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Zeitschrift für 

technische Biologie 



Neue Folge der Zeitschrift für Gärungsphysiologie 

unter Mitwirkung von hervorragenden Fachgenossen 
herausgegeben von 

Professor Dr. Paul Lindner- Berlin 



Band VIII 



LEIPZIG 
Verlag von Gebrüder Borntraeger 

1921 






Alle Rechte, 
insbesondere das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten 



Druck von E. Buchbinder (H. Duskt>1 in Neuruppin 



Inhalt 

1. OlofSvanberg. Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener 
Azidität 1 

2. Albrecht Hase. Ül^er technische Biologie, ihre Aufgaben und Ziele, ihre 
prinzipielle und wirtschaftliche Bedeutung 23 

3. P. Lindner. Die Bestimmung der Durchschnittsgröße von Mikroben, Stärke 

u. dergl. mit Hilfe mikrophotographischer Aufnahmen 47 

4. Aus dem Bericht der Kommission (Lindau, Lindner und Reinhardt) der 
Deutschen Botanischen Gesellschaft über die Hebung der Produktion von Speise- 
pilzen .51 

5. Lindner. Allgemeines aus dem Bereich der Biotechnologie 54 

6. — Das Biosproblem und die Deutung negativer Ergebnisse bei Assimi- 
lationsversuchen 56 

7. — Ein klassisches Werk aus dem Gebiete der Biotechnologie 57 

8. — Die Antialkoholbewegung und die Gärungsforschung 57 

9. — Ergänzende Nachträge zur Schädlingsbekämpfung, Fäkalienverwertung, 

zur Biosfrage und Fettgewinnung 58 

10. — Die Bestandteile der menschlichen Fäzes 63 

11. — Forderung eines Institutes für Erforschung technisch wichtiger Mikroben 

in England 64 

12. — Bilder von der Kleiderlaus 67 

13. Referate 70 

14. Arminius Bau. Der Gehalt junger Frühjahrsblätter an Oxalsäure, sowie 
einige Bemerkungen über diese Säure 151 

15. Alb recht Hase. Über die wirtschaftliche Bedeutung von Ungeziefer und 
Schädlingen sowie über einige Aufgaben der Praxis aus der angewandten 
Zoologie, besonders Entomologie 155 

16. Ernst Kuhn f. Beitrag zur Geschichte des Bieres 194 

17. Lindner. Verwertung der Pilzmasse des Milchflusses der Bäume .... 217 

18. — Über eine besondere Art „chinesischer Hefe" 218 

19. — Untersuchungen über die chemischen Bedingungen für die Entwicklung 

der Fortpflanzungsorgane bei einigen Hefen 219 

20. — Eine ältere Mitteilung über die Herstellung von Kartoffelbier .... 219 

21. — Gewinnung von Alkohol aus Ananasabfällen 221 

22. — Ein Institut zur Erforschung der Alkoholwirkungen . 222 

23. — Aus einem Brief Goethes an Schiller vom 26. Oktober 1794 223 

24. — Bekämpfung des Tuberkelbazillus in seiner Eigenschaft als Fettpilz . . 223 



IV Inhalt 

25. Lindner. Die Bekämpfung eines tierischen Lungenbewohners 224 

26. — Die Ursache der Krebspest 225 

27. — Zum Regenwurmvorkommen . 225 

28. — Holzspiritusgewinnung 226 

29. — Reis- und Maisverarbeitung 226 

30. — Harnstoff als Futterbeigabe •. . 226 

3L — Die Verwendung von Hefen zum Nachweis und zur Trennung von 

Zuckerarten ä26 

32. — Eine botanische Zentralstelle für Nutzpflanzen . 227 

33. — Geheimrat F. Haber über Wissenschaft und Wirtschaft 227 

34. — Zur Ungeziefervertilgung 227 

35. — Blausäurederivate zur Schädlingsbekämpfung 228 

36. Referate .229 

t 



Die Yermehrungsgeschwindigkeit der Hefen 
bei verschiedener Azidität 

von 
Olof Svanberg 

Mit 8 Abbildungen im Texte 
(Aus dem biochemischen Laboratorium der Hochschule zu Stockholm) 

Eingegangen 8. Oktober 1919. 

Die Einwirkung von Säuren und Basen auf Wachstum und Gärung 
der Hefen ist eine Frage, der seit langem erhebliches Interesse und 
eifriges Studium gewidmet worden ist, und zwar in recht weitgehendem 
Grade von den Männern der Praxis. 

Diese Tatsache beruht wohl größtenteils lediglich darauf, daß wir 
in den Säuren ganz vorzüglich geeignete Mittel besitzen, um die opti- 
malen Vermehrungs- und Wirkungsbedingungen der nützlichen Mikro- 
organismen aufrecht zu erhalten und sie auf Kosten der zahlreichen 
Schädlinge, die in jedem biologischen Betriebe anwesend sind, selektiv 
zu begünstigen. In den Brennereien und Preßhefefabriken wird dem- 
nach zur Hemmung der Bakterienentwicklung und Darstellung reiner 
Anstellhefen durch Waschen der Hefe und Beinigungsgärung Milchsäure, 
Schwefelsäure oder Weinsäure seit langem verwendet, und nach Henne- 
ber g^), dem wir besonders praktische Beantwortung der in dieser Hin- 
sicht aufkommenden Fragen verdanken, ist es sogar möglich, aus alter 
und verflüssigter, völlig in Fäulnis übergegangener Hefe mit Hilfe von 
Schwefelsäure in kurzer Zeit ein fast völlig reines Produkt, eine „natür- 
liche Beinzucht" im Sinne Delbrücks, zu erhalten. 

Die wissenschaftlichen Grundlagen dieser wichtigen Reinigungs- 
methoden der Hefe bestehen in denselben Tatsachen, deren wir uns seit 



^) Henneberg, Gärungsbakteriologisches Praktikum. S. 239 — 256, Berlin 1909. 
Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VUI. -^ 



2 Olof Svanberg 

Jahrhunderten bedienen, wo es darauf ankommt, kohlehydratarme Nah- 
rungsmittel durch Zusatz von Essig-, kohlehydratreiche durch saure 
Gärungen verschiedener Art, längere oder kürzere Zeit vor Fäulnis zu 
schützen, den Tatsachen nämlich, daß die typischen Fäulnisbakterien 
sehr empfindlich sind gegen den Einfluß von Säuren, während die 
meisten Kohlehydrate vergärenden Mikroorganismen in neutralen bis 
mehr oder weniger sauer reagierenden Medien am besten gedeihen.* Im 
Falle der verfaulten Hefeproben Hennebergs haben wir außer mit den 
typischen Fäulnisbakterien auch mit den schädlichen unechten oder 
flüchtige Säure - Milchsäurebakterien zu rechnen, die eine weit größere 
Aziditätstoleranz als die Fäulnisbakterien besitzen, in dieser Hinsicht 
aber kaum die echten (d. h. fast nur Milchsäure produzierenden) Milch- 
säurebakterien übertreffen dürften. Von den letztgenannten wissen wir 
aber mit Sicherheit, daß sie weniger azidophil sind als die Kulturhefen ^). 
Hefeschädlinge, die in noch saurer Nährlösung fortpflanzungsfähig sind, 
als die Kulturhefen noch bewachsen können, sind Oidiuni u. a. Schimmel- 
pilze und vor allem die Kahmhefen. Die letztgenannten Pilzgattungen 
sind also nicht durch die oben erwähnten Reinigungsverfahren aus den 
damit infizierten Hefeproben zu entfernen und sie gehören überhaupt 
zu den azidophilsten Mikroorganismen, die wir kennen^). 

Die älteren Literaturangaben über den Einfluß von Säuren und 
Basen auf das Wachstum der Hefe sind fast sämtlich in der Weise 
gemacht worden, daß einfach die bei den Versuchen verwendeten totalen 
Konzentrationen (zugesetzten Mengen) der betreffenden Säure (resp. 
Base) in der Nährlösung angegeben wurden •^). 

Nun wissen wir ja aber z. B. daß die Azidität der Phosphorsäure 
nicht in derselben Weise wie bei Salz- oder Schwefelsäure durch Ti- 
tration zu bestimmen ist. Dies rührt daher, daß das exakte Maß der 
Azidität einer Nährlösung nicht die totale Säurekonzentration oder der 
Titer ist, sondern vielmehr durch die vorhandene Wasserstoffionen- 
konzentratiou ausgedrückt werden muß, welche Größen bei den ver- 
schieden starken Säuren und besonders in phosphat- und eiweißhaltigen 



^) Svanberg, Zeitschr. für physiol. Chem., Bd. 108, S. 120 (1919); diese Zeitschr. 
Bd. VII, S. 129 (1919). 

*) Vougt, Diese Zeitschr., Bd. VII (1919). 

') Auf besonderen Wunsch des Herausgebers sind in dieser Arbeit, die schon für 
die vorige pn - Nummer bestimmt war, die Definitionen und die Arbeitsmethode etwas, 
ausführlich beschrieben worden. 



t 

Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 3 

Medien wie in der Würze und den sonstigen Hefenährlösungen gar nicht 
oder wenigstens in gänzlich unreproduzierbarer Weise Hand in Hand 
gehen. Es wird also verständlich sein, daß die Versuche verschiedener 
Forscher, quantitative Angaben über die Aziditätsbedingungen der Hefen 
anzugeben, oft einen auffallenden Mangel an Übereinstimmung aufweisen 
können. 

Es ist größtenteils das Verdienst Sörensens^), dessen zusammen- 
fassende Darstellung „Über die Messung und die Bedeutung der Wasser- 
stoffionenkonzentration bei enzymatischen Prozessen" bereits klassisch 
geworden ist, die nichtspezifischen Einflüsse auf fermentative Prozesse 
der Säuren und Basen, sowie der nicht neutralen Substanzen überhaupt 
und Substanzen, die wie die Eiweißstoffe, die Salze schwacher Säuren 
oder Basen die Azidität bezw. Alkalinität eines Mediums durch „Puffer- 
wirkungen" abstumpfen können', unter einheitlichen Gesichtspunkten 
zusammengefaßt zu haben. Seit den grundlegenden Untersuchungen 
dieses Forschers über die Wirkungsbedingungen der Enzyme Invertase, 
Katalase und Pepsin ist es zur unerläßlichen Bedingung geworden, bei 
biochemischen Studien immer die wirklichen (Wasserstoff-)Ionenkonzen- 
trationen, die — wie oben erwähnt — nicht oder nur in Ausnahme- 
fällen aus Titrationsaziditäten bezw. -alkalinitäten der Lösungen er- 
hältlich sind, genau zu berücksichtigen und besonders bei qualitativen 
oder quantitativen Arbeiten vergleichender Art genau in Betracht zu 
ziehen. In seiner Darstellung gab Sörensen auch die zwei Methoden, 
die immer noch zur Herstellung und Bestimmung der geringen H" und 
OH'-Konzentrationen dienen, die bei biochemischen Studien in Betracht 
kommen können, nämlich die kolorimetrische oder Indikatorenmethode 
und die in dieser Arbeit verwandte elektro metrische Versuchsanordnung. 

Wie außerordentlich fruchtbringend die Abhandlung Sörensens 
auf die biochemische Forschung wirkte, erhellt aus dem großen Zahlen- 
material, das bereits von zahlreichen Forschern mit Hilfe der von ihm 
gegebenen Methoden geschaffen worden ist und besonders durch Mi- 
chaelis^) ist gezeigt worden, wie wichtige Anhaltspunkte über die 
chemische Konstitution der Enzyme sich aus ihren physikalisch -chemi- 
schen Wirkungsbedingungen ableiten lassen. 

Da die OH-Ionenkonzentrationen in wässerigen Lösungen zu den 
Konzentrationen der H-Ionen immer in der einfachen Beziehung stehen, 
daß das Produkt der.H'- und OH'-Normalität konstant ist und zwar bei 



1) Sörensen, Biochem. Zeitschr. Bd. 21, S. 131 (1909). 

â– ^) Michaelis, Die Wasserstoffionenkonzentration. Berlin 1914. 



4 Olof Svanberg 

18° g-leich 10-^*'^*, und die OH'-Konzeutrationeu sich nicht durch 
direkte Methoden messen lassen, so bestimmt man nach Friedenthals 
Vorschlag die ihnen entsprechenden H"-Konzentrationen auch wenn die 
Lösungen alkalisch reagieren und gibt also die Reaktion einer Lösung 
einfach durch die Wasserstoffionenkonzentration an. 

Da die Bestimmungen der Wasserstoffionennormalitäten der bio- 
chemischen Substrate fast immer zu unbequem kleinen Zahlen führen 
(etwa 10-^ bis lO-^*^), definiert man nach Sörensen die Azidität der 
Lösungen mit den negativen dekadischen Exponenten dieser Zahlen, den 
sog. „Wasserstoffexpouenten" (pH), welche Bezeichnungsweise auch in 
dieser Arbeit angewandt wird. Beim Neutralpunkt ist also pH = 7,07, 
bei höheren pH-Werten haben wir es mit alkalischen, bei niedrigeren 
mit sauren Lösungen zu tun und ein azidophiler Mikroorganismus wird 
dadurch gekennzeichnet, daß er sich in solchen Lösungen am schnellsten 
vermehrt, deren pn -Werte kleiner sind als 7. 

Hägglund^) hat insofern angestrebt, die Wirkung der Säuren auf 
Hefe — er arbeitete nur mit einem Stamm und zwar der Oberhefe 
Rasse XII — als Funktion ihrer Konzentration an H"-Ionen darzustellen, 
als er den hemmenden Einfluß verschiedener Säuren mit ihren Dis- 
soziationsgraden verglich. In methodischer Hinsicht kommt er aber 
nicht über den Standpunkt der älteren Forscher hinweg, und so kommt 
es,» daß alles, was wir der früheren Literatur entnehmen können betreffs 
der Wirkungen auf das Wachstum der Hefe, welche nur auf der Wasser- 
stoffionenkonzentration beruhen, sich in die zwei seit langem bekannten 
Sätze zusammenfassen läßt: 

1. Alkalische Nährlösungen sind für die Entwicklung der Hefen nicht 
so gut geeignet, wie schwach saure; 

2. Säuren in großer Verdünnung wirken als Wachstumsreiz, sind aber 
bei höheren Konzentrationen von hemmendem oder tötendem Ein- 
fluß. Die letztgenannte Regel wurde von Rousseau schon iui 
Jahre 1843 aufgestellt. 

Außer den Wirkungen auf das Wachstum der Hefe, welche nnr 
auf einer Beeinflussung der Wasserstoffionenkonzentration beruhen, treten 
auch — und zwar bei den überaus zahlreichsten Säuren — Wirkungen 



^) Hägglund, Hefe und Gärung in ihrer Abhängigkeit von Wasserstoff- und 
Hydroxylionen. Akad. Abhandlung, Stockholm 1914. — Samml. ehem. und chem.-techn. 
Vorträge. Stuttgart 1914. 



Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 5 

zutage, welche mit der Azidität der Säuren nichts zu tun haben und 
nach Hägglund als stoffliche Einflüsse spezifischer Art zusammen- 
gefaßt werden. So wissen wir z. B. , daß Salizylsäure und Phenol er- 
hebliche Giftwirkungen schon in so geringfügigen Mengen entfalten, daß 
sie dabei eine Ausbildung entwicklungs- bzw. gärungshemmender Wasser- 
stoffionenkonzentrationen nicht herbeiführen können. Auch für Ameisen- 
säure und Essigsäure, noch stärker aber bei Propionsäure und Butter- 
säure ist durch vergleichende Versuche spezifische Giftigkeit mit Sicher- 
heit festgestellt worden, woraus sich z. B. die Unbrauchbarkeit der 
Essigsäure zum Reinigen der Hefe und die besondere Schädlichkeit der 
Tlüchtige Säure produzierenden Bakterien erklärt. 

Als Säuren, die auf Hefe in keinem Grade spezifisch einwirken 
und also zur Bestimmung der Abhängigkeit des Hefewachstums von den 
Wasserstoffionen gut geeignet sind, gibt Hägglund die starken Mineral- 
säuren, Salzsäure und Schwefelsäure und außerdem Milchsäure, an. Über 
Weinsäure wurden von Hägglund keine Versuche mitgeteilt. 



Methodisches 

Die Ph -Bestimmungen wurden in dieser Studie nach der elektro- 
metrischen (Gasketten-) Methode ausgeführt und zwar mit einer Ein- 
richtung der Apparatur, die im wesentlichsten mit der Beschreibung 
Michaelis'^) übereinstimmt. 

Modifikationen, die sich im hiesigen Laboratorium als zweckmäßig 
erwiesen haben, sind u. a. die folgenden. Als Akkumulator dient ein 
kleiner einzelliger von 5 oder 10 Amperestunden Kapazität. Haupt- 
stromkreis ist ein einziger Präzisionsrheostat, der Stromschlüssel — nach 
Ostwald — hat Platinkontakte und automatischen Kurzschluß für den 
Kapillarelektrometer (siehe Abbildung in Kohlrauschs Lehrbuch der 
prakt. Physik S. 619, 12. Aufl. 1914). Das Wasserstoffgas wird einer 
eisernen (150 Atm.) Bombe mit Draegers Reduktionsventil sehr bequem 
in beliebigen Mengen und mit beliebiger Geschwindigkeit entnommen. 
Als Pt-Wasserstoffelektroden dienen kurze aber recht grobe Drähte, als 
Wasserstoffkamraer ein abgesprengtes Präparatrohr von 1,5 cm Durch- 
messer, das von unten durch die Versuchsflüssigkeit, die sich in einer 
kleinen (etwa 30 ccm fassenden) zylindrischen Glasschale befindet, mit 
Wasserstoffgas gefüllt wird. Normalelektrode ist die von Michaelis vor- 



^) Michaelis, a. a. 0. 



6 



Olof Svanberg 



geschlagene gesättigte Kalomelelektrode. Die Ermittlung der Millivolt- 
zahlen aus den Widerständen geschieht durch eine direkte Einstellung 
des Rechenschiebers, worauf das pn den Tabellen Ylppös^) ent- 
nommen wird. 

Die Zuwachsversuche der Hefen in Bierwürze wurden in 50 ccm 
fassenden Erlenmeyerkölbchen ausgeführt; in den gut gereinigten Kölb- 
chen wurden je 15 ccm der ausgekochten bezw. mit Hühnereiweiß ge- 
klärten Würze abgemessen, die Kolben durch Wattestopfen verschlossen 
und durch Sieden mit Wasserdampf sterilisiert. Sie wurden in diesem 
Zustande in größerer Menge vorbereitet und vorrätig gehalten. Außer- 
dem wurden bei den Kulturhefen einige Zuwachsversuche in mineralischer 
Nährlösung (Ammonphosphat) ausgeführt. 

Die Bierwürze hat im natürlichen Zustand eine ganz schwach 
saure Reaktion, welche aber nicht ganz scharf definierbar ist, was auf 
wechselnden Mengenverhältnissen der reaktionsbestimmenden Anteile in 
den Rohstoffen, dem Malze und dem Brauwasser, von denen ihre Azidität 
abhängt, beruht^). Als beeinflussende Faktoren kommen besonders die 
anorganischen Salze: Phosphate, saure Sulfate, Karbonate und die lös- 
lichen Eiweißstoffe des Malzes in Betracht. 

In der folgenden Tabelle (I) sind einige Zahlen augegeben, die sich 
auf die helle Bierwürze der St. Erics -Brauerei zu Stockholm beziehen. 

Tabelle I 





PH 










Ungekochte 


Gekochte 


Grehopfte 




Stammw 


ürze 




Würze 


Frühjahr 1918 . 


. . . 5,37 


5,07 
5,19 




5,07 


19198) . 


. . 5,6 — 5,7 


5,4—5,5 






Sommer 1919 




. -5,51 

5,62 
















5,58 
5,73 
5,60 


Mittel 

5,55 








5,36 








5,55 


5,44 







Die Messungen bewegen sich also zwischen den Werten pn = 5,07 
und 5,73 und liegen, wie wir sehen werden, durchaus innerhalb der 



') Ylppö, Ph -Tabellen. Berlin 1917. 

-) Vgl. Windisch, Wochenschr. f. Brauerei 1918—1919, sowie Referat in dieser 

Zeitschr. Bd. VII, Heft 1—2 (1919). 

^) Vougt, a. a. 0. 



Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 7 

für die Kulturhefen gfefundenen Grenzen der optimalen pn- 
Bedingungen. 

Um die Waclistumsg-eschwindigkeit bei der Anfangsreaktion der 
Würze mit derjenigen in saurerer Lösung zu vergleichen, wurde in der 
Weise verfahren, daß zu jedem einer Anzahl Versuchskolben (15 ccm 
sterile Würze enthaltend) 10 ccm dest. Wasser -{- steigende Mengen 
(0 — 1 ccm, bei Torula 0—1,4 ccm) einer etwa 1-n HCl gegeben wurde, 
worauf die Ph - Zahlen elektrometrisch ermittelt wurden. Sodann wurden 
sämtliche Kolben gleichzeitig mit je 1 ccm einer Aufschlemmung bezw. 
zweckmäßig verdünnten Reinkultur der zu prüfenden Hefe geimpft, so 
daß in jedem Versuchskolben gleichmäßig einige wenige Tausend Zellen 
pro mm^ kamen. Nach Verschließen der Kolben mit Wattestopfen 
wurden sie im Thermostaten bei 20—24° über Nacht 16 — 24 Stunden 
stehen gelassen. Beim Ermitteln der Größe der Ernten wurden aus 
jedem Versuchskolben 10 ccm der gut durchgeschüttelten Kultur mit 
10 ccm In H2SO4 in einem Kölbchen vermischt, worauf die Zellenzahlen 
unter dem Mikroskop in der Thoma-Zeißschen Zählkammer auf etwa 
4°/o genau festgestellt wurden. 

Da die Hefen sehr stark säufeproduzierende Mikroorganismen sind, 
muß man die Versuche abbrechen, wo bequem zu zählende aber nicht 
zu große Zeilenzahlen sich ausgebildet haben und dabei die Beaktions- 
veränderungen der Kulturen kontrollieren, d. h. die schließlichen pn- 
Werte der einzelnen Versuchskolben beim Ende der Versuchszeit fest- 
stellen. Es ist ein grundlegender Fehler sämtlicher älterer Forscher, 
daß sie, besonders bei Versuchen über die Einwirkung von Alkalien auf 
Wachstum und Gärung der Hefe, deren Säureproduktivität nicht ge- 
nügend oder gar nicht berücksichtigt haben. Durch Einimpfen von 
Hefe in eine zuckerhaltige Nährlösung, die so alkalisch ist, daß die 
Hefe darin gerade noch entwicklungsfähig ist, wird die Lösung dennoch 
früher oder später so stark gesäuert sein, daß sie in dieser Hinsicht den 
Optimalbedingungen der Hefe entspricht^). Dementsprechend ist eines 
der Hauptergebnisse der älteren Autoren eine große Hemmung des 



*) Dies trifft natürlich auch dann zu, wenn die Hefe durch weitere Säurebildung 
zuletzt entwicklungshemmende Aziditäten erzeugt, was Boas und Leberle (a. a. 0.) 
bei ihrer unrichtigen Zitierung Eulers sowie Dernbys gar nicht berücksichtigt zu haben 
scheinen. Euler hat sich über diesen Gegenstand nicht im geringsten unklar geäußert, 
wie Boas ferner bei seiner „Berichtigung" zu behaupten versucht. — Nach meinen 
Beobachtungen waren außerdem die untersuchten fünf Hefen bei weitem nicht imstande, 
entwicklungshemmende Aziditäten selbst zu erzeugen. 



3 Olof Svanberg 

Wachstums der Hefe im Anfang-, welche bereits durch kleine Mengen 
Na OH hervorgerufen wurde, ohne daß die schließliche Ausbeute an 
Alkohol in höherem Grade vermindert war. Nach den neuesten For- 
schungen über die Gärung bei konstanter Alkalinität wissen wir, daß 
gerade das entgegengesetzte der Fall ist, die Alkoholausbeute wird 
durch Gärung bei alkalischer Reaktion (ph = 8) um etwa 30— ^40°/o 
verringert^). 

Bei den Versuchen über die Einwirkung einer verringerten Azidität 
bezw. schwachen Alkalinität des Nährbodens auf die Vermehrungs- 
geschwindigkeit der Hefen wurde in der vorliegenden Arbeit die Re- 
aktion der einzelnen Versuchskolben durch Zusätze von Phosphat- 
mischungen (KH2PO4 und Na2HP04) geregelt. Sörensen hat gezeigt, 
daß Geraische verdünnter Lösungen dieser beiden Salze je nach dem 
Mischungsverhältnis pn -Werte zwischen etwa 4,5 und 8,8 ergeben. 
Setzt man den Nährlösungen genügende Mengen dieser Salzmischungen 
zu, so erreicht man damit auch eine bei Versuchen dieser Art sehr 
vorteilhafte Erhöhung der pn- Stabilität derart, daß eine Säureproduktion 
des Mikroorganismus sich viel langsamer auf die Reaktionsverschiebung 
der Lösung nach kleineren pn -Werten hin bemerkbar macht, als was 
ohne Phosphatzusatz der Fall wäre. Von den beiden Salzen wurden 
0,30 molare Lösungen vorrätig gehalten. Zu 15 ccm der sterilen Würze 
wurden zusammen 15 ccm der Phosphatlösungen zugesetzt. Da die 
Pufferwirkung der Würze ziemlich unbestimmt ist und mir die wohl- 
definierten, nach Sörensens Vorschriften präparierten Phosphate nicht 
in genügender Menge zugänglich waren, wurden die pn -Werte für jede 
Versuchsreihe besonders bestimmt. 

Der PH-Wert der primären Phosphatlösung betrug 4,47, der se- 
kundären 8,87 + 0,05. 

Die in dieser Arbeit studierten Heferassen waren die folgenden: 

1. Saccharomyces cerevisiae, obergärige Preßhefe, 

2. „ „ , untergärige Bierhefe, 

3. Kleinzellige Torulahefe, von Hansen, 

4. S. validus und 

5. S. therm antitonum. 

Ich gehe nun zur Beschreibung der an diesen verschiedenen Hefen 
erhaltenen Resultate über. 



^) Euler und Svanberg. Zeitscbr. für physiol. Cbem., Bd. 105, S. 187, 1919. 



Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 9 

I. Obergärige Hefe SB 

(Stockholms Södra Jästfabrik) 

Tabelle II 

Säurebildung durch Hefe SB in Würze bei 22°. 

6 Kölbchen wurden mit der Hefe geimpft (4000 Zellen pro cmm) und von Zeit zu Zeit 

untersucht. 
Kolben-Nr. Tage nach Impfen pH 

5,60 

1 1 4^3 

2 2 3,62 

3 3 3,51 

4 5 2,87 

5 7 2,87 

6 8 2,91 

Die Säureproduktion der Hefe SB ist also fast ebenso groß wie 
bei der von Lüers^) in dieser Hinsicht früher beobachteten Brauerei- 
hefe. Liier s fand bei einer Ausgang-sreaktion von pn = 5,47 als 
Grenzwert der durch die Hefe selbst gebildeten Azidität nach 160 
Stunden bei -\- 8^ den Wert pn = 2,7. In der neuesten Zeit haben 
Boas und Leberle^) die Säurebildung bei mehreren Hefen und Pilzen 
untersucht. Sie finden im allgemeinen weit geringere Aziditäten und 
einen Rückgang (Säurebindung) bei der allmählich eintretenden Autolyse ^ 
der Hefezellen. Sie haben aber die Verhältnisse nur in chemisch de- 
finierten, erheblich pufferärmeren Lösungen als Würze untersucht, 
woraus der Unterschied leicht erklärlich wird, daß bei meinen Versuchen 
die letztgenannte Erscheinung fast vollständig ausbleibt. 

Zuwachsversuche 
a) Wachstum der Hefe SB in verdünnter, mit HCl angesäuerter 

Würze 

Tal)elle III 
Eingeimpfte Zellenzahl: 3000 pro cmm. 18 Stunden bei 22°. 



Nr. 


15 ccm 
Würze 


10 


ccm 


Anfängl. 


Schließl. 


PH 


Zellenzahl 


Relativer 


Wasser 


PH 


PH 


Mittel 


pro cmm 


Zuwachs 


1 


Ohne Zusatz 




5,58 


4,69 


5,1 


22400 


100 


2 


0,2 ccm 


In 


HCl 


4,00 


3,67 


3,8 


21800 


97 


3 


0,4 






3,08 


2,82 


2,95 


21600 


96 


4 


0,6 






2,53 


2,51 


2,5 


17400 


74 


5 


0,8 






2,30 


2,30 


2,3 


10400 


38 


6 


1,0 






1,86 


1,85 


1,85 


4000 


5 



^) Lüers, Zeitschr. für das ges. Brauwesen, Bd. 37, S. 79, 1914. 

*) Boas und Leberle, Biochem. Zeitschr., Bd. 90, 1918; Bd. 95, 1919. 



10 







( 


Dlof Svanberg 














Tabelle IV 










Eingeimpfte Zeilenzahl: 


2000 pro cmm. 17 


Stunden bei 


22" 


Nr, 


15 ccm 10 ccm 
Würze Wasser 


Anfän; 

PH 


?1. Schließl. 

PH 


PH 

Mittel 


Zellenzahl 
pro cmm 


Relativer 
Zuwachs 


1 


Oiine Zusatz 


5,62 


5,0 


5,3 


28000 


90 


2 


0,2 ccm l-n HCl 


3,96 


3,81 


3,9 


30000 


97 


3 


0,4 


3,20 


3,08 


3,15 


31000 


100 


4 


0,6 


2,71 


2,71 


2,7 


30000 


97 


5 


1,0 


2,04 


2,01 


2,0 


3000 


3 



b) Wachstumsgeschwindigkeit bei verschiedener Phosphat- 
konzentration (ph = 5,5) 

Tabelle V 
Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm. Wachstum bei 24" 





15 ccm 


ccm 0,3-molare 


Zugesetzte 


Zellenzahl pro cmm 


Nr. 


Würze 


Phosphat- 


Phosphat- 


nach 


nach 


Versuchsreihe 2 




ccm Wasser 


mischung 


konzentration 


20 Std. 


43 Std. 


nach 40 Std. 


1 


15 








7000 


50000 


32000 


2 


10 


5 


0,05 


7500 


52000 


36000 


3 


5 


10 


0,10 


7700 


52000 


33000 


4 





15 


0,15sr-mol i 


pr.l 7500 


52500 


34000 



Die zugesetzten Phosphatmengen haben also die Zuwachsgeschwin- 
digkeit der Hefe nicht in geringstem Grade gehemmt, und es ist also 
durchaus zulässig, die Wachstumsversuche bei einer zugefügten Phos- 
phatkonzentration von 0,15 g-mol pro Liter auszuführen. 

c) Wachstum der Hefe SB in Würze-Phosphatlösung, 
0,15-molar, bei verschiedener Azidität 

Tabelle VI 





Eing( 


jimpfte 


Zellenzahl: 


2000 pro cmm. 


21 


Stunden bei 24» 




^r. 


15 ccm Würze -|- 
Phosphatmischung 
prim. sek. 


Anfang 

PH 


■1. Schließl. 

PH 


Ph Zellenzahl ' 
Mittel pro cmm 


Relativer 
Zuwachs 


1 


12,5 


2,5 




5,66 


5,49 


5,6 


20000 


95 


2 


10 


5 




6,22 


5,90 


6,1 


21000 


100 


8 


5 


10 




6,72 


6,46 


6,6 


14000 


63 


4 


2,5 


12,5 




7,19 


6,60 
Tabelle VII 


6,9 


8000 


32 




Eingeimpfte 


Zellenzahl: 


2000 pro cmm. 


19 


Stunden bei 22" 








Nr. 




PH 


Zellenzahl 




Relativer 










Mittel 


pro cmm 




Zuwachs 








1 




5,6 


25400 




100 








2 




6,0 


22600 




88 








8 




6,5 


12200 




44 








4 




6,9 


7000 




21 





Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 



11 



Tabelle VIII 
Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm. 19 Stunden bei 22* 



<ir. 


Phosphatmischung 
prim. sek. 


Anfängl. 

PH 


Schließ!. 

PH 


PH 

Mittel 


Zellenzahl 
pro cmm 


Relativer 
Zuwachs 


1 


15 





4,66 


4,25 


4,J5 


22000 


100 


2 


12,5 


2,5 


5,70 


5,ao 


5,5 


21500 


98 


3 


5 


10 


6,70 


6,82 


6,5 


12200 


50 


4 


2,5 


12,5 


7,05 


6,67 


6,85 


6600 


23 


5 





15 


7,54 


6,98 


7,2 


4000 


10 



Um sämtliche Zuwachsversuche bei verschiedener Azidität für eine 
Optimumkurve des Wachstums mit gleichem Gewicht zu verwerten, habe 
ich für jede Versuchsreihe die Vermehrungen der eingeimpften Zellen- 
zahl in Prozente des größten Zuwachses umgerechnet (relativer Zuwachs). 
Diese Prozentzahlen sind in der Abb. 1 als Ordinaten eingezeichnet 
worden, die Abszissen sind die ihnen entsprechenden pn -Werte. 



100 
80 
60 
MO 
ZG 






/ 


^'m 


-«- 




t — 






6 








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1 




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9 


1 










N, 


4 


7 


? ^ 


/ * 


T t 


? J 


7 8 



o 


Tab. III 


100 
SO 


^ 


„ IV 


60 


+ 


„ VI 


^0 




D 


„ VII 


ZO 



X 


„ VIII 



pH 

Abb. 1 
Oberhefe in Würze 




^ 




^ S 6 7 S 



Abb. 2 
Oberhefe in mineralischer Nährlösung 



In einer früheren Mitteilung von Euler und Svanberg^) sind 
Angaben gemacht über die Alkalitoleranz einiger Heferassen. Der Zu 
wachs der Zellenzahl wurde nach unseren Messungen bei folgenden 
Konzentrationen aufgehoben : 



Unterhefe Frohberg B 
Brennerei-Oberhefe SB 
S. ellipsoideus . . . 
Pseudos. apiculatus . . 



bei PH = 7,7—8,0 

„ „ = 7,3-8,4 

— 7 9 

11 11 — * 1^ 

V 11 = 7,6 



Diese verschiedenen Heferassen sind also bezüglich ihrer Alkali- 
empfindlichkeit einander sehr ähnlich. 



') Euler und Svanberg, Zeitschr. für physiol. Chem., Bd. 105, S. 187 (1919). 



12 



Olof Svanberg 



Verg-leichen wir andererseits den steilen Abfall der Zuwachs- 
g-eschwindigkeit der Hefe SB zwischen pn = 6,5 und 7,2 mit den 
älteren Resultaten liber die Alkalitoleranz, die ein Mittel von pn = 7,8 
ergeben, so finden wir, daß die verschiedenen Beobachtungen eine recht 
befriedigende Übereinstimmung ergeben (siehe den Endpunkt in Abb. 1). 

d) Wachstum der Hefe SB in mineralischer Nährlösung 

verschiedener Azidität 

Die oben mitgeteilten Versuche über das Wachstum der Oberhefe 
in Würze verschiedener Azidität wurden durch eine ähnliche Versuchs- 
reihe mit mineralischer Nährlösung ergänzt. 
Versuchslösung : 

5 g Ammoniumphosphat [(NH4)5iHP04] 
4gKH2POi 
20 g Rohrzucker 

1000 ccm 

Von dieser Lösung wurden je 100 ccm auf 10 250 ccm fassenden 
Erlenraeyerkolben verteilt und durch Zusatz folgender Mengen H2SO4 
bezw. Na OH auf die entsprechenden pn -Werte gebracht (Tab. IX). 

Tabelle IX 





Eingeimpfte 


Zelle 


nzahl: 


4500 pro 


cmm. 


Wachstum 


bei 22 ö. 16 


Stunden 


Fv 


100 ccm 




Zellenza 


hl 


Relative 


Zellenzahl 


Relative 


r. 


Nährlösnng 


PH 


pro cmm V 


ermehrung 


pro cmm 


Vermehrung 


1 


2,4 ccm * 


2,00 


4400 







4200 





2 


2,28 


5200 




16 


7600 


27 


3 


0,9 „ W. 


2,85 


8800 




100 


14400 


87 


4 


0,7 „ 1 


3,20 


8600 


» 


95 


15800 


100 


5 


0,5 „ «M" 


5,08 


8800 




100 


15400 


97 


6 


Ohne Zusatz 


6,08 


8400 




91 






7 


1,0 com 


W 


6,58 


8200 




86 






H 


2,0 „ 





7,03 


6800 




54 






9 


2,4 „ 


^ 


7,10 


6400 




44 









Vi „ 


fl 
(N 


8,44 


4200 












Die Resultate dieser Versuchsreihe sind in Abb. 2 zusammengefaßt 
worden. 

Die Wachstunisgeschwindigkeit der obergärigen Hefe SB ist also 
sowohl in Würze wie in mineralischer Nährlösung zwischen pn = 3 
und ph = •€ auffallend wenig von der Reaktion abhängig. Unter 
Ph = 2,5 tritt eine starke Wachstumshemmung durch Säuren, über 
Ph — 7 durch Basen ein. 



Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität " 13 



2. Untergärige Bierhefe 

(Pilsener Bierhefe H der St. Erics-Brauerei, Stockholm) 

Tabelle X 

Säurebildung durch Hefe H in Würze bei 24° 

Tage nach Impfen pa 

5,6 




1 
3 
5 



4,35 
4,21 

8,98 



Zuwachsversuche 

a) Wachstum der Hefe H in verdünnter, mit HCl angesäuerter 

Würze 

Tabelle XI 
Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm. 16 Stunden bei 22" 



Wi" 


15 ccm Würze -|- 




PH 


Zellenzahl 


Relativer 


Nr. 


10 ccm Wasser 




Mittel 


pro cmm 


Zuwachs 


1 


Ohne Zusatz 




5,2 


36500 


99 


2 


0,2 ccm 1-n 


HCl 


3,9 


37000 


100 


3 


0,3 




3,65 


29000 


77 


4 


0,5 




2,85 


26000 


72 


5 


1,0 




2,08 


2200 


0-1 



Tabelle XII 
Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm. 

15 ccm Würze -\- pn 

10 ccm Wasser Mittel 

Ohne Zusatz 5,25 

0,2 ccm 1-n HCl 3,95 

0,4 „ 3,1 

0,6 „ 2,7 

1,0 „ 2,1 



Nr. 

1 
2 
3 
4 
5 



17 Stunden bei 22" 
Zellenzahl Relativer 



pro ccm 

35 000 
34500 
28000 
17 000 
3000 



Zuwachs 

100 

99 

79 

46 

3 



b) Wachstumsgeschwindig-keit bei verschiedener Phosphat- 
konzentration (ph = 5,6) 

Tabelle XIII 
Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm. 22 Stunden bei 22" 



Nr. 

1 
2 
3 
4 



15 ccm Würze 
ccm Wasser 

15 
10 

5_ 





ccm 0,3-molare Zugesetzte Zellenzahl 

Phosphatmischung Phosphatkonzentration pro cmm 

.0 - 28000 

• 5 0,05 32000 

10 0,10 33000 

15 0,15 g-mol pro 1 .32000 



14 Olof Svanberg 

Es macht sich also, wie bei der Oberhefe, keine hemmende Wir- 
kung: der Phosphatmischung bei der Konzentration 0,15 g-mol pro Liter 
bemerkbar. 



c) Wachstum d 


er ] 


Hefe H in Würze-Phosphatlösung, 0,15 


-molar, 






bei verschiedener A: 


zidität 










Tabelle XIV 






Eingeimpfte 


! Zellenzahl: 


2000 pro cmm. 


21 Stunden bei 22» 




Nr. 




PH 

Mittel 


Zellenzahl 
pro cmm 


Relativer 
Zuwachs 




1 




4,45 


.30500 


97 




2 




.5,5 


31500 


100 




8 




6,5 


19000 


58 




4 




6,9 


15000 


44 




5 




7,2 


4800 
Tabelle XV 


10 




Eingeimpfte 


! Zellenzahl : 


2000 pro cmm. 


24 Stunden bei' 22" 




Nr, 




PH 

Mittel 


Zellenzahl 
pro cmm 


Relativer 
Zuwachs 




1 




4,45 


29000 


100 




2 




5,4 


27 000 


93 




.3 




6,45 


£3500 


80 




4 




6,85 


19000 


63 




5 




7,1 


4000 
Tabelle XVI 


7 




Eingeim 


ipfte 


Zellenzahl: 


2000 pro cmm. 


20 Stunden bei 22» 




Nr. 




PH 

Mittel 


Zellenzahl 
pro cmm 


Relativer 
Zuwachs 




1 




5,0 


23000 


100 




2 




6,1 


22500 


98 




3 




6,95 


6000 


19 




Die Resultate 


der Zu wachs versuche mit der Hefe H (Tab. 


XI und 


KIl, XIV XVI) 


sind in derselben Weise 


wie bei Hefe SB 


in der 



Abb. 3 zusammengefaßt worden. 

Es erhellt aus dieser Kurve, daß die Kardinalpunkte (Minimum — 
Optimum — Maximum) bei den beiden untersuchten Kulturhefen eine 
durchaus übereinstimmende Orientierung haben, daß aber die Aziditäts- 
toleranz bei der Bierhefe (H) ein wenig geringer ist. Während nämlich 
die Optimalbedingungen der Oberhefe durch pn = 3 — 6 repräsentiert 
wurden, ist die Zuwachsgeschwindigkeit der Bierunterhefe bei pu = 3 
schon merkbar abgeschwächt, so daß das optimale Wachstumsgebiet — 
innerhalb dessen der Zuwachs nur wenig von der Reaktion beeinflußt 



Die Vermehrungsgescl) windigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 15 

wird — hier durch pn = 4 und pn = 6 begrenzt wird. Hinsichtlich 
ihrer Alkalitoleranz scheinen ja nämlich die beiden Hefen an Identität 
grenzende Übereinstimmung zu ergeben. 

d) Sprossung der Hefe H in mineralischer Nährlösung ver- 
schiedener Azidität 

In diesem Zusammenhang kann ich auf eine vor kurzem aus dem 
hiesigen Laboratorium veröffentlichte Arbeit von Euler und Svanberg^) 
hinweisen. Es handelte sich hier um die Vorbehandlung von Hefe- 
suspensionen bei verschiedener Azidität beim Studium der Saccharase- 
bildung. Da die Versuchsdaten also in anderem Zusammenhang ver- 
öffentlicht sind, gebe ich hier nur einen Auszug (Tab. XVII). Die 
Ausgangslösung hatte bei diesem Versuch die Zusammensetzung 

5 g (NHi). HPO4 
4 g KH2PO4 
20 g Rohrzucker 



1000 ccm'-^) 



also dieselbe Nährlösung wie bei der oben besprochenen Versuchsreihe 
mit der Hefe SB. 

Tabelle XVII 



Jez. 


PH 

vor der Be- 
handlung 


PH 

nach 24 stund. 
Vorbehandlg. 


PH 

Mittel 


Zeilenzahl 
zugesetzt 


l pro cmm 
nach 24 
Stunden 


Relative 
Vermehrung 


a 


2,10 


2,12 


2,1 




46000 





b 


3,0 


2,86 


2,95 


In 


48000 


13 


c 


4,-35 


3,2 


3,8 


sämt- 


55000 


56 


d 


5,3 


4,3 


4,8 


lichen 


62000 


100 


e 


6,0 


5,6 


5,8 


Kolben 


58000 


75 


f 


7,3 


6,8 


7,0 


46000 


46000 





g 


8,5 


6,7 


7,6 




46 000 






Die relative Vermehrung bei verschiedenen pn sind in der Abb. 4 
zu einer Kurve vereinigt. Das Optimum kommt hier ein wenig mehr 
ausgeprägt zum Vorschein, die Aziditätsbedingungen sind aber in Würze 
wie in Ammonphosphatlösung auch bei dieser Hefe im großen und ganzen 
dieselben. 



^) Euler und Svanberg, Zeitschr. physiol. Chem. Bd. 106, S. 201, 1919; Bd. 105, 
S. 187, 1919. 

^) In der Originalarbeit steht ein Druckfehler: 100 ccm. 



16 



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Olof Svanberg 


WD 








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A 




O Tab. XI 


80 










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l 






L 




^^ VTT 


60 

40 

ZO 












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20 






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1 




+ XIV 








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I 




a XV 












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X .. xvr 


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k—CL 


' \ 

P 


13^56^8 
H 


A^ ' â–  


5 6 7 8 



Abb. 3 
Unterhefe in "Würze 



Abb. 4 
Unterhefe in mineralischer Nährlösung 



3. Torula 

Diese Hefe wurde im Jahre 1917 dem hiesig-en Laboratorium von 
Prof. Chr. Barthel am bakteriologischen Laboratorium für landwirt- 
schaftliches Versuchswesen (Experimentalfältet bei Stockholm) überreicht. 
Sie stammt aus einer Sammlung- von E. Chr. Hansen isolierter Hefen 
welche das zymotechnische Institut der Technischen Hochschule zu Stock- 
holm im Anfang der neunziger Jahre vom Carlsberg-Laboratorium erhielt. 

Sehr kleine, kugelrunde Hefe mit einem Durchmesser von nur 
etwa 2 — 3 ix. Zellenzahl pro Gramm Trockengewicht 2,5 • 10^^ (bei 
Hefe SB 0,3 • lO^S bei Hefe H 0,16 • 10 ^i). Eine Torulazelle dieses 
Stammes ist also 16 mal kleiner als eine Bierhefezelle H. Zeigt sehr 
üppiges Wachstum in Bierwürze bei besonders langsamer Vergärung, 
greift anscheinend Maltose nicht oder sehr langsam an. Dennoch ist 
die allmähliche Ansäuerung der Würze fast ebenso stark wie bei der 
Hefe SB (Tab. XVIII). Die Vergärungsgeschwiudigkeit der Glukose in 
Lösung von normaler Azidität war aber bei der Torulahefe auffallend 
groß und übertraf sogar die für die Oberhefe SB gefundenen Zahlen^). 

Tabelle XVIII 
Säurebildung durch Torula in Würze bei 22" 



Tage nach 


Impfen 


PH 







5,6 


1 




4,78 


2 




4,74 


3 




8,81 


4 




— 


5 




3,48 


7 




3,24 


9 




3,17 



^) Svanberg, -Enzymatische Untersuchungen einer Torulahefe. Fermentforschuug, 
II, S. 201 (1918). — Euler und Svanberg, Zeitschr. für physich Chem. 105, S. 187 (1919). 



Die VermehruDgsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 



17 



Zuwachsversuche 

a) Wachstum von Torula in Würze-Phosphatlösung, 0,15-molar, 

bei verschiedener Azidität 

Tabelle XIX 
Eingeimpfte Zellenzahl: 5000 pro cmm. 22 Stunden bei 22* 



XTi- 


PH 


Zellenzahl 


Eelativer 


i>r. 


Mittel 


pro cmm 


Zuwachs 


1 


4,5 


140000 


87 


2 


5,5 


160000 


100 


3 


6,6 


124000 


77 


4 


7,0 


124000 


77 



b) Wachstum von Torula in verdünnter, mit HCl angesäuerter 

Würze 





Tabelle XX 






Eingeimpfte Zellenzahl: 6000 p: 


ro cmm. 


22 Stunden bei 22" 


Nr. 


15 ccm Würze + 


PH 


Zellenzahl 


Eelativer 


10 ccm "Wasser 


Mittel 


pro cmm 


Zuwachs 


1 V 


Ohne Zusatz 


5,5 


210000 


100 


2 


mit 0,2 ccm 1-n HCl 


3,9 


192000 


91 


3 


, 0,4 


3,0 


186000 


88 


4 


0,6 


2,5 


172000 


86 


5 


0,8 


2,25 


120000 


56 


6 


1,0 


2,0 


112000 


52 



Das Maximum der Aziditätstoleranz war also auffallenderweise bei 
dieser Hefe bei pn = 2,0 bei weitem nicht erreicht. Die Versuchs- 
reihe wurde deshalb mit der folgenden, wo noch saurere Lösuugen zur 
Anwendung kamen, ergänzt. 







Tabelle XXI 








Eingeimpfte Zellenzahl : 


4000 


pro cmm. 


22 Stunden 


bei 22° 


Jy 


15 ccm "Würze -\- 




PH 


Zellenzahl 


Relativer 


Nr. 


10 ccm "Waser 




Mittel 


pro cmm 


Zuwachs 


1 


Ohne Zusatz 




5,5 


250000 


100 


2 


mit 0,8 ccm 1-n 


HCl 


2,20 


128000 


51 


3 


1,0 




1,9 


110000 


43 


4 


1,2 




1,74 


98000 


38 


5 


1,4 




1,62 


40000 


15 



Die an der Torulahefe erhaltenen Ergebnisse sind in der Abb. 5 
graphisch dargestellt. Es ergibt sich aus dieser Kurve, daß die unter- 
suchte Torula sowohl hinsichtlich Alkali- wie Säuretoleranz viel weniger 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIU. 2 



18 



Olof Svanberg 



empfindlicji ist als die Kulturhefen. Nach einer früheren Beobachtung^) 
hört diese Hefe bei Ph = 8 — 8,5 zu sprossen auf. Bei einem Versuch 
zur Zymophosphatbildung wurde ferner bei dieser Hefe auffallenderweise 
das vollständige Ausbleiben einer Griftwirkung der Hefe durch das zu- 
gesetzte Toluol in den zwei ersten Stunden der Gärung beobachtet^). 
Diese Tatsachen können sämtlich damit erklärt werden, daß die Torula- 
hefe eine besonders undurchlässige Plasmahaut besitzt. 

Wegen der bei der Torulahefe gefundenen, von den Kulturhefen 
abweichenden Verhältnise wurden zwei weitere wilde Hefen mit Hinsicht 
auf ihre Aziditätsbedingungen untersucht. 



100 
80 
60 
hO 
20 







/^ 


r2 


o 


n 


^ 








t 








^ 


1 






b 










\ 
\ 




7 












\ 




+ 

















O Tab. XIX 



+ 



XX 
XXI 



Z3^S6789 
pH 

Abb. 5 
Torulahefe in Würze 



100 
80 

60 

^0 

20 






2 S ^ 5 6 7 S 
pH 

Abb. 6 
S. validus in "Würze 



4. Saccharomyces validus (Pastorianus HI) 

• Von Hansen wie die oben beschriebene Torulahefe aus Bier 
isolierte Hefe mit obergärigen Erscheinungen. Neben normal geformten 
ovalen Zellen in Würze öfters langgezogene bis fadenförmige Wachs- 
tumsformen. Vergärt die Würze sehr viel schneller und kräftiger als 
die obengenannte Torula, säuert sie aber etwas langsamer an (Tab. XXU 
vgl. Tab. XVIII). Diese Hefe stammt aus derselben Sammlung wie die 
Torula. 

Tabelle XXII 
Säurebildung durch S. validus in Würze bei 22** 

Tage nach Impfen pn 

5,5 

1 4,52 
3 4,24 
5 4,14 
7 3,71 
9 3,56 



^) Svanberg, Fermentforschung a. a. Ö. 



Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 19 

Zuwachsversuche 

a) Wachstum von S. validus in Würze-Phosphatlösung, 0,15- 
molar, bei verschiedener Azidität 

Tabelle XXIII 
Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm. 20 Stunden bei 22" 



Jv 


PH 


Zellenzahl 


Relativer 


Nr. 


Mittel 


pro cmm 


Zuwachs 


1 


4,5 


34000 


100 


2 


5,5 


33000 


97 


3 


6,55 


29000 


84 


4 


7,0 


21000 


59 


5 


7,3 


5400 


10 



b) Wachstum von S. validus in verdünnter, mit HCl an-. 

gesäuerter Würze 

Tabelle XXIV 
Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm. 20 Stunden bei 22° 



J>. 


PH 


Zellenzahl 


Relativer 


Nr. 


Mittel 


pro cmm 


Zuwachs 


1 


5,4 


84000 


100 


2 


3,9 


83000 


99 


3 


3,0 


55 000 


65 


4 


2,5 


24000 


27 


5 


2,2 


8400 


8 


6 


2,0 


2200 


0—1 



Aus der Abb. 6 sehen wir, daß diese obergärige, aus Bier isolierte 
Hefe hinsichtlich ihrer Aziditätsbedingungen mit der obergärigen 
Brennereihefe nicht so große Ähnlichkeit zeigt wie mit der untergärigen 
Bierhefe, mit der sie fast vollständige Übereinstimmung aufweist. 



5. Saccharomyces thermantitonum (Johnson) 

Ursprünglich auf Eukalyptus aufgefundene Hefe, wurde uns vom 
Institut A. Joergensen in Kopenhagen überreicht. Über die Tem- 
peraturbedingungen vgl. die neulich erschienene Abhandlung von Euler 
und Laurjn^). , 



^) Euler und Laurin, Biochem. Zeitschr. Bd. 97, S. 156, 1919. 

2* 



20 



Olof Svanberg 



Tabelle XXV 
Säurebildung durch S. thermaatitonum in Würze bei 22" 

Tage nach Impfen pa 

5,60 

2 4,17 

4 4,24 

6 4,27 

8 4,21 

10 4,27 

Die Säurebildung- war also bei dieser Hefe auffallend klein. Die 
Differenzen der nach 4, 6, 8 und 10 Tagen untersuchten Kolben liegen 
noch innerhalb der Versuchsfehlergrenzen. 





Zuwachsversuche 




a) Wachstum von S, 


, thermantitonum in 


Würze-Phosphatlösung, 


0,15-mo 


lar, bei 


verschiedener Azidität 




Tabelle XXVI 




Eingeimpfte I 


Zellenzahl: 


1500 pro cmm. 


18 Stunden bei 22° 


Nr. 


PH 

Mittel 


Zellenzahl 
pro cmm 


Relativer 
Zuwachs 


1 


4,5 


37200 


94 


2 


5,5 


39600 


100 


3 


6,6 


22600 


55 


4 


6,85 


9400 


21 


5 


7,4 


3800 


6 



b) Wachstum von S. 



Nr. 

1 
2 
3 
4 
5 
6 



thermantitonum in verdünnter, mit HCl 

angesäuerter Würze 

Tabelle XXVII 

18 Stunden bei 22" 

Relativer 
Zuwachs 

94 



Eingeimpfte Zellenzahl: 2000 pro cmm 

Zellenzahl 



PH 

Mittel 



5,4 

3,9 

3,0 

2,0 

2,25 

1,90 



pro cmm 

68000 
72000 
48000 
23200 
7400 
2400 



100 
66 
30 

8 
0—1 



Abb. 7 zeigt die aus diesen Versuchsdaten dargestellte Kurve. 
Wie bei S. validus haben wir es also auch hier mit einer hinsichtlich 
ihrer Aziditätsbedingungen der Bierunterhefe sehr ähnlichen Rasse zu 
tun. Die Torulahefe bildet also in dieser Hinsicht wahrscheinlich eine 
ziemlich alleinstehende Ausnahme. 



Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschiedener Azidität 21 



700 
80 
60 
40 
ZO 



t V 


-!â–  X 


4 4 


t ^r- 


-f s 



2 3 4 5 6 7 8 
pH 

Abb. 7 
S. thermantitonum 



Zusammenfassung 

Es wurden an fünf verschiedenen Hefen Säuerungsversuche in 
Würze sowie Zuwachsversuche bei variierender, elektrometrisch ge- 
messener Azidität angestellt. Unter den Resultaten sind hervorzuheben : 

I. Bei sämtlichen Hefen war die Säurebildung viel größer als 
durch Kohlensäureentwicklung erklärt werden kann (also pn < 5). Die 
größten gemessenen Aziditäten waren (bei einer Anfangsreaktion der 
Würze von pn "= 5,6) 

bei Oberhefe SB . . . pn = 2,87 

„ Unterhefe H 3,98 

„ Torula 3,17 

„ S, validus 3,56 

„ S. .thermantitonum . . . 4,17 

Irgend ein Zusammenhang zwischen Säureproduktion und Aziditäts- 
toleranz des Wachstums ließ sich nicht nachweisen^). 

IL Die Optimalbedingungen für den Zuwachs in Würze liegen bei 
den folgenden H-Ionenkonzentrationen 

für die Oberhefe SB zwischen ps ^ 3 und pn = 6 
„ „ Unterhefe H „ pn = 4 „ pn = 6, 

dieselben Bedingungen gelten auch dem Wachstum von S. validus und 
S. thermantitonum, 

für die untersuchte Torulahefe zwischen pn = 2,5 und pn = 6. 



^) Vgl. Eni er und Lindner, Chemie der Hefe und der alkoholischen Gärung. 
Aufl. 1, S. 290. 



22 0. Svanberg, Die Vermehrungsgeschwindigkeit der Hefen bei verschied. Azidität 

III. Bei dem Wachstum der Kulturliefen in mineralischer Nähr- 
lösung- gelten dieselben pn - Bedingungen wie bei dem Wachstum in 
Bierwürze. 

Die Ph- Bedingungen der Grärung sind neulich in einer Arbeit 
von Euler und Heinze^) aus dem hiesigen Laboratorium festgestellt 
worden. Die Gärungsgeschwindigkeit wurde hier in den sauren Lösungen 
durch Messungen der Kohlensäureentwicklung verfolgt und durch Be- 
stimmung des durch die Gärung verbrauchten Zuckers nach Bertrand 
über den neutralen Punkt ins alkalische Gebiet erweitert. Erstens 
entweicht nämlich die Kohlensäure bei der alkalisch gehaltenen Gärung 
nicht aus dem Gärgefäß, zweitens ist die Dynamik der alkoholischen 
Gärung in saurem bezw. alkalischem Medium eine wesentlich ver- 
schiedene^), indem der Zucker bei der alkalischen Gärung nur zu etwa 
60 — TO^^/o in Alkohol -\- Kohlensäure gespalten wird, während bei der 
Gärung in normal saurem Medium diese Zerlegung bekanntlich bis auf 
einige wenige Prozente quantitativ verläuft. 




2 3^5676 
pH 

Abb. 8 

Gärung einer Oberliefe 

(nach Euler u. Heintze) 



In der Abb. 8 ist die pn- Empfindlichkeit der Hefegärung nach der 
Arbeit von Euler und Heinze graphisch dargestellt. Sie bezieht sich 
auf die in meiner Studie untersuchte Oberhefe SB. Im Vergleich mit 
den Ph- Bedingungen des Zuwachses derselben Hefe scheinen die Gärungs- 
enzyme in ihrer Wechselwirkung eine etwa zehnmal größere Toleranz 
sowohl für überschüssige H- als OH-Ionen zu besitzen. 



*) Euler und Heintze, Sv. Vet. Akad.: s Arkiv för Kemi etc. Bd. 3, Nr. 21, 191!». 
-) Euler und Svanberg, Zeitschr. für physiol. Chera. Bd. 105, S. 187, 1919. 



Albrecht Hase, Über teclinische Biologie -J'i 



Über technische Biologie 

Ihre Aufgaben und Ziele, ihre prinzipielle und wirtschaftliche Bedeutung 

von 
Prof. Albrecht Hase (Jena) 

z. Zt. Kaiser- Wilhelm-Institut für physikalische Chemie u. Elektrochemie Berlin-Dahlem 

• Motto: „Die Welt verwandelt durch den Fleiß." 

Schiller, Die Künstler 

Vorbemerkungen 

Der Fragenkomplex, den ich in nachstehenden Zeilen behandele, 
beschäftigte mich schon in den Jahren vor dem Kriege. ' Durch den 
Ausbruch desselben kam ich aber damals nicht mehr dazu, die Gedanken 
hierüber schriftlich niederzulegen. Ich habe es auch nicht allzu sehr 
bedauert, schon aus dem Grunde nicht, weil sich mir im Kriege^) Ge- 
legenheit bot, praktisch die Brauchbarkeit meiner Ideen an einem Pro- 
blem zu messen, welches dem Nationalvermögen leider zunächst viele 
Opfer an Menschenleben und Millionenopfer an Geld gekostet hat; es 
ist das Problem der Ungeziefer- und Schädlingsbekämpfung, welches wir 
im Sinne haben. 

Mit meinen Forderungen und Anschauungen stehe ich nicht isoliert. 
Von zwei Seiten besonders sind ganz ähnliche Gedanken ausgesprochen 
worden, und zwar durch Escherich^) von zoologischer und durch 
Lindner^) von botanischer Seite. Der Leser möge selbst entscheiden, 
inwieweit ich mit genannten Forschern übereinstimme und in welchen 
Punkten ich ihr Programm erweitere^). 

Die „Forderungen des Tages", welche im Laufe des Krieges bei 
der Bearbeitung des Ungezieferproblems ständig an mich herantraten, 
haben mich in folgenden Punkten bestärkt: 

1. Es ist unbedingt erforderlich, daß wir dieses Arbeitsgebiet — 
eben die technische Biologie — zusammenfassen und geistig 



^) Siehe Anmerkungen am Schluß der Abhandlung, Nr. 1 — 5. 



24 Albrecht Hase 

durchdringen. Über das Wesen der Prozesse, die wir durchführen 
wollen, müssen wir uns völlige Klarheit verschaffen. Der in vielen 
hierhergehörigen Fragen leider noch herrschende rein empirische, um 
nicht zu sagen bisweilen dilettantische Zustand muß endgültig ver- 
schwinden^). 

2. Wir müssen dahin streben, der Technischen Biologe die 
Geltung zu verschaffen, welche ihr wissenschaftlich und 
wirtschaftlich zukommt. Doch möchte ich den Dingen, welche im 
ersten Teile erörtert werden sollen, nicht vorausgreifen. Bevor ich auf 
das Thema selbst eingehe, gebe ich dem Wunsche Ausdruck: das, was 
ich jetzt ausführe, möchte Früchte tragen und viele zur einsichtsvollen 
Mitarbeit veranlassen, denn jede, das Allgemeinwohl bedenkende Per- 
sönlichkeit ist befähigt, ja verpflichtet, an ihrem Teil mitzuarbeiten bei 
der Lösung der gewaltigen Probleme, die hier aufgerollt werden sollen. 
Ich versuche, soweit es im Rahaien dieser Zeilen möglich ist, darzulegen, 
von welchem Standpunkte aus ich die Lösung der Aufgaben anstrebe. 



I. Aligemeiner Teii 

Der erste Teil meiner Ausführungen ist allgemein gehalten. Ich 
möchte zunächst auseinandersetzen, was ich unter „technischer Bio- 
logie" alles verstanden wissen will. Wir wollen untersuchen, ob die 
Ideenverbindung zwischen Technik und Biologie eine berechtigte, 
ja, den Zeitverhältnissen entsprechend, nicht sogar eine notwendige ist. 
Damit versuche ich, zugleich eine Rechtfertigung dafür zu geben, daß 
ich mich unterfange, diese Bezeichnung für die Arbeitsziele der an- 
gewandten Biologie überhaupt vorzuschlagen. Schließlich wird im all- 
gemeinen Teil die prinzipielle Bedeutung der technischen Biologie dar- 
gelegt werden; am einfachsten durch den Gang der Ausführungen selbst. 
Doch ehe ich auf die Endfragen zu sprechen komme, muß ich eine 
Reihe von Begriffen festlegen, um Mißverständnisse auszuschalten. Zu 
diesem Zwecke greife ich zunächst auf wohlbekannte Dinge zurück. 

1. Was wir unter Biologie im weiteren Sinne verstehen, ist die 
Wissenschaft von den belebten Wesen, also Anthropologie, Zoologie und 
Botanik zusammengenommen. Im engeren, heute gebräuchlicheren Sinne 
ist Biologie (auch Ökologie) die Wissenschaft von der Lebensbetätigung 
und Lebensführung der Organismen. Zwei Arbeitsrichtungen lassen sich 



^) Siehe Anmerkungen am Schluß ^er Abhandlung Nr. 1 — 5. 



über technische Biologie 25 

in dem ungeheuren Gebiete , zu dem die Biologie angescliwollen ist, 
unscliwer feststellen. 

a) Die reine oder theoretische Biologie, sie erstrebt sowohl 
ein lückenloses Kennenlernen der Organismenwelt, als auch ein Auf- 
decken der die Lebensvorgänge beherrschenden und regulierenden Natur- 
gesetze; kurz: sie strebt die Erforschung des Lebens um der Forschung 
selbst willen an. 

b) Die praktische oder angewandte Biologie dagegen be- 
rücksichtigt in erster Linie Organismen und deren Lebensverhältnisse, 
welche für unsere gesamte Wirtschaft und die Volksgesundheit von 
ausschlaggebender Bedeutung sind. Die angewandte Biologie hat sich 
einerseits auf eine bestimmte Zahl von Lebewesen beschränkt, anderer- 
seits ihr Arbeitsgebiet nach der praktischen Seite hin erweitert. 

Dabei ist es nicht uninteressant, zu verfolgen, wie die theoretische 
Biologie die Beschäftigung gerade mit den alltäglichsten Formen mehr 
und mehr in den Hintergrund schob, um nicht zu sagen, zum Teil ver- 
nachlässigte. Aber, so frage ich, ist ein Tier deshalb weniger inter- 
essant, weil es alltäglich uns umgibt, weil es in millionenfacher Zahl 
zu haben ist? Wir können leider feststellen, daß in Deutschland an- 
gewandte und theoretische Biologie lange Zeit fremd nebeneinander 
her arbeiteten. 

Wenn wir im Laufe der Ausführungen von Biologie sprechen, so 
ist immer die angewandte Biologie gemeint, falls nicht ausdrücklich 
das Gegenteil betont wird. Es ist die Wissenschaft von den Lebe- 
wesen, welche zu unserer Wirtschaft und damit der modernen 
Lebensführung (einschließlich der Volksgesundheit) in wesent- 
liche Beziehung treten, oder, wie wir bald sehen werden, treten 
können. 

Die zeitgemäße angewandte Biologie bedient sich exakter wissen- 
schaftlicher Methoden, und sie soll, will sie nicht zum geistlosen mecha- 
nischen „Betrieb" herabsinken, einen ständigen regen Verkehr zu ihrer 
theoretisierenden Schwester pflegen, wie diese' ihrerseits nicht den 
geringsten Grund hat, verächtlich auf die praktisch sich betätigende 
herabzusehen. Beide sind wesensverwandt und einander ebenbürtig. 

2. Im Thema ist eine besondere Forderung aufgestellt, in der 
verlangt wird, daß die Biologie (also die angewandte) zu einer 
technischen Biologie werden soll. Mit anderen Worten: mit 
technischem Denken und technischen Methoden soll die Bio- 
logie erfüllt werden. — Nicht völlig neu ist dieser Gedanke, da 



26 Albrecht Hase 

andere praktische Biologen und auch Techniker schon derartige Ideen 
in mehr oder minder versteckter Form äußerten^). Neu wird aber zum 
Teil die hier gebrachte scharfe Formulierung und restlose Weiterführung 
der Gedankengänge sein, da sie vor keiner notwendigen Folgerung 
zurückschrecken. Sind es zum Teil auch Zukunftsbilder, welche ich 
nachfolgend aufrolle, so liegen sie doch im Bereiche des tatsächlich 
Erreichbaren. — Chemie und Physik haben sich längst ein technisches 
Denken zu eigen gemacht und durch diese glückliche Gedankenverbindung 
die erstaunliche Höhe aller jener Wissens- und Arbeitsgebiete geschaffen, 
die als chemische, mechanische und Elektrotechnik in aller Munde sind. 
Das gleiche erstrebe ich, wenn natürlich auch zum Teil mit anderen 
Methoden für Objekte aus dem Reiche des Bios. Eine den soeben 
genannten ebenbürtige „Biotechnik" schwelst mir als Zukunftsbild vor. 
Die mit eigenem Ideeninhalt erfüllte Arbeitsrichtung, welche diese 
Forderung erfüllen und die ungeheuren Probleme lösen soll, ist eben 
die technische Biologie^). 

Ehe wir zum speziellen Teil übergehen, müssen noch zwei Punkte 
klargestellt werden, um Mißverständnisse zu vermeiden. Einmal, was 
verstehen wir unter „Technik", ferner, was verstehen wir unter „tech- 
nischem Denken"? 

a) Unter Technik oder Technologie verstehen wir die Wissenschaft 
von den Mitteln und Verfahrungsarten zur Umwandlung von Natur- 
produkten zum Gebrauch, dabei handelt es sich entweder um eine 
Änderung der Substanz (chemische Technologie) oder um eine Änderung 
der Form (mechanische Technologie) oder um eine Umwandlung von 
Kräften, wie zum Beispiel in der Elektrotechnik^). Es stellt also die 
Technik eine ins Praktische übersetzte, aber mit selbständigen Ideen 
erfüllte Arbeitsweise der Chemie und Physik dar, unter Berück- 
sichtigung von wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen. 
Was die Technik also anstrebt und schon auf vielen, von ihr be- 
herrschten Gebieten durchgeführt hat, ist die Dienstbarmachung von 
anorganischen Naturkräften, um dadurch einen höheren Grad der Frei- 
heit unseres Handelns zu erreichen. 

b) Seine Sonderstellung nimmt der Techniker und (damit die 
technische Arbeitswtiise) durch eine wesentliche und ihm eigentümliche 
Denkweise ein, wodurch sich sein Denken von dem des Theoretikers 
unterscheidet. Der Techniker fragt sich: was kann ich aus der kon- 

') Vergl. Anni. Nr. 6. 

2) Vergl. Anm. Nr. 7 u. 8 



über teclmische ßiolugie 27 

kreten Natur, aus einer neuen Naturei'kenntnis alles machen? Zu 
welchen Zwecken kann ich etwas gebrauchen? Mit diesen Gedanken- 
gängen wird der Techniker zum Erfinder. Er forscht also nach neuen 
Möglichkeiten, um die Naturgeschehnisse (welche in das Reich der* Physik 
und Chemie fallen) nach seinem Belieben laufen zu lassen, d. h. er 
reguliert die Vorgänge. Natürlich wird or sie so zu regulieren ver- 
suchen, dal3 das ökonomische Prinzip erhalten bleibt. Es bedeutet dies 
aber nichts anderes als, ein technischer Prozeß soll die größten Effekte 
mit dem geringsten Kraft- und Stoffverbrauch erzielen. Der Techniker 
sucht von den vielfachen möglichen Naturprozessen den heraus, der ihm 
am zweckmäßigsten und am praktischsten erscheint. Weiterhin versucht 
der Techniker schon bekannte technische Prozesse unter Neugestaltung 
der Regulation mehr und mehr zu verbessern. Kurz, eine immer in- 
tensivere Arbeitsleistung wird angestrebt. Aus all dem Gesagten geht 
aber hervor, daß technisches Denken nicht ohne Naturerkenntnis möglich 
ist. Der Theoretiker fragt: wie kann ich dieses oder jenes erklären, 
der Techniker fragt: wie kann ich es für technische Prozesse ver- 
werten. Der erste schafft ideell, der letztere reell. „Was der Natur- 
forscher zergliedert hat, setzt der Techniker zu neuem Wirken wieder 
zusammen" (Wendt, a. a. 0. S. 10). 

Doch damit ist das Wesen des technischen Schaffens und Denkens 
nicht erschöpft. Ständig sucht die Technik nach neuen Stoffen und 
Naturprodukten, nach neuen Kraftquellen, um sie ihrer Bearbeitung zu 
unterwerfen. War die Denkrichtung des Technikers im ersten Falle 
mehr intensiver Natur, so ist sie im letzteren mehr extensiver Natur. 
Der Techniker erklimmt also, indem er die Wege des Erfinders be- 
schreitet, einen höheren Grad der Freiheit, indem er sich zur Herrschaft 
über immer mehr Naturgeschehnisse aufschwingt. 

3. Übertragen wir diese Gedanken auf die angewandte Biologie, 
so wird diese zur technischen Biologie. Was soll also die an- 
gewandte Biologie von der Technik lernen, bezw. übernehmen? Kurz 
gesagt, sie soll die ganze Denkweise sich zu eigen machen. 

a) Übernehmen soll sie den Erfindergeist des Technikers an den 
ihr zukommenden Objekten. Genau so, wie in der mechanischen und 
chemischen Technologie anorganische Naturkräfte reguliert und rationiert 
werden unter Berücksichtigung von ökonomischen Faktoren, so soll der 
Biologe in der technischen Biologie die mannigfachen Kräfte, deren 
Hüter die Organismenwelt ist, für allgemeine, d. h. kulturelle Zwecke 
dienstbar machen. Dieses Verfahren wäre in erster Linie auf jene 



28 Albrecht Hase 

heute verhältnismäßig' sehr geringe Zahl von Lebewesen auszudehnen, 
welche bereits in unserem Kulturbesitz sind (Haustiere, gewisse Mikro- 
organismen, z. B. Hefepilze). Das wäre ein Betätigungsfeld in inten- 
siver Richtung. 

b) Ferner soll die angewandte Biologie (als technische Biologie 
betrieben) extensiv arbeiten und ihre Arbeitsverfahren auf neue Orga- 
nismen ausdehnen. Organische, heute noch nicht benutzte, ja kaum 
gekannte Kräfte müssen aufgesucht, studiert und unserer Wirtschaft 
eingefügt werden. Mit anderen Worten: Es muß mit allen Mitteln 
angestrebt werden, noch mehr Organismen in unseren Kulturbesitz 
überzuführen, bezw. die störenden müssen gänzlich ausgeschaltet werden. 

c) Gehen wir nun noch einen Schritt weiter, so muß ein Punkt, 
welcher ein wichtiges Moment der technischen Biologie ausmacht, noch 
erörtert werden. Die Vorgänge und Äußerungen organischer Kräfte 
sind etwas, was vom lebenden Objekt nicht oder nur teilweise losgelöst 
werden kann. Die Lebewesen selbst, d. h. in ihrer Gesamtheit, sind es 
also, die der technische Biologe nötig hat. Und zwar im wesentlichen 
aus dreifachem Grunde: A. Zunächst als Studienobjekt überhaupt; B. Als 
Objekt zur Regulation von Naturprozessen, indem er bestimmte Kraft- 
äußerungen eines Organismus auf andere Organismen in gewollter Weise 
einwirken läßt (biologische Regulation), oder die Kräfte eines Organis- 
mus in gewollter Richtung steigert und weiter entwickelt (Züchtung); 
C. Als Objekte, auf die er anorganische, von ihm beherrschte Prozesse 
einwirken läßt, um Störungen des Wirtschaftsbetriebes durch diese 
Formen auszuschalten (Bekämpfungsverfahren). 

Aus all dem Gesagten ist aber eines vor allem ersichtlich: nämlich, 
daß die technische Biologie, da sie es mit Organismen zu tun hat, von 
technisch denkenden Biologen betrieben werden muß. — Welche 
Organismen ziehe ich zur Arbeitsleistung heran, wie verwerte ich ihre 
Fähigkeiten, welches wird der zweckmäßigste Weg sein, wie kann ich 
Naturgeschehnisse beliebig regulieren und somit zur Freiheit des Handelns 
über das Geschehen im Reiche des Organischen kommen? Das sind 
Fragen, die hier zur Beantwortung stehen. Der Zweck der technischen 
Biologie ist also ein Erstreben von Freiheit- über den Ablauf des orga- 
nischen Geschehens. Wer technische Biologie treiben will, muß zunächst 
Forscherarbeit leisten, indem er seine Objekte erforscht; nur so wird 
er in den Stand gesetzt, die gefundenen Erkenntnisse zu verwerten und 
die neu aufgedeckten Lebensprozesse beliebig zu regulieren. Vom 
.,Forschen" schreitet er zum „Erfinden" auf biologischem Gebiete. 



über technische Biologie 29 

Zwischen den technischen und biologischen Wissenschaftssystemen stellt 
der technische Biologe die Verbindung her. In all diesen Dingen liegt 
aber noch eines, was der Theoretiker bei seiner Arbeit nicht kennt. 
Der technische Biologe muß, da seine Tätigkeit auf das Prak- 
tische gerichtet ist, auch einen guten Teil von organisatori- 
scher Tätigkeit leisten, damit seine Ideen, seine Erfindungen 
auch zur tatsächlichen Einführung und Anwendung kommen. 
Ohne Organisation keine technische Biologie! 

•Damit glaube ich, soweit es hier möglich ist, zur Genüge folgende 
Punkte dargelegt zu haben. Erstens: was ich unter dem Begriff 
technische Biologie überhaupt verstanden wissen will, zweitens: welche 
inneren Gründe mich veranlassen, für dieses Arbeitsgebiet eine Sonder- 
stellung zu erstreben. 

Es ist in den bisherigen Ausführungen wohl leicht zwischen den 
Zeilen zu lesen, was ich mit Rücksicht auf die Zeitlage fordere. Nämlich, 
daß sich die biologische Wissenschaft noch in ganz anderem Maße als 
bisher bequemen muß, „nutzbare wissenschaftliche Arbeit zu leisten" 
(Lindner, a.a.O. 3b), indem sie sich eine technische Denkweise zu 
eigen macht. Wenn dieses geschieht, so wird in die Arbeitsweise der 
angewandten Biologie eine leitende Idee gebracht, welche in anderen 
Gebieten (Chemie und Physik) sich als äußerst fruchtbar erwiesen hat 
und welche daher als Leitstern dienen kann, einerseits, um eine Zer- 
spKtterung der Arbeitskräfte zu verhindern, andererseits, um eine scharfe 
Erfassung der Arbeitsziele zu gewährleisten. 

In der technischen Biologie reichen sich Theorie und Praxis die 
Hand zur Dienstbarmachung und zur Beherrschung organischer Wesen 
und Prozesse. Wir sahen , daß wir durch ' diese Beherrschung einen 
höheren Grad der Freiheit des Handelns erreichen. Bezweckt wird aber 
durch das machtvolle Entfalten solcher Freiheitsgrade eine Erweiterung 
unseres Kulturbesitzes, bezw. eine intensivere Ausnutzung und Ratio- 
nierung des bisherigen. Ich meine, dies sind Dinge, welche uns zurzeit 
bitter nottun. Was uns verblieben, muß mit weiser Sparsamkeit ver- 
waltet, andererseits müssen neue Arbeitsfelder und neue wirtschaftliche 
Kraftquellen erschlossen werden, auch durch die Mitarbeit der Biologie. 



11. Spezieller Teil 

Im ersten Teil meiner Ausführungen setzte ich auseinander, welche 
Gedankengänge ich der angewandten Biologie einflößen möchte, um sie 



30 Albrecht Hase 

zur technischen Bioloo:ie' weiter zu entwickehi. Ich legte dar, was wir 
iint^ technischer Biologie verstanden wissen wollen. Im speziellen Teil 
will ich über das Arbeitsgebiet der angewandten Biologie einen knrzen 
Überblick geben und an der Hand von einigen Spezialfällen die soeben 
ausgesprochenen Gedanken möglichst klar und einfach erläutern. Damit 
wird zugleich eine Frage beantwortet, die man berechtigt ist zu stellen, 
nämlich die: ist die angewandte Biologie überhaupt geeignet, daß auf 
sie technische Gedanken angewandt werden? Diese Frage ist meines 
Erachtens unbedingt zu bejahen. Durch die gewählten Beispiele dürfte 
die hohe wirtschaftliche und praktische Bedeutung der tech- 
nischen Biologie auch Fernerstehenden ohne weiteres völlig klar 
werden. Sollten durch meine Ausführungen die staatlichen Organe sich 
veranlaßt sehen, in verstärktem Maße diesen Dingen ihre Aufmerksamkeit 
zu widmen, so wäre ein großer Schritt vorwärts getan worden. 

Da es unmöglich ist, alle Gebiete zu beherrschen, so muß der 
Einzelne, um seine Arbeitskraft nicht zu zersplittern, sich auf Teil- 
gebiete konzentrieren. So auch hier. Mehr oder minder innig greifen 
die drei Arbeitsgebiete der augewandten Biologie (Anthropologie, Zoo- 
logie und Botanik) ineinander über, da kein Organismus isoliert in der 
Welt steht, sondern als Funktion der Umwelt im weitesten Sinne er- 
scheint. Die Beispiele, welche ich anführe, sollen vornehmlich aus dem 
Gebiete der angewandten Zoologie^) genommen ^ werden, da mir 
dieses Gebiet durch eigene Arbeiten nicht fremd ist. Botanik und 
Anthropologie wollen wir aus obigen Gründen nur in zweiter Linie zur 
Heranziehung von Beispielen benutzen, aber in prinzipiellen Fragen sind 
sie vollkommene Analoga der technischen Zoologie. Ich habe deshalb, 
zumal die drei Gebiete sich eng berühren, im allgemeinen Teil nur 
von einer technischen Biologie schlechthin gesprochen. 

Gehen wir zur angewandten Zoologie über und untersuchen, ob 
deren Probleme geeignet sind, nach technischen Prinzipien bearbeitet 
und mit technischen Gedankengängen erfüllt zu werden. Doch ehe wir 
diese Untersuchungen anstellen, muß ich den diesen Dingen ferner 
Stehenden den Umfang des Arbeitsgebietes der angewandten Zoologie 
kurz umgrenzen. In der angewandten Zoologie sind folgende Gebiete 
von hervorragender, auch wirtschaftlich ausschlaggebender Bedeutung: 
a) die landwirtschaftliche, b) die forstwirtschaftliche, c) die wasser- 
wirtschaftliche, d) die medizinisch-hA^gienische Zoologie. 



V) Vergl. Anm. Nr. 9. 



über technische Biologie 3X 

Wer in diesen Gebieten technisch denkend arbeiten will, kann 
sich verschiedenfach betätigen: erstens: in der Erforschunö- bereits be- 
kannter Tierfornien (besonders der Haustiere), zweitens, im Aufsuchen 
und in der Dienstbarmachung; von neuen Tierforinen, drittens, in der 
Abwehi-, d. h. Bekämpfung von Tierformen, die entweder unseren Besitz 
schädigen oder gar zu vernichten drohen, oder unsere Gesundheit bezw. 
die unserer Haustiere untergraben. 

1. Greifen wir zunächst ein Problem heraus, an dem angewandte 
Zoologie und Botanik in gleicher Weise aufs höchste interessiert sind! 
— Hervorragend geeignet zur Verwertung technischer Ideen ist das 
Problem der Züchtung von Haustieren (und überhaupt von Tierformen) 
einerseits und von Nutz- und Kulturpflanzen andererseits^). Hier tritt 
mit am klarsten das in Erscheinung, was wir als Regulation von Ge- 
schehnissen im Reiche des Organischen bezeichneten. 

Der Züchter will die uns konkret gegebenen Objekte (also Pflanzen 
und Tiere) zweckvoll (d. h. für seine Zwecke) umgestalten oder be- 
stimmte Fähigkeiten dieser Organismen in bestimmter Richtung steigern 
oder abschwächen. Wie wird er am sichersten zum Ziele gelangen? 
Sicher dann, wenn er technisch denkt, d. h. aber nichts anderes, als 
organische Kräfte, hier in erster Linie den Prozeß der Vererbung und 
Fortpflanzung so zu regulieren, daß der gewollte Zweck mit Sicherheit 
und in kürzester Zeit eintritt. Ist der Züchter in der Lage, den Ablauf 
der natürlichen Geschehnisse (hier Vererbung und Fortpflanzung) zu 
beherrschen, dann hat er die von der Technik angestrebte Freiheit 
erreicht. Fehlschläge der Züchtung sind dann nicht mehr möglich und 
der gewollte Zweck kann jederzeit beliebig wiederholt werden. Daß 
heute unsere Züchtung noch nicht diesen hohen technischen Stand 
erreichte, das wissen wir alle. Ehe er erreicht werden wird, muß auch 
noch ein gut Teil Forscherarbeit an der Natur geleistet werden, durch 
noch tieferes Eindringen besonders in die Gesetze der Vererbung, 
Variabilität und Fortpflanzung. 

2. Als zweites Beispiel wähle ich eines aus der landwirtschaft- 
lichen Zoologie. Die Frage nach der Kraftleistung des Tierkörpers 
beschäftigt den Praktiker seit uralten Zeiten^). Wenden wir auf dieses 
Problem technische Gedankengänge an, so wird die Aufgabe so lauten: 
Unter welchen Bedingungen erziele ich die relativ höchste Arbeits- 
leistung? Wie muß ich meine „Tiermaschinen" mit Kraftzufuhr speisen, 



1) Vergl. Antn. Nr. 10 u. 11. 



32 Albrecht Hase 

um den gewollten Zweck (Kräfteentfaltung) in der rationellsten Weise 
zu erzielen? Wann und wie muß ich die Ernährungsprozesse regulieren, 
um den gewollten Zweck mit Sicherheit zu erreichen? 

Die Fragen des Energieumsatzes im lebenden Organismus erscheinen 
dem Praktiker, ja in einem anderen Lichte, als dem physiologischen 
Theoretiker, der sich auch mit diesen Dingen beschäftigt. In der Praxis 
kommt eben etwas hinzu, was dem Theoretiker fremd ist, es ist die 
Frage der Wirtschaftlichkeit. Ich will das Beispiel nicht in weiteren 
Einzelheiten verfolgen, denn alle, die mit Tierhaltung irgend etwas zu 
tun haben, wissen, von welch entscheidender Bedeutung die soeben 
angeschnittenen Fragen in der Jetztzeit sind. Alle Praktiker werden 
das Gefühl haben, daß hier die technische Denkweise in der landwirt- 
schaftlichen Zoologie noch Großes und wirtschaftlich höchst Bedeutungs- 
volles leisten wird. 

3. Noch ein weiteres Beispiel aus der landwirtschaftlichen Zoo- 
logie will ich anführen. Tierprodukte sind heute unserer Wirtschaft 
unentbehrlich. Einen Teil liefert uns das Tier nach seinem Tode (Häute, 
Knochen, Fleisch, Fett usw.), einen anderen Teil auch während seines 
Lebens (Milch, Fett, Haare). Der vom technischen Biologen gewollte 
Zweck ist der, eine größtmögliche Produktion zu erzielen. Um dies zu 
erreichen, wird er alle Prozesse, die sich während des individuellen 
Lebens abspielen, eingehend verfolgen und fortgesetzt regulieren müssen. 
Alle Faktoren, die seiner gewollten Regulation hinderlich sind, werden 
ausgeschaltet, die fördernden dagegen verstärkt. Das Resultat seiner 
rein technischen Gedankengänge wird letzten Endes ein zweckvolles 
Umgestalten von Einzelindividuen sein, das ist aber in diesem Falle 
eine Verschiebung d. h. Umänderung von organischen Kräften. 

Ein angenommenes, etwas schematisiertes Beispiel soll das Gesagte 
noch klarer machen. Jemand hat Schafe, welche zurzeit ein Wollkleid 
von 6 cm Länge tragen. Angenommen, in drei Monaten muß oder will 
er die Tiere schlachten, möchte aber bis dahin ein Vlies von 10 cm 
Länge haben. Wie, wann, durch welche Mittel muß er in das organische 
Kräftespiel eingreifen, um den gewollten Zweck mit Sicherheit und mit 
geringstem Energie- (d. h. Futter-)aufwand zu erreichen? Sollte es uns 
nicht gelingen, Stoffe, bezw. Verfahren aufzufinden, die geeignet sind, 
eine Funktion des Tierkörpers (im angenommenen Beispiel das Wachs- 
tum der Haare) in ungewöhnlichem Maße, aber in von uns beabsichtigter 
Weise zu steigern? 



über technische Biologie 33 

4. Da eine Fülle von Aiifg-aben für den technischen Biologen 
vorliegt, so möchte ich noch einige Beispiele anführen. Jedem Denkenden 
wird es auffallen, daß die Zahl der Tierformen, die in unsere ständige 
Nutzung überging, so außerordentlich gering ist, im Vergleich zu der 
Fülle von Arten, welche die heutige Zoologie kennt, und die uns heute 
umgibt. 

Bekannt sind, um nur einige Zahlen zu nennen, etwa 4500 ver- 
schiedene Arten von Protozoen, 800 Schwämme, über 5000 Würmer, 
6000 Krebse, 4500 Spinnen; 250000 Insekten sind bekannt, d. h. be- 
schrieben, das ist nach fachmännischem Urteil aber erst etwa ein Viertel (!) 
der tatsächlich vorhandenen, 22000 Mollusken, 12000 Fische, 1000 
Amphibien, 3200 Reptilien, über 10000 Vögel und mehr als 2300 Säuge- 
tiere M. 

Vergleichen wir damit die Zahl der Formen, die zu Haustieren 
geworden ist! Etwa 20 verschiedene Säugetierarten, etwa 15 ver- 
schiedene Vogelarten und ebensoviele Fische, ferner knapp 10 ver- 
schiedene Insektenarten. Das ist alles! Ist das eigentlich nicht be- 
schämend? Geht daraus nicht sonnenklar hervor, daß die angewandte 
Biologie bisher an einer gewissen Armut an schöpferischen Ideen ge- 
litten hat? Sind denn von der Fülle der Formen, die uns die Natur 
bietet, nur so wenig Geschöpfe geeignet, um in unseren Dienst ge- 
zwungen, d. h. von uns technisch ausgewertet zu werden? 

Hier öffnet sich der angewandten Zoologie noch ein ungeheures 
Feld der Betätigung, wenn man mit technischen Ideen an diese Riesen- 
aufgabe herantritt. Denn nicht der Wille des Tieres ist das Ent- 
scheidende bei der Haustierwertung, sondern der des Menschen, dieses 
oder jenes Geschöpf in seine Dienste zu zwingen. Ich persönlich 
w^enigsteus stehe auf dem Standpunkte, daß wir noch eine stattliche 
Zahl von Tieren zu Haustieren machen können, oder mindestens zu 
Nutztieren. Der „Biotecliuiker", um diesen Ausdruck zu prägen, wird 
sich angesichts dieser Tatsache die Fragen vorlegen: wo greife ich ein, 
um diese oder jene Tierart in mein Machtbereich zu ziehen? Durch 
welche Mittel und wie muß ich diesen oder jenen Lebensprozeß (also 
eine organische Kraftäußerung) eines Tieres regulieren, um einen be- 
stimmten Zweck zu erzielen? Oder: wie kann ich Tiere, welche sich 
bis jetzt jeder menschlichen Nutzung entziehen, systematisch nutzbar 



^) Vergl. Anm. Nr. 12. 
Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIU. 



34 Albrecht Hase 

machen durch Auswertung ihrer psychischen (Instinkte) und physischen 
Fähigkeiten?^) 

Haben denn solche Ideen etwas Ungeheuerliches? Mutet es uns 
nicht wie ein Märchen an (wenn ich einen Fall aus der mechanischen 
Technik bringe), daß ein ernster Gelehrter, der Physiker Coulomb,, 
vor rund 150 Jahren „exakt" bewiesen, es sei unmöglich, daß Menschen- 
jemals fliegen könnten. Wem erscheint heute ein Flug von 100 km in 
2000 m Höhe eine besondere Leistung? Hier war der Wille des Er- 
finders, also Technikers, erfolgreich. Sollte er auf biologischem Gebiete 
scheitern bei der Verfolgung der soeben skizzierten weiten Ziele? 

5. Wie ich Beispiele aus der landwirtschaftlichen Zoologie wählte, 
kann ich sie in gleicher Fülle der wasserwirtschaftlichen Zoologie ent- 
nehmen! Die Fragen der Abwasserbeseitigung einerseits, des Fischerei- 
wesens andererseits, bieten hundertfache Angriffspunkte für technische 
Gedankengänge. Gewaltige Mengen von Abfallstoffen, besonders von 
hochwertigen Stickstoffverbindungen führen Tag für Tag, jahraus jahr- 
ein unsere Flüsse ins Meer und entziehen sie so unserem wirtschaft- 
lichen Kreislauf. Gibt es hier keine restlose Abhilfe? Ist der Ablauf 
der sich hier abspielenden Naturvorgänge unserer Beeinflussung völlig 
entzogen? Können diese Prozesse nicht in konservativ wirtschaftlichem 
Sinne geregelt werden? Solche Fragen werden unablässig den bewegen, 
der als praktischer Hydrobiologe technisch denkt. Können wir nicht 
Verfahren ausarbeiten, um die niedere und höhere Organismenwelt des 
Wassers (Pflanzen wie Tiere) in unseren Dienst zu zwingen, indem wir 
ihre Fähigkeiten benutzen, die gelösten Stickstoff Verbindungen fest- 
zuhalten und sie in ihrem Körper zu speichern, aus dem sie von uns 
restlos zurückgewonnen werden. 

Führende Männer der fischereilichen Forschung haben sich diese 
Frage auch vorgelegt und Vorschläge ausgearbeitet, die, soweit sie 
durchgeführt wurden, sich glänzend bewährten. Ich führe dieses Bei- 
spiel an, damit man ersieht, daß die technische Denkweise auch in der 
angewandten Biologie gerechtfertigt, ja notwendig ist. Der Vorgang 
ist kurz folgender: Die hochwertigen organischen stickstoffhaltigen 
Abwässer werden nach Verdünnung in Teiche geleitet. Die daraufhin 
sich entwickelnde ungeheure Bakterien- und Algenflora gibt zunächst 
einzelligen Tieren (Protozoen), diese zusammen mit den Algen wiederum 
Würmern und kleinen Krebsen reichlich Nahrung, In dem Maße, wie 

') Vergl. Anm. Nr. 13. 



über technische Biologie 35 

diese Formen gedeihen, werden die organischen Verbindungen auf- 
gespalten und aufgebraucht, um durch den Kreislauf der Stoffe als 
niedere Organismen in Erscheinung zu treten. Diese niederen Tier- 
formeu, denen sich bald höhere, besonders Krebse, Insektenlarven und 
Schnecken zugesellen, dienen eingesetzten Fischen zur Nahrung, welche 
in Form von Fischfleisch (also als stickstoffhaltiges Eiweiß) in unsere 
Wirtschaft wieder zurückfließen. Hier haben wir einen regulierten, also 
technischen Prozeß vor uns. Diese schönen Anfangserfolge geben uns 
Hoffnung, noch mehr in dieser Hinsicht zu erzielen. 

Weitere eminent wichtige Aufgaben aus der wasserwirtschaftlichen 
Zoologie, wie: die Frage der Zucht von marinen Fischen, von Austern, 
Mießmuscheln , Klaff muscheln , die Frage der Hummerzucht, die Frage 
nach der Nutzbarmachung von Plankton usw. usw. werden meines Er- 
achtens nur dann in befriedigender Weise zu lösen sein, wenn man mit 
technischem Denken an sie herantritt. 

6. Besonders fruchtbar erscheint es mir, mit technischen Ideen 
auf einem Betätigungsfelde vorzugehen, welches wirtschaftlich eine 
ungeheure Bedeutung besitzt, es ist die Bekämpfung aller der Tier- 
formen, die in der Lage sind, unter Umständen unseren ganzen Besitz 
an lebendem und totem Inventar zu schädigen oder gar zu vernichten; 
oder, was noch schlimmer ist, welche unsere Gesundheit direkt oder 
indirekt schwächen und somit eine Arbeitsbetätigung zeitweise unmöglich 
machen. Das Riesengebiet der Schädlings- und Parasitenbekämpfung 
betreten wir damit. Rein aus praktischen Gründen trennt man seit 
langem die medizinisch -hygienisch schädlichen Formen (d. h. die Para- 
siten des Menschen und der Haustiere) von dem übrigen hier in Frage 
kommenden Heer der Schädlinge ab. In der prinzipiellen Behandlung 
der in beiden Gebieten auftauchenden Fragen mache ich keinerlei Unter- 
schied. 

Sowohl in Land- wie Forst- und wasserwirtschaftlichen Betrieben 
treten Schädlinge tierischer Natur auf, wir sind also berechtigt, in der 
täglichen Praxis von land- und forstwirtschaftlichen usw. Schädlingen 
schlichthin zu sprechen. Je nach der Art des verursachten Schadens 
unterscheidet man wieder z. B. Getreide-, Gemüse-, Obst-, Speicher- 
und Waldschädlinge. Bei weitem das größte Kontingent stellen die 
Insekten, so daß ein spezielles Gebiet der Insektenkunde, die angewandte 
Entomologie, sich mit ihnen befaßt. Wenn es uns gelingt, diese nach 
jeder Richtung hin zu einer technischen Wissenschaft auszubauen, bezw. 
weiter zu entwickeln, dann dürften uns, meiner festen Überzeugung nach, 

3* 



36 Albrecht Hase 

glänzende Erfolge bescliieden sein. Ein kleiner Anfang ist gemacht, 
wie ich späterhin zeigen werde. 

Die Frage der Schädlingsbekämpfung ist jetzt mehr denn je akut 
geworden. Unsere Wirtschaft ist verarmt, und eiserne Notwendigkeit 
zwingt uns zur größten Sparsamkeit. Zur Ausübung dieser gehört aber 
eine wohl organisierte Schädlingsbekämpfung, sowohl der Parasiten als 
auch der pflanzlichen und Vorratsschädlinge. Von mancherlei Seite, 
von Fachzoologen und Bo'tanikern, von Volkswirtschaftlern sind diese 
Fragen teils in der Fach- teils in der Tagespresse erörtert worden. 
Wir könnten sie im Rahmen unserer Ausführungen unmöglich übergehen. 

Zunächst einige Vorbemerkungen , die im Zusammenhang mit 
Dingen stehen, welche ich eingangs des allgemeinen Teiles besprach. 
Dort wurde gesagt, daß ein technisches Denken die naturwissenschaft- 
liche Erkenntnis zur Voraussetzung hat, oder, was dasselbe besagt, nur 
der ist befähigt, richtig technisch zu denken, der Forscherarbeit an 
seinen Objekten geleistet hat. Wer also Parasiten oder Schädlinge 
bekämpfen will, muß sie genauestens kennen. Was in der modernen 
Schädlingsbekämpfung alles an Kenntnis einer Form verlangt wird, 
dafür nur ein Beispiel. Ich führe es deshalb an, um zu beweisen, daß 
der theoretische Zoologe absolut keinen Grund bat, auf den praktisch 
Arbeitenden herabzusehen. Bevor wir von einer Kenntnis im vollsten 
Sinne des Wortes eines Schädlings oder Parasiten sprechen können, 
sollten etwa folgende Punkte klargelegt sein: 1. die systematische 
Stellung, 2. Morphologie, 3. Anatomie und Histologie, 4. Ontogenie, 
5. Physiologie, 6. Biologie und Ökologie, 7. Pathologie, 8. die medi- 
zinisch-hygienische Bedeutung, 9. die geographische Verbreitung, 
10. die Ökonomik, d. h. wirtschaftliche Bedeutung. 

Von wievielen der zu hunderten uns täglich schädigenden Formen 
wissen wir das? Und von wieviel Formen ist es Allgemeingut? Welche 
riesige Arbeit noch zu leisten ist, ist jedem damit näher Vertrauten 
klar^). um ein konkretes Beispiel zu nennen: Es gibt kein umfassendes 
deutsches Buch, welches uns über die gewöhnlichen Stubenfliegen und 
die damit zusammenhängenden Fragen (z. B. Ruhr-, Cholera- und Tier- 
seuchenverbreitung) unterrichtet. Wie hoch ist das Kapital, welches 
jährlich für eine nutzlose Fliegenbekämpfung verausgabt wird?^) 

Nach dieser Abschweifung zurück zum eigentlichen Gang der 
Ausführungen. 



*) Vergl. Anm. Nr. 14 u. 15. 



NÜber technische Biologie 37 

a) Wir müssen zunächst uns einmal klar machen, was eine In- 
vasion von Schädling:en (z. B. Heuschrecken) oder ein Massenauftreten 
(Maikäfer, Nonne, Kiefernspinner) oder eine Massen Vermehrung von 
Ungeziefer und Parasiten (Läuse, Mücken, Fliegen) eigentlich bedeutet. 
Letzten Endes ist es das Resultat einer Verkettung und Häufung voq 
für die betreffende Tierart besonders günstigen Lebensumständen, welche 
die Kräfte und Kraftäußerungen der jeweiligen Formen auf ein erstaun- 
liches Maß steigerten. 

Damit z. B. ein Massen auftreten (wir wollen es einmal mit M 
bezeichnen) von Fliegen möglich ist, müssen eine Keihe von Bedingungen 
(nennen wir sie einmal A bis E) erfüllt sein, wie: A. optimale Wärme, 
B. gute Feuchtigkeitsverhältnisse, C. bestmögliche Ernährung, D. starke 
Fortpflanzung, E. Mangel natürlicher Feinde usw. usw. (im einzelnen 
sind uns die Bedingungen oft noch ganz unbekannt). Kurz, eine Reihe 
von Geschehnissen (A bis E) müssen nacheinander ablaufen, damit eine, 
von den vielen an sich möglichen Naturerscheinungen (hier M) zustande 
kommt. Dies besagt: M ist nur möglich, wenn A 4- B -|- C -|- I^ • • • 
usw. nacheinander eintreffen, bezw. sich summieren. Was will nun der 
technisch denkende Biologe? Sein Streben geht zunächst dahin, die 
Reihe von A -[- B -j- C usw. von Naturprozessen kennen zu lernen. 
Sobald er über diese Kenntnisse verfügt, macht er die betreffenden 
Tierformen zum Objekt eines technischen Prozesses, indem er „zweck- 
mäßig" eines der notwendigen Zwischenglieder ausschaltet, über Gebühr 
verzögert, oder die Reihenfolge A bis E derartig äudert, daß das frühere 
biologische Resultat (die Massenvermehrung M) nicht mehr eintritt. Er 
sucht also nach Möglichkeiten, das Naturgeschehen nach seinen ge- 
wollten Zwecken zur Erreichung eines bestimmten Zieles laufen zu 
lassen. Er gelangt so dahin, wohin der Techniker auf anorganischem 
Gebiet schon längst gelangte, nämlich zur Freiheit über das organische 
Geschehen. Nicht die Gültigkeit der Naturgesetze will er umstoßen 
(denn das ist unmöglich), sondern nur ihre Reihenfolge ändern. 

Die Eingriffe des Biotechnikers in die oben genannte Reihe A 
bis E werden natürlich da stattfinden, wo sie am tiefgreifendsten, d. h. 
am praktischsten sind. Durch Überlegungen an der Hand seiner bio- 
logischen Kenntnisse, wird derselbe auch bald herausfinden, nicht nur 
wo er eingreift, sondern auch mit welchen Mitteln. Er wird sich 
einen ganz bestimmten Plan machen, ob er seine Angriffe auf den Gesamt- 
organismus ausführt, z. B. durch Einschalten natürlicher Feinde (die 
sog. biologische Bekämpfung), oder ob er durch chemische oder phy- 



38 Albreclit Hase 

sikalisclie Mittel (die sog. Bekämpfung mit technischen Mitteln) ge- 
wisse Funktionen des tierischen Organismus z. B. (die Atemfunktion) 
so schwer schädigt, daß die Bedingungen, unter denen M nur möglich 
ist, nicht eingehalten werden. 

b) Betrachten .wir von diesen Gesichtspunkten Beispiele, die teils 
tatsächlich vorliegen, teils für vorliegende Zwecke von mir konstruiert 
wurden! Ich wähle zunächst ein in der angewandten Entomologie 
klassisches Beispiel. 

Ungefähr um 1868 wurde von Australien oder Neuseeland nach 
Kalifornien eine Schildlaus (Icerya Purchasi) eingeschleppt, die sich 
sofort über die Orangen- und Zitronenplantagen ausbreitete, unter un- 
geheurer Vermehrung. Da die Kulturen sehr bald unter den Angriffen 
der Schildläuse (sie saugen die Säfte der Pflanze) lebensgefährlich zu 
leiden hatten und völlig zu verkümmern begannen, so traten schwere 
wirtschaftliche Schäden ein, daß man ernstlich daran dachte, die bisher 
blühenden Orangen- und Zitronenplantagen aufzugeben. Versuchte 
Bekämpfungsmaßnahmen brachten keine wirksame Abhilfe. Die diese 
Frage bearbeitenden Entomologen forschten daraufhin nach der Heimat 
der Icerya und stellten Australien als solche fest. Weiterhin wurde 
studiert, welche Umstände eine Überverraehrung der Schildlaus in der ur- 
sprünglichen Heimat verhinderten. Nach manchen Irrtümern fand man die 
Ursache im Vorhandensein eines kleinen sonst harmlosen Käfers (Novius 
cardinalis). Dieser war der natürliche Feind der Icerya. Man brachte diesen 
nach Kalifornien, züchtete ihn und ließ ihn auf die Schildlaus los, die 
in Milliarden die Plantagen bevölkerten. Dei' Käfer fand die günstigsten 
Nahrungs Verhältnisse und sonst auch zusagende Bedingungen. Er ver- 
mehrte sich lebhaft und fraß bald die Schildläuse auf. Den Obstbauern 
erschien es wie ein Wunder. Nach diesem glänzenden Erfolg hält man 
jetzt ständig Novius cardinalis in besonderen Anstalten, um ihn immer 
wieder verwenden zu können, falls die Schildläuse nochmals auftreten. 
An diesem klassischen Beispiele ist ersichtlich, wie man in der an- 
gewandten Entomologie, als technische Biologie betrieben, in der Lage 
ist, Naturvorgänge regulierend zu beeinflussen. 

Analysieren wir den Fall, indem wir ihn möglichst vereinfacht 
denken^). Damit das Ereignis der Massenansammlung (M) der Schild- 
läuse eintritt, muß ein günstiges Klima (A) und eine gute Ernährung (B) 
vorhanden sein. Da A und B zusammen eine gesteigerte Fruchtbarkeit 



') Vergl. Aura. Nr. Ki. 



über teclmisclie Biologie 39 

(C) mit sich bring:en und da natürliche Feinde (D) im neuen Wohn- 
gebiete fehlen, so kommt es zur Massenansammlung dieser Tierform. 
Im Massenauftreten verursacht sie schwerste Schädigungen. Was ge- 
schah hier von Seiten der Entomologen? Sie regulierten die Folge der 
Natur^eschehnisse : 

A + B + C = M 
M4-A-i-B + C = 2M 
2 M + A -j- B + C = 3 M ' 
3M + A-fB + C = 4M usf. bis 



' »" 



bis n M + A + B + C = 00 M 

(d. h. die Massen der Schildläuse nahmen bis ins Unendliche zu), indem 
sie den Faktor D einschalteten, wodurch die Kette sofort unterbrochen 
wird. Natürlich verschwand M nicht sofort mit Ansiedlung des natür- 
lichen Feindes, aber es trat eine Verringerung von oo M bis auf auf 
M ^ ein. Der Vorgang ließe sich etwa folgendermaßen vorstellen: 

ooM + A + B + C + D = °^ 

^^ -fA-f-B + C-j-D = ~M usw. bis 

|_M + A + B + C4-D = f 

M M 

y+A+B+C+D=y 

M M 

^+A+B+C+D=^ 

usf. bis M = wird. Sobald dann M = unendlich klein oder = 
wird, ist die Kalamität beseitigt. 

Wir haben hier einen regulierten, also technischen Prozeß vor 
uns, wie er biologisch eleganter kaum gedacht werden kann. Um ihn 
beliebig wiederholen zu können, hält man den einen Faktor (d. h. die 
natürlichen Feinde Novius cardinalis) ständig vorrätig; ganz ähnlich 
wie beim Chemiker bestimmte Reagenzien immer im Laboratorium vor- 
handen sind. 

c) Nach diesem konkreten Falle will ich ein teilweise kon- 
struiertes Beispiel anführen. Der Apfelblütenstecher (Anthonomus po- 
morum), ein Käfer, hat die üble Angewohnheit, die Knospen der Apfel- 
bäume anzustechen und darin seine Eier unterzubringen. Die aus- 
kriechende Larve zerfrißt den Fruchtknoten, und damit ist die Hoffnung 



40 Albrecht Hase 

auf Ertrag in dem betreffenden Jahre vernichtet. Nehmen wir einmal 
an, es seien bestimmte Geruchsstoffe in der Knospe der Apfelblüte, 
welche die Weibchen des Käfers anlocken. Dann müßte man versuchen, 
diese Stoffe ausfindig- zu machen, sie herzustellen, und in geeignete 
Fanggeräte verteilen zur Zeit der Eiablage. Der Käfer würde dann, 
indem wir sein Geruchsvermögen benutzen, um ihn irr zu leiten, durch 
einen von uns regulierbaren Vorgang vernichtet. Aber leider sind wir 
noch nicht so weit. 

Dieses konstruierte Beispiel führt uns zu Ausblicken besonderer 
Art, die sich der Biotechniker in weitgehendstem Maße zunutze 
machen muß. Ich habe hier folgendes im Sinne: Wir wissen, daß die 
Tiere, besonders die Insekten, in bezug auf bestimmte chemische und 
physikalische Konstanten eingestellt sind. So z. B. unterbleibt die Ei- 
ablage, wenn nicht bestimmte Temperaturgrade erreicht werden, oder 
wenn sie auch nur einmal überschritten werden. Bei anderen Formen 
wieder ist ein bestimmter Salzgehalt des Wassers, ein engumgrenzter 
Feuchtigkeitsgehalt der Luft von nöten. Wieder andere sind in ihrem 
zeitlichen Auftreten an ganz bestimmte Pflanzen gebunden. Noch 
andere lassen sich durch ihren Lichtsinn oder -Geruchssinn leiten, ihre 
Schlupfwinkel zur Eiablage oder als Versteck aufzusuchen. Kurz 
tausenderlei Bedingungen sind es, welche das Verhalten der Tiere be- 
stimmen. Was soll nun der Biotechniker tun? Er soll diese vitalen 
oder katastrophalen Bedingungen künstlich herstellen, um so entweder 
die zu bekämpfenden Schädlinge durch Erregung ihrer Sinnesorgane an- 
zulocken und dann durch zweckentsprechende sekundäre Maßnahmen zu 
vernichten, oder aber durch katastrophale Bedingungen die Funktionen 
so zu stören, daß beispielsweise die Eiablage dauernd unterbleibt. In 
beiden Fällen findet eine. Regulation, also ein technischer Prozeß statt, 
der mit den richtigen Mitteln durchgeführt, praktisch das gleiche Re- 
sultat zeitigt, nämlich Vernichtung des Schädlings. 

Mit welchen Mitteln, ob mit chemischen oder mit physikalischen, 
oder ob mit beiden zusammen, eingegriffen wird, ist vom Biologen von 
Fall zu Fall zu entscheiden. Immer aber wird er technisch denkend 
das wählen, welches am zweckdienlichsten ist. 

Es ist noch ein weiter Weg, ehe wir so weit sind, daß wir für jeden 
Naturvorgang, in unserem Falle das Auftreten eines Schädlings, das 
üniversalmittel kennen, so wie der Chemiker nur zu einem bestimmten 
Reagens zu gi^eifen braucht, um einen Vorgang in bestimmter Richtung 
ablaufen zu lassen. Bevor wir dahin kommen, muß noch unendlich viel 



über technische Biologie 41 

Arbeit g-eleistet werden, und zwar solche, die teils mehr auf öko- 
log-ischem, teils mehr auf physiologischem Gebiete liegt. Denn wenn 
man in der Schädlingsbekämpfung mit Gasen (Kohlenoxyd, schwefliger 
Säuue, Blausäure, Arsenwasserstoff, Schwefelwasserstoff, um nur einige 
zu nennen) oder mit festen bezw. gelösten Giften (wie Blei-, Arsen-, 
Kupfer-, Schwefelverbindungen oder solchen organischer Natur wie 
Karbolineum, Petroleum, Naphthalin) arbeitet^), so muß man sich klar 
sein, von welchem Organsystem aus man einen Schädling bekämpfen 
will." Man muß rein physiologisch und toxikologisch feststellen, ob und 
in welcher Lebensperiode die betreffende Form am wirksamsten an- 
greifbar ist. Man muß sich überlegen: in welche Folge der Lebens- 
prozesse, in welche Ketten von rein physiologischen Funktionen man 
eingreifen will, um sie zu stören oder so zu verschieben, damit ein ge- 
wollter Zweck auch tatsächlich zustande kommt. Stellt man -derartige 
Überlegungen nicht an, schaltet man nicht technische Gedankengänge 
ein, dann wird man einmal praktisch Mißerfolge haben und zweitens 
anstatt wissenschaftlich nur dilettantisch arbeiten. 

Will ich also' z. B. bei einem Schädling die Geruchsorgane 
schädigen, um so das gegenseitige Auffinden der Geschlechter unmöglich 
zu machen, womit ich die Fortpflanzung ausschalte, dann bedarf es 
einer Kenntnis der Sinnesapparate nach der physiologischen Seite hin. 
Wer überhaupt mit Giften in der Schädlingsbekämpfung arbeiten will, 
muß sich vorher klar werden, ob er z. B. vom Respirations- oder vom 
A^erdauungsapparat aus die Lebensfunktionen beeinflussen, bezw. lebens- 
gefährdend stören kann und will '). 

Ferner kann man versuchen mit rein physikalischen Mitteln wie 
Wärme, Licht, Elektrizität in die Lebensführung eines Schädlings oder 
Parasiten einzugreifen. Man könnte, um ein angenommenes Beispiel zu 
nennen, gegebenenfalls folgendermaßen vorgehen: der Schädling lebt 
teilweise im Boden, dort hat -er seine Eier in Winterruhe liegen ; bei 
einer gewissen Temperatur schlüpfen sie aus. Die Larven bedürfen 
bald Futter, w^elches sie nur im Frühjahr finden. Führt man also 
vorzeitig Wärme künstlich zu (eventuell durch Bodenerwärmung mittels 
Wasserdampf), so wird in den Ablauf des Geschehens eingegriffen, der 
zeitliche Verlauf des Entwicklungsganges wird in bestimmter Richtung 
verschoben, die zum Ausschlüpfen gezwungene Brut ist dem Verhungern 
preisgegeben, der gewollte Zweck ist durch eine bestimmte Regulation 



^) Vergl. Anm. Nr. 17 u. 18. 



42 Albrecht Hase 

der oiganischeji Prozesse mittels eines physikalischen Vorgangs erreicht. 
So stellt sich das Problem im Gedankengang des Biotechnikers dar. 

Bevor ich zum Schlüsse eile, will ich noch einige Probleme von 
größter wirtschaftlicher Tragweite nennen. Sie sind es wert, einer 
technischen Bearbeitung unterzogen zu werden. — So können wir ver- 
suchen die Fülle der organischen Kräfte, die uns bei dem Massen- 
auftreten eines Schädlings bestürmen, in bestimmte Bahnen um- 
zulenken, und letzten Endes aus dem Schädling ein nützliches 
Glied unserer Wirtschaft machen. Auf botanischem Gebiete ge- 
schah dies bereits, indem man die organischen Kräfte der Gärungspilze 
und -Bakterien technisch nutzbar machte'). Sollten ganz analoge Dinge 
auf zoologischem Gebiete unmöglich sein? Ich denke nicht! Könnten 
wir z. B. nicht die Instinkte und Gewohnheiten der kot- und aas- 
fressenden Insekten, bezw. ihrer Larven, zur Fäkalbeseitigung und 
-Umarbeitung auswerten?') Sollte uns die ungeheure Schärfe der Ge- 
ruchsorgane vieler Tiere nicht als Indikator in der Chemie dienen 
können? Wäre es nicht denkbar, daß man die Lautproduktion gewisser 
Insekten zu akustischen Versuchen heranzöge? Wäre es undenkbar, daß 
man die Fähigkeit einer Unmasse von Gliedertieren Gespinste anzufertigen 
verwertete zur Gewinnung tierischer Faserstoffe? Denn warum sollten 
hierzu nur die wenigen heute in Kultur befindlichen Seidenspinnerarten 
ausschließlich verwendbar sein? Daß natürlich solche Probleme nicht von 
heute auf morgen gelöst werden können, brauche ich wohl kaum zu be- 
tonen; aber ihre Inangriffnahme prinzipiell abzulehnen, dafür liegt kein 
zwingender Grund vor. — Mir erscheinen derartige Probleme nicht 
kühner als die des drahtlosen Fernsprechers, des Quellungsmotors oder 
der Immunisierung gegen Infektionskrankheiten. 

Doch zurück nach diesem Fernblick zu Aufgaben, die uns heute 
die Wirklichkeit aufdrängt und die der Arbeit technisch denkender Bio- 
logen dringend bedürfen : Das Heu- und Sauerwurmproblem des Wein- 
baues, das Blutlausproblem des Obstbaumes, das Kiefernspinner-, Nonnen-, 
und Rüsselkäferproblem in der Forstwirtschaft, das Nematodenproblem 
des Zuckerrübenbaues, die Probleme der Ratten- und Mäusevernichtung, 
sowie von Vorratsschädlingen aus dem Heer der Insekten und, um mit 
das Wichtigste nicht zu vergessen, das Problem der Vernichtung von 
Parasiten, die den Menschen quälen, wie Mücken, Läuse, Krätzmilben 
und viele andere. Alle hierher gehörigen Tierformen zehren am Ge- 
deihen und Gesunden unserer Volkswirtschaft. Sie alle erfordern trotz 



^) Vergl. Anm. Nr. 19 u. 20. 



über technische Biologie 43 

ihrer Alltäglichkeit ernsteste Arbeit von Fachleuten und fördernde Mit- 
arbeit der Allgemeinheit. Die weitesten Kreise sind an solchen Auf- 
gaben interessiert; daher dürfen staatliche wie private Organisationen 
ihre Hilfe nicht versagen. Ein großer Zug echten Sozialismus liegt in 
der technischen Handhabung der angewandten Biologie. 

Schluß 

vSoweit es mir möglich war, habe ich Probleme aus meinem engeren 
Arbeitsgebiet aufgerollt. Ich versuchte zugleich darzustellen, daß sie 
nicht nur den Biologen als Fachmann, sondern weiteste Volkskreise in 
ihrer Gesamtheit etwas angehen, da wir mit der Lebensfähigkeit unserer 
Wirtschaft, mit der Erhaltung unseres materiellen Kulturbesitzes und 
unserer Gesundheit stehen und fallen. 

Ich versuchte zu zeigen, von welchem Standpunkt aus, mit welchen 
Ideen ich die Lösung der ungeheuren Aufgaben anstrebe. Dem Urteil 
und Ermessen des Lesers muß ich es überlassen, wie weit er mir auf 
den etwas neuartigen Wegen folgen will. 

Die furchtbare Not der Zeit, deren Ende zunächst nicht ab- 
zusehen ist, zwingt uns — allen Idealismus in Ehren — etwas 
realer zu denken auch auf biologischem Gebiete. Sie hat mich 
als Biologen veranlaßt Möglichkeiten zur Linderung zu suchen von 
meinem speziellen Fachstandpiinkte aus, und ich habe soviel Optimismus 
zu glauben, daß auf den soeben vorgezeichneten Wegen einmal zur 
Linderung beigetragen werden kann, und daß andererseits durch Ar- 
beiten in vorgezeichneter Richtung die Fläche Raumes, einschließlich 
ihrer Tier- und Pflanzenwelt, welche uns jetzt leider- nur noch ver- 
blieben, so intensiv genützt wird, daß wir auf die.se Art den Verlust 
wirtschaftlich wett machen. 

Indem wir durch die angedeutete Arbeitsrichtung zur Freiheit über 
das Naturgeschehen im Reiche der Organismen kommen, heben wir 
nicht nur unseren materiellen Kulturbesitz, sondern mit dieser absolut 
unantastbaren Freiheit auch unsere idealen Güter, an denen ja die Zeit 
noch ärmer ist als an realen. 

Auch den alltäglichen Dingen läßt sich ein idealer Geist ein- 
hauchen, denn: „es ist der Geist, der sich den Körper baut". Wem 
alle diese Forderungen als zu profan erscheinen, dem gebe ich zu be- 
denken, daß die oft geschmähte Technik erst den Weg geebnet hat zu 
einer besseren materiellen und damit zur Entfaltung einer geistigen 
Kultur. 



44 Albrecht Hase 



Anmerkungen und Zusätze 

Die nachfolgenden Anmerkungen und Zusätze werden manchem 
Leser, der diesen Dingen etwas ferner steht, nicht ganz unwillkommen 
sein. Um den verfügbaren Raum nicht zu überschreiten, sind nur ganz 
wenig Literaturhinweise eingefügt worden. 

1. Hase, A., Die Zoologie und ihi'e Leistungen im Kriege 1914 — 1918. Zugleich 
ein Beitrag zur Frage der angewandten Zoologie. Die Naturwissenschaften, 
7. Jahrgang 1919, Berlin. 

2. a) Escherich, K., Der gegenwärtige Stand der angewandten Entomologie und 

Vorschläge zu deren Verbesserung. Verh. d. deutschen zoologischen Gesellschaft 
1913. Berlin. 

b) Ders., Über die Ziele und Aufgaben der „Deutschen Gesellschaft für angewandte 
Entomologie". Zeitschr. f. angew. Entomologie, Bd. 1, 1914, Berlin. 

c) Ders., Die angewandte Entomologie in den Vereinigten Staaten. Eine Ein- 
führung in die biologische Bekämpfungsmethode. Zugleich mit Vorsclilägen zu 
einer Reform der Entomologie in Deutschland. Berlin 1913. Mit vielen Lit.-Ang. 

d) Ders., Die Forstinsekten Mitteleuropas. Bd. 1. Berlin 1914. Mit vielen Lit.-Ang. 

3. a) Lindner, P., Über die Zweckmäßigkeit der Errichtung einer Zentralstelle für 

zymotechnische Biologie. Wochenschr. f. Brauerei, 25. Jahrg., 1908, Nr. 41. 
b) Ders., Geleitwort zum ersten Heft der „Zeitschrift für technische Biologie". — 
Zeitschr. f. techn. Biologie, N. F. der Zeitschr. f. Gärungsphysiologie, Bd. VII, 
1819, Berlin. 

4. Im Kolloquium des „Kaiser Wilhelm -Institutes für physikalische und Elektro- 
chemie" zu Berlin -Dahlem vom 16. Oktober 1919 sprach ich über das Thema: 
„Probleme der Schädlingsbekämpfung besonders von physiologischer und prak- 
tischer Seite". Einige der hier scliriftlich niedergelegten, prinzipiellen Gedanken 
äußerte ich in diesem Kolloquium. Hauptsächlich aber erörterte ich praktische 
Fragen und zeigte an der Hand von Beispielen, wie vieler Mitarbeit von physio- 
logischer, toxikologischer, chemischer und physikalischer Seite es bedürfe, damit 
das Problem der Schädlingsbekämpfung (welches ja nur ein Teilgebiet der techn. 
Biologie ausmacht) in wissenschaftlich einwandfreier und wirtschaftlich fördernder 
Weise in Angriff genommen und gelöst wird. Vielerlei Einzelheiten, welche aus 
Raummangel hier wegfallen mußten, sind in diesem Kolloquium zur Sprache ge- 
kommen. 

5. Daß völlige Klarheit über die angestrebten Ziele geschaffen wird, ist hier — wie 
auf allen Gebieten, wo die Wissenschaft mit der Praxis und mit breiten Volks- 
schichten in Berührung kommt — ein unbedingtes Erfordernis. Zu leicht wird 
sonst Dingen ein wissenschaftliches Scheinmäntel chen umgehängt, die nicht das 
geringste mehr mit Wissenschaft zu tun haben. Der Zustand, der leider noch 
besonders auf dem Gebiete der Schädlingsbekämpfung herrscht, daß eine After- 
wissenschaft der übelsten Gewinnsucht Vorspann leistet, muß restlos verschwinden. 
Einige Beiträge zu letzterem Punkt finden sich in meiner Arbeit: „Weitere Be- 
obachtungen über die Läuseplage", Centralbl. f. Bakt. , Paras. u. Infekt. -Kr., 
I. Abt. Orig. Bd. 77, 1915, Jena. 



über technische Biologie 45 

6. Teilweise oder ganz widmeten ihre Lebensarbeit diesen Dingen Forscher, auf 
welche die deutsche Wissenschaft allen Grund hat stolz zu sein. Männer, die 
nicht mehr unter uns weilen, wie unter anderen: Altum, Hofer, Leuckart, 
Frank, Nitsche, Pagenstecher, Ratzeburg, Schaudinn, Sorauer, E. S. 
Taschenberg, Thaer, C. Vogt, Zürn, legten den Grund, auf welchem, wenn 
ich eine bunte Fülle von Zeitgenossen nenne: Börner, Braun, 'Eckstein, 
Escherioh, Fruwirth, Heinecke, Hollrung, Kirchner, Lindner, Miehe, 
Nocht, Stellwaag, Schiemenz, Reh, Wilhelmi, Zander, Zuntz weiter- 
hauten. An der Hand der Namen die.ser Forscher sinff Literatur -Quellen leicht 
aufzufinden. 

7. Daß die Begriffe: „Biotechnik, technische Biologie", wie wir sie aufgefaßt wissen 
wollen, niclits mit Dingen, wie „mikroskopische Technik", „biologische Technik" 
zu tun haben, brauche ich wohl nicht des längeren auseinanderzusetzen. In 
letzterem Falle handelt es sich um eine Methodik, d. h. um ein Arbeitsverfahren 
(vergl. Zeitschr. f. biologische Technik und Methodik, herausgeg. v. Gilderaeister, 
Leipzig 1908/09—15, Bd. 1—3, Verlag J. A. Barth), in ersterem Falle um die 
begriffliche Umgrenzung eines Arbeitsgebietes. 

8. Betreffs dieser und der nachfolgenden Begriffsformulierungen verweise ich auf 
Autoren, bei denen sich weitere Literaturhinweise finden: 

a) Kar mar seh, K., Geschichte der Technologie seit der Mitte des achtzehnten 
Jahrhunderts. München 1872. 

b) Weudt, IT., Die Technik als Kulturmacht in sozialer und geistiger Beziehung. 
Berlin 1906. 

c) Zschimmer, E., Philosophie der Technik. Jena 1914. 

d) Ders., Naturwissenschaftliches und technisches Denken. Die Naturwissenschaften. 
2. Jahrg. 1914, Berlin. 

9. In den nachstehend verzeichneten Abhandlungen finden sich detailliertere Aus- 
führungen über die verschiedenen Arbeitsgebiete der angewandten Zoologie. 

a) Versluys, J., Die Verbreitung von Seuchen durch Insekten und andere Glieder- 
füßler im Kriege. Gießen 1915. 

b) Wilhelmi, J., Die hygienische Bedeutung der angewandten Entomologie. Flug- 
schriften der Dtsch. Ges. f. angew. Entomologie Nr. 7, Berlin 1918. 

c) Ders., Die angewandte Zoologie als wirtschaftlicher, medizinisch-hygienischer und 
kultureller Faktor. Berlin 1919. 

d) Wülker, G., Die Aufgaben der angewandten Zoologie. Naturwissensch. Wochen- 
schrift N. F. Bd. 15. Jena 1916. 

e) Eschericii, K., Die Bekämpfung schädlicher Insekten eine volkshygienische und 
volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Frankfurt a. M. 1919. 

10. In zahlreichen Lehr- und Handbüchern werden Fragen von der Tier- und Pflanzen- 
züchtung behandelt, vom theoretischen wie vom praktischen Standpunkte aus. 
Ich verweise u. a. auf die Werke von Fruwirth, Krämer, Kronacher und 
viele andere moderne Autoren. Eine Fundgrube für diese Fragen sind auch die 
klassischen Arbeiten Darwins. 

11. Zuptz, N., Die Kraftleistungen des Tierkörpers. Berlin 1908. Weiteres über 
diesen Punkt findet sich in Werken über die Physiologie der Haussäugetiere. 



46 Albrecht Hase 

12. Die Zahlen werden fortwährend verschieden angegeben. Ich bitte es mir nicht 
als grüben Verstoß gegen die Genauigkeit anzurechnen, wenn bei einer der 
Gruppen die Zahl nicht genau stimmt. Für unsere Zwecke genügen die zitierten 
Zahlen vollkommen. 

13. Ich kann es nicht unterlassen, hier auf etwas hinzuweisen, das mir von Jeher 
reizvoll erschien. Es ist die Rolle, welche die Tiere im Märchen spielen. Aus 
der Märchendichtung könnte ich eine Unmenge von Beispielen anführen, in denen 
die Tiere mit ihren spezifischen geistigen und körperlichen Fähigkeiten in den 
Dienst der Menschen treten. Die „Sammeltätigkeit" der Ameisen und Bienen, 
überhaupt der Insekten, die „Fluggeschwindigkeit" der Vögel, die „Geruchs- 
schärfe" des Wildes werden in bestimmter Richtung ausgewertet. [Vergl. „Aschen- 
brödel": die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.] Dabei ist es in- 
teressant, daß besonders in den Märchen der Naturvölker dieser Gedanke immer 
wiederkehrt. ' ' 

14. Vergl. hierzu die Ausführungen von Reh, L., Die angewandte Entomologie in 
Deutschland. Zeitschr. f. angew. Entomologie Bd. 1, Berlin 1914, Verlag P. Parey. 
Reh sagt wörtlich a. a. 0. S. 85 „man hört vielfach die Ansicht aussprechen, 
unsere einheimischen schädlichen Insekten seien so gut bekannt, daß die vor- 
handenen Lehr- usw. Bücher alles Wissenswerte enthielten und Neues, nicht mehr 
zu tun sei. So ziemlich das Gegenteil ist richtig: Das Bekannte verschwin- 
det fast gegen das noch zu Erforschende". 

15. Bei dieser Gelegenheit sei das hervorragende Buch empfohlen von Hewitt, C. G., 
The house fly Musca domestica Linn. Manchester, At the University Press 1914. 

16. Ausdrücklich möchte ich hervorheben, daß in Wirklichkeit die Zusammenhänge 
nicht so einfach liegen. Von welchen Bedingungen die verschiedenen Lebens- 
phasen eines Tieres abhängen, ist durchaus nicht immer leicht festzustellen. Wenn 
wir im vorliegenden Falle das Beispiel vereinfachten und 5 Faktoren annahmen, 
so geschah dies nur aus rein didaktischen Gründen. Wie verwickelt allein die 
Temperaturverhältnisse bei den Insekten sind, und welche Rolle sie spielen, 
darüber hat erst in neuerer Zeit Bachmetjew, P., Experimentell-entomologische 
Studien I. Temperaturverhältnisse bei Insekten. IL Einfluß der äußeren Faktoren 
auf Insekten, Leipzig 1901; Verlag W. Engelmann u. Sophia 1907, Staatsdruckerei, 
exakte Untersuchungen angestellt. 

17. Eine vorzügliche Übersicht über die verschiedenen Mittel zur Bekämpfung findet 
sich bei Hollrung, M., Die Mittel zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheiten, 
Berlin 1914, 2. Aufl. 

18. Einen großen Schritt wäre die Schädlingsbekämpfung weiter, wenn es ein gründ- 
liclies Werk gäbe, in dem die Einwirkung der verschiedensten Giftstoffe auf 
schädliche Tiere, besonders Insekten, eingehend dargestellt wäre. Leider sind 
wir noch nicht so weit, und unsere Kenntnisse reichen über eine ziemlich grobe 
Empirie nicht viel hinaus. Eine weitere Frage, welche mit obiger eng zusammen- 
hängt, ist: über welche uatürliche Abwehrstoffe verfügen die Insekten Giften 
gegenüber? 

19. Die Literatur über Gärung und damit zusammenhängende Fragen ist außer- 
ordentlich angeschwollen. Man vergl. die Werke von Buchner, Hansen, 
Henneberg, Jörgensen, Lafar, Lindner u. a. m. 



über technische Biologie 47 

20. Spezielle Vorschläge nach 'dieser Richtung veröffentlichte in letzter Zeit 

a) Lindner, P., Eine naturgemäße Aufarbeitung von Fäkalien durch Fliegeularven. 
Mittig. der deutscheu Landwirtschaftsgesellschaft 1919. 

b) ders., Massenzüchtung von fettreichen lusektenlarven auf Abfallstoffen zum Zwecke 
der Fettgewinnung. Chem. Technische Wochenschrift, 8. Jahrgang, 1919. 

c) ders., Zur Fettgewinnung aus Kleintieren» Zeitschr. f. technische Biologie, Bd. 7, 
Berlin 1919. 



Die Bestimmung der Durchschnittsgröße von Mikroben, 
Stärke u. dergl. mit Hilfe mikrophotographischer 

Aufnahmen 

VOQ 

P. Lindner 

Mit 1 Tafel 

In Nr. 48 der Wochenschrift für Brauerei 1914 veröffentlichte ich 
einen Aufsatz über „Die Mikrophotographie im Dienste der Biometrie, 
insbesondere bei der Unterscheidung in der Praxis verwendeter Hefe- 
rassen", in vs^elchem ich ein Verfahren beschrieb, durch das sich ver- 
hältnismäßig bequem und einfach die sog. „Flächenzahl" der verschie- 
denen Heferassen feststellen ließ. Was ist das? Gesetzt, ich nehme 
als Flächeneinheit den Boden einer Petrischale. Fülle ich nacheinander 
Erbsen, Bohnen, Linsen und dergl. so ein, daß die einzelnen Samen den 
Boden gerade bedecken und daß weder Lücken vorhanden sind, noch 
die Samen übereinander zu liegen kommen, dann kann ich durch Aus- 
zählen der gerade in der Schale Platz habenden Samen einen ganz guten 
Ausdruck für ihre Durchschnittsgröße erhalten: die Flächenzahl. Je 
gleichmäßiger die Frucht in Form und G-röße ist, desto mehr kommt 

F 

die von einer solchen bedeckten Fläche der Größe — nahe, wobei F die 

X 

als Einheit angenommene Fläche und x die Stückzahl bedeutet. 

Bei Betriebshefen aus dem Gärbottich hat man es mit einiger- 
maßen einheitlichem Material zu tun, die Unterschiede in Größe und 
Form sind nur gering. 

Es kommt bei ihnen nur darauf an, daß sie lückenlos auf den 
Objektträger, oder besser noch in dner Adhäsionslamelle auf das Deck- 



48 ^- Lindner 

gläschen aufgetragen werden zwecks einer photographischen Aufnahme. 
Auf dem bei öOOfacher Vergrößerung gewonnenen Bild wird nun eine be- 
stimmte Fläche ausgezählt. Der Bequemlichkeit habe ich die Fläche 
des gebräuchlichen Objektträgersformates gewählt, schon aus dem Grunde, 
weil ich diesen auf das Bild legen kann und bei der Zählung die bereits 
erledigten Zellen durch Tintenpunkte bezeichnen kann, so daß ein Aus- 
lassen oder wiederholtes Zählen von Zellen ausgeschlossen ist. 

Mitunter braucht man die zu zählenden Dinge gar nicht erst in 
einer Fläche zusammenzustellen. Bei Adhäsiouskulturen z. B. behalten 
die aus der Mutterzelle hervorgegangenen Tochterzellen untereinander 
immer enge Fühlung, auch werden sie durch den Meniskus der Flüssig- 
keitsschicht einschichtig gehalten. Gute Beispiele findet man in meinem 
„Atlas der mikroskopischen Grundlagen des Gärungsgewerbe. 2. Auflage 
im Bild Diastari, Caduz, Cibole, Colorado, Detroi, Dewa, Diabet, Dege- 
budos, Dux, Halle, Iran, Iwana, Kabul, Lagone und Lesbos für Hefen, 
bei Polder für Essigsäurebakterien. Bei verschiedenen Vergrößerungen 
kann man die Flächenzahl auf eine bestimmte Fläche und auf eine be- 
stimmte Vergrößerung z. B. bei Hefen auf 1000 oder 500 fach umrechnen. 
Bei manchen Hefen ist nicht nur die eigentliche Zellengröße, sondern 
auch die Verschleimung der Zellhaut in Betracht zu ziehen, da diese 
größere Abstände bewirkt. Klassische Beispiele hierfür bieten die beiden 
Bilder Lagone und Lesbos, auch das Bild Polder von der Essigbakterie. 

Neuerdings wird bei Gär- und Assimilationsversuchen (siehe die 
Arbeit von Svanberg in diesem Heft, von Elsie Vougt im vorigen, 
auch die unlängst erschienene Arbeit von Albert Klöcker „Contri- 
bution ä la connaissance de la faculte assimilatrice de douze especes de 
levure vis-ä-vis de quatre Sucres") wieder viel die Zeiss-Thomasche 
Zählkammer in Gebrauch genommen. »Sofern man die zunehmende 
Hefenzahl als Maßstab der Assimilationsgröße verwertet, läuft man aber 
Gefahr, die Ernte zu überschätzen, wenn die letzten Generationen 
kleinei'e Zellen liefern. Man sollte da die Flächenzahl zur Korrektur 
heranziehen, wenn man nicht, wie z. B. Elsie Vougt es macht, schon 
von einem bestimmten Trockengewicht der Hefeernte ausgeht und die 
Zellenzahl bestimmt, die bei einer bestimmten Verdünnung erzielt wird. 

Für Bakterien wird in vielen Fällen, sei es in Klatschpräparaten 
oder auch bei Ausstrichpräparaten eine dichte Lagerung der Keime zu 
erzielen sein, so daß man dann im Mikrophotogramm die Flächenzahl 
bestimmen kann. Wenn man sich die gewöhnlichen Bakterienphoto- 
gramme betrachtet mit den im Gesichtsfeld verstreuten Kokken, 



Bestimmung der Durchscbnittsgröße von Mikroben usw. 49 

Stäbchenforinen und dergl., dann kann man sich des Gedankens kaum 
erwehren, wie schrecklich es sein müßte, die Keime einzeln zu messen 
und dann einen Durchschnitt zu nehmen. Die Bilder sind zumeist recht 
wenig- charakteristisch, im Vergleich zu den hübschen Habitushildern, 
die uns die Adhäsions- oder Tröpfenkultur mit ihrer ungestörten Ent- 
wicklung zeig-en. 

Unlängst wurde ich durch ein gerichtliches Gutachten veranlaßt. 
Stärke, wie sie für Wäschefabriken geliefert wird, nach der Körnergröße 
zu begutachten. 

Die Anwendung der Flächenzahlmethode war hier geradezu eine 
Erlösung ,von der Qual, die ein Ausmessen der einzelnen Körner ge- 
bracht hätte. 

Es erscheint mir zweckmäßig, hier einmal durch die erhaltenen 
Bildproben eine Vorstellung zu geben, wie man zu bestimmten Zahlen 
kommt, mit denen man etwas anfangeü kann. Es sollten zwei ver- 
schiedene aus Kartoffelstärke hergestellte Stärkesorten mit gewöhnlicher 
Kartoffelstärke und Reisstärke verglichen werden. Die vier Bilder sind 
bei gleicher Vergrößerung aufgenommen und aus dem Bild selbst gleiche 
Flächen herausgeschnitten worden. Zur Herstellung der Präparate ist 
zu bemerken, daß man zweckmäßig die Stärke auf das Deckgläschen 
trocken aufschüttet (natürlich eine gute Durchschnittsprobe) und mit so 
wenig wie möglich Wasser mit einer Nadel verrührt und zuletzt mit 
einem zweiten Deckgläschen den nicht zu dünnen Brei zur Platte gleich- 
sam aus wälzt. Nun wird das Deckglas auf einem hohlen Objektträger 
festgekittet. Es gehört allerdings eine gewisse Geschicklichkeit dazu, 
gleich auf Anhieb ein gutes Präparat zu erhalten. Nimmt man zu viel 
Wasser, dann findet sicher eine Entmischung der großen und kleinen 
Körner statt. In dickerem Brei ist dies nicht gut möglich, da bleibt 
alles mehr an Ort und Stelle infolge der großen Reibung. Dieselben 
Fabrikmuster w^urden zu verschiedenen Zeiten untersucht und dabei 
folgende Zahlen gewonnen: 

233 (prima Kartoffelstärke) —293 S.-Muster — 529 K.-Muster 
279 ( „ „ ) _ 388 „ „ — 724 „ „ 

In bezug auf die Kartoffelstärke war das Verhältnis: 

oben 100 : 139 : 259 
unten 100 : 125 : 227 - 

In Berücksichtigung des Umstandes, daß zu verschiedenen Zeiten 
und an verschiedenen Orten verarbeitete Kartoffeln verschieden sein 
müssen, kann man sagen, daß beide Zahlenreihen keine wesentlichen 

Zeitschr. f. teclm. Biologie, Bd. VIII. ^ 



50 P- Lindner, 

Abweichuügen aufweisen und daß an der Identität der Proben, die be- 
stritten war, nicht gezweifelt werden kann. 

In dem Bild I 
zählte ich auf der Fläche 75 X 51 = 3825 qmm 254 Stärkekörner. 

In dem Bild II 
zählte ich auf der Fläche 75 X 51 = 3825 qmm 662 Stärkekörner. 
Da die Vergrößerung 125 fach linear = 15 625 fach in der Fläche, 
ist in Wirklichkeit abgebildet eine Fläche von 3825/15 625 = 0,247 qmm. 
Auf 0,247 qmm haben also Platz gefunden in I 254, in H. 
662 Körner. 

Das einzelne Durchschnittskorn beansprucht also in I 0,247/254 
= 0,00098 qmm, in II 0,247/662 = 0,00037 qmm oder, wenn mit 
(i = 0,001 mm gerechnet wird (1 qmm = 1000000 q/^), I 980 qpi, II 370 q^w, 
das sind also Quadrate mit 31 bezw. 19 ^m Seitenlänge. 

Auf allzu große Genauigkeit wird man bei all solchen Zählungen 
nicht rechnen können; immerhin stellt die Flächenzahl doch etwas Greif- 
bares dar, während man bei den üblichen- Mikrophotogrammen gewöhn- 
lich sprachlos bleibt. 

Hat man ein sehr gleichmäßiges Material, aber Lücken im Präparat, 
dann kann man die Umrisse der Lücke auf dem Objektträger aufzeichnen 
und letzteren so verschieben, daß die Lücke eine dicht gelagerte Stelle 
bedeckt. Jetzt kann man mit Tinteupunkten die in der Lücke befind- 
lichen Körner feststellen. 

In den meisten Fällen verhindert das dichte Auseinanderliegen der 
zu zählenden Keime und dergl. deren sonst wimmelnde Bewegung und 
man kann, wie in dem vorliegenden Fall bei der Stärke, die Aufnahme 
direkt auf Gaslichtpapier machen, obwohl sie eine längere Expositious- 
zeit erfordert. 

Die wimmelnde oder sog. Bro wüsche Molekularbewegung hat 
vielfach in Laboratorien, in denen man nicht über Bogenlicht verfügte, 
verschuldet, daß man sich nicht an die Aufnahme lebender Mikroben- 
kulturen herangewagt hat. Hätte man das Präparat wie für die Flächen- 
zahlbestimmung hergerichtet, dann wäre man auch zurecht gekommen. 
Beim Überschauen der Bilder, die übrigens schon einmal ver- 
öffentlicht worden sind (Wäschereizeitung 1918, Nr. 47/48), wird einem 
ohne weiteres klar, • daß die Mischung der kleineren und größeren 
Körner ziemlich gleichmäßig ist, daß also bei der Anfertigung des Prä- 
parates kein Wegschwemmen der kleinen stattgefunden hat. Weiter 
sieht man beim ersten Blick, daß II und III, die beiden konkurrierendea 



Bestimmung der Durchschnittsgröße von Mikroben usw. 5X 

Stärkesorteu sich erheblich in der Durchschnittsgröße der Körner 
unterscheiden. 

Da die WäschepUtttereien den kleinkörnig-en Stücken den Vorzug- ■ 
geben, insbesondere aber die Reisstärke hochschätzen, ist es für sie 
angezeigt, sich über die Körnergröße der angebotenen Stärkesorten von 
Zeit zu Zeit durch photogräphische Aufnahmen unterrichten -zu lassen. 
Zur Selbstkontrolle wird man gut tun, mindestens zwei Präparate an- 
zufertigen, und von jedem Präparat zwei verschiedene Gesichtsfelder 
aufzunehmen. 

Wie weit man hier eine Übereinstimmung erzielt, mögen die Zahlen, 
die mit der S- und der K-Stärke aus je zwei Präparaten und vier ver- 
schiedenen Gesichtsfeldern, zeigen. 

In S: 297, 320, 276, 276. In K: 548, 506, 521, 540 

Durchschnitt bei S: 293 • bei K: 529. 

Als Vergrößerung empfiehlt sich für Stärke 125 fach, für Hefen 
500 fach, für Bakterien 1000 fach zu wählen. 

(Biologisches Laboratorium des Instituts für Gärungsgewebe.) 



Kleine Mitteilungen 

Aus dem Bericlit der Kommission (Liudau, Liiidner u. Reinhardt) der 
Deutschen Botanischen Gesellschaft über die Hebung der Produktion von 

Speisepilzen 

Die Kommission hat nach vorläufigen Erkundigungen auch Ratschläge 
von erfahrenen Pilzkennern und Forschern eingeholt, so der Herren Bakalla, 
Seminardirektor, Ziegenhals, Borgmann, Prof. Dr., Tharandt, Dittrich, 
Prof. Dr., Gymnasialoberlehrer, Breslau, Gramberg, Lehrer, Königsberg!. Pr., 
Lakowitz, Prof. Dr., Oberlehrer, Danzig, Ludwig, Prof. Dr., Hof rat, Greiz, 
Möller, Prof. Dr., Oberforstmeister, Direktor der Forstakademie in Ebers- 
walde, Ricken, Pfarrer, Lahrbach, Rhön, Roman Schulz, Lehrer, Berlin. 



Zu der Frage,- wie die Kenntnis der eßbaren und auch der giftigen 
und schädlichen Pilze gefördert werden kann, wie weitere Volkskreise über 
den Wert der Pilze für die Ernährung aufzuklären sind, liegen in der Lite- 
ratur wertvolle Hinweise vor. Herr Borgmann macht in seiner Abhandlung 
„Die Mitwirkung der deutschen Forstwirtschaft an den Aufgaben der Volks- 



52 Kleine Mitteilungen 

ernährung im Kriege"^) auf S. SJ9ii. entsprechende Vorschläge, und ähnliche 
Vorschläge finden sich in fast allen der Kommission zugegangenen Schreiben. 

Amtliche Stellen: Schulen, Lehrer- Seminare, haben die Aufgabe, im 
Unterricht die Kenntnis der eßbaren und schädlichen Pilze zu verbreiten. 
Die Behörden können diese Kenntnisse verallgemeinem und erweitern durch 
Verbreitung von Belehrungsschriften, guten Pilztafeln, Pilzwanderungen unter 
kundigen Führern, durch Vorträge, Pilzausstellungen und Unterrichtskurse. 
In Markthallen sollten Schaukästen mit den eßbaren Pilzen der Zeit an- 
gebracht werden, und in größeren Orten müßten besondere Pilzbeschauer 
angestellt werden mit dem Rechte, Verkaufsscheine für die ausgelegten Pilze 
auszustellen, um Vergiftungen zu verhüten. In den Städten sind besondere 
Beratungsstellen für Pilzkunde einzurichten, wo gratis oder gegen Entgelt 
die Pilze bestimmt werden und Auskunft über ihr Sammeln und Zubereitung 
gegeben wird. Auch eine Unterweisung in der Zubereitung der Pilze könnte 
in HaushaltAngsschulen und Frauenvereinen erfolgen. 

Eine Marktauf sieht, bezw. Auskunftsstelle, besteht in Königsberg 
(Gramberg) und Danzig (Lakowitz); einen Vortrag über Marktpilze hat 
Herr Dittrich in Breslau gehalten; Pilzausstellungen waren in Berlin (Ro- 
man Schulz u.a.) und Habelschwerdt (Bakalla). Wo große Mengen Pilze 
zur Verfügung stehen, geben sie ein gutes Schweine- und Hühnerfutter. Doch 
müssen sie auch hierzu passend zubereitet w^erden (Dittrich). 

• II. 

Die folgenden Versuche können sofort emjafohlen werden: Züchtung 
nach Art der Champignon-Kulturen, auf Beeten von Lauberde, auf Holz und 
auf Baumstubben, durch Anpflanzung von Bäumen mit Mykorrhizen. 

1. Ähnlich wie der Champignon (Psalliota campestris) lassen sich züchten : 
Tricholoma nudum, Russula virescens (Dittrich, R. Schulz), Coprinus 
comatus (Ricken, Schulz), Paxillus involutus (Ricken), Clitopilus prunulus 
(R. Schulz), Morcheln (Dittrich, Gramberg). Über die Champignon- 
Kulturen besteht eine reichhaltige Literatur. Der Erfolg der Kulturen hängt 
vielfach von örtlichen Umständen ab, so daß sie erfahrenen Gärtnern zu 
überlassen ist. Wie weit Versuche mit den oben aufgeführten Pilzen Erfolge 
bringen, läßt sich schwer vorher sagen. In Frankreich sollen solche Kulturen 
mit Tr. nudum und mit Speisemorcheln guten Ertrag gebracht haben (Falck, 
Gramberg). 

2. Für die Züchtung auf schnell und leicht herzustellenden, gedüngten 
Beeten von Lauberde empfiehlt Falck Psalliota silvatica, Lepiota excoriata, 
Tricholoma graveolens, gamborum und boreale, die sogenannten Maipilze ; 
Gramberg und Roman Schulz außerdem noch Clitocybe laccata und 
Amanita rubescens. 



^) Tharandter Forstliches Jahrbuch, Bd. 67, H. 5/6, 1916. 



Kleine Mitteilungen 53 

3. Am einfachsten ist die Züchtung auf Baumstubben, auf die Pilze 
mit reifen Sporen gelegt oder besser noch gestellt werden, so daß die Sporen 
auf natürliche Weise ausgestreut werden können. Auch durch Begießen mit 
sporenhaltigem Wasser kann man eine erfolgreiche Aussaat erhalten. Zu 
solchen Kulturen werden empfohlen: Pholiota mutabilis, Pleurotus ostreatus 
und Armillaria mellea. Der erste Pilz, der Stockschwamm, ist ein unschäd- 
licher, totes Holz bewohnender Pilz. Auch der zweite, der Drehling oder 
Austernpilz, tritt nie so häufig auf, daß er Schaden verursachte, trotzdem er 
sich auch an lebenden Bäumen findet. Der dritte Pilz, der Hallimasch, ist 
aber einer unserer schädlichsten Pilze als Waldverderber, dem jährlich viele 
Waldbäume zum Opfer fallen. Wie weit seine Züchtung und Vermehrung 
dem Forste größeren Schaden bringt, als der Wert der geernteten Pilze ist, 
ist eine zweite Frage. Jedenfalls müssen die jungen Hallimasche gesammelt 
werden, bevor sie ihre reifen Sporen ausstreuen können. 

4. Einige Pilze finden sich nur unter bestimmten Bäumen; ihr Vor- 
kommen und Wachstum ist an diese Bäume geknüpft, ihr Myzel lebt in 
Symbiose mit den Wurzeln der Bäume und bildet die sogenannten Mykor- 
rhizen. Die Kultur dieser Pilze geschieht ani besten so, daß junge Bäume 
mit den Mykorrhizen dieser Pilze so verpflanzt werden, daß man sie mit 
genügend großen Wurzelballen umsetzt. Das bekannteste Beispiel dieser 
Züchtung ist die Kultur der Perigord- Trüffel. Ludwig nennt als Pilz- 
bäume: Lärche und Weimutskiefer (Boletus elegans und B. Boudieri var. 
pictilis), Birke (Boletus rufus und B. scaber), Fichte und Kiefer (Boletus edulis). 

m. 

über das Wachstum des Myzels der eßbaren Pilze ist wenig bekannt, 
weder über das Alter, das es unter günstigen Bedingungen überhaupt er- 
reichen kann, noch darüber, wann und unter welchen Umständen es seine 
Fruchtkörper entwickelt. Daß die Myzelien einiger Pilze recht alt werden 
können, geht aus der Bildung großer, sogenannter Hexenringe hervor, die 
oft viele Meter Durchmesser erreichen. Einige Pilze erscheinen fast regel- 
mäßig an einem bestimmten Standorte, und wiederum andere treten nur in 
einem Jahre an demselben Standorte auf und verschwinden dann wieder für 
immer oder für mehrere Jahre. 

Um die Kultur, Verbreitung, Förderung des Wachstums und der Frucht- 
bildung der nützlichen Pilze zu heben, bedarf es jahrelanger Versuche und 
Vorbereitungen, die von Forstakademien und anderen wissenschaftlichen In- 
stituten anzustellen wären, vielleicht unter Beirat pilzkundiger Physiologen 
und Sammler. 

Die Sporen werden in geradezu unendlichen Mengen gebildet und durch 
die Luft und durch Tiere weithin verbreitet. Sie werden an Stellen, wo sie 
günstige Bedingungen finden, sicher keimen und sich weiter entwickeln! 
Wir kennen erst von wenigen eßbaren Pilzen die Keimung der 



54 Kleine Mitteilungen 

Sporen, und Versuche, sie in künstlichen Nährlösungen zum Keimen zu 
bringen, wären somit zu empfehlen. Sofort könnten auch Versuche angestellt 
werden, die Sporen auszusäen, wie es oben für die Aussaaten auf Baum- 
stubben geschildert ist. Über Erfolge solcher Aussaaten ist aber sicheres 
nicht bekannt. Mit größeren Kosten und Umständen verknüpft, wohl aber 
schnelleren Erfolg versprechend, wäre das direkte Auspflanzen des Myzels 
durch Übertragen genügend großer Bodenstücke mit dem Myzel in Wälder, 
auf Felder und Wiesen, an Orte, die geeignete Bedingungen für das Ge- 
deihen der betreffenden Pilze zu versprechen scheinen. Dabei ist Rücksicht 
^ auf Feuchtigkeit und Trockenheit des Standortes, ob Laub-, Nadel- oder 
Mischwald u. a. zu nehmen. Der Erfolg wird auch dann noch unsicher sein, 
solange wir die Bedingungen für die einzelnen Pilze nicht kennen, und wahr- 
scheinlich hängt das Gedeihen der Pilze, noch mehr als anderer Nutzpflanzen 
von äußeren, nicht oder schwer beeinflußbaren Umständen ab; Pilze, die in 
nassen Jahren auf trockenen Böden wachsen, kommen in trockenen Jahren 
auf Sumpfstellen vor. Wo es sich lohnt, könnte durch Zu-, beziehentlich 
Ableiten von Wasser, durch Begießen das Wachstum gefördert werden. Der 
geringe Mehrertrag würde kostspielige Anlagen und Arbeiten nicht lohnen. 
Und dasselbe gilt von der Düngung; obgleich schon geringe Düngung mit 
Mist das Wachstum einiger Pilze fördert. Künstliche Düngemittel, vor allem 
Nitrate und Ammoniak, werden nach Falck von einigen Basidiomyzeten, und 
zu dieser Gruppe gehören die meisten unserer Speisepilze, nicht aufgenommen, 
so gute Nährmittel diese Stoffe für die meisten niederen Pilze und einige 
Askomyzeten sind. 

Um die Pilze zu verbreiten oder da, wo sie von Natur vorkommen, 
ihren Ertrag zu heben, ihr W^achstum zu begünstigen und zu fördern, lassen 
sich zurzeit sichere Erfolge versprechende Vorschläge weder für bestimmte 
Arten noch Methoden machen. 

(Entnommen den Berichten der Deutschen Botanischen Gesellschaft, 
Bd. 37, Heft 4.) 

Allgemeines aus dem Bereich der Biotechnologie 

Die Einsicht, daß unsere Hochschulen und -ihre Lehrkräfte sich auf 
„nutzbare wissenscnaftliche Arbeit" einstellen müßten, scheint erfreulicher- 
weise Fortschritte zu machen. Unlängst hat sich auch Nernst in diesem 
Sinne bei Gelegenheit der Verteilung der Hilfsfonds der Akademie der 
Wissenschaften zur Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten ausgesprochen. 

Hugo Fischer-Essen hat unlängst mit treffsicherem Humor die Hilf- 
losigkeit und Überheblichkeit von Sachverständigenkommissionen gegenüber 
neuen Erfindungen aus der Geschichte der Neuzeit gegeißelt. 

Gerade die einfachsten Gedanken hajbe man am wenigsten beachtet, 
während man bei fast unbegreiflichen Theorien mit der Zustimmung nicht 



Kleine MitteiluDgen 55 

zurückstehen wollte. Der Zustiminende gibt sich natürlich damit djt? An- 
sehen, als ob er die Sache völlig begriffen hätte. 

Den Mut, zu einer neuen Sache, deren Durchführung Gelder erfordert, 
ja zu sagen, finden nur wenige, am ehesten noch Kapitalisten; der Gelehrte 
ist meist zu zaghaft, ja zu gewissenhaft, ihm ist der Gedanke schrecklich, 
daß ein' anderer durch sein Votum vielleicht Verluste erleiden könnte. Ka- 
pitalisten und große Gesellschaften sind es aber gewohnt, ein Risiko einzugehen. 
Schließlich muß auch in Betracht gezogen werden, daß ja gerade das Kapital 
von vielen Erfindungen unverdient hohen Nutzen gezogen hat, während der 
Erfinder meist leer ausgegangen ist, ja gar nicht einmal genannt wurde. 
Neuerdings scheint hier ein Wandel sich vorzubereiten, indem dem Erfinder 
größere Rechte eingeräumt werden sollen, auch bei Betriebserfindungen oder 
einfachen Verbesserungen im Betrieb, für die ein Patentschutz nicht genommen 
werden kann (vgl. Bundesblätter, Mitteilungen des Bundes angestellter Chemiker 
und Ingenieure, Berlin W. 35, Potsdamerstr. 36, 1. Jahrg. Nr. 14 vom 1. 1. 20 
„Erfinderschutzfragen"). 

Es ist selbstverständlich, daß diese Umstände nunmehr den Forscher 
zur Mitarbeit an praktischen Arbeiten mehr als vordem anregen werden. Er 
wird dann auch finden, daß gerade bei letzteren sehr viel zu lernen ist. 

Ich möchte hier wieder auf den Vortrag von Hugo Fischer: „Der 
gegenwärtige Stand der Kohlensäurefrage für Pflanzenkulturen verweisen" 
(Angewandte Botanik, Bd. 1, Heft 5 — 7), „Es geht", „Aber wie man es am 
besten macht, das ist alles im einzelnen noch auszuprobieren", „Wie hätten 
uns erhöhte Ernten im Kriege genützt! Warum waren wir rückständig? Weil, 
dank einer ganz einseitigen Schulbildung, unter den Maßgebenden selten ein 
Mann zu finden ist, der in einer naturwissenschaftlichen Frage ein eigenes 
unbefangenes Urteil hat. Soll man urteilen, dann muß man Sachverständige 
befragen; und was das bedeuten will, dafür weise ich auf Kolumbus, die erste 
Eisenbahn und Gregor Mendel hin". Während des Krieges hat man bei uns 
fast alle Schweine abschlachten lassen. In Ungarn hat der Dipl. -Ing. Karl 
Erecky, jetzt ungarischer Ernährungsminister — also einmal ein wirklicher 
Sachverständiger Minister! — mit ungarischen Großgrundbesitzern eine Vieh- 
verwertungsgenossenschaft gegründet und eine Mastanstalt für 50000 Schweine 
in Betrieb gesetzt. Bei uns eine durch Sachverständige inszenierte großartige 
Abschlachtung, in Ungarn eine großzügige Produktion. Man lese die überaus 
interessant geschriebene Broschüre von Erecky „Biotechnologie der Fleisch-, 
Fett- und Milcherzeugung im landwirtschaftlichen Großbetrieb", Paul Parey 
Berlin 1919, und darin besonders das letzte Kapitel: Die Biotechnologie im 
Dienste der Volksernährung. 

Hier nur einige Stichproben daraus. „Nur die Anwendung der Natur- 
wissenschaften in der Landwirtschaft kann die Lebensmittelproduktion dazu 
befähigen, der überhandgenommenen Industrie wieder das Gleichgewicht zu 



56 Kleine Mitteilungen 

halten" ... In diesem Fall wird das Großkapital dafür sorgen können, daß 
die Völker der Mittelmächte mit Nahrungsmitteln bis zur Genüge versehen 
werden. . . Je intensiver die Bauernwirtschaft betrieben wird, um so weniger 
vegetarische Nahrungsmittel gibt sie der Kulturgesellschaft ab. Die Er- 
zeugnisse ihres Bodens werden von dem eigenen Zug- und Nutzvieh 
verzehr. Die Feststellungen der Volksernährungsämter lassen erkennen, 
daß die großen Herrschaftsgüter für die Versorgung des Heeres und der 
großen Städte aufkommen, weil bei diesen die zunehmende Intensität der 
Bewirtschaftung nicht auch eine Vermehrung des Zugviehbestandes zur Folge 
hat. Diesen erwähnten Übeln muß abgeholfen werden, und die mächtige 
deutsche Kultur ist in erster Reihe berufen, die Lebensmittelproduktion mit 
Hilfe der Naturwissenschaften auf kapitalistischer Grundlage neu zu 
organisieren. Als Vorbild diene der gigantische Aufschwung der deutschen 
chemischen Industrie. 

Wenn die deutschen Landwirte, Physiologen und Biochemiker die 
Lebensmittelerzeugung in die Hand nehmen, wird durch Ausnutzung der 
in den Ländern der Zentralmächte vorhandenen Naturschätze die Entwicklung 
der gesamten Menschheit einen so mächtigen Aufschwung erleben, daß eine 
weltgeschichtliche Periode entsteht, die sich unter den Jahrtausenden ebenso 
markant abheben wird, wie die Stein- und Eisenzeit. Diese biochemische 
Periode kann die deutsche Kultur zeugen, sie muß nur den Willen dazu 
besitzen." 

Daß übrigens auch einfache Praktiker Großes einleiten können, dafür 
ein Beispiel: In Ungarn sind jetzt weite Steppengebiete in Weinpflanzungen 
umgewandelt, nachdem ein einfacher Weinbauer herausgefunden hat, daß man 
nur die Pflanzgrube mit Getreide zu umpflanzen braucht, um das Versanden 
der Grube durch den Steppensand zu verhüten. Der meiste ungarische 
Weißwein, den man jetzt bei uns trinkt, entstammt aus diesem neu eroberten 
Steppengebiet. (Nach einer Mitteilung des Weinhändlers Herrn Lichtwardt, 
Charlottenburg, des bekannten Dipterologen.) Lindner. 

Das Biosproblem und die Deutung negativer Ergebnisse 
bei Assimilationsversuchen 

Kluyver und Klöcker haben beide ziemlich umfangreiche Unter- 
suchungen angestellt, durch die sie das eine oder andere der von Lindner 
und Saito und Rose erhaltenen Assimilationsergebnisse als falsch nach- 
weisen wollten. Kluyvers Arbeit ist schon 1914 „Biochemische Suiker- 
bepalingen" Leiden, Habilitationsschrift, erschienen, Klöckers erst 1919 in 
den Compt. rend. des travaux de laboratoire Carlsberg, 14 Vol., No. 7, Kopen- 
hagen, H. Hagerup. 

Zu beiden Arbeiten habe ich in Woch. f. Brauerei 1920, Nr. 3 Stellung 
genommen und die mutmaßliche Deutung der Unstimmigkeiten versucht. Sie 



Kleine Mitteilungen 57 

sind offenbar begründet in der von den Versuchsanstellern nicht beachteten 
ungleichen Sauerstoffspannung der beimpften Nährflüssigkeiten. Nicht die 
Verunreinigung des Zuckers, nicht die geringe Hefeaussaat, nicht die Form 
des Kulturgefäßes sind ausschlaggebend. Bei zu lange gestandener, also 
sauerstoffreicher Flüssigkeit ist auch bei Anwendung reinsten Zuckers ein 
Ausbleiben der Entwicklung der geringen Zellenaussaat wahrscheinlich infolge 
zeitig einsetzender Verfettung der Zellen, die natürlich wieder auf eine As- 
similation des Zuckers hindeutet. Man wird also alle negativen Befunde bei 
den bisherigen Assimilationsversuchen nochmals nachprüfen und dabei vor 
allem das mikroskopische Bild der Aussaatzellen kontrollieren müssen. So 
hat also auch hier das sog. Biosproblem sein Unwesen getrieben und viel 
unnötige Arbeit gemacht. Lindner. 

Ein klassisches Werk aus dem Gebiete der Biotechnologie 

ist soeben von S. Orla-Jensen erschienen (Memoires de l'Academie Royale 
des Sciences et des lettres de Danemark, Copenhague, Sect. des sciences 
3me Serie tV. no. 2). Es ist betitelt: „The lactic acid Bacteria" und enthält 
51 Tafeln (mit je 4 — 6 Bildern). Die Veröffentlichung ist mit Unterstützung 
des Carlsberg- und Julius Skrikesstiftung erfolgt. Im ganzen sind 30 Bak- 
terienarten untersucht; dazu sind volle 10 Jahre angestrengtester Arbeit er- 
forderlich gewesen. Die Ausstattung des Werkes ist prächtig, besonders die 
Photogramme. Der Verfasser ist der bekannte Leiter des biotechnisch- 
chemischen Laboratoriums der polytechnischen Lehranstalt in Kopenhagen. 

Lindner. 

Die Antialkoholbewegung- und die Gärungsforschung 

Die sehr flott geschriebenen und auch inhaltlich interessanten beiden 
Bände von Georg Triers „Grundlagen des Antialkoholismus" Gebr. Born- 
traeger, Leipzig 1918, kranken an dem Fehler, daß sie von den neuesten 
Arbeiten über Naturgärungen und ihre Kostgänger sowie über die leichte 
Assimilier- und Überführbarkeit des Alkohols in Fett nichts berichten. Die 
leichte Assimilierbarkeit des Alkohols in mäßig konzentrierten Nährlösungen 
widerspricht aber ganz und gar der landläufigen Redensart von dem Zellgift 
Alkohol. Die Behauptungen Triers, der Alkohol sei nur als für die Zelle 
unbrauchbares Exkrement zu werten, sind also ganz irrig. Sogar die Bierhefe, 
sofern nur genügend Sauerstoff zugegen, verschluckt gierig Alkohol und 
macht Fett daraus, was sie durch ihr granuliertes Plasma, das sie besonders 
von anderen Hefegruppen unterscheidet, kund tut. 

In meinen beiden „Beiträgen zur Naturgeschichte der alkoholischen 
Gärung" habe ich Herrn Trier entsprechende Belehrung zuteil werden lassen. 
(Wochenschr. f. Brauerei 1919, Nr. 29 u. 1920, Nr. 1, zusammen auch als 
Broschüre herausgegeben). 



58 Kleine Mitteilungen 

Der Gärungsindustrie wollte Trier durch die Gärungswissenschaft das 
Grab graben; sie hat ihn jedoch im Stich gelassen. 

Auch vom Standpunkt der Ernährungsphysiologie ist ihm kräftig ent- 
gegnet worden. Vergl. den Vortrag von Prof. Völtz: „Das Bier und die bei 
seiner Herstellung gewonnenen Nebenerzeugnisse in ihrer Bedeutung für die 
menschliche Ernährung" (W. f. Br. 1919, Nr. 50). In Übereinstimmung mit 
den Befunden von Zuntz und Rubner findet Völtz ungefähr 60 "/q der aus- 
nutzbaren Nährstoffe der Gerste im Bier wieder; im Bier und in den 
übrigen Erzeugnissen der Bierbrauerei zusammen 86 7o- Die gesamten Ver- 
luste an ausnutzbaren Nährstoffen bei der Bierbrauerei betragen hiernach 
nur 14*^/q. Bei der direkten Verwertung der Gerste als Mehl und Graupen 
hat man mit etwa denselben Verlusten zu rechnen. Die Nährstoffverluste 
bei der Malzkaffeefabrikation betragen dagegen 75 — 80°/q. Also: Friedens- 
Bier oder Graupensuppe oder Malzkaffee? Die Wahl dürfte nicht schwer sein. 

Lindner. 

Ergänzende Nachträge zur Schädlingsbekämpfung, Fäkalienverwertnng, 

zur Biosfrage und Fettgewinnung. 

Schädlingsbekämpfung. Es erscheint mir zweckmäßig, im Anschluß 
an den voraufgegangenen Vortrag von Prof. Hase einige von ihm bereits 
im September 1918 bei den Verhandlungen der deutschen Gesellschaft für 
angewandte Entomologie zu München (Verlag Paul Parey, Berlin 1919) ge- 
brachte Angaben hier anzufügen. 

Läuse. Die finanziellen Aufwendungen zur Läusebekämpfung im 
Kriege veranschlagt er auf etwa 250 Millionen Mark, durch sie ist es ge- 
lungen, die Gefahr einer allgemeinen Verlausung und damit Seuchenein- 
schleppung (Fleck- und Rückfallfieber) zu verhüten. Die erste Periode der 
Bekämpfung war eine mehr prophylaktische Abwehr mit Geruchsstoffen (Läuse- 
mitteln), die aber zumeist versagt haben. Die zweite bediente sich des 
Dampfdesinfektions- und Heißluftverfahiens (Backofenprinzip). Ersteres, 
(Vo — 1 stündige Einwirkung von Wasserdarapf von 105 — 110°C) mußte Gummi 
und Ledersachen verderben, aber grade Ledersachen z. B. Leibriemen, Hosen- 
träger, Brustbeutel, Bruchbänder, Stiefelstrippen, Tornisterriemen, Pelze 
w^aren häufig mit Läusen und Nissen behaftet. 

An der Front wurde das von Heymon zuerst 1915 ausprobierte Heiß- 
luftverfahren hauptsächlich angewandt. Seine Nachteile: Versengen der 
Sachen beim Überhitzen, zu langsames Durchwärmen dieser Kleiderbündel, 
Feuersgefahr, wenn Feuerzeuge, Zelluloidwaren in den Sachen steckten. Die 
dritte Periode: Anwendung von Blausäuregas nach Teichmann und Heymann. 
Bei lockerer Packung gentigen bei 2 Vol. 7o Gras 1 Std., bei dichterer 2 Std. 
Das Verfahren ist billiger als die vorigen, gefährlich aber für die Bedienungs- 
leute, sofern sie für den Blausäuregeruch nicht empfindlich genug sind. 



Kleine Mitteilungen 59 

Schwierig ist die Entlüftung im Großbetrieb, bei nassen Sachen versagt es, 
ebenso bei Frost und niederen Temperaturen. Die letzten Reste Blausäure 
machen sich beim Ankleiden bemerklich; sie müssen chemisch unschädlich ge- 
macht werden. ' 

Die Bekämpfung der Kopfläuse macht namentlich bei Frauen Schwierig- 
keiten; es fehlt z. Z. noch ein billiges Mittel für Massenentlausungen (z. B. 
im Osten). Für die Abtötung der Läuse und Nissen in Scham- After- und 
Achsel haaren dürften Präparate, welche Kresol- oder Essig- oder Ameisen- 
säure in irgend einer Form enthalten, am aussichtsreichsten sein. Lazarett- 
züge und Wohnräume sind wohl am besten mit 1 Vol. 7o Blausäure zu 
entlausen; wenn Räume nicht abduftbar, dann mit Kresolseifenlösung ab- 
waschen oder 40 Tage lang die Läuse aushungern lassen! Nach Schöppler 
tötet Sublimatlösung 1 : 100 die Läuse in den Schamhaaren nach dem Waschen 
rasch ab, unter hellroter Verfärbung. 

Bettwanzenbekämpfung. Die Arbeiterbaracken des großen Leuna- 
werkes bei Merseburg wurden in Folge der Wanzenplage zeitweise unbe- 
wohnbar. Abhilfe kam von der Durchgasung mit Blausäure. Nicht unter 
4 Std. einwirken lassen bei l°/o Vol! (Diese Mitteilung ist einem neuerlich 
von Hase in Berlin gehaltenen Vortrag entnommen.) 

Die Bekämpfung der Fliegen und Mücken bedarf noch gründlicher 
biologischer Vorarbeit. Teichmann empfiehlt gegen unsere einheimischen 
Culex- und Anopheles-Arten mit Blausäure vorzugehen. 0,02 — 0,03 Vol ^g 
genügen, um die Volltiere (Imagines) abzutöten. 

Gegen die gewöhnlichen Hausfliegen (Musca domestica, Stomoxys cal- 1 
citrans, Homalomya canicularis) wirkte 0,1 Vol. "^/q in 30 Minuten, 0,25 Vol. 
°/q Blausäure in 15 Minuten tötlich, den Vorschlag von Teich mann, Mist, 
Müll usw. mit Cyannatriumlösungen (62,5 g NaCy in 25 1. Wasser pro cbm) 
mehrmals im Jahr zu begießen, hält Hase für bedenklich. In Gebirgsdörfern 
kann man oft beobachten, wie die Jauche aus Ställen den Abhang hinunter- 
fließt und sich darin unendlich viel Fliegenlarven und Fliegen entwickeln. 
Hier finden Hühner und Singvögel reichliches Futter, ebenso in den Ställen 
selbst. Eierproduktion alsdann erheblich gesteigert. Den Stall als Fliegenfalle 
hat ein Pferdebesitzer in Olmütz benützt; er öffnet im Sommer Tür und 
Fenster, damit möglichst viel Fliegen in den Stall kommen, wo sie die Eier 
ablegen. Die Maden kriechen an den Wandungen hoch. Diese werden 
jeden 2. u. 3. Tag bis zu 1 ra Höhe abgespült und so die Maden angeblich 
vernichtet und die Fliegenplage eingeschränkt (aus der Broschüre von A. 
Grimme „Krieg den Fliegen" Verlag der Ender'schen K. A. Neutitschein, 
Wien Leipzig). Ich habe in Wochenscrift für Brauerei darauf hiixgewiesen, 
daß offenstehende Bierflaschen mit Bierneigen ebenfalls solche Fliegenfallen 
darstellen und daß namentlich, die Essigfliege, die in Obstgeschäften und 
Essigfabriken überaus häufig, darin zahlreich Eier ablegt. Die ausschlüpfenden 



60 Kleine Mitteilungen 

Larven kriechen an der glatten Glaswand empor und verpuppen sich da. 
Die Tönnchen kleben ziemlich fest am Glase. Mückenbrut fand ich massen- 
haft in den Glasscherbenhaufen von Weinkellereien. 

Die Käsefliege welche die Springmaden erzeugt, bildet glänzend 
braune Tönnchen, die sich wie Leinsamen in die Tüte füllen lassen. Aus- 
schlüpfende Fliegen fand ich schon am folgenden Tage bei der Paarung und 
am übernächsten Tage waren schon wieder Eier gelegt. Bekannt ist die 
Fliegenplage in Champignonzüchtereien, die geradezu die ganze Anlage 
in Frage stellen kann. In Käsereien vmd Pilzzüchtereien sollten auch mit 
Durchgasungen Versuche gemacht werden. 

Wichtig ist auch die Bekämpfung der Pferdebremsen. In Grödener 
Tal. sagten mir die Kutscher, es sei für die Tiere gesund, wenn sie tüchtig 
von Bremsen bis aufs Blut ausgesaugt würden. 

Die Lederindustrie erleidet an Millionen jährlich Schaden durch die 
Bies- und Dasselfliegen. 

Auch gegen diese müßten energische Maßregeln ergriffen werden. 

Um die Fliegenplag^ auf den Weideplätzen zu verringern, sollte man, 
wie es an der friesischen Küste üblich, die frischen Exkremente möglichst 
von der Wiese entfernen. 

Eine Brutstätte für Mücken und Fliegen stellen auch die Wundstellen 
der Bäume dar; der in Gärung geratene Saft wimmelt von Fliegenlarven 
aller Art. 

Auf Brauereihöfen, in Trebertrocknungsanstalten ist zur Fliegenent- 
wicklung reichlich Gelegenheit gegeben und damit auf die Übertragung schäd- 
licher Keime auf die Kühlschiffe. Ein Eldorado für Fliegen stellen die Senn- 
hütten im Gebirge dar. In Tirol trifft man oft Küchen an, deren Wände 
mit zahllosen Fliegen besetzt sind. 

Aus Kleinasien berichteten Feldgraue, daß der Suppenlöffel, ehe er zum 
Mund geführt ist, dicht von Fliegen besetzt wird. 

Unheimlich ist vielerorts auch die Mückenplage. Im Rheingau ist es 
vor Mücken oft nicht auszuhalten. 

In Sibirien flüchten sich Tier und Mensch oft in die vereisten Erdgruben, 
um blos den Mücken etwas zu entgehen. 

Im abessynischen Hochland an den Seen sollen ähnliche Mückenschwärme 
vorkommen, die oft ganze Wolken bilden wie in Sibirien. Aus Archangelsk 
erhielt ich einmal Mücken zugesandt, die zu Millionen mit dem Schnee er- 
starrt heruntergefallen waren. Hier hat offenbar ein Sturm die Mückenwolken 
erfaßt und sie weit weg geführt. 

In einem Vortrag, den ich 1905 in Jena gehalten habe über „Die Ent- 
wicklung des Reinlichkeitsbegriffes auf Grund der mikroskopisch^biologischen 
Forschung" habe ich dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß das Ungeziefer 
geradezu bei den höheren Tieren die Ausbildung gewisser Organe gefördert, 



Kleine Mitteilungen ' Qi 

vor allem aber die Länge der GKedmaßen mit bestimmt hat, damit möglichst 
an jeder Stelle des Körpers eine Abwehr des Ungeziefers erfolgen kann. 
Länge des Schwanzes bezw. der Schwanzhaare bei Rind tind Pferd, Augen- 
wimpei'n, Behaarung der Ohren usw. (Wochenschrift für Brauerei 1905 Nr. 29.) 

Die Bekämpfung der Flöhe, (Pulex irritans, Menschenfloh und 
Ctenocephalus canis Curtis, Hundefloh) macht noch Schwierigkeiten, da uns 
die Biologie derselben noch sehr lückenhaft bekannt ist (Hase). 

(Bekannt ist die Anwendung von Flanelllappen, um die Flöhe einzu- 
fangen. In Manövern sitzen die Flöhe und Larven mit Vorliebe in den Nahtstellen 
der Unterbeinkleider, die tagelang nicht ausgezogen wurden. Bei der Rückkehr 
aus den Manövern sind die Dielenritzen der Kasernenstuben oft ganz schwarz 
von Flöhen. Hunde- und Katzenlager sind Herde der Flohentwicklung. In 
Siebenbürgen beobachtete ich eine junge Katze, die viele hundert Flöhe hatte, 
und infolgedessen ganz verkümmert aussah, trotz guten Futters. Nach einer 
Entflohung mit einem Staubkamm über einem großen Waschbecken fühlte 
sich das Tier wie neugeboren und entwickelte sich innerhalb einer Woche 
ganz prächtig, und zeigte mir eine geradezu rührende Anhänglichkeit. Die 
Lagerstätte war verbrannt und durch eine neue ersetzt worden. 

Die Bekämpfung der Räudemilben, die nach der Läusebekämpfung 
die meisten finanziellen Opfer gefordert hat (gegen 50 Mill. Mark) geschieht 
am erfolgreichsten mit SO 2. Die Behandlung: Tier wird geschoren, Kopf 
und Vorderhals mit Petroleum wiederholt vorsichtig eingerieben, schließlich 
in einer besonders eingerichteten Gaszelle mit 4 — 4.5 Vol. SO 2 bei Istdg. 
Wirkungszeit behandelt (Temperatur nicht unter 20^C). Dermatocoptes- 
Milbe etwas zäher als die Sarcoptes-Milbe. 

Pferdeläuse (Haematopinus asini L.) gehen dabei ebenfalls restlos 
zu Grunde. Oft genügt eine 1 — 2 malige Vergasung, um räudekranke Pferde 
zur Heilung zu bringen. 

Liebig hat in dem Seifeverbrauch einen Gradmesser der Kultur gesehen. 
Ein Reisender in Insektenpulver sah ihn in dem Verbrauch des letzteren. 
Meiner Meinung nach ist ein noch besserer Maßstab die Ausbreitung des 
Wissens über die Biologie des Ungeziefers im Volke und die Fürsorge für 
das uns anvertraute Hausvieh. „Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes". 

Der Moslim erbarmt sich sogar des Ungeziefers, schädigt aber dadurch 
sich und das Hausvieh um so mehr. 

Eine gute hygienische Wartung des Viehes, verbunden mit der Abwehr 
des Ungeziefers macht sich allemal bezahlt. Sie ist um so nötiger, je mehr 
Tiere in den Stallungen untergebracht sind. 

Manche Tiere beschäftigen sich außer mit der Nahrungssuche und Brut- 
pflege eigenlich nur noch mit der Ungezieferbekämpfung, allerdings mit un- 
zulänglichen Mitteln. Hühner und Spatzen pudern sich mit Staub ein in Er- 
mangelung von richtigem Insektenpulver. Manche verzehren das erhaschte 



62 Kleine Mitteilungen 

Ungeziefer; in Sibirien gelten bei manchen Stämmen sogar die Kopfläuse 
als Leckerbissen; sie sollen nach Stachelbeerkompot schmecken. 

Das Wild scheuert sich an den Baumstämmen das Fell; der Büffel 
nimmt ein Schlammbad, um das Ungeziefer los zu werden, der Fuchs geht 
rückwärts ins Wasser, bis die Flöhe sich auf seiner Schnauze versammelt 
haben. 

Die Lebensgewohnheiten der Tiere grade in Beziehung zum Ungeziefer 
sollten einmal zusammenfassend dargestellt werden. 

Zur Frage der Fäkalienverwertung mit Hilfe von Fliegenlarven 
haben sich mancherlei Preßstimmen geäußert, so im Prometheus wo es heißt, 
man solle diesen neuen und eigenartigen Gedanken nicht belächeln. In 
manchen Tagesblättern hat man das letztere gründlich besorgt und einige 
billige Witze dazu verzapft. Das war nicht anders zu erwarten. Ein Bremer 
Blatt hofft, daß ein „smarter Amerikaner oder ein spleeniger Engländer" für 
diese Angelegenheit sich interessieren möge, also beileibe nicht ein Deutscher. 
Solche Urteile haben natürlich nicht die geringste Bedeutung, sie sind nur 
bezeichnend für den Tiefstand naturwissenschaftlichen Begriffsvermögens der 
Betreffenden. Erfreulicher ist es, wenn von sachverständiger Seite nur ge- 
schrieben wird : „Ich habe in meinem Kolleg über städtische Kanalitation so- 
fort darauf eindringlich hingewiesen als einen Weg, der zu dem ersehnten 
Ziel einer restlosen Verwertung der Fäkalien führen kann." 

Der betr. Herr, Geh. Baurat Danckwerts, Prof. an der Technischen 
Hochschule in Hannover, war aber auch so freundlich, mir einige Literatur 
zur Verfügung zu stellen und darauf hinzuweisen, daß er gleich bei Ausbruch 
des Krieges in Nr. 69 der deutschen landw. Presse vom 29. 8. 1914 als erster 
auf die bessere Ausnutzung der Fäkalien usw. hingewiesen hat. In den 
90 er Jahren hat er die erste landwirtschaftliche Genossenschaft zur Ver- 
wertung der Kanalwässer der Stadt Königsberg angeregt und ausgeführt, 
weiter im .Jahre 1908 auf dem Internationalen Kongreß in Wien ein als 
Manuslnipt gedrucktes Referat über die landwirtschaftliche Verwertung 
städtischer Abwässer gehalten (Sektion V, Referat 2/b). In einer Anlage 
sind die Betriebsergebnisse der städtischen Grubenentleerung zu Nürnberg 
dargestellt, aus der ersichtlich, daß die Stadt 1904 eine Jahreseinnahme von 
257000 M. und eine Jahresausgabe für den Betrieb von nur 191000 M. mit 
einer Reineinnahme von 28000 M. hatte. Im Jahre 1903 wurden 61103 
Fuhren Fäkalien, also etwa 73000 cbm auf pneumatischem Wege aus den 
Abortgruben ausgepumpt und abgefahren. 73 Eisenbahnwagen verfrachten 
die Fäkalien nach 88 Eisenbahnstationen bis zu einer größten Entfernung 
von 84 km. Die Nachfrage nach Fäkalien hat sich ungeahnt bei den Ökonomen 
gesteigert. 

In der Nähe der Stadt Nürnberg sind einige große Sammelgruben mit 
850, 1280, 1027 und 1750 cbm Fassungsraum angelegt. 



Kleine Mitteilungeu ()3 

In der Nähe solcher Saramelg-ruben wäre die Errichtung- von Maden- 
zuchtanstalten in erster Linie ins Auge zu fassen. • 

Eine Gegenüberstellung: Was hier im Großen, hat der Chinese schon 
längst im kleinen Maßstab geübt. Auf jeder Landstraße sind in geeigneten 
Abständen Fäkaltonnen zur Benutzung durch den Wanderer aufgestellt. 
Weiter: Jeder Gastgeber erwartet von seinem Besuch, daß er auch den Abort 
benutzt. 

Von der ungeheuren Verschwendung von Fäkalmassen durch das Spül- 
verfahren habe ich durch ein Referat von Ch. E. Winslow's Broschüre „Schutz- 
maßnahmen gegen Verunreinigung von Strom- und Hafenwässer .durch 
städtische Spülwässer" eine Vorstellung zu geben versucht in Wochenschrift 
f. Brauerei 1918 Nr. 4. Die Broschüre ist 1911 in New York herausgegeben 
als Erläuterung zu den ausgestellten Modellen im dortigen Naturkunde-Museum, 

New York liefert täglich 2850 Mill. Liter Spülwasser mit 8000 Doppel- 
zentner mineralischer und 8000 Doppelzentner organischer Substanz. In New 
York entfallen pro Kopf 470 Liter Abwässer täglich, die in Faulbassins 23 
Liter Sumpfgas entwickeln. 

100000 Einwohner liefern 500 — 1000 Doppelzentner Kotschlamm mit 
50 — 100 Doppelzentner Kottrockenstubstanz. Küstenstädte entledigen sich 
dieser Massen durch Tankdampfer, die sie in offenem Meer versenken. 

Berlin hat Rieselfelder, die 157 qkm bedecken und so wenigstens 
einen Teil der Abfallstoffe nutzbar machen. 

Die neuesten Untersuchungen der britischen kgl. Kommission ergaben, 
daß die Ernten des berieselten Landes kaum die Selbstkosten decken, viel 
weniger die Kosten des Berieselungsverfahrens- 

Die Bestandteile der menschlichen Fäzes 

sind nach Schmidt und Straßburger („Die Fäzes des Menschen im normalen 
und krankhaften Zustand", Verlag Hirschwald, Berlin NW, Unter den Linden 68) 

1. Nahrungsreste, bezw. Nahrungsschlacken, 

2. Reste der in den Darmkanal entleerten Sekrete (Galle, Pankreas- 
ferment, Erepsin), 

3. Mikroorganismen (normalerweise besteht ungefähr ^3 der Trocken- 
substanz der Fäzes aus Mikroorganismen), 

4. Geformte u. ungeformte Produkte der Darmwand (Epithelien, Schleim), 

5. Zufällige Bestandteile, z. B. Sandkörner, Haare, Parasiten, Kon- 
kremente usw. > 

Außer der eiweißhaltigen Nahrung finden sich im Kot schwer verdauliche 
Nukleine, ebenso Muzin und Lezithin wieder vor. Daneben nach Fettgenuß 
Fett und feste Fettsäuren, Kalk und Magnesiaseifen. Unter den Produkten 
der Fäulnis sind Essig-, Butter- und Kapronsäure am häufigsten, weiter Ver- 
bindungen wie Phenol, Indol, Skatol und Methylmerkaptan, die den üblen 



64 Kleine Mitteiluugen 

Geruch bedingen. Von Gallenbestandteilen sind Hydrobilirubin, Gallensäuren 
und deren Abkömmlinge, Cholesterin, anzuführen. Die Farbe der Fäzes wird 
durch veränderte Gallenstoffe, wie Urobilin, schwarzes Häraatin (bei Fleisch- 
nahrung aus dem Blutfarbstoff) und Glykocholsäure bedingt. Bei trockener 
Destillation liefern 100 kg Exkremente 7 — 800 cbm Leuchtgas bei einem Auf- 
wand von 50 kg Kohlen. 

Bei gemischter Kost liefert der einzelne Mensch durchschnittlich 130 g 
feuchten (r= 34 g trockenen) Kot. Der jährliche Betrag an Kot feucht bezw. 
trocken ist 44,7 kg bezw. 12,7 kg. 70 Millionen Menschen in Deutschland 
liefern also 3318 Mill. kg feuchten und 889 Mili. kg trocknen Kot = 3,3 Mill. 
bezw. 0,89 Mill. Tonnen. Die mineralischen Bestandteile machen l,2*^/o des 
feuchten Kotes aus, liefern also 3,96 Mill. kg, also rund 4000 Tonnen Salze. 
Davon entfallen je Ys ^^^^ Kali und Kalk, ^/^q auf Magnesia und ^/3 auf 
Phosphorsäure oder in Tonnen ausgedrückt 1300 t Phosphorsäure und je 800 t 
Kali und Kalk, 400 t Magnesia. Lindner. 

Forderung eines Institutes für Erforscliung techuiscli wichtiger Mikroben 

in England 

Was von mir vor fast zwei Jahrzehnten auf eingehendste begründet 
und ausgearbeitet wurde: ein Plan für ein Forschungsinstitut für praktisch 
wichtige Mikroben, scheint jetzt in England Wirklichkeit werden zu sollen. 
Von befreundeter Seite wurde uns eine Abschrift von einem im Journal of 
cheraical society erschienenen Artikel von dem inzwischen verstorbenen Pro- 
fessor Meldola zugesandt. Darin wird von den Schwierigkeiten gesprochen, 
die alle chemischen Betriebe, »die mit Mikroben arbeiten, durchzumachen 
haben, wenn nicht jederzeit eine frische Reinkultur bezogen werden kann, 
sei es für Butter-, Milch-, Essigsäure-, Azeton- oder für Wein-, Obstwein-, Bier- 
und Brennereigärungen. Auch auf die Möglichkeit der Entdeckung neuer 
Mikroben wurde hingewiesen und die Mineral- und Fetthefe als Beispiele 
dafür angeführt. Daß ein ähnlicher, viel umfangreicherer Plan von mir schon 
lange gefaßt Avar, ist dem Prof. Meldola entgangen, trotzdem ich ihn bereits 
auf dem Internationalen Kongreß für angewandte Chemie in London 1903 
zur Sprache gebracht habe und dort auch von dem Institute of Brewing die 
Geneigtheit zur Förderung ausgesprochen wurde. Es erscheint mir zweck- 
mäßig, hier einmal die Gesichtspunkte, die mich damals zu dem Plane führten, 
zu allgemeiner Kenntnis zu geben. Daß derselbe von selten der Kaiser 
Wilhelm -Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, dem er vorgelegt 
war, nicht unterstützt wurde, trotzdem Männer wie Emil Fischer ihn befür- 
worteten (bei Gelegenheit seiner Forschung über die Spaltung der Poly- 
saccharide hat er den Nutzen meiner Kulturensammlung wohl empfunden), 
kann ich nur auf die völlige Uneingeweihtheit der älteren Herren in eine 
so junge Wissenschaft zurückführen. Ein jeder von ihnen war wohl eine 



Kleine Mitteilungen 65 

Größe in seinem Fach, aber darüber hinaus um so befangener, insbesondere 
bezüglich der Tragweite für den praktischen biologischen Betrieb. Die um- 
fangreichen Veröffentlichungen von Will und seinen Schülern über die ver- 
schiedenen Hefengruppen, die von Henneberg über Milch- und Essigsäure- 
bakterien, die von Orla Jensen über die Milchsäurebakterien — welches 
Schicksal werden sie haben, wenn nicht die lebenden Kulturen dem Forscher 
zugänglich sind? Sie werden allerdings die Kulturen überdauern, aber sonst 
in den Büchereien ein ungestörtes Stilleben führen. 

Doch nun meine damalige (1902) Begründung: 

Seit der Einführung der Reinkultur ist die Kenntnis der Mikroben- 
welt außerordentlich erweitert, die Literatur sogar schon unübersehbar ge- 
worden. Es sind insbesondere die pathogenen und technisch wich- 
tigen Mikroben studiert worden, erstere von den zahlreichen medizinischen 
und hygienischen Instituten, letztere von den wenigen Versuchsstationen, 
die von gewerblichen Verbänden geschaffen worden sind. Das große Heer 
der nicht zu diesen beiden Kategorien gehörigen, aber überall uns in 
unseren biologischen Analysen begegnenden Mikroben ist durchaus ver- 
nachlässigt. Die gewerblich wichtigen Arten bedürfen naturgemäß auch 
noch einer gründlichen Bearbeitung. 

Insgesamt kann man sagen: es fehlt ein Erkennungsdienst für alle 
nicht pathogenen Formen, eine Instanz, in der einigermaßen zuverlässige 
Identifikationsversuche ausgeführt werden können, in der ein angeblich 
neuer Organismus auf seine Neuheit hin geprüft werden kann, eine Orga- 
nisation, die mit der Präzision eines guten Polizeibureaus arbeitet, jeder 
Mikrobe ein Fach zuerteilt, in dem deren besonderen Merkmale festgelegt 
werden, eine Schausammlung lebender Mikrobenkulturen oder von Mu- 
sealpräparaten, die allein eine schnelle Orientierung auf diesem Gebiet ge- 
statten. Neben botanischen und zoologischen Gärten, die uns die Bekannt- 
schaft mit den höheren Lebewesen vermitteln, muß der „Mikrozoo" treten, 
aber nicht bloß als Schausammlung, sondern auch als Studiensammlung, 
als kritische Vergleichs- und Auskunftstelle, endlich als Austauschstelle, die 
mit den verschiedensten Forschern und Instituten Fühlung zu unterhalten hat. 

Den Gedanken, eine Sammlung- und Austauschstelle zu errichten, 
hat Prof. Kräl-Prag zuerst in Wirklichkeit umgesetzt: seine Kraft versagte 
gegenüber der Riesenaufgabe; durch seine Krankheit und seinen Tod ging 
die Sammlung in stark reduziertem Zustand nach Wien; ein Teil nach 
New- York, wo ein Bakterienzoo gegründet werden soll. 

Krals Institut war aber keine eigentliche Forschungsstätte, es erhielt 
die neu beschriebenen Arten von den einzelnen Autoren zugesandt zur 
Aufbewahrung; es war auch keine kritische Vergleichsstelle (denn so eine 
prägnante Art wie Monilia sitophila und Oidium lupuli, die beide 
identisch, stehen in dem Katalog getrennt aufgeführt). Für das geplante 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIII. x 



66 Kleine Mitteilungen 

Institut soll die Sammlung nur Mittel zum Zweck sein: Vervollständigung 
der botanischen und chemischen Charakteristik der einzelnen Mikroben, 
Organistation der Forschung durch Abgabe von Mikrobengruppen an solche 
Institute oder Forscher, die sich mit deren Charakteristik beschäftigen 
wollen. Eine weitere Bestimmung des Instituts wäre: das Aufsuchen der 
Mikroben in der freien Natur, Studium der Variationen in der Kultur und 
bei der Symbiose. Schon in der 1. Auflage seiner „Bakteriologie und 
bakteriologischen Diagnostik" spricht Prof. Lehmann, Würzburg 
(1896) den Satz aus: „daß der von uns ersehnte Ausbau der Bakterio- 
logie, namentlich die Klärung der Fragen der Variabilität, der Verwandt- 
schaft, der Verbreitung in und außerhalb lebender Organismen usw. nicht 
von einem, sondern nur von einer planmäßigen nationalen oder besser 
internationalen Vereinigung von Forschern unter großartiger Arbeitsteilung 
und Zusammenarbeit gelöst werden kann. Eine Aufgabe dieser Zu- 
sammenarbeit wäre es dann auch, die gegenwärtig noch vielfach bei- 
spiellos willkürliche und unwissenschaftliche Nomenklatur der Spaltpilze zu 
verbessern und so zu gestalten, daß sie nicht den Spott jedes Naturforschers 
herausfordert. 

Behandlung der nicht pathogenen Arten war selbstverständlich nicht 
möglich." 

Das von Lehmann 1896 gesagte gilt eigentlich noch ungemindert für 
heute, trotzdem 16 Jahre seitdem verflossen; im Gegenteil, die Verwirrung 
ist eine noch größere geworden. Das gilt aber nicht nur für die Bakterien, 
sondern auch für die Schimmelpilzorganismen und die Hefen, trotzdem 
gerade in bezug auf letztere beide wichtige Verwandtschaftsverhältnisse 
aufgeklärt und zusammenstellende Literaturverzeichnisse angefertigt worden 
sind (die großartige mühevolle Zusammenstellung von G. Lindau und 
P. Sydow „Thesaurus literaturae mycologicae mit 29750 Literaturangaben 
Leipzig 1908). 

In einer Veröffentlichung des Bureau preliminaire de la Fon- 
dation pour l'internationalisme Haag 1911 sagt der Herausgeber Dr. P. 
H. Eykman „II y a encore un projet grandiose que nous devons ment- 
ionner, cest celui de Monsieur le Prof. Dr. Lindner (Institut für Gärungs- 
gewerbe und Stärkefabrikation, Seestr. Berlin) le savant voudrait fonder 
un Institut international d'Etudes microbiologiques auquel serait adjoints 
un Bureau central et une Exposition de Cultures de Mikrobes." 

Lindner. 

Aus dem Meldola'schen Aufsatz sei noch eine Stelle besonders hervor- 
gehoben : es wäre zu umständlich, erst von Amsterdam oder BerHn oder Prag 
oder Kopenhagen sich Kulturen schicken zu lassen, schon wegen des Zeit- 
verlustes. Er habe selbst eine ziemlich umfangreiche Hefensammlung gehabt 
und wisse, wie oft er deswegen in Anspruch genommen worden sei. Diese 



Kleine Mitteilungen 



67 



Kulturen seien für den Mikrobiologen das, was reine Chemikalien für den 
forschenden Chemiker sind. Es könne aber nicht überall die mühsame Fort- 
züchtung der Kulturen betrieben werden, da wäre schon eine Zentrale besser. 
Diese müßte auch die biochemische Literatur möglichst vollzählig zur Hand 
haben. Endlich müßte das Institut eine zentrale Heimstätte für britische 
Mikrobiologen, auch Hochschullehrer sein, an der sie ihre spezialisierte Aus- 
bildung erhalten könnten, wo sie ihre Anfragen bezüglich ihnen noch un- 
bekannter Mikroben vorbringen könnten, z. B. ob diese schon beschrieben 
und dergleichen. Dem Institut andererseits würden sie gern die Mikroben 
aus ihren Aufenthaltsorten zukommen lassen. Meldola hat also sich genau 
die gleichen Ziele für das kommende Institut gesetzt, die ich seinerzeit ins 
Auge gefaßt habe. 

Aus dieser Übereinstimmung mögen die Herren, die damals für Deutsch- 
land ein derartiges Institut abgelehnt haben, ersehen, wie kurzsichtig sie 
gewesen sind. Leider habe ich damals nicht persönlich meine Sache vertreten 
können, sondern das Herrn Geheimrat Delbrück als Institutsvorsteher über- 
lassen müssen. Wenn der Antrag unter Delbrück-Lindner in den Akten 
niedergelegt ist, so hat das nicht zu bedeuten, daß Delbrück der Schöpfer 
der Idee, oder daß er sich durch neue Gedanken daran beteiligt, sondern, daß 
er den Antrag, den er zum Vortrag gebracht, auch unterstützt hat. 

Ob die Kaiser Wilhelm Gesellschaft die Zustimmung von einer stärkeren 
Beteiligung der Gärungsgewerbe abhängig gemacht hat, entzieht sich meiner 
Kenntnis. Jedenfalls ist eine günstige Gelegenheit zur großzügigen Durch- 
führung einer guten Sache verpaßt. Aber der Gedanke ist, um mit Hugo 
Fischer zu sprechen, vielleicht zu einfach gewesen, um genügende Würdigung 
zu finden. 



Bilder von der Kleiderlaus 

Im Jahre 1915 habe ich einen kleinen Auf- 
satz: Zur Naturgeschichte der Kleiderlaus in der 
Zeitschrift „Aus der Natur" 1915, S. 555 u. ff. ver- 
öffentlicht unter Anlehnung an Leeuwenhoeks 
Mitteilungen aus seinen Sendbriefen. Da in diesem 
Heft viel von diesem Ungeziefer die Rede ist, 
werden unsere Leser eine Anzahl Abbildungen auch 
ohne weiteren Text willkommen heißen. Der Ver- 
lag Quelle & Meyer, Leipzig, war so freundlich, 
mir die Bildstöcke zur Verfügung zu stellen. 

Lindner. 




Abb. 1. 
Auf einer Glasplatte sich 
fortbewegende Kleiderläuse. 
Schattenbildaufnahme mit 
parallelem Licht in Vioo S^" 
künde; nachträglich doppelt 
vergrößert. 





Abb. 3. Links eine weibliche, rechts eine 
männliche Laus. Am Hinterleib der letz- 
teren der Stachel deutlich zu sehen. 
15 fach vergrößert. 



Abb. 2. Weibl. Kleiderlaus, 21 fach vergr. 
Wegen'der reichlichen Blutaufnahme sind die 
inneren Organe nicht deutlich zu erkennen. 
An der Spitze des Kopfes ist der „Haken" 
vorgestülpt, mit dem die Haut vor dem Blut- 
saugen angebohrt wird. 




Abb. 4. Vorderer Teil des Kopfes mit dem vorgestülpten Hakeukranz M. 

Links der Klauenapparat des linken vorderen Beines, der vor dem Saugen 

fest in die Haut eingekrallt wird. 125 fach vergrößert. 



Kleine Mitteilunsren 



69 




Abb. 5. 

Der vorgestülpte 

Hakenkranz JI. 

500 fach vergr. 




Abb. 6. Vorderteil des Kopfes mit eingestülptem Hakenkranz 
und der Saugborste S, durch die das Blut gesaugt und dem 
Schlund und Magen der Laus zugeführt wird. Die Saugborste 
ist kein geschlossenes Rohr, sondern besteht aus zwei Rinnen, 
die wie ein solches wirken. 250 fach vergrößert. 






ÄSS- 


1^ '^'^^ "^ 


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Abb. 7. Hinterende des Weibchens aus 
Abb. 3. 125 fach vergrößert. 



Abb. 8. Hinterende des Männchens aus 
Abb. 3. 125 fach vergr. Der stark ge- 
baute Stachel gabelt sich nach dem Leib zu. 



70 Referate 

Referate 

Dem Chemischen Zentralblatt entnommen (z. T. gekürzt). 

Referenten: Bister, Bloch, Borinski, Ditz, Düsterbehn, Guggenheim, Jung, 
Kempe, Laufmann, Mai, Manz, Rammstedt, Riesser, Rühle, Schönfeld, 

Spiegel, Volhard 

Nolte, Otto. Die Erhaltung des Stickstoffs in der Jauche und im Stall- 
mist. Landw. Vers.-Stat. 92, 187 — 203, 20/12. 1918, Rostock, Landw. 
Vers.-Stat. 

Beim Versetzen des frischen Harns mit Phosphorsäure bildet sich 

Ammoniumphosphat, während das freigewordene Kohlendioxyd teils entweicht, 

teils in der Flüssigkeit verbleibt und mit dem Ammoniumphosphat ein 

Gleichgewicht bildet: 

(NHJsHPO^ + CO2 + HoO = (NHJ^COs + H3PO4. 

Die Umwandlung des Harnstoffs und die. Oxydation der organischen Sub- 
stanzen liefern gleichzeitig, aber unabhängig voneinander, Kohlensäure, die 
nach dem Massenwirkungsgesetz auf den mit Phosphorsäure konservierten 
Harn einwirkt. Aus diesem System verdunstet dauernd Kohlendioxyd und 
nimmt einen gewissen Teil des Ammoniaks mit, bis die Konzentration der 
Phosphorsäure eine weitere Verflüchtigung hindert. Die Kohlendioxyd- und 
Ammoniakverdunstung findet aber so lange statt, wie Kohlendioxyd im Harn 
durch Oxydation oder Harnstoffvergärung gebildet wird. Ähnlich liegen die 
Verhältnisse bei der Konservierung der Jauche und des Stallmistes mit fast 
allen chemischen Konservierungsmitteln außer vielleicht beim Formaldehyd, 
der Hexametyhlentetramin bildet, gleichzeitig aber auch bakterien tötend 
wirkt. 

Foth, G. Mittel und Wege zum Wiederaufbau des Brennereigewerbes. 

Zeitschr. f. Spiritusindustrie 42, 15 — 16, 16/1. 

Nicht Spiritus, sondern Kartoffeln, Brotgetreide und Futter- 
mittel aus Kalkstein und Kohle. Nicht in der Verwendung von Karbid 
zur Spiritusgewinnung und der Ersparung der zur Erzeugung entsprechend 
großer Spiritusmengen nötigen Kartoffeln liegt das Heil, sondern in der 
Umwandlung des Karbids in Kalkstickstoff und dessen Verwendung als 
Düngemittel. Auf diese Weise können viermal soviel Kartoffeln gewonnen 
werden, als sich Kartoffeln durch Einführung des Karbidspiritusverfahrens 
für die menschliche Ernährung freimachen lassen; daneben aber liefern die 
Brennereien noch Schlempefutter für Hunderttausende von Rindern. Die 
Kohlenfrage spielt auch eine Rolle: Der Gesamtverbrauch für die Herstellung 
von 1 hl Karbidspiritus beträgt 13 Ztr. Steinkohle und 4 Ztr. Koks gegen- 
über 2 Ztr. Steinkohle beim Brennereiverfahren. 



Referate 7 \ 

Mülzer, Max. Der Kunsthonig. Chem.-techn. Wochenschr, 1918, 141 — 44, 
24/6., 1918. 

Zusammenfassende Erörterung über die Herstellung des Kunsthonigs. 

Wollenweber, H. W. Der Kartoffelschorf. Zeitschr. f. Spiritusindustrie 42, 
55 — 56, 20/2., Berlin-Dahlem. Forschungsinst. f. Kartoffelbau. 

Unter Schorf versteht man eine Kruste auf verletzter Schale, die durch 
Bakterien und Pilze aber auch ohne dieselben entsteht. Bei der Unter- 
suchung älterer Schorfwarzen fand sich meist eine Reihe von Pilzen zusammen 
mit Milben, Älchen und den Larven verschiedener Tiere. In der Grenz- 
schicht gegen das gesunde Gewebe herrschten bestimmte Organismen vor. 
Mit einigen dieser ließ sich Schorf künstlich erregen, mit anderen nicht. 
Die Verbreitung der Schorferreger in den einzelnen Gegenden Deutschlands 
erwies sich als sehr verschieden. Mit den verbreitetsten beginnend sind 
folgende Formen des Schorfes gefunden: Der Strahlenpilz- (Actinomyces), 
Wurzeltöter- (Rhizoctonia-), Schwammsporen- (Spongospora-), Spaltpilz- (Bak- 
terien), Älchen- (Nematoden-) Schorf. Außerdem der mit fauliger Zersetzung 
verbundene Schorf, die Kartoffelräude, und der ohne Mitwirkung von 
Organismen entstehende, nicht parasitäre Scheinschorf. Die bisherigen Be- 
kämpfungsmittel, Pflanzgutbeize mit Formalin oder Sublimat, Boden- 
desinfektion durch Schwefelkohlenstoff, vorzeitige Ernte usw. hatten keinen 
Erfolg. Für die Bekämpfung sind noch mannigfache Aufklärungen über 
einzelne Formen des Schorfs und seine Erreger nötig. 

Sutton und Sohn. Der Einfluß der Entfernung der Blüten auf den 
Kartoffelertrag. The Gardeners Chronicle 62, 178. London, 3,11. 1917; 
Zeitschrift f. Spiritusindustrie 42, 78, 6/3. 

Das Abpflücken der Blüten hatte eine deutliche Vermehrung der Knollen- 
erträge zur Folge, im Durchschnitt betrug dieselbe 5^2%- 

Rauch, H. C. Die Sulfitablauge und ihre Aerwertuug. Chem.-techn. 
Wochenschr. 1918, 201—2, 2/9., 213—14, 16/9. 1918, BerHn-Halensee. 

Zusammenfassende Besprechung. 

Mezzadroli, Giuseppe. Corozoalkohol. Verwendung der Abfälle der 
Steinnußknopffabrikation zur Alkoholgewinnung. Boll. Chim. Farm. 57, 
361—62, 15/10. 1918. 

Früchte und Samen der Corozo, der Dum- oder Steinnußpalme, ent- 
halten große Mengen von Mannocellulose, welche beim Kochen mit verdünnter 
HCl Mannose liefert, somit durch Fermente zu Alkohol vergoren werden kann. 
Versuche ergaben, daß 100 kg Steinnußabfälle 10 — 15 1 Alkohol liefern. 



7 2 Referate 

Janke, Alexander. Die Betriebsökonomie in der Gärungsessigindustrie. 

Zeitschr. f. landw. Vers.- Wesen Österr. 1918, 574—95; Sep. v. Vf. 

I. Teil. Allgemeine Grundlagen. Es wird berichtet über Renta- 
bilität, Ausbeute, Leistung, Arbeitsökonomie des Bildners und Betriebs- 
kontrolle. 

Eisenberg, Philipp. Untersuchungen über die Variabilität der Bakterien. 

Zentralblatt f. Bakter. u. Parasitenk. I. Abt. 82, 1919, S. 401—5. (An- 
fang Juli 1918.) Tarnöw, K. u. K. bakteriolog. Feldlab. Nr. 79. 

VII. Mitteilung: Über die Variabilität des Schleimbildungsvermögens 
und der Gramfestigkeit. (VI. Mitteilung vgl. Zentralblatt f. Bakter. u. 
Parasitenk. I. Abt. 80. 385; C. 1918. I. 1047.) Kartoffelbazillenstärame, die 
bei 37 und 22 '^ trocken und faltig wuchsen, ergaben bei 55*^ schleiraig- 
kuppelförmige Kolonien. 10 solche Stämme konnten durch eine über 
60 Generationen fortgesetzte Züchtung bei 55 — 58 '^ nicht dazu gebracht 
werden, auch bei den niedrigeren Tempp. schleimig zu wachsen; bei manchen 
äußerte sich die Anpassung im Gegenteil darin, daß sie dann auch bei 55* 
trockenes Wachstum zeigten, — Die Gramfestigkeit eines Stammes von 
Milzbrand und dreier Stämme von Staphylokokken konnte durch 70 Passage- 
züchtungen bei 42 — 48° nicht herabgesetzt werden, ebensowenig diejenige 
der obenerwähnten 10 Stämme von Kartoffelbazillen durch die lange Züchtung 
bei 55—580. 

Ehrlich, Felix. Über Fuinarsäuregärung des Zuckers. (Bemerkung zu 
der Arbeit von C. Wehmer. Ber. Dtsch. Chem. Ges. 52, 1919, S. 63—64. 
Breslau, landw.-technol. Inst. d. Univ.) 

Gegenüber Wehmer (Ber. Dtsch. Chem. Ges. 51. 1663; C. 1919. 
I, 664) weist der Verfasser darauf hin, daß er schon vor einigen Jahren 
Versuche mitgeteilt hat (vgl. Ber. Dtsch. Chem. Ges. 44. 3737; C. 1912. I. 363), 
die zeigen, daß der Schimmelpilz Rhizopus nigricans (Mucor stolonifer) aus 
Invertzucker nicht unbeträchtliche Mengen freier Fumarsäure bildet, so daß 
damit zum ersten Male eine ungesättigte Verbindung als Zuckerspaltprodukt 
nachgewiesen war. Man kann also hier mit gleichem Rechte von einer 
Fumarsäuregärung des Zuckers sprechen, wie bei den Versuchen von 
We h m e r. 

Bei näherem Studium der Fumarsäurebildung des Rhizopus nigricans 
aus Zucker zeigte es sich, daß dieser Pilz neben Fumarsäure und flüchtigen 
Säuren häufig auch Bernsteinsäure, 1-Äpfelsäure und d-Milchsäure produziert. 
Ähnlich verhält sich der verwandte Pilz Rhizopus tritici. 

Hase, Albreeht. Neue Beobachtungen und Versuche über die Lebens- 
fähigkeit der Kleiderläuse und ilirer Eier. Zentralblatt f. Bakter. u. 
Parasitenk. I. 82, Jena, S. 461—68. 

Es werden die folgenden Punkte geprüft: 1. Wie lange lebt eine Laus 

ohne Nahrung bei verschiedener Temperatur? — 2. Wie lange (vom Tage 



Referate 73 

der Nahrungsentziehung an) legt eine hungernde Laus noch Eier, und bei 
welcher Temperatur? — 3. Wie lange bleiben Läuseeier lebensfähig? — 
4. Wie lange können soeben geschlüpfte Larven, die noch nie Nahrung 
(Blut) zu sich nahmen, am Leben bleiben? — Aus den Ermittlungen zu 
diesen Einzelfragen ergibt sich, daß eine 39tägige Schutzfrist in Ansatz zu 
bringen wäre, wenn man Gegenstände wie Hausrat, Kleider usw. durch die 
Methode der Aushungerung entlausen will. 

Auerbacli, F. Die graphisclie Darstellung. Allgemeinverständliche, durch 
zahlreiche Beispiele aus allen Gebieten der Wissenschaft und Praxis 
erläuterte Einführung in Sinn und Gebrauch der Methode. 2. Auflage. 
Leipzig 1918. 8. 118 S. mit 139 Figuren. Mark 1,60. 

Low, W. Einführung- in die Biochemie in elenientarer Darstellung. 

2., vermehrte Auflage von H. Friedenthal, Leipzig 1918. 8. 82 S. mit 
12 Figuren. Mark 1,60. 

Pat.-Anm. 53 g, 5. B. 86192, Verfahren zur Entbitterung und Entgiftung 
von Lupinenkörnern. Veredelungsgesellschaft für Nahrungs- und Futter- 
mittel m. b. H., Bremen 1918. 

Pat.-Anm. 6 b, 16. G. 44490. Verfahren zur Herstellung von Sulfltsprit. 

Th. Goldschmidt A. G., Essen 1916. 

Carnot, P. und Duniont, J. Technik für das Studium des Eindringens 
der Antiseptica in feste Medien. C. r. soc. de biologie 81, 1918, 
S. 1199—1200. 

Ein Röhrchen mit geschmolzenem Agar wird reichlich mit einer oder 
mehreren Bakterienarten besät und in dicker Schicht in eine Petrischale 
ausgegossen. Ehe der Nährboden erstarrt ist, bringt man in seine Mitte 
einen Hohlzylinder aus Glas oder Porzellan mit einer Reihe wenig erhabener 
Einschnitte am unteren Rande. Nach dem Erstarren wird der Hohlraum 
des Zylinders mit der wässerigen Lösung des zu untersuchenden antisep- 
tischen Mittels in bestimmter Menge beschickt, und das Ganze entweder 
sofort oder nach einigen Stunden in den Brutschrank gebracht. Nach 
24 Stunden stellt man den Durchmesser des von Bakterienwachstum frei- 
gebliebenen Kreises fest. 

Bei Anwendung dieser Methode unter Verwendung gewisser Antiseptica 
(Essigsäure, Sublimat) findet man zuweilen die Kolonien in der nächsten 
Umgebung der aseptischen Zone zwar weniger zahlreich als an der Peri- 
pherie, aber weit üppiger und von viel .stärkerer Farbstoffbildung, ein Beweis 
für die begünstigende Wirkung kleiner Mengen dieser Mittel. Aus ver- 
gleichenden Versuchen ergab sich die allgemeine Steigerung der Durch- 
di ingungsfähigkeit von antiseptischen Mitteln durch Zusatz gewisser Säuren 
(Ameisen- und Essigsäure). 



74 Referate 

Pat.-Anm. 53 g, 4. R. 45541. Verfahren zur Herstellung von insbesondere 
als stickstott'reiches Futtermittel dienender Nährhefe aus den Diffu- 
sions- und Preßabwässern der Zuckerfabriken. Arthur Riedel, Kössern 
1918. 

Pat.-Anm. 301, 5. W. 49774. Verfahren zur ununterbrochenen Gewinnung 
keimfreier reiner Luft. Albert Wolff, Berlin 1917. 

Pat.-Anm. 50 e, 3. S. 48641. Als endlose Kette ausgebildetes stoffloses 
Luftfilter mit selbsttätiger Reinigung. Ludwig Sieder, München 1918, 

Pat.-Anm. 6 b, 11. P. 35072. Verfahren und Vorrichtungen zur Her- 
stellung von Bier. Karl Plesch, Hohenaschau b. Prien a. Chiemsee 1916. 

Pat.-Anm. 12 d, 1. B. 84177. Einrichtung und Verfahren zum Entwässern 
feuchter Massen. Elektro-Osmose Akt.-Ges. (Graf Schwerin-Gesellschaft), 
Berlin 1917. 

Pat.-Anm. 451, 3. L. 44344. Vertilgung von Insekten und sonstigen auf 
Tieren und Pflanzen wohnenden Parasiten. Gustave Johnson Lemmens, 
Wateringbury, u. Pefewal John Fryer, Tranbridge, England 1916. 

Pat.-Anm. 45 g, 1, B. 87685. Schaumzerstörer für Magermilchschaum. 

Bergedorfer Eisenwerk Akt.-Ges., Sande b. Bergedorf 1918. 

Pat.-Anm. 53 k, 1. B. 87054. Verfahren zur Herstellung von Marmelade 
aus Früchten oder anderen pflanzlichen Bestandteilen; Zus. z. Pat. 
303995. Otto Bielmann und Clara Bielmann, geb. Schmidt, Magdeburg. 
1918. 

Pat.-Anm. 53 k. B. 87055. A'erfahren zur Herstellung von Säften und 
Gelee aus Früchten oder andern pflanzlichen Bestandteilen; Zus. z. 
Pat. 303995. Otto Bielmann und Clara Bielmann, geb. Schmidt, Magde- 
burg 1918. 

Baeßler. Vorsichtsmaßregeln bei Verwendung von Sauerfutter. Milch- 
wirtschaftl. Zentralblatt 47, 1918, S. 261—262. 

Man kann annehmen, daß gebrauchsfertiges Sauerfutter im Mittel etwa 
2°/q Säure enthält, wovon etwa ^,3 aus Milchsäure bestehen. Langandauerndes 
Verfüttern solchen Futters führt zu einem Verlust der Knochensubstanz und 
anderer Organe an CaO und schließlich zu Knochenbrüchigkeit. Um dem 
entgegen zu wirken, wird regelmäßige Beifütterung von CaO, am besten 
als Schlämmkreide, empfohlen. 

Herdi, E. Die Herstellung und Verwertung von Käse im Griechisch- 
Römischen Altertum. Frauenfeld 1918. 4. 77 S. 



Referate 7 5 

König, J. Clieiiiie der menschlicheu Nahruiigs- und Gonußmittel. 4., voll- 
ständig umgearbeitete Auflage. Band III: Untersuchung von Nahrungs-, 
Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen. Teil 8: Genußmittel, Wasser, 
Luft, Gebrauchsgegenstände, Geheim- und ähnliche Mittel. Berlin 1918. 
8. XX u. 1120 S. mit 6 Tafeln und 314 Figuren. Halbfranzband. M. 62. 
Das jetzt vollständige Werk, 3 Bände in 5 Teilen, 1903—1918, 
1558, 1582, 736, 1007 u. 1140 S. mit 6 Tafeln u. Figuren. Halbfranzband. 
Mark 192. — Die amtlichen Untersuchungsvorschriften für Wein werden 
in einem besonderen Ergänzungsband nachgeliefert. 

Monographien der eliemisclien Apparatur. Herausgegeben von A. J. Kieser. 
Heft 1. Leipzig (Chem. Apparatur) 1918. 8. 160 S. mit 86 Fig. Mark 7,50. 
Inhalt: Schröder, H., Schaumabscheider als Konstruktionsteile chemischer 
Apparate. 

Ciaaßen, H. Zur Frage der Zuchtziele der Zuckerrübenzucht. Dtsch. 
Zuckerind. 43, 1918, S. 308—310. 

Gegenüber Ehrenberg (Ztschr. f. Zuckerrübenbau 1917, Heft 11 u. 
1918, Juli-Heft), der als Anhänger der Massenzüchtung betrachtet werden 
muß, betont Verfasser, daß er eine Richtung zwischen Gehalts- und Massen- 
züchtung einschlägt, welche er mit dem besonderen Ausdruck Ertrags- 
züchtung bezeichnet hat. Weiter stellt er fest, daß die bisherige Art der 
Züchtung der Zuckerrüben nicht so erfolglos gewesen ist, wie Ehrenberg 
und andere glauben machen wollen, sondern daß die Erfolge bei der Zucker- 
rübenzucht bezüglich der Zunahme der Erträge an wertvollen Nährstoffen 
denen anderer Kulturpflanzen gleichwertig sind oder sie weit übertreffen. 

Ereky, K. Biotechnologie der Fleisch-. Fett- und 3Iilcherzeugung im 
landwirtschaftlichen (Großbetriebe. Berlin 1918. gr. S. VII u. 84 S. 
Mark 4. 

Pat.-Anm. 12 a, 3. St. 30649. Schaumzerstörer an Apparaten zur Destil- 
lation stark schäumender Flüssigkeiten. Strauch & Schmidt, Neisse 0. S. 
1917. 

Pat.-Anm. 12d, 25. 0. 10652. Verfahren zum Auffrischen von gebrauchtem 

Filterasbest. Karl Oppitz und Zoldan Päldy, Budapest 1918. 

Pat.-Anm. 30h, 14. M. 61102. Vorrichtung zum sterilen Trocknen von 
Bakterien-Nährbödcnplatten und zu ähnlichen Zwecken. Maschinen- 
fabrik Arthur Vondran, Halle a. S. 1917. 

Mansfeld, M. Die Untersuchung der Nahrungs- und (ienußmittel, sowie 
einiger Gebrauchsgegenstände. 3. umgearbeitete u. vermehrte Auflage. 
Wien 1918. 8. XXH u. 243 S. mit 38 Figuren. Mark 10. 



7 6 Referate 

Ostwald, W. und Luther, R. Hand- und Hilfsbuch zur Ausführung 
physiko-chemlscher Messungen. 3. Auflage, herausgegeben von R. Luther 
und K. Drucker. (1910.) Anastatischer Neudruck. Leipzig 1918. gr. 8. 
XVI und 572 S. mit 351 Figuren. Halbleinenband. Mark 26. 

Ubbelohde, L. Tabellen zum Englerschen Yiscosinieter. 2. Auflage. 
Leipzig 1918. gr. 8. 28 S. mit 1 Figur. Halbleinenband. Mark 3,50. 

Gautier, Cl. Physiologische und parasitologische Studien über die schäd- 
lichen Lepidopteren. Über einige Tatsachen bezüglich der Pieriden- 
larven. C. r. soc. de biologie 81, 1918, S. 197—99. 

Die Raupen von Pieris brassicae werden häufig von den Larven von 
Apanteles glomeratus befallen, die oft in großer Zahl vor der Zeit der Ver- 
puppung austreten, wonach die Raupe langsam abstirbt. Bei der Vertilgung 
der Raupen sollten Methoden vermieden werden, die zugleich die Parasiten 
vernichten, da diese der Landwirtschaft nützen. In dieser Beziehung geben 
die vom Verfasser mitgeteilten Einzelheiten über die Art des Austretens der 
Larven und ihres weiteren Verhaltens Anhaltspunkte. 

Lassar-Cohn. Die Chemie im täglichen Leben. 9. Auflage. Leipzig 1919. 
gr. 8. Vm und 356 S. mit 22 Figuren. Gebunden. M. 3,60. 

Das Lebensniittelgewerbe. Handbuch für Nahrungsmittelcheraiker, Apotheker, 
Ärzte, Tierärzte usw. Unter Mitwirkung von E. Baier, A. Günther u. a. 
herausgegeben von K. v. Buchka. (4 Bände.) Lieferung 26. Leipzig 
1918. Lex. 8. S. I— XXXX u. 305—678 (v. Bd. HI) mit Figuren. Mark 36. 
Band III, jetzt vollständig, 718 S. mit Figuren. Mark 52. — Band I. u. H. 
1914—1916. 910 u. 761 S. mit Figuren. Mark 78. 

Pat.-Anm. 12 e, 2. F. 42202. Vorrichtung zum Abscheiden von Wasser, 
Staub und sonstigen flüssigen oder festen Beimengungen aus Luft oder 
Gasen. Richard Forster, Apparatebau für chemische Groß - Industrie, 
Berlin 1917. 

Pat.-Anm. 55b, 3. R. 43228. Terfahren zur Behandlung von Sulfltablauge 
mit Alkalien; Zus. z. Pat. 285752. Dr. Erik Ludvig Rinmann, Stock- 
holm 1916. 

Schmidt, 0. Chemie für Techniker. 5., vermehrte Auflage. Stuttgart 1918. 
gr. 8. VIII u. 180 S. mit 50 Figuren. Mark 4,50. 

Das Wasser. Vorkommen in der Natur, chemische Beschaffenheit und 
Untersuchungsmethoden in physikalischer, chemischer, bakteriologischer 
und biologischer Hinsicht, Wasserversorgung von Städten, Selbstreinigung 
der Gewässer, Abwässer, Mineralwässer usw. Herausgegeben von H. Bunte. 
(Sonderausgabe von Band 11 des Musprattschen Enzyklopädischen Hand- 
buches der Technischen Chemie. Braunschweig 1918. 4. VI u. 1274 S. 
mit Figuren. Halbleinenband. Mark 28. 



Referate , ' 77 

Zsigiiiondy, R. Kolloidcheraie ; ein Lehrbuch. 2., vermehrte und z. T. 
umgearbeitete Auflage. Leipzig 1918. gr. 8. Mit 5 Tafeln und 54 Figuren. 
Mark 26. 

Pat.-Anm. 6 a, 1. R. 45219. Terfahreii zum Weichen und Keimen von 
Getreide. Otto Rummel, Berlin 1917. 

Pat.-Anm. 12i, 9. P. 35419. Verfahren zur Herstellung eines kräftig 
wirkenden festen Sterilisationsmittels. Dr. Antonio Pieroni, Bologna, 
u. Societa Chimica Lombarda A. E. Bianchi & Co., Rho, Italien 1917. 

Pat.-Anm. 6 b, 8. L. 45676. Verfahren zur Druckauf Schließung- des Malzes. 

Willy Lazarus, Dresden 1917. 

Pat.-Anm. 6b, 16. K. 64942. A'erfahren zur Ansäuerung von Spiritus- 
maische. Hermann Kaserer, Wien 1917. 

Pat.-Anm. 6b, 1. A. 29983. Verfahren zum Reinigen und Geruchlosmachen 
von zerkleinerten Zuckerrüben. Betavit-Gesellschaft m. b. H., Berlin 1917. 

Pat.-Anm. 6b, 16. B. 84244. Verfahren zur Herstellung von Alhohol und 
Hefe aus den Abfallaugen der Sulfttzellulosefabriken. Max Bücheier, 
Weihenstephan und Franz Mizgajski, Freising 1917. 

Maurizio, A. Die Nahrungsmittel aus Getreide. Ihre botanischen, chemi- 
schen und physikalischen Eigenschaften, hygienisches Verhalten, Prüfen 
und Beurteilen. Band II. Berlin 1919. gr. 8. IX u. 213 S. mit 1 Tafel 
u. 6 Figuren. Leinenband. Mark 15. Das jetzt vollständige Werk, 2 Bände, 
1917—1919. 476 u. 222 S. mit 3 Tafeln u. 186 Figuren. Leinenband. 
Mark 39. 

Schryver, S. B. Introduction to the Study of Biological Chemistry. 

London 1919. 8. cloth. 

Reinigen gebrauchter Kork- und Gummistöpsel. Dtsch. Essigind. 23, S. 91. 

Auskochen mit 57o H2SO4 haltendem Wasser. Bedecken der Korke 
während des Kochens mit einem Siebblech. Ablassen der Flüssigkeit und Aus- 
kochen mit reinem Wasser, darauf Einlegen der Korke in eine schwache 
Lösung von Alaun, nach dem Abgießen 2 — 3 Tage in die Sonne legen. So 
behandelte Korke haben von ihrer Elastizität nichts eingebüßt. — Um ver- 
härteten Gummistöpseln ihre alte Elastizität wiederzugeben, legt man sie 
etwa 10 Tage lang in eine 57oig'e Sodalauge bei einer Temperatur von 
40—50^. Dann wird mit reinem Wasser gespült und die oberste allzusehr 
erweichte Schicht entfernt, darauf wird nochmals mit lauwarmem Wasser 
gespült. 



78 • Referate 

Dunbar, W. P. Die Abwasserreinigungsanlage der Stadt Coethen in 
Anhalt. Gesundheitsingenieur 41, 1918, S. 265—72, 273—79, 285—89. 
Hamburg. Staatl. Hygien. Instit. 

Die beschriebene Anlage ist die erste, die eine Schlamrabeseitigung 
ohne vorherige Ausfaulung bewirkt. Der Schlamm, der in Absitzbecken zur 
Ausscheidung gebracht wird, fließt, nachdem ihm ca. die Hälfte seines 
Wassergehaltes in einer Verdichtungsrinne entzogen worden ist, direkt auf 
Trockenbeete und verwandelt sich hier in eine feste Masse. In den bis- 
herigen fünf Betriebsjahren ist es niemals zu einer fauligen Zersetzung des 
Schlammes auf den Beeten gekommen. Unangenehme Gerüche haben sich 
zu keiner Zeit bemerkbar gemacht. Durch die beschriebene Anlage ist die 
Aufgabe gelöst, den Abwasserschlamm in eine feste handliche und nicht 
faulende Form überzuführen, ohne Zerstörung der in ihm enthaltenen wert- 
vollen Dungstoffe. 

Hesse, Erich. Die Beurteilung des Wassers auf Grund der Keimzählung. 

Ztschr. f. Hyg. u. Infekt.-Krankh. 88, S. 81—99. 

Selbst wenn die örtliche Besichtigung befriedigend ausfällt, der 
chemische Befund einwandfrei ist, und bakteriologisch wenig Keime ermittelt 
werden, sind wiederholte Untersuchungen notwendig. Diese erfolgen zweck- 
mäßig bei flachen Brunnen nach einer vorausgegangenen trockenen Witte- 
rung und nach einigen heftigen Regenfällen; bei Brunnen mittlerer Tiefe 
und tiefen Brunnen zu solchen Zeiten, die vorausgegangenen besonders 
trockenen und besonders niederschlagsreichen Monaten entsprechen. Nicht 
gedeckte Brunnen können bei sorgfältiger Behandlung ein brauchbares Wasser 
liefern, sie müssen aber gegen den Zutritt von Regen und anderen Verun- 
reinigungen geschützt werden. Die bakteriologische Untersuchung des 
nicht überdachten Brunnens würde zur Zeit von Regenfällen falsche Ergeb- 
nisse (zu hohe Keimzahlen) liefern. Zum Aufstellen der Schöpfgefäße ist 
eine sauber zu haltende Unterlage notwendig. Das Einschwemmen thermo- 
philer Bakterien in das Grundwasser scheint vorzugsweise während der 
heißen Monate stattzufinden. 

Zikes, Heinrich. Bericht über die Tätigkeit der gärungsphysiologischen 
Abteilung der Versuchsstation. Allg. Ztschr. f. Bierbrauerei u. Malz- 
fabr. 47, S. 45—48. 

Die konsumreifen Kriegsbriefe waren unreiner als in irgendeinem 
früheren Jahre. Es traten auf: Essigbakterien in 85,6% der Proben, klein- 
zellige Hefe in 78,8%, sporulierende wilde Hefen in 62 7o» Mycoderma in 
42,2 *'/o, Stäbchenbakterien anderer Art (darunter Würzebakterien, Fäulnis- 
bakterien) in 42%, Pediokokken in 12,8%, Mycelhefen in 2,7%, Williaarten 
in 17o- Eines der Biere neigte zur Eisenkrankheit. 



Referate 79 

Der Einfluß der Temperatur auf verschiedene Funktionen 
der Hefe wurde eingehend bearbeitet: Die Sproßtätigkeit der Hefen ist bei 
verschiedenen Temperaturen abhängig von jener Temperatur, bei der sie 
früher gezüchtet wurden. Kalthefen passen sich höheren Temperaturen besser 
an als umgekehrt, sie zeigen das gleiche Optimum der Generationsdauer (30°) 
wie warmgeführte, ihre Askosporenbildung setzt rascher ein als bei warm- 
geführten. Die Bildung von Fett ist bei tieferen Temperaturen (12 bis 15") 
sehr langsam, rascher bei 20—30", hier dürfte das Optimum liegen. Eine 
Nachentwicklung von kleineren Fetttröpfchen kommt bei niedrigen Tempe- 
raturen häufiger vor. — Mycoderma cerevisiae ist nur ein schwacher 
Glykogenbildner, ebenso Torula alba und Willia anomala. Bei Chalara 
Mycoderma scheinen verschiedene Temperaturen zur Befreiung des Gly- 
kogens von geringerer Bedeutung zu sein. Für Brauereihefen liegt das 
Optimum der Bildung von Glykogen bei etwa 30". — Die Hefezellen ent- 
halten bei tieferen Temperaturen ein kompakteres und dichteres Protoplasma. 
Längere Zeit warmgeführte Zellen, die sich an tiefere Temperaturen an- 
passen mußten, zeigten eine sehr geringe Vermehrungsenergie, 20 — 30 Zellen 
innerhalb 3 Tagen, gegenüber 300000—350000 warmgeführter Zellen. Die 
Vermehrungsfähigkeit kaltgeführter Zellen (Gärdauer 7 Tage) war gegenüber 
der Vermehrungsenergie weitaus besser, sie verhält sich wie 1 : 17 gegenüber 
der Vermehrungsenergie 1 : 14000. Die Gärungsenergie kaltgeführter Zellen 
verhielt sich zu der warmgeführter wie 1 : 2, die diesbezüglichen Gärfähig- 
keiten wie 1 : 2,5. Die günstigste Temperatur für die Bestimmung des End- 
vergärungsgrades liegt bei etwa 30", und zwar bei Benutzung von 0,5 g 
gepreßter Anstellhefe auf 200 ccm Würze. Die Säure- und Esterbildung ist 
bei tieferen Temperaturen langsamer und schwächer als bei höheren. — Bei 
verschiedenen Temperaturen ergeben sich gestaltliche Veränderungen, die als 
Modifikationen im botanischen Sinne erkannt wurden, das sind Varietäten, 
die ihre Form und Gestalt bei normalen Bedingungen bald zurückerlangen. 
— Die Farbstoffproduktion von Pigmenthefen ist bei niederen Temperaturen 
stärker. — Je höher die Temperatur, desto rascher geht ein Weich- oder 
Flüssigwerden der Hefe, eine Degenerierung, vor sich. Bei Feststellung der 
oberen Tötungstemperatur wurden am widerstandsfähigsten Willia saturnus, 
Schizosaccharomyces Pombe, Saccharomyces Logos und Saccha- 
romyces thermantitonum befunden. Einzelne widerstandsfähigere Keime 
hielten von W. saturnus bis 58", von Seh. Pombe und S. Logos bis 
60", von S. thermantitonum bis 64" aus. 

Hinrichs, ü. Warum werden in vielen Melassebrennereien so schlechte 
Erfahrungen mit den Kriegsnielassen gemacht? Ztschr. f. Spiritus- 
industrie 42, S. 113—114. 

Die mangelhafte Spiritusausbeute führt Verfasser auf einen durch den 

Düngemittelmangel hervorgerufenen zu geringen Gehalt der Kriegsmelassen 



80 Referate 

an Stickstoff- und Phosphorsäure zurück. Durch Zusatz stickstoffhaltiger 
Stoffe und phosphorsaurer Salze konnte er die Ernährung der Hefe heben 
und die Spiritusausbeute verbessern. Er empfiehlt: Neuimpfung in kürzeren 
Zwischenräumen als bei Friedensmelassen, Stickstoff- und Phosphatgabe 
schon im Pasteurkolben und während der Reinzucht und nach 24 stündiger 
Gärung zugeben. Bei nicht abgelagerten Melassen, die noch viel Luftblasen 
und damit Infektionen enthalten, ist intensives Aufkochen geboten. 



Fries, Georg. Erfahrungen aus der Praxis wälirend der letzten Kriegs- 
jahre. Ztschr. f. ges. Brauwesen 42, S. 1—3, 9—11, 17—19, 26—27, 
33—85, 39—42, 45—46, 53—55, 59—61. München, Wissensch. Stat. f. 
Brauerei. 

Es werden die Herstellungs-Verfügungen von Kriegsbieren und Bier- 
ersatz behandelt und die Erfahrungen des Verfassers mitgeteilt. Es wird 
darauf hingewiesen, daß durch die Kohlenknappheit verschiedene Betriebe 
von der Untergärung zur Obergärung übergegangen sind; Verfasser führt 
die Momente an, welche zur Herstellung eines guten obergärigen Bieres 
von Bedeutung sind. 

Eisenkranke Biere sind fast gar nicht eingesandt worden. Nach 
Verfasser ist die Eisenkrankheit nur darauf zurückzuführen, daß in Gärung 
befindliche Biere oder auch bereits vergorene, direkt mit diesem in Be- 
rührung gekommen sind. — Das Brauverfahren Plesch (vgl. Ztschr. f. 
ges. Brauwesen 41, S. 73, 81; C. 1918. I. 1095) stellt in der einen Form 
nichts Neues dar, während die andere Form undurchführbar ist. — Die 
Konzentration der Ersatzbiere, die Verfasser untersuchte, ging bis auf 
0,49*^/0 herunter. Die Biere waren fast ausnahmslos karbonisiert und be- 
saßen häufig die schlechte Eigenschaft, die Kohlensäure beim Offnen der 
Flasche stürmisch entweichen zu lassen; von Schaumhaltigkeit konnte nicht 
gesprochen werden. Die meisten dieser Biere waren mit Saccharin oder 
Dulcin gesüßt, mitunter war auch als Schaummittel Saponin zugesetzt. 
Lakritze ist nach Verfasser ein ganz minderwertiger Zusatz, er verleiht nicht 
nur dem Getränk eine unschöne, oft irisierende Farbe, sondern er macht es 
auch, infolge der meist beträchtlichen Verunreinigungen, blind; außerdem 
gibt er Geschraackstoffe ab, die das Produkt stets auf das Niveau der 
Minderwertigkeit herabdrücken. — Die Kriegspeche, als Ersatz der Kolo- 
phonium Harzölpeche, sind entweder bituminöser Natur, sog. Montanpeche, 
oder regenerierte Auslaufpeche. Diese letzteren können als voller Ersatz 
gelten. Vor Montanpechen warnt Verfasser, ihre Viskosität ist zu hoch, und 
Verschnitte von anderem Pech mit bituminösen Stoffen scheiden letztere 
schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder aus. 



Referate 81 

Wüsteiifeld, H. Rückblick auf den Jahrgang 11)18 der „Deutschen Essig- 
industrie". Dtsch. Essigind. 23, S. 65—67, 73—75, 81—82. 

Eine kurz zusammengedrängte Übersicht über die in den einzelnen 
Nummern der „Deutschen Essigindustrie" verstreuten fachwissenschaftlich 
und technisch wertvollen Aufsätze sowie über die Verbandsmitteilungen. 

Wüstenfeld, H. Rübenzuckeressig auf Schnellessigbildnern. Dtsch. Essig- 
ind. 23, S. 89—90. 

Unter Berücksichtigung der augenblicklichen Lage und einer vielleicht 
später drohenden weiteren Kontingenteinschränkung empfiehlt Verfasser die 
Darstellung von Rübenessig aus Rübensäften, bezw. aus deren vergorenen 
alkoholhaltigen Maischen. Da ein Teil der Rohzuckerfabriken nicht in der 
Lage sein dürfte, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten, und da ein Teil der 
Zuckerrüben auf dem Felde überwintert hat, so könnten einzelne Essig- 
fabrikanten sich vielleicht solche Rüben verschaffen. Ferner würde sich 
vielleicht die eine oder andere wenig beschäftigte Brauerei bereit finden, 
Rübenwein aus Zuckerrüben herzustellen und der Essigfabrik des gleichen 
Ortes zur Verarbeitung liefern. Schließlich könnten Essigfabriken mit Roh- 
zuckerfabriken Abschlüsse auf Lieferung von Rübensirup machen. Inwieweit 
vorläufig noch behördliche Schwierigkeiten diesen Vorschlägen entgegen- 
stehen, läßt Verfasser dahingestellt sein und gibt kurze Anweisungen zur 
Fabrikation. 

Schweizer, Karl. Über die Gewinnung von Glyzerin durch Gärung. 

Helv. chim. Acta 2, S. 167—72, Winterthur. 

Verfasser berichtet über Versuche zur Gewinnung von Glyzerin bei 
der Zuckergärung. Die größte Schwierigkeit bestand in der Wahl einer 
Hefe, welche große Salzmengen vertragen könnte. Befriedigende Resultate 
erhielt Verfasser schließlich bei Anwendung von Preßhefe. Bei saurer Reduk- 
tion waren die Gärversuche ergebnislos. Da Hefe alkalische Reaktion nicht 
verträgt, wurde versucht, die Reduktion in möglichst neutralem Medium 
durchzuführen. Gute Resultate lieferten Versuche, bei denen auf 40 g Saccha- 
rose, 2 g Ammoniumdiphosphat, 1 g Dikaliumphosphat in 400 g Wasser 
10 g Preßhefe angewandt wurden. Für die Versuche diente der Apparat 
von Hayduck. Sobald die Gärung begonnen hat, wurden 30 g Na^SOg zu- 
gesetzt. 100 g Zucker lieferten durchschnittlich 21,3 g Glyzerin. Bei Luft- 
zufuhr sank die Glyzerinausbeute beträchtlich. 

Terein der Spiritus-Fabrikanten in Deutschland, Berlin. Verfahren der 
Konservierung von Kartoffeln (D. R. P. 291307, Kl. 53 g vom 14. 2. 1914, 
ausgegeben 16. 4. 1919; Zus.-Pat. zu Nr. 286106; C, 1915, H, S. 514) 

dadurch gekennzeichnet, daß die in rohem Zustande geriebenen Kartoffeln 
durch Vermischen mit gedämpften Kartoffeln auf eine dem verwendeten 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIII. c 



82 Referate 

Milchsäurepilz angemessene Temperatur angewärmt werden. — Es ist bei 
Verwendung des B. Delbrücki zweckmäßig, Kartoffelreibsel und gedämpfte 
Kartoffeln in solchem Verhältnis zu mengen, daß die Mischung eine Tempe- 
ratur von 60° besitzt. 

Verein der Spiritus-Fabrikanten in Deutschland, Berlin. Verfaliren der 
Konservierung von Kartoffeln (D. R. P. 291308, Kl. 53 g vom 29. 4. 1914, 
ausgegeben 16. 4. 1919; Zus.-Pat. zu Nr. 286106; C. 1915, II, 514; Ztschr. 
f. angew. Ch. 28, n, S. 499, [1915]) 
dadurch gekennzeichnet, daß bei der Einsäuerung von geriebenen Roh- 
kartoffeln mit Hilfe von Reinzuchtbakterien die Erhitzung des geimpften 
Reibseis bis zu einer solchen Temperatur erfolgt, daß die Mischung durch 
Verkleistern der Stärkekörner homogen wird, wobei zweckmäßig die Er- 
hitzung nach beendigter Säuerung ausgeführt wird. — Abänderung des Ver- 
fassers gemäß Anspruch I in der , Weise, daß die vorhandenen Bakterien 
stark geschwächt oder abgetötet werden. — Es wird das Reibsei in der 
Grube mittels einer Dampfleitung oder eines Dampfschlauches erhitzt. In- 
folge der Verkleisterung trennt sich dann die Mischung nicht mehr in Festes 
und Flüssiges. Das Reibsei kann auch auf dem Wege in die Gruben in 
einem mit einer Schnecke ausgestatteten Rohr auf heizbaren Doppel- 
wandungen erhitzt werden. Bei Anwendung von Bac. Delbrücki vnrd die 
Verkleisterung bei 60— 70*^ ausgeführt. Erfolgt die Erwärmung erst nach 
der Säuerung z. B. durch in den Gruben angebrachte Dampfleitungen, so 
kann die Säuerung bei einem bestimmten Säuregrad durch die Abtötung der 
Pilze unterbrochen werden, damit eine weitere Veränderung des Sauergutes 
möglichst ausgeschlossen wird. 

Essig-Rezepte. Dtsche Essigind. 23, S. 93—94. 

Es werden genau detaillierte Rezepte, zwei für französischen Kräuter- 
essig, eins für „besonders feinen" französischen Kräuteressig angegeben, sie 
bestehen in Ausziehen einer Anzahl Gewürze mit Essig, Abgießen und Filtrieren. 

Raebiger, H. Eine neue Gaszeile zur Behandlung der Pferderäude. 

Dtsch. tierärztl. Wochenschr. 27, S. 75 — 76. Halle a. S., Bakteriologisches 
Institut der Landwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen. 

Beschreibung einer Gaszelle aus Eisenkonstruktion, die zur Behandlung 
der Pferderäude mit SOg dient. 

Pat.-Anm. 53 e, 2. H. 73976. Verfahren und Vorrichtung zum Entkeimen 
von Milch. F. Hering, Leipzig 1918. 

Pat.-Anm. 28 a, 3. S. 48807. Verfahren zum Gerben von Häuten und 
Fellen. Societe Genty, Hough & Cie, Paris 1918. 



Referate 83 

Salkowski, E. Über den Kohlenhydratf^ehalt der Flechten und den Ein- 
fluß der Chloride auf die Alkoliolgärung:. Ztschr. f. physiol. Ch. 104, 
1918, S. 105—28. Berlin, Path. Inst, der Univ. 

Das isländische Moos (Liehen islandicus) zeigt folgende Zusammen- 
setzung: Lichenin 59,45 7o, Fett (Ä.-Fxtrakt) 4,30%, Eiweiß 4,73%, organische 
Substanz außer Lichenin 19,47%, Asche 2,01%, Wasser 10,04%. Das Renn- 
tiermoos (Cladonia rangiferina) enthält Lichenin 54,03 °/q, (Ä. -Extrakt) 2,59%, 
Eiweiß 4,107o5 sonstige organische Substanz 26,96'^/(„ Wasser 10, 59^^/;^, Asche 
l,137o- Durch Hydrolyse dieser Flechten mit 2,5%iger HCl oder 6°/oige 
H2SO4 erhält man rund 66, bezw. 60% der lufttrockenen Substanz an 
Glukose. Der Zucker ist vollständig vergärbar, nur mitunter bleibt ein 
kleiner, als Dextrin anzusehender Rest unvergoren. — NaCl stört die Gärung 
von Traubenzucker, umsomehr, je höher der Gehalt daran ist, es kommt 
aber auch der Gehalt der Lösung an Glukose in Betracht. Während eine 
Lösung von etwa 12% bei einem NaCl- Gehalt von 4% vollständig, von 8"/o 
NaCl fast vollständig vergärt, vergären von einer Lösung von 20 7o Glukose 
und 4% NaCl nur etwa ^^o des Zuckers. Dieselbe Lösung ohne NaCl zeigt 
vollständige Vergärung. Noch mehr stört eine äquivalente Quantität von 
CaCla. 

Die Hydrolysate der Flechten enthalten außer gärungsfähigem Zucker 
eine die Gärung störende Substanz (w^ahrscheinlich Flechtensäuren). Der 
Gehalt des isländischen Mooses an in die Hydrolysate übergehenden Flechten- 
säuren, ausgedrückt als Cetrarsäure, berechnet sich, auf indirektem Wege 
bestimmt, unter Zugrundelegung der Formel CgoHg^Oig für diese im Minimum 
zu 10,92 °/q der lufttrockenen Substanz. Die durch Säurehydrolyse leicht 
verzuckerbare Flechtenzellulose, das Lichenin, v^^ird durch diastatische Fer- 
mente (Pankreas, pflanzliche Diastase, Speichel) nicht verzuckert. 



Wehmer, C. Leuchtgaswirkung auf Pflanzen. 5. Wirkung auf Holz- 
pflanzen: Blausäure als schädlichster Gasbestandteil. Ber. Dtsch. Botan. 
Ges. 36, 1919, S. 460—64. 

Die Pflanzen, die in den früher berichteten Versuchen nach Einwirkung 
von Leuchtgas im Aussehen unverändert blieben, zeigten sich nach dem 
Überwintern doch geschädigt, da im folgenden Frühjahr mit einer Ausnahme 
(Hainbuche) keine von ihnen austrieb, vielmehr alle allmählich abstarben. 
Der Stoff, der hauptsächlich das Absterben herbeiführt, hat sich als Blau- 
säure erwiesen, die in dem Versuchsgase zu 0,01 VoI.-^q vorhanden war. 
Wurde diese eliminiert, indem das Gas mit Alkali unter Zusatz von etwas 
FeS04 gewaschen wurde, so blieb die heftige Wirkung aus. Die Blausäure 
läßt in ihrer Wirkung auf Kressekeimlinge alle bisher untersuchten Leucht- 
gasbestandteile (CS2, Benzol, HgS) weit hinter sich. 

6* 



g4 Referate 

Dienert, F. und (Juillerd, A. Nährböden aus autolysierteni Hefewasser 
für die Züchtung des B. coli. C. r. d. l'Acad. des sciences 168, S. 256 — 57. 

Einen als Ersatz der Peptonbouillon sehr geeigneten Nährboden von 
gleichmäßiger Zusammensetzung erhält man durch Verflüssigung von 500 g 
Preßhefe bei 50^, Verdünnen mit Wasser auf 2 Liter, Kochen während 
30 Minuten, Neutralisieren, Filtrieren und Auffüllen auf 7,5 Liter. Er ver- 
hält sich auch bei Zusatz von Phenol ebenso wie Peptonbouillon und kann 
mit Gelatine oder Agar zu festen Nährböden verarbeitet werden. 

Maze. P. Die Oxydation der Milchsäure durch die Bakterien unter 
Bildung von Brenztraubensäure und Ketonkörpern. C. r. soc. de 
biologie 81, 1918, S. 1150—52. 

Verfasser konnte ein Dutzend Bakterien arten isolieren, die durch Oxy- 
dation von Milchsäure in rein mineralischen Nährlösungen mit Kalziumlaktat 
als einziger C-Que-lle Brenztraubensäure und Ketonkörper zu bilden vermögen. 
Dieselben Arten bilden in zuckerhaltigen Mineralnährböden gleichfalls Brenz- 
traubensäure, da sie den Zucker in Milchsäure spalten; nur eine Art ist 
gleichzeitig ein alkoholisches Ferment für Zucker. An sechs dieser Arten 
wurde der Gang der Reaktion näher verfolgt, wobei die Brenztraubensäure 
kolorimetrisch mittels der Simon sehen Reaktion bestimmt wurde; hierbei 
muß der Gehalt der Lösungen zwischen 0,1 und 1^/qq Hegen. Bildung und 
Zerstörung der Brenztraubensäure erfolgen bei den einzelnen Arten mit ver- 
schiedener Geschwindigkeit. Daneben wurde Essigsäure von Spuren bis zu 
mehr als 50 "/o fler zerstörten Milchsäure gebildet, Ameisensäure niemals. 
Zwei Arten bildeten ferner Azetylmethylkarbinol und Diazetyl, eine nur 
jenes. Die Vorgänge bei deren Bildung lassen sich durch folgende Gleichungen 
ausdrücken : 

CH3 • CH(OH) • CO^H + CH3 . CO • CO2H + = CH3 . CH(OH) • CO • CH3 

-f 2 CO2 + H.,0. 
2 CH3 . CO • CO2H + rr CHg"- CO • CO • CH3 4- 2 COo + H2O. 

Man könnte auch annehmen, daß das Diazetyl direkt aus dem Azetylmethyl- 
karbinol durch Oxydation der sekundären Alkoholgruppe entsteht; dagegen 
spricht aber das völlige Fehlen von Butylenglykol. 

Oelsncr, Alice und Koch, Alfred. Über den abweichenden Verlauf der 
Aikoholgärung in alkalischeu Medien. Ztschr. f. physiol. Ch. 104, 
Göttingen 1918, S. 175 — 81. Landwirtschaftl.bakteriolog. Inst, der Univ. 

Die Beobachtung von Wilenko (Ztschr. f. physiol. Ch. 98, S. 255; 
C. 1917, I, S. 895), daß in durch Phosphat alkalischen Gärflüssigkeiten sicht- 
bare Gärung unter Bildung von CO^ und Alkohol ausbleibt, und trotzdem 
der Zucker verschwindet, konnte nicht bestätigt werden. Bei den Versuchen 
wurden 100 ccm einer 5 ^o ig^^ Glukoselösung mit 0,889 g, bezw. 4,461 g 
NagHPO^ und 0,05 g, bezw. 0,235 g NaHoPO^ und 20 g Hefe versetzt. Dabei 



Referate 85 

wurde, wie in den Kontrollversuchen (100 ccm einer 5'y^^\gen Glukoselösung 
und 4,541 g KH^POi und 20 g Hefe) stets Bildung von COg und Alkohol 
beobachtet. Die COg wurde nach dem Austreiben aus der mit HgSO^ an- 
gesäuerten Lösung als BaCOg bestimmt. Die Bestimmung des Alkohols 
erfolgte pyknometrisch, die Bestimmung der Glukose mittels Fehlingscher 
Lösung. Bei schwach alkalischer Reaktion war die Gärung zu Anfang 
etwas verzögert, führte aber am 6. Tage zu einer normalen Durchgärung 
des Zuckers, wogegen in der stark alkalischen Gärung die produzierte Menge 
von CO2 und Alkohol trotz vollständiger Umsetzung des Zuckers hinter der 
normalen zurückbleibt. Bei den alkalischen Gärungen wurde eine vermehrte 
Bildung von Aldehyd beobachtet. 

Welimer, C. Über Funiarsäureg:ärung des Zuckers. Ber. Dtsch. Chem. 
Ges. 51, S. 1663; C. 1919, I, S. 664; 52, S. 562—64, Hannover. 

Der Verfasser erhebt gegenüber F. Ehrlich (vgl. Ber. Dtsch. Chem. 
Ges. 52, S. 63; C. 1919, I, S. 664) Einspruch dagegen, daß aus dem Ver- 
mischen von etwas Alkalifumarat in alten, kompliziert zusammengesetzten 
Kulturflüssigkeiten auf eine „Fumarsäuregärung des Zuckers" geschlossen 
wird. Es fehlen die Merkmale einer Gärung, und es ist zweifelhaft, ob bei 
Rhizopus die Fumarsäure überhaupt aus Zucker entsteht oder nicht vielmehr 
irgendwelchem anderen Material und anderen Prozessen entstammt, z. B. der 
dem Eiweißzerfall in der alten Kultur entstammend zu denkenden Bern- 
steinsäure oder dem Eiweiß selbst. Die Pilze Rhizopus und Aspergillus 
zeigen völlig verschiedenen Chemismus. Der (schnell wachsende) Rhizopus- 
pilz setzt Zucker nur träge um und kann schon dieserhalb keine „Gärung" 
erregen. 

Paillot, A. Die Pseudograsserie, eine neue Krankheit der Raupen von 
Lymantria dispar. C. r. d. l'Acad. des sciences 168, S. 258 — 60. 

Neben einem an der Erkrankung nicht beteiligten Bac. lymantriae ß 
wurde bei einer die äußeren Zeichen von Blutverfettung (grasserie) auf- 
weisenden Raupe ein Coccobacillus gefunden, der bei dieser, wie bei anderen 
Raupenarten eine Zerstörung des Fettgewebes mit milchiger Trübung des 
Blutes durch wirkliche Fettkügelchen hervorruft und deshalb als Bac. lyman- 
tricola adiposus bezeichnet wird. Im Blute der befallenen Tiere kann er die 
überraschendsten Gestalten, darunter in den ersten Stunden Riesenformen 
von 7 — 8 p Durchmesser, annehmen. Er vermag sämtliche Zucker und Poly- 
alkohole zu vergären und entfärbt gleichzeitig anwesenden Lackmusfarbstoff 
mehr oder weniger, außer bei Glukose und Saccharose. 

Svanberg, Olof. Die Aziditätsbedingungen der echten Milchsäurebakterien. 

Medd. Kgl. Vetenskaps akad. Nobelinst. 5, 1919, Nr. 2. 

Verfasser stellt die Azidität fest, welche Bacterium casei und Strepto- 
coccus lactis in Milch, Molken und ungehopfter Bierwürze nach verschiedenen 



86 Referate 

Entwicklungszeiten und als Endzustand, bei dem sie ihre Entwicklungs 
fähigkeit einbüßen, zu erzeugen vermögen. Die Azidität wird ausgedrückt 
durch die Konzentration der H-Ionen, während es bisher üblich war, die 
quantitativen Reaktionsbedingungen ledigbch durch die Titrationsazidität, 
bezw. -alkalität gegen den einen oder anderen Indikator anzugeben. Ver- 
schiedene Werte ergeben sich durch beide Bestimmungsarten z. B. bei der 
Vergärung von Milch und Molken durch Streptococcus lactis, wobei in beiden 
Substraten die gleiche H lonenkonzentration erreicht wird, während die 
Titrationsaziditäten verschieden sind. Dies liegt daran, daß in Milch große 
Mengen der gebildeten Milchsäure durch das koagulierte Kasein adsorbiert 
oder als unlösliches Laktat gefällt werden. — Eine scheinbar sich ergebende 
Abhängigkeit der Entwicklungsfähigkeit des Streptococcus lactis in den ver- 
schiedenen Nährlösungen von der H-Ionenkonzentration liegt nur bei geringen 
Laktatkonzentrationen vor. Dagegen hat W. van Dam (Biochem. Ztschr. 
87, 107; C. 1918, II, 53) sehr wahrscheinlich gemacht, daß durch eine be- 
stimmte Konzentration der undissoziierten Milchsäuremoleküle das Weiter- 
gehen des Gärungsprozesses verhindert wird. — Die Aziditätstoleranz beider 
Bakterien gegenüber H^SO^, HCl und H3PO4 ergab sich für alle drei Säuren 
gleich und bei Bacterium casei gleich der gegenüber Milchsäure, bei Stre])to- 
coccus lactis um ein geringes größer als gegenüber Milchsäure. Alkali- 
toleranz ist bei Streptococcus lactis minimal, bei Bacterium casei gar nicht 
vorhanden. 

BrussoflF, Alexander. Ein Beitrcag zur Kenntnis der Aktiuoniyzeten. 

Zentralbl. f. Bakter. u. Parasitenk. II, Abt. 49, S. 97—115. 

Actinomyces cloacae nennt Verfasser eine allem Anschein nach neue 
Art, die er aus Klärschlamm der Aachener biologischen Abwasserkläranlage 
mittels der Omelianskischen Lösung mit Filtrierpapier isolieren konnte. 
Sie unterscheidet sich von anderen Arten besonders durch die eigenartige 
Entwicklung in Bouillon. Außer einer Ringbildung entstehen am Boden 
und am unteren Teile der Glaswand zahlreiche kugelförmige, farblose Kolo- 
nien, die später weißlich und durch den gegenseitigen Druck vieleckig 
werden. An der Oberfläche der Bouillon findet keine Entwicklung statt, 
sie bleibt dauernd unverfärbt und klar, hat in den ersten Tagen schwachen 
Erdgeruch, später starken modrigfaulen Geruch. Der neue Organismus 
scheint zur Bindung von Stickstoff aus der Luft befähigt zu sein. — Aus 
den eingehenden mikroskopischen Untersuchungen sei hervorgehoben, daß 
sie zu der Überzeugung führten, daß die Aktinomyzetenhyphen nicht in 
Fragmente zerfallen. Diese Annahme früherer Untersucher dürfte auf irr- 
tümlicher Deutung der Beobachtungen an gefärbten Präparaten beruhen. 
Was sie für „Kokken", „Stäbchen" und „Spirillen" hielten, ist nichts anderes 
als Tröpfchen und Tröpfchenansammlungen von Volutin, vielleicht auch 
von Fett, 



Referate 87 

Zikes, Heinrich. Einige biologische Fragen über Zuckerrübenbier. 

Allg. Ztschr. f. Bierbrauerei u. Malzfabr. 47, S. 67— 71, 75—80, 83—87, 
92—94. 

Verfasser hat Untersuchungen angestellt, wie sich die verschiedenen 
Kleinlebewesen der Zuckerrübe, bezw. des Saftes bei der Bierherstellung 
verhalten. Es kommen hauptsächlich Schleimbildner der verschiedensten 
Art, ferner Vertreter der Koli-, Subtilis- und Mesenterikusgruppe in Betracht, 
auch Buttersäurebakterien, Hefen und andere höhere Pilze. Es wurde fest- 
gestellt, daß die Mikroorganismen bakterieller Natur durch die Art der Be- 
handlung der Rübenschnitzel mit heißem Wasser, sowie durch die vereinigte 
Wirkung der Hopfenbitterstoffe und der durch die Hefe erzeugten Gär- 
produkte unterdrückt werden. Sproßpilze können durch gründliche Reini- 
gung der Leitungen, Gärgefäße usw. mit den üblichen Desinfektionsmitteln 
unterdrückt werden. — Bei Verwendung von Grünsirup empfiehlt sich ein 
größerer Zusatz von Malz oder Czirok, andererseits ein öfteres Einschieben 
eines höherwertigen Gebräus in den Fabrikationsgang, da Grünsirup, nament- 
lich in diesem Jahre noch weit weniger assimilationsfähige Nahrung in 
Form von Eiweißkörpern, Phosphaten usw. enthält, als gewöhnliche Zucker- 
rübenwürze. 

Sandelin, A. E. Untersuchnng eines aus Rahm isolierten sänre-lab- 
bildenden Bazillus (Bacillus coagulans n. sp.). Zentralblatt f. Bakter. 
u. Parasitenk., H. Abt. 49, S. 115 — 30. Experimentalfältet bei Stockholm, 
Zentralanst. für Landwirtschaftl. Versuchswesen, Bakteriol. Abt. 

Der neue Bazillus konnte nur einmal aus verdorbenem, sterilisiertem 
Rahm isoliert werden. Er bildet Sporen, hat peritriche Cilien und ist 
fakultativ anaerob. Milch koaguliert er bei schwach saurer Reaktion in 
sehr charakteristischer Weise, dann wird das Gerinnsel unter Bildung von 
Peptonen und Aminoverbindungen peptonisiert. Dextrose, Fruktose, Galak- 
tose, Maltose und Laktose werden vergoren, Glyzerin schwach, Saccharose, 
Pentose, Arabinose und Mannit gar nicht. Bei der Vergärung von Laktose 
und Dextrose werden sicher Essigsäure und Bernsteinsäure, aber keine Milch- 
säure oder Oxalsäure gebildet. Auch das Fett der Milch wird offenbar 
etwas angegriffen. Gelatine wird verflüssigt. 

Rubner, Max. Über die Yerdaulichkeitsverhältnisse unserer Nahrungs- 
mittel. Berl. klin. Wchschr. 56, S. 294—95. 

Erwiderung auf die Ausführungen von König. (Berl. klin. Wchschr. 
56, S. 293; vorst. Ref.) Dieser hat vor allem die Ausnutzung kombinierter 
Nahrung, die andere Werte angibt, als die einzelnen Nahrungsmittel für 
sich, nicht berücksichtigt. 



gg Referate 

Völtz, W. Sind die in Ausniitzung^sversuchen mit Frischhefe, also leben- 
den Hefezellen, ermittelten Yerdauun^s werte für die Hefenährstoffe 
auch zutreffend für die Nahrungs- und Futterhefe? Zeitschr. f. Spiri- 
tusindustrie 42, S. 23— 24. (Vgl. Biocheni. Ztschr. 93, S. 101; C. 1919, 
I, S. 561.) 

Die für die Verdaulichkeit der Hefenährstoffe bei Verwendung von 
Frischhefe (vgl. Schill, Biochem. Ztschr. 87, S. 163; C. 1918, II, S. 202) 
gefundenen Werte sind wesentlich niedriger als die für Nahrungs- und Futter- 
hefe ermittelten, die stets getrocknet oder doch aufgekocht, also immer ab- 
getötet, zum Verzehr gelangen. Entsprechend der Widerstandsfähigkeit der 
lebenden Hefezellen (vgl. oben angeführte Abhandlung) waren die Ver- 
dauungswerte für die Hefenährstoffe niedrig und betrugen für die organische 
Substanz 53,3 7o ^^^ für das Hefeeiweiß 46,6 "/o- Die mangelhafte Resorp- 
tion der Hefe bei ihrer Verfütterung im lebenden Zustande, und die Gefahr, 
daß bei Verabreichung großer Mengen infolge starker Kohlensäureproduktion 
Tympanie bei Wiederkäuern eintreten kann, bedingt ihre Verwendung als 
Nähr- und Futterhefe ausschließlich im abgetöteten Zustand. Das schließt 
natürlich den Genuß lebender Hefezellen in dosierten Mengen für thera- 
peutische Zwecke nicht aus. 

Ratten- und Kellermäusevertilger. Midi. Drugg. and Pharm. Rev. 51, 
1917, S. 14—15. 

Stearns elektrische Ratten- und Mäusepaste besteht anscheinend aus 
97 — 98,5^0 Glukose und 1,5 — -3^/^ Phosphor, der in CS2 unter Zusatz von 
etwas Erdwachs gelöst ist. Eine andere Vorschrift lautet: Man bratet eine 
Meerzwiebel in 500 g Schweineschmalz, 50 — 100 g Rindertalg aus, bis die 
Fette den Geruch derselben angenommen haben, und gibt dann 500 g 
Bariumkarbonat, 50 g 20'^/Qige Kupferammonazetatlösung zu. Ungiftiger 
Rattenvertilger aus spanischen Fliegen: 10 Drachmen Kantharidenpulver, 
32,2 g Farinzucker, 500 g Malz, 0,065 g Moschus, je 6 Tropfen Rhodium- und 
Kümmelöl. 

Gautier, Cl. Physiologische und parasitologische Studien über die schäd- 
lichen Lepidopteren. Das Eierlegen der Apanteles, Parasiten von 
Pieris brassicae. (Vgl. C. r. soc. de biologie 81, S. 801; C. 1919, I, 
S. 255.) C. r. soc. de biologie 81, 1918, S. 1152—55. 

Es wird experimentell erwiesen, daß das parasitische Befallen der 
Larven von Pieris brassicae durch Apanteles oder Microgaster glomeratus 
entgegen der Meinung von Fahre nicht durch die Eier der Pieride erfolgt, 
sondern in der Norm in der jungen Raupe. Der Parasit sticht wohl auch 
die Eier, aber diese sterben dann entweder ab oder liefern parasitenfreie 
Raupen. 



Referate 89 

Töltz, W. Die Yerfütterung des Kartoffelkrautes in friscliem, eiiif^e- 
säuertem und getrocknetem Zustande. Ztschr. f. Spiritusindustrie 42, 
S. 105 — 6. Berlin, Kartoffelbaugesellschaft, 

Über die Erfolge mit der Verfütterung des Kartoffelkrautes hat die 
Kartoffelbaugesellschaft im November 1918 bei den Kartoffelversuchsstellen 
eine Rundfrage erlassen. Aus den Antworten und den Erfahrungen des 
Verfassers geht folgendes hervor: Es sollte stets nur Vs bis zur Hälfte der 
Rauhfuttergaben in Form von Kartoffelkraut verabreicht werden. Frisches 
Kraut kann in stärkeren Gaben zu Durchfällen und anderen Erkrankungen 
führen. An Pferde und trächtige Tiere ist das Kartoffelkraut nur als Heu 
einwandfreier Beschaffenheit zu verfüttern. Auch Milchkühe sollten nur 
mäiiige Mengen frisches oder gesäuertes Kraut erhalten, weil der Geschmack 
der Butter beeinträchtigt werden kann. Schweine, Schafe und Rinder können 
frisches Kraut in mäßigen Mengen erhalten. Die widersprechenden Erfah- 
rungen der Praxis über die Eignung des eingesäuerten Krautes sind teil- 
weise auf den Ausfall der Säuerung zurückzuführen; es empfiehlt sich, das 
Kraut stets im Gemisch mit anderem Grünfutter einzusäuern. — Kartoffel- 
krautheu hat denselben Nährwert wie Wiesenheu mittlerer Güte (vgl. Ztschr. 
f. Spiritusindustrie 38, S. 87 u. 276; C. 1915, I, S. 1016, IL 755). Das Kraut 
darf stets nur kurz vor der Ernte abgemäht werden, um die Erträge an 
Knollen nicht zu beeinträchtigen. 

Hartmann, Joliannes. Ein Beitrag zur Yerdanliehkeit „verliolzter" Zell- 
wände. Dtsche, tierärztl. Wchschr. 27, S. 115 — 17. Dresden, physiolo- 
gisches Institut der Tierärztlichen Hochschule. 

Verfasser hat in früheren Arbeiten über mikroskopische und mikro- 
chemische Untersuchungen von Holzpräparaten, die an Pferde verfüttert 
wurden, sowie den entsprechenden Kotproben berichtet. Er teilt nunmehr 
Beobachtungen über die Korrosionserscheinungen an Fruchthaaren von Hafer- 
körnern mit, 

Hirazuka, E. Die Bildung des Seidenfadens. Bull. Imp. Serie. Exp. 
Station, Nakano 1, 1918, S. 203; Rev. gen. des Sciences pures et appl, 
30, S. 36. 

Die in der Drüse der Seidenraupe vorhandene flüssige Seide besteht 
aus wenigstens zwei kolloidalen Stoffen, die in einer nicht albuminösen 
Flüssigkeit aufgeschwemmt sind. Die Umbildung der flüssigen in feste Seide 
scheint auf einem Koagulationsvorgange zu beruhen, der spontan eintritt 
und durch mechanische Einwirkungen (Zug, Druck) oder Zusatz einer Spur 
Säure, selbst CO2, sehr beschleunigt wird. Auch Erhitzen bewirkt Koagula- 
tion, und, da diese auch in Gegenwart von KCN eintritt, scheint sie nicht 
auf Enzymwirkung zu beruhen. Verfasser betrachtet die flüssige Seide als 
eine konzentrierte Emulsion sericigener Substanz im unbeständigen, über- 



90 Referate 

sättigten Zustande und die Erhärtung als einen physikalischen Vorgang. 
Die flüssige Seide kann zu einem halbgelatinösen Faden ausgezogen werden, 
der bei weiterem, vorsichtigem Ausziehen koaguliert und dann ganz dem 
natürlichen Faden der Seidenraupe gleicht. Es ist zu bemerken, daß die 
Seidenraupe während des Spinnens den Kopf beständig nach links und rechts 
bewegt, wodurch eine Spannung auf den werdenden Faden ausgeübt wird. 

Paillot, A. Kokkobazillen als Parasiten der Raupen von Pieris brassicae. 

C. r. d. l'Acad. des sciences 168, S. 476—78. 

Kurze Beschreibung von fünf Arten, vier aus der Gegend von Lyon, 
einer aus Sellieres im Jura. Zwei Arten verflüssigen Gelatine, eine von 
ihnen ähnelt im Aussehen der Kulturen und in der Bildung eines grünen 
fluoreszierenden Farbstoffs dem Bac. fluorescens liquefaciens und wird als 
Bac. pieris fluorescens bezeichnet, die andere, Bac. pieris liquefaciens, bildet 
keinen Farbstoff. Von den nichtverflüssigenden Arten unterscheiden sich 
zwei, Bac. pieris non liquefaciens a und (i, lediglich durch die verschiedenen 
Einwirkungen auf die einzelnen Zuckerarten; die dritte, aus dem Jura stam- 
mende, wegen der großen Beweglichkeit Bac. pieris agilis benannt, verhält 
sich negativ gegen alle Zucker außer Glukose, entfärbt aber Lackmusnähr- 
böden mit den verschiedensten Zuckern mehr oder weniger. 

Fornet, A. Der Einfluß riclitiger und falscher Gärfülirung^ auf die Be- 
schaffenheit unserer Krie^sbrote. Ztschr. f. ges. Getreidewesen 10, 1918, 
S. 50 — 59. Berlin, Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung. 

Die vorliegenden Versuche haben gezeigt, daß auch bei den Mehlen 
dunkler Ausmahlung die sachgemäße Gärführung der wichtigste Faktor für 
das Gelingen des Gebäcks ist. Wasserstreifen, unvollkommene Elastizität, 
mangelhafte Porenbildung, wie überhaupt ungare Krume sind Fehler, die in 
der Mehrzahl der Fälle auf Gärfehler zurückzuführen sind. Diese Gärfehler 
können bei festen und weichen Teigen auftreten. Feste Teige, die die Form 
und Stückung des Gebäcks begünstigen, können die Ausbildung der Krume 
benachteiligen. Weiche Teige begünstigen die Lockerung, benachteiligen 
die Ausbildung der Gebäcke. Die Teige sind daher den Ausbeuten an 
Gebäck und der jeweiligen Betriebsführung anzupassen, damit nicht durch 
unzweckmäßige Gärung entstandene Fehler durch zu feste oder zu weiche 
Teige verstärkt werden. Der HaO-Gehalt der Krume steht in unmittelbarer 
Beziehung zur Konsistenz der Teige. Weichere Teige geben auch feuchtere 
Brote. Bei guter Ausbildung eines Gebäcks aus weicheren Teigen wird 
dies daher trotz einwandfreier Beschaffenheit höheren HaO-Gehalt aufweisen. 
Das Brot darf also nicht lediglich nach dem Wassergehalt beurteilt werden, 
sondern es muß Qualitätsprüfung nebenhergehen. Das beste Brot ist das- 
jenige, welches in gut und gleichmäßig gelockerter Krume einen der Teig- 
und Brotausbeute entsprechenden HaO-Gehalt aufweist. 



Referate 9 1 

Fadeiizieliendes Brot und seine Verhütung. Versuchsanstalt für Getreide- 
verarbeitung^, Berlin. Ztschr. f. ges. Getreidewesen 10, 191S, S. 105 — ü. 
Berlin, Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung. 

Fadenziehen des Brots beruht auf einer bakteriellen Zersetzung der 
Brotbestandteile. Träger der Pilze ist das Mehl, Kartoffeln und Kartoffel- 
mehl begünstigt die Infektion. Infektion läßt sich nicht verhüten, das Auf- 
treten der Krankheit läßt sich vermeiden, sie tritt nur bei höheren Tempe- 
raturen, also meistens im Sommer auf. Verhütungsmittel: Kühle und luftige 
Lagerung des Brotes, mittelfeste Teigführung, scharfes Ausbacken, Führung- 
saurer Teige, zweckmäßig durch Vorteige unter Zusatz einer Säurerein- 
kultur, erhältlich in der Versuchsstation für Getreideverarbeitung. Weizen- 
brot ohne Säuerung ist nur in kleineren Gebacken herzustellen, die schnell 
verbraucht werden. Fadenziehendes Brot ist vom Verkehr auszuschließen, 
scharf zu trocknen und als Viehfutter zu verwenden. 



Fornet, A. Beitrag zur Kenntnis des Fadenzieliens der Brote. Ztschr. 
f. ges. Getreidewesen 10, Berlin 1918, S. 106 — 8. Versuchsanstalt für 
Getreide Verarbeitung. 

Es wurden Brote von steigendem Wassergehalt 41,6 — 40,8 ^'^ herge- 
stellt und im Brutschrank bei 40*^ aufbewahrt. Nach 72 Stunden war bei 
dem Brot mit dem niedrigsten Wassergehalt kaum Fadenziehen zu bemerken, 
die wasserhaltigeren zeigten mit zunehmendem H2O Gehalt stärkeres Faden- 
ziehen. Der Säuregrad war in keinem Falle hoch genug, um das Faden- 
ziehen zu verhindern, er muß wenigstens 0,3^0 Milchsäure, d. h. 3,3 Säure- 
grad betragen, um den gewünschten Zweck zu erreichen. 

Scheffer. Über das Schälen der (wetreidekörner. Ztschr. f. ges. Getreide- 
wesen 10, Berlin 1918, S. 143—46. 

Es werden an der Hand von Abbildungen die Unterschiede klargelegt 
zwischen der nassen und trockenen Schälmethode. Beim trockenen Schleif- 
verfahren werden Teile der Hüllen in Bruchstücken abgerissen, der Rest 
wird in Form eines Pulvers vom Korn abgeschliffen. Beim nassen Ver- 
fahren wird die aufgeweichte Fruchtwandung abgezogen. Eine vollkommene 
Trennung von Schale und Kern wird beim nassen Verfahren nicht erreicht: 
der innerste Teil der Fruchtschale ist an dieser Stelle mit der Samenschale 
verwachsen, und beide zusammen sind stark verdickt. Hier reißt die Schale 
ab. Beim Schleifverfahren kommt man mit der Entschalung weiter, muß 
aber einen gewissen Mehlverlust mit in Kauf nehmen. Entkeimung erreicht 
man nur beim Schleif verfahren. Der Grad der Schälung ist beim trocknen 
Verfahren willkürlich, beim nassen immer derselbe. 



92 Referate 

Herter, W. Ziickerbestiiiiiiniiig im Kuclieii auf g^ärun^spliysiologischem 

Wege. Ztschr. f. ges. Getreidewesen 10, 1918, S. 6—8. Versuclisanstalt 
für Getreideverarbeitung. 

Unter Kuchen versteht man nach den jetzigen Verordnungen ein Ge- 
bäck, das mehr wie 10 ^o Zucker enthält; solche Ware darf ohne Marken- 
zwang verkauft werden. Die Frage, ob eine Backware als Brot oder Kuchen 
anzusprechen ist, kommt in der Praxis häufig vor; zur schnellen Beant- 
wortung schlägt Verfasser vor, die Gärmethode zu benutzen; er vergärt 
1 g Ware mit 10 g H^O und vergleicht die entwickelte Menge COg mit der 
CO2 Menge, die 10 ccm l^/ßige Zuckerlösung bildete. Für genauere Be- 
stimmungen kann die Vergleichszuckerlösung noch verschieden abgestuft 
werden. Da Hefe zur Herstellung von Verkaufsware zurzeit verboten ist, 
so ist die Methode zurzeit zur schnellen Beantwortung der gestellten Frage 
brauchbar. 

Seel, Eugen, Zeeb, Elisabeth und Reihling-, Karl. Die mikroskopische 
Untersuehuug von Fleisch- und Wurstwaren. Ztschr. f. Untersuchung der 
Nahrungs- u. Genußmittel .37, Stuttgart 1919, S. 1—17. 

Die Ergebnisse der chemischen Untersuchungen von Fleisch- und 
Wurstwaren sind als ausschließliche Grundlage für deren Beurteilung durch- 
aus ungenügend. Verfasser haben deshalb vorliegend den Versuch gemacht, 
die mikroskopischen Schnitte der wichtigsten in Betracht kommenden Ge- 
webe und Organe in gekochtem Zustande so zu charakterisieren, dal^ sie in 
Gemischen einwandfrei erkannt werden können. Die Technik der mikro- 
skopischen Untersuchung von Fleisch- und Wurstwaren wird unter Angabe 
bewährter Verfahren eingehend dargestellt. 

Bolle, J. Die Ermittlung der Wirksamkeit von insekteutötenden Mitteln 
gegen die Nagekörper des verarbeiteten Werkholzes. Ztschr. f. ang, 
Entomol. 5, 1918, S. 105 — 17. K. K. landw. Versuchsstation Görz. 

Zu den Versuchen zur Ermittlung von insektentötenden Mitteln gegen 
Nagekäfer dienen am besten größere Kästen aus vernietetem und gut ver- 
lötetem Blech, die oben mit einer Wasserrinne versehen sind, in welche der 
vorspringende Rand des Deckels eintaucht. Als Versuchsinsekten wurden 
Brotkäfer, Mehlwurm und Kleidermotte verwendet. 20 oder mehr Larven 
werden in dickwandige Eprouvetten von 20 cm Länge und 1^2 cm Breite 
mit etwas Futter gegeben und die Öffnung mit etwas Baumwolle zugestopft. 
Man muß derartige Röhrchen an verschiedene Stellen und in verschiedenen 
Höhen des Kastens aufstellen. Die Versuche an wurmstichigem Holz werden 
ausführlich beschrieben. Als wirksamstes Mittel hat sich Schwefelkohlenstoff 
herausgestellt. 



Referate 93 

Ellrodt, G. Schlechte Hefe und deren Ursache. Brennereiztg. 35, 1918, 
S. 8103 — 4. Berlin, Versuchsanstalt des Vereins d. Brennereibesitzer und 
Preßhefefabrikanten Deutschlands. 

Als Hauptursache schlechterer Qualität der Hefe bezeichnet Verfasser 
die wechselnden Rohmaterialien und deren wechselnde Qualität, ferner mangel- 
haften Transport und zum Teil unsachgemäße Aufbewahrung in den Bäcke- 
reien. Die infolge der Ammoniumsalzernährung mit Stickstoff überernährten 
eiweißreichen Hefen vertragen wahrscheinlich den Transport schlechter als 
normal ernährte Hefen. In bestimmten Grenzen gilt eine eiweißreiche Hefe 
als gute Backhefe, jedoch ist das nicht für besonders eiweißreiche Hefe der 
Fall. Im Sommer empfiehlt es sich, auf nicht zu eiweißreiche Hefen hin- 
zuarbeiten, da die Haltbarkeit sonst leidet. Durch besonders große N-Nah- 
rung kann die Ausbeute nicht immer erhöht werden, sie ist nicht allein 
durch die N-Gabe bedingt, sondern hängt auch von der in der Würze vor- 
handenen Kohlenhydratmenge und deren sachgemäßer Ausnutzung ab. Eine 
zu große N-Gabe erhöht nicht die Ausbeute, verschlechtert aber nicht selten 
die Qualität. Es empfiehlt sich für die Betriebe, deren Hefehaltbarkeit 
bemängelt wird, den N-Gehalt der Hefe festzustellen. 

Ellrodt, G. Verarbeitung von Vogelbeeren auf Branntwein. Brennerei- 
ztg. 35, 1918, S. 8127. Berlin, Versuchsanstalt des Vereins d. Brennerei- 
besitzer u. Pießhefefabrikanten Deutschlands. 

Nach älteren Mitteilungen können aus 100 kg Vogelbeeren (Sorbus 

aucuparia) bis zu 3 1 Alkohol gewonnen werden. Bei Nachprüfung dieser 

Daten wurden 1,85— 2,6"/^ Alkohol erhalten, je nach Versuchsanstellung. 

Die Versuche wurden von Hämmerling ausgeführt. 

Ellrodt, G. und Kunz, Raimund. Alkoholgewinnung aus Flechten. 

Brennereiztg. 35, 1918, S. 8171. Berlin, Versuchsanstalt d. Vereins d. 

Brennereibesitzer u. Preßhefefabrikanten Deutschlands. 

Zur Verarbeitung kam Cladonia rangiferina, deren Zusammen- 
setzung folgende war: 11,7 7o Wasser, 0,660/o N, 4,117o Rohprotein, 4,870/o 
Asche, 1,6% Ätherextrakt. Die Asche enthielt 70^0 Kieselsäure und nur 
0,71% Phosphorsäure oder auf Flechte bezogen 0,034 7o- Durch einstündiges 
Kochen bei 3 Atmosphären mit 0,85%iger Salzsäure wurden 71,7% des 
Gewichtes der Flechte als Extrakt gewonnen. Der Extrakt enthielt 54,5 7o 
Glykose oder auf Flechte berechnet 39%. Für die Gewinnung des Alkohols 
eignete sich folgendes Verfahren am besten: Einstündiges Erhitzen im Auto- 
klaven bei 3 Atmosphären mit 2—3*^/0 Salzsäure auf das Flechtenge wicht 
bezogen, was einem Zusätze von 8 — 12% Säure vom spez. Gew. 1,125 ent- 
spricht. Vor Anstellung der Maische zur Gärung wurde die Säure neutrali- 
siert; die Gärung wurde bei 28 bis 30 ^ durchgeführt. Es wurden 28 — 28,5 
Vol.-'^/o Alkohol erhalten. 



94 Referate 

Janke, Alexander. Beiträge zur teelinisclien Biochemie. II. Essig- iiud 
Essigsäure. (Vgl. Österr. Chem.-Ztg. 21, S. 191; C. 1919, n, S. 184.) 
Österr. Chem.-Ztg. 22, S. 1—5, 18—22, 26—28. Techn. Hochschule Wien. 
Der Verfasser hält den Standpunkt des Codex alimentarius Austriacus, 
sowohl Gärungsessig als Essigessenz unter der Bezeichnung Tafel- oder 
Speiseessig zuzulassen, nicht für richtig. Will man eine Erweiterung des 
Begriffes Essig vornehmen, so ist diese Gattungsbezeichnung durch eine 
Angabe über die Herkunft näher zu bestimmen. — Der Verfasser beschreibt 
die verschiedenen Verfügungen zur Herstellung von Essig und Essigsäure 
und erörtert ihre volkswirtschaftliche Bedeutung. Das „Orleansverfahren" 
und das Arbeiten mit Drehessigbildnem sind zur Gewinnung von Qualitäts- 
essigen am geeignetsten. 

Elirodt, G. Bericlit über die analytische Tätigkeit der Vereins-Versuchs- 
anstalt im Jahre 1917. Brennereiztg. 35, 1918, S. 7999. 

Aufzählung der untersuchten Proben. Die Backfähigkeit von Hefe- 
proben, nach der Methode des Verbandes deutscher Preßhefefabrikanten 
bestimmt, lag zwischen 57 und 160 Minuten. In einem Falle konnte fest- 
gestellt werden, daß die Ursache einer auffallend schlechten Ausbeute in 
der Verwendung eines Superphosphats zu suchen war, das auf die Vermehrung 
der Hefe ungünstig einwirkende Bestandteile enthielt. Verfasser empfiehlt, 
in derartigen Fällen, in denen die Ausbeuten scheinbar ohne besonderen 
Grund stark nachlassen, die zur Verwendung kommenden Salze zu unter- 
suchen. — Verfasser stellte fest, daß sich Kastanienmehl unter bestimmten 
Bedingungen zur Fabrikation von Älilchsäure eignet. 

Albert, R. und Krause, 31. Untersuchungen deutscher Seetange. Chem.- 
Ztg. 43, S. 97 — 99. Bodenkundliches Lab. d. Forstakademie Eberswalde. 
Die Versuche der Verfasser, aus den verbreiteten Nordseealgen Agar- 
Agar zu gewinnen, verliefen negativ; Chondrus crispus zeigte sich aber zur 
Gewinnung geeignet. Versuche zur Gewinnung von Gespinstfasern aus 
Algen führten zu keinem Resultat. Die Laminariaarten eignen sich als 
Futtermittel; sie lassen sich leicht trocknen und brauchen nur gedämpft zu 
werden. Die Untersuchungen von Algen auf Jod ergaben verschiedene 
Werte von 4,2 °/q Jod bis zu geringen Spuren; die Resultate sind in einer 
Tabelle zusammengestellt. Die Menge von Laminaria hyperborea, die man 
aus Helgoland erhalten könnte, w^rde den gesamten Jodbedarf Deutschlands 
decken. Neben der Jodgewinnung würde sich die Verarbeitung der Asche 
auf Kali lohnen; am rationellsten wäre es bei dem Gehalt an H3PO4, die 
gesamte Asche als Düngemittel zu verwenden. 

Meyerhof. Otto. Über den Zusammenhang von Atmung und Gärung. 

Naturwissenschaften 7, S. 253 — 59, Kiel. 

Die Analogie zwischen Gärung und Zellatmung, schon von Pasteur 
betont, läßt sich auch unter Berücksichtigung der neueren Forschungen 



Referate 95 

verfolgen. Ganz analog wie die Gärung läßt sich auch die Atmung vom 
Leben der Zelle abtrennen. Die Geschwindigkeit beider Vorgänge wird in 
gleicher Weise durch narkotisch wirkende Substanzen beeinflußt, und zwar 
sowohl in lebenden wie in getöteten Zellen und in Zellextrakten. Schließ- 
lich scheint für die Atmung ein Koferment zu bestehen, das allem Anscheine 
nach mit demjenigen für die Gärung identisch ist. Es dürften somit auch 
diejenigen Phasen der Gärung und der Atmung, bei denen sich das Kofer- 
ment bestätigt, nahe verwandt oder sogar identisch sein. 

Molliard, M. Über die physiologische Bedeutung der Oxalsäure. C. r. 

soc. de biologie 82, S. 351—53. 

Aus Versuchen mit Züchtung von Sterigmatocystis nigra unter ver- 
schiedenen Bedingungen hat Verfasser das Gesetz abgeleitet: Die Bildung 
der Oxalsäure ergibt sich aus einer Reaktion der Pflanzenzellen 
gegenüber der Neigung des Nährbodens zu alkalischer Reaktion. 
Die Bildung von Oxalsäure nahm zu, gleichviel, ob der Nährboden durch 
künstliche Zusätze oder durch die in ihm sich abspielenden Stoffwechsel- 
vorgänge nach der alkalischen Seite hin verändert wurde. 

Pringsheini, Hans. Die chemische Anpassung der Mikroorganismen. 

Naturwissenschaften 7, S. 319 — 22, Berlin. 

Die einzelnen Vertreter der Mikroorganismen zeigen eine besondere 
spezifische Anpassung vornehmlich gegenüber hochmolekularen Naturprodukten 
einerseits und den niedrigsten Abbauprodukten andererseits, während die 
dazwischen liegenden Glieder pflanzlichen und tierischen Stoffwechsels einer 
größeren Zahl von Mikroben zugänglich sind. Es werden die spezifischen 
Anpassungen an Kohlenhydrate und Eiweißstoffe unter besonderer Berück- 
sichtigung der sterischen Auswahl kurz besprochen. 

Blockey, J. R. Beizen. Journ. Amer. Leather Chem. Assoc. 14, S. 49 — 61. 

Verfasser behandelt die zur Entfernung des Kalkes aus der geäscherten 
Haut angewandten Verfahren. Das Entkalken (deliming) besteht in der 
Entfernung des Kalkes mit anorganischen (Schwefelsäure, Borsäure) oder 
organischen (Ameisensäure, Milchsäure) Säuren. Beim Beizen wird die Blöße 
der Einwirkung gärender Stoffe unterworfen, und zwar unterscheidet man 
das Beizen mit Kotbeizen, das sind gärende Aufgüsse von Hunde-, Hühner- 
oder Taubenkot (bating) und mit der aus Aufgüssen von Kleie bestehenden 
Kleienbeize (drenching). Das Beizen mit Kleienbeize wird gewöhnlich bei 
Häuten angewendet, die vorher mit Säuren entkalkt oder mit Kotbeizen 
behandelt wurden, und dient dazu, die letzten Spuren von Kalk zu beseitigen. 
Die Kleienbeize hat nicht die gleiche entschwellende (verfallen machende) 
Wirkung wie die Kotbeizen, kann daher diese nicht ersetzen, findet jedoch 
mit Erfolg dort Anwendung, wo in der Hauptsache nur die entkalkende 



96 Referate 

Wirkung der Säuren und die Reinigung der Haut erzielt werden soll. Ein 
Vorteil der Kleienbeize besteht darin, daß sie die Haut nicht angreift und 
daher nicht so leicht schädlich wirkt, wie die Kotbeizen, die bei zu starker 
Einwirkung das Bindegewebe der Haut zerstören. Verfasser schildert ein- 
gehend das Wesen der Kleienbeize, deren Wirkung nach J. T. Wood 1. in 
der mechanischen Wirkung der festen Kleieteilchen, 2. in der entkalkenden 
Wirkung der Säuren und 3. in der Trennung der Hautfasern durch die bei 
der Gärung sich entwickelnden Gase besteht. 

Uiigeziefervertilgung — Blausäureverfaliren. Der praktische Desinfektor 
11, S. 25—28. 

Verfasser bespricht kurz die Vorzüge und Nachteile des Blausäure- 
verfahrens und gelangt zu dem Ergebnis, daß die allgemeine Aufnahme des 
Verfahrens wegen seiner großen Gefährlichkeit nicht durchführbar ist. 

Freymutli, Alfred. Zur Bekämpfung des Fleckiiebers. Pharm. Ztg. 64, 
S. 273, Berlin. 

Nach einigen Bemerkungen über die Biologie der Kleiderlaus schildert 
Verfasser die Bekämpfungsmöglichkeit dieses Parasiten, insbesondere die 
Entlausung durch HCN, 

Pat.-Anm. 45b, 1. S. 47924. Torrichtung zum Beizen von Saatgetreide 
mit Beizbottich, dem das Gut kontinuierlich zufällt. Jakob Soiderer, 
Seligenstadt bei Würzburg 1918. 

Pat.-Anm. 50e, 1. W. 50352. Filter zum Reinigen oder Trocknen von 
Luft. Robert Weilemann, Kaiserslautern 1918. 

Pat.-Anm. 6b, 8. D. 34196. Verfahren zum kontinuierlichen Herstellen 
von Maische und Würze. Wilh. Deinlein, München 1918. 

Friedrichs, K. Wanderlieuschrecken und ihre Bekämpfung. Naturwissen- 
schaften 7, S. 345—352. 

Wesentlich auf Grund einer Monographie von H. Bücher („Die Heu- 
schreckenplage und ihre Bekämpfung", Monographien zur angewandten Ento- 
mologie, Nr. 3, Berlin 1918) wird über die für Anatolien und Syrien haupt- 
sächlich in Betracht kommenden beiden Heuschreckenarten, Schistocerca 
peregrina Oliv. u. Stauronotus maroccanus Thunb., berichtet. Die verschie- 
denen tierischen Feinde werden erwähnt. Der Coccobacillus acridiorum 
d'Herelles kann unter bestimmten Vorausetzungen zur Verbreitung einer 
Seuche unter den Heuschrecken benutzt werden. Doch ist dieses Mittel 
weit weniger zulässig, als verschiedene mechanische Verfahren, von denen 
die Zinkraethode besonders hervorgehoben wird. Von chemischen Mitteln 
werden 27oige Seifenlösung als Kontaktgift und „Urania", eine verbesserte 
Form des Schweinfurter Grüns (von der Chemischen Fabrik in Schweinfurt) 
als Fütterungsgift erwähnt. Schließlich wird die Verwertung des einge- 



Referate ' 9 7 

sammelten Materials besprochen. Aus den Eiern konnte Beckmann ein 
Fett ausziehen, dessen Verwendung als Speisefett möglich erschiene, wenn 
seine Gewinnung praktisch durchführbar wäre. Getrocknete Heuschrecken 
sind ein Futter von hohem Nährwert, doch lieferten Hühner, die damit in 
Menge gefüttert waren, minderwertige Eier. Am besten ist die Verwendung 
des Fanggrubeninhaltes als Dünger. 

Weill, E. und Mouriquand, G. Über den Zeitpunkt des Auftretens der 
antiskorbutischen Substanz und über die Krankheitserscheinungen bei 
Meerschweinchen durch Verabreichung von Gerstenkörnern in ver- 
schiedenen Keimungsstadien. C. r. soc. de biologie 82, S. 184 — 86. 

Trockene geschälte Gerste macht bei Meerschweinchen um den 20. Tag 
der Fütterung skorbutische Erscheinungen, denen die Tiere um den 26. Tag 
erliegen. Nach 3-tägiger Keimung verfütterte Gerste verzögert die skorbu- 
tischen Erscheinungen, macht sie aber intensiver. Läßt man die Gerste 
5 Tage keimen, so macht ihre Verfütterung keinen Skorbut mehr; die Tiere 
nehmen an Gewicht zu, bis dann, nach ca. 50 Tagen, ganz plötzlich Tod, 
nach kurzem Coma oder Konvulsionen, eintritt. Dies tritt bei den 5-tägigen 
Keimlingen in den meisten Fällen ein, regelmäßig aber bei Verfütterung 
von Gerste, die 7 Tage keimte. Die grünen und weißen Blätter, nach 
10-tägiger Keimung für sich verfüttert, bewirken plötzlichen Tod nach 3 bis 
7 Tagen. Die Autopsie ergibt in keinem Falle besondere Anhaltspunkte. 

Wenn nunmehr gleichzeitig 3 Tage gekeimte Gerste verfüttert vnirde, 
dann trat weder Skorbut, noch akute Vergiftung auf, und die Tiere gediehen 
während der ganzen sehr langen Beobachtungszeit vortrefflich. Die schädi- 
genden Wirkungen der Einzelbestandteile heben sich also gegenseitig auf. 

Teichmann, Ernst. Blausäureverfahren und Winterbekämpfung der Stech- 
mücken. Ztsclir. f. angew. Entomologie 5, 1918, S. 118 — 25. Frank- 
furt a. M„ Biol. Abt. des Hyg. Inst, der Univ. 

Verfasser hat früher (vgl. Münch. med. Wchschr. 64, S. 1041; C. 1917, 
II, S. 481) über Versuche berichtet, die festzustellen bezweckten, welche 
Wirkung Cyanwasserstoff auf Stechmücken ausübt. Er teilt jetzt seine Er- 
fahrungen mit, die er mit dem Blausäureverfahren bei der Bekämpfung der 
Stechmücken im Winter gemacht hat. Das Ergebnis der Vergasung war in 
allen Fällen durchaus befriedigend. 

Zander, Enoch. Die Bekämpfung der Wachsmotten mit Blausäure (Cyan- 
• Wasserstoff). Ztschr. f. angew. Entomologie 5, 1918, S. 127 — 128. 

Das Blausäureverfahren hat sich bei der Bekämpfung der Wachsmotte 
gut bewährt. In dem beschriebenen, in der Praxis ausgeführten Versuche 
waren nicht uur sämtliche Wachsmotten und ihre Raupen tot, sondern offen- 
bar auch ihre Eier, denn es kamen keine Raupen mehr zur Entwicklung. 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIII. ^ n 



98 Referate 

Smith, T. 0. Sicherlieitsmaßregeln bei Blausäureräucherungeii. Engin. 
Mining Journ. 107, S. 312. 

Verfasser beschreibt eine gefahrlose Art der -Einführung des KCN in 
die H2SO4 für die Entwicklung von HCN. 

Peltou, H. A. und Schwarz, M. W. Die Herstellung von Blausäure. 

Chem. Metallurg. Engineering 20, S. 165 — 66. 

Für die Räucherung von Obstbäumen wird die hierzu verwendete Blau- 
säure aus Cyanid und Schwefelsäure erzeugt. Die Anwendung von in Eisen- 
zylindern verflüssigtem Cyanwasserstoff wäre mit gewissen Vorteilen ver- 
bunden. Verfasser beschreiben an Hand von Abbildungen einen Apparat 
zur Herstellung von verflüssigtem Cyanwasserstoff aus NaCN und verdünnter 
H2SO4 und machen auf Grund von Ergebnissen in einem Versuchsbetrieb 
Angaben über die erzielbaren Ausbeuten und die Produktionskosten. 

(Jirard, Pierre und Audubert, Rene. Die elektrischen Ladungen der 
Mikroben und ihre Oberflächenspannung. C. r. d. l'Acad. des sciences 
167, 1918, S. 351—54. 

Unterwirft man Mikroben, in Nährbrühe, physiologischer Lösung oder 
Zuckerwasser emulgiert, der Einwirkung eines elektrischen Feldes, so be- 
wegen sie sich gegen die Anode; alles vollzieht sich so, wie wenn jeder 
Keim mit einer negativ-elektrischen Schicht (Anionen) von der Dichte 0, die 
seiner Wandung anhaftet, bekleidet wäre und unter der Feldwirkung längs 
einer anderen positiv-elektrischen Schicht (Kationen) von gleicher Dichte, 
die dem Suspensionsmittel angehört, hinglitte; die Entfernung d, die beide 
Schichten trennt, ist von der Größenordnung der Molekulardurchmesser. 
Von dieser elektrischen Doppelschicht hängt die Oberflächenspannung des 
Protoplasmas ab. Untersuchungen über dieses Phänomen sind daher von 
Bedeutung. Unter den mehrwertigen Ionen, die nach den Gesetzen von 
Jean Perrin über Kontaktelektrisierung befähigt erscheinen, eine mit 
negativen Ladungen bekleidete Wandung zu entladen, wurde das dreiwertige 
Ion der neutralen und ungiftigen Lanthansalze gewählt, und es wurden in 
Versuchen, teilweise gemeinsam mit E. Pitres, für Mikroben verschiedener 
Arten in den üblichen Medien für sich und mit verschiedenen Konzentrationen 
jener Salze die Veränderungen des elektrischen Moments ihrer Doppelschicht 
(Produkt der Ladungsdichte a durch die Dicke d), das von der Änderung 
der Dichte ihrer Ladung abhängt, bestimmt. Ist H das elektrische Feld, 
V die meßbare Geschwindigkeit des Mikroben gegenüber der Fläche, k der 
Zähigkeitskoeffizient, so ergibt sich durch Anwendung der Formel, die den 

vk 
Koeffizienten der inneren Reibung bestimmt, a d = ^. 

Die Mikroben verhalten sich wie die Granula einer kolloidalen Lösung. 
Wie bei diesen, bilden die elektrischen Kräfte, indem sie im Sinne einer 



Referate 99 

Oberflächenvergrößerung wirken, eine Ursache der Ortsveränderung, die 
Kohäsionskräfte eine Ursache der Agglutinierung. Genügende Verminderung 
der Ladungsdichte (T veranlaßt ihre Agglutinierung, die für den Pneumo- 
kokkus und den Milzbrandbazillus bei Verminderung von <r d von 1,22 zu 
0,45 X 16 '^ C. G. S. vollständig vs^urde. Sie ist aber umkehrbar, man kann 
zugleich den elektrischen Zustand der Zellwandung und die Zerteilung der 
agglutinierten Zellen wieder herstellen. Es genügt nach Schütteln des 
Agglutinats mit einer Lösung, die negative drei- oder vierwertige Ionen 
enthält (Citrat oder Ferrocyanid), unter Anwendung des Vakuums durch 
ein Filter zu filtrieren, das dicht genug ist, um nur isolierte Mikroben 
durchzulassen. 

Es werden dann die biologischen W^irkungen besprochen, die mit 
der Erniedrigung der Ladungsdichte einhergehen. 1. Steigerung des 
Wachstums. Mit Hilfe kompensatorischer Wirkung von Ionen entgegen- 
gesetzten Zeichens gelang es, in die eiweißhaltigen Nährböden Lanthansalze 
ohne Erzeugung von Ndd. einzuführen. In solchen Nährböden wurden 
gezüchtet: Shigascher Bazillus, Pneumokokkus, Typhus- und Paratyphus- 
bazillen, sporenfreier Milzbrand, Preiß-Nocardscher Bazillus, Vibrio septicus. 
Beim sporenfreien Milzbrand wird das Wachstum durch Änderung von a d 
von 3,68 zu 2,47 X 10—^ C. G. S. genau verfünffacht, beim Preiß-Nocard- 
schen Bazillus etwa versechsfacht, beim Vibrio septicus vervierfacht; da 
dieser streng anaerob ist, wird durch das letzte Ergebnis die Annahme, daß 
etwa die La-Ionen lediglich die Bedeutung eines Katalysators in einem 
Oxydationsprozeß haben, beseitigt. — 2. Lebensdauer der Zelle und 
Widerstand gegen lytische Wirkungen. Stärkere Erhöhung der Kon- 
zentrationen an La-Ionen mit ausgesprochener Senkung des Wertes von rrd 
läßt das üppige Wachstum verschwinden, doch findet sich dann die Lebens- 
dauer der Zelle, unabhängig von jedem Vermehrungsvorgang, beträchtlich 
gesteigert. Zugleich zeigt sich die Zelle, deren Protoplasma sich konden- 
siert hat, von bemerkenswerter Widerstandsfähigkeit gegen lytische Ein- 
flüsse, besonders auch gegen die antiseptischen Wirkungen der in der Kultur 
gebildeten Säuren, und von erheblicher Beständigkeit der Virulenz ; in beiden 
Eigenschaften zeigt sich ein der Sporenbildung im großen ganzen analoger 
Verteidigungsvorgang. 

3. Antiseptische Wirkungen. *Eine Konzentration der La-Ionen, 
so daß der Wert von a d gegen neigt (maximale Oberflächenspannung), 
tötet die Zelle, aber unter „Fixierung" ihres Protoplasmas und Erhaltung 
ihrer Giftwirkung, wie durch Versuche mit dem Preiß-Nocardschen Bazillus 
dargetan wird. — Daß bei diesen verschiedenen biologischen Wirkungen 
der Lanthansalze lediglich die elektrische Entladung der Mikroben Wandungen 
entscheidet, geht daraus hervor, daß sie alsbald verschwinden, wenn man 
eine etwas größere Menge dreiwertiger negativer Ionen hinzufügt. 



100 Referate 

Schweizer, K. Der Amiuostickstoff und die Fabrikation der Luftliefe. 

Bull. Assoc. Chimistes de Sucr. et Dist. 36, S. 52—56. — C. 1918, II, S. 79. 

Zikes, Heiuricli. Die Yermelirung.sfähigkeit der Hefe in Grünsirupwürzen. 

(Vgl. Zikes, Allg. Ztschr. f. Bierbrauerei u. Malzfabr. 47, S. 67 ff.; C. 1919, 
I, S. 965.) Allg. Ztschr. f. Bierbrauerei u. Malzfabr. 47, S. 125—29. 

Zwei Grünsirupe verschiedener Herkunft wurden mit und ohne Zusatz 
von Phosphorsäure, bezw. Hopfen auf ihren Nährwert gegenüber Kulturhefe 
(Untergärungshefe) untersucht. Ein geringer Zusatz von Phosphorsäure be- 
einflußt die Vermehrung der Hefe wesentlich. Dies gilt nicht allein für die 
Grünsirupwürze in reinem, verdünntem Zustand, sondern auch für die ge- 
hopfte. Es empfiehlt sich also, die Phosphorsäurearmut des Grünsirups 
durch Zusatz entsprechender Phosphorsäuremengen auszugleichen. 

Volland, Louis, Magdeburg, und Franke, Friedrich, Erfurt. Yerfaliren 
zum Keimen von Gerste u. dgl. (D. R. P. 312491, Kl. 6a, 1917, aus- 
gegeben 1919) 
in von der Luft abgeschlossenen Keimräumen, dadurch gekennzeichnet, daß 
die Keimtemperatur in dem Keiraraum durch Wasserberieselung der Um- 
fassungswand mittels einÄs dementsprechend angeordneten Wasserzerstäu- 
bungsrohres geregelt wird. — Es wird hierbei der Schwund vermieden, der 
bei der Einwirkung von Sauerstoff durch Zuführung angefeuchteter Luft 
eintritt. 

Bornand, 31. Desinfektion der Blasinstrumente; die Keime, die man 
darin antrifft. Mitt. Lebensraittelunters. u. Hyg. 10, S. 75—78. Lausanne, 
Lab. cantonal du Service sanitaire. 

Verfasser hat in dem Schleim, der sich in den Mundstücken von 12 
kupfernen Blasinstrumenten befand, säurebeständige Bakterien gefunden; 
von anderen Keimen wurden nachgewiesen solche von Penicillium glaucum, 
Mic. candicans, B. mesentericus, B. subtilis, Mic. pyogenes aureus, Mikro- 
kokken und verschiedene Sarcinen. Wenn auch keine pathogenen Keime 
gefunden wurden, so darf daraus doch keineswegs geschlossen werden, daß 
solche nicht auch vorkommen könnten. Zur Desinfektion von Blasinstru- 
menten, aus Cu oder vernickelt, taucht man die Mundstücke während ^2 — 1 
Stunde in siedendes Wasser oder flne Nacht in eine Lösung von 10 7o Lysol 
oder 5*'/'q Formalin oder bei kupfernen Mundstücken 4 — 5 Stunden in ver- 
dünnte 5 — lO'^/oige H0SO4. Das Instrument selbst kann nach dem Ausein- 
andernehmen in gleicher Weise behandelt werden. Für Instrumente aus 
Holz (Klarinette, Flöte usw.) wird die Infektion mit Formalin dampf emp- 
fohlen. Um die Musiker vor Ansteckung zu bewahren, ist die Desinfektion 
der Instrumente oder wenigstens der Mundstücke nach jedem Gebrauche 
erforderlich. 



Referate * 101 

Will, H. und Landtbloin, Fr.aiiz 0. Einwirkiiiig verschiedener Desinfek- 
tionsmittel auf Metalle. Ztschr. f. ges. Brauwesen 42, S. 81 — 82. München, 
Wissensch. Station f. Brauerei. 

Es wurde die Einwirkung von Flußsäure, Flammon, Montanin und 
Formalin in 1 — 2- und 5% igen Lösungen auf Kupfer, Zinn, Zink, Aluminium 
und Messing studiert. Die Dauer der Einwirkung betrug 2 — 3 Tage, für 
Formalin über 10 Tage. Eine l^o^g^ Fl^^^oJ^lösung wirkte auf Aluminium 
nicht bemerkbar ein. Kupfer, Zinn und Messing wurde von keiner der 
Lösungen bemerkbar angegriffen, ausgenommen Kupfer von b^/^iger Flammon- 
lösung. Eisen, Stahl, Zink und Aluminium wurden von sämtlichen Des- 
infektionsmitteln, ausgenommen Formalin, angegriffen. Ameisensäure als 
Zersetzungsprodukt des Formalins, greift Metalle an und fördert die Rost- 
bildung bei Eisen und Stahl erheblich. 

Boas. Der heutige Stand des (xärungsproblems. Ztschr. f. ges. Brau- 
wesen 42, S. 87 — 88, Weihenstephan. 

Es werden die Arbeiten von C. Neuberg (Sitzungsber. Preuß. Akademie 
d. Wissensch. 28, S. 580—601; C. 1918, II, S. 388; Biochem. Ztschr. 88, 
S. 145—204) und von C. Neuberg und E. Reinfurth (Biochem. Ztschr. 89, 
S. 365 — 414; C. 1918, II, S. 915) über die Beziehungen zwischen Azetaldehyd 
und Gärung, besonders die Brenztraubensäuretheorie besprochen. 

Zikes, Heinrich. Über den Einflufi der Konzentration der Würze auf 
die Biologie der Hefe. Zentralblatt f. Bakter. u. Parasitenk, II. Abt., 49, 
S. 174—81. Wien, Pflanzenphysiolog. Inst. d. K. K. Univ. 

Die Untersuchung erstreckte sich auf eine Hefe vom Frohbergtypus und 
eine vom Verfasser selbst hergestellte Grundwürze, von der aus die schwächeren 
Würzen durch Verdünnen mit Wasser hergestellt .wurden. Das Vermehrungs- 
vermögen der Hefe wurde in Würzen von 3,5*^ und darunter ungünstig 
beeinflußt. Das Gärvermögen erlitt schon in Würzen von 5" eine gewisse 
Schwächung. Feinere Unterschiede ergab die Bestimmung der Generations- 
dauer. Die Hefe vermehrte sich anfänglich in 1*^ Würzen rascher als in 
hochprozentigen, in 5*^ und darunter liegenden etwa gleich rasch. Dies wird 
so erklärt, daß die Hefe bei der Einsaat selbst in der 1°-Würze genügende 
Mengen von Nahrungsstoffen findet, daß außerdem aber in verdünnteren 
Würzen die Assimilation der osmosierbaren Nahrungsstoffe leichter möglich 
ist als in konzentrierteren, weil in diesen kolloidale Substanzen in größerer 
Menge vorhanden sind, die durch Anhäufung auf der Zellhaut den Durch- 
tritt der Nahrungsstoffe erschweren. Man könnte auch zur Erklärung den 
Umstand heranziehen, daß viele Organismen unter ungünstigeren Lebens- 
bedingungen vor allem an ihre Vermehrung gehen, die vorhandenen Nah- 
rungsstoffe in erster Linie möglichst rasch zum Aufbau neuer Zellelemente 
benutzen. 



102 ' Referate 

Die Konzentration der Würze übte einen schwachen Einfluß auf die 
Gestalt und Form der Hefe, stärkeren auf ihre Größe aus. Je konzentiierter 
die Würze war, desto größere und kräftigere Zellen wurden gebildet. 
Bildung von Vakuolen und Granulation erfolgte in verdünnteren Würzen 
rascher und intensiver, Bildung von Glykogen rascher, kräftiger und mit 
längerer Dauer in konzentrierteren. Schließlich konnte durch Färbung mittels 
Methylenblau eine schnellere und intensivere Degenerierung der Hefen in 
schwächeren W^ürzen nachgewiesen werden. 

Wehiiier, C. Verlust des Oxalsäurebildungsveruiögens bei einem de- 
generierten Aspergillus niger. Zentralblatt f, Bakter. u. Parasitenk. 
n. Abt., 49, S. 145—48. Hannover, Techn.-Chem. Inst. d. Techn. Hoch- 
schule, Bakter. Lab. 

Schramm (Mycolog. Zentralbl. B, 5, S. 20) hat durch fortgesetztes 
Weiterzüchten eines Aspergillus niger auf anscheinend minder geeignetem 
Nährboden (Agar) eine sporenlose Form erhalten, die auch Verfasser bei 
fortgesetzter Züchtung auf günstigsten Substraten nicht wieder zur Sporen- 
bildung bringen konnte. Diese Form bildet auch keine Oxalsäure aus Zucker, 
besitzt aber ein auch schon von Schramm festgestelltes Gärvermögen; bei 
der Gärung scheint nicht Äthylalkohol, sondern ein höherer Alkohol zu 
entstehen. Daß es sich wirklich noch um Aspergillus niger handelt, konnte 
trotz des Myzels, das im Alter dunklen Farbstoff bildet, bisher nicht mit 
Sicherheit erwiesen werden. 

Herter, W. und Fornet, A, Studien über die Schimmelpilze des Brotes, 

Zentralblatt f. Bakter. u. Parasitenk. H. Abt., 49, S. 148—73, 2 Tafeln. 
Berlin, Versuchsanst. f. Getreideverarbeitung, Botan.-bakteiiol. und Bäckerei- 
Abteilung. 

Verfasser fanden auf Brot spontan vorkommend folgende 11 Schimmel- 
pilze, nach der Häufigkeit des Vorkommens geordnet: Aspergillus glaucus, 
Rhizopus nigricans, Penicillium crustaceum, Oospora variabilis, Penicilliuna 
olivaceum (Vorkommen auf Brot bisher nicht bekannt), Aspergillus fumigatus, 
A. niger, A. flavus, A. nidulans (Vorkommen auf Brot bisher nicht sicher 
bekannt gewesen), A. candidus, Mucor pusillus, die im Anhang beschrieben 
und abgebildet sind. Verschimmeltes Brot ist an sich für Menschen und 
Tiere unschädlich, doch ist wegen der gleichzeitig auftretenden bakteriellen 
Prozesse immerhin Vorsicht geboten. Verhütung des Schimmeins ist vor 
allem wegen der damit verbundenen Substanzverluste notwendig. 

Die Konidien der Schimmelpilze gelangen mit dem Korn in die Mühle 
und mit dem Mehle in die Bäckerei, wo sie mit dem Staub umherfliegen 
und jederzeit das Brot infizieren können. "Das Brot schimmelt von außen 
her und kann durch Einwickeln in Papier schimmelfrei erhalten werden. 
Das Schimmeln wird beeinflußt durch physikalische Faktoren (Feuchtigkeit 



Referate 103 

und Wärme) und durch chemische (Zucker-, Säure- und Sauerstoffgehalt). 
An trockenen Orten hält sich Brot wochenlang schimmelfrei. Frei ge- 
schobene, stark ausgebackene und angeschnittene Brote, sowie Kleingebäck 
schimmeln später und weniger, als angeschobene, schwach ausgebackene 
und ganze Brote. Mit der geringsten Feuchtigkeit nimmt A. glaucus vor- 
lieb. Bei niedriger Temperatur kommen A. glaucus, Rhizopus nigricans und 
Penicillium crustaceum zur Entwicklung, während die übrigen Wärme lieben. 
Oospora variabilis ist verhältnismäßig tolerant gegen Zucker, A. glaucus 
gegen Säure. Rhizopus nigricans und Mucor pusillus wachsen am schnellsten, 
Penicillium crustaceum gehört zu den am langsamsten wachsenden Arten. 
Demnach findet sich auf dem Kriegsbrot am häufigsten A. glaucus, der bei 
ungünstig werdenden Lebensbedingungen, besonders also beim Ausgehen 
der Feuchtigkeit, zur Bildung von Perithecien schreitet. Rhizopus nigricans 
bevorzugt feuchtes ungesäuertes Brot, Penicillium crustaceum tritt zuletzt auf 
Gebacken aller Art auf. Oospora variabilis ist gern auf Zwieback, hier und da 
auch auf Kriegsgebäck anzutreffen. 

Durch Salizylsäure wird die Schimmelbildung nur wenig, durch Art 
und Ausmahlungsgrad des Mehles, sowie durch den Hefengehalt praktisch 
gar nicht beeinflußt. Zur Verhinderung soll das Brot möglichst scharf aus- 
gebacken und sauber, luftig und kühl verwahrt werden. Unter ungünstigen 
Verhältnissen muß es eingewickelt, sterilisiert und in festen Behältern, gegen 
Feuchtigkeit geschützt, aufbewahrt werden. 

Muxel, J. Die Anwendung der Ozontechiiik auf die Lufthefefabrikatfon. 

Brennereiztg. 36, S. 8279—80. Nürnberg- Bück. . 

Die Versuche sind mit Ozonanlagen der Firma Siemens & Halske aus- 
geführt. Der naszierende Sauerstoff wirkt in kleinen Mengen hemmend auf 
die Hefevermehrung, in größeren als direktes Hefegift; Rasse XH des In- 
stituts für Gärungsgewerbe in Berlin ist am widerstandsfähigsten. Kultur- 
hefe verträgt größere Mengen Ozon als Kahmhefe, deshalb ist es vorteilhaft, 
.während des letzten Gärstadiums der Gebläseluft etwas ozonhaltige Luft 
beizumengen, wodurch die Kahmentwicklung wesentlich hintangehalten wird. 
Außerdem macht sich gleichzeitig die bleichende und desodorierende Wirkung 
des Ozons sehr günstig bemerkbar, die Hefe ist blendendweiß und hat er- 
frischenden Geruch. Verfasser empfiehlt aus diesen Gründen die Anschaffung 
einer Ozonanlage, zumal sie gleichzeitig zur Verbesserung der Luft im Be- 
triebe und zur Herstellung biologisch einwandfreien Wassers dienen kann. 

Ellrodt, G. Yerarbeitung geeigneter Rohstoffe in Kornbrennereien. 

Brennereiztg. 36, S. 8305—6. 

Verfasser berichtet in einem Vortrag über die Verarbeitung von Melasse, 
Zuckersirup und die verschiedenen Rübenarten, als einzige Ersatzstoffe, die 
den Kornbrennereiea zur Verfügung standen. Melasse kann in den meisten 



104 Referate 

Kornbrennereien ohne weiteres auf Alkohol verarbeitet werden, besondere 
Einrichtungen sind hierfür nicht notwendig. Es gibt Melassen, aus denen 
die behördlich vorgeschriebene Ausbeute nicht erzielt werden kann, was 
aber auch in den eigentlichen Melassebrennereien vorkommen kann (vgl. 
Hinrichs, Ztschr. f. Spiritusindustrie 42, S. 113, 155; C. 1919, II, S. 763, IV, 
S. 114). Wiederholt wurde den Brennereien statt Melasse Zuckersirup ge- 
liefert, der sich von der Melasse durch seinen Gehalt an Nichtzuckerstoffen 
unterscheidet. Der Zuckergehalt ist meist derselbe wie der der Melasse, 
geringer ist aber der Gehalt an stickstoffhaltigen Stoffen, organischen Säuren 
und Kali. Die Melasse enthält viel Salze, die der Hefe teils als Ernährung 
dienen können, teils ungünstig auf sie einwirken. Beide Arten Salze sind 
im Zuckersirup wenig vorhanden. Die Verarbeitung des Zuckersirups läßt 
sich erleichtern, wenn die der Hefe fehlenden Nährstoffe sinngemäß zu- 
gesetzt werden. Edelbranntwein kann aus Melasse und Zuckersirup nicht 
hergestellt werden. Auch Rüben können der Kornbrennerei als vollwertiger 
Ersatzstoff nicht dienen, da sie ohne besondere Neueinrichtungen im Betriebe 
nicht verarbeitet werden können. Ein vollwertiger Rohstoffersatz ist die 
Kleie, die allerdings jetzt wegen der hohen Ausmahlung des Getreides noch 
nicht zur Verfügung steht, jedoch in absehbarer Zeit frei werden wird, zu- 
mal die dabei abfallende Schlempe als hochwertiges Futtermittel dem Vieh 
zugute kommt. 

• 

Ellrodt, G. In welchen Brennereien wird die Melasse am besten ver- 
wertet? Brennereiztg. 36, S. 8273—74. 

Die Kornbrennereien an sich sind zwar nicht so gut für die Melasse- 
verarbeitung eingerichtet wie die eigentlichen Melassebrennereien, trotzdem 
ist es aber einer ganzen Anzahl von ihnen gelungen, die von der Spiritus- 
zentrale vorgeschriebene Ausbeute, also mindestens ebenso viel zu erreichen, 
wie die eigentlichen Melassebrennereien. 

Foth. Sclilußwort zur Frage der Verarbeitung der 3Ielasse und ihrer 
Zuteilung an die Brennereien. (Vgl. Hinrichs, Ztschr. f. Spiritusindustrie 42, 
S. 113, 155; C. 1919, II, S. 763, IV, S. 114.) Ztschr. f. Spiritusindustrie 
42, S. 156—61. 

Die landwirtschaftlichen Brennereien bieten die größte Gewähr für 
eine vollkommene Ausnutzung des Melassezuckers. Das Neutralisieren der 
Melasse erübrigt sich. Die Salze der Melasse wirken bei der in Frage kom- 
menden Verdünnung nicht störend auf die Gärung, und die Ernährung der 
Hefe mit Stickstoff und Phosphorsäure ist gesichert. Solange nicht das 
Gegenteil erwiesen ist, muß der Anspruch der landwirtschaftlichen Brenne- 
reien, daß sie bei Zuteilung von Melasse solche als Zumaischstoff zugewiesen 
erhalten, für sachlich berechtigt gelten. 



Referate 105 

Kayser, E. Herstellung von Alkohol mit Hilfe von Seealgen (Laniinaria- 
arten). Ann. Chim. analyt. appl. 1, S. 79—80. Französische chemische 
Gesellschaft. 

Die bei Ebbe gewonnenen Algen (Laminaria flexicaulis u. saccharina) 
mit ca. 14,407o Wasser, 52,900/o N-freien Extraktstoffen, ll,50Vo Zellulose, 
17,30 7o N-Substanz, 3,90^0 Asche ergeben getrocknet und in kleine Stücke 
geschnitten mit Wasser Auszüge, [aus denen nach Vergärung 3,76, bezw. 
3,58 Liter Alkohol auf 100 kg Trockengut gewonnen wurden. Nach Ver- 
suchen im kleinen steigt die Alkoholausbeute nach vorheriger Behandlung 
mit 7*^/0 Schwefelsäure unter 2 Atmosphären Druck bis auf 12 Liter an. 

H., W. Spirituserzeugung aus Kastanienniehl. Brennereiztg. 36, S. 8283. 
Es werden Versuche von C. Nagel beschrieben. Ohne besondere Vor- 
behandlung des Kastanienmehls vergären die Maischen träge und unvoll- 
ständig. Durch Behandlung des Kastanienmehls mit Salzsäure über Nacht 
und dann noch während des Kochens und Maischens wurde eine seinem 
Stärkegehalt entsprechende Ausbeute an Alkohol erzielt. 

Bacher, Stephan, Wien. Verfahren zur Gewinnung der im Blute immuni- 
sierter Tiere enthaltenen Antikörper (D. R. P. 312628, Kl. 30h von 1917, 
ausgegeben 1919. Die Priorität der österr. Anm. von 1916 ist beansprucht), 
dadurch gekennzeichnet, daß die Stoffe zu dem Zwecke, eine größere Aus- 
beute als bei der Serumgewinnung zu erhalten, in Form von Blutplasma aus 
dem Blute ausgeschieden werden, indem man die Blutgerinnung durch 
chemische Zusätze, die auf die Kalksalze des Blutes wirken, verhindert, wo- 
bei die Zusätze ihrer Menge und Beschaffenheit nach die Wirksamkeit der 
spezifischen Stoffe und deren Anwendbarkeit beim Menschen und Tier nicht 
beeinträchtigen. — Aus dem nach Abnahme der ersten Fraktion verbliebenen 
Blutkörperchensediment können durch Extraktion mit physiologischer Koch- 
salzlösung oder anderen indifferenten Medien noch weitere Anteile der spezi- 
fischen Stoffe in verdünnter Lösung gewonnen werden. Man erzielt so eine 
Ausbeute bis zu 90% der im Gesamtblute enthaltenen Antikörper. 

Schaefer, Friedrich. Antisykon gegen Bartflechte. Therap. Monatsh. 33, 
S. 221. Breslau. 

Bericht über günstige Erfahrungen bei der Behandlung der Bartflechte 
mit Antisykon (Hersteller Chemische Fabrik Haidle & Maier in Stuttgart). 

Nowotny, M. Entlausungsanstalt in Frankfurt a. M. (Sanitätsbad). Ge- 
sundheitsingenieur 42, S. 229 — 32. 

Beschreibung der Anlage und des Betriebes der Frankfurter Entlausungs- 
anstalt und Mitteilung der Betriebsvorschriften für das Sanitätsbad. Die 
Kleiderdesinfektion erfolgt mit Blausäuredämpfen. Aus dem Bericht geht 
hervor, daß sich das Verfahren bei der Schädlingsbekämpfung jeder Art gut 



106 Referate 

bewährt hat. Trotz der Gefährlichkeit des • Verfahrens haben sich Nachteile 
im Betrieb nicht gezeigt. 

Böhm, Otto. Ein Bade- und Desinfektionseisenbahnzug. Gesundheits- 
ingenieur 42, S. 233—37. Wien. 

Beschreibung des österr.-ungar. Bade- und Desinfektionszuges. Er 
bestand aus zwei Betriebsteilen, von denen der eine als Badeanstalt, der zweite 
als Desinfektionsanstalt. diente.. Zwei Wagen waren für die Behandlung 
mit Formaldehyd und mit Schwefeldämpfen eingerichtet, einer für die mit 
Wasserdampf. Die am Schlüsse des Zuges angehängte Lokomotive hatte 
die Desinfektionswagen mit Dampf zu versorgen. 

WolfiP, G. Der Alkohol als Desinfektionsmittel. Brennereiztg. 36, S. 8257 
und 8257. 

Es wird über die wasserentziehenden und eiweißfällenden Eigenschaften 
des Alkohols berichtet, die ihn als Desinfektionsmittel prädestinieren und 
ihn im Verein mit seiner fettlösenden Eigenschaft zu einem Hautdesinfek- 
tionsmittel gemacht haben, das für die moderne Chirurgie unentbehrlich ist. 

Bode, K. Zur Bekämpfung des Fleckfiebers. Pharm. Ztg. 64, S. 328. 

Verfasser weist im Anschluß an die Abhandlung von Freymuth (Pharm. 
Ztg. 64, S. 273; C. 1919, IV, S. 58) darauf hin, daß der Kresolseifenersatz 
von Schülke & Mayr sich zur Vernichtung von Läusen und deren Brut, so- 
wie zur Desinfektion verlauster Räume und Gegenstände noch besser eignet 
als das Kresotinkresol. 

Meisenheimer, Jacob. Die stickstoffhaltigen Bestandteile der Hefe. Ztschr. 
f. physiol. Ch. 104, S. 229—84. Berlin, Chem. Lab. der landwirtschaft- 
lichen Hochschule. 

Zur Ermittlung des Aminosäurengehaltes wurden frische Bierhefen 
(Ober- und Unterhefe) der Autolyse bei 37° unterworfen und das Autolysat 
von den ungelösten Zellrückständen und dem Tyrosin durch Zentrifugation 
getrennt. Die Mutterlauge wurde zur Trockne gedampft, der Rückstand 
mit alkoholischer HCl verestert und die Ester nach E. Fischer in Freiheit 
gesetzt und fraktioniert destilliert. Es gelang, fast alle bereits als Eiweiß- 
spaltprodukte überhaupt aufgefundenen Monoaminosäuren in der Hefe nach- 
zuweisen: Glykokoll, Alanin, Valin, Leucin, Prolin, Phenylalanin, Asparagin- 
und Glutaminsäure, Tyrosin, Tryptophan; nicht ganz sicher gelang der 
Nachweis von Serin und Cystin. Der Tryptophannachweis erfolgte durch 
Isolierung der Aminosäure aus dem Hefeautolysat mittels der Quecksilber- 
verbindung, sowie in der Azetondauerhefe nach der kolorimetrischen Methode 
von Fasal (Biochem. Ztschr. 44, S, 394; C. 1912, H, S. 1735). Er ergab sich 
zu etwa 0,3°/(j. Zur Ausführung der kolorimetrischen Tryptophanbestimmung 
wurden etwa 10 mg Azetondauerhefe mit 1 ccm Wasser und 2 ccm Glyoxyl- 



Referate 107 

säure angerührt, die Emulsion mit 1 ccm konzentrierter HgSO^ versetzt, mit 
Eiswasser gekühlt und noch 1 ccm H2SO4 eingetropft. Die entstandene 
klare Lösung wurde ohne Kühlung mit weiteren 4 ccm H^SO^ versetzt und 
die nach 1 Stunde entstandene Färbung mit aus reinem Tryptophan her- 
gestellten, genau ebenso behandelten Lösungen verschiedener Konzentration 
(je 1 ccm Tryptophanlösung 1 : 20000, 1 : 30000, 1 : 40000) verglichen. Ent- 
standen bei dem zu untersuchenden Hefepräparat grüne oder graue Farb- 
töne, so wurden diese verworfen und nur solche Proben verwertet, deren 
Nuance der bei reinen Tryptophanlösungen erhaltenen möglichst nahe kamen. 
Betreffend Isolierung der anderen Aminosäuren, welche nach den üblichen 
Methoden erfolgte, muß auf das Original verwiesen werden. 

Die Menge und der N-Gehalt der bei der Autolyse ungelöst verbleiben- 
den Zellrückstände schwankte nach der Versuchsdauer. Ihr Gewicht betrug 
25 — 8 0/0 der Trockensubstanz der autolysierten Hefe und zeigte einen 
N-Gehalt, der ca. 6,6— 1,5 % des gesamten Hefe-N betrug. Aus den Rück- 
ständen konnte nach Hydrolyse mit konzentrierter HCl Glucosamin als Chlor- 
hydrat isoliert werden, dessen Menge war gering, ca. 0,15 "/o der Trocken- 
substanz der verwendeten Hefe. Im Hydrolysat der Zellrückstände fand 
sich unter den flüchtigen Bestandteilen Essigsäure neben reichlichen Mengen 
Ameisensäure. Der N des Hydrolysats des Autolyse^rückstandes verteilte 
sich in ähnlicher Weise wie der N des Hefeeiweißes. NHg-N 11 7o' AUoxur- 
basen-N 77o, Arginin + Histidin-N 22 o/^, Lysin -\- Cholin-N 4%, Mono- 
aminosäuren-N 56 7o- Die ^^ den Zellrückständen hinterbleibende N -haltige 
Substanz hat demnach (abgesehen von Glucosamin) die gleiche Zusammen- 
setzung wie das übrige Hefeeiweiß. 

Bertrand, GabrieL Über die Giftigkeit des Clilorpikrius gegenüber ge- 
wissen niederen Tieren und über die Möglichkeit, diese Substanz als 
Parasitentötungsmittel zu verwenden. C. r. d. l'Acad. des sciences 168, 
S. 742—44. 

Verfasser empfiehlt Versuche zur Verwendung von Chlorpikrin zur 
Bekämpfung landwirtschaftlich schädlicher Insekten u. dgl. Gegenüber 
Raupen und Larven von Lepidopteren, Larven von Hymenopteren und Blatt- 
läusen wurde tödliche Wirkung bei 5—10 Minuten langer Einwirkung einer 
Atmosphäre mit 1 — 2 cg Chlorpikrin im Liter festgestellt. Selbst ^2 so 
starke Konzentration hatte wenigstens auf die Larven noch starke Wirkung: 
sie hörten auf zu fressen, verloren Kraft und Beweglichkeit und starben 
innerhalb 24 — 48 Stunden nach der Behandlung. 

Koch, Alfred und Oelsner, Alice. Über die Betainspaltung durch die 
Bakterien des Melasseschleuipedüngers „Guanol". Biochem. Ztschr. 94, 
S. 139 — 52. Göttingen, Landwirtschaftl.-bakteriol. Inst, der Univ. 

Bei der Herstellung des Guanols (vgl. Foth, Ztschr. f. Spiritusindustrie 

40, S. 255; C. 1917, II, S. 334) findet eine Zersetzung von Betain durch 



108 Referate 

Kompostbakterien statt. Verfasser finden darin Kahmpilze, die nach Ehrlich 
Betain angreifen, ferner die auch von Ackermann und anderen Forschern 
schon gefundenen Organismen, die (CH3)3N bilden, schließlich eine neue Art 
in Form kleiner Stäbchen, die als Betäinobacter « bezeichnet wird. Diese 
spaltet den gesamten N des Betain s als NH3 ab, von dem sie für sich nur 
einen kleinen Teil verwendet, und bildet außerdem durch Oxydation des 
Betains beträchtliche Mengen CO.2, wobei als Zwischenprodukt^ CH4O, 
H • COoH und in kleinen Mengen CH3 • COgH auftreten. — Über die Dünge- 
wirkung des Guanols wird in Fortsetzung einer früheren Mitteilung von 
Koch (Landw. Ztg. 11)16) noch einiges berichtet, wobei die giftige Wirkung 
auf Schnecken und schädliche Pilze hervorgehoben wird. 

Reichert, Alexander. Iiiscktenschädliiige und deren Feinde in Rosen- 
kulturen. Dtsch. Parfüm erieztg. 5, S. 53 — 55, 60 — 68, 92 — 94. Leipzig. 

Es wird das Auftreten einer Reihe Schädlinge in den Miltitzer Rosen- 
kulturen beschrieben, unter Berücksichtigung der Systematik und Biologie. 
Beobachtet wurden: Ardis brunniventris Htg. (bipunctata Kl.) (abwärts- 
steigender Rosentriebbohrer ; in Miltitz häufig), Monophadnus elongatulus Kl. 
(aufwärtssteigender Rosentriebbohrer, häufig), BlennocampapusillaKl. (kleinste 
Rosenblattwespe, häufig), Arge rosae L. (Rosenbürsthornwespe), Emphytus 
cinctus L (weißgürtlige Rosensägewespe), Caliroa aethiops F. (verkannte Rosen- 
blattwespe) und Cladius pectinicornis Geoffr. (ungleiche Rosenblattwespe) diese 
vier Arten in Miltitz selten), Tortrix Bergmannia L. (goldgelbe Rosen wickler; 
einer der häufigsten und schädlichsten Wickler in Miltitz), Cacoecia rosana L. 
(brauner Rosenwickler: schädlich in Miltitz), Notocelia roborana Tr. (weiß- 
flügliger Rosenwickler; sehr häufig), Epiblema tripunctata F. (dreipunktiger 
Rosenwickler; nicht häufig), Acalla variegana Schiff, (gelegentlich in Miltitz; 
war als Rosenschädling noch nicht bekannt), Platyptilia rhododactyla F. 
(Rosenfedermotte; in Miltitz häufig), Dasystoraa salicellum Hb. (in Miltitz 
schädlich; als Rosenschädling noch nicht bekannt), Malacosoma neustria L. 
(Ringelspinner; in Miltitz häufig), einige andere Lepidopteren, die nicht 
direkt schädlich- auftraten, ferner einige Käfer, sodann Pachyrhina lineata 
Scop. (histrio F., häufig in Miltitz), Bibio hortulanus L. (Gartenhaarmücke; 
häufig in Miltitz), Bibio marci L. (Märzmücke, häufig in Miltitz), Typhlocyba 
rosae L. (Rosenzikade, sehr häufig in Miltitz) und Siphonophora rosae L. 
gemeine Rosenblattlaus; sehr häufig in Miltitz). 

Janke, Alexander. Die Betriebsökonoinie in der Gärungsindustrie. II. Teil. 
Überoxydation. Vgl. Ztschr. f. landw. Vers.-Wesen Deutschösterr. 1918, 
S. 574; C. 1919, II, S. 692.) Ztschr. f. landw. Vers.-Wesen Deutschösterr. 
22, S. 49—68. Wien, Techn. Hochschule. 

Es wird über die Bedeutung der Überoxydation für den Schnellessig- 
betrieb berichtet und über Begriff und Einteilung der Säuerungsfaktoren. 



Referate 109 

Als letztere kommen in Betracht die Mikroorganismen, die Bakteriennahrung, 
ihre Zusammensetzung, Menge, Zufuhr und Verteilung, die Luft, Temperatur 
der Bildner, die Siedlungsstätte; Zusammensetzung, Menge und Wärmeinhalt 
der Maische; Menge und Temperatur der Eintrittsluft, Wärmeabgänge durch 
Strahlung und Flüssigkeitsverdunstung; atmosphärische Einflüsse. Zum 
Schluß wird berichtet über Erkennung und Bekämpfung der Überoxydation, 
sowie vorbeugende Maßnahmen. — Da auch normale Bildner an Über- 
oxydation leiden können, so ist sie als das Hauptübel des deutschen Ver- 
fahrens anzusehen. Eine akut verlaufende Überoxydation ist zu erkennen 
an : hohe Temperaturen, starkes Einziehen einer vor die Lufteintrittsöffnungen 
gehaltenen Flamme infolge stark gesteigerten Bildnerzuges, Verlöschen der- 
selben beim Einsenken in den geöffneten Ständer infolge COg-Atmosphäre, 
Abfluß eines nur wenige Säureprozente enthaltenen Essigs. Zur Er- 
kennung einer chronisch verlaufenden Überoxydation ist meistens genaue 
Untersuchung nötig, besonders von Mäisehe und Ablauf auf Säure und 
Alkohol. Zur Unterdrückung kommen vor allem hohe Essigsäurekonzen- 
trationen in Betracht, Verwendung einer Übermacht von Kulturessigsäure- 
bakterien oder Ausräumung der Bildner und Austrocknung der Späne. Als 
vorbeugende Maßnahmen empfiehlt Verfasser Reinzuchtsäuerung, Ausschaltung 
der inneren Bildnerteile, während der wärmeren Jahreszeit Luftkühlung. 
Hochprozentige Betriebsweise. Vermeidung größerer Mengen organischer 
Nährstoffe, sowie häufige Kontrolle der Aufguß Vorrichtungen. Vorsorge für 
gleichmäßige Temperaturen in der Essigstube. Häufiger Wechsel des Span- 
materiales. 

Wüstenfeld, Hermann. Die Arbeiten der Versuchsanstalt des Verbandes 
deutscher Essigfabrikanten im Jahre 1918. Dtsch. Essigindustrie 23, 
S. 176—79. 

Es wird berichtet über die Versuchsfabriken, den Einfluß der Maische- 
verteilung durch Siebböden, bezw. Spitzräder, die Maischezusammensetzung, 
über die Beziehungen von Aufguß zu Ablauf und Ausbeuteverhältnissen, über 
den Einfluß der Säurekonzentration auf die Oxydationsleistung und Tempe- 
ratur, über Oxydations versuche und über Laboratoriumsarbeiten. — Die 
Versuchsfabrik arbeitete mit einer Maische, deren Säuregehalt durchschnitt- 
lich etwa 8,5°/o5 deren Gehalt an Alkohol 2,5 ^/q betrug, sie wurde im Tag- 
und Nachtbetrieb auf die Bildner gegossen und lieferte normalerweise einen 
Ablauf essig von 10,5 *^/o Säure bei dem üblichen Restalkohol von 0,3 "/q. — 
Vorübergehender Mangel an Kapillärsirup führte zur Verwendung von Nähr- 
salz. Die ungünstigen Folgen dieser kohlenhydratlosen Betriebsweise zeigten 
sich nach einigen Wochen in einer Abnahme der relativen Höhe der Tempe- 
ratur und in verringerter Alkoholverarbeitungsfähigkeit der Bildner. — Die 
relative Höhe der Temperatur der Bildner ist bei wärmerer Raumtemperatur 
stets geringer als bei kühler Raumtemperatur. Anscheinend wird schon 



110 Referate 

bei 32 — 34 "^ das Optimum der Temperatur der gegenwärtig in den Bildnern 
vertretenen Bakterienmassen überschritten, was zu der Annahme berechtigt, 
daß im früheren Nichtreinzuchtbetriebe, wo höheren Temperaturen bessere 
Oxydationsleistungen entsprachen, tatsächlich eine andere Bakterienrasse 
mit höherem Temperaturoptimum vertreten war. Um den Wert der Beob- 
achtung der Temperatur an Essigbildnern kennen zu lernen, wurden Tempe- 
raturmessungen in verschiedenen Höhen der Bildner vorgenommen. Im 
oberen Drittel des Bildners wird die Hauptoxydationswärme gebildet. Nach 
unten nimmt gewöhnlich die Temperatur ab, aber der Grad des Abfalles 
scheint abhängig von der Höhe des unverarbeiteten Alkohols in den unteren 
Schichten. Treten erhöhte Mengen von Alkohol im Ablauf auf. .sind also 
noch erhebliche Quantitäten von Alkohol in den untersten Spanschichten 
vorhanden, so wird dies durch die untersten Thermometer meist schon 
4 — 8 Tage vorher durch einen Anstieg der Temperatur angezeigt. — 
Gelegentlich von Überoxydationsversuchen \vurde festgestellt, daß Karbid- 
essigsäure von den Mikroorganismen anstandslos oxydiert wird, daß also 
aus Kalk und Kohle unter Verwendung von Mineralsalzen anorganische 
Substanz auf Essigbildnern erzeugt werden kann. 

Essigrezepte. (Vgl. Dtsch. Essigind. 23, S. 147, 154; C. 1919, IV, S. 226.) 
Dtsch. Essigind. 23, S. 180. 

Es wird die Bereitung von Zuckeressig durch Vergärung einer 
Lösung von 750 g Zucker in 5 1 Wasser mit Hilfe von Brot und Hefe 
beschrieben. 

Knapp, A. W. Die Anwendimg der Wissenschaft auf die Kakaogewinnung. 

Journ. Soc. Chem. Ind. 37, R. S. 468—70, 1918. 

Verfasser erörtert zusammenfassend kritisch die Gewinnung der Kakao- 
früchte und der Samen (Kakaobohnen) daraus und die weitere Behandlung 
dieser durch Fermentieren und Trocknen; er zeigt die Nachteile der bis- 
herigen hier angewendeten rein empirischen Verfahren und die Vorteile, die 
sich hinsichtlich Ausbeute und Feinheit des Erzeugnisses durch Nutzbar- 
machung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Untersuchungen einstellen 
würden. 

Hamburger, Franz. Über die Verwertung der sauren Milch bei der Säug- 
lingsernährung. Münch. med. Wchschr. 66, S. 557. Graz. 

Verfasser empfiehlt, sauer gewordene, nicht mehr kochfähige Milch 
dadurch für Säuglingsernährung verwendbar zu machen, daß man eine er- 
kaltete dicke Schleimabkochung von Mehl, Rollgerste, Gries usw. mit der 
nicht kochfähigen Milch in dem gewünschten Verhältnis mischt, Zucker zu- 
setzt und nun entwender direkt auf dem Herde oder im Wasserbad kocht. 
Auf diese Weise behandelte Milch gerinnt nicht mehr in groben Klumpen 



Referate IH 

sondern in feinen Flocken und ist in den meisten Fällen für den Säugling 
unschädlich. 

Wolff, Gr. Die Milch als Ausg^aiigsmaterial für alkoholische (Jeträiike. 

Brennereiztg. 36, S. 8299, 831 f. 

Verfasser berichtet über Kefir, Kumys, Yoghurt, über das ägyptische 
„Leben" und das sardinische Gioddu und im Anschluß hieran über Ferment- 
vorgänge im allgemeinen. 

Rippel, August. Die Wachstumskurve. Ber. Dtsch. Botan. Ges. 37, S. 169 
bis 175. Breslau, Agrikulturchem. u. bakteriol. Inst. d. Univ. 

Verfasser hat empirisch gefunden, daß nicht mit der Mitscherlichschen 
(Landw. Jahrbb. 67, S. 167), wohl aber mit der Robertsonschen (Arch. f. 
Entwicklungsraechanik 25, S. 581) Formel eine weitgehende Spannung zu 
beobachten ist; ihre Forderung, daß die maximale Zunahme dann statt- 
findet, wenn der Zyklus halb vollendet ist, findet sich, soweit sich über- 
blicken läßt, beim Pflanzenwachstum unter konstanten Verhältnissen ver- 
wirklicht. Robertson hat seine Formel am W^achstum, Gewichtszunahme 
von weißen Ratten und von der Kürbisfrucht bewiesen. Die Robertsonsche 

y 
Formel lautet: log -r-^ — = k (x — x^), worin x^ den Zeitpunkt bedeutet, zu 

^ y 

dem die Hälfte des Höchstertrages A erreicht ist. Die Konstante k muß 
aus dieser Formel durch Einsetzen der verschiedenen empirisch gefundenen 
Werte berechnet werden; das Mittel aus allen diesen Werten ergibt k. 
Durch Einsetzen der Zeitabschnitte x wird dann ermittelt, wie sich die so- 
zu berechnenden y -Werte den gefundenen anpassen. — Das wachsende 
Protoplasma durchläuft eine organeil und individuell spezifische Aktivitäts- 
periode, deren Verlauf gänzlich von physiko-chemischen Gesetzen bestimmt 
wird, nach Art der autokatalytischen („autokatakinetisch" nach Ostwald) 
Reaktionen, die einmal eingeleitet in den vorgeschriebenen Bahnen ablaufen 
müssen, von äußeren Faktoren also nicht mehr prinzipiell, sondern nur zeit- 
lich und quantitativ beeinflußt werden können; ihre Wirkung ist für daa 
aktive Protoplasma im Vergleich zum ruhenden charakteristisch, als Produkt 
resultiert die gekennzeichnete Wachstumkurve, die dergestalt als von inneren 
Ursachen abhängig erscheint. 

v. Euler, Hans und Svanberg, Olof. Enzymehemische Studien, über das 
Wachstum der Hefe in alkalischen Lösungen. Arkiv för Kemi, Min. 
och Geol. 7, 13 S. Sep. der Vff. 1918. 

Verfasser stellten die maximalen Alkalinitätsgrade fest, bei welchen 
verschiedene Hefearten — Oberhefe SB. H (I), Frohberg Unterhefe (II), 
Saccharomyces ellipsoideus (HI), Pseudosaccharomyces apiculatus (IV) — in 
phosphathaltigem und phosphatfreiem Milieu bei 30° noch ein durch Zu- 
nahme der Zellenzahlen erkennbares Wachstum zeigen. Für die Befunde 



112 Referate 

war es nicht gleichgültig, ob die Impfung mit einer kleineren oder größeren 
Hefemenge erfolgte. I zeigte noch sicheres Wachstum bei pn = 7,3, II bei 
PH = 7,7 — 8,0, III bei pn =: 7,9 und IV bei pn = 7,6; relativ hoch war 
das Alkalinitätsmaximum für Aspergillus niger, nämlich pn = 9,0 oder 
0,0001-n. Alkali. 

Y. Elller, Haus und Moberg, E. luvertase und (iäruugsenzyuie mit einer 
Oberhefe. Arkiv för Kemi, Min. och Geol. 7, 17 S. Sep. der Vff. 1918. 

Die Invertasewirkung ist in Oberhefe wie in lebender Unterhefe nur 
in geringem Grade von der Gegenwirkung eines Protoplasmagiftes abhängig. 
Hingegen tritt die Invertasebildung bei Gegenwirkung von Protoplasma- 
giften (Chlf.) nur in geringem Grade ein. Die Anreicherung von Invertase 
nach dem Verfahren von Euler läßt sich bei der untersuchten Oberhefe nicht 
so weit steigern, wie bei Unterhefe. Vergleiche zwischen den Invertase- 
wirkungen frischer und getrockneter Hefe zeigten, daß in der Hefe nach 
der Trocknung annähernd der Gesamtinvertasegehalt der Zellen zur Wirkung 
gelangt. In alkalischer Lösung liefert Trockenhefe nahezu die gleiche Aus- 
beute an Alkohol und CO2 im Verhältnis zum vergorenen Zucker wie frische 
Hefe. Das Verhältnis von vergorenem Zucker zu entwdckeltem Alkohol und 
CO2 wird durch Koenzym nur wenig geändert. 

Völtz, W. Über die Bedeutung der Amidsubstanzen für die Ernährung 
der Wiederkäuer. Ztschr. f. Spiritusindustrie 42, S. 223—224. Berlin, 
Ernährungsphysiol. Abteil, d. Inst. f. Gärungsgewerbe d. landwirtsch. 
Hochschule. 

Vorläufige Mitteilung über den Ersatz des Nahrungseiweißes 
durch Harnstoff beim wachsenden Wiederkäuer. Es handelt sich 
um eine langfristige, ununterbrochene 155tägige Versuchsreihe an einem 
Hammellamm und um einen Vorversuch an einem alten 40 kg schweren 
Hammel mit dem synthetischen Harnstoff der badischen Anilin- und Soda- 
fabrik, dem Basfurol. Die Versuche führten zu folgenden Resultaten: Der 
Harnstoff ist geeignet, das verdauliche Eiweiß im Stoffwechsel des erwach- 
senen Wiederkäuers zu vertreten und die für die Fleischbildung wachsender 
Tiere benötigten größeren Stickstoffmengen zu decken. Da einmägige Tiere 
Harnstoff zu Aminosäuren und zu Eiweiß nicht aufbauen können, ist diese 
Synthese beim Wiederkäuer so zu erklären, daß der Harnstoff durch die 
Mikroorganismen des Verdauungsapparates zunächst zu Bakterieneiweiß auf- 
gebaut wird, und zwar zu so großen Mengen, daß der Eiweißbedarf des 
Wiederkäuers aus dem Bakterieneiweiß allein bestritten werden kann. Das 
Eiweiß der abgestorbenen Bakterienleiber wird zu 80 — 90°/o vom Darm 
resorbiert. Dasselbe gilt auch für die in den Futtermitteln vorhandenen 
stickstoffhaltigen Verbindungen nicht eiweißartiger Natur, sofern sie als 
Bausteine für das Bakterieneiweiß dienen können, und das trifft für die 



Referate 113 

meisten dieser Stoffe zu. Die Anschauung, daß die Amidsubstanzen auch 
für die Ernährung der Wiederkäuer wertlos sind, weil sie angeblich im 
Produktionsfutter nicht zur Geltung kommen sollen, ist unzutreffend. Die 
Amide sind dem verdaulichen Eiweiß zuzurechnen, und der Gehalt der 
Futterrationen an stickstoffhaltigen Nährstoffen ist nicht, wie bisher viel- 
fach üblich, nach dem vorhandenen verdaulichen Eiweiß, sondern nach dem 
verdaulichen Rohprotein zu bemessen. 

Söclerbaiiiii, H. G. Weitere Beiträge zur Kenntnis der pflanzenphysio- 
logisclien Wirkungen der Animoniunisalze. Meddelande No. 156, fran 
Centralanstalten för försöksväsendet pa jordbrukssomradet. Kemiska labo- 
ratoriets No. 24. Bied. Zentralblatt f. Agrik.-Ch. 48, 1919, S. 133—35. 
Es wurde Gerste, die erfahrungsgemäß gegen Ammoniakdüngung ziem- 
lich empfindlich ist, auf Sandboden mit Ammoniumsalzen gedüngt (Sulfat, 
Nitrat, Phosphat und Karbonat). Alle Ammoniumsalze lösen mehr oder 
weniger deutliche Krankheitserscheinungen aus. Am stärksten schädigend 
wirkte Chlorid, weniger Sulfat und Nitrat, schwächer das Karbonat, und am 
schwächsten, aber immer noch deutlich, das Phosphat. Die Toxizität ist 
also an das gemeinsame Kation gebunden. Zweitens wurde die Grenze er- 
mittelt, bei der die schädliche Wirkung der Ammoniumsalze eintritt, als 
annähernde Grenzwerte wurden erkannt: bei Roggen 200 kg pro ha, Weizen 
unter 50 kg, Hafer zwischen 100 und 150 kg, Gerste unter 25 kg. Auf 
anderem Boden wird sich dies Verhältnis unter Umständen etwas verschieben. 
Drittens: Bei anderen Pflanzen (Kartoffeln) tritt die schädigende Wirkung 
von Ammoniumsalzen selbst bei einer Gabe von 300 kg pro ha noch nicht 
in Erscheinung. 

Söderbaum, H. G. Zehnjährige Düngungsversuehe mit Manganverbin- 
dungen und anderen Reizstoffen 1908 — 1917. Meddelande Nr. 166 fran 
Centralanstalten för försöksväsendet pa jordbruksomrad et. Kemiska Labo- 
ratoriet No. 26; Bied. Zentralblatt f. Agrik.-Ch. 45. 

Für die landwirtschaftliche Praxis dürfte die Anwendung stimulierender 

Salze vorerst nicht in Frage kommen. 

Ziegler, P. Sehnellfllter, ihr Bau und ihr Betrieh. Leipzig 1919. Lex. 8. 
XVI und 186 S. mit 1 Tafel und 151 Figuren. Mark 20. 

Gehring, Alfred. Mikroorganismen und Hygiene der Städte. Prome- 
theus 30, S. 281—83, 292—94. 

Ein gedrängte Abhandlung über die Wasserversorgung und Abwasser- 
beseitigung der Städte. 

Band, Paul. Die neuen Anwendungsarten der Mucedineen in den land- 
wirtschaftlichen Gewerben. Chimie et Industrie 1, 1918, S. 699 — 707. 
Lycee Louis-le-Grand. 

Es wird die Züchtung geeigneter Mucorarten für die Verzuckerung von 

Stärke, die Anwendung in der Praxis für die Verzuckerung der Getreide- 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIU. g 



114 Referate 

arten und die Verarbeitung der so gewonnenen Maischen auf Spiritus be- 
schrieben. Das Verfahren hat sich für Gewinnung von Spiritus und Essig- 
säure bereits bewährt und dürfte auch für die Bierbrauerei von Wert sein. 

Mansfeld. Herfülireii von Reiiizuchthef e bei nur einem (Jebräude wöchent- 
lich. Ztschr. f. ges. Brauwesen 42, S. 137—39. 

Unter den heutigen Verhältnissen liegt das Herführen von Reinzucht- 
hefe mehr denn je als die billigste und sicherste Aushilfe im besonderen 
Interesse des Brauers. Der Bezug von Samenhefe aus fremden Brauereien 
stellt sich gegenwärtig 5- bis 10 mal teurer. Es wird ein genaues Arbeits- 
schema angegeben. 

Emslander, Fritz. Die Wasserstoffionenkonzentration im Biere und bei 
dessen Bereitung. IV. (HI vgl. Ztschr. f. ges; Brauwesen 38, S. 196; 
C. 1915, II., S. 928.) Ztschr. f. ges. Brauwesen 42, S. 127-30, 135—37. 

Die bereits im Jahre 1914 abgeschlossenen Untersuchungen haben er- 
geben, daß bei der Gärung der eigentlichen Zuckerspaltung Säurebildung 
vorangeht, welche die Bildung einer bestimmten Wasserstoffionenkonzen- 
tration bezweckt. Durch Bildung derselben stellt das Enzym automatisch 
diejenige Oberflächenspannung des Substrates her, welche die besten Diffu- 
sionsbedingungen gewährleistet. Die Bildung einer solchen Wasserstoff- 
ionenkonzentration ist der Regulator für das Optimum des Enzymprozesses. 
Die Zusammensetzung des Substrates, bezw. dessen ursprüngliche Ober- 
flächenspannung wird dabei zweckdienlich reguliert. Verfasser beobachtete, 
daß der Barometerstand die enzymatische Geschwindigkeit ganz erheblich 
beeinflußt. 

Galen. Blausäure zur Insektenvertilgung. Chem. techn. Wchschr. 1918, 
S. 298—99. 

Verfasser gibt eine zusammenfassende Übersicht mit besonderer Be- 
rücksichtigung einer Arbeit von Bruno Wahl (Arch. f. Chemie u. Mikro- 
skopie 1917, Heft 6) über Ausräucherung einer großen Mühlenanlage mit 
Blausäure, wobei mit einer einzigen Ausnahme alle Mehlmotten, ihre Raupen 
und die Eier abgetötet waren. Weniger radikal wirkte die Blausäure auf 
Mehlwürmer und noch weniger auf die Kornkäfer ein. Ein besonderer Vor- 
teil des Verfahrens ist es, daß weder Maschinen und Ausrüstungsgegenstände 
irgendwie Schaden nehmen, noch eine Anreicherung der Blausäure in den 
Mehl- und Getreide Vorräten stattfand. 

Bresaola, M. Die Abtötung der Kleeseidesamen. Staz. sperim. agrar. 
ital. 52, S. 193—207. 

Verfasser zeigt, daß die verschiedenen Leguminosensamen (Medicago 
sativa, Trifolium pratense, Trifolium repens, Lotus corniculatus) beigemengten 
Samen von Kleeseide (Cuscuta arvensis und Cuscuta trifolii) durch kurz- 



Referate 115 

dauerndes trockenes Erhitzen auf 60^ abgetötet werden können, während 
die Keimfähigkeit der Leguminosensamen keinen Schaden erleidet. Er 
schreibt dieser Methode praktische Bedeutung zu. 

Boye, G. und Guyot, R. Der Kampf gegen die Fliegen. Ac. de medicine 
1919; Journ. Pharm, et Chim. 19, S. 220— 21. 

Für die Larven gaben die kaustischen Substanzen, Alkalien oder Säuren, 
und Natriumkresylat die besten Resultate. Für ausgewachsene Fliegen wurden 
mit „Cobolt" (schwarzem Arsenik), selbst in geringen Mengen einer Schale 
mit Wasser zugefügt, und mit Rizinusöl, für sich oder mit Syrupus simplex 
oder Zucker kombiniert, gute Erfolge erzielt, noch bessere, wenn dem 
Rizinusöl auf 30 g 2 Tropfen Crotonöl zugefügt wurden. 

Freymuth, A. Schädlings- und Fleekfleberbekämpfung. Ber. Dtsch. Pharm. 
Ges. 29, S. 380—91. 

Verfasser schildert die Bekämpfung gewisser Getreide- und Pflanzen- 
schädlinge, insbesondere der Mehlmotte, durch HCN, die Behandlung der 
Pferderäude durch SOg, sowie die Bekämpfung des Flechfiebers, bezw. Ver- 
nichtung der die letztere Krankheit übertragenden Kleiderlaus durch HCN. 

Stift, A. Über im Jahre 1916 veröffentlichte hemerkenswette Arbeiten 
und Mitteilungen auf dem Gebiete der tierischen und pflanzlichen 
Feinde der Zuckerrübe. Zentralblatt f. Bakter. u. Parasitenk. 11. Abt. 
49, S. 257—69. 

Verfasser bringt die gewohnte Jahresübersicht (vgl. Zentralblatt f. 

Bakter. u. Parasitenk. IL Abt. 46, S. 515; C. 1917, I„ S. 30) für das 

Jahr 1916. 

Bechhold, H. Die Kolloide in Biologie und Medizin. 2., umgearbeitete 
Auflage. Dresden 1919. gr. 8. XII u. 527 S. mit 3 Tafeln und 69 Figuren. 
Mark 27. 

Bersch, J. Chemisch-technisches Lexikon. Sammlung von mehr als 17000 
Vorschriften und Rezepten für alle Gewerbe und technische Künste. 
3. Auflage. Wien 1919. gr. 8. VI u. 951 S. mit 88 Figuren. Mark 22,50. 

Boas, Friedrich und Leberle, Hans. Untersuchungen über Säurebildung 
bei Pilzen und Hefen. HI. Mitteilung. Biochem. Ztschr. 95, S. 170—78. 

Aspergillus niger wurde unter Gewährung von zwei N-Quellen ge- 
züchtet, von denen eine stets (NHJaSO^, die andere Asparagin, Azetamid 
öder eine Aminosäure (Glykokole) o. dgl. (Pepton) war. Obwohl beim Ver- 
brauch von (NH4)2S04 sich die schädlichen Folgen der Wirkung starker 
Säuren bemerkbar machen, bei Verbrauch der anderen N-Quelle keinerlei 
Schädigungen auftreten, wurde doch stets das Ammoniumsalz fast ausschließ- 
lich angegriffen. Dies zeigt, daß nicht physiologische Zweckmäßigkeit, 
sondern lediglich physikalisch- chemische Ursachen die Wahl bestimmen. Die 

8* 



116 Referate 

Größe der Lipoidlöslichkeit spielt dabei offenbar keine Rolle. Bestimmend 
scheint der Grad der Dissoziierbarkeit. 

Jansen, W. II. und Müller, Franz. Beitrag zur Lösung der Brotfrage. 

(Nach backtechnischeu Versuchen und Stoff Wechseluntersuchungen am 
Menschen.) Münch. med. Wchschr. 66, S. 829—32. 

Verfasser haben mit einem Brot, das aus 75 Teilen Kornmehl 80%iger 
Ausmahlung und 25 ^/^ Kartoff elwalzmehl hergestellt war, Ausnutzungs- 
versuche vorgenommen. Die Ausnutzung dieses Brotes kam derjenigen des 
Kiieg^sbrotes zum mindestens gleich, bei den meisten Personen fiel sie 
zweifelsfrei besser aus. Besonders günstig gegenüber dem Kriegsbrot er- 
schien das Nachlassen der Flatulenz. Als bedeutsam wird hervorgehoben, 
daß bei einer Aufnahme von 75 — 100 g Eiweiß pro Tag, das hauptsächlich 
aus Vegetabilien stammte, und einem Gehalt der Nahrung von ca. 3000 
Kalorien sämtliche Versuchspersonen teilweise einen kleineren, zumeist aber 
einen überraschend großen Eiweißansatz zeigten. Verfasser stellten folgende 
Schlußsätze auf: Das Korn muß vor Vermahlung gründlichst gereinigt und 
sortiert werden. Die Ausmahlung des Brotgetreides ist auf 80*^/^ festzu- 
setzen. Zur Streckung des Brotgetreides soll Kartoffelwalzmehl zugesetzt 
werden, wobei man im Notfalle bis zu 25% gehen darf. Zu diesem Zwecke 
ist der Kartoffelbau sowohl intensiv als extensiv zu betreiben und eine ratio- 
nellere Bewirtschaftung der Kartoffel durch Verbreitung der Trockenanlagen 
zu fördern. Die Teig- und Brotausbeute eines Brotes aus 75 Teilen SO^/pig 
ausgemahlenem Roggen -Weizenmehl und 25 Teilen Kartoff elwalzmehles ist 
als solche gut zu nennen. Die Ausnutzung einer gemischten Kost, die große 
Mengen Brot enthält, wird durch Art, Beschaffenheit und Ausmahlungsgrad 
des dafür benötigten Brotkornes wesentlich beeinflußt. Die Ausnutzung 
einer und derselben Nahrung ist individuell sehr verschieden. Das Kartoffel- 
brot ist von würzigem Geschmack und guter Bekömmlichkeit. Seine Ver- 
daulichkeit ist besser als diejenige des Kriegsbrotes. Der große Eiweiß- 
ansatz ist ein Ausdruck für den Eiweißhunger infolge vorhergegangener 
Unterernährung. 

Oppermann. Vergiftung durcli verdorbene Rübenschnitzel. Dtsch. tier- 
ärztl. Wchschr. 27, S. 341. 

Bericht über Erkrankungen von Rindvieh infolge Verfütterung von 
durch fehlerhafte Lagerung verdorbenen Rübenschnitzeln. 

Bertrand, Gabriel und Rosenblatt, M. A ergleich der Giftwirkung einiger 
flüchtiger Stolfe auf verschiedene Insekten. C. r. d. l'Acad. des sciences 
168, S. 911— 13. 

Es wird über die Einwirkung von Äther, Chloroform, Schwefelkohlen- 
stoff, Kohlenstofftetrachlorid, Monochlorazeton, Benzylchlorid, Niti'ochloro- 



Referate ii-j 

form und Cyanwasserstoffsäure auf einige Insektenlarven berichtet. Am 
wirksamsten erwies sich das Nitrochloroform und die Blausäure, und zwar 
wirkt die letztere noch etwas weniger giftig als das Nitrochloroform. 

Spieß. Bekämpfung der Pflanzenschädlinge. Süddtsch. Apoth.-Ztg. 59, 
S. 394. 

1. Peronospora: Spritzen mit Kupferkalkbrühe, evtl. in Verbindung mit 
Uraniagrün zur gleichzeitigen Bekämpfung des Heuwurmes. 100 g Urania- 
grün auf 100 1 Kupferkalkbrühe. — 2. Amerikanischer Stachelbeermehltau: 
Behandlung mit Prae-Schwefel (jetzt zu spät). — 3. Bohnenrost kann mit 
keinem chemischen Mittel bekämpft werden. — 4. Aaskäferlarven auf Rüben: 
Bespritzen mit Uraniagrün: 100 g Uraniagrün, 500 g Fettkalk und 100 1 
Wasser. 

Janson. Bekämpfung der Pflanzenschädlinge. Süddtsch. Apoth.-Ztg. 59, 
S. 418. 

Der durch den Pilz Erysiphe rosae erzeugte Mehltau der Rosen wird 
vorbeugend durch Bestäubung mit Schwefelpräparaten, am besten mit dem 
Hicox-Prae-Schwefel der Firma Gustav Friedrich Unselt in Stuttgart be- 
kämpft. Die Behandlung muß gleich nach dem Erscheinen der ersten aus- 
gCAvachsenen Blätter beginnen und alle 10 — 14 Tage wiederholt werden. 
Das Mittel wirkt auch gegen Blattläuse, die Rosenschabe und andere In- 
sektenschädlinge, sowie alle anderen echten Mehltauarten. 

• 

Grähner, P. Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen. Handbuch zum Er- 
kennen der wichtigeren Pflanzenarten Deutschlands nach ihrem Vorkommen 
in bestimmten Pflanzenvereinen, mit besonderer Berücksichtigung der nutz- 
baren Gewächse. 3. Auflage. Stuttgart 1918. 8. VH u. 199 S. mit 17 Tafeln 
u. 392 Figuren. Halbleinenba'hd. Mark 4,80. 

Pringsheim, Ernst G. Ein neues Verfahren zur Darstellung von Sporen 
im Bakterienkörper. Ber. Dtsch. Botan. Ges. 37, S. 182—83. 

Verfasser verwendet zu seinem Verfahren das als Universalfärbemittel 
stets vorrätige Ziehische Karbolfuchsin. Anilinwasserfuchsin, das wohl stärker 
färbt, aber frisch hergestellt werden muß, ist nicht nötig, weil Methylalkohol 
nicht so stark entfärbt wie verdünnte Mineralsäuren oder Säurealkohol. 
Trotzdem differenziert er genügend, was bei Anilinwasserfuchsin nicht der 
Fall ist. Das Verfahren ergibt tiefrote Sporen und ungefärbte Bakterien- 
leiber auf grauem oder blauem Grunde. Verfasser zieht die Negativfärbe- 
methode mit Tusche, oder noch schöner mit Cyanochin, der Kontrastfärbung 
mit Methylenblau oder Malachitgrün vor. 



1 18 Referate 

Pringsheiin, Ernst G. Über die Herstellung von Gelatinefarbfiltern für 
physiologische A^ersuehe. Ber. Dtsch. Botan. Ges. 37, S. 184 — 86. 

Verfasser hat schon früher die Herstellung von Gelatinegelbfiltern als 
Ersatz für Kaliumdichromatkuvetten angegeben (Ber. Dtsch. Botan. Ges. 
26a, S. 556) und berichtet jetzt über seine weiteren Versuche, die ihn zu 
einer Reihe von Farbfilterplatten geführt haben, mit denen das Spektrum in 
eine ganze Anzahl von kurzen Stückchen zerlegt werden kann. Die Fort- 
schritte liegen einmal in der Auffindung einer ganzen Anzahl von für diesen 
Zweck geeigneten Farbstoffen und Farbstoffkombinationen, andererseits in 
der Erleichterung der Herstellung aus irgend welchen unbrauchbar gewordenen, 
aber nicht entwickelten photographischen Platten, die ausfixiert, gründlich 
gewässert und getrocknet werden. Dadurch, daß man sie etwa 2 Stunden 
in eine möglichst starke, filtrierte, wässerige Lösung des Farbstoffs einlegt, 
färbt sich die Schicht intensiv genug, um ein gewisses spektroskopisch 
definiertes Absorptionsvermögen zu erlangen. Einzelheiten über Herstellung 
der Gelatinefilter und über die angewandten Farbstoffe müssen im Original 
eingesehen werden. 

Llng, Arthur R. Erzeugung von Glyzerin aus Melassen. Journ. Soc. 
Chem. Ind. 38, S. 175—77. 

Es v/ird über in den Vereinigten Staaten angestellte Versuche zur 
Gewinnung von Glyzerin durch Gärung aus Zuckerlösungen berichtet und 
über den von Eoff, Linder und Beyer darüber erstatteten Bericht. Danach 
wird Saccharomyces ellipsoideus, var. Steinberg, nach Züchtung in starker 
Würzelösung verwendet; die Zuckerlösung soll außer NH^Cl 5^0 NagCOg 
enthalten, das nicht auf einmal zugesetzt werden soll, aber nach Eintritt 
der vollen Gärung zugesetzt sein soll; die günstigste Temperatur liegt bei 
30 — 32^, die beste Konzentration der Zuckerlösung bei 17,5 — 20 g in 100 ccm. 
Nach vollendeter Gärung sind 20 — 25 '^/^ des vorhanden gewesenen Zuckers 
als Glyzerin vorhanden, der Rest ist in Alkohol und COg verwandelt. Für 
Versuche in größerem Umfange wurde Melasse („black strap" Porto Rico 
Melasse verwendet. Die Lösung der Melasse entsprach 21,2° Balling bei 
25° (D. etwa 1,085), der Gehalt an Zucker war 16,85°/^. Die vergorene 
Flüssigkeit enthielt (Maß-O/o) 3,1 Glyzerin, 6,75 Alkohol, 0,86 Zucker; die 
Alkalität entsprach 3,6 g NagCOg in 100 ccm. Zur Darstellung des Glyzerins 
wurde diese Flüssigkeit (3200 Ib) mit HoSO^ neutralisiert und 12 Gallonen 
einer- gesättigten Lösung von Ferrosulfat des Handels zugesetzt ; dann wurde 
bis nahe zum Kochen erhitzt, Kalkmilch im Überschuß zugesetzt, V2 Stunde 
mit Dampf gekocht und abgepreßt. Das Filtrat wurde im Vakuum zu einem 
Sirup, der 30 — 35^0 Glyzerin enthielt, eingeengt und destilliert. Es wurden 
etwa 50 Ib Glyzerin gewonnen, etwa die Hälfte des in der vergorenen 
Flüssigkeit vorhandenen Glyzerins. Nimmt man den Zuckergehalt der ver- 



Referate 119 

wendeten Melasse zu öO^o.an, so entspricht dies einer Ausbeute von ö^o 
bis 6 Ib auf den Zentner (cwt.) Melasse. 

Gaertiier, Hermann. Über die Kohlenhydrate des Zuckerrüben niarks. 

Ztschr. Ver. Dtsch. Zuckerind. IDll), S. 233—72. Landwirtsch.-technol. 

Inst. d. Univ. Breslau. 

Die Untersuchungen des Verfassers gingen hauptsächlich nach vier 
Richtungen: 1. Hydrolyse des Rübenmarks in der Kälte durch konzentrierte 
HCl, starke Schwefelsäure, verdünnte Alkalien, Kalzium- und Bariumhydrat; 
2. biochemischer Abbau des Rübenmarks und Pektins durch Pilze, Bakterien 
und Fermente; 3. Azetolyse des Marks und Bestimmung der echten Zellulose; 
4. Gewinnung und Säurehydrolyse des Pektins, Untersuchungen der erhaltenen 
Produkte: Arabinose, Pektinsäure, Galaktose-Galakturonsäure, krist. Galak- 
tose und Galakturonsäure. Sie sollten zunächst rein qualitativ analytisch 
zu Endprodukten führen. Das Ergebnis der Untersuchungen nach 3. ist, 
daß das Rübenmark zu 26 — 27 7o aus Glukosezellulose besteht, welche Zahl 
mit der Stammerschen Holzfaserzahl von 26,5^0 übereinstimmt. Die Be- 
hauptung Ernests (Ber. Dtsch. Chem. Ges. 39, S. 1947; C. 1906, H., S. 284), 
daß Glukose die einzige Komponente der Rübenzellulose sei, findet durch 
diese Arbeit ihre Bestätigung, während die Angabe von 50^0 Ausbeute an 
Zellulose sich als zu hoch erwies. 

Die aus Rübenmark isolierte Pektinsäure (Galaktose Glukuronsäure) 
konnte auch in anderen Pektinstoffen, z. B. von Zwetschgen und Äpfeln, 
festgestellt werden. 

Schneller, Max A. Der Farbstoif von Rohrzuckersäften. The International 
Sugar-Journal 1919; Ztschr. Ver. Dtsch. Zuckerind. 1919, S. 320—22. 
Luisiana-Untersuchungsstation. 

In Anbetracht des Gehaltes an Eisen, der sich in den Zuckersäften, 
wenn auch nur in geringer Menge findet, kann die dunkle Färbung der 
Säfte auf die charakteristische Eisen-Phenolreaktion zurückgeführt werden, 
obwohl die Mengen xler mehrwertigen Phenole, die in geklärten Säften vor- 
kommen, naturgemäß sehr gering sind. Diese Phenole finden sich in den 
grünen Spitzen des Zuckerrohrs und gehen in den Saft über. Eine zweite 
Quelle für mehrwertige Phenole sind die Zersetzungsprodukte der Glukose, 
die beim Erhitzen alkalischer Invertzuckerlösungen entstehen. Unter diesen 
Zersetzungsprodukten finden sich Brenzkatechin , Protokatechusäure und 
Glucinsäure, deren Konstitution zwar nicht bekannt ist, die aber jedenfalls 
die Eisenreaktion gibt. 

Drucker, Carl. Die deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie. 

Umschau 23, S. 502—4. 

Der Verfasser behandelt das Arbeitsgebiet der „Deutschen Forschungs- 
anstalt für Lebensmittelchemie" in München an Hand ihres ersten Jahres- 
berichtes. 



120 Referate 

Chemische Gesellschaft Rheuania, m. b. H., Wevelinghofen, Rhld. A'erfahren 
zur Sterilisation von Leiuifleisch, (Jelatiiie, Leim, Knochen u. dgl. 

D. R. P. 313141, Kl. 53c von 1917, ausgegeben 1919; Zusatzpatent zu 
Nr. 312614; C. 1919, IV., S. 227. 

Abänderung des durch Patent 312614 (C. 1919, IV., S. 227) geschützten 
Verfahrens zur Sterilisation von nicht mehr frischen Nahrungs- und Genuß- 
mitteln, dadurch gekennzeichnet, daß Leimfleisch, Gelatine, Leim, Knochen 
u. dgl. unmittelbar mit etw^a der doppelten Menge einer Nati'iumhypochlorit- 
lösung behandelt werden, welche ungefähr 3 g aktives Chlor im Liter ent- 
hält. — Es wird hierbei eine vollkommene Abtötung sämtlicher Keime und 
Fäulniserreger erreicht, und die Anwesenheit von aktivem Chlor in dem 
sterilisierten Material nach Beendigung der Sterilisation vermieden. Leini 
oder Gelatine müssen vor der Behandlung mit Hypochlorit verflüssigt, bezw. 
gelöst werden. 

Ernst Jacoby, München. Terfahrcn zur Entgiftung* von Zellstoffablauge 
nach Beseitigung der scliwefligen Säure und Neutralisation der Lauge 

(D. R. P. 307383, Kl. Ob von 1916; ausgegeben 1919), 
1. dadurch gekennzeichnet, daß man aus der so vorbehandelten Lauge ge- 
wisse, die Mikroorganismen schädigenden Stoffe durch Zusatz geringer Mengen 
absorbierender Stoffe, wie Kaolin, Humin oder dergl. in der Kälte entfernt. 
— 2. Ausführungsform des Verf. nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, 
daß man zu der mit Kalk neutralisierten, filtrierten und dann mit Hurain 
versetzten Sulfitablauge zwecks völliger Ausflockung des Humins geringe 
Mengen von Schwermetallsalzen hinzugefügt. — Es werden so die für Hefe 
oder andere Mikroorganismen, z. B. Milchsäurebazillen, schädlichen Stoffe 
entfernt, und der Zucker der Ablauge kann direkt ausgenutzt werden. Das 
Verfahren kann auch auf die Ablaugen der NatronzeUstoffabrikation über- 
tragen werden. 

Andres. Mutmaßlicher Parasit von Calaudra oryzae L. Zeitschr. f. an- 
gew. Entomologie 5, S. 315. 

Eine Hautkrankheit, die Mühlenarbeiter befallen hatte, welche mit 
rumänischem Getreide zu tun hatten, ist nicht auf den in Mengen auftreten- 
den Reiskäfer, Calandra oryzae L., zurückzuführen, sondern auf einen Para- 
siten dieses Käfers, der zu den Milben gehört, Pediculoides ventricosus. 

Richard Reilt, Wien. Vorrichtung zur Bekämpfung der Schaumbiidung 
bei der Gärung, insbesondere in der Luftliefefabrikation (D.R.P. 313109, 
Kl. 6a von 1916, ausgegeben 1919; die Priorität der österr. Anm. von 
1916 ist beansprucht; Zus.-Pat. zu Nr. 300985; C. 1917, II, 664), Zeitschr. 
f. angew. Ch. 30, 1917, H, S. 356, 
mit Hilfe einer den Schaum absaugenden und ihn unter den Flüssigkeits- 
spiegel führenden Druckluftsaugdüse, dadurch gekennzeichnet, daß der die 



Referate 121 

Mündung der Druckluftdüse umgebende Saugspalt offen in der Schaumzone 
liegt, und das Schaumabflußrohr unterhalb der Flüssigkeitsoberfläche mündet. 
— Die Saugvorrichtung wird entweder am Rande des Gärbottichs oder in 
dessen Mitte angeordnet. 

Gustav Rotli, Olmütz, Mähren. Verfahren zur Reini^iing von Melasse 
für die Hefebereitung- (D. R. P. 313380, Kl. 6 a von 1914, ausgegeben 1919. 
Die Priorität der österr. Anm. von 1913 und 1914 ist beansprucht), 
dadurch gekennzeichnet, daß die in üblicher Weise verdünnte, angesäuerte 
und nach dem Kochen klar abgezogene Melasselösung nach weiterer Ver- 
dünnung so weit angesäuert wird, bis sich bei Bewegung oder Lüftung der 
Lösung weitere Verunreinigungen in feiner Verteilung ausscheiden, welche 
durch Filtration aus der Melasselösung beseitigt werden. — Bei der Ver- 
arbeitung der filtrierten Flüssigkeit ergibt sich ständig eine Hefe von vor- 
züglicher und gleichmäßiger Beschaffenheit. Vorteilhaft erfolgt die Filtration 
ohne Überdruck unter Darbietung großer Filterflächen für die Melasse. 

Hoffmanns Stärkefabriken, A.-G., Salzuflen. Verfahren zur Gewinnung 
von Gespinstfasern aus Lupinenstroh (D. R. P. 306362, Kl. 29 b von 1917, 
ausgeg. 1919), 

darin bestehend, daß das Lupinenstroh mit Wasser gekocht und danach einer 
Gärung unterworfen wird. — Würde man die Lupinenfaser ohne weiteres 
der Gärung analog der Flachsröste unterwerfen, so bedürfte der Rohstoff 
etwa 14 — 21 Tage, bis die Faser genügend isoliert ist, um sie weiter ver- 
arbeiten zu können. Kocht man dagegen das Lupinenstroh 15 — 30 Minuten 
und überläßt es dann der Gärung, so kürzt sich der Röstprozeß auf 4—8 Tage 
ab. Nach vollendeter Gärung werden die Fasern gewaschen, getrocknet und 
wie üblich aufbereitet. Das Verfahren ergibt eine außerordentlich reine, 
weiche und feine Faser. 

Th. Bokorny. Einige Bemerkungen über die Hefenenzyme. Allg. Brauer- 
u. Hopfenztg. 1919, S. 881—82, 889—90, 893—94. 

Invertase ist gegen Alkohol sehr wenig empfindlich. Bei gewöhnlicher 
Temperatur verträgt sie sogar tagelange Einwirkung von viel absolutem 
Alkohol auf die frische Preßhefe, während bei 46^ unter gleichen Umständen 
das Inversionsvermögen fast völlig vernichtet wird. Zweitägiges Verweilen 
der Hefe in 0,25- oder 0,5proz. Oxalsäurelösung, 2proz. Essig- oder Milch- 
säure schädigt die Invertase nicht. In 0,1 proz. HF geht das Inversions- 
vermögen in 2 Tagen nur wenig zurück, durch 0,5 proz. HgSO^ wird es in 
24 Stunden geschädigt, aber nicht zerstört. NaOH zerstört es bei 0,5 % 
noch nicht, bei 1 7o in 24 Stunden. Die Invertase ist also ein besonders 
widerstandsfähiges Enzym, dessen Wirkung neben Zymase stets zur Geltung 
kommen muß. Diese Wirkung erfolgt überdies sehr schnell. Bei 25" ge- 



122 Referate 

trocknete Hefe invertiert ebenso gut oder noch besser, als frische oder Toluol- 
hefe. — Sehr empfindlich ist dagegen die Maltase, die schon beim Trocknen 
der Hefe an der Luft unwirksam wird. In wässeriger Lösung hält sie sich 
nur wenige Tage und verträgt sie schon eine Temperatur von 2b^ nicht 
längere Zeit; Alkohol schädigt sie schon bei 5 ^o» ^s^ 7o Thymol vernichtet 
sie in 24 Stunden, Terpentinölwasser schädigt sie in dieser Zeit stark, 
Chloroforrawasser tötet sie nicht ab. 1 % HCl oder Oxalsäure tötet sie in 
der Hefe ab, 1 °/o Essigsäure nicht ganz. NaOH wirkt bei 0,5 7o ^^ 4 Tagen 
nicht vernichtend, wohl aber bei 1%; hei 0,02^0 fördert sie die Spaltung 
der Maltose. Maltase anderer Herkunft scheint weniger empfindlich zu sein, 
und es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die Maltasen verschiedener Hefe- 
rassen Abweichungen zeigen. — Verf. geht dann noch auf die gegenseitige 
Abhängigkeit der Hefenenzyme voneinander und vom Protoplasma und auf 
die Umstände der Neubildung von Zymase ein. Besondere Aufmerksamkeit 
verdient die Tatsache, daß die Zymase durch Hefentryptase verdaut wird: 

C. Neuberg und F. F. Nord. Anwendungen der Abfangniethode auf die 
Bakteriengärungen. Biochem. Zeitschr. i)6, S. 133 — 57, 158—74. 

L Azetaldehyd als Zwischenstufe bei der Vergärung von 
Zucker, Mannit und Glyzerin durch Bacterium coli, durch Er- 
reger der Ruhr und des Gasbrandes. Die Versuche wurden unter 
anaeroben Bedingungen ausgeführt, und die Ergebnisse werden um so mehr 
als beweisend angesehen, als in den ohne Sulfit angesetzten Proben kein 
Azetaldehyd auftrat, mit alleiniger Ausnahme der Versuche mit Shiga Kruse- 
schen Ruhrbazillen, die auch sonst kleine Mengen davon erzeugen. 

IL Festlegung der Aldehydstufe bei der Essiggärung. Verf. 
verfügten über zwei sehr geeignete Essigbildner, Bact. ascendens und Bact. 
pasteurianum, in außerordentlich wirksamen Kulturen, die selbst in Gegenwart 
von CaCOg Alkohol in etwa 20 Tagen zu rund 90% ^^ Essigsäure über- 
zuführen vermochten. Bei diesen gelang es nun, in Gegenwart von Di- 
natriumsulfit, besser von Kalziumsulfit, verhältnismäßig beträchtliche Mengen 
Azetaldehyd nachzuweisen. 

Carl Neuberg und Julius Hirsch. Über den Verlauf der alkoholischen 
Gärung bei alkalischer Reaktion. II. Gärung mit lebender Hefe in 
alkalischen LösungiBn. Biochem. Zeitschr. 96, S. 175 — 202. 

Zusammenfassend werden die bisherigen Versuche von Neuberg und 
seinen Mitarbeitern wiedergegeben, die eine Änderung des Gärverlaufes zu- 
nächst bei zellfreier Gärung, dann aber auch ebenso bei Gärung durch lebende 
Hefe durch Gegenwart von Alkalisatoren erwiesen haben. Bei Verwendung 
von Sulfiten, die auch inzwischen von Connstein und Lüdecke (Ber. Dtsch. 
Chem. Ges. 52, S. 1385; C. 1919, IV, S. 461) zur industriellen Darstellung 
von Glyzerin benutzt wurde, steigt die Ausbeute an Azetaldehyd mit der 



Referate 123 

Konzentration jener, parallel damit auch die Kurve des Glyzerins. Daß die 
Bildung des Aldehyds diejenige des Glyzerins bedingt, nicht umgekehrt, wird 
auch daraus gefolgert, daß jene auch nachweisbar ist bei Bakteriengärungen, 
wo von Glyzerinerzeugung keine Rede ist (Neuberg und Nord, Biochem. 
Zeitschr. 96, S. 138, 158; vorsteh. Reff.). Bei dieser Wirkung der Sul- 
fite ist das alkalische Medium nicht die ausschlaggebende Be- 
dingung, da der gleiche Erfolg auch mit neutral reagierenden Sulfiten zu 
erreichen ist, vielmehr die Affinität der Sulfite zum Aldehyd. Trotz- 
dem wirken die Sulfite und die übrigen alkalisch reagierenden Salze wesens- 
gleich. Verwendet man z. B. NagCOg, so tritt nach kurzer Zeit auch Azet- 
aldehyd auf; er verschwindet aber wieder ziemlich rasch. Es ergab sich jetzt 
durch eingehende Prüfung, daß in bikarbonatalkalischer Lösung Essigsäure 
das volle Äquivalent für die auftretende Glyzerinmenge abgibt. Durch Oxy- 
dation, etwa aus Alkohol oder dem intermediär entstandenen Aldehyd, kann 
sie nicht entstehen, da der ganze Vorgang sich anaerob in COg-Atmosphäre 
vollzieht. Wohl aber kann sie neben Alkohol aus je 2 Mol. Aldehyd durch 
die Reaktion von Cannizzaro entstehen. Dafür sprechen in der Tat die 
Mengenverhältnisse, der einzelnen Produkte bei allen völlig ausgegorenen 
Ansätzen, bis zu 0,75-molekularer Konzentration von NaHCOg. Die Gärung 
vollzieht sich demnach unter diesen Bedingungen zum Teil entsprechend 
folgenden Endgleichungen : 

«) CyHiaO, = CgHgOg -\- COa -f CHg • CHO, 

/y) CHg . CHO + Va HoO z= V, aHg • OH -j- Va CH3 • CO.,H. 

Es zeigte sich noch, daß die Hefe fertig zugesetzten Azetaldehyd in 
bikarbonatalkalischer Lösung weit vollkommener und schneller umzusetzen 
vermag als in dem gewöhnlichen sauren Medium. ■ — Bei allen angeführten 
Vorgängen, wie auch bei den phytochemischen Reduktionen spielt stets der 
Azetahlehyd eine wichtige Rolle. Sie sind als wesensgleich zu betrachten 
unter dem Gesichtspunkte, daß eine von außen kommende zugefügte Ver- 
bindung den Aldehyd aus der normalen Reaktionsfolge drängt, den „Gärungs- 
wasserstoff" auf sich ablenkt, also zu einer Hydrierung verwendet und als 
ein entsprechendes Oxydationsäquivalent so Azetaldehyd übrig läßt. Bei der 
Bildung von Glyzerin handelt es sich um die ähnliche Verwendung des 
„Gärungswasserstoffs" durch einen inneren Akzeptor. 

H. Euler und 0. Svaiiber^. Eiizymatische Studien über Zuckerspaltung^eii. 

Zeitschr. f. physiol. Ch. 105, S. 187—239. 

Es wurde für die alkalische Gärung bei genau gemessener und konstant 
gehaltener Alkalinität (ph = 8) das Verhältnis von gegorenem Zucker zu 
entwickelter COg und gebildetem Alkohol festgelegt; es ergab sich, daß bei 
einer Oberhefe und einer Torula Alkohol und COg in äquivalenten Mengen 
entstehen, und zwar wurden für beide -Produkte bei zahlreichen Versuchen 



X 24 Referate 

im Mittel die. Werte 30 — 33 "/y vom vergorenen Zucker gefunden. Glukose 
und Fruktose, sowie Invertzucker werden auch^bei pn = 8 gleich schnell ver- 
goren, dagegen zeigt Mannose eine etwa 80 °/o geringere Gärungsgeschwindig- 
keit. 'Galaktose wird auch in schwach alkalischer Lösung nur in sehr ge- 
ringem Grade angegriffen. Rohrzucker wird annähernd mit der gleichen Ge- 
schwindigkeit vergoren wie Glukose, während Maltose nicht angegriffen wird. 
Diese Tatsachen beruhen darauf, daß von den hydrolysierenden Enzymen 
wohl die Invertase, nicht aber die Maltase beipn = 8 wirksam ist, obwohl 
die optimale Azidität der Maltasewirkung nach dem Befund von Michaelis 
und Rona näher dem Neutralpunkt liegt als diejenige der Invertase. Die 
Rohrzuckerinversion wurde durch Zurückdrängen der Gärung mittels Toluol- 
zusatz bis pn = 8,5 quantitativ verfolgt. Bei geringerer Alkalinität wurde 
keine Hemmung beobachtet. 

Die Wirkung von Giften auf die Hefegärung ist in alkalischer Lösung 
vielfach eine andere als bei normaler Azidität, besonders wo sich Unter- 
schiede zwischen den Wirkungen der Ionen und der nichtdissoziierten Mole- 
küle geltend machen. Chloroform bedingt bei einer Konzentration von ca. 
0,2 7o keine Aufhebung der alkalischen Gärung, bei Zugabe von 0,02 o/o je- 
doch eine Aktivierung. 1 7o Azetaldehyd bedingt wie in saurer, so auch in 
alkalischer Lösung eine beträchtliche Hemmung. Laktat, das bei normaler 
^Azidität eine Beschleunigung hervorruft, bedingt bei pn = 8 keine Änderung 
des Gärungsvorganges. Ebenso verhält sich Chloressigsäure. Zusatz von 
Adrenalin und Schilddrüsenextrakt war ohne Einfluß. 1% Anilin 
verroindert die Gärkraft der Hefe um ca. 75 ^o- Pyridin ist bedeutend 
weniger wirksam. 1,1 7o Salizylat verursacht eine geringe Beschleunigung, 
bei normaler Gärung jedoch eine starke Hemmung. Resorzin vermindert 
die Aktivität bei pn ;:= 9 wie unter normalen Bedingungen auf etwa ^/^. 
Ähnlich verhält sich Phenol. Ohne deutliche Wirkung ist 1,5 und 
0,5 7o Na.,S203. Eine bei Zimmertemperatur aus der Hefe SB II hergestellte 
Trockenhefe verhielt sich bei pn = 8 im wesentlichen ebenso wie frische 
Hefe. Der Zuwachs der Zellenzahl wurde bei folgenden Konzentrationen 
aufgehoben : Frohbergunterhefe B bei pn = 7,7 — 8,0, Brennereioberhefe SB II 
bei Ph == 7,3 und 8,4, Sacch. ellipsoideus bei pn := 7,9, Pseudosacch. apicu- 
latus bei pn = 7,6. Eine Gewichtsvermehrung ließ sich bei der Oberhefe SB, 
auch noch bei der Alkalinität pn = 8,5 nachweisen. Für eine Frohberg- 
unterhefe H wurde die vollständige Kurve der Aziditätsempfindlichkeit auf- 
gestellt und das Optimum bei pn = 5 gefunden. 

