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ZEITSCHRIFT 



FÜR 



VERMESSUNGSWESEN 

IM AUFTRAG UND ALS ORGAN 

DBS 

DEUTSCHEN GEOMETERYEREINS 

anter Mitwirkung von 

€. STEPPSS, und R. G£RHE, 

Stenerassessor in München, Privatdocent in Hannover, 

heransgegebeu von 

Dr. W. JORBAJy, 

Professor in Hannover. 



XIV. Band. 



(1885.) 



Mit 6 lithographischen Beilagen. 



STUTTGART. 

VERLAG VON KONRAD WITTWER. 

1885. 






Karlsruhe. Druck von Maisch & Vogel, 



Inhalts-Yerzeichniss. 



I. Hanptartikel« 

Seite 
Allgemeine Normen far die Herstellung hydrographischer Karten und Profile, 

von Steppes 353 u, 386 

Ausgleichung von symmetrisch angeordneten Richtungsheobachtungen einer 

Station, von Helmert 2G8 

Beiträge zu den Untersuchungen über die Genauigk'jit des Bayerischen Prä- 

cisionsnivellements, von Bischoff 12. 33 

Beiträge zur Kenntniss von Gauss* Praktisch-geodätischen Arbeiten , von 

Hauptmann Gäde. Mit VI lithographirten Beilagen . 113. 145. 161. 177. 193. 225 
Bemerkung zur Fehlertrennung in Nivellements-Polygonen, von Jordan . . 44 

Der Nivellirstab, von Lehrke in Hofgeismar 88 

Die Flächeninhaltsberechnung und Flächentheilung des Vierecks nach der 
Koordinatenmethode in den gewöhnlichen Fällen der Feldmesserpraxis, von 

Wilski, Steuerrath in Liegnitz (vergl. S. 320 Druckfehler) 289 

Die Preussischen Feldmesser-Reglements von 1813, 1857, 1871, von Gerke . 273 
DieWürttembergischeLandesvermessung, v. Obersteuerrath Sohlebach 40 1 . 417. 423. 433 

Lage der Feldmesser im Staats- Eisenbahndienst, von Winckel 257 

Landes- Vermessung in der Argentinischen Republik, von Freund .... 81 
Preussiscber Beamten-Verein, von Heidsieck, Kataster-Kontroleur .... 275 
Reduktion schiefgemessener Längen auf den Horizont mittelst Höhenwinkel- 
messers und Ausgleichungsmaassstabes im Felde, von Culturtechniker Eich- 

holtz in Höxter 277 

Ueber Boden-Bonitirung und Kartirung , von Professor Dr. R. Heinrich aus 

Rostock 208 

Ueber die Einführung eines Consolidationsgesetzes in der Rheinprovinz, von 

Weitemeyer 1 

Ueber Seetiefen-Messungen, speziell die Tieienmessungen an den Schweizer 

Seen, von Keller 65 

Ueber Stationsbeobaohtungen in symmetrischer Anordnung, von Vogler . . 49 
Verbindung von Messband-Zügen mit Aneroid-Höhen, von Hammer, Stuttgart 805 

Wie ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern ? 97 

— — — — — — — — von Lindmann . . . 410 



II. Kleinere Mlttliellniigeii« 

Annahme von Anwärtern für das Katastersupern umerariat in Preussen. . . . 108 

Basis-Apparat mit Eis-Temperatur, von Kerschbaum 251 

Concurrenz zwischen Kataster-Controleuren und Feldmessern 268 

Die BessePschen Erddimensionen, von Jordan 22 

— — — von Helmert 90 

Die Prüfung für Culturingenieure an der technischen Hochschule in Mün- 
chen, von M. Schuhes, gepr. Culturingenieur und Reg.-Feldmesser . , . 268 
Die Stellung der Vermessungsbeamten in Preussen, von Haclschner, Kataster- 
Secretär uud Rechnungsrath in Breslau 245 



181019 



IV 

Seite 

Hnickfehler in Gauss* 5 stelliger Logarithmentafel, von Hammer .... 80 
Meliorationen in Oberschlesien (aus der Bonner Zeitung) , mitgetheilt yon 

Theodor Muller 279 

XiTelliriustniment mit GeßUlslihelle, von Professor Prandti in Weihenstephan 104 

Paten tlisto von Vermessungttinstrumenten 3. Novemher — 1. Dezember 1884. 47 

— von Detember 1884 — 29. Januar 1885 110 

— Tom t, Februar — 30. April 1885 252 

— von Mai bis .\ugnst 1885 397 

— J8^ 457 

Signal«* fur Polygon vrinkel- Messung, von Lehrke 30 

Verbreitung de« metrisch en Maass> und Gewichts-Systems , mitgetheilt von 

Gerke 107 

Verstellbare KivelUrlatte für directe llöhenangabe, von Brode , Feldmesser 

und OuUurtechniker in Banitsch ... 251 

Wegeanlagen, von G ... 108 

Zeitschrift für Bauweisen 137 

Zur Laiidines$er>Tite2frage, von F. Kusch 28 

Zu Gunsten der deutschen Landwirthschaft, von Sombart ... ... 449 



III. Uiterataraeitiiiic. 

All^meiner Literatorbericht für 1SS4, von Gerke 231 

Oanäle in Xondeutschland. Ein neuer Entwurf von F. Matthias, besprochen 

von ^cppe^ 158 

Das 6r«s.>herao|rthuBi Baden in geographischer u« s. w. Hinsicht etc. . . 379 
IHe Gro$sK Badischen Hanptnivellements mit den Anschlüssen an die Nach- 
barstaatieB„ h«m«Ksgcg«ben vx>n der Grossh. Oberdii«ction des Wasser- und 
$CniSäsenbaQ«^ Karisrahe 1N»5> bearbeitet von Professor Jordan, besprochen 

Tön V<vj:ler 372 

Dni>g«r« WörnerlMBcb der Verdentschnngen entbehrlicher Fremdwörter, be- 
sprochen von J 109 

BSis^ger« C<Nn«spondenablatt für Katasterbeamte, besprochen von Jahr . . . 383 
Oex^e^ TriaagiJaxkni nnd Polvg^nisirang von M.- Gladbach, besprochen von 
KoU ,* 427 

GTsim, Penpberiewink el- Tafeln in alter Theilnng^Sexagci^imal-TheUong) nun 
AbsDecken vcn EiseisbAhn« und 8irassen-Curven, besprochen von Jordan - 396 

Hefaner^ i^ie anaxbeauixidchen und physikalischen Theorien der höheren 
Geodisie^ bfnsprochen Ton Rebsxein 451 

KakdM<^r rar G«4nei«r nnd Kukurtechniker, unter Mitwirkung Ton Gieselo' 
nnd Mr^ieT, beransg«ge>beji von Schiebach. Jahrgang 1SS5, bes^prochea von 
^tseppcji 30 

XiTelienenis der l^teasj^ische« Lande^aufnfthme in der Pn.vint liannoTer, 
Wj^ott^ie^rfbeäii Tom Hannoverischen FolimeÄ«er>Verein, bespn.»chen Tun 
Jitrdan ,,* 299 

Frakiische AuV^rnu^ luni H(.>)oi:nres:?en nr»n ^^iw^cksijV-erbaromtTcm und mit 
Auerriacr., to» Hani, besprochen von Voller 441 

Kex. Vers.rf*r.ipe Lc«^ÄrJ:hjmcTi*afel, be^procbe» Ton Hajrr.jner 74 

Fcber 1 Jtr;iescr.lrcr ii: Elsass-L^:}-::; ircr, !v i^. c«, ii* jUrjr,. Rr<:-rr)fr. H&cnv^ver, 
Baycm ituc licsstn-KassjxO, Keisthcich* t*.;. >ci!iti>«ch. iK-<j';rv»chen Ton 
Sr<'jii»«i ., 157 

ZeiJSchrinrcD :'i:r V«Trjcs>t:ii^we>cn. lK-sp:\v:.t35 von J^^ri«:: 41 i 



IT« eiMMxe «aA Teiwrdi 

aiesser x-om i. Miii:r£ ISTI S62 






Seite 

Ausführang von Fortschreibungs- Vermessungen. Auszug aus dem Eisenbahn- 
Verordnungsblatt vom 20. Dez. 1884 158 

Auszüge aus den Katasterbüchern, Katasterkarten und Fortsohreibungsver- 
handhmgen im Geltungsbereiche des Rheinischen Rechtes 319 

Bekanntmachung, betreifend die äussersten Grenzen der im öffentlichen Ver- 
kehr noch zu duldenden Abweichungen der Maasse und Messwerkzeuge, 
Gewichte und Waagen von der absoluten Richtigkeit 357 

Bestimmungen über die Annahme und Beschäftigung der Anwärter für das 
Katastersupernumerariat 173 

Bestimmungen über die Bezahlung der bei den Auseinandersetzungsbehörden 
beschäftigten Landmesser 311 

Entwurf eines Flurbereinigungsgesetzes für Bayern 444 

Landmesser-Titel in Preussen 74. 319. 883 

Regulativ, betreffend die Erfordernisse zur öffentlichen Bestallung als Feld- 
messer in Elsass-Lothringen 280 

Verordnung, betreffend den Sitz der Generalkoramission für die Rheinprovinz, 
vom 20. Juni 1885 319 

Wege-Anlagen 108 

Zulassung von Nicht-Preussen zur Landmesser-Prüfung, raitgetheilt von Vogler 59 



T. Vnterrielit and PrüAmgen. 

Feldmesser- Prüfungen vom 1. October — 31. December 1884 . . . 800. 41 & 

Feldmesser-I^rüfungs-Commission in Elsass-Lothringen 287 

Geometer- Ausbildung in Hessen, mitgetbeilt von Blodt, Geometer und Tech- 
niker in Alzey 320- 

Landwirthschaftliche Hochschule zu Berlin 61. 91. 176 

Landwirthschaftliühe Akademie Poppeisdorf 144 

Vorlesungen des geodätisch-culturtechnischen Cursus an der landwlrthschaft- 

lichen Hochschule zu Berlin im Sommersemester 1885, von Vogler . . 138 

Württembergische Feldmesserprüfung 92 



Tl. Personalnacbiicbten. 

Baeyer f 367. 369 

Baule, Ernennung zum Professor der Geodäsie 384 

Beamten der Landesaufnahme. Orden 399 

Bugisch, Grosch und Müller. Orden 448 

Hörold, Breslau. Titel 399 

Kosack, Steuerratb, Hildesheim. Orden 352 

Maurer und Sohnrey. Orden • 432 

Prölss und Maruhn, zu Kataster-Controleuren bestellt 432 

Probst, Trier, zum Katasterinspektor ernannt 447 

ßchrader f 432 

Schreiber, Oberst. Orden 384 

Schule, Obergeometer f 367 

Umbach, Steuerinspektor zu Polch. Orden 384 

Schnitze, Skorczewski, Maysen, Kataster- Assis ten ten, zu Kataster-Controleuren 

befördert . 416 



TII. Terelnsangelegenbelten. 

Abänderungen der Vereinssatzungen (Hauptversammlung in der Regel 
alljährlich), Vorstand Schafts- und Redactionswahlen, auf der 14. Hauptver« 
Sammlung des Vereins in Stuttgart 1885 367 



VI 



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Seite 

Bezahlung von Vermessungs- Arbeiten 72 

Einladung zur Betheiligung an der 14, Hauptversammlung in Stuttgart ,. . 268 
Fahrtvergünstigung zur 14. Hauptversammlung des Deutschen Geometerver- 

eins in Stuttgart 287. 304 

Einsendung des Jahresbeitrags für 1886 458 

Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins in Stuttgart 62. 111. 253. 301 

Jahresbericht des Hannover'schen Feldmesser- Vereins 1884 315 

Kasse der Architekten, Ingenieure, Techniker und verwandten Berufsgenos- 
sen Deutschlands 92 

Kassenbericht für das Jahr 1884 • 75 

Neu eingetretene Mitglieder 31. 48. 63. 80. 96. 112. 160. 192. 224. 256. 270. 304. 

352. 400. 416. 432. 447 
Programm für die 14. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins, 

von Winckel 301 

Sitz des Vereins-Directors von Köln nach Neuwied verlegt 111 — - 

Sammlung zu einem Grabdenkmal für Schule 457 

Thüringer Geometer-Verein, von Schnaubert 159 

Verzögerung des Versammlungsberichts . 416 I|a[ 

Wohnsitzveränderung des Schriftführers Reich 144 



Till. Briefl(»sten. 

Bezahlungsätze nach dem Feldmesser-Reglement 270 i^^ 

Einsendung von Artikeln culturtechnischen Inhalts 160 if^^ 

Landmesser-Titel , 112 

Nivellementsbolzen und Unterlagsplatten für Nivellirlatten 400 

Verzögerung des Abdrucks von Einsendungen ....176 

Druckfehler zu Seite 295, 297, 298 320 ij 

Curvimeter, gefragt von Trognitz 32 

Feldzulagen 64 

Zutritt zu Grundstücken zu Vermessungszwecken, gefragt von S 447 



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1 

ZEITSCHRIFT fOr VERMESSUNaSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unier Mitwirkung yon O. SteppeSy Steuerassessor in München, und 

B. Oerkcy Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan^ Professor in Hannover. 

1885. Heft 1. Band XIT. 

1. Januar. 



Ueber die Einführung des Consolidations-Gesetzes in 

der Rheinprovinz. 

In der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 10. December v. J., 
gelegentlich der Verhandlung über die regierungsseitig geforderten 
200000 M., welche zu Forst- und Industriezwecken im Eifelgebiete 
verwendet werden sollen, wurde dem Herrn Minister für Landwirth- 
schaft, Domainen und Forsten für seine Bestrebungen, der noth- 
leidenden Bevölkerung jener Gegend von Staatswegen Hülfe zu 
bringen, von verschiedenen Seiten des Hauses der wohlverdiente 
Dank ausgesprochen. 

Die Bede Sr. Excellenz bei Berathung dieser Etatsposition gab 
nicht nur Zeugniss davon, wie genau der Minister über die in jenen 
Landestheilen herrschenden Zustände« deren Ursachen und Wir- 
kungen unterrichtet ist, sondern sie musste auch jeden Unbefan- 
genen überzeugen, dass es der Staatsregierung ernst ist, durch 
Ergreifung des einzig zuverlässigen Mittels das Uebel bei der Wurzel 
zu fassen. 

> Meines Erachtens — so sagte der Herr Minister — wäre 
die Uebertragung der preussischen Agrargesetzgebung des Con- 
solidations- Verfahrens auf das linke Bheinufer eine der grössten 
Wohlthaten, die wir der Bheinprovinz erweisen können, und 
ich betrachte es als meine wichtigste Aufgabe, so kann ich im 
Moment sagen, das womöglich durchzuführen. < Gleichzeitig 
sprach der Minister die Hoffnung aus, >auf ein Zusammen- 
wirken aller gemeinnützigen, intelligenten Elemente der dorti- 
gen Gegend, sowohl von den Verwaltungs-, Communal- und 
Forstbeamten, als den Geistlichen und Ortsvorstehern rechnen 
zu dürfen.« 

Was jedoch bis jetzt über die in den Bheinlanden herrschende 
Stimmung in Betreff der beabsichtigten Einführung des preussischen 
Consolidations-Gesetzes verlautet, berechtigt nicht zu der Hoffnung, 

Zeitschrift fur Vermessungswesen. 1885. 1. lieft. 1 



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2l Weitemeyer. Ueber die Einfübrung des 

dass der Appell des Herrn Ministers an den intelligenten Theil der 
dortigen Bevölkerung auf fruchtbaren Boden gefallen sei; minde- 
stens ist von einer die Bestrebungen des Ministers fördernden Be- 
reitwilligkeit noch wenig zu verspüren. 

Im Gegentheil, es gewinnt den Anschein, als hätte der Abge- 
ordnete Biesenbach mehr Aussicht, seinen im Abgeordnetenhause 
ausgesprochenen Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen, der dahin 
ging, dass der Provinzial-Landtag, dem der Consolidations-Gesetz- 
entwurf zur Begutachtung unterbreitet werden soll, sich gegen den- 
selben erklären möge. 

Dass es jetzt, nachdem im grössten Theile der Monarchie die 
Grundstückszusammenlegung nach ähnlichen gesetzlichen Bestim- 
mungen, wie sie der angeführte Entwurf enthält, zum unberechen- 
baren Segen der Landwirthschaft bereits durchgeführt ist, noch 
Leute gibt, die als Vertheidiger verrotteter Zustände nicht sehen 
woüen, dass die noch längere Aufrechterhaltung derselben den Ruin 
des Kleinbesitzers zur Folge haben muss — ist schwer verständlich. 
Wenn aber gar landwirthschaftliche Vereine, wie die Kölnische 
Volkszeitung schrieb, nach Debattirung der Consolidationsfrage zu 
dem Schlüsse gelangen können : je mehr Nachbaren eine Parzelle 
habe, desto grösser sei deren Werth, — so lässt das unzweifelhaft 
erkennen, dass in den Rheinlanden über das Zusammenlegungsver- 
fahren noch ganz falsche Begriffe verbreitet sind. 

Leider ist es Thatsache, dass eine gewisse Kategorie der Tages- 
presse es sich zur Aufgabe macht, diese Begriffe nach Möglichkeit 
zu verwirren und namentlich die Landbevölkerung gegen eine der 
segensreichsten agrarischen Reformen mit Misstrauen zu erfüllen. 
— So schreibt z. B. das genannte Blatt unter dem 24. Februar d.J.: 
Die Motive zu dem in 43 Paragraphen bestehenden Consolidations- 
Gesetzentwurfe für die HohenzoUernschcn Fürstenthümer sollen 
glauben machen, dass in dem Entwürfe die speciellen landwirth- 
schaftlichen Interessen in's Auge gefasst wären. Die dortigen Land- 
wirthe könnten sich aber mit dem Entwurf nicht befreunden, weil 
derselbe mehr für die Beamten als die Landwvrthe berechnet sei. 
Was soll man zu solcher bodenlosen Unwissenheit, wenn nicht bos- 
haften Unterstellung sagen? 

Andererseits war allerdings namentlich die Kölnische Zeitung 
(Nr. 284 und 287 v, J. 1883) redlich bemüht, dem in den Rhein- 
landen dem Consolidations-Gesetzentwurfe entgegenstehenden Miss- 
trauen die Spitze abzubrechen. Es konnte dieses um so mehr er- 
wartet werden, da gerade in jener Abhandlung der Entwurf vom 
juristischen Standpunkte, von welchem aus die Gegner denselben 
hauptsächlich verurtheilen, eingehend erörtert worden ist. Dass aber 
dieselben — wie doch feststeht — unbegründeten Bedenken immer 
wieder erhoben werden und die Zahl der Freunde des Entwurfs sich 
nicht wesentlich vermehrt hat, lässt vermuthen, dass die bisher vor- 
gebrachten juristischen Gründe es nicht sind, welche den Wider- 
stand gegen Einführung des Gesetzes wach erhalten, sonde n dass 




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Consolidations-Gesetzes in der Bheinprovinz. 3 

dieser Widerstand hauptsächlich darin seinen Grund hat, dass das 
Verfahren der Consolidation selbst noch zu wenig bekannt ist.*) 

Es giebt uns das Veranlassung, das Consolidations- Verfahren 
im Folgenden auch vom technisch landwirthschaft/ichen Gesichts- 
punkte aus in nähere Betrachtung zu ziehen. 

Von einer Beweisführung, dass ein zersplitterter und mannig- 
fach belasteter Grundbesitz bei der jetzigen Höhe der Productions- 
kosten und der heutzutage unerlässlichen Betriebsweise keinen 
einigermassen entsprechenden Reinertrag abwerfen Jcann^ wollen wir 
absehen, denn wir können nicht glauben, dass es noch einen den- 
kenden Landwirth geben könnte, der über die Nützlichkeit, ja 
Nothwendigkeit der Grundstückzusammenlegung im Zweifel ist, es 
sei denn, dass er dem rings an ihn herantretenden Kampfe der 
Concurrenz gegenüber gewaltsam die Augen verschliesst. 

Dagegen wollen wir versuchen, über den Gang des Consolida- 
tions- (Zusammenlegungs- oder Verkoppelungs- oder Separations-) 
Verfahrens selbst im Folgenden einen Ueberblick zu geben. 

Dasselbe lässt sich zu diesem Zwecke in vier Hauptstadien 
theilen, deren Erledigung theils dem Specialcommissar, theils dem 
ausführenden Feldmesser obliegt. 

Abgesehen von verschiedenen Vorarbeiten, welche theils von 
einander unabhängig und gleicheeüig erledigt werden können, 
hängt das Resultat des einen Arbeitsstadiums von dem des 
anderen ab. 

1. Feststellung des dem Verfahren unterstellten Objects, Klar- 
legung der auf demselben ruhenden Servituten etc. und Er- 
mittelung der legitimirten Eigenthümer. 

2. Werthschätzung der zum Umtausch gestellten Grundstücke 
und Berechnung der hieraus resultirenden Forderungen der 
einzelnen Interessenten an die Masse. 

3. Vertheüung der Masse und Neueinrichtung der Feldmark nach 
Maassgabe dieser Forderungen. 

4. Ueberführung des neuen Zustandes ins Kataster und Grund- 
buch. 

Ad 1. Wo die vorhandenen Karten und Flurbücher den er- 
forderlichen Grad von Genauigkeit besitzen, wird auf Grund der- 
selben der Umfang des Zusammenlegungs-Objects festgestellt. Wenn 
aber die Bücher und Karten unter sich nicht übereinstimmen, der 
in denselben nachgewiesene Besitz nicht dem factischen Besitze und 
den in der Natur vorhandenen Grenzen entspricht, weil entweder 



*) Mit Bezug hierauf verfehlen wir nicht, auf eine in dieser Zeitschrift 
hereits besprochene und empfohlene Schrift des Verfassers vorstehenden 
Artikels aufmerksam zu machen. Dieselbe führt den Titel „Die Grundstücks- 
zusammenlegung in der Feldmark Apelern, ein der Praxis entnommenes Bei- 
spiel der Ausführung des Verfahrens, dargestellt ven Weitemeyer^ Feldmesser 
der Königl. Generalcommission Cassel, mit 2 Karten über den alten und neuen 
Zustand der Feldmark^ (Preis 1,50 M.). Bei der Königlichen Hofbuchhandlung 
von R. V. Decker zu Berlin. 2. Auflage. IHe Bedaction. 

1. 



'.' I 






4i Weitemeyer. üeber die Emfährung des 

diese Documente in weit zurückliegender Zeit errichtet, schlecht 
fortgeführt, oder wenn neuern Datums, mangelhaft aufgestellt wurden, 
so wird das Zusammenlegungs-Object neu vermessen. 

Ist auf die eine oder andere Weise von dem Zusammenlegungs- 
Objecte eine jedes einzelne Grundstück der Gemarkung nachweisende 
Karte beschafft, so wird der umfang des Zusammenlegungs-Areals 
festgestellt und berechnet. 

Welche Grundstücke zum Verfahren zu ziehen und welche 
davon auszuschliessen sind, ist gesetzlich bestimmt In Fällen, in 
denen es wünschenswerth erscheint, Grundstücke z. B. ihrer ent- 
fernten isolirten oder arrondirten Lage wegen vom Verfahren aus- 
zuschliessen, obwohl sie gesetzlich nicht ausgeschlossen wären ; oder 
in Fällen, in denen es zweckmässig erscheint, gesetzlich ausge- 
schlossene Parzellen dennoch ganz oder theilweise in's Verfahren zu 
ziehen, z. B. zwecks Erzielung besserer Grenzen, Schaffung oder Er- 
breiterung von Dorfausgängen, oder zum Eintausch von' Grund- 
stücken aus anderen Gemarkungen — kurz in allen den Fällen, 
welche ihrer Mannigfaltigkeit wegen im Gesetze nicht vorgesehen 
werden konnten, wird mit den betreffenden Besitzern einerseits und 
den Vertretern der gemeinschaftlichen Interessen andererseits be- 
sonders verhandelt. 

Ebenso werden mittelst Verhandlung mit den Interessenten, 
die das Gesammtobject oder einzelne Grundstücke belastende Ser- 
vitute ermittelt, und die Normen, nach welchen deren Werth be.- 
rechnet werden soll, auf dem Wege des Vergleichs festgestellt. In 
Fällen, in denen ein Vergleich nicht erzielt wird, treten die gesetz- 
lichen Vorschriften in Kraft, nach welchen mittels auf landwirth- 
schaftliche Grundsätze basirten Berechnungen, denen die ortsübliche 
Betriebsweise und Durchschnittspreise zu Grunde gelegt werden, 
der Werth der Servitutsberechtigungen ermittelt wird. 

In der Regel handelt sich's hierbei um Beantwortung der Frage, 
wie viel Stück Grossvieh die einzelnen Besitzstände mittelst des 
in's Verfahren geworfenen Grundbesitzes durchwintern können, wo- 
nach der auf die einzelnen Besitzstände entfallende Antheil an der 
Weideberechtigung festgestellt wird. 

Neben Erledigung dieser Vorfragen, denen theilweise die Arbeiten 
des zweiten Stadiums vorher gehen müssen, wird der Legitimations- 
punkt geordnet, d. h. es wird festgestellt, ob der derzeitige Besitzer 
eines Grundstücks auch der rechtmässige JEigenthümer desselben ist. 
Sollte es vorkommen, dass der Besitzer eines Grundstückes sich 
nicht auch als der rechtmässige Eigenthümer desselben zu legiti- 
liiiren vermag, so wird dadurch das Verfahren nicht aufgehalten, 
da in diesem Falle der Besitzer das Aequivalent für das fragliche 
Grundstück an seinen Plan gelegt bekommt, aber damit noch nicht 
Eigenthümer desselben wird. 

Wo Grund- und Hypothekenbücher bestehen, dienen dieselben 
zum Nachweis des Eigen thümers. Wo diese Urkunden fehlen, da 



i. 



Gonsolidations-Gesetzes in der Rheinprovinz. 5 

hat das Gesetz BestimmuDgen getroffen, auf welche Weise das 
Eigenthumsrecht festzustellen ist. 

Dass letztere auch bei der in den Rheinlanden bestehenden Im- 
mobiliar- Verfassung vollständig ausreichend sind, muss Jeder zu- 
geben, der sich darüber klar ist, dass durch die Zusammenlegung 
das Eigenthumsrecht an den nur umgetauscht werdenden Grund- 
stücken nicht berührt wird. Kurz, wer die rheinländische Immobi- 
liar- Verfassung für eine Klippe hält, an welcher der Consolidations- 
Gesetzentwurf soll scheitern müssen, hat diesen Gegenstand sicher- 
lich noch nicht eingehend studirt. Er würde sonst finden, dass 
gerade das Fehlen der starren Formen des Grund-, Hypetheken- 
und Währschaftsbuchs etc. die Durchführung der Consolidation in 
den Rheinlanden nach preussischem Muster und die Ueberführung 
des alten in den neuen Zustand wesentlich erleichtert. 

Wenn die Eigenthümer der Grundstücke und damit die legiti- 
mirten Vertreter derselben auf die eine oder andere Weise ermittelt 
sind, werden zunächst die auf den in Betracht kommenden Grund- 
stücken ruhenden Servitute, Hüterechte etc. und die Theilnahme an 
den letztern festgestellt. 

Nach Erledigung aller dieser Vorfragen steht der Umfang, die 
Rechts- und Eigenthumsverhältnisse des Zusammenlegungs-Objects 
fest, und es hat nun die Werthsberechnung desselben zu folgen. 
Hierzu ist eine Special-Bonitirung sämmtlicher dem Verfahren unter- 
stellten Grundstücke nothwendig, und es ist dieses das zunächst 
wichtigste Stadium des Verfahrens. 

Ad 2. Wir sagen Special-Bonitirung, zum Unterschied von 
einer generellen Bodenschätzung, wie solche z. B. zwecks Ermitte- 
lung des Kauf- oder Kapitalwerthes oder zwecks Steuerveranlagung 
vorgenommen wird. Bei dieser ist es nicht erforderlich, dass die 
Grenzen zwischen den verschiedenen Bonitätsklassen örtlich ermittelt 
und durch Messungen festgestellt werden, sondern es genügt, dass 
die vorhandenen Unterschiede der Bodenqualität geprüft nach 
Fläche ungefähr abgeschätzt werden, wonach unter Compensirung 
der verschiedenen Bodenklassen ein Durchschnittswerth fiir das 
Grundstück angenommen wird. 

Bei der Bgnitirung behufs Grundstückszusammenlegung resp. 
Umtausch von Grundeigenthum kommt es darauf an, dass jeder 
in der Natur vorhandene und erkennbare, den Werth des Grund- 
stücks beeinflussende Bodenunterschied örtlich festgestellt und so 
aufgemessen wird, dass er in die Karte eingetragen werden kann. 

Die Bodenunterschiede in diesem Falle gegeneinander ausglei- 
chen zu wollen, würde ein grober Fehler sein und unter Umstän- 
den böse Folgen haben können, denn in den seltensten Fällen lässt 
sich beim Consolidations - Verfahren vorher bestimmen, dass die 
mittels Compensation etwa als gleich werthig angesehenen Pars^ellen- 
abschnitte auch vereinigt in eine Hand gelangen, und es würde im 
entgegengesetzten Falle nothwendiger Weise dem einen Empfänger 
ein Verlust^ dem andern ein unrechtmässiger Gewinn entstehen, mit- 



6 Weitemeyer. Ueber die Einführung des 

hin eine ungerechte Vertheilung Platz greifen. Schon hieraus geht 
hervor, wie unerlässlich eine möglichst specielle, genaue und conse- 
quent durchgeführte Bonitirung ist. 

Zu den Einschätzungsgeschäften sind im Bereiche jeder Ge- 
neralcommission eine Anzahl praktischer Landwirthe eingeschult, 
welche, wenn sie sich zu diesem Vertrauensposten als geeignet be- 
währt haben, als Ereisboniteure eidlich verpflichtet werden. Aus 
der Reihe dieser Sachverständigen aller Kreise haben die Interes- 
senten zwei zu wählen, denen die Bonitirung unter Leitung des aus- 
führenden Feldmessers vom Specialcommissar unter nochmaliger 
Hinweisung auf ihren Eid tibertragen wird. Die Interessenten haben 
einen oder zwei flurkundige Einwohner zu bestellen, welche der 
Einschätzungscommission zwecks Auskunftsertheilung über viel- 
leicht nicht wahrnehmbare, den Bodenwerth beeinflussende locale 
Verhältnisse Auskunft zu ertheilen haben. Vor Beginn des Ein- 
schätzungsgeschäftes werden vom Sachcommissar, der Einschätzungs- 
commission und den von den Interessenten gewählten Vertretern 
ihrer gemeinschaftlichen Interessen die in der Flur vorherrschen- 
den Klassenunterschiede des Bodens an Ort und Stelle erhoben. 
Hiernach wird unter Vorsitz des Commissars von der Einschätzungs- 
commission der der Einschätzung zu Grunde zu legende Glassifl- 
cationstarif berathen und festgestellt. 

Um nicht die Rechnungsarbeiten durch all zu grosse Zahlen zu 
erschweren, werden Reinertragswerthe zu Grunde gelegt. Obwohl es 
für das Verfahren gleichgültig ist, welche Einheitssätze angenom- 
men werden, so empfiehlt sich's doch, dieselben mit den Kauf- resp. 
Wirthschaftswerthen möglichst in üebereinstimmung zu halten. Ob 
z. B. die Klasse IV. zu einem Werthe von 50 oder 5 Mark pro 
Hectar angenommen wird, ist zwecks Umtausches der Grundstücke 
gleichgültig. Es sind eben nur Verhältnisszahlen, nach welchen das 
Sollhaben und HcUerhalten der Interessenten berechnet wird. Sind 
dieselben jedoch den thatsächlichen Boden- resp. Kapitalwerthen 
angepasst, so ist damit auch gleichzeitig eine Norm für etwaige 
Kapitalentschädigungen geschaffen. 

In der Regel werden für Aecker und Wiesen 8 Klassen an- 
genommen. Für Weiden genügen 4—5 Klassen, denen allen eine 
Unlandsklasse zugesetzt wird, in welche die Flächen eingeschätzt 
werden, die einen Reinertrag überhaupt nicht abwerfen können. 

Es empfiehlt sich, vor Beginn des Einschätzungsgeschäftes in 
allen Flurtheilen und in allen Klassen sogenannte Musterlöcher zu 
bestimmen. Namentlich in grösseren Gemarkungen sollte dieses 
niemals unterlassen werden, da ein veränderter Feuchtigkeitsgrad 
des Bodens, die Jahreszeit und andere Umstände die Schätzung 
leicht beeinflussen können, so dass ein unabsichtliches Steigern und 
Mindern der Ansprüche an den Boden während der Dauer des Boni- 
tirungsgeschäftes nicht immer ausgeschlossen ist. 

Ist die Bonitirung in consequenter Weise durchgeführt, jeder 
Bodenwerthsunterschied festgestellt, zu dem Zwecke der Unter- 



-IT 



Consolidation s-Qesetzes in der Bheinprovinz. 7 

grand genau untersucht, so ist alles geschehen, was eine gerechte 
und richtige Theilung der Masse sicher stellt. 

Nach Beendigung der Bonitirung hat der Sachfeldmesser die 
Bonitirungsberechnung auszufuhren und aufzustellen, aus welcher 
jedem Interessenten ein Auszug über seinen bezw. den von ihm 
vertretenen Grundbesitz behändigt wird. Ausserdem wird es ihm 
möglich gemacht, die Bonitirung seiner Grundstücke mit der der Nach- 
bargrundstücke zu vergleichen und so selbst zu prüfen, ob die 
Schätzung fehlerlos und gleichmässig durchgeführt ist. 

Demnächst wird vom Sachcommissar in einem besonderen Ter- 
mine den Interessenten die Vermessung und Bonitirung zur Aner- 
kennung vorgelegt und denselben Gelegenheit gegeben, gegen ver- 
meintliche Unrichtigkeiten Protest zu erheben. Wird derselbe bei 
demnächstiger Untersuchung als begründet befunden, so wird die 
Berichtigung auf Staatskosten bewirkt. 

Ad 3. Steht hiernach die Vermessung und Bonitirung der zum 
Umtausch gelangenden Grundstücke fest, so sind die Unterlagen 
zur Werthsberechnung der Masse gegeben. Es erübrigt nun noch 
das Sollhaben, d. h. die Forderung des einzelnen Interessenten an 
die Masse zu berechnen. 

Hierzu bedarf es zunächst einer Werthsberechnung der auf den 
Grundstücken haftenden Servitute, Hüterechte etc. und der Theil- 
nehmerrechte hieran. Dieser Berechnung werden die Bonitirung 
und die in oben bereits erörterter Weise festgestellten Normen zu 
Grunde gelegt. 

Hier sei noch bemerkt, dass denjenigen Ortseingesessenen, welche 
die Gemeindemitgliedschaft zwar erworben, aber keinen Grundbesitz 
haben, für ihre etwaigen Nutzungsrechte an den Weiden ein be- 
stimmter Antheil an der Masse zugestanden wird. Auch den Ge- 
meinde - Einliegern wird eine Abfindung aus dem Sollhaben der 
politischen Gemeinde zur freien Nutzung überwiesen. Alien diesen 
Berechnungen wird der Werth eines Stückes Grossvieh — eine Kuh- 
weide — als Einheit zu Grunde gelegt, welche selbstverständlich nach 
den verschiedenen Bodenklassen in ihrer Grösse verschieden be- 
messen wird. 

Während der Sachcommissar die vorerwähnten Berechnungen 
aufstellt, hat der Feldmesser die neue Feldeintheilung zu projectiren, 
von welcher weiter unten noch die Rede sein wird. 

Die zu den öffentlichen Wegen, Gräben, Steinbrüchen, Lehm- 
gruben, Todtenhof etc. erforderlichen Flächen werden nach ihrem 
Bonitirungswerthe berechnet, die sich ergebende Summe wird um 
den Werth der bisher bestandenen gemeinschaftlichen Anlagen ver- 
mindert, und der sich hiernach ergebende Mehrbedarf ist von den 
Interessenten nach Massgabe ihres Brutto-Sollhabens aufzubringen. 
Der auf diese Weise berechnete Beitrag jedes Interessenten zu den 
öffentlichen Anlagen wird vom Brutto-Sollhaben abgesetzt, und es 
ergibt sich somit die Netto- Forderung desselben. 

Das Resultat dieser Berechnung wird in ähnlicher Weise, wie 



1 



8 Weitemeyer. Ueber die Einführung des 

es mit der Bonitirung geschah, den Interessenten bekannt gegeben 
und zur Anerkennung vorgelegt. 

Bevor jedoch das Rein-SoUhaben aufgestellt werden kann, ist 
das neue Wege- und Grabennetz in der Natur abzustecken, zu ver- 
steinen und den Interessenten im Beisein eines Vertreters der 
Königlichen Generalcommission, des Landraths und des Kreisbau- 
meisters zur Anerkennung vorzulegen. Erst wenn das Wege- und 
Grabennetz amtlich festgestellt ist, kann das oben erwähnte Rein- 
SoUhaben der Interessenten aufgestellt werden. 

So wichtig wie die Bonitirung der Grundstücke für jeden ein- 
zelnen Interessenten ist, so wichtig ist das Wege- und Qraben- 
project für die Allgemeinheit. Die neu anzulegenden Wege sollen 
nicht nur Communicationsz wecken dienen, sondern sollen nament- 
lich die Bewirthschaftung der Grundstücke erleichtern, diese auf 
dem möglichst kürzesten Wege zugänglich machen und jede Art 
der Benutzung und Theilung derselben ermöglichen, üeber die 
ganze Gemarkung ist ein Grabennetz zu legen, welches geeignet ist, 
die Wassermassen bei starken Niederschlägen durch Vertheilüng 
schadlos zum Abfluss zu bringen, für Entwässerungen Vorfluth zu 
schaffen und die Gewässer nach Möglichkeit der Landwirthschaft 
nutzbar zu machen. 

Selbstverständlich sind das nur einige der allgemeinen Haupt- 
ziele, welche beim Project der neuen Anlagen in's Auge gefasst 
werden. Unzählbar sind die, durch die eigenartigen localen Ver- 
hältnisse der verschiedenen Feldmarken bedingten und wünschens- 
werthen Verbesserungen, deren Erreichung mittelst eines wohldurch- 
dachten zweckmässig angelegten Wege- und Grabennetzes meistens 
ermöglicht wird. Es kann dieses aber nur geschehen, wenn diese 
neuen Anlagen ohne Rücksicht auf den bestehenden alten Zustand 
angelegt werden. In den meisten Fällen rächt sich's bitter, bei 
diesen Anlagen an Terrain sparen zu wollen, und es sollte desshalb 
in keinem Falle übersehen werden, dass schon lediglich durch die 
neuen Anlagen, bevor noch ein Spatenstich an den anliegenden 
Grundstücken zu deren Melioration geschehen ist, der Kapitalwerth 
der letzteren ganz bedeutend erhöht wird. 

Nachdem das neue Weg- und Grabennetz und das Soühaben 
der Interessenten feststeht^ wird zur Vertheilüng der Masse ge- 
schritten, d. h. die Planeintheilung ist zu projectiren und die Plan- 
berechnung oder sagen wir das yHaterhalteni aufzustellen. 

In erster Linie wird hierbei möglichste Arrondirung der Besitz- 
stände in's Auge gefasst, und ist dieses der Punkt, in welchem sich 
das nassauische Consolidations- Verfahren von dem preussischen Sepa- 
rations-Verfahren am wesentlichsten unterscheidet. Bei ersterem 
werden die in je einer Feldlage zu einem Besitzstande gehörenden 
Grundstücke zu mehreren Plänen von einer bestimmten Normal- 
grösse zusammengeschoben und die Lage durch das Loos bestimmt, 
so dass allerdings durch jenes Verfahren die Anzahl der Parzellen 
wesentlich vermindert und denselben mittelst eines neu geschaffenen 




Consolidation 8-6 esetzes in der Rheinprovinz. 9 

Wegenetzes eine wirthschaftliche Lage gegeben wird; aber die zer- 
stückelte Lage der Besitzstände bleibt, da dieselben auch nach der Con- 
solidation aus einer mehr oder weniger grossen Anzahl von in der 
ganzen Flur zerstreuten Parzellen bestehen. Der Hauptzweck der 
Umformung der Feldmark: durch Arrondirung des Besitzes die 
Productionskosten zu vermindern, und eine zeitgemässe Bewirth- 
schaftung des Grundbesitzes zu ermöglichen, kann durch die nas- 
sauische Consolidation nur in einem geringen Maasse erreicht werden. 

Bei dem einen vollständigen Umtausch des Grundbesitzes zu- 
lassenden Separations- oder Zusammenlegungs - Verfahren gilt als 
erstes Prinzip, jeden einzelnen Besitzstand, wenn irgend möglich, 
in einem zusammenhängenden Complexe auszuweisen. Es ist dieses 
natürlich nur in den seltensten Fällen und gewöhnlich nur bei sehr 
grossen oder sehr kleinen Besitzständen oder in Gemarkungen 
erreichbar, in denen gleichartige Boden-, Terrain- und Entfer- 
nungs -Verhältnisse bestehen und die Wiesen eine , die völlige 
Arrondirung begünstigende Lage haben. In den meisten Fällen 
werden den grösseren und mittleren Besitzern 1 — 3 Ackerpläne und 
1—2 Wiesenpläne auszuweisen sein. Nur bei ganz ungünstigen 
Flurverhältnissen lässt sich's nicht vermeiden, dass die einzelnen 
Pläne in verschiedene, vielleicht von einander weit entfernte Flur- 
theile zu liegen kommen. In allen Fällen jedoch wird die den Besitz 
nicht wenig entwerthende zerstückelte Lage desselben beseitigt. 

Bei der Planeintheilung selbst sind in erster Linie die Grund- 
sätze massgebend, welche auf eine gleichmässige Vertheilung des 
durch die Zusammenlegung eintretenden Zuwachses an Bodenwerth 
abzielen. 

So verschiedenartig die Besitzstände sind, so mannigfach sind 
die Mittel, jeden derselben nach Verhältniss an diesem Kapitalge- 
winn theilnehmen zu lassen. So kann z. B. der kleine Besitz, bei 
welchem die Arrondirung nicht wesentlich in's Gewicht fällt, da- 
durch im Werthe bedeutend erhöht werden, dass er dem Wirth- 
schaftsgehöfte näher gelegt wird, als die alten Parzellen lagen. 

Wiesenarme Besitzstände können durch Zuwachs an Wiesen 
verbessert werden. Güter mit zu wenig kleefähigem Boden können 
unter Umständen solchen erhalten u. s. w. und vor allen Dingen 
kann durch die Lage der Besitzung zum Wirthschaftsgehöfte, durch 
bequemere Zugänge zu den Plauen, ^eine jede zeitgemässe Bewirth- 
schaftungsart und Meliorirung gestattende Form und Begrenzung 
der Pläne, der Werth des Grund und Bodens bedeutend erhöht 
werden. Erfahrungsgemäss beträgt dieser Kapital-Zuwachs 20—50 
Prozent. 

Ausser den für die Planeintheilung massgebenden im vorstehen- 
den angedeuteten Grundsätzen werden die Wünsche der Interessenten 
selbst so weit wie möglich berücksichtigt, d. h. dieselben werden 
erfüllt, wenn sie dem wahren Interesse des Wünschenden selbst 
nicht entgegen sind, das öfl'entliche Interesse und berechtigte An- 
sprüche der anderen Interessenten dadurch nicht zurückgesetzt zu 












10 Weitemeyer. Ueber die Einführung des 

werden brauchen. Die Interessenten selbst sind selten so wie der 
Fachmann in der Lage, beurtheilen zu können, welche Vortheile 
ihnen aus dem erst werdenden neuen Zustande erwachsen können, 
desshalb ist es im national-öconomischen Interesse geboten, dass den 
Auseinandersetzungsbehörden freies Verfiigungsrecht über die dem 
Verfahren unterstellten Flächen zugestanden wird. Je ausgiebiger 
von diesem Rechte Gebrauch gemacht wird, desto grösser ist der Ge- 
winn an Nationalvermögen. 

Der Fall, dass ein Besitzer durch letzteres Verfahren überhaupt 
Schaden leiden könnte, ist ebenso ausgeschlossen, wie es beim 
nassauischen Consolidations- Verfahren der Fall sein soll. Dagegen 
dürfte einleuchten, dass mittelst des Zusammenlegungs- Verfahrens 
alle überhaupt erreichbaren Vortheile. zur vollen Ausnutzung ge- 
langen, während dies beim nassauischen Gonsolidations-Verfahren 
nur in wesentlich beschränktem Maasse der Fall sein kann. 

Wenn das Planproject fertig ausgearbeitet ist, wird die neue 
Planein theilung im Felde abgesteckt, den Interessenten angewiesen 
und in einem besonderen Termine zur Anerkennung vorgelegt. 
Jeder Interessent hat das Recht, die Annahme des ihm angewiesenen 
Plans zu verweigern, er kann aber in diesem Falle nicht einen 
Theü seines Planes acceptiren, sondern mit einem Protest stellt er 
seinen Gesammtplan in Frage. Kommt in diesem Falle eine ver- 
gleichsweise Einigung nicht zu Stande, so betritt er den Weg des 
Processes gegen die zufriedenen Interessenten. Sind mehrere Plan- 
empfanger unzufrieden, so haben sich diese durch besondere Depu- 
tirte vertreten zu lassen, denen die Deputirten der zufriedenen Inter- 
essenten gegenüber stehen. 

Zur Untersuchung und möglichsten Beilegung der Beschwerden 
ist in erster Linie die Specialcommission vorpflichtet. Gelingt der- 
selben die Beilegung des Streites nicht, so instruirt der Sachcom- 
missar denselben zum Erkenntniss der Generalcommission. Gegen 
das Erkenntniss der Generalcommission ist die Berufung an das 
Landesculturgericht zu Berlin, eventuell an's Reichsgericht zulässig 

Willigen auch die unzufriedenen in die Ausführung des Gesammt- 
plans, so wird derselbe unbeschadet ihrer vermeintlichen Ansprüche 
und Rechte ausgeführt. Willigen sie nicht in die Ausführung, so 
kann die Königliche Generalcommission dieselbe durch Erkenntniss 
anordnen, was in allen den Fällen geschieht, in denen die durch 
Nichtausführung in Frage kommenden Gessunminachtheile die von 
den Unzufriedenen in dem zu eröfiFnenden Streitverfahren eventuell 
zu erzielenden Vortheile überwiegen. 

Mit Ausführung des Plans hat die Thätigkeit der ausführenden 
Behörde einen gewissen Abschluss erreicht. Den Interessenten selbst 
bleibt es nun überlassen, durch eine aus ihrer Mitte gewählte be- 
sondere Ausführungscommission die neu projectirten öffentlichen 
Anlagen ausbauen zu lassen. Der Sachfeldmesser ist gehalten, den 
Kostenanschlag zu fertigea und auf Antrag der Ausführungscom- 
mission letzterer zur Seite zu stehen, die Ausführungsarbeiten zu 



Consolidation B-Gesetzes in der Rheinprovinz. 11 

leiten und planmässig zu Ende zu führen. £s empfiehlt sich beim 
Ausbau der neuen Anlagen, auf eine gründliche, zweckmässige und 
dauerhafte Herstellung derselben Bedacht zu nehmen, da selten 
durch Reparaturen das erreicht werden kann, was beim ersten 
Ausbau möglich ist, und viele Kosten dadurch gespart werden. 

Nachdem etwaige Streitigkeiten beseitigt sind, wird der Plan 
durch die Königliche Generalcommission festgestellt, und ist da- 
mit der neue , Zustand der Feldmark geschaffen. Es kommt nun 
noch darauf an, diesen an Stelle des bisherigen in's Kataster- und 
Grundbuch zu übertragen. 

Ad 4. Zu dem Zwecke wird der neue Zustand genau aufgemessen 
und für das Kataster kartirt. Das Resultat der Kartirung und Flächen- 
berechnung dient gleichzeitig als Controle für die Richtigkeit der 
geometrischen Arbeiten, indem nunmehr das Sollhaben mit dem 
Haierhalten nochmals auf das Genaueste verglichen wird und etwaige 
Anstände in der Messung und Berechnung zur Erledigung gebracht 
werden. Endlich wird die neue Karte mit einem Verzeichnisse der 
nunmehr bestehenden Besitzstücke dem Kataster übergeben, die auf 
den alten Grundstücken ruhende Grundsteuer wird auf die äquiva- 
lenten neuen Pläne übertragen und tritt somit der neue Besitz an 
die Stelle des alten. In einem besonderen Verfahren wird auch das 
Grundbuch geordnet, in welchem an Stelle der alten Parzellen die 
neuen Pläne treten, und gehen alle den alten Parzellen anhaften- 
den Rechte und Pflichten auf die neuen Pläne über, soweit dieselben 
im Verfahren selbst nicht durch Gewährung von Entschädigung ab- 
gefunden sind. 

Mit Aufstellung des Recesses seitens der Specialcommission, 
Vollziehung desselben durch die Interessenten und Bestätigung 
des Recesses seitens der Generalcommission ist das ganze Verfahren 
abgeschlossen. — 

Das ist der in grossen Zügen geschilderte Gang des in den 
alten preussischen Provinzen üblichen Grundstücks-Zudammenlegungs- 
Verfahrens. Erst nach und nach durch Verwerthung der tausend- 
fachen Erfahrungen hat es sich zu der jetzigen Vollkommenheit 
entwickelt, so dass kein anderes, ähnliche Ziele verfolgendes Ver- 
fahren gleiche Resultate aufzuweisen vermag. 

Hoffen wir, dass die Sorge der deutschen Staatsregierungen für 
die Wohlfahrt ihrer Völker in nicht allzuferner Zeit dahin führen 
wird, dass überall in deutschen Landen, wo Landwirthschaft be- 
trieben wird, diesem Fundamentalgewerbe des deutschen Volkes 
mittelst allgemeiner Durchfuhrung der Befreiung und Zusammen- 
legung des Grundbesitzes die Möglichkeit gegeben wird, der stets 
wachsenden Concurrenz des Auslandes widerstehen zu können. 

Ohne die Möglichkeit, das Beste billiger als bisher produziren 
zu können, sind alle Bemühungen, die Landwirthschaft vor dem 
Rückgange zu schützen, vergeblich. Möchte auch in der Rhein- 
provinz diese Einsicht sich Bahn brechen, ehe es zu spät ist. Möchte 
der Theil der Presse, welcher sich die Aufgabe gestellt zu haben 



12 Biachoff. Beitrag zu den Untersuchungen über die 

scheint, den natürlichen Widerstand des an das Althergebrachte 
gewöhnten kleinen Landmannes aufzustacheln, endlich Abstand 
nehmen von diesem selbstmörderischen Beginnen und alle einsichts- 
vollen Elemente in den Rheinlanden dem Herrn Minister die von 
ihm erhoffte Unterstützung bei Einführung des Consolidations-Gesetz- 
entwurfs nach Kräften zu Theil werden lassen. 

Weitemeyer. 



Beitrag zu den Untersuchungen über die Genauigkeit 
des Bayerisciien Präcisions-Nivellements. 

Habilitationsschrift des Privatdozenten an der Technischen Hochschule in München 

Jg. Bischoff. 

Zur Bestimmung der Genauigkeit und damit des mittleren 
Fehlers eines grösseren zusammenhängenden Nivellements bietet 
die Art der Ausführung des Nivellements in erster Linie Anhalts- 
punkte, um mit Sicherheit Fehlerquellen zu erkennen. Bei dem 
Bayerischen Präcisionsnivellement, welches hier eingehender behan- 
delt werden soll, kann der mittlere Fehler abgeleitet werden : 

1. aus den Differenzen der Beobachtungen einer Station, 

2. > > > des Doppelnivellements zwischen zwei auf 
einander folgenden Fixpunkten, 

3. aus den Schlussfehlern der Polygone. 

Die Doppelnivellierungen sind hiebei gleichzeitig von denselben 
Stationspunkten aus (mit sogen, doppelten Anbindepunkten) ge- 
macht, und es ist deshalb anzunehmen, dass in den Differenzen 
dieser Doppelnivellierungen ein Theil der Fehler verborgen bleibt. 

Die mittleren Fehler, welche sich aus den verschiedenen Quellen 
ergeben, sind bei allen Nivellements verschieden. Besonders auf- 
fallend war der Unterschied bei dem Bayerischen Präcisionsnivel- 
lement, wie Dr. Haid auf S. 16 seiner Brochure > Untersuchungen 
der Beobachtungsfehler und der Genauigkeit des Bayerischen Prä- 
cisionsnivellements« für die obigen drei Nummern zusammenstellt: 

»Wi=0,78 mm (aus den Beobachtungsdifferenzen einer Station), 
w«2=0,08 > (aus den Differenzen der Doppelbindungen), 
^8=3,13 > (aus den Polygonschlüssen). 

Die Verschiedenheit dieser Werthe lässt nun schliessen , dass 
sie nicht alle Folge der nämlichen Fehlerquellen waren. In wieweit 
es nun möglich ist, die Fehlerquellen zu trennen, soll in vor- 
liegender Arbeit gezeigt werden, welche, veranlasst durch das Re- 
sultat der Neunivellirung des Fichtelgebirg - Polygons (I), sowie 
durch das Ergebniss des theilweisen Kontrollnivellements des ober- 
bayerischen Gebirgspolygons VI, den gleichen Zweck wie die Schrift 
des Prof. Dr. Haid verfolgt. 



T*:»^ 



Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellements. 



13 



Das Bayerische Präcisions-Nivellementsnetz, 



Ulm 



Neummarki 
LiehUnfeU) 



^Oberkotzau 
I ^Franzenslbad 
Kirehmlaibach 



Bamberg 



Nürnberg 



^Oeüdhöring 
Regensburg/ '^ 9 Passau 




iSimbach 



ünchen 

vn. 

Via. /^oi^TGhm 



Rosenheim 



Kempten 



Die Pfeile bedeuten die Riclitung des 

Steigen 8. 



m■^ 



■ft: 



u 



Bischoff. Beitrag zu den Untersuchans^en über die 



':^i<: 
'*;\ 






i.^'A 



-A 



Von einer ausführlichen Darstellung*), in welcher Weise man 
allmälig bei der Ausgleichung eines Polygonalnetzes von dem ur- 
sprünglich angewandten und zunächst liegenden Principe, die Ge- 
wichte der einzelnen Seiten umgekehrt proportional deren Länge 
zu nehmen, abkam, darf hier abgesehen werden. Es sei nur er- 
wähnt, dass Hirsch und Plantamour durch die frühzeitig begon- 
nenen Nivellements in der Schweiz darauf geführt wurden, bei 
der Ausgleichung der Schlussfehler die überwundenen Höhen in 
Betracht zu ziehen, um der Veränderlichkeit der Latten gerecht 
zu werden. Eine Netzausgleichung mit Berücksichtigung der beiden 
Faktoren, Länge und Belief der Seiten, hat Prof. Vogler in der 
Zeitschrift für Vermessungswesen 1877 S. 81—105 gegeben. Theo- 
retisch behandelte Prof. Helmert die Aufgabe im 89. Band der 
Astronomischen Nachrichten 1877. Prof. Jordan veröffentlichte in 
der Zeitschrift für Vermessungswesen 1879 S. 457 — 72 eine Aus- 
gleichung des Badischen Präcisionsnivellementsnetzes unter Bei- 
ziehung metronomischer Untersuchungen. 

Den von Prof. Dr. Vogler eingeschlagenen Weg betrat nun 
auch Dr. Haid 1880 mit den damaligen Ergebnissen des Bayerischen 
Präcisionsnivellements. Nach S. 29 fand Haid, wenn fis den von 
der Länge abhängigen Fehler, bezogen auf das Kilometer, fii^ den 
von der durchlaufenen Höhe abhängigen Fehler, bezogen auf 10 m 
als Einheit, darstellt: 

^2^= 0,039 ^^=0,2 mm pro 1 Kilometer Weg, 

^2^ = 13^92 w»7=3,7 > > 10 m Höhe. 

Dieses höchst unwahrscheinliche Resultat war zunächst durch 
Hereinziehen des ersten Nivellements des Fichtelgebirgpolygons 
entstanden. Die neuen Werthe sind für dieselben 7 Schleifen 
Nr. I — VII aus der folgenden Uebersicht der Polygone entnommen: 



Poly- 


Umfang 

k 


[A'] in 
[10» «»] 


Schlags- 
fehler J 


J' 


Zahl der 

Instram.- 

Stände. 




km 


km 


mm 






L 


242,3 


200,16 


35,6 


1267 


2828 


III. 


402,5 


141,65 


28,8 


829 


3157 


11. a. 


322,0 


124,57 


16,2 


262 


2887 


II. b. 


269,5 


72,00 


45,0 


2025 


2198 


III. 


482,6 


139,06 


38,6 


1490 


3631 


IV. 


384,4 


63,86 


20,2 


408 


3157 


V. 


272,6 


152,37 


9,8 


96 


2087 


VI. 


288,7 


574,58 


47,9 


2294 


2672 


VI. a 


137,6 


181,12 


26,4 


697 


1330 


VI.b. 


232,9 


463,47 


21,5 


462 


2208 


VII. 


136,6 


123,18 


1,9 


4 


1093 



*) wie sie die Habilitationsschrift in ihrer ursprünglichen Fassung ent- 
hielt. Man vergleiche hiezu auch Zeitschr. f. Verm. 1880 S. 172—76. 



Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Niyellements. 15 

Auf Grund der in der Zeitschr. f. Verm. 1877 S. 96—97 von 
Vogler entwickelten Gleichungen *) 



L[PjJ=[[P3T 



folgt 19,765 = 7^2^+ 5,070 ^2^ 

33,944 = 16,958 ^ 2^ + 7^2^ 

^2^ = 0,9108 f4^ = 0,91 mm pro 1 Kilometer Weg, 

fA^^= 2,6421 |Miy = 1,63 > > 10 m Höhe. 

Es ergäbe sich also der von der Weglänge abhängige Fehler 
d. h. der reine Nivellierfehler in ziemlicher Uebereinstimmung mit 
dem von Dr. Haid aus 1353 einzelnen Ständen abgeleiteten Nivellier- 
fehler, welcher zu 0,78 mm pro Kilometer und mit Hinweglassung 
der kleinsten und grössten Zielweiten zu 0,81 mm gefunden war. 
Die bedeutende Differenz der gefundenen Werthe gegen jenen des 
Schweizer Präcisionsnivellements (3,0 mm und 0,7 mm) erklärt sich 
theilweise — wie wir vorgreifend bemerken wollen — aus einer 
auf beide Ausführungen in verschiedener Weise wirkende Fehler- 
ursache, welche bisher wenig Beachtung erfuhr. Die Latten sind 
in ihrer Gesammtlänge veränderlich und auch mit Theilungsfehlern 
behaftet, welche nicht nur durch das Auftragen (in allerdings sehr 
massigen Grenzen) entstehen, sondern sich erst durch ungleiche 
Ausdehnung des Holzes herausbilden. 

Ohne auf diesen Punkt jetzt näher einzugehen, soll gezeigt 
werden, dass die erhaltenen Werthe der beiden Grössen sehr un- 
sicher sind. Ziehen wir nämlich die beiden im Sommer 1882 ni- 
vellierten Diagonalen der Polygone II und VI mit ins Netz, so 
entstehen 9 Schleifen, und es findet sich aus 

25,137= 9^2^ _j. 6,687 ^2^ 

59,191 = 21,203 .£^2^+ 9iM2^ 

die Werthe : ^2^ = 2,7878, fA^ = 1,67 mm 

^2^=0,0069, ^3^=0,08 > 

Für 8 Polygone mit Hinweglassung der Diagonale in VI, um 
2 Schleifen mit grösserem Kilometerfehler als 2,5 mm zu haben, 
folgt 

26,035= 8^2^ + 5,372 «2,j, 

58,321 = 20,443 ^ 2^ + 8 ^1 2^ 

.ii2^ = 2,2920, fi^ = 1,51 mm 

^|2j^= 1,4382, /i^=l,19 > 

Prof. Dr. Vogler hat in der > Zeitschrift für Vermessungswesen 
1877 < durch die Arbeit > Genauigkeit einiger Näherungsforraeln 

*) Wir werden einige Bemerkungen hiezu im nächsten Hefte d. Zeitschr. 
bringen. Die Bed. 



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Bisohoff. Beitrag zu den Untersuchungen über die 



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zum Zerlegen mittlerer Beobachtungsfehler in mehrere Gliedere 
theoretisch die Unsicherheit aufgestellt und an Beispielen gezeigt, 
innerhalb welch' bedeutender Grenzen die Werthe der Theilfehler 
schwanken. Es tauchte daher die Vermuthung auf, dass die Fehler- 
quellen in den beiden Gliedern sich nicht gehörig aussprechen. 
Dass dem so ist, ergiebt sich sofort, wenn man für Polygone, bei 
welchen die Schlussfehler nur gering sind, die beiden Komponenten 
in obiger Weise berechnet. 

Die Bayerischen Polygone des Hügellandes (Linien im Main- 
und Donauthale ohneUeberschreitungen bedeutender Wasserscheiden) 
IIa, IIb, III und IV liefern 

44^ = 1,29 mm ^ai^ = 2,29 mm 

Hingegen geben die den gebirgigen Gegenden angehörenden 
I, V, Via, VIb, VII 

f4( = 0,74 mm ^mj^ = 1,33 mm. 

Es entsprächen also den Polygonen mit geringen Steigungen 
grössere Werthe für die Veränderlichkeit der Latten. Ebenso folgt 
aus den von Dr. Vogler ausgeglichenen 10 Polygonen, wenn man 
Nr. VI und IX, welche die Seite Ellrich-Börssum über den Brocken 
gemeinsam haben, weglasst, statt wie bisher 

fi^ = 1,64 mm fAj; = 1,01 mm 
nun fii: = 1,29 mm jMj; = 2,47 mm 

Es hat also diese einzige, nur 88 Kilometer lange Seite — 
denn die anderen Seiten der weggelassenen Polygone kommen in 
den 8 beigezogenen vor — das Resultat für die anderen über 
2 000 Kilometer langen Linien bedeutend beeinflusst, und man 
wird zugeben müssen, dass die letztgenannten Werthe die eigent- 
lichen, dem von Prof. Börsch bearbeiteten Preussischen Gradmessungs- 
nivellement entsprechenden sind, wenn man, wie gesehen, 2 Theil- 
fehler annimmt. 

Die aus der Lattenveränderung sich ergebende Fehlerquelle 
ist in dieser Grösse ebenso unwahrscheinlich, wie die von Prof. 
Dr. Haid für die Bayerischen Polygone früher berechnete. 

Es schien daher das Gerathenste, die Fehler einzeln zu fassen 
und zu suchen. Dazu ist das in Bayern durch Herrn Direktor 
von Bauemfeind eingeführte Beobachtungsverfahren besonders ge- 
eignet. 

Bei dem Bayerischen Verfahren wird (s. Bauernfeind, das 
Bayerische Präcisiönsnivellement , 1. Mittheilung S. 14—24) das 
Doppelnivellement gleichzeitig und bezüglich seines Resultats bereits 
kontrolliert ausgeführt. Der Abstand des Stahlknopfes der unteren 
Fussplatte vom Stahlknopf der oberen, welche auf jene genau passt, 
ist scharf bestimmt. Während die Latten auf beiden aufruhen, werden 
die drei Fäden abgelesen, zum Mittel vereint und dem Libellen- 
stand entsprechend verbessert, womit sich, wenn man immer fehler- 
frei beobachten würde, jedesmal als Differenz der Endablesungen 
die Plattendicke ergeben müsste. Im Allgemeinen werden sich Ab- 




7*VT "^ ' r-^r 



Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellements. 17 

weichungen , Standfehler, ergeben, welche bis zur Grösse von 5 
oder 6 Dezimillimeter zugelassen werden. Zeigt sich in Rück- oder 
Vorblick, welche in zweckmässigster Weise so aufeinander folgen, 
dass die äusseren Umstände die gleichen sind, eine grössere Differenz, 
so wird der Stand verworfen und wiederholt. 

Aus den sich ergebenden Abweichungen e berechnet man, wenn 
Ä' und Ä" die beiden gefundenen Höhenunterschiede einer Station, 
h aber den wahren bezeichnet (s. Bauernfeind, das Bayr. Pr.-Niv., 
1. Mittig. S. 42 und 43) 

Ä" — h= -^ (A" — Ä') = — ^ « 

Bei nur 2 Messungen ist allerdings der mittlere Fehler sehr 
unsicher, da aber alle Stände als gleich werthig zu betrachten sind, 
so wird man den mittleren Fehler einer Strecke um so genauer 
erhalten, je mehr Stände sich zu einer Abtheilung vereinen, je mehr 

Beobachtungsfehler -^ zu Gebote stehen. 



Es ist also 



.. = l/t-3 



4 
oder in der Bezeichnung nach Vogler 

Die Berechnung des mittleren Nivellierfehlers für die einzelnen 

Strecken, aus denen sich die Polygone zusammensetzen, ist in der 
Tabelle ausgeführt, und daraus der mittlere Nivellierfehler der 
Gesammtheit abgeleitet. 

Reiner Nivellierfehler ^^ 

Polygonseite -S|2 JKilom. ^2^ 

1. Neuenmarkt-Oberkotzau 30,69 47,4 0,65 

2. Oberkotzau-Franzensbad 21,92 47,9 0,46 

3. Franzensbad-Weiden 31,50 67,2 0,47 

4. Weiden-Neuenmarkt 34,90 79,5 0,44 

5. Neuenmarkt-Lichtenfels 85,75 42,7 2,01 

6. Lichtenfels-Bamberg 40,59 32,2 1,26 

7. Bamberg-Nürnberg 72,25 60,0 1,20 

8. Nümberg-Kirchenlaibach 63,50 94,5 0,67 

9. Nürnberg-Nördlingen 98,76 101,2 0,98 

10. Nördlingen- Augsburg ....... 59,36 72,6 0,82 

11. Augsburg-München 31,32 60,6 0,52 

12. München-Geiselhöring 65,50 113,6 0,58 

13. Nürnberg-Regensburg 50,02 100,9 0,50 

14. Regensburg. Weiden 63,05 87,0 0,72 

Zeitschrift für Vermessungsweien. 1885. 1. Heft. 2 



18 Biscboff. Beitrag zu den UuterauohungeQ über die 

Polygonseite ^^^ k fj^$ 

15. Augsburg-Neuuim 48,62 84,0 0,58 

16. Neuulm-Kempten 57,60 86,0 0,67 

17. Augsburg-Kempten 79,96 102,7 0,78 

18. München-Tutzing 22,82 38,9 0,59 

19. München-Holzkirchen 19,44 36,1 0,54 

20. Holzkirchen- Rosen heim ...... 21,06 38,1 0,55 

21. München-Rosenheim 54,25 64,3 0,86 

22. Holzkirclien-Penzberg 34,68 40,1 0,61 

23. Penzberg-Kaufbeuern 51,59 91,3 0,57 

24. München-Simbach 71,12 122,7 0,58 

25. Simbacb-Passau 31,01 56,3 0,55 

26. Pasaau-GeiselhÖring 61,74 91,7 0,67 

27. Geisel horing-Regensburg 20,07 33,7 0,60 

Er ergibt sich pro Kilometer 

fi^i =0,6933 
ff = 0,83 mm 
also in guter Uebereinstimmung mit dem von Prof. Dr. Haid aus 
1353 Einzelständen gefundenen m. Dieser Umstand, sowie der 
Nachweis, den er lieferte, dass für die Zielweiteo, wie man sie 
beim Bayerischen Nivellement anwendet (die kleinsten ausgenom- 
men), der Nivellierfehler unabhängig von der Zahl der Stände ist, 
wie es bei einem richtigen Gang der Arbeit sein soll, berechtigen 
zur Annahme, dass das, was gefunden wurde, wirklieb dem reinen 
Nivetlierfehler entspricht. 

Es wurden auch noch die Nivetlierfehler einzeln und insgesammt 
der Strecken berechnet, welche keinem Polygon angehören, sondern 
zur Herstellung der Anschlüsse an die Nachbarländer dienen. 

Rosenheim- Kuffstein 24,95 33,8 0,64 

Rosenheim-Salzburg 61,00 87,2 0,70 

Kehl-Ascbaffenburg 11,12 15,8 0,70 

Aschaffenburg-Würzburg 54,07 89,6 0,60 

Würzburg- Bamberg 57,51 100,5 0,57 

Kempten-Lindau 57,62 90,2 0,64 

266,27 417,1 

Das Resultat 

1,3^ = 0,6383, HS = 0,80 mm 
bestätigt aufs Neue den Werth des reinen Nivellierfehlers. 

Um zu zeigen, welcheo Werth dieser Fehler annehmen kann, 
wenn die sofortige Eontrolle fehlt, sind diejenigen Nivellements 
zusammengestellt, welche vor Einführung der Doppelfussplatten 
vollendet wurden. 

Neuenmarkt-Licbtenfels 85,75 42,7 2,02 

Lichtenfels-Koburg 41,76 23,2 1,80 

Licbtenfels-Bamberg 40,59 32,2 1,26 

Neuenmarkt-Oberkotzau (1. Nivell.) . . 123,57 47,3 2,61 







Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellements. 19 

Oberkotzau-Franzensbad (1. Nivell.) . . . 44,91 47,9 0,94 

Franzensbad- Weiden (1. Nivell.) 59,31 67,5 0,88 

Weiden-Neuenmarkt (1. Nivell.) 68,97 80,0 0,86 

Bamberg-Nürnberg 72,25 60,0 1,20 

(M^f = 1,3401, f,i^ = 1,16 mm 

Das Quadrat des mittleren Nivellierfehlers ist fast doppelt so 
gross wie bei den anderen. 

Wir wenden uns jetzt zu der anderen bisher angenommenen 
Komponente des mittleren Fehlers: uy;, verursacht durch die Ver- 
änderlichkeit der hölzernen Latten. Die Präcisionsnivellements 
haben vielseitige Veranlassung gegeben, auf den Gegenstand näher 
einzugehen. Zahlreiches Beobachtungsmaterial liegt in den 8 Publi- 
kationen des Schweizerischen Präcisionsnivellements vor, wo be- 
sonders die Zusammenstellungen S. 179, 227, 291 hervorgehoben 
zu werden verdienen, sowie im V. Band der Nivellements der trigo- 
nometrischen Abtheilung der Kgl. Preussischen Landesaufnahme*) und 
in der Publikation des Kgl. Preussischen Geodätischen Instituts 
>6radmessungsnivellement zwischen Swinemünde und Konstanz«. 
Vergl. auch Jordan >Ueber Aenderung hölzerner Messlatten<, Zeit- 
schrift für Vermessungswesen 1877 S. 69 und 1879 S. 464. Bei all 
den Untersuchungen ist ein Umstand besonders zu betonen: Nicht 
nur die Gesammtlatte ändert ihre Länge willkürlich, sondern auch 
die einzelnen Theile erhalten sich durchaus nicht gleichmässig, und 
darin liegt der 51 issstand, da er Theilungsfehler hervorruft, welche 
sich durch die Einführung der von der Höhe abhängigen Kom- 
ponente des Fehlers nicht in Rechnung ziehen lassen. Wie es ver- 
sucht wurde, den Betrag dieses Fehlers darzustellen, soll später 
gezeigt werden. 

Mit der Erkenntniss der Veränderlichkeit der Latten kamen 
zugleich zahlreiche Vorschläge für die Bestimmung deren Länge 
während der Feldarbeit. Indem hiebei auf die beiden letzten der 
oben citierten Werke verwiesen wird, sei nur erwähnt, dass in 
Bayern vor und nach den Aufnahmen genaue Längenuntersuchungen 
stattfinden. Sie erfolgen (s. Bauernfeind, das Bayerische Präcisions- 
nivellement, 1. Mitthlg. S. 32—36, 6. Mitthlg. S. 7) durch mikro- 
skopisches Vergleichen und zwar von Dezimeter zu Dezimeter mit 
zwei von Breithaupt gelieferten Messingstäben, von denen der eine 
bei 0°, der andere bei 18^ ein Meter repräsentirt. Die Genauig- 
keit der Messung ist, wie sich aus Versuchen ergab, sehr gross. 

Um nun die wiederholt ausgesprochene Behauptung von der 
ungieichmässigen Bewegung des Holzes in seinen einzelnen Theilen 



*) Die Nivellements der trigonometrischen Abtheilung der Preussischen 
Landesaufnahme unterscheiden sich in metronomischer Hinsicht wesentlich 
von den citirten gleichzeitigen Gradmessungsnivellements, indem der Chef der 
trig. Abtheilung, als die Nivellements von der Ebene ins Hügelland vorrückten, 
tägliche Vergleichung der Latten mit stählernen ControU - Normalen der 
K. Normal-Aichungs-Commission anordnete. Auch die Frage der Aenderung 
der einzelnen LattenfÄeiZe wurde hiebei mit berücksichtigt. D. Red. 

2. 



20 BiBchoff. Beitr&g zn den tTotersachungen über die 

aach an dem vorliegenden benützten bayerischen Material zu be- 
weisen, sind für die beiden Latten 6 und 7, welche im März, Juli 
und Oktober 1883*) wiederholt mikroskopisch unteraucht wurden, 
nicht nur die Werte für das mittlere Lattenmeter, sondern auch 
für jedes einzelne zusammengestellt. Man bemerkte dabei jedesmal, 
um wie viel das einzelne Lattenmeter gegen das mittlere abwich, 
und ea zeigte sich namentlich die Aenderung an den Enden der 
Latten sehr verschieden von der mittleren Variation. Aus den drei 
Messungen ist das arithmetische Mittel und die Abweichung einer 
Messung von demselben für das mittlere und die einzelnen Latten- 
meter durchgeführt. 

Während sich für das mittlere Lattenmeter dieselbe zu 0,134 
und 0,14S fur beide Latten ziemlich übereinstimiuend ergiebt, seien 
hier folgende Abnormitäten aufgezählt: 

Meter, Latte 6. Late 7. 

0,1—1,1 0,136mm 0,182mm 

1,8 — 2,8 0,176 0,176 

1,0 — 2,9 0,172 0,166 

2,0 — 3,0 0,197 0,168 

Der gleiche Beweis für die Ungleichmässigkeit der Ausdehnung 
in den einzelnen Theilen könnte auch an den anderen verwendeten 
Latten la und 3 geführt werden. 

Sollen wir jetzt einen Werth für ia^ aufstellen, so könnte man 
0,14 mm pro 1 m als solchen anwenden. Andere haben die Ver- 
änderlichkeit der Latten aus allen Untersuchungen bestimmt. Allein 
ob durch dieses Verfahren immer die wirklichen Umstände am 
besten berücksichtigt werden, muss dahingestellt bleiben. So ist 
z. B, für die bayerischen Arbeiten des Jahres 1883 offenbar nur die 
Abweichung des Mittels aus den beiden Untersuchungen im Juli 
und Oktober unmittelbar vor und nach den Operationen mass- 
gebend, und es ist wenig wahrscheinlich, dass die Latten eine andere 
als in Länge zunehmende Bewegung gemacht haben. Wenn man 
demnach für fi^ 1,4 oder einen noch wenig grösseren Werth als 
Grenze der bisherigen Messungen annehmen will, so Hesse sich 
dieser damit rechtfertigen, dass in vielen Jahren die Dauer der 
Operationen nicht so beschränkt war, wie 1883, und dass die an- 
deren verwendeten Latten (für die gleiche Zeitspanne) etwas grös- 
sere Werthe gegeben haben (mit Ausnahme der Latte la). 

Anschliessend an die Veränderlichkeit der Latten im Ganzen 
sollen nun die durch sie veranlassten Theilungsfehler der Latten 
in ihrer Wirkung auf das Nivellement anzufinden versucht werden. 



•) Werth eines Lattenmeters ^ im + Angabe. 
Latte 6 Latte 7 

März -I- 0,06 mm — 0,08 mn 
Juli + 0,25 „ + 0,16 „ 

Oktober 4- 0,39 „ -|- 0,28 „ 




■f^- 



Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellements. 21 

Der Theilungsfehler hängt offenbar nur von der Zahl der 
Stände ab und muss also mit dieser kombinirt werden. Um ihn 
aber doch an eine Längen- oder Höhenmessung knüpfen zu kön- 
nen, wurde folgender Weg eingeschlagen. Aus den Untersuchungen 
der Latten ist sowohl der mittlere zu befürchtende P'ehler einer 
Meterbestimmung, als der des arithmetischen Mittels bekannt, von 
welchen der erstere bei der Genauigkeit der mikroskopischen Unter^ 
suchung wohl als der Fehler eines beliebigen Meters, der letztere 
als der Fehler des Mittels aller Meter gelten darf. Wenn nun an 
einer Stelle der Latte abgelesen wird, z. B. bei 2,0, so ist doch der 
von den Theilungsfehlern hervorgerufene Irrthum in der Höhe, 

wenn J der mittlere zu befürchtende Fehler eines Meters ist, £1^2; 
liest man an allen Stellen ab, so ist der in der Gesammtheit her- 
vorgerufene Fehler nicht mehr der mittlere zu befürchtende Fehler 
mal den Ablesungen, sondern der Fehler des arithmetischen Mittels 
mal den Ablesungen. Es handelt sich jetzt nur noch darum, was 
denn beim Nivellement mit diesen beiden Werthen, welche die Fehler- 
grenzen bezeichnen, multiplicirt werden soll. 

So lange die Theilungsfehler als rein zufallige betrachtet werden 
dürfen, werden sie sich bei einer grossen Anzahl Ständen ebenso 
äussern, wenn man die Angaben der Latten von einander sub- 
trahirt^ wie es bei der Ausrechnung des Nivellements geschieht, 
als wenn man dieselben addirt. Addirt man bei einem ge- 
wöhnlichen Nivellement mit Ablesung an einem Faden die Zahlen 
des Rück- und Vorblicks, wenn sich jenes auf einer Strasse 
oder Eisenbahn bewegt , so erhält man für alle Stände 2,5 bis 
3,0 m. Durch diese Manipulation ist der Theilungsfehler unab- 
hängig von der Terrainbewegung des nivellirten Stücks gemacht. 
Beim Präcisionsnivellement mit Ablesung an 3 Fäden betragen die 
an der Latte abgemessenen Stücke in ihrer Summe 7 — 8 m, also 
haben zu dem Höhenunterschied eines Standes 7 oder 8 mit Thei- 
lungsfehlern behaftete Meter mitgewirkt. Es möchte scheinen, dass 
durch die Ablesung an 3 Fäden ein grösserer Theilungsfehler als 
bei Ablesung an einem Faden verursacht und damit den Theilungs- 
fehlern Vorschub geleistet sei. In Wirklichkeit ist aber das Um- 
gekehrte der Fall, weil mit 3 Fäden an weit mehr und verschie- 
deneren Stellen der Latte abgelesen wird, als mit einem Faden, man 
damit dem idealen Falle, überall abzulesen, sich nähert und der 
Fehler des arithmetischen Mittels mit mehr Gewicht dem anderen 
gegenüber in Rechnung gezogen werden darf. Für das Bayerische 
Nivellement wäre es vielleicht angezeigt, aber auch genügend, für 
den einzuführenden Theilungsfehler pro Meter das Mittel zwischen 
dem mittleren zu befürchtenden Fehler eines Meters und dem des 
arithmetischen Mittels zu setzen. 



Kleinere MittheÜung. 



März . . 
Juli. . . 
Oktober . 
Mittel . . 


Latte 6 


Latte 7 1 


Mittlerer 

Fehler einer 

Meterl>eatiin- 

miing. 


Fehler des 
arithmeti- 
schenMittels 


Mittlerer 
Fehler einer 

mung. 


Fehler des 
arithmeti- 
schen Mittels. 


0,087 
0,107 
0,071 


0,019 
0,025 
0,016 


0,095 
0,108 

0,090 


0,021 
0,024 
0,020 


0,088 


0,020 


0,098 


0,022 



Mittel der Latten 0,093 mm und 0,021 mm, daher der Werth 
für den TheilungsfeMer nach obiger Annahme pro Stand 



fv 



0,093 4- 0,021 ^^ „,„ 
= ~ ^ — ! — F8 = 0,16 mm. 



Die Frage, wie sich dieser Fehler aus den Polygonschlüssen er- 
giebt, wenn man uij als dritte Komponente des mittleren Fehlers 
einführt und die für 3 Gleichungen nun nöthigeu Koeffizient«n- 
summen bildet, deren jetzt 9 sind — führt zu einer nicht verwi^rth- 
baren Lösung, da alle Versuche auf negative Werthe für einzelne 
der unbekannten Fehlerquadrate führten. Aehnliches zeigte sich 
schon bei dem Versuche, von den 10 Schleifen aus den ganz in der 
Ebene liegenden Polygonen der Preusaischen Gradmessung II — V 
(die Ür. Vogler ausgeglichen, s. fr.Bem.) die beiden Komponenten ab- 
hängig von Länge und Höhe zu bestimmen. 

Diese Erscheinungen können nicht anders erklärt werden , als 
daas alle Fehlerquellen entweder nicht zufällig sind oder sich in 
den genannten Gliedern des mittleren Fehlers noch nicht aus- 
sprechen. 

Bisher unerwähnte Fehlerquellen sind nun vor allem diejenigen, 
welche sich mit ideal vollkommenen Instrumenten nur theilweise 
beseitigen liessen und ihren Ursprung in den Wirkungen der Re- 
fraktion, der Ungleichheit der Erdkrümmung und der Lotabweichung 



(SohluBB fl 



:t-) 



Kleinere Mittheiluiigen. 

Die Bessel'schen Erddimensionen. 
Obgleich die von Bessel im Jahr 1842 aus 10 Breitengrad- 

messungen berechneten und in den Astronomischen Nachrichten 
19. Band Nr. 438 S. 116 veröffentlichten Dimensionen des Erd- 



'•. • 



f^nnrr- -, " ^ . ' --rr . »,--.7*p-v -^^ -"-^^^-•ff-'^^rjiix-w ^7?^^ 



Kleinere Mittheilungen. 23 

ellipsoids in Deutschland ganz allgemein und auch anderwärts sehr 
häufig angewendet werden, und obgleich zahlreiche Tafeln hierauf 
gegründet sind, besteht doch in den verschiedenen Angaben für 
jene Dimensionen noch theilweise ein Schwanken in den . letzten 
Ziffern, welches bei scharfen geodätischen Rechnungen störend, ist. 
Bekanntlich geht eine solche numerische Schärfe weit über die 
sachliche Genauigkeit hinaus, allein für viele Zwecke ist es durch- 
aus nöthig, ein, wenn auch in ziemlich weiten Grenzen willkürliches, 
>Referenz - Ellipsoid« mit der äussersten numerischen Schärfe zu 
charakterisiren, und dazu dienen eben seit Jahrzehnten die Bessel- 
schen Zahlenwerthe. 

Schon bei den gewöhnlichsten geodätischen Tabellenberech- 
nuDgen, z. B. für die Coefficienten zur Umwandlung geographischer 
Coordinaten in rechtwinklige Coordinaten etc. empfindet man, um 
der Häufung der Abrundungsfehler zu begegnen, das Bedürfniss, 
von vornherein die Constanten mit 2 — 3 Stellen mehr in die Rech- 
nung einzuführen, als man schliesslich braucht. 

Kurz das Bedürfniss, die Erddimensionen ein für allemal auf 
10 Stellen zur Verfügung zu haben, besteht; weshalb wir die wich- 
tigsten hierauf bezüglichen Angaben hier sammeln. 

Wir nehmen die Bezeichnungen: 

a = grosse Halbachse 
& = kleine Halbachse 

« = = Abplattung ' \ (1) 

a — b 

^ = —7-1 



(j2 ^2 

— = Excentricität bezogen auf die grosse Halbachse a 



yet2___ J2 1/ ^2 

— J-- — =: [/ ^j — —^ (Excentricität bezogen auf die kleine 

Halbachse fe). 

Die Bessel'sche Originalmittheilung im 19. Bande (1842) der Astr. 
Nachrichten S. 116 gibt: 

n = 0,001 6741-848 



(2) 



a_ 299,1528 . , _ 1 ^ 

Ä"" 298,1528 ^299,1528 ' 

a = 3272077,14 Toisen log a ==6.5148235-337 

6 = 3 261 139,33 Toisen log 6 = 6.513 3693*539 

log e= 8,91 2 2052 log VT^J^ = 9.998 5458-202 

Leider stimmen nun diese Zahlen unter sich nicht auf 10 Stellen 
überein, und je nachdem man von der einen oder anderen ausgeht^ 
erhält man Abweichungen. 



Kleinere Mlttheiluogen. 

tirt diese Bessel 'sehen ErddimeDsionen im I. Theil 
äuchungen über Gegenstände der höheren Geodäsie« 
ächst: 



%a = 6.5 148235 337 in Toisen 



(3a) 



>'l_e2 = 9,998 5458-202 

is: >£s folgt hieraus, mit Hülfe der lOziffrigen Lo- 

y = 4" 41' 9,98262" ) 

% 6 = 8.912 2052-079 ) (^^^ 

iiction auf Metermaaa hat hier Gauss (S. 10) den 

0.2898199300 (3c) 

5 Nachfolgende [7]). 

ilen liegen der Gauss'chen Tafel für conforme Abbil- 
psoids auf die Kugel zu Grunde. 

lit bei Berechnung seiner >Tafeln für die Gestalt der 
frliner Astronomischen Jahrbuch für 1852 von den 
jogaritknten log a und logb aus, er sagt nämlich a. 
323: »Bei den folgenden Tafeln ist zu Grunde gelegt 

%a = 6.51 48235-337 | 

^03 ;. = 6.513 3693-58a j C*») 

eitet ward<: 

«=3272077,1399 Toisen ] 

6 = 3 261 139,3284 Toisen 

a 299,152818 | 

%e = 8.9122052-075 i 

'TIl"i^ = 9.998 5458-202 

%n = 7.223 8033-861 (4 c) 

l4-ttä) = o.0000012-173 

« = 0,0016741-84767 | 

man (4b) mit (2), so sieht man, dass durch den Um- 
'ßstelligen Logarithmen a und b sich bezw. um 0,0001 
isen geändert haben. Die erste Aenderung ist eine 
undung, die zweite 0,0016 beruht auf einer kleinen 
n (2), denn wenn man aus dem thesaurus logarith- 
i^ega (Leipzig 1794) log 3261139,33 entnimmt, so 
5133693-541 statt 539 bei Bessel. Aehnlich verhält 
lit anderen Zahlen, z. B. das wichtige « ist von Encke 
g zweier Dezimalen um 0,02 Milliontel seines Werthes 
verkleinert worden. 




.jsrr; .-^f-«^ 



_j- -'^-qpr-' -v;ib ■»"?*■ ";- — .r.-^T'^-« — ^ 



• If i^.m'j 



Kleinere Mittheilungen. 



25 



Die Encke'schen Angaben (4 a) (4 b) (4 c) haben die Bessel- 
scben Originalzahlen (2) grösentheils verdrängt. Wir finden in 
General Baeyer's »Messen auf der sphäroidischen Erdoberfläche« S. 2 

log a = 6.514 8235-337 log h = 6.513 3693*539 

a = 3 272 077,1399 Toisen 6 = 3 261 139,3284 Toisen 

a — b 1 



a - 299.152 818 
%6 = 8.912 2052075 



logVl — e^=- 9.998 5458*202 

log n = 7.223 8033"861 n == 0,001 6741-84767 J 



(5) 



>Die Königl. Preussische Landes-Triangulation Hauptdreiecke, 
erster Theil« gibt S. V ebenfalls: 



a = 3 272 077,1399 Toisen 6 = 3 261 139,3284 Toisen 

a — b 1 



(6) 



a 



299,152 818 
und auf S. 26: 

> Als Maass-Einheit der Länge ist das gesetzliche Meter = 
443,296 Linien der Toise du Perou eingeführt« d. h., da die Toise 
864 Linien hat, 

QCiA 

1 Toise = -T7?rci?:7r Meter = (^, m) Meter (7 a) 

443,29d 

indem (t, m) die Eeductionszahl für Toisen und Meter bezeichnen 
soll. Da diese Reductionszalil oft gebraucht wird, so entnehmen 
wir aus dem thesaurus logarithmorum: 

Zö^ 864 ==2.936 5137-425 
log 443,296 = 2.646 69 38*125 

log (t, m) = 0.289 8199-300 (7 b) 

dagegen 11 -stellig nach Steinhauser's > Anhang zu allen deutschen 
Ausgaben von Logarithmentafeln, enthaltend zwei Hülfstafeln zur 
Berechnung U-stelliger Logarithmen, Wien 1857< oder nach der 
Tafel zur bequemen Berechnung 12-stelliger gemeiner Logarithmen 
von Ernst Sedlaczek, Wien 1874 < : 

Zo^ 864 = 2.936 5137-4248 
log 443,296 = 2.646 6938-1254 

' log (t, m) = 0.289 8199-2994 (7 c) 

was auch mit der Angabe von Helmert, math. Theor. d. höh. Geod. 
S. 38, stimmt. 

Die Vergleichung von (7 b) und (7 c) mag als Beispiel dafür 
dienen, warum bei verschiedenen Rechnern die letzte Stelle ver- 
schieden ausfallt. 

In den >Rechnungsvorschriften für die trigonometrische Ab- 
theilung der Landesaufnahme, L Ordnung« S. 4 findet man die 
Fundamentalzahlen 



26 Kleinere Mitthtiilim^en. 

^os» a = 6.804 6434-637 in Metern i 

%(I—e2) = 9.997 0916-404 (8) 

;(,ycä = 7.824 4104-237 J 

Hier ist die Reductionszahl {7 b) angewendet, (oge* differirt 
Tim 0-087 von der Encke'schen Annahme 7.8244104-150 nach (4fi). 
In dem Werke; >Die trigonometrischen und polygonometriBchen 
Rechnungen in der Feidmesskunst von F. 0. Gau8S.< Zweiter Theil ■ 
S. 36 wurden Encke's Zahlenwerthe (4b) a und 6 von neuem, zu 
Grunde gelegt, in Metermaass verwandelt, und es wird aus ihnea 
Folgendes abgeleitet: 

a = 6 377 397,15421 2 m loga^ 6.804 6434-636 ] 

Ä = 6 356 078,962449 m logb = 6.803 1892-838 

V\^^= 0,996 6572-268 830 024 35 VT-^^ = 9.998 5458202 ^^^ 

« = 0,001 6741-847 684 171 58 log n = 7.223 8033-865 | 

Verfasser hat in seinem >Handbuch der Vermessungskunde« 

die Encke'schen Zahlen mit dem Reductionslogarithmus (7 b) ange- 
wendet und damit eine 8-steUige Tafel der Krümmungshalbmesser 
berechnet. 

Helmert hat in seinen »matheni. Theorien der höheren Geodäsie < 

vor allem das Encke'ache « festgehalten und hat (S, 38) : 

n = 0,00] 6741-84767 % » = 7.2238033-861 1 

o = 6 377 397,155 00 Meter log a = 6.804 6434-637 

ft = 6 356 078,963 25 Meter log h = 6.803 1 892839 

eS = 0,006 6743-720 96 log e^ = 7.824 4104-149 | 

Diesen Encke'schen Werth n hat Helmert namentlich zur Berech- 
nung einer ausführlichen Tafel der Funktion 



(10) 



W=yi — e^sm^B 

benützt, nämlich (Helmert S. 45) mittelst der Reihe 

logW log(l-\-n)+Mncos2B- 

Diese Helmert'sche Tafel gibt log H' von 47° bis 57° mit Inter- 
vall 5' 10-steIlig und noch mit einer 11. Controlstelle, dann durch 
den ganzen Quadranten 8-stellig; es ist dieses die genaueste Tafel 
dieser Art, sie enthält u. A. das Material für die Logarithmen der 
Krümmungslialbmessei-, für die Coefficienteu (1) und (2) der Rer.h- 
nungsvorschriften der Landesaufnahme etc. und dieses spricht von 
Neuem dafür, deren einzige Constante, nämlich das Encke'sche » 
nunmehr unabänderlich festzuhalten, zumal die Encke'schen log a 
und logb damit in ihrem Verhältniss bis auf 0000 übereinstimmen. 
Was dann log a und logb selbst betrifft, so scheint es auf den 
ersten Blick, als ob Helmert's log a und logb für Meter direct aus 
den Bessel'schen log a und log b für Toisen, durch Anwendung des 
in der letzten Stelle falschen Reductionslogarithmus (7 b) erhalten 



r 



Kleinere Mittheilungen. 



27 



seien, doch ist dieses nach einer hierüber erhaltenen Mittheilung 
nicht der Fall, vielmehr ging Helmert von einem in den letzten 
Stellen willkürlich abgerundeten a = 6377397,15500 m aus, nahm 
hiezu das Encke'sche n = 0,001 67 41*84767 und berechnete dann 
von diesen zwei Fundamentalzahlen ausgehend die übrigen mittelst 
der Reihen von S. 37 der mathem. Theor. d. höh. Geod. 

Hiernach bilden wir folgende wiederholt mit 11-stelligen Loga- 
rithmen von uns controlirte und überall auf 10 Logarithmenstellen 
unter sich richtige Zusammenstellung: 

Constanten des Erd-Ellipsoids nach Bessel^ Encke und Helmert. 



a = 6 377 397,155 00 Meter 
5 = 6 356078,963 25 Meter 

"~* = w = 0,001-6741-84767 



a-\--h 



e'^ = 



log a = 6.804 6434637 
Zo^ 6 = 6.803 1892-839 

/ö^n = 7.223 8033-861 



a2 



(l + n)2 

e« == 0,006 6743*7209625 log e^ --= 7.824 4104*149 

e = 0,081 6968-3040 log e = 8.912 2052075 

1—^ = 0,9933256-279037 5 %(l—e2) = 9.997 0916 405 

YY^'e^ = 0,996 6572-268 86 log Vl — e^ = 9.998 5458-202 

a2— 62 ß2 4n 



e^ = 



b^ 



l_e2 (1— w) 



2 



c'2 = 0,006 7192-186 62 
c' = 0,081 9708-403 2 

a — b 



Zö9e'2 = 7.827 3187-745 
iog e' == 8.913 6593-872 



«=^ = 1— VI— e2 

a 

^^^ = « = 0,003 3427-731 14 log ^^— == 7.524 1069-005 
a — b 1 



log 



a 
a 



a 299,152 828 9 "^^a— 6 

Mathematische Constanten. 



2 Alb 8930-995 



TT = 3,141 5926-535 898 log tt = 0.497 1498*727 



180 
(>° = :!^ = 57,295 7795-131 

TT 



/o^p°= 1.758 1226-324 



180 X 60 



Q = 



= 3 437,746 770 78 log o' = 3.536 2738-828 



q" = ^80X60X60 ^ 206 264,806 247 



TT 



M= 0,434 2944.819 



Zo^o" = 5.314 4251-332 
%Jf= 9.637 7843-113 



■^■^'■-- ■ " ■.W-3'5 



28 Kleinere Mittheilungen. 

Nach Fertigstellung vorstehender Zahlen-Üebersicht wurde uns 
mitgetheilt, dass im dritten Bande der Mittheilungen des k. k. 
militär-geographischen Instituts in Wien eine ausführliche Tafel 
veröffentlicht ist, welche Zo^ PF auf 11 Stellen von y == 0° bis y = 90° 
gibt, wobei n wieder etwas anders als bei Encke und Helmert ge- 
nommen wird. 

Da uns jener Band nicht zur Hand ist, beschränken wir uns 
darauf, diese Bemerkung nachzutragen und zugleich die Hoffnung 
auszusprechen , dass die berichteten Zahlenschwankungen durch 
eine allgemein gültige Festsetzung erledigt werden möchten. 

J. 



Zur Landmesser-Titelfrage. 

Mit Anfang nächsen Jahres tritt die Prüfungsordnung vom 
4. September 1882 ausschliesslich in Kraft, die danach Geprüften 
sollen den Titel >Landmesser< führen. Die Feldmesser sind somit 
auf den Aussterbeetat gestellt. 

Das ist ganz schön. Kein Feldmesser wird gegen die neuen 
Bestimmungen in sachlicher Beziehung Einwendungen machen, aber 
in persönlicher Beziehung stehen wir Feldmesser, ich hoffe Alle, 
nicht auf dem Boden derselben, und zwar deshalb, weil in dieser 
Prüfungsordnung Bestimmungen darüber fehlen, ob in Zukunft 
alle geprüften Vermessungsbeamten, also auch die Feldmesser, oder 
nur die nach den neuen Vorschriften Geprüften den Titel > Land- 
messer« zu führen berechtigt sein sollen. 

Soviel bis jetzt bekannt, soll höheren Ortes nicht die Absicht 
vorliegen, den Feldmessern die Führung dieses Titels zu gestatten. 
Sollte sich dies bewahrheiten, so schliesst es zugleich in sich, dass 
auch alle anderen Vortheile, welche von der neuen Ordnung in 
Bezug auf sachliche und gesellschaftliche Stellung erhofft werden, 
spurlos an uns vorbeigehen, während unsere Arbeiten dagegen natür- 
lich denselben Anforderungen werden genügen müssen, wie diejenigen 
der Landmesser. Es wird eben vom Jahre 1885 ab eine ganz neue 
Kategorie von Vermessungsbeamten erstehen, und die bisherige hat 
das Recht, sich nach und nach, je nach Bedarf, selbst ad acta zu 
legen. Ist das aber das Ziel jahrelangen Strebens? War dies die 
Absicht der bekannten Resolution vom Jahre 1873, worin es hiess: 
>Es ist im Interesse der Hebung des Geometerstandes und der För- 
derung der Vermessungswissenschaft geboten u. s. w. ?< Ich glaube 
nicht. Es trat damals die Absicht der Feldmesser, welche ihnen 
von je inne war und heute noch inne ist, zu Tage, ihre Arbeiten 




Kleinere Mittheilungen. 



29 



der Zeit anzumessen, es lag die Absicht vor mit der Wissenschaft 
auch den Stand zu heben. 

Der Deutsche Geometerverein und die Zeitschrift für Vermessungs- 
wesen haben in den Jahren 1873—1882 ein gut Theil zur Hebung 
der Technik beigetragen, hoffentlich findet sich für die Vertretung 
der Interessen ihrer Mitglieder, sollte dies nöthig sein, eine ebenso 
grosse Anzahl streitbarer Männer. Dennoch will ich gestehen, hat 
es mich peinlich berührt, seit langer Zeit an diesem Orte kein Wort 
über die Lage der Feldmesser gehört zu haben, während in früheren 
Jahren die Federn nie ruhten. Sollte meinen Collegen die eigene 
Lage so wenig am Herzen liegen ? Ich glaube es nicht, denn es han- 
delt sich hier doch nicht nur um ein allgemeines Gesammtinteresse, 
sondern speciell um die Zukunft des Einzelnen. 

Möge daher jeder Einzelne sich mit dieser Frage eingehend 
beschäftigen, möge aus den Einzelnen ein Ganzes sich entwickeln, 
und möge dieses Blatt nicht allein zu fachlichen Vorträgen, sondern 
auch zur Klärung der Verhältnisse unseres Standes benutzt werden. 
Für die Technik ist in letzterer Zeit genügend gesorgt, lassen wir 
sie daher für kurze Zeit ruhen und sorgen wir jetzt einmal, dass 
die Techniker nicht verwaisen, es könnte sonst selbst der Technik 
schaden. 

Es wird wohl niemand sagen können, dass unsere Verhältnisse 
geklärt sind. Das waren sie nie. Kann es uns aber jemand ver- 
argen, wenn wir in ruhiger, sachlicher Weise eine endliche Regelung 
erstreben? Hat sich dieselbe Sache nicht auch in anderen Fächern 
vollzogen ? Dazu wird es aber vorab nöthig sein, dass Ruhe im 
Gliede ist. Nur wenn Einigkeit im Fache herrscht, kann sich das- 
selbe nach aussen als Gesammtheit markiren. Ob wir nun Eisen- 
bahn-, Kataster-, Auseinandersetzuugs- oder andern Zwecken dienen, 
wir sind eben Alle Feldmesser und wollen dies hauptsächlich nicht 
jetzt vergessen, wo es sich um Alle handelt. 

Und nun mögen diejenigen Herren Collegen, welche schon, ich 
will sagen, in Amt und Würden sind, mir einige Worte erlauben. 
Ich weiss bestimmt, dass manche derselben unserer Sache kühl bis 
ans Herz hinan, um mich poetisch auszudrücken, gegenüberstehen, 
und gerade sie sind es doch, welche derselben viel nützen könnten. 
Es ist allerdings klar, dass die ganze Frage in erster Linie die- 
jenigen von uns berührt, welche noch den Titel Feldmesser mit 
Variationen führen, aber, meine Herren, wenn den Mitgliedern eines 
Standes versagt wird, was sie durch ihre bisherigen Leistungen in 
vollem Masse verdient haben, dann muss sich der ganze Stand 
verletzt fühlen. 

Es liegt mir durchaus ferne, zwischen uns und der kommenden 
Generation Zwietracht säen zu wollen, im Gegentheil, die Technik 
liegt mir so sehr am Herzen, dass ich gerne alle Dinge zum Guten 
wenden möchte. Aber es könnte uns, sind wir jetzt säumig, später 
einmal passiren, dass wir zum alten Register gerechnet würden, 



Literaturzeitall g. 

meine Herren, wäre bitter fUr uns Feldmesser sans phrase 
für Sie. 

alb halte ich e<) für gut, wetin wir jetzt endlich einmal 
; näher treten. Aber die Zeit drängt und wenn wir noch 
men, möchte es uns schwer fallen, uns in recht collegia- 
eise >Proait Neujahr« zu bieten. 
erfeld, den 3. November 1884. 

(7, Nüsch. 



Signale für Polygonwinkeimessung. 

I^lich der Mittheilung über Signale zur Polygon win kel- 
auf S. 520—523, Jahrgang 1884, >der Zeitschrift für Ver- 
wesen« erlaube ich mir raitzutheilen, dasB ich im Jahre 
der umfangreichen Revisionsmesaung meiner polygonometri- 
beit ein ähnliches Verfahren angewendet habe. Die als 
unkte eingesetzten Basaltsäulen waren mit einer Centrir- 
cht versehen und es musste eine solche wegen der Härte 
Qs mit Rotbstein oder Kreide aufgemalt werden. Weil 
a aus Mangel an Dreieckspunkten meilenlange Polygonzüge 
iten waren, so nahm ich drei centrische zum Durchschlagen 
^ete Theodolite, zwei Gehilfen und einen Arbeiter. Bei den 
ungen wurden die Fernrohre der Signaltbeodolite senkrecht 
id das Centrum ausserdem durch ein Stahlstäbchen, welches 
;i Auslaufe zum Festklammern hatte, bezeichnet. Beobachtet 
it allön Instrumenten. Leider mussten die Züge in Diei- 
I Polygonnetze verschiedener Systeme eingebunden werden, 
tten die Winkel fast auf Null gestimmt, wie eine Zusam- 
ng derselben im Kreise ergab. Trotz der sehr günstigen 
erhielt dieses Verfahren nicht die Billigung der vorge- 
leamten. 
'geismar, November 1884. 

Lekrke, Feldmesser. 



Literaturzeitiing. 



für Oeumeler und KuUurieohniker, unter Mitwirkung von Dr. Eb. 
ler, Processor in Poppeladorf, und Tli Müller, Geometer in Köln, 
lagegeben von W. Schlebac/i, Professor in Stuttgart, Jahrgang 1835. 
vielen Holzschnitten. Stuttgart, Verlag von Konrad Wittwer. 

^.,. Herausgeber des vorliegenden Kalenders haben sich mit 
den bisherigen Erfolgen des Unternehmens nicht begnügt, waren 






Vereinsangelegenheiten. 31 

yielmehr auch in diesem Jahre mit Erfolg bestrebt, den Inhalt des 
Kalenders dem praktischen Bedürfnisse entsprechend zu verbessern 
und zu vermehren. So ist im tabellarischen Theil die Quadrattafel 
wesentlich ausgedehnt und eine den Bedürfnissen der gewöhnlichen 
Praxis jedenfalls genügende Tachymetertabelle vom Herausgeber an- 
gefügt worden. Ebenso sind die Abschnitte über Hydraulik und 
Mechanik durch verschiedene werthvoUe Tabellen vermehrt worden, 
üeberhaupt erscheint der kulturtechnische Theil und zwar zumeist 
durch Heranziehung neuer Mitarbeiter wesentlich erweitert. So hat 
Professor Sapper in Stuttgart das (gleich der Triangulirung in die 
Beilage verwiesene) Kapitel über Erdbau umgearbeitet und in Rich- 
tung auf die Bedürfnisse des Kulturtechnikers erweitert, wie auch 
von demselben > Angaben über Gründungs- und Betonirungsarbeiten< 
und >Angaben über Bedarf, Preise und Verarbeitungskosten der 
Baumaterialien« in der Beilage angefügt wurden. Auch das von 
Professor Gieseler bearbeitete Kapitel über Ackerdrainage ist durch 
die Erfahrungen eines neuen Mitarbeiters, Regierungsbaumeister 
fluppertz, Dozent für Jngenieurfächer an der Poppelsdorfer Akade- 
mie, bereichert worden. 

Die Beilage enthält zum ersten Male ein von Geometer Enielius 
in Köln zusammengestelltes Personal verzeichniss, wodurch einem 
mehrfach lautgewordenen Wunsche Rechnung getragen erscheint. 

Wie die früheren, so glauben wir auch diesen Jahrgang des 
Kalenders allen Interessenten aufs Wärmste empfehlen zu müssen. 

Sts. 



Vereinsangelegenheiten. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

Nr. 2238. Naumann, Hugo, verpflichteter Feldmesser, Würzen, 
Sachsen. 

> 2239. R e i s s , Geometer, Lieben werda. 

> 2240. Schmitz, Wilhelm, Feldmesser, Wetzlar. 

> 2241. Volmer, Wilhelm, Feldmesser, Hameln. 

> 2242. Kataster-Kommission im kaiserl. Ministerium 

für Elsass-Lothringen , Strassburg i. E. 

> 2243. Büttner, Oskar, Geometer des k. Centralbureaus 

für Steuervermessung, Dresden. 

> 2244. Schumann, Fritz, Rathsgeometer, Chemnitz. 

> 2245. H e y m a n n , Assistent an der technischen Hochschule 

in Hannover. 



32 Vereinsangelegenheit. Fragekasten. 

Diejenigen Mitglieder des Denteclten GeometerTereins^ 
welclie gesonnen sind, den Milgliedabeitrag Ton 6 Mark 
pro 1885 per Postanweisung einznzaiilen, werden iiiermit 
ersnclit, dieses bis längstens 

den 8. März 1883 

zu bewerkstelligen, naeb diesem Zeitpunkt aber keine £in- 
zablnngen mebr, um Kreuzungen zu Ternieiden,zuniacben, 
da naeb dem 8. Mftrz 1885 naeb §. 16 der Satzungen der 
Mitgliedsbeitrag per PostTorsebuss resp. Naebnabme er- 
boben werden wird. 

Coburg, am 12. Dezember 1884. 

G. Kerschbaum, Steuerrath, 
z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 



Fragekasten. 

Es wird gefragt: >ob ein Instrument (Kurvimeter) existirt, mit 
welchem man auf jeder beliebigen Karte selbst bis zu Massstäben 
in 1:400000 die engsten Krümmungen zu messen im Stande ist. 
Bekannt ist mir ein solches Instrument, welches nicht zu enge 
Krümmungen zu messen gestattet, aber für enge Flussserpentinen 
und sehr krause Küstenzüge und dergl. versagt es den Dienst<. 

B. Trognits!^ 
Geometer in Justus Perthes' Geographischer Anstalt. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlung : Ueber die Einführung des Consolidations-Gesetzes in 
der Rheinprovinz, von Weitemeyer. — Beitrag zu den Untersuchungen über 
die Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivelleraents, von Bischoff. Kleinere 
(Vlitthellungen : Die BessePschen Erddimensionen, von J. — Zur Landmesser-Titel- 
frage, von J. Nu seh. — Signale für Polygonmessung, von Lehrke. Literaturzeitung: 
Kalender für Geometer und Kulturtechniker, herausgegeben von W. Schiebach, 
besprochen von Sts. — Vereinsangelegenheiten. Fragekasten. 



Karlsruhe. Druck vou Malscb & Vogel. 




^w 



3» 



ZEITSCHRIFT for VERMESSUN6SWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 



I Unter Mitwirkung von 0. Steppes, Steuerassessor in München, und 

I M, Oerke, Privatdozent in Hannover, 

I herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1885. Seffc 2. Band XIV. 

16. Januar. 



w. 



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'iV 



U,^>JB 



Beitrag zu den Untcirsuchungen über die Genauigkeit 
des Bayerisclien Präcisions-Nivellements. 

Habilitationsschrift des Privatdozenten an der Technischen Hochschule in München 

Jg. Biscboff. 

(Schluss.) 

Der als scharfsinniger Physiker bekannte Rechtsgelehrte Dr. Wand 
machte 1871 zuerst in seinen >Principien der mathematischen Physik 
und der Potentialtheorie etc.< darauf aufmerksam, dass bei Nicht- 
berücksichtigung der Intensität der Schwere befim Durchlaufen eines 
nivellirten Polygenes sich beim Schlüsse eine Differenz ergeben 
muss. Direktor Dr. v. Bauernfeind^ schlug fast gleichzeitig in der 
im Jahre 1872 in München erschienenen Abhandlung der Kgl. Bay. 
Akademie der Wissenschaften II. Kl. Bd. XI. die > geodätische Be- 
stimmung der Erdkrümmung und Lotablenkung« durch exaktes 
Nivelliren mit gegenseitig sich übergreifenden Visuren vor, und 
entwickelte S. 15, 20—27 genannter Abhandlung die nöthigen | 

Formeln. ^ 

Ohne auf die im Weiteren folgenden vielen Abhandlungen über 
diese Gegenstände einzugehen, verweisen wir auf die Darstellung von 
Helmert in dessen mathem. und phys. Theorie der höheren Geodäsie 1 

II. Band 7. Capitel. -^ 

Die Wirkungen der Refraktion wären wohl für die in Bayern 
angewandten Zielweiten von unbedeutender Gesammtwirkung, auch 
wenn die angeordnete Reihenfolge in der Beobachtung nicht jede 
Abnormität sofort zu erkennen geben würde. Dass plötzliches Her- 
vortreten der Sonne aus den Wolken oder der Untergang derselben 
sich sehr unangenehm fühlbar macht, ist schon öfter hervorgehoben 
worden. Nicht so ganz bedeutungslos ist die Refraktion für Nivel- 
lements mit grossen Ziel weiten, wo das Voraussetzen der Gleichheit 
der Krümmung der Visurstrahlen nicht mehr am Platze sein dürfte. 
Der Einführung einer Korrektion in die Rechnung widersetzen sich 

Zeitschrift für Vermessnngswesen. 1883. 2. Heft. 3 



'm 



^.'-e 



34 Blechoff. Beitrag zq den Unteraachangan über die 

die meist abnormen Verhältnisse der untersten Atmosphärenschichte, 
in der allein die Messoperation sich bewegt. 

Im 5. Band der Nivellements der Kgl. Preuss. Landesaufnahme 
ist S. 125 — 29 die Wirkung des NichtpaTalleiseinB der Niveauflächen 
auf den Schlussfehler der Polygone entwickelt. Diese Schlussfehler 
vermindern sich auch dadurch merklich, jedoch setzt Obei'stlieutenant 
Schreiber S. 128 den Umstand, dass die Reduktionen in herabmin- 
derndem Sinne gewirkt haben, >wohl mehr auf Rechnung des Zu- 
falles als einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit <. Bei den end- 
gültigen Höhen über Normalnull ist daher jener Nichtparallelismus 
nicht berücksichtigt. 

Nach diesen Erörterungen dürfte es angezeigt sein, sich den 
eigentlichen Beobachtungafehlern nochmals zuzuwenden. 

Zunächst' haben die durcii die Längenänderung des Holzes 
hervorgerufenen Fehler in derTlieilung einen nicht ganz zufälligen, 
sondern mehr periodischen Charakter. Durch die ungleiche Aus- 
dehnung werden ganze Partien verzerrt, was sich gegen die Enden 
der Latten'^namentlich ausspricht. Wenn daher beim Nivellement 
auf eiffer langen scharfen Steigung ((lebirgsstrasse oder Bahn), wo 
auch die drei Ablesungen an den Fäden nicht weit von einander 
abstehen, ganz oben und ganz unten abgelesen wird, so entsteht 
doch, wenn im weiteren Nivellement der Schleife nur mehr andere 
Steilen der Latten benutzt werden, ein sich nicht mehr aufhebender 
Irrthum. Es mag dies vielleicht auch zum Theil erklären, warum 
das neue Nivellement des Fichtel^ebirgpolygones, trotzdem mau die 
Grenze des Stand- (reinen Nivellirfehlers) herabgesetzt hatte, doch 
noch einen Kilometerfehler von über 2 mm lieferte, weil eben der 
scharfen Neigung der schiefen Ebene bei Neuenmarkt (1 : 40) eine 
gleich starke auf der ganzen Linie nicht mehr entspricht. Ebenso 
gefährlich in ihrer Wirkung können die Theilungsfehler in ganz 
flachen Schleifen werden, wenn gerade in der Gegend der Latten 
von 1,0 m bis 1,5 m periodische, bei beiden Latten verschiedene 
Ungenauigkeiten vorhanden sind, ganz abgesehen davon, dass das 
nominelle Meter der Latte, zu dessen Grössenbestimmung auch die 
oberen Lattentheile mitwirken, nicht mehr ganz richtig ist, da diese 
nie vorkommen. Die Eigenartigkeit des Präc is ions ni veil e men ts auf 
den Eisenbahnen mit ihren langen, konstanten und selbst in 
koupirtem Terrain nicht viel verschiedenen Neigungen nimmt den 
Ablesungen und damit den Theilungsfehlern einen rein zufälligen 
Charakter, der nur gewahrt würde, wenn man die Latten in den 
denkbar verschiedensten Stellungen gegen den Instrumentenhorizont 
zur Ablesung verwenden könnte {was auch dann nicht der Fall ist, 
wenn die Latten bei der zweiten Ablesung mit dem früheren Fuss- 
punkt nach oben kommen). 

Es ist zwar stets darauf geachtet worden, dass die Fuseplatten 
eine möglichst variirende Lage gegen die In Strumen ten höhe er- 
hielten, was man dadurch zu erzielen versuchte, dass man die ün- 
des Oberbaues, die Ueberhöbung in den Kurven und 



-»-- ■ — - «- - 



V -ni 7^ 



Genauigkeit des Bayeriscben Präcisions-Nivellements. 88 



w. 









*) Berechnet aus den Ablesungen, also eine grössere Zabl als bei den 
Nivellements auf Bahnen. 

3. 












>'\)\ 






dergl. mehr, jedoch unbeschadet einer absolut festen und sicheren 
Lage, benutzte. Allein dieser Wechsel in den Ablesungen an den /^ 
verschiedenen Stellen der Latten ist nicht ergiebig genug. Darauf 
deuten die Thatsachen (S. 16), dass bei den Polygonen, wo grosse 
Höhen überwunden wurden, der von denselben abhängige Fehler 
fjfj^ klein, da wo man in flachen Schleifen sich bewegte, ^17 gross 
wurde, während doch das Umgekehrte zu vermuthen war. 

Als ein Beleg für das Vorhandensein der Theilungsfehler mag 
das doppelt ausgeführte Doppelnivellement vom Bahnhofe in Tölz 
zur Isarbrücke dort (Linie Tölz-Penzberg, Abthlg. 1) und zum Kilo- 
meterstein 0,5 der Staatsstrasse nach Schongaa (Abthlg. 2) dienen. 
Beide Abtheilungen wurden ausnahmsweise doppelt hergestellt und 
zwar in der Weise, dass unmittelbar an den letzten Stand des 
Nivellements in einer Richtung sich der erste Stand des Gegen- v| 

nivellements anschloss. Da beide Abtheilungen (1140 und 555 m 
lang) an je einem Tage vollendet wurden, und die benutzten Latten 
schon einige Tage zuvor in der Güterhalle in Tölz (in ihrem Rasten 
verwahrt) lagen, so ist wohl jede Berechtigung zu einem Zweifel 
an der Un Veränderlichkeit der Latten ausgeschlossen. 

Das Nivellement (Abthlg. 1) bewegt sich auf theilweise sehr 
steilen Strassen mit horizontalen Zwischenstrecken und verlorenen 
Steigungen von der Höhe ins Thal und geht dann jenseits der Isar 
(Abthlg. 2) sanft ansteigend weiter. Es fand sich für die Abtheilung 1 | 

(Höhe 37,5014 m) aus den Doppelnivellements (welche sich theil- 
weise auf verschiedenem Wege bewegten) eineDififerenz von 2,6 mm 
und für die Abtheilung 2 (5,5042 m) eine solche von 0,1 mm. Der 
reine Nivellirfehler, berechnet, wie oben angegeben, liefert 

1. Abtheilung 1. Nivellement -^ = 141,^^ = 1,11 mm für 1 Kilom. 

2. > =93 =0,90 > > > 

2. Abtheilung 1. > = 47 = 0,92 > > > 

2. > =51 =0,96 > > > 

Es folgt also aus den beiden Doppelnivellements eine mittlere 
zu befürchtende Höhendifferenz 

für die Abtlg. 1 aus dem 1. Nivellement «^ = K 1,13 X 1,1 = 1,18 

«3=VT;15xO,9 = 0,96 

jede Operation liesse demnach, im Mittel 1,1 mm Differenz zu, 
während diese 2,6 mm beträgt. 

Bei nur 24 oder 26 Ständen sind die Ablesungen nicht an- 
nähernd gleichmässig über alle Stellen vertheilt. Setzt man als 
Theilungsfehler den mittleren zu befürchtenden Fehler eines Meters, 

so ist zu gegenwärtigen pro Stand 0,093 V8,85 *), also für 25 Stände 

^ = V25. 0,30 = 1,50 mm 






Biechoff. Beitrag zu den Uatersoofanngen aber die 

immtdiifereoz 

[f^]+US] = 1.18ä+l,50* = 3,64 
ist aber dem wirklichen Fehler entsprechend 

e» = 2,63= 6,74 
reicht die Grösse des Fehlers fast den l,4facheß Betrag 
leren Fehlers und bestätigt das periodische Auftreten der 
(sfehler, da alle anderen Annahmen bei den kurzen Ziel- 
lem bedeckten Himmel und dem lang erprobten Gehilfen- 
e ausgeschlossen sind. 

die Abtheilung 2 findet sich ans 
dem 1. Nivellement *i =f'ÖJ557xO,92=sO,69mm 
> 2. > e,=KÖ354x0,96 = 0,71mm 

;1 0,70 mm als mittlerer zu befürchtender Fehler, während 
lessungen nur 0,10 mm von einander abwichen. Bei der 
Neigung der Strasse und den fast durchgeheoda gleichen 
!n für alle Stände erfolgten die Ablesungen bei den Nivel- 
an den gleichen Stellen, daher wohl der Einfluss der Thei- 
ler sich kaum geltend gemacht hat 

bisherigen Untersuchungen haben (beim reinen Nivellir- 
itets ein sorgfältig berichtigtes Instrument vorausgesetzt, 
ATohl bei allen derartigen Arbeiten verwendet worden ist, 
inen dieselben jedoch nicht abschliessen, ohne noch einige 
zu besprechen, welche man mit Recht oder Unrecht als 
lellen bezeichnet hat. 

nicht zu unterschätzender Missstand ist bei Nivellirinstru- 
eine nicht ganz gleichmässige Bewegung der Okularröhre, 
lieh am einfachsten nach dem Vorsehlag des Professor 

in Berlin (s. Löwenherz >Bericht über wissenschaftliche In- 
;e auf der Berliner Gewerbeausstellung 1879( S. 101) durch 
m von Zahnstange und Trieb an der Seite in ihrer Wirkung 
Ablesung wegschaffen Hesse, Bei strengem Einhalten 
cips des Nivellirens aus der Mitte und nicht zu bedeu- 
ielweiten, wo {bei Bahnen durch die Schienenlängen, bei 

durch die Schrittzahl} die gleichen Entfernungen fürRück- 
ilick leicht und sicher hergestellt sind, ist eine geringe Un- 
ssigkeit der Bewegung ebensowenig wie minimale üngleich- 
Ringrohrdurchmesser von weittragender Bedeutung. 
I weitere Fehlerquelle glaubten Hirsch und Plantamour 
Jachsinken der Fussplatten während der Dauer der Messung 
zu haben, und es sind demzufolge in der .6. Mittheilung 
. ff. lange Erörterungen daran geknüpft und der Unter- 
n Ergebniss zweier nicht gleichzeitig ausgeführter Nivel- 
;heilweise diesen Senkungen zugeschrieben. Es ist allerdings 
dass die Fussplatten bei nachlässigem Legen einsinken 
auch dass ein einseitig beschienenes Instrument sich un- 
äsig auszudehnen vermag, endlich würde ein Schieflialten 



Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellements. 37 

der Latten neue Fehler einführen (beim Bayerischen gleichzeitig 
ausgeführten Doppelnivellement sind die beiden letzteren in Folge 
der Kontrole kaum möglich). Lässt man aber derlei Voraus- 
setzungen zu, dann hören die Nivellements auf, den Namen von 
Präcisionsarbeiten zu verdienen. Gegen all' die Missstände gibt es 
Dur eine Sicherung: ein ebenso geübtes, wie verlässiges und ge- 
wissenhaftes Gehilfenpersonal, und dieses ist dem B. Präcisions- 
nivellement dank der warmen Verwendung des Herrn Directors 
Dr. von Bauernfeind bisher erhalten worden und bei den Ausfüh- 
rungen zur Verfügung gestanden. 

Nach diesen Erörterungen sind wir auch sofort im Stande, die 
Fehlerquellen zu nennen, welche bei den von Prof. Dr. Haid auf- 
gestellten Werthen des mittleren Fehlers mitgewirkt haben. Beim 
ersten Werth ist nur der eine Nivellirfehler, beim dritten die Ge- 
sammtwirkung aller zum Ausdruck gebracht, während die geringe 
Grösse des zweiten Werthes davon herrührt, dass von den ein- 
zelnen Abtheilungen nicht die mittleren Fehler addirt wurden, 
sondern man die mittleren Fehler der Bestimmung einer ganzen 
Abtheilung summirte. 

Auch die Beantwortung der Frage, warum die doch aus den 
scheinbar gleichen Quellen herrührenden Unsicherheiten bei den 
einzelnen Nivellements so wesentlich verschieden ausfallen, ist nicht 
schwer zu geben. AIP die Aufnahmsmethoden, welche die Doppel- 
nivellirung nicht gleichzeitig vollziehen, können die Differenzen 
zwischen den beiden Operationen desswegen nicht als einen Nivel- 
lirfehler in dem von uns angewandten Sinne bezeichnen, weil dabei 
sich auch andere Fehlerquellen geltend machen. Es dürfte auf den 
ersten Blick auch scheinen, als ob bei dieser Nivellirart eher eine 
Elimination der Theilungsfehler zu hoffen sei, allein diese Dar- 
stellung wird sich nur in ganz bewegtem Terrain bewahrheiten, 
weil dort selbst kleine Aenderungen der Zielweiten und anders ge- 
wählte Standpunkte es veranlassen können, dass in den beiden 
Nivellements an wesentlich verschiedenen Theilen der Latten abge- 
lesen wird. Bei Nivellements auf ebenen Strassen und Eisenbahnen 
wird, selbst wenn man mit der Zielweite etwas wechseln würde, 
da die Instrumentenhöhe der Bequemlichkeit der Messung halber 
nicht gleich bleiben muss, — der gewünschte Effekt nicht erzielt. 

Wir sind damit zugleich der Erörterung näher getreten, wie 
man den Fehlern kräftigst begegnen soll. Der Einfluss des Nivel- 
lirfehlers ist der geringste, was, wie ersichtlich, sowohl den einge- 
führten Kontrolen als den gewählten geringen Zielweiten zu danken 
ist. Eine Erhöhung der Genauigkeit würde daher kaum erreicht, 
wollte man den Nivellirfehler durch Herabsetzen der erlaubten Grösse 
des Standfehlers verringern. 

Um der Veränderung der Lattenlänge genügend Rechnung zu 
tragen, welche sich bei allen Nivellements, wo die beiden Aufnahmen 
zugleich, oder zeitlich nicht zu sehr getrennt, geschehen, meist erst in 
den Schlussfehlern der Polygone ausspricht, halten wir zwar eine 



38 Bischoff. Beitrag eu den Uatersuchnngen Über die 

tägliche Revision für überäüssig, dagegen sollten in kleinen, geeig- 
neten Zeitabschnitten genaue Untersuchungen vorgenommen werden. 
Die Tbeilungsfehler, deren Einfluss nach dem extrem gewählten 
Beispiel zu schätzen nicht am Platze wäre, lassen sich zwar nicht 
direkt beseitigen, wohl aber durch Vorsicbtstnaasiegeln bei Her- 
stellung und Aufbewahrung der Latten mittelbar bekämpfen. 

Bisher hatten wir es als einen üebelatand erkennen müssen, 
dass die meisten Fehler nicht als rein zufällige betrachtet werden 
können. Häufen wir aber Beobachtungsmaterial zusammen, so 
heben sich die Fehler mehr und mehr gegenseitig weg und gerin- 
gere Widersprüche in den Endresultaten treten auf. in folgender 
Tabelle sind durch willkürliches Kombiniren einzelner Polygone des 
Bayerischen Netzes kleine Strhlussfebler erreicht. Aber eben um 
dieses (Jmstandes willen bilden kleinere Schleifen schärfere Kon- 
trolen für jedes Präcisionsnivellement. Das Kombtniren von Poly- 
gonen, deren Seiten verschiedenen Landern oder Aufnahmsmethoden 
angehören, dürfte so lange nicht am Platze sein, bis nicht alle 
Länder im gleichzeitigen Besitze einer Kopie des Pariser Normal- 
meters sind,*) um die auf ihn bezogenen Hohen angeben zu können. 



Polygon Nr. 


Umfang 
k 


Schluss- 
fehler J 


J 

Vir 




küi 


mm 


mm 


IIb 


269,5 


45,0 


2,7 


II 


402,5 


28,8 


1,4 


I, II 


485,5 


6,8 


0,3 


I-IV 


824,0 


52,0 


1,7 


II, III 


684,3 


67,4 


2,6 


VI 


288,7 


47,9 


2,8 


VI, VII 


438,9 


49,8 


2,4 


V, VI 


439,9 


42,3 


2,0 


V^VII 


516,2 


59,6 


2,6 


III, IV, VI 


891,2 


10,9 


0.4 


III-VI 


968,5 


1,1 


0,0 


III— VII 


1024,8 


0,8 


0,0 


III, IV, VI, VII 


957,5 


9,0 


0,3 


II, III, VI 


936,7 


19,6 


0,6 


II, III, VI, VII 


1002,0 


17,6 


0,6 


I-VI 


1242,8 


5,7 


0,2 


I-VII 


1309,1 


7,6 


0,2 



*) Die Differenzen der Normalmeter verschiedener Länder bewegen sich 
höchBtens in Üandertel-Millinietern, welche bei Messungen mit hölzernen Latten 
überhaupt nicht mehr von Bedeutung sind. Die verschiedenen Länder das 
Deutschen Keiches haben in den ^Hauptnormalen" nnd „Control normaien 
der Kaieerlichen Nor mal - A ich ungs -Kommission einheitliche Maasae, deren Ge' 
nauigkeit dem Bedürfniase dea feinsten Latten -Nivelle me nta genügt. 

(Vergl. Zeitachr. £. V. 1882 S. 349—351, 1883 S. 86—38 u. 234—237.) 

Die Bed. 



"ipnp 



Geoiiuigkeit des Bayerischen Präcia ion a-Hivelle men t. 



39 



Zum Schlüsse sind noch die 8 Polygone I, IIa, IIb, III, IV, 
V, VI und VII ausgeglichen und zwar erstens unter Annahme eines 
Gewichtes der Seiten umgekehrt proportional den Längen 
1000 

und zweitens unter Zugrundlegung eines Gewichtes, welches sich nach 
der Formel 

1000 

?"=Ä „.,+[/,.]„., 

Qiraensetzt; es bedeutet k die Länge, [A^J die Quadrataumme 



sämmtliclier Holten einer Seite. 

Die Werthe ^*f =2,29 und fi^^ =1,44 sind die 
Die nötliigen Angaben folgen : 



>. 4 gefundenen. 



uig-Geiselhöring 

7|(jeiseihöring-Passau 

8|Pa88au-Simbacb 

9 Simbach-München 
München-Bosenheim 
Rosenbeim-Holzkirchen 
Holzkirchen-Penzberg 
Penzberg- Kempten 
Kempten-Neuulm 
Neuulm-Augaburg 
Augsbuig-Nördlingen 
Nördlingen-Nürnberg 
Nürnberg- Bamberg 
Bamberg-Liuhtenfels 
Neuenmarkt-Kirchenlaibacb 
Kirchenlaibach-Weiden 
Kirchenlaibach-Nürnberg 
Nürnberg -Regensburg 
Müncben-Geiselliöring 
München-Holzkirchpn 
Müncben-Augsburg 
Augsburg- Kempten 



1,6064 .S3,7 

-I- 56,78271 91,7 

46.3786, 56,3 

— 172.2958 122,7 

74,4267 64,3 

237,1879 38,1 

+ 80,13.')1 

"~ 1513 

+ 225,9297 

— 19,2367 
+ 60.0683 
-I- 119,0702 
-i- 69.8979; 60,0 

— 22,5710 32,2 

— 114,5462 40,1 
+ 65,4025| 39,6 
-i- 152,.5904; 94,5 

— 29,5538,100,9 
-F161,91I9jH3,6 

— 162,7603 36,1 
-t- 31,9722 60,6 

206,7028 102,7 



40,1 
133,2 
86,0 
84,0 
72,6 
101,2 



5,7 
16,2 
28,4 
27,0 
58,3 
95,2 
456,7 
43,4 
17,8 
11,3 
26,5 

3,1 

2,0 
33,7 

6,4 
27,5 
77,1 
23,5 
37,9 



8,1 
15,6 
26,2 
25,0 

7,5 
11,6 
11,9 
13,7 

9,9 
16,7i 7,0 
31,i;i3,0 
24,9; 7,1 
25,2 10.0 
10,61 3,9 

'.S\ 2,9 



,.,„ 27,7 7,3 
7.0 '16,5! 6,7 
91,1 I 9,7l 2,7 



Die Höllenunterschiede bezieben sieb auf die Höhenmarken in den 
t>etreffenden Bahnhöfen ; dieselben sind an den Gebäuden angebracht. 



40 



Bischaff. Beitrag zu den Cnteriachutigen über die 



mit AusDahme derjenigen in München und Augsburg, welche an 
Pfeilern von Strassenbrücken im Bahnhof eingelassen wurden. 

Die Annahmen für die Höhenunterschiede mit ihren Correc- 
tionen y sind : 

München - Lichtenfels +(258,4376 f Vi) 

- Neuenmarkt -|- {173,1115 -f Vt) 

- Oberkotzan +( 35,8006 Hyg) 

- Franzensbad + ( 72,2995 + j/*) 

- Weiden + (123,9322 + y^) 

- Kirchenlaibach + ( 58,5297 + y«) 

- Kegensburg -j-(181,5430-f-y,) 

- Geiselhöring -|-(161,9366-|-yg) 

- Passau +(218,7193 + ^8) 

- Simbach +(172,3407 +j/,o) 

- Rosenheim -(- ( 74,4257 +yii) 

- Holzkirchen ~(162,7603 + yiB) 

- Penzberg — { 82,6272 + y:,) 

- Kempten — (174,7785 + i/ii) 
-Nenulm +( 51,2089 + y,5) 
-Augsburg +(31,9722 + «/,«) 

- Nördlingen + ( 92,0405 + y^ ■,) 
■ Nürnberg + (211,1107 + yie) 



I- (281,0 
Damit ergeben sich die Fehlergleichungen 



'- - -y, +». 


Jll 


- — Sii+yK 


h - -y, +». 


i.. 


= — yis+yis 


h =-0,71 -j, +y, 


J„ 


— -Ji +»11 


i, — y, —y. 


h 


= + 3,56+J,, —y. 


^8 = —3/8 +J/9 


J., 


= 1*5 — !/« 


>• — »1 -y.« 


^. 


=.-0,94-», +y,8 


K = + 4,49 +j„ 


>■„ 


- + 1,39-», +J„ 


J,.= »., 


*. 


= + 2,47 + ,. 


iu--0,19+y„+i(„ 


/» 


= »li 


*ii— »1.— ?ii 


h 


= »18 


»1.= — Si.+Ji. 


l, 


- + 4,79 +»..+!(,. 



»i.- + 5,77 +i(„+!'i. 
Hieraus die beiden Systeme von Normalgleichungen : 
1. Ausgleichung. 
+ 54,5», —23,4», — 81,lj(,,=0 

— 23,4s(, +69,6», —21,1», — 24,9,, +88,71 — 

— 21,1,, +42,0y, — 20,9»4 -0 
—20,9», +35,8,, — 14,9,s =0 

— 14,9,, J-51,6», —25,2,, —11,5», + 8,16 — 

— 24,9,, —25,2,5 +60,7,, — 10,6»,, -78,76 = 

— 11,5,, +51,1,, — 29,7j, — 9.9»,, — 21,94 = 



Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellements. 



41 



— 29,7^7 +49,4^8 —10,9^9 +21,74 = 
-10,9^8 +28,7^9 —17,8^10=0 

— 1 7,8 y, + 25,9 yi „ + 36,58 = 
+ 41,8yii+26,2yi8— 4,98 = 

+ 26,2 yi, + 78,9 .%, — 25,0 y,, — 4,98 = 

— 25,0 yig+ 32,5 yis— 7,5^,4 = 

— 7,5yi8+28,9yi4 + ll,6yj5 + 9,7^16 + 113,78 = 
+ Il,6yi4—23,5yi5 — 11,9 yie +67,13 = 

+ 9,7yi4 — ll,9y,5+51,9y,e — 13,8yi7 +46,65 = 

— 13,8yx6+23,7yi,— 9,9y,8 = 

— 10,6y6 — 9,9y,— 9,9 yi7 +47,0 yi8 — 16,7 yi» +3,82=0 

— 31,lyi — 16,6 yi8+ 47,7 yi9 = 

2. Ausgleichung. 

+ 22,5yi — 9,4^8 — 13,0yij = 

— 9,4yi +21,5y, — 5,0y8 — 7,1 y« +25,39= 

— 5,0y, + 9,5y, — 4,6y4 =0 

— 4,6y3 +10,ly4 — 5,5y5 =0 

— 5,5 ys +20,ly5 — 10,0ye —4ßy, + 3,24 = 

— 7,ly, — 10,0y5 +21,0ye — 3,9 yig- 21,71 =0 

— 4,6y5 +19,7y7 — 12,2^» — 2,9yi8— 7,31=0 

— 12,2y6 +20,2y8 — 4,6 ys +8,40 = 

— 4,6y8 +ll,2y9 — 6,6.yi9=0 

— 6,6 y9 + 9,7y.o + 13,95 = 
+ ll,2.y„+ 5,9y„- 1,11=0 

+ 5,9yu + 17,5yi,— 4,4yi, — 1,11 = 

— 4,4yi»+ 5,5 yu— 1,1 yi 4=0 

— l,ly,8+ 7,7yi4+ 3,9 yi 5 + 2,7 y,e + 35,35 = 
+ 3,9yi4+ 8,4 y,5— 4,6 y^« +22,26 = 

+ 2,7 yi4- 4,6yi5 + 19,5yi«— 5,5 yi, + 13,09 = 

— 5,5yie+ 9,2yi7 — 3,7yi8 = 

— 3,9y, — 2,9y7— 3,7 y„ + 17,6 yi8-7,0yi9 +0,39=0 

— 13,0y, -7,0yi8+20,lyi9 = 

Die Auflösung liefert die nachstehenden Resultate, welche des 
"wgleichs wegen neben einander gestellt sind. 

Verbesserung der angenommenen HShenunterschiede. 







Höhen-Correc- 


Höhenunterschied 


Nr. 


Strecke. 


tion y nach der 
1. 2. 


nach der 
1. 2. 


= 




Ausgleichung. 


Ausgleichung. 




cm 


cm 


m 


. 1 


1 


München- Lichten fels 


-4,15 


3,84 




h 258,396 




h 258,399 


2 


> -Neuen markt 


4,79 


4,47 




h 173,064 


- 


f- 173,067 


3 


> -Oberkotzau 


— 4,22 


3,84 




h 35,758 


- 


h 35,762 


4 


> -Franzensbad 


3,64 3,16 




h 72,263 


- 


\- 72,268 


5 


> -Weiden 


2,82 2,58 




h 123,904 


- 


h 123,906 


6 


> -Kirchenlaibach 


2,32 


2,19 




h 58,507 


— 


h 58,508 



"^rj 



FT 



42 



Bischoff. Beitrag zu den (Jntersuchungen über die 







Höhen-Correc- 


Höhenunterschied 






tion y nach der 


nach der 


Nr. 


Strecke. 


1. ! 2. 


1. 2. 






Aiisgleichunj^. 


Ausgleichung. 






cm 


cm 


m 


m )l 
*" II 


7 


München-Regensburg 


2,15 


2,06 




h 181,522 




h 181,522 


8 


> -Geiselhöring 


2,42 


2,35 




[-161,912 




h 161,913 


9 


> -Passau 


3,12 


3,02 




h 218,688 




- 218,689 


10 


> -Simbach 


3,55 


3,49 




h 172,305 




h 172,306' 


11 


> -Rosenheim 


+ 0,33 


+ 0,23 


+ 74,429 




h 74,428, 


12 


> -Holzkirchen 


0,34 


0,24 


162,764 


— 162,763; 


13 


> -Penzberg 


0,92 


0,92 


82,636 


82,636 


14 


> -Kempten 


2,86 


3,63 


174,807 


174,815; 


15 


> -Neuulm 


2,13 


1,50 


+ 51,188 


+ 51,194; 


16 


> -Augsburg 


1,37 


0,96 




h 31,959 


+ 31,963 


17 


> -Nördlingen 


1,95 


1,60 




h 92,021 


+ 92,025' 


18 


> -Nürnberg 


2,77 


2,55 




h 211,083 




1-211,085 


19 


> -Bamberg 


3,67 


3,39 


+ 280,972 




h 280,975 



Verbesserung der beobachteten Höhenunterschiede und Reduction auf 

gleiches Gewicht. 



Strecke 
Nr. 



1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 



1. Ausgl. I 2. Ausgl. 



1. Ausgleicliang. 



Ug 



-iV^ 



2. Aasgleichung. 



Uff 



cm 

+ 0,64 

— 0.58 
+ 0,58 
+ 0,82 

— 0,04 
+ 0,27 
—0,70 
+ 0,43 

— 0,94 

— 0,33 
—0,20 
+ 0,58 

— 1,94 
+ 0,78 

— 0,76 

— 0,58 
—0,81 

— 0,90 
+ 0,48 
+ 1,09 

— 0,50 

— 1,38 
+ 0,77 

— 0,05 

— 0,34 

— 1,37 
+ 0,56 



cm 

+ 0,63 

— 0,63 
+ 0,68 
+ 0,57 

— 0,19 
+ 0,29 
—0,68 
+ 0,47 
— 1,00 
--0,23 

— 0,21 
-1-0,68 

— 2,71 
+ 0,64 

— 0,54 

— 0,64 

— 0,94 
—0,84 
+ 0,45 

— 1,27 
—0,40 

— 1,30 
+ 0,91 

— 0,12 

— 0,24 

— 0,96 
+ 0,19 



9,629 
6,977 
7,051 
9,902 
0,016 
2,198 
5,357 
3,285 
7,168 
1,714 
1,018 
8,486 

28,174 
7,078 
6,911 
4,695 
6,551 

13,558 
7,276 

29,606 
6,260 

20,248 
5,906 
0,021 
3,183 

30,944 
3,077 



236,287 



+ 3,10 
—2,64 
+ 2,66 
+ 3,14 
—0,13 
+ 1,48 

— 2,31 
+ 1,81 
+ 2,68 

+ 1,31 

— 1,01 
+ 2,91 

— 5,31 
+ 2,66 

— 2,63 

— 2,17 

— 2,56 

— 3,68 
+ 2,70 
+ 5,44 

— 2,50 

— 4,50 
+ 2,43 
+ 0,15 

— 1,78 

— 5,57 
+ 1,75 

71,02 



3,732 
1,990 
2,142 
1,800 
0,160 
1,011 
2,086 
1,452 
3,081 
0,274 
0,251 
2,025 
8,076 
1,560 
1,317 
2,234 
3,295 
5,003 
2,689 
11,556 
1,593 
6,615 
2,396 
0,050 
0,431 
6,244 
0,101 



73,163 



+ 1,93 

— 1,41 
+ 1,46 
— 1,34 
—0,40 
+ 1,01 

— 1,44 
+ 1,21 

— 1,76 

— 0,52 

— 0,50 
+ 1,42 

— 2,84 
+ 1,25 

— 1,15 

— 1,50 

— 1,82 

— 2,24 
+ 1,64 

— 3,40 

— 1,26 

— 2,57 

— 1,55 
+ 0,22 

— 0,66 

— 2,50 
+ 0,32 



39,31 



'iFT 



^^^ 



Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellements. 



43 



Mit den auf gleiches Gewicht reducirten Verbesserungen P. Vp, 

welche nun als wirklich begangene Fehler zu beträchten sind, lässt 

sich untersuchen, ob dieselben das Gauss'sche Fehlergesetz befolgen 

und aus der erzielten Ueber einstimmun g auf die Richtigkeit der der 

Ausgleichung zu Grunde liegenden Voraussetzungen, der verwendeten 

Gewichte, schliessen. 

1. Ausgleichung. 



f^x 



=yii\£]_|/i?^ir=2,,6c,„ 



[val.abs.X yg] 71,02 
»X 27" =^'^^ 

Summe der positiven Verbesserungen ly g 34,23 cm 

> > negativen > 36,80 cm 
Quadratsumme der positiven Verbesserungen 102,396 

> > negativen > 133,891 

2. Ausgleichung. 



m 



-V 



73,163 

27 



= V 2,7097 =1,65 mm 



^^ = ?9|1 ^j^^g 






27 
= 1,131 



Summe der positiven Verbesserungen 19,03 mm 

> > negativen > 20,28 mm 

Quadratsumme der positiven Verbesserungen 33,867 





> 


> negativen 


> 


39,296 




Es sollen He- 




Es Heften 


Davon sind 


Es liegen 


Davon sind 1 


ssen zwischen 
Ound (Gauss- 




Tvirkliiili 






wirklich 


■ 


Fehler. 


Fehler 


+ 


— 


Fehler 


+ 


- 


scher F. G.) 




1. Ausgleichui 


lg- 


2. Ausgleichung. | 


+ 0,1 fi 


2,1 


2 


1 


1 








1 




±0,2^ 


4,3 


2 


1 


1 


2 


2 





+ 0,3/i 


6,4 


2 


1 


1 


3 


2 


1 


+ 0,4^ 


8,4 


3 


1 


2 


6 


3 


3 


±0,5« 


10,4 


4 


2 


2 


6 


3 


3 


H-0,6jM 


12,2 


6 


4 


2 


6 


3 


3 


+ 0,7^ 


13,9 


8 


5 


3 


8 


4 


4 


+ 0,8;U 


15,6 


10 


5 


5 


U 


6 


5 


, ±0,9^ 


17,1 


17 


8 


9 


16 


9 


7 


±1,0/4 


18,4 


20 


11 


9 


19 


11 


8 


±1,5 Ai 


23,4 


23 


13 


10 


23 


13 


10 


±2,0,/ 


25,8 


27 


14 


13 


26 


13 


13 


+ 2,0.« 


26,7 








27 


14 


13 



grösster Fehler 1,88// 



grösster Fehler 2,06 .u 



44 Jordan. Bemerkung zor Fehlertrennung in Nivellemente 'Polygonen. 

Viel verschieden sind die Resultate nicht, jedoch nähern sich 
die Ergebnisse der zweiten Ausgleichung, namentlich in Bezug auf 
die Gleichheit der einfachen wie Quad rats um men der auf gleiches 
Gewicht reduzirten positiven und negativen Fehler mehr dem 
Gausa'schen Gesetze. Das Verhältniss u i : f^i ist unbefriedigend, 
da es sein sollte 

^ = 1,253 

Günstig ist das Wegbleiben grösserer Fehler. 

Endlich seien noch die mittleren Fehler aufgeführt, welche aus 
den beiden Ausgleichungen sich errechnen. 

Nach der ersten ist der mittlere Fehler der Gewichtseinheit 



1/236,287 . .„ _ 

und daher der mittlere Fehler pro Kilometer doppelt nivellirter 

Länge 

,236287 , _ 
' — 1,7 mm 

Aus der zweiten ergibt sich analog der mittleren Fehler der 

Gewichtseinheit 

/737i63 



..=1/^ 



.=F 



- = 3,02 cm 



und der mittlere Fehler bezogen auf das Kilometer und 10 m 

Höhenunterschied 



«-V 



= l,Oni 



Bemerkung zur Fehlertrennung in Nivellements-Polygonen. 

In der vorstehenden Abhandlung S. 15 benützt der Herr Ver- 
fasser Bischoff ebenso wie der vorhergehende Bearbeiter des baye- 
rischen Nivellements, Herr Haid, zwei Gleichungen zur Trennung 
der eigentlichen Nivellementsfehler und der Lattenfehler in Poly- 
gonschlüssen, welche zuerst von Vogler in der Zeitschrift f. Verm. 
1877 S. 95—97 bei Gelegenheit der Fehlerdiscussion der Nivelle- 
ments des geodätischen Instituts aufgestellt und dann auch in der 
Zeitschrift f. Verm. 1877 S. 396— -403 weiter behandelt worden sind. 
Da Herr Vogler a. a. 0. auch noch andere Näherungsmetboden der 
Fehlertrennung behandelt, und da eine strenge erschöpfende 
Theorie dieser Sache von Helmert in Nr. 2127 und 2128 der 
astr. Nachr. vorhanden ist, halten es wir passend, bei dieser Ge- 
legenheit die Grundzüge der fraglichen Theorie zusammenzustellen: 

Es sei w ein Schlussfehler eines Nivellementspolygons von der 



Jordan. Bemerknng zur Fehlerti'eniiiiiig in Nivellatnentg-Polygonen. 45 

Länge L (in Kilometern), Das Polygon habe die Theilhöhen A, Äj 
Aj . . . , ^i sei der mittlere reine Nivellementsfehler, ^» der mittlere 
Lattenfehler (allgemeiner der mit der Höhe wachsende Fehlertheil), 
dann ist 

wo die einzelnen ^j h^ ^i ^i ■ ■ . von einander unahhängig unregel- 
mässig + angenommen sein sollen (was in Wirklichkeit nur genähert 
zutriffl;). Dann ist: 

kürzerbezeichnet M'* = ^jäZ. + ^,»fl* (Höhen in 10 m-Einheit) (1) 
Liegen mehrere solche Werthe «j* vor, so ist der nächste Ge- 
danke zu ihrer Zerlegung in fj^^ und /jj» eine Ausgleichung nach 
vermittelnden Beobachtungen ; man betrachtet (1) als Fehlerglei- 
chnng mit gegebenen Coefficienten L und H* und Abaolutgliedern 
w*. Die zugehörigen Normalgleichungen werden : 

Diese zwei Gleichungen werden von Vogler als II. Methode 
auf S. 403, Zeitschrift 1877, (2*) (mit anderen Bezeichnungen) auf- 
geführt, und es wird eine Genauigkeitsschätzung auf besondere 
üeberlegungen gegründet, welche fiir das aus der 4 Lieferung 
S. 272 der Schweizer Nivellements von Hirsch und Plantamour ent- 
nommene Beispiel von 28 Doppelnivellementsstrecken des Gotthard 
gab {S. 409) : 

(ii = 4,25 mm + 0,69 mm, «g = 0,95 mm + 0,28 mm (3) 

Wir haben dieses Beispiel mit den Formeln (2) ebenfalls be- 
rechnet, zur Genauigkeitsschätzung aber lediglich die Rechnung 
mit Zuziehung des Summengliedes [w^ w^] in (2) angewendet 
(wie wenn f^i ^ und ^g ^ gewöhnliche Unbekannte wären), womit 
wurde : 

fi, = 4,25 mm + 1,13 mm ^j = 0,95 mm + 0,25 mm (4) 

Betrachtet man die Normalgleichungen (2) näher, so bemerkt 
man den Uebelstand, daas sie in dem speciellen Falle JT* =i 0, d. h. 
bei Nivellements in der Ebene oder auch für ^j = 0, d. h. bei 
Wegfall der Lattenfehler , nickt in die hiefür gültigen Formeln 
übergehen, sie geben nämlich hier: 

« [Li) (5) 

während bekanntlich hier gilt: 



^im 



(6) 

(5) und (6) sind nur identisch, wenn alle L einander gleich sind; 
und die Formel (5) leidet an falscher Gewichtsbestimmung, indem 
den w^f welche zu grossen Polygonen gehören, grösseres Gewicht 



46 Jordsn. Bemerkung zur Felilertrennung in NivellementB-Polygonen. 

gegebea wird, als den zu kleinen Polygonen gehörigen, was nicht 
richtig ist. 

Dieser Umstand scheint Herrn Vogler zur Aufstellung seiner 
anderen I. Methode veranlasst zu haben, deren Gleichungen sind 
(Zeitschrift f. Verm. 1877 S. 98 und S, 396): 






CT 



Dieses sind die Formeln, welche nach Vogler's Vorgang von den 
Herren Haid und Sischoff zur Trennung der bayerischen Polygon- 
schluasfehler angewendet worden sind. 

Diese Formeln (7) sind von dem obenerwähnten Uehelstand 
frei, denn mit H'^=Q oder mit |Hg!=0 geht die erste Gleichung 
(7) sofort in (6) über, wie es sein soll, und die zweite von (7) wird 
dann überhaupt überflüssig. Dagegen besteht bei (7) immer noch 
der Uehelstand, dass diese Gleichungen versagen, wenn irgend ein 
X oder H'^'=0 wird, weil damit die Coefficienten , in deren Nenner 
Xoder^^ vorkommt, unendlich würden. Dieser Umstand wird von 
Vogler auf S. 409 Zeitschrift f. Verm. 1877 erörtert, wobei empfohlen 
wird, solche Fehlergleichungen, deren Coefficienten L oder H^ sehr 
klein werden, nicht mit in die Endnormalgleichungen aufzunehmen. 

Die HelmerVsch» Behandlung der Fehlertrennungs-Aufgabe in 
Nr, 2127 und 2128 der Astr. Nachrichten (89. Band, 1877) geht zu- 
nächst auf die Bestimmung der mittleren Abweichung eines w (in 
(1)) vom mittleren w selbst aus und findet dann, dass man aller- 
dings Normalgleichungen von der Form (2) bilden darf, jedoch mit 
Zutheilung von Gewichten (Helmert's Gl. [28]) 
^ 1 

wo «ä und «' die Coefficienten von (1) sind, d. h. 

"- fa.L + ^.g.). (*) 

Jedes w^ erhält dieses Gewicht. Das ist der theoretische Zu- 
sammenhang; bei der praktischen Ausführung hat man die Schwie- 
rigkeit, dass die Gewichte (8) selbst wieder Funktionen der erst zu 
bestimmenden mittleren Fehler h, und fij sind, nnd die numerische 
Auflösung der Aufgabe kann daher nur eine indirekte sein. 

Als Prüfstein der Theorie (8) kann man wieder den besonderen 
Fall fi's = nehmen, damit wird nach (8) 
1 

wo das nun constante i»i * fortgelassen ist. Damit wird dann die zu 

(1) (mit jff^^O) gehörige Normalgleichung: 



I'' 



Patentliste. 47 

wie es nach (6) sein soll. 

Auf diesem Wege findet Helmert für die 28 Gottbardstrecken: 

^j = 2,34 mm + 0,51 mm ^j = ^»^^ ^^ db 0,08 mm 
für 1km Nivell. für 10 m Höhe 

Hirsch und Plantamour (s. d. IV S. 274) haben nach 2 verschie- 
denen Hypothesen gefunden: 

1) ^1=3,03 mm für 1 km ^2 = 0,67 mm für 10 m Höhe 

2) ^1=3,43 > iW2 = 0,02 

Wenn man von jenen 28 Strecken diejenigen 7 auswählt, bei 
welchen die Höhen sehr klein sind, so findet man einen mittleren 
Nivellementsfehler 

|Mi = + 3,0 mm pro 1 km 

Die Frage der Lattenfehler scheint uns weniger durch mathematische 
Untersuchungen , wie die vorstehenden , als auf metronomischem 
Wege zu lösen zu sein. Diesen Weg hat die Preussische Landes- 
aufnahme durch tägliche Lattenvergleichung mit bestem Erfolg ein- 
geschlagen. J. 



Patentliste von Vermessungsinstrumenten. 

Verzeichniss der in der Zeit vom 3. November bis 1. December 
1884 in der Klasse 42 angemeldeten, ertheilten und erloschenen 
Patente. 

Zusammengestellt im Patent- und technischen Bureau von G. Dittmar, Civil- 

Ingenieur in Berlin, Commandantenstrasse 56. 

Angemeldete Patente.*) 

Für die angegebenen Gegenstände haben die Nachgenannten 
die Ertheilung eines Patentes nachgesucht. Der Gegenstand der 
Anmeldung ist einstweilen gegen unbefugte Benutzung geschützt. 

A. 1113. Selbstthätiger Registrir- Apparat ; abhängig vom Patent 
Nr. 7587. C. Andrae in Aachen, Horngasse 20. 

Ertheilte Patente. 
Auf die hierunter angegebenen Gegenstände ist den Nachge- 



*) Auszüge aus den Patentanmeldungen sind durch das Patent- und 
technische Bureau von G. Dittmar, Civil-Ingenieur in Berlin, Commandanten- 
strasse 56, zum Preise von 1—3 Ä, je nach Umfang, zu beziehen. Mitglieder 
des Deutschen Geometer- Vereins erhalten daselbst jede getoilnschte Auskunft in aus- 
führlichster Weise gratis. 



48 Vereinsangelegenheiten. 

nannten ein Patent vom angegebenen Tage ab ertheilt. Die Ein- 
tragung in die Patentrolle ist unter der angegebenen Nummer erfolgt. 

Nr. 30181. Verstellbare Lehre zur Bestimmung der gegenseitigen 

Lage von Bohrungen oder Punkten. V. Clairdent-Genot 
in Nouzon, Frankreich. Vom 15. Juli 1884 ab. 

Erloschene Patente. 

Die nachstehend genannten, unter den angegebenen Nummern 
in die Patentrolle eingetragenen Patente sind auf Grund des §. 9 
des Gesetzes vom 25. Mai 1877 erloschen. 
Nr. 16850. üniversalzirkel. 
> 2235 1 . Geleismesser. 



Vereinsangelegenheiten. 

Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2246. Heydecke, Ferdinand, Feldmesser und Culturtechniker, 
Lingen a. d. Ems, Prov. Hannover. 

> 2247. Teichmann, Feldmesser und Culturtechniker, Görlitz. 

> 2248. Schmidt, Georg, Forstingenieur, Göss bei Leoben, 

Steyermark. 

> 2249. Hanamer, Professor am Polytechnikum, Stuttgart. 

> 2250. Steif f, Vermessungs-Kommissär, Stuttgart. 



Biejenigen Mitglieder des Deutschen GeometerTereins, 
welche gesonnen sind, den Mitgliedsbeitrag Ton 6 Mark 
pro 1883 per Postanweisung einzuzaiilen, werden iiiermit 
ersucht, dieses bis längstens 

den 8. MArz 1885 

zu bewerkstelligen, nach diesem Zeitpunkt aber keine £in- 
Zahlungen mehr, um Kreuzungen zu Tcrmeiden, zu machen, 
da nach dem 8. März 1883 nach §. 16 der Satzungen der 
Mitgliedsbeitrag per PostTorschuss resp. IVachnaltme er- 
hoben werden wird. 

Coburg, am 12. Dezember 1884. 

G. Kerschbaum, Steuerrath, 
z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlung : Beitrag zu den Untersuchungen über die Genauig- 
keit des Bayerischen Präcisions-Nivellements, von Bischoff. — Bemerkung zur 
Fehlertrennung in Nivellements-Polygonen, von Jordan. Patentliste. Vereins- 
angelegenheiten. 



Karlsruhe. Druck von Maisch k Vogel. 



■J^v. '^ 



49 



ZEITSCHRIFT for VERMESSUN6SWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

(Inter Mitwirkung von C. Steppes^ Steuerassessor in München, und 

B. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1§85. Heft 3. Band XIT. 

1. Februar. 



Ueber Stationsbeobachtungen in symmetrischer 

Anordnung. 

Die Stationsbeobachtung in vollständigen Sätzen gewährt, wo 
sie ausführbar ist, vor jeder anderen Anordnung der Winkelmessung 
den Vortheil des geringsten Aufwandes an Arbeit. Denn einmal 
beschränkt sie die Stationsausgleichung auf eine einfache Mittel- 
bildung; sodann verlangt sie, unter der Annahme konstanter Ein- 
stellungs- und Ablesungsgenauigkeit der einzelnen Visur, bei ge- 
gebener Menge der Objekte die kleinste Zahl von Einstellungen, um 
eine beabsichtigte Winkelgenauigkeit zu erzielen ; endlich gehen aus 
vollständigen Sätzen von gleicher Anzahl sämmtliche Winkel mit 
gleichen Gewichten hervor, wodurch auch die Netzausgleichung 
wesentlich vereinfacht wird. 

Ertheilen wir der einzelnen Richtungsbeobachtung in jedem 
Satze das Gewicht Eins, so erhält im arithmetischen Mittel aus k 
vollständigen Sätzen jede Richtung das Gewicht A, und jeder Winkel 
als Differenz zweier Richtungen — diese als Horizontalwinkel mit 
gemeinsamem, nicht beobachteten und darum willkürlich wählbaren, 
linken Schenkel aufgefasst — das Gewicht Ä:2. 

An Gewicht gleich werden die Winkel der einzelnen Station 
aber auch dann, wenn die Beobachtung nicht in vollständigen, son- 
dern nur in symmetrisch angeordneten Sätzen erfolgte, d. h. in Sätzen 
zu je i Richtungen und derart angeordnet, dass jede mögliche Kom- 
bination zu je i auf der Station gleich oft, z. B. q mal beobachtet 
ward. Auf einer Station von p zu beobachtenden Richtungen ist 
die Anzahl der möglichen Kombinationen zu je i: 

1.2.3 



(f) = 



• • • • 



demnach bei q Wiederholungen jedes Satzes die Zahl Z aller Rich- 
tungsbeobachtungen auf der Station: 

Zeltschrift für VermessnngsweseD. 1885. 3. Heft. 4 



er SUtionsbeobachtuDgea in aymmetriacher Anordnung. 

Z_.,(?) (1) 

als für i=p, d. b. für den Fall vollständiger Sätze. 
■) die Zahlen i und q ein für allemal voraus be- 
rde Z von p allein abliängen und mit der Zunahme 
lell wachsen. Z. B. bei Sätzen zu je 3 Richtungen 
derholungen würde eine Station von 5 Richtungen 
le von 10 Richtungen 2160 Einstellungen erfordern, 
d. h. bei der Beobachtung >nach Winkeint mit 6 
würden 5 Richtungen im ganzen mit 120, dagegen 
erst mit 540 Einstellungen erledigt sein. Ausser 
tnissmässigen Ungleichheit der Einstellungszahlen 
ich eine grosse Verschiedenheit der Winkel gewichte 
Station. Wie nacher bewiesen werden soll, wird das 
nes Winkels aus symmetrischen Beobachtungen in 
luf einer Station von p Richtungen, wenn jede Kom- 
imal eingestellt ward, 

davon bei q Einstellungen jeder Kombination. In 
achteten Fällen wird hiernach qgip gleich: 

15 für i = 3, 3 = 6, p = 5 

80 > i = 3, q = &, p=-lQ 
7,5 > i = 2, 3 = 6, p = ^ 
15 > i = 2, g = 6, p = 10, 

Gewichtszahlen aus (2) hervorgehen, wenn man 
zt, sich aber auch direkt herleiten lassen. Für i=2 
ikelgewichte proportional p q. 

j solcher üe Wichtsungleichheiten bedarf es nur, dass 
i Station festgesetzt wird und sich mit p verändert 
i. die Bedingung auf, das Winkelgewicht solle auf 
so gross werden, als ob allenthalben h vollständige 
t worden seien, oder ; 

qg^j. =k:2. (3) 

mass (2): 

e 3 Richtungen findet sich : 
S-3Ji -.pip — i). 
z. B. Jc = 40, so wird der Beihe nach gefunden fär; 
3 4 5 6 7 8 10 12 

10 16 8 5 3'/, 2"/, 1'/, 1, 



if" 



Vogler. Üeber Stationsbeobachtungen in symmetrischer Anordnung. 51 

wobei gebrochene Zahlen für q augenscheinlich nicht praktisch ver- 
werthet werden können. Doch steht es uns frei, entweder q abzu- 
runden und damit auf die strenge Gleichheit des Winkelgewichts 
— die doch nie ganz besteht — zu verzichten, oder mit q zugleich 
i zu verändern, oder beides, z. B. für p = 1 lieber * = 5 und damit 
q = 2^/7, rund 3 zu wählen. Selbst eine Erhöhung von p über das 
Bedürfniss hinaus könnte unter Umständen gestattet sein, um q 
abzurunden. 

Führt man die Bedingung (3) in (1) ein, so findet sich 

Z = Ik^-l; (5) 

d. h. wenn das Winkelgewicht h : 2 erreicht werden soll, so ist die 
Anzahl der Einstellungen und damit zugleich die Mühe der Beob- 
achtung proportional A, wenn p und i gegeben, proportional p — 1, 
wenn i und h feststehen, endlich proportional i : (t — 1) bei ge- 
gebenem h und p. Je grösser man % wählen kann, desto besser; 
eine Vermehrung von p lasst sich mitunter durch Vergrösserung 
von i aufwiegen, z. B. das Anwachsen von p = 9 auf p = 10 durch 
Erhöhen der Zahl % von 3 auf 4. 

In der Praxis freilich ist der Aufwand an Arbeit und Zeit nicht 
immer proportional den Zahlen Z aus (5). Bei Landesvermessungen 
z. B. kostet das Warten auf die Erscheinung der Heliotropenlichter, 
kosten Sätze, welche durch das Ausbleiben einzelner Lichter unsym- 
metrisch und darum unbrauchbar werden , um so mehr Zeit , je 
grösser i gewählt ward. Dies der Grund, warum Oberst Schreiber 
als Leiter der trigonometrischen Abtheilung der preussischen Lan- 
desaufnahme zu dem kleinstmöglichen Werthe von i, nämlich zu 
Winkelbeobachtungen zurückgekehrt ist und, obwohl Z für i = 2 
seinen grössten Betrag erreicht, dennoch Zeitersparniss erzielt hat. 
Man vergleiche: >Ueber die Anordnung von Horizontalwinkelbeob- 
achtungen auf der Station«, Zeitschr. f. Verm. 1878, und: >Rich- 
tungsbeobachtungen und Winkelbeobachtungen < ebenda, 1879. 
Triangulationen von geringerer Tragweite leiden weniger unter dem 
zeitweisen Verschwinden der Signale, als unter einem Uebermass von 
Zielen auf der einzelnen Station. Vollständige Sätze würden dabei 
so lange Zeit erfordern, dass die unvermeidlichen Veränderungen des 
Instruments und seines Stativs oder Beobachtungspfeilers jenen 
Annahmen nicht mehr entsprächen , unter welchen sie eliminiert 
werden können. Es sind also Rücksichten auf Genauigkeit, welche 
hier das Zerlegen in kleinere Sätze empfehlen. 

Allerdings wird diesem Zerlegen dadurch eine Grenze gezogen, 
dass Ä, die Konstante des Winkelgewichts, nicht beliebig gewählt 
werden darf, da mit h nach (5) auch Z und damit die Mühe der 
Messung zunimmt. Andrerseits muss k wenigstens so gross sein, 
dass g, die Zahl der Einstellungen jeder Kombination, nicht kleiner 

4. 



. üeber SUtioDSbeobaohtangen in aymmetrischer Anordnung. 



. Also hängt durch die Bedingung (4) , worin q = 
der durch: 



^^^ilzl) 



(6) 



te zulässige Werth von k, der mit k„ bezeichnet worden 
und * ab, wie folgende Tabelle zeigt, die rechts diejenigen 
n k„ ausschliesst, welche die Zahl 40 überschritten haben, 
ten Zeile aber , worin k„ =: p : 2 gilt, schon früher ab- 



2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


1 


2 


2 


3 


3 


4 


4 


5 


5 


6 


6 




1 


3 


6 


8 


12 


16 


21 


27 


38 


40 






1 


4 


9 


18 


30 


47 


70 


99 


135 








1 


5 


14 


32 


63 


112 


185 


288 










1 


6 


20 


52 


117 


231 


420 












1 


7 


27 


80 


198 


432 














1 


8 


35 


116 


316 
















1 


9 


44 


160 


















2 


10 


64 



und so weiter, 
lieht, da68 diesen Zahlen nur zum kleinen Theil prak- 
eretise zukommt, insofern man sich bei Triangulationen 
anges gerne mit geringen Winkelgewichten k : 2 begnügt 
selten die Zahl 12 übersteigen lässt. Es werden daher 
;re Fälle wirklich anwendbar sein, als i = 2, 3, 4, und 
solange p die Zahlen 24, 7, 6 nicht übersteigt. 
iinen Vortheil von einiger Bedeutung kann das Vertheilen 
:htuDgen auf nicht vollständige Sätze gewähren. Wäh- 
'ollständigen Sätzen die Stellung des Horizon talkreises 
A;mal gewechselt werden kann, darf man bei Sätzen zu 
ngen die Kieislage unter Umständen so oftmal ändern, 
Qzelne von p Richtungen zur Einstellung gelangt, näm- 
' : p mal, daher nach (1) : 



-^{"ih 



^■^r 



Vogler. Ueber Stationsbeobachtungen in symmetrischer Anordnung. 53 



oder nach (5): 



t 






i—1 



p 



• k mal ; 



z. B. für p = 6, i = 3, Ä = 8, wobei nach vorstehender Tabelle 
q = 1 zu nehmen ist, nicht 8 mal, sondern 10 mal. Eine symme- 
trische Anordnung der Kreislagen für alle beobachteten Richtungen 
ist jedoch nur möglich, wenn r in der Anzahl s der beobachteten 
Sätze, nämlich in 



='(?) 



ohne Rest aufgeht. Das triflFt hier zu, für /? = 7, i = 3, fc = 12 
dagegen nicht. Es würde dann g = 1 , r = 15, 5 = 35 gefunden 
und die Zahl 15 in s erst aufgehen, wenn g == 3, Ä = 36, ^ = 105. 
Für q = 1 müsste man sich auf 5 symmetrische Kreislageu be- 
schränken, gegenüber 12 bei vollständigen Sätzen. 

Höchst einfach gestaltet sich in dem ersten dieser beiden Bei- 
spiele die Vertheilung der einzelnen Sätze auf die 10 Kreislagen:*) 



Kreislagen. 


Sätze. 


Ereis]agen. 


Sätze. 


1 


123 


456 


6 


135 


246 


2 


124 


356 


7 


136 


245 


3 


125 


346 


8 


145 


236 


4 


126 


345 


9 


146 


235 


5 


134 


256 


10 


156 


234 



OfiFenbar bedarf jede einzelne Zusammenstellung von Werthen p, i, 
h ihren besonderen Vertheilungsplan, der im Gebrauchsfalle jedoch 
nicht allzu schwer zu entwerfen ist. 

Herr Oberst Schreiber hat in den angeführten Aufsätzen für 
i = 2 umfassende Vertheilungsregeln gegeben, von den Fällen i^2 
aber überhaupt abgesehen. Jedoch waren auch diese Fälle schon 
untersucht, insbesondere die Formeln (2) und (5) bereits aufgestellt, 
wie aus Helmerts > Ausgleichungsrechnung nach derMeth. d. kl. Qu.«, 
Leipzig 1872, S. 320 hervorgeht. Nach direkter Mittheilung des 
Herrn Prof. Helmert hat seines Wissens Herr Geh. Regierungsrath 
Nagel diese Beziehungen zuerst abgeleitet, ohne sie jedoch bei seinen 
Triangulationen in so strenger Konsequenz zu verwerthen, wie von 
Schreiber geschah. 

Da in den genannten Publikationen eine Ableitung jener For- 
mein Kürze halber nicht gegeben wird, so erlaubt sich Verfasser 



*) Die zu je 3 kombinierten Riehtangen 1 bis 6 sind wie in dreistelligen 
Zahlen nebeneinander gestellt. 



Ä 



54 Vogter. Ueber Stationebeobachtangan in symmetriBoher Anordnung. 

diejenige mitzutheilen, welche ihn vor einigen Jahren, beim Stuiliuni 
der Schreiber'schen Aufsätze, zur Eenntniss von (2) und (5) fiihrte. 

Wir bezeichnen mit 1 , 2 . . . p die zu beobachtenden Bich- 
tungen der Station, die wir in jedem Satze von der zufälligen Null- 
richtung des HorizontalkreiseB aus zahlen , d. h. von dem Vertikal 
der Alhidade bei der Einstellung auf Null. Mit /„ l^ . . . Ip Geien 
die (gemittelten) Zeigerablesungen bei der Einstellung der Alhidade 
auf das erste, zweite, . . . pte Ziel bezeichnet, unter x, yj, y^ . . . y, 
die wahren (und darum unbekannten) Winkel zwischen den Verti- 
kalen und 1 , 1 und 2 , 1 und 3 ... 1 und p verstanden , für 
welche die Ausgleichung die günstigsten Werthe sucht. Bei fehler- 
freien Beobachtungen müssten die l der Reihe nach übereinstimmen 
mit X, x + Pj, x + y^ . . . . In Wirklichkeit werden sie davon ab- 
weichen, weshalb ihnen zur Ausgleichung der Widersprüche kleine 
Verbesserungen A zuertheilt werden. In jedem Satze von i Rich- 
tungen werden die GrÖBsen l, X und x verschieden ausfallen, theils 
wegen der Beobachtungsfehler , theils weil die Ereisstellung sich 
ändert. Wir versehen diese Grössen daher mit einem oberen Index 
zur Bezeichnung des Satzes. 

Die Fehlergleichungen eines Satzes zu je i unter p Richtungen 
sind demnach von der Form : 

V, ^ — 1\-\- x' Gewicht g\ 

y.\=-V, + x' + y, . g\ 

Vt = — X^-^x' -j-yj > g\ 



Hier sind die Gewichte gleich 1 oder 0, je nachdem die betreffende 
Richtung in dem Satze zu den i beobachteten oder den p — i nicht 
beobachteten gehört. Die Normalgieickung in Bezug auf a:' lautet: 

= — {ß'l']+ix'-\-g\yj + g\!/s + = +g\y^ 

Zur Elimination von x' subtrahieren wir deren tten Theil von vor- 
stehenden p Fehlergleichungen und erhalten diese in reduzierter 
Gestalt: 

Gewicht 





';■'' ^■":^"'- 



Vogler, lieber Stationsbeobachtungen in symmetrischer Anordnung. 55 

Zur Bildung der Normalgleichungen in Bezug auf die y übergehend, 
behandeln wir zunächst jeden Satz, auch den vorstehenden, für sich 
und behalten die Vereinigung der entstehenden Gleichungen mit 
denen von gleicher Bildungsweise aus anderen Sätzen uns vor. Dabei 
beachten wir, dass in jedem Satze nur i der Grössen g gleich 1 
sind, und gewinnen nach bekannten Regeln und mit einer leicht 
übersehbaren Bezeichnungsweise der Absolutglieder: 

= — [.9' -Z^'i H — —9\y--^9\9\y%'-'-^9\9'pyp 
o=— C^'i'L — j-9\9\y2^ — i~ 9\ y^-^'-'-j 9\9'vyp 



\ \ i i 

o=—W L']p — j- 9\ 9\ yi — -^9\ 9'p y^'-' — i—9'p yp 

Von diesen p — 1 Gleichungen fallen entweder p — i + 1 oder 
p — t aus, je nachdem ^, = 1 oder g^ = 0; ebenso verschwinden in 
jeder Gleichung entweder p — i-\-l oder p — i Glieder, weil 
entweder i — 1 oder i der Grössen g\ g\ , . g\ gleich Null werden. 
So oft aber z. B. in einem Satze g^ = 1 ist, kommt in der 
ersten Normalgleichung des Satzes das Glied (% — 1)^2** ^^r, und 
da die Richtung 2 wie jede andere im ganzen so oftmal beobachtet 
wird, als sie sich mit % — 1 unter p — 1 Richtungen verbinden lässt, 

offenbar 1 . .1 mal. 



(rj) 



Ein Glied wie y^'A tritt in der ersten Normalgleichung eines 
Satzes nur dann auf, wenn ,5^2 = ^3=1, d. h. wenn die zweite wwd 
dritte Richtung mit beobachtet wurde. Dies geschieht so oft, als 
die Komplexion 23 mit % — 2 von p — 2 Elementen 1, 4...jp ohne 

Wiederholung verbunden werden kann, nämlich I . ^^ 1 mal. 

Fassen wir daher aus allen Sätzen die einander zugeordneten 
Normalgleichungen zusammen, so bilden sich die quadratischen 
Koeffizienten gemäss: 

die übrigen Koeffizienten der y aber nach : 

-4- ■ r?) '^-'- 

Demnach lauten die endgültigen Normalgleichungen zur Be- 
rechnung der y\ 



56 Vogler, üeber Stationsbeobachtungen in symmetrischer Anordnung. 



= — [gL]^+j(p—ly^— Vi—y, 



Vp) 



o=— [^i]8+i( — yi+p—ly»—y^...—yp) 



0=—[gL\+j{ — y, — ys —y^ . . . +p— ly,) 

Wie man sieht, sind in diesen Nornialgleicbungen sämmtliche p — 1 
unbekannte y, und zwar in vollkommen symmetrischer Weise, ver- 
treten. 

Für die nachfolgende Determinante rten Grades wählen wir 
eine abkürzende Bezeichnung, nämlich : 



=i>« 



m 


1 ■■ 


1 


— 1 


1 


m i 


1 


— 1 


— 1 


1 i 


m 


1 


1 


1 i 


1 


m 



Nunmehr kann die Koeffizientendeterminante der vorstehenden Nor- 
malgleichungen wiedergegeben werden durch jp~^ , D^Zl^ das Ge- 
wicht ffip einer der Unbekannten y aber durch: 



p- 1 T^p- \ 



p-i 



D p — j . £) p _ 1 



9ip -p — 2 T\J> — 2 ^ ' 



J)p-2 
JJ p — \ 



Es lässt sich aber nachweisen, dass allgemein: 
woraus folgt: 



9iP = 'kp.3 = -^-{!^i_l), 



(2) 



was zu beweisen war. 



Zur Bestätigung der vorletzten Gleichung können folgende 
Rekursionsformeln dienen : 



D 



m 
m 












i+rr^)D».ii+r7"')i)».^i+("3-')i>».ii+ 

+ (m — 2\ 7\ m — 3 • Am — 2\ 7-v m — 2 

und so weiter. 



Vogler. Ueber Stationsbeobachtungen in symmetrischer Anordnung. 57 

Mau findet diese Formeln, wenn man die Determinante vom 
fwten Grade 



an -j-Xi a-jii 

«12 «22 + ^2 



«Im 



«2 



m 



«ml 
««2 



a 



mta 



"T" ^m 



durch allmähliche Tilgung der x aus dieser ursprünglichen Form 
in ihre Bestandtheile zerlegt und die Unterdeterminanten von glei- 
chem Grade zusammenfasst. Werden die x einander gleichgesetzt, 
so entwickelt sich die gegebene Determinante in eine endliche Reihe 
nach aufsteigenden Potenzen von x. Bei Anwendung derselben auf 

Dm beachte man, dass D«— i =0, weil die Quersumme aller Zei- 
len verschwindet. 



Kürzer führt die folgende Rekursionsformel sowohl zur nu- 
merischen Ausrechnung als auch zu einem knappen algebraischen 

Ausdruck für Z)^; 



I)l = (m + i — l)D''-J — im+l){i-l)D 



i — 2 



(7) 



Diese Formel wird für jeden Werth von tn und » erfüllt, wenn wir 
setzen : 



i)« = (m— t+l)('M+l) 



i -1 



(8) 



»-1 



wovon man sich durch Bildung und Einführung von D\ und 



D „. ganz allgemein überzeugen kann. Der gefundene Ausdruck 

führt auf 2>^ = 1 für i = und, wie es sein muss, auf Z)^ = m 
für i= 1, u. s. w. 

Formel (7) gewinnt man durch Zerlegen von D« in Unterdeter- 
minanten ; wenn man dabei berücksichtigt, dass beim Vertauschen 
zweier Spalten einer Determinante ein Vorzeichenwechsel eintritt, 
80 wird zunächst: 



D; = mi)'-' + (t-l)Ä 



m ? 



(9) 



worin wir unter -B*^ die Determinante vom {i — l)ten Grade: 



Ä* «» = 



m 



1 
1 
1 

1 



— 1 

m 

— 1 



— 1 i 

— 1 1 

m 



— 1 

— 1 

— 1 



— 1 



m 



i- 1 



ZU verstehen haben. Wir ergänzen dieselbe zu D\ (durch Ver- 



58 Vogler, üeber Stationsbeobachtungen in symmetrischer Anordnung. 

Wandlung des ersten Diagonalgliedes in m oder Addition von 
(w-j-l) 2)*TO und subtrahieren die Ergänzung wieder, woraus 



n — \ 



Ä'-'=iy-' — (»n + l)i) 



t--2 
m 



(10) 



hervorgeht. Dies mit (9) vereinigt liefert die Rekursionsformel (7). 



Wir wollen die gewonnenen Formeln noch zur Auflösung der 
Normalgleichungen nach den Unbekannten y benützen und denken 
uns dazu die letzteren als Brüche von Determinanten angeschrie- 
ben, z. B.: 



3^2 = 



pL] 


2 J 3 


.9^ 


s (P l)i —j 


.gM 


« j (p i)i 



—J 
—J 

m 

—J 



[gL] 



—j 



■j \ 0—1); 



:.; 



p-l TkP-^ 



JLJ p-\. 



Bei Entwickelung der Zählerdeterminante nach den Elementen 
der ersten Spalte treten Unterdeterminanten auf, welche in der 

Form iZfZ? erscheinen oder sich auf dieselbe bringen lassen. 
Nun ist nach (10): 

Demzufolge berechnet sich y^ gemäss: 

[gZL.Pgi!-([ff£]3+[g£L+...)(z)pf-pi)p?), 

oder wenn wir — [g L~\ als Summe der Absolutglieder der Normal- 
gleichungen einfuhren und zugleich von dem besonderen Beispiel 
der Auflösung nach t/g ^^^ ^^^ allgemeineren der Auflösung nach y c 
übergehen (c = 2, 3...p): 



p-2 



j,-3 



.Vc = 



_{2[gL'\.-[gL'\)DlZ\+p{\ßL-\^[gL\.)DlZl 



jDl 



p-\ 



Da gemäss (8) sich ergiebt: 

DlZl _2 



DIZ\ P 



^^ — und 



Dl 



3 
1 



Dl 



P 



2' 



SO folgt für y c der einfache Ausdruck: 

[gL^ + [gL]. 



yc = 



3P 



oder in ausführlicherer Schreibweise: 



y.==([9L] + [</i]0.y:(^_2). 



(11) 



r;'i 



Gesetze und Verordnungen. 59 

Für den Fall i = 2, in welchem diese Formel ebenfalls gilt, 

wenn man \ r^ ) durch 1 erklärt, bedarf es eines besonderen 

Beweises, der sich jedoch dem vorigen anschliesst und hier über- 
gangen wird. 

Berlin, October 1884. 

Ch, A. Vogler. 



Gesetze und Verordnungen. 

Zulassung von Nichtpreussen zur LandmesserprUfung. 

Aus Veranlassung eines an den mitunterzeichneten Minister für 
Landwirthschaft, Domänen und Forsten gerichteten Antrags des 
Kektors der hiesigen landwirthschaftlichen Hochschule, betreffend 
die Zulassung von Nichtpreussen zu den in den Vorschriften vom 
4. September 1882 über die Prüfung der öffentlich anzustellenden 
Landmesser angeordneten geodätischen Kursen und Prüfungen, be- 
stimmen wir hiemit, wie folgt: 

Die Zulassung solcher Nichtpreussen, welche die an der land- 
wirthschaftlichen Hochschule in Berlin und an der landwirthschaft- 
lichen Akademie in Poppeisdorf eingerichteten geodätischen Kurse 
absolviren und sich der Landmesserprüfung unterziehen wollen, ist 
nur unter den nachfolgenden Bedingungen statthaft. 

Nichtpreussische Deutsche haben den vollen im §. 5 der Land- 
messerprüfungsordnung geforderten Nachweis über Vorbildung, 
praktische und theoretische Ausbildung zu führen, wobei in Betreff 
der Gleich werthigkeit der auf nichtpreussischen Schulen erlangten 
Vorbildung nach Absatz 3 b des §. 5 der Landmesserprüfungsord- 
nung die Entscheidung des Ministers der geistlichen, Unterrichts- 
und Medizinalangelegenheiten massgebend ist. Ebenso wie nach §. 9 
der Landmesserprüfungsordnung die Oberprüfungskommission darüber 
entscheidet, ob und mit welcher Zeit der Besuch eines geodätischen 
Kursus an einer nichtpreussischen Lehranstalt für anrechnungsfähig 
zu erachten ist, hat die Oberprüfungskomraission auch darüber zu 
bestimmen, ob und in welchem Masse der nach Nr. 4 des §. 5 zu 
erbringende Nächweis der praktischen Vorbildung, soweit derselbe 
nur durch Zeugnisse nichtpreussischer Landmesser (Feldmesser) ge- 
führt werden kann, genügt. Von der Bestimmung der Oberj)rü- 
fungskommission hängt es demgemäss ab, ob in einem solchen 
Falle, wo der Prüfungskandidat nicht eine mindestens einjährige, 
den Bestimmungen der §§. 5 und 7 entsprechende praktische Be- 
schäftigung bei preussischen Landmessern (Feldmessern) nachweisen 
kann, die Zulassung zur Prüfung überhaupt statthaft ist oder ob 



60 OeBetze und Verordnungen. 

ihr je nach dem Masse, womit die praktische, bei nicbtpreussiBchen 
LandmeBSerii erlangte Auebildung angerechnet wird, ein 2-, 3- oder 
E8 theoretiBches Studium vorhergehen muss. Die betref- 
icheiduDgen der Oberprüfungskommission sind nur darch 
lg der Prüfungskommission, bei welcher der Kandidat 
n machen will, anzurufen. 

bestandener Prüfung gehen die Prüfungsakten an die 
gekom mission, welche das Prüfungszeugniss, sofern sich 
its zu erinnern öndut, der Priifungskommission zur Aus- 
an den Kandidaten wieder zustellt. 

iestaJlung als Liindmesser wird solchen Kandidaten zu- 
t ausgefertigt. 

n Fall, dass ein nicbtpreussischer Deutscher, auf Grund 
|[estait erlangten Prüfuiigszeugnisses in Preussen als Land- 
giren will und zu diesem Zwecke bereits sein Domizil 
sen verlegt hat, oder sich in Preussen behufs AusUbung 
äskunst bezw. behufs Beschäftigung bei Behörden oder 
len niederlassen will, hat derselbe bei der Oberprüfungs- 
ein besonderes Gesuch um Ausfertigung einer Bestallung 
iBser einzureichen. 

erprüfungskom mission ist ermächtigt, die Bestallung aus- 
nachdem sie vorher die bisherige, in der Regel durch 
mgebörigkeit des Vaters des Nachsuchenden bedingte 
lörigkeit des Betreffenden festgestellt und durch Rück- 
der betreffenden Regierung bezw. der sonstigen Behörde 
halts des Nachsuchenden sich von der Unbescholtenheit 
chenden Üeberzeugung verschafft hat. 
mtscke, welche an den theoretischen Kursen und an der 
'piTifung Theil nehmen wollen, haben zuvor durch Ver- 
der betreffenden Prüfungskommission ein entsprechendes 
die Oberprüfungskommission zu richten. Dieselbe ent- 
>er die Zulassung und die Dauer des nach der nachge- 
leoretischen und praktischen Vorbildung noch erforder- 
retischen Studiums, welches in jedem Falle mindestens 
umfassen muss. 

lestandener Prüfung werden die Prüfungsakten der Ober- 
Dmission eingereicht, welche die Prüfungszeugnisse, so- 
labei nichts zu erinnern findet, der Prüfungskommission 
digung an die Betreffenden wieder zustellt. Eine ße- 
ä Landmesser wird nicht ertheilt und den Zeugnissen 
^klicher Vermerk zugefügt, dass durch die bestandene 
iine Befähigung oder Anwartschaft auf Bestallung als 

in Preussen erworben worden sei. 
.eitig bestimmen wir, dass für preussische Staatsange- 
: Dispensirung von den Vorschriften des §. 5 der Land- 
ngsordnung, betreffend die Zulassung zur Landmesser- 
ir durch unsere gemeinschaftliche Entscheidung statthaft 
d die Zulassung von solclien Studirenden, welche ein 



Unterricht und Prüfungen. 



61 



Landmesserexamen überhaupt nicht ablegen wollen, zu einzelnen 
Vorlesungen und Uebungen der in der Prüfungsordnung vorgesehenen 
theoretischen Kurse den betreffenden Prüfungskommissionen nach 
Massgabe der Regulative der betreffenden Lehranstalten anheim- 
gegeben bleibt. 

Die Prüfungskommissionen in Berlin und Poppeldorf sind von 
den vorstehenden Bestimmungen durch diesseitige Verfügung direkt 
in Kenntniss gesetzt. 

Berlin, den 13. November 1884. 
Der Minister Der Minister für Land- 

der wirthschaft, Domänen 

öffentlichen Arbeiten. und Forsten. 

gez. Maybach. gez. Lucius, 

An die Königliche Oberprüfungskommission für Landmesser. 

M. d. ö. A. IIL 18855. 
M. f. L. L 14749. 
F. M. IL 12497. 



Der Finanzminister, 
gez. V. Schoh, 



Unterricht und Prüfungen. 



Königliche iandwirthschaftiiche Hochschule in Berlin. 

Die von 12 ordentlichen Professoren, 17 ausserordentlichen 
Lehrern und 2 Privatdocenten der landwirthschaftlichen Hochschule 
angekündigten Vorlesungen und praktischen Uebungen werden im 
gegenwärtigen Winter - Semester von 381 Hörern besucht. Unter 
ihnen befinden sich 



ordentliche Hörer 
ausserordentliche 
Hörer .... 
Hospitanten . . . 


Landwirthe. 


Kulturteoh- 
niker und 
Geodäten. 


aus andern 
Kreisen fach- 
lichen Berufs. 


Zusammen. 


83 

6 
65 


57 


170 


140 

6 
235 


154 


57 


170 


381 



Aus der Veröffentlichung der sich auf das vergangene Sommer- 
semester beziehenden Frequenz -Nach Weisung der landwirthschaft- 
lichen Hochschule sind in verschiedenen Fach- und politischen Blättern 
Folgerungen gezogen worden, welche auf Mangel an Vertrautheit mit 
den Einrichtungen und Zielen der hiesigen landwirthschaftlichen Hoch- 
schule zu beruhen scheinen und deshalb eine Aufklärung erheischen. 



62 Vereinsangelegenheiten. 

DaB8 dieselbe, wie man dort hervorgehoben hat, ausschliesslich oder 
doch überwiegend für junge Männer berechnet sei, welche bereits 
Landwirthe sind oder sich doch definitiv für den landwirthschaft- 
■ liehen Beruf entschieden haben, ist nicht richtig. An der Hand des 
kürzlich veröffentlichten Programms (unentgeltlich zu beziehen von 
dem Secretariat der Hochschule) sei bemerkt, dass die landwirth- 
schaftliche Hochschule neben ihrer Aufgabe, der wissenschaftlichen 
Forschung in der Landwirthschaft und den mit ihr in Verbindung 
stehenden Grund- und Hiilfswissenschafteu zu dienen, den Zweck hat : 

1. Landwirthen durch Ertheilung von wissenschaftlichem Unter- 
richt die Grundlage zum vor theü haften Betriebe ihres Ge- 
werbes zu verleihen; 

2. den Aspiranten im geodätischen und culturtechnischen Be- 
rufe die Mittel zu ihrer Ausbildung zu gewähren; 

3. den Studirenden der Universität, der technischen Hochschulen 
und der Thierarzneischule in Berlin die Gelegenheit zu ver- 
schaffen, sich mit der Landwirthschaft und den einschlägigen 
Hülfswissenschaften in dem Umfange vertraut zu machen, 
als es für ihr Wirken im späteren Berufslehen wünschens- 
werth erscheint. 

An dem Unterricht nimmt, wie obige Nachweisung ergiebt, eine 
verhältnissmässig grosse Zahl von Landwirthen als Hospitanten Theil, 
Es erklärt sich dieses aus dem Umstände, dass die Mehrzahl solcher 
jungen Männer, welche das Gymnasium oder die Itealschule mit dem 
Zeugniss der Reife verlassen haben, um sich demnächst der Land- 
wirthschaft zu widmen, beim Eintritt in ihre facbwissenschaftliche 
Ausbildung die'Immatriculation an der hiesigen Universität der- 
jenigen an der landwirthschaftlichen Hochschule vorziehen. Obgleich 
der Schwerpunkt ihres wissenschaftlichen Strebens in dem Studium 
an der letzteren ruht, von ihnen gesucht und gefunden wird, können 
sie in den Inscriptionslisten doch nur als Hospitanten geführt werden. 
Das zu beklagen, liegt keine Veranlassung vor. Aber es ist geboten, 
diese Verhältnisse klar zu stellen, um einer falschen Auffassung von 
der Frequenz der Hochschule seitens berufsmässiger Landwirthe 
vorzubeugen. 

Der Rector der Königlichen landwirthschaftlichen Hochschula 
Prof. Dr. Seüegast, Geheimer Regierungs-Rath. 



Vereiiisangelegeiilieiteii. 

Hauptversammlung des Vereins in Stuttgart 1885. 

Am 28. Dezember 1884 fand hier eine Versammlung statt von 
Vertrauensmännern des württembergischen Oheramtsgeometer-Ver- 



Yereinsangelgenheiten. 63 

eins und des württembergischen Geometer- Vereins, bei welcher Herr 
Obergeometer Schule den Vorsitz führte. Derselbe theilte den Anwe- 
senden mit, dass der Deutsche Geometer-Verein auf Einladung von 
Stuttgarter Vereinsmitgliedern in seiner letzten Hauptversammlung in 
Schwerin beschlossen habe, die Hauptversammlung des Vereins pro 
1885 in Stuttgart abzuhalten, und dass desshalb ein Ortsausschuss 
zur Einleitung der erforderlichen Vorbereitungen zu wählen sei. 
Die Wahl ergab folgende Zusammensetzung des Ortsausschusses : 
Vorsitzender: Herr Professor Schiebach, 
Stellvertreter: > Obergeometer Schule, * 
Schriftführer: > Stadtgeometer Widmann, 
Stellvertreter: > Geometer Lemperle, 
Kassier : > Oberamtsgeometer Zoller, 

Zu Mitgliedern des Aiisstellungs-ComitSs wurden gewählt: 
Herr Vermessungskommissär Bauhof er, 

> Geometer Fecht, 

> Oberamtsgeometer Gehring. 

Ferner wurden in das Empfang s-ComitS gewählt die Herren: 

Oberamtsgeometer: Beutler, Fuchs, Weinmann, Höre, Emm- 
hardt 

Die Constituirung weiterer Comites wurde späterer Beschluss- 
fassung vorbehalten. 

Der Vorsitzende des Ortsausschusses hat an das Königl. würt- 
tembergische Finanzministerium Nachricht von unsern verbereitenden 
Schritten gelangen lassen, und es ist seitens dieser Behörde auf ein 
freundliches Entgegenkommen zu rechnen. 

Der Schriftführer des Ortsausschusses. 
F. Widmann, Stadtgeometer. 



Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2250. Steiff, Vermessungs-Kommissär, Trigonometer des K. 

Kataster-Bureaus, Stuttgart. 
> 2251. Gegenfurtner, A., Königl. Bezirksgeometer, Dürk- 
heim, Rheinpfalz. 



diejenigen Mitglieder des Dentsclien Geometerrereins, 
welebe gesonnen sind, den Mitgliedsbeitrag Ton 6 Mark 
pro 1885 per Postanweisung einznzaiilen, werden iiierniit 
ersnebt, dieses bis längstens 

den 8. Mftrz 1889 



64 Allgemeiner Frag^kasteu. 

ED bewerkstelligen, nach dleeein ZeltpuDkt aber beine EId- 
zablnngen mebr, nm Kreazangen za vermelden, znmacben, 

da nacb dem 8. März 1S89 nacb f. 16 der Satzungen der 
Hltgliedsbeltrag per PostTorscbusB reap. Xachnahme ei^ 
beben «erden wird. 

Coburg, am 12. Dezember 1884. 

G. Kerschbaum, Steuerrath, 
z. Z. GaBsirer des Deutschen Geometerrereins. 



Allgemeiner Fragekasten. 

Wenn ein vereideter Feldmesser mit den Worten : Bezahlung 
pro Tag 7,50 jK> und 1,50 .*. Feldzulage im Felde, engagiert wird, 
ist er dann berechtigt, etwaige Regentage und Sonntage auch zu 
liquidiren ? 

A. N. in B. 

Antwort. 

Die Diäten (7,50 A) sind nach dem Wortlaut für jeden Ka- 
lendertag bewilligt, die Feldzulage dagegen nur für Arbeiten im 
Felde, kann daher auch nur für diejenigen Tage liquidirt werden, 
an welchen wirklich im Felde gearbeitet ist. Dabei ist es gleich- 
gültig, ob dies an Sonn- oder Werktagen, bei Regen oder Sonnen- 
schein geschehen ist. 

Vergleiche übrigens die §§, 49 und 51 des Feldmesser-Regle- 
ments vom 2. März 1871. 

W. 



Inhalt. 

Grdsstra Abhandlung : Ueber Statioaabeobachtuiigeii in Byrnmetrischer An- 
ordnung', von Yogier. Gesetze und Verordnungen. Unterricht und PrUlungen. Vereint- 
ang eiegenhei ten. Allgemeiner Fragekasten. 



•OD UslKb « Vogel. 




65 



ZEITSCHRIFT for VERMESSUN6SWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

unter Mitwirkung von C Steppea, Steuerassessor in München, und 

B. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan, Professor in Hannover. 

1885. TLefi 4. Band XIT. 

lö. Februar. 



Ueber Seetiefenmessungen, speziell die Tiefenmes- 
sungen an den Schweizer-Seen. 

Von Karl Keller, Professor am Polytechnikum in Karlsruhe. 

Von Seite des eidgenössischen topographischen Bureaus in Bern 
wurden in dem vergangenen und dem vorhergehenden Sommer Tiefen- 
messungen in den Schweizer-Seen vorgenommen, deren Zweck zu- 
nächst die Eintragung von Höhenkurven in die Seekarten, sodann 
aber mittelbar euch die Berechnung der Menge von Geschiebe und 
Gerolle ist, welche von den verschiedenen Flüssen und Bächen die- 
sen Seen zugeführt werden. Einsender hatte im jüngstvergangenen 
Sommer zu Folge des höchst dankenswerthen freundlichen Entgegen- 
kommens des Chefs des eidgenössischen topographischen Bureaus 
Herr Oberst Lochmann und des mit der Ausführung der bezüglichen 
Arbeiten betrauten Ingenieurs Hörnlimann^ Gelegenheit, an solchen 
Tiefenmessungen am Vierwaldstättersee Theil zu nehmen und glaubt, 
dass es auch für weitere Kreise von Interesse sein möchte, das 
dabei eingeschlagene Verfahren und überhaupt die dabei zur Anwen- 
dung kommenden Arbeiten kennen zu lernen. 

Die bei Tiefenmessungen vorzunehmenden Arbeiten sind wesent- 
lich zweierlei: 

1. die eigentlichen Tiefenmessungen, Sondirungen, 

2. die Festlegung und Eintragung der Sondirungspunkte auf 
der Seekarte. 

Die beiden Arbeiten sind gleichzeitig vorzunehmen, und daher 
zu diesem Zwecke zwei getrennte Ingenieurabtheilungen nöthig, 
deren eine auf dem Sondirungsschiff, und deren andere auf dem 
Lande sich befindet. 

Das im vorliegenden Falle benützte Schiff war (siehe Figur 1) 
ein grosser Ruderkahn , der mit 3 oder 4 kräftigen Ruderern be- 
mannt war; er hatte eine Länge von 10 m, eine mittlere grösste 
Breite von 2 m, und eine Bordhöhe von 0,9 m. In einer Entfernung 

Zeitac)irift für Vermessniij^swesen. 1885. 4. Heft. 5 



Keller, üeber See tiefe nmeasungeo, «peziell die 

von '/s Schiffsiänge von 
vovne war ein 8 m hoher 
Mast errichtet, der, in 
Meter und Dezimeter 
eingetheilt, zum Messen 
derScbifFsdistanz,theils 
aber auchbei günstigem 
Winde zum Aufziehen 
eines Segels diente, wo- 
durch die Hinfahrt zum 
ätationsplatz, oder die 
Bückfahrt von demsel- 
ben beschleunigt werden 
konnte. 

Einen halben Meter 
unter der Spitze des 
Querstange befestigt, welche zum Aufhissen 
der Flaggensignale diente. An anderen Seen wurde auch schon ein 
kleines Dampfboot benutzt, wodurch freilich das Einfahren in das 
Profil erleichtert wurde, dagegen hatte dieses bei immerhin beträcht- 
lichem Tiefgange die Unannehmlichkeit, dass man nur schwer und 
an den wenigsten Stellen landen, und auch in seichte Seestreckeu zum 
Zwecke der Aufnahme der Uferlinien nicht einfahren konnte. In der 
Mitte des Schilfes befand sich die Lothmaschine und der Zeichentisch 
des die Sondirung leitenden, auf dem Schiffe befindlichen Ingenieurs, 
Die eigentliche Tiefenmessung — Sondirung — geschah nach 
einer verhältnissmässig einfachen Methode mittelst einer Lothma- 
schine, welche ganz ähnlich einer einfach übersetzten ßauwinde 
konstruirt war , und nur abweicbL-nd von einer solchen noch ein 
Tourenzählwerk hatte. (Siehe Figur 2. *) Als Lothleine wurde ein 
Fig. 2. 





'"ZTTTZ^ 



Tiefenmessungen an den Schweizer-Seen. 67 

4 mm starkes Drahtseil benützt von 25 Drähten, welche in 5 Litzen 
zu je 5 Drähten gruppirt waren und innen eine Hanfseele hatten. Das 
Gewicht dieses Seiles beträgt 60 bis 65 Gramm per laufenden Meter ; 
dasselbe wurde auf eine Windetrommel von ca. 320 mm Durchmesser 
aufgewickelt, und es entsprach somit einer Drehung der Trommel eine 
Aufwindelänge des Seiles von 1 m. Da aber bei den bedeutenden zu 
messenden Tiefen so grosse Seillängen nöthig waren, dass dieselben 
nicht in einer einfachen Lage auf der Seiltrommel Platz finden 
konnten, so war das Seil von der Windetrommel weg über eine Leit- 
rolle geführt, deren Durchmesser genau so hergestellt war, dass eine 
Umdrehung derselben einer Länge des darüberlaufenden Seiles gleich- 
einem Meter entsprach. Durch ein einfaches Zählwerk mit Schraube 
und Schraubenrad wurden die Umdrehungen, und somit auch die 
erreichten Seetiefen in Metern gezählt. Die erreichte Seetiefe wurde 
aber auch gleichzeitig direkt an der abgelassenen Drahtleine ge- 
messen, welche zu diesem Zwecke mit Marken von Messingblech in 
Entfernungen von 2 zu 2 Metern versehen war, auf welchen die 
betreffenden Längen der Leine oder Seetiefen aufgestempelt waren. 
Die beiderlei Messungen stimmten nicht immer vollständig überein, 
doch ergab sich höchstens eine Differenz von 1% minus für das 
Zählwerk. Diese Fehler sind hauptsächlich auf die Ungleichheiten 
in der Seilstärke an den Verbindungsstellen abgerissener Seilstücke 
und an den Befestigungsstellen der die Längen angebenden Mes- 
singbleche zurückzuführen. 

Der Augenblick, in welchem das Loth — Sondirungsgewicht 
— den Grund erreicht, wird daran erkannt, dass die durch die Brem- 
sung theilweise gehemmte Winde plötzlich langsamer geht oder 
stehen bleibt, und zwar wird dieser Stillstand um so rascher ein- 
treten, je grösser das Verhältniss der Gewichte des Lotlies sammt 
Leine zu demjenigen der letzteren allein ist. Im vorliegenden 
Falle betrug das Gewicht des Lothes ausserhalb des Wassers 6V2 
Kilo und daher im Wasser ff = 5,6 Kilo; das Gewicht des benützten 
Drahtseiles bei einer Sondirungstiefe von 200 Metern 

o ^f^Al^'^ AI. ^ + ^ 5,6 + 10,4 16,0 ... 
Ä = 10,4 Kilo, daher ^ = ^q^ = j^ = 1 ,54 , 

d. h. das gesammte an der Winde hängende Gewicht reduzirt sich im 
Augenblick des Auftreffens auf den Grund auf 2/3. Es wird freilich 
in Folge des den bewegten Theilen innewohnenden Beharrungs- 



weiche bei den schweizerischen Sondirungen benützt wurde, sondern der Ori- 
ginal-Thomson 'sehen Maschine nachkonstruirt; diese letztere ist der ersteren 
schon wegen der bei ihr angebrachten selbstthätigen Bremsvorrichtung vorzu- 
ziehen, da die schweizerische Maschine überhaupt keine Bremse hatte, sondern 
von Hand aus durch Andrücken eines Brettes an den Kranz der Windetrommel 
gebremst werden musste. Die Zeichnung ist wohl selbst deutlich, nur möge 
betreffs der automatischen Bremse erwähnt werden , dass die Bremswirkung 
hervorgebracht wird durch ein dünnes Hanfseil, welches um eine mit der 
Windetrommel verbundene Rolle gelegt und durch die beiden regulirbaren 

Gewichte Ä und B gespannt wird. 

5. 



.r 



68 Keller, üeber Seetiefenmessungen, speziell die 

Vermögens noch eine kleine Seillänge weiter ablaufen , daher man 
die Winde so weit rückwärts zu drehen hat, bis man an dem er- 
höhten Widerstand die völlige Anspannung des Seiles erkennt. 

Leichter erkennbar ist der Moment der Erreichung des Grundes 
bei Benützung des von Thomson vorgeschlagenen und auch bei der 
deutschen Marine eingeführten Stahldrahtes an Stelle der Leine. 
Hiebei wird bei einer Drahtstärke von 0,7 mm von einem Gewicht 
von 3,6 Gramm ausser und 3,0 Gramm im Wasser per laufenden 
Meter und einer ebenfalls angenommenen Tiefe von 200 m sowie 
gleichem Lothe von Ö==5,6 Kilo Gewicht im Wasser 

Ä = 0,60 und daher ^4^= 11= 10 

und es tritt daher hier momentan eine Gewichtsreduction auf Vio ^i^^- 
Für Draht von 0,9 mm Stärke und einem Gewichte von 5,1 kg 
ausser, und 4,5 kg im Wasser ergibt sich für 200 m Tiefe S = 0,9 
und daher 

8 0,9 0,9 ' 

d. h. immer noch eine Reduktion auf Vi der Windenbelastung. 

Die Benützung des Stahldrahtes hat bei reichlich genügender 
Festigkeit noch den Vortheil, dass kleinere, d. h. weniger breite 
Windetrommeln nöthig sind, und auch bis zu einer Tiefe von 300 m 
nur eine Trommelbreite von 300 X 0,7 = 210 mm nöthig ist für 
den 0,7 mm Draht und von 300 . 0,9 = 270 mm für 0,9 mm Draht. 

Die Geschwindigkeit beim Ablassen, welche durch Bremsen 
von Hand aus regulirt wurde, betrug 2,0 bis 2,6 m und wurden 
die grössten Tiefen von 200 m somit in ca. 80 — 100 Sekunden oder 
ungefähr IV2 Minuten erreicht. Zum Wiedereinholen der Leine 
war eine bei weitem längere Zeit nöthig , indem dabei , auch bei 
angestrengter Arbeit des an der Windekurbel arbeitenden Mannes 
eine grössere Geschwindigkeit als 0,75 m nicht erreicht werden 
konnte, und somit das Wiedereinholen der Leine aus jenen grösseren 
Wassertiefen etwa 4^/2 bis 5 Minuten in Anspruch nahm. 

Die schwierigere Aufgabe — wenigstens bei den unwegsamen 
Ufern des Vierwaldstätter- und besonders des Urnersees — kam 
dem an der Landstation arbeitenden Ingenieur zu, welcher die 
Feststellung der sondierten Punkte auf der Karte zu besorgen und 
im vorliegenden Falle auch noch die Aufnahme der Uferlinien 
durchzuführen hatte. 

Zunächst müssen auf der Karte — (Messtischblatt) — auf 
welcher die Sondirungspunkte eingetragen werden sollen , die Pro- 
fillinien eingezeichnet sein. Man passt dieselben in ihrer Lage der 
Form der auszumessenden Wasserfläche an, und zwar zieht man sie 
bei einer Seefläche von vorherrschender Längenausdehnung im All- 
gemeinen unter sich parallel und normal zu jener Kichtung; an 
den Enden und den daselbst sich bildenden Buchten entsprechend 
werden die Profillinien im Allgemeinen auch normal zur allge- 




•^ 1 - 



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Tiefenmessungen an den Schweizer-Seen. 



i^f- 



m 



Kv^l 



meinen Uferbegrenzung und somit gegen den See konvergirend aiH 
gelegt. Diese Art der vorherigen Bestimmung der zu lothenden 
Profile am Urnersee zeigt nebenstehende Figur 3. Die Entfernung 

Fig. 3. 




der Profillinien und der Punkte in denselben richtet sich nach dem 
Maassstabe der Karte. Im vorliegenden Falle waren die schweizeri- 
schen topographischen Karten im Maassstabe 1 : 25000 ausgeführt, 
und demgemäss auf diesen Karten die Profile in Entfernungen von 
12 — 15 mm gewählt, was einer wirklichen Entfernung der Profile 
von 300 — 400 m entspricht. Die Punkte in den Profillinien werden 
in der Nähe des Ufers näher zusammen, gegen die Mitte des Pro- 
files weiter auseinander gewählt, und zwar im vorliegenden Falle 
in der Mähe des Ufers in einem Abstände von 3« — 4 mm, gegen 
die Mitte des Sees in Abständen von 10 — 12 mm, was thatsäch- 
lichen Entfernungen der Soirdirungspunkte zu 75 — 100 m beziehungs- 
weise 250 — 300 m entsprechen würde. Das Gleiche gilt in der 
Nähe von Flussmündungen, wo es von hohem Interesse ist, die ge- 
naue Form und allmälige Aenderung der Geschiebekegel festzu- 
stellen. Hier also , wie überhaupt auch zwischen den projektirten 
Profilen werden noch an Zwischenpunkten in Abständen von 3—4 mm 
(oder 75 — 100 m in der That) Sondirungen vorgenommen. 

Die Wahl der Sondirungspunkte im Profil wie ausserhalb der 
Profile liegt dem Ingenieur auf dem Schiffe ob , dagegen wird die 
Einlenkung in's Profil sowie die Messung der Entfernung des Schiffes 
von der Landstation von der letzteren aus besorgt. Zwischen diesen 
beiden Arbeitsabtheilungen muss desshalb eine stete Kommuni- 
kation vorhanden sein, wofür, da bei den zumeist grossen Entfer- 
nungen der beiden Abtheilungen von einander akustische Signale 
nicht wohl durchführbar sind, ein System von optischen (Flaggen-) 
Signalen zu verabreden ist, welches im Nachfolgenden derart dar- 
gelegt werde, wie es bei den schweizerischen Sondirungsarbeiten ein- 
geführt war. 

Zur ungefähren Schätzung der Entfernung des Schiffes vom 
Ufer oder von der vorhergehenden Sondirungsstation kann die Zahl 
der Ruderschläge dienen, deren Werth für die Bewegungslänge des 
Schiffes dem herrscheneen Winde entsprechend erfahrungsmässig 
bekannt sein kann. Nachdem die Landabtheilung vom Schiffe aus- 
gesetzt ist, fährt das Schiff ab, während die erstere zunächst an 



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70 Keller. Ueber SeetiefenmessungeD, speziell die 

die Orientirung des Messtisches geht, wodurch auf der auf dem 
Messtisch aufgezogenen Karte genau der Uferpunkt eingetragen 
wird , auf welchem man sich gegenwärtig befindet. Zu dem Zweck 
wird zuvor die auf dem Messtisch aufgetragene Nordrichtung nach 
der Magnetnadel festgestellt, und sodann nach mindestens 3 sicht- 
baren Punkten der Landesvermessung, für welche auch Punkte auf 
dem Messtischblatt verzeichnet sind, über die letzteren hin visirt. 
Die 3 Visuren schneiden sich entweder in einem Punkte oder in 
einem Fehlerdreieck, aus welchem der Standpunkt durch Pothenotsche 
Methode gefunden wird. Ist, im günstigsten Falle, der gefundene 
Punkt ein im Profile liegender Uferpunkt, so hat man nur nöthig^ 
das vom Lande abfahrende Schiff ins Profil einzuwinken, d. h. in 
die Richtung des auf dem Messtischblatt aufgezeichneten Profiles, 
was durch eine weisse Fahne geschah, die nach Bedarf nach links 
oder rechts geschwungen wurde. Das Schiff macht nun noch eine 
Anzahl Ruderschläge, bis es die gewünschte Distanz ungefähr er- 
reicht zu haben glaubt, zieht dann zum Zeichen seiner Bereitschaft 
die rothe Fahne; die Landstation misst die Entfernung mit dem 
Distanzmesser, trägt sie in der Profillinie auf und zeigt die Voll- 
endung dieser Arbeit durch gleichfalls rothes Fahnensignal dem 
Schiffe an, worauf auf dem Schiffe die Lothung beginnt. Nach Voll- 
endung dieser und Eintragung aller wesentlichen Punkte (wie Tiefe 
gemessen mit der Leine und mit dem Zählapparat, Zeit etc.) zieht 
das Schiff die Flagge ein zum Zeichen, dass es im Profil weiter zu 
fahren wünscht, worauf vom Lande aus wieder das Einwinken in's 
Profil erfolgt. Nach einer schätzungsweise angenommenen Anzahl 
von Ruderschlägen bleibt es wieder stehen, zieht die rothe Fahne 
u. s. f., bis es endlich an eine Stelle gekommen ist, auf welche 
vom Lande aus die Distanz nicht mehr gut gemessen werden kann, 
oder welche verabredeter Massen nicht überschritten werden soll. 
Das erstere ist der Fall bei einer Entfernung über 1400 m, das 
letztere, wenn das Schiff etwa am Ende des projektirten Profiles 
angekommen ist und man etwa die Profile von den beiden Ufer- 
punkten her je bis in die Mitte misst. 

Ist also dieser Moment gekommen, so zeigt dies die Landstation 
durch eine schwarze Fahne an; erwidert das Schiff durch eine 
ebensolche auf ganzer und eine rothe auf halber Masthöhe, so ist 
dies für die Landabtheilung das Zeichen, fortzugehen und eine Ufer- 
aufstellung am Ende des nächstfolgenden Profiles zu suchen, während 
das Schifl" selbst direkt in's nächste Profil fährt, bezw. zu fahren sucht, 
und in dasselbe vom Lande aus, wie vorher, eingewinkt wird. 
Die Uferverhältnisse sind aber mitunter so schwierig, dass entweder 
ein Fortschreiten in's nächste Profil auf dem Landwege oder die 
Aufstellung des Messtisches in einem Profile selbst unmöglich 
ist. In diesem letzteren Falle kann das Einwinken in's Profil nur 
unter gleichzeitiger fortdauernder Messung der Schitfsdistanz er- 
folgen, und zwar auf nachstehende Weise. 



w 




Tiefenmessungen an den Schweizer-Seen. 

Fig. 4. 



71 




Es sei in nebenstehender (Figur 4) auf dem Messtisch a b die 
vorgezeichnete Profillinie und c der durch die Orientirung gefun- 
dene Uferstandpunkt. Man visirt nun das Schiff d an, z. B. in der 
Richtung c d^ misst die wirkliche Entfernung E und versucht diese 
auf der Richtung c d von c aus aufzutragen. Fällt dann der End- 
punkt der Länge E nach e, mithin in die Profillinie, so hat das 
Schiff die richtige Stellung, fällt E über die Profiliinie hinaus nach 
e^ , so ist das Schiff zu weit ab und muss gegen den Messtisch (in der 
Figur nach rechts) herbeigewinkt werden; erreicht der End- 
punkt von E die Profillinie nicht, und fällt derselbe etwa nach e^, 
so ist das Schiff zu nahe, und muss vom Messtisch (nach links) 
hinweggewinkt werden. Rasch vollzieht sich diese Arbeit, wenn 
an der Landstation zwei Leute beschäftigt sind, deren einer das 
Schiff fortwährend an visirt und die gemessenen Distanzen sagt, wäh- 
rend 'der andere diese Distanzen in der Fernrohrrichtung aufzu- 
tragen sucht. 

Aber auch hierbei muss der Ingenieur auf dem Schiff die ge- 
wünschten Abstände der Sondirungspunkte schätzungsweise unge- 
fähr bestimmen, z. B. durch Abzahlung der gemachten Ruderschläge. 

Ist die Abmessung der Schiffsdistanz mit dem Distanzmesser 
vom Lande aus nicht mehr möglich, was vom Lande aus durch 
ein schwarzes Fahnensignal dem Schiffe mitgetheilt wird, so ge- 
schieht die Bestimmung der weiteren Sondirungspunkte auf dem 
Schiff durch den Spiegelsextant, der auch bei ziemlich stark schwan- 
kendem Schiffe benützt werden kann. Man misst zu diesem Zwecke 



Kleinere Mittheil ud gen. 

Punkten der Landesvermessung oder andere solche 
3n Lage auf dem MesstJscb verzeichnet ist, trägt die 
Kinkel auf Pauspapier auf, und erhält durch versuchs- 
hieben dieses gezeichneten Winkels, wobei die Rich- 
der Winkel stets die betreffenden Punkte schneiden 

Winkelscheitel als jeweilige Schiffsstation. War das 

projektirte Protillinie eingewinkt, so genügt nöthigeü 
inüiger Winkel, während bei Stellung ausserhalb des 
lestens 2 Winkel nöthig sind; besser ist es, im ersten 
im letzten 3 Winkel zu messen. 

esleistung einer so arbeitenden Sondirung ist sehr ver- 
, Wind und Wetter erheblichen Einäuss darauf aus- 
daximum der Leistung war bei ganz besonders gün* 
iltnissen , sowohl in Betreff der Witterung als auch 
ng der Land- oder Messtischabtheilung bei den schwei- 
ndirungen 120 Punkte im Tag und 1300 Punkte im 

ganze Vierwaldstättersee sammt allen seinen vielen 
od Buchten wurde in der Zeit vom 3, Juli bis 3. Okto- 

Lothpunkten aufgenommen, was eine durchschnittliche 
; (die Sonntage noitgezählt) bei im Ganzen 92 Tagen 
'unkten per Tag ist. Da die ganze Seefläche 113 Qua- 
er beträgt, so kann somit bei zu unternehmenden Son- 
i Binnen-Seen auf eine durchschnittliche hiezu nöthige 
'ag für 1 '!i Quarlratkilometer gerechnet werden. 



Kleinere Mittheilungeo. 

Bezahlung von Vermessungs-ArbeHen. 

band der Deutschen Architekten- und Ingenieur- Vereine 
ir letzten Ab geordneten- Versammlung beschlossen, in 

Berathung über die Aufstellung einer Norm für die 
on Ingenieur- Arbeiten einzutreten. Eine Abtheilung 

wird die Vergütung für Vermessungs-Arbeiten bilden, 
d des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Hannover, 
I Referenten für diese Frage auf der {voraussichtlich 
August d. J.) zu Breslau stattfindenden Abgeordneten- 
5 des Verbandes bestellt ist, hat uns davon mit dem 
I in Kenntniss gesetzt, auch im Deutschen Geometer- 
Frage zur Berathung zu stellen, da es wü nach ens wer th 
I den Festsetzungen über gleichartige Arbeiten thun- 
iit herbeizuführen. Unser Verein hat bisher von der 
von Akkordsätzen abgesehen und sich gegen die Be- 
Vermessungsarbeiten nach solchen Sätzen ausgesprochen, 



Kleinere Mittheilungen. 73 

weil einerseits die Verschiedenheit der Verhältnisse zu gross ist, um 
bei Aufstellung allgemeiner Normen gebührend gewürdigt werden 
zu können, und weil andererseits diese Bezahlungsweise einen un- 
günstigen Einfluss auf die Qualität der Arbeiten ausüben werde. 

Nachdem aber der Verband der Architekten- und Ingenieur- 
Vereine beschlossen hat, einen Tarif festzustellen, werden wir uns 
der Pflicht nicht entziehen können, in eine erneute Berathung der 
Frage einzutreten und auf die Gestaltung des Tarifs unseren Ein- 
fluss geltend zu machen. Denn bei der grossen Verbreitung des 
Verbandes (er umfasst 27 Vereine mit über 6700 Mitgliedern) und 
dem Ansehen, dessen sich derselbe in ganz Deutschland erfreut, ist 
mit Sicherheit vorauszusehen, dass die aufzustellenden Normen binnen 
Kurzem zu weit verbreiteter Anwendung kommen und eine allge- 
meine Autorität erlangen werden. 

Der Architekten- und Ingenieur- Verein zu Hannover hat eine 
Kommission zur Vorberathung des Tarifs gewählt, welcher auch 
der Mitredakteur der Zeitschrift für Vermessungswesen, Herr Pri- 
vatdozent Gerke, angehört. Herrn Gerke ist von dieser Kommission 
die Ausarbeitung der Sätze für Vermessungsarbeiten übertragen 
worden. 

Wir richten an unsere Zweigvereine und an die Vereins-Mit- 
glieder, namentlich an diejenigen, welche bereits grössere Arbeiten 
in Akkord ausgeführt haben oder vermöge ihrer Stellung in an- 
derer Weise Gelegenheit hatten, in dieser Richtung Erfahrungen 
zu sammeln, die Bitte, solche sobald wie Irgend möglich -- spätestens 
bis Mitte März d. J. — Herrn Gerke (Hannover, Technische Hoch- 
schule) mitzutheilen. Derselbe wird — unterstützt von einer im 
Hannoverschen Feldmesser- Vereine bereits gebildeten Kommission 
und in steter Fühlung mit der Kommission des Architekten- und 
Ingenieur- Vereins zu Hannover der letzteren bis spätestens Mitte 
April d. J. einen ausgearbeiteten Gebühren-Tarif für Vermessungs- 
Arbeiten vorlegen, welchen wir event, zum Gegenstande einer Be- 
rathung auf unserer diesjährigen Hauptversammlung machen werden. 

Die Vorstandschaft des Deutschen Geometervereins. 



Dem Obigen möchte ich noch hinzufügen, dass der Verband 
der Deutschen Architekten- und Ingenieur-Vereine keineswegs von 
dem Grundsatze ausgeht, für Akkordarbeiten das Wort zu reden, 
im Gegentheil, man spricht sich entschieden für diätarische Be- 
zahlung aus. Der aufzustellende Gebührentarif soll hauptsächlich 
nur bei Kostenanschlägen benutzt, sowie bei richterlichen Ent- 
scheidungen empfohlen werden und erst in letzter Linie soll er 
denjenigen Verwaltungen, welche durchaus nach Akkordsätzen 
arbeiten lassen wollen, und denjenigen Ingenieuren und Feld- 
messern, welche derartige Arbeiten übernehmen, einen Anhalt geben. 

In Anbetracht, dass zur Zeit viele Verwaltungen geneigt sind, 
Vermessungsarbeiten in Akkord zu vergeben, ist nach unserer An- 



74 Literaturaeitung. Gesetze und Verordnungen. 

sieht die Aufstellung dieses Gebührentarifs für den Geometerstand 
von der allergrössten Tragweite, so dass wir es für die Pflicht 
jedes Feldmessers erachten, uns durch seine Erfahrungen nach 
Kräften zu unterstützen. 

Gerh. 



Literaturzeitung. 



Bex, Vieralellige Logariikmea-Tafeln. Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'achen 
Buchhandlung. Preis (in reicher Leinwand gebunden) 1 Ä 20 ^. 

Seiner fünfstelligen Logarithmen-Tafel hat der Verfasser die 
vorliegende vierstellige folgen lassen, deren Inhalt sich auch an den 
der erseren anschliesst. 

Die Tafel der gemeinen Logarithmen rückt nicht wie gewöhn- 
lich nur bis zum Argument 1000, sondern ist bis 2000 ausgedehnt. 
Eben damit war aber die Tafel II, Antilogarithmen, entbehrlich ge- 
worden, indem der einzige Grund für die Aufnahme der letzteren, 
die beginnende Interpolation, hier wegfällt Jedenfalls hat die Neben- 
einanderstellung der beiden Tafeln das Bedenkliche, dass sehr leicht 
durch Eingehen in die unrichtige Tafel Rechenfehler entstehen können ; 
wenn man nicht durch Zusammenheften der Seiten 6 und 7 überhaupt 
die Tafel II vermissen will, so ist anzurathen, die genannten Seiten 
mit einem autfallenden farbigen Rand zu umziehen. Die Logarithmen 
der goniometriscben Funktionen der Viertel von 2° bis 12° sind mit 
dem Intervall 1' gegeben, was allgemein Zustimmung finden dürfte. 

Druck und Ausstattung der durch grosse Vollständigkeit aus- 
gezeichneten Tafel sind sehr gut, 

Stuttgart, 10. Januar 1885. Hammer. 



Gesetze und Verordnungen. 

Landmesser-Titel. 

Wir sind in der Lage, nachstehende Verfügung der Königlichen 
Regierung zu Köln, durch welche die in neuerer Zeit mehrfach 
erörterte Titelfrage im Sinne der von unserem Verein vertretenen 
Ansicht entschieden und definitiv erledigt ist, zur Kenntniss unserer 
'litglieder zu bringen. Wir rathen denjenigen unserer preussisehen 
, welche sich nicht eines noch wohlklingenderen Titels 



r> ^ 



Vereinsangelegenheiten. 75 

erfreuen, von der in der Verfügung ausgesprochenen Berechtigung 
allgemein Gebrauch zu machen. 

Die Vorstandschaft des Deutschen Geometervereins. 

Köln, den 22. Januar 1885. 
Königliche Regierung 
Köln. 
Auf die an den Herrn Minister der öflFentlichen Arbeiten 
unterm 5. d. M. gerichtete und an uns zur Verfügung abge- 
gebene Anfrage, eröffnen wir Ew. Wohlgeboren, dass die Feld- 
messer nunmehr berechtigt sind, sich Landmesser zu nennen, 
dass aber nur den Arbeiten derjenigen Landmesser öffentlicher 
Glauben beigemessen wird, welche das Examen bestanden und 
als Feld- bezw. Landmesser vereidet worden sind. 

Kgl. Regierung, Abtheilung des Innern. 

(Unterschrift.) 
An 
den Feldmesser, Herrn .... 

Wohlgeboren, 
hier. 
B. 1518. 



Vereiiisangelegeiiheiten. 

Cassenbericht für das Jahr 1884. 

Der Mitgliederstand des Deutschen Geometervereins betrug mit 
Anfang des Jahres 1884 die Zahl 1190. Im Laufe dieses Jahres 
sind 48 Mitglieder neu eingetreten, 9 gestorben und 28 mit der 
Zahlung des Mitgliederbeitrags im Rückstand geblieben. Sodann 
hat 1 Mitglied den Beitrag für 1883 nachgezahlt und 57 Mitglieder 
haben für 1885 ihren Austritt erklärt, so dass die Mitgliederzahl 
mit Anfang Januar d. J. incl. der 12 Zweigvereine 1145 beträgt. 

Die neueingetretenen Mitglieder sind im neuen Mitglieder- 
verzeichniss und in den Heften der Zeitschrift bereits bekannt ge- 
macht worden. 

Die Namen der im Jahre 1884 Gestorbenen sind: 
Nr. 11. Pfeiffer I, Wilhelm, Regierungs-Feldmesser in Cassel. 
158. Knauth, B., k. Vermessungs-Ingenieur in Zittau. 
294. Dr. Schoder, k. Professor in Stuttgart. 
357. Schmidt, Ed., k. Vermessungs-Ingenieur in Dresden. 
359. Anspach, R., k. Steuerinspector in Mehrungen. 
738. Metelmann, Senator in Parchim. 
1659. Kaiisch, Regierungs-Feldmesser in Cottbus. 
1909. von Borowski, Feldmesser in Memel. 
2056. Schillings, Feldmesser in Köln a. Rh. 




Vereinsangeleg'enheiten. 

Für 1885 haben ihren Austritt erklärt : 

1. Nagel, Julius, Finanzrath in Dresden. 

13. Bauer, C. A., Vermessiinga-Reviaor in Cassel. 

74. Stadelmeyer, k, p. Steuerratli in München. 

98. Gärtner, Ose,, k. Bezirksgeometer in Neustadt a. d. Aisch. 
123. Stiefel, Geometer in Kadelburg, 
166. Tietze, Ch. Ehr., verpfi. Geometer in Würzen. 
191. Streicher, Geometer in Gross-Sachsen heim. 
196, Obermaier, Karl, k. p. Bezirksgeometer in Ludwigsbafen. 
219. Heinz, Ed. Seb.. Eisenbahngeometer in Ludwigatadt. 
263. Gerstl, Max, k. Steuerrath a. D. in München. 
366. Büchner, A., Vermessungs- Ingenieur in Zwickau. 
383. Thorenz, Heinr., k. Kataster-Controleur in Samter, 
504. Krieger, A., Bezirksgeometer in Durlach. 
655, Kupfer, Karl, Geometer in Meissen. 

732, Schütz, k. Kataster-Controleur in Gumbinnen. 

733. Üorialies, k. Steuerinspector in Insterburg. 
735. Hensel, k. Kataster-Controleur in Thorn, 
798. Baumann, Franz, Bezirksgeometer in Rastatt. 
810. Bär, Karl, Geometer in Frankfurt a. M. 
840. Mertins II, Kataster-Secretär in Cassel. 

949. Schulte, Louis, Rentmeister in Dortmund. 
1012. Kubierscky, A., Vermessungs- Revisor in Breslau. 
1041. Mieck, J. B., Obergeometer in Saarbrücken. 
1045, Scbrenck, k. Abt heilungs- Sections- Ingenieur in Ludwig- 
stadt. 
1121. Filitz, k. Kataster-Controleur in Beuthen. 
1141. Baldus, Bezirksgeometer in Wallmerod. 
1166. Nitzsche, k. Kataster-Controleur in Hettstädt. 
1233. Schmid, Oscar, Eisen bahnfeldraesser in Münster i. Westf. 
1279. Clouth, k. Steuerinspector in Neuwied a. Rh. 
1289. Balzar, k, Kreislandmesser in Königstein. 
1293. Höhler, Wilh., Geometer in Frankfurt a, M. 
1326. Weber, k. Kataster-Secretär in Erfurt. 
1330. Kortmann, k. Kataster-Controleur in Saarbrücken. 
1351. Dirks, Feldmesser in Neuwied a. Rh. 
1406. Toussaint, Fr. Wüh,, Cultur-Ingenieur in Strassburg i.E. 
1455. Müller, Feldmesser in Crefeld. 

1474. Bündgens, A., Eise üb ahn geometer in Essen a, d. Ruhr. 
1516. Mayer, Th., Feldmesser in Hannover. 
1519. Scherer, Feldmesser in Berlin. 
1528. Haupt, J., Feldmesser in Königsberg i. Pr. 
1556, Gottschalk, Steuerinspector iu MUnstermaifeld. 
1612. Hildebrandt, M,, Mechaniker in Freiberg i. S. 
1696. Obst, Feldmesser iü Metz. 

1741. Jülich, Rud., Eisenbahnfeldmesser in Gutstadt i. Ostpr. 
1749. Buttron, Geometer I. Cl. in Giesaen. 
1769. Kühl, F., Vermessungs- Rev is or in Neuwied a. Rh. 






Vereinsangelegenheiten. 77 

Nr. 1787. Homann, Markscheider in Dortmund. 

1829, Linden, k. Kataster-Secretär in Magdeburg. 

1837. Hüttmann, Reg.-Feldmesser in Woltnogge i. Pommern. 

1838. Ledon, k. Kataster-Controleur in Bublitz. 
1903. Mertens, Geometer in Neuwied a. Rh. 
1952. Jürgensmayer^ Kat.-Supernumerar in Minden i. Westf 

1985. Bastian, Kat.-Supernumerar in Trier. 

1986. Werner, C, Kat.-Supernumerar in Trier. 
2003. Herberg, Feldmesser in Elberfeld. 
2006. Rausch, Joh., Geometer in München. 
2146. de Vries, Landmeter van het Kadaster, Gorinchen. 

Von den 48 neueingetretenen Mitgliedern gehören 41 dem 

Deutschen Reiche an, nämlich: 

Anhalt 1 

Baden 1 

Mecklenburg 2 

Preussen 33 

Reuss j. L 1 

Sachsen 3 

und dem Auslande 7, nämlich: 

Amerika 1 

Niederland . . 3 

Schweiz 3 

Die Einnahmen des Deutschen Geometervereins betrugen im 
Jahre 1884: 

L An Mitgliedsbeiträgen : 

a. 1151 Mitglieder ä 6 Jfe 6 906,00 A 

b. 1 Mitglied Nachzahlung pro 1883 6,00 > 

c. 48 Mitglieder k 9 Jh. 432,00 > 

7 344,00 A 



IL Aus dem Verlag der Zeitschrift: 

Von der Verlagsbuchhandlung von K. Wittwer in 
Stuttgart für 250 Ex. nach Vertrag ä 4,50 Jb. 1 125,00 > 

III. An Insertionsgebühren : 

Von der Buchdruckerei von Maisch & Vogel in 

Karlsruhe nach Cassenbuch 638,76 > 

IV. An sonstigen Einnahmen 7,81 > 



Summe . . . 9115,57 Jh. 

Die Ausgaben erforderten: 

I. Für die Zeitschrift 7 520,69 Jh. 

IL Für Canzleispesen »^ 271,03 > 

III. Für die Generalversammlung 513,75 > 

IV. Für Honorirung und Reisekosten-Entschädi- 
gung der Vorstandschaftsmitglieder .... 827,32 > 



Uebertrag , . 9 132,79 Jh. 



Verein sa ngelegec heiten . 



Uebertrag . 


9 132,79 M. 


VI. Für allgemeine Ausgaben 

VII. Für Deckung des Deficits vom Vorjahre . 


20,45 ) 
7X9,15 . 


Summe . 


9920,69 A 



Silane. 

Einnahmen 9115,57 Jh. 

9920,69 > 



mithin sind . . 805,12 Jk. 
aus den Einnahmen des Jahres 1885 zu decken. 

Das Deficit entstand dadurch, dass die Zeitschrift fiir >Ver- 
messungswesen pro 1884 um 839,69 Mark "Kosten mehr erforderte 
als im Etat festgestellt worden ist.*) 

Um den Ausgleich der Finanzen wieder herzustellen, macht 
sich daher eine geringe Verminderung der Bogenzahl der Zeit- 
schrift für dieses Jahr nothwendig. 

Der Reservefonds 
bestand am 1. Januar 1884 aus: 

2000,00 A Werthpapiere 2 000,00 A 

615,40 > haar 615,40 > 

Summa 
hiezu kamen Zinsen am 1. April 1884 . . . 

> > > > 30. Juni > ... 

> > > > 1. October > ... 

> » > > 31, December > . , , 
80 dass der Reservefonds am 1. Januar 1885 
beträgt. 

Coburg, am 15. Januar 1885. 



2615,40 A 
40,00 > 



40,00 > 
11,90 > 

2 713,75 A 



(?. Kerschhaum, Steuerrath, 
z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 



*) Während die featgesetzte Bogenzahl eingehalten wurde, sind durch 
mathematischen und Tabellenaatz, namentlich aber durch erhöhte Ansprüche 
an Holzschnitte und Zinkographie die grössereu Ausgaben entstanden. 




Yereinsangelegenheiten. 



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80 Verein sangelegenheiten. 

Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2252. W e i t b r e c li t , W. , Geometer und Culturtecliniker, 
Neuenheim bei Heidelberg. 
> 2253. Weber, Carl, Gräfl. von Schön bornacher Bauinspector 
in Wiesentheid bei Kitzingen, Unterfranken. 



Diejenigen Dltlitlleder des Deulscben OeomelerrerelDB, 
weleh« Kesonnen aind, den Dlltglfedsbeltrag von 6 Hnrk 
pro 1885 per PoatanwelsaDg einznzHiilen« werdvn hiermit 
erBUCiit, dieses bis längstens 

den S. Warz 1889 
zu bewerkstelligen, nach diesem Zeitpunkt aber keine Ein* 
zahlDUtceumehr, iimKrenznngen zu vermelden, zu machen, 
da nacb dem 8. Harz 18^3 nach {|. 10 der Satzungen der 
Dil tglledsbel trag per Postvorschuss resp. J^aclinahme er- 
hoben werden wird. 

Coburg, am 12. Dezember 1884. 

G. Kerschbaum, Steuerrath, 
z. Z. Casairer des Deutschen Geo meter Vereins. 



Druckfehler in 6auss, Fünfstellige logarithmische Tafeln. 

In der Tafel der log. der goniometr. Funktionen musa bei 34° 
den P. pr. fur diff. 26 Zahl zum Argument 8" 3,5 statt 3,5 
also log t(i 34" 50' 8" = 9.84257 statt 9.84258. 
Stuttgart 1884 Dezember 24. 

Hammer. 



Inhalt. 

Grossere Abhandlung : lieber Seetiefenmesaungea , speziell die Tiefenmea- 
sangen an den Schweizer-Seen, von Keller. Kleinere Miflheilungen : Bezahlung 
von Verraessunga arbeiten, von der Vorstandachaft. Lileraturzeitung : Rex, Vier- 
stellige Logarithmen-Tafeln . bespr. von Hammer. Gesetze und Verordnungen. 
Verainsangelegenhelten. Druckfehler. 




81 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNBSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

unter Mitwirkung von C7. SteppeSy Steuer assessor in München, und 

B, Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordauy Professor in Hannover. 

1885. Heft 5. Band XIT. 

1. März. 



Landesvermessung in der Argentinischen Republik.^) 

Vielfache Anfragen kommen in letzterer Zeit aus Deutschland, 
theils von Ingenieuren, die zu wissen wünschen, in wie weit hier 
Aussicht auf lohnende Beschäftigung in technischer Richtung vor- 
handen sei, theils von kaufmännischen Firmen, die sich mit Land- 
ankauf und späterer Kolonisation zu beschäftigen wünschen. Diese 
Anfragen veranlassen mich , Ihnen nachfolgenden Bericht über 
meine letzte Landesvermessung, die in diesen Tagen der National- 
regierung übergeben ist, mitzutheilen, und zwar werde ich hierin 
die technische Seite der Ausführung behandeln, damit diejenigen 
Ingenieure, die geneigt wären, hierher zu kommen, beurtheilen 
können, in wie weit es sich der Mühe lohnt, sich mit dieserlei Ar- 
beiten im hiesigen Lande zu beschäftigen. — Nachdem ich vor 
zwei Jahren mit der Nationalregierung den Kontrakt abgeschlossen 
hatte, eine Landesstrecke von ungefähr 450 Quadratleguas, jede 
Legua zu 5000 Meter gerechnet, oder die Quadratlegua zu 25 Quadrat- 
kilometer gleich 2500 Hectaren, an der südlichen Grenze des Landes 
zu vermessen, wurde mir die Ute Sektion von Nationalländereien, 
belegen zwischen den beiden Flüssen Colorado und Rio Negro, mit 
einer Breite von Ost nach West von 20 Leguas, angewiesen. 

Längenberechnungen wurden hierbei als vom Meridian von 
Buenos Aires ausgehend, angegeben, und da die Grenzlinie zwischen 
Nationalländereien und Provinzländereien auf den 5. Meridian 
westlich von Buenos Aires fällt, wurde dieser Meridian auch als 
Basis der Vermessung gebraucht; alle Eintheilungslinien in nörd- 

*) In Hinsicht auf die in Deutschland wach gewordenen Eolonisations- 
und Auswanderungsbestrebungen bringen wir diese durch Vermittlung der 
Hedaktion der „Deutschen Gemeindezeitung" erhaltene Einsendung unverkürzt 
zum Abdruck, und richten zugleich auf diesem Wege an den Herrn Verfasser 
die Bitte, auch über den mathematisch-geodätischen Theil, welcher neben den 
wirthschaftlichen Verhältnissen etwas kurz behandelt ist, noch weitere Er- 
kundigungen einzuziehen. D- Red, 

Zeitschrift für VennasemigHwesen. 1885. 5* lieft. 6 



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Freund. Landesvermessung in der Argentinischen Republik. 

licher Richtung wurden dem 5. Meridian parallel gezogen, wichen 
also nach und nach, je weiter sie vom 5. Meridian abstanden, mehr 
und mehr von der Nordlinie ab. Die perpendikulären Linien stehen 
alle senkrecht auf dem 5. Meridian, gehen also nicht genau von 
Ost nach West, weil die auf einem Meridiane perpendikuläre Linie, 
als grösster Kreis, nicht mit der Ost- und Westlinie, die einen mit 
dem Aequator parallelen kleinen Kreis bildet, susammenfallen kann. 
Die Grenzen der zu vermessenden Sektion 11 sind nun leicht auf 
jeder Karte von Amerika, die die Flüsse Colorado und Rio Negro 
enthält, einzuzeichnen. Die eine, die östliche Grenzlinie, liegt 6°9'10" 
vom Buenos Aires Meridian entfernt; die westliche Grenze dahin- 
gegen 7°18'20" ; der Abstand zwischen diesen beiden Längen ist 
20 Leguas. — Das Terrain der betreflFenden Sektion sollte in Qua- 
drate von 4 Leguas, jedes mit 2 Leguas Seite getheilt werden, die 
Knotenpunkte mit Erd- und Holzsignalen und eisernen Nummer- 
platten bezeichnet werden, die Flüsse genau vermessen werden, Seen 
und topographische Einzelheiten eingezeichnet werden. In der Nähe 
der Flüsse wurden die Figuren unregelmässig und kleiner als 
4 Quadratleguas. — Das ganze Gebiet war beim Anfang der Ver- 
messung durch die Armee von Indianern gesäubert worden, doch 
strichen viele kleinere Banden von 10 bis 20 Mann auf gut- 
gefütterten Pferden noch im Felde umher, und da es den Indianern 
noch heut zu Tage eben so natürlich fällt, sich mit der Lanze oder 
dem Messer an ihren weissen Verfolgern zu rächen, wie deren Pferde 
wegzunehmen, war die Vermessung nur in Begleitung von berittenen 
Soldaten auszuführen; übrigens war die ganze zu vermessende Strecke 
menschenleer, nur an der Küste des Rio Negro, bei Choele Choel, 
existirte schon eine Militärkolonie. Die Bezahlung für die ganze 
auszuführende Vermessung, mit Einschluss der Berichte und der zu 
verzeichnenden Karten, wurde auf 50pft, ungefähr auf 10 L. St. für 
jede Quadratlegua, festgesetzt, und die vollständige Kontraktsumme 
für diese Arbeit beläuft sich somit auf 4500 L. St. 

Die Ausführung begann mit der theoretischen Berechnung 
der Längen und der Breiten der Knotenpunkte und der Azimute der 
Seitenlinien der Quadrate, worauf die praktische Ausführung mit 
dem Ankauf der Theodolite, Sextanten , stählernen Kettenbänder, 
künstlichen Horizonte und anderer Instrumente begann. Darauf 
wurden die Wagen , Proviantgegenstände und das Vieh gekauft. 
Zur Vermessungsmannschaft wurden angeworben: 4 Mann zum 
Kettenmessen, 4 Mann zum Flaggensetzen und Flaggentransport, 

1 Mann zum Theodolittragen, 2 Mann zum Erdsignalverfertigen, 

2 Mann zum Pferdewarten, 2 Mann zum Vieh- und Schafwarten, 
2 Mann zum Wassertransport und 10 Mann zum Sicherheitsdienst. 
An Pferden gebrauchten wir ungefähr 6 für jeden Mann ; dazu eine 
Anzahl Stuten, um die Pferde zusammenzuhalten, und so bestand 
die Expedition aus ungefähr 27 Mann unter meiner Direktion, mit 
einem Adjutanten, einem Offizier und einem Aufseher, dazu wohl 
an die 150 Pferde, 20 Ochsen und Kühe und 200 Schafe. Diese 



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Freund. Landesvermessung in der Argentinischen Republik. 83 

Expedition vollführte die gestellte Aufgabe in Zeit von 6 bis 7 Mo- 
naten, und wenn ich zufüge, dass die Bezahlung der Leute ungefähr 
7 L. St. pr. Monat beträgt, wird ein Jeder leicht ausrechnen können, 
wie sich die pecuiiiäre Seite der Sache stellt, und somit den deutschen 
Ingenieuren einen Anhaltspunkt geben, um zu beurtheilen, in wie 
fern es sich lohnt, sich um dergleichen Arbeiten zu bewerben, nur 
noch hinzufügend, dass die Indianer jetzt vom Territorium der ar- 
gentinischen Republik verschwinden, dass somit ein grosser Theil 
von Patagonien, sowie vom grossen Chaco, Paraguay gegenüber, im 
Bereich der argentinischen Nationalregierung gelangt und den 
Regeln der Vermessung untergeordnet wird. Es scheint sich also 
noch für lange Zeit geodätische Arbeit im hiesigen Lande vorzu- 
finden, doch müssen die Bewerber um derlei Arbeiten ein hier vor- 
geschriebenes Examen auf Spanisch durchmachen, bei welchem die 
genaue Kenntniss der Geodäsie, so wie sie von > Bauernfeind < dar- 
gestellt ist, verlangt wird. In theoretischer Beziehung möge be- 
merkt werden, dass Längenbeobachtungen in der Pampa immer 
etwas schwierig ausfallen, weil das Chronometer für längere Zeit 
nicht gebraucht werden kann, indem es sich während des Trans- 
ports zu Pferde, zu Wagen, im Staub, in der Sonne und in der 
Kälte sehr schnell verändert, und die Längenbestimmungen sich 
daher auf Meridiandurchgänge des Mondes stützen müssen, die dazu 
gehörigen Berechnungen jedoch eine stetige Uebung in der sphä- 
rischen Astronomie erheischen, die von den meisten deutschen Geo- 
däten wohl etwas selten in der Praxis erworben wird. — Meine 
Anschauungen über diesen Gegenstand gehen also darauf hinaus, 
dass theoretische Geodäten im hiesigen Lande noch lange Zeit 
lohnende Arbeit finden können, wenn sie sich nur die Zeit nicht 
verdriessen lassen, die sie gebrauchen, um sich in hiesige Verhält- 
nisse hineinzuarbeiten. 

Was die zweite Art der Vorfragen betrifift, so gebe ich hier 
zuerst eine Beschreibung des Landes in der vermessenen unbe- 
wohnten 11. Sektion, die ich natürlicher Weise durch einen sieben- 
monatlichen Aufenthalt besser kennen gelernt habe wie Jemand. Das 
Land ist hoch, flach und trocken. Im Norden und Süden wird es 
von zwei bedeutenden Flüssen, dem Rio Colorado und dem Rio Negro 
begrenzt. Die Breite des Colorado ist 150 m; die Tiefe so, dass 
man an vielen Stellen durchreiten kann; die Breite des Rio Negro 
ist 300 m, die Tiefe so, dass man nur an wenigen Stellen durch- 
reiten kann, mit einem schwimmenden Pferde jedoch durchkommt. 
Die Geschwindigkeit des Rio Negro ist grösser als wie die des Rio 
Colorado, auch ist der erstere für grössere Böte, bis auf 2 Meter 
Tiefgang, schiffbar, der Rio Colorado jedoch seiner Untiefen wegen 
ganz unschiffbar, oder nur in kleinen Strecken schiffbar für Böte. 
Die Küsten beider Flüsse sind in einer Breite von 1/4 bis 1 und 
2 Leguas ziemlich fruchtbar, denn da es einmal mitunter geschieht, 
dass die Flüsse austreten, das nächst dem Flusse liegende Terrain 
also gut durchwässert wird, gedeiht sowohl der Graswuchs wie das 

6. 







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84 Freund. Landesvermessung in der Argentinischen Republik. 

kleinere Gebüsch, welches hier überall emporschiesst. Doch folgt 
gerade aus diesem Umstände, dass dies neben den Flüssen liegende 
Terrain sich nicht für Ackerbauer eignen kann, deren Saat durch 
das steigende Wasser leicht weggerissen werden kann. — Hinter 
dem flachen Terrain hebt sich das Land sehr plötzlich, so dass die 
Flüsse das vom höheren Lande eingeschlossene Thalbecken durch- 
laufen. Die Grenze zwischen dem Thale und dem höheren Lande 
ist sehr scharf. Beim Rio Negro steigt die Hügel reihe, die daa 
Flussthal einschliesst, so steil in die Höhe, dass man sie nur mit 
Mühe erklettern kann. Die Höhe beträgt ungefähr 50 Meter. Von 
der Hügelreihe an verläuft sich das Land bis an die Hügelreihe des. 
Colorado in langgestreckten kaum bemerkbaren Wellen. Alles Land 
zwischen dem Rio Negro und dem Rio Colorado ist sehr flach, und 
mit offenem, stachlichten Gebüsch verwachsen. Zwischen dem Ge- 
büsch kommt der Graswuchs hervor. Es regnet nur sehr selten in 
diesen Gegenden, und dies bewirkt in Verbindung mit der sandigen 
Qualität des Erdreichs, dass die Trockenheit ausserordentlich her- 
vortretend ist, weshalb auch das ganze Land zwischen den beiden 
Flüssen, und vom Atlantisclien Ocean an bis an die Cordilleren für 
den Ackerbau, also für Bearbeitung zum Säen von Weizen, Roggen, 
Mais, Leinsamen gänzlich unbrauchbar ist. Während der ganzen 
Vermessungszeit vom Aprilmonat bis Novembermonat dieses Jahres, 
bin ich nicht ein einziges Mal durchnässt worden, und doch hatte 
ich mein Zelt, um mich desto leichter bewegen zu können, zurück- 
gelassen. Eine Folge davon ist auch der gänzliche Mangel an 
kleinen Seen und Regenwasseransammlungen , und während der 
ganzen Vermessung waren stets die Maulthiere auf den Wegen 
nach oder von den Flüssen, um uns das nöthige Wasser in Fässern 
zuzuführen. Dies konnte jedoch nur für Menschen ausreichen, die 
Pferde mussten 3 Tage ohne Wasser arbeiten, worauf sie von einer 
anderen Partie Pferde, die vom Fluss heraufgeschickt wurden, ab- 
gelöst wurden. — Nach starken Regengüssen, so wie sie in diesem 
Jahre im Monat März stattfanden, sammelt sich das Regenwasser 
überall, wo der Boden nicht sandig, sondern lehmig ist ; in keinem 
Fall habe ich diese Ansammlungen, obgleich manchmal von bedeu- 
tender Ausdehnung, von grösserer Tiefe wie 10 Centimeter gefunden, 
und sie verschwinden daher nach kurzem Sonnenschein. Trotz solch 
grosser Trockenheit ist die ganze Pampa mit Gebüsch und mit 
Gras bedeckt, und da das grosse Hornvieh sehr gut 2 oder 3 Meilen 
vom Wasser weggehen kann, um gutes Futter zu suchen, und darauf 
zum Wasser zurückkehrt, ist der grössere Theil dieser Ländereien 
auch sehr gut für Viehzucht geeignet. In St. Louis und in der 
Provinz Mendoza habe ich mehrfach sehr gut gemästetes Hornvieh 
in ähnlichen, ebenso trockenen Ländereien bis auf 3 Meilen vom 
Wasser angetroffen. Nachdem die Thiere getrunken haben, wandern 
sie ruhig grasend nach der besten Futtergegend, und erst wenn 
der Durst sie plagt, suchen sie den kürzesten Weg zurück zum 
Wasser. So wären auch die Ländereien zwischen den beiden Flüssen 




Freand. Landesvermessung in der Argentinischen Republik. 85 

sehr gut zur Viehzucht zu verwerthen, denn der Graswuchs ist 
reichlich , und wenn auch das jetzt dort wachsende Gras noch von 
sehr harter, trockener und schneidender Art ist, so wird es doch 
gerne von Stuten und vom Hornvieh gefressen und nach etlichen 
Jahren verbessert es sich, wird kürzer und saftiger, und dann können 
Schafe in den Ländereien gedeihen, wo sie jetzt nicht fortkommen 
können , und damit ist die ganze Frage der Kolonisation jener 
Ländereien gelöst, denn sobald die Schafzucht in einer Gegend nur 
gedeihen kann, können unbemittelte, fast arme Leute, also die grosse 
Anzahl, sich sehr bald ansässig machen, und von 1000 Schafen, die 
einen Werth von 250 L. St. repräsentiren, einen Werth, den streb- 
same Leute hier mit ziemlicher Leichtigkeit von den an Schafen 
schon reicheren Nachbarn auf V« oder 2/^ der Einnahmen erhalten, 
«ine jährliche Einnahme von 50 L. St. erwarten, womit sich schon 
leben lässt. Anders ist es, so lange das Land nur für Hornvieh 
passt. Kein armer Mann schafft sich so leicht die gehörige Anzahl 
Mutterthiere, sie verlieren sich auch leichter, eine Epidemie setzt 
ihn leicht zurück, wenn eigenes und geliehenes Vieh stirbt, so dass 
«r Alles verlassen muss. Die erste Viehzucht kann daher nur von 
reicheren Leuten betrieben werden. — Obgleich die Zeichnungen 
der ganzen Ländereien zwischen dem Colorado und dem Rio Negro 
erst in diesem Monat der Regierung zugestellt sind, ist es doch 
sehr wahrscheinlich, dass das meiste Land, welches die Küsten der 
beiden Flüsse einschliesst, schon an Privatleute verkauft ist, und 
in kürzester Zeit mit Vieh besetzt werden wird. Als ich im vorigen 
Monat von der Vermessung der 11. Sektion längs der Südküste 
des Colorado bis nach dem atlantischen Meere zurückritt, zählte 
ich schon über 5000 Stück Kühe in einer Strecke von 30 Leguas. 
Es ist vorauszusehen, dass diese Imigration von Hornvieh tagtäglich 
zunimmt; aber bis jetzt hat noch Niemand sich mit seinem Horn- 
vieh in die höher gelegenen inneren und trockenen Theile der 
Pampa hineingewagt. Mit Ländereien aber, die man nicht direkt 
von der Regierung kaufen kann, ist meiner Ansicht nach nicht viel 
Geschäft zu machen, denn die Ländereispekulation hat die Preise 
zu solcher Höhe getrieben, dass Kauf von zweiter Hand schon 
Zweifel lässt, ob der mit dem Lande als Produktionsbasis zu er- 
werbende Gewinn mit den Preisen zweiter Hand Schritt hält. Im 
grossen Ganzen kann man annehmen, dass die Qualität der Ländereien 
zunimmt, je mehr man sich der Stadt Buenos Aires nähert, denn 
in der Umgegend von Buenos Aires ist das Klima am besten , es 
regnet viel und nicht zu viel , die Erde ist schwarz und sehr reich- 
haltig, für Ackerbau, Viehzucht, Schafzucht gleich ausgezeichnet. 
Aber die Preise für Ackerland sind auch sehr hoch. 10 und 20 Leguas 
ausserhalb Buenos Aires werden heutigen Tages 14 L. St. pr. Hectarea 
des besten Ackerlandes bezahlt ; 150 Leguas im Süden von Buenos 
Aires ist das Land schon viel trockener, steiniger und ärmer, und 
doch ist der Preis 1 L. St. pr. Hectarea, und selbst am Colorado und 
anj. Rio Negro, in der Nähe des Wassers, aber in den steinigen un- 



86 Freund. Landesvermessung in der Argentinischen Republik. 

fruchtbaren Hügeln ist der Kaufs- und Verkaufspreis heutzutage 
1/2 L. St. pr. Hectarea. Bei solchen Preisen kann der Ackerbauer 
und der Schafzüchter nur mit Zweifel Land kaufen. Vor 4 bis 
5 Jahren war dies anders. Fast alles Land , das westlich vom 
5. Meridian liegt und heute mit % L. St. pr. Hectarea bezahlt wird^ 
wurde damals von der Regierung vermittelst Aktien auf den Ver- 
kaufsmarkt geworfen und dem Publikum für 83 Lst. per Quadrat- 
legua von 2500 Hectareas angeboten. Die Käufer haben bis heute 
einen sehr schönen Verdienst erzielt, da der Preis der noch übrig 
gebliebenen Aktien jetzt 500 L. St. beträgt und der Werth des 
dazu gehörigen Landes noch viel höher ist. Es wäre somit jetzt 
kaum die Zeit, Ländereien zu kaufen, um mit dem Verkauf der- 
selbigen sogleich grossen Verdienst zu erzielen. Voraussichtlich 
wird der Preis der Ländereien noch viel höh er steigen, aber diese 
Entwickelung wird von jetzt an langsamer vor sich gehen und mit 
den Fortschritten im Bebau und Betrieb des Landes Schritt halten. 
Die jetzigen Preise sind dem jetzt hier allgemeinen Raubbau des 
Landes, bei dem wenig gepflügt und gar nicht gedüngt wird, ange- 
messen. Je nachdem eine grössere Anzahl Ackerbauern besteht 
und das Land rationeller und gewissenhafter bestellt wird, etwa so 
wie in Europa, wird der Reinertrag sich heben und damit die Preise 
der Ländereien steigen. Diese Entwickelung wird aber durch Jahre 
lang und langsam vor sich gehen, und daher bei Weitem nicht den 
grossen Verdienst der letzteren Jahre abwerfen. Nur in einer Be- 
ziehung wüsste ich den Werth des hiesigen Landes schnell zu lieben^ 
und das wäre vermittelst der Bewässerung. Der Feind der meisten 
hiesigen Ländereien ist das trockene Klima; der vom stillen Ocean 
kommende Westwind streicht über die hohen und kalten Cor- 
dillerenberge und entladet dort seine Feuchtigkeit als Schnee, kommt 
dann hierher, ohne jemals Regen mitzubringen. Gewitter, Blitz 
und Lärm giebt es dann genug, aber der Regen fehlt. Daher die 
grosse Trockenheit der Ländereien von San Juan, Mendoza, dem 
Colorado und dem Rio Negro. Die schönen fruchtbaren Gegenden 
von Mendoza verdanken alle der Bewässerung ihre Aecker, ihre 
Kleefelder und ihre Fruchtplantagen. Der Reisende, der, von Chili 
kommend, den Portillopass der Cordilleren überschritten hat, sieht 
erst freundliche, grüne Landschaft, wenn er nach den Flüssen kommt^ 
die von den Cordilleren herabfliessen und zur Bewässerung gebraucht 
werden. Die diesseitigen Abhänge der Cordilleren sind sehr un- 
fruchtbar, ebenso das ebene Land diesseits der Berge; wo jedoch 
Kanäle ins Land hineingezogen sind, steht die Vegetation ganz aus- 
gezeichnet. So kann man von San Carlos nach Lujan, nach Men- 
doza, nach Santa Rosa, Tage lang reiten und überall die hohen 
Kleefelder sehen, überall die reichsten Früchte, die Pfirsiche, Birnen^ 
Weintrauben, Aprikosen, Feigen und Quitten blühen und grünen 
sehen, von den frischesten Pappeln, Weiden und Eucalyptus die 
Strassen und Wege eingezäumt sehen. Dies zeigt deutlich genug, 
dass der Erdboden, obgleich sandig, ergiebig genug ist, wenn nur 



I 



Freund. Landesvermessung in der Argentinischen Republik. 87 

Wasser vorhanden ist. Weiter südlich am Diamante oder am Flusse 
Atuel findet Aehnliches statt. Vor 5 Jahren wurde ein Kanal vom 
Diamante nach dem Städtchen Cuadro Nacioual geleitet, welches 
damals in einer grossen unfruchtbaren Wüste gegründet war. Mit 
dem Wasser kam die Fruchtbarkeit und die mit Weiden bepflanzten 
breiten langen Strassen, und die vollen Kleefeldei: machen jetzt auf 
den Reisenden einen sehr angenehmen Eindruck. Mit den vollen 
Kleefeldern hat sich auch der Verdienst eingefunden, weil die Eigen- 
thümer des von Osten kommenden Hornviehs, welches nach Chili 
getrieben wird, dem Vieh hier Rast gönnen, um es zu mästen und 
dann im kräftigeren Zustande weiter zu treiben. 

Wenn wir nun diese hier beschriebenen Verhältnisse von Men- 
doza auf den noch neuen Ländereien des Colorado und des Rio 
Negro anwenden wollen, bemerken wir zuerst, dass das Land vom 
Colorado an und für sich von ganz derselben Qualität ist, wie das 
Land von Mendoza. Durch Bewässerung wird es auch gehoben 
werden können und die Resultate fruchtbarer Gegenden geben können. 
Wie in Mendoza wird auch hier Vieh gemästet werden können, um 
es für den Markt von Chili zuzubereiten. Es wird etwas schwierig 
sein, Kanäle ins hochgelegene Land hineinzuziehen, schwieriger beim 
Rio Negro wie beim Colorado, weil die Barancas am Rio Negro 
viel steiler und höher wie beim Colorado sind ; da jedoch Fall genug 
in beiden Flüssen ist, kann die Bewässerung überall ausgeführt 
werden, überall werden die offenen Kanäle mit Leichtigkeit herge- 
stellt werden können, weil das Land nur sehr wenige und unerheb- 
licbe Höhenunterschiede zeigt. Für denjenigen, dem Kapital zur 
Verfügung steht, solche Bewässerung auszuführen, ist anzurathen, 
lieber dies jetzt unfruchtbare, billige, trockene Hochland direkt von 
der Regierung zu kaufen, um es nach voUführter Bewässerung dem 
Gebrauch oder dem Handel zu übergeben, wie das jetzt sehr theure 
mehr nach Norden und Osten gelegene wasserreichere, daher auch 
fruchtbarere, aber sehr stark vom Handel gesuchte und schon in 
Händen von Privatleuten befindliche Land zu erwerben. Im Ganzen 
kann man annehmen, dass alles Land, welches im Norden von der 
hier beschriebenen 11. Sektion liegt, schon verkauft ist, und sei es 
gut oder schlecht, theilweise, weil es so weit von Buenos Aires ent- 
fernt ist, dass es nur schwierig und selten untersucht werden kann, 
immer zum höchsten Preis, zum Preise der guten Ländereien, an 
den Markt gebracht wird, dass hingegen die trockenen Ländereien 
zwischen den Flüssen noch zu haben sind. Die Gefahr, beim Kauf 
der theureren Ländereien, deren Preis so hoch ist, dass Zinsen und 
Amortisation noch nicht aus dem Terrain herausgeschlagen werden 
können, liegt namentlich in der Möglichkeit politischer Unruhen. 
So lange Alles im Frieden liegt, werden die Preise nicht leicht 
heruntergehen, an dem Tage jedoch, an dem entweder ein aus- 
wärtiger Krieg oder innere Unruhen ausbrechen sollten oder der 
Kredit des Landes sich vermindern würde, ist vorauszusehen, dass 
das ganze Gebäude der jetzigen hohen Preise von Ländereien zu- 



88 Lehrke. Der NiTelliratab. 

sammenbrechen wird, und die Preise sich auf den reellen wirklichen 
Werth der Ländereien, auf den Werth, den sie wirklich produziren 
und re präsent Iren, beschränken werden. 
Buenos Aires, Dezember 1883. 

P. A. Freund, Ingenieur. 



Der Nivellirstab. 



Bei meinen Privatarbeiteo im hiesigen Bezirke nahm ich früher 
stets meinen Höhenwinkelmesser mit, oft vergeblicb, denn ich hatte 
ihn den ganzen Tag nicht nöthig, oft wenn er nothwendig war, 
hatte ihn der Ruthenachläger einige 100 Schritte entfernt bei an- 
deren Sachen liegen. Bald war das Futteral entzwei, bald die Li- 
belle verdunstet u. s. w., kurz, ich zog es liäufig vor, von dem 50 m 
langen Messkabel 10 m abzuhängen und zu staffeln, oder neben dem 
Kabel noch Messlatten mitzuführen, wodurch aber njein Bursche so 
ermüdete, dass er nach den oft stundenlangen Marschen bis zur 
Arbeitsstelle vollständig abgefallen war. 

Um derartigen Uebelsiänden zu entgehen, construirte ich den 
Nivellirstab, dessen Beschreibung hier gegeben wird. 

Der Nivellirstab besteht aus 
einem halbrunden 1,7 m langen 
Stabe Ci), an den mittelst einer 
Flügelschraube b eine 0,6m lange 
Schmiege A B befestigt ist. Ist 
die letztere angeklappt, so ist 
der obere Theil des Stabes rund. 
Die in der durchgehenden Stab- 
hälfte angebrachte Nute efgh 
enthält eine für den praktischen 
Gebrauch ausreichende Tabelle, 
welche die Differenz zwischen 
Hypotenuseund gegenüberliegen- 
der Kathete, sowie den Winkel w 
für die Länge ac angibt. Ueber 
ihr schwebt ein Loth. Von i k 
ab ist nach unten auf der Stab- 
hälfte ein halbrunder Deckel 
befestigt. In dem hierdurch ge- 
bildeten Kanal i k y h wird das 
0,8 m lange, in Centimeter ge- 
theilte Lineal £F autbewahrt, 
welches sich an der bei E vor- 
handenen Schlinge herausziehen 
las st. Beim Gebrauche wird 
dem Loche c befestigt und auf den 




dasselbe mittelst eines Stiftes i 




Lehrke. Der Nivel lira tab. 



89 



drehbaren Nonius GH gelegt. Der letztere ist am Schenkel AB 
(0,5 m von h = bc) dauernd befestigt und wird, um den Schenkel 
anklappen zu können, halb in eine parallel zu a b eingearbeitete 
Vertiefung eingedrückt und halb von der punktirten Vertiefung 
(unter dem Senkel) aufgenommen. 

Die Anwendung des Stabes zur Ermittelung von Neigungswinkeln 
ist die Folgende: CD wird mittelst des Lothes neben den unteren 
Kettenstab senkrecht eingesteckt, das Lineal EF angebracht und 
die Schmiege Ä B (welche parallel zu a b einen Kanal enthält, der 
unten mit einem Stückchen Weissblech, in dem sich ein Loch be- 
findet, und oben — um das Eindringen fremder Körper in den Kanal 
zu verhüten — mit einem Glasplättchen, auf dem ein Kreuz auf- 
gezogen, verschlossen ist) parallel mit der Gefällrichtung eingestellt 
und mittelst der Flügelschraube angezogen. Hierauf wird am Nonius 
die Länge ac = Q in Millimetern abgelesen. 

Es ist a6=6c=0,5m, das jedesmalige Dreieck abc also gleich- 

schenklig. In ihm ist sin ^/g ß = ^ — = -^, wodurch sich der Hö- 

/^ CLC JL 

henwinkel a = (R — ß) ergibt. Winkel ß lässt sich übrigens am ein- 
fachsten mit einer Sehnentafel direkt finden, wenn man 2G = 1 
nimmt. Hiernach berechnete man folgende Tabelle, deren 4 Schluss- 
spalten unter dem Lothe verzeichnet stehen. 















*) 


**) 


2G 


ß 


50.eoia 


10. cot a 


G 


a 


50 — 8C08a 


10 — a cut a 


mm 




m 


m 


mm 




m 


m 


1000 


60° 


43,30 


8,66 


500 


30° 


6,70 


1,34 


1003 


60°10' 


43,38 


8,68 


501 


29°50' 


6,62 


1,32 


1005 


60°20' 


43,45 


8,69 


502 


29°40' 


6,55 


1,31 


1008 


60°30' 


43,52 


8,70 


504 


29°30' 


6,48 


1,30 


1010 

• 


60°40' 

• 


43,49 

• 


8,72 

• 


505 


29°20' 

• 


6,51 

• 


1,28 

• 


1351 


85°0' 


49,81 


9,96 


675 


5°0' 


0,19 


0,04 


1364 


86°0' 


49,88 


9,98 


682 


4°0' 


0,12 


0,02 


1377 


87°0' 


49,93 


9,99 


689 


3°0' 


0,07 


0,01 


1389 


88°0' 


49,97 


9,99 


694 


2°0' 


0,03 


0,01 


1402 


89°0' 


50,00 


10,00 


701 


1°0' 


0,0 


0,0 


1414 


90°0' 


50,00 


10,00 


707 


0°0' 


0,0 


0,0 



Bringt man also das Lineal auf 707 mm, so wird der Schenkel 
ab horizontal liegen. Bei der Ausführung von Drainagen in ku- 
pirtem Terrain wird sich der Nivellirstab — namentlich, wenn in 
den Schenkel a b noch eine Röhrenlibelle eingelassen ist — sowohl 
zur Bestimmung der Niveaukurven, als auch zur Absteckung nach 
einem gewissen Prozentsatze verwenden lassen. Die von mir früher 



*) 50 — «. CO» a = 50 — 50 . CO« a = 50 (1 — co« a). 
**) 10 — » CO» a = 10 — 10 . cos a = 10 (1 — cos a). 



90 Kleinere Mittheilungen. 

angewendete Konstruktion, bei welcher in a ein BandmäasB befestigt 
war, welches über c lief und durch ein Gewicht in der Nute nach 
D hingezogen wurde, gestattete die Anbringung eines Nonius nicht 
und gab weniger scharfe Resultate. Der Nivellirstab dient für ge- 
wöhnlich als Piketstab. 

Hofgeismar, 19. Septemher 1884. 

Lehrke, Feldmesser. 



Kleinere MiUheiluiigen. 

Die Bessel'schen Erddimensionen. 

{Bemerkungen zu S. 27—28 der Zeitschrift.) 

Die > Mittheilungen des k. k. mil.-geogr. Instituts zu Wien III. 
Bd. 1883. S. 137 u. ff.< enthalten die Tafeln der Krümmungshalb- 
messer des Bessel'schen Erdsphäroids für die Breiten von 40° 0' 
— 51° 30', berechnet von Edgar Hehm, k. k. Oberiieutenant. 

Sie geben auf Jl Ziflfern in 1 Min. Intervall log K, log N, hgS 

1 
und loq ~ "i 

wobei K^l'.yi — e^sin^tf, 
N= a : yT^e^sin^fp 
E = ail — e^):y{l — e^sin^^)K 
Für logK dient der bekannte Ausdruck mit « (vergl. in Heft 1 
log K= — ■ log W bei Helmert). 
Kehm nimmt nach Encke an : 

%B = 6,5148235337 
;o(/ 6 = 6,513 3693 539 
und folgert hieraus « = 0,001674184800814. 
Zur Verwandlung in Meter dient der Log.: 

0,289819929938334. 
Endlich wird zur Berechnung von logK die Formel benutzt: 
;o9 S" = 0,000 7264812.6 — [6,861 5877,1] 0052^. 
+ [3,784 3611] cos 4y — 0,832] COS67. 
Die 11. Ziffer in logk hat nach einem Vermerk wegen Inter- 
polationsfehlern im Maximum 5 Einheiten Fehler. (In den mit 
Helmerts Tafel gemeinsamen TheiJen zeigen sich Differenzen bis za 
8 Einheiten der 11. Stelle, von denen jedoch nur 2 durch die Ver- 
schiedenheit der n begründet sind. Bei einer Nachrechnung für 
5 Fälle fand sich logk bei Rehm um 1 bis 5 Einheiten der 11. Stelle 
zu gross, bei Helmert von — 2bi8 + l), 



ünteriicht und Prüfungen, 

Das von Helmert angewaadte Encke'sche n adoptirt aut 
Schals in einer Abhanillung in den >Annales de l'ecole ] 
nique de Delft ]884<; desgleichen ist es von den Herausge 
Werkes : 

>Geodetische Formules en Tafeis ten Gebruike bij de 

latie van Sumatra, Utrecht, 1884< angenommen. Daselb 

man auch logk für 0° bis 6° Breite in 1' Intervall auf 1! 

Diese Autoren setzen aber etwas abweichend von Hell 

o = 6377 397,15441 m = 3272077,14i 
6 = 6356 078,96266 mit 
^0^ a = 6,804 6434 63654 



immerhin stimmen lo(/ a und loy b auf 10 Stellen mit den i 
vorgeschlagenen Werthen überein. 



Unterricht und Prüfungen. 

Landwirthschafiliche Hochschule zu Berlin. 

Das Verzeichniss der Vorlesungen an der Königlich 
wirthschaftlichen Hochschule zu Berlin, Invalidenstrasse N 
So mm er semester 1885 enthält: 

1. Landwirthschaft, Forstwirthschaft und Gartenbau, 

2. Naturwissenschaften: a. Botanik und Pflanzenph; 
b, Chemie und Technologie, c, Mineralogie, Geologie und G 
d. Physik, e. Zoologie und Thierphysiologie, 

3. Staats- und Rechtswissenschaft, 

4. Vetrinärkunde, 

5. Culturtechnik und Baukunde, 

6. Geodäsie und Mathematik. Prof. Dr, Vogler: P: 
Geometrie. Traciren. Zeichen- und Kechen-Uebungen. Mess-t 
im Freien, Während der Pfingstwoche und am Schlüsse des 
semesters finden Mess-Üebungen im Zusammenhange statt, 
fessor Dr. Börnstein: Analytische Geometrie und Analysis. 
matische Uebungen, — Oberlehrer Dr. Reichel : Algebra, 
tiüge zur elementaren Algebra, algebraische Analysis.) G' 
{Nachträge zur Eleinentar-Gcometrie, Spbärik, sphärische 
metrie, Stereometrie, darstellende Geometrie.) Mathematisc 
ungen (zur Algebra , algebraischen Analysis und dars 
Geometrie). 

Das Sommer-Semester beginnt am 15. April 1885. 
gramme sind durch das Secretariat zu erhalten. 



92 Verein 8 an gelegen heilen. 

Württembergische FeldmesserprUfung. 

Infolge der vom 29. September bis 13. Oktober nach Masa- 
gabe der K. Verordnung vom 20. Dezember 1873 vorgenommenen 
Feldmesserprüfung haben folgende Kandidaten die Ermächtigung 
erlangt, als öffentliche Feldmesser beeidigt und bestellt zu werden: 

E. Fischer, Möhringen, A.O.A. Stuttgart, 
Joh. Hiug, Alten riet h, 

Fr. Matkes, Massenbachhausen, 

F. Met/er, Oedheim, 

A. Sckmid, Oberjesingen, 
W. Wagner, Heimerdingen, 
W. Wohlfahrt, VVeikersheim. 



Vereinsangelegeniieiten. 

Die „Kasse der Architekten, Ingenieure, Techniker und verwandten Be- 
rufsgenossen Deutschlands." 

(Eingeschriebene Silfskasse Nr. 59.) 

(Man beachle das Inserat auf dem Umschlage der Hefte 22 und 23.) 

Unter vorstehendem Namen hat sieb eine Kasse mit dem Sitze 
in Berlin gebildet, welche den Zweck hat, erkrankten Mitgliedern 
«ine angemessene Unterstützung zu sichern und bei Todesfällen 
«inen Beitrag zu den Begräbnisskosten zu gewähren. 

In Nachstehendem bringen wir einen Auszug aus den Statuten 
derselben zur Kenntniss unserer Mitglieder. 

Nach §. 2 können zur Mitgliedschaft zugelassen werden , in 
Deutschland lebende unbescholtene Architekten, Bau-, Maschinea- 
und Schiffsbau-Ingenieure und Techniker, Chemiker, Feldmesser und 
ähnliche Berufsgenossen, welche das 45. Lebensjahr noch nicht über- 
^scb ritten haben. 

§. 3 regelt die Bedingungen der Aufnahme, welche die Unter- 
suchung durch einen von der Kasse zu bestimmenden Arzt ein- 
schliesaen, deren Kosten der Aufzunehmende selbst zu tragen hat 

Die §§. 4—8 handein vom Verlust der Mitgliedschaft. Frei- 
williger Austritt ist schriftlich anzuzeigen. Ausschluss kann nur 
«rfolgen, wenn ein Mitglied mehr als zwei Monatsbeiträge schuldet, 
wegen strafbarer Handlungen, welche eine Verletzung des Statuts 
in sich schliessen, und bei Verurtheilung zu Freiheitsstrafen wegen 
entehrender Vergeben oder Verbrechen. Während der Militardienst- 
zeit ruhen die Rechte und Pflichten der Mitglieder, ohne dass die 
Mitgliedschaft erlischt. 

Die Pflichten der Mitglieder bestehen in der Zahlung eines Ein- 



Vereinsangelegenheiten. 93 

trittsgeldes von 3 Mk. und einem pränumerando zahlbaren Beitrage 
für jedes Mitglied I. Klasse 3 Mk., II. Klasse 1,50 Mk. (§. 9.) 

Die Krankenunterstützung beträgt: 

a. Bei ärztlich bescheinigter Erwerbsunfähigkeit ; 1. vom 1. — 100. 
Tage für die I. Klasse 4,00 Mk., für die II. Klasse 2,00 Mk. 
2. Vom 101. — 183. Tage die Hälfte der Beträge unter 1. 

b. Bei ärztlich bescheinigten Krankheiten, welche keine Er- 
werbsunfahigkeit bedingen, gewährt die Kasse eine Unter- 
stützung von 0,75 Mk. vom 1.— 95. Tage. (§. 11.) 

c. In allen Krankheitsfällen, neben den zu a. und b. bezeich- 
neten Geldleistungen, vom Tage der Erkrankung ab Brillen^ 
Bruchbänder und ähnliche Heilmittel, soweit diese vom Arzte 
verordnet werden. (§. 11.) 

S. 12 regelt die Beibringung der ärztlichen Atteste und §. 13 
setzt fest, dass die Unterstützungen wöchentlich postnumerando ge- 
zahlt werden. 

Die Beihilfe zu den Begräbnisskosten beträgt für die I. Klasse 
150 Mk. für die II. 75 Mk. Der Betra«^ wird an die gesetzlichen 
Erben gegen Vorzeigung des Todtenscheines sofort ausgezahlt. (§. 14.) 

Die §§. 15—29 regeln die Organisation und Verwaltung der 
Kasse. Wir heben daraus Folgendes hervor. 

Die Kasse bildet eine Hilfskasse im Sinne des Gesetzes. Die- 
selbe wird geleitet von einem aus 7 Mitgliedern bestehenden, im 
Januar jedes Jahres durch die Generalversammlung gewählten 
Vorstande. ' 

Die^ Geldbestände der Kasse dürfen ausser bei öffentlichen Spar- 
kassen nur wie Gelder Bevormundeter angelegt werden. 

Der Ausschuss, aus drei Kassenmitglieder bestehend, wird all- 
jährhch zugleich mit dem Vorstande von der Generalversammlung 
gewählt. 

Die Ausschussmitglieder müssen Kasse und Bücher mindestens 
halbjährlich revidiren, die Quittungen und Beträge anerkennen und 
den jährlichen Rechnungsbericht des Kassirers prüfen , welcher Be- 
richt demnächst der Generalversammlung vorzulegen ist. 

Die Generalversammlung besteht aus Abgeordneten, welche von 
den Mitgliedern aus ihrer Mitte gewählt werden und deren Stim- 
menzahl vertreten. 

Jede örtliche Verwaltungsstelle wählt einen , wenn dieselbe 
mehr als 40 Mitglieder hat, für je weitere 40 Mitglieder noch einen 
Abgeordneten. 

Sinkt die Zahl der örtlichen Verwaltungsstellen unter 20, so 
wählt jede derselbe die doppelte Zahl von Abgeordneten. 

Die Abgeordneten erhalten Reisekosten und Tagegelder gemäss 
der von der Generalversammlung festzustellenden Geschäftsordnung. 

Organe der Kasse sind: 1. Deutsche Bauzeitung, 2. Baugewerks- 
zeitung, 3. Wochenschrift des Vereines deutscher Ingenieure. 

An Orten, wo mindestens 10 Mitglieder der Kasse ihren Bei- 



94 Vereiasangelegeaheiten. 

trag entrichten, können vom Vorstände örtliche VerwaltungasteUen 
errichtet werden, 

Mitglieder an anderen Orten werden der nächBtgelegeneu Ver- 
waltungsstelle zugewiesen. 

Die Mitgliederversammlung einer örtlichen Verwaltungsstelle 
wählt zur Leitung der Geschäfte einen Verwalter und mehrere Bei- 
sitzer, deren Zahl von den ortsanwesenden Mitgliedern bestimmt 
wird, ferner die Abgeordneten zur Generalversammlung, 

Alle Wahlen, mit Ausnahme derjenigen der Abgeordneten zur 
Generalversammlung, bedürfen der Genehmigung des Vorstandes; 
jedes Mitglied der Verwaltung kann wegen pflichtwidrigen Verhal- 
tens vom Vorstande abgesetzt werden, welcher dann die Ersatz- 
wahlen anzuordnen hat. Der Vorstand ertheilt den Ortsverwal- 
tungen die Weisungen ftir die Leitung ihrer Angelegenheiten, er 
kann die Verwaltungsstelle aufheben, wenn die Mitglieder zahl der- 
selben dauernd unter 10 herabgesunken ist, oder die Interessen der 
Kasse durch die Verwaltungsstelle geschädigt werden. 

Den Leitern der örtlichen Verwaltungsstelle liegt die Einziehung; 
der Beiträge, Zahlung der Unterstützungen, Leitung der Kranken- 
kontrole die vierteljährlich zu beschaffende Einsendung des genauen 
Kassen- und Geschäftsbericht an den Vorstand ob. Von jeder Aen- 
derung des Bezirks der örtlichen Verwaltungsstelle und der Zusam- 
mensetzung ihrer Verwaltung ist der Aufbichtshehörde ihres Sitzes 
Anzeige zu machen. 

Mitglieder, welche ihren Wohnort verändern, haben dies bei 
der alten, wie bei der neuen Verwaltungsstelle anzuzeigen, worauf 
sie der letzteren angehören. (§. 30). 

Die Kasse sammelt einen Reservefonds in Mindestbetrage der 
durchschnittlichen Jahresausgabe der letzten fünf Rechnungsjahre 
an. (§. 31,) 

Wenn die Jahreseinnahmen hinter den Ausgaben zurückbleiben, 
so wird entweder eine Erhöhung der Beiträge oder eine Minderung 
der Kassenleistung heibeigefuhrt. (§. 31.) 

Die §§. 32—34 enthalten die Bestimmungen über das Ver- 
fahren bei Abänderung der Statuten und bei Auflösung der Kasse, 
sowie einige gesetzliche Bestimmungen über die Beaufsichtigung 
der eingeschriebenen Hilfskaasen durch die Behörden. 

Die Hilfskasse wird wahrscheinlich vielen unserer Berufsge- 
Qossen eine willkommene Gelegenheit bieten, sich auch in Krank- 
heitsfällen ein massiges Einkommen zu sieben. 

Voraussichtlich wird sie (sofern die im Reichstage eingebrachten 
bezüglichen Anträge zum Gesetz werden) denjenigen Fachgenossen, 
welche durch das Reichsgesetz über die Krankenkassen gezwungen 
sind, einer Betriebskrankenkasse (Zwangskasse) beizutreten, Gelegen- 
heit zum Ausscheiden aus der Zwangskasse bieten. 

Die Vorzüge der eingetragenen Hilfskassen gegenüber den 
>Zwangska8sen< an dieser Stelle hervorzuheben, würde zn weit 
führen. Erwähnt mag nur sein, dass die Zwangskasse die Behand- 




r^^ 



Vereinsangelegenheiten. 95 

lung durch einen Kassenarzt, Kassenapotheke etc. vorsieht, wäh- 
rend die vorstehend behandelte eingetragene Hilfskasse die Wahl des 
Arztes etc. zur Zeit dem Kranken üherlässt. 

Etwaige Bedenken gegen die Höhe der Beiträge erledigen sich 
dadurch, dass nach dem Reichsgesetz über die Krankenkassen der Auf- 
sichtsbehörde unter Anderem auch die Befugniss zusteht, die Bei- 
träge herabzumindern, sobald dieselben sich als zu hoch bemessen 
erweisen und unverhältnissmässige üeberschüsse liefern sollten. Die 
von den Behörden auszuübende Aufsicht über die > eingetragene 
Hilfskasse < leistet zugleich Gewähr für die Sicherheit derselben. 
Mit Eücksicht darauf, dass der Vorstand der Aufsichtsbehörde 
gegenüber gesetzlich allein verantwortlich ist, musste die Macht- 
vollkommenheit des Vorstandes gegenüber den örtlichen Verwal- 
tungsstellen zunächst eine umfassende sein. Nach den von uns ein- 
gezogenen Erkundigungen wird man indess bereit sein, nachdem die 
örtlichen Verwaltungsstellen organisirt sind und die Leiter derselben 
sich bewährt haben werden, auch die Mitglieder der Kasse regen 
Antheil an der Verwaltung bethätigen, den örtlichen Verwaltungs- 
stellen weiter gehende Befugnisse einzuräumen. Wir würden es 
z. B. mit Rücksicht darauf, dass die Zwangskassen freien Arzt und 
Apotheker gewähren, für angemessen halten, dass die Kasse an 
Stelle des Krankengeldes von 75 Pfennig pro Tag (im Falle nicht- 
unterbrochener Erwerbsfähigkeit, §.11 b.) die Bezahlung der bei 
Arzt und Apotheker aufkommenden Rechnungen übernehme, sofern 
die örtlichen Verwaltungsstellen diese Rechnungen mit entsprechen- 
der Bescheinigung versehen. Es würde dann die Nothwendigkeit 
des für jede Kassenleistung vorgesehenen ärztlichen Attestes weg- 
fallen, durch welches Attest unter ungünstigen Umständen beson- 
dere Kosten entstehen können. 

Anträge zu stellen, welche die Befugnisse der örtlichen Ver- 
waltungsstellen erweitern, sobald die Kasse eine angemessene Aus- 
breitung erlangt hat, wird Sache der Mitglieder, beziehungsweise 
der von ihnen gewählten Abgeordneten zur Generalversammlung 
sein. Das Statut räumt dieser Versammlung weitgehende Befug- 
nisse in dieser Beziehung ein. 

Hinsichtlich der Verbreitung der Kasse bemerken wir, dass das 
Statut unterm 11. November 1884 von der Aufsichtsbehörde ge- 
nehmigt worden ist, dass aber bis zum 27. November bereits ca. 
660 Beitrittserklärungen eingegangen waren, von denen etwa 300 
auf Berlin, etwa 260 auf die Städte Thorn, Cassel, Hamburg, Cöln, 
Dresden, Breslau, Schweidnitz, Dessau, Leipzig, Chemnitz, Spandau, 
Wilhelmshafen, Magdeburg, Königsberg, Hannover, Danzig, Augs- 
burg entfallen, derartig, dass in diesen Städten örtliche Verwaltungs- 
stellen eingerichtet werden können. Ausserdem liegen aus 49 ver- 
schiedenen anderen Städten etwa 100 Anmeldungen vor. Es ist 
daher anzunehmen, dass in den ersten Tagen des Dezembers, mit 
welchem das Reichsgesetz über die Krankenkassen in Kraft tritt, 



I gelegen he it eo. 

die eingetragene Hilfskasse mit ca. 900 Mitgliedern ihre Thätigkeit 
beginnen wird. 

Die Vorstandschaft des Deutschen Geometervereins. 



Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2254. Schatte, Kataster-Secretär, Merseburg. 
> 2255. Um bach, Kataster-Assistent, Merseburg. 



Diejenigen Mitglieder des Dentsciien tieometorverelns, 
welcii« gesonnen sind, den Bfltgliedalteitrag von 6 Mark 
pro 1889 |»er Postanweisang einzazalilen, werden bleroilt 
ersnciit, dieses bis lAngstens 

den 8. Mftrz 1889 
zn bewerlts teiligen, nacli diesem Zeitpunkt aber keine Ein» 
zahlnngen mebr, nm Kreuzungen zu vermelden, zu maclieD, 
da naeta dem 8. März 1883 nach §. Iß der Satzungen der 
BUtglledsbeitrag per Postvorscbuss resp. Nacbnabme er- 
hoben werden wird. 

Coburg, am 12. Dezember 1884. 

G. Kerschbaum, Steuerrath, 
z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 



Inhalt. 

GrOstert Abhandlungen : Landesvermessung in der Ärgeatiniscben Repabiik, 
von Freund. — Der Nivellirstab, von Lehrte. Kleinere Mitlhellungen : Die 
Beaael'schen Erddimeneionen, von H. Untairlcht und Prillungen, V«r<lnsangelei|«n> 
heilen. 




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97 



ZEITSCHRIFT fOr VERMESSUN6SWESEN. 

Organ des Deutscheu Geometer Vereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppes^ Steuerassessor in München, und 

B, Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan^ Professor in Hannover. 

* 

1885. HelU 6. Baud XIT. 

16. Miärz. 



Wie ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern ? 

Die Bemühungen des Deutschen Geometervereins , den Geo- 
metern eine würdigere und angesehenere Stellung zu verschaffen, 
als diejenige, welche sie im Allgemeinen bisher eingenommen hatten, 
sind nicht ohne Erfolg geblieben. Als diesen Zweck mittelbar 
fördernd ist die Einführung des nunmehr obligatorisch gewordenen 
Landmesserexamens zu bezeichnen. Nach den Vorschlägen des 
Vereins sollten zwar an die geodätischen Techniker noch höhere 
Anforderungen gestellt werden, als in dem neuen Prüfungsreglement 
für die Landmesser vom 4. September 1882 vorgeschrieben sind, aber 
schon die jetzige Einrichtung, nach welcher die Vorbereitung für 
den Betrieb der geometrischen Praxis gründliche wissenschaftliche 
Vorstudien erfordert , muss dazu dienen , das Ansehen der Feld- 
messer zu heben. Anderweitig ist dies auch schon geschehen durch 
die seit etwa 10 Jahren immerfort verbesserten Vermessungs- 
vorschriften, die gegenwärtig zu befolgen sind. Der früher mehr 
oder weniger handwerksmässige Betrieb der Feldmesserarbeiten ist 
immer mehr zurückgedrängt, und an Stelle der alten fehlerhaften 
Messwerkzeuge sind vollkommenere Instrumente in Gebrauch ge- 
kommen. 

Unter solchen Umständen musste es durchaus billig erscheinen, 
dass auch die Bezahlungsweise der Feldmesser günstiger gestaltet 
werde. In dieser Hinsicht haben wesentliche Verbesserungen gegen 
die früheren Verhältnisse stattgefunden bei den Feldmessern der 
Generalcommissionen durch Erhöhung der Diäten, der Feldzulage, 
Gewährung von Gehalt und promptere Auszahlung der Competenzen. 
Statt der zu knappen Gebührensätze im Feldmesserreglement vom 
2. März 1871 werden für geometrische Arbeiten in Auseinander- 
setzungssachen die viel höhern Sätze, welche im Erlass des Ministers 
für die Landwirthschaft etc. vom 4. Januar 1877 bestimmt sind, 
gewährt. Für Vermessungen zum Zwecke des Grundsteuerkatasters 
gilt der den gegenwärtigen Vermessungsvorschriften entsprechende 

Zeitschrift für VermessungsweseD. 1885. 6. Heft. 7 



77^ 



98 Wie ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern ? 

Gebühren tarif vom 25. October 1881. Durch die veränderte Be- 
zahlungsweise der Feldmesser ist den sonst so häufig vorge- 
kommenen Geldverlegenheiten derselben, insoweit solche durch zu 
knappe Gebühren und durch verzögerte Zahlung derselben veran- 
lasst wurden, wirksam begegnet. 

Was aber die geometrischen Privatarbeiten anbetrifft, so muss 
für diese, wenn die Kosten von den Staatsbehörden zu übernehmen 
oder von Staatsbehörden festzusetzen sind, auch jetzt noch nach 
den Sätzen des Feldmesserreglements liquidirt werden, insofern nicht 
ein besonderes Abkommen über die Bezahlung getroffen ist. Die 
Feldmesser, welche ohne bei einer Staatsbehörde dauernd engagirt 
zu sein, geometrische Privatpraxis betreiben, sind in andern als den 
vorbezeichneten Fällen allerdings an keine Taxe gebunden; und 
hierdurch besonders kommt es, dass die Kosten für eine und die- 
selbe Arbeit sich wesentlich anders herausstellen, je nachdem dieselbe 
von einem besonders gewandten oder von einem weniger geschickten 
Feldmesser ausgeführt wird. Ob der Liquidant seine Leistung hoch 
oder weniger hoch schätzt, ob die Ausführung unter günstigen oder 
ungünstigen Umständen erfolgen konnte, wird für die Höhe der 
Kosten ebenfalls ins Gewicht fallen. Dem Auftraggeber kann es 
aber schwerlich einleuchten, dass die höhere Forderung für die 
gleiche Arbeit eine angemessene sei. Könnte man für alle Feld- 
messerarbeiten eine Taxe bestimmen, und wäre es möglich, dieselbe 
so einzurichten, dass in jedem Falle oder auch in der überwiegenden 
Mehrzahl der Fälle die Sätze dieser Taxe der mittlem Arbeits- 
leistung entsprechen und dass das Nachrechnen der liquidirten Ge- 
bühren leicht und einfach zu bewirken ist, so wäre dies als ein 
grosser Fortschritt zu begrüssen. Die Festsetzung der Gebühren, 
wo solche überhaupt Anwendung findet, würde damit vielleicht ganz 
erübrigt werden. Vorschläge zu einer andern Bezahlungsweise der 
Feldmesserarbeiten sind bereits im Deutschen Geometerverein be- 
rathen, und auf Seite 349 — 353 im Band X. Jahrgang 1881 der 
Zeitschrift für Vermessungswesen finden sich alsErgebniss derselben 
die diesfälligen allgemeinen Bedingungen zusammengestellt. Die- 
selben möchten aber kaum den Wünschen aller Feldmesser noch 
entsprechen, im Interesse der Auftraggeber aber schwerlich an- 
nehmbar zu erachten sein. Für diese wäre eine Bezahlung nach 
dem Werthe des Objects, wie solche für die Rechtsanwälte gilt, 
vortheilhafter , indess würde in Gegenden mit geringwerthigem 
Boden kein Feldmesser dabei bestehen können. Bei den meisten 
Arbeiten ist der Auftraggeber ausser Stande, die Kosten, welche 
doch bei vielen Objecten sehr zu berücksichtigen sind, vorher an- 
nähernd zu übersehen, und der Feldmesser lässt sich ungern darauf 
ein, solche im Voraus zu limitiren. Hieraus folgt, dass der Zahlungs- 
pflichtige nur dann über die Angemessenheit der Ansätze beruhigt 
sein kann, wenn eine Festsetzung der Kosten durch die zuständige 
Behörde stattgefunden hat. Ebenso ist der bei einer Vermessung 
Betheiligte meistens nicht im Stande, die Richtigkeit der Ver- 



Wie ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern? 99 

messungsarbeit zu beurtheilen. Es steht ihm zwar frei, die Revision 
<lurch einen Vermessungsrevisor zu verlangen, indess ist das Ver- 
fahren sehr kostspielig, und wo auf Grundlage alter unzuverlässiger 
Karten gearbeitet werden musste, führt auch diese Revision oft 
nicht zu dem gewünschten sichern Resultat. Bei der Revision durch 
einen Vermessungsrevisor kommt es in der Regel darauf an, die 
Arbeit in allen Theilen, besonders aber auch die Aufnahme im 
Felde zu prüfen und die Kosten dem Feldmesser zur Last zu legen, 
wenn ihm Fehler nachgewiesen werden. Etwas anderes ist die ge- 
wöhnliche Prüfung der Arbeiten im Zimmer, Vergleichung der Feld- 
bücher mit der Kartirung, das Nachrechnen von Flächeninhalten 
u. s. w. Dieser weniger kostspieligen Prüfung pflegen alle Arbeiten 
unterworfen zu werden, welche die Behörden, denen geodätische 
Techniker unterstellt sind, ausführen lassen. Desgleichen findet 
Prüfung der Gebührenansätze und deren Festsetzung statt, wenn 
die Kosten aus Staatsfonds bezahlt werden. Fortschreibungsver- 
messungen werden ohne Ausnahme an das Katasterbureau der 
Königlichen Regierung zur Prüfung eingesandt. Man hält es hier 
für durchaus nothwendig, die Vermessungsarbeiten, obgleich die- 
selben meistens von angestellten Beamten geliefert werden, dennoch 
eingehend zu prüfen. Nur auf einen kleinen Theil dieser Arbeiten 
erstreckt sich die örtliche Revision. Aehnliche Grundsätze gelten 
für die Vermessungen im Ressort der Generalcommissionen. Die 
bei solchen Prüfungen sich ergebenden Ausstellungen lassen er- 
kennen , dass die Prüfung im Allgemeinen wenigstens nicht ent- 
behrlich ist. Sollte es da nicht nothwendig erscheinen, auch die 
Feldmesserarbeiten jeder andern Art, ehe dieselben an den Auftrag- 
geber abgeliefert werden, einer Prüfung durch dazu bestellte staat- 
liche Organe zu unterziehen? Nach den Vorschriften des Feld- 
messerreglenients vom 2. März 1871 kann solche Prüfung oder 
Revision nur durch einen Vermessungsrevisor bewirkt werden, so- 
bald es darauf ankommt, dass deren Ergebnisse öffentlich anerkannt 
werden. Veimessungsrevisoren sind bei den Generalcommissionen 
in ausreichender Zahl vorhanden. Für die Ernennung derselben 
ist aber das öffentliche Interesse nicht allein massgebend, sondern 
es werden bewährte Feldmesser auch aus dem Grunde zu Ver- 
messungsrevisoren ernannt, um ihnen damit eine Auszeichnung zu 
Theil werden zu lassen. Vermessungsrevisoren im Auftrage der zu- 
ständigen Regierung zu übernehmen, sind diese Beamten aber selten 
gern bereit, weil sie in den eignen Arbeiten gestört werden und 
die Bezahlung für letztere in vielen Fällen günstiger ist als die 
Remuneration bei Vermessungsrevisionen. Im eigenen Ressort der 
Auseinandersetzungsbehörde erfolgt die Ausführung der Vermessungs- 
revisionen und die Prüfung der Feldmesserliquidationen' durch die 
von dieser Behörde dazu bestimmten Beamten. Eine besondere 
Behandlung mBesmg auf Revisionen erfahren auch die Vermessungen 
für die Zwecke des Grundsteuerkatasters, insofern als dieselben nur 
durch Beamte der Katasterverwaltung revidirt werden können. Für 

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Wie ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern? 



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die Bevisionsbeamten der Katasterverwaltung bedarf es nicht der 
Ernennung zu Vermessungsrevisoren. Wo einzelne Katastersecretaire 
oder Katastercontroleure dennoch zu Vermessungsrevisoren ernannt 
sind, ist dieses im Interesse anderer Verwaltungen geschehen. 

Die Eisenbahnverwaltungen z. B. besitzen zwar in ihren Ober- 
geometem und den technischen Eisenbabnsecretairen die geeigneten 
Organe, um Feldmesserarbeiten und die Gebührenansätze von Feld- 
messern prüfen zu lassen, wegen Ausführung von Vermessungs- 
revisionen im Sinne des Feldmesserreglements sind sie aber ge- 
nöthigt, sich an die zuständige Begierung zu wenden. Ebenso muss 
in allen anderen Fällen die Bevision bei der Begierung beantragt 
werden, und dieselbe wird erst angeordnet, wenn sich der Auftrag- 
geber zur Tragung der Kosten verpflichtet für den Fall, dass die- 
selben dem Feldmesser nicht zur Last zu legen sind. Gehört der 
Bevisor, welcher von der Begierung gewählt wird, einem andern 
Bessert an, so kann er nur von der eignen vorgesetzten Behörde 
gezwungen werden, den Auftrag anzunehmen. Die Begierung, ob- 
gleich sie ihn zum Vermessungsrevisor ernannt hat, besitzt kein 
Zwangsmittel. Dagegen steht den Gerichten in Prozess- und Straf- 
sachen die Befugniss zu, geodätische Techniker unter Strafandrohung 
zur Abgabe von Gutachten etc. anzuhalten. 

Es erscheint nun besonders nöthig, eine Einrichtung zu treffen, 
dass die geometrischen Arbeiten, welche für andere Auftraggeber 
als den Staatsbehörden ausgeführt werden, durch staatliche Organe 
in Bezug auf die richtige Ausführung der Arbeiten geprüft und 
dass ebenso die Gebühren für die Arbeiten nach einer bestimmten 
Taxe staatsseitig festgesetzt werden, jedoch ohne wesentliche Kosten- 
vermehrung, dass ferner eine bessere Bemuneration für die Ver- 
messungsrevisoren gewährt wird. Da der Vermessungsrevisor in 
allen Theilen der erweiterten Vermessungstechnik routinirt sein soll, 
so ist es billig, seine Bemuneration mindestens auf gleiche Höhe 
mit den Maximalbezahlungssätzen der Auseinandersetzungsfeldmesser 
zu bringen. Der höchste Diätensatz für dieselben beträgt nach dem 
angeführten Erlass vom 4. Januar 1877 für einen Arbeitstag von 
8 Stunden 12 Mark nebst einer laut Kostengesetz vom 24. Juni 
1875 stets zu zahlenden Beise- und Feldzulage von 4,50 Jh., bei 
mehrtägiger Abwesenheit vom Wohnort von 6 Jh. für den Tag. 
Nach dem neuesten Staatshaushaltsetat wird der Diätensatz allge- 
mein auf 5 Jh. pro Tag normirt, dagegen ein höheres, nach dem 
Dienstalter abgestuftes Gehalt bis 2 000 Jh. pro Jahr gewährt 
Weitere Erhöhung des letztern und der Diäten bei auswärtiger 
Beschäftigung unter Wegfall der häuslichen Diäten würde den Wün- 
schen der Betheiligten entsprechen. 

Die gewöhnliche häusliche Prüfung der Arbeiten und die Fest- 
setzung der Liquidationen könnte bei der Begierung ohne grossen 
Kosten autwand bewirkt werden. Schon jetzt werden auch für 
geometrische Privatarbeiten die Kosten bei der Begierung unent- 
ge4tlich festgesetzt in Fällen, wo die Arbeiten durch Katasterbeamte 






Wie ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern? 101 

ausgeführt sind, oder wenn bei Ausführung der Arbeiten durch 
andere Techniker die Festsetzung der Kosten besonders beantragt 
wird. 

Wo ganz zuverlässige Karten vorliegen und die Kartirung aus 
dem Zahlenwerk der Feldhandrisse jederzeit zu controliren ist, mag 
es nur in beschränktem Umfange nöthig sein, spätere Vermessungen, 
die sich auf diese Karten gründen, auch örtlich zu revidiren. Die 
Prüfung nach dem vorhandenen Material muss in den meisten 
Fällen genügen, etwaige Messungsfehler aufzufinden. Darum er- 
scheint es sehr erwünscht, die Ausführung der Neumessungen mehr, 
als dies bisher geschieht, zu fördern. Dies ist eine Kostenfrage; 
indess könnte schon vieles erreicht werden, wenn jeder Landmesser- 
kandidat genöthigt würde, etwa % Jahr in einem Vermessungs- 
personal für Neumessungen behufs seiner Ausbildung ohne Ent- 
schädigung zu arbeiten und für eine bestimmte Fläche eine voll- 
ständig brauchbare Aufnahme zu liefern. Der Staat erhielte immer 
mehr gutes Kartenmaterial, und seine Landmesserkaudidaten hätten 
schon vor dem Examen eine vollständige practische üebung sich 
angeeignet. Die Grundbuchordnung bedingt nicht allein ein fehler- 
freies Kartenmaterial, sondern dieselbe setzt auch voraus, dass bei 
künftigen Vermessungen keine Irrthümer vorkommen. Zur Be- 
schaffung eines solchen Kartenmaterials bedarf es noch sehr um- 
fangreicher Neumessungen. 

Die Vermessungsrevisionen und das Kostenwesen bei den Ar- 
beiten solcher Feldmesser, die sich vorzugsweise oder ausschliesslich 
mit geometrischen Privatarbeiten beschäftigen, wird voraussichtlich 
in den nächsten Jahren sehr an Bedeutung verlieren, da der Zu- 
gang zu der geodätischen Carriere gegen frühere Perioden bereits 
merklich abgenommen hat. Die strengen Bedingungen für Ablegung 
des Landmesserexamens lassen für die nächsten Jahre einen noch 
geringeren Zugang erwarten. Schon jetzt fängt es an, bei den Be- 
hörden, welche Verniessungsbeamte gebrauchen, an der ausreichenden 
Zahl von Anwärtern zu fehlen. Manche geometrische Arbeiten 
werden bald den nicht geprüften Vermessungstechnikern wieder 
zufallen müssen. Schon jetzt kommt es vor, dass solche Tech- 
niker sogar von den Gerichten als Sachverständige herangezogen 
werden. Hier ist Prüfung und Revision der Vermessungsarbeiten 
besonders nothwendig, obgleich es Vermessungsgehülfen genug giebt, 
die so zuverlässig arbeiten, als dies nur gewünscht werden kann. 
Andauernder Mangel an Feld- oder Landmessern mag vielleicht 
dazu nöthigen, die selbstständige Beschäftigung von Gehülfen oder 
einer sogenannten zweiten Klasse von Feldmessern für bestimmte 
Arbeiten zuzulassen. Dafür spricht auch der Umstand , dass viele 
geometrische Arbeiten sehr einfacher Art sind und von den bloss 
practisch ausgebildeten Technikern viel billiger geliefert werden 
können, als von dem geprüften Landmesser. Die dem letztern mit 
Recht zu gewährende höhere Remuneration würde mit dem Werthe 
des Objects oft nicht im Einklang stehen. 



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102 ^iö ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern? 

Andrerseits erscheint es angezeigt, für die Landmessercandidaten 
die Absolvirung des Gymnasiums (Realgymnasiums etc.) zu fordern» 
schon desshalb, weil dies voraussichtlich den Zugang geeigneter 
Bewerber fördern wird, denn die Zahl der Abiturienten bei den 
höhern Schulen wird alljährlich eine grössere, während verhältniss- 
mässig wenig Schüler mit dem Reifezeugniss der ersten Klasse ab' 
zugehen pflegen. Wer aber die Schule erst ganz absolvirt hat» 
wendet sich nicht gern einem Fache zu, für welches geringere An- 
forderungen gestellt werden. Er hält ein solches Fach nicht für 
ebenbürtig mit den ihm sonst offen stehenden Stellungen. Die Schul- 
reife würde auch wesentlich dazu beitragen, dem Landmessercandidaten 
das spätere Fachstudium zu erleichtern. Sie gewährt zugleich die 
Berechtigung zum Besuch aller höhern Lehranstalten, nicht blosa 
der landwirthschaftlichen Hochschulen. Diese Berechtigung muss 
der Landmesser mindestens aber besitzen, wenn er gegen andere 
technische Beamte nicht zurückstehen soll. 

Wie wenig Werth z. B. von Seiten der Bauführer und Bau- 
meister auf die Qualification als Feldmesser gelegt wird, geht daraus 
hervor, dass u. W. seit langer Zeit kein Bautechniker mehr um die 
Ertheilung des Feldmesserzeugnisses nachgesucht hat, obgleich ihm 
dasselbe bisher unter sehr leichten Bedingungen und ohne Prüfung 
ertheilt werden musste, lediglich auf Grund des Nachweises einer 
sechsmonatlichen Beschäftigung mit Feldmesserarbeiten und einer 
vom Bewerber angefertigten Probekarte. 

Nach den neuern Vorschriften für das Landmesserexamen ist 
diese Erleichterung für die Bautechniker beibehalten und zugleich 
auf die Forst- und Oberförstercandidaten ausgedehnt worden. Für 
diese besteht jedoch die Anordnung, dass sie sich im ersten forst- 
lichen Examen über ihre Theilnahme an geodätischen Uebungen, 
im Feldmessen und Nivelliren ausweisen, ausserdem specielle Ver- 
messungs- , Nivellements- und Kartirungsarbeiten liefern müssen. 
Dagegen haben die Bautechniker im Bauführerexamen nur die ge- 
wöhnliche Prüfung in der Lehre vom Feldmessen und Nivelliren, 
sowie in der Kenntniss der üblichen Messinstrumente abzulegen. 
Nirgends ist vorgeschrieben, dass sie z. B. auch diejenigen Kennt- 
nisse in der Bonitirung des Bodens, in Zusammenlegungsarbeiten^ 
der Rechtskunde u. s. w., welche im Landmesserexamen verlangt 
werden, gleichfalls besitzen müssen. Kann überhaupt unter gewöhn- 
lichen Verhältnissen ein Bautechniker neben seinen eigentlichen 
Fachstudien Zeit gewinnen, die in der Landmesskunde im Examen 
geforderten Kenntnisse sich anzueignen und innerhalb sechs Monate 
practische Uebung darin zu erlangen? Die Erfahrung spricht für 
das Gegentheil. Die Ertheilung der Landmesserqualification an die 
Bautechniker, ohne dass diese die Prüfung als Landmesser ablegen, 
hat für diese Techniker selbst keinen Nutzen, sie schädigt aber das 
Ansehen der Landmesser. Man sollte daher lieber die Prüfungs- 
vorschriften für die Letztern noch verschärfen, statt die zu Gunsten 
der Baubeamten getroffene Bestimmung länger aufrecht erhalten» 






' Wie ist die Stellung der Feldmesser zu verbessern ? 103 

Dieses sowie die Einführung einer Controle für geometrische Privat- 
arbeiten nebst einer allgemein gültigen Gebührentaxe zur Bezahlung 
solcher Arbeiten dürften Aufgaben sein, die es wohl verdienen, 
dass sich der Deutsche Geometerverein für deren zweckmässige 
Lösung interessirt. 

Der Feldmesser, welcher gegenwärtig ganz andere Aufgaben 
zu erfüllen hat, als sein Vorgänger vor 15 und mehr Jahren, darf 
daher wohl mit Recht auf eine etwas bessere Lebensstellung An- 
spruch machen. Den Unterschied zwischen jetzt und früher hat 
der rühmlichst bekannte Professor Dr. Börsch in der Einleitung zu 
seinem eben erschienenen Werke > Anleitung zur Berechnung der 
geodätischen Coordinaten , Cassel bei Freyschmidt 1885« in sehr 
drastischer Weise mit den Worten geschildert: 

>In dem vorstehenden Ueberblick über das Vermessungswesen, 
die Fortschritte der niedern Geodäsie und deren stetiges Näher- 
treten an die höhere Geodäsie in Deutschland, sollte dargethan 
werden, dass an den Feldmesser der Neuzeit ganz andere und 
namentlich wissenschaftliche Anforderungen gestellt werden müssen 
als an den „Landschinder^ (soll heissen Landschieder) von ehemals, 
und dass. ein Einblick in das mathematische Gebäude unseres Erd- 
körpers zur Noth wendigkeit geworden ist.< . 

Wir können das für den ehemaligen Feldmesser gebrauchte 
ungewöhnliche Prädicat ebenso wenig als passend anerkennen, als 
uns vom practischen Standpunkte und nach eignen Erfahrungen 
einleuchten will, dass die Vermessungen, welche nach dem ander- 
weiten Inhalt der gedachten Einleitung die gewissetihaften Feld- 
messer einst mit der Boussole ausgeführt haben, besser ausgefallen 
sein sollen, als diejenige Vermessung, welche für eine Zusammen- 
legung im Regierungsbezirke Cassel in der so sehr getadelten Weise 
bearbeitet worden ist, dass hier der Feldmesser ein grosses Dreieck 
über die Flur gelegt, die Seiten und ihre Verlängerungen sowie die 
nöthigen Verbindungslinien mit der damals noch nicht durch das 
Stahlband verdrängten Gliederkette gemessen hat. Die Ergebnisse 
beider jetzt veralteten Methoden dürften wohl keine Entscheidung 
zu Gunsten der Boussolenmessung gestatten. 

Unseres Erachtens verdient die Boussole überhaupt nicht mehr 
die ihr in der gedachten Einleitung zu Theil werdende Protection. 
Mit der Ersetzung dieses Instruments und der Gliederkette durch 
die kleinen Theodolite und durch das Bandmass resp. die Messlatten 
ist die neue Aera auf dem Gebiete der niedern geodätischen Technik 
eröffnet worden. Nur durch fortgesetztes Streben nach den rich- 
tigsten und genauesten Ergebnissen im Grossen und im Kleinen 
kann der Landmesser die Berechtigung erlangen, sich dem höhern 
Geodäten ebenbürtig an die Seite zu stellen. 



"^^^r. 



104 Prandtl. Nivellirinstrament mit Gefällslibelle. 

Nivellirinstrument mit Gefällslibelle. 

Von Prof. Prandtl in Weihen Stephan. 

Sumpfiger und mooriger Boden gibt unter dem Druck unseres 
Körpergewichtes häufig so sehr nach, dass selbst durch unbedeu- 
tende Verlegungen unseres Schwerpunktes sofort eine erhebliche 
Aenderung der Stellung eines vor uns stehenden Instrumentes ver- 
, ursacht wird. 

Aber auch, wenn der Boden so fest ist, dass wir einen Einfluss 
unserer Körperstellung auf die Stellung des Instrumentes nicht be- 
obachten können, werden unsere Messungen durch Aenderungen der 
Stellung des Instrumentes gestört, — durch Aenderungen, welche 
sich allmählich vollziehen, und deren Grund vorzugsweise in Form- 
veränderungen des Stativs in Folge des Einflusses der Atmosphä- 
rilien, besonders in wechselnder Bestrahlung durch die Sonne gesucht 
werden muss. Wenn man die vertikale Drehachse eines Instru- 
mentes genau vertikal stellt, — wenn man es dahin gebracht hat, 
dass die Libelle rings herum in allen Lagen ausreichend genau ein- 
spielt, so findet man doch meist schon nach kurzer Zeit,^ dass dies 
nicht mehr der Fall ist und dass die Abweichung mit der Dauer 
der Aufstellung zunimmt. Man findet diese Abweichungen nicht 
bloss, wenn man das Instrument längere Zeit hindurch in einer 
Aufstellung benützt, sondern auch, wenn man dasselbe unbenutzt 
stehen lässt. 

Dass die Grösse dieser Abweichungen durch geeignete Kon- 
struktion des Stativs vermindert werden kann, ist klar. Indess wird 
es mit gewöhnlichen Mitteln nicht gelingen, dieselben ganz zu be- 
seitigen, und wenn es auch gelänge, dann bleiben immer noch die 
bei weichem und elastischem Boden durch unsere Körperstellung 
veranlassten Aenderungen der Stellung des Instrumentes zu berück- 
sichtigen. 

Soll nun der Einfluss irgend einer Aenderung der Stellung des 
Instrumentes möglichst von dem Messungsergebniss fern gehalten 
werden, so muss für Instrumente zum Messen der Neigung der Visir- 
linie und zur Herstellung einer bestimmten Neigung der Visirlinie 
die Einrichtung so getroffen werden, dass sie die Neigung der Visir- 
linie bei einspielender Libelle anzeigt. 

Zur Absteckung von Gräben von bestimmtem Gefälle am Terrain 
mit geneigter Visirlinie nach der in Band 1884 S. 549 dieser Zeitschrift 
beschriebenen > Erweiterten Methode der Absteckung einer Linie von 
bestimmtem Gefälle am Terrain < wende ich seit 1879 Instrumente 
an, deren Einrichtung in folgender Weise die obige Bedingung er- 
füllt. An der Reiterlibelle eines Nivellirinstrumentes mit umleg- 
barem Fernrohr ist an Stelle der Korrektionsschrauben für verti- 
kalen Fehler ein Schraubenmikrometer (s. Abbildung) angebracht. 
Die Mikrometerschraube hat ihr Muttergewinde im Fuss der Libelle 
und drückt auf den an der Libellenfassung befestigten Schlitten 



Frftndtl. NivellirinBtrament mit QefSIIalibeDe. 105 

Der Schraube entgegengesetzt wirkt eine an der LibellenfftBBUDg be- 
festigte und in einen Ansscbnitt im Fuas eingreifende Zungenfeder. 
An der Seitenfläche des Fusses können die ganzen Umdrehungen 
der MikrometerBchraube, an dem Scheibchen, dessen Umfang in 
100 Theile getheilt ist, '/inot^I Umdrehungen abgelesen werden. 
Die Führung des Fusses muss, damit die Anzahl der CTmdrebungen, 
die an der Mikrometerachraube gemacht werden, proportional der 



Zu- oder Abnahme des relativen Gefälles werden, bei einspielender 
Libelle in einer Lothrechten stattfinden. Eine sehr genaue Erfül- 
lung dieser Bedingung ist indess bei den geringen Qefallen, für 
welche die Libelle eingerichtet ist, nämlich etwa 2% Steigung und 
2% Gefälle nicht erforderlich. Um die Libelle bei den geneigten 
Stellungen breiter auf die Lagerrtnge des Fernrohrs aufsitzen zu 
lassen, sind die Lagerflächen der Libelle äach abgerundet. 

Um nun der Visirlinie eine bestimmte Neigung geben zu können, 
sind, soweit es die Libelle anbelangt, zweierlei Ermittelungen noth- 
wendig, nämlich die Ermittelung jenes Mikrometerstandes, bei 
■welchem die Visirlinie horizontal ist, und die Ermittelung der zu 
irgend einer Anzahl von Seh rauben Umdrehungen gehörigen Zu- oder 
Abnahme des relativen Gefälles. Die erstere Ermittelung muss 
ebenso wie die Prüfung und Berichtigung gewöhnlicher Reiterlibellen 
von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Die letztere Ermittelung da- 
gegen gilt, wenn sie einmal richtig gemacht wurde, filr immer. Ob 
die Mikrometereinrichtung keinen todten Gang zulässt, — ob die 
Kraft der Zungenfeder gegenüber den Widerständen der Bewegung 
des Fusses noch ausreicht, davon kann man sich bei Benützung des 
Instrumentes immer Überzeugen. Man hat nur darauf zu achten, 
ob jede kleine Drehung der Mikrometerschraube einen entsprechen- 
den Ausschlag der Libelle bewirkt. 

Die Ermittelung jenes Mikrometerstandes , bei welchem die 
Visirlinie die Horizontalstellung erhält, kann in ganz gleicher Weise, 
wie die Korrektion einer gewöhnlichen Reiterlibelle auf vertikalen 



106 Prandtl. Nivellirinstruraent rait Gefällslibelle. 

Fehler geschehen. Die Arbeit kann etwas erleichtert werden, weno 
man das Scbraubenmikroroeter in der Weise benützt, dass man die 
Libelle nach dem Umsetzen mittelst der Mikrometerschraube zum 
Einspielen bringt. Der gesuchte Mikrometerstand ergibt sich so- 
dann aus dem arithmetischen Mittel aus dem nunmehrigen und dem 
vorigen Mikro meierst and. 

Nimmt man an einer Nirellirlatte mit verschieden geneigter 
Visirlinie mehrere Ablesungen, so verhalten sich die Differenzen der 
Ablesungen wie die Diiferenzen der zugehörigen Mikrometerstände 
und wie die Differenzen der zugehörigen relativen Gefälle. Nimmt 
man 2 Ablesungen Ai und A^ und beobachtet man die zugehörigen 
Mikrometerstände JK", und M^, misst man ferner die horizontale 
Entfernung l der Latte vom Instrument, so läset sich aus diesen 
Zahlen die Anzahl der Mikrometertheile m, die irgend einer Zu- 
oder Abnahme g des relativen Gefälles, z. B, l%o entspricht, be- 
rechnen. Aus der horizontalen Entfernung l und der Gefällsänderung 
jjlässt sich vorerst derzugehörige Lattenabschnittnberechnen. Es ist 
a=gxl. 

Die Zahl m ergibt sich sodann aus der Proportion 
m:a = {Mi~Mi):(A,—Ai). 

So wurde fiir das abgebildete Instrument gefunden, dass die 
Anzahl der Scheibentheilo für g ^0,001 oder 1 pro Mille relatives 
Gefälle, = 24,09 ist. Um der Visirlinie eine Steigung oder ein Ge- 
fälle von M pro Mille zu geben, muss daher jener Mikroraeterstand, 
bei welchem die Visirlinie horizontal ist, um n X 24,09 Scheiben- 
theile vergrössert oder verkleinert werden. Ist dies geschehen, so 
ist noch mittelst des Mechanismus für feine Vertikalbewegung des 
Fernrohrs die auf diesem ruhende Libelle zum Einspielen zu 
bringen. 

Zum Schluss mag noch gestattet sein, daran zu erinnern, dass 
das Nivellirinstruraent mit Gefällshbelle, wie jedes Instrument, das 
dazu eingerichtet ist, die Neigung der Visirlinie zu messen, auch 
zum Messen von Distanzen und zur Bestimmung der Nivellenient- 
ablesung in Fällen, in denen wegen vorstehenden Gebüsches etc. 
oder weil die Latte zu hoch oder tief steht, mit horizontaler Visir- 
linie abzulesen nicht möglich ist, benützt werden kann. Die hori- 
zontale Entfernung ergibt sich aus den obigen Gleichungen. Es ist 

. m Ai — Af 

g' M^—Ml' 

Die Ablesung mit horizontaler Visirlinie, — die Nivellement- 
ablesung A,j kann, wenn Mq den zugehörigen Mikrometerstand be- 
zeichnet, aus der Proportion 

{An^A^y.{Al—Ai) = {Mü-M,)•.{M^~Mi) 
entnommen werden. 



Kleinere Mittheilungen. 



107 



Kleinere Mittheiluiigen. 

Verbreitung des metrischen Maass- und Gewichtssystems. 

Das Bulletin du Ministöre des travaux publics vom August 1884 
theilt eine von M.James Jackson, Archivar der geographischen Ge- 
sellschaft in Paris, zusammengestellte Uebersicht des Geltungsbe- 
reichs des metrischen Maass- und Gewichtssystems mit, welche wir 
im Nachstehenden wiedergeben. Es mag dazu noch bemerkt werden, 
dass England, welches in der Zusammenstellung noch unter den 
Staaten aufgeführt ist, in denen die Anwendung dieses Systems ge- 
setzhch zugelassen ist, Zeitungsnachrichten zufolge in neuester Zeit 
seinen Beitritt zu der am 20. Mai 1875 abgeschlossenen, damals 
nach langen schwierigen Verhandlungen wesentlich unter der Mit- 
wirkung und dem Einflüsse Deutschlands zu Stande gekommenen 
internationalen Meter- Convention, welche die Regelung und Ver- 
waltung der wissenschaftlichen Grundlagen des metrischen Maass- 
und Gewichtssystems unter allen Culturvölkern bezweckt, ebenfalls 
erklärt hat. Vergl. Zeitsch. f. Verm. Bd. XIII. 1884 S. 483. 
I. Länder, in denen das metrische System gesetzlich eingeführt ist 



Mexiko . . . 
Niederlande 
Norwegen . . 
Oesterreich-Unga 
Paraguay . . 
Peru .... 
Portugal . . 
Rumänien . . 
Schweden . . 
Schweiz . . . 
Spanien . . . 



rn 



Bevölkerungezahl. 

10046 872 
4172971 

1 806 900 
37 786 346 

346 048 

2 699 945 
4160 315 
5 073 000 
4 579115 
2 846 102 

16 634345 



BevölkeruDj^Bzahl 

Argentinische Republik 2 830 000 

Belgien 5 520009 

Bolivia 1 957 352 

Brasilien 9 883 322 

Chile 2199 180 

Columbien .... 4000000 
Dänemark .... 1969039 
Deutschland .... 45234061 

Ecuador 946 033 

Frankreich mit Colonien 46 843 000 
Griechenland . . . 1979 305 
Italien ..... .28459451 Zusammen 241973011 

II. Länder, in denen das metrische System gesetzlich zugelassen 

(facultativ) ist. 

Bevölkerungszahl. Bevölkerungszahl. 

Canada 4324810 Persien 7 653000 

England 35 241 482 Vereinigte Staaten . 50419 933 

Zusammen 97 639825 

III. Länder, in denen das metrische System vielfach angewendet 

wird, ohne jedoch gesetzliche Gültigkeit zu haben. 

Bevölkerungszahl. Bevölkerungszahl. 

Aegypten .... 6820000 Türkei 24804350 

Britisch-Indien . .198 755 993 Uruguay .... 438245 
Russland 100 372553 Venezuela .... 2075245 

Zusammen 333 266 386 

(Auszug aus dem Centralblatt der Bauverwaltung Nr. 40 1884 S. 414.) 

Es möge dem Obigen hinzugefügt werden, dass auch die rus« 




'H 1 li iJIMppp., 



108 Kleinere Mittheilungen. 

sische Staatsregiening die Zweckmässigkeit des Metersystems im 
Frincipe bereits anerkannt hat, so dass die allgemeine Anwendung 
dieses Systems in Rusaland in nicht zu langer Zeit zu erwarten sein 
dürfte, Vergleiche die Literaturzeitung >das Nivellement und die 
Neuvermessung der Stadt Riga<. Zeitschrift filr Vennessuügswesen 
Jahrgang 1884 S. 166. G. 



Wegeanlagen. 
Endurtheii des Oberverwaltungsgerichts vom 18, November 1883. 
Die Generalcommissionen sind in der ihnen Übertragenen Aus- 
übung landespoUzeilicher Functionen zuständig, das Netz der 
öffentlichen Wege in der Feldmark festzustellen, öffentliche Wege 
herzustellen, verlegen, eingehen zu lassen. Die in einem Separa- 
tionsrezesse einem Wege beigelegte Eigenschaft als öffentlicher oder 
nicht öffentlicher Weg ist daher zunächst überall massgebend. Er- 
klärt die Auseinandersetzungsbehörde, dass ein Weg im Separations- 
verfahren nicht als öffentlicher Kommunikationsweg au8geworfei\ sei, 
sondern als Verbindungs- und Wirthsckaftsweg der Feldßur- In- 
teressenten, so darf der Weg auch nicht als öffentlicher behandelt 
werden, selbst wenn er es bis dahin gewesen wäre. 
{Archiv lur Eiseabahnwesen, heransg^eben vom MiDisterium der öfTentlicben 
Arbeiten Jahrgang 1884 S. 43. G.) 



Annahme von Anwärtern fUr das Kataslersupernumerariat in Preussen. 

Die für die Ergänzung des Beamtenpersonals der Kataster- 
verwaltung bisher im Königlichen Finanzministerium geführte all- 
gemeine Anwärterliste wird voraussichtlich in der ersten Hälfte 
dieses Jahres zur Erledigung kommen und es soll nach deu Be- 
stimmungen des Herrn Finanzministers darnach die Berufung der 
Kataster Supern um e rare wiederum lediglich den Königlichen Re- 
gierungspräsidien übertragen werden. 

Feldmesser oder Landmesser, welche sich um die Annahme als 
Anwärter für das K at asters upemumari at bewerben wollen, werden 
gut thun, ihre Gesuche schon jetzt an die Königlichen Regierungen 
zu richten und sich wegen der für die Annahme zu beschaffenden 
Nachweise an einen der Herren Katasterkontroleure zu wenden. 



Literaturzeitung. 109 

Literaturzeitung. 

Wörterbuch der VerdetUschungen entbehrlicher Fremdwörter, mit besonderer Be- 
rücksichtigung der von dem Grossen Generalstabe, im Postwesen und in 
der Reichsgesetzgebung angenommenen Verdeutschungen. Mit einer ein- 
leitenden Abhandlung über Fremdwörter uud Sprachreinigung, von Dr. 
Bermcmn Dunger, Leipzig G. B. Teubner 1882. 194 S. 8*. 

In unserer fachwissenschaftlichen Vermessungs-Zeitschrift dieses 
sprach-wissenschaftliche Werk zu besprechen und zu empfehlen, wird 
sich durch die Thatsache rechtfertigen, dass gerade in den deutschen 
Fach- Wissenschaften die überflüssigen Fremdwörter noch in Menge 
gefunden werden. Nur gegen die überflüssigen^ entbehrlichen Fremd- 
wörter kämpft der Verfasser, denn dass z. B. Wörter wie Triangu- 
lirung, Nivellirung u. s. w. zur Zeit in unserer Wissenschaft nicht 
zu entbehren sind, gibt jeder Vermessungs - Mann zu. Diese Bei- 
spiele weisen zugleich auf die vom Verfasser aufgestellte Regel hin 
(S. 3), dass man bei unentbehrlichen Entlehnungen aus fremden 
Sprachen wenigstens Betonung und Endung der eigenen Sprache 
anpassen soll. Z. B. das lateinische Distantia kommt im Französi- 
schen als distance vor, im Englischen als distance^ im Deutschen als 
Distanz. Nun gibt es aber zahlreiche Feldmesser und Mechaniker, 
welche die Gelegenheit, ihr > bischen Französisch« an den Mann 
zu bringen, nicht vorbeilassen wollen, indem sie von >Distänce- 
Messer« und >Zenit-Distäncen< reden. 

Dass der Kampf gegen die Sprach - Verunreinigung durchaus 
kein hoffnungsloser ist, beweisen die Erfolge im Postwesen, im Heer- 
wesen (wo jedoch die Hauptreinigung noch auf sich warten lässt) 
und was unsere Leser betrifft, im Kataster - Vermessungs - Wesen. 
Das in Württemberg heute noch amtlich gültige Brouillon ist in 
Preussen durch Handriss dauernd ersetzt; auch das Manual hat 
dem Feldbuch oder Feldschreibbuch weichen müssen. Wer befreit 
uns aber endgültig vom Terrain (süddeutsch: Terrei, norddeutsch: 
Terreng) und von dem Lieblingswort aller Halbwisser unseres 
Faches, dem coupirten Terrain? Feld oder Gelände, Hügelland 
u. 8. w. passt nicht in allen Verbindungen. 

Rathschläge zu Verdeutschungen entbehrlicher Fremdwörter 
gibt das > Wörterbuch < von S. 56 — 19*4 des Dunger'schen Werkes, 
welches wir zu diesem Zweck hiemit empfehlen. Namentlich aber 
empfehlen wir den Satz aus dem Vorwort zur Beachtung: > Während 
es früher für einen Beweis von feiner Bildung galt, viele fremd- 
ländische Ausdrücke anzuwenden, betrachtet man dies jetzt in den 
besseren Kreisen unseres Volkes eher als eine schlechte Angewöh- 
JiüDg, ja man ist geneigt, in diesem Falle auf Halbbildung oder 
yornehmthu^rei zu schliessen.< J. 



A 



110 Patentliste. 

Patentliste von yermessungsinstrumenten. 

Verzeichniss der in der Zeit vom 4. December 1884 bis 29. Ja- 
nuar 1885 in den Klassen 19 und 42 angemeldeten, ertheilten und 
erloschenen Patente. 

Zusaimnengestellt im Patent- und technischen Bureau von G. Dittmar, Civil- 

Ingenieur in Berlin, Gommandantenstrasse 66. 

Angemeldete Patente.*) 

Für die angegebenen Gegenstände haben die Nachgenannten 
die Ertheilung eines Patentes nachgesucht. Der Gegenstand der 
Anmeldung ist einstweilen gegen unbefugte Benutzung geschützt. 

E. 2905. Verstellbarer Rosettenzirkel. — H. E. Richter u. W. Langbein 

in Dresden. 

F. 2056. Instrument zum Messen und Theilen von Linien. — H. 

Friederich in Simbach a. Inn. 
C. 1529. Entfernungsmesser. — L. P. Charlier, Lieutenant im 1. 
Regiment Chasseurs ä pied in Charleroi, Belgien. 

Ertheilte Patente. 

Auf die hierunter angegebenen Gegenstände ist den Nachge- 
nannten ein Patent vom angegebenen Tage ab ertheilt. Die Ein- 
tragung in die Patentrolle ist unter der angegebenen Nummer erfolgt. 

Nr. 30355. Orientirungs-Compass. — E. von Paschwitz in Weiher- 
hammer bei Bayreuth. Vom 2. August 1884 ab. 

Nr. 3042 L Rechenmaschine. — A. J. R. d' Azevedo Coutinho in 
Povoa de Lanhosa. Vom 19. August 1884 ab. 

Nr. 30422. Entfernungsmesser als Hülfsmittel für das Ausbilden im 
Distanzschätzen. — H. Freiherr Prinz von Buchau, Major 
a. D. in Görlitz. Vom 2. September 1884 ab. 

Nr. 30547. Zeichen-Instrument. — M. Körner in Pieschen b. Dresden. 
Vom 25. Juni 1884 ab. 

> 30632. Spiegelteleskop. — L. Schlegel in Dresden. Annenstr. 57. 

IIL Vom 9. April 1884 ab. 

> 30700. Zirkel für Hohl- und Dickenmessung. • — C. Mahr in 

Esslingen a. N. Vom 12. Juni 1884 ab. 

> 30703. Verstellbare Nivellirlatte für directe Höhenangabe. — 

F. Heidecke, Königl. Feldmesser und Kulturtechniker in 
Lingen a. d. Ems. Vom 13. Juli 1884 ab. 

> 30833. Haarhygronometer mit Kompensationsvorrichtung. — W. 

Riedel in Hamburg. Vom 2. August 1884 ab. 



*) Auszüge aus den Patentanmeldungen sind durch das Patent- und 
technische Bureau von G. Dittmar, Civil-Ingenieur in Berlin, Gommandanten- 
strasse 56, zum Preise von 1—3 A, je nach Umfang, zu beziehen. Mitglieder 
des Devtachen Geometer- Vereins erhalten daselbst jede geiminscJUe Auskunft in atu- 
/uhrlichster Weise gratis. 



Tereinsnn gelegenbeiten. 

Erlosclieue Patente. 
Die nachstehend genannten, unter den angegebenen f4 
in die Patentrolle eingetragenen Patente sind auf Grund 
des Gesetzes vom 25, Mai 1877 erloschen. 
Nr. 21934. Recbenapparat. 

> 26559. Neuerungen an Stangenzirkeln. 
» 26640. Recbenmaecbine. 

> 22558. Kombinationen des Wetil-Hansen'scben und Ams 

Plani meters. 

> 15128. Neuerungen an Tiefenmessinstrumenten für Seh: 

zwecke, 

> 26517. Entfernungsmesser, 



Vereinsangelegenheiten. 

Der unterzeichnete Vereinsdirektor ist vom 1. April d. J. 

Neuwied am Rhein versetzt. Der Sitz des Vereins i 

gemäss §. 25 der Satzungen von genanntem Tage ab ,^euv 

Alle an dieVorstandscIiaft bezw, an den Unterzeichneten gi 

Sendungen werden vom 1. April d. J. ab unter der Adresse: 

„Obergeometer Winckel, Neuwied a. Rh. 
erbeten. 

Ktiln, im MStz 1885. 

Der zeitige Vereinsdirektor: 
L Winckel. 



Die unterzeichnete Vorstandschaft hat die Zeit zur A 
der 14, Hauptversammlung des Deutschen Geometer vereioE 
dem Wunsche der vorigjährigen Versammlung entsprechen 

Stuttgart 
stattfinden wird , im Einverständnisse mit dem Ortaaussc 
die Tage vom 

5. bis 8. August d. J. 
festgesetzt. 

Bezüglich der Zusammensetzung des Ortsausschiisses 
Einzel-Comites nehmen wir Bezug auf die VerÖifentlict 
Seite 63 dieser Zeitschrift, 

Anträge für die Tagesordnung der Hauptversammlui 
wir bis spätestens zum 1. Mai d. J. an den Vereinsdirekto 
zu wollen. 

Die Vorstandschaft des Deutschen Geometervereini 



Briefkuten der Redaotion. 
Neu eingetretene Mitglieder. 

Lotterer, Eugeo, Geometer, Mannheim. 
Jessen, Feldmesser, Berlin. 

Reichert, Rieh., Feldmesser u. Culturtechniker, Kassel. 
Röder, Aug., Feldmesser und Culturtechniker, Kassel. 
E r d m a n n , Friedr., Feldmesser u. Culturtechniker, Kassel. 
Güunemann, F., Eisenbahnfeldmesser und Cultur- 
techniker, Hilcbenbach, Kreis Siegen. 



Briefkasten der Redaction. 

Landmesser-Titel. 

olge der amtlichen Entscheidung, welche wir auf Seite 75 
chrift mitgetheilt haben, sind mehrere Einsendungen über 
ge gegenstandslos geworden, oder eie haben wenigstens 
sten Theil ihr Interesse verloren. Wir möchten daher die 
linsender jener Artikel bitten, in die Nichtveröfientlichung 
einzuwilligen , eventuell der Redaction gegenüber ihre 
lierüber mitzutheilen. 

D. Red. 



Inhalt. 

re Abhandlungen: Wie ist die Stelluug derFe!dmeaeerzu verbessem? 
astrument mit Gefälllibelle, von Prandtl. Kleinere Mllthellungen: Ver- 
es melriBchen MaasB- und Gew ich tsey sterna, mitgetheilt von G. — 
en, mitgetheilt von G. — Annahme von Anwärtern für das Kataster- 
■ariatinPreuBBen, Literaturzeitung: Wörterbuch der Verden tsehungea 
er Fremdwörter, von Dünger, beaprochen von J. Vereinsangeleg*n> 
fkasten der Redaction. 




113 



ZEITSCHRIFT for VERMESSUNQSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von G, Steppea, Steuerassessor in München, und 

Ä. Gerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan, Professor in Hannover. 

Heft 7. Band XIT, 

1. April. 



Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch- 
geodätischen Arbeiten. 

Nach Original-Materialien bearbeitet von Gaede, Hauptmann ä la suite des 
Generalstabes und Vermessungs-Dirigent bei der Trigonometrischen Abtheilung 

der Landes -Aufnahme. 

I. 

Die Originalien. — Einleitendes. — Arbeits-Bericht von Gauss an das 
Kabinets-IMinisterium Über die Arbeiten im Jahre 1821. 

Die Trigonometrische Abtheilung der Landes- Aufnahme ist seit 
vier Jahren mit der Messung von Hauptdreiecken in der Provinz 
Hannover beschäftigt. Nach der Organisation der Abtheilung fuhren 
zwei Sektionen der Haupttriangulation die Winkelmessungen aus, 
nachdem vorher durch eine dritte Sektion die Dreieckspunkte aus- 
gesucht und die nöthigen baulichen Einrichtungen hergestellt sind. 
Die Leitung dieser dritten, der Rekognoscirungs-Sektion, ist in den 
letzten drei Jahren dem Verfasser übertragen gewesen. 

Für die Rekognoscirung eines Dreiecksystems ist die Kenntniss 
der Vorgänge immer ein wesentliches Hülfsmittel und eine noth- 
wendige Vorbedingung. Eine ganz besondere Bedeutung aber ge- 
wannen die Vorgänge, als die Arbeiten jenen Landstrich erreichten, 
welcher durch seine Beziehungen zu der Gauss^schen Gradmes- 
sung eine gewisse Klassizität für geodätische Operationen besitzt: 
wissenschaftliches und historisches Interesse geboten, an dieser für 
die moderne Geodäsie grundlegenden Arbeit nicht achtlos vorüber 
zu gehen. 

Bei der Rekognoscirung im Terrain hat Verfasser in seiner 
dienstlichen Thätigkeit sorgfältig nach allen etwa noch vorhandenen 
Spuren Gauss'scher Dreieckspunkte geforscht. Diejenigen Punkte, 
welche noch durch Bezeichnung an Ort und Stelle vorhanden sind, 
wurden, soweit sie sich in den Rahmen der jetzigen Triangulirung 

Zeitschrift für VermessungBweRen. 1885. 7. Heft- 8 



114 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

einfügen Hessen, wieder zu Hauptdreieckspuukten gemacht; die 
übrigen erhaltenen sollen durch entsprechende Messungen an die 
neuen Dreieckssysteme angeschlossen werden. Einzelne Rekon- 
struktionen sind zum Theil bereits ausgeführt, zum Theil in Aus- 
sicht genommen. 

Für das Studium der früheren Triangulationen in Hannover 
fand sich ausgiebiges Material in den Original-Akten, welche im Laufe 
der Zeit und mit dem Wechsel der Verhältnisse in den Besitz der 
Trigonometrischen Abtheilung übergegangen sind. Es sind dies sechs 
umfangreiche Aktenbündel des ehemaligen hannoverschen Ministeriums 
des Innern, welche den amtlichen Schriftverkehr aus den Jahren 1818 
bis 1861 über die von Gauss ausgeführte Gradmessung (1821 — 1825) 
und die daran anschliessende, unter Gauss' Leitung ausgeführte 
Landes- Vermessung im Königreich Hannover (1828 — 1844) enthalten; 
ferner — in einer kleinen Kiste vereinigt — 42 einzelne Hefte mit 
den Original-Messungs- Akten beider Vermessungen , nämlich 35 
Messungs-Journale bezw. deren Abschriften, 6 Hefte mit >Abrissen< 
(Resultaten der Stations-Ausgleichungen) und ein allgemeines Koor- 
dinaten -Verzeichniss sämmtlicher 1821—1844 bestimmten Punkte. 

Die Aktenbündel weisen etwa 90 Schriftstücke von Gauss' Hand 
auf : neben Anfragen und Mittheilungen über geschäftliche Einzel- 
heiten auch einige vierzig grössere Berichte und Entwürfe, welche 
über das Entstehen, die Gestaltung und den Fortgang beider Unter- 
nehmungen — der Gradmessung und der Landes- Vermessung — 
Aufschluss geben. Die Kiste mit ihrem Inhalt als den Arbeits- 
Resultaten hat Gauss nach Beendigung der Messungen und Rech- 
nungen am 15. März 1848 dem Ministerium eingeliefert, i) 

Von den Gauss'schen Berichten sind sechs, zum Theil mit 
starken Auslassungen, am Ende des IV. Bandes von Gauss' Werken 
abgedruckt. Die Koordinaten haben als Grundlage für die topo- 
graphischen Arbeiten in Hannover gedient; sie sind dann 1868 für 
Kataster-Zwecke von Professor Wittstein und 1873 — nebst einem 
Theil der Abrisse — im IV. Band von Gauss' Werken publizirt. 
Der gesammte Rest der authentischen Materialien dürfte bisher 
weiteren Kreisen unbekannt geblieben sein. 

Die Materialien sind — wie die Messungen, worauf sie sich 
beziehen — an Werth und Interesse sehr ungleich. Die hannoversche 
Landes- Vermessung ist, ihrem Zwieck entsprechend, eine geodätische 
Arbeit durchaus sekundären Charakters, die allerdings, weil sie den 
illustren Namen Gauss als den ihres Leiters führt, aus Unkenntniss 
der übrigen Verhältnisse sich vielfach einer Werthschätzung erfreut, 
welche sie weder verdient, noch beansprucht. Anders die von Gauss 
ausgeführte Gradmessung. Die unmittelbare Berührung mit der 
praktischen Arbeit, ihren Anforderungen und Bedürfnissen, hat die 
Veranlassung und Grundlage zu jenen Theorien gegeben , welche 



^) Das Begleitschreiben hierzu , in den Ministerial-Akten erhalten , ist 
theilweise in Gauss' Werken Bd. IV. Seite 481 abgedruckt. 




-^F" 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 1 1 ö 

seitdem massgebend für geodätische Operationen geworden sind. 
Die Gradmessung hat ein neues Zeitalter der Geodäsie heraufge- 
fiihrt; und darum darf sie, neben dem wissenschaftlichen, auch auf 
historisches Interesse berechtigten Anspruch erheben. 

Auf Grund der Original- Materialien und gestützt auf persön- 
liche Anschauung und Erfahrung bei der Arbeit im gleichen Terrain, 
will der Verfasser einige Beiträge geben zur Kenntniss der Geschichte 
der Gauss'schen Gradmessung nnd des Antheils, welchen Gauss an 
der hannoverschen Landes-Vermessung gehabt hat. Nicht die eigene 
Initiative führt ihn an die Oeflfentlichkeit, sondern die AuflForderung 
des Herrn Herausgebers dieser Zeitschrift ; zur Benutzung des dienst- 
lich zugänglichen Materials für eine derartige Publikation hat der 
Chef der Trigonometrischen Abtheilung, Herr Oberst Schreiber, 
seine Ermächtigung ertheilt. 

Der Plan für die Gruppirung des Materials ist folgender. In 
diesem ersten Aufsatz soll in der Folge eine Orientirung über die 
Gradmessung in grossen Zügen gegeben werden; als Anhang ist 
ein den Ministerial - Akten entnommener offizieller Arbeitsbericht 
von Gauss in extenso abgedruckt. Der zweite Aufsatz wird das Drei- 
ecksnetz der Gradmessung, der dritte den Antheil, welchen Gauss an 
der hannoverschen Landes-Vermessung gehabt hat , behandeln. In 
einem vierten soll die Erhaltung der Gradmessungs - Punkte im 
Terrain, die Nothwendigkeit einer erneuten Haupt-Triangulation in 
Hannover und die Anlage der in der Bearbeitung befindlichen Drei- 
eckssysteme der Trigonometrischen Abtheilung besprochen werden. 

2) Zu Anfang unseres Jahrhunderts hatten die zur Bestimmung 
der Grösse und Figur der Erde unternommenen geodätischen Mes- 
sungen sich sehr vervielfältigt und vervollkommnet. Den Impuls 
dazu gab die grosse, von der französischen National -Versammlung 
zur Bestimmung des Meters beschlossene Gradmessung, welche von 
Dünkirchen bis zu der balearischen Insel Iviga ausgedehnt wurde. 
England veranstaltete eine ähnliche Messung von der Insel Wight 
bis zu den Schottländischen Inseln. Beide Messungen wurden in 
Zusammenhang gebracht, so dass eine Dreiecksverbindung zwischen 
den Sternwarten von Paris und Greenwich hergestellt und ein 
Meridianbogen von mehr als 22 Grad gemessen war. 

Allein gerade diese grossen und genauen Messungen lehrten, 
dass ein einzelner Meridianbogen, so gross seine Ausdehnung auch 
sei, nicht hinreiche, die Figur der Erde völlig kennen zu lernen. Die 
Meridiane sind nicht völlig unter einander gleich und zeigen manche 
Unregelmässigkeiten. Es erschien deswegen erforderlich, dass mehrere 
Meridianbögen gemessen würden, damit man ihre Krümmungen mit 
einander vergleichen könne, um die nicht ganz regelmässige Gestalt 



'') Die folgenden Ausführungen nach verschiedenen Original-Berichten von 
Gauss, die theilweise am Ende des IV. Bandes seiner Werke abgedruckt sind, 
und nach einem ungedruckten Promemoria des Dr. Olbers-Bremen aus dem 
Jahre 1823. 



8. 



116 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

des Erdsphäroids genauer zu bestimmen. Isolirte Gradmessungen 
von geringer Ausdehnung konnten dabei nur einen untergeordneten 
Werth haben : es war nöthig, solche Operationen im Grossen aus- 
zuführen resp. die in verschiedenen Staaten unternommenen einzelnen 
Messungen unter einander in Verbindung zu bringen. 

Im Jahre 1816 beauftragte nun der König von Dänemark den 
Professor Schumacher mit der Ausführung einer Gradmessung von 
der Nordspitze Jütlands bis zur südlichen Grenze des Königreiches. 
Diese Messung umfasste an sich einen Meridianbogen von 4V2 Grad; 
sie war aber, ihrer Lage nach, einer Ausdehnung bis auf 16 Grad 
fähig , wenn sie südwärts bis zur Insel Elba weitergeführt wurde. 
Eine solche Fortsetzung ging zunächst, in der Ausdehnung von 
etwa 2 Breitengraden, durch das Königreich Hannover; südlich davon 
befanden sich in Preussen, Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Bayern, 
Württemberg und Oesterreich geodätische Operationen theils im 
Gange, theils war ihre Ausführung in nahe Aussicht genommen. 
Die Verbindung aller dieser Messungen zu einem einzigen System 
war für wissenschaftliche Zwecke von grösster Bedeutung : die erste 
und wesentlichste Bedingung für die Realisirung eines derartigen 
Planes aber war die Fortsetzung der dänischen Gradmessung durch 
das Königreich Hannover. 

Diese Fortsetzung — die geodätische Messung des Gradbogens 
zwischen den astronomisch bestimmten Sternwarten von Göttingen 
und Altena — hat Gauss in den Jahren 1821 — 1823 ausgeführt, s) 

Seine Triangulirung schlosssich im Norden mit den Seiten Ham- 
burg - Hohenhorn und Hohenhorn - Lauenburg an die dänischen 
Dreiecke des Professor Schumacher an. Aus dem südlichsten Dreieck 
Hohenhagen - Inselsberg - Brocken vermittelte die Seite Inselsberg- 
Brocken den Anschluss an die 1819 gemessenen Dreiecke des 
preussischen Generalstabes, während die drei Eckpunkte dieses 
Dreieckes und die in demselben gelegene Göttinger Sternwarte 1823 
durch Winkelmessungen mit den Punkten Meissner und Herkules 
der gleichzeitig in Kurhessen von Professor Gerling ausgeführten 
Triangulation in Verbindung gebracht wurden. 

Eine weitere Ausdehnung gegen Westen zum Zwecke eines neuen 
Anschlusses, der ursprünglich nicht projektirt war, erfuhren dann 
die Gauss'schen Dreiecke in den Jahren 1824 und 1825. 

Anschliessend an das grosse System der französisch-englischen 
Dreiecke hatte nämlich der General Krayenhojff 1801 — 1811 in den 
Niederlanden , Holland , Ostfriesland und Oldenburg eine Triangu- 
lation ausgeführt. *) Die Schlussseiten dieser Triangulation gegen 
Osten hin — Seite Varel-Jever in Oldenburg und Seite Kirchhesepe- 



^) Die Resultate der Messung sind bei der Berechnung der Erd-Dimensionen 
von Schmidt mit benutzt. S. Gauss, Bestimmung des Breitenunterschiedes zwi- 
schen den Sternwarten von Göttingen und Altena. Seite 82. 

*) Precis historique des operations geodesiques et astronomiques, faites an 
Hollande, executees par le lieutenant-general KrayenhofF. 1815. 




Gaede. Beiträge zur Kexintniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 117 

Bentheim in Hannover, hart an der Niederländischen Grenze — 
waren von der Gauss'schen Dreieckskette zwischen Altona und Göt- 
tingen nur noch durch kurze Strecken in der Hauptsache hanno- 
verschen Gebietes getrennt. Wurden die Gauss'sche und die Krayen- 
hoff'sche Triangulation an einander geschlossen, so entstand damit 
eine Querverbindung zwischen den französisch-englischen Dreiecken 
und dem grossen System der zusammenhängenden dänisch-hanno- 
versch-preussisch-kurhessisch-bayrisch-österreichischen. 

Um diese Verbindung herbeizuführen, hat Gauss in den Jahren 

1824 und 1825 von den beiden Seiten Falkenberg -Wilsede und 
Wilsede-Hamburg seiner bisherigen Triangulation eine weitere Reibe 
von Dreiecken über Bremen, dann längs der Nordsee- Küste bis zum 
Anschluss an die Krayenhoff'sche Seite Varel -Jever geführt. Der 
Anschluss an diese Seite wurde, trotz der dabei zu überwindenden 
grösseren Terrain - Schwierigkeiten , dem Anschluss an die Seite 
Kirchhesepe-Bentheim vorgezogen, weil sich auf dem Wege dahin 
die neuen Dreiecke mit der Nordsee in Verbindung bringen Hessen 
und dadurch alle gemessenen relativen Höhen zu absoluten über der 
Meeresfläche werden konnten. 

So besteht die von Gauss ausgeführte praktisch-geodätische Arbeit, 
deren Tableau ein System von zwei, annähernd rechtwinklich an 
einander gesetzten Dreiecksketten aufweiset, aus zwei verschiedenen 
Theilen: der ursprünglich unternommenen Breitengrad -Messung 
und einer später in der Richtung des Parallels angefügten Dreiecks- 
kette. Streng genommen dürfte man nicht beide Konfigurationen 
unter der gemeinsamen Bezeichnung > Gauss'sche Gradmessung« be- 
greifen, wie auch Gausss selbst unter seiner >Gradmessung< speziell 
die 1821 — 1823 gemessenen Dreiecke versteht und die 1824 und 

1825 gemessenen > Fortsetzung der Gradmessung bis Jever < nennt. 
Der Kürze halber und im Gegensatze zu der später von Gauss' 
Assistenten ausgeführten > Landesvermessung« sollen aber in diesen 
Aufsätzen alle von Gauss selbst 1821 — 1825 gemessenen Dreiecke 
unter der Bezeichnung >Gradmessung< zusammengefasst werden. 

Den Auftrag zur Ausführung der Gradmessung erhielt Gauss 
durch eine Kabinets - Ordre Georg IV. , Königs von England 
und Hannover, vom 9. Mai 1820; &) die Kosten für die Arbeit 
wurden auf die Königliche Chatoul-Kasse übernommen. Der Erlass 
dieser Kabinets-Ordre war aber erst der Abschluss jahrlanger Vor- 
verhandlungen. 

Gauss war im Jahre 1807, damals dreissigjährig, als Professor 
der Astronomie an die neu zu erbauende Sternwarte der Universität 
Göttingen berufen, hatte aber zunächst nur eine umfangreiche Lehr- 
thätigkeit entfalten können, da die politischen Wirren und Noth- 
stände der nächsten Zeit die Vollendung der Sternwarte bis zum 
Jahre 1816 verzögerten. In diesem Jahre erhielt Schumacher , der 



^) Das Original dieser Kabinets-Ordre ist bei den Ministerial- Akten. 



118 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktiBch-geod. Arbeiten. 

1809 in Göttingen von Gauss »seine letzte Ausbildung erhalten« «) 
hatte, den Auftrag zur Ausführung der dänischen Gradmessung 
und regte sofort seinerseits bei Gauss die Idee einer Fortsetzung 
der Gradmessung durch Hannover an. ') Gauss, welcher damals 
bereits theoretisch auf geodätischem Gebiete gearbeitet hatte, *) 
interessirte sich im höchsten Maasse für die > grosse, herrliche Unter- 
nehmung <, doch schien ihm zunächst noch der Augenblick ungünstig, 
in Hannover einen derartigen Wunsch seinerseits in Anregung zu 
bringen, da >erst die Astronomie noch so grosser Unterstützung« 
bedürfe. ») 

Die trotzdem bald beginnenden Verhandlungen über eine der- 
artige wissenschaftliche Privat-Unternehmung , welche nur mit be- 
deutender Staats - Subvention ins Werk gesetzt werden konnte, 
boten für Gauss mancherlei Schwierigkeiten. Der König und die 
einflussreichen Männer seiner Umgebung hielten sich meist in Eng- 
land auf, und von sich selbst sagt Gauss: ^^) >Unter allen schweren 
Künsten ist die Kunst des SoUizitirens diejenige, wozu ich — freilich 
zu meinem grossen Nachtheil — am wenigsten Talent habe, noch 
passe. < Dagegen stand Schumacher in nahen Beziehungen zu dem 
persönlich für Gradmessungs-Arbeiten sehr interessirten dänischen 
Könige und besass jene Welterfahrung und Geschäftsgewandtheit, 
die Gauss entbehrte. Wenn es Gauss widerstrebte, >noch mehr zu 
urgiren<,ii) oder den Schein zu erwecken, als wolle er >verblümter 
Weise dem Gouvernement die Sache wieder in die Erinnerung 
bringen <, ^^) wusste Schumacher theils auf Umwegen durch den 
dänischen Gesandten in London, theils auch durch direktes, per- 
sönliches Eingreifen die Angelegenheit wieder in Fluss zu bringen. 
Auf Schumacher's Anregung sind auch mehrere > ostensible c Briefe 
von Gauss an die Minister Grafen Münster und von Arnswald 
zurückzuführen, welche die ersten Entwürfe für die > Fortsetzung 
der dänischen Gradmessung durch Hannover« enthalten ; ^^) und 
Schumacher's Einfluss war es , dass Gauss — ehe noch ent- 
schieden war, ob er in Hannover eine Gradmessung im Anschluss 
an die dänische ausführen sollte — bereits vorläufig vereinzelte 
Arbeiten für diesen Zweck unternehmen konnte. Diese Vorläufer 
der zusammenhängenden praktischen Arbeit waren die Winkelmes- 
sungen auf dem Michaelis-Thurm in Lüneburg 1818, die astronomi- 



«) S. Gauss' Werke, Band IV., Seite 486. 
^) Briefwechsel mit Schumacher, Band I., Seite 128, 129. 
^) Vergl. Briefwechsel mit Schumacher, Band I., Seite 130 und Gauss' 
Werke, Band IV., Seite 353. (Anzeige der zweiten Abhandlung der Unter- 
suchungen über Gegenstände der höheren Geodäsie.) 
*) Briefwechsel mit Schumacher, Band I., Seite 130. 
^^) Briefwechsel mit Schumacher, Band 1., Seite 141. 
^*) November 1818. — Briefwechsel mit Schumacher. Band I., Seite 156. 
*') Januar 1820. — Briefwechsel mit Schumacher. Band I., Seite 183. 
") Diese Briefe sind theilweise am Schluss des IV. Bandes von Gauss' 
Werken abgedruckt. 




I 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch -geod. Arbeiten. 119 

sehen Beobachtungen in Lauenburg 1819 und der Besuch bei der 
Messung der Braker Basis 1820. 

1*) Im Jahre 1818 arbeitete Schumacher an der Messung seiner 
Dreiecke im Lauenburgischen. Von seinen südlichsten Dreieckspunkten 
Hamburg (Michaelis-Thurm) , Hohenhorn (Thurm) und Lauenburg 
i Signal) war, nach Hannover hinein, der Michaelis-Thurm in Lüneburg 
sichtbar.. Die Verbindung der Schlusspunkte seiner Triangulation mit 
diesem Thurm schien Schumacher, von seiner Seite her gesehen, 
eine zweckmässige Anschluss-Konfiguration für eine eventuelle spätere 
Fortsetzung der Gradmessung durch Hannover zu sein, die ausser- 
dem den Vortheil bot, dass Gauss an den durch die Messungen 
bestimmten Thürmen feste Punkte behielt, bis er nach Süden zu 
die Arbeiten würde fortsetzen können. Gauss war auf Schumacher's 
Aufforderung nach einigem Zögern zwar bereit, die nöthigen Winkel- 
niessungen in Lüneburg vorzunehmen, trug aber Bedenken, bei der 
Regierung in Hannover deshalb vorstellig zu werden, da noch Nichts 
über die Triangulation in Hannover beschlossen war. Darauf that 
>mit Gauss' Erlaubnisse Schumacher die nöthigen Schi it te in Han- 
nover. Der Erfolg war günstig: Gauss erhielt durch den Minister 
vonArnswald den Auftrag, die >zur Verbindung einer hannoverischen 
Triangulirung mit der dänischen nöthigen Messungen in Lüneburg« 
vorzunehmen, und hat dann diese Messungen im Oktober 1818 aus- 
geführt. i-'>) Die Absicht, ausser den dänischen Anschlusspunkten 
gleich auch noch die Richtung nach dem Wilseder Berge einzu- 
stellen, dessen Verbindungen mit Hamburg und Lüneburg aus der 
1804 — 1805 in Hannover ausgeführten Triangulation des französischen 
Obersten Epailly bekannt waren i«), ist nicht zur Ausführung ge- 
kommen. 

Schumacher's rastlosen Bemühungen i'')war es auch zu danken, 
dass Gauss 1819 (vom 28. Juni bis 19. Juli) bei den astronomischen 
Arbeiten in Lauenburg i») und 1820 (vom 12. Septbr. bis 25. Oktober) 
bei der Basis-Messung bei Brake zugegen sein konnte, i^) Zu der 



^*) Quelle für die Ausführungen über die Arbeiten in Lüneburg 1818: Brief- 
wechsel mit Schumacher Band I, Seite 136 — 154. 

^*) Die Resultate dieser Messungen stehen im Briefwechsel mit Schumacher 
Band I., Seite 152—154. 

^*) Siehe Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 145. 

") Schumacher bereitete durch persönliche Rücksprache in Paris, London 
und Hannover Alles so vor, dass Gauss nach seinen Angaben nur noch einen 
„ostensiblen Brief" zu schreiben brauchte. Vergleiche Briefwechsel mit Schu- 
macher Band L, Seite 158—162, und den Brief von Gauss an Minister von Arns- 
^ald, abgedruckt in Band IV. von Gauss' Werken Seite 484,485. 

**) Diese astronomischen Bestimmungen wurden nur als vorläufige betrachtet. 
Die definitiven, fur die Gradmessungszwecke benutzten haben 1827 stattgefunden, 
erst in Göttingen, unmittelbar darauf in Altena. Vergl. Gauss, Bestimmung 
des Breiten-Unterschiedes etc., Briefwechsel mit Schumacher Band II., zwischen 
Seite 46 und 103. Einige offizielle Berichte über die astronomischen Arbeiten 
sind bei den Ministerial-Akten. 

^®) lieber diese Reise und Gauss' Theilnahme an der Basismessung („mit 
einem Repsold'schen Apparat, der an Genauigkeit, Solidität und Zweckmassig- 



Jl 



120 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gaass' praktisch-geod. Arbeiten. 

letzteren Operation wurde seine Anwesenheit von dem dänischen 
Gouvernement direkt erbeten. 

Auf die Braker Basis 20)^ oder vielmehr die daraus abgeleitete 
Seite Hamburg -Hohenhorn 21), gründete sich später das Absolute 
nicht nur aller Gauss'schen Dreiecksseiten 2 2), sondern auch noch der 
ganzen südlich daran stossenden Gerling'schen Triangulation in 
Kurhessen. 23) Auch für die Orientirung seines Dreiecksnetzes konnte 
Gauss noch vor Beginn der zusammenhängenden Feldarbeiten sor- 
gen : nach seiner Rüchkehr von der Basis- Messung wurde im November 
und Dezember 1820 das provisorische nördliche 24) Meridianzeichen 
der Göttinger Sternwarte gebaut 25)^ sodass >die ersten, von der 
Sternwarte auslaufenden Dreiecksseiten durch die festen Meridian- 
Instrumente der Sternwarte selbst auf das Genaueste orientirt werden 
konnten« 26), 

Die Darstellung des historischen Verlaufes der Gradmessungs- 
Arbeiten selbst wird einen Theil des folgenden Aufsatzes ausmachen : 
als Probe des dabei benutzten Original-Materials soll hier zunächst 
der offizielle Bericht Gauss' über die Arbeiten des ersten Jahres 
seiner praktischen Thätigkeit Platz finden. 



An 

Königliches Kabinets-Ministerium. 

IJnterthänigster Bericht des Hofraths 
Gauss über die Arbeiten im Jahre 1821 
Behuf der von Sr. Königlichen Majestät 
im Königreich Hannover allergnädigst 
angeordneten Gradmessung. 

Von den vielfachen Operationen, welche zu einer Gradmessung 
gehören, ist die Bildung des Dreiecksnetzes und die Messung der 
Winkel diejenige, welche bei weitem die meiste Zeit und Arbeit er- 



keit alle bei anderen Gelegenheiten gebrauchten übertrifft") ist ein Original- 
Bericht von Gauss bei den Ministerial-Akten. 

^®) Es ist bekannt, dass Gauss und Schumacher zu ihren Lebzeiten eine 
definitive Länge der Braker Basis ebensowenig erfuhren, als wir heutzutage 
einen unbestrittenen Werth davon besitzen. 

*^) Briefwechsel mit Schumacher Band IL, Seite 141. 

*^) Eine Kontroll-Basis, die sich Schumacher am südlichsten Punkt von 
Gauss' Dreiecken — also bei Göttingen — gedacht hatte (Briefwechsel mit 
Schumacher BandL, Seite 137), hätte Gauss auch gern gemessen, wenn er sich 
nicht (Briefwechsel mit Bessel Seite 412) „auch abgesehen von den grossen 
Kosten vor einer so höchst langweiligen Arbeit gescheut hätte". 

*^) Gerling, Beiträge zur Geographie Kurhessens. Einleitung. Seite V. 

**) Das „südliche Meridianzeichen" kommt nur in dem bei diesem Aufsatz 
abgedruckten Arbeits-Bericht und Tableau pro 1821 vor; nachher ist nie mehr 
davon die Rede. 

"} Briefwechsel mit Schumacher Band L, Seite 199, 200. 

'*) Arbeits-Bericht pro 1821; vergleiche auch Briefwechsel mit Bessel. 
Seite 369, 370. 



-f-f" 



v*-' 



Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gaues' praktisch-geod. Arbeiten. 121 

fordert. Bei der Hannoverschen Gradmessung muss dies Dreiecks- 
netz im Norden bei Hamburg sich an die Dänischen Messungen 
anschli essen : im Süden ist zwar die Göttinger Sternwarte der 
eigentliche natürliche Endpunkt der Gradmessung an sich; allein 
damit diese auch der weitern Ausdehnung nach Süden fähig werde, 
ist es zugleich sehr wesentlich , sie an diejenigen fremden Messun- 
gen anzuschliessen , welche das Königreich Hannover auf der Süd- 
seite berühren. In diesem Falle befinden sich die von der Königlich 
preussischen Regierung veranstalteten und mit grosser Sorgfalt aus- 
geführten Messungen, sowie gegenwärtig auch in Kurhessen eine 
grosse mit aller erreichbaren Genauigkeit auszuführende Triangu- 
lirung beabsichtigt wird. 

Die erwähnten preussischen Messungen, soweit sie bisher ge- 
diehen waren, wurden mir im vorigen Winter mitgetheilt ; ausser- 
dem hatte ich Gelegenheit, einen Theil der von dpm französischen 
Obersten Epailly im J. 1804 u. f. im Hannoverschen, und nament- 
lich im südlichen Theile, gemachten Messungen zu erhalten. Der 
Besitz dieser und einiger anderer Hülfsmittel, welche bei der ersten 
Auswahl der Dreieckspunkte einige Erleichterung geben konnten, 
sowie die Erwägung, dass manchen kleinen von dem Anfange solcher 
Operationen unzertrennlichen Schwierigkeiten und Verlegenheiten 
immer schneller und leichter in der Nähe von Göttingen würde 
abgeholfen werden können, — bestimmten mich, die Triangulirung 
auf der Südseite anzufangen. 

Schon im J. 1820 hatte ich angemessene Einleitungen getroffen, 
um mir die erforderlichen Instrumente zu verschaffen : hier erwähne 
ich nur derjenigen , welche sich unmittelbar auf den geodätischen 
Theil der Gradmessung beziehen. Zu den eigentlichen Winkelmes- 
sungen hatte ich bei Reichenbach (dessen Werkstatt sein ehemaliger 
Werkmeister Ertel gegenwärtig ganz übernommen hat) einen zwölf- 
zölligen Theodolithen bestellt, dessen Vollendung und Ablieferung 
auf das Frühjahr 1821 zugesagt war. Einen kleineren Theodolithen 
von dem englischen Künstler Trougthon hatte ich durch die ge- 
fallige Besorgung des Professors Schumacher bereits in Händen. 

Eine besondere Vorsorge erforderten die Hülfsmittel, die Drei- 
eckspunkte in sehr grossen Entfernungen sichtbar zu machen. Da 
es meine Absicht und von grösster Wichtigkeit war, die Dreiecke 
so gross wie möglich zu wählen , so blieb , bei der Beschaffenheit 
des Landstriches, durch welches sie zu führen sind, keine Hoffnung, 
dass viele Kirchthürme als Dreieckspunkte würden benutzt werden 
können. Besonders gebaute Signalthürme sind bisher das in solchen 
Fällen am meisten angewandte Mittel gewesen : indessen kommen 
in der Ausübung nicht selten Fälle vor, wo auch dieses Mittel un- 
zureichend wird, indem solche Signalthürme (eben sowie die Kirch- 
thürme) in grossen Entfernungen, da, wo sie sich nicht gegen 
den Himmel und besonders da, wo sie sich gegen nahen dunkelfarbi- 
gen Hintergrund projiciren, immer sehr schwer zu sehen , und noch 



d 



122 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch -geod. Arbeiten. 

viel schwerer zu beobachten sind.*) Andere Beobachter haben aus 
diesen und andern Gründen häuiSg (einige ausschliesslich) die 
Winkelbeobachtungen bei Nacht angestellt, indem sie die entfernten 
Dreieckspunkte durch grosse Argandsche Lampen mit sehr genau 
parabolischen Reverberes sichtbar machen Hessen. Freilich haben 
diese nächtlichen Beobachtungen wieder andere grosse Schwierig- 
keiten und Inconvenienzen, und besonders bei sehr grossen Drei- 
ecken muss gewöhnlich eine gelungene Beobachtung erst mit vielen 
vergeblichen Versuchen gleichsam erkauft werden. Die preussischen 
Offiziere z. B. haben, um die drei Winkel des grossen Dreiecks 
zwischen dem Brocken, dem Petersberge bei Halle und dem Etters- 
berge bei Weimar auf diese Art zu messen, beinahe drei Monat 
nöthig gehabt; und noch übler ist es den französischen Astrono- 
men bei ihren Messungen in Spanien gegangen. Wenn ich daher 
gleich nicht geneigt war, mich dieser Beobachtungsart ausschliess- 
lich zu bedienen, zumal da meine physischen Kräfte den Beschwerden 
eines beständigen nächtlichen Aufenthalts auf meistens hohen und 
schwer zugänglichen Bergen schwerlich gewachsen gewesen sein 
würden , so musste ich mich doch , da kein anderes Mittel bisher 
bekannt war, im Voraus gefasst halten, dasselbe wenigstens in 
manchen einzelnen Fällen zu gebrauchen, und ich hatte daher vor- 
läufig drei solcher Lampen bei Repsold in Hamburg und bei Körner 
in Jena bestellt. Diese Lampen erhielt ich im Mai 1821, und ihre 
Wirkung bei den in schicklichen Entfernungen damit verschiedent- 
lich angestellten Versuchen hat auch meiner Erwartung entsprochen. 
Indem mir alle die erwähnten grossen Schwierigkeiten bei Bil- 
dung grosser Dreiecke nach fremden Erfahrungen, noch ehe ich 
eigne gemacht hatte, vorschwebten , war ich auf ein ganz neues 
Mittel bedacht, ihnen abzuhelfen. Theoretische Untersuchungen 
hatten mich überzeugt , dass reflectirtes Sonnenlicht von nur ganz 
kleinen Planspiegeln, hinreichende Kraft habe, um in den grössten 
Entfernungen sichtbar zu sein , und sich viel leichter und besser 
beobachten zu lassen, als alle Thürme und Signale, ja selbst besser, 
als mehrere zusammengestellte Argandsche Lampen bei Nacht. Um 
diese Idee brauchbar zu machen , bedurfte es eines besonderen 
Apparats oder Instruments, wodurch man das reflectirte Sonnen- 
licht mit grösster Genauigkeit und Sicherheit ununterbrochen nach 
jedem beliebigen, noch so weit entfernten Punkte lenken kann. Ob- 
gleich ich die Einrichtung zu diesem Zweck im Wesentlichen schon 
vollständig entworfen hatte, war es doch nicht leicht, dasselbe aus- 
geführt zu erhalten, zumal wenn dies durch einen auswärtigen 
Künstler hätte geschehen sollen, wo der Vortheil fortwährender 



*) Meine eigne Erfahrung im vorigen Sommer hat dies vielfach bestätiget. 
So habe ich z. B. während meines ganzen mehr als vierwöchentlichen Aufent- 
halts auf dem Brocken den aufdemHils erbaueten 7 V« Meilen entfernten Signal- 
thurm nur ein oder zweimal auf wenige Minuten , die Kirchthürme des 12 
Meilen entfernten Hannover auch nicht ein einzigesmal sehen können, unge- 
achtet die Richtung genau bekannt war. 



Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 123 

mündlicher Berathung bei einzelnen technischen Schwierigkeiten 
weggefallen wäre, und die Vollendung daher zum wenigsten sehr 
in die Länge gezogen sein würde. Diese Verlegenheit näherte sich 
jedoch ihrer Erledigung, als unser geschickter Inspector Rumpf, 
welcher während eines grossen Theils des Winters von hier ab- 
wesend gewesen war, gegen Ostern nach Göttingen zurückkehrte, 
und bald nachher die Arbeit eines solchen Instruments übernahm. 
Den Erfolg davon werde ich weiter unten berichten. 

Nachdem alle die erwähnten Vorbereitungen getroffen waren, 
fing ich um die Mitte Aprils 1821 die ersten Recognoscirungen und 
vorläufigen Messungen in der Umgegend von Göttingen an. Auf 
einem beynahe zwei Meilen von hier entfernten Berge, dem Hohen- 
hagen, war die Stelle, wo ehemals ein französischer Signalthurm 
gestanden hatte, noch zu erkennen, und dieser Platz selbst, welcher 
eine sehr ausgedehnte Aussicht beherrscht, wurde zu einem Haupt- 
dreieckspunkte überaus schicklich befunden. 

Diese meine vorläufigen Messungen während der letzten Hälfte 
des April und im Mai, setzten mich in den Stand, meinen beiden 
Gehülfen, dem Hauptmann Müller und dem Lieutenant Hartmann, 
als sie in der Mitte des Mai Hannover verliessen, die ersten Gegen- 
stände ihrer Thätigkeit, ehe sie nach Göttingen selbst kamen, anzu- 
weisen. Sie recognoscirten besonders die höchsten Bergspitzen im 
Hildesheimschen , um in dieser Gegend wo möglich einen Punkt 
ausfindig zu machen , der mit dem Hohenhagen und dem vom 
Hohenhagen aus sichtbaren Kötersberge im Amte Polle ein Dreieck 
bilden könnte. Diese Hoffnung schlug jedoch fehl, und die spätere 
Recognoscirung des Kötersberges selbst bestätigte die Unmöglichkeit 
vollkommen , daher dieser letztere Punct , welcher zwar bei einer 
allgemeinen Landestriangulirung, wie auch zu eventueller Verbin- 
dung mit den Kurhessischen und Westphälischen Messungen , sehr 
brauchbar sein würde, wenigstens für jetzt und für die Gradmessung 
aufgegeben werden musste. 

Dagegen hatten meine eignen erwähnten Messungen mir eine 
Stelle des Hils bei Ammensen als einen wahrscheinlich zu einem 
Hauptdreieckspunkt sich sehr gut eignenden Platz bezeichnet, sowie 
auch der vom Hohenhagen aus gleichfalls sichtbare Kahlberg (nicht 
weit von Gandersheim) , welcher ein französischer Dreieckspunkt 
gewesen war, eine Berücksichtigung verdiente. Ich trug daher mei- 
nen Gehülfen die Recognoscirung dieser beiden Punkte bei ihrer 
Reise aus dem Hildesheimschen nach Göttingen auf, und das Re- 
sultat davon war, dass zwar der auf seinem Gipfel stark bewaldete 
Kahlberg nur mit grossen Schwierigkeiten als Dreieckspunkt benutzt 
werden könnte, der Platz auf dem Hils hingegen , von wo aus in 
Norden die Aussicht bis Hannover (und wie spätere Untersuchung 
gezeigt hat, sogar noch mehr als drei Meilen weiter, bis zum Bre- 
linger Berge) offen ist, sich sehr gut dazu qualificirte. 

Bei der Hannoverschen Gradmessung ist es ein besonders wesent- 
licher und wichtiger Umstand, dass die ersten von der hiesigen 



124 Gaede. Beiträge zurKenntnias vonQausa'praktiech-geod. Arbeiten. 

Sternwarte auslaufenden Dreiecksseiten durch die festen Meridian- 
Instrumente der Sternwarte selbst auf daa genaueste orientirt wer- 
rton können. Die Aussicht der Sternwarte in der Richtung des 
9 war zwar ursprünglich weder auf der Nordseite noch 
Südseite offen, und wenn diesem Mangel nicht abzuhelfen 
wäre, so wäre nicht allein jener höchst wichtige Vortheil 
t vorhanden gewesen, sondern es wäre diess auch auf immer 
Dtlicher Radical-Fehler bei der Wahl des Platzes der Stern- 
blieben. Glücklicherweise war aber die eine Hälfte dieser 
;keit bereits überwunden; die, vorher durch die Gäi-teii 
ingen versperrt gewesene Aussicht nach Norden hatte ich 
I Herbst 1820 geöffnet, und auf einem Berge unweit Weende 
isorisches Meridianzeichen errichten lassen. Viel grösser 
ngegen die Schwierigkeiten auf der Südseite des Meridians, 
dichte hohe drei Stunden entfernte Waldung die Aussicht 
!. Dieses Hindemiss musste womöglich überwunden werden. 
idem meine Gehülfen in Göttin gen angekommen waren, 
tuvÖrderst Einleitungen zum Bau eines Signalthurms auf 
lenhagen getroffen. Der Hauptmann Müller ging hierauf 
gnOBcirung des Kötersberges ab , während der Lieutenant 
n hier blieb, um das Detail des Signalbaues in Dransfeld 
iren. Zugleich wurde nun dessen Anwesenheit hier benutzt, 
Beschaffenheit jener Hindernisse der südlichen Meridian- 
näher zu untersuchen. Es fand sich, dass jene Waldung 
m der Dorfschaft Friedland sei, und eine Lichtung der- 
iglich, obwohl mit nicht ganz unbedeutenden Eutschädigungs- 
Die grosse Wichtigkeit des Gegenstandes musste hier enfc- 
Es wurde *) eine Schneus durch den Wald gehauen, 
:hwierige Operation durch die geschickte Beihülfe des Lieute- 
irtraann so gut gelang, dass sie ungeachtet der geringen 
on 1 Ruthe dem beabsichtigten Zweck vollkommen ent- 
Die Sternwarte wird hierdurch nun zugleich den unschätz- 
orheil gewinnen , auf beiden Seiten Meridianzeichen zu 
, und der bei der ersten Anlage begangene Fehler wird 
gehoben. Es ist mir angenehm, biebei zugleich bemerken 
■n, dass im ganzen Jahre weiter keine Fälle vorgekommen 
Aushaue mit Kosten verknüpft gewesen wären. 
Hauptmann Müller hatte sich inzwischen, nachdem die 
libarkeit des Köterberges vollständig eutschieden war, von 
dem Hits begeben , um hier die Erbauung eines zweiten 
irms einzuleiten, über dessen weitere Ausführung zu wachen 
er Karlshütte angestellte Reinking d. J. auf sich nahm, 
irch den Hauptmann Müller in Stand setzte, sogleich noch 
sognoscirung eines neuen Dreieckspunktes vorzunehmen. 
i dazu, nachdem im Hildesheimschen sich kein schicklicher 
efunden hatte , einen noch weiter nordöstlich schon im 

lau in der Richtung dee Meridians. 



Gaede. Beiträge zui* Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 125 



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Braunschweigischen liegenden Berg, den Kruksberg nahe bei 
Lichtenberg ausersehen , und die Reise des Hauptmanns Müller | 

bestätigte meine Erwartung. Dieser hohe und vortheilhaft gelegene 
Berg ist aber mit Hochwald bewachsen ; inzwischen da die Waldung 
herrschaftlich ist, so wurde die Genehmigung der nöthigen Aus- 
haue von der herzogl. Braunschweigschen Kammer sofort, und um 
so leichter ertheilt, weil ohnehin ein Theil dieser Forst schon zu 
einem baldigen Abtriebe bestimmt war. 

Während dieser Zeit hatte der Inspector Rumpf schon fleissig 
an dem oben erwähnten Instrument gearbeitet, welches ich fortan 
mit dem ihm beigelegten Namen Heliotrop bezeichnen werde. Allein 
noch vor dessen Vollendung war ich auf die Idee gekommen, einen 
blossen Spiegelsextanten zu einer Art Viceheliotrop einzurichten, 
freilich viel unvollkommener, als jenes Instrument selbst, aber doch 
bei geschickter Behandlung gleichfalls brauchbar. Die damit schon 
auf Entfernungen von beinahe zwei Meilen angestellten Versuche 
bestätigten die enorme Kraft des reflectirten Sonnenlichts fast über 
meine Erwartung, und ich durfte nun nicht mehr zweifeln, dass die 
Erbauung eines dritten Signals auf dem Berge bei Lichtenberg 
schon durch den sich seiner Vollendung nahenden Heliotrop würde 
entbehrlich gemacht werden, daher ich den Hauptmann Müller von 
dort nach Göttingen zurückberief. 

Die wirklichen Winkelmessungen konnten jetzt nach Vollendung 
des Signals auf dem Hohenhagen , ihren Anfang nehmen ; denn 
obgleich der aus München erwartete Theodolith noch nicht fertig 
war , so hatte ich doch von dorther einstweilen einen andern ganz 
ähnlichen, dem Professor Schumacher gehörenden erhalten, welchen 
dieser mir vorerst zu meinen Messungen zu leihen sich gefalligst 
erboten hatte. Zuerst wurden die Messungen in der hiesigen Stern- 
warte gemacht; das Nördliche Meridianzeichen war darauf die 
zweite Station , wobei zugleich der erste Versuch gemacht wurde, 
den inzwischen fertig gewordenen Heliotrop, womit der Hauptmann 
Müller nach dem Hils detachirt wurde, zu einer wirklichen Winkel- 
messung im Grossen anzuwenden. Dieser Versuch fiel so glücklich 
aus, dass ich nun auch nicht mehr zweifeln konnte, der Heliotrop 
werde auch eine noch viel entscheidendere Probe bestehen, wozu 
schon vorher Vorbereitungen getroffen waren. Ich hatte nemlich 
den gegenwärtigen Vorsteher der Gothaischen Sternwarte, Professor 
Enke, veranlasst, den Versuchen mit dem Viceheliotrop hier beizu- 
wohnen, und sich mit den dabei nöthigen Handgriffen vertraut zu 
machen, und derselbe war nun bereitwillig, die Verbindung meiner 
dritten Station, des Hohenhagen, mit dem 11 V2 Meilen entfernten 
Inselsberge , (einem Dreieckspunkt der preussischen Vermessung) 
dadurch befördern zu helfen, dass er dort die Winkelmessung zum 
Hohenhagen, von wo ich ihm das Heliotroplicht zusenden Hess, mit 
einem guten Theodolithen bewerkstelligte, und zugleich wieder vo» 
dorther mit Hülfe eines zum Viceheliotrop gemachten Sextanten 
Sonnenlicht nach dem Hohenhagen für meine eignen Winkelmessungen 

I 



t. 







126 Gaede. Beiträge üur Kenntniss von Gbubb' prsktisch-geod. Arbeiten. 

au verabredeten Stunden gelangen liess. Von diesen mit dem glück- 
lichsten Erfolge in der letzten Hälfte des Julius ausgeführten Ope- 
rationen habe ich bereits im 126. Stück der hiesigen gelehrten An- 
zeigen eine ausführliche Nachricht bekannt gemacht. 

Es war nunmehro entschieden, dass der Heliotrop im Allge- 
meinen die weitere Erbauung von Signalen unnöthig mache, und 
von diesem Zeitpunkt an hat er zum Haupthülfsmittel gedient, 
wodurch erreicht wurde, was auf anderm Wege gar nicht zu erreichen 
gewesen wäre. Der Umstand , dass mir in diesem Jahre nur Ein 
Heliotrop zu Gebote stand, macht« es freilich unvermeidlich, dass 
der Hauptmann Müller, welcher ihn lenkte, mit ihm successive die 
verschiedenen Punkte bereisen musste, welche ich von einem Stand- 
punkte aus zu beobachten hatte, und die Arbeiten hätten sich zum 
Theil bedeutend schneller fördern lassen, nenn gleichzeitig mehrere 
Heliotropen hätten angewandt werden können , wie es in Zukunft 
der Fall sein wird. Inzwischen wurde doch jener Nachtheil schon 
dadurch etwas gemindert, dass ich nach einer Art telegraphischer 
verabredeter Sprache, wozu ich mich des zum Viceheliotrop einge- 
richteten Sextanten bediente, dem Hauptmaim Müller die nöthigen 
Ordres augenblicklich zukommen lassen konnte. Auch diese neue 
Anwendung des Heliotrops bewährte sich eben so sehr, wie die erste. 

Nachdem die Winkelmessungen auf dem Hohenhagen vollendet 
waren, sollte nun die Hiis-Station folgen: allein vorher musste erst 
noch eine die weitere Fortsetzung der Dreiecke betreffende Unge- 
wissheit gehoben werden. Ich wusste zwar, dass auf dem Hils alle 
Thürme der Stadt Hannover sichtbar sind , allein es war noch 
zweifelhaft, ob einer dieser Thürme sich zu weiterer Fortsetzung 
gut gelegener Dreiecke, nach Osten, Nord-Ost und Norden eignen 
würde, zumal da nach den mir zugekommenen Nachrichten der 
höchste dieser Thürme, der Marktthurm, der Aufstellung eines 
Mess ungs- Instruments grosse vielleicht kaum übersteigliche Hinder- 
nisse entgegenstellt. Zu dem Ende reisete ich selbst, während der 
Lieutenant Hartmann den Transport der Instrumente nach dem 
Hils, und die daselbst nöthigen Vorkehrungen besorgte, nach Braun- 
schweig , und Hess den Hauptmann Müller noch weiter nördlich, 
zum Wohlenberge bei Meinersen , gehen. Unsere Untersuchungen 
entschieden hier sofort, dass zwar vom höchsten Thürme in Braun- 
schweig alle Kirchthürme von Hannover gesehen werden können, 
dass aber auf dem Wohlenberge, dem höchsten Punkt dortiger 
Gegend , nur die äusserste Spitze des Marktthurms in Hannover 
sichtbar ist, während dessen tieferer Theii, sowie alle übrigen Kirch- 
thürme, ganz verdeckt bleiben. Es war daher nicht darauf zu 
rechnen, dass Hannover als Hauptdreieckspunkt*) benutzt werden 

*) leb bemerke biebei, daee desaenun geachtet die Lage von Hannover eben 
so genau mit bestimmt werden wird , als wenn es ein Hauptdreieckapunkl 
wäre, sowie icb überhaupt mit den unmittelbar zur Gradmessung gebÖrenden 
Beobachtungen auf jedem Standpunkte allezeit, soweit es ohne erbabliohen 



r— TT- 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 127 

könnte, und es mussten bei den Beobachtungen auf dem Hils andere 
nördlich liegende Punkte mit zugezogen werden, deren Wahl erst 
bei meiner eignen Gegenwart auf dem Hils bestimmt werden konnte. 
Gleich nach meiner Rückkunft von Braunschweig verfügte icli 
mich daher dorthin , und maass daselbst die auf den Hohen- 
hagen , Lichtenberg , Brocken und das Nördliche Meridianzeichen 
Bezug habenden Winkel, wobei der Hauptmann Müller vermittelst 
des Heliotrops zuerst den gewählten Platz bei Lichtenberg, und 
hernach das Meridianzeichen sichtbar zu machen hatte. Ich ging 
dann auf einen Tag nach Göttingen zurück, theils um wegen der 
noch auf dem Hils zu beobachtenden nördlichen Hauptdreieckspunkte 
mit dem Hauptmann Müller Rücksprache zu nehmen, theils um den 
neuen aus München inzwischen angelangten Theodolithen in Empfang 
zu nehmen. Die Messung der auf dem Hils noch rückständigen 
Winkel zu den neu ausgewählten Dreieckspunkten, dem Brelinger 
Berge und dem Deister, wurde hierauf mit Hülfe des durch den 
Hauptmann Müller gelenkten Heliotroplichts bis Ende August 
vollendet. 

Ich begab mich jetzt Anfang Septembers in Begleitung des 
Lieutnants Hartmann nach dem fünften Hauptdreieckspunkte, dem 
Brocken. Die von da aus zu beobachtenden Hauptdreieckspunkte 
waren Lichtenberg, der Hils, der Hohehagen und der Inselsberg 
Auf dem zweiten und dritten dieser Punkte befanden sich zwar 
Signale, allein die Erfahrung bestätigte hier, wie ich zum Theil 
schon oben angedeutet habe die grosse Schwierigkeit, sie zu sehen 
und zu beobachten. Der Hauptmann Müller musste sie daher der 
Reihe nach alle vier mit dem Heliotrop bereisen. Ganz nach Wunsch 
ging es mit den beiden ersten. Allein gegen alle Erwartung, da 
sonst in unsern Gegenden die Witterung im September solchen 
Operationen am günstigsten zu sein pflegt, trat nun eine so ungünstige 
ein, dass die Vollendung der Messungen zum Hohenhagen hin sehr 
verzögert, die zum Inselsberge hin aber fast ganz vereitelt wurden, 
indem während des ganzen vierzehntägigen Aufenthalts des Haupt- 
manns Müller beinahe ununterbrochener Nebel oder Regen fast alle 
Beobachtungen unmöglich machten. Nur einmal konnten während 
einer kurzen Aufheiterung von einer Viertelstunde, wo das Heliotrop - 
licht die grosse Entfernung von beinahe 15 Meilen durchdrang, ein 
Paar unsichere Messungen gemacht werden. Auf diesen wichtigen 
Theil der Messung werde ich daher in Zukunft noch einmal zurück- 
kommen müssen. Bei der vorgerückten Jahreszeit liess sich im 
October kein günstigeres Wetter für eine schon an sich so schwierige 
Operation mehr Erwarten ; zudem machte die damals als nahe bevor- 
stehend angesehene Ankunft Sr. Majestät des Königs in Göttingen 
meine Rückkehr dahin nothwendig. Ich liess daher den Lieutenant 
Hartmann nach Hannover zurückgehen, und traf selbst am 3. October 



Zeitverlust geschehen kann, alle diejenigen gern verbinde, die für die Geographie 
des Königreichs nützlich sein können. 




128 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

wieder in Göttingen ein. In der Umgegend von Göttingen wurden 
nun noch gemeinschaftlich mit dem inzwischen vom Inselsberge 
zurückgekehrten Hauptmann Müller verschiedene Messungsoperatio- 
nen vorgenommen, nach deren Vollendung dieser am 15. October 
nach Hannover zurückkehrte. 

Hiemit waren für dieses Jahr die geodätischen Operationen 
geschlossen. Mir selbst blieb noch übrig, den Ramsdenschen Zenith- 
sector von dem Professor Schumacher in Altena zu übernehmen. 
Zum Einpacken und Escortiren dieses Instruments, welches mit dem 
Zubehör zwei Wägen füllte, nahm ich, da meine beiden bisherigen 
Gehülfen ihrer andern Geschäfte wegen zu dieser Zeit nicht wohl 
von Hannover abkommen konnten, den hiesigen Inspector Rumpf 
zu Hülfe. Die Theiluug des Sectors wurde vor der üebernahme 
von dem Professor Schumacher und mir vermittelst eines eignen 
dazu von Repsold verfertigten mikroskopischen Apparats einer be- 
sondern Prüfung unterworfen. Ich traf von dieser am 22. November 
angetretenen Reise am 14. December wieder in Göttingen ein, wo 
einige Tage nachher auch der Sector selbst wohlbehalten angelangt 
ist. Zu seiner ersten Aufstellung in der hiesigen Sternwarte werden 
die Vorkehrungen in Kurzem vollendet sein. 

Ich füge diesem Bericht noch eine kleine Zeichnung bei, welche 
zur Uebersicht der bisherigen geodätischen Arben dienen kann, und 
bemerke zur Erklärung derselben, dass die schwarzen Linien sich 
auf die schon gemachten Messungen, die rothen 2 7) auf die künf- 
tigen beziehen; die rothen punktirten 2 7) Linien bezeichnen dabei 
solche Verbindungen, deren Ausführbarkeit noch unentschieden ist. 
Da die meisten Hauptdreieckspunkte wenig bekannte Berge sind, 
so habe ich zugleich mehrere andere Oerter, nach ihrer meistens 
durch meine eignen Beobachtungen bestimmten Lage mit eingetragen. 

Rücksichtlich des Personals habe ich noch zu bemerken, dass 
ich ausser dem mir beigegebenen aus drei Mann bestehenden Artil- 
lerie- Commando, wovon sehr häufig einer, zuweilen zwei, verschickt 
werden mussten, behuf der Dienstleistungen bei den Messungsope- 
rationen noch den dazu sehr brauchbaren Aufwärter der hiesigen 
Sternwarte, Teipel, mitzuzuziehen für nöthig gefunden habe, anfangs, 
so lange die Arbeiten näher bei Göttingen dauerten, nur in einzel- 
nen Fällen, hernach von Ende Julii an, fortwährend. An baarem 
Gelde habe ich demselben eben so viel dafür gereicht, als jedem 
des Artillerie-Commando's ausgesetzt sind. 

Unterthänigst 

Göttingen 7. Januar 1822. 

C. F. Gauss. 

^^) In der beigegebenen photolithographischen Nachbildung dieser Zeich- 
nung sind, um den Farbendruck in zwei Platten zu vermeiden, die rothen 
vollen Linien durch schwarze gestrichelte, die rothen punktirten durch schwarze 
punktirte ersetzt. 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 129 



Das Dreiecks-Netz der Gradmessung. 

Wenn man das Dreiecksnetz der Gradmessung unbefangen prüft, 
wird man sagen müssen, dass seine Konfiguration keineswegs als 
etwas Vollendetes oder Nachahmungswerthes erscheint. 

Die Anordnung der Dreiecke ist komplizirt bis zur Verworren- 
heit. Grösste und kleinste Formen sind in demselben System ver- 
einigt. Die spitzen Winkel — unvermeidlich beim üebergange von 
grösseren zu kleineren Seiten, aber unschädlich, wenn sie bei der 
durchlaufenden Seitenberechnung ohne Einfluss bleiben, — wirken 
mehrfach auch bei der üebertragung der Seite von einem Dreieck 
in das andere mit. Die vielen kleinen und kleinsten Formen er- 
fordern im Verhältniss zu der räumlichen Ausdehnung der Trian- 
gulation eine überaus grosse Anzahl von Winkelmessungen. 

Diese unverkennbaren — und von Gauss selbst indirekt auch 
anerkannten — Mängel des Dreiecksnetzes sind auf folgende, bei 
Ausführung der Arbeit obwaltende Umstände zurückzuführen: 

1. Das MissverhältnisB zwischen der Schwierigkeit des zu über- 
windenden Terrains und den finanziellen und technischen Mitteln, 
welche Gauss zu Gebote standen. 

2. Die Art, wie die Arbeit überhaupt vor sich ging ; dass näm- 
lich der Plan für das Dreiecksnetz successive sich ausbildete, wäh- 
rend immer schon gleichzeitig und in derselben Gegend an den de- 
finitiven Messungen gearbeitet wurde. 

Dazu kommt 3. ein persönliches Moment: eine so unruhige, 
körperlich anstrengende und geistig aufregende praktische Thätig- 
keit, wie die Rekognoscirung eines Dreiecksnetzes — zumal unter 
schwierigen Verhältnissen — sie erfordert, widerstrebte Gauss' 
ganzer Individualität. 

In welcher Weise und mit welchen Mitteln das Dreiecksnetz 
entstand, soll in diesem Aufsatz besprochen werden. An die Dar- 
stellung des historischen Vorganges werden sich — auf Grund mehr- 
jähriger Erfahrung des Verfassers auf dem eigenartigen und litera- 
risch wohl selten behandelten Gebiet der praktischen Rekognos- 
cirung in grossem Massstabe — einige selbstständige Betrachtungen 
und Folgerungen, wesentlich praktischer Watur, anknüpfen. Es 
muss dabei Kritik ausgeübt werden ; aber es soll nicht eine tadel- 
süchtige, besser wissen wollende Kritik sein, die einem Manne wie 
Gauss gegenüber doppelt unangebracht wäre, sondern eine Kritik, 
die aus geschichtlicher Betrachtung Belehrung schöpfen will. 

Das Tableau, welches diesem Aufsatze beigegeben ist, bedarf 
zuvor einiger Erläuterungen bezüglich der Bedeutung der angewen- 
deten Signaturen. 

Die starken vollen Linien sollen das von Gauss selbst als 
solches bezeichnete Haupt-Dreieckssystem hervorheben. Mit schwä- 

Zeitschrift für VermesHungswesen. 1885. 7. Heft. 9 



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fei^" ISO Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

cheren vollen Linien sind diejenigen Richtungen angegeben, von 
welchen Gauss sagt, sie hätten unbeschadet des Zusammenhanges 
fortbleiben können; da sie aber einmal — und zwar alle mitgrösster 
Sorgfalt — gemessen seien, so bildeten sie Kreuzungskontrollen, 
welche bei der Rechnung nach willkürfreien Grundsätzen aufs 
Strengste mit berücksichtigt seien, i) Die Grenze zwischen der 
Gradmessung 1821—1823 und deren Fortsetzung 1824—1825 — 
(Seiten Hamburg-Wilsede und Wilsede- Falken berg) — ist durch 
Doppel-Linien markirt. Ferner bedeuten die punktirten Linien 
Richtungen, welche — theils beobachtet, theils projektirt, — später 
wieder verworfen wurden, weil die angeschnittenen Punkte bei 
näherer Prüfung sich nicht zur Weiterführung der Dreieckskette 
eigneten. (Brelingerberg , Wohlenberg, auch südliches Meridian- 
zeichen. 2) Die gestrichelten Verbindungen (von Scharnhorst nach 
Deister und Lichtenberg , wodui'ch der Punkt Garssen überflüssig 
geworden wäre) bezeichnen Richtungen, die nachträglieh als vor- 
handen bezw. herstellbar konstatirt, aber nicht mehr gemessen 
wurden. ^) Diejenigen Sichten, welche mittelst Durchhau erzwungen 
wurden (nach Angabe der Arbeitsberichte), sind durch mehrfache 
Durchstrichelung der betrefl'enden Richtung gekennzeichnet. 

Neben dem Namen jedes Punktes ist (auf Grund der Arbeits- 
berichte) das Jahr notirt , in welchem Gauss dort beobachtet hat. 
Die kleineren, hinter jede Jahreszahl in Klammern gesetzten ZiflFern 
geben die Reihenfolge der in den einzelnen Jahren gemessenen 
Stationen an. Das E bei den Stations-Namen bedeutet, dass an 
den betreffenden Punkten schon bei der Triangulation des Oberst 
Epailly 1804—1805 Signale gestanden haben. ^) Die Bedeutung der 



^) Bei den Akten der Trigonometrischen Abtheilung befindet sich ein 
Handschreiben von Gauss an General von Muffling vom 22. Dezember 1828 
nebst einem Koordinatenverzeichniss der Hauptdreieckspunkte und einem 
eigenhändig gezeichneten Tableau. Diesem Schreiben bezw. Tableau ent- 
sprechend, ist die obige Unterscheidung gemacht, die sich übrigens ebenso 
auch auf einem, zum Arbeitsbericht pro 1824 gehörigen Plan wiederfindet. 

^) Siehe hierzu das bei Aufsatz I. abgedruckte Tableau zu Gauss' Arbeits- 
bericht pro 1821. 

^} Siehe Schumacher, Astronomische Nachrichten, Band I. Erste Beilage 
zu Nr. 24, Seite 444, und Briefwechsel zwischen Gauss und Schumacher, Band L, 
Seite 290. Beide Stellen sind identisch bis auf die Epitheta, welche sich auf 
die Schwierigkeit der Arbeit beziehen , worüber im Briefwechsel, Band I., 
Seite 292, nachzulesen. 

*) Die Trigonometrische Abtheilung besitzt ein Aktenstück über diese 
Triangulation, welches mehrere Berichte , Tableaux und Rechnungen enthält. 
Den Hauptbestandtheil desselben bildet ein 70 Seiten langer Bericht Epailly's: 
„Compte rendu ä Monsieur le General de Brigade du Genie Samson, directeur 
du depot general de la guerre, par le chef de section, directeur du Bureau 
Topographique de Parmee d'Hanovre, des travaux faits ä ce Bureau pendant 
Pan douze." Gauss hat dieses Aktenstück , speziell den Compte rendu , auf 
welchen in der Folge mehrfach Bezug genommen werden wird, in Händen 
gehabt. — (Schreiben von Gauss an das Kabinets-Ministerium vom 20. März 
1821. — Original bei den Akten der Abtheilung, zum grössten Theil abge- 
druckt in Gauss» Werken, Band IV., Seite 487-488.) 



Gaede. Beitrage zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 131 

in dem Arbeits-Pensum von 1822 und 1823 angewandten Schraf- 
firungen wird sich später im Zusammenhange der Darstellung 
ergeben. 

Betrachten wir nun zunächst die Entwickelung der Dreiecks- 
kette zwischen den Sternwarten von Göttingen und Altena, *) also 
die Arbeit der Jahre 1821—1823. 

>Im Süden < , schreibt Gauss im Arbeitsbericht pro 1821, «) ist 
zwar die Göttinger Sternwarte der eigentliche, natürliche Endpunkt 
der Gradmessung an sich ; allein , damit diese auch der weiteren 
Ausdehnung nach Süden fähig werde, ist es zugleich sehr wesent- 
lich , sie an diejenigen fremden Messungen anzuschliessen , welche 
das Königreich Hannover auf der Südseite berühren. In diesem 
Falle befinden sich die von der Königlich Preussischen Regierung 
veranstalteten und mit grosser Sorgfalt ausgeführten Messungen, 
sowie gegenwärtig auch in Kurhessen eine grosse mit aller erreich- 
baren Genauigkeit auszuführende Triangulation beabsichtigt mrd.^ 

Den einfachsten und nächstliegenden Anschluss an die preussi- 
schen Dreiecke bot die Seite Inselsberg- Brocken (aus den beiden 
preussischen Dreiecken mit Ettersberg und Herkules, welche 1819 
gemessen waren. '^) In Kurhessen wurde die Triangulation erst im 
Herbst 1822 definitiv beschlossen: ^) eine Kooperation zur Ver- 
knüpfung beider Messungen war daher bei Beginn der Gauss'schen 
Arbeit 1821 noch nicht möglich. Der gleich zu Anfang der Rekog- 
noscirung 1821 von Gauss aufgesuchte Epailly'sche Dreieckspunkt 
Hohehagen, ») der > mit seiner ausgedehnten Aussicht zu einem Haupt- 
dreieckspunkt überaus schicklich befundene wurde, bildete mit Insels- 
berg und Brocken ein gutes Dreieck und eignete sich gleichzeitig 
zur späteren Anknüpfung der bevorstehenden Messungen nach Kur- 
hessen hinein. So konnte sehr bald die Seite Hohehagen-Brocken 
als südlichste Seite der Gauss'schen Hauptdreiecke festgestellt 
werden. ^^) 

Im Norden war Gauss durch Schumacher's Dispositionen und 
seine eigenen, im Jahre 1818 auf dem Michaelis-Thurm in Lüne- 
burg ausgeführten Winkelmessungen i^) an diesen Punkt bereits ge- 
bunden. Von der Seite Lüneburg - Hamburg auf Epailly's Seite 
Lüneburg- Wilsede weiterzugehen, war gleichfalls 1818 schon in Aus- 



*) Die Sternwarte von Altona ist 1873 nach Kiel verlegt. (Siehe C. F. W. 
Peters, die gegenseitige Lage der Sternwarten zu Altona und Kiel. 1884.) 

*) Abgedruckt bei Aufsatz I. 

^ Tableau aus den älteren Akten der Trigonometrischen Abtheilung. 

^) Gerling , Beiträge zur Geographie Kurhessens und der umliegenden 
Gegenden 1839. Einleitung. 

^) Siehe Arbeitsbericht pro 1821, abgedruckt bei Aufsatz I. 

'^) Auf Inselsberg hat Gauss überhaupt nicht beobachtet, sondern die Mes- 
sungen auf diesem Punkte 1821 dem Professor Encke von der Gothaischen 
Sternwarte (siehe Arbeitsbericht bei Aufsatz I.) und 1823 dem Professor Gerling 
überlassen. (Arbeitsbericht pro 1823 und Gerling, Beiträge zur Geograpliie 
Kurhessens.) 

^*) Vergl. Aufsatz I. 

9, 



132 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

sieht genommen, so dass im Norden die Seite Lüneburg- Wilsede 
als Ausgangsseite für die neu zu bildenden Dreiecke angesehen 
werden konnte. 

Zwischen Hohehagen-Brocken im Süden und Wilsede-Lüneburg 
im Norden sollte also die Dreieckskette der Gradmessung geführt 
werden. Die Entfernung zwischen den Mitten der beiden Seiten 
beträgt in der Luftlinie ca. 23 Meilen. Die Lage beider Seiten zur 
Fortschrittsrichtimg der Kette ist günstig. Hohehagen und Brocken 
sind 9 Meilen, Wilsede und Lüneburg 4V« Meilen von einander 
entfernt: das sind Längen für Hauptdreiecksseiten, welche — dem 
im Süden gebirgigen, im Norden flachen Terrain entsprechend — 
als normale und im Mittel etwa erreichbare anzusehen sind. Bei 
allmählicher Verkleinerung der Formen mit einer Kette von vielleicht 
7 oder 8 aneinandergereihten Dreiecken auf geradem Wege von 
einer der gegebenen Schlussseiten zur anderen zu kommen, scheint 
also nach Lage und Länge derselben sehr wohl möglich. 

Nun ist aber der nördliche Theil des Zwischenterrains — etwa 
zwei Fünftel des Ganzen — von der Lüneburger Haide ausgefüllt, 
einem Gelände, dessen >Widerspänstigkeit< Gauss selbst wiederholt 
charakterisirt hat : >das Land überall flach , keine dominirenden 
Punkte, überall Holz, theils in grossen Waldungen, theils in unzähl- 
baren kleineren Kämpen, die sich schachbrettartig vor einander 
schieben. 12) >Thürme sind überall nur wenige da, die wenigen 
niedrig und nicht so hoch, wie die verwünschten überall und überall 
stehenden Bäume. < 18) In diesem Terrain musste ein zusammen- 
hängendes Dreieckssystem von Grund aus neu geschaffen werden: 
der Epailly'sche Vorgang Hess hier im Stich. 

Der Oberst Epailly hatte bei seiner zur Zeit der französischen 
Okkupation 1804 und 1805 für kartographische Zwecke ausgeführten 
Triangulation Hannovers — der ersten dieses Landes überhaupt — 
in der Lüneburger Heide nur einzelne Dreieckspunkte, nämlich 
Lüneburg, Wilsede, Falkenberg, Hauselberg und Garssen, bestimmt. 
Hauselberg und Garssen sind in seinem Tableau unverbunden; 
zwischen den Seiten Falkenberg-Hauselberg und Wilsede-Lüneburg 
ist eine grosse Lücke, von welcher er sagt: j'eus le desagrement 
de perdre quinze jours pour reconnaitre l'impossibilite de conduire 
dans cette partie un canevas trigonometrique. 1*) Er hat sich dann 
damit geholfen, dass er seine zusammenhängende Dreieckskette im 
grossen Bogen um die Lüneburger Haide herumführte, nämlich 
vom Deister über Bremen bis zur Weser-Mündung (Bremerlehe), 
von da längs der Nordsee-Küste bis zur Elb-Mündung und dann 
elbaufwärts bis Hamburg- Wilsede. ^^) 



") Briefwechsel mit Bessel, Seite 406-407. 

^') Briefwechsel mit Schumacher, Band I., Seite 266. 

**) Epailly ^s Compte rendu, siehe Note 4. 

**) „N'ayant pu penetrer d'Hanovre vers ülsen, je sentis que ma seule res- 
source etait de descendre le Weser pour remonter PElbe." — Aus dem 
Compte rendu. 






Gaede. Beiträge zur Kenntnies von Gaass' praktisch-geod. Arbeiten. 133 

Diese Verhältnisse waren Gauss, der sich schon vor 1816 mit 
Rücksicht auf künftige Operationen Mühe gegeben hatte, die Epailly*- 
schen Akten zu erhalten, i«) sehr wohl bekannt: er wusste aus 
Epailly's Berichten, i') dass dieser trotz der verhältnissmässig reich- 
lichen und energischen Mittel, welche ihm in dem okkupirten Lande 
zu Gebote standen, 1 8) eine Dreieckskette nicht hatte durch die Lüne- 
burger Heide führen können. Zu dem Auswege aber, den Epailly 
ergriffen hatte , die Heide im Bogen zu umgehen , erklärt er im 
Arbeitsbericht 1822: >Ein ähnliches Verfahren, welches höchstens 
als Nothbehelf bei einer Landes - Vermessung zulässig sein kann, 
hätte ich bei der Gradmessung mir nicht erlauben dürfen«. 

Die Dreieckskette zwischen Lüneburg- Wilsede und Hohehagen- 
Brocken sollte also trotz aller Schwierigkeiten auf geradem Wege 
durch die Lüneburger Heide hindurch gefuhrt werden. 

>In dem flachen, mit einer Menge Holzungen bedeckten Lande«, 
schreibt nun Gauss an einer anderen Stelle, ^^) >giebt es nur wenige 
zu Dreieckspunkten brauchbare Plätze, wenn die Dreiecke eine etwas 
bedeutende Grösse haben sollen. Die Brauchbarkeit ist aber desto 
schwerer zu erkennen, da sie nicht von der Beschaffenheit der Plätze 



^*) Briefwechsel mit Schumacher Band L, Seite 131; ferner auch Seite 200. 

") In dem Arbeits-Bericht pro 1822, sowie in dem Schreiben an das 
Kabinets-Ministerium vom 20. März 1821 (s. Note 4) spricht er sich ausführlich 
hierüber aus. Vergleiche hierzu Briefwechsel mit Schumacher Band I., 
Seite 260, 288, Schumacher's Astronomische Nachrichten Band I., Seite 441, 
Briefwechsel mit Bessel Seite 406, Brief an Bohnenberger in Band XI. dieser 
Zeitschrift Seite 429—432, worin Gauss speziell äussert, er besitze ein Tableau 
der Epailly'schen Dreiecke. 

^®) Epailly schreibt hierüber im Compte rendu, Abschnitt „Sur les moyens 
d'execution" : Pour faire marcher de front la reconnaissance des triangles, la 

disposition, l'elevation des signaux et Pobservation des angles, il fallait 

malgre les cris et les plaintes des paysans pouvoir impitoyablement abattre 
leur bois, percer les fenetres dans les toits de leurs clochers, y faire des obser- 
vatoires; il fallait pouvoir jouir partout du droit de conquete et n'avoir ä 
craindre nulle part ni refus, ni resistance; il fallait que nous pussions en imposer, 
qu'on respectät jusqu'aux signaux que nous avons eleves dans les deserts, oü 
ils n'ont d'autre sauve-garde que la frayeur. — Epailly hatte ein sehr starkes 
Personal an Ingenieuren, berittenen Ordonnanzen etc., viele Wagen und Pferde. 
Die Rekognoscirungen wurden meist zu Pferde ausgeführt. Signale hat er bis 
zu 12 m Höhe angewandt ; Kirchthürme unter Umstäuden weiss angestrichen. 
Für Arbeiter, Transporte u. dergl. leistete er keine Zahlung. — Die Schnellig- 
keit und Energie der Arbeit bei dieser militärischen „triangulation ä frayeur", 
wie man sie wohl nennen darf, ist sehr bemerkenswerth. Charakteristisch ist 
die Bemerkung, wie die Ingenieure in der Lüneburger Heide lebten : „Mr. Douyau 
a passe les nuits au pied de ses signaux, oii il vivait de la chasse de ses 
ordonnances**. — Eine solche Lebensweise wäre allerdings Nichts für Gauss 
gewesen, der (Briefwechsel mit Schumacher Bd. L, Seite 149) „lieber tätlich 
viermal einen langen Weg machte, als schlecht logirt" war und (Briefwechsel 
mit Schumacher Bd. I., Seite 411) seinen eigenen Flaschenkeller beim Trian- 
guliren mitführte. 

^®) im Arbeitsbericht pro 1824. Die Aeusserung bezieht sich zunächst auf 
die Arbeiten des Jahres 1824, ist aber so allgemein gehalten, dass sie, auch 
von dieser Situation losgelöst, ihre Geltung behält. 



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134 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

für sich allein betrachtet, sondern von ihren Relationen unter ein- 
ander abhängt, sodass öfters ein höher liegender Platz doch 
unbrauchbar seyn kann , wenn er nicht mit allen übrigen Punkten 
verbunden werden kann, mit denen er verknüpf bar seyn müsste — 
während dagegen zuweilen ein an sich unscheinbarer Platz tauglich 
seyn kann. Die Verbindungen müssen meistens erst durch Holz- 
öffnungen erzwungen werden, deren sichere und präzise Ausführung 
schon ein genaues Studium des Landes voraussetzt. < 

Also : nicht die Auswahl einzelner Punkte, — so urtheilt Gauss 
allgemein — sondern das Auffinden tauglicher Kombinationen ist 
die Aufgabe der Rekognoscirung. Die Voraussetzung hierzu bildet 
ein genaues Studium des Landes. — Verlassen wir zunächst einmal 
die historischen Vorgänge, und betrachten, diesen allgemeinen Ge- 
danken in seine Details und Konsequenzen verfolgend, die Aufgaben 
der Rekognoscirung eines grösseren Dreieckssystems, speziell unter 
schwierigen Terrain- Verhältnissen. 

Die Rekognoscirung eines flachen und waldipjen Landes behufs 
Aufsuchung der Kombinationen zu einem Dreieckssystem ist eine 
sehr aufregende und zeitraubende Arbeit. 20) Den Charakter eines 
grösseren Landstriches auffassen, die hervorragenden Punkte heraus- 
finden, aus einem in der geistigen Auffassung immer mehr zur 
Klarheit sich durcharbeitenden Terrainbilde die möglichen Zusammen- 
hänge der brauchbaren Punkte kombiniren — dazu sind weniger 
tiefe theoretische Einsichten nothwendig, als vielmehr praktische 
Anstelligkeit und Erfahrung, Urtheils- und Entschlussfähigkeit, 
körperliche und geistige Versatilität. 21) Es genügt aber nicht, ür- 
theil und Entschluss allein auf das Sehen zu gründen : die Rekog- 
noscirung muss von vorneherein von einer vorläufigen Messung und 
Rechnung begleitet werden; 2 2) nicht Karte und Femrohr allein sind 
ihr Handwerkszeug, sondern dazu Theodolit und Logarithmentafel 
Messung und Rechnung erfüllen noch weitere und wichtigere Zwecke, 



*°) Gauss an Schumacher 1816 (Briefwechsel Bd. I., Seite 131): „Einen grossen 
Vortheil haben Sie in dem Umstände, dass' Dänemark schon einmal vermessen 
ist"; — (Anm. des Verfassers: die Bugge'schen Dreiecke, siehe Andrä, den 
Danske Gradmaaling, Erster Band, Einleitung) — „ich meine natürlich nicht 
in den gemessenen Winkeln selbst, die weit davon entfernt sind, sich zu einer 
Gradmessung zu^qualifiziren, sondern weil jene Operation Ihnen das Auswählen 
der Stationspunkte ungemein erleichtern wird. Das Aufsuchen würde mir bei 
einer ähnlichen Arbeit das unangenehmste sein, weil dabei so viel Zeit um- 
sonst verloren wird. Ich habe mir viele Mühe gegeben (in ähnlichen Rück- 
sichten auf künftige Operationen) die von Epailly im Hannoverschen gemessenen 
Winkel zu erhalten." 

*^) lieber die Eigenschaften, welche seine mit der Rekognoscirung zu beauf- 
tragenden Gehülfen haben sollten, äussert sich in ähnlicher Weise Gauss in 
einem Schreiben an den Gesandten Grafen Münster vom 30. Mai 1819 (grössten- 
theils abgedruckt in Gauss' Werke Band IV., Seite 482—483). 

*=*) Gauss im Arbeitsbericht pro 1824: „Mit Hülfe der bei diesen Rekognos- 
cirungen angestellten vorläufigen Messungen und aller sonstigen mir zu Ge- 
bote stehenden Mittel setzte ich mich in den Besitz einer genäherten Kennt- 
niss der Lage einer bedeutenden Anzahl von Punkten, die für die bevorstehen- 



^5^: 



Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 135' 






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als nur die Ermöglichung präziser Durchhaue ; 23) sie machen, mit 
der Rekognoscirung fortschreitend, diese allmählich unabhängig von 
der ohnehin meistens unzureichenden Karte, 24) und geben in den 
angenäherten Winkelwerthen nicht nur einen erwünschten Anhalt 
für die spätere, definitive Messung, sondern auch das beste Material 
zur Beurtheilung der Kombinationen. 

Sind ältere Messungen in demselben Terrain vorhanden, so wer- 
den diese, vor Beginn der Feldarbeit vorbereitend, geordnet , einen 
dankenswerthen Anhalt bei der Rekognoscirung selbst geben 25): sie 
sind aber nur mit grosser Vorsicht und Kritik zu benutzen und 
bergen eine grosse Gefahr in sich ; die nämlich, dass der Rekognos- 
cirende, welcher — unter lebhafter körperlicher Anstrengung und 
in stetem Kampf mit äusseren Friktionen (bei der Ueberwindung 
weiter Räume, dem Abpassen günstiger Witterungs-Momente etc.) 
— innerlich aus Zweifeln , Grübeln und Kombiniren gar nicht 
herauskommt, sich mit seinen Gedanken unwillkürlich allzu fest an 
die Vorgänge klammert und aus hierdurch beeinflussten, vorgefassten 
Meinungen , wie dieser oder jener Terraintheil zu behandeln sein 
dürfte, sich nur schwer zu selbstständigem Urtheil und eventueller 



den Messungen nützlich werden konnten. Eine solche Kenntiiiss ist immer 
für die Ausführung der Hauptmessungen in vielfacher Rücksicht von grosser 
Wichtigkeit, ganz besonders aber in einem flachen und waldigen Terrain" 
(für Ausführung von Durchhauen). 

") Grössere Durchhaue sind heutzutage als ein extremes Gewaltmittel an- 
zusehen, dessen Anwendung — abgesehen von der Schwierigkeit und Umständ- 
lichkeit der Ausführung, wegen des damit verbundenen Eingriffes in^ fremdes 
Eigenthum, der zeitraubenden und leicht Verstimmung erregenden Verhand- 
lungen mit Behörden und Privaten — nur der äusserste Nothfall rechtfertigt. 

^*) Auch bei dem heutigen Zustande der Kartographie in Norddeutschland 
ist eine üebersichtskarte wie z. B. Reymann 1 : 200 000 eine durchaus unzu- 
reichende Grundlage beim Rekognosciren, weil sie, aus der Kompilation ver- 
schiedener Original-Materialien entstanden, nicht auf einheitlicher Triangula- 
tion und Projektion beruht. Der hieraus beim praktischen Rekognosciren ent- 
springenden Unsicherheit ~ bei schwierigem Terrain und schlechten Sichten 
oft sehr unangenehm — entgeht man dadurch , dass man mittelst Messung 
und Rechnung (wenn möglich unter Benutzung von Vorgängen, die vorher 
entsprechend umgearbeitet sind), sich allmählich Koordinaten einer Anzahl 
von markirten (ev. auch selbstgeschaffenen) Objekten in einem einheitlichen 
System verschafft. Dann kann man beispielsweise an einem noch nicht be- 
stimmten Punkte nach einigen durch Rechnung schon bekannten, nahen oder 
leicht sichtbaren Objekten sich rückwärts einschneiden und an Ort und Stelle 
die Lage einer zu konstatirenden , weiten Richtung nach einem durch seine 
Koordinaten bekannten Punkte, dessen Sichtbarkeit zweifelhaft ist, schnell und 
sicher feststellen. 

") Gauss im Arbeitsbericht pro 1824: „Durch die älteren Oldenburgischen 
Messungen — obgleich ihre Genauigkeit vergleichungsweise nur gering ist — 
ist die gegenseitige Lage einer grossen Anzahl von Punkten, Kirchthürmen 
und Windmühlen, in jenem Landstriche, näherungsweise bestimmt; ich habe 
alle Data, welche ich nur habe zusammenbringen können, schon vorbereitend 
geordnet, und hoffe, darin zur Leitung der Rekognoscirungen und zur Aus- | 

mittelung der etwa vorhandenen brauchbaren Plätze eine grosse Hülfe zu ?| 

finden.« ^ '^ 






136 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

anderer Entschliessung losringt, 2«) Zwecke und Mittel späterer 
Triangulationen sind aber von denjenigen, welche die Vorgänge in 
derselben Gegend bedingt und deren Eigenart hervorgerufen haben, 
in der Regel verschieden ; und die Vervollkommnung der Mittel 
einer späteren Zeit darf entsprechend höhere Leistungen, auch in 
der Konfiguration der Dreieckssysteme, beanspruchen. 

Wenn man nun aber bei der ßekognoscirung eines Dreiecks- 
systems in flachem und waldigem Gelände, welches keine Thürme 
oder sonstige direkt gegebene Aussichtspunkte darbietet, selbst- 
ständig sehen und vorläufig messen will, so darf man nicht, unsicher 
im Finstern tastend, am Boden bleiben: die Errichtung hoher Ke- 
kognoscirungsgerüste ^7) über die Bäume hinaus, sowohl zur Umschau, 
als auch als Einstellungs- Objekte bei den Messungen, 28) ist noth- 
wendig geboten. Das kostet Zeit und Geld 29): aber in solchem 
Gelände kann man überhaupt nicht schnell und nicht billig trian- 
guliren , und am wenigsten ist Sparsamkeit da angebracht, wo es 
sich darum handelt, zunächst eine gründliche und sichere Unter- 
lage für alle weiteren PJntschliessungen zu gewinnen. 

Es ist weiter nöthig, dass — gerade in schwierigem Terrain — 
die Rekognoscirung als solche nicht früher abgeschlossen werde, als 
bis alle Möglichkeiten der Kombination erschöpft scheinen , und 
namentlich nicht früher, als bis das ganze Terrain, in welches ein 
einheitlich zu behandelndes Dreieckssystem fällt, auch durchweg 
und im Zusammenhange gründhch durchrekognoscirt ist. Geht man 
— bei gegebenen Schlussseiten an beiden Enden einer projektirten 
Kette — von einer dieser Seiten mit einem Dreiecks- Projekt, von 
Punkt zu Punkt sich weiter arbeitend, zur anderen fort, so kann 
es leicht eintreten , dass man , am anderen Ende der Schlussseite 
gegenüber angekommen, rückwärts das ganze Projekt ändern muss, 
weil die letzten Verbindungen zu den Endpunkten dieser Schluss- 
seite fehlen. Treibt man aber, von beiden Schlussseiten ausgehend, 
zwei Kettenzweige einander entgegen, so lassen sich diese vielleicht 



'^^) Epa lly's Vorgang ist für Gauss in der Lüneburger Haide verhängniss- 
voll geworden. — Uebrigens sind auch manche moderne Tableaux gar nicht 
anders zu erklären. 

=*') Von hier ab lässt Gauss' Beispiel als Vorbild rationeller Rekognoscirung 
im Stich. 

-•*) Zur Konstatirung resp. vorläufigen Messung schwieriger Richtungen 
und zur definitiven Abmessung der nothw endigen Höhe des Beobachtungs- 
Piuiktes über dem Erdboden empfiehlt es sich, schon bei der Rekognoscirung 
Heliotrope zu benutzen. 

■^^) Verfasser hat im Sommer 1883 das „W^esernetz", welches den grössten 
Tlitdl der Provinz Hannover umfasst, nach den hier entwickelten Gesichts- 
punkten rekognoscirt und dabei über zwanzig Rekognoscirungs-Gerüste leich- 
tester Konstruktion bis zu 32 Meter Höhe benutzt. Von geübten Arbeitern 
wurden unter Leitung erfahrener Beamten pro Tag durchschnittlich 10 Meter 
Cxeriist gebaut; das Meter kostete 4- 5 Mark. Bei einem eventuellen späteren 
i^imialbau an derselben Stelle ist das Material wieder zu verwerthen. 




Kleinere Mittheilungen. 137 

in der Mitte nicht zu guten Dreiecken vereinigen. ^^) Die Verthei- 
lung der Formen über den gegebenen Raum muss einheitlich für 
den ganzen Zusammenhang erfolgen. 

Nach diesen Gesichtspunkten wird die Rekognoscirung vollständig 
zu Ende zu führen sein , ohne dass im Verlaufe derselben bereits 
definitive Signale gebaut oder Anordnungen irgend einer Art getroffen 
werden, welche spätere EntSchliessungen in bestimmte Bahnen drän- 
gen, gleichviel , ob der Rekognoscirende selbst die Entscheidung 
über die definitive Ausführung der Arbeit zu treffen hat, oder ob 
er nur einer höheren Instanz das hierzu nöthige Material in Be- 
richten und vorläufigen Messungsresultaten unterbreitet. Die Re- 
kognoscirung stellt zweckmässig zunächst nur die verschiedenen 
Möglichkeiten fest, wie einzelne Punkte sich zu Dreiecken, Dreiecke 
sich zu einer geschlossenen Konfiguration kombiniren lassen, ferner 
den Bedarf an technischen Mitteln (Signalhöhen, Durchhaue, Thurm- 
einrichtungen), und überschläglich an Geld und Zeit lür die Durch- 
führung jedes einzelnen Projektes, falls deren mehrere vorhanden 
sind. Damit ist eine sichere Unterlage für die nunmehr nöthigen 
Erwägungen geschaff'en, welche mit so viel Gründlichkeit und Ruhe 
angestellt werden müssen , dass dazu während der Rekognoscirung 
im Terrain meistens Zeit und Gelegenheit fehlen werden. 

(Fortsetzung folgt.) 



Kleinere Mittheiluiigen. 

Zeitschrift für Bauwesen. 

Die Redaction der seit 1851 im Ministerium der öffentlichen 
Arbeiten herausgegebenen „Zeitschrift für Bauwesen^ war seit 
einer Reihe von Jahren dem Regierungs - und Baurath über- 
tragen, welchem das technische Bureau der Bauabtheilung des ge- 
nannten Ministeriums untersteht. Vom 1 April d. «J. ab soll die 
Redaction der Zeitschrift für Bauwesen an die Redaction des seit 
1881 in demselben Ministerium wöchentlich zweimal erscheinen- 

'°) Noch komplizirter, als in diesem bei Gauss' Arbeiten vorliegenden Falle 
gestaltet sich diefeinheitliche Vertheilung der Formen bei der Rekognoscirung 
eines grösseren („Dreiecksnetzes", d. i. eines) von mehreren „Ketten" umzogenen 
Flächenraumes, meist von annähernd runder oder quadratischer Figur, welcher 
innerhalb des bereits festgestellten Ketten - Rahmens mit Dreiecken aus- 
gefüllt werden soll, derart, dass an jede nach innen zu liegende Seite der um- 
schliessenden Ketten die Füllung angeschlossen wird und das Ganze ein einheit- 
liches System bildet. So hatte das 1883 von dem Verfasser mit Unterstützung 
zweier Beamten rekognoscirte Wesernetz 18 Anschlussseiten und rund 
500 Quadratmeilen Fläche. Auf dieser Fläche wurden im Laufe des Sommers 
die 15 Hauptdreieckspunkte des Netz-Systems durchaus im Zusammenhange 
meist mittelst hoher Gerüste rekognoscirt. 



138 Unterricht und Prüfungen. 

den iCentralblattes der Bauverwaltung< übergehen, was sich auch 
im Interesse einer einheitlichen Leitung beider bautechnischen Zeit- 
schriften als wünscheuswerth erwiesen hat. Die Redacteure des 
Centralblattes sind Bauinspector Sarrazin und Professor Schäfer, 
während die Redaction der Zeitschrift für Bauwesen zur Zeit vom 
Regjeriings- und Baurath v. Tiedemann geleitet wird, J. 



Unterricht und Prüfungen. 

Vorlesungen des geodätisch-kulturtechnischen Kursus an der iandwirth- 
schaftlichen Hochschule zu Berlin im Sommersemesfer 1885. 

An der landwirthschaftlichen Hochschule zn Berlin und der 
landwirthscbaftlicheo Akademie zu Poppeisdorf besteht ein zwei- 
semestriger geodätischer, ein viersemestriger geodätisch-kulturtech- 
nischer und ein zw eisernes tri ger kulturtechnischer Kursus. Die beiden 
erstgenannten Kurse beginnen nur zu Ostern. Geprüfte Feldmesser 
jedoch, welche zwei Semester lang Kulturtechnik studieren und auf 
Grund dieses Studiums das Prädikat »Kulturtechniker» erwerben 
wollen,*) können auch im Herbst eintreten, obwohl der Eintritt 
zu Ostern ihnen das Studium wesentlich erleichtert. 

Von den Land messeraspi ran ten, welche den zweisemestrigen geo- 
dätischen oder den viersemestrigen geodätisch - kulturtechnischen 
Kursus besuchen wollen , wird ausser der erforderlichen allgemein 
wissenschaftlichen Bildung (siehe unten) verlangt, dass sie min- 
destens ein Jahr lang**) unter Leitung eines geprüften Feldmessers 
bei Ver m ess ungs arbeiten praktisch beschäftigt waren. Einschliess- 
lich dieses Jahres soll die Vorbereitungszeit auf die Landmesser- 
prüfung mindestens drei Jahre umfassen, wovon mindestens ein Jahr 
auf den regelmässigen Besuch des geodätischen Kursus zu verwen- 
den ist. Den Rest der Vorbereitungszeit darf der Aspirant nach eigner 
Wahl in praktischer Beschäftigung verbringen oder zum ferneren 
Besuche des Landmesserkursus benutzen. 

Demzufolge ist der zweisemestrige geodätische Kursus für solche 
Landmesseraspiranten bestimmt, welche dem Studium nur ein Jahr 
zu widmen gedenken, der viersemestrige geodätisch-kulturtechnische 

♦) Die Vorschriften , betreffend die Prüfung^ der Kulturtechniker an der 
la 11 dwirth schaftlichen Hochschule zu Berlin, sind durch das Rektorat dereeibeii 
zu beziehen, auch abgedruckt in der Sammlung amtlicher Rrlaaee: „DieLand- 
messer und Feldmesser in J^eutaen" etc. Berlin 1884, R. v. Decker's Verlag, 
Preis 4 M. 

**) Man vergleiche §. 9 der Vorschriften vom 4. September 1882 über die 
Prüfung der öffentlich anzua teilenden Landmesser, abgedruckt in der Zeitscbr. 
f. Verm, 1882, S. 476, sowie in dem vorerwähnten Buche; „Die Landmeiser ttnd 
Feldmesser in Preusaen". 




Unterricht und Prüfungen. 139 

solchen, welche 2 Jahre lang studieren und darnach neben der Be- 
stallung als Landmesser auch das Prädikat > Kulturtechniker c er- 
werben wollen. Selbstverständlich steht es den Landmesseraspiranten 
auch frei, unter Verzicht auf jenes Prädikat ihre geodätischen 
Studien auf 4 Seraester zu vertheilen. 

Die Erfahrung hat schon jetzt gezeigt, dass der vorgeschriebene 
geodätische Lehrstoff innerhalb zweier Semester nur von besonders 
Begabten oder solchen, welche sich auf erhebliche theoretische und 
praktische Vorkenntnisse stützen können, zu bewältigen sein möchte. 
Schon leichter ist es, den geodätischen neben dem kultur technischen 
Lehrstoff innerhalb vier Semester in sich aufzunehmen , da der 
geistigen Durchdringung mehr Zeit und in zahlreichen Uebungen 
mehr Gelegenheit geboten werden kann. Somit erscheint es unter 
allen Umständen rathsam, dass Landraesseraspiranten sich von vorn- 
herein auf ein viersemestri(?es Studium gefasst machen und ihre 
Einrichtungen darnach treffen. Der nachträgliche Entschluss zur 
Verlängerung des Studiums über zwei nicht glücklich verwendete 
Semester hinaus kann nur als Nothbehelf gelten. Wer sich endlich 
die Zeit gönnen kann, den wird es später nicht gereuen, wenn er, 
über die Vorschriften hinausgehend, sechs Semester auf sein Studium 
verwendet, davon die vier ersten vorwiegend der Geodäsie und, nach 
bestandener Landmesserprüfung, die beiden letzten der Kultur- 
technik widmet. 

In Rücksicht auf die Menge und Schwierigkeit des zu verar- 
beitenden wissenschaftlichen Stoffes hat das Königliche Landwirth- 
schaftsministerium nicht gestattet, dass geprüften Feldmessern, 
welche sich nach zweisemestrigem Studium der kulturtechnischen 
Prüfung unterziehen wollen, die Zeit ihres einjährigen Militärdienstes 
unter Umständen ganz oder teilweise als Studienzeit angerechnet 
werde. Ebenso hat die Königliche Oberprüfungs-Komraission für 
Landmesser entschieden, dass zu der Studienzeit, welche vorschrifts- 
gemäss (siehe oben) der Anmeldung zur Landmesserprüfung voran- 
gegangen sein muss, die Zeit des einjährigen Militärdienstes unter 
keinen Umständen gerechnet wird. Auch sehr verspäteter Eintritt 
kann zur Folge haben , dass das betreffende Semester den vorge- 
schriebenen nicht zugezählt werden darf. Nicht weniger muss von 
Nebenbeschäftigungen, welche die ohnehin knapp bemessene Studien- 
zeit noch beschränken würden, abgerathen werden. Selbst die Ferien 
sollten Landmesser-Kandidaten dem Studium, oder wenigstens solchen 
praktischen Beschäftigungen widmen , welche das Studium zu för- 
dern geeignet sind. 

Als eine Aufforderung zur Vertiefung des Studiums sind auch 
die Vorschriften über Stellung von Preisaufgaben und Ertheilung 
von Preisen an der land wir thschaftlichen Hochschule aufzufassen, 
welche auf Antrag des Lehrerkollegiums durch Erlass vom 29. Januar 
1885 von dem Herrn Landwirthschaftsminister genehmigt worden 
sind. Es soll unter anderm jährlich eine geodätische oder kultur- 
technische Preisaufgabe gestellt und zur Lösung eine Frist bis zum 



140 Unterricht und Prüfungen. 

1, Mai des darauf folgenden Jahres gegeben werden. Der Preis be- 
trägt 1 50 Mark. Arbeiten , denen zwar ein Preis nicht zuerkannt 
werden konnte, welche jedoch neben geschickter Behandlung des 
Themas anerkenn enswerthen Fleiss bekunden , können durch eine 
»ehrenvolle Erwähnung« belohnt werden. 

üeber die Verfassung und die Einrichtungen der landwirth- 
schaftlichen Hochschule, sowie Über das Studium an derselben er- 
teilt das veröflfentlichte Programm Auskunft. Auf persönliche oder 
briefliche Anfragen Einzelner bei dem Rektorat der Hochschule, 
das geodätisch-ku Hur technische Studium betreffend , ist ebenfalls 
bisher bereitwillig Rath und Auskunft erteilt worden. Anfragen jedoch 
Über die allgemeinen Aussichten auf Verwendung im Staatsdienst, 
welche sich zur Zeit den Landnieasern und Kulturtechnikern bieten 
möchten, können offenbar nicht von Seiten der HochBchuIe , sondern 
nur von den zuständigen Behörden beantwortet werden. 

Insbesondere sind es in der landwirthschaftlichen Verwaltung 
die Königlichen Generalkommissionen und die Meliorations - Bau- 
inspektoren der Provinzen, von deren Bedarf an Hülfskräften die 
Verwendung der Kulturtechniker im Öffentlichen Dienst abhängt. 
Der Erwerb des Prädikats »Kulturtechniker« bildet sogar die Voraus- 
setzung für die Beschäftigung geprüfter Landmesser oder Feld- 
messer bei dem Auseinandersetzungs- und Melinrationawesen, über- 
haupt innerhalb des Ressorts des Königlich Preuasischen Ministe- 
riums f. Landwirthschaft , Domänen und Forsten , wie ein Erlass 
dieses Ministeriums vom 21. April 1883 festsetzt. Unter gleichen 
Verhältnissen soll denjenigen Bewerbern der Vorzug gegeben werden, 
welche nach Absolvirung des kulturtechnischen Kursus bei der Vor- 
bereitung und Ausführung von öffentlichen und privaten Melio- 
rationsarbeiten bezw. bei der geologischen Landesaufnahme praktisch 
beschäftigt gewesen sind. 

Die Direktionen der landwirthschaftlichen Hochschule zu Berlin 
und der landwirthschaftlichen Akademie zu Poppeisdorf sind ange- 
wiesen , den Auseinandersetzungsbehörden und den Meliorations- 
bauinspektoren der Provinzen nach jeder kulturtechniscben Prü- 
fung eine Liste derjenigen Kandidaten mitzutheilen, welche auf Grund 
der Prüfung das Prädikat Kulturtechniker erlangt und eine feste 
Anstellung noch nicht gefunden haben. 

Eine kleine Zahl von Kulturtechnikern wird alljährlich von der 
Königlichen geologischen Landesanstalt zu Berlin angenommen, um 
bei der Aufnahme des norddeutschen Flachlandes beschäftigt zu 
werden. Dieselben verpflichten sich zu vier Jahren Dienst bei der 
Landesanstalt und geiiiessen darnach ein Vorzugsrecht der Anstel- 
lung durch die Generalkommissionen. 

Ueber die Zulassung von Nichtpreussen zur Laiidmesserprüfung 
ist unterm 13. November 1884 eine Verordnung der drei Ministerien 
der öffentlichen Arbeiten , der Landwirthschaft und der Finanzen 
ergangen, welche sicli im laufenden Jahrgang der Zeitschrift f. Ver- 
igswesen, Heft 3, S. 59, abgedruckt findet. 



Unterricht und Prüfungen. 141 

Diö Zulassung zur kulturtechnischen Prüfung wird Nichtpreussen 
nur gewährt, wenn sie die nöthigen Vorkenntnisse, darzuthun. 
Ueber den Umfang der dabei in Betracht kommenden geodätischen 
Vorbildung und die Art, diese nachzuweisen, steht die Entschei- 
dung des Herrn Landwirthschaftsministers noch aus. Nichtpreussen, 
wenn sie nicht die Bestallung als Landmesser oder Feldmesser 
besitzen, empfangen nach bestandener kulturtechnischen Prüfung 
weder ein Diplom noch die Bezeichnung als Kulturtechniker, son- 
dern nur ein Zeugniss, in welchem jedoch ausdrücklich ausge- 
sprochen wird, dass es einen Anspruch auf irgend eine Anstellung 
in Preussen nicht begründet. (Erlass des Herrn Ministers vom 
8. November 1884.) 

Hierunter folgt der viersemestrige Lehrplan für diejenigen, 
welche gleichsieitig die Qualification als Landmesser und als Kultur- 
techniJcer erwerben wollen , nach den Vorschlägen einer Konferenz 
der Dozenten des geodätisch-kulturtechiiischen Kursus vom 11. XII. 84. 
Die fettgedruckten Zahlen beziehen sich auf die im zweisemestrigen 
geodätischen Kursus vorgeschriebenen Fächer. (Siehe Seite 142.) 

Gemäss Erlass des Herrn Ressortministers vom 12. I. 85 ist 
der hier raitgetheilte Lehrplan vom ll.XH. 84 in so weit genehmigt, 
als durch Aenderungen gegenüber dem bisher gültigen das Budget 
der Hochschule für ausserordentliche Unterrichtsstunden nicht neu 
belastet wird. Hiernach dürfte die unter F. 1 empfohlene Vorlesung 
vorerst noch durch die bisher vierstündig im Sommer und Winter 
gelesene Experimentalphysik für Landwirthe zu ersetzen sein. Da- 
gegen besteht Aussicht , dass die unter F. 2 empfohlene Vorlesung 
im Winter wiederholt wird, also je nach Wahl im Sommer oder 
Winter gehört werden kann. 

Im nachfolgenden Verzeichniss der Vorlesungen für das Sommer- 
semester 1885 sind mit den Buchstaben a bis e bezeichnet die 
Fächer : 

a. für Landmesser im ersten von 4 Semestern ; 

b. > > > dritten > 4 > 

c. > » > ersten > 2 > 

d. > Kulturtechniker > ersten > 2 > 

e. > > > zweiten > 2 > 

[. . .] bedeutet empfohlene Vorlesungen. 

Vorlesungsverjs^eichniss, Prof. Dr. Orth : Allgemeine Ackerbau- 
lehre, ILTheil (b, e), zweistündig. Bonitierung des Bodens (b, d, e), 
einstündig. Praktische Uebungen zur Bodenkunde, vierstündig.*) 

— Dr. Grahl : Allgemeiner Acker- und Pflanzenbau (d), vierstündig. 

— Prof. Dr. Wittmack: Uebungen im Bestimmen der Pflanzen 
(b, d, e), einstündig. -- Dr. Degener : Repetitorium der anorganischen 
Chemie [a, d, e,] zweistündig. — Prof. Dr. Grüner: Praktische 
Uebungen zur Bodenkunde, vierstündig*) — Prof. Dr. Börnstein: 



*j Den Kategorieen b, d, e sind je zwei Stunden Uebungen zur Bodenkunde 
und zur Baukunde obligatorisch. 



Unferricht uud Prüfungen. 



Tlersemestrlger Lehrplan 

ejeiiigen, welche gleiclizeitig die Quaüßkation 
andmeaaer und all KultuTleckniker erwerben 
1, nach den Vorschlägen einer Konferenz der 
ten des geodäti ach ■kulturtechnischen Kursus 
ftm U. XII. 1884. 



Wöchentl.Standenzahi 



A. Malbtaurtik. 

•mentare Algebra und algebraische Analysis 
mentare und darstellende Geometrie . . 
aljtische Geometrie imdEleraeiite der höheren 

ilysia 

thematische Zeichen- und Kechenübungen. *) 

B. Geodäsie. 

iktisehe Geometrie 

ggleichungsrechnung 

ides Vermessung 

idätisohe Zeichen- und Rechenübungen *) 

isiibungen 

sserdem Messübungeu im Zusammenhange 
' Pfingstwoohe und am Schlüsse des Sommer- 
tera 10 bis 1Z Tage 

C. Kultur- und Bautechnik. 

Itarteohnik 

twerfen von Ent- und Bewässerungsanlagen 
Iturtechuiches Seminar und Konversatorium 

iraat«rialien- und Bau kons troktionslehre , . 

g- und Brückenbau 

.Bserhau 

twerfen von Anlagen des Weg-, Brücken- und 
.sserbaues 

D, Rechlskunde. 

chs- und. preus siech es Recht mit besonderer 
jksichtauf^die für den Landmesser wichtigen 
jhts Verhältnisse 

E. Landwirthscbaft. 
gemeiner Ackerbau, I. Theil 

gemeiner Äckerbau, II. Theil ( Düngerlehre) 
tanik der Gräser mit Uebungen im Bestimmen 

ienkunde 

jitieren 

iktisehe Uebungen zur Bodenkunde .... 

aieller Pflanzenbau 

(ationslehre nebst den daau unentbehrlichen 
indlagen aus d. Lehre v. Wirtbschaftabetrieb 

F. Empfohlene Vorieiungen. 

rsik mit mathematischer Begründung . , , 

indziige der Chemie 

tterkunde 



Während des Monates Oktober finden mathematische und geodätische 
bungen statt : die Theilnahme daran wenigstens in ein 
ius ist den Landmesser-Kandidaten vorgeschrieben. 



Unterricht und Prüfungen. 143 

Experimentalphysik [a, c], vierstündig. Analytische Geometrie und 
höhere Analysis (a, c) dreistündig. Mathematische üebungen (a, b, c), 
zweistündig. — KammergerichtsrathKeyssner: Reichs- und preussi- 
sches Recht mit besonderer Rücksicht auf die für den Landwirth 
und Kulturtechniker wichtigen Rechtsverhältnisse (b, c, d, e), zwei- 
stündig. — Prof. Schlichting: Wasserbau (b, d, e), einstündig. 
Erdbau (a, [c], d, e), zweistündig. Baukonstruktionslehre (a, d, e), 
zweistündig. Entwerfen von Bauwerken des Wasser-, Weg- und 
Brückenbaues, vierstündig.*) — Meliorationsbauinspektor Köhler: 
Kuiturtechnik (a, c, d, e), zweistündig. Entwerfen von Ent- und 
Bewässerungsanlagen (b, d, e), vierstündig. — Oberlehrer Dr. Reichel : 
Algebra (Nachträge zur elementaren Algebra, algebraische Analysis 
(a, c), zweistündig. Geometrie (Nachträge zur Elementargeometrie, 
Sphärik, sphärische Trigonometrie, Stereometrie, darstellende Geo- 
metrie) (a, c), zweistündig. Mathematische Üebungen zur Algebra, 
algebraischen Analysis und darstellenden Geometrie (a, b, c), zwei- 
stündig. — Prof. Dr. Vogler : Praktische Geometrie (a,c), dreistündig. 
Tracieren (b, c), dreistündig. Messübungen im Freien (a, b, c), 
einen ganzen Tag. Zeichen- und Rechenübungen (a, b, c), zweistündig. 
Während der Pfingstwoche und am Schlüsse des Sommerseraesters 
finden Messübungen im Zusammenhange statt. 

Kulturtechniker, welche etwas mehr Zeit auf ihr Studium ver- 
wenden und in einzelne Fächer tiefer eindringen wollen, finden noch 
eine ganze Reihe iiir sie wichtiger Vorlesungen und üebungen in 
dem vollständigen Verzeichniss derselben nebst Stundenplan, welches 
von dem Rektorat der landwirthschaftlichen Hochschule bezogen 
werden kann. Den Studierenden der letzteren stehen ausserdem die 
Vorlesungen an der Universität, der technischen Hochschule und 
der Bergakademie, ohne besondere Immatrikulation, gegen Zahlung 
des betreflFenden Kollegienhonorars offen, die Vorlesungen an der 
Thierarzneischule selbst ohne besonderes Kollegienhonorar. 

An der landwirthschaftlichen Hochschule beträgt das Honorar 
für die ordentlichen und ausserordentlichen Zuhörer, Landmesser 
und Kulturtechniker 100 Mark für das Semester; die Einschreib- 
gebühr für Neueintretende 10 Mark. 

Die Immatrikulation für das Sommersemester beginnt am 
15. April 1885. 

Während von den ordentlichen Zuhörern der landwirthschaft- 
lichen Hochschule nur der Nachweis der Berechtigung zum ein- 
jährigen Militärdienst gefordert wird,geltenalsZulassungsbedingungen 
zum geodätisch-kulturtechnischen Kursus im Hinblick auf die damit 
verknüpften Prüfungen, ausser dem Nachweis über die zurückgelegte, 
mindestens einjährige praktische Lehrzeit, entweder: 

a. ein Zeugniss über die erlangte Reife zur Versetzung in 

die erste Klasse eines Gymnasiums, eines Realgymnasiums bezw. 



*) Den Kategorieen b, d, e sind in zwei Stunden üebungen zur Boden- 
kunde und zur Baukunde obligatorisch. 



J 



144 Vereinsangelegenheiten. Briefltasten der Redaction. 

einer Oberrealsclmle , oder in die erste Klasse (Fachklasse) 

einer nach der Verordnung vom 21. März 1870 reorganisierten 

Gewerbeschule ; 
oder: 

b. das Abgangszeugniss der Reife eines Realprogymnasiums 

oder einer Realschule. 

Die Bestallung als geprüfter Feldmesser vermag alle diese 
Zeugnisse zu ersetzen. 

Welche tiichtpreussiscken Leliranstalten den unter a. und b. 
genannten Schulen für gleichwerthig zu erachten sind, entscheidet 
im gegebenen Falle der Kultusminister. 

Berlin, 5. März 1885. 
Der Vorstand der geodätisch- kultur technischen Abtheilung an der 
landwirthschaftlichen Hochschule. 



Landwirthschaftliche Akademie Poppeisdorf. 

In das cuUurfechnische Examen an der königlichen Akademie 
sind im laufenden Frühjahr eingetreten; 

1 Regierungsbaumeister ; 

24 preussische Feldmesser, bezw. Landmesser; 

2 Österreichische diplomirte Ingenieure; 

1 österreichischer Techniker und 

2 Nichtfeldmesser, darunter Einer aus dem Königreich Sachsen. 
Zusammen 30. Davon haben das Examen bereits bestanden 27. 
Die übrigen 3 sind wegen Krankheit auf den Beginn des nächsten 
Sommersemesters verwiesen worden. Das Sommersemester beginnt 
am 20. April c. Der Direktor: 

Dr. Dünkelberg, Geheimer Regierungsrath. 



Vereiiisangelegeiiheiteii. 

Der unterzeichnete Schriftführer ist vom 1. k. M. ab nach 
Alt on a versetzt. Alle die Angelegenheiten des Deutschen Geometer- 
vereins betrefl'enden für mich bestimmten Zuschriften werden unter 
der Adresse 

Feldmesser Reich, Aliona, Holstenstrasse 114 
erbeten. 

Die Leitung der Angelegenheiten des Brandenburgischen Geo- 
metervereins hat Herr Obergeometer Dross, Berlin W., 
Kurfürstenstrasse 24, übernommen. 

Berlin, im März 1885. 

Reich, zeitiger Vereins-Schriftführer. 

Inhalt. 

GrOtsere Abhandlung : Beiträge zur Kenntniea von Gauss' praktisch-Eeo- 
dätischen Arbeiten, von Gaede. Kleinere Mitlheilungen : Zeitschrift für Bau weaeo, 
von J. Unterricht und PrUfungen. Verein sangeiegtn ha iten. 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWI 

Organ des Dentschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkaug von C. Steppe», Steaerasseasor in Münch( 
B. Qerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan, Professor in Hannove' 

1885. HeR 8. Ba 

16. April. 



Beiträge zur Kenntniss von Gauss' prakt 
geodätischen Arbeiten. 

Nach Original-Materialien bearbeitet von Gaede, Hauptmann k ] 
Qeneralatabes und Vermes sunga- Dirigent bei der Trigonometriaohen 
der Landes -Aufnahme. 

(Fortsetzung von S, 137.) 
Die Kekognoscirung eines grösseren einheitlichen Dreiec 
nimmt in der Regel — besonders bei schwierigem Terra 
volle Arbeit eines Sommers in Anspruch; die auf Grund 
besclilossenen Signalbauten werden meist noch mehr al: 
nächsten Sommer an Bauzeit erfordern ; die dann folgi 
fiihrung der Winkelmessungen auf den einzelnen Station' 
weiter mehrere Jahresi): der Entschluss, >so soll die Kon 
bebaut und gemessen werden*, bindet also auf eine I 
Jahren hinaus die disponiblen Arbeitskräfte und die fi 
Mittel, und ist um so einschneidender, als Fehler oder Vf 
der ersten Anlage sich später nur schwer wieder gut macl 
Um Bo eingehender müssen also die Erwägungen sein, welc 
EntBchluss vorangehen. Wo die finanziellen und materiel 
begrenzt sind, wird zu überlegen sein, ob diese Mittel alh 
üeberwindung der festgestellten Schwierigkeiten ausreiche 
wie eventuell neue und grössere Mittel herbeigeschafl 
können, endlich, ob es nicht besser ist, das Unternehmen i 
aufzugeben oder wenigstens ganz umzugestalten.^*) Uebri 
wird durch eine ausreichende Rekognoscirung eine klare I 
möglich, wie die vorhandenen Mittel und Arbeitskräfte b 



"} Es folgt daraas, dass bei fester Organisation und regeln 
schreitender Arbeit die Rekognoscirung dem Signalbau mindestens u 
den Beobachtungen mindestens um zwei Jahre voraus sein muss. 

") Wie es Epailly that und Gauss vielleicht hätte thun sollen i,vj 




146 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss^ praktisch-geod. Arbeiten. 

führuDg der Arbeit auf die erforderliche Anzahl von Arbeitsjahren 
zu vertheilen sind; es wird vermieden, dass Ueberflüssiges gethan, 
Nothwendiges unterlassen werde; der Signalbau lässt sich ent- 
sprechend vorbereiten ; für die Beobachtungen auf jeder Station 
kann der Plan im Voraus festgestellt werden. 

Eine mit Ruhe und Konsequenz durchgeführte Rekognoscirung 
bringt Klarheit und Ordnung in die ganze spätere Durchführung 
der Arbeit: die Opfer an Zeit und Geld, die sie im Voraus kostet, 
bringen sich nachher durch das glatte Fortschreiten der all- 
mähligen Ausführung reichlich wieder ein. 

Epailly, der wahrscheinlich kein besonders gelehrter, jedenfalls 
aber ein sehr praktischer Mann war, deutet die stufenweise, glatte 
Entwickelung seines Dreieckssystems und seiner Arbeit überhaupt in 
den Worten an: ^s) >pour faire marcher de front — la reconnaissance 
des triangles, — la disposition, — Televation des signaux, — Tob- 
servation des angles<; und auch Schumacher hatte entschieden die 
gleiche Reihenfolge der von einander getrennten Stufen einer der- 
artigen Entwickelung im Sinne, als er — nach seinen eigenen 
praktischen Erfahrungen taxirend — im November 1817 an Gauss 
in Beziehung auf dessen bevorstehende Gradmessung schrieb : '*) 
>Wenn durch Ihre Gehülfen, wie es sich gehört, die Stationen vor- 
her ausgesucht und die Signale erbaut sind, so können Sie gewiss 
die Dreiecke in einem Jahre messen. c 

Wir werden nun sehen, dass Gauss bei seinen > aktiven Grad- 
naessungsarbeitenc, wie er sich ausdrückt, »S) sich nicht die Zeit 
Hess, die Rekognoscirungen, welche er zum grossen Theil selbst aus- 
geführt hat, erst einheitlich für das ganze projektirte System 36) zu 
Ende zu bringen, dann die Disposition über die Anwendung seiner 
technisch und finanziell beschränkten Mittel zu treffen, demgemäss 
die baulichen Einrichtungen seiner Stationen zu besorgen und end- 
lich die Winkelmessung planmässig durchzuführen: dass vielmehr 
im Gegen theil Rekognoscirung, Disposition, Signalbau, Winkel- 
messung gleichzeitig in derselben Gegend stattfanden und sich ebenso 
in einander verwickelten, wie ihrerseits die Dreiecksformen. Die 
Ersparniss an Zeit, die dabei beabsichtigt wurde, wird sich als 
illusorisch erweisen : wir werden weiterhin konstatiren können, dass 
Gauss selbst nachträglich von 8 seiner (überhaupt in 5 Jahren ab- 
solvirten) 32 Gradmessungspunkte erklärt hat, sie hätten ganz weg- 
fallen können, wenn die einfacheren Systeme gleich Anfangs aus- 
findig gemacht worden wären. 

Als Gauss im Mai 1820 den Auftrag zur > Fortsetzung der 



»») Siehe Note 18. 

^*) Briefwechsel zwischen Gauss und Schumacher Band L, Seite 136. 

^^) Briefwechsel zwischen Gauss und, Schumacher Band I., Seite 335. 

^®) Bei einer Entfernung von c. 23 Meilen Luftlinie zwischen den beiden 
Schlussseiten betrug die im Ganzen zu rekognoscirende Fläche rund 160 Quadrat- 
meilen, Ausdehnungen, die man für derartige Arbeiten jedenfalls nicht grosse 
nennen kann. 




^V"^ 



{Gaede. Beiträgejzur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 147 
f 

dänischen Gradmessung durch Hannover 3') erhielt, besass er gar 
keine praktischen Erfahrungen in Bezug auf geodätische Feld- 
arbeiten, und appellirte zunächst an Schumacher's > grössere Geschäfts- 
und Welterfahrung, von der er sehr dankbar jeden Rath annehmen 
wolle«, 3®) wie er auch schon in früheren Jahren von Schumacher 
das Material zu seinen auf die beabsichtigte Gradmessung bezüg- 
lichen, offiziellen Eingaben erbeten und erhalten hatte. ^9) Münd- 
liche, eingehende Besprechungen und Verabredungen zwischen Beiden 
haben dann vom 12. September bis 25. Oktober 1820 stattgefunden, 
als Gauss von Göttingen nach Holstein gereist war, um eine Zeit 
lang der Messung der Braker Basis beizuwohnen. *o) Demgemäss 
wurde auch der ganze Apparat, den Gauss für seine Arbeiten sich 
von Grund aus neu schaffen musste, zunächst nach dänischem 
Muster organisirt: Unterstützungs-Personal an Offizieren *i) und 
Mannschaften, *2) Instrumente, ^3) Vorbereitung des Signalbaues 

^^) Wortlaut der Kabinetsordre vom 9. Mai 1820. 
®®) Briefwechsel mit Schumacher Band L, Seite 190; auch 225. 
*®) Vergleiche Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 133—138 mit 
dem in Gauss' Werken Band IV. Seite 482—483 abgedruckten Promemoria. 
Das Original des letzteren ist bei den hannoverschen Ministerial-Akten. 

*®) Ueber diese Reise und die Braker Basis ist bereits in Aufsatz L ge- 
sprochen. — Beiläufig mögen hier die Resultate einer persönlichen Rekognos- 
cirung des Verfassers in Bezug auf die Gauss'sche Dreiecksseite Breithorn- 
Scharnhorst mitgetheilt werden, welche vielleicht von allgemeinerem Interesse 
sind. — Gauss hat wiederholt (Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 
283, 290, Schumacher's Astronomische Nachrichten I. Seite 443, Briefwechsel 
mit Bessel Seite 412) auf die Möglichkeit und halb und halb auch seine Absicht 
hingewiesen, diese Dreiecksseite, 11 220 Meter lang, unmittelbar zu messen, ein 
Vorhaben, dem, „soviel eine vorläufige Inspektion des Terrains urtheilen Hesse, 
„keine unübersteiglichen Hindernisse sich darzubieten" schienen. Verfasser 
hat 1884 beide Dreieckspunkte aufgesucht. Auf Breithorn ist ein kleiner 
Granitpfeiler (spätere Festlegung, nicht das Original-Postament) erhalten ; eine 
Bezeichnung für Scharnhorst existirt nicht, doch wird die Stelle, wo vor 60 
Jahren das Postament stand, von alten Leuten noch gezeigt. Breithorn steht 
jetzt in dichtem Wald, durch welchen in der Länge von 2—3 km die Richtung 
nach Scharnhorst geht ; weiter wird die Richtung jetzt von der £isenbahn 
Lüneburg-Celle in dem Einschnitt des Loher Baches gekreuzt. Die Abhänge 
dieses Einschnittes sind so steil, dass sie — wenigstens mit dem Bessel'schen 
Apparat, dessen Niveau-Einrichtung nur bis zu c. 3 Grad Steigung des 
Terrains direkt zu messen gestattet, — kaum zu überwinden sein dürften; 
auch eine künstliche (Jeberbrückung des ziemlich breiten Einschnittes ist nicht 
wohl möglich. 

*0 Nach Schumacher's Beispiel (vergl. Note 21) und Rath (Briefwechsel 
Band I. Seite 138) wählte Gauss zunächst zwei Offiziere der hannoverschen 
Artillerie, den Hauptmann Müller und den Lieutenant Hartmann zu Gehülfen. 
Vom Jahre 1822 an hat er dann ausserdem seinen ältesten Sohn Joseph (geboren 
1806), später Lieutenant der Artillerie , zu den Feldarbeiten (später auch zu 
den Rechnungen) zugezogen. 

**) Es war dauernd bei den Feldarbeiten ein Artillerie-Kommando von 
3 Mann, die indessen nur zu Transporten, Botengängen, Bewachung der 
Instrumente und des Observations-Zeltes und dergl. gebraucht wurden, nicht 
(wie heut zu Tage die kommandirten Soldaten bei der Trigonometrischen 
Abtheilung) auch zur Bedienung der Heliotrope. Ausserdem hatte Gauss den 
Aufwärter der Sternwarte, Teipel, bei den Feldarbeiten. (Arbeitsberichte). 
*^) Gauss an Bessel (Briefwechsel Seite 559) : „Bei meinen Winkelmessungen 

10. 



148 Gaede. Beiträge zurKenntniBB von Gauss' praktisob-geod. Arbeiten. 

und der Eiiiatellungs-Objekte, Herstellung von allerlei Beziehungen 
zu Forst- und Verwaltungs- Behörden, zu benachbarten Regierungen 
u. dergl. mehr. **) Für diese Vorbereitungen aller Art blieb fast 
ein ganzes Jahr Zeit : da der Auftrag zur Ausführung der Grad- 
inessung erst im Mai 1820 erfolgte, war es in der That unmöglicb, 
bereits den Sommer dieses Jahres für die Feldarbeiten auszunutzen. 
Die Geldmittel für die Ausführung der Gradmessung waren in 
der Kabinets-Ordre Georg IV. vom 9. Mai 1820 nicht bestimmt 
limitirt; vielmehr heisst es am Schlüsse derselben nur: (Wir haben 
Uns entschlossen, die Kosten auf Unsere Chatoul-Kasse zu über- 
nehmen) , . , >'wobei Wir voraussetzen, dass darunter in Ansehung 
des Kosten- Betrages mit der Ersparung werde verfahren werden, 
die Rieh mit der Erreichung des vorliegenden Zweckes vereinbaren 
lässtt. Gauss selbst aber hatte in seiner Eingabe an den Minister 
Grafen Münster vom 30. Mai 1819**) die voraussichtlichen Kosten 
der Gradmessung auf 1 ÖOO Pfund Sterling angegeben, wobei er 
seinerseits, in Ermangelung eigener Erfahrung, nur wieder Schu- 
macher's Schätzung gefolgt war, *8) und es erhellt aus späteren 
gelegentlichen Aeusserungen,*^) dass er sich an diese Grenze auch 
gebunden erachtete. Die Summe muss nun aber als sehr niedrig 
gegriffen erscheinen *^): zunächst gingen etwa 2 500 Thaier iUr die 
Neubeschaffung von Instrumenten davon ab, von den übrigen 
7 500 Thalern wurden in den 13 Vi Monaten, welche in summa auf 
die Feldarbeiten 1821— 1823 verwandt wurden, **) allein an Diäten *") 



zur Gradmessung 1821 — 182.t «od bei der nachherigen Erweiterung meiner 
Dreiecke 1824 und 1629 habe ich zwei verschiedene 12zöltig'e Theodoliten ge- 
braucht (Verniers 4" gebend, Vergröseerung etwa 35 Mal), den einen, welchen 
Schumacher mir borgte, von Reichenbach selbst, bloas im Jahre 1821, den 
anderen von Ertel, welcher jenem ganz gleich und Eigenthum der Stern «arte 
ist, 1822 bis 1825." — AusBerdem wurde zu den Rekognosoirungs-MeBBungcn ei" 
kleinerer 5"ger Theodolit von Troughton benutzt , den Schumacher besorgt 
hatte, 8. Gauss Werke Band IV., Seite 487-489. 

") lieber diese Präliminarien sind eine grosse Anzahl von Schreiben bei 
den hannoverschen Ministeria)- Akten. 

'") Das Original befindet sich bei den hannoverschen Ministerial -Akten ; 
grösBtentheila abgedruckt ist dasselbe in Gauss Werken Band IV. S. 482-483. 

'^) Siehe Brief Wechsel mit Schumacher Band 1. Seite 158. 

*') Zum Beispiel: Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 236. 

") Geber die wirklich entstandenen Kosten schreibt Gauss in einem 
Original-Bericht vom 21. Movember 1827: „Ea wurden 1821—1823 bei Messunir 
der Dreieokakette bis Hamburg verausgabt 11000 Thaler und 1824, 1825 für 
die von da westlich bis Oatfriesland geführte Dreieckskette etwa 7 000 Thaler. 
Von diesen Kosten ist aber abzurechnen, was wegen Anschaffung von Instru- 
menten lind wegen Abholens des Englischen Zenithsectors von Altona oBch 
Göttingen verausgabt ist, und zwischen 2 500 und 3 000 Thaler betragen haben 
mag, so dass die eigentlichen Triangulinin gs kos ten etwa 15000Thaler betragen 
haben mögen." 

") Nach Ausweis der Arbeitsberichte dehnten sich die Feldarbeilen um: 
1821 5V> Monat, 1822 5V> Monat, 1823 2'/^ Monat, in summa 13'/» Monate. 
Zwischendurch fanden in jedem Jahre kürzere Pansen statt. 

"") Gauss erhielt als ,perBÖnliche Defrayirung" täglich 5 Thaler (Grad- 



Gaade. Beiträge zur KenntniaB von Gauss' prakf isch-geod. , 

etwa 5500 Thaler ausgegeben, während ausserdem 
entstandenen Reisekosten vergütet wurden. Für Sign 
aadere sachliche Ausgaben blieb da allerdings nicht me 
und GausB musste in der That von vorneherein in der I 
seiner ünanziellen Mittel die Veranlassung finden, & 
beiten und auf jede mögliche Ersparung zu sinnen. 

In die Zwischenzeit bis zum Beginne der Feldj 
nun die Erfindung des Heliotrops. Wie Gauss auf i 
Gebiet stets seine eigenen Wege ging und Neues von w 
Folgen an die Stelle des Alten setzte, so gelang es il 
Resultate eigenartiger theoretischer Untersuchungen si) 
zu verwerthen, und ein neues Hülfsmittet für die pn 
däsie zu schaffen, welches seitdem als unentbehrlich fi 
ersten Ranges betrachtet wird. 8^} An Stelle der bis dal 
liehen Einatellungs-Objekte — Pyramidenspitzen oder 



mesaungs-Rechnungen bei den Akten} ; ferner erhielteu an Dia. 
Sriefwecbsel mit Schumacher Bd. I. Seite 316) Kapitän Müller 4 R 
Hartmann (ebenso wie nach 1821 auch Lieutenant Gauss) 3 
Artilleristen (und der Aufwärter Teipe!) je 16 Ggr. Das volle I 
also pro Arbeitstag e. 17 Rthl., monatlich 510 Rthl, für 13"/> Mi 
— Davon nind aber abzusetzen lür Lt. Gauss, welcher die Kam] 
nicht mitmachte, 500 Rthl, ferner Ersparnisse an Diäten in dei 
Pansen und in einzelnen Zeiten, wo nicht das ganze Perso 
wurde, die auf etwa900Thaler anzuschlagen sind, sodass rund 
an Diäten ausgegeben sein dürften. 

Uebrigens hat Gauss nach Beendiffung der Gradmessun 
Jahre le26 noch eine persönliche Gratifikation von 1000 Thaler i: 
Die hannoversche Regierung wollte auf diese Weise seiae pekc 
liesaern und ihn an die Universität Göttingen fesseln , wähl 
Muffling uDd Andere bemüht waren, ihn nach Berlin zu ; 
Sekrete Schreiben hierüber bei den hannoverschen Akten ; 
Gauss Briefwechsel mit Bessel Seite 429 und „Briefe zwischen 
und Gauss", herausgegeben von Dr. K. Bruhns 1877.) 

") s, Arbeitsbericht pro 1S21, bei Aufsatz L abgedruckt. 
") Die Gauss'schen Heliotrope (es gab davon zwei Konstri 
ziemlich komplizirte Instrumente. Bei der zweiten Konstri 
Gauss den Vorzug gab (s. Briefwechsel mit Schumacher Bd. 1. 
zwei sich durchdringende Spiegel vor einem Fernrohr angel 
mit einem horizon tirbaren Stativ verbunden ist. (s. Gauss, „d 
des Heliotrops" in Schumacher's Astronom. Nachr. Bd. V. Seit 
einer Tafel Zeichnungen ; auszugsweise wiedergegeben in Jon 
der Vermessungskunde Bd. IL Seite 60—62). Die „Lenkung" 
nieutes war schwierig,' die Spiegel „derangirten" sieh sehr 
nothige „Berichtigung" war dann mühsam. — Einfachere Insli 
sehr bald konstruirt, so bereits für Bessel's Gradmessung 
1831-1834 der Bertram'sche Heliotrop: für die Idee aber, „ 
Setinenlicht von nur ganz kleinen Planspiegeln hinreichende li 
In den grössten Entfernungen sichtbar zu sein, und sich vi 
besser beobachten zu lassen, als alle Thürme und Signale, ja s 
mehrere zusammengestellte Argand'sche Lampen bei Nacht" 
1821) — für diese Idee und ihre praktische Ausnutzung gel 
Priorität. 



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150 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

bei Tage, die auf grosse Entfernungen nur selten und dann immer 
noch schwer zu pointiren waren, und Lampen mit parabolischen 
Hohlspiegeln bei Nacht, welche die Arbeit sehr beschwerlich und 
umständlich machten, — bot der 53) Heliotrop eine überraschende 
Erleichterung der Arbeit und erhöhte gleichzeitig ihre Präzision, s*) 

Gauss ging aber noch weiter seine eigenen Wege. Aus dem 
Bestreben, soviel als möglich Zeit und Geld zu sparen, und gleich- 
zeitig unter Anwendung des neuen Hülfsmittels die Schärfe der 
Beobachtungen zu erhöhen, ging eine ganz neue technische Methode 
für die Bildung und Beobachtung des Dreiecksnetzes hervor. Diese 
Methode entwickelte sich im Laufe des Jahres 1821, indem sie sich 
allmählich von dem Hergebrachten loslöste, ^5) und kam dann in 
den nächsten Jahren zur vollen Reife und konsequenten Durch- 
führung. 56) 

An die Stelle der hohen Holzgerüste, auf denen bei früheren 
und gleichzeitigen Triangulationen zur Gewinnung weiter Richtungen 
die Theodoliten aufgestellt wurden, traten bei Gauss gemauerte 



^^) Nach Gauss' offiziellem Arbeitsbericht pro 1821 muss man , dem Er- 
finder entsprechend , zweifellos „der" Heliotrop sagen , nicht „das" Heliotrop. 

^*) Gauss hat auch Versuche mit dem Heliotrop bei Mondlicht gemacht 
(Briefwechsel mit Schumacher Bd. I. Seite 247), augenscheinlich um den Vor- 
theil der Nachtbeobachtungen, dass die Luft nicht von der Sonne erwärmt 
wird und die Objekte weniger zittern, vielleicht auch mit dem Heliotrop aus- 
zunutzen. Zu praktisch verwerthbaren Resultaten scheint er jedoch nicht 
gekommen zu sein. 

^*) Im Mai 1821 baute Gauss noch die beiden Signalthürme Hohehagen 
und Hils; auch hatte er sich mit 3 Argand'schen Lampen für Nachtbeobach- 
tungen versehen (s. Arbeitsbericht pro 1821), deren Gebrauch ihm besonders 
Muffling angerathen hatte. (Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 205.) 
Erst als Mitte Juli entschieden war, dass „der Heliotrop im Allgemeinen die 
weitere Erbauung von Signalen unnöthig machte" (Arbeitsbericht 1821), wur- 
den nur noch Postamente errichtet, (s. übrigens auch Briefwechsel mit Bessel. 
S. 394. 395.) 

^®) Aus einem bei den Ministerial-Akten befindlichen offiziellen Berichte 
Gauss' vom 3. Junius 1843: „Ich darf hiebei nicht unbemerkt lassen, dass die 
ganze Eigenthümiichkeit der von mir bei der hannoverschen Messung durch- 
gehends angewandten Methoden (wovon bisher nur ein sehr beschränkter 
Theil durch Veröfientlichung zum Gemeingut geworden ist) auf die Besiegung 
solcher" — (seil. Terrain-) — „Schwierigkeiten einen ebenso grossen Einfluss 
gehabt haben, wie auf die Erreichung einer ehedem nicht gekannten Schärfe 
in den Messungen selbst. Bei anderen grossen Messungen hat man solchen 
Terrainhindernissen abzuhelfen gesucht durch Erbauung* hoher Messungsgerüste, 
mit grossem Aufwand an Zeit, und noch grösseren an Kosten, und dennoch 
immer mit grossem Nachtheil für die Schärfe der Messungen selbst. Bei den 
hannoverschen Messungen hingegen sind, wenn andere Auswege fehlten, sehr 
schmale Durchhaue, von der Breite einer Baumkrone durch die hinderlichen 
Holzungen gemacht : aber nur die ganze Behandlungsweise des Vermessungs- 
geschäftes, und besonders die mathematische Behandlungsweise, machte e» 
möglich, solche Durchhaue immer mit der grössten Sicherheit und Präzision 
auszuführen : und ohne den Gebrauch der Heliotrope hätten dergleichen Durch- 
haue auch garnichts nutzen können." 




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Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 151 

Postamente 5') zu ebener Erde-, welche schneller und billiger her- 
zustellen ^ 8) waren und durch die grössere Solidität der Aufstellung ß^) 
des Instrumentes schärfere Beobachtungen ermöglichten. Wenn die 
Sichten von Postament zu Postament durch zwischenliegende 
Waldungen verschlossen waren, wurden sie mit Durchhauen erzwun- 
gen, ßo) Die Durchhaue sollten möglichst schmal sein, damit keine 
Kosten ^^) für unnöthige Holzfallungen entstanden : um sie aber so 
präzise und gleichzeitig auch schnell ausführen zn können, musste 
bereits die Rekognoscirung des Dreiecksnetzes ^^) von vorläufigen, 
ziemlich scharfen ^^) Messungen begleitet sein. Als Zielpunkte 



^^) „Ich bemerke, dass alle meine Dreieckspunkte zu ebener Erde liegen ; 
ein etwa 3V»— 4 Fuss hoch aufgemauertes, steinernes Postament dient zur 
Aufstellung des Heliotropen und des Theodoliten." (Gauss an Schumacher, 
Briefwechsel Band I. Seite 289, abgedruckt in Schumacher's Astronomischen 
Nachrichten Band I. Seite 442.) 

58) Nach der „Gradmessungs-Eechnung pro 1821" (bei den hannoverschen 
Ministerial- Akten) kosteten die beiden Signalthürme auf Hoheliagen und Ilils 
233 Rthl. bezw. 111 Rthl. , dagegen das demnächst errichtete Stein-Postament 
auf dem Deister nur 5 Rthl. 

*®) Die Beobachtungs höhen , welche zu Gauss' Zeit in anderen Ländern 
bei hölzernen Signalen zur Anwendung kamen, waren z. Th. sehr bedeutend. 
So war der dänische Punkt Nindorf ein Signal von 60 Fuss Höhe (s. Brief- 
wechsel Schumacher Band I. Seite 140 j; in der 1873 erschienenen Publikation 
über die zu Anfang des Jahrhunderts ausgeführte bayrische Triangulation („die 
bayrische Landes-Vermessung in ihrer wissenschaftlichen Grundlage" ) wird auf 
Seite 68 berichtet, dass mehrfach das Instrumentenfernrohr auf Holz-Pyramiden 
sich 27 bis 38 Meter über dem Erdboden befunden habe. Auf Blatt IV. der 
Zeichnungen stellt Figur 2 das 33,5 Meter hohe Signal Breitsöl im Spessart 
dar, auf welchem 1821 und 1822 beobachtet wurde. Dies Signal ist ohne durch- 
gehenden Mittelpfeiler und ohne isolirtes Beobachtungs-Gerüst gebaut, sodass 
es unmöglich fest gewesen sein kann. 

®®) Gauss schreibt über die Art, wie die Durchhaue hergestellt wurden, 
ausführlich an Schumacher (Briefwechsel Band I. Seite 426 — 429). „Wenn ich 
alle grösseren und kleineren Durchhaue aus den Jahren 1821 — 1824 zusammen- 
zähle", heisst es da unter Anderem „von solchen, wo vielleicht ein Dutzend 
Bäume gefällt sind, bis zu den grössten, so mögen etwa 16 — 17 Durchhaue 
vorgekommen sein." Da nun in den Jahren 1821 — 1824 im Ganzen 69 gegen- 
seitige Richtungen gemessen sind , so ist fast genau der vierte Thcil aller 
Richtungen mit Durchhauen erzwungen worden, üebrigens zeigt ein Blick auf 
das Tableau, dass die Durchhaue fast alle auf die beiden Jahre 1822 und 
1824 fallen. 

*0 Gauss an Schumacher, Briefwechsel Bandl. Seite 428. — In demselben 
Briefe sagt Gauss über die Kosten der Durchhaue insgesammt : „Ich glaube 
kaum, dass sämmtliche vorgekommenen Geldentschädigungen sich viel über 

400 Thaler belaufen haben Auf alle Fälle ist das Ganze bei einer so 

ausgredehnten Unternehmung gar kein Objekt, und nach den mir aus München 
früher mitgetheilten Nachrichten hat öfters ein einziger Signalthurm , den 
man in Bayern baute, um sich über die Waldungen zu erheben, mehr, vielleicht 
doppelt mehr gekostet, als alle meine Durchhaue.** 

^') Vergleiche Note 22. 

**) Gauss, der selbst nie einen Durchhau betreten hat, sondern deren 
Herstellungjstets seinen Assistenten überliess, machte diesen nicht nur „die zur 
Bestimmung der Richtungslinie erforderlichen Angaben, die er selbst aus der 
sorgfältigen Diskussion aller vorhandenen dazu dienlichen Materialien abge- 






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152 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

dienten , wenigstens in der Regel, «*) Heliotrope : dadurch erhöhte 
sieh die Schärfe der Beobachtungen und es wurden Zeit und Kosten 
für die Herstellung von Gerüsten als Einstellungs-Objekten gespart. ^^) 
So sollte die Kombination von Postament, Durchhau und Heliotrop 
— die Gauss eigenthümliche Methode — ermöglichen, bei verhältniss- 
mässig geringem Aufwand an Kosten mit den Beobachtungen >überall 
gleich anfangen< zu können; 6^) gje bot ausserdem den Vortheil, 



leitet hatte" (Arbeitsbericht pro 1825), sondern er berechnete auch , wenn es 
möglich war, „die Depression", unter der, von einem Postament aus gesehen, 
das andere durch den Durchhau hindurch erscheinen musste. Erwies sich 
danach bei Ausführung des Durchhaues das zwischenliegende Terrain als zu 
hoch, so dass nicht der Wald, sondern der Erdboden das Hinderniss für die 
Sicht bildete, so wurde die Arbeit am Durchhau und die Richtung aufgegeben. 
(S. Briefwechsel mit Bessel Seite 408. Briefwechsel mit 'Schumacher Band I. 
Seite 427.) Hohe Gerüste, um das Zwischenterrain klar zu übersehen, ehe der 
Durchhau begonnen wurde, sind nicht zur Anwendung gebracht. 

**) Gauss hat, wieder, um Zeit zu sparen, mehrfach auch andere, als 
heliotropische Zielpunkte genommen. Im Jahre 1821 hatte er überhaupt nur 
einen Heliotropen (s. Arbeitsbericht 1821), sodass er also die Winkel nicht un- 
mittelbar mit Heliotropen, sondern nur mittelst Interpolation eines nicht helio- 
tropischen Zwischenpunktes messen konnte (s. auch Briefwechsel mit Bessel 
Seite 393 und 396). 1822 und 1823 hatte er je 3, 1824 und 1825 (wo er noch zwei 
resp. einen Volontär ausser seinen regelmässigen Assistenten bei den Feld- 
arbeiten verwenden konnte) je 4 Heliotrope (Arbeitsberichte). Ferner hatte 
im Laufe der Zeit Gerling 3, Schumacher 2 Heliotrope bekommen, so dass bei 
den Anschluss-Messungen 1823 gelegentlich 6 Heliotrope in Thätigkeit waren. 
Es dauerte aber manchmal lange, bis die Gehülfen, welche die Heliotropen 
lenkten, von einem Postament zum andern kamen ; (die Befehle hierfür wurden 
mittelst heliotropischer Signale gegeben) und so schreibt Gauss über die Arbeiten 
1822 : (an Bessel, Briefwechsel Seite 409) : „Um an Zeit zu gewinnen, habe ich 
öfter auch selbst in Distanzen von 3 bis 4 bis 5 Meilen auf meine steinernen 
Postamente (37« Fuss hoch) selbst pointirt. Dadurch sind die Messungen hin 
und wieder etwas weniger genau geworden, als wenn ich blos Heliotroplicht 
gebraucht hätte, allein dann wäre ich in diesem Jahre lange nicht so weit 
gekommen." — Ferner geht aus den Arbeitsberichten und Beobachtungs- 
journalen hervor, dass mehrfach auch Thürme, „da es die Luft gestattete," 
ohne Heliotrop eingestellt sind, so z. B. der Michael is-Thurm in Hamburg von 
Wilsede 1823 (6 Meilen) und Litberg 1824 (4 Meilen), die Thürme Lüneburg 
und Hohenhorn von Wilsede 1823 (4 resp. 6 Meilen), ferner der A nsgariusthurm 
in Bremen von Bottel 1824 (5 Meilen), Wangeroog Kirchthurm von Jever 1825 
(3^2 Meilen). Auf seiner Station Nindorf beobachtete Gauss 1823 7 Haupt- 
richtungen, wovon nur eine mit heliotropischem Zielpunkt gemessen wurde. 
— lieber die von Gauss empfundene Schwierigkeit, Heliotrope auf Kirch thür men 
zu pointiren s. Briefwechsel mit Schumacher Band II, Seite 30. 

®^) Gauss an Bohnenberger (Band XL dieser Zeitschrift. S. 429): Die 
Heliotrope beider Konstruktionen kosten 145 bezw. 125 Thaler. „Durch die 
Möglichkeit, wo es sonst das Terrain erlaubt, die grössten Dreiecke anzuwenden, 
überall gleich anfangen zu können, ohne erst die so viele Zeit und Geld 
kostenden Signale errichten zu müssen, wird die kleine Ausgabe vielfach 
erspart, obwohl dies der geringste Vortheil ist, die Messungen werden dadurch 
einer Scharfe fähig, auf die man bei Signalen und Kirchthürmen selten rechnen 
darf. Meine schlechtesten Dreiecke (relativ gesprochen) sind die, worin Thürme 
die Zielpunkte waren." (S. auch Note 64.) 

®^j Als Beispiel, wie dies „gleich anfangen" bei Gauss zu verstehen ist, 
seien hier nach dem Arbeitsbericht 1824 und dem betreffenden Beobachtungs- 




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Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch -geod. Arbeiten. 153 

dass die Messungen einer bisher nicht erreichten Schärfe fähig 
wurden. 

Wie sehr diese Methode einen Fortschritt gegen das Herge- 
brachte darstellt, liegt auf der Hand : aber — sie passte nicht auf 
die vorliegende Aufgabe. Die Beschränktheit der finanziellen und 
technischen 6"') Mittel, aus der die Methode erwuchs, war zu gross 
gegenüber den Schwierigkeiten des Terrains , in dem sie zur An- 
wendung kommen musste. >Es war meine Absicht und von grösster 
Wichtigkeit«, schrieb Gauss im Arbeitsbericht pro 1821, >die Drei- 
ecke so gross wie möglich zu wählen«. Grosse Formen aber waren 
— darüber konnte wolil die allererste Rekognoscirung kaum einen 



Journal die Vorgänge auf der Station Elmhorst im Mai und Juni 1824 skizzirt, 
welche für das ganze Verfahren typisch sind. — Von den Seiten Falkenberg- 
Wilsede und Wilsede-Hamburg sollte 1824 mit einer Dreieckskette nach Westen 
weiter gegangen werden. Die Punkte Litberg (mit den Verbindungen nach 
Hamburg und "Wilsede; und Elmhorst (mit den Verbindungen Wilsede-Falken- 
berg) waren durch Rekognoscirungen 1823 festgestellt : aber weder die Ver- 
bindung Litberg-Elmhorst war sicher, noch war bekannt, wie von dieser Seite 
aus, falls sie herstellbar wäre, Fortgänge möglich sein würden. 

In dieser Situation traf Gauss am 24. Mai 1824 — nachdem er vorher auf 
Falkenberg, der ersten Station des Sommers, den Winkel Elmhorst-Wilsede 
gemessen hatte — auf Elmhorst ein. Er fing sogleich den Winkel zwischen 
Wilsede und Falkenberg zu messen an (in Wilsede lenkte Lieutenant Hart- 
mann, in Falkenberg Lieutenant Gauss den Heliotropen) und wartete einst- 
weilen ab, welche Resultate die Rekognoscirung des Hauptmann Müller haben 
würde, welcher mit zwei in diesem Jahr dazu gekommenen Volontärs, Bau- 
mann und Klüver, nach Litberg geschickt war. Müller baute das Postament 
auf dem Litberg ; dann gelang es ihm, die Richtung Elmhorst mittelst eines 
Durchhaues freizulegen, und der Gehülfe ßaumann konnte am 29. Mai Helio- 
troplicht nach Elmhorst schicken. Gauss stellte dies sofort ein, nachdem der 
letzte Baum gefallen war. 

Müller mit Klüver reisten nun weiter, um in der Gegend von Zeven 
einen Punkt zu suchen, der mit Elmhorst und Litberg ein Dreieck gäbe. Die 
Kommunikation mit ihnen ging völlig verloren. Da gar keine Nachrichten 
einliefen, rief Gauss schliesslich, nachdem „der Falkenberg hinlänglich festgelegt 
war", seinen Sohn „mittelst telegraphischer Zeichen" von da ab und sandte 
ihn Müller nach. Müller, Klüver und Lieutenant Gauss fanden aber einen 
Punkt, wie sie ihn suchten, nicht, gaben den Anschluss an Litberg-Elmhorst 
auf und nahmen den Punkt Bullerberg mit den Verbindungen Wilsede und 
Elmhorst als nächsten Fortgang der Dreieckskette. Hier errichtete Müller 
ein Postament, Lieutenant Gauss machte die Richtung nach Elmhorst mit 
einem Durchhau frei, und als derselbe fertig war, sandte der Gehülfe Klüve-?* 
am 4. Juni Heliotroplicht nach Elmhorst, welches Gauss sofort einstellte. 

Am 5. Juni war Gauss mit den Beobachtungen auf Elmhorst fertig; am 
6. Juni reiste er nach Bullerberg und beobachtete dort am 7. Juni den Winkel 
Elmhorst-Wilsede. Als er die Station so begann, war der weitere Fortgang 
von Bullerberg wieder ganz und gar unsicher : Müller suchte bei Zeven- 
Brüttendorf, Lieutenant Gauss bei Steinberg-Bottel. 

^'^) Die technischen Mittel jener Zeit waren insofern beschränkt, als man 
nach Gauss' Aeusserungen, es damals augenscheinlich noch nicht verstand, hohe 
Signale so fest zu bauen, dass gute Beobachtungen darauf gemacht werden 
konnten ; und als ferner die noch sehr komplizirte Konstruktion der Heliotrope 
zu dem (jetzt sehr mechanisch gewordenen) Geschäft ihrer Bedienung damals 
Arbeitskräfte erforderte, deren Leistungsfähigkeit und Kostspieligkeit ganz 
anders hätten ausgenutzt werden können. 



154 Gaede. Beiträge zur Kenntoüs von Qauee' praktiscfa-geod. Arbeiten. 

Zweifel übrig lassen — in der Lüneburger Haide mit Postament 
und Durchhau nicht zu gewinnen. «») 

Wenn nun eine Vervollkommnung der Mittel — bezw. nach ' 
gewonnener Erkenntnisa ihrer Unzulänglichkeit, auch eine Aendernng 
des ganzen Planes s^) — nicht möglich war, so mussten kleine 
Formen eben hingenommen werden : aber gerade, weil sie nur klein 
sein konnten, hatten sie um ao besser sein müssen. Dass sie nicht 
gut geworden sind, daran ist die ganze Anlage der Arbeit und die 
durchaus mangelhafte Rekognoscirung Schuld, 

Gauss sah in der Rekognoscirung mehr eine unbequeme und 
störende Unterbrechung des Messungsgeachäftes, als daas er sich — 
auch im Laufe der Jahre und um manche Erfahrung reicher — 
die Vortheile einer klaren und sicheren Disposition zu Nutze ge- 
macht hätte, die nur auf Grund einer einheitlich und gründlich 
durchgeführten Rekognoscirung zu erreichen ist, wenn auch von 
vorneherein Opfer dafür gebracht werden müssen. Die Arbeit lebte 
dauernd — in ähnlicher Weise, wie dies in dem ausführlich behan- 
delten Beispiel Elmhorst dargestellt ist '") — sozusagen von der 
Hand in den Mund: wie weiter zukommen, und namentiich, wie und 
wann das Ende zu erreichen sein würde, war in ihrem \ erlaufe 
niemals klar. Statt sicheren Ueberhlickes über das Terrain von 
leichten, hohen Gerüsten aus und demnächst einheitlicher Verthei- 
lung der Formen über das ganze System, findet sich ein unruhiges 
und unsicheres, schrittweises Vorwärts-Taaten (die Rekognoscirung 
meist nur um einen iJreieckspunkt vor der Definitiv- Messung voraus) 
und eine im Bewusstsein der eigenen Unsicherheit vielieiclit unwill- 
kürliche, aber jedenfalls gefährlich gewordene Anlehnung an Epailly's 
Vorgang. Der Mangel ausreichender Rekognoscirung hatte zur 
Folge, dass der Leiter der Arbeit hinterher von dem vierten Theit 
seiner sämmtlichen Punkte sagen musste, sie hätten ganz fortfallen 
können , wenn die einfacheren Systeme gleich Anfangs hätten ge- 
funden werden können. Man fragt dabei doch unwillkürlich : 
>warum konnten sie nicht gefunden werden?« und weiter: >wie viel 



"") Gauss an Schumacher (Brief wachse! Band IL, Seite 55;: „Auch haben 
in der That trigonometrische Measungeo in bo flachem Lande, wo so viele Hinder- 
nisse im Wege stehen, insofern etwas undankbares, ata sie immer von dem unan- 
geiiebmeu Gefühle begleitet werden , dass mit demselben Kraftaufwande in 
günstigerm Terrain so unvergleichlich mehr hätte geleistet werden köunen." 

"") Die ganze Dreieckskette von 1821 — 1823 hätte vielleicht schon von 
Göttingen an allmählich etwas weiter nach Westen zu herübergezogen werden 
sollen, so daee die Lünehurger Haide umgangen wurde, wenn auch nicht in einem 
so grossen Bogen, nie ihn Epailly gemacht hat. Gauss selbst zieht (s. das Tableau) 
nachträglich die Dreiecke, welche westlich der Seiten Falkenberg-Wilsede- 
Hamburg liegen (1824 festgestellt), den ursprünglichen 1822 und 1823 östlich 
daran gesetzten für den Anschluss an Hamburg-Hcihenhorn vor. Eine solche 
Aenderung des anfänglichen Planes wäre allerdings erst auf Grund einer 
vorherigen, einheitlich über die ganze Landesstrecke ausgedehnten, wenn auch 
noch nicht ganz scharfen Rekognoscirung möglich gewesen. 

'") siehe Note 66. 



Gaede. Beitrags zur Kenntnias von Gauss' praktisch-geod. Arbe 

würden vielleicht auch jene einfacheren Systeme noch li 
winnen können , wenn — bei einmal gegebenen Mitteln 
vierte Theil überflüsBig verwandter Zeit und Mühe von vc 
einer gründlich durchgeführten Rekognoscirung zu Gute § 

Um die eben angeführten charakteristischen Merk 
Arbeit mit Beispielen zu belegen, soll demnächst in gross 
die allmähliche Entwickelung des Dreieckssystems in den 
Jahren geschildert werden. Vorher aber ist es billig, auch ( 
Verhältnisse noch zn gedenken, welche bei der Ausfüh 
Arbeit ausser den schon hervorgehobenen technischen ui 
ziellen Schwierigkeiten noch zu überwinden waren. 

Gauss bot wiederholt, sowohl privatim, als auch in 
Schreiben, ausgesprochen, ") dass er die Beschäftigung 
praktisch- geodätischen Arbeiten nach seiner individuellen 
als ein Opfer auffasse, welches er aber in der Ueberzeui 
der hohen Wichtigkeit der 0|ierationen aus reiner Liebe zt 
Schaft gerne darbringen wolle. In behaglicher Müsse u 
> Geistesheiter keit< für seine schöpferische Thätigkeit auf 
tivem Gebiete leben zu können, fern von >uriangenehi 
drücken, für die sein Charakter besonders empfindlich* 
das bildete den Wunsch seines ganzen Lebens. Nun fi 
aber die geodätische Unternehmung aus der Beschaulichk 
Sternwarte hinaus zu praktischer, unruhiger Thätigkeit, 
hältnisse, die ganz besonders schwierig und aufreibend warei 
liehen Strapazen entgegen , denen seine physischen Kraft» 
Dauer zu erliegen drohten. Aus dieser individuellen B< 
heraus erklärt es sich , dass gerade derjenige Theil der ] 
geodätischen Arbeit , der zweifellos der unruliigste und 
lichste ist, die Rekognoscirung, am wenigsten ausgebildet ^ 
ein persönliches Moment, welches man nicht unterschät; 
wenn man bedenkt, wie sehr die ganze Gradmessung vo 
an den Charakter eines persönlichen Unternehmens trägt. 



") Tergleiche Briefwechsel mit Schnmacher Bandl. Seite 1S4 
Schreiben an Minister v. Arnawald, abgedruckt in Gauss' Werkei 
S. 484, 485. — Charakteristiaoh sind auch folgende Stellen aus e- 
Gbusb' an Beaflel (Briefwechsel Seite 428, 429) ; „Alle Messungen i 
wiegen nicht Ein Theorem auf, wodurch die Wiasenachaft der ew 
heilen wahrhaft weiter gebracht wird. Aber Sie sollen nicht über 
luten, sondern über den relativen Werth urtheilen. Einen solchen I 

Zweifel die Messungen" (von 1824, 1825) ; und weiter 

Sachen einmal liegen, darf ich eine Unternehmung nicht abweisen, 
mit tan send Beach werden verbunden und vielleicht aufreibend 
Kräfte wirkend, doch reell nützlich ist, die freilich auch von Andt 
(uhrt werden könnte, während ich selbst unter günstigeren Vt 
Besseres thäte " 

") Vergl. die Note 20: „das Aufsuchen (der Stationspunkte) 
das Unangenehmste (bei einer Gradmeaaung) sein." und später No 



'ir*- 




156 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

Dazu kommt, dass praktische Erfahrung in der Rekognos- 
cirung (auch zunächst etwa in kleineren Verhältnissen als Anfang 
oder Belehrung) sowohl Gauss , wie auch seinen Assistenten voll- 
ständig fehlte, als das immerhin bedeutende Unternehmen von Grund 
aus neu organisirt werden musste. Es war beabsichtigt, dass 
Schumacher's bewährter Assistent, der dänische Capitän von Caroe, 
>das Vorbild aller Gehülfen« , nach Hannover beurlaubt werden 
sollte, um die hannoverschen Offiziere >in Auswahl der Punkte und 
Errichtung der Signale zu üben<. Dieser Plan kam aber nicht 
zur Ausführung, '^^) und Gauss empfand es unter den mancherlei 
Friktionen bei Beginn der Arbeit '^*) und bei der Beschäftigung mit 
vielen, ihm selbst zum Theil fremden Details ganz besonders un- 
angenehm, dass er > seine Gehülfen erst selbst dressiren musste«. ^^j 

Die vorläufigen Messungen bei der Rekognoscirung, die — nach 
den früheren Ausführungen — einen integrirenden Bestandtheil 
der ganzen Methode bildeten, hat Gauss seinen Assistenten nicht 
oder wenigstens niemals ganz überlassen, obwohl dazu der SzöUige 
Troughton'sche Theodolit wohl ausreichend gewesen wäre: die Be- 
rechnung der Richtungslinien für die Durchhaue, welche häufig 
>auf eine künstliche Kombination verschiedenartiger und unvoll- 
kommener Beobachtungen gegründet« '^^) war, scheint er nur selbst 
haben ausführen zu können , und zwar erst bei Gelegenheit der 
Hauptmessungen, bei denen er sich >immer zum Gesetze machte, 
mit der Rechnung mit allen Messungen , wie er sie erhalten hatte, 
gleichen Schritt zu halten (bis auf die allerletzte Zeile).« '''') Des- 
halb hat er vielfach die Ausführung der Durchhaue , - — von deren 
Gelingen die Gestaltung des Dreieckssystem ab hing — >auf die 
Zeit verspart , wo die Hauptmessungen schon bis an die betrefi'en- 
den Gegenden vorgerückt sein würden.« ^s). Wenn es sich dadurch 
nun auch >zu seiner grossen Satisfaktion« '^^) erreichen liess, die 
Durchhaue so präcise auszuführen, idass, sowie der letzte Baum fiel, 
die respektiven schon aufgemauerten Postamente in der Mitte der 
schmalen Spalte erschienen und unmittelbar darauf mit den schon 
bereit stehenden Theodoliten die Beobachtungen anfangen konnten <,®^) 
so war dies doch nur ein kleiner , momentaner und örtlicher Er- 
folg, 81) unter dem das grosse Ganze der Arbeit eher Schaden litt: 



^3) Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 135, 216, 229. 

^*) Details sind im Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 200—229 
nachzulesen. 

^^) Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 225. 

^®) Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 273. 

^^) Briefwechsel mit Bessel Seite 408. 

78) Arbeitsbericht pro 1822. 

'^®) Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 273. 

^^) Briefwechsel mit Schumacher Band I. Seite 283. 

®*) Die „Satisfaktion" über solche Erfolge wird übrigens Jeder Gauss 
nachfühlen, dem einmal selbst ein derartiges grösseres Unternehmen ge* 
lungen ist. 




258 Gesetze und Verordnungen. 

Canäle in Norddeutschland. Ein neuer Entwurf von F, Matthias ^ geprüfter 
Feldmesser. Mit üebersich tskarte und Längenprofilen. Münster i. W. 
Verlag von F. C. Brunn's Buchdruckerei. 1884. Preis 3 M. 23 Seiten. G.8. 

Der Verfasser der vorliegenden Schrift erörtert in knapper, 
vielleicht etwas allzu knapper Darstellung seine von den bisher be- 
kanntgewordenen mehrfach abweichenden Projecte, welche bei gene- 
reller Würdigung manches Bestechende für sich haben. 

Wir neigen im Allgemeinen zu der Anschauung, dass in unserer 
Zeit die Rentirlichkeit des Canalbaus im Grossen aus Rücksichten 
der auch vom Verfasser zunächst ins Auge gefassten Verkehrspolitik 
eine problematische sei und nur durch gleichzeitig ermöglichte 
wesentliche Vortheile für die Wasserwirthschaft der berührten Län- 
derstrecken sichergestellt werden könne. Um so mehr wird man 
aber die vorgängige eingehendste Prüfung aller derartigen Projecte 
fur geboten erachten müssen und können wir daher nur wünschen, 
dass die vorliegende Schrift eine recht vielseitige und eingehende 
Würdigung finden möge. 

Der Preis ist durch die sehr grosse Uebersichtskarte bedingt. 

Sts. 

Gesetze und Verordnungen. 

Erlass des preussischen Ministers der öffentlichen Arbeiten. 

Nr. 106. Betr. Ausführung von Fortschreibungs- Vermessungen. 

Berlin, den 13. Dezember 1884. 
Der nachstehende Erlass des Herrn Finanzministers vom l.Aug. 
1883, betreffend die örtliche Ausführung von Fortschreibungs- Ver- 
messungen, wird zur Kenntnissnahme und Beachtung mitgetheilt. 

An 
die Königl. Eisenbahn-Directionen 
II. a. P. 1056. 

Berlin, den 1. August 1883. 
Infolge des Berichts der Königlichen Regierung vom 11. Juli 
d. J. (C. V. 3732) wird mit Rücksicht auf die in der Verfügung 
vom 1. Juni d. J. (IL 5363) getroffene Anordnung, wonach die 
örtliche Ausführung der Kataster- Fortschreibungsvermessungen 
hinfort entweder von den Katasterkontroleuren persönlich oder 
von solchen Hülfsarbeitern, welchen die Qualification als öffent- 
lich angestellter Feldmesser beiwohnt, bewirkt werden muss, 
hierdurch nach dem Antrage der Königlichen Regierung be- 
stimmt, dass die nach §§. 39 bis 43 der Katasteranweisung H. 
vom 31. März 1877 zulässige Benutzung der von den Grund- 
eigenthümern beigebrachten, anderweit beschafften Fortschrei- 
bungs- Vermessungsmaterialien ebenfalls nur dann stattfinden 
darf, wenn dieselben in Ansehung der örtlichen Ausführung 
fortan von einem geprüften und vereideten Feldmesser persön- 
lich hergestellt werden. Die Vorschrift im letzten Absätze des 
§. 39 a. a. 0., welche auch die Benutzung der unter der Ver- 
antwortlichkeit eines öffentlich angestellten Feldmessers von 



y e reinsangelegen he 

andern Personen ausgeführten örüicl 
wird demgemäss hierdurch aufgeho 
Indem der Königl. Regierung ii 
netste zur Ausführung dieser Änor<] 
gleich darauf aufmerksam gemacht 
rung der örtlichen Vermessung di 
stellten Feldmesser durch das Feld! 
dargethan werden muss und hierna 



(AlMKng aus dem Eisenbahn-VerordaaDgablatt 
mil^etheilt durch G.) 

Vereinsangelegeii 

Thüringer Geometer- 
Die diesjährige Hauptversammlung 
zu Weimar statt. 

Nachdem Vereins vorstand Schnaubt 

Vereins im verflossenen Jahre her ich 

Wahlen vollzogen : 

In den Vorstand: 

der Unterzeichnete — Geometer 

Herr Vermessungsrevisor Frank 

> Geometer Brückner zu Eist 

> > Holl zu Weimar, 

> > Zopf zu Weimar 
In die Versicherungsabtheilung bez 

der Unterzeichnete — Geometer 
Herr Geometer Zopf daselbst, 

> > Hotl daselbst, 

> > Brückner zu Eis 
j > Ingber zu Eisern 

Für die Rechnungsprüfungs-Commi 
Herr Geometer Kästner zu Ober 

> > Hering zu Eisen 
Was den Stand der Vereicherungs- 

langt, 90 schliesst die Rechnung desseH 
ult 1884 ab: 

Die Mitgliederzahl ult. 1884 beträi 
Dieselbe begreift ein Versicherun] 

sich von 

mit einer jährlichen Prämienzahlui 

Seit Bestehen der etc.Ahtheilung sin 

von der Allgemeinen Versorgt 

zu Karlsruhe ausgezahlt wordi 

Das Guthaben der Mitglieder betra 



isangelegenlieiten. Briefkasten der Redaction. 

;en des Vereins aus Zinaen, Bei- 

3tc 183,82 Mk. 

aufwand (1881 = 10,70 M.) . . nichts, 

r Vorstand Schaft vorgetragene Rechiiungsresultat 
Versammlung mit freudigem Beifall begrüsst; es 
unterlassen, auch an dieser Stelle der verehrlichen 
talt Ttir das Grossherzogthum Baden zu Karlsruhe 
!rein in liebenswürdigster Weise bethätigte Ent- 
r gebührendste als auch herzlichste Dank auszu- 
''ir fordern im Anschluss an diesen sämmtUche 
ä laden dieselben ein, weiteren recht regen Antheil 
ngen unserer Versicherungs- Abtheilung, namentlich 
1 dieselbe zu nehmen und sich zu betheiligen an 
)hUhätigeii und segensreichen Einrichtungen des 

der oben genannten Geeellschaft. — 

ist noch zu bemerken, dass nach gehaltenem Vor- 
rke'sche Werk, die Polygonisirung und Triangulation 
;h, der Unterzeichnete und College Geometer Kästner 
r dasselbe die Berichterstattung für nächste Ver- 
ommen haben. — 
im Monat Januar 1885. 

Für die Vorstaudschaft: 
G. Scknaubert, Vors. 



eu eingetretene Mitglieder. 

er, G. II., Regierungs-Feldmesser, Kassel. 

len bach, Alfred, Feldmesser u. Culturtechniker, 

a. 

sei, Feldmesser, Wehllieiden bei Kassel. 



Briefkasten der Redaction. 

I. in K, Gewiss werden Artikel kulturtechnischen 
e von dem Zweck dieser Zeitschrift nicht allzuweit 
leiche Berücksichtigung wie andere Einsendungen 
3S schon bisher geschehen, dürften unter Anderm 
ren Jahrgängen abgedruckten, emgehenden Jahres- 
seier Geo meter Vereins beweisen. 

Inhalt. 

idlung : Beiträge zur KenntnisB von Gauss' praktisch-Bco- 
, von Gaede. (Fortsetzung.) Llteraturzeitung : Ueber Landes- 
ithringeo, Belgien, Holland, Bremen, Hannover, Bayern upd 
Heeaen-Kassel, von Schiebach, besprochen von Sta. — Canäle in Norddeutsch- 
land, von Matthias, besprochen von Sts. Gesetze und Verordnungen. Vereins- 
angelegenheiien, Briefkatten der Redaction. 



^^^M II — 11 ,- - " •' 



161 

ZEITSCHRIFT for VERMESSUNBSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

unter Mitwirkung von (7. Steppes, Steuerassessor in München, und 

B. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan, Professor in Hannover. 

1889. Heft 9. Band XIT. 

1. Miai. 



Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch- 
geodätischen Arbeiten. 

Nach Original-Materialien bearbeitet von Gaede, Hauptmann ä la suite des 
Generalstabes und Vermessungs-Dirigent bei der Trigonometrischen Abtheilung 

der Landes -Aufnahme. 

(Fortsetzung von S. 157.) 

In unserem Zeitalter der Eisenbahnen und Telegraphen, des 
geregelten und schnellen Postverkehrs ist die Ueberwindung grös- 
serer Räume und die Erhaltung der Kommunikation zwischen ver- 
schiedenen Mitgliedern einer geodätischen Unternehmung keine sehr 
schwierige Sache: vor allen Dingen kann man dabei immer mit 
bestimmten Faktoren rechnen und auf Grund von Karte und Kurs- 
buch sicher disponiren. Vor 60 Jahren aber lagen diese Verhält- 
nisse noch wesentlich anders : die Langsamkeit und Schwerfälligkeit 
des Reisens, die Unsicherheit in der Beförderung von Nachrichten, 
(welche wohl gelegentlich ein gefälliger Reisender mit nahm) sind 
gerade in denjenigen Gegenden, wo in der Terrainbeschaffenheit 
an sich schon die grössten Schwierigkeiten für die Arbeit lagen, 
von Gauss und seinen Assistenten sehr unangenehm empfunden 
worden. »2) Das Unterkommen in jenen der Kultur wenig erschlos- 
senen Gegenden war schwierig, ^^) die Quartiere selbst meist von 
grosser Dürftigkeit, s*) Das kartographische Material , auf Grund 



®*) Man vergleiche den Briefwechsel mit Schumacher aus den Jahren 
1822 und 1824. 

®*) Gauss an Bessel. November 1822. (Briefwechsel Seite 410) : „Die Fati- 
guen im heissen Sommer sind oft äusserst angreifend für mich gewesen , zu- 
weilen so, dass ich glaubte, ich würde ihnen erliegen. Auch das ist eine grosse 
Beschwerde bei den Arbeiten in der öden Lüneburger Haide, dass man öfter 
nur ein schlechtes Unterkommen und doch selbst ein solches nur meilenweit 
vom Arbeitpunkte haben kann." 

®*) Ein Punkt, in dem Gauss persönlich ziemlich empfindlich war. Nur 
selten kommt er dazu, die Unbequemlichkeiten der momentanen äusseren Lage 

Zeitschrift für Vermesaungswesen. 1885. 9. Heft. 11 



162 Gäede. Beiträge zur Kenntniss voq Gauss' praktisch -geod. Arbeiten. 

dessen Gauss die eigenen Beisen, wie die seiner Assistenten dispo- 
nireii musste, war, wie er selbst spater konstatiren konnte, *') un- 
erhört fehlerhaft; und in die terra incognita führte der einzige 
trigonometrische Vorgang von Epailly in einer Weise hinein, dass 
der Nachfolger nur sagen konnte: >ve3tigia terrent.< 

Man wende nicht ein, alle diese Aeusserlichkeiten hätten keinen 
Einßuss auf die Gestaltung der Arbeit oder dürften ihn wenigstens 
nicht haben: sie haben ihn thatsächlich gehabt und werden ihn 
immer wieder haben. Die geistige Spannkraft, dieFreude zur Arbeit 
leidet auf die Dauer unter Reibungen aller Art, die täglich und 
stündlich daraus hervorgehen, auch wenn die Naturen, die davon 
berührt werden, sehr viel stählerner sind , als Gauss es war : vor 
allen Dingen aber, wenn die entscheidenden Entschlüsse in solche 
Momente gelegt werden , in denen die Ruhe des Urtheils durch 
subjektive Alteration getrübt ist. Es ist durchaus menschlich, dass 
man sich allmählich unter dem Drucke äusserer Verbältnisse und, 
um nur von diesen loszukommen, in den Anblick von Konfigurationen 
hineingewijbut (sich >dabei beruhigt<), die Anfangs unerträglich 
schienen. Gauss sclireibt — nachdem er seit dem 28. April 1822 
in dei' Lüneburger Haide mnter unendlichen Beschwerden« rekog- 
noscirt und seit dem 17, Juni in voller Unsicherheit, wie sich würde 
> durchkommenlassent ,Ton Punkt zu Pun ktvorwärts beobachtet hatte— 



mit Humor zu ertragen, wie er z.B. gelegentlich (Briefwechsel mit Schumaclier 
Band I., Seite 286) das Quartier (fiir Hauaelberg und Breithorn) in Ober-Ohe 
schildert : „Dort lebt eine Familie , deren Haupt „Peter Hinrich von der Ohe 
zur Ohe" sich schreibt (falls er schreiben kann), dessen Eigenthum vielleicht 
1 Q.-Meile gross ist, dessen Kinder aber die Schweine hüten. Manche Bequem- 
lichkeiten kennt man dort gar nicht, z. B. einen Spiegel, einen A— t und der- 
gleichen. Gott sei dank, dass ich den zehntägigen Aufenthalt daselbst über- 
stand?n habe!" Das Quartier in Saueneieck (am Litberge) giebt ihm (Brief- 
wechsel mit Schumacher Band I., Seile 408| Veranlassung zu der Bemerkung: 
„Ich weiss nicht , ob der Harne daher kommt , dasa die Säue dort krank 
werden. Aber 2 Bierbrauereien sind da, die auch mein Quartier mit ihrem 
Gebräu versehen." 

") GauEs in einem Originalbericht vom 26. Januar 1831 : „Im Jahre 1800 
hat der vormalige Oberappellationsrath von Ende die Lage einer nicht unbe- 
trächtlichen Anzahl von Oertem im Lüneburg'schen astronomisch, nemlich 
mit einem Spiegel sextan ten und Chronometer, bestimmt, und die Resultate 
in einem besondern 1801 erschienenen Werke bekannt gemacht. Vorher galt 
jene Gegend in Rüekaicht auf zuverlässige geographische Bestimmungen gleich- 
sam für eine Terra incognita, da die Resultate der in den achtziger Jahren 
gemachten topographischen Aufnahmen dem Publikum nicht zugänglich waren, 
zudem auch, wie bekannt, aller trigonometrischen Begründung ermangelten. 
Jene von Ende'schen Bestimmungen haben daher fiir jene Gegend den seitdem 
erschienenen Karten zur Grundlage gedient. Allein unsere trigonometrischen 
Messungen haben jetzt erwiesen, dass jene Bestimmungen unerhört fehlerhaft 
sind. So ergiebt sich z, B. die Entfernung zwischen Uelzen nnd Lüchow aus 
von Ende's Bestimmung um fast 1 '/s Meilen zu gross, nemlich zu fast 7 Meilen, 
während sie durch die trigonometrische Messung (welche, wie ich verbürge, 
bei den einzelnen Punkten auf ein Paar Fuss genau sind) zu b'jt Meilen fest- 
gesetzt wird." — (Anm. d. Verf.) Gauss spricht hier nicht von der Gradmessung, 
sondern von den im Jahre 1830 im Aiisehlusa daran von Capitän Müller und 
Lt. Gauss ausgeführten Messungen im Liineburgischen. 



Gaede. Beiträge zur Kenntnias von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 163 

am 23. August 1822 an Schumacher ^e): >Nochistgar kein Definitiv- 
Plan zu machen, wovon gewiss wäre, dass die dabei vorkommenden 
Schwierigkeiten sich überwinden lassen, wenigstens kein solcher, 
zu welchem ich mich jetzt schon entschliessen könnte. Möchte doch 
das ganze Geschäft erst zu Ende sein!< Vergleicht man nun das 
Definitiv-Tableau mit dem Stande der Projekte Ende August, s^) 
so findet man beide bis auf Kleinigkeiten, die nichts wesentlich 
bessern, identisch. — 

In dem bisherigen Verlaufe dsr Darstellung war zunächst 
Gauss' spezielle Aufgabe ins Auge gefasst worden, >eine Dreiecks- 
verbindung zwischen den Seiten Lüneburg -Wilsede und Brocken- 
Hohenhagen durch die Lüneburger Haide hindurch zu führen«. Es 
wurden dann im Allgemeinen die Aufgaben der Rekognoscirung eines 
grösseren Dreieckssystems festgestellt, um etwas Positives, eine 
Grundlage zu schaffen, von der aus eine derartige Arbeit beurtheilt 
werden könne. Zu dem speziellen , historischen Gegenstand , der 
Rekognoscirung des Dreieckssystems der Gradmessung, zurückkehrend, 
sind im Weiteren die Mittel, die hierauf basirte eigenthümliche 
Methode, die charakteristischenMerkmale und die äusseren Verhältnisse 
dieses Theils von Gauss' praktisch-geodätischer Arbeit geschildert. 

Es erübrigt 'jetzt , den geschichtlichen Verlauf der Arbeit in 
den Jahren 1821 — 1823 darzustellen, wobei — wie aus den bis- 
herigen Ausführungen schon klar geworden ist — Rekognoscirung 
und Beobachtung des Dreieckssystems von einander nicht zu trennen 
sind. Im Anschluss hieran werden die Campagnen von 1824 und 
1825 nur kurz zu berühren sein, weil dabei zwar ein neues Arbeits- 
feld, aber keine wesentlich neuen Gesichtspunkte zur Erscheinung 
kommen. Endlich ist noch ein Blick auf das Resultat der Arbeit, 
das Tableau sämmtlicher Gauss'schen Dreiecke, zu werfen, speziell 
um der Frage der > Kreuzungs-Kontrollen < näher zu treten. 

Bei Beginn der > aktiven Gradmessungs- Arbeiten < im Frühjahr 
1821 fand zunächst eine zusammenhängende Bereisung des ganzen 
zu triangulirenden Terrains nicht statt. Ein Ueberblick im Grossen, 
eine Prüfung, in wieweit die zu Gebote stehenden Mittel für die 
Lösung der Aufgabe ausreichen würden, eine Vertheilung der Ge- 
sammt-Arbeit über entsprechende Zeit und auf entsprechendes 
Personal war von Anfang an ebenso wenig vorhanden, als im grossen 
Zusammenhange die Möglichkeiten einer allmählichen Verkleinerung 
der Dreiecksformen (von der langen Seite Hohehagen-Brocken bis 
zur kurzen Lüneburg- Wilsede) und die einheitliche Vertheilung der 
Dreiecke über die ganze Fläche ins Auge gefasst wurden: stück- 
weise ging die Arbeit von Süden nach Norden vor, die Rekognos- 
cirung kurz vor der Definitiv-Beobachtung. 



««) Briefwechsel Band I., Seite 275. 

®^) Ein Tableau hiervon ist im Briefwechsel mit Schumacher, Band I.. 
Seite 279. 

11. 



■,*■' 



164 Gaede . Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

Die Beobachtuug erreichte im Jahre 1821 die Linie Brocken- 
Hils, während nordwärts der nächste Fortgang auf Lichtenberg- 
Deister feststand und Brelingerberg-Wohlenberg eine zweite vorge- 
schobene StaflFel bildeten, die aber noch nicht definitiv rekognoscirt 
war. — 1822 kam die Beobachtung bis zur Linie Wilsede- Wulfsode: 
die Rekognoscirung hatte nur festgestellt, dass weder von Wulfsode, 
noch von dem als > Reserve-Platz« bereits angeschnittenen Timpen- 
berg die Verbindung nach Lüneburg zu heben wäre. Die Wahr- 
scheinlichkeit — aber nicht die Sicherheit — bestand, dass ein 
Punkt bei Drögen-Nindorf (oder auch weiter nördlich) sich mittelst 
Durchhau mit Timpenberg würde verbinden lassen, während Wilsede 
und Lüneburg dort direkt zu sehen waren. Mit dieser noch un- 
klaren Situation schlössen die Feldarbeiten 1822, ohne dass auch 
nur die Rekognoscirung den Anschluss an Lüneburg erreicht hätte. 
— 1823 fand im Frühjahr der Anschluss an die dänischen Dreiecke 
im Norden statt; nach einer Pause im Hochsommer wurden im 
Herbste die Beobachtungen von 1821 auf Brocken, Hohehagen und 
Göttinger Sternwarte theilweise wiederholt und ergänzt, ausserdem 
aber unter Cooperation von Gerling im Süden der Anschluss an die 
kurhessischen Punkte Meissner und Herkules gewonnen. Damit waren 
die Triangulations-Arbeiten der eigentlichen Gradmessung beendet. 

Es würde ermüdend und für die Zwecke dieses Aufsatzes auch 
überflüssig sein, die Gewinnung jedes einzelnen Dreieckspunktes, den 
Arbeitsberichten entsprechend, darzustellen: es wird genügen, noch 
einige charakteristische Details aus den einzelnen Jahren hervor- 
zuheben, um zu zeigen, wie Rekognoscirung und Beobachtung in 
einander verwickelt wurden, und wie — neben der Unzulänglichkeit 
der Mittel — der aus dieser fehlerhaften Anlage der Arbeit ent- 
springende Mangel an Uebersicht und Disposition die Schuld an der 
Verworrenheit des Dreieckssystems trägt. 

Die Arbeiten des Jahres 1821 ^s) fanden in gebirgigem und 
übersichtlichem Terrain statt: der Epailly'sche Vorgang wies auf 
eine grosse Anzahl von Punkten in dieser Gegend hin. Die 
Rekognoscirung war nicht besonders schwer ; gutgeformte Dreiecke 
von normaler (dem Terrain entsprechender) Grösse konnten ohne 
grössere Durchhaue mittelst Aufstellung zu ebener Erde erreicht 
werden. So sehen wir in diesem Jahre von Hohehagen-Brocken bis 
Lichtenberg-Deister drei einfach an einander gereihte, gute Dreiecke 
entstehen, an welche die Göttinger Sternwarte und das nördliche 
Meridianzeichen angebunden sind. Die Eigenthümlichkeit, dass die 
Beobachtungen beginnen, ehe die Rekognoscirungen auch nur für 
das in diesem Jahre voraussichtlich zu erledigende Arbeits-Pensum 
beendet sind, findet sich auch hier schon unter den leichten und 
einfachen Verhältnissen. Sobald der Fortgang von Hohehagen- 



^^) Quellen: Arbeitsbericht pro 1821, abgedruckt bei Aufsatz I.; Brief- 
wechsel mit Schumacher Baud I., Seite 229—245 ; Schumacher's Astronomische 
N^achrichten Band I., Seite 105—106 mit Tableau; Briefwechsel mit Bessel 
5. 393-396. 



Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 165 

Brocken auf Hils-Lichtenberg feststand, wurde die Rekognoscirung 
eingestellt, und Gauss beobachtete hinter einander fort die drei 
Stationen Sternwarte, Meridianzeichen, Hohehagen. Die vierte Station 
sollte Hils sein. Wie aber die Dreiecke von da weiter nach Norden 
geführt werden sollten oder könnten, stand noch nicht fest. Nun 
begab sich Gauss von Neuem auf die Rekognoscirung. Das erste 
Projekt, 89)dieThürraevon Hannover resp. Braunschweig als weiteren 
Fortgang zu nehmen, erwies sich bei näherer Untersuchung als 
nicht durchführbar: der nächste Dreieckspunkt wurde auf das 
Deister-Gebirge gelegt, und dann weiter von den Gehülfen Brelingerberg 
und Wohlenberg ^^) als Fortgang gewählt. Demnächst begannen 
die Beobachtungen auf Hils, von wo auch gleich Brelingerberg ein- 
gestellt wurde. Bei der weiteren Fortsetzung der Rekognoscirung 
1822 erwies sich aber Brelingerberg als > unbrauchbar, da er sich 
mit Lichtenberg und Wohlenberg nicht verbinden liess, aber auch 
ebenso wie Wohlenberg überflüssig«, ^i) da es sich herausstellte, 
dass es möglich war, von Deister - Lichtenberg aus gleich noch 
weiter nach Norden zu Terrain zu gewinnen. 

Die grossen Schwierigkeiten für die Bildung des Dreiecks- 
systems, welche bei der Fortsetzung der Triangulation nach Norden 
im Jahre 1822 ^2) in der Lüneburger Haide zu erwarten waren, 
kannte Gauss aus Epailly's Vorgang. 9») Er unternahm deshalb zu- 
nächst vom 28. April bis zum 1. Juni in Begleitung des Kapitän 
Müller eine Rekognoscirungsreise , nach deren Abschluss er auf 
16 Tage nach Göttingen zurückkehrte. Am 17. Juni begannen 
dann die Beobachtungen auf Lichtenberg : die Rekognoscirung weiter 
vorwärts war aber noch keineswegs zu definitiven Resultaten ge- 
kommen. Gauss hatte sich > überzeugt, dass er bei dieser Gattung 
von Arbeit bald unterliegen werde, und setzte die weitere Auf- 
suchung der Dreieckspunkte auf die spätere Zeit hinaus, wo er ein 
stärkeres Gehülfenpersonal und alle seine Instrumente bei sich 
haben würde. c »*) 

Die Rekognoscirungs - Situation Mitte Juni , als die Beobach- 
tungen von Süden her anfingen, war folgende (auf dem Tableau durch 
Schraffirungen kenntlich gemacht): Zunächst waren die Punkte 
Falkenberg undGarssen gefunden worden, beide gegenseitig sichtbar 



®®) Siebe das Tableau im Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 282. 

®^) Wohlenberg, Braunschweig, Hannover, Hils, Hohehagen, Deister waren 
Epailly'sche Punkte, ebenso auch Eöterberg und Kahlberg, welche Gauss 
Anfangs 1821 durch seine Assistenten rekognosciren liess, die aber nicht brauch- 
bar erschienen. (S. Arbeitsbericht pro 1821 bei Aufsatz I.) 

®*) Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 288 und Schumacher's 
Astronomische Nachrichten Bd. I., Seite 441. 

*'0 Quellen : Arbeitsbericht pro 1822 ; Briefwechsel mit Schumacher Bd. I. 
Seite 259 — 293 mit mehreren Projekt-Tableaux ; Schumacher, Astronomische 
Nachrichten Band I., Seite 441—444 mit Tableau ; Briefwechsel mit Bessel 
Seite 405-414. 

»3) S. Note 17. 

**) Briefwechsel mit Bessel Seite 407. 



166 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

und jeder mit Lichtenberg und Deister zu verbinden. Zwischen 
Falkenberg und Wilsede war ein bedeutender Durchhau durch das 
Becklinger Holz erforderlich, üebrigens aber war es Gauss >nach 
unendlich beschwerlichen persönlichen Untersuchungen geglückt, 
zwei Dreiecke im Herzen der Haide festzulegen« , nämlich Falken- 
berg-Hauselberg-Wulfsode und Hauselberg -Wulfsode -Wilsede , >zu 
deren rechtlicher Verknüpfung mit den südlichen Dreiecken er 
freilich noch gar keine, sowie zur Verknüpfung mit den nördlichen 
Punkten noch keine solche Möglichkeit sah, bei der er sich hätte 
beruhigen mögen<. ^^) Zwischen Falkenberg-Garssen und Falken- 
berg-Hauselberg klaffte also eine Lücke, ebenso zwischen Wilsede- 
Wulfsode und Wilsede-Lüneburg : wie beide auszufüllen sein würden, 
war ganz unsicher. Gauss hatte keine Kombination im grossen 
Zusammenhange, sondern nur einzelne Punkte gefunden; und von 
diesen Punkten waren Falkenberg , Garssen , Hauselberg , Wilsede 
und Lüneburg diejenigen, nach deren Feststellung Epailly es auf- 
gegeben hatte, ein zusammenhängendes Dreiecksnetz durch diese 
Gegend zu führen, ^e) 

Gauss beobachtete zunächst vom 17. Juni bis 17. Juli die beiden 
Stationen Lichtenberg und Deister. Als er dann am 18. Juli nach 
Garssen kam, musste er, > während der Messungen zugleich auf die 
weitere Fortsetzung der Dreiecke nach Norden bedacht sein«. ^'') 

Da eine direkte Verbindung zwischen Garssen und Hauselberg 
nicht möglich war, wurde zunächst ein Zwischenpunkt Scharnhorst 
vom Hauptmann Müller gesucht: hier war Falkenberg frei und 
Garssen mit Durchhau zu heben ; wie und ob aber die Verbindung 
nach Hauselberg zu bewerkstelligen sein würde, blieb zunächst 
wieder unklar. Nachdem der Durchhau Garssen-Scharnhorst fertig 
war, beobachtete Gauss die Richtung Scharnhorst in Garssen und 
reiste dann am 5. August zum Falkenberg, wo er nach Vollendung 
des Durchhaues durch das Becklinger Holz die Richtung nach Wil- 
sede frei vorfand. Während Gauss nun bis zum 6. September auf 
der Station Falkenberg beobachtete, hatte Hauptmann Müller einen 
> Platz am Breiten Hörne < gefunden, >der mit dem Falkenberg und 
Wilsede ohne Weiteres, mit Scharnhorst aber, wie sich hoffen liess, 
»vermittelst eines nicht zu schwierigen Durchhaues verbunden wer- 
den konnte«. ^^) Die Verbindung des Breithorn mit Hauselberg 
freilich war zunächst nicht konstatirt: aber die drei anderen vor- 
handenen Verbindungen ermöglichten, nachdem Falkenberg und 
Wilsede verbunden waren, eine neue Kombination, die Hauselberg 
überhaupt überflüssig machte. Auf alle Fälle schien es Gauss zweck- 
mässig, damit er nicht vielleicht im Verlaufe der Arbeit noch ein- 



^^) Gauss an Schumacher am 10. Juni 1822 aus Göttingen. Briefwechsel 
Band I., Seite 267/8. 
»«) S. Seite 132. 
®^) Arbeitsbericht pro 1822. 
»»j Arbeitsbericht pro 1822. 



Gaede. Beiträge zur Kennt« iss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 167 

mal nach Falkenberg zurückkehren müsste, Breithorn gleich noch 
> anzuknüpfen«. 

Nachdem dies geschehen, ging Gauss am 7. September nach Hausel- 
berg. Hier wurde zunächst konstatirt, dass die Verbindung nach 
Scharnhorst nicht möglich, also der Zwischenpunkt Breithorn nöthig 
sei. Freilich mussten die Richtungen Breithorn -Hauselberg und 
Breithom-Scharnhorst erst beide mit Durchhauen hergestellt werden, 
deren Gelingen noch nicht ganz sicher war. Zunächst gelang der 
Durchhau nach Hauselberg: Gauss mass die Station Hauselberg 
bis zum 12. September und traf dann am 13. September auf Breit- 
horn ein. Ueber die dortigen Vorgänge schreibt er im Arbeits- 
Bericht ^^): > Obgleich der Durchbau von Breithorn nach Scharn- 
horst noch nicht vollendet war, beschloss ich doch im Vertrauen 
auf den Erfolg der von mir genommenen Massregeln, sogleich die 
Messungen auf dem Breiten Horn anzufangen. Der Hauptmann 
Müller reiste nach Scharnhorst ab; die Instrumente wurden vom 
Hauselberge nach dem Breiten Horn geschafft und die letzte Strecke 
des Durchhaues absolvirt. Der Hauptmann Müller hatte bei der 
Einleitung dieses höchst wichtigen Durchhaues, der gleichsam den 
Schlussstein sämmtlicher Operationen geben musste, die ihm auf- 
gegebene Richtung mit einer solchen Präzision befolgt, dass beim 
Fallen des letzten Baumstammes der Scharnhorster Standpunkt und 
der daselbst vom Hauptmann Müller gleich nach seiner Ankunft 
aufgestellte Heliotrop mitten in dem schmalen Spalte erschienen. < 

Nun war allerdings die Kluft zwischen Hauselberg und Garssen 
überbrückt: es stellte sich aber nachträglich heraus, dass diese 
beiden Epailly'schen Punkte überhaupt überflüssig gewesen wären. 
Ueber Hauseiherg schreibt Gauss in seinem supplementum theoriae 
combinationis observationum erroribus minimis obnoxiae ^^^): >Cete- 
rum inspectio systematis triangulorum sponte docet, punctum 
Hauselberg omnino ex eo elidi potuisse, incolumi manente nexu 
inter latera Wilsede- Wulfsode atque Falkenber g- Breithor n< und an 
Bessel^®!): >So hätte nun Hauselberg, wenn man Breithorn früher 
gekannt hätte, ganz wegbleiben können.< Ueber Garssen wird im 
Briefwechsel mit Schumacher gesagt ^^^): >Erst nachdem die übrigen 
Arbeiten vollendet waren , fand sich , dass der Punkt Scharnhorst 
vermittelst zweier, nicht sehr schwierigen Durchhaue, sich unmittel- 
bar mit Lichtenberg und Deisler verbinden lassen würde, i®^) Wäre 
es möglich gewesen , diesen Platz früher auszumitteln und seine 



®®) Ueber diese glücklichen Erfolge schreibt Gauss auch an Schumacher 
im Briefwechsel Band L, Seite 282/3 ; vergl. Note 80. 

»«*') Gauss Werke Band IV., Seite 92, 93. 

^°*) Briefwechsel mit Bessel Seite 407. In diesem Briefe werden die ein- 
zelnen Stationen von Gauss nicht mit dem Namen genannt, sondern mit 
Ziifern. So steht statt Haueeiberg 10, statt Breithorn 11. Für obiges Citat 
sind die Namen statt der Ziffern eingesetzt. 

102J Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 290, und Schumacher's 
Astronomische Nachrichten Bd. I., S. 444. 

^°') Die gestrichelten Richtungen des Tableaus. 



168 üaede. Beiträge zur Kenntniie von Gauss' praktiech-geod. Arbeiten. 

3arkeit und Lage festzusetzen , so hätte Garssen ganz weg- 
önnen. Vielleicht werde ich im künftigen Jahre die Messung 
kel des Dreiecks Scharnhorst-Deister-Ljchtenberg noch nach- 
Letzteres ist nicht geschehen: es hätte sich auch wohl 
erlohnt, drei Stationen noch einmal zu beziehen, um dort 
i Winkel nachzumessen. 

ganz ähnlicher Weise, wie zwischen Hauselberg und Garssen 
slten sich im Spätherbst die Formen zwischen Wulfsode und 
rg. Zunächst wurde, da die direkte Verbindung zwischen 
eiden Punkten fehlte, Timpenberg eingeschoben. Ein Durchhau 
ipenberg io der Richtung auf Lüneburg wurde 2000 Schritt 
eben,!"*) dann aber aufgegeben, weil sich die Unmöglich- 
;ab, auf diese Weise die Richtung zu gewinnen. Es wurde 
a Zwischenpunkt nöthig, dessen definitive Auffindung üiier- 
n diesem Jahre nicht mehr erreicht werden konnte. Der 
il-Fehler in dieser Gegend lag darin, dass Schumacher schon 
iu Michaelis- Thurm in Lüneburg und dessen Verbindungen 
mburg, Hohenhorn und Lauenburg von Epailly's Tableau 
■s übernommen und Gauss zu diesem Anschluss genöthigt 
)5) Der Thurm ist zwar mit seiner schönen, festen Laterne 
ch zum Beobachten geeignet und hat auch nach Norden 
sten weite Sichten, dagegen ist nach Süden zu sein Horizont 
iz kurze Entfernungen durch hohes Terrain gesperrt. '<'^) 
er einheitlichen und zusammenhangenden Rekognoscirung 
ie ün brauch barkeit dieses Thurmes für eine Fortsetzung der 
in Gradmessuug nach Süden hin sich a limine herausstellen 

Derhaupt bedarf es kaum einer besonderen Begründung, dass 
Rekognoscirung 1821 von dem schon gegebenen dänischen 
SS hätte ausgeben und von da im Zusammenbange nach 
[eführt werden müssen , wo Gerling's Arbeiten noch nicht 
■n hatten und wo überdies das leichte, übersichtliche Terrain 
Freiheit der Bewegung bot, dass hier Anschluss-Schwierig- 
taum entstehen kannten. Wir finden in der That denn auch 

Briefwechsel mit SchumacheF Band I., Seite 287, und Briefwechsel mit 

ite 408. 

Briefwechsel mit achuniacher Band I., Seite 139, 140, 144, 146; ver- 
brigens Aufsatz I. 

Gauss an Schumacher, Briefwechsel Band I,, Seite 268; „Lüneburg 
L liegt der undurchdringliche LÜBing-." Ferner Seite 270; „sehr weil 

Aussicht nach N.-W Schade, dass die Aussiebt nach Süden 

D Bo ist; das Trianguliren würde dann eben so leicht und angenehm 
es jetzt schwierig und lästig ist." 

Ad Ort und Stelle gewonnene Anschauung des Verfassers. Bin 
sieckspunkt in dieser Gegend gehört entweder auf die Höhen südlicli 
ibur^ (etwa bei Nindorf, wo Gauss auch 1823 ausser den 6 von ihm 
ibleau aufgenommenen Dichtungen noch den Thurm von Syk, sowie 
»1 Lauenburg eingestellt hat) oder besser noch auf die östlich Lüne- 
igenen Hohen , wohin 1874 der Punkt Steinhöhe der Eibkette gelegt 



I.l 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 169 

1823 bei definitiver Herstellung des dänischen Anschlusses noch 
allerlei Schwierigkeiten, Missverhältnisse und Aenderungen, los) wäh- 
rend der Anschluss mit Gerling nach vorheriger, persönlicher Be- 
sprechung auf Grund einer klaren Disposition sich glatt und leicht 

vollzog. 10 9) 

Die Noth wendigkeit einer gründlichen, selbstständigen Rekog- 
noscirung, welche im Zusammenhange die Aufgabe übersieht, die 
Formen einheitlich vertheilt, klare Verhältnisse und glatte Bahn 
schafft, kann wohl kaum schlagender, als durch die Vorgänge und 
das Tableau des Jahres 1822 bewiesen werden: unter leichten Ver- 
hältnissen wird ihr Mangel äusserlich weniger bemerkbar, obgleich 
die innere Unsicherheit der Arbeit auch hier bestehen bleibt. Die 
Folgen einer mangelhaften Rekognoscirung und Disposition führen 
aber noch weiter, als nur zu Dreieckskonfigurationen, die man ur- 
sprünglich ganz anders hatte haben wollen und nachträglich nicht 
gut heissen mag: auch die Anstellung der Beobachtungen leidet 
darunter. Es ist bekannt, dass Gauss prinzipiell auf jeder Station 
alle möglichen Winkelkombinationen messen wollte, ii^) während 
schon beim Stations-Ausgleich gleiches Gewicht für jeden Winkel m) 
mindestens sehr bequem und erwünscht war: wie sehr aber eine 
entsprechende Anordnung der Beobachtungen durch die Anlage 
seiner Arbeit erschwert werden musste, darauf kann hier nur im 
Vorübergehen hingewiesen werden. 

Die Aufgabe, an welche Gauss mit dem Jahre 1824 ^ 12) heran- 
trat, die Fortsetzung der Gradmessung bis zur Seite Jever- Varel, 
war der in den Jahren 1821 — 1823 abs olvir ten ganz ähnlich : gegebene 
Endseiten (Krayenhoff's Seite Jever-Varel im W^esten, die Seiten 
Falkenberg- Wilsede und Wilsede- Hamburg der Gradmessung im 
Osten) sollten durch eine Dreieckskette mit einander verbunden 
werden. Auch das Terrain war nicht wesentlich anders, als das- 
jenige, in welchem sich die Tringulation im Jahre 1822 bewegt 
hatte. Zu den Schwierigkeiten, die damals zu überwinden waren, 
gesellte sich jetzt noch im Bremischen und Oldenburgischen >die 
habituell dunstige Beschaffenheit der Atmosphäre, eine Folge des 



^®^) Hohenhorn Thurm war seit 1818 umgebaut ; alle darauf bezüglichen 
Messungen mussten wiederholt werden , da keine feste Marke am Thurm 
bestimmt war. — Die „unsichere und unbequeme" Station Hamburg, Michaelis- 
Thurm, sollte nachträglich möglichst ganz aus dem Dreieckssystem entfernt 
werden, weshalb Gauss 1823 auch noch auf einer Station Blankenese beob- 
achtet hat. (S. Schumacher, Briefwechsel Band I., Seite 315.) — Die Verbindungs- 
richtungen beider Triangulationen standen im Einzelnen nicht genügend 
fest etc. 

^«») Arbeitsbericht pro 1823. 

^^°) Siehe Briefwechsel mit Bessel. Seite 562 ; ferner Gerling , Beiträge 
zur Geographie Kurhessens etc. Seite 14. 

"^) Vergleiche Briefwechsel mit Schumacher Band IT., Seite 141 — 154. 

"^) Quellen : Arbeitsberichte pro 1824 und 1825 ; Briefwechsel mit Schu- 
macher Band I, Seite 395-438, und Band IL, Seite 1—81; Briefwechsel mit 
Bessel Seite 440-441, 457—458, 460-461. 



V. 



170 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

allgemein verbreiteten Moorbrennens« n»): dagegen war aus den 
älteren Oldenburgischen Messungen bekannt, dass in diesem Lande 
mehrere Thürme zu Dreieckspunkten tauglich sein würden, ii*) und 
auch der Ansgarius-Thurm in Bremen bot, wenigstens für die ße- 
kognoscirung, 115) eine grosse Erleichterung, üebrigens war bei 
dem Interesse und Entgegenkommen, welches die Stadt Bremen für 
die Fortsetzung der Gradmessung und die Verknüpfung eines ihrer 
Thürme in das Dreiecksnetz ii^) an den Tag gelegt hatte, der 
Ansgarius (auch eine Haupt -Station Epailly's) ein prädestinirter 
Dreieckspunkt: er bildete, von Beginn der Operationen an, das 
Direktions-Objekt für die mit der Kette einzuschlagende Richtung. 
Die ersten Rekognoscirungen für die neue Aufgabe führte Gauss 
selbst schon 1823 aus. Als er zum Beginne der Feldarbeiten dieses 
Jahres in Begleitung seines Sohnes von Göttingen nach Lüneburg 
reiste, machte er (vom 18. Mai bis 28. Mai) einen Umweg über 
Bremen und Rothenburg, und durchmusterte im Speziellen die 
Horizonte der Bremer Thürme. ^ * '') Im Anschluss hieran wurde 
im Juni 1823 vom Hauptmann Müller eine längere Rekognoscirung 
zwischen Bremen und Wilsede unternommen; ii*^) endlich reiste 
im September 1823 auch eine Rekognoscirungs - Expedition aus 



^^^) Arbeitsbericht pro 1824. — Diese Landplage hat sich, im Gegensatz 
zu allen sonstigen Anschauungen über rationelle Bodenkultur, in jenen Gegenden 
bis auf den heutigen Tag erhalten ; nur geniessen wir jetzt die Wohlthat, 
dass die Dauer des Moorbrennens gesetzlich auf einige Wochen des Jahres 
beschränkt ist. 

*^*) Gauss im Arbeitsbericht pro 1824 : „Hoffentlich werden mehrere Thürme 
(im Oldenburgischen) zu Dreieckspunkten nicht untauglich befunden werden, 
wenn gleich freilich Plätze zu ebener Erde, wo man sie gebrauchen kann, 
immer weit vorzuziehen sind." 

^'^) Gauss an Schumacher, Briefwechsel Band L, Seite 399: „Am liebsten 
möchte ich Bremen als Hauptdreieckspunkt ganz umgehen, ich weiss aber 
noch nicht, ob dies thunlich seyn wird. Der Ansgarius ist ein schlechter Ziel- 
punkt und wird ein noch schlechterer Standpunkt seyn." 

^^®) Der Leiter der Bremer Sternwarte, Dr. Olbers, welcher Gauss nahe 
befreundet war, richtete im. Jahre 1823 ein umfangreiches Promemoria an den 
Senat der Stadt Bremen , worin er auf die wissenschaftliche Bedeutung und 
den praktischen Nutzen einer Verbindung der Krayenhoff'schen Dreiecke mit 
Gauss' Gradmessung — speziell auch für Bremen , falls die neuen Dreiecke 
über das Gebiet dieser Stadt geführt würden — hinwies und den Senat auf- 
forderte, der Hannoverschen Regierung, falls sie eine derartige Unternehmung 
veranlassen wolle, die Stellung und Besoldung eines Gehülfen anzubieten. 
Dieses Promemoria wurde mit dem entsprechenden Anerbieten von dem Bre- 
mischen Bürgermeister Schmidt an die Hannoversche Regierung weiter ge- 
geben, welche ihrerseits Gauss zu einer Aeusserung darüber aufforderte. Zu- 
gleich mit seinem offiziellen Bericht über die Arbeiten des Jahres 1823 hat 
Gauss darauf unter dem 7. Januar 1824 in längerer Ausführung seine Zustim- 
mung zu dem Projekt erklärt, dessen Ausführung ihm dann durch ein 
Schreiben des Grafen Münster vom 15. Februar 1824 übertragen wurde. — Die 
Originalien von Olbers', Gauss' und Graf Münster's Schreiben sind bei den. 
Hannoverschen Akten erhalten. — Vergl. übrigens hierzu Briefwechsel mit 
ßessel Seite 428, 429 und 434. 

1") Arbeitsbericht pro 1823. 



\ 
\ 




V ' r- 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 171 

Bremen 118) (Senator Gildemeister und Studiosus Klüver) bis in die 
Gegend von Zeven, Brillit und Garlsteii»). Bis Jever- Varel hin 
wurden die Untersuchungen nicht ausgedehnt. 

Alle diese Rekognoscirungen hatten >zwar mehrere nützliche 
Notizen geliefert«, aber im Allgemeinen nur >die grossen Schwierig- 
keiten, ein Dreieckssystem über diese Gegend zu bilden , kennen 
gelehrt und waren noch weit davon entfernt geblieben, einen Plan 
dazu zu begründen« ii»); nur die beiden Punkte Litberg und Elm- 
horst mit ihren Verbindungen nach Hamburg und Wilsede, beziehungs- 
weise Wilsede und Falkenberg standen fest. So begannen am 20. Mai 
1824 die Beobachtungen ohne festen Plan, mit der Rekognoscirung 
Schritt für Schritt und Punkt für Punkt vorwärts tastend. 

Der Beginn der Operationen in Falkenberg, Elmhorst und 
Bullerberg ist früher n 9) eingehend geschildert: in ähnlicher Weise 
gelangten bis Mitte Juli Rekognoscirung und Beobachtung über 
Bettel- Brütten dor f weiter bis Bremen, und schon jetzt war BuUer- 
bergi2o) als überflüssi);^ erkannt. 

Nun aber rächte sich der Mangel einheitlicher Rekognoscirung 
und festen Planes: weder von der Seite Bremen-Bottel , noch von 
der Seite Bremen-Brüttendorf war ein Fortgang nach Westen zu 
möglich. Es wurde zunächst der Punkt Steinberg, 4,6 Kilometer 
südhch von Bottel, in das System aufgenommen, >in der Hoffnung«, 
man werde, an die Seite Bremen-Steinberg ansetzend, südlich um 
Bremen herum die Kette weiter führen können. >In Erwartung 
der Resultate dieser Rekognoscirungen« bezog Gauss die Station 
Bremen und beobachtete zunächst die drei Richtungen Steinberg, 
Bottel und Brüttendorf. Die auf Steinberg gesetzten Hoffnungen 
erwiesen sich aber als trügerisch : ebensowenig wie an Brüttendorf- 
Bremen, war es möglich, an Steinberg-Bremen ein neues Dreieck 
anzuknüpfen, und >ohne einen eben jetzt eingetretenen glücklichen 
Umstand würde es um die Fortsetzung der Messungen sehr miss- 
lich gestanden haben, da alle Möglichkeiten jetzt erschöpft schienen. 
Der erwähnte glückliche Umstand war die (von Gauss) auf dem 
Ansgarius-Thurm gemachte Bemerkung, dass die Spitze des Thurmes 
von Zeven dort noch eben sichtbar war«. 121) Durch gegenseitiges 
Leuchten wurde zunächst diese Richtung sicher gestellt; 122) dann 
fanden sich allmählich in Zeven auch noch die Richtungen Stein- 
berg, Wilsede und Litberg, während für die Fortsetzung der Drei- 
eckskette nach Nordwesten >in dem Dorfe Brillit ein schicklicher 
mit Zeven und Bremen ohne viele Mühe zu verbindender Platz« 121) 
sich darbot. 

So musste, nachdem vorübergehend die Situation geradezu 

^") Arbeitsbericht pro 1824. 

^^») Vergleiche Note 66. 

"'^) Gauss an Schumacher, Briefwechsel Band L, Seite 398 : (Gelingt der 
Durchhau Brüttendorf-Litberg) „so habe ich recht schöne Dreiecke bis Bremen, 
und es könnte dann der Bulierberg aus dem System ganz herausfallen". 

"0 Citate aus dem Arbeitsbericht pro 1824. 

^^'^) Es ist dies — so weit wenigstens aus den Arbeitsberichten hervorgeht — 



»■ 



1 



172 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

kritisch gewesen war, rückwärts das Dreieckssystem geändert werden : 
die drei Punkte Brüttendorf, Bottel und Bullerberg, deren Auf- 
findung und Beobachtung mehr als 4 Wochen Zeit und Arbeit ge- 
kostet hatte, waren damit überflüssig geworden. — Die Thatsachen 
reden auch hier so laut, dass, sie noch einmal kritisch zergliedern, 
ihren Eindruck abschwächen hiesse. 

Von Bremen-Brillit kam nun 1824 und 1825 die Kette über 
Garlste, Bremerlehe und Langwarden ohne besondere Schwierigkeit 
bis zum Anschluss an Jever- Varel zu Stande; wenigstens, was die 
Rekognoscirungen anbetrifft. Die Beobachtungen freilich, aufThurm- 
stationen und zum Theil über See und Watten fort, boten noch 
Schwierigkeiten in Fülle: und leider — so darf man wohl im Hin- 
blick auf die viele Mühe und persönliche Aufopferung sagen — 
fand die ganze geodätische Unternehmung 1825 keinen befriedigenden 
Abschluss, sondern endete in Verstimmung und Verdruss. 

»Die Fatiguen der Arbeit werden mit jedem Jahre angreifender 
für mich< , schrieb Gauss im Sommer 1824 an Schumacher; ^^^) 
> um so mehr wünsche ich das Ende der Arbeiten absehen zukönnen<; 
und weiter aus dem Juni 1825 ^^^): >Geht es mit meiner Gesund- 
lieit noch lange so bergab, wie es seit dem Tage, wo ich Sie dies 
Jahr zuerst in Rotenburg sah, allmählich geschehen ist, so werde 
ich den Madeira nicht mehr austrinken. < Die Hitze, das dauernd 
schlechte Wetter, der anhaltende Moorrauch drückten die Stimmung 
immer weiter nieder. Bedeutende > Anomalien« und » Diskordanzen < 
in den eigenen Messungen , grösstentheils durch allmähliche Ab- 
nutzung der Instrumente herbeigeführt, >quälten ihn lange unbe- 
schreiblich«, ehe er der Fehlerquelle auf die Spur kommen konnte ^^^Y- 
endlich aber erwiesen sich die Krayenhoff'schen Dreiecke in Olden- 
burg und Ostfriesland bei direkter Prüfung ^26) durch Nachmessen 
der Winkel als so ungenau, dass sie als ein für wissenschaftliche 
Zwecke genügendes Mittelglied zwischen der englisch-französischen 
und der dänisch-hannoverschen Gradmessung nicht angesehen wer- 
den konnten. 127) Dgj. Endzweck der Feldarbeiten von 1824 und 



das erste und anscheinend auch einzige Mal, dass bei der Rekognoscirung 
eine Richtung mit Heliotropen festgestellt wurde, obwohl dieses Auskunfts- 
mittel bei dunstiger Luft ziemlich nahe liegt. Gauss schreibt selbst im Ar- 
beitsbericht 1824: „und dann (bei Moorrauch nämlich) zeigt sich die Kraft 
des Heliotroplichtes am fühlbarsten , welches noch durchdringt , wenn schon 
längst von dem Hügel oder Thurm , von welchem es hergelenkt wird, nicht 
mehr die mindeste Spur zu erkennen ist." 

'^^) Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 399. 

^^*) Briefwechsel mit Schumacher Band II., Seite 19. 

^^*) Briefwechsel mit Schumacher Band IL, Seite 25, 30 ; ferner Brief- 
wechsel mit Bessel Seite 559 — 564. 

^^*) Gauss hatte die Krayenhoff'schen Messungen schon im Winter 1823/24 
durchgerechnet und gefunden, dass sie „lange, lange nicht so genau sind, als 
sie beim ersten Anblick scheinen." Briefwechsel mit Schumacher Band I- 
Seite 348—349. 

*'^^) Gauss spricht sich hierüber ausführlich im Arbeitsbericht pro 1825 



Gesetze und Verordnangen. 

1825 war verfehlt : eine ausreicheDde Verbindung der beiden 
Messungssysteme konnte auf diesem Wege nicht erreicht w 
(Fortsetzung folgt.) 



Gesetze und Verordnungen. 

Bestimmungen Über die Annahme und Beschäftigung der Anw] 
das Katastersupernumerariat. 

Um einerseits die bisher oft vermisste gute praktische 
dung der Anwärter für den Katast^rdieiist zu fördern, and' 
solchen Katasterkon troleuren, welche zur persönlichen Aus 
der ihnen obliegenden ' Fortschreibungsvermessungen ausser 
sind, die Verwendung junger geprüfter Feldmesser mehr al 
zugänglich zu machen und dadurch den Anordnungen der 
Ministerial-Verfügung vom 1, Juli 1883 II. 5363, einen wii 
Nachdruck zu verleihen , bat der Herr Finanzminister 
1!. December 1884 folgende Bestimmuugen über die Annat 
Beschäftigung der Anwärter für das Katastersupernumerai 
troffen : 

1. Für jeden Regierungsbezirk ist vom 1, Juli 1885 a 
«lie betreffende Königliche Regierung eine Liste der Anwä 
das Katastersupernumerariat zu führen. Nach der Reihenft 
Eintragung in diese Liste (No. 5) erfolgt seitens des Kon 
Regierungspräaidiums die Berufung der Anwärter zu Katast 
oumeraren fiir den betreffenden Regierungsbezirk , voraus 
dass der an der Reibe befindliche Anwärter sich fortdaueri 
guten und tadelfreien Führung befleissigt hat und die 
Annahme zum Supernumerar weiter erforderlichen Be<lii 
erfüllt. 

2. a. Die als Anwärter anzunehmenden Personen sol 
S5. Lehensjahr in der Regel nicht überschritten haben. Diei 
beruht auf der Erwägung, dass nach den schon bisher gelt 
wespnen Grundsätzen die Supernumerare bei ihrer Berufui 
älter als 30 Jahre sein sollen und dass, wenn die zulässige 
Zahl der Anwärter (No. 3) erfüllt ist, bis zur Berufung des 



^03 und weist darin auch auf Beine weiteren Untersuchungen hin 
"eiche erat eine ganz gemeaaene Würdigung der KrajanhotPschen M 
in den nördlichaten Gegenden möglich wird." „Diese Untersuchungen", 
ef, „machen einen Theil von einer noch ungedruckten Vorlesung «üb 
im September 1826 der hiesigen Königlichen Societät übergeben habe 
äamit der Abschnitt 23 des Supplementum theoriae gemeint (üaus 
Band IV,, Seite 82—37) , woraua (s. BesBel, Briefwechsel Seite 460, 
direkte ersichtlich, wie weit die KrayenhofPachen Messungen von di 
Geaaaigkeit entfernt sind, die man ihnen mit Unrecht beigelegt hat. 



^ 



174 Gesetze und Verordnungen. 

unter denselben zum Supernumerar ein Zeitraum von etwa 5 Jahren 
vergehen wird. Da aber zur Zeit manche Feldmesser in der Ka- 
tasterverwaltung beschäftigt sind , welche das 25. Lebensjahr be- 
reits überschritten haben , gleichwohl aber wegen ihrer bis- 
herigen Leistungen billige Berücksichtigung verdienen, so mögen 
für die Uebergangszeit bis zum 1. Januar 1888 Ausnahmen von 
jener Regel insoweit nachgelassen werden, als die als Anwärter an- 
zunehmenden Personen zur Zeit der Annahme das 28. Lebensjahr 
noch nicht überschritten haben, ausserdem jedoch mindestens wäh- 
rend des- letzten Jahres vor der Notirung in der Katasterverwal- 
tung — sei es bei Katastervermessungen, sei es im Katasterbureau 
einer Regierung, oder als Gehülfe eines Katasterkontroleurs — un- 
unterbrochen beschäftigt gewesen sind. 

Die Erfüllung der Heerespflicht gilt nicht als Unterbrechung. 

b. Die Anwärter müssen ferner die Eigenschaft als öflfentlich 
bestellte Feld-(Land-)messer besitzen und solches durch urschrift- 
liche Vorlegung des Qualifikationszeugnisses zum Feldmesser bezw. 
des Prüfungszeugnisses und der Bestallung zum Landmesser nach- 
weisen , woneben es eines besonderen Nachweises über die Schul- 
bildung nicht bedarf. 

c. Sie müssen durch ein ärztliches Zeugniss nachweisen, dass 
sie frei sind von körperlichen Gebrechen , insbesondere im unge- 
störten Besitze des Seh- und Hörvermögens befindlich , und im 
Stande sind, die mit der Ausübung des Katasterdienstes, namentlich 
der Vermessungsarbeiten verbundenen körperlichen Anstrengungen 
gut zu ertragen. 

d. Der vor der demnächstigen Berufung zum Katastersuper- 
numerar erforderlichen Beibringung eines Nachweises darüber, dass 
der BetreflFende sich mindestens drei Jahre lang aus eigenen Mitteln 
oder durch Unterstützung von Angehörigen ernähren kann, bedarf 
es zwar bei der Annahme von Anwärtern noch nicht. Jedoch wird 
der BetreflFende auf das Erforderniss der späteren Erfüllung dieser 
Bedingung von vorneherein aufmerksam gemacht. 

e. Selbst bei der Erfüllung der Bedingungen zu a., b. undc. ist 
der Bewerbung um Annahme als Anwärter nur stattzugeben, wenn 
nach der Führung etc. des Bewerbers erwartet werden kann, dass 
sein Eintritt in die Katasterverwaltung dem dienstlichen Interesse 
förderlich sein wird. 

f. Die zu a., b. und c. gedachten Nachweise und Zeugnisse sind 
urschriftlich beizubringen. 

3. Die Zahl der für jeden Regierungsbezirk angenommenen 
Anwärter darf den vierten Theil der Zahl der vorhandenen Kataster- 
ämter nicht übersteigen. 

4. Niemand darf gleichzeitig in die Anwärterliste für zwei oder 
mehrere Regierungsbezirke (No. 1) eingetragen werden. 

5. Die Reihenfolge der Anwärter in der für jeden Regierungs- 
bezirk aufgestellten Liste (No. 1) wird für die zum 1. Juli 1885 
(No. 1) zur Annahme Gelangenden durch den Tag der Ausfertigung 



Gesetze und Verordnungen. 175 

des Qualifikationszeugnisses zum Feldmesser bezw. der Bestallung 
zum Landmesser bestimmt. 

Vom 1. Juli 1885 ab dagegen bestimmt sich die Reihenfolge nach 
dem Tage der Regierungsverfügung, durch welche die Annahme 
zum Anwärter erfolgt ist. 

6. Die als Anwärter für das Supernumerariat angenommenen 
Personen sind gehalten, bis zu ihrer Berufung zum Supernumerar 
eine Beschäftigung als Privatgehülfe bei den Katasterkontroleuren 
nach den hierüber bestehenden allgemeinen Vorschriften aufzu- 
suchen bezw. auf Anforderung der Königlichen Regierung anzu- 
nehmen. Falls eine Einigung über die seitens des Katasterkontro- 
leurs dem Anwärter zu gewährende Vergütung zwischen beiden 
nicht stattfindet, hat die Königliche Regierung die Art und Höhe 
der Vergütung vor Beginn der Beschäftigung festzusetzen. 

Ausserdem sind die Anwärter verpflichtet, der an sie etwa 
ergehenden Aufforderung wegen Beschäftigung mit Gebühren- 
arbeiten im Katasterbureau der Königlichen Regierung oder bei 
Katasterneumessungsarbeiten oder bei sonstigen Geschäften der Ka- 
tasterverwaltung — und zwar selbst in anderen Regierungsbe- 
zirken — unweigerlich Folge zu leisten. 

Ueberhaupt steht der Königlichen Regierung die volle Ver- 
fügung über die Geschäftsthätigkeit des Anwärters im Interesse 
der Katasterverwaltung zu. 

Zur Annahme einer Beschäftigung des Anwärters ausserhalb 
der Katasterverwaltung ist in jedem einzelnen Falle die Genehmi- 
gung der Königlichen Regierung erforderlich, welche jedoch nur 
ausnahmsweise und nur dann zu ertheilen ist, wenn das Interesse 
der Katasterverwaltung nicht entgegensteht. 

Die Anwärter haben über die Art ihrer Beschäftigung all- 
jährlich am 1. April an die Königliche Regierung Bericht zu 
erstatten. 

7. Anwärter, welche den Vorschriften unter No. 6 nicht ge- 
nügen, oder durch ihr geschäftliches oder sonstiges Verhalten die 
Annahme begründen, dass sie sich zu brauchbaren Kataster beamten 
nicht ausbilden werden, sind seitens der Königlichen Regierung in 
der Anwärterliste wieder zu löschen. 

8. Keinenfalls ist es zu dulden, dass Feldmesser ihre Beschäf- 
tigung bei den Katasterneumessungen verlassen, um in einem 
anderen Regierungsbezirk die Annahme als Anwärter zu erlangen, 
ohne dass diejenige Königliche Regierung, von welcher sie bisher 
beschäftigt wurden, sich hiermit einverstanden erklärt hat. 



A 



176 Unterricht und Prüfungen. Briefkasten der Redaction. 

Unterricht und Prüfungen. 

An der Königlichen Landwirthschaftlichen Hochschule zu Berlin 
wird den Studirenden fortan zur Belebung des Fleisses und Beförde- 
rung des wissenschaftlichen Studiums jährlich Gelegenheit gegeben 
werden, den Fortchritt ihrer Kenntnisse und den Umfang geord- 
neten Wissens in der Bearbeitung von Preisaufgaben darzulegen. 
Zu diesem Zwecke werden beim Schluss eines jeden Sommersemesters 
drei Preisaufgaben gestellt werden, nämlich 1. eine landwirthschaft- 
liche, 2. eine aus den begründenden Wissenschaften und 3. eine geo- 
dätische oder culturtechnische. Zur Bewerbung um die ausgesetzten 
Preise (3 ä 150 Mark) sind die als ordentliche Hörer immatriculirten 
Studirenden der landwirthschaftlichen Hochschule berechtigt. 



Briefkasten der Redaction. 

Die für unsere Leser im höchsten Grade werthvoUen >Beiträge 
zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geodätischen Arbeiten <, welche 
in unserer Zeitschrift gegenwärtig veröffentlicht werden, haben die 
Redaction genöthigt, den Abdruck verschiedener anderer Mitthei- 
lungen hinauszuschieben. Indem wir die Herren Einsender, welche 
Beschleunigung des Abdruckes ihrer Artikel gewünscht haben, 
hiemit bitten, noch kurze Zeit Geduld zu haben, glauben wir dem 
Interesse der Mehrzahl der deutschen Geodäten zu dienen , welche 
die seit Jahrzehnten schmerzlich vermissten Einzelheiten über die 
klassische Gradmessung von Gauss nun in den nach Original-Mate- 
rialien bearbeiteten Beiträgen von Herrn Hauptmann Gaede erhalten. 

D. Bed, 



Inhalt. 

Grössere Abhandlung : Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geo- 
dätischen Arbeiten, von Gaede. (Fortsetzung.) Gesetze und Verordnungen. Unter- 
richt und Prüfungen. Briefkasten der Redaction. 



Karlsruhe. Druck von Malscb & Vogel. 




177 

ZEITSCHRIFT for VERMESSUN8SWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C, Steppes^ Steuerassessor in München, und 

S. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1885. VLett 10. Band XIT. 

15. Mai. 



Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch- 
geodätischen Arbeiten. 

Nach Original-Materialien bearbeitet von Gaede, Hauptmann k la suite des 
Gjeneralstabes und Vermessungs-Dirigent bei der Trigonometrischen Abtheilung 

der Landes -Aufnahme. 

(Fortsetzung von S. 173.) 

Zu der Zeit, als die Beobachtungen in Jever beendet und die 
Unzulänglichkeit der Erayenboff'schen Messungen erwiesen war 
(23. Juli 1825), bestanden noch mehrere Projekte für eine Fort- 
setzung der Triangulation. In Bremen, wohin Gauss von Jever 
zunächst sich begab, wurde zwischen ihm und Dr. Olbers die Frage 
eines erneuten Anschlusses an die KrayenhoflF'schen Dreiecke mittelst 
der Seite Kirchhesepe-Bentheim erwogen; i^s) ferner war die Ab- 
sicht, in Gemeinschaft mit Schumacher die Insel Helgoland über 
Wangeroog , Neuwerk und einen dänischen Dreieckspunkt an der 
holsteinischen Küste an die festländische Triangulation anzuschliessen 
und dann dort astronomische Beobachtungen zu machen, bereits 
bis zu einer offiziellen Erörterung in Gauss' Arbeitsbericht pro 1824 
vorgeschritten; 129) endlich waren auch noch weitere Verbindungen 
zwischen Gauss' und Schumacher's Dreiecken i^o) (von der Seite 
Hamburg-Litberg ausgehend) geplant : Gauss konnte sich aber nicht 
mehr zu einer Fortsetzung der Feldarbeiten entschliessen. Er 



"^) Die Erayenhoö''schen Dreiecke in dieser Gegend schienen eine grössere 
Genauigkeit zu besitzen, weshalb Gauss auch anfangs unschlüssig war, ob er 
nicht überhaupt diesen Anschluss vorziehen sollte. S. Briefwschsel mit Schu- 
macher Band I., S. 887, Briefwechsel mit Bessel Seite 457, 458. 

"•) Näheres über das Helgoland-Projekt in Briefwechsel mit Schumacher 
Band I., Seite 318, 319, 322, 326, 327, 332, 347, 351, 396, 420, 424, 425. Band IL 
Seite 6, 18. 

"*) Briefwechsel mit Schumacher Band II., Seite 27, 28, - ferner Seite 169. 
(Polygon um Hamburg.) 

Zeitschrift für VenneBsnngawesen. 1885. 10. Heft. 12 



178 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

erledigte noch die Beobachtungen auf seinen Stationen Brillit und 
Zeren, die er im Frühjahr wegen des Moorrauches >im Rücken 
gelassen hatte«, und, als der Zusammenhang seiner Dreiecke bis 
Jeyer- Varel fertig gestellt war, kehrte er anfangs August nach 
Göttingen zurück, um alsbald eine längere Erholungsreise nach dem 
Süden anzutreten. ^^^) Auch in späteren Jahren hat er selbst 
praktisch-geodätische Arbeiten nicht mehr ausgeführt. — 

Unter der Ueberschrift > Resultate« schreibt Gauss im Arbeits- 
bericht pro 1824: >Der vorstehende Bericht und die beigefugte 
Karte zeigen, dass die Arbeiten des Jahres 1824 mehrfache Ueber- 
gänge von den Dreiecken der früheren Jahre bis Bremen darbieten ; 
der einfachste ist mit starken, vollen Linien gezeichnet« (wie auf 
der beigegebenen Tafel III.). >Wäre es möglich gewesen, jenes ein- 
fachste System gleich anfangs ausfindig zu machen, so hätten aller- 
dings die anderen, mit schwachen vollen Linien (wie auf der 
Tafel III.) gezeichneten Dreiecke ganz wegfallen können. Allein die 
obige Berichtserstattung zeigt, nach wie vielen Schwierigkeiten der 
Plan zu jenen erst ausgemittelt werden konnte, und die präcise, 
schnelle Ausführung der verschiedenen dazu erforderlichen Durch- 
haue wäre gleichfalls ohne vorgängige schon sehr genaue Kenntniss 
der Lage der Plätze ganz unthunlich gewesen. Bei dem heutigen 
mathematischen Zustande der höheren Geodäsie dürfen übrigens 
auch die letzteren Dreiecke, die schwach gezeichneten, keineswegs 
als überflüssig betrachtet werden: vielmehr muss ihre nach ganz 
bestimmten Prinzipien anzustellende Berücksichtigung mit dazu bei- 
tragen, die Schärfe der Endresultate zu erhöhen.« i'») 

>Endlich ist es auch noch von grosser Wichtigkeit, dass durch 
die drei Dreiecke zwischen den fünf Punkten Falkenberg, Elmhorst, 
Wilsede, Litberg, Hamburg ein neuer Uebergang von den südlichen 
Dreiecken im Königreich Hannover bis Hamburg erreicht worden 
ist, welcher dem frühern, um vieles complicirteren , in der Karte 
durch schwächer punktirte Linien vorgestellten (über Hauselberg, 
Wulfsode, Timpenberg und Nindorf auf Hamburg-Lüneburg) vorzu- 
ziehen ist, und daher, nach den vorhin angedeuteten Grundsätzen, 
die Genauigkeit der Resultate verdoppeln wird.« 

Um, lediglich auf Grund schriftlicher Aeusserungen Gauss', zu 
bestimmten Schlussfolgerungen zu kommen, seien hier zunächst 
noch einige entsprechende Stellen citirt. 

An General von Muffling schreibt Gauss bei üebersendung 
seines Tableaus und seiner Koordinaten i*'): >Sie finden darin (näm- 
lich in der Zeichnung) eine grosse Menge von Kreuzungs-Kontrollen, 
die theils vorsätzlich aufgenommen, theils daher entstanden sind. 



'•*) Arbeitsbericht pro 1825 und Briefwechsel mit Schumacher B»nd IL 
Seite 29, 35. 

^•*) S. das Beispiel Hauselberg im Supplementum theoriae etc. Gauss^ 
Werke Band IV., Seite 92, 93. 

»") S. Note 1. 



^— ran — ir,r.T 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 179 

dass, während der Plan sich ausbildete, immer schon an den 
Messungen selbst gearbeitet wurde. Es könnten daher allerdings, 
unbeschadet des Zusammenhanges, manche Punkte und noch mehrere 
Linien ganz ausfallen, die aber, da die Messungen alle mit grösster 
Sorgfalt gemacht waren, bei der Rechnung alle nach willkürfreien 
Grundsätzen aufs strengste mit berücksichtiget sind.< 

Im Briefwechsel mit Bessel findet sich folgende Stelle i'^) : >Ich 
habe das System meiner Hauptdreiecke in diesen Tagen sorgfaltig 
ausgeglichen, so dass nicht nur die Summe der Winkel jedes ein- 
zelnen Dreiecks^ sondern auch die Verhältnisse der Seiten in den 
gekreuzten Vierecken und Fünfecken genau harmoniren , und zwar 
ohne alle Willkür, ohne Auswählen, ohne Ausschliessen, Alles nach 
der Strenge der Probabilitätsrechnung.c 

Endlich schreibt Gauss an Schumacher, ^^^) gelegentlich der 
Berechnung späterer Messungen (Lt. Hartmann im Hildesheim'schen) 
nach der Methode der kleinsten Quadrate: >Es ist in der That 
eine grosse Satisfaktion, Messungen nach dieser Manier zu behan- 
deln und die schöne innige Verknüpfung aller Fakta, die beobachtet 
sind, zu gemessen. < i'^) 

Nachdem die Entstehung des Dreieckssystems früher geschil- 
dert ist, lässt sich jetzt auf Grund der angezogenen Schriftstellen 
Folgendes konstatiren: 

I. Gauss hat einfach an einander gereihete Dreiecke für eine 
genügende Konfiguration einer Dreieckskette gehalten. Die von ihm 
im Jahre 1824 aus allen seinen Dreiecken ausgewählten > einfachsten 
Uebergänge, die den komplizirteren vorzuziehen sind<, bilden zwei 
solche Systeme, die mit der Seite Litberg-Wilsede zusammenhängen. 
In den Jahren 1821 und 1825, wo seine Mittel den Terrainschwierig- 
keiten gewachsen waren, finden sich auch von vorneherein keine 
diagonalen Kreuzungs-EontroUen. 

II. Unbeschadet des Zusammenhanges hätten aus dem System 
ganz ausfallen können die 8 Punkte: Garssen, Hauselberg, Wulf- 
sode, Timpelberg, Nindorf (aus dem Jahre 1822) und Brüttendorf, 
Bettel, Bullerberg (aus dem Jahre 1824) : also da die Gradmessung 
insgesammt 32 Punkte hat i^^), ein Viertel von allen. 

III. Da in Folge mangelhafter Anlage der praktischen Arbeit 
die Messungen auf und nach überschüssigen Punkten einmal vor- 
handen waren, hat Gauss sie auch nicht fortgeworfen, sondern bei 
der Rechnung mit berücksichtigt; sowohl in dem Streben nach 
höchster Objektivität, als auch, um noch eine Steigerung der Ge- 



"*) Briefwechsel mit Bessel Seite 423 ; entsprechend auch Briefwechsel 
mit Schumacher Band I. Seite 293, 398. 

"*) Briefwechsel mit Schumacher Band 11., Seite 136. 

!*•) Vergleiche auch Briefwechsel mit Bessel Seite 414: „Bei meiner Be- 
handlung reagirt gewissermassen jeder z. B. in Wilsede gemessene Winkel auf 
alle übrigen bis Göttingen hin/* 

^'^) Unter dieser Zahl ist Inselsberg nicht mit inbegriffen, weil Gauss 
dort nicht selbst beobachtet hat. S. Note 10. 

12. 



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180 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

nauigkeit dadurch zu erzielen. Er hat also gewissermassen nach- 
träglich aus der Noth eine Tugend gemacht, und dabei persönlich 
auch lebhafte Satisfaktion über die Harmonie der Resultate em- 
pfunden , welche seine, in ihrer Anwendung auf geodätische Mes- 
sungen neue Methode ergab. ^ 3®) 

Ein Theil der Kreuzungs - Kontrollen ist vorsätzlich in das 
System aufgenommen, i«») Es ist von Interesse, festzustellen, 
warum Gauss diese Kontrollen gemessen hat^*^) Zu diesem Zwecke 
seien zunächst wieder einige Schriftstellen citirt. 

Als Gauss zu Ende der Feldarbeiten 1822 mit der Rekognos- 
cirung und Beobachtung bis zu der Seite Wilsede-Timbenberg vor- 
geschritten war, während der Punkt Nindorf mit seinen Verbin- 
dungen noch fehlte, i*i) schrieb er am 8. Oktober 1822 (noch von 
dem Vermessungs-Terrain aus) an Schumacher 1*2); >Will ich die 
Verbindung mit Hamburg nicht einzig auf das in Hamburg etwas 
spitze Dreieck Wilsede-Timpenberg-Hamburg stützen, so ist es un- 



ß - 






PS- - 



^^^) Vergleiche auch (Briefwechsel mit Schumacher Band IL, Seite 420) 
die Aeusserung über die jeux d'esprit, die Gauss gewissermassen „als einen 
mathematischen Confekt sehr zu goutiren*' wusste, ,,sobald sich eine besondere 
Eleganz, Adäquatheit und Scharfsinn dabei offenbaren^'. 

139) Vergleiche hierzu auch Brief Wechsel mit Schumacher BandL, Seite 289, 
und Schumacher, Astronomische Nachrichten Band I., Seite 441 (Bericht über 
die Arbeiten des Jahres 1822) : „Das Netz bietet durch seinen Gliederbau viel- 
fache, zu meiner grössten Zufriedenheit ausgefallenen Kontrollen dar." 

140) Vom Standpunkte des Verfassers umsomehr, als in den Ketten und 
Netzen der Trigonometrischen Abtheilung seit 1875 diagonale Verbindungen, 
auch wenn sie zufällig vorhanden sind, grundsätzlich nicht mit gemessen 
werden , ausgenommen den in guten Konfigurationen äusserst seltenen Fall, 
wo der durch sie erschlossene Rechnungsweg dem ohnehin vorhandenen an 
Schärfe nicht erheblich nachsteht. 

^*^) In diesem Zustande ist das Dreiecksnetz der Gradmessung auf dem 
Tableau bei No. 24 von Schumacher's Asronomischen Nachrichten dargestellt. 
Von da aus ist es in derselben Weise auf andere Tableaux übergegangen, 
z. Th. gleichzeitige, wie ein grosses üebersichtsblatt preussischer Generalstabs- 
dreiecke, z. Th. auch noch moderne, wie z. B. das canevas trigonometrique 
indiquant l'avancement des travaux geodesiques en Europe, Anlage zu dem 
entsprechenden Bericht bei den „Verhandlungen der Europäischen Gradmessuns; 
1883." — Auf einem Blatte des Papens'schen Atlas von Hannover ist nun aber 
eine üebersicht der Hauptdreiecke in Hannover gegeben, welche Gauss als 
richtig selbst anerkannt hat. (Auf der Rückseite eines bei den Akten der Trigono- 
metrischen Abtheilung befindlichen Exeraplares dieses Blattes steht nämlich 
eine ieigenhändige Bemerkung Gauss* mit Unterschrift , in der es zum Schluss 
heisst: „Mit Ausnahme dieses geringfügigen ümstandes [falsche Kolorirung 
der Seite Köterberg-Hohehagen] finde ich in dieser sehr zweckmässig ange- 
ordneten Uebersichtskarte eine treue Darstellung der Hauptdreiecke und ihrer 
Verbindungen mit den Messungen in den Nachbarstaaten.) Auf diesem Blatte 
ist der Punkt Nindorf mit den Verbindungen Timpenberg, Wilsede, Hamburg, 
Hohenhorn und Lüneburg eingetragen. — Zu dem erwähnten Bericht soll 
übrigens beiläufig noch erwähnt werden, dass auf dem Tableau die Gauss'schen 
Dreiecke der Jahre 1824 und 1825 vollständig fehlen, während im Text 
(Annex II., Seite 69) Punkte der Gradmessung und der Landesvermessung so 
in Zusammenhang gestellt sind, als sei ihre Bestimmung völlig gleichwerthig- 

***) Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 287. 




Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gaues' praktisch-geod. Arbeiten. 181 

erlässlich, noch einen Punkt zuzuziehen. < Wir wissen, dass erst 
1823 der Punkt Nindorf eingeschoben wurde, i*^) 

An Bessel schreibt Gauss am 15. November 1822 1*4): >ich 
halte es für einen überaus schätzbaren Vortheil, dass in meinem 
System drei Vierecke vorkommen, in denen alle sechs Richtungen 

wirklich hin und zurück gemessen sind.< >Es wäre zu 

wünschen, dass man bei jeder Messung solche Prüfungen hätte. Es 
gibt Messungen , wobei die Summen der drei Winkel überall zum 
Bewundern stimmen, und wo eine solche Prüfung zeigt, dass 
manche Winkel um 2" bis 3" gewiss unrichtig sind. In der That 
ist die Prüfung vermittelst der Summe der Winkel ä la portee von 
Jedermann ; die durch Diagonalen ist es weniger, so leicht sie auch 
für einen Mathematiker ist, und man kann sich der Vermuthung 
nicht erwehren, dass die erstere Prüfung zuweilen dazu gedient 
haben mag, wenn auch nicht die Beobachtungen zu verfälschen, 
doch etwas zu wählen. (Man bemerkt eine Tendenz dazu selbst 
bei Delambre.)< 

Bessel antwortet hierauf i**): >Man wird durch vollständig 
geschlossene Vierecke, so wie Sie in der Lüneburger Heide ge- 
messen haben, manchen spitzem oder stumpfern Winkel so unschäd- 
lich machen, als ob die ganze Kette aus gleichseitigen Dreiecken 
bestände. < 

Hiernach ist also der Nutzen und Zweck der 'Kreuzungs- 
Kontrollen ein doppelter: 

1. sie sollen die Objektivität der Messungen garantiren ; 

2. sie sollen ein Korrektiv für übrigens schlechte Konfiguration 
sein; man kann auch gleich weiter gehen und sagen: wo sie sich 
finden, zeigen sie an, dass die einfachen Formen nicht für aus- 
reichend gut gehalten wurden. 

Betrachten wir beide Punkte noch etwas näher. 

Gauss hatte zweifellos die Berechtigung, eine Art von geheimer 
Kontrolle über die Beobachtungen für wünschenswerth zu halten: 
die Objektivität der Arbeit scheint bis zu seiner Zeit nicht sonderlich 
gross gewesen zu sein. So schreibt er selbst über die KrayenhoflF- 
schen Messungen an Bessel i*^): >Krayenhoff hat aus vielen 
Winkelreihen immer nur diejenigen beibehalten , die am besten zu 
passen schienen (ohne anzugeben, wieviel die anderen abwichen)« 
und an Schumacher i*') : »Entweder muss also Herr Krayenhoff 
seine Ausgleichungen nicht gehörig gemacht haben, oder seine 
Winkelmessungen involviren versteckter Weise viel grössere Fehler, 
als man nach der Prüfung durch die drei Dreiecke und die Gyrus- 



"^) Nach Ausweis des betreffenden Beobachtungs - Journals beträgt der 
Winkel in Hamburg zwischen Wilsede und Timpenberg 25° 47', der zwischen 
Wilsede und Nindorf 28° 12'. 

'**) Briefwechsel mit Bessel Seite 407. 

***) Briefwechsel mit Bessel Seite 415. 

"*) Briefwechsel mit Bessel Seite 457. 

^*'') Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 349. 



1S2 Gaede. Baiträge znr Keuntniu von GanBB' praktiach-geod. Arbeiten. 

winke! erwarten sollte, und im letzten Fall ist man berechtig, zu 
glauben, dass die angegebeoeu Beobachtungswiokel wenigstens par- 
teiisch gewählt 8ind, um diese SchÜessung der einzelnen Dreiecke 
nnd TourB d'horizon zn erzwingen.« — Üeber die gleichzeitigen 
Bayerischen Messungen , deren Originalien Gauss mehrfach vergeb- 
lich erbeten hatte"*), schreibt er an Bessel i*«): >Schumacher er- 
zählte mir, dass Soldner ihm gesagt hätte, der Grund , warum die 
Kommission in Mfinchen meine Bitte um die Mittheilung nicht erfüllt 
habe, sei, weil man annehme, dass ich über diese Dreiecke Rech- 
nungen anstellen wolle ! Ebenso ist es mir mit den Österreichischen 
gegangen.« Später ist über die Bayerischen Original -Winkel- 
messungen Folgendes bekannt geworden '»•): >Nach welchem Ver- 
fahren aus der Gesammtheit aller Messungen eines Winkels dessen 
in die Dreiechsherechnung aufgenommene Grösse bestimmt wurde, 
und ob man hierbei überhaupt ein festes System befolgte, ist aus 

den Akten nicht zu entnehmen Vermuthlich sind bei 

Festsetzung des gemessenen Winkels praktische Erwägungen über 
die Persönlichkeit des Messenden, die Güte des Instrumentes, die 
Beleuchtung der Signale, die Horizont-Abschlüase u. dergl. mass- 
gebend gewesen und hiemach Messungen ausgeschlossen worden, 
deren Werth sich jetzt nicht mehr beurtheilen läs8t.< — Auch 
Gauss' Aeusserung •*!) an Bessel über die Vorkommnisse bei der 
französischen Gradmessung : > Ergötzlich ist, wie die neue Kommission 
sich bemüht, diese Sauerei so zu bemänteln, als sei sie irrele?ant(, 
soll noch angeführt werden, um zu zeigen, wie gering die Ob- 
jektivität der Messungen jener Zeit war. 

Von Gauss an datirt aber auch in dieser Beziehung eine nene 
Periode der Geodäsie. Sein Beispiel lehrte , die Winkel nicht fort- 
werfen , wenn sie nicht pa8Sten;is2^ seine Methode der kleinsten 
Quadrate schaffte in der Rechnung die Widersprüche der Messun- 
gen >ohne Willkür, ohne Auswählen und Ausscblieaaen* ^^s^ fort, 
uud was von ihm so viel und lebhaft als nothwendig betont wurde, 
die Publikation der Triangulationen in extenso, ^s*) ist — wenn 
auch nicht von ihm selbst durchgeführt — doch seitdem allgemein 
als Regel anerkannt undzunäcbst von Gerling und Bessel auch wirk- 
lich befolgt worden. 

Man kann heutzutage wohl behaupten: wir verdanken es Gauss, 
dass wir diagonale Kreuzungen als geheime Objektivitäts-Poliiei 
nicht mehr brauchen. 

"■j Vergl. BriefwechBel mit Schumacher Band II., Seite 98, 101. 

"') Briefwechsel mit Bessel Seite 460. 

"") Vortrag des ProfeaBor von Bauernfeind bei den Verhandlungen der 
Europäischen Gradmessang 1867. Abgedruckt im Bericht pro 1867, Seite 26- 

"') Briefwechsel mit Baaeel Seite 541. 

'") Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 334. 

"•) Briefwechsel mit Bessel Seite 423. 

'") S. unter Anderen Briefwechsel mit Schnmacher Band I., Seite 349—351 ; 
Gansa' BHef an Bohnenbei^er im Band XI. dieser Zeitschrift, Seite 430; „Br 
atiromung dee Breitenunterschiedea etc." Seite 74. 



^p 



Qaede. Beiträge car EsnntniBB von Qnuas' pr^ktiBch-geod. Arbeite 

Weiter sollen KreuzuugskontroUen zur AufbeEserung de 
figuration dieneD. Zweifellos erhöhea sie die Zahl der Bedii 
gleicbungeit des Systems: aber doch nur in dem Sinne, 6 
tor die Bestimmung der Lage eines einzeloen Punktes massj 
Schnittögur, anstatt aus zwei guten, aus einem Komplex t 
oder mehreren, minder guten Schnitten gebildet wird. Di( 
also mit ihrer Komplizirtheit soll ersetzen , was bei Einfach 
Güte nicht erreicht ist. Die Zahl der Beobachtungen u 
Rechenarbeit bei der Ausgleichung erhöht sich durch vorl 
Krenzunga-KontroUen unter Umständen ganz erheblich; un« 
Zuwachs an Arbeit dürfte im Allgemeinen kaum im richtigi 
tiältnisB zu der dabei zu erreichenden Erhöhung der (jeni 
stehen. 

Vor allen Dingen aber — und das scheint ausschlagge 
ist die Voraussetzung für die Notbwendigkeit von Kre 
Kontrollen immer der Mangel einer ausreichend guten, ei 
Konfiguration: da liegt es doch unmittelbar nahe, ein F 
Arbeit lieber auf die Herstellung einer solchen einfachen, 
Konfiguration zu verwenden, und dann wenige Beobachtui 
und die um so schärfer und sorgfältiger — zu machen, zuma 
dem Bewusstsein von vorhandenen Kontrollen menschlich erE 
mnss, dass bei den einzelnen Beobachtungen leicht ein 
weniger scharfe Kritik der einzustellenden Lichter und s' 
äusserer Verhältnisse Platz greifen könnte. 

Wir kommen zu dem Resultat : Je einfacher und kla 
Dreieckssystem aussieht, um so sorgf^tiger und zielbewu» 
die Rekognoscirung gewesen : gut rekognosciren und korrek 
&chten macht Kreuzunge-EontroUen überflüssig und darum sc 

Die Fragen Über den Nutzen und Werth der Kre 
Kontrollen, die in diesem Zusammenhange wesentlich vom 
sehen Standpunkte aus betrachtet werden konnten, lassen si 
rein theoretisch-rechnerisch behandeln. Es wird dabei abei 
denken sein, dass, nur aus dem Boden gesunder praktisc 
schauung und Erfahrung erwachsen, die Theorie fruchtt 
und rückwärts die Praxis befruchtend wirken kann : dafür ii 
in erster Linie ein leuchtendes Beispiel. 

Gauss aber kommt gegen Ende seiner praktischen Arbe 
1824) dazu, ganz einfache Uebergänge als die besten h( 
suchen ; und wenn er 1822 seine kompllzirten Formen un 
Kreuzungs-Kontrollen genommen hat, so geschah das der>l 
horchend, nicht dem eig'neu Triebe.« 



184 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 



Gauss' Antheil an der Hannoverschen Landes-Vermessung. 

(Hierzu Tafel IV. und V.) 

Gliederung und Anordnung des Stoffes i) in diesem Aufsatze 
seien der zusammenhängenden Darstellung vorangestellt. Es sollen 
betrachtet werden: 

1. Gauss' Neben - Beobachtungen während der Gradmessungs- 
Arbeiten 1821—1825 im Interesse der > Geographie des König- 
reiches«. 

2. Die Organisation der Landes-Vermessung unter Gauss' Leitung 
1827—1828. 

3. Die Durchführung der Feldarbeiten 1828—1844. (Das Cha- 
rakteristische der Arbeit ; die Konfigurationen.) 

4. Die Berechnung und der Verbleib der Resultate. 

5. Einige Notizen zur Beurtheilung der Genauigkeit der Landes- 
Vermessung. 

Gauss' Gradmessung, aus persönlicher Initiative hervorgegangen, 
dann mit staatlicher Subvention durchgeführt, sollte, wie früher 
entwickelt ist, zunächst rein wissenschaftlichen Zwecken dienen. 
Die Absicht, von diesem Grundstock aus die Triangulation all- 
mählich über das ganze Königreich auszudehnen und für Staats- 
zwecke praktisch nutzbar zu machen , findet sich aber bereits in 
den ersten Keimen des Unternehmens. So schreibt Gauss in 
der Eingabe an den Grafen Münster vom 30. Mai 1819 2): >Nur 
kurz brauche ich zu berühren, dass die Messung eines Meridian- 
bogens von Hamburg bis Göttingen auch in anderen Beziehungen, 
als der rein wissenschaftlichen, von grosser Wichtigkeit sein würde. 
Das zu diesem Zwecke geführte Dreiecksnetz würde , wenn über 
kurz oder lang eine den heutigen Forderungen entsprechende Ver- 
messung des ganzen Königreiches Hannover beschlossen werden 
sollte, die sicherste Grundlage abgeben , um die weitere Triangu- 
lation östlich und westlich an dasselbe anzuschliessen. Und falls 
zu einer solchen General -Vermessung nahe Aussicht sein sollte, 
könnte durch die Gradmessung noch der Nebenzweck erreicht 
werden, dass diese mit zur Vorbereitung tauglicher Personen für 
jenes Geschäft benutzt werden könnte. < Auch unter den Motiven 
für die Erweiterung der Gradmessung bis zur Seite Jever -Varel 
findet sich in dem betreffenden Promemoria ^) eine entsprechende 
Stelle: > Insofern eine solche Verbindung, querüber von Ost nach 
West geführt, grösstentheils über hannoversches Gebiet geht, ist der 



') Das Material ist im Wesentlichen aus einigen vierzig ungedruckten 
Original-Beriehten von Gauss geschöpft. 

=*) Grösstentheils abgedruckt in Gauss* Werken Band IV., Seite 482 — 483. 
3) Vom 7. Januar 1824. 



Gaede. Beiträge zur KenntoisaTOD Gauss' praktiach-geod. Arbeit«- 

Vortheil , welchen die Geographie des Königreiches dadu 
halten würde, eben so klar. Es ist jetzt allgemein anerkan 
eine genaue Landes- Vermessung ohne eine gehörige Trianj 
unmöglich ist. Blosse Detailmessungen lassen sich niem 
Sicherheit zu einem unverzerrten Ganzen verbinden. AU( 
abgesehen von der ohne Vergleich grösseren Genauigkeit, 
eine Detail-Aufnahme, wenn sie auf eine vorgängige gute T 
lirung gestützt wird, in ihrem ganzen Plan und Gang eint 
Leichtigkeit, Einfachheit, Sicherheit und KontroUirbarkeit i 
einzelnen Theile, dass die Hälfte der Zeit und Kosten erspa 
Die OradmesBungs- Dreiecke umspannen bereits einen sehr 
tenden Theil des Königreiches; querüber geführte Verbi 
dreiecke würden den umspannten Raum beinahe verdoppi 
Bei der Durchfuhrung der Gradmessung hat dann Gau: 
es sich angelegen sein lassen , soweit als möglich die pra. 
Zwecke mit den wissenschaftlichen zu verbinden. Er 
darüber im Arbeitsbericht pro 1822: »Der oberste Zw 
Triangulirung als Theil der Gradmeasung ist, die Göttingei 
warte mit den dänischen Dreiecken zu verbinden , und di 
es am vortheilliaftesten, die Dreiecke so gross wie möglicl 
richten, und daher die Dreieckspunkte im Allgemeinen : 
höchsten Stellen , die die weiteste Aussicht darbieten , zu 
Diese Punkte haben aber grösstentheils kein unmittelbares I 
für die Geographie des Königreichs. Neben dem Hauptzwei 
ich jedoch auch für diese meine Operationen überall nac 
lichkeit nützlich zu machen gesucht. Ich habe die Lage c 
Schäften, die in dem Bereich der Hauptdreiecke sich beünd 
Sorgfalt bestimmt ; einige derselben mit einer Schärfe, die 
Hauptdreieckspunkte kaum nachsteht, alle aber mit solo 
nauigkeit, wie nur zu einer Landesvermessung gefordert 
kann. Von Städten nenne ich hier Hannover, Braunschwei[ 
Lüneburg, Neustadt am Rübenberge, Burgdorf: die Anz 
Dorfkirchthürme, deren Lage genau bestimmt wurde, ist sei 
Die Bahn ist gebrochen, diese Emdte , wenn es gewünsct 
über einen grösseren Theil des Königreiches, oder über da: 
auszudehnen, c *) Im Jahre 1823 hat Gauss sogar eigens i 
Aegidius-Thurm in Hannover, der nicht zu den Gradmi 
Punkten gehörte, gelegentlich seiner Durchreise (bei der R 
von Hamburg nach Göttingen) >ver8chiedene Winkelmessun 



') Wie Gausa persönlich diese Nebenarbeit nuffasate, geht aus der 1 
charakteristischen Stelle vom 15. November 1822 im Briefwechsel n 
Seite 410 hervor: „Ich schnitt überdies auch alle sichtbaren Objekt( 
lagenheit und ich muss saßen , dass ich dieses Geschäft mit seinen 
Ausgleichungen so lieb gewann, dass mir das Bemerken, Auamitteln 
mjhnen eines neuen Kirchthurmes wohl ebenso viel Vergnügen mai 
das Beobtkchten eines neuen Gestirnes. Tor Gott ist's am Ende s 
einwlfli, ob wir die Lage eines Kirohthurms auf einen Fuss oder 
Slersea auf eine Sekunde bestimmt haben." 



•• «' 



186 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktiscli-geod. Arbeiten. 

gestellt, vornehmlich zur Bestimmung einer bedeutenden Anzahl 
von Punkten im Hildesheim'schen.K ß) Diese Punkte bildeten be- 
reits eine ausreichende Grundlage für die in dortiger Gegend 1827 
ausgeführte topographische Aufnahme. ^) Diese gesammte Ausbeute 
seiner Nebenmessungen giebt Gauss im Arbeitsbericht pro 1825 
an: >ich kann hinzusetzen, dass meine sämmtlichen Messungen 
(1821—1825), die wohl beinahe die Hälfte der Fläche des König- 
reiches Hannover überspannen, zusammen über 400 gut bestimmte 
Punkte 7) in demselben und den benachbarten Ländern enthalten.« 
Die Zahl der überhaupt durch die Gradmessung und die Landes- 
vermessung bestimmten Punkte beträgt gegen 2600 ») : davon ent- 
fällt also beinahe ein Sechstel auf Gauss' persönlichen Antheil. 

Nach Beendigung der astronomischen Bestimmungen brachte 
im Herbst 1827 der Hauptmann Müller den von der englischen 
Regierung entliehenen Ramsden'schen Zenithsektor nach London 
zurück. Er nahm dabei den weiteren Auftrag von Gauss mit, bei 
dieser Gelegenheit die massgebenden Persönlichkeiten am englischen 
Hofe für die Ausdehnung der Triangulation über das ganze König- 
reich Hannover zu interessiren und Gauss' Bereitwilligkeit zur 
Uebernahme der Leitung dieses Geschäftes zu erklären. Auf dem 
offiziellen Wege über London und Hannover wurde darauf Gaass 
am 8. November 1827 zum Bericht über diesen Gegenstand aufge- 
fordert. Das von ihm hierüber eingereichte Promemoria hat fol 
genden Wortlaut: 

>An 

Königliches Kabinets-Ministerium. 

„Unterthänigstes P. M. betreffend die 
weitere Ausdehnung der Gradmessungs- 
Arbeiten." 

Auf die mir unter dem 8. d. M. vom K. Kabinets-Ministerium 
gemachte Eröffnung wegen weiterer Ausdehnung der Gradmessungs- 



*) Dass Gauss besonderen Werth darauf legte , einen Thurm der Landes- 
hauptstadt in das Hauptdreiecksnetz direkt einzufügen, geht aus seinem bei 
Aufsatz I. abgedruckten Arbeitsbericht pro 1821 hervor. Der Aegidiusthurm 
wurde von ihm 1821 und 1822 von Hils, Lichtenberg, Deister und Falkenberg 
geschnitten ; bei oben erwähnter Gelegenheit hat er daselbst an einem Tage 
(19. Juli 1823) nach Ausweis des Beobachtungs-Journals über 100 Einstellungen 
nach Eirchthürmen und sonstigen in der Natur gegebenen Objekten gemacht. 
Zur Orient irung der Messung diente das Hils-Signal. 

^) Siehe das in der Folge abgedruckte Promemoria vom 21. November 1827. 

^) In dem in Note 6 erwähnten Promemoria vom Jahre 1827 giebt Gauss 
diese Zahl auf „über 500" an ; vermuthlich ist diese Ziffer richtiger als die 
oben erwähnte frühere , bei deren Feststellung die Messungsakten wohl noch 
nicht so genau gesichtet waren. 

®) In dem Original des „Allgemeinen Koordinaten-Verzeichnisses", ebenso wie 
in dessen Wiedergabe bei Wittstein sind 2578 Punkte enthalten. In Gauss' 
Werke Band IV. sind ausserdem noch die Doppel - Bestimmungen von 411 
dieser Punkte (aus den partiellen Eoordinatenverzeichnissen) aufgenommen. 



i 






Gaede. Beiträge zur Eenntnise von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 187 

Triangulirungen auf andere Landestheile, beehre ich mich zuvör- 
derst unterthänigst zu erwidern, dass ich, stets bereit, meine Kräfte 
fiir Zwecke, die höhern Orts für nützlich erachtet werden, zu ver- 
wenden, sehr gern die Leitung erweiterter Messungen und ihrer 
Verarbeitung zur Vervollkommnung der Landesgeographie über- 
nehmen werde, soweit es meine physischen Kräfte und anderweitigen 
Arbeiten nur immer verstatten. Wenn nun gleich diese beiden 
Rücksichten mir nicht wohl erlauben würden, die Messungen selbst 
in demMaasse persönlich auszuführen, wie ich es in den Jahren 1821 
bis 1825 gethan habe, und daher mein unmittelbarer Antheil an den 
Arbeiten im Felde auf die delikatem Messungen beschränkt bleiben 
müsste, so würde doch dadurch die Vollkommenheit der Ausführung 
und die Zuverlässigkeit der Resultate nicht gefährdet werden, da 
die mir zum Theil eigenthümlichen Methoden, dergleichen Opera- 
tionen zu combiniren und zu Resultaten zu verarbeiten, überall die 
durchgreifendsten und sichersten ControUen darbieten. Indessen 
geht hieraus hervor, dass für den Augenblick meine üebernahme 
eines solchen Auftrages durch die Disponibilität eines brauchbaren 
Personals bedingt sein muss. Die drei bei meinen frühern Mes- 
sungen gebrauchten Gehülfen, der Hauptmann Müller, der Lieute- 
nant Hartmann, und mein Sohn, gegenwärtig gleichfalls Lieutenant 
im Artillerie-Korps, wissen mit den Winkelmessungs-Instrumenten 
umzugehen, und können alle sekundären Messungen vollkommen 
ausführen, und ich zweifle nicht, dass sie unter meiner Leitung 
späterhin sich selbst zu den feinern Messungen werden fähig machen, 
und mich dadurch immer mehr in den Stand setzen können, mich 
auf die Leitung des Geschäfts, und so viel thunlich von meinem 
Wohnorte aus, zu beschränken. An der Bereitwilligkeit dieser Of- 
fiziere, insofern es mit ihren sonstigen Dienstgeschäften verträglich 
ist, ist auch nicht zu zweifeln; ich bin jedoch gegenwärtig noch 
nicht unterrichtet, in wiefern der Gesundheitszustand des Haupt- 
manns Müller ihm die Übernahme eines umfassenden Theils des 
Geschäftes verstatten würde. 

Was zweitens die Designation der von den bisherigen Mes- 
sungen noch nicht berührten Landestheile betrifft, so ergiebt sich 
dieselbe aus beiliegender, zwar nur flüchtig gemachten, aber zu 
diesem Zwecke hinreichenden, kleinen Zeichnung, welche die Umrisse 
der Landesgrenzen (roth) s), die von mir 1821 — 1825 ausgeführte 
Haupttriangulirung (schwarze, volle Linien) und einen Theil der 
Krayenhoff'schen Messungen (schwarz punktirt) vorstellt. Letztere, 
welche Ostfriesland und einen Theil der Grafschaft Bentheim um- 
fassen, haben, wenn sie auch höheren wissenschaftlichen Forde- 
rungen nicht ganz Genüge leisten (wie ich in meinem letzten Be- 
richt vom März d. J. entwickelt habe), doch alle für jeden geogra- 



*) In der beigegebenen antographischen Nachbildung dieser Zeichnung 
ist die Landesgrenze durch gerissene schwarze Linien dargestellt, um den 
Farbendruck in zwei Platten zu vermeiden. 



188 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

phischen Zweck erforderliche Genauigkeit, und machen in dieser 
Beziehung eine neue Triangulirung über diese Gegend überflüssig. 
Der blosse Anblick dieser Zeichnung zeigt, dass noch drei getrennte, 
von den Dreiecksmessungen noch nicht berührte Stücke des König- 
reichs übrig sind: 

A. der östliche Theil des Lüneburgschen, 

B. der nördlichste Theil des Bremischen, 

C. die westlich von der grossen Dreieckskette liegenden 
Landestheile, enthaltend besonders das Hoya'sche, Diep- 
holz, Osnabrück, bis Bentheim, Lingen und Meppen. 

Drittens: Eine Veranschlagung der Kosten, welche eine Aus- 
dehnung der Triangulirung über alle diese noch fehlenden Landes- 
theile verursachen würde, ist freilich schwer zu machen. Es lassen 
sich allerdings die Kosten, welche bei bestimmter Organisation eines 
solchen Geschäfts in einem Jahre erforderlich sein mögen, näherungs- 
weise veranschlagen, aber sehr misslich ist es, bei einem Ge- 
schäfte dieser Art im Voraus zu bestimmen, wieviel in einem Jahre 
ausgeführt werden wird. Dieses hängt, ausser der Thätigkeit und 
Geschicklichkeit des Personals, von mancherlei im Voraus nicht zu 
bestimmenden Nebenumständen ab, von der Beschaffenheit des Ter- 
rains, welches ich in den in Frage stehenden Landestheilen aus 
eigener Ansicht noch fast gar nicht kenne, von dem Eintreten lokaler 
Hindernisse (wie z. B. das Moorbrennen im Bremischen und in 
Westphalen), von der Witterung u. s. w. Auf einem günstigen 
Terrain, wo viele hohe, feste und bequeme Thürme oder bedeutende, 
nicht bewaldete Anhöhen benutzt werden können, und unter begün- 
stigenden Umständen, kann das Fortschreiten doppelt oder dreifach 
so schnell sein, als in Gegenden, wo solche günstigen Umstände 
grösstentheils oder ganz fehlen. Inzwischen können doch die bei 
den früheren Messungen aufgegangenen Kosten einigermassen einen 
Anhaltspunkt geben. Es wurden 1821 — 1823 bei Messung der 
Dreieckskette bis Hamburg verausgabt 11000 Thaler und 1824, 
1825 für die von da westlich bis Ostfriesland geführte Dreieckskette 
etwa 7000 Thaler. Von diesen Kosten ist aber abzurechnen, was 
wegen Anschaffung von Instrumenten und wegen Abholens des 
englischen Zenithsektors von Altena nach Göttingen verausgabt ist, 
und zwischen 2 500 und 3000 Thaler betragen haben mag, sodass 
die eigentlichen Triangulirungskosten etwa 15 000 Thaler betragen 
haben mögen. Nun scheint nach der Übersichtskarte der Inbegriff 
der noch nicht berührten Landestheile wol nicht viel grösser zu 
sein, als die mit Dreiecken bereits überzogene Fläche, und bei aller 
Ungewissheit, in der ich wegen der Schwierigkeiten des Terrains 
bin, ist es doch kaum wahrscheinlich, dass sie grösser sein können, 
als diejenigen, womit ich besonders 1822 und 1824 zu kämpfen ge- 
habt habe. Wenn ich nun ausserdem bemerke, dass die Operationen, 
deren Hauptzweck die Vervollkommnung der Landes-Geographie 
ist, auch bei einer würdigen Ausführung doch nicht den Grad von 
iusserster Schärfe der Messungen erfordern, welcher bei einer eigent- 



Gaede. Beiträge sur Kenntnisa von Oausa' praktisch -geod 

lichen Graclmessung verlangt wird, so scheint die '. 
ungegründet, dass die Erweiterung der Trianguliruog 
nicht berührten Theile dea Königreiches sich mi 
gereu Summe und vielleicht mit 12000 Thalem bi 
werde. 

Um nun aber eine solche Triangulirung für die 
nuDg der Geographie möglichst nützlich zu machen, 
nicht darauf einschränken müssen, bloss Netze von I 
der ersten Ordnung über die betreffenden Landesthei 
sondern damit die Bestimmung der Lage einer möglicl 
zahl sekundärer Puhkte verbinden, namentlich Bolcb 
Bestimmungen zulassen, und in der Regel Jahrhui 
also besonders der Kirchthürme. Ich habe mir diese I 
bei den frühern Messungen zur Pflicht gemacht, o 
Hauptzweck untergeordnet bleiben musste, und d 
bei jenen Messungen bestimmten Punkte beträgt sc 
als eine Probe davon kann die Übersicht dienen, welc 
letzten Bericht beigefügte Karte von dem nördlich 
Messungen giebt. — Diese Angabe der Lage einer ( 
fester Punkte in Zahlen (wieviel nämlich nördlich odei 
lieh oder Östlich, von einem beliebigen Anfangspunkte 
tinger Sternwarte) bis auf wenige Fuss genau, muss 
ausbeute der Operationen in topographischer Rucks 
werden. Sie behält auf Jahrhunderte einen bleiben 
sofern die Mehrzahl der Punkte bleibt, wenn auch 
Zeit einige untergehen, und die dadurch etwa enb 
änderungen sind leicht zu ergänzen. Sie bildet eine 
läge für alle Detailaufnahmen : alle die Unsicherheit» 
nahmen ohne solche feste Anhaltspunkte erschweren, 
ihre Vereinigung zu einem fehlerfreien Ganzen unm 
fallen dabei ganz weg ; nachlässige Arbeiter erhalte: 
strenge, unausweisliche Controlle; jede Messtischpia 
hängig von der andern bearbeitet, kein Fehler p 
auf andere Blätter fort; endlich vereinigen sich 
Blätter von selbst zu einem genau orientirten und 
menpassenden Ganzen, lo) Es ist einleuchtend, da 



■°) In einem späteren Bericht (vom 22. April 1828) äo 
,Bei den älteren unvollkommenen und nicht anf eine vt 
Triangutirang baeirten Methoden der Detail- Aufnahme wa 
setznng der einzelnen ßlätter zu Einer Karte immer ein ebi 
als schlüpfriges G«scbäft, womit die Ingenieurs wahrend eii 
des Winters vollauf zu thun hatten. Es blieb dabei unvern: 
hier, bald da etwas nicht zusammenpasste ; man masete c 
ansichere Ausgleichungen veraachen, überall abzwicken ode 
renken, um so, auf einem ProkruBtes-Bett , die Blatter tali 
Zuiammenliang zu bringen. Auch von unserer älteren Lani 
mir manches der Art erzählt , -was jedoch weniger den A 
Methode zur Last fällt." — Verfasser, welcher im Winter 18 



190 Gaede. Beiträge zur Eeantniu von Oanas' praktiBch-geod. Arbeiten, 

Eoaten, welche Detailaufnahmen von bedeutendem Umfange allezeit 
machen, durch einen solchen sicheren Gang in einem hohen Grade 
vermindert werden müssen ; aber dieser sichere Gang ist es nicht 
allein, was die Arbeit beschleunigt; sehr wichtig ist in dieser Be- 
ziehung auch der Umstand, dass der Gebrauch der Messkette da< 
durch fast ganz überflüssig und nur ausnahmsweise nöthig wird, 
da die Trtangulirung die Grundlinien schon von selbst giebt, und 
mit einer Schärfe, welche die gewöhnliche Kette garnicht einmal 
geben könnte. 

Allein auch, wo schon Detail-Aufnahmen vorhanden sind, wie 
bei den meisten Ämtern des früheren Bestandes des Königreiches, 
bieten die festen Punkte das Mittel dar, die aus der Zusammen- 
setzung entstandenen Fehler zu berichtigen, und dadurch selbst 
Karten, die sich auf unvollkommene Aufnahme-Methoden gründen, 
wenn sie sonst im kleinen Detail gut sind, zu Darstellungen 
umzuarbeiten, die auch höheren Anforderungen Genüge leisten 
können. 

Was demnach viertens die Massregeln betrifft, um die Trian- 
gulirungen zur Vervollkommnung der Geographie möglichst nütz- 
lich zu machen, so- sind dabei die bereits ausgeführten Messungen 
von den eventuell über andere Landestheile künftig zu erstrecken- 
den zu unterscheiden. 

Bei letztern wird die Gewinnung genauer Bestimmung einer 
möglichst grossen Anzahl fester Punkte gleich als Hauptzweck be- 
rücksichtigt werden müssen. 

Bei den bereits ausgeführten Messungen hingegen ist allerdings 
dieseRücksicht nur als untergeordnet betrachtet gewesen ; allein, da 
ich, wie ich schon erwähnt, dieselbe doch stets im Auge gehabt 
habe, soviel, ohne das Hauptgeschäft zu hemmen, geschehen konnte, 
so müssen hinsichtlich des Erfolges hier abermals die nördlichen 
Gegenden Ton den südlichen unterschieden werden. 

In der nördlichen (grösseren) Hälfte, i>) d. i. etwa von der 
Stadt Hildesheim an bis zum Meere, also in dem flachen Theile des 
Landes, ist die Ausbeute in der erwähnten Beziehung so ergiebig 
gewesen, dass wenig oder nichts zu wünschen übrig bleibt Ich 
habe x. B. im vorigen Frühjahr dem Oberstlieutenant Prott über 
50 scharf bestimmte Punkte im Hildesheim'schen mittheilen können, 
die als Grundlage der angefangenen DetaÜauf nähme dieses Fürsten- 
thums benutzt sind. 

In dem südlichsten Theil des Königreiches hingegen ist die 



laud eine Triangulatiun der Frovins Attika für topographische Zwecke aos- 
gefdhrt hat, benutzte bierbei eine von französiecheii Gonar&lstabs-Offizieren in 
den 1820ger Jahren aufgenommeue Karte, B<jf welche diese Scbildernng G»uis' 
durchaus paaat. Dae nothwendigite Instrament bei dem Zneammenetellen der 
einzelnen Blätter sei die Scbeere gewesen, sagte man in Athen. 

") Die „grössere Hälfte" findet sich bei Gauss aucb in einer Beaprechung 
in den Oöttinger gelehrten Anzeigen. S. Gauss' Werke Band lY., Seite 3TS, 




«r-r-^-^ 



Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 191 

Anzahl der scharf bestimmten Eirchthürme viel kleiner, da theils 
wegen der Grösse der Dreiecke, theils wegen der gebirgigen Be- 
schaffenheit des Landes nur wenige Thürme von mehr als Einem 
Hauptdreieckspunkte aus zugleich sichtbar waren. Für die Vervoll- 
kommnung der Geographie des Königreiches, und namentlich, um 
einer Detail-Aufnahme der südlichen Theile des Hildesheim'schen, 
und des Eichsfeldes ähnliche sichere Grundlagen zu verschaffen, 
würde es daher allerdings wichtig sein, die südlichen grossen Dreiecke 
noch in mehrere kleinere zu zerlegen, und durch Messungen an 
neuen eingeschalteten Standpunkten sichere und zureichende Grund- 
lagen für jene Aufnahmen zu gewinnen. Auf die Kosten dieser Ope- 
rationen habe ich bei der obigen Schätzung keine Rücksicht nehmen 
können: ihre Veranschlagung würde fast noch misslicher, aber auf 
jeden Fall können sie doch, vergleichungsweise gegen die Kosten 
neuer grosser Triangulirungen in den noch nicht berührten Landes- 
theilen nur klein sein. 

Dass es übrigens in Zukunft wünschenswerth sein wird, die Re- 
sultate der Lage aller scharf bestimmten Punkte, wenn sie erst ein 
geschlossenes Ganze bilden, öffentlich bekannt zu machen, brauche 
ich nicht zu bemerken. Von dem eigentlichen rein wissenschaft- 
lichen Theile der bisherigen Messungen versteht sich dies ohnehin 
von selbst. 

Speziellere Massregeln werden erst dann getroffen werden können, 
wenn eine Entscheidung erfolgt sein wird, ob und in welcher Aus- 
dehnung oder in welcher Reihenfolge die erweiterten Messungen 
ausgeführt werden sollen. Die getrennte Lage der drei noch nicht 
berührten Stücke hat die Folge, dass die Bearbeitung jedes der- 
selben als ein für sich bestehendes Geschäft angesehen werden 
kann, ebenso wie die zuletzt erwähnten Operationen im südlichen 
Theile des Königreichs. Bereit, mich jedem darauf abzweckenden, 
beschränkteren oder ausgedehnteren, Auftrage zu unterziehen, werde 
ich deshalb näheren Befehlen entgegen sehen. 

ünterthänigst 

Göttingen, den 21. November 1827. G. F. Gauss.< 

Auf Grund dieses Promemoria wurde durch eine Kabinetsordre 
König Georg's IV. vom 25. März 1828 die Ausdehnung der Triangu- 
lation über das ganze Königreich unter Gauss' Leitung befohlen; 
gleichzeitig sollte auch eine auf diese Triangulation zu stützende 
Spezial-Au&ahme des Landes und die Herausgabe der > Charte < 
stattfinden. Die Verwendung der >General-Staabs- Offiziere < zu 
diesen Geschäften wurde, weil > ersparend und nützliche, empfohlen. 
Für alle drei Arbeiten zusammen sollen jährlich, >nicht mehr als 
5000 Thaler< verwendet werden. 

Die nunmehr nöthige, weitere Disposition über die Anlage der 
ganzen Vermessungs-Arbeit gab Gauss — nachdem er sich vorher 
mit den die einzelnen Ressorts leitenden Persönlichkeiten in Ver- 
bindung gesetzt und auch nicht unterlassen hatte, Schumacher um 




192 Vereinsangelegenheiten. 

seinen Rath 12) zu fragen — in einem weiteren Bericht vom 
26. Junius 1828, aus welchem folgende wesentliche Stellen citirt 
seien : 

> Da die Detailaufnahme der noch nicht vermessenen Landestheile 
auf die trigonometrischen Operationen gegründet werden soll, und 
beide Geschäfte rücksichtlich der zu verwendenden Geldmittel von 
einander abhängig sein werden, so war zuvörderst eine ungefähre 
Ueberschlagung der Gesammtkosten erforderlich. Nach einer mir 
von Hrn. G. C. R. Hoppenstedt mitgetheilten Notiz würde der 
Flächeninhalt der im Detail aufzunehmenden Landestheile etwa 144 
Quadratmeilen betragen; die Kosten der Detailaufhahme durch 
Generalstabs-Offiziere werden auf 200 — 250 Thaler für jede Quadrat- 
meile geschätzt, wozu noch etwa 21 Thaler wegen der Copirungs- 
kosten der Karte in 4 Exemplaren hinzuzurechnen sein würden. 
Würden also zusammen 250 Thaler auf die Quadratmeile gerechnet, 
so würden diese Kosten etwa 36,000 Thaler, folglich mit Inbegriff 
der Triangulirungskosten in den von der Gradmessung noch nicht 
berührten Landestheilen, gegen 50,000 Thaler betragen. Es möchten 
dazu noch ein oder ein paar tausend Thaler zu rechnen sein, wegen 
der Operationen, die erforderlich sein werden, um innerhalb der 
grossen südlichen Dreiecke der Gradmessung eine hinlänglich grosse 
Anzahl fester Punkte für die Detailaufnahme festzulegen , worüber 
ich mich bereits früher in der im November v. J. eingereichten 
Eingabe ausführlicher erklärt habe. Es würde daher, wenn zu 
diesen Geschäften jährlich wirklich 5 000 Thaler verwendet werden 
können (was ausser den Geldmitteln, auch von der steten Dis- 
ponibilität des Personals abhangen wird), zur völligen Vollendung 
ungefähr ein Zeitraum von 10 Jahren erforderlich sein.« 



^') Briefwechsel mit Schumacher Band II., Seite 173 und folgende. 

(Fortsetzung folgt.) 



Vereinsangelegenheiten. 

Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2265. Kriegbaum, Vermessungs-Inspector, Strassburg i. E. 
> 2266. Württemberg'scher Oberamtsgeometer- 
V er ein in Stuttgart. 

Inhalt. 

Grössere Abhandlung : Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geo- 
dätischen Arbeiten, von Gaede. (Fortsetzung.) Vereinsangelegenheiten. 

Karlsrahe. Druck Ton Maisch t Vogel. 



193 

ZEITSCHRIFT for VERMESSUNBSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

unter Mitwirkung von 0. Steppea, SteuerassesBor in München, und 

B, C^rke^ Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan, Professor in Hannover. 

1885. Hefli 11. Band XIT. 

1. J -Ulli. 



Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch- 
geodätischen Arbeiten. 

Nach Original-Materialien bearbeitet von Gaede, Hauptmann k la suite des 
Generalstabes und Vermessungs-Dirigent bei der Trigonometrischen Abtheilung 

der Landes -Aufnahme. 

(Fortsetzung von S. 192.) 

>Wa8 die Eintheilung der trigonometrischen Arbeiten auf die 
einzelnen Jahre betrifft, so möchte es, um diese als Grundlage der 
Detailaufnahme schneller vollenden zu können, rathsam sein, an- 
fangs den grösseren Theil der Geldmittel auf dieselbe, und den 
kleineren auf die Detailaufnahme, vielleicht in dem Verhältniss von 
% auf ^/s, zu verwenden: letztere würde dann in den späteren 
Jahren, wo überall eine sichere Grundlage vorhanden ist, wo die 
Arbeiter nach und nach immer mehr eingeübt sind, und wo die 
Geldmittel allein darauf verwendet werden können, eines um so 
rascheren Fortschreitens gewiss sein. In Beziehung auf die Anord- 
nung der Reihenfolge der trigonometrischen Arbeiten ist, wie die 
Sachen gegenwärtig stehen, weiter kein Grund vorhanden, eine der 
anderen vorzuziehen, als dass nur darauf gesehen werden muss, 
dass die gleichzeitige Detailaufnahme stets mit hinreichendem Stoff 
an zuverlässig bestimmten Punkten versehen sei, damit dieselbe 
niemals in Gefahr komme , aus Mangel an solchem in Stocken zu 
gerathen. Eine speziellere Bestimmung möchte wohl, für denAugen- 
bhck, theils unthunlich, theils unnöthig, theils nicht einmal rath- 
sam sein, weil ein gewisser Grad von Freiheit, das den jedesmaligen 
Umständen nach Zweckmässigste zu bearbeiten, dem schnellern und 
bessern Fortschreiten nur förderlich sein kann.< 

Unter solchen Verhältnissen begannen die trigonometrischen 
Feldarbeiten für die Landes- Vermessung noch im Spätsommer 1828 : 
ihren Abschluss haben sie erst 1844 gefunden , sodass also statt 
der ursprünglich geplanten 10 Arbeitsjahre 17 gebraucht wurden. 

