bearbeiten will, die reichsten 
Früchte verspricht — nicht zu reden von der Sprachwissenschaft, für die- hier 
noch ein Scherflein : a se frasui wehklagen, S. 208 , ist poln.y>(z^///V be- 
kümmern, versuchen. 

VV. Rudow. 



M. Schwarzfeld, Poesiile populäre Coleclia Alecsandri sau cum 
trebue culese si publicate canticele populäre. Jasi 1889. 

Schw. weist zunächst darauf hin, dafs das Werk Alecsandris bisher nur 
vom künstlerischen Gesichtspunkt beurteilt sei, und will dem gegenüber auch 
den wissenschaftlichen zur Geltung bringen, worauf es wegen seiner Wichtig- 
keit als Quelle unserer Kenntnis der Denk- und Empfindungsweise, sowie der 
Sprache und selbst Geschichte des Volkes Anspruch habe. 

Indem er die letzte Ausgabe von 1866 mit den früheren oder mit Alec- 
sandris Quellen vergleicht, lliidet er an jener hauptsächlich auszusetzen, dafs 



236 BESPRECHUNGEN. W. RUDOW, 

sie eine Menge willkürlicher Änderungen enthält, von denen kaum ein Gedicht 
verschont geblieben zu sein scheine. Diese Änderungen lassen sich folgender- 
mafsen^einteilen : 

I. Viele Lieder sind fast völlig umgestaltet. 

Zur 56. Doina bemerkt Seh. : Die Abneigung gegen den Heeresdienst 
(bei den Ungarn) habe sich hier in ein unaussprechliches Vergnügen am Dienst 
im rumänischen Heere verwandelt, und in einen Hafs gegen die Fremden, 
der heute Mode sei. 

Aber letzterer findet sich, und sogar erklärt, auch sonst, so Bärseanu und 
Jarnik, Doine 596, 613, 639, und 637 drückt sogar Freude am Dienste aus. 
614 ist übrigens v. 9 — 12 des Liedes bei Alecsandri (Ausgabe v. 1855), der 
Fall würde also unter 3 gehören. Doch dies beiläufig: jedenfalls hat Alecs. 
wenn überhaupt — denn wer steht dafür, dafs ihm nicht andere Über- 
lieferugen zu Gehör gekommen sind? — im Sinne des Volkes geändert. 
Geradezu unverständig ist der Spott, dafs der Rumäne nur nach Alecs. Rosen 
und Veilchen liebte, s. Jarnik a. a. O. Doina 142; „Viorica, viorea, mdndra", 
564 : döi bujorJ si döl baditi, vgl. den häufigen Eigennamen Bujor. Ebenso 
wird der Rumäne nicht nur von der Mutter, sondern sogar von der Liebenden 
„viteaz" u. dgl. genannt, s. a. a. O. 492, 627. 

Dagegen mufs man gestehen, dafs der Schlufs, den Alecs. der 40. und 
der 76.1 Doine hinzugefügt hat, nicht recht volksmäfsig klingt, was weniger 
von 57 gilt. Zu Doine 72 (deren ursprüngliche Fassung sich auch Jarnik 628 
findet) fragt Schw. angesichts der grofsrumänischen Gedanken, die Alecs. hin- 
eingelegt hat , was weils der Bauer davon ? 

Den Schlufs der 7. Doine erklärt Schw. für handgreiflich unvolkstüm- 
lich, weil „chauvinistisch"; ich freue mich, dafs ich mit derselben Ansicht, 
die ich S. XXHI der „Rum. Volkslieder" geäufsert , recht gehabt , obgleich 
ich von diesen Überarbeitungen nichts ahnte. Doch ist andererseits nicht zu 
leugnen , dafs es Räuber gegeben hat auch aufser Karl Moor, die mit dem 
Armen teilten, so der bairische Hiesel ; und die Liebe des Volkes zu solchen 
begreift sich wohl. 

Das folgende, 37. Höre, scheint wieder nicht hierher zu gehören ; denn 
Alecs. hat den Schlufs nicht fortgelassen, sondern als selbständiges Lied da- 
hinter abgedruckt, nur im Anfang leicht geändert, sodafs die Aufforderung 
zum Ehebruch, genauer zu seiner Entschuldigung fortfällt. Schw. wirft auch 
hier AI. wieder Schönfärberei vor, schwerlich mit Recht, vgl. 32. Höre u. a. 

Man sieht, die „völlige Umgestaltung" beschränkt sich im wesentlichen 
darauf, dafs Alecs. den vaterländischen Gedanken einigemale schärfer zum 
Ausdruck gebracht hat. 

Wir sind auf diesen schwersten Vorwurf näher eingegangen , um den 
Leser selbst urteilen zu lassen ; bei den folgenden können wir uns kürzer 
fassen. 

2. Alecs. hat viele überflüssige Zusätze gemacht. 

3. Er hat grundlos mehrere Gedichte zusammengeschweifst. Was 



' Die drittletzte Zeile hat statt des sinnlosen cu gandul nach unserer 
Ausgabe ca g., was ein freilich wenig geschmackvoller Anklang an die Mär- 
chen ist. 



M. SCHWARZFELD, POESIILE POPULÄRE COLECTIA ALECSANDRL 237 

übrigens Doine 74 fehlt, findet sich 54, Anfang. Dieser Punkt ist besonders 
schwierig; wir können hier nicht näher darauf eingehen. 

4. Er hat Stellen ausgelassen, die keine Wiederholungen sind. 

5. Er hat ganze Sätze und einzelne Wörter geändert, keineswegs zum 
Vorteil des dichterischen Wertes. 

a) den Sinn. 

Der Zweck war übrigens oft, Derbheiten zu mildern; und in der An- 
führung der 22. Doine fehlt v. 8. Ebenda zmei statt miei kehrt allerdings den 
Sinn um, doch findet jenes sich oft in dem Märchen als Bild der Tapferkeit. 
Auch Doine 12, „des Busens Blume" findet sich Fundescu S. 22. 

b) Eigen- und Sammelnamen , worauf schon Densuschian hingewiesen, 
öfter wieder im vaterländischen Sinn. 

c) Auf Tracht und Bräuche des Volkes Bezügliches. 

d) Einzelne Wörter, vereinzelt völlig unbekannte. 

e) Selbst Binde-, Verhältnis-, Umstands- und Fürwörter (Partikeln). 

f) Kürzung und Erweiterung im allgemeinen. Besonders sind Eigen- 
schaftswörter gehäuft, was das Volk nicht liebt. 

g) Ganz zwecklose Änderungen. 

6. Er hat Verse eingeschoben um Anmerkungen dazu machen zu können. 
So an den Vers vom luda blestemat die Bemerkung, dafs die Juden das Volk 
durch den Brantwein zu Grunde richteten. 

Diese Beschuldigung sucht Schw. durch die Behauptung zu widerlegen, 
die Volksdichtung selbst urteilte über die Juden nirgends unvorteilhaft. In- 
dessen ist das aufscr in dem Märchen Ispirescus auch im 4. Fundescus der 
Fall, wo der Jude das todbringende (Nessos)-IIemd verkauft (S. 52); aber 
was gehen uns heute die alten Märchen an? Schw. kennt Ghicas Briefe (vgl. 
S. 38). Nach S. XII derselben gab es vor 1830 so gut wie keine Juden im 
Lande , nur wenige Hausierer — ganz erklärlich , weil die Griechen dort 
herrschten, neben denen kein anderes Handelsvolk aufkommt. Nachdem aber 
die griechische Herrschaft gebrochen und Rufsland wie Österreich die Juden 
zum Heeresdienste heranzuziehen angefangen hatten, begann die jüdische 
„Überschwemmung", deren Druck Ghica im 20. Briefe mit sehr beweiskräf- 
tigen Zahlen schildert , wie schon C. Negruzzi in seinen ' Briefen hierüber 
klagt (29). 

Die neuere Volksdichtung stimmt mit ein , so heifst es in Dorul tine- 
rimei S. 251 in „Criza de batü" : Die Beamten diskontieren ihr Gehalt aufs 
dritte Jahr, Und die Juden spekulieren . . . Ähnlich S. 260 : Es bleibt nichts 
als die Gehaltsanweisungen den Juden zu vcrpflinden u. s. w. u. s. w. Wir 
würden hierauf nicht näher eingegangen sein, wenn es nicht nötig gewesen 
wäre, einmal zur Steuer der Wahrheit, sodann, um begreiflich zu machen, 
wie Schw. den angesehensten Dichter seines Volkes — ich meine der Rumänen, 
nicht der Juden — mit so unerhörten Schmähungen hat überhäufen können, 
wie es in diesem Werke geschieht, Alecs. hat hier wie sonst die Stimmung 
des Volkes nicht gefälscht, sondern ihr vielmehr nur Ausdruck verliehen, man 
könnte seinem Gegner den Vorwurf der Fälschung mit mindestens gleichem 
Rechte zurückgeben. Wenn er im folgenden, bei Doine 16 f. wenig Urteil 
zeigt, so teilt er diesen Mangel mit den gröfsten Dichtern wie Byron ; wenn 
er meint, die Märchen könnten früher gereimt gewesen sein, so ist das ebenso 



238 BESPRECHUNGEN. \V. RUDOW, 

gut möglich wie bei der Mär vom hüriiin Siegfried, vgl. die chansons de geste 
in der „bibliotheque bleue"; ehe wir ihm endlich einen Vorwurf daraus 
machten, geschichtliche Namen eingetragen zu' haben, müfsten wir erst genau 
wissen, ob er dies wirklich aus sich selbst gethan. 

7. In den erzählenden Dichtungen hat Alecs. geändert, obgleich er ihnen 
hohen geschichtlichen Wert beimifst. 

Allerdings, aber die Änderungen sind durchweg unerheblich, meist Aus- 
lassungen; nur S. 52 f. ist das r in Zorila nebst etlichen Nam.en fortgefallen; 
63 f. sind die Lesi (Polen) in Litfeni (eig. Littauer) geändert. Auch scheint 
es übertrieben , dafs ein Vers , der eine Schilderung oder dgl. enthält , dann 
unecht sein müfste, wenn er sich nur einmal findet. 

8. Er hat die Wichtigkeit einiger Überbleibsel des Altertums nicht zu 
schätzen gewufst. 

So hat er allerdings ein polnisch überliefertes Lied auf Stefan d. Grofsen 
aus dem 16. Jahrhundert weniger treu übersetzt als Hasdeu und als jetziges 
Volkslied ausgegeben. 

Andere haben es ebenso gemacht und damit eine wissenschaftliche Be- 
handlung des Stoffes sehr erschwert, wo nicht unmöglich gemacht. 

Wieder wahr, aber wenn S. hieran S. 1 1 Alecs. ,, Fälschungen im vater- 
ländischen Sinne" vorwirft, so schlägt er sich selbst, indem er S. 78 bemerkt : 
„Alecs. lag nur der künstlerische Wert der Volksdichtungen am Herzen." 
Gewifs, denn Alecs. ist ein Dichter ; er sah deshalb die Volksdichtung ebenso 
als herrenloses Gut an , wie Göthe u. a. es gethan ; wenn er diese , einer 
Fürstin zugeeigneten „Findelkinder" etwas zustutzte , so that er es , weil er 
nicht für die Wissenschaft schrieb, sondern für den herrschenden Geschmack. 
Die Wissenschaft ist ihm so fremd , dafs er nicht einmal eine brauchbare 
Kunstlehre des Schauspiels gelesen hat, so nötig ihm das auch gewesen wäre, 
wie ich nachgewiesen. 1 Ein billiger Beurteiler würde ihn als das nehmen, 
was er ist. Herr Schw. weifs davon nichts, oder vielmehr, er will davon 
nichts wissen , denn er kennt ja die ausführliche Lebensbeschreibung von 
Bengescu. Er tadelt neben dieser geringen Treue der Überlieferung noch ; 

Die Anordnung , die mehr eine Unordnung sei , (was ich , freilich be- 
scheidener, schon im Anfange meiner Arbeit über ,, Verslehre und Stil der 
rum. Volkslieder" bemerkt,) sowie den Mangel der Verszählung ; 

Die Überschriften als wenig bezeichnend ; (weshalb ich gröfstenteils 
andere gewählt;) 

Die Anmerkungen; in denen eines wissenschaftlichen Werkes hätten 
declamatii patriotice nichts zu suchen. S. o. 

Nach diesen Lufthieben gegen einen wissenschaftlichen Alecs. kommen 
noch Betrachtungen über den Kunstwert, die, wie auch schon das frühere, 
manche feine Bemerkung enthalten. Ja — wer sollte es glauben ! — Herr 
Schw. kommt hier sogar zu der Einsicht, dafs die Änderungen Alec.'s doch 
einigen Grund hätten, nämlich den, die Volksdichtungen dem herrschenden 
Geschmacke , welcher der ganz echten nicht günstig wäre , etwas anzupassen. 
Dafs er dies „geschmackvoll" gethan, urteilt Gaster in der 'Rum. Volks- 



1 S. „Unsere Zeit" 1889, Heft 11. 



M. SCHWARZFELD, POESIILE l'OPULAKE COELCTIA ALECSANDRI. 23g 

lileratur' „auf alljj;emcines Verlangen". So mächtig sei das Vorurteil gegen 
die unverfälschte Volksdichtung. 

Hiernach könnte es scheinen, dafs das Buch gerechter schliefst, als man 
hätte erwarten sollen; dennoch fafst Schw. sein Urteil im letzten Worte 
„drege-stricä" (Einreifsbaumeister) zusammen. Wir wollen nicht desgleichen 
thun , auch nicht Alecs. von den ihm gemachten Vorwürfen zu entlasten uns 
bemühen — das hat das dankbare rum. Volk schon mit seinen Küssen gethan ; 
denn dieses weifs recht gut, welchen Dank es dem Dichter gerade für die Be- 
lebung des Nationalgefühls schuldet, die Schw. ihm vorwirft, weil er letzteres 
nicht kennen will. — Wir wollen nur zum Schlufs unser Urteil dahin aus- 
sprechen, dafs das Buch von einer ungewöhnlichen Kenntnis der rum. Volks- 
dichtung und von ebensoviel Fleifs wie Scharfsinn zeugt. Um so mehr ist 
zu bedauern, dafs der Verf. den Lärm des Rassenkampfes in die friedlichen 
Hallen des Wissenschaft hineingetragen hat. — 

Nachstehend noch einige Quellen, bezw. Vorlagen, die Alecsandri be- 
nutzt hat, aus cintece nationale adunate de O. Dumitrescu. 2. ed. Bucu- 
resti 1859. 

cintece nat. 54 fast ganz wie das von Schwarzfeld S. 49 zu Alecs. Bal- 
lade 41 gestellte; nur v. 15 lautet: sa nu retnai pagubaj statt se nu pätimesti 
ceras, vielleicht nur verschrieben. 

Bedeutender sind die Abweichungen zwischen dem von Schwarzfeld 
S. 47 f. mit Alecs. Doine 50 und dem Schlüsse von Ballade 40 verglichenen 
und eint. nat. 54, wo statt Schwarzfeld, v. 5 ff. steht: 
intristat pe ginduri pus 
me suiin pe deal in sus 
^i ochiT cänd' mi am intors 
me uitaTu pe vale 'n Jos. 
vezuTü oamenil arind 
cu plugurile in rind 
weiter unten fehlt v. 19 vai! reii, ursitul de en! 
Schwarzfelds v. 22 — l"), fehlen. 
Schwarzf. v. 34 ff. heifst: 

^i me rugalü de boga^T 
cariT aü bot si arga^T 
se mi dea biriT intr' un ceas 
mi dea boil 

se arü ^i eü locu d'un pas. 
dar in zadar m'am rugat 
cä'n seamä nu m'aii bägat. 
(V. 35 si'n .) 

atuncT si eu me'ntorsciu 
si intru sinem [i] ziselü 
v. 42 f. ebenso, dann fehlt v. 44 — 49. 
51 und 'ö statt a. 50 — 55 ebenso. 

acestea Jianü zicea 
in temni^ cCind zacea 
s'in lan^ c^nd il aducca 
de lu intreba ^i lü muncea. 



240 BEPSRECHUNGEN. \V, RUDOW, 

Alecs. Doine 32 steht eint. nat. 78 so (das Abweichende ist schräg ge- 
druckt): 

supt poale de codru vefde 

mititel foc 7ni se vede, 

mititel si potoltt, 

tot de voincl ocolit. 

5 nu still zece, \s'\au cin[rz'] sprece 

fehlen 2 Zeilen. 

si mis frige un berhece 

un berbece, berbecel 1 

. .,., , J fehlt bei AI. 

sugator si mititel. J 

si nu /' frigi? cum se frige 

10 Ci-lu infige [p]in cerlige 

iniungeat si neiupuit I 

, , ,.. \ felilt bei AI. 
9a un purcelus perlit j 

s'tl intoarce dm belciuge, 

ca sä-7 fie carnea dulce, 

15 si s3-l alba la colnicT 1 

1 . j- _ . _ / fehlt bei AI. Dafür wird bei 

de merinda, ca voinici. J 

ihm ein Überfall durch die bewaffnete Macht geschildert. Bei Dumitrescu 

folgen 2 ganz andere Lieder, die Alecs. zu 32, v. 10 ff. als Schlufs einer 

Fassung bringt, die mit vorstehendem v. 5 (bis auf eine/ sprece), v. 6, 9 (bis 

auf dar) und 10, 13 (aufser / in) und 14 gemein hat: 

subt umbra de pädueel. 

voTnicel mänincä 7mel (AI. din el). 

si beaü vin din burdusel (fehlt bei AI.). 

cintind si gräind asfel. (si din gurli dicu astfel). 

codr^, codrif infrunzit, 

codr<? frumos Inverzit! (fehlt bei AI.) 

tine me 'n tine ferit 

cu frunzä acoperit. (fehlt bei AI.) 

codre veT avea pecat 1 

cumva de m'el da legat / <f^'^'^" ^^' ^^'^^ 

ca nimic nu ti-am strieat ; 

nu me stiu de vinoveat (si nu me simt v. AI.). 

clVn tine de c5nd intraiü 

numai o kraka talaiü 

armele de-mi atirnaiu 

si la umbra-tl m'asezaiu (fehlt b. AI.) 

le as fi pus codre si j'os (AI. pe gios) 

dar p2mintu-i umedos 

si fierul e ruginos, 

isT pTerde lustrul frumos. (fehlt bei AI.) 

codr<?, codr^ dusman esti! 

tu voTnicil 7 amägesti, 

11 aduni, ii prümestT, (fehlt bei AI.). 

tu-i predäl lar, nu-i feresti. (AI. : si de dusmani). 



M. SCHWARZFELD, POESIILE POPULÄRE COELCTIA ALECSANDRI. 24 I 



clt e codr« de frunios, (AI. cfil estT, codri) 

cu frunza verde umbros; (fehlt bei AI.) 

larna putreze.f/<f jos (-scT tu gios bei AI.) 

si voTniciT sed la gros. (AI. zacii). Das letzte auch Alecs. Bai. 39,3, 



V. 6 fl'. 

AI. Doine 36. 
Spune, mindro mergT nu nicrgl? 



cänt. nat. 48. 
Spune-mT 

ort poteca sli mT deslegi 
din . . . 
spune-mT 
de me leT, de nu me Tel 



din douä-una se-tT alegi 
spune, mindro, vre! nu vrel 
cä colea me rögä trei 

5 und 6, 7 und 8 wieder gleichlautend. 

Hinter v. 5 bei AI. steht : se fugim, se prebegim. 

Hinter v. 7 bei AI. steht : dusmanii s'aQ immul^t 



V. 9 bei AI. . . . cu treT, 
vorba le e tot de noT. 



cu doT unde sintu cu doT, cu treT 

vorba de noT intre ei 
dusmanii tei si aT rael. 
cä unde sänt doT cu doT 
vorba le e tot de noi 
se ne bage in nevoi 
toti se uTtä ca la urs 

AI. V. II. 
se ne faca z/r'un neajunsu. 
stiT, mindro, c'am pus de gind ? 
sc plec, se te las plingind. 
din ochT negri lacramindu. 
s'o se 'ncalec pe cal murg 
mai curend ca se ajungii 
cätre deal, la KImpu-Lung 
cätre deal, peste Museal, 
se trecö Prahova cu elu 
farä sc me ud de fei. 
se me duc la draga mea 
J care me lubeamü cu ea 
\ in copilararia mea. 
ca nu's cäine se o uTtü 
cT's voTnic se o särut, 
cä ea dintru 'ntaiu m'a vrul. 
Alecs. Doina 48 hat mit cSnt. na^. 60 nur den Anfang und den Grund- 
gedanken gemein, dagegen weicht Doina 49 von eint. na^. 51 nur sehr 



si fac sfaturT pe ascuns 
se ne faca-un neagiuns. 
vinä, mindro mal curend 
cä de nu, te las plängend. 
unde n'am dusmanT de fei 
cä n'am ce 'mpärti cu el. 



si me duc peste Muscel 



Alecs. Doine 25, v. 18 f. 



wenig ab: Alecs. 

V. 12 cänd trecü fe^isörele 

16 dacä mi-ar fi fost 

20 cä LeTcu|a-I 

23 puTca 

24 tot 

25 si ca et se vestejestc. 

Zeitschr. f. rom. riiU. XIV. 



cäntece na^. 
sä trecä feti^ele 
cä d'ar fi venit 
cä Florica'T 

Iclea 

se 
nimenT nu le mgrijeste 
V. 22 f. wicdcrliDll. 

16 



242 BESPRECHUNGEN. W. RUDOW, 

Alecs. Hora 22 ist fast ganz eint. nat. 52; abgesehen von lelifo, lelito, 
fä, das an letzterer Stelle hinter jeder Zeile steht, dort nur hinter den beiden 
ersten, steht Alecs. v. i — 6 hinter 7 — 10, v-. 2 unul statt una , v. 14 ca un 
deget s'un inel, das Alecs. statt des nicht leicht verständlichen unifi la cinel- 
cinel eingesetzt zu haben scheint. 

Alecs. Hora 36 ist ebenso fast völlig eint. nat. 49. Die Verschieden- 
heiten der Aussprache v. 3, 6, lO: /'härägim; 18 Alecs.: unul spre-altul, eint. 
unul spre alt'; doch hat letzteres am Ende 6 Zeilen mehr. Ball. 45, vgl. 
Magazin istoric. 2, S. 56. 

Es liefse sich noch mehr beibringen , so ist eint. 77 im wesentlichen 
Alecs. Bai. 27 (vgl. Ball. 8); indessen würde das zu weit führen. Wir wollten 
nur an einigen Beispielen zeigen, dafs wenn Alecs. mehrere Fassungen eines 
Liedes giebt, dieselben recht gut alle echt sein können, wenngleich wir ge- 
stehen, dafs er oft selbst geändert hat und dies besser unterlassen hätte. 

W. Rudow. 



A. D. Xenopol, Storia Rominilor din Dacia Traiana. Jassi 1888 ff. 

Dieses Werk verdient wegen seiner Gründlichkeit und seines besonnenen 
Urteils auch hier eine nähere Besprechung. Der Verfasser, 1843 geboren, 
studierte von 1867 — 70 in Wien, worauf er sich nach Berlin begab, seine 
Studien zu vollenden. Die Weihrede , womit er die Kationalfeier zu Putna 
am Grabe Stefans des Grofsen am 15. August 1871 eröffnete, machte ihn im 
ganzen Lande bekannt, er stieg von Stufe zu Stufe; schon 1876 war es Pro- 
kurator des Gerichtshofes und Professor in Jassi, wo er seither namentlich als 
akademischer Lehrer und Geschichtsfchriftsteller nach verschiedenen Seiten 
erfolgreich thätig ist. 

Die „Geschichte der Rumänen", sein neuestes und umfangreichstes Werk, 
teilt er in folgende Zeiträume ein : 

1. Alte Geschichte, von 513 v. Chr. — 1290 n. Chr.: Gestaltung des ru- 
mänischen Volkskörpers. 

2. Mittlere Geschichte, vom Ursprung des rumänischen Staates bis M. 
Basarab und Vasile Lupu, 1290 — 1653: Zeitraum der slawischen Vor- 
herrschaft. 

3. Neuere Geschichte bis zum griechischen Aufstande 1821 : Zeit der 
griechischen Vorherischaft. 

Der erste der sechs Bände, der uns vorliegt, behandelt den ersten Zeit- 
raum, der wieder in folgende Abschnitte zerfällt. 

1. Die Zeit der Selbständigkeit bis zur Unterwerfung durch Trajan 106 
nach Chr. 

2. Dakien unter römischer Herrschaft bis 270. 

3. Die Rumänen in den Gebirgen , wohin sie vor den eindringenden 
Barbaren flüchten mufsten , den Goten, Hunnen, Gepiden , den Avaren und 
Slawen, den Bulgaren, die ihr bisheriges lateinisches Christentum durch das 
griechische verdrängten, — 700. 



A. D. XENOPOL, ISTORIA ROMINILOR. 243 

4. Der zweite Zeitraum der Barbarenstürme: der Ungarn, der Petsche- 
negen, Cumanen und Tataren. Anfänge rumänischer Staaten. 

Das Ergebnis des ersten und am wenigsten bekannten Abschnittes ist: 
die ältesten Einwohner des Landes, die erwähnt werden, waren weder Kelten, 
wie P'ranzosen behaupten, noch Slawen, wie diese wollen, noch Germanen, so 
Grimm. Doch irrt X. wenn er den Beweggrund, der allerdings bei den Slawen 
nur zu deutlich ist: nämlich die Grenzen des eigenen Volkes möglichst zu 
erweitern, auch bei Grimm voraussetzt.' Vielmehr war das erste Volk, das 
in diesen Gegenden lebte, die Skythen, ein Reiter- und Jägervolk. Durch 
ihre Verwegenheit und Unbändigkeit haben sie sich zwar weithin gefürchtet 
gemacht , aber darum haben sie im Land wenig Spuren hinterlassen , weil sie 
eben beständig umherschweiften. Ungleich wichtiger sind die Daker und 
Geten, zwei nah verwandte (eins verstand des anderen Sprache) Völker, die 
zum grofsen thrakischen Sprachstamme gehörten. Dieser stand dem Persischen 
sehr nahe, wie Müllenhoff aus vielen Eigennamen — den fast einzigen Über- 
bleibseln -— nachgewiesen hat. Dies wird durch Übereinstimmung in den 
hervorstechendsten Zügen des Volksgeistes noch bestätigt : der Glaube an ein 
gutes und ein böses Urwesen , an das Jenseits , vor dem das Diesseits ganz 
zurücktritt u. s. w. Im Gegensatz zu den Skythen gingen diese Völker schon 
im 3. Jahrh. v. Chr. zum Ackerbau über und erreichten, teils durch eigene 
Begabung, teils durch Berührungen mit Römern und Griechen bald einen 
hohen Grad staatlicher Entwickelung. Doch waren sie der römischen Über- 
macht nicht gewachsen ; ihr heldenmütiger Verzweiflungskampf unter Dekebal 
gegen Trajan ist bekannt. In die fast — sicher nicht ganz, wenigstens von 
Weibern und Kindern — entvölkerten Länder wurden nun zahlreiche römisch 
oder griechisch redende Ansiedler geschickt, meist aus Asien, doch auch aus 
Italien und selbst Rom wurden sie, besonders durch den Goldreichtum des 
Landes angezogen. Dabei wurde, wie überall im Reiche, die römische Sprache 
herrschend , in der sich wenig einheimisches Sprachgut erhielt , doch zeigen 
die aus dem Altertum erhaltenen Orts- besonders Flufsnamen, dafs die thra- 
kischen Bewohner nie ganz ausgestorben sein können, vielmehr von Geschlecht 
zu Geschlecht sich behauptet haben. Hieraus leitet X. d^s gute Recht der 
Rumänen oder Dako-romanen (mit Einschlufs der „unerlösten" Siebenbürger, 
versteht sich) nicht nur auf ihren gegenwärtigen Besitz, sondern auf den 
ganzen Norden der Balkanhalbinsel her. Dies sei der Beruf eines Volkes, 
das aus der Vermischung zweier so aufserordentlich tapferer und thatkräftiger 
Völker hervorgegangen. Er würdigt u. E. dabei nicht ausreichend die spätere 
Vermischung mit den verschiedensten fremden Völkern, die in der jetzigen 
Bevölkerung den dakisch-römischen Grundstock sicher überwiegen, wie der 
erste Blick auf Sprache und Äufseres zeigt. Besonders stark ist bekanntlich 
der slawische Einflufs; das lässige, ja träumerische Wesen, das diesem Volks- 
stamme eigen ist, findet sich auch bei den Rumänen deutlich genug und wird 
z. B. von I. Ghica bitter getadelt. Er, C. Negruzzi u. a. sehen mit Recht 



* Grimm hielt irrtümlicherweise die fielen für eins mit den Goten, ver- 
anlafst durch die Schrift des Jordanis, die er als Tcnden/.werk niciit er- 
kannte. 

16* 



244 BESPRECHUNGEN. H. SUCHIER, 

hierin den Grund, warum die Einheimischen mehr und mehr Fremden weichen, 
namentlich den Juden. 

Der vorliegende Band läfst schon zur Genüge erkennen, dafs X. völlig 
unabhängig von der freilich vielseitigeren „Kritischen Geschichte der Rumänen" 
Hasdeu's arbeitet; beide Werke sind so verschieden angelegt, dafs sich, zu- 
mal jetzt, nicht entscheiden läfst, welches den Vorzug verdient. 

W. Rudow. 



Le Lai de l'oinbre public par Joseph B edier. Fribourg [Schweiz] 1890. 
59 S, 4**. [im Index lectionum quae in universitate Friburgensi per menses 
aestivos anni MDCCCXC habebuntur]. 

Das Lai vom Schatten erfährt hier eine neue Ausgabe auf Grund der 
sechs erhaltenen Handschriften (ABCDEF), von denen A mit den Lesarten 
von B durch Michel 1836, F durch Jubinal 1846 herausgegeben war. Das 
Lai verdiente eine kritische Ausgabe in hohem Grade: es schildert uns eine 
prächtige Gesprächsscene aus dem Leben der höfischen Kreise mit allerlei 
Einzelzügen, die uns zeigen können, wie sich feiner Takt und zarte Rücksicht 
im Mittelalter zu äufsern pflegte. Der Dichter Jehan Renart — er hätte wohl 
verdient, auch auf dem Titel genannt zu werden — thut sich hierauf nicht 
wenig zu Gute ; denn er sagt gleich im Anfang je vuel mon sens emploier A 
bien dire et a soploier A la hautece de Veslit. Die Anmerkung des Heraus- 
gebers zu eslit scheint mir den Sinn nicht zu treffen. Ich möchte die letzte 
Wendung etwa erläutern mit " aspirer ä la hauteur de l'exquis ". 

In der Einleitung giebt Bedier eine treffende Beurteilung des Gedichtes. 
Er bestimmt aus einer Stelle die Zeit der Abfassung (um 1240) und klassi- 
fiziert mit Einsicht und Methode die Handschriften, die in zwei Gruppen zer- 
fallen, nämlich AB, C und DF, E. 

Es folgt der Text des Lai, welcher dem Herausgeber Gelegenheit giebt, 
sein bereits an den Sagen von Tristan und Fierabras bewiesenes kritisches 
Talent nach einer anderen Richtung hin zu erproben. Der Text ist mit so 
gutem Verständnis hergestellt dafs ich fast nichts daran zu ändern finde. Nur 
hinsichtlich der Interpunktion schlage ich einige Änderungen ohne Belang 
hier vor. 

V. 184 Hinter las sollte kein Ausrufungszeichen stehen, da es das Prä- 
dikat zu dem folgenden Relativsatz ist. 

243 Wenn alle Handschriften en chaaire haben, durfte der Artikel nicht 
hinzugefügt werden. 

305 Ist hier nicht, trotz der Wortstellung {Cil se hastent), en son en- 
contre besser durch Komma abzutrennen und zum folgenden zu ziehen ? 

370 Vielleicht stand ursprünglich: Se deus me lait veoir Vendit \A hat 
lundit ). 

430 Das Komma zwischen nos und Dames ist entbehrlich. 

463 Nule dürfte sich auf volente 459 beziehen. 

517 Das Komma zwischen vos und retenes sollte fehlen. Vgl. Tobler, 
Verm. Beitr. S. 22 f. 



J. BEDIER, LE LAI DE L OMBRE. 245 

583 Nacli der Ansicht des Herausgebers wird z mit s im Reim ver- 
mischt. Doch scheint es dafs der Dichter den Unterschied kannte. An der 
vorliegenden Stelle ist DEF der Vorzug zu geben : Por quoi ü s'en depart 
ensis, wodurch zugleich ein leonymischer Reim gewonnen wird (ensi's : pensis). 

584 Das Semikolon ist zu streichen, da das absolute venus 585 nicht 
Altfranzösisch ist. 

616 Ein Ausrufungszeichen scheint hinter Cestui richtiger als ein Frage- 
zeichen. 

782 Eine Conjectur Tobler's zu diesem Vers (Vom Verwünschen S. 5) 
bestätigt sich nicht. 

871 Die Rede beginnt wohl schon mit Grans mercisl 

Der Dichter verlegt seine Erzählung in die "Marche de l'empire", also 
an die Grenze des Deutschen Reiches nach Lothringen, und der Herausgeber 
sucht die Heimat des Dichters in dieser selben Gegend. Er bemüht sich auch, 
die Sprachformen, die der Dichter gebraucht, mit dieser Annahme in Ein- 
klang zu bringen, nur mit der Einschränkung dafs der Dichter die Schrift- 
sprache habe schreiben wollen und ungeschickter Weise seine Mundart habe 
einfliefsen lassen. 

Ich glaube dafs aus der Lokalisierung der Erzählung gar nichts zu 
schliefsen ist. Will man eine Vermutung darauf bauen , so dürfte eher das 
Gegenteil von dem , was hier vermutet wird , anzunehmen sein. Denn eine 
Geschichte wird glaubwürdiger, wenn sie in der Ferne spielt, wo eine Kon- 
trolle ausgeschlossen ist. 

Prüfen wir kurz die vom Dichter angewandten Sprachformen. Er ge- 
braucht amoit 135 neben amot 883, moi neben nii, simpleche 54O, aber auch 
Stiche (Ind. von sachter) 14, no vo, aber kein -ie für -tee. s und s scheinen 
getrennt; samis 303 könnte saniitium sein oder wie der Stoff aus Flandern 
stammen, und puis puteum neben puiz berechtigt sein. Ähnlich scheidet er 
e und ä mit einer Ausnahme [blanche : venche vinca 282). Dafs er ie mit e 
vermischt habe, sollte der Herausgeber nicht aus dem häufigen Reim siens : 
sens schliefsen. Denn er selbst hat erst diese Vermischung hervorgerufen ; bei 
Michel steht statt siens das Richtige suens. -ies im Impf, ist stets zweisilbig 
(793 ist or zuschreiben), aufser /ör/-:'/^ 505. 810. Dumpfes e im Inlaut ver- 
stummt nicht, doch steht einmal regti 743. Der Reim coisse : angoisse 773 
ist in cuisse : anguisse zu ändern; denn coisse existiert nicht, wie Förster, 
Richars li biaus S. XIII, richtig bemerkt, illos, ecc'illos lauten eus, ceus. 

Die hier vorliegende Mischung weist in die Gegend, wo sich das Nor- 
mandische mit dem Picardischen berührt; ich möchte unsern Dichter etwa in 
das Departement der Oise setzen. Fast die selbe Mischung der Sprache zeigt 
Beaumanoir, nur dafs Jehan Renart noch rein flektiert und überhaupt noch 
eine Anzahl älterer Formen kennt, die bei Beaumanoir verschwunden sind. 
Ich mache auch auf meus (melius), V. 284 im Reime, aufmerksam, das speziell 
aus dem Bcauvaisis belegt ist (CEuvres poetiques de Beaumanoir I S. CXXXIV. 
Wegen traveille sei auf S. CXLIV verwiesen). Vielleicht darf auch an die 
wörtliche Übereinstimmung von V. 176 — 7 mit Manckine 161 8 erinnert werden 
(wenn nicht beide Dichter hier einen dritten nachgeahmt haben). 

Hieraus ergiebt sich schon dafs ich die lautliche Kritik, die der Heraus- 
geber der Sprache angelhan hat, nicht billigen kann. Ich stehe auch piin- 



246 BESPRECHUNGEN. A. GASPARY, 

zipiell auf einem anderen Standpunkt, da ich es — besondere Fälle ab- 
gerechnet — nicht für erlaubt halte, die Überlieferung ganz zu verlassen, um 
eine willkürliche Schreibung an die Stelle zu setzen. Bei dem Verfahren, das 
ich für das richtige halte, hätte er unberechtigte Formen wie purent, nace, 
cherchier, cinq, monstrer für peurent, nasse, cerchier, eine, moiistrer ver- 
mieden. Der von Michel herausgegebene und von Bedier zu Grunde gelegte 
Text der Handschrift A dürfte, so wie er überliefert ist, der Sprache des 
Dichters aufserordentlich nahe stehen. 

Mit diesem Vorbehalt darf ich die Ausgabe für eine treffliche Leistung 
erklären, und spreche die Hoffnung aus, dem ebenso feinsinnigen wie metho- 
disch klaren Herausgeber bald bei ähnlicher Gelegenheit uneingeschränktes 
Lob zollen zu dürfen. 

H. SUCHIER. 



Giornale Storico della Letteratura Italiana. Anno VH, Vol. XIV, 
fasc. 1—2, 3. Anno VIII, Vol. XV, fasc. 1 — 2. 

Adriano Cappelli, La Biblioteca Estense neüa prima metä de' se- 
eolo XV, veröifentlicht vollständig das Inventar der den Este gehörigen Bücher 
von 1436, von welchem P. Rajna (Romania II 50) den die französischen Hss. 
betreuenden Teil bekannt gemacht hatte , und schickt einige Notizen über 
frühere Büchererwerbungen der Este vorauf. 

,E. Costa, // Codice Parmense 1081, Schlufs des Abdrucks der un- 
edierten Stücke und Index, p. 35, Z. 7 1. Cattzon, no-vellamente s'e partita 
Da me fortutia ... p. 43, Z. 3 v. u. ehe peecar pensare II molto eibo e vin 
farebbe donna „die Unmäfsigkeit würde eine Frau auf sündige Gedanken 
bringen". Interessant ist das anonyme Sonett p. 44, wo die berühmte Liebes- 
frage Savarics de Mauleo gestellt wird : lo riguardo eostui col viso lieto, E 
p oi Valtro trascino con la mano, E a l'altro tento il pie soave e piano . . . 

G. Sforza, Un Episodio poeo noto della vita di Aonio Paleario, macht, 
nach ungedruckten Dokumenten des Archivs von Lucca , die Vorgänge bei 
Berufung Paleario's auf den humanistischen Lehrstuhl in Lucca 1546 genauer 
bekannt. Als er bereits von der Regierung der Republik gewonnen war, 
erhob der neue Bischof Kardinal Bartol. Guidiccioni Einspruch gegen die An- 
stellung dessen, welcher damals bereits als Ketzer verrufen war. Aber Pa- 
leario bestand , trotz der Warnungen der Obrigkeit, darauf, zu kommen und 
seine Rechtgläubigkeit durch die That zu erweisen, verschaffte sich auch zur 
Beruhigung der Befürchtungen empfehlende Briefe von Bembo, Sadoleto und 
Sfondrato an Guidiccioni. Einleitend giebt Sf. eine kurze Geschichte der 
reformatorischen Bewegung in Lucca in den 40 er Jahren. 

L. Valmaggi, Per le Fonti del Cortegiano, weist nach, dafs der von 
den Scherzen handelnde Teil von Castiglione's Buch, abgesehen von den Bei- 
spielen , fast ganz aus Cicero's De Oratore stammt und oft dessen Lehren 
wörtlich übersetzt. 

R. Köhler, Illustrazioni Cotnparative ad aleune novelle di Giov. Ser- 
cambi, I, stellt für die 4. von Sercambi's Novellen, mit der bekannten um- 



GIORNALE STORICO DELLA LETTERATURA ITALIANA. 247 

lassenden Gelehrsamkeit des Verfassers, den Vergleich mil ähnlichen, be- 
sonders orientalischen Erzählungen an. 

A. Solerti, Dei Manoscritti dt Torquato Tasso falsificati dal Conte 
Afariano Alberti, ausführliche Darstellung der berühmten Fälschung, be- 
sonders auf Grund der 1848 unter dem Namen des neapolitanischen Verlegers 
Mazzarini erschienenen Schrift. Am Schlüsse das Verzeichnis der %'on Alberti 
gefälschten Mss. , wie es sich in einer Hs. der Communalbibliothek zu Ber- 
gamo findet. 

A. D'Ancona, Misteri e Sacre Rappresentazioni , handelt von drei 
neuerdings publizierten grofsen Mysterien, zwei französischen und einem italie- 
nischen, aber den französischen nachgeahmten, nämlich von dem Mystere des 
Trois Doms, gegeben in Romans 1509, wo sich der Verfasser eingehend mit 
dem Verfahren bei der Vorbereitung, der Einrichtung der Bühne, der Auf- 
führung beschäftigt, von dem Mystere de V Incarnation et de la Nativite, ge- 
geben in Rouen 1474, und von der Passione von Revello in Piemont, welche 
Promis herausgab. Was diese letztere betrifft, so sucht D'Ancona zu zeigen 
(p. 172 f.), dafs das Datum (15. Juli 1490) am Ende sich auf die Vollendung 
der Abschrift, nicht des Stückes selbst beziehen müsse ; denn dieses ward am 
23. — 25. April gegeben, und nicht nach 1490, wo die in der Bittschrift ge- 
nannte Gattin des Marchese von Saluzzo schon todt war, und da die Ver- 
hältnisse der Jahre i486 bis 1490 wenig für ein solches Fest geeignet waren, 
so möchte er die Aufführung eher zwischen 1481 und 1485 setzen. Allein, 
ob das Stück wirklich gegeben worden ist, wissen wir nicht bestimmt, und 
wenn die Bittschrift des Marchese Gattin noch als lebend nennt , so konnte 
sie bei der erst noch zukünftigen Aufführung schon verstorben sein ; für die 
Vorbereitung mufste man eine geraume Zeit in Aussicht nehmen. Ich halle 
es also für recht gut möglich , dafs das Datum das der Vollendung des 
Buches sei, welches dem Marchese mit der Bittschrift fertig überreicht ward, 
und dafs man dann die Aufluhrung, wenn sie wirklich stattfand, in den April 
1491 setzen müfste, s. Lit. Bl. f. germ. u. rom. Phil. 1889, Col. 64. Den Ver- 
fasser vermutet auch D'Ancona mit Recht in dem Fra Simone, der als Pre- 
diger fungiert. Es folgen schätzbare Bemerkungen über Versifikation, Sprache, 
mundartliche Bestandteile (zu viace, viazo, p. 183, n. 2, s. Caix, Studi d'Etitn. 
p. 4), eine Zusammenstellung der Andeutungen über die Bühneneinrichiung 
(die Didascalia Sia Egypto sopra el zafaldo de Lazaro verstand ich anders, 
s. Lit. Bl. ib. Col. 63) und eine Inhaltsangabe mit gelegentlichen Ouellcn- 
bezeichnungen. Was sich am Ende der Hs. findet, halte ich nicht für nn 
frammento di una Rappresentazione di Maddalena e Lazaro (p. 202, n.), son- 
dern nur für einen neuen Anfang, bestimmt für den Fall, dafs man den dies- 
bezüglichen Teil des grofsen Mysteriums gesondert darstellen wollte (s. Lit. 
Bl. ib. Col. 64). 

VARIETA. 

A. Graf, Spigolature per la leggenda di Maomctto, leih aus einem Ms. 
von Turin eine seltsame altfrz. Erzälilung in Versen über Mahomels Aufent- 
halt in Rom mil und eine Stelle aus Collcnuccio's Geschichte von Neapel. 

R. Renier, Per la Cronologia e la Composizione del Libro de natura 
de amore di Mario Equicola. Das Studium der in der Universitätsbibliothek 
von Turin vorhandenen Hs. des Werkes hat dem Verf. sehr interessante Re- 



248 BESPRECHUNGEN. A, GASPARY, 

sultate ergeben. Es ist der erste Entwurf der italienischen Übersetzung des 
ursprünglich lateinisch abgefafsten Buches; zahlreiche Änderungen, Streich- 
ungen und Zusätze selbst von ganzen Seiten hat dort ein anderer vor- 
genommen. Es ist dieses Mario's eigene Hand, dagegen die Übersetzung selbst 
nicht von ihm, sondern von einem Neffen. Ferner geht aus mehreren An- 
merkungen hervor, dafs Mario das Buch, d.h. den lateinischen Text, schon 
1495 verfafste, als er sich anschickte, seinem damaligen Herrn Sigismondo 
Cantelmi in den Krieg nach Neapel zu folgen, dafs 1509 die Übersetzung 
gemacht ist und 1511 die Korrekturen (der Druck fand erst 1525, nach 
mancherlei neuen Änderungen , statt). Auch die Dedikation , welche Renier 
publiziert, war im Namen des Neffen abgefafst, der hier mit Lebhaftigkeit 
für die Theorie Calmeta's eintritt , dafs die italienische Litteratursprache die 
römische Hofsprache und nicht das Toskanische sei. Zu Anfang seines Ar- 
tikels sammelt Renier die sicheren Daten der oft sehr entstellten Biographie 
Equicola's. 

A. Saviotti, Di titt Codice musicale del Secolo XVI, beschreibt die 
Hs. 1193 der Biblioteca Oliveriana von Pesaro, teilt eine Anzahl Lieder 
daraus mit und giebt zu ihnen Vergleiche und Erläuterungen. 

R. Wendriner, II Ruffiano del Dolce e la Piovana del Ruzante, weist 
nach , dafs Dolce's Stück nicht direkt aus Plautus' Rudens stammt , sondern 
aus Ruzante's Piovana, aus der es sogar einen Druckfehler der Ausg. 1558 
aufnahm. 

F. Novati, Per la Biografia di Benvenuto da Imola, zeigt, durch einen 
Brief Coluccio Salutati's, dafs Benvenuto Juli 1381 noch nicht den Commentar 
zur Komödie veröffentlicht hatte, dafs sein angeblicher Brief an Petrarca, 
wonach er ihn schon 1373 vollendete, apokryph ist, und, vermittelst eines 
Schreibens P. P. Vergerio's, dafs Benvenuto im Juni 1390 in Ferrara starb; ob 
aber gerade den 16., scheint mir nicht sicher, da doch wohl das heri in Ver- 
gerio's Brief zu audivi gehört (p. 267). Ferner wird (p. 263) die prima can- 
tica Datitis, deren Erklärung er Coluccio sandte, nach Dante's eigener Rede- 
weise das ganze Inferno sein, nicht dessen erster Gesang. 

RASSEGNA BIBLIOGRAFICA ; Morpurgo, El costume delle donne 
(Gorra illustriert das Gedicht durch Vergleichung mit franz. und ital. mittel- 
alterlichen Sittenlehren für Frauen; der Strom der Gelehrsamkeit, den der 
Verf. bei Gelegenheit dieser Gemeinplätze ausgiefst, ist etwas breit). 

BOLLETTINO BIBLIOGRAFICO. 

COMUNICAZIONI ED APPUNTI: A. Gaspary, // Giuseppe del 
CoUenuccio rappresentato a Ferrara nel I504' — Vitt. Rossi, Ancora di 
Doniizio Brocardo, Berichtigung zu Giorn. XIII, 445. — Polemica (Gaspary 
und Macri-Leone). 

CRONACA (p. 320 ff. kurze Anzeigen neu erschienener Bücher). 
Anno Vn. Vol. XIV, fasc. 3. 

F. Tocco, // Fior di Rettorica e le sue principali redaziotii secondo i 
codici fiorentini, gelangt durch das Studium der zahlreichen florentinischen 
Mss. zu dem Resultate , dafs von den beiden bekannten Redaktionen des 
Fiore die eine, Fra Guidotto beigelegte, welche verwirrt und widerspruchsvoll 
in der Anordnung ist, die ältere und ursprüngliche sein muss, und die andere, 
Bono Giamboni zugeschriebene, eine ordnende und regelnde Bf^arbeilung, und 



GIORNALE STOKICO DELLA LETTERATURA ITALIANA. 24g 

weist noch drei andere bisher unbekannte Bearbeitungen des Buches Gui- 
dotto's nach, von denen die eine, überhaupt die vollkommenste Redaktion, 
sich in der Hs. Ashburnh. 975 und in Gadd. 65 findet. An der Autorschaft 
Guidotto's für den ältesten Text und der Giamboni's für den zweiten zu 
zweifeln, sieht T. keinen Grund. 

A. Luzio, Nuove Ricerche sul Folengo , Schlufs. Im Oktober 1530 
übergab Teofilo Folengo seinem Verwandten Francesco die Umarbeitung des 
Baldtis, im Begriffe, mit seinem Bruder Giambattista nach dem Cap der Mi- 
nerva , der Punta della Campanella , südlich von Sorrento zu gehen. Hier 
lebten sie als Einsiedler; es war ihre Bufse, die Bedingung für ihre Wieder- 
aufnahme in das Kloster, wie Luzio (p. 368) aus einer Stelle der Widmung 
vor der Hutnanitä del FigUtiolo zeigt. Er weist ferner auch eine Beziehung 
zu Vittoria Colonna während des dortigen Aufenthaltes nach. Hier schrieb 
Teofilo sein Gedicht der Ifumanita in mönchisch asketischem Sinne; 1533 
ward es publiziert , und im folgenden Jahre erfolgte die Rückkehr in den 
Orden. Eine Zeit lang lebte er im Brescianischen und ward dann 1537 nach 
Sicilien geschickt. Für die letzten 7 Jahre seines Lebens vermochte L. nichts 
zu dem bereits Bekannten hinzuzufügen. ^ Es folgt nun (p. 373 ff.) eine Ver- 
gleichung der Alacaronea von 15 17 in nur 17 Büchern mit der von 1521 in 
25. Luzio zeigt, wie in der letzteren die Kunst des Verfassers sich bedeutend 
vervollkommnet hat, wie die erste Fassung, wenn auch schon reich an munterer, 
origineller Erfindung, doch bedeutend hinter der zweiten zurücksteht, wie die 
Scenen lebendiger, die Beschreibungen anschaulicher werden, die Dramatik sich 
mehrt durch Zusatz von Reden, und wie eine ganze Anzahl der wirksamsten 
Episoden und mancherlei Digressionen, in satirischer, aber auch in schmeichle- 
rischer Absicht, zugefügt sind. Er bemerkt, dafs das satirische Element erst 
in der zweiten Fassung zu seiher bedeutenden Entwickelung kommt. Zu weit 
geht er vielleicht, wenn er (p. 379) von der castigatezza des Verfassers im 
Jahre 15 17 redet, che rifugge da ogni accenno licenzioso; man las doch auch 
damals schon z. B. von der Berta , die vom Zaune kopfüber herunterstürzt : 
Fecit scoperto soletn tenebrare qiiaderno, cet., und die folgende Invektive 
gegen die Frauen scheint mir von keinem so mönchischen Geiste inspiriert; diese 
Schmähung der Treulosen war ja ein Gemeinplatz , und der Dichter selbst 
nimmt die wenn auch wenigen Ehrbaren aus. Aus diesem Verhältnis der beiden 
Redaktionen meint Luzio schliefsen zu dürfen, dafs die erste im Kloster be- 
endet ward, nachdem ein Teil während der Studentenzeit in Bologna abgefafst 
worden^; es habe sich in die ehemalige lärmende Heiterkeit etwas von mön- 
chischem Geiste gemischt; dann sei die Enttäuschung gefolgt und hätte die 
zweite Fassung mit ihrem beifsenden Spott auf die Mönche hervorgebracht. Die 
bedeutendsten Unterschiede weist L. auch im Style nach. Es ist lehrreich 
zu sehen, dafs, wie in allen wahrhaften Kunstwerken, so auch in dieser Dich- 
tung Folengo's die sorglichste Arbeit der Feile stattgefunden hat , wie will- 



' S. 371, n. 2 ist der Schlufs aus einigen wenig beweisenden Stellen, 
dafs Folengo bis zur Flucht aus dem Kloster yion partisse mai dal manto- 
vano , wohl übereilt. Sicher war er unter Julius II. in Rom, s. Orl. V 27: 
Con queüa rabbia che utt leon tra' cani Vidi cacciarsi sotto (Jiulio a Roma . . 

^ Vielleicht liefsen sich damit auch die Verse Orl. III 65 vereinigen, 
welche ich Ztschr. XIII 590 angeführt habe. 



250 BESPRECHUNGEN. A. GASPARY, 

kürlicli auf den ersten Blick die Form erscheinen mag ; nicht viel Verse sind 
es, die ganz unberührt blieben. 1 5 1 7 war der Verfasser noch zurückhaltender 
und klassischer; 1521 tritt er kecker auf und ersetzt sehr häufig einen latei- 
nischen Ausdruck durch den der Vulgärsptache oder des Dialektes , was die 
Komik und die Gleichmäfsigkeit der Färbung vermehrt. Man kann daneben 
beobachten, dafs die Lautverhältnisse 15 17 stärker mantuanisch und 1521 etwas 
mehr toskanisiert sind. — Diese Vergleichung der allgemein bekannten Form 
von Folengo's Werk mit der vorangegangenen, schwer erreichbaren Redaktion 
fehlte bis jetzt, und Luzio hat mit ihr eine empfindliche Lücke in unserer 
Kenntnis von der Entwickelung des Dichters ausgefüllt.^ Mit der Moschaea 
und der Zanitonella beschäftigt er sich nicht, weil sie erst 1521 erschienen; 
allein die Ausgabe von 1517 enthielt noch zwei Eclogen, welche, mit starken 
Änderungen , die erste zur 7. bei Portioli , die zweite zur 6. umgearbeitet 
worden sind. Diese beiden Eclogen bilden aber auch in der Ausgabe von 
1521 ein Ganzes für sich, gehören nicht zur Zanitonella, wie Portioli, p. 41, 
mit Unrecht meinte. In der alten 2. Ecloge gab Pedralus von seinem ver- 
storbenem Weibe Bertolina ein grotesk zärtliches Porträt, welches Folengo 
1521 in den Baldus aufgenommen und gegen Ende des 4. Buches Tognazzus 
in den Mund gelegt hat. — Auch die Ausgabe von 1521 entsprach nicht 
ganz den Intentionen des Autors, da sie der Buchhändler nur halb nach 
dessen Autograph gemacht haben will. Luzio erklärte es auch daraus (p. 392), 
dafs sich in ihr manche unvollständige Verse finden, die es 15 17 nicht waren. 
Ich halte diese halben Verse vielmehr für absichtliche Parodierung derjenigen 
in der Aeneis; auch die Ausgabe von 15 17 hat deren einige (fol. 46 und 47 
der ed. 1520), und die von 1521 vermehrt sie wie die anderen Elemente der 
Komik. Die Ausgabe von Cipada, welche die dritte Redaktion enthält, ist 
jetzt nur in einem Exemplar bekannt; aber sie ward 1555 von Boselli in 
Venedig reproduziert, während der angebliche Vigasus Cocaius (1552) sie zu 
Grunde legte, aber vielfach willkürlich entstellte; diese Ausgabe von 1552 
ward dann öfters abgedruckt. ^ Dafs man des Autors definitive Redaktion so 
sehr vernachlässigte, beruht nach Luzio wohl darauf, dafs Francesco Folengo's 
Vorrede über sie eine falsche Meinung erweckte, als ob der Autor sie reuevoll 
gereinigt hätte. Das ist aber nicht der Fall ; man streute einem gewissen 
Teil des Publikums oder vielleicht den Pfaffen Sand in die Augen. In 
Wahrheit hat die Satire eher an Schärfe und Kühnheit zugenommen. Und 
so ist der Verfasser auch sonst auf dem eingeschlagenen Wege fortgeschritten, 
hat von neuem mit realistischer Ausmalung erweitert, hier und da neue Züge 

1 Die Sorgfalt von des Verfassers Arbeit kann ich bezeugen, da ich vor 
einiger Zeit in den Besitz eines Exemplars der ersten Redaktion gelangt bin. 
Es ist ein solches des Abdrucks von 1520; jedoch fehlt, abgesehen von zwei 
Lücken im Innern, das letzte Blatt mit dem Datum ; das vorletzte ist CVIII 
statt CXVIII nummeriert, wodurch Molini, der solch' Exemplar ohne das 
letzte Blatt vor sich gehabt haben mufs , zu seiner Notiz einer angeblichen 
3. Ausgabe vor 1521 mit nur 108 Blättern kam. Ich will auch bemerken, 
dafs sich ein Exemplar der Ausgabe von 1521 in der Bibliothek des Schlosses 
Fürstenstein befindet. 

2 Auch die französische Ilistoire Maccaronique de Merlin Coccaie, 
welche P. L. Jacob Bibl. 1859 neu herausgab, ist Übersetzung des Textes von 
Vigasus Cocaius. 



GIORNALE STORICO DRLLA LKTTERATUKA IIALIANA. 25 I 

der Komik und Siltenschilderung hinzugefügt ; die dritte Bearbeitung hat 
3000 Verse mehr als die zweite. Luzio giebt indessen selbst zu (p. 417), dafs 
Folengo auch öfters des Guten zu viel gethan hat, dafs er weitschweifig und 
flach geworden ist und an manclien Stellen fa desiderare la sveltezza briosa 
della Toscolana. Der von ihm p. 415 citierte Passus gegen die Sbirren ge- 
nügt, um sich von der Richtigkeit dieses Urteils zu überzeugen ; hier hat die 
Überladung mit Detail der Wirkung des Ganzen geschadet. Bei einem Werke 
wie das Folengo's wo kein bedeutendes Interesse das Ganze durchdringt, 
sondern der Wert in den einzelnen Scenen beruht, liegt die Gefahr nahe, dafs 
mit immer weiterer Ausführung die Proportion verloren gehe ; schon in der 
Ausgabe von 1521 fehlt es an Längen nicht. Auch sind in der 3. Bearbeitung 
einige wertvolle Stücke beseitigt worden. Die Sprache hat gleichfalls wieder 
einen Fortschritt zu noch gröfserem Reichtum an Vulgarismen gemacht (jedoch 
sind p. 415 gewisse Varianten der Toscolana vernachlässigt, wo sie umgekehrt 
das vulgäre Wort darbot). Indessen bleibt natürlich immer die Phrase doch 
lateinisch ; die vulgären Ausdrücke sind in der Minderzahl gegenüber den 
klassischen ; das ist der Charakter des Macaronismus ; in diesem Widerspruch 
liegt die Komik. Was ich bei Luzio vermisse, ist eine Bemerkung über die 
Verwendung des korrekten Lateins, welche bei Folengo stets kunstvoll und wirk- 
sam geschieht. Er selbst sagte in seiner Apologetica (bei Portioli I, p. LXXV), 
er schreibe korrekt, wenn er von Gott und den Heiligen rede, und so sind häufig 
ernstere Stellen von Macaronismus ganz oder fast ganz frei. Hier hat er denn, 
gegen das sonst von Luzio nachgewiesene System, mehrfach die Form in der 
zweiten Fassung gegenüber der ersten reiner klassisch gestaltet, wie man bei 
Portioli, II 50, 62, 67 sehen kann. Wie mag sich also in dieser Hinsicht die dritte 
Redaktion verhalten ? Ist diese letztere nun im Ganzen die vollkommenste ? 
Man kann darüber nicht urteilen, ohne sie vor sich zu haben. Luzio meint 
es in der That, gesteht doch aber selbst, dafs sie auch wieder zuweilen hinter 
der älteren Bearbeitung zurückstehe, und wenn er daher Recht darin hat, dafs 
man wohl das Werk in der Gestalt abgedruckt sehen mochte, welche nach 
des Autors Willen die definitive war, so möchte man auch die zweite Fassung 
nicht entbehren und mufs , nach wie vor, Portioli dankbar sein , dafs -er sie 
in ihrer Reinheit allgemein zugänglich machte.' 

VARIETA. 

P. Villa ri, Una Lettera del Savonarola a Lodovico il Moro. Dieser 
Brief vom II. April 1496, der den Fürsten in Hinblick auf das Italien drohende 
Verderben zur Bufse mahnt, war bisher nur aus Lodovico's Antwort bekannt. 
Das Autograph kam in der Sammlung Morbio bei der Versteigerung in Leipzig 
zum Vorschein, um, ehe es verkauft worden, wieder zu verschwinden ; jedoch 
war davon eine Phototypie genommen worden. — Flaminio Pcllegrini, 
La Chiose all' Inferno edite da F. Selmi e il Cod. Marc. Ital. cl. IX, 179, 
zeigt, dafs die Glossen in einer Pariser Hs. nicht, wie Selmi meinte, aus den 
von ihm publizierten stammen, sondern umgekehrt das Original der Chiose 



' Portioli selbst in seiner soeben erschienenen neuen Ausgabe von Or- 
landino und Chaos {Maccheroniche di Merlin Cocai, vol. HI, Mantova, 1889, 
p. CXV) ist nicht geneigt, der Ausgabe von Cipaiia vor der Toscolana einen 
Vorrang zuzugestehen. 



252 BESPRECHUNGEN. A. GASPARY, 

Selmi's sind, die sie verkürzen, und weist in dem Cod. Marc, eine Hs. der 
ausfuhrlicheren und ursprünglicheren Fassung nach. — G. Sforza, Girolamo 
Gigli e r Accademia degli Oscuri di Lucca, giebt aus dem verlorenen und von 
ihm selbst wiedergefundenen Register des Sekretärs Giulio Marchini Nachricht 
von Gigli's Beziehungen zur Akademie, als er ihr 171 7 seine Ausgabe der 
Opere di S. Caterina schenkte und dafür zum Mitgliede ernannt ward. 

RASSEGNA BIBLIOGRAFICA: V. Crescini. II Cantare di Fiorio e 
Biancifiore (Gaspary). — Z. Amaduzzi, Undici lettere inedite di Veronica 
Gambara (Renier, Bemerkungen über Veronica's Beziehungen zu den Gon- 
zaga). 

BOLLETTINO BIBLIOGRAFICO. 

COMUNICAZIONI ED APPUNTI: F. Novati, Dante e ü Petrarca, 
dafs das lateinische Lobgedicht auf Dante, welches Mortis nach dem Zeug- 
nisse einer damals im Besitze Morbio's befindlichen Hs. Petrarca beizulegen 
geneigt war, vielmehr von Benvenuto von Imola herrührt. 

CRONACA, Zeitschriften, neue Bücher. 

Anno VIII, Vol. XV, fasc. 1—2. 

G. Volpi, La Vita e le Rinie di Simone Serdini detto il Saviozzo. 
Der Verf. gründet seine biographischen Nachrichten vorzugsweise auf die 
interessanten von Appel publizierten Rubriken der Gedichte Saviozzo's in 
der Hs. Hamilton 500, daneben aber auch auf andere Dokumente. Der 
Familienname ist nach ihm nicht Forestani, sondern Serdini ; die Geburt des 
Dichters setzt er um 1360. 1388 und 89 ward er wegen blutiger Händel zu 
hohen, Geldstrafen verurteilt, und, da er sie nicht bezahlte, mufste er Siena 
verlassen, war 1396 beim Grafen von Poppi, dann kurze Zeit in Florenz, 
kehrte im August 1400 nach Siena heim , war 1401 Prior, stand hierauf 
wahrscheinlich im Dienste der Malatesta und ward endlich Sekretär des Con- 
dottiere Angelo da Lavello gen. il Tartaglia. Von seinem Herrn ins Ge- 
fängnis in Toscanella geworfen, tödtete er sich 1419 oder 1420, nachdem er 
eine disperata voll fürchterlicher Verwünschungen und diabolischer Ver- 
zweiflung gedichtet hatte. Weiter handelt Volpi von den Liedern dieses 
fruchtbaren Dichters, besonders eingehend und treffend von den politischen, in 
denen man keine prinzipiellen Überzeugungen suchen mufs , und stellt mit 
Recht Saviozzo's Dichtung im allgemeinen bezüglich des künstlerischen Wertes 
nicht hoch. Es folgt eine umfangreiche Bibliographie, eine Darstellung 
des metrischen Baues der Poesien , und am Schlüsse sind drei Gedichte ab- 
gedruckt. 

F. Macri-Leone, La Politica di Giovanni Boccaccio, findet in Boc- 
caccio nicht den entschiedenen Guelfen und Parteigänger, aber doch „den 
idealen Ausdruck der florentinischen Politik des 14. Jahrhunderts" in den 
demokratischen Tendenzen, in dem Hasse gegen die Tyrannen. Er rühmt 
seinen Freimut, auch im Urteil über das neapolitanische Königshaus, und sucht 
zu zeigen, dafs zwischen den Eclogen III und VIII einerseits und IV, V, VI 
andererseits kein eigentlicher Widerspruch bestehe. Dieser Nachweis scheint 
mir sophistisch; dafs Boccaccio im Briefe an Zanobi da Strada und in Ecl. 
III auf Seiten des Ungarnkönigs steht, dem er mit seinem Herrn Francesco 
Ordelaffi sich zu folgen anschickt , und in Ecl. IV — VI umgekehrt lebhaft 



GIORNALE STORICO DELLA LETTERATURA ITALIANA. 253 

gegen jenen und für die Anjou Partei nimmt, ist nicht zu leugnen; er legt 
seine AVorte hier anderen Personen in den Mund; aber er wählte sich doch 
diese Personen selbst zur Äufserung seiner Meinung oder als Sprachrohr 
seiner Schmeicheleien. Das spätere so übertrieben günstige Urteil über die 
Königin Johanna erklärt der Verf. aus einem wirklichen Wechsel der Über. 
Zeugung. Mit der Neigung für die Dynastie der Anjou verbindet sich natur- 
gemäfs die Feindseligkeit gegen die deutschen Kaiser, und während Boccaccio 
seine Vaterstadt und deren Freiheit liebt und preist, urteilt er doch streng 
über die unwürdigen Bürger, welche das Regiment in Händen haben. Dieses 
wird hier besonders an Ecloge VII und IX gezeigt, welche sich auf das Ver- 
hältnis der Florentiner zu Karl IV. beziehen. Im allgemeinen hat der Ver- 
fasser den Charakter Boccaccio's, der ohne Zweifel ja ein braver Mann war, 
doch in gar zu idealer Höhe dargestellt. 

G. Rua, Intorno alle Piacevoli Notti dello Straparola, Bibliographie 
der Ausgaben mit Bemerkungen über die späteren Verstümmelungen, Unter- 
suchung über gewisse Quellen der Novellen, über das Jahr (1536), in welches 
der Verf. deren Erzählung setzt, und über die Rätsel. Die Illustration der 
einzelnen Novellen soll die Fortsetzung bringen. 

E. Percopo, Laudi e Devozioni della cittä di Aquila, Fortsetzung 
(No. XXXVni— XLVI). 

R. Köhler, Illustrazio7ii comparative ad alcune 7iovelle dt Giov. Ser- 
cambi (zu No. 121, 128, 141). 

VARIETA, 

Vittorio Rossi, Di una Rimatrice e di un Rimatore del See. XV, 
Nachrichten von Girolama Corsi Ramos und deren Bruder Jacopo Corsi, so- 
wie von ihren Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrh. entstandenen, bisher 
unbekannten Liedern. Von der ersten ist unter anderem eine anmutige Bar- 
zelletta {lo son fatta villanella, p. 190) mitgeteilt, von letzterem eingehender 
die Poesieen besprochen , welche sich auf historische Persönlichkeiten und 
Ereignisse beziehen. 

E. Gorra, Uautore del Pecorone, bemerkt, dafs nicht nur die Sprache, 
sondern auch die florentinische Herkunft so vieler Personen in den Novellen 
uns bestimmen mufs, den Verfasser für einen Florentiner zu halten, und sucht 
dann wahrscheinlich zu machen, dafs es ein Messer Giovanni di Ser Frosino, 
giudice war, welcher 1378 aus Florenz nach Forli konfmiert wurde. Ein 
Hindernis, die Vermutung des Verf. zu acceptieren, bildet dieses, dafs der 
Autor des Pecorone sich selbst Ser tituliert und so auch in der Überschrift 
des Sonetts von Maestro Francesco (p. 232) genannt ist, also Notar war, 
während Gorra's Giovanni di Ser Frosino Richter war und an allen von ihn 
citierten Stellen Messere tituliert ist. Aus jenem zuerst hier publizierten 
Sonett, in welchem der Arzt Francesco da Colligrano Ser Giovanni mahnt, 
ihm sein Versprechen zu erfüllen und Getreide zu senden, und welches bis 
heut', abgesehen von seinem Buche, die einzige sichere Spur von Ser Gio- 
vanni's Existenz ist, schliefst G. mit Recht, dafs derselbe nach Florenz heim- 
gekehrt war, aber nicht ebenso überzeugend noch anderes. Meister Fran- 
cesco sagt : lo non vorrei entrar nel pecorone Per troppa fede per speranza 
dare D'avere d^oggi in domane ad aspettare Quel che m'alunga ognor nostro 



254 BESPRECHUNGEN. A. GASPARY, 

(1. vostro) sermojie. Das heifst, wie ich meine: „ich möchte durch mein zu 
grofses Vertrauen und eure leeren Versprechungen nicht zum Narren werden, 
nicht ein Narr, wie die in eurem Buche", "und beweist nicht, dafs dieses 
Buch damals noch nicht vollendet war. Gorra entnimmt aus den Worten 
ritrovandomi io a Dovadola . . . nel 1378, dafs die Vorrede nicht mehr in Do- 
vadola geschrieben sei (p. 231) und er glaubt, wie Landau, die Stelle in VII 2 
Egli ebbe in Rotnagna . . . un valente signore e barone , il quäle ebbe nome 
7>iesser Galeotto Malatesti, che fu . . . bezeichne den Genannten schon als 
todt, so dafs der Pecorone nach Jan. 1385 beendet sein müsse. Aber die 
Präterita gestatten bei mittelalterlichen Autoren diesen Schlufs ohne weiteres 
nicht immer, wie SchefFer-Boichorst, Aus Dante' s Verbannung, p. 204 f. zeigte. 
Jene Novelle spielt nun allerdings frühestens 1378; aber XVIII l, wo die 
Reihe der Kaiser seit dem 10. Jahrh. bis auf die Gegenwart aufgezählt ist, 
wird Karl IV. immer noch als der letzte genannt, so dafs also das Buch 1378 
nicht blofs angefangen, sondern auch geschrieben scheint. 

F. Fla mini, Due Canzoni di Andrea da Pisa d'argomefito storico; 
von den beiden an Filippo Maria Visconti gerichteten Gedichten ist das erste 
auf den Tod Braccio's da Montone teilweise, das zweite auf die Geburt von 
Filippo Maria's Tochter Bianca ganz abgedruckt. 

G. Castelli, Nuove Ricerche su Cecco d'Ascoli, giebt als Resultate 
seiner Forschungen einige Behauptungen, ohne sie zu beweisen, und teilt eine 
biographische Notiz über Cecco aus den Papieren Colocci's mit, welche ge- 
ringen Wert hat. 

RASSEGNA BIBLIOGRAFICA: L. Donati, Fottetica , morfologia e 
lessicp della Raccolta d'esempi in antico veneziano (Salvioni, mit begründetem 
Tadel; aber anstatt so eingehend eine nach dem Rec. wertlose Arbeit zu 
prüfen, wäre es erspriefslicher gewesen, die Untersuchung neu zu machen). — 
G. Gietmann, Beatrice; M. Scherillo , Alcune fonti provenzali della Vita 
Nuova (Renier; Gietmanns Buch erntet ein Lob, welches es nicht verdient). 
— Tasso, Gerusaletnfne con comtnento di S. Ferrari (Solerti). 

BOLLETTINO BIBLIOGRAFICO (Anzeigen von Knust, Geschichte 
der Legenden der h. Katharina von Alexandrien und der h. Maria Aegyp- 
tiaca ; Macri- Leone, La Bucolica latina nella letteratura ital. del sec. XIV; 
Castiglione, Cortegiano ed. Rigutini; Castellani, La stampa a Venezia; Ora- 
zione di S. Basilio Magno volgarizz. da Ant. Ridolfi ; Bracciolini, Psiche ecc. 
ed. Menghini; Goldmann, Mabillons Briefe an Cardinal Leander Colloredo ; 
Lednij, Cronaca dei Vescovi di Todi). 

COMUNICAZIONI ED APPUNTI: A. Gaspary, Di una fönte f ran- 
cese del Marino, über Benutzung von Cl. Marots Temple de Cupido im 16. Ges. 
des Adone. — A. Solerti, Di alcuni manoscritti di T. Lasso e di altri 
autori, Nachricht von denjenigen Autographen Tasso's, welche unter den von 
Muratori in der estensischen Bibliothek aufgezählten seitdem verschwunden 
waren, und die jetzt Solerti im Besitze der Marchesi Molza in Modena v/ieder- 
geiunden hat, sowie von einigen anderen wertvollen Hss. dieser Privat- 
sammlung. — R. Wendriner, Ancora del Ruffiano del Dolce, macht be- 
kannt, dafs es von diesem Stücke schon eine Ausgabe von 1552 giebt, welche 
zu einigen kleinen Berichtigungen bezüglich eines früheren Artikels in Giorn. 
XIV vcranlafst. — E. Percopo, A proposito delle Ricerche abruzzesi, einige 



IL PROPUGNATORE. 255 

Berichtigungen zu der Arbeit von De Bartholomaeis. — E. Percopo, A 
proposito della tomha di Virgilio, mehrere Zeugnisse und Äufserungen über 
das Virgilsgrab aus späterer Zeit zu der Schrift Cocchia's. 
CRONACA. Zeitschriften und andere Publikationen. 

A. Gaspary. 



n Propugnatore, N. S., vol. II, parte I, fasc. 1—2. Gennaio- Aprile 1889. 
Fase. 3. Maggie -Giugno 1889. Parte II, Fasc. 4. Luglio-Agosto, 1889. 
C. e L. Frati, Indice delle Carte di Pietro Büancioni, publizieren aus 
den in die Communalbibliothek von Bologna gekommenen Papieren des 1877 
gestorbenen Bilancioni den Inde.x der lyrischen Poesieen des 13., 14. und 
grofsenteils 15. Jahrb., welchen der Verf. in langjähriger Arbeit zusammen- 
gestellt hatte. Heute erfordert natürlich dieses Verzeichnis, in dem übrigens 
schon damals die Angabe der Drucke nicht stets vollständig war, manche 
Ergänzungen, ist jedoch immer noch wertvoll durch reiche Bibliographie der 
italienischen und ausländischen Hss. und würde dem, welcher ein definitives 
Liederverzeichnis anlegen wollte, eine vortreffliche Grundlage gewäihren. Der 
erste Abschnitt des alphabetisch nach Autoren geordneten Index , der hier 
erscheint, reicht nur bis Arriguccio und füllt schon 90 Seiten, da er Dante 
und Cecco Angiolieri mit umfafst. Indessen hätte Raum gespart und das 
Ganze übersichtlicher gemacht werden können, wenn die Citate von Mss. und 
Büchern nicht immer in ganzer Länge wiederholt worden wären; auch andere 
Vereinfachungen waren nach dem Vorbilde von Bartschs und Raynauds Ver- 
zeichnissen prov. und altfrz. Lyrik möglich. 

A. Medin, Ballata della Fortuna. Der Verf. bemerkt mit Recht, wie 
grofses Interesse eine Untersuchung über die Auffassung der Fortuna im Mittel- 
alter und der Renaissancezeit und eine Feststellung der Entwickelung in der- 
selben haben würde ; wer diesen Gegenstand behandeln wollte, würde freilich 
durch die ungeheure Masse des Stoffes in Verlegenheit gesetzt werden. Me- 
din selbst bezeichnet nur in den Hauptzügen, mit Hervorhebung einer Anzahl 
charakteristischer lateinischer, französischer' und italienischer Gedichte, die 
Vorstellung, die man von Alters her ausgebildet hatte und die am Ende des 
Mittelalters die herrschende war. Auf ihr beruht auch das Gedicht, welches 
er aus einer Magliab. Hs. veröffentlicht. Frate Stoppa's Ballade von der For- 
tuna , die in ihrer Zeit sehr populär war, so dafs sie z. B. Sacchetti als all- 
bekannt ohne Autornamen citierte, ist hier von einem populären Dichter aus 
Florenz zu einer neuen Behandlung des Themas in 18 Strophen benutzt, und 
an diese hat der Schreiber des Ms. Zanobi di Pagolo Perini noch 21 Strophen 
gehängt. Die Ballade hat vor der Frate Stoppa's dieses voraus, dafs sie die 
Beispiele des Glückswechsels aus der gleichzeitigen Geschichte entnimmt. Zu- 
gleich hat auf den V^erf. Dante's Darstellung der Fortuna sichtlich gewirkt. 
Nach den erwähnten historischen Thatsachen schliefst Medin auf Entstehung 



• Die Darstellung der Fortuna und ihrer W'dhimng im Romun de la 
Rose stammt aus Alanus' Anticiaudian. 



256 BESPRECHUNGEN. A. GASPARY, 

im Jahre 1407. Anhang l giebt aus dem unedierten 3. Bande von Ghirar- 
dacci's Historia di Bologna die Erzählung /des Turniers, welches am 4. Okt. 
1490 in Bologna aus Anlafs eines Streites über den Vorrang von Weisheit 
oder Glück mit einem Disput zwischen Sapienza und Fortuna statthatte, An- 
hang II eine rohe Bearbeitung von Frate Stoppa's Ballade aus einer venet. 
Hs. von Mitte des 15. Jahrh. 

G. Mazzatinti, Laudi dei Disciplinati di Guhbio , vollständiger Ab- 
druck der M. gehörigen Laudenhs. des 14. Jahrh., die er Giorn. di Fil. Rom. 
III 85 fF. bekannt gemacht hatte, p. 153 ff. publiziert M. ein von ihm in der 
Biblioteca Sperelliana zu Gubbio gefundenes Scenarium eines geistlichen Schau- 
spiels der heil. Mariano und Jacomo, wie er annimmt desselben, welches 1447 
in Gubbio aufgeführt wurde; aber die Einteilung in Akte und Scenen und die 
Anlage nach der Weise des klassischen Dramas (nicht des Mysteriums) deuten 
auf eine spätere Zeit; die Hs. ist aus dem 16. Jahrh. In dem Texte der 
Landen 1. III 29 la inorte statt Vamore (cfr. IX 5); IV 21 dimandi statt ti 
tnandi; 22 ad st. da; V 21 devea st. vedea; IX 20 de Porno st. dolemo; X 
219 ella St. elli: XIII 19 Fa st. Fia. 

T. Casini, Notizie e documenti per la storia della poesia italiana nei 
sec. XIII e XIV, II: Due antichi repertori poetici, Publikation zweier im 
15. Jahrh. in Oberitalien niedergeschriebener Liedersammlungen, hier zunächst 
nur ein Teil der einen, des Cod. Magliab. VII 10, 1078, volkstümliche Balladen, 
wohl noch dem Ende des 14. Jahrh. angehörig und meist in Oberitalien ent- 
standen. Casini hat den Gedichten eingehende Erläuterungen beigegeben. 

G, Di Nisciä, La Gerusalemme Conquistata e VArte Poetica di 
T. Tasso. Dieser erste Abschnitt der Arbeit sucht die von Cherbuliez ge- 
äufserte und von Mazzoni verteidigte Ansicht zu widerlegen , dafs Tasso schon 
kurz nach Vollendung der Gerusaletnme Liberata ernsthaft an deren Um- 
bildung im Sinne der späteren Conquistata dachte. Die Änderungen, die der 
Dichter damals vornahm, bezogen sich vielmehr auf die noch unvollkommenere 
Form des Werkes, die er Scipione Gonzaga zur Censur gesandt hatte ; ihre 
Absicht war, die künstlerischen Fehler zu beseitigen, ohne den Charakter des 
Gedichtes anzutasten, und ihr Resultat die Gerusalemme Liberata, wie sie die 
1581 erschienenen Ausgaben bieten. In den Briefen versprach er allerdings 
viel mehr, um seine Censoren zu begütigen ; aber er redete damals nicht aus 
innerer Überzeugung, verhiefs, sich dem Zwange der Zeiten zu bequemen, um 
die Druckerlaubnis in Rom zu erhalten, und schwerlich würde er sich ent- 
schlossen haben, wirklich so grofse Opfer zu bringen. Der Verf. bezeichnet 
nach den Briefen mehrere Stellen, welche im ursprünglichen Ms. verschieden 
waren, und eben in der Ger. Lib. stehen so wie sie aus der Revision hervor- 
gingen. Zwei Mal hat der Dichter einen Überbleibsel der älteren Fassung 
zu tilgen vergessen, der nun dem Leser ganz unverständlich bleibt. Ja für 
eine dieser Stellen blieb er selbst, von Lombardelli um Erklärung des Rätsels 
gebeten, die Antwort schuldig {Lettere II 398). Ubaldo und Carlo tödteten da 
auf der Insel Armida's ein aus Menschen- und Tiergestalt zusammengesetztes Un- 
geheuer, welches Thorwächter des Palastes war. Dafür ward dann die Episode 
des fönte del riso eingesetzt {Lett. I 134); aber die Erwähnung des erschlagenen 
Ungeheuers blieb Ger. XVI 35 stehen. Hier sind uns auch die ausgemerzten 
10 Stanzen, die den Kampf beschrieben, erhalten und aus einer Hs. in den 



IL PROrUGN ATORE. 257 

Varianten zur Gertisalenime mitgeteilt in der Ausgabe von Tasso's Werken 
Venezia 1722. — Störend ist es, dafs der Verf. statt Ckerbuliez konsequent 
Cherbouliez hat drucken lassen. 

MISCELLANEA: T. Casini, Lauda inedita di Mattco Griff oiii, aus 
Cod. Rice. 1121, an die Jungfrau, beginnt: Rcma preciosa. — E. Tcza, Os- 
servazioni di uti lettore, III. Sormonda, Notiz über eine 1764 gedruckte Tra- 
gödie Tommaso Giuseppe Farsetti's von Wilhelm von Cabestanh und dem 
gegessenen Herzen, im Geschmack <\txOrbecche. — IV. Dantiana, über die Form 
der Schlangennamen in Ittf. 24,86 besonders faree gegen lat. pareas. Der 
Lucere aus Florenz bei Giov. Villani (p. 309) stammt aus einer Redaktion der 
I'afti di Cesare, s. Parodi in Studi di Fil. Rom. IV 485. — V. Dolci, dolci, 
von einer übertreibenden Nachahmung der Repetition von Petrarca's Dolci 
ire, dolci sdegni in italienischen Terzinen eines Spaniers des 16. Jahrh. — 
VI. La parola Decameron, vermutet, wegen der Inkorrektheit der Bildung, 
dafs dieser Titel gar nicht von Boccaccio, sondern von einem Kopisten her- 
rühre. — VII. / cinque canti del Camilii, vom Druck dieser Fortsetzung der 
Gerusalemme in der seltenen Ausgabe von Mantua 1584, und andere biblio- 
graphische Notizen zu Tasso. 

Fase. 3. Maggio - Giugno 1889. 

F. Fla mini, Versi in inorte di Giuliano de' Medici (1478), publiziert 
einen volkstümlichen Lamento auf Giuliano's Tod , dessen lange vermifsten 
alten Druck er in der Communalbibliothek von Siena wiedergefunden hat, 
lind ein Capitolo auf denselben Gegenstand aus einer Hs. der Marucelliana, 
wo es Luigi Pulci beigelegt ist. 

F. Pellegrini, Di un ignoto poema dHtnitazione Dantesca, P'ortsetzung 
der Arbeit von M. Cornacchia in Propugn. N. S. I 2**, giebt Analyse und 
Proben der anderen zwei Bücher des anonymen Poems, in denen die Seele 
zum Leibe redend ihn über die Tugenden belehrt, im 2. über die theologalen, 
im 3. über die kardinalen. Auch diese Bücher sind zum gröfsten Teile Vcr- 
sifikationen lateinischer theologischer Traktate und bieten noch weniger Inter- 
esse als das I. Buch. S. 376 1. Dl: manda tosto colui che raff'reni Nella tiia 
chiesa tanta simonia. 

G. Taormina, Di uii passo controverso neW Orlatido Furioso. Es 
handelt sich um XLII 8, wo, nach Mitteilung der verschiedenen Erklärungen, 
die mit wenig Glück versucht worden, der Verf vorschlägt, nach v. 5 stärkere 
Interpunktion zu setzen und nach 6 gar keine so dafs mit 5 der Vergleich 
schliefst, und v. 6 sich schon auf den Angriff Orlando's gegen Agraniante 
bezieht: A cid lascio alla coda . . . giimse , d.h. ,, gegen den, welchen er 
hinter sich gelassen hatte", als das Rofs mit ihm durchging. Diese Deutung 
ist besser als irgend eine der sonst gegebenen ; doch gesteht der Verf. selbst, 
dafs immerhin Ariosto sich dann sehr nachlässig ausgedrückt hätte. 

G. Di Niscia, La Gerusalemme Conquistata e Parte poetica di T. 
Tasso (Fortsetzung), führt weitere Briefstellen zum Beweise dafür an, dafs in 
den ersten Jahren nach dem Drucke Tasso nur an eine Feile, nicht an eine 
Umgestaltung des Poems dachte, und der Gedanke der Conquistata sich erst 
später (1585) zeigt, wonach er freilich selbst den Schein zu erwecken suchte, 
dafs die frühere Gerusalemme nie recht seinen Absichten entsprach. 
Zcitsclir. f. rolii. l'liil. XIV. |t 



258 BESPRECHUNGEN. A. GASPARY, 

G. Zannoni, // Macaroidos di Ber7iardino Stefotiio , publiziert nach 
den in Rom befindlichen Hss. das bisher unbekannte macaronische Poem des 
Jesuiten Bernardino Stefonio , welches um 1595 entstanden ist. Der Verf. 
schildert in diesem Gedichte mit frischem Humor und geschickter Parodierung 
der Aeneis den Kampf des Königs Machero an der Spitze des Volkes der 
Pasten gegen Fasolus, den Anführer der Hülsenfrüchte; um die Herrschaft in 
Sicilien, den Sieg des ersteren und die Feier seines Triumphes. Diese wunder- 
baren Begebenheiten sind dargestellt als ausgemeifselt in den Käsewänden 
des köstlichen Palastes von König Gnoccus und Madama Frappa am Fufse 
des Aetna. 

MISCELLANEA : G. Ferro, Antiche Iscrizioni Veneziane in volgare, 
zeigt, dafs die in Monaci's Crestomazia p. 41 abgedruckte angeblich älteste 
Grabinschrift in venetianischer Mundart nicht von 1249, sondern von 1269, 
ja, nach Cicogna's Vermutung vielmehr wohl von 1369 war, und publiziert 
selbst eine Anzahl solcher Inschriften aus dem 14. Jahrh., die älteste von 
1310. — A. Belloni, Testi, Tassoin Marino P stellt fest, dafs das an Carlo 
Emanuele von Savoyen gerichtete Gedicht gegen Spanien in Vierzeilen : Carlo, 
quel generoso invitto core sicher von Fulvio Testi ist, da es sich in der von 
ihm selber Carl Emanuel gewidmeten Ausgabe seiner Rime von 161 7 findet, 
und zeigt, dafs der Pianto d'Italia in Oktaven: Era la notte e V pigro 
Arturo avea, unter den drei Autoren , denen man ihn zuschrieb , Marino , 
Tassoni, Testi, wenigstens am wahrscheinlichsten gleichfalls dem dritten zugehört, 
Marino aber ohne guten Grund beigelegt worden ist. 
Parten, Fase. 4. Luglio- Agosto, 1889. 
M. Barbi, Degli Studi di Vincetizo Borghini sopra la storia e la 
lingua di Firenze, handelt, auf Grund des gedruckten und handschriftlichen 
Materials, von B.'s Arbeiten über den Ursprung von Florenz, über florentini- 
nische Geschichte und Genealogie, von seinem Studium der Trecentisten, von 
der Reinigung des Novellino und Decameron und der Untersuchung über die 
Sprache, die nicht zu Ende geführt ward und zu keinem klaren Resultate 
gelangte, aber im Ganzen sich den Ansichten Varchi's nähert. 

G. Cecioni, // Secretiim Secretortim attribuito ad Aristotile e le sue 
redazioni volgari. Der jung gestorbene Verfasser giebt, nach Bemerkungen 
über alte Übersetzungen anderer aristotelischer und pseudoaristotelischer Schrif- 
ten, Nachricht von der mittelalterlichen Tradition betreffs der Unterweisung 
an Alexander, für die er einen Zweifel an der Echtheit schon in einem Ms. 
von Ende des 14. Jahrh. fand (p. 80), dann eine Bibliographie der Hss. des 
latein. Textes, führt franz. und span. Bearbeitungen an und kommt zu den 
italienischen, giebt auch hier eine Bibliographie der Hss., unterscheidet zwei 
Hauptredaktionen , vergleicht dieselben mit dem latein. Texte und schliefst 
mit einer Inhaltsangabe der vollständigsten und breitesten Version nach Cod. 
Magl. XII 4. 

G. Di Niscia, La Gdrusalemme Conquistata e VArte Poetica di 
T. Tusso, Fortsetzung, über Tasso's und seiner Gegner Theorie der Dichtung, 
besonders die Auffassung der Lehren des Aristoteles bei ihnen und ihren Zu- 
sammenhang mit dessen Erklärer Castelvetro. 

F. Fl amini, Un Triofifo d^Amore del secolo XV, publiziert ein Ge- 
dicht in Terzinen, welches, nach der Überschrift, Antonio Bonciani auf Bitten 



IL PROPUGN ATORE. 259 

Lorenzo Manetti's für dessen Geliebte, la Diamante, verfafste, und wo diese 
Dame erzählt , wie sie in einer Vision im dritten Himmel Lorenzo als den 
schönsten und vortrefi'Hchsten Liebenden, von der Venus mit einem Demant- 
bikle (Anspielunfj auf ihren eigenen Namen) beschenkt, triumphieren sah und 
demutvoll bittend ihre glühende Liebe zu ihm äufscrt. Einleitend giebt Fl. 
(p. 141 ft.) interessante Bemerkungen über die bekannten typischen Schönheits- 
beschreibungen des Mittelalters und deren Fortsetzung im 15. Jahrh., wo sie 
unter petrarchischem Einflufs einen zarteren, weniger sinnlichen Charakter er- 
halten. Zu der Bezeichnung capelli bianchi u. dgl. als einem Element der 
Schönheit bei der Dame, für welche Fl. p. 144 mehrere Beispiele giebt, will 
ich noch die Stelle von Sabadino degli Arienti, Porretaiie, 22 (bei D'Ancona 
Poemetti Popolari, p. 463) fügen und bemerken , dafs dieser Ausdruck , wohl 
für ein helles Blond, auch altfrz. war; so blanc crin in Toblers Mitth. 120,10 
und 250,10; blanches treces in Crestiens Perceval 9481 und 9577. 

MISCELLANEA : C. Frati, Appunti dai Regesti di Innocenzo IV., 
sammelt aus diesen , zur Fortsetzung von Scheffer-Boichorsts dokumentari- 
schen Nachrichten über Jacopo da Morra , solche aus dem Jahre 1 247, und 
äufsert die Vermutung, dafs der Dottatz Proensals nicht während Jacopo's 
Podestat in Treviso, sondern während des Capitanates in Spoleto oder des 
Vicariates in der Marca d'Ancona und wohl am wahrscheinlichsten um 1244 
verfafst sei, für Friedrichs IL litterarischen Hof oder einen der von diesem 
ausgegangenen. Ferner hebt er aus jenen Regesten zwei andere Dokumente 
hervor, eines über Richart de Fournival, das ihn uns schon 1246 als Kanzler 
der Kirche von Amiens zeigt (p. 173), und eines, wo noch 1250 ein Lamber- 
tino Buvalelli als lebend genannt ist; indessen nimmt Fr. mit Recht Anstand, 
diesen mit dem Troubadour zu identifizieren; ebenso (in einer Anm. p. 182) 
Casini. Dieselben Namen kehren ja in einer Familie oft wieder. — F. Fla- 
mini, Pulci ßellincionir' hat von dem im vorhergehenden Hefte des Pro- 
pugn. unter L. Pulci's Namen publizierten Capitolo auf den Tod Giuliano's 
de' Medici nachträglich bemerkt , dafs dasselbe in den Werken Bellincioni's 
steht und dessen Namen auch in einer Hs. der Brera trägt, weshalb die Autor- 
schaft zweifelhaft bleibt. Der Druck in Bellincioni's Gedichten bietet gegen- 
über dem handschriftlichen Texte eine Umarbeitung. — C. Frati, A propo- 
sito di Andrea Cappellano , giebt mehrere urkundliche Nachrichten von 
Andrea Fieschi, Sohn Obizzo's Grafen von Lavagna und Neffen Innocenz' IV., 
der Kaplan dieses Papstes und dann Alexanders IV. war, und publiziert 
namentlich das Testament desselben vom 14. Juli 1262. Kaplan Innocenz' IV. 
wird der Verfasser des Tractatus amoris nicht blofs in dem Incunabeldruck 
genannt, sondern auch, wie Fr. (p. 203) bemerkt, in dem Compcndium tuora- 
lium notabilium von Geremia da Montagnone. Fr. sucht wahrscheinlich zu 
maclien, dafs, wenn es auch nicht dokumentarisch feststeht, derselbe Andreas 
auch Kaplan des Königs von Frankreich gewesen ist , wie der Autor des 
Tract. atti. in den Hss. und Drucken gewöhnlich tituliert wird. Die Chrono- 
logie scheint ihm für diesen gut zu passen ; freilich könnte es auflallen, dafs, 
wenn der Traktat, nach G. Paris, gegen 1220 entstand, dessen Verfasser noch 
nach 42 Jahren seinen Vater am Leben halte und ihn mit zum Erben einsetzte. 

.\. (iASI'AKV. 



26o BESPRECHUNGEN. A. TOBLER, 

Romania. No. 72, XATIIe annee, 1889 Octobre und No. 73, XIXe annee, 
1890, Janvier. 
No. 72. 

A. Mussafia, Osservazioni sulla fonologia francese. La formola tj 
fra vocali. Als Reflex von tj wird auch nach dem Tone is mit tönendem j 
festgestellt, so dafs also -oise die lautgesetzliche Entwickelung von -Jtia dar- 
stellt. Für mace wird mattea, für place mit Suchier plattea, für piece : pccia, 
für -i?r^ : zaa (Suftixverwecliselung) angesetzt. Statt pecia, dem sich ital. /^zza 
kaum fügt, würde ich mit Thurneysen pettia oder vielleicht petvia vorziehen, 
da mit petvdcium span. pedazo erklärt würde. Dieser neuen Lösung der 
schwierigen Frage wird man nach M.'s glänzender, alle Einzelheiten berück- 
sichtigenden Darstellung wohl allgemein zustimmen , wie dies schon G. Paris 
in einer noch einige weitere Beispiele bringenden Anmerkung thut. Im wei- 
teren weist M. nach, dafs überhaupt die Tonstellung die Behandlung der /- 
Gruppen im Französischen nicht beeinflufst. Schwierig liegt die Sache bei 
vi, hl, wo gougeon, ayeul, geole nebeneinanderstehen, deren letztere, wie M. 
mit recht bemerkt, aufser Spiel bleiben mufs. In den beiden anderen darf 
man dagegen vielleicht lautgesetzliche Vertreter von bi bzw. vi sehen. Nach 
dem Tone bleibt im Vulgärlateinischen tonloses Hiatus-z' nach Labialen vo- 
kalisch, vor demselben wird es z\x y: cavia aber cavyola. Aus goöione mutste 
also entweder gobyonc oder aber govione, govyone entstehen. Nehmen wir 
ersteres an , so ergiebt sich ohne weiter : vy-L wird vulglat. zu yy =: frz. /, 
hy' bleibt vulglat., wird frz. g. Zum Schlüsse werden die Vertreter von -tio 
besprochen, von denen palais, pais, pris dieselben Reflexe zeigen, wie -tia, 
während puiz eine unerklärte Ausnahme bildet. Endlich wird für das 2 in 
croiz ein Mittellaut zwischen demjenigen in destroiz und dem j in pais er- 
wiesen. Meyer-Lübke. 

[Die Nebenform servis zu servise , deren Vorhandensein Mussafia be- 
zweifelt, ist in Ch. Rol. 1406 überliefert, wo sie freilich mit servise vertauscht 
werden durfte; in der Prise d'Orange steht sie Z. 1355 in der Assonanz; im 
Joufroi 2306 hat Hofmann serviz im Reime z\x esbäiz an Stelle von serj'anz 
eingeführt]. 

G. Paris, Hugues de Berzc. Ausgehend von einer ganz besonders 
wenig ausgereiften Dissertation von C. Engelcke {Die Lieder des Hugues de 
Bregi, Rostock 1886?) erweist der Verfasser die Identität des von Villehar- 
douin als Teilnehmer am vierten Kreuzzug erwähnten Jüngern Hugues de 
Berze , des Dichters dreier, Aufträge an Folquet von Romans und an den 
Markgrafen von Monferrat (Bonifaz II.) enthaltenden Strophen , des Dichters 
mehrerer Lieder und des Verfassers der bei Barbazan und Meon II 394 ge- 
druckten Bihle und stellt zusammen, was diesen Werken und jenem Zeugnis 
sich über die Lebensumstände der bemerkenswerten Persönlichkeit entnehmen 
läfst. Jene Strophen, die in zwei provenzalischen Liederhandschriften ver- 
unstaltet vorliegen, werden in rein französischer Gestalt vorgeführt. Die nur 
in der modeneser Hs. enthaltene eine Geleitstrophe erscheint mit ihrer Bezug- 
nahme auf Wilhelm von Monferrat und Kaiser Friedrich II. als ein späterer 
Zusatz. 

P. Meyer, Recettes medicales en frangais publiees d^ apres le 7nanuscrit 
23 dW£vreux. Ans der nämlichen Handschrift, deren dem 14. Jahrb. an- 



ROMANIA. 261 

gehörenden Teile Chassant 1857 den Petit vocahulaire hitin-fiani;ais du XIII <■ 
siede entnommen hat, ein Werkchen, über dessen Alter niemand, der es ge- 
lesen, mit dem Herausgeber gleicher Meinung sein konnte. Die Rezepte ent- 
halten manches für den Lexikographen und sonst Bemerkenswerte, nicht allein 
in ihren Pflanzennamen, deren Bedeutung durch Joret erörtert wird. 

COMPTES-RENDUS. Bourciez, Precis de phonetique fra7ifaise [G. 
P., manche Berichtigungen und anregende Bemerkungen über lautgeschicht- 
liche Schwierigkeilen); Nutt, Studies on the legend of the Holy Grail (G. 
P. erkennt die Bedeutsamkeit des Buches an, hebt aber auch die Mängel in 
des Verfassers Vorbereitung hervor); L. Hirsch, Laut- und Formenlehre 
des Dialektes von Siena; S. Pieri, Note sul dialetto aretino; Bianco 
Bianchi, il dialetto e la etnograjia di Cittä di Castello (E. G. Parodi, sehr 
eingehend, mit zahlreichen eigenen Aufseningen über den Gegenstand). 

PERIODIQUES. Zeitschrift f. rom. Phil. XIII 1 — 2. — Romanische 
Forschungen III. — Bulletin de la Societe des anciens textes frangais, 1888, 
No. 2. — // Propugnatore. Nuova serie. T. I, P. \. — Giornale storico 
della leite ratura italiana No. 31 — 36. — Le Moyen-Age, T. I, T. II I — 6. — 
Zeitschrift f. d. Realschulw. X/F257 — 270. — Gott. Gel. Anz. 1889 No. 4. — 
Litterar. Centralbl. 1888, Sept.— Dez. 

CHRONIQUE. 

Notizen über Charles Nisard , den am 16. Juli 1889 verstorbenen Ver- 
fasser der Histoire des livres populaires und der Curiosites de l'etymologie 
franqaise, den Bruder des ein Jahr zuvor gestorbenen Desire Nisard, — über 
einige von P. Meyer in England gemachte, wichtige Funde, — über Michault 
Taillevent und Piere Michault, — über Armbruster, Geschlechtswandel im 
Französischen, — über Engländer, der Imperativ im Altfranzösischen, — über 
Schwarzfelds Schrift, die bezüglich der Alexandri'schen Sammlung rumäni- 
scher Volkslieder so überraschende Aufschlüsse giebt, über D'Ancona, Bea- 
trice, — desselben Abhandlung über die Bearbeitung von B. Latini's Tresor 
in Versen , — über Ehrichs Dissertation über Rabelais , — über Novati's 
Studi critici e letterari, — über Rua, Di alcune novelle inserite nelV Esopo 
di Fraitcesco del Tuppo u. a. 

No. 73. 
P. Meyer, Des rapports de la poesie des trouveres avec celle des 
troubadours. Lesenswerte, wohl geordnete Zusammenstellung sicherer, übrigens 
zum gröfsten Teil wohl bekannter Thatsachen. Jeanroys wichtiges Buch mit 
seinen vielfach abweichenden Ansichten ist noch nicht berücksichtigt. S. 1 1 A. I 
hätte auf Gaspary, Sizil. Dichtersch. S, in Bezug genommen werden können. 
Die S. 15 oben als der Form nach zusammenfallend hingestellten Stücke zeigen 
weitgehende, doch nicht völlige Übereinstimmung; eher durfte S. 17 oben 
Raimons v. :Miraval No. 7 mit dem hier erwähnten Sirvenles in Beziehung 
gesetzt worden. Zu den Belegen für den Gebrauch von z//>t'/a/' kommen einige 
weitere, die O. Schultz im Literaturblatt 1887 Sp. 445 angeführt hat, auch 
die von mir im Jahrbuch 12,206 besprochene seltsame Stelle des Glossars 
7692. Dafs sirventes nicht unmittelbar von servir, sondern von Strien komme, 
wie S. 27 gesagt wird, hat auch Diez ausgesprochen ; ein „Soldatenlied" braucht 
es darum noch nicht zu sein; die Bildung des Namens läfst, da sirven nicht 



202 BESPRECHUNGEN. A. TOBLER, 

blofs den mit den Waffen Dienenden bezeichnet, sehr verschiedene Deu- 
tungen, ich glaube, sogar die der Leys d'amors, zu. Die Stellen, die den 
Gebrauch des afrz. serventois erläutern sollen, beweisen, wie mir scheint, 
nicht, dafs es je poesie d'agremeitt bezeichnet habe. „Müfsiges Gerede" 
heifst das "Wort auch Ogier Dan. 11178 und 11200; Ch. Sax. I 199, II 186; 
Barb. u. M. I 363,215. Auf die Stellen, wo das Wort eine Art Dichtung 
bedeutet , trete ich hier nicht ein. Zu den Belegen für rotruenge S. 39 
kommen , um nur bei älteren zu bleiben , die von Diez beigebrachten , ferner 
Poeme moral 517b, Joufroi 791, Meon I 57, 622. Das Wort mit rote in ety- 
mologischen Zusammenhang zu bringen würde Herr Meyer einem andern 
schwerlich erlaubt haben. — Einen willkommenen Anhang zu dem Aufsatze 
bildet die kritische Bearbeitung von Pistoletas Ar agues eu mil marcs de fin 
argen nach sämtlichen (zu gröfserer Bequemlichkeit wieder einmal mit neuen 
Buchstaben bezeichneten) Handschriften, wozu die vollständige Mitteilung der 
zahlreichen Interpolationen und der bisher nur teilweise bekannten altfranzö- 
sischen Bearbeitungen des Gedichtes kommt. Die Einleitung hätte wohl auf 
die Gattung der plazers Bezug nehmen dürfen, die nächst verwandten Wesens 
ist. Von solchen Wunschgedichten handelt lehrreich Uhland, Schriften zur 
Geschichte der Dichtung und Sage III 266 ff. 

G. Paris, Henri Je Valenciennes. Der Verfasser legt im einzelnen 
dar, was zu Gunsten der schon von seinem Vater geäufserten Ansicht spricht, 
dafs die um die Mitte des 13. Jahrh. als Fortsetzung zu Villehardouins Werke 
gefügte Geschichte Kaiser Heinrichs die Auflösung in Prosa eines von Henri 
von Valenciennes (zwischen 1210 und 1216) in Versen abgefafsten Werkes 
sei, und findet die von P. Meyer im Bulletin de la Soc. d. a. t. 1878 aus- 
gesprochene Vermutung nicht unwahrscheinlich, dafs Henri de Valenciennes 
der nämliche Mann sei, der in einem von Meyer in Madrid gefundenen Ge- 
dichte sich Henri de VVallentinnes nennt. 

M. Wilmotte, Etudes de dialectologie ivallonne (Fortsetzung). 

MELANGES. Philipe de Novare. G. P. zeigt, dafs der Verfasser der 
Qiiatre tenz d'aage d'ome aus Novarre und nicht aus Navarra gebürtig war. 

— Rotruejige en quatrains. In England geschriebenes und wohl auch ver- 
fafstes Liebesgedicht mit Refrain, das P. M. darum als rotruenge bezeichnet ; 
anhangsweise aus der nämlichen Handschrift des Brittischen Museums ein 
Abdruck des Gedichtes Scribere proposui de contemptu mundano, das nach 
einer Pariser Hs. bei Du Meril, Poes. pop. lat. du m. ä. S. 125 zu lesen ist. 

— Uauteur du Comte d'Anjou. Der Verfasser des noch nicht gedruckten 
und nur durch spärliche Angaben bekannten Gedichtes, von dem seit kurzer Zeit 
die Pariser Nationalbibliothek zu der lange besessenen eine zweite ältere Hs. 
hinzu erworben hat, versteckt seinen Namen in drei Zeilen, aus deren jetzt 
berichtigtem Wortlaut G. Paris nunmehr Jehan Maillart herausliest. — Le 
conte des Trois perroquets. Jan te Winkel teilt eine niederländische Version 
des von P. Meyer (Rom. XVI 565) behandelten Märchens mit. — Note sur 
Pauteur du Contreblason de faiilces amours. E. Picot zeigt, dafs der Name 
Charles de Croi, der sich aus einigen Schlufsversen des 15 12 verfafsten Ge- 
dichtes herauslesen läfst, nicht der des Dichters, sondern eines Gönners ist, 
während man in Estrees, was die Zeilenschlüsse ergeben, den Beinamen des 
Verfassers zu sehen hat. Der Vorname bleibt uncrmittelt. 



ROMANIA. 263 

COMPTES-RENDUS. Recueil de iiu'moires phUologiques prt'st'ntJ a 
M. Gaston Paris par scs elcves siu'dois (G. 1'. {jiebl genaue Auskunfl über 
jede tler gesammelten Abhandlun<;en, zu manchen wichtige Nachlnige). — 
Isidoro del Lwigo, Dante ne' tempi di Dante und A. Bartoli, Sloria della 
letteratura italiana VI 2 (N. Zingarelli). — A. Rubiü y Lluch, El renaciniiento 
cldsico en la literatura catalana und Menendez y Pelayo, Discurso leido en 
la Universidad Central (A. Moiel-Fatio). — Le Songe de Bernat Metge, 
auteur catalan du XV« siede p. p. jf.-M. Guardia (A. Morel-Fatio). 

CIIRONIQUE. Nekrolog für den Marquis de Queux de Sainl-llilaire. 
Zahlreiche kurze Angaben über neuere Erscheinungen der Fachlitteratur. 

A. ToBl.ER. 



Archivio Glottologico Italiano X 3. 

liianchi, La Declitiazione nei nomi di Itiogo della Toscana. Dieser 
zweite Artikel steht an Wichtigkeit dem ersten, Ztschr. XI 282 besprochenen 
nicht nach. § 10 und 11 handeln von Ortsnamen, die im zweiten Teil einen 
Genitiv enthalten und aus der Longobardenzeil, also aus dem 6. — 8. Jahrb., 
oder noch später stammen. Während bei diesen nur eine ungefähre Alters- 
angabe möglich ist, giebt es eine Reihe anderer, deren Entstehungszeit sich 
genau feststellen läfst, wie Cavialdoli 1027 u. a. Wenn aber der Verf. daraus 
schliefst, dafs der Genitiv bis ins 9. Jahrh. in der reinen Volkssprache noch 
gelebt habe, so dürfte die in diesem Schlüsse liegende Verallgemeinerung zu- 
weit gehen. Daraus dafs in bestimmten , fast erstarrten Formeln , und als 
solchen können bis auf einen gewissen Grad die Ortsnamen gelten, der Ge- 
nitiv festbleibt, folgt seine Lebensfähigkeit noch nicht, es können hier eben- 
sowohl analogische Bildungen nach einem alten Typen vorliegen, wie in den 
afrz. Gen. plur. auf -or. Den sicheren Genitiven folgen § 12 Namen, die auf 
schon gebildeten Familiennamen nicht gerade auf Genitiven, beruhen. Zweifel- 
haft ist die Existenz von Gen. plur., abgesehen von niontelatego = inons 
laticum. Namen auf -oro können schon ihres o wegen nicht auf -orum 
beruhen, aber, trotzdem Nebenformen auf -ario vorkommen, so bleibt auch 
eine Verknüpfung mit -arius unmöglich. Auch an cuora = aquariutn ver- 
mag ich schwer zu glauben , far lo gnorri aus *ignarius ist auch mit rr 
auffällig, in stiöro aus sextarius bleibt das i unerklärt, daher ich doch lieber 
bei stajöro , einer irrtümlichen Betonung des alten stdioro vom Plur. stäiora 
bleibe, vgl. pugnöro. — § l^j. beschäftigt sich mit den Suffixen. Das ligu- 
rische -asco wie das keltische -ago sind ganz unbekannt, dagegen findet 
sich das etruskische -rnna mehrfach. Suffix -e geht stets auf Heiligennamen 
zurück: Tomme aus Uojfiüg , Turpe = Turpes , Gtisme = xoüfxü^ u. s. w., 
das e könnte aus ai entstanden sei. Wenn der Verfasser diese Erklärung 
wegen erat und pietae nur zweifelnd vorbringt, so ist dagegen zu bemerken, 
dafs pietae jünger ist , daher sehr wohl sein ae behalten konnte , uml 
dafs crai kaum dem volkstümlichen Wortschatz angehört. - Eine ,,Appen- 
dice" beschäft sich endlich mit den longobardischcn Eigennamen. Aufser 
einem reichhaltigen Verzeichnis der Suffixe und der Kurzformen enthält sie 
auch Untersuchungen über wichtige lautliclie Fragen, wie die Lautverschiebung, 
die Behandlung von longobardisclicm c und g vor <•, /, den Accent, die ßil- 



264 W. MEYER, ARCHIVIO GLOTTOLOGICO ITALIANO. 

düng der Kurzformen (germanische Regel: der erste Wortbestandteil bleibt, 
z.B. Gundo aus- Gunduald, romanisch etwa seit dem Jahr looo: der zweite 
bleibt, z. B. Natido aus Ferdinandö), die Flexion auf -a, -anis, aus der mit 
Recht barbano erklärt wird und scrivano, puttana hätten erklärt werden 
können. Den Schlufs bildet die Erklärung von Allighieri oder Aldighieri, 
das zutreffend als Hildigairi gedeutet wird. 

413 — 446. F. d'Ovidio, Spigolature 7-omanze dalle pagine dhin lati- 
nista. Anknüpfend an einem von E. Cocchia in der Riv. fil. das. XV ver- 
öffentlichten Artikel bespricht D'Ovidio in behaglich plaudernder Weise eine 
Reihe von Punkten der lateinischen Lautlehre , die z. T. auch für die roma- 
nische Grammatik von Wichtigkeit sind. Zunächst wird die bisherige Auf- 
fassung der bekannten Stelle aus Gellius XIII 24 über die Betonung Vdleri 
gegen Cocchia in Schutz genommen, sodann die Frage nach der Betonung 
der viertletzten Silbe im älteren Latein nicht ohne manche Willkürlichkeiten 
und Gewaltthätigkeiten in verneinendem Sinne beantwortet. Äufserst glück- 
lich ist in diesem Abschnitt der Gedanke, dafs Form und Accent der Orts- 
namen oft durch die Ableitungen bedingt, also Teramo von Terarnano = 
Interajmianus , Pah'rnio von Panormitanus aus gebildet seien. Die Mög- 
lichkeit einer derartigen Beeinflussung wird zur grofsen Wahrscheinlichkeit 
erhoben durch den Hinweis darauf, dafs im Altertum der Gebrauch des Ad- 
jectivums an Stelle des Ortsnamens sehr viel häufiger war als heute. Der 
dritte Abschnitt behandelt die Qualität des a , der vierte die Quantität der 
Vokale vor j. Das übrigens auch schon von andern ausgesprochene Resultat 
ist, dafs die Vokale in den einen Fällen kurz, in den andern lang waren, dafs 
also die ursprüngliche Quantität erst für jedes einzelne Wort gesucht werden 
mufs. Nicht zutreffend erscheint mir die Ansetzung von pulejum , da alle 
romanischen Vertreter e bieten, somit nicht, wie D'Ovidio S. 436 Anm. i 
tliut, für puleggio eine Erklärung des e nach italienischen Regeln zu suchen 
ist. Endlich der letzte Abschnitt hält die Stelle bei Priscian, wonach vor gii 
die Vokale lang seien, für eine spätere auf einem Mifsverständnis beruhende 
Interpolation, und nimmt wieder für die einen Fälle ursprüngliche Kürze, für 
die andern Länge an. 

447 — 466. Ascoli, Noterelle. I. // dialetto Tergestino weist die 
Schrift von Zenatti La vita communale e il dialetto di Trieste , die in ziem- 
lich leichtfertiger Weise den Arch. Glott. I 479, III 469 gegebenen Nachweis 
eines friaulischen Elementes in Triest in Abrede gestellt hatte , schlagend 
zurück. 2. Pania, wipa)iiare wird zu dem in compagine steckenden Stamme 
pagin- gestellt. 

468 — 482. C. Salvioni, Indici del Volume. 

W. Meyer-Lübke. 



Nachtrag zu Ztschi\ XIII. 
S. 538» Z. 14 Schon die App. Prob, hat itnbüicus, d. li. etnbilTcus. — 
S. 540, Z. 3 allein] 1. nicht. — S. 541, Z. 14 da.ngier'] 1. dengier. — S. 542, 
Z. 3 V. u. Konsonanten] 1. Vokalen. — S. 543, Z. 15 dazu Fufsnote : Ebenso 



NACHTRAG. 265 

Harseim Oxf. Ps. R. Si. inul Ilorning in Bartsch, Langue. \V. Meyers Er- 
klärung Ztschr. f. rom. Phil. XI 541, der Rom. XVII 622, XVIII 156 beistimmt, 
dafs Heu aus lue-u wie vieiit, iiteuz aus vuetit, ueiiz entstanden , ist nicht zu 
empfehlen, da hier zuerst regehnäfsig vuelt, uelz bestanden, während gerade die 
mit H gebundenen Vokale durch das ii festgehalten werden (also fagum nur /au, 
/(Ui, aber nicht /<?*«) und nie diphthongieren. — S. 543, Z. 17 und 19 sich 
das] das sich. — S. 544, Z. 14 jp'] 1. joi, pou, pni; das. Z. 5 v. u. es] 1. g; 
das. Z. 4 V. u. g\ 1. es. W. F. 



Naehtraff zu Ztschr. XIV. 
S. 130, Z. 8 corr. q'el. -- S. 130, Z. 21 corr. qcs cu. — S. 131, Z. 43 corr. 
qe si lo tortz moiit granz noi fos o: qe si lo tortz granz non i fos. V. Ck. 



Neue Bücher und Schriften. 

Recueil de Memoires philologiques presente h Mr G. Paris par ses 

(ileves suedois ä l'occassion de son cinquantieme anniversaire. Stockholm 
1889. 8". 260 SS. 

Zu der monumentalen Festgabe, welche die schwedischen Schüler G. Paris 
zum Zeichen ihrer Verehrung am 9. Aug. 1889 dargebracht haben, und wo- 
mit sie öffentlich von seinem weitreichenden Einflufs als Lehrer, wie von seiner 
für alle Länder bahnbrechenden Forschung Zeugnis ablegen, haben acht jüngere 
schwedische Gelehrte Beiträge beigesteuert, denen hier leider nur eine kurze 
Anzeige gewidmet werden kann, trotz des Wertes der Untersuchungen. 

H. Andersson, macht sich in Quelques remarques sur l'amuissement 
de l'r finale en frang. S. I — ^9 die "Verstummung des ausl. r durch einen mit 
z oder / vergleichbaren Reibelaut verständlich, der in franz. Mundarten vor- 
handen ist oder vorhanden gewesen zu sein scheint. Die Ausnahmen fmden 
dabei jedoch eine befriedigende Erledigung nicht, und doch ist ohne ihre 
Berücksichtigung eine Lösung der Frage nicht möglich. Zu beachten ist 
jedenfalls, dafs ausl. r blieb hinter a u ou eu oi ui und hinter e eher mer, 
fier hier, amer cuiller, wie bei enfer fer hiver ver und bei pair clair eclair, 
air flair vair, und nur schwand hinter e ic {do7in-er, boulanger, leger; 
menuiser; tnenuisier sentier jardinier u. dgl.); also mufs im e die Veranlassung 
zum Schwund des r gesucht werden. Da derselbe namentlich auch bei i ehe- 
dem weit um sich gegriffen hatte (s. Thurot Prononciation II 161 ff".) wird in der 
beiden Vokalen gemeinsamen Hebung der Vorderzunge, die die sofortige, zur 
Bildung eines Uvularen r gehörige Rinnenbildung der hinteren Zunge erschwert, 
die Ursache der Erscheinung gegeben sein. — In boidangcr sentier u. dgl. 
wurde durch den vorausgehenden palatalen Engenlaut das Hervorgehen 
des gesc bloss. (,' aus e (vgl. c/e?r) = altfrz. altem *ee {ei) für lat. « bewirkt; 
bei donner u. s. w. — es sind sämtlich Infinitive der i. Konj. — wurde die 
Umbildung von menusier (Verb) zu menuisier menuiser, chang\qr zu chatiger 
— mafsgebend, also Inf. -e(e)r analogisiert nach Inf, (i)er; auf gleichem 
Wege ergeben sich -ez (2. PI.), -</ im Partizip., das wie de le de ble, durch 
die Stellung des e im Auslaut sein e erhalten konnte. 

S.-F. Euren, Exemples de r adventice dans des mots frang. Fälle, 
wie fxonde =funda, couxte-pointe = culcita p., encxe, chartxe; niouche-x-on 
zu tnottche ; Portiexs = Pictaviim u. a., zum grofsen Teil vom Verf. selbst 
schon (durch Analogie) richtig erklärt , andere nach Geijer Studier i fransk 
linguistik gedeutet. Um eine phonetische Erscheinung scheint es sich in den 



NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 267 

etymologisch sicher gestellten Wüitcin nirgends zu handeln ; zu gtutre vgl. 
die Ableitung von Iran vastrapes, Lagarde in Gütt. gel. Nach. 1886, No. 4; 
zu cle\ = cU'f Thurot, Prononc. II 147 au lieu-r. 

P. A. Geijer, Sur quelques cas de labialisatiüii en fran^ais, S. 21 — 30; 
in Wörtern w'x^'yxxneau ^ geinellus, buvons von bibcre; epowvanter paventein; 
orange n-aranga u. a. Es handelt sich um eine nicht zur Durchführung ge- 
langte Lautneigung der Volkssprache, wie der Verf. fein darlegt, in den ge- 
sicherten, nicht sehr zahlreichen z. T. von G. selbst erklärten Fällen. Dafs 
sie verschiedenen Alters sind , setzt z. B. Mussafia's Deutung (Nord-ital. 
Mundart.) von affwbler (f\b\ila durch fabila, noch snbula) voraus. Bei -um 
aus -ein {e^=& muet) dürfte wirklich ein mechanischer Vorgang anzunehmen 
sein, da nur etwa s&mer auf der älteren Stufe verharrt ; chalwmeau stünde für 
chaleineau statt chalz.rneau. Hierher gehört auch Jwmieges — Gcmeticuni. 
Bei einigen Wörtern wirkten zur Umbildung an sich wohl andere Faktoren 
mit, während der Labial selbst nur den labialen Vokal hervorrief; so lag ein 
Grund zur Änderung des Vokals a vor: bei lä. lAmelle, woraus frz. aAi/«^//^; 
/n/n/gfiün war begrifflicher Einwirkung durch lumüre ausgesetzt. Könnte 
bxxvons nicht unter Einflufs von bu, lutrifi unter dem von lu stehen.' Duin- 
inage entfällt bei etymologischem Zusammenhang mit dominium. 

Ake W:son Muthe, Observations sur les composes espagnols du 
type „aliaberto". S. 31 — 56. Reichhaltige Sammlung von Beispielen dieser 
gelehrten Kompositionsform, die sich mit dem Humanismus in Spanien einstellt 
und durch ihn herbeigeführt wird. 

Ders., Romance de la Tierra, chaiisoii pop. astuiienne, S. 57 — 62. Aus 
dem Volksmunde, zählt Eigenheiten, die zahlreichen span. Ortschaften an- 
haften, auf. 

A. Nordfeit, Classification des niss. des Enfances Vivien, S. 63 — 10 1. 
Stützt sich auf die treftliche diplomatische Ausgabe der ersten 1422 Verse 
des Gedichtes von Wahlund u. v. Feilitzen (Upsala 1886), in der 5 Hss. voll- 
ständig abgedruckt und von den übrigen die Lesarten mitgeteilt sind. Die 
starken redaktionellen Eingriffe, denen auch dieses Gedicht in den verschie- 
denen Hss. ausgesetzt gewesen ist, haben den Verf. nicht gehindert, ein ein- 
leuchtendes Schema für die Überlieferung der Enfances Vivien aufzustellen, 
auf das sich mit dem von Wahlund zu veröfltntlichenden Rest des Gedichtes 
wird die Probe machen lassen. Die Untersuchung ist methodisch und gründ- 
lich und enthält interessante Erhebungen über das Verfahren der Redaktoren. 

C. Wahlund, La Philologie fran^aise au temps jadis, S. 103 — 174. 
[Auch Sonderabdruck]. Wiederabdruck der seltenen lat. Antrittsvorlesung 
des Prof. der franz. Sprache zu Wittenberg G. Rabot (1572) in den Typen 
des Originals, mit einem Briefe desselben an Calvin und dessen Antwort (W. 
kennt 3 Ex. von R.'s Schrift, eine 4. besitzt, wie Herr Bibliothekar Dr. List 
mir nachweist, die hiesige Universitäts- und Landesbibliothek), sowie der Ab- 
handlung von E. Cordier: Recherches historiques sur les obstacles qu'on 
cut ä surmonter ])our epurer la languc fran(,aise, 1806, nebst Nachrichten über 
den Verf. Auch diese Schrift, von der W. nur 1 Ex. kennt, wurde von Herrn 
Dr. List auf der hiesigen Bibliolliek aufgefunden, und zwar in der ein Jahr 
älteren Ausgabe 1805, deren Vorhandensein Herr W. (S. 152 f.) in Zweifel 
zieht, mit folgendem erweiterten Titel: Rccli. liist. sui les obstacles (pi'n;/ a 



2 68 NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 

eus ä surm. pour ep. la lang. fran^. , et conseils piiises dans les nu-iUeures 
sources, afin d'eviter sa corruption; A Paris, cliez Lamy. . . . An 1885, 8". 
60 SS. Der Verschiedenheit des Titels der Schrift , die cap. i und 3 der 
Ausgabe 1806, sowie Anmerkungen und „Notes historiques" enthält, entspricht 
eine Verschiedenheit der „Table" die nicht alle in der Ausgabe 1806 in 
Aussicht gestellten Abhandlungen , dafür aber eine grofse Anzahl anderer, 
verzeichnet. Es fehlt in der Table der Ausgabe 1805 die zweite Abhandlung, 
die 6. 10. 12; 7 und 8 sind umgestellt; 3. 4, 5 scheinen in der Table von 
1805 unter den Titeln: „Progres de la langue fran9. depuis la reunion des 
Francs avec les Gaulois jusqu'au l8e s." (3. Abhlg.) zusammengefafst zu sein. 
In der Table von 1806 fehlen dagegen Abhlg 4 — 22, 27 — 30, die von all- 
gemeiner Grammatik und Geschichte handeln sollten, nämlich : 4. Les philo- 
sophes cultivent la langue proprement dite, les orateurs et les poetes embe- 
lissent le langage. 5. Definition generale de la Grammaire. 6. Par la Gram- 
maire les Grecs entendaient premierement l'art de bien lire , de bien ecrire, 
et, par consequent, l'art de parier correctement. 7. Ce serait une erreur de 
croire qu'il suffit de savoir la Langue Fran^aise par habitude , pour l'ecrire 
correctement. 8. La Grammaire difere de la Lögique et de la Rhetorique, 
relativement ä la peinture des idees. 9. Idee qu'on avait , ;\ Athenes et ä 
Rome d'un maitre de Grammaire. 10. Avantages de l'etude des Synonymes. 
II. Utilite de la Prosodie. 12. Regles les plus gdnerales sur la prononciation, 
et qui sont le plus en usage. 13. L'art de bien lire. 14. Declamation. 15. 
Rapport entre les moeurs et le langage d'une nation. 16. De la melodie ora- 
toire. 17. Styles. 18. Pensees. 19. Naturel en matiere de pensees. 20. Af- 
fectation dans les pensees. 21. Des divers genres d'eloquence. 22. La Poesie 
a sa marche et sa langue particuliere. — 27. Avertissement pour arreter les 
progres des locutions ignobles et barbares, introduites ä la place des expres- 
sions employes dans les beaux temps de la politesse fran^. 28. Source de la 
corruption des Langues. 29. L'ambition d'un chef de la republique des lettres 
a quelquefois suffi pour detruire, en peu de temps, plusieurs siecles de travaux. 
30. Goüt par rapport ä la lecture des auteurs, et ä la composition. 

J. Vising, Les debuts du style frangais, S. 175 — 209. Eine mit Geist 
ausgeführte Erhebung über den syntaktischen und stylistischen Ausdruck der 
Denkmäler vor dem Rolandslied, des Rolandsliedes selbst, des Cliges und des 
Villehardouin, bei welchem V.'s Charakteristik die schriftstellerische Persön- 
lichkeit treffend herauszuheben weifs. 

F. Wulff, Un chapitre de phonetique andalouse, S. 211 — 260 mit 2 
Übersichten. Phonetische Umschrift eines castil. Textes nach andalusischem 
Vortrage in Verbindung mit einer Darlegung eines neuen diacritisches Al- 
phabetes, bei dem liegende und stehende latein. , sowie griech. Buchstaben 
in aufrechter und umgekehrter Stellung verwendet und die Accente u. s. w. 
durch Interpunktionszeichen hinter den tontragenden Lauten eingefügt werden, 
— ein durchaus harmonisches, leicht anwendbares System von etwa 180 
Zeichen, das den weitgehendsten Bedürfnissen in Bezug auf Lautunterschei- 
dungen — worin Verf. ein Meister zu sein scheint, gerecht wird. Lehrreich 
ist W.'s Beschreibung der andal. j-Bildung und seine Bemerkungen zur Ver- 
stummung des frz. j-f-Kons. Seine Auffassung des Vorganges, als eines suc- 
cessiven Lautwandels, ist vom phonetischen Standpunkte tadellos; das ändert 



NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 26q 

freilich nichts an der Thalsache, dafs für die gebihlete, litteravische Sprache des 
12. Jalirh. in Frankreich, wie der Reim beweist, dieses j schon kein .v mehr 
war, und überhaupt nicht mehr als Artikulation zählte. 

Extraits de la Chanson de Roland et de la Vie de s. Louis par Jean 
de Joinville p. p. G. Paris. 2» cd. Paris 1889. Ilachette. 16". XI, 
262 SS. 

Das lehrreiche Büchlein hat in Folge seiner geschickten Anlage den 
erwarteten Erfolg gehabt, und liegt, nachdem es kaum veröfl'entliclit war, in 
zweiter erweiterter und berichtigter Ausgabe vor. Die sprachliche Darstellung 
des Rolandstextes, der kein kritisch abschliefsender sein soll, ist von Inter- 
esse, das Glossar und die Lautlehre sind es durch manche Etymologie und Auf- 
fassung, für die sich G, P. entscheidet,! nicht minder. — Wird Obs. gram. § 19 
i im gelehrten pitiet quitier dem Einllufs des e in pietatem quiettim mit 
Recht zugeschrieben (vgl. coi = quietus), wenn doch t in gelehrten Worten 
überhaupt bleibt, vgl. 38 .'' Ist das analogisierte dornst 27 an seinem Platze ? 
38 „t s'mtercale entre n et r dans veintre"; warum dann nicht veitiAre , wie 
ten-A-re ? Glossaire. Für Azzel-in liegt deutsches Ezz\\ näher als Azzo ; kann 
man zweifeln, dafs ahan (wie afa7i) das keuchende Athmen des schwer Ar- 
beitenden wiedergiebt ? Ist für aighmt nötig statt *aculentum : aquilentum 
(vgl. 7n3.\gre : macrem etc., aigu =^ acutus) vorauszusetzen? Ist apareilier 
nicht einfach von pareil gebildet, da ein pariculare allgem. romanisch fehlt? 
Cliapleier = chaph'-\-~icarc; dafs das unbetont. Ica-re betont, frz. (etc.) eie-r er- 
geben konnte hat man bestritten. Chief ; captim, wäre nicht besser capu ? 
Comant : come-\-tnde; aber inde (= frz. en), in deinde subinde, heifst ,,von da"; 
verträgt sich dieser Begriff „da" mit dem der Art und Weise ? Croissir ; 
bestehen gegen kraustjan Diez I Bedenken? Ist dolent = „dolentxxm für do- 
lentem", dolz =^ „dulcinm für dulce?n" nicht irreführend? Ist statt embracicr 
*imbrachiare , das nicht nachgewiesen , nicht deutlicher zu sagen, mit in aus 
braz brachiu?n (wie bei efirengier S. 128), um die franz. Neubildung anzu- 
zeigen? 

Derselben hübschen Sammlung älterer und neuerer franz. Schriftsteller 
von Hachette gehören ausgewählte Werke von Boileau, Condillac, Corneille, 
Joinville, Leibnitz, Moliere, Racine, Voltaire u. a., von tüchtigen Herausgebern 
erläutert, an; dazu kamen neuerdings La Bruyeres Caracteres von Servois 
(nach dessen grofser Ausgabe) und Rebell iau (1890), ausgestattet mit nütz- 
lichen Anmerkungen und einen Sachverzeichnis zum Texte. 



G. Camus, 1 Codici francesi della regia Biblioteca Eslcnse, Mo- 
dena 1890. 8". 74 SS. (Extratto dalla Rassegna Emiliana, Anno II). 

Herrn C, dem bereits mehrere Veröffentlichungen aus der Estens. Bi- 
bliothek zu danken sind (s. Ztschr. XIII 346), erwirbt sich ein neues Verdienst 
durch seine sorgfältige Beschreibung des Inhaltes der 19 franz. Hss. des 13. 
bis 15. (bes. 14. und I5.)jahrh. und der 56 Nummern des 16.— 18. Jahrh. 
(meist geschichtliche Materialien); wenn sich auch unter der ersten Gruppe 
meist anderweitig bekannte Tc.\tc (vorwiegend Didaclisches in Prosa, jedoch auch 
eine van Hamel unbekannt gebliebene Hs. des Roman de Ca rite des Rcnclus 
de Molicns) vorrmdcn, so wird docii ;luc1i auf vieles von «Icni Verf. /.mn ersten 



270 NEUE BUCHER UND SCHRIFTEN. 

Male aufmerksam gemacht, und wurde mancher Text von ihm zuerst erkannt; 
seine Angaben und Auszüge sind durchaus geeignet den Wert der Über- 
lieferung im einzelnen Falle zu bestimmen. 

W. C. Lane, The Dante collections in the Harvard College and 
Boston public libraries; Cambridge 1890, Lex. 8". 114 SS. [Biblio- 
graphical Contributions ed. by J. Winsor No. 34]. 

Alphabetisches Verzeichnis und Materienübersicht über die auf mehr als 
1200 Bände sich belaufende Dantesammlung zu Boston (darunter 2 ehemals im 
Besitze des Baron S. Kirkup befindliche Hss. der Div. Com.), — Ausgaben, 
Übersetzungen der Werke D.'s , Schriften über dieselben und Bildnisse 
D.'s — , deren Benutzung durch den Katalog erleichtert werden soll. Die 
Dantegesellschaft in Cambridge, in deren Auftrag der Katalog verfafst ist, 
stellt denselben allen denen zur Verfügung (sowie den Bericht über ihre Ver- 
handlungen), die Schriften zur Dantelitteratur der Gesellschaft überweisen. 



P. Marchot, Vocables Couvinois e tude etymologique. Lüttich 1890. 
8». 15 SS. 

Vom Verf., einem Schüler Wilmottes , selbst gesammelte Wörter der 
Mundart von Couvin (ca. 150), deren etymologische Deutung z. T. in An- 
schlufs an Sigart und Grandgagnage gegeben, z. T. selbständig und öfter glück- 
lich gefunden wird, und im Rest der Fälle jedenfalls Beachtung verdient. 



H. Laramens, S. J., Remarques sur les mots fr an 9. derives de 
l'arabe, 1890. 8". 52 und 314 SS. 

Das aus der S. Josephs Universität zu Beirut hervorgegangene und von 
der Katholischen Druckerei daselbst verbreitete Buch soll hier nur den des 
Arabischen kundigen Romanisten zur Kenntnis gebracht werden, da es mög- 
licherweise nicht für Jeden leicht erreichbar ist. Der Verf. ist mit den Ar- 
beiten Dozys, Engelmanns, Devics, Eguilaz' wohl bekannt, berichtigt hier und 
da Narducci, verfällt aber selbst bisweilen in den Fehler die näher liegende 
lat. oder sonstige Grundlage zu mifsachten oder ihre Ansprüche zu unter- 
schätzen z. B. bei allez imp., bärge, cabbe, danie-jeanne, degre, epicerie, giiider 
u. a. Wenn aber der Verf. auch bisweilen irrt und mehr die Bedeutung als 
die Form bei seinen Ableitungen betont , so ist das Buch doch wegen der 
Belege, die es bietet, nützlich, und nach der Art, wie die streitigen Punkte 
besprochen werden als wissenschaftliche Leistung zu würdigen. 



Ouvrages de Philologie romane et textes d'aneien fran9ais faisant 
partie de la bibliotheque de M. C. Wahlund ä Upsal. Liste dressce 
d'apres le Manuel de litt. fran^. au moyen äge de M. G. Paris. Avec 4 
appendices et 12 tables alphabetiques. Upsala 1889. Lnpr. de l'Universite. 

8". 22 und 243 SS. 

Herr W. hat den Wunsch seine aufserordentlich reichhaltige romanisti- 
sche Bibliothek seinen Seminarschülern und den Romanisten im weiteren 
Kreise zugänglich zu machen und legt zu diesem Zwecke hier ein Verzeichnis 
zunächst der in seinem Besitz befindlichen Ausgaben (nebst Erläuterungs- 
schriften) von altfranzösischen erzählenden Dichtungen (geordnet, wie sie 



NEUE BUCHER UND SCHRIFTEN. 27 I 

von G. Paris a. a. O. vorf;efuhrt werden) sowie seiner romanisüschen Sammel- 
werke (in beiden Abteilungen nicht wenige Seltenheiten) vor. Einen erhöhteren 
Wert erhält das Buch noch durch bibliographische Beigaben, durch eine chro- 
nologische Übersicht der Ausgaben allfranzösischer Texte (von 1668 an), der 
Abhandlungen des Seminars zu Upsala zu Texten des Verzeichnisses , durch 
Vorfiihrung der mit Glossaren versehenen Ausgaben (ca. lOO), der altfrz. Hss., 
auf denen die Ausgaben beruhen (eine hier seit längerer Zeit in gröfserem 
Umfange in Angriif genommene Arbeit), der datierten Hss., und der mit 
Facsimiles versehenen Ausgaben , sowie der Herausgeber und Verfasser von 
Einzelschriften ; am Ende ein alphabetisches Verzeichnis der altfranzösischen 
Texte, die das Buch vorführt. Es ist durch diese Beigaben geeignet weit über 
seinen nächsten Zweck hinaus zu belehren und Nutzen zu stiften. 

Le Lai de Tombre p. p. J. B edier, Fribourg, 1890. Extr. de l'Index 
lectionum quae in Univers. Friburg. per menses aest. anni 1890 habebuntur. 
4". 58 SS. 

Eine stattliche Beigabe zu dem ersten Vorlesungsverzeichnis der neuen 
Schweizer Universität, an der der Romanistik eine würdige Stellung ein- 
geräumt ist und rom. Sprache und Litteratur durch einen Professor des Italie- 
nischen , und zwei für französ. und roman. Sprachgeschichte und Litteratur 
(Bedier und Rabiet) vertreten wird. Die Ausgabe des Lai ist eine allen An- 
forderungen der Methode entsprechende (nach 6 Hss. ; entgangen ist dem 
Herausgeber Bibl. nat. No. 1553 fol. 493 f. s. Cat. des Mss. fran9. I 251; zu 
Hs. C gehörig!); B. setzt die geistreiche Dichtung in den Anfang des 13. Jahh., 
und erkennt in dem Verf. Jean Renard, einen Dichter der östlichen Mundart, 
der im Centrum Frankreichs geschrieben haben soll. 



P. Rajna, Le Corte d'Amore. Milano 1890, Hoepli. 8". 20 u. 100 SS. 

Ein schmuckes Büchlein , gewählt in der Ausstattung M'ie in der Dar- 
stellung, das in launigem Tone und mit der R. eigenen anschaulichen Bild- 
lichkeit der Frage über die Liebeshöfe und Liebesgerichtshöfe näher tritt, — 
ursprünglich ein vor 5 Jahren verfafster, dann im vorigen Jahre zu Mailand 
gehaltener Vortrag, der hier durch z. T. sehr wichtige gelehrte Anmerkungen 
erweitert erscheint — , und die Liebeshöfe als Tribunal verneint, aber ein- 
räumt, dafs man allerdings das Recht der Liebe und Fragen der Liebe be- 
sprochen , auch wohl Damenkreisen vorgelegt habe , die hier oder dort in 
Nordfrankreich dem, was man heute unter Hof versteht, geglichen und die 
Anschauungen der Beteiligten zur Geltung gebracht haben könnten. Das Buch 
ist ebenso anmutig geschrieben wie belehrend. 

V. de Bartholomaeis, Di un codice senese di sacrc rapprescnla- 
zioni; nota, in Rendiconti della R. Accademia dei Lincei, Classc di scienzc 
morali, stör, et filol., vol. VI, i" sem., fasc. 8. S. 314 IT. 

Hs. 15. Jahrh., enthält das schon bekannte geistliche Drama von Vilcl 
sagginato, ein unbekanntes von der h. Catherina für drei Tage, und ein anderes 
von der Geburt Christi (Prophelicn, Anbetung der Hirten und der Magier) alle 
in 8 rimc und mit z. T. ausführiiciien Bühnenanweisungen versehen. B. giebl 
Auszüge und teilt den Inhalt niil. 



272 NEUE BÜCEHER UND SCHRIFTEN. 

Ders., Ricei'che Abruzzesi. Comunicazioni all'Istituto storico 
italiano. I— V. Estr. dal Bullettino No. 8. (Roma 1889). 8«. roi SS. 
Beschreibung von 61 Hss. des Minoritenconvents zu Capistrano , meist 
des 14. und 15. Jalirh., neben theologischen und juristischen Schriften in lat. 
Sprache des Mittelalters, auch einige antike Litteraturwerke, sowie einige ital. 
Dichtungen (z. B. No. 33) enthaltend , von denen Lauden mitgeteilt werden ; 
ferner Inhaltsangabe über eine Hs. des Convents von Sant' Angele d'Ocre mit 
einer mundartlichen ital. Übertragung des Speculum vitae contemplalivac des 
h. Bonaventura u. a. ; aufserdem Mitteilung eines ital. Gedichts über Christi 
Leidensgeschichte in 4 zeil. einreimiger Strophe aus einer Corsinianischen Hs., 
sowie wichtige und interessante Erörterungen über den Zusammenhang von 
Lauda, Predigt und geistlichem Drama im Gebiet der Abruzzen u. a.; S. 87 
u. f. ein eigenartiges lat. Scenarium zu einer lat. Passion Christi, mit latein. 
Versen versehen, Hs. 14. — 15. Jahrh. 



Italienische Dichter seit der Mitte des 18. Jahrh. Übersetzungen und 
Siudien von Paul Heyse. Bd. I. H. HI. Berlin, 1889, Hertz. 8«. 16, 
406; 8, 374; 9, 336. 

Das gebildete deutsche Publikum hat allen Grund H. für die Vereinigung 
seiner Arbeiten über ital. Dichter des 18. Jahrh. und seiner Übertragungen 
von Werken hervorragender Dichter seit Parini dankbar zu sein, und es kann 
kein Zweifel darüber bestehen , dafs der Weg der Anschauung , auf dem er 
den Leser zum Verständnis von Art und Geist ital. Dichtung seit ihrer Er- 
hebung um die Mitte des vorigen Jahrh. zu führen unternimmt, ein sicherer 
zum Ziele führender ist, als die treffendsten litt. Charakteristiken, Portraits 
und räsonierenden Darstellungen der litterarischen Entwickelung Italiens. 
Dafs er nicht nur meisterhaft fremde Art in deutschen Versen wiederzugeben, 
sondern dafs er auch zu charakterisieren versteht, zeigt das aus einem vor 35 
Jahren gehaltenen Vortrag über V. Alfieri mitgeteilte Bruchstück das zum Besten 
gehört, was in Deutschland über A. geschrieben worden ist, die Charakteri- 
stik des Satirikers Alfieri , der Vortrag über V. Monti , dem sich eine Reihe 
kritischer Analysen von Dichtungen M.'s anschliefsen, u. a. m. Der erste 
Band enthält mit kurzen Einführungen noch Foscolos Gräber, sowie Manzonis 
Heilige Hymnen und einige weitere Gedicht desselben. Bd. II bietet H.'s 
Leopardiübersetzung vom Jahre 1878 mit der Abhandlung über L.'s Welt- 
anschauung; Bd. III die Satirendichter Giusti (nach H.'s Buch von 1878) 
Guadagnoli und Belli (von letzterem 30 Nummern, mit Biographie und Cha- 
rakteristik); — wenigstens zu weltlitterarischer Bedeutung gelangte Italiener 
sind somit in der Sammlung vertreten. Nicht ein Ganzes der Litteratur und 
ilue Haupterscheinungen im Zusammenhang führt sie vor, aber eine Einsicht 
und genufsgewährende Ergänzung zu einem würdigen Buche über die letzten 
beiden Jahrhunderte der ital. Litteratur, das die Zukunft noch bringen soll, 
wird sie immer bleiben. 



F. Sabatini, II Volgo di Roma; raccolta di tradizioni e costu- 
manze popolari. Roma 1890, Löscher. 8". 78 SS. 

Diese neue verdienstliche Publikation S.'s, scheint bestimmt in zwang- 
losen Heften Beiträge zur römischen Volkskunde zu bringen, und vereinigt in 



NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 273 

ihrem ersten hübsch ausgestalteten Hefte mit einem Beitrag zur Puppen- 
komödie (von Chiappini), zwei Abhandlungen über die Lyrik im röm. Volkslied 
(vom Herausgeber) und über röm. Melodien (von Parisotti), sowie drei röm. 
Lieder aus dem Volksmunde mitgeteilt und erläutert von Menghini. Derselbe 
Herausgeber begründete eine 

Rassegna di Letteratura popolare e dialettale (direita da Menghini, 

Parisotti, Sabatini), 
deren erste Nummer im Januar 1890 erschien. Das kritische Monatsblatt ist 
bestimmt über die Litteratur zur Volkskunde (in welchem Umfange ist nicht 
ausdrücklich gesagt, offenbar sind aber die aufserromanischen Länder mit ins 
Auge gefafst), durch sachliche kritische Besprechung und Übersichten über neu 
erschienene Schriften über Volkssprache, -Litteratur und -Bildung eingehend 
und schnell zu unterrichten. Möge dem nützlichen Blatt eine allseitige Unter- 
stützung nicht fehlen. Bei dieser Gelegenheit sei es erlaubt aufmerksam zu 
machen auf eine der am besten geleiteten folkloristischen Vierteljahrsschriften, 
auf das in Deutschland noch wenig verbreitete 
Archivio per lo studio delle tradizioni popolari von G. Pitrc und 

S. Salomone-Marino. Palermo, Clausen , 
wovon der 8, Jahrgang im Jahre 1889 (8". 595 SS.) abgeschlossen wurde, 
der aufserordentlich inhaltreich und zu zeigen geeignet ist, wie es dieser 
Zeitschrift am besten gelang , den internationalen Charakter der auf die 
Volkskunde gerichteten Studien zum Ausdruck zu bringen. Überwiegen auch 
unter den Novellen, Legenden und Geschichten, den Beschwörungen, 
Heilmitteln und Aberglauben, den Gebräuchen, Sitten und Gewohnheiten, 
den Sprichwörtern und Ausrufungen , den Liedern und Gedichten , den 
Kindergesängen und Spielen, den Rätseln u. s. w. , die der Band enthält, 
die Beiträge aus Italien , das aber mit fast allen seinen Provinzen und 
vielseitig vertreten ist, so begegnen doch auch und z. T. umfängliche Mit- 
teilungen aus Deutschland, Schweden, Frankreich, Spanien, Portugal, Alba- 
nien, Türkei, Amerika und selbst aus Japan, Java und den Philippinen, He- 
bräisches und Annamilisches u. s. w. , sodafs eine gröfsere Mannigfaltigkeit 
volkstümlichen Stoffes gar nicht denkbar ist. Dafs das Archivio nicht vor- 
zeitigen vergleichenden , und auf Ursprung und Entstehung folklorischer Er- 
scheinungen gerichteten Untersuchungen Raum gönnt, ist nur als ein Vorzug 
der Zeitschrift unter den vielen ähnlichen zu betrachten. Auch die Be- 
sprechungen von Schriften zur Volkskunde und die bibliographischen Über- 
sichten zeichnen sich durch die Richtung auf das Ganze aus, und dafs unter 
den Mitarbeitern, aufser den Herausgebern , sich Gelehrte wie A. d'Ancona, 
Finamore, Gianandrea, G. Lumbroso u. a. befinden, kann nur das Vertrauen 
in den Wert der Materialen, die die Zeitschrift sammelt, und zu ihrem würdigen 
Forlgang erhöhen. Auf einzelne Beiträge hier einzugchen oder sie auch nur 
namhaft zu machen, verbietet der Raum. 

Bullettino della Societk dantesca italiana. 1890. No. i. Fircn/- is<(> 
8». 67 SS. 

Organ der am 31. Juli 1888 gegründeten nationalitalienischen iJ.inu- 
gesellschaft, die sich die Aufgabe stellt, mit Unterstützung von Provinzal- 
danlcvereinen aufscrhalb Florenz das Stuilium des Lebens, der Zeit un-l der 



2 74 NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 

Werke Dantes zu befördern , und sich unter den Schutz des Königs von 
Italien gestellt hat. Das Bullettino enthält die Satzungen der Gesellschaft, ein 
Mitgliederverzeichnis, die Geschichte der Gründung des Vereins, Berichte über 
seine Verhandlungen und namentlich über die nächste Aufgabe, die zu lösen 
gesucht werden soll , die Herstellung einer kritischen Ausgabe der Werke 
Dantes, in erster Linie der Göttl. Comödie. Der aus Bartoli , A. d'Ancona 
und del Lungo bestehende Ausschufs empfahl das von Monaci und Bartolj 
eingeleitete Verfahren für Gewinnung einer Grundlage für die kritische Aus- 
gabe (Prüfung sämtlicher Hss. auf 150 Sinnesvarianten hin, — von C. Taeuber 
übrigens bereits ebenfalls ins Werk gesetzt, was in irrtümlicher Auffassung 
S. 25 in Abrede gestellt wird), und die Inanspruchnahme junger Kräfte für 
diese vorbereitende Arbeit, der die Unterstützung des Auslandes jedenfalls 
auch zu Gute kommen wird. Nächstdem bietet das Bullettino Vorschläge für 
Organisation der Arbeiten in den Zweigvereinen der Provinz, eine Übersicht 
über Büchergeschenke und den Anfang einer Bibliografla Dantesca für das 
Jahr 1889 von M. Barbi (A — D.), die in eingehendster Weise ihren Gegen- 
stand behandelt, und im Bull, fortgeführt w«rden soll, das bestimmt ist aufser 
Vereinsnachrichten, auch Beiträge zur Danteforschung wissenschaftlichen Cha- 
rakters aufzunehmen. Wir wünschen der Vereinsschrift und den Unter- 
nehmungen der illustren Gesellschaft den gedeihlichsten Fortgang. 

Revue celtique. Vol. X, 4; Octobre 1889. 

J.-F. Cerquand, Taranous et Thor {fin.), — Kug- Bernard, La Creation 
du Monde {suite). — M. Nettlau, Irish texts in Dublin and London mss. — 
H. Gaidoz, Le Debat du corps et de l'dme en Lrlande. — E. Hogan, A puzzle 
in Irish parsing. 

MELANGES: J. Loth, Gzvyr, Goar, — J. Lotli, Eguetou. — J. Loth, 
Fec'h, fi == c^hwec'h, c'hwi. 

BIBLIOGRAPHIE : J. Rhys , Lectures on the origin and growth uf 
1-eligion as illustrated by Celtic heathendom. 

CHRONIQUE. 

Table des principaux niots eiudies da/is le tonte X, par E. Ernaut. 

Errata du tome X. 



Fede e Superstizione nell' antica poesia francese. 

(v. Zlschr. XIV 89). 

III. 1 Sanli. 

Lo Schröder nota a ragione che „il ciilto dci santi e con- 
giunto strettamente con quello di Maria, tanto per cio che con- 
cerne le forme esterne che adotta, quanto se si contempli dal punto 
di vista del dogma cristiano." 1 

Avvertiamo subito percio che, sopra i santi, noi trovammo 
molto poco che anche lo Schröder non abbia notato nelle sue 
fonti ; tuttavia il risultato dei nostri studi gioverä almeno a con- 
validare ancora di piü quanto egli ha detto. 

.§1. / Fabliaux anche qui ci danno scarsi documenti; tuttavia 
possiamo in qualche modo raccogliere, dalla frequenza maggiore 
o minore con cui si invocano, quali fra i santi piü comunemente 
appariscano, e dovessero essere cosi piü famosi. Si nomina abba- 
stanza spesso S. Simone : 

. . . . par Saint Symon RGF, F. XVI v. I p. \Z-, v. \z t F. XXXIII 

V. II p. 37 V. 194. 
foi que je doi ä saint Symon „ F. XXXI v. II p. 36 v. 191. 

Piü di frequente S. Pietro e Paolo : 

Fol que je doi saint Pol l'apostre RGF, F. LXXX v. III p. 195 v. 84. ' 

Foi que je doi saint Piere et saint Pol RGF, F. LXVII v. II p. 90 v. 68. 

Alez, ä saint Pare l'apostre 

. . . . je vous commant. RGF, F. LXXIV, v. II p. 165 v. 174 — 5. 

Estormis en jure S. Pol. RGF, F. XIX, I p. 209 v. 341. 

11 jura saint Pol ... . RGF, F XXXII, II p. 28 v. 125. 

Piü di frequente ancora S. Martino : 

Par saint Martin .... RGF, F. XVII, I p. 191 v. 95; F. XLVIII. II 

p. 195 V. 67; F. CV, IVp. 159 T. 44. 

Pour saint Jake et pour saint Martin, RGF, v. II F. XXIV p. 88 v. 1263. 

. . . . foi que je dois saint Martin RGF, F". XXIII, I p. 249 t'. 114; 

RGF, F. LXXVII, III p. 179 V. 340. 

Foiz que vous devez Saint Marlin RGF, F. LVIII, III p. \o v. 148. 

. . . . por le costez saint Marün RFG, F. LXXXIV, IVp. 242 v. 469. 

• Schröder, Op. eil. p. 37. 
Zeitachr. f. rom. Phil. XIV. ijj 



276 G. SCHIAVO, 

Si ricorda anche un luogo in cui si onorava S. IMartino : 
Sains Martins qu'om aore ä Sens RFG, F. XXXIV, II p. 74, v. 852. 

Altrove S. Martino si dice il hollotte , per la festa della sua 
Traslocazione che cade in Luglio. Si ricorda di fatto che un 
certo avvenimento ebbe luogo : 

. . . . entor la saint Martin 
Le boillant, que gibiers aproche. 

RFG, F. LVII, III p. 35 v. 1—3. 

Altri santi ricordati abbastanza frequentemente sono: S. Gille^, 
S. Nüholas'^, S. Thomas'-^, S. Amanf^, S. Denise'^, S. Jorge ^, S Gcr- 
main ', S. Omerfi Spesso si nominano tutti i santi insieme e tal- 
volta dope invocatili cosi, sc ne specificano alcuni, o si citano 
quelli di una data localitä. 

Puis jure les sainz d'Engleterre, 

Ceus de France et ceus de Bretaigne. RGF, 1° F. XIX p. 211 v. 408 — 9. 

Par toz les Sains que l'en aeure. RGF, 1° F. XXIII p. 250 v. 155. 

. . . . sus Sains vous plevis. „ 11^, F. XXXII p. 29 v. 150. 

. . . . sor Sainz les juerrai. „ /F" F. LXXXIVp. 240 z'. 401. 

Tant qu'il jurent sor lor vie, 

Seur la croiz et seur le sautier, 

Et seur toz les sainz du moustier. RGF IV^ F. CVI p. 197 v. 942 — 4. 

Par tous les sains qui sont ä Romme 

Et par Saint Pol et par saint Pierre RGF 11*^, XXXIV p. 88 v. 1254. 

Formula di maledizione: 

Tout li cors saint qui sont ä, Romme 
Puissent le vostre cors confondre ! 

RGF, II F. XXXIV p. 79 V. 199. 

Ai corpi santi accenna perfino quel hello spirito che e il giul- 
lare di Ely, incontratosi in re Artü. II re gli domanda se il suo 
cavallo sia sano ; il giullare scherzando sul vocabolo seitiz , che 
tanta puö voler dire santo che sano, risponde che il suo cavallo 
non e santo , perche allora i monaci ravrebbero rinchiuso in un 
sacrario : 



1 RGF IP, F. XXXIV p. 70 V. 718, F. XXXVI p. 118 v. 138, IV, 
F. LXXXA'III, p. 280 V. 152; P, F. XXVIII p. 310 v. 183. 

2 RGF, IP F. XXXIV p. 91 V. 1344, IVo F. CVI p. 26 v. 56—7, CXIX 
p. 87 V. 113, p. 88 V. 142. 

3 RGF. IP F. XLVII p. 179 V. 25 p. 179 V. 39 ; V« p. 96 v. 35. 

* RGF, P F. XIX p. 201 V. 105, p. 216 V. 557; IVo F. XCVIII p. 118 
V. 180. 

5 RGF, P F, XXVIII p. 312 V. 243; IP F. XXXV p. 100 v. 248, p. 107 
V. 470. 

6 RGF. P F. XXVIII p. 19 V. 323. 

' RGF, IIP F. LXXX p. 200 V. 90, F. LXXXIII p. 225 v. 84; IV 
F. XCVIII p. 123 V. 328; V F. CXX p. 97 V. 70. 

8 RGF, IP XXXV p. 103 V. 329, IVo F. XCVIII p. 121 v. 284 ; F.CIV 
p. 157 V. 87. 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' ANTICA POESIA FRANCESE. 277 

Seintz n'est il mie, ce sachiez bien; 
Car se il fust seinz ne fu pas mien, 
Lcs noirs moynes le m'eussent toleyt 
Pur mettre en ferte, come s'en serreit, 
Auxi conie autres seintz cors sunt, 
Par tot le universe mount 
Par perdun receyvre et penance fere 
A tote gent de la terre 
RGF 11^, F. LII^p. 245 V. 105—12. Le Roi iV Äugle - 
terre et le yongleur d'Ely. 

E apptmto per ottenere perdono dei loro peccati o per otte- 
nere qualche grazia speciale, mcjlti vanno in pellegrinaggio alla 
Tomba dei santi piü famosi, a S. Giacomo specialmente.' 

Quanto sia famoso questo pellegrinaggio appare dal Dil des 
Anelts {/CD I), in cui si racconta che la sposa infedele, pentita 
e divenuta ricca , volle fondare vn\ ospizio pei pellegrini che di 
Francia si dirigevano in Ispagna. II marito li lei, giunto a S. Jago, 
offri coi figli doni al santo: 

Bien firent leur ofiVendes et ce que fere durent 

p. 29 st. 180 V. 2. 

K gli offre denari anche il cavaliere ricordato nel Fabl. c/u 
ProvGst ä Aumtichc. 

Tant va pur piain et par boschage, 
Oue au Baron saint Jaques vint. 

BM, IV p. 187 V. 28—29. 

Quanto comune fosse il costume di andare in pellegrinaggio 
a qualche santuario famoso ci appare specialmente dal Fahl, du 
Chevalier ä la robe vermeiUe. La mogiie confonde talmente la testa 
al povero marito che ormai lo ha persuaso aver egli perduto senno 
e memoria, lo consiglia a votarsi a qualche santo, ed egli lo pro- 
mette di cuore: 

Diex ,,dist la dame" vous consaut 

Et de sa destre main vous saint ; 

Quar vous vouez ä .1. bon Saint 

Et si i portez vostre offrande, 

Que Diex ia memoire vous rende. 

Dame, „dist il" et je me veu 

A Diex et au baron Saint-Lcu, 

Et s'irai au baren saint Jaquc, 

Et saint Eloy et saint Romaclc. 

Sire, Diex penst de vous conduirc ; 

' Si trova talvolta la fräse: aler en oroisons per dire: andare in pelle- 
grinaggio. 

Cosi : Uns preudon .... 

Voloit en oroisons alor BM, II' p. 92 v. i — 2. 
Si aloicnl cn oroisons BA/, IV p. 1287'. 17. 

18* 



278 G. SCHIAVO, 

Revenez vous en par Estuirei, 
Par monseignor saint Sauveor; 
Iluec vont li bon pecheof, 
Et ci revenez par lä terre 
Monseignor saint Ernoul querre. 

RGF, III F. LVII p. 44—5 V. 276—90. 

§ 2. Ma noi abbiamo notato che non serapre i Fabliaux ci 
ricordano con rispetto il nome di Dio e della Vergine. Ora come 
si comportano verso i Santi? A dire il vero, un po' peggio 
ancora. 

Gli esempi non sono molti, e vero, ma non per questo sono 
per noi senza iraportanza. 

Gia nel Fabl. JJes piäuhis et des Lecheors'^-, S. Pietro non ha 
forse una parte troppo bella; potere istruire Gesü sulla condizione 
di quei poveri infelici, come se egh, in materia, ne sapesse ancor piü 
di Dio, non e troppo onore per un santo! Ma al povero S. Pietro 
se ne attribuiscono di piu curiose. Basta leggere il Fabl. de Saiftt 
Pierre et de Jongleur, per ridere ancora oggi, col trovero arditissimo, 
forse piü di S. Pietro che del giullare.3 

Questo eterno custode delle porte del cielo discende un bei 
giorno in cui tutti i demoni , perfmo masiro Liicifero , sono usciti 



* Forse ho trovato in questo passo la spiegazione di un luogo di 
Rutebeuf, rimasto oscuro. Nella Desputizon dou Croisie et dou Descroizie 
{OCR\) il non crociato ride di coloro che vanno qua e lä in pellegrinaggio, 
fra gli altri luoghi ä Roume ou en Estiire (p. 152 v. 93). II Jubinal nota, a 
questo luogo , di non capire bene il passo in questione ; o Rutebeuf, dice 
egli, ha voluto accennare a un santuario di cui non sappiamo notizia, o ha 
confuso le Asturie colla Gallizia, volendo ricordare S. Giacomo di Compo- 
postella, confusione che poteva esser facile in quei tempi. 

Se dobbiamo dir la veritä, in tutti gli altri luoghi in cui Rutebeuf 
ricorda S. Jago, lo pone in Gallizia ; inoltre codesto era un santuario troppo 
spesso frequentato dai pellegrini, perche potesse confondersi il sito dove 
sorgeva. 

Ora, le parole della moglie al marito, verrebbero a riconfermare il fatto ; 
qui non c'e pericolo di prender l'Asturia per la Gallizia, perche S. Giacomo 
e ricordato sopra ; qui si accennerebbe appunto a un santuario in Asturia, a 
un luogo sacro a S. Salvadore, 

Ma noi abbiamo un bei cercare ; le carte e i dizionari geografici non ci 
indicano in Asturia nessun paese che si chiami cosi. Di S. Salvador la Spagna 
e ricchissima. Per ricordarne alcuni piü vicini alle Asturie, si notino; S. Sal- 
vador in Gallizia, quasi sul confine delle Asturie, oggi Castro D'Oro, sul Rio 
de Toz; S. Salvador nel regno di Leone, provincia di Palencia, prossimo 
anche questo al confine colle Asturie ; Saint Sauveur de Leres , abbazia 
d'uomini dell' ordine di S. Benedetto, della congregazione di Valladolid, 
in Gallizia. (Vedi = Dictionnaire de M. Bruzen de la Martiniere, 
„S. Sauveur"). 

Ora, a dir vero, non sembra che ne il Fabliau, ne il passo di Rutebeuf 
possano riferirsi a questi luoghi; tuttavia, se l'accenno del non crociato ha 
qualche relazione con quello della moglie al märito, o qualcuno dei tre S. 
Salvadori spettava allora all'Asturia, o in questa regione v'era un santuario 
che oggi non si sa piü dove trovare. 

2 Ved. cap. P. 

3 RGF, IV F. CXVII p. 65 sgg. 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELr/ANTICA POESIA FRANCESE. 279 

sulla terra alla caccia di anime, non lasciando che un povero giul- 
lare a custodirle e a tenervi acceso sotto il fuoco. E S. Pietro 
coglie l'occasione per entrare nelPInfemo, e trar via seco tutte le 
anime ivi dannate. II faceto giuUare non risparmia nulla, ha proprio 
giurato di ridere e farci ridere anche sul santo, fondamento della 
nuova fede, S. Pietro si presenta come un bei giovinotto, elegante : 

Droitement en enfer entra, 

Mout estoit bien appereilliez ; 

Barbe ot noire, grenous treciez, 

En enfer est toz seus entrez, 

.1. berlenc aporte et .111. dez. p. 69 v. 130 — 34. 

Oflfre al giullare di giocar con lui ai dadi, egli raetterebbe 
delle belle sterline, il cuoco infernale altrettante anime. E li giuo- 
cano molto, sempre con pleno successo del santo, fino a un punto 
in cui il giullare, accusandolo di adoperare dei dadi falsi, nasce 
tra loro un vivace diverbio in cui l'uno dispensa aH'altro titoli 
onorifici quali sanno darsi i monelli se vengono a zuffa sulle vie, 
Ma non basta, dalle offesse si viene a una vera e propria rissa, in 
cui S. Pietro e veramente ridicolo : 

Cil (il giullare) saut sus por les denicrs prendre 

Et Saint Pieres, sauz plus atendre, 

Les vous aert par los illiers, 

Et eil lest cheoir les deniers, 

Qui mont avoit le euer man ; 

Si l'a par la barbe saisi, 

Mout forment ä lui le tira, 

Et sains Pieres 11 deschira 

Toz ses dras jusques el braiel. 

Finalmente il giullare capisce che egli si sarebbe opposto in- 
vano a S. Pietro, piü forte e piü grande di lui, si rappacificano, 
giuocano ancora e il giullare perde tutte le anime^ che S. Pietro 
si trae dietro nel cielo, per poi ricevervi a braccia aperte ancTie 
il giullare, privato del suo ufficio da mastro Lucifero. In veritä, 
chi parla cosi dei santi e dei dogmi della vita futura non mostra 
di crederci troppo. 

Forse ancora piü finamente e giuocato nel Fab. Du Vilain 
qui conquist Paradis par plait ', ma non solo lui , anche S. Tom- 
raaso, S. Paolo, e, sotto un certo rispetto, Dio stesso. L'anima di 
un villano si arrampica su fino al cielo, seguendo la via tenuta 
da S. Michele. Ma S. Pietro la ritiene fuori della porta, dichia- 
randogli che di villani non sapevano che farsi in cielo. II vil- 
lano non si perde d'amino , senza tanti riguardi gli risponde che 

' RGF, IV I sgg. — I villani non sono generalmentc troppo amali dagli 
scriiiori medievali, specie dai troveri e giullari. La ragione c chiara; essi non 
spendevano certo un denaro per farsi cantare delle novelle o per ascoltare 
delle poesie. Cfr. F. Novati, Carmina Med. Aevi, Firen/.c 1883 pp. 25 sgg. 
Qui tuttavia abbiamo un cscmpio in contrario. 



28o G. SCHIAVO, 

villano piü di lui non c'era , che egli era stato sempre piii duro 
di pietra dura, che Dio fu pazzo quando lo face suo apostolo, per 
vedersi poi rinnegato da lui ben tre volte. Conchiude anzi col 
volere egli stesso cacciar via S, Pietro : 
Alez fors, or tost, desloiaus, 
Quar je sui preudons et loiaus. p. lo v. 40 — i. 

S. Pietro ne ha avuto abbastansa, va a trovar S. Tommaso che 
ricorda al villano non esser quello il luogo per lui. Ma il villano 
sa rispondergli: 

Thomas, Thomas, trop es isneaus 

De respondre comme legistres; ^.211 v. 60 — i. 

non siete voi che, per credere, voleste toccare? 

Faus i fustes et mescieanz. p. 211 v. 69. 

Viene S. Paolo che vuol cacciar via il villano baldanzoso , il 
quäle anche per lui avra pronta la risposta. 

„Non vi accendete tanto, voi foste orribile tiranno, giammai ne 
verrä uno cosi crudele, 

Seinz Etienes le compava 

Oue vous feistes lapider." p. l\i v. 86 — 87. 

Ed anche S. Paolo ne ha avuto abbastanza e torna indietro ; 
riconoscono ormai i tre santi che il villano aveva guadagnato il 
paradiso e vanno a reclamare presso Dio. II villano non si spa- 
venta neppure innanzi a lui, egli sostiene di avere pieno diritto 
di restare dov'era; „io non ho ucciso nessuno, io non vi ho rinne- 
gato, gli dice, ho creduto a voi senza vedervi ; invece diedi pane e 
alloggio ai poveri, li scaldai al mio fuoco, li vestii, morii confessato. 
Chi passa cosi ad altra vita, Dio gli perdona i peccati, almeno si 
dice." E Iddio non sa dargli torto, risponde che egli si era 
guadagnato il Paradiso , dacche la scuola da lui frequentata gli 
aveva appreso bene a parlare, a discutere e a vincere; in breve, 
dacche il naturale buon senso del villano, rozzo finche si voglia, 
ma non imbecille, aveva trionfato completamente : 
Tu as este ä bone escole 
Tu sez bien conter ta parole 
Bien sez avaut metre ton verbe. p. 214 v. 151. 

§ 3. Ma se noi usciamo dai Fabliaux ci troveremo subito in 
buona compagnia di santi e di sante, di romiti e di asceti, d'ogni 
etä e condizione. — Si ricordano specialmente i martiri. — Rute- 
beuf stesso, inveendo contro i vizi dei prelati oppone loro l'esempio 
dei santi che soffrirono e morirono per guadagnarc l'amore di Dio. 

Je tien bien ä fol et ä nice 
Saint Pol, saint Jaques de Galice, 
Saint Bertelemien et saint Vincent, 
Qui furent sanz mal et sanz vice, 
Et piirent, sanz aulre delice, 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' ANTICA POESIA FRANCESE. 28 I 

Martirez pour Dicu plus de cent. 
Li Saint preudome qu'en musant 
Aloient au bois porchaceant 
Racines en leu de vice.* etc. 

OCR II. De Sainte Eglise p. 46 v. 25 — H. 

Quindi i fatti principali che seguirono la morte del Reden- 
tore e accompagnarono la diffusione della nuova dottrina, in una 
parola, gli Actus Apostolonwi, inessi in dramma, rappresentati dinanzi 
un popolo avido di commozioni , disposto ad accogliere col piii 
grande favore questo genere di divertimenti. 

Ma non si esporrä nudamente la storia del martire; qualche 
volta si andrä introducendo discussioni teologiche , sempre fidi 
anche in cio al carattere del santo , che non muore senza com- 
battere per la sua fede. Cosi, narrando la morte di S. Stefano, si 
immagina che Anna e Caifas movano a lui obbiezioni sulla ver- 
ginitä di Maria, e gli argomenti portati da loro, pur non essendo 
che quelli del buon senso, non cessano per questo d'essere un po' 
piii forti delle ragioni esposte dai santi.2 

Nel mistero della Cotiversion Saint Pol'^, Saullo si presenta 
como il fiero nemico dei Cristiani che si dirige a Damasco per 
farne scempio ; ma ecco Gesü costringerlo a convertirsi per la luce 
che, abbagliandolo, lo fece cadere di sella. Per meglio propagare 
la fede di Cristo, non per viltä, egli si nascose fuggendo i Giudei, 
e qui compariscono S. Barnaba, S. Andrea, S. Giacomo il maggiore, 
S. Giovanni, S. Tommaso, S. Giacomo il minore, S. Matia, che rac- 
contano fra loro, ringraziandone Iddio, la miracolosa conversione 
di Saullo, il quäle stabilisce di correre altre terre con S. Pietro per 
propagare la legge di Cristo. 

Abbiamo cosi le Martyre de S. Pieire et de S. Paul^, Simon 
mago che si oppone alla predicazione dei due apostoli , la sua 
caduta, la sua morte, la conversione di molti pagani, l'incarcera- 
zione e il martirio dei due apostoli per Vendetta dr Nerone, sopra 
tutto adirato, perche essi erano stati la causa della line infelice del 
suo mago prediletto. 

Ma una osservazione notevole si puo fare in questo mistero; 
il popolo portando il suo spirito nella storia dei fatti immagina 
che Nerone, il giurato nemico del Cristianesimo, si uccida per dis- 
perazione, dopo consumato il sacrificio dei due principali ap9StoIi. 
Di fatti Pietro e Paolo gli compariscono in atto minaccioso , un 
SUO sgherro lo avverte che i Romani veniano in cerca di lui per 
ucciderlo, egli dichiara che non avrebbe aspettato la morte da loro 
e si uccide. 

Ma, passando per la Grecia, S. Paolo aveva convertito Dionigi 
Areopagita. Eccoci pertanto il mistero della Cotiversion S. Denisfi 

* Lo stesso pensiero nel Diz des Reglcs I p. 226 v. 49 — 54 c nel Diz de 
Puille I p. 172 V. 25 — 28. 

-• JMys. \. i JMys. L ♦ JMy^. 1. ' JMys. \. 



282 G. SCHIAVO, 

Si presenta S. Paolo che disputa coi filosofi ; il mistero fedele 
anche qui agli Achis Apostolorum ' ma piü ragionevolmente di questi, 
fa che Paolo prima di discutere suUa "" trinitä di Dio, entri nella 
questione dell'anima, come di fatti sarebbe verosimile, essendo co- 
desto il problema piü importante e vitale; passa poi a toccare, ma 
molto in breve, l'argomento dell'immortalitä dello spirito.2 

Dionigi si presenta come uno dei filosofi contradditori ; a un 
certo punto S. Paolo gli chiede conto di un altare che essi avevano 
dedicato al Dio ignoto, e lo assicura che questo Dio era appunto 
quello che egli era venuto a far conoscere.^ 

S. Dionigi si dichiara vinto alle ragioni di S. Paolo e lo invita 
a pregar Dio di farlo uno dei suoi discepoli. 

Quindi S. Paolo ridona la vista miracolosamente a un povero 
cieco ^ e, hello e guarito, lo manda a Dionigi, che riconoscinto il 
miracolo, non tarda piü un momento a convertirsi, facendosi bat- 
tezzare subito colla moglie Damaris, i figli e pochi altri. 

Paolo lo nomina quindi vescovo di Atene e lo lascia in Grecia 
a predicare la fede Cristiana. 

Eccoci pertanto al Marlyre de S. Denis et de ses compagnons.^ 
Dionigi, presentendo che Pietro e Paolo dovevano correre in Roma 
l'estremo pericolo , viene egli pure per dividerne la sorte. Ma 
S. demente, primo papa, lo persuade a dirigersi invece in Francia 
a predicarvi la buona novella.*^ 

In Francia S. Dionigi trova i soliti contradditori, si disputa a 
lungo sul mistero della Trinitä, segue la rappresentazione dei sup- 
plizi fatti subire a Dionigi, a Rustico ed Eleuterio ; sono battuti a 
sangue, gettati in un carcere. E S. Dionigi e posto sopra una 
graticola, ma per quanto si avvivi sotto il fuoco, egli non muore, 
e gettato fra bestie feroci; ma qui si rinnova il miracolo di Daniele 
nella fossa dei leoni , le belve da tre giorni digiune , non osano 



* Act. Afost. cap. XVII V. i8: Ouidam autem Epicurei et Stoici philo- 
sophi disserebant cum eo etc. 

'^ ^ proprio tulto l'inverso che negli Actus; ved. cap. XVII, v. 31. 

3-- 33- 

^ Anche qui gli Actus sono seguiti colla maggior fedellä. Cap. XVII 
V. 22): Stans autem Paulus in medio Aieopagi, ait: „Viri Athenienses, per 
omnia quasi superstitiosiores vos video ; v. 23) Praeteriens enim et videns 
simulacra vestra , inveni et aram , in qua scriptum erat : Ignoto Deo. Quod 
ergo ignorantes Colitis, hoc ego annuntio vobis". 

■' La conversione di Dionigi e analoga a quanto si trova al cap. XVII 
V. 34 degli Actus, ma il miracolo di S. Paolo sul cieco e una invenzione del- 
l'autore. Tuttavia il poeta non inventö neppure dei tutto il miracolo, ma non 
fece forse che invertire a suo uso e consumo , allerando nel senso che gli 
parve opportuno, un miracolo per cui S. Paolo non diede, ma tolse la vista, 
beuche temporariamente, al mago Elima o Bariesu, punendolo cosi perche si 
opponeva alla conversione dei proconsole dell'isola di Cipro, Sergio I'aolo 
(cfr. Actus Apost. XIII 3 ß sgg. 

5 JMys. I. 

•^ ^ noto che la confusione dei due Dionigi , l'Areopagita e il vescovo 
di Parigi , in un Dionigi unico, si formö assai per tempo. fe da notarsi tut- 
tavia che gli antichi Älartirologi della Gallia non confondono i due martiri. 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' ANTICA POKSIA FKANCESE. 283 

assalirlo. E gettato in una fornace ardente e anche qui Dio lo 
salva ancora: gettato nuovamente in carcere con Rustico ed Eleu- 
terio, Gesü stesso viene a communicare il suo chevalier loyal; ormai 
il destino si deve compiere, Dio aspetta i tre martiri in cielo, gli 
sgherri possono questa volta decapitarli , gli angeli ne portano le 
anirae seco. 

]\]a il corpo di S. Dionigi c portato dagli angeli stessi a Letrc^e, 
per quello degli altri due martiri pensera una pia donna, Catulla. 

Qui tuttavia non finisce il mistero , bisognava dichiarare che 
restavano dei documenti a provare l'autenticita dei fatti narrati. 
A questo scopo si introducono altri due santi, S. Antonino e S. Sen- 
tino (S. Anthonin et S. Senctin). S. Dionigi aveva giä raccomandato 
a loro di scrivere della sua vita e della sua morte ; mentre essi 
erano in via alla volta di Roma per recare al papa il libro com- 
posto insieme intorno al martire, S. Antonino ammala in un'osteria, 
muore, Toste ne getta il corpo in una fossa, mentre S. Sentino gli 
aveva lasciato molti denari per assisterlo e sepellirlo onorevohnente, 
in caso di morte. Qui avviene che S. Sentino, avvisato da un an- 
gelo dei sacrilegio commesso dall'oste, risuscita S. Antonino, l'oste 
si converte, i due santi continuano la loro via.i 

E, giacche siamo fra i misteri, veniano a S. Genoviefta-, a 
questa specie di Cassandra dei Cristiajiesimo, come la dice il Bartoli/* 

II mistero si apre presentando la madre che si sgrava della 
preziosa fanciulla e gli angeli che cantano un salmo. Poi si rap- 
presentano i vescovi che vengono a trovarla, S. Remis, S. Germano, 
S. Loup. Ma entriamo senz'altro nella lunga serie di miracoli che 
accompagnano la vita della santa predestinata. 

Si rappresenta per primo „Comment la mere saincte Gene- 
vieve (devint) aveugle pour qu'elle li doima une bufe, et comment 
Dieu ly rendi la veue par lez prieres et merites de la dite vierge 
sa fiUe" (p. 176). Tutta questa faccenda perche la santerella vo- 
leva andare alla chiesa e la madre, quel giorno 'desiderava che 
restasse in casa ad attendere alle sue faccende. Segue „Comment 
sainte Celine de ÜNIeaulx s'acompaigna a madame sainte Gcncvieve, 
et comment sainte Geneviuve guarit la chamberiere de la dite 
sainte Celine, qui avoit este .11. ans malade" (p. i8i). 



* S. Antonino e S. Sentino, furono entrambi due martiri ; il I" martire 
di Pamiers in Languedoc, di cui era guardato come patrono tin dal sccolo 
VIII. 

S. Sentino fu il I" vescovo di Meaux. Di lui non si sa altro se non che 
fu discepolo di S. Dionipi e il primo a s])ar{,'ere la nuova dottrina in codesta 
citiä, in cui e onorato il 22 Seitenibre. Tattavia il Mariirologio Gallico lo 
d;\ come morto a Parifji insieme con S. Antonino, martiri dcllo fcde. — Non 
si sa dei resto se la vita di Dionigi si a stata veramente deltata, la prima volta 
da loro, sebbene conlemporanci seil' apostolo delle Gallie — (Cfr. Diction- 
naire des Sciences Ecclesiastiques par /'.Idöf' G'laiie, Paris i8()8) — 
voci S. Antonin e S. Senctin. 

-' JMys. I. 

•' Bar toi i, Storia della Letter. Ital. I, c\\t, Legffende. 



284 G. SCHIAVO, 

Quindi „Comment par ses prieres Nostre-Seigneur garda la 
cito de Paris que les Hondres venoient destruire" (p. 188) S. Geno- 
vieffa ottiene appunto per mezzo di Maria che Dio si intenerisca 
verso i Parigini peccatori, che si meritavano il castigo degli Unni. 

Poi ammala a Parigi , per tre giorni non da alcun segno di 
vita e „lors son propre ange print l'esperit de eile e le mena 
apres fu garie et lä receut l'esperit de prophecie" (p. 208). 

Segue appunto un miracolo compiuto per ispirito profetico. 
Una monaca viene a lei e si dice vergine di pii sentimenti e di 
costumi intaminati e puri ; cio non era , e la santa „remplie de 
Seint-Esperit ly nomme celuy qui l'avoit deffloree, et quant et 011 
ce fu fait" (p. 2i6).i 

Un bei giorno, un giovinetto, non bettezzato ancora e fatto 
cadere in un pozzo e affogato dai diavoli che ne portano l'anima 
seco. S. Genovieffa ottiene da Dio che l'anima ritorni entro il 
corpo. „Cy apres est comment .1. enfant noiez fut resuscitez por 
les prieres madame sainte Genevieve" (p. 231). 

Altro miracolo quello di aver riconciliato servo e padrone 
„Comment madame sainte Genevieve pria ung borgois d'Orliens 
qu'il pardonnast ä son varlet son meffait; le n'en voult riens faire. 
Elle pria Dieu; il fu malades et lendemain vings a la Vierge pardon 
demander. Ainsy furent en acourt" (p. 246). 

Sulla tomba di S. Dionigi, Eleuterio e Rustico, i fedeli avevano 
innalzato una cappella, col tempo caduta in rovina. Ora, per con- 
siglio, di S. GenovielTa si innalzo una chiesa che doveva poi essere 
visitata continuamente dai devoti. (Ciö nel 469, secondo la tra- 
dizione), Ma ecco come la leggenda porto anche qui il suo con- 
tributo. Una chiesa innalzata a dei santi, per opera di una santa 
specialmente, non doveva sorgere come qualunque altro edificio, ci 
voleva qualche fatto miracoloso, ed eccolo : ,,Cy apres est comment 
madame sainte Genevieve fist faire une 6glise ä Lectree , suz les 
Corps sains de mon seigneur saint Denys et sez compaignons; et 
dez miracles de la chaux et du vin que Nostre-Seigneur y fist par 
les prieres de la dicte Vierge, et par les merites des diz glorieus 
martyrs" (p. 252). 

Miracolosamente si trova della calce, gli operai si accingono 
al lavoro, ma a un certo punto essi bruciano dalla sete, S, Geno- 
vieffa si mette in orazione, prega Dio, che altra volta muto l'acqua 
in vino, a portare anche in questo caso il suo aiuto, acciocche 



' Non e senza importanza il notare che la monaca, pur confessa, non 
cede cosi facilmente, anzi nel suo peccato vede il destino che al mal la trasse: 
Mez c'est, ce croy ma destinee. — II convenoit que je pechasse — p. 220 
V. 8—9. 

E piü audacemente ancora : 

Dieu savoit que pecheroye, 
Comment garder donc m'en paroye 
Quant il le savoit sanz faillir? p. 220 o. 25 — 27. 
Si confrontino queste parole con quelle del Contrasto di Satana colle Vergine 
e coi versi di Peire Cardenal, altrove esaminati. 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' ANTICA POESIA FRANCESE. 285 

gli operai senza mormorare, conducano avanti la fabbrica. II mira- 
colo naturalmente si compie e il vino c tanto buono che mai ne 
fu bcvato di simile. 

Y.cco un altro miracolo, scbbene piuttosto meschino „Cominent 
madame sainte Genevieve aloit une fois la nuit des Pasques veillier 
Oll lumbel saint Denys a Lectree, et le cierge que une de sez pu- 
celles portoit estaint. Lors sainte Genevieve le print et tantost il 
raluma, et dura ardant jusques a Seint Denys de Lectree" (p. 276). 

Manca tuttuvia la fine di questo miracolo da cui pare che i 
diavoli siano slati gli autori del brutto scherzo. 

Manca cosi pure il principio di un altro miracolo, quello dei 
folli , ma dal complesso si ricava che la santa guari miracolosa- 
mente sei folli , scacciando da loro i demoni che li tormentavano 
(p. 278— 81). 

Con un altro miracolo S. GenoviefTa guarisce alcuni malati fra 
cui un cieco, un idropico, un gobbo (p. 281 — gi). 

Finalmente „Cy apres est de une famc k qui madame Ge- 
nevieve rendi la veue que eile avoit perdue pour ce qu'elle avoit 
emble le soulers de la dicte Vierge" (p. 291) — Come si vede, 
la vena inventiva anche nel creare miracoli si essicava dopo tanti 
che ne avea escogitati , il mistero si chiude collo stesso miracolo 
con cui si apre, mutate soltanto le circostanze. 

Di Genovieffa parlammo forse toppo a lungo , ma il fatto e 
che si puo dire ella compendi in se stessa i miracoli che di solito 
si attribuiscono anche agli altri santi che occorrono nelle opere 
nostre. 

Cosi, se S. Genovieffa puo cangiare l'acqua in vino, pei meriti 
d'Elisabetta d'Ungheria Dio fa che il poco vino che ella puo oflfrire 
ai suoi poveri infcrmi, non scemi per quanto ne bevano: 

A la table lor fu remis 

Une poz qui n'estoit pas demis 

De vin ; si lor porta h boire: 

Si pou i Ol, ne l'ose menloivre, 

Ales Diex, ä cui riens n'esl cele, 

Cui luit secre sont rcvöle, 

A cui nul euer ne sont couvcrt, 

I ouvra si ä decouvert, 

Que chascuns but tanl comme il pol 

Et s'en remesl aulanl au pot, 

Quant chascuns ot assez bt-u, 

Comme au conimcncier ol cu. 

ÖCVv", // p. 343 — 4 V. 901—12. La Fit; Sainte 
Etysabdl, fiUe au Roi de Hongrie. 

§ 4. IMa tra i santi occupano un luogo eminente i romiti, 
Talvolta essi sono superiori al pai)a raedesirao. Gia vedcmmo 
nel Dil de celui </ui espoiiso /' }'tnage de Pierre, corae non sapendo 



2 86 G. SCHIAVO, 

il papa spiegare il caso stranissimo, il borghese di Roma siasi 
rivolto a un santo romito che Seppe consigliarlo oltiraamente. 

Un esempio ancora piü chiaro ci~e dato dal Dit des trois 
Chanoincs {JCD p. 266 sgg.). 11 vescovo non sa decidersi ad assol- 
vere un cavaliere che , piü coraggioso , o meno avveduto di Gug- 
lielmo IX. , conte di Poitiers, aveva tagliato la testa a un prete 
mentre diceva messa. Mandate al papa, neppur questi osa assol- 
verlo, prega consiglio da Dio, e un breve cade del cielo per indi- 
care al cavaliere il da farsi. Egli doveva dirigersi ad Antiochia 
ove un tal Bonifacio viveva vita santa e ritirata, li saprebbe come 
dovesse comportarsi per ottenere perdono, II cavaliere parte, seb- 
bene a malincuore, ma Bonifacio lo manda a un suo compagno in 
Gerusalemme, certo Dieudonn^ Neppur costui puo nulla, ma, 
sempre dietro consiglio divino, fa ritornare in Francia il cavaliere 
a cercare di certo Feiice, amico suo e di Bonifacio, uno dei tanti 
che per guadagnarsi il Paradiso , vagavano per le vie delle cittä, 
raalvestiti e peggio nutriti. Costui si aggirava per le strade di 
Besani^on , ludibrio di tutti , bersaglio alle beife e agli insulti dei 
monelli, e per otto aniii interi non si era sostentato che di quel 
poco ch'egli poteva togliere ai cani. 

Quant il vouloit mengier, il le toloit aus chiens. p. 269 st. 22 v. 4. 

II cavaliere si meraviglia che, se ne vescovo, ne papa, ne gli 
altri due santi aveano potuto giovarlo, costui valga piü di loro. 
Ma Feiice indovina perfino il suo pensiero. Qui segue una serie 
di miracoli proprio curiosi ; Feiice prega la notte la Vergine in una 
chiesa, ma si addormenta e Maria discende a mettergli sotto il 
capo un origliere. Gli appare poi nuovamente e gli intima di 
condurre il cavaliere alla tomba del prete ucciso, di scongiurarlo, 
di imporgli che egli stesso assolva il suo uccisore. 

Feiice adempie il comando di Maria in presenza di molto 
popolo ; tutti ammirano il miracolo e riconoscono allora l'alta virtü 
del santo che si ritira in un'abbazia, per essere poi eletto vescovo 
di Besan(;on, finche muore nello stesso punto che i suoi due amici 
lontani, entrando cosi assieme in Paradiso. 

Le predilezione di Dio per questi solitari ci appare inoltre da 
altri fatti, 

II cavaliere malvagio ed empio, forte del suo castello inespug- 
nabile, che non teme ne Dio, ne uomini, non si converte, non si 
pente dei suoi peccati che un buon romito riesce a farsi raccontare 
e che l'altro si diverte a confessargli solo per tormentarlo , tanto 
erano orribili solo ad udirli. II romito gli ofifre vari generi di 
penitenza, che il peccatore rifiuta, acconsentendo finalmente a por- 
targli piena d'acqua del ruscello vicino una secchia. Ma, per 
(juanto faccia, non riesce ad attingerne solo una goccia. Si adira, 
bestemmia, tutto inutile ; allora giura di non voler tornare prima di 
aver soddisfatto alla sua parola di cavaliere, anzi promette di non 
darsi pace, nc di lavarsi, ne di radersi la barba, ne di aver cura 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL'ANTICA POESIA FRANCESE. 287 

del proprio corpo , fino a che non avesse riempiuta la sccchia. 
Cosi parte, solo e nudo, vivendo di accattonaggio, fuggito e temuto 
per l'orribile aspetto che avcva, fra niille patimenti dopo un anno 
ritoma, colla sua secchia, ma vuota ancora. 

II romito nol riconosce piü, tanto c mutato. Non c pcntito 
ancora, il santo uomo prega Iddio di non lasciar morire cosi quel- 
Tempio caparbio , Die esaudiscc la prece , un profondo penti- 
mento e dolore spetra quel cuore, invecchiato ncl male; piange dirot- 
tamente, le lagrinie bastano a rierapire la secchia, anzi ne avanzano 
ancora, E, pochi momenti dopo il cavaliere esala l'anima orinai 
perdonata, gli angeli discendono dal cielo per recarla a Dio (/)« 
ChcvaUer au Barizcl. BM, I p. 208 sgg.). 

11 figlio del siniscalco che abbiamo veduto salvato da morte 
per opera della Vergine (v. cap. II), non volle piii tornare fra gli 
uomini , ma si ritiro in un ererao. Gesii gli faceva portare dal- 
l'acqua del fmme vicino una mela saporitissima , che bastava a 
saziarlo. Allo stesso romitaggio venne poi l'amico suo, il figlio 
del re d'Egitto , non volendo piu partire di la , e finalraente il re 
stesso che era venuto per levarlo, lascio il regno al fratello, i suoi 
beni ad ospitali e a conventi, edifico un eremo ampio e bellissimo 
e vi raccolsc tutti i romiti che vagavano pei boschi aU'intorno {JMW., 
Du Filz au Seneschal, p. 331 sgg.). 

Una Santa romita faraosissima c S. Maria Egiziaca. Questa 
nuova Maddalena, prima ostinata peccatrice fino dai 12 anni, poi 
convertita per miracolo della Vergine e di Gesu, presenta uno 
degli eserapi piii vivi del feroce ascetismo medievale {OCR II, La 
Vie samle Mai-ie P Egiptianne, p. 263 sgg.).' 

Rutebeuf descrive largamente le virtü di questa ; parla della 
vita turpe che aveva condotta e della sua conversione, della lotta 
sostenuta contro il demonio per ben 17 anni, della sua penitenza 
per 40, vivendo sempre fra mille privazioni, castigando la sua 
carne, sostenendosi di sole radici, girando pel bosco nuda, espo- 
nendo il corpo alle intemperie e agli insulti delle spine e dei 
pruni. Ma con lei si ricorda Zozimo, altro romito spietato verso 
se medesimo , e tutta una lugabre schiera di solitari , veri monaci 
della Tebaide , che lungo il Giordano vanno scontando i peccati, 
o si preparano alla vita eterna con astinenze e faticosi sacrifici 
d'ogni maniera. 

Zozima si incontra in i\Iaria che fugge dinanzi a lui, ella lo 
prega di portargli l'anno vegncnte l'Eucarestia, quando fosse gua- 
rito da una malattia che doveva sorprenderlo. Questo vaticinio e 

1 La Vita di questa santa, in cui si parla cüntemporanemente anche di 
Zozimo o Zozima, che voglia dirsi, si attribuisce a S. Sofronio , patriaica di 
Gerusalemme, ma si crede di aulore piü antico (Bollandisti, 2 Aprile). — 
Ad ogni modo si pu6 dire, senza icma di esagerazioni , che Rutebeuf non 
fece se non trailurre in versi l'opcra latina, quäle sia stata (molto probabil- 
mente quella perduta) egli non vi aggiunge quasi nuUa di sno. — Secondo la 
Iradizione, Maria Egiziaca screbbe raorta il 421. 



2ÖÖ G. SCHIAVO, 

forse invenzione di Rutebeuf, come pure l'estasi in cui la santa fu 
rapita mentre pregava alla presenza di Zozimo (p. 294 v. 864 — 77). 
L'anno seguente fu comunicata, dopo un altro anno Zozimo torno 
e trovo morta la santa, come aveva ella stessa predetto; un leone 
venne in aiuto di lui, per scarvarne la fossa. 

Troviamo cosi un'altra santa, che se non g una romita, vive 
tuttavia come tale, anche tra il fasto della Corte. E S. Elisabetta, 
figlia di Andrea, re d'Ungheria e di Gertrude, fin dalla nascita 
(anno 1207) promessa sposa a Ludovico, figlio primogenito del 
langravio di Turingia, d'Assia e d'altri stati, Ermanno. Rutebeuf ne 
racconta la lunga istoria (öC/?IIp. 310 — 38g); ricorda di averla 
tratta dalla vita latina (probabilmente quella di prete Corrado , il 
confessore di lei). Ne loda lo spirito di caritä che l'animava , il 
disprezzo per la pompa e pel fasto della corte, le dure astinenze a 
cui si sottometteva. Ma dove troviamo a dolerci di lui e dove 
la nostra coscienza sorge a protestare e dove appunto ci riesce 
amara la lettura di queste vita e nel vedere come Rutebeuf, quasi 
compiacendosi, si fermi a notare che la santa, per amore esagerato 
verso Dio, dimentico perfino l'amore di madre. Lo dice Elisabetta 
quando dal suocero e cacciata dal suo castello : 

Mez enfanz aim pou plus d'ainsis 

Que les enfanz ä moi voisins; 

A Dieu le doing, ä Dieu le lais, 

Face en son plesir desormais. f. 358 v. 1331 — 34. 

E piü sotto : 

Je n'aim fors Dieu tant seulement, 

Mon Creator, mon sauvement. p. 358 v. 1339 — 4°. 

Essendole tuttavia rimasto il figlio piü giovane, lo allontana da 
sc, perche non le impedisca di pregar Dio : 

.1. enfant ot petit et tendre, 

Des ses enfanz trestout le mendre, 

Qu'ensus de li fist esloingnier, 

Qu'ele doutoit ä porloingnier 

Ses prieres por cel enfant; 

Por ce le revenir li deffant. p. 377 v. 1855 — 60. 

In veritä, noi non potremmo che malediro una madre che si 
ispirasse a simili esempi di pietä religiosa,' 



' Nelle opere da noi consultate non e raro il caso di incontrarci in un 
fanatismo funesto. Giä qua e lä ne trovammo alcune testimonianze e ne tro- 
veremo in seguito, tralasciando tuttavia di raccoglierle insieme, trcppo facile 
essendone di per se stessa la sintesi. 

Pure una sola ancora, notiamolo a nostro conforto, ci si presenta con 
caratteri cosi foschi. Essa ci e data dal DU du Chevalier qui devint hermite 
(JCD I). Si tratta di un cavaliere che, empio dapprima, poi mistico a un 
iralto, pensa di abbandonare il mondo, e, colla moglie, si ritira presso un buon 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' ANTICA POESIA FKANCESE. 28 Q 

Un Santo romito, che e uno dei tanti Luigi Gonzaga del Medio 
Evo, si presenta in Fiacre {JMj's. II, p. 304 — 353). Lascia la sua 
terra, l'Irlanda, fuggendo la famiglia che voleva sposarlo ad nna 
beUissima fawciulla. Säle una nave che lo co^duce in Francia, li 
s'incontra in un altro Santo, S. Farone, che gli assegna a dimora 
un luogo isolato nella foresta di Breuil. Ma la donzella a lui 
promessa non si dimentica di lui, sale la nave che lo avea allon- 
tanato del suo paese, si fa condurre al luogo ove egli era disceso. 
S. Fiacre dal suo romitaggio vede la donzella, la riconosce, prega 
Iddio di cangiarlo cosi da non essere da lei conosciuto. II mira- 
colo si compie, giacchc , entrata la donzella nel romitaggio, crc- 
dendo di trovarvi il promesso sposo, vede un uomo da quello 
aft'atto diverso, parte sconsolata, mentre l'asceta ringrazia fervidamente 
il cielo del soccorso prestatogli.i 

Intanto Iddio pensa di trarre a sc l'anima santa del penitentc; 
Michele e Gabriele vengono a S. Farone per avvisarlo di portare 

romito, che avva cosi buona compagnia da staie allcgro. I diie genitori ab- 
bandonano i figli, istituendoli eredi di quanto avevano. 

Ora, tornando a noi, saremmo ben fiiici se potessimo provare che Rute- 
beuf non sentisse come scriveva. Sta il fatto che, tanto la vita di Maria Egi- 
ziana , quanto codesta , furono scritte da lui per incombenza ricevuta; sta il 
fatto che egli si attenne piü che ad altro alle opere latine, e si accontentö 
quasi sempre di tradurle in versi ; ma e pur vero , d'altra parte che egli si 
ferma con predilezione a notare, come meriti bellissimi di una santa, queste 
che noi dircmmo aberrazioni del senso morale ; e pur vero ancora che Ru- 
tebeuf nomina anche altrove colla fede piü pura e sincera, l'Egiziaca: 

Je sai une fisicienne 

Que ä Lions, ne ä Viene, 

Ne tant comme li si^cles dure, 

N'a si bonne serurgienne. 

N'est plaie, tant soit anciene 

Qu'ele ne netoie et oscure 

Puis qu'ele i veut metre sa eure. 

Ele espurca de vie obscure. 

La b^noite Egypjiene ; (sott. es() 

A Dieu la rendi nete et pure : 

Si com c'est voirs, si praingne en eure 

Ma lasse d'äme crestienne ! etc. 
OCJ? I, p. 41 V. 49 sgg. La Mort o la Repentance Rtitebeuf. 
Senonche, si potrebbe osservare , codeste sono opere scritte da Rute- 
beuf verso la fine di sua vila e, specialmente per la Vie Seinte Elysabel, la 
cosa h quasi fuor di dubbio (la composc il 1255 o il 1271). Ma si noli tut- 
tavia che pensieri simili a quelli esposti in quest'ultima si irovano esprcssi 
altrove e mollo spesso. Giä osservammo appunto come, per incitare i Cro- 
ciati alle imprcse in Terrasanta, egli non tema di cadere nell'ascetismo, prc- 
dicando ai figli di abbandonare i genilori, ai genilori di abbandonare i figli, 
giacchi Dio lo voleva, avendo detto Gesii che per amor suo si doveva rinun- 
ciare a tutto (Ved. Cap. II § 2). 

Noi tuttavia ci limitiamo a nolar questi falti , persuasi che una mono- 
grafia veramente sicura e crilicamenle assodata intorno al grande irovero, 
manchi ancora agli studiosi. 

1 La vita di questo santo presenta delle somiglianse con quclla «H 
S. Egidiu e di S. Alessio ; vtd. per enlrambe Schröder, op. citala p. 49 — 50. 



290 G. SCHIAVO, 

al Santo l'Eucarestia. S, Farone muore comunicato , gli angeli ne 
portano l'anima al cielo. 

Non si sa del resto capire come xjuesta scipita istoria abbia 
potuto farsi soggetto di un dramma ; certo anche allora doveva 
essere noiosissima, giacche e interpolata da una farsa (p. ^lo^ — 43) 
che, tuttavia non e migliore del resto. 

§ 5. Abbiamo veduto alcuni santi operar miracoli durante la 
loro vita; ma piü comunemente li compiono dopo morte. 

La lunga storia di S. Leocadia e, nel fondo, tutta una rubrica 
di miracoli di lei e di altri corpi santi, rubrica intercalata da con- 
tinue allusioni a fatti recenti o da satire acerbe contro le immo- 
ralitu di ordini sacri e profani ; predicozzo sconnesso e noioso di 
un frate freneticante come dev'esser stato quel Gautier de Coinsi 
che ormai ci e noto abbastanza.' 

S. Leocadia era prima onorata a Toledo. Un giorno, alla sua 
festa erano intervenuti vescovi, abati e clero minore, principi e per- 
fino un re di Spagna. Ildefonso , vescovo di Toledo , l'amico e 
devoto piii fedele di lei ne celebrava con entusiasmo le lodi, 
quando la santa usci dalla tomba e si lascio abbracciare a longo 
dal buon prelato, alla presenza del popolo, piangente per tenerezza. 
Per varii accidenti avvenuti, il corpo santo di lei fu portato via dalLi 
Spagna, e coi corpi di S. Medard, S. Sebastiano e S. Gregorio resto 
a lungo nella valle di Soissons, di la fu rubato e portato a Vi sur 
Aine, ove ella opera, per virtii di Dio, miracoli bellissimi, special- 
mcnte guarendo le donne da un male fellone che l'autore non 
indica, ma che eile sapranno bene quäle esser dovesse : 

.... Diex, com par sa bone amie, 
I fait miracles jor et nuit. 
Dames, dames, ne vos anuit, 
Sachiez, se s6u ne l'avez, 
Del felon mal qua vos savez, 
Est la Virge fuisicienne; 
Mainte malade crestienne 
Garist par an la Virge et eure, 
Bien esprovee avous sa eure. 

BAI, I p. 338 V. 2074—82. 

E la fama dei miracoli vi attrae molta gente, che porta can- 
dele e denari in gran copia. 

Par Ics grans maus qu'a amortiz, 
Done nos a maint beaux tortiz^ 
Mainte rouele, maint blau cierge, 
En 11 avons bone concierge; 
Maint Parisi, mainte roele 



^ Ved. cap. II ; D'un moine qui Nostre-Dame garit de son let — Du 
Varlet qui esposa Nostre-Dame — De l'Ampereriz de Romme. 

2 L'autore, prima frate di S. Medard, era poi passato priore del convento 
di Vi sur Aine. 



FEDE E SUPRRSTIZIONE NELL' ANTICA l'OESIA KKANCKSE. 20I 

D'autre Roie nos aroelc. 

Plus gaagne — ele de chandoiles 

Que ne face nostre Apostoiles, 

Ou grant moustier ä seint Maart (Mcdavd) 

Au bien voir dire qui s'aart 

Por son non essaucier et croistre. p. 338 v. 2083 — 93. 

La confessione in bocca al priore c preziosa : dichiararci 
egli stesso che i monaci di S. Mcdard dcbbano bruciare di rabbia 
per non guadagnare come il convento dove era lui ! ^ 

Altro corpo santo che o})era miracoli e qiicllo di S. F.Ugio a 
Parigi. 

. . . le moustier a un cors saint, 
Saint Eloy, ou malade et sain 
Vont souvent nus piez et deschaus, 
Qu'il ert mires et mareschans 
De mainte cruel maladie : 

yCD, II. Le DU de Aloustiers p. 104 ?'. 70 sgg-, 

Cosi pure il corpo di S. Klisabetta : 

Chascuns de la dame pada 

Et des miracles que par la 

Fesoit, de crontrez redrecier, 

De sours o'ir, fol radrecier, 

De malades doner sante, 

D'autres vertuz ä grant plante. OCR II p. 313 v. 49 — 54. 

INIa non solo i corpi dei santi che poi verranne canonizzati, 
ma anche di coloro che, dopo una vita di penitenza rigidissima, 
saranno assunti in cielo , possono guarire da malattie. Cosi i tre 
corpi santi dei tre infehci che per placar l'ira di Dio si sottoposero 
ad aspri tormenti, secondo le Dil du Biief. II contadino che li 
aveva albergati la sera in cui raorirono, aveva due figlioletti, l'uno 
storpio tutto mal messo della persona e l'altro cieco, ma appena 
furono portati dinanzi ai tre corpi santi, guarirono tosto : 

Sitost com les enfans sont devant les cors sains, 
Par les vertuz de Dieu furent garis et sainz. 
Les cloches de l'eglise, de ce soiez certains, 
Sonnerent tout per elles sanz metre piez ne mains.- 

JCD I p. 69 St. 178. 

Con religiosa premura si raccolgono poi le ossa dei santi o 
si conserva qualcosa che abbia loro appartenuto. 

Quando S. Leocadia , abbandonate le braccia dei vescovo, 
stava per discendere nel suo sepolcro, lldefonso cerca di tratte- 



* Vedremo poi al cap. V conie >. ^<.l)astiano e S. Gregorio, portati a 
Soissons abbiano fatto fuggire un demone orribile. 

* Anche nel Dit de la Borjosse de Komme, dopo il miracolo della Ver- 
gine le campane suonarono per s6 stesse. 

Zoltsehr. 1. rom Plill. XIV. ig 



2g 2 G. SCHIAVO, 

nerla a sc, grida intanto che gli si porti un coltello, che ahneno, 
se ella fugge : 

.... n'en retiegne aucune chose 

Por metre en or ou en argent. p. 275 v. 148 — 50. 

II re stesso discese dalla cattedra per stendergli un coltello 
e Ildefonso : 

En trancha ce qu'en pot avoir, 

Mais nel' donast par nul avoir p. 275 -i). 173 — 4. 

E si conserva perfino il coltello che aveva servito a tagliare un 
pezzetto di panno del vestito di lei: 

L'arcevesque, sanz demoree, 

En uu vaissel d'or et d'argent 

Tot en apert voiant la gent 

Mist ce qu'il avoit de s'amie, 

Nes le costel ne volt-il mie 

Au Roi rendre quant il requist, 

Ainz l'enserra molt tost et mist 

En son tresor, en son sacraire ; 

Encor en fönt halt santuaire 

Cilz et celes de la contiee. p. 276 v. 184 — 93. 

Quanto poi fosse il desiderio di possedere qualcosa che 
avesse appartenuto a un santo, ci e descritto largamente da Rute- 
beuf. Quando Elisabetta d'Ungheria mori, una gran folla di po- 
polo accorse intorno a lei per portar via qualche pezzo del suo 
vestito o una ciocca di capelli, anzi si arrivö fino a tagliarle le dita 
dei piedi e a levarle le unghie delle mani, cosicche in breve : 

Toute l'eussent derompue 
Qui ne lor 6ust desfondue. 

OCR II. p. 383 V. 2033-4. 

Ne si mettevano in arredi preziosi solo alcune reliquie di 
santi, ma anche i corpi interi. Cosi quello di S. Leocadia fu posto 
in un ciborio , come i corpi di S. Medard , S. Gregorio , S. Se- 
bastiano : 

La (nella valle de Soisson) fu grant tans en no cyboire. 

Les Saint Maart, les Saint Gregoire, 

Et delez Saint Sebastien. 



Richez saffirz et riche game 

Assist et mist {Loeis li pius) en no ciboire, 

Quant i mist li et Seint Gregoire 

Et le martir, le bon preudome 

Qui fu gonfenoniers de Rome (S. Sebastiano). p. 328 v. 1765 sgg. 

E le reliquie dei santi si muovono solo in occasioni solenni e 
accompagnate da lunga processione. Cosi, quando la moglie, giä 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL ANTICA POESIA FKANCESE. 293 

fatta monaca, ebbe avviso dal cielo che il suo sposo si avvicinava 
all'ospizio da lei fondato, gli mando incontro i preti del paese in 
buoii nuraero che: 

Chässes et saintuares devotement porlerenl 

Et loet^es de Dieu gracieuses chanteient. 

yCD I, p. 30 st. 180 V. 3—4. Le DU des Aneles. 

Le reh'que dei santi si portano inoltre siil luogo del combat- 
timenlo in cui Dio sta a giudicare : 

On aporta les sains pour eulz faire jurer. {Ibid. p. 12 st. 99 v. 2). 

Ma dai copi sanli emana inoltre luce vivissima. 

Nel Dit de BueJ\ il contadino che aveva albergati i poveri 
penitenti gia moribondi, manda loro la fantesca con acqua e pane, 
miracolosamente trovato; ella vede di dentro tanto chiarore che 
ritorna spaventata credendo si tratti di incendio; accorrono il con- 
tadino e la moglie, non possono entrare, giacche la porta si aprirä 
solo dinanzi al papa, si accorgono che quello non era fuoco , e 
difatti trovano poi i tre corpi santi lucenti come oro : 

Les .iij. cors sains trouvcrent luisanz plus que fin ors. 

yCD I, p. 69 st. 77 V. 3. 

Altri corpi santi spargono invece un odore soavissimo. Tale 
quello di S. Elisabetta d'Ungheria: 

Quatres jors fu li cors sor terre 
Con ne le muet n'on ne l'enterre, 
Une odor si douce en issoit 
Qui de gränt odor remplissoit 
Toz cels qui entor li venoient 
Qui envis la biere lessoient. 

OCR. II p. 383 V. 2017—22. 

Altri invece hanno tutte le virtii. 

Zozimo, pregando Iddio di fargli rinvenire il corpo dclla Santa 
amica, si accorge di averlo vicino pel soave odore e per la viva luce 
che ne uscivano: 

En grant clarte, en grant odor 

Vit cele oü tant avoit d'amor. OCR. II p. 305 v. \ 176 — 77. 
S. Leocadia quändo sorse dalla tomba, 

De sa beaute, ce lor fu vis, 
Tote l'Yglise enlumina, 



Une odor vint lant odoranz 
Dou sepulcre, quant il ovri, 
Que li doz Diex bien descovri 
Que molt ert Sainte et glorieuse 
Note, esmercc et pr^cicuse. 

19* 



294 G. SCHIAVO, 

§ 6. Brevemente riassumendo, dallo studio dello Schröder e 
dal nostro risülta che i santi sono i mediatori degli uomini presso 
Dio. Compiono miracoli in vita, di piü ancora dopo morte, guaris- 
cono specialmente da malattie ihcurabili, ragione codesta per cui 
i hioghi in cui se ne conservano le reliquie sono frequentati con- 
tinuamente dai pellegrini. In cielo godono le gioie piü pure, 
mentre sulla terra hanno gia rinunciato ad ogni piacere o per ri- 
parare ai peccati loro o per meglio guadagnarsi l'amore di Dio. 

La fede in loro esagera an che qui e da spesso nel goffo, fa 
creare miracoli che oggi ci fanno sorridere, fa stimare come virtü 
e come doni supremi del cielo certe aberrazioni del senso morale 
che sono assolutamente funeste. L'odio ai diletti della vita, il 
disprezzo per tutto quanto e iwiano, sono lodati e consigliati come 
mezzo sicuro per ragg lungere la gloria del cielo, se la societä avesse 
seguite le massime di certi santi e, piü ancora, di certi scrittori 
delle loro vite, avrebbe dovuto mutare il mondo in un vasto 
cenobio. 



IV. Gli Angeli. 

I Fabliaux non ce fanno quasi parola, se si eccettui quello 
du vihiin qui conqxiist Paradis par plaii ', in cui si nomina S. Michele, 
che porta un'anima al cielo, e quello de deux Borg'ois et d'un 
vilam'^-, in cui si ricordano S. Michele , e S.Gabriele, come quelli 
che aprono le porte del cielo.'^ 

§ I. Invece nelle opere di genere sacro gli angeli ricorrono 
continuamente , in cielo occupano i seggi piii alti ; S. Simone e 
Giuda , portando gli ordini di Dio ai celesti , prima di tutto ven- 
gono presso gli angeli.4 



1 RGF, IV F. LXXXI. 

2 BM, vol. II. 

3 Non e veramente un Fabliau, ma un racconto sacro la storia di Martin 
Hapart (RGF, II F. XLV). Del resto questo e l'unico luogo, nelle opere da 
noi consullate , in cui si nomini un angelo con disprezzo, e l'angelo qui e 
nienlemeno che S. Michele. Alla moglie, che va dicendone tante belle cose, 
il marito incredulo e scettico o risponde che e folle la gente 

D'aler Saint Michiel aurer, 
Quar in n'i a de li noient : 
El n'i a riens que un raoustier [il monastero e chiesa del Älonte 

S. Michele). 
Et une grant ymage d'argent ; 
Saint Michiel n'est c'un pou de vent. 

Dieu le crea, 
Ne char ne sanc ne li donna, 
Fors les eles dont il vola. p. 173 v. 57 — 64. 
'' Occorre di raro la distinzione fra Angeli e Arcangeli, e indifferente- 
mente si ricordano Michele, Rafaele e S. Michele ora coH'uno, ora coll'altro 
appellettivo. Solo nella Cofirt de Paradis, troviamo nominati seperatamente 
Angeli, Araongeli, Cherubini e Serafini (p. 35 — 36). 



FEDE E SUPERSTIZIONE NELL' AN HCA POESIA ERANCESE. 2g5 

Ell une chambre ez les entrez, 

Toz les Angles i ont trovez, 

Qui ä merveilles furent bei; 

Devant aus toz saint Gabriel, 

Qui le salu Dieu aporta, 

Qui puis mainte arme conforta, 

Saint Michiel avoec lui estoit, 

L'uns l'autre par la main tenoit ; 

Si vont jouant par ses biaus Heus, etc. 

BM, III p. 130— I V. 11 — 85. La Cour de Paradis. 

Da questo passo sembrerebbe che Gabriele fosse sopra tutti gli 
Angeli, ma ad ogni modo in tutti gli altri luoghi Gabriele e 
Michele ci si presentano come eguali in potenza ed in gloria, e in 
tutti i misleri quando Dio li manda presse gli uomini rivolge loro 
la parola, senza accennare ad alcuna distinzione. Piuttosto si puö 
dire che dei tre angeli ricordati nelle opere nostre (Michele, Ga- 
briele e Rafaele), Michele c quello che occore piii frequentemente 
d'ogni altro, piü raro di tutti invece Rafaele. 

INIessaggeri di Dio agli uomini , essi discendono per confor- 
tarli nelle sventure o per portare i comandi avuti. 

Cosi nel Dit du Buef, al papa, che chiede luce dal cielo, un 
angelo porta la risposta ; un angelo viene pure a Bonifazio e a 
Dieudonne nel Dit des trois Chanoinnes , per metterli a parte del 
volere divino, e via via insomma appariscono continuaraente a santi, 
a santc, a romiti, a tutti coloro che da Dio invochino efficace- 
mente consiglio ed aiuto. . 

Abbiamo anche esempio di un angelo che per ritirare un ro- 
mito dal male, in cui avrebbe potuto cadere, veste forma umana e 
si accompagna a lui sotto l'aspetto di un valleto : 

Un vallet vit (il romito) qui vint le trot 
En sa main tint un <,'lavelot. 
Et fu moult biax, moult alignez. 
Jusqu'en mi jambe secorciez, 
Bien fu vestuz comme sergenz, 
Biau fu de vis et de cors genz; 
Bien semble que fust ä riebe homme. 

M, II p. 217 — 18 v. 53 — 59, De r Etmite qui s'atu»i- 
paigna ä V Afige. 

% 2. Gli Angeli poi accompagnano quasi sempre la Vergine 
quando ella discende fra gli uomini, e spargono luce vivissima. 
Cosi nel Dit du Buef {JCD I) la stanza in cui entra la Vergine r 
tutta illuminata da lei e dagli angeli suoi; cosi nel DU que on 
dämme respoti {/CD I), il canonico che sta per affogare e salvato 
da Maria e dagli angeli che discendono con lei e che lo portano 
nel suo letto; nel Dit des trois C/miioines, gli angeli accompagnano 
la madre di Dio che apparisce a Feiice {JC/)\)., in breve: la regina 



296 G. SCHIAVO, 

del cielo c pure la loro regina e solo essi e le vergini possono 
toccare il suo letto prezioso: 

Je croi que son saint lit n'atoschent 
Fors seulement angles et puceles. 

BM, I. S. Lcocade p. 341 v. 2216 — 17. 

§ 3. Ma rufficio principale degli Angeli, dopo quello di recare 
i comandi di Dio, e di portare al cielo le anime dei giusti. 

Cosi vengono a levare quelle dei tre penitenti iiel Dit du Btief: 

Granz congiegation d'anges s'appareillierent 

Qui les ämes des iij. en paradis porterent. 

Et o douz Roy de gloire tantost les presenterent. 
Moult gloriousement les sainz anges chantoient 
Te Deum laudanius, et giant feste faisoient 
Quant les ämes des iij. em paradis portoient: 
Devant le Roy de gloire errant les presentoient. 

p. 68 st. 169 V. 2 — 4 st. 170. 

Egualmente avviene per l'anima del Cavaliere pentito: 

Si tost com l'ame se destake 
Du cors, et ele an, est issue, 
Li Saint Angle l'ont recheue 
Qui au cors estoient venu, etc. 
BM, I. Du Chevalier au Barizel p. 239 t». 938 — 41. 

> Anche nel DU du bon William Lo7igespce {JCD II) gli Angeli 
portano seco le anime dei cristiani morti per la fede di Cristo, mentre 
i demoni portano all'Inferno quelle cadute in loro servigio. Qtianto 
poi fosse comune questa fede che gli angeli accorressero a pren- 
dere le anime dei giusti, apparisce anche dal Q-edo ddVUsuraio. 

L'autore chiude appunto pregando Iddio di preparare a lui ed 
ai lettori una sorte migliore di quella toccata aH'usuraio, mandando 
gli Angeli a condurli in cielo: 

Mes les Angles de Paradis 
Nous tramete le Roi Celestre, 
Et toz nous assi^e ä sa destre. 

BM IV. Le Credo ä V Usurier ^.114 v- 248—50. 

§ 4. Abbiamo veduto che specialmente la Vergine c abilissima 
nello strappare le anime al diavolo (cap. II); tuttavia qualche 
esempio di lotta fra Angeli e demoni trovasi anche nelle opere 
nostre. L'anima del cavaliere pentito, e portata via dagli angeli, 
e vero, ma essa fu ben fortunata che i messaggieri di Dio siansi 
aiitVettati, 

Car li anemis l'atendoit 

Qui tres bien avoir le quidoit 

Et tous en quidoit estre tis 

Mais il s'en va tous desconfis. 

Du Chevalier au Barizel p. 240 v. 945 — 8. 



FEDE E SUPEKSTIZIONE NELL' ANTICA POESIA FRANCESE. 297 

Cosi nella Peine cV Enfer, angeli e demoni si contrastano 
un'aniraa che passa pel ponte periglioso, come vedremo piii avanti 
(cap. Vllio). 

Una rissa terribile fra angeli e demoni c descritta nel Mistero 
di S. Genovieffa ; entrano in campo S. Michele, Gabriele e Rafaele, 
il primo piü temibile di tutti, per levare ai diavoli un'anima che 
si erano guadagnata a grande fatica. Ma ragioni speciali che 
appariranno in seguito, ci sforzano a rimandare al cap. V una piu 
larga esposizione. 

Nel racconto di Martin Hapari, narra il demone scongiurato 
dal chierico che essi tenevano in poter loro il corpo di Martino, 
mentre l'anima l'aveva tolta S. Michele : 

Le cois tenon ; 
En enfer nous entrebaton 
Pour l'ame que perdue avon, 
Son lit estoit fait en meson, 
Mes Michiel le nous a tolu; 

RGF, II p. 177 7A 149 — 53.* 
Gli Angeli parteciperanno inoltre al Giudizio Universale: 
Ou grant Juise tot verras^ 
Quanque el siecle fait auras; 
Li Angles les tesmoigneront 
Et tes pechiez descoveront, 
Quanque auras ici cele. 

BJM, II p. 181 V. 7 — 1 1 . Comment on doit bien 
faire por s'atne avatit con muire. 

(Si continua). 



1 Siccome i demoni non avranno certo tenuto il corpo di Martino per 
fargli carez/e, cosi anche qui possiamo dire di avere un caso piuttosto simile 
a quello toccato a Buonconte, secondo la Divina Commedia (Purg. V 109 — 29). 
Del resto , citando il luogo dantesco, il Graf, DcmdJiologia Dantesca, 
aggiunge „di solito non c data al demonio facolti di offendere i corpi di chi 
muore riconciliato con Dio" — Gior. Stör, della Lett. Ital. IX 42. 

- t il lilosofo che parla all'anima sua medesinia. 

G. SCHIAVO. 



Etüde Critique des Ohartes de Douai de 1203 a 1275. 

(s. Zeitschr. XIII 431 uud XIV 66.) 

Chartes de Douai au 13^ siecle. 
I. 

Co sacent tot eil qui ces letres ueront qzte WiUamnes de Hornaig 
doit a Doucet le cangeor e( a Werin Mulet et a Enghebrant le drapier 
Ixxxi mia's de forment 11 soIj pieur de melleur a vi ans a rendre cascutt 
an xiii muis ceste couenence fu faite et reconeue en le sale le conte a 
5 Valencienes deuant B. de Roecort E descallon G descallon et Esteuen . 
de Dedeig et eist i furent come justice et si reconut WiWaumes de Hor- 
naig ceste dete deuant le maieur de Freseig et pav deuant les eskieuins 
de Freseig sor lui et sor le sien Et si le reconut WiUaumes de Hornaig 
et dame Freessens se ferne par deuant les eskieuins de Berbiere et han- 

10 non de berbiere et Jehan platier et huon le moln^'r si fu faite ceste coni- 
sansce al aubel de Corbehan de ceste couenence a tenir est pleg Enghe- 
rans de hamel . de xx mars par devant les eskievins de berbiere qua io 
ai ci nomes et si reconut W. de hornaig ceste dete a paier par devant 
Pieron de lambres sor tot co que il auoit a noiele de eo est hom Maroie 

15 potins et Jehans de guise Si fu faite ceste conissance a doai a le maison 
simon roussel et si en est Pieres de lambres pleges et hostages comme 
sire de ceste dete paier est pleg Waltols d obrecicort de xx mars Este- 
uenes li avoes de x mars et Nicholes li avoes de x mars et Nicholes del 
Alaig de x mars et Jehans de mauni de x mars et henris de mauni de x 

20 mars et R de montegni de x mars Nicholes de sazwt Aubin de x mars 
B de marchete de x mars Band, de vilers de x mars ces letres furent 
faites al an del inearnation millesimo ducentesimo tertio el mois de 
feurier, 

II. 

Ci sacent tout eil ki or sunt et ki avenir sunt que iou Rainiers de 
Gorghechon cheualiers ai uendut a Jehan del Cerf et a Wagou de Saint 
Aubin borgois de Dowai viii muis de tere en tous preus prendans . . . 
a vii anea le mesure de dowai et li tiers pars de ces . . . tere ne doit 

I I ^^ {qtte), Willlatifnes). 2 Z {et). 3 sot (.ra/j). m° (muts). sol {so ^s). 
4 XIII c {t'i dcmi), m". 5 Valencienes, esteuefi(t'j). 6 Wills. 10 moln'' 
{er r). 12 nv^ {mars). 11 m.cc.iil. 

II 3 jDoma). 4 \>x{eus) endroit effac^. 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 299 

5 ne (lisme ne terage ne rente ne service et leus 11 . . . droile uisnie lou- 
chant ces viii muis de tere doivent li boigois kaisim . . . me tiere et a 
cest prmieiain aoust que nos atendons doivent il prendre xvi '^asieres 
de biet le semure ... et xvi 'B^asieres de marc tout auestit a prendre en 
quel liu quil uolront de toutes mes teres ki sunt semencies et quant ces 

10 p/vmiers aous sera passes il doiuent auoir ces vni mwzs de tere ki devant 
sunt nomet por faire leur uolente dusques adonc qw«? le termes serä 
passes ki deuant est nomcs et sil auenoit cose que li borgois deuant dit 
estoient a estorse ne a damage dendroit cest uendage et ces couenences 
io leur doi rendre et restoier quanq^/^j il i auroient de damage dusques 

15 a leur dit et de ceste couenence est pleges et ostages Wautiers de Gen- 
laig et Gilles de symier et Robers dartr^ et Aumawj de Rouegni [et] et 
hues de markete cheualier et Wautiers de Maucichort et Tieris de Aoay 
. et Gilles de Gorgechon vallet et se li borgois estoient a damage den- 
droit les couenences ki ci deuant sunt nomees tout eist leur renderoient 

20 qMawquzV i aroient de damage dechi a leur dis et io Rainiers de Gor- 
ghechon cheva/zVrj et tout li plege . ki deuant sunt momet tout eist 
leur renderoient quawquil i aroient de damage dechi a leur dis et io 
Rainiers de Gorghechon c\i&\aliers et tout li plege ki deuant sunt nomet 
auonmes toutes ces coses ki ci devant sunt deuisees encouenent et otriet 

25 a faire et a tenir bien et loiaum^«^ par deuant escheuins de de douuay 
heuvin malet et symon le conestable Ce fu fail en lan de lincarnation mil 
CG. et x.Miu ans el mois de feurier. 
Cyrographes. 

m. 

(Au dos est ecrit): Couenence iakemon le cangeur. 

Ce sacent tout eil ces letres ueront et oront que Giles li canbiers 

de fecain doit a iakemon le cangeur xii \\\res et xu so/s a le feste nostre 

dame en sielembre le premiere que nos atendons sil ne lui paoit ces 

5 deniers au ior deuant nomeit il a en couent iakemon a rendre et a aquiter 

de tous cous et de tous plais iusque a sen peaur dit de cou e se pleg 

Raimers ricemers de fecain nicoles de fenaing Gerars cheualiers de 

Wasiers ceste couenence fu faite par deuant eschieuins bernart de Goi 

et doucet le mounier Ce fut fait en lan de lincarnation nostre segneur 

10 mil et cc et xxv ans el mois de feurier. 

IV. 
Ce sacent tot eil ki or s«Mt et. ki auenir SMwt . que Engt^rrans de 
V^rgelas et Robe de le Riue furent comc eschev/'z/j- la steuenes de Bui- 
gnecort uendi a Raol le Bloc et a Jchan de niaucicort xii uiuis de lere 

5 endroit efTacd. t (touchant). 7 p^merain. q (,que). 10 p'^miets. 12 q. 
14 quanq. 16 symis dartr9. Auiii (uumans). 18 daiy (Doayr). 27 q^ntjÜ. 
20 quant (P). 22 chrs. (chevaliers). 25 loiauni. 

III 3 h1). s". 

IV I s sunt(t). Engl-ans (Engerrans). 2 Vigelas (kerge/as). com 
(co/fiMd). eschev" (c-schevins). 



300 CH. BONNIER, 

a keusir dedens tote le tere ke steuenes \.ient dusqw^s a xvu muis u xvii 
5 [xvii] qz^arentaines par le 'B^ä.siere a tenir dusq?/i?j a xvi ans les preus 
prendaws . en tel maniere que steuenes deuant dis a cele tere acensie v 
ans XX muis de ble cascw« an et xvi muis ^■ZMaine et steuenes les doit 
metr<? . en tel point de cele acense cometre sires Guifrois et me sires 
Baud^^ de quinci et Alars li maires en t%\.o\ent et eist troi ki deurtwt sunt 

10 nomet les doiuent aussi metre en tel po?«t Raol le bloc et Jehan de 
maucicort com il en suni et Raols et Jehan doiu^wt lenir ceste cense . 
en tel point comme il est dit et apres les v ans doiu^«t il auoir cele 
tere xi ans les preus pr^wdans, et en cest marchiet les doit steuenes 
metre hien et \o\aument par sen segni?«r et par ses pers par le loi del 

15 pais et de tot ce a tenir est plege Baud^j- de Quincj et Guifrois de 
buignecort et Jehans ses freres et pieres del forest cheualier et Alars li 
maires de buignecort et phelipes del gardin et pieres de buignecort et 
Wautiers li fils Euelon et Anseris de Lanuin et se eis marchies nestoit 
tenus si com il est deuise tot eist pl^g se döiuewt me^re deuers Raol 

20 le bloc et Jeha« sil nauoteni loial essome de lor cors en prison par si 
quil ne se poront aler nule part quil ne reuiegn^«^ dedens le ior en priso« 
deuers aus et dous dusques a tant que eis marchies seroit tenus hten et 
loiaumi?«if par le loi del pais et par cest marchiet Raols le blos et Jehaws 
de maucicort doitent rendre a steuenon de buignecort Ix b'wres parex/j 

25 de feste tos saüis a le tos sains czsctin ans dusques a v ans deci adont 
quil n aront rendu ccc \ivres par^sis et ces deniers doit on rende a \er- 
mes qui mis i sunt a handouin de quinci et a Guifroi et a Alart le 
maieur et a steuenon par aquiter steuenon de ses detes la u il les doit 
et puisque Raols et Jeha« zxoient ces deniers paies a ces 111 qui ci deuawt 

30 ■i.ont dit par tesmoignage de prodomwz^j il en dioxvent estre quite et 
steuenes doit aqwiter tos ces plegs qui deuant sunt nomet de qManqwil 
lor costeroit dusques a Ior plams dis et eist doi escheuins le reconurent 
deuant autres escheuins Bernart de Goy et deuant le meneier. Ce fu 
fait en lan del Incarnation m et cc et xxv ans el mois de maj. 

V. 

Au dos est ecrit: Ceste Coueuence est Werin le maeur. 

Ce sacent tot eil ki ces letres ueront et oront que Gerars de 

Wasiers Chevaliers a encouent a rendre a Werin le maeur borgois de 

douuai X \ivres de pzxesis a lan renoef le p/'d?miers que nos atendons et si 

puet Werins doner c ious de paxesis por le sien faire auoir en quele 

5 maniere que ce soit que Gerars deuant nomes li doit rendre auoec le 

dete deuant nomee et tot autre tele couenence li a en couenent hues de 

Wasiers cheualiers et Alars li fils Gerart de Wasiers li a encouent tele 

couenence et Bernars de le mers est pleg enuers Werin de xv Mvres pzxesis 

4 ü. 5 qarentaines. Rx (rasiere), dusq (dusques). 6 prendä (prendans). 

7 cas^. daü (auaine). 8 met (metre). Baut! (ßaudes). est. (estoient). met. 

{metrer'), deu (ant). po (int). 10 cö. s" doü cese. cöme. ap. 17 doiü 

predans. 14 bn. 19 segii. par. Band. 18 Anseus. 19 c. doiü. met. 

V I par. par". 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 3OI 

et ceste couenence fu üiite par deuant escheuins Robe de le Riue et 
10 Amant de Lens en lan del Incarnalion niil et cc et xxviu el mois de 
jenuier. 

VI. 

(Au dos est ^crit) Cest Couenence Oliuier de Dcuuioel et Jehan sen fiere. 
Ce sacent tot eil ki ces letres ueront et oront que Jehans de le 
Vinchort cheualiers doit a Oliuier de Deuuioel et a Jehan sen frere borgois 
de Dowai quatie vins muis dauaine seche et sainaule et loiaument ma- 
nouree a le mesure de dowai et douse vins capons a quatre ans a paier 
5 et a dowai a liuvrer la u li borgois deuant dit uolront Cest a sauoir a 
cascune feste tous sains des quatre ans deuant nomes xx muis dauaine 
et a cascun Noel apres Ix capons et se Jehans Chevaliers deuant dis ne 
paoit ces quatre uins muis dauaine et ces ^^j^ capons as borgois deuant 
dis as termines ki ci deuant suiit deuise il leur a encouenent a rendre 

10 tos les cous et le paine et les damages que il i aroient dusques a lor 
dis auoec le dete deuant nomee Et se Jehans deuant dis cheualiers ne 
autres de la siue part en plaidoit ne trauelloit les borgois deuant nomes 
a le crestiente ne en autre liu dendroit cestz couenence a doner et a 
rendre as borgois deuant nomes en nom de paine cent mars de bone 

15 dete et de loial auoec le couenence ki ci deseure est deuisee et tot cou 
puent li borgois prendre a lui et au sien par tout Tote ceste couenence 
a Jehans de le Vinchort deuant dis creante par se foi fiancie loiaument 
a tenir et a rendre as borgois ki ci deuant sunt nome si est a sauoir 
que Jehans de Cysoing Chevaliers est pleges et detere ces J^J^ muis da- 

20 uaine et de ces^jj capons a rendre as borgois deuant nomes as termines 
ki ci deuant sunt nome par tele maniere que se Jehans de le Vinchort 
cheualiers ne laur paoit ceste auaine et ces capons as termines ci deuant 
deuises Jehans de Cysong cheualiers a encouenent a rendre as borgois 
deuant nomes ceste auaine et ces capons as termines ci deuant deuises 

25 et se il ne le faisoit ensi dedens le quinsaine que li borgois deuant 
nomes diroienl sour leur dit que il seroit semons par aus u par autrui 
de le leur part il lor en doit tenir et faire leur creant et si leur iloit 
rendre auoec cou quanque il diroient par leur plaine parole quil leur 
auroit coste en quele maniere que ce fust auoec le dete ki ci deuant est 

30 nomee Et toute autele couenence leur a en couenent a tenir et a faire 
me sire Ours de fertin et Gilles ses fius cheualier com a me sire Jehans 
de Cysoing Chevaliers deuant nomes toute ceste couenence fu faite et 
otroie par deuant escheuins de Dowai hanot cawete et Robe de le Rive 
Ce fu fait en lan del Incarnation nostre segneur mil ans et cc et xxviii 

35 ans cl mois de jenuier. 

VII. 
Ce. sacent tot eil ki et sunt cl ki aucnir sunt que Margrite de cauuenlin 
ki fu ferne WaulifA' lonc!<- •!'• 'Vni-l'-'-in dnit n j:uli<nii)n le c:ingcur bor- 



VI I q. 6 m'' (muis). 8 imii^. 14 nv (/«.;r.i). 



302 CH. BONNIER, 

gois de Dowai xviu Vwre v so/s mains de paresis a paier a le fest saint 
Remi le premiere qua nos atendons et se eist denier nestoient paiet a 
5 jachemon le cangeur au teimine deuant nome Margerite deuant nomee li 
a encouenent a rendre cascune semaine im sois paresis por paine et por 
despens auoec le dete ki ci deuant est nomee et si iachemes deuant 
dis estoit trauellies u ^wplaidies a plait de crestiente dendroit ceste co- 
uenence par margritain deuant nomee ni par autrui de le suie part ele 
10 li a encouenent a rendre quanque il li . ostenait dusqua sen dit de tote ceste 
couenence est pleg enuers iacliemon Gossuin li maire de Cauuentin et 
Lanvins hanie de Cauuentin et tumas de buignechort de co est escheuins 
Robe de le Riue et jachemes li blons m.cc.xxvini en auril. 

VIII. 
Ce sacent tot eil ki or sunt et ki auenir sunt que Willaumes Go- 
mers doit tenir se maison en es le point que or est tant com ele dura 
ensi et sil auenoit cose que li maisons Willaumes keist ne arsist ancois 
que le maisons jehans toulet Willaumes li doit tote se tere deliurer deuant 
5 et deriere tot outre aligne et se li maisons jehan tolet keoit ne arioit 
ancois que li maisons WillaM;«^ il ne puet Willazime greuer ne nuisir 
tant que li maisons Willaume duera et se jehans toles volsist herbergier 
il poroit auoir aise el noc Willaume tant li nos dueroit et se li nos 
faloit il doiuent anokier ensanle et si kerra li ewe la u ele kiet ore et 

lo tant com Jehans ne uolra nient herbergier Willaumes doit liurer noc en 
autel point que ore est et faire pais de lewe et dendroit le celier de 
quele eure que de le maison Willaume defaura Willaumes ni puet 
clamer nule autre cose que ii corbiaus en autel point et en autel asens 
com il sunt ore par eswart de preudommes et com unt li preudomme 

1 5 eswarde par .xl. sols de paresis que Willautne done a Jehan tolet et se 
Willaumes uelt son comble remuer il le puet remuer sans autres panes 
remetre et de tot est escheuins Robe de le Riue et Willaume bonebroke. 

IX. 

Cirographes (illisible). 

Ce sacent tot eil ki cest escrit ueront et oront que li Eskeuin Dertin 
et de Gaisnaing cest a sauoir Steuenes li Rois Nicole maillars Wautiers 
de la dehors Pieres Cardeuake Wautiers li fils segneur Lambert aiglins 
Alainiers Willaumes del atrie et li preudomme de Gaisnaing cest a sauoir 
5 Bernars de Gaisnaing Jehans moreaus Wautiers li carpentiers Pieres 
lunars Gilles locepois Wibers Nicoles de hainau Tumas Wautiers li ues- 
ques Raols dasom le uile Geruais Robers garbes Symons dasum le uile 
Adans roseaus Bauduins hocars Robers li lais bauduins loke Wautiers 
de tuilu et li preudome Dertin cest asauoir Raols de Wasiers Pieres de 
10 Bauai Gosars li feures Jehans li clers Gosuins li macons Jehans li iils 



VII 3 tt). sot. 6 s~. 10 e. i. 12 lanvins. 

VIII 3 Will. 10 Will- 

IX I D'^tin. 3 segn. 



RTUDl' CRTTIQUE DES CHARTES DE DOUAl. 3O3 

dame mahaut Wautievs li faukieies En<jcnans faukcs Engenans li Maire 
Mahius li page Steuenes mallars Reniers li fils lambert Pieres li brisieres 
Bauduins li fils dame Emain de Gaisnaing ßertelmius del croket Wautiers 
Rogiers taille^os Willaumes Wiemaus Jehans del atvie Wautiers li fils 

15 Gylain Jehans li cocus Steuenes Poule unt en couenent por lor dame 
labiesse de mauboege a Werin le maeur borgois de Dowai y jjj 1. de paiesis 
a paiei" a 1111 ans cascun an a 11 tevmines a cascune feste tos sains c Mvres 
et a cascun grant Qwaresmes ce>it Mvres dusca tant que li yjjj Mvres 
seront paiet se li abeesse nes paoit as termines deuant nomes et auoec 

20 tot cou li eskeuin D ertin et Gaisnaing et tot li preudomme ki ci deuant 
sunt nomcil unl encoucnenl a aquiter Werin le maeur deuant nomct 
dusques a scn dit de tos les plais de crestiente de que Werins deuant 
dis seroit trauellies ne emplaidies por locoison de ces deniers ki ci 
deuant sunt nomet Et auoec co se eist denier nestoient paiet a Werin le 

25 maeur as termines deuant nomes li preudomme ki ci deseure sunt nomet 
li onl encouenent a rendre x sols de paresis le semaine de cascuns cent 
Mvres ki defauroient de sen paiement auoec le dete ki ci deuant est nomee 
Toute ceste couenence est falle et louuee deuant eskeuins de Dowai Robe 
de le Riue oliuier de Dewioel et Amant de Lens Ce fu fait a Gaisnaing 

xo dehors latrie En lan del Incarnation mil et cc et xxxi cl mois de Mai. 



X. 

Cirographum. 

Ce sacent tot eil qui or sunt et cjui auenir sunt que tiebaus le car- 
boniers done et otrie a se fille margeritain tote lesqueance qui li eschai 
de Jaglein lamirant se taien et margerite en doit esploitier par conseil 
deschieuiws a ceste conuenencc fu pieres li petis . et baude de harnes . 
co/wme eschieuin en lan del Incarnation mil et cc ans et xh el mois 
dauril. 

XI. 

Ce sacent tot eil qui ces letres ueront et oront que tiebaus doignies 
et Jehan qui se fille a doiuenl xl mars del paiement de doai a buon 
le borsier sor eis et sor tot le leur et puet . Ijues prendre le leur par . 
tot et uendre et despendre comme le sien par sen piain dit A ceste 
conuenence fu Gerars li morans et Robers patins comme eschieuin en 
lan del incarnation mil et cc ans et xlii el mois de decenbre. 

Cirographum. 

xn. 

Cirogra/Äc. 

Ce sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Henris daire el maroic 
se ferne onl curle clame Pieron Grifon capelain de saint ame de toute 



16 Dowai. 26 Hb. (/iure-). 

X 5 eschievis. 

XI 2 m". 



304 CH. BONNIER, 

lescheance et tout laquest ki leur pooit eskeir del pere et de le mere 
5 Pieron grifon deuant dit de lui meesmes por viii \ivres de paresis ke il 
en doiuent avoir si ke pieres Grifons deuant dit en peut faire se uolente 
et tel deuise com il uaura faire et haities et malades et meesmement 
Robers li freres Pieron Grifon a curte clame Pieron Grifon ki deuant 
est noumes de toute lescheance et de tout laquest ki li pooit escheir 

10 de par sen pere et de par se mer et de par Pieron Grifon sen frere 
par ensi ke Robers ki deuant est dis le doit tenir toute se vie apres le 
deces Pieron Grifon sen frere si ke Pieres Grifons en puet faire se uo- 
lente et tel deuise com il uaura faire sauf cou ke Robers doit tenir 
toute cele escheance et tout cel aquest ki deuant est dit toute se vie Et 

15 a Cd?ste caitance furent com escheuin Bernars Pilate et Gerars li morans 
ce fu fait en lan del incarnation nostre segneur mil cc et xhii ans el 
mois de septembre, 

XIII. 

Cirografe. 

Ce sacent tout eil qui cest escrit uerront et orront que Gilles daubri 
borgois de Wallers a donet a iretage a Mounart del markie borgois 
de douai se maison ki siet en le rue del puc filori si comme il le tenoit 
5 Wide et herbergie deuant et deriere por viii mars et demi diretage sauf 
CO que Mounars deuant dis doit payer awec le vies rente que li maisons 
deuoit et ces viu mars et demi a donet Gilles deuant nomes as nonains 
de sin et as Malades de Douai et as Cartriers et a lostelerie saiut Jelian 
deuant Saint Piere et a saint Sanson a partir autant lune de ces maisons 
10 con lautre et co a il laissie et donet a ces maisons deuant dites apres le 
deces de lui et de se feme et ces vm mars et demi puet Monars racater 
ou escangier en liu soufisant par le conseil deskieuins et ce fu fait par 
deuant eskieuins Engherran Brunamon et lakemes li blons ce fu fait en 
lan del Incarnation nostre seigneur m.cc. ans et xlun el mois de Mai. 

XIV. 
(Au dos est ecrit). Williaume paskendare conissance. 

Cyrograplium. 

Ce sachent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Willaumes Pasken- 
dare a acate a Gerard le filier u mars diretaige et une piece de wide tiere 
en le rue saint Jehan a ceste conissance furent eskieuin Rainniers de Goi 
5 et Males de le cuerville ce fu fait en lan del incarnation notre signeur mil 
et deus cens ans et quarante 1111 el mois de Nouembre. 

XV. 

Cirografe. 

Ce sacent tout eil ki sont et ki auenir sont ke Jehans ki frere fu 

Nicoion Roussel a donnet a Pieron sen fil e a Helecon se niece 111 mars 

diretage a prendre seur le maison Nicoion Roussel sen frere ki fu que 

5 Nicoles Capeles a prise a iretage et a prendre seur tout lasenement que 

15 z. 



ETUDES CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAl. 305 

Nicoles capeles cn a fait et cow/ a il tiancie et creante pav foi et il et 
se ferne a acuitt- jusq^es al dit des eskieuins ne ne querra art ne engien 
ne a crestiente ne ailleurs par coi Pieres ses fius ne las deus baisseletes 
deuant dites soient ariere de cestui cretage et de le parüe as deus bais- 

10 seletes a Pieres encouent a owrer par le conseil des eskieuins et sil aue- 
noit chose que cius Jehans li cuens deuant dit auuriast Pieron sen fil ne 
les baisseletes deuant dites de cestui iretage deuant nomet ne il ne se 
ferne ne arme de par eus il la encouent a . acuiter par deuant eskieuins 
seur lui et seur le sien jusqi/^s al dit des eskieuins et ce fu fait et otroiet 

15 par deuant eskieuins de douai Monart del marchie et Malet del ecorbille 
en lan del Incarnation noslre seigneur mil cc ans et xlv el mois de 
feurier. 

XVI. 

Cirographum. 

Sacent toul eil ki cest escrit uerronl et oront ke Aliaumes li 
canbiers done apres sen deces a Emelot se fdle ke il a de Idain ki iadis 
fu se ferne une maison ki siet en le couture dencoste le maison huon le 
5 scieur tout en si com ele siet uuide et herbregie et se li done auoec xl 
sols dartisiens cou poet Aliaumes remwer a se uolente quand il uolra cou 
est fait deuant eschevins Pieron le Petit et Gerart Morant en lan xlvn el 
mois de Marc. 

XVII. 
Cirographe. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Mehaus de Gaueriele 
a done et otroie et werpi apries sen decies a Rogier de gauriele sen lil 
le moitiet de'se maison et de sen tenement la u ele maint et se li done 
5 encore xx ]iz'res de paresis ke campenois ses fils dot rendre et paier se 
il uelt auoir lautre moitiet de celui tenement deuant dit et si il ne uoloit 
paier a Rogier deuant dit les xx Mvres de paresis mehaus uelt ke Rogier 
deuant nomes ait tout le senement tot quite et tot deluire a tele rente 
com li manages doit Ce fu fait en plaine hale deuant escheuins pieron 
10 le petit et Gerart Morant et Gerart Heraut en lan del Incarnation notre 
segneur mil cc et quarante wit el mois de Mai. 

XVIII. 
Ce sacent tot eil ki or sunt et ki a uenir sunt que Ticbaus Goules 
si conduist sen eschieuinage et en plaine hale que dune piece de tere ki 
iadis fu a Huon del for et ki siet en le basse rue de le porte deskercin 
que il le saisi et par iuslice le pr<^vost de Douai ki le iustice auoit en 
5 cele meisme piece de tere et apres le saisine Ticbaus Goules en fu mis 
en tenance et cnuesteure et par eschieuins et por le fons de le tere quil 
i auoit et de coi il en cstoit ariere et li eschieuin et en plaine hale 
et par leschieuinage quil conduist de se saisine et de le tenance et i fu 
si longement corae li lois de le uile porte on dcluira a Tebaus Goulet 

XV 10 aouurer(?) ouvrer. 14 jus. 

XVI 6 sol. 6 reniuier. 



DO CH. BONNIER, 

I se tere tot si com el estoit et uuide et hevbegie come le siue por faire 
sc uolente et a co si fu come eschieuins Oliuier de Deuioel et Lanuins 
Pilate et Gerais Morans et Ricavs taidns et si fu fait an lan que li 
Incarnations ot ni. cc.xlvm devant el mois de septembre le Deuenres le 
Saint Michil. 

XIX. 

Cirogr . . 

Ce sacent tout eil qui cest escrit vcront et oront que Watiers li 
cailiers a uendu a Ansiel pelerin unne partie de se maisou qiä siet sur 
leue dapers le pont kafan et cele partie qiä siet sur leue deuers le pont 

. kafan a il uendue a Ansiel pelerin et li doit aqwiter a ii mars de rente 
et a retenir a moitie closure si keme li closure se porte et de cell clo- 
sure closure duskes a le boune ke par teur i ont a sise et de celi boune 
duskes a le cambere (\in siet ou mur a partir le siege de celi canbere 
a moitie et le celier doit Ausiaus auoir a iretage si auant cum li lierbe- 

I gages dou celier se porte et se doit Wautiers li carliers auoir ses aises 
a iretage de seure le celier de tant que deuers se partie a raounte sains 
enpirier mais Watiers li carliers ne ses oirs ne peut faire deseure Le 
celier de coi li herbegages soit enpiries en sieng et se dou herbegage 
defaut a partir parmi lestele deuant a coi li closure se tient duskes a le 

I boune q-i siet en le court ke par teur ont a sise et de celi boun duskes 
a le cambere q«i siet ou mur a partir le siege a moitie et se poroit 
Ansiaus rehebegier le celier si auant ke mon saroit kil aroit este her- 
begies a cest uuendage et ceste reconnisance fu Ricars Talons et Gerars 
li morans cum eschieuin en lan de lincarnätion m. ans et cc et 1 el mois 

) de Genuier. 

XX. 

Cirograp//«?. 
(A dos est ecrit): Cest contre escrit 

warde Gerars heraus par erchieuinage. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Hues li neaus a uendu 

; et uuerpi a Druion de Carnin se maison ki siet encoste le maison celui 

Druion wide et herbergie ensi ke ele siet a x sols de par(?sis et a vi 

sols de doisiens de rente et ensi la Hues deuant dis en conuent a' aquiter 

bien et loialment dusques au dit des eschieuins Gerart le morant et Gerart 

heraut ce fu fait en lan del incarnation notre segneur mil cc et ciunquante 

D mois de Jenuier. 

XXI. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke me sires Gilles Broisse 

cheualiers a uendut a Oliuier de Deuioel a Ricart Talon et a Gerart de 

Goy borgois de Dowai les preus de xx muis de terre ki sient ei teroir 

de hasencort li quele terre est acensie a loial cense Ixx muis de bleit et 

5 Ix muis dauaine si uallant cm a vu d^tfüers ddiXiesiens pieur del melleur 

XIX 2 qi . 

XX CIROGRA ... 6 par". 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 307 

cascune rasiere et lauaine seke et sainaule loialment nianouree et a luiret 
a Dowai par tout la u li deuanl dit borgois nauronl la u carete pora 
carier sans mal engien et a deus paiemens cest asauoir le pr<?niier paie- 
nient xl niuis de hlet et xxx muis dauaine a le feste notre dame candele 
10 le prifinicre ki uient et lautre paiement xxx mtds de bleit et xxx muts 
dauaine a le feste nostre dame candeler en siuant apries ki ert en lan cin- 
quante deusisme et ensi la me sires Gilles deuant dis en couent a faire 
paier ses censeurs et sil auenoit cose ke li censeur ne paoient as Borgois 
deuant nomeis les Ix et v muis de bleit et les Ix muis dauaine as ter- 
1 5 niines tout ensi com a deuant est deuiseit et li borgois deuant dit auoieut 
paine cous ne damages por le defaute de lor paiement me sires Gilles 
deuant dis lor doit rendre tous les cous tous les despens et tous les da- 
mages ke 11 aueroient ne leroient en qwele maniere ke ce fust dusques a lor 
dis u dusques au dit del un daus trois sans autre prouance faire et tout 
20 cou a mesires Gilles deuanl dis en couent sor lui et sor le sien et ke li 
borgois deuant nomeit le puissent prendre a lui et al sien par tout et 
uendre et despendre comme le leur et se me sires Gilles deuant dis de- 
faloit de ces couenences ke il ne les tenist bien et loialment as borgois 
deuant nomeis tout ensi com deseure est deuiseit me sires Henris de 
25 mastaing la en couent a faire et a tenir et dusques au double de le dete 
deuant diie et me sires Pieres de Goelesin cheualiers la encouent a faire 
et a tenir as borgois deuant nomeis touten autele maniere com deuant est 
deuiseit sor lui et sor le sien et li borgois deuant dit le puissent prendre 
a lui et au sien par tout et uendre et despendre comme le leur Et se 
30 me sires Gilles et mesires Pieres . deuant nomeit defaloient de ces coue- 
nences me sires Wis de Montegni cheualiers a encouent a rendre as 
borgois deuant dis por lor cous et por lor damages Ix \ivres de artisiens 
et ke il les puissent prendre a lui et au sien par tout comme le leur Et 
me sires Broiars descaillon cheualier a encouent a metre les borgois 
35 deuant nomes en 1 mui de terre la u il mist a i jour ki passes est Ber- 
nart le cordwanier por dete ke il deuoit et ke li borgois deuant dit re- 
coiuent les preus et les porfis de ce mui de terre deci.adont ke il soient 
bien paiet de ces Ixx muis de bleit et de ces Ix muis dauaine et de 
quanq . es il lor cousteroit ausi deci a lor dis u au dit del un daus trois 
40 sans autre prouance faire A totes ces couenences furent com eschieuin 
Gerars li Morans et Jehans li feures Ce fu fait en lan del Incarnation 
n-tre segneur mil cc et Cinquanle el mois de feuerier. 

XXI r. 

Saccnt tout eil ki sunt et ki auenir sunt kc Jehans bouchc a ucndul 

et werpit a Werin doscr^j le manieur une rasiere de terre pau plus pau 

mains ensi com ele siet entre le moelin de uent et Dowai a dcus 

sols de doisietis el a deus capons de rcntc et a disme et a Icragc 

5 et ensi la il en couent a aquilel dusq«es au dit des eschieuins Ces 

XXI 10 m. m. 

XXII 4 do'is. 

ZeitHclir. f. roiii. Phil. XIV. 20 



308 CH. BONNIER, 

werps fu fais en le hale deuant eschieuins Wicart le monnuer et Gerart 
le Morant ce fu fait en lan del incarnation notre segneur mil cc et ciun- 
quante el mois de Octembre. 
Cirographe. 

XXIII. 

Cirografum. 

Cou sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Nicholes li piniers 
de doewioel a assenee demisiele Marien le roine le demisiele de camp 
flori sor le moitiet de se maison la u il maint et sor quan kil a ki se 
5 justice par eskeuins en tele maniere ke demisiele Maroie li deuant dite 
le puet uendre et despendre comwe le sien desci adont ke le seroit 
plainement paie de im \ivres iii sols niains daxieste7is ke le li presta la 
furent com eskeuin sire baude de doewioel et sire bernars pilate cou fu 
fait en lan de lincarnation nostr^ sigaeur m et cc et li el mois de decembre. 

XXIV. 
(Au dos est ecrit) Ceste couenence est Gerart de Marellon. 
Sacent tuit eil ki sunt et ki auenir sunt ke Ricars . ^aions a re- 
cordeit par eschieuinage ke il et thumas Cauweliers furent com escheuin 
bien a .v. ans u plus la u demisiele Oede de lens dona et werpi a Gerart 
5 de marellon i cortil ki siet deuant le noef moelin por demi marc de 
rente par an et une maison ki siet dautre part maison Bauduin de dar 
la u thumas de fierin li peskieres ni est port i marc de rente par an 
et si li dona ausi aoes Willaumes sen fil demi marc diretage ki siet sor 
le maison ki fu iakemon roupie ki Gerars meismes tient encoste le maison 
10 le dame de aubi et eis recors fu fais par deuant eschieuins lanvin pilate 
et Gerart le morant en lan del incarnation notre signeur mil cc cinquante 
et deus el mois de Genuier. 
Cirogr .... 

XXV. 

Cirographum. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt que leurens boineue de 
le couture doit til encouent a sohier le Waukier a lui et au sien xxv 
Mvres de Y>^xesis et ueut et otrie eil meesmes leurens que li deuant dis 
5 sohiers puist prendre a lui et au sien et uendre et despendre coume le 
sien duskes as xxv. Mvres ki deuant sunt dit a ces couuenences furent 
con eskieuin Gerars li Morans et Reniers li waukier ce fu fait en lan del 
incarnatzo« nostre segneur m. cc. et In. el mois de marc. 

XXVI. 
Ce sacent tout eil qui sunt qui auenir sunt que li ospitaul de camp 
flori a acate a Jehan le clerc le fil mahiu dou pre i rasiere de terra qui 



XXIII 6 come. 7 lib. art. 

XXIV 2 CO. 7 m. 

XXV 4 1^._ 6 IIa. 8 incarnat. 

XXVI 2 R.' 



ETl'DE CRITIQUK DES CHARTKS OK UOUAI. 3O9 

gist de la labie des pres lenanl a Ic terre Pieron boisail se doit a labie 
des pres 5 tasieres de ble de rente et xvni Aeniers Aonisiens la furcnt 
com eskeuins Gerars li Morans et Renieis le waukiers ce fu fait lan de 
lincarnation m.cc.lii el mois dauoust. 
Cirogiaphe. 

XXVII. 

(Au dos est ccrit). (!!ouenence est Jakcmon lonpecerise. 

Cirographe. 

Sacent toul eil ki siiiU et ki aucnir sunt kc Ermenlrus de le mon- 
taigne doit et a encouent a Jakemon loupecerise vii \ivres 1111 ^ols 
duxiesiens a rendre et a paier dedens le Noel ki iiienl xxx sols et a le 
Penthecouste apre?j xxx sols et a le saint Remi procaine apries xxx 
sols et al Noel apries xxx sols et a le Pasque en siuant apries xxm sols 
et ces vii Mvres 1111 so/j- a cele Ermentrus encouent ensi a paier au 
deuant Jakemon et si uelt et otrie ke il les puist prendre a li et al 
sien par tout et uendre et despendre cojiie le sien en loutes" ces coses a 
Ermentrus deuant dite reconciet a le Uesueit et a tous priuileges de crois 
a toutes bares a toutes aiues de loi crestiene et de sainte Eglise et de 
loi mundaine et a toutes les coses ki aidier ne ualoir li pbroient en 
contre ces couenences ne audeuant dit Jakemon greuer ne nuire a toutes 
ces couences furent com eschieuin Gerars li Morant et Reniers li Wau- 
kiers ce fu fait en lan del Incarnation nostre segneur mil cc cinquante et 
deus el mois de septembre. 

XXVIII. 
(Au dos est ecrit). Ces pareus letres warde Gerars li morans. 

Cirographum. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Wautiers de Barbastre 
doit et a encouent a Willaume le candeller xxviu 9,ols de pari?j-/j et uoel 
et otrie lou meismes Watiers qwi Willaumes deuant noumes le puist 
prendre a mi et au mien par tout u ke i el aie et boire et maingnier et 
uendre et despendre conme le sien sans autre proüuance faire a ces 
couenences furent com eskieuin gerars li morans et Reniers li Waukiers 
cou fu fait en lan del incarnat/ö« nostre segneur mil et deus cens et cin- 
quante et deus el mois de decenbre. 

XXIX. 

Au dos est ecrit: Ce sont Gerard de Goi letres. 

Sacent tout eil ki sunt et ki aüenir sunt ke Driues a mis en saisine 

com justice Gerart de Goi de tout le ceuement Gerart ki a le fdle Gri- 

goire de bapaumes li ques tenemens siel de hors le bare de Ic porte 

deskercin ceste saisine fu faite en le hale par deuant eskieuins Gerarl le 



4 R. 5 d Dou. 

XXVII 4 lib. sol art. 5 s". ap". s". }c. 7 lib. 

XXVIII 3 sol. par". g incarnat. 
XIX 2 cö. 5 par. 



3IO CH. BONNIER, 

morant et Robiert de harnes ce fu fait en lan del Incarnation nostre 
segnuer m. cc. et hm a mi marc. 
Cirographum. 

XXX. 

Cyrographe. 

Ce sacent tout eil ki sont ki ces letres uerrorit et oront ke Jeliain 
de le montaigne quite a Ermentrut se mere deus rasieres de t(?re ki sient 
deheurs oscre as cortiels de saint Aubin parmi vi copes de terre ke Er- 
5 raentrus done a Jehan sen fil ki sient as hauuil a faire se uolente kil le 
puet uendre et despendre se besoins le touke et si quite Jehans deuant 
dis Ermentrut se mere deus heudes ki sient a le montaigne a faire se 
uolente kele les puet donner la u ele waura parmi cou ke Jehans doit 
auoir le plache et le maison ki siet dacoste les deus heudes et sest a 

10 sauoir ke Jehans dout paiier toute le rente de liretage fors un quartier 
dauaine ke les deux heudes doiuent au geule cele rente doit ermentrus 
paiier et se Jehan ne paioit le rente kil le couenist ermentrut paiier ele 
se doit tenir au sien de tant kele paieroit por Jehan sen fil et ceste co- 
uenanche fu faite deuant eskeuins Oliuier de Deuwioel le Gerart [/<? ino- 

15 rant'\ lan del Incarnation '^esus crist m cc et ciuncquante quatre el mois 
de [mai]. 

XXXI. 

Cirographum {illisible). 

Ce sacent tou eil (\ui sont et (\in auenir sotit que Hernous . dostre 
doit a Huon le boursier c et xi sols de pareszs que hues les puet prendre 
et u<?«dre et despendre come le sien quanquü li costroit dechi a sendit 
5 Sans autre prouuance et cius Hernous reno«ciet a le crois et a tous pre- 
uileges qui aidier li poroient por de lui nuisir et cou a il fianciet a tenir 
de cou est eskieuins Grars li morans et Robers de harnes cou fou ou 
mois de septembre. 

Cest en lincarnasion de m. c. ans et hm ans. 

XXXII. 
(Au dos est ecrit:) Ces werps est Watier Roussiel le moelekinier. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Bandes destrees a uendut et 
werpit et doneit a hiretage a Watier Roussiel le moilekinier une maison 
ki siet en le rue de Bielain ki fu Engerran camus ensi ke ele siet uuide 
5 et herbergie deuant et deriere a vm so/j de doisüns et vm capons de 
rente p«r an ke cele maisons doit del fons de le Üere et por 1111. mars 
diretage ke cils Bandes i a et ensi li a cils Bandes en couent a aquiter 
dusques au dit des eschieuins Ce fu fait en le hale deuant eschieuins 
Gillon Mulet et Willaumes de Lambres en lan del incarnation nostre 
10 segneur mil cc cinquante et quatre el mois de Septembre. 
Cirographe. 



XXX 3 tre. 15 Jhu. (y^sus). 

XXXI 2 söI. 2 so. par~. 4 üdre. cöe. 5 renociet. 6 qui 

XXXII 5 s" döis. 6 tre. 



ETÜDE CRIITQUE DES CHAKIES DE DOUAI. 31 I 

XXXIII. 

Ce sacent toul eil ki sont ki ces letres uerront et oront Ke Maroie 
dou ploieic meschine me dame Annes de saint Aubin a acate las preus 
de VI copes de terre ki sient as hauis ke on lient de me dame labeesse 
des pres a Jehan de le montaine vi ans preus prendans 11 bles et deus 

5 tremois et sest a sauoir ke Jehans doit paiier le rente de le terre et sil 
auenoit chose ke Maroie deuant dite auoit ne coust ne damege en ceste 
chose kele nen portast le sien en pais Maroie se doit tenir au fons de 
le te^re et ensi la Jehans encouent loiaument a tenir et ceste couenence 
fu faite deuant eskeuins Oliuier de Deuwoel et Gerat le morant lan 

Incarnation Jesus rrist m. cc. et ciunquante quatre el mois de Octembre. 
Cirographe. 

XXXIV. 

Sacenl toul eil ki sunt et ki auenir sunt ke Jakemes et Gerars del 

marchiet ont recordeit ke il furent com eschieuin en lan Im isme el mis 

daoust la u Jakemes porceaus saise tout le tenement et tout liretage et 

tote In rente Robert del berkin ki sient deuens le porte de le Noeuile 

5 por le rente ke cils Jakemes i auoit et por xiiii. \ivres de pa.rests ke il 
i auoit de arierages de se rente si est a sauoir ke Baudes destrees et 
Gerars del marchiet ont recordeit ke il furent cow eschieuin la u Jakemes 
porceaus fu mis en uesture de cell saisine et quant cils Jakemes en fu 
mis en saisine il en mist Jehans painmoulliet le pere et Jehan del atrie tout 

o en autel point co;« il en estoit de cell saisine et de celi uesture tout eist 
recort furent fait deuant eschieuins Gillon Mulet et Willaume de Lambres 
en lan del incarnation noire segneur mil ce et cinquante quatre el mois 
de Octembre. 

5 Cirographe. 

Et si est a sauoir ke Jakemes porceaus en fu mis en uesture lan 
Im isme le Deuenres apries le samt Denis et Jehans pains moullies et 
Jehans del atrie en furent mis en tenure le demerkes apries le lous sains 
lan Im isme en le hale deuant escheuins Wicart le Monnier Jehan bona 
broke Gillon mulet et leur compagnons. 

ü Autra ecriture: 

Cest de Jehan pain moulHet el de Jehan del atrie dendroil liretage 
Robert del brekin. 

XXXV. 

(Au dos est eerit:) Ci vverps est Willaume del aubiel. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ka maroie li a werpit et 
doneit a hirelage a Willaume del aubial se maison ki siet el preit deuant 
le maison Gerart le uerrier ensi ki ala siel wide et herbergie deuant et 
5 darere^ por .\vi denürs de paxusis diretage par an Et por le uies rente 
cest a sauoir xhi deniers doisiens et im capons et ensi li a cele maroie 
en couent a aquiter dusques au dit des Eschieuins ce fu fait en le halc 

XXXIII 10 Jhu. 

XXXIV 5 lib. par". 7 > . 1 • . 1:1 n..t. 

XXXV 5 dcre den pär. 



512 CH, BONNIER, 

deuant escliieuins Gerart le Morant et Geravt heraut en lan del incar 
nation notre segneur mil cc liiii el mois de Decembre. 
Cirogr 

XXXVI. 

(Au dos est ecrit): Ce sunt letres Willaume le candellier. 

Sacent tout eil ki ces letres ueront et oront ke Bauduins li gou- 

d aliers ki maint dehors le porte oliuet doit et a encouuent a Willaume 

le candellior x Uvres de parasis et veut et otrie eil meismes bauduins 

deuant nomes que Willaumes deuant dis le pulst prendre a lui et au sien 

5 et boire et mewgnier et uendre et despendre coume le sien dusques as x 

Yivres deuant dites et en toutes ces couuen^wces iou Bauduins deuant 

noumes ai iou renoncie a tous preuelieges de crois que iou aie ne qi/e 

ie poroie auoir a toutes öares a toutes lestres ki sunt ne ki poront 

estre empetrees otinies ni deunees de par lapostoile ne de par legat 

lo ne de par autrüi et a totes les cosses ki aidier ne ualoir ne poroient ne 

au deuant dit Willaume greuer ne nuire et tout ensi co;« il est ci deuant 

deuiset lai iou en couent a tenir et a emplir bien et loialm^«;? sans mal 

engien A ces couuenences furent com eskieuin Gerars li morani et Ro- 

biers de harnes cou fu fait en lan del incarnation nostre signeur mil et 

deus cens et liui el mois de decembre. 

Cirographuma. 

XXXVII. 
Ce sacent tout eil ki sunt et qin auenir sunt que jordain le ba- 
tere doit a huon le borsier vi Uvres et im. sols de. pa.resis que hues le 
puet prendre et uendre et desprendre conme le sien et quant que li 
costroit de si a sen dit sans autre porueance et eil cordain renoncoit a 
5 le crois et a tos preuilieges qui aidier li poent por celui musir et cou a 
il iianciet a tenir ce fu fait deuant eskeuins gras li morans et robert de 
Harnes ce fu fait en lan de lincarnation m. cc. Iv. 

XXXVIII. 

(Au dos est ecrit :) Ces Werps est huon de balloel. 
Cirographe. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke iehans descarchin a 
uendut et uierpit a huon de balloel le bateur de laine une maison ki 
5 siet en le noeue rue deuant le maison Willaume de paskendale ensi com 
ele siet wide et herbergie deuant deriere a u aols de doistens et i marc 
diretage par an et ensi la cils Iehans encouent a aquiter dusques au dit 
des eschieuins ce fu fait en le hale deuant oscheuins Renier de Goy 
Gillon de Doregni et bernart catel en lan del incarnation noire segneur 
10 mil cc et Iv el mois de Jenuier. 



XXXVI 3 lit). (Iiures) par"s (paresü). 5 mgnier. 6 HD. 
neces. 7 que. v. ou b ? 11 cö. 

XXXVII 2 lit>. sols. 3 par". 

XXXVIII 6 s". dois. 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTüS DE DOUAI. 313 

XXXIX. 

(Au dos est ecrit.) Cesle couenence est de Henr/s le cordouanier et de iake- 

min Manekin. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Jakemins ki fu hls Raoul 
manekin a counut devant eschieuins ke Henris de courtrai li cordouaniers 
5 li a paiet Ix so/s de paresü lesquels Raols ses peres le auoit dones et 
de quoi il estoit assenes sor une maison ki siet deuant se maison Marien 
le clert ke cils Henris tient et eil assenement a quite clameit cils Jake- 
mins deuant eschieuins Braudet destrees et Bernart catel en l'an del In- 
carnation notre segneur mil cc et Iv el mois de feuerier. 
Cirographe. 

XL. 

Sacent tont eil qui cest escrit ueront et oront ke i . . (?) einme qtei 
fu ferne Biertremiu as femes et Aelis se fille ont reconeut pur de.uatU 
eskieuins de Douai Grart le morant et Robiert de Harnes queles (/oiuent 
a Brission le Barbeteur de Doiuoel In sois de pzresis lesques elles doiu^«/ 
3 paier au deuant dit Brission en tel maniere sil est a sauoir au Noel et 
au Marc de cest an qtii ore keurt .\xvi sols au Noel et au Marc de lan 
apries [apries] xxvi so/s et feur^«^ en conuent que crois ne preuileges . . . 
qui i fur^«^ com^ eskieuins lan del incarnation nostre signeur mil cc Iv 
ime el mois de Marc. 

XLI. 
(Au dos est 6crit.) Cis contre escris est Thumas de Mons. 
Ce sacent tout eil ki cest escrit uerront et orront ke Jehans li uie- 
leres a done a hiretage a- Thumas de Mons et li a werpi en le hale une 
maison ki siet en le basse rue deca le porte deskiercin deuant le maison 
5 Gowmer le mie ki fu tout ainsi cowe le siet deuant et deriere wide et 
herbegie por viii sols de paresis et por vi coupes dauaz"«^ et por vi doui- 
siens el 11 capons de renle par an et par coruee et demie par an de vii 
tXeniers et maaille de pd^xests par cesti rente ki ci deuant egt nomee li a Jehans 
li uileres iXtnant dis ewcouuent a aquiter dusques au dit des eskieuins 
lü cis uierps fu fais en le hale par deuant Eskieuins Jakemes Pourciaus 
Bernart Cateus ce fu fait lan del Incarnation nostre seigneur mil cc I et 
V ans el mois de March. 
Cirografe. 

XLII. 

Ce sacent tout eil ki sont et ki auenir sont que Grars deustricort 

a uendut et uierpi a Jehan de France 1. fiert diretage sor le maison 

pieron deustricort sen frere ki siel en le rue dou gardin dehors le porle 

vakerece el si li a cius Grars deuant dis uendut et werpi se maison ki 

5 siel sor le gram rue dehors le porle vakerece el tou sen lenement si ke 

XXXIX 5 s" par". 9 notre. 

XL 4 s~ par". 5 doui. 8 s". 10 furenl. coni. 

XLI 5 Gmer. 5 cö. defl. 9 par". 10 e(n). 
XLII 2 ferH (f ertön). 



314 CU. BONNIER, 

il siet wis et heibregies et iine heude qui siet en le rue dou gardin entre 
le maison celui Grart et tous li tenemens et li heude xix sols et vi deniers 
de Tpa.resü par tout et ensi li a Gras d^euant dis en couuent a aquiter 
dusqttes au dit des eskieuins. Ce fu fait en le hale deuant eskieuins bernart 
10 katel et sauualon de vergelai en lan del incarnation nostre segneur m. 
cc. Iv el mois de Marc. 
Cirographe. 

XLIII. 

(Au dos est ecrit :) Ceste Couenence est Mahiu le pinier. 

Cirographe. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Gillebers li piniers a 
werpit et doneit a Mahiu sen fil se maison ki siet a Deuioel deuant le 
maison Jehan le feure a tele rente ke ele doit ce Et se li doune ausi tout 
cou ke il a ne ke il auera en quoi ke ce soit et par tele maniere ke cils 
5 Mahius doit li ourer Gillebers sen pere et Emmain se mere tout cou ke 
besoins leur ert de boire de mangier et de uestir et de caucier soufis- 
saument et sil i auoit mil debat cils Mahius en doit ourer par le consel 
des eschieuins ce fu fait deuant eschieuins Gerart le Morant et Robert 
de harnes en lan del Incarnation notre- segneur mil cc et Iv el mois 
10 de May. 

XLIV. 

Cirographe. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Melissens de le braiele 
a doneit a Amalri sen fil sen meis ki siet en le braiele maintenant a tenir 
tout ensi co;« il siet wis et herbergies deuant et deriere a vu sols vi 
5 deniers pa.resis de rente par an et par tele maniere ke cele Melissens 
doit tenir le moitiet del mes se uie et ele doit paier le moitiet de le 
rente a cest dou furent com eschieuin Gerart li morans et Gilles li alains. 
Ce fu fait en lan del Incarnation notre segneur mil cc et Iv el mois 
de Mai. 

XLV. 

Sacent tout eil ki sont et ki auenir sont ke sire Jehans Pikete a 
donne a loial cense le despouUie de ix rasieres de tiere couertes de biet 
a Huon Castiel a Jehan son fiUastre et a Eurart denpi chaskun por le 
cout sil est a sauoir xiiii rasieres de biet por le semure de chascune 
5 rasiere de cel biet ki sor le tiere crois si le doiuent paier sec pesnaule 
bien batut et bien uanet et batut de win et auoir tout paiet dedans le 
Saint Andriu dedens les portes de Douai u sire Jehans uolra la u charete 
puist torner et sans remesurage de tiere et les voies concees ens de ceste 
pouenence a tenir asenent il signor Jehan deuant nous deus eskeuins 
10 Grart Morant et Robiert de Harnes sor tous lor meubles iretages et 



7 s 8. den par . 9 dusq. 

XLII 7 par". 

XLIV 3 maintenS. 4 cö. s . 5 den. par . 7 co. 

XLV 4 r". 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 315 

chateus a faire se uolente sil defaloienl de ceste coueiv//ce et Ic sires 
Jehans entenl quil ne soil mie bien seurs plus seurs Icn ilouieiU faire. 
Ce fu fait le jor de le pcnlecousle en lan de lincarnalion mil cc el Iv 
en lenclostre saint anie. 
Cirographe. 

XL VI. 

(Au dos est ecrit.) Ceste couenence est Symon. 

Sacent tout eil ki sont et ki auenir sout ke Simons li clers de Can- 

teleu a done acense vi ans a Gilon Cramete de le rue dou gardin vi 

xasieres de tiere ki sient derriere le capiele pour vu Mvres de pare^jzj par 

5 an de cense et pour 1111 xasieres de ble et n x-x%ieres dauaine et v so/j 

de parc-ivV ke li tiere doit de rente par an et si est asauoir ke li pr^miers 

paiemens eskiet a paier a le saint Remi lan Ivi isme et de Sain Remi 

en Sain Remi apreis apreis cascun an vn. Xivres iuskes a vi ans et ces vii 

Mvres de part'jw deuant dites Giles deuandis a Simon deuant noume a lui 

10 et au sien kil le peut prendre et uendre et despendre comme le sien. A 

ceste couuenence fu comme eschieuins Jehans Bonebroke et Gillies li 

Alains En lan mil cc et Iv el raois de Julie 

XLVII. 

(Au dos on lit :) Cest couuenence Le mone de Mons. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Baudes de Harnes 

Robers se fius et Marote se fille aussi ont uendu et werpit hiretaulement 

a Ameit de Mons le jouene le moiiiel de leur maison ki siet a Deu«?/'poei 

de la le pont a le laigne cest a sauoir le moitiet de celi maison ki siet 

5 sor le ruele des mairiens tout ensi come ele siet wide et hebergie deuant 

et derriere a vi mars et 11 setiers par an de rente et le uies rente kele deuoit 

deuant cest a sauoir m mars 1 setier xxi sols . et vi A^niers de T>o\siens 

et 111 capons par an de rente et si est a sauoir ke cius ameis doit des 

VI mars et 111 setiers deuant dis racater demi marc a lauenant de .\v mars 

10 le marc dedens le jour de le Natiuite saint Jehan Baptiste le preijiiere 
ki uient en .i. an et apreis le racat de celui demi marc il doit racater dou 
remanant des vi ma/-s et 111 setiers deuant dis cascun an porsiuanment 
a cascune feste de le Nativite saint Jehan baptiste 1 marc de xv mars 
le marc duskes adont ke li vi mars et lu iiertons deuant dit seront tout 

1 5 racateit et si est a sauoir ke cius ameis u eil ki cele moitiet de celi 
maison tenront doiuent auoir leur aises au Noc de celi maison ausi auant 
ke eil ki lautre moitie tenront par mi cou ke cius Ameis u eil ki se 
moitiet tenront doiuent celui noc retenir a moitiet et auoec tout cou cius 
Ameis u eil ki se moitiet de cel maison tenront doiuent auoir a lous 

20 iours parmi le court Thunias de Mons le conduit deiskes ou caneil tout 
ensi come il est aujuur de hui et celui conduit doiuent il retenir a moitiet 



XLVI 4 K' {nisu-rej. 4 Hb. par. 5 K. lu [n'n/ir aiu,f i'criture). 
XLVII 3 Dehiocl. 5 cömc. 6 srt. 7 sei. sol. defi. dois. 9 m". 
14 m". fiert. 21 cnmc. 



3l6 CH. BOiNNIER, 

ausi come dou noc deuant dit et le puent et doiuenl refaire et retenir ensi ke 
ci deuant est deuiseit se mestiers est parmi le court Thumas deuant noumeit 
et toutes ces Couuenences ensi ke les s\int ci deseure deuisees doiuent 
25 et ont encouuent Bandes Rob^rs et Marote deuant dit a aquiter et a 
warandir a Ameit deuant dit duskes au dis deskieuins ce fu fait en le 
hale par deuant eschieuins Robert et Gerart le Morant en lan del In- 
carnation notr^ signeur mil cc Iv el niois daoust. 
Cirographe. 

XLVIII. 

(Au dos est ecrit) Ceste Couenence est Jakemon Audegon. 
Cirographe. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Jakemes Audegons fu 
mis en tenure saus tous drois en 1 marc diretage ke il auoit sor une 
5 maison ki siue est meismes ki siet dehors le porte des weis encoste le 
mäison Jakemon le til solner le barbeteur por xxx \ivres de paresis ke 
Nicholes li potiers Dorcies li deuoit par eschieuinage ce fu fait en le hale 
deuant eschieuins Bernart pilate Renier de goy et bernart catel et si fu 
com justice Jakemes spinecoke en lan del incarnation notre segneur mil 
10 cc et Iv el mois de septembre. 

XLIX. 

(Au dos est ecrit:) Cis Werps est Driuon le Justice. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Gerars li uerriers a 
uendut et werpit a Driuon le justice oliuier de Deuioel se maison ki 
siet deriere le moustier saint Albin deuant le maison Marien laubaine 
5 ensi Com ele siet wide et herbergie deuant et deriere a x sols de paresis 
et 11 sols de Doisie«s et deus capons de rente par an et ensi li a cils 
Gerars encouent a aquiter dusques au dit des eschieuins Ce fu fait en 
le hale deuant eschieuins Gerart le Morant et Robt-rj- de Harnes en lan 
10 del Incarnation nostre segneur mil cc et Iv el mois de Septembre. 
Cirographe. 

L. 

(Au dos est ecrit:) Ceste couenence est segneur oliuier de Deuioel. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Derius li tallieres justice 
segneur oliuier de Deuioel doit et a encouent a Oliuier de Deuioel meismes 
X Mvres de \>3.resis lesquels il uelt et otrie ke Oliuiers deuant dis puist 
prendre a lui et au sien partout et uendre et despendre com . . le sien 
a ceste couenence furent co;m eschieuin Robers de harnes et Gerars li 
morans ce fu fait en lan del incarnation notre? segneur mil cc et cinquante 
ciunc el mois de Septembre. 

Cirographe. 



XLVIII I m" (marc). 6 Ib. par". 
XLIV 6 sols 7 Dois. 9 Robers. 
L 3 lib. {livres). par". 4 cö. 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTKS DE DOUAI. 317 

LI. 

(Au dos est ecrit.) Cis werps est Thumas de Cambrai. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke crestelos ben a uendut 
et werpit a Thumas de Cambrai une maison ki siet a le Noeuile en le 
rue de le fausse posterne ensi ke ele siet wide et herbergie deuanl et 
5 deriere a xvu sous de paresis de rente par an et ensi la cils crestelos 
eucouent aaquiter dusques au dit des Eschieuins Ce fu fait en le hale 
deuant Eschieuins Jehan petit diu et bernart Catel en lan del incarnatlon 
nostre segneur mil cc et Iv el mois de Octobre. 
Cirographe. 

LH. 

Ce sacent tout eil ki sont et ki auenir sont ke maroie gringe a 
done et werpi a Jehan de Cambrai le baron Margot se serereur le moitie 
de se maison ki siet en le rue de bielaing wide et herbregie apres le 
decies de Hauit le uiseuse a tel rente com a le moitie de celi maison 
5 afiert et ce don et ce werp li a Maroie Gringe deuant dite en couuent 
a aquiter duscaudit des Eskieuins a ce don et a ce werp furent comme 
eskieuin Jakemes pourciaus et Bernars kateus Ce fu fait lan de l'incar- 
nation Nostre segneur m. cc. Iv. el mois de octembre. 
Cirographe. 

LIU. 

(Au dos est ecrit:). Cis werps est Ermengart de ham et Roesselain Cauvet 

le co«pagnesse. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Gilles miles a werpit 
et doneit a hiretage a Ermengart de ham et a Roesselain Cauuet le 
5 conpagnesse le maison et le tenement la u Fauconiers et Mahius li Car- 
boniers mainent tout ensi ke tous li tenemens siet wis et herbergies 
deuant et deriere por trois mars diretage et por le uies rente Cest a 
sauoir 11 sous de Doisüns et ensi la Gilles Miles encouent aaquitet dus- 
ques au dit des Eschieuins Et si est a sauoir ke liquele de ces deux 

10 demisieles muire ancois tous les tenemens deuant dis deuara et sera ä 
celi deles deus ki demoura en vie Tout cou fu fait en le hale deuant 
Eschieuins malet de le Corbille et Bernari Catel en lan del incar- 
nation notz-f segneur nul cc et Iv el mois de Deccmbre le dcmerqucs 
deuant noel. 

15 Cirographe. 

LIV. 
(au dos est ecrit:) Cest de r.iukici dtl liirfi.ji. 

Cirographum. 

Sacent tout eil ki sunt el ki auciiii suiil ke ülarars li Alains a 

werpit et dounet a iretagc a foukier del berfroi le maison de pierc ki 

5 fu Sakemon l'ourcicl ki siel en le rue de helaing en cosle le maison 



LI 5 s". par". 

LIII 5 cöpagnesse. 8 s". Dois (Joisietis). 



jlS CH. BONNIER, 

Hanoi Painmollier ensi con ele siet wiude et herbergie deuant et deriere 
dusques al dehors del perier ki siet en le court deriere pour vrai mars 
diretage par an par maniere ke cius Foukiers empuet et doit racater 
Trois mars de xvi mars le marc sien doit racater marc et demi de XXIIII 

10 mars de deus le nuit del Nouel procaine ki uient et i marc et demi 
XXIIII mars de celui Nouel en i an en siuant et a le mesure ke on 
racatera celui iretage tant deuera mains li maisons deuant dite et quant 
li troi marc seront racatet li maisons deuant dite ne deuera ke vi mars 
diretage par an et si est a sauoir ke Gherars li Alains a ses aises en le 

15 maisiere de Piere Aules par deuers luj si condebaides et de corbiaus et 
degons metre sauf cou ke il ne puet mie le maisiere enpirier et se 11 
empiroit le maisiere il le doit sourre et amender Et si doit li maisiere 
de Piere porter le noc ki est entraus deus et Gherars doit liurer le noc 
et retenir a tous a tous iors a sen coust tant ke li herbergages duera et 

20 si doit li iretages Gherart . deuant dit aquiter liretage Foukier pour VI 
mars. de quele eure ke il en aroit paiet le racat et ke foukiers en aroit 
paiet cou ke il en doit racater si com il est deuant dit ensi ne deueroit 
maisons Foukier ke Vi mars diretage par an parrni cestui racat ki deuant 
est dis et sil auenoit cose ke ou i presist depuis wage le noeue maisons 

25 ki siet sour le debout del fosset Maugart ki est de celui meesme tene- 
ment len doit aquiter de toutes rentes dusques as vi mars. ki deuant sunt 
dit et si est a sauoir ke de quele eure ke il defalist ne retenir ne le 
puet on de le base cambre ki est deriere le maison Gerart il ne puet en 
celui herbergier ne carpentage faire ains doit cascuns reuenir a se terre 

30 de Gerart et de Foukier Cis Werps et ceste Couuenence fu faite en le 
hale par deuant eskeuins Bernart Pilate et Baude destrees Ce fu fait 
en lan de incarnation nostre segneur mil cc et Iv el mois de de- 
cembre. 

Cirographe. 

LV. 
Sacent tout eil ki sunt £( ki a uenir sunt ke Yerbiaus ki fu ferne 
Watür as vakes a assene bien et localment Brissijon le barbeteur de 
Deuijoel de qz^arante sols de paresis que ele li doit de bone dete . . de 
loial sour deus maisons ei le tenement de ces deus maisons ei ele a en 
5 le couture en le rue Nycholon placlete et cest assenement et ele en 
conuent a tenir ei a warandir a brissyon deuant dit bien et loialment 
par sairement ei par foi fiancie et il renoncie de se propre uolente a 
tous priuileges de Crois a toutes bares a toutes exceptions ei a tous 
autres koses ki aidier li poroient et nuisir a Brissyon deuant nome cis 
10 assenemens fu fais par deuant eskieuins de Douay grart le morant et 
Robert le faure cn lan de le incarnation mil deus cens ei cinkante sis 
ans el mois de Genuie?: 
Cirografe. 



LIV 12 ra[ca]tera. 

LV 2 Wat~. 3 qii. par". 5 con (^ou^) ure (P). 



ETUDl;: CKITIQUE DES CHARTES DE DOUAl. 3 IQ 

LVI. 
(au dos est öcrit:) Ce sunt letres Jelian b.mant. 

Sacent tout eil ki sunt et ki a uenir sunt ke Daniaus li fourniers 
doit a Jehan Lamant le foulow viii. hvres et demie de p:irests a rendie 
et a paier de ces piocaines Pasques en 11 ans et sil auenoit cose ke eist 
denier nestoient rendut et paiet au deuant dil Jelian ou a sen Coumanl 
dedens le t^-rmine deuant deuiset Daniaus ki deuant est noumes ueut et 
otrie ke eil Jelians puist prendre a luj et au sien par tout ou que il ait 
et uendre ei despendre comme le sien dusques as viii livres et demie ki 
deuant sunt dit et si renonce eil Daniaus et a renonciet contre cesti dete 
a tous priuileges de crois ke il ait ne ke il poroit auoir a ceste couue- 
nence furent con Eskieuin Gherars li Morans et Robiers li feures Ce 
fu fait en lan del incarnatiou nolre segneur mil cc et Ivi el mois de 
feurier. 

Ci ro yra phe. 

LVJI. 

Cirografe. 

Ce sacent tot eil q7/i sunt ei q?n auenir sunt qtec Hucs li Borsiers 
done a Jehan dou castel le maison ki siet entre le maison Jehan le Grant 
et Marien daubi a I marc diritage et le uies rente et par maniere quil 
le doit racater deuens vi ans de xii mars cascw« an les xl demers de 
xl soiis de paresis et sil ne le faisoit qwil le puist prendre a lui et au 
suen tot par tot en quel leu qwe il lait et qu\\ le puet uendre et des- 
p^wdre comme le suen et qz^ant qwil li costeroit desi a sen dit sans autre 
poz-veance et ce a il fianciet hien et loialment a tenir deuant eskeuins 
de CO est eskeuins Grars li. Morans et Rob^rj li feures ce fu fait en lan 
de lincarnation nostre seignuer m.cc.lvi el mois de Marc. 

LVIII. 
(au dos est ecrit;) Ces couuiscance Wautier le cordouanier 
et Daniel le Goudalier. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Jehans Nokeis li bou- 
lengiers a a fait couuiscance a lui et au sien a Wautier le cordouanier et 
a Daniel le Goudalier de XXI livres de par<?j?j et ueut el otrie li deuant 
dis Jehans ke Wautiers et Daniels ki deuant sunt noume puiscent prendre 
a lui et au sien par tout ou quil lait co mc le Icur et noumeement 
sour une piece de terre ke eil Jehans a a le mote Julien sor lequele 
terre eil Jehans a XX hures de paresis et sour tout cct accucnu'/// ueut 
Jehans . ke Wautiers et Daniels ki deuant sunt noume [puiscent] puiscent 
prendre co/wme le leur dusques a XXI hurei de par^^in ki deuant sunt dil 
a ceste Couuiscance furent con Eskieuin Gherars li Morans et Robiers 



1. 5 Lu^wiiuc. y lil). li notre 

9 p, (";•). IjH. 
par". l I cöine. par(t'i'/i). 



LVI 2 foul. 


Ib. p.T'. 


segn CO {eur). 

LVII 5 den. 
LVIII 5 lib. 


6 s~. par" 
par'. y li 



320 CH. BONNIER, 

li feures Ce fii fait en lan del incarnation noire segneur mil cc et Ivi 
el mois de March. 
15 Cirogiaphe. 

LIX. 

Sacent tout eil ki ces letres nerront et orront ke [iou] iou fakemes 

boigne broke ai werpi et otrie a Waubert Baudatie xvi livres dessus 

lesquels deniers li Rois de engletere me deuoit poiir mi et li ai werpi 

et mis en autel point cöme iou en estoie et si li ai en couent que ie 

5 cesti dete nai nendue ne fait couenance a autrui cowd" a lui et sil aue- 

noit cose qne nus len demandait nient de par mi iou lakemes boigne 

broke li ai encouent a aqwiter sau cou que se li dis deuant Waubers 

baudane receuoit les xvi livres auant que il les doit pour mi as deuans 

dit Waubers les mes doit rendre et len doi faire seur de rendre les 

10 deniers au terminne que il les doit pour mi Et sil auenoit que li deuans 

dis Waubers ne les receut si tempre que il les doit pour mi je li deueroie 

rendre et as termines que il les paiera pour mi aces couuenences furent 

com Eskeuin sire Geras dou Machiet et sire Bernas Cateus lan m. cc. Ivi 

aus el mois dauril. 

LX. 

Sacent tout eil ki sunt et ki aueni'r sunt ke Maroie de Hainnau ki 
ferne fu Martin le carpentier a do«ne a rente et werpi en le hale a 
Renier Grauel le Carpentier se maison ki siet a Barlet ki fu Gillion la 
laig et le eort ki afiert a cell maison dedens les bonwes ki mises i sont 
5 por le desoiure de le cort et del gardin et cou li a ele don .e per xxxv 
%o/s de paresis de rente par an et 11 capows et par teile maniere qwe 
cius Reniers deuani dis en doit racater demi marc de VII livres de 
piuests dedens 11 ans les premiers que nous atendons et ces Vit livres 
deuant dites li a il en couu^«/ a lui et au sien et uielt que ele le puist 

10 prendre par tout u qwe il lait cöuie le sien et quant il auera racate ee 
demi marc il le doit rabatre et ram^«rir de le rente deuant nomee et 
si est a sauoir que Maroie deua«t dite a downe a rente et werpi en le 
hale a Nieolon Carbonel et a Jehan le cuuelier de Barlet le gardin de 
celi maison ki deuani est nomee dehors les bones tot ainsi com ele le 

15 tenoit si en a Nicoles Carboniaus les deus pars encöwtre lui et cou lor 
a ele done por lii sous de pareszs de rente seur tout entre nies rente et 
nouele si en doit Nicoles Carboniaus en se parüe xxxiin soiis viu deniers 
de paresls de rente par an et Jehan li Cuueliers en doit x^^I sous et 
IUI dem'ers de paresis par an si en doiuent racater demi marc dedens 

20 les premiers deus ans que nous atifwdons de Vll livres de paresis si en 
doit paier Nicoles les deus pars et Jehans li Cuueliers le tierce pa;'t 
et si doit rabatre chascuns deus de le rente deua«^ nomee a la uen . . . 
que chascuns paiera dargi?«;; et ces vii livres deuant dites li ont il en- 



LIX 5 cö. 8 lib. 

LX 4 laig. bönes. 6 sols. par~. 7 deuant. 8 lib. par" 

14 cö. 17 den. 18 s". 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 32 I 

couenf a aus et au leur et uoelt'«^ qwe ele le puist prendre partout u 
25 qwil laletii cornme le sien et tout cou si comme il est deua«t deuise lor 
a ele en couven( a aquiter dusques al dit des eskieuins. Cis Werps fu 
iais en le hale par deuant eskieuins Baude destrees et Bernars Cateus 
län del incamation nostre seigneur mccl et vi ans el mois de may. 
Cirographe. 

LXI. 

Ca sacent tout eil ki ore sunt et ki auenir sont ke Nicholes 
dauwencin a vendut 5 marc de rente a vie dor ses deus maisons ki fu- 
rent dou tenement Biernart de latrie si la acate Maroie de Prouvin et 
Gillote de Prouvin se suer par manjere ke sc li une muert ke li autre 
5 le doit tenir se nie de cou est eskieuins Biernars katcus et Gherars dou 
markiet ce fu fait en lan do de lincarnation nostre singneur mil el cc et 
Ivi ens el mois de juin, 

Cirografe. 

LXII. 

Cirographe. 

•Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Picres del roet a 
uendut et werpit a Willaume Porcelet deus mars diretage ke il auoit 
sor tout le tenement Robert le Duc ki siel deuant le capelete el maisei 
5 au pisson apries deus mars et demi diretage ke cils tenemens doit et 
ensi les a Pieres deuant dis enconent aaquiler dusques au dit des Echie- 
uins et sil auenoit. cose ke Pieres deuant dis naquitoit ces deus mars 
diretage ensi com ci deuant est deuiseit Pieres meismcs et mikils minaue 
renderoient cascuns por le tout au deuant dit Willaume xl \ivres de 
10 parests et ces xl hvres ont il en couent a als et au leur Et ke cils Wil- 
lauraes les puist prendre a als el au leur par tout comme le sien tout 
cou fu fait en le hale deuant eschieuins Bernart Catel et jawalon de 
vergelai en lan del incamation notre segneur mil cc et cinquante six el 
mois daoust. 

LXIII. 
(audos est ecrit;) Cis escr/;* est me dame magrnaz«. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Pieres li patiniers a 
uendu a ma dame Magritain ki fu ferne mon signeur Wagon i marc 
diretage ki siet sor le maison Margot dautv/nes deriere le puc fillori en 
5 coste le maison Baude de do«s ki fu si iert cis mars pris apres demi 
marc et xviii douuisiens et 11 capons cou li doit il conduire au dit des 
eskeuins as ces couuenences furent con eskeuin Gherars dou Markiet et 
Biernars Cateus ce fu fait en lan del incamation nostre s<fwgnor mil el 
cclvi el mois de octembre. 
10 Ci ro gra phws. 



LXII 9 lib. par". 11 lib. co. 

LXIII I cscT. mafTul. 2 - . s". 8 s'gnor. 10 Cirograph(/<)s. 



322 CH. BONNIER, 

LXIV. 
(Audos est ^ciit:) Ceste quitance est Jehan ki a Godessent des Lices 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Maioie Moriele a 
werpit et quite clameit a Jehan ki a Godessent des lices se maison et 
le tenement ki siet dehors le porte des Weis ki fu siens et ke ele deuoit 
5 tenir se vie a ceste quitance furent com Eschieuin- Jehans petis dius et 
Bernars Catels ce fu fait en lan del incarnation notre segneur mil cc Ivi 
el mois de Octembre. 
Cirographe. 

LXV. 

(Audos est ecrit:) Cis contre escris est Simons le clerc de Canteleu. 
Cirografe. 

Sacent tout eil ki ces letres uerrowi^ et onont ke Willaumes del 
gardin li ligi?;nes teliers a uendut et werpit en le hale a simon le clerc 
5 de canteleu 1 marc diretage ki siet seur le mäison Watier Cauuet dehors 
le porte vakerete et seur tout le tenem^«^ si com il le tient deuant et 
deriere wit et herbegie cest a sauoir tres le maison simon le vakier dus- 
ques a le maison Mikiel le boulengier et cou li a il uendu apreis xxi 
so/s et VI de pareszs ke tous ci tenemens deuoit deuant et ainsi li a il 
10 en couue«zf aaquiter dusques al dit des eskieuins Cis werps fu fais en le 
hale par deuant eskieuins Sawalon de Vergelai et Bernart Cateil lan 
del incarnation nostre seigneur mil ccl et vi ans el mois de Octembre. 

LXVI. 
(audos est ecrit:) Cis conireacrä warde E li moraw^. 
Sacent tout eil ki sont et ki cest escrit veront e oront ke wis li 
aliers a fait asenement Adan le Goudalier de xxnii livres de iparests 
sour li et sour le sien a paier a . repere de Bar et sil auenoit cose ke 
5 wis deuant dis ne les eust paies a Adan u a se cowmandise i puet 
prendre et despendre tou cou kil trueue dou sien partout com . e le sien 
et a ceste asenement furent comme eskieuin Gras li Morans et Robiers 
li Feures en lan de lincarnation nostre signer m et cc et Ivl a le 
Tousains. 
lo Cirographe. 

LXVir. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Lambiers de Nieilles 
doit a Huon le boursier Ixii sols de pavesis de boine dete et de loial et 
de sen propre catel et que chius Hues le puet prendre a liii et au sien 
en quelconques Hu quil lait et uendre et despendre corne le sien et 
5 qua . kes il li cousteroit dusques a sen dit sans nule autre proua«che 
faire et si a renowchiet a toutes exeptions de crestiente et de loi mufi- 
daine et a toutes crois et a toutes autres coses ki aidier li poroient et 

LXV 4 lig"nes. 6 tenem. c". 9 sol. par". 10 encouue. 

LXVI I c~trescr. morä. 2 lib. par". 5 c~. 6 cöme. 

LXVII 2 sol. 4 cö. 5 qa. prouäche. 6 renöchiet. müdaine. 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 323 

Iluon deuant dit nuire et tout cou al il fianchiet hün et loiaument a 
tenir a ceste cöwuenenche furent cofn eskieuin Grars li Morans et Robiers 
10 li feures ce fu fait en lan del incarnation nostre signeur mil cclv£ ans 
el mois de Nouembre. 
Cirografe. 

LXVIII. 

(Au dos est ecrit:) Cest contrescrit warde Gherars li morans 
par Eskieuinage. 
Cirogiaphum. 

Sacent tuit eil ki sont ki auenir sont ke Jehans dou trau doit et 
5 a fait couuiscance a lui et au sien a Jehan fil huon le borsier de In 
livres de paresis lesques deniers eis Jehans doit auoir rendus et paies 
dedens le mi q^^aresme procain ki uient xxiii livres de parests et a le 
Saint Remi en siuant apres xxvim Xwres de p2ixesis et sil auenoit cose 
ke eis Jehans dou trau ki deuant est dis nauoit ces deniers rendus et 

10 paies a Jehan deuant noumet ou a sen Caumant dedens les- termines en 
tele maniere con il est deuant deuiset et il i auoit paine coust ne da- 
mage par le defaute de ces paiemens il li renderoit dusques au double 
de cel dete ki deuant est dite se tant li coustoit par sendit ou par 
le dit de sen hoir se de lui estoit defaillit sans autre prouuance faire et 

15 uueut et otrie eil Jehans dou trau ke le deuant dis Jehans puist prendre 
a lui et au sien par tout ou qu?7 ait cowme le sien dusques a tele 
couence ki deuant est dite et renonce et a renonciet eis Jehans dou trau 
contre cesli dete a tous priuilieges de crois ke il ait ne ke il poroit 
auoir et tout en tele maniere con il est ci deuant deuiset et contenut et 

20 Jehans dou trau en couuent et fiancie par soi bien et loialment a tenir 
et a emplir et sil auenoit cose ke Jehans dou trau nauoit ceste couue- 
nence faite en tele maniere con il est deuant deuiset a Jehan ki deuant 
est noumes par deuant les Eskieuins danhiers dedens les Octaues de le 
Saint Andriu il ueut et otrie ke Jehans fius Huon le Borsier ki deuant 

25 est noumes puist prendre a lui et au sien dusques a cent Wsres de 
paresis et en tele maniere i a eil Jehans dou trau encouuent a faire cesti 
Couuenence par deuant les Eskieuins derchin se il en Jehan fil Huon le 
borsier ne demoroit A ceste couuenence furent com Eskieuz/n- Gherars li 
Morans et Robiers li Feures ce fu fait en lan del incarnat/«« notre 

30 segneur mil cc et Ivi el mois de Nouembre. 

LXIX. 

Sacent tout eil ki sont et ki cest escrit ueront e oront ke Tieris 

li bureliers a fait asenemet a Adan le Goudalier de xxviin livr^j de 

par<?jzj li 'Aous mains sour li et sour le sien a paier au repere de Bar 

et sil auenoit cose ke Tieris deuant dis ne les eut paies a Adan u a 



8 lin. 9 cövenenche. c". 

LXVHI 4 s~. 6 lib. 7 qoresmc (ijuaresnie). 23 Eskieü. 25 c~ 

IIb. 27 c". eskieu(«Mj). 28 c~. 29 incarnät. 
LXIX 3 lib. par". s". 

ZcitBolir. f. roni. I'hl\. XIV. 21 



324 CH. BONNIER, 

5 se cowmandise i puet prendre et despendre tou con kil trueue dou sien 
par tout co^« ele sien et a ceste asenement furent cöwme eskieuin Grars 
li Morans et Robiers li feures en lan ^de lincarnation nostre signer m 
et cc Ivi a le Tousains. 
Cirographe. 

LXX. 

Cirografe. 

Ce sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt que wis li ailliers doit 
a Huon le boursier xii mars et demi et que il les puet prendre a lui et 
au suen et vendre et despendre comme le suen et quant quil le costeroit 
5 il li rendroit sans autre porueance et si a renowciet a le crois et a totes 
Bares de saint eglise qw/ aidier li puent por celui Huon nuisir et ce a 
il fianciet bzVn et loiaument a tenir de cou est eskeuins Grars li Morans 
et Robert li feures ce fu fait en lan de lincarnacion J^su crist mcclvi 
el mois de Nouenbre. 

LXXI. 

Sacent tout eil ki cest escrit ueront et oront ke demisiele Agniez 

et Maroie se suer ki furent filles mon segneur jehan de trehout doiuent 

a Gwillon de Biaumont leur cousin uint Wwres de ■^■xxesis de bone dete 

et de loial lesquels den^rj li deuant dis Gil/es doit por eles a Douai a 

5 rendre le nuit Saiwt Martin le plus p;'ocaine ke nous atendons et ces 

uint \\\i.res doiuent les deus demisieles deuant dites rendre et paier al 

dit Gillon dedens cell nuit Saini Martin et sil auenoit que eles ne les 

paioient dedens le t^/'mine nome ensi que deuise est tous les cous et 

tous les damages que li dis Gilles aroit ne fi?roit en quelco«ques ma- 

10 niere que ce fust Par le deffaute de leur paiement eles li renderoiet 

auoec le dete prmcipal sor sen piain dit sans altre provance faire et 

cou ont eles crcante et otryet par deuant eskieuins de Douai Girart 

Morant et Rob^;-t le feur<? ce fu fait en lan de lincarnatww no^re segneur 

mcclvi isme apiies le saint Martin. 

Chirografe. 

LXXII. 
Chou sacent tout eil ki sont ki cest escrit uerront et oront ke 
jakemes de Noiele fait assenement sor sen mes a oscre la u il maint et 
sor celui de coste tout ensi come il sieent et sor tout chou kil a enterte 
et hors lerrc a me dame Agnes ki fu feme mon segneur Gossuin de saint 
5 Aubin de x livres de parests et weit Jakemes et otroie ke me dame 
Agnes deuant dite puist faire se uolente des mes deuant nomes uendre 
et enwagier tant kele sera paiie des x livres de paresis deuant nomes 
et a cest asenement et a ceste conissance furent come escheuin Gerars 



LXIX 5 c (mandise). 6 cö. come. 8 Ivi (?) 

LXX 7 bn {ben). 9 Jhü. 

LXXI 3 G'illon {Grillon?). 4 deü(^rj). Giles {Gilles). 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 325 

li Morans et Robicis li feures chou fu fait lan del incarnalion Jhesu 
[o Crist mcc et ciuncquante vi ans el mois de Decembre. 
Cyrographe. 

LXXIII. 
Ci . ographe. 

Che sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Grars li molc- 
kiniers a encouent bien et loialment a Drienon le p«rmentier a rendrc 
et a paier bien et loialnrii?«^ dis et nuef saus de paresis les ques il li 
5 doit de bone dele et de loial dedens le saint Remi le plus pröcaine 
que nous atendons et tous cous et tous damaiges que il aroie ne feroit 
pour loquison de le dete deuant dite seur sen piain dit et de chou li a 
il assenet a lui et au sien ou que il lait bien et loialmc«;' et a renonce 
a toutes Bares et a toutes cessions et a toutes coses ki a drienon i\Q.\xant 
lO dit poroient nuire a ceste couenence fur<?«t comwze Eskieuin de Douay 
Grai's li Morans et Robers li feures che fu fait en lan de le incarnatw« 
m cc et Ivi el mois de Decendres. 

LXXIV. 

(Au dos est ecrit:) Ces letres sunt Huon le boursier. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke me sire Euerars daubi 
cheuaUVr et Frankes daubi doiuent a Huon . . boursier bourgois de 
Douay xxv Wvres de par^JzV et ke Hues le puet prendre a aus et au 
5 leur comme le sien et cankes il li cousteroit de si a sen dit et si a on 
renonchiet crois et toutes coses de sainte glise ki aydier leur pueent 
pour celui nuisir a ces couuenences furent comme Esceuin Gerars li 
Morans et Robiers li feueres ce fu fait en lan del incarnasion nostre 
seneur m et cc ans et Ivi el mois de Dect?wbre. 

LXXV. 
(Au dos est ecrit:) Ce sunt \Qires Simo« as Caucereus. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Eurart de le cambe et 
Jehans ses freres doiuent et ont encouuent a aus . . au leur a Simo . as 
caucereus vii \ivres . et S (demi) de par(?ji> a rendre et a paier a Pasques 

5 procaines ke nous atendons sans engien eest a sauoir qw^ li deuant dis 
Eurars doit de le dete deuant noumee Ixx %ous de par«?.f et Jehans ses 
freres 1111 \ivres de 'pz.xesis . . sil auenoit cose ke Eurars et Jehans ki 
deuant sunt noumet n auoient ces deniers rendus et paies cascuns se 
parlie si q«il est deuant dit a Simo« ou a sen coumant dedens le \er- 

10 mine deuant deuiset il uoelent f^ otrient ke Simons puist prendre a aus 
et au leur partout ou qwil laient coume le sien dusques a tel dete ki 
deuant est deuisee a ceste eouuenence furent com Eskieu/V/^- Ghcrars li 
morans et 'B^obiers li Feures ce fu fait en lan del Incarnalion nostre 
scgnor mil cc et Ivii et mois .... 

1 5 Chirographe. 

LXXIII 3 p. 5 ,])caine. 

LXXIV 3 chev. 9 Dd-cembrc. 

LLXV I let. 4 S (demi). 7. 8 ct. 12 c. Eskieü. 

21* 



326 CH. BONNIER, 

LXXVI. 

Ce sacent tot eil ki sunt q«i auenir sunt que Haude a Pols Pieres 
scs freres douient a Huon le borsier xxmi mars de paresis et qwil les 
puet prendre a aus et aus leur et vendre et despendri? co?« le suen et si 
ont renowciet a le Crois et a totes Bares de Sainte Eglise qwi aidier lor 
5 puent por celui Huon nuisir et ce ont il fianciet hien et loiaument a 
tenir et quant qail li costeroit il li rendroient sans autre porueance 
de CDU est eskeuins Grars li Morans et Robers li Feures ce fu fait en 
lan de lincarnation Jesu crist mcc Ivu el mois de Mai. 
Cirografe. 

LXXVII. 

(Au dos est ecrit;) Cest li Couuenence Nicoion le Grebt?rt et se ferne. 
Cirographe. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Nicoles li Grebers et 
Margerite de sailli se ferne ont done a loial cense cest an toute leur tere 
5 kil ont el teroir de sailli a Jakemon dalleus por ix mars et quatre ra- 
sieres de bleit a le mesure de Douay caseune rasiere a x deniers paresis 
pres dou milleur et por viu mars et 11 rasiere dauaine a le mesure de 
Douay caseune rasiere a 11 deniers . pres de le milleur a rendre et a paier a 
Nicoion deuant noumeit et a se feme et a leur commant a Douay dedens 

10 les murs tout la u Carete puist carier dedens le Jour Saint Remi pro- 
chain ki uient le premier ke nous atendons . et sil auenoit eose ke eist 
IX mars et 111 xasieres danaine nestoient rendut et paiet au Jour deua?it 
,dit ensi ke deuant est deuiseit et cius Nicoles et Margerite se feme ou 
li uns daus deus se de lautre estoit defalit en auoit paine ne coust ne 

15 damage por le defaute de sen paiement Jakemes deuant dis leur doit et 
a encouuent a rendre tous les cous tous les despens et tous les damages 
ke li aueroient ne feroient en quel conke maniere ke ee fust a signeur 
de tere et a bailliu et a piaist de crestiente et en autre maniere et quele 
kele fust iuskes a leurs dis u iuskes au dit de lun daus deus se de lautre 

20 estoit defalit sans autre prouuance faire auoec le dete deuant dite et de 
tout cou a faire et a tenir sunt Plege et dete caseuns por le tout enuers 
Nicoion et Margeritain deuant noumes Gobers et Pieres li frere Jakemon 
deuant dit Raimbaus destrees et Andeius cars de vake A ceste couue- 
nence furent comme eskieuin Robi?^^- li Feures et Gerars li Morans Ce fu 
fait en lan del Incarnation nostre signeur mil deus cens CiunquaMi*^ et 

25 sis el mois de Juing. 

LXXVIII. 
(Au dos est ecrit:) Cest Cöwuenence Jehan le boursier si le varde 
Gras Morans. 
Cyrographe. 

Sacent tout eil qui sont et qui auenir sont que Robiers li engles 
5 de sour le fosse a en conuenent a Jehan le boursier xxxui scus sour luj 



LXXVI 5 t)n. 8 Jhu. 

LXXVII 6 den{ers) par'iesis). 7 aü(azW). 8 R'. defi. 

17 fuH. 23 u. 24 Ciunq(a«^<?. 
LXXVIII 4 qi . que. 



ETÜDE CRITIQUE DES CH AKTES DE DOUAI. 327 

et seur le %ieii et quil le puisl prendre et despendre comme le szV« a 
paier a nii qu(zremme et sil auenoit cosse q?/e Jehans deuant dit ne fust 
paies au iour con i a mis il uoeut et otrie qwe chou q«il li cousteroit 
qi/il li renderoit desi a sen plae« dit sans au Ire prouuawce sest renoncies 
10 a toutes crois et a tous preuilleges qwi aidier li poewt et a lui Jehan 
nuisir com eskieuin Geras li Morans et Robiers li Fieures ce fu fait en 
lan de lincarnassion mil cc Ivii el mois dot^wibre. 

LXXIX. 

(Au dos est ecrit :) Ceste Couenence est ^elis ki fu ferne 
Nicholon Boute uilain. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke steuenes li 
liniersdoit et a encouent a Aelis ki fu ferne Nicholon boute uilain xii 
5 Mvres de par^-yzi- . de bone dete et de loial lesquels il a encouent a lui 
et au sien ke Aelis deuant dite les p7«st prendre a lui et au sien par 
tout et uendre et despendre cöwme le sien En cou il a renunciet a tout 
priuileges de crois ke il a ne kil poroit auoir a loute exception a totes 
bares a totes aiues de sazVzte Eglise et de loi mowdaine a toutes les 
10 coses ki aidier li poroient encontre ces couenences ne a Aelis deuant 
dite peust greuer et nuire A ceste couenence furent com eschicuins Gerars 
li Morans et Robers li feures ce fu fait en lan de lincarnatzöw notre 
segnt'wr mil cc et Ivu el mois doctembre. 
Cyrographe. 

LXXX. 

(Au dos est. ecrit:) Cest Cowuenence Huuo« le bousier. 
Sacent tout eil \ui sont et q?<z auenir sont que Jehans de Baralle a 
en conuent a Huuon le boursier Ixni 1111 ^L^wiers mains de ^^xesis sour 
luj et sour le sien quil le puist prendre et uendre et despendre partout 
5 comme le sien et quanques il li cousteroit desi a sen piain dit san autre 
prouuance et sa chius Jehans deuan dit renonchiet a tous preuileges . . 
a toutes crois qwz aidier li puisent . . . che luj Huuon nuisir et ce li a 
il fianchiet p[ar]ar foit a tenir. A ceste couuenenche furent com eskieuin 
Gerars li morans et Robiers li freures et ce fu fait en lan de 1 Incar- 
I o nassion nostre signeur Jhi?^ u crist m cc Iva el mois de Nouvembre. 
Chirographe. 

LXXXI. 
(Au dos est ^crit :) Cest Couuenence Huuon le Boursier. 
Chirographe. 

Sacent tout eil qui sont et (\ui auenir sont que Sohiers li Feurs a 

en couuenenl a Huuon le Borsier 1111 Mvres de ^zxesis sour luj et sour le 

5 sien qwil le puist prendre et uendre et despendre par tout comme le 

7 q. 9 plä(2>/). prouvä(«ce. 12 olL-(/«)bre. 

LXXIX 5 lib. paf. cr)(w/)me. 9 mö(//)daine et. II cö(/«). 

LXXX I bou(r). 3 den'(f;-j). par''(<?i/.f) et. 7 q(//0- 'O Jhu. 

{Jesu). 

LXXXI 4 lt>. 4 par". 



328 CH. BONNIER, 

sien et sest chiiis soliiers deuant dit fieenchiet par foit que tous chous et 
tous Damages qiiil iaroit quil li renderoit sans autre prouuenche et sest 
chius Sohiers renonchies a tous preuileges et a toutes crois qwi li puisent 
aidier et ce lui Huuon nuisir a ceste Couuenence furent com eskieuin 
10 Gerars li Morans et Robier li Feures et ce fu fait en lan carnassion nostre 
signeur Jhestt christ m cc Ivii el mois de Novembre. 

LXXXII. 

(Au dos est ecrit :) Ce sunt letres Bauduin dascons. 

Sacent tout eil ki sont et ki auenir sowt ke Isabiaus Canars ki lu 

ferne Renier de sin ki iadis fu a dounet a Bauduin dascon ki se fille 

ent se maison ki siet en le rue Pepin si con ele siet wuide et herbergie 

5 et se li a dounet quanke ele a uaillant en toutes uaillances sauf cou ke 

cele Isabiaus a dounet apres sen dechies as Cateriers xl sous de par^jü 

et si peut douner pour Diu si com apres sen trespassement ses dras ke 

ele aroit linges et langes et sen lit sour qz/i ele giroit et par mi cestui 

don li deuant dis Bauduins doit cell Isabel pourueir et sostenir soffiseau- 

TO ment tant longement ke ele aroit le rue el cors et liurer v(?) garcon au 

baisele ki celi Isabel menroit Et con li a eil Bauduins encouuent a lui 

et au sien a ces dons et a ees couuenenees furent con eskieum gherars 

del Markiet et Bernars Cateus ce fu fait en lan del Incarnatz'«?« not/Y' 

segneur mil cc et Ivii el mois de Decembre. 

Ci ro gra phum. 

LXXXIII. 
Sacent eil ki sunt et ki auenir sunt (\ue Euerars de sauenant a loet 
et a uierpit com testamenteres damc Ghillam se mere a labie dou uergiet 
111 mars diretage sient sor le maison ki fu Renaut de caus ke Jakemes 
li hxuns li Jouenes tient par maniere ojie ces 111 mars diretage doit tenir 
5 me dame Maroie daubi et receuoir tant zom le fille me dame Marien 
deuant dite ki est rendue au uiergiet uiuera por faire cou qui est con- 
tenut eil le deuise dame Ghillam deua;?t dite et ees 111 mars diretage 
auoit donet dame Ghille deuant dite en se deuise a 1 abie deuant dite 
pör Diu et pör i,z.me ensique deua«^ est dit eis wers fu fais en le hale 
10 deuant escheu/«s Baude destrees et Bernarj katel en lan del Incar- 
nat/ö« nostre segneur m cc et Ix el mois de Jenuier. 
Ch/rographum. 

LXXXIV. 

(Au dos est ecrit :) Cest contre eserit warde B^rnars Cateus. 
Sacent eil ki sunt et ki auenir sunt o^ie Euerars de saint Vcnant a 
loet et uierpit com testamenteres dame Ghillai« se mere a le maison des 



II Jhu. (Jhesu). 

LXXXII 2 s". 6 s~ par 7 e". 10 v(?). 13 Incarnät. 14 et. 

LXXXII 5 c"(om). 9 säe. 10 Incarnat. 12 Ch(i)rographum. 

LXXXIV I Bernars. 3 c~. 



ETUDES CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 329 

Cartriers ki siet deuant nostre Dame 1 marc direlage sen sieiit 111 ficitt;/; 

5 sor le maison Baude Pietin en le rue au cerf et 1 üerlon sor le maison ki 
fu Adam le mestre en lausnoit et cest marc diretage aioit dounet dame 
Ghille de saint uenant en se deuise por Diu et por same por faire pi- 
tance casc?<« an en le maison des Castri^rs le jor com fera son obit a 

io Saint Piere Et ce fu fait en le hale par deuant Escheu/wi- Baude destrees 
et Biernart katel en lan del Incarnation nostre segneur mil cc et Ix el 
mois de Jenuier. 

Ci ro gra phe. 

LXXXV. 

Sacent tout eil ki sont et ki auenir sont ke Jehans li Couureres et 

Englebours li obirese doiuent et ont en couuenent a Jehan deskiercin et 

a Huuon d Ontoit vu Mvres de parests a eus et au leur par tout u kil 

laient kil le puissent prendre et uendre et despendre comme le leur a 

5 rendre et a paier a le saint Remi ki uient et sil estoient sauf et paiet 

au jour ki deuant est deuisset de le dete devant noumee et.li deuant dis 

Jehans et Huues i auoient paine coust ne damage en quelconques ma- 

niere ke ce fast par le dife faute dou paiement il li doiuent rendre de si 

a leur dis sans autre prouuance faire et sest chius Jehans et. Englebours 

10 deuant dite renonchies a tous preuilleges de crois et toutes iustices ki 

aidier li puissent et le deuant dit Jehan et Huuon muissir a ceste couue- 

nences furent com eskieuins Gerars li Morans et Robiers li Feures che 

fu fait lan de lincarnasion nostre signeur mil cc Ix el mois dauril le 

Demars apries Paske florie. 

Ch 

LXXXVI. 
(Au dos est ecrit;) Cis escris est Watier Basin de Houtekerke. 

Sacent eil ki sunt et ki auenir sunt que Watier Tierin, Willaumes 

de Riuelde Frumaus de Waterve Pieres li Macecliers destamfort Mabile 

de le Verdinghe et Mahaus destainfort ont uendut et werpit a Watier 

5 Basin de Houtekerke le maison ki fu Watier le Plickein ki siet a le. Nueue 

uile en le rue Willaume de Saint Aubin tout ensi coume ele siet wuide 

et hiebreghie deuant et derriere a xiii soks de pa.resis de rente et si ont 

encouuent tout au dit descheuins a Watiers Basin deuant dit a ce werp 

faire furens eskeu/«.? Bandes destrees et Biernars kateus et ce fu fait en 

10 le hale en lan del Incarnation m cc et Ix el mois doctembre. 

Cirographe. 

LXXXVII. 
(Au dos est 6crit :) Cis escris est Jeha« Rousiel le meuleskimer. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Rogiers Bourbotc a 
doneit a rente et werpit a Jehan Rousiel le moelekinier sc maison tout 

[•-•j 
LXXXIV 4. 5 fiert(öw). 9 com. Castrirs. 
LXXXV 3 paf'yests). 8 de. 9 doivent. 
LXXXVI 3 fort. 7 s"(öMi). par (esis). 9 eslvL-in/w.>;. 



330 CH. BONNIER, 

sen tenement entirement ki sient deheurs le porte dArras entre les heudes 

5 Eurart de Saint Venant qui furent Jehan dou puc et les heudes ausi 

celui Eurart dautre part ki furent dame Margeritain le Courieresse 

tout ensi ke cele maisons et cius tenemens siet wit et hebergies deuant 

et derriere a xix sous de paresis par an de rente et tot ensi li a Rogiers 

deuant dis encouuent a aquiter duskes au dit des eskieuins ce fu fait en 

10 le hale par deuant Eskieuins Jehan petit Dex et Bernart catel en lan del 

Incarnation nosire signeur mil cc et Ix el mois de nouembre. 

Cirographe, 

LXXXVIII. 

Sacent tout eil ki sunt e( ki auenir sunt que Jehans pains mouUies 
a werpit et dounet a rente a Jehan le grant de Valencienes une maison 
que Jehans pains mouUies auoit dehuers le porte olliuet a lentree de le 
rue des Bougres sierant le maison Ricouart le meulekinier si que le siet 
5 wuide et hiebreghie deuant et derriere a ix %ous de pzxesis a ii capöwj 
par an sor toutes rentes et tout ensi zom chi deuant est deuisset a en- 
couuent Jehans pains moullies a aquiter le maison deuant dite dusques 
al dit descheu7«j et a Jeha« le grant deuant noumet. Tout chou fu fait 
en le hale par deua«/ escheuzwj Gerart dou Markiet Biernart Catel en 
10 lan de l'incarnation m cc et Ixii el mois de Jenuier. 
Ci ro gra phum. 

LXXXIX. 

(Au dos est ecrit;) Cest li qwitance Gherant le kieure 
Jakemö« le catier et Raoul danwier 
Cy ro gra phum. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt que Andrius filloes aquite 
5 et quite clame pour lui et pour Rogier de dons sen neueut Gherart le 
kieure de Biernicourt Jakemon le catier de Raisse et Raoul danwier des 
XXI \ivres et iii %ous de pzxesis de toute le couuenence entirement que 
Gherars Jakemes et Raols deuant dit counurent et eurent en couuent a 
Andriu et a Rogier deuant dis pour en droit les xxi Mvres et lii %ous 
10 deuaw^ dites a ceste quitanche fur^«^ cowme escheuin oliuier petis Diex 
et Bandes de Devyoel en lan del Incarnation m cc et Ixxm el mois de 
feurier. 

XC. 

(Au dos est ecrit:) Cis escris est Mikiel le po;zhier. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt que Jehawj de le riue a 

uendut et werpit a Mikiel le Ponhier les deus maisons quz7 auoit en le 

rue de le Mote si keles sient wuides et hiebreghies deuant et derriere a 

5 11 capö«j ^^ a X sous de pzxesis par an sor toutes rentes et tout ensi 

com chi deuiset est a en couuent Jehans de le riue deuant dis a aquiter 



LXXXXVII 7 %{sous) pax{esis). 

LXXXVIII 9 escheü. 

LXXXIX I qi . 7 s" par. 9 Üt). ^'vres.s". 10 i-oxient) c5(;«)me et. 

XC I ponhier. 5 et capons. %{ou^) pax{esis) et. 6 Q(pin). 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARIES DE DOUAI. 33 I 

les dous niaisons deuant dites dusques al dit descheuwj a Mikiel Ic pon- 
hier deuant dit Tout chou fu fait en le hale ]iar deuant eskeu/«j Jelian 
Painmoulliet et Biernart Catel en lan de Hncarnation m cc et Ixiii el mois 
lo de Auril. 

XCI. 
(Au dos est ecrit:) Cest Lambiert Pincedet. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Nicholes de Peule dou 
veneriu doit et a encouuent a Lambier Pincedet oncle le ferne Nicholon 
deua«/* dit Ixxv 'äous de ^izxesis a rendre et a paier dedens le mi quai<?j 
5 me procha/««? que nous atendons et tout chou a encouuent Nicholes de- 
uant dis a lui et au sien ke Lambiers A&want dis les puist prfwdre a lui 
et au sien partout u kil lait et uendre et despendre coume le sien dusques 
a Ixxv sols deuant dis a ceste counissance (urent coume Eskeuin Gilles 
li Alains et Simon Males en lan de lincarnatiow m cc et Ixmi el mois 
lO de Juing. 

Ci ro gra phum. 

XCII. 

(Au dos est ecrit) Cest Couuenance Saintain de Cambray. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Williaumes de ßiarch 
a uendu a Saintain de Cambray se maisonciele ki siet entre le Ponciel 
de le ruele Pepin et le maison Oedain le Jeosce tout ensi ke cele mai- 
5 sonciele siet et ke cius Williaumes le tient au jour de hui a i fiertö« et 
1 capo« de rente par an sor toutes rentes et tout ensi com ci deuant est 
deuiseit a Williaumes deuant dis cell siue petite maisonsiele werpie a 
celi saintain et encouuent a aquiter iuskes au dit des Eskieum^- ce fu 
fait en le hale par deuant Eskieuins Jehan petit Diu et Simon Malet en 
lo lan del Incarnation notre signeur mil cc Ixv el mois dauril. 
Ci ro gra phe. 

XCIII. 
(Au dos est 6crit:) Cis werps est gillon lalain. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Jakemes de kieri li 
clers a uendut et werpit a Gillon lalain i ferto« diretage kil auoit tout 
auant sor les maisons Robert deulin ki fu ki sient en le couture en le 
5 rue Jehan placlete encoste le four et ce ferton diretage ensi com il est 
ci deuant deuises a Jakemes deuent dis encouent a aquiter au deuant dit 
Gillon dusques au tlit des Eschieuins ce fu fait en le hale deuant eschie- 
uins Renier de Goi et B^rnars Catel en lan del Incarnation notre segneur 
mil cc et Ixvi el mois de Decembre. 
10 Ci ro gra phum. 



8 escheu(z«j). 9 eskeu(j«j). 
XCII 4 s(ous). par~(^jzj) et. 
XCII 8 Eskieü(iMj). 
XCII 8 notre. 



32 CH. HONNIER, 

XCIV. 
(Au dos est ecrit:) Cest quitance Monsign^wr Bauduin Creton Cheuah'er. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auehir sunt ke Waubiers Cauwete 
aquitet et quite clamet Monslgneur Bauduin Creton cheuah'er signetir 
d estrumes de tous marl^ies de toutes couuenences et de toutes les coses 
5 que cius mesmes Bauduins li duit ne eut onques en couuent pour Mon- 
signi?M/- Grart daubi cheuß//<?r a ceste quitance furent com esliieuin Re- 
niers li blons et Jehans pikete en lan del Incarnation notre signeur mil 
cclxviiu el mois d Octembre. 
Cirographe. 

XCV. 
(Au dos est ecrit:) Cest Couenence Gilebiert Belin bourgois darras. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Amans li Counestables 

borgois de Douay doit et a encouuent a Gilebiert Belin bourgois d arras 

Cent h'vres et vin sous et im deniers de pa.resis de boine dete et de loial 

5 a rendre et a paier a celui Gilebiert et a sen commant a Compigne dedens 

le feste de Compiegne ki iert a le Miqz<rtresme le prämiere ki uient en 

droit painment de feste ensi com li uns markeans paie lautre en celi feste 

sans engien et de cou est pleges et respondans por celui Amant Jakemes 

Boulars bourgois de Douay et se on paie ceste dete par deunnt preud . 

o mes on en est quite del eskieuinage a ceste Couenence furent com es- 

kieuin Gilles Musars et Jehans Pikete en lan del Incarnation notre signeur 

mil cc Ixviiii el mois de Juing. 

Ci ro gra phe. 

XCVI. 

(Au dos est ecrit :) Cest contre escrit warde. 

Sacent tout eil ki sunt et auenir sunt que Jehans Bonee doit et a 
encouuent a Jehan de le bassee lim sous de pa.rests a rendre et a paier 
a Jehan de le bassee deuant dit et a son coumant dedens le jour Saint 
5 Remi prochaz« que nous atendons et ces hü sous a encouuent Jehans 
bouee denans dis a lui et au szen en tele maniere qne Jehans de le 
basse deuant dis les puist prendre et faire prendre a lui et au sien par- 
tout et kil lait (att uendre et despendre coume le sien dusques as lim 
sous denafts dis a ceste counissance furent coume eskeuiwj Willaumes de 
Lamb/-es et sohiers li petis en lan de 1 Incarnation m cc et Ixx el mois de 
Juing le lundi apries le jor saint pere et Saz?tt Pol. 

Cirographum. 

xcvn. 

(Au dos est ecrit:) Cis Wers est Simon Capedoit. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt que Wautiers de Hiersin 
a uendut et werpit a Simon Capedoit toute le tiere et tel droit qml de- 



XCIV I Chr. {Chevalier). 
XCV 4 lit). s". par~. 6 Miqaiesme. 
XCVI 3 s~ {sous). par". lo Lambres. 

XCVII I Simon. . 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTtS DE DOUAI. 3 jj 

mandoit ou tenement Simon deuant dii ki siet joingnant au tcnement 

5 Watier deuant dit en le rue des Bougres tout si auant et ensi que li 

deseureur de le uile et sermence a le uile de deseurement et en doune- 

rent a Watier deuant dit et tout chou quil en dounerent a celui Watier 

a cils Wat/e?/"^ werpi et quite a celui Simow et encouuent a aquiler dus- 

ques au dit des Eskeuins tout chou fu fait en le hale par deuant Eskcuins 

10 Jakemö« de Landas et Rob^rj le blont en lan del Incarnalion m cc et 

Ixxi el mois de Juin. 

Chi ro gra phum. 

XCVIII. 

(Au dos est ecrit:) 

ehest Couuenanche est Neuelou de Caumont. 
Cirographe. 

Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Jakemes boulars bour- 
5 gois de Douay doit et a encouuent a Neueion de Caumont bourgois de 
Pieronne ^^ Mvres xv %ons et im Anmers de par^jij de boine dete et 
loial a rendre et a paier a celui Nieuelon et a sen cowzmant a Douay de- 
dens le jour Saint Martin en yver le prämiere ki uient et cou est pleges 
et respondans pour celui Jakemon Jakemes de Landast bourgois de Douay 
10 et son paie ceste dete par deuant preudo;«mes on en est quite del es- 
kieuinage a ceste couuenence furent com eskieuins Oliuiers petis Dieus et 
Willaumes Males, 
en lan del Incarnation notre segn«</- mil cc Ixxiii el mois de Juing. 

XCIX. 

Sachent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Pieres crespiaus de 
Fedaines el(?) si kil säpele ki a le fille Phelippon lorfeure aquitet et 
quite clameit Phelippon 1 orfeure de toutes detes de toutes querieles et 
de toutes couenences queles ke eles fussent ke il li peust et seust de- 
5 mander lui ses pleges pour lokison dou Mariage et por les couenences 
ke Phelippes eut a celui Pieron a Oes oedain se fille ki cils Pieres a a 
ferne a ceste Qxiitance furent com eskieuin Rikars dou Markiet et Johiers 
li petis en lan del Incarnatiou m cc et Ixxmi el mois de Jenuier. 

Cirographum. 

C. 
(Au dos est ecrit:) Cis werps Robert de Dourges. 
Sacent tout eil ki sunt et ki auenir sunt ke Naimeris li Bruns a 
uendu et werpi a Robiert de Dourges se maison et tout sen tenement 
entirement ki fu Jakemon le brun sen pere ki siet ou petit meis Joing- 
5 nant au tenement de saint Nicolay dune pari au tenement Watier de 
Goy le uiel d'autre part tout ensi com cele Maisons et tous cius tene- 
mens ke fu celui Jakemon le Brun siet et sestent wis et hieberghies de- 
uant et derriere a u sous de doisüns mi capons et i mar, il.- r.ntc- par 



XCVIII 3 HT). den{ers). paf{esis), 7 cri(i/t). lü prcudü(w)mes. 

XCIX 5 et. 7 quitance. 8 et. 
C 8 s(sols. dois(iens). 



334 CH. BONNIER, 

an sour toutes rentes et tout ensi coia clii deuant est deuiseit a Nainieris 
lo deuant noumeis le maison et tout le tenement deuent dit uendu et werpi 
a celui Robiert de Dourges et encGuuerft a aquiter duskes au dit des 
Escheuins Jakemon Pourciel et Jakemon de Landast en lan del Incar- 
nation nostre signeur mil cc Ixxv el mois de Decembre. 
Caiographe. 



Chart es, 

(Inventaire des Archives de Douai. FF.) 
I. Pret fait par Doucet le Cangeor, Werin Mulet Enghebrant le Drapier 
ä Wümmes de Hornais. Fevrier 1203 (pas de nom de Heu). 
II. Vente de terres, faite par Rainiers de Gorghechon, Chevaliers, ä Jehan 
del Cerf et ä Wagon de Saint Aubin, bourgeois de Douai (Feurier 1224 
p. d. n. d. 1). 

III. Pret par Jakemon le Cangeur ä Gilles, le Gambier de Fecain. Fevrier 
1225 (p. d. n. dl.). 

IV. Acensement de terres fait par Steuenes de Buignecort ä Raoul le Bloc 
et ä Jehan de Maucicort par devant les Echevins de Douai. Mai 1225. 

V. Pret fait par Werin le maeur, bourgeois de Douai, h Gerars de Wasiers, 

Chevalier. Janvier 1228. 
VI. Pret fait par Olivier de Dewioel et Jehan , son frere , bourgeois de 
Douai, ä Jehans de le Vinchort, chevalier. Janvier 1228. 
VII. , Pret fait par Jachemon le Cangeur, bourgeois de Douai, ä Märgrite de 

Cawentin. Avril 1229. 
VIII. Accord entre Willaumes Gomers et Jehan Tolet , au sujet de leurs 
maisons (p. de date 1220. ^l?). 
IX. Garantie donnee par les Echevins d'(Erchin ?) et de Gaisnaing et les 
Prudhommes de ce dernier village pour une date contractee par l'Ab- 
besse de Maubeuge vis-ä.-vis de Werin le Maeur. — a Gaisnaing, 
dehors l'atrie. Mai 1231. 
X. .X. Donation faite par Tibaus li carboniers k sa fille, Margeritain, 

de ce qui lui revient du cote de J(?)aglein l'amirant. Avril 1241. 
XI. Pret par Buon le borsier ä Tibaus d'Oignies et Jean, son gendre. 
Decembre 1242. 
XII. Henri d'Aire et Marie, sa femme, et Robert Grifon, donnent quit- 
tance i\ Pieron Grifon ^ de ce qui leur pouvoit echeoir du pere et 
de la mere de ce dernier, et ce moyennant certaines conditions. 
Septembre 1243. 

XIII. Legs fait par Gilles d'Aubi, bourgeois de Wallers, ä Mounart del 
Markie, bourgeois de Douai. Mai 1244. 

XIV. Achat par Willaumes Paskendare k Gerarde Filier de deux marcs 
diretaige et d'une piSce de wide tiere, en le rue Saint Jehan. No- 
vembre 1244. 

1 Chapelain de Saint Am6, 



ETÜDE CRITIQÜE DES CHARTES DE DOUAI. 335 

XV. Donation faite par Jehan lo Cuens a Pieion, son fil, et ;\ Tlelccon 
sa fille. Fevrier 1245. 

XVI. Legs fait par Aliaumes li Canbiers ä Emelot, sa tiUe, d'une maison 

et de XL sous artesicns. Mars 1247. 
XVII. Legs fait par Mehaus de Gavriele h Rogier de Gaveriele et i\ Cam- 

penois, ses fils. En pleine halle. Mai 1248. 
XVIII. Saisie d'une piece de terra et investiture faite d'icelle i\ Tiebaus 
Goules. Halle de Douai. Septembre 1248. Vendredi avant la Saint 
Michel. 
XIX. Vente par Watier li Carliers ä Anseriel Pelerin. Janvier 1250. 
XX. Vente par Hues li veans ä Driuon de Carnin d'une maison. Jan- 
vier 1250. 
XXI. Vente par Gilles Broisse, chevalier, ä Olivier de Dcwioel, Ricart 
Taion, Gerart de Goy, bourgeois de Douai des „preus" de XX 
muis de terra. Fevrier 1250. 
XXII. Vente par Jehans Bouche ä Werin d'Osere, le maniöur, d'une ra- 
siere de terre. Octobra 1250. 

XXIII. Nicholes li Piniers de Doewioel donne assenement sur sa maison 
ä Demisiele Marien le roine. Decembre 1251. 

XXIV. Record fait par les Eschevins Ricars Taion et Thumas Cauweliers 
au sujat d'une donation faite par Oede de Lens ä Gerart de Ma- 
rellon. Janvier 1252. 

XXV. Pret fait par Sohier le Waukier ä Leurens Boineve de le conture. 

Mars 1252. 
XXVI. Vente par Jehan le clerc ä l'hopital de Camp flori. Aout 1252. 
XXVII. Pret par Jakemon Loupeecrise ä Ermentrus de le montaigne. Sep- 
tembre 1252. 
XXVIII. Pret par Willaume le candeller ä Watiar de Barbastra. Decembre 
1252. 
XXIX. Saisine faite par Driues sur le tenemant da Gerard de Goy. Mars 

1254. 
XXX. Accord entre Ermentrut et Jehan de le montaigne , son fils. Mai 

1254- 
XXXI. Pret par Huon le Boursier k Harnous d'Osere. Septembre 1254. 

XXVII. Vente par Baudes d'Estrees d'une maison h Watiers Roussiel. Fait 
dans la halle de Douai. Septembre 1254. 

XXXIII. Achat par Maroie dou Ploiaic, maschine me dame Annes de 
Saint Aubin, des preus de VI copes de terra ;\ Jehan de le mon- 
taine. Decembre 1254. 

XXXIV. Record fait par Jakamas Cawete et Gerars del Marchiet, anciens 
^chevins , d'une saisine qua fit Jakemes Porceaus des proprietcs 
de Robert del Berkin, en Aout 1253. Octobra 1254. 

XXXV. Donation faite par Marie ä Willaume del Aubiel d'une maison. 
Fait dans la halle de Douai. Decembre 1254. 

XXXVI. Pr6t fait par Willaume le Candellior i Bauduins li Goudaliers. 
Decembre 1254. 



336 CH. BONNIER, 

XXXVII. Pret par Huon le Borsier d'une somme d'argent ä Jordain le 
batere 1255. 
XXXVIII. Vente par Jehans d'escarchin h Huon de Balloel d'une maison 
Faite dans la halle de Douai. Janvier 1255. 
XXXIX. Quittance donnee par Jakemins, fils de Raoul Manekin ä Henri 
de Courtrai. Fevrier 1255. 
XL. Pret par Broission, le barbeteur de Devioel ä i . . . emme et Aelis, 

se fille d'une somme d'argent. Mars 1255. 
XLI. Donation d'une maison par Jehans li vieleres ä Thomas de Mons 
Faite en la halle de Douai. Mars 1255. 
XLII. Vente par Geras d'eustricort ä Jehan de France. Faite en la 

halle de Douai. Mars 1255. 
XLIII. Donation faite par Gillebers li Piniers d'une maison ä Mahiu, 

son fils. Mai 1255. 
XLIV. Donation par Melissens de le Braiele ä Amalri, son fils. Mai 

1255- 
XLV. Accensement fait par sire Jehans Pikete ä Huon Castiel, ä 
Jehan sen fillastre et ;\ Evrart d'enpi. Fait a Douai, en l'en- 
clostre Saint Arne, la Pentecote de l'annee 1255. 
pour G ans 
XL VI. Bail a Cens par Simon le clerc de Canteleu ä Gilon Cramete de 

VI rasieres de terre. Juillet 1255. 
XLVII. Vente par Baudes de Harne, Robert, son fils, Marie, sa fille, ä 
Ameit de Mons, le jeune, d'une moitie de leur maison. Faite 
en la Halle de Douai. Aout 1255. 
XLVIII. Quittance donnee par Jakemes Audegons a Nicholes, li potiers 
d'Orcies. Septembre 1255. 
XLIX. Vente par Gerars le verriers h Driuon d'une maison, faite en la 
halle de Douai. Septembre 1255. 
L. Pret par Olivier de Devioel ä Derius , li tailleres , justice du 
segneur Oliuier de Devioel. Septembre 1255. 
LI. Vente par Crestelos ä Thumas de Cambrai d'une maison, situ6e 

ä la Noeville. Faite en le halle de Douai. Octobre 1255. 
LH. Donation faite par Marie Gringe a Jehan de Cambrai, son bcau- 

frere de la moitie de sa maison. Octobre 1255. 
Lin. Donation faite par Gilles Miles ä Ermengart de Harn et ä 
Roesselain Cawet , le compagnesse , d'une maison et d'un tenc- 
ment. Faite en le halle, le Mercredi avant la Noel, Decembre 

1255- 
LIV. Donation par Gherars li Alains ä Foukier del Berfroi d'une 

maison de pierre. Faite en la halle de Douai, decembre 1255. 
LV. Ass6ment fait par Yerbiaus, femme de Watiers as Vakes, ä Bris- 

syon, le barbeteur de Doewioel, pour une dette, sur deux mai- 

sons et sur leur tdnement. Janvier 1256. 
LVI. Pret par Jehan l'amant, le foulon, d'une somme d'argent k 

Daniaus li Fournier 1256. 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTF.S DE DOUAI. 337 

LVII. Donation par Hues li borsiers i\ Jelian dou Castel d'une maison 

Mars 1256. 

LVIII. Jehans Nokeis, le Boulenger, reconnait une dette de 21 liures 

parisis contract^e envers Wautier le Cordonanier et Daniel le 

Goudalier, et leur offre des garanties sur ses biens. Mars 1256. 

LIX. Donation fait par Jakemes Boignebroke ä Waubert Baudane de 

26. livres, quo lui devait le roi d'Angleterre. Avril 1256. 
LX. Arrentement fait par Maroie de Hainnau ä Renier Gravel , le 

Carpentier. Fait en la balle de Douai. Mai 1256. 
LXI. Vente par Nicholes d'Auwcncin ä Marie de Prouvin et Gillote 

de Prouvin, sa soeur. Juin 1256. 
LXII. Vente par Pieres del roet ii Willaume Porcelet de deux marcs 
sur tout le t^nement de Robert le Duo. Faitc cn le halle. 
Aout 1256. 
LXIII. Vente par Pieres li patiniers ä Madame Magritain, femme de 
monseigneur Wagon d'un marc d'heritage sur ie maison de 
Margot d'Avennes. Octobre 1 256. 
LXIV. Quittance d'une maison donnee par Marie Moriele i\, Jehan, ki a 
Godessent des Lices. Octobre 1256. 
LXV. Vente par Willaumes del gardin, li ligernes teliers, b. Simon le 
clerc de Canteleu d'un marc d'heritage sur le maison Walier 
Cawet et son tiinement. Faite en la halle de Douai. Octobre 
1256. 
LXVI. Wis li Aliers fait Assenement :\ Adan le Gondalier de 24 livres 

Parisis. i. Novembre 1256. 
LXVII. Pret fait par Huon le boursier d'une somme d'argent ä Lambiers 

de Nieilles. Novembre 1259. 
LXVIII. Reconnaissance d'une dette faite par Jehans dou trau ;\ Jchan, 
fils de Huon le Boursier. Novembre 1256. 
LXIX. Assenement fait par lieris li bureliers sur ce qu'il possedc h 

Adam le Goudalier. Toussaint 1256. 
LXX. Pret par Huon le Borsier d'une somme d'argent i\ Wis li ailliers 

Novembre 1256. 
LXXI. Pret par Gillon de Biaumont ä ses cousines, demoisellcs Agnies 
et Marie, filles de monseigneur Jehan de Tr^bont, d'une somme 
d'argent. Apres la Saint-Martin. Novembre 1256. 
LXXII. Assdnement fait par Jakemes de Noiele sur ses biens h Madame 
Agnes, femme de monseigneur Gessuin de Saint- Aubin. Dc- 
cembre 1256. 
LXXIH. Pret fait par Drienon , le permentier, ä Gerars, li molekinicrs, 

de dix-neuf sous de paresis. Ddcembre 1256. 
LXXIV. Pret par Huon le Boursier, bourgeois de Douai, de 20 liures 
parisis h Everars d'Aubi et Frankes d'Aubi. D<5cembre 1256. 
LXXV. Pr6t fait par Simons as Caucereus de VII livres et demi de pa- 
resis h. Everarl de le Cambe et Jean, son frire — 1257. 



340 CH. BONNIER, 

Basse rue (XLI 3). Rue des Vierges (Douai). 

Bavai (IX 3). Nord Arrt- Avesnes. C«" Bavay. 

Berkin (XXXIV 5). Ruelle du Berkin (Douai). 

Biarch (XCIII 2). Biache Saint Vaast. Pas-de-Calais. Arrt. d'Arras. C"" 

Vitry. 
Bielaing (LH 4). Rue de Bellain (c. s. ä Douai). 
Buignecort (IV 3). Nord Arrt. de Douai. C«» d'Arleux 743 h. 
Campftori (XXIII 3). Rue Fran^ois Lemaire 3). 
Canteleu (XLVI 2). Pas-de-Calais c'ie de Violaine. 

Capiele (XLVI 4). Pas-de-Calais. Arrt- Montrcuil sur Mer. Cou Hesdin. 
Carniyt (XX 2). Carnin-Nord. Arrt. Lille. C'"' de Seclin. 
Caumont (XCIX 2). Caumont. Pas-de-Calais. Arrt. tle Montreuil-sur-Mer. 

Cu" d'Hesdin. 
Cawentin (VII 2). Nord Arrt. de Douai. Co" Arleux. 
Rue au Cerf (LXXIV 5). Rue de Paris (Douai). 
Clari (XXIV 7). Nord-Arrt. de Cambrai. C«" de Clary. 
Co7npigne (XCVI 5). Compiegne. Oise. Chef-Heu d'arrondissement. 
Cysoing (IV 27). Nord Arrt. de Lille. Chef-Heu de C'>'i. 
Dewioel (XXIII 2). 

Dons (II 24). Don (Nord). C»e Annoeulin. 
Doregni (XXXVIII 9). Dorignies. Nord. C^e de Douai. 
Dourges (CI 2). Dourges. Pas-de-Calais. Arrt- de Bethune. C»" de 

Carvin. 
Dowai (II 3). Sous-piefecture du departement du Nord. 
Erchin (IX 31). Nord Arrt. de Douai. C"" Arleux. 
Estrees (XXXI 2). Nord Arr*. de Douai. C"" Arleux. 
Eustricort (XLII 2). Ostricourt. Nord Arrt- de Lilie. C"» de Pont-ä- 

Marcq. 
Fausse Posterne (LI 3). Rue des Ecoles (Douai). 
Fecain (III 2). Nord. Arrt. de Douai. C"" d'Arleux. 
Fenaing (III 8). Nord. Arr'. de Douai. C^"' Marchiennes. 
Fierin (XXIV 8). Nord Arrt. de Douai. Con de Douai. 
Forest (IV 22) le Forest. Pas-de-Calais. Arrt- de Bethune. C'>» Carvin. 
Füsset-Maugart (LIV 30). Rue des Ferronniers (Douai). 

Gaisnaing (IX 2). Nord Arrt. de Douai. Con de Douai. 

Rue dou Gardin (XLII 4). Rue du Petit Pont (Douai). 

Genlaig (II 21). Jenlain. Nord Arrt de d'Avesnes. C"" le Quesnoy. 

Goelesin (XXI 44). Goeulzin. Nord Arrt. de Douai. Co" d'Arleux. 

Gorghechon (II 2). (le) Gorgochon. Nord-C'ie Faumont. 

Goy (IV 44). Gouy (petit). Pas-de-Calais. Cne Gouy-Saint-Andre. 

Grant rue (XLII 6). Rue Saint Abin. 

Harn (LIII 2). Pas-de-Calais. Arrt. Bethune. Co» Norvent-Fontes. 
Harnes (XXYI 8). Pas-de-Calais. Arrt. Bethune. C"" Lens. 
Hasencort (XXI 5). Nord C"e Aniche. 

Hauuil (XXX 5). Houtekerke (LXXXVI 4). Nord-Arrt. Hagebrouck. C«" 
Steenword. 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 



341 



Rue Saint Jehant (XIV 4). Rue saint Jean (Douai). 

Kafan (XIX 4). Rue de la Cloche (Douai). 

Lambres (XXXI II). Nord Airt- et Canlon de Douai. 

Lens (V). Pas-de-Calais. Arrt- de Bcthune. Chef-lieu de Canlon. 

Lices (LXIV). Ruelle au Verjus (Douai). 

Ruele des Mairiens (XLVII 6). Rue du gros-sommier. 

Markete (II 23). Marquette. Nord. Cne de Faumont. 

Mastaing (XXII 42). Nord. Arrt- Valenciennes. Con de Bouchain. 

Mauhoege (IX 20). Maubeuge-Nord-Arrt- Avesnes. C'»» Maubeugc. 

Maiicicort (IV 4). Monchecourt. Nord Arrt- Douai. C"» Arleux. 

Moelin de vent (XXII). Rue des Moudreurs (Douai). 

Montegni (XXII 61). Montigny (Nord) Arrt- et Con Douai. 

Motejulien (LVIII 9). Rue de l'abbaye de Paix (Douai). 

Saint Nicolay (CI 5). Rue de Saint Nicolas (Douai). 

Nieilles (LXVII 2). Nielles-les-Ardres. Pas-de-Calais. Arrt- St. ümer. 

C<"i Lumbres. 
Noeve rue (XXXVIII 3). Rue Jean de Gouy. 

Noiele (LXXII 2). Noyelles-sous-Bellone. Pas-de-Calais- Arrt- Arras. C"" 
Vitry. 

Rue Nycholon Placlete (LV 6). Rue du Bloc (Douai). 

Oignies (XI 2). Pas-de-Calais. Arrt- Bcthune. C"" Carvin. 

Orcies (XLVIII). Nord Arrt- Douai. Co" Orchies (3757 li-). 

Ostre (XXXI 2). Rue d'Ocre-C-O (Douai). Rue St. Albin. Porte d'Ocre. 

Paskendale (XXXVIII 4). Rue Jean de Gouy (Douai). 

Rue Pepin (LXXXII 4). Rue Pepin. C-S. (Douai). 

Pieronne (XCIX 3). Nord. Arrt. Lille. Con Cysoing. 

Prowin (LXI 4). Nord Arrt- Lille. C«" Seclin. 

Rue del Puc Filori (XIII 4). Rue du Clocher Saint Pierre (Douai). 

Quincy (IV ii). Nord Arrt- et Co" Douai. 

Raisse (XC 4). Raches. Arrt. Douai. Con Douai. 

Rouegni (II 32). Rouvignies. Nord Arrt. et Con Valenciennes. 

Sin (XIII 9). Nord Arrt- Douai. C"" Douai. 

Sailli (LXXVII 3). Sailly en Ostreuent. Pas-de-Calais. Arrt- d'Arras. C"n 

Vitry. 
Valenciemtes (LXXXIX 3). Nord. Chef lieu d'arrondissemcnt. 
Wallers (XIII 2). Nord Arrt- et Con de Valenciennes. 
IVasiers (III 9). Nord Arrt- et C^n de Douai. 



Bibliographie. 

Natalis de Wailly, Observations grammaticales sur les Chartcs fran(,-aiscs 
d'Aire en Artois (Bibliothfeque de l'ficole des Chartes XXXII (1871). 
p. 291—320). 

Gaston Raynaud, Etüde sur le Dialecte picard dans Ic Ponthieu d'apr^s 
les Chartes des XIII'-- et XIV^ siiclcs (1254 — [333). (Bibliothdque de 

22* 



34© CH. BONNIER, 

Basse rue (XLI 3). Rue des Vierges (Douai). 

Bavai (IX 3). Nord Ant. Avesnes. C«" Bavay. 

Berkin (XXXIV 5). Ruelle du Berkin (Dou&i). 

Biarch (XCIII 2). Biache Saint Vaast. Pas-de-Calais. Ant. d'Airas. C<"' 

Vitry. 
Bielaing (LH 4). Rue de Bellain (c. s. h. Douai). 
Buignecort (IV 3). Nord Arrt. de Douai. C«" d'Arleux 743 h. 
Campflori (XXIII 3). Rue Fran^ois Lemaire 3). 
Canteleu (XL VI 2). Pas-de-Calais c'ie de Violaine. 

Capiele (XLVI 4). Pas-de-Calais. Arrt- Montreuil sur Mer. Con Hesdin. 
Carnin (XX 2). Carnin-Nord. Arrt- Lille. Con de Seclin. 
Caumont (XCIX 2). Caumont. Pas-de-Calais. Arr*. de Montreuil -sur-Mer. 

Con d'Hesdin. 
Cawentin (VII 2). Nord Arrt. de Douai. Con Arleux. 
Rue au Cerf (LXXIV 5). Rue de Paris (Douai). 
Clari (XXIV 7). Nord-Arrt- de Cambrai. Con de Clary. 
Compigne (XCVI 5). Compiegne. Oise. Chef-Heu d'arrondissement. 
Cysoing (IV 27). Nord Arrt. de Lille. Chef-lieu de Con. 
Dewioel (XXIII 2). 

Do7is (II 24). Don (Nord). C"o Annoeulin. 
Doregni (XXXVIII 9). Dorignies. Nord. C"e de Douai. 
Dourges (CI 2). Dourges. Pas-de-Calais. Arrt- de Bethune. Con de 

Carvin. 
Dowai (II 3). Sous-prefecture du departemcnt du Nord. 
Ercliin (IX 31). Nord Arrt- de Douai. Con Arleux. 
Estrees (XXXI 2). Nord Arrt- de Douai. Con Arleux. 
Eustricort (XLII 2). Ostricourt. Nord Arrt- de Lille. Con de Pont-ü- 

Marcq. 
Fausse Posterne (LI 3). Rue des Ecoles (Douai). 
Fecain (III 2). Nord. Arrt- de Douai. Co« d'Arleux. 
Fenaing (III 8). Nord. Arrt- de Douai. Con Marchiennes. 
Fierin (XXIV 8). Nord Arrt- de Douai. Con de Douai. 
Forest (IV 22) le Forest. Pas-de-Calais. Arrt- de Bethune. Con Carvin. 
Fosset-Maugart (LIV 30). Rue des Ferronniers (Douai). 

Gaisnaing (IX 2). Nord Arrt. <ie Douai. Con de Douai. 

Rue dou Gardin (XLII 4). Rue du Petit Pont (Douai). 

Genlaig (II 21). Jenlain. Nord Arrt de d' Avesnes. Con le Ouesnoy. 

Goelesin (XXI 44). Goeulzin. Nord Arrt- de Douai. Con d'Arleux. 

Gorghechon (II 2). (le) Gorgochon. Nord-Cno Faumont. 

Goy (IV 44). Gouy (petit). Pas-de-Calais. Cne Gouy-Saint-Andre. 

Grant rue (XLII 6). Rue Saint Abin. 

Harn (LIII 2). Pas-de-Calais. Arrt. Bethune. Con Norrent-Fontes. 
Harnes (XXYI 8). Pas-de-Calais. Arrt- B6thune. Con Lens. 
Hase7icort (XXI 5). Nord C^'e Aniche. 

Hauuü (XXX 5). Houtekerke (LXXXVI 4). Nord-Arrt- Hagebrouck. Con 
Steenword. 



ETÜDE CRITIQUE DES CHARTES DE DOUAI. 34 1 

Rue Saint Jehant (XIV 4). Rue saint Jean (Douai). 

Kafan (XIX 4). Rue de la Cloche (Douai). 

Lambres (XXXI ii). Nord Air*- et Canton de Douai. 

Lens (V). Pas-de-Calais. Arrt. de Bethunc. Chef-lieu de Canton. 

Lices (LXIV). Ruelle au Veijus (Douai). 

Ruele des Mairiens (XLVII 6). Rue du gros-sommier. 

Markcte (II 23). Marquette. Nord. Cne de Faumonl. 

Mastaing {XXII 42). Nord. Arrt- Valenciennes. C<i" de Bouchaiu. 

Mauboege (IX 20). Maubeuge-Nord-Arrt- Avesnes. C'^» Maubeugc. 

Maucicort (IV 4). Monchecourt. Nord Arr'- Douai. C"" Arlcux. 

Moelin de vent (XXII). Rue des Moudreurs (Douai). 

Montegni (XXII 61). Montigny (Nord) Arrt. et C«" Douai. 

Motejulien (LVIII 9). Rue de l'abbaye de Paix (Douai). 

Saint Nicolay (CI 5). Rue de Saint Nicolas (Douai). 

Nieilles (LXVII 2). Nielles-les-Ardres. Pas-de-Calais. Arrt. St. Omer. 

C"» Lumbres. 
Noeve rue (XXXVIII 3). Rue Jean de Gouy. 
Noiele (LXXII 2). Noyelles-sous-Bellone. Pas-de-Calais- Arrt- Arras. C"" 

Vitry. 
Rue Nycholon Placlete (LV 6). Rue du Bloc (Douai). 
Oignies (XI 2). Pas-de-Calais. Arrt- Bethune. Con Carvin. 
Orcies (XLVIII). Nord Arr*- Douai. C"" Orclnes (3757 h.). 
Ostre (XXXI 2). Rue d'Ocre-C-O (Douai). Rue St. Albin. Porte d'Ocre. 
Paskendale (XXXVIII 4). Rue Jean de Gouy (Douai). 
Rue Pepin (LXXXII 4). Rue Pepin. C-S. (Douai). 
Pieronne (XCIX 3). Nord. Arrt. Lille. Con Cysoing. 
Prowin (LXI 4). Nord Arrt- Lille. Con Seclin. 

Rue del Puc Filori (XIII 4). Rue du Clocher Saint Pierre (Douai). 
Quincy (IV ii). Nord Arrt- et C«" Douai. 
Raisse (XC 4). Raches. Arrt- Douai. C»" Douai. 
Rouegni (II 32). Rouvignies. Nord Arr*. et Con Valenciennes. 
Sin (XIII 9). Nord Arrt- Douai. C"" Douai. 
Sailli (LXXVII 3). Sailly en Ostreuent. Pas-de-Calais. Arrt- d'Arras. C"" 

Vitry. 

Valenciennes (LXXXIX 3). Nord. Chef Heu d'arrondisscmcnt. 
Wallers (XIII 2). Nord Arrt- et C'>" de Valenciennes. 
IVasiers (III 9). Nord Arrt- et C«" de Douai. 



B i b ii o g r a p li i c. 

Natalis de Wailly, Observations grammaticales sur Ics Chartes fran(,-aiscs 
d'Aire en Artois (Biblioth^que de TEcolc des Chartes XXXIl (1871). 
p. 291—320). 

Gaston Raynaud, Elude sur Ic Dialectc picard dans le Ponthieu d'apris 
les Chartes des XIIP- et XIV" siöclcs (1254 — 1333). (Bibliothiique de 

22* 



342 CH. BONNIER, 

l'Ecole des Charles XXXVII 5 — 34, 317^ — 57 (paru separenient chez Vieweg 
1876). 

Armand d' IIerbo7nez, Charles fran^aises ^du Tournaisis (1207 — 1292). — 
(Memoires de la Sociele hislorique et litleraire de Tournai (Vol. 17) 1883). 

Ffüz Neumann, Zur Laut- und Flexions-Lehre des Allfranzösischen. 
Heilbronn. Verlag von Geb. Henninger. 1878. in-8''. 

L. Dechriste, Souv'nirs d'un homme d'Douai. 2e Edit. Douai 1863. 
Tomes I et IL — Tome III (1870). 

Jules Lepreux, Les Rues de Douai d'apres les titres de la ville. Leon 
Crepin 1882. 

Internationale Zeitschrift. Teclimer-Leipzig. Vol. I. Fase. II p. 308. 

F. de Cottignies dit Brüle-Maison. Etrennes Tourquennoises et Lilloiscs. 
le Edition. Tourcoing, Lille, A''anackere. 

Bovelle, Liber de difterentia vulgarium Linguarum et gallici sermonis 
varietate. Parisis, ex off. Rob. Stephano 1533. ih-4". 

Altenburg, Versuch einer Darstellung der wallonischen Mundart nach 
ihren wichtigsten Lautverhällnissen. Eupen 1880. 

Z<? Proux, Charles fran9aises du Vermandois. Bibliolheque de l'Ecole 
des Charles 1874. Vol. 35 p. 437. 

A. Tobler, Dis dou Vrai Aniel. Leipzig 1871. 

H. Suchier, Etüde sur le dialecle de Saint-Leger (Zeitschrift für roma- 
sche Philologie p. 255. vol. IL 1878. 

, H. Suchier, Aucassin et Nicolette — 2e Edition (p. 56 et seq.). 

H. Schuchardt, Slawo-Deulsches und Slawo-Italienisches. Nov. 1885. 
Graz, Leuschner. 

H. Schuchardt, Über die Lautgesetze gegen die Junggrammatiker. Berlin, 
Oppenheim. Decembre 1885. 

Table. 

Etüde Critique des Charles de Douai. 

le. Premiere partie. — Recherches sur l'Antagnisme des Charles et du Lan- 

gage vulgaire. 

a) These soulenue jusqu'ä present: les Charles representent le langage 
vulgaire p. 432. 

b) Antithese. — Critique du Melange des formes dans les Charles 
p. 446. 

c) Conclusion : Les Charles ne representent que les habitudes d'un 
scribe, et on ne peut s'en servir qu'aprfes les avoir controlees par 
le patois p. 450. 

d) Contröle des Charles p. 462. 



Il>i partie. Caraclerislique de Charles de Douai XIV p. 66 — 69. 
a) Le Scribe p. 69 — 70. 



ETÜDE CKITIQUE DES CHAKTES DE DOUAI. 343 

b) Diplomatique p. 70 — 73. 

c) Graphic p. 73—75- 

d) Formes phonetiques des Charles comparties du Vermandois , de 
Tournai , du Ponlhieu et de Douai. — Controle ainenanl par la 
statistique au formes les i)lus represenlees , par suite prefürees , du 
scribe p. 75 — 84. 

Conclusion generale p. 84 — 87. 

Methode pour la publication des Chartcs j). 87. 

Bibliographie p. 87. 

Charles publikes p. 298 ä 343. 

Ch. Bonnier. 



Studien zur fr^kischen Heldensage. 
i. 

Auf den folgenden Seiten soll versucht werden aus den ersten 
Anfängen der fränkischen H^ldensaj^ . neue Beweise für die mythi- 
schen Bestandteile besonders der vier Hauptschemata einer voll- 
ständigen chanson zu schöpfen. Zu- meinen Bemerkungen über 
das 2. Schema, Kampf des Heroen gegen einen Verräter (Ztschr. 
XII 365 ff.), habe ich hier nur wenig hinzuzufügen. Ich habe ge- 
glaubt dafs die Buggeschen Angriffe gegen die Baiderepisode durch 
die Erwiderungen von Müllenhoflf (Altertumskunde V) u. a. als wider- 
legt betrachtet werden konnten (vgl. Golther über Bugge Studien III, 
Litteraturblatt f. germ. u. rom. Phil. i88q No. 4). Wenn ich darin 
gefehlt habe, so ist die Korrektur leicht. Ich werde weiter unten 
eine Parallelle dafür bringen dafs eine Urform des Baidermythus 
sich wie in anderen IVIythen so auch im germanischen vorgefunden 
hat, ein wilder Spröfsling auf den christliche und antike Elemente 
gesetzt sein mögen. Auch ein böser Gott, wenn auch nicht Loki 
geheifsen, ist nach zahlreichen Analogien bei Völkern aller Breiten 
auch bei den Germanen gefürchtet worden , und das genügt als 
Stütze meiner Hypothese. Wenn aber auch den Germanen weniger 
zugesprochen werden soll als sehr vielen afrikanischen und poly- 
nesischen Völkerschaften , die einen mehr oder weniger ausgespro- 
chenen Dualismus der Gottheiten aufweisen, und die Baiderepisode 
ganz und voll eingeführt wäre, dann \vürde der mythisch-religiöse 
Charakter der Ganelonsage nach meinen Ausführungen noch immer 
bestehen bleiben, freilich nicht als germanisch. Es wäre dann die 
Rolandsage wie ihre Schwester die Siegfriedsage aus antiken Ele- 
menten (Achilles) und christlichen Legenden zusammengesetzt. Nun 
ist aber Achilles wie Adonis stets mit Hackelberend-Odin ver- 
glichen worden und von der christlichen Lehre dafs Gott seinen 
eingeborenen Sohn für das Heil der Menschen geopfert hat, ist 
behauptet worden dafs sie ein Vor- oder Zerrbild habe eben in 
jenen orientalisch-griechischen Mythen, welche ich XII 366 fif. an- 
führte. Freilich ist ein direkter Beweis von dem Vorhandensein 
des Balder-Mythus bei den Franken nicht zu führen. Ich möchte 
indessen auf eine Stelle bei Gregor von Tours II 3 1 hinweisen. 
Bekanntlich wird den Göttern der Alten immer mit Nachdruck Un- 
sterblichkeit beigelegt, sie heifsen /^£ol aftßQOTOi, C,cövT6g ad, Di 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 345 

vHinoi tah'S. Nun sagt das Volk in dem angeführten Kapitel in 
direkter also wahrscheinlich der Quelle entnommener Rede: Wir 
verlassen die sterblichen Götter u. s. w. Wegen des mortales glaube 
ich dafs Gregor hier nicht die antiken Götter mit den germanischen 
wie sonst oft konfundiert hat. Wenn nun aber Jemand von ger- 
manischen sterblichen Göttern reden hört, so denkt er wohl zu- 
nächst an den drastischsten Fall dieser Art, an Balders Tod, der 
Untergang der Götter in der sogenannten Götterdämmerung war 
wohl weniger allgemein bekannt, wenigstens wenn man nach dem 
Eindruck unserer Kenntnisse urteilen darf. Besonderes Gewicht 
ist selbstverständlich der Stelle nicht beizulegen. 

Auch von dem 4. Schema ist hier nicht viel zu sagen. Einen 
Erklärungsversuch jener bekannten Cantilene von der gewöhnlich 
siebenjährigen Fahrt eines Helden nach dem Osten könnte man 
nach Bugge und Golther etwa in der Erzählung von den sieben 
in einer Höhle schlafenden Christen finden, die später wieder zum 
Leben erwachen oder noch erwachen sollen. Der Kern der Sage, 
die besonders aus Gregor und Paulus Diaconus bekannt ist, findet 
sich schon bei Plinius und im Koran (Gieseler Kirchengeschichte I, 2, 
S. 429 ff.). Sie beruht nach meiner Ansicht auf einem Sonnen- oder 
Gestirnmythus der in verschiedenen Formen in den verschieden- 
sten (iegenden lokalisiert sein mag. Die Ähnlichkeit mit den ger- 
manischen Versionen ist insofern unverkennbar als das Verschwinden 
in einem Berge ziemlich allgemein als Symbol des Todes auf- 
gefafst wird, und zwar des mythischen Todes von dem ein Er- 
wachen gehofft wird. Darum sind die betreffenden Sagen auch 
von Schambach-Müller (Niedersächsische Sagen, Anhang) mit den- 
jenigen die hier in Betracht kommen zusammengestellt. Anderer- 
seits ist ja der langjährige Kampf eines Heroen von diesem Zauber- 
schlafe, nachdem die mythische Grundlage unkenntlich geworden 
war, recht verschieden. Es ist meines Wissens nur ein indirekter 
Versuch gemacht den mythischen Charakter dieser Episode zu be- 
streiten, worauf ich gleich zurückkommen werde. Geschichtlich 
sind diese Fahrten nicht zu erklären. Man würde zunächst an die 
Kreuzzüge denken, aber das Alter der Childerichsage, von der 
gleich noch die Rede sein wird , ganz abgesehen von der Ch. de 
Roland , der Pelerinage und der Brandansage belehrt uns eines 
besseren. Dagegen trifft es nicht zu wie Rajna Origini 272 Anm. 2 
meint, dafs man auch dem Chlodowech ein solche Fahrt angedichtet 
habe. Das Hie fertur in Oriente fnisse etc. bezieht sich auf das 
logische Subjekt in dem ganzen Kapitel (II 3g), auf den Bischof 
Licinius, das beweist X 31 No. 9. — Dafs die Sage auch nicht 
etwa erst zur Zeit der Völkerwanderung entstanden ist, kann man, 
glaube ich, schon aus der ganz verschiedenen Form des Hilde- 
brandliedes schliefsen. Den besten Beweis liefern natürlich die 
antiken Beispiele, Odysseus, Herakles besonders auch der germa- 
nische Gott bei Tacitus, Dionysos. Das Gegenstück zu diesem 
Mythus ist bekanntlich nach der gewöhnlichen Annahme die Sage 



340 G. OSTERHAGE, 

von einer verbannten Frau, Genovefa, Sibilla u. a., etwa der Idun- 
episode in der Edda entsprechend. Im c. VIII der Origini hat 
Rajna die mythische Bedeutung dieser Episode bestritten. Ich kann 
seiner Ansicht nicht beipflichten. Die Erzählung des Fredegar und 
Paulus von der Verbannung der Gundiperga ist eben vom Mythus 
beeinflufst, der viel älter ist und dessen frühere Formen in den 
Erzählungen von den Irrungen der Istar, Aphrodite (um Adonis zu 
suchen), Persephone, Leto, welche nirgends einen Ort für ihre 
Niederkunft finden kann, noch erkennbar sind, wenngleich die ger- 
manischen Formen ihre Eigentümlichkeiten haben. Ich folge der An- 
sicht von G. Paris Hist. p. 432: Tous les recits de ce genre semblent avoir 
un fondement essentiellement rnythique: ih parlent sa7is doute de Vepouse 
du soleil, captive ou mecomme pendant Ja dtiree de Vhiver, mais rentrant 
avec la saisoti nouvelle dans les droits qii'elle 7i\mrait jamais du perdre 
(vgl. die Anm. 2). Ein wesentlicher Punkt ist die Geburt eines 
Göttersohnes der den riiello tragen mufs in der Einöde, das trifft 
eben zu bei Leto, auch bei der grofsen Stammesmutter Hagar die 
von Abraham verstofsen in der Wüste irrend den Ismael vom Herrn 
neu geschenkt erhält. Die Studien von Grundvig, dessen Ansicht 
Rajna bekämpft, habe ich leider nicht benutzen können ; sie werden 
von Kennern als über alles Lob erhaben gerühmt. Die Zeit von 
25 — 30 Jahren genügte vollauf bei der Entfernung der Örtlichkeit 
um die Geschichte der langobardischen Königin bei Fredegar my- 
thisch inficiert erscheinen zu lassen, die Sache mag sich aber auch 
wirklich so zugetragen haben ohne auf die ältere Sage irgend 
welchen Einflufs zu üben. 

Ich komme nunmehr zu dem ersten Schema. Gregor von 
Tours II 2g wird erzählt dafs Chlodowech nach dem Tode seines 
christlich getauften ersten Sohnes der Königin Vorwürfe macht und 
ihr die Ohnmacht ihres Gottes vorhält (Greg. T. II 29 Deoriim 
7iostrortini jtissione cuncta creanttir ac prudeunt, Dens vero vester nihil 
posse vianefestatur , et quod magis est, nee de deorum genere esse pro- 
batur). Die letzten Worte sind höchst beachtenswert, da sie nach 
meiner Meinung unzweifelhaft andeuten dafs auch nach Gregor, 
nicht blofs nach Fredegar, Chlodewech einen göttlichen Ursprung 
seines Stammes annahm. Auf wen sollen die Worte sonst wohl 
Bezug haben als auf ihn selbst? Dafs Chlodowech Heroen gött- 
licher Herkunft entsprechend den Wölsungen kannte, ist wohl 
sicher, doch scheint es mir fern zu liegen gerade in diesem Falle 
an sie zu denken. Es scheint mir eben nur mögltch, dafs er von 
sich redet. Offenbar machten ja auch die Merovinger nach der 
Mitteilung Fredegars über die bestia Neptuni Anspruch auf göttliche 
Herkunft. Wie nahe der Gedanke lag, kann man abgesehen von 
allen anderen einschlägigen Thatsachen schon daraus schliefsen, 
dafs auch in christlicher Zeit, speziell bei Gregor, Vorgänge in 
fürstlichen Häusern, besonders der Tod des Herrschers, durch 
Ilimmelserscheinungen angekündigt werden, wie bei dem Tode des 
Gottessohnes die Sonne sich verfinsterte u. s. w. Man vergleiche 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 347 

dazu die Nachrichten über die meteorischen Phänomene vor dem 
Tode der Königin Ranavalona I. von Madagaskar a. 1861 zusammen- 
gestellt bei Gloatz, Die spekulative Theologie I 702 f.). Dafs wohl 
alle afrikanischen und polynesischen Völker ihre Herrscher direkt 
vergöttern oder bei etwas vorgeschrittener Kultur ihnen wenigstens 
göttlichen Ursprung zuerkennen ist bekannt (vgl. u. a. Bastian H. 
Sage 13, 51, 54, 75, 102, 121, Gloatz, so oft von einem neuen 
Stamme die Rede ist). Um von den z. T. künstlichen Genealogien 
des Altertums zu schweigen , bemerke ich nur dafs kein germani- 
sches Herrschergeschlecht, wie es scheint, den Glauben an eine 
übernatürliche Herkunft entbehrt hat; Amalern, Balthen, Mero- 
vingern wird sie ausdrücklich vindiciert, bei den Karolingern und 
den Häusern Bouillon und Anjou ist sie leicht zu erkennen. Wo 
sich jene Verdunkelungen der Gestirne und Ähnliches bei christ- 
lichen Schriftstellern finden, sind sie Reste des Heidentums, es sei 
denn dafs der Autor wagen konnte den Tod des Heroen etwa mit 
Christi Tode zu vergleichen, was bei Gregor ausgeschlossen ist. 
Der innere Grund des heidnischen Glaubens dürfte in der An- 
nahme der Seelenwanderung zu suchen sein von welcher sich 
überall Spuren finden. Wie noch jetzt der Volksglaube den Holz- 
hauer der den Sonntag entheiligte in den Mond versetzt, so gab 
man den Verstorbenen die Gestirne zum Aufenthalt. Dafs Licht- 
effekte auf Schlachtreihen gedeutet wurden (besonders wohl das 
Nordlicht?) ist bekannt (vgl, u. a. Annales Xantenses, Pertz 
Scriptores II 225 f. Daher rührt die Sage dafs nach der grofsen 
Hunnenschlacht die Geister der Gefallenen den Kampf in den 
Wolken fortsetzten. Wenn die Gestirne also vor dem Tode eines 
Fürsten sich verdunkeln so bezeichnet das eben die Trauer seiner 
göttlichen Ahnen die vom Himmel auf ihn herabsehen. 

Die Stelle der Germania über den Mannus spricht für sich 
auch nach der Interpretation von Rajna (Orig. 27). Aber auch 
wenn Tacitus nach der Art der Römer einen .deutschen Helden 
Hercules nennt, mufs ihm doch neben dem Kampfe gegen den 
Verräter Eurystheus, den „Fahrten" zur Ausführung der zwölf 
Thaten und etwa der Omphaleepisode, besonders auch die gött- 
liche Abkunft des Heroen vorschweben , und Analoges mufs er in 
der entsprechenden deutschen Sage gefunden haben. Ich glaube 
hier schon darauf hinweisen zu dürfen, wie tief die Urformen das 
fränkischen Epos in die Urgeschichte der Menschheit speziell der 
Germanen zurückgehen und wie sehr Holtzmann das Richtige ge- 
troffen hat, wenn er Germania I 495 sagt: „Aus diesen franzö- 
sischen Chansons de Geste, können wir germanische Sitten und 
germanischen Geist viel besser kennen lernen, als aus allen mittel- 
hochdeutschen Rittergedichten." 

Ein gotliischcr Herakles ist Tanausis , welcher Westasicn und 
Ägypten erobert haben soll (Jordanes 47). lliinc ergo Tluinausim 
regem Gothorian morhnim inter 7iumina siti popuH co/uerunl fügt Jor- 
danes euemeristisch hinzu (vgl. Bessc;l in Ersch und Gruber „(>o- 



348 G. ÖSTERHAGE, 

then"). Nebenbei weise ich hier auf eine Stelle des Jordanes hin 
die mir grofse Ähnlichkeit mit den zahlreichen Sagen über „berg- 
entrückte" Helden und Heroen zu haben 'scheint. Statt der Berge 
erscheinen in der sarmatischen Tiefebene naturgemäfs Sümpfe, 
Niederungen u. s. w. Auf dem Zuge von Scandza kam das Heer 
ad Scylhiae to'ras, qtiae lingua eortwi Oium vöcaba?itur : übt delectatus 
magna iihei'tate j-egionum et exercitus mediaetate tratisposiia pons dicihir, 
Wide ainnem trajecerat, mreparabilüer corrtässe, nee ulterius jam cuidam 
licuit ire aut redire . nam ts locus, ut fertia-, ti'emidis paludibus vora- 
gine circumjecta concluditu?', quem utraque confusione natura reddidit 
inpervium . verumtamen hodieque illic et voces armejitorum audiri et in- 
dicia honiinum dep7-aehendi comineantium attestationein, qua7nvis a longe 
audientium credere licet IV 27, vgl. Ztschr. XI 336 f. — Die berühmte 
uns hier interessierende Stelle über die Abstammung der Amaler 
von den Äsen [Romanos devincunt — unter Domitian — . . magnaque 
potiti per loca victoria jam proceres suos, quorum quasi fortuna vince- 
bant, non puros homines, sed semideos id est Ansis vocaverunt XIII 78) 
wird von Allen im gleichen Sinne aufgefafst (Grimm, Bessel I 75, 
S. 155, Müllenhoflf Jordanes ed. Mommsen 146, Bugge, Studien I 
Einl.). Nur die Annahme Grimms dafs der Stammheros Gapt = 
Gaut und damit gleich Geat, einem Beinamen Odins, sei bezweifelt 
Müllenhoff (Jordanes 143). Als Gegenstück zu den Anthropogonieen 
im Rigsmäl und in der Germania-Abstammung der Ingävonen, Her- 
minonen und Istävonen — erscheint die Sage von der Herkunft 
der Hunnen (Jordanes XXIV 121 f.): Nain hos ut refert antiquitas, 
ita extilisse comperimus. Filimer rex Gothorum . . . post egressu 
Scandzae insulae jam quinto loco tenens priricipatum . . . repperit in 
populo suo quasdam magas inulieres, quas patrio sermone Haliurunnas 
is ipse cogno7ni7iat, easque habend suspectus de medio sui proturbat longeque 
ab exercittc suo fugatas in solitudine?ti coegit errare. Quas Spiritus 
i7nmimdi per heriimim vagantes dum vidissent et eorum cojuplexibus in 
coitu miscuissoit, genus hoc ferocissimuin ediderunt . . . minutum tetriwi 
atque exile . . . Aus diesen drei Adjektiven schliefst Bessel a. a. O. 162 
dafs die Spiritus immundi wahrscheinlich als Zwerge oder Schwarz- 
elfen gedacht seien. „Döchalfar . . würde wörtlich durch genii ob- 
scuri übersetzt sein, aber vom christlichen Standpunkte Cassiodors 
aus ist der biblische Begriff Spiritus immundi immer noch eine sehr 
gute Übersetzung." Jedenfalls ist die Abstammung von göttUchen 
oder halbgöttlichen Wesen nach dieser Stelle auf Grund der all- 
gemeinen Analogieen sicher. Auch die Zauberinnen sind, wie wir 
aus den INIitteilungen über die Zustände jetziger halbcivilisierter 
Stämme schliefsen dürfen, zur Zeit wo noch Menschenopfer dar- 
gebracht wurden (41) ohne Zweifel als halbgöttliche Wesen ge- 
fürchtet, geehrt und unter Umständen gehafst worden. 

Von der Herkunft des Balthen Alarich wissen \s\x nur dafs 
Jordanes XXIX 146 ihm eine origo inirifica beilegt, den Inhalt 
dieser Worte mufs man sich jedenfalls aus der Merovingersage oder 
etwa aus der Erzähluns: des Paulus Diaconus über den König La- 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 349 

missio erklären : es scheint mir nicht darin zu hegen, dafs auch er 
parallel mit den Amalern von den Äsen oder „Halbgöttern" her- 
kommen soll. 

Bei den Longobarden hat wegen der Vielheit der Dynasten- 
gruppen eine Stammsage sich nicht ausschliefslich behaupten können. 
Ihre erste Herrscherin oder wenn man genau dem Paulus folgt die 
Mutter ihrer ersten Fürsten ist offenbar eine weissagende germani- 
sche Priesterin die direkt mit den Göttern (Frea) vorkehrt. Dafs 
sie vom Geschlechte der Götter ist fügt er nicht hinzu, konnte er 
auch nicht sagen, da er die ganze Sage ausdrücklich als lächerlich 
bezeichnet. Die Kindheit des Königs Lamissio erinnert auffällig 
an die Erzählung vom Schwanenritter. Paulus hat sie rationalistisch, 
euhemeristisch aufgefafst und dargestellt, wodurch sie natürlich 
ihren märchenhaften Charakter eingebüfst hat. Der Redaktor des 
Chevalier au cygne stand 500 Jahre später der Sage viel freier und 
unbefangener gegenüber und hat ihr ihre Schönheit wahren können. 
— Eine nicht unähnliche Geschichte wird übrigens im Leben des 
h. Ludgerus (Pertz M. G. II 406) von dessen Mutter erzählt. Die 
Urgrofsmutter der Heiligen, von Charakter der bösen Grofsmutter 
im Ch. au cygne entsprechend — iii furorem conversa, dojutnabahcr 
enim illa furibunda in iota domu, praefata illa ferox — will ihre 
Enkelin die Mutter des Bischofs, weil aus der Ehe des Sohnes 
nur Töchter entspringen, in einem Eimer ertränken lassen. Die 
Kleine hielt sich aber, obwohl sie noch nichts Irdisches genossen 
hatte, am Rande so fest dafs unterdessen eine Nachbarin herbei- 
kam und sie rettete. Hanc ergo fortitudinevi tenerrimae piiellae ex 
divina credimus actum praedestinatione, eo quod ex ea duo episcopi fuis- 
setit oriundi, videlicet Liutgerus et et Hildigrimiis. Der Vorgang hat 
in jeder Beziehung Ähnlichkeit mit der übernatürlichen Herkunft 
der Fürsten. Desiderius träumt nach der Legende der h. Julia 
kurz vor seiner Wahl zum Könige, als er unter einem Baume 
schlief und eine Schlange sich um sein Haupt, wand, dafs er mit 
dem Diadem gekrönt werde. Die Sage hat Ähnlichkeit mit der 
Gaydonsage (Ztschr. XI 14). Dafs die Schlange unter allen Breiten 
besonders allerdings in den afrikanischen und orientalischen Reli- 
gionen aber auch im Norden als heiliges Tier (sacer in seinem 
Doppelsinn) galt ist mehr als bekannt. Diese Sagen sind indessen 
von einem allgemeineren Gesichtspunkte zu betrachten um ihre 
gehörige Beleuchtung zu erhalten. In allen vorchristlichen Reli- 
gionen finden sich mehr oder weniger erhebliche Spuren des 
Glaubens an eine Seelenwanderung : ein in der lüitwickeiung des 
Gottesbegriffes neben dem Ahnenkult und im Anschlufs an diesen 
höchst wichtiges Moment. Nun gehen zwar die Seelen der ver- 
götterten Abgestorbenen auch in andere Tiere, z. B. vielfach in 
Krokodile über, ganz besonders aber in Vögel und Schlangen, 
offenbar weil die ersteren in nächster Beziehung zu dem Allvater 
„Uranos", die letzteren in ebenso naher zur gemeinsamen Mutter 
„Gäa" standen. 



350 G. OSTERHAGE, 

Die Erklärung (Hist. poetique 220) zu dem Verse Si fu la 
premerame de Pepin el de Vange (Doon 5) ist offenbar faule de mieux 
gegeben , denn befriedigen konnte die Auffassung der Reali wohl 
Niemanden. Es liegt an und für sich nahe und scheint auch aus 
den Worten Eginhards {pmissis incognitis) zu schliefsen , dafs es 
mehrere Sagen über die Geburt Karls d. Gr. gab. Die hier vor- 
liegende dürfte in nächster Verwandtschaft stehen mit der Erzählung 
der Bibel über den Engel welcher der Sarah erschien und über 
die Geburt des Isaak unter Anlehnung an heidnische Sagen dieser 
Art von denen wir einen Typus im Rigsmäl haben. — Die aus 
den Reali und sonst bekannteste Version über Karls Herkunft 
{H. p. 224 f.) ist mit dem Eintreten eines Engels leicht zu verein- 
baren. Sonst scheint mir das Wesentlichste der ganzen Erzählung 
identisch zu sein, wie ich schon früher (Über einige Ch. de G. des 
Lohengrinkr. i) andeutete, mit der Erzählung von dem Zusammen- 
treffen des Anchises und der Aphrodite auf dem Ida, und dem 
des Königs Oriant mit einer Waldfee in einer Version des Ch. au 
cygne. Andere leicht auszuscheidende Elemente sind die auf Volks- 
etymologie beruhende Erzählung von dem „Karren" und das Ein- 
greifen der Verräter. Der Kern dieses letzteren Moments ist 
wieder ein adaptierter mythologischer Vorgang. Der Heros wohnt 
gegen seinen Willen bezw. ohne sein Wissen einer Person bei die 
von einem mythisch-mystischen Verlangen getrieben gerade von 
ihm empfangen will. Am deutlichsten tritt das hervor in der be- 
kanntfen Episode des Lancelot (vgl. P. Paris, Rom. de la t. r. V. 308). 
Etwas denaturierte Beispiele sind Baud. de Sebourc I 48 Elienor, 
im Bastart de Bouillon die Synamondeepisode, Belisent im Amis uud 
Amiles , vgl. auch Rosamunda im Paulus Diaconus II 28. Nicht 
vergessen darf werden, dafs bei der ganzen Darstellung eine ge- 
wisse Decenz gewahrt werden mufste. Antike Offenheit wohnte der 
Sage ursprünglich inne, mufste aber verhüllt werden. — Von der 
einen Darstellung der Jugend Karls hat G, Paris H. p. anerkannt, 
dafs sie einen Mythus reflektiert. Lhistoire de Venfance de Char- 
lemagne, teile que la raconte la chronique de Weihenstephan (H. p. 229), 
ressemble trop ä celle de cent autres heros, depuis Krischna jusqu^ä 
Roland, pour ne pas avoir un fond mythique: le jeune dieu grandü 
dans l'obsctD'tte, le plus souvent niiconnu, expose vietne par ses parents, 
eleve au müieic de bergers, de paysatis, reconnu enfin et triomphant, c'est 
sans doute encore Vimage du solei'l sortant des tenebres de Vhiver. Si 
cette partie du recii de la chronique bavaroise etait traduite du fran- 
gais, comme la suite , il faudrait modifier le jugement parte plus haut 
sur notre cpopee, ?nais il est ä peu prh certain qiSil fi'eji est pas ainsi 

(436). 

Hierzu möchte ich Folgendes bemerken. In der Chronik von 
Weihenstephan finden sich ältere und jüngere Teile nebeneinander, 
sie ist eben eine Kompilation. Es ist höchst unwahrscheinlich dafs 
der Teil welcher die Jugendgeschichte Karls erzählt im Wesent- 
lichen nicht fränkischen Ursprungs sein sollte. Nur tiefe innerliche 



STUDIEN ZUR FRANK. HF.LDKNSAGE. 35 I 

Verehrung oder allenfalls Abneigung konnten solche Züge auf 
Karl übertragen. Von der letzteren Alternative ist abzusehen, weil 
das Ganze sympathisch gehalten ist. Ich glaube daher dafs die 
Episode fränkischen Ursprunges ist. Dazu kommt dafs sie sich auf 
das Natürlichste an die vorhergehende Erzählung anschliefst, nach- 
dem einmal die falsche Berta in den Rahmen eingefügt war. Vor 
allem aber scheinen die enfances von Karl, Buovo d'Antona, Aiol, 
Doon, schliefslich Baudouin de Sebourc und auch Perceval so viele 
verwandte Züge zu bieten, dafs man sie als zusammengeh()rig gelten 
lassen mufs. Schöner und natürlicher scheint uns das Verbringen 
der Kindheit in der Tiefe der Wälder, in der P^insamkeit des 
Landes, an der Brust der Mutter Erde von wo ewig neue Kraft 
in die höheren Schichten des Lebens dringt. Aber als Sonnen- 
mythus scheint mir die Version älter zu sein nach welcher der 
Held bei einem feindlichen Fürsten, aus dessen Gewalt er sich erst 
durch List oder Gewalt befreien mufs , aufwächst. Das Durchein- 
ander der Elemente ist überall grofs , man vgl. nur die verschie- 
denen Phasen des Ödipusmythus. Hier verbringt der Held doch 
auch seine Jugendzeit an einem fremden Hofe unter offenbar nei- 
dischen Genossen. Die Änderung der Reali wäre schön dadurch 
motiviert dafs Karl noch in den enfances sich eine Gemahlin er- 
obert, die er nachdem der Mythus in Romantik übergegangen war 
nur an einem fremden, feindlichen Hofe finden konnte. Nach dem 
Gesagten kann ich mich nicht überzeugen dafs wirklich zwei inner- 
lich verschiedene Klassen der ciifances anzunehmen sind. Nun aber 
treffen die H. p. 436 angegebenen Kriterien auf Aiol, Doon, Per- 
ceval durchaus zu und . somit auch auf die allerdings etwas ab- 
weichenden Fälle vom Karl , Baudouin und Buovo. Ich glaube 
darnach ohne Übertreibung Geburt und Jugend Karls im Epos als 
vom Mythus umhüllt bezeichnen zu dürfen. 

Im 2. Buche c. 12 erzählt Gregor von Childerich dafs er auf 
sieben Jahre die Herrschaft über die Franken verloren habe und 
unterdessen in Thüringen unerkannt durch seine kriegerische Tüch- 
tigkeit sich die Liebe der Königin Basina erworben und nach 
seiner Rückkehr mit ihr den grofsen Sohn Chlodowech gezeugt 
habe. Dafs dieses Kapitel nicht rein geschichtlich ist haben längst 
alle Beurteiler erkannt (zu den bei Rajna, Origini 52 f. angeführten 
ist noch hinzuzufügen Giesebrecht in seiner Übersetzung II). Rajna 
(Orig. 145) hat besondi;rs die Identität dieser Erzählung mit der 
entsprechenden Episode im Floovent nachgewiesen und sie dadurch 
in eine unauflösliche Kette mit allen chansons de g. gebracht, 
welche dieses Schema aufweisen. Ich stimme dem von R. An- 
geführten durchaus zu und füge noch einige Anklänge an spätere 
Epen hinzu. Der zurückbleibende Vertraute des Childerich den 
Fredegar Wiomad nennt sendet seinem Herrn ein halbes Gold- 
stück um ihm anzudeuten, dafs die Rückkehr m(')glich ist. Dieser 
Zug hat Ähnlichkeit mit den Wiedererkennungen geschiedener Gatten 
durch halbe Ringe von denen Schanibach-MüUer, Niedersächsische 



352 G. OSTERHAGE, 

Sagen 400, 402, 40g eine Reihe von Beispielen geben (Ztschr. XI 
204). Die Trennung des Ringes ist eben ein Symbol des Winters. 
Ein Ring, wie ein Rad, besonders ein glühendes, oder wie der 
runde Klotz der in England am Weihnachtsabende brannte und 
von dem ein Stück bis zum nächsten Jahre aufbewahrt wurde sind 
Symbole der Sonne. Besonders deutlich zeigt sich das in der 
Artussage, z. B. im Lancelot, vvo durch den Ring der Göttin des 
Sees jeder Zauber, schauerliche Finsternis mit unheimlichen Auge 
und Ohr erschreckenden Erscheinungen, die Nacht eben, gehoben 
wird. Das Goldstück dürfte den Ring hier vertreten. Ich habe 
schon früher (Ztschr. XI 4 ff.) solche gewöhnlich siebenjährige Fahrten 
der Helden als Reflexe eines Odinmythus bezeichnet, nach Grimm, 
Schambach-Müller, Prutz, Mannhardt u. a. — Dieser Wiomad giebt 
nun dem Römer Aegidius, welcher während der Abwesenheit des 
Childerich die Franken regiert die verrücktesten Ratschläge die 
jener getreu befolgt und die ihm natürlich bald die Herzen der 
Franken gänzlich entfremden. Der Redaktor hat wie es scheint 
das Stulti sunt Romani, sapienti Franci illustrieren wollen (Orig. 
56). In der ganzen Sache kann ich nicht umhin bei aller Ver- 
schiedenheit im Einzelnen eine gewisse Verwandtschaft mit der 
Hamletsage , wie sie bei Saxo erscheint , zu entdecken , noch eher 
aber wohl mit der Gioneepisode in der Spagna rimata. Gione 
stellt sich irrsinnig [maito) und so wirkt er während der Abwesen- 
heit des Kaisers in dessen Interesse gegen einen Verräter in Paris 
der ihm Krone und Gemahlin rauben will, bis Karl auf dem Zauber- 
rosse eines Dämons in einer Nacht aus Spanien zurückkehrt. Auch 
hier komme ich wieder auf jenen Odinmythus (Ztschr. XI 8 f.). — 
Bevor ich auf die Besprechung der wichtigsten Person, der Basina, 
übergehe möchte ich noch auf den Mythus hinweisen der sich in 
der Sage von dem Ringe in dem Leichnam der Gemahlin Karls 
von dem er sich nicht trennen kann spiegelt. Der Kadaver ist die 
winterliche, tote Erde. Der Ring im Munde ist das Ebenbild der 
Sonne, welches sie gewissermafsen von den früheren Umarmungen 
in sich trägt, der Keim eines zukünftigen Lebens. Karl ist an die 
Stelle des Sonnengottes getreten der ja auch im Winter die Erde 
nicht ganz verläfst, weim auch seine Umarmungen fruchtlos sind. 
Dafs die Trennung schliefslich doch erfolgt ist ein die Sage ab- 
schliefsender Zug der dem Mythus natürlich fremd war. 

Das Volk verlangte Chlodowechs Geburt besungen zu hören, 
wie die des Merow^ech , der Amaler bei den Gothen u. s. w\ Die 
Träger des Gesanges hatten dazu ein Schema zur Verfügung, 
welches von der früheren Religion geboten wurde und schon mit 
kleinen Änderungen oft gedient hatte, ein Prokrustesbett dem sich 
die Gestalt der Basina einfügen mufste. Das w^ar die oft variierte 
Werbung des Odin-Zeus, in seinen Verjüngungen als Freyr, Sigurd 
u. a. Das ist es was ich im Folgenden wahrscheinlich zu machen 
habe. — Basina hat Aehnhchkeit mit der Guiborc in der Guil- 
laumesage. Wie diese ist sie die Gemahlin eines Fürsten, während 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 353 

sonst die Heldinnen dieses Schemas gewöhnlich Jungfrauen sind. 
Sie ist aber auch wie Jene eine Zauberin , indem sie ähnlich der 
Guiborc in der Brautnacht allerlei Tiere erscheinen läfst. Das ist 
doch schliefslich der Sinn der Erzählung des Fredegar, denn sonst 
könnte sie ja gar nicht wissen was draufsen vorgeht. Dieser Punkt 
ist von grofser Wichtigkeit. Wer Zauberin sagt, sagt Göttin. Der 
Zauberer stellt sich gewissermafsen noch über seine Götter (vgl. 
XI 342). Das Hervorzaubern ist ein Bild, ein Zerrbild des g(')tt- 
lichen Schaffens. Von dem Zauberer verlangt der Polynesier, der 
Neger, der Indianer Regen, Gedeihen der Früchte, Gesundheit 
u. s. w. Man vergöttert ihn wie die Fürsten, besonders nach dem 
Tode in dem allgemein verbreiteten Ahnenkult. Freilich wird er 
auch oft genug getötet, wenn er kein Heil schaffen kann, aber 
seiner halbgöttlichen Würde thut das keinen Eintrag. Auch den 
Fetisch das Symbol der Gottheit zerbricht man wenn er das Gebet 
nicht erhört hat, wie in den chansons Karl manchmal das Kreuz 
zerbrechen will , wie der sarazenische Fürst mit dem Gotte des 
Blitzes Krieg führen will Coronement L. 5150". , wie ja auch der 
Christ Gott flucht i^Je Vexhre votre Dieu, Charles i?i Madame Bo- 
varj'). Andererseits suchte man des Zauberers oder der Zau- 
berin Kraft in sich aufzunehmen durch Genufs des Fleisches {Si 
qtiis a diabulo decepius credideril, secundum morem paganorum , virum 
aliquem aut feminam strigam esse et homines commedere, ' et propter hoc 
ipsam incenderit, vel carnem ejus ad commedendum dederit , vel ipsam 
commederit, capitis sentetitiae punietiir. Gap. Paderbr. 6, Pertz I-egum I 
48). Religiöser Kannibalismus ist noch jetzt sehr verbreitet (Gloatz 
956, 975. 988, QQ4, 1Q31 u. s. w.). Vielleicht hat er überhaupt 
nur religiösen Ursprung. Vor allem wünscht- man natürlich der 
Kraft eines halbgöttlichen Wesens oder eines Symbols der Gottheit 
teilhaftig zu werden (vgl. Ztschr. XII 370). So macht denn Saxo 
der die Gottheit euhemeristisch zu erklären sucht den Odin zu 
einem König zugleich und zu einem Zauberer, die also der Gott- 
heit am nächsten stehen. Hiermit stimmen auch die Ausführungen 
von Grimm M.* 861 ff. Wie die Zauberer und Zauberinnen dem 
Bittenden subjektiv hold oder unhold sich zeigten, wurden sie ob- 
jektiv in zwei Klassen eingeteilt, edle, weissagende Frauen, die die 
schönsten Sinnsprüche geben, Wala und Brunhilde in der Edda, 
oder in böse, dem Riesengeschlecht angehörige, wobei die Über- 
gänge z. T. noch sichtbar sind oder wenigstens durchschimmern, 
wie selbstverständlich. 

Eie J^pisode Childerich-Basina hat aber nicht nur Ähnlichkeit 
mit dem Cyclus Guillaume d'Orange sondern auch mit der Er- 
zählung von Odin und Rinda bei Saxo (Holder 78 ff".). Es handelt 
.sich vor Allem darum dafs die in der Ferne in der Verbannung 
erworbene Basina den grofsen Chlodowcch gebiert, wie die Rinda, 
Ruthenorum regis filia, den Rächer des Balder. Gerade die Mo- 
mente aus denen Rajna auf die Identität des Floovent mit Childe- 
rich schliefst, dafs sie beide unerkannt im fremden Lande weilen, 



354 G. OSTERHAGE, 

sicli durch ihre Kriegsthaten die Gunst des fremden Königs bzw. 
der betreffenden Frauen erwerben, treten bei Saxo markig hervor : 
Oihinus OS pileo, ne culiu proderetur, obnub-ens, predictiim i-egem sti- 
pejidia vieriturus accedit. A quo magister, militum effeclus, recepto ex- 
ercilu, pulcherrimam ex hosiibus vidoriam retiilit. Quefti rex . . . in 
primum amicicie gradum adcivit etc. (78). Auch die Edda kennt 
um das gleich zu erwähnen den Vorgang, Wegtamskwidha 11: 
Rindur im Westen (!) gewinnt den Sohn u. s. w. Rinda zählt zu 
den Asinnen, Gylfaginning 36. Zwei Einwände gegen diese Gleich- 
stellui:ig sind leicht zu widerlegen. In der Childerichsage sind zwei 
Momente vereinigt die bei Saxo getrennt sind die Verbannung und 
Erzeugung des künftigen Heros, bezw. der Gewinn seiner Mutter. 
Simrock hat die Trennung bei Saxo zu begründen versucht, indem 
er sagt erst nach dem Wiederanfange des neuen Lichtjahres folge 
die strenge Kälte, die Verbannung des Odin, die Herrschaft des 
UUerus. Ich halte das für zu künstlich und gewagt. In den 
Chansons sind die beiden Schemata meist getrennt , zuweilen ver- 
einigt, wie in der ersten Fahrt Karls nach Spanien. Sie werden 
offenbar frei verwandt. Besonders gern tritt die Trennung be- 
kanntlich nach ganz kurzem ehelichen Zusammenleben ein. Nach 
meiner Ansicht hat Saxo sie getrennt weil er in seiner weitläufigen 
Darstellung beide Motive anbringen wollte und weil ihm viele 
Fahrten des Odin wie des Thor vorschwebten. Karl macht ja 
auch drei solcher „Ostfahrten", zwei nach Spanien eine nach dem 
Orient. Der Unterschied ist ganz harmlos. Vielleicht erscheint 
der zweite Einwand erheblicher. Die fränkischen Heroen gewinnen 
ganz ohne Mühe die Liebe der Heldinnen , Odin aber mufs zur 
List (Verkleidung) und schimpflicher Gewalt greifen. Darauf ist 
zu erwidern, dafs bei Saxo handgreiflich die Tendenz vorwaltet 
den Odin in jeder Weise zu schmähen und dafs ihm diese Ge- 
legenheit ihn herabzusetzen besonders zusagen mufste, da er die 
Sache mit so behäbiger Breite vorträgt. Vielleicht aber liegen 
noch andere Gründe vor. Wenn er die Verkleidung Odins als 
Mädchen, welche nach Bugge der Neoptolemossage, entnommen 
Sern soll , verwerten wollte , so mufste natürlich eine energische 
Weigerung der Geliebten vorangehen. Dann zeigen aber auch die 
Göttinnen der Edda zwei Seiten, einmal sind sie schwer zu ge- 
winnen, wie Brunhilde, dann wird ihnen wieder grofse Leichtfertig- 
keit und Neigung zu Buhlereien vorgeworfen. Es kann dies direkter 
Redex des Mythus sein, der in Island natürlich etwas andere 
Formen annahm als bei den Franken (Dahn, Urgeschichte 1 125). 
Die Identität der beiden Sagen kann darnach nicht wohl bestritten 
werden. Sie erstreckt sich besonders auf 5 Punkte: Aufentlialt in 
einem fernen wilden Lande, Incognito des Hetoen, überraschende 
Thaten im Kriege, Erwerb einer Frau, hohe Bestimmung des Nach- 
kommen. Darnach ist die Möglichkeit ausgeschlossen, dafs die 
ganze Erzählung des Saxo antiken Sagen entnommen ist. Es mufs 
wenigstens ein Stamm auf den das entlehnte Reis gepfropft werden 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 355 

konnte in deutschen und nordischen Sagen vorhanden gewesen 
sein. Nebenbei bemerkt ist das bei den sämtlichen von Bugge 
besprochenen Mythen nach meiner Ansicht der Fall, auch bei dem 
Baidermythus. Übrigens scheint Bugge selbst zu empfinden dafs 
gerade hier seine Beweisführung nicht ganz stichhaltig ist. Was 
sich aufser diesen wesentlichen Teilen in der Erzählung des Saxo 
findet, also besonders die Verkleidung Odins als Weib mag antike 
Elemente enthalten. Wenn aber nach Bugge die Verkleidung zu 
den ursprünglichsten Gliedern der Sage gehören und doch das 
Ganze entlehnt sein soll, so stände man allerdings vor einem Rätsel. 
Aber alle Verkleidungen Odins als Harbard, im Gespräch mit 
Wafthrudnir, alle in den Epen vorkommenden Verkleidungen können 
doch nicht gut der Neoptolemussage entnommen sein. Gern will 
ich zugeben dafs Bugge in diesem speziellen Falle Recht hat wenn 
man die Verkleidung als Mädchen als spätere Zuthat gelten läfst. 
Jedenfalls beruht sie aber dann auch hier nicht darauf, dafs der 
Inhalt des Dares und Statius seit Jahrhunderten den Nordleuten in 
Fleisch und Blut übergegangen war, sondern einfach darauf dafs 
der gewandte und belesene Saxo sie direkt entlehnt hat, um den 
von ihm immer geschmähten Odin wieder einmal in ungünstigem 
Lichte erscheinen zu lassen. 

Eine wichtige Rolle spielt bei Saxo der Rosthiophus Phiniucus, 
besonders wenn nach der älteren fränkischen Sage die beiden 
Fahrten zusammenfielen. Er prophezeit Odin dafs er von der 
Rinda den Rächer des Balder gewinnen werde, wirkt also als Haupt- 
helfer in Odins Interesse. Nach Bugges Angabc hat Propst Fritz- 
ner diesen finnischen Rofsdieb mit dem zauberkundigen Basin, der 
auch Rosse stahl, zusammengestellt, eine Vermutung der ich durch- 
aus beistimme und die ich von anderen Gesichtspunkten beleuchten 
werde (Bugge, übers, v. Brenner 148). Der Diebe die mit Heroen 
und mit (Jdin so vertraut verkehren kennen wir aufser diesem Rofs- 
dieb mehrere, Maugis, Basin-Elegast , den halb^öttlichen Galopin 
(Ztschr. XI 338), die Diebe in Parise la duchesse (XI 207). Dafs 
sie Windg()tter sind habe ich in meinem Aufsatze über Renaut zu 
beweisen versuclit. Dazu würde passen dafs sie gern Rosse stahlen, 
denn die wilde Jagd ist ja ihre Domäne, wobei Rofsschenkel aus 
der Luft herabgeworfen werden. Die Winddämonen sind dem 
Gotte des Sommers, der Sonne naturgemäfs bald freundlich, bald 
feindlich, daher die unklare Stellung der vier Haimonskinder, des 
Basin-Elegast, der Kyklopen gegenüber dem Sonnenhelden Herakles. 
Die R(ille des Basin welcher Karl in der bekannten Weise rettet 
als die Pairs ihn ermorden wollten fasse ich folgendermafsen auf 
Bei Eintritt der schlimmen Jahreszeil suchen ein oder mehrere feind- 
liche Dämonen den Gott des Sommers zu töten, zu vertreiben 
oder zu verbannen. Man vergleiche ägyptische, griechische und 
germanische Sagen, auch Ztschr. XII 366 ff. Die Wendepunkte der 
Jahreszeiten sind in unseren Breiten die Perioden der Äquinoctial- 
winde, welche die Sommerwärrae entführen und wiederbringen, hu 

ZeitMclir. f. roiii. l'liil. XIV. 23 



356 J. OSTERHAGE, 

Mythus retteten darnach die Dämonen der Stürme den sommer- 
lichen Gott, den Himmelsgott im Allgemeinen, vor den sein Leben 
bedrohenden winterlichen Mächten, die in der Sage als böse Väter, 
Brüder, Vassalien u. s. w. sich reflektieren. Es scheint überall ein 
Schwanken zu walten, ob man diese diebischen Dämonen freund- 
lich oder feindlich auflassen sollte ; Basin galt als Karls Feind, denn 
nach einer Version war er von ihm verbannt worden, wie Maugis, 
und der finnische Rofsdieb war sonst als Zauberer und Jötun (nach 
Bugge) wohl auch nicht gerade ein Freund des Odin. Die Her- 
leitung des Rostiophus aus Proteus erscheint Bugge wohl selbst 
etwas gewagt, was bleibt auch schliefslich noch von dem griechi- 
schen Namen, wenn die Volksetymologie so vollständig gesiegt hat? 
Dafs der Jötun gerade durch Prophezeihung Odins Interesse 
fördert , mag entlehnt sein , wahrscheinlich kommt mir diese An- 
nahme bei der bekannten Weisheit der Jötunen nicht vor. 

Die Motivierung der Verbannung des Childerich bei Gregor 
und Fredegar gehört wohl auch der Sage an. In gesellschaft- 
licher Beziehung war man Fürsten gegenüber wohl nicht so pein- 
lich. Macduff" sagt zu seinem Fürsten you may convey your plea- 
stires in a spadous pknty. Den Negerfürsten ist überall die Poly- 
gamie gestattet. Viele Ethnologen haben ja ein jus p7-imae n. bei 
halbcivilisierten Völkern zu Gunsten der Fürsten finden wollen. 
Nach Germ, 1 8 waren die Germanen hier auch mehr als nachsichtig. 
Dafs die dem Childerich zur Last gelegten Ausschweifungen als 
Sage aufzufassen sind, glaube ich annehmen zu dürfen. Childe- 
rich und sein Sohn Chlodowech herrschten an der Somme und 
Maas und wenn es schon an sich wahrscheinlich ist dafs die Franken 
ihre Sagen aus ihren alten Sitzen mitgebracht haben , so liegt es 
besonders hier nahe anzunehmen, dafs eine diese Fürsten betref- 
fende Sage in ihrem Stammlande entstanden ist. Recht eigentüm- 
lich scheint es mir nun dafs an der Somme und Maas auch die 
ganz ähnlichen (Rom. XIII 603) Hugues Capet und B. de Seboürc 
betreffenden Sagen lokalisiert sind, und ich habe schon gelegentlich 
angedeutet dafs die Spanier ihre Don Juan-Sage, welche soviel ich 
weifs erst etwas nach der Reformation erscheint, aus dem südlichen 
Belgien entlehnt haben können. Diese Erscheinung findet eine 
durchaus befriedigende Erklärung in meiner Ansicht über die Sage 
von den Haimonskindern (vgl. die Ausführungen Ztschr. XI 201 f.. 
Über einige eh. des Lohengrinkreise 10 — 13). Ähnliche Sagen 
finden sich freilich auch anderswo. Dafs aber z. B. die Lukretia- 
sage von den hier besprochenen charakteristisch verschieden ist, 
wird wohl unbedenklich zugegeben werden, ebenso die von Frede- 
gar kurz vorher (III 7) erwähnte Beleidigung des Lucius in Trier 
durch den Imperator Avitus. 

Ich komme zur Erörterung der Hauptfrage, ob der Gewinn einer 
Frau in der bekannten eijrenartisfen P'orm als Reflex eines Sonnen- 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 357 

mythus angesehen werden darf, und ich glaube sie bejahen zu 
k()nnen. 

Alle Religionen — die drei grofsen expansiven lasse ich aus 
dem Spiel, schon weil es uns hier nur auf die europäischen an- 
kommt — sind Naturmythen. Darüber sind Philosophen, Theo- 
logen, Anthropologen einig. Ein Zwiespalt fängt erst da an wo 
die einen behaupten dafs die Urreligionen den Zustand des Ab- 
falles von einer Uroffenbarung bezeichnen , die anderen dagegen, 
dafs die Annahme einer ursprünglichen Vollkommenheit nicht ge- 
rechtfertigt ist. Ich führe PHeiderer an, welcher nach eingehender 
Würdigung der bekannteren philosophischen Systeme über die Ur- 
religion, über den Stoff an den die lünbildungskraft die religi()sen 
Gefühle bei ihrem ersten Auftauchen anknüpfte, bemerkt: „es kann 
offenbar kein anderer sein als derjenige, welcher dem Menschen 
auf dieser ursprünglichsten Stufe der Natürlichkeit überhaupt allein 
zu Gebot steht, die äufsere Welt, die sinnlich wahrnehmbaren Gegen- 
stände und Vorgänge der Natur . . . Wie wäre es daher anders 
möglich als dafs sein Abhängigkeitsgefühl sich auf die sein Inter- 
esse in jeder Beziehung fesselnden Gegenstände und Vorgänge der 
Natur richtete, dafs also diese Gegenstände ihm zu Göttersyrabolen, 
diese Vorgänge zu Göttergeschichten oder Mythen wurden?" 
(die Religion II 8i). Gloatz (Spekulative Theologie 1883 I 85 f.) 
giebt kurz folgende Hauptentwickelungsstufen des religiösen Be- 
wufstseins an : Vorwiegender Ahnenkult — aber immer in Ver- 
schmelzung mit Naturmythen — bei den afrikanischen Völkern, 
reichere Mythologie bei den Malayen, Sonnen- und Ilimmelskult 
bei den Ostasiaten, Gestirndienst der Westasiaten, Himmelsmythos 
der Indogermancn. Die Lektüre dieses Werkes ist allen denen zu 
empfehlen , welche wie Rajna (Origini 8) glauben, dafs die Furcht 
keinen grofsen Einflufs auf die Bildung der Religionen gehabt 
habe. — Bastian (Heil. Sage der Poiynesier; Einl. bes. S. 3) nennt 
das Werden der Mythen „die mikrokosmische Wiedersch()pfung des 
Makrokosmos". Die Annahme einer ursprünglichen Vollkommenheit 
berührt die ethnologischen Thatsachen nicht. Der Hauptpunkt ist 
der Übergang von der Religion zur Plpopee. Rajna behauptet es 
läge ein Abgrund zwischen Mythus und Ej)opee (10), nach meiner 
Ansicht sind Mythus und Epopee ursprünglich Eins, bei der fort- 
schreitenden Entwickelung des GottesbegrifTes gingen sie weiter und 
weiter auseinander und schliefslich drang der reinere GottesbegritV 
in so weite Kreise dafs eine I'.popee überhaupt nicht mehr mög- 
lich war und das Kunstepos ihre Stelle einnahm. Der Goltesbegriff 
wird, wie Rajna erklärt, die Epopee ist aber von vornherein ein 
abgeklärtes, litterarisches Gebilde, welches in vorlitterarischer Zeit 
im (Gedächtnis, später in der Schrift fixiert ist. Der Mensch, der 
Held, ist anthroporaorphisch älter als seine G()tter, im Epos aber, 
welches immer das Werk eines reflektierenden Künstlers ist, er- 
scheint die Gottheit als die ältere Macht, der Heros als ihr Kind 
oder Schützling. Der Mensch versetzt intellektuell sich in den 

23» 



350 G. OSTERHAGE, 

Makrokosmos, er schafft sich eine neue Sonne indem er sie über- 
legen und handeln läfst wie er, neue Naturmächte indem er ihnen 
Selbstbewufstsein beilegt. Materiell aber versetzt er seine Vorfahren 
vor allem aber die seiner Fürsten, in die kosmischen Potenzen oder 
in die Tierwelt ; daher belebt sich für ihn Himmel und Erde, Wald, 
Gebirge und Flufs mit Geistern, wohlthätigen oder bösen, die 
letzteren überwiegen, je tiefer der allgemeine Stand der Entwicke- 
lung des Stammes ist. Die Ahnen aber leben weiter wie hier, sie 
gebrauchen Speise und Kleidung, Waffen, Diener und Frauen, sie 
kämpfen, lauern ihren Feinden auf, schützen und lieben. Wenn 
also ein Dichter einen lebenden Fürsten besingen wollte so konnte 
er ihn nicht anreden denn als Sohn eines Gottes und wenn er ihn 
nur etwas idealisieren wollte, so mufste er ihn doch den Sohn des 
Sturmes , des Flusses , bei gröfserer Devotion Sohn der Sonne 
nennen, wie der Hofpoet von Dahomey seinen Herrn. Was er 
also auch besang, es waren religiöse Handlungen , pries er seine 
Siege so waren die Feinde Gegner des guten Dämons oder seines 
Sohnes, schwarze Mächte ; besang er seine Herkunft selbst so war 
seine Mutter Genius einer milden, gütigen Macht, des Mondes, des 
Landsees, des ruhigen Meeres, vor allem aber die Erde selbst, Gäa 
die ursprünglich mit dem Überhimmel, Uranus, vereint gedacht wurde 
(Heil. Sage loo). Die polynesische Aphrodite Brilai (ib. 109) wohnt, 
wie die griechische Göttern und Menschen bei, und von ihr geht 
eine „theogonische Kosmogonie und zugleich eine Heroogonie" aus. 
Für die afrikanisch-polynesischen Stämme fliefst also Mythus und 
Epopee ineinander. 

Aber auch in den indogermanischen Epen ist Mythus — 
Religion und menschliches Handeln aufs innigste verknüpft. In 
keinem Epos wirkt der Held mit freier Selbstbestimmung. Stets sind 
die treibenden Kräfte übernatürliche. Im Homer sind es die Pfeile 
des Apollo und die Beratungen der Götter, in den Nibelungen die 
Thatsache dafs Siegfried bei der Vermählung der Erunhilde ge- 
wissermafsen als Heimdall-Rigr auftritt und die Erinnerung an 
Odins Bestrafung der Brunhilde ; in der Ch. de Rol. hat der ganze 
Zug religiöse Motive — das ergäbe sich wenn es sonst nicht klar 
genug gesagt würde schon aus den Schlufsworten wo Karl gegen 
seinen Willen geheifsen wird eine ähnliche Fahrt zu unternehmen — 
und im Einzelnen haben die Heroen Schwerter von Gott, wie sie 
Odin verschenkte, ein Engel tritt im entscheidenden Kampfe auf, 
wie eine Walküre. Der Verrat dürfte auch mythisch sein, er läfst 
sich jedenfalls geschichtlich nicht erklären, rein menschlich auch 
nicht — der Versuch den ich selbst in dieser Beziehung gemacht 
habe, beruhte auf gänzlicher Verkennung des Unterschiedes der 
primitiven und modernen Poesie, der Poesie die vom Allgemeinen 
zum Besonderen geht und der des Cervantes und Shakespeare, die 
umgekehrt verfährt, kurz gesagt der des Makrokosmos und des 
Mikrokosmos. — Dafs diese Bemerkungen über die religiösen Flaupt- 
motive eines Epos richtig sind, wird am besten bestätigt durch die 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 359 

Auffassung welche Virgil, Tasso, Milton, Klopstock deutlich kund- 
geben. 

Und wenn nun endlich das Epos die reine Geschichte wäre, 
dann müfste erst recht die Verbindung von Religion und Herrscher- 
würde eine enge sein. Überall finden wir den Zauberer neben 
dem Hcäuptling, den Priester neben dem Könige. AulYallen werden 
uns nur solche Perioden in der Geschichte wo dieses Band zer- 
rissen wird, sie prägen sich wegen der ihnen eigenartigen Kämpfe 
dem Gedächtnisse mehr ein, aber normal sind sie nicht. Nun will 
ich gern zugeben dafs für gewöhnlich der „Egoismus" wie Rajna 
irgendwo bemerkt in der Geschichte das bewegende Moment ist 
ist und der Priester nur sekundiert. Dabei ist aber nicht zu über- 
sehen, dafs der Egoismus wenigstens als luidämonisraus von dem 
abstrakten Dogma abgesehen auch in jeder Form der Religion so- 
fern sie von iNIenschen geübt wird eine Hauptrolle spielt, und dafs 
jedenfalls in einer litterarischen Darstellung jedes grofsen Ereig- 
nisses wenn sie für eine gröfsere Menge berechnet ist der Redaktor 
immer den allgemeinen religiösen , philosophischen Gesichtspunkt 
voransetzen mufs und voransetzt, der natiole, der Stariames- oder 
Racenegoismus reicht nie ganz allein dazu aus die mafslosen Opfer 
neben dem erreichten Resultate als begründet hinzustellen Darum 
ist auch in der ganzen Geschichte, d. h. in der Darstellung des 
Geschehenen die Religion das wichtigste Objekt so bald die Vor- 
gänge zeitlich von uns hinreichend entfernt sind dafs unsere per- 
sönlichen Interessen in keiner Weise mehr berührt werden , also 
nicht bei den Griechen, wiegen der Kunst, und nicht bei den 
Römern wegen ihres Rechts, oder auch der Kirchengewalt. Bei 
allen orientalischen Völkern interessiert uns ihre äufsere Kultur ge- 
wifs auch, aber in weit höherem Grade ihre Religion. Die religiö- 
sen Anschauungen der Veden , die Reformation des Budha, der 
Feuerkultus und Gestirndienst sind für unser Wissen unendlich 
wichtigere Objekte als alle Kämpfe der Dynastieen, und die Er- 
oberungen grofser Provinzen. Dafs es überall berühmte Krieger 
gab, d. h. auf die INIenge auch äufserlich fascinierend wirkende 
Intelligenzen offensiven Naturells, ist selbstverständlich für uns, und 
ist von dem Augenblicke ihres Hinscheidens an als das minder 
Wichtige aus dem Gedächtnisse der Menschen langsam aber sicher 
entschwunden ; nur die Namen blieben haften , die die Dichtung 
mit dem Göttlichen in Verbindung brachte. 

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen führe ich nun auf 
Grund der Annahme eines Uranos-Gäaraythus für die mythische 
Auffassung der besprochenen Episode folgende Gründe an. In 
der antiken Mythologie tritt die Bedeutung der Verbindungen von 
Göttern und Göttinnen, von Heroen mit göttlichen Wesen oder 
Halbgöttern u. s. w. noch ziemlich klar hervor. Bald wird die Braut 
erkämpft, bald durch Gewalt und List, bald durch List allein ge- 
wonnen. Ganz ähnlicher Art wenn auch weniger zahlreich und 
kürzer berichtet sind die Liebeleien Odins auf welche in der l'xlda 



360 G. OSTERHAGE, 

wiederholt hingewiesen wird. Da nun die Heroen in beiden Ge- 
bieten von den Göttern ihren Ursprung haben so sind ihre Kämpfe 
gegen feindliche Väter oder Brüder in deren Gewalt sich die ihnen 
geneigten Schönen befinden wohl ebenso zu erklären wie bei den 
Griechen. Der historische Name wurde in das feste Schema ein- 
gefügt und kleine Änderungen vorgenommen; übermäfsig haben 
sich die Redaktoren nicht angestrengt. Das meiste that für sie die 
lebendige Tradition die sich besonders in zwei Richtungen erhielt. 
Die Fürsten haben wie aus Täcitus klar hervorgeht ein ihnen gern 
zugestandenes Deflorationsrecht oder wenn man will (Schmidt 
Ztschr. für Ethnologie 52 und sonst) ein ihnen aufgedrängtes Onus 
dieser Art. Die Beispiele aus halbwilden Stämmen sind bekannt 
genug. Sie galten eben als Nachkommen jenes allgemein arischen 
Himmelsgottes dem auch in dieser Beziehung alle Wesen unter- 
than waren. Eine zweite Art der Tradition erhielt sich in den 
Frühlings- und sonstigen Festen, wo die Verbindung eines männ- 
lichen und weiblichen Prinzips deutlich durch Menschen symboli- 
siert wurde. Hier könnte man sehr gut nicht nur eine Analogie 
sondern die wirkliche Quelle dieses Schemas suchen. Diese Jahres- 
feste sind von Mannhardt (F. u. W. K. I) im 4. und 5. Kapitel 
•S. 311 — 496 ausführlich besprochen worden (vgl. Ztschr. XII 366). 
Überall ist wesentlich ein Paar als Symbol der Sonne, des Himmels, 
und der empfangenden Erde, meistens auch die Vorstellung von 
einem Kampfe in milderer oder schärferer Form um den Besitz 
des weiblichen Symbols. Diese Feste sind in ganz ähnlicher Weise 
durch Jahrtausende begangen worden. Es ist ja gerade der Grund- 
zug des IMannhardtschen Werkes dafs er die heute hoch vor- 
handenen Erscheinungen durch die Jahrhunderte in Verbindung 
setzt mit antiken Sitten und Festen, wobei ja selbstverständlich viele 
Glieder fehlen, aber die Elemente sind so einfach dafs man solche 
Feste auch nach halben Andeutungen unbedenklich annehmen darf. 
Die französische Kritik hat dies auch ausdrücklich anerkannt (z. B. 
Revue celtique III 502 Gaidoz) und nur beciauert dafs in Frank- 
reich auf diesem Gebiete so wenig geleistet werde und dafs Mann- 
hardt für französische Sitten direkt sammeln mufste. Ausdrückliche 
Zeugnisse dafs derartige Feste gefeiert wurden glaube ich in den 
Kapitularien zu finden (vgl. auch Gieseler Kirchengeschichte I 2, 
455 über Concilienbeschlüsse die darauf hinweisen). Die folgende 
Stelle (vgl. Ducange, brunaticus, maida) scheint sich auf den Anfang 
des neuen Lichtjahres zu beziehen : De pravos illos homines qiä 
brunaticus colunt, et de hottmtibus suis subtus jnaida cerias incen- 
dunt, et votos vovent . . . (cap. Longobard. a 786. Pertz legum. I 51). 
Ganz besonders aber glaube ich hier solche Stellen verwerten zu 
dürfen wo von spurcitiae gentilitatis (z. B. Pertz I 33) die Rede ist, 
oder von spurcalibus in Februario (19), weil diese Ausdrücke doch 
immerhin den (Jedanken an geschlechtliche Dinge iiahe legen; 
und dafs die Frühjahrsfeste zur Zeit der Menschenopfer weniger 
zart gefeiert wurden als heute , darf man wohl annehmen. Diese 



STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 36 I 

Volksfeste an den W'entlepunkten der Zeiten waren wohl, wenn man 
nach den Gebräuchen der am tiefsten stehenden Völker schliefsen 
darf, die erste instinktive Regung des rehgiösen Volksbewufstseins, 
sie haben sich , wie aus den Überlieferungen klar erhellt am 
zähesten erhalten, als Erinnernng an die gröfste Kulturthat vor- 
christlicher Zeit an die Schöpfung einer Rehgion. Ihr Einflufs auf 
alle drei Gattungen der Dichtung ist nach meiner Ansicht evident, 
auf die Lyrik unbestritten, auf die Dramatik, die aus ihnen erwuchs, 
auf die Epik in den beiden Punkten : Kampf gegen die Verräter, 
Kampf um die Fürstin. 

Was nnn die von Rajna (O. 81) wie es scheint doch zum Be- 
weise für die von ihm aufgestellte Behauptung dafs die Heroen sich 
eine Frau erobern d. h. rauben, aus der Geschichte der Longo- 
barden entnommenen Beispiele angeht so sind sie alle drei wohl 
kaum mit unserem Falle zu vergleichen. Um die Theudelinde für 
Authari zu werben geht eine Gesandtschaft nach Baiern, der sich 
der Bräutigam unerkannt anschliefst. Das erste war der regel- 
rechte Weg bei fürstlichen Heiraten, Gregor bietet solche Fälle 
ohne alles phantastische Beiwerk in Menge (u. a. IV 9, 25, 26, 27, 
28, 38, VI 18, 34, vgl. IX 16, 20, 25). Als germanische Fürsten 
auf römischem Boden Herrscher geworden suchten sie sich nicht 
nur die Rechte sondern auch das äufsere Auftreten der Imperatoren 
anzueignen , was mit beinahe greisenhafter Nüchternheit durch- 
geführt bei den Ehen alle Romantik ausschlofs. Die sagenhaften 
Züge bei dem Werben um die Theudelinde hat Paulus deutlich 
genug den Berichten Gregors über Basina und Chlotilde ent- 
nommen und durch kleine Änderungen die Sache des Geheimnis- 
vollen und Wunderbaren vollständig entkleidet. Ebensowenig geht 
der Raub der Rosemunda uns hier etwas an. Sie hat nicht die 
mindeste Ähnlichkeit mit den Heldinnen des 3. Schemas. Die 
ganze Erzählung des Paulus dreht sich überhaupt nicht um sie die 
als kinderlos hier gar nicht in Betracht kommen konnte, sondern 
um den als Becher benutzten Schädel und um die Rache für diese 
Entweihung des Todes die dem Christen allerdings etwas grauen- 
volles war. Die Erzählung spiegelt jedenfalls alte Sitte wieder, in 
Afrika findet sie sich noch häufig genug, und insofern ist sie ja 
wertvoll, aber nicht für unseren Fall. Überhaupt konnte sich eine 
solche Sage bei den Longobarden nicht festsetzen, weil ja fort- 
während neue Dynastien aufkamen und durch die häufige Kinder- 
losigkeit der Konige gefährliche Unsicherheiten in der Thronfolge 
eintraten. Hätte Theudelinde einen Chlodow^ech geboren, so würde 
Paulus wohl im Volksmunde eine bessere Sage über ihre Hochzeit 
gefunden haben, die er jetzt mitteilt ist ein Produkt der Gelehr- 
samkeit. — Schon in den ältesten Zeiten wurden die Werbungen der 
Königssöhne oder Töchter wie die Schwertleite der edlen Jünglinge 
in den (iauversammlungen mit einer gewissen P'eicrlichkeit begangen 
(Dahn, Urgeschichte I 8q, vgl. Könige der Germ. 1 18). Aus dieser 
Sitte konnte man auf eine Verherrlichung des Frauenraubes nicht 



362 G. OSTERHAGE, STUDIEN ZUR FRANK. HELDENSAGE. 

wohl gelangen, am wenigsten auf eine so komplizierte eigentümliche 
Form der Eroberung wie sie in der Siegfriedsage vorliegt, die Kajna 
doch auch von den anderen Fällen nicht -trennen will (Origini 80). 
Ich bleibe somit auch hier bei meiner früher (XI 4 flf.) geäufserten 
Ansicht. Die Epopee hat fast überall einen historischen Kern, der 
Helden Name, Kampf und Erfolg sind Thatsachen, aber die Volks- 
sage hat sie mit dem Schimmer des Göttlichen umgeben. Ihre 
Abstammung von den Göttern läfst sie auch für ihre Söhne eine 
göttliche Mutter gewinnen, ihre Kämpfe in der Nähe sind gegen 
finstere Mächte gerichtet, in der Ferne sind sie den Fahrten der 
Götter ebenbürtig. 

G. OsTERHAGE. 



Etymologisches. 

(Forts. Ztschr. XHI 404.) 

18. franz. inazelte 
verzeichnet Littrc mit den folgenden drei Bedeutungen: i" Me- 
chant petit cheval. Also nicht eigtnitlich, wie in deutschen W(')rter- 
büchern angegeben wird, Schindmähre, Kracke, worin der BegriiT 
der Kleinheit nicht hervortritt. 2*^ Celui qui manque de force, 
d'ardeur. 30 Personne inhabile a quelque jeu qui demande de la 
combinaison ou de l'adresse. Diez bringt E. W, IIc Frisch's Her- 
leitung aus deutschem malz, ungeschickt, Klotz „ein matzicht pferd, 
ein matziger kerl". Littre fragt im Dict. „ÄInzet, diminutif de tnaze, 
fourmi, vient-il de l'allemand Ameise, fourmi?" G. Paris (Rom. III) 
erinnert an dial. ital. mazeta , Dirainut. von mazza, Stock, wozu 
sich das franz. Wort begrifflich verhalten würde, wie btu-do Maul- 
tier zu bourdon Stab etc. Leichter als Frisch's Etymon dürfte sich 
Littre's lautlich und wohl auch begrifflich rechtfertigen lassen. 
G. Paris' Deutung würde ich dann unbedenklich zustimmen , wenn 
auch das ital. Wort mit der Bedeutung des franz. mazette sich nach- 
weisen liefse. Hier ein anderer Erklärungsversuch : Der erste Be- 
standteil des Diminutivums mazeite ist deutsches Gleise (ahd. meisa, 
mhd. meise; germ, ei ai== frz. a, s. Mackel, Die germ. Elem. p. 1 14 ff.), 
das in unerweiterter Gestalt heute im Bas Valais als maize (s. Bridel 
Glossaire und Rolland Faune pop. II 303) erhalten ist. Mazette be- 
deutet demnach eigentlich (kleine) Meise, eine Bezeichnung die auf 
ein kleines schlechtes Pferd und auf einen Schwächling überhaupt 
übertragen wurde. Auch das mdtl. deutsche mlsker (Diminulivum 
zu mes, die Meise), erinnere ich mich öfters in ganz gleicher Be- 
deutung gehört zu haben. Rolland bemerkt 1. c. 11 305 En hol- 
landais pimpelmees signifie en meme teraps mesange bleu et enfant 
delicat, douillet. Zu weiterer Empfehlung gereicht der hier ver- 
suchten Deutung, dafs mazette und mezette (zu mees) neben mesange 
in französischen Mundarten auch als Bezeichnung des Vogels vor- 
handen sind. Rolland Faune II 303 verzeichnet mit dieser Bedeu- 
tung „jnazette f. Les Fourgs, Tissot. Mezette, mesette, mesette f. nor- 
mand, Chesnon, Le Hericher, Pluquct (Montbeliard mesote, mesotte).*^ 
Die von Littre unter 3" gegebene Bedeutung des schriftfranz(')sischeii 
mazette läfst sich aus den an erster und zweiter Stelle aufgeführten, 
vielleicht aber noch ungezwungener aus der von mir angenommenen 



364 D. BEHRENS, 

Grundbedeutung des Wortes selbst ableiten. On dist en breton, 
bemerkt Rolland 1. c, mit Hinweis auf Sauve (Prov. et dictons de 
la Bassc-Bretagne), d'une personne etourdie : eur pennglaouUh eo, 
c'est une mesang, und so mochte man auch anderwärts die Meise 
für einen „unbesonnenen" Vogel halteii, woraus sich mazeite = 
personne inhabile a quelque jeu qui demande de la combinaison 
ou de l'adresse erklären läfst. Von ähnlichen Übertragungen 
liefsen sich vergleichen ital. allocco und parm. cid =^ Paile und 
Dummkopf (s. Diez E. W. I s. v. locco), franz. buloi- = Rohrdommel 
und Tr)lpel, dtsch. Gimpel = Blutfink und einfältiger IMensch. — 
Zum Schlufs sei hier noch an die von Rolland IV 1 2g neben jiia- 
zetie verzeichneten zahlreichen im verächtlichen Sinne auf zu kleine, 
zu grofse, zu magere, zu schwache oder zu alte Pferde angewandten 
Ausdrücke erinnert. 

19. Berry sener, cener 
= verschneiden, kastrieren führt Diez E. W. I 285 mit altfranzösi- 
schen semer absondern , trennen , pr. semar verringern u. s. w. auf 
lat. semis (mtlt. semus, semare) zurück. Diese Pierleitung der beiden 
Patoisausdrücke befriedigt nicht, da inlautendes m zwischen Vokalen 
nicht zu 7t wird. Ein von Diez noch gekanntes in Berry gebräuch- 
liches semer, das mit sener gleiche Bedeutung haben soll, finde ich 
sonst nicht erwähnt und dürfte auf einem Irrtum beruhen. Jaubert 
bemerkt im Glossar (mir liegt die 2. Auflage vor, nicht der ver- 
mutlich von Diez benutzte erste Entwurf des Werkes aus den 
Jahren 1838 oder 1842), dafs sener (d. i. offenbar seminare) die Be- 
deutung des Schrifranzösischen semer habe und verweist unter dem- 
selben Stichwort für sener =^ chätrer auf cener. Unter cener heifst 
es, nachdem noch