J. Giaja. Ruft lebende Hefe die Ter^ärung des Zuckers allein durch 
ilire Zyniase hervor? C. r. soc. de biologie 82, S. 804 — 806. 

Die großen Unterschiede in der Gärkraft lebender Hefe und der mit 
Toluol versetzten Hefe können ihre Erklärung nicht in der Zerstörung von 



Referate 125 

Zymase durch das Endotrypsin finden; wenigstens spricht hiergegen der Ver- 
lauf der Aktivitätsverminderung bei Zusatz von Toluol zu auf der Höhe der 
Tätigkeit befindlicher Hefe. Auch die Annahme von Pringsheim, daß die 
Behandlung mit Toluol die Berührung des Zuckers mit der Zymase hindere, 
erklärt die Erscheinung nicht; denn sie tritt ebenso bei Hefe auf, die mit 
dem Verdauungssafte von Helix pomatia behandelt und dadurch nach früheren 
Feststellungen des Verfs. für die Einwirkung der Umgebung völlig offen ist. 

F. Czapek. Zum Nachweis von Lipoiden in Pflanzenzellcn. Ber. Dtsch. 
Bot. Ges. 37, S. 207—16. 

Verf. nimmt den Begriff „Lipoide" rein physikalisch-chemisch, er ver- 
steht darunter Substanzen, die bei gewöhnlicher Temperatur flüssig sind, 
sich in organischen Lösungsmitteln mehr oder weniger leicht lösen, in Wasser 
unlöslich sind. Den Lipoiden werden die in Wasser leicht löslichen Zell- 
inhaltsstoffe als „Hydroide" gegenübergestellt. Als Reagens verwendet Verf. 
eine mit einem fettlöslichen Farbstoffe versetzte Amylenhydrat - Pyridin- 
mischung, die er folgendermaßen herstellt: Zu 8 Teilen destilliertem Wasser 
kommen 2 Teile Amylenhydrat und 1 Teil Pyridin. Die Flüssigkeit klärt 
sich nach kurzem Schütteln. Dann übergießt man damit Sudan III, schüttelt 
gut durch und läßt bei Zimmertemperatur etwa 1 Stunde stehen, worauf 
filtriert wird. Gut verschlossen hält sich die Lösung wochenlang. Frische, 
vom anhängenden Wasser möglichst befreite Objekte kommen für 1 Stunde 
bei Zimmertemperatur in ein gut schließendes Fläschchen mit „AP-Sudan"- 
Reagens. Schnitte werden, ohne vorher mit einem anderen Medium in Be- 
rührung zu kommen, direkt in die AP- Sudanlösung eingelegt. Aus der Farb- 
lösung kommen die Präparate für einige Minuten in destilliertes Wasser zum 
Auswaschen des Amylenhydrats. Beobachtet wurde in Glyzerin. Die AP- 
Sudanpräparate halten sich monatelang unverändert. 

Tersuclie mit Sudanhirse für Brauz wecke. Bull. Imperial Inst. Lond. 17, 
S. 22—31. 

Die Hirse, das Korn von Sorghum vulgare, eignet sich nach Unter- 
suchungen von Briant und Harman für Brauzwecke, besonders zur Streckung 
der Gerstenvorräte. Die Mälzung erforderte, verglichen mit Gerste, noch 
mehr Aufmerksamkeit als diese, da der Hirse die äußere schützende Hülle 
fehlt. Das Malz war ziemlich milde und aromatisch. Die diastatische Kraft 
nach Lintner betrug 240, der Wassergehalt 3,2 ^o» ^^ kaltem Wasser lösliche 
Substanz 12,6 7o- — Briant und Harman rösteten gemälzte und ungemälzte 
Hirse mit befriedigendem Resultate; die Ausbeute entsprach der für Gerste. 
Geröstete Hirse wurde zum Brauen von Porter verwendet, und zwar 
durften aus geschmacklichen Gründen für 10 Teile Gerste nur 7 Teile Hirse 
genommen werden; der Charakter des Bieres wui'de nicht verändert. Ge- 
röstete gemälzte Hirse hatte zwar einen guten Geschmack, aber Extrakt- 



126 Referate 

gehalt und Farbwert waren zu gering. Helles Malz hatte einen ausge- 
zeichneten Gesckmack, jedoch war auch hier der Extraktgehalt zu gering, 
die Verff. glauben aber, hier noch zu besseren Erfolgen zu kommen. — 
Hirseflocken können Maisflocken sowohl in der Brauerei als auch ganz 
allgemein bei der menschlichen Ernährung ersetzen, sie eignen sich besonders 
zur Herstellung von Pale Ale. — Aus Hirse gewonnene Glukose gab dem 
Bier, besonders bitteren Sorten, einen entschieden besseren Charakter als 
Invertzucker. Bei der Herstellung von Glukose empfehlen Verff., die Stärke 
eine Stufe weiter abzubauen, so daß feste Glukose an Stelle des Malto- 
Dextrintypus entsteht. 

R. V. Hoeßlin. Zur Geschichte der Preßhefe. Brennereiztg. 36, S. 8362 — 63. 

Es wird über den Vorläufer des Lufthefeverfahrens, das sogen. Malz- 
oder Schwetzingerhefeverfahren berichtet. Diese Industrie entstand aus den 
obergärigen Bierbrauereien, statt Bier wurde Hefe und Alkohol gewonnen. 

A. Zscheile. Mitteilungen über Preßhefefabrikation. Brennereiztg. 36, 
S. 8351 

Die Hefeindustrie ist augenblicklich gezwungen, die für ihre Zwecke 
wenig geeignete Raffineriemelasse und Zuckersirup zu verarbeiten. Es konnte 
nicht erreicht werden, daß die brauchbare Rohzuckermelasse für das ganze 
Jahr zur Verfügung gestellt wurde. Die in diesem Jahre gelieferte auffällig 
stark karamelisierte Melasse ergibt trotz normaler Klärung und Milchsäuerung 
eine dunkle bis schwarze Hefe. Durch Zusatz von „Blankit" genanntem 
Natriumhydrosulfit, 0,1 7o auf das Melassegewicht, beim Aufkochen der Me- 
lasse und darauf folgendes Ansäuern mit H2SO4 erzielt man Bleichung. 
Stark karamelisierte Melasse bedingt schlechte Hefeausbeute. Auch Zucker- 
sirup, der meistens einen höheren Zuckergehalt als Melasse hat und sich 
deshalb vorzugsweise zur Herstellung von Alkohol eignet, verursacht wegen 
seines geringen N-Gehaltes Schwierigkeiten bei der Verarbeitung auf Hefe. 
Der fehlende organische N muß durch (NH4)2S04 ausgeglichen werden, wo- 
durch das Verhältnis zwischen anorganischem und organischem N ungünstig 
verschoben wird. Ferner entstehen Schwierigkeiten durch den Mangel an 
sauren, organischen Salzen. — Beim Zusatz vdn Superphosphat im Überschuß 
entsteht eine sich schlecht pressende, wenig haltbare Hefe. — Verf. empfiehlt 
Malzkeime nicht nur zur Herstellung von Anstellhefe zu verwenden, sondern 
auch zur Herstellung von Versandhefe, um deren Qualität und Ausbeute 
günstig zu beeinflussen. Gegen die Herstellung einer gut ernährten Stell- 
hefe ist an sich nichts einzuwenden. Da die Stellhefe mit einer niedrigeren 
Ausbeute als die Versandhefe gewonnen wird, so ist N genügend vorhanden, 
besonders, wenn die Hefe über Getreide herangeführt wird, und man braucht 
den N-Gehalt der Gärwürze nicht durch erhöhte Zugabe von Malzkeimen zu 
vergrößern. 



Referate 127 

Julius Muxcl. Die Anwendung: der Ozontechnik auf die Luftliefe- 
fabrikation. Brennereiztg. 36, S. 8363. 

Verf. wendet sich gegen den Angriff von G — e (Brennereiztg. 36, 
S. 8295; C. 1919, IV, S. 501), er ist jederzeit bereit und imstande, seine in- 
folge der guten Erfahrungen gemachten Mitteilungen praktisch zu beweisen. 

Alexander Janke. Die Betriebsökononiie in der Gärungsessigindustrie. 
2. Teil: Überoxydation. Dtsch. Essigind. 23, S. 183—85, 193—95, 207—9. 
216—18, 223—25. 

F. Rothenbaoh. Heiße Güsse bei der Schnellessigfabrikation* Dtsch. 
Essigind. 23, S. 239—40. 

Da sich in allen Fällen, wo heiße Güsse, sei es von Wasser, Essig, 
Maische oder Denaturat, angewendet werden, die Verhältnisse schwer über- 
sehen lassen, ist unter allen Umständen eine genaue Betriebskontrolle nötig; 
•Alkohol- und Säurebestimmungen müssen täglich ausgeführt werden. Handelt 
es sich lediglich darum, die Späne zu reinigen und von schädlichen Orga- 
nismen zu befreien, so ist es richtiger, die Späne auszudampfen, als mit 
Güssen heißen Wassers zu behandeln. 

Alexander Backhaus, Berlin. Verfahren zur Herstellung von Speisewürze, 

(D.R.P. 303994, Kl. 53 i von 1917, ausgeg. 1919.) 

dadurch gekennzeichnet, daß entfettete und entbitterte Getreidekeime mit 
Säure bebandelt und hierauf der kombinierten Einwirkung von proteolytischen 
Fermenten und Hefe unterworfen werden. Durch diese kombinierte Be- 
handlung werden die Eiweißstoffe gelöst, die Stärke fermentiert, der Zucker 
vergoren und außer besser resorbierbaren Nährstoffen die Bildung der ge- 
wünschten Geschmacksstoffe erreicht. Die besonderen Eigenschaften des 
Rohmaterials bedingen es, daß die Einwirkung von Hefe und Ferment eine 
weit bessere Wirkung auf die Getreidekeime ausübt, als wenn man diese 
z. B. der Einwirkung von Säure aussetzt, um eine Spaltung der Eiweißstoffe 
bis zu den Aminosäuren herbeizuführen. Die Wirkung wird durch die 
Temperatur und die Einwirkungszeit der Fermente usw. geregelt, eine zu 
weitgehende schädliche Zersetzung wird durch Abbruch der Fermentierung 
verhütet, z. B. durch Erhitzung zwecks Abtötung der Fermente und Hefen. 
Das Produkt wird filtriert und zu dickflüssiger, pastenförmiger oder fester 
Konsistenz eingedampft. 

Patentanm. 6 a, 1. N. 16812. Verfahren zum Entfernen von Testinsäure 

und deren Verbindungen aus Gerste, Zus. z. Anm. Nr. 16521. Nathan- 
Institut A.-G., Zürich, Schweiz. 1917. 

Patentanm. 6a, 19. N. 16521. Verfahren zum Wiederbrauchbarmachen 
entarteter Brauereihefe. Nathan-Institut A.-G., Zürich, Schweiz. 1916. 



128 Referate 

Patentanm. 6b, 8. N. 16750. Yerfahreii zum Kochen von Maische oder 
Bierwürze unter Druck. Nathan-Institut A.-G., Zürich, Schweiz. 1917. 

Patentanm. 12a, 3. H. 75066. Ein- und mehrteilige Blase für Destillier- 
und Rektifizierapparate. Fa. R. Hübner, Züllichau, Mark. 1918. 

E. Tahlen. Über Metabolin und Antibolin aus Hefe. Ztschr. f. physiol. 
Ch. 106, S. 133—77. 

Die früher aus Rinderpankreas dargestellten Albuminoide, Metabolin 
und Antibolin, welche die alkoholische Gärung des Zuckers positiv bezw. 
negativ zu beeinflussen imstande sind, konnten auch aus Hefe gewonnen 
werden. Die Substanzen sind adt der aus Pankreas isolierten zwar nicht 
identisch, zeigen jedoch ähnliche Eigenschaften, namentlich, was ihre positive 
bezw. negative k'atalytische Beeinflussung gegenüber der alkoholischen 
Gärung anbetrifft. 

Hans V. Euler und lugvar Laurin. Verstärkung der Katalasewirkung 
in Hefezellen. Zeitschr. f. physiol. Ch. 106, S. 312—16. 

Die von Euler und Blix bei einer Oberhefe gefundene Aktivierung der 
Katalasewirkung durch Chloroform wurde auch bei Saccharomyces Therman- 
titonum nachgewiesen. Dagegen zeigte sich bei dieser Hefe keine Akti- 
vierung durch Temperaturerhöhung. Die gefundenen Aktivierungen der 
Katalase werden hypothetisch auf eine Änderung des Quellungszustandes des 
kolloiden Enzym moleküls zurückgeführt. Durch die Strahlen des Sonnen- 
lichtes wird die Wirkung der in den lebenden Zellen enthaltenen Katalasen 
in kurzer Zeit geschwächt, feine Aktivierung konnte jedoch nicht erzielt 
werden. Rötgenstrahlen beeinflussen die Katalasewirkung der lebenden 
Hefe nicht. 

H. V. Euler und Olaf Svanberg. Saccharasegehalt und Saccharasebildung 
in der Hefe. Zeitschr. f. physiol. Ch. 106, S. 201—48. 

Die ältere Literatur über Saccharasebildung wird besprochen und zum 
Teil durch Neuberechnung an die Angaben der neuen Literatur angeschlossen. 
Die Inversionsfähigkeit der Hefe (Inv.) läßt sich innerhalb gewisser Grenzen 

Inversionskonstanten k x g Rohrzucker 

durch den Ausdruck Inv. = ^^—n ni ^ aus- 

Zellenzahl 

drücken. Und zwar gilt diese Definition innerhalb der Grenzen 0,4 — 2 g 
Hefe (Trockengewicht 30 ^o) 8 — 16 g Rohrzucker, beides per 100 ccm Lösung. 
Für zwei, seit 1911 und 1917 bearbeitete Hefen wurde die bemerkenswerte 
Konstanz der Saccharasewirkung bei gleicher Vorbehandlung festgestellt: es 
ergab sich für Unterhefe H: Inv. = 10 + 2-10-12; Oberhefe SB: 3,0 
+ 0,5 • 10— 12_ Neben einer Übersicht über die Inversionsfähigkeit 7 ver- 
schiedener Hefen wird für eine Hefe H ein ausgesprochenes Temperatur- 
Optimum der Saccharasebildung zwischen 26 und 30*^ festgelegt. Von etwa 



Referate 129 

35° an zeigt die Hefe keine Saccharasebilrlnng mehr. Die Saccharasebildung 
ist stark von der Azidität der Lösung abhängig. Das Maximum der Enzym- 
bildung fällt mit dem Optimum der Wirksamkeit der Saccharase recht nahe 
zusammen. Besonders ist zu bemerken, daß einerseits bei höherer Azidität 
als Ph ^ 2 eine zeitliche Zerstörung der Saccharase sich geltend macht, und 
andererseits noch bei pn = 6 — 7 eine kräftige Enzymbildung von etwa 90 °/o 
der bei optimaler Azidität beobachteten eintritt. Der Saccharasegehalt 
frischer, lebender Hefe wird durch mehrstündiges Auswaschen mit Leitungs- 
wasser von etwa 10'' nicht geändert. — Die Saccharase Wirkung wurde in 
allen Versuchen in der Weise ermittelt, daß die zu prüfende Hefe (25 ccm 
einer wässerigen Aufschlämmung) bei Zimmertemperatur (17 — 18^) direkt 
mit einer Zuckerlösung (4,8 g in 25 ccm Wasser) versetzt wurde, die durch 
Zusatz von KH2PO4 (10 ccm einer 4proz. Lösung) auf die für die Tätigkeit 
dieses Enzyms optimalen pn Bedingungen gebracht wurde. Elektrometrische 
Kontrollbestimmungen an den Reaktionsmischungen ergaben als pn-Zahlen 4, 
2—4, 4. 

F. Riedel. Kalkofengase zur Kohlensäuredüiigung. Tonind.-Ztg. 43, 
S. 607—10, 619—20. 

Verf. hat mit großem Erfolg die Kohlensäure der Kalkofengase zu 
Düngezwecken verwandt. Er baute in unmittelbarer Nähe von Kalköfen 
Gewächshäuser, die mit landwirtschaftlich wichtigen Kulturpflanzen bestellt 
wurden. Das eine Haus erhielt durch Rohrleitung COg zugeführt, bis zu 
1 7ü? das andere erhielt keine CO2- Zuführung. Auch eine Freiluftanlage 
wurde geschaffen; eine Versuchsfläche wurde im Viereck mit gelochten 
Zementröhren eingefaßt, aus denen dauernd Kohlensäureabgase entwichen; 
die Verteilung wurde der Luftströmung überlassen. In allen Fällen zeigte 
sich, daß unter dem Einfluß der CO^ weit üppigeres Wachstum, früheres 
Reifen, doppelter bis vierfacher Ertrag festzustellen war. Vorbedingung ist, 
daß die Kalkofengase frei von pflanzenschädlichen Bestandteilen, besonders 
SO2, sind, eine Bedingung, die übrigens leichter durchzuführen ist, wenn man 
Kalköfen verwendet, bei denen nicht Kalk und Kohle gemeinsam erhitzt 
werden, sondern der Brennstoff für sich allein vergast wird. Verf. empfiehlt, 
allenthalben Versuchsanlagen einzurichten, und verspricht dem Verfahren eine 
große Zukunft. 
Gerlach. Kohlensäuredünguiig. Mitt. d. D. L. G. 1919; Sep. v. Verf. 

Verf. kann sich für den Vorschlag, die Kohlensäure zu Düngezwecken 
auszunutzen, nicht erwärmen. Zweifellos hat zugeführte CO, einen Einfluß 
auf die Entwicklung der Pflanzen, docti sei der Übertrag zu gering, um im 
Freiland irgend welche Rentabilität der Zuieitungskosten zu sichern. Für 
Treibhäuser sei das Verfahren aussichtsreicher, doch fehle es dort an ge- 
nügendem Licht zur Assimilation der zugeführten COg. Somit steht Verf. 
auf Grund seiner eigenen Versuche der Frage sehr skeptisch gegenüber. 

Zeitsuhr. f. teuhu. Biologie, Bd. Vlll. y 



130 Referate 

J. Klein. Chemie in Küche und Haus. 4. Auflage. Leipzig 1919. 8. 
119 S. 1,60 Mk. 

R. Mansfeld. Hilfstabelle (nach Windisch) zur Beurteilung des Yergärungs- 
g^rades in untergärigen Brauereien. München 1919. 12. 81 S. 2 Mk. 

Horace B. Speakinan. Die Erzeugung von Azeton und Butylalkohol 
durch ein bakteriologisches Verfaliren. Journ. Soc. Chem. Ind. 38, T., 
S. 155—61. 

Um dem Bedarf an organischen Lösungsmitteln, insbesondere Azeton, 
während des Krieges genügen zu können, sind Versuche gemacht worden, 
es durch Gärung zu erzeugen, weil hierfür Rohstoffe in genügender Menge 
zur Verfügung stehen würden. Verf. beschreibt an Hand von Abbildungen 
die maschinelle Einrichtung des Verfahrens, das nach mannigfachen Versuchen 
in der British Acetonesplant in Toronto, Canada, seit Mai 1916 ausgeführt 
wird, soweit die Darstellung der Maische, das Kochen der Maische, Abkühlen 
und Vergären in Frage kommt. Als Rohstoff dient Mais. Es hat sich ge- 
zeigt, daß zur Erzielung befriedigender Ergebnisse folgende Versuchsbedin- 
gungen streng eingehalten werden müssen: 1. Die Maische muß sorgfältig 
ganz gleichmäßig durch Bewegung hergestellt werden. 2. Die Maische muß 
dann vor dem Impfen in einem Gefäße, das einem Drucke von wenigstens 
10 Pfund widersteht, sterilisiert werden. 3. Die Maische muß schnell und 
unter aseptischen Bedingungen auf die Gärtemperatur abgekühlt werden. 
4. Die Gärung muß in einem sterilen Kessel vor sich gehen, und 5. alle 
Verbindungsstücke und -röhren, durch die die Maische geht, müssen ebenfalls 
ständig steril gehalten werden. 

A. Naigele. Das Bier in der Medizin. Wchschr. f. Brauerei 36, S. 226—28. 
In Form eines Sammelreferats wird über das Ansehen des Bieres bei 

unseren Vorfahren als Arznei berichtet. Es werden auch einige Rezepte zur 
Herstellung besonderer Arten von Bier angegeben. Die Araber benutzen 
noch heute das Bier als Medizin, indem sie damit gefüllte Flaschen in den 
heißen Sand verscharren und so lange liegen lassen, bis es die Säure von 
unserem Essig erhält: dann ist es reif und wird als Stuhlmittel gegen Skorbut 
und als Einreibung angewandt. Einzelheiten müssen im Original nach- 
gelesen werden. 

E. Duutze. Zunahme oder Abnahme des Alkoholgelialts in Spirituosen 
im Verlaufe mehrjaliriger Lagerung. Korrespondenz der Abt. f. Trink- 
branntwein- und Likörfabrikation am Inst. f. Gärungsgewerbe, Berlin 10, 
Nr. 3, S. 2—3. 

Bei umfangreichen Whiskylagerungsversuchen und einem kleinen La- 
boratoriumsversuch wurde festgestellt, daß extraktarme Spirituosen mittleren 



Referate j 3 1 

Alkoholgehalts, in frischen Fässern unter normalen Verhältnissen gelagert, 
zuerst durch Aufnahme von Wasser aus der Faßwandung im Gehalt an Al- 
kohol abnehmen, bis zwischen Faßwandung und Flüssigkeit ein Ausgleich 
im Gehalt an Alkohol stattgefunden hat, was etwa 1 Jahr lang dauerte. 
Dann steigt der Gehalt an Alkohol bei normaler Lagerung in trockenen 
Kellern; in sehr feuchten Kellern oder bei häufiger Besprengung der Fässer 
mit Wasser vermindert sich der Gehalt an Alkohol. Bei Likören mit hohem 
Extraktgehalt findet bei längerer Lagerung in jedem Falle eine Abnahme des 
Gehalts an Alkohol statt. 

P. Liiidner. über Bukettblklung bei (lärungen uud Uragärungen; 

Wchschr. f. Brauerei 3(», S. 223—24; Ztschr. f. Spiritusind. 42, S. 285—86. 
Auf eine Anfrage, ob bei Umgärung^ kleiner elsässischer Weine, die an 
sich wenig Bukett haben, eine Bukettbildung infolge Verwendung von Preß- 
hefe stattfinden könnte, äußerte sich Verfasser dahin, daß die Bukettbildung 
nicht so sehr von dem Rohmaterial, als von den Gärungsorganismen abhängig 
ist, und .daß wiederum bestimmte Umstände bei demselben Gärungserreger 
eine bald stärkere, bald schwächere Bukettbildung bedingen. Die Umgärungs- 
preßhefe könnte eine solche sein, die an und für sich zur Fruchtätherbildung 
neigt, sie könnte aber auch sehr N-arm sein und daher bei der Gärung in 
Rohrzucker reichlich Leuzin, Tyrosin usw. aus ihrem Eiweiß abspalten und 
so zu Fuselöl- bezw. Bukettbildung Veranlassung geben; sie könnte ferner 
wilde Hefe, wie Saccharomyces fragans (vergl. Beijerinck- Henneberg, 
Zeitschr. f. Spiritusindustrie 25, Nr. 58) oder eine fruchtätherbildende Kahm- 
hefe beigemischt enthalten. Auch könnte durch Herausnahme von zu viel N 
bei der Hauptgärung des Weines oder durch höhere Temperaturen bei der 
Umgärung eine erhöhte Bukettbildung durch die Hefe veranlaßt werden. 
Ferner erinnert Verf. an den von ihm entdeckten Weinbukettschimmel, 
Sachsia suaveolens, der auf Malz würzen ein liebliches Weinbukett er- 
zeugt, sowie an die Malton wein gärung. 

Louis J. Riley. Dumpfigkeit von Tabak. Journ. Soc. Chem. Ind. 38, 
T., S. 171—72. 

Sie wurde hervorgerufen durch ungleichmäßige Behandlung des Tabaks 
bei der Zubereitung und durch Pilz Wachstum. Durch zu starkes Erhitzen 
wurde die Fermentierung des Tabaks infolge Zerstörung der Fermente be- 
einträchtigt und Pilzwachstum befördert, das durch milde Fermentierung 
verhindert wird. Es zeigte sich, daß Nikotin in Mengen von 0,52 und 0,79 7o 
das Wachstum von Penicillium glaucum, in Sporenform überimpft, hinderte, 
während es, in vegetativer Form in vollem Wachstum angewendet, erst durch 
1,29 und 2,44 7q Nikotin am Wachstum gehindert wird. Schimmel in vege- 
tativer Form muß also einen Stoff absondern, der der starken Toxizität des 
Nikotins entgegenzuwirken vermag. 

9* 



132 Heferate 

G. W. Müller. Über Calaiidra granaria. Zeitschr. f. angew. Entomologie 
5, S. 814. 

Verf. berichtet von einer Infektion mit Calandra granaria (schwarzer 
Kornwurm), die nur in der Weise erfolgt sein kann, daß die Käfer mit den 
Körnern ausgesät wurden, worauf die jungen Larven die Ähren befallen 
haben; eine Infektionsart, die bisher noch nicht beobachtet wurde. 

Beijerlnek. Oidiuni laetis, der Milchschiiiiiiielpilz und eine einfache Me- 
tliode der Reinzucht von Anaeroben mit seiner Hilfe. Koninkl. Akad, 
van Wetensch. Amsterdam, Wisk. en Natk. Afd. 27, S. 1989—97. 

•Zur Reinkultur von Oidium empfehlen sich angesäuerte Malzextrakt- 
oder Bouillonglyzerinplatten. Die Säure verhindert das Wachstum der Heu- 
bazillen. Die Kulturen halten sich nur einige Monate. Gelatine und Agar 
werden durch das Pilz Wachstum nicht angegriffen. Gärung und Gasbildung 
treten nicht auf. Als Stoffwechselprodukte werden nur Wasser und COg, 
keine wachstumschädlichen Stoffe gebildet. Als Nährstoffe für Oidium können 
nur dienen Hexosen, besonders Glukose, Lävulose und Mannose, ebenso 
Äthylalkohol, Glyzerin. Nicht angegriffen oder assimiliert werden Stärke- 
mehl, Maltose, Rohrzucker, Raffinose, Milchzucker, Mannit. Es fehlen also 
im Schimmelkörper Enzyme wie Diastase, Maltoglukase, Invertase, Laktase 
und Glukoseenzyme, die nicht nachgewiesen werden konnten. Durch das Fehlen 
der Enzyme ist Oidium ein gutes Reaktiv zum Nachweis dieser in Teilen 
höherer Pflanzen nach auxanographischen Methoden. Fette werden durch 
ein Exoenzym durch Lypolyse gespalten, daher das ständige Vorkommen in 
der Milch. Milchschimmelpilze bildeten einen guten Ausgangsstoff zur Ge- 
winnung von fettspaltenden Präparaten- Mit Ausnahme der Nitrate und 
Nitrite, sowie der unveränderten Eiweißstoffe werden die häufigeren N-Ver- 
bindungen glatt assimiliert bei Gegenwart von genügend C Quellen. Günstig 
wirken NH^-Salze und Harnstoff. Peptone und höhere Aminosäuren werden 
nur bei guter C-Nahrung nennenswert angegriffen. Der Pilz kann zum 
Nachweis von Glykogen dienen. Schwach saure Reaktion ist dem Wachstum 
günstig. Milchsäure wird oxydiert. Molybdän- und Wolframsäuren werden 
in Glukose -Bouillon -Agar zu blauen Oxyden reduziert. Die Salze dieser 
Säuren werden in neutralen Nährböden ebenso wenig wie von Alkoholhefe 
angegriffen. 

Anwendung des Milchschimmelpilzes zur Reinkultur der 
Anaeroben. Die bisherigen Methoden ohne -oder mit Hilfe von ver- 
zehrenden Pilzen befriedigen nicht. Es wird empfohlen, eine Petrischale mit 
der Anaerobenkultur umgekehrt in eine größere Schale zu stellen, die einen 
Malzextrakt-Agarnährboden mit kräftig wuchernden Oidiumkulturen enthält, 
welch letztere die letzten 0-Reste absorbieren. Die beiden Kulturen bleiben 
getrennt. Da Oidium keine stäubenden Sporen entwickelt, findet eine Ver- 
unreinigung des Untersuchungsmaterials niclit statt. Besonders eignen sich 



Referate 133 

für dieses Verfahren Kulturen von Buttersäure- und Butylalkoholgärungs- 
pilzen, deren Leben die Entwicklung von H und CO, verursacht. Butter- 
säuregärung entsteht aus einem Brei von gemahlenem Roggen oder Weizen 
oder geriebenen Kartoffeln, nach Abstumpfung mit CaCOg und kurzer Er- 
wärmung auf 90—100*^ und zweitägiger Digestion bei 30—40". Für die Ein- 
leitung der Butylalkoholgärung geht man aus von geschälter Gerste oder 
Kartoffelbrei, der auf 80" erwärmt ist. — Aus den Buttersäuregärpilzen ließen 
sich so isolieren Amylobacter (Granulobacter) saccharobutyricum und A. (G.) 
pectinovorum. Aus Butylalkoholgärungen ließen sich isolieren A. (G.) bu- 
tylicum und eine bisher unbekannte, nicht schleimabscheidende Art. Auch 
für die Kultur von Sarcina ventriculi bei 30 — 37" und der Bakterien der 
Eiweißfäule kann Oidium benutzt werden. Als Nährboden für letztere 
empfiehlt sich Fleischbrüheagar mit 0,5—1,0 "/o NaCl unter Umständen mit 2 "/o 
Glukose. Das Verfahren eignet sich ferner für die Reinzucht der fakultativ 
anaeroben Bacterium aerogenes und B. coli, sowie von Bacillus- acidi urici, 
der Harnsäure vergärt zu CO2, Aramoniumazetat und Ammoniumkarbonat. 

A.-Ch. HoUaiide. Pathogeiie Hefeforuien im Blute von Acridiuiii (Ca- 
lopteiius Italiens L.). C. r. d. l'Acad. des sciences 168, S. 1341 — 44. 
Im Blute von Exemplaren dieser Heuschrecke, das dann milchig, nur 
zuweilen gelblich erschien, fand Verf. reichlich eine Hefeform. Die Tiere 
starben schnell, und durch Überimpfung ihres Blutes ließ sich bei nicht 
infizierten Tieren der gleichen Art die Krankheit leicht erzeugen. Ebenso 
ließ sie sich auf Psophus stridulus L. übertragen, auf andere Orthopteren 
nicht. Der Parasit läßt sich auf verschiedenen Nährböden weiterzüchten. In 
Serumkulturen sieht .man neben Formen, die denjenigen im Blute gleichen, 
größere, von denen feine Myzelfäden, zuweilen mit Scheidewänden, ausgehen; 
diese treten bei Überimpfung auf Zuckeragar zurück, während sie auf 
Sabouraudschem Glukosenährboden die Oberhand gewinnen. Die Frage, ob 
es sich um Entwicklungsformen desselben Parasiten oder um zwei ver- 
schiedene handelt, konnte noch nicht entschieden werden. 

Jean Dnfrenoy. Über die parasitären Krankheiten der Prozessionsraupen 
der Pichten von Arcaehon. C. r. d. l'Acad. des sciences 168, S. 1345—46. 
Die Raupen von Cnethocampa pityocampa werden befallen von zwei 
Tachinarien, von Bakterien, die den Darm befallen — Bact. pityocampae und 
einem Streptococcus — und von den Muscardinen Beauveria globulifera und 
einer anderen Beauveriaart, Penicillium, Spicaria farinosa. Die Beauveria- 
arten scheinen am geeignetsten zu einer biologischen Vernichtung der Raupen. 

C. Sauvageau und Louis Moreau. Über die Ernährung des Pferdes mit 
Meeresalgen. C. r. d. l'Acad. des sciences 168, S. 1257 — 61. 

Bericht über Fütterungsversuche, aus denen hervorgeht, daß Fucus 
serratus und Laminaria flexicaulis eine ausgezeichnete Nahrung bilden mit 



1 34 Referate 

dem einzigen Nachteil, daß sie anfangs von den Pferden ungern genommen 
werden. Nachdem Gewöhnung eingetreten ist, wirken sie als Unterhalts- 
und Arbeits nahrung und verbessern sie anscheinend auch die Assimilation 
des gewöhnlichen Futters. 

Hartiiack. Beobachtuiigeii über Räude- und RotzbekämpfuiijE^ im besetzten 
Gebiete. Dtsch. tierärztl. Wchschr. 27, S. 377—78. 

Während die Franzosen bei der Räudebehandlung von den Gaszellen 
ziemlich allgemeinen Gebrauch machen, wenden die Engländer und Ameri- 
kaner fast ausschließlich Räudebäder an. Die Zusammensetzung dieser Bäder 
ist folgende: 13 Pfund Kalk werden mit 26 Pfund Schwefelblume gemischt 
und etwa 90 1 kochendes Wasser unter ständigem Rühren zugefügt. Man 
läßt das Ganze ca. 3 Stunden kochen. Im Bade wird dazu dann noch so 
viel Wasser zugegossen, daß man 500 1 erhält. (Zur Behandlung der Schaf- 
räude wird die Flüssigkeit nur halb so konzentriert hergestellt.) Im ganzen 
gehen in ein Bad etwa 15000 1. Es muß bei 40—42^, ja bis 45° Wärme 
angewandt werden. Zur Rotzbekämpfung wenden Amerikaner und Franzosen 
Mallein vom Pasteurschen Institut in Paris an. Das Mallein soll 2^21^8.1 
stärker sein, als das in Deutschland zur Konjunktivalprobe verwandte. 

Patentanm. 6a, 15. H. 72450. A'orrichtung zum A erhindern oder Be- 
seitigen der Schaumbildung, insbesondere bei der Lufthefefabrikation; 
Zus. z. Anm. H. 71257. Robert von Hoeßlin, Ratibor, 0. S. 1917. 

Patentanm. 6 a, 15. R. 46722. A erfahren zur Gewinnung von Hefe aus 
Rübenablauf- und Preßwasser oder anderen zuckerhaltigen Flüssigkeiten. 
Otto Reinke, Braunschweig. 1918. 

Carl Neuberg und Elsa Reinfurth. Weitere Untersuchungen über die 
korrelative Bildung von Azetaldehyd und Glyzerin bei der Zucker- 
spaltung und neue Beiträge zur Theorie der alkoholischen Gärung. 

Ber. Dtsch. Chem. Ges. 52, S. 1677—1703. 

Die Festlegung der Aldehydstufe durch Anwendung von Sulfit, früher 
nur an obergäriger Hefe nachgewiesen, wurde jetzt auch bei Verwendung 
von Unterhefen festgestellt. Schwierigkeiten entstanden durch deren ge- 
ringere Widerstandsfähigkeit gegen Alkalisatoren, konnten aber durch Ver- 
wendung von Kalziumsulfit oder anderen neutral reagierenden Sulfiten großen- 
teils beseitigt werden. Aus dem Umstände, daß auch mit neutralen Sulfiten 
wie auch mit Gemischen von NagSOg mit H3PO4 bezw. NaH2P04, wobei so- 
gar schwach saure Reaktion bestand, Azetaldehyd und Glyzerin in dem be- 
kannten korrelativen Verhältnis entstehen, ergibt sich, daß die Alkalinität 
des Mediums für diesen Vorgang nicht ausschlaggebend ist, sondern lediglich 
die von den Sulfiten verursachte Fesselung des Azetaldehyds. Sie wird von 
den Sulfiten ganz allgemein bewirkt, auch von den unlöslichen, was ferner 



Referate 135 

beweist, daß osmotische Vorgänge bei der Erscheinung nur eine unter- 
geordnete Rolle spielen dürften. Die Anwendung von CaSOg hat auch die 
Ausdehnung des Abfangverfahrens auf intermediäre Stoffwechselvorgänge von 
gegen alkalisches Medium oder gegen höhere Konzentration an löslichen 
Salzen empfindlichen Älikroorganismen ermöglicht. Von anderen Sulfiten 
wurden noch diejenigen von Sr, Ba, Be, Mn, Fe, Pb, AI, Bi, Th und U mit 
mehr oder weniger gutem Erfolge geprüft. 

Mit Rücksicht auf die Möglichkeit, daß die Triosen als Zwischen- 
produkte der Gärung auftreten könnten, wurde deren Verhalten gegen Hefe 
in Gegenwart von CaSOg geprüft. Aus Dioxyazeton wurde zwar mehrfach 
Azetaldehyd erhalten, aber in keinem bestimmten Verhältnis zum gleichzeitig 
gebildeten Glyzerin. Beim Glyzerin aldehyd war in einwandfrei verlaufenen 
Versuchen eine Veränderung überhaupt nicht mit Sicherheit nachzuweisen. — 
Bei Selbstgärung der Hefe unter dem Einflüsse von Sulfit konnte ebenfalls 
im allgemeinen keine wesentliche Bildung von Azetaldehyd nachgewiesen 
werden. — Schließlich gelang es durch Verwendung von CaS03 statt des 
früher verwendeten NajSOg auch bei Vergärung der Brenztraubensäure eine 
wesentlich höhere Ausbeute an Aldehyd zu erreichen. — Es wird im Anhang 
ein Weg beschrieben, Anwendung und Wirkungsart des Abfangverfahrens in 
wenigen Minuten (als Vorlesungsversuch) vorzuführen. 

Verein der Spiritiisfabrikanteu in Dentschland, Berlin, A'erfahren der 
Preßhefefabrikation unter A erwendung von zuckerfreien oder zucker- 
armen Würzen (D. R. P. 314163, Kl. 6 a von 1913, ausgegeben 1919; Zus.- 
Pat. zu Nr. 310461. — C. 1919, H, S. 273), 

a) dadurch gekennzeichnet, daß zum Anstellen der zuckerfreien oder 
zuckerarmen Würzen Mischhefekulturen, insbesondere Mischungen von 
Brennerei und Kahmhefe verwendet w^erden. — Die Kohlenstoff- und Eiweiß- 
quellen, die der einen Hefe nicht zugänglich sind, werden von der anderen 
verwertet und die Vermehrung der Hefe wesentlich beschleunigt. Ein den 
Malzkeimen nahekommender Rohstoff ist die Schlempe des Brennereigewerbes, 
insbesondere auch die Schlempe der Hefefabriken, die nach dem Wiener Ver- 
fahren arbeiten, sowie die Schlempe der Lufthefefabriken. 

b) (D.R. P. 314164, Kl. 6a von 1913, ausgegeben 1919; Zus.-Pat. zu 
Nr. 310461. — C. 1919,. H, S. 273), dadurch gekennzeichnet, daß die voll- 
ständige oder möglichst vollständige Überführung des Zuckers der Würze 
in zur Hefegewinnung dienende Säure dadurch bewirkt wird, daß der Würze 
zur Bindung der Säure Alkalien zugesetzt werden, oder die Säure durch 
Alkalien während der Säuerungsperiode von Zeit zu Zeit abgestumpft wird. 
— Nach beendeter Säuerung wird die gebundene organische Säure (Milch- 
säure) durch anorganische Säuren in Freiheit gesetzt und die Flüssigkeit nach 
entsprechender Verdünnung nach dem Verfahren des Hauptpatentes- zur Hefe- 
züchtung verwendet. 



]^36 Referate 

c) (D.R. P. 314165, Kl. 6a von 1913, ausgegeben 1919; Zus.-Pat. zu 
Nr. 810461. — C. 1919, II, S. 273), dadurch gekennzeichnet, daß die bei der 
Getreidestärkefabrikation abfallenden Säfte oder direkt mehl haltigen Stoffe 
der Säurung unterworfen werden, in letzterem Falle jedoch unter Erhaltung 
der darin enthaltenen Stärke in ihrem natürlichen ungelösten Zustande, da- 
mit sie von der milchsauren Flüssigkeit getrennt und für sich gewonnen 
werden kann. — Die abfallende Flüssigkeit kann nach durchgeführter Säuerung 
nach dem Verfahren des Hauptpatentes auf Hefe verarbeitet werden, wenn 
darauf gesehen wird, daß die Säfte in nicht zu dünner Form gewonnen werden. 

d) (D. R. P. 314166, Kl. 6a von 1915, ausgegeben 1919: Zus.-Pat. zu 
Nr. 310461. — C. 1919, II, S. 273), 1. dadurch gekennzeichnet, daß dem ge- 
säuerten Material Zucker und anorganische Ammoniumsalze in solcher Menge 
zugesetzt werden, daß die zum Verzehr gelangende Milchsäure durch die 
freiwerdende Mineralsäure ersetzt wird. — 2. Ausführungsform des Verfahrens 
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Gemisch von Zucker und 
anorganischen Ammoniumsalzen auf der einen und milchsauren Salzen auf 
der anderen Seite zur Hefezüchtung benutzt wird, so daß die freiwerdende 
Mineralsäure sich mit der Base des milchsauren Salzes verbindet und Milch- 
säure für die Hefe freimacht. 

Kriegsausschuß für pflauzliche und tierische Ole uud Fette, G. m. b. H., 

Berlin, Verfahren zur Anreicherung an Fett im sonst nicht Haut 
bildenden Hefen (D. R. P. 307789, Kl. 53h von 1917, ausgegeben 1919), 
1. dadurch gekennzeichnet, daß mit Hilfe eines Diaphragmas die Hefe künst- 
lich an der Oberfläche der Nährlösung gehalten wird. ^- 2. Bei dem Ver- 
fahren nach Anspruch 1, die Anreicherung der Nährflüssigkeit mit Sauerstoff 
als Gas oder im status nascens. — Durch das Diaphragma werden die Hefe- 
zellen von der Zuckerlösung so getrennt gehalten, daß letztere hefefrei bleibt, 
und die Hefe wächst so, als ob sie eine Decke bildete. Um auch für die 
unteren Lagen der breiigen Hefeschicht für die Fettbildung genügend Sauer- 
stoff zur Verfügung zu haben, wird die Zuckerlösung vor dem Gebrauch 
kräftig gelüftet oder mit Wasserstoffsuperoxyd oder Persalzen versetzt. 

MüUer-Thurgau. Einwirkung von Stickstoffzusätzen auf die (iärung von 
Obstweinen. Ber. d. Schweiz. Versuchsanstalt f. Obst-, Wein- u. Gartenbau 
in Wädenswil 1915/16, S. 467; Bied. Zentralbl. f. Agrik.-Ch. 48, S. 204—5. 
Es wurde festgestellt, daß durch Zusatz von Salmiak zu gerbstoff- 
reichen Obstsäften, die langsam gären oder in der Gärung stecken blieben, 
die Gärung beschleunigt oder zu Ende geführt werden kann. Diese Förde- 
rung zeigte sich bei allen Obstsäften, während bei Traubensaft ein Einfluß 
durch die genannten Zusätze nicht zu erkennen war. Obstsäfte gären immer 
langsamer als Traubensäfte; nach den vorliegenden Untersuchungen kann 
angenommen werden, daß in vielen Fällen neben einer ungünstigen Be- 



Referate 187 

schaffenheit der Hefeflora auch der Mangel an Stickstoffnahriing- daran schuld 
ist, an dem die Obstsäfte durchweg- leiden im Gegensatz zu den Trauben- 
säften, die reich sind an solchen, für Hefe assimilierbaren Stickstoff Verbindungen. 

C. Aiiisworth Mitchell. Malzbeschräiikuiigeii und die GsHigiiidustrie. 

Journ. Soc. Chem. Ind. SS, R. 99—100. 

Es werden kurz die Einwirkungen der Beschränkung des Bezuges von 
Malz in der Gärungsessigindustrie erörtert, deren wichtigste darin besteht, 
daß die Hersteller den Essig nicht mehr einige Monate lagern lassen konnten, 
sondern bereits kurze Zeit nach der Gärung versenden mußten. Infolgedessen 
waren die Essigbakterien noch nicht abgestorben und verursachten selbst in 
ganz klarem Essig bald Trübungen und Niederschläge und bei auch nur ge- 
ringem Luftzutritt eine schnelle Abnahme des Gehaltes an Essigsäure. Nach 
Verfassers Erfahrungen kann eine Abnahme um 0,5 ^o ^^ 1 oder 2 Tagen 
eintreten. Selbst jetzt, wo diese Beschränkungen gefallen sind, ist es schwer, 
das erforderliche Malz zu erhalten, weshalb es noch geraume Zeit dauern 
wird, bis die Fabriken wieder abgelagerten, reifen und in seinen Eigenschaften 
wieder beständigen Essig liefern können. 

Patentanm. 6a, 15. E. 21908. Verfahren der Hefegewmuung ohne Zusatz 
stickstoflPlialtiger Nährstoffe zur Nährlösung. Georg Eichelbaum, Char- 
lottenburg. 1916. Angemeldet 1919. 

H. Colin und A. Chaudun. Über das Wirkungsgesetz der Sukrase. Ein- 
fluß der inneren Reibung auf die Hydrolysengeschwindigkeit. 
C. r. d. l'Acad. des sciences 168, S. 1274—1275. 

Die Verf. haben früher gezeigt, daß die Hydrolysengeschwindigkeit bei 
einer unteren Grenze des Verhältnisses Saccharose : Sukrase aufhört, mit dem 
Zuckergehalt zu wachsen. Wenn man andererseits die Saccharosekonzentration 
vermehrt, so vermindert sich die Geschwindigkeit. Bei einer 10 — 20 proz. 
Lösung ist diese Verzögerung schon recht merkbar. Eine systematische 
Untersuchung ergab nun, daß die Hydrolysengeschwindigkeit der Fluidität 
der Lösung proportional ist, wenn die Saccharose im Verhältnis zum Enzym 
im Überschuß vorhanden ist. Einige Versuche bestätigen diese Gesetzmäßigeit. 

J. Giaja. Gebrauch der Fermente für das Studiuni der Zellphysiologie. 

Die ihrer Membran beraubte Hefezelle. C. r. soc. de biologie 82, 

S. 719—20. 

Helix pomatia hat einen Darmsaft, der die aus Kohlenhydraten be- 
stehende Membran der Hefezelle aufzulösen vermag, Eiweiß jedoch nicht 
spaltet. Man kann auf diese Weise membranfreie Hefezellen darstellen und 
die Bedeutung der Membran für gewisse Prozesse der lebenden Hefe stu- 
dieren. Toluoleinwirkung beraubt die der Membran beraubte Zelle ihrer 
fermentativen Kraft genau so wie die mit Membran versehene; es kann sich 



138 Referate 

also dabei nicht, wie man bisher annahm, um eine Wirkung des Toluols auf 
die Zellmembran handeln. Im übrigen ist die zuckervergärende Kraft der 
membranlosen Hefe gegenüber der der normalen Zelle nicht beeinträchtigt. 
Vor allem bleibt die Fähigkeit zur Atmung erhalten, soweit sich aus der 
starken Reduktionsfähigkeit gegenüber Oxyhämoglobinlösungen erkennen läßt. 

Groß-Hardt. Praktisclie Yersuclie mit dem neuen Räudemittel „Neguvon". 
Berl. tierärztl. Wochenschr. 1919, Nr. 17. 

Neguvon ist eine Flüssigkeit von kampferartigem Geruch und stellt 
eine Kombination synthetisch gewonnener hochmolekularer Ketone dar. 
Zwecks bequemer Verteilung auf dem Körper der Pferde ist dem Mittel ein 
geringer Prozentsatz eines fettartigen Stoffes zugesetzt. Das Präparat hat 
sich sowohl im Laboratoriumsversuch wie in der Praxis als gutes Räude- 
mittel erwiesen. 

Johannes Kerb. Über den Verlauf der alkoholischen Gärung bei Gegen- 
wart von kohlensaurem Kalk. Ber. Dtsch. Chem. Ges. 52, S. 1795 — 1806. 
Entgegen den Angaben von Fernbach und Schön konnte bei Verwen- 
dung deutscher ober- und untergäriger Hefen aus Rohrzucker in Gegenwart 
von CaCOg keine Spur Brenztraubensäure erhalten werden. Die Zucker- 
spaltung verlief hinsichtlich der Ausbeute an Alkohol normal; es wurde nur 
die Menge des Aldehyds unbedeutend gesteigert, und diejenige der flüchtigen 
Säuren (Essigsäure) vermehrt. Die Ergebnisse von Fernbach und Schön 
lassen sich vielleicht so erklären, daß durch die Tätigkeit verunreinigender 
fremder Erreger unter dem begünstigenden Einfluß des CaCOg eine Milch- 
säuregärung stattgefunden hat und die Milchsäure dann zu Brenztraubensäure 
oxydiert wurde. 

F. Boas. Die Bildung löslicher Stärke im elektiven Stickstoff-Stoffwechsel. 
Ber. Dtsch. Botan. Ges. 37, S. 50—56. 

Bei einer bestimmten Wasserstoffionenkonzentration bildet Aspergillus 
niger aus zahlreichen C-Verbindungen in der Nährlösung lösliche Stärke. Die 
Leichtigkeit der Ausführung und die große Empfindlichkeit der Jodprobe 
auf lösliche Stärke ist ein sehr bequemes Mittel, den elektiven N-Sto ff Wechsel 
zu verfolgen. Demi wenn in einer Zuckerlösung z. B. neben Aminosäuren 
NH4CI verbraucht wird, steigt infolge Freiwerdens der stark dissoziierten 
Salzsäure die H-Ionenkonzentration sehr rasch, und die Bedingungen der 
Bildung löslicher Stärke sind gegeben. Aus der Intensität der Jodreaktion 
läßt sich dann auch ein Schluß auf die Größe der Verarbeitung von NH4CI 
ziehen. — 1. Verhalten freier Ammoniumsalze nebeneinander. 
NH4CI wirkt im Stoffwechsel infolge des Auftretens der stark dissoziierten 
Salzsäure bald sehr schädlich (Säurevergiftung). Andere Ammoniumsalze, wie 
das Phosphat, Citrat, üben keine nennenswerte Säurewirkung aus, sind un- 
giftige N-Quellen, die wegen der geringen Dissoziation der entstehenden 



Referate 139 

Säuren niemals die zur Bildung von löslicher Stärke nötige Menge aktueller 
Säure liefern. In Ammoniurasalzgemischen, von denen der eine Bestandteil 
NH4CI ist, tritt nun immer lösliche Stärke auf. Es wird also stets das 
schädlich wirkende NH^Cl verarbeitet, das unschädliche Aramoniumsalz (Citrat 
oder Phosphat) mehr oder weniger beiseite gelassen. — 2. Aminosäuren 
und Peptone neben NH^Cl. Auch in diesem Falle wird stets lösliche 
Stärke gebildet, d. h. das schädliche NH^Cl den unschädlichen N-Verbindungen 
vorgezogen. — Säureamid (Harnstoff) neben NH^Cl. Während Harnstoff 
seiner Lipoidlöslichkeit wegen eigentlich leichter in die Zellen eindringen 
sollte, wird doch das lipoidunlösliche NH^Cl dem Harnstoff vorgezogen. — 
Nach diesen Versuchen scheint also in Gemischen von N-Verbindungen ver- 
schiedener Dissoziation die Größe der Dissoziation ausschlaggebend für die 
Aufnahme in die Zellen zu sein, also das stärker dissoziierte NH4CI bevorzugt 
zu werden. Von einer Regulation der Aufnahme durch den Pilz kann keine 
Rede sein, die Aufnahme erfolgt rein zwangmäßig nach physikalisch-chemi- 
schen Eigenschaften. 

F. Boas. Selbstvergiftung- bei Aspergillus uiger (Ber. Dtsch. Botan. Ges. 

37, S. 63—65) 
durch NH3 läßt Sich leicht beobachten, wenn der Pilz in einer Lösung von 
5 °/o Maltose -|- 2 7o Harnstoff neben den nötigen Mineralsubstanzen kultiviert 
wird. Mit Maltose bildet Aspergillus nämlich weniger Oxalsäure, als z. B. 
mit Saccharose, so daß die durch Spaltung des Harnstoffs entstehenden 
NHg-Mengen nicht völlig neutralisiert werden. A^ißerdem liefert die Selbst- 
verdauung der Pilzdecke alkalisch reagierende Substanzen. Bemerkenswert 
an diesen Versuchen ist der Mangel an Selbstregulation. Der Pilz erzeugt 
zwar das harnstoff spaltende Enzym, muß aber dann dessen Wirkungen über 
sich ergehen lassen, was in kurzer Zeit zum Tode führt. 

E. Roubaud. Die Besonderheiten der Ernährung und das symbiotische 
Leben bei den Tsetsefliegen. Ann. Inst. Pasteur 23, S. 489 — 536. 

Beobachtungen über die Funktion des Ernährungsapparates bei den 
Glossinen in den verschiedenen Alters- und Entwicklungsstufen haben Verf. 
dazu geführt, die Erscheinungen als Folgen eines Vorganges zu betrachten, 
der in einer Symbiose mit gewissen hefeartigen Organismen besteht. Diese 
leben im Darm der Tsetsefliegen und finden sich auch bei den pupiparen 
Stechfliegen. Die Arbeit gibt mit zahlreichen Abbildungen die Beobach- 
tungen wieder. 

H. Will. Beiträge zur Kenntnis der Haltbarkeit der „Dünnbiere" (Kriegs- 
biere) in biologischer Hinsicht. Zeitschr. f. ges. Brauw. 42, S. 191 — 93. 

Dünnbiere setzen im allgemeinen frühzeitig ab. Außerdem tritt häufig 
ein Schleier auf, der in den unteren Partien der Probe beginnt. Der Schleier 



"1 40 Referate 

beschränkt sich entweder auf die unteren Partien, oder er nimmt von unten 
her zu und breitet sich allmählich über das ganze Bier aus. Weniger häufig 
wird die gesamte Bierprobe gleichzeitig verschleiert. Eine gesetzmäßige Be- 
ziehung zwischen der Schnelligkeit der Absatz-Bildung und der Schnelligkeit, 
mit welcher ein Schleier von unten her auftritt, besteht nicht. Die von 
unten her beginnende Schleier-Bildung ist hauptsächlich durch wilde Hefen 
verursacht. Zweifellos können Dünnbiere hergestellt werden, die selbst sehr 
strengen Anforderungen an die Haltbarkeit gerecht Averden; sie sind „sehr 
haltbar". Dem Durchschnitt entsprechen diese Biere jedoch nicht, vielmehr 
solche, bei denen früher oder später ein Schleier auftritt. Den praktischen 
Verhältnissen entspricht es, Dünnbiere, bei denen Schleier-Bildung spät auf- 
tritt und bis zum 14. Beobachtungstag wieder verschwindet, als „haltbar" 
zu bezeichnen. Als haltbar sind auch noch Dünnbiere zu bezeichnen, bei 
denen Schleier-Bildung spät auftritt und während der 14tägigen Beobachtungs- 
zeit nicht völlig verschwindet. Dünnbiere, bei denen frühzeitig, vor dem 
6. Tag, ein Schleier sich bildet, später aber wieder verschwinden kann, sind 
als „schlecht haltbar" zu bezeichnen. Für die Begutachtung der Haltbarkeit 
der Dünnbiere wird es auch vollständig genügen, wenn die Beobachtung nur 
auf sechs bis sieben Tage ausgedehnt wird. Die Erfahrung muß lehren, ob 
die auf diese Normen gestützte Begutachtung, im besonderen die für „halt- 
bar" aufgestellte, aufrecht erhalten werden kann. Trifft das zu, so würde 
damit bewiesen sein, daß die Haltbarkeit der Dünnbiere besser ist als der 
Ruf, der ihr vorausging. Voraussetzung für die Herstellung tadellos haltbarer 
Dünnbiere ist die Verwendung von Reinhefe und eine strenge Reinlichkeits- 
pflege. Nicht nur größere, sondern auch kleinere Betriebe können, wie aus 
den Aufzeichnungen des Verfs. hervorgeht, jenes Ziel erreichen. 

Verein der Spiritiisfabrikaiiteii in Deutscliland, Berlin. Verfahren der 
Herstellung von Futterhefe (D. R. P. 299649, Kl. 53 g, von 1915, aus- 
gegeben 1919), 
darin bestehend, daß Zuckerlösungen mit menschlichem oder tierischem Harn 
gedüngt und nach dem Verfahren der Lufthefefabrikation auf Hefe ver- 
arbeitet werden. Die Hefe ist imstande, die stickstoffhaltigen Bestandteile 
des Harns ohne weiteres zur Ernährung zu verwerten. Je nach der ver- 
schiedenen Art der Ernährung oder der Herkunft des Harns kann auch eine 
Ergänzung der Nährstoffe durch Hinzufügung von Mineralsalzen (z. B. 
Phosphorsäure, Kalk) zweckmäßig sein. Man kann auch so verfahren, daß 
der Harn zunächst einer Bakterien gärung unterworfen wird zwecks Über- 
führung der stickstoffhaltigen Stoffe des Harns in kohlensaures Ammonium. 
Dem Harn wird die notwendige Menge von Zucker zugesetzt, durch Ver- 
säuerung des Zuckers oder Zusatz einer Säure wird der nötige Säuregrad 
gegeben. Die Flüssigkeit wird nach Verdünnung mit Hefesaat versehen und 
auf Hefe verblasen. Jede Art von Zucker kann als Zusatz verwendet werden, 



Referate 14X 

insbesondere auch Melasse oder süße Maische aus Brennereien, auch Abfall- 
stoffe gewerblicher Betriebe, z. B. in Brauereien ein durch Kochen mit 
Schwefelsäure gewonnener Trebe'rauszug oder in Brennereien eine mit 
Schwefelsäure verzuckerte Schlempe, in Stärkefabriken durch Schwefelsäure 
invertierte Abfallstärke. Der Fabrikationsvorgang vollzieht sich innerhalb 
20 Stunden, so daß die z. B. in einem Viehstall täglich abfallende Harnmenge 
innerhalb 20 Stunden in Futterhefe umgewandelt werden kann, um dem Tier- 
körper wieder zugeführt zu werden. 

Hans Blüclier. Leipzig-Gohlis, und Erust Krause, Berlin-Steglitz, Verfahren 
zur Formung- pulverförniiger Massen (D. R. P. 314544, Kl. 75 b von 1916, 
ausgegeben 1919), 
dadurch gekennzeichnet, daß die Vereinigung des Preßpulvers bei der Ab- 
formung des Originals unter höherem Druck, bezw. höherer Temperatur, 
bezw. höherer Temperatur und höherem Druck geschieht gegenüber der An- 
wendung den gleichen Maßnahmen bei der Abformung der Matrize. — Die 
Patentschrift enthält Beispiele für die Anwendung von Mischungen aus Hefe 
und Formaldehyd oder aus Kühlschifftrub , gequollener Leimsubstanz und 
Formaldehyd. 

Verein der Spiritus-Fabrikanten in Deutschland, Berlin, Verfahren zum 
Niederschlagen von Hefe aus vergorenen Flüssigkeiten, insbesondere 
den vergorenen Würzen der Lufthefefabrikation (D. R. P. 300664, Kl. 6 a 
von 1915, ausgegeben 1919), 
dadurch gekennzeichnet, daß man den hefehaltigen Würzen nach Beendigung 
des Hefewachstums Alkali bis zum Eintritt schwach alkalischer Reaktion 
zusetzt. — Die Hefe ballt sich hierbei zusammen und trennt sich durch Ab- 
setzen vollständig von der Würze. 

Ernst Kirchner. Insekten als Papiermacher. Wchbl. f. Papierfabr. 50, 
S. 2606—8. 

Forstrat Sihler - Biberach a. d. Riß erkannte in der Gespinstmotte aus 
der Familie der Motten Tineidae Hyponomeuta evonymellus ein papier- 
ähnliches Gebilde erzeugendes Insekt Die Motte überzieht gelegentlich 
ganze Stämme des Traubenkirschbaumes mit einem papierähnlichen Gewebe. 
Das Gewebe ist von hellgelber Farbe und seideähnlichem Glanz und besitzt 
eine sehr große Reißfestigkeit und große Dehnbarkeit. Eine technische Ver- 
v^^endung ist in Rücksicht auf die Seltenheit derartiger Gev^ebe ausgeschlossen. 

Franz Härder. Geht bei der Gärung Alkohol verloren? Wchschr. f. 
Brauerei 36, S. 277—79. 

Die bei der Gärung des Bieres verloren gehende Menge Alkohol ist so 
gering — 0,001 '^/q bei der Hauptgärung von 130 hl Würze in einem Tank 
— , daß sie für den Praktiker überhaupt nicht und für den Chemiker nur 



142 Referate 

theoretisch von Interesse ist. In der Brennerei und auch bei der Gärung 
des Weines wird der höhere Verlust an Alkohol wohl hauptsächlich durch 
die höheren Gärtemperaturen begünstigt. Ob auch in der Brauerei höhere 
Temperaturen, z. B. bei obergärigen Bieren, einen höheren Verlust an Alkohol 
bedingen, müßte durch weitere Versuche festgestellt werden. 

A. Wohl und S. Scherdel. Die Hefegewiuuung; unter Verweuduuf»- von 
Ammoniunisalzen. Brennereiztg. 36, S. 8379. 

Verff. stellen die seit dem Jahre 1915 erörterte Frage klar, wem für 
die Erkenntnis der Ersetzbarkeit des organischen N durch anorganische 
Stickstoffsalze in wirklich ausführbaren Grenzen und für die praktische Durch- 
führung dieser Erfindung zur Preßhefefabrikation die Priorität zukommt. 
Sie nehmen dieselbe für sich in Anspruch. Die grundlegenden Versuche 
haben Verff. Anfang 1913 ausgeführt und dann auf ihre praktische Durch- 
führbarkeit in einer Lufthefefabrik geprüft. Das Vei fahren wurde dann am 
15. Januar 1915 zum Patent angemeldet (vgl. D. R. P. 310580; C. 1919, II, 
S. 358), unverzüglich dem Verbände deutscher Preßhefefabrikanten bekannt- 
gegeben und auf seinen Wunsch in Dresden vorgeführt. Die nach dem Ver- 
fahren erzielte Hefe hat außer den anderen die wertvolle Eigenschaft, ohne 
Schädigung ihrer Brauchbarkeit weiter gezüchtet werden zu können. Sie 
kann also immer wieder als Anstellhefe Verwendung finden, so lange, bis 
durch natürliche Degeneration, wie sie auch bei den früher üblichen Ver- 
fahren eintritt, eine Erneuerung stattfinden muß. 

Hans Landmark. Terwendung von Algen (Meergräsern, Tang) als 
Nahrungsmittel für das (Barmittel bei der Suifitspriterzeugung. Papier- 
fabr. 17, S. 1052—55. 

Durch Aufschließung von Meergräsern mit verdünnter Säure gehen 
Eiweißstoffe in Lösung, und werden die Kohlenhydrate durch Hydrolyse in 
gärbaren Zucker übergeführt. Diese können dann als Nährmittel für die 
Hefe in der Sulfitsprit-Fabrikation dienen, geben aber auch selbst vergär- 
bare Zucker. 

H. Wüstenfeld. Auf dem Wege zur Schaffung eines Idealspans für 
Schnellessigbildner. Dtsch. Essigind. 23, S. 275—76. 

Die Oxydationsleistung bei der Essiggärung ist bei gleichbleibenden, 
sonstigen Verhältnissen proportional abhängig von der Größe der Oxydations- 
oberfläche. Die Oberfläche im Verhältnis zur Raumeinheit zu vermehren, ist 
schon seit längerer Zeit das Bestreben des Verfs. (Dtsch. Essigind. 21, S. 69 
und 77; 23, S. 118), jedoch so, daß den Bakterien noch genügend Sauerstoff 
und Nährstoffe zur Verfügung stehen; die Folge wird eine Erhöhung der 
Alkohol- Verarbeitung sein. Diese Forderung einer relativ größten Oxydations- 
fläche erfüllen die Mehrzahl der Essigspäne nicht; sie sind entweder zu eng 



Referate 143 

gerollt, so daß nur die Außenschicht als Siedelungsstätte für die Bakterien- 
zellen in Betracht kommt, oder ihre Rollung ist viel zu weit, was wiederum 
eine Raumverschwendung bedeutet. Verf. fand in einer Sendung Essigspäne 
von der Firma Aug. Speitel in Lichtenau i. Thür. eine nicht unbeträchtliche 
Anzahl von Spänen mit besonderer eigenartiger Anordnung der Windungen. 
Die Rollung der Spanfläche war keine gleichmäßige, gebogene Linie, sondern 
zeigte zahlreiche Knicke, die Windupgen waren vielfach gebrochen. Der 
Vorteil der geknickten Windungen ist der, daß sie kleine Lufträume zwischen 
sich fi'eilassen; die gebrochenen Stellen wirken sperrend, halten die Ober- 
fläche der Windungen auseinander und verhindern das enge Aneinanderkleben 
im durchtränkten Zustande, womit die gewünschte Vergrößerung der Oxy- 
dationsfläche erreicht ist. Diese Knicke können durch besondere Messer- 
stellung an den Hobeln hervorgerufen werden. 

Wüstenfeld. Bewährte Mischungsverhältnisse in Schnellessi^fabrikeu. 

Dtsch. Essigind. 23, S. 290. 

Verf. hat eine Tabelle ausgearbeitet, die dem Fabrikanten einige der 
gebräuchlichsten Maischen für Handbetrieb mit Rückguß, sowie für auto- 
matische kombinierte Aufgußweise ohne Rückgußbetrieb ausgibt. Ferner 
gibt die Tabelle die aus dem Mischungsverhältnis von Denaturat, Essig und 
Wasser errechnete, annähernde prozentuale Zusammensetzung der leichten 
Maische an, auch enthält sie Summen der Alkohol- und Säureprozente der 
Maischen, die als „Wirkungswert" bezeichnet worden sind und gewissermaßen 
die theoretische Ausbeute darstellen sollen. Schließlich gibt die Tabelle die 
annähernden Säureprozente an, die man vielleicht aus den betreffenden 
Maischen bei normaler ungestörter Bildnerleistung auf einem Bildner erreichen 
kann, unter Berücksichtigung eines geringen, etwa 0,2 "^/y betragenden Rest- 
Alkohol-Gehaltes im Ablaufessig. 

Armin Röhrig. Aus dem Bericht über die Tätigkeit der chemischen Unter- 
suchungsanstalt der Stadt Leipzig 1918. Abschnitt Essig. Dtsch. 
Essigind. 23, S. 292. 

Ein als „Surol" bezeichneter, in Flaschen verkaufter Essig, der einen 
Extraktgehalt von 0,94 °/o bei 6 7o Säure hatte, scheint aus Heferückständen 
hergestellt zu sein. 

J. G. Le Rütte. Der Verderber der Garnelenkonserven und seine Eigen- 
schaften. Folia mikrobiologica V, Aufl. 3. Delft, Hygien. Inst. d. Techn 
Hochschule. ^ 

Es ist nicht möglich, Schalentiere und besonders Garnelen durch höhere 
Temperaturen zu sterilisieren und haltbar zu machen. Schon nach wenigen 
Tagen tritt in der erhitzten Konserve ein übler Geruch und eine Gasbildung 
auf, wodurch das Produkt ganz ungenießbar und gesundheitsschädlich wird. 



] 44 Referate 

Verf. gelang es, als den Erreger dieser Fäulniserscheinungen eine thermo- 
stabile Bakterie zu isolieren. Dieselbe stellt ein sprorenbildendes, langes, 
schmales Stäbchen dar, dem Verf. den Namen „Bacillus Crangonicus" ge- 
geben hat. Über die Morphologie, Färbbarkeit, Sporenbildung, Pathogenität 
wird berichtet. 

T. R. Die Herstellung des Kuustlioiiigs. (Jhem. techn. Ind. 1919, S. :i 

Kurze Besprechung: Die Herstellung besteht in der Hauptsache in»der 
Inversion von Rohrzucker mit 0,1 7o Ameisensäure oder 0,05 7o HCl bei 85*^ 
unter fortgesetztem Rühren. Bleiben 5 "/^ des Rohrzuckers unverändert und 
beträgt der Wassergehalt nicht mehr als 20 — 22 ^/^^ so wird feste Ware er- 
halten. Zusatz eines Erkennungsmittels, etwa eines unschädlichen Farbstoffs, 
wird empfohlen. 

A. H. Schädigung- von pharinazeutLschen Präparaten durch Schimmel- 
pilze. Pharm. Ztg. 64, S. 650. 

Im Glas abgegebene mit Succus und Radix liquiritiae, Mucilago Gummi 
arab. lege artis angefertigte Arsenikpillen mit etwa 20 *^/'q Feuchtigkeit waren 
nach 8 Tagen durch Wucherungen von Aspergillus glaucus unter Entwicklung 
von Diäthylarsin völlig verdorben. Es eifipfiehlt sich, Pillen nur vollständig- 
trocken und in Pappschachteln abzugeben. 

• • 

Gabriel Bertrand und Dassonville. über die Behandlung der Pferdekrätze 
mit Dämpfen von Chlorpikrin. C. r. d. l'Acad. des sciences 169, S. 486—89. 

Die erkrankten Tiere werden in Räume, aus denen durch eine abge- 
dichtete Öffnung der Kopf ins Freie gesteckt wird, den Dämpfen von Chlor- 
pikrin (vgl. Bertrand, C. r. d. l'Acad. des sciences 168, 8.742; C. 1919, HI, 
S. 294) ausgesetzt. Die Behandlung erfordert nur ^/^ Stunde und ist minde- 
stens ebenso wirksam wie die 2 Stunden erfordernde mit SO.,, sehr viel ein- 
facher, dadurch auch eine prophylaktische Anwendung erleichternd, und weit 
ungefährlicher. 

Patentanm. 53h, 1. V 13917. Verfahren zur (Gewinnung fettreicher Pilz- 
zellen. Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Berlin. 1917. 

J. Dufrenoj . Die biologischen Reagenzien der Art und die Spezifität der 
Parasiten. Rev. gen. des Sciences pures et appl. 30, S. 44^47. 

Wie der lebende Organismus feiner als irgendein chemisches Reagens 
etwa die optischen Isomeren eines Kohlenhydrats unterscheidet, so eignet er 
sich auch vorzüglich dazu, die biochemischen und biologischen Eigentümlich- 
keiten jeder Gruppe von Individuen zu offenbaren. Besonders sind es die 
Beziehungen zwischen Parasiten und ihren Wirten, die bei der Unterscheidung 
von Arten und Unterarten gute Dienste leisten. An einer Reihe von Bei- 
spielen führt Verf. dies näher aus. 



Referate 145 

Albert Rauc. Die Bioenergie und die Theorie der Symbionten von Paul 
Portier. Ind. chimique 6, S. 13(5 — 38. 

Nach den neueren biochemischen Anschauungen muß die Nahrung dem 
Lebewesen alle Calorien liefern, deren es bedarf, ferner aber eine spezifische 
Auswahl gewisser Kerne und Molekeln und akzessorische Nährstoffe. Die 
neue Theorie Portiers läßt diese besonderen Stoffe als Ergebnis der syn- 
thetisierenden Arbeit von Mikroorganismen erscheinen, die normal symbiontisch 
in den Zellen der Organismen leben. 

0. Schnieil. Lehrbuch der Botanik, unter besonderer Berücksichtigung 
biologischer Verhältnisse. 40. Auflage. Leipzig 1919. gr. 8. XV u. 50.5 S. 
mit 68 Tafeln (48 koloriert) und Figuren. Halbleinenband. 9,50 Mk. 

E. Straßburger, u. a. Lehrbuch der Botanik für Hochschulen. «14., um- 
gearbeitete Auflagn, bearbeitet von H. Fitting, L. Jost, H. Schenck und 
G. Karsten. Jena 1919. gr. 8. VIII und 669 S. mit 833 zum Teil farbigen 
Abbildungen. 18 Mk. 

Verein der Spiritusfabrikanten in Deutschland, Berlin, Verfahren der 
Preßhefefabrikation unter Verwendung- von zuckerfreien oder zucker- 
arnien Würzen (D. R. P. 314330, Kl. 6a von 1914, ausgegeben 1919, Zus.- 
Pat. zu Nr. 310461; C. 1919, II, S. 273) 

a) gekennzeichnet durch die Verwendung von Schlempe der Melasse- 
brennereien, eventuell nach erneuter Säuerung, als Rohstoff. — Zwecks Ge- 
winnung einer an (für die Hefe verdaulichen) Stickstoffsubstanzen reichen 
Schlempe wird das Hefewachstum während der Gärung durch Anwendung 
von hochkonzentrierten Melassemaischen beschränkt. Es ist hierbei nicht 
nötig, daß die Vergärung vollständig ist. da der verbleibende Zucker der 
nachfolgenden Hefegewinnung auf dem Wege über die Milchsäure zu- 
gute kommt. 

b) (D. R.P. 314331, Kl. Oa von 1914, ausgegeben 1919; Zus.-Pat. zu 
Nr. 310461; C, 1919, II, S. 273), dadurch gekennzeichnet, daß für die Hefe- 
vermehrung als zuckerfreie oder zuckerarme Züchtungsflüssigkeit gesäuerte 
Säfte oder Waschwässer der Kartoffelstärkefabrikation zur Verwendung ge- 
langen. — Die Säfte und Waschwässer enthalten neben Zucker noch Amide. 

Lühder. Verarbeitung von Wruken. Zeitschr. f. Spiritusind. 42, S. 343. 
Bei der alleinigen Verarbeitung von Wruken treten in der Hefenführung 
infolge des niedrigen Extraktgehaltes der Wrukenmaische insofern Schwierig- 
keiten auf, als es bisher nicht gelang, in dem säuernden Hefengut einen ge- 
nügenden Säuregrad zu erzielen, der für die Reinheit der Gärung im Hefen- 
satz und in der Hauptmaische nötig ist. Die Verhältnisse liegen ähnlich wie 
bei der alleinigen Verarbeitung von Zuckerrüben. Abgesehen von diesen 
betriebstechnischen Schwierigkeiten ist aber auch aus wirtschaftlichen Gründen 

Zeitschr. f. techn. Biolog^ie, Bd. VIII. ia 



146 Referate 

die >eine Wrukenverarbeitung unrationell. Bei einer täglichen Verarbeitung 
von 50 Zentner Wruken erzielt man 100 1 Alkohol, während die gleiche 
Menge Kartoffeln täglich 275 — 300 1 Alkohol ergibt. Dabei sind die Un- 
kosten für Arbeitslöhne, Feuerung usw. dieselben. Vom betriebstechnischen 
und wirtschaftlichen Standpunkt ist das beste Verhältnis eine gemeinsame 
Verarbeitung von Wruken und Kartoffeln, und zwar einer Mischung beider 
Früchte zu gleichen Gewichtsteilen. Außerdem erhält man auf diese Weise' 
unter Schonung der knappen Kartoffelvorräte große Mengen Schlempe als 
Eiweißkraftfutter . für die Landwirtschaft. 

Patentanm. 6b, 10. J. 15786. Verfahren zur Ver^äriiiig: von Snlfitablau^e 

u. dergl. Axel Vidar Jernberg, Stockholm, Schweden. 1910. 

Patentanm. 53g, 4. 0. 9404. Verfahren zur Herstellung eines Trooken- 
futters in Floekenforni. Heinrich Oexmann, Berlin. 1915. 

Patentanm. 53 i, 3. B. 82445. Verfahren zur Ueschniacksverbesserung* 
von. Nährhefe. Hermann Bollmann, Hamburg. 1916. 

Patentanm. 53k, 1. P. 36415. A'erfahren zur Nutzbarmacliung- von Ge- 
treidetrebern für die menschliclie F^rnährung. Ferdinand Pfeffermann, 
Willi Jeroch, und Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Öle und 
Fette G. m. b. H., Berlin. 1918. 

K. Krömer. tlber den Volutingelialt der Weinhefen. Landw. Jahrbücher 
52, Erg.-Bd. 1, S. 112—13. 

Die Versuche des Jahres 1910 werden fortgesetzt. Nachweis von Vo- 
lutin durch Färben mit Methylenblau, nach Behandeln der Hefen mit For- 
malin; desgleichen durch Austrocknen der Hefen auf dem Deckglas und Ein- 
wirkung von Iproz. H2SO4 nach dem Färben. Es konnten auf diesem Wege 
Volutinkörper (Nukleinsäureverbindung) in allen Weinhefen nachgewiesen 
werden; bestimmte Beziehungen zwischen dem Auftreten des Volutins und 
der Gärtätigkeit der Zellen waren wiederum nicht mit Sicherheit festzustellen. 

H. V. Euler und U. Brandting. Über den Verlauf der HarnstofFspaltung 
durch IJrease. Biochem. Zeitschr. 97, S. 113 — 22. 

Entgegen den von Groll gezogenen Schlüssen fanden die Verfasser bei 
Versuchen über die Zersetzung des Harnstoffs durch Urease innerhalb mehrerer 
Tage und bei Temperaturen von 30 — 40" keinerlei Anhaltspunkte für eine 
Periodizität in der Wirksamkeit der Ureaselösung. auch wenn sie vorher 
1 Stunde auf 45 bezw. 50*^ erhitzt war. Das von Groll verwertete Zahlen- 
material wird einer Kritik unterzogen. 

Kochs. Die Einwirkung cheuiischer Konservierungsiuittel auf Schimmel- 
pilze. Landw. Jahrb. 52, Erg.-Bd. 1, S. 115—18. 

Es wird eine ganze Anzahl von Konservierungsmitteln (Ameisensäure, 
synthetische Benzoesäure, Siamharzbenzoesäure, benzoesaures Natrium, Certicyl, 



Referate |47 

Fahlberg'tabletten, Gedrovantabletten, Megesan alt =: Borformiat, Megesan k 
=z Salizylformiat, Mercksche Tabletten, Mikrobin, Metahydrinsäure, Promptol, 
Saccharin, schweflige Säure) auf ihre Wirksamkeit geprüft in neutralen und 
sauren Rübensäften; es wurde vor allem dabei versucht, die Grenze zu finden, 
bei welcher die betreffenden Konservierungsmittel ein Wachstum des Schimmels 
zu verhindern vermochten. Auf Zusatz von oi'ganischen Säuren (Wein-, Milch-, 
Zitronensäure) wurde die Konservierungsfähigkeit bedeutend gesteigert. 

Hans Euler und Iiifj,var Laiirin. Zur Kenntnis der Hefe Saecharoniyces 
Therniantitonuui. Biochem. Zeitschr. 97, S. 156 — 69. 

An einer aus der Sammlung von Alfr. Jörgensen stammenden Kultui 
wurden die folgenden Feststellungen gemacht: 1. Dieinversion.sfähigkeit 
bei optimaler Azidität wurde gefunden zu 

Xnv = k X g Z ucker _ ^^ ^ ^^_^^ 
Zellenzahl ' * ' 

während die entsprechenden Werte für die Unterhefe H und Oberhefe S B II 
(10 + 2). 10-12, bezw. (3,0 -f 0,5) . 10-12 sind. — 2. Die Katalasewirkung 
ist gegeben durch die für frische Hefe erhaltenen Konstanten (für 0,1 g 
Trockengewicht) Sacch. Therm, k • 10^ = 73, SB II k • 10* = 114. Wärme- 
aktivierung der Katalasewirkung wurde bei Thermantitonum nicht gefunden, 
dagegen Aktivierung durch Toluol und Chloroform (ca. 300 7o? schwächer als 
bei SB II). — 3. Die Gärungsgeschwindigkeit bei 35*^ ist bei Ther- 
mantitonum für die Einheit der Zellenzahl etwa doppelt so groß als für 
SBII, bei 40° ist sie für jene nur wenig von derjenigen bei 35° verschieden, 
doch tritt bei dieser Temperatur schon eine Schwächung der Gärkraft ein. 
— 4. Der Zuwachs zeigt ein Maximum zwischen 35 und 40°. — Bezüglich 
der charakteristischen Temperaturpunkte weicht die untersuchte Kultur er- 
heblich von der ursprünglich 1905 von Johnson gezüchteten ab. Vermutlich 
ist Anpassung an niedrigere Temperaturen eingetreten, worauf nach einer 
Privatmitteilung von P. Lindner auch ähnliche Beobachtungen im Berliner 
Institut für Gärungsgewerbe hindeuten. 

H. C. Sherman, A. W. Thomas und M. E. Baldwin. Einfluß der Wasser- 
stoffionenkonzentration auf die enzyniatische Wirksamkeit von drei 
typischen Amylasen. 18. Mitteilung über Amylasen und verwandte En- 
zyme. Journ. Americ. Chem. Soc. 41, S. 231 — 35. 

Es ergab sich für 

Wirksamkeit bei pn Optimum bei pn 

Pankreasamylase . . . 5 — 10 ca. 7 

Malzamylase .... 2,5 — 9 4,4 — 4,5 

Pilzamylase 2,6 — 8 ca. 4,8 

Aus den Kurven ergibt sich der größte Einfluß von Elektrolyten, so- 
weit er aus der [H'] allein geschlossen werden kann, für die Pankreasamylase, 
der geringste für die Pilzamylase. 



148 Referate 

W. Heym. Ein Schnellfilterungssysteiu. Ztschr. f. Wasservers. 6, S. 67—68. 
Verf. beschreibt in allgemein gehaltener Darlegung die Betriebsweise 
und die Vorteile seines neuen Filtersysteras, das unter den günstigsten Be- 
dingungen die vollkommene Beseitigung aller Verfärbungserscheinungen, die 
Neutralisation des natürlichen Säuregehaltes und die Abscheidung aller festen 
Bestandteile und gesundheitsschädlichen Bakterien ermöglichen soll. 

Maschinenfabrik Arthur Yondran, Halle a. S., Vernichtung von Ungeziefer 

aller Art (D. R. P. 302466, Kl. 45 1 von 1917, ausgegeben 1919), 

dadurch gekennzeichnet, daß man ihm die zum Leben nötige Körperfeuchtig- 
keit durch Anwendung von möglichst trockener Luft entzieht. — Die trockene 
Luft wird zweckmäßig unter Druck in einen Behälter eingeführt, der die zu 
behandelnden Gegenstände enthält. Durch die Entziehung der Körper- 
feuchtigkeit stirbt das Ungeziefer ab. 

K. Krömer. A'ersuche über die Verbesserung' der Weingärung durch die 
Entschleimung der Moste. Landw. Jahrb. 52, Erg.-Bd. 1, S. 103—4. 

Das Entschleimen bewirkt eine ausreichende Verbesserung der Wein- 
gärung nicht, wenn die eingebrannten Moste von dem an Gärungsschädlingen 
sehr reichem Trüb nicht frühzeitig genug abgezogen und nicht sogleich mit 
einer an SO2 angepaßten Reinhefe angestellt w^erden. 

K. Krömer. Beobachtungen über Weintrübungen. Landw. Jahrb. 52, 
Erg.-Bd. 1, S. 107—12. 

Meist entsteht die Trübung der Weine auf dem Flaschenlager durch 
die Bildung von Ferriphosphat, früher vielfach als Eiweißgerbstofftrübung 
angesprochen; der Nachweis des gebildeten Ferrophosphats gelingt gut, wenn 
man durch w^iederholtes Zentrifugieren den Rückstand von allen löslichen 
Weinbestandteilen getrennt hat, sowohl auf makro-, wie auf mikrochemischem 
Wege. Die genannten Erscheinungen sind auf Absorption von O zurück- 
zuführen. Weniger häufig wird die Trübung durch Bildung von Ferritannat 
oder durch Organismen hervoi'gerufen. Die Beseitigung der Trübungen ist 
nicht leicht, namentlich wenn mehrere der genannten Ursachen vorliegen; 
Eisenphosphattrübung beseitigt man durch Zusatz von Tannin und Gelatine; 
daneben müssen die Flaschen mit SO,- haltigem Wasser vor dem Umfüllen 
ausgespült werden; liegt Organismentrübung vor, so muß filtriert und ge- 
schwefelt, unter Umständen sogar pasteurisiert werden. 

H. Wüstenfeld. Ist hochprozentige oder niedrigprozentige Betriebsweise 
rationeller? Welche gibt die besten Ausbeuten, welche die 
größten Verluste? Dtsch. Essigind. 23, S. 298. 

Der hochprozentige Betrieb in der Essigfabrikation arbeitet rationeller; 
da er nicht so verschwenderisch mit dem Alkohol wirtschaftet wie der niedrig- 



Referate 149 

prozentige, ergibt weniger Verluste bezw. eine höhere Ausbeute. Der hoch- 
prozentige Betrieb arbeitet bei weit niedrigeren Temperaturen der Bildner 
und hat infolgedessen eine erheblich geringere Alkohol- und Säureverdunstung. 
Ferner kann bei hochprozentiger Arbeitsweise Überoxydation, also die Weiter- 
oxydation von Alkohol und Essigsäure zu Kohlensäure, nur schwierig auf- 
treten, da die starke Konzentration der Säure den Essigbakterien und den 
sonstigen Erregern der Überoxydation die Lebensmöglichkeiten nimmt. 

K. Krönier. Die Erhaltung von Gemüsen durch Aufbewaliren in Wasser 
nnter Luftabschluß. Landw. Jahib, 52, Erg. Bd. 1, S. 104—5. 

Es ließ sich feststellen, daß die Haltbarmachung von geschälten und 
geschnittenen Rhabarberstengeln und von Schnittbohnen durch Einlegen in 
Wasser unter gewissen Voraussetzungen wirklich Erfolg hat, Enghalsige 
Flaschen und sorgfältiger Luftabschluß sind Vorbedingung, damit sich nicht 
Kahm- und Schimmelpilze auf den eingelegten Pflanzenteilen entwickeln. 
Die konservierende Wirkung ist beim Rhabarber auf den natürlichen Säure- 
gehalt, bei den Schnittbohnen auf Milchsäure und deren Begleitstoffe zurück- 
zuführen, die im Verlauf eines Gärungsvorgangs entstehen. / 

Cr. Lüstner. Prüfung des neuen Konservierungsmittels für Früchte 
„Boloform" (Paraformaldehyd) von Dr. Popp, Frankfurt a. M. Landw. 
Jahrb. 52, Erg.-Bd. 1, S. 145. 

Es gelang mit dem Mittel nicht, Äpfel und Birnen gegen die Angriffe 

von Penicillium glaucum zu schützen und seine Weiterverbreitung auf bereits 

befallenen Früchten zu verhüten. 

W. Töltz. Die Konservierung des Rieselfeldergrases durch Einsäuerung. 

Mitt. d. D. L. G. 27, 1918, S. 384. 

Die unerläßlichen Bedingungen für eine möglichst verlustlose Sauer- 
futterbereitung sind: Absolut wasserdichte (asphaltierte, betonierte, zementierte) 
überdachte Gruben, möglichst feste Einlagerung -der einzusäuernden Futter- 
massen, guter Luftabschluß durch Bedeckung. Infektion der Silage mit 
reinen Milchsäui ekulturen hat sich gleichfalls als sehr zweckmäßig erwiesen. 
Das unter den genannten Bedingungen eingesäuerte Rieselfeldergras zeigte 
fast gar keine Nährstoff Verluste; die organische Substanz hat sich nur um 
ein geringes vermindert, die Verluste an Kalorien waren so gut wie null, 
dagegen hat eine weitgehende Spaltung der Eiweißkörper stattgefunden. 
Das Eiweiß wurde teils in Amidsubstanz, teils in Ammoniak und Salpeter- 
säure übergeführt, während der Gesamtstickstoffgehalt unverändert blieb. 
Schätzungsweise dürften die N-haltigen Bestandteile bis zu 25 °/q ihres Nähr- 
werts eingebüßt haben; insgesamt waren die Nährstoff Verluste weit geringer 
als bei der Heuwerbung selbst unter günstigsten Bedingungen; der Stärke- 
wert von frischem Rieselwiesenheu wurde durch einen Tierversuch auf 36 kg 
festgestellt. 



150 Referate 

F. W. J. Boekliout. Über A^erscliimmclte Butter. Jahresbericht der Ver- 
einigung zum Betriebe einer Mustermilchwirtschaft in Hoorn für 1918, 
S. 31—39. 

Es fiel auf, daß manche im Kühlhaus aufbewahrte Butter an der Ober- 
fläche mit schwarzgrünen Schimmelflecken besetzt war. Bei eingehender 
Untersuchung wurde der Pilz als jder auch sonst auf Butter nachgewiesene 
Hormodendron cladosporoides (Fresenius) erkannt, der identisch ist mit Clado- 
sporium herbarum. Der Schimmel wird durch eine Salzlauge vom spez. 
Gew. 1,1173 oder 16 o/^ NaCl unterdrückt. In Butter von 2 o/^ NaCl-Gehalt 
kommt er nicht zur Entwicklung, Auch Milchsäure wirkt dem Wachstum 
entgegen. Da die Pilze nur auf der sehr dünnen Außenschicht vorkommen, 
verändern sie die chemische Beschaffenheit der Butter nicht. Nur die Säure- 
zahl wächst etwas und die Verseifungszahl nimmt um ein geringes ab. Milch 
wird aber durch diesen Schimmel völlig peptonisiert. Das Kasein wird ab- 
gebaut, die Reaktion bleibt neutral. Der Milchzucker wird verzehrt und das 
Kasein zu Ammoniak und Aminosäuren abgebaut. Der Geruch verändert 
sich aber nicht. Ein Wärmegrad von 49" genügt, um auch die Sporen zu 
vernichten. ' 



Zeitschrift für technische Biologie. Bd. VIII. 



Tafel I 



Zur Bestimmung der Flächenzahl bezw. Durchschnittsgröße 

von Stärkesorten 





I Prima Kartoffelstärke 



II S-Stärke 





III K-Stärke IV Reisstärke 

Sämtliche Bilder in 125facher Vergrößerung, Aufnahme direkt auf Gaslichtpapier 



Der Gehalt junger Frühjahrsblätter an Oxalsäure, 
sowie einige Bemerkungen über diese Säure 

von 

Arminius Bau, Bremen 

Eingegangen 10. September 1920 

Betreffs des Gehaltes junger Frühjahrsblätter an Oxalsäure kam 
C. Wehmer^) zu dem Schluß, es sei in diesen Oxalsäure nicht oder 
nur in Spuren vorhanden; ausdrücklich bemerkt er aber: „Es ist darum 
nicht ausgeschlossen, daß Spuren desselben (Kalkoxalat, d. Ref.) im 
Saft wie in den organischen Zellbestandteilen vorhanden sind." In der 
neuen Auflage des Gmelin-Kraut^) wird die Beobachtung Wehmers 
mit „Fehlen von Oxalaten in jungen Frühjahrsblättern" wiedergegeben. 
Während Wehmer die Möglichkeit des Vorkommens von Oxalsäure zu- 
gibt, ist in dem weitverbreiteten Gmelin- Kraut die Gegenwart dieser 
Säure mit absoluter Sicherheit verneint worden — und hiergegen muß 
ich mich wenden. 

Die Untersuchungen C. Wehmers aus dem Jahre 1892 litten unter 
dem Übelstand, daß damals die Bestimmung der Oxalsäure noch nicht 
so sicher war, wie heutigen Tages nach dem Kalkessigverfahren ^), so- 
wie, daß die verschiedenartigen Kristallformen des Kalziumoxalates noch 
nicht so genau beachtet wurden, wie wir sie in den Abbildungen zu 
dem eben zitierten Artikel „Auffallende Ähnlichkeiten in der Form bei 
Kristallen und Mikroben" kennen lernen. Eine eigenartige, bisher nicht 
beschriebene Form des Kalksalzes in zarten federförmigen Kristallen 
gab ich nach einer mir in liebenswürdiger Weise von Herrn Prof. Dr. 
P. Lindner zur Verfügung gestellten Lichtbüdauf nähme in der Wochen- 
schrift für Brauerei wieder^). 

*) Landwirtsch. Versuchsstationen, Band 40, 109 (1892). 

2) Handbuch der anorg. Chemie, 7. Aufl., Heidelberg 1911, Bd. 1, Abt. 3. S. 702. 

3) Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. 7, S. 203 (1919). 
*) Wochenschr. f. Br., Jahrg. 37, S. 219 (1920). 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VHI. -j^j 



152 Arminius Bau, 

Meine eigenen Untersuchungen an jungen Frühjahrsblättern stellte 
ich an einigen der auch von C. Wehmer geprüften Pflanzen an. 

1. Sambucus nigra. Entnommen am 29. 3. 1920 morgens 6V2 Uhr. 
Längste Blattsprosse 6 cm lang. Blättchen abgeknippst und selbst- 
verständlich ohne Spur von den Deckschuppen verarbeitet. Anderthalb 
Stunden nach dem Pflücken untersucht. Wassergehalt 79,90 °/o. Es 
wurden 15 g frische Substanz in einem mit Kohlensäure gefüllten Kolben 
mit 15 ccm rauchender Salzsäure zur Zerstörung der Enzyme und des 
Zellturgors übergössen und 1 Stunde lang kalt hingestellt. Darauf 
fügte man etwa 280 ccm luftfreies mit Kohlensäure gesättigtes kaltes 
dest. Wasser hinzu, ließ unter öfterem Umschütteln 14 Std. lang stehen 
und filtrierte die Lösung durch ein Filter Carl Schleicher und Schüll 
Nr. 602 „hart". 

Vom Filtrat wurden 200 ccm vom spez. Gew. 1,0126 und von 
0,435 °/o Trockensubstanz mit 14,3 ccm Ammoniak neutralisiert, mit 
2 ccm einer Lösung von zitronensaurem Ammoniak, ferner um ab- 
gerundete Zahlen zu erhalten, mit 3,7 ccm dest. Wasser versetzt und 
mit 44 ccm Kalkessig gefällt.. 

Nach 36 stündigem Stehen im Kühlraume hatte sich ein geringer 
aus gut ausgebildeten Quadratoktaedern bestehender Bodensatz abgesetzt^ 
der abfiltriert und untersucht wurde^). 

Glührückstand 3,0 mg = 1,01 ccm -- Säure = 4,44 mg Oxalation 

Filtrat = 2,64 „ = 0,88 „ 

Wasch wasser . . . := 1,40 „ = 0,63 „ „ 

zusammen 5,95 mg Oxalation 

Das Gewicht der Maische, d. h. der Mischung von Blättern, Salz- 
säure und Wasser betrug 318,94 g, 

darin sind enthalten an Trockensubstanz 3,01 „ 

somit bleibt für Lösungsflüssigkeit 315,93 g. 

Es entsprechen 200 ccm Filtrat . . 202,52 g, 

darin sind enthalten . 0,87 „ Trockensubstanz 

mithin bleibt Lösungsflüssigkeit .... 201,65 g. 



^) Ausführlich ist das Kalkessigverfahren beschrieben in der Wochenschr. f. 
Brauerei, Jahrg. 35, S. 31 (1918); Jahrg. 36, S. 285 (1919); Jahrg. 37, S. 201 (1920); 
Deutsche Essigindustrie 1919, S. 358. Zeitschr. f. Untersuchung der Nahrungs- u. Ge- 
nußmittel, sowie der Gebrauchsgegenstände Bd. 40, S. 50 (1920). 



Der Gehalt junger Frühjahrsblätter an Oxalsäure usw. 15,3 

In diesen 201,65 g waren 5,95 rag Oxalation 

In 315,95 g sind also .... 9,32 „ „ 

In 15 g- Substanz sind ebenfalls 9,32 „ „ 

in 100 g „ „ 62,1 „ 

oder 0,0621%. 

Für 100 g Trockensubstanz ergibt sich die Zahl 0,309 °/o Oxalation. 

Nehmen wir bei der Bestimmung den zu hohen Fehler von 1 mg 
Oxalation an, so berechnet sich die Fehlergrenze 

für die frische Substanz zu 0,01 °/o 
„ „ Trockensubstanz „ 0,05 ^/o 

2. Sambucus nigra. Entnommen am 29. 3. 1920 um 3^/2 Uhr 
nachmittags. Eine halbe Stunde nach dem Pflücken untersucht. Wasser- 
gehalt 85,32%. Gefunden für die 

frische Substanz 0,0728*^/o Oxalation 
Trockensubstanz 0,495 °/o „ 

Es scheint demnach, daß während der Tagesbeleuchtung der Gehalt 
an Oxalation, auf Trockensubstanz bezogen, um 0,18 °/o zugenommen hat. 

3. Sambucus nigra. Während die beiden vorstehend erwähnten 
Versuche die Gesamtmenge an vorhandener Oxalation wiedergeben, wurde 
hier, in der Probe von Versuch 2, die wasserlösliche Oxalsäure bestimmt, 
indem die jungen Blätter getrocknet, fein gemahlen und dann mit kaltem 
luftfreien dest. Wasser, welches mit Kohlensäure gesättigt war, ausgezogen 
wurden. 

• Befund, für die Trockensubstanz berechnet, 0,157 °/o Oxalation. 

Von der nach Versuch 2 vorhandenen Menge sind demnach fast 
32 "/o wasserlöslich. 

4. Crataegus oxyacantha. Ganz junge Blättchen, entnommen 
am 2. 4. 1920, 11 Uhr vormittags. Wassergehalt 73,12%. 

Gefunden für die frische Substanz = 0,06487 °/o Oxalation, 
„ „ Trockensubstanz = 0,241 °/o. 

5. Crataegus oxyacantha. Dieselbe Probe, getrocknet, gemahlen 
und nur mit Wasser ausgezogen. 

Befund an wasserlöslicher Oxalsäure in der Trockensubstanz .0,067%, 
oder 27,8 °/o der Gesamtmenge an Oxalation. 

6. Aesculus hippocastanum. Entnommen am 6. 4. und 12. 4. 
1920 morgens um 8 Uhr. Sehr junge noch wollige Blättchen. 

11* 



154 Arminius Bau, 

Die mit rauchender Salzsäure übergosseuen beiden Proben lieferten 
kein Ergebnis, da die Lösung schleimig war, sehr schlecht filtrierte und 
nach dem Fällen mit Kalkessig keine Oxalatkristalle absetzte. 

Es wurde daher am 12. 4. eine Probe mit 79,55 "^/o Wassergehalt 
getrocknet, fein gemahlen und in der Kohlensäureatmosphäre mit ver- 
dünnter Salzsäure ausgezogen. Erhalten wurden, wie auch in den 
Versuchen 2 bis 5 wohlausgebildete Kristalle von der Quadratoktaederform. 
Gefunden für die Trockensubstanz 0,172"/o, 
berechnet für die frische Substanz 0,037 "/o. 

Fassen wir die vorstehenden Untersuchungen zusammen, so ergibt 
sich, daß junge Frühjahrsblätter der von mir untersuchten Phanero- 
gamen zwar nicht viel, aber deutlich nachweisbare und bestimmbare 
Mengen von Gesamtoxalation , wie auch von wasserlöslichem Oxalation 
enthalten. 

Die Angabe im Gmelin-Kraut, 7. Auflage, „Fehlen von 
Oxalaten in jüngeren Frühjahrsblättern" ist irrtümlich. 

Auch in der von C. Wehmer nicht geprüften Gerstenpflanze 
(Braugerste, Thüringer Landgerste) ließ sich Oxalsäure nachweisen. In 
den jungen Blättern der 9 — 12 cm hohen, 9 Tage alten Pflanzen, die 
am 24. 4. 1920 gepflückt wurden, war, auf Trockensubstanz bezogen, 
0,0278, also rund 0,03 °/o Oxalation vorhanden. 

Diese Gerstenkultur war zwecks anderer Studien mit liebens- 
würdiger Genehmigung von Herrn Geheimrat Prof. Dr. B. Tacke auch 
in diesem Jahre auf der Bremer Moorversuchsstation angelegt worden^). 

Die untersuchten Frühjahrsblätter enthielten somit bestimmbare 
Mengen von Oxalation. Es ist bekannt, daß in älteren Blättern der 
Laub- und Nadelhölzer reichliche Mengen an gebundener Oxalsäure 
vorhanden sind. Untersuchungen darüber, was mit den Oxalaten ge- 
schieht, wenn die Blätter bei den meisten Laubbäumen im Herbst, oder 
bei anderen Bäumen im Laufe des Jahres abgeworfen werden, sind 
meines Wissens noch nicht angestellt worden. Ganz zwecklos dürften 
die mit den übrigen organischen und anorganischen Bestandteilen dem 
Boden wieder zugeführten Oxalate nicht sein. Die Untersuchungen von 
Markus Staehelin^) über das Oxalsäure spaltende Enzym, welches 
sich als eine Oxydase darstellt, lassen vermuten, daß die Oxalate beim 

') Über frühere Versuche, welche infolge ungünstiger Umstände ziemlich ergeb- 
nislos ausfielen, wurde in der Wochenschr. f. Brauerei, Jahrg. 36, S. 301 (1919) berichtet. 
2) Biochem. Zeitschr., Bd. 96, S. 1 (1919). 



Der Gehalt junger Frühjahrsblätter an Oxalsäure usw. 155 

Verwesen und bei Luftzutritt sich in andere Verbindungen, von denen 
in erster Linie der kohlensaure Kalk in Frage käme, umwandeln. 
Ein von mir im vorigen Herbst angestellter Versuch mußte des früh- 
zeitig eingetretenen Frostes halber unterbrochen werden. 

Eine zweite Frage haben wir auch noch zu stellen: Wie verhalten 
sich die Oxalate bei der Fermentation des Tabaks, des Tees, bei der 
Flachsröste und bei ähnlichen Prozessen? Hierüber liegen noch keine 
Untersuchungen vor. 

Mit Hilfe des leicht ausführbaren Kalkessigverfahrens zur genauen 
Bestimmung der Oxalsäure ließen auch die aufgeworfenen Fragen nach 
genügendem Studium eine Beantwortung zu. 



Ober die wirtschaftliche Bedeutung von Ungeziefer 
und Schädlingen sowie über einige Aufgaben der Praxis 
aus der angewandten Zoologie besonders Entomologie 

von 

Professor Dr. Albrecht Hase, Berlin-Dahlem 

Eingegangen am 4. Oktober 1920 

Inhaltsverzeichnis 

I. Allgemeiner Teil 156 

II. Spezieller Teil 160 

Vorbemerkungen 160 

Methodik 162 

Kapitel 1. Über die Bekämpfungsmittel 166 

Kapitel 2. Über das Anzeigenwesen betreffend Bekämpfungsmittel. . . . 172 

1. Wer annonciert überhaupt? 173 

2. Wo wird annonciert? 174 

3. Wie oft wird annonciert? .175 

4. Wie wird annonciert? 175 

5. Ergänzende Bemerkungen 179 

Kapitel 3. Die wirtschaftliche Bedeutung des Anzeigenwesens und des Handels 

mit Schädlingsmitteln 181 

1. Einleitende Bemerkungen 181 

2. Die wirtschaftliche Bedeutung der Anzeigen und des Handels mit 
Schädlings- und Ungeziefermitteln 183 

3. Die Bedeutung des Anzeigenwesens und der Reklame für die Beein- 
flussung des Publikums 189 

III. Schluß 19a 



156 Albrecht Hase, 

Damit ich nicht mißverstanden werde, betone ich vorweg, daß sich 
meine Ausführungen in erster Linie auf angewandt zoologische, besonders 
entomologische Dinge beziehen. Wieweit volkshygienische Fragen mit 
diesen Dingen zusammenhängen, ist unschwer zu erkennen.' An der 
Hand von Spezialfällen möchte ich auf Zustände hinweisen, die wir 
unumwunden als grobe Mißstände bezeichnen können. Diese Zu- 
stände sind mit ein Ausdruck dafür, daß die angewandte Zoologie bei 
uns besonders nach dieser Richtung hin nicht so geliandhabt wurde, 
wie es notwendig gewesen wäre. Es dürfen meines Dafürhaltens die 
hier angeschnittenen Fragen aber zukünftig keinesfalls unberücksichtigt 
bleiben, soll die angewandte Zoologie die Hoffnungen erfüllen, welche 
man auf sie setzt. 

Allgemeine Betrachtungen schicke ich voraus. Ich denke, dadurch 
wird es klar werden, daß ich keineswegs auf eine subjektive Stellung- 
nahme eingeschworen bin. Auch hoffe ich, es möchten die prinzipiellen 
Erörterungen in meinen Ausführungen auch anderen Gebieten der an- 
gewandten Biologie einigen Nutzen gewähren. 

I. Allgemeiner Teil 

Die Lage zu übersehen, in der sich die angewandte Biologie und 
besonders die angewandte Zoologie befindet, halten wir für unerläßlich. 
Einmal, damit begangene Fehler klar erkannt werden; zweitens, 
damit die wissenschaftlichen wie praktischen Ziele und Aufgaben fest 
im Auge behalten werden, und drittens, damit die Forderungen oben- 
genannten Wissenszweiges (sowohl nach persönlicher wie sachlicher 
Seite hin) bei den vielfachen Reorganisationen, Neueinrichtungen und 
Änderungen, die unserer Zeit eigentümlich sind, vom richtigen Stand- 
punkte aus behandelt werden. Die hoffnungsvollsten Ansätze können 
sonst nicht zur gewünschten Entfaltung kommen. Voraussetzung aber 
einer förderlichen Behandlung ist hier, wie bei allen Dingen, Klarheit 
über den zu behandelnden Gegenstand. 

Um Irrtümer zu vermeiden, muß ich etwas weiter ausholen und 
auf einige Punkte nochmals hinweisen, die von mir früher ausführlicher 
erörtert wurden (vergl. Hase, Über technische Biologie, ihre Aufgaben 
und Ziele, ihre prinzipielle und wirtschaftliche Bedeutung [1920], Zeit- 
schrift f. techn. Biol. Bd. 8). — Ich legte daselbst dar: die angewandte 
Biologie (und als ein Teilgebiet von ihr die angewandte Zoologie) hat 
die Endaufgabe „biologische Fragen in einer Weise wissen- 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 157 

schaftlich zu bearbeiten, daß in erster Linie wirtschaftlich 
praktische Vorteile aus dieser Bearbeitung direkt und indirekt 
erwachsen". In oben zitierter Schrift wurde ausgeführt, in welcher 
Weise ich die Weiterentwicklung der angewandten Biologie anstrebe, 
damit sie ihrer Endaufgabe nach allen Richtungen hin gewachsen sei. 
Ich setzte auseinander, daß ich mit technischem Denken und Ideen die 
angewandte Biologie erfüllt wissen möchte, und begründete meine dies- 
bezüglichen Vorschläge. 

Die Fülle der Aufgaben, welche dieser Wissenschaft zur Bewäl- 
tigung zukommen, liegt auf den verschiedensten Gebieten. Ich will und 
muß mich natürlich hier auf dasjenige Teilgebiet beschränken, welches 
mir durch eigene Arbeiten nicht unbekannt ist: auf das der angewandten 
Zoologie. In dieser ist es wiederum das wichtige und wirtschaftlich höchst 
bedeutungsvolle Kapitel d«r Ungeziefer- und Schädlingsbekämpfung, 
welches wir im Sinne haben. — Die Probleme, die in dieses Kapitel 
gehören, müssen nach zwei Richtungen hin in Angriff genommen werden, 
sollen sie der Endaufgabe der angewandten Biologie (s. o.) gerecht werden. 

Die eine Richtung trägt mehr wissenschaftlichen Charakter. Die 
â– exakte Forschung aller hier irgendwie in Betracht kommenden Tier- 
formen nach allen nur denkbaren Eventualitäten hin liegt dieser Rich- 
tung ob^). 

Die andere, nicht minder wichtige Richtung hat einen Einschlag, 
der mehr ins Praktische, in die Vorgänge des täglichen Lebens und des 
Wirtschaftsbetriebes überhaupt, hinüberreicht. Dieser Richtung liegt 
die Bearbeitung aller Maßnahmen ob, welche organisatorischen Charakter 
tragen, wie z. B. die Ausarbeitung von praktischen Bekämpfungsmaß- 
nahmen großen Stiles, die Überwachung der Durchführung solcher Maß- 
nahmen, die Feststellung der wirtschaftlichen und hygienischen Be- 
deutung von Schädlingen und Parasiten usw. usw. 

Die beiden, soeben charakterisierten Arbeitsrichtungen sind aufs 
engste aufeinander angewiesen. Beispielsweise wird die glänzendste 



^) In einer früheren Arbeit (Hase, Die Zoologie und ihre Leistungen im Kriege 
1914 — 1919, Die Naturwissenschaften, Heft 7, Jahrg. 7) 1919) habe ich diesen 
Punkt ausführlicher dargelegt. Bevor wir von einer umfassenden Kenntnis eines Schäd- 
lings oder Parasiten sprechen können, müssen planvolle Untersuchungen, etwa über 
folgende Gebiete vorliegen: 1. systematische Stellung, 2. Morphologie, 3. Anatomie und 
Histologie, 4. Embryologie, 5. Physiologie, 6. Biologie und Ökologie, 7. Pathologie, 
8. geographische Verbreitung, 9. medizinisch-hygienische Bedeutung, 10. wirtschaftliche 
Bedeutung (Ökonomik). 



158 Albrecht Hase, 

Monographie über einen wichtigen Schädling bloßes Buchwissen bleiben^ 
und keine Früchte zeitigen, wenn daraufhin nicht Maßnahmen erfolgen^ 
welche die Ergebnisse auswerten. Andererseits ist selbst der groß- 
artigst angelegte Plan einer umfassenden Bekämpfungsmaßnahme nichts 
weiter als ein Blatt Papier, falls nicht zuvor alle Punkte klargelegt 
sind, mit welchen das Verfahren rechnen muß, oder falls die Resultate 
wissenschaftlicher Vorarbeit unbeachtet bleiben. 

Aus dem Gesagten geht genugsam hervor : die eine Arbeitsrichtung- 
ist genau so wichtig wie die andere, und eine für das gesamte Wirt- 
schaftsleben ersprießliche Tätigkeit der angewandten Zoologie kann nicht 
erwachsen, wenn beide Richtungen nicht in gleicher, harmonisch ab- 
gestimmter Weise gefördert werden. Hiermit wären wir auf dem Punkt 
angelangt, von dem aus wir unser Thema spezieller fassen können. 

Daß bei uns in der Handhabung der angewandten Zoologie, be- 
sonders Entomologie, Fehler begangen wurden, ist genugsam erörtert 
und zugegeben worden. Auch wurde fast einstimmig erkannt, daß dieser 
Wissenszweig kräftiger als bisher gefördert werden müßte. Schon vor 
dem Kriege setzte deshalb auf mannigfache Anregung hin eine Aufwärts- 
bewegung ein, die auch während der Kriegsjahre anhielt, ja sich in. 
jüngster Zeit sogar verstärkte. Mit ihren Ausdruck fand diese Be- 
wegung darin, daß man für die Vermehrung der anzustellenden Arbeits- 
kräfte eintrat. Infolgedessen erwählten junge, von der Universität 
kommende Biologen dieses Wissensgebiet zu ihrem Lebensberufe, und 
erfreulicherweise werden allem Anscheine nach noch viele ihrem Beispiele 
folgen. Ältere Fachleute haben genugsam auch in der Tagespresse auf 
die vielgestaltigen Probleme hingewiesen, die am dringendsten der 
wissenschaftlichen Inangriffnahme bedürfen. In dieser fast sprunghaften 
Vorwärtsentwicklung liegt aber eine gewisse Gefahr und zwar die, daß 
die praktische Seite der Probleme der angewandten Zoologie wieder zu 
kurz kommt. Ich sage absichtlich „wieder zu kurz kommt", denn es 
ist Qieines Erachtens die Vernachlässigung gerade der praktischen Be- 
tätigung der Hauptfehler gewesen, welcher die angewandte Zoologie 
bisher an ihren Aufgaben im großen und ganzen scheitern ließ. 

Mit diesen Zeilen reden wir also einmal einer stärkeren Be- 
tonung der Praxis das Wort, und ferner möchten wir auf die 
schwierigen praktischen, besonders organisatorischen Probleme 
hinweisen, welche der angewandten Biologie (spez. hier Zoologie) 
eigentümlich sind, die aber gelöst werden müssen, damit unser Wissens- 
zweig die Forderungen zu erfüllen imstande ist, welche Volkswirtschaft 



Die Wirtschaft!. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 159 

und Volkshygiene an ihn zu stellen berechtigt sind. Es sind meine 
Ausführungen zugleich eine Aufforderung an die kommende Generation 
junger Biologen, welche diesen Beruf ergreifen wollen, sich der Alltäg- 
lichkeit und Praxis gegenüber ganz anders einzustellen wie bisher. 

Wer an den hier in Frage kommenden Dingen ernsthaft mit- 
arbeiten will, darf am Alltäglichsten, sofern es irgendwie sein Arbeits- 
gebiet betrifft, nicht ängstlich vorübergehen und es für „unwissen- 
schaftlich" halten, sich mit ihm zu beschäftigen. — Da die heran- 
wachsende Generation von Biologen bis jetzt von reinen Theoretikern 
auf der Universität vorgebildet wti'd, und da ferner von den meisten, 
heute in der angewandten Zoologie beruflich tätigen Fachleuten die 
mehr wissenschaftliche Seite der Probleme (s. oben) gepflegt wird, und 
da drittens der intellektuelle Deutsche eine starke Neigung zum Theo- 
retisieren überhaupt hat, und da viertens die rein akademisch geschulten 
Persönlichkeiten vielfach eine gewisse Scheu und Ängstlichkeit, ja Welt- 
fremdheit, den Fragen des praktischen Lebens gegenüber an den Tag 
legen, so laufen wir Gefahr, daß die angewandte Zoologie, trotz der 
erfreulichen Neubelebung, bei uns wieder in ein, ich möchte sagen, „zu 
theoretisches" Fahrwasser gerät. Oder mit anderen Worten, es werden 
wohl Untersuchungen über die Schädlinge angestellt, aber nur um der 
Arbeiten und Forschung (also rein theoretisch denkend) willen. Das 
eigentliche Ziel der Arbeit geht verloren oder wird doch nicht scharf 
genug im Auge behalten. Wir müssen uns also davor hüten, daß nicht 
die Schädlings- und Parasitenkunde von neuem zu der Angelegenheit 
von einer Reihe akademischer Spezialisten wird. 

Man kann mir entgegenhalten: bei den jetzigen Reformen und 
Neueinrichtungen würde man den Fehler vermeiden. Ich bin etwas 
skeptischer und meine: die Dinge ändern sich erst, wenn sich die 
Menschen geändert haben. Sorgen wir also dafür, daß eine Gene- 
ration junger Biologen heranwächst, die mit einer erstklas- 
sigen theoretischen Schulung einen eminent praktischen Blick 
verbindet; sorgen wir dafür, daß der Blick für die tatsäch- 
lichen Verhältnisse und die wirklichen Bedürfnisse des Wirt- 
schaftslebens (soweit es das hier in Frage kommende Gebiet betrifft) 
geschärft werde! 

Die Tatsache, daß der Nachwuchs zunächst nur rein theoretisch, 
also rein theoretisch denkend, ausgebildet wird, ist augenblicklich nicht 
zu umgehen. Denn die kühne Hoffnung, eigene Bildungsstätten für 
angewandte Biologie überhaupt zu erhalten, muß man bei der trostlosen 



160 Albrecht Hase, 

Finanzlage für Jahre hinaus begraben. Soll also, trotz dieser Lücke 
im System der Ausbildung, die angewandte Zoologie in Zukunft nutz- 
bringende Arbeit leisten, so muß eine gewisse Einstellung der kom- 
menden Generation anerzogen werden. Auch sie muß lernen: realer 
und praktischer zu denken ! ^) Ich sage nicht etwa, daß die theoretische 
Denkweise entbehrlich oder verfehlt sei. Im Gegenteil! Ich fordere 
nur, neben ihr muß in unsereoi Berufe die praktische ebenso stark betont, 
bezw. herangebildet w^efden bei den jüngeren Fachkollegen. 

Bevor Jch zu speziellen Erörterungen übergehe , möchte ich zum 
Schlüsse des allgemeinen Teiles meine Forderungen nochmals kurz da- 
hingehend zusammenfassen: Die angewandte Zoologie muß, soll sie 
dauernd lebensfähig bleiben, letzten Endes volkswirtschaftlich produktive 
Arbeit leisten durch die Bewältigung der ihr zukommenden Aufgaben. 
Eine befriedigende Lösung dieser Aufgaben ist aber nur dann möglich: 

1. wenn die mehr wissenschaftliche Seite der Probleme exakt (d. h. 
allen Anforderungen strenger Wissenschaft genügend) erfaßt wird 
und 

2. wenn die mehr praktische Seite der Probleme voll gewürdigt wird, 
indem man alle einschlägigen Arbeiten auf das Endziel einstellt: 
die Früchte müssen der Allgemeinheit zugute kommen. Um dies 
zu erreichen, muß in der kommenden Generation junger Natur- 
wissenschaftler, welche diesen Gegenstand zu ihrem Lebensberuf 
erwähleD, fest der Gedanke Wurzel fassen, daß alle Arbeit auf 
diesem Gebiete keine rein akademische, sondern zur gleichberech- 
tigten Hälfte eine praktische, d. h. öffentliche Angelegenheit ist. 

Meine Darlegungen werden genügen, um zu zeigen, worauf ich 
hinaus will. Und nun: Medias in res! 



II. Spezieller Teil 

Vorbemerkungen 

Meine Ausführungen sollen einen Einblick in das Treiben der 
Öffentlichkeit geben, um bestimmte Mißstände aufzudecken, und es wäre 
meiner Meinung nach wahrlich wichtiger, auch tausendmal notwendiger, 



^) Es sei an dieser Stelle auf den Aufsatz des bekannten Physikers W. Nernst: 
„Die künftigen Richtlinien wissenschaftlicher Forschung" hingewiesen (Berliner Tageblatt 
Nr. 617, 1919). Mit Befriedigung kann ich daraus ersehen, daß auch von anderer Seite 
die gleichen Forderungen aufs bestimmteste vertreten werden. 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. Ißl 

derartige Zustände in der Tagespresse zum Zwecke der Aufklärung zu 
behandeln, als die unsäglichen Nichtigkeiten, welche heute die Spalten 
füllen. Fragen wir zunächst, wie kommt es zu solchen Mißständen? 
Die Antwort ist nicht allzuschwer, wenn man folgende Tatsachen in 
Betracht zieht. 

Zunächst ist die Bekämpfung von Ungeziefer die private An- 
gelegenheit derjenigen, die davon befallen sind. Ist der von den Be- 
treffenden mit geeigneten Mitteln geführte Kampf durch vollen Erfolg 
gekrönt, so ist die Sache erledigt. Bleibt dagegen der Erfolg — oder 
auch nur ein wesentlicher Teilerfolg — aus, so hat dies seinen Grund 
in zweierlei: entweder waren die Mittel oder die Methoden ungeeignet. 
Meist kommt eines zum andern. Die Folge davon ist eine Vermehrung 
des Ungeziefers bezw. der Schädlinge ins Ungeheuerliche, und ihr Auf- 
treten zieht immer weitere Kreise in Mitleidenschaft. Damit ändert 
sich die Lage nach wesentlichen Richtungen hin. Vor allem wird die 
ursprünglich private Angelegenheit zu einer öffentlichen. Das ver- 
einzelte Vorkommnis wird zur Kalamität. Der Plage Herr zu werden 
wird einerseits durch neue, im Handel auftauchende und andererseits 
durch alte Mittel versucht. Die lebhafte Nachfrage nach Schädlings- 
und Ungeziefer -Bekämpfungsmitteln wird eine ungeahnt große. Um 
dieser zu genügen werden täglich neue, angeblich äußerst wirksame 
Präparate auf den Markt gebracht. Ob letztere wirklich brauchbar sind, 
ob sie vollen Erfolg im Kampfe gegen das Ungeziefer bringen, das ist 
ein sehr wunder Punkt! Die Tatsachen lehren, daß dies nicht der Fall 
ist. Denn wäfe im Verhältnis zur angebotenen Menge die Anwendung 
erfolgreich gewesen, so müßte es kaum noch einen Schädling, kaum 
noch Ungeziefer geben. Man dreht sich fortwährend im Kreise herum : 
die Folge des Mißerfolges bei der Anwendung eines Präparates ist ein- 
mal eine fortgesetzte Ungezieferverbreitung und zweitens ein fort- 
gesetztes Auftauchen neuer Mittel, um die Nachfrage zu befriedigen. 
Denn hat das kaufende Publikum die Wertlosigkeit eines Mittels em- 
pirisch festgestellt, so fällt es eben auf das nächste, mit tüchtiger 
Reklame angepriesene, herein. Denn das Publikum greift in seiner 
Notlage alles auf, was geboten wird! Möglich ist letzteres aber nur 
durch die große Unkenntnis weitester Volksschichten in diesen 
Dingen, und aus diesem Nichtwissen herausgeboren ist die geradezu 
erstaunliche Leichtgläubigkeit gegenüber einer marktschreierischen und 
mit einer gewissen Sicherheit vorgetragenen Anpreisung. Letzteres 
wieder dokumentiert sich in den öffentlichen Anzeigen. 



162 " Albrecht Hase, 

Der Einzelne ist diesen Verhältnissen gegenüber ziemlich machtlos. 
Es müssen also öffentliche Maßnahmen platzgreifen, die sich 
ihrerseits auf Ratschläge von Fachleuten stützen. Dieser fach- 
liche Rat wird aber nur dann vollwertig sein, wenn er den herrschenden 
Zuständen — wie ich sie kurz ihrem Werdegang nach umrissen habe — 
voll Rechnung trägt. 

Will also der Fachmann diese Mißstände ihrem Umfange 
nach voll einschätzen, so muß er die Ausdrucksmittel der 
Öffentlichkeit verfolgen, welche dafür vorzügliche und heute nicht 
mehr zu umgehende Gradmesser sind: die Geschäftsanzeige, die An- 
nonce, die Reklame! 

In diesen dreien spiegelt sich mehr und mit größerer Klarheit 
wieder, als vom grünen Tisch aus zumeist angenommen wird. Vor- 
bedingung ist nur, daß man sich durch die nötige Kritik das Bild nicht 
trüben läßt. Die Anzeigen, betreffs der hier behandelten Fragen, lehren 
uns manches Wichtige. Es geht aus ihnen hervor: 

1. wie eng der Horizont der breiten Volksmenge in diesen Dingen 
eingestellt ist; 

2. mit welchen Mitteln die Masse bearbeitet wird; 

3. welchen Umfang die Notstände angenommen haben; 

4. mit welchen Mitteln fachliche Aufklärung arbeiten muß, um Ein- 
fluß zu gewinnen; 

5. ersieht der Fachmann die Kompliziertheit der Probleme auch nach 
ihrer verwaltungstechnischen und organisatorischen» Seite hin; 

6. läßt sich bei einigem pädagogischen Geschick die Anzeige selbst 
benutzen, um den darin produzierten Unsinn ad absurdum zu führen; 

7. schließlich läßt sich durch die Anzeigen zahlenmäßig beweisen,, 
wieviel Geld unnütz vergeudet wird, das besser exakten For- 
schungen auf diesem Gebiete zugeführt würde. 

Ich glaube, es sind dies genügende Gründe, welche es rechtfertigen, 
daß man vom fachlichen Standpunkte des Biologen aus diesem Anzeigen- 
wesen einmal kritisch zu Leibe geht. Damit hätte ich zunächst alles 
gesagt, soweit allgemeine Gesichtspunkte in Betracht kommen, und ich 
gehe nun zu den Einzelheiten über. 

Methodik 

Um ein möglichst ungezwungenes Bild zu bekommen, setzte ich 
mich mit zwei bekannten großen Zeitungsausschnittsbüros in Verbindung, 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 163 

die mir die erscheinenden Anzeigen zuschicken mußten, welche die An- 
preisung von Präparaten, Mitteln und Methoden zur Bekämpfung von 
Ungeziefer und Schädlingen zum Inhalte hatten, und zwar betreffs 
folgender biologischer Objekte: 

1. Flöhe, . 5. Motten, 

2. Wanzen, 6. Schaben, 

3. Läuse, 7. Ratten und Mäuse, 

4. Räude, 8. Ungeziefer im allgemeinen. 

Die unter 1.— 8. genannten Gruppen wählte ich deshalb, weil fast 
jeder, gleichgültig, welchem Stande oder Beruf er angehört, den An- 
griffen dieser Formen ausgesetzt ist. Absichtlich habe ich Ankündi- 
gungen, welche zunächst nur Interesse für einzelne Berufszweige oder 
bestimmte Interessentengruppen (Müller, Bäcker, Gärtner, Brauer) haben 
können, für diese Bearbeitung ausgeschieden. Es würde die Arbeit 
sonst zu umfangreich werden, andererseits werden letztgenannte Dinge 
einer Sonderbearbeitung von mir unterworfen. 

Das obengenannte Verfahren wurde von Ende November 1919 
bis Ende April 1920 — also fünf Monate lang — durchgeführt. 
Diese Sammeltätigkeit . erstreckte sich auf insgesamt 114 Tages- 
zeitungen ohne irgendwelchen beruflichen Charakter. Ferner 
wurden 7 Zeitungen mitberücksichtigt, die nicht täglich erscheinen, und 
die teils Berufsinteressen, aber nicht ausschließlich, teils allgemeine 
Wirtschaftsinteressen vertreten, wie z. B. die Blätter „Haus, Hof und 
Garten", „Deutsche illustrierte landwirtschaftliche Presse", „Deutscher 
Reichsanzeiger". Diese 121 Zeitungen (114 -|- 7) verteilten sich auf 78 
verschiedene Städte, wobei die größten Ortschaften wie Berlin, Hamburg, 
Dresden, München usw. mit mehreren daselbst erscheinenden Blättern 
versehen waren. Um einigermaßen einen Überblick über die benutzten 
Tageszeitungen zu geben, sind unten einige derselben genannt. Die 
dahinter stehenden Zahlen geben laut Zeitungskatalog von R. Mosse, 
Berlin 1920 die tägliche Auflagehöhe an^). 



^) Allensteiner Zeitung (28000), Berliner Tageblatt (über 300000), Bochumer 
Anzeiger und Generalanzeiger (35 000), Braunschweiger Volksfreund (27000), Bremer 
Nachrichten (79000), Breslauer Neueste Nachrichten (170000), Coblenzer Volkszeitung 
(45000), Coburger Tageblatt (12000), Dessauer Anzeiger (20000), Dortmunder General- 
anzeiger (160 000), Dresdener Volkszeitung (62000), Düsseldorfer Nachrichten (100000), 
Glogauer Niederschlesische Zeitung (13000), Greifswalder Zeitung (15000), Hamburger 
Fremdenblatt (170000); Hannoverscher Anzeiger (130000); Jenaer Volksblatt (8000), 
Magdeburger Generalanzeiger (75 000), Mannheimer Tageblatt (21 500), Münchener Neueste 



164 Albrecht Hase, 

Es wurden wie ersichtlich die größten (100 — 300000 und mehr 
tägliche Auflageziffer), die großen (50 — 100000), die mittleren (15- bis 
50000) und die kleinen (bis zu 15000) Blätter berücksichtigt. 

Wie reichlich die so erschlossene Quelle floß, geht aus der Zahl 
der eingesandten Ankündigungen hervor. Nach Ablauf der angegebenen 
5 Monate hatte ich über 2100 Anzeigen zur* Hand, die nun gesichtet 
wurden. Eine ganze Anzahl schied ich aus, weil sie zu lose mit dem 
geforderten Inhalte in Zusammenhang standen. Zur definitiven Be- 
arbeitung standen mir schließlich rund 2100 zur Verfügung. Diese be- 
trafen : 

Läuse, in erster Linie oder ausschließlich 1100 mal 

Ratten und Mäuse, in erster Linie oder ausschließlich . 49.3 „ 

Ungeziefer im allgemeinen .382 „ 

Wanzen, in erster Linie oder ausschließlich 50 „ 

Schaben ausschließlich 37 „ 

Räude „ 14 „ 

Motten „ 14 „ 

Flöhe „ 10 „ 



zusammen 2100 

Nun wurde abermals gesichtet und die Anzeigen gleichen Wort- 
lautes (Wiederholungsanzeigen) ausgeschieden. Nach dieser Sichtung 
blieben 249 verschiedene Ankündigungen übrig. Auch diese 249 
wurden nochmals überprüft, und dabei nach den Stichworten, entsprechend 
den oben aufgestellten 8 Gruppen (Flöhe, Wanzen, Läuse, Räude, 
Motten, Schaben, Ratten und Mäuse, Ungeziefer im allgemeinen) geordnet. 
So erst ist es möglich, einen genaueren Überblick zu bekommen, was 
alles vorliegt. Nach dieser letzten Sichtung stellte es sich heraus, daß 
betrafen : 

Ungeziefer im allgemeinen . , 104 verschiedene Anzeigen 

Ratten und Mäuse 65 „ „ 

Läuse 36 „ „ 

Wanzen 13 „ „ 

Schaben 11 „ „ 

Räude 9 „ „ 

Motten 8 „ „ 

Flöhe 3 



zusammen 249 Anzeigen 



Nachrichten (160000), Nordhausener Zeitung (20000), Oldenburger Nachrichten für Stadt 
und Land (31000), Stuttgarter Neues Tageblatt (100000), Zittauer Morgenzeitung (19000), 
Zwickauer Tageblatt (28000). — Die genannten Zeitungen haben zusammen eine Auf- 
lageziffer von mindestens rund 1820000 Stück. 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 165 

Eine strenge Scheidung war aber nicht immer möglich, da oft dieselbe 
Anzeige mehrere Präparate gegen verschiedene Schädlinge nannte. Ich 
teilte derlei Ankündigungen dann meist der Gruppe „Ungeziefer" zu. 
Immerhin ist zu ersehen, daß die Anpreisungen von Mitteln gegen 
Ratten und Mäuse einerseits, gegen Läuse andererseits am stärksten 
vertreten sind. Da wir keine Annoncenstatistik treiben wollen, so ge- 
nügt uns diese Feststellung, zumal sie klar genug zum Ausdruck bringt, 
was ungefähr vorliegt. — Am unsichersten ist man bei der Behandlung 
der Anzeigengruppe „Ungeziefer im allgemeinen", da in den diesbezüg- 
lichen Ankündigungen oft die zoologisch heterogensten Objekte vereinigt 
sind. Hierdurch dokumentiert sich eben, wie im alltäglichen Sprach- 
gebrauch als „Ungeziefer" alles dasjenige bezeichnet wird, was unsere 
Vorräte, unsere Wirtschaft und uns selbst zu schädigen geeignet ist. 
Im Volksmunde sind Ratten ebenso „Ungeziefer" wie Läuse, Schaben, 
Raupen oder Kellerassel^). 

Welchen Umfang das Anzeigenwesen auf diesem Gebiete hat — 
und diese Feststellung ist für uns besonders wit^htig — geht aus nach- 
folgenden Tatsachen hervor. Die 114 bei der Sammelei berücksichtigten 
Tageszeitungen machen von den rund 2200 täglich in Deutschland 
erscheinenden Zeitungen dieses Charakters nur rund 5^/o aus. Und dife 
7 mitberücksichtigten Zeitungen, welche etwas fachlichen Einschlag 
haben, machen von den rund 600 Fachzeitungen ^) Deutschlands, welche 

^) Bei dieser Gelegenheit seien einige Bemerkungen über die Herleitung und 
ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Ungeziefer" eingeflochten, die ich Herrn Dr.Grünther 
Hase, Leipzig, verdanke. Das Wort „Ungeziefer" ist uraltes germanisches Sprachgut. 
Stamm althochdeutsch „Zebar", altenglisch „tr/er", altnordisch „tafn" in der Bedeutung 
„Opfertier", ins Altfranzösische entlehnt als „atuivre = Getier". — Dazu tritt die 
Negation mit ,,un-", mittelhochdeutsch = „ungezihere, ungeziver = unreines, nicht zum 
Opfer geeignetes Tier. Daneben stets schon in der heutigen Bedeutung gebraucht. Bei 
Hans Sachs (1612) heißt es: „ViL unzifers, als edechsen, krotten und schlangen". — 
Ein besonderer Wandel zu der heutigen Bedeutung ist nicht festzustellen. Höchst wahr- 
scheiülich wurde das Wort auch mit besonderer, konkreter Bedeutung auf die mensch- 
lichen Parasiten und die Schädlinge gebraucht. Verwandtschaft von „zebar" mit neu- 
hochdeutsch „Käfer" besteht nicht, wenn auch niedersächsisch „zefer" für „Käfer" 
vorkommt. 

^) Wenn ich hier von Fachzeitungen spreche, so habe ich nur diejenigen Inter- 
essentenorgane gezählt, welche Gewerbe jUnd Industrien vertreten, die in erster Linie 
von Ungeziefer und Schädlingen zu leiden haben. Die genannte Zahl 600 umfaßt nur 
"die Fachblätter folgender Gewerbe und Industrien: Fleischer, Friseure, Gast- 
wirte, Müller, Bäcker, Brauer, Nahrungsmittelindustrie, Landwirtschaft, Vieh-, Haus-, 
Bienenwirtschaft, Garten-, Obst-, Blumenbau. Bei der Summierung sind also Bau-, 
Maschinen-, chemische Zeitungen usw. völlig unberücksichtigt geblieben. 



166 Albrecht Hase, 

Mer in erster Linie in Frage kommen, nur rund l^/o aus. Sondern wir 
nicht nach Tages- bezw. Fachzeitungen, sondern fragen wir: wieviel 
Zeitungen stehen der Reklame auf diesem Gebiete in Ileutschland über- 
haupt zur Verfügung, so kommen (rund) 2200 -j- 600 = Stück in Frage ; 
davon sind die von uns benutzten 121 Stück aber etwa nur 4^0. Doch 
davon zunächst genug! Auf die wirtschaftliche Seite dieser Frage 
komme ich noch zu sprechen^). 



Kapitel 1 
Über die Bekämpfungsmittel 

Mit das Wesentliche an der ganzen soeben geschilderten Methodik 
ist für mich, zu zeigen, welche Mittel ungefähr augenblicklich auf dem 
Markte sind. Ihre Liste steht weiter unten. Daß bei weitem nicht 
alle durch mein Vorgehen erfaßt wurden, ist sonnenklar. Für die hier 
in Betracht kommenden Zwecke, die ja in erster Linie auf prinzipielle 
Fragestellung hinzielen, genügen sie vollkommen. Betont sei besonders 
aus letzterem Grunde ausdrücklich, ich enthalte mich jeden Urteils über 
den Wert der genannten Präparate im einzelnen, sowohl nach der 
positiven wie nach der negativen Seite hin. Ich lasse die betreffende 
Anzeige selbst sprechen. Die mitgeteilten Listen sollen zunächst lediglich 
eine Katalogisierung sein, um einen Überblick über einen Teil des tat- 
sächlich Vorhandenen zu bekommen. Dann gebe ich zu bedenken, wie 
ephemer diese Dinge sind; bis zum Druck dieser Arbeit ist sicher eine 
ganze Anzahl dieser Präparate längst verschwunden, um neuen Platz 
zu machen. Aber gerade diese Kurzlebigkeit der Mittel sollte uns zu 
denken geben; es ist mit der beste Ausdruck für die Wertlosigkeit der 
meisten. 

Viele der angepriesenen Präparate führen bestimmte Namen 
z. B. Lausofan, Goldgeist, Beiß-Beiß, Styx, Tonal (Läusemittel); Kiffi, 
Morida (Schabenmittel) ; Drowil (Wanzenmittel) ; Hops, Rattitod, Ratten- 



^) Die Zahlenangaben über Tages- und Fachzeitungen sind dem Zeitungsverzeichnis 
(nicht im Handel) der weltbekannten Annoncenfirma R. Mosse, Berlin, entnommen. 
Dieses Verzeichnis ist soeben 1920 aufgestellt worden, und dürfte an Genauigkeit alle 
anderen übertreffen. Bemerken will ich noch, daß von mir, um der Wirklichkeit mög- 
lichst nahe zu kommen, immer die Mindestzahlen zu Berechnungen benutzt wurden, 
z. B. ist die Zahl der Fachzeitungen etwa 650, einige sind aber in ihrem Bestehen und 
Erscheinen bereits wieder unsicher geworden. Aus derartigen Gründen wurde die Ge- 
samtzahl möglichst tief gegriffen. 



Die Wirtschaft!. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 167 

fänger (Rattenmittel). In diesem Falle ist ihre Wiedererkennung leicht 
— auch in der Anzeige. Andere wieder führen ganz allgemeine 
Namen, wie: Schwabenpulver, Wanzentinktur, Ungeziefermittel. Wenn 
nun von Firmen (z. B. von Versandhäusern) letztgenannte Präparate in 
den Handel gebracht werden, so ist für den Käufer nicht nachzukommen, 
welches der vielen Schwabenpulver, welche Wanzentinktur er erhalten 
hat. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren: diese dadurch her- 
vorgerufene Unsicherheit ist eine beabsichtigte. Ich führe zunächst die 
benannten Mittel auf, so wie sie aus den Ankündigungen zu ent- 
nehmen sind. Die kurzen Erläuterungen dazu stammen aus der Anzeige 
selbst. Die Gruppierung ist so, wie sie sich ergibt, wenn man berück- 
sichtigt, gegen was das Präparat in erster Linie oder ausschließlich 
angepriesen wird. Die Preise beziehen sich auf die kleinste im Einzel- 
verkauf abgegebene Menge. Fab. bedeutet: der Fabrikant wird in der 
Anzeige unzweideutig genannt. Gar. bedeutet: für die Wirksamkeit 
wird Garantie geleistet. Pat. bedeutet: das Mittel ist laut Anzeige 
patentamtlich oder gesetzlich geschützt oder patentamtlich angemeldet. 
a. g. bedeutet: auch gegen. 

I. Mittel gegen Flöhe 

1. Eckolda; a. g. Läuse. Gar., Pat. 1 Flasche 6,00. 

2. Fugal; bes. g. Hundeflöhe. Fab. 1 Glas 1,30. 
,3. Trikesolpuder Pfeifferol. Fab. 1,25. 

Eine Anzeige von selten einer Apotheke preist „Floh-Spezial- Mittel" 
zum Preise von 1,25 an. 

n. Mittel gegen Wanzen 

1. Albasol. Fab., Pat. 2,40. 

2. Anti wanzin. Pat. 3,00. 

3. Discret. 

4. Drowil. 8,00. 

5. Furol; a. g. Schaben, Ratten, Wanzen, s. daselbst; 1,30 als Wanzenmittel. 

6. Grotonol. 10,00. 

7. Nikodaal. 4,00. 

8. Strubes Wanzentinktur. 3,50. 

9. Dr. Weinreichs Wanzenäther. 

10. Wanzenol; a. g. Flöhe, Schaben usw. 

11. Wanzen pulv er „Terror". Gar. 

12. Dalmatin; a. g. Schaben. Pat. 2,50. 

Dazu kommen noch Präparate, die die allgemeine Bezeichnung 
„Wanzentod" und „Wanzentinktur" führen. Verschiedene Ankündigungen 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIII. . i o 



168 Albrecht Hase, 

preisen Wanzenvernichtung „mit neuesten Mitteln" an; eine Firma macht 
die Vernichtung mittels „Stickgasapparat" (welches Gas?) bekannt. 

in. Mittel gegen Läuse 

1. Älbasol; a. g. Wanzen. Fab., Pat. 2,40. 

2. Anti Marke „Ejot". 

3. Antilausin. 

■k Beiß-Beiß. 3,50. 

• 5. Metz Blitz Balsam. 1,50. 

6. Contrasekt. Fab. 2,00. 

7. Eckolda; a. g. Flöhe. Gar., Pat. 6,00. 

8. Goldgeist. 3,75. 

9. Haarelement. 

10. „Haha"-Kopfwasser. Fab. 

11. Henningsons Edelfluid. Pat. 2,25. 

12. Hopsi. 

13. Kosekt. Fab. 

14. Kopf-Kein-Haaröl. 

15. Lausofan. Fab. 

16. Läuse-Essenz. 

17. Lauto. Fab. 5,00. 

18. Dilg Luhsin-Balsam. Fab. 2,00. 

19. Niffka. Fab., Pat. 

20. Nissin. 

21. Parasiten Liniment Pfeifferol. Fab. 2,00. 

22. Problimat. Fab. 3,00. 

23. „Radikal" sympathisches Naturmittel. 

24. Schwester Anna Kopfgeist. Fab. 3,75. 

25. Styx. 1,20. 

26. Tonal. 

27. Totin. 3,00. 

28. Droeges Vera. Gar., Pat. 4,50. 

29. Dr. Weinreichs Läuseäther. 

30. Mein Geheimnis. 

Hierzu kommen noch Mittel, die in der Annonce nur andeutungs- 
weise genannt sind, da sie nur bei „persönlicher Behandlung" angewandt 
werden, also Geheimmittel darstellen. 

IV. Mittel gegen Räude 

1. Flörosal. Fab. 3,50. 

2. Kaban Liniment. Fab., Pat. 

3. Kreopix. Fab. 5,50. 

4. Räudo. Fab. 

5. Diehlol. Fab. 19,00. 

6. Antisarkoptin. 

7. Schädlingstod; a. g. anderes Ungeziefer. Fab. 



Die Wirtschaft!. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 169 

Ferner werden noch Mittel andeutungsweise genannt, welche nur 
bei persönlicher Anwesenheit des Fabrikanten zur Anwendung kommen, 

V. Mittel gegen Motten 

1. Globol. Fab. 

2. Kolo. 

3. Persia Mottenschutz. 

Ferner werden noch drei Präparate unter der allgemeinen Bezeich- 
nung „Motten-Mittel" angeboten. 

• VI. Mittel gegen Schaben 

1. Aiwa Schabentod; a. g. Wanzen und Mäuse. Fab. 1,00. 

2. Antischwabin. .3,00. 

3. Furol; a. g. Wanzen, Ratten. Gar. 1,50. 

4. Granitol. Fab. 12,00. 

5. Kiffi. Fab. 6,00. 

6. Morida. 

7. Mortol. 

8. Poudre Martial „Tod und Teufel". Fab. 1,75. 

9. Eadikal Schabenpulver. 2,00. 

10. Seebers giftfreies Käferpulver. Fab., Pat. 

11. Thomasol Schwaben Puder. Fab., Pat. 3,00. 

12. Uhligs Sicher. 1,00. 

18. Terror Schwabenpulver. Gar. 

Ferner werden noch Präparate mit der Bezeichnung „Schwaben- 
pulver, -Tod" angeboten. 

VII. Mittel gegen Ratten und Mäuse 

1. Chlorostyx. 0,75. 

2. Furol; a. g. Wanzen und Schaben. Gar. 2,25. 

3. Hops. Fab. 

4. Apotheker Neumanns „Mors". Fab., Gar., Pat. 

5. Pestan. 2,25. 

6. Tufan. 2,00. 

7. Grasstats Rattitot. 3,00. 

8. Rattapan. Fab., Gar., Pat. 4,00. • 

9. Rattagallin. Fab., Pat. 

10. Rattenfänger. 

11. Siegerin. Fab. 3,00. 

12. Zinitin. Pat. 2,50. 

13. Ejot. 

14. Millim-ors. Fab. 1,50. 

15. Morrattin. 5,00. 

16. Musculin. Pat. 3,00. 

12* 



170 Albrecht Hase, 



17. 


Pogrom. 11,00. 


18. 


Ratin. 


19. 


Ratten-Mäusetod. .5,80. 


20. 


Terror Pest-Typhus-Bazillen. Gar. 


21. 


Thomasol Ratten und Mäuse Fluid. 


22. 


Thanatos Fest. Fab. 3,50. 


23. 


Rattenfort-Mäusefort. Fab. 1,75. 


24. 


Venimors. 



Fab., Gar. 7,00. 



Ferner liegen noch 23 verschiedene Anzeigen vor, die Ratten- und 
Mäusetuj^phus (Pest), Bazillenpräparate, sowie 8, die Ratten- und Mäuse- 
kuchenanzeigen, ohne bestimmte Namen für die Mittel anzugeben. Drei 
Ankündigungen preisen Spezialfällen an. 

VIII. Mittel gegen Ungeziefer im allgemeinen 

1. Gemol. 

2. Ort; g. Blattläuse, Fliegen, "Wanzen, Flöhe, Milben. 7,20. 

3. Tierarzt Bargums Viehreinigungspulver. 

4. Heini-Läuse- und Ungeziefer-Pulver. 3,00. 

o. Läusetöter; g. Ungeziefer beim Vieh. Fab. 4,00. 

6. Dalmatin. Pat. 2,50. 

7. Debeka. Fab., Pat. 

8. Demant Pulver und Pulverspritze (!). Fab. 

9. Parafix; g. Ungeziefer jeder Art. 5,00. 

10. Pereat Insektenpulver. 

11. Radikat Pulver. Fab. 

12. Rodol; bes. g. Yiehläuse. Gar. 1,25. 

13. Kolol. Fab. 

14. Hänsalin. Fab., Pat. 

15. Beersolin. Fab. 

16. Jucksin. Fab. 

Ferner liegen eine Menge von Annoncen vor, in denen kein be- 
stimmtes Mittel genannt wird; es werden nur „Ungeziefer-Mittel" an- 
geboten. Von Kammerjägereien und Desinfektionsanstalten liegen Ge- 
schäftsanzeigen vor in großer Zahl; teils unter der Angabe, daß „eigene" 
Mittel verwandt würden, teils mit dem Hinweis, daß sie die „besten 
vorhandenen Präparate" anwenden, teils mit dem Hinweis, daß sie „Un- 
geziefer jeglicher Art" sicher vernichten. 

Stellen wir nur die mit Namen ausgezeichneten in den vor- 
liegenden Anzeigen empfohlenen Mittel zusammen, so ergibt sich, daß 
gegen: Flöhe = 3, Wanzen = 12, Läuse = 30, Räude = 7, Motten 
= 3, Schaben = 13, Ratten und Mäuse = 24 und „Ungeziefer" = 16, 
zusammen 108 Mittel im Handel zu haben sind. Über 50, nur durch 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. ] 7 X 

allgemeine Benennung gekennzeichnet, sind allein in den Anzeigen an- 
gepriesen, welche mir vorgelegen haben, letztere sind selbstverständlich 
in der Endsumme 108 nicht enthalten. Bleiben wir zunächst bei den 
108 oben aufgezählten Mitteln; sie genügen vollauf, um auf das auf- 
merksam zu machen, was prinzipiell wichtig ist. — Zunächst fällt auf: 
nur bei 39% der Präparate wird der Name des Fabrikanten 
unzweideutig genannt. Da es sich aber z. T. um Präparate handelt, 
welche am menschlichen Körper angewandt werden sollen, so ist dieses 
Verschweigen kein Umstand, welcher geeignet ist, das Vertrauen auf 
die Wirksamkeit zu erhöhen. Von einer Arzenei verlangt man auch zu 
wissen, wer sie herstellte! Für gewisse Mittel wird eine Garantie für 
den Erfolg gewährleistet, es ist dies bei 18'^/o der Präparate der Fall. 
— Von einer Reihe obengenannter Mittel wird in der diesbezüglichen 
Anzeige angeblich als besonders beweisend für die Brauchbarkeit her- 
vorgehoben, das betr. Präparat sei „patentamtlich angemeldet" oder 
„gesetzlich geschützt". Ob die angemeldeten Patente auch erteilt 
wurden, ist nur in ganz vereinzelten Fällen ausgesprochen. 

Soviel über die benannten Mittel! Noch viel ungünstiger gestalten 
sich alle soeben dargestellten Dinge, wenn man die nur summarisch 
benannten Mittel (ca. 50) überprüft. Ich führe dies alles an, um die 
vollkommene Unsicherheit zu beleuchten und festzulegen, die in diesen 
Dingen herrscht. 

Die chemische Zusammensetzung der Mittel (abgesehen von 
den Bakterienpräparaten gegen Ratten und Mäuse) wird fast nie an- 
gegeben. Gewöhnlich, doch auch nicht immer, macht die Annonce nur 
auf die Beschaffenheit im allgemeinen aufmerksam, indem es heißt, 
„gebrauchsfertig", „zu verdünnen", „Salbe", „Tinktur" usw. Zwölf. 
Anzeigen sind mir zu Händen gekommen, in denen Kammerjäger zur 
Vernichtung des Ungeziefers „gasförmige" Mittel anpreisen, die sie nur 
in ihrer persönlichen Gegenwart zur Anwendung bringen. Um welche 
Gase es sich handelt, wird nie gesagt, denn eine Bezeichnung wie 
„Stickgas" (lt. betr. Anzeige) sagt gar nichts. 

Selbstverständlich sind nicht alle angepriesenen Mittel Schwindel. 
Aber leider bilden diese die Ausnahme. Ich will auf eine Tatsache 
hinweisen, welche wohl geeignet ist, berechtigtes Mißtrauen wach- 
zurufen. Im zweiten Kriegsjahr 1915 beschäftigte ich mich bereits mit 
der Frage der Läusebekämpfungs mittel (Hase, "Weitere Beobachtungen 
über die Läuseplage; Centralbl. f. Bakt., Par. u. Infekt., I. Abt. Bd. 77, 
1915). Etwa 80 mit Namen belegte (neben einer Unmasse einfach als 



172 Albrecht Hase, 

„Läusemitte] " bezeichneter Präparate) Mittel ^iff ich auf. Diese 80 
waren alle „totsicher", „garantierten für Erfolg", „patentamtlich gemeldet" 
usw. usw. Heute fand ich von diesen 80 nur noch 4 im Handel 
unter gleichem Namen. Der Einwand, der Bedarf an Läusemitteln 
sei nur gering , und deshalb seien sie im Handel zurückgegangen , ist 
vollkommen unhaltbar. Wie kommt es sonst, daß die heute im Handel 
befindlichen Läusemittel eine so große Zahl (lt. Tabelle I— VHI) aus- 
machen? Es ist das eben nur ein Ausdruck für die starke Nachfrage. 
Ich bin sicher, obwohl der Beweis schwer zu erbringen ist, eine Menge 
von Präparaten erscheinen immer unter neuem Namen, sobald sie unter 
dem alten nicht mehr zugkräftig sind. Macht man sich die Mühe und 
sucht festzustellen, gegen welche Schädlinge die angepriesenen Präparate 
eigentlich wirksam sein sollen, so stößt man bald auf Schwierigkeiten, 
denn nur ein Teil der Mittel sind Spezial- Bekämpf ungsuiittel, d. h. sie 
werden unzweideutig gegen einen bestimmten Schädling empfohlen. So 
z. B. gibt es Spezialmittel gegen Batten und Mäuse, gegen Läuse, Flöhe, 
Motten usw. — Die viel größere Menge der Präparate trägt den etwas 
verdächtigen Charakter als Universal-Bekämpfungsmittal, d. h. sie 
sollen laut Anzeige verschiedene Schädlinge zugleich vernichten — 
natürlich restlos. Einige Beispiele führe ich an: „Terror -Pulver" ist 
gegen Schaben, Wanzen, Läuse, Flöhe, Motten, Ameisen usw.; „Veni- 
mors" (Tabelle Vn)= Bakterienpräparate sind gegen „Ratten und 
Mäuse, Hamster, Wühlmäuse, Schwaben, Russen, Kellerasseln, Motten, 
Hausameisen u. a. Hausinsekten": „Wanzenol" (Tab. H), =^ „hat fabel- 
hafte Wirkung gegen Wanzen, Flöhe, schwarze Käfer, Kakerlaken usw." 
— Wir sehen, daß oft die zoologisch verschiedensten Geschöpfe mit 
ganz entgegengesetzter Lebensweise zusammengefaßt sind, gegen welche 
das betreffende Mittel summarisch wirkt. Müssen nicht dem Fachzoologen 
berechtigte Zweifel beim Lesen solcher Anzeigen auftauchen? Auf die 
Unsicherheit, die sich darin kundtut, werden wir weiter unten in Kap. 2, 
Abs. 4, nochmals zu sprechen kommen. 

Kapitel 2 
Über das Anzeigewesen beireffend Bekämpfungsmittel 

Nach jeder Richtung hin lohnend und interessant ist es, sich die 

Anzeigen selbst auf diesem Gebiete etwas genauer anzusehen. Welche 

UnZuverlässigkeit und Unkontrollierbarkeit herrscht, geht aus den An- 
kündigungen selbst hervor. 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 173 

I. Wer annonciert überhaupt? 

Es lassen sich drei Gruppen der Anzeigenden unterscheiden: a) der 
Fabrikant, b) der Wiederverkäufer, c) der Kammerjäger bezw. die Des- 
infektionsanstalt. Auch hier ist keine scharfe Trennung durchzuführen; 
schon deshalb nicht, weil vielfach gar nicht feststellbar ist, ob der 
Anzeigende der Selbsthersteller ist. 

Zu a) Der Fabrikant. Er zeigt unter voller Namens- und 
Adressenangabe das oder die von ihm hergestellten Mittel au. Beispiels- 
weise ist dies der Fall bei den Räudemitteln „Kaban Liniment", „Diehlol", 
„Kreopix"; beim Flohmittel „Trikresolpuder Pfeifferol"; beim Ratten- 
mittel „Rattagallin". In diesen Fällen ist gegen die Anzeige bezw. 
gegen die Art ihrer Abfassung nicht das geringste einzuwenden, wie 
sich, um es ausdrücklich zu betonen, meine Ausführungen niemals 
gegen brauchbare Mittel und gegen ernsthafte Ankündigungen 
richten, sondern nur gegen Unzuverlässiges. 

Zu b) Der Wiederverkäufer. Als solche kommen Klein- und 
Großhändler in Frage. Entweder wird von ihnen ein Präparat allein 
empfohlen, oder sie kündigen summarisch mehrere zugleich an. Wieder- 
verkäufer sind in erster Linie bestimmte Geschäfte wie z. B. Apotheken 
und Drogerien, auch Friseure. Ein Teil verkauft nur am Ort, ein 
anderer betreibt den Versand nach auswärts. Eine schlimme Kategorie 
von Wiederverkäufern sind die „Versandbüros" und „Versandhäuser". 
Unter vielen anderen Dingen verschicken sie Ungeziefer- und Schäd- 
lingsmittel ohne Angabe der Herkunft. Diese Art des Vertriebes ist 
um so anfechtbarer, da meistens als Adresse dieser Firmen nur der Ort 
und die Nummer des Postfaches angegeben wird, „Das Versandhaus" 
trägt aber in der Regel keinen Personalnamen, sondern einen Deck- 
namen. Ganz auffallend aber ist es, daß derartige Firmen zumeist nicht 
in den beheimateten Zeitungen ihre Präparate anbieten, sondern in 
Blättern weitentfernter Provinzen. Beispielsweise preisen westfälische 
Firmen in Schlesien und badische Firmen in Ostpreußen an. Muß der 
Satz „daß der Prophet nichts im Vaterlande gilt" hier nicht dahin ab- 
geändert werden, daß er als Schwindler erkannt, die Heimat scheuen 
muß? Jedem Leser ist es anheimgestellt, sich auszumalen, wie die 
Reklamation verläuft, wenn er auf in derartiger' Weise angebotene 
Präparate hereinfiel! 

Zu c) Der Kammerjäger bezw. die Desinfektionsanstalt. 
Daß diese Gewerbe entsprechende Anzeigen in die Zeitungen einrücken, 
ist klar. Zweifelsohne gibt es recht reell arbeitende Firmen in allen 



174 Albrecht Hase, 

Teilen Deutschlands darunter. Man kann bei einiger Übung vielfach 
der Annonce schon entnehmen, ob zuverlässige Firmen dahinterstehen. 
Aber leider gibt es einen großen Prozentsatz von unlauteren Elementen 
besonders unter den Kammerjägern; ihre Anzeigen fallen entsprechend 
aus. Wenn z. B. Kammerjäger „jahrelangen Erfolg" garantieren, so ist 
wohl für den Biologen die Diskussion über derartige Behauptungen 
überflüssig. — Yerbunden mit ihren Geschäftsanzeigen sind nun viel: 
fach, fast regelmäßig, zugleich die Anpreisungen von Ungeziefer- und 
Schädlingsmitteln. Entweder heißt es: verwende meine Spezialmittel, 
oder: es kommen nur die neuesten Mittel und Verfahren zur Anwendung, 
oder: verkaufe und versende Ungeziefermittel wie . . . (folgt Angabe 
der Präparate). Leider ist das Kamm erjägerge werte vielfach ein sogen, 
unsicheres. Verbindet nun ein an und für sich unzuverlässiger Kammer- 
jäger mit seinem Beruf noch den Versand und die Herstellung von 
üngezief ermitteln , so kann man sich leicht denken, was dabei heraus- 
kommt und wie das kaufende Publikum geprellt wird. — Welche Un- 
zuverlässigkeit herrscht, geht aus einem Umstände mit am schlagendsten 
hervor. Es liegt mir eine Reihe von Anzeigen vor, in denen Kammer- 
jäger ankündigen, daß sie von weit auswärts in einen bestimmten Be- 
zirk kommen. So z. B. reist ein westfälischer Kammerjäger nach Ost- 
friesland und ein Bayer arbeitet in Schlesien. Da fragt man sich, 
gibt's denn in der Heimat kein Ungeziefer mehr? Oder hat der Be- 
treffende triftige Gründe, seine Tätigkeit weit weg zu verlegen? 

2. Wo wird annonciert? 

Wir können die Frage gleich vorweg beantworten: in allen Tages- 
zeitungen und zwar in den größten, den großen, den mittleren 
wie in den kleinen (vergl. S. 163). Ferner in den Fachzeitungen, 
von allem der Berufsstände und Erwerbszweige, die den Angriffen ^^on 
Schädlingen in erster Linie ausgesetzt sind. Solche sind: Fleischereien, 
Bäckereien, Müllereien, Gastwirtschaften, Brauereien, Nahrungsmittel- 
industrien und -handel, Drogenhandlungen, Land- und Viehwirtschaften, 
Gärtnereien, Obstbau, Blumenbau, Imkereien, Kleintierzüchtereien. — 
Auffallend ist und es gibt zu denken, daß besonders zahlreiche An- 
kündigungen in- denjenigen Tageszeitungen zu finden sind, 
welche vorzugsweise von der ärmeren Bevölkerung großer 
Städte gelesen werden (z. B. Dresdener Volkszeitung, Essener Volks- 
zeitung, Kieler- Volkszeitung, Magdeburger Volksstimme u. a. m.). Durch 
diese Tatsache kommt zweierlei zum Ausdruck. Erstens, daß diese 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 175 

Kreise — der wirtschaftlich schwächere Teil — besonders stark unter 
Ungeziefer, zu leiden haben, und zweitens, daß er das größte Kon- 
tingent der Käufer stellt. Die Anzeigen würden ja sofort in den Blättern 
verschwinden, wenn sie erfolglos wären. Dieses ist aber keineswegs 
der Fall, im Gegenteil, sie sind ständig darin vertreten. 

3. Wie oft wird annonciert? 

Um diese Frage genau zu beantworten, bedürfte es recht umfang- 
reicher Erhebungen. Doch da, wie ich schon betonte, keine Anzeigen- 
statistik getrieben werden soll, so können wir uns mit dem begnügen, 
was an Material vorliegt. Auch dieses gibt uns die Aufschlüsse, welche 
von prinzipieller Wichtigkeit sind. Ein Teil der Anzeigen -erscheint nur 
wenige Male, besonders die in den kleinen und mittleren Blättern. 
Wenn ein Drogist alle Monate in einer kleinen Lokalzeitung einmal ein 
Schädlingsmittel anzeigt, so genügt es für diesen Leserkreis. Andere 
Anzeigen liegen mir vor, die vier- bis fünfmal im Monat in einer Zeitung 
erschienen sind und dann nicht wieder. Eine dritte Gruppe von An- 
zeigen kehrt immer wieder und erscheint in einer Menge von Zeitungen, 
z, B. wurde die Anpreisung von „Lauto" in 30, von „Furol" in 64 und 
von „Goldgeist" sogar in 110 Zeitungen festgestellt. Der Umfang der 
Reklame, welcher für die verschiedenen Präparate aufgewendet wird, 
ist eben, je nach der Finanzkraft der Unternehmer, ganz verschieden. 
Jedenfalls ist keinesfalls der Schluß zulässig: das Mittel muß gut sein, 
denn es wird viel Reklame dafür gemacht. 

4. Wie wird annonciert? 
Daß ein Fabrikant für seine Erzeugnisse Reklame machen muß, 
ist selbstverständlich, und es fällt mir auch absolut nicht ein, die Be- 
rechtigung einer sachgemäßen Reklame, auch für Schädlings- und Un- 
geziefermittel irgendwie in Abrede stellen zu wollen. Wogegen ich 
mich wende, ist das Unsachliche. Sieht man sich die Anpreisungen der 
Schädlings- und Ungeziefermittel etwas kritisch an, so fällt sofort auf, 
wie sehr die Sachlichkeit zurücktritt und ihre Stelle das 
Schlagwort einnimmt. Was zunächst die Benennung der Präparate 
anbelangt, so ist dagegen nichts einzuwenden. Im Gegenteil! Dieses 
Vorgehen erleichtert sogar die Stellungnahme zu den verschiedenen 
Mitteln. Nur sind die vielfachen Geschmacksverirrungen bei der Namen- 
gebung nicht gerade schön. Oder wer findet etwa den Namen „Beiß- 
Beiß" (für ein Läusemittel) oder „Hops" (für ein Rattenmittel) besonders 
wohlklingend? 



176 Albrecht Hase, 

Wie ich sagte, nimmt das Schlagwort einen breiten, ja beherr- 
schenden Raum ein in den Anzeigen. Es ist dies mit ein Ausdruck 
dafür, daß auf das große Publikum eben nur grobe Ausdrucks- 
mittel wirken. Eine streng sachlich gehaltene Anzeige würden die 
meisten Leser der Tageszeitungen (leider!!) gar nicht verstehen. Am 
beliebtesten sind die Schlagworte, welche den Erfolg des 
Mittels recht grell beleuchten. Daß hierbei der Wunsch der Vater 
des Gedankens ist, dürfte klar sein. Möglichst fettgedruckt, als Anruf, 
Überschrift und Stichwort erscheinen sie. Ich stelle eine Blütenlese 
von Schlagworten zusammen. Es wäre mir ein Leichtes, sie um das 
Dreifache zu vermehren. 

„Das beste Schutzmittel — tötet in wenigen Minuten — vernichtet 
verblüffend — vernichtet restlos — verblüffende Resultate — vertilgt 
radikal — beseitigt sofort radikal — sensationell — in einer Stunde 
gegen Garantieschein — Wirkung sofort radikal — allerwirksamstes 
Mittel — unwiderstehlich vernichtende Kraft — totsicheres Ausrottungs- 
mittel — das Ende des Ungeziefers — das größte Sterben — es gibt 
nichts Besseres — fabelhafte Wirkung — nichts anderes nehmen — 
1000 fach bewährt — mein Geheimnis — Riesenverdienst — meine Frau 
und ich sind glücklich — verheerende Seuche — ansteckende Seuche 

— 400 tote Ratten und Mäuse aufgefunden — Seuche! Typhus! Pest! 
Tod! — die neue Zeit — ■ die neue Macht — Erfolg garantiert sonst 
Geld zurück. — kein Quacksalber- und Kurpfuschermittelchen, sondern 
wissenschaftlich erprobt — auch die sauberste Mutter — Hören Sie! 
Haha! — wenn ihr Kind — Tod und garantiert radikale Vernichtung 

— zum Tode verurteilt — Mord — sicherer Tod — " usw. usw. 

Wie groß muß der Tiefstand der Kenntnisse breitester Volks- 
schichten in diesen Dingen sein, daß auf sie derartige Ausdrucksmittel 
wirken! Zu dieser traurigen Erkenntnis kommt man durch die Fest- 
stellung obiger Tatsachen. Welche ungeheure Aufklärungsarbeit muß 
noch geleistet werden von selten der Biologen, bis diese Zustände besser 
werden! Man fragt sich unwillkürlich, nachdem man soviel Versicherung 
von Mord, Tod, Vernichtung des Ungeziefers gelesen, wie kommt es 
nur, daß immer noch so viel vorhanden ist? Laut Anpreisung der 
Mittel müßte es doch längst zu den Seltenheiten gehören. 

Ein besonderes Kapitel in der Art der Abfassung der Annoncen 
bilden die geleisteten Garantien. Man kann lesen: „Ärztlich anerkannt, 
patentamtlich geschützt, gesetzlich geschützt, patentamtlich angemeldet, 
mein Institut ist gerichtlich eingetragen, unter staatlicher Oberaufsicht, 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 177 

wissenschaftlich erprobt, laut Zeugnissen, glänzende Gutachten, tausend 
Dankschreiben" usw. Natürlich gibt es Mittel, bei denen alles dies zu- 
trifft, doch bilden sie die Minderzahl. Wer die tatsächlichen Verhält- 
nisse der Praxis kennt, dem ist nicht unbekannt, in wie wenig Fällen 
die papiernen Versicherungen der Wirklichkeit entsprechen. 

Wir sagten bereits, daß die Abfassung der Anzeigen auf die 
Unkenntnis des kaufenden Publikums zugeschnitten ist. Eine 
Tatsache ist besonders geeignet, diese Behauptung zu beweisen. Es 
ist die Zusammenstellung aller der Schädlinge, gegen die ein und das- 
selbe Präparat helfen soll. Der Gedankengang der annoncierenden 
Händler und Fabrikanten ist gewöhnlich folgender : wenn in der Anzeige 
möglichst viel Tiere zusammen genannt werden, die das betreffende 
Mittel „totsicher radikal" vernichtet, dann wird durch die vorgegebene 
Universalität des Präparates das Publikum umso eher verleitet, es zu 
kaufen. Im vorhergehenden Kapitel hatte ich bereits den Wert der 
Universalität kritisch beleuchtet (vergl. S. 172). Ich führe noch einige 
Beispiele an und werde zum Schluß vom biologischen Standpunkte aus 
einiges einfügen. Wenn ein Mittel gegen Ratten und Mäuse zugleich 
angepriesen wird, so ist nichts dagegen einzuwenden. Nun finden sich 
aber Anzeigen (z. B. Furol, Tab. II und III), welche besagen, das Prä- 
parat sei gegen Ratten, Mäuse und Schaben und Wanzen zugleich wirksam. 
Oder ein „Schwabenpulver" dient zur Vernichtung von Schwaben, Schaben, 
Russen, Franzosen, Kakerlaken, Kellerasseln, Mehlmotten (!!), Ameisen usw. 
— Oder, das Präparat „Ort" (Tab. VIII) ist „das Beste und Sicherste 
gegen Fliegen, Käfer, Wanzen, Blattläuse, Russen, Kakerlaken, Schwaben, 
Hühner- und Vogelmilben" zugleich. Schließlich gibt es eine Menge von 
Präparaten, die „jegliches Ungeziefer radikal" vernichten. — Dazu sei 
vom biologischen Standpunkte aus bemerkt: wir wissen jetzt, daß selbst 
ein so hochgiftiges Gas wie Blausäure in bestimmter Konzentration nicht 
auf alle Schädlinge zugleich tödlich einwirkt. Sehen wir uns die Lebens- 
weise der oben in einem Atem genannten Formen nur etwas genauer 
an, so ergibt sich sofort, daß hier grobe Unstimmigkeiten sind. Wanzen 
saugen nur Blut, Blattläuse nehmen nur Pflanzensäfte zu sich. Schaben 
sind Allesfresser — welches Mittel kann sie sicher zugleich vernichten? 
Auch in Anbetracht der Lebensweise doch höchstens ein sehr giftiges 
Gas! Und ein solches Präparat soll man paketweise im freien Hand- 
verkauf bekommen? Wie will man mit einem Pulver (!) Mehlmotten 
vernichten, ohne das Mehl mit zu vernichten, d. h. ungenießbar zu machen? 
Hat der Verfasser der betreffenden Anzeige Kenntnisse über das Leben 



178 Albrecht Hase, 

dieses Vorratsschädlings? Es scheint nicht so! Eine Anzeige liegt mir 
vor, in der „gebrauchsfertiger Ungeziefer-Typhusbazillus für Ratten, 
Mäuse, Käfer, Wanzen, Flöhe, Läuse usw. unter garantierter Wirkung" 
angeboten wird. Ich höre zum ersten Male von einem so phänomenalen 
Bazillus! Zu letztem Beispiel sei bemerkt, die Anzeige ist nicht nur 
einmal, sondern wiederholt erschienen. Der hier zutage geförderte 
Unsinn richtet sich selbst! Fast niemals werden die Anzeigen der 
Biologie der Schädlinge durch entsprechende Fassung gerecht. Sum- 
marisch, ja stereotyp, kehrt immer der Passus wieder: „vernichtet alles 
Ungeziefer samt Brut restlos" usw. 

Noch einige kleine Beispiele znm Kapitel Unkenntnis und Kritik- 
losigkeit des Publikums! Was denkt man sich unter einem „gift- 
sichersten Mittel" (Schwabentod Morida), was unter einem „giftfreien 
Käferpulver" (Seebers giftfreies Käferpulver), was unter einem „unver- 
gänglichen Schwabenpuder" (Thomasol Schwabenpuder), was unter „drei- 
fach starkem und fünffach starkem Läusemittel? Oder: ein Versandbüro 
bietet Rattenkuchen „auch gegen Maulwürfe" (zu 4 Mk. das Stück) an. 
Kommentar überflüssig!! 

Nur noch einige Worte zur zoologischen Benennung der zu be- 
kämpfenden Formen. Auch hier kann man Dinge finden, die einerseits 
die Unkenntnis der Anzeigenden, andererseits des Publikums klipp und 
klar erweisen. Ich möchte nur ein Beispiel herausgreifen: die Benennung 
der Schaben. Gewiß ist mir bekannt, wie verschieden regional die Be- 
zeichnungen sind, wenn es aber in den Anzeigen heißt, gegen „Schwaben, 
Russen, Kellerasseln, Kakerlaken" oder gegen „Schwaben, Schaben,, 
Russen, Franzosen, Kakerlaken", so ist doch die Frage berechtigt, 
warum diese Häufung der volkstümlichen Namen? Dokumentiert sich 
auch darin nicht eine große Unsicherheit? 

Bevor ich diesen Abschnitt schließe, soll noch auf einen Punkt 
hingewiesen werden, der einen großen Prozentsatz der Anzeigenden 
fragwürdig erscheinen läßt. Immer kehrt die Versicherung wieder des 
hohen Verdienstes, den Wiederverkäufer durch den Präparatverkauf er- 
zielen. „Riesen verdienst" — „Lohnendstes Mittel für Grossisten", das 
sind die Schlagworte, mit denen gearbeitet wird^). — Selbstverständlich 

^) Kurz vor dem Druck der Arbeit, als die Tabellen I bis VIII bereits ab- 
geschlossen waren, kam mir folgendes Inserat in einer Fachzeitung zu Gesicht. Wörtlich 
lautet es: „Riesigen Verdienst erzielen Sie bei Herstellung von Wanzenfluid mit unserem 
Arcolin. 1 kg mit 19 kg Aqua (gesperrt d. Verf.) gemischt, bringt Ihnen spielend 



Die wirlschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 179 

soll jemand, der ein gutes Ungeziefermittel in den Handel bringt, auch 
daran verdienen. Wenn aber besonders hohe Verdienste schon dem 
Wiederverkäufer zugesichert werden, wieviel verdient dann der Fa- 
brikant? Wie billig muß dann die Herstellung des Präparates sein? 
Im Gegensatz steht dies aber zu den meist recht hohen Preisen der Mittel 
im Handverkauf. In Tab. I — VIII sind bei mehreren Mitteln die Preise der 
kleinsten im Handel erhältlichen Mengen angegeben. Sicher ist natür- 
lich, daß heute, infolge der allgemeinen Preissteigerungen, viele derselben 
schon längst überholt sind. Mir drängt sich bei der Prüfung der Preise 
immer der Gedanke auf, es muß doch recht viel mit diesen Dingen 
verdient werden. Meine Meinung ist: die große Produktion derartiger 
Mittel wird eben nicht dadurch hervorgerufen, daß unsere Kenntnisse 
über die Wirksamkeit spezifischer Bekämpfungsmittel gegen die Schäd- 
linge plötzlich ungeahnt große und sichere geworden sind, sondern da- 
durch, daß, fußend auf der Dummheit des Publikums einerseits und auf 
der großen Nachfrage andererseits vielfach mühelos glänzende Geschäfte 
zu machen sind. 

5. Ergänzende Bemerkungen 

Um das ganze bisher entrollte Bild noch mehr abzurunden, soll 
zum Schlüsse dieses Kapitels noch verschiedenes zur Sprache kommen. 
Es bedarf wohl nicht vieler Worte mehr um darzulegen, auf welch un- 
sicherem Boden man sich hier bewegt, und doch wäre Gewißheit recht 
dringend vonnöten, in Anbetracht der ganzen Wirtschaftslage. — Wie 
groß die allgemeine Unsicherheit, ist im Wortlaut mancher Anzeigen 
selbst direkt ausgesprochen und zwar im Hinblick auf die Konkurrenz. 
Nun ist es aber ein höchst zweischneidiges Schwert, den' Konkurrenten 
als Schwindler hinzustellen in Ermangelung anderer Beweisgründe. Was 
dann, wenn der Angegriffene zur gleic];ien Waffe greift? — Daß in den 
Anpreisungen vor Nachahmungen gewarnt wird, ist nichts Besonderes. 
Auch Hinweise, wo ein bestimmtes Mittel „allein echt" zu haben sei, 
sind in keiner Weise anzufechten. Wenn es aber in verschiedenen 
Annoncen heißt: „Meine Präparate, welche ich bei meiner Ausführung 
in Anwendung bringe, sind nach meinem sachlichen Gutachten (!!) durch 
langjährige Forschungen wissenschaftlich die einzigen Mittel, der Weiter- 



400 Mk. ein. Verdienst wie in der Rezeptur; 1 Literflasche 39,75 Mk. ab exkl. per Nach- 
nahme (Dr. Korallus & Co., Charlotten bürg 4/33)". — Ich glaube, die Fassung der An- 
zeige bestätigt genugsam meine Ausführungen. 



X80 Albrecht Hase, 

Verbreitung vorzubeugen und Ausrottungen zu erzielen'' — oder: „Eine 
Infragestellung des Erfolges, wie es bei fast allen anderen Mitteln fast 
meistens der Fall ist, ist völlig ausgeschlossen" — oder: „Ratten- und 
Mäuseplage sind nicht behoben durch marktschreierische fremde, sondern 
durch . . . ." — oder: „Man weise alle Nachahmungen zurück, da 
billigere Präparate wertlos" — oder: „Wer .... trotz angewandter 
Mittel nicht loswerden konnte, wende sich an . . . ." — oder: „Ich 
beseitige vollständig mit meinen noch nie versagten Spezialmitteln selbst 
da, wo schon viele Mittel ohne Erfolg angewandt waren", so fällt der- 
artige Reklame eben unter das, was ich oben sagte. Diese wortgetreu 
wiedergegebenen Zugeständnisse sind für uns umso wertvoller, weil 
sie direkt unsere Behauptungen bestätigen. Die Lage des kaufenden 
Publikums ist aber deshalb zunächst noch keine bessere, denn ob ge- 
kaufte Mittel brauchbare oder wertlose sind, kann es nur empirisch 
feststellen. Zunächst behauptet ja jeder Fabrikant, seine Präparate 
seien nicht mit wertlosen zu verwechseln. 

Über manche Mittel werden Prospekte und Literatur versandt. 
„Man verlange Prospekte" heißt es in den diesbezüglichen Annoncen. 
Wir haben uns solche Druckschriften kommen lassen. Natürlich steht 
meist unter Berufung auf viele Dankschreiben nur darin, wie vorzüglich 
das Mittel sei. Nur ganz wenige solcher Prospekte heben sich über 
den Rahmen des Selbstlobes heraus. Wer mit derartigen Dingen einiger- 
maßen vertraut ist, der wird mir beipflichten, wie wenig Positives zu 
einer objektiven Beurteilung solcherlei Prospekte bieten. 

Schließlich sei auf etwas noch hingewiesen. Es wird manchem 
Leser aufgefallen sein, daß in den Tabellen I bis VIII so wenig Motten- 
und keine speziellen Fliegenmittel verzeichnet sind. Der Grund ist ein 
zweifacher. Einmal sind die Fliegenmittel mit in der Gruppe „Ungeziefer- 
mittel im allgemeinen" enthalten, da es sich nicht um besonders benannte 
Spezialmittel handelte. Zweitens sind viele Schädlings- und Ungeziefer- 
mittel Handelsartikel, die zu bestimmten Jahreszeiten besonders hervor- 
treten. Wir haben das wenig schöne Wort „Saisonartikel" für 
derartige Sachen. Nun wurden die Anzeigen von Herbst bis Frühjahr 
aufgesammelt, also zu einer an und für sich recht ungünstigen Zeit in- 
sofern, als eben fast kein Mittel gegen Fliegen und Motten angepriesen 
wird. Diese Präparate erscheinen erst mit Eintritt wärmerer Jahreszeit 
wieder auf dem Markt. — Das gleiche gilt für viele Mittel gegen 
Pflanzenschädlinge — ebenso erscheinen besonders viele Anzeigen betreffs 
Wanzenmitteln erst im Sommer. 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 181 

Auch aus diesen Tatsachen geht hervor, die von mir gesammelten 
Anzeigen sind nicht etwa mühsam zusammengesucht, im Gegenteil! Es 
ist nur eine bescheidene Auswahl aus der im Laufe eines Jahres tat- 
sächlich erscheinenden Menge. 

Kapitel 3 

Die wirtschaftliche Bedeutung des Anzeigenwesens und des Handels mit 

Schädlingsmitteln 

f. Einleitende Bemerkungen 

Bevor ich Einzelheiten bringe, möchte ich meinen prinzipiellen 
Standpunkt in hierher gehörenden Fragen überhaupt darlegen. Ich weiß, 
daß ich mich damit mancherlei Angriffen aussetze. Zum mindesten hoffe 
ich aber Mißverständnissen vorzubeugen. Beabsichtigt wird: erstens 
auf die wirtschaftliche Bedeutung dieses ganzen Anzeigenwesens und 
Handelsbetriebes hinzuweisen und dabei erläuternde Zahlenwerte zu 
bringen; zweitens soll auseinandergesetzt werden, welchen eminenten 
Wert das Anzeigen- und Reklamewesen in diesen Dingen für die Be- 
einflussung des Publikums besitzt. 

Wenn ich Zahlenwerte bringe, so bin ich mir wohl bewußt, wie 
vorsichtig derartige Zahlen aufzufassen sind, und daß man sich vor weit- 
gehender Verallgemeinerung hüten muß. Andererseits vertrete ich den 
Standpunkt, wir müssen, selbst auf die Gefahr hin, nicht völlig genaue 
Werte zu erhalten, uns derartige Zahlenunterlagen verschaffen. Einmal, 
um uns selbst einen Überblick zu verschaffen, bis — was noch 
jahrelange Arbeit kostet — ganz exakte Zahlen vorliegen; dann aber 
auch, um Material zu gewinnen für eine groß angelegte Auf- 
klärungsarbeit. Mit rein theoretischen Erörterungen kann nach 
meinen Erfahrungen auf die große Menge niemals eingewirkt werden. 
Ihr müssen konkrete, leicht verstellbare und persönlich beziehbare Dinge 
vor Augen geführt werden, soll sie in Bewegung kommen. Das große 
Publikum muß an den. empfindlichsten Punkten gefaßt werden, 
die es für dasselbe gibt, und diese Punkte sind: die Magenfrage und 
Geldfrage einerseits, die Bequemlichkeitsfrage andererseits. 
Ich spreche das ruhig aus , indem ich die Dinge nehme wie sie sind, 
und nicht wie man sie idealiter wünscht. Im allgemeinen Teil betonte 
ich aber bereits aufs Ausdrücklichste, daß alle Fragen der angewandten 
Zoologie, letzten Endes also auch diese Dinge, Angelegenheiten der 
Öffentlichkeit, mithin des großen Publikums sind. Man muß also mit 



182 Albrecht Hase, 

diesem als gewichtigem Faktor rechnen, will man tatsächlich weiter- 
kommen. Praktische Erfahrungen mannigfacher Art haben mich zu dieser 
Stellungnahme veranlaßt, und ich muß es zunächst in den Kauf nehmen, 
ungenau, unwissenschaftlich, banal, trivial gescholten zu werden. — Das 
alte Sprichwort . vom groben Klotz und groben Keil ist hier voll am 
Platze. Ich hielt genugsam Vorträge und dergl. über Ungeziefer- und 
Schädlingsbekämpfung; ich versuchte anfangs mit ethischen Forderungen 
und rein wissenschaftlichen Tatsachen zu überzeugen. Ich predigte 
tauben Ohren. Der Appell an das soziale Gewissen ist kläglich ge- 
scheitert! Sofort aber wurden meine Zuhörer, die sich aus allen sozialen 
Ständen zusammensetzten und in bezug auf den Stand ihrer Kenntnisse 
in diesen Dingen eine einheitliche „Masse" — also großes Publikum — 
bildeten, hellhörig, als ich die praktische und wirtschaftliche Seite der 
Frage aufrollte, als ich die privaten Interessen wachrief. Jetzt bekam 
für die Menge alles ein anderes Gesicht: das persönlichste Interesse 
war da, welches es geben konnte, nämlich: es kostet mem Geld! meine 
Bequemlichkeit! 

Wenn wir also Zahlenwerte bringen, so wollen wir damit ein, 
wenn auch grobes, so durch seine Grobheit umso wirksameres Agitations- 
mittel für die Aufklärungsarbeit gewinnen. Daß diese Mittel noch grobe, 
sinnfällige, leicht persönlich beziehbare sein müssen, erwies ich einer- 
seits durch meine persönlichen Erfahrungen, andererseits hat uns das 
Studium der Anzeigen gelehrt, wie der Bildungszustand der Massen in 
diesen Dingen ist, und es bestärkt uns dies umso mehr, an unserer 
Auffassung festzuhalten. Es ist wohl eigentlich überflüssig, wenn ich 
betone, daß der jetzige Zustand kein idealer ist, aber er ist einmal so, 
und ihn heute schon so zu behandeln, wie wir ihn wünschen, ist ein 
Grundfehler. Wie die geistige Konstruktion des großen Publikums ist, 
lehrten uns die Fassungen der Anpreisungen von Schädlings- und ün- 
geziefermitteln. Sie zeigen uns, welcher Ausdrucksmittel es bedarf, um 
Wirkungen zu erzielen; sie lehren uns, daß nur Sinnfälliges, selbst ganz 
grob Sinnfälliges, auf Erfolg rechnen kann. 

Eine Überlegung wird jedem Praktiker sagen, daß es am einfachsten 
und zweckentsprechendsten ist und am raschesten zum Ziele führt, wenn 
man sich zunächst analoger Mittel und Methoden bedient. Die Wege 
des Erfolges im großen Publikum überhaupt sind vorgezeichnet, warum 
soll man sie nicht gehen, um seine Zwecke ^- eben die Aufklärung — 
durchzuführen? Da die Notlage der Zeit mehr denn je rasche Hilfe 
erfordert, so ist dies umso mehr ein Grund, Bahnen einzuschlagen, die 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 183 

prinzipiell auf dasselbe hinauslaufen: Erfolg- in Dingen des täglichen 
Lebens. Was heute die breiteste Öffentlichkeit in bezug auf Ungeziefer- 
und Schädlingsbekämpfung beherrscht, das hat Erfolg — wenn auch im 
üblen Sinne. Warum soll man nicht mit gleichen Mitteln einen diame- 
tralen Zweck verfolgen, zumal die Mittel höchst wirksam sind, wie der 
im praktischen Leben allein entscheidende Erfolg lehrt! Warum sich 
also ängstlich, ja krampfhaft hüten, Erscheinungen der Alltäglichkeit in 
den Dienst der Wissenschaft und wahrer sozialer Arbeit zu zwingen! 
In dieser Auffassung dokumentiert sich eben unsere, nicht mit Unrecht 
so viel bespöttelte Weltfremdheit. Wir glauben, es sei alles erst wahr 
und durchführbar, wenn es theoretisch durchforscht wurde von Olims 
Zeiten bis jetzt. Damit genug der allgemeinen Erörterungen. Ich glaube 
mich also zur Aufstellung von Zahlenwerten berechtigt, und in welchem 
Sinne sie verwendet werden sollen, dürfte jetzt klar sein. Benutzen 
wir sie, bis andere Resultate uns an die Hand gegeben sind! Bis dahin 
soll jedoch die Zeit nicht ungenützt verstreichen. 

2. Die wirtschaftliche Bedeutung der Anzeigen und des Handels mit Schädlings- und 

Ungeziefermitteln 

Für fast jedes Gebiet hat man in dem öffentlichen Anzeigenwesen 
Gradmesser für die wirtschaftliche Bedeutung, welche die darin behan- 
delten Dinge besitzen. Ob es sich dabei um erwünschte oder unerfreu- 
liche Wirtschaftsobjekte handelt, ist zunächst belanglos. Jedenfalls lassen 
sich durch einfache Rechnungen Zahlenwerte gewinnen, wenn man die 
Anzeigen selbst und die darin gemachten Warenpreise zugrunde legt. 
Noch einen doppelten Vorzug hat ein derartiges Vorgehen: einmal ist 
man auf Schätzungen fast nicht angewiesen, und zweitens ist eine Nach- 
prüfung leicht möglich. Welche Zwecke wir mit der Errechnung von 
Endsummen verbinden, sagte ich im einleitenden Abschnitt dieses Kapitels. 
Vorweg sei gleich betont, daß bei allen Berechnungen Mindest- 
zahlen in Ansatz gebracht wurden, die wirklich in Betracht kommenden 
Werte sind demnach noch viel höher. 

Die Grundangaben, welche ich in dem Abschnitte mitteilte, der 
über die Methodik handelte, nehmen wir zum Ausgangspunkt. Tatsäch- 
lich liegen mir vor rund 2100 Anzeigen, die sich auf 114 täglich er- 
scheinende Tageszeitungen und auf 7 nicht täglich erscheinende Zeitungen 
mit etwas fachlichem Einschlag verteilen. Insgesamt lieferten also 
114 -|- 7 = 121 Insertionsorgane das Anzeigenmaterial und zwar in dem 
Zeitraum von 5 Monaten. — Der Reklame für derartige Dinge stehen 

Zeitschr. f. techn. Biologie, Bd. VIH. i o 



234 Alb recht Hase, 

aber in Deutschland mindestens 2800 Zeitungen zur Verfügung, davon 
2200 Tageszeitungen ohne beruflichen Charakter und 600 Fachzeitungen 
für Erwerbszweige, die in erster Linie in Betracht kommen. Die bei 
der durchgeführten Sammeltätigkeit berücksichtigten Zeitungen machen 
von der Gesamtheit 2800 aber nur rund 47o aus. Führen wir nun 
einige Rechnungen durch: 

a) Fragen wir zunächst, welche Insertionskosten verursachen 
in 5 Monaten diese 2100 Anzeigen über Ungeziefer und Schäd- 
lingsmittel? Es ergibt sich, wenn wir im Durchschnitt^) für eine 
Annonce 2.5 Mk. Gebühren in Ansatz bringen: 2100 X 25 = 52 500 Mk. 
— Da es sich nun um Präparate handelt, die das ganze Jahr über 
gangbar sind, also keine ausgesprochenen Saisonartikel (vergl. S. 180) 
darstellen, so dürfen wir nicht mit Unrecht annehmen, daß das ganze 
Jahr über genau so lebhaft annonciert wird. Wir hätten, falls wir unsere 
Sammeltätigkeit über das gauze Jahr erstreckt hätten und wenn wir 

2100 • 12 
die tatsächlich vorliegende Zahl von 2100 beibehalten, also 

= 5040 Anzeigen, erhalten aus 121 Zeitungen. Diese 5040 Ankündi- 
gungen kosten dann aber (wieder den Durchschnittspreis von 25 Mk. in 
Ansatz gebracht) pro Jahr 126000 Mk. Erfreulicher wäre es, wenn 
der Deutschen Gesellschaft für angewandte Zoologie im letzten Jahre 
126000 Mk. zur Verfügung gestanden hätten für ihre Arbeit. 

b) Berücksichtigen wir nun, der Reklame stehen aber 2800 Blätter 
zur Verfügung. Nehmen wir an, in diesen sei in den 5 Monaten 
genau so flott annonciert worden — eine Annahme, die absolut nichts 
Phantastisches an sich hat, ja der Wirklichkeit recht nahe kommt, wie 
man sich leicht überzeugen kann (vergl. die Ausführungen S. 162 u. ff.) — 

dann lägen ^^ = 48590 (abgerundet) Anzeigen vor; auf 12 Monate 

La 1. 

umgerechnet ^ rund 116 610 Anzeigen. Setzen wir für 

diese Summe den bereits verwandten Durchschnittswert von 25 Mk. 
pro Anzeige ein, so ergibt sich die gewaltige Summe von 116610 X 25 



*) Der Durchschnitt ist deshalb so niedrig gehalten, da in den kleinen Blättern 
die Insertionsgebiihren ganz andere sind als in den großen Zeitungen. Ein Fachmann,' 
der mir diesbezügliche Auskünfte gab, wollte den Durchschnittspreis unter Berücksichti- 
gung der stetig steigenden Preise auf 50 Mk. für eine Anzeige annehmen. Absichtlich 
habe ich aber nur die Hälfte als Grundwert angenommen, um der Ansicht zu begegnen, 
es käme mir darauf an, möglichst große Zahlen herauszurechnen. 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 185 

= 2 915000 Mk. (abgerundet) pro Jahr! Wem diese Zahl zu hoch 
erscheint, dem gebe ich zu bedenken: wir berücksichtigten ja nur acht 
bestimmte Gruppen (vergl. S. 163) bei unserer Sammeltätigkeit. Hätten 
wir sie auf die Schädlinge des Obstbaues, Weinbaues usw. ausgedehnt, 
dann wäre unsere Grundzahl 2100 um ein Mehrfaches gewachsen und 
die Endsumme nähme noch ganz andere Dimensionen an. 

c) Wem diese Art der Berechnung nicht zusagt, dem will ich 
andere Wege weisen, auf denen er sich Überblicke verschaffen kann, 
welche Werte hier bewegt werden. Wir gehen wieder von Tatsächlichem 
aus! Es liegen mir folgende Anzeigen vor von den nachgenannten 
6 Präparaten (vergl. Tab. I, II, III, Vni; S. 167 u. ff.): 

1. Goldgeist = 615 Stück aus 110 verschiedenen Zeitungen in 5 Monaten 

2. Furol = 254 „ „ 64 „ „ „ 5 „ 
;3. Lauto = 170 „ „ 30 „ „ „5 „ 

4. Eckolda = 168 „ „ 34 „ „ „ 5 „ 

5. Rodol = 55 „ „ 12 „ „ „ 5 „ 

6. Nikodaal = 26 „ „ 17 „ „ „ 5 „ 

Das sind zusammen 1288 wirklich erschienene Anzeigen. Setzen 
wir hier pro Annonce nur 20 Mk. Gebühren ein, in Rücksicht darauf, 
daß es sich um Wiederholungsanzeigen handelt, die billiger sind, so setzt 
sich der Kostenaufwand für diese 1288 Anzeigen wie folgt zusammen: 

Es erschienen für. 

1. Goldgeist = 615 Anz. zu je 20 M. = 12300,— M. (aj, 

„ (bx), 
» (Ci), 

„ (dj, 
„ (dl), 
» (ei). 

Für 1 Jahr um- 
gerechnet aber rund 60000, — Mark für diese 6 Präparate allein. Diese 
Summe genügt, um 4 Biologen den gleichen Zeitraum über zu beschäf- 
tigen. Aber welcher Sturm von Entrüstung würde sich zum Beispiel 
in einem Stadtparlamente erheben, forderte man eine gleich große 
Summe für Schädlingsbekämpfung. Die Werte ai bis fi werden uns 
nochmals beschäftigen. 

d) Noch andere Methoden gibt es, um Vorstellungen zu erhalten, 
welche Summen wirtschaftlich Ungeziefer- und Schädlingsbekämpfungs- 
mittel repräsentieren. Auch bei dieser Methode lege ich Tatsachen 
zugrunde, und zwar diesmal die Preise für die einzelnen Mittel. In den 
Tabellen I— VIII (S. 167) sind einige angegeben, soweit sie aus der 

13* 



2. Furol 


= 254' 


j> 


„ „ 20 „ - 5 080,- 


3. Lauto 


= 170 


jj 


„ „ 20 „ = 3400,- 


4. Eckold 


= 168 


Ji 


„ „ 20 „ = 3360,- 


5. Rodol 


= 55 


ji 


„ „ 20 „ = 1100,- 


6. Nikodaal 


= 26 


J) 


„ „ 20 „ = 520,— 


Das macht zusammen 


25 760, 




Mark in 5 Monaten. 



136 Albrecht Hase, 

Anpreisung ersichtlich sind; es sind aber immer nur die Preise, welche 
für die kleinste Menge, die im Handel zu haben ist, verlangt werden. 
Die meisten Präparate kann man in verschiedener Packung erhalten. 
Beispielsweise das üngeziefermittel „Ort" in kleinen Paketen zu 7,20 M. 
und in großen zu 18,30 M. Oder „Strubes Wanzentinktur" in Flaschen 
zu 3,50 und 6.— M. „Furol" kostet je nach dem Objekt, gegen das 
es angewendet werden soll, 1,30 M. (gegen Wanzen), 1,50 (gegen Schaben), 
2,25 (gegen Ratten und Mäuse). Wir nehmen hier den Durchschnitts- 
preis von 1,65 M. an. — Bei den nachfolgenden Berechnungen sind 
auch immer nur die Preise für die kleinsten Mengen in Ansatz gebracht 
worden. Bleiben wir zunächst bei den erwähnten 6 Mitteln. Diese 

kosten : 

1. Goldgeist 3,75 M. - 4. Eckolda 6,— M. 

2. Furol 1,65 „ 5. Rodol 1,25 „ 

3. Lauto 5, — „ 6. Nikodaal 4,— „ 

Wenn auf jede Anzeige hin nur 1 Käufer in 5 Monaten sich einfand, 
der ein kleines Paket erwarb, so sind an Werten umgesetzt worden, 
unter Berücksichtigung der Zahl der tatsächlich erschienenen Anzeigen 
über das Mittel, von: 

1. Goldgeist = 615mal 3,75 M. = für 2306,— M. (aj), 

2. Furol = 254 „ 1,65 „ = „ 419,— „ (b^), 

3. Lauto = 170 „ 5,— „ = „ 850,- „ (Cg), 

4. Eckolda = 168 „ 6,— „ =- „ 1008,— „ (d^), 

5. Rodol = 55 „ 1,25 „ =^ „ 68, — „ (e^), 

6. Nikodaal = 26 „ 4,— „ = „ 104,— „ (f^), 

Das macht zusammen für 4755, — M. Ware. Vergleicht man aber die 
Zahlen ai bis fi und a2 bis h, so ergibt sich sofort: es ist unmöglich, 
daß nur ein Käufer sich einfand. Die Unkosten für die Anzeigen 
würden ja nicht einmal gedeckt werden. Der Fabrikant wird nicht eine 
Menge Zeitungen mit seinen Annoncen monatelang überschwemmen, 
wenn er keinen Absatz hat. Wir können deshalb, ohne ins Uferlose 
zu gehen, annehmen, jede Anzeige wirbt 10 Käufer, zumal ja viele 
Tausende (entsprechend der Auflagehöhe der betreffenden Zeitung) die 
Annonce zu Gesicht bekommen. Unter letzterer Annahme stellt sich 
die Sache aber ganz anders dar. Wir erhalten an Stelle von 4755 M. 
einen Wert von 47000 M. für Ware. Aber nur für die 6 heran- 
gezogenen Mittel in 5 Monaten; für das Jahr umgerechnet ergibt 
dies einen Umsatz von 112000 M. ! 

e) Wir wollen noch eine Rechnung durchführen unter Zugrunde- 
legen anderer, aber auch realer Werte. Zu diesem Zwecke stelle ich 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 



187 



zunächst eine Preisliste von 50 Präparaten auf, die in den Tabellen 
I — VIII enthalten sind. 



1. 
2. 

3. 
4. 

5. 
6. 

7. 

8. 



A. Wanzenmittel 

Albasol 2,40 M. 

Antiwanzin .... 3,00 „ 

Drowil 8,00 „ 

Furol 1,30 „ 

Grotonol 10,00 „ 

Nikodaal 4,00 „ ' 

Strubes Wanzen- 

tinktui' 3,50 „ 

Dalmatin 2,50 „ 



zusammen für 34,70 M. = A 



C. Räudemittel 

1. Flörosol ..... 3,50 M. 

2. Kreopix 5,50 „ 

3. Diehlol .... . 19,00 „ 

zusammen für 28,00 M. 



C 



B. Läusemittel 



1. 
2. 
3. 
4. 



Beiß-Beiß . . . 
Metz-Blitz-Balsam 
Kontraseckt . . 
Eckolda . . . 



5. Goldgeist 



50 M. 



3,50 
1,50 
2,00 
6,00 
3,75 



6. Henningsons Edelfluid 2,25 

7. Lauto 5,00 

8. Dilg Luhsin Balsam 2,00 

9. Parasiten- Liniment 
Pfeifferol 2,00 

10. Problimat .... 2,00 

11. Schwester Anna 
Kopfgeist .... 3,75 

12. Styx 1,20 

13. Totin 3,00 



14. Droeges Vera 



4,50 



zusammen für 42,45 M. =: B 

D. Schabenmittel 

1. Aiwa Schabentod . 1,00 M. 

2. Antischwabin . . . 3,00 „ 

3. Furol 1,50 „ 

4. Granitol .... 12,00 „ 

5. Kiffi 6,00 „ 

6. Poudre Martial „Tod 

und Teufel" . . . 1,75 „ 

7. Radikal 2,00 „ 

8. Thomasol .... 3,00 „ 

9. Uhlig's Sicher . . 1,00 „ 

zusammen 31,25 M =: T> 



E. Ratten- 

1. Chlorostyx .... 0,75 M. 

2. Furol 2,25 „ 

3. Pestan 2,25 „ 

4. Tufan 2,00 „ 

5. Grasstats Rattitod . 3,00 „ 

6. Rattapan 4,00 „ 

7. Siegerin . . . . . 3,00 „ 

8. Zinitin 2,50 „ 

9. Millimors .... . 1,50 „ 

zusammen für 21,25 M. 



und Mäusemittel 

Übertrag 
Morratin 
Musculin 



10. 
11. 
12. 
18. 
14. 

15. 
16. 



Pogrom .... 
Ratten-Mäusetot . 
Thomasol Ratten- u 
Mäusefluid . . . 
Thanatos Fest 
Rattenfort-Mäusefort 



21,25 M. 

5,00 „ 

3,00 „ 

11,00 „ 

5,80 „ 

7,00 „ 

3,50 „ 

1,75 „ 



zusammen für 58,30 M. = E 



138 Albrecht Hase, 

Zähleu wir A, B, C, D, E zusammen, so ergibt sich für die 50 
Mittel zusammeu die Summe von ruud 200 Mark; der Durchschnitts- 
preis eines Präparates im Verkauf ist also 4 Mark! Rechnen wir die 
Herstellungskosten eines Präparates bis zur handelsfertigen Packung zu 
^/s des Einzelverkaufspreises, so kostet durchschnittlich den Fabrikanten 
diese Warenmenge den 5. Teil von 4 Mark = 0,80 Mark. Unter 1000 
Packungen wird aber kein Fabrikant herstellen, wenn er ein Mittel auf 
den Markt bringt. Demnach muß er 1000 mal 0,80 Mark — 800 Mark 
zunächst als bare Auslagen in das Geschäft stecken. Um sie wieder 
herein zu bekommen, sind aber unter Beibehaltung des Durchschnitts- 
preises 200 Käufer notwendig. Das gilt für 1 Mittel! Bei 50 macht 
das unter Beibehaltung der gleichen Grundwerte 50 mal 200 == 10000 
Käufer. Auf diese Art bekommt man auch eine Vorstellung, wie oft 
, diese Dinge gekauft werden, d. h. wie groß die Notstände sind! 

Wir können die Rechnung noch anders durchführen, indem wir 
sagen: von den unter 1 bis 50 oben genannten Mitteln wurden einmalig 
je 1000 Handelspackungen hergestellt, zusammen also 50000 Stück für 
den Einzelverkauf, Diese 50000 Packungen verteilt auf die einzelnen 
Mittel erscheinen im Handel mit dem Durchschnittspreis von 4 Mark 
pro Stück. Es sind demnach für 50 000 mal 4 Mark = für 200000 Mark 
Ware an Ungeziefer- und Schädlingsmitteln unter das Publi- 
kum zu bringen. V5 davon betragen die Selbstkosten der Fabrikanten; 
das ist ein Anlage wert von 40000 Mark. Um diesen allein zu decken, 
sind 10000 Verkäufe zu 4 Mark notwendig. Jedes der 50 Mittel muß 
also 200 mal abgesetzt werden, d. h. 200 Käufer finden. Wir wollen 
annehmen, es sei so — in Wirklichkeit werden die einzelnen Mittel ja 
viel öfter gekauft, wie es ja in den Anzeigen heißt „Tausende von 
Dankschreiben!" — die Rechnung ergibt auch, daß sich Tausende 
von Käufern finden (siehe oben) und daß sich so viele finden, ist 
eben ein Ausdruck dafür, welchen Umfang bei uns die Ungeziefer- und 
Schädlingsplage angenommen hat. 

f) Ich bitte den Leser, selbst den Stift zur Hand nehmen zu 
wollen und meine Ergebnisse nachzurechnen, dabei aber nie zu vergessen, 
daß ich immer möglichst niedrig gegriffen habe, schon deshalb, um den 
Vorwurf zu entkräften, ich bewege mich in Phantasiegebilden, bloß um 
mit großen Zahlen aufwarten zu können. Nein! Die Zahlen selbst 
sind mir nicht Endzweck, sondern nur Mittel zum Endzweck. Noch 
einige ergänzende Worte seien gestattet. In Kapitel I des speziellen 
Teiles konnte ich die Zahl der benannten Mittel auf 108, der un- 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. I39 

« 

benannten auf rund 50, zusammen also 150 angeben. Nehmen wir an, 
von diesen 150 Mitteln sei jedes durchschnittlich in 1000 Packungen in 
den Handverkauf gebracht worden zu 4 Mark Durchschnittspreis, so 
repräsentiert diese Warenmenge einen Wert von 150 • 1000 • 4 
= 600000 Mark. 

Schließlich sei noch ein Rechnungsbeispiel gestattet. In Kapitel III, 
Abschnitt 2 b, wurde unter Berücksichtigung wirklich vorliegender Tat- 
sachen die Gesamtzahl der Anzeigen über üngeziefermittel in den in 
Frage kommenden Zeitungen auf rund 116 600 pro Jahr angegeben. 
Wenn jede Anzeige nur 100 Käufer für das betreffende Mittel wirbt, 
welches wir wieder mit 4 Mark Durchschnittsverkaufspreis einsetzen, 
so ergibt sich die gewaltige Endsumme von 1 16 600 • 100 • 4 
= 46 640000 Mark. 

Viele werden bei letztgenannter Zahl stutzig werden und sie viel 
zu hoch finden. Demgegenüber gebe ich zu bedenken, daß auch bei 
dieser Berechnung einmal von gegebenen Verhältnissen ausgegangen 
wurde, und zweitens die angenommenen Schätzungen sich innerhalb von 
recht bescheidenen Grenzen halten. Ferner erstrecken sich meine Fest- 
stellungen ja nur auf einige Gruppen von Schadinsekten. Ich bin 
tiberzeugt, daß ganz andere Werte angegeben werden können, sobald 
umfassende Bearbeitungen vorliegen. 

Um aber nicht mißverstanden zu werden, betone ich nochmals: 
diese Zahlen sollen durchaus nicht als unumstößliche feste Werte be- 
trachtet werden. Im Gegenteil! Sie sollen uns nur eine Vorstellung 
davon geben, welche Werte durch Schädlinge auf dem Spiele stehen 
bezw. der Wirtschaft entzogen werden, damit die entsprechenden not- 
wendigen Gegenmaßnahmen sich in gleichem Umfange halten. Ich 
wünschte nur, den deutschen Instituten für angewandte Zoo- 
logie würden Mittel zu wissenschaftlicher Forschung in ent- 
sprechender Höhe zur Verfügung gestellt. 

3. Die Bedeutung des Anzeigenwesens und der Reklame für die Beeinflussung 

des Publikums 

Nachstehende Erörterungen beziehen sich wiederum in erster Linie 
auf die in Kapitel I behandelten Mittel. 

Unbestreitbar hat das Anzeigen- und Reklamewesen (betreffend 
Ungeziefer- und Schädlingsmittel) den Erfolg, daß die angepriesenen 
Präparate in Menge gekauft werden. Der kaufmännnische Erfolg 
ist da; der sachliche Erfolg bleibt leider vielfach aus. Den Beweis 



J90 Albrecht Hase, 

für die Richtigkeit dieser Behauptung zu erbringen, ist nicht allzuschwer. 
Wäre der Sacherfolg der gleiche wie der kaufmännische, dann wäre es 
widersinnig, ständig neue üngeziefermittel auf den Markt zu bringen, 
da die bisher angebotenen Präparate ihren Zweck erfüllt und alles Un- 
geziefer „restlos, radikal" vernichtet hätten; die vorhandenen Mittel 
würden der allmählich immer bescheidener werdenden Nachfrage genügen. 
Dieser scheinbare Widerspruch zwischen Sach- und kaufmännischem 
Erfolg bedarf der Klarstellung. Warum werden die auf den Markt 
geworfenen Präparate, taugliche wie völlig wertlose, wahllos gekauft? 
Einmal natürlich deshalb, weil der tägliche Bedarf ständig ein ungeahnt 
großer ist, und zweitens weil das Publikum fast gänzlich kritiklos 
der Suggestionskraft der diesbezüglichen Anpreisungen erliegt. Der 
Beeinflussung durch eine zw^eifelsohne geschickte Reklame ist aber in 
erster Linie der Unwissende, Naive am ehesten zugänglich, und zwar 
deshalb, weil er von einer geradezru rührenden Leichtgläubigkeit dem 
gedruckten Wort gegenüber ist, sobald ihm darin eine WnnscherfüUung 
zugesichert wird. An diesen schwachen 'Punkten setzt die Reklame an, 
unter Berücksichtigung folgender Tatsachen. Aufs sorgfältigste be- 
obachtet der Reklamefachmann die Vorgänge und Zustände in der 
Öffentlichkeit und macht sich mit der geistigen Struktur der großen 
Menge vertraut. Unter Verwertung dieser Kenntnisse betont er dann 
die Punkte in der Fassung seiner Anzeige, zu denen jeder Leser leicht 
persönliche Beziehungen findet. Derartige wesentliche Beziehungen sind 
aber: Bequemlichkeitsfragen einerseits und Magen- und Geldfragen 
andererseits. Das sind die Stellen, wo zweifelsohne, die große Menge 
am sichersten zu fassen ist. Darüber sprach ich bereits in Kapitel III, 
S. 181. Hierzu kommt noch, daß es sich überhaupt um Objekte handelt, 
welche der Alltäglichkeit angehören. Ich erinnere nur an die Kapitel 
Floh-, Wanzen-, Fliegenplage usw. Wer auch immer in seiner Ruhe 
durch diese Tiere gestört wurde oder wem sie den Genuß von Nahrungs- 
mitteln verekelten oder unmöglich machten (z. B. durch Ratten, Schaben, 
Kellerasseln), der findet eben sofort direkte Beziehungen zu Anzeigen, 
welche „Tod und Vernichtung" allem Ungeziefer androhen. Was man 
wünscht, glaubt man gern! Der Reklamefachmann hebt nun durch 
Schlagworte in der Abfassung der Anzeigen das grell hervor, 
was der Geschädigte wünscht. Er versichert ihm immer und immer 
wieder, dieses oder jenes Präparat erfüllte den dringenden Wunsch nach 
Abhilfe „totsicher". Damit ist der unbedingt notwendige Kontakt ge- 
funden. Dem Wunsch winkt Erfüllung durch Kauf des Präparates. 



Die -Wirtschaft!. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 191 

Ob die Versicherungen der Annoncen zutreffen , ist eine andere 
Frage. Der Zweck der Reklame ist ja ein ganz anderer, nämlich der, 
daß der betreffende Artikel gekauft wird. Wer derartige Reklame 
treibt, weiß auch in der Regel genau, wie groß die Gedankenlosigkeit 
des Pubhkums ist, und daß es sich fast nie überlegt, ob den Ver- 
sicherungen der Anzeigen nicht die notwendigen Voraussetzungen des 
Erfolges überhaupt fehlen. Bei der Anpreisung vieler Prcäparate kann 
man sich des Eindruckes nicht erwehren, der wirkliche Erfolg ist gar 
nicht erwünscht, denn würde er eintreten, dann wäre ja das Geschäft 
für die Zukunft verdorben. 

Zu allen diesen Dingen kommt noch zweierlei hinzu, nämlich das 
Moment der Massenhaftigkeit und dasjenige der Wiederholung. Die 
beiden wichtigen Momente „Massenhaftigkeit" und „Wiederholung" sollen 
durch einige Zahlenangaben kräftig unterstrichen werden. In Kapitel HI, 
2 c, S. 185, habe ich einige Tatsachen bereits angeführt, die zur Erläute- 
rung dienen. 

Ich brachte Zahlenangaben, wie oft 6 verschiedene Präparate an- 
gepriesen w^urden in 121 Zeitungen im Verlauf von .5 Monaten. Ferner 
wurde im Abschnitt Methodik (S. 162) die tägliche Auflageziffer von 25 zu 
Ausschnittszwecken benutzten Zeitungen aufgeführt. Diese 25 nament- 
lich genannten Zeitungen haben eine tägliche Gesamtauflageziffer von 
rund 1820000 Stück, wobei noch nicht einmal berücksichtigt wurde, 
daß die größeren der genannten Blätter zweimal pro Tag erscheinen. 
Für unsere Rechnungen genügt letztgenannte Zahl vollkommen. Wir 
dürfen sagen: mindestens 1820000 Leser bekommen täglich die Zeitungen 
zu Gesicht, In der Woche macht dies 12 700000 Jjeser; im Monat aber 
54600000 und in 5 Monaten rund 273000000 Leser. Diese gewaltigen 
Zahlen gibt bereits der etwa fünfte Teil der Blätter, die zu Ausschnitts- 
zwecken benutzt wurden, von der Gesamtzahl der Zeitungen, die für 
eine derartige Reklame in erster Linie in Betracht kommen, sind diese 
25 Zeitungen noch kein ganzes Prozent. 

Ich habe diese Rechnungen auch nur aus dem Grunde vorgeführt, 
um zu zeigen, welchen Umfang und welche Bedeutung das Reklame- 
wesen für die geistige Beeinflussung besitzt. Die Zahlen sind mir auch 
hier nicht Endzweck, sondern nur ein Mittel zu dem von mir gewollten 
Endzweck, nämlich: die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf diese Dinge 
hinzulenken. Nehmen wir an, daß selbst nur der hundertste, ja tausendste 
Leser einen Blick in den Anzeigenteil seiner Zeitung wirft, so ist es 
auch noch eine erstaunliche Menge Personen, welche sich mit dem In- 



192 Albrecht Hase, 

halte derartiger Anzeigen vertraut macht. Die Anzeige wirkt wie ein 
lapidares Flugblatt. Sie wirkt umso mehr, als die leicht vorstellbaren 
persönlichen Beziehungen zum Leser getroffen werden und ihm Wunscli- 
erfüllungen in den schillerndsten Farben vorgespiegelt werden. Was 
will es aber den von mir genannten Zahlen gegenüber bedeuten, wenn 
ein Flugblatt in 20000, sagen wir selbst 100000 Exemplaren einmal 
zur Verteilung kam? Hier fehlt das Moment der Wiederholung. Der 
Reklamefachmann weiß, daß immer und immer wieder dem Pubhkum 
etwas geboten werden muß, daß die einmalige Anpreisung keinen allzu 
großen Wert hat. Diese Erkenntnis muß meines Erachtens in die 
wissenschaftliche Aufklärungsarbeit übernommen werden. 

Es ist nicht schwer, aus den bisherigen Ausführungen zu ersehen, 
mit welchen Mitteln und in welchem Umfange die fachliche Aufklärung 
unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse zukünftig arbeiten 
muß, um die breite Menge aus ihrer Resignation aufzurütteln. Weite 
Kreise meinen, die Bekämpfung des Ungeziefers sei eben nicht anders 
möglich, als in der Art, wie es zurzeit geschehe. Sie glauben, eben 
mit durch die Aufdringlichkeit der Reklame über Ungeziefermittel be- 
einflußt, man befände sich auf den auch volkswirtschaftlich besten Bahnen, 
welche Summen allein das Reklamewesen — sagen wir gleich Unwesen 
— verschlingt, ist fast niemand klar, sonst würde schon von allen 
Seiten die Frage aufgeworfen worden sein: ist denn, keine Änderung 
möglich? 

Hier muß der Fachmann eingreifen und unter Berücksichtigung 
des Bestehenden den Lauf der Dinge umlenken. Das Gute soll bestehen 
bleiben, das Wirksame übernommen werden, verschwinden soll nur alles 
das, was zur Bereicherung unlauterer Elemente dient, ohne im geringsten 
den herrschenden Notständen (eben der Ungezieferverbreitung) zu steuern. 

Nach meiner Meinung ist auch von fachlicher Seite aus, besonders 
auch von wissenschaftlichen Instituten, welche sich mit besagten Dingen 
zu befassen' haben, unumgänglich notwendig, sich auf eine gewisse Re- 
klametätigkeit einzustellen. Ich vermeide es, auf Einzelheiten einzu- 
gehen, möchte nur daran erinnern, daß z. B. mit in erster Linie die 
Abfassung von Flugblättern eine gewisse Änderung erfahren muß, be- 
sonders nach der Seite hin, daß man den Leser auf persönlich beziehbare 
Momente aufmerksam macht. Weitere Ausführungen über die Bedeutung 
und den Umfang des Anzeigen- und Reklamewesens auf diesem Gebiete 
halte ich zunächst für unnötig, da meine Absichten, so glaube ich, klar 
genug erkennbar sind. 



Die wirtschaftl. Bedeutung von Ungeziefer und Schädlingen usw. 193 



, III. Schlußbemerkungen 

Es seien einige Schlußworte gestattet. Aus dem allgemeinen Teil 
geht wohl zur Genüge hervor, daß wir für die sachgemäße Behandlung 
der mehr rein wissenschaftlichen Seite der zu lösenden Probleme keine 
Sorge zu haben brauchen. Sie liegt in guten Händen. Anders dagegen 
die praktische Seite; hier sind zweifelsohne noch Lücken auszufüllen, und 
der kommenden Generation müssen die Wege gewiesen werden, wie diese 
Aufgaben der Lösung entgegengebracht werden können. Der angewandte 
Biologe muß sich der Öffentlichkeit und Alltäglichkeit gegenüber noch 
anders einstellen, das heißt: aus der Gelehrtenstube muß er heraustreten 
in die Wirklichkeit. Etwas kaufmännischen Geist soll er sich zu eigen 
macheu und volkswirtschaftlich denken und rechnen lernen. — Diese 
allgemeinen Erörterungen wurden im zweiten Teil durch einige spezielle 
Beispiele erläutert. 

Vollkommen • bin ich mir klar, daß die angestrebten Ziele nicht 
sofort ihrer Verwirklichung entgegengehen, aber dem Willen zur Wand- 
lung muß die Tat folgen. Zunächst wäre es die Aufgabe der Fachleute 
auf diesem Gebiete und der maßgebenden Behörden, der Geldverstreuung, 
welche, wie wir hörten, getrieben wird, so weit wie möglich Einhalt 
zu tun, schon deshalb, damit Mittel verfügbar werden für sachliche 
Forschungen. Welche wirtschaftliche Bedeutung diese Dinge haben, 
legte ich an der Hand von einigen Zahlen dar und zwar wurden diese 
Zahlen am Orte des Verbrauchs gewonnen. Der Einwand, es sei ein 
derartiges Vorgehen vom Standpunkte strenger Statistik aus unsachlich, 
kann dadurch entkräftet werden, daß man solche für Propagandazwecke 
gewonnene Zahlen jederzeit nachrechnen kann, ohne erst Fachstatistiker 
zu sein. Das Publikum selbst, und dieses ist der unbestreitbare 
Vorteil meiner Zahlenangaben, kann sich diese Werte selbst errechnen, 
und so gewinnen sie auch ein unschätzbares Moment, nämlich die direkte 
Beziehbarkeit zu dem einzelnen. Ist es erst einmal gelungen, den 
geistigen Kontakt der großen Menge einerseits und der Fachleute auf 
diesem Gebiete andererseits herzustellen, erst dann ist der Boden vor- 
bereitet für eine großzügige Besserung dieser Zustände. An Stelle der 
Beeinflussung durch gewinnsüchtige Reklame tritt die Beeinflussung 
durch sachliche Belehrung, nur muß sich letztere vor allem Schulmeistern 
hüten. Durch sachliche Belehrung wächst die Urteilsfälligkeit: wo aber 
Urteilsfähigkeit ist, da ist für Gedankenlosigkeit und Leichtgläubigkeit 



194 Albr. Hase, Die wirtsch. Bedeutung von Ungeziefer u. Schädlingen usw. 

kein Boden mehr vorhanden. Und sobald dieser Zustand erreicht ist, 
sind die Bahnen geebnet für eine innige Zusammenarbeit von Wissen- 
schaft und Wirtschaft. Was wir mit anstreben, ist, die weitesten 
Schichten der Bevölkerung zur unbedingt nötigen Mitarbeit auf diesem 
Gebiete zu erziehen. Ungeziefer- und Schädlingsbekämpfung ist 
eine Angelegenheit, die alle etwas angeht und nicht nur den 
unmittelbar Betroffenen. Diese wahrhaft soziale Idee bedarf der 
stärksten Propaganda, wozu diese Arbeit ein bescheidener Beitrag sein soll. 



Beitrag zur Geschichte des Bieres 

von 

' "T 



Ernst Kuhn * 



Mitteilung aus der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie 

in München^) 

Die nachfolgende Skizze ist die erweiterte Bearbeitung eines Vortrages, den ich 
vor einer Reihe von Jahren in der Münchener Anthropologischen Gesellschaft gehalten 
habe. Wissenschaftliche Ansprüche kann sie höchstens für ihren ersten Teil erheben; 
der zweite bietet nur eiae von Willkür nicht freie Auswahl aus dem gewaltigen Material, 



*) Die Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie in München 
hat sich u. a. die Aufgabe gestellt, Einzeldarstellungen über das Ernährungswesen aller 
Völker und Zeiten, sowie Texte und Übersetzungen mit fachwissenschaftlicher Erläuterung 
zu veröffentlichen. Hierbei sollen Sprachforscher, Geschichtsforscher und Ethnographen 
zusammen mit naturwissenschaftlich geschulten Beratern (Chemikern, Pharmazeuten, 
Botanikern, Zoologen, Technologen usw.) wirken. Auf diese Weise können auch fremd- 
sprachige Schriftwerke, besonders aus älterer Zeit, der Gegenwart nutzbringend vermittelt 
werden. Als erster Mitarbeiter erbot sich in dankenswerter Weise der auf seinem Ge- 
biete als eine der ersten Autoritäten bekannte Vertreter der arischen Philologie an der 
Universität München, Herr Geheimer Rat Prof. Dr. Ernst Kuhn, Sekretär der philo- 
sophisch-philologischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er über- 
nahm die Abfassung eines Beitrages zur Geschichte des Bieres, wobei ihm als techno- 
logischer Berater Herr Privatdozent Dr. Heinrich Lüers, Direktor der wissenschaft- 
lichen Station für Brauerei in München, zur Seite stand. Infolge der Erkrankung und 
des vor wenigen Monaten erfolgten Todes des Herrn Prof. Kuhn konnte die Arbeit 
leider nicht in dem geplanten Umfange ausgeführt werden. Herr Dr. Lüers hatte die 
Liebenswürdigkeit, die Abhandlung druckfertig zu machen, wofür ich ihm auch an dieser 
Stelle meinen herzlichsten Dank ausspreche. 

München, im Dezember 1920. Theodor Paul. 



Ernst Kuhn, Beitrag zur (jeschichte des Bieres 195 

das für die Geschichte des Bieres verfügbar ist. Der ursprünglichen Anlage des Vor- 
trags entsprechend bin ich hier nicht überall auf die letzten Quellen zurückgegangen 
und stütze mich auf die von mir benutzten Schriften allgemeineren Inhalts (von denen 
ich ein Verzeichnis beigebe) vielfach auch da, wo ich sie nicht ausdrücklich zitiere. 

Eine nähere Bestimmung des Begriifs „Bier" kann an dieser Stelle nicht um- 
gangen werden. Unser heutiges Bier ist das Endergebnis einer mehrere Jahrtausende 
langen Entwicklung und von dem Bier, der Urzeit gründlich verschieden. Letzteres 
bestand anfänglich einfach aus einem Gemisch aus Wasser und grob zerkleinertem Ge- 
treide, das erhitzt und hernach einer freiwilligen Gärung durch Hefen oder verwandte 
Mikroorganismen, die sich überall in der Natur vorfinden, ausgesetzt wurde. Solche 
erhitzte Mischungen aus Wasser und zerkleinertem Getreide enthalten nur wenig un- 
mittelbar vergärbaren Zucker, es mußte hier das Stärkemehl bezw. die verkleisterte 
Stärke erst durch die Fermente der Gärungsorganismen in vergärbaren Zucker und dieser 
dann weiterhin in Alkohol und Kohlensäure übergeführt werden. Diese für das ITrbier 
gegebene Darstellung gilt heute noch für das Bier der Tibeter, von welchem später zu 
reden sein wird. 

Aller weitere Fortschritt^) fällt bereits unter das volle Licht der Geschichte, wie 
unsere Abhandlung im einzelnen zeigen soll, die sich im übrigen auf die aus den eigent- 
lichen Getreidesorten, namentlich aus Gerste, in geringerem Maße auch aus Weizen, 
Hafer oder Roggen hergestellten Biere beschränkt und die eine Sonderstellung ein- 
nehmenden aus Reis oder Hirse bereiteten bierähnlichen Getränke Ost- und Zentralasiens 
sowie Afrikas ganz beiseite läßt. 

Zu danken habe ich meinem verehrten Kollegen Geheimrat Prof. Dr. Theodor Paul, 
der mich zur Drucklegung der Arbeit ermunterte, ferner dem Direktor unserer Uni- 
versitätsbibliothek Prof. Dr. G. Wolff und dem Direktor der Wissenschaftlichen Station 
für Brauerei in München, Privatdozenten Dr. H. Lüers, die mich durch manche litera- 
rische und technische Hinweise freundlichst unterstützt haben. 



Victor Hehn hat in seinem berühmten Buche „Kulturpflanzen und 
Haustiere" darauf hingewiesen, daß die Grenzen des römischen Welt- 
reiches mit denen des Weines und Öles ungefähr zusammenfielen und 
daß auch das heutige Europa sich passend in ein Wein- und Ölland auf 
der einen, ein Bier- und Butterland auf der andern Seite einteilen lasse. 
Aber er kann nicht umhin, sofort hinzuzufügen: „In ältester Zeit war 
dies Verhältnis ein anderes. Sammelt man die in den Schriften der 
Griechen und Römer zerstreuten auf die Geschichte des Bieres und der 
Butter bezüglichen Stellen^), so erstaunt man, wie ausgedehnt einst das 



^) Z. B. das Verbacken des Getreides zu Brot oder das Vermälzen vor dem Ver- 
maischen mit Wasser. 

*) Die Stellen der Alten über das Bier findet man zuerst gesammelt in Joan. 
Henrici Meibomii De cervisiis veterum potibusque et ebriaminibus extra vinum aliis 
commentarius (zuerst Helmstädt 1688), abgedruckt in J. Gronov's Thesaurus graecarum 



196 Ernst Kulm, 

Reich beider jetzt für nordisch gehaltenen Genußniittel gewesen ist und 
wie ganze Länder und Völker von ihm abgefallen sind". 

Das älteste Kulturland der Weltgeschichte, das Reich der Pha- 
raonen, ist gleichzeitig auch das älteste Bierland. Schon Hekataios^) 
von Miletos hatte das berichtet und sein Nachfolger Herodotos-) bestätigt 
es. Aischylos, älter als Herodotos, läßt in seinen 'IxsTidsg^) den König 
von Argos den aus Ägypten gekommenen Danaiden zurufen, hier würden 
sie eine mannhafte Bevölkerung finden, nicht Trinker von Gerstensaft 
— eine Äußerung freilich, welche das Bierverständnis des großen 
Tragikers in einem nicht gerade glänzenden Lichte erscheinen läßt. 
Theophrastos (372 — 287 a. Chr.), der Schüler des Aristoteles, ist dann 
der früheste Grewährsmann für die Angabe, daß Ci'^oc der einheimische 
Name des ägyptischen Bieres gewesen sei*). Die Ägypter, so sagt 
ferner der alexandrinische Philosoph Dion bei Athenaios, die ein sehr 
zum Trinken geneigtes Volk sind, haben für diejenigen, die zu arm sind, 
sich Wein zu verschaffen, ein Surrogat erfunden, nämlich den Wein aus 
Gerste; wenn sie diesen zu sich nehmen, sind sie lustig und singen und 
tanzen, kurz benehmen sich, als wären sie süßen Weines voll. Ebenso 
bezeugt Strabo (63 a. Chr. bis 23 p. Chr.), daß in dem national so ge- 
mischten Alexandreia das alteinheimische Getränk den Vorrang be- 
hauptete. Diodoros von Sicilien (unter Augustus) aber berichtet, daß 
kein geringerer als der ägyptische Gott Osiris selbst in der Stadt Pe- 
lusium das Nationalgetränk zuerst hergestellt habe, und rühmt von ihm, 
daß es an Wohlgeruch dem Weine nahezu gleichkomme-^). 



antiquitatum. Venetiis 1735. Vol. 9, Col. 537—620 [BUMH. aux.-625. Fol.]. Beck- 
mann p. 211 verweist auf Dittmar zu Tacitus Germania Cap. 23, p. 138. Vgl. auch 
Schranka S. 133 f. [etwa nach v. d. Planitz?], dazu kommt nach S. 297 noch Dioskorides 
2, 76. Krünitz nennt zu Anfang seiner Auseinandersetzung außer Aischylos noch 
Archilochos [s. Grässe Anm. 20], Sophokles und Plinius. 

^) Athenaios IX c. 63 S. 400 (so Diefenbach; bei Hehn: 10, S 447 und 10, 'S. 418 
= Müller Fragm. 290): '^Rv.ataio? ev SeoxEpti) tltfif.-q-fy'ssiui; slreiuv respl AlYOitticuv (uc apxo- 
tf>ä-(oi eIoiv, iizi'fipsr Tote; xpcö'«? st? xö rtiöfia xaxaXsouoiv. 

^) Herodotos II, 77, oivw 5'ex xpiO-scuv ixej^oitjijievu) ota)(pE<«vxai- oö '(äp atpi Etat ev 

X^ X'"PÖ O-lLKskoi. 

^) 'IxExt5E{; 953: 'z)>X' apoEvai; xot xYjaSe -[â– "'l? olx7]xopa? Eopyjaex' oh ictvovxcK; ex 
xpiO-öJv jaeO-o. 

*) Theophrastes de caus. pl. 6, 11, 2: oLov wc; ol xoui; otvouc: TtotoövxEc ex xöiv xptiJ'öiv 
xat xojv iropwv xotl xö ev Al-^oKzw xaXoü|AEvov Cod-oc. Vgl. Diodor 1, 34 und spätere, s. a. 
Jablonskii Opera ed. te Water 1, p. 76 — 79. 

*) Diodoros 1, 20: XEtTtöfxsvov ou tioXu xrfi nepi xöv otvov sötu^tai;. 



Beitrag zur Gescliichte des Bieres 197 

Diese griechischen Nachrichten finden nun in den ägyptischen 
Originalquellen willkommene Ergänzung. „Das Bier", sagt Erman^), 
„ist das eigentliche Leibgetränk des ägyptischen Volkes und selbst die 
Verstorbenen können in ihrer Seligkeit ohne Bier nicht auskommen, 
ebensowenig wie ohne Brot. Zu allen Zeiten ist es gleich beliebt; das 
alte Reich kennt allein vier Sorten, darunter auch schwarzes, d. h. 
dunkles; im neuen Reich bevorzugt man das ausländische Bier der 
Landschaft Qede im südöstlichen Kleinasien 2). . . Über die Bereitung 
des Bieres wissen wir wenig; darüber, dal man es aus zermahlener 
Gerste oder, wie man dafür auch sagt, aus oberägyptischem Getreide 
herstellt, stimmen alle Berichte überein." 

Wo sich die Gelegenheit bot, veranstaltete man gern ein Bier- 
haus, d. h. ein kleines Gelage und so verfielen namentlich junge Leute 
leicht der Versuchung zum Trünke. Ein Papyrus schildert uns an- 
schaulich den anstößigen Lebenswandel eines Jünglings, der statt zu 
studieren von Kneipe zu Kneipe^) wandert und sich in echten Studenten- 
exzessen austobt. Energisch warnt daher der weise 'Eney seinen Sohn 
vor der Trunksucht und der nicht minder weise Danuf verlangt von 
seinem Sohne, daß er sich an zwei Krügen Bier und drei Broten ge- 
nügen lasse (ebd. S. 347 f., vgl. 513). Auch die Vornehmen waren dem 
beliebten Volksgetränk nicht abhold: „ein besonderer Teil der königlichen 
Küche ist die reine, das heißt die Brauerei, in der das Bier bereitet 
wird" (ebd. S. 270). In ihr arbeiteten unter Ramses III. kilikische 
Sklaven, also Leute aus dem bierverständigen Qede oder seiner Nachbar- 
schaft (ebd. S. 156). Unter demselben Ramses war man einer Harems- 
verschwörung gegen den König auf die Spur gekommen und dieser hatte 
einen Sondergerichtshof aus ihm besonders vertrauenswürdig scheinen- 
den Beamten eingesetzt; von ihnen mußten eines Tages drei verhaftet 
werden, weil sie mit den angeklagten Damen Freundschaft geschlossen 
und ein Bierhaus gemacht hatten. Zur Strafe wurden ihnen Nase und 
Ohren abgeschnitten (ebd. S. 209). — Auch in religiöser Beziehung 



^) A. Erman, Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum. Tübingen 1885/7, 
S. 270 (vgl. 265). 

-) „Neben dem echten Qedebier aus dem Hafen steht das in Ägypten selbst 
von fremden Sklaven gebraute" (ebd. S. 266). — Ein an eine schlechte Stelle versetzter 
Beamter beklagt sich in einem Briefe an seinen Vorgesetzten: „Das Höchste, was an 
Getränk hier vorkommt, ist das Bier von Qede" (ebd. S. 171). 

^) Über die richtige Übersetzung dieser Stelle s. H. Schäfer in der Zeitschr. f. 
ägypt. Spr. und Altert. 37, S. 85. 



198 Ernst Kuhn, 

spielt das Bier eine nicht unwichtige Rolle: die Opferlisten weisen z. T. 
recht ansehnliche Posten von Bier auf; so entfallen auf den Tempel von 
Medinet Habu für einen bestimmten Festtag nicht weniger als 905 Krüge 
(ebd. S. 375f.), die jedenfalls von Priestern und Laien in friedlichem 
Wettbewerb vertilgt worden sind. 

Diese Nachrichten der schriftlichen Quellen werden vervollständigt 
durch plastische Darstellungen, welche Erman nicht berührt hat. Den 
richtigen Weg zur Deutung dieser Denkmäler weist uns L. Borchardt^) 
in seiner Abhandlung über die Dienerstatuea aus den Gräbern des alten 
Reiches, Zeitschr, für ägypt. Spr. und Altert., Bd. 35, indem er auf S. 128 
bis 134 eine Reihe solcher Dienerstatuen mit späteren Quellen vergleicht 
und danach mit Recht auf die verschiedenen Stadien der Bierbereitung 
bezieht. Die jüngste, aber auch deutlichste dieser Quellen ist die Art 
und Weise, wie die heutige Bauernbevölkerung Ägyptens ihr sog. büzah 
herzustellen pflegt. Borchardt sagt darüber folgendes: 

Man nimmt Gerste oder auch eine andere Getreideart, feuchtet sie an oder gräbt 
sie auch ein, so daß sie eben anfängt zu keimen, dann mahlt man sie ganz roh, etwa 
unserem Schroten entsprechend, und formt daraus anscheinend unter Zusatz von Sauer- 
teig große Brote. Diese werden darauf wenig gebacken, so daß nur die äußere Kruste 
brotartig wird, während das Innere völlig roh bleibt. Dann zerstückt man die Brote, 
tut die Stücke in ein Faß oder einen großen Topf, gießt Wasser darauf und läßt es 
etwa einen Tag stehen und gären. Danach wird die Flüssigkeit durch ein auf einen 
zweiten Topf oder Faß gesetztes Sieb hindurchgearbeitet, indem man die aufgeweichten 
Brotstücke auf dem Siebe mit den Händen zerknetet. Manchmal wird an Stelle des 
Siebes ein großer Korb oder eine Matte benutzt. Das weißlich schäumende Getränk, 
das einen säuerlichen, für Europäer. zuerst nicht angenehmen Geschmack hat, wird nach 
der Fabrikation sofort getrunken, da es sich nicht halten und abgefüllt jedes Gefäß bald 
zersprengen soll. Dies Bier soll auf den Dörfern in Oberägypten und Nubien von den 
einzelnen Familien im Hause bereitet werden. In den großen Städten wird es hand- 
werksmäßig hergestellt und verkauft. Dabei treten — wohl namentlich in den ersten 
Anfangsstadien des Fabrikationsprozesses — Änderungen und Abkürzungen ein, die aber 
für uns hier unwesentlich sind." 

Daran schließt sich bestätigend an — außer Rezepten aus der 
rabbinischen Literatur, die Bondi in der Zeitschr. für ägypt. Spr. u. Altert. 
1895, S. 62 mitgeteilt hat — das Fragment des Chemikers Zosimos aus 



^) Borchardt beruft sich auf Lane, Sitten und Gebräuche der heutigen Ägypter, 
Deutsche Ausg. 1, 91. Man vgl. auch die durchaus analoge Beschreibung jn J. Deaths 
im übrigen ziemlich abenteuerlichem Buche The Beer of the Bible (London 1887), nach 
welchem Weizen verwendet wird. Die ganze Abhandlung von Borchardt umfaßt die 
Seiten 119 — 134. Die auf das Brauen bezüglichen Stücke sind auf den im Text be- 
zeichneten Seiten erörtert. Die besprochenen Stücke sind im Gizehmuseum: S. 119. 



Beitrag zur Geschichte des Bieres 199 

Panopolis, dessen Herausgabe wir Chr. G. Grüner und Berthelot 
verdanken. 

Entsprechende Reliefdarstellungen lassen sich nach Borchardt 
S. 133 von der ersten Dynasti