Zeitschrift für Vermsssnnffswesen. 1885. 11. Heft. 13 



194 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

Es kann nun nicht der Zweck dieses Aufsatzes sein, die in den 
einzelnen Jahren ausgeführten Detail-Messungen, welche überhaupt 
an sich — ohne ihre Beziehung zu Gauss — ein allgemeineres 
historisches Interesse kaum haben würden, der Reihe nach aufzu- 
zählen, 13) oder die mancherlei Friktionen ausführlich darzustellen, 
welche die Verzögerung der Ausführung zur Folge gehabt haben. 
Wir beschränken uns darauf, einige charakteristische Merkmale der 
Arbeit hervorzuheben. 

Was zunächst Gauss' persönliche Theilnahme an den Feld- 
Arbeiten betrifft, so ist er im Laufe der 17 Jahre überhaupt nur 
einmal, nämlich 1828 auf dem nahe bei Göttingen gelegenen 
Signal Hohehagen, bei den Messungen zugegen gewesen. Im üebrigen 
hat er jährlich im Frühjahr, mil Rücksicht auf die allmählich fort- 
schreitende Spezialaufnahme des Landes, die Disposition über die, 
unter den jedesmaligen Umständen am zweckmässigsten Yorzu- 
nehmende Detail-Triangulation gemacht i*) und dann im Herbst 
über die stattgehabte Ausführung berichtet. Auf diese Weise sind 
bei den Ministerial-Akten über die Arbeiten eines jeden Jahres 
zwei Berichte von Gauss vorhanden , während er ausserdem auch 
jährlich die (gleichfalls erhaltene) Rechnungslegung über die auf- 
gewendeten Geldmittel besorgt hat. Ein mehrere Bogen langer 
> historischer Bericht < über alle von ihm >theils ausgeführten, theils 
geleiteten Messungen im Königreich Hannover < vom 2. Februar 1838 
ist auf den Wechsel der vorgesetzten Instanz (bei der nach Georg's IV. 
Tode 1837 stattgehabten Trennung von England und Hannover) 
zurückzuführen, wodurch übrigens die Durchführung der Ver- 
messungs-Arbeiten nicht alterirt worden ist. 

Zur Vollständigkeit des Dreiecksnetzes im ganzen Königreich 
fehlten — wie Gauss in dem ausführlich mitgetheilten Promemoria 
vom 21. November 1827 entwickelt hat — zum Theil überhaupt 
noch die Hauptdreiecke, zum Theil nur Punkte niederer Ordnung 
innerhalb der schon feststehenden Systeme der Gradmessung. Für 
die allmähliche Durchführung der Arbeit bestand von vorne herein 
kein fester Plan, etwa derart, dass erst alle Hauptdreiecke ge- 
messen und dann in das fertige Netz erster Ordnung die unterge- 
ordneten Punkte eingeschaltet worden wären: massgebend war 
allein das momentane Bedürfniss der Kartographie. Und diesum- 
somehr, als keine Fürsorge getroflFen wurde, die neubestimmten 
Punkte durch sichere Festlegungen im Boden dauernd zu erhalten. 
Soweit die Punkte nicht auf Thürmen lagen, wurden sie nur durch 



^^ ) Die Karte des Pape'schen Atlas von Hannover, welche die Uebersicht 
der Hauptdreiecke darstellt, giebt übrigens hierüber auch genügende Auskauft. 

^^) Beiläufig soll bemerkt werden, das auch in Ostfriesland und auf den 
ostfriesischen Inseln — entgegen der in dem Promemoria vom 21. November 1827 
ausgesprochenen Absicht — eine neue Detail - Triangulation vorgenommen 
werden musste, weil sich später die KrayenhofTschen Messungen nicht als 
ausreichend erwiesen. 




BSJ' ,#^ ... ,^ — 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 195 

hölzerne Signal-Pfähle bezeichnet. »Solchen Signalpfahlen«, schreibt 
Gauss in dem historischen Bericht vom Jahre 1838, >kann aber 
kein so sicherer Schutz gegeben werden, dass auf ihr Bestehen 
für viele Jahre mit Gewissheit gerechnet werden könnte. Da 
nun aber, wenn auch nicht gerade durch das Abhandenkommen 
eines oder des andern einzelnen Signalpfahles, aber doch durch 
das Verschwinden mehrerer, vor ihrer Benutzung zu der Messtisch- 
aufnahme , die ganze auf ihre Bestimmung verwandte Arbeit eine 
verlorene sein würde, so dürfen dergleichen Vorbereitungs-Arbeiten 
immer nur höchstens ein oder ein Paar Jahre früher unternommen 
werden, ehe die betreffende Gegend bei der Detail-Aufnahme an 
die Eeihe kommt. c — Wenn aber eine Gegend >an der Beihe< war, 
dann wurde auch die Bestimmung der sekundären Punkte gleich- 
zeitig mit der Messung der Hauptdreiecke betrieben. 

Ebenso wie dem Fortschreiten der Messungen ein fester Plan, 
fehlte dem ganzen Unternehmen eine sichere Organisation in Bezug 
auf das mit den Arbeiten beauftragte Personal. Die drei früheren 
Assistenten von Gauss bei der Gradmessung (Müller, Hartmann, 
Gauss jun.), welche allmählich die Triangulirungs-Arbeiten für die 
Landes- Vermessung ausgeführt haben, waren nicht etwa dauernd zu 
diesem Geschäft abkommandirt und Gauss, als dem Leiter des- 
selben^ unterstellt bezw. zur Disposition gestellt, sondern sie wurden 
nur, soweit sie in ihrer sonstigen dienstlichen Thätigkeit momentan 
entbehrlich waren, während einiger Sommer-Monate zur Ausführung 
der Feldarbeiten beurlaubt, nach deren Beendigung sie wieder zu 
ihrer militärischen Beschäftigung zurückkehrten. Gauss musste 
alljährlich wegen jedes Einzelnen erst Erhebungen anstellen, ob er 
zu dem Geschäfte der Landes -Vermessung von seinem sonstigen 
Dienst abkömmlich wäre. Uebrigens ist 1834 Hauptmann Hart- 
mann und 1843 Major Müller gestorben , sodass nur Vater und 
Sohn Gauss den Abschluss der trigonometrischen Arbeiten erlebt 
haben. 

Die bei den Arbeiten verwandten Instrumente waren nicht 

gleich werthig. Gauss schreibt hierüber an BesseU^): >Bei den 

späteren Messungen von 1828—1843 sind von meinen Offizieren 

drei andere Theodoliten gebraucht < (als bei der Gradmessung) 

>1. von Hartmann ein 8zölliger Reichenbach'scher Theodolit, schon 

seit 1812 im Besitze der Sternwarte; 
>2. von Müller ein 12zölliger Ertel'scher Theodolit, dem Han- 
noverschen Generalstabe gehörend (von mir besorgt), dem 
obigen ganz ähnlich, aber ohne Höhenkreis und Versicherungs- 
Femrohr ; 
>3. von meinem Sohne ein 8zölliger Ertel'scher Theodolit , auch 
ohne Höhenkreis und Versicherungs-Fernrohr, aber das Fern- 
rohr ganz von derselben Stärke, wie bei No. 2. 
In dem Tableau der Dreiecke spiegelt sich der Mangel festen 



^^) Briefwechsel mit Bessel Seite 561 — vom 29. Oktober 1843. 

18. 



196 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

Planes bei Anlage der Gesammtarbeit wieder. Die in den ver- 
schiedenen Jahren, je nach dem Bedürfniss der Kartographie ge- 
messenen verschiedenen Systeme bilden durchaus kein einheitliches 
Ganze. Es kommt wiederholt vor, dass einzelne Punkte, die ver- 
schiedenen Jahren und Systemen angehören, auf wenige Kilometer 
an einander gerückt sind, ohne dass sie mit einander verbunden 
wären, ^ß) Gauss selbst schreibt hierüber in einem Bericht vom 
5. Julius 1840: >BeiBeurtheilung der (sämmtlichen) Dreieckssysteme 
darf nicht übersehen werden , dass ursprünglich nicht eine allge- 
meine Landesvermessung beabsichtigt war, sondern zuerst nur eine 
Gradmessung von Göttingen bis Holstein, und sodann zunächst 
eine Erweiterung des Dreieckssystems bis Ostfriesland. Diesen 
Zwecken gemäss waren die von mir selbst 1821—1825 gemessenen 
Dreiecke vom Inselsberg bisJever ausgewählt. Die übrigen, welche 
später hinzugekommen sind, erscheinen als Abzweigungen jener 
Hauptdreiecke. Eine Folge dieser Entstehungsart ist, dass dieGe- 
sammtheit nicht überall in dem Maasse wie ein abgerundetes Ganze 
aus einem Guss in die Augen fallt, als der Fall gewesen sein würde, 
wenn eine solche Rücksicht schon von Anfang an hätte genommen 
werden müssen ; allein der eigentliche Zweck, nämlich die scharfe 
Festlegung der vornehmsten sich dazu qualifizirenden Punkte im 
ganzen Lande, ist dazu nicht weniger gut erreicht.« 

Dass die Triangulation der Jahre 1828 — 1844 für den vor- 
liegenden topographischen Zweck ausreichend war, ist ausser Zweifel ; 
sie würde dafür vielleicht auch heute noch ausreichen, wenn sie 
genügend in der Natur erhalten wäre : einen sehr viel höheren 
Werth, als diesen, wird sie aber nicht beanspruchen dürfen, auch 
nicht aus dem Grunde, weil sie von Gauss nach der Methode der 
kleinsten Quadrate ausgeglichen ist. Diese Methode darf eben auch 
nicht als eine geheimnissvolle Maschine angesehen werden, in die 
man auf der einen Seite minderwerthige Beobachtungen hinein- 
schüttet, um nach einigen Kurbeldrehungen auf der anderen Seite 
Resultate ersten Ranges herauszuziehen. Gegen das Ende dieses 
Aufsatzes soll noch einiges authentische Material zur Beurtheilung 
der Genauigkeit der Triangulation beigebracht werden: zunächst 
wenden wir uns jetzt der historischen Betrachtung zu, wie Gauss 
aus dem Roh-Material der Beobachtungen die Resultate geschaffen i') 
hat und welches das Schicksal dieser Resultate gewesen ist. 

>Zu einer trigonometrischen Messung sind zweierlei ganz ver- 
schiedenartige Arbeiten erforderlich <, schreibt Gauss in dem histori- 
schen Bericht vom Jahre 1838, >die Ausführung der Messungen an 



^®) Z. B. Deister I und Deister II, Brillit und Basdahl , Eckberg und 
Osterberg. 

") Die Gauss eigenthümliche Methode der ganzen Berechnung ist von 
Schreiber in der „Theorie der Projektionsmethode der hannoverschen Landes- 
vermessung" (cfr. Einleitung und Schlussbemerkungen daselbst) in Kürze 
dargestellt. 




T"«l — »" 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 197 

den betreffenden Plätzen im Felde, und ihre Verarbeitung zu Re- 
sultaten durch Kombination und Calkül im Zimmer. Den zweiten 
Theil des Geschäftes habe ich bisher ganz auf mich selbst ge- 
nommen.i ^^) >Es handelte sich dabei<, setzt, gewissermassen er- 
gänzend, ein Bericht vom Jahre 1845 hinzu, >von einer erdrückenden 
Masse, von vielen hundert Tausenden von Zahlen, nach einem 
Ueberschlage etwa von einer Million oder darüber < , die > geistig 
durch und durch verarbeitet« werden mussten. Mehr als zwanzig 
Jahre hindurch hat Gauss unter der ermüdenden Last dieses Ge- 
schäftes gelebt und gelitten , welches — wenn einmal in Gang ge- 
bracht und in zweckmässiger Weise schematisch organisirt — von 
jedem Anderen ebenso gut hätte besorgt werden können , während 
Gauss durch die massenhafte und, sobald die Methode einmal fest- 
stand, im Wesentlichen nur noch mechanische Rechen-Arbeit der 
Müsse verlustig ging, deren er für seine schöpferische Thätigkeit 
auf spekulativem Gebiet, nach seinem eigenen Zeugniss, in hohem 
Masse bedurfte. 

1^) Nachdem die Ausgleichung der Gradmessung beendet war, 
begann Gauss, von Norden nach Süden gehend, 1828 die Koordi- 
naten der von ihm > geschnittenen Nebenpunkte« zu berechnen. Im 
Januar 1827 schreibt er an Schumacher 20) : >Das Verzeichniss (der 
Koordinaten) enthält schon gegen 400 Plätze, aber vollendet ist es noch 
nicht, im südlichsten Theil fehlt noch fast Alles. Seit einigen 
Wochen habe ich aber einstweilen diese ermüdende Arbeit, wobei 
ich gar keine Hülfe habe (ich habe es zuweilen versucht, allein das 
Zusammenstellen der Data für jeden Punkt und das Instruiren 
eines Andern kostet mich fast so viele Mühe , als wenn ich die 
Rechnung selbst mache, und doch geht wohl eine Woche darauf 
hin, bis man mir ein Paar Resultate fertig macht) bei Seite gelegt, . 
und mit der Ausarbeitung einer Abhandlung über die ersten Gründe 
meiner Theorie der krummen Flächen mich zu beschäftigen ange- 
fangen.< Neben der direkten Rechenarbeit haben auch die > Ausmitte- 
lungen anonymer Thürmec, die>geschnitten<, aber nach den mangel- 
haften Karten schwer zu identifiziren waren, die Sorge für die Recht- 
schreibung der Namen, endlich die nicht seltenen Ablesungs-Fehler, 
die sich in die Messungs - Journale eingeschlichen hatten und es 
vielfach ungemein schwer machten, ein >Objekt herauszubringen«, 
Gauss >viel gequält«. Das aus der Gradmessung hervorgegangene 
Material war noch keineswegs durchgearbeitet und erledigt, als die 
beginnende Landes- Vermessung schon wieder neuen Stoff für der- 



") Dies ist mit der Einschränkung zu verstehen, dass — wie später 
besprochen werden wird — einen Wiuter (1830/31) hindurch der Lieutenant 
Gauss seinem Vater bei den Rechnungen geholfen hat. 

^^) Quellen für die nächsten Ausführungen : Briefwechsel mit Schumacher 
Band II., Seite 89, 93-94, 135-150, 156, 158, 182, 209, 226. — Briefwechsel 
mit Bessel Seite 460. 

*°) Briefwechsel mit Schumacher Band IL, Seite 93. 



198 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

artige Arbeiten zuführte: wir finden noch im Jahre 1840 20) Korre- 
spondenzen mit Schumacher über Fragen, welche von 1823 her 
bis dahin offene geblieben waren. 

Im Winter 1828/29 (also nachdem die Feldarbeiten des ersten 
Jahres der Landesvermessung beendet waren) schrieb Gauss an 
Bessel^i): >Im April (1828) ist die Erweiterung der trigonometri- 
schen Messungen über das ganze Königreich verfugt und mir die 
Leitung davon aufgetragen. Ich habe bereits erfahren, dass das 
Opfer an Zeit und Arbeit, welches ich dadurch bringen muss, viel 
grösser noch sein wird, als ich anfangs geglaubt hatte, obgleich 
ich an den Messungs-Arbeiten im vorigen Sommer noch fast gar 
keinen unmittelbaren Antheil genommen habe. Bis zu meiner 
Reise nach Berlin nahm die fast tägliche Korrespondenz mit den 
employirten Offizieren und die vorläufige Verarbeitung der Mes- 
sungen, nach derselben die weitere Verarbeitung der Messungen 
neben meinen anderen Amtsgeschäften meine ganze Zeit in An- 
spruch, < Aus derselben Zeit stammt ein Brief an Schumacher, ^2) 
in dem es heisst: >Die Verarbeitung der im vorigen Sommer (1828) 
gemachten Messungen raubt mir ganz enorm viele Zeit, sodass ich 
an irgend eine wissenschaftliche Arbeit jetzt gar keinen Augenblick 
denken kann. In Zukunft wird es mit diesen Messungen noth- 
wendig auf eine andere Art eingerichtet werden müssen, sodass ich 
nur die Hauptpunkte zu meinem Ressort zähle, üeberdies bin ich 
jetzt noch zum Mitgliede einer Maasskommission ernannt, wobei 
mir gleich zuiü Anfang i/a Centner Akten zugeschickt sind. Es ist 
zu erwarten, dass ein solches Geschäft ebenso undankbar, wie das 
vorhin erwähnte sein wird und in anderen Beziehungen nochver- 
driesslicher.< 

Auch die Messungen des Jahres 1829 hat Gauss noch selbst 
und allein bearbeitet 2») ; dann aber, im Herbst 1830, reichte er bei 
dem Kabinets-Ministerium eine £ingabe ^^) ein, aus der wir folgende 
Stellen entnehmen: >In andern Ländern, wo ähnliche Operationen« 
(trigonometrische Vermessungen) > ausgeführt sind oder werden, wie 
in Baiern, Frankreich, Preussen, Oestreich, Dänemark etc., sind 



«<>) Briefwechsel mit Schumacher Band III., Seite 371. - Vom April 1840 

»^) Briefwechsel mit Bessel Seite 488. — Vom 27. Januar 1829. 

") Briefwechsel mit Schumacher Band IL, Seite 191 , 192. — Vom 
7. Dezember 1828. 

^B) Gauss an Bessel (Briefwechsel Seite 496) am 9. April 1830: „Noch 
viel mehr Zeit haben mir seit Mai 1829 die trigonometrischen Messungen geraubt, 
wenn ich gleich keinen unmittelbaren Antheil an den Geschäften im Felde 
das Mal genommen habe. Noch diese Stunde bin ich nicht ganz (obwohl Gott 
Lob beinahe) mit Verarbeitung der vorigjährigen Messungen fertig, wobei ich 
jeder Hülfe entbehre." 

") Datirt vom 1. Oktober 1830. — In den beiden Sommern 1829 und 
1830 war verh&ltnissmässig sehr intensiv an der (1831 vollendeten) Dreiecks- 
kette gearbeitet, welche auf der Tafel V. (zu anderem, späteren Zweck) 
dargestellt ist und von Gauss offiziell „Triangulation im Westphälischen" 
genannt wird. 



Gaede. Beiträge zur Kenntuiss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 199 

eigene topographische Bureaus errichtet, wo sich die rohen Mate- 
rialien concentriren und wo Behufs des zweiten Geschäfts (deren 
Verarbeitung zu Resultaten) eigene Verifikatoren, Calculatoren etc. 
angestellt sind, oder auch das Personale , welches in den Sommer- 
monaten den Messungen obgelegen hat, so weit es dazu tüchtig ist, 
in den Wintermonaten zu diesen Geschäften mit verwandt wird.< 

>Bei der hiesigen trigonometrischen Vermessung habe ich bisher 
diesen Theil des Geschäfts ganz allein auf mich selbst genommen. 
Meine Berichte über die Arbeiten von 1828 und 1829 geben eine 
Uebersicht über den Umfang des in diesen Jahren Geleisteten. Ohne 
hier in umständliche Details einzugehen, darf ich doch nicht unbe- 
merkt lassen, dass mir diese Verarbeitung nur dadurch möglich 
gewesen ist, dass ich ihr meine ganze, mir von meinen unmittel- 
baren Dienstgeschäften gebliebene Zeit gewidmet habe.< 

>Wie gerne ich auch zu der Verarbeitung der im verflossenen 
Sommer gewonnenen rohen Materialien abermals meine Zeit und 
Kräfte opfern werde, da es einen so nützlichen Zweck gilt, so lässt 
sich doch schon mit Bestimmtheit voraussehen, dass, ohne wenigstens 
einige Hülfe dabei benutzen zu können, es nicht möglich sein wird, 
mit dieser Verarbeitung im Laufe des Winters fertig zu werden. 
Theils ist meine Gesundheit bedeutend geschwächt, theils ist meine 
Zeit für mehrere Vorlesungen schon jetzt im Voraus in Anspruch 
genommen: aber was die Hauptsache ist, der Umfang der im 
vorigen Sommer gemachten Messungen ist bedeutend grösser, als 
in einem der früheren Jahre. < 

>Bei der fast in jeder Beziehung mir eigen thümlichen Behand- 
lung des ganzen Geschäfts , welche hier zu entwickeln unpassend 
sein würde, kann ich eine reelle Hülfe bei dieser Verarbeitung nur 
von solchen Personen erwarten, die mit jener Eigenthümlich- 
keit schon in gewissem Grade vertraut sind: jeder andere, selbst 
schon sehr fertige Rechner , würde doch erst eines längeren Unter- 
richts bedürfen, und dadurch für mich die intendirte Zeitersparniss 
absorbirt werden. < 

> Unter den drei erwähnten Artillerie - Offizieren , welche mit 
diesem Geiste bekannt sind, ist mein Sohn, der Lieutenant Gauss, 
der einzige gegenwärtig disponible, da die beiden anderen , wegen 
des von ihnen bei der Militärschule und Generalstabs-Akademie zu 
ertheilenden Unterrichts, nicht abkommen können. < 

> Unter diesen Umständen bin ich daher zu der unterthä- 
nigsten Bitte genöthigt : Königliches Cabinets-Ministerium wolle ver- 
anlassen, dass der Artillerie-Lieutenant Gauss Behufs Hülfleistung 
bei Verarbeitung der Messungen vorerst noch auf zwei Monate 
zu meiner Disposition gestellet werde. c 

Diese Bitte wurde Gauss gewährt; es scheint aber dies auch 
die einzige Unterstützung gewesen zu sein, welche er überhaupt 
bei der Berechnung der Landes-Vermessung gehabt hat. Wir über- 
gehen nun die Zwischenzeit bis zur Beendigung der Messungen, 
und entnehmen über deren Resultate aus einem Bericht vom 



200 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gaues' praktisch-geod. Arbeiten. 

Dezember 1844 (ohne Angabe des Tages) folgende Stellen: >Die 
Resultate (d. h. Koordinaten) sind jedes Jahr nach Verarbeitung 
der Messungen in Verzeichnisse gebracht, und solcher partieller 
Verzeichnisse sind sechzehn vorhanden, welche zusammen etwas 
über 3000 Bestimmungen enthalten, so jedoch, dass die Anzahl der 
Punkte selbst etwa um den siebenten Theil kleiner sein mag, indem 
viele Punkte, die in einem späteren Jahre nach dem Hinzukommen 
neuer Data schärfer oder zuverlässiger bestimmt werden konnten, 
in mehr als einem Verzeichnisse auftreten. Kirchthürme werden 
im ganzen Königreich nicht viele ohne Bestimmung geblieben sein.« 

>Dass diese Verzeichnisse von allen seit 16 oder 17 Jahren 
vorgenommenen Detailaufnahmen, sowie von den Pape'schen Karten 
die Grundlage gewesen sind, braucht hier nicht weiter ausgeführt 
zu werden: von grosser Wichtigkeit ist aber, dass diese Zahlen, 
die ihren Werth behalten, solange die Gegenstände existiren, nicht 
verloren gehen können. Die erwähnten Verzeichnisse werden in 
der Sternwarte aufbewahrt ; Abschriften davon hat auch der Lieute- 
nant Gauss, der alle Stammpunkte in die Pape'schen Karten ein- 
getragen hat, in Händen. Zu grösserer Sicherheit und bequemern 
Gebrauch habe ich jetzt angefangen, die partiellen Verzeichnisse 
in Eins zu verschmelzen, welches demnach etwa 2600 Punkte ent- 
halten wird.< 

> Späterhin könnte es vielleicht für gerathen erachtet werden, 
dieses Verzeichniss oder einen Auszug daraus, durch den Druck 
zu veröffentlichen : für den Augenblick würde ich dies aber aus 
mehreren Gründen noch für vorzeitig halten. < 

> Erstlich, weil eine wissenschaftlich genügende Entwicklung 
von Bedeutung und allseitiger Benutzung dieser Zahlen nur nach 
und nach in Verbindung mit der Entwickelung der mir eigen- 
thümlichen mathematischen Theorien gegeben werden kann, welche 
ich in einer Reihe einzelner Abhandlungen (etwa drei oder vier) 
zu liefern beabsichtige. Die erste davon ist bereits als Theil des 
demnächst erscheinenden Bandes der Denkschriften hiesiger Societät 
der Wissenschaften abgedruckt, und auch einzeln in den Buchandel 
gebracht 2 5j: die anderen werde ich nach und nach baldthunliehst 
nachfolgen lassen.« 

> Zweitens , weil die Zahlen des Verzeichnisses, obwohl hin- 
reichend, ja überflüssig genau für jede praktische Benutzung, doch 
Behufs der den strengsten theoretischen Forderungen entsprechenden 
Verschmelzung der verschiedenen Messungen in Ein System noch 
einige (wenn auch an sich sehr geringe) Ausfeilung und Nachhülfe 
zulassen.« 

> Drittens, weil ich die Lage der vorzüglichsten Punkte, nament- 



■*) Untersuchungen über Gegenstände der höheren Geodäsie. Erste Ab- 
handlung. Der Königlichen Societät überreicht am 23. Oktober 1843. Abgedruckt 
in Band II. der Denkschriften 1844. 



Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 201 

lieh der Kirchthürme in Städten, gern neben der Koordinatenform 
noch zugleich in einer anderen Form , nemlich nach der geographi- 
schen Breite und Länge, beifügen möchte, welche immer einen be- 
trächtlichen Zeitaufwand erfordernde Umformung erst nach und 
nach wird ausgeführt werden können, c 

Es ist bekannt, dass Gauss nach diesem Zeitpunkt nur noch 
die zweite Abhandlung über Gegenstände der höheren Geodäsie 
(1846) publizirt hat. Das Jahrzehnte lang geplante, umfassende 
und zusammenhängende Werk über Geodäsie, dem die Hannoversche 
Triangulation als Beispiel dienen sollte und als dessen Vorläufer 
auch die früheren, einzelnen Abhandlungen anzusehen sind (damit 
das Ganze nicht >ein sehr buntscheckiges Aussehen c bekäme, aber 
auch in den einzelnen Theilen Nichts >ungründlich abgefertigt« 
werden müsse ^e)^ ist nicht zu Stande gekommen. Es ist Gauss 
damit ergangen, wi« er schon im Jahre 1822 anBessel schrieb 27): 
>Gewiss ist, dass, wenn meine Lage immer die nämliche bleibt, 
ich den grösseren Theil meiner früheren theoretischen Arbeiten, 
denen noch, der einen mehr, der anderen weniger, an der Voll- 
endung fehlt, und die von solcher Art sind, dass Vollendung sich 
nicht erzwingen lässt, wenn man eben will, mit ins Grab nehmen 
werde. Denn etwas Unvollendetes kann und mag ich einmal 
nicht geben.« 

Auch der Abschluss der rechnerischen Bearbeitung der Landes- 
vermessung hat sich noch bis zum Jahre 1848 verzögert. Am 
15. März 1848 übersandte Gauss dem Ministerium des Innern in 
einer kleinen Kiste 42 einzelne Hefte, welche sich, wie zu Anfang 
des I. Aufsatzes gesagt ist, jetzt im Besitze der Trigonometrischen 
Abtheilung befinden. Es ist damals auch bereits im Allgemeinen 
darauf hingewiesen, dass diese Hefte in drei Kategorien zerfallen ; 
im Speziellen sind, wie hier weiter auszuführen die Stelle ist: 

I. Heft 1 — 35 Messungs-Joumale und zwar 

1. Heft 1 — 2 Gauss eigene Messungen von 1821—1825, 

2. Heft 3 — 5 Messungen von Hartmann, 

3. Heft 6—21 Messungen von Müller, 

4. Heft 22 — 35 Messungen des Lieutenant (später Bau- 
rath) Gauss. 

n. Heft 36 — 41 >Abrisse<. — Die Gauss'sche Erklärung dieser 
von ihm geschaffenen Benennung folgt später. 

III. Heft 42 Das > allgemeine Koordinaten-Verzeichniss«, über 
dessen beabsichtigte Zusammenstellung aus den jähr- 
lich gewonnenen >partiellen< Verzeichnissen Gauss 
im Dezember 1844, wie mitgetheilt, berichtete. 



**) Vergl. Briefwechsel mit Bessel Seite 460. 
'^ Briefwechsel mit Bessel Seite 410. 



202 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

Aus Gauss' Begleitschreiben zu dieser Sendung 28) ist noch 
Folgendes zu entnehmen. Die Beobachtungs-Journale 1 — 5 und 21 
sind, ebenso wie das allgemeine Koordinaten - Verzeichniss , nicht 
Originale, sondern von dem Wärter der Sternwarte Schlüter abge- 
schrieben und von dem Professor Goldschmidt koUationirt. Weiter 
schreibt Gauss: >Von den Rechnungen, durch die der Uebergang 
von dem rohen Messungs-Material No. 1 — 35 zu den Endresultaten 
in No. 42 gemacht ist, habe ich nur einen dem Umfange nach sehr 
kleinen Theil unter meine jetzigen Vorlagen aufnehmen können.< 

>In der That, wenn es möglich wäre, alle jene Rechnungen 
in extenso vollständig wieder aufzustellen, so möchten solche leicht 
vier oder sechs mal so viele Bände füllen, als ich jetzt abliefere. 
Allein theils der Umstand, dass der grössere Theil der Details jener 
Rechnungen gar nicht aufbewahrt ist, theils die Form, in der sich 
die noch immer sehr voluminösen Fascikel der aufbewahrten Papiere 
befinden, haben zur Folge, dass eine vollständige und geordnete 
Wiederherstellung aller Rechnungen last dasselbe bedeuten würde, 
wie eine nochmalige Wiederholung meiner ganzen Arbeit. Ich habe 
mich demnach auf die geordnete Extrahirung desjenigen Theils der 
Zwischenrechnungen beschränkt, der als der prägnanteste und 
nützlichste betrachtet werden muss, nämlich auf die tabellarische 
Zusammenstellung aller an den verschiedenen Beobachtungsplätzen 
festgelegten und orientirten Richtungswinkel, wobei eine Parallele 
mit dem Göttinger Meridian den Nullpunkt oder Ausgangspunkt 
bildet. Diese tabellarischen Darstellungen sind unter der Benennung 
von Abrissen 2») in den sechs Heften 36 — 41 zusammengeordnet, 
wobei ich von dem Professor Goldschmidt mehrfache Beihülfe 
erhalten habe, welcher zugleich die Reinschriften grösstentheils 
selbst gemacht hat. Nur die in dem Heft 40 enthaltenen Abrisse 
aus den Messungen an der Oberweser und in der Allergegend habe 
ich selbst extrahirt, theils um die schliessliche Beendigung zu be- 
schleunigen, theils, weil eben bei diesen das Zusammenbringen 
besonders schwierig war.« 

Das von Gauss abgelieferte Material wurde nach 1848 im 
Hannoverschen Staats-Archiv aufbewahrt. Im Jahre 1859 wünschte 
das Ministerium des Innern die Herausgabe durch den Druck: die 
Ausführung dieses Vorhabens wurde aber von dem damaligen Chef 
des Hannoverschen Generalstabes, Generalmajor von Sichart, abge- 
lehnt. In einem längeren, bei den Ministerial - Akten erhaltenen 
Schreiben führt derselbe aus, dass er diese Materialien zu einer 
speziellen und alleinigen Herausgabe durch den Druck nicht für 
geeignet halte; sie bildeten nur einen Theil des umfangreichen 
Materials, welches nach Gauss' Tode (1855) als dessen Nachlass in 



^^) Dasselbe ist, allerdings sehr stark gekürzt, in Gauss' Werken Band IV., 
Seite 481 abgedruckt. 

") Note bei Gauss: „Die ganze Anzahl wird etwas über fünftehalbhundert 
betragen*. 



: - > •. 



Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 203 

der Göttinger Sternwarte aufbewahrt sein solle, und würden ein 
allgemeineres Interesse nur dann haben, wenn sie mit Zuziehung 
dieses Nachlasses einer gründlichen Bearbeitung unterzogen, und 
das Resultat als eine vollständige Darstellung von Gauss' geodätischem 
System durch den Druck herausgegeben würde. Auch das allge- 
meine Koordinaten- Verzeichniss, welches vielleicht an sich praktisches 
Interesse haben könne, sei so, wie es vorläge, zum Druck nicht 
geeignet, weil — so heisst es wörtlich weiter — : >die darin ent- 
haltenen Coordinaten nicht nur einen ausserordentlich relativen 
Werth haben, sondern auch, weil viele derselben , ausser den aus- 
drücklich als unsicher bezeichneten , unzuverlässig und gar falsch 
sind. Von solchen raüsste es also zuvor gesäubert werden. Das 
ist aber schwierig, weil sich die unsicheren und falschen nicht ohne 
Weiteres erkennen lassen. Man entdeckt sie jetzt meist erst, bei 
dem Gebrauche derselben zur Anknüpfung neuer Messungen , nach 
vielen weitläuftigen und zeitraubenden Rechnungen.« 

Später ist Gauss' allgemeines Koordinaten- Verzeichniss >so, wie 
es vorläge, zweimal abgedruckt: 1868 von Wittstein zum Gebrauch 
bei der Kataster - Vermessung , 1873 in Gauss' Werken Band IV. 
An der letzteren Stelle sind auch Gauss' Abrisse, die der Grad- 
messung ganz, die übrigen im Auszuge publizirt. 

Aus dem von Gauss abgelieferten Material lassen sich übrigens, 
auch wenn man die Methode kennt, nicht ohne Weiteres die Rech- 
nungen wiederherstellen, durch welche aus den Stations- Beobach- 
tungen die Abrisse (Resultate der Stations-Ausgleiche) und, weiter, 
aus diesen die Koordinaten gewonnen sind. 

Wie nach der Schilderung des Verlaufes der praktischen Grad- 
messungs- Arbeiten in Aufsatz II. erklärlich ist, hat Gauss selbst 
keineswegs auf seinen Stationen alle Winkel-Kombinationen wirklich 
gemessen, wenn er dies auch prinzipiell für richtig hielt; die Zahl 
der auf die gemessenen Kombinationen entfallenden Repetitionen 
ist ungleich ; es sind häufigBeobachtungen verworfen. Eine methodische 
Anordnung und dementsprechende strenge Durchführung der Beob- 
achtungen auf den einzelnen Stationen ist durchaus nicht vorhanden. 
Daher ist aus den Messungs- Journalen nicht direkt zu entnehmen, 
mit welchen beobachteten Werthen und Gewichten die auszugleichen- 
den Winkel in den Stations-Ausgleich einzuführen sind : vielmehr 
würde man , da die Resultate der Ausgleichung in den Abrissen 
gegeben sind, dieienigen Beobachtungen heraussuchen müssen, welche 
zu jenen Resultaten führen. Für den weiteren Schritt, die Wieder- 
herstellung der Koordinaten-Berechnung aus den Abrissen, fehlt die 
Kenntniss, welche Punkte Gauss bei den System- Ausgleichungen 
zusammen in die Rechnung eingeführt hat. 

Für eine historisch immerhin interessante Rekonstruktion 
Gauss'scher Rechnungen würde indessen nur die Gradmessung ein 
Material abgeben, dessen Werth mit dem nöthigen Aufwände an 
Zeit und Arbeit im Einklang stände. Der Unterschied zwischen 
der Gradmessung und der Landes- Vermessung erscheint allerdings 




204 Gaede. Beitrage zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

dadurch, dass Gauss in dem > allgemeinen Koordinaten- Verzeichnisse 
die Punkte beider Kategorien für die vorliegenden praktischen 
Zwecke ohne Weiteres > zusammen geordnet« hat, einigermassen ver- 
wischt ; in der Beurtheilung ihrer Genauigkeit hat er sie aber selbst 
sehr scharf getrennt. 

In dem General- Bericht über die mitteleuropäische Gradmessung 
für das Jahr 1865 werden 21 Dreiecke pubiizirt, welche Gauss im 
Jahre 1834 an von Schrenck in Oldenburg mitgetheilt hat. Diese 
Dreiecke, auf der beiliegenden Tafel V. in derselben Weise numerirt, 
wie in Gauss' Zuschrift, bilden sozusagen ein Polygon um Olden- 
burg, oder wenigstens den grösseren Theil dieses Grossherzogthums. 
Die Dreiecke 1, 2 und 17 — 21 gehören der Gradmessung an; die 
übrigen 3 — 16 sind ein Theil der sogenannten »Triangulation im 
Westphälischenf, welche 1829 durch Lieutenant Gauss von der Seite 
Bremen-Steinberg aus bis zu den Seiten Mordkuhlenberg-Quecken- 
berg-Kirchhesepe geführt, 1830 von Lieutenant Hartmann bis zu 
den Seiten Westerstede-Leer-Emden fortgesetzt und endlich 1831 
von dem letzteren Offizier bis zum Anschluss an die Seite Jever- 
Varel gebracht wurde, sodass an dieser Stelle der Polygon-Schluss 
zu Stande kam. 

In einem Schreiben vom 3. August 1835 an von Schrenck ^o) 
sagt Dun Gauss: > Was die relative Genauigkeit der Dreiecke betrifft, 
so sind Ew. Hochw. im Irrthum, wenn Sie die Dreiecke 2* — 8 den 
übrigen 9 — 21 und 1 entgegenstellen. Der Gegensatz soll vielmehr 
so sein: 3 — 16 viel ungenauer, als 17 — 21 und 1 und 2. Die letz- 
teren 7 Dreiecke habe ich selbst gemessen mit 12zölligen Theodo- 
liten, grösster Sorgfalt, Heliotroplicht ohne Ausnahme die Zielpunkte 
bildend, und unter möglichster Sorge für die Festigkeit der Stand- 
punkte, wovon drei zu ebener Erde. Dagegen sind die 14 anderen 
Dreiecke zu anderm Zweck, mit schwächerem Instrument (8zölligen 
Theodolit), mit viel geringerem Zeitaufwand, ohne Anwendung von 
Heliotroplicht und mitunter auf sehr ungünstigen Standpunkten 
gemessen, wie z. B. die Thürme von Twistringen und Asendorf und 
vielleicht auch einige der anderen Thürme. Indem ich daher die 
sieben ersten Dreiecke für so scharf gemessen halte, wie das der 
Zustand der Kunst nur verstattet, würde ich die Genauigkeit der 
14 übrigen nur 1/3 so gross, oder ihr Gewicht nur V9 so gross an- 
setzen.« 8^) 

Ueber die Genauigkeit seiner eigenen Messungen schreibt Gauss 



30) S. General-Bericht pro 1865 Seite 23, 24. 

^^) In einem „Bericht des Professors Wittstein an die geodätische Kon- 
ferenz" vom 18. Oktober 1864, abgedruckt in dem Generalbericht über die 
mitteleuropäische Gradmessung für das Jahr 1864" Seite 8 — 11 heisst es: 
„Diese Arbeit" (die Landes- Vermessung) „ist nicht mehr von Gauss selbst, 
sondern von hannoverschen Offizieren unter der unmittelbaren Leitung von 
Gauss ausgeführt, obwohl sie der vorigen (der Gradmessung) an Genauigkeit 
nicht nachsteht". — Diese Ansicht dürfte, obiger Aeusserung von Gauss selbst 
entsprechend, zu modifiziren sein. 



. Gaede. Beiträge zar Kenntnisa von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 205 

an fiessel: ^^) >Ich habe das System meiner Hauptdreiecke in die- 
sen Tagen üorgfaltig auBgeglichen Es sind zusammen 

26 Dreiecke, worin alle Winkel von mir selbst beobachtet sind. Die 
grösste Summe der Fehler ist 2."2, wo bei einer Seite das Pointiren 
sehr schwierig war; die nächst gi-össte ist l."8. Keine der 76 Tor- 
kommenden Richtungen ist bei der Ausgleichung um eine ganze 
Sekunde geändert; die grösste Aenderung beträgt 0."813 bei der 
oben erwähnten Seite von Nindorf nach Hamburg.^ 

Ferner äussert sich Gauss an einer anderen Stelle**): >Bei 
meinen Messungen habe ich gefunden, dass das, was ich in meiner 
Abhandlung in den neuesten Göttinger Commentationes >Theoria 
cembinationiserrorumetc.< den mittleren Fehler nenne, aus mehreren 
Stationen, gute und weniger gute Messungen durch einander ge- 

. ^ 3." 5 

rechnet, etwa = -p= jat, n = Anzahl der Repetitionen. Bei sehr 

fester Aufstellung, sehr günstiger (d. i. nicht zitternder) Luft und 
ausschliesslich heliotropischen Zielpunkten ist er aber beträ,chtlich 
kleiner. Meine sämmtlichen Messungen gaben bisher 76 Haupt- 
richtungen (38 hin und 38 znrück) und aus der Ausgleichung der 
Fehler fand sich, dass der mittlere Fehler einer Hauptrichtung 
= 0."47 war.< 

Betrachten wir auf Grund dieser Aeusserungen die auf Tafel V. 
dargestellte Dreiecke-Kontiguration noch etwas näher. 

Von dem >inneren Polygon< Varel- Westerstede - Crapendorf- 
Mordkuhlenberg-Twistringen-Bremen-Garlste gehört der Winkel in 
Garlste der Gradmessung, die anderen sechs der Landes-Vermessung 
an. (Die beiden Winkel in Varel und Bremen sind — hinsichtlich 
ihrer Genauigkeit — ganz der Landes-Vermessung zuzuzählen, weil 
bei dieser in den genannten beiden Punkten die Anschlussrichtung 
Garlste neu eingestellt werden musste.) Lassen wir, der Kürze 
halber, den Winkel in Garlste, dem nach Gauss' Angabe über die 
Genauigkeit seiner eigenen Messungen nur ein verbältniss massig 
sehr geringer mittlerer Fehler (0.47X^2 = 0.66") zukommt, bei 
Seite und berechnen den mittleren Fehler einer Summe von 6 Win- 
keln der Landes-VermesBung. Nach Gauss' Mittheilungen ist: 
der mittlere Fehler einer Richtung der Gradmessung = 0.47" 
der mittl. Fehler e. Richtung d. Landes-Vermessung = 3x0.47 = 1.41" 
dermittl. Fehler e. Winkels der Landes-Vermessung = 1.41 V 2 = 1.99" 
der mittlere Fehler einer Summe von 6 Winkeln 

der Landes-Vermessung ^1.99^6^4.88" 

Nun sind in dem Gradmessungs- Bericht pro 1865 (Seite 24) 
auf Grund der von Gauss mitgetheilten Dreiecke die Winkel des 
>iDneren Polygons< Varel-Westerstede-Crapendorf-Mordkuhlenberg- 
Twistringen-Bremen-Garlstezusammengestellt. Die Summe derselben 

") Briefwecheel mit Beseel Seite 423. Vom 5. November 1823. 
") Ganas an Bohnenberger am 16. November 1823. Milgetheilt in Bd. XI. 
dieser Zeitschrift, Seite 4SI. 



206 Gaede. Beiträge zur Kenntnies von Gauss' praktiach-geod. Arbeiten, 
beträgt 900° 0' 32."714, der Excess des Polygons 17."814, sodass 



GBede. Beiträge zur KenntniBB von Gauss' praktiscb-good, Arbei 



Leg. der 


Aus- 




^ 




Enlt. In 
Metern. 


geglichm. 


ßeobechtet. 


Riehtungepunkt. 






132 


27 20 


1 ,, ,. 


_ 





132 


37 47 


j Egglmg 


3.93474 


138 40 22 


138 


41 45 


Berdum 


— 


— 


141 
142 


53 38 
34 19 


j Jever Stadtkirche 


2.35912 


142 7 8 


142 


7 8 


Jever Stadtk., Theodolii 






142 
142 


14 58 
19 43 


} Jever Stadtkirche, Knc 


3.90116 


151 69 e 


152 


44 


Meddoog 


4.39030 


173 35 11 


173 


35 11 


Wangeroog Kirchthwm 


4.39358 


174 39 14 


174 


31 30 


Wangeroog Leuchtthuri 


3.98845 


227 37 22 


257 


37 17 


Sengwarden 






258 


10 66 


Andere Aufstellung. — ] 
Dreiecksp. = 12.592 1 


0.83050 


259 16 27 


258 


58 40 


Je.er Centrum 1825 


443249 


263 59 54 


263 


59 54 


Langwardea Dreieckspu 


439595 


322 58 18 


322 


58 18 


Varel Breieckspunki 
Luth.Kirchei. Neustadt' 


407644 


332 45 42 


332 


45 37 


407 572 


333 20 10 


333 


20 13 


NeustadtGödens Laterne 


4.02172 


338 30 30 


338 


30 32 


Schloss Qödens 


454480 


358 54 2 


358 


53 60 





Mit Ciirsivschrift sind diejenigen Richtungen herrorj 
welche Schenkel too Winkeln Bind, die Gauss repetirend bei 
hat, und zwar: 

Langwarden- Varel ^80 mal 

Langwarden-Wangeroog Kirchth. = 40 > 
Varel-Wangeroog Kirchth. , . = 46 > 

Varel-Witmund = 12 > 

Langwarden- Witmund . . . , = 6 > 
Witmund-Wangeroog-Kirchth. , = 6 > 

Witmund-Esens = 10 > 

Esens-Wangeroog Kirchth. , . = 6 > 

Varel-EaenB = 10 > 

Au rieh- Witmund ^ 12 > 

Dornum-EBena ==2 1 

Die aus dieser Tabelle ersichtlichen Winkel - Verze 
von denen allerdings einige vielleicht auf Nicht'Identität d 
bezw. 1831 und 1841 eingestellten Punkte beruhen, dürf 
passende Illustration dafür abgeben, dass die Hannoversche 
Vermessung nicht den Anspruch erheben kann, Triangu 
ersten Ranges zugezählt zu werden. 

(ScblusB folgt.) 



208 Heinrich. Boden-Bonitirung und -Kartirung. 



Ueber Boden-Bonitirung und -Kartirung. 

Vortrag, gehalten auf der 18. Haupt- Versammlung des Deutschen Geometer- 
Vereins, von Professor Dr. R. Heinrich aus Rostock. 

Meine Herren ! Wenn wir uns bemühen, die Grundsätze kennen 
zu lernen, nach welchen bisher die landwirthschaftlichen Boden- 
taxationen ausgeführt wurden, so befremdet uns die Verschieden- 
heit derselben ; es haben nicht zwei Länder das nämliche Taxprincip 
befolgt und in Preussen hat man in derselben Provinz , ja selbst 
in demselben landräthlichen Kreise, nach verschiedenen Principien 
bonitirt. Ich möchte Sie in dieser Beziehung auf die werthvoUe 
Zusammenstellung von Meitzen in seinem grossen Werke: >Der 
Boden und die landwirthschaftlichen Verhältnisse im preussischen 
Staate c *) verweisen. 

Schon die grosse Verschiedenheit der Bonitirungssysteme deutet 
darauf hin, dass die jetzigen Systeme fehlerhaft sind. Und hier- 
mit in Uebereinstimmung stehen auch die vielfachen Klagen der 
Landwirthe, dass die Abschätzung des Bodens in fehlerhafter und 
ungerechter Weise erfolgt sei. Eine nähere Untersuchung der ge- 
bräuchlichen Systeme würde uns die Gewissheit verschaffen, dass 
kein einziges derselben sich auf richtige Principien gründet; ent- 
weder stützen sie sich auf Umstände, welche für die Fruchtbarkeit 
nicht massgebend sind, oder sie berücksichtigen nur einseitig einen 
T h e i 1 derjenigen Verhältnisse, welche für eine günstige Vegetation 
der Pflanzen die Vorbedingung bilden. 

Aber furchten Sie nicht, meine Herren, dass ich Ihnen hier 
eine Kritik der üblichen Bonitirungssysteme vorführen will; es 
würde dies eine ermüdende und endlose Arbeit sein. Wir werden 
uns viel rascher und sicherer ein Urtheil über Werth und Unwerth 
der verschiedenen Bonitirungssysteme verschaffen, wenn wir uns die 
Aufgabe klar stellen, welche ein allgemein brauchbares Bonitirungs- 
system zu lösen hat. 

Der Werth eines Bodens hängt nach meiner Auffassung ab: 

1. von der ihm innewohnenden Fähigkeit, Pflanzenmassen zu 
erzeugen (also seiner natürlichen Fruchtbarkeit); 

2. von den Kosten der Bewirthschaftung dieses Bodens und 

3. von der Verwerthbarkeit der producirten Pflanzenmassen. 
Ausserdem sind natürlich solche Verhältnisse, welche die 

Vegetation schädigen (üeberfluthungen durch Flüsse, die Nähe von 
Fabriken mit schädlichen Exhalationen, Wildfrass u. s. w.) und die 
Bewirthschaftung eines Bodens ermöglichen (z. B. die Rechtssicher- 
heit) mit in Anschlag zu bringen. 



*j Band I. S. 211—300. 






Heinrieb. Boden-Bonitirung und -Kartirung. 209 

Die Proditctionskosten (Kosten der Dienstleute, Gespanne, Ar- 
beitsgeräthe, Schwierigkeit der Bodenbearbeitung u. s. w.) und die 
VerwerthbarJceit der Producte (Absatzverhältnisse) lassen sich zwei* 
feilos für jeden einzelnen Fall , für jede Ortschaft , jeden Kreis, 
leicht berechnen; ich mag Sie daher heute nicht mit der aus- 
führlichen Erörterung, in welcher Weise diese Verhältnisse bei 
einer mustergültigen Bonitirung in Anschlag gebracht werden 
müssen, behelligen. 

Dagegen möchte ich mir erlauben, die rein naturtoissenschaft- 
liche Frage der Bonitirung hier etwas ausführlicher zu behandeln. 
Das Vermögen eines Bodens, Pflanzenmassen zu produciren, wird 
bei der Bonitirung immer zuerst festgestellt werden müssen ; erst 
nachdem dies geschehen, sind daraus die landwirthschaftlichen 
Beinerträge zu berechnen, welche sich ergeben nach der Formel 

f 
e 
wobei bedeutet 

/ = Fruchtbarkeit, 

e = schädliche äussere Einflüsse auf die Vegetation, 

V = Verwerthung der Producte, 

p = Productionskosten. 

Bevor wir aber die Productionsfähigkeit eines Bodens fest- 
stellen, müssen wir zunächst wissen, welche Anforderungen die 
Pflanzen an den Boden stellen, um sich in befriedigender Weise 
entwickeln ^u können. 

Diese Anforderungen sind sehr mannigfacher Art. Die Pflanzen 
müssen 

1. in dem Boden eine genügende Menge solcher Stofle (in auf- 
nehmbarem Zustande) vorfinden, welche zu ihrer Ernährung 
dienen. Pflanzengifte darf der Boden nicht enthalten. (An- 
sprüche an den chemischen Gehalt des Bodens). 

2. muss der Boden eine ausgiebige Menge von Wasser an die 
Pflanzen abzugeben im Stande sein, damit letztere von dem 
jeweiligen Regenfall weniger abhängig werden. 

3. muss der Boden in physikalischer Beziehung eine den Pflan- 
zen zusagende Beschaffenheit haben, unter welcher, die Le- 
bensfunctionen ihren normalen Verlauf nehmen können. 
(Durchlüftbarkeit, hohe Erwärmungsfähigkeit). 

Damit wir endlich die ganze naturwissenschaftliche Frage 
der Boden-Bonitirung hier kurz noch berühren, müssen 

4. noch in klimatischer Beziehung die Temperatur- und Licht- 
verhältnisse, welchen der Boden und mit ihm die Pflanzen 
unterworfen sind, derartig s6in, dass unter ihnen eine gün- 
stige Vegetation stattfinden kann. 

Sie sehen, meine Herren, schon aus dieser kurzen Zusammen- 
stellung, dass es bezüglich der Fruchtbarkeit eines Bodens nicht 
darauf ankommt, welcher geologischen Formation der Boden ange- 
hört, oder ob der Boden lehmiger oder sandiger Art ist, oder aus- 

Zeitschrift für Vermessuügswesen. 1885. 11. Heft. 14 



i: 



■'-..- 



210 Heinrich. Boden-Bonitirung und -Eartirung. 

schliesslich darauf, welchen chemischen Gehalt ein Boden besitzt; 
wir können desshalb den landwirthschaftlichen Werth eines Bodens 
nicht nach seiner geologischen Bildungsart, auch nicht allein nach 
seiner chemischen oder physikalischen Beschaffenheit taxiren, son- 
dern es sind Fragen der verschiedensten Art, die wir an den Bo- 
den stellen müssen, weil die Pflanzen Vorbedingungen der ver- 
schiedensten Art stellen, um zu vegetiren. Mit anderen Worten: 
Wenn man die Fruchtbarkeit eines Bodens feststellen will, so hat 
die Beurtheilung nicht vom geologischen , oder chemischen , oder 
physikalischen , sondern atisschliesslich vom pflanzenphysiologischen 
Standpunkte aus zu erfolgen, 

Führen wir uns nun jetzt in Kürze die einzelnen Verhält- 
nisse ins Gedächtniss zurück, von welchen die Vegetation ab- 
hängig ist. 

Dass der chemische Gehalt des Bodens von ungemeiner Bedeu- 
tung für die Vegetation ist, wird heute wohl kaum mehr bezweifelt 
werden. Die Pflanzen müssen Kali, Kalk, Magnesia, Eisen, Schwefel- 
säure , Phosphorsäure , Stickstoffverbindungen und wahrscheinlich 
auch Chlorverbindungen in dem Boden vorfinden, um gedeihen zu 
können. Practisch wichtig ist namentlich der Gehalt des Bodens 
an Kali, Kalk, Phosphorsäure und Stickstoffverbindungen, weil 
diese dem Boden häufig fehlen, während die anderen meist in 
genügenden Mengen vorhanden sind. Aber auch die genannten 
Bestandtheile schwanken in den verschiedenen Bodenarten ganz 
ungemein ; manche enthalten davon überreichliche Mengen , ge- 
nügend für tausendfache Ernten, andere nur ganz geringe Spuren, 
chemisch kaum nachweisbar. Die ungeheuren Erfolge, die man 
durch die einseitigen künstlichen Dtingestoffe erzielt hat, sind 
Beweise für die Nothwendigkeit der genannten mineralischen Be- 
standtheile für die Pflanzen und für die Armuth einzelner Böden 
an diesen Bestandtheilen. 

Für die practische Pflanzencultur entsteht nun allerdings noch 
die weitere Frage, ob die im Boden vorhandenen Nährstoffe für 
die Pflanzenwurzeln löslich sind ; für die nachhaltige und natürliche 
Fruchtbarkeit, die uns bei der Bonitirung vorzugsweise interessirt, 
kommt aber der absolute Gehalt mehr in Frage und gerade in 
letzterer Beziehung wird die Chemie eine befriedigende Auskunft 
zu ertheilen im Stande sein. 

In hervorragender Weise kommt für die Fruchtbarkeit eines 
Bodens noch sein Vermögen, Wasser für die Pflanzen zu reserviren, 
in Betracht. Ich möchte sagen, dass für norddeutsche Verhältnisse 
diese Eigenschaft bei Beurtheilung des Bodens noch schwerer ins 
Gewicht fällt, als selbst der Reichthum des Bodens an Pflanzen- 
nährstoffen. Denn die künstliche Beschaffung der letzteren ist 
meistens viel leichter, als die Erzielung einer günstigeren Capacität 
des Bodens für Wasser, wenn die Herbeiführung einer solchen 
durch Culturen und Meliorationen auch nicht ausgeschlossen ist. 
Unsere gewöhnlichen Culturpflanzen verlangen in ihrer Vegetations- 
zeit per ha 3 — 5 Millionen kg Wasser zu ihrem normalen Gedeihen 



■/ » 






Heinrich. Boden-Bonitining und -Kartirnng. 



211 



(= 300 — 500 mm Regenhöhe) , während beispielsweise der Weizen 
dem Boden, je nach den Ernteerträgen*), nur 25 — 39kgEaIi, 8 — 13 kg 
Kalk , 20—34 kg. Phosphorsäure und 43 — 74 kg Stickstoff per ha 
entzieht. Nur ein häufiger Regenfall kann einen Boden, der das 
Wasser gering zurückhält, ertragsmässig machen; aber in der 
Regel fällt der Regen während der Vegetationszeit nicht in so 
grossen Mengen, dass die Pflanzen dadurch ihr Bedürfniss decken 
können; sie müssen desshalb einen Vorrath davon im Boden vor- 
finden, den derselbe aus den zu starken Regenfallen oder der 
vegetationslosen Winterszeit reservirt hält. Eine seichte aber gut 
gedüngte Ackerkrume mit geringer Wassercapacität bringt unter 
norddeutschen Verhältnissen nur Ernten hervor, die sich propor- 
tional der in der Vegetationszeit gefallenen Regenmenge verhalten ; 
je tiefer die Krume, und je grösser die zurückgehaltenen Wasser- 
mengen, desto weniger wird der Ernteertrag von dem Regenfall 
beeinflusst. 

Die Bedeutung des Bodens als Reservoir für Wasser hat man 
bei den Bodenbonitirungen auch nicht verkannt, denn sehen Sie 
die verschiedenen Bonitirungssysteme durch, so werden Sie finden, 
dass sie fast alle auf die Frage hinauslaufen , ob der Boden viel 
oder wenig Wasser für die Pflanzen zurückzuhalten vermag. Die 
Eintheilung des Bodens in Lehm-, Sandboden u. s. w. ist darauf 
zurückzuführen und die geologische Prüfung der Bodenverhältnisse 
hat ihre Beliebtheit wohl hauptsächlich nur dem Umstände zu 
danken, dass sie die Wasserfrage der Ackerkrume aus den Schichten- 
verhältnissen des Untergrundes zu erklären versucht. 

Merkwürdig genug hat man die Wasserverhältnisse eines Acker- 
bodens immer nur auf solchen Umwegen beweisen wollen. Kann 
uns aber die Kenntniss, dass ein Boden ein Sand- oder Thonboden 
ist, oder dass er eine bestimmte geologische Schicht bildet, 
sichere Auskunft geben, wie viel Wasser derselbe für die Pflanze 
in nutzbarer Weise zurückzuhalten vermag ? Haben auf die Wasser- 
capacität des Bodens nicht noch ganz andere Umstände einen 
Einfluss? Ist es nicht viel richtiger und dabei einfacher, durch 
eine geeignete Untersuchungsmethode die Wassercapacität der ver- 
schiedenen Bodenarten direct festzustellen? 

Nach meiner Ansicht war es nur der Mangel einer geeigneten 
Methode zur Bestimmung der Wassercapacität des Ackerbodens, 
class man den Weg der direkten Bestimmung bisher nicht beschritt ; 
man hat die Wassercapacität im chemischen Laboratorium fest- 
stellen wollen, während dies nur auf dem Felde an dem Boden in 
seiner natürlichen Lagerung geschehen kann. Ich habe an anderer 
Stelle**) gezeigt, wie man verfahren muss, um die Wassercapazität 
der Bodenarten zu bestimmen. Aus meinen Untersuchungen geht 
hervor, dass ein und dieselbe Bodenart die verschiedensten Wasser- 
mengen zurückzuhalten vermag, je nach den Verhältnissen, unter 



*) Nach Graf zur Lippe (s. dessen landwirthschaftliche Kalender). 
**) Siehe meine „Grundlagen zur Beurtheilung der Ackerkrume", S. 218 flg. 

14. 



1 



212 Heinrich. Boden-Bonitirung und -Kartirung. 

denen sie sich befindet. Eine directe Bestimmung oder wenigstens^ 
ßeurtheilung des Bodens hierauf erscheint demnach unerlässlich. 

In physikalischer Beziehung kommt bei der ßeurtheilung eines 
Bodens noch die Geschlossenheit, Bindigkeit, desselben in Betracht. 
Der practische Landwirth berücksichtigt diese Eigenschaft meist 
nur in ihrer Beziehung zur schwierigeren oder leichteren Ackerbear- 
beitung. Aber sie hat noch viel grössere Bedeutung — eine Bedeu- 
tung, die, merkwürdig genug, in der Praxis meist noch ganz unbe- 
kannt ist. Je bindiger ein Boden ist, desto grösseren Widerstand 
setzt er der eindringenden Luft entgegen und desto mehr ist bei 
ihm der Gaswechsel gehemmt. Am schwierigsten ist letzterer, wenn 
der Boden an stauender Nässe leidet. Vermag der atmosphärische 
Sauerstoff nicht in den Boden einzudringen, dann ruhen alle Oxy- 
dationsprozesse : Die Mineralbestandtheile des Bodens vermögen 
nicht zu verwittern, der in den Boden eingebrachte Stalldung kann 
sich nicht zersetzen und in Folge dessen verbleiben die Pflanzen- 
nährstoffe, die sonst aus den Bodenmineralien und aus dem 
Stalldung hervorgehen, in einer Form, in welcher sie für die Pflanzen 
nicht nutzbar sind. Aber abgesehen hiervon ist der atmosphärische 
Sauerstoff in dem Boden auch noch für andere Zwecke nothwendig. 
Die in den Boden eingedrungenen Pflanzenwurzeln bedürfen eben- 
falls des atmosphärischen Sauerstoffs; gleich wie der Mensch, das 
Thier den Sauerstoff einathmen und dafür Kohlensäure wieder ab- 
geben, so bedarf auch der Organismus der Pflanzen Sauerstoß*, um 
Kohlensäure zu bilden, und wird der Pflanze der Sauerstoff längere 
Zeit entzogen, so stirbt die Pflanze, sie erstickt, gleich wie dar 
Mensch, das Thier ohne Sauerstoff ersticken. Das Sauerstoffbedürf- 
niss besitzen alle Theile der Pflanze, also auch die Wurzeln, und 
daher kommt es, dass wir nicht im Stande sind auf festen, ver- 
schlammten, oder auf den sogenannten sauern, nassen Böden unsere 
gewöhnlichen Culturpflanzen normal zu erzielen, wir erreichen hier 
nur Krüppel von Pflanzen. Die Athmung der Wurzeln einzelner 
Culturpflanzen (nicht aller!) ist so beträchtlich, dass in schweren 
Thonböden, wenn sonst alle umstände günstig sind, die Vegetations- 
energie direct von der Athmungsintensität der Wurzeln im Boden 
abhängig ist. Die verschiedenen Pflanzenarten athmen nicht mit 
gleicher Intensität; gleichwie die Athmungsenergie der Fische eine 
geringere ist als die der Säugethiere, so giebt es auch Pflanzen, 
welche zur Athmung weniger Sauerstoff verbrauchen als andere. 
Zu den letzteren gehören namentlich die Sumpfgewächse, wie dies 
Ad. Meyer direct nachgewiesen hat. Einen ferneren Beweis hierfür 
bildet folgende Beobachtung: Der Torfboden wird durch Aufbrin- 
gung grobkörnigen Sandes poröser und für Luft leichter durch- 
dringbar ; es können sich in Folge dessen auf Torfwiesen nach einer 
Sandüberkarrung reichlich süsse Gräser und selbst Klee entwickeln, 
wenn sonst nur die nöthigen Nährstoffe gleichzeitig vorhanden sind. 
Benutzt man aber zum Ueb«rkarren der Torfwiesen einen bindigen 
(thonigen) Boden, so vergehen die bereits vorhandenen guten Grä- 
ser vollständig und es gelangen dann nur Binsen und andere saure 




Heinrieb« Boden -Bonitirung und -Kartirung. 213 

"Gräser zur Entwickelung. Man hat durch die bezeichnete fehler- 
hafte Melioration für den Torfboden, welcher selbst sehr stark 
SauerstofiF consumirt, durch die aufgebrachte Schicht des bindigeren 
Bodens den Sauerstoff abgesperrt; in Folge dessen sterben die 
«auerstoffbedürftigen Süssgräser ab und es entwickeln sich Sumpf- 
pflanzen, welche weniger Sauerstoff gebrauchen. Ich habe u. A. 
gefunden, dass ein Boden, welcher der eindringenden Luft einen 
grösseren Widerstand als 5 cm Wasserdruck entgegensetzt, keine 
Zuckerrüben zu produciren im Stande ist. Ein Boden, der bis zu 
15—20 cm Tiefe bei 5 cm Wasserdruck leicht durchlüftbar war, 
brachte 13 — 14 cm lange (und 9 — 10 cm dicke) Rüben hervor, die 
sonst üppig im Kraut waren. Ging die leichte Durchlüftbarkeit 
(bei 5 cm Wasserdruck) nur bis zu 10 cm Krumentiefe, so ent- 
wickelten sich die Kühen nur bis ca. 8 cm Länge (bei 2^« cm 
Durchmesser), waren endlich auch die obersten 10 cm Krume 
schwer durchlüftbar, so entwickelten sich die aus Kernen gezogenen 
Zuckerrüben nur rudimentär; die Wurzeln wurden kaum finger- 
stark und die kleinen Blätter hatten ein krankes, gelbliches Aus- 
sehen. 

Sie sehen, meine Herren, wie wichtig es ist, die Durchlüftbar- 
keit der Ackerböden bei der Bonitirung mit in Rechnung zu ziehen. 
In neuerer Zeit hat man — jedoch meist aus hygienischen Rück- 
sichten — der Durchlüftungsfähigkeit des Bodens etwas mehr 
Aufmerksamkeit zugewendet. Aber man ist hierbei ebenso fehler- 
haft verfahren wie 50 Jahre lang mit der Bestimmung der Wasser- 
capacität des Bodens : Man hat nämlich den Boden ausgehoben, 
getrocknet und im Laboratorium Versuche damit angestellt. Solche 
Versuche können zu keinem brauchbaren Resultat führen. Die 
Durchlüftungsfähigkeit des Bodens wird vorzugsweise beeinflusst 
Ton seinem Wassergehalt und dieser schwankt unter den natür- 
lichen Verhältnissen ganz ausserordentlich. Künstlich kann man 
aber dem Boden seinen natürlichen Feuchtigkeitsgrad nicht geben ; 
das kann nur an Ort und Stelle, im Felde, geschehen. Durch das 
Trocknen des Bodens werden ferner die organischen (Humus-) 
Substanzen verändert, welche ebenfalls in ihrem natürlichen (feuch- 
ten) Zustande dem Eindringen der Luft einen wesentlichen Wider- 
stand entgegensetzen. — Wir müssen also, um die Durchlüftungs- 
fähigkeit der Bodenarten kennen zu lernen, ebenso wie bei den Be- 
stimmungen der Wassercapacität, hinausgehen und die entsprechenden 
Versuche mit dem Boden in seiner natürlichen Lagerung vornehmen. 

Ich habe die Bedeutung der Durchlüftungsfähigkeit hier etwas 
ausführlich behandelt , weil in der Praxis sehr häufig hierauf be- 
zügliche Irrthümer vorkommen, welche zu verkehrten Massregeln 
führen. Man verwechselt Ursache und Wirkung. Nicht z. B. das 
stauende Wasser ist directe Ursache einer Verkümmerung der Saaten, 
sondern der mangelnde Sauerstoff im Boden ; nicht immer braucht 
desshalb durch Drainage dem Boden das für die Pflanzen kostbare 
Wasser entzogen zu werden, wenn es andere Mittel giebt, die 
Durchlüftbarkeit zu erhöhen. Bei den Rimpau'schen Dammculturen 



* • 



l'«>-' 



214 



Heinrich. Boden-Bonitirung und -E^rtirung. 









schadet die stauende Nässe des Untergrundes nicht, denn man hat 
durch Aufbringung von Sand und durch sorgfältige Bearbeitung 
des Bodens die Krume in genügender Weise durchlüftbar gemacht 
— Vor einigen Jahrzehnten machten die grossen Erfolge, welche 
der verstorbene Schubart-Gallentin durch reine Strohdüngung er- 
zielte, yiel von sich reden. Das Gut Gallentin besitzt, wie mir 
mitgetheilt wird, schweren Boden; die Erfolge waren hier aber 
nicht der Düngung mit Stroh, sondern der durch das Stroh hervor- 
gerufenen günstigen DurchlüftungsfähigJceit des strengen Lehmbo- 
dens zuzuschreiben ; der Erfolg Schubart's liess nach , weil er irr- 
thümlich glaubte, andere Düngung neben der >Strohdüngungc 
entbehren zu können. 

Von weiteren physikalischen Eigenschaften des Bodens kann 
ich nur noch wegen der Erwännungsfähigkeit , seine Farbe und 
seine Neigung gegen den Horizont als bedeutungsvoll anerkennen. 

Als gleichgültig aber betrachte ich die Kenntniss der Korn- 
feinheit, also die Ergebnisse der Schwemmanalysen. Die feineren 
(abschlemmbaren) Bestandtheile des Bodens haben immer nur eine 
sehr indirecte Bedeutung für die Fruchtbarkeit eines Bodens; man 
folgert aus ihnen z. B. die Wassercapacität; da aber diese nicht 
allein von der Korngrösse, sondern noch von vielen anderen Um- 
ständen (Lagerung, Schichtung, Humusgehalt, Krumenmächtigkeit 
u. 8. w.) abhängig ist, so fordere ich directe Prüfung und nicht 
Feststellung der Einzelverhältnisse, aus welchen man doch nur be- 
dingungsweise die Wassercapacität ableiten kann. Femer wurde 
von Einigen aus der Menge der vorhandenen feinsten (abschwemm- 
baren) Bestandtheile ein Schluss auf die Menge der assimilirbaren 
Bestandtheile zu ziehen versucht, indem man annahm, dass mit 
dem Grade der Verwitterung die Löslichkeit der in den Gesteinen 
vorhandenen Pflanzennährstoffe zunehme; aber dies scheint mir 
erst recht unstatthaft, denn z. B. der Thon, der vorwiegend die 
> feinsten < Bestandtheile bildet, ist überhaupt kein Pflanzennähr- 
stoff. 

Fassen wir nun die für Bonitirungszwecke uns interessirendea 
Punkte kurz zusammen, so sind es folgende: 

1. in chemischer Beziehung: der absolute Gehalt an Pflanzen- 
nährstoffen, namentlich der Gehalt an Kali, Kalk, Phos- 
phorsäure und Stickstoff, 

2. in physikalischer Beziehung: Wassercapacität, Durchlüftbar- 
keit, Farbe und Neigung. 

Es bleibt uns nur noch übrig, die klimatischen Verhältnisse zu 
berücksichtigen und hier interessirt uns namentlich die nach den 
meteorologischen Aufzeichnungen benachbarter Stationen zu berech- 
nende mittlere frostfreie Vegetationszeit (nach nassen Minimum- 
thermometern zu berechnen !), ferner die mittleren höchsten Tempe- 
raturen am Tage in den verschiedenen Monaten und endlich die 
Dauer des Sonnenscheins (unbewölkte und unverschleierte Sonne). 
Letzterer ist in sehr bequemer Weise durch den von Stokes ver- 
besserten CampbeU'schen Sunshine recorder zu messen. Derselbe 



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-r •- 



Heinrich. Boden- Bonitimng und -KÄrtirnng. 215 

wird zwar in Deutschland noch wenig benutzt, aber es ist äusserst 
wünschenswerth , dass dieser Apparat den deutschen meteorologi- 
schen Stationen im Interesse des Studiums über Pflanzencultur 
überwiesen würde. Diese drei Punkte: frostfreie Vegetationszeit, 
mittlere Temperaturmaxima per Monat und Sonnenscheindauer 
haben auf die Pflanzencultur einen gewichtigen Einfluss; sie än- 
dern sich oft schon in relativ kleinen Bezirken, namentlich im Ge- 
birge und an Küsten und Inseln. — 

Meine Herren! Für die richtige Taxation eines Bodens ist es 
unerlässlich^ dass man jeden einzelnen Punkt, den wir im Vorher- 
gehenden besprochen haben , einer eingehenden Würdigung unter- 
zieht, denn jeder für sich allein ist im Stande, die Pflanzencultur 
^nzlich zu hemmen. Wir können die einzelnen Pflanzennähr- 
stoffe, die Bodenfeuchtigkeit, die Durchlüftungsfähigkeit, die Tem- 
peratur, den Sonnenschein als „Factoren^ der Pflanzenproduction 
bezeichnen. Jeder Factor ist nothwendig, wenn die Pflanzen wach- 
sen sollen. Fehlt es dem Boden z. B. an Stickstoff oder Phosphor- 
säure, so wachsen die Pflanzen nicht, trotzdem der Boden sonst 
aus dem schönsten > milden Lehm< oder >humosen Sand< u. s. w. 
bestehen kann. Ist der Boden nicht durchlüftbar, so vermögen wir 
ebenfalls keine (Cultur-)Pflanzen darauf zu cultiviren , es mag der 
Nährstoffgehalt in dem Boden so günstig als nur denkbar sein. 
Jeder einzelne Factor ist mit anderen Worten unvertretbar und 
derjenige, welcher im geringsten Maasse vorhanden, ist jedesmal maass- 
gebend fur die Fruchtbarkeit des betreffenden Bodens. Die Pflanzen 
wachsen Jmmer nur insoweit, als es der im Minimum vorhandene 
Factor zulässt, mag nun letzterer der Stickstoffgehalt im Boden, 
oder die Bodenfeuchtigkeit, oder die Temperatur der umgebenden 
Luft sein. Man bezeichnet diese Thatsachen als >das Gesetz des 
Minimums <. 

Wenn wir diese Verhältnisse in Gedanken behalten, so wird 
uns sofort einleuchten, warum alle unsere bisherigen Bonitirungs- 
systeme fehlerhaft sind. Wenn man bei ihnen überhaupt die Fac- 
toren der Pflanzenproduction berücksichtigt hatte, so war dies 
immer nur mit einem, oder einzelnen geschehen. Man sprach z. B. 
von > mildem humosen Lehmboden« und dachte sich dabei aller- 
dings einen »milden« d. h. leicht durchlüftbaren und leicht zu be- 
arbeitenden — >humosen Lehmboden« einen Boden, der eine ziem- 
lich hohe Wassercapacität unter gewöhnlichen Umständen be- 
sitzen wird. Aber ich frage nochmals: Warum diese Umwege, bei 
denen man sich doch so sehr täuschen kann? Auch ein > milder 
humoser Lehmboden« braucht nicht fruchtbar zu sein. Ist es nicht 
viel richtiger, wir stellen die einzelnen Verhältnisse, auf welche es 
für die Pflanzenproduction ankommt, direct und zahlenmässig fest? 

Nur ein solches Bonitirungssystem kann Anspruch auf allge- 
meine Brauchbarkeit machen, welches die sämmtUcheyi Factoren 
für die Pflanzenproduction in Rechnung bringt. 

Ich stelle mir die Bonitirung von Ackerflächen nach meinem 
System folgendermassen vor. Zunächst sind alle besprochenen 



216 Heinrich. Boden-Bonitirang und -Eartirung. 

>Factoren< zu bestimmen, resp. zu taxiren. *) Wir wollen z. B. 
annehmen ein Boden habe 

reichlichen **) NährstoflFgehalt, 

sei leicht durchlüftbar, 

von mittlerer Erwärmungsfähigkeit, 

die klimatischen Verhältnisse eignen sich zum Getreide- und 

Zuckerrübenbau, 
der Boden habe aber eine geringe Wassercapacität. 
Letztere betrage — ich habe hierbei einen bestimmten Fall im 
Auge — nur 24 mm oder 8 gr pro 100 gr Trockensubstanz des 
Bodens. (Wasserdichte = Wassergehalt pro 1 Bodenraum = 114gr.) 
Der Boden würde also nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch ein 
reicher aber trockener Boden sein. (Ob Sand-, ob Lehmboden ist 
hierbei ganz gleichgültig.) Die Fruchtbarkeit des Bodens würde 
im Wesentlichen vom Regenfall abhängig sein; bei häufigem und 
reichlichem Regenfall während der Vegetationszeit kann der Boden 
die höchsten Erträge liefern, bei Regenmangel wird kaum die Aus- 
saat geerntet. Natürlich würden wir einen mittleren für die be- 
treffende Gegend aus directen Beobachtungen festgestellten Regen- 
fall anzunehmen haben. 

Unter dieser Annahme *^^) würde Weizen gar nicht gebaut 
werden können, Raps und Rübsen ebenfalls nicht, 

Roggen würde pro ha liefern = 1200 kg Korn, 
Gerste > > > > 800 > > 

Hafer > > > > 1500 > > 

Erbsen > > > > 400 > > 

Kartoffeln > > > > 10000 > > 

Es würden dann diese, sowie Stroherträge u. s. w. zu den 
landesüblichen Durchschnittspreisen zu berechnen und unter Zu- 
grundlegung einer Fruchtfolge in Anrechnung zu bringen sein; da- 
von sind dann die Wirthschaftsunkosten in Abzug zu bringen, der 
Rest würde dem Reinertrage des Gutes entsprechen. 

Wie mir freundlichst mitgetheilt wird, hat Herr Distrikts- 
ingenieur Alban in Schwerin ein Bonitirungssystem ausgearbeitet, 
nach welchem der Reinertrag eines Grundstückes schliesslich in 
Roggenwerth ausgedrückt wird. Diese Berechnungsart würde jeden- 
falls für Verkauf, Verpachtung, Creditgewährung, Steuerveranlagung 
u. s. w. den bequemsten Anhalt bieten und würde sich dies System 
leicht dem naturwissenschaftlichen anschliessen lassen ; denken wir 
uns , dass die obigen Erträge auf Roggenwerth umgerechnet sind, 



*) S. Nachtrag am Schluss. 

**) In dem betreffenden Kataster müssten natürlich hierfür ebenso, wie 
für die folgenden Verhältnisse, ziffermässige Werthe angegeben werden. 

***) üeber die Bedürfnisse unserer Culturpflanzen sind unsere Kenntnisse 
z. Z. noch sehr gering; ich halte es für einen besonderen Vorzug dieses Sy- 
stems, dass wir über die Bedürfnisse der Culturpflanzen sehr eingehend Kennt- 
nisse erwerben werden, sobald wir nur erst angefangen haben, einige ausge- 
sprochene Weizen-, Roggen-, Gersten-, KleebÖden u. s. w. auf ihre Eigenschaften 
in meinem Sinn zu prüfen. 



fiTf" 



Heinrich. Boden-Bonitirung und -Kartirung. 217 

80 ist dann je nach den herrschenden Getreidepreisen der Reinertrag 
leicht zu erfahren, z. B. sei ein Grundstück zum ßoggenwerth von 
150 Doppel-Centner bonitirt, es würde dann der Reinertrag des 
Grundstückes bei einem Korn preise von 11 Mark pro Doppel- 
Centner = 1650 Mark, bei 12 Mark = 1800 Mark betragen. 

Doch lässt sich über die Art und Weise, wie die Bodenarten 
in Klassen eingereiht werden sollen, noch discutiren, zweifellos er- 
scheint mir, dass die Taxprincipien auf naturwissenschaft- 
licher (pflanzenphysiologischer) Grundlage ruhen und die einzel- 
nen aufgemhlten Factor en in Rechnung gezogen werden müssen^ 
wenn die Productionskraft eines Bodens festgestellt werden soll. 
Die bisherigen Taxen erfolgten mehr oder weniger nach dem Ge- 
fühl, man hatte das Gefühl^ dass ein Boden so und so viel Cent- 
ner Korn produciren würde. In Folge dieser ganzen Art und 
Weise der Abschätzung gab es auch nirgends einen Beweis für die 
Richtigkeit. Hier, nach dem naturwissenschaftlichen System, kann 
jeder einzelne Factor bewiesen und der Beweis wiederholt auf seine 
Richtigkeit geprüft werden. 

Ein gutes und überall brauchbares Bonitirungssystem soll 
aber nicht allein einen Werthmesser abgeben , sondern es soll 
namentlich auch dem Landwirth einen directen Nutzen für seinen 
practischen Betrieb gewähren. 

Wenn der Landwirth aus der jetzigen Bonitirung erfährt, dass 
sein Boden so und so viel Centner Roggen zu tragen im Stande 
ist, so kann ihn dies nicht befriedigen, denn er erfahrt nicht, warum 
der Boden so viel und nicht mehr zu tragen im Stande ist. 

Dieser Mangel wird bei dem oben beschriebenen naturwissen- 
schaftlichen System ganz vermieden; aus den ermittelten Factoren 
kann er den Grund erkennen, warum die Ernten z, B. nur mittel- 
mässig sein können \ und indem er aus der Bonitirung den Factor 
erkennt, der im Minimum vorhanden ist, also den Ertrag regelt, 
steht ihm dann die Möglichkeit oflfen zu erwägen, ob und in wel- 
cher Weise der betreffende Factor zu stärken, die Fruchtbarkeit 
zu erhöhen ist. 

Sie werden mir nun, meine Herren, wahrscheinlich einwenden: 
das weiss jeder Landwirth selbst, wo es seinem Boden fehlt! Ich 
möchte dies aber bezweifeln ; ich habe zahlreiche Erfahrungen dar- 
über, dass man nur durch eine ganz systematische Prüfung der 
Bodenarten in Bezug auf die Factoren der Fruchtbarkeit den 
Factor ersieht, der die Fruchtbarkeit regelt, und ich brauche 
keinen Stein auf die practischen Landwirthe zu werfen, ich habe 
mich bei meinen practischen Versuchen auf den 7 ha grossen 
Versuclis-Feldern der Station Rostock anfangs ebenfalls mannichfach 
getäuscht über die Mittel, welche eingeschlagen werden mussten, 
um die Fruchtbarkeit zu erhöhen, weil ich es anfänglich versäumte, 
eine systematische Prüfung des Bodens vorzunehmen. 

Ich bin überzeugt, dass eine wesentliche Steigerung der Boden- 
Erzeugnisse stattfinden muss^ wenn es uns gelingt, die wirklichen 
Factoren der Pflanzenproduction in allen landwirthschaftlichen 



218 Heinrich. Boden-Bonitirung und -Kartirung. 

Kreisen zum vollen Bewusstsein zu bringen. Dies kann aber meiner 
Ansicht nach nur erfolgen, wenn wir die Landwirthe immer wieder 
darauf hinweisen, wovon im Einzelnen die Fruchtbarkeit der Felder 
abhängt. Sie, meine Herren, und namentlich diejenigen von Ihnen, 
welche sich dem Fache der Cultur-Techniker gewidmet haben, sind 
meiner Ansicht nach die berufensten Förderer dieses ganzen Sy- 
stems ; durch Ihre stete Berührung mit den Landwirthen , durch 
die culturwirthschaftlichen Arbeiten, denen Sie sich widmen, sind 
Sie in der Lage, die Kenntniss von der Bedeutung der einzelnen 
>Factoren< für die Productionsfähigkeit des Bodens in den landwirth- 
schaftlichen Kreisen zu verbreiten, sie aber auch zu verwerthen. 

Eine sehr wesentliche Förderung glaube ich mir von der Her- 
stellung landwirthschaftlicher Bodenkarten versprechen zu sollen. 
Unsere bisherigen Bodenkarten sind fast ausschliesslich vom geo- 
logischen Standpunkte aus angefertigt worden; ich erinnere Sie 
nur an die Karten von Benningsen-Förder, von Orth und auch an 
die jetzt von der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt 
herausgegebenen sogenannten >geologisch-agrono mischen < Karten. 
Die Bedeutung der letzteren für die Landwirthschaft ist Ihnen vor 
2 Jahren auf dieser Versammlung von einem unserer bedeutendsten 
Landwirthe in einem eingehenden Vortrage dargelegt worden. 
Aber mit richtigem practischen Gefühl hatte schon damals Ihr 
Vortragender herausgefunden, dass die Art und Form der Herstel- 
lung modificirt werden müsse, wenn die practischen Landwirthe 
von den Karten Nutzen haben sollen. Es waren von demselben 
Herrn in Folge dessen schon vorher Abänderungsvorschläge in einer 
Denkschrift an das Königlich Preussische Ministerium eingereicht 
worden. — Wenn man aber, meine Herren, die geologisch- agrono- 
mischen Karten vom Gesichtspunkte der Pflanzencultur prüft, so 
muss man noch weiter gehen, als es damals geschah, und das 
ganze Princip , nach welchem die Karten angefertigt werden , als 
irrig bezeichnen. Wer sich nur einigermaassen mit der Pflanzen- 
cultur beschäftigt, kommt zu der Ueberzeugung, dass es von einer 
ünkenntniss der Verhältnisse zeugt, wenn die Geologen behaupten, 
die (landwirthschaftliche) Bodenkunde sei nur ein Theil der Geo- 
logie. Die Fruchtbarkeit des Bodens hängt von ganz anderen Um- 
ständen ab, als von den geologischen Schichtungen. Wenn man 
mit aufmerksamem Auge für landwirthschaftliche Verhältnisse 
namentlich die Gebirgszüge durchwandert, so findet man die gröss- 
ten Unterschiede in der Fruchtbarkeit auf Böden , welche nach 
ihrer Entstehungsart geologisch die gleiche Bezeichnung führen 
müssen.*) Die geologischen Formationen der Erdkrume decken 
sich nicht mit den landwirthschaftlichen Begriffen über Bodengüte. 

Der wesentlichste Aufschluss, den uns der Geologe für die 
landwirthschaftliche Bodenkunde geben kann, betrifft die Mächtig- 



*) S. hierüber auch Braungart: „Die Wissenschaft in der Bodenkunde." 
Inauguraldissertation 1875, S. 71 und 72. Derselbe führt schlagende Beispiele 
hierfür auf. 



-.,:*- 



Heinrich. Boden-Bonitirang und -Kartirang. 219 

keit und den Wechsel der Erdschichten ; durch die Kenntniss der 
Schichtenverhältnisse wird man, wie früher erwähnt, unter Um- 
ständen ein annäherndes Urtheil über die Wasserverhältnisse des 
Bodens gewinnen können. Es scheint aber doch, wie ich schon 
wiederholt hervorgehoben habe, viel einfacher und zuverlässiger^ 
wenn man diese durch directen Versuch feststellt. Der Unter- 
grund ist für die Pflanzencultur nur insofern von Wichtigkeit, als 
er auf die Ackerkrume eine Rückwirkung äussert.*) Die ganze 
Vegetation der Wurzeln unserer Culturpflanzen erfolgt fast aus- 
schliesslich in der Ackerkrume. Es schliesst dies natürlich nicht 
aus, dass hei günstigem Untergründe Wurzeln auch in diesen ein- 
dringen Mnnen\ aber der Nutzen, den die Pflanzen davon erzielen^ 
ist ein sehr geringer. Wie könnten sonst auch die sogenannten 
tiefwurzelnden Culturpflanzen mit Erfolg nur in Topfgefassen zur 
üppigen Vegetation gebracht werden, wenn die Topftiefe nicht ein- 
mal der Tiefe einer mittleren Ackerkrume entspricht? Ich habe 
vorhin erzählt, dass die Zuckerrüben selbst dann gedeihen, wenn 
der Untergrund in 15 — 20 cm Tiefe nicht mehr durchlüftbar, also 
für die Wurzeln nicht mehr nutzbar ist, nur die Ackerkrume für sich 
muss leicht durchlüftbar sein ; die Zuckerrüben entwickeln sich hier 
aber nur zu einer Länge von 13 — 14 cm. Auch die Waldbäume sind 
in ihrem Wachsthum nicht unmittelbar von dem Untergrunde ab- 
hängig. Hierfür möge nur eine Beobachtung dienen. W^enn man 
von Marienbad nach Königswart in Böhmen den üblichen Fusspfad 
verfolgt, so gelangt man vor Königswart an einem Bergabhange 
in einen herrlichen Fichtenwald. Ich schätze diese Bäume von 
schönem schlanken Wuchs ca. 50 Jahre alt. An dem Bergabhange 
hat sich aber nur eine ganz geringe Krume gehalten, die Unter« 
läge besteht aus festem Gestein. Als ich im Jahre 1881 diesen 
Wald beging, hatte kurze Zeit vorher ein heftiger Sturm eine 
Anzahl dieser herrlichen grossen Bäume umgeworfen , so dass das 
ganze Wurzelsystem derselben mit der anhaftenden Erde vom fel- 
sigen Untergrund losgerissen und letzterer entblösst von Erde sicht- 
bar war. Die ganze Wurzelmasse hatte sich hier bei diesen mäch- 
tigen Bäumen nur in der verhältnissmässig schwachen Bodenkrume 
ausgebildet. 

Aus diesen und anderen Gründen glaube ich bei Beurtheilung 
des Bodens ausschliesslich nur die Eigenschaften der Krume prüfen 
zu sollen ; jeder nachtheilige Untergrund wird von selbst schon 
und sicherer bei den betreffenden Untersuchungen tiir nachtheilig 
erkannt, als dies bei den gewöhnlichen geologischen Untersuchungen 
geschehen kann. 

Wenn ich es nun verstanden habe, bei meinen vorhergehenden 
Besprechungen Ihnen das Princip eines brauchbaren Systems für 



*) S. hierüber meine Untersuchungen in der Schrift: „Grundlagen zur 
Beurtbeüung der Ackerkrume" 1882. S. 79 flg. — Ferner die instructiven 
Versuche von H. Thiel: „De radicum plantarum quarundam ab agricolis prae- 
cipue cultarum directione et extensione." — Bonnae 1865. 



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'820 Heinrich. Boden-Bon itirung und -Kartirung. 



Bonitirung klar zu legen, so werden Sie schon dadurch ein Urtheil 
gewonnen haben, dass man die geologische Bildungsweise des Bo- 
dens ebensowenig zur Herstellung brauchbarer Bonitirungssysteme, 
als auch zur Herstellung practisch verwerthbarer Bodenkarten be- 
nutzen kann. 

Wir müssen also landwirthschaftlich brauchbare Bodenkarten 
auf ein anderes Princip stützen. 

Fragen wir uns nun : Was soll eine Bodenkarte bringen ? Nun, 
alles das, was zur sicheren Beurtheilung des Bodens nothwendig ist: 
Also möglichst alle Factoren der Pfianzenproduction, soweit sie den 
Boden betreflFen. 

Für besonders wichtig halte ich die kartographische Darstellung 
-des (absoluten) Nährstoffgehaltes^ namentlich aber des Gehaltes des 
Bodens an Kali, Kalk, Phosphorsäure und Stickstoff. Auch die 
■schädlichen Bestandtheile des Bodens (z. B. Schwefeleisen u. s. w.) 
müssen eventuell verzeichnet werden. 

Von den physikalischen Verhältnissen müssen auf den Boden- 
karten zur Darstellung kommen: Die Capacität für Wasser, resp. 
der Wassergehalt, die Durchlüftungsfähigkeit, die Bodenart (weil 
diese von Bedeutung für die Bearbeitung desselben ist), ferner die 
Krumentiefe (als Maassstab für die Menge der Nährstoffe, welche 
den Pflanzen zugänglich ist) und endlich die Neigung des Bodens 
(wegen Bearbeitungsschwierigkeit und Erwärmungsfahigkeit des- 
selben). 

Es erfordert dies 9 resp. 10 Darstellungszeichen, welche neben 
den gewöhnlichen auf Situations- und Flurkarten gebräuchlichen 
Objecten noch dargestellt werden müssen. 

Es handelt sich ferner darum, wie diese Verhältnisse zweck- 
mässig dargestellt werden können. 

Was zunächst den Maassstab der Darstellung betrifft, so er- 
scheint mir ein Maassstab von 1 : 25 000, nach welchem die geolo- 
gisch-agronomischen Karten der Königlich Preussischen geologischen 
Landesanstalt ausgeführt werden, für landwirthschaftliche brauch- 
bare Bodenkarten nicht genügend. Es müssen die oben bezeich- 
neten Verhältnisse möglichst detaillirt zur Darstellung gebracht 
werden , so dass Abweichungen , selbst wenn sie sich auf kleine 
Flächen beschränken, doch auf der Karte zum Ausdruck kommen; 
jedenfalls müssen solche Bodenverschiedenheiten auf der Karte er- 
sichtlich sein, wenn sie störend in den practischen Betrieb eingreifen, 
wenn z. B. einzelne Stellen wirthschaftlich verschieden von den 
umgebenden Flächen behandelt werden müssen. Die Karten sind 
als Gw^^karten zu behandeln und desshalb ungefähr in einer Grösse 
von ca. 1 : 4000 aufzunehmen. Grössere Güter können aus diesem 
Grunde einen kleineren , kleinere Güter einen grösseren Maassstab 
benutzen. 

Wie man auf einer Landkarte durch einen Blick die Verschie- 
denheit der Erdoberfläche, die Gebirge und Thäler, die Ebenen, 
Flüsse, Seen u. s. w. erkennt , so müssen auch gute Bodenkarten 
schon bei dem flüchtigen Ueberblick alle hervorragenden Eigen- 



Heinrich. Boden-BonitiruDg und -Eartiruog. 

thümlicilkeiten des Cultnrbodens, die vort^eilhaften oder 
ligen Eigenschaften erkennen lassen. 

Der Geometer- Verein für Schwerin hat nun im Inte 
die Herstellung derartiger Bodenkarten eine Commission*) 
welche mich in unermüdlicher Weise bei den Arbeiten fii 
karten unterstützte. Mit Hilfe dieser Commission, und nf 
durch die besondere Mühewaltung des Herrn Mauck ist es , 
Ihnen heute eine Probekarte Torzulegen, die nach meinei 
alles das bringt, was eine brauchbare Bodenkarte brin 
Und ich glaube auch , dass die Darstellung eine höchst 
und — hat man sich einmal erst in das Princip der Da 
hineingedacht — auch leicht lesbare ist, 

lieber das Princip, nach welchem die Karte ausgefUhi 
bemerke ich kurz Folgendes : 

Die Bodenarten wurden zunächst durch matte Gru 
(Flächen) zur Anschauung gebracht. Die gewählten Fb 
schliessen sich zum Thetl den bisher gebräuchlichen an (z. £ 
hellgelb, Lehm = lehmfarbig, Thon = violett, Torf ^ 
[grau]. Die Zwischenböden sind durch entsprechende Mis 
bezeichnet). Da die matten Grundfarben bei Lampenlicht 
manche Personen mit geringem Farben unterscheid ungsi 
schwieriger erkannt werden können , ao sind noch auf dei 
ähnlich wie dies Orth gethan, Buchstaben in derselben (ni 
siveren) Farbe, welche für die Bodenart characteristisch s 
getragen worden. 

Die Wasserverkältnisse sind überall durch Blau zur Da 
gebracht. Stehendes Wasser (Seen , Teiche) erhielt ein' 
blaue Grundfarbe (Fläche) ; fliesaendes Wasser ist ausser 
einem Pfeil versehen. Sumpf wird durch dicht aufeinandei 
blaue Linien bezeichnet. Die wichtige Wassercapacität ^vii 
ausgesogene blaue Linien ausgedrückt. Der grösseren oder g( 
Wassercapacität entsprechen die Zahl der Linien in den 
gruppen. Je grösser die Wassercapacität, desto mehr Lit 
in der Gruppe vereint. 

Die Durchlüftungsf&higkeit der Bodenarten wird 
grösseren oder geringeren Entfernung der einzelnen Linien- 
für Wassercapacität gefolgert. Es soll dies daran erinnei 
die schwierige Durchliifturigsfähigkeit einiger Böden haupi 
durch den Wassergehalt bedingt wird. Sumpf ist nach den 
Stab, den wir für die Pflanzencultur anlegen müssen , so 
garnicht durchlüftbar, daher folgen die Wasser-Linien auf 
gen Flächen dicht aufeinander. 

Die Nährstoffgehalte des Bodeua sind durch farbige tmter 
Linien ausgedrückt. Die für die einzelnen Nährstoffe gt 
Farben sind für diejenigeu, welche sich einigermaassen mit 



*) Die Commission bestand aua den Herren Districts-Ingenie 
Kummer-Ingenieur Mauck und Vermesaungs-Ingenieur Vogeler. 



*-T»] 



222 Heinrich.- Boden-Bonitirung und -Kartirung. 

beschäftigt haben, leicht zu merken. Kali ist durch Violett, Kalk 
durch Orange bezeichnet; beide Farben erinnern an die Flammen- 
iarbungen, welche diese Körper veranlassen. Phosphorsäure wird 
durch Roth dargestellt und erinnert an die Rothfärbung des im 
chemischen Laboratorium gebräuchlichen blauen Lackmuspapiers 
durch Säuren. Den Stickstoffgehalt des Bodens endlich bezeichnet 
Grün und soll diese Farbe an die grünen Pflanzen erinnern, deren 
Protein stickstoffhaltig ist. 

Die Mengen der vorhandenen Nährstoffe sind durch ein- und 
mehrfache feine und starke Linien ausgedrückt. Je stärker also 
ein Bestandtheil im Boden vorhanden, desto stärker wird dann auch 
die betreffende Farbe hervortreten. 

Die Neigung des Bodens kommt durch die gebräuchlichen 
Höhenlinien zum Ausdruck. 

Die AckerJcrumentiefe ersieht man an kurzen schwarzen Strichen, 
welche durch einen senkrechten Strich verbunden werden; jeder 
Strich repräsentirt eine Tiefe von 5 cm. Durch die Form und 
andere Vertheilung dieser kurzen Striche auf der Karte (sie ver- 
laufen immer horizontal) kann eine Verwechselung dieser Linien 
mit den Nährstofflinien, auch bei flüchtiger Betrachtung der Karte, 
nicht eintreten. (Die ausgezogenen Wasserlinien und unterbrochenen 
Nährstofflinien verlaufen senkrecht zu einander und immer in 
schräger Richtung.) 

Die Werthsji^eichen betreffen ausschliesslich die Ackerkrume, Nur 
da, wo die Mächtigkeitsverhältnisse der Schichten eine gewisse tech- 
nische Bedeutung erhalten, wie z. B. die Mächtigkeit des abzubau- 
enden Torflagers, technisch nutzbarer Thon- und Lehmlager u. s. w., 
sind auch Profile in der üblichen Weise nach Orth anzubringen. 

Auf der Ihnen vorgelegten Karte machen sich, wie Sie sehen, 
alle hervorragenden Eigenschaften des Bodens auch in hervorragender 
Weise bemerkbar, und ich glaube hauptsächlich durch den Um- 
stand, dass der verschieden hohe Gehalt durch Gruppen feiner und 
starker Striche resp. Linien ausgedrückt wird; ein grösserer oder 
geringerer Gehalt muss sich hierbei immer markiren. 

Leider sind wir bisher noch nicht in der Lage gewesen, ein 
Gut nach dieser Methode wirklich aufzunehmen; die vorliegende 
Karte ist nur ideal, um die Methode zur Anschauung zu bringen. 
Begreiflicher Weise werden die ersten Aufnahmen, bei welchen noch 
viele Erfahrungen gesammelt werden müssen, mit hohen Kosten 
verbunden sein, so dass dieselben weder von dem Mecklenburgischen 
Geometer- Verein, noch von der Versuchs-Station Rostock getragen 
werden können. Jedenfalls würde es wünschenswerth sein, wenn 
solche Aufnahmen zunächst im Auftrage des Staates stattfänden. 

Meine Herren! Bisher haben an den geologisch-agronomischen 
Bodenkarten bereits Cultur-Techniker mitgearbeitet; ich bin der 
Meinung, dass die Herstellung landwirthschaftlich brauchbarer 
Bodenkarten überhaupt Aufgabe der Cultur-Techniker werden 
wird. Nicht allein die Karten als solche, sondern auch der grösste 
Theil der Arbeiten jsu den Karten sind zweckmässig von den Cultur- 



Heinrich. Boden- Bo aitimng und -Eartirung. 

Technikern auszuführen. Zunächst wird der Cultur-Tecl 
Flächen der verschiedenen Bodenarten auszumessen habe 
die Aufnahmen der Höhendiatanzen und Construction de 
hnien. Da die Bestimmungen der Wassercapacität und d 
lüftbarkeit an Ort und Stelle, ako auf dem Felde selbe 
führt werden müssen , so sind diese Arbeiten zweifelloE 
betrefiFenden Cultur-Techniker zweckmässig mit zu uberne 

Endlich wird er in sachverständigster Weise die Boi 
entnehmen können, deren Untersuchung nach den örtlii 
hältnissen nöthig erscheint. Nur für diese Untersuchung« 
sich mit einem Agricultur- Chemiker in Verbindung setze 

Auf die Methoden der ßodenuntersuchungen , soweit 
Cultur-Techniker zufallen (Bestimmung der Wassercapai 
Durchlüftbarkeit), mag ich heute nicht näher eingehen, d 
Zeit bereits zu lange in Anspruch genommen babe. let 
nur, dass die Untersuchungen sehr einfach sind und ii 
Tagen erlernt werden können. 

Mit der Hersteilung von landwirtksckaßlicken Bo 
wird sich Ihrer Thätigkeit ein reiches und dankbares I 
nen — dankbar, weil, wie ich glaube, durch solche K 
streitig eine Hebung der Boden production stattfinden 
welcher Fruchtbarkeit ein sonst steriles Stück Land gebraci 
kann, wenn man die richtigen Mittel anwendet, weiss ict 
Erfahrungen auf den Feldern der Rostocker Versuchs-Statio 
wärtig muss Deutschland ca. 10 "»/o seiner mittleren Getn 
aus dem Auglande beziehen. Es ist immer als eine Au 
trachtet worden, sich vom Auslande hierin unabhängig z 
und den Bedarf im Inlaude selbst zu produciren ; es w: 
sein, dieses Zehntel der deutschen Getreideernten mehr zi 
wenn in alle landwirthschaftlichen Kreise die Erkenntnise 
toren, welche die Päanzeoproduction bedingen, eindringt; 
dann erkennen, wo die Hebel einzusetzen sind, um die Pn 
fähigkeit zu heben. Die Mittel zur Verbreitung dieser Kenn 
aber die naturwissenschaftliche Bonitirung und die landw. 
licken Bodenkarten. — Zunächst wird es darauf ankomi 
practischen Nutzen solcher Bodenkarten zu zeigen und 
nur durch Musteraufnahmen grösserer Güter geschehen 
Ist es mir gelungen, Sie von der Nützlichkeit solcher Bo 
zu überzeugen, so werden Sie vielleicht heute oder spätei 
heit haben, dieses Ziel uns erreichen zu helfen. 



Nachtrag. Um wenigstens im Allgemeinen noch ein 
die betreffenden Aufnahmen für Bodenkarten zu geben , 
Bich gewöhnlich sehr umständlich und zeitraubend vorstell 
ich kurz noch folgende Bemerkungen anfügen. 

Bei der kartographischen Aufnahme der Boden ve 
kommt es zunächst nur darauf an, die Bodenverschiedenhev 
stellen, diese kommen für die vorliegenden Zwecke am sie 




224 



Vereinsangelegenheit. 



durch die Vegetationsverschiedenheiten auf den betreffenden Böden 
zum Ausdruck. Die Zeit, wo unsere Culturpflanzen ein reges 
Wachsthum zeigen, ist am geeignetsten, um Bodenverschiedenheiten 
zu erkennen. Ich entwerfe mir daher zunächst für kartographische 
Aufnahmen während der Monate Mai und Juni auf den Gutskarten 
sogenannte Vegetationsbilder^ aus welchen die Grenzen des Bodens 
mit verschieden günstiger Vegetation ersichtlich sind. Besonders 
schön lassen sich solche Vegetationsbilder im norddeutschen Schwemm- 
lande anfertigen, wo oft die üppigste Vegetation mit der dürftig- 
sten dicht neben einander vorkommt. Hier ist meistens eine Ver- 
schiedenheit an der Ackerkrume nicht zu bemerken, nur die Prü- 
fung ergiebt eine verschiedene Wassercapacität der betreffenden 
Stellen. Sind die Vegetationsbilder erst aufgenommen und in die 
Karten eingezeichnet, so können die weiteren Untersuchungen bis 
zur gelegenen Zeit verschoben werden. 

Man darf mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass alle die- 
jenigen zusammenhängenden Flächen , welche eine gleichmässige 
Vegetation zeigen, auch in ihren Eigenschaften der Anforderung 
der Pflanze gegenüber gleichmässig sind. Man hat also dann nur 
an einzelnen Stellen die einschlägigen Prüfungen auf Wassercapa- 
cität und Durchlüftungsfähigkeit auszuführen. Auch die Boden- 
proben zur chemischen Analyse brauchen nur von einzelnen solcher 
für die Vegetation charakteristischen Stellen entnommen zu werden. 

Wer in einer Gegend häufige Bestimmungen der Wassercapi- 
cität und Durchlüftungsfähigkeit ausgeführt hat, bekommt leicht 
ein Urtheil über die Grösse dieser Eigenschaften in einem ihm 
vorliegenden Boden. Die Arbeiten lassen sich dann sehr beschränken, 
denn es kann dann die Taxe dafür eintreten. Wichtig hierbei ist 
aber, dass in allen zweifelhaften Fällen an Stelle der Taxe sofort 
eine direkte Bestimmung treten kann. 



Vereinsangelegenheit. 

Neu eingetretenes Mitglied. 
Nr. 2267. Lorenz, Paul, Canalisations-Feldmesser, Berlin. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlungen: Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geo- 
dätischen Arbeiten, von Gaede. (Fortsetzung.) — Boden-Bonitirung und Kar- 
tirung, von Heinrich. Vereinsangelegenheit. 

Karlsruhe. Druck Ton Malscb & Vogel. 



■1 




225 

ZEITSCHRIFT for VERMESSUNBSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkang von C. Steppea, Steuerassessor in München, und 

B. Oerhe, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. TT. Jordan^ Professor in Hannover. 

1885. HelU 12. Band XIT. 

16. Juni. 



Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch- 
geodätischen Arbeiten. 

Nach Original-Materialien bearbeitet von Gaede, Hauptmann ä la suite des 
Generalstabes und Vermessungs-Dirigent bei der Trigonometrischen Abtheilung 

der Landes -Aufnahme. 

(Schluss.) 

IV. 

Die Nothwendigkeit einer erneuten Triangulation in Hannover und die 
Anlage der in der Bearbeitung befindlichen Hauptdreiecks-Systeme 
der Trigonometrischen Abtheilung. 

(Hierzu Tafel VI.) *) 

Nicht selten hat Verfasser beim Rekognosciren in der Provinz 
Hannover hören müssen: >das bat ja aber vor 50 Jahren Gauss 
schon Alles gemacht!« Und wenn die Leute recht aufrichtig waren, 
wie in Ostfriesland, fassten sie den Ausdruck ihrer Verwunderung 
auch wohl schärfer, um durchklingen zu lassen, es läge doch eine 
gewisse Ueberhebung darin , etwas ebenso, gut oder gar besser 
machen zu wollen, als Gauss es überhaupt schon gemacht hätte. 

Nichts hat bei der Erneuerung der Triangulation in Hannover 
femer gelegen, als die Absicht, Gauss Konkurrenz zu machen. Diese 
Erneuerung ist eine Nothwendigkeit, weil die frühere Hannoversche 
Landes- Vermessung für die jetzt verfolgten Zwecke nicht ausreicht, 
und weil Gauss' persönliches Werk, die Gradmessung, im Wesent- 
lichen nur noch auf dem Papier existirt. Uebrigens aber entspricht 
in der That den gesteigerten Anforderungen der Neuzeit aucli eine 
Vervollkommnung der Mittel aller Art, welche es möglich und 
deshalb geboten erscheinen lässt, praktisch etwas Einheitlicheres 
und Vollendeteres zu schaffen, als dem grossen Meister theore- 
tischer Spekulation die Grenzen seiner Zeit und seiner Person ge- 
statteten. — 



*) Tafel VI. wird mit Heft 13 am 1. Juli versendet werden. 

Zeitschrift för VermessungsweseD. 1885. 12. Heft. 15 



A 



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226 Gaede. BeitrMge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

Die Zwecke der neuen geodätischen Arbeit sind in dem > allge- 
meinen Plan zur Ausführung der Triangulation der sechs östlichen 
Provinzen des Preussischen Staates < ausgesprochen, auf Grund 
dessen im Jahre 1865 die Triangulation gesetzlich angeordnet 
wurde 1). Es heisst darin 2): >Die projektirte Triangulation soll 
durch die Trigonometrische Abtheilung des Generalstabes in solcher 
Weise zur Ausführung gelangen, dass das aus ihr hervorgehende 
Dreiecksnetz für alle Zeiten genügt, um für Detail-Vermessungen 
und Kartirungen in jedem erforderlich erscheinenden Massstabe als 
hinreichend sichere Grundlage zu dienen, so wie für wissenschaftliche 
Untersuchungen mannigfacher Art geeignete Elemente zu liefern. < 

> Damit die für die Detailvermessung noth wendigen Grundlinien 
leicht abgeleitet werden können, ist höheren Orts festgesetzt wor- 
den, dass pro Quadratmeile mindestens 8 bis 10 Punkte trigonome- 
trisch bestimmt werden sollen. < 

>Um die Triangulation für alle Zeiten nutzbar zu machen, und 
Wiederholungen der Messung zu ersparen, ist vorgeschrieben, dass 
jeder trigonometrische Punkt durch dauerhafte Versteinurg auf dem 
Terrain festzulegen ist.< 

In Beziehung auf das Mass der Genauigkeit > erscheint ange- 
messen, dass die Triangulation nicht nur dem zunächst für die Auf- 
nahmen beabsichtigten Massstabe von Vsooo Genüge leistet, son- 
dern dass selbst für etwa nothwendig erscheinende Aufnahmen in 
noch grösserem Massstabe (bis zu ^/gooo) das Dreiecksnetz immer 
noch eine hinlänglich genaue Grundlage bietet.« 

> Dieser Anforderung wird vollkommen entsprochen, wenn man 
für die kleinsten Dreiecke die Grenze des wahrscheinlichen Fehlers 
auf ^25 000? die analoge Fehlergrenze der Dreiecke zweiter Ord- 
nung auf V50000J die der Hauptdreiecke auf Vioo 000 festsetzt. 
Werden diese Fehlergrenzen nicht überschritten, so erscheint die 
Genauigkeit der Triangulation für alle oben bezeichneten Zwecke 
mehr als genügen d< . . . 

>Die Trigonometrische Abtheilung hält sich nicht für ermäch- 
tigt, ihrem Auftrage ferner liegende wissenschaftliche Untersuchungen 



^) Dies Gesetz datirt vom 7. Oktober 1865. — Die Ausdehnung der 
Triangulation über den ganzen umfang der Monarchie ist dann durch Gesetz 
vom 7. April 1869 angeordnet. — Ende der 1870ger Jahre wurde ferner — 
(Behufs Herstellung einer Karte des deutschen Reiches im Massstabe 1 : 100000) 
-- mit den kleineren deutschen Staaten vereinbart, dass auf ihrem Gebiet die 
für diesen Zweck nöthige trigonometrische Grundlage (Haupt-Triangulation 
und Triangulation zweiter Ordnung; 2—3 Punkte pro Quadratmeile) Seitens 
des preussischen Generalstabes hergestellt werden soll, während eine weitere 
Detail-Triangulation nur auf besonderen Antrag dieser Staaten ausgeführt 
wird. Im Reicbslande Elsass-Loth ringen ist eine neue Haupt- und Detail- 
Triangulation Seitens der Trigonometrischen Abtheilung in den Jahren 1875 
bis 1882 hergestellt worden. Bayern, Württemberg, Sachsen und Baden haben 
ihre besondere Triangulation. 

^) Der „allgemeine Plan pp." ist veröflPentlicht in der Einleitung der 1867 
von dem damaligen „Bureau der Landes-Triangulation" herausgegebenen „Tri- 
angulation der Umgegend von Berlin". 




Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 227 

zur Ausführung zu bringen .... Für jede wissenschaftliche Unter- 
suchung, über die Form der Erdoberfläche, über die veränderliche 
Wirkung der Schwere und der magnetischen Richtkraft etc. etc. 
wird das einmal gewonnene trigonometrische Netz zu jeder Zeit 
benutzt werden können, da die trigonometrischen Punkte mit einer 
grösseren, als der zu solchen Untersuchungen erforderlichen Schärfe 
bestimmt und auf die solideste Weise im Terrain festgelegt sind.« 

Die topographischen Zwecke sind also unter denjenigen, welchen 
die jetzige Triangulation überhaupt dienen soll, die allerniedersten ; 
für sie allein würde ein sehr viel geringerer Grad von Schärfe in 
den Messungen (und entsprechend ein geringerer Aufwand von Ar- 
beit, Zeit und Geld 3) ausreichend sein, als nach dem obigen Plane 
beabsichtigt und bei der Ausführung erreicht wird. Nach der im 
Jahre 1872 erfolgten Centralisirung der Vermessungen*) im preus- 
sischen Staate bildet die Seitens des Generalstabes auszuführende 
Triangulation aber auch die gesetzliche Grundlage s) für Kataster- und 
Forst- Vermessungen, Bergbau, Strassenbau, Wasserbau, Meliorationen 
aller Art, Küsten Vermessung, hydrographische und geologische Ar- 
beiten und dergl. mehr. Die Trigonometrische Abtheilung ist also 
weit davon entfernt, ausschliesslich militärischen Zwecken zu 
dienen: sie ist militärisch organisirt, aber sie arbeitet für die ver- 
schiedensten Staatsdienstzweige und für die wissenschaftliche For- 
schung. 

Dass allen diesen erweiterten und gesteigerten Anforderungen 
die frühere hannoversche Landes- Vermessung nicht genügen«) kann, 



^) Die topographische Aufnahme Seitens des Generalstabes geschieht im 
Massstabe 1:25 000. Bei dieser Verjüngung, in welcher das Meter der»natür- 
lichen Abmessung als ^jib Millimeter erscheint, würde mit Rücksicht auf die 
Mittel graphischer Darstellung und Vervielfältigung eine Bestimmung der 
trigonometrischen Punkte, welche auf etwa 4 Meter genau ist, mehr als ausreichend 
sein. — Verfasser hat im Winter 1880/81 in drei Monaten eine Triangulation 
auf c. 20 Quadratmeilen der Provinz Attika hergestellt , welche bei der 
inzwischen (im Auftrage des deutschen archäologischen Instituts) ausgeführten 
topographischen Aufnahme in 1 : 25 000 durchaus hini-eichend gewesen ist. 

*) Das Central-Direktorium der Vermessungen im Preussischen Staate, 
unter Vorsitz des Chefs des Generals tabes der Armee, zählt zu seinen stän- 
digen Mitgliedern Kommissare des Finanz-Ministeriums, des Ministeriums für 
öffentliche Arbeiten, des Kultus-Ministeriums, des Ministeriums für die land- 
wirthschaftlichen Angelegenheiten, Domainen und Forsten, des Kriegs-Ministe- 
riums, des Generalstabes und der Admiralität ; ausserdem ist das Ministerium 
des Inneren zur Entsendung von Kommissaren berechtigt. 

') In den „Bestimmungen über den Anschluss der Spezialvermessungen 
an die trigonometrische Landes- Vermessung, laut Beschluss des Central-Direk- 
toriums der Vermessungen im Preussischen Staate vom 29. Dezember 1879" 
heisst es im §. 1 : „Jede im Auftrage oder unter der Leitung von Staats- Be- 
hörden ausgeführte Spezial- Vermessung (Neumessung), welche in geschlossener 
Lage einen Flächenraum von hundert Hektaren oder mehr umfasst, muss an 
die Detailtriangulation der Landes- Aufnahme angeschlossen werden." 

®) Sie genügt auch quantitativ nicht. Damals wurden nur c. ?> Punkte 
pro Quadratmeile — incl. der inzwischen meist verloren gegangenen hölzernen 
Signalpfähle — bestimmt, während jetzt mindestens 9 — 10 Punkte auf dem 
gleichen Flächenraum gefordert werden. — Uebrigens sind auch die vor 1865 

15. 






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9^8 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

^|; dafür wird es, nach den Ausführungen des vorigen Aufsatzes, eines 
besonderen Beweises nicht mehr bedürfen. Wir wenden uns daher 
weiter zur Gradmessung, um zu konstatiren, dass sie im Terrain 
im Wesentlichen verschwunden ist. 

Gauss hat auf die Erhaltung seiner Dreieckspunkte durch 
sichere und dauernde Bezeichnung in der Erde leider gar keinen 
Werth gelegt : ob ihn mehr die hierauf zu verwendende Mühe oder 
der Mangel an finanziellen Mitteln davon abgehalten hat, mag da- 
hingestellt bleiben. Unter den Folgen dieser Unterlassung hat er 
selbst schon zu leiden gehabt. Im Winter 1821/22 wurde das höl- 
zerne Signal auf dem Hohehagen zerstört ; im Anschluss an diese 
Mittheilung schreibt er an Bessel 7) : >ich werde glücklich sein, wenn ich 
nur den Punkt mit hinreichender Schärfe wiederfinden kann <. Ferner 
heisst es in dem Promemoria ®) vom 7. Januar 1824 über die 
Ausdehnung der Gradmessung bis zur Seite Jever- Varel: >Die 
Gründe, welche der Doktor Olbers für eine möglichst baldige Aus- 
führung vorbringt, beruhen blos auf ökonomischen Rücksichten 
und bedürfen keiner Erläuterung. Aber das darf nicht unerwähnt 
bleiben, dass eine Verschiebung derselben ihre Möglichkeit gefähr- 
den kann. Da die neuen Operationen natürlich von den bisherigen 
Dreieckspunkten ausgehen müssen, und diese grösstentheils (oder 
vielmehr rücksichtlich derer, welche hiebei in Frage kommen, alle) 
in steinernen Postamenten bestehen, die sämmtlich muth willigen 
Beschädigungen blossgestellt, und wovon manche, trotz der nach- 
drücklich geschärften Verbote der betreffenden Amtsbehörden, bereits 
wirklich mehr oder weniger beschädigt sind, so darf man sich die 
Möglichkeit, um nicht zu sagen Wahrscheinlichkeit nicht verbergen, 
dass nach Jahr und Tag vielleicht dieses oder jenes Postament 
ganz zerstört und ^Iso der Dreieckspunkt so gut wie ganz verloren 
sein könnte. < 

Von den Bezeichnungen seiner >Dreieckspunkte< und > Heliotrop- 
Plätze« auf den Postamenten •) — um bei diesen zunächst zu bleiben 
— hat Gauss selbst gleichfalls eine längere Dauer nicht erwartet. 
So schreibt er an Schumacher ^ö), als dieser im August 1823 von 
Hohenhorn aus die Punkte Wilsede und Nindorf einstellen sollte, 
auf denen Gauss im September und Oktober 1822 bezw. Juni 1823 
beobachtet hatte: >Auf den Steinen werden die eigentlichen Dreiecks- 
punkte noch recht gut zu erkennen sein und zugleich die Kreise, in welche 



in Preussen gemessenen Dreiecke zweiter Ordnung verworfen worden, weil 
sie, nur fur topographische Zwecke gemessen, den neuen Anforderungen nicht 
genügten. 

^) Briefwechsel mit Bessel Seite 395. 

^) Ungedruckt ; das Original befindet sich bei den hannoverschen Mini- 
sterial-Akten. 

®) Die Postaraente waren, wie aus den später ausführlich mitgetheilten 
Notizen hervorgeht, durchschnittlich 1.0 bis 1.2 m hoch und hatten annähernd 
quadratischen Querschnitt von 0.4 bis 0.6 m Seitenlänge. 

*°) Briefwechsel mit Schumacher Band I., Seite 320. 



Gaede. Beitrüge zur KenntniBe von Gaubb' praktisch-geod. Arbeiten. 229 

die Heliotropspitzen i>) zu stehen kommen. Sollte dies aber nicht 
der Fall seyn, bo ist in Wilaede das Centrum des Stein-Quadrats 
als Dreieckspunkt aozuoehmen; in Nindorf hingegen ist der Drei- 
eckspunkt 10.5 mm östlich, 6.0 mm südlich vom Centrum zu setzen, 
wenn man die Seitenflächen von N. nach S, oder von 0. nach W. 
j^ehend betrachtet (was eigentlich nicht genau ist, da die Orieuti- 
rung 20° abweicht).« 

Aus vereinzelten Notizen in den Beobachtungs-Joumalen ist zu 
scMiessen >>), dass im Allgemeinen die Dreieclfspunkte in den Mitten 
der Oberflächen der Postamente (Schnittpunkt der Diagonalen) ge- 
legen haben und dass Dreieckspunkt und Heliotropplatz identisch i>) 
gewesen sind: indessen ist aus den angeführten Stelleo über Nin- 
dorf, Hauselberg und Garssen ersichtlich, dass dies nicht ohne 
Weiteres für jeden einzelnen Fall angenommen werden darf Ob 
zur Bezeichnung der Dreiecksp linkte noch andere Marken, als die 
für (etwaige identische) Heliotropplätze angewandten, gedient haben 
(wie z. B, Kreuzschnitt oder Loch im Stein oder auf einem in die- 
sen eingelassenen Metall-Bolzen), ist aus den Beobachtungs-Jour- 
nalen nicht zu ersehen ; diese, an und für sich schon nicht sehr 
übersichtlich, behandeln Alles, was sich auf die Beschreibung der 
Beobachtungs- Einrichtung; und die Bezeichnung der Stations-Punkte 
bezieht, nur ganz nebenher in flüchtigen und zerstreuten Notizen. 

Zu Anfang der 1860ger Jahre sind nun durch hannoversche 
Generalstabsoffiziere Punkte sowohl der Gradmesaung, als auch der 
Landes-Vermessung aufgesucht und durch Steine von verschiedener 
Form und Grösse in der Erde neu bezeichnet worden. Man findet diese 
Steine, deren Inschriften häutig auch das Jahr der Wiederheratel- 
lungs-Arbeit angeben, jetzt vielfach in der ganzen Provinz Hanno- 
ver: dass aber durch eine solche nachträgliche Bezeichnung die 
Identität der Dreieckspunkte keineswegs absolut verbürgt wird, ist 

") Gauss schrieb an Schumttcber im Juni 1825 (Briefwechsel Band II., 
Seite 2ü), ata dieser in Neuwerk für ihn einen (von Langwarden her anzu- 
schneidenden) Heliotropen etablirett noUte ; „Ich aelbst pfiege in ähnliehen 
Fällen darcb die drei FuaaspiUen (nämlich des Heliotrops) einen Krei« zu 
beschreiben, dessen Centrum als Zielpunkt betrachtet wird. Bei meinen 
beiden neuesten Heliotropen ist noch das Centrum selbst durch eine Spitze 
bezeichnet, welches viel Bequemlichkeit verschafft." — In der Laterne des 
Kirchthurmes von Zeven ist auf einem hölzernen Balken die Bezeichnung eines 
Heliotrop-Platzes zweifellos erbalten. 

") Im Beohachtungs- Journal pro 1822 steht bei den Beobachtungen auf 
Hause! berg : „Der Theodolith konnte der zu kleinen DJmenFionea deB Steines 
wegen nur excentrisch aufgestellt werden. Er war vom Centrum des Steines 
entfernt 17.2 mm im Azimuth 309° 37' 36"," Ferner steht bei Garssen : „Wegen 
der zu kleinen Dimensionen des Postaments musste der Theodolith etwas 
verschieden vom Heliotrop -Fl atz aufgestellt werden." 

") GauBB hat, wie in Aufsatz IL dargestellt wurde, nicht durchweg 
Heliotrope als Einstellungsohjekte benutzt, sondern vielfach — hei kürzeren 
Entfernungen oder wenn das Personal zur Lenkung der Heliotrope nicht aus- 
reichend vorhanden war — auch auf die Postamente seibat pointirt. Um Ceotri- 
ruQgenzu vermeiden, lag es daher nnmittelbar nahe, die Mitte des FoBtaments, 
den Dreieckspunkt (Theodolit-Platz) und den Heliotrop-Platz identisch zu machen. 




230 Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gaass' praktisch-geod. Arbeiten. 

— wie bezüglich der Gradmessungs- Punkte spezieller ausgeführt 
wurde — schon in der Mangelhaftigkeit der ursprünglichen Be- 
zeichnung bezw. der schriftlichen üeberlieferung begründet. 

Es soll nun in der nachstehenden Tabelle nachgewiesen wer- 
den, welche von den 22 durch Postamente bezeichneten Punkten 



Nr. 


Name des Panktes. 


Beobachtet. 


Angaben der ^eobachtangs-Journale 
über die Postamente. 


1. 

2. 

3. 

4. 
5. 

6. 


Inselsberg, hes- 
sischer Drei- 
eckspunkt 


1821 Encke 
1823 Gerling 


(Gerling's Publikation Seite 6.) Stein 

2 Fuss im Quadrat, 3 Fuss über und 

3 Fuss unter der Frde, auf Steinfun- 
dament ruhend. — Eingehauenes 
Kreuz bezeichnet Standpunkt des In- 
struments. — Inschrift des Steines 
F. H. V. G. 


Hohehagen 


1821 (3) 
1823 (7) 


Ausser dem hölzernen Signal (dessen 
Höhe — 11.68 m, horizontaler Durch- 
messer =3.62 m) war ein Postament 
aus Stein vorhanden. Nähere Beschrei- 
bung fehlt. 

1821 wurde in zwei, 1823 in einem 
dritten Platz beobachtet. 


Hils 


1821 (4) 


Ausser dem hölzernen Signal (bis 
zur „Basis des Daches^ 8.93 m hoch) 
war ein Postament vorhanden, 1.084 m 
hoch. 

1» 


Lichtenberg 


1822 (1) 


Fehlt. 


Deister 


1822 (2) 


Fehlt. 


Garssen 


1822 (3) 


Wegen der zu kleinen Dimensionen 
des Steines musste der Theodolit et- 
was verschieden vom Heliotrop-Platz 
aufgestellt werden. 

Höhe des Steines 0.9985 m. 




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Gaede. Beiträge zur Eenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 231 

der Gradmessung (Inselsberg ist darin mit einbegriffen) erhalten 
sind. Die Nachforschungen nach diesen Postamenten haben, bei 
Gelegenheit der neuen trigonometrischen Arbeiten in Hannover, 
zum grössten Theil in den letzten drei Jahren durch den Verfasser 
stattgefunden. 



Jetzt aufgefunden. 


Resultat. 


Bemerkungen. 


Stein 0.83 m hoch, 0.52 m 
im Quadrat-Schnitt. — In- 
schrift F. H. V. G. — Loch mit 
Kreuzschnitt auf der oberen 
nicht ganz horizontalen 
Fläche. 


Original 
erhalten. 


Die Lage des Steines gegen 
das jetzige Centrum der Sta- 
tion Inselberg (Leuchtbolzen 
in steinernem Pfeiler auf dem 
Aussichtsthurm) ist durch 
Centrirung 1880 ermittelt. 

Entfernung — 32 m. 


1873 wurde (Gradmessungs- 
bericht 1873, Seite 20) Gauss' 
Stein umgestürzt neben einem 
Steinbruch gefunden ; 1880 
war er bei weiterer Ausdeh- 
nung des Steinbruches ver- 
schwunden. 


verloren. 


Gauss' Platz 3 wurde 1880, 
als auf dem Punkt Hohehagen 
des Göttinger Basis-Netzes be- 
obachtet wurde, nach Thurm- 
beobachtungen auf einige cm 
genau rekonstruirt. 

Entfernung = 41 m. 

1885 im Mai fiel er schon 
28 m in den inzwischen erwei- 
terten Steinbruch. 


Auf einem Stein -Funda- 
ment in der Erde steht ein 
Stein-Pfeiler von 0.55 m Seite 
I.IO m aus dem Boden; in 
der Mitte der Oberfläche be- 
findet sich ein Kreuzschnitt. 

Es wurde durch Nachfrage 
festgestellt, dass 1850 der ur- 
sprÜDgliche Stein aus Un- 
kenntniss entfernt und zu an- 
derem Zwecke verwandt ist, 
und dass dann 1851 ein neues, 
ähnliches Postament annä- 
hernd auf dieselbe Stelle ge- 
setzt wurde. 


verloren. 


Das Kreuz auf dem Stein 
ist als Centrum der Station 
Hils (Zwischenpunkt der 

Hannoversch - Sächsischen 
Kette) beibehalten. — Durch 

Rekonstrukt ions- Versuche 
konnte nur festgestellt wer- 
den, dass das Gauss'sche Po- 
stament auf demselben Fun- 
dament, wie der jetzige Stein 
gestanden hat: eine schärfere 
Rekonstruktion des Dreiecks- 
punktes war nicht möglich. 


Nichts. 


verloren. 




Sandstein 0.50 m aus Erde, 
Seite 0.15. — Umschrift: 

Kön: Mann: Land: Verm: 
1822. 1828. 
ohne Centrums- Marke. 


nicht 
original. 


Der jetzige Hauptpunkt auf 
dem Deister-Gebirffe liegt c. 
6 Kil. weiter nach Westen in 
der Nähe des Punktes Deister 
11 der Landes-Vermessung. 
(Annathurm.) 


Nichts. 


verloren. 


Gauss' Punkt wurde 1880 
durch Rückwärts -Einschnitt 
auf c. 10 cm genau rekon- 
struirt, aber nicht dauernd be- 
zeichnet. 

Der jetzige Dreieckspunkt 
Garssen (Zwischenpunkt der 

Hannoversch - Sächsichen 
Dreieckskette) liegt etwa 3 m 
davon entfernt. 



Ä 




232 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 



Nr. 


Name des Punktes. 


Beobachtet. 


Angaben der Beobachtungsjournale 
über die Postamente. 


7. 

8. 

9. 

10. 
11. 

12. 


Falkenberg 


1822 (4) 
1824 (1) 


Höhe des Steines über der Erde 
1.050 m. 

1 


Hauselberg 


1822 (5) 


Der Theodolit konntfe der zu kleinen 
Dimensionen des Steines wegen nur 
excentrisch aufgestellt werden. 


Breithorn 


1822 (6) 


Nichts. 


Wulfsode 


1822 (7) 


Durchmesser des Steines oben 
von S. nach N. 0.417 m 
von 0. nach W. 0.419 m 

Höhe von der unteren Steinlage an 

1.142 m. 


Wilsede 


1822 (8) 
1824 (2) 


Höhe des Steines 1193 mm 
Seite SO. -NW. 402 mm 
SW.— NO. 395 mm. 


Scharnhorst 


1822 (9) 


Durchmesser des Steines in der 
Richtung nach Garssen 0.406 Di»..iJi 
der darauf senkrechten 0.405 m, Höhe 
des ganzen Steines 1.149 m, des obe- 
ren Aufsatzes 0.509 m. 



... -»Cj.?. 1 



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Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 238 



Jetzt aufgefunden. 


Resultat. 


Bemerkungen. 


Sandstein - Pfeiler 1.04 m 
hoch , quadratischen Quer- 
schnittes von 0.29 m Seite. — 
Umschrift : 

Königl: Hanno: Lands: Verm: 
1822. 1824. 

Auf dem Pfeiler ist mittelst 
eines Metall - Bolzens eine 
0.125 m dicke Sandsteinplatte« 
quadratisch, 0.435 ra Seite be- 
festigt. — Der Metallbolzen 
hat in seiner Mitte eine kleine 
Ausbohrung. 


wahr- 
scheinlich 
nicht 
original. 


Gauss' Postamente sind 
wahrscheinlich nicht mit einer 
über einen schmaleren Pfeiler 
überstehenden Platte versehen 
gewesen, sondern hatten von 
oben bis unten gleichen Quer- 
schnitt. — Die Ausbohrung 
in dem Metallbolzen ist das 
Centrum der Station Falken- 
berg der Hanno v^ersch-Säch- 
sichen Kette. 


Sandstein - Pfeiler 1.16 m 
hoch, quadratischen Quer- 
schnittes von 0.29 m Seite. 
— Umschrift: 
Eönigl: Hanno: Lands: Verms: 

1828. 
Auf dem Pfeiler Sandstein- 
platte, 0.12 m dick, quadra- 
tisch, 0.44 m Seite. 

Messingbolzen mit Ausboh- 
rung wie bei Falken berg. 


wahr- 
scheinlich 
nicht 
original. 


Die Jahreszahl 1828, die 
Dimensionen der Platte, die 
tisch-artige Form des ganzen 
Postamentes sprechen gegen 
die Originalität. 


Kleiner Sandstein - Pfeiler 
0.42 m aus der Erde, quadra- 
tischen Querschnittes von 
0.14 m Seite. Ohne Centrum s- 
Bezeichnung. — Umschrift: 

Kön: Han: Land; Verm: 
1828. 


nicht 
original. 


Stein steht jetzt in dichter 
Kiefern-Schonung. 


Nichts. 


verloren. 




Sandstein - Pfeiler 1.12 m 
hoch, quadratischen Quer- 
schnittes von 0.28 m Seite. — 
Umschrift: 
Eönigl: Hannov: Landes: Vermssg 

1828 
Darauf Sandsteinplatte 0.12 m 
dick , quadratischen Quer- 
schnittes von 0.43 m Seite. 

Platte halb zerbrochen; auf 
Pfeiler drehbar um einen 
die Mitten verbindenden Me- 
tallbolzen. -- Centrum nicht 
scharf. 


nicht 
original. 


Die Lage des Postamentes 
gegen das jetzige Centrum 
der Station Wilsede (Eibkette) 
wurde durch Centrirung be- 
stimmt. 

Entfernung = 4 m. 


Nichts. 


verloren. 





A 



i — ■ .-'w; 




>»« 



234 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 



|Nr. 

! 


Name des Punktes. 


Beobachtet. 


Angaben der Beobachtungsjournale 
über die Postamente. 


1 

13. 
14. 

15. 

16. 

17. 
18. 

19. 

! 

20. 


Timpenberg 


1823 (1) 


Höhe des Steines über dem Absatz 
1.227 m. 
Seiten 214 bezw. 212 mm. 


Nindorf 


1823 (2) 


Höhe des Absatzes 300 mm; der 
Absatz steht vor 40 mm. 

Höhe Breite 
W. 927 489 
N. 930 481 
0. 931 490 
S. 934 481. 


Elmhorst 


1824 (2) 


Höhe des Steines 1.204 m. 
Seite 0.493 m. 


Bullerberg 


1824 (3) 


Höhe des Steines 1.087 m. 
Seite 0.510 m. 


Bottel 


1824 (4) 


Höhe des Steines 1.212 m. 
Seite 0.445 m. 


Brüttendorf 


1824 (5) 

1825 (2) 


Höhe des Steines 1.196 m. 
Seite 0.439 m. 


Garlste 


1824 (7) 

1825 (4) 


Höhe des Steines 1.140 m. 
Seite 0.480 m. 


Brillit 


1824 (8) 

1825 (9) 


Höhe des Erdaufwurfes, auf dem 
das Postament steht, 1.933 m. 

Höhe des Steines 1.076 m; Seite 
nach Garlste 0.476, senkrecht 0.467 m. 


21. 

1 
1 

i 

22. 


Steinberg 


1824 (10) 


Nichts. 


Litberg 


1824 (11) 


Höhe des Steines 1158 mm; Seite in 
der Richtung Wilsede 468 mm, in der 
darauf senkrechten 470 mm. 



Gaede. Beiträge zur KeDntniss von Gauss' pn 



Jetzt aufgefunden. 


Resultat. 




Nichts. 


verloren. 




0.48 m aus der Erde, quadra- 
tische a Qaerechnittes von 
von O.Um Seite. Ohna Cen- 
truma-Bezeichnung. 

Umschrift: 

Kön: Hann: Land: Verm: 
1828. 


nicht 
original. 


J 
dei 
11. 
fer 


Nichts. 


verlören. 


de! 
(er 
ob; 
de: 


Nichts. 


verloren. 


Gb 

i 


Nichts. 


verloren. 




Nichts. 


verloren. 


de 
fei 


Sandstein - Pfeiler 1.20 m 
über Boden, quadratischen 
Qaerechnittes von0.28mSeite. 
— Kleine Einbohrung in 
Mitte der oberen Fläche. — 
ümachrift: 

Eönigl: Hannovr: Landes: 

Vermessg: 

1828. 


nicht 
original. 


fei 
tri 


Nichts. 


verloren. 


lie 
de 


Anf einer künstlichen Bo- 
den-Erhöhung, die mitGraben 

umzogen ist, sieht ein Sand- 
stein-Pfeiler 0.50 m aus der 
Erde. Querschnitt quadra- 
tisch von O.U ra Seite. - 
Ohne Centrums-Beztichnung. 
- Umschrift: 

Kön: Han.- Land: Verm: 
1663. 


nicht 
original. 


W 

de 
fü 
da 

tr: 


Nichts. 


verloren. 


El 



236 Goede. Beitrage zur Eenotnise von Gauaa' praktisch-geod. Arbeiten. 

Wir ziehen aus dieser detaillirten NachweiBung das Gesammt- 
Resultat: Von allen Gauss'scheu Dreieckepunkten, welche auf 
Postamenten lagen, ist auch nicht ein einüger mehr durch absolut 
glaubwürdige Bezeichnung im Terrain erhalten. 

Von den übrigen 10 Dreieckspunkten der Gradmessung (excl. 
der dänischen Anschlusspunkte Hamburg und Hohenhorn) haben 8 
auf Thürmen und 2 auf sonstigen Baulichkeiten (Sternwarte, Meri- 
dianzeichen) gelegen. Auf den Thürmen ist Gauss' >Dreieckspurikt< 
(heutzutage meist >Centrum der Stattom genannt) mit Ausnahme 
von Lüneburg überall die Achse des Theodoliten (Theodolitplatz) 
gewesen, für welche eine direkte Bezeichnung nur in einem FaUe, 
nämlich in Zeven, erhalten ist. Ausserdem hat Gauss in der Regel 
durch Centrirungs-Messungen die Lage des > Dreieckspunktes< gegen 
einen oder mehrere Gehäudetheile — meistens Thurmkoopf oder 
höchste Spitze des Tburnies, gelegentlich aber auch noch Laternen- 
pfeiler, Centrum des Thurmes u. A. — bestimmt. Von diesen Ge- 
bäudetheilen also, so weit sie noch erhalten sind, müssen die Drei- 
eckspunkte rückwärts wieder abgeleitet werden, i*) Nun sind aber im 
Allgemeinen Dreiecks punkte auf Tiiürmen, welche — in diesem Falle 
noch dazu indirekt — nur durch Gehäudetheile bezeichnet werden, als 
besonders verwundbar anzusehen : ihre Identität muss in späterer 
Zeit in jedem einzelneu Falle erst mit grosser Vorsicht festgestellt 
werden. Umbauten oder Reparaturen, die in der Zwischenzeit aus- 
geführt wurden, sind in dieser Beziehung um so gefährlicher, als 
es häufig schwer ist, nachträglich auch nur diese Thatsache sicher 
festzustellen ; aber auch ohne derartige umfassende Aenderungen 
kann sich sehr wohl im Laufe von Jahrzehnten die Lage eines 
Thurmknopfes oder einer Helmstange um ein ganz beträchtliches 
Mass ändern. Um einen derartigen Dreieckspunkt dauernd zu 
sichern, ist es uothwendig, nicht nur in den Messungs-Akten mit 
peinlichster Deutlichkeit, unter Beifügung einer genauen Zeich- 
nung 15), den Punkt, auf welchen sich die Messungen bezogen haben. 

'*) Die Rekonatruktion von Dreieckspankten auf Grund der GauBs'echeD 
Neben mesBUDgeu nach nahen Thürmen, Schornetemeu, Windmühlen und soa- 
Btigen eingestellten Objekten hat ihre lebhaften Bedenken. Gauas hat, wie 
dies im Aofaat! IH. ausgeführt ist, diese Einstellungen nur ganz nebenher 
gemacht, meist in Momenten, die für Anetellung von Haupt win kel-Measungen 
nicht geeignet waren. Die betrefl'enden Objekte, deren Identität in den meieten 
Fällen zweifelhaft sein wird und erst jedesmal besonders festgestellt werden 
müeste, sind fast durchweg nur einmal eingestellt. Die Aufzeichnungen in den 
Mess unge- Journalen aber enthalten ganz auffallend viele Fehler, theils Ab- 
lesungs- und Rechen -Feh 1er, theils vielleicht auch Schreibfehler. Wer einni»! 
praktisch mit Gaoss'schen Abrissen (und auch mit den Koordinaten des «All- 
gemeinen Verzeichnisses") gearbeitet hat, dem wird diese Erfahrung nioli' 
erspart geblieben sein. Vergl. übrigens auch die im Aufsatz III. aus desi 
Schreiben des General von Sichart 1859 citirten Stellen und die vielfachen 
Berichtigungen von Irrthiimern im Briefwechsel mit Schumacher Band I. und II. 

'") Die Mittel präziser Ueberlieferung sind in neuerer Zeit durch die 
Photographie vermehrt worden. Die Trigonometrische Abtheilung besitit 
einen eigenen photographischen B eise- Apparat, mittelst dessen durch die hei 
der Hanpt-Triangulation beschäftigten Offiziere und Beamten Aufnahmen aller 




Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 237 

zu beschreiben, sondern auch besondere, sichere Marken (metallene 
Bolzen in den unteren Theilen des Mauerwerkes, in die Erde ver- 
senkte Festlegungssteine am Fuss des Gebäudes oder dergl.) anzu- 
bringen und deren Lage zum Dreieckspunkt durch lokale Messungen 
zu fixiren. 

Von alle dem findet sich bei Gauss Nichts. Es erfordert mei- 
stens erst ein ganz besonderes Studium und mühsame Kombination, 
um aus den Beobachtungs-Journalen herauszubringen, was Gauss 
mit seinen lokalen Bezeichnungen und Messungen eigentlich geraeint 
und bezweckt hat. Besondere, für längere Dauer berechnete Mar- 
ken scheint er nirgends angebracht zu haben ; wenigstens sind dar- 
über weder Notizen gegeben, noch sind bei sorgfältigem Nachsuchen 
irgend welche entsprechende Funde gemacht worden. Man wird 
daher nicht umhin können, die Identität aller derjenigen Dreiecks- 
punkte, welche nur durch Gebäudetheile resp. ihre Beziehungen zu 
diesen erhalten sind, so lange anzuzweifeln, als sie nicht in jeden» 
Falle besonders bewiesen ist. 

Es würde zu weit führen, hier jeden einzelnen der 10 in Rede 
stehenden Dreieckspunkte ausfuhrlich zu behandeln. Wir beschrän- 
ken uns darauf, die Resultate zum Theil sehr ausgedehnter For- 
schungen summarisch darzustellen und in Kürze zu erläutern. 

1. Es sind durch Umbau der betreffenden Baulichkeiten de- 
finitiv verloren die Dreieckspunkte Brocken, Bremerlehe, Varel und 

Langwarden. 

Auf dem Brocken beobachtete Gauss auf einem hölzernen Thurme 
von 10.9 m Höhe, welcher aus dem Dache des alten Brocken-Hauses her- 
ausgebaut war. Dreieckspunkt war die Achse des Theodoliten, welche, 
nicht identisch mit der Mitte des Thurmes, in ihrer Lage gegen dieselbe 
bestimmt wurde. — Thurm und Haus gingen durch Brand verloren ; ein 
neuer steinerner Thurm wurde an einer anderen Stelle errichtet. — Aus 
den Ueberresten des alten Fundaments ist zwar der Gauss^sche Dreiecks- 
punkt rekonstruirl ; es liegt aber in der Natur des hierfür disponiblen 
Materials, dass diese Rekonstruktion nicht als ausreichend scharf ange- 
sehen werden kann. — Vergl. das „Hessische Dreiecksnetz** des geodä- 
tischen Instituts. Seite 7, 8. 

Der Kirchthurm von Bremerlehe hatte 1825 auf einem mas- 
siven Unterbau eine hölzerne Spitze und in dieser eine Laterne, in welcher 
Gauss, 20.8m über dem Kirchhof, beobachtete. Dreieckspunkt war die Achse 
des Theodoliten; die Lage des Knopfes und der Ränder der Laternen- 
pfeiler wurden durch Centrirungs - Messungen bestimmt. — Nach einer 
Mittheilung aus den Kirchen-Akten ist der Thurm 1868 von seinem mas- 
siven Unterbau an umgebaut ; er hat jetzt eine ganz geschlossene, hölzerne 
Spitze. — Die Möglichkeit einer Rekonstruktion ist ausgeschlossen. 

In Varel hat Gauss 1825 in der Laterne des Kirchthurmes der luthe- 
rischen Kirche beobachtet. Dreieckspunkt war die Achse des Theodo- 
liten. Nachsuchungen in den Kirchen-Akten ergaben, dass in den Jahren 
1827, 1828 und 1833 umfassende Reparaturen sowohl an der Laterne, als 
auch an dem ganzen Thurm stattgefunden haben. Die Laterne ist da- 
durch, wie aus dem Vergleich der von Gauss gegebenen Abmessungen mit 

Thürme und sonstigen Baulichkeiten gemacht werden, auf welchen Haupt- 
dreieckspunkte liegen. Auch bei der Detail-Triangulation werden Photographien 
von trigonometrisch bestimmten Thürmen, soweit sie im Handel zu haben 
sind, gesammelt und den Messungs-Akten beigefügt. 



aede. Beiträge zur Kenntnisa von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

jetzigen hervorgeht, vollständig geändert; bei ihrem jetzigen Za- 
de ist es überhaupt nicht moglieli, gute Beobachtungen darin zix 
hen. Eine Rekonstruktion nach Gauss'schen Dat«n wurde 1884 ver^ 
t, ernies sich aber als unmöglich. 

lie sehr alte Kirche von Langwarden hatte aof dem Giebel ein 
! winziges, wackeliges Laf«rnen -'rhu rm oben (s. Gauss' Skizze im Brief- 
nsel mit Schumacher Band II, Seite 20), in welches Gauss „iilier das 
bendach durch Leitern hinauf muaste." In diesem Laternchen „von 
ISS Durchmesser" warein „steinernes Postament" gebaut, dessen Ober- 
le 19.67 m über dem Kirchhof lag. Neben dem Postament hatte Gans? 
„westlichen und östlichen Stuhl" stehen. Die Achse des auf dem 
ament anfgestellten Theodoliten war der Dreieckspunkt; die Lage des 
pfes gegen dieselbe war durch Centrirungs-Messungen auf dem See- 
h bestimmt. — Im Jahre 1868 wurden Seitens des geodätischen In- 
its, Behufs KinmesBung des astronomisch bestimmten Postaments 
gast in das Ganss'sehe Dreieck Lan gwarde n- Varel- Je ver, wieder Be- 
ihtungen auf einem in dem Laternchen neu erbauten, jetzt noch er- 
enen Pfeiler angestellt. Es wurde bei dieser Gelegenheit konstatiri 
rradmessungs-Berioht pro 1868, Seite 26), dass der Thurm inzwischen 
ebaut ist. — Eine scharfe Rekonstruktion des Gauascben Dreiecks' 
Ictes erscheint nicht wohl möglich. — Uebrigens ist, da das enge und 
Icelige Thiirmchen modernen Anforderungen an Beohach tu ngs-Ein rich- 
ten nicht entsprechen kann, Seitens der Trigonometrischen Abtheilung 
ihre Beobachtungen ein 10 m hohes, hölzernes Signal, etwa 350 m von 
Kirche entfernt, erbaut worden. 

Die Möglichkeit einer, wenn auch nicht ganz scharfeü Be- 
iktion bezw, Kontrolle liegt vor bei den Dreieckapunkten 
irg, Bremen und Jever, 

n der schönen, grossen Laterne des Michael is -Th u rmes in 
n e b u r g- hat Gauss 1818 und 1823 auf einem transportablen Back 
lachtet. Von aussen ist der Thurm meistens ohne Heliotrop einge- 
t. — Die Beobachtungen wurden 1813 „vom vorläufigen Centro asf 
Punkt unter der Kugel reduzirt" {a. Briefwechsel mit Schoraacher 
d I., Reite 153). 1823 ist von zwei Plätzen ausserhalb des Thurmes 

„Durchmesser des Knopfes" und die Lage des „senkrecht unter dem 
pfe liegenden Punktes" gegen den durch einen „Lothfaden" bezeich- 
in Aufstellungspunkt des Theodoliten (das „supponirte Centrom") be- 
imt. — Dass in Lüneburg, abweichend von allen anderen Thünnen, 
Thurmknopf „Dreieckspunkt" ist, darauf deutet auch Gauss' Bezeich- 
g desselben im „Allgemeinen Koordinaten-Verzeichniss". — Durch 
hforschung in den Kirchen-Akten wurde festgestellt, dass gröasere 
bauten des Thurmes seit 1823 nicht stattgefunden haben, doch wurde 
! eine neue Wetterfahne aufgebracht, wobei immerhin auch die Lage 

Knopfes geändert sein kann, nnd in der Laterne ein neuer Blei- 
;n gelegt. Der Thurm macht einen sehr soliden und wohlgepflegten 

m Jahre 1872 hat Herr Professor Dr. C. F. W. Peters {vei^l. die 
likation des geodätischen Instituts : „Die gegenseitige Lage der 
nwarten zu Altona und Kiel") in Lüneburg Winkelmessungen ange- 
lt. Als „Centrum der Station" hat er „die Lage der'Kirchthurmspilic 
Zeit der Messungen im Jahre 1872" angenommen, und auf dieses 
trum die Coordinaten des Gauss'schen Dreieckspunktes, anscheinend 
e weitere Controlle, angewandt. Ausserdem wurde ein Punkt C der 
lerie, dessen Lage zur Kirch thurmspitze durch Ablothen resp. Centn- 
gsmessung bestimmt war, heruntergelothet und „unter dem Fueshoden 
Erdgeschosses des Thurmes durch einen eingemauerten Messingboiien 
vertikaler Durchbohrung festgelegt." 



Gaede. Beiträge lurKenntnias von G«ua»' pniktiach-good.Arl 

Eine Kontrolle der Lage des Oauss'schen Dreieckspunktes nt 
MesBungen eraobeint möglich, int aber bisher noch nicht : 
1876 wurde der höhere, aber za Beobachtungen nicht geeignete 
Tturm in Lüneburg durch Anschneiden als Punkt II. 0. von 
nometriacheo Abtheilung bestimmt. 

Der AnsKariuB-Thurm in Bremen hat eine Latet 
Pfeilern, welche dae Oesichtsfeld von jedem Funkte innerhalb i 
die Messungen sehr störenden Weise unterbrechen ; ausserde 
Glocken darin, die grösste in der Mitte mit ihrem unteren 
1.2 m über dem Laternenboden. — Gauss hat 1821 und 1826 
„Brett 618 mm über dem FuBsboden" beobachtet, nelohea wall 
zwiachen den Laternenpfeilern befestigt war. Er bat im GanEen 
auf dieaem Brett gehabt, auaaerdem noch 2 Hcliotrop-Plätie. 
Plätze, welcher nahezu unter dem Centrum des Thurmknopfe 
der „Dreieckspunkt" ; die Lage desselben zum Thurmknopf wi 
Winkelmessungen von 2 Staudpuukten auaaerhalb bestimmt. 

Jegliche Bezeiohnnng der „Plätze" ist mit dem Brett ven 
Durch Nachforschung in den Kirchenakten ist festgestellt, dat 
ein Umbau oder eine Reparatur der Spitae und des Knopfes i 
gefunden hat. Indeaaen ist dae Gebälk der Spitze, in welche 
bei den Rskognoecirnngen 188S aich in Summa wohl 24 Stun 
halten hat und vom Winde in fast unheimlicher Weise hin- 
achleudert wurde, so morsch, dasa die Lage dea jetzigen Tbl 
nicht unbedingt als identiaeh mit der von 1824 und 1B25 an 
werden kann. — Eine Rekonstruktion des Dreieckspunkte», 
auf einige Centimeter genau, erscheint nach Gauss' lokalen 
und Einstellungen der anderen, ganz nahen Bremer Thürme. 
möglich. 

Der SchJoBsthurm in Jever hat auf einem oylindrisc 
körper einen hölzernen Aufbau. Letzterer ist gegen den a 
mauerten Theil aoweit eingesogen, dass auf der Kreta des M: 
ein Umgang entsteht, auf welchen man durch 4 Thüren aus d 
des hölzernen Aufbaues hinaustritt. — Auf dem Umgänge voi 
liehen Thür hatte Gauss einen gemauerten Pfeiler, auf welchem 
des Theodoliten den Dreieckspunkt bezeichnete. Durch Centn 
sungen von 2 Punkten ausserhalb wurde die Lage des Dreiei 
gegen den Thurmknopf und das Centrum des cylindrisohen Tht 
bestimmt. 

Der Pfeiler, auf welchem der Dreieckspunkt lag, itt vers 
ebenao einige Marken, welche Kor Siohemng des Punkte« später 
des Thurmes angebracht wurden. Festgestellt wurde, dass C 
oder eine grössere Reparatur am Th arme nicht stattgefunden l 
Dreieckspunkt wurde 1883 bei Gelegenheit der Hauptdreiecks 
der Trigonometriacben Abtheilung in Jever mit gröaater Sorg 
auf 2 cm genao, rekonatruirt. 

3. Sicher erhalten sind die Dreieckspunkte (jöttingi 
warte, NördlicheB Meridianzeichen und Zeven. 

Aof der Göttingor Sternwarte bildete die Mitte 
des Reichen bach'achen Meridiankreises den Dreieckspunkt ani 
den Anfangspunkt der Koordinaten dei Gatua'scben Systems, 
achtnogen fanden in einem Platze statt, der „im Meridian dei 
der Achse des Meridiankreises, aber 6,507 m nördlicher" lag. — 
eckspnnkt ist 1880 durch Winkelmessnng mit den jetzigen Punl 
bagen nnd GÖttinger Basis, Nördlicher Endpunkt, in Verbindnnf 
Für das Nördliche Meridian zeichen hatte Ganit 
hölzernen provisorischen Bau errichtet, und im Alignement 
der Oeffiiang desselben nnd des Meridians pal tea der Stemwart 
einem ^tein" beobachtet, aof welchem die Achse dea Tbeod 



240 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gaass' praktisch-geod. Arbeiten. 

Dreieckspunkt bezeichnete, lieber diesem Stein wurde spater das bisher 
erhaltene, steinerne Meridianzeicben erbaut. Die „Spaltmitte*^ desselben 
wurde 1880 durch Winkelmessung mit den Punkten Ahlsburg, Hohehagen 
und Göttinger Basis, Südlicher Endpunkt, in Verbindung gebracht. 

In der Laterne des Kirchthurms von Zeven wurde 1884 auf 
einer Bohle, welche zwischen dem Kaiserstiel des Thurmes und einem 
Laternen-Pfeiler befestigt ist, die Bezeichnung des Dreieckspunktes (Theo- 
dolitplatz) — (kleines Loch im Mittelpunkt eines von 4 grösseren Löchern 
gebildeten Quadrates) — und die Bezeichnung eines Heliotropplatzes — 
(kleines Loch im Mittelpunkt eines von 3 grösseren Löchern gebildeten 
gleichseitigen Dreiecks) — aufgefunden. — Bei Gelegenheit der Messungen 
auf dem jetzigen Signal Brüttendorf sollen beide Punkte bezüglich ihrer 
Lage zu anderen von Gauss durch lokale Messungen am Thurme be- 
stimmten Punkten scharf kontroUirt und durch Winkelmessungen an die 
jetzigen Hauptdreieckspunkte angeschlossen werden. 

So gleicht — im Ganzen betrachtet — die Gradmessung nur 
noch einer Ruine, welche, bei einem späteren Neubau an gleicher 
Stelle, wohl eine pietätvolle, historische Berücksichtigung, aber 
keinen positiven, praktischen Werth i^) mehr in Anspruch nehmen 
kann. 

Die No th wendigkeit einer erneuten Triangulirung in Hannover, 
sowohl im wissenschaftlichen Interesse, als auch zu praktischen 
Zwecken, ist bereits im Jahre 1866 in den Verhandlungen der 
mittel-europäischen Gradmessung von Herrn Professor Wittstein 
betont worden. In dem betreffenden Bericht heisst es i') : > Glücklicher- 
weise ist übrigens die also vorzunehmende Arbeit nur von massigem 
Umfange; denn es werden nur bestimmte, dem noch zu entwerfen- 
den Systeme des Gesammtgebiets von Norddeutschland entsprechende 
Dreiecksketten neu zu messen sein, es wird die Neumessung sich bei- 
nahe nur auf Dreiecke erster Ordnung zu beschränken haben, und 
endlich fällt die Vorarbeit der Auswahl der Dreiecke weg, da man völlig 
den Gauss'schen Dreiecken wird folgen können. < — Dass den An- 
forderungen, welche nach dem Programm von 1865 an die jetzige 
Arbeit der Trigonometrischen Abtheilung gestellt werden, die Han- 
noversche Landes- Vermessung qualitativ und quantitativ nicht ge- 
nügt, und dass deshalb in den betreflFenden Landestheilen von 
Grund aus und durchweg neu triangulirt werden muss, ist vorher 
bereits ausgeführt. Auch die > Vorarbeit der Auswahl der Dreieckec 
konnte bei der Neu-Triangulirung nicht erspart werden. Es ist im 
Aufsatz 11. ausführlich dargestellt worden, mit welchen Mitteln und 



^^) Bei den Rekognoscirungen im nördlichen Theil der Hannoverschen 
Kette und im Wesernetz sind allerdings die Resultate sowohl der Gradmessung, 
als auch der Landes- Vermessung dem Verfasser nach von grossem Werth gewesen. 
Vorbereitend geordnet, bildeten sie — neben den anderen Original-Materialien 
der Trigonometrischen Abtheilung — die erste Grundlage für die Rekognos- 
cirung. Auch Gauss' Briefwechsel mit Schuhmacher lieferte hierzu manche 
dankenswerthe Notiz, wie auch der Herausgeber, Herr C. A. F. Peters, in der 
Vorrede ausspricht, „die Briefe dürften selbst für die Ausführung neuer Ver- 
messungen noch von Nutzen sein". 

") Siehe General-Bericht über die mitteleuropäische Gradmessung für das 
Jahr 1866, Seite 30. 



j: « ^ j.. 




Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 241 

auf welche Art die Gauss'chen Dreiecke entstandene^) sind: bei 
den gesteigerten und yer?olIkommneten Mitteln der Neuzeit muss 
es möglich und deshalb geboten erscheinen, in dieser Beziehung wie 
auch in anderen, Vollendeteres zu leisten. 

Es würde dem Verfasser nicht wohl anstehen, wollte er an dieser 
Stelle in eine ausfuhrliche oratio pro domo eintreten, um selbst- 
gefällig zu zeigen, >wie wir's so herrlich weit gebracht«. Indessen 
werden doch einige positive Daten anzuführen sein, aus denen 
hervorgeht, wieviel entschiedener, kräftiger und darum erfolgreicher 
jetzt gearbeitet werden kann. 

Als im Jahre 1865 die Triangulation, zunächst der sechs öst- 
lichen Provinzen, gesetzlich angeordnet wurde, erfolgte auch gleich- 
zeitig die feste Organisation des zunächst selbstständigen > Bureaus 
der Landes-Triangulation«, welches, bei weiterer Entwickelung der 
Verhältnisse, 1875 als > trigonometrische Abtheilung< in den Ver- 
band der zum Generalstabe gehörigen > Landes- Aufnahme« eintrat. ^^) 
Dieser Organismus ist, im Wesentlichen unverändert, seit nunmehr 
20 Jahren in Thätigkeit; die zunächst vorliegenden Aufgaben wer- 
den zu ihrer Erledigung noch weitere 20 Jahre in Anspruch nehmen; 
und dann ist anzunehmen, dass die immer fortschreitende Entwicke- 
lung der Technik und der Methode Vieles von dem im Rücken 
Liegenden als ungenügend anzusehen und zu wiederholen oder zu 
verbessern zwingen wird. 

Die Vortheile einer derartigen dauernden, fest gegliederten 20) 
Organisation — die Praxis im Grossen, die Erfahrung des Einzelnen, 
die dem Ganzen zu Gute kommt, die Pflege und Durchbildung 
der Details, aus denen die Gesammtleistung sich aufbaut, — hat 
Gauss, wie in Aufsatz IL und IH. ausgeführt ist, nicht gehabt und 
nicht haben können. 



^^) Erhalten sind diese Dreiecke auch in sofern nicht, als im Laufe der 
Zeit ausser den scharfen Bezeichnungen der Dreieckspunkte auch die Visuren 
zwischen ihnen verloren gegangen sind. Die Lünehurger Haide ist in den 
letzten Jahrzehnten systematisch aufgeforstet worden und man würde jetzt in 
den meisten Fällen hohe Gerüste brauchen, um die von Postament zu Posta- 
ment gemessenen Gauss'schen Richtung^en wieder zu gewinnen. Wenn man 
aber zu diesem Mittel überhaupt greifen muss und greifen kann, dann lasten 
sich damit auch bessere Konfigurationen gewinnen. Durchhaue in der Gauss'- 
schen Art und Anzahl würden heutzutage zu den Unmöglichkeiten gehören, 
Eirchthurms-Einrichtungen, wie die von Langwarden, Varel, Zeven nicht als 
ausreichend solide angesehen werdeu ; und auch auf den Eirchthürmen sind 
einzelne Richtungen (z. B. fast alle weiteren Richtungen in Zeven, jetzt zu- 
gewachsen. 

»«) Vergleiche „die Eöniglich Preussische Landes- Aufnahme" vom General- 
lieutenant von Morozowicz. Erstes Beiheft zum Militär - Wochenblatt 1879. 
(Berlin bei E. S. Mittler.) 

") Es mag hier besonders darauf hingewiesen werden, dass ausser dem 
in längeren oder kürzeren Zeiträumen wechselnden Personal an Offizieren die 
Trigonometrische Abtheilung einige zwanzig fest angestellte Beamte, mit dem 
offiziellen Titel „Trigonometer" besitzt. Diese Beamten, aus hervorragenden 
Elementen des Oberfeuerwerker-Standes hervorgegangen, bilden mit ihrer 
Erfahrung, Energie und Pflichttreue einen Fonds solidester praktischer 
Arbeitsleistung. 

Zeitschrift für VermcsRUDRSwesen. 1885. 12. Heft. 16 



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. 242 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

Die pekuniären Mittel, alljährlich budgetmässig für die Landes- 
Aufnahine festgestellt 21), sind jetzt derartig bemessen, dass zwar 
haushälterisch damit gewirthschaftet werden muss, dass aber nichts 
als nothwendig Erkanntes wegen finanzieller Beschränkung unter- 
lassen zu werden braucht. 

Die Technik der Instrumente hat sich in den letzten 50 Jahren 
wesentlich gehobenes): Repetition und Nonien-Ablesung, wie Gauss 
sie hatte, sind überall verschwunden. Die wesentlich vereinfachten 
Heliotrope sind in grosser Zahl vorhanden und werden bei den 
Feldarbeiten von kommandirten Soldaten bedient: andere, als helio- 
tropische Zielpunkte kommen bei der Haupt- Triangulation nur in 
ganz ausnahmsweisen Fällen vor. Hohe Holzgerüste zur Aufstel- 
lung der Instrumente, auf deren Anwendung bei Bildung des 
Dreiecksnetzes Gauss aus technischen Rücksichten eben so sehr, wie 
aus finanziellen verzichten musste, werden jetzt, nach langen Ver- 
suchen und Erfahrungen in dieser Richtung, so solide und fest ge- 
baut, dass sie die Güte der Beobachtungen in keiner Weise beein- 
trächtigen, und kommen, wo das Terrain dazu zwingt, in grosser 
Zahl und bedeutender Höhe zur Anwendung. 23) 

Die Konfigurationen der jetzigen Hauptdreiecks - Systeme in 
Hannover sind auf der beiliegenden Tafel VI. dargestellt, welche 
gleichzeitig die Lage der Gauss'schen Gradmessung zu der neuen 
Haupt-Triangulation zeigt. 24) 

Die Gliederung der Hauptdreiecks-Systeme in >Ketten< und 
> Netze«, welche in erster Linie charakteristisch für die jetzige An- 
lage der Haupttriangulation der Trigonometrischen Abtheilung 



'*^) Das Budget der Landes- Auf nähme beträgt jährlich etwas über eine 
Million Mark. Die Trigonometrische Abtheilung hat in den letzten Jahren 
durchschnittlich je 170 000 Mark für die Feld-Arbeiten (excl. der fortlaufenden 
Beamten-Gehälter, Bureau-Kosten, Anschaffung und Instandhaltung von Instru- 
menten) ausgegeben. 

**) Gegenüber der geringen Zahl von Instrumenten, über welche Gauss 
verfügen konnte , besitzt die Trigonometrische Abtheilung zur Zeit — ausser 
einigen älteren Instrumenten — 3 zehnzöUige Theodolite und ein zehnzöUiges 
Universal-Instrument, 8 achtzöllige Theodolite und 2 achtzöllige üniversal- 
Instrumente, 44 fünfzöUige Üniversal-Instrumente und 4 fünfzöUige Theodolite, 
7 Nivellir-Instrumente. 

28) Das auf Tafel VI. dargestellte „Wesernetz" liegt — die Beobachtungs- 
höhen auf den Kirchthürmen und die sämmtlichen Anschlusspunkte aus den 
umschliessenden Ketten eingerechnet — durchschnittlich 21 m über dem Erd- 
boden. Die 4 höchsten Signale sind Wöpse, 23 m Beobachtungshöhe, 27 m 
Leuchthöhe (erhöhtes Gerüst zur Aufstellung des Heliotrops) ; Brillit, 22 m 
Beobachtungshöhe, 30 m Leuchthöhe; Brütterdorf, 22 m Beobachtungshöhe; 
Falkenberg, 20 m Beobachtungshöhe, 27 m Leuchthöhe. 

2*) Die Messung der Hannoverschen Kette, 1882 begonnen, wird im 
Sommer 1885 beendet werden. Für die beiden nächsten Jahre ist die Messung 
des Wesernetzes in Aussicht genommen. Letzteres wurde, wie dies gelegent- 
lich in Aufsatz IL mitgetheilt ist, im Jahre 1883 mit Gerüsten rekognoscirt ; 
die definitiven Signalbauten haben 188i begonnen und werden 1885 zu Ende 
geführt werden. — üeber die Methode und die Genauigkeit der Beobachtungen 
vergl. mehrere Abhandlungen des Herrn Oberst Schreiber in früheren Jahrgängen 
dieser Zeitschrift. 



Oaede. Beiträge zur KenntniBB von GauBB' praktitch-geod. Arbeiten. 243 

ist, liat Herr Professor Helmert auf der VI. HauptTerBaramlung 
des Deutschen Geometer- Vereins in einem Vortrage behandelt, der 
im VI. Bande dieser Zeitschrift (1877) abgedruckt ist. Auch die 
Konfiguration der Hannoverschen Kette ist — im XII. Bande die- 
ser Zeitschrift (1883) — bei Gelegenheit der Besprechung der Basis- 
Messung bei Meppen von Herrn Professor Jordan bereits publizirt 
und besprochen worden. Es wird daher den Leaem der Zeitschrift 
im Allgemeinen bereits bekannt sein, dass bei der successive fort- 
schreitenden Ausdehnung der Haupt- Triangulation der Trigonome- 
trischen Abtheilung zunächst — anschliessend an die schon fertigen, 
feststehenden Dreiecks-Systeme — eine > Dreieckskette (, weiche in 
weitem Bogen einen grösseren Landstrich umzieht, gemessen, und 
derart ausgeglichen wird, daas der Abschlussfehler in dem ganzen 
von ihr gebildeten Polygon nach der Methode der kleinsten Quar- 
drate zur Vertheilung kommt. Die Kette bildet alsdann den festen, 
unveränderlichen Rahmen, innerhalb dessen nachher der von ihr 
umspannte Landestheil mit einem >Dreiecksnetz£ überzogen wird, **) 
In sehr prägnanter Weise tritt auf der beigegebenen Tafel diese 
Anordnung bei der > Hanno verschen Kette« und dem von ihr gegen 
die lElbkettet und die >Hannoverech-Säcbische Kettet abgeschlos- 
senen >Wesernetz( in die Erscheinung, ^b) (Dass in gleicher Weise 
von der Hannoversch-Sächsischen Kette gegen die Eibkette das 
>Sächsiache Dreiecksnetz < abgeschlossen wird, ist ebenfalls aus der 
Tafel noch ersichtlich.) Durch die Einfügung der GÖttinger Basis in 
die Hannoversch- Sächsische Kette und der Meppener Basis in die 
Hannoversche Kette wird die Uebertragung der Längen der Drei- 
ecksseiten durch die Winkelmeseung wiederholt kontroUirt bezw. 
korrigirt. 

Einige weitere Gesichtspunkte, welche für die Führung der 
Ketten massgebend sind bezw. gewesen sind, mögen hier noch kurz 
angedeutet sein. 

Mit Rücksicht auf die allmähliche, partielle Ausgleichung ist 
es theoretisch erwünscht, die Ketten möglichst lang zu machen. 
Dem steht aber — bei dem Ineinandergreifen des ganzen Triangu- 
lirungs- Geschäftes innerhalb der Abtheilung — die praktische Noth- 
wendigkeit gegenüber, für die nachfolgende Detail > Triangulation 
immer rechtzeitig die Grundlage definitiv ausgeglichener Haupt- 
dreieckapunkte bereit zu stellen. 

Die Ketten an den Landes-Grenzen entlang , und im Inneren 
des Landes in annähernd gleichen Abständen von einander zuführen, 
würde nach der ganzen Anlage der Haupttriangulation die zweck- 
mässigste Anordnung im Grossen sein. DafUr sind aber die Gestalt 
und das Relief des Seitens der Trigonometrischen Abtheilung zu 



") Vergl. Note 80 bei Aufsatz H. 

") Die ftof der Tafel VI. mit der Signatur für Ketzkonfiguration gezeich- 
neten 4 Dreiecke des nNiederläudiBchen AnschlDssea" werden nicht mit in die 
Au^leichnng der Hannoverschen Kette hineingezogen, sondern besonderg aus- 
geglichen. 




244 Gaede. Beiträge zur Kenntniss von Gauss' praktisch-geod. Arbeiten. 

bearbeitenden Gebietes ^7) nicht günstig: eine so systematische An- 
ordnung der Ketten, wie Frankreich und Spanien sie besitzen, ist 
darin nicht erreichbar. Ueberhaupt aber sind — in Folge der ge- 
schichtlichen Entwickelung der preussischen Haupt-Triangulation 2^) 
— die beiden Systeme Hannoversch - Sächsische Kette - Sächsisches 
Netz und Hannoversche Kette - Wesernetz bisher die einzigen, deren 
Anlage von vorneherein den im Eingange dieses Aufsatzes behan- 
delten, praktischen und wissenschaftlichen Zwecken der Triangula- 
tion angepasst werden konnte. Das System 2») Hannoversche Kette- 
Wesernetz , das grössere von beiden , umfasst fast ganz Hannover, 
ausserdem das Grossherzogthum Oldenburg, das Fürstenthum Lippe 
und den nördlichsten Theil von Westphalen, im Ganzen einen 
Flächenraum von ca. 1000 Quadratmeilen. — 

Gauss' Gradmessung diente im Wesentlichen nur der wissen- 
schaftlichen Forschung und wurde, soweit es nebenher anging, auch 
für praktische Zwecke nutzbar gemacht ; die hannoversche Landes- 
vermessung wurde überhaupt nur für praktische Zwecke, und zwar 
niederen Ranges, unternommen ; beiden, an Werth sehr ungleichen 
Triangulationen fehlte der einheitliche Zusammenhang. Durch die 
jetzige Arbeit wird eine einheitliche Haupttriangulation in Hannover 
geschaffen, bei welcher vermöge der höher entwickelten Mittel auch 
vollendetere praktische Leistungen in Aussicht stehen, und die nach 
ihrer ganzen Anlage sowohl praktischen Zwecken jeder Art, wie 
auch als Grundlage für wissenschaftliche Forschungen dienen soll 
und dienen kann. 

Man wird nicht geringschätzig auf die Leistungen früherer 
Jahrzehnte herabsehen dürfen, weil man praktisch jetzt Höheres 
erreicht ; und wenn auch aus der genaueren Kenntniss und Prüfung 
von Gauss' praktisch-geodätischer Arbeit hervorgeht, dass sie keines- 
wegs heute noch als Muster und Vorbild gelten kann, so ist doch 
dabei zu bedenken, dass ohne Gauss auch praktisch heute das nicht 
geleistet werden würde, was geleistet wird. Seine praktische Arbeit 
bildet eine Stufe der Entwickelung, in der — hoffentlich und wahr- 



") Vergl. Note 1. 

'^) Bei Begründung des „Bureaus der Landes-Triangulation" 1865 wurden 
im Osten der prenssischen Monarchiü 7 schon vorhandene Dreiecksketten 
(vergl. Triangulation der Umgegend von Berlin. Einleitung Seite 6, 7) als 
brauchbar für die neue Triangulation acceptirt. Diese Ketten waren zwischen 
1832 und 1865 ohne einheitlichen Plan und Zweck gemessen. Die Ausfüllung 
der Lücken zwischen diesen Ketten, sowie die zunächst isolirten Triangulationen 
von Schleswig-Holstein 1869 und von Elsass-Lothringen 1876, deren baldige 
Ausführung behufs schneller topographischer Aufnahme dieser neu erworbenen 
Landestheile nothwendig wurde, haben bis 1879 hin die für die Haupt-Trian- 
gulation disponiblen Kräfte in Anspruch genommen. Nach 1880 ist mit der 
neuen Haupt-Triangulation in Sachsen und Hannover systematisch vorgegangen, 
wie dies aus den Jahreszahlen der Tafel VI. bezw. Note 24 hervorgeht. 

*^) Die Hannoversche Kette besteht, wie die Tafel zeigt, aus einfach an 
einander gereiheten Dreiecken. (Vergl. Schluss des Aufsatz II.) Im Wesernetz 
wie in allen Netzen, ist von der Herstellung durchweg geschlossener Dreiecks- 
konfigurationen abgesehen und nur auf die Schnittl)estimmnng der Punkte 
Werth gelegt. 



Kleinere Mittheilungen. 245 

scbeinlich — auch die Leistungen unserer Zeit nach weiteren 
50 Jahren überholt sein werden : zu ihrer Zeit war sie weit hervor- 
ragend über Vorhergehendes ■ und Gleichzeitiges. Historisch aber 
wird die Gradmessung immer interessant bleiben als die Anregung 
und Veranlassung zu jenen theoretischen Arbeiten des >Princeps 
mathematicorum<, welche grundlegend für das ganze Gebäude 
moderner Geodäsie geworden sind. 



Kleinere Mittheilungen. 

Die Stellung der Vermessungsbeamten in Preussen. 

Von Haelschner, Kataster-Sekretär und Rechnungsrath in Breslau. 

In der 19. Sitzung des Hauses der Abgeordneten am 13. Februar 
d. J. wurde von dem Abgeordneten Berger (Witten) das in der Verwal- 
tung des Grund- und Gebäudesteuer-Katasters bestehende Titel- 
wesen besprochen und auf das Verhältniss zwischen den Kataster- 
beamten und den Privatfeldmessern mit deren Gehülfen hinge- 
wiesen. In Gleichem wurde im 1. Heft unserer Zeitung für Ver- 
messungswesen, Seite 28, die Landmessertitelfrage besprochen und 
bei dieser Gelegenheit aufgefordert^ ein Wort zur Klärung der 
Stellung der Feldmesser offen zu sprechen. 

Nachdem letztere Frage durch die im 2. Heft der Zeitung, 
Seite 75, abgedruckte Regierungs- Verfügung vom 5. Januar er. ihre 
Erledigung gefunden hat, möge dem Wunsche, ein Wort über die 
Stellung der Feld- oder Landmesser in Preussen bei den gegen- 
wärtig an sie gestellten Anforderungen zu sprechen, hier Folge 
gegeben werden. 

Voraussichtlich wird Jeder, der sich ferner dem Berufe als 
Landmesser widmen will, die Prüfung als solcher mit der als 
Kulturtechniker vereinen wollen, denn ihm ist mit Ablegung der 
einen oder andern Prüfung durchaus noch keine Laufbahn für die 
Zukunft eröffnet. Es ist ihm nach Ablegung selbst heider Prüfungen 
überlassen, sich der Auseinandersetzungs- Behörde, dem Kataster, 
dem Dienst bei Meliorationen, dem Eisenbahndienst oder dem Privat- 
dienst zuzuwenden. Je nachdem ihm die Aussichten für den einen 
oder den anderen Dienst günstiger erscheinen, wird er erst nach 
seiner Prüfung sich entscheiden können, welchen Weg er ein- 
schlagen soll- Gerade darin liegt eine ganz erhebliche Erhöhung 
der Anforderungen, denn die bisherige Feldmesser-Prüfung berech- 
tigte zu allen Zweigen des Berufs. Erst durch Ministerial-Erlass 
vom 6. Januar 1878 wurden die Auseinandersetzungsbehörden ver- 
anlasst, diejenigen Feldmesser, welche den kulturtechnischen Kursus 
in Poppeisdorf, mit der Universität Bonn verbunden, absolvirt haben, 



246 Kleinere Mittheilungen. 

zu bevor jsugen. Durch Ministerial-Erlass vom 21. April 1883 aber 
ist für Annahme der Feldmesser resp. Landmesser bei den Aus- 
ein andersetzungs- Behörden die Prüfung als Kulturtechniker obli- 
gatorisch. 

Hiernach hat der Kandidat ewei gesonderte Prüfungen: die 
nach der Landmesserprüfungs-Ordnung vom 4. September 1882 und 
die nach den Vorschriften vom 1. März und 27. April 1883, be- 
treffend die Prüfung der Kulturtechniker an der Königlichen Land- 
wirthschaftlichen Hochschule in Berlin oder an der Königlichen 
Landwirthschaftlichen Akademie in Poppeisdorf, abzulegen, woraus 
sich zweifellos ergiebt: 

„dass eine zweijährige praktische Vorbereitung und zweijähriges 
akademisches Studium in Berlin oder Poppeisdorf bei Bonn 
für den Landmesser und Kulturtechniker das Minimum an 
Zeit bilden werden^ worauf sie ihre Prüfung abzulegen haben, 
die zur Bekapitulation des Gehörten und praktisch Ausgeführten^ 
für Zeichnungen und dergl, immerhin noch 1/2 bis \ Jahre 
erfordern wird/^ 

In welchem Widerspruch hiermit steht nun aber der Eingang 
der Landmesserprüfungs-Ordnung vom 4. September 1882, welcher, 
ebenso, wie die Feldmesserprüfungs-Ordnung vom 2. März 1871, 
an den §. 36 der Gewerbeordnung anknüpft, der den Landmesser 
mit Taxatoren, Schaffnern und dergl. auf gleiche Stufe stellt, und 
eine so erhebliche Anspannung materieller und rein wissenschaft- 
licher Kräfte fordert, um ihre Resultate als ein Handwerk hinzu- 
stellen ? Für Ausübung eines Handwerks geht die Prüfungsordnung 
zu weit, und für Beschaffung tüchtiger Arbeitskräfte im Staatsinter- 
esse ist das gebotene Aequivalent zu gering bemessen ! Das ist das 
Bleigewicht, welches den Feldmesser in allen staatlichen und nicht 
staatlichen Stellen herabzieht. 

Ist nun durch Heranziehung der Wissenschaft die Technik 
des Berufs^ wesentlich gehoben, so ist das gewiss anzuerkennen! 
Dem Feldmesser resp. Landmesser aber wird es nicht verdacht wer- 
den können, wenn er nach den gebrachten Opfern nun auch seine 
sociale und amtliche Stellung, der erlangten Vorbildung entsprechend, 
gehoben sehen möchte. Wie aber zeigt sich seine Stellung heut 
noch in allen seinen Lebensverhältnissen? 

Will er sich dem Kataster zuwenden, so wird er, wenn man an- 
nimmt, dass er mit 17 Jahren sein Primanerzeugniss erreicht hat, nach 
obigen Erörterungen mit 21 bis 22 Jahren sich als Anwärter zum 
Supernumerar einer Regierung notiren lassen können, vorausgesetzt, 
dass die Liste nicht geschlossen ist. Schon dadurch, dass man seine 
Vorbereitung im praktischen Dienst des Katasters dem Supernu- 
merariat überweist, kennzeichnet man, dass er dem Subaltern-Dienst 
angehören wird. Nach 4 bis 5 Jahren wird er als Supernumerar, 
also mit 26 bis 27 Jahren, einberufen werden mit der Verpflich- 
tung, sich 3 Jahre selbst zu erhalten. Je nach den vorhandenen 
Mitteln und der Führung des Supernumerar erhält er nach 2 Jahren 



Kleinere Mittheilnngen. ^ 247 

60 Mark, nach 3 Jahren 90 Mark monatliche fixirte Diäten. 
Nach dem dritten Jahr legt er seine Kataster-Prüfung nach dem 
Reglement vom 5. November 1882 ab, welche nicht leicht zu nennen ist,t 
und arbeitet, nach Ablegung derselben, noch so lange als Supernu- 
merar weiter, bis sich eine Assistentenstelle bietet, was nach Erfahrung 
auch 4 bis 5 Jahre dauert, so dass er nach 3 jährigem Supernume- 
rariat und weiteren 4 bis 5 Jahren Ausdauer mit 34 bis 35 Jahren 
Assistent wird, in welcher Stellung ihm ein Gehalt von 1800 Mark 
und im Durchschnitt 300 Mark Wohnungszuschuss gewährt wird. 
Nach weiteren, mindestens 2 bis 3 Jahren, wird er mit 37 bis 38 
Jahren, nach einer kümmerlichen Existenz, die Stelle eines Kataster- 
Kontroleurs mit 2100 M. und Wohnungszuschuss erreichen und bis 
zur höchsten Gehaltsstufe mit 3000 Mark steigen, in der er mit 
grauem Haupte anlangt. Er bleibt Subaltern und steht ünanciell 
sogar w^it hinter denen ßurüch^ die ihre Ausbildung als Militäran- 
wärter, ohne Gymnasialbildung, in den Landrath- und Steuerämtern 
erhalten und ohne tveitere Prüfung^ als etwa der sogenannten Cal- 
culatur-Prüfung, die sich auf die 4 Species und einic^e Kenntniss 
vom Etat beschränkt, in Stellungen gelangen, die in höchster Stufe 
5200 bis 4500 Mark gewähren, während die Katasterbeamten nur 
3000 Mark erreichen. Man sage nicht, dass den Katasterbeamten 
brillante Nebeneinnahmen zu Gebote stehen ! Sie werden durch die 
Geringfügigkeit des Amtskosten-Aversums, 600 bis höchstens 900 M., 
und den niedrigen Tarif für sogenannte Fortschreibungs-Messungen 
reichlich aufgezehrt, ja in vielen Fällen noch überboten, so dass 
der Beamte am Schluss des Jahres sehr zufrieden ist, wenn ilim 
sein Gehalt als wirklich reine Einnahme übrig bleibt. Nur aus- 
nahmsweise werden einzelne Beamte in besonders industriellen 
Kreisen einige Mehreinnahmen erzielen. Doch auch ihnen sind 
durch die neusten Verfügungen, wonach die Beschäftigung soge- 
nannter Vermessungsgehülfen untersagt und derKataster-Kontroleur 
persönlich grössere Privatmessungen nicht ausführen, sondern nur 
einen vereideten Feldmesser beschäftigen darf, die Nebeneinnahmen 
sehr geschmälert. 

Am Schluss ihrer Laufbahn erhalten Katasterbeamte wie 
Militäranwärter die gleiche Auszeichnung, Ist das bei den gegen- 
wärtigen Anforderungen ein erstrebenswerthes Ziel? 

Unter noch grösserer Ungunst der Verhältnisse stand bisher 
der Feldmesser der Auseinandersetzungsbehörden! Das lag aber 
in der Natur der nur commissarisch wirkenden Behörde und der 
Arbeiten, die stabilere Verhältnisse nur schwer zulassen. Ist das 
Pensum auch ein sehr reichhaltiges, so dass die derzeitig beschäf- 
tic;ten Feldmesser bis an ihr Lebensende Beschäftigung haben wer- 
den, so ist es doch immerhin zeitlich und lokal begrenzt und in 
vielen Fällen unsicher. Aus eigener Anschauung möge ein Beispiel 
angeführt werden, wo eine Lokalcommission aufgelöst wurde, ohne 
dass sich sofort Gelegenheit fand, die beiden dabei beschäftigten Feld- 
messer anderweit zu beschäftigen. Der Eine, Familienvater, beide 
längst pensionsberechtigt, erhielten kurz vor dem 1. December die 



248 Kleinere Mittheilungen. 

Mittheilung, dass am 1. ihre fixirten Abschlagszahluiigeti zurück- 
behalten werden niüsaten, weil es an Arbeiten am dortigen Plata 
mangele, und somit keine Aussicht auf Deckung des Vorschusses 
sei. Man denke sich ein Familienhaupt, dem grade vor Weihnachten 
die regelmässig gewährte Einnahme entzogen wird! Die Herrn 
haben noch 2 bis 3 Monate am Ort ohne jede Einnahme verweilt, 
ehe sie anderweit beschäftigt werden konnten, mussten aber uro 
Urtaub bitten, um eine kleine Privatarbeit ausführen zu können, 
Ein anderer Kollege, Vermessungsreviaor und längst pensionsbe- 
rechtigt, lag, nach langer Krankheit, auf dem Sterbebett, Als seine 
Frau, den nächsten 1, die monatliche Abschlagszahlung erheben 
will, wird ihr mitgetheilt, es sei Verfügung ergangen, wonach diese 
Zahlung zurückzuhalten sei, da sie voraussichtlich nicht gedeckt 
werden würde ! Eine Bitte der Frau, ihr die Zahlung dieses Mal 
noch gewähren zu wollen, da sie wahrscheinlich ein Begrabniss zu 
besorgen habe, hatte zwar Erfolg, doch ehe die Anweisung an die 
Kreiskasse gelaugte, war der Tod eingetreten und nun verweigerte 
der Beamte die Zahlung, da der Empfangsberechtigte gestorben sei! 
Das sind bei den derzeitigen Anforderungen keine verlockenden 
Aussichten und man kann es den Beamten der Ausein andersetzungs- 
Behörden wahrlich nicht verdenken, wenn auch sie sich nach 
einer günstigem, gesicherten und den Ansprüchen entsprecheiidev 
Stellung sehnen/ 

Wohl ihnen, dass durch den Etat für 1885/86 ein guter Schritt 
vorwärts gethan, der mit Dank als eine Abschlagszahlung anzuer- 
kennen ist ! 

Die bei Eisenbahnen bescbäftisten Feldmesser haben nur so 
lange lohnende Arbeit, als die Bahn im Bau begriffen ist. Gelingt 
es ihnen, unter dem Titel > Eisen bahn -Sekretair« definitiv angestellt 
zu werden, so ergiebt sich ihre Stellung gleichfalls als eine ziemlich 
gering dotirte Subaltern stelle. 

Diejenigen, welche sich lediglich der Kulturtecbnik gewidmet 
haben, werden für jetzt vielleicht recht befriedigende Einnahmen 
haben. Eine Frage der Zeit aber wird es sein, ob nicht auch die 
Kulturtechnik an eine staatliche Behörde für Landeskultur oder, 
wie der Landtagsabgeordnete Sombart schon vorschlug, an die 
Kreisämter übergeben wird. Die Sicherung einer Zukunft ist auch 
ihnen nicht geboten. 

Wo wir also hinblicken, erscheinen die Anforderungen mit dem 
dafür gebotenen Aequivalent nicht im richtigen Verhältniss zu stehen! 
Wie die Privat- Feldmesser mit der Konkurrenz der staatlich beschäf- 
tigten Feldmesser zu kämpfen haben, hat uns die 19. Sitzung des 
Abgeordnetenhauses am 13. Februar d. J. dargelegt, Grade für sie wäre 
die vom Abgeordneten Berger schon in naher Zukunft erwünschte 
Verstaatlichung eine Wohlthat. Wer wird bei den heutigen An- 
forderungen noch Neigung haben, das Feldmessen und Nivelbren 
^Is freie Kunst oder nach §. 36 der Gewerbeordnung als Handwerk 
:u betreiben und seine Existenz dem Zufall zu Überlassen? 




Kleinere Mittheilongen. 249 

Das Gutachten des Centraldirektoriums der Vermessungen im 
Preassischen Staat vom 11. December 1880: betrefifend die von dem 
Landtagsabgeordneten, Rittergutsbesitzer Sombart vorgelegte Denk- 
schrift vom 1 April 1879 über Organisation des preussischen Ver- 
messungswesens, sagt wörtlich : 

>Die allgemeine bessere Ausbildung der Feldmesser ist von 
denjenigen Verwaltungen, welche die bei weitem grösste Zahl 
der Feldmesser beschäftigen, — der landwirthschaftlichen und 
der Finanzverwaltung, — seit Jahren als ein Bedürfniss empfun- 
den worden. Es handelt sich dabei in erster Linie um die He- 
bung der geschäftlichen Leistungsfähigkeit^ um die Erhöhung 
der sachlichen und persönlichen Zuverlässigkeit^ welche eine 
nothwendige Folge der höhern Bildungsstufe ist. Hiermit wird 
ausgesprochenermassen die Hebung des Geometer Standes an sich 
Hand in Hand gehen !< 

Die Hebung der geschäftlichen Leistungsfähigkeit, resp. die 
höhere Bildungsstufe, ist durch die Landmesserprüfungsordnung 
herbeigeführt ! Die damit aber beabsichtigte Hebung des Geometer- 
standes an sich wird noch auf sich warten lassen, so lange nicht, 
der höhern Bildungsstufe entsprechend, auch die amtliche und so- 
ciale Stellung der Feldmesser gehoben wird. Wer akademischen 
Studien obliegen soll, der will aucli den wissenschaftlich gebildeten 
Ständen, nicht dem gewerbetreibenden Handtverker zugerechnet werden 
und nicht finanziell hinter denen stehen, die niemals ein Gymnasium 
besucht haben ! Bei den erheblich erhöhten Anforderungen, mit 
geringen Aussichten für eine gesicherte Zukunft verbunden, wird 
bald Mangel an Feldmessern eintreten ! Schon jetzt sind Regie- 
rungen genöthigt, durch Zeitungs-Anzeigen Feldmesser zu suchen. 
Vielleicht, dass grade der eintretende Mangel die Handhabe zu einer 
Reorganisation des gesammten Vermessungswesens bietet. Nur ver- 
schone man uns in diesem Falle mit einem Herabgehen der jetzt 
gestellten Forderungen, sondern gehe lieber noch einen Schritt weiter 
und verlange auch vom Feldmesser die Abiturientenprüfung, die 
ihn vorgebildeter dem akademischen Kursus zuführen wird, als das 
Abgangszeugniss von Sekunda nach Prima. Man gebe ihm dann 
aber auch eine gesicherte Aussicht für die Zukunft und stelle ihn 
neben die seiner Vorbildung entsprechenden Beamtenkategorien 
der Post, des Baufaches, des Forst- und Bergfaches. 

Der Erfüllung dieses Wunsches stehen allerdings noch schwere 
Hindernisse entgegen, denn so lange jede Verwaltung, welche der 
Feldmesser bedarf, für die ihrigen selbst sorgt, ihre besondern An- 
sprüche stellt und ihre besondern Tarife aufstellt, um die tüchtigem 
Kräfte an sich heran zu ziehen, wird sich die Stellung des Feld- 
messers nicht bessern ! Es müsste das ganze Vermessungswesen 
einem bestimmten Ressort unterstellt werden, welches durch seine 
Feldmesser den Bedarf aller Staatsverwaltungen deckte und ebenso 
allen Ansprüchen aus dem Publikum entspräche. Dann würde der 
Feldmesser oder Landmesser zum unmittelbaren Staatsbeamten und 



250 Kleinere Mittheilungen. 

ivürde seiner Eigenschaft als Gewerbetreibender entkleidet. Dann 
würden sich, vorausgesetzt, dass man die Abiturientea-Prüfung fordert, 
auch die vom Hr. Abgeordneten Berger beanstandeten Titulaturen 
bei der Katasterverwaltung mit der von ihm baldigst herbeige- 
wünschten Verstaatlichung des gesammten Vermessungswesens, 
zweckmässig ändern lassen. Der Feldmesser würde den Beamten- 
kategorieii, deren Amt einer technischen Materie dient, wie das 
Bau-, Forst- oder Bergfach, gleichgestellt und dadurch gehoben sein. 
Für solche Stellung werden sich auch Bewerber in Menge finden. 
Warum finden wir in Bayern unsern Stand auf der ihm gebühren- 
den Stufe der wissenschaftlich Gebildeten ? Sollte das im grossesten 
Staate des deutschen Keichs nicht auch möglich sein? 

Nicht die bei bescheidenen Ansprüchen als ausreichend er- 
kannten finanziellen Mittel allein oder, profan ausgedrückt, der ge- 
füllte Magen giebt dem Beamten die innere Befriedigung und Freu- 
digkeit zum Beruf! Er will, wenn an seine Ausbildung die An- 
forderung akademischen Studiums gestellt wird, auch social mit 
denen rangiren, die durch ihre wissenschaftliche Vorbildung den 
Anspruch auf eine höhere Stellung als die des Sub altern he am ten 
haben 

Verlangt doch die Postbehörde, deren Beamte sich keinen aka- 
demischen Studien eu witertcerfen haben, nicht nur das Abiturienten- 
Examen, sondern erklärt, nur solche Candidaten anzunehmen, deiteu 
die mündliche Prüfung erlassen wurde.' Trotzdem ist der Beruf 
überfüllt, weil dem Beamten eine bestimmte Laufbahn gesichert und 
eine seiner Vorbildung entsprechende Stellung in der Gesellschaft 
gegeben wird. Man verlange für den Feldmesser das Abiturienten- 
Examen und lege das gesammte Vermesungswesen in Eine Hand 
und es wird der Beruf gehoben und stets gesucht sein ! 

Wie in gegenwärtiger Lage die Leistungsfähigkeit mit der 
Stellung des Feldmessers im Widerspruch steht, geht daraus her- 
vor, dass wenn ein Feldmesser, zufallig gleichzeitig Katasterbeamter, 
in gewissenhafter und pflichtmässiger Verwerthung seiner techniscben 
Kenntnisse von Meliorationsarbeiten, sich diesen zur Zufriedenheit 
aller Betheiligten unterzieht, man ihn mit Vorwürfen überhäuft und 
diese Arbeiten als das Monopol der höhern Beamten reklamirl, ob- 
wohl die Kenntnisse vom Landmesser gefordert werden. Entsprächen 
die Anforderungen der Stellung, dann würden solche Missverhältnisse 
nicht eintreten ! 

Hotten wir daher, dass es der wohlwollenden Fürsorge der 
hohen Behörden gelingen werde, mit der Hebung der geschäftlichen 
Leistungsfähigkeit dem Feldmesser resp. Landmesser auch die ihm 
gebührende Stellung anzuweisen! 




• r 4 ^t*sl 



Kleinere Mittheilungen. 



251 



Basis-Apparat mit Eis-Temperatur. 

Heft No. 168. Vol. XXVIII., December 1884, des > American 
Journal of Science, New Haven, Conn. I. D. & E.S. Dana«, bringt 
Seite 479 die Beschreibung einer neuen Art des Basismessungs- 
Apparats von T. W. Wright und zwar heisst es daselbst: 

In Wright's Abhandlung über die Ausgleichung von Beobach- 
tungen (Van Nostrand, New- York) ist die Beschreibung einer neuen 
Art tfes Basis-Messungs-Apparats gegeben und zwar wird die Me- 
tallmessstange in schmelzendes Eis verpackt, wodurch die Länge 
der Stange während der Messung unverändert bleibt, da ihre 
Temperatur constant gleich der des schmelzenden Eises ist. Die 
Messstange besteht aus einer Stahlstange, 25 mm im Durchmesser 
und 6 m in der Länge, welche in eine runde, \ m im Durchmesser 
haltende Gussstahlröhre mit sehr leichten ümklammerungs- 
ringen gelegt wird. Längs des Kopfes der Röhre sind Nuten von 
nahezu 75 mm in der Weite eingeschnitten, welche die Einführung 
des Eises rund um die Stange gestatten und behufs Ableitung des 
Wassers ist an der unteren Seite der Röhre, in der Mitte derselben, 
eine OefiFnung angebracht. Die Röhre ruht während der Messung 
auf zwei Dreifüssen, welche am besten \\ m an den Enden der 
Röhre nach innen zu gestellt werden. Die bei der Fortbewegung 
erzeugten Biegungswirkungen werden durch in Grade eingetheilte 
Marken, welche die Länge der Stange darstellen und an die neu- 
trale Axe der Stange gestellt werden, erhalten. 

Microskop- Ablesungen, Alignement- Apparat, Sector und Libelle 
sind von derselben Art , wie jene von Repsold für die U. S. In- 
genieurs; auch die Art der Messung bleibt dieselbe. Die Berech- 
nungen, die zur Reduction der gemachten Messungen nothwendig 
sind, werden auf diesem Wege kürzer. Dies System ist überall da 
ausfiihrbar, wo Eis allenthalben in allen Jahreszeiten zu haben ist. 

Coburg, den 2. Februar 1885. G. Kerschhaum. 



Verstellbare Nivellirlatte für directe HUhenangabe. 

Vor Kurzem wurde dem Feldmesser und Culturtechniker Hey- 
decke in Lingen ein Patent auf eine > verstellbare Nivellirlatte fur 
directe Höhenangabe« ertheilt, das mir der Beachtung nicht un- 
werth erscheint. Auf einfache praktische Weise wird durch Ver- 
schieben der Lattenskala die Diiferertz der Visirlinien zweier Instru- 
menten- Aufstellungen bestimmt, so dass man ohne Weiteres die ab- 
gelesenen Zahlen als Goten in den Plan einschreiben kann. Nivelle- 
mentstabellen werden also überflüssig, vermöge der Vereinfachung 
der Arbeit verschiedene Fehlerquellen beseitigt und damit die Brauch- 
barkeit der Arbeit selbst wesentlich erhöht. Ich kann nicht umhin, 
meine Fachgenossen auf diese praktische Erfindung aufmerksam zu 
»lachen. Brode in Rawitsch. 



b. 



Ä 



■i^-lrlw 




252 ^ Patentliste. 



Patentliste von Vermessungsinstrumenten. 

Verzeichniss der in der Zeit vom 2. Februar bis 30. April 1885 
in den Klassen 19 und 42 angemeldeten, ertheilten und erloschenen 
Patente. 

Zusammengestellt im Patent- und technischen Bureau von G. Dittmar, Civil- 

Ingenieur in Berlin, Commandan ten Strasse 56. 

Angemeldete Patente.*) 

Für die angegebenen Gegenstände haben die Nachgenannten 
die Ertheilung eines Patentes nachgesucht. Der Gegenstand der 
Anmeldung ist einstweilen gegen unbefugte Benutzung geschützt. 

St. 1213. Zeiger-Entfernungsmesser. — Steinfeldt in Berlin S.-W., 

Gneisenaustr. Nr. 103 IV. r. 
B. 5267. Drehbarer Rechenschieber. A. Beyerlein in Stuttgart, 

Olgastrasse 18. 
L. 2926. Pantograph. A. Lange in Wilmersdorf bei Berlin. 
P. 2292. Taschen-Addirapparat. A. Petetin in Besan^on, Frankreich. 
G. 2925. " Steigungsmesser. Paul v. Grumbkow in Borsigwerk, O.-Schl. 
J. 1057. Messrädchen. R. Jacob, Major und Bataillons-Comman- 

deur im 5. Pommerschen Infanterie-Regiment Nr. 42 in 

Metz, Esplanadenstr. Nr. 4. 
B. 5528. Anzeigevorrichtung für Entfernungsmesser ohne Latte. 

A. Böhm in Goslar. 
K. 3796. Neuerung an Wirthschaftswaagen. Zusatz zum Patent 

Nr. 28945. F. Koch in Hannover. 
A. 1130. Arbeitsmesser. W. Ashton in Manchester u. E. Scott in 

Newcastle, England. 
F. 2314. Instrument zum Messen und Theilen von Linien; Zusatz 

zu dem unter F. 2056 angemeldeten Patente. K. Friederich 

in Simbach a. Inn. 
M. 3689. Steigungsmesser mit unmittelbarer Feinablesung. Mehrtens, 

Eisenbahn- Bau- und Betriebs- 1 nspektor in Frankfurt, Oder. 
K. 3927. Bruchfestigkeits-Prüfungswaage. E. Kircheis in Aue im 

Erzgebirge. 
St. 1288. Apparat, welcher die Bewegung von Himmelskörpern 

veranschaulicht. J. P. Stroesser, Professor der Mathe- 
matik in Brüssel, Belgien. 
M. 3645. Thermometer für hohe Temperaturen. J. Murrie in 

Glasgow, Grafschaft Lanark, Nordbritaunien. 



*) Auszüge aus den Patentanmeldungen sind durch das Patent- und 
technische Bureau von G. Dittmar, Civil-Ingenieur in Berlin, Comniandanten- 
strasse 56, zum Preise von 1-3 JL, je nach Umfang, zu beziehen. Mitglieder 
des Deutschen Oeometer- Vereins erhalten daselbst jede gewünschte Auskunft in ««*" 
fuhrlichster Weise graiis. 



J 




■" ; ■*■ »- 



Vereinsangelegenheiten. 253 

Ertheilte Patente. 

Auf die hierunter angegebenen Gegenstände ist den Nachge- 
nannten ein Patent vom angegebenen Tage ab ertheilt. Die Ein- 
tragung in die Patentrolle ist unter der angegebenen Nummer erfolgt. 
Nr. 30846. Neuerung an Barometerskalen. R. Glass , Realschul- 

Oberlehrer und M. Schellhammer in Glauchau. Vom 

5. August 1884 ab. 
Nr. 31180. Anzeigeapparat für die Summirung entgegengesetzt ge- 
richteter Grössen. G. Lippegans in Berlin, Langestr. 88/9. 1. 

Vom 4. Juli 1884 ab. 
Nr. 31461. Selbstthätiger Registrir-Messapparat. C. Andrae in Aachen, 

Horngasse 20. Vom 14. September 1884 ab. 
Nr. 31558. Laufgewicht mit beweglicher Schneide. H. Redecher & 

Nauss in Bielefeld. Vom 25. Oktober 1884 ab. 
Nr. 31638. Doppelzeigerwaage. A. Reitze in Hannover. Vom 29. 

Oktober 1884 ab. 
Nr. 31648. Geschwindigkeitsmesser mit Luftdruck ; Zusatz zum Patent 

Nr. 31540. R. John in Kiel, Flenthörn 43. Vom 11. 

November 1884 ab. 
Nr. 31665. Neuerung an Globen; Zusatz zum Patent Nr. 25071. 

A. Brix in Frankfurt a. M. Vom 24. Dez. 1884 ab. 

Erloschene Patente. 

Die nachstehend genannten, unter den angegebenen Nummern 
in die Patentrolle eingetragenen Patente sind auf Grund des §. 9 
des Gesetzes vom 25. Mai 1877 erloschen. 
Nr. 22330. Rechenapparat 
Nr. 12175. Schraffirapparat. 

Nr. 13342. Neuerungen an Zirkeln und Zielifedern. 
Nr. 16681. Neuerungen an Zirkeln; Zusatz zu P.R. 13342. 
Nr. 22463. Kreiscycloidenzirkel. 
Nr. 11264. ümdrehungsgeschwindigkeitsmesser. 



Vereinsallgelegenheiten. 

Programm 

für die 
14. Hauptversammlung des Deutschen Geometervefi^eins, 



Die 14. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins 
wird entsprechend dem Beschlüsse der vorjährigen Hauptversamm- 
lung zu 

Stuttgart 



254 Vereinsangelegenheiten. 

in der Zeit vom 5. bis 8. August d. J. abgehalten werden; die 
Ordnung derselben, welche wir hierdurch zur öflFentlichen Kenntniss 
bringen, ist folgende: 

Mittwoch, den 5. August. 

Vormittags 9 Uhr: Sitzung der Vorstandschaft im Festsaale der 

Königl. Baugewerkschule. 

Nachmittags 4 Uhr : Sitzung der Vorstandschaft und der Delegirten 

der Zweigvereine daselbst. 

Abends 7 Uhr: Empfang und gegenseitige Begrüssung der 

eingetroffenen Theilnehmer mit geselliger 
Unterhaltung im Stadtgarten, bei ungünstiger 
Witterung im Stadtgartensaale. 

Donnerstag, den 6. August. 

Vormittags 9 Uhr: Hauptberathung der Vereinsangelegenheiten 

im Festsaale der Königl. Baugewerkschule 
mit folgender spezieller Tagesordnung: 

1. Bericht der Vorstandschaft über das 
abgelaufene Vereinsjahr. 

2. Bericht der Rechnungsprüfungskommis- 
sion und Beschlussfassung über Ent- 
lastung der Vorstandschaft. 

3. Wahl der Rechnungsprüfungskommission 
für das Jahr 1885. 

4. Vorlage des Etats für das Jahr 1885. 

5. Berathung und Festsetzung von allge- 
meinen Normen für Bezahlung von Ver- 
messungsarbeiten nach Akkordsätzen. 

6. > Antrag des Hannoverschen Feldmesser- 
ivereins, den Satzungen folgenden §. 34 
> hin zu zufügen: 

>Die Abstimmungen, welche eine 
lAenderung der Satzungen betreffen, 
> geschehen mittelst Stimmzettel. Jedes 

> anwesende Mitglied hat für sich eine 

> Stimme und kann zugleich das Stimm- 
> recht von abwesenden Mitgliedern, 

\ >jedoch von nicht mehr als 10 der- 

> selben ausüben, deren schriftliche 
>Bevollmächtigung es vorher nachzu- 

> weisen hat. Diese Bestimmung tritt 

> sofort in Kraft. < 

7. Neuwahl der Vorstandschaft und der 
Redaktion. 

8. Vorschläge für Ort und Zeit der nächst- 
jährigen Hauptversammlung. 



Vereinsangelegenfaeiten. 



255 



Nachmittags 3 Uhr: 
Abends 6 Uhr: 



NachSchlusscLSitzuDg: Besichtigung des Eönigl. Residenzschlosses, 

der Königl. öffentlichen Bibliothek und der 
Bildergallerie. 

Festessen im grossen Saale des Stadtgartens. 

Eisenbahnfahrt auf der Panoramabahn zum 
Hasenberg, daselbst Besichtigung des Pano- 
ramas der Stadt Stuttgart. Hierauf Rückweg 
durch die Hasenberg- und Reinsburgstrasse 
in den von der Museumsgesellschaft zur Ver- 
fügung gestellten Silberburggarten mit musi- 
kalischer Unterhaltung. 



Vormittags 9 Uhr: 



Freitag, den 7. August. 

1. Vortrag des Herrn Professor Schiebach 
über die Geschichte der Württemberg. 
Landesvermessung und des Württemberg. 
Vermessungswesens im Festsaale der 
Königl. Baugewerkschule. 

2. Bericht der Kommission zur Berathung 
der Vorschläge des Herrn Professor 
Heinrich (Rostock), Bodenbonitirung und 
Bonitirungskarten betreffend. 

3. Berathung des folgenden Antrages des 
Württembergischen Geometervereins auf 
Abänderung der §§. 20, 14 und 22 
der Satzungen des Deutschen Geometer- 
vereins. 

a. >Die 14. Hauptversammlung des 
> Deutschen Geometervereins wolle 
>beschliessen, dem §. 20 der Ver- 
>einssatzungen folgende Fassung 
>zu geben : 

>Der Verein hält alle zwei 

> Jahre eine Hauptversammlung 
>ab, deren Zeit und Tagesord- 
>nung von der Vorstandschaft 
>im vorherigen Benehmen mit 
>den Zweigvereinen festgesetzt 
wird. 

> Bezüglich des Orts, an dem 
>die Versammlung abgehalten 
> werden soll, ist die bei der 

> vorhergehenden Versammlung 

> getroffene Wahl bestimmend. 

b. >Die §§. 14 und 22 sinngemäss zu 
ändern.« 



Ä 




256 Vereinsangelegenheiten. 



4. Besichtigung der Auestellung geome- 
trischer Arbeiten, Kartenwerke, geodä- 
tischer Instrumente und von Arbeiten 
der württembergischen Geometerschule. 

Nachmittags 2 Uhr : Zwanglose Zusammenkunft in der Liederhalle 

zu einer Tasse Kaffee. Besichtigung des 
Festsaales daselbst. 

Nachmittags 3 Uhr : Spaziergang durch die Königl. Anlagen nach 

dem Lustschloss Rosenstein und der Königl. 
Wilhelma. Sammlung beim Hoftheater präcis 
3 Uhr. 

Nachmittags 6 Uhr : Abendunterhaltung mit Konzert im Kursaale 

in Cannstadt 

Samstag, den 8. August. 

Vergnügungsausflug nach Wildbad, daselbst Abschied. 

Während der Dauer der Versammlung am 5., 6. und 7. August 
wird je von Morgens 8 Uhr bis Nachmittags 5 Uhr in mehreren 
Sälen der Königl. Baugewerkschule (am Stadtgarten) eine Ausstel- 
lung von Instrumenten, Karten und Vermessungswerken geöffnet 
sein, zu deren Beschickung Jedermann, besonders aber die Vereins- 
mitglieder, mechanische Werkstätten, Buch- und Kunsthandlungen 
ergebenst eingeladen werden. 

Anmeldungen sind möglichst bis zum I.Juli beim Ortsausschuss 
zu machen. 

Neuwied, den 10. Mai 1885. 

Der zeitige Vereins-Direktor. 
L, Winckel, 



Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2268. Dallstein, Bauassistent und Feldmesser, Metz. 
> 2269. Warlo, königl. Feldmesser und Culturtechniker, Ratibor. 



Inhalt. 

Grossere Abhandlung: Beiträge zur KeDntniss von Gauss' praktisch-geo- 
dätischen Arbeiten, von Gaede. (Schluss.) — Kleinere Mittheilungen. Patentiiste. 
Vereinsangelegenheiten. 



Karlsruhe. Druck von Maisch & Vogel. 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSW 

Organ des Deutschen Geometervereiiia. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe», Steuerasaeasor in Münch 
B. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan, Professor in Hannov» 

18*». Heft 13. Bi 

1. Juli. 



Lage der Feldmesser im Staatseisenbahni 

Die Zeitschrift des Rheinisch- Westfälischen Feldmess 
enthält in ihrer Nummer 2 vom 15, April dieses Jahres 
tikel über die Lage der Feldmesser im Staatseisenba 
welchen wir seiner Wichtigkeit für eine grosse Anzali 
ßerufsgenossen wegen im Nachstehenden wiedergeben. 

Wiederholt schon sind aus den Kreisen der im S 
babudienste beschäftigten technischen Subaltern-Beamtt 
wie auch in der Tagespresse Stimmen laut geworden , w 
weder die Bevorzugung der administrativen vor den t 
Subaltern -Beamten verurtheilten , oder — freilich nur g 
mein — nachzuweisen versuchten, dass die Zahl der für 
im Staatseisen bahn dien st e vorgesehenen etatsmässigen 
durchaus keinem Verhältnisse stehe zu der Zahl der^^bes 
bezw. dauernd erforderlichen technischen Kräfte. *) 



*] So z. B, in dem Artikel : „Zwei Mangel in der preuseisi 
Eiaenbahn- Verwaltung", Deutsche Bauzeitung 1885 Seite 4, zu de 
£ung noch bemerkt werden möge, dass nach dem Frotokall vom 6. 
vember 1884 Seite 24 über die Konferenz der Königlichen Eisenbahn- 

IT6 technischen Eisen bah n-Seoretairen, 

148 Anwärter und Aspiranten zu solchen Stellet 

105 Bolohe technische Beamte vorhanden sind, i 

die volle QoalificBtion zum technischen Eisec 

tair besitzen, 



429 

ausserdem gibt es 246 etatsmässige Zeichner, 

173 Anwärter zu Zeichners teilen und 
619 Hii l fszeich ner, 
zusammen 1037. 
Db nach dem bekannten Verwaltungs-Grundeatz zwei Drittel der er 
Kräfte etatsmässig sein sollen, so ergäbe sich nach diesen Zahlen 
286 technischen E ise n bahn- Secret airen und 691 etatsmässigen Zeic 
{Anmerk. de 






L^*^ 
-^•. 






258 Lage der Feldine88er im Staatseisenbahndienst. 

Es möge daher gestattet sein, um die Berechtigung besonders 
+ der letzteren Klagen nachzuweisen, einmal eine Kategorie dieser 

technischen Beamten — die Eisenbahn - Feldmesser — herauszu- 
greifen und zu zeigen , in wie wenig ausreichender Weise für deren 
Zukunft Vorsorge getroffen ist. Sehen wir uns also die Verhältnisse 
der Eisenbahn-Feldmesser etwas näher an. 

Im Bereiche der Staatseisenbahn- Verwaltung bestehen gegen- 
wärtig 13 Königliche Eisenbahn-Directionen , von welchen indessen 
für unsern Zweck einstweilen nur die 9 Directionen Köln (linksrh.), 
Köln (rechtsrh.), Elberfeld, Frankfurt, Hannover, Magdeburg, 
Berlin , Breslau und Bromberg in Betracht kommen können , da 
einerseits die definitive Organisation der übrigen Directionen erst 
noch erfolgen wird , andererseits aber auch die leitenden Organe 
der in letzter Zeit verstaatlichten Eisenbahn - Unternehmungen 
in einer Weise für ihre Beamten Fürsorge getroffen haben , dass 
deren Zukunft vollständig gesichert erscheint, indem der Staat 
die von den einzelnen Verwaltungen noch in letzter Stunde ihren 
Beamten gegenüber eingegangenen Verpflichtungen voll und ganz 
übernommen hat. 

Die Verhältnisse bei den aufgeführten 9 Directionen nun sind 
durchaus nicht bei allen gleicher Natur , denn , wenn auch bei 
einigen derselben die Bezirke eine sehr grosse Ausdehnung haben, 
so sind doch die Verkehrs- Verhältnisse ziemlich einfach und Ver- 
änderungen und Erweiterungen der bestehenden Bahnanlagen nur 
in geringem Umfange erforderlich , daher denn auch die Zahl der 
erforderlichen Feldmesser nicht so gross , wie in den Directions- 
Bezirken , welche die Gebiete der Gross - Industrie umfassen. Zu 
den letzteren Bezirken rechnen wir vorzugsweise Köln (linksrh.), 
Köln (rechtsrh.) , Elberfeld und den Theil des Bezirks Breslau, 
welcher das oberschlesische Berg- und Hütten - Revier umfasst, 
ferner noch die Umgebung von Magdeburg und daran anschlies- 
send den ganzen District bis zu den nördlichen Abhängen des 
Harzgebirges, ein Gebiet, auf welchem durch die grosse Industrie 
in der nächsten Umgebung von Magdeburg sowohl, als auch durch 
die sehr grosse Fruchtbarkeit und die überaus mannigfaltige Art 
der Erzeugnisse ein sehr stark verzweigtes Netz von Eisenbahnen 
entstanden ist. 

In diesen Bezirken ist der Betrieb durch die grosse Anzahl 
der Anschlüsse und Abzweigungen ein äusserst complicirter und die 
baulichen Veränderungen, Neuanlagen p. p. im Unter- wie auch im 
Oberbau sind so massenhaft und umfangreich, dass die Bewältigung 
der einschlägigen Arbeiten ein bedeutend grösseres technisches 
Personal erfordert, besonders aber an Feldmessern ; denn der Feld- 
messer hat bei den sämmtlichen baulichen Veränderungen und Neu- 
anlagen die für die Projecte erforderlichen Vorarbeiten zu machen 
und muss auch bei der Ausführung in erster Linie thätig sein. 
Hierzu tritt noch der Umstand, dass gerade in diesen Gebieten 
der Werth des Grund und Bodens ein ganz bedeutender und die 



L&ge der Feldmeaser im Staatseisenbahn dienst. 

Erhaltung und Verwaltung des Bahneigenthums in Fo 
von grösster Wichtigkeit ist. 

Beschäftigen wir uns nun mit der Frage, wie viele '. 
bei den aufgeführten 9 Directionen wohl dauernd erford 
wie viele etatsmässige Stellen für dieselben zu scliaffen 
müssen wir vorab das Gebiet der Thätigkeit der Feld: 
näher ansehen und zwar sowohl die Thätigkeit am Sitze 
tionen , wie auch bei den diesen unterstellten Betri 
Am Sitze der Directionen ruht die Ueberwachung der i 
Verwaltung des Grundeigenthums , die Verwaltung der < 
Bezirk umfassenden Plankammer, die Revision der sämm1 
den unterstellten Betriebsämtern eingehenden Vermessunj 
lien, sowie die Erledigung der der Direction selbst o 
laufenden Geschäfte — Vorarbeiten für die Aufstellung 
Statistik, Kilometerzeiger etc.^ — Arbeiten, welche bei jede 
mindestens 4 bis 5 , bei den Directionen Köln (rechts 
(linksrh.) und Elberfeld noch mehr Kräfte erfordern. 
nun für den Sitz der Directionen im Allgemeinen 3 et 
für die genannten 3 Directionen deren 4 in Ansatz brinj 
den thatsächlicben Verhältnissen entspricht, so wird diese 
kaum beanstandet werden können ; die übrigen erforderlit 
müssten dann als Anwärter eingestellt werden. 

Den Eisenbahnbetriebsämtern liegt vorzugsweise die 1 
und Erhaltung des Grundeigenthums, die Unterhaltung 
unterstellten Bahnanlagen etc. und die Erledigung de 
Letzteren verbundenen ausgedehnten und mannigfaltigen 
Geschäfte ob. Was nun die Erhaltung und Verwaltung ( 
eigenthums anlangt, so hat die Erfahrung gelehrt, äi 
Zukunft ganz andere Maassnabraen zu diesem Zwecke e 
sind, wie solche für die Verwaltung des Grund und Bode: 
Privat-Gesellscbaften galten. Die Begrenzung einzelner Th 
der verstaatlichten Eisenbahnen ist in einem ao desolaten 
dass deren Begrenzung und Aufnahme fast vollständig 
werden musa; eine Arbeit, welche, zumal die Schlussver 
fast durchgängig in Accord gemacht wurden , in Folge 
weise sehr geringen Zuverlässigkeit dieser Arbeiten, mit i 
grossen Aufwand an Zeit und Mühe und mit grossen ' 
für die Verwaltung verbunden ist. Um solchen üebelst 
die Zukunft vorzubeugen , ist es wohl rathsam , die Co 
Begrenzungen unausgesetzt im Auge zu behalten, besond 
der Werth des Grund und Bodens ein verhältnisamäasig 
Zu dieser Arbeit aber ist nur der Feldmesser zu verwende 
gleichzeitig mit der periodisch vorzunehmenden Uootrolle 
steine die Wiederherstellung etwa fehlender Grenzen 
Auch kann es kaum zweifelhaft erscheinen, dass die ^ 
der Plankammer , besonders aber des bei den Betriebs 
führenden Grundbuches,*} sowie der in Verbindung mit 

*) Anmerkung: Was den Zweck und die Bedeutung des ( 






1 



260 Lage der Feldmesser im Staatseiaenbahndienst. 

zu führenden Kartenwerke, welche jederzeit eine klare üebersicht 
des Grundbesitzes der Eisenbahn - Verwaltung bieten sollen , nur 
von den Feldmessern gehandhabt werden kann , da nur ihnen die 
erforderliche Sachkenntniss innewohnt und nur den von ihnen ge- 
führten Kartenwerken öffentlicher Glauben beigemessen wird. Die 
laufenden mit der Bahnunterhaltung verbundenen Geschäfte sind 
innerhalb der Grenzen eines jeden Betriebsamtes besonders in den- 
jenigen sehr umfangreich, welche die Gebiete der grossen Industrie 
umfassen, und zu ihrer Bewältigung sind nicht allein am Sitze des 
Betriebsamtes mehrere, sondern auch fast bei jeder nicht am Sitze 
des Betriebsamtes domicilirten Bau- Inspection je ein, oft sogar zwei 
Feldmesser dauernd in Thätigkeit. Wir bringen dalier für jede der 
nicht am Sitze des Betriebsamtes domicilirten Bau-Inspection je 1 
etatsmässige Stelle und für den Sitz jeden Betriebsamtes ebenfalls 
je 1 etatsmässige Stelle in Ansatz, ausgenommen jedoch die Be- 
triebsämter Trier, Köln, Crefeld und Saarbrücken des Directions- 
bezirks Köln (linksrh.) , Münster , Dortmund , Essen , Düsseldorf, 
Wesel des Directionsbezirks Köln (rechtsrh.), Düsseldorf, Hagen, 
Essen des Directionsbezirks Elberfeld, Magdeburg und Halberstadt 
des Directionsbezirks Magdeburg, sowie endlich Kattowitz und 
Ratibor des Directionsbezirks Breslau, da bei diesen Betriebsämtern 
durch die Vereinigung von zwei und mehr Bau - Inspectionen am 
Sitze des Betriebsamtes die Mehrbelastung eine zu augenfällige ist, 
um nicht sofort auf ein grösseres Bedürfniss an Feldmessern zur 
Bewältigung der sich in der That mitunter häufenden laufenden 
Arbeiten schliessen zu müssen. Für diese 16 Betriebsämter bringen 
wir je zwei etatsmässige Stellen in Ansatz. Das Bedürfniss an 
Feldmessern ist bei sämmtlichen Betriebsämtern, wie die Zahl der 
beschäftigten Kräfte zeigt, ein grösseres und wären auch hier wieder 
von den übrigen Feldmessern die durch Ministerial-Erlass im Ver- 
hältniss zu den etatsmässigen Stellen festgesetzte Anzahl als Anwärter 
einzustellen. 

Das Bedürfniss, je 1 Feldmesser bei den ausserhalb des Sitzes 
der Betriebsämter domicilirten Baiiinspectionen etatsmässig vorzu- 
sehen, ergibt sich bei den besonders aufgeführten 16 Betriebs- 
ämtern aus den viel umfangreicheren laufenden Geschäften, welche 
die in diesen Bezirken sich entfaltende grosse Industrie, wie wir 
oben bereits kurz andeuteten, mit sich bringt; bei den übrigen 45 



für die Staatseisenbahn-Verwaltang anlangt, so ist hier nicht der Ort, auf 
diese Materie näher einzugehen, und behalten wir uns dies für einen beson- 
deren Aufsatz vor. Hier mag die kurze Andeutung genügen, dass nach der 
Verstaatlichung der meisten Eisenbahnen gerade der Besitz an Grund und Boden 
für den Staat eine besondere Bedeutung gewonnen hat, und dass ihm sehr 
daran gelegen sein muss, sowohl ganz genaue Verzeichnisse seiner sämmtlichen 
Liegenheiten, welcher Art sie auch immer sein mögen, zu haben, als auch 
Kartenwerke, welche unter Wegfall aller auf Betriebs- und Verkehrs- Verhältnisse 
bezüglicher Details nur den Besitz an Kataster-Parzellen nachweisen und stets 
auf die Gegenwart berichtigt werden, um so jederzeit ein klares Bild des 
Grundeigen thums zu bieten. 




Lage der Feldmesser im Staatseisenbahndienst. 261 

Betriebsämtern aber aus dem Grunde, weil die Erledigung der 
sämmtlichen Geschäfte vom Sitze der Betriebsämter aus, bei der 
bedeutenden Längenausdehnung der meisten der letzteren einen 
Aufwand an Zeit für Reisen etc. erfordern würde , welcher in gar 
keinem Verhältniss stände zu der auf die Erledigung der Dienst- 
geschäfte zu verwendenden Zeit. Ausserdem aber würden wir bei 
diesen Betriebsämtern unbedingt 2 etatsmässige Stellen in Ansatz 
bringen, falls die Bau-Inspectionen ausserhalb nicht besetzt würden, 
da jedes derselben 3 Feldmesser unbedingt beschäftigen muss, um 
die Erledigung der Geschäfte erzielen zu können. 

Ziehen wir nun das Schlussresultat, so würden in Ansatz zu 
bringen sein : 

1. a. für die Sitze von 6 Directionen je 3 etatsmässige 

Stellen 18 

b. für die Sitze von 3 Directionen je 4 etatsmässige 

Stellen 12 

2. für 45 Betriebsämter je 1 etatsmässige Stelle .... 45 

3. für weitere 16 Betriebsämter je 2 etatsmässige Stellen 32 

4. für 76 nicht am Sitze der Betriebsämter domicilirte 
Bau-Inspectionen je 1 etatsmässige Stelle 76 

zusammen etatsmässige Stellen . . .183 
Zur Zeit sind bei den aufgeführten 9 Directionen ca, 280 Feld- 
messer beschäftigt^ von welchen nur 61 in etatsmässigen Stellen sind. 
Ob eine Vermehrung der etatsmässigen Stellen für Feldmesser 
höheren Orts beabsichtigt wird, darüber verlautet zur Zeit noch 
nichts ; das Zahlenverhältniss aber ist ein so abnormes , dass in 
irgend einer Weise Abhülfe geschaffen werden muss. Wenn auch 
ein Theil der beschäftigten Feldmesser — etwa 70 an der Zahl — 
als nur vorübergehend bei Neubauten beschäftigt angesehen wird, 
so werden doch auch von diesen eine grosse Anzahl nach Fertig- 
stellung der Neubauten in den Betrieb übernommen werden müssen, 
um die dem Betriebe durch den Zugang der neuen Strecken 
erwachsenden Mehr-Arbeiten bewältigen zu können. 

Vor allem sollte die Regierung, falls sie unseren Wünschen 
nicht im ganzen Umfange gerecht werden will, dafür Sorge tragen, 
soviel etatsmässige Stellen mindestens einzurichten, um den älteren, 
zum Theil schon 10 Jahre und länger bei dem Betriebe beschäf- 
tigten in einem Alter von bis zu 45 Jahren stehenden Feldmessern 
eine einiger maassen gesicherte Zukunft zu schaffen. Bitter genug 
ist es, dass diese Leute selbst bei jetzt sofort erfolgender Anstellung 
wohl kaum das Durchschnitts-Gehalt werden erreichen können, und 
im Falle eintretender Dienst - Unfähigkeit die Pensionsansprüche 
mehr als bescheiden sein würden ; bitterer aber noch , dass sie in 
ihrem jetzigen Verhältnisse Pensions-Ansprüche überhaupt nicht 
erwerben können, und eine eintretende Dienst-Unfähigkeit sie also 
vollständig brotlos macht.*) 



*) Anmerkung. Bedeutend besser als die Eisenbahn-Feldmesser sind, was 



■ ^r 



ä^-^i' ::i, 






I':-- ■> 



262 Lage der Feldmesser im Staatseisenbahndienst. 

Aber nicht allein bei dem Eisenbahn- Betriebe ist es dringendes 
Bedürfniss, neue Stellen zu schaffen, auch für den Neubau sollten 
wenigstens so viel etatsmässige Stellen für Feldmesser eingerichtet 
werden, als bei Uebernahme der Neubau-Strecken in den Betrieb 
bei letzterem mehr Feldmesser Verwendung finden müssen. Dadurch 
wäre es möglich , dem Neubau , besonders für grössere Neu- und 
Umbauten, Feldmesser von längerer Praxis und Erfahrung zu 
sichern, jedenfalls im grossen Interesse der Arbeiten selbst; denn 
dass ein zusammengewürfeltes Personal von theilweise zweifelhafter 
Befähigung oder Mangels der erforderlichen Praxis nichts Ordent- 
liches leisten kann, liegt auf der Hand. Die Schäden aber, welche 
der Neubau hinterlässt , muss der Betrieb mit oft schweren Geld- 
opfern ausmerzen. 

Sollten unsere Wünsche bei dem Herrn Minister der öffent- 
lichen Arbeiten, der sein Wohlwollen für seine Beamte so oft schon 
betonte und auch bekundete, geneigtes Ohr finden , so müsste für 
die Staatseisenbahn- Verwaltung ein grosser Vortheil schon dadurch 
eintreten, dass ein gut geschultes und zuverlässiges Feldmesser-Per- 
sonal geschaffen und ihr dauernd erhalten würde, über welches sie 
nach Bedürfniss frei verfügen könnte und dass ferner eine viel 
grössere Schaffensfreudigkeit bei den Feldmessern sich wohl kund 
geben dürfte, da die verringerte Sorge um die Zukunft ihnen eine 
schwere Bürde abnehmen würde. Können auch nicht alle beschäf- 
tigten Feldmesser in den Bezirken, in welchen sie gerade arbeiten, 
Mangels der erforderlichen etatsmässigen Stellen bei diesen ange- 
stellt werden, so sollte man die älteren Leute doch anderen Direc- 
tionen zutheilen und sie da anstellen , wo wenig ältere oder gar 
nur junge Leute vorhanden sind und nicht die Letzteren den im 
Dienste grau gewordenen vorziehen. Zu diesem Ende wäre es am 
zweckmässigsten und billigsten, die Feldmesser aus der Reihe der 
Eisenbahn-Sekretaire herauszuheben uiid für sie als besondere Kate- 
gorie derselben die Anciennität nicht für die einzelnen Directions- 
bezirke, sondern für den ganzen Bereich der Staatseisenbahn- Ver- 
waltung festzusetzen und sie durch den ganzen Staat rangiren zu 
lassen, W. 



ihre Zukunft anbelangt, die bei den Auseinandersetzungs-Behörden beschäf- 
tigten Feldmesser gestellt, welche nach lOjahriger diätarischer Beschäftigung 
Pensions-Ansprüche erwerben. Näheres hierüber enthalten die in Nr. 4 der 
Zeitschrift des Rhein.- Westf. Feldmesser- Vereins Jahrgang 1883 Seite 80 und ff. 
gemachten Mittheilungen über die Personal-Verhältnisse der in den verschie- 
denen Zweigen der Staats- Verwaltung beschäftigten Feldmesser. 



Helmert. Ausgleich, von syrametr, angeordn. Richtungsbeob. e. StatioD. 263 

Ausgleichung von symmetrisch angeordnet 
tungsbeobachtungen einer Station. 

Diese von Herrn Vogler S. 49 und ff. dieses Jahr 
bandelte Aufgabe lässt sich mit einigem Vortheil dad 
dass als Unbekannte (nicht Winkel, sondern) Richtungen 
werden. 

Sind die Beobachtungswerthe für einen Satz, welcb« 
tung 1 bis i enthält , gleich /, bis h und sind ?,i bis . 
hörigen, von der M. d. kl. Qu. geforderten Verbesserunge 
man nait Hansen 'J die Fehlergleichungen ansetzen: 
>.,. = — ^(. +M + ari ,Ä:=1...... 

Hierin bezeichnen die Symbole Xi . . . x-, die Neigun 
tungen 1 bis i gegen eine willkürliche Anfangsrichtung, 
sam für alle Sätze ist, während ti als Unterschied der ^ 
der Zählung für die l und jener Anfangsrichtung nur dei 
den Satze angehört 

Die Gl. (1) geben als Normalgleicbung für w: 

und als Beitrag zu der Normalgleichung für a^^: 

— Ik -{u-^-Xk. 

Nach Elimination von u mittelst (2) lautet dieser I 

r , »—1 1 f -> 

— X t + ^ «(. — j \_^\^,,, , , 

wenn man zur Abkürzung 

setzt. Sind nun überhaupt p Objekte sichtbar , von 
Kombinationen zu jei beobachtet werden, so wirdiC^ '\x\{^. 

auftreten, da es bei Festhaltung des h. Objektes soviele v 
Sätze giebt als Kombinationen zu je »—1 unter p — 
Es sind aber ebensoviele Beiträge (3) vorhanden, durch > 
tion die Normalgleichung für x^ entsteht. Der Koefflzi 

wird daher gleich ^(^^^Y d. i. (p-1) j" für 

*) P. A. Hansen, Vöd der Methode der kleinsten Quadrate 
8. Bde. der Abb. d. math.-phys. Cl. der Gea. d. Wissenschaften 
1867 ; S. 668. 

Die Vortbeile, welche das Hansen'sche Verfahren in einiget 
Fällen bietet, wurden von Oberst Schreiber bei der König!. Lai 
(Hauptdreiecke 2. Bd. 1674 S. 303 u. ff.) verwerthet {vei^l. auch d 
1878 S. 219 u. ff.). Auch sind sie von Jordan, Doutaches Verm 
Bd. 1 8. 57, gewürdigt worden. Eine andere Anwendung giebt ir 
obungsrechnang (1872) S. 157. 



264 Helraert. Ausgleich, von symmetr. angeordn. Richtungsbeob. e. Station. 



KCl)-- (') 



Um den Koeffizienten für eine der anderen Unbekannten z. B. 
Xk aufzustellen, i stjzut bedenken, dass unter den Kombinationen von 

p^Objekten zu je i sich |^. z\ befinden werden, welche sämmtlich 

u. a. zwei bestimmte Objekte h und Tc enthalten. Mithin wird 
irgend ein Xu in |^. ^ | Beiträgen (3) auftreten, so dass die Normalglei- 
chung für Xji die nachstehende Form annehmen muss: 

= - [L* ] + (jP-1) i=o>^-J [iP] (6) 

J . . . p ohne k 

Hierin bezeichnet [Lk ] die Summe aller überhaupt beobachteten und 
nach (4) reduzirten Ablesungen für das k. Objekt. 

Das System der p Normalgleichungen (6) für Xi ...x^ ist völlig 
symmetrisch zu diesen Unbekannten. Seine Summe giebt = 0, 
wie es sein muss , da in den x die willkürliche Anfangsrichtung 
steckt und ohne Festsetzung derselben nur die Differenzen der x 
bestimmte Werthe annehmen. Die Vogler'schen Normalgleichungen, 
S. 56 oben, erhält man aus (6) durch die Annahme x^ =0. 

Um nun zu zeigen, dass die Messung aller Kombinationen von 
p Objekten zu je i ein Ausgleichungsresultat giebt, welches mit 
dem Mittel von 

vollen Sätzen gleiche Genauigkeit hat, nimmt man in (6) i=p und 
beachtet , dass bei g^maliger Beobachtung jedes Satzes in (6) zu j 
noch der Faktor q tritt. Damit giebt (6) für q volle Sätze: 

Q^-[Lu] + (p-l) lx,-Ux] (8) 

tr Jri ' ' ■ p ohne k 

Für q = pj stimmen aber die entsprechenden Koeffizienten der 
Normalgleichungssysteme (6) und (8) überein; es werden somit 
für diese Annahme die Genauigkeiten beider Beobachtungssysteme, 
indem sie bei gleicher Genauigkeit der Beobachtungen nur von den 
Koeffizienten der Normalgleichungen abhängen , einander gleich. 
q = pj giebt endlich mit Rücksicht auf (5) den Ausdruck (7). 

Eine wirkliche Auflösung des Systems (6) erzielt man am be- 
quemsten durch die Annahme = [x]. Addirt man diese Gleichung 
nach vorheriger Multiplikation mit j zu den (6), so folgt für jeden 
Index k: 

= -[L,]+pjx, (9) 

[In ähnlicher Weise lässt sich übrigens auch das Yogler'sche 
Normalgleichungssystem S. 56 oben auflösen. Man bildet dort die 
Summe aller Gleichungen und addirt dieselbe sodann zu jeder der- 
selben. Da Voglers [i/L] meinem [L] entspricht und die Total- 
summe aller L null ist, folgt dann mit Rücksicht auf die Beziehung 

yk=^k—00i' 






Helmert. Ausgleich, von symmetr. angeordn. RichtungsWob. e. Station. 265 

0= [L,] + [L,]+pj(x,^oc,), 

übereinstimmend mit System (9). Der Nachweis der Aequivalenz 
mit q vollen Sätzen erfolgt gerade so wie oben im Anschluss an (6) ; 
will man aber eine Gewichtsbestimmung durch Auflösung erzielen, 
so bietet dieselbe nach dem soeben Bemerkten auch ohne Determi- 
nanten keine Schwierigkeit.] 

Die Anwendung der Formeln auf Richtungsbeobachtungen 
(d. h. für i > 2) mag folgendes kleine Beispiel erläutern : 

Als angenäherte ßichtungswerthe sind dabei angenommen : 

1. 0° 0' 0" 3. 292° 28' 21" 

2. 262 48 22 4. 326 55 30 

welche in Folgendem für die l und x als Ausgangswerthf^ dienen. 

Uebersicht der l: 



Objekt : 

( 


1 


2 


3 


4 


1 


[ZJ:3 


Satz 1 


1 




1,0" 


+ 1,0 " 


• 








1 > 2 


• 


+ 2,0 


+ 1,8 


+ 2,7 


+ 6,5 


+ 2,17 


> 3 





• 


-1,0 


-1,4 


-2,4 


0,80 


i > 4 





+ 3,2 


• 


+ M 


+ 4,6 


+ 1,53 



Uebersicht der L: 



Objekt : 


1 

1 




2 


3 


1 
1 


1 

i Satz 1 

> 2 
» 8 

> 4 


0" 

• 

+ 0,80 

1,53 

1 


1,00" 
0,17 

+ 1^67 . 


+ 1,00" 
0,37 
0,20 

• 


1 
1 

+ 0,53 

0,60 

—0,13 

1 


[Z,]: 


-0,73 


+ 0,50 


+ 0,43 


0,20 

' 1 


1 
1 


, 0,274 

1 


+ 0,188 


+ 0,161 


0,075 

1 
1 



p = 4 
i = 3 
. 2 

•^ = 3 

. 8 



X, 



Xi 



X^ x^ 

Bringt man die in der letzten Horizontalreihe enthaltenen 
Werthe der Unbekannten an den Näherungswerthen derselben an 
und reduzirt die Angabe für die 1. Richtung auf null, so folgt: 

1. 0° 0' 0" 3. 292° 28' 21,44" 

2. 262 48 22,46 4. 326 55 30,20. 

Bei Winkelbeobachtungen (d. h. für i = 2) kann die Rechnung 
zwar auch in vorstehender Weise angelegt werden , wird aber für 



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266 Kleinere Mittbeilungen. 

diesen Fall besser nach der von Oberst Schreiber 1878 (auf S. 232 
der Zeitschr.) gegebenen Anordnung durchgeführt. 

Aachen, Februar 1 885. 

Helmert. 



Kleinere Mittheiluiigeii. 

Die Prüfung für ,,Cultur-lngenieure'' an der technischen Hochschule zu 

München. 

Von M. Schuttes, geprüftem Cultur-Ingenieur und Regierungs-Feldmesser. 



Es wird für manchen der Leser, welche Culturtechnik studirt 
haben oder noch studiren wollen, nicht uninteressant sein , zu er- 
fahren , in welcher Weise die theoretische Ausbildung der Cultur- 
Ingenieure an der technischen Hochschule zu München erfolgt. Unter 
den deutschen technischen Hochschulen sind München und neuer- 
dings Darmstadt die einzigen, an denen obligatorische Prüfungen 

^^ für Candidaten des Cultur- Ingenieurfachs abgehalten werden. 

Die Aufnahme als Studirender erfolgt an der Hochschule zu 

:^ München auf Grund eines Absolutoriums eines humanistischen 

■r Gymnasiums, einer Realschule I. 0. oder einer Gewerbe- und In- 

dustrieschule. Das Studium nimmt 3 Jahre in Anspruch und müssen 

•J: sämmtliche Gegenstände, welche das Studienprogramm enthält, auf 

einer technischen Hochschule oder Universität gehört und durch 

•^ Inscriptionszeugnisse nachgewiesen werden. 

Im ersten Jahr sind folgende Gegenstände zu hören (die in 
Klammern beigesetzten Zahlen bedeuten die Stundenzahl der Uebungen, 
die Buchstaben W. und S. das Winter- und Sommer - Semester) : 
Höhere Mathematik I. Theil mit 4 (2) Stunden W. u. S., Geog- 
nosie und allgemeine Botanik mit je 5 Stdn. W. , Experimental- 
physik mit 6 Stdn. W. u. 4 Stdn. S., allgemeine Experimental- 
chemie 6 Stdn. W., Urbarmachung und Entwässerung mit 3 Stdn. 
S., Wiesenbau 2 Stdn. S. und Linearzeichnen mit je 1 (6) Stdn. 
W. u. S. 

Im zweiten Jahr : Bauconstructionslehre für Ingenieure mit 

3 (6) Stdn. W. u. S. , technische Mechanik mit graphischer Statik 
7 Stdn. W. u. S., praktische Geometrie mit 5 (6) Stdn. W. u. 1 (8) 
Stdn. S., allgemeine Erd- und Stassenbaukunde 4 Stdn. S., Situa- 
tions- und topogr. Zeichnen mit je 6 Stdn. W. u. S. 

Im dritten Jahr: Höhere Geodäsie mit 1 (6) Stdn. W. und 

4 (8) Stdn. S., specielle Strassenbaukunde mit 4 (8) Stdn. W., all- 
gemeine Maschinenlehre 3 W. u. 4 S., endlich Kosten Voranschläge 
für Ingenieurbauten 2 Stdn. S. 

Dabei ist es jedoch nicht nothwendig, sich auf die im Studien- 
plan in den betreffenden Jahrgängen aufgeführten Gegenstände zu 
inscribiren ; es steht auch hier Jedem frei, Gegenstände aus dem 
zweiten Jahrgang mit in den ersten hinüberzunehmen und so um- 



Kleinere Mittbeiluagen. 

gekehrt, nur miisseii sämmtliche aufgeführten Gegenetänfle \ 
leguDg des Examens durch Belegezeugnisse nachgewiesen wei 

Die Prüfung zerfällt in eine Vor- und in eine Fachprüf 

Die Vorprüfung wird in der Regel nach einem vierseme 
Studium abgelegt und erstreckt sich auf folgende Gegenstär 

Mündlich zu prüfende Gegenstände sind ; 

Algebraische Analysis und Trigonometrie , höhere Math 
I. Theil, technische Mechanik mit graphischer Statik, Expt 
talphysik, allgemeine Chemie, Agriculturchemie und aUg 
Botanik. 

In jedem Gegenstand wird der Candid at '(4 Stundi 
geprüft. 

Schriftlich zu prüfende Gegenstände sind : 

Höhere Mathematik, darstellende Geometrie, techniscl 
chanik mit graphischer Statik, Urbarmachung und Entwäss« 
künde und Wiesenbaukunde, je mit 2 Aufgaben. 

Zu der nach dem vorgeschriebenen dreijährigen Studium 
legenden Fachprüfung gehören im schriftichen Theil fc 
Gegenstände : 

Höhere Geodäsie und Bauconstructionslehre für Ingeniei 
je 2, dann Erd- und Strassenbaukunde mit Kostenanschlägen, 
Wasserhaukunde mit je 3 Aufgaben. 

Mündlich zu prüfende Gegenstände sind: Practiscbe Geoi 
allgemeine Maschinenlehre und Mineralogie mit Geognosie. 

Die mündlichen, schriftlichen und practischen Prüf 
sowie die graphischen und plastischen Arbeiten und Et 
werden nach folgender Notenskala beurtheÜt : 
I. sehr gut, 
II. gut, 

III. genügend, 

IV. mangelhaft, 
V, schlecht, 

wobei Zwischennoten nach Zehnteln ertheilt werden können 
ein Candidat in irgend einem der Prüfungsabschnitte die N 
oder in einem Gegenstand die Note 5, so wird ihm keinPrl 



Der oben mitgetheilte Studienplan, wie die Prüfungsor 
beweisen zur Genüge, welche enormen Vortheile dem ange! 
Cultur- Ingenieur die theoretische Ausbildung an einer techi 
Hochschule, mit welcher eine landwirthschaftliche Abtheilun 
hunden ist, bietet, wenn auch Viele noch immer die Nothwen 
der Ausbildung desCultur-Ingenieurs an einer landwirthschaf 
Academie ala ein unurastössliches Axiom zu betrachten geneig 

Was speziell München anbelangt, so werden gerade der\ 
bau, Urbarmachung und Entwässerung, allgemeine Ackerba 
landwirthschaftliche Maschinen- und Geräthekunde, — Gegen 
die für den Cultur- Ingenieur von grösster Wichtigkeit sind, 
einem auf dem Gebiete der Agriculturphysik hervorragenden Gel 



'^ 



268 Vereinsangelegenheiten. 

Professor Dr.WoUny, in einer Weise gelehrt, die nirgends besser ge- 
dacht werden kann. Dasselbe gilt aber auch von dem Wasserbau, 
von Professor Frauenholz (zugleich Vorstand der Ingenieur- Abtheilung), 
und sind besonders die Uebungen und Vorträge im Wintersemester 
sehr instructiv. In den Uebungen werden im Winter Drainage- 
und Wiesenbauprojecte unter Leitung des genannten Herrn und 
des Herrn Privatdocenten Frank mit den einschlägigen Berech- 
nungen und Bauanlagen ausgeführt, während im Sommer ein 
grösseres Project au^ dem Wasserbau, z. B. eine Flusscorrection 
mit Wehranlage, Kammerschleuse u. s. w., zur Ausführung gelangt. 
Diese letztangeführten Gegenstände sind auch besonders den- 
jenigen Herren zu empfehlen, welche sich speciell mit der Cultur- 
technik befassen wollen, und ein dreijähriges Studium zur voll- 
kommenen Ausbildung als Cultur- Ingenieur nicht opfern wollen 
oder können. 



Concurrenz zwischen Kataster-Controleuren und Feldmessern. 

Aus einem Zeitungsbericht über die 19. Plenarsitzung des 
Preussischen Abgeordnetenhauses vom Freitag 13. Februar 1885 
ist uns folgender Abschnitt für unsere Zeitschrift zugeschickt 
worden : 

Bei dem dauernden Ausgaben -Kapitel > Besoldungen«, Titel 
> Verwaltung des Grund- und Gebäudesteuer-Katasters« beklagt 
Abg. Berger die schwere Concurrenz, welche die staatlichen 
Kataster-Controleure den vereideten Feldmessern machen. Es 
mache ihm den Eindruck, als ob die Feldmesser einer Ver- 
staatlichung entgegengehen; beabsichtige man eine solche, so 
bitte er, bald damit vorzugehen, um die Feldmesser aus ihrer 
ungünstigen Lage zu befreien. 

Der Regierungskommissar äussert sich den Wünschen 
Bergers gegenüber entgegenkommend, soweit sie eine Verminde- 
rung der Concurrenz der Kataster-Controleure betreffen. 



Vereinsangelegenheiten. 

Einladung 

zur Betheiligung an der XIV. Hauptversammlung in Stuttgart. 

Unter Bezugnahme auf das in Nr. 12 S. 253 der Zeitschrift 
publizirte Programm gestattet sich der unterzeichnete Ortsausschuss, 
die Mitglieder des Deutschen Geometervereins und seiner Zweig- 




r - ^ — — 



Vereinsangelegenheit. 



269 



vereine , sowie alle Personen , welche der Sache nahe stehen und 
Interesse für die Bestrebungen des Vereins haben, zu zahlreicher 
Betheiligung an der XIV. Hauptversammlung in Stuttgart einzu- 
laden. 

Der Ortsausschuss wird bemüht sein , den Theilnehmern der 
Versammlung sowohl in Beziehung auf den belehrenden, als den 
gemüthlichen Theil des Programms das Möglichste zu bieten und 
den Gästen den Aufenthalt in Stuttgart so angenehm als möglich 
zu machen. Es wird uns unsere Aufgabe dadurch wesentlich er- 
leichtert, dass wir von Seiten der königlichen Behörden und der Ge- 
meindebehörden sowohl, als der hiesigen gesellschaftlichen Vereine 
auf das grösste Entgegenkommen und die weitgehendste Unter- 
stützung rechnen dürfen. 

Die landschaftlichen Reize der schwäbischen Lande und die herr- 
liche Lage ihrer Residenzstadt Stuttgart mit den vielen Pracht- 
bauten und Sehenswürdigkeiten dürften viele Mitglieder und deren 
Damen , besonders aus dem Norden , veranlassen , die diesjährige 
Hauptversammlung zu besuchen und diesen Besuch zu einem Aus- 
flug in die süddeutschen Berge oder in die Schweiz zu benützen. 
Das Programm selbst, in das ein Ausflug in das in der Mitte 
des Schwarzwaldes gelegene berühmte Wild bad aufgenommen 
ist, dürfte unsere Hoifnungen auf recht zahlreiche Betheiligung be- 
gründen. 

Der Preis der Theilnehmerkarte ist auf 10 Mark für die Herren 
und 6 Mark für die Damen festgesetzt, wofür den Theilnehmern 
die kostenfreie Betheiligung an allen Vergnügungen und Fahrten, 
sowie beim Festessen am 6. August geboten werden kann. 

Anmeldungen zur Betheiligung beliebe man gefälligst unter 
Einsendung der genannten Beträge an unsern Kassier 

Herrn Stadtdirektionsgeometer Zoller, 

Marktplatz Nr. 2 

zu richten. Derselbe wird mit der Versendung der Karten, welchen 
ein Führer durch Stuttgart unentgeltlich beigegeben wird, am 
15. Juli beginnen. Die Festkarten können zwar auch erst bei dem 
im Erdgeschoss der k. Baugewerkeschule (am Stadtgarten) vom 
5. August an errichteten Auskunftsbureau gelöst werden, es wird 
aber bemerkt, dass der Genuss der Fahrpreisvergünstigungen auf 
den Eisenbahnen von dem Besitz der Theilnehmerkarte abhängig ist. 

Während der Versammlung wird ein Wohnungsbureau 
auf dem Hauptbahnhofe den entgegengebrachten Wünschen 
Rechnung tragen. 

Wie in früheren Jahren, so wird auch heuer, wie dies schon 
auf S. 256 angeführt ist , mit der Versammlung eine Ausstellung 
von Instrumenten, Karten und Vermessungswerken verbunden wer- 
den, wozu uns die schönen Räume der k. Baugewerkeschule zur 
Verfügung gestellt wurden. Wir richten demgemäss an alle Be- 
hörden , Geschäfte und CoUegen das ergebenste Ersuchen, unsere 




270 Briefkasten der Redaction. 

Bestrebungen durch ausgedehnte Beschickung der Ausstellung zu 
unterstützen, wobei wir bemerken, dass wir die ausgestellten Gegen- 
stände während der Ausstellung auf unsere Rechnung versichern 
werden. 

Die Anmeldungen der Gegenstände nebst Angabe des Werthes, 
sowie des erforderlichen Raumes in qm Boden- oder Wandfläche 
wollen alsbald bei 

Herrn Vermessungsrevisor Fecht, 

Dorotheenplatz Nr. 2 

gemacht werden. Die Gegenstände selbst sind bis 1. August unter 
der Adresse: 

K. Baugewerkeschule, Ausstellung des Deutschen 

Geometervereins, 
einzusenden. 

Der Ortsausschuss für die XIV. Hauptversammlung. 
Professor Schiebach, Obergeometer Schule, Stadtgeom'eter Widmann, 

Vorsitzender. Stellvertreter. erster Schriftführer. 

Stadtgeometer Lemperle, Stadtdirektionsgeometer Zoller, 

zweiter Schriftführer. Kassier. 

Vermessungskommissär Bauhofer, 
Vermessungsrevisor Fecht, 

Ausstellungskommissäre. 



Diejenigen Mitglieder, welclie nocli mit der £inzah- 
Inng des Mitgliedsbeitrages Ton 6 Marie pro 1885 zum 
I>eutselien GeometerTerein im RttelLStande sind, werden 
liiermit ersnelit, denselben baldgefftlligst einzusenden, 

Coburg, am 19. Juni 1885. O« Kersebbaum* 



Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2270. Riemer, königL Feldmesser, Kattowitz, Reg.-Bez. Oppeln. 
> 2271. Skrodzki, Landmesser und Culturtechniker, Neuwied 
am Rhein. 



Briefkasten der Redaction. 

Auf die Anfrage >Sind die Bezahlungssätze des preussischen 
Feldmesser-Reglements von 1871 auch massgebend für solche Ar- 



Briefkasten der Redaotion. 271 

beiten, welche nickt im Auftrage von Staatsbehörden, sondern 
von Frivaten vergeben sind , vorausgesetzt, dass man über die Be- 
zahlung keine Vereinbarungen getroffen hat?< — verni^""" "■•■■ 
Folgendes zu antworten: 

Der Wortlaut des §.36 des Feldmesser-Reglements voi 
1871 lÖBSt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass in dt 
meot nur für die Bezahlung solcher Landmesser - Arbeitei 
aufgestellt werden sollen , welche im Auftrage von Staat) 
ausgeführt werden. 

Demgemäss steht der Landmesser dem privaten Auf 
gegenüber genau in demselben Verhältnisse wie jeder ar 
werbetreibende (Kaufmann , Handwerker u. s. w,) , wel 
Preis seiner Leistung selbst bestimmt, sich aber, wenn < 
messenheit desselben bestritten wird, dem Urtheil des zu 
Gerichts zu unterwerfen bat. 

Das Gericht ist unbeschränkt in der Wahl der Mittt 
welche es sein Urtheil Über die Angemessenbeit des Pi 
winnen will, es kann daher Sachverständige zuziehen, 
vom Deutschen Geometerverein aufgestellten Normen, end 
das Feldmesser-Reglement berücksichtigen. Es hängt ai 
lieh von der subjektiven Ansicht des Richters ab, welcher 
der geeignetste scheint, um sich ein richtiges Urtheil zu 1 

Ueber die bisherige Rechtsprechung ist soviel bekam 
den, dass die Gerichte fast in allen Fällen Sachverstand 
zogen haben. Letztere haben theils nach freiem Ermesst 
auch unter Berücksichtigung und unter Bezugnahme auf 
messer-Reglement ihr Gutachten abgegeben. 

In einem bekannt gewordenen Urtheil ist ausgesproc! 
das Feldmesser -Reglement zwar nur bindend sei für d 
messer, welcher den betreffenden Auftrag von einer Staa 
erhalten habe, dass aber angenommen werden müsse, die 
werde Sätze aufgt^stellt haben, welche auch im Allgem 
angemessen erachtet werden müssteii. 

Dem dürfte Folgendes entgegenzustellen sein: Zanä 
die Verhältnisse in den verschiedenen Provinzen viel zu 
um einen gleich massigen Diätensatz als angemessen erscl 
lassen ; dann hat das Feldmesser-Reglement vom 2. März 
dem älteren Reglement aus dem Jahre 185? nur beim I 
und beim Copiren der Karten eine geringe Aenderung 
während die Bezahlung für die Flächenaijfnahmen gena 
geblieben itit (die ausserdem mit den Sätzen des Feldmesser-R 
von 1813 auffallend übereinstimmt *), die Verhältnisse seit : 
1871 sich aber im Allgemeinen wesentlich geändert haben ; i 
werden an die Genauigkeit der Landmesser-Arbeiten und an 



*) Ein Vergleich der Bezahlung der geometrischen Arbeiten 
preuseiBohen Feldmesser-Reglements von 1813, 1857 und 1871 wi 
der nächsten Nummern erscheinen. 



272 Briefkasten der Redaction. 

messer selbst heute viel grössere Ansprüche gestellt, wie sie das Feld- 
messer-Reglement von 1871 vorschreibt, um so mehr, da die Vorschriften 
des letzteren in dieser Hinsicht gmau dieselben geblieben sind, wie 
sie das Feldmesser-Eeglement von 1857 vorschreibt; endlich ist aber 
auch noch hervorzuheben, dass die absolute Sicherheit des vollen 
und rechtsseitigen Einganges der Zahlung, sowie die Aussicht auf 
weitere Beschäftigung, eventuell spätere Anstellung einen geringeren 
Diutensat^ von einer Staatsbehörde vortheilhaßer erscheinen lassen, 
wie einen höheren von Privaten, unter denen immerhin einzelne mit 
der Zahlung für längere Zeit im Bückstande bleiben , andere ganz 
ausfallen. 

Wenn diese Momente in jedem einzelnen Falle nachdrücklich 
geltend gemacht werden, so ist zu hoflfen, dass die Rechtsprechung 
sich mit der Zeit dahin ausbilden wird, dass — selbstverständlich 
von Ausnahmefällen abgesehen — die vom Deutschen Geometer- 
verein ausgearbeiteten Normen als angemessen anerkannt werden. 

Namentlich sollten sich unsere Fachgenossen, welche als Sach- 
verständige in derartigen Streitfragen ein Gutachten abzugeben 
haben, dem Gewichte der vorhin angegebenen Gründe 'nicht ver- 
schliessen und in denjenigen Fällen, wo die betreffenden Arbeiten 
den von unserem Vereine aufgestellten Bedingungen für die Aus- 
führung entsprechen, diese auch für die Bezahlung als angemessen 
bezeichnen. G. 



Inhalt 

Grossere Abhandlungen : Lage der Feldmesser im Staatseisenbahndienst, von W. 
— Ausgleichung von symmetrisch angeordneten Richtungsbeobachtungen einer 
Station, von Helmert. Kleinere MItthellungen: Die Prüfung für „Cultur-Ingenieure" 
an der technischen Hochschnle zu München, von Schultes. — Concurrenz 
zwischen Catastercontroleuren und Feldmessern. Vereinsangelegenheiten. Brief- 
kasten der Redaction. 



Karleruhe. Druck von Maisch & Vogel. 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWE 

Organ des Deutschen Geometervereiiis. 

Unter Mitwirkan^ von C. Steppe», Steueraeeessor in Münche 
B. Oerie, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan, Profe^eor in Hannover 

ISSS. Heft 14. Ba 

15. Juli. 



Die preussischen Feldmesser -Reglements vo 
1857 und 1871. 

Das erste preussiache Feldmesser- Reglement von weiti 
Bedeutung ist am 29. April 1813 zur Ausgabe gelangt um 
in 122 Paragraphen die mit grosser Sorgfalt durchgearbeiti 
Schriften Über die Pflichten und Rechte der Feldmesser, 
der Gewerbeordnung vom 17. Januar 1845 ward diese 
December 1857 aufgehoben und durch ein neues ersetzt, 
durch die Maass- und Gewichtsordnung vom 1 7. August 1868 
durch das zur Zeit gültige Reglement vom 2. März 1871 i 
wurde. 

Das Keglement von 1857 hat, dem Fortschritte des 
sungswesens — mit Ausnahme des Gebührentarifs — 1 
tragend, bedeutende Abänderungen an den früheren Bestii 
erfahren, obgleich nicht zu verkennen ist, dass manche voi 
Verra ess ungs- Vorschrift des Reglements von 1813 wohl ein 
liebe Durcharbeitung und eine Aufnahme in den neuen 
mungen verdient hätte. 

Das jetzige Reglement vom 2. März 1871 bat mit ganz 
unbedeutenden Abänderungen der vorigen Vorschrift lediglic 
Maass- und Gewichtsordnung von 1868 Rücksicht genom] 
ist somit nur als ein Abdruck des Reglements von 185/ 
trachten. Hiernach verlangt der Staat von dem Landmesi 
noch dieselbßn Pflichten und gewährt ihm dieselben Recht 
Jahre 1857, obgleich gerade das Vermessungsweseo seit j 
ganz enorme Fortschritte gemacht hat und durch die vollkon 
Inatrumente unvergleichbar grössere Genauigkeiten erzielt 
die zulässigen Fehlergrenzen sind heute noch dieselben 
Jahre 1857, der Gebührentarif hatkeine wesentlichen Verän 
erfahren. 

Wir wollen hier nicht untersuchen , wie weit die 
Vermessungsvorschriften des jetzigen Reglements, respectivi 
1857 , nach dem heutigen Stande der Vermessungswis 

ZiitKhrin fUr Vem.siuTiKBieseo. 188i, 14. Heft. 18 



[ Gerke. Die vreuss. Feidni 



lbl3, 1857 und 1871. 



n nervigem lerrain . 

i 5. Anfertigung von Ver- 

inessungsregistet'n dbcIi 

vorhandenen Karlen . 

6. Copiren der ( 1 ; 2 500 
Karten für Ol I 1:3000 
qm d. iiezeich- 1 1 :4000 
neten Raumes | 1:5000 

7. Für Zeichenpapier be- 
ster Qaaiitat .... 
Für Zeicbenpapier auf 
Leinwand gezogen . . 

i. Diäten und ReiBeent- 
schädigungen des Feld- 

a. für einen Keisetag . 

b. für einen Arbeitstag 
im Felde 

beigewöhnl. Arbeiten 
b. Stromvermesaung. 
bei Gemeinheitethei- 
tungen 

c. für einen .Arbeitstag 

d. für Reisen auf Eisen- 
bahnen und Dampf- 
Bchiffen 

für Reisen mittelst 

Wagen 

für Reisen mittelst 

Wagen 

9. Diäten und Eeiseent- 
echädigung. d, Revisors; 

a. für einen Reisetag . 

b. für einen Arbeitstag 
im Felde 

c. für einen Arbeitstag 
im Hause. . . .. 

d. für Reisen, wie unter 
d. bei 8, 

•) betrifft donjeiilKai, S de> bet 



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0,1 qm 


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Gebühren. 

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4,00 


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4,50 
5,00 


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105 




6,00 


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+ 2 U,5Ü) 1 


, 0,10 
1+2(1,50) 


0,27 


0,40 


9,00 


9,00 


9,00 


10,50 


9,00 


9,00 



Heidsieck. Pre us Bischer Beam ten- Verein. 

Berechtigung erwarten dürfen , sondern es möge , in An 
dass auf der nächsten Haupt- Versammlung des Deutscl 
meter Vereins ein Entwurf eines Gebührentarifs zur Bi 
gelangt, die drei preussischen Feldmesser-Reglements in Bt 
Bezahlung der Feldmesser-Arbeiten näher betrachtet unt 
vrie möglich, mit einander verglichen werden. Indem wir d 
auf die jetzige Maassordnung und Geldwährung umrechnet 
wir in Rücksicht auf das bekannte z. Z. gültige Reglement ^ 
die einzelnen Arbeitsstadien ab. 

Bei diesen Umrechnungen Bind folgende Werthe einge 
I preussischer Morgen = 0,225 ha. 1 Ruthe = 3,76 m. 
1813 war 1 Thaler = 24 ggr. ä 12 ^ = 288 i} = 3,C 
1857 u, 1871 war 1 Thaler = 30 Sgr. ä 12 ^=360^=3,( 
Vergleicht man diese Werthe miteinander, so kann m 
die Gleichstellung mit Recht erstaunt sein. Welchen Mim 
das Geld aber heute besitzt, dem Jahre 1813 gegenüber 
man nach d. unter 8. aus dem g, 118 des Reglements v 
nach welchem dem Landmesser für die Benutzung eines 
täglich nur 8 Groschen = 1 Mark gewährt wurden. 

Aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, welchei 
man im Anfange dieses Jahrhunderts auf die feldmesi 
Arbeiten legte und welche sociale Stellung hiernach der Lai 
— den jetzigen Verhältnissen gegenüber — einnehmen mi 
Obgleich das jetzige Feldmesser-Reglement in Betreff i 
führung der Arbeiten bereits mehr oder weniger werthlos g 
ist, da sämmtliche Staatsbehörden, den Anforderungen der 
entsprechend, von dem §. 11, nach welchem >jeder Behörde 
behalten bleibt, über die Ausführung der unter ihrer Au 
bewirkenden Feldmesser- Arbeiten besondere Instructioneii 
lassen«, den ausgiebigsten Gebrauch machen, so kommt 
hührentarif jedoch noch vielfach in Anwendung und wird b 
hei richterlichen Entscheidungen zuweilen noch zu Grund 
Der Nachtheil, welcher hierdurch dem Landmesser entsi 
unter Umstanden sehr bedeutend und um so mehr fiihlbai 
Anforderungen seiner Ausbildung ganz wesentlich gesteig 
und grosse Ausgaben verursachen. Es kann daher nur 
hafte Wunsch ausgesprochen werden, dass die hohe Sta 
rung nach dem jetzigen Stande der Vermessungswissensc 
den Bedürfnissen des Lebens bald eine Organisation < 
lassen und die zeitigen Vorschriften, welche sich längst 
haben, aufheben möge. Gi 



Preussischer Beamten-Verein. 

>Der am 1. Juli 1876 ins Leben getretene Preussische I 
Verein will im weitesten Sinne den wirthschaftlichen Inten 
Deutschen Beamtenstandes dienen ; insbesondere will dert 
dem hervorragenden Interesse des Beamtenthums an der 

18. 



r~ 



276 Heidsieck. Preussiscber Beamten-Verein. 

Versicherung — fast ein Drittel aller in Deutschland abgeschlossenen 
Versicherungen fällt auf Beamte — den Beamten besonders billige 
Versicherungen gewähren ; er kann dies , da er mit unentgeltlich 
wirkenden Zweigvereinen (ca. 120) und Vertrauensmännern (ca. 1800) 
arbeitet, und so die enormen Kosten erspart, die andern Anstalten 
auf ihr Agenturwesen verwenden müssen. So zahlte die Lebens- 
versicherungsbank zu Gotha 1883: 544302,96 Mk. Agenturpro- 
visionen, die sie voll ersparen würde, wenn sie, wie der Preussische 
Beamten- Verein es vermöge des Uneigennützigkeitssinnes der Be- 
amten vermag, mit unentgeltlich wirkenden Vertrauensmännern zu 
arbeiten vermöchte.« 

Mit diesen Worten beginnt die neueste , im Januar d. J. von 
der Direktion des Preussischen Beamten- Vereins zu Hannover her- 
ausgegebene Druckschrift. Im Interesse der Deutschen Vermessungs- 
Beamten und Techniker erlaube ich mir, nachstehend kurz einige 
der wichtigsten Einrichtungen des genannten Vereins mitzutheilen, 
da wohl anzunehmen ist, dass dieselben in Beamtenkreisen bei 
weitem nicht so bekannt sind, wie sie es verdienen. 

Aufnahmefähig sind nicht etwa nur Preussische Beamte, son- 
dern auch alle Reichsbeamten, die Beamten aller Deutschen Bundes- 
staaten , alle Deutschen Kommunal- und Privatbeamten. Da der 
Verein, wie oben angegeben, am billigsten verwaltet wird, auch 
der Reingewinn nicht in die Taschen von Aktionären fliesst, son- 
dern den Mitgliedern der Lebensversichemngsabtheüung zugute 
kommt, so stellen sich die Prämien unter Anrechnung der Dividende 
billiger, als bei jedem andern Vereine. Die erste Dividende wird 
schon im Juni des auf den Eintritt folgenden Jahres gewährt, 
während bei den Versicherungs - Aktiengesellschaften bekanntlich 
meistens erst nach 5 Jahren der Mitgliedschaft. Die Dividende 
steigt mit der Höhe des Guthabens (der Prämienreserve) der ein- 
zelnen Versicherungen. Die vielfach rigorosen Bestimmungen anderer 
Versicherungsgesellschaften im Falle unpünktlicher Prämienzahlung 
sind hier durch ganz milde ersetzt. Im Todesfalle sofortige Regu- 
lirung, nicht wie bei anderen Instituten Zahlung nach 3 Monaten, 
kein Abzug an der Versicherungssumme. Für die unbedingte Sicher- 
heit des Vereins spricht ausser anderen Gründen, dass Se. Majestät 
der Kaiser das Protektorat übernommen hat. 

Bei der Kapitalversicherung sind die Beiträge so berechnet, 
dass dieselben nebst 4 % Zinsen und Zinseszinsen in der bestimmten 
Reihe von Jahren das Kapital ergeben. Wird diese, von dem Leben 
des Versicherten unabhängige Versicherung freiwillig seitens des 
Versicherten aufgehoben, so werden die eingezahlten Beträge liebst 
Zinsen und Zinseszinsen mit einem ganz geringen Abzüge zurück- 
bezahlt. 

Ich habe in 1875 bei einer wohlrenommirten Aktiengesellschaft, 
1876 bei dem Beamten- Vereine mein Leben versichert, beide Male 
dieselbe Summe. An Prämien unter Anrechnung der Dividende zahle 
ich aber gegenwärtig an den Beamten- Verein etwa V? weniger, als 



Eichhoitz. Reductioa BcbiefgemesBener Längen a, den Homoiit etc. 277 

an jene Aktiengesellschaft , trotzdem ich 1 \ Jahr später Mitglied 
des Beamten-Vereins geworden bin. leb kann sonach auch aus 
eigener Erfahrimg die Theilnahme an dem Preussischen — richtiger 
Deutschen — Beam ten -Vereine den Herren Kollegen bestens empfehlen. 
Wetzlar, den 20. April 1885. Heidsieck. 



Reduction schief gemessener Längen auf den Horizont 
mittelst Höhenwinkelmessers und Ausgleichungs- 
massstabes im Felde. 

Von Culturtecbniker Eichhoitz lu Höxter. 
Wenn die nachfolgenden Zeilen auch dem Leser dieser Zeit- 
schrift nicht absolut Neues über die bereits andern Orts beschriebenen 
Vorzüge des Höhenwinkelmessers berichten werden, so möchte 
Schreiber dieses doch auf eine von ihm seit einigen Jahren ange- 
n'endete Methode hinweisen, da man durch dieselbe beim Messen 
im coupirtesten Terrain sehr viel an Zeit und Mühe spart und 
zugleich der immer mehr zu fordernden Präzision der Messband- 
messung entspricht, ohne dass häusliche Reductionsarbeiten ent- 
ständen. Bei meinen Messungen bediene ich mich eines vom Mechaniker 
Zugmeier zu Jena gefertigten Höhen Winkelmessers einfachster Con- 
struction mit Gradein theiiung, auf dessen äusseren Deckplatten die 
Tabellen A und ß zum Feldgebrauch eingravirt sind. Die Tabelle A 
giebt die Reduction schiefgemessener Längen auf den Horizont 
(L — Lcosa), die Tabelle B dient zur Reduction von Graden in Pro- 
zente und umgekehrt. 




* -■ 




278 Eichholtz. Reduction schiefgemessener Langen a. den Horizont etc. 



A 




>6r 



yr- 




Entsprechend der Tabelle A habe ich einen Aus- 
gleichungsmassstab (siehe nebenstehende Figur) in Metall 
oder Holz construirt, auf dem die Reductionsmasse von 
3° bis 13° abgetragen sind. Denselben trägt der vordere 
Arbeiter am Ringe bei den Markirnadeln und legt ihn an 
der 20 Meter-Marke des vorderen Messbandringes nach 
vorwärts so an, dass er, sobald der Geometer das Steigungs- 
verhältniss abgelesen hat, die Markirnadel auf den Ruf 
3°, 4° u. s. f. genau bei den Querlinien 3, 4 u. s. f. des 
eingerichteten Ausgleichungsmassstabes in die Erde stecken 
kann. In den so bezeichneten Punkt setzt der hintere 
Arbeiter seinen Messbandstab wieder ein. Der Geometer 
wird nach sehr kurzem Gebrauche eines leicht schwingen- 
den Höhenwinkelmessers ohne constante Arretirung sich ^^^ 
schnell mit dieser Arbeit befreunden. Das Messband bleibt ^'^ r ^ 
stets auf den Querstangen des Messbandstabes aufliegend. 
Die Vortheile dieser höchst einfachen und anerkannten 
Methode ergeben sich namentlich daraus, dass den Arbeitern 
die Gelegenheit benommen ist, durch nicht lotrechtes Ein- 
setzen der Messbandstangen ungenaues Staffeln hinter 
dem Rücken des Geometers und namentlich, wenn die 
Messung etwas beeilt wird , Fehler zu begehen. Die Ar- 
beiter können dagegen ihre ganze Aufmerksamkeit der 
Einrichtung der Linie zuwenden. Die Arbeit geht bedeutend 
rascher von Statten als wenn gestaffelt wird. 

Für die Einrichtung der Tabelle A ist die Länge des 
Messbandes auf 20 m angenommen. Findet innerhalb dieser 
Länge ein Gefäll Wechsel statt, so lasse man ausnahmsweise, wenn 
nöthig, das Messband auf beiden Seiten gleich hoch ziehen und 
nehme das mittlere Steigungsverhältniss an , falls nicht entgegen- 
gesetztes Steigen und Fallen vorliegt. Im letzteren Falle und 
wenn die Gefällwechsel zu schroff sind, wende ich eine vom Grossherz 
Obergeometer R. Matthes in Weimar herausgegebene Tabelle für 
die Reduction nach Graden (1 ° — 30°) bei Längen von 1— 40 m 
an. Gefälle über 12*^ sind verbal tnissmässig selten und es wird bei 
solchen das Zusetzen der Ausgleichungslänge am schnellsten und 
sichersten durch den Geometer selbst auf Grund der Tabelle A 
bewirkt. Können Steigungsverhältnisse von halben Graden abge- 
lesen werden, so genügt es, dem vorderen Arbeiter zum Beispiel bei 
8V2 ° zuzurufen : > zwischen 8 und 9< und ihn an der Mitte zwischen 
den entsprechenden beiden Strichen des Ausgleichungsmassstabes 
die Markirnadel einstecken zu lassen. Als Gegenstand der Visur 
dient ein der Augenhöhe des Beobachters entsprechender Punkt 
der Messbandstäbe oder z. B. auch das Auge des vorderen gleich- 
grossen Arbeiters. 

Die auf diese Art gewonnenen Resultate lassen in ihrer Richtig- 
keit die nach der Anweisung VIII. für das preussische Grundsteuer- 
kataster vom 25. October 1881 für Längenmessung bei ungünstigem 
Terrain zugelassenen Fehler weit hinter sich , selbst wenn man 
ausserordentlich wechselndes Terrain hat. Bei Gelegenheit von der 
für die K. General - Commission für Westfalen neu angeordneten 






Kleinere Mittheilungen. 279 

Art der Einmessung der Bonitiruiig nach Parallelen zwischen ein- 
zelnen Hauptlinien haben wir Gelegenheit gehabt, die Differenzen 
genauer zu beobachten, wie sie sich bei einer Messung, bei der der 
Geometer sich sehr auf die Arbeiter verlassen muss, in theilweise 
sehr ungünstigem Terrain herausstellen. Schreiber dieses verglich 
die Constanten Differenzen zwischen den Parallelenlängen und kann 
auf Grund dieser und anderer Resultate die geschilderte Messungs- 
methode jedem praktischen Geometer anrathen. 

Die Tabelle B hat den Nebenzweck, den Höhenwinkelmesser 
als Handnivellirinstrument namentlich beim Projectiren von 
Wegen und kulturtechnischen Anlagen aller Art, bei denen man ja 
meistens das Steigungsverhältniss in Prozenten ausgedrückt zu 
sehen wünscht, passender zu machen. Möchte sich der Geometer 
in coupirtem Terrain beim Projectiren nie auf sein Augenmass 
verlassen und in Tafel B 5° als den Grenzwerth für die im All- 
gemeinen zulässige Steigung von Wegen im Gebirge unterstreichen. 

Bei Bestellung eines Höhen Winkelmessers versäume man nicht, 
auf den Seiten des Instrumentes beide Tafeln durch d< n Mechaniker 
anbringen zu lassen. Ein solches Instrument kostet 28 M. Besitzt 
man einen Hand-Gefällmesser mit Theilung nach Prozenten , so 
wird es leicht sein, sich nach dem Muster einer Reductionstafel die 
entsprechende Prozenttheilung trigonometrisch zu berechnen und 
ebenso den Ausgleichungsmassstab zu konstruiren. 



Kleinere Mittheiluiigeii. 

Meliorationen in Oberschlesien. 

Ueber die gegenwärtige Lage der auf Grund des Gesetzes vom 
23. Februar 1881 in Oberschlesien auszuführenden Nothstands- 
Meliorationen bringt die Bonner Zeitung Folgendes : 

Im Gebiete der Ent- und Bewässerungen beträgt die Zahl der 
nach Massgabe des Gesetzes vom I.April 1879 begründeten Genossen- 
schaften 45 und umfassen die letzteren 54 Gemeinde- und 29 Guts- 
bezirke. In 2 Genossenschaftsbezirken ist die Ausführung voll- 
ständig, in 10 weiteren Bezirken mit 11 Gemeinden und 3 Guts- 
feldmarken — einschliesslich einer Ent- und Bewässerung von Wie- 
sen — nahezu und in 17 Genossenschaftsbezirken mit 24 Gemeinde- 
und 13 Gutsbezirken zum Theil auf erheblichen Flächen bewirkt, 
zum Theil in Angriff genommen worden. In vier Fällen, in welchen 
4 Gemeinde- und 1 Gutsbezirk betheiligt sind, sind die commissari- 
schen Verhandlungen mit dem Statute dem Minister für Landwirth- 
schaft, Domänen und Forsten behufs Einholung der Genehmigung 
überreicht worden. In der Bildung sind 14 Genossenschaften mit 
17 Gemeinde- und 9 Gutsbezirken begriffen. Bezüglich eines Pro- 
jects mit 2 Gemeinde- und 1 Gutsbezirke ist die Gewährung des 
zur Bestreitung der Kosten der ersten Ausführung erforderlichen 
Staatsdarlehens bei dem landwirthschaftlichen Minister beantragt. 
Der Einleitung bezw. der Herstellung unterliegen 38 Projecte für 



280 Gesetze und Verordnungen. 

41 Gemeinde- und 9 Gutsbezirke. Die Abnahme von Drainagen 
ist in zwei Genossenschaftsbezirken vollständig, in zwei anderen 
Bezirken auf Theile derselben bewirkt worden. Das im Wesent- 
lichen fertig gestellte Project zur Ent- und Bewässerung der Wiesen 
zwischen der Miska-Mühle und Thule ist den Hauptbetheiligten zur 
Erörterung und Erklärung über die Bildung einer öiFentlichen Ge- 
nossenschaft vor Kurzem vorgelegt worden und haben sich dieselben 
mit dem Project einverstanden und bereit erklärt, der in dem Um- 
fange und auf der Grundlage dieses Projects zu bildenden Genossen- 
schaft beizutreten. Die Genossenschafts-Bildung wird nach erfolgter 
Revision die Genehmigung des Projects voraussichtlich noch im 
Laufe des Winters stattfinden können, so dass dem Beginn der 
Ausführung im nächsten Frühjahr nichts entgegen stehen dürfte. 
Der günstige Erfolg der bereits ausgeführten Nothstands-Melio- 
rationen tritt überall sichtbar hervor und sprechen sich die Be- 
theiligten über die Ergebnisse durchweg recht befriedigt aus. 
Trotzdem ist die Wahrnehmung gemacht worden , dass noch eine 
erhebliche Zahl von Gemeinden, in welchen die Drainirung ein 
unabweisbares Bedürfniss der Laudescultur ist, sich gegen die 
Bildung von Drainage- Genossenschaften ablehnend verhält. Es ist 
daraus Anlass genommen, den Landräthen der betheiligten Kreise 
eine kurze Darstellung der bisher im Gebiet der Nothstands-Melio- 
rationen erzielten Erfolge mit dem Auftrage zugehen zu lassen, die- 
selbe durch VerÖfiFentlichung im Kreisblatte und in anderer geeig- 
neter Weise zur Kenntniss der Gemeindemitglieder zu bringen, um 
auf diesem Wege die Abgeneigtheit gegen die Bildung von Meliorations- 
Genossenschaften zu beseitigen. 

(Mitgeth. V. Theodor Müller,) 



Gesetze und Verordnungen. 

Regulativ, betreffend die Erfordernisse zur öffentlichen Bestellung als 

Feldmesser in Elsass-Lothringen. 

Wer in Gemässheit der Bestimmungen der §§. 11, 22 und 52 
des Gesetzes vom 31. März 1884, betreffend die Bereinigung des 
Katasters, eine öffentliche Verpflichtung als beeidigter Feldmesser 
erlangen will , oder in Gemässheit der Anordnungen , welche auf 
Grund des §. 21 des die Einrichtung der Verwaltung betreffenden 
Gesetzes vom 30. December 1871 getroffen sind, des Nachweises 
seiner Befähigung zum Feldmesser bedarf, hat sich einer Prüfung 
zu unterziehen. 

Unter Aufhebung der in dieser Hinsicht bisher gültigen Vor- 
schriften vom 9. Juni 1874 bestimme ich über diese Prüfung das 
Folgende : 

Prüfungsko m mission. 

^- 1- 

1. Die Feld m esserprüf ung wird vor einer vom Ministerium zu 



nr-r 



Gesetze und Verordnungen. 281 

bestellenden Prüfungskommission in Strassburg abgelegt. Diese 
besteht aus einem Ministerialreferenten als Vorsitzenden , einem 
höheren Beamten der Bauverwaltung, einem höheren Vermessungs- 
beamten, einem Inspektor der direkten Steuern und einem Lehrer 
der Mathematik. 

2. Der Prüfungskommission ist, soweit es erforderlich wird, 
ein Beamter der Katasterverwaltung als Protokollführer und zur 
Beaufsichtigung der Kandidaten während der schriftlichen Prüfung 
beizugeben. 

3. Die Beschlüsse der Prüfungskommission werden nach Stimmen- 
mehrheit gefasst. Bei Stimmengleichheit giebt die Stimme des 
Vorsitzenden den Ausschlag. 

Bedingungen der Zulassung zur Prüfung. 

§• 2. _ 

Wer die Prüfung ablegen will, hat sich bei dem Vorsitzenden 
der Prüfungskommission schriftlich auf Stempelpapier zu melden 
und folgende Nachweise und Zeugnisse einzureichen: 

1. eine selbstverfasste und selbstgeschriebene Darstellung seines 
Lebenslaufs, 

2. ein Zeugniss der Ortspolizeibehörde über seine Unbeschol- 
tenheit, 

3. als Nachweis der erforderlichen allgemeinen wissenschaftlichen 
Bildung entweder : 

a. ein Zeugniss über die erlangte Reife zur Versetzung in 
die erste Klasse eines Gymnasiums bezw. eines Real- 
gymnasiums oder 

b. das Reifezeugniss, ausgestellt von einer Realschule mit 
siebenjährigem Lehrgange, 

4. das Zeugniss eines oder mehrerer geprüfter Feldmesser über 
die praktische Beschäftigung bei Vermessungs- und Nivelle- 
mentsarbeiten. 

Welche nicht elsass- lothringische Lehranstalten den unter 
Ziffer 3, a. und b. genannten Schulen für gleichwerth zu erachten 
sind, entscheidet im gegebenen Falle der Oberschulrath. 

§. 3. 
Das Ministerium kann bis auf Weiteres Personen, welche den 
im §. 2 No. 3 vorgeschriebenen Nachweis nicht beizubringen ver- 
mögen und wegen ausserordentlicher Verhältnisse Anspruch auf be- 
sondere Rücksicht haben, auf ihr schriftliches Ansuchen die Bei- 
bringung dieses Nachweises erlassen. 

§.4. 
In dem Zeugniss über die praktische Beschäftigung (§. 2 No. 4) 
müssen diejenigen Arbeiten, welche der Kandidat unter Aufsicht, 
jedoch selbstständig ausgeführt hat, speziell namhaft gemacht, nach 
ihrem Umfange — die Vermessungen in Hektaren, die Nivellements 
in Metern — angegeben und in der Art der Ausführung unter An- 
gabe der dabei gebrauchten Instrumente näher bezeichnet, auch 
in Bezug auf die Richtigkeit bescheinigt sein. 



282 Gesetze und Verordnungen, 

§. 5. 

1. Die praktische Beschäftigung (§. 2 No. 4) muss einen Zeit- 
raum von mindestens drei Jahren umfassen. 

Von dieser Zeit kann ein Jahr auf den Besuch einer Fach- 
schule (Polytechnikum etc.) verwendet werden , die übrigen zwei 
Jahre müssen jedoch ausschliesslich der praktischen Beschäftigung 
— und zwar : mindestens ein Jahr bei Stückvermessungen im Dienste 
der Katasterkommission, so lange solche im Betriebe stehen — ge- 
widmet sein. 

2. Dem Besuche der Fachschule muss eine mindestens einjährige 
praktische Beschäftigung vorangehen. 

3. Ob und mit welcher Zeit der Besuch einer Fachschule für 
anrechnungsfähig zu erachten ist, wird von der Prüfungskommission 
bestimmt. Zu diesem Zwecke hat der Kandidat die Zeugnisse über 
den Besuch der Schule, sowie die während dieser Zeit angefertigten 
und als solche von dem Lehrer beglaubigten praktischen Arbeiten 
geodätischen und kulturtechnischen Inhalts den unter §. 2 No. 4 
verlangten Nachweisen beizufügen. 

Darlegung der Fertigkeit im Kartenzeichnen. 

§.6. 

1. Der Kandidat hat genügende Fertigkeit im Karten zeichnen 
nachzuweisen. 

2. Dieser Nachweis wird erbracht : 

a. durch Anfertigung einer besonderen Probekarte, 

b. durch Studienzeichnungen , welche sich unter den gemäss 
der Vorschrift des §. 5, Absatz 2 einzureichenden prakti- 
schen Arbeiten befinden. 

3. Darüber, ob die vorgelegten Studienzeichnungen den ge- 
nügenden Nachweis der Fertigkeit im Planzeichnen (No. 2 b.) ge- 
währen , oder ob der Kandidat eine besondere Probekarte anzu- 
fertigen hat (No. 2 a.) , entscheidet die Prüfungskommission (§. 1), 
nachdem sie zuvor die sämmtliohen von dem Kandidaten gemäss 
§§. 2« — 5 eingereichten Zeugnisse und Nachweise geprüft und für 
ausreichend befunden hat. 

§.7. 

1. Die besondere Probekarte (§. 6 No. 2 a.) ist durch Kopiren 
der von der Prüfungskommission speziell zu bestimmenden Karte 
in dem gleichen oder in reduzirtem Massstabe anzufertigen. 

2. Bei der Auswahl der Probekarten ist nicht auf grossen Um- 
fang der Zeichnungen , sondern vorzugsweise darauf zu sehen, dass 
der Kandidat seine Fertigkeit im Planzeichnen und zwar sowohl in 
der richtigen Darstellung der Berge, Thäler, Flüsse und Seen, als 
der übrigen auf ökonomischen Situationsplänen vorkommenden 
Gegenstände, wie Aecker, Gärten, Wiesen, Wälder, Gebäude etc. 
und in der vorgeschriebenen farbigen Anlegung derselben, nicht 
minder in der Kartenschrift an den Tag legt. 

3. Die fertige Probekarte hat der Kandidat mit seiner vollen 



WliV-f^' ■ 



Gesetze und Verordnungen. 283 

Namensunterschrift zu bezeichnen und nebst dem Originale an die 
Prüfungskommission innerhalb der von derselben zu bestimmenden 
Frist einzureichen. Unter besonderen Umständen, z. B. in Fällen 
nachgewiesener Erkrankung der Kandidaten , kann die Prüfungs- 
kommission die Frist angemessen verlängern. 

4. Der Kommission bleibt es überlassen, dem Kandidaten nach 
Einreichung der Probekarte die Zeichnung eines Abschnittes aus 
derselben unter Aufsicht aufzugeben. 

Prüfungsgegenstände. 

§• ^. 
Die Gegenstände der Feldmesserprüfung sind folgende : 

1. Arithmetik, Algebra und Analysis mit Ausschluss der Diffe- 
rential- und Integralrechnung, 
. 2. ebene Geometrie, analytische Geometrie der Ebene und 
Stereometrie, sowie die Anfangsgründe der darstellenden Geo- 
metrie, 

3. ebene Trigonometrie, die Anfangsgründe der sphärischen 
Trigonometrie und Polygonometrie, 

4. Feldmesskunde, Nivellirkunde und Kenntniss der gebräuch- 
lichen Instrumente und deren Handhabung, 

5. Landeskulturtechnik, 

6. Rechts- und Gesetzeskunde und zwar: 

a. Kenntniss der bestehenden Gesetze und Vorschriften über 
die bei den Arbeiten der Feldmesser in Betracht kommenden 
Rechtsverhältnisse, 

b. Kenntniss der in Elsass-Lothringen über das Vermessungs- 
und Katasterwesen , die Feststellung und Erhaltung der 
Grenzen , die Errichtung und Fortführung der Kataster- 
urkunden bestehenden Vorschriften, sowie der allgemeinen 
Bestimmungen über Hypothekenwesen. 

Prüfungstermin. 

§. 9. 
Die Feldmesserprüfungen finden regelmässig im April und 
Oktober statt. 

Ladung zur Prüfung. 

§, 10. 
Gleichzeitig mit der gemäss §, 6 No. 3 zu treffenden Ent- 
scheidung ladet die Prüfungskommission (§. 1) den Kandidaten zur 
Prüfung in dem nächstfolgenden Prüfungstermine (§. 9). 

Prüfungsgebüh r. 

§. 11. 
1. Vor der Zulassung zur Prüfung hat der Kandidat eine Ge- 
bühr von zweiunddreissig Mark an die Landeshauptkasse zu Strass- 
burg zu zahlen und dem Vorsitzenden der Prüfungskommission die 
Quittung hierüber vorzulegen. 



Ä 




284 Gesetze und Verordnungen. 

2. Im Falle der Wiederholung der Prüfung ist die Prüfungs- 
gebühr nochmals zu entrichten. 

Prüfung. 

§. 12. 

1. Die Prüfung zerfällt in : 

a. eine schriftliche, 

b. eine praktische und 

c. eine mündliche. 

2. Die schriftliche und die praktische Prüfung gehen der münd- 
lichen voraus. 

3. Die schriftliche Prüfung soll in acht Tagen erledigt sein. 
Auf die praktische und die mündliche Prüfung sind in der Regel 
je zwei Tage zu verwenden. 

4. lieber die praktische und die mündliche Prüfung sind Proto- 
kolle aufzunehmen, welche den Gang und die Ergebnisse der Prü- 
fung erkennen lassen. 

§. 13, 

1. Die schriftliche Prüfung findet unter Aufsicht eines 
Mitgliedes der Prüfungskommission oder des Protokollführers 
(§,1) statt. 

2. Für Lösung jeder Aufgabe ist eine bestimmte Frist zu stellen, 
nach deren Ablauf eine weitere Arbeit zu ertheilen ist. 

3. Die Zeit der Stellung der Aufgabe und der Ablieferung der 
Arbeit ist nach Tag und Stunde auf der Arbeit zu vermerken. 

4. Die Benutzung anderer Hülfsmittel, als der von der Prü- 
fungskommission ausdrücklich gestatteten Logarithmen- und anderer 
Rechentafeln ist verboten. 

Zuwiderhandlungen hiergegen haben die durch Beschluss der 
Prüfungskommission auszusprechende sofortige Ausschliessung von 
der Fortsetzung der Prüfung zur Folge. 

§.14. 

Die praktische Prüfung (§. 12 b.) erfolgt im Beisein von 
mindestens zwei Mitgliedern der Prüfungskommission durch die im 
Felde zu bewirkende Ausführung von Aufgaben aus dem Bereiche 
der Feldmesskunde und des Nivellirens. 

Die Lösung der Aufgaben muss die nothwendigen Messungs- 
proben einschliessen. 

Die die Ergebnisse der Messungen nachweisenden Feldmanuale 
müssen von dem Kandidaten und den anwesenden Mitgliedern der 
Prüfungskommission unterschriftlich vollzogen und nebst den dar- 
nach etwa angefertigten Zeichnungen u. s. w. zu den Prüfungsver- 
handlungen gebracht werden. 

§. 15. 
Die mündliche Prüfung (§. 12 c.) umfasst die im §. 8 bezeich- 
neten Disziplinen und hat die schriftliche Prüfung in geeigneter 
Weise zu ergänzen. 



Gesetze und Verordnungen. 285 

ürtheil über den Ausfall der Prüfungen. 

§. 16. 

1. Die Prüfungskommission (§. 1) fällt nach dem Ergebnisse 
der schriftlichen , praktischen und mündlichen Prüfung nach vor- 
heriger Berathung ihr Urtheil über den Ausfall der Prüfung in den 
einzelnen im §. 8 bezeichneten Abtheilungen der Prüfungsgegen- 
stände und in der dargelegten Fertigkeit im Zeichnen. 

2. Zur Bezeichnung des verschiedenen Grades der Kenntnisse 
in den einzelnen Abtheiluogen und der Fertigkeit im Zeichnen 
sowie der allgemeinen Befähigung in der Feldmesserpraxis dienen 
ausschliesslich die Prädikate : 

a. sehr gut (bei ausnahmsweise tüchtigen Leistungen: vor- 
züglich) ; 

b. gut; 

c. ausreichend; 

d. ungenügend. 

3. Die Prüfungskommission stellt für jeden Kandidaten ein 
Zeugniss aus, welches mit dem Kommissionssiegel versehen und von 
sämmtlichen Mitgliedern der ersteren unterschriftlich vollzogen 
wird, und legt dasselbe mit den Prüfungsakten dem Ministerium vor. 

§. 17. 
1. Auf Grund des Zeugnisses der Prüfungskommission ertheilt 

das Ministerium die Bestallung zum Feldmesser. 

,2. Die Bestallung zum Feldmesser wird nur solchen Kandidaten 
ertheilt, welche in allen Abtheilungen der Prüfungsgegenstände 
und in der Fertigkeit im Zeichnen mindestens das Prädikat > aus- 
reichende erhalten haben. 

3. Bezüglich derjenigen Kandidaten, deren Kenntnisse in einer 
oder mehreren Abtheilungen für > ungenügende befunden worden 
sind, hat die Prüfungskommission zu bestimmen, ob die Wieder- 
holung der Prüfung frühestens nach einem halben oder nach einem 
ganzen Jahre stattfinden darf und ob die Wiederholung auf einzelne 
Abtheilungen , eventuell auf welche beschränkt werden kann , oder 
sich wieder auf alle Prüfungsgegenstände zu erstrecken hat. 

4. Kandidaten , welche auch zum zweiten Male die Prüfung 
nicht bestanden haben, werden zu nochmaliger Wiederholung der- 
selben in der Regel nicht zugelassen. Ausnahmen hiervon unter- 
liegen der besonderen Genehmigung des Ministeriums. 

Rechtsfolgen der Bestallung als Feldmesser. 

§. 18. 
Die erlangte Bestallung als Feldmesser berechtigt zur öftent- 
lichen Verpflichtung als solcher und zur Führung des Prädikats 
eines vereidigten Feldmessers, sowie zur Erlangung der Ermächtigung 
zur Vornahme von Vermessungen auf Grund des Katastergesetzes 
vom 31. März 1884 und zur Anwartschaft auf die Annahme als 
Supernumerar für den Steuerveranlagungsdienst (vergl. Vorschriften, 
betreffend Ausbildung, Prüfung und Anstellungsfähigkeit der Su- 
balternen etc. vom 29. Juli 1878, §. 2). 



280 Gesetze und Verordnungen. 

Besondere Bestimmungen in Betreff der Forstasses- 
soren und Forstreferendare, sowie der Baumeister 

und Baufü hrer. 
§. 19. 
Forstassessoren und Forstreferendare, sowie Baumeister und 
Bauführer, welche auf Grund der von ihnen als solche bereits ab- 
gelegten Prüfungen nachträglich auch die formelle Befähigung zum 
Feldmesser erwerben wollen , haben die Bescheinigung eines ver- 
eidigten Feldmessers beizubringen , dass sie nach abgelegter forst- 
wissenschaftlicher Vorprüfung (vergl. Verordnung vom 12. November 
1883, Central- und Bezirks- Amtsblatt S. 329) bezw.nach abgelegter 
Bauführerprüfung, mindestens 6 Monate hindurch ununterbrochen 
und ausschliesslich mit speziell namhaft zu machenden Vermessungs- 
und Nivellementsarbeiten beschäftigt gewesen und dabei bewiesen 
haben, dass sie selbstständig richtige Vermessungen, Kartirungen 
und Berechnungen auszuführen vermögen. 

§. 20. 
Auf Grund des von dem Kandidaten einzureichenden Zeug- 
nisses über die bestandene forstliche Prüfung bezw. des Baumeister- 
oder Bauführer-Patents ertheilt die Prüfungskommission, nachdem 
auch die gemäss §. 19 zu erbringenden Nachweise als vorschrifts- 
mässig anerkannt worden, nach Massgabe der Vorschriften unter No. 1 
und 2 im §. 7 die Probekarte und den Termin zur Einreichung derselben. 

Die Probekarte ist mit der Namensunterachrift und der pflicht- 
mässigen Versicherung des Kandidaten, dass er dieselbe allein ge- 
zeichnet und beschrieben habe, versehen der Prüfungskommission 
vorzulegen. Wird dieselbe für annehmbar erachtet, so ertheilt die 
Prüfungskommission das Zeugniss, dass der Kandidat als Feldmesser 
befähigt ist. 

Zulassung auswärtiger Feldmesser und Geometer. 

§. 22. 
Personen , welche in einem deutschen Staate bereits als Feld- 
messer oder Geometer öffentlich bestellt worden sind und auch in 
Elsass-Lothringen eine öffentliche Verpflichtung als Feldmesser er- 
langen wollen , kann durch das Ministerium mit Rücksicht auf die 
in jenem Staate erlangte Ausbildung die vorgeschriebene Prüfung 
ganz oder theilweise erlassen und die Bestallung zum Feldmesser 
ertheilt werden. 

Uebergangsbestimmung. 

§. 23. 
Aus Elsass-Lothringen gebürtigen und daselbst ansässigen Per- 
sonen, welche bisher schon das Gewerbe als Feldmesser ausgeübt 
haben, kann das Ministerium bis auf Weiteres ohne den förmlichen 
Nachweis der Ablegung einer Prüfung auf Grund des von den- 
selben zu erbringenden Nachweises über ihre praktische Befähigung 
die Qualifikation als Feldmesser mit den nach diesen Vorschriften 
den geprüften Feldmessern zustehenden Rechten zuerkennen. 



'l » • 



Vereinsangelegenheiten. 287 

§.24. 
Die zum Vollzug dieser Verordnung erforderlichen Bestim- 
mungen werden vom Ministerium erlassen. 

Strassburg, den 3. November 1884. 

Der Kaiserliche Statthalter in Elsass-Lothringen. 

Freiherr vo7i Manteiiffel, 
K. 6106, Generalfeldmarschall. 



Bekanntmachung, betreffend die Berufung der Feldmesser-Prüfungs- 

Kommission. 

Auf Grund der §§. 1 und 24 des Regulativs, betreffend die 
Erfordernisse zur öflfentlichen Bestallung als Feldmesser in Elsass- 
Lothringen, vom 3. November 1884 habe ich, und zwar für die 
Zeit bis zum 31. December 1887 , zu Mitgliedern der Feldmesser- 
Prüfungs-Kommission : 

1. den ständigen Hülfsarbeiter im Ministerium, Regierungs- 
rath Both, welcher zugleich den Vorsitz führt, 

2. den Baumeister Glückher, 

3. den als höherer Vermessungsbeamter bei der Kataster- 
kommission verwendeten Inspektor der direkten Steuern, 
Dr. Joppen, 

4. den Inspektor der direkten Steuern Günther, 

5. den Oberlehrer Dr. Stawyh, 
sämmtlich in Strassburg, ernannt. 

Strassburg, den 20. November 1884. 

Ministerium für Elsass-Lothringen. 

Abtheilung für Finanzen und Domänen. 

Der Unterstaatssekretär : 
K. 6465. von Mayr, 

(Aus dem Central- und Bezirks-Amtsblatt für Elsass-Lothringen, No. 51, 
vom 29. N.ovember 1884. Mitgetheilt von Steuercontroleur BamcerTcer in 
Strassburg.) 



Vereinsangelegenheiteii. 

XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometerveins. 

Eisen bahn fahrt- Vergünstigungen. 

Für die jenseits der Mainlinie wohnenden Collegen empfehlen 
wir die Benützung der >Kombinirbaren Rundreisebillete im Bereich 
des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen«, welche eine Giltig- 






288 Vereinsangelegenheiten. 

keitsdauer von 35 aufeinanderfolgenden Tagen haben und eine 
Preisermässigung von 25 — 30% gewähren. 

Für die süddeutschen Collegen , welche die Versammlung be- 
suchen werden, haben wir nachfolgende Eisenbahnfahrt- Vergünsti- 
gungen ausgewirkt: 

1. Die Königlich bayerischen Staatsbahnen haben den an den 
Zugangs- beziehungsweise üebergangsstationen gelösten Re- 
tourbillets eine Giltigkeitsdauer vom 2. — 12. August ein- 
schliesslich gewährt. 

Die Theilnehmer haben sich bei dem betreffenden Stations- 
vorstande zur Vormerkung der Giltigkeitsdauer einzufinden. 

2. Die Königlich württembergischen Staatseisenbahnen gewähren 
eine Verlängerung der Giltigkeitsdauer der vom 2. — 7. August 
zu lösenden internen Retourbillete nach Stuttgart, sowie der 
über Stuttgart lautenden internen Rundreisebillete bis ein- 
schliesslich 12, August^ welche Begünstigung bei Zustimmung 
der fremden Bahnverwaltungen auch auf die direkten Retour- 
billete nach Stuttgart ausgedehnt wird. 

3. Die Grossher möglich badischen Staatseisenbahnen wie sub 1. 

4. Die Hessische Ladivigs-Eisenbahn für die nach den üeber- 
gangsstationen Eberbach-Darmstadt und Mannheim gelösten 
Retourbillete Giltigkeitsdauer vom 2. — 12. August. 

5. Die Main-Necharbahn gewährt eine Giltigkeitsdauer' der ge- 
lösten Retourbillete vom 2. — 12. August und die Benützung 
der Schnellzüge. 

6. Die Pfäfzischen Eisenbahtien gewähren den Theilnehmern 
an der vom 5. — 8. August in Stuttgart stattfindenden Geo- 
meterversammlung eine Fahrvergünstigung in der Weise, 
dass die vom 2. — 7. August nach Stuttgurt oder nach einer 
in der Richtung auf Stuttgart gelegenen Stationen gelösten 
Retourbillete bis einschliesslich 12. August Gil tigkeit besitzen. 

Von anderen Eisenbahnverwaltungen stehen die Antworten noch 
aus. Dieselben werden in der nächsten Nummer publizirt werden. 



Diejenigen Mitglieder, welche noch mit. der £inza1i- 
lung des MItgliedsheitrages Ton 6 Marli pro 1885 zum 
I>ent8chen Oeometerrerein im RttcliLStande sind, werdeu 
hiermit ersucht, denselhen haldgefälligst einzusenden, 

Cohurg, am 13. Juni 1885. O. Kerschhaum. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlungen : Die preussischen Feldmesser-Reglements von 1813) 
1857 und 1881, von Gerke. — Preussischer Beamten-Verein, von Heidsieck. — 
Reduction schief gemessener Längen auf den Horrizont mittelst Höhenwinkel- 
messers und Ausgleichungsmassstabes im Felde, von Eichholtz. Kleinere 
Mittheilungen: Meliorationen in Oberschlesien. Gesetze und Verordnungen. Ver- 
einsangelegenheiten. 



Krtiisrulie. Druck voti Maisch <fe Vo^jel. 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWE: 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe», Steueraeeessor in Miinchan 
B. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover, 

1885. H«n 19. Ban 

1. Aug:uBt. 



Die Flächeninhaltsberechnung und Flächentt 
des Vierecks nach der Koordinatenmethi 
den gewöhnliclien Fälien der Feldmesserpr 

Von Steuerrath WMslil in Liegnitz. 
I. Flächeninhaltsberechnung des Vierecl 

Fig. 1. 

Wir setzen die Flächenin 
rechnung des Vierecks na 
sllgemeinen Formel für das 



2 J= 2y„ («„-,— a;„+,) = 2y„ 

da die AbkUrzung dieser Foi 
das Viereck sich in der Zah 
nuDg dem geübten Rechner vo 
darbietet, es daher nicht nöi 
das Gedächtniss mit der S] 
Vierecksformel zu beschweren 




Nach Fig. 1 ist: 



-tY 



x^ i/„ Jx„ yn-^x„ 

1= 82,4 21,1 — 104,2 

2 = 196,1 50,1- 76.8. 

3 = 159,2 112,7 + 104.2.91,6 = + 9544,72 
4= 91,9 87,4+ 76,8.37,3 = + 2864,64 

12409,36 = 



n 



290 Wilski. Die Flächeninhaltsberechnung u. Flächentheilung d. Vierecb nach 

Allgeroein : 

(Jn ^Xn 

' — y%{xz—xx) 
=+»4(^8— ^l) 



• 




^a!„ 


1 = 

2=. 

3 = 

4 = 


= «« y» («1 

= «s y» («» 


—a:,) 







-2'=(^«— a:4)(y8— yi)+;(a:8-a:i)(y4— y2)=2J.(2) 

Zur Kontrole rechnen wir, wenn zugleich eine Theilung des 
Vierecks beabsichtigt wird, nicht nach der Formel 

2J=^a:„(y„4.i — y„_,) = ^a?„^y„, (3) 

sondern wir zerlegen das Viereck durch die beiden Diagonalen in 
/\ 1, 2, 4 + ^ 1, 3, 4 + dem verschränkten Viereck □ 1, 4, 2, 3. 
Indem wir rechtsläufige Numerirung der Eckpunkte des Vierecks 
voraussetzen, die Koordinaten des verschränkten Vierecks aber in 
dem einen Theile, dem Dreieck mit der Grundlinie 1, 4 links- 
läutig, in dem andern Theile, dem Dreieck mit der Grundlinie 2, 3 
rechtsläufig ansetzen, muss die Fläche des ersteren, welche sowohl 
in dem A ^ » 2 , 4 als auch in dem [\\ ^ 3,4 enthalten , also 
vorher doppelt berechnet ist, sich negativ ausdrücken, mithin 
die Summe der drei Theilfiguren den Flächeninhalt des ganzen 
Vierecks wiedergeben : 

2e7=2Al,2,4 + 2Al,3,4 + 2>::i,4,2,3. (4) 

Wir setzen also an , indem wir auch für das Dreieck die all- 
gemeine Vielecksformel (1) anwenden, zur Ersparung eines Produktes 
aber jedes y um 3^1 kürzen, das erste Glied mithin zu Null machen: 

Xn yn {fj^—yi) ^x 

1 = 82,4 21,1 0,0 — 104,2 = 0,00 

2A| 2 = 196,1 50,1 29,0— 9,5 = - 275,50 

4=91,9 87,4 66,3 +113,7 = + 7538,31 



2A 



1 = 

3 = 

4 = 



0. 

82,4 21,1 0,0 — 67,3 

159,2 112,7 91,6 — 9,5 

91,9 87,4 66,3 + 76,8 



7262,81 = K, 



0,00 
— 870,20 
+ 5091,84 



0. 



4221,64 = i. 



11: 



2G o_ 



4 
2 
3 



Xn 

82,4 

91,9 

196,1 

159,2 



21,1+ 67,3 
87,4 — 113,7 

50,1— 67,8.29,0 = — 1951,70 
112,7 + 113,7. 25,3 = + 2876,61' 

0. 



924,91 = M. 



JT + i + Jlf= 1 2409,36 = 2 /. 



d. Eoordinatenmethode in d. gewöhnlichen Fallen der Feldmesserpraxis. 291 



2A 



r 1 = 
2 = 

4 = 



Allgemein : 
-Vi) (a?4 — a;,) =0 

-yi) {x^—xi)\ fy4— yi) (««— ai)==^.(5) 



^ y\ (yi 
x% y% (y« 

xa. yA. (pi 




2A 3 = 



^1 yi (yi 
^ ys (ys 
^4 y4 (y4 



yi) (a?4 
yi) (^1 
yi) (iPs 



0. 

— a:i)J 



z^a; 



0. 

y« 



= 

(ys— yi)(a?i -a?4) + 

(yi — yi) (ars — a'lJ — L. (6) 



z/a; 



2D 



( 1=^1 yi (a^s — ^4)=— yi (^4— ^s) 

. 4 = a;4 ^4 («?!— ^^2) = — ^4 (arg— iTi) 

2 = X2 ya (iP4 — ^s) = 4-y8 («4—^8) 
I 3 = ir3 ys (a:«— a:i) = + y8 (a?«— a^i) 



Fig. 2. 



. ^=(a:4 -a^s )(y8 -yi ) + (^2 - ^1 )(y3 -y4)=-^.(7) 

Addiren wir die Werthe JC + -^ + -3f » so erhalten wir nach 
gehöriger Reduktion des Ausdrucks 

^ + i + If = ( a:, — ar4 ) (ys — y 1 ) + (a^a — a?! ) (y4 — y 2 ) « 2 eiT 

übereinstimmend mit Formel (2). (8) 

Denken wir uns das gegebene Viereck 
Fig. 2 durch eine beliebige Gerade mn^ welche 
die Seiten 1 , 2 und 3 , 4 schneidet , in zwei 
Theile zerlegt, und setzen wir 

die Seite 1, 2 = Si, die Seite 1, m = 5^, 
die Seite 3, 4 = 5s, die Seite 4, m = 5„, 

so sind die Verhältnisse 



^ = v und^ = w; (9) 

Si s^ 

bekannt, und es wird, wenn wir in dem Viereck 1, iw, w, 4 die 
Diagonalen ziehen, der Flächeninhalt desselben nach Formel (4) 
sich ausdrücken lassen durch 

2 F= 2 A 1 , w, 4 + 2 A 1, w, 4 + 2 □ 1, 4, m, w. 

Es ist aber 2 A 1, ^, 4 = t?(2A1^2,4) =vK 

2A1, w,4 == w; (2A1.3,4) =wL 
2^1, 4,m,w = t;M;(2ni,4,2,3) = v«(;Jf 

also 

2F=vK+wL + vwM (10)* 




*) Hölscher, Anleitnng zur Berechnung und Theilung der Polygone bei 
recbtwinklichen Koordinaten. Seite 29 (122). 

19. 




292 Wilski. Die Flächeninhaltsberechnung a. Flächentheilung d. Vierecks nach 

Beweis : 
^^^ = ^=t;; folglich 2Al,m,4 = t;(2Al,2,4) = t;ür 

Al^ = V- = «^; folglich 2 Al,w,4 = tc;(2Al,3,4)=u;i 
AI» 0,4 ^g 

ferner nach Formel (7) 

Nun ist (X4^-^Xn) = tO (x^ — rcs ) (11) 

(y« — »i)= vO/8 — 2^1) (12) 

(x„, — Xi)= v(x^ —Xx) (13) 

{yn—y^) = w{y^ —y^) (14) 

folglich2a 1, 4,m,w=t;M; [{x^—x^){yi—Ui)'\-{x^—Xi)y^—y4)'\^vwM. 

II. Flächentheilung des Vierecks. 

Wenn von einem Viereck durch eine Gerade mn ^ die zwei 
gegenüberliegende Seiten des Vierecks schneidet, eine gegebene 
Fläche abgetheilt werden soll, so wird, welche Bedingungen auch 
für die Lage der Theilungslinie mn gegeben sein mögen, sei es, 
dass dieselbe von einem gegebenen Punkte in einer Seite ausgehen, 
oder die gegenüberliegenden Seiten proportional schneiden, oder 
mit einer Seite des gegebenen Vierecks parallel laufen, oder mit 
einer sonst gegebenen Richtung parallel bezw. senkrecht zu der- 
selben angelegt werden soll, immer die Formel 

2F=^vK-\-wL-\-vwM 

zur Lösung der Aufgabe geeignet sein, wenn wir behufs der all- 
gemeinen Anwendbarkeit derselben vorher festsetzen, 

1. dass die Eckpunkte des gegebenen Vierecks rechtsläufig 
und so numerirt werden (was immer möglich ist) , dass 
der Punkt m in die Seite 1 , 2 und der Punkt n in die 
Seite 3, 4 fällt, 

2. dass das abzuschneidende Viereck, die Fläche J^, an der 
Seite 1 , 4 liegt , event, also , wenn die Fläche Q des ver- 
langten Trennstücks an der Seite 2, 3 liegen soll, der Rest 
J — Q=^F in die Rechnung eingeführt und abgeschnitten 
wird. 

In der vorstehenden Flächeninhaltsformel für das abzuschnei- 
dende Viereck sind die Grössen JC, i, M aus der Urfigur und -F 
entweder unmittelbar als die vorausbestimmte Fläche des Trenn- 
stückes oder als Rest J — Q bekannt. Es kommt also nur noch 
darauf an , aus der Gleichung die Unbekannten v und w zu ent- 
wickeln, zwischen welchen sich immer eine Gleichstellung herstellen 
lässt, um eine derselben auszuscheiden. 

Sobald aber die Koeffizienten v und w gefunden sind, erhalten 
wir die gesuchten Stücke aus den Gleichungen (9) resp. (11) bis 
(14): 

Sm=VST, 8n = WS^ (15) 

ym = v{y2—yi) + yi yn = w{y^—y^)+y^ (16) 

Xm = v{X2 — Xi)-\-Xi Xn^l0{x^—Xi)+X4^ (17) 




d. Eoordinatenmethode in d. gewöhnlichen Fallen der Feldmesserpraxis. 293 

Hiernach gehen wir zu den einzelnen Fällen der Flächen- 
theilung über, wie sie in der Praxis gewöhnlich vorkommen. 

A. Theilungen at4S einem gegebenen Punkte in einer Seite des 

Vierecks, 

Wir bezeichnen den gegebenen Punkt allemal mit m und die 
Seite, in welcher er liegt, mit 1, 2 bei rechtsläufiger Numerirung 

der Eckpunkte, dann ist — ^ = t; bekannt und es folgt aus Gleich- 
ung (10) 

2F-VK .^ 

""- L + vM ^^^^ 

wonach ä«, y„, x„ ohne Weiteres aus (15) bis (17) sich ergeben. 

B, Proportionaltheilung des Vierecks^ 
bei welcher die angeschnittenen Seiten der Urfigur sich verhalten 

wie die homologen Seiten der gesuchten Figur, nämlich -^ = —^. 

Nach den Bedingungen der Aufgabe ist also auch -^ = — ^ 

oder v = tr, mithin geht die Formel (10) über in 

2F=v{K+L) + v^M, 

woraus . = - ^^ ± \/ (^j + ^ (19)** 

**»> Sn, y„, y«, «;,„, ^n ergeben sich aus den Formeln (15) bis (17). 

C, Paralleltheüungen. 
a. TheilungdesVierecks parallel zu einer beliebigen Seite. 

Diejenige Seite, mit welcher die Theilungslinie mn parallel 
laufen soll, muss allemal 1, 4 sein, da nach den gestellten Vor- 
bedingungen für die Anwendung der allgemeinen Formel (10) der 
Punkt m in der- Seite 1, 2, der Punkt n in der Seite 3, 4 liegen 
soll. Denken wir uns das abzuschneidende Paralleltrapez 1, m, w, 4 
Fig. 2 durch seine beiden Diagonalen zerlegt, so ist 

/\ l,w, 4 = /\ l,w, 4 oder vK=wL, mithin 

w = vj', (20) 

also 2F=vK+v^L + v^^M==2vK+v^^M, 



woraus v = 



L -i-l//i\2 . 2F L 



M 



l/(i)"+¥i <-' 



Nachdem v gefunden, ergeben sich die übrigen gesuchten 
Stücke aus den Formeln (20) resp. (15) bis (17). 

*) Kölscher, S. 30 (124). 
♦*) Kölscher, S. 95 (437). 




294 Wilski. Die Flächeninhaltsberechnung a. Flächentheilung d. Vierecks nach 



In dem besonderen Falle, wenn das eu {heilende Viereck ein 
JParaUeltrapee ist und die Theilungslinie parallel den parallelen 
Trapezseiten liegen soll, ist in der ürtigur A 1» 2, 4 = /\ 1, 3, 4, 
oder K=L, mithin nach Formel (20) 

die Aufgabe fällt sonach unter die Proportion altheilungen und ist 
nach Formel (19) zu lösen, welche übergeht in 






M 



(22) 



b. Theilung des Vierecks parallel zu einer beliebigen 
Geraden, deren Richtung gegeben ist. 

Es sei gegeben die Gerade p g, Fig. 3 und 4 , deren Neigung 
gegen die Abscissenachse des zu theilenden Vierecks durch die auf 
letztere bezogenen Koordinaten der beiden Endpunkte p und q 
bestimmt ist. 

Die Neigung der Theilungslinie mn ist sonach gegeben durch 



tang (m n) = lang (p q) = 



in 






oder 



Xq—— Xp 



itx: 



cot {m n) = cot (p q) = ^ — ^ = q, = 

Fig. 3. 



Xn ■""" Xj^ 

Vi—yv 



X^ Xfff 
Vn—ym 



(23) 



(24) 



1 







X* 



\ 



* « 



^V- 







«*h 



X^V- 




X1 



+X 




^^: 



r-"'k-y^ 



Je 




^ 

Je nach der Lage der Theilungslinie mn zur Abscissenachse 
ziehen wir 



entweder 
mit der Ordinatenachse 



oder 
mit der Abscissenachse 



durch die Punkte 1 und 4 Parallelen, welche die Theilungslinie 
bezw. deren Verlängerung in a und c schneiden, ferner mit mw 



d. Koordinaten meth ode in d. gewöhnlichen Fällen der Feldmesaer 

durch die Punkte 1, 2, 3 Parallelen, wplche die vor 
Parailelea in b und d resp. in e schneiden, dann ist: 
la=bc la=bc 



= «[>»— *,)V+(yi-y2)] =v[{Xi-Zi) + 

Feriiei' ist 
4c s, 4c s. 

4i=(!/i— !/,)+(a;4— ajJv' =(^*— '•i)+(y*— !/i 

4c -j- 4t = 6c^w[(a^ — a;«) y 4c + 4 6= ic ==»[(; 

+ (^4 — ff»)] 4-(a!4 — a:i)v +(**— y»)?'] ^ 

mithin 



+(y4-j's)l+{^4-a^i )«'+(yi -1/4) 



(25) M 



"(Xa—Xijyj + ij/^ — yi) 
I (a'i— a'4)v + (y4— gl) 

(a^s — aT*)v+(y4— ffs) 



+(y4-ys)7l+(^4-a^i) 

JXt—Xi) + (tfi—, 

(xa- x^} + (yt—: 

(x,~Xi) + (l/i — 
^(Xt-X^) + (ff^- 

Die Wahl zwischen beiden Gleichungen im gegebf 
entscheidet sich dadurch, dass wir w und ip niemals gri 
in die Rechnung einfuhren, wird yi > I , so muss y 
wir rechnen also in diesem Falle mit der zweiten Glei 
welcher ^ als Faktor vorkommt und umgekehrt. 

Wird ^ = ^^^^ = 0, d. h. i/„ — j/„ = 0, so liegt m 

zur Ahscissenachse und die Gleichung (25) behält ihre ■ 
es fallen nur die Glieder aus, in welchen ip als Faktor 

Wird tf) = ^^^^^^= 00, d. h. x„ — x„= 0, so liegt »i 

zur Ordinatenachse und die Gleichung (25) wird unbrau 
muas dann die Gleichung (26) genommen werden , in ' 
diesem Falle y==0 wird, und die Glieder ausfallen, in 
als Faktor vorkommt. 

Setzen wir in den Gleichungen (25) und (26) den K( 
von V gleich N und das absolute Glied gleich 0, so ist 

w = vN+0 
und diesen Werth in die Formel (10) eingesetzt giebt 

2F=MNv^-\-(K-\-NL+0M)v-\-0L, 
woraus 



rriT^ 




296 Wilski. Die Fläcbeninhaltsberechnung u. Flächentheilung des Vierecks nach 



v= — 



K+NL-\-0M^'1/.K+NL+0My\ 2F—0L 



2NM 



2 NM 



) + 



NM 



(28)*) 



Nachdem v gefunden und danach w aus Gleichung (27) be- 
stimmt ist, ergeben sich die gesuchten Stücke 8„, ^», ym^ j/m ^mi 
Xn aus (15) bis (17). 

D. Senkrechte Theilungen des Vierecks^ 

bei welchen die Theilungslinie entweder senkrecht zu einer Seite der 
Urfigur oder senkrecht zu einer beliebigen anderen Richtung zu 
ziehen ist. 

a. Tbeilung des Vierecks senkrecht zu einer Seite. 

Setzen wir im Voraus fest, dass bei reclitsläufiger Numerirung 
des Vierecks diejenige Seite, auf welcher die Theilungslinie mn senk- 
recht stehen soll, mit 1, 2 und der Fusspunkt der Senkrechten mit 
m bezeichnet wird, so ist die Neigung der Theilungslinie mn gegen 
die Abscissenachse gegeben durch 

tang (m n) = tang [90° + (1, 2)1 = — cot (1,2) = — ^hZZ3. = ^ (29) 

y« — Vi 

oder 

cot (m n) = cot [90° + (1, 2)] = — tang (1,2) = — ^'~^^ = cf (30) 

x^ "^ x^ 

Die Aufgabe ist hiernach lediglich als Paralleltheilung nach 
den Formeln (25) bis (28) zu lösen. 



b. Theilang des Vierecks senkrecbt zu einer beliebigen 

Geraden pq, 

deren Neigung gegen die Abscissenachse durch die Koordinaten 
der beiden Endpunkte gegeben ist. 

Die Neigung der Theilungslinie mn ist in diesem Falle be- 
stimmt durch 

X — X 

tang (m n) = tang [90 ° -f (/; qj] = — cot (pq) = -= tp (31) 

oder 
cot (m n) = cot [90 ° + (p 3)] = — tang (pq) = — ^^lZIe = ^^ (32) 

Xq Xp 

und die Aufgabe in gleicher Weise wie zu a als Paralleltheilung 
zu einer gegebenen Richtung zu lösen. 



*) Der Ausdruck {K-^NL-{- OM) lässt sich reduziren auf 2 NL und es ist 



dann ü = — —. -f 



y_2_ (^i^\ (Kölscher S. 47 (228), es wird indessen 
N M \ 2 Ml 

damit beim praktischen Rechnen keine erhebliche Abkürzung gewonnen, da- 
gegen bei Anwendung der Formel (28) innerhalb der Rechnung eine Probe 
durch K + NL-\' 0M=2NL geboten. 



i. Koordinatenmethode in d. gewöhnlichen Fällen der Felemessespn 

Fig. 5. 

Rechnungsbeispiel für senkri 
Theilung. 

Theilung des Vierecks 1, 2, 3, 4 
gleiche Tbeile dergestalt, dass »iii » 
zur Seite 1, 2 steht. 

,6 + 35,3)119,6— 12414,48 




38,3 — 
,5— 57,0— 3904,50 



[4= 67,0 + 35,3+ 95,3 — 



0. 



— + 7268,5 



2A1,3,4 



36,3X119,6— + 4221,i 

0,0+ 62,6 

;4— 67,0 + 35,3— 95,3 — — 3364,09 
UI2— 95,3 — 68,5— 62,6 = + 4288,10 
— 119,6 0,0+ 95,3 

— + 924,( 



Z + L + Jlf- 12414,. 

2r— 6207,1 

— >1, rechnen wir nach Formel (30; 



r = -|E| = + i|-0,719 



Da ^j)s=~ 



Nach Formel (26) 

1,-Xi —95,8 «i-i» —-57,0 

+(». -»1 )')- 49.2515 +(!(.-!/, )lP= +2_5^3j 

144,5515 —31,61 

!H—Xt —62,6 
+fe-!'.)tP- 25,3807 
87,9807 
log 144,5515 = 2. If 
log 87,9807 — 1.94 
-873807 'f 31.6193 -1« 

- 0,3594 — JJ»—0 log N=(l.2\ 

log — 0.5! 
2F=vK+wL+vwM 

iF={K+Lll — MO)v + MSt' — LO 
6207,24- (7268,59+4221,88^- 924,01 0)i+ 924,01 JT» '—4i 



87,96 
— 1,6< 




298 Wilski. Die Flächeninhaltsberechnung u. Flächentheilung d. Vierecks etc. 



log 3.62551 2.96568 

log N^ log 0.21564 0.55556 



1 



2.96568 
0.21564 



3.62551 
0.55556-1 



3.84115 2.52124 3.18132 3.18107 

6207,24=(7268,59+6936,67— 332,08) v+ 1518,17 1;^ —1517,29 

1517 2Q 
+ i^-ir^ = 13873,18 v + 1518,17 v^ 



7724,53 

log 3.88787 
— %JlfiV 3.18132 



4.14218 
3.18132 



3.18132 
3.18132 



logv =0.72140—1 
%i^= 0.21564 



0.70655 0.96086 0.00000 
nl 5,088 = 9,1382 v + v^ 
y = — 4,5691 ± V 4;5691 « + 5,0880 

20,8767 
+ 5,0956 = ±|/ 25,9647 
V = 0,5265 

0.72140—1 
logai =2.06930 



0.72140-1 
logyi --1. 83569,, 



O.72140-1 
logxi =1.97909 



= 0,8650 
3594 



0.93704-1 
\nl =0,i 

w = 0,5056 

/o(7i(; = 0-70381—1 
%53= 1.85673 

% 5« =1.56054 



log 8n,= 1.79070 log ym= 1.55709y, log «m— 1.70049 



«,« = 61,76 



y„i = — 36,06 

0.70381—1 



Xm = 50,18 

0.70381-1 



log y4, = L54777 log {x^—x^) = 1.79687 

1.25158 
— 17,85 
+ 2/4 = + 35,30 



1.50038 

31,65 
+ ic^ = 57,00 



s^= 36,35 y„= + 17,45 a;„ = 88,65 

Schlussbemerkung. Die Berechnung der Grössen K^L^M und 
die Formeln (25), (26) vereinfachen sich, wie unschwer zu erkennen 
ist, sobald die Abscissenlinie mit einer Seite des Vierecks zusammen- 
filllt, nichtsdestoweniger lassen sich in solchen Fällen andere 
Lösungen der betreffenden Aufgabe finden, die einfacher und ele- 
ganter sind als die vorgeführten. Es lag auch nicht in der Abgeht, 
etwas Besseres zu geben als die bekannten Lösungen solcher Auf- 
gaben, sondern es sollte nur auf dem von Hölsclier in seiner >An' 
leitung zur Berechnung und Theilung der Polygone < angebahnten 
Wege gezeigt werden, dass man für alle Fälle, die vorstehend 
behandelt sind, mit ein paar Formeln auskommen und dieselben, 
wenn man sich ihre geometrische Bedeutung erst einmal klar ge- 
macht hat, aus der Figur leicht wiederherstellen kann , sofern sie 
dem Gedächtniss entschwunden sind, dass man also nicht gleich ausser 
Gefecht gesetzt ist, wenn man > Gauss, Theilung der Grundstücke« 
zufällig nicht zur Hand hat und darauf Verzicht leisten muss, die 
darin enthaltenen für die praktische Rechnung bequem eingerichteten 
Specialformeln zur Auflösung der betreffenden Aufgaben zu benutzen. 



Literaturzeitung. 299 

Literaturzeitung. 

Nmllements der PreiMsischen Landesaufnahme in der Provinz Hannover und in 
dm angrenzenden Lcmdestheüen. Auszug aus dem IV. Bande der Nivelle- 
ments der trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme. Mit Ge- 
nehmigung der trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme heraus- 
gegeben vom Hannoverischen Feldmesser- Verein. Hannover. Schmorl& 
von Seefeld. 1885. 39 S 8 » mit 2 Karten. 2 M. 

Die Nivellementsresultate der Preussischen Landesaufnahme 
sind zwar amtlich veröfifentlicht und dadurch Jedermann zugänglich 
(vergl. Zeitsch. f. Verra. 1883 S. 501 mit Uebersichtskarte S. 502—503), 
allein der Preis dieser officiellen Bände ist ein etwas hoher (z. B. 
Band V. 20 M.) und mancher Praktiker hat nicht das Bedürfniss, 
die Originalmessungen und die Ausgleichungen zu haben, sondern 
nur die Schlussresultate übersichtlich geordnet zu besitzen ; es hat 
sich daher schon mehrfach das Bedürfniss gezeigt, Auszüge aus den 
Nivellements der Landesaufnahme herzustellen. 

So hat z. B. schon seit Jahren ein Privat-Unter nehmer mit dem 
Abdruck und Verlag solcher Nivellementsauszüge sich beschäftigt^ 
worüber wir schon mehrfach , z. B. in der Zeitschr. 1884 S. 286 
und 1883 S. 510 berichtet haben. Wir mussten jedoch auch schon 
(Zeitschr. 1881 S. 370) darauf aufmerksam machen, dass jene Ex- 
cerpte unverhältnissmässig theuer verkauft werden. 

Das Bedürfniss eines übersichtlichen und wohlfeilen Auszuges 
aus den von der Landesaufnahme herausgegebenen amtlichen 
Nivellements-Resultaten veranlasste auch den Hannoverischen Feld- 
messer-Verein, sich mit einer Verlagsbuchhandlung in Beziehung 
zu setzen, um einen solchen Auszug durch Druck zu vervielfältigen^ 
und damit allen Technikern der Provinz Hannover leicht zugäng- 
lich zu machen. 

Nachdem die Erlaubniss des Abdrucks der fraglichen Höhen 
aus dem IV. Bande der Nivellements von dem Chef der trigone- 
metrischen Abtheilung der Landesaufnahme, Herrn Oberst Schreiber^ 
in freundlichster Weise gegeben war, konnte mit dem Abdruck 
von S. 55 — 58 des IV. Bandes vorgegangen werden. 

Wegen der immer wünschenswerthen Beziehung des Abdrucks 
zu den amtlichen Publikationen wurde die Seiten - Abtheilung der 
letzteren unverändert beibehalten und am Fusse der Seiten des 
Abdrucks angemerkt, so dass z. B. alle Höhenatigaben, welche auf 
S. 50 des IV. Bandes stehen, nun auf S. 1 des Abdrucks vereinigt 
sind, u. s. w. Die Bemerkungen von S. 143 — 144 des V. Bandes, 
über >zerstörte und versetzte Nivellementspunkte« , nebst zweien 
besonders mitgetheilten Nachträgen sind an den betreffenden 
Stellen berücksichtigt und ausserdem in Anmerkung am Fusse der 
Seite hervorgehoben. 

Im Anschluss hieran scheint die Mittheilung am Platze zu sein, 
dass auch der Rheinisch-Westfälische Feldmesser-Verein die Heraus- 
gabe eines Nivellements- Fixpunkts- Verzeichnisses für Rheinland und 
Westfalen in Aussicht genommen hat. J- 



300 Unterricht und Prüfungen. 

Unterricht und Prüfungen. 

Feldmesser-Prüfung. 
Nach den amtlichen Mittheilungeii des Centralblattes der Büa- 
verwattung vom 14. Februar 1885 haben in derZeit vom 1. October 
bis 31. December 1884 die Feldmesserpi-üfung bestanden: 

a. Berufsfeldmesser: Älbrecht, A., bei der Prüfungs- 
Commission in Kassel. — Becker, K., in Wiesbaden, — Becker, A^ 
in Trier. — von Berckefeldt, K., in Hannover. — Bischoff, G., in 
Potsdam. — Böbler, A., in -Trier. — Bomers, J., in Düsseldorf. — 
Büsche], J., in Trier. — Däuraer, A,, in Arnsberg. — von Eich- 
mann, F., in Stettin. — Gerner, E,, in Minden. — Hadamczik, K, 
in Oppeln. — Hilscher, P., in Arnsberg. — Klinkmüller, F., in Magde- 
burg. — Kosswig, K.. in Potsdam. — Kukutsch, V,, in Frankfurt ä.0. 

— Langmayr, V,, in Frankfurt a. 0. — Liebscher , M. , in Danag. 

— Lotz, J., in Arnsberg. — Marten, W., in Trier, — Mülle, J.,m 
Merseburg. — Müller, J., "in Köln, — Müller, F., in Merseburg,— 
Partouns , F., in Arnsberg. — Pöhlsen, K,, in Schleswig, — PuJch, 
H., in Potsdam. — Beyher, A,, in Arnsberg, — Schäfer, 0., in Kassel, 

— Schnabel, K., in Stettin. — Stephan, A., in Oppeln. — Stroh- 
meyer, F., in Münster. — Tallari, J., in Breslau. — Therhaerst, 
Tb., in Düsseldorf. — Than , V, , in Oppeln. — Thewald, F,, in 
Wiesbaden. — Thiel, A., in Breslau. ^ Trips, H,, in Coblenz. — 
Uimitz, L., in Posen. — Wach, R., in Oppeln. — Wadehn , E., in 
Danzig. — Wannack, H, in Danzig. — Wysocki, Tb., in Marien- 
werder. 

b. Forstbeamte: Birner, F., in Potsdam. — Bockemühl, 
K., in Kassel, — Caesar, K., in Potsdam. — Ehlert, H., in Kassel 

— Emmelhainz, J,, in Potsdam, — Fricke, K. , in Kassel. — von 
Hoff, H., in Oppeln. — Hunten, K., in Hannover. — Lipinsky, V., 
in Potsdam. — Märker, K., in Potsdam. — Niemann, 0,, in Potsdam. 

— Paetz, K., in Potsdam, — Pauen , J., in Hannover, — Paw- 
lowski, E., in Merseburg. — Preuss, K,, in Oppeln. — Reinbold, 
O, , in Hannover, — Reuscb , W. , in Potsdam. — Rudolph, F., 
in Potsdam. — Rumpel, Tb , in Kassel, — Schilling, L., in Kassel 

— Schurz, L. , in Gumbinnen, — Graf von der Scbulenburg- 
Nimptscb, A., in Kassel, — Schuster, F., in Münster. — Staudinger, 
H., in Kasse), — Voigt, K., in Kassel. — Zach, 0., in Frankfurt 
a. d. 0. 

c. Baubeamte: Simon, J., Reg.- Bauführer, in Köln. 
Hiernach haben 42 Berufsfeldmesser, 26 Forstbeamte und 1 

Bauführer die Prüfung abgelegt. Es war vorauszusehen, dass der 
Andrang zu dem oben angegebenen Prüfungstermine ein ganz 
enormer sein würde, da derselbe für die Feldmesser- Aspiran ten der 
letzte war. Sämmtliche FeldmeSBerprüfungs- Kommissionen sind 
nunmehr aufgehoben und werden durch die beiden Landmesser- 
prüf ungs-Kommissioneii in Berlin und Poppeisdorf ersetzt. ff- 



Vereinsangelegenheiten. 301 

Vereinsaiigelegenlieiten. 

Programm 

für die 
14. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



Die 14. Hauptversammlung des Deutschen Geometerverein» 
wird entsprechend dem Beschlüsse der vorjährigen Hauptversamm- 
lung zu 

Stuttgart 

in der Zeit vom 5. bis 8. August d. J. abgehalten werden; die 
Ordnung derselben, welche wir hierdurch zur öiFentlichen Kenntniss 
bringen, ist folgende: 

Mittwoch, den 5. August. 

Vormittags 9 Uhr: Sitzung der Vorstandschaft im P'estsaale der 

Königl. Baugewerkschule. 

Nachmittags 4 Uhr : Sitzung der Vorstandschaft und der Delegirten 

der Zweigvereine daselbst. 

Abends 7 Uhr: Empfang und gegenseitige Begrüssung der 

eingetroffenen Theilnehmer mit geselliger 
Unterhaltung im Stadtgarten, bei ungünstiger 
Witterung im Stadtgartensaale. 

Donnerstag, den 6. August. 

Vormittags 9 Uhr: Hauptberathung der Vereinsangelegenheiten 

im Festsaale der Königl. Baugewerkschule 
mit folgender spezieller Tagesordnung: 

1. Bericht der Vorstandschaft über das 
abgelaufene Vereinsjahr. 

2. Bericht der Rechnungsprüfungskommis- 
sion und Beschlussfassung über Ent- 
lastung der Vorstandschaft. 

3. Wahl der Eechnungsprüfungskommission 
für das Jahr 1885. 

4. Vorlage des Etats für das Jahr 1885. 

5. Berathung und Festsetzung von allge- 
meinen Normen für Bezahlung von Ver- 
messungsarbeiten nach Akkordsätzen. 

6. > Antrag des Hannoverschen Feldmesser- 
ivereins, den Satzungen folgenden §. 34 
>hinzuzufügen : 



302 Verein San gelegen hei ten. 

>Die Abstimmungen, welche eiae 
>Aenderung der Satzungen betreffen, 
>geschehen mittelst Stimmzett*!. Jedes 
»anwesende Mitglied hat für sich eine 
»Stimme und kann zugleich das Stimm- 
» recht von abwesenden Mitgliedern, 
»jedoch von nicht mehr als 10 der- 
»selben ausüben , deren schriftliche 
> Bevollmächtigung es vorher nachza- 
»weisen hat. Diese ßestiinmung tritt 
»sofort in Kraft.< 

7, Neuwahl der Vorstandschaft und der 
Redaktion. 

8, Vorschläge fur Ort und Zeit der nächst- 
jährigen Hauptversammlung. 

Nach SchluES d.Sitzung: Besichtigung des Königl. ResidenzschloBse s 
der König!, öffentlichen Bibliothek und der 

Bildergallerie. 

Nachmittags 3 Uhr : Festessen im grossen Saale des Stadtgartens. 

Abends 6 Uhr: Eisenbahn fahrt auf der Panoramabahn zum 

Hasenberg, daselbst Besichtigung des Pano- 
ramas der Stadt Stuttgart. Hierauf Rückweg 
durch die Hasenberg- und Reinsburgstrasse 
in den von der Museurasges ellschaft zur Ver- 
fügung gestellten Silberburggarten mit musi- 
kalischer Unterhaltung. 



Freitag, den 7. August. 

Vormittags 9 Uhr: l, Vortrag des Herrn Professor Schiebach 
über die Geschichte der Württemberg. 
Landesvermessung und des Württemberg. 
Vermessungs Wesens im Festsaale der 
Königl. Baugeweikschule. 

2. Bericht der Kommission zur Berathung 
der Vorschläge des Herrn Professor 
Heinrich (Rostock), Bodenbonitirung und 
Bon itirungsk arten betreffend. 

3, Berathung des folgenden Antrages des 
Württembergischen Geometervereios auf 
Abänderung der §§. 20, 14 und 22 
der Satzungen des Deutschen Geometer- 



»Die 14. Hauptversammlung d^ 
»Deutschen Geometervereios wolle 



"*-^ 



Yereinsangelegenheiten. 



303 



ibeschliessen, dem §. 20 der Ver- 
>einssatzungen folgende Fassung 



>zu geben: 

>Der Verein hält alle zwei 

> Jahre eine Hauptversammlung 
>ab, deren Zeit und Tagesord- 
>nung von der Vorstandschaft 
>im vorherigen Benehmen mit 
>den Zweigvereinen festgesetzt 
>wird. 

> Bezüglich des Orts, an dem 
>die Versammlung abgehalten 
> weiden soll, ist die bei der 

> vorhergehenden Versammlung 

> getroffene Wahl bestimmend. 

b. >Die §§. 14 und 22 sinngemäss zu 
> ändern. < 
4. Besichtigung der Ausstellung geome- 
trischer Arbeiten, Kartenwerke, geodä- 
tischer Instrumente und von Arbeiten 
der württembergischen Geometerschule. 

Nachmittags 2 Uhr : Zwanglose Zusammenkunft in der Liederhalle 

zu einer Tasse Kaffee. Besichtigung des 

Festsaales daselbst. 
Nachmittags 3 Uhr: Spaziergang durch die Königl. Anlagen nach 

dem Lustschloss Rosenstein und der Königl. 

Wilhelma. Sammlung beim Hoftheater präcis 

3 Uhr. 
Nachmittags 6 Uhr: Abendunterhaltung mit Konzert im Kursaale 

in Cannstadt. 

Samstag, den 8. August. 

Vergnügungsausflug nach Wildbad, daselbst Abschied. 

Während der Dauer der Versammlung am 5., 6. und 7. August 
wird je von Morgens 8 Uhr bis Nachmittags 5 Uhr in mehreren 
Sälen der Königl. Baugewerkschule (am Stadtgarten) eine Ausstel- 
lung von Instrumenten, Karten und Vermessungswerken geöffnet 
sein, zu deren Beschickung Jedermann, besonders aber die Vereins- 
mitglieder, mechanische Werkstätten, Buch- und Kunsthandlungen 
ergebenst eingeladen werden. 

Anmeldungen sind möglichst bis zum I.Juli beim Ortsausschuss 
zu machen. 

Neuwied, den 10. Mai 1885. 

Der zeitige Vereins-Direktor. 

L. Winckel. 



304 Verein Bsngielegenbeitea, 

XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins in Stuttgart. 

Fortsetzung der in Heft Nr. 14 publizierten Fahrt- 
Yergünstigun gen. 
Die Jteichseisenbahnen in Elsass - Lothringen geben für die 
dui'cb ihre Mitgliedtrkarte sich ausweisenden Theilnehmer zwiBchen 
dem 2, und 7, August d. J. in der Richtung auf Stuttgart Retoiir- 
billete aus, welche bis 12. August tiiltigkeit haben. 

Schlehaeh. 



Neu eingetretene Mitglieder. 

Nr. 2272. Biichel, Josef, Feldmeaser, Trier. 
> 2273. Brüning. Otto, Landmesser und Kulturtechniker, Ade- 
nau, Reg.-Bez. Koblenz, 



DieJenigeD Mitglieder, welche Doch mit der Elnzab* 
luDg des Mitgliedsbeitrages von o Mark pro 1885 znm 
Deutschen Qeometervereln Im Bttckstande sind, werden 
hiermit ersDCht, denselben baldgefftlllgst elnznsenden, 

Cobnrg, am 13. Juni 1S83. O. Kerschbanm. 



Inhalt. 

GrSsiera Abhandlungen : Die FläecheDinhaltsberechnuDguDd Flächen theiluDg 
des Vierecka nach der Koordinatenmethode in den gewöhnlichen FSIleo der 
FeldmeBserpraxiB, von Wilski. Literalurzeitung : Nivellements der preussischen 
Landesaufnahme in der Provinz Hannover und in den angrenzenden Lnndea- 
theilen, Auszug, herausgegeben vom Ilannover'achen Feldmesser verein, beap. 
von J. Unterricht und Prüfungen. Vereinsangelegenhelten. 



305 

ZEITSCHRIFT fOr VERMESSUNBSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppet^ Steuerassessor in München, und 

B. Qerhty Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W, Jordan^ Professor in Hannover. 

1885. Heft 16. Band XIT. 

16. August. 



L 



Verbindung von Messband-Profilen mit Aneroid-Höhen. 

Im vorigen Jahrgang der Zeitschrift für Verraessungswesen 
(S. 485) hat Herr Professor Jordan seine Erfahrungen über die 
Anwendung des Schrittmasses bei Aneroidaufnahmen mitgetheilt. Es 
ergab sich, dass man in den DiflFerenzen der Aneroidablesungen 
selbst ein Mittel besitzt, um das Schrittmass auch auf geneigten 
Strecken, auf welchen es ohne weiteres nicht brauchbar ist, mit Vor- 
theil verwenden zu können. 

Ich möchte im Folgenden ein ähnliches Verfahren mittheilen, das 
ich vor fünf Jahren bei Höhenaufnahmen im Schwarzwald ge- 
brauchte. Es handelte sich damals darum, mit möglichst geringen 
Kosten eine zum generellen Entwurf eines neuen, rationellen Wald- 
wegnetzes genügende Höhenkurvenkarte eines ausgedehnten Distriktes 
herzustellen. Bussolenzüge waren zur Aufnahme nicht erforderlich, 
da fast der ganze Distrikt aus Hochwald ohne Gebüsch bestand, 
also überall ziemlich freie Durchsicht möglich war ; anderseits war 
die Genauigkeit gewöhnlicher tachymetrischer Bestimmung der 
Höhenpunkte unnöthig gross und es wurden desshalb die meisten 
Punkte barometrisch bestimmt. Aufnahmen mit dem Tachymeter- 
theodolit wurden nur auf den verhältnissmässig ebenen Hochflächen 
ausgeführt, wo die mit dem Barometer zu erreichende Genauigkeit 
nicht genügend ist, um die Lage der Höhenkurven mit einiger Zu- 
verlässigkeit zu ermitteln. Freilich wird es um so unwichtiger, die 
Höhenkurven in richtiger Lage zu zeichnen, je schwieriger es wird 
in Folge der geringen Höhenunterschiede. 

Da die Höhenkurvenkarte gleichzeitig Anhaltspunkte für die 
nachfolgende Detail-Projektirung der Wege bieten sollte — es war 
vorgeschrieben, dass pro qkm einige Festpunkte in möglichst ver- 
schiedener Höhenlage bestimmt werden sollen, deren Höhen bis auf 
dm unter sich übereinstimmen — , so musste doch ziemlich viel 
nivellirt werden, und die einzelnen Höhenpunkte zwischen den 
nivellirten Linien wurden am besten durch Aneroid-Interpolation er- 
mittelt; rein barometrische Bestimmungen mittelst Standbarometer 
undKontrole durch einige Anschlüsse an nivellirte Punkte mussten 

Zeitschrift für Vermessnngswesen. 1885. 16. Heft. 20 




306 Hammer. Verbindung von Mess band-Profile n mit Aneroid-Höhen. 

nur dort gemacht werden, wo das Netz der nivellirten Strecken zur 
unmittelbaren Interpoiatien nicht ausreichte. 

Die Linieu des alten Wegnetzes waren im Ganzen genau genug 
in die vorhandenen Flurkarten (1 : 2500) eingetragen , so dass die 
in den letzteren enthaltene Situation unmittelbar zu Grunde 
gelegt werden konnte, indem die nicht vermarkten Wege von Gren- 
zen etc. ausgehend und an solche anschliessend verpflockt wurden. 
Bei den Nivellements wurden selbstversändlich verschiedene Klassen 
unterschieden, indem nur grosse Schleifen mit einiger Sorgfalt ni- 
vellirt wurden (Durchschnittsleistung bei Höhenunterschieden bis 
400 m pro Tag 5 bis 6 km), während die zwischen liegenden Nivelle- 
mentstrecken z. T. mit einem sehr kleinen Nivellir- Instrumente und 
7,5 m langer, leichter Latte bei Ablesung auf cw, z. T. mit einem 
kleinen Tachyraeter mit geneigter Ziellinie ausgeführt wurden 
(Durchschnittsleistung pro Tag 8 km). 

Nachdem auf diese Art die Grundlage der ganzen Aufnahme 
geschaffen war, handelte es sich um die Bestimmung der Situation 
der mit dem Aneroid aufzunehmenden Punkte. Abschreiten, woran 
zuerst ebenfalls gedacht wurde, ging nicht an, weil die aufzunehmen- 
den Halden meist sehr mit Blockschutt überstreut waren, der 
nur vorsichtiges Gehen gestattete. Es wurde desshalb ein 20 m 
langes Messband verwendet; dadurch wurde allerdings ein Mess- 
gehilfe nöthig, also doch immerhin gegenüber den Bussolenzügen, 
bei welchen zwei Messgehilfen nöthig sind, einer erspart. Durchweg 
wurden Profile der Hänge aufgenommen, was allerdings ziemlich 
anstrengend, aber doch das rationellste ist. Die Profile der Buntsand- 
steinhänge des unteren Schwarzwaldes sind ziemlich, zum Theil sogar 
überrascliend regelmässig, meist gewölbt, selten etwas eingeschlagen, 
so dass zur Bestimmung eines solchen Profils wenige Punkte des- 
selben genügen und meist in den End punkten der einzelnen Mess- 
bandlagen für die Aufnahme des Profils geeignete Punkte geboten 
waren. Dazu kam noch der für die Situirung der Punkte sehr 
günstige Umstand, dass das Profil meist > eingebunden < werden 
konnte, indem oben und unten eine im Situationsplan eingetragene 
Nivellementstrecke (Weg, Grenze) vorhanden war; dadurch wird 
natürlich die Genauigkeit gegenüber dem nur einseitigen Anbinden 
der gemessenen, bezw. abgeschrittenen Strecke wesentlich gesteigert. 
Zur Reduktion der schiefen Messbandlagen auf die Horizontale 
mittelst der Differenzen der Aneroidablesungen wurde die folgende 
Tafel berechnet (vergl. die Seite 308), bei welcher die baro- 
metrische Höhenstufe *) = 12 m vorausgesetzt ist, indem der 
Barometerstand in der mittleren Höhe des aufzunehmenden Gebiets 
im Mittel etwa 700 iwm beträgt und die Aufnahme im Spätsommer ge- 
macht wurde. Die Tabelle liefert die in die Karte einzutragenden 



*) Ich möchte bei dieser Gelegenheit vorschlagen, den Ausdruck „baro- 
metrische Höhenstuf e^ (entsprechend der „geothermischen Tiefen- 
stufe" u. 8. f.) allgemein zu gebrauchen an Stelle des umständlichen „Erhebung^ 
in m, welche einem Fallen des Quecksilberbarometers um 1 mm entspricht". 



Hammer. Verbindung von Measbund-Profilen mit Aner 

Strecken in m in Funktion der Baudlagdn und der Am 
an den Endpunkten der Strecken*); es hätte natu 
nügt, auf ganze m abzurunden. > 

Die Profile wurden nun in der Art aufgenomi 
Torangehenden Messgehilfen eine bestimmte Gicht 
wurde, in welclier er zu gehen hatte; bei derziemlic 
sieht und da die Profile stets dem grössten Gefälle 
sehr leicht, die eingeschlagene Richtung ohne Abstec 
festzuhalten; das Ende jeder Measbandlage wurde t( 
bezeichnet. 

Ein Beispiel einer aolchen Profilaufnahme mögi 
angegeben werden, weil unten noch eine Ahänderui 
nungsart mitgetheilt werden soll, welche sich auf diese 
bezieht. Die Rechnung der interpolirten Höhen gesc! 
meinen am bequemsten mit Hilfe des Rechenschieber 
mit Einer Einstellung (im folgenden Beispiel 157; 
Quotient die barometrische Höhenatufe Toratellt) alh 
Zahlen abgelesen werden. Die Berechnung der Hö! 
mittelst der Aneroid- Differenzen je zwei au fei 
gender Punkte, welch letztere man ohnehin zur 
schief gemessenen Längen auf den Horizont bilde 
den Vortheil , dass man für die berechneten Meereshöhi 
punkte eine Kontrole erhält, was nicht der Fall ist, 
Aneroid- bezw, Höhen-Differenzen tou einem Aus 
rechnet und also die Meereshöhen der Zwischenpun 
von einander erhält. 

(Siehe Tabelle auf Seite 310.) 
Am Aneroid wurden, wie oben angedeutet, me 
theile abgelesen. Die Berechnung der Höhenunter 
dm erfolgte nur wegen der Kontrole der Höhenzal 
Karte einzuschreibenden Zahlen sind auf m abgeru 
zontale Länge des Proüls ergab sich (s. oben] aus 
zu 285,2 m ; in der Karte wurde die Länge desaell 
abgestochen, was mit Zuschlag von 1,3 % für der 
einer Länge von 292 m entspricht. Der Ünterschie 
beträgt nur etwas über 2 % ""d ein Theil davon dar 
den Ungenauigkeiten der Situationsgrundlage zugesc 
Die meisten Profile haben Widersprüche von etwa 
die abgestochenen Masse ergeben; einige gröbere 
welche auf Unrichtigkeit der Situation deuteten , 
theilweises Nachstationiren mittelst des Distanzmessi 
Durch das Einpassen der Profile zwischen die bei 
punkte hat man also jedenfalls, da die ganzen Strecl 
einseitig auf 3 — 4 % stimmten , ein Mittel, die Lag 

•) An Stelle iler auf der Seite 308 mitgetlieilten Tafa 
lichkeit eine andere benutzt, welche um 1,3 o/o kleinere 2 
enthielt; soviel beträgt nämlich i m M i 1 1 e 1 der Eingang der 
Flurkarten, Noch häufiger wurde eine «weite Tafel benutzt, 
weiter unten angegeben ist. 




308 Hammer. Verbindung von Messband-Profilen mit Aneroid-Höhen. 



Reduktion der schief gemessenen Strecke zwischen zwei Höhenpunktert 
auf die Horizontale mit Hilfe der Differenzen der Aneroid-Ablesungen art 

beiden Endpunkten der Strecke. 



i 


Differenz 
der Aneroid- 
Ablesungen 

an den 
Endpunkten. 


Messbandlagen von 20«» schiefer Länge. 


iv 


0,5 


1,0 


1,5 


2,0 


2,5 


3,0 


3,5 


4,0 


4,5 


5,0 


my 

£•" ■•'. 


0,1 
0,2 
0,3 

0,4 


m 

9,9 

9,7 
9,3 

8,8 


m 

19,8 
19,7 
19,4 


m 

29,8 
29,6 


39,7 


TU 


m 


m 


j« 


m 


»i 




0,5 


8,0 


19,1 


29,4 


39,5 


49,6 1 










■'■ ri 

■ ; . . 
- **« 

♦ ■ 


0,6 
0,8 
1,0 

1,2 

1,4 
1,6 

1,8 


6,9 


18,7 
17,5 
16,0 

13,9 


29,1 

28,4 
27,5 

26,3 

24,9 
23,1 

20,8 


39,3 

38,8 
38,2 

37,3 

36,3 
35,1 
33,7 


49,5 
49,1 

48,5 

47,9 

47,1 
46,2 
45,1 


59,6 
59,2 

58,8 

58,2 

57,6 
56,8 
56,0 


69,6 
69,3 
69,0 

68,5 

68,0 
67,3 
66,6 


79,4 
79,1 

78,7 

78,2 
77,7 
77,0 


89,5 
89,2 

88,8 

88,4 
87,9 
87,4 


99,3 

99,0 

98,6 
98,1 
97,6 


W. . 


2,0 








32,0 


43,9 1 55,0 


65,8 


76,3 


86,7 


97,1 




2,2 
2,4 
2,6 

2,8 








30,1 

27,8 


42,5 
40,9 
39,1 
37,0 


53,9 
52,6 
51,3 
49,7 


64,8 
63,8 
62,7 
61,4 


!75,5 
74,6 
73,7 
72,6 


86,0 
85,3 
84,4 
83,5 


i96,5 
95,8 
95,0 
94,2 




3,0 










34,7 1 48,0 60,0 


71,4 


82,5 


93,3 


'^ 


3,2 
3,4 
3,6 
3,8 












46,1 
44,0 
41,6 


58,5 
56,9 
55,1 
53,1 


70,2 
68,8 
67,3 
65,7 


81,4 
80,2 
79,0 

77,6 


92,3 
91,3 
90,2 
89,0 




4,0 










1 


51,0 


64,0 


76,1 


87,7 


■: 


4,2 
4,4 
4,6 
4,8 














48,6 


62,1 
60,1 
57,9 
55,5 


74,6 
72,9 
71,1 
69,2 


86,4 
84,9 
83,4 
81,7 




5,0 










1 






67,1 


80,0 




5,2 
5,4 
5,6 

5,8 1 


















64,9 
62,5 

1 


78,1 
76,2 
74,1 

71,8 




6,0 










1 








69,4 


■ - 


l 






1 

















J 



Hammer. Verbindung von Mesaband-Profilen mit Aneroid-Höhen. 309 



punkte in der Mitte des Profils auf 2 % der Entfernung von 
den Endpunkten sicher einzutragen, und dies entspricht bei einer 
Gesammtlänge der Profile von 600 m (längere Profile kamen nicht 
vor) einer möglichen Verschiebung der Punkte in der Richtung der 
Profile um 6 w , d. h. in der Karte um 2,4 mw. Diese Genauig- 
keit ist völlig genügend, da der mittlere Fehler der Höhe eines 
Zwischenpunktes bei der obigen Interpolationsmessung immerhin 
noch auf ± 1 m veranschlagt werden muss. Kleine seitliche 
Verschiebungen der Punkte aus der gewünschten Profilrichtung 
sind ohnehin ganz ohne Einfluss, da die letztere wenigstens nahezu 
übereinstimmt mit der Böschungslinie des aufzunehmenden Hanges. 
Es soll nun hier noch ein Verfahren mitgetheilt werden, das 
angewandt wurde, um die Berechnung der Höhenzahlen der einzelnen 
Punkte, das Eintragen der Situation derselben inclusive der Vertheilung 
des Anschlussfehlers, sowie die Konstruktion der Höhenkurven in Eine 
graphische Operation zusammenzufassen. Während für gewöhnlich die 
Konstruktion der Höhenkurven das Einschreiben derHöhenzahlen auch 
der einzelnen Zwischen punkte nicht entbehrlich macht, so hatte die 
Angabe dieser Zahlen im vorliegenden Fall, da die Profilpunkte auf dem 
Feld nicht bezeichnet wurden, kein Interesse. Ferner ist bei den regel- 
mässig gewölbten Formen der Profile die Konstruktion der Höhenkurven 
am besten nicht mittelst des bekanntenDiagramms, sondern durch Kon- 
struktion der Profile selbst auszuführen. Die letztere kann nun aller- 
dings, nachdem die Situation der Punkte bestimmt und ihre Höhen bcr 
rechnet sind, auf Millimeterpapier sehr rasch ausgeführt werden, 
aber die so erhaltenen Punkte für die Kurven müssen dann wieder 
auf den Plan eingestochen werden, so dass man ebenso gut die 
Profile auf der Konzeptkarte selbst zeichnet. Die Konstruktion wurde 
nun mit Beziehung auf das oben mitgetheilte Beispiel folgender- 

massen ausgeführt (vgl. 
6Bir3 n^B^J^r^Ti ^^^ nebenstehende Fi- 

gur). In der Situation 
sei AB das aufgenom- 
mene Profil. Auf einer 
beliebigen durch A 
gehenden Geraden wur- 
den in beliebigem Mass- 
stab die Strecken AAi, 

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getragen , deren Län- 
gen sich verhalten wie 
die Zahlen 32,5, 5.1,4 

44,4- Es wurde zu 

diesem Zweck an Stelle 
der oben angegebenen 
Tabelle nocheinezweite 
benützt, welche den in 
ersterer angegebenen 






310 Hammer. Verbindung von Messband-Profilen mit Aneroid-Höhen. 






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Nenere fiestimmungen über die Bezahlung etc. 311 

Zahlen proportionale Strecken in cm enthielt, die fiir die vor- 
kommenden Profillängen bequem waren ; dabei konnte natürlich 
der Karteneingang als ebenfalls gleichförmig zu vertheilen ausser 
Betracht bleiben. Die durch -4,, A^.,.A^ mit ^7 £ gezogenen 
Parallelen geben die Eintheilung des Profils in horizontaler 
Richtung. Auf dem in B errichteten Loth wird in beliebigem 
Massstab die Strecke BC gleich dem Höhenunterschied der Punkte 
A und B aufgetragen ; ferner werden auf einer beliebigen durch B 

gehenden Geraden die Strecken BBi , Bi B^ , B^B^ B^ Bi 

aufgetragen, deren Längen sich verhalten wie die Zahlen 1,94, 2,59, 

2,12 1,60 und durch die Theilpunkte Parallelen mit B^ C 

gezogen. Man erhält dann die das Profil bestimmenden Punkte 
mittelst Ziehen von Parallelen mit BC bezw. AB durch die Theil- 
punkte Biwi AB bezw. jBC und kann damit die Profillinie ylC ziehen. 
Wenn nun noch (mit dem gewöhnlichen Zeichenmassstab) die beiden 
Punkte bestimmt werden, welche auf^C den Zehnerkurven 540 und 
680 entsprechen, so erhält man durch Eintheilung des Rostes von 
BC in 14 gleiche Theile (die dem angenommenen Höhenmassstab 
entsprechend je eine ganze Anzahl mm enthalten werden) und 
Projektion der Theilpunkte auf die Profillinie AC und von dort 
auf die Gerade AB die Punkte, in welchen die letztere von 
den einzelnen Zehnerkurven geschnitten wird. Bei einiger Uebung 
geht dieses Verfahren so rasch von statten , dass alle anderen 
Hilfsmittel übertrofi'en werden. Die Konstruktion selbst kann sich 
natürlich auf die Andeutung der Linien schnitte beschränken ; 
zudem ist man in jenen Fällen, wo die Methode brauchbar ist, 
nicht durch in der Karte enthaltene Situation behindert. 

Die Möglichkeit rationeller Anwendung des angegebenen Ver- 
fahrens ist allerdings an eine Reihe von Voraussetzungen geknüpft, 
welche nicht oft gleichzeitig zutreffen werden ; immerhin wird es 
doch da und dort bei der Aufnahme von Weiden, lichten Wäldern 
oder holzlosen Waldflächen angewendet werden können. In dicht 
verwachsenen Wäldern gibt es freilich kein Mittel zu tachy- 
metrischen Aufnahmen als die (Jordanischen) Bussolenzüge. 

Stuttgart, 1885, Juni 20. Hammer. 



Neuere Bestimmungen über die Bezahlung der bei 
den Auseinandersetzungsbehörden beschäftigten 
Landmesser. 

Der Herr Minister für Landwirthschaft, Domainen und Forsten 
hat durch Erlass vom 25. März d. J. anderweite Festsetzungen, 
betreffend die Bezahlung der von den Auseinandersetzungsbehörden 
dauernd und ausschliesslich beschäftigten Verniessungsbeaniten, ge- 
troffen, aus welchen wir die wichtigsten im Nachstehenden mittheilen. 
I. >Die Bezahlung der von den genannten Vermessungsbeamten 
in Auseinandersetzungssachen gelieferten Arbeiten erfolgt be- 



re Bestimmungen über die Bezahlung der bei den 

derjenigen unter ihnen , welchen eine etatsmässige 
t Gehalt und Wohnungsgeidzuschuss verliehen norden 
einem Theile durch diese feste Besoldung, und zum 
Theile — ebenso wie bezüglich der übrigen Ver- 
ibeamten — nach Gebührensätzen, Tagesdiäten oder 

widerruflichen MonaUdiäten.< 

:ahl der etatsmässigen Stellen und die Höhe des Ge- 
owio der damit verbundenen Pensio nähere chtiguDg 
lurch den Staatshaushaltsetat festgestellt. Die Ver- 
ler Stellen und die Aufrückung der angestellten Ver- 
ibeamten in die höheren Gehalts- nnd Pensionsbe- 
igsstufen erfolgen (durch den Minister für Land- 
ift etc.) nach Maasägabe des Dienstalters und der 
eit der in Frage stehenden Beamten. Um die Ord- 
dieser Beziehung aufrecht halten zu können, ist von 
lähme und von jedem Abgange eines solchen Beamten 
rn Minister sogleich Aniteige zu erstatten. < 
nmungeu über Gebührensätze übergehen wir, da die- 
inalimsweise zur Anwendung kommen und für zahl- 
1 — z. B. für alle Nivellements — grundsätzlich aus- 
id. 

![esdiäten betragen : 

n etatsmässig angestellten Vermessungsbeamten 5Mk., 
m nicht etatsmässig angestellten 7,50 Mk. für jeden 
«tag von 8 Stunden und für jeden Reisetag. 
se Diäten können bei Arbeiten ausserhalb des Wohn- 
h für solche Tage liquidirt werden, an denen die 
lg das Arbeiten im Felde verhindert, sowie für die 

den Arbeitstagen liegenden Sonn- und Festtage, 
;ht ein Sonntag und ein Festtag, oder mehrere Festr 
nittelbar auf einander folgen. < 

ermessutigsbeamten können an Steile der Gebühr en- 
i Tagesdiäten jederzeit widerrufliche Monatsdiäten bis 
raye von 310 Mk., im Durchschnitt 175 Mk.. bewilligt 

'm ess ungs beam ten erhalten bei Geschäften ausserhalb 
>hnortB (in einer Entfernung von mindestens 2 km) 
ten, aus welchen auch die Kosten für Fortschaffung 
runiente und Geräthe zu bestreiten sind, wie folgt: 
leisen auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen pro km 
[. und ausserdem für jeden Zu- und Abgang zusammen 

leisen, welche nicht mit Eisenbahnen oder Dampf- 
tn zurückgelegt werden können, für 1 km 40 Pf. 

Berechnung der zurückgelegten Entfernungen wird 
igefangene Kilometer für voll gerechnet. Entfer- 
Ton mindestens 2, aber unter 8 km, werden sowohl 
Hin- als für die Rückreise für 8 km gerechnet. 



AuseiaaDdersetzuDgsbehörden beschäftigten Landmesser. 313 

Bei Reisen nach verschiedenen Orten in unmittelbarer 

Aufeinanderfolge werden die einzelnen Entfernungen jedoch 
ungetheilt der Berechnung zu Grunde gelegt. 

Erweislich höhere Reisekosten können erstattet werden, c 

Durch diesen Erlass wird — abgesehen von der Erhöhung der 
Reisekosten — eine sehr wesentliche Aenderung gegen diö früheren 
Bestimmungen durch die Zulässigkeit der festen Monatsdiäten ein- 
geführt. Die Landmess&r liquidirten früher nach Tagen und sogar 
Theilen von Tagen die einzelnen Arbeiten , diese Liquidationen 
wurden bei den Generalkommissionen geprüft und festgesetzt. Die 
Prüfung erstreckte sich auch darauf, ob die aufgewendete Zeit in 
angemessenem Verhältnisse zu der geleisteten Arbeit stand. War 
dies nach dem Ermessen des festsetzenden Beamten nicht der Fall, 
80 wurde einfach — ohne weitere Motivirung — ein Theil der 
liquidirten Tagegelder gestrichen. 

Wer da weiss, wie geradezu unmöglich es ist, den zu Ver- 
messungsarbeiten — welche gerade bei den Güterzusammenlegungen 
in der mannigfachsten Art vorkommen — erforderlichen Zeitauf- 
wand zu beurtheilen, ohne alle Verhältnisse (Terrainschwierigkeiten, 
Witterung, Wohl- oder UebelwoUen der betlieiligten Grundbesitzer 
u. 8. w.) genau zu kennen, dem brauchen wir nicht zu sagen, zu 
welchen Ungerechtigkeiten diese Kostenfestsetzungen vom grünen 
Tische aus führen mussten und in zahlreichen Fällen geführt haben. 
Dazu kam, duss bis zur endgültigen Festsetzung der Liquidationen 
viele Monate — oft Jahre — vergingen. Die Landmesser erhielten 
inzwischen Vorschüsse, welche so knapp bemessen waren, dass ein- 
zelne häufig mehrere tausend Mark zu fordern hatten , auf deren 
Zahlung sie Jahre lang warten mussten. 

Die Monatsremunerationen dagegen unterliegen keiner weiteren 
Prüfung, die Liquidationen erstrecken sich nunmehr ausschliessHch 
auf Feldzulage und Reisekosten. 

Da das etatsmässige Gehalt — neben welchem die Monats- 
remunerationen gezahlt werden — 1200—2000 Mark beträgt, wozu 
noch der Wohnungsgeldzuschuss hinzukommt und bei Arbeiten im 
Felde ausser den Reisekosten eine Feldzulage von 6 Mark gewährt 
wird, so ist die Stellung der Landmesser bei der landwirthschaft- 
lichen Verwaltung nunmehr eine auskömmliche und im Ganzen 
befriedigende. 

Zu wünschen bleibt nur eine andere Vertheilung unter den 
einzelnen Beamten. 

Die jungen Landmesser, welche eben von der Schule kommen, 
erhalten sofort 7,50 Mark Diäten; dieselben sind häufig 4 — 5 Monate 
lang draussen beschäftigt und verdienen somit einschliesslich der 
Feldzulage im Jahre 3000 — 3500 Mark. Das ist für junge Leute 
von durchschnittlich 22—25 Jahren entschieden zu viel, die Folge 
davon ist, dass sich dieselben an Bedürfnisse gewöhnen, welche sie 
später, wenn sie Familienväter geworden, nicht mehr befriedigen 
können, da die Ausgaben in weit stärkerem Verhältnisse wachsen. 







314 Neuere Bestimmungen über die Bezahlung etc. 

wie die Einnahmen. In der That sind die Einnahmen der älteren 
Landmesser, welche 10 — 20 Jahre im Dienste sind, kaum höher, 
wie diejenigen der so eben eingetretenen , weil erstere naturgemäss 
Tiel mehr mit den wichtigen häuslichen Arbeiten (Planprojekten 
u. s. w.) beschäftigt werden, während letztere mehr bei den Feld- 
arbeiten Verwendung finden und sich somit der für unverheirathete 
Leute verhältnissmässig hohen Feldzulage erfreuen. 

Wir möchten daher der landwirthschaftlichen Verwaltung, 
welche in letzter Zeit ihr Wohlwollen für die Landmesser in un- 
zweideutigster Weise bekundet hat, zur geneigten Erwägung an- 
heimgeben, ob es sich nicht empfehlen würde, die jüngeren Land- 
messer zunächst mit einem Diätensatze von etwa 5 Mark (besser 
noch mit einer Monatsremuneration von 130 — 150 Mark) anzustellen 
und die so gewonnenen Ersparnisse theils zur Vermehrung der 
etatsmässigen Stellen, theils zur Erhöhung der Monatsremunerationen 
der älteren Landmesser zu verwenden. Es würde das nicht zum 
wenigsten im Interesse gerade der jüngeren liegen, während für die 
älteren die Aussicht, in absehbarer Zeit einmal an das Maximum zu 
kommen — woran jetzt kaum zu denken ist — etwas näher gerückt 
würde. 

Endlich muss noch darauf hingewiesen werden, dass für Fami- 
lienväter eine grosse Härte darin liegt, Monate, ja selbst Jahre lang 
auf die Auszahlung der Feldzulagen und Reisekosten warten zu 
müssen. Wenn ein verheiratheter Landmesser 3 — 4 Monate lang 
von seiner Familie entfernt im Gasthofe wohnen muss, so erwachsen 
ihm daraus so bedeutende Mehrausgaben, dass er nicht im Stande 
ist, dieselben aus seinen regelmässigen Einnahmen zu bestreiten. 
Die Festsetzung der bezüglichen Liquidationen erfolgt aber erst, 
wenn das gesamnite Arbeitsniaterial der Gentralkommission ein- 
gereicht ist. Da nun alle grösseren Zusammenlegungssachen mehrere 
Jahre dauern, die Akten in der Zwischenzeit aber selten entbehrt 
werden können, so kommen die Reisekosten und Feldzulagen durch- 
schnittlich erst nach 10 Monaten — oft viel später — zur Aus- 
zahlung. Die Vorlage des Aktenmaterials zur Festsetzung dieser 
Kosten dürfte um so weniger geboten erscheinen, als die thatsäch- 
liehe Ausführung ohnehin durch den Kommissar bescheinigt werden 
muss und Abstriche an diesen Liquidationen natur- und erfabrungs- 
geniäss auch früher weit seltener vorkamen , wie bei den Liquida- 
tionen der Tagegelder. 

Wenn den vorgenannten üebelständen noch abgeholfen würde, 
so dürfte die Schaffensfreudigkeit und damit das Ergebniss der so 
äusserst wichtigen Arbeiten der Landmesser in der landwirth- 
schaftlichen Verwaltung sehr wesentlich gesteigert werden.*) 

*) Wir erfahren , dass bei einer Generalkommission auch die jüngeren 
Landmesser Monatsremunerationen von 125 Mark (Anfangs) erhalten haben. 

Diese Nachricht, — welche wir übrigens mit allem Vorbehalt geben — 
ist eine hocb erfreuliche. Die Thatsache würde den besten Beweis fur die 
Richtigkeit der oben geäusserten Ansichten abgeben. 



HÖlscher. Jshreebericht des Hannoverschen Feldmesser -Vereine pro 1884. 315 

Jahresbericht des Hannoverschen Feldmesser- 
Vereins pro 1884. 

Von HSlRcher, Schriftrübrer des Vereins. 

Wie bereits im Hefte 7, Jahrgan? 1884, Seite 178 
scbrift berichtet, fand am 6. Januar 1884 die 2. Hai 
lung des Hannoverschen Feldmesser- Vereins statt, 
eich 27 Mitglieder betheiligten. Bei der Neuwahl dts 
wurde der frühere wiedergewählt. Herr Kataster- Kontn 
glaubte indesa in Folge Beiner Versetzung nach H 
Wahl ablehnen zu müssen und trat an dessen Stelle 
messer Kühne. Als Stellvertreter des letzteren wurde 
geometer Hammer gewählt. Somit bestand für das 
1884 der Vorstand ans nachstehenden Herren : 
I.Vorsitzender: Privatdozent Gerke, dessen t 

Kataster- Sekretär Clotten. 
II. Schriftführer : Technisclier Eisenbahn-Sekretär Höls 

Stellvertreter Kataster-Assistent Kreiner. 
Ill, Kassirer: Feldmesser Kühne, dessen Stellvertreter St 

Hammer. 

Die erste Lokal Versammlung wurde am 3. Februar 
An derselben nahmen 26 Mitglieder und 10 Gästn Thei 
genommen wurde ein Herr und angemeldet zum Ein 
Verein zwei Herren, Nachdem die von der Rechnun| 
Kommission gestellten Notateii zur Besprechung gelan 
Kassirer Entla^ilung ertheilt war, hielt Herr Stadtgeome 
einen längeren Vortrag über die Entwässerung der Stai 
An denselben knüpfte aich eine Debatte über die Gen 
dem Adressbuch hiesiger Stadt beigehefteten Stadtpls 
hiezu gaben Unrichtigkeiten in einem im Buchhandel i 
Flaue, welcher sich indess als nicht identisch mit dem 
buches erwies. Nachdem zur Erwägung gestellt war, t 
die Anfertigung eines genauen für die Oeffentlichkeit 
Planes hinzuwirken sei, erbot sich Herr Steuerrath Kos 
gegenkommender Weise, einen Kosten Überschlag aufzus 

Am 16. Februar beging der Verein in dem prächt 
Baal des Kontinental hoteis eine Festlichkeit, welche g 
Ergänzung der 2. Hauptversammlung angesehen werdei 
einer Theilnehmerzahl von zusammen 54 Personen, 
Herren, fanden zunächst musikalische Vorträge statt. 1 
ein Festessen, dessen Pausen dank der gütigen Mitv 
Damen durch Gesang und deklamatorische Vorträge ai 
nehoiEte ausgefüllt wurden. Nach Beendigung des gast: 
Theiles wurden die Tische bei Seite geschafft, worauf 
Saal nunmehr den tanzlustigen Paaren hinreichenden U 
weiterem Vergnügen. 

Die 2. Versammlung fand am 1. März statt und 
20 Mitgliedern und 9 Gästen besucht. Herr Privatdo: 




316 Hölscher. Jahresbericht des Hannoverschen Feldmesser -Vereins pro 1884. 

hielt einen Vortrag über Höhenmessungen mit' Aneroidbarometern. 
Nachdem Redner Geschichtliches über die Entwickelung der qu. 
Höhenmessungen vorausgeschickt, beschrieb derselbe nacheinander 
die Aneroidbarometer von Naudet, Goldschmidt, Weilemann und 
Reitz, ging sodann zu den Correctionen der Instrumente über, um 
sich schliesslich dem Höhenmessen selber und den zu erzielenden 
Genauigkeitsgraden zuzuwenden. Hierauf referirte Herr Steuerrath 
Kosack über die aus der Bearbeitung eines neuen Stadtplanes er- 
wachsenden Kosten. Zum Schluss gab Herr Professor Dr. Jordan 
auf bezügliche Anfrage eines Vereinsmitgliedes in entgegenkommend- 
ster Weise Erläuterungen zu §. 6 der Bestimmungen des Central- 
Direktoriums der Vermessungen im preussischen Staate vom 16. 
Dezember 1882 über den Anschluss der Präzisionsnivellements an 
das Netz der trigonometrischen Abtheilung (cfr. Seite 147 — 148 des 
Jahrgangs 1884 dieser Zeitschrift). 

Die 3. Versammlung wurde am 5. April abgehalten. Anwesend 
24 Mitglieder und 3 Gäste. Neu aufgenommen wurden zwei Herren. 
Herr Gerke referirte über die von ihm ausgeführte Triangulation 
und Polygonisirung der Stadt München- Gladbach. Bezüglich des 
Vortrages wird auf das von dem Referenten herausgegebene Werk: 
>Die Triangulation und die Polygonisirung der Stadt M.-Gladbach 
im Regierungsbezirk Düsseldorf etc.< verwiesen. 

Während des ersten Quartals des Jahres fanden im Vereins- 
lokale allwöchentlich einmal Vorträge des Herrn Friratdozenten 
Petzold statt über Ausgleichungsrechnungen nach der Methode der 
kleinsten Quadrate. Dieselben behandelten nachstehende Punkte: 

1. Einleitung — der mittlere Fehler — Ausgleichung direkter Beob- 
achtungen gleicher Genauigkeit — Begriff des Gewichtes. 

2. Berechnung des mittleren Fehlers und Ausgleichung von ver- 
mittelnden Beobachtungen. 

3. Auflösung der Normalgleichungen nach dem Gauss'schen Verfah- 
ren. — Berechnung der Gewichte der ausgeglichenen Grössen.— 
Bestimmung der mittleren Fehler der ausgeglichenen Grössen. 

4. Rechnungskontrolen - — Zahlenbeispiel für die Ausgleichung 
vermittelnder Beobachtungen. 

5. Ausgleichung geometerischer Nivellements. 

6. Die trigonometrische Punktbestimmung, das Vorwärtsein- 
schneiden, das Rückwärtseinschneiden. 

7. Anmerkung zum Rückwärtseinschneiden. Zahlenbeii^piel aus 
der Vermessung der Stadt München-Gladbach. 

8. Fundamentalsätze der Diiferenzberechnung. Anwendung der 
Sätze auf einige Aufgaben, die bei der Ausgleichung der trigo- 
nometrischen Punktbestimmung zur Anwendung kommen. 

'9. Vorwärtseinschneiden eines Punktes durch Richtungsbeobacli- 
tungen und Ausgleichung nach der Methode der kleinsten 
Quadrate, desgleichen Rückwärtseinschneiden. 
10. Beispiel ifür das kombinirte Vor- und Rückwärtseinschneiden 
eines Punktes nach der Methode der kleinsten Quadrate. 



Holscfaer. Jahresbericht des Hannoverschen Feldmesser -Vereins pro 1884. 317 

11. Einschneiden mit graphischer Darstellung der Visirstrahlen 
nach Anweisung IX. 

12. Geodätische Berechnung mit Berücksichtiguni? der Erdoher- 
fläclie. Rechtwinklige sphärische Koordinaten nach Soldner* 
Berechnung der sphärischen Richtungswinkel und Entfernungen 
aus den rechtwinkligen Koordinaten. 

Die interessanten Vorträge sind durch Autographic vervielfäl- 
tigt worden, so dass sämmtliche Theilnehmer in der Lage sind, die 
Ausgleichungsrechnungen des Weiteren studiren zu können .*) 

In der am 2. Mai abgehaltenen 4. Versammlung waren an- 
wesend 15 Mitglieder und 5 Gäste. Nachdem ein neues Mitglied 
aufgenommen, machte Herr Kataster - Sekretär Clotten interes- 
sante Mittheilungen über den konstanten Längenmessungsfehler in 
Polygonzügen. 

Die 5. Lokalversammlung fand am 14. Juni statt und wurde 
von 14 Mitgliedern und 2 Gästen besucht. In derselben hielt Herr 
Professor Dr. Jordan einen Vortrag über Tachymetrie unter Vor- 
zeigung der von ihm für die gieodätische Sammlung der technischen 
Hochschule angeschafften tachymetrischen Instrumente und Hülfs- 
apparate und unter Vorlage der damit bei den grösseren Uebungen 
im Jahre 1883 und 1884 am Deistei'abhange bei Springe gemachten 
Aufnahmen der Studirenden. 

Am 29. Juni wurden von Herrn Privat dozen ten Petzold auf 
dem Lindener Berge barometrische Höhenmessungen ausgeführt, an 
welcher Uebung sich 15 Vereinsmitglieder betheiligten, lieber diese 
Messungen referirte Herr Petzold in der am 5. Juli abgehaltenen 
und von 13 Mitgliedern und 9 Gästen besuchten 6. Lokalversamm- 
lung. Am Schlüsse erbat sich Herr Kulturingenieur Müller das Wort 
und beleuchtete die gegenwärtigen Aussichten der als Kulturtechniker 
geprüften Feldmesser. Herr Privatdozent Gerke wurde als Delegirter 
für die Hauptversammlung in Schwerin gewählt. 

Die 7. Lokalversammlung am 23. August war weniger der 
Wissenschaft als der geselligen Unterhaltung gewidmet und fand 
unter Theilnahme von Damen im kleinen Saale des zoologischen 
Gartens statt. Erschienen waren 19 Herren und 9 Damen. Herr 
Gerke referirte zunächst über den Verlauf der in Schwerin abge- 
haltenen 13. Hauptversammlung des Deutschen Geometer-Vereins. 
Sodann entwickelte sich bei einem Glase Bier die Unterhaltung in der 
ungezwungensten Weise. Gesangs- und Ciavier- Vorträge wechselten 
ab mit komischen Unterhaltungen. Zum Schlüsse ward, wie nicht 
anders zu erwarten, getanzt. 

Die im September fällige Versammlung fiel mit Rücksicht auf 
mannigfache Beurlaubungen aus und erst am 4. Oktober waren 
wiederum 19 Mitglieder und 1 Gast in dem Vereinslokale versam- 
melt. Den Vortrag hatte Herr Kulturingenieur Müller übernommen. 



*) Einige Abzüge könneh durch den Vortragenden für den Preis von 3 M. 
auch noch anderweitig abgegeben werden. 



318 HölBcher. Jahreiberkht des Hannoverschen Feldmesser -Vereins pro IBM' 

Thema: >Die Kanalfrage vom landwirthBchaftlichen und kultur- 
technischen Standpunkte aus betrachtet unter Hinweis aufdiedamit 
verknüpften geodätiach-kuHurtechnischen Arbeiten,< 

Gegenstand des Vortrages in der am 1. November abgehaltenen 
and von 19 Mitgliedern besuchten 10. Lok alversamm hing war ein 
Referat des Herrn Kataster-Sekretärs, nunmehrigen Kataster- 
Kontroleura Ciotten über den Verlauf einer am ^2. Oktober unter 
Leitung des Herrn Professor Dr. Jordan und Privatdozent Petzold 
auf dem Lindener Berge ausgeführten tachymetriachen Uebung. 

Die letzte Versammlung des Jahres 1884 fand am 6. Dezember 
bei einer TheÜnehmerzahl von 25 Mitgliedern und 6 Gästen statt 
Herr Kataster-Sekretär Jahr sprach über die römischen Agri- 
mensoren und entwickelte in anregender Weise ein Bild von der 
Thätigkeit unserer Kollegen aus der römischen Kaiserzeit. Der Vor- 
trag lehnte sich im Wesentlichen an das StÖber'sche Werk >Die 
römischen Grund3teHermessungen<, welch letzteres der Vortragende 
zu eingehender Lektüre empfehlen zu sollen glaubte. 

Es fanden somit im Jahre 1884 ausser der HauptversammluD^; 
10 Versammlungen statt, welche im Durchschnitt von 10 Herren 
und 5 Gästen besucht wurden. Die Mitgliederliste weist zur Zeil 
71 Mitglieder auf, von denen 49 dem Kataster, 12 der Eisenbahn, 
Y der Generalkommission, 2 der technischen Hochschule und 1 der 
hiesigen städtischen Verwaltung angehört. Die Finanzlage ist als 
«ine gunstige zu bezeichnen. 

Die Vereinszeitschrift, welche gewöhnlich Ende jeden Monats 
zur Ausgabe gelangt, enthält grösstentheils nur Berichte über die 
Vereins -Versammlungen und über das Vermessungswesen in der 
Provinz Hannover; sie umfasst im Jahre 1884 42 autographirt« 
Quartbogen. 

Der Verein tauscht mit allen 17 Geometer- Vereinen Deutsch- 
lands als auch mit den Redaktionen verwandter Pachblatter Zeit- 
schriften aus, so dass er stets über den allgemeinen Stand und die 
neuesten Fortschritte in unseiem Fache orientirt bleibt. Sänimt- 
liehe Fachblätter sind den Mitgliedern zugänglich. 

Geben wir unsderHoffnung hin, dass derHannoverscbe Feldmesser- 
Verein durch die am I.Juli d.J. erfolgte Auflösung der Kgl.Finanz- 
direktion und der damit verbunden gewesenen Versetzung mancher 
Kollegen einer erfreulichen Eutwickeiung keinen Einfluss erleiden 
wird und dass die aus anderen Provinzen nach Hannover versetzten 
Beamten unseres Faches den Bestrebungen des Vereins zustimmend 
sich dem leteren auschli essen mögen ! 



Gesetze und Verordnungen. 319 

Gesetze und Verordnungen. 

Verordnung, betreffend den Sitz der General-Kommission für die Rhein- 
provinz vom 20. Juni 1885. 

Wir Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preussen etc. ver- 
ordnen zur Ausführung des Gesetzes, betrefiFend die Zusammenleg- 
ung der Grundstücke im Geltungsgebiet des Rheinischen Rechts 
vom 24. Mai 1885 (Ges.-S. S. 156), was folgt: Einziger Paragraph. 
Die General-Kommission für die Rheinprovinz hat ihten Sitz in 
Düsseldorf. 

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift 
und beigedrucktem Königlichen Insiegel. 

Gegeben Berlin, den 20. Juni 1885. 

(L. S.) Wilhelm. 

Lucius. 



Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten in Preussen hat 
durch Erlass vom 2. Juli d. J. entschieden, 

>dass beim Erlass der neuen Landmesser-Prüfungs-Ordnung 
unter den sinnverwandten Bezeichnungen der Vermessungs- 
techniker als >Feld- und Landmesser c der letzteren der Vorzug 
gegeben ist, ohne dass beabsichtigt worden sei, damit einen 
Gegensatz zu begründen , welcher die nach den alten Vor- 
schriften Geprüften als Feldmesser und die nach der neuen 
Ordnung als Landmesser Geprüften unterscheide. < 
Die geprüften Feldmesser sind somit berechtigt, sich Land- 
messer zu nennen. 



Auszüge aus den KatasterbUchern, Katastericarten und Fortschreibungs- 
verhandlungen im Geltungsbereiche des Rheinischen Rechts. 

Im Anschlüsse und in Uebereinstimmung mit Art. H. aliena 2 
<ie8 Gesetzes vom 20. Mai d. J. über die Veräusserung und hypo- 
thekarische Belastung von Grundstücken im Geltungsbereiche des 
Rheinischen Rechtes, wonach Jedermann berechtigt ist, gegen Zah- 
lung der vorschriftsmässigen Gebühren sich beglaubigte Auszüge 
a-us den Katasterbüchern, Katasterkarten und Fortschreibungsver- 
handlungen ertheilen zu lassen, sind die dem entgegenstehenden, im 
Verwaltungswege getroffenen einschränkenden Anordnungen durch 
Erlass des Königlichen Finanzministeriums vom 21. Juni IL 7155 
allgemein aufgehoben, dergestalt, dass die Ertheilung der Auszüge 




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^ 

320 Unterricht und Prüfungen. Druckfehler. 

und Kopien auch ausserhalb des Geltungsbereiches des gedachten 
Gesetzes gegen Zahlung der vorschriftsmässigen Gebühren an Jeder- 
mann zu erfolgen hat, welcher die Ertheilung beantragt. 
(Amtsblatt der Kgl. Regierung zu Coblenz vom 9. Juli 1885.) 



Unterricht und Prüfungen. 

Geometer-Ausbildung in Hessen. 

Nachtrag zur Verordnung vom 31. August 1874, die Organi- 
sation des zur Ausbildung der Feldmesskunst im Grossherzogthum 
Hessen bestellten Personals betreflFend. 

§. 1. Wer die Stellung als Geometer 1. Kl. erlangen will, hat 
den mindestens einjährigen Besuch der Technischen Hochschule zu 
Darmstadt nachzuweisen. Die Fachbildung eines Geometers 1 Kl. 
begreift ausser den in §. 3 der Verordnung vom 31. August 1874 
aufgeführten Gegenständen fernerhin: 1. Elemente der Differential- 
und Integralrechnung; 2. Methode der kleinsten Quadrate; 3. An- 
fangsgründe der darstellenden Geometrie und 4. Freihandzeichnen. 

§. 2. Bei der Prüfung der Geometer 1. Kl. hat neben dem von 
Unserem Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Steuerwesen, 
bestellten Kommissär der Docent der Geodäsie bei der Technischen 
Hochschule zu Darmstadt für die Folge mitzuwirken. 

§. 3. Die Vorschriften gegenwärtiger Verordnung kommen zum 
erstenmale bei der im Jahre 1887 stattfindenden Geometerprüfung 
in Anwendung. 

Darmstadt, den 15. Juli 1885. 



Druckfehler 

In Formel (26) S. 295 muss im Nenner statt 

+ {y^—y\)(p gesetzt werden + {yi—y%)(f' 
Auf S, 297 Zeile 14 von unten muss es heissen 

+ {yi —y%) (p statt + (^2 —yi)(p' 

Auf S. 298 Zeile 5 von oben muss gesetzt werden 

+ 1517,29 
und darnach Zeile 6: 

7724,53 = 13873,18 v + 1518,17 1?^ 
Statt dessen ist irrthümlich gedruckt: 

+ f^^ = 13873,18 V + 1518,17 v^ 

Inhalt. 

Grossere Abhandlungen : Verbindung von Messband-Proiilen mit Aneroid- 
Höhen, von Hammer. — Neuere Bestimmungen über die Bezahlung der bei 
den Auseinandersetzungsbebörden bescbäftigten Landmesaer. — Jahresbericht 
des Hannoverschen Feldmesser-Vereins pro 1884, von Hölscher. Gesetze und 
Verordnungen. Unterricht und Prüfungen. Druckfehler. 

Karlsrube. Druck vou Maisch & Vugel. 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWI 

Or^an des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppet, Steaeraeeeasor in MÜDche 
Jt. Om-ie, Frivatdozent in Hannover, 
herauegegeben von Dr. W. Jardan, Profeasor in Hannove 

■BBS. Heft 17. Ba 

1. Septem'ber. 



XJebersicht 

Literatur für Vermessungswet 

von dem Jahre 1884. 

Bearbeitet von R. Gerfce, 

Priratdozent an der technischen Hochschule zu Hannover. 



Ausser den Nachträgen des vorjährigen Literaturhei 
1883 sind nur solche Arbeiten aufgenommen, welche mit dt 
zahl 1884 gedruckt sind, resp. im Jahr 1884 besprochen ' 

Etwaige Berichtigungen und Nachträge zu diesem I 
bericht, welche im nächsten Jahre Verwendung finden könnei 
mit Dank entgegengenoramen. 

Ferner erlauben wir uns, im gemeinsamen Interesse, uni 
Uebersendung von SeparatabdrUcken, namentlich aus wenig 
zugänglichen Zeitschriften und auch besonders um Mitt! 
aus dem Gebiete der Kulturtechnik zu bitten. Anderere 
jedem Einsender eines für den Literaturbericht pro 1885 g 
Separatabdrucks, oder einer sonstigen hierzu brauchbaren 
ein Abdruck des im Jahre 18SG auszugebenden Literaturbe: 
1885 kostenfrei übersandt werden. 

Denjenigen Herren, welche für den vorjährigen Literat 
Nachträge lieferten, möge auch hier nochmals der beste D 
gesprochen sein. 

Die mit * bezeichneten Angaben sind Citate aus zwei! 



*.r 



322 

Von den im Jahre 1884 ausgeführten Kartenwerken sind 
unter Nr, 17 nur diejenigen aufgenommen, welche speziell für den 
Geometer besonderes Interesse haben, während in Petermanns geo- 
graphischen Mittheilungen die ausführlichsten Angaben übersämmt- 
liche zur Veröffentlichung gelanjrten Karten gemacht sind. Die 
Registrande der geographisch-statistischen Abtheilung des grossen 
Generalstabes, welche bisher ebenfalls ausführlich über Karten be- 
richtete, erscheint nicht mehr. 

Im Folgenden bedeutet D. R.-P. Deutsches Reichs-Patent. Aus- 
züge aus den Patentanmeldungen sind durch das Patent- und tech- 
nische Bureau von C. L. Th. Müller (früher G. Dittmar), Civil-Ingenieur 
in Berlin, Commandantenstrasse 56, zum Preise von 1 — 3 Mark, je 
nach Umfang, zu beziehen. 

Sollten von einigen Vereinsmitgliedern in Zukunft Veränderungen 
an der Aufstellung des Literaturberichtes gewünscht werden, so 
nimmt der Unterzeichnete die bezüglichen Vorschläge mit Dank 
entgegen. 

Hannover, den 1. Juli 1885. Gerke. 



Elntheilung des Stoffes. 

1. Zeitschriften, welche in der Regel Mittheilungen über einzelne 
Zweige des Vermessungswesens enthalten. 

2. Lehrbücher und grössere Aufsätze, welche mehrere Theile der 
Vermessungsurkunde umfassen. 

3. Mathematik, soweit dieselbe die niedere Geodäsie betrifft, Tabellen- 
werke, Rechenhülfsmittel. 

4. Fernrohre und deren Bestandtheile (astronomische Fernrohre 
siehe unter Nr. 21). Heliotrope, Libellen, Optik. 

5. Längenmessapparate, Entfernungsmesser, Messlatten, Messbänder. 

6. Allgemeines über Theodolite. Mikrometerschrauben, Stative, 
Kreistheilmaschinen. 

7. Bussolen, Messtiche, Reflexionsinstrumente und die Verwendung 
derselben. 

8. Allgemeines über Längen- und Winkelmessungen, Polygonisirung. 
Verinarkung der Grundstücke. 

9. Klein-Triangulation, trigonometrische Messungen und Berech- 
nungen. 

10. Tachymetrie. 

11. Nivellement und Nivellirinstrumente. TheilmaschinenfurNivellir- 
latten. 

12. Barometer und barometrisches Höhenmessen. 

13. Trigonometrisches Höhenmessen, Refraction. 

14. Eisenbahnvermessungen, Traciren, Kurvenabsteckung und Ab- 
steckung von Tunnels. Horizontalkurven. Wir thschaftliche Fragen 
des Eisenbahnwesens. 



1. Zeitsehriften. 

15. Katastervermessimgen und Katasterwesen. 

16. Vermessungen der AuseJnandersetzuagsbehörden. 

17. Kartographie und die zu derselben noth wendigen ] 
als Zirkel, Pantographen u. s. w. 

18. Theilung kleiner Flächen, Flächenbestimmungen, PIs 

19. Methode der kleinsten Quadrate und Berechnunge 
deuer Art. 

20. Höhere Geodäsie, Gradmeaaung, Triangulation hö 
nungen. 

21. Astronomische Ortsbestimmungen und Astronomie, i 
selbe bei der Vermessungskunde in Betracht kommt 

22. Hydrometrie. 

23. Organisation dss Vermessungswesens, Gesetze, Veroi 

24. Geschichte der Vermessungskunde. 

25. Verachiedeues. Personalien. 

26. Namentliches Verzeichnisa der in diesem Literaturfa 
geführten Autoren. 



1. Zeitschriften, welche in der Regel Mittheilungen Über eini 
des Vermessungswesens enthalten. 

In den Redaktionen der im vorjährigen Literaturl 
gegebenen Zeitschriften sind keine wesentliche Aender 
getreten, so dass wir zur Ersparung an Raum auf diesi 
können. Zu bemerken ist nur, dass die Registrande der gei 
statistischen Abtheilung des grossen Generalstabes mi 
Jahrgang 1883 aufgehört bat zu erscheinen. Es ist dii 
mehr zu bedauern, da nur in der Registrande die auf S 
auegeführten geodätischen Arbeiten eiues Jahres zusam 
wurden. 



*.. Lehrbücher und grttssere Aufsätze, welche mehrere The 
messungskunde umfassen. 

Bratkuhn, 0., Oberbergamtsmarkscbeider und Docent 
scheiden an der Königl. Bergakademie Clausthal. 
der praktischen Markscheidekunst. 234 Abbildung 
Leipzig 1884, Verlag von Veit & Comp. Besprocl 
Berg- und Hüttenmännischen Zeitung. Jahrgang 43. 
* Cloutk, M., Geometer. Kalender für Mesakunde auf d. 
11. Jahrgang. 2 Theile. gr. 16«. 224 und 66 S. m 
1 Eisen bahn karte. Trier, Linz. geb. und geh. 2,5' 
ClouthjM., Geometer, Trier. Sammlung geometrischer li 
deren Zweck, Konstruktion und Gebrauch. Als B 





324 2. Lehrbücher etc. 

Kalender für Messkunde. Trier 1884. Selbstverlag. 3 A 
Besprochen in den Technischen Blättern. 16. Jahrgang. 1884. 
S. 210. Vergl. Zeitschr. f. Verm. 1884. S. 444. 

Gerke. Allgemeine Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen 
im Jahre 1883. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 437-478. 

Grundner^ P., Dr. Taschenbuch zu Erdmassen-Berechnungen bei 
Waldwegebauten in ebenem und geneigtem Terrain. Berlin. 
1884. Springer. Besprochen in der Zeitschrift des Han- 
noverschen Architekten- und Ingenieur- Vereins. 30. Bd. 1884. 
S. 550. 

* Hammer, E., Professor. Lehrbuch der ebenen und sphärischen 

Trigonometrie. Mit Anwendung auf praktische Geometrie 
und sphärische Astronomie und zahlreichen Uebungsbeispielen. 
gr. 80. 312 S. Stuttgart, Metzler's Verlag. 3,20 A 

* Herrmann, Fr. Katechismus der Feldmesskunst mit Kette, Winkel- 

spiegel und Messtisch. 4. Aufl. Mit 92 Figuren und einer 
Flurkarte. 8^. 106 S. Leipzig, Weber. Geb. 1,50 Jh. 

Jordan und Steppes. Das deutsche Vermessungswesen, historisch- 
kritische Darstellung ; auf Veranlassung des Deutschen Geo- 
meter- Vereins herausgegeben. Stuttgart, Wittwer. 1882. Be- 
sprochen, von Direktor v. Bauernfeind in der Zeitschr. f. Verm. 
Bd. XIII. 1884. S. 214, in der > Allgemeinen Zeitung« 
Nr. 73 und 85 von 1884 und Zeitschr. f. den bayerischen 
Vermessungsdienst V. Bd. 1884. S. 200. 

Schlebach,Frot. Kalender für Geometer und Kulturtechniker unter 
Mitwirkung von Dr. E. Gieseler, Professor in Poppeisdorf, und 
Th. Müller, Geometer in Köln, herausgegeben von W. Schie- 
bach, Professor in Stuttgart. Jahrgang 1884. Wittwer in 
Stuttgart. 3 Jh. bezw.3,50 Jh. Besprochen in der Zeitschr. des Rhei- 
nisch- Westfäl. Feldmesser- Vereins. 4. Jahrgang. 1884. S. 13. 
Vergl. Zeitschr. f. Verm. 1884. S. 444. 

Wen^, Gust. Die mathematische Geographie in Verbindung mit 
der Landkarten-Projektion. Für Schulen und zum Selbstunter- 
richt. Mit 187 Figuren. München und Leipzig. 1883. K. 
Oldenbourg. 297 S. Besprochen im literarischen Bericht des 
Archivs für Mathematik und Physik. 1. Theil. 1884. S. 48. 

Wilski, Steuerrath. Einführung in die trigonometrischen bezw. 
Ausgleichungsrechnungen der Anweisung IX. vom 25. Oktober 
1881 für die trigonometrischen und polygonometrischen Ar- 
beiten bei Erneuerung der Karten und Bücher des Grund- 
steuerkatasters mit elementarer Entwicklung der dabei in 
Betracht kommenden Differenzialformeln. Liegnitz. 1883. 
Reisner. Besprochen in der Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. 
S. 50. 

Wolter, A., Rektor. Führer in die Feldmess- und Nivellirkunst. Zum 
Gebrauch in landwirthschaftlichen und ähnlichen Lehran- 
stalten u. s. w. Mit 47 Fig. u. 1 Situationsplan in Farben- 
druck. Oranienburg. Freyhoff. 64 S. kl.8o. 1,60 A Besprochen 






3. Mathematik, Tabellen werke, Rech en hülfs mittel. 325 

im Literarischen Centralblatt 1884. S. 686. Das Werkchen 
ist hauptsächlich für Schüler obengenannter Lehranstalten 
u. für Landwirthe bestimmt. 



3. Mathematik, soweit dieselbe die niedere Geodäsie betrifft, Tabellen- 

werke, RechenhUlfsmittel. 



Albrecht, Professor. Logarithmisch-trigonometrische Tafeln mit 
5 Decimalstellen. Besprochen in derZeitschr. f. Verm. Bd. XUL 
1884 S. 400. 
^ d^Asevedo^ Pavoa. Rechenmaschine. D. R.-P. Nr. 30421 vom 19. 
August 1884. 

Bagge^ P.J., in Christiansund. Additions-Control-Maschine. D. R.-P. 
Nr. 27902 vom 13. Februar 1884. Besprochen Zeitschr. f. 
Instrumentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 436. Besteht aus 
einer Claviatur. 
* Benneder, Der logarithmische Rechenstab. Besprochen in der 
Zeitschr. f Verm. Bd. XIII. 1884. S. 69, vergl. S. 445. 

Duschanek, C, in Freiburg, Neuerungen an der Thomas'schen 
Rechenmaschine. D. R.-P. Nr. 26778 vom 31. Juli 1883. Be- 
sprochen Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. 
S. 255. Das Wesentlichste scheint darin zu bestehen, dass die 
Schalt walzen vertikal gestellt und verschoben werden, während 
die Räder feststehen, während Thomas die ersteren horizontal 
anordnete und die Räder verstellte. Auch die Auslöschvor- 
richtung scheint umgeändert zu sein. Ueber die Vortheile der 
Erneuerungen fehlen noch die Erfahrungen. 
Gauss^ F. G., Generalinspektor. Fünfstellige vollständige logarith- 
mische und trigonometrische Tafeln. Rev. Druck. 20. — 22. Aufl. 
80. 198 S. Halle. Strien. 2 Jh. 

Hammer^ Professor. Lehrbuch der ebenen und sphärischen Trigono- 
metrie. Siehe unter 2. 

Ueyde^ Tli., und Büttner^ 0., in Dresden. Rechenmaschine. D. R.-P. 
Nr. 26640 vom 25. September 1883. Besprochen Zeitschr. f. 
Instrumentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 295. Die Maschine 
trägt den Charakter der Thomas'schen, wenigstens ist die 
Handhabung annähernd dieselbe. 

Mauersberger^ C. T., in Glauchau. Rechenmaschine. D. R.-P. Nr. 
26756 vom 28. Oktober 1883. Besprochen Zeitschr. f. In- 
strumentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 295. Die Maschine 
besteht in einer beweglichen Tabelle von Productenkolonnen. 

Ott^ V., Professor an der technischen Hochschule Prag. Das 
graphische Rechnen und die graphische Statik. 4. umgearbeitete 
Auflage. 217 S. 8^. Prag. 1884. Calwe. gesprochen in der 
Zeitschr. f. Baukunde. Bd. VH. 1884. S. 45. 
^ Stellbogen, V., Commissions-Rath a.D. Tabelle der rechtwinkligen 
Koordinaten zur Bestimmung der einzelnen Polygonpunkte, 



326 Fernrohre und deren Bestandtheile, Heliotrope, Libellen ; Optik. 

aus den gegebenen Polygonseiten von 0,01 bis zu 50 Metern 
und den zugehörigen Brechungswinkeln berechnet. 4«. 182 S. 
Dessau. 1884. Berlin, Polytechnische Buchhandlung. 6 A 
Winckel, Transparente Rechentafeln von Katasterkontroleur Kloth 
in Melle. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 529. 



4. Fernrohre und deren Bestandtheile (astronomische Fernrohre siehe 

unter Nr. 21), Heliotrope, Libellen; Optik. 

Bohn^ C. D., in AschafiFenburg. Ueber Länge und Vergrösserung, 
Helligkeit und Gesichtsfeld des Kepler- Ramsden- und Campani- 
Huyghens-Fernrohrs. Zeitschr. f. Mathematik und Physik. 
29. Jahrgang. 1884. S. 25. Besprochen in den Beiblättern zu den 
Annalen der Physik und Chemie. 1884. Bd. VIII. S. 378 und 
578. Der Verfasser kommt zu dem Resultate, dass bei gleicher 
Vergrösserung das Ramsden'sche Fernrohr länger als das 
Kepler'sche sein muss, das Campani'sche aber am kürzesten 
wird. Das Campani'sche Okular liefert bedeutend hellere 
Bilder als das Kepler- oder gar als das Ramsden'sche Okular 
mit gleicher Brennweite des Augenglases. Das Gesichtsfeld 
eines Campani-Fernrohrs ist nicht grösser (wie bisher ange- 
nommen wurde), sondern etwas kleiner als das eines Ramsden- 
Fernrohrs gleicher Vergrösserung und gleich grosser relativer 
Oeffnung des Augenglases. Aus den weiteren Vergleichungen 
von Ramsden- und Campani- Okularen zieht der Verfasser den 
Schluss, dass es recht vortheilhaft sei, gar keine Campani- 
Okular zu verwenden, sondern immer das Ramsden-Okular zu 
wählen. 

Bohn, C, Professor. Berichtigung des vereinfachten Ablesemikro- 
skopes für Theilungen. Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahr- 
gang. 1884. S. 87. Besprochen in den Beiblättern zu den 
Annalen der Physik und Chemie. Bd. VIII. 1884. S.497. Ver- 
fasser bringt bei dem von Hensoldt und M. Schmidt vorge- 
schlagenen vereinfachten Ablesemikroskop das Ramsden'sche 
Okular in Anwendung. 

Clifton^ R. B., Professor, Oxford. Ueber die Messung der Krüm- 
mung der Linsen. Chem. News. Bd. 48. S. 259. 1883. Besprochen 
in den Beiblättern zu den Annalen der Physik und Chemie. 
1884. Bd. VIII. S. 643. Centralzeitung für Optik und Mechanik. 
5. Jahrgang. 1884. S. 20 und 225. Engineering November 1883. 
Ist die Linse zu klein, um ihren Krümmungsradius mit dem 
Sphärometer zu bestimmen, so legt der Verfasser erstere auf 
eine gekrümmte Glasoberfläche von bekanntem Radius und 
bringt dieselbe unter ein Mikroskop. Mit Hilfe eines 
Natriumlichtes werden die Newton'schen Ringe beobachtet und 
aus der Anzahl der Ringe in einem gewissen Raum wird 
der Krümmungsradius berechnet. 

Gopelandy K., in Dundee. Die Leistungsfähigkeit der achromatischen 



•TP 



5. Längenmessapparate, Entfemungsmesser, Messlatten, Messbänder. 327 

Fernrohre. Im Sirius. 1884. Heft 2. Auszug in dtr Central- 
zeitung für Optik und Mechanik. 5. Jahrgang. 1884. S. 67. 

Ellery, Neue Beleuchtungsvorrichtunßj an Fadenmikrometern. 
Monthly Notices. Aprilheft. 1884. Besprochen Zeitschr. f. In- 
strumentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 253. 

Cruebhardj H., Dr. üeber die vergrössernde Kraft der dioptrischen 
Instrumente. Centralzeitung für Optik und Mechanik. 5. Jahr- 
gang. 1884. S. 183, 194. üebersetzt aus Revue scientifique. 
31. Bd. S. 804—811. Die wörtliche Mittheilung eines Vor- 
trags, welchpr im ophthalmologischen Laboratorium an der 
Sorbonner Universität am 81. März 1883 gehalten wurde, 
ist mehrmals veröflFentlicht. 

Jansen. Ueber das Zerspringen einer Okularlinse durch Kälte. 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 93. 

Stepanoff^ K., Lieutenant der russischen Marine. Kautschukfäden 
für astronomische und geodätische Instrumente. Mittheilungen 
aus dem Gebiete des Seewesens. 12. Bd. 1884. S. 573. Wird 
Kautschuk in Chloroform aufgelöst, derart, dass die Masse etwas 
dickflüssiger wird als das käufliche Gummi-Arabicum, so kann 
man äusserst dünne Fäden erzeugen, welche nach dem Ver- 
fasser die Spinnwebenfaden an den astronomischen und geo- 
dätischen Intrumenten nicht nur vollkommen ersetzen, son- 
dern denselben gegenüber bedeutende Vortheile haben. Die 
letzteren bestehen darin, dass sie dünner und fester wie die 
Spinn weben faden sind, dass sie eine höhere Temperatur aus- 
halten (bis 60° R.), ohne zu zerreissen und dass sie durch die 
Feuchtigkeit keinerlei Veränderung unterliegen, und ausser- 
dem lassen sie sich sehr leicht befestigen, da sie auf Glas, 
Metall, Holz u. dgl. ohne Bindemittel gut haften. Das Ein- 
spannen der Fäden geschieht folgendermassen : Man nimmt 
mit einem Stäbchen ein wenig Masse und berührt diese mit 
dem Zeigefinger der linken Hand; entfernt man nun den 
Finger von dem Stäbchen, so erhält man einen mehr oder 
minder dicken Faden, welchen man so fein auszieht, wie man 
wünscht und den man an die bezeichnete Stelle am Ringe 
des Fernrohrs legt; durch einfaches Andrücken ist der Faden 
befestigt. Das Einspannen des Fadenkreuzes ist rasch ausge- 
geführt. Wenn man die Kautschukfäden aus irgend einer 
Ursache auch nicht geeignet finden sollte, die Spinnweben 
gänzlich zu verdrängen, so werden sie jedenfalls ein sehr 
werthvolles Material bilden, um zerrissene Faden kreuze im Felde 
schnell zu erneuern, da man ein Glg^schen mit aufgelöstem 
Kautschuk sehr leicht mit sich führen kann. 

5. Längenmessapparate, Entfernungsmesser, Messlatten, Messbänder. 

Bensberg^ E., in Berlin. Entfernungsmesser. D. R.-P. Nr. 23237 
vom 9. Januar 1883. Besprochen: Zeitschr. f. Instrumenten- 
kunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 72. Die Entfernung wird mit 



g^^"^^ 




328 6. Allgemeines über Theodolite. Mikrometerschrauben etc. 7. Bussolen etc. 

Hilfe zweier Instrumente von bekanntem Abstände bestimmt. 
Das eine Instrument ist mit einem Fernrohr, das andere nur 
mit einem oder zwei Spiegeln ausgerüstet. 

* V. Bochau^ Prinz Heinrich, in Görlitz. Ein Entfernungsmesser. 

D. R.-P. Nr. 30422 vom 2. September 1884. 

Hensler, J., in Battenberg. Entfernungsmesser. D. R.-P. Nr. 26517 
vom 18. September 1883. Besprochen: Zeitschr. f. Instru- 
mentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 329. Deutsche Bauzeitung 
18. Jahrgang. 1884. S. 104, 121 und 299. Vor den Objektiven 
zweier auf einer Axe angebrachten Fernröhren sind Spiegel 
befestigt, durch welche sich die gegenseitige Stellung der 
Fernröhre kontroliren lässt. 

Jordan. Der Cerebotanische Distanzmesser. Zeitschr. f. Verm. Bd. 
XIII. 1884. S. 389. Enthält die Genauigkeitsbestimmungen 
des Instruments. 

Jordan, Professor. Normalmasse für Messlatten und Messbänder. 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 160. 

Solace, J, J., in Ballinderry (England). Neuerungen an Entfer- 
nungsmessern. D. E.-P. Nr. 23013 vom 23. September 1883. 
Besprochen in der Zeitschr. f. Instrunientenkunde, 4. Jahr- 
gang. 1884. S. 105. 

Sadebeck, H. Ueber eine neue Methode, die Ausdehnung von 
Massstäben zu bestimmen. Beiblätter zu den Annalen der 
Physik und Chemie. 1884. Nr. 3. Centralzeitung für Optik 
und Mechanik. 5. Jahrgang. 1884. S. 105. Sadebeck wendet 
zur Bestimmung der Ausdehnung von Massstäben Theodolite 
an und misst von einem festen Standpunkte aus den Winkel 
zwischen zwei an den Massstab befestigten Marken bei ver- 
schiedenen Temperaturen, wobei vorausgesetzt wird, dassder 
Massstab während der Winkelmessung seine Lage und das 
Messinstrument seinen Stand nicht ändert. 

6. Allgemeines Über Theodolite. Mikrometerschrauben, Stative, 

Kreistheilmaschinen. 

* Costiesco, A., Oberst in Jassy. Ein Feldmessinstrument. D. ß.-P. 

Nr. 29359 vom 6. März 1884. 

* Knoblauch, Berlin. Ein Höhenmesser. D. R.-P. Nr. 26011 vom 

13. September 1883. 
Kroger, Professor, Direktor der Sternwarte Kiel. öeber die 
Berichtigung des Schrauben werthes an Mikrometer-Mikro- 
skopen. Astronomische Nachrichten. Bd. 109. 1884. S. 202. 

7. Bussolen, Messtische, Reflektionsinstrumente und die Verwendung 

derselben. 

* Gloover, H., in Brooklyn. Neuerungen an Bussolen. D. R.-P. Nr. 

27174 vom 15. August 1883. 

* Schaarschmidt, Ph., Major z. D. Maschine zur Aufnahme und 

graphische Darstellung ebener Wege. D. R.-P. Nr. 29599 vom 
21. März 1884. 




8. Allgem. über LäDgen- u. Winkelmessungen etc. 9. Kleintriangulation. 329 



8. Allgemeines über Längen- und Winkelmessungen, Polygonisirung, 

Vermarkung der Grundstücke. 

Bauwerker, Die Ausführung der Grenz vermarkung durch Feld- 
geschworene oder durch Steinsetzer bei der Katasterneuver- 
messunginElsass-Lothringen. (Vortrag.) Vereinsschrift des Els.- 
Lothr.Geometer- Vereins Nr. 3. 1884. S. 18. Es wird die Unzweck- 
mässigkeit des Instituts der Feldgeschworenen und auch der 
Steinsetzer für Elsass-Lothringen nachgewiesen und gewünscht, 
dass die Versteinung lediglich durch den Geometer ausge- 
führt werde. Vergl. Nr. 5 S. 51 derselben Zeitschrift. 

Blum, Menger, Bosch und Höpfinyer, Ueber die Ausdehnung 
der Polygonalaufnahmen bei der Neuvermessung von Ge- 
markungen. (Vorträge.) Vereinsschrift des Elsass-Lothrin- 
gischen Geometer- Vereins. 1884. Nr. 8. S. 5. 

Glotten. üeber konstaute Längenmessungsfehler und über die 
Vertheilung der Polygonalschlussfehler. Siehe Nr. 19. 

Gehrmann, Steuerrath. Ueber Grenzfesstellung und Grenzver- 
. markung. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIIL 1884. S. 156. 

Jordan. Schrittmass bei Aneroid-Aufnahmen. Zeitschr. f. Verm. 
Bd. XIII. 1884. S. 485. Deutsche Bauzeitung. 18. Jahrgang. 
1884. S. 586, 

Jordan, Signale für Polygon- Winkelmessung. Zeitschr. f. Verm. 
Bd. XIII. 1884. S. 520. 

Prandl, Professor. Ueber eine erweiterte Methode der Absteckung 
einer Linie von bestimmtem Gefalle im Felde. Zeitschr. f. 
Verm. Bd. XIIL 1884. S. 549. 

Probeck, F., in München. Staffelapparat ohne Libelle. D. ß.-P. 
Nr. 24889 vom 23. Mai 1883. Besprochen in der Zeitschr. f. 
Instrumentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 110. Es wird ein 
Gewicht mit Zeiger verwendet. 

Schmidt, M,, Professor, Freiberg. Ueber die Verbesserung der 
mit Schnur- und Geradbogen gewonnenen Messungsresultate. 
Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich 
Sachsen. 1884. S. 210. 

Schmidt, M., Professor. Schachtlothungsverfahren mit fixirten 
Lothen. Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im König- 
reich Sachsen. 1884. S. 226. 

9. Kleintriangulation, trigonometrische Messungen und Berechnungen. 

Gerke. Ueber die Triangulation und Polygonisirung vonM.-Gladbach. 
(Vortrag.) Deutsche Bauzeitung. 18. Jahrgang. 1884. S. 178. 
Vereinsschrift des Hannov. Feldmesservereins von 1884. S. 33 
und 84. Zeitschr. des Rheinisch- Westfäl. Feldmesservereins 
1884. S. 57. Zeitschr. des Hannov. Architekten- und Ingenieur- 
Vereins. 30. Bd. 1884. S. 306. 

Ziegelheim, Professor. Ueber die Ausgleichung der trigonomet- 
rischen Kleinnetze] ; siehe unter Nr. 19. 




330 10. Tachymetrie. 11. Nivellement und Nivellirinstrumeate etc. 

10. Tachymetrie. 

Jordan^ Professor Dr. Die Methode der Tachymetrie, geschicht- 
liche und vergleichende Uebersiclit. Zeitschr. des Hannov. 
Architekten- und Ingenieur- Vereins. 30. Bd. 1884. S. 453— 480. 
Von besonderem praktischen Interesse ist die am Schluss 
niitgetheilte Kostenvergleichung der Hilfsmittel zur Be- 
stimmung der Horizontal-Entfernungen und Höhen. Hiernach 
sind die Hilfstafeln , welche der Verfasser veröfifentlichte 
(Hilfstafeln für Tachymetrie. Stuttgart. Metzler 1880), am 
vortheilh af testen . 
* Meissner^ Berlin, f^euerungen an tachymetrischen Instrumenten. 
D. R.-P. Nr. 28626 vom 26. März 1884. 

Salmojragh% A., Apergu sur les nouveauxTachyo metres dits >les 
Cleps<. Milan. 1884. Besprochen in derZeitschr. f. Instrumenten- 
kuude. 4. Jahrgang. 1884. S. 285. Die 14 Druckseiten mit 7 
Figureutafeln enthaltende Broschüre behandelt die von Parro 
konstruirten Tachy meter, welche vom Erfinder >Cleps< genannt 
werden. 

Schell^ Ant.. Professor. Die Methoden der Tachymetrie bei An- 
wendun^( eines Okular- Filuo-Schrauben-Mikrometers. Mit 11 
in den Text gedruckten Holzschnitten. Wien 1883. Seidel & 
Sohn. 49 S. 8^ und 4 Tafeln. 1,60 Jk Besprochen im Litera- 
rischen Centralblatt. 1884. S. 353 und in der Zeitschr. f. 
Verm. Bd. XIII. 1884. S. 322. Vergl. S. 451. 
* Starke, G. Logarithmisch-tachymetrische Tafeln für den Gebrauch 
der logarithmischen Tachymeter nach Patent Fichy & Starke, 
nebst Beschreibung und Theorie des Instrumentes. Mit 21 
Holzschnitten, gr. 8«. ,101 S. Wien, Seidel & Sohn. 6 Jk 

11. Nivellement und Nivellirinstrumente. Theilmaschinen für NIvellirlatten. 

Cuntz, R. Das Taschen-Nivellir-Instrument von Wagner. Zeitschr. 
f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 149. 

Grüneberg, G. Taschen-Kanalwaage. Centralzeitung für Optik und 
Mechanik. 5. Jahrgang. 1884. S. 93. Die Glasröhre ist mit 
zwei Flüssigkeiten von verschiedenem spezifischem Gewicht 
und verschiedener Farbe gefüllt. Das ISlivellijinstrunient, 
welches in untergeordneten Fällen sehr zweckniässig erscheint, 
ist durch den Mechaniker Gscheidel in Königsberg in Preussen 
zu beziehen und kostet mit Visirscheibe und Stativ 31 Jfe., 
ohne diese 21 M. 

Hamburger, W., Ingenieur in Kopenhagen. Automatische Hori- 
zontalstellung für Nivellirinstrumente. Zeitschr. f. Instrumenten- 
kunde. 4. Jahrgang, 1884. S. 54— 59. Der Verfasser bespricht 
zunächst das Prinzip der automatischen Horizontalstellung 
und beschreibt dann den beweglichen Apparat und seine 
praktische Ausführung. Er unterscheidet die einfache Kugelauf- 
hängung, die kartamische Aufhängung und die zusammengesetzte 
Kugelaufhängung. Die erstereist nur in ganz untergeordneten 



11. Nivellement und Nivellirinstrumente etc. 

Fällen angebracht, die zvoite wird z. Z. iu Dänemark öfte 
wandt und soll siclibei AusfiiiiruiiggewbtinliclierNivell 
bewährt haben. Die zuBaraniengesetzte Kugelaufhäng 
praktisch noch nicht ausgeführt und scheint uns zu li 
zirt zu sein, um sicli Eingang zu verachatfuii. 
* Heidecke, F., Feldinesser in Siegen, Verstellbare Nivell 
D. R.-P. Nr. 30703 vom 13. Juli 1884. 

Lekrke, J., Feldmesser, Hofgeismar. Der N i veil ii'S tab. Z 
ftir Instrumentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 419. I 
strument ersetzt bei Längeumessungen mit einem 50 m 
Stahldrahtkahel den Höhenwinkelmesaer. Man hat der 
linie eines gleichschenkligen Dreiecks, von welche 
Schenkel vertikal gestellt wird, die Neigung dus Tern 
geben; aus der Län^re der Basis, welche mittels Noniut 
lieb genau besimmt wird, ergibt sich der verlangte 
wiukel. 

Mu/ier-Köpen. Die Höhenbestimniungen der König!. 
Landesaufnahme. Prov. Brundeiihurg, Posen und Sc 
Besprochen in der Zeitschr. f. Venn. Bd. XIII. 1884, 

Reite. Nivellirinstrumeiit und Aneroid rait Gewich ts-Mikn 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 316. 

Schröder, Feldmesser, Eiberfeid. Ueber Ursache und Zw* 
Präzision suivellemonts, der Nivellements niederer Or 
insbesondere der Eisen bahn nivellements. Zeitschr. f. 
Bd. XIII 1884. S. 101. Vergl. 453. 

Wac/ner. Taschen-Nivellirinstrument. Zeitschr. f, Verm. B. 
1884. S. 149. Vergl. S. 453. 

.... Bestimmungen über den Anschluss an das Präzisions-I 
ment der Königl. Landesaufnahme. Deutsche Bauz 
18. Jahrgang. 1884. S. 182. Vergl. 17. Jahrgang. 
S. 388. Enthält zunächst die Bestimmungen des C 
Direktoriums tÜr Vermessungen inPreusaen vom 16. De' 
1882, dann wird der Wunsch ausgesprochen, für d 
Schlussnivellements eine Klassiäkation der einzelnen 
des Nivellementsnetzes vorzuschreiben und die Ge 
keit der Rangklassen entsprechend festzusetzen. We 
Nivelleuientsnetz der Landesaufnahme als Netz erste 
nung bezeichnet wird, so kann mau als Nivellemei 
zweiter Ordnung diejenigen Linien annehmen, welch 
längere Ausdehnung haben , resp. Bindeglieder des 
erster Ordnung sind, während für die Linien dritter Oi 
kurze Strecken resp, Bindeglieder des Netzes erstt 
zweiter Ordnung anzusehen sind. Für das Netz erste 
nung sind 3- 5ram mittlerer Genau igkeitsfeliler vorgesch 
für das Netz zweiter Ordnung werden 5— 7mm und f 
Netz dritter Ordnung 7 — 10 mm mittlere Fehler 
schlagen. Schliesslich wird erwähnt, dass es an derZi 




332 12. Barometer und barometrieches Höhenmessen. 

dürfte, das Feldmesserreglement mit den neuerlassenen Vor- 
schriften in Einklang zu bringen. Vergl. Centralblatt der 
Bauverwaltung. Jahrgang 1884. S. 121. 

12. Barometer und barometrisches Hifhenmessen. 

Bauernfeind^ C. M. v. Neue Beobachtungen über die tägliche 
Periode barometrisch bestimmter Höhen. Mit einer Stein- 
drucktafel. München. 1883. Franz & Camen. 50 S. 4^. 
1,50 Jk. Ein Abdruck aus den Abhandlungen der königlich 
bayerischen Akademie der Wissenschaften II. Kl. 24. Bd. 3. Abth. 
Besprochen Literarisches Centralblatt von 1884. S. 150. Vergl. 
Zeitschr. f. Verm. 1884. S. 453. 

JBrocÄ, 0. J., Dr., und Marek^ W. Die Ausdehnung und Dichte 
des Quecksilbers. Travaux et Memoires du Bureau inter- 
national des poids et mesures. Tome II. Paris. Gauthier- 
Villars. 1883. Ein Auszug findet sich von Hartl in der 
Zeitschr. der österr. Gesellschaft für Meteorologie. 19. Bd. 
1884. S. 389. Der Berechnung des Ausdehnungskoefficienten 
des Quecksilbers liegen die Regnault'schen Beobachtungen zu 
Grunde. Die Dichte von sorgfältig gereinigtem Quecksilber 
kann 13,5956 angenommen werden. • 

Diäkornoff. Ein neues Heberbarometer. Journal de Physique. 
Bd. III. 1884. S. 27. Zeitschr. der Österreich. Gesellschaft f. 
Meteorologie. 19. Hd. 1884. S. 144. Der Autor hat ein 
Heberbarometer hergestellt, das man beim Transport stets 
ganz entleeren und dann ohne Schwierigkeit auch wieder 
füllen kann. Die jedesmal nöthig werdende Reinigung und 
Trocknung der Röhre dürfte eine grössere Schwierigkeit 
bieten. 

Hellmann^ Gust., Dr. Ueber Barometerveränderungen bei Gewitter. 
Zeitschr. der Österreich. Gesellschaft f. Meteorologie. (Hann.) 
19. Bd. 1884. S. 43. Beim Ausbruch eines Gewitters steigt 
das Barometer plötzlich und geht später wieder zum Fallen 
über. 

Koppe^ Professor Dr. Untersuchungsstation für Aneroid-Baro- 
meter an der technischen Hochschule zu Braunschweig. 
Zeitschr. des Hannov. Architekten- und Ingenieur- Vereins. 
30. Bd. 1884. S. 135. Der Verfasser beschreibt die Vorrich- 
tungen und Apparate der Untersuchungsstation und erklärt 
sich bereit, Aneroide aller Art, sowie Aneroid- Lerographen zu 
untersuchen, die zugehörigen Korrektionstafeln zu bestimmen 
und entwerfen zu lassen. 

Len0 und Reteoff, Einfluss der Temperatur auf den Widerstand 
des Quecksilbers. Kaiser). Akademie der Wissenschaften zu 
St. Petersburg. 1884. Besprochen in der Zeitschr. f. Instra- 
mentenkunde. 4. Jahrgang. 1884. S. 251. 

JReüz. Aneroide mit Gewichts- Mikrometer. Zeitschr, f. Verm. 
Bd. XIII. 1884. S. 316. 






13. Trigonometrisches Höhenmessen etc. 14. Eisenbahnvermessungen etc. 333 

13. Trigonometrisches Höhenmessen, Refraktion. 

Baueriifetnd^ Professor Dr. Neue Untersuchungen über terrestri^ 
sehe Refraktion. Generalbericht der Europäischen Grad- 
messuug für das Jahr 1883. Anhang VI. Berlin. 1884. G. 
Reimer. Besprochen in der Zeitschrift f. Instrumentenkunde. 

4. Jahrgang. 1884. S. 349. Der Verfasser stellt den für die 
Praxis wichtigen Satz auf: >Die Genauigkeit der baromet- 
Tischen Höhenmessung mit guten Aneroiden verhält sich zu 
der mit guten Quecksilberbarometern wie 3 : 5 unter der 
Voraussetzung, dass man jede eingetretene Veränderung der 
Standkorrektion der Federbaiometer und deren Grösse fest- 
zustellen nicht versäumt. < Die Erfüllung der letzteren Be- 
dingung setzt allerdings voraus, dass man ein Quecksilber- 
barometer zur Hand hat. 

Dietee^ Trigonometer. Beiträge zur Aufsuchung von Refraktions- 
Koefficienten. Zeitschr. f. Verm. Bd. XHI. 1884. S. 245. 

Fearnley^ C, Professor, und Zinger^ Oberst. Zur Theorie der 
terrestrischen Refraktion. Generalbericht der Europäischen 
Geradmessung für das Jahr 1883. Anhang VI. Berlin. 1884. 
G. Reimer. Besprochen : Zeitschr. für Instrumenten künde. 4. 
Jahrgang. 1884. S. 350. 

Kerschhaum. Trigonometrische Höhenmessungen der Aufnahme 
des Staates New-York. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. 

5. 204 

14. Eisenbahnvermessungen, Traciren, Kurvenabsteckung und Absteck- 
ung von Tunnels. Horizontalkurven. 

Launhardt, Geheimer Regierungsrath, Hannover, lieber diewirth- 
schaftlichen Fragen des Eisenbahnwesens. Centralblatt der 
Bauverwaltung. 3. Jahrgang. 1883. Heft 27 — 35. Einen aus- 
führlichen Auszug findet man in dem Organ für die Fort- 
schritte des Eisenbahnwesens. 21. Bd. 1884. S. 100 und 142. 
Enthält: 1. Die volkswirthschaftliche Rentabilität der Eisen- 
bahnen. 2. Bestimmung der Bauwürdigkeit einer projektirten 
Eisenbahn. 3. Die zweckmässigste Dichtigkeit des Eisenbahn- 
netzes. 4. Tarifsätze. 

Lilienstein^ v. Die Zweigungselemente der Sekundärbahnen. (Vor- 
trag.) Jahrbuch des Sächsischen Architekten- und Ingenieur- 
Vereins. 1883. S. 7. Ausführlich mitgetheilt in dem Organ 
für die Fortschritte des Eisenbahnwesens. (Heusinger von 
Waldegg.) 21. Bd. 1884. S. 99. 

Sarrazin^ O., und Oberbeck, Taschenbuch zum Abstecken von 
Kreisbögen mit und ohne Uebergangskurven für Eisenbahnen 
und Strassen. Mit besonderer Berücksichtigung der Eisenbahnen 
untergeordneter Bedeutung. 3. Auflage. 1884. Berlin. Verlag 
von Springer. 3 Jh. Besprochen in der Zeitschr. f. Baukunde. 
Bd. VII. 1884. S. 540. 




334 15. KatastervermessuDgen und Katasterwesen. 

Schühler, Strassburg. Heber den Begriff der virtuellen Länge 
und die praktischen Anwendungen derselben. Centralblatt der 
Bauverwaltung. Jahrgang IV. 1884. S. 301. 

15. Katastervermessungen und Katasterwesen. 

Anweisung vom 9. August 1884 für das Verfahren bei der Feld- 
vergleichung zum Zwecke der einfachen Berücksichtigung der 
vorhandenen Katasterurkunden in Elsass-Lothringen. Ver- 
öffentlicht in dem Central- und Bezirksamtsblatt in Elsass- 
Lothringen vom 30. August 1884; wörtlich abgedruckt in 
>^der Vereinsschrift des Elsass-Lothringischen Geometer- Vereins 
Nr. 7. 1884. 

Amrew, K. C, Professor. Bericht über Gruppe 36 der schweize- 
rischen Landesausstellung. Zürich. 1883. Kartographie in 
Verbindung mit dem Katasterwesen der Schweiz. Spezialbe- 
richte der Professoren D. A. Heim und J. Rebstein, gr. 8*^. 
39 S. Zürich, Orell, Füssli & Comp. 1 Jk. 

JSauwerker. Ueber die Ausführung der Grenzvermarkung bei der 
Katasterneumessung in Elsass-Lothringen. Siehe unter Nr. 8. 

Bauwerker ^ Strassburg. Ueber die Katasterfrage in Elsass-Loth- 
ringen. (Vortrag.) Vereinsschrift des Elsass-Lothringischen 
Geometer-Vereius Nr. 3. 1884. S. 7. 

JBlum^ Colmar. Ueber das Interesse der Vermessungstechniker an 
der Ausführung der Neuvermessung, bezw. der Katasterbereinig- 
ung in Elsass-Lothringen. (Vortrag.) Vereinsschrift des Elsass- 
Lotliringischen Geometer- Vereins Nr. 3. 1884. S. 14. Betrifft 
die Besprechung einer in der Zeitschr. f. Verm. Bd. XIL 1883. 
S. 441 mitgetheilten Abhandlung über das Katastergesetz in 
Elsass-Lothringen. 

Gehrmann^ Steuerrath , Kassel Der Gebrauch lithographirter 
Pläne in der Katasterverwaltung. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 
1883. S. 61. 

Gesetjs^ betreffend die Bereinigung des Katasters, die Ausgleich- 
ung der Grundsteuer und die Fortführung des Katasters in 
Elsass-Lothringen vom 31. März 1884. Wörtlich mitgetheilt 
in der Vereinsschrift des Elsass-Lothringischen Geometer- 
Vereins Nr. 6. 1884. 

Grad. Ueber den Gesetz-Entwurf, die Bereinigung des Katasters, 
die Ausgleichung der Grundsteuer und die Fortführung des 
Katasters in Elsass-Lothringen. Correspondenzblatt des baye- 
rischen Geometer- Vereins. Bd. IH. 1884. S. 121. 

Metzger^ Colmar. Ueber die Katasterfrage in Elsass-Lothringen. 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XII L 1884. S. 37 und Vereinsschrift 
des Elsass-Lothringischen Geometer- Vereins. 1884. Nr. 2. 

Stocher^ Bezirksgeometer. Die Reorganisation des Verinessungs- 
wesens in Bayern. Zeitschr. für den bayerischen Vermes- 
sungsdienst. V. Bd. 1884. S. 169. 



16. Vermessungen d. Auseinandersetzungsbehörden etc. 17. Kartographie etc. 335 

Aus dem preussischen Landtage. Petition der Kataster- 
gehilfen. Zeitschr. des Rheinisch-Westfäl. Feldmesser- Vereins. 
Jahrgang 1884. S. 38. 

Die Verhandlungen des bayerischen Landtages über den 

Etat der Katasterverwaltung für die Finanzperiode 1884 und 
1885. Korrespondenzblatt des bayerischen Geometer- Vereins. 
Bd. IL 1884. S. 68. 

Zur Frage der Vereinigung des Kataster- Vermessungs- 
und Umschreibedienstes in Bayern. Zeitschr. für den baye- 
rischen Vermessungsdienst. V. Bd. 1884. S. 215. 

Die Evidenzhaltung des Grundsteuerkatasters in Oester- 

reich. Zeitschr. für den bayer. Vermessungsdienst V. Bd. 1884. 
S. 286. 

16. Vermessungen der Auseinandersetzungsbehörden und die bezüglichen 

Verordnungen. 

Mezger^ Geometer und Kulturtechniker, Colmar. Ueber Feldweg- 
anlagen und Gewannregulirungeu. (Vortrag.) Vereinsschrift des 
Elsass-Lothringischen Architekten- und Ingenieur- Vereins. 
Nr. 4. 1884. S. 29. 

Schleifer^ Erding. Zur Arrondirungsfrage in Bayern. Augsburger 
Abendzeitung. Blatt 2 zu Nr. 136 vom 19. Mai 1883. Corre- 
spondensblatt des bayerischen Geometer- Vereins. Bd. IL 1884. 
S. 61. 

Weitemeyer^ Feldmesser, Rinteln. Die Grundstückszusammenleg- 
ung in der Feldmark Apelern im Kreise Rinteln. Bösendahl. 
Rinteln. 1883. 1,20 A 2. Auflage. R. v. Decker. Berlin. 1884. 
Besprochen in der Zeitschr. des Rheinisch-Westfäl. Feldmesser- 
Vereins. 1884. S. 16 und 43 und in der Zeitschr. für den 
bayerischen Vermessungsdienst. V. Bd. 1884. S. 234. 

Die bayerischen Kammer Verhandlungen über Revision des Arron- 
dirungsgesetzes und der Messungsgebühren vom 3. April 1884. 
Zeitschr. f. den bayerischen Ummessungsdienst. V. Bd. 1884. 
S. 183 und 193. 

üeber das bayerische Arrondirungsgesetz vom Jahre 1861. 

Correspondenzblatt des bayerischen Geometer- Vereins. Bd. IL 
1884. S. 154. 

Ueber die Güterzusammenlegung im Regierungsbezirk 

Cassel. Zeitschr. des Rheinisch-Westfäl. Feldmesser- Vereins. 
1884. S. 92. 

17. Kartographie und die zu derselben nothwendigen Instrumente^ als 

Zirkel, Pantographen etc. 

De Vhomme de Courbiere. Ueber Grenzstein-Signaturzeichnungs- 
instrumente. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 159. 




, • ■' ■ 



336 17. Kartographie a. die zu derselben nothwendigen Instrumente etc. 

DeVhommede Courhiere, Liniennetz-Kartirungsinstrument. Zeitschr. 
f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 553. 

Fecker, G. Ueber Grenzstein-Signaturbezeichnungs- Instrumente. 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 159. 

FinJc, P. Die Situations- und Terraindarstellung auf dem Stand- 
punkt des neuesten Fortschrittes. Mit 2 Tafeln und einem 
Anhange, >das Lithographiren von Plänen« betr. Neue Aus- 
gabe, gr. 80. 100 S. Stuttgart, A. Koch. 3 Jh. 

Fraass, Ueber Transversal- Massstäbe auf Papier. Correspondenz- 
blatt des bayerischen Geometervereins. Bd. II. 1884 S. 57. 

Härtung^ F., Eisenach. Neuerungen an dem unter Nr. 15136 
patentirt gewesenen Präcisionsinstrunient zum Messen der 
Weglängen zwischen Punkten auf Karten und Zeichnungen. 
D. R.-P. Nr. 23502 vom31. Januar 1883. Besprochen: Zeitschr. 
f. Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. S. 220. Das aus 
einem Gummiringe hergestellte Laufrad ist zwischen zwei 
Scheiben eingeklemmt. 

Hollajsi^ E., in Parchim. Pantograph. D. R.-P. Nr. 25091 vom 
23. Juni 1883. Besprochen Zeitschrift f. Instrumentenkunde. 
4. Jahrg. 1884. S. 146. Zwei parallelle Schienen werden 
durch Vermittlung eines über Rollen geführten Drahtes zu- 
sammengehalten. Das Instrument dürfte wohl eine geringe 
Genauigkeit aufweisen. 

Hof acker, A., vereideter Feldmesser in Düsseldorf. Topographische 
Kreiskarten des Reg.- Bez. Düsseldorf, auf Veranlassung der 
Königl. Regierung im Auftrage der Kreistände bearbeitet 
und auf die Gegenwart berichtigt, mit Bergzeichnung und 
Höhenzahlen, soweit letztere sicher zu ermitteln waren. Die 
politischen Grenzen sind kolorirt. Massstab 1 : 50000 und 
1 : 25 000. Lithographie des Berliner Lithogr. Instituts, 
Berlin W, Potsdam erstrasse 110. Kreis Lennep 1 : 50000, 
1 Blatt, im Selbstverlag (3. Auflage in Bearbeitung). Kreis 
Neuss 1 : 50000, 1 Blatt (ohne Bergzeichnung). Verlag von 
L. Schwann in Düsseldorf. Preis 4 Mark. Alle nachfolgenden, 
im Massstabe 1 : 25 000, sind durch die Landrathsämter zu 
beziehen. Preis zwischen 3 und 12 Mark. Düsseldorf Stadt- 
und Landkreis 4 Bl. Essen Stadt- und Landkreis 2 Bl. Geldern 
6 Bl. Grevenbroich (von Zeichner Alb. Spangemacher) 2 ßl. 
Preis 3 Mark. Mettmann mit Elberfeld und Barmen 4 Bl. 
Mors 6 Bl. (Die nachfolgenden mit Blaudruck der Gewässer.) 
Duisburg-Mühlheim a. Ruhr 6 Bl. Kempen 6 Bl. Crefeld 
Stadt- und Landkreis, sowie M.-Gladbach befinden sich im 
Stich, in Arbeit sind Cleve und Rees, fehlt noch Solingen. 
Einige Karten sind bereits in früheren Jahren fertiggestellt. 

Gehrmann. Der Gebrauch lithographirter Pläne ia der Kataster- 
verwaltung. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIIL 1884. S. 61. 

Geleich, E., Direktor, u. Giasa, V., Prof. Die gnomonische Karten- 
projektion in ihrer Bedeutung für die praktische Schifffahrt 



17.iUrtagrapbie u. die zu derselben nothwendigenlnstrumente, alsZirl 

llittheiluDgeii aus dem Gebiete des Seewesens, 12. 

S. 28. 
Klütk, M. Transparente Massstäbe und Rechentafeln. 

Nr. 36695 vom 8. Auguat 1883. 
Sehse, C, in Berlin. Neuerung an Massstabzirkeln. D. R.-P. 

vom 5. September 1 883. Besprochen Zeitsch. f. Insti 

künde. 4. Jahrg. 1884. S. 257. Die Zirkelöffnung 

einer an dem einen Schenkel befindlichen Scala ah 
Richter, E. Ziehfedern aus Stalilhlech. D. R.-P. Nr. 2 

31. März 1882. Dingler's Polytechnisches Jouri 

Bd. 251. S. 558. Vergl. Deutsche Bauzeitung. 1 

1884. S. 136. Die von F. Sönnecken in Bonn in de 

gebrachte Ziehfeder zeichnet sich durch grosse Billi; 

da eine Feder nur 0,30 bezw. 0,50 A kostet ; : 

untergeordneten Fällen äusserst brauchbar. 
Höther, Bezirksgeometer, Weiden. Polar- und Eintheilui 

Stäbe. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 58. 
Sönnecken, F. Neue Zeichen- Materialien. D. R.-P. Z 

Schreibfeder oder Bleistift & 50 ^, Zirkel mitZiehf 

Besprochen in der Deutschen Bauzeitung, 18. Jahrg. 18 
Schleback,Fto{. Transparente Massstäbe und Rechentafeln. 

f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 398. 
Steinhausen. UeberMesstischblätter der Laudesaufnahme. ! 

Reichsan Zeiger Nr, 39. 1884. Vergl. Zeitschr. f. Verm. 

1884. S. 387. Zeitschrift des Rheinisch- Westf. Fe 

Vereins. 1884. S. 20. 
Steppes. Ersatz der Lithographie-Steine. Zeitschrift 

Bd. XIII, 1884. S. 64. Vergl. das polygraphische 

blatt. 18. Jahrg. 1883. Nr. 24. 
Vogt, Obergeom. Ueber Planpapiere und Correktionsblät 

trag.) Correspondenzbiatt des bayerischen Geomete 

Bd. II. 1884. S. 108. 
Wachs, A., u.Ludolff, 0., in Leipzig. Hilfsinstrunient zun: 

tivischen Zeichnen. D. R.-P. Nr. 26501 vom 11. Juli 

sprochen Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 18 
Waltenberger, München, Ueber die Mappirungsarbeiten im 

gadner Gebiet. Correspondenzbiatt des bayerischen ( 

Vereins. Bd. II. 1884. S. 76. 
Winckel. Entfernungskarte des Regierungs-Bezirks I 

Obergeometer L. Winckel u. Geometer S. Schopp. 

Verlag von Boiaseree, Köln. 7,50 Jk, aufgezogen '. 

sprochen in der Zeitschr. des Rheinisch-Westf. F( 

Vereins. 1884. S. 76. 
Zoppritz, V., Prof. Die Wahl der Projektionen für Atl; 

Handkarten. Zeitschr. der Gesellschaft für Erd 

Berlin, 1884. S. 1. 
Zöppriiz, Prof. Tissot's Untersuchungen über Kartenprf 

Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 293. 






cv 






338 IB. Theilung kleinerer Flachen, Flächenbestimmungen, Planimeter. 



Die gebräuchlichsten Signaturen für topographische Ar- 
beiten. Nach den Musterblättern der preussischen Landes- 
aufnahme. Köln, Verlag von Warnitz. 0,40 Jb. Centralblatt 
d. Bau Verwaltung. Jahrg. IV. 1884. S. 78. Zeitschr. des 
Rheiuisch-VTestf. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 95. 

Die Kartographie der Schweiz in ihrer historischen Ent- 
wicklung. lUustrirter Special-Katalog der Gruppe 36 der 
Schweizerischen Landes-Ausstellung. Zürich. 1883. Verlag 
von Hofer & Burger. 98 S. 8«. 0,80 M. Besprochen in der 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 172. 

Wasserfeste flüssige Auszieh-Tusche von Schultze, Berlin, 

Behrenstrasse 28, wird empfohlen in der Deutschen Bau- 
zeitung. 18. Jahrg. 1884. S. 299. 

18. Theilung kleinerer Flächen, Flächenbestimmungen, Planimeter. 

Amsler-Laffon in Schaff hausen, lieber neuere Planimeter-Kon- 
struktionen. Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. 
S. 11 — 24. Der Verfasser bespricht Kugelplanimeter, bei 
welchen die Laufrolle auf einer Kugelfläche läuft nebst neuen 
Scheibenplanimeter. Für die Berechnung von Flächen auf 
einem Globus konstruirt derselbe einen besonderen Plani- 
meter für sphärische Figuren. Die theoretische Begründung 
ist der neuen Konstruktion beigegeben. 

Coffin, lieber ein Planimeter, welches zur Berechnung der Dia- 
gramme behufs Ermittlung der Pferdekraft einer Dampf- 
maschine besonders konstruirt ist. Centralzeitung für Optik 
und Mechanik. 5. Jahrg. 1884. S. 239. 

V. Erichsen^ P. Ein neues Planimeter. Centralblatt der Bau- 
verwaltung. Jahrg. IV. 1884. S 470. Die Fläche wird mit 
Hilfe von Parallellinealen in Trapeze zerlegt. 

Fenner ^F, Paralleltheilung eines Trapezes. Zeitsch.lf. Verm. Bd. XIII. 
1884. S. 528. 

Fischer, G., in Pölz. Das freischwebende und das einfache Plani- 
meter von Hohmann u. Coradi. Centralzeitung f. Optik und 
Mechanik. 5. Jahrg. 1884. S. 74. Vergl. Hohmann. 

Fischer, G., in Pölz, lieber die Genauigkeit der Planimeter. 
Centralzeitung f. Optik und Mechanik. 5. Jahrg. 1884. S. 2. 
Enthält eine ausführliche Besprechung der Arbeit gleichen 
Titels von Professor Lorber. Vergl. Zeitschr. f. Vermessungsw. 
13. Bd. 1884. S. 462. 

Halpin, D. Verbesserung an Planimetern. Engineering. 1884. 
S. 141. Bespr. in der Zeitschr. f. Instrumenkunde. 4. Jahrg. 1884. 
S. 208. An dem Indexrade des Zählwerkes vom Amler'schen 
Planimeter ist eine Sperr Vorrichtung angebracht. Dieselbe 
soll ermöglichen, beim Messen uuregelmässiger Flächen das 
Instrument öfter zum Zwecke leichterer Ablesung vom Papier 
abheben zu können, ohne eine Verstellung des leicht be- 
weglichen Indexrades befürchten zu müssen. 



13. TheiluDg kleinerer Fi ache n etc. ~ 19. Methode der kleinsten < 

Salpin, D. Sperrvorrichtung am Amsler-Planimetei 
Bd. 37. S. 141. Dingler's Polytechnisches J 
Bd. 253. S. 368. 

Hokmamt, F. Das freischwebende Präcisionsplani 
Hohmani;L u. Coradi) und seine Modification! 
Anhange: Variationen verschiedener Polarpl: 
struktionen. Mit Abbild. 36 S. 8". Erlangei 
A. Deichert, Besprochen in d. Zeitschr, f, Bauli 
1884. S. 340. Vi!l. Zeitschr. f. Verm. 1884. 

Hohmann, Fr, Bauatutmann. Das Li near-Roll- Plan 
Hohmann- Coradi). Ein Nachtrag zu den Abhs 
das Präcisionsplani meter und über das freisch 
meter und dessen Modihcationen. Mit Abbildu 
Erlangen. 1884. Deicbert. 1 Jk 

Jordan. Ueber Parallel-Theilung. Zeitschr. f. Ve 
1884. S. 90. 

Klein, F., dipl. Ingenieur, Wien. Ueber Scheilx 
Wochenschi-, des Österreich. Ingenieur- u. Archi 
9. Jahrg. 1884. S. 36, 46, 52. Der Verf. gibt 
Geschichte der Planimeter und bespricht dan 
und Construction der Scheiben- Planimeter aui 

Lorber, Prof., Leoben. Ueber das freiscbwebende l 
planimeter von Hobmann u. Coradi. Zeitschr. f. ' 
1884. S. 1. Vergl. Hohmann. S. 462 derselb 

Lorher, Fr., Prof. in Leoben. Das Rollplaniraetf 
Wochenschrift d. Österreich. Ingenieur- u. Archi 
IX. Jahrg. 1884. S. 193 kurz erwähnt. D 
Begründung und Construktion ist ausführlich 
der Zeitschrift des Österreich. Ingenieur- ui 
Nereins. 36. Jahrg. 1884. S. 135. Das Rollph 
neues Scheiben polarplani meter, dessen Genaui 
schwebenden Planimeter gleich kommen soll. 

M . . . . Ueber Flächentbeilung. Zeitschr. d. E 
Feldmesser-Vereins. 1884. S. 7Ü. 

Reite, F. W. Roltplanimeter von Hobmann-Con 
f. Verm. Bd. XHI. 1884. S. 497. Vergl. Ho 

Vogler, Prof. Ueber Proportional-Tbeilung von poli 
ten Grundstücken. Zeitschr. f. Verm. Bd. XII 

19. Methode der kleinsten Quadrate und Berechnungen vi 

Clotten, Hannover. Ueber konstante Längemessung 
gonzügeu. (Vortrag.) Vereinsschrift des Hann 
Vereins. 1884. S. 49. 

Clotten, Hannover. Ueber die Vertheilung der , 
fehler nach dem Verhältniss der Koordina' 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 373. 

Franke, Dr. J. H., k. Steuer-Assessor, Abthellunj 
k.bayer. Katasterbureau. Die Koordinaten- Au; 







340 19- Methode d. kleinsten Quadrate etc. — 20. Höh. Geodäsie, Gradmessungetc. 

Näherungsmethoden in der Kleintriangulirung und Polygonal- 
messung nebst Aufstellung und Vergleichung von Fehler- 
grenzen für die Hauptoperationen der trigonometrischen 
Katastervermessung. München. 1884. Verlag von Grubert. 
Besprochen in der Zeitchr. f. Baukunde. Bd. VJI. 1884. S. 195. 

Küttner, W., in Burgk bei Dresden. Einführung unvollständiger 
Beobachtungen in die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Zeitschr. 
f. Mathematik und Physik. 29. Jahrg. 1884. Seite 193—211. 

Jordan, Prof. Zur Theorie der Polygon-Züge. Zeitschr. f. Verm. 
Bd. XIII. 1884 S. 197—229. 

SiellbogetK Tabelle der rechtwinkligen Koordinaten. Siehe unter 3. 

Vogler^ Dr. Ch. Aug., Prof., Berlin. Grundzüge der Ausgleichungs- 
rechnung. Elementar entwickelt. Braunschweig. 1883. Vie- 
weg & Sohn. 218 S. 8^. 6 A Besprochen im Literarischen 
Centralblatt. 1884. S. 240 und im literarischen Bericht des 
Archivs der Mathematik und Physik 17. Theil. 1884. S. 1. 
Vergl. Zeitschr. f. Verm. 1884. S. 444. 

Ziegelheim, G., Prof. lieber die Ausgleichung trigonometrischer 
Kleinnetze. Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch der Berg- 
akademien Leoben, Fribam und Schemnitz. 32. Bd. 1884. 
S. 281 — 321. Der Verfasser bespricht zunächt die Netzformeii 
und die Wahl von Netzpunkten, erwähnt den Zweck jeder 
Ausgleichungsarbeit, indem er hierbei auf die Franke'sche 
Ausgleichungsmethode eingeht. Die Ausgleichung einfacher 
Dreieckssysteme ist ausführlich behandelt und durch mehrere 
der Praxis entnommene Beispiele eingehend erläutert, so dass 
der Aufsatz als ein werth voller Beitrag für das Studium der 
Ausgleichungsrechnungen anzusehen ist. 



20. Höhere Geodäsie, Gradmessung, Triangulationen höherer Ordnungen. 

V. BcLuemfeind. Die allgemeine Conferenz der europäischen Grad- 
messung zu Rom im Oktober 1883. München, Buchdruckerei 
der Cotta'schen Buchhandlung. 1884. >Das Ausland« S. 
61—68 und S. 81—91, sowie Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. 
S. 133. Besprochen in der Zeitschrift f. Baukunde. Bd. XIll. 
1884. S. 195. Ein Auszug, welcher die Leistungen der 
Triangulirungs-Calcul- Abtheilung des k. k. militär - geogra- 
phischen Instituts in den Jahren 1881 und 1882 bringt, ent- 
hält die Zeitschr. des Rheinisch-Westfälischen Feldmesser- 
Vereins. 4. Jahrg. 1884. S. 1. 
Geodätischer Congress in Rom im Oktober 1883. Ueber Anfangs- 
meridian und internationale Zeit. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 
1884. S. 53. Vergl. S. 465. Zeitschr. d. Rheinisch- Westf. 
Feldmesser-Vereins. 1884. S. 21. 
* Guarducci, Dr. Federico, Ingenieur im militär-topograph. Institut 
zu Florenz. Metodo grafico per la riduzione delie osser- 



^~ 1 .' 



20. Höhere Geodäsie, Gradmessung, Tringulationen höherer Ordnungen. 341 

vazioni geodetiche azimutali al centro trigonometrico. Torino' 
1882. 6 S. 
Guarducci^ Dr. Federico, Sopra due problem! di trigonometria sferoi- 
dica. Torino. 1882. Behandlung der Aufgabe, Entfernung und 
Azimute aus geographischen Positionen zu berechnen, durch 
Reihenentwicklung bis zu Distanzen von S^. Die Formeln 
gleichen im wesentlichen denen von Helmert (diese Zeitschr. 

1882 S. 597 und Math. Theorien S. 314), benutzen aber als 
Argument die geographische Breite in der halben Länge der 
geodätischen Linie anstatt des arithm. Mittels der Breiten 
der Endpunkte und bestimmen anstatt log s cos a und log s sin a 
direkt logs und log lang u. Beide Aenderungen dürften aber 
die Rechnung nur mehr kompliziren, ohne den Genauigkeits- 
grad zu erhöhen. 

Jadanza^ N.. Sulla misura di un arco di parallelo terrestre. 
(Extr. degli Atti deila R. Accademia Scienze di Torino, vol. 
XIX., 1884.) Um aus einer ostwestlichen Dreieckskette den 
entsprechenden Parallelbogen zu finden, wird durch den 
einen Endpunkt rechtwinklig zum Meridian eine geodätische 
Linie gelegt, die sich stückweise (so wie sie von den Drei- 
ecksseiten geschnitten wird) leicht berechnen lässt Daraus 
findet sich dann durch kleine Korrektionen der Parallel- 
bogen, wobei ein Täfelchen gute Dienste leistet, welches den 
Unterschied zwischen einem Parallelbogen und der geodä- 
tischen Linie seiner Endpunkte gibt. Dieses Täfelchen wird 
vom Verfasser auch bei Lösung der Aufgabe, Distanz 
und Azimute aus geogr. Positionen zu finden, 
benutzt, indem er damit diese Aufgabe auf die Auflösung 
eines sphäroidischen Dreiecks reduzirt, dessen Endpunkte die 
beiden gegebenen Punkte und ein Punkt von gleicher Breite 
mit dem einen derselben und von gleicher Länge mit dem 
andern derselben sind. 

Jordan, Elementare Begründung der Beziehungen zwischen der 
geodätischen Linie und den Normalschnitten. Zeitschr. f. 
Verm. Bd. XIII. 1884. S. 238. 

Jordan^ Prof. Internationale Meridian-Conferenz in Washington. 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 495. 

Jordan^ Prof. Dr. Die in den letzten Jahren in der Provinz 
Hannover ausgeführten Basis-Messungen der Preuss. Landes- 
aufnahme bei Göttingen im Jahre 1880 und bei Meppen im 
Jahre 1883. Zeitschr. d. Hannov. Arch.- und Ingen.- Vereins 
30. Bd. 1884. S. 18. 

Kerschbaum. Steuerrath, Coburg. Die Nord-Amerikanische Basis- 
messung von Chicago. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 533. 

Nagel^ Geheim. Reg., Dresden. Beschluss der VII. General-Con- 
ferenz den Europäischen Gradmessung zu Rom im Oktober 

1883 über Anfangsmeridian und internationale Zeit. Dresdener 
Journal und Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 53. 







1^ ' 



342 20. Höhere Geodäsie etc. — 21. Astronomische Ortsbestimmungen etc. 

Nell^ Prof., Darmstadt. GeodätischeBestimmungder geographischen 
Breite und Länge aus Linear-Koordinaten. Zeitschr. f. Verm. 
Bd. XIII. 1884. S. 421. 

V. Oppoher^ D., Prof., Wien. Die Fortschritte und Arbeiten der 
europäischen Gradmessung. Geographisches Jahrbuch. X. Bd. 
S. 115—136. Dieselben reichen bis zu den im Oktober 1883 
in Rom stattgefundenen Verhandlungen. 

Maurer, J., Dr., in Zürich. Einige Bemerkungen über die von 
General Ibanez angewendete Methode der Temperaturbestim- 
mung bei der Messstange seines Basisapparats. Zeitschr. f. 
Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. S. 269. 

Publikationen des geodätischen Instituts. Das Rheinische Dreiecks- 
netz. Heft I., II. und III. und das Hessische Dreiecksnetz. 
Besprochen in der Zeitschr. f. Venn. Bd. XIII. 1884. S. 69. 

Publikationen des geodätischen Instituts. Der Einfluss der Lateral- 
refraktion auf das Messen von Horizontalwinkeln von Prof. 
Dr. Fischer. Berlin. 1882. 73 S. 4^. Besprochen in der 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 79. Vergl. S. 465. 

Schott, C. A. Der neue Basisapparat der nordameVikanischen 
Landesvermessung. Nature, Bd. 29, S. 574 und Zeitschr. f. 
Instrumentenkunde, 4. Jahrg., 1884, S. 250 besprechen kurz 
die Einrichtung des Apparates. Die fünf Meter lange Mess- 
stange besteht aus drei Stäben, zwei Stahlstäben, zwischen 
denen eine Zinkstange liegt. 

21. Astronomische Ortsbestimmungen und Astronomie, soweit dieselbe 
bei der Vermessungskunde in Betracht kommt. Chronometer. 

Boghan, P., in New- York. Instrument zum Messen geographischer 
Breiten. D. R.-P. Nr. 27595 vom 9. Januar 1884. Besprochen 
Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. S. 438. 

Comman, lieber Verbesserungen an Meridiankreisen. Science. 1884. 
S. 487 und Observatory. 1884. April- und Maiheft. Besprochen 
Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. S. 253. 

Foerster, W.. Prof., Direktor d. Sternwarte, Berlin. Sammlung 
populärer astronomischer Mittheilungen. 2. Folge. 8^. 90S. 
Berlin. 1884. Dümmler's Verlag. 1,80 A 

Gelcich, E., Prof. Zur Bestimmung der geographischen Länge 
auf Eeisen. Zeitschr. d. Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. 
19. Bd. 1884. S. 819. 

Jordan, Prof. Dr. Ueber die bei der Expedition in die ly bische 
Wüste ausgeführten astronomischen und geodätischen Mes- 
sungen und Karten-Aufnahmen. (Vortrag.) Zeitschr. des 
Hanno V. Arch.- und Ingen.- Vereins. 80. Bd. 1884. S. 103. 

Konkolz, N. v., Dr. Praktische Anleitung zur Anstellung astro- 
nomischer Beobachtungen, mit besonderer Rücksicht auf die 
Astrophysik. Nebst einer modernen Instrumentenkunde. Mit 
845 in den Text gedruckten Holzschnitten. Braunschweig. 



21. Astronomische Orstbestimmungen etc. — 22. Hydrometrie. 343 

1883. Vieweg & Sohn. 912 S. 8». 24 Jk Besprochen im 
Literarischen Centralblatt. 1884. S. 658. 

Lukas, Fr. C, Wien. Neue Methode zur Berechnung der Excen- 
tricität bei astronomischen Instrumenten. Archiv der Mathe- 
mathik u. Physik. 17. Theil 1884. S. 268. 

Towne, G. Anwendunsj von Glühlichtlampen zur Beleuchtung 
astronomischer Instrumente. Corapt. Rend us. Bd. 98. 1884. 
S. 659. Besprochen in der Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 
4. Jahrg. 1884. S 211. 

22. Hydrometrie. 

Centralbureau für Meteorologie und Hydrographie, Beiträge zur 
Hydrographie des Grossherzogthums Baden. 1. Heft. Karls- 
ruhe. Braun. 1884. 4« 104 S. mit 17 Tafeln. 6 A Be- 
sprochen im Centralblatt der Bauverwaltung. Jahrg. IV. 

1884. S. 126. 

Blies, C, Hamburg. Die an den europäischen Küsten zur Er- 
mittlung der mittleren Meereshöhe aufgestellten Fluthmesser 
(Mareographen) und die zur Bestimmunfr eines mittleren 
Meeresniveaus in Europa ausgeführten Präcisions-Nivelle- 
ments. Deutsche Bauzeitung. 18. Jahrg. 1^84. S. 22. 

Frank, A., Privatdocent, München, üeber selbstregistrirende Wasser- 
messer. Zeitschr. f. Baukunde. Bd. VH. 1884. S. 218. 

Gillet, C, in Zabern. Stromgeschwindigkeitswaage. D. R.-P. 
Nr. 27038 vom 15. August 1883. Besprochen Zeitschr. f. 
Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. S. 292. Durch den Druck, 
den das Wasser auf ein Druckblättchen des Instrumentes 
ausübt, wird die Stromgeschwindigkeit bestimmt. 

Horlacher, A. R., Prof. in Prag. Die Methode und der Apparat 
von Harlacher, Henneberg u. Smoeker zur direkten Messung 
von Wasser- Geschwindigkeiten. (Vortrag.) Technische Blätter. 
16. Jahrg. 1884. S. 1. 

Keller, V., Prof., Karlsruhe. Ueber Tiefseemessungen. Zeitschr. 
des Vereins Deutscher Ingenieure. 28. Bd. 1884. S. 614. 

Regelmann. Der Flächeninhalt der Flussgebiete Württembergs. 
Ein Beitrag zur Hydrographie des Landes. Stuttgart. 1883. 
43 S. 80. Aue. Besprochen in der Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 
1884. S. 68 und Zeitschrift des Rhein.- Westphäl. Feldmesser- 
Vereins. 1884. S. 75. 

Rapp, J., bayer. Bauamtsassessor. Unsere natürlichen Wasser- 
läufe. Hydrotechnische Studien aus den Papieren des bayer. 
Oberbaurathes G. Lavale. Weilheim. Gebr. Boegler 1883. 
8^. 58 Seiten. 10 Tafeln. Besprochen in dem Centralblatt der 
Bauverwaltung. Jahrg. IV. 1884. S. 446. Vorliegendes Werk 
gehört zu den werthvollsten Arbeiten über die Gesetze der 
Bewegung des Wassers in Stromläufen. 

Schmid, J., Oberbaurath. H ydrologische Untersuchungen an den 
öflFentlichen Flüssen im Königreich Bayern. 42 S. 4^. München. 




. \ ^»•^»-v 



344 22. Hydrometrie. — 23. Organisation des Vermessungswesens, Gesetze etc. 

Ackermann. 1884. 20 A Besprochen in dem Centralblatt 
der Bauverwaltung. IV. Jahrg. 1884. S. 168. 

Siemens <& Halske^ Berlin. Elektrisch registirender Fluthmesser. 
Dingler's Polytechnisches Journal. 1884. Bd. 251. S. 404. 
Vergl. Wochenblatt f. Arch. u. Ingen. 1883. S. 286 und 
Elektrotechnische Zeitschr. 1883. S. 495. 

Sprung^ A., Dr., in Hamburg. Hydrometrograph mit Fernregi- 
stirung. Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. 
S. 229. Bei der bisherigen Konstruktion des Bareographen 
ist der Kupferpol der Batterie mit dem Drahte des Elektro- 
magneten kurz verbunden. An dieser Stelle wird ein nach 
einer entfernten Station führendes Kabel eingeschaltet und 
dadurch ein zweiter Elektromagnet in eine Thätigkeit ver- 
setzt, welche mit derjenigen am Hauptapparate genau iden- 
tisch ist und desshalb dem Schreibstifte auch eine identische 
Bewegung verleiht. Man erhält mithin die Aufzeichnung des 
Wasserstandes an der entfernten Station in derselben conti- 
nuirlichen Weise, wie beim Standpunkte des Instrumentes. 

r. Feststellung von Mittelwasserständen der Meere und 

gegenseitige Höhenlage der Meeresspiegel. Deutsche Bau- 
zeitung. 18. Jahrg. 1884. S. 238. Die betreffenden An- 
gaben, welche von dem Kgl. Geodätischen Institut herrühren, 
werden nur als »vorläufige« bezeichnet. 

Errichtung eines Hydrographischen Instituts in Preussen. 

Deutsche Bauzeitung. 18. Jahrg. 1884. S. 131. 

23. Organisation des Vernnessungswesens, Gesetze, Verordnungen. 

(Die Verordnungen der Eisenbahn- und Katasterverwaltungen, sowie 
der Auseinandersetzungsbehörden siehe 14, bezw. 15, bezw. 16.) 

Central' Direktorium für Vermessungen im Preussischen Staate. 
Nachtragsbestimmungen zu den Vorschriften vom 20. Dez. 
1879 über die Anwendung gleichmässiger Signaturen für 
topographische und geometrische Karten, Pläne und Risse. 
Zeitschr. d. Rheinisch- Westf. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 33. 

Centraldirektion der Vermessungen im Preuss. Staate, Anschluss 
der Nivellements an das Präcisions-Nivellement der Landes- 
aufnahme. Beschluss vom 16. Dezember 1882. Zeitschr. f 
Verra. Bd. XIII. 1884. S. 144 enthält den wörtlichen Ab- 
druck nebst Anmerkungen. Zeitschr. d. Rheinisch-Westf. 
Feldmesser- Vereins 1884. S. 27. Centralblatt der Bauver- 
waltung. Jahrg. IV. 1884. S. 124. Deutsche Bauzeitung. 
1883. S. 388 und 1884. S. 182. 

Circular-Erlass der preussischen Ministerien. Die Erledigung von 
Aufträgen der Landespolizeibehörden seitens der Verniessungs- 
Revisoren vom 12. Januar 1884. Centralblatt der Baurer- 
waltung. Jahrg. IV. 1884. S. 31. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 



23. OrgBüieation des TermeaBun^sweBens, Gesetze, VerordouDg 

1884. S. 317 und Zeitachr. des Rheinisch-Westf. Feie 
Vereins. 1884. S. 35. Die nach §. 24 des Feldmesse 
ments vom 2. März 1871 von der Landespolizeibeh 
ernennenden Vermesaungs-Revisoren sind verpflichte 
wenn sie dem landwirtbschaftlicfaen Ressort angebö 
Aolträge der Landespolizeibehörde zu erledigen. Di 
siebt auf die Interessen des Jandwirtbscbaftlicheu 
erfordert aber, dass solche Auftrage nur unter B« 
dieser Interessen und im Einvernehmen mit der b< 
hörde dieses Ressorts ertbeilt werden. III. 19302 M. 
- 1. 17493 M. f. L. D. u. F. — 109 M. f. H. u 
II. 15009 F. M. 

Gircu/ar-Er/asse der prettss. Minister für Landwirthschaf 
für öffentlicbe Arbeiten uud der Finanzen vom 8. 
1884. Betrifft die Rückgabe der Probekarten, welch 
Ablegung der Feldmesserpriifung von den Eandida' 
zuliefern ist. Wörtlicher Abdruck findet sich in der '. 
f. Verni. Bd. XIII. 1884. S. 286 u. Zeitschr. d. Ri 
Westf. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 35. Vereinssf 
Hannov. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 36. 

Ckcular-Erlass des preuss. Ministers der öffentlichen 
vom 25. Juni 1884. Betrifft die Fortgewährung der ] 
ration an die zu MilitÜrübungen einberufenen diätai 
schäftigten Hilfsarbeiter der allgemeinen Bauver' 
Wörtlich mitgetheilt Zeitsch. f. Verm. Bd. XIII. 188^ 
Deutsche Bauzeiturig. 13. Jahrg. 1884. S. 327. Cen 
der Bauverwaltuiig. IV. Jiibrg. 1884. S. 273. 

Circi^ar-Erlass des preuss. Ministers für öffentliche Arbei 
23. April 1884. Die Festlegung der Pegel-NuUpunki 
den Normal - Nullpunkt. Centralblatt der Bauver 
Jabrg. IV. 1884. S. 181. Zeitschr. d. ßbeinisch-Wea 
messer- Vereins. 1884. 15.68. Deutsche Bauzeitung, li 
1884. S. 240. 

Diefenhardi, P. Zusammenstellung der für die Ereislai 
in den vormals nassauischen Landestheilen des Reg 
bezirk es Wiesbaden wichtigen gesetzlichen Bestimmun 
sonstigen Vorschriften. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII, 188 

Entscheidungen des Preuss. Ober- Verwal tun gs- Gerichts 
Januar und 18. November 1883. Betrifft Wegeanlagt 
Eisenbahnrechtliche Entscheidungen deutscher Geric 
Eger. Berlin. Heymann's Verlag. 1885. S. 442. Ai 
Eisenbahnwesen. Jahrg. 1884. S. 43 und 45. Es 8 
Verwaltungsgerichten zu, einen Weg, von dem es str 
ob er ein öffentlicher oder Privatweg sei, sogleich 
für einen öffentlichen zu erklären. Dagegen kann e 
kundiger Privatweg zwangsweise nicht anders als i 
des Ente ig nungs Verfahrens in einen öffentlichen We; 
wandelt werden. Vergl. Zeitschr. f. Verm. 14. Bd. 188! 



346 23. Organisation des Yermessangswesens, Gesetze, Verordnungen. 

Erlass des kaiserlichen Statthalters in Elsass-Lothringeti vom 
12. November 1883. Betrifft die Aufhebung der Verpflichtung 
zur Ablegung der Feldn3esserprüfung für die Aspiranten des 
elsass-lothringischen Forstverwaltungsdienstes. Amtsblatt für 
Lothringen- Elsass. HI. 9566. Nr. 47 pro 1883. Vereinsschrift 
des Elsass -Lothringischen Geometer - Vereins. 1884. S. 1. 
Zeitsch. f. Verm. Bd. XllL 1884. S. 243. 

Erkemitniss des Reichsgerichts, Benachtheiligung der Eisenbahnen 
durch Feuersgefahr und Erschütterungen. Es kann Ent- 
schädigung verlangt werden. Zeitschr. des Rheinisch-Westf. 
Feldmesser- Vereins. 1884. S. 23. 

Erhenntniss des Reichsgerichts vom 25. Januar 1884. Grenzzeichen 
betreffend. Zeitschr. f. Verm. Bd.XlIL 1884. S. 318. Vereins- 
schrift des Elsass-Lothr. Geometer- Vereins. 1884. Nr. 8. S. 22. 
Zeitschr. des Rheinisch-Westf. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 47. 

Erhenntniss des Reichsgerichts, Baubehinderung durch die Eisen- 
bahnen. Zeitschr. des Rheinisch-Westf. Feldmesser-Vereins. 
1884. S. 23. 

Finanzministerium^ preussisches. Anweisung (VIII.) vom 25. Ok- 
tober 1881 für das Verfahren bei Erneuerung der Karten und 
Bücher des Grundsteuerkatasters. Berlin. 1882. 25 Bogen 
Text und 2 lith. Tafeln, nebst Mappe mit 11 Tafeln. Geb. 
10,75 i4 Anweisung (IX.) vom 25. Oktober 1881 für die 
trigonometrischen und polygonometrischen Arbeiten bei Er- 
neuerung der Karten und Bücher des Grundsteuerkatasters. 
Berlin. 1881. 23 Bogen mit 9 lith. Tafeln. Geb. 4,75 J. 
Beide Werke sind nur direkt zu beziehen durch R. v. Decker, 
Marquardt & Schenk, Berlin, SW. 19, Jerusalemerstrasse 56. 
Besprochen in der Zeitschr. f. Verm. FM. XIII, 1884. S. 19. 

Gehring^ J., Oberamtsgeometer in Blaufelden. Das Vermessungs- 
wesen in Württemberg und Vorschläge zur Reorganisation 
desselben. Eine Denkschrift, bearbeitet im Auftrage des 
württembergischen Geometervereins. Stuttgart. Wittwer. 1884. 
Besprochen in der Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 319. 

Gesetzgebung. Wegegesetz für Elsass-Lotli ringen. Zeitschr. des 
Rheinisch-Westf. Feldmesser- Vereins. 4. Jahrg. 1884. S. 14. 

Hartl, Major. Organisation des österreichischen Vermessungs- 
wesens. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 211. 

Rescript des preuss. Handelsministeriums vom 21. Juli 1883. 
Pensionsberechtigte Dienstzeit der Feldmesser. Vereinsschrift 
des Hanno V. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 11. 

Die Landmesser und Feldmesser in Preussen, ihre Aus- 
bildung, Prüfung und Bestallung, nebst den allgemeinen Vor- 
schriften über Vermessungsarbeiten. Besprochen Zeitschr. f. 
Verm. Bd. XIII. 1884. S. 387. Centralblatt für Bau Ver- 
waltung. 1884. S. 280. Zeitschr. des Rheinisch-Westf. Feld- 
messer-Vereins. 1884. S. 95. 




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24. Geschichte der Vermessungskunde. 347 

24. Geschichte der Vermessungskunde. 

Emelius. Zur Geschichte der Feldmesskiinst. Zeitschr. des Rheinisch- 
Westf. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 39. Auszug aus den Vor- 
trägen des verstorb. Vermessungs-Ingeuieurs Wolf in Freiberg. 

Geisler. Die Vermessungen des Bremen'schen Staates. Besprochen 
in der Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 96. 

Jdhr^ Hannover. Ueber die römischen Agriraensoren. Vereinsschrift 
des Hannov. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 78. 

JELerschbaum, Ueber die Fortschritte der Arbeiten der Küsten- 
vermessung der Vereinigten Staaten. Zeitschr. d. Verm. Bd. XIII. 
1884. S. 497. 

Kothe^ Rothenburg. Beitrag zur Geschichte des Vermessungs- 
wesens in Kurhessen. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 523. 

Kutscher^ G., Feldm., Bremen. Beitrag zur Geschichte der Grad- 
messungen. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 282. 

Schellwitß^ Hauptmann a. D. Die Landesaufnahme in Russland 
im Jahre 1883. Nach dem offiziellen Bericht im > Russischen 
Invaliden < pro 1884. Nr. 86, 87 u. 92. Zeitschr. d. Gesellsch. 
f. Erdkunde zu Berlin. 19. Bd. 1884. S. 405. Im euro- 
päischen Russland sind hauptsächlich in Finnland, im Gou- 
vernement Warschau und den angrenzenden Bezirken topo- 
graphische Aufnahmen ausgeführt. Die Messtisch blatter sind 
im Massstabe 1 : 21000 aufgenommen, während die künftige 
topographische Karte 1 : 84000 hergestellt werden soll. Die 
geometrischen Nivellements des Jahres 1883 haben die Gleich - 
heitder Meereshöhe ri in der Ostsee und dem 
Schwarzen Meere festgestellt; leider sind die End- 
stationen des Nivellements nicht angegeben. Eine Verbindung 
der russischen Präcisionsnivellements mit denen Oesterreichs 
ist im Jahre 1883 ebenfalls erreicht. Triangulationen sind 
hauptsächlich in Polen ausgeführt. Im aussereuropäischen 
Russland sind ebenfalls umfangreiche Aufnahmen vorgenommen. 

Schmidt, Prof. Dr., Freiberg. Historische Notizen über die topo- 
graphische Landesaufnahme des Königreichs Sachsen, ins- 
besondere über den Oberweit'schen topogi-aphischen Atlas. 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIIL 1884. S. 260. 

Stoeher. Die Geodäsie bei den Culturvölkern des Alterthums. 
Zeitschr. für den bayerischen Ummessungsdienst. V. Bd. 1884. 
S. 177 und 227. 

Winckel, Die Landesaufnahme in Elsass-Lothringen. Zeitsclir. 
f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 242. 

JVestphal, A., Dr., Berlin. Die geodätischen und astronomischen 
Instrumente, zur Zeit des Beginns exakter Gradmessungen. 
Zeitschr. f. Instrumentenkunde. 4. Jahrg. 1884. S. 152 u. 
189. Enthält einen sehr schätzenswerthen Beitrag zur Ge- 
schichte der Instrumentenkunde. 




348 24. Geschichte der VermesRungekunde. — 25. Verschiedenes. Personalien. 

Ueber die Gewann und Parzellenmessung im Grossherzog- 

thum Hessen. Zeitschr. des Rheinisch- Westf. Feldmesser- 
Vereins. 1884. S. 93. 

Die Landesvermessung und Bezirlcs-Geometer in Hohen- 

zoUern. Zeitschr. des Rheinisch- Westf. Feldmesser- Vereins. 
1884. S. 45. 

Die Küstenvermessung in Nord-Amerika. In dem >Tech- 

niker<, VI. Jahrg., 1884 wird mitgetheilt, dass man mit 
der Absicht umgehe, das verdienstvolle Institut > Coast Survey < 
aufzulösen. 

25. Verschiedenes. Personalien. 

Bet^, Geometer. Zur Titelfrage. Zeitschr. des Rheinisch- Westf. 

Feldmesser- Vereins. 4. Jahrg. 1884. S. 12. Vergl. S. 36. 
Dünckelberg^ Geh. Reg.-Rath. Landwirtbschaftliche Akademie 

Poppeisdorf bei Bonn. Zeitschr f. Verm. Bd. XIU. 1884. 

S. 155. 434. 
Emelius, Die Lage der Geometer in Frankreich. Zeitschr. f. 

Verm. Bd. XIII. 1884. S. 276. 
Emelitis, Statistik der Geometer Deutschlands im Jahre 1884. 

Zeitschr. des Rheinisch- Westf. Feldmesser- Vereins. 1884. S.90. 

Vergl. S. 15 und 73. Hiernach sind in Deutschland 3502, 

in Preussen 2000 Geometer. Durchschnittlich fällt auf je 

13000 Einwohner und 154 qkm ein Geometer. 
Jahres-Berichte über die Feldmesser-Vereine in Deutschland. 

1) Deutscher Geometer- Verein. Zeitschr. f. Verm. 1884. Bd. XIII. 
S. 123, 341, 371 und 501. 

2) Bayerischer Besirks-Geometer-Verein, Zeitschr. für den 
bayerischen Ummessungsdienst. V. Bd. 1884. S. 259. 

3) Bayerischer Geometer-Verein. Correspondenzblatt des Ver- 
eins. Bd. II. 1884. S. 101. 

4) ElsasS'Lothringischer Geometer- Verein. Vereinsschrift Nr. 8. 
1884. S. 5. 

5) Hannoverscher Feldmesser- Verein. Yerem^schrift. 1884. S.1 
und 1885 S. 10. 

6) Bheinisch- Westfälischer Feldmesser- Verein. Zeitschrift des 
betr. Vereins. 1884. S. 97. 

Jordan^ Prof. Ueber den Einfluss der Regenwürmer auf Senk- 
ungen von Bauwerken. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIIL 1884. S. 161. 

Jordan^ Prof. Beitritt Englands zu der internationalen Meter- 
Konvention. Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 483. Vergl. 
Deutsche Bauzeitung. 18. Jahrg. 1884. S. 492 und 539. 

Mezger., Colmar. Ueber Gehülfenwesen. (Vortrag.) Vereinsschrift 
des Elsass-Lothringischen Geometer- Vereins. 1883. S. 33 und 
Zeitschr. des Rheinisch- Westf. Feldmesser- Vereins. 4. Jahrg. 
1884. S. 9. 

Müller^ W. Besteuerung der Feldmesser. Zeitsch. f. Verm. Bd.XIlI. 
1884. S. 195. 



25. Verechiedeoes. Personalien. 

Müller, Th, lieber die Beeoldungsverhältnisse der Verm 
beamten bei deo preussischen Äuseinandersetzungsb 
Zeitschr. f. Verm. ßd. XIII. 1884. S. 66. Deutscher 
anzeiger vom 6. Dezember 1883. Nr. 287. 

Müller, W., Feldm. u. Kulturingenieur, Hannover. Die Kai 
vom land wirth schaftlichen und kulturtechniachen Sta 
betrachtet unter Hinweis auf die damit verkiiüpften 
tischen kulturtechnischen Arbeiten. (Vortrag.) Verei 
des Hannov. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 69, 

Fersmalien. Prüfungen der Feldmesser in Preussen. Ze 
Verm. Bd. XIII. 1884. S. 49, 242 und 482. Zeits 
Rheinisch-Westr. Feldmesser- Vereins. 1884. S. 15, 3 
Amtliche iVlittheilungen im Centralblatt der liauver 
Jahrg. IV. 1884. S. 17, 120, 273 und 427. Vergl. S.i 

Personalien. Prüfung der Kulturtechuiker in Berlin. Mä 
Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 213. 

Priifungs- Aufgaben für das bayerische Bezirk geometer 
und die schriftlichen Aufgaben einer preussischen Fe! 
Prüfung im April 1884. Zeitschr. für der bayeriact 
messungsdienst. V. Bd. 1884. S. 240 bezw. S. 273. 

Kraft, K. Das Meli oratio nswesen im Königreicli Sachse 
'trag.) Zeitschr. f. Verm. Bd. XIII. 1884. S. 530. 

Rheinhard, h&nrath. Die Entwicklung und Ausbildung de 
technik in technischer und administrativer Hinsicht, 
blatt der Bauverwaltung. Jahrg. IV. 1884. S. 360. 

Rheinisch- Westfälischer Feldmesser- Verein. Antrag an d 
scheu Geometer-Verein hehufs üleichstellung der Fe 
mit den zukünftigen Landmessern. Zeitschr. des betr. 
1884. S. 53. 

Schiebach, W., Prof, lieber Landeskultur in Elsass-Lo1 
Belgien, Holland, Bremen, Hannover, Bayern und 
8". 73 S. Stuttgart. 1884. Wittwer. Besprocher 
Zeitschrift fur Baukunde. Bd, VII. 1884, S. 540 i 
Schrift des Rheinisch-Westf. Feldmesser-Vereins. 18t 

Schreiber, K. lieber herrenlose Grundstückein Bayern C( 
denz-Biatt des bayerischen Geometer- Vereins. Bd. 1 
S, 62 und Zeitschr. des Rheinisch-Westf, Feldmesser 
1884. S. 48. 
Vogler, Prof. Vorlesungen desgeodätisch-kulturtechniche 
an der landwirthschaftliuhen Hochschule zu Berlin, 
f. Verm. Bd. XIII. 1884. S, 140 und ;,96. 
Vogler, Prof. Kulturtechnisches. Zeitschr. f. Verm. B 
1884. S. 285. 

. . . , Durchschlag des Arlberg-Tunnels. Deutscher Reich; 
und Deutsche Bauzeitung, Zeitschrift des Rheinisc 
Feldmesser-Vereins, Jahrg. 1884, S, 18. Beide Stolh 



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350 24. Verschiedenes. Personalien. — 26. Namentliches Verzeichniss. 

am 14. November 1883 vortrefflich aufeinander. Die Länge 

des Tunnels ward zu 10266 m berechnet, ergab aber in der 

Messung ungefähr 3 m weniger. 
Das Einkassiren der Messungsgebühren der bayerischen 

Bezirks^eometer. Zeitschr. für den bayerischen Ummessungs- 

dienst. V. Bd. 1884. S. 279. 
Zur Lage der technischen Subaltern-Beamten bei den 

preuss. Staats-Eisenbahnen. Deutsche Bau Zeitung. 18. Jahrg. 

1884. S. 278. 
Eingabe der etatsmässigen Eisenbahn- Zeichner der kgl. 

Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a. M. und zu Breslau. 

Deutsche Bauzeitung.' 18. Jahrg. 1884. S. 556 und 587. 
Die Techniker bei den sächsischen Staats-Eisenbahnen. 

Deutsche Bauzeitung. 18. Jahrg. 1884. S. 314. 



26. Namentliches Verzeichniss der in diesem Literaturbericht ange- 
führten Autoren. 

Die Zahlen beziehen sich auf die einzelnen Abtheilungen des Literaturberichtes. 



Albrecht, Professor u. Sektions-Chef 
im Geodät. Institut in Berlin 3. 

Amrein, Prof., Zürich 15. 

Amsler-Laffon, Schaffhausen 18. 

d'Azevedo, Parva 3. 

Bagge, P. J., Chrisiansund 3. 

V. Bauernfeind, C, Dr., Direktor der 
techn.Hochschule München 12. 13.20. 

Bauwerker, Steuerkontroleur, Strass- 
bürg 8. 15. 15. 

Benneder, C. F., Baumeister 3. 

Bensberg, E., in Berlin 5. 

Betz, Feldmesser in Dortmund 25. 

Blum, Steuerkon troleur,Colmar 8. 15. 

Boghan, P., New-York 21. 

Bohn, C, Prof., in Aschaflenburg 4. 4. 

Brathuhn, 0., Docent an der Berg- 
akademie in Clausthal 2. 

Broch, 0. J., Dr. 12. 

V. Buchau, Görlitz 5. 

Bues, C, Hamburg 22. 

Büttner, 0., Dresden 3. 

Clifton, Prof., Oxford 4. 

Clotten, Katasterkontroleur, Hanno- 
ver 8. 19. 19 

Clouth, Geometer, Trier 2. 

Coffin 18. 

Common 21. 

Copeland, R., in Dundee 4. 

Costiesco, A., Oberst in Jassy 6. 8. 

de l'homme de Courbiere 17. 17. 

Cuntz, R. 11. 

Diakonoff 12. 

Diefenhardt, P. 23. 
Dietze, Trigonometer 13. 

Duschanek, C, Freiburg 3. 



Du nckelberg, Geh. Reg. -Rath, Bonn 25. 

Ellery 4. 

Emelius, Geometer, Köln 24. 25. 25. 

V. Erichsen 18. 

Fearnley, C, Professor 13. 

Fecker, G. 17. 

Fenner, P. 18. 

Fink 17. 

Fischer, G., in Pölz 18. 18. 

Förster, Dr., Professor u. Direktor der 
Sternwarte in Berlin 21. 

Frank, Priv.-Doz., München 22. 

Franke, Dr., Steuerass., München 19. 

Fraass 17. 

Gauss, General- Inspektor des preuss. 
Katasters 3. 7. 

Gehring, Oberamts-Geometer, Blau- 
felden 24. 

Gehrmann, Steuerrath, Cassel8.15. 17. 

Geisler, Feldmesser, Bremen 24. 

Gelcich, E., Prof. 17. 21. 

Gerke, Priv.-Doz., Hannover 2. 9. 

Giasa, Prof. 17. 

Gillet in Zabern 22. 

Gloover, D., in Brooklyn 7. 

Grad 15. 

Grundner, F., Dr., Berlin 2. 

Grüneberg, E. 11. 

Guarducci, Dr., Ingen., Florenz 20.20. 

Guebhard, H., Dr. 4. 

Hallay 17. 

Halpin, Dr. 18. 18. 

Hamburger, W., Ingenieur in Kopen- 
hagen 11. 

Hammer, E., Prof. an der techn. Hoch- 
schule Stuttgart 2. 3. 



2G. Namentlicl 

Hariacher, Prof, in Prag 22. 

Harll,Major imöater. General8tabe2,^. 

Härtung, Eisenach 17. 

Heidecke, KeldmesBer in Siegen 11. 

Heniler, J., in Battenberg 5. 

Hellmann, 6., Dr. 12- 

Herrmaiin 2. 

Heyde, Th., Dresden 3. 

Hoflkeker, Feldmesser in Düsseldorf 17. 

Hobmann, F. 18. 18, 

Holiaz in Parchim 17. 

Jadaoza, N., Florenz 20. 

Jahr, Kataster-Sekretär, Hannover 21. 

Jansen 4. 

.Jordan, Prof. an der tech n. Hoch schule, 
Hannover2. 5. 8. 10. 18. 19. 20. 21. 25. 

Keller, Prof, in Karleruhe 22. 

Eerschbaum, Steuerrath in Cobura; 
13. a), 24. 

Klein, Ingenieur in Wien 18. 

Kloth. M. 17. 

Knoblauch, Berlin 6. 13. 

Konkolz 21. 

Kothe, Rothenburg 24. 

Koppe, Dr., Prof, an der (echn. Hoch- 
schule Braunfchweig 12. 

Kraft, R, 25. 

Krüger, Prof., Dir. der Sternwarte in 
Kiel 6. 

Kutscher. Feldra., Bremen 24. 

Kiittner 19. 

Launhardt, (ieh. Reg. -Rath u, Rektor 
der tcchn, Hoühsühule in Han- 
nover 14. 

Lehrke, J., Feldm., Hofgeismar 11. 

Lenz 12. 

V. Lilienstern, Ingenieur 14. 

Lorber, Prof., Leoben 18. 18. 

Ludolff, 0-, in Berl. 17. 

Lukas, C, Wien 21. 

Mauersherger, Glauchau 3. 

Maurer, J., Dr., in Zürich 20. 

Meissner, Berlin 10. 

Mezger, Feldmesser u. Kulturtech- 
niker, Colmar 8. 15. 16. 25. 

Müller, Ph., Feldm. in CÖln 26. 25, 

Müiier-Köpen. Ingen, u. Feldmesser 
in Berlin 11. 

Müller, Wolfrarb, Feldm. u. Kultur- 
Ingenieur, Hannover 25. 25. 

SftgeT, Geh. Reg.-Rath u. Prof. an der 
techn. Hochschule Dresden 20. 

Neil, Prof. an der techn. Hochschule 
Darmstadt 20. 

Kolau in Ballindery (England) 5. 

Kuzger 25. 

Ott, V., Prof. an der techn. Hoch- 
schule in Prag 3. 



, 352 Person alnaoiiricht. Verei ns an ge legen heit. 



Personalnachricht. 

Dem Kataster-Inspector , Steuerrath Kosack zu Hildesheiiu ist 
die Erlaubniss zur Anlegung des ihm verliehenen Ehrenkreuze^ 
il. Classe des Fürstlich lippischen Gesammthauses ertheilt. 



Vereinsangelegenheit. 

Neues Mitglied. 
Nr. 2274. Tesdorpf, Ludwig, Mechaniker, Stuttgart. 



Inhalt. 

Literaturbericht aus dem Jahre 1831, von Gerke. Personalnachrlcht. Vereinsan- 
gelegenheit. 



ZEITSCHRIFT für VERME: 

Organ des Deutschen Geo 

Unter Mitwirkong von C. Steppet, Steuert 

B. Qtrkt, Privatdozent in £ 

hetBQsge^ben von Dr. W, Jordan, P^ 

lS8a. Heft 18. 

16. Septembei 



Allgemeine Normen für die t- 
graphischer Karten ui 

Die 14. Hauptversammlung des Deut: 

die vorbezeichneten Normen , welche sein 
Westfälischen Zweig vereine entworfen u 
12. Hauptversammlung berufenen Gommii 
einer eingehenden Berathung unterzogen 
Berathungen festgestellten Fassung der 
Behörden und ausfuhrenden Techniker di 

Von der erstgenannten Hauptversai 
redaktion der Normen auf Grund der Vt 
auftragt, glaube ich die Erledigung di 
der Raumbeschränkung, mit welcher die ) 
Jahre zu rechnen hat, bislang insofern ve 
erwähnten Beschlüsse von dem auf S. 21 
(Jahrg. 1883) bereits veröfl'entlichten Enti 
abweichen. Wenn ich nunmehr jenem A 
ich nicht unerwähnt lassen , dass der r 
wo sie bezüglich der äusseren Gliederung 
von dem ursprünglichem Entwürfe abwei 
dem Commissionamitgliede , Herrn Ober| 
zur Verfugung gestellte Bearbeitung zu ' 

München, im August 1885, 



/. Vermarkuny und andere vorbt 
Vermarkun^ 

Den ersten Theil der Vorbereitung 
bildet die Feststellung und Vermarkung 
oder Flussbettes dem Privatbesitz geg( 
sind Steine von mindestens 1 m Länge 
ferauDg soll überhaupt und auch in läng 



354 Steppes. Allgemeine Normen für die Herstellung 

nicht überschreiten ; in regelmässigen Curven sind die Steine in 
gleichen Abständen zu setzen. Ein Theil der Grenzsteine ist durch 
Rückmarken zu versichern , d. h. durch Steine , die an gesicherten 
Stellen in der geraden Linie, welche die Grenzsteine mit festen 
Objekten (Kirchthürmen der Uferorte etc.) bilden, eingesetzt und 
deren Entfernungen von den Grenzsteinen gemessen werden. 

Von einer Vermarkung der Grenzen kann nur da Abstand ge- 
nommen werden, wo die Ufer durch natürliche Böschungen, welche 
Veränderungen nicht unterworfen sind (Felsen) oder durch Stein- 
bauten (Mauern. Revetements etc.) gesichert sind, oder der Fluss 
in Folge Mangels genügender Uferbauten sein Bett häufig ändert. 

Da wo die Grenzen zwischen stromfiskalischem und Privat- 
eigenthum durch das Wasser bei einem gewissen Stande desselben 
bezeichnet werden , ist in der Regel schon aus Zweckmässigkeits- 
gründen von einer Vermarkung abzusehen. Bis zu einer zweck- 
mässigeren Regelung durch entsprechende gesetzliche Bestimmun- 
gen ist in solchen Fällen mit Vorsicht, besonders da zu ver- 
fahren , wo die zur Sicherung und Befestigung der Ufer noth- 
wendigen Anlagen nicht von den Adjacenten , sondern — wie das 
bei schiffbaren Flüssen die Regel ist — vom Staate resp. der Strom- 
bauverwaltung ausgeführt sind. 

Nivellements fest punkte. 

Zu den vorbereitenden Arbeiten gehört dann zunächst das An- 
bringen der Nivellementsfestpunkte, welche der gesammten Höhen- 
bestimmung als Grundlage zu dienen bestimmt sind. 

Sollen diese Punkte bis zur Zeit ihrer Benutzung den erforder- 
lichen festen Stand erlangt haben, so müssen dieselben mindestens 
ein Jahr vor Inangriffnahme der Nivellements gesetzt werden. Die 
näheren Bestimmungen über die Beschaffenheit dieser Fixpunkte 
und das Verfahren beim Anbringen derselben sind weiter unten 
sub III. (Vertikalmessung) enthalten. 

Interimspegel. 

Unter gewöhnlichen Verhältnissen liegen die vorhandenen Pegel 
zu weit auseinander, um aus den regelmässigen Ablesungen derselben 
den genügenden Anhalt für die genaue Bestimmung des Wasser- 
spiegels resp. der Gelallsverhältnisse gewinnen zu können. In diesem 
Falle sind beim Beginn der Arbeiten Interimspegel anzuordnen, 
welche nach der Angabe der Wasserbauverwaltung an geeigneten, 
möglichst sicheren Orten und festen Objekten (Brücken , Gebäude, 
Ufermauern) anzubringen sind ; dieselben werden gleichzeitig, bezüg- 
lich des Wasserstandes in Uebereinstimmung mit dem zunächst 
oberhalb gelegenen Hauptpegel gesetzt und in der Folge thunlichst 
zu gleicher Tageszeit mit diesem regelmässig abgelesen. 

Wassermarken. 

Eine weitere Vorbereitung für die genaue Bestimmung der 
Getallsverhältnisse sind die zwischen den Pegeln in Abständen von 



hydrographisch er Karten und Profile, 

etwa 500 zu 500 Metern anzubringenden Wassermarksn 
aus iJurcb einfaches Stichmass der Wasserspiegel eingen 
Sind hierfür geeignete natürliche Gegenstände (Gebäud 
Bohlwände etc.) nicht vorhanden , so werden für diese 
geschützten Stellen etwa 10 — 12 cm starke, ungefähr 
über Wasser stehende Pfahle gesetzt, von .deren horizo 
fläche aus die Einmessung des Wasserspiegels erfolgt. 

Distanzsteine. 

Besteht für die aufzunehmenden Strom- oder F 
eine beizubehaltende ältere Markirung durch Disianzs 
so ist eine solche im Anschlüsse an die Stationirung (i 
ni.) auszuführen. Es sind zu diesem Ende die bei jeder 
auf das Ufer übertragenen Stationspunkte durch Steine 
Myriametersteine) zu bezeichnen , welche zugleich als 
punkte zweiter Ordnung benutzt werden können und in 
zu dem Dreiecks- resp. Polygonnetz genau zu bestimmt 
müssen daher die Kilometersteine in den gleichen Dim« 
halten werden , wie die zu Nivellementsfestpunkten ' 
Steine. 

Die alle zehn Kilometer anzubringenden Myrtametf 
als Hauptabtheilungszeichen in grösseren Dimensionen 
und sollen etwa 1 m tief in den Boden versenkt werde 
60 bis 80 cm über denselben hervorragen. 

In der Regel werden die Distanzsteine auf beiden 
Flusses angebracht. Bei Wasserläufen von untergeo 
deutung und geringer Breite genügt eine einseitige Ma 

11. Horieontalaufnahme. 
Triangulation. 

Für die Aufnahme von Strömen und Flüssen ist, 
sich nicht um Wasserläufe von ganz untergeordneter 
handelt, die Zugrundelegung eines Dreieckanetzea unerl 

Es ist daher vor Allem festzustellen, ob von dem ai 
den Gebiete eine Triangulation vorhanden ist, welche I 
liegenden Zweck ganz oder theilweise verwerthet werde 
dies nicht] der Fall , so ist ein selbständiges Dreieck 
legen. Hierbei sind die Dreieckspunkte so auszuwäbl 
vor Beschädigung thunlichst geschützt sind. Dieselbsn 
sofern sie nicht mit bereits vorhandenen festen Objektei 
fallen — durch dauerhafte Marken (am zweckmässii 
mindestens 1 m lange Steine, welche auf eine horizontall 
gesetzt werden) ober- oder unterirdisch festzulegen. Bei 
sieht ist bei der Bestimmung der Dreieckspunkte, wi 
aller Festpunkte da geboten, wo die Ufer im Abbruche 
sonst ist bei Auswahl der Dreieckspunkte darauf zu a 
das Polygonnetz mit Leichtigkeit daran angeschlossen w 



356 Steppes. Allgem. Normen für die Herstellung bydrogr. Normen etc. 

Die Winkelbeobachtungen sind mit dem Theodolit auszuführen 
und mindestens dreimal in jeder Lage des Fernrohrs zu wieder- 
holen. Sie haben sich nicht lediglich auf dasjenige Maass zu be- 
schränken, welches zur Bestimmung der Dreieckspunkte absolut 
nothwendig ist, sondern es ist eine Anzahl überschüssiger Beob- 
achtungen auszuführen, damit jeder Dreieckspunkt mehrfach be- 
rechnet werden kann und dadurch eine Prüfung für die Genauig- 
keit der Messung gegeben ist. 

Das Dreiecksnetz ist, wenn irgend thunlich, an die Landes- 
triangulation anzusc hliessen, selbst dann, wenn besondere Anschluss- 
messungen zu dem Zwecke erforderlich sind. Wo eine Landes- 
triangulation nicht vorhanden ist, sind auf geeignetem Terrain 
Basismessungen mit möglichster Genauigkeit auszuführen. 

Für die Berechnung der rechtwinkligen Koordination ist, so- 
fern nicht der Anschluss an ein einheitliches System der Landes- 
vermessung in Frage kommt, ein geeigneter trigonometrischer Punkt 
als Nullpunkt zu wählen und die Mittagslinie dieses Punktes aus 
den durch die Landesaufnahme gegebenen Elementen oder ander- 
weit zu bestimmen. 

Auf diese Mittagslinie und deren Senkrechte sind alle recht- 
winkligen Koordinaten zu beziehen und die unvermeidlichen Schluss- 
fehler nach einer rationellen Methode auszugleichen. 

Bezüglich der Genauigkeit der Triangulation sind die in den 
einzelnen deutschen Staaten für die Ausführung der Kataster- 
vermessungen gegebenen Bestimmungen massgebend. Wo solche 
nicht bestehen oder nicht genügend präcisirt sind, müssen die tri- 
gonometrischen Messungen so genau sein, dass die mittlere Ab- 
weichung je zweier unabhängiger Bestimmungen eines Dreiecks- 
punktes 5 bis 10 cm nicht übersteigt. 

Liegt von dem aufzunehmenden Strom- resp. Flussgebiete eine 
ältere brauchbare Triangulation vor, so ist dieselbe fiir den vor- 
liegenden Zweck im Sinne der oben gegebenen Vorschrift zu er- 
gänzen resp. zu erweitern. 

Bezüglich der weiter auszuführenden Arbeiten ist zunächst zu 
erwägen, ob: 

1. das ganze Inundationsgebiet neu zu vermessen ist, oder 

2. die Aufnahme sich lediglich auf das Flussbett und die Ufer 
zu erstrecken hat und das Inundationsgebiet aus bereits 
vorhandenem Kärtenmaterial (Kataster- oder Konsolidations- 
karten) angetragen werden kann. 

(Fortsetzung folgt.) 



Gesetze uod Verordnungen. 

Gesetze und Verordnungen. 

Bekanntmachung, betreffend die üussersten Grenzen der im i 

Verkehr noch zu duldenden Abweichungen der Masse und Mess 

Gewichte und Waagen von der absoluten Richtigkeii 

Vom 27. Juli 1885. 

Auf Grund der BeBtimmungen im Artikel 10 der I 

Gewichtsordnung vom 17. Auguat 1868 (Bundes-Gesetzb 

und des Gesetzes vom 11. Juli 1884, betreffend die A^ 

derMass- und Gewichtsordnung vom 17. August 1868 (Reich 

S. 115), bat der Bundesrath nach Vernehmung der K 

Normal-Aichungs-Kommission folgenden Beschluss gefass 

Die äussersten Grenzen der bei Maassen und Messw 
Gewichten und Waagen im öffentlichen Verkehr noch zu 
Abweichungen von der absoluten Richtigkeit, die sowohl 
als im Minder stattfinden dürfen, werden wie folgt besti 
I. Längenmasse. 
A, Fehlergrenze der GesammÜänge. 
Bei metallenen Massen von 

10 bis einschliesslich 7 m Länge 6 mm 
6 > > 4 > > 4 

3 und 2 m Länge ..... 2 

1 ra Länge 1 

0,5 > > i/j 

0,2 > . "/. 

0,1 » . Vt 

Bei den Massen aus Elfenbein, hartem Holz u. s. w. 

0,5, 0,2 und 0,1 m Länge . . >/» mm. 
Bei Werkmassstäben aus Holz (Messlatten), sowie bei 
MaasBtäben für Langwaaren und bei zusammenlegbaren 
Massen von 

10 bis einschliesslicb 7 m Länge 12 mm 
6 . > 4 > > 8 > 

3 und 2 m Länge 4 > 

1 m Länge 2 > 

0,5 m Länge 1 '/i > 

Bei Bandmassen aus Stahl von 

25 und 20 m Länge 8 mm 

15 > 10 > > 6 > 

9 bis einschliesslich 7 m Länge . 4 > 
6 > > 4 > > . 3 > 

3 und 2 m Länge 2 > 

1 m Länge 1 V* * 

*) Vergleiche „Normalraasse für Messlatten und Messbänder" 
dieser Zeitschr. 1884. S. 160. Die J 



358 Qeaetze und Verordnungen. 

B, Fehlergrenee der Eintheilung. 

Bei den Massen von mehr als 2 m Länge darf der Fehler 
des Abstandes irgend einer Eintheilungsmarke von dem nächsten 
Ende der Massläoge die Hälfte der vorstehend angegebenen grössten 
zulässigen Abweichung der Länge des ganzen Masses nicht über- 
schreiten. 

Bei den Massen von 2 m oder kleinerer Länge darf der Fehler 
des Abstandes irgend einer Eintheilungsmarke von dem einen wie 
von dem anderen Ende der Masslänge die vorstehend angegebene 
grÖHste zulässige Abweichung der Länge des ganzen Masses nicht 
überschreiten. 

IL Flüssigke itsmasBe, Messwerkzeuge für Flüssig- 
keiten und Messflaschen. 

A. Fltissigkeitsmasse. 

Die Abweichung von dem Soll-Raumgehalt darf höchstens be- 
tragen : 

bei 20 bis einschliesslich 1 1 i/soo <ies Soll-KaumgehaltB, 

. Vs, V4 und 0,2 1 . . . >/|oo > 

> 0,1 und 0,05 1 . . . i/bo > > 

> 0,02 und 0,01 1 . . - V»b > 

B. Messwerkzeuge für Flüssigkeiten. 
Die Abweichung von dem Soll-Raumgehatt darf höchstens be- 
tragen : 

bei 2 und 11 i',oo des Soll-Raumgehalts, 

. Mg, \ und 0,02 1 . . . i/ioo ' ' 

> 0,1 und 0,05 1 . . . . »/so > > 

> 0,02 und 0,01 1 . . . ifjj > > 

Bei den Messwerkzeugen für Flüssigkeiten mit fortlaufender 
Dezi m alein theilung, und zwar mit Einscbtuss der in der letzteren 
enthaltenen einzelnen aichfähigen Massgrössen, beträgt die grösste 
zulässige Abweichung vom Soll-Raumgehalt hei allen Angaben 
von 0,9 1 bis einschliesslich 0,5 1 . , .5 ccm 

> 0,4 . > . 0,1 > 

> 0,09 > > > 0,05 > 

> 0,04 » > > 0,01 > 
dagegen bei einer Eintheilung von 0,1 1 abwärts in Tausendsteln 
des Liters bei allen Angaben 0,2 ccm. 

C. Messflaschen. 
Bei Messflaschen zu 1 1 und zu '/j 1 Raumgehalt darf die Ab- 
weichung vom Soll-Raumgehalt höchstens 5 ccm betragen, 
in. Fässer. 
Die Abweichung des jeweiligen Raumgehalts von der aufge- 
stempelten Raumgehaltsangabe darf höchstens betragen: 
bei Fässern bis zu 30 1 Raumgehalt 0,2 1, 
bei grösseren Fässern i/i 50 des aufgestempelten Raumgehalts. 



Gesetze und Verordnung-en. 359 

IV. Hohlmasse und Messwerkzeuge für trockene 

Gegenstände sowie Messrah men für Brennholz. 
A. Masse von 100 1 abwärts für alle Arten von trockenen Gegenständen. 
(§§. 21 bis 27 der Aichordnung vom 27, Dezember 1884.) 
Die Abweichungen vom Soll- Raumgeh alt dürfen höchstens be- 
tragen : 

bei 100 und bei 50 1 . . . . i/uj des Soll-Raumgehalts, 

> 25 bis einschliesslich 1 1 . i', oo > ' 
» 0,5 . » 0,2 1 '/so > 

> 0,1 und 0,05 1 'fis ' > 

ß. Masse und Messwerkzeuge von 0,5hl aufwärts für Brennmaterialien, 
sowie für Kalk und andere Mineralprodukte. 
(§§. 28 bis 32 der Aichordnung vom 27. Dezember 1884.) 
Die Abweichung vom Soll-Raumgehalt darf höchstens ','50 des 
letzteren betragen. 

C. Messrahmen für Brennholz. 
Die Abweichung der Länge der einzelnen Rahmenstüi^ke von 
der Soll- Länge darf höchstens betragen : 

bei 1 m oder mehr 2 cm 

> 0,5 I > 

V. Gewichte. 
Die Abweichung vom Soll-Gewicht darf höchstens betragen: 



360 Gesetze und Verordnungen. 

C. Bei Goldmünetjewichten und zwar : 

bei den Normal- und Passirgewichten für 5 M 

. > . > . . 10 > 

> > > : , > 20 f 
bei den Vielfachen der Nornialgewiclite fiir 50 > 

. > . . » > 100 > 

> :' J > , » 200 . 

» . > > > , 500 . 

. > . . ! . 1000 > 

> > . . , , 2000 . 



50 
100 
180 
320 



VI. Waagen. 
Die Gewicbtszu lagen, welche zur Ausgleichung vorgefundener 
Abweichungen von der Richtigkeit genügen sollen, oder welche bei 
unmerklich scheinenden Abweichungen von der Richtigkeit dHS 
wirkliche Vorhandensein hinreichender Richtigkeit durch die Hervor- 
bringung eines noch genügend deutlichen Ausschlages erweiseü 
sollen, dürfen höchstens betragen : 

A. Handelswaagen: 
I. Gleicharmige Waagen. 
0,4 g für je 100 g (^= Vsött) <le'" grössten zulässigen Last, wenn 

dieselbe 200 g oder weniger beträgt. 
2,0 > für je 1 kg (^=^'sou} der grössten zulässigen Last, wenn 
dieselbe mehr als 200 fr, aber nicht mehr als 5 kg beträgt. 
1,0 > fur je 1 kg ( = i/ioon) '^^'" grössten zulässigen Last, wenn 
dieselbe mehr als 4 kg beträgt. 

II. Ungleicharmige Waagen. 
1,2 g für je 1 kg {= '/ss») ^^'^ grössten zulässigen Last. 

III. LaufgewichtBwaagen. 
2,0 g für je 1 kg (=1/500) der grössten zulässigen Last, wenn 

dieselbe weniger als 200 kg beträgt. 
1,2 > fur je 1 kg (!=\^^) der grössten zulässigen Last, wenn 
dieselbe 200 kg oder mehr beträgt. 



B. Waagen für besondere Zwecke. 
I. Präzisionswaagen, 
gfür je 1 g (=i/,jo) der grössten zulässig 



Last, wenn 



dieselbe 20 g oder weniger beträgt, 
fiir je 1 g (^1/500) <ißr grössten zulässigen Last, wenn 
dieselbe mehr als 20g, aber nicht mehr als 200 g beträgt, 
für je 1 g (='/iooo) Jer grössten zulässigen Last, wenn 
dieselbe mehr als 200 g, aber nicht mehr als 2 kg beträgt, 
für je 1 kg (=i/,s(io) <ler grössten zulässigen Last, wenn 
dieselbe mehr als 2 kg, aber nicht mehr als 5 kg beträgt. 



Gesetze and Verordnungen. 361 

0,2 g für je 1 kg (= Vsoao) der grÖssteD zulässigen Last, wenn 
dieselbe mehr als 5 kg beträgt. 

II, Selbstthätige Registrirwaageu. 
2,0 > für je 1 kg (= ','500) der grßssten zulässigen 7 

dieselbe nicht mehr als 5 kg beträgt. 
1,0 > für je 1 kg (= '/lono) der grössten zulässigen ] 

dieselbe mehr als 5 kg beträgt. 

III. Geringere Waagen. 
a. Waagen für Eisenbabnpassagiergepack und Waagen 
Packereien ohne angegebenen Werth. 
200 g bei Waagen für Eisenbahnpassagiergepäck, 
100 > > > > Postpäckereien ohne i 

h. Hökerwaagen. 

8 g für je 1 kg {= Vi»s) der grössten 1 

VII. Alkoholometer und Thermomete 
Die Abweichung von der Soll-Angabe darf höchstens 

bei Alkoholometern 0,5 Proz., 

bei Thermometern 0,6 Grad I 

VIII. Gasmesser. 

Die Abweichung des von einem Gasmesser angegel 
Verbrauches von der Soll-Angabe dai-f höchstens betrage 
4 Prozent des Verbrauches. 

. §2. 

Bei denjenigen Gegenständen, welche auf Grund de 
machung vom 30. Oktober 1884 (Reichs-Gesetzbl. S. 
sonstiger Abweichungen von den geltenden Vorschriftei 
,31. Dezember 1888, beziehungsweise bis auf Weiteres im i 
Verkehr noch zulässig sein werden, sind die äusserste 
der im öffentlichen Verkehr noch zu duldenden Abweich 
der absoluten Richtigkeit die folgenden: 

bei Flüssigkeitsmassen zu Vbt z" ^ke ""d zu V»» 

den entsprechenden Raumgehaltsan gaben der 

zeuge für Flüssigkeiten 1/50 des Soll-Raumgel 

bei Hoblmassen für trockene Gegenstände zu '/( 

'IjB des Soll-Raumgehalta; 
bei Handelsgewichten zu 50 Pfund 8 g ; 
bei Handelsgewichten zu '/» Pfund 250 mg ; 
bei Präzisions gewichten zu 50 Pfund 4 g; 
bei Präzisionsgewichten zu '/a Pfund 125 mg. 

§■ 3 
Die Bekanntmachung vom 6. Dezember 1869 (Bundt 
S. 698), die Bekanntmachung vom 16. August 1871 (Reicl 






t 



362 Gesetze und Verordnungen. 

S. 328), die Bekanntmachung vom 14. Dezember 1872 (Centralbl. 
für das Deutsche Reich 1873 S. 3), die Bekanntmachung vom 11. Juli 
1875 (Centralbl. für das Deutsche Reich S. 436) und die Bekannt- 
machung vom 12. März 1881 (Centralbl. für das Deutsche Reich 
S. 98) werden aufgehoben. 

Berlin, den 27. Juli 1885. 

Der Stellvertreter des Reichskanzlers. 
(gez.) von Boetticher. 

(Aus dem Deutschen Reichs-Anzeiger vom 13. August 1885.) 



Ministerium der öffentlichen Arbeiten. 

Abänderung des Reglements fUr die öffentlich anzustellenden Land- 

^ (Feid-)messer vom 2. März 1871. 

(Gesetz-Sammlung 1871 S. 101/112.) 

Die Bestimmungen sub IV. des Feldmesser - Reglements vom 
2. März 1871 §§.36—57, betreffend die Bezahlung der Feldmesser- 
arbeiten , werden vom 1. Juli d. J. ab aufgehoben und treten an 
Stelle derselben nachfolgende Bestimmungen in Kraft. 

IV, Bezahlung der Land-(Feld')messerarbeiten. 

Allgemeine Bestimmungen. 

§. 36. 

Für die Bezahlung der Arbeiten der von den Auseinander- 
setzungsbehörden ausschliesslich und dauernd beschäftigten Ver- 
messungsbeamten, nicht minder für die Bezahlung der Vermessungs- 
arbeiten im Bereiche derVer waltung des Grund- und Gebäudekatasters' 
sind die dafür bestehenden besonderen Vorschriften massgebend. 

Hinsichtlich der Gebühren des Landgeometers in Frankfurt a. M. 
verbleibt es bei der Verordnung , betreffend die Bildung der Feld- 
gerichte u. s. w. , vom 10. März 1825 (Frankfurter Gesetz- und 
Statuten-Sammlung Band IV. S. 7—27). 

Im Uebrigen gelten für die Bezahlung der im Auftrage der 
Staatsbehörden angefertigten Land-(Feld-)messerarbeiten, sofern nicht 
besondere Entschädigungssätze von der zuständigen Behörde fest- 
gestellt oder von den Betheiligten vereinbart worden sind , nach- 
stehende Bestimmungen : 

Art der Bezahlung. 

§. 37. 
Die Bezahlung der Land-(Feld-)messerarbeiten soll in der Regel 
und Mangels anderweiter Vereinbarung durch Diäten stattfinden. 



Gesetze und Verordnungen. 263 

Insbesondere tritt die Bezahlung nach Gebührensätzen, ausser in dem 
Falle der Vereinbarung , nur insoweit ein , als für den einen oder 
anderen Zweig des Staatsdienstes diese Art der Bezahlung besonders 
vorgeschrieben werden sollte. 

Dauer der täglichen Arbeit. 

§. 38. 
Die Bezahlung durch Diäten setzt eine Arbeitsdauer von min- 
destens 8 Stunden täglich voraus. 

Diäten der Vermessungs-Revisoren. 

§. 39. 
Vermessungs - Revisoren werden für die Geschäfte und Reisen, 
welche sie behufs Feststellung der Richtigkeit von Feldmesserarbeiten 
auszuführen haben, sowie für die ihnen übertragenen Rektifikationen 
als unrichtig erkannter Arbeiten nach denselben Bestimmungen be- 
zahlt, welche nach Inhalt des gegenwärtigen Reglements für die 
übrigen Land-(Feld-)messer gelten. 

Diätensätze. 

§. 40. 

Für jeden Arbeits- und für jeden Reisetag, ohne Unterschied, 
ob an den letzteren auch gearbeitet worden ist, oder nicht, wird 
ein Diätensatz von 8 M. gewährt. ^ 

Bei Arbeiten ausserhalb des Wohnorts des Land-(Feld-)messers 
können die Diäten auch liquidirt werden 

1. für solche Tage, an denen die Witterung das Arbeiten im 
Felde verhindert, 

2, für die zwischen den Arbeitstagen liegenden Sonn- und Fest- 
tage mit Ausschluss derjenigen Fälle, in denen ein Sonn- 
und ein Festtag oder mehrere Festtage unmittelbar auf 
einander folgen, 

insoweit diese Tage von dem Land-(Feld-)messer ausserhalb seines 
Wohnwortes haben zugebracht werden müssen. 

Dagegen darf neben den Diäten (für die volle Zahl der Kalender- 
tage) mit den Ausnahmen, welche sich aus §.36 dieses Reglements 
ergeben , keine Bezahlung für Ueberstunden in Rechnung gestellt 
werden. 

Feld- und Reisezulage. 

§. 41. 
Ausser den Diäten erhält der Land-(Feld-)messer für jeden 
Kalendertag, welchen er im Interesse der Arbeiten ganz oder theil- 
weise und zwar in nicht weniger als zwei Kilometer Entfernung 
ausserhalb seines Wohnorts zubringen musste, eine Feld- oder Reise- 
zulage von 4,50 M. , bei mehrtägiger Abwesenheit und dadurch 
bedingter Uebernachtung ausserhalb des Wohnortes von 6 M., 
worin die Entschädigung für die Zurücklegung des Weges zwischen 
Nachtquartier und Arbeitsstelle mit enthalten ist. 



364 Gesetze und Verordungen. 

Die im Staatsdienste angestellten Land-{Feld-)me3ser,, welche 

fdr ihr diesfalliges Amt eine volle Besoldung aus der Staatskasse 

beziehen, erhalten in beiden Fällen nur eine Feld- oder Reisezulage 

von 1,50 M, neben den ihnen nach §. 40 zustehenden Tagegeldern. 

Auslagen. 

§. 42. 

Wenn den Land-(Feld-)messern die zu den Arbeiten auf dem 
Felde erforderlichen, brauchbaren und freübten Handarbeiter nicht 
gestellt werden, so können sie dieselben für Rechnung der Inter- 
essenten in der erforderlichen Zahl annehmen und denselben je nacb 
der Schwierigkeit der Arbeit einen den ortsüblichen bis zu dreissig 
Prozent übersteigenden Tagelohn bewilligen. Die Anschaffungskosten 
der zu den Vermessungen und Nivellements erforderlichen Pfähle, 
Stangen etc., sowie haare Auslagen für Kahnmiethe, Botengänge 
u. s. w. werden , sofern die Betheiligten ablehnen , ihrerseits Liefe- 
rungen und Leistungen dieser Art unmittelbar zu übernehmen, 
gegen quittirte Beläge vergütigt. 

Reisekosten. 
§■ 43. 

Die Land-(Feld-)me8ser erhalten an Reisekosten, um sich von 
ihrem Wohnsitze, oder von ihrem derzeitigen Aufenthaltsorte an 
den Ort der Vermessung und zurück zu begehen, einschliesslich der 
Entschädigung für die Fortschaffung des Gepäcks, der Karten und 
Instrumente: 

a. bei Reisen auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen für das Kilo- 
meter 13 Pfg. und ausserdem für jeden Zu- und Abgang 
nach und von der Eisenbahn 3 M., 

b. bei Reisen, weiche nicht auf Dampfschiffen oder Eisenbahnen 
zurückgelegt werden können, für das Kilometer 40 Pfg. 

Die Reisekosten werden für die Hin- und Rückreise besonders 
berechnet. Hat jedoch ein Land-(Feld-)me88er Geschäfte an ver- 
schiedenen Orten nacheinander ausgerichtet, so ist der von Ort zu 
Ort wirklich zurückgelegte Weg ungetbeilt der Berechnung der 
Reisekosten zu Grunde zu legen. 

Für Geschäfte in geringerer Entfernung als 2 km vom Wohn- 
sitze, bezw. Aufenthaltsorte, werden Reisekosen nicht gezahlt. 

Bei Berechnung der Entfernungen wird jedes angefangene 
Kilometer für ein volles Kilometer gerechnet. Bei Reisen von 
nicht weniger als 2 km, aber unter 8 km, sind die Fulirkosten für 
8 km zu gewähren. 

Haben erweislich höhere Reisekosten als vorstehend bestimmte 
aufgewendet werden müssen, so werden diese erstattet. 
Vergütung für Zeichenpapier. 
§. 44. 

Für das zu den Karten und Zeichnungen zu verwendende Zeichen- 
papier bester Qualität werden für 0,1 qm 25 Pfg., wenn dasselbe 
aber auf Kattun oder Leinwand aufgezogen ist, 50 Pfg. vergütet 



Gesetze und Verordnungen. 365 

Ändere Auslagen für Schreib - und Zeichen materialien köanen 
nicht liquidirt werden. 

Tage- und Feldbücher, 
§■ 45- 
Das Tagebuch, welches von dem Land-(Feld-)me88er zu führen 
und jeden Abend pflichtmäBsig zu vervollständigen ist, und " " '' 
bücher, Nivellementstabellen, die trigonometrischen, die 
und Eintheilungsberechnungen müssen am Schlüsse jedes ' 
Geleistete vollständig nachweisen. 

Das Tagebuch ist den einzelnen Diäten-Liquidationen 
beizufugeu. 

§. 46. 
Der Land-{Feld-)mes8er ist für die Richtigkeit der At 
Tagebuche, im Feldbuche und in den Berechnungen verai 
und hat für den Fall absichtlich unrichtiger Angaben die J 
des Verfahrens wegen Zurücknahme der Bestallung (§. 4 
wärtigen. 

Abzuliefernde Arbeiten. 
§■ 47. 
Nach Vollendung seiner Arbeiten hat der Land-(Feli 
sofern nicht bei Ertheilung des Auftrages andere Besti 
oder Vereinbarungen getroffen worden sind , folgende Gej 
gehörig (,'eordnet abzuliefern : 

a. die nach ^. 12 aufgenommenen V'erhandlungeu ui 
terungen sowie die bei Ausführung des Geschäfts 
Akten ; 

b. die sämmtlichen im §. 13 bezeichneten Vermessu 
Nivellements- Manu ale (Feldbücher), desgleichen die 1 
blatter, überhaupt alle Arbeiten, die zur Auftragun 
haben, ebenso die etwaigen Berechnungen, trigonon 
Sätze sowie die speziellen Flächenberechnungen , 
mögen nach Original- oder Zirkelmassen oder mit b 
zur Flächen be rech nun g geeigneten Instrumenten bew 

c. die Urschrift des Vermessungsregisters in der für 
-einandersetzungsarbeiten erforderlichen Form und t 

Schrift desselben; 

d. einen nach §. 16 vorschriftsmässig aufgetragenen i 
lieh ohne Färbung zu grosser Flächen gezeichn 
(Brouillon-) Plan; 

e. eine Kopie des ür- (Brouillon-) Plans , als Rein 
zeichnet, ohne Eintragung der Stationslinien, je 
Angabe und Eintheilung der gemessenen, oder 
metrisch berechneten Hauptlinien und Dreiecke. 

Sowohl zum Ur- (Brouillon-) Plan, als zur Reinks 
Velinpapier guter Qualität genommen werden , welches 
Leinwand oder Kattun so lange Zeit vor dem Gebrauche 
ivufzuziehen ist, dass ein nachtheiliges Verziehen nicht mi 
finden kann. 



V^TTS* 



366 Gesetze und Verordnungen. 

Festsetzung der Liquidationen. 

§. 48. 

Entstehen Zweifel über die Richtigkeit der von den Land- 
(Feld-)mes8ern für die Ausführung von Aufträgen der Staatsbehörden 
aufgestellten Liquidationen der Diäten, Gebühren oder Auslagen, 
sei es, weil die angenommenen Sätze bestritten, oder weil die un- 
genügende Beschaffenheit der abzuliefernden Gegenstände oder 
ungenügende Leistungen in der verwendeten Zeit behauptet werden, 
so erfolgt die Festsetzung der Liquidation durch den Regierungs- 
Präsidenten (Regierung) oder die betreffende Auseinandersetzungs- 
behörde nach Einholung des Gutachtens eines Beamten , welcher 
die Land-(Feld-)messer-Prüfung bestanden hat. Dieser Beamte ist 
verpflichtet, die Arbeiten des Land-(Feld-)messers mit den Feld- 
büchern, Tagebüchern und Berechnungen genau zu vergleichen und 
sodann die etwa für nöthig erachteten Reduktionen gehörig zu 
begründen. 

Die Kosten dieser Revision trägt die extrahirende Behörde, 
unbeschadet ihres etwaigen Regresses an den Feldmesser, sofern die 
Liquidationen desselben in wesentlichen Punkten unrichtig befunden 
werden sollten. 

Berufung. 

§. 49. 

Gegen diese Festsetzung (§. 48) ist binnen 6 Wochen die Be- 
rufung zulässig , welche bei Arbeiten , die im Auftrage einer Aus- 
einandersetzungsbehörde ausgeführt sind, an das Ministerium für 
Landwirthschaft, Domänen und Forsten, in allen anderen Fällen an 
das Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu richten ist. 

Die Entscheidung des Ministeriums ist endgültig. 

§• 50. 
Die obigen Bestimmungen über das Verfahren bei Prüfung und 
Festsetzung der Land-(Feld-)messer - Liquidationen (§§. 48, 49) für 
Aufträge, welche von Staatsbehörden ertheilt sind, greifen auch dann 
Platz, wenn andere, als die in diesem Reglement festgesetzten Diäten, 
Reisekosten- und Entschädigungssätze zwischen den Behörden und 
den Land-(Feld-)messern vereinbart sein sollten , es sei denn , dass 
durch rechtsgültige Abmachung zwischen der betheiligten Behörde 
und dem Land-(Feld-)messer ein Sachverständiger, welchem die 
Festsetzung der Liquidationen mit Ausschluss der für den Streitfall 
getroffenen Bestimmungen dieses Reglements obliegen soll, aus- 
drücklich bestimmt worden wäre. 

Berlin, den 26. August 1885. 

Der Minister Der Minister fur Land- Der 

der öffentlichen wirthschaft, Domänen und Finanz-Minister. 

Arbeiten. Forsten. Im Auftrage: 

gez. Maybach. In Vertretung: gez. Gauss. 

gez. Marcard. 

(Deutscher Reichsanzeiger vom 1. September 1885. G.) 




Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 

Persoiialnachrichten. 



367 



General Baeyer f . 

Der Präsident des geodätischen Instituts, General Baeyer, ist 
am 11. September gestorben. 

Obergeometer Schule .f. 

Am 4. d. M. starb plötzlich der Vorstand des Wiirttembergischen 
Geometervereins, Herr Obergeometer Wilhelm Schule zu Stuttgart, 
im Alter von 40 Jahren. 

Derselbe war seit Jahren ein sehr thätiges Mitglied unseres 
Vereins, vertrat seit längerer Zeit den Württembergischen Geometer- 
verein als Delegirter auf unseren Hauptversammlungen und hat 
sich um die Vorbereitung der diesjährigen Hauptversammlung als 
stellvertretender Vorsitzender des Ortsäusschusses ganz besonders 
verdient gemacht. Damit sollte — leider zu früh — seine Vereins- 
thätigkeit abschliessen. An dem auf die Versammlung folgenden 
Sonntage trat eine Lungenblutung ein, die ihn auf das Krankenlager 
warf, von welchem er nicht mehr aufstehen sollte. Im kräftigsten 
Mannesalter wurde er dahin gerafft. 

Der Württembergische Geometerverein verliert an ihm seinen 
langjährigen, verdienstvollen Vorstand, der Deutsche Geometerverein 
eines seiner thätigsten Mitglieder. 

Sein edler Charakter, seine unermüdliche Thätigkeit sichern 
ihm bei Allen , die den Entschlafenen gekannt haben , das ehren- 
vollste Andenken. 

Die V'orstandschaft des Deutschen Geometervereins. 



Vereinsangelegenheiten. 

Die 14. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins hat 
ana 6. August 1885 folgende Abänderungen der Vereinssatzungen 
mit Zweidrittel-Mehrheit beschlossen : 

1. Im §. 14 wird das Wort Jährlich*" gestrichen. 

2. Der Eingang des §. 20 lautet von jetzt ab: 

>Der Verein hält in der Regel alljährlich eine Haupt- 
versammlung« etc. wie früher. 

3. Der §. 22 erhält folgenden Wortlaut: 

>Vor Eintritt in die wissenschaftlichen Verhandlungen er- 
stattet die Vorstandschaft Bericht über ihre Thätigkeit seit 
der letzten Hauptversammlung und legt den Rechnungs- 
abschluss vor, welcher einer besonderen Kommission im An- 
fange des Kalenderjahres zur Prüfung und Berichterstattung 
überwiesen worden ist,< 

>Ueber die Entlastung der Vorstandschaft wird auf Grund 
dieses Berichts von der Hauptversammlung Beschluss gefasst.« 



? t 



368 Vereinsangelegenheiten. 

In Folge dessen hat die Vorstandschaft den §. 32 der Geschäfts- 
ordnung wie folgt abgeändert: 

Statt >der von der Hauptversammlung des Vorjahres aus- 
♦ gesprochenen Wünsche< heisst es nunmehr: >der von der 
leUten Hauptversammlung ausgesprochenen Wünsche«. 



Sowohl die Mitglieder der Vorstandschaft und der Redaktion, wie 
diejenigen der Rechnungsprüfungskommission sind für das laufende 
und event, für diejenigen folgenden Kalenderjahre gewählt, in welchen 
eine Hauptversammlung nicht stattfindet. 

Die Vorstandschaft des Deutschen Geometervereins. 

L, Winckel Reich, 



Inhalt. 

Grössere Abhandlung : Allgemeine Normen für die Herstellung hydro- 
graphischer Karten und Profile, von Steppes. Gesetze und Verordnungen. Per- 
sonalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 



Karlsruhe. Druck vou Maisch & Vogel. 



Die 14 Hauptversammlung hat die bisherigen Mitglieder der 

Vorstandschaft und der Redaktion: 

Vereinsdirektor: Obergeometer Winchel^ Neuwied, 
Schriftführer: techn. Eisenbahnsekretär Reiche Altona, 
Kassirer: Steuerrath Kerschhaum^ Koburg, 
Hauptredakteur: Professor Dr. Jordan^ Hannover, 
Mitredakteure: Steuerassessor Steppes^ München, i 

Privatdozent GerJce, Hannover, 

wiedergewählt. 

Der Sitz des Vereins bleibt daher bis zur nächsten Wahl Neuwied, 



Zu Mitgliedern der Eechnungsprüfungskommission wurden gewählt: 

Steuerinspektor Werner, Neumarkt bei Breslau, j 

> Gottschalk, Lauban, | 

Bezirksgeometer Wagner, Speyer. i 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGS\ 

Organ des Deutschen Geometervereiiii 

Unter Mitwirkung von C, Sttppti, SteueraaseBsor in Man 
R. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
hetauBgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hanni 

l$§a. Heft lO. 

1. Oktober. 



General Baeyer t- 

Am 1]. September d. J. ist der Präsident des 
Preussischen Geodätischen Instituts und des Central' 
Europäischen Gradniessung, General-Lieutenannt z, D. 
Jakob Baeyer in dem hohen Alter von 91 Jahren gest 

Joh, Jak. Baeyer ist geboren am S.November 1794 
heim bei Köpenick, besuchte das Joachimsthal'sche Gj 
Berlin, trat 1813 als freiwilliger Jäger bei dem 3. ost 
Infanterieregiment ein, und nahm an den Feldzügen vi 
1814 Theil. Nach dem Frieden kehrte er auf das Gyi 
rück, gieng jedoch beim Ausbruch des Krieges von 18 
zur Armee, wurde als Offizipr dem 4. rheinischen Landv 
zugetheilt, blieb nun Soldat, und besuchte die von l 
Koblenz iniprovisirte Kriegsschule. General von Mi 
1821 Chef des Generalstabs der Armee, erkannte bal( 
Geschick und die besondere Befähigung des jungen i 
die Vermessungen des Generalstabsdienstes, und zog 
zur Dienstleistung bei dem topographischen Bureau he 

In der Oeft'entlichkeit der deutschen Wissenscha; 
Baeyers Name zum ersten Mal in Verbindung mit 
des Astronomen Bessel, auf dem Titel der berühmten >( 
in Ostpreusaen, ausgeführt von F. W. Bessel, Direktor 
berger Sternwarte, Baeyer, Major im Generaistabe, V 
Als nemlich im Jahr 1829, im Anschluss an die russi 
messungen, auch in Preassen eine Gradmessung bei 
Verbindung der Preussischen und Russischen Dreiecke 
wurde, ordnete man Baeyer dem Astronomen Bessel, vi 
Operation leitete, als Komniissarius des Generalstabes 
Arbeiten dauerten von 1831 bis 1836, und die dadui 
Harmonie, zwisclien dem Astronomen und Mathematili 
und dem praktischen Vermessnngs- Ingenieur anderersi 
keinen schöneren Ausdruck finden, als durch jene coor 
einigung beider Namen auf dem Titel des klassischen 




'1 (t 



'«4?.» ' 









^370 



General Baeyer f. 



In jene Zeit fällt auch das > Nivellement zwischen Swinemünde 
und Berlin« (Berlin 1840), eine Messung wesentlich anderer Art als 
der heute unter dem Namen Nivellement verstandenen , welche 
Baeyer auf Wunsch Alexander von Humboldts mit Unterstützung 
von Bessei ausführte. Es handelte sich um die Höhe der Berliner 
Sternwarte über der Ostsee, welche durch die früheren langjährigen 
barometrischen Messuni^en kaum auf 1 Toise (2 Meter) genau 
sicher bestimmt war. Baeyer führte die Messung aus und schätzte 
den wahrscheinlichen Fehler seines Schlussresultats zu 0,3 Toisen 
= 0,6 Meter, bei 200 Kilometer Entfernung, ein Ergebniss, welches 
gelegentlich einen Einblick in die seit 40 Jahren eingetretene Ver- 
änderung der Nivellements- Verhältnisse gestattet. 

Nach Bessels Tode, 1846, linden wir die von Baeyer als Oberst 
und Dirigent der trigonometrischen Abtheilung des Generalstabs 
nun selbstständig geleiteten Unternehmungen, nemlich 1849 die 
> Küsten Vermessung und ihre Verbindung mit der Berliner Grund- 
linie« und 1857 die > Verbindung der Preussischen und Russischen 
Dreiecksketteii,< in welchen das peinlichste Bestreben, dem Muster 
der Gradmessung in Ostpreussen nachzukommen, zu erkennen ist. — 

Die Periode von 1850 — 1858 füllte eine lebhafte polemische 
Thätigkeit, über welche Baeyer selbst 10 Jahre später öffentliche 
Mittheilung gemacht hat in der Broschüre: >Mein Entwurf zur 
Anfertigung einer guten Karte von den östlichen Provinzen des 
Preussischen Staates, Berlin 1868 <. 

Im Jahre 1858 wurden die Beziehungen des General-Majors 
Baeyer zur Armee gelöst, indem derselbe als General - Lieutenant 
zur Disposition p:estellt wurde. — 

Die dadurch erlangte Müsse verwendete der damals 64jährige 
General zunächst zu wissenschaftlichen Arbeiten, deren erste eine 
in den >Memoires de Tacademie imperiale des sciences de St. Peters- 
bourg « veröffentlichte Abhandlung ist : > Ueber die Strahlenbrechung 
in der Atmosphäre, der Akademie vorgelegt am 1. Juni 1860«. 

Diese Abhandlung enthält u. A. von den Stationen Kupferkuhle 
und Brocken im Harz werthvoUe Beobachtungen, welche in dieser 
Art die einzigen in Deutschland geblieben sind, bis etwa 20 Jahre 
später V. Bauernfeind in München wieder Refraktionsmessungen 
anstellte. 

Die wichtigsten Arbeiten jedoch aus jener Zeit sind die popu- 
läre Broschüre >üeber die Grösse und Figur der Erde, eine Denk- 
schrift zur Begründung einer mitteleuropäischen Gradmessung von 
J. J. Baeyer, Berlin 1861< und das im Wesentlichen nach Bessols 
Originalien bearbeitete wissenschaftliche Werk: >Das Messen auf 
der sphärpidischen Oberfläche, als Erläuterung meines Entwurfes 
zu einer mitteleuropäischen Gradmessung von J. J, Baeyer. Berlin 
1862<. 

Hieran schloss sich eine lebhafte wissenschaftliche Agitation, 
welche sich ausser auf Preussen, auf die übrigen deutschen Staaten 
und auf benachbarte Staaten erstreckte, wo der berühmte Geodät 




General Baeyer f- 371 

bei den Vertretern seiner Wissenschaft an den Hochschulen und 
bei preussenfreundlichen Regierungen begeisterte Aufnahme fand. 

Die > mitteleuropäische Gradmessung < wurde in rascher Folge 
constituirt. Der > General- Bericht über den Stand der mitteleuro- 
päischen Gradmessung, Ende 1862 < führt bereits 15 theilnehmende 
Staaten auf, nähmlich Frankreich, Dänemark, Sachsen-Gotha, Nie- 
derlande, Polen, Schweiz, Baden, Sachsen, Italien, Oesterreich, 
Schweden und Norwegen, Bayern, Mecklenburg, Hannover, Belgien. 

Es folgte 1863 die Constituirung der yPermanenten'Commission<^ 
1864 die erste allgemeine Conferenz der mitteleuropäischen Grad- 
messung in Berlin, und am 27. Dezember 1864 die Organisation 
des >Centralbureaus der mitteleuropäischen Gradmessung < unter dem 
Präsidium von GeneraUieutenant Baeyer, 1867 die zweite allgemeine 
Conferenz in Berlin und Erweiterung der mitteleuropäischen zu 
einer > europäischen Gradmessung < , da inzwischen alle namhaften 
Staaten Europas, ausser England, dem Unternehmen beigetreten 
waren. 

Als Schlussstein dieser Organisation folgte 1869 die Schaffung 
des preussischen > Geodätischen Instituts«, welches für die Dauer 
der europäischen Gradmessung von dem Präsidenten des interna- 
tionalen Centralbureaus geleitet, die darauf bezüglichen Arbeiten 
dieses Bureaus unter der Mitwirkung der permanenten Commission 
ausführen soll, dem aber nach Beendigung der europäischen Grad- 
messung die dauernde Wahrung und Fortbildung der höheren 
Geodäsie der astronomischen und mathematisch - physikalischen 
Wissenschaften in Preussen als bleibende Aufgabe gestellt wird< 
(1877 erhielt das Geodätische Institut ein neues Statut mit Schaffung 
eines Beiraths). 

Mit der Schaffung des Geodätischen Instituts 1869 hatten die 
wissenschaftlichen und organisatorischen Erfolge Baeyers ihren 
Höhepunkt erreicht. — 

Auf der dritten Generalversammlung in Wien 1871 wurde das 
erste wissenschaftliche Produkt des neugeschaffenen Gradmessungs- 
organs, die > wissenschaftliche Begründung der Rechnungsmethoden 
des Centralbureaus« vorgelegt, und zur allgemeinen Benützung em- 
pfohlen. — 

Am Ende des folgenden Jahres 1872 sollte in unserem nun politisch 
geeinigten Vaterlande auch die Gradmessung einheitlich organisirt 
werden. Eine Kommission von 13 Vertretern der 8 betheiligten 
Staaten hielt unter dem Vorsitz des Präsidenten des Geodätischen 
Instituts Berathungen über die Bildung einer Deutschen Reichs- 
gradmessungskommission , welche im Generalbericht für 1872 ver- 
öffentlicht sind. — 

Die seit jener Zeit unter dem Ehrenpräsidium von General 
Baeyer je nach 3 Jahren abgehaltenen Generalversammlungen haben 
die Verdienste ihres Ehrenpräsidenten stets in der dankbarsten 
Weise gefeiert, zuletzt 1883 in Rom durch Verleihung einer gol- 
denen Medaille „J. J, Baeyero^, Die letzte äussere Ehrenbezeigung 

24. 



, r f^. 




372 LiteraturzeituDg. 

erfuhr der Verewigte am 6. November 1884 bei seinem 90. Geburts- 
tage, zu welchem u. A. die Mitglieder des geodätischen Instituts 
dem Jubilar seine Büste in Lebensgrösse überreichten. 

Dieses ist der Lebensgang eines Mannes, dessen Namen seit 
mehr als 2 Jahrzehnten die Deutsche und die Europäische Geodäsie 
bewegt hat. 

Der mächtige Einfiuss Baeyers beruhte nicht auf wissenschaft- 
lichen Arbeiten, denn hier hat er für sich selbst kaum ein höheres 
Ziel erstrebt als die Besselschen Methoden unversehrt anzuwenden 
und zu bewahren ; die Bedeutung Baeyers liegt auf dem organisa- 
torischen Gebiete , und wenn wir bedenken , dass der Geodät das 
Objekt seiner Wissenschaft, ausgedehnte Landstrecken, nicht schlecht- 
hin zu seiner Verfügung hat, wie z. B. der Astronom den Himmel, 
der Physiker und der Chemiker die Naturkräfte, und dass die 
staatliche Zutheilung der Vermessungsobjekte von sehr vielen Um- 
ständen abhängig ist, so wird die Bedeutung eines Erfolges auf 
diesem Gebiete erst recht klar. 

Die Vereinigung der verschiedenen Europäischen geodätisch- 
astronomischen Unternehmungen zu einem Ganzen war ein schon 
längst gehegter Wunsch und Plan der Geodäten gewesen , allein 
Baeyer war es vorbehalten, sozusagen das Golumbus-Ei auf die Spitze 
zu stellen. 

Das ist ja eben das Wesen einer grossen That , dass sie dem 
in den Herzen von Tausenden mehr oder weniger bewusst schlum- 
mernden Gedanken zur greifbaren Wirklichkeit verhilft. 

Wenn, nach üeberwindung des Versuchsstadiums, in unserem 
Vaterlande der vor zwei Jahrzehnten gefasste Plan , >ein Institut 
zur dauernder Wahrung und Fortbildung der höheren Geodäsie< 
zu scbafiFen, zur vollen Verwirklichung gelangt sein wird, dann erst 
wird des Begründers Verdienst klar hervortreten. 

Wie auch immer die Entwicklung der Geodäsie sich noch f^e- 
stalten möge, der Name Baeyers als Begründers der Europäischen 
Gradmessung wird sich einen dauernden Ehrenplatz in der Geschichte 
der Geodäsie bewahren. 



Literatlirzeitung. 

Die Grossherzoglich Badischen Hauptnivetlements mit den Anschlüssen an die Nach- 
barstaaten. (Bearbeitet von Professor Dr. Jordan.) Herausgegeben von 
der Grossherzoglichen Oberdirektion des Wasser- und Strassenbaues. 
Karlsruhe, 1885. 81 Seiten. 4°. 

Sogleich aus der geschichtlichen Uebersicht auf Seite 1 erfährt 
der Leser, dass es sich hier nicht um ein einheitlich geplantes und 
gleichmässig durchgeführtes Unternehmen, sondern um die selbst- 
ständig und zu verschiedenen Zwecken ausgeführten Arbeiten ge- 
trennter Behörden handelt, welche planmässig gesichtet, ergänzt 
und kritisch bearbeitet zu haben, das Verdienst der herausgebenden 







Literaturzeitung. 373 

Grossherzoglichen Stelle und der von ihr zugezogenen Sachver- 
ständigen ist. Dem entsprechen^ ragt derjenige Theil der Publi- 
kation am meisten hervor, welcher der Diskussion des Beobachtungs- 
stoffes gewidmet ist. 

Ueber die verwendeten Höhenmarken, Instrumente und Nivel- 
lirmethoden können wir, wie die Schrift selbst, rasch hinweggehen. 
Es ist da wenig Eigenartiges zu entnehmen und die Instrumente, 
den beiden zugegebenen Holzschnitten und der Beschreibung nach, 
sind von jenen nicht verschieden, welche bei den Präzisionsnivellements 
der Schweiz und des preussischen Generalstabs dienen. So ziemlich 
jedes in Deutschland und seinen Nachbarstaaten versuchte Nivel- 
lirverfahren ist unter den Nivellements des badischen Netzes ver- 
treten, zur gegenseitigen Abwägung der Methoden sind die vor- 
liegenden Beobachtungen jedoch kaum geeignet, weshalb die Schrift 
auch davon absieht. Die einzige darauf bezügliche Bemerkung 
betriflFt das lumständliche Ablesen an drei Fäden<, welches von 
badischer Seite auf Grund von Vergleichsversuchen fallen gelassen 
worden sei, was auch anderweitigen inzwischen gemachten Er- 
fahrungen entspreche Dagegen nahm man jede einzelne Latten- 
höhe in zwei Lagen des Fernrohrs, das um die Achse seiner Ringe 
gedreht wurde. Referent würde nach seinen Erfahrungen lieber 
auf die zweite Fernrohrlage verzichtet, aber an drei Fäden abge- 
lesen und diese Ablesungsweise zur Elimination der regelmässigen 
Schätzungsfehler benützt haben, indem er Sorge trug, dass die 
äusseren Fäden stets sehr nahe eine ungerade Anzahl Skalenfelder 
überspannten. Zu gleichem Zweck würde Referent die doppelten 
Wechselpunkte derart ausgenützt haben, dass die zweite Ablesung 
um V« Skalenfeld (und mehrere ganze) gegen die erste verschoben 
erschienen wäre. Die gefährlichsten Schätzungsfehler werden durch 
diese Sorgfalt paarweise in entgegengesetztem Sinne begangen. Dies 
ist, will man nicht zu dem holländischen Verfahren der Visur 
auf Skalenfeldmitte übergehen, am verlässigsten (auch gegen grobe 
Ablesungsfehler von 1 cm) und keineswegs zeitraubend. 

Von Werth ist, dass die Mehrzahl der badischen Linien ganz 
unabhängig nachnivellirt und Genauigkeitsschätzungen nur auf 
solche unabhängige Messungen gegründet wurden, da sich in den 
Doppelbindungen wohl die angewandte Sorgfalt der Ablesung 
ausspricht, aber nicht jede mögliche Fehlerquelle. Man denke 
nur an Verschiebungen der Luftblasenmitte gegen den lothrechten 
Libellenradius in Folge einseitiger Erwärmung des Instruments. 

Der Wichtigkeit des Gegenstandes entsprechend beschäftigt sich 
die Schrift ausführlich mit den Lattenvergleichungen. Bekanntlich 
sind in der Mitte der siebziger Jahre bei dem holländischen Präzi- 
sionsnivellement und demjenigen des preussischen Generalstabs 
/ä^ZicÄe Lattenvergleichungen eingeführt worden, als beste Vorsorge 
gegen die früher unterschätzten Schwankungen der Skalenlänge 
hölzerner Ziellatten. Nivellements im Mittel- und Hochgebirge, 
welche dieser Vorsorge entbehren, werden ganz wesentlich ungenauer 



« »I 




374 Literaturzeitong. 

als solche in der Ebene, unter übrigens gleichen Voraussetzungen. 
Zwar gibt es Mittel, die Gewichte der untergeordneten Nivelle- 
mentslinien eines über Gebirg und Ebene gelegten Netzes annähernd 
abzuschätzen. Damit wird aber im Wesentlichen nur verhindert, 
dass bei der Ausgleichung des Netzes die besseren Beobachtungen 
von den ungenauen verunstaltet werden; den Fehler der Messung 
dadurch wieder gut zu machen, darf man nicht erwarten. Gebirgs- 
nivellements ohne tägliche Skalenprüfung verdienen darum, bei 
aller sonstigen Peinlichkeit des Verfahrens, nur geringes Ver- 
trauen. 

In den ersten Jahren hat auch das badische Nivellement, wie 
es damals nach dem Vorgange der Schweiz mehrentheils üblich 
war, sich mit Skalenvergleichungen zu Beginn und am Schluss jeder 
Arbeitsreise, wohl auch mit noch selteneren Prüfungen der Latten- 
länge begnügt. Seit 1878 aber wurden auch hier tägliche Latten- 
vergleichungen eingeführt und mehrere der früher nivellirten 
Linien wiederholt. So gewann man indirekt einen, wenn auch 
nicht sehr genauen Maassstab für den ehemaligen Zustand der 
Latten. Aus der Zusammenstellung solcher mittelbaren und der 
vorerwähnten direkten Skalenprüfungen geht endlich hervor, dass 
für die älteren Jahrgänge des badischen Nivellements die mittlere 
Skaleneinheit der Latten einem Meter sehr nahe entsprach. 

Nicht zur Mittelbildung zugezogen wurde eine Lattenprüfung, 
welche in den ersten Tagen des Januar 1876 bei 0° bis 16° die 
Skaleneinheit beider badischen Latten um etwa 0,3 mm kleiner als 
ein Meter ergeben hatte. Referent hebt diesen aussergewöhnlichen 
Sprung hervor, um an ein Gegenstück zu erinnern, welches sich 
bei dem bayerischen Präzisionsnivellement ereignete. (Bauernfeind, 
Bayer. Präz. Niv. L, 38 und IL, 10.) Die drei bayerischen Latten, 
welche sich seit der letzten Arbeitsreise einige Monate lang in 
einem ungeheizten Bodenraum befunden hatten, ergaben im Januar 
1870, bei einer Temperatur von wenig über 0° untersucht, Skalen- 
einheiten von durchschnittlich 0,4 mm über 1 m, wogegen die 
Prüfung einer dieser Latten auf dem Berner Komparator im Jahre 
1872 eine Skaleneinheit von fast genau 1 ui erwies. Der erste 
dieser beiden Skalenwerthe liegt den bayerischen Nivellements bis 
1872 zu Grunde, ist aber vermuthlich von dem wirklichen Mittel- 
werthe weit entfernt. Wenigstens haben zwei benachbarte und an 
b Punkten zusammentreffende Nivellements von Bayern und Würt- 
temberg (zwischen Würzburg und dem Bodensee) die Thatsache 
festgestellt, dass sämmtliche bayerischen Höhenunterschiede grösser, 
und zwar um durchschnittlich 1,2 mm auf das Meter grösser aus- 
fielen, als die des Nachbarstaats, welche in Einheiten der württem- 
bergischen Latten ausgedrückt, also noch nicht reduzirt waren. 
Nun bestätigt auch die vorliegende Schrift (Seite 11), dass die 
Skaleneinheit der württembergischen Latten 0,4 bis 0,5 mm über 
1 m betrug, die Höhenunterschiede Württembergs also entsprechend 
zu vergrössern waren, während vermuthlich diejenigen Bayerns 




Literätarzeitung. 375 

durch die Annahme des Skalenwerthes von 1870 weit über ihr 
eigentliches Maass vergrössert worden sind : ein Beleg dafür, welchen 
ungenügenden Schutz vor Täuschungen die seltenen iVJassvergleiclie 
während der ersten Jahre der deutschen Präzisionsnivellements ge- 
währten. 

Beraerkenswerth sind die Ergebnisse der täglichen Lattenver- 
gleichung, welche Professor Jordan bei den badischen Nivellements 
des Sommers 1881 nach den Vorschriften des preussischen General- 
stabs ausführte. In der Zeit von Anfang Juni bis Anfang No- 
vember betrug die grösste Aenderung der Skaleneinheit bei den 
Latten Nr. 17 und 18 je 0,36 und 0,30 mm, und der Verlauf der 
Längenänderung war an beiden Latten fast der nämliche. 

Unter der Ueberschrift »Original- Nivellements- Resultate« findet 
man mit der wünschenswerthen Ausführlichkeit die Ergebnisse des ba- 
dischen Nivellements niedergelegt, und zwar bereits auf das richtige 
Metermaass reduzirt. Mehrfach nivellirte Linien werden im Ein- 
zelnen und im Mittel mitgetheilt, dabei aus den Differenzen der 
Einzelstrecken die mittleren Fehler und Gewichte der Nivellements 
ermittelt, was bei mehr als doppelt nivellirten Linien mitunter 
zu interessanten Rechnungen führt. Auch ein Theil der Linien 
fremder Behörden, welche in das badische Netz aufgenommen sind, 
so des preussischen Generalstabs und des geodätischen Instituts, 
des Königreichs Württemberg und des Grossherzogthums Hessen, 
werden in gleicher Ausführlichkeit gegeben und vorläufig auf ihre 
Genauigkeit geprüft, soweit dies für die Netzausgleichung nöthig 
und auf Grund geschehener Publikationen und besonderer amtlicher 
Mittheilungen möglich war. 

Von den etwa 2000 Kilometer Nivellement, welche zur Netz- 
ausgleichung benützt werden, ist ungefähr die Hälfte badische 
Arbeit. Das Ganze bildet 22 Schleifen, welche nach ihren Bestand- 
theilen und Schlussfehlern sehr übersichtlich in einer Tabelle und 
einer beigegebenen Skizze dargestellt werden. Da bei der Berech- 
nung der 22 Widersprüche sämmtliche Schleifen in gleichem 
Drehungssinne umkreist wurden, um ihre Bestandtheile aneinander 
zu fügen, so wird eine Rechenprobe dadurch gewonnen, dass der 
Gesammtumfang des Netzes, als Schleife aufgefasst, einen Schluss- 
fehler liefert gleich der Summe der 22 Widersprüche. 

Auf Grund der vorher.^egangenen Genauigkeitsuntersuchungen 
wird jetzt eine Stufenleiter für den mittleren Fehler der verschie- 
denen Gattungen von Nivellements durch Abrundung und Schätzung 
aufgestellt, deren Mittheilung hier von Interesse sein dürfte : Heisst 
u der mittlere Ablesungsfehler auf das Kilometer, A die mittlere 
Unsicherheit der Lattenlänge auf das Meter, s die nivellirte 
Länge, h der nivellirte Höhenunterschied, ist also der mittlere 
Gesammtfehler m eines Zuges 

OS wurden folgende runde Zahlen ft und P. in Millimetern eingeführt: 



^^ 



376 Literaturzeitung. 

fJl K 

1. Nivellement der preussischen Landesaufnahme mit 
täglicher Lattenvergleichung 2,0 0,02 

2. Nivellement des godätischen Instituts kombinirt 

mit d. badischen Nivellement Mannheim- Konstanz 2,0 0,06 

3. Badisches einfaches Nivellement ohne spezielle 
Lattenvergleichung ' . . 3,5 0,20 

4. Badisches Doppelnivellement desgl 2,5 0,15 

5. Württembergisches Nivellement, theils einfach, 

theils doppelt 3,0 0^7 

>Von diesen Mittelzahlen wurde dann, nach Umständen, in 
einzelnen Fällen abgewichen, z. B. 1 im Falle spezieller Latten ver- 
gleichungen nach Schätzung reduzirt.< Bei der üngleichartigkeit der 
zugezogenen Nivellements ist diese vorläufige Genauigkeitsabschätz- 
ung zum Zwecke der Ausgleichung für den Bearbeiter gewiss eine 
ebenso mühsame als unbefriedigende, aber unvermeidliche Aufgabe 
gewesen. Dagegen hat derselbe, in Ansehung der starken Wider- 
sprüche der beiden Schwarzwaldschleifen, die Berücksichtigung der 
Abplattung der Erde nicht für angezeigt erachtet, wie an der Hand 
einer Berechnung (S. 53, Anm.) begründet wird. 

Es folgt die Aufstellung der 22 unabhän^^'igen Bedingungs- 
gleichungen , sodann der Normalgleichungen. Die Uebersiclit der 
vollständig redWiS^ir/e« Normalgleichungen wird S. 60 mitgotheilt, weil 
deren Koeffizienten zu den Genauigkeitsermittlungen für die ausgegli- 
chenen Höhen benutzt werden. Eine zweite Netzübersicht auf S.58 
ist von der früheren auf S. 46 dadurch unterschieden, dass sie die 
Korrelaten k an Stelle der Widersprüche iv ^ und die Gewichts- 
reciproken 

1 = -^ (1) 

p 100 

an Stelle der Höhenunterschiede h enthält. Sie leistet beim Auf- 
stellen der Normalgleichungen sowie beim Berechnen der 65 Ver- 
besserungen V aus den Korrelatengleichungen, die gar nicht erst 
angeschrieben wurden, gute Dienste. In einer neuen Tabelle sind 
die nivellirten Höhen ä, die vorläufig ihnen zugeschriebenen mitt- 
leren Fehler +m, die Verbesserungen v in Millimetern, die Summen 
h-\-v, die Quotienten v\m und v^':m^ für alle 65 der Ausgleichung 
unterworfenen Linien eingetragen. Am Schlüsse der Tabelle er- 
gibt sich 

\JiyA = 48,75, (2) 

100 

während die zur Kontrolle gebildete Summe — [wk\ welche gleich 
[2?i;i;] sein soll, ergeben hatte: 

_ M == 49 78, 
100 

was in Rücksicht auf zahlreiche Abrundungen befriedigend über- 
einstimmt. 



m m\ 




Literaturzeitung. 377 

Im Vergleich mit (1) müsste der mittlere Fehler 

den die Ausgleichung für eine Beobachtung vom Gewicht p = 1 
liefert, gleich 10 mm, und der Quotient q = m':m gleich 1 werden, 
wenn die vorläufige Feststellung der mittleren Nivellementsfehler 
und Beobachtungsgewichte allenthalben das Richtige getroffen 
hätte. Dass dies, wie vorauszusehen war, nicht vollständig geglückt 
ist, folgt aus der Berechnung von q mit Hilfe von (2) gemäss: 



3 = ^ 

tn 



]/\l^]:y22 = 1,5. (3) 



indessen > erscheint dieser Quotient hier nicht ungünstiger, als er 
sich auch bei Triangulirungen ersten Ranges einzustellen pflegt, und 
man kann sich daher mit den erhaltenen Resultaten beruhigen. < 
Eine Wiederholung der Ausgleichung mit neuen Gewichtsannahmen 
wird also nicht vorgenommen. >Es wäre dies nicht am Platz, so- 
lange die an einzelnen Stelleu nicht günstige Fehlervertheilung sach- 
lich nicht geändert werden kann. Zudem kommen hier manche 
Fragen in Betracht, welche sich mathematisch nicht ausdrücken 
lassen.« 

Die Schrift bringt nun > Gewichte und mittlere Fehler einzelner 
Höhendiagonalen nach der Ausgleichung«. Es werden für sieben 
der wichtigsten Höhenunterschiede die Gewichtsreciproken , je auf 
zwei Wegen , berechnet und darauf hingewiesen , dass die Linien, 
welche mit grossen Gewichten in das Netz eingeführt werden 
konnten, durch die Ausgleichung nur geringe Gewichtsvermehrung 
erfahren haben, so dass man zweifeln kann, ob für den Fall ^'==1, 
d. h. wenn die Gewichte von vornherein richtig hätten abgeschätzt 
werden können , die bestbeobachtete Linie Mannheim - Strassburg- 
Basel durch die Ausgleichung irgend erheblich abgeändert wor- 
den wäre. 

Werden mit F die Gewichte der Höhenunterschiede nach der 
Ausgleichung bezeichnet, so sind für den Fall g = 1 die ent- 
sprechenden mittleren Fehler M wegen (1) in Millimetern zu be- 
rechnen aus: 

M = lOiVR 

Dem ungünstigeren Verhältniss ^^ = 1,5 trägt der Bearbeiter 
dadurch Rechnung , dass er den theoretischen Werth von M mit 
diesem Faktor multiplizirt, also bildet: 

M == (15: KP) Millimeter. (4) 

Für die sieben berechneten Höhenunterschiede von Punkten, 
welche 60 bis 450 Kilometer von einander entfernt liegen, schwan- 
ken die mittleren Fehler zwischen 3 und 5 Centimeter. Gälte für 
die Beobachtungsfehler das Gauss'sche Gesetz, so würde dem 3,3- 
fachen Betrag davon, also 10 bis 16,5 cm, nur die Wahrscheinlich- 
keit 1:1000 zukommen, ein für ein > Landesnivellement« sehr be- 
friedigendes Resultat. 



378 Liters to rzeitu Dg. 

Es wird noch eine zweite Darstellung der Netzgenauigkeit ge- 
geben, indem die sieben mittleren Fehler M durch die Wurzel aus dem 
zugehörigen kürzesten Niveilementsweg dividirt werden. So ergelien 
sich Beträge von 1,1 bis 3,7 mm, und indem man aus dem arith- 
metischen Mittel ihrer Quadrate die Wurzel zieht, der Betrag von 
2,55 mm. >Da8 ausgeglichene badische Netz hat also bei Höhen- 
unterschieden bis zu 870 m im Mittel dieselbe Genauigkeit, wie 
Nivellirung in horizontaler Ebene mit einem mittleren unregel- 
mässigen Fehler von 2,6 mm auf 1 km.< 

Die Höhenunterschiede, welche aus der Ausgleichung hervor- 
gegangen sind, werden non, von der Höhenmarke am Strassburger 
Münster ausgehend , zur Berechnung der Höhen über Normalmdi 
für alle Knotenpunkte des Netzes verwendet. Darunter kommen 
jedoch noch 4 andere Punkte des Nivellements der preussischen 
Landesaufnahme vor, deren Höhen, als Knotenpunkte des badischen 
Netzes berechnet, bis zu — 12 und +9 mm von den preussisclier- 
seits ermittelten abweichen. Die letzteren waren aber bereits als 
Höhen über N.N. festgestellt und amtlich veröffentlicht, sie wurden 
daher, dem Zwecke des badischen Landesnivellements entsprechend, 
beibehalten, und jene kleinen Differenzen auf die Zwischenpunkte 
zwischen den preussischen und den nächsten badischen Knoten- 
punkten vertiieiit. Der dem badischen Netze hierdurch angethane 
Zwang ist weniger erheblich, als er geworden wäre, wenn man <iie 
5 preussischen Knotenpunkte von vorn berein als unabänderliche 
Festpunkte in die Ausgleichung des badischen Netzes eingeführt, 
ihren Höhenunterschieden also das Gewicht unendlich ertheilt hätte. 

Eine kurze Bemerkung vor dem Verzeichniss der endgültigen 
Koten aller badischen Höhenmarken berichtet, dass die Zwischen- 
punkte des Netzes durch Vertheilung der Linien Verbesserungen « 
proportional den Entfernungen festgestellt worden sind. Die Theorie 
verlangt bekanntlich, dass dieses proportional den Gewichtsreci- 
proken geschehe, welche gemäss der Fehlerformel auf S, 375 von 
Entfernung und Höhe zugleich abhängen. Da aber die Konstanten 
jtner Formel ohne eine neue Ausgleichung doch nicht sicher genug 
hätten bestimmt werden können, um eine richtige Feh 1er vertheilung 
zu begründen, so war die einfachste Berechnungs weise die beste. 

In allen diesen Maassnahmen gibt sich die völlige Beherrschung 
des wissenschaftlichen Problems der Piäcisionsnivellemeuts neben 
klarem Bewusstsein der praktischen Bedeutung der vorliegenden 
besonderen Aufgabe in einer Weise knnd , durch welche das Stu- 
dium der Schrift dem Leser nützlich und erfreulich zugleich wird. 
Man kann bedauern , dass das badische Nivellement unter wech- 
selnden Behörden und Beobachtern in sich nicht gleichwertliiger 
ausgefallen ist, aber man darf nicht vergessen, dass es auch unter 
einheitlicher Leitung, etwa der des letzten Bearbeiters, kein ganz 
homogenes Beobachtungsmaterial hätte liefern können. D«s hiesse 
bei einem Präciaionsniveliement, welches schon im Anfange der 
siebziger Jahre begonnen worden ist, soviel wie Nichtbeachtung der 



Literaturzeitung. 379 

in/gmscken gewonnenen Erfahrungen^ ein Vorwurf, der das badische 
Nivellement nicht triflft. 

Ob es nicht jetzt möglich wäre , innerhalb weniger Jahre ein 
weitmaschiges, einheitlich bearbeitetes Nivellementsnetz über Deutsch- 
land zu gewinnen, bloss zur wissenschaftlichen Kontrolle und un- 
beschadet der amtlich festgestellten und veröffentlichten Höhen der 
verschiedenen Landesnivellements, das ist eine andere Frage. Das 
holländische Präcisionsnivellement mit nur etwa 1 mm mittlerem 
Kilometerfehler hatte die Hoffnung erweckt, es würden die Genauig- 
keitsanforderuugen an ein solches Nivellement technisch und öko- 
nomisch nicht unerfüllbar sein. Allein es scheint nicht, als ob die 
gleiche Genauigkeit seitdem von einer anderen berufenen Stelle mit 
geeigneten Mitteln erstrebt , oder wenigstens nicht , als ob sie er- 
reicht worden sei. 

Berlin, Anfang September 1885. 

Ch, A. Vogler. 



Das Grossherzogthum Baden in geographischer, naturvjisaenschafuicher, geschicht- 
licher, wirthschaftlicher und staatlicher Hinsicht dargestellt. Nebst vollstän- 
digem Ortsverzeichniss. Nach amtlichem Material bearbeitet. Mit 7 in 
Farbendruck ausgeführten und 3 schwarzen Karten, sowie 4 graphischen 
Darstellungen. 50 Druckbogen in 10 Lieferungen. 10 M, Karlsruhe. 
J. Bielefeldes Verlag. 1885. 

Dieses Werk enthält verchiedene Mittheilungen über die ba- 
dischen Vermessungen, welche zwar, weil für das grosse Publicum 
bestimmt, nicht auf Einzelheiten eingehen, aber wegen ihrer amt- 
lichen Sicherheit für den Fachmann von Wichtigkeit sind. 

Wir entnehmen von S. 627 folgende Darstellung der Mittel- 
stelle, welcher das badische Vermessungswesen unterstellt ist: 

Die Oberdirektion des Wasser- und Strassenbaues ist als tech- 
nische Centralmittelstelle mit der Leitung des Strassen- und Wasser- 
wesens, der Meteorologie und Hydrographie, der Landeskultur und 
Landesvermessung betraut. Sie war Ende 1883 mit einem Direktor, 
6 ordentlichen Kollegialmitgliedern (4 Techniker, 1 Jurist, 1 Kame- 
ralist) besetzt, ausserordentliches Mitglied war der Vorstand des 
topogra2)hischen Bureaus. Als Behörden der technischen Bezirks- 
verwaltung sind der Oberdirektion unterstellt: 13 Wasser- und 
Strassenbau- Inspektionen, 3 Rheinbau - Inspektionen, 6 Kultur-In- 
spektionen, J34 Bezirhsgeometer^ 79 Katasterg eometer. Das Personal 
der technischen Bezirksbeamten des W^ asser- und Strassenbaues be- 
stand Ende 1883 aus 22 Inspektionsvorständen, 16 Ingenieuren I. 
Klasse (Staatsdiener) und 12 Ingenieuren II. Klasse. 

Ferner finden wir auf S. 643 — 645 folgende Mittheilungen : 

Landeskulturarbeitefi, 

Nachdem schon seit den fünfziger Jahren der Staat durch die 
ihm zu Gebote stehenden technischen Kräfte da und dort die Aus- 



I . . ■ » 




380 Literaturzeitung. 

fübrung von Unternehmungen der Landeskultur gefördert hatte, 
wurde im Jahre 1868 für diesen Zweck durch Ernennung eines 
Landeskultur-Inspektors und dreier Kulturingenieure eine besondere 
Organisation geschaffen 

Die Aufgaben der Kulturingenieure sollten insbesondere darin 
bestehen, Unternehmungen zur Ent und Bewässerung, zur Urbar- 
machung öder Flächen, sowie zur Verbesserung der Feldeiutheilung 
und des Feldwegnetzes, zur Verlegung und Zusammenlegung von 
Grundstücken anzuregen und durch Fertigung der Pläne, Gutachten 
und Kostenanschläge, sowie durch Leitung und Ueberwachung der 
Ausführung zu unterstützen. 

Die einheitliche Leitung der Kulturangelegenheiten, welche ur- 
sprünglich in technischer Hinsicht dem dem Handelsministerium 
beigegebenen Landeskultur-Inspektor übertragen war, ist seit 1878 
auf die Oberdirektion des Wasser- und Strassenbaues übergegangen ; 
gleichzeitig wurde der Organisation eine festere Gestalt dadurch 
gegeben, dass sechs Kulturinspektionen für das Land errichtet wur- 
den; denselben waren 1883 6 Vorstände, 7 Ingenieure, 7 Kultur- 
oberaufseher, 25 Kulturaufseher und 6 Gehilfen beigegeben. Die 
Thätigkeit der Kulturinspektionen hat sich namentlich durch die 
Fürsorge für die Wasserversorgung und die ihnen seit 1883 bei 
der Beaufsichtigung der kleinen Flüsse und der Bäche zugewiesenen 
Aufgaben (Bachschau) wesentlich erweitert ; ihr Hauptgebiet ist die 
Mitwirkung bei Ent- und Bewässerungsunternehmungen und bei der 
Feldbereinignng geblieben. Seit 1870 bis Ende 1883 sind unter der 
Leitung der Kulturbehörden im Ganzen 949 He- und Entwässerungs- 
unternehmungen auf einer Fläche von 8 286 ha ausgeführt worden; 
die Betheiligten hatten für die Ausführung dieser Anlagen und für 
die specielle Aufsicht durch das Kulturpersonal im Ganzen 2 626 364 Jk 
aufzubringen, wogegen die Staatskasse, insbesondere für die Kosten 
der Vorarbeiten und der oberen Leitung, im Ganzen 260 285. A zur 
Förderung dieser Unternehmungen beitrug. Auf Grund des Wasser- 
gesetzes von 1876 wurden auf Anregung und unter Mitwirkung 
der Kulturbehörden zum Zwecke gemeinschaftlicher Ausführung und 
Instandhaltung von Be- und Entwässerungsanlagen seit 1877 bis 
Ende 1883 im Ganzen 50 Wassergenossenschaften errichtet, die sich 
auf eine Gesammtfläche von 2 796,5 ha und auf 3 571 einzelne Besitzer 
erstrecken ; insbesondere nahm die Bildung von Wassergenossen- 
schaften in den beiden oberen Kulturgebieten W^aldshut und Kon- 
stanz (26 Genossenschaften mit einer Fläche von 1 643,6 lia) einen 
bemerkenswerthen Aufschwung. — Die unter Mitwirkung der Kultur- 
behörden seit 1870 bis Ende 1883 ausgeführten 328 Feldbereinigungs- 
unternehmungen erstreckten sich auf eine Gesammtfläche von 
45 791,49 ha, die Grundeigen thümer hatten hierfür (seit 1873) einen 
Aufwand von 1644 729 A, die Staatskasse (seit 1870) einen Auf- 
wand von 184 754 M. ^emsicht 

Die Katastervermessung, 

Durch ein Gesetz vom 26. März 1852 wurde angeordnet, dass 




"»■VT 



Literaturzeitung. 381 

eine genaue stückweise Vermessung sämmtlicher Liegenschaften von 
Staatswegen durchgeführt werden solle; dieselbe hatte verschiedenen 
Zwecken zu dienen, vor Allem die Sicherheit des Eigenthums und 
des Grundkredits durch genaue Feststellung der liegenschaftlichen 
Grenzen und der Flächengrösse zu erhöhen, das einheitliche Flächen- 
mass durchzuführen , eine feste Grundlage für die Grundsteuer- 
kataster zu schaffen, eine zweckmässigere Gestaltung der Feldwege 
und Flureintheilung anzuregen. Mit dieser Katastervermessung 
wurde die schon früher vom topographischen Bureau des Grossh. 
Generalstabes begonnene Ausbildung des trigonometrischen Dreieck- 
netzes verbunden. Unter der Oberleitung des Finanzministeriums 
wurde die Katastervermessung im Frühjahr 1853 begonnen , im 
Jahre 1855 wurde die unmittelbare Leitung einer neu errichteten 
Mittelstelle, der Direktion der Katastervermessung, übertragen, 
deren Geschäfte bei ihrer im Jahre 1871 erfolgten Aufhebung an 
die Steuerdirektion übergingen. Vom 1. Januar 1878 an wurde die 
Leitung der Katastervermessung, um sie in eine engere Beziehung 
zur Feldbereinigung zu setzen, aus dem Geschäftskreise des Finanz- 
ministeriums in den des Handelsministeriums, nunmehr Ministerium 
des Innern, und zwar an die Oberdirektion des Wasser- und Strassen- 
baues übertragen. 

Der Vollzug der Arbeiten der Katastervermessung ist lang- 
samer fortgeschritten als ursprünglich vorausgesehen wurde, nament- 
lich wurde der Fortgang durch die zeitraubende und mühsame 
Feststellung der Gemarkungs-, Gewann- und Eigenthumsgrenzen 
erheblich verzögert. Bis zum Ende des Jahres 1877 waren von 
den 2 202 Gemarkungen des Landes 987 vollständig vermessen. 
Ende des Jahres 1883 war die das Vermessun«iswerk beendende 
Schlussverhandlung in 1 417 oder 64,4 % aller Gemarkungen abge- 
halten , 80 dass noch etwa in einem Drittel sämmtlicher Gemar- 
kungen die Vermessung zu Ende zu führen ist; auch in den letz- 
teren ist das Vermessungswerk schon zum Theil in Angriff genommen, 
indem in 215 weiteren Gemarkungen die Vermessung in Akkord 
vergeben ist. Die bei der Vermessung hergestellten Kataster- und 
Grundstückspläne, sowie Güterzettel, die das Vermessungswerk dar- 
stellen, werden an die Gemeinden im Original abgegeben ; ausser- 
dem werden auf Grund des Vermessungswerkes lithographische 
Gemarkungsühersichten im Massstab von 1: 10 000 grösstentheils 
in Farbendruck hergestellt, welche den Behörden unentgeldlich und 
den Gemeinden und Privaten auf Verlangen gegen massige Vergü- 
tung abgegeben werden. Diese Karten sind Ende 1883 für 1313, 
somit 59,6 % sämmtlicher Gemarkungen , gefertigt gewesen. Das 
Vermessungswerk war Ende 1883 für 1 163 Gemarkungen (53 \) 
an die Gemeindebehördm ausgefolgt. Mit der Fortführung der an 
die Gemeinden abgegebenen Vermessungswerke auf den neuesten 
Stand sind die Bezirksgeometer (Ende 1883 25 an Zahl, ausser- 
dem 2 Katastergeometer) betraut, deren Thätigkeit sich auf 34 
Amtsbezirke erstreckt. 



I* 



382 Literaturzeitung. 

Am Schlüsse des Jahres 1883 war das Dreiecknetz im Ganzen 
über 1 875 Gemarkungen mit einem Gesammtflächeiigehalt von 
943151 ha ausgebildet, die Katastervermessung auf 1417 Gemar- 
kungen mit einem GesammtÜächengehalt von 936 197 ha durch 
Abhaltung der Schlusstagfahrt zumAbschluss gebracht. Die Kosten 
der Katastervermessung entziffern sich von dem Beginne derselben 
bis Ende 1883 folgendermassen :. 

fur 1853 für 1878 Zusammen 

bis einschl. bis einschl. für 

1877. 1883 1853/1883 

Jh. Jk Jh. 

für das Dreiecknetz . . . 102 555,19 73 215,50 175 770,69 

für Vermessung und Kar- 
tierung 4 728 532,69 2 382452,45 7110 985,14 

für Fortführung der Ver- 
messungswerke . . . . 354301,83 492586,19 846 888,02 

für persönliche Kosten und 

dergleichen 580501,54 189 051,01 769 552,55 

zusammen 5 765 891,25 3 137 305,15 8 903 196,40 
Ein Theil dieses Aufwandes wurde durch Einnahmen gedeckt, 

welche von 1853 bis 1877 betrugen: 

aus Beiträgen der Güterbesitzer 1 587 558,28 A 

aus sonstigen Einnahmen , insbesondere Karten- 
verkauf 235 305,66 > 

zusammen 1 822 863,94 A 

Topographie, 

Durch das topographische Bureau des Grossherzoglichen Ge- 
neralstabes ist in dem Zeitraum von 1825 bis 1849 eine topo- 
graphische Karte des Grossherzogthums im Massstabe von 1: 50000 
mit Höhendarstellung nach dem Schraffirungssystem herausgegeben 
worden, welche nach dem damaligen Stande topographischer Dar- 
stellung eine sehr tüchtige und brauchbare Leistung war. 

Seit dem Jahre 1874 ist bei der Oberdirektion des Wasser- 
und Strassenbaues ein topographisches Bureau errichtet worden, 
welches damit betraut ist, unter Revision des vorhandenen Materials 
eine neue topographische Karte im Massstabe von 1 : 25 000 unter 
Angabe der Höhen durch Horizontalkurven von 10 m Abstand 
herauszugeben. Diese Karte soll neben anderen Zwecken insbeson- 
dere auch für die geologische Landesaufnahme dienen. Die Karte 
wird in Kupferdruck in 170 Blättern herausgegeben, von denen 
am Anfang des Jahres 1884 108 bereits im Druck veröffentlicht 
waren. Das Werk wird voraussichtlich bis zum Jahre 1886 mit 
einem Aufwand von etwa 528 000 Jh. vollendet sein. 



Gesetze and VerordtmngeD. 

SorretpondensiiUUt fir Eatialeriieamle, ^eodätite^ Tedli%iitr, IttgtnitDri 
dsktioQ von P. Bctt-jtr , Terlag der H. Xthlickschen Buchhtt 
Strie^D. Monatlich eia Heft, jährlicher Abonne meats preis 4 . 

Das seit dem 1. April d. J. zur Ausgabe gelaugte B 
Gelegenheit bieten, dass die Erfahrungen des Einzelnen 
sammtheit der F'achgenossen zur Kenntniss gebracht wei 
will ansserdem allmählich eine Sammlung derjenigen Gei 
enthalten, dei-en Kenntniss fiir den Yermessungs beam ten uu 
tischen Techniker nothwendig erscheint. 

Die Hefte 1 — 9 enthalten u. A, die Vorschriften fiir 
fung der Landmesser in Preussen; die bezüglichen Lehi 
der Akademie Poppeisdorf und der laudwirthschaFtlicIu 
Echule in Berlin ; eingehende Erörterungen, wie die Ausbil 
Landmesser am zweck massigsten zu erreichen ; die Maass- 
wichtsordnung mit schätzbaren Erläuterungen; eine int 
Abhandlung über schädliche Bodcniiässe und deren Bes 
Beiträge zur Frage der Amtsbezeichnung der bei den 
angestellten bezw. beschäftigten Feldmesser und endlich i 



Gesetze und Verordnungen. 

Landmessertitel in Preussen. 

Den auf S. 75 und 319 mitgetheilten Verordnungen i 
dings noch nachfolgender Circular -Erlass hinzugetreten, 
die Titelfrage nunmehr xiefinitiv erledigt ist. 

Circular-Erlass, betr. die Amtsbezeichnungen Landmess 
Feldmesser. 

Berlin, den 12. August 
Unter Feldmessern sowohl wie bei einzelnen Behördi 
iMeinung hervorgetreten, als liege es in der Absicht der ] 
Ordnung für Landmesser vom 4. September 1882, zwischen 
ihren Vorschriften geprüften Landmessern und den nach 
Schriften der älteren Prüfungsordnung geprüften Feldmess 
Untex-schied zu begründen, welcher insbesondere auch dad 
Ausdruck gelange, dass nur für die ersteren die Amtsbe: 
>Landme6ser< gelte, während die Bezeichnung > Feldmesser 
letzteren festzuhalten sei. Eine solche Absicht hat bei I 
neuen Prüfungsordnung nicht obgewaltet. Unter den, übi 
nonymen Bezeichnungen der Vermessungstechniker als F 
Landmesser ist der letzteren Bezeichnung der Vorzug gegi 
den , ohne dass beabsichtigt worden wäre , einen Gegei 
Ausdrucke zu bringen. Nachdem dadurch die Bezeichnu 
messer Tiehnehr zur amtlichen geworden ist, würde es 





384 Personalnachrichten. 

Begründung dafür fehlen, den Gebrauch derselben denjenigen, welche 
bisher als Feldmesser bezeichnet wurden, zu untersagen. 

Der Minister der Der Minister für Landwirth- Der Finanzminister, 
öifentl. Arbeiten. wirthschaft, Domänen Im Auftrage: 

Im Auftrage: und Forston. gez. Gauss. 

gez. Schultis. In Vertretung: 

gez. Marcard, 

An sämmtliche Königliche Regierungs- 
präsidenten bezw. Regierungen und die 
Königl. Ober-Prüfungscommission für 
Landmesser. 

III. 12541. M. d. ö. A. 
I. 12118. M. f L. u. s. w. 

IL 7978. D. F.-M. 



Personalnachrichten. 

Dem Obersten Schreiber^ ä la suite des Generalstabes der 
Armee und Chef der trigonometrischen Abtheilung der Landesauf- 
nahme, ist die Erlaubniss zur Anlegung des ihm verliehenen Com- 
mandeurkreuzes zweiter Klasse des Königlich dänischen Danebrog- 
ordens ertheilt worden. 

(Deutscher Reichs- Anzeiger vom 12. Septemher 1885.) 



Dem Steuerinspektor ümbach zu Polch im Kreise Mayen ist 
der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen. 

(Deutscher Reichs- Anzeiger vom 14, September 1885.) 



Der Gymnasialoberlehrer Dr. Baiile zu Attendorn ist zum 
Professor der Mathematik und Geodäsie an der Forstakademie 
zu Münden ernannt. 

(Deutscher Reichsanzeiger vom 14. August 1885. (?,) 



Inhalt. 

General Baeyer f. Literaturzeitung: Die Grossherzoglich Badischen Haupt- 
nivellements mit den Anschlüssen an die Nachbarstaaten, von Jordan, be- 
sprochen von Vogler. — Das Grossherzogthum Baden in geographischer, natur- 
wissenschaftlicher, geschichtlicher, wirthschaftlicher und staatlicher Hinsicht 
dargestellt. — Korrespondenzblatt für Katasterbeamte, geodätische Techniker, 
Ingenieure etc. Gesetze und Verordnungen. Personalnactiriciiten. 



Karlsruhe. Druck von Maisch & Vogel. 




\ ."•» 



» 



385 

ZEITSCHRIFT für VERMESSUNBSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppes, Steuerassessor in München, und 

B, Oerke, Privatdozent in Hannover, 
hei-ansgegeben von Dr. W, Jordan^ Professor in Hannover. 

1885. Heft 20. Band XIT. 

15. Oktober. 



Allgemeine Normen für die Hersteilung hydro- 
graphischer Karten und Pläne. 

(Fortsetzung und Scbluss.) 

Polygonnetz. 

Im ersten Falle ist im Anschluss an das Dreiecksnetz ein 
Polygonnetz herzustellen und derart zu legen, dass von den Polygon- 
seiten aus oder mittelst einfacher Linienkonstruktionen die Detail- 
aufnahme ausgeführt werden kann. 

Für die gesammten Arbeiten behufs Festlegung und Berechnung 
des Polygonnetzes sind die für Katastervermessungen gegebenen 
Bestimmungen maassgebend. Bei breiteren Gewässern ist übrigens 
an jeder Seite des Stromes oder Flusses nahe dem Ufer ein Polygon- 
zug zu legen und darauf zu achten, dass durch öftere Verbindung 
die Lage der beiden Uferzüge zu einander hinreichend gesichert 
ist, um überall die Breite des Flusses auf trigonometrischem Wege 
genau bestimmen zu können. 

Wo Vorschriften bezüglich des Genauigkeitsgrades nicht be- 
stehen sollten, kann verlangt werden , dass der mittlere Fehler der 
Polygonpunkte relativ gegen alle Nachbarpunkte sich auf höchstens 
10 cm beläuft. 

Von sämmtlichen Koordinaten ist 'ein Verzeichniss in über- 
sichtlicher, die Auffindung möglichst erleichternder Form aufzu- 
stellen. 

Detailaufnahme. 

Die Detailaufnahme erfolgt von den Polygonseiten aus resp. 
von Messungslinien , welche in erstere einzubinden und stets ihrer 
ganzen Länge nach zu messen sind. 

Die Aufnahme des Strom- resp. Flusslaufes hat sich zu er- 
strecken auf das Bett mit seinen Ufern, dessen Befestigungen und 
Deckwerken, den vorhandenen Bauwerken, als: Schleusen, Wehre, 
Buhnen, Parallel- und Leitwerke, Leinpfade, Mühlen, Brücken, 
Landungs- und Schiffsbauplätze, Pegel, Wassermarken etc. Des- 

Zeitachrift für Vermeasungswesen. 1885. 20. Heft. 25 



nr~jn 




386 Steppes. Allgemeine Normen für die Herstell ang 

gleichen auf die vorhandenen Inseln , Sandbänke , Felsen und alle 
Objekte, welche für die Strom- und Schiff fahrtsverhältnisse von 
Wichtigkeit sind. 

Da die Aufnahme der Wassergrenzen in den seltensten Fällen 
gleichmässig bei dem Pegelstande erfolgen kann , welcher durch 
die Wasserbaubehörde als Normalwasserspiegel für die vorliegenden 
Arbeiten bestimmt wird, so sind die zunächst gelegenen Pegel 
(Interimspegel, Wassermarken, cf. unten >Längen- Nivellemente) 
täglich^ bei schwankendem Wasserspiegel mehrmals im Tage ab- 
zulesen und die Resultate an betreffender Stelle im Feldmanuale 
sorgfältig zu registriren. Auf Grund dieser Notizen resp. mit Hilfe 
der etwa stattgefundenen örtlichen Markirung am Aufnahmetage, 
werden dann später die Wassergrenzen in Uebereinstimmung mit 
den Querprofilen, auf den Normalwasserspiegel zurückgeführt. 

Die Detailaufnahme des Inundationsgebietes muss alle gewerb- 
lichen und industriellen Anlagen, Gebäude, Ortschaften, Wege, Eigen- 
thunis- und Culturgrenzen, Deiche, Bäche, Gräben, Be- und Entwäs- 
serungsanlagen umfassen. Desgleichen sind sämmtliche Nivellements- 
festpunkte, Wassermarken, sowie auch die etwa schon vorhandenen 
Distanz- und üfersteine einzumessen. 

Bezüglich der Genauigkeit der Messung sind auch hier die in 
den einzelnen Staaten für die Ausführung von Katasteraufnahmen 
gegebenen Fehlergrenzen maassgebend. 

In der Begel soll aber der zulässige Längenmessungsfehler a 
den nachstehenden Werth nicht übersteigen : 

a = 0,K H- 0,000 8 Z, 

wobei l die gemessene Länge bedeutet. 

Unter ungünstigen Verhältnissen kann das Anderthalbfache 
des vorstehenden Betrages gestattet werden. 

Bei der Aufnahme von Inseln , Altwassern , Sandbänken etc., 
welche häufigen Veränderungen unterworfen sind und deren 
Grenzen daher eine scharfe Bestimmung nicht zulassen , kann be- 
züglich der Ausführung und Genauigkeit von den gewöhnlichen 
Vorschriften abgesehen werden und dem Zweck entsprechend ein 
einfacheres Verfahren (mit dem Distanzmesser etc.) zur Anwendung 
gelangen. 

Sonst sind alle Längenmessungen mit der Messlatte oder dem 
Stahlband auszuführen. 

Ueber die Aufnahme sind Handrisse in übersichtlicher und 
deutlicher Weise anzufertigen, so dass sich die Kartirung in he- 
liebigem Maassstabe jederzeit leicht danach bewirken lässt. Für 
eine sorgfältige Aufbewahrung der Handrisse wie überhaupt des 
Urmaterials ist Sorge zu tragen. 

Benutzung von älterem Material. 

In dem zweiten Falle , wo es sich nur um die Aufnahme des 
Stromes oder Flusses selbst handelt, von dem Inundationsgebiete 
dagegen brauchbare Karten vorhanden sind, ist zunächst zu unter- 



• "IL • 



* l 



hydrographischer Karten und Profile. 387 



suchen, ob den letzteren ein trigonometrisches und polygonomet- 
risches Netz zu Grunde liegt. 

Wenn dies der Fall und das vorhandene Netz an die für die 
vorliegende Aufgabe ausgeführte Triangulation angeschlossen ist 
oder leicht angeschlossen werden kann , . so sind in den Dreiecks- 
und Polygonpunkten dieses Netzes — deren Koordinaten event, 
durch Transformation benutzbar gemacht werden müssen — die 
erforderlichen Festpunkte zum Antragen der älteren Karten an die 
Neuaufnahme gegeben. 

Sind Handrisse vorhanden oder ist sonst das Urmaterial der 
Detailaufnahme der vorhandenen Karten dazu geeignet, so wird 
sich meist eine Neukartirun«? empfehlen, welche unter allen Um- 
ständen — selbst auch bei gleichem Maassstabe — dem einfachen 
Antragen vorzuziehen sein wird. 

Liegt in dem Falle, wo es .sich nur um die Aufnahme des 
Strom - resp. Flusslaufes selbst handelt , für die Darstellung des 
Inundationsgebietes aber vorhandene Karten benutzt werden sollen, 
den letzteren ein brauchbares , trigonometrisches Netz nicht zu 
Grunde, so ist das Dreiecksnetz der Strom- resp. Flussstrecke auch 
auf das Inundationsgebiet auszudehnen. Es hat dies indess nur in- 
soweit zu geschehen, dass an das Netz geeignete Polygonzüge, vor- 
nehmlich der Inundationsgrenze entlang, angeschlossen werden 
können, von denen aus das erforderliche Detail aufgenommen wird, 
um den nöthigen Anhalt für das Antragen aus den vorliegenden 
älteren Karten zu gewinnen. 

UZ Vertikälmessung, 

Entsprechend der ganz besonderen Wichtigkeit, welche genaue 
Höhenbestimmungen für die Beurtheilung der Stromverhältnisse, so- 
wie für alle bezüglichen hydrotechnischen Aufgaben haben, sind 
alle nivellitischen Arbeiten mit der grössten Sorgfalt auszuführen. 

Festpunkte. 

Vor Inangriffnahme derselben ist eine genügende Anzahl von 
Festpunkten, mindestens einer auf den Kilometer, zu schaffen. Sind 
feste Objekte, an welche dieselben sich anbringen lassen, nicht vor- 
handen, so müssen künstliche Festpunkte geschaffen werden. Die- 
selben werden am zweckmässigsten aus vierkantigen eisernen Bolzen 
mit halbkugelförmigem Kopfe bestehen, welche senkrecht in die Ober- 
fläche von behauenen Steinen einzulassen und mit Blei oder Cement zu 
befestigen sind. Der hervorstehende Kopf der Bolzen ist zum Schutze 
gegen Oxydation zu verzinken. Der höchste Punkt derselben ist der 
einzunivellirende Festpunkt. Die Steine müssen aus wetterbeständigem 
Material bestehen, oben glatt gearbeitet sein, einen Querschnitt 
von mindestens 0,25 qm und eine Länge von 1,1 m haben; ihre 
Basis ist möglichst gross zu wählen. Um sie gegen äussere Be- 
schädigungen zu schützen, dürfen sie nur 0,1 m aus dem Boden 
hervorragen, und damit durch Frost in niedrig gelegenem und 

25. 




'••'■'J^ 



388 Steppes. Allgemeine Normen für die Herstellung 

nassem Boden in der Höhenlage dieser Festpunkte keine Aenderung 
herbeigeführt wird, sind die Steine auf ein frostfreies Fundament 
von 0,75 m Länge und Breite, und 0,50 m Stärke zu setzen. Das 
Setzen dieser Festpunkte hat mindestens ein Jahr vor Beginn des 
Nivellements zu erfolgen. 

Als Festpunkte zum Anbringen an sichere Gebäude, Mauern 
u. 8. w. empfiehlt sich ein kräftiger, etwa 15 cm tief in das Mauer- 
werk einzugiessender Bolzen , dessen oben abgerundeter 3 — 4 cm 
starker Kopf etwa 2 — 3 cm vorsteht. 

Das Nivellement der Festpunkte, welches an das Höhennetz der 
Landesaufnahme oder sonstiger durch Präcisionsnivellement be- 
stimmter Punkte anzuschliessen und auf den Normalhorizont des 
Landes zu beziehen ist, wird zweimal, und zwar einmal in der ent- 
gegengesetzten Richtung wie das andere Mal , ausgeführt. Der 
mittlere Fehler darf in der Regel 3 mm pro Kilometer nicht über- 
steigen; unter besonders ungünstigen Verhältnissen ist eine Diffe- 
renz von 5 mm pro Kilometer gestattet. Ergibt sich bei der 
rationell (im Allgemeinen proportional den Entfernungen) auszu- 
führenden Fehlervertheilung eine grössere Differenz, so ist das Ni- 
vellement zu wiederholen. 

Vorhandene Abtheilungszeichen (Distanzsteine etc.) sowie sonst 
geeignete Punkte sind als Control- und Festpunkte zweiter Ordnung 
mit einzunivelliren. 

Stationirung. 

An das in vorbeschriebener Weise hergestellte Netz fester Höhen- 
punkte schliessen sich die weiteren nivellitischen Arbeiten an und 
zwar zunächst das Längennivellement des Stromes oder Flusses. 
Bevor zu demselben geschritten wird, hat in erster Linie die Sta- 
tionirung zu erfolgen, d. h. die Eintheilung des Strom- resp. Fluss- 
laufes in Abschnitte (Stationen) von 100 zu 100 m und die Markirung 
dieser Stationen, sowie der etwa durch Terrainwechsel der Ufer oder 
besondere Gestaltung des Bettes nothwendigen Zwischenpunkte an 
den Uferrändern. 

Als Stationslinie wird — falls nicht ganz besondere Verhält- 
nisse, wie bei Grenzflüssen etc. obwalten — in der Regel der Strom- 
strich oder bei beiderseitig regulirtem Bette die Mitte des letzteren 
angenommen. Die Stationirung erfolgt sodann mit Hülfe der Strom- 
karte, welche zu diesem Zwecke in den dafür nothwendigen Linien 
aufgetragen sein muss und in welche dann der nach den Angaben 
der Wasserbauverwaltung ermittelte Stromstrich bezw. die Bett- 
mittellinie einzutragen ist. 

Die hiernach festzustellenden Schnittmaasse der in den Stations- 
punkten errichteten Normalen oder Radialen zur Stationslinie mit 
den Uferpolygonseiten werden dann in die Oertlichkeit übertragen 
und danach die Markirung an den Ufern bewerkstelligt. Es sind 
auf diese Weise gleichzeitig für die Stationspunkte die Richtungs- 
linien der aufzunehmenden Querprofile gegeben. Die Numerirung 
1er Stationen geht mit dem Strome. Null derselben befindet sich 



i 



hydrographischer Karten und Profile. 389 

demnach am oberen Endpunkte der aufzunehmenden Strom- resp. 
Flussstrecke. Wenn nicht ältere, beizubehaltende Distanzsteine 
vorhanden sind, wird jede Zehnerstation — also jeder Kilometer — 
auf beiden Ufern durch einen möglichst geschützt anzubringenden 
Stein (Distanzstein), mit der entsprechenden Nummer, bezeichnet. 
Bei jedem Zehnerkilometer (Myriameter) wird ein grösserer Stein 
angebracht (cf. oben zu L). 

Nachdem in dieser Weise die Stationirung erfolgt und in den 
vorbezeichneten Distanzsteinen weitere Festpunkte zweiter Ordnung 
geschaffen worden, sind vor Beginn des Nivellements noch die Vor- 
bereitungen für die Normirung des Wasserspiegels, wie sie durch 
Anbringen der Interimspegel und Wassermarken (cf. oben zu I.) 
bereits getroffen , dahin zu ergänzen , dass — so weit der Schiff- 
fahrtsverkehr und die Lokalverhältnisse dies gestatten — bei jeder 
Station kleine Pfähle (Wasserpfähle) mit horizontalem Kopf, welche 
etwa 20 cm aus dem Wasser hervorragen , nahe dem Ufer einge- 
ßchlagen werden. Die Einmessung des Wasserspiegels erfolgt dann 
durch Ermittelung der Differenz zwischen dem einnivellirten Pfahl- 
kopf und dem Wasser. 

Längennivellement. 

Bei dem nunmehr vorbereiteten Längennivellement haben sich 
die Höhenbestimmungen zu erstrecken auf: 

a. das Uferterrain unter Berücksichtigung seiner wechselnden 
Gestalt, die Deiche, Leinpfade, Quais etc., sodann auf un- 
mittelbar anliegende Strassen, Wege, Eisenbahnen etc.; 

b. sämmtliche Bauwerke, als Brücken, Schleusen, Wehre, Mühlen 
etc. in allen ihren für den vorliegenden Zweck erforderlichen 
Einzelheiten; 

c. alle für die Bestimmung der Wasser- und Gefällsverhältnisse 
maassgebenden Zeichen und Objekte. Hierzu gehören vor 
Allem die Pegel, bei welchen zur steten Controle der un- 
veränderten Lage ihres Nullpunktes mindestens zwei nahe 
gelegene Festpunkte einzunivelliren sind; ferner die Hoch- 
wassermarken und sonstige derartige Zeichen und Merkmale; 
sodann endlich die neu angebrachten Interimspegel, Wasser- 
marken und kleinen Wasserpfähle in den Stationen. 

Aufnahme des Normalwasserspiegels. 

Die mit dem Längennivellement eng verbundene Aufnahme des 
Normalwasserspiegels, für welche die Wasserbaubehörde Tag und 
Stunde, überhaupt das Nähere bestimmt, hat mit der allergrössten 
Sorgfalt zu geschehen. Besondere Vorsicht ist hier bei den Bau- 
werken und Anlagen (Mühlen, Stauwerke, Schleusen etc.) in An- 
wendung zu bringen, welche vermöge ihres Betriebes besonderen 
Einfluss anf die Veränderlichkeit des Wasserspiegels haben. Bei 
solchen Anlagen ist die Wassernormirung in der Regel eine zwei- 
fache ; einmal unter gewöhnlichen Stauverhältnissen, das andere Mal 
bei freiem Durchfluss des Wassers. 



M 



390 Steppes. Allgemeine Normen fur die Herstellung 

Auch da, wo eine Einwirkung von Ebbe und Fluth stattfindet^ 
sind besondere, den örtlichen Verhältnissen entsprechende Vorsichts- 
massregeln bei der Fixirung des Normalwasserspiegels geboten. 

Im Uebrigen werden alle hierher gehörigen Arbeiten ohnedem 
zu einer Zeit anzuordnen sein, in welcher eine gewisse Stabilität 
des Wasserstandes erfahrungsgemäss am wahrscheinlichsten ist. 

Bei der Wasserstandsaufnahme wird in der Begel folgendes 
Verfahren einzuschlagen sein: Die Beobachter, deren Zahl bezw. 
deren Strecke sich nach der grösseren oder geringeren Veränder- 
lichkeit und Geschwindigkeit des Wassers richtet, gehen von den 
Anfangspunkten ihrer Strecken alle pünktlich zu gleicher Zeit ab 
und bewegen sich (event, per Kahn) stromabwärts, dabei der Ge- 
schwindigkeit des Wassers folgend, welche durch Schwimmer mar- 
kirt wird. Bei allen Hauptmarken (Pegel, Interimspegel und Wasser- 
marken) ist neben den betreffenden Maassen die Zeit der Ablesung 
nach vorher regulirter Uhr zu notiren. An den Grenzmarken der 
einzelnen Beobachtungsstrecken haben beide betheiligten Beob- 
achter nicht nur den jeweiligen Wasserspiegel durch Ablesung oder 
Einmessung festzustellen, sondern auch örtlich in vorher verein- 
barter Weise zu markiren, um so eine Controle der Ablesung und 
zugleich in dem etwaigen Unterschiede der Wasserspiegelhöhe ein 
schätzenswerthes Element für die Ausgleichung kleiner Differenzen 
zu erhalten. 

Während der Markirung des Wasserspiegels in der vorbeschrie- 
benen Weise sind alle Hauptpegel der Strecke in halb- oder ganz- 
stündigen Intervallen abzulesen. 

Querprofilaufnahme und Peilung. 

Die genaue Darstellung des Strom- resp. Flussbettes in seiner 
Breitenausdehnung und Bodengestaltung bildet einen wesentlichen 
Bestandtheil der hydrographischen Arbeiten und erfordert daher 
die Aufnahme der Querprofile die grösste Sorgfalt, besonders bei 
bedeutender Breite des Bettes und starker Strömung des Wassers. 

Die Entfernung der Querprofile von einander richtet sich mehr 
oder weniger nach den Localverhältnissen , doch ist in der Regel 
mindestens alle 100 m ein solches Profil aufzunehmen. Man legt 
ausserdem an den engsten und breitesten Stellen Profile, sowie da, 
wo die besondere Gestaltung des Strom- resp. Flussbettes — Krüm- 
mungen, grosse Tiefe und seichte Stellen — es verlangen. Die Pro- 
file sind normal zum Stromstrich resp. zur Bettmitte zu legen. Bei 
den vollen Nivellementstationen ist dementsprechend die Richtungs- 
linie der Querprofile in der Verbindung der rechts- und linksseitigen 
Uferpunkte bereits gegeben (cf. oben >Stationirung€). 

Die Querprofillinien sind, soweit dies nicht schon bei der Sta- 

tionirung geschehen ist, in die Uferpolygonseiten einzubinden und 

möglichst dauernd zu fixiren, um sowohl die genaue Längenbestim- 

Toiung, als auch später jederzeit an derselben Stelle vergleichende 

rofilaufnahmen ausführen zu können. 



hydrograpliiaoher E&rteti und Profile. 391 

Bei Häfen, seeartigeii Erweiterungen des Strom- resp. FIubs- 
bettee, sowie an den Miindunsen der Ströme und grösserer Flüsse 
richten sich Pro&llinien und Tiefenmessungen nach den örtlichen 
VerbältDissen und ist dabei nur darauf Bedacht zu nehmen, dasa 
Tiefenmessungen in genügender Zahl erfolgen, um daraus eventuell die 
erforderlichen Qoerprofile und Tiefenliuien konstruiren zu können. 
Die Tiefenmessung — das Peilen — in den Querprofilen geschieht 
je nach der Beschaffenheit des Strom- resp. Flussbettes in Abständen 
von 3 bis 20 m, in der Ufernähe von 1 bis 2 m. 

Beim Peilen bedient man sich für die Horizon talmaassbestim- 
mung gewöhnlich der Peilleine (Haar- oder Drahtseil), welche 
eine Eintheilung durch Bandzeichen oder angehängte Marken erhält 

Die Wassertiefen werden mit der Peilstange bestimmt. Diese 
3 bis 4 m lange, runde, mit Eintheilung in Decimeter versehene 
Stange muss bei weicher oder mooiiger Beschaffenheit des Fluss- 
bodens, um das Eindringen zu verhüten, mit teil era rtiger, durch- 
löcherter Blechplatte versehen werden. Bei grösseren Tiefen bedient 
man sich des Lothes, welches an einem mit EintheilunT versehenen 
schmalen Bandstreifen befestigt ist. Das Gewicht des Lothes richtet 
Bicb nach der Stärke der Strömung und der zu bestimmenden 
Tiefe. 

Die Aufnahme der Querprofile geschieht bei kleinen Flüssen in 
der Weise, dass man die — nöthigenfalls durch verankerte Boote 
unterstützte — Leine über den Fluss spannt und bei den einzelnen 
Tbeilzeichen die Wassertiefe misst. Die Feilung eines jeden Profils 
erfolgt der Controle wegen zweimal. 

Bei grösseren Flüssen und Strömen ist meistens schon des 
Schi fffahrts Verkehrs wegen ein U eberspannen des ganzen Bettes 
mit der Leine nicht durchführbar. Es müssen dann durch mehr- 
fach verankerte Boote Zwischenstationen gebildet werden, welche 
behufs genauer Längenbestimmung event, von den Uferpolygon- 
punkten durch Winkelmessung einzuschneiden sind. Nur wenn 
diese Art und Weise des Peilens nicht durchführbar , kann die 
Querproülaufnahme in der Weise erfolgen, dass in der abgesteckten 
Richtung des Profils beliebige Punkte gepeilt und diese sämmtlich 
durch Einschneiden vom Lande aus b^timmt werden. 

Die Anfangs- und Endpunkte der Feilung sind sodann in ihrer 
liage zu den Polygonseiten einzumessen und die sich ergebende Dif- 
ferenz mit der trigonometrisch berechneten oder aus der Karte ent- 
nommenen Entfernung von Ufer zu Ufer auf die Abscissen des Peil- 
profils zu vertheilen. 

Die Wasserspiegelhöfae zur Zeit der Aufnahme der Peilprofile 
ist mit Hilfe der Wasserpfähle in den Stationen zu bestimmen oder 
einzuniveliiren und gleichzeitig an dem zunächstgelegenen Pegel ab- 
zulesen. Besonders da, wo der Wasserspiegel durch Ebbe und 
Flutb beeinfiusst wird, — ist auch die Zeit der Aufnahme zu ver- 
merken. 

An die Aufnahme der Peilproöle schliesst sich in der land- 




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392 



Steppes. Allgemeine Normen für die Herstellung 



seitigen Verlängerung derselben die Aufnahme des Querschnittes der 
Ufer, welche auch alle etwaigen Anlagen auf denselben (Leinpfade, 
Deiche, Ladestrassen, Wege, Eisenbahnen etc.) umfassen muss. 

Nivellement des Inundationsgebietes. 

Die Höhenbestimmungen für das Inundationsgebiet schliessen 
sich unmittelbar an das Nivellement des Strom- resp. Flusslaufes 
an. Da diese Bestimmungen in der Regel durch Niveaucurven oder 
eingeschriebene Höhenzahlen im Horizontalplan zur Darstellung ge- 
langen , so charakterisiren sich die hier nothwendigen Aufnahmen 
als Flächennivellement geringeren oder grösseren Umfanges. Ist 
letzerer erheblich , so ist von den durch Präcisionsnivellement ge- 
schaffenen Festpunkten ausgehend das Gebiet mit einem weiteren 
Netz solcher Punkte zu überziehen, von welchen aus die Terrain- 
aufnahme erfolgen kann. Diese Festpunktnivellements sind, wenn 
möglich auf den vorhandenen Wegen, sonst aber den Wasserläufen 
und Flussgrenzen entlang auszuführen , so dass ein Netz entsteht, 
dessen Festpunkte unter sich eine grössere Entfernung als einen 
Kilometer nicht haben sollen. 

Die Nivellementsfestpunkte sind entweder an festen Bauwerken 
anzubringen oder, wo diese nicht vorhanden , sind besonders sicher 
stehende Grenzsteine dafür zu benutzen. Wo es an natürlichen 
Festpunkten fehlt, sind künstliche zu schaffen und zwar an einzelnen 
Hauptpunkten durch Anbringen von Steinen mit Bolzen , wie sie 
oben beschrieben , im Uebrigeu durch Eingraben von 1 m langen 
Pfählen, deren Kopf mit einem eisernen, oben abgerundeten Nagel 
und deren unteres Ende mit einem Kreuz zu versehen ist. 

Auf dieser Grundlage ist das Netz für die spezielle Höhen- 
aufnahme in der durch die ßodengestaltung bedingten Maschenweite 
zu disponiren. Zwischen den Maschen sind ausserdem so viele 
Punkte aufzunehmen , dass die Bodenformation vollständig mittels 
Zahlen resp. Höhencurven dargestellt werden kann. Die bei der 
Höhenaufnahme im Inundationsgebiete anzuwendende Methode richtet 
sich nach der Beschaffenheit des Terrains und der Art der Boden- 
benutzung. In ziemlich ebenem freiem Terrain wird man stets am 
vortheilhaftesten den Zweck durch einfaches geometrisches Nivelle- 
ment erreichen ; bei mehr coupirtem, aber offenem Terrain empfiehlt 
sich die Messung mit Hülfe von Höhenwinkeln oder unter Anwen- 
dung des Tachyraeters. Letzteres ist auch da zu empfehlen, wo 
mooriger oder sumpfiger Boden die Messung erschweren. 

üeber sämmtliche Festpunkte, Pegelnullpunkte und alle wich- 
tigen Höhenpunkte sind durch Zeichnung erläuterte Verzeichnisse 
anzufertigen , aus welchen die Lage und Höhe dieser Punkte er- 
sichtlich ist. Die Verzeichnisse sind zu vervielfältigen und zu ver- 
öffentlichen. 

IV, Anfertigung der Karten. 
Horizontalpläne. 
Für die Darstellung der Aufnahmen in der Horizontalprojection 



hydrographischer Karten und Profile. 393 

und den hierbei zu wählenden Maasstab kommen in der Regel dreierlei 
Karten in Betracht, nämlich: 

1. Die spezielle Stromkarte — Spezialkarte — welche sich 
auf die Darstellung des Stromes oder Flusses mit seinem engeren 
üfergebiet beschränkt. Dieselbe soll in diesem Rahmen alle zur 
Aufnahme gelangten Situationsobjecte enthalten und zugleich als 
Grenzkarte die Besitzstandsverhältnisse den Adjacenten gegenüber 
markiren. Ausserdem ist diese Karte bestimmt , in ihren Zahlen- 
angaben , Höhen - und Tiefenlinien ein genaues Bild der Boden- 
formation des nächsten Ufergebietes sowohl , als auch der Gestalt 
des Flussbettes zu geben , welche letztere auch event, noch durch 
Eintragung sogenannter schwimmender Profile speziell vor Augen 
zu führen ist. 

Diese Karte soll ferner eine klare und genaue Uebersicht aller 
trigonometrischen und polygonoraetrischen Linien und Punkte , so- 
wie der Nivellementsfestpunkte gewähren. 

Mit Rücksicht hierauf dürfte diese Karte in kleinerem Maass- 
stabe als 1 : 2000 nicht zu zeichnen sein. 

2. Die Karte des Strom- und Inundationsgebietes — die Strom- 
karte — für welche der Maassstab 1 : 5000 als der zweckmässigste 
erscheint. Auch diese Karte soll in der Hauptsache ein genaues 
Bild des Strom- resp. Flusslaufes geben, daneben aber auch die 
Situations- und Höhen Verhältnisse des anschliessenden Inunda- 
tionsgebietes — letztere durch Zahlen oder Horizontalcurven — in 
allen Details zur Darstellung bringen. 

3. Die Uebersichtskarte, für welche je nach den Ver- 
hältnissen der Maassstab von 1 : 10 000 bis 1 : 25 000 zu wählen ist. 

Bei einfachen Verhältnissen wird das eine oder andere der 
unter 1. und 2. genannten Kartenexemplare entbehrlich erscheinen 

Inwiefern für spezielle Bau- und Regulirungsprojecte etc. noch 
Zeichnungen in anderem Maassstabe anzufertigen sind, muss der 
speziellen Erwägung in jedem einzelnen Falle anheimgestellt wer- 
den. Zur Gewinnung eines Gesammtbildes aller einschlägigen Ver- 
hältnisse wird jedoch unter allen Umständen die Herstellung hy- 
drographischer Landeskarten anzustreben sein, für welche 
sich mit Rücksicht auf die in den militärischen und sonstigen 
Aufnahmen gegebenen Grundlagen der Maassstab 1:25000 empfiehlt. 

Das Format der Horizontalpläne soll dasjenige eines Bogens 
Grossadlerpapier (1 m lang, ^1^ m hoch) wenn irgend thunlich nicht 
übersteigen. Diese Karten sind möglichst in rechteckigen Sectionen 
herzustellen, deren Ränder mit den Koordinatenaxen parallel laufen. 

Für die Kartirung ist weiter das Kartenblatt mit einem gleich- 
falls den Koordinatenaxen parallelen Netze von nicht zu grossen 
Quadraten zu überziehen, auf Grund dessen die Dreiecks- und 
Polygonpunkte einzutragen sind. 

Bei der auf dieser Grundlage auszuführenden Liniennetz- und 
Detailkartirung sind die einschlägigen Bestimmungen für Kataster- 
arbeiten maassgebend und auch diesen entsprechend die auftreten- 



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V 



$^4 Steppes. Allgemeine Normeo für die Herstellung 

den DiiFerenzen zu vertbeilen resp. zu beseitigen. In Ermangelung 
derartiger Normen hat ein alle in Betracht kommenden Verhältnisse 
berücksichtigendes rationelles Verfahren einzutreten. 

Niveaucurven und Tiefenlinien. 

Nach beendigter Kartirung der Situation ist das Höhennetz 
in dieselbe einzutragen und sind dann nach dem Flächennivellement 
und der Querprofilaufnahme die Niveaukurven und Tiefenlinien zu 
construiren. Die Entfernung derselben variirt je nach dem Maass- 
stab der Karte und vor Allem der Bodengestaltung zwischen 0,5 
und 5 m. Dieselben sind zur besseren Uebersicht bei 5 und 10 m 
und deren Vielfachen durch stärkere Linien hervorzuheben und bei 
halben Metern nur zu punktiren. 

Zur Vermeidung von Verwechselungen mit Eigenthums- und 
Culturgrenzen sind diese Curven nicht schwarz, sondern durch eine 
hervortretende Farbe (am besten braungelb) einzutragen. 

Bei mehr ebener und flacher Bodengestaltung empfiehlt sich 
anstatt der Niveaucurven das Eintragen von Höhenzahlen. Solche 
sind jedoch unter allen Umständen an besonders hohen und tiefen 
Punkten (Kuppen, Senken), sodann bei Leinpfaden, Deichen etc., an 
Brech- und Schnittpunkten in die Pläne einzuschreiben. 

Mit Rücksicht auf die grosse Wichtigkeit, welche in der gleich- 
massigen Behandlung de