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Full text of "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen"

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1 

i 



Professor Karf ßetnrtdj Kau 

OF THB ÜNIVBRSITV OF HBIDBLBBRa 

PRE8ENTED TO THE 
UNIVER8ITY OF IM I C H I Q A N 

BY 

IlTr. pi^ilo parsons 

OF Dbtroit 



V ; 



■ - 6 



ZEITSCHRIFT 

FÜR 

VERGLEICHENDE 

SPRACHFORSCHUNG 

AUF DEM GEBIETE DES 

DEUTSCHEN, GRIECHISCHEN UND 
LATEINISCHEN 

HERAITSGRGEBKN 



Sr. ADAX.8BRT KUBV, 

PROFESSOR AM COLNISCHSN OTMNASTUM ZV »BRLTN. 




BAND XV. 



BERLIN, 
FERD. DÜMMLER'S VERLAGSBUCHHANDLUNG 

(HARKWITZ UND G088MANN) 

1866. 



Verzeichnifs der mitarbeiter. 



Director dr. Akrens in Han- 
nover. 
Dr. Andresen in Muhlheini a. Rh. 
C, Arendt z. z. in Peking. 
Prof. Ascoli in Mailand. 
Prof. dr. Th. Aufrecht in Edin- 



Prof. dr. Ag. Benary in Ber- 
lin f. 

Prof. dr. Th. Benfey in Göttin- 
gen. 

Privatdoc. dr. Bickell in Mar- 
burg. 

Dr. A, Birlinger in München. 

Staatsrath dr. 0. Boehtlingk in 
Petersburg. 

Prof. dr. BoUensen in Witzen- 
hausen a. d. Werra. 

Prof. dr. F. Bopp in Berlin. 

Prof. Michel Breal in Paris. 

Prof. dr. Ernst Brücke in Wien. 

Dr. Jos, Budenz in Ungarn. 

Prof. dr. G, Bühler in Pocna. 

Dr. Sophfis Bugge in Christia« 
nia. 

Prof. dr. W. Corssen in Schul- 
pforte. 

Prof. dr. G. Curtius in Leipzig. 

Dr. Berthold Delbrück in Ma- 
rienwerder. 

Dr. Loren% Diefembach in Frank- 
furt a. M. 



' Director prof. dr. A» Dietrich 
in Hirschberg. 

Prof. dr. H. Düntier in Cöin. 

Dr. H. Ebel in Schneidern 8hl. 
I Dr. Gust. Eschmann in Burg- 
' Steinfurt 

Oberbibliothecar Prof. dr. E, 
Förstemann in Dresden. 

Dr. Froehde in Liegnitz. 

Dr. G. Gerland in Magdeburg. 

Director. dr. A, Goebel in Co- 
nitz. 

Prof. dr. Grafsmann in Stettin. 

Hofrath J. Grimm in Berlin f. 

Prof. dr. V, Grohmann in Prag. 

Prof. dr. M, Haug in Reutlin- 
gen. 

Dr. Ludwig Hirzel in Frauen- 
feld (Gant. Thurgau). 

Hofrath dr. HoUzmann in Hei- 
, delberg. 

. Prof. dr. Hupfeld in Halle f. 
1 J. B. Janku in Florenz. 
'■ Prof. dr. Jülg in Inspruck. 

G, Jurmann in Wien. 

Prof. dr. H, Kern in Leyden. 

Prof. F. Kielhom in Bombay. 

Justizr. dr. Th, Kind in Leipzig. 

Prof. dr. Kirchoff in Berlin. 

Dr.üT. o. üTiftoft^atfrA in Tubingen. 

Dr. Reinhold Köhler in Wei- 
mar. 



verzeichnirs der miUrbeiter. 



Prof. dr. A. Kuhn in Berlin. 
Gymnasiallehrer dr. Gustat Le- 

gerloU in Soest. 
Dr. F. A. Leo in Berlin. 
Prof. dr. H. Leo in Halle. 
Prof. dr. R. Lepsius in Berlin. 
Prof. dr. M. Lexer in Freiburg 

i. B. 
Prof. dr. C, Lotlner in Dublin. 
Prof. dr. A, Ludwig in Prag. 
Dr. W, Mannhardt ia Danzig. 
Dr. H, Mariens in Bremen. 
Prof. dr. Mafstnann in Berlin. 
Dr. Maurophrydes aus Kappa- 

docien in Athen. 
Prof. dr. Leo Meyer in Dorpat. 
Dr. Michaelis in Berlin. 
Fran% Misteli in St. Gallen. 
Prof. dr. Th. Möbius in Kiel. 
Prof. dr. K. MüUenhoff in Berlin . 
Prof. dr. Max MüUer in Oxford. 
Prof. dr. Friedrich Müüer in 

Wien. 
Prof. dr. Mussafia in Wien. 
Dr. Pauk in Stettin. 
Dr. Ign. Fetter 8 in Leitmeritz. 
Dr. Friedr, Pfeiffer in Breslau. 
Prof. dr. A. Pictei in Genf. 
Prof. dr. A, F. Pott in Halle. 
Prof. dr. Karl Regel in Gotha. 



Dr. Rosselet in Berlin f. 

Prof. dr. R, Roth in Tübingen. 

Prof. dr. J. Sareisberg in Acben. 

Hofrath prof. dr. A, Schleicher 
in Jena. 

Dr. Johannes Schmidt in Berlin. 

Prof. dr. M, Schmidt in Jena. 

Prof. dr. Schmidt - Göhel in Lern- 
berg. 

Prof. dr. Schnitier\u Bllwangen. 

Dr. Schröder in Merseburg. 

Prof. dr. H. Schweizer- Sidler 
in Zurieb. 

Dr. W, Sonne in Wismar. 

Prof. dr. Spiegel in Erlangen. 

Prof. dr. H. Steinthal in Berlin. 

Director G. Stier in Colberg. 

Dr. Strehlke in Danzig. 

Dr. Techen in Wismar. 

Dr. jL. Tobler in Aarau. 

K, Waller m Freienwalde a. O f« 

Prof. dr. A. Weber in Berlin. 
1 Prof. dr. Hugo Weber in Weimar. 
: Prof. dr. Weinkold in Kiel 
' Prof. dr. Westphal in Breslau. 
1 Fr. Woeste in Iserlohn. 
' Oberlehrer dr. Zeyfs in Marien- 
I Werder. 

i Prof. Zyro in Bern. 



Inhalt. 



Ue^r die anlautende eonsonantenverbindung ^q (vr) in der homcriicheu 

»pfache, Ton Leo Meyer 1 

Heinerische etymologien, von H. DUntzer (fortsetznng) 48 

Kleinere Schriften von Jacob Grimm, bd. I., angezeigt von A. Kahn 72 
Friedrich Baver, die demente der lateinischen formenlehre, ange- 
zeigt von J. Sehmidt 75 

gaim, von Bickell 80 

Sprachliche und mythologische untersuchnngen , angeknüpft an Rigveda 

I, 50. Dritter artikel, von W. Sonne (fortsetzting) 81 

Zur kenntnifs der dialekte der neugriechischen spräche. I. Der trape- 

zuntische dialekt, von Th. Kind 141 

IL Der diakkt der inseln Karpathos, Rhodos, Kalymnos nnd Kasos, 

von demselben 144 

Zn bd. XIV, 266, von O. Boehtlingk 148 

Pietro Bisi, dei tentativi ftitti per spegiare le antiche Imgae italiche e 

specialmente l'Etrusca, angezeigt von W. Corssen 149 

Lateinisehes b im inlatrt ans st entstanden, von J. Schmidt . . .160 
Zur geschiehte altdentscher declmation. IL Der genetiy plnralis, von 

E. FSrstemann 161 

Zur kenntnifs der dialekte der neugriechischen spräche. IIL Der ky- 

prische dialekt, von Tb. Kind 179 

Sprachvergleichende Studien im alemannitKrhcn nnd schwäbischen, von 

Birlinger J91 

^i'o;»' und vätyas, von Max Müller 215 

J. Muir, contributions to a knowledge of the vedie theogony and my- 

thology, angezeigt von A. Kuhn 221 

»Stenzler, gfhyasütr&ni, indische hausregeln, sanskrit und deutsch, an- 
gezeigt von dems 224 

Sehen kl, werth der Sprachvergleichung tilr die classischc philologie, 

angezeigt von J. Schmidt 228 

Brdal, de la mcthode comparative appliquce a IVtude des langues, 

angezeigt von dems 229 

Baudry, les freres Grimm, angezeigt von dems 231 

Glinge insz freie, angezeigt von dem:« 232 

Froehde, beitrage zur lateinischen etymologie, angezeigt von dems. . 233 
J. Davies, on the temporal augment in sanscrit and greek, angezeigt 

von dems 284 

Voigtmann, Max MUller's bau-wau-theorie und der Ursprung der 

spräche, angezeigt von dems 235 



VI InbAlt 

Srit« 

£t3rmologica. 1. dinster, finater, UmisrA, tenebrae, düster; 2. Simrock, 

von A. Kuhn 238 

Zum sabellischen dialekt, von Corssen 241 

Sprachvergleichonde Studien im alemannischen und schwäbischen, von 

Birlinger (schluTs) 257 

Ueber medialendungen, von Franz Misteli 285 

Schleicher, compendium der vergleichenden grammatik der indoger- 
manischen sprachen II. bd., angezeigt von A. Kuhn 302 

G. Curtius, gmndzüge der griechischen etymologie (erster halbband), 

angezeigt von Schweizer-Sidler 812 

fvas, ffßirvvfit und ihre germanischen verwandten, von A.Kuhn . .317 

r aus V, von A. Kuhn 820 

Ueber medialendungen, von Franz Misteli (schluTs) 321 

Homerische etjmologien, von H. Dttntzer (fortsetcung) 348 

Sprachliche und mythologische Untersuchungen, aageknttpft an Rigveda 

I, 50, von W. Sonne. Dritter artikel (fortsetsnng) 867 

G. Lignana, applicazioni del crlterio filologico al problema storico 

della filosofia, angeseigt von J. B. Jankn . . 388 

Neruoci, sa^o di uno studio sopra i parlari vemaooli, angezeigt von 

A. Mussafia 395 

Schleicher, compendium der vergleichenden grammatik der indoger- 
manischen sprachen bd. II, angezeigt von A. Kuhn (schluTs) . .397 

Umschreibung des altindischen alphabets 400 

Ueber das verbtUtnifs einiger secundären medialendungen zu den primä- 
ren, von A. Kuhn 401 

Ueber einige genetiv- und dativbildungen, von dems. 420 

Sprachliche und mythologische Untersuchungen, angeknüpft an Rigveda 

I, 60. Dritter artikel (schlufs) 488 

Ueber den vocalischen ausgang der bildnngssuffixe, von A.Ludwig .44^ 
Johannes Schmidt, die wurzel ak im indogermanischen, angezeigt 

von A. Kuhn 44 

A. 6. von ThUnen, Graphein. Eine abhandlung ttber entstehung und 

fizirung alter sagen und Überlieferungen, angezeigt von J. Schmidt 4' 
K. Panitz, das wesen der lautschrift, angezeigt von dems. . . , . ^ 
Ludwig Lange, die bedeutung der gegensätze in den ansichten ttber 
die Sprache für die geschichtliche entwicklung der Sprachwissen- 
schaft, angezeigt von dems. 

Sach- und Wortregister, von Ernst Kuhn 



üeber die anlautende consonantenverbindung 
ßQ (vr) in der homerischen spräche. 

Der Halbvocal v findet sich in den indogermanischen spra- 
chen gar nicht selten in anlautenden consonantenverbin- 
dungen, sowohl an zweiter stelle, wie ich denn z. B. i^i 
bezng auf das Griechisch -lateinische in meiner grammatik 
(bd. I, 8.79) von den Verbindungen kv, dv und sv zu 
sprechen hatte, als auch an der ersten. Unter den Ver- 
bindungen der letzteren art konnten wir (s. 78) fQr das' 
Griechischlateinische nur vi und vr erweisen, in weiterem 
umfange nur das letztere, das in manchen anderen indo- 
germanischen sprachen auch nicht ungewöhnlich ist, wie 
es denn z. b. im altindischen entgegentritt in den vedischen 
vraj4s, kuhstall, vrajanam, strafse, vratam, heiliges 
werk, und innerhalb des deutschen Sprachgebietes in den 
goth. vrikan, verfolgen, vratdn, wandeln, vrits, punct, 
strich, und in angelsächsischen Wörtern wie vrecan, ver- 
treiben, strafen, rächen, vraest, fest, stark, vrenc, ranke, 
hinterlist, vrixlan, wechseln, tauschen, und anderen. 

Im lateinischen mufs das vr schon sehr früh aufge- 
geben sein, innerhalb der geschichte der griechischen sprä- 
che aber sehen wir überhaupt jedes consonantische j: er- 
löschen und also damit auch die Verbindung j:q zerstört 
werden. Wo aber das ß. sonst bewahrt ist, da begegnen 
wir auch noch der Verbindung ßQ^ so z. b. im Aeolischen, 
fiir das von Ahrens (bd. I, s. 33 ff.) die formen >r(>^^«^ und 

Zcitschr. f. vgl. sprachf. XV. 1. 1 



*i Leo Meyer 

mit /9 für altes/" ßQfixog, ßorixcnQ, ßQoöov und andere bei- 
gebracht werden. 

Wie nun aber ftlr die beurtheilung des griechischen 
wau überhaupt die homerische spräche durch ihre metri- 
schen Verhältnisse von besonderer Wichtigkeit f&r uns ist, 
so namentlich auch in bezug auf die genauere feststellung 
derjenigen Wörter, die im ältesten Griechisch statt des spä- 
teren einfachen q die consonantenverbindung j:o im anlaut 
gehabt haben müssen. Warum aber Immanuel Bekker in 
seiner Homerausgabe, die das anlautende einfache/* überall 
gehörig herzustellen bemüht ist , niemals jtq bietet , weifs 
ich nicht. Metrische Störungen, deren durch sonst wohl- 
begründetes ^Q in unseren ausgaben allerdings manche 
eintreten würden, werden bekanntlich auch sonst durch das 
hergestellte j: in zahlreicher menge hervorgerufen, ün- 
^löglieh darf man aber denken, dafs jedes anlautende ho* 
merische q willkührlich die geltnng eines einzigen oder 
zweier mit einander verbundener consonanten gehabt ha- 
ben könne. 

Wenn wir nun im folgenden nochmal alle die Wörter 
der homerischen gedichte mit anlautendem einfachem o im 
überlieferten text darauf hin prüfen, ob sie in der echten 
homerischen spräche wirklich nur ein einfaches q oder vor 
diesem noch ein/- in ihrem anlaut hatten^ so heben wir doch 
mal hervor, dafs es keinesweges unsere absieht sein kann, 
darnach ohne weiteres und gewaltsam etwa alle unsere Ho^ 
merausgaben ummodeln zu wollen. Dafs aber die spräche, 
durch welche nicht in schwächlich nachahmender und nach« 
äffender weise späterer dichterlinge sondern mit ursprüngli- 
cher dichterkrafl die echte homerische dichtung geschaffen 
ist, in bezug auf den gebrauch des wau nicht die verworrene 
willkürlichkeit, wie unsere ausgaben sie zeigen, enthalten 
haben kann, sondern in festen gesetzen, die wieder aufzu- 
decken die au%abe späterer Wissenschaft ist, beruhen mufs, 
das kann unseres erachtens keinem zweifel unterliegen. 
Nur die bezeichnete nennen wir einfach die homerische 
spräche. Sie kann durch die beschaffenheit unserer Ilias- 



über die anlaut. consonantenverbindang J^^ (mr) in der hom. spräche. 3 

und Odysseegestalt, an denen die langverschleppte arbeit 
vieler Jahrhunderte nachweisbar sein mag, durchaus nicht 
gemafsregelt werden. 

Einige male ist die Verbindung j:q dadurch entstan- 
den, dafs ein das ^ und q ursprünglich trennender vocd 
in folge der Umbildung der Wörter ausgeworfen wurde, so 
in mehreren zu einer wurzelform /^q^ wie sie z. b. aus 
aXko 8k TOI jrtQioa (Ilias I, 297) und sonst deutlich mit j: 
entgegentritt, gehörigen bildungen, wie zunächst dem pas«- 
siven particip jrotjd-ivv', das so mit /"^ durch die vers- 
schliefsende Verbindung imjrg}]&evTi Sixaifp Odyssee XVIII^ 
414 s= XX, 322 erwiesen wird. Dazu gehören weiter auch 
noch jrpfjoig, das sprechen, gespräch (nur Odyssee XXI, 
29t), und jrQTJrg)] (elisches jrgccTQa f&hrt Ahrens I, 226 an), 
Verabredung, vergleich (nur Odyssee XIV, 393), die beide 
für nnsre frage nach dem j:q metrisch gleichgültig stehen, 
und femer jrQfjTTjf) (äolischcs ßQrjTm() giebt Ahrens I, s. 34), 
Sprecher, in dem verse uv&uiv re ^QtjriJQ* iusvai not]XTijga 
TB jTioyojv (Ilias IX, 443), und noch ^QrjTog, verabredet, 
bestimmt, nur in dem versanfang fniniffo im ^Qrino (Ilias 
XXI, 44.')). Die letztere form steckt auch in den zusam* 
mensetzungen ci-jrQtjTog^ ungesagt, ungesprochen (nur Odys- 
see XIV, 466), und Ttaga-jrQtjrog , der sich bereden läfst 
(nur Ilias IX, 526), zureden, ermahnungen (nur Ilias XIII, 
726), die in allen ausgaben mit innerem qq geschrieben 
sind; es ist aber durchaus unwahrscheinlich, dafs das ho- 
merische jr einem folgenden g jemals gleichgemacht wurde, 
während gg an der stelle von altem (rg der homerischen 
spräche allerdings nicht abgesprochen werden kann. 

Erwähnt werden mag hier auch noch das homerische 
fgrjv^ schaf, das freilich nicht einfach, sondern nur in der 
Zusammensetzung noXv'jrgijv (nur Ilias IX, 154 = IX, 296) 
oder nokv'fgrjvog (nur Odyssee XI, 257), schafreich, vor- 
kömmt und ohne zweifei eng zusammenhängt mit j^agv-j 
schaf, widder, das so mit jr sich z. b. aus den versschlQs- 
sen ßonaßagvMV (Ilias IV, 435), alfjia xi ^agvüv (Ilias IV, 
158) und i]vri jrdgvsg (Ilias XVIII, 131) deutlich ergiebt. 

1 ' 



4 Leo Meyer 

Ob damit möglieber weise der oame F()/]vtj zusammenbängt, 
der nur Ilias II, 728, wo aber aiicb 'Ptjv)] zu lesen mög- 
lieb, angeführt ist? 

Der form jrtward^eiv, sebleifen, zerren, wurde bezüg- 
lieb ibres j: von uns sebon im vierzehnten bände der zeit- 
sehrift s. 91 gedacht; sie steht versbeginnend also metrisch 
gleiehgöltig Odyssee XVI, 109 = XX, 319, verlangt aber 
das^ deutlieh Ilias XXIV, 755: TcokXa jrgvardCeaxBV^ wäh- 
rend das zugehörige Substantiv ^Qvaraxtvg^ das Zerren, 
nur Odyssee XVIII, 224 metrisch gleichgOltig steht. Beide 
Wörter scbliefsen sieh eng an das am oben angefikhrten 
orte von s. 88 bis 91 von uns besprochene /'£oi;£(y, ziehen, 
reifsen, herausreifsen. Unmittelbar dazu gehört ohne zwei- 
fei anch ^QVTtiQ (Ahrens I, s. 34 führt äolisebes figwi^Q 
an), Spanner, abschiefser, zugseil, das überall sein anlau- 
tendes j: deutlich erkennen läfst, so Odyssee XVIII, 262 : 
7)St ^gvrrjgag oi^rrwr, Odyssee XXI, 173: olov tb ^gvrijga 
ßtov T Hjuevair xcn oiötüv und Ilias XVI, 475 : hv 8i ßQV^ 
TrJQrti Tctwad-tv. Anzuscbliefsen scheint sich auch noch 
^Qvuoq^ deichsei, das aber im versschlufs ivi^iöttp knl QVfA^ 
Ilias XXIV, 271 anlautendes p entschieden abweist und 
sonst nur noch fünfmal metrisch gleichgültig gebraucht 
ist. Auch ^pt/roi,', herbeigeschleppt (von grofsen steinen), 
nur Odyssee VI, 267 und XIV, 10, an welchen beiden stel- 
len es den vers beginnt, also das^ auch entbehren könnte, 
wird wohl mit recht noch mit j:^qvbiv^ ziehen, reifsen, zu- 
sammengestellt. Vielleicht gehört dazu auch Vkoch jrgiGiov^ 
entschädigungsbeute, geifsel, falls man wirklich so zu schrei- 
ben hat; es steht nur Ilias XI, 674 versbeginnend. Sehr 
fraglieh aber ist, ob auch jrgvaog^ runzlig, das nur Ilias 
IX, 503 im versbeginnenden ;^wAa/ t« ^gvaai tb vorkömmt, 
und dann etwa auch noch der name der kretischen Stadt 
FüvTiov, die nur Ilias II, 648 in der Verbindung (paujTov 
TE Fgvnov tb genannt ist, dazu gehören, die ein anlauten- 
des jr nicht verkennen lassen. 

Für j^gi^a^ Wurzel, ist das ^ erwiesen durch das äoli- 
sche ßgi'C,a oder ßgiaöct (Ahrens I, s. 34) und für die ho- 



über die anlaut consonantenverbindung ^{} (vr) in der hom. spräche. 5 

meriscbe spräche durch den versschlufs ini Öt ^gi^av ßdl^ 
mxgrjv Ilias XI, 84G, wahrend der versschlufd aefagayevvro 
9k ßoi TivQi Qi^cti^ Odyssee IX, 390, allerdings dagegen zu 
sprechen scheint. Der anlautende halbvocal wird weiter 
aber auch noch gesichert durch die nahe Verwandtschaft 
unseres wurzel, des goth. vaurts, in denen die laute v 
und r durch zwischenliegenden vocal noch auseinander ge- 
balten sind. Das zugehörige verbum jtqi^ovv^ mit wurzeln 
versehen, befestigen, bepflanzen, begegnet nur in der aug- 
mentirten form ^^rgi^coaev Odyssee XIII, 163 und in der 
reduplicirten kfgi^torat Odyssee VII, 122, denen wir das 
^Q statt des qq der ausgaben zu geben haben. Ebenso 
lautet das auch noch hiehergehörige zusammengesetzte 
TTQogoi^og, bis zur wurzel, von grund aus, das nur Iliaa 
XI, 157 und XIV, 415 und zwar beide male versbegin- 
nend sich findet, wirklich homerisch nur ngo-jrgi^og. 

Wie neben j^gi^a in unserm wurzel und dem goth. 
vaurts die laute v und r noch durch einen vocal getrennt 
neben einanderstehen, so ist es ganz ähnlich der fall in 
unserem werfen, dem goth. vairpan, in vergleich mit 
dem nah damit verwandten jrglnreiv^ wie wir die home- 
rische form gleich werden nennen dürfen. Abgesehen von 
den augmentirteu formen ifgixps (in den ausgaben hunxjff) 
oder '^jrgnffzv Ilias XIX, 130; XXII, 406; Ilias XXIII, 
842; XXIII, 845; Odyssee VI, 115; IX, 398; XII, 254; 
XX, 299; ccP'ijrgtTiTui' (Bekker dvefoinruvi') Odyssee XIII, 
78; ciV'ifgixfßccv Ilias IX, 517 und in-i^^giipav Odyssee V, 
310 sprechen von den zugehörigen verbalformen entschie- 
den gegen ein einfach anlautendes g nur drccjrginreiv 
Odyssee VII, 328, (tno'^ühffevra Ilias IX, 517 und «rro- 
-fohjmi Ilias XVI, 282, in denen ohne weitere beweis- 
gründe auch ein ug an der stelle von alten <sg hätte für 
möglich gehalten werden können. Die vereinzelte neben- 
form jrgiTirdCetv steht nur IJias XIV, 257, versbeginnend. 
Deutlicher ist die anlautende consonantenverbindung ^(; in 
dem zugehörigen Substantiv rglTti], wurf, kraft, wucht, an- 
drang, an mehreren stellen (Ilias XII, 462; XV, 171 ; XIX, 



6 Leo Meyer 

358; XXI, 12 und Odyssee VIII, 192) in der Verbindung 
V7i6 ^(}inrj^, wo das o von vno jedesmal die zweite bebung 
des verses trägt. Dal's mit diesem ^qItit]^ wurf, etwa auch 
der name Fglrnj übereinstimme, läfst sich kaum vermu- 
then ; er steht nur Ilias II, 606, den Vers beginnend, könnte 
also auch einfaches q haben. 

Möglioher weise ist mit ^{ßinreiv und uuserm werfen 
nah verwandt und fahrt dann also mit ihnen auf eine ge- 
meinsame wurzelform varp zurück QonaXov^ keule, das 
für die homerische spräche sich sX^^gonakov ergiebt durch 
Ilias XI, 559 : G) drj TiokXa 7te(}i ^oonaX* afAtpig hfdyt} und 
Odyssee IX,3 19: i^xeiro fiiya^gonakov nagd atjxtp. Auiser- 
dem steht es noch ein paar mal metrisch gleichgültig. Un- 
mittelbar dazu gehört wohl auch, wie längst vermuthet ist, 
der schlufstheil von xalavgoxjj^ hirtenstab (nur Ilias XXIII, 
845), das aus xakd'^ooyj hervorgegangen sein wird, wenn 
auch über seinen ersten theil xaka- noch nichts ganz si- 
cheres bestimmt ist. Mit ^gü7ia?.ui^ wird weiter aber auch 
eng zusammenhängen das homerisch gewifs mit ^ sluzU" 
setzende jrgdTTi^^ das die homerische spräche aber nur in 
der Zusammensetzung xQvöü-^ganiq^ mit goldenem Stabe, 
aufweist Odyssee V, 87; X, 277 und 331, wo jedesmal das 
innere o die vierte vershebung trägt. Von ßgdm^ wird 
aber sicherlich das weibliche jC(;a^^Jo^', ruthe, Stab, nicht 
zu trennen sein, für das das anlautende ^ sich aus Odys- 
see XXIV, 2: ix^ Si ^gdßÖüv fierd yjgoiv ergiebt und aus 
dem versbeginnenden ^iktto Ök ^gdßöov Ilias XXIV, 343 
= Odyssee V, 47, wogegen der versschlufs negifitjxei gdßS<p 
Odyssee X, 293 und XII, 251 das anlautende^ allerdings 
abzuweisen scheint, da man schwerlich mit Zerstörung 
des Daktylos im vorletzten fufse wird neniurjxei jrgdßöcf) 
lesen dürfen. 

Mit ^{nv6<^^ haut, feil, schild, stimmt ohne zweifei das 
männliche altindische varnas, färbe, genau überein, aus 
denen beiden der einfache grundbegriff des bedeckenden 
sich entnehmen läfst. Für jene griechische form ergiebt 
sich aber das j: aufser aus der von Ahrens (bd. 11, s. 56) 



über, die anlaut. consonaotenverbindung ^^l (vr) in der hom. spräche. 7 

dafür aus Hesycbios beigebrachten dialektischen form ygl- 
vog^ in der das y wahrscheinlich för altes ^ steht, auch 
noch deutlich aus mehreren homerischen versen, die hier 
alle genannt sein mögen: älloi dt ^givoJg Uias VII, 474; 
uöB Ö' aTio jTQLVov Ilias V, 308; ivd'a x' äno ^givovg 
ögv(f&f] Odyssee V, 426; äx()f]v öi jrotvov Öijlfjaaro ;^aA- 
xog Odyssee XXII, 278; ciAA' ot ye ^gwolat ßojpiav Ilias 
XII, 263; ;^«Azoü r« jpqivov re ßofiüp Ilias XVI, 636; rtjv 
ä(j 6 ya jrgivüiöi ßojruiv Ilias XIII, 406; Tiegi dh jrgivoi 
(,uvvd-ovöiv Odyssee XII, 46. Ein mal, nämlich Ilias X, 
155: avö' V7i6 3* eor^wTO ^gtvov ßofög äy^avloio ist das 
wort ungeschlechtig gebraucht, falls hier nicht ein alter 
irrthum steckt: denn Odyssee V, 281 in den werten ^€i- 
aaxo d' djg (ire qivov iv iifBQofuöeC novTcp scheint ein 
ganz anderes ^Ivov vorzuliegen , das anlautendes ^ durch- 
aus abweist. Das zusammengesetzte ^yivo-Togog^ schild- 
durchbrechend, ündet sich nur Ilias XXI, 392, wo es den 
vers beginnt, an ein unmittelbar vorausgehendes ^V(ii;^' sich 
anschliefsend. Aufserdem tritt unser jrQlvug in der home- 
rischen spräche noch als schluisglied des zusammengesetz- 
ten xalavglvogj schildhaltend, standhaft, unüberwindlich, 
auf, das ohne zweifei aus Takci-jrfüifog hervorging; es geht 
Ilias VII, 239 versschliefsendem TiTolefAi^uv unmittelb^ 
voraus, Ilias V,289 = XX, 78 = XXII,267 versschliefsen- 
dem 7ll0l.afAtaH]V. 

Aufserordentlich häufig sind in der homerischen spräche 
verbalformen, die sich an eine wurzel ^«o/ anschliefsen, 
deren altes anlautendes^ unzweifelhaft feststeht und unter 
anderem ganz deutlich durch das zugehörige mit unserm 
werk genau übereinstimmende aXiii ^tgyuv erwiesen wird^ 
das in der homerischen spräche auch sehr gewöhnlich ist 
und hier sein ^ durchaus nicht verleugnet, wie beispiels- 
weise Ilias 11,436: c(fißa?.kuiuet}a jregyoi», Ilias VII, 465: 
Tetileato 8t jrkuyoVy Ilias IX, 527: fUfivtiuac rüde ^tfjyoVj 
und sonst. Aus jener wurzelform ^egy aber haben sich 
im Griechischen zwei verschiedene präseusformen entwic- 
kelt , nämlich einmal ^60()u; , das für 'dlies ^fiuyjoj eintrat, 



8 Leo Meyer 

da ein etwaiges /-^(»c^co dem Griechischen widerstrebte, und 
auiserdem j^i)i^w, worin die harte Verbindung des ql, durch 
umstellen des q vermieden wurde. An beiderlei bildungen 
sohliefsen sich aber auch aufser- präsentische formen an, 
dafs z. b. neben dem aorist infinitiv ^(>e|at (Odyssee UI, 
144) auch die torm ^ig^at (Odyssee V, 342) bei Homer 
begegnet. Hinsichtlich der genaueren angaben schliefsen 
wir uns unbekümmert um etwaige abweichungen anderer 
hier wie in unserem aufsatz Oberhaupt ganz an die Bek- 
kersche ausgäbe an. 

Nach allem vorhergehenden kann nicht zweifelhaft sein, 
dafs alle jene zu ^sgy gehörigen bildungen , die nach der 
gewöhnlichen Schreibung mit einfachem g anlauten, vor 
diesem laut in der homerischen spräche noch ein j: haben. 
Da finden wir nun aber ziemlich viele stellen, die das ^ 
entschieden abweisen und Oberhaupt ergeben sich in bezug 
auf das jrg bei keinem worte verhältnifsm&fsig so viele 
Störungen des verses bei einfbhrung des^, als gerade hier. 
Es könnte fast scheinen, als mOi'ste alles bisher Ober das 
^Q vorgebrachte einen bedenklichen stofs dadurch erleiden. 
Ohne zweifei sind aber alle jene Störungen, so weit sie 
nicht etwa überhaupt jüngeren versen und stücken der Uias 
und Odyssee angehören mögen, erst durch eine unrichtige 
vertheilung der j^Boy- und jrgsy'tormen in den homeri- 
schen text hineingebracht und überall lassen sie sich leicht 
beseitigen. 

Zunächst mögen die verse genannt sein, in denen ein 
dem p nachbarliches ^ in unseren ausgaben aus der metrik 
oder genauer gesagt -aus jenem g vorausgehenden langge- 
brauchten an und ttkr sich kurzen vocalen noch deutlich 
zu erkennen ist: datuovi' ovra ri ae jrge^M xcexov Odyssee 
XVIII, 15; Toaaa xaxa jrge^ovtTiv IWeLS IV ^ 32; oxti ^gi- 
L,ova ixaroußag Ilias XXIII, 205; Ugd re ^ge^ovai Odys- 
see V, 102; 6V <r' aya&a jrgi^saxuv Odyssee XXH, 209; 
oaaa jrgi^eaxov !Axctioi Odyssee XXIII, 6 ; Zt^vl ^gii^eaxov 
jixaioi Ilias VIII, 250; &eolaiv (zweisilbig) xBjrgi^uv Odys- 
see XIV, 261 ; äX'k' kyb) ovdiv oa ^gi^o) xaxd Ilias XXTV, 



über die anlauU consouanten Verbindung /^ (vr) in der hom. spräche. 9 

370; 7/ an noaaiv re ^gi^tj Odyssee VIII, 148; aiigiov iga 
Jifl jrgilag Ilias IX, 357; tiv&a Jy:l fgi^ctpreg Uias XI, 
727; akka uiya j^gi^ag Lias XXII, 305; ovtb ttvä j^ge^ag 
Odyssee IV, 690; TiokXa xaxa jrga^avra Ilias XVIII, 455- 
Dazu kommen noch die augmentirten formen oifij Ö' ovx 
^üB^B Uias IX, 536; oaa* "Ennag i/rgB^a Ilias X, 49; 6g 
xaxa nolX' ifgB^B Ilias IX, 540; og xaxd nolk' ^^gB^Bi^ 
Ilias XXII, 380, und noch eine mit dem präfix im- : öäi 
ndvTBg imjgiCBöxov 6 JZrort Odyssee XVII, 2 1 1 , die in den 
ausgaben sämmtlich mit gg gegeben sind. Eine eigenthOin- 
liche Verkürzung findet sich in rwv rivd xagga^ovaa (aus 
xara-jrgiCovaa) Ilias V, 424, was kaum richtig sein kann. 
Die formen mit der grundform j^egy ohne die besprochene 
Umstellung des g sind in unsern ausgaben die minder häu- 
figen. Einige male stehen sie so, dafs durch einfQhrung 
des^ der vers gestört wird, wo der text unmöglich echt 
homerisch überliefert sein kann, so Odyssee VII, 202 : 'i^juitir 
Bvt egäatuBP dyccxleirdg ixarojAflag^ ferner Ilias X, 503 im 
versschlufs ori xvvrarov egSoi , wo wohl xvvrata jregÖot 
ursprünglich stand, dann Odyssee VIII, 490: liöa HgS^av 
T inaäov T€, wo vielleicht ä jrgi^av zu lesen ist; weiter 
in den versschlüssen TBkBvrrjaw re xai ig^w Odyssee XI, 
80 und TBlBUTrjaijg tb xai ig^yg Odyssee I, 293 und au- 
fserdem noch drei mal neben unmittelbar vorausgehendem 
wä\ das wohl in (ag geändert werden darf, nämlich Odys- 
see VI, 258: dlXd fjidk' wÖ' igÖBiv^ Odyssee V, 360: aXXd 
fidk' wo' ig^o) und Odyssee V, 342: dkkd ftdV wä' 
üg^cci. 

Die stellen, an denen Bekker sonst noch die verbal- 
formen mit der grundform j^Bgy giebt, mögen sämmtlich 
angeföhrt sein. Oefters beginnt unser verb den vers, wo 
also in bezug auf das ^ nichts daraus gefolgert werden 
kann, 6o jregdov Uias 1,315; jrBgdofAsv Uias 11,306; XI, 
707; jTBgÖBöXBg Odyssee XIII, 350; jrigÖB Ilias IV, 29 = 
XVI, 443 = XXII, 181 ; jrig^.ip Ilias IV, 37; XXII, 185; 
Odyssee XHI, 145; XVI, 67; XXIV, 481; jragÖBiv Ilias 
XV, 148; Odyssee II, 236; XXII, 218; ^igöovoa Odyssee 



10 Leo Meyer 

XIX, 92; ^i(}^eu6p Odyssee VII, 294. Aufserdem sind zu 
uciinen die beiden versausgäuge anothjuca j:t(jdoi Ilias 
XIV, 261 und xal (pika jrioöoi Odyssee XV, 360 und die 
versanfänge ü äi xav w^ ^to'^ijg Ilias II, 364; ^oixaÖ' ctnw 
*tvhiyHv ^ioöaii' te Odyssee XI, 132 = XXIII, 279; Wb' 
7180 xix?,(xjifj ^i()^a Odyssee X, 435; /}r)' oacc xvxkanp fiiJ^B 
Odyssee XXIII, 312; nhljcc x kyo) j:a{)^(uui, Odyssee XIII, 
147; V .«€1/ «V äf^Mi^^ccaa Odyssee XVI, 177; XVIII, 197; 
eis' (>« ."^1^ av jräy^avTci Ilias V, 650, und ^£(;|arr* iaua 
xaXä Odyssee XXIII, 277. Die zugehörigen perfectfor- 
inen, wie Ilias II, 272 : iad^Xa j^ifO(}y$Py brauchen wir hier 
nicht weiter zu berücksichtigen, da daneben keine neben- 
forineu mit zurückgestelltem q vorkommen. 

Die zahlreichen stellen, in denen neben dem einfach 
anlautenden g das ^ störend sein würde und wir daher 
gleich die grundform j^aijy herstellen, mögen nun auch noch 
vollständig genannt sein: // tdSa ^igöai [in den ausgaben 
(jal^ai] Odyssee XXII, 158; Tteoi <)* diövla ^igdug [p^aig] 
Ilias XXI, 214; xäta fiägueoa ^kgöa [^O] I'^^s XXI, 2 17; 
lagä jräQdov [ge^ov] Odyssee III, 5; äkkog ö' cik?^q) ajragöe 
[möglicher vfehe jrga^e; in den ausgaben Ugai^a] xtautv Ilias 
11,400; o'i Tiig fuv ifagöov [jigaCov] Odyssee XXIII, 56; 
ul fiiya ^ägyoif 4f^Q^^^ [aga^av] Odyssee XXIV, 458; ot^ 
TutüVTci ya jrigöoi [ga^oi] Ilias XXIII, 494; Odyssee 1,47; 
XXII, 315; xcct aiövka jrigöoi [jgäL,oi\ Odyssee 11,232 = 
V, 10; i] Ttg Tüiavid ya jragÖui [öa^oi\ Odyssee VI, 286; 
övöfiavaojv xäx efag^av [aga^ap] Odyssee II, 72; xaxd ^ig^ 
dera [gÜ^are] Övauavaovrag Odyssee II, 73; XX, 314; aiovka 
jrigdwv [gai^coi'] Ilias V, 103; fiag/uaga ^agöuiv {ga^(uif) Ilias 
XI, 502; iagd jragdojv [ga^iov] Odyssee 1,61; wg öe av 
j:agöaiv {gi:'C,atv\ Ilias XXII, 259; tilc^ xev aoi iciöa figya 
Ti J^tg'iouav \üa^ouav\ Ilias XI, 838; xctkaTiwg Öi a ifokna 
t6 päg'^aiv [gä'^aiv] Ilias XX, 186; iv !Aoyaioiaiv tfag^av 
[t(y€|€r] Ilias II, 274; IX, 647; rig vv aa roidö' tjrag^a 
[tga^a] Ilias V, 373; r/) niOouiiV xai ijrag'^a {tga^a\ Ilias 
IX, 453; ^agyct S* ^€(>|* [^V^^ ] ^^« f'^i"' Hisls X, 51; 
Tiülov ifag^ag [Üga^ag] Ilias XXIII, 570; kk&oi/Tag ^eg^a- 



über die aulaut consonantenverDiadung ^^ (vr) in der hom. spräche. 11 

fAip [i^a^auev] i(ja O'soiaiv Odyssee III, 159; aA/t' olov 
TüÖ' dfeg^B [e(}B^B] Odyssee IV, 242; olov xai toÖ' ^a^|a 
[cpelfi] Odyssee IV, 271; d(Txov inei oii öifiv €f£^|a [^V^l^] 
Odyssee IV, 352; atiiaa vifag xai i/eo^a [igs^a] Odyssee 
IV, 582 ; iTiei ov zard uoigav efeg^u^ [ß(^«^«b] Odyssee IX^ 
352; ij ^iyct^igyov efsg^si/ [egs^av] Odyssee XI, 272; nokkd 
d* dtcioäak* Jifeg^a [Ege^a\ Odyssee XVIII, 139; /^atvo- 
^evog xdx ifaglt {igal^a] Odyssee XXI, 298; imzikkoficci 
(i)öi ya j:kg'iaL [fiti^at] Ilias II, 802; ^eivoöoxoi/ xaxd ^ag^ai 
[gä^cti] Ilias III, 354; j:ai7iaiv ovök rc ^ag^ai [ga^cci] Odys- 
see XXII, 314; iagd ^äg^ag [ga^cc<!;] Ilias I, 147 uud ;^a(^i 
ra (UV xuT'kfag^a [xatkga^a] Ilias I, 361 = V, 372 == VI, 
485 = XXIV, 127 = Odyssee IV, 610 = V, 181 und 
Odyssee XIII, 288. 

An vierzig — zum Theil einander gleichen — stellen 
stehen hieher gehörige verbalformen metrisch gleichgültig, 
da& also eben sowohl die grundform ^gay oder j:agy im 
verse bestehen kann und die letztere also vielleicht meist 
herzustellen ist, was wir hier nicht weiter prüfen wollen, 
so z. b. in jragvdiv ngwToyovwv ^oa^aiv [möglich und viel- 
leicht allein richtig /-«^^e^j/] xlaiTf)if ixarofxßr^v Ilias IV, 102 
= IV, 120 = XXni, 864 = XXm, 873 und auch in 
den passiven aoristparticipien: ^ge^^äivrog [vielleicht besser 
j:agx'lttPTog] xaxov Ilias IX, 250 und Ttaäaatv j^gaxO^^v [viel- 
leicht besser j^ag^O^av^ Sa ra in]niog 'ayvu) Ilias XVII, 32 
= XX, 198. 

Das nur Ilias XIX, 150 im versschlufs an ydg fiäycc 
j:agyov dgaxxov begeguende ä-gaxTüg^ ungethan, duldet auch 
kein ^ neben dem g und wird in d-^agxiog zu ändern sein, 
wie denn überhaupt keine einzige zur wurzelform jC£(>;/ ge- 
hörige verbalform wegeu etwaiger unbequem werdender 
lautverhältnisse eine Umstellung des g wirklich verlangt, 
abgesehen von den präsentischen bilduugen mit c[, das der 
Grieche neben dem g nicht duldet. Durch die Überein- 
stimmung mancher bildungen von ^agy^ thun, mit J^agyatv^ 
einschliefseu, das übrigens homerisch meist ifagyaiv lautet, 
kann aber unmöglich eine durchgehende Umbildung der 



12 Leo Meyer 

verbalformen des erstgeDanoten verbs hervorgerufen sein; 
kömmt doch im ganzen Homer auch nicht eine form vor 
mit jener verschiedenfachen bedeutang: denn jrio^av^, das 
Odyssee XIV, 411: rag fjiiv aoa j:i{}^ctv ,jsie schlössen 
ein^ ist, kann, wie wir oben schon hervorhoben, in der 
bedeutung „sie t baten" Odyssee VIII, 490 oög' i^l^av me- 
trisch nicht bestehen. 

FiXr ^Qoöov^ rose, das übrigens bei Homer nicht ein- 
fach, sondern nur in dem abgeleiteten ^^oJo[^€i^, mit rosen 
versehen^ (nur Ilias XXIII, 186), und in dem zusammen- 
gesetzten ^(^odo^axrt/Ao^, rosenfingerig , vorkömmt, ist das 
^ gesichert durch das äolische ßgoSov (Ahrens I, s. 34) 
und weiter zugehörige formen wie das chaldäische v'r4d, 
das arabische verd. Vom verse verlangt wird das^^ nur 
Odyssee V, 121: wj fiiv ox *il()i(jttv V.eru jrQoSoSdxrvkog 
'Hftig, während das ziemlich häufig gebrauchte ßgodoSax-- 
tvXog sonst immer metrisch gleichgültig steht. Möglicher 
weise gehört dazu auch der name des troischen fiusses 
FgoSiog , der nur Ilias XU, 20 genannt ist in dem vers- 
schlufs Kdgtjöog re FgoSiog rs, aus dem das ^ sich er- 
giebt. Für den anlaut des namens der insel *P6dog (oder 
Fgodog?)^ der hier auch gleich mit genannt sein mag, ist 
aus den versanfängen, die ihn enthalten, nichts ftkr etwai- 
ges jT sprechendes zu entnehmen; es sind ^x 'PoSov Ilias 
II, 654; 0% 'PoSov Ilias II, 655; ovvaQ o y ig'Podov l^ev 
Ilias II, 667 und ix 'Podov hvv^^a vijjrag dyev 'PoSiwv äyt^ 
i>(iix(op Ilias II, 654. Nur im letztgenannten verse begeg- 
net das von dem inselnamen abgeleitete Podtog, Rhodier. 

Eine wirklich griechische wurzelform vrad oder 
vard, etwa mit der bedeutung „sich bewegen, schwan- 
ken, sich schwingen**, ist zu entnehmen aus jrgoöavog, 
schwankend (?), das nur Ilias XVIII, 576 im versschlufs 
Sid jrooöavov dovaxrjjra vorkömmt, wo das ^ deutlich zu 
erkennen ist. Dazu gehört wohl auch ^gaStvog, beweg- 
lich, leicht zu schwingen, schwank, das nur Ilias XXIII, 
583 als beiwort der geifscl vorkömmt, ohne dafs sieh aus 
der stelle für oder gegen ^ entscheiden liefse. Es ergiebt 



über die anlaut. consooantenverbindang /"^i (vr) in der honi.. spräche. 13 

sich das wau aber mit bestimmtheit aus der äoliscben von 
Ahrens (I, 8.34) beigebrachten form ßgciStvog. Mit die- 
sen formen mag auch wohl das vereinzelte TtsQi-jrQi^Stjg, 
herumgeschwungen (?), wenn man so statt des TtsgiQoriSTJg 
der ausgaben schreiben darf, zusammenhängen, das nur 
Odyssee XXII, 84 in dem versschlufs Ttegi'jrgijäijg di rga^ 
niCf) entgegentritt, wo der folgende vers fortführt xannenev 
Idvw&Bt'g. Nur des äufseren anklangs wegen mag hier gleich 
noch der name FgadduavO^vg genannt sein, fQr den durch 
die äolische form Bgadäiiapt'^vg (Ahrens I, s. 34) das ^ 
gesichert ist. Er steht bei Homer nur dreimal versschlie-* 
fsend, Ilias XIV, 322; Odyssee IV, 564 und VH, 323, me- 
trisch gleichgültig. Auf versuche, den dunkeln namen zu 
erklären, gehen wir hier nicht weiter ein. 

FQr den namen der göttiu Fgeia ist das j: gesichert, 
wenn Ilias XV, 187 der versausgang ovg lixero Fgia, wo 
man dann aber wird Fgä schreiben können, richtig lautet 
und dafür nicht etwa ursprünglich ovg rexe 'Peia stand. 
Aufserdem findet sich nur die vollere genetivform Ilias 
XIV, 203: dB^äuEvoi Fgslag, woraus ftir das ^ nichts si- 
cheres zu entnehmen ist Pott hat den namen zum altind. 
urvl' (aus altem varvf), erde, eigentlich „die weite, die 
breite^ gestellt, was doch seine formellen Schwierigkei- 
ten hat. 

Für das adverbielle ^(>€£a, leicht, mühelos, und die 
zugehörigen bildungen ist das ^ völlig gesichert durch die 
äolischen formen ßga und ßgatSiog, die Ahrens (I, s. 34) 
aufführt, und es verdienen daher alle diejenigen erklfirungs- 
versuche gar keine beachtung, die hier das j: ganz unbe- 
rücksichtigt lassen; die beste Zusammenstellung ist wohl 
die von Bühler im zweiten bände von Benfeys Orient und 
Oecident. s. 537, gegebene, mit dem altindischen vrithä, 
leicht, mühelos, in dem man das thä wird für sufGx hal- 
ten dürfen. Sehr oft beginnt jrgtia den homerischen vers, 
und überhaupt steht es fast immer so, dafs fDr sein f sieb 
nichts daraus ergiebt, auffälliger weise findet sichs aber 
zweimal so, dafs das f den vers stören würde, nämlich 



14 Leo Meyer 

IHas XVn, 70: h&a xb ^Qüa (figoi uod Uias XXII, 23: 
og (m T€ j:i)tia &ifr]<ti , wo alte irrthümer vorliegen wer- 
den. Mehrere male begegnet die kürzere form ^Qta , die 
Hias VIII, 179: innoi Sh ^gea rdtpQov daa jC deutlich ver- 
langt, sonst metrisch gleichgQltig steht, letzteres auch fast 
immer da, wo sie einsilbig zu lesen, wie Öfters der fall 
ist, wo wir dann einfach jogä schreiben. Nur Ilias XX, 
101 in dem versausgang o^i fis (jtaXa ^gä wird ftkr pgä 
das /- metrisch verlangt. Das abgeleitete adjeetivische 
^griiSiogy leicht, mfihelos, beginnt Ilias XII, 54; Odyssee 
XI, 146 und XVI, 211 den Vers und steht sonst nur Ilias 
XX, 265 nach vorausgehendem dg ov, ergiebt also me- 
trisch nichts f&r sein ^ und ebenso ist es mit dem adverb 
j:gtjiSl(og das Oberhaupt nur versbeginnend und zwar drei- 
undzwanzigmal vorkömmt. Sonst finden sich von den zu- 
gehörigen formen nur noch der vereinzelte Superlativ ^grj^ 
lavog Odyssee IV, 565: ry neg ^gtjifftvj fltoTTj und die ad- 
verbiell gebrauchte superlativform ^gtiiraza^ am leichte- 
sten, in dem versanfang og Sk x€ jrgtjirar hvtavvötj Odys- 
see XIX, 577 ee= XXI, 75, wo die durch das ^ hervor- 
gebrachte metrische Störung auflßlllt. Die n&miiche Störung 
bietet sich auch noch Ilias XVHI, 258 in dem versanfang 
tocpga Sh ^gtjiTBgoiy also in der comparativform, die sonst 
nur noch Ilias XXIV, 243 vorkömmt, wo sie den veirB 
beginnt. 

Daf8/'(W7;^.M/, ich breche, ich reifse, mit allen zage* 
hörigen formen in alter zeit, und also auch in der home«* 
rischen spräche, anlautendes ^ h^tte, ist nach allen selten 
deutlich genug. An beweisenden mundartlichen formen 
bieten sich die äolischen /grj^tg (Ahrens I, s. 33), ctvgijxrag 
ftlr qfgj]XTog (Ahrens I, s. 37), Bvgaytj för fifgdyv (eben- 
daselbst), das dorische rgayaXeov oder rgrjyccUov^ worin 
Ahrens (II, s. 56) gewifs recht hat das r als för^r ge- 
schrieben anzunehmen, und andere. Aus den verwandten 
sprachen stellen sich unmittelbar zu jrgtjyvvui unser bre- 
chen, das goth. brikan, das lat. frangere und das alt- 
ind. bhanj, brechen, mit dem präsens bhandjmi, ich 



über die anlant consonantenverbhidung /"^i (vr) in der hom. spräche. 15 

breche, in welchen letzteren formen der ausfall eines alten 
r neben dem bh nicht bezweifelt werden kann. Abgese-' 
hen von der völlig gleichen bedeutung ist bei ^{^riyvv^u^ 
dem lat. frango imd dem altind. bhan&jmi auch die 
Übereinstimmung in der bildung des präsens mittels des 
nasals beachtenswerth. Eine kleine besonderheit in dem 
Zusammenhange der anfgeftlhrten Wörter ist aber das zu- 
rQckkommen des griech. ß auf altes bh. Dieser lautüber- 
gang vermittelt sich indefs z. b. dadurch, dafs im griechi- 
schen HSr altes j: mehrfach ß eingetreten ist, wie in den 
schon genannten äolischen ß^iaSa^ wurzel, ßQodov^ rose, 
ßpatSiog^ leicht, und sonst, das ß sonst aber auch als Ver- 
treter- eines alten bh vorkömmt, wie in ßgiiASi^v = fre- 
mere, brummen, dem altind. bhram, umherschwirren, 
gegenQbi&r. 

Die homerische spräche bezeugt das jr ihres verbs 
fQ'tjyvvfii in folgenden versen: a&ivti ^gtjyvvai pffovreg 
Ilias XVII, 751; HoiSa ^orjyvvvro ßaoBlav Ilias XX, 55; 
ccvnxQvg XQ^^ tb ^()f]^a) Hias XXIII, 673; ruyog tb ßgri* 
$€£v Ilias XII, 198; aXX* ovo' wg övvaxo ^gij^ac Ilias XV, 
617; Sid TS jTQiql^aa&ai Ilias Xu, 308 und roi di ^Qijtf* 
(foPTsg äitagrfj Hias XVHI, 571, an welcher letzteren stelle 
ziemlich vereinzelt die präsensbildung mit fsa^ also durch 
altes j, auftritt Dazu fägen wir auch noch die augmen- 
tirten und mit präfixen versehenen formen, die in allen 
ausgaben mit gg gegeben sind: ovS' ifgij^ev x^^^-^og Ilias 
III, 348; Vn, 259 und XVII, 44; xagvegog '^jrgnltv Si Ilias 
Xni, 124; lavoo 8i ngorovovg iO^gyj^' avi^oto &vekl€e Odys- 
see XII, 409; TBixsog hjrgri^avro m/Aa^; Ilias XII, 291 ; vtv* 
griv ö' i^'ijrgti^e Ilias XV, 469; i^ifgrj^sv odoio Ilias XXIII, 
421; xaxolai <rvvej:gi}XTai Ttokffsaaiv Odyssee VIII, 137; 
ovgavo&tv d* äg vnipgdyri äanetog al&jjg Ilias VIII, 558 
=5 XVI, 300; rsixog dvajrgrj£:ceg Ilias VII, 461; tw iii» 
dpqfgjj^avTS Ilias XVIII, 582; yaiav dvajrgtj^su Ilias XX, 
63; ötapiov ccTiojrgrii^ag Ilias VI, 507; ^xc ö' ctnojrgrjl^ag 
Odyssee IX, 481 ; tov rgslg fikv iTtifgfjaaeaxov i/;jf«io/ Ilias 
XXIV, 453 und J^xiXksvg d* dp intfgfjatreGTCs xai ol/^og 



16 Leo Meyer 

Ilias XXIV, 436, an welchen beiden letzteren stellen 

der die präsensbildung mit aö hervortritt, die sonst bei 

Homer in unserm verb nicht vorkömmt. 

Das participielle^(>?7xro^, zerreifsbar, verletzbar, findet 
sich nur Dias XUI, 323: x^^^P ^^ ^Qf^^^dg, wo das j: 
deutlich ist. Häufiger ist das damit zusammengesatse 
ü'ifQflxxoQ^ unzerreilsbar, unverwüstlich, wie wir statt des 
äoQfjxTog der ausgaben zu schreiben haben, es begegnet 
UiM II, 490; Xm, 37; XHI, 360; XIV, 68 — XIV, 56; 
XV, 20; XX, 150; XXI, 447; Odyssee VIII, 274 und 
X, 4. 

Weiter ist hier noch zu nennen ^Qfj^i]vu)Qj mioner 
vernichtend, dessen zweites tj stets die vierte vershebnng 
trägt und das nur mit unmittelbar vorausgehenden casus- 
formen des namens !/4xMevg verbunden vorkömmt, vier- 
mal so, dafs das^ sich deutlich zeigt, nämlich in j^x^- 
^VJ^a jrQri^VvoQa Ilias VH, 228 und XVI, 146 und in 
'Jx^Un^i j:Qi]lnvoQi Dias XIH, 324 und XVI, 575. Auch 
als eigenname kömmt FQri^f]Vü)Q vor, Odyssee VU, 63 und 
146, beide male metrisch gleichgültig. Dann findet sich 
noch das zugehörige abstractum yg^^fjvoQirj y kraft und 
muth männer zu vernichten, Odyssee XIV, 217 neben un- 
mittelbar vorausgehendem xaL 

Von weiteren bildungen schliefst sich &n j:Qij)nfviu noch 
^QmyaXioQy zerrissen, f&r das das wau erwiesen wird durch 
nvxvajTQioyaUriv Odyssee XTTT, 438 = XVn,198=XVIII, 
109, während das wort sonst metrisch gleichgültig steht. 
Eng damit zusammenhängt ohne zweifei j^qw^^ rifs, spalt, 
durchgang, das nur Odyssee XXH, 143: avä jrgwyag /i«- 
yaQoto, vorkömmt, auch mit deutlichem ^. Vielleicht ge- 
hört dazu auch das zusammengesetzte anoQQw^, abgerissen, 
steil, ausflufs, Ilias 11,755; Odyssee IX, 359; X,514 und 
XHI, 98, das dann also ano-^gdl^ zu schreiben sein würde. 

Der gebrauch Ae% jrQriyvva&ai vom „sich brechen, zu- 
rücksehlagen ^ der wogen, wie in x^Q^^ fgijyvvfievov us» 
ydka flgitiu, die woge am festlande gebrochen braust ge- 
waltig, Ilias IV, 425, macht deutlich, dafs auch fQfjyfug 



über die anlaut consonautenverbindung ^^ (vr) in der hom. spräche. 17 

(der Dominativ ist nirgend belegt, aber besser so zu schrei- 
ben a\&jrQi]yuitf)^ brandung, wogenschlag, Strand, dazu ge- 
hört, dessen^ fast in jeder stelle, an der das wort bei 
Homer vorkömmt, metrisch noch bestimmt bewiesen wird, 
so in ix de xai avroi ßalvov inl ^Qtiyfiivi ^aXdaatii; Ilias 
I, 437 = Odyssee XV, 499; Srj tots xoifAj]&t]uBv km ßQriy- 
juivi &aXdaaf]g Odyssee IV, 430 = IV, 575 = IX, 16.1 
= IX, 559 = X, 186 ; kx äi xal avrol ßrjfiBv hni J^gt]}\uivt 
&aXdaarjg Odyssee IX, 150 = IX, 547 = XII, 6; nagd 
jTQrjyjLuvt ö^aldööijg Ilias II, 773; Odyssee IV, 449; vrlfcig 
hnl /rgtjyfiivi &akdaörjg Ilias VIII, 501 ; ot ök j^(Jiiyfiiri ^a- 
XdüGTig Ilias XVI, 67; dxoov km PQtiy^lvog dXog noXioio 
&ifeaxov Ilias XX, 229. Aufserdem steht das wort nur 
noch einmal metrisch gleichgültig, nämlich Odyssee XII, 
214: xoimjOiv dXog ^griy^lva ßa&üar, 

Dals auch noch ^griyog^ decke, teppich, mit jrgriyvv^i 
zusammengehöre, ist kaum zu glauben,* sein ^ aber ist 
zu entnehmen aus Ilias IX, 661: xbjed re ^grjyog re. 
Wenn daneben aber Odyssee X, 352: rduiv i) fxtv ißaXlB 
i^oüvotg ivi j^griy^ct xa?.d, gegen dasjc zu sprechen scheint, 
so bleibt zu bedenken, wie nah hier die änderung kv j^g-tj- 
ysa liegt. Sonst steht das wort immer in bezug auf das 
wau nichts entscheidend und zwar geht ihm aulser Odys- 
see XUI, 73: avügeaav fgfjyog und Odyssee XX, 141: 
xal kv j:gtjyeaai stets xal unmittelbar voraus, im ganzen 
elf mal. 

Der oft angenommene Zusammenhang aber von j^gd- 
xog, fetzen, lumpen, zerrissenes kleid, mit jrgtjyvvfAi beruht 
entschieden auf einem irrthum und es schliefst sich die 
erstgenannte form nebst dem lat. lacerare, zerreifsen, 
zerfetzen, vielmehr an das altind. vr^cati, er zerreifst, 
mit dem perfect vavra9ca, er zerrifs, enthält also schon 
ganz altes v. Für das griechische ist das jr bestimmt er- 
wiesen durch das äolische ßgdxog (Ahrens I, 8.34) und 
fQr die homerische spräche insbesondere noch durch Odys- 
see VI, 178: dog Sk ^gdxog dfitfißaUa&ai; Odyssee XIV, 
512: rd ad jrgdxea dvo7ia?J^6ig und Odyssee XIX, 507: 
Zeitachr. f. vgl. sprachf. XV, 1. 2 



18 Leo Meyer 

ovkrjv ()e xard ^gaxisGai xdkvifßBV, neben denen mehrere 
andere verse das wort noch in metrisch gleichgültiger Stel- 
lung bieten. Mit ^Qccxog am nächsten zusammen hängt 
wohl jrgcDXfiog ^ rifs, spalte, kluft, das nur versbeginnend 
Ilias XXIII, 420 vorkömmt, also ohne sichere gewähr für 
jr; vielleicht schliefst sich^s auch an ^QriyvvfAi unmittelbar 
an. Bezweifeln darf man wohl nicht, dafs sein kehllaut 
nur durch einflufs des nachbarlichen fi des hauches theil- 
hafb wurde. 

Was sonst noch mit der anlautenden Verbindung ^q 
in der homerischen spräche mit einiger Sicherheit sich an- 
führen läfst, ist nur weniges. Zunächst nennen wir jrgiov^ 
felsspitze, berghöhe, Vorgebirge, für dessen^ drei stellen 
sprechen, nämlich Ilias VIII, 25: nB{)l ^qiov Ovlv^moio; 
Ilias XIV, 154: azäa k^ Oikv^mow cctio jrgiov und Odys- 
see IX, 191: dXkd ^Qi(p vk^jTBvn. Ebenso oft steht es 
metrisch gleichgültig. Auch ^ig^ nasenloch, nase, scheint 
bei Homer ein anlautendes ^ zu haben und ^gig zu lau<^ 
ten; so läfst sich entnehmen aus XBCfaXtj OTOfia te jrgivig 
TS Ilias XIV, 467 ; nXrjvo aroua re ßgivdg ts Ilias XXIII, . 
777; neQiSgvtp&p] aroua ts ^Qivdg ra Ilias XXIQ, 395; 
avkog dvd ^Qivag na^vg i^Xd'iv Odyssee XXII, 18; ß-vfiog 
dvd /OLVog Sk foi TJSrj Odyssee XXIV, 318 und ard^a xard 
^glvüjv Ilias XIX, 39. Dem entgegen wird in unserm text 
aber an drei anderen stellen das j: abgewiesen, nämlich in 
den versanfangen dußQoaifjv vno giva Odyssee IV, 445 
und ög x dno Qiva rdurjöi Odyssee XVIII, 86 und im 
versausgang dvd CTOfia xai xard Qlvag Ilias XVI, 349, 
über die sich nicht sogleich ein abschliefsendes urtheil ab- 
geben lälst. Mehrere male steht das wort auch noch so, 
dafs sich für oder gegen ein ^ darin nichts entscheiden 
läfst. Schwerlich läfst sich seine Übereinstimmung mit dem 
altind. ghränam, geruch, nase, bezweifeln; der schlufs- 
vocal darin ging verloren, wie ähnliches auch sonst häufig 
vorkömmt, an stelle des Innern ä trat ein gedehntes i, was 
auch nichts so ganz ungewöhnliches ist, das anlautende 
gh aber kann, so ergiebt sich aus den obigen homerischen 



über die anlaut consonantenverbindung j:^ (vr) in der hom. spräche. 19 

Stellen, nicht so spurlos verloren gegangen sein, wie mau 
gewöhnlich annimmt. Vielleicht entwickelte sich oder stand 
ursprünglich, wie auch sonst häufig, neben dem kehllaut 
ein altes v^ das dann im altgriechischen allein hätte Qbrig 
geblieben sein können; ein unmittelbarer Übergang von gh 
in V ist sicherlich nicht anzunehmen. Vergleichen läfst 
sich mit dem angenommenen lautverhältnifs der oben be- 
sprochene Zusammenhang von j:Qi]yvvtii, mit dem altind. 
bhanj, brechen, an stelle eines alten bhrauj; in der re- 
gcl ist altes bh im griechischen durch tp vertreten, in 
oifi^, schlänge, aber zum beispiel steht es für altes ghv, 
wie ich in meiner grammatik (bd. I, s. 48) bereits ange- 
flQhrt habe. 

Aus homerischen versen ist ein anlautendes altes j: 
noch zu folgern QXr ^Qox^i(Oj ich rausche, ich brause, so 
zeigt Odyssee XII, 60: xv^a t4Bya jrgox&'Si ^ während das 
wort sonst nur noch Odyssee V, 402 versbeginnend vor- 
kömmt; femer ftir ^gol^og, das schwirren, das pfeifen, in 
axeTiTST' üKSTÖJv TS ^Qoi^ov Lias XVI, 361 und nolXij (Üe 
fQoi^(p Odyssee IX, 315. Das zeitwort ^ooil^hi, pfeifen, 
begegnet nur Ilias X, 502 versbeginnend. Auch der name 
des hafens in Ithake, FgBl&gov^ läfst ^ erkennen an der 
einzigen stelle, wo er erwähnt wird, Odyssee I, 186: ^v 
kiuivi FfjBittQq). Dann nennen wir noch ^gcoTi^iov, buscb, 
gesträuch , dessen ^ in allen versen , die das wort enthal- 
ten, sich erkennen läfst, Ilias Xm, 199: avd jrQtanriin 
Tivxpd; Ilias XXI, 559: xard Te^oa)7it]ia övcd; Ilias XXIII, 
122: öid ^gumTjia nvxvd und Odyssee XIV, 473: xar« 
^{tcmriia nvxpd. Das unmittelbar zugehörige ^goüip^ ge- 
büsch, gesträuch, reisig, findet sich nur Ilias XVI, 47; 
Odyssee X, 1 66 und XIV, 49, wo sich nichts entscheiden- 
des für sein ^ ergiebt 

Es ist nun auch noch von denjenigen homerischen 
Wörtern mit anlautendem g zu handeln, die vor diesem 
laut ein/* entschieden nicht hatten, oder doch mit mehr 
oder weniger Wahrscheinlichkeit annehmen lassen, dafs das 
wau in ihrem anlaut niemals bestand. Vor allem nennen 

2* 



*Mi l^^*f Meyer 

wir hier das viel gebrauchte und auch in manchen ablei- 
tungen häufig vertretene zeitwort ^eftoj ich fliefse, dessen 
genaue Übereinstimmung mit dem gleichbedeutenden altind. 
srdvämi völlig unzweifelhaft macht, dafs hier an ein al- 
tes anlautendes ^ ganz und gar nicht gedacht werden kann. 
Eben dasselbe wird nach allen richtungen auch durch die 
homerische spräche bestätigt. Bei der verbaliorm könnte 
nur etwa Ilias XH, 159: kx x^^Q^^ ßiXia gifov rjutr 
'Axctitav geneigt machen, an das j: zu denken, hier ist aber 
ohne zweifei ßiXi} igge/rov oder etwa auch /3i?.B' 'd(jQSfov 
zu lesen. Die augmentirten formen aber, wie Ilias XXIII, 
688; iQQ^s d* Idgcigf und die mit vorausgehenden präfixen 
eng verbundenen, wie xaTa-QQtjrov Ilias IV, 149 und V, 870 
oder TtBQi'QQBfB Odyssee IX, 388, haben (jq an stelle der 
alten Verbindung sr, wovon schon oben die rede war. Sonst 
erweisen zahlreiche stellen, dafs in pi/eiif nur ein einfaches 
() anlautet, so die versausgänge Sdv&ov tb QBfovra Ilias 
VI, 172; BVQv (>4^oi/ro6- Ilias n, 849; XVI, 288; XXI, 157 
und XXI, 186; norauoi tb qbj:ovtb Ilias V, 773; nXi^ifovai 
pijrovTBg Ilias XVI, 389 und Odyssee XIX, 207; öTBvd- 
Xovdi ^ifovaai Ilias XVI, 391; ^Qr^yviat QifovtBg Ilias 
XVII, 751; rivoiffXByi&wv tb ^ifovaiv Odyssee X, 513 
und xaT ogBOipi oBjrovTBg Ilias IV, 452; ferner die Verbin- 
dungen BVQV ^^Bi Ilias V, 545; bvqv QBfODV Ilias XXI,304; 
(üxa ^ifo)v Ilias V, 88; 6m6»B ^ifwv Ilias XXI, 256; 
vnai&a pifoov Ilias XXI, 271 ; olog nio tb ^ijrei Ilias V, 
340 und alua Qvt] Odyssee III, 4r>5, und dann noch sämmt- 
liche mit dem präfix tzqo-, das hier stets unmittelbar vor- 
ausgebt, verbundene formen, nämlich nnogefaVTi Ilias V, 
598; TtQOQ^^ovaiv Ilias XII, 19; Odyssee X,351; n^jogi- 
^ovrog Ilias XXI, 260; nnoQkfovTa Odyssee V, 444; noo- 
ofjretv Ilias XXI, 366; TToooifBi Ilias XXII, 151 ; vtibxttqo- 
g^^Bi Odyssee VI, 87. 

Das zu (iifM gehörige girB&gov, Strömung, fluth, welle, 
das bei Homer nur iu der mebrzabl und aufserdem in ein 
puir Zusammensetzungen auftritt, zeigt an allen stellen, an 
denen es vorkömmt, dafs sein anlautendes g keine weitere 



über die anlaut. consonantenverbindung ßq (vr) in der hom. spräche. 21 

consoDantiscbe begleitung babeu kann. Es begegnet in den 
folgenden Verbindungen: ^aXa Qkpi\>Qa Ilias XXI, 238; 
244; 352; 354; W^U 365; 382; Odyssee XI, 240; a\na 
(jEfs&Qa Ilias VIII, 369; XXI, 9; äoaretva (Aj:tä{ict Ilias, 
XXI, 218; alEyava (jtfE&ga Ilias XVII, 749; ^^Biva qe- 
jrsi/im Odyssee XI, 157; norctuolo (jffeä()a Ilias XIV, 245; 
Odyssee VI, 317; 'Sixeavolü Q^ßiOga Ilias XXIQ, 205; 
TioTauolo xccTcc öfsivolo (}fjre/hga Ilias XXI, 25; diKfi pe- 
^>r6iV Hias 11,461; II, 5:i3; VII, 135; Odyssee 111,292; 
ooive ^Efet'^oa Ilias XXI, 235 und ium7i?.in% ()ffBifoa Ilias 
XXI, 311. Als schlufsglied begegnet das wort in den zu- 
sammengesetzten ev(jv-(jtfetf()<jg, breit strömend, Ilias XXI, 
141, und nalli'QEfB&Qüi^ schön fliefsend, Odyssee X, 107 
und XV, 295. 

Auch das nah zugehörige weibliche (>(>a;/, fluth, welle, 
begegnet bei Homer nur in der mehrzahl und zeigt ganz 
wie (tf^^ktgov an allen stellen, die es enthalten, ganz deut- 
lich sein ganz einfaches q. Wir nennen wieder die Ver- 
bindungen, in denen es entgegentritt, vollständig: 'Sixsavoio 
QojrctMv Ilias III, 5; XIX, 1; Odyssee XXII, 197; Jlct^- 
7X010 Qoßdojv Ilias IV, 91; Scir&oio ()()fdu)P Ilias VT, 4; 
VIII, 560; TtoTceuoio ooßonüv Odyssee X, 529; MaidvÖQov 
TB (joßdis Ilias II, 869; '^^i oo^dg Ilias V, 774; ducfl qo- 
fdq Ilias XI, 732; 'Slxeavoio oo^ceg Ilias XVIII, 240; npw- 
Tog S^ poßdg Odyssee IX, 450; Sixsavov ra (xifdg Odys- 
see XXIV, II; xaXyöi (tojrriatv Ilias XVI, 229; Tcorauoio 
yo^Tjaiv Ilias XVI, 669 = 679; Odyssee VI, 216 und vai- 
Böxe ()oßi}g im Ilias XVI, 719. 

Noch etwas häufiger als das weibliche go^ri begegnet 
das männliche gofog^ ilufs, Strömung, für das das einfache 
Q deutlich ist in :xdai ^d/or Ilias XVII, 750; Tikijro Qojrog 
X6Xd()(ov Ilias XXI, 16; aov tb gofov Odyssee V, 449; xvfia 
oofog TB Odyssee IX, 80; norauoio (joßov Odyssee VI, 85; 
und in dem versausgang xvua gofoio Ilias XXI, 263; 306 
und Odyssee XI, 630. Mehrere male steht {nlfug metrisch 
gleichgültig, ein paar mal aber scheint es auch, und zwar 
steht es in dieser beziehung von allen zu gtftiv gehörigen 



2*2 Leo Meyer 

• 

bildungen ganz vereinzelt, noch auf seine alte consonan- 
tenverbiudung im anlaut deutlich hinzuweisen, nämlich in 
vöccTi ()6füV Ilias XXI, 258 und nB()l di ^ofog 'SixBavoio 
Ilias XVIII, 402, und dann noch in einigen Verbindungen 
mit unmittelbar vorhergehenden präpositionen : xard (toßov 
Ilias XXI, 147; Odyssee V, 327; 461; XII, 204; XIV, 
254; Tiaoa (jo^-oi/ Ilias XVI, 151; Odyssee XI, 21 und ^ori 
Qiifov Ilias XVII, 264. Möglicher weise darf man hier 
noch Tiara onojrov und so fort schreiben, wie denn die sehr 
enge Verbindung von prftposition und zugehörigem casua 
unch sonst bisweilen lautlich sich bemerklich gemacht hat, 
wie z. b. im gothischen ur riqviza, aus der finsternifs, 
kyc axoTovi; , Korinther 11,4,6, für us riqviza, mit an- 
gleichung des s an' das folgende r. 

Mehrfach findet sich -Qq/rog auch als schlufstheil von 
Zusammensetzungen, die meist noch ()o an stelle des alten 
ag haben, so in dyd-ggofog^ heftig strömend, Ilias II, 845 
und XII, 30; ßa^v-ggo/rog ^ tief strömend, Ilias VII, 422 
= Odyssee XIX, 434; Ilias XIV, 311; XXI, 8; Odyssee 
XI, 13; iv-goofog^ stark strömend, Ilias VII, 329; XXI, 
1-^0; ;^€/fta-ooo/ro$, winterlich strömend, angeschwellt, Ilias 
XIII, 138 mit der verkörzten nebenform x^luaggog^ Ilias 
IV, 452 und V, 88, die Ilias XI, 493 substantivisch ge- 
braucht für „Sturzbach" vorkömmt, und difju-ggofüg, zu- 
rückströmend, im kreise iliefsend, Ilias XVIQ, 399 und 
Odyssee XX, 65, mit der häufigeren, ungeschlechtig mehr- 
fach adverbiell gebrauchten, verkürzten nebenform dipog* 
gov, sich zurückbewegend, zurück. Neben xa?M^gqfogy 
schönströmend, Ilias II, 752; XU, 33 und XXII, 147, be- 
gegnet in der Odyssee V, 441 und XVII, 206 yaklt-gnjrog 
mit einfachem g\ von wxi-gojrog, schnell strömend, findet 
sich nur diese form mit einfachem g Ilias V, 598 und VII, 
133. Auch ducfi-gvTog^ umströmt, umflossen, begegnet nur 
mit einfachem g Odyssee 1,50; 198; XI, 325 und XII, 
283, während im gleichbedeutenden Ttegi-ggvTog^ das nur 
Odyssee XIX, 1 73 sich findet, wieder gg an der stelle des 
alten ag steht. An sonstigen bezüglich ihres schlufstheiles 



über die anlaut consonantenverDindung j:^ (vr) in der hom. spräche. 23 

hier beachtenswertben zasammensetzungen sind nocb za 
nennen iv-QQkjr^q^ stark flielscnd, das nur in dem versaus- 
gang kV'^Qkfioq [in den ausgaben ivQQ€i{}ii\ noxauoio Ilias 
VI, 508 = XV, 265; XIV, 433 = XXI, 1 = XXIV, 692 
auftritt; ferner iu-^geirr^g, stark strömend, Ilias VI, 34 und 
Odyssee XI V, 257 ; ßad-v-QQÜTrig^ tiefströmend, Ilias XXI, 
195, und axaXa-QQdriig^ ruhig fliefsend, Ilias VII, 422 = 
Odyssee XIX, 434. 

An sonstigen bildungen gehört zu ()if(a^ ich fliel'se, 
wohl noch das adverbielle (ßvööv^ öbermäfsig, eigentlich 
„fliefsend, strömend", das nur Odyssee XV, 426 vorkömmt 
in dem versausgang h/oj (jvÖov aifvuoloy der auch ^<> er- 
lauben würde. Vielleicht schliefst sich an (^ifw dann auch 
noch (nxtjTü^ai^ ich bewege mich rasch, ich eile, falls man 
es wirklich so mit innerm ^ schreiben darf. Es steht nur 
metrisch gleichgültig aufser an einer stelle, nämlich Ilias 
XXII1,367 im versbeginn /aZrat öh (mßovxo^ das für/: 
zu sprechen scheint; es liegt hier indefs die änderung in 
f)' kggujfüVTo sehr nah, wie z. b. auch sonst noch das aug- 
mentirte kggdaavTo ^ Odyssee XXIII, 3 und XXIV, 69, 
vorkömmt. 

Im vierzehnten bände der Zeitschrift, von s. 88 bis 91 
ist näher begründet, dafs kgma&ai^ bewahren, beschützen, 
kein anlautendes j: hat, vielmehr wahrscheinlich aus einem 
alten aegveaßai hervorging. Neben ihm zeigt sich in der 
homerischen spräche aber auch mehrfach die verkürzte 
form (jvea&at, die zunächst aus agv%6&ai,y worin das alte 
6 zwischen dem a und q ausgedrängt wurde ^ entstanden 
sein wird. Von diesem gviaö^at^ bewahren, ging pvrrjg, 
beschützer, bewahrer aus, das nur in der Verbindung ara- 
ti-fÄüfv gvrijga kmia&ai Odyssee XVII, 187 und 223, also 
nicht bestimmt gegen ein/* entscheidend, vorkömmt. Fer- 
ner gehört dazu noch QVömxo)uq, Stadt beschirmend, das 
nur Ilias VI, 305 in dem versbeginn tiotvl jlO-ijvah] (w- 
(rtTTToki, also metrisch gleichgültig, auftritt, wo die gemeine 
lesart iovainroh lautet. Von den zum verkürzten gvta&ai 
gehörigen verbalformen wird einfach anlautendes q deut- 



24 Leo Meyer 

lieh erwiesen durch Ilias IX, 396: ol' tb nTokh&ga qvov" 
t(xl; Ilias XVII, 645: Zev Ttäreg akXa öv ^tffat und Ilias 
XX, 195: akV ov vvv öe (wBodai oiofiai, wogegen frei- 
lich ebenso viele stellen für eine consonantische Verbindung 
mit () zu sprechen scheinen, nämlich Ilias XXIV, 430: 
avTov TS ^vaai; Odyssee XIV, 107: (fvXdööw re (tvofiai re 
und Odyssee XV, 35: (fvkdaaei ts (jvetcU ra, wo doch 
schwerlich eine nachwirkung des alten a wird angenommen 
werden dürfen. Die meisten formen von {tvaad-ai stehen 
so, dafs sich in bezug auf das q nichts daraus folgern läfst. 
In augmentirten formen wie koQvaaTo, lüas XV, 290; XX, 
194 und Odyssee I, 6, entstand oq leicht aus altem ag^ alle 
formen aber wie igvto oder kQvaavo^ das heifst mit einfa- 
chem Q und scheinbarem augment, schliefsen sich wahr- 
scheinlich zunächst an das vollere hovea&ai und sind dann 
also augmentlos. Mit dem augment bildet das verb hgye- 
a&ai anlautendes u^ wie in ügvöaro Ilias IV, 186; XV, 
274 und XX, 93. 

Zu den Wörtern mit anlautendem einfachem g gehört 
ohne zweifei auch die partikel (>a, wenn auch die gewöhn- 
liche annähme seiner cntstehung aus dem zweisilbigen äga 
keinesweges so unbedingt sicher ist. Es begegnet in der 
Ilias und Odyssee zusammen mehr als sechshundert mal 
und steht in weitaus den meisten fallen so, dafs für die 
beschaffenheit des g sich nichts daraus ergiebt. Deutlich 
für einfaches g spricht aber on ga Ilias I, 56; orr^ ga 
Ilias VI, 177; XIII, 675; XIV, 407; XVn,411; 568; 655; 
XXII, 292; 439; Odyssee XIV, 527; XXI, 415; ferner to 
ga Ilias XIV, 172; XX, 146; Odjssee XXI, 17; td ga 
Ilias VI, 314; XIV, 410; XV, 388; XVIII, 379; Odyssee 
IV, 66; VII, 235; o ga Ilias XII, 380; XIII, 644; XVI, 
120; XXII, 473; Odyssee XXIV, 182, und ä ga Ilias U, 
36.; 38 und Odyssee XVI, 50. Dagegen können die ver- 
einzelten Verbindungen, die vor dem ga kurze vocale in 
der vershebung zeigen, nicht weiter ins gewicht fallen; es 
sind Tu gaj Ilias XVI, 228 zu anfang des verses, und o 
ga Odyssee XXII, 327 im yersinnern. 



über die anlaut. consonantenverbindnng ^^ (vr) in der hom. spräche. 25 

Ganz das nämliche lautliche verhältnifs wie zwischen 
den oben besprochenen prjyvvui^ dXt ^Qrjvviii^ und dem 
lat. frangö mufs man von vornherein sehr geneigt sein 
anzunehmen zwischen dem lat. frigus, kälte, frost, und 
dem ihm ganz gleichbedeutenden Qly^g^ das nebst mehre- 
ren unmittelbar dazu gehörigen formen auch der homeri- 
schen spräche nicht fremd ist und hier also mit anlauten- 
dem ^Q zu erwarten wäre. Dem widersprechen aber alle 
stellen, aus denen sich etwas für diese frage entscheiden- 
des entnehmen läfst, mit ausnähme des einzigen versan- 
fangs Toaiag St ()iyi}aav Ilias XII, 208, der aber vielleicht 
Tguieg ö' kggiytjöav lauten mufs, dann also mit den übri- 
gen stellen in einklang stehen würde. Jenes giyog selbst 
findet sich nur Odyssee V, 372 versbeginnend, also me- 
trisch gleichgültig. Ebenso begegnet das abgeleitete (>t- 
yovvy frieren, nur vereinzelt, und zwar Odyssee XIV, 481 
im versinnern, wo auch nichts über sein g zu entscheiden 
ist. Das Zeitwort giyeiv^ schaudern, zurückschaudern, steht 
öfters auch metrisch gleichgültig, mehrere male aber weist 
es anlautendes jc ganz deutlich ab, nämlich in dem vers- 
ausgang duvuova giytjöev re Ilias XVI, 119 und im vers- 
anfang aig cfccro (jtyrjöev de Ilias 111,259; XV, 34; Odys- 
see V, 116 und 171. Auch aus dn-sggiyaaL Odyssee II, 
52 , läfst sich kein etwaiges ^ folgern und ebenso wenig 
aus der ableitung xaTa-ggiytjlog^ schauderhaft, schrecklich, 
die nur Odyssee XIV, 226 sich findet. Entschieden ab- 
gewiesen wird aber ein ^ wieder durch das noch zugehö- 
rige giysÖai'og^ schauderhaft, entsetzlich, verhafst, das nur 
in dem versanfang etvexa giyeSavijg Fekivf^g Ilias XIX, 325 
vorkömmt. Etwas gewöhnlicher ist der comparativ giyiov^ 
frostiger, schrecklicher, der deutlich einfach anlautendes g 
zeigt in tiootI ^eanega giyiov 'iarai Odyssee XVII, 191 und 
in ro 5h giyiov Ilias XI, 405 und Odyssee XX, 220. Der 
Superlativ (nyiara steht Ilias V, 873 vereinzelt im innern 
des verses, ohne in bezug auf sein g eine entscheidung zu 
bieten. Oh mit den genannten formen etwa auch der name 
Piyung zusammenhängt, ist schwer zu sagen; er findet sich 
nur Ilias XX, 4? 5 versbeginnend. 



26 ■ Leo Meyer 

Für pdnreiv^ zusammennftheD, zusammenfbgen, anzet- 
teln, listig bereiten, wird anlautendes einfaches g erwiesen 
durch Odyssee III, 118: xaxd ^dnrofuv; Odyssee XVI, 
379: rtlnvv igccTiTouBv; Odyssee XVI, 423: xaxd (rnnriiuv 
und Ilias XVIII, 3G7: xaxd Qaipai^ und aufserdem durch das 
zugehörige Substantiv QciffV^ naht, das nur Odyssee XXII, 
186 vorkömmt in dem versbeginu Sri rorc y i)6t} xbIto 
Qarpai Ök, Das participielie Qantoq^ zusammengenäht, ge- 
flickt, steht nur so, dafs es nichts entscheidet, Odyssee 
XXIV, 228 und 229. Aus dem qq der hier noch anzn« 
reihenden Zusammensetzungen iv-Q(ja(fijg^ gut genäht, fest 
genäht, Odyssee 11,354 und 380 und xaxo-Qoatphjj arg« 
list, hinterlist, Ilias XV, 16; Odyssee 11, 236 und XII, 26 
darf man wohl noch auf den alten anlaut sr fßr gdntBiv 
schliefseu. 

Möglicher weise darf man auch flör gaietv^ zerstören, 
zerschmettern, die consonantenverbindung sr als alten an- 
laut annehmen und dann also wohl die wurzelform sris; 
so worden die formen ^oüaitrO-rj Ilias XVI, 339, dno^QQäi-- 
aai Odyssee XVI, 428, dTio-QQaiaBte Odyssee I, 404, dttx- 
-ogaiov(fi Odyssee XU, 290, Öia-ggaioei Odyssee IX, 78 
und II, 49, dia-ggaiaovai Odyssee I, 251 = XVI, 128, 
öia-ggaiaai Ilias II, 473; XI, 713; XVII, 727 und öia- 
-ggaiaaa&ac Ilias XXIV, 355 yollständig verständlich wer- 
den, wie auch das zugehörige, auffallender weise weiblich- 
geschlechtige, gaiöTTJg, hammer, das nur Ilias XVIII, 477 
vorkömmt, wo es den vers beginnt. Die Qbrigen formen 
des Zeitwortes galuv stehen nicht so, dafs sie flKr oder 
gegen ein j: sprechen könnten, deutlich dagegen fallen aber 
in die wagschale die zugehörigen Zusammensetzungen xvvO" 
-gaiati^q^ hundslaus, nur Odyssee XVII, 300, und \)vuo- 
'Qa'iarnq, leben zerstörend, Ilias XIII, 544; XVI, 414 = 
580; XVI, 591 und XVUI, 220. 

In bezug auf galvetv^ besprengen, bespritzen, ist eut- 
scheiduog über das anlautende g schwer, weil von seinen 
formen nur gahovro vorkömmt Ilias XI, 282 , wo langer 
vocal vorhergeht, und gdaaara Odyssee XX, 150 versbe- 



über die anlaut. consonantenverbindung ßq J[vr) in der hom. spräche. 27 

ginnend, und aufserdem die passive perfectform kq^a^axai 
Odyssee XX, 354 und plusquamperfectform hQoaSaro Ilias 
XU, 431, aus welchen letzteren beiden sich keineswegs 
mit Sicherheit ein j:{} ergiebt. So viel aber scheint man 
daraus entnehmen zu dürfen, dafs Qctivm aus altem (mÖvo) 
entstand und sich zunächst ein (}aS als wurzelform auslost. 

Für Qvna^ schmutz, das eben nur in dieser mehrzahl 
vorkömmt und zwar Odyssee VI, 93 in dem versschlufs 
xci&)]odv T6 Qvna ndvra scheint diese stelle ein j: zu er- 
weisen, so wie für das verb pvTtap^ schmutzig sein, die 
Verbindungen jrQooyakia pvnocovra Odyssee XIII, 435 und 
vvv d' (im Qvnow Odyssee XXIII, 115. Entschieden da- 
gegen spricht aber doch das zugehörige passive perfect- 
particip QBovTiwfiivay beschmutzt, besudelt, Odyssee VI, 59, 
falls diese form nicht etwa unrichtig überliefert ist. 

Für goi^ßSüv, schlürfen, darf man vielleicht wieder sr 
als alten anlaut annehmen. Gegen ein etwa anlautendes/- 
spricht ebenso bestimmt der versschlufs Tvxoig ore ^oißh}" 
asiBP Odyssee XII, 106, als der versausgang rgig S' ava- 
'Qoißdsl Odyssee XII, 105, während sich dagegen daraus 
die üo in ccvct'OooißÖH Odyssee XII, 104 und ctV'Eoooißöriat 
Odyssee XII, 238 und 431 natürlich sehr einfach erklären 
würden. Sonstige zugehörige formen kommen bei Homer 
nicht vor. 

Für (fdxig^ rückgrat, rückeustück, das nur Ilias IX, 
208 begegnet, wird durch die Verbindung ^i^ Si avog atd^ 
Xoio ()d^iv Ttifakvictv dkoiipfi anlautendes einfaches q er- 
wiesen. In bezug auf pai^diny^^ tropfen, lassen uns alle 
drei stellen, die es bieten, Ilias XI, 536 = XX, 501 und 
XXIII, 502, wieder im unsichern. Für (}iß'üg^ gli^d, dür- 
fen wir wohl auch einfaches o annehmen, es begegnet übri- 
gens bei Homer nur in der Verbindung Ix QB^fitav Ilias 
XVI, 856 = XXII, 362, und dann noch Ilias XXII, 68, 
neben unmittelbar vorausgehendem ßaXcov^ dafs also nicht 
sicher zu entscheiden ist. Der flufsname 'Ffiaog ist nur 
Ilias XII, 20 zu anfang erwähnt, dafs er also über etwai- 
ges ß unsicher läfst. Auch der name des thrakischen kö- 



28 I^eo Meyer 

nigs *Pfjao^ begegnet zweimal, Ilias X, 474 und 519, vers- 
beginnend, sonst nur noch Ilias X, 435 und zwar nach 
vorausgehendem iv dt ö(ftv. Er mag mit dem eben ge- 
nannten flufsnamen wohl genau übereinstimmen. 

Das Zeitwort Qknuv^ sich neigen, sinken, folgt Ilias 
VIII, 72 und XXII, 2 12 unmittelbar mi htßm' und be- 
gegnet sonst nur Ilias XIV, 99 in der Verbindung im-gginy^ 
die zur annähme eines anlautenden ^ keinesweges nöthigt, 
es aber gestatten würde, vielleicht auch auf die alte an- 
lautsverbindung sr hinweist. Das zwanzigmal bei Hoaier 
vorkommende adverb (Jtu(f€f, rasch, behende, weist in der 
Verbindung rgionat 8' ovxiri oiiKfa noöeg (pägov Ilias XIII, 
515 anlautendes jr entschieden ab, sonst steht es imaier 
so, dafs sich nichts entscheiden lälst; vierzehn mal beginnt 
es den vers. Für giif, flechtwerk, matten, das nur Odys- 
see V, 256 begegnet, läfst die Verbindung (f()d^e di fAiv 
(jintaai bezüglich des anlauts nichts entscheiden. Auch 
für den anlaut von gon]^ granate, bleiben wir im unkla- 
ren, da es nur im versanfang oy^vai xal ouiai Odyssee 
VII, 115 = XI, 589 vorkömmt. Die letzte form, die wir, 
um für die homerische spräche wirklich vollständig za 
sein, zu nennen haben ist g6i%ogj rauschend, brausend, die 
nur Odyssee V, 412 vorkömmt in dem versanfang ßtßgv 
XBV goiftov^ der wieder für oder gegen ein^ nicht bestimoat 
entscheiden läfst, wie auch das mit jenem goi'hog als schlufs- 
theil zusammengesetzte naXiogo&vog^ zurückrauschend, zu- 
rückfluthend, Odyssee V, 430 und IX, 485 keine entscbei- 
dung bringen kann. Ganz verschieden von jenem go&iog 
ist wohl der schlufstheil von im-ggoifo^^, hülfreich, Ilias 
IV, 390 und XXin, 770, von dem das gleichbedeutende 
kTiitc ggothog gewifs nicht getrennt werden darf. Das letz- 
tere begegnet bei Homer nur vor versschliefsenden üui 
Ilias V, 828; kaiiv Ilias XI, 366 = XX, 453; üukv Ilias 
XXI, 289; ij« Ilias V, 808; rjtv Odyssee XXIV, 182; i]aav 
Ilias XII, 180 und üvm Ilias XVU, 339. 

Zum schlufs mag es uns vergönnt sein, als beitrag zu 
einem vollständigen wirklich homerischen Wörterbuch alle 



über die anlaut consonantenverbindang ff^ (vr) in der hom. spräche. 29 

im vorausgehenden behandelten der gewöhnlichen Schrei- 
bung nach mit (> beginnenden Wörter mit angäbe sämmt- 
lieber einzelner formen, die von ihnen bei Homer vorkom- 
men, alfabetisch zusammenzustellen. In einem streng ho- 
merischen Wörterbuch beansprucht natürlich auch das ß 
seinen voUen platz und so würde sich das erste wort mit 
j:q an j:6\\f^ stimme, zunächst anschliefsen. 



ßQo, [in den ausgaben (>^a], leicht, mühelos, Ilias XII, 
381 ; Xni, 144; XVU, 461 ; XX, 101; 263 (zu ji^ka und 

Fqcc [in den ausgaben 'Pia] Ilias XV, 187 (zu Foeta). 

jTQaßdog [oder Qaßöoq?]^ ruthe, Stab: jrodßöov Ilias 
XXIV, 343 = Odyssee V, 47; Odyssee X, 389; XXIV, 2; 
jTQdßSi^ Odyssee X, 293 [j: störend]; X, 238; 319; XII, 
251 [jT störend]; Xni,429; XVI, 172; XVI; 456; jrQaß- 
öoiai Ilias XII, 297. 

FgaSdftttv&vg Odyssee IV, 564; FgaöduavOvv Ilias 
XIV, 322; Odyssee VII, 323. 

ßoaöivogj beweglich, schwankend: jrgaöivriv Dias 
XXIII, 583. 

ßgdxog^ fetzen, zerrissenes kleid, Odyssee VI, 178; 
Xm, 434; XIV, 342; 349; jrgdjcsa Odyssee XIV, 512; 

XXI, 221; jrgaxiiov Odyssee XVIII, 74; XXII, 1; ^pa- 
X6e(f<n Odyssee XIX , 507 ; jrgdxsat^v Odyssee XVIII , 67 ; 

XXII, 488. 

jrgia, leicht, mühelos: Ilias V, 304 = XII, 449 = 
XX, 287; Vm, 179; XII, 58 (zu jrga und jrgeia). 

jrge^üj, ich wirke, ich mache, ich opfere, Odyssee 
XVIII, 15; jrga^üvfiiv Ilias IV, 32; jrgi^ovai Ilias XXQI, 
205; Odyssee V, 102; ((fge^e Ilias IX, 540; ^gi^eaxov (erste 
person) Odyssee XXII, 203 ; ^oäfctrxov (dritte person) Ilias 
VIIL250; Odyssee XXm, 46; ^;ri-^(>€u<7;foi^. Odyssee XVU, 



30 Leo Meyer 

211; jTQi^uv Ilias XXIV, 661; xaQ-gi^ouaa Ilias V, 424; 
_foii^ovaav Ilias V, 374 == XXI, 510; ^oi^nv Odyssee X^ 
527; XIV, 251; — ^(»t^w Ilias X, 292 = Odyssee UI, 382; 
Ilias X, 294 = Odyssee III, 384; Ilias XXIV, 370; ^t»ä|«* 
Ilias XIV, 62; ^Qtiouei' Ilias VII, 353; Odyssee VII, 191; 
XII, 344; /rgi^av Ilias IV, 102 = 120 == XXm,864=. 
873; XXIII, 146; Odyssee X, 523 = XI, 31 ; XVII, 51 
= 60; j^üi^s Ilias IX, 535; *fp6^6 Ilias IX, 563; X, 49; 
XXII, 380; fQi£.m<n Odyssee XVI, 381 ; ^Qt^iis Odyssee 
IV, 478;^p% liias II, 195; Odyssee VIII, 148; J^gi^atfti 
Ilias XIX, 9Ö'; ^gi^ets Odyssee IV, 205; 649; /-p«!«* (In- 
finitiv) Ilias I, 444; Odyssee III, 144; XXIII, 222; jrgi^ae 
Ilias IX, 357; XXII, 305; Odyssee IV, 473 ; 690; IX, 553; 
XI, 130; ^gi^avT€g Ilias X, 525; XI, 727; ^gi^uvn Ilias 
XV, 586; jrgiiavra Ilias XVIU, 455; Odyssee XVH, 567; 
jrgiiavTag Ilias X, 282; j:gex»iv Ilias XVII, 32 = XX, 
198; rgsxO-ivTos Ilias IX, 250. (Viele andre noch zugehö- 
rige formen stellen sich mit mehr oder weniger Wahrschein- 
lichkeit zur präsensform j:igdu) oder zur wurzelform ^sgyi 
ihr verhältniTs zu einander ist indefs noch sorgfältiger za 
prüfen). 

Sgsia, leicht, mOhelos: Ilias 11,475; 111,381; VI, 
131; IX, 477; X, 492; 556; XI, 802; Xn,451; XIII, 72 
90; XIV, 245; XV, 356; 362; 490; XVI, 44; 745; 749 
XVII, 70 [jr stört] ; 285; 462; XVIH, 600; XX, 444 
XXII, 23 |> störend]; XXIV, 567; Odyssee I, 160; II, 
322; III, 231; IV, 207; 805; V, 122; VI, 108; 300; X, 
573; XVU, 265; 305; XXIU, 188. (Dazu &aeh jrga imd 
jrgsa). 

FgBitt: Fgsiag Ilias XIV, 203 (dazu auch Fgä). 

Fgslit-gov, Hafen in Ithake: Fgii&gcf) Odyssee I, 186. 

j:griYuis, brandung, wogenschlag, Strand: ^fgijyfüva 
Odyssee XII, 214; ^grjyftlvoi Ilias XX, 229; ^gtjyfttvt Ilias 
I, 437 = Odyssee XV, 499; Ilias II, 773; VIH, 501 ; XVI, 
67; Odyssee IV, 430 = 575 = IX, 169 = 559 = X, 
186; IV, 449; IX, 150 = 547 = XII, 6. 

^gTjyvvui, ich breche, ich zerreifse: ^gi,yvi<>i Ilias 



über die anlaut. consonantenverbindang ßQ (vr) in der hom. spräche. 31 

XVII, 751; jrQTiyvvaxE Ilias VII, iAi'y^orjyvvto IliasXVIII, 
67; jrQYiYWVTo Ilias XIII, 718; XX, 55; jrgrjyvva&B Ilias 
XII, 440; ^QYiyvvaf^ai Ilias XII, 257; ^Qijyvvf^evov Ilias 
IV, 425; 'ifgn^Bv Ilias III, 348; VH, 259; XIII, 124; XVII, 
44; l^-ifotjlBv Ilias XXIII, 421; lif^^^e Odyssee XU, 409; 
^S-«>?';|€ Ilias XV, 469; j^gi^sv Ilias III, 375; Xm,439; 
XVI, 310; 587; jrofi^e Ilias V, 307; VI, 6; VIII,328; XII, 
459; XIII, 507; XV,464; 537; XVII,314; XX,268;399; 
XXI, 165; 185; ava-jrorj^ets Ilias XX, 63; jroij^eiv Ilias 
n,544; Xn, 198; 262; ./p^y^o) Ilias XXIII, 673; j^Qv^at 
XI, 538; XV, 615; 617; jrp,;^ag Ilias IX, 476; XIII, 139; 
ava-^QTjlaq Ilias VII, 461; a7io-j:Qf]^ai; Ilias VI, 507 = 
XV, 264; Odyssee IX, 481 ; jrgfj^avreg Ilias XII, 341 ; ava- 
^QV^avTB IliasXVIII, bS2 ; jrQ9j^6/Ae&a Ilias XII, 224; ifQij- 
^avTo Ilias XII, 291; ^gfj^avro Ilias XI, 90; ^gr^^dfiBVo^ 
Ilias XIII, 680; jrQrilafiivq) Ilias XU, 41 1=418; ßgrild- 
fABvoi Ilias XII,90; XV, 409; jrgti^aai^ai Ilias XII, 308; 
ovV'Bfgi]XTcci Odyssee VIII, 137; im-^gäyt] Ilias VIII, 558 
= XVI, 300. (Dazu auch fgrjaaa)), 

^grjyog^ decke, teppich, Ilias IX, 661 ; Odyssee XIII, 
73; j^gvyB'i Odyssee XIII, 118; fgnyBa Ilias XXIV, 644 
= Odyssee IV, 297 = VII, 336; Odyssee m,349; 351; 
VI, 38; X,35'2 \j: störendj; XI, 189; Xin,73; 118; XIX, 
318; 337; XXIII, 180; ^p»/>€^(y^ Odyssee XX, 141. 

j:QYid^Biq^ gesagt (passives aoristparticip zw ^BigBiv^ 
sagen): j:gYi%fBvxi Odyssee XVIII, 414 = XX, 322, 

^gtjtdiog^ leicht: ^gt]iditj Ilias XII, 54; jrgfjlöiov 
Odyssee XI, 146; XVI, 2li ; jrgtjiSia Ilias XX, 265. 

j:gilidi(OQ, leicht; Ilias FV, 390; V, 808; IX, 184; 
XI, 114; Xn,448; XVI,690; 846; XVII,178; 283; XXII, 
140; Odyssee VIH, 376; IX, 313; XIV, 196; 254; 349; 
358; XVI, 198; XXI, 92; 328; 407; XXIII, 186; 
XXIV, 177. 

^gijiarog, leichtest : ^pi^mriy Odyssee IV, 565. (Zn 
^gniäiog). 

^gtiitaxog^ leichtest; ^gtjiraTa Odyssee XIX, 577 
= XXI, Z5 \jr störend], (Zu ^gijiöiog). 



3*2 Leo Meyer 

^(jr]iTBQog^ leichter: jroijireooi Ilias XVIII, 258 [^ 
störend]; XXIV, 233. {Ztu ^(niiöio^). 

^QtjxTog^ zerreifebar, verletzbar, llias XIII, 323. (Zu 

Fq^vj] [oder 'P/>'/?] IHa» H. 728. 

^{)i}^rjvoQiri^ kraft und mutb männer zu vernichten: 
jrgf]^9]vo()i7]v Odyssee XIV, 217. 

^Q7]^7JviaQy männervernichtend: ^(jiy^iyvo^ja llias VII, 
228; XVI, 146; ^grj^^vogog Odyssee IV, 5; ^Qfjivvogi 
llias Xin, 324; XVI, 575. 

Fqij^tJvcjq: Fgtj^rjvooa Odyssee VII, 63; FQri^i^vo{}o^ 
Odyssee VII, 146. 

^Q7]6ig, das sprechen, gespräch: j^gfjaiog Odyssee 
XXI, 291. (Zu ^sigaiVj sagen). 

^gtjaao}, ich stampfe, ich trete: ^gi}aaovxBg llias 
XVIII, 571; im-jrgi^affat, ich reifse zu, ich stofse vor: ^tti- 
'jrgfjaasoxs llias XXIV, 456; ini'^gri<söBoxov (dritte per- 
son) llias XXIV, 453. (Zu ^Qvyvvfii). 

^gi]Ti]g, Sprecher: jr()iyr^()rt llias IX, 443. (Zu/'««- 
geiv, sagen). 

jrgtjTog^ ges^t, verabredet, bestimmt: ^Qtjt^ llias 
XXI, 445. (Zu jreigsiv^ sagen). 

^gi^rgrj, Verabredung, vergleich: ^grjgtjp Odyssee 
XIV, 393. (Zu jreigeiv, sagen). 

j:gii,a^ Yrmzeh ^giCav Hias XI, 846; /"()ii;#y6' Odyssee 
XXIII, 196; ßQi^ri Odyssee X, 304; ^gi^ni Odyssee IX, 
390 [jr störend]; XII, 435; ^(^i^cJi/ llias XXI, 243; jrgl- 
^tjaL llias IX, 542; ^gi^ijaiv Uias XII, 134. 

ßgil^ob), ich versehe mit wurzeln, ich befestige, ich 
bepflanze: hjrgi^ioasv Odyssee XUI, 163; hfoi^iarm Odys- 
see VII, 122. 

^glvov, feil, Uias X, 155. 

^glvogj feil, haut, Schild, llias XX, 276; jrgtvov Uias 
V, 308; X, 334; Odyssee XIV, 134; XXH, 278; j^gtvolo 
Odyssee XII, 423; jrgivov Uias X, 262; XVI, 636; jrgivip 
Uias Vn, 248; jrgtvoi Odyssee V, 435; XII, 46; 395; ^gi^ 
vovg llias IV, 447 = VIII, 61; Odyssee V, 42t>; ^givolaiv 



über die anlaut consonantenverbindiing ^^ (vr) in der hom. spräche. 33 

Ilias XIII, 804; jrqivoiai. Ilias XII, 263; XIII, 406; Odys- 
see I, 108; ^Qtvoig Ilias VIT, 474. 

^QlvoTOQoq^ Bchilddorohbrechend, Ilias XXI, 392. 

^Qiov^ felsspitze, berghöhe, Vorgebirge, Ilias VIII, 25; 
XIV, 225 = XIX, 114; Odyssee HI, 295 ; ^giov lUas XIV, 
154; j:Qi(p Odyssee IX, 191. 

^(}i7tt]y wurf, kraft, sohwung, andrang, Ilias XVI, 
589; ^()t;r^i; Ilias Xn, 462; XV, 171; XIX, 358; XXI, 12; 
Odyssee VIII, 192; ^()inj} Dias VIII, 355. 

Fglntj [oder'JPr^ii;?], Stadt in Arkadien : F(}i7irjv Ilias 
n, 606. 

^pi7iTd^(o^ ich werfe heftig, ich werfe umher: ^gm^ 
ra^cjv Ilias XIV, 257. 

^ginrix)^ ich werfe: ava-^iflnxuv Odyssee VU, 328; 
aV'BfQinxov [dritte person; Bekker av^tfginxovv] Odyssee 
XIII, 78; jTQiTiTaaxüP [erste person] IliasXV,23;/'(>^;rraöX6 
Ilias XXIII, 827; Odyssee VIH, 374; XI, ;>92; jrgiifjw Ilias 
Vm, 13 ; jrgiifJH Ilias XXIV, 735; ^^(jitpav Ilias XIX, 130; 
Odyssee IX, 398; C^()tV/€ Ilias XXII, 406 ; XXIH, 842; 
845; Odyssee VI, 115; XH, 254; XX, 299; jrQitpB Ilias I, 
591; 111,378; XIX, 268; av-if^ixpav Odyssee X, 130; 
iTi'ifQixfjav Odyssee V, 310; änO'/Qixfjat Ilias XVI, 282; 
anO'^Qixfjavxa Ilias IX, 517. 

jrgif; [oder(^i^?], nasenlooh, nase: /'(^/i'a Ilias V, 291; 
Odyssee IV, 4 J5 [^ störend]; XVm, 86 [jc störend]; ^qi^ 
vog Ilias Xin,616; ^qJvbq Ilias XIV, 467; ^gJvag Ilias 
XVI, 349 [jT störend]; 503; XXTIT, 395; 777; Odyssee V, 
456; XXI, 301 ; XXII, 18; 475; XXIV, 318; ^givwp Ilias 
XIX, 39. 

ßQodavog^ schwankend: ^(»oJai^oV Ilias XVIII, 576. 

FQoSiog, flufs in Troas, Ilias XH, 20. 

jrgodoSdxxvlog, rosenfingerig, Ilias I, 477«= XXTV, 
788 = Odyssee H, 1 = m, 404 = 491 = FV, 306 = 
431 = 576 = V, 228 = VIII, 1 = IX, 152 = 170 = 
307 = 437 = 560 = X, 187 = XII, 8 = 316 = Xm, 
18 = XV, 189 = XVn, 1 = XIX, 428; Ilias VI, 175; 
IX, 707; XXra, 109; Odyssee V, 121 ; XXUI, 241. 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XY. 1. 3 



34 L^ Heyer 

^(}oö6^Btg, mit rosen versehen: ^^oöoftvn IliM 

XXIII, 186. 

^Qoi^itaj ich ^{eih: ^Qoi^r^aBv Ilias X, 502. 

^goi^og, das pfeifen, das schwirren: ^Qölyov Hirns 
XVI, 361; ^Qoi^t^ Odyssee IX, 315. 

^Qoniikov^ keule, Odyssee IX, 319; XI, 575; XVil, 
195; jTQOTiäkrp Odyssee XVII, 236; ^QonaXa Ilias XI, 559; 
^QOTidkoiai Ilias XI, 561. 

^Qox^^o), ich raascbe, ich brause: j:qox&bi Odyscee 
XII, 60; jc()d;^t>€fi [Bekker pox^ei] Odyssee V, 402. 

^QVfiog [oder (H/aog?], deichsei, Ilias V, 729; XXTTT| 
393; ^QVfAov Ilias X, 505; jrgvfAt^ Ilias VI, 40; XVI, 371; 

XXIV, 271 [jT störend]. 

^Qvoog^ runzlig: ^gvaai Ilias IX, 503. 

jrQvard^fa^ ich schleife, ich zerre: ^gvorä^ovrag 
Odyssee XVI, 109 = XX, 319; jrgvaTa^eaxBv Dias 
XXIV, 755. 

^QvaraxTvg^ das zerren: ^Qvaraxrvog Odyaaee 
XVm, 224. 

^QV^TJQ, Spanner, abschielser, zugseil: ^gvx'^Qa OdjB» 
see XXI, 173; j^gvtijQag Odyssee XVIII, 262; ^gvr^gc^ 
Ilias XVI, 475. 

FgvTiov^ Stadt auf Kreta, Ilias II, 648. 

^gvTog^ herbeigeschleppt: ^gvrolaiv Odyssee VI,267; 
XIV, 10. 

jrgutyakiog, zerrissen : ^gtiüyaUov Ilias II, 4 1 7 ; ^^ah 
yaUnv Odyssee XIII, 438 = XVH, 198 = XVHI, 10^ 
^gtüyaUa Odyssee XIII, 435; XIV, 343. 

/"pcJI, durchgang : ^(jcJ;'«^ Odyssee XXII, 143. 

^gwnTJiov, buscb, gesträuch: ^gwntjta Ilias Xm, 
199; XXI, 559; XXIII, 122; Odyssee XIV, 473. 

^gdoXfiog^ rifs, spalte, kluft, Ilias XXIII, 420. 

jrgaiip, gebüsch, gesträuch, reisig: ^oa;;ra^ Ilias XVI, 
47; Odyssee X, 166; XIV, 49. 



(z.H.e.i.K.y^.M.N.s.o.n.) 



über die anlaut. consonantenverbindung ^{t (vr) in der hom. spräche. .35 

p. 

pa, eine sehr gebräuchliche partikel der homerischen 
Sprache, die nie zu anfang des Satzes auftritt, aber auch 
sonst noch mancherlei beschränkung in ihrem gebrauche 
zeigt; sie schliefst sich nur an eine kleine anzahl von Wör- 
tern unmittelbar an. Am häufigsten ist ^ä mit formen des 
relativstamms verbunden, so haben wir ög Qct Ilias I, 405 
n,77; 752; 111,61; IV, 524; V, 70; 77; 612; 650; 708 
VI, 18; 131; 158; IX, 459; X, 318; XI, 123; 231; XIII, 
63; 364; 646; 665; XV, 411; 431; 461; 584; G44; XVI 
178; 328; 464; 572; XVII, 72; 350; 549; 611; XXII, 23 
27; XXUI, 384; 517; Odyssee I, 154; U, 225; DI, 161 
IX, 187; X, 158; XII, 281; XIV, 380; XV, 254; 319 
XVI, 396; XVin, 8; XX, 291; XXI, 148; XXn, 331 
403; XXIV, 445; n 9« Hias IV, 483; VII, 45; Vm,223 
IX, 566; XI, 6; XII, 254; Xin,443; 796; XIV, 324 

XXI, 494; Odyssee VU, 41; IX, 330; XI, 267; 299 
XXIV, 211; o (m Ilias XU, 380; XUI, 644; XVI, 120 

XXII, 470; Odyssee XX1I,327; XXIV, 182; ^v ^5« Ilias 
IV, 106; V, 137; 503; 735; VIII, 128; 386; XVII, HO 
674; XVin,371; XXI, 283 ; XXD, 60 ; Odyssee IV, 524 
XrV, 449; XVn, 292; XXIV, 206; jjv pa Ilias XVI, 590 
Odyssee XIV, 7; ^ ^« Ilias X, 77; XVD, 134; XVIII 
319; Odyssee XVII, 410; XXI, 391; p pa Dias Xm, 53 
594; XV, 448; oi pa Ilias n, 632; 853; lU, 187; IV,378 
XII, 199; 454; XIII, 793; XVI, 672; 682; XVII, 532 
XXI, 206; 236; 344; Odyssee IV, 361 ; VII, 5; VUI,225 
IX, 107; 399; XI, 414; ai pa Ilias XV, 631; XIX, 31 
XXIV, 415; Odyssee XII, 39; « pa Ilias II, 36; 38 
Odyssee XV^, 50; ovg pa Ilias XXIV, 574; femer orri 
pa Ilias VI, 177; XQI, 675; XIV, 407; XVU, 41 1 ; 568 
655; XXII, 292; 439; Odyssee XIV, 527; XXI, 415; o« 
pa Ilias I, 56. Auch mit den formen des demonstrativ- 
stammes, die bei Homer aber nicht selten auch relativ ge- 
braucht sind, ist pä sehr oft verbunden, so ist zu nennen 
^ ^a Odyssee XVIU, 326; XX, 111 ; tov pa Uias II, 21; 

3* 



36 I^eo Meyer 



-.m-, 728; 742; IV, 459; 501; V, 537; 615; VI, 9; 402; 
VII, 469; VIII, 304; 493; X,562; XIII, 177; XIV, 218; 
465; 490; XV, 433; 530; 552; XVI, 153; 577; XVU, 
578; XVIII,237; XXI, 35; 405; Odyssee 1,30; IV, 133; 
188; VUI, 189; XVI, 428; XIX, 401; XXI, 419; XXIU, 
178; r»> pa Ilias 1,430; X,266; XXIU, 142; XXIV, 
165; To e« liias XIV, 172; XVI, 228; XX, 146; Odyssee 
XXI, 17; tq} im Ilias V, 209; 676; XI, 508; 638; XHI, 
356; 514; 669; XIV, 35; 37; 175; XV, 194; XVU, 340; 
Odyssee IV, 509; VIU, 226; XIV, 313; XIX, 259; XXI, 
184; rp ga Dias V,752; 858; VIH, 327; 396; XI, 149; 
499; XII, 120; 124; XIV, 404; XV, 360; XVI, 378; XX, 
272; XXI, 6; XXII, 157; 326; XXIH, 422; 775; XXIV, 
472; Odyssee XXIV, 5; rot (ia Ilias VIII, 225; XI, 8; 
oi Qtt Odyssee X, 121; XI, 313; XIX, 565; 567; t« ^a 
Iliaa VI, 314; XIV, 410; XV, 388; XVUI, 379; Odyssee 

IV, 66; VII, 235; rovs (i« Ilias XXIV, 278; tüv pa Ilias 

V, 543 ; Xin, 85. Vereinzelt findet sich (aiv (ihn) Qa Odys- 
see Vn, 7 1 . Daneben mag gleich die Verbindung des ^ 
mit ui, so, genannt sein : (u^- (;« Ilias XI, 419; 482 ; XII, 
307; Xin, 125; 201 ; XV, 365; XVHI, 163; Odyssee XX, 
16. Weiter findet sich sehr häufig xai unmittelbar mit 
gä zusammengestellt, also xui (ta, nämlich Dias I, 360; 500; 
569; ni, 77; 1 13; 344; 369; IV, 232; 379; V, 427; 802; 
vn, 55; 310; VHI, 200; IX, 559; 634; X,332; 541; XI, 
815; Xin, 651; XV, 119; 445; 615; XVI, 586; XVII, 
;i42; XVin, 72; 597; XIX, 42; XXI, 164; 424; 591; 
XXIII, 739; 886; XXIV, 102; Odyssee H, 362; 384; V, 
195; Vin, 10; XI, 240; 262; 307; 472; XUI, 197; XVI, 
22; 162; XVII, 40; XVIII, 200; XX, 54; 78; XXI, 80; 
175; XXIV, 389; 520. An den meisten der genannten 
stellen beginnt xai den vers. Femer ist noch die Verbin- 
dung knti Qa sehr beliebt, sie begegnet Ilias IV, 476; XI, 
498; 641; XHI, 505; 416; XIV, 510; XV, 418; XVI, 
2('6; 615; XXI, 93; Odyssee I, 263; IV, 806, und anftei^ 
dem noch oft in der versbeginnenden zusammenstellang 
ainno inti p«, so Ilias I, 458; 484; 11,421; IX, 215; XI, 



über die anlaut. conBonantenverbindung ^^ (vr) in der hom. spräche. 37 

225; XIV, 280: XXIV, 513; 790; Odyssee H, 9; 378 
407; in, 447; IV, 233; 428; 573; VIII, 24; 50; X, 346 
XI, 1 ; 246; XII, 304; 359; 391 ; XDI, 70; XV, 366; 438 
XVII, 28; 85; 178; XVIII, 59; XXIV, 349; 421. Von 
sonstigen adverbiellen wörtchen oder partikeln nehmen noch 
^, femer yä^, 8^, uiv, auch »;, gern qö unmittelbar zu 
sich. So findet sich ^ öa Ilias III, 183; IV, 82; 93; V, 
421;715;762; VI,215; VII, 48; VIH, 236; X,401; XII, 
164; XIV, 49; 190; 471; XV, 185; XVT, 750; XVIH, 
324; 358; 394; XIX, 315; XX, 347; XXIII, 103; XXIV, 
425; Odyssee rV, 632; VI, 120; VIII, 336; Xn,280; XIII, 
201; XV, 431; XVI, 462; XVIH, 331; 391; XIX, 556; 

XXI, 398; XXIV, 351. Die Verbindung Stj qcc kömmt 
vor Dias I, 493; III, 264; IV, 210; V,780; X, 338; 357; 
XVII, 728; 732; XXHI, 721; XXIV, 31; Odyssee FV, 
460; V,458; X, 169; 569; XIV, 472; XV, 101; XVI, 
335; XXI, 191, hier flberall an versbeginnendes äXk' ore 
sich anschliefsend ; aufserdem findet sich 8iq ^a noch Ilias 
IV, 446; Vm,60; X, 526; XI, 182; XII, 162; Xin,719; 
XrV,337; 389; XV, 53; 724; XVI, 386; 780; XVIII, 
520; XXni,822; XXIV,457; Odyssee I, 126; V, 322; 
VI, 217; 238; VH, 143; VIÜ, 423; IX, 52; XXI, 128; 
XXm, 345; XXIV, 149; M62. Etwas weniger häufig fin- 
den sich idv Qtt verbunden, nämlich Hias 11, 1; 48; 211; 
VI, 167; 179; 312; VIII, 119; 302; 487; XI, 619; XVH, 
609; XVm, 412; 491; 514; XX, 41; XXI, 51 ; 115; 171 ; 

XXII, 412; XXIV, 677; Odyssee I, 127; D, 148; 434; 
Xra, 185; XVI, 336; XVH, 302; XLX, 462; XX, 164; 
XXI, 32. Die Verbindung ydiQ ga, die ebenso wie uiv pn, 
da die partikeln uiv oder yäg ebenso wenig als öd selbst 
einen satz eröfinen, sich stets an vorausgehendes anschliefst, 
findet sich Ilias I, 113; 236; V, 511; 587; XI, 74; 690; 
xra, 554; XIV, 30; 464; XVH, 554; 600; XX, 77; XXI, 
143; 299; 301; Odyssee IV, 366; V, 321; VIH, 44; 81; 
XV, 16; XVn, 172; XXIII, 44; und aulserdem noch 
in den versausgäiigen iJx&STo yäo ga Ilias XIII, 3.)2 ; aiöero 
yäg pa Ilias XXI, 468; Odyssee VI, 329 und ßmikna yaq 



38 Leo Ifeyer 

QU Odyssee III, 143, in denen also das qü den vers fibei> 
baupt schliefst, was sonst ganz ungewöhnlich ist; in weit- 
aus den meisten fällen kömmt qu in den anfangstheilen der 
verse vor. Nur ganz vereinzelt begegnet ov (m Ilias XII, 
304; etwas häufiger ij (m, nämlich Ilias II, 238; IV, 15; 

IX, 674; XI, 820; XVI, 243 und Odyssee IX, 175. Nur 
wenige male ist (}ä mit präpositionen oder verbalen priU 
fixen verbunden ; anzuführen sind in dieser beziehung nqös 
(,« Dias 11,310; k Qa Lias X, 576; Odyssee -IV, 48; 51; 
Vm, 450; X, 361 ; ^x ga Odyssee III, 4b8; VIII, 456; 
XVII, 90; xÜQ ga (aus xär ga, xarci ga) Ilias XX, 421; 
^vv g inscov Ilias VII, 256; XXIII, 687 und ^v ^' ißa- 
kov Ilias IV, 447; VIII, 61. Was die Verbindung des ^ä 
mit verbalformen anbetrifft, so finden wir es von zwei vera- 
anfängen in den letzten gesängen der Odyssee, nämlich 
ix^veiv ga Odyssee XXn,408 und £i^civ ga Odyssee XXIY, 
501, abgesehen nur neben einigen einsilbigen; am häufig- 
sten begegnet so ij (sprach) ga und zwar stets versbegin- 
nend, nämlich Ilias 111,310; 355; 447; IV, 419; V,280; 
416; VI, 390; VII, 244; VHI, 300; X, 372; XI, 349; XIII, 
754; XIV, 346; 475; XVI, 426; XVn, 516; XIX, 424; 
XX, 259; 438; XXI, 200; 489; 590; XXII, 77; 273; 289; 
367; 395; XXIH, 24; 563; 569; 612; XXIV, 302; 596; 
643; Odysseen, 321; HI, 337; V,28; VI, 198; Vm, 186; 
416; 469; XIV, 446; XVI, 154; XVII, 197; 356; 396; 
XVin, 108; 356; XIX, 96; XXII, 236; 292; XXffl, 366. 
Aulserdem sind hier noch zu nennen <f^ ga Odyssee IV, 
504; /?»7 ga Ilias VII, 19; X, 339; XU, 299; XIV, 188; 
XVI, 221; XVII, 213; XX, 319) 484; XXI, 205; Odys- 
see 1,441; 11,10; V, 475; VI, 3; VHI, 273; 277; XID, 
160; XVI, 341 ; XVII, 604; XXI, 58; ar^ ga Ilias VH, 
225; XI, 577; XIII, 146; Odyssee 1,333; VIU, 144; 458; 
XVI, 415; XVIII, 209; XIX, 447 ; XXI, 64 ; ?'vw (ia Dias 

X, 358; Odyssee XIX, 468; ßdv ga Ilias X, 273; 297; 
Xn, 106; XIV, 384; Odyssee VHI, 56; XVm,428; XIX, 
429; und at^v ga Ilias XI, 744; auch fast lauter versan- 
fänge. Nur sehr wenige male findet sich gä in nnmittel- 



aber die anlaut conBonantenverbindung j:q (vr) in der hom. spräche. 99 

barer Verbindung mit nomioalformeD, nämlich Uias V, 15: 
ibnyw^ Qa\ Ilias XIV, 511: Alfa^ ^a; Dias XVII, 200: 
xivt]oag ^a; Odyssee XV, 60: anBQxofA^vo^ q(x\ Ilias XVI, 
820: ayxiuolov (>a. Und noch Ilias XI, 249 : XQareQOV pa 
und Ilias XIII, 410: ovS' otkiov pa, von welchen Verbin- 
dungen nur die beiden letztgenannten nicht versbeginnende 
sind. 

Qa&dfAiy^ [ oder jrpa&äuiy^ ? J, tropfen : pa%9dfiiyyeg 
Ilias XI, 536 = XX, 501 ; XXUI, 502. 

Qaivb) [oder jr()acvcü?J, ich besprenge, ich bespritze: 
Qaivovto Ilias XI, 282; pdcaare Odyssee XX, 150; k^gd- 
öatai Odyssee XX, 354; k^gdäato Ilias XII, 431. 

pacGTrig^ hammer: paiorijga Uias XVIII, 477. 

paiw^ ich zerstöre, ich zerschmettere: paitjot Odys- 
see V, 221 ; Sia-QQaiovGi Odyssee Xn,290; paiono Odyssee 
IX, 459; patouevov Odyssee VI, 326; ^aiaifjievai Odyssee 
VIII, 569 = Xm, 177; Sia-ggaiaei Odyssee 11,49; IX, 
78; paiatj Odyssee XXIII, 235; dno-QQaicBu Odyssee I, 
404; Qoiaat Qdyssee XIII, 151; a;ro-(>(>ai{ra* Odyssee XVI, 
428; dui-QQaiaai Ilias H, 473; XI, 713; XVH, 727; öia- 
'QQaiaBG&ai Uias XXIV, 355; iggaia&r^ Ilias XVI, 339. 

ga^iTosj zusammengenäht, geflickt: ganrov Odyssee 
XXIV, 228; gamdg Odyssee XXIV, 229. 

gdTttWy zusaomiennähen, zusammenfügen, listig be- 
reiten: gdTiretg Odyssee XVI, 422; igdmoiuv Odyssee 
XVI, 379; pdnTOfAev [imperfect] Odyssee III, 118; ganri- 
fiev Odyssee XVI, 423; gdips Ilias XTT, 296; pdyjai Dias 
XVm, 367. 

^aipij, naht: gaq>ai Odyssee XXII^ 186. 

gdxt'g^ rQckgrat, rückenstQck: gdxiv Ilias IX, 208. 

pejred-Qov^ Strömung, fluth, welle: pife&ga Ilias II, 
461; 533; VII, 135; Vin,369; XIV, 245; XVU, 749; 
XXI, 9; 25; 218; 235; 238; 244; 311; 352; 354; 361; 
365; 382; XXm,205; Odyssee m,292; VI, 317; XI, 
157; 240. 

(i£,9-os, glied: (n&a(oi; Ilias XVI, 856; XXII, 68; 
362. 



40 Leo Meyer 

Qima \oAeT j:Qi7i(ßi^]^ ich neige mich, ich sinke: Qim 
Ilias VIU, 72; XXH, 212; im-ggirnj Dias XIV, 99. 

e^jrw, ich fliefse: pijrei Ilias 7,340; 545; XXH, 149; 
Odyssee IX, 140; im-QQ^ei Ilias II, 754; TtQo-QtfH Ilias 
XXII, 151; imexTtQO'QBfei Odyssee VI, 87; Qifovaiv Odys- 
see X, 513; TiQO'Qifovaiv Ilias XII, 19; Odyssee X, 351; 
Qifoi. nias in, 300; Ttgo-gsfeip Utas XXI, 366; pifwvIiinB 
V, 88; XXI, 256; 271; 304; piforra Ilias VI, 172; Ttgo- 
-gkfovTa Odyssee V, 444; xicra-ggi/rov [ungeschlechtig] 
Ilias IV, 149; V, 870; gifovrog Dias n,846; XVI, 288; 
XXI, 157; 186; Tigo-gifowog Ilias XXI, 260; ngo^gi^ovri 
Dias V, 598; gifovte Dias V, 773; gifovreg Dias IV, 452; 
XVI, 389; 391; XVII, 751; XIX, 207; iggejrep Dias IV, 
140; XVI, HO; XXHI, 34; Odyssee XI, 600 ; igg^eUiHS 
Xm, 539; XVn, 86; XXIH, 688; in-iggsfe IliasXI,724; 
^4r€v Dias 1,249; n,307; XI, 811 =XXm,715; XVm, 
403; Odyssee XVn,209; p^r« Iliaa IV,451 = VIII,65; V, 
339; Xni,655 = XXI,119; XV,715; XVII, 438; XX, 
494; Odyssee IX, 290; XI, 36; XIX, 204; mgi-ggyrt 
Odyssee IX, 388; gipov [dritte person] Dias XQ, 159 
[scheinbar mit ^, aber woYAiggEfov zu lesen]; Odyssee V, 
70; (wi? Odyssee HI, 455. * 

Pvaog [oder Fgrjaog?], fluis in Troas, Ilias XII, 20. 

'Pijaog [oder Fg^öogi^^ könig der Thraken, Ilias X, 
435; 474; PttCov Dias X, 519. 

gly^^^yog^ schauderhaft, entsetzlich, verbalst: giyt-- 
öavr.g Dias XIX, 325. 

glyi(ay ich schaudere: ^ly^/^fci/ Dias 111,259; IV, 148 
= Xn, 254; IV, 150; 279; XV, 34; XVI, 119; Odyssee 
V, 116; 171; glytiae Dias V, 596 = XI, 345; XII, 331; 
^iynaav Dias Xu, 208 [scheinbar mit jr, aber wohl 3* ig- 
giyn^av zu lesen]; giyTqauv Ilias V, 351 ; iggtya Dias XVII, 
175; iggiyB Ilias VII, 114; an-egglyaai Odyssee 11, 52; 
kggiytjai Ilias IH, 353; kggiysi Odyssee XXIII, 216. 

glyiovy frostiger, schrecklicher: Dias I, 325; 563; 
XI, 405; Odyssee XVII, 191; XX, 220. 

giyiarog, entsetzlichst: giyiara Ilias V, 873. 



aber die anlant ooDSonanteiiverbindiing j:q (vr) in der hom. spräche. 41 

'Piyfioq [oder FQlyiJLOQi'\^ ein Thrake: 'Piyfiov Ilias 

XX, 485. 

plyoQj kalte, frost, Odyssee V, 372. 
^lyoüfj ich friere: Qiytaaiutv Odyssee XIV, 481. 
QifjLfpa^ rasch, behende, Ilias VI, 511 = XV, 268; 
Vm, 54; X, 54; XI, 533 = XVII, 458; XHI, 30; 515; 

XIV, 282 ; XX, 497 ; XXII, 163 ; XXUI, 501 ; 766 ; XXIV, 
691 ; 799; Odyssee VIU, 193; XII, 182; Xni,83; 88; 161. 

qTvov (?) Odyssee V, 281 (scheint von /"(»Ij/oV, feil, 
verschieden zu sein). 

^l\p [oder >:()n/;?], flechtwerk, matten: Qineaai Odys- 
see V, 256. 

'PoSiog [oder FpoSiog?]^ be wohner der insel Rhodos: 
'Poöiwv nias n, 654. 

'Po Sog [oder Fgodog?']^ namen einer insel: *P6Sov Ilias 
n, 655; 667; 'PoSov Ilias H, 654. 

eo^i], fluth, welle: ^ofag Dias 11,869; V, 774; XI, 
732; XVin, 240; Odyssee IX, 450; XXIV, 11 ; ^ojrdwv 
Dias III, 5; IV, 91 ; VI, 4; VIII, 560; XIX, 1 ; Odyssee 
X, 529; XXII, 197; o^ifV^^v Ilias XVI, 229; 669 = 679; 
Odyssee VI, 216; pojr^g ilias XVI, 719. 

po&iog \oder^Q6&iog?]j rauschend, brausend: qo&iov 
Odyssee V, 412. 

QoiY} [oder ^()oti^?J, graoate: Qoiai Odyssee VII, 115 
= XI, 589. 

poißSew^ ich schlürfe: ava-QQoißÖBi Odyssee XII, 
104; ava-QoißÖH Odyssee XII, 105; aV'Eggoißö^GB Odys- 
see XII, 238; 431 ; (ßoißötiaeuv Odyssee XU, 106. 

Qojrog^ fluis, Strömung, Ilias XVDI, 402 [scheinbar 
mitjr]; XXI, 16; 241; Odyssee IX, 80; (}6fov Ilias XI, 
726; Xn,25; 33; XVI, 151 [scheinbar mit ^1; XVII, 264 
[scheinbar mit ^]; XVII, 750; XXI, 147 [scheinbar mit^]; 

XXI, 219; 303; 369; Odyssee V, 327 [scheinbar mit/-]; 
V,449; 451; 461 [scheinbar mit^] ; VI, 85; XI,21 [schein- 
bar mit >:]; XXI, 1; 204 [scheinbar mit^]; XIV, 254 
[scheinbar mit /]. 

gvdov^ fliefsend, strömend, Obermäfsig, Odyssee 

XV, 426. 



42 Leo Meyer, ttber die anUut consonantenyerbuidiuig /^ (vr) etc. 

ovouaiy ich bewahre, Ilias XV, 257; Odyssee XIV, 
107 [scheinbar mitjr]; (fverai IliasX, 259; 417; Odyssee 
XV, 35 [scheinbar mit^]; övovrai Ilias IX, 396; Qvoixo 
Ilias Xn, 8; m;otGii'B Ilias XVII, 224; (yrnro Ilias XVI, 
799; QVBG&ai Ilias XX, 195; (waifai Ilias XV, 141 ; pvaro 
Ilias XVIII, 515; Odyssee XVH, 201 ; pvax€v Dias XXIV, 
730; ov(Tciuiiv Ilias XV, 29; igovaaro Ilias XV, 290; XX, 
l94; Odyssee I, 6; pvaaro Odyssee XXITI, 244; pvada" 
iii]v Ilias XIV, 406; Qvaaixo Odyssee VI, 129; XII, 107; 
Qvaai Ilias XVII, 645; XXIV, 430 [scheinbar mit ^]. 

(fvnov [oder ^oii;roi/?J, schmutz: Qvna Odyssee VI, 
93 [scheinbar mit j:], 

QVTtübi} [oder jrgvTiow? aus pvndw]^ ich bin schmutzig, 
Odyssee XIX, 72; XXIII, 115 [scheinbar mit^]; pwta^ 
(avTct Odyssee VI, 87; XIII, 435 [scheinbar mit/-]; XXIV, 
227. 

pvnoü) [oder /-(»i/^ioa)?], ich beschmutze: psgynatfiiva 
Odyssee VI, 59. 

pvaiov [oder jrgvaiov?]^ entschädigungsbeute, geifsel: 
gvaice Ilias XI, 674. 

QvainTü'/uii^ stadtbeschirmend: pvainToki Ilias VI, 
305. 

gvTTjQ, beschützer, bewahrer: gvriJQa Odyssee XVII, 
187; 223. 

Qwjrofxai [oAer (mofiai'i oder ^poioiia^?], ich bew^^ 
mich rasch, ich eile: in-Bogiofowo Odyssee XX, 107; ^- 
jrovTo Ilias XI, 50; XVI, 166; XVIH, 411 = XX, 37; 
XVIII, 417; Ilias XXIH, 367 [scheinbar mit /, doch ist 
wohl Ö' koQvifoifvo zu schreiben]; kgQeiaavro Ilias XXIV, 
616; Odyssee XXIH, 3; XXIV, 69; in-SQQüiaavTo Ilias 
I, 529. 

Göttingen, den 21. mai 1865. 

Leo Meyer. 



Dttntser, homerische etymologien. 43 

Homerische etymologien. 

(Fortsetzung.) 
22. ^ko^og, Sgvoxog, vavkoxog. 

Auch bei dem worte ^vloxog gilt es zunächst die bedeu- 
tung festzustellen. Bezeichnet es eigentlich das lager des 
wildes, ivv^ (A^ 115. 0,580. J, 338), cubile, franz. re- 
pose, gite oder die waldung? Gehen wir von der stelle 
iT, 161 f. aus: 

"iig 6i kioiv kv ßovöi &OQtov ^| av^iva ä^ij 
noQTiog 7}k ßoog ^vko^ov xdta ßoöxofievdwp, 
so dQrfte es kaum zu bezweifeln stehn, dafs hier ^koxog 
nicht das lager des 15 wen ist, wo kühe und stiere zufäl- 
lig weiden, abgesehen davon, dafs der ausdmck dann be- 
stimmter sein müfste. Zum Qberflusse wird diese deutung 
bestätigt durch 0, 690 f.: 

!/lkV füGT oQvi&wv TtBttrivfav aUrog ai&iav 
Üd'pog icpoQfÄCCTai notafiov ndga ßo6xouevd<ap. 
Es steht demnach ^vkoxov xara, wie xaiV-' vki^v F, 151. 
K, 184. iV, 102. Wenden wir uns zu den übrigen home- 
rischen stellen, so ist nicht zu leugnen, dafs hier ^vkoxog 
überall von dem tiefen walde steht, worin das wild sein 
lager hat. So heifst es J, 335 ((>, 126) kv ^vkoxq) xgaTB- 
Qöio kiovTog, ^,415. 0, 4, 573 wird vom löwen und pan- 
ther gesagt: Elai ßa&eir^g kx ^vkoxoio^ und in der späten 
stelle r, 445 lesen wir vom eher (von welchem es 439 
hiefs: kv koxuy xarixsiTO fiiyccg övg): *0 ö* dvtiog ix ^w- 
koxoio {orf]). Allein ^koxog bezeichnet auch hier eigent- 
lich das dickicht, wo eben löwe, pantber, eher ihr la- 
ger haben. Ganz so brauchen die Franzosen ihr le fort 
(dickicht) vom lager des wildes. Die umgekehrte Wen- 
dung des gebrauches ergibt sich beim schon genannten 
koxfitjt das seiner ableitung nach (kox-utj von wurzel kex^ 
wie (J(0'f^9]i i^'l^^'i ^^-f^'h yvw'fjLij) lager bezeichnet, spä- 
ter geradezu für waldung gesetzt wird. Homer hat ko- 
Xfiri nicht gebraucht, obgleich das metrum es au manchen 



44 Dttntzer 

stellen statt ^Xoxog gestattet hätte. Einen ähnlichen Wech- 
sel der bedeutung, wie bei ^dxf^^h &u^b bei ^vkoxo<^ anzu- 
nehmen, widerstreitet aller Wahrscheinlichkeit. Dazu kommt, 
dafs in diesem falle sich die herleitung von ^vko-Xoxot^ er- 
geben würde, wo der erste theil des Wortes ganz QberflOs- 
s^g? JA störend wäre; denn wozu die andeutung, dafs das 
lager der thiere im walde sich befindet? Reichte nicht 
koxog oder eine andere ableitung von wurzel X^x vollkom- 
men hin? wozu noch das vorgesetzte ^v?.op? 

Müssen wir dagegen von der bedeutung waldung 
ausgehn, so ergibt sich von selbst die erklärung ^l-uxog 
baumreich, daher ein ort, wo viele bäume sind. Die 
bedeutung bäum hat Sivkov schon in ä^v?.og, bei Homer 
baumreich, bei Herodot baumlos. Aber müfste nicht 
von ^vlov ^vkovxog gebildet werden, wie schon Homer 
axtjnvovxog hat von einem bei ihm nicht vorkommenden 
axfintov? Freilich sollen regelmäfsig die auf o auslauten- 
den wortstämme im ersten theile der Zusammensetzung ihr 
o behalten, und besonders findet sich dies bei den auf 
oxog auslautenden Zusammensetzungen : aber Homer könnte 
sehr wohl, um einen leicht zu verwendenden anapäst zu 
gewinnen, statt ^vkooxog ^vXoxog sich erlaubt haben, wie 
von naQ&ivog nagd-Ev-oninrig^ von Jwog ^(oyQcicfog kommt, 
da kaum an ableitung von Coog zu denken trotz des ho- 
merischen ^(ag, das man aus ^oog entstehen läfst, wie Ho- 
mer (faig neben aoog hat. Auch vor einem consonanten 
fällt das weg in xüarai-yiaXogy xnarai-TieSov , ja sogar 
zwischen zwei consonanten in kvccQ-tfogog^ ivan-a-tpogog. 
Könnte somit auch lautlich ^vloxog wirklich als Zusam- 
mensetzung mit o;^o$ haltend gelten, so scheint doch die 
bedeutung des wortes, noch mehr die von ögvoxog^ g^g^n 
eine solche herleitung zu sprechen. Jovoxog ist die bezeich- 
nung von Ständern, kleinen stützen^ daher nicht holz hal- 
tend, sondern holz er, also von dgvg abgeleitet*). Da- 



*) Auch andere holzer am schiffe werden mit t^^va^oi; bezeichnet, nach 
Theophrast die beschelang des kieles von eichenholz. 



homerische etjrmologieu. 46 

neben steht die mehrbeit ögvoxccy ögvo^oi^ bei Euripides 
und dem dichter Archias ganz gleich ö(}v/xdj ^v?.oxog. Bei 
Hesycbioa findet sich dQvaxeg gleich Sgvoxoty bei Plutarch 
dQvddegy wenn das handschriftliche kx ÖQvddgiuv dort rich- 
tig geändert und nicht etwa ögvdxMv herzustellen ist. JqV' 
fiov in dem versscblusse did ÖQVud nvxvd xai vki]v ist 
bäum und entspricht dem indischen freilich mftnnlichen 
druma, bäum*). Homer bediente sich desselben neben 
dem gangbaren divSgeov^ worin man längst eine rednpli- 
cirte, mit anderer endung versehene form von ÖQvg erkannt 
hat, das im griechischen gewöhnlich als bezeichnung einer 
bestimmten baumart steht. Dagegen ist ögiog^ Ögiov das 
dickicht von bäumen; das i; von dgvg, das in d^n ca- 
sus und in den ableitungen den vokal kurz hat, ist hier 
in & übergegangen, wozu wir nicht das gothische triu, 
sondern aiaXog von avg^ &iaaog von &veiv vergleichen 
möchten. Wie es sich mit des Hesychios dgiäv verhält, 
das &d}.l€iv bedeuten soll, läfst sich nicht wohl sagen, da 
uns die stelle nicht vorliegt, worauf die glosse sich bezieht; 
es könnte von Sgiogy ägiov abgeleitet sein. Die von Ben- 
fey angenommene herleitung von wz. drh wachsen ist 
unwahrscheinlich. Von dem homerischen öqv^ov bäum 
(mit kurzem v) ist wohl das spätere dgv^/nog (mit langem 
t;) als ableitung von 8g€g zu scheiden; es bezeichnet die 
Waldung von den vielen bäumen. Jgvvfjy ögoirtj (nach 
bekanntem Wechsel) zu erklären hölzern, was die bedeu- 
tung wohl zuliefse, dürfte kaum angehn, da das sufKx r 
von nominalstämmen keine ableitungen bildet. Die form 
erinnert an xo/ri;, aber eine passende deutung ergibt sich 
mir nicht. Dagegen steht ögvg in der bedeutung bäum 
ganz sicher in dgvnerrjg^ ögvnentig^ Sgvn$tp**) und SgtxfaX" 



*) Die Verbindung eines theiles und des ganzen ist echt homerisch, 
wie ßy 154 Sia c* olxta xai nolir ainiäv steht. 

**) Jf}vnna^ druppa erklärt sich nur als abkttrznng; ans den casus 
von ÖQvnfxpy und wohl zunächst aus d^rnt'^iaq, gesprochen ^Qvnnnqt bildete 
man einen nominativ dgvnna. 



4B DUDtzer 

rov (statt SQV^Qttxtov) bolzeinfassung*). Aoch Sgvoxff^ ein 
freilich vom dgvoxo?.c7iTr^g^ ögvoxünog verschiedener vogel, 
ist schwer von ögvg zu trennen, die ableitung ist dieselbe, 
vi^ie in Joko'ifj, aiootfß**)^ ikkoifj^ und ähnliche bezeichnuo- 
gen von vögeln nicht selten, wie axavi^ig^ GvxaXig^ ccfATit* 
ki(;, aunsliior^ ficedula, querquedula, carduelis. 

Steht nun in ÖQvoxog oxog als endung fest, so werden 
wir diese auch in ^loyog anzunehmen um so weniger an- 
stehn dürfen, als oxog auch anderwärts ableitend hervor* 
tritt ^ insofern es eigeunamen bildet. Wir zählen hierher 
die uamen 'Ji^ioxog, Fpr^aioxog, /ie^ioxog, Jtiioxog^ worin 
wir keine Zusammensetzungen, sondern nur Weiterbildungen 
der zu gründe liegenden adjective sehn können. Auch 
!Ai/Tioxog wird wohl nicht auf avri^ sondern auf das davon 
gebildete avrigg zurückzuführen sein. Bei den als namens* 
formen verwandten adjectivis alyioxog^ aarvoxog, Jinoxog^ 
imigoxog, Sr^fjLOvxog kann freilich die Zusammensetzung 
mit oxog von wz. €x nicht bezweifelt werden, aber bei Jao- 
Xog, KXioyogy Mtjrioxog^ 2!Tr^aioxog ist es sehr die frage, 
ob nicht oxog als ableitungsendung zu fassen. Neben Jdo* 
Xog stehen die namensformen JdsTog, /tätig ^^d der völ* 
kemame Jctoi, Jda^^ neben Kkioxog Kkioiv, neben Mtjrto* 
xog MTJTixogy MtjTiatv. Dieses ableitende oxog ist nur eine 
modification des so häufig zur ableitung verwandten ix^g^ 
das namensformen sowohl von andern nominibus als tob 
namensformen bildet, wie Jah'ixog, JriiX^g neben JTjioxog^ 
Mtjnxog neben Mi^rioxogy TIvQQixog^ JSuttiigixog^ ^dfim^ 
xog, *0kvji4mxog, <Pgvvixog. Es ist dasselbe lyog^ das aaoh 
in diminutivis erscheint. Die annähme, dieses txog sei aue 
lö'Aog entstanden, der selbst Curtins (II, 272 f.) nicht ab- 
geneigt ist, erscheint völlig unhaltbar, da sich nicht allein, 
wie wir sahen, ein ableitendes oxog, sondern auch ein axog 



*) Die ableitungen von der einfachen wurzel fp(^ay^ (pgaHtoq (900«- 
ttxoqX (fQctKtJQi tfi^axiii^y finden sich erst später, dagegen sind frühere 
bildongen xnra^^axro;, Siatpgay/uay nagdtfgayfjia. 

**) Vgl. meine abhandlang „die homerischen beiw5rter des gdttei^ und 
menschengeschlechta" s. 60 f. und über die endung o\p daselbst a. S6. 



homerische etymologien. 47 

(rifi-axo^^ ovo-axo^t vijm-axog^ nolk-axo^;), ja auch xog 
{atofAa^xog^ ßocngv-xog^i statt ßorgv-xog, fi^ih-xog, arUs- 
'Xog) nachweisen I&ist. Die Griechen haben sich im sufBx 
so wenig die gutturale aspirata, wie die dentale und la- 
biale ganz entgehn lassen. Mit der annähme xo in nav- 
taxo&eVi navraxoae sei aus dem suf&x iVa (in iv9a)^ skr. 
dha, hervorgegangen, reicht man nicht weit, da man da* 
mit nicht einmal noXXaxog erklären kann. 

Hiernach würde also, wie äovoxog von holz, so |t;- 
>lo;^o^ baumreich^ mit bäumen besetzt, bezeichnen, das 
eine auf eine besondere art hölzer, das andere auf das 
walddickicht bezogen worden sein. Man wende hiergegen 
nicht etwa ein, wir legten demselben suifix gar verschie- 
dene bedeutungen bei: die bedeutung der ableitungssilben 
ist eben eine sehr allgemeine, die dann die allerverschie- 
densten an Wendungen erhält; die sufBxe sind reiche spros- 
sen, welche das kräftige leben der spräche treibt, um sich 
bald einen freiem, bald einen beschränktem gebrauch der- 
selben zu gestatten. Eine gar grol'se anzahl derselben sind 
so wenig auf eine bestimmte, fest begränzte bedeutung an- 
gewiesen, dafs sie sowohl in aktiver als in passivem sinne 
stehen, ja auch abstracta und nomina des handelns und 
beziehungswörter in mancherlei art bilden. Man stelle ne- 
beneinander folgende formen auf /ut^: nvyiAfi die schla- 
gende faust, ÖgaxiATi das gefafste, lanze, oa^iij der ge- 
ruch^ Ao;^^}; das lager, auf vi;: finxcivri das wirkende, 
das Werkzeug, öandvri das verzehrte oder aufge- 
wendete, öoxdvYi ort zum aufnehmen, iifjdvt] topf 
zum kochen, ßoidvi}^ abgeleitet von einem •ioröv^ auf 
xogi ;|rcrAxd^ das funkelnde erz, /Aarxog schimmernd, 
uixog verringert, uwxog spott, Oaixog sitz, auf dg 
(döoq): äogxdg das hellschauende reh, y.oildg hohl, 
femininum von xoi'/.og und höhlung, dfiagräg verge- 
hen, dkudg gesalzen (von aAui;), xouvdg die frucht des 
xouvog und der auf den xotivog gepfropfte zahme Ölbaum, 
dlotdg tennenbeschOtzerin, 8vdg die zweiheit, auf 
€t;^*: kyxoniig der einschlagende meüsel, ifißokavg das 



48 DUntzer 

hineingesteckte holz, xvaipevg der walker, ßoivg der 
riemenvom rinde, i;ri^et;g der ein pferd hat, auf einem 
pferde sitzt, olxevg zum hause gehörig, hausgenosse, 
xkißavBvg zum ofen gehörend, ofenheizer, agiarsvg zu, 
den besten gehörend, dovaxevg ort voll röhr, röh- 
richt^ tgirevg das mafs des dritteis. So zeigen sich 
hier bei demselben suf&x die verschiedensten, ja die wi- 
dersprechendsten beziehungen, die auf eine bestimmte grund- 
bedeutung zurükzufbhren unmöglich sein dQrfte. Nehmen 
wir dazu, dafs die verschiedensten sufBxe in derselben be- 
deutung sich finden. So in derselben aktiven bedeutung 
^log, pn] {koBTuog das rudernde, das rüder, nvyfMrj die 
schlagende faust), vog^ vtj {kixvog leckend, Ufivfj das 
fliefsende wasser, ri&fjvrj die nährende), ?.6g, lij (Jsi* 
Ao^sich fürchtend, daXog^e brennende fackel, feuer- 
brand, d-ißi] die nfthrende brüst), Qog (XafATiQog glän- 
zend, aXiTQog der frevelnde, xivTQov der stechende 
Stachel), aog {to^ov der treffende bogen, ^vQGog der 
lärmende stab, von der wnrzel d'og, die auch in &giafi'- 
ßog^ eigentlich O-gvafißog (vgl. &gv?.og\ vielleicht in äitSv- 
gafißog statt ti&vgafißog, erscheint, pii&vüog (wenn es 
nicht geradezu von iii&v kommt), xog {yXotvxog, ;^aAxo^). 
Wer wird hier eine verschiedene ursprüngliche bedeutung 
aufspüren wollen! Wir haben hier noch gar nicht der ein- 
fachen endungen og^ ri (a), ov gedacht, die in derselben 
bedeutung sich finden, nicht, dafs aus der blofsen wnrzel 
ohne Suffix sich nomina derselben art bilden, nicht die 
zahlreichen modificationen der genannten Suffixe durch alle 
vocale, nicht der Zusammensetzung verschiedener sufflxe, 
die wir in der gleichen bedeutung finden. Wenn von der- 
selben Wurzel ÖBi^vog und S^ir-Xog furchtbar und furcht« 
sam kommen, so liegt die verschiedene beziehung keines- 
wegs in der ursprünglichen bedeutung der suffixe begrün- 
det; denn auch das suffix X steht in passiver bedeutung, 
yvie ßfj-Xog das betretene, die schwelle, /9^,^/;-Ao^ eigent- 
lich, betreten, nicht heilig, ^Xov das geglättete 
holz, zeigen, und dafs v auch im aktiven sinne steht, ward 



homerische et3miologien. 49 

oben bemerkt. Wenn von wz. xi xotTtj^ xuifiog und xdfitj^ 
von WZ. xeg xovgdy xoQfiog^ xigfia, von wz. (pv (pvi^j (fvcig, 
qnjkovj (pvlrjf cpvfia, tpvrovy (plrug^ von der wurzel Tvn rv^ 
Ttog^ xvni^y Tvndg, rvu^a, rvfxTiavov in verschiedenen be- 
deutangen hergeleitet werden, so ist diese Verschiedenheit^ 
keineswegs von der ursprünglich abweichenden bedeutung 
der su£Sxe herzuleiten. Dasselbe gilt von ägccxiov neben 
SoQxdg^ Sa\g neben 8aX6g. Kkt'pi], xXiöfxog, xkivrijQy xXcaitjj 
xkiaiov bezeichnen alle dasjenige, wo man ausruht; xkfotp 
und xUnr^g haben ganz dieselbe bedeutung, obgleich das 
eine mit, das andere ohne suffix gebildet ist, und auch 
xXonivg scheint unmittelbar von der wurzel, wie jiiayevg, 
Tivfyevg, vielleicht auch dgopuvg, nicht von xlonr^^ zu stam- 
men; daaig^ Sdg^ öwtivri, Swgov haben ganz dieselbe be- 
deutung, ebenso Sc5, Swfia und Sofiog, fiiSatv und i^irjöToag, 
Dafs einzelne endungen vorzüglich in besonderer bedeu- 
tung gebraucht werden, ist nicht zu leugnen, aber doch 
nicht so, dafs diese ihnen ausschliefslich eigen wäre. So 
bildet bei den Attikern lav, sonst mv (Lobeck Phryn. 
167 sq.), Ortsbezeichnungen, meist hergenommen von ge- 
genständen, die sich in menge daselbst befinden, wie fAViav^ 
xsvsoiv, olvciv {olvBoiv), Tiag&Bvdv (nag&Bvmv), fxaga&gdv, 
acfrjxoüv, Innoip^ iy^^leniv, negiaregeciv , nrskeoip^ kvxvBoiv; 
aber diese endungen finden sich auch in ganz andern be- 
ziehungen, wie xoivdv theilnehmer (gleich xoivtavog), 
XH/j^MV von ;|ffi«iti«, yhSdv schmuck (von ;^At5?;), Xi'iVaidv^ 
yafiijXiciv^ kaj^agsciv^ xkaSswv, ogyeviv der opfernde (wz. 
igy^ wie i^gösiVy ge^Eiv, vom opfer), ngofjyogsciv der vor- 
hersammelnde kröpf, um der paroxytona a,n( cjv nicht 
zu gedenken. Neben diesem dv, edv {wvid in xgivcovid, 
Qodojvtd) wird ganz so evg gebraucht in dovaxevg, tiov in 
QCüTteiov (agyvgslop, ßakavetov sind von dgyvgevg, ßaXavevg 
hergeleitet), stov in BsvSiSeiov, Die endung ostg deutet 
häufig auf eine fülle : aber schon bei Homer heifst keigioeig 
lilienähnlich, lilienzart, und (paiSifioeig, dgyivoeig (wo 
noch IV vortritt, wie auch in dkyivostg) sind blos Weiter- 
bildungen von (faiöifiog^ dgy6g\ das hesiodische kgoei^ ist 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XY, 1. 4 



50 DUntzer 

unser lieblich, um späterer bildungeo, wie uag^a^ßoeti^, 
gleich uapfidgeog, kvgosig lyraähnlich, no^jffVQoetg, Tika- 
öoztQy ayxvXoug, gar auTotig (aUtotvTa </i}Aa), nXaxoHii, 
Ttkaxüvg platt (von ;rAa|), nvoauovg kuchen von weizen 
u. a. (Lobeck Paralip. 335) nicht zu gedenken. Neben 
oeig steht f'istg mit derselben bedeutung der fülle, wie in 
ur/lijsigj ;^atri;'€^^\ aber auch in anderer beziehung, wie in 
doyrJBig, isoat^Hg thauig, frisch, iuöt}hig, aucfiyvrjeigj 
dgaxvniug von der spinne und wie Spinngewebe, «^'ij- 
Xi'lEig gar verderblich, gleich Stßjjuow. Auch wug in 
Bvgcistg breit, xfjTvisig geräumig, djratsig geöhrt, be- 
zeichnet nicht die fülle, sondern ist einfache den besitz des 
zu gründe liegenden nomens ausdrückende ableitung. Dafsbei 
diesen drei endungen, so wie bei dem blofsen eig in ;jfa(>iei^ 
dasselbe suffix Fevt zu gründe liegt, entsprechend dem lat. 
lent, skr« vant, hat Bopp längst erwiesen; das skr. vant 
bildet aber, wie mant, in, min, vin possessiva, bei de- 
nen sich die f&lle als grundanschauung nicht nachweisen 
lälst. Das skr. in findet sich im griechischen ivog^ das 
adiectiva von mancherlei beziehungen bildet, aber in glei- 
cher weise hat das griechische viele andere possessiven 
ableitungen, wie log^ alog, axog, ixog, akeog^ fi^og^ V^Sj 
7]v6gf eivog, tuog, idg (stamm idd), ig (stamm iä)j idiog, 
ciödjg^ agog^ BQog^ fjoog, vgog, (jogog, U<5iog, irrjg, wTtjg, wrog. 
Es wäre ein vergebliches bemühen hier überall ursprüng- 
lich verschiedene anschauungen und bedeutungen nachwei- 
sen zu wollen: die ableitungssuffixe sollen eben nur be- 
ziehungen auf den begriflf des zu gründe liegenden nomens 
bezeichnen, die aber von der mannigfaltigsten art sein 
können, wobei die spräche mit ^rofser freiheit, ja willkür 
verfährt, wenn sie auch manche bilduugen bei gewissen 
bedeutungen bevorzugt; nur eine strenge sonderung darf 
man hier nicht erwarten, die spräche wahrt sich ihr recht, 
überall ihrem bildungstrieb nach freier lost zu folgen. Die 
frage nach der ursprünglichen bedeutung der suffixe und 
der Zerlegung zusammengesetzter suffixe bleibe hier uner- 
örtert, wo es nur darauf ankam, die berechtigung, dersel- 



homerische e^nnologien. 51 

ben ableitungsenduDg verschiedene beziehungen zu geben, 
etwas eingehender nachzuweisen. 

Wenn o^oq als weiterbildende ableitang bei namens- 
formen erscheint, bei Sqvoyoq auf den stoff deutet (ein 
ding von holz, ein holz), so hindert dies nicht es in 
i.v'koxoq auf die fQlle zu beziehen, so dafs das wort einen 
von bäumen dicht bewachsenen ort, eine waldnng bezeich- 
net, wofQr man nach dem gewöhnlichem gebrauche i.v'KiiV 
erwarten wfirde. Aber so wenig Bovcty^wq 2^bl^ (andere 
lasen statt öovaTcfja düvaxrJBv\ ^aintjiov oder vielmehr die 
mehrheit ^atnfjia (iV, 199. 0, 559. W, 122. <$, 473) anstofs 
erregen kann, weil die gewöhnlichere bildung Sovaxdv, 
QCüTiwv wäre, so wenig kann ^vko^og statt ^vkwp irgend 
bedenklich gefunden werden. Man könnte äfuch, erinnert 
man sich des deutschen Sprachgebrauches, der holz ge*- 
radezu für den wald setzt, ^ko^og für eine blofse Weiter- 
bildung von ^vXov halten, doch scheint mir diese annähme 
weniger wahrscheinlich, da das wort gerade das dickicht, 
wie Q(07tt]ia^ bezeichnet. Für unsere deutung spricht auch 
der spätere gebrauch von ögvoyov als waldung und d(>i;- 
^ioq (mit langem i') als wald. Wir haben oben das ho- 
merische dgvud (mit kurzem v)^ in bezug auf das skr. 
druma, als bäum gefafst, und diese deutung ziehen wir 
vor, obgleich man es auch als coUectivum, wie ^vkoxoq^ 
(nonyiov, nehmen könnte. Freilich findet sich nvxvöq, wie 
bei ÖQVud, so auch bei ^omtiia, vXr,^ koxuf], aber Homer 
braucht das wort von allen dingen, die dicht nebeneinan- 
der stehen, wie von blättern, zweigen, pfählen, zahnen, und 
so pafst es sehr wohl zur bezeichnung der dichtstehenden 
bäume. Von dem mit nvxvoq synonymen &afÄvq wird so- 
gar \fduvoq gebildet zur bezeichnung von gesträuch, 
Strauch, und dieses &duvoq erhält auch das eigentlich 
gleichbedeutende nvxvoq als beiwort. 

Schliefslich gedenken wir noch des sich zur verglei- 
chung aufdringenden vavkoyog. Die kifievaq vavkoxoi {Ö^ 
846. x^ 141) kann man nicht wohl erklären schiffe la- 
gernd, sondern koyoq müfste als Substantiv genommen 

4* 



52 DUntzer 

werden, also den schiffen iager bietend, wobei es 
freilich ein gewisses bedenken erregt, dafs Xo^og zwar vom 
hinterhalte, aber nicht vom lagern, ankern steht*), auch 
in keiner der zahlreichen zusammensetzungeji mit k6)^og 
(besonders in vielen namen) diese bedeutung zu finden ist. 
Homer nennt den hafen sonst tvoQuog^ auch ncivoQ^iog^ wei- 
ter noXvßev&rig^ xoikog^ xaXog^ xkvrog. Später bildete man 
freilich vavXoxBiv^ vavXoxtov, aber der eigentliche name ftr 
ankerplatz war vctvara&fjiov^ auch vavara&fiog. Nun 
bietet sich aber ganz ungezwungen eine andere erklärung 
dar. Sollte nicht vavk-oxog, wie Sgv-oxog^ ivX-oxog^ zu 
theilen sein? Wir hätten dann ein vavXov in der bedeu- 
tung statio navalis anzunehmen. Später heifst das 
fährgeld vavXov^ vavXog. Homer hat in diesem sinne 
einmal hnißad-ga (das geld zum hiißaiveiv). Es gibt manche 
fälle, wo bei Homer ein wort nur als theil einer Zusam- 
mensetzung sich findet, das einzeln bei ihm nicht vor- 
kommt. So hat Homer nicht aiXiAay aber ivaasXfiog, nicht 
ßütig, ßotov^ aber ßwtidvuga^ iTtTtoßorog^ nicht dtXivri^ 
aber X^vxdX^vog^ nicht rgonog, vofjLog, aber noXvrgoTtogj 
BvvofAirj^ nicht fitjx^vf'h aber TtoXvfirjxavog (auch ^tj^avaa^ 
a&ai)**). In diesen föUen ist das betreffende wort im ge- 
wöhnlichen gebrauche vorhanden, und es steht nicht zu 
zweifeln, dafs es auch zur homerischen zeit gangbar war* 
Dagegen kommt vavXov später in einer ganz andern be- 
deutung vor als in derjenigen, die wir bei Homer anneh- 
men. Aber derselbe fall findet sich auch sonst. IlatTtäXfj 
bezeichnet später das feinste mehl, aber TioXvTiainaXo^, 
namaXosig setzen ein TiaiTidXt] list, rank voraus. £cr- 
Tog hat die bedeutungeu dorn, dornstrauch, stachel- 
roch e; in xaXxoßaTTJg ist aber ein neutrum ßdxog schwelle 
oder boden anzunehmen. Schon Homer kennt xmog als 
meerungeheuer, aber jtifi/axT^'ri;^, xritmtg ft&hren auf ein 



♦) Auch iitvri kommt davon nicht vor, wenn auch die ankersteine 
(vval heifsen. 

**) Ebenso Af»^td<i;, Qodötiq^ ipoXoetq, aber nicht die zu gründe lie- 
genden nomina, TTfjyiaiftaXXöq, aber weder nfiyog^ noch fjiaXX6<;. 



homerische etymologien. 53 

x'^Tog räum*). 'Ynegonkog setzt ein ötiXov stärke oder 
onkog stark voraus, wozu als comparativ oTtkoregog ge- 
hört, eigentlich stärker, daher jünger; onkov wäre dann 
wohl eigentlich das vermögende, das die ausffihrung 
erwirkende; die wurzel würde dieselbe wie in ops sein. 
'YneQcpicckog stammt entweder von einem (ptakog stark, 
oder von einem (f>id?.t] stärke, während der spätere ge- 
brauch (fidlij nur in ganz anderem sinne kennt. Sollte 
es hiernach zu kühn sein, auch ein vavXov^ gleich vav- 
ara&uov, als ersten theil von vcevko^og vorauszusetzen? 

23. hvvioiQog, 

Bei der bestimmung der bedeutung des wortes geht 
man von der stelle A, 311 f. aus, wo es von den Aloliden 
Otos und Ephialtes, den gröfsten und nach Orion den 
schönsten menschen, heifst: 

^EvviwQoi yccQ roiyt xai ^pvsamj^eag ?}<5av 
evoog, ccrd() uTjxog ye yeviad'i]V kvveogyviui. 
Man hält es nämlich fQr selbstverständlich, dafs dasselbe 
ivvia, das in kw^ani^yteg und IvvEOQyvtoi unleugbar ist, 
auch in kvviwgov angenommen werden müsse **). Und 
doch scheint es uns fast komisch, wenn der dichter sagte, 
gerade im neunten jähre seien sie neun eilen breit und 
neun klafler grofs gewesen. Sollte er etwa gar gemeint 
haben, jedes jähr seien sie eine eile breiter, eine klafter 
gröfser geworden? Wozu diese Übereinstimmung der zah- 
len? Der dichter will offenbar die breite und gröfse der 
Aloiden bezeichnen, die sie überhaupt erreicht haben^ und 
dafs sie diese schon in früher Jugend hatten. Gerade die 
zahl neun zur bezeichnung der frühen jugend zu wählen, 
wäre höchst ungeschickt gewesen, ja jede bestimmte zahl 



*) KijiwfK; verhält sich zu xfjiow, wie tv^tuiiK; zu. HQn<;. 
**) So selbst Nitzsch, der sonst das wort reif, völlig erkl&rt. Die 
zahl neun sei ohne weitere bedeutung, wenn nicht etwa gleichsam das stu- 
fenjahr der kindheit damit bezeichnet sei, wofUr man später das siebente 
erkannt h^be. Bei abfassung dieses artikels war mir H. Webers überein- 
stimmende ausflihrnng Philol. XYII, 168 ff. entgangen. 



^4 DUntzer 

mui'ste hier anstol's erregen. Dai's sie uicbt zum Jünglings- 
alter gelangt, boren wir 319 f. Sollte nun nicht ivviiago^ 
gefade die zeit bestimmen, worin sie untergingen, die der 
jQnglingszeit zunächst vorhergehende reife knabenzeit? Daus 
die stelle in einer gröfsern einschiebung sich findet, wollen 
wir hier nicht hervorheben, auch nicht, dai's die beiden 
verse selbst noch später hinzugefügt sein dürften, da sie 
nicht allein nicht noth wendig, sondern nach dem xakXi" 
(7Tovg v. 310 anstöfsig erscheinen (doch könnte man frei- 
lich dem letztem anstände wohl entgehen, wenn man v. 310 
opfern wollte), auch die gleiche breite und höhe gar wun- 
derlich ist, um des nur hier vorkommenden svoog (wovon 
aber evguieig) nicht zu gedenken. Wenden wir uns zu x, 
390. Kirke, bereit, die in seh weine verwandelten genos» 
sen des Odysseus in ihren vorigen zustand zurückzuyer* 
setzen, ö£Pnet die thüre des Schweinesstalles; 

€X 3* l^kaaev üidkoiöiv koixoraq kvvBMQoiGiv, 

Mit recht ruft Nitzsch aus: „Wer mag hier neunjährige 
verstehn?'' Dafs Kirke die genossen in ganz alte mast- 
sch weine verwandelt habe, kann der dichter sich unmög- 
lich gedacht haben. Mag er auch gewufst haben, dals 
die Schweine meist fünfzehn, manche au zwanzig jähre alt 
werden, wie Aristoteles (H. A. VI, 18, 2) bemerkt, in so 
alte Schweine die genossen zu ^verwandeln, wäre eben so 
wunderlich wie die bestimmte angäbe der jähre. Ein ftkn^ 
jähriges schwein ist schon recht tüchtig (|, 410), wie auch 
ein fünQähriges rind ein ganz anständiges opferthier (£r, 
403. ff, 315. r, 420). 

Von Aeolos erzählt Odysseus (x, 19): 

Jmxk ^iOL ixdeioag daxov ßoog kvvttjofjoio^ 

Auch hier ist die bestimmte bezeichnung, dai's es gerade 
ein neunjähriges rind gewesen, auffallend genug. Dem dich- 
ter lag die erwähnung näher, dafs es noch ein recht kräf- 
tiges rind gewesen, dessen haut geschmeidig. Auch stand 
ihm hier der häufige versschlufs ßooq dygavloio zu ge- 
böte, der bei xkoag, (hv6v , laauieg steht (A', 155. t, 52t. 



homerische etynologien. bS 

y^, 684. 780. |M, 253)*). Das alter des rindes genau an- 
zugeben lag so fern, wie bei der wilden ziege, aus dereu 
born Pandaros den bogen macht (J^ 105 ff.), und bei der- 
jenigen, deren pelz Eumaios braucht ($, 530). Anders ist 
es, wenn ^, 266. 655 eine sechsjährige stute und ein 
sechsjähriges maulthier, beide ungezähmt, genannt werden. 
Wenn es von der leiche des Patrokios heiCst, sie hätten 
sie gewaschen und gesalbt (-2*, 350 f.), 

ip d' (areildi^ nkfjaav dkeifparog iwscipoio, 
so haben sich die alten, die übrigens auch schon die er- 
klärung viug von äppitogog kannten, sehr angestrengt, den 
grund aufzufinden, weshalb eine so alte salbe gebraucht 
werde. Heyne hat gar darauf hingewiesen, dafs die Grie- 
chen bereits so lange von hause weg seien, als ob sie 
nicht während dieser zeit wein und andern bedarf bekom- 
men hätten. Frische, wohlerhaltene salbe wird hier ge- 
fordert, wie Homer das salböl sonst evwdtjg, ^oöoatg (in 
anderer Beziehung vyi^Oi^) nennt. 
In der stelle r, 178 f.: 

kvpbtüoüi^ {iaoiXBve Jio^i ueyaXov oautGXfji;, 
hat man kvviwQog wunderlieh genug so gedeutet, dafs Mi- 
nos alle neun jähre sich zur höhle des Zeus bei Knosos 
begeben habe, um sich von diesem immer von neuem be- 
lehren zu lassen. Das kann ii/veiuoog nie und nimmermehr 
bedeuten; neunjähriger zuhörer kann unmöglich der- 
jenige heifsen, der alle neun jähre hört, nur wer neun jähre 
lang hört oder selbst, als er zuhört, neunjährig ist. Hier 
fällt nun gleichfalls die bestimmte Zeitangabe auf, und man 
ist viel geneigter eine allgemeine bezeichnung anzunehmen, 
dals Minos in seiner jugend des Zeus lehren empfangen 
habe, dafs ivpiio()Oi; für viog (y/, 684), naig ir' ^wv (VI, 
216) steht. 

Erweist sich die deutung neunjährig so von seiten 



*) Hier tindct sich iu umgekehrter folge ^o6<; xt\ia<;<, Jl^ 681 in der mitte 
de6 verses ny^avXoio /Joos yf (>(*-;• 



56 DüDtzer 

der bedeutung als ungebörig, so erregt sie aucb sonstiges 
bedenken. Warum sollte Homer ein kvviiüQog^ wobei er 
sich noch eine sjnizese gestatten mufste, gebildet oder ge- 
braucht haben, da ihm ja kwairr^gog zu geböte stand, wie 
er nBvxairriQoq mehrfach braucht, ^ilgog in der bedeutung 
jähr ist gar nicht erwiesen, sondern nur zur deutung un- 
seres kvviioQOQ und des spätem düQuygcccfog angenommen. 
Diodor bemerkt (I, 26), früher habe das jähr nur aus einer 
Jahreszeit {aiga), aus vier monaten bestanden: !^Jq)* f^g 
cÜTiag xai nao' hvioig rdiv £khjpa)v rovg iviavtovg oigovg 
y.alstö&c(L, xai rag xar' hog avayQacpdg d)QoyQa(piag ngo^ 
ayoQsvsa&ai. Dafs das einfache ojQog bei einigen stam- 
men jähr geheifsen hat, ist eine der so häufig vorkom- 
menden erdichtungen; sonst werden meist besondere stamme 
oder Völker genannt. Plutarch (Sympos. V, 4) erwähnt 
der deutung des homerischen C^gog aus ^a-wgog, mit der 
bemerkung, rovg ivtavrovg aQxaixüg wgovg ?Ayea&ai, Atfae- 
naeos (X, 21), der dieselbe deutung von C^^gog anftkfart, 
sagt: Ol hvtavTol vogov Xiyovvai. Zwgog ist gevdfs nicht 
als Zusammensetzung wie ^a^g zu fassen, auch wohl nicht, 
wie ich früher mit Döderlein annahm, auf die wurzel ^aa 
{C^eiv) zu beziehen, wogegen Curtius keinen einsprach er- 
hebt (1,346), der aber mit recht ^cDfiog anders fafst (II, 
197), sondern gehört zu wurzel ^a, ^o, wovon tcoog, ^tinv- 
Qov (Curtius n^ 163. 197), heifst demnach belebend, 
kräftig, stark. Vgl. acpoä-gog, mx-gog, rgt^-gog. Auf 
die kxikograpfaen ist noch weniger in bezug auf wgog zu 
geben. 'Slgoygd(pog erklärt sich genügend aus der bedmi- 
tung zeit, und eine andere ist fQr &gog gar nicht nach- 
zuweisen, wenn auch der Übergang aus der einen bedeu- 
tung in die andere leicht war, wie derselbe anderwärts sich 
wirklich findet (Curtius I, 322). Üdwgog kommt von äga 
reife, und heifst unreif, ungezeitigt (gegensatz von 
uigäiog)^ weshalb es von den winzigen füfsen der Skylla ge- 
braucht wird, riavacigiog {Si, 540) heifst Achilleus, inso- 
fern er nicht zu hohem alter gelangen, nicht das men- 
schenleben voll ausleben soll. 



homerische etymologien. 57 

Erweist sieb hiemach die deutung von kvvecoQog neun- 
jährig als unhaltbar, so iäfst sich die dem sinne aller 
stellen entsprechende jugendlich auch etymologisch wohl 
begründen. Man könnte von viog ein vavjQog annehmen 
und das iv wie in ivaXiymog, kvaiöi^og betrachten, woge- 
gen aber schon der umstand spricht, dafs wir oDQog nicht 
als ableitnng von nominalstämmen finden (zeitschr. XIT, 3), 
wenn wir auch freilich diesem umstände nicht volle beweis- 
kraflb zuschreiben können, da unsere kenntnifs der altern 
Sprache doch immer eine sehr lOckenhafte ist und manches 
sich nur einmal erhalten hat. Aber viel wahrscheinlicher 
setzen wir ein vmQi}^ wie oTi-oi^rj, in der bedeutung Jugend- 
zeit voraus, woraus sich in Verbindung mit kv ivviiogog 
ergibt, in der Jugendzeit stehend, jugendlich. So 
heifst kyxoikiog im bauche {xoi?Ua) befindlich, kyxo- 
Tvki], ein spiel, wobei der sieger auf der offenen band (xo- 
Tvkt]) getragen wird, iv&tjQog wild in sich habend. 
Ich habe über diese bildungen ausflährlich zeitschr. XIII,5f. 
gehandelt, wo auch die hier im gegensatz zu der gangba- 
ren erklärung begründete deutung von kvviwQog bereits 
aufgestellt wurde. 

24. cclxfii'j, alyavh]. 

Ist ttixuY^ ursprünglich lanze oder lanzenspitze? 
Nicht blofs an den stellen, wo bei ccl^f^iV noch SovQog oder 
iyX^og steht (Z, 319f. 77,315.505. 7,416), wie sonst /?€- 
Xeog, dovQog axwxtf oder axwxf) eyx^og {L\ 16 f. /f, 373. 
^, 25a iV, 251. 77, 323. P, 295. *, 60. Y, 260. V, 821), 
sondern auch an andern (r, 348. J, 461. 503. £,282. 658. 
^, 237. M, 185. 0, 542. P, 310. Y, 474) bezeichnet es of- 
fenbar die spitze. Zuweilen kann man zweifeln, ob die 
ganze lanze oder die eiserne spitze zu verstehen sei (£^ 293. 
N, 504. P, 600. Y, 480). Die ganze lanze wird unzweifel- 
haft J, 324. M, 45. zV, 562. S, 423. 0, 525. 77, 115. 118. 
X, 6 1 9 f. verstanden , und diese bedeutung liegt dem häu- 
figen ctixfn]Tijg (vergl. ccoTiiaTT^g und das gleichbedeutende 



58 Dlintzer 

ivuelifji,;) so wie bei nl^uäi^tiv (//, IViA) zu gninde. Ist 
nun hier die engere bedeutung erweitert oder die weitere 
verengt worden? Beide fälle sind an sich wohl denkbar. 
Von dem baupttheile konnte sehr wohl die ganze lanze 
bezeichnet werden, aber auch der name der lanze auf die- 
sen haupttheil Qbergehn. So heifst der lanzenschaft ö6(}v^ 
das eigentlich jeden holzstamm, das holz bezeichnet, wie 
^vlor; das holz heifst im einen falle das geglättete, 
im andern das geschundene. Wie der umstand, dafs 
dniig ursprünglich bäum sei, gegen Kuhns richtige deu- 
tung von Curtius (I, 204) angefahrt werden kann, sehe ich 
nicht. Aber öonv steht auch von der ganzen lanze, ja 
auf die spitze zunächst deutet (B, 382): -ftt/ fiiv ng öogr 
tf)]S,ci(ri^(o. Die beiwörter u^vg, d^voetg^ (fasivog^ axaxfiipog 
o^ü y^a'Kyjü und öovgog dxojxy lassen an der weitern be- 
deutung nicht zweifeln. Ganz so verhält es sich mit ,a€- 
Utj, das eigentlich den eschenen schaf): bezeichnet. Der 
umgekehrte fall dürfte bei tyxog^ dem eigentlichen home- 
rischen ausdruck fQr die lanze, vorliegen, wenn auch des- 
sen beziehung auf wurzel rix bei Benfey und Curtius (ü, 
86) keineswegs für ganz sicher gelten darf, man vielmehr 
an die wurzel «/, ^y (Curtius I, 159. 161 f.) zu denken ver- 
anlafst ist (vgl. ayytii')^ so dais es die lanze als quälend, 
schmerz bereitend bezeichnete. Es entspricht dem von 
Homer nicht gebrauchten hiyyji, das, wie lancea zeigt, 
zu wurzel }mx reifscn, schneiden gehört (CurtiusI, 
129, Aev loyx^l und lancea nicht erwähnt), und die lanze 
als verwundend bezeichnet. 

Danach wird hier wohl die etymologie allein ent- 
scheiden können, und ich gestehe, dafs mir Potts Zu- 
sammenstellung mit aiaaeiv sich immer von selbst aufge- 
drungen hat, die ihre bestätigung durch alyaverj wnrf- 
spiefs erhält, das gar nichts mit den ziegen zu thun hat. 
Ueber die endung vgl. unter no. 25. Das hinstürmen 
der lanze wird gerade durch aiaaeiv bezeichnet {ji^ 553), 
und ähnlich steht ;rrcf,M6vo^(£', 282), y.{)a^aiv6^ivog{N^bO^. 
P. 524), und auch Id-i^riojv geht darauf, wenn nicht Ze- 



homerische etymologien. 59 

nodots iLhvxricov (vergl. meine schrift de Zenodoti studiis 
Homericis 118) den vorzug verdient. Nun hat aber Ben- 
fey die giosse des Hesychios: AlxXoh^ at yo)viai tov ßi- 
Xovq^ mit alx^ri in Verbindung gebracht, und beide, so- 
wie auch hy^og^ auf wz. «x, erweitert aix, bezogen. Le- 
gerlotz (zeitschr. VIII, 397) glaubt das von Benfey zwei- 
felnd dem einflusse des x zugeschriebene i durch meta* 
thesis erklären zu können, indem er ein äx-lur] (oder dx" 
"if^f]) und äx-tkog annimmt, womit Curtius I, 113. 11,247), 
Christ (44) und Grafsmann (zeitschr. XII, 103) überein- 
stimmen. Was zunächst jenes aixXog betrifft, so ist es 
viel zu unsicher, als dafs man sich darauf berufen könnte. 
Wir wissen nicht, auf welche stelle sich die giosse bezieht, 
ob die deutung nicht eine willkOrliche, wenigstens unge- 
naue ist, ja Schmidts vermuthung äyxXoi scheint uns gar 
nicht so haltlos, wie Curtius, mag nun in der giosse selbst, 
ehe sie zu Hesychios kam, oder in der ihr zu gründe lie- 
genden stelle der irrthum vorgegangen sein. Wäre aber 
die giosse auch ganz richtig, die ursprüngliche bedeutung 
bliebe noch immer unsicher. Das wort bezeichnete dann 
wohl. dasselbe, was ykioxtv in Tgiy?.ojxiv oder oyxog^ wel- 
ches letztere gerade Schmidts vermuthung ayxko stützt. 
Aber man könnte auch an die ylvcfiöeg denken, in welche 
man federn einsetzte, wodurch der pfeil beschwingt wurde, 
und da möchte man glauben, diese einschnitte wären die 
hinstürmenden genannt worden, eben weil sie den pfeil 
beflügeln. Aber ich bescheide mich über diese alxXoi eben 
so wenig zu einer sichern entscheidung zu gelangen, wie 
ich die etymologie von aixkov abendbrod zu errathen 
vermag. Was aber die entstehung von alxfirj aus axifitj 
betrifft, so findet sich wohl iiiog, aber nie ifirj als endung, 
nur fjiij, und kann ich es nur för höchst willkürlich hal- 
ten, neben dem richtigen ax-fit]^ das man doch wohl von 
der Wurzel ax nicht trennen wird, noch ein der analogie 
entbehrendes axifiri anzunehmen, blos um aixiiri zu erklä- 
ren. Curtius will axiut} von axig herleiten, ohne zu be- 
denken^ dais der stamm hier axiö ist, wovon axiöiudi^g ge« 



60 DUntzer 

bildet wird, auch axidcu^, uxulaiui^ u. ä. staiuiueu könnten, 
und dafs uri uie von nominalstämuien ableitet. Von den 
beispielen des Übertritts eines i in die vorhergehende BÜbe 
nach gutturalen sind nur wenige haltbar {yvväiTt statt ;'V- 
vaxl und /nei^tui' aus ^b'/Imv). In öünvov^ wenn anders 
die deutung von wurzel öaTi richtig ist, sehe ich viel lie- 
ber die verstärkun«^ des vocals, ebenso in xoainvogj als 
dals ich hier zu einem Öin-ivoi; x^aTi-ivog greifen möchte, 
und dafs k^ctiif^viig aus i^oTtivtji; hervorgegangen, scheint 
mir um so weniger annehmbar, als alifviSio^, aiffvrjg und 
äffvü) nebeneinander stehen. Solche Verstärkungen des a 
abzuleugnen, geht nicht an, wenn auch Christ davon nichts 
zu wissen scheint. Curtius selbst stellt (I, 113) xgamak^i 
neben xgamvogy und will das i mit dem in aiykrj und alxf^ii 
vergleichen, wobei ihm seine eigene spätere deutung noch 
nicht vorzuschweben scheint. AiyXt] hat Savelsberg rich- 
tig ai-ydli] gedeutet (grofser glänz)*). Bei xgamdXf^ 
wird Curtius doch wohl kein xQaTt-idh} annehmen wollen, 
dem lat. crap-ula gegenüber; das hiefse aber die willkür- 
lichste Voraussetzung zur erklärung mifsbrauchen. Die deh- 
nung des u zu ac zeigt auch aiwga^ bei welchem Curtius 
(I, 321) der Verstärkung nicht gedenkt. Wenn man auch 
die Verstärkung des a im praesentischen stamme zu ai sich 
anders erklären kann, das cti in fAaivdg^ das fiavdg lauten 
sollte, durch Vermittlung eines /Aavidg zu deuten, geht nicht 
an, da suffix idö wohl von nominal-, aber nicht von ver- 
balstämmen oder wurzeln ableitet. In &vidg ist, wie Cnr- 
tius selbst (I, 224) annimmt, und &uUiv zeigt, t stamm- 
haft. Vgl. dfjLoißdg neben duoißog, wovon es kaum abge- 
leitet ist, ÖQoudgy öoQxdg^ Itßdg, anogdg. Curtius gibt die 
Verwandtschaft von Xdaiog mit Xatadg, kaioi']vov zu (I, 330), 
ohne sich zu erklären, ob er das i in ai gleichfalls um- 
springen läfst (A«(Tt-«ff, laai'TJiov) ; aber wir sind kaum be- 



♦) Auch aXxaXoq (xoAai), wovon aiHaXkitVy scheint mit dem verstär- 
kenden ai {an) zusammengesetzt; die wurzel ist dieselbe wie xöXa^i das ich 
nicht mit y.aXtlvy sondern mit colere zusammenstellen mochte. Curtius 
(II, 247) denkt bei aUcUoq gar an die wurzel von axua&aty ^xcx, dn^w. 



homerische etymologien. * 61 

rechtigt Xaiaäi^^ 'A.atat}iov geradezu von Xäato^ herzuleiten, 
vielmehr sind alle ableitungen eines Idaoq, Ob dieses A«- 
aoq etwa mit Saavq verwandt sei, müssen wir bei der gro- 
fsen Seltenheit eines solchen Überganges im griechischen 
dahingestellt sein lassen. Dafs xtmgog aus i>faQ'iog her- 
zuleiten (Curtius I, 223), scheint uns ganz haltlos; ^aiQog 
hat wohl etymologisch mit ti-vQa gar nichts zu thun, son- 
dern bedeutet ursprünglich das festhaltende, so dafs 
es zu Wurzel ifga (Curtius I, 222) gehört und durch Um- 
setzung des Q sich erklären würde. Xgaiausip läfst Cur- 
tius aus xQaai^-sip entstehen, indem er auf XQV^'^^'s "Vor- 
weist, wonach man ein XQV<^!^^^^ erwartet. Aber kommt 
XQt](^f^o(; Orakelspruch von ;^oor auskunft geben, wa- 
rum sollte nicht xQ^^(ff*og hülfe von xO^ bedürfen, nur 
mit einer andern vocalverstärkung, sich herleiten lassen? 
Man vergleiche ayegfiog^ agaytiog^ aopiog^ iwxfJiog^ oIxtiq^ 
flog, X6v&fji6g und die später so sehr überhand nehmenden 
bildungen von verbalstämmen auf a^ und <^ (Lobeck Phrjn. 
510sq.). Von XQ^ brauchen kommen xQsti^ XQ^^^'> ISQ^^^y 
XQV(^'^^ ;t:^'i<yf"og, X0^!^^> XQWV^ X9^i(^^VQ^og, xQVf^f^oavpt], 
XQyi(!^ög, xQ^^i^^^* Wenn aber hier zur Unterscheidung 
von XQ^i^f^^^ Orakelspruch auch einmal ai eintritt, so 
wird man das nicht aufillllig finden, bedenkt man, dafs in 
der Zusammensetzung a^ neben a^ tj steht, wie raXaUfQiav^ 
Ol neben o, si neben b (zeitschr. XII, 4) und ähnliche Ver- 
stärkungen sich sonst finden, wie in sidag neben idiafAa, 
slag neben HcrQy siauevf] (aus iöa^ivr})^ öTialga, wie cndg- 
rov, von wurzel (Snag^ o«£rr;g, wie ii&ni^, also statt qferrjg. 
Auf den dialektischen gebrauch des ai, oi statt ä, ot;, 
durch ausfall von vt vor a wollen wir gar nicht hinwei- 
sen. Bei unserm ceixurj bedürfen wir der annähme einer 
solchen Verlängerung des a nicht, die aber vielleicht in 
ai^ (neben skr. ajas) wirklich stattgefunden hat. Uns stellt 
sich ccixut] neben ctlyctvh}, beide von der wurzel ctiy. 



62 DUntzer 

25. rjVOQh}. 

Nicht die herleituog, sondern die art der bildnng ist 
hier fraglich. Homer kennt weder avdgijifij noch avögeiog^ 
noch dvägia, er hat als ableitungen von dvi)o nur tjvogifi 
(denn dvdgotijg beruht auf falscher lesart) und avSgofdBog* 
In ifVOQii} ist die Steigerung des e in o zu bemerken, da 
das wort eigentlich rivBQiri heifsen sollte. Es ist dies gans 
dieselbe Steigerung, die wir in den zusammensetsungen fin- 
den, deren zweiten theil avriQ, navfjo^ f^^i^tig^ yaariiQ und 
(fQi]v bilden. Vgl. BVTJvfog, Svaavtog (mit langem a), ame- 
TMO, BvnccTWQ (bci Homer BvnaTigeia)^ Tgindttog^ ÖvafiTJrttfg 
(dagegen dvaptr^xriO böse mutter, wie /Ivonagig böser 
Paris), 8ipii]T(og (auch Sifi^^rgiog später), intaujJTOjg, dyd'- 
fTTiag, ixvgaTteXoydöTwg f äffguiv^ Biffgutv. Ausnahmsweise 
findet sich o auch in (fgatiag^ wovon uns nur später die 
form auf 17 begegnet; denn (pgdrwg ist nicht etwa (fgargta^ 
(von tpgdtga) zu erklären, sondern das o, das in qjgdtiOQ 
sich erhalten, ist in q^g^rgt], (fgdrga, wie das € in natgiq^ 
ausgestoisen worden. 'Hvogii] setzt ein adjectivum rjvoQBog 
(dvdgaJog) voraus, wovon sich rjvogirj (dvdgeia) bildet, wie 
vfjTiif]^ auf das die formen vtjnidag, vfjnUtj, vrjTiiarjaiv noth- 
wendig fahren, wenn man sich nicht ungemessener willkOr 
und Phantasterei überläfst, von vtjmog, nivvtri von niw^ 
rog, O-iguti von &sgfi6g, 'ix^^gct von ^x^gog^ Xinga von iU- 
Tigog. Die abstracta auf wXri sind nicht als ableitungen 
von den adiectivis auf taXog zu betrachten, sondern selb- 
ständige bildungen. Vgl. evx^^V^ wozu kein bvx^^^S ^^^^ 
findet, &a?.7tü)gfj, ikTta^gTJ, dXsiog}], wo g der dissimilation 
wegen, wie in dgyaXiog (statt dXyaXeog), TCBcpakagyia, an 
die stelle des X getreten ist. Von ganz anderer art sind 
die fälle, wo das weibliche adiectivum substantivirt wird, 
wie vygrj, ToafpBoriy nagd^Bvixtj, Xat/xr^, via, (ü^ga. Eigen- 
thümlich ist BV(fü6vt] zur bezeichnung der nacht. Das ab- 
stractum von BVffgojv ist BV(pgoavv7] ; f] bildet hier ein eige- 
nes femininum, während sonst die Zusammensetzungen auf 
(foftw (mit ausnähme von Tzgoffgwv^ das ein femininum 



homerische etymologien. H3 

7ig6(fgaöaa von anderm stamme neben sich hat) communia 
sind. Man sollte eher ein tv(fQaiV€t erwarten, wie av(pgat- 
vetv sich bildet und (pay-iSaiva; üeben den bildungen auf 
6d(ß)v steht aber doch auch a(>;r-a JoV?/ , woneben später 
agneäcüP*). Kehren wir zu unserm i)voQirf zurück, so ist 
die Steigerung des € zu o wohl nur des Wohllautes wegen 
eingetreten, da i^vigiri gar zu eintönig klingen wfirde; ob 
auch die erinnerung an die Zusammensetzungen auf rivtag 
mitgewirkt, läfst sich nicht entscheiden, ist aber nicht un- 
wahrscheinlich , wenn wir das wort als epische, der ge- 
wöhnlichen spräche fremde bildung betrachten. Homer hat 
als nameusformen auch 'YnBgttVwQ und 'YxlnfjvuiQ^ welche 
nur als gewaltig, hoch, stark (männlich) gefai'st sein 
können**), von vneg^Viag ein durch ein verbum zu vermit- 
telndes vnegijvogiwv^ wie vnaQ^uviufv von imsQfievTjg, ivcfgo- 
vicDv von kv(fg(av (im andern sinne steht evcfgaivHv), Da- 
gegen bildet er von ayrjvutg ein ayr^vogii], nicht «;'i/vo- 
ghj, da ein ä;; als ableitung der abstracta von adiectivis 
sich nicht findet. Freilich wechseln in den endungen häufig 
/ und 6. aber in solchen abstractis findet sich nie €. 

Das € von eog ist nachweislich oft aus i entstanden, 
wie iu den bildungen auf tiog, wenn sie den skr. auf 
tavya entsprechen, oatiov (Curtius I, 177), iraog, xeveog^ 
aregedg (Curtius U, 182), aber meist sind e und i ursprüng- 
lich verschiedene endungen, unter denen die spräche zu- 
weilen genau unterscheidet So steht eog bei den adiecti- 
vis des Stoffes, bei ableitungen von namen, wie Naarogsog^ 
14}auejj,v6vaog, auch bei dem homerischen !/ißagßagh}y bei 
den na'.nen der bäume und pflanzen ia, dct ***), bei den 

*) Von den thiernamen auf mv (stamm o»t) bilden sich weibliche for- 
men auf aira (d^axaira, Xtaiva), aber auch xarr^jati'a von xft-r^oi;; femi- 
nina der Wörter auf utv (stamm n»') in a*t"x, wie ydiairai rix tau a^ sind 
gebilde der grammatiker, aber xij^i'xatia hat schon Aristophanes sich ge- 
stattet. Sonst findet sich auch aiva als ableitung, wie urnurt, yofji'ufanaj 
ftokvßöaira^ o^a*i'a , Qvy^^ana (?), wogegen yayyuana reduplicirte form 
ist. Aehnlich sind bei den wortem auf ijiru^ die feniinina auf nm^a. 

*♦) Die hier zu tage tretende bedeutuug von vi^n zeigen auch iniayo- 
^a; und v\pfixfi^t ^^ <'</'» ^^^ ^^^ lauten ton sieh beziehL 

***) Der dorismua setzt auch hier, wie sonst, vor andern vocalen statt 
des « ein i. Vgl. Ahrens de dialecti» IT, 121. 



64 Düntzor 

thierfellen itj, i;, wie schon bei Homer xvpit], kvxhjj bei 
Herodot ksoprit]^ akoonexh]. Sonst bildet sog seltener als 
log, ixog adiectiva der beziebiing, wie ßooreog^ Öatpoiveog, 
gleich Sacpoi'Vog, öaiSdXeog neben daidakog^ xoviödXBog von 
xoviactXog^ al&dleog (bei Homer ai&akosig) von at&aXog; 
viel häufiger siog neben log^ ixog^ wie rjfitoveiog (auch rjpiUH 
vixog)^ innsiog (auch inniog^ Innixog)^ avSgüog (auch av- 
ÖQixog)^ yvpaixeJog (neben yvvaiog). Wir finden aber eog 
auch bei substantivis , wie thjQ-eog thQrstein, xcDl-eog 
(auch xio?Ma, xujk^y xwhjv) hOftknochen, dbiQ-td das 
zum geschenk bestimmte, wogegen in yBPsd^ Nsfiia^ 
Neust t] ein yeviO'ta, JSsfiia-ia vorauszusetzen ist, in xa« 
1/60J/, oa^sa {oaxeog, oaxeov) xdvtj (vergl. xdvtjg), oaxf] zu 
gründe liegen, in irecr, das £ aus v hervorgegangen sein 
könnte, so dafs hvg den einzelnen weidenzweig bezeich- 
nete. Blofse Weiterbildung ist wohl koiveog^ kgipsiog von 
kQivog, Nur selten scheint sog von einem verbalstamme 
oder einer wurzel abzuleiten, wie wohl in arsO.'tb], öTBik- 
eiov {areXia, aTskeov)^ kg-ia^ gleich Hgiov^ xoA-co'g, xovl-eog, 
das wohl die bedeckende bezeichnet und von derselben 
Wurzel wie xakid (Curtius I, 109 f.) kommt. Ueber TiTaXia 
bleibt die entscheidung schwer, da man es etwa TtriX-ia 
deuten könnte (Pott denkt an Tteralov; man könnte ein 
Ttrilov^ gleich nrikov, msgov vermuthen), oder von dersel- 
ben Wurzel, wie noXsiiog, nrolsfiog^ ähnlich wie die pappel 
(aiyeiQogy populus) von der bewegung der blätter be- 
nannt ist. Häufig tritt sog* mit andern Suffixen in Verbin- 
dung. So finden wir aliog von nominalstämmen ableitend, 
von verbalstämmen nur, wo diese auf ein a enden, wie 
oTQa-Xiog (vgl. OTQrj-Qog), a^ya-liog, (f'OiTa-?dog; denn oro- 
Tiakiog setzt, wie dgnaXi^siv, ein donaXog voraus, das sich 
in namensformen erhalten hat {'.Agnakog, 'AgnaXiiov, jig- 
naXsvg). Ein aXiog finden wir in ccofi-akia, v^^ip-dkiog^ 
'£vV'dhog, 6^d?uog, ntjddhov (von 7Tf]S6v), ^laydaXid, dno- 
fiaySakid, wo noch ein ö vorantritt, wenn nicht ein fidySog 
zu gründe liegen sollte. Mit cA, riX findet sich nur log 
verbunden, wie vvxrUiog^ yapiriliog\ diminutiva bildet vA- 



homerische etymologien. 65 

hov. Mit av steht irj nur in alyccvirj (vergl. oben no, 24), 
mit lov in dgSdviov; die Voraussetzung der verbalstämme 
alyav, ägÖav ist nicht noth wendig; es scheinen blofse er- 
Weiterungen der so häufigen bildungen auf dvri^ avov zu 
sein. Aavxaviri^ woneben Uvxavh], möchte kaum von Aai* 
flog zu trennen sein. Aufiog^ kafiia, Xäfiia, kdfuva^ lama 
deuten auf einen stamm Xa/i verschlingen. Nehmen 
wir einen gleichen stamm lof verschlingen, rauben 
(Curtius 1,329 f.) an, wozu auch wohl Id^-vgov gehört 
(vgl. Xaiq>aj Xctißa^ Xaia)^ das Curtius (II, 108) auf Xaß 
bezieht*), so könnte davon ein Xavxoq kommen, wovon 
kavxavi?] abgeleitet wäre. Mit iv findet sich Bog in kaU 
veog, klatvsog^ die nichts als Weiterbildungen von kdivog^ 
kXdivog; (p^yivEog tritt erst sehr spät neben cpi^yivog^ wie 
im lateinischen ineus neben inus steht (vgl. faginens 
neben iuncinus). Auf ov-sog bildet Oppian 6(pi6peog und 
BoQSwvsog, Auch kvveg-ovBia scheint kaum mit vavg zu- 
sammengesetzt. Opia haben wir in ifiovid und ägfiovia**)^ 
und xQiViovi'df god-mvid stehen einzeln neben den so häu- 
figen bildungen auf co/V, oir. In dvSgofieog scheint sog mit 
0^4 verbunden, wofür sich oiu in Hotjaog (auch in xvdot- 
fn6g)y vfi in hufiog findet***). Zum suffix d treten zog, 
wv^ wie in deiSiog, Tigoif&däiog, kxrdSiog^ ßa&gdSioVy iXd^ 
SioVy yrjSiov (ßoaxddiog, /co/McrJtov sind von ßoöxdg, ^egfidg 
abgeleitet, xkeufjidSiog von xXkfifia^ das späte yeggdSiov 
unrichtig), ebenso zu tS sehr häufig; nie findet sich hier 
eog. So sind dgiov, r'iQiov stehende diminntivendungen, und 
auch sonst noch findet sich log mehrfach mit andern suf- 



*) Auch afAipiXaq>fifi möchte ich nicht mit den slten zu XafAßävtw 
stellen. Die ursprüngliche bedeutung scheint nicht die des weiten, son- 
dern des gewaltigen, und konnte hier die sinnliche Vorstellung des ver- 
schlingenden zu gründe liegen. Aehnlich heifst ja (Tjuegdalioq eigentlich 
beifsend, worin ich mit H. Ebel (Zeitschrift VIT, 227) zusammentreffe. 
Auch vergleiche man den ähnlichen gebrauch von airoq^ ahw^^ Snvoq^ öu- 
vövt dKaaxoq (unvermeidlich), daßeamq^ ^^VXn'^ (eigentlich durch- 
dringend zu Od. VI, 8), aaxtXtq, vwXffif'q^ rtaXiftietq, 

*•) ElXhO¥la ist verschrieben sUtt EiXti&via. Vergl. Welckers lileine 
Schriften DI, 206 note 68. 

•**) V^. dagegen zeitschr. IT, 79. 819. 
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV, 1. 5 



66 DOntzer 

iixis, wo sog nie steht. Die Verwendung des sog ist auf 
enge grenzen beschränkt, besonders findet es sich nach 
liqiiidis; es scheint aus stog entstanden, das dem skr. eya 
entspricht, wie ja auch im lateinischen neben ens eins 
sich als ableitend erhalten hat. Nur in einzelnen fUlen 
ist 6 an die stelle eines i getreten, was aber nicht flber^l 
anzunehmen, wo der dorismus ein i zeigt. 



26. iviavTog. 

Bei ^em so schwierigen worte mag ein neuer yer- 
such gestattet sein, sollte dieser auch kQhn scheinen und eine 
sichere entscheidung nicht gelingen. 'Evutvxog haben schon 
die alten auf ein hfog oder hfog'') jähr zurQckgeflibrI, 
wovon firie auoh ätpevog herleiten. Die lexikographen fOh^ 
ren das wort an, und bei Theophrast finden sich davon 
^aspog, disvogf rgUvog gebildet; da er auch 'ivog im fiimie 
von jährig braucht, so hat man ivätvog bezweifelt, and 
daAr %vog gesetzt. Hesychios hat aber auch (fivvog &d-' 
varog^ iviavtog^ und yewog cco^cciog. Ist letzteres richtig, 
so wird ed wohl von ivog alt zu scheiden sein, das zu skr. 
Sanas, lat. senex, Senium u. s.w. sich stellt**). ^Uävyosj 
üpog sind wohl von annus nicht zu trennen; der doppelte 
nasal könnte aus assimilation eines folgenden » (vergLx«v- 
vog, xBVBog, XBivog) hervorgegangen, und so die Ursprünge 
liehe form ^iviog gewesen sein; wenigstens ist dies eben 
so wahrscheinlich wie Christs herleitung (2dl) des äwog 
von i^fPog, Von diesem möglichen Sviog sehe ich aber kei» 
nen andern weg zu ivLavtog — denn Christs vermuthung 
einer Zusammensetzung von Üvog und hog scheitert schon 
an der bedeutung, da nicht wohl angenommen werden 
kann, 'ixog sei hier zur allgemeinen bedeutung zeit, frist 
herabgesunken — als die Voraussetzung, dafs avxog safifiz 



*) Der Spiritus asper ist keineswegs so schwach bezeugt, wie Curtiiis 
(II, 128) annimmt. 

**) Leo Meyers zusammenstellmig mit skr. samä Jahr (zeitschr. Vm, 
136) wird durch qihroq zurttckgewiesen. 



homerische etgrmologien. 67 

sei. Die möglichkeit eines solohen Suffixes läfst sich nun 
freilich nicht entschieden leugnen, wenn auch dasselbe an- 
derwärts nicht nachweisbar ist; denn es gibt suffixe, die 
nur sehr selten vorkommen, da bei dem Wechsel der yo- 
calisch anlautenden einzelne vocale oder diphthonge nur 
zufällig einmal erscheinen. So wüiste ich aiga nur in ^a- 
;^a^>a und aiQog nur in irat^og neben 'dvagog aufzuzeigen, 
BVQOV nur in äkev^ov und nixBVQov (neben nitavQov)^ wenn 
öikBVQOv bei Athenaeos in öikiTgov verbessert werden mufs, 
und auch av^og ist selten, doch in ayXavoog, Tiiravgov, 
TtaaavQa, woneben xaawgig^ anzuerkennen. Auch Kivrav- 
(ßogf nach Weicker xivrwg, gehört wohl hierher, und &t]' 
aavgog dürfte nicht zusammengesetzt sein, sondern ein 
&7J^atj, wie ä-öt]^ (vgl. 1^17-xiy, &rj'fAciv) zu gründe liegen. 
Dafs XdazavQog mit kdartj zu verbinden sei (Curtius 1, 328), 
wird durch vergleichung von katö-xangog, kaiö-naig, kai^ 
anoSiag {yghyid^fiaxog, uia'^&ivt^g) widerlegt. Das suffix 
(vTog^ das so häulBg adiectiva bildet, findet sich Substantiv 
visch in dgiövwTog bei Hesychios in der bedeutung zeit 
des dgiarov^ wo man freilich nach d^tjrdg und rgvytj- 
tog, wie man zur Unterscheidung der bedeutungen accen- 
tuirte (Göttling 225 f.), dgiOTtjTog schreiben will. Aber 
Homer hat auch öeinvtjarog, und so könnte auch von ägi- 
arov dgiarwTog gebildet sein. Wechsel von w und av fan- 
den vrir schon in xaaavga, xaau^igy und so könnte auch 
in kvucvTog avtog ableitend sein, das wort demnach Jah- 
resfrist bedeuten. Aber dies wollen wir nur als ent- 
fernte möglichkeit geben, besonders da iviog jähr nichts 
weniger als fest steht. Noch gewagter möchte es sein, 1 
mit zur endung zu ziehen, wie in natguoTtig, ßaxxi^xng, 
d/gi(üTrjg, wenn diese nicht Weiterbildungen von formen auf 
Mg sind, die man auch bei spog als vermittelnd annehmen 
könnte. 

Aber dürfen wir nicht von ivog jähr ganz absehn 
und von irog ausgehn? Im sanskrit heifst das jähr vat- 
saras; dafs hier nicht, wie Bopp vermuthete, die wurzel 
in saras stecke, hat das vcdische vatsas gezeigt; aber 

5* 



68 DUntzer 

auch dieses ist nicht die iirsprOngliche, einfache form, son- 
dern vat. Dieses vat finden wir verkürzt im skr. par- 
-ut, das adverbial gehraucht wird im sinne im vorigen 
jähre, dem das mittelhochdeutsche vert entspricht. Das 
griechische hat noch eine adverbiale euduug hinzugeilkgt; 
denn nigvTtg, niQVTi (wie die dorische form lautet), TtSQvai^ 
nigvaiv stellen sich ihrer endung nach zu a/4(fig, afupif 
eilig, ävig, x^Q'*^ ^* ^* (zeitschr. XIII, 15). Das gegentheil 
von TiäQvxi ist viujxa^ das nicht als äolische form, wie ^re- 
ooüTa (Ahrens I, 152), zu fassen ist, sondern als Zusam- 
mensetzung mit der älteren form für jähr, vat, so dais 
Vitara aus veofara zusammengezogen ist. Das a ist ad- 
verbial, wie in Teeret, ^äka, Xiya, Aber auch noch in einer 
anderen bezeichnung des Jahres hat sich die kürzere form 
erhalten, in s am vat. Dieses skr. samvat kann nicht 
eine Zusammensetzung des nomens sein, sondern es ist von 
derselben mit der praeposition zusammengesetzten würze! 
gebildet. Letztere sicher nachzuweisen gelingt freilich 
nicht; man könnte eine wurzel vat in der bedeutung ge- 
hen vermuthen "" ), so dafs das jähr als gang (der sonne) 
bezeichnet wäre; ivvog (ir-vog)^ vetus erklärte sich dann 
vergangen. Jedenfalls ist eine Zusammensetzung in 
samvat anzunehmen, an eine ableitung von samä Jahr 
(das abgemessene? vergL skr. mäs, mäsa, fjn^v) nicht zn 
denken. Sollte nun auch iviavtog in ähnlicher weise zu- 
sammengesetzt sein? Aus einem kvipariig würde sich hvuxv^ 
xog gebildet haben, wie auch die wurzeln va, vaki 
im griechischen zu av, av^ sich gestaltet haben ; denn mit 
Curtius den umgekehrten Übergang anzunehmen, scheint 
nichts zu berechtigen. Aber haben wir in kvvavrog wirk- 
lich eine bildung auf griechischem boden oder ist es Um- 
bildung eines vor der Sprachtrennung schon vorhandenen 
Wortes? Das griechische üvctTBoeg und das lateinische ia- 



*) Das gehen bezeichnen auch die wurzeln nai (vgl. näxo(i\ ßnd^ 
ßax (vgl. ßaÖoq pfad, ßd%oq schwelle, wie ovJö? von wurzel kd gehn, 
lat. bftterej und lat. vad, das Curtius (II, 69) nicht zu wurzel gadh, 
feststeh n, ziehen durfte. 



homerische etymologien. 69 

nitrices, deren gleichen Ursprung man nicht bezweifeln 
kann, haben sich so eigenthömlich entwickelt, dal's die for- 
men völlig auseinander gegangen sind. Curtius setzt ein 
früheres skr. yantar voraus, so dafs das wirklich vorhan- 
dene y^tar eine erleichteruug der form wäre. Mag nun 
eines oder das andere zu gründe liegen, eine grofse frei- 
heit der form mit anklang an bekannte Wörter ist in bei- 
den fallen nicht zu leugnen. In eiv(iTe()eg wäre a einge- 
schoben und ya zu ei> geworden; das wort klingt an die 
mit kvvEa zusammengesetzten Wörter (wie eivaerrjg, eitfa- 
xoaioi) an. Aehnlich verhält es sich mit &eiog oheim, 
das jedenfalls einen dentalen in der mitte verloren hat, um 
an i^slog göttlich anzuklingen. Sollte es nun zu kühn 
sein in huuvTog geradezu eine willkürliche entstcUung eines 
uralten samvat zu erkennen? Einem samvatas würde 
griechisch freilich regelrecht ein iuavrog (vergl. heog mit 
satyas, ^Epivifg mit Saranyü) entsprechen, aber der Wech- 
sel von u und v ist auch sonst erwiesen (Curtius II, 121 ff.), 
und das verlangen nach einer flüssigem form, ja nach einer 
Unterscheidung von kucturuif u. s. w., könnte leicht den ein- 
schub des i erwirkt haben. Hält man eine solche Umbil- 
dung für gar zu kühn, so mag man eine dem samvat 
entsprechende graecoitalische Zusammensetzung mit h'^' kvi 
annehmen, wie kv häufig verstärkend in der Zusammenset- 
zung erscheint, wie in ivrjrjg, kvaiai^og, ivavviog, kvakiy- 
xiog. In letzterm will Leo Meyer (zeitschr. VIII, 135 f.) 
geradezu sam erkennen, wozu aber die zufällige Überein- 
stimmung mit dem goth. samaleika nicht berechtigt, wie 
gelegen uns auch eine solche analogie für unser samvat, 
iviavTog^ käme. An ein iviavrog, ein jähr, möchten wir 
nicht denken, obgleich wir auf einer dorischen inschrifl 
(Boeckh II, 266) x«rV^' ^viavTov finden und man an iviyviog 
orinnern könnte, das Ibykos von den zusammengewachse- 
nen Molioniden gebrauchte. 

27. i(fi/iuog, 
Ist das wort eine ableitung von Icpig oder als zusam- 



70 DttDtzer 

mensetzung anzusebn? Ein sufBx luot; mit langem i wüfiste 
ich nicht nachzuweisen. Von stftmmeu auf aig bilden sich 
wohl adiectiva auf luog, aber nur mit kurzem £, nicht von 
andern, auf i ausgehenden stammen; denn Tg6(fi^og kommt 
nicht von rootfig^ sondern von TQOffrjj wie no^tninog (ne- 
ben Ttounixog) von nouTtrj, xdlkiuog von xdXXog^ voaritMog 
von voGTog. Zweitens aber ist auch die annähme eines 
eingeschobenen t9- unstatthaft. Freilich begegnet uns ein 
solches eingeschobenes & im anlaute bei y&(av und x^ig^ 
wo Curtius (11,243) im letztem falle i^ aus dem skr. y 
sich erweichen I&fst, während in beiden filllen sich das & 
nach X g^^^ ^^^ eingeschobenen t nach n in TtroXefAag^ 
TtToXig, nrtgvay vielleicht in nvaUiv und nreUay zur seile 
stellt. '0(f{faXu6g kommt von einem (KfSdXXuv ^ das ein 
ocp&aXog oder otp&aXoVy entsprechend dem Boeoeotschen 
oxralXog, voraussetzt, wenn nicht vielmehr die aspiration 
dem zusammentreffen der beiden liquidae zuzuschreiben, 
so dafs aus oTträXleiv 6ff&alfi6g sich gebildet. '0(ff^aXog 
oder onraXog ist entweder aus der mit i^ oder r vermehrten 
Wurzel (Curtius n, 51) oder als ableitung von einem o^rog 
schauen (vgl. olx-Tog mit oi^-^g) zu erklären (vgl. ow- 
-aXog, xccQÖau'dXt], X()0X'dXTj). Vgl. (mri^eiv, otitbvhv^ das 
lakonische onrlXog, onToiaXog^ wogegen in ontrig^ r ^K\xm 
snffix gehört. In Si^f^d, rgi^^^d, TsroaxO-d ist i^ keines- 
wegs blofser zusatz, sondern wir haben hier dasselbe i^y», 
das wir mit vorhergehendem nasal in utvvv&a, oXiyiv&a 
finden, auch in 'ivifa^ hvravifa, wozu sich die adverbial- 
endungen x^bv, &b stellen. Der stamm ist hier zunächst 
durch ein x erweitert, das sich auch in Si^og, rgi^og^ r€- 
rga^og findet (wogegen Siaaog^ roiaaog aus Sir-iog^ tqit^ 
'log entstanden sind)*) und in Teroaxtvg neben TQirvvg, 
Ein stützendes i^ ist aber in icf&tuog um so unwahrschein- 
licher (eher könnte man an ein tmfi^og denken, wie oTttpig^- 
2d7i(f(jü\ als der vorhergehende und der folgende vocal 



*) /"Aoc/it/fo; neben ^^Aa^t/^o? setzt einen stamm yka^ivK voraus. Die 
cndung ist dieselbe, wie in ^a^i^o^, xofitffoq. ko^oq, iVa^oq, i'^o?. 



homerische etjfmologien. 71 

lang sind. Mü88eu wir demnach darauf verzichten, in dem 
Worte eine ableitung su erkennen, so bietet sich uns da- 
gegen die nicht neue annähme einer zusannnensetzung au« 
l(pig und ö-vfiog^ wonach es jÄeydt^vfiog bedeutet (vgl. *l(pi^ 
voog)^ von selbst dar. Bei der grofsen freiheit, welche sich 
die epische dichtung in der Wortbildung nahm (man ver- 
gleiche die dehnung in ravtßsyrjg, mvvTog, alydh^p nach 
unserer deutung), wird man es nicht für zu kOhn halten, 
dafs sie statt eines regelrechten Upiö^vfiog, icf&vfutg, i'qpi^f- 
uog bildete. Der ausfall des t vor vocalen, wie in afnpij" 
()f]gf (ivTcc^iogy ' Yifjrjvu){}f udkä^apÖQog, findet sich häufig ge- 
nug, und kpagtpoQOg hat sein o sogar nach einer conso- 
nautisch auslautenden silbe verloren, während der ausfall 
zwischen zwei zu einer silbe gezogenen consonanten viel 
leichter ist. Dem epischen dichter kam das wort sehr ge- 
legen, um damit einen versfufs anzufangen, und wirklich 
beginnt es nur einmal in der mitte des verses (y^, 260). 
Es ist beiwort von Völkern, den Dauaern, den Lykern und 
Lästrygonen, und von beiden, wie in beiden beziehungen 
auch fÄßyccd'Vfwg ^ fueyakrjrwfj und imkoitvuog stehen, bei 
ctvrjQ^ ^Ta(jog und O^BQamov, bei denen wir sonst auch vti^q- 
tfvfiog finden, auch in Verbindung mit dyavog^ vom gotte 
der unterweit, wie die könige sonst vTie^fieviag heilsen, von 
der seele und dem haupte, von pferden (mncDv icpihua xd- 
QTiva\ von Aussen, die sonst ueydloi heifsen; aber auch 
frauen erhalten das beiwort, wie wir es bei ffanikeia (ne- 
ben iXEüiipQVüV^ aldoir/, dyaxkwn}, nokvuvrjtfrf^), bei dXoxog 
und 7i(X()(xxotTig (neben xvöqtj^ i^alsQ?] und aiöoirj)*)^ bei der 
tochter des Lästrygonenkönigs und bei der herrlichen Perö 
finden. Hiernach ergibt sich als ursprüngliche bedeutung 
kräftig, stark, gleich uEydif^vfxog , fjieyak)jTuj(), wonach 
die sonst wohl denkbare herleitung von KfitifAog unstatt- 



♦) Der willkürliche Wechsel zwischen den metrisch gleichen beiwörteru 
ait)niri und ItfO-fftfi ist auffallend, und die Überlieferung wohl getrübt. Ur- 
sprünglich stand wohl rX', 479 und «r, 313 lipülfifi statt ai&iiit\; dagegen 
scheint der dichter des wuhllouts wegen immer aiöoitj%^ nie lip&lfitiq dko- 
xoiatv gesagt zu haben. 



72 Kuhn 

haft ist. Der Qbergang des v in i ist wohl als assimilar 
tion zu betrachten, obgleich der Wechsel eines v mit i auch 
sonst sich findet, nicht allein vor einem andern yocale, wie 
in 8qLoVj aiakog^ sondern auch in (pJrvg von wz. tpv and 
im aeolischen inio, inag^ itpog, ixpfßog (Ahrens I, 81). Die 
umgekehrte folge der assimilation erkenne ich in Ivig von 
WZ. SU, wovon viog, skr. sünus, sütas, goth. sunus; das 
i der endung vergleicht sich dem in no-aig (skr. patis). 
Wolle man Ivig ganz dem sünus gleichstellen, so mflfiste 
man annehmen, das lange t; sei zuerst in » übergegangen 
und habe sich dann das kurze v assimilirt, ein Vorgang, 
der bei einem aus so alter zeit herstammenden werte ge- 
rade nicht unwahrscheinlich sein wQrde. 

H. Düntzer. 



Reden und abhandlungen von Jacob Grimm. Kleinere Schriften von 
Jacob Grimm. Erster band. Berlin, Ferd. Dttnunlers verlmgsbncli- 
hAndlung, Harrwitz und Gofsmann. 1864. 412 s. 8. 

Schon 10 jähre vor seinem tode hatte Jacob Grimm dch 
dem vorschlage der verlagsbacbhaodlaDg eine sammlaog seiner 
akademischen abhandlangen heraaszageben geneigt erkifirt and 
noch den 12. febr. 1862 brieflich aasgesprocben , dafs er hoffe 
endlich noch die freade za haben, diese verbältnifsmfifsig kleine 
arbeit za verrichten. Doch sollte ihm jene nicht mehr werden 
and ein andrer sollte diese auf sich nehmen , hat aber nan aoch 
die aasfubrang noch über die dem ursprünglichen plane gesteek» 
ten grenzen binaasgefahrt und wird sämmtliche kleinere schrifTen 
Jacob Grimms in einer Sammlung zusammenfassen. Zwei b&nde 
von ungfähr gleichem umfang wie dieser sollen die noch übri- 
gen akademischen abhandlungen and aufsätze bringen and diesem 
sich noch vielleicht ein vierter, der namentlich die in verschie- 
denen Zeitschriften zerstreuten, inbaltreichen recensionen und das 
register für die ganze Sammlung enthalten wurde, anschliefsen. 
Die herausgäbe dieser Sammlung, die von allen freunden and 
schulern des unvergefslichen meisters Ifingst ersehnt war, da viele 



anzeigen. 73 

dieser abhandlangeD nur in wenigen exemplaren vertheilt waren, 
hat Mfillenbof übernommen and in der weise ausgeführt, dafs er 
die in Jacob Grimms bandexemplaren vorhandenen reichlichen 
notizen je nach den umständen mit besonderer bezeichnng entwe- 
der in den text oder in die anmerkungen gebracht hat. 

Der vorliegende erste band enthält die ans Jostis „grund- 
lage zu einer hessischen gelehrten-, .Schriftsteller- und kunstler- 
geschichtet wieder abgedruckte, bis zum Juli 1830 reichende 
Selbstbiographie; ihr hat Herman Grimm noch einige den Cha- 
rakter und die Stimmungen Jacobs in jener zeit tre£flich schil- 
dernde blätter hinzugefahrt, aber zugleich von einer umfassenden 
darstellung des ganzen lebens zur zeit aus nahe liegenden grün- 
den abstand genommen. Einen wichtigen abschnitt in diesem 
späteren leben behandelt die folgende schrift „über meine entla- 
stung^, denen sich die ^italienischen und scandinavischen eindrucke^ 
anreihen. Die folgenden beiden abhandlungen nehmen von äufse- 
ren ereignissen im freundesleben anlafs zu wissenschaftlichen 
Untersuchungen, es sind ^frau Aventiure klopft an Beneckes thür^ 
und die Savigny, dem 50jährigen doctor juris, gewidmete schrift 
„das wort des besitzes*, in welcher der abhandlung über nina- 
fAai, xBXTijfiai u. s. w. einige einleitende blätter über G.'s person- 
liches verhältnifs zu S. vorangehen, in denen man das Schicksal 
eines etikettewidrigen trinkspruches s. j]7 nicht ohne ruhrung le- 
sen wird. Danach folgen die reden auf Lachmann, Wilhelm 
Grimm und über das alter; der zweiten, bekanntlich unvollstän- 
digen, ist das nachwort Hermann Grimms aus der separataus- 
gabe beigegeben, das den bericht über die letzten lebenstage der 
beiden brüder enthält Die abhandlungen „über schule, Universi- 
tät, akademie^, „über den Ursprung der spräche^, „über etymo- 
logie und Sprachvergleichung^, „über das pedantische in der deut- 
schen Sprache^ und die rede auf Schiller bilden den schlufs. 
Als anhang sind noch ein älterer aufsatz (1808) über das ver- 
hältnifs der sagen zur poesie und geschichte, ein solcher (1819) 
betreffend Jean Paul's vorschlage über die Zusammensetzung der 
deutschen substantiva und eine metrische Übersetzung aus dem 
serbischen „die erbschaftstheiluog^ beigegeben. 

Auf den Inhalt der im vorstehenden genannten abhandlun- 
gen und reden hier näher einzugehen, möchte überflüssig sein, 
da ihre resultate zum gröfscren theil seit lange bekannt sind, 
«uch in manchem späteren werke Grimmas theil weise berichtigung 



74 KuhD 

und erweiterang erfahren haben, aulserdcuj durfte eine wurdigaog 
vom lieutigen stand puukt der Wissenschaft aus bei niaocheo oft 
20 bis 40 jähre alten Schriften gradezu unmöglich sein, deao Ja* 
cob Grimm würde vieles in zweiter umarbt:itung gauz anders ge- 
staltet haben als es vorliegt, manches verworfen und in vie- 
lem neue wege gewiesen haben, neuen wegen gefolgt sein. Denn 
wie er sie selbst leicht und sicher gefunden, so erkannte er auch 
bald mit richtigem blick, wo andre sie geöffnet hatten; zeognila 
dessen sind seine worte(Gber schule, Universität, akademie 8.2J4f.) 
„Dieser reiche unabschliefseude gehalt der Wissenschaft fiofaert 
sich auch darin , dafs aus ihrem schofs zweige ond fiste wie aaa 
der pflanze entspriefsen und treiben, die sich bald ihr neues ge- 
setz schreiben und dann gesondert als einzelne wissensebaften 
neue frucht bringen. Das beispiel der vergleichenden Sprachfor- 
schung soll mir hier za statten kommen, die in nnsern tagen, in 
gegenwart und vor äugen dieser akademie selbst, sich eignen 
weg gebrochen hat, der zu ganc andern ausgingen führt als den 
von der alten philologie verfolgten. Denn während diese sich 
nur der classischen spräche bemächtigte und in deren umfang 
meisterin war, mufste die comparative grammatik ebensowohl 
alle rohen, von jener über die achsel angeblickten idiome und 
alle halbgebildeten sprachen in ihren kreis ziehen, wodurch aie 
zu ergebnissen gelangte, von denen früher keine ahnnng war. 
Ich scheue mich nicht hinzuzufügen, dafs in gleicher weise dem 
betrieb der classischen mythologie, die sich zur seite unbeachtet 
liegen liefs was von mythen, sagen und brauchen aus dem leben- 
digen volksmunde des gesammten heutigen Europas in über- 
schwank zu sammeln steht, bald auch eine vergleichende sagen- 
forsch ung sich erzeugen werde, deren ernste resultate nicht bloe 
einigen regeln zum correctiv dienen können, die aus dem grie- 
chischen und römischen alterthum bisher geschöpft und awar 
reichströmend, doch allzn einseitig abgeleitet waren.^ 

Können wir deshalb aus den obigen gründen von einem ge- 
naueren eingehen in den Inhalt des hier geboteneu absehen, so 
bedarf nur noch der bemerkung, dafs der herausgeber wie die 
Verleger in gleicher weise bemüht gewesen, die vorliegende 
Sammlung im möglichst würdigen ge wände erscheinen zu lassen. 

A. Kuhn. 



anztigflo. 75 

Friedrich Baner: Die elemente der lateinischen formenlehre in gründ- 
licher einfachheit, gestttzt auf die resulUte der vergleichenden gram- 
matik. Ein lehrmittel ftlr lateinschukn zur ergänzong eines jeden 
Übungsbuches für anfänger und zur stetigen repetiüon bis in die hö- 
heren klassen. 2 theile, Nordlingen 1865. I theil. XII, 172 pp., 
UtheU. XIX, 121 pp. 

Jeder sprachfordcher wird es als ein erfreuliches zeichen be- 
grufsen, wenn die ergebnisse der glottik wenigstens im allgemei- 
nen aach weiteren kreisen zugänglich gemacht werden. Diefs 
ist der zweck des vorliegenden buches: ^Es sollten die gesicher- 
ten resultate der vergleichenden historischen Sprachforschung in 
Verbindung mit den bestrebungeo , den grammatischen stoff be- 
grifflich zu durchdringen, der schule zugeführt werden^ (vorrede 
8. IV). 

Niemand wird die Schwierigkeiten verkennen, welche sich 
einem derartigen unternehmen entgegen stellen. Hier heifst es 
sich gleichmäfsig vor dem zu viel wie vor dem zu wenig zu 
hüten, den lernenden nicht mit gelehrsamkeit zu überhäufen, das 
wesentliche aber klar und genau darzustellen. Um beiden anfor- 
derungen zu genügen, mufs der stoff gründlich durchgearbeitet 
sein. Aber eben diese harmonische Verarbeitung sicherer kennt- 
nisse vermissen wir leider nur an zu vielen stellen des Bauer- 
schen buches. 

Wir wollen nicht tadeln, dafs der verf. in den paradigmen 
der a-stäme mens-a, domin- us abtheilt, die vocale also zur 
declinationsendung rechnet; es mag diefs darin seine entschuldi- 
güog finden, dafs es für die praxis Schwierigkeiten hat dem an- 
fönger begreiflich zu machen, wie der vocalische stammausiaut 
mit vocalischen casussuffixen verschmolzen ist. Zu welchen 
inconvenieozen diefs aber führt, zeigt sich unter anderem s. 31, 2: 
,)Der vocativ hat nur in der II. declination eine besondere eodung 
e, sonst ist er dem nom. im Singular und ebenso im plural 
gleich^. Hier wird also der nackte stammausiaut als casusendung 
gefafst und so dieser vocativ von denen der übrigen stammclas- 
sen völlig getrennt 

Aus demselben gründe mag der Verfasser recht behalten, 
wenn er (s. 8) die „consonanten der eudung^ nur „mehr oder 
weniger allen declinationen gemein^ erachtet 

Rügen müssen wir aber die Verwirrung, welche in der dar- 
steilung der sogenannten III. declination herrscht Der verfas- 



76 Schmidt 

ser gebt nämlich von dem irrthome aus, dafs in dieser decltoa^ 
tion ^alle biegangsen düngen den kennzeicbnenden und unterschei- 
denden vocal i haben ^ (§. 15, j). Daher sieht er sich denn bei 
den i-stämmen (§. 16) zu der behanptung genöthigt, dafs ^das i 
des Stammes mit dem vocal der endangen verschmilzt^. Nach 
dieser theorie hätten wir z. b. sus avi-ibus ein *avibn8 ca 
erwarten ; warum es aber stets avibus lautet, das verschweigt 
der Verfasser. Doch verfolgen wir die Wucherung des i weiter. 
Nicht zufrieden damit dafs er schon allen casussnffixen ein i^za 
gesprochen hat, giebt der Verfasser den consonantischen stammen 
in „manchen casus'^ noch das ,)bildungs-i der i-8tämme^(s. 12 
anm.), so dafs auch hier ein wahres i-gewimmel entsteht. Aus 
dieser i- sucht des Verfassers folgt dann weiter, dafs er hos aus 
*bovis, senex aus 'senicis, nix aus *nivi8, Juppiter aas 
*Jovis pater, caro ans *carnis entstanden wähnt und sie als 
,) abweichende gebilde der III. declination^ s. 20 auffuhrt. Bs 
scheint hier ein unbegreifliches mifsverständnifs einer stelle von 
Schleichers Compendium (s. 427) zu gründe zu liegen, wo es 
heiOst: „in vielen füllen ist einer lautrichtung der italischen spra« 
eben zu folge i vor s ausgefallen, z. b. mors aus *morts für 
* mortis^ u. s. w. kurz der Verfasser hat bis hierher die an- 
sieht, dafs die consonantische declination mit stumpf und stiel 
in der i- declination aufgegangen ist; selbst die wenigen casus, 
welche man ihr sonst noch gelassen hat, raubt er ihr. 

Doch auf Seite 51 anm. sehen wir ihn piötzlich mit seiner 
Vergangenheit brechen ; er erklärt in siti-m, nave-m u.a. das i, . 
e für stammhaft (also nicht durch contraction zweier i entstanden), 
in patr-em hingegen als bindevocal. Ebenso geht aus s. 31, 8 
und 32, 10 — 12 hervor, dafs dem Verfasser durchaus nicht unbe- 
kannt ist, wie in der III. declination die consonantischen stamme 
io die analogie der i- stamme umschlagen. 

Wenn er (s. 26 anm.) sagt: „In der IV. declination, di«$ ei- 
gentlich nur eine nebenform der III. declination ist, ist das n 
zum stamm gehörig, aber mit dem vocal der endung verwach- 
sen; der declination wegen aber wird es behandelt, als wenn es 
zur endung gehörte^, so ist daraus zum mindesten nicht ersicht- 
lich, dafs auch hier wieder die analogie der i -stamme waltet, 
Dafs dies der fall ist, läfst der Verfasser erst s. 32, 12 in der 
Übersicht der gesammten declination durchblicken. 

Für die V. declination dies als päradigma aufzustellen ist 



anzeigen. tl 

ein unglücklicher griff, da dies ein ursprünglicher ad-staiom ist 
(vgl. skr. divasa dies). 

Auf Seite 31 nnd 32 folgt nun ein überblick über die ge- 
sammte declination, welcher eine gröfstentheils richtige auffassnng 
bekundet, die, wie schon angedeutet, mit dem früher theils falsch 
theils unklar dargestellten oft geradezu in Widerspruch steht; 
besonders no. 12 hatte im bisherigen besser verwerthet werden 
sollen. 

Auch in der comparation der adjectiva spielen dem verfaa* 
ser die ihm verhängni fsvollen i-stfimme einen possen; er theilt 
nämlich (s. 35) facili-or, während dann (s. 37) richtig alt-ior 
u.a. folgt. Hält er etwa das i von facilior für identisch mit 
dem von facilis? 

Die Superlative supremus, extremus ohne weiteres aus 
*superrimns *exterrimus entstehen zu lassen (s. 39 anm.) 
scheint uns sehr mifslich, da wir gar keinen grund absehen, 
warum man *8uperrimus verändert, celerrimus u. a. aber 
beibehalten habe. Diese formen gingen wohl vielmehr aus su- 
prä, extra hervor, indem -imo antrat, in welchem das ur- 
sprünglich nur als bindevocal fungierende i durch die macht 
der analogie auch trotz des vocalischen auslautes der zu gründe 
liegenden worte geschützt wurde, ähnlich wie z. b. in tuitus, 
ruitus, fruitus das suffix -to den hier ebenfalls unnöthigen 
bindevocal beibehalten hat. Aus 'supra-imus ward dann durch 
znsammenziehung supremus. 

§. 49 hätte bei potior, potissimus als positiv potis ge- 
nannt werden sollen, obwohl es als simplex nicht adjectivisch 
vorkommt; hat der verf. doch auch neben propior als positiv 
prope angeführt. 

Bei den persönlichen pronominen (§. 58) kehrt der Ver- 
fasser das wirkliche verhältnifs um, indem er noster und ve- 
ster aus den pluralgenetiven der personlichen pronomina entste- 
hen läfst. Dafs im gegentheile nostri, vestri, nostrum, 
vestrum gen. sing, und plnr. der possessiva sind, beweisen die 
bei Plautus vorkommenden nebenformen nostrorum, vestra- 
rum. Es verhält sich nostrorum: nostrum = deorum: 
deum. 

§. 60 anm. wird ecquis erklärt als quis ^verstärkt vorn 
durch ec^. Dies ec hat jedoch nie bestanden, sondern ecquis 
ist aus enqnis entstanden, wie Corssen (I, 106) aus der Schrei- 
bung nncquam für nunquam erwiesen bat. 



78 Schmidt 

Befremden mafs es ferner nemo und nihil (8.50) anter 
den pronominibus aufgeführt zu sehen. 

Wir wenden uns nun zur conjogation, über welche sich der 
Verfasser (s. 52) folgendermafsen ausspricht: ^Wesentlich unver- 
ändert bleibt der stamm des wortes, die grofste wandelbarkeit 
tritt in den endungen ein^. Unter den „unwesentlichen Verän- 
derungen am stamme^ nennt er dann in einer note auch die 
Verstärkungen desselben durch consonanten. Alle präsensbiiden- 
den Suffixe scheint er demnach für an wesentlich zu halten 

Wunderbare Ansichten hegt er auch aber die modi (e. 56 
anm. und s. 103, §. 80 anm.): „Der conjunctiv bildet sich im grie- 
chischen aus dem optativ heraas. In der älteren spräche aber 
und im lateinischen mischen sich beide modi in form und b^ 
deutung^. Unseres wissens aber verhält sich die sache gerade 
umgekehrt, der Verfasser mofste denn nachweisen, wo and wie 
sich der vedische Lef aas dem optativ „herausgebildet habe.^ 
Wie er hier zwei modi tasammensch weifst, so spaltet er sum 
ersetze dafür (s. 57, 3) den imperativ in den jussiv (mane), in 
welchem „der act des begehrens als blofse möglichkeit gedacht 
wird% and in den „eigentlichen imperativ^ (maneto). Was iet 
denn ein möglicher act des begehrens, ein möglicher imperativ? 

Auch was in betreff des gerundiums und der participia ge- 
lehrt whrd, klingt sonderbar (s. 58, 2): „Der eigentliche nomina- 
tiv des grundiums ist der Infinitiv^. Von legen dam wird aus- 
drücklich gesagt, dafs es nicht der nominativ zu legendi iat. 
Dafs legere selbst ein alter dativ ist, scheint dem Verfasser an- 
bekannt; ich verweise ihn dieserhalb auf Schleicher's Gompend. 
8.376. Vom participium heifst es (8.58,4): Bs bezeichnet keine 
Zeiten , so wenig als der Infinitiv, wohl aber eine thätigkeit (aoch 
ein leiden), die noch nicht volleodet oder vollendet ist oder be- 
vorsteht^. Ist dies etwas anderes als zeiten? 

Wie die dritte declination unserem Verfasser verhängnifsvoll 
war, so unter den conjugationen wiederum die dritte, s. 60: 
„Die III. conjugation ist die consonan tische . . . ; der scheinbar 
vocalische kennlaut ist nur bindevocal und dient zar erleichterong 
der ausspräche^. Es hat aber doch nur die voctAiose conjugation 
und zwar nur bei nicht vocalischem wurzelauslaute anspruch auf 
den namen der consonantischen. Diese irrige auffassung führt 
dann (s. 103, §. 80, 3) den Verfasser dazu im imperativ lege so- 
gar einen bindevocal im auslaute anzunehmen. Etwa auch 
„zur erleichterung der ausspräche^? 



anzeigen. 79 

Hinsichtlich der personalendoDgen ist der Verfasser aach 
nicht zur klarheit gekommen. ^Die II. pers. sg. hat 8 > verkürzt 
aus si. si steht für das ursprüngliche ti, wie es noch im indic. 
perf. erhalten ist is-ti** (s. 102). Dsa s ist allerdings aus si 
und weiterhin aus ti entstanden, letzteres aber ganz verschieden 
von dem -ti des perfectums, welches aus älterem -tei hervor- 
gegangen ist; vergl. gessistei, restitistei (Corssen I, 212). 
Gleich darauf wird die 3. pers. pl. perf. indic. auf -erunt erklärt 
als eine Zusammensetzung mit esunt (sunt). Auch dies beruht 
auf einem mifsverständnisse. Nicht das fertige esunt trat an 
den perfectstamm, sondern der mit der wurzel a s (esse) zusam- 
mengesetzte temposstamm, welcher auch in der 2. pers. sg. pl. 
-is-ti, -is-tis erscheint, verband sich mit der personalenduug 
-ont, -unt; vgl. Scbleicher's Comp. s. 525 und 559>f. Endlich 
(s. 104) wird der imperativus passivi durch abstumpfnng der en- 
dungen aus dem indicativ hergeleitet, während er doch einfach 
eine Zusammensetzung des imperat. act. mit dem reflexivum ist. 
Auch die 2. pers. pl. auf -minor, welche in der spräche nirgend 
vorkommt, sehen wir hier noch in den paradigmen florieren. 

Sehliefslich wollen wir den Verfasser noch vor der Überset- 
zung grammatischer kunstausdrücke ins deutsche warnen, welche 
ihm bis jetzt nicht sehr gelungen sind, z. b. giebt er demiuution 
durch ^abminderung^ (s. 40) wieder, verbum finitum durch ^ste- 
hende formen ** (». 55), verbum infinitnm durch „liegende" (s. 55) 
oder „unbestimmte formen" (s. 57), femer spricht er (s. 56) von 
„der schiefen rede" (oratio obliqua). Auch die benennung der 
III. coE^ugation als „starken", der übrigen als „schwachen" kann 
leicht Unklarheit und verwirrong hervorrufen. 

Doch genug. Aus den hier mitgetheilten proben wird der 
leser ersehen haben , dafs wir nicht zu hart urtheilten, indem 
wir dem buche die genügende durcharbeitung absprachen. Es 
liefsen sich die belege hierfür noch bedeutend vermehren, doch 
unterlassen wir dies um nicht zn ermüden. Von dem Verfasser 
einer anerkannten, in vielen auflagen erschienenen neuhochdeut- 
schen grammatik können wir aber wohl mit Zuversicht erwarten, 
dafs er eine etwaige zweite aufläge des vorliegenden buches von 
den mangeln der ersten säubern wird. 

Neues bringt das buch gar nicht, was man wegen seiner 
rein praktischen tendenz auch kaum verlangen wird. In der 
Hand eines umsichtigen lehrers kann es gewifs trotz seiner man- 



80 Bickell, miscelle. 

nigfachen mängel vielen nutzen stiften; auf alle fälle ist es an- 
zuerkennen als ein versuch die übliche banausische methode des 
Sprachunterrichts zu verdr&ngen oder doch wenigstens zu refor- 
mieren. Dafs es diesen erfolg habe, wünschen wir ihm von 
Herzen- 
Jena, im mai 1865. Dr. Johannes Schmidt. 



Gairu. 



Die in dieser Zeitschrift (1863, s. 438 ffd.) versuchte identi- 
ficierung von gaeshu, veru, yalaog und ger erbfilt noch eine wei- 
tere bestätigung durch das damals von mir übersehene gotische 
gairu, welches 2. Cor. 12, 7 am rand der handschritt A zur er- 
klärung des in der Übersetzung gebrauchten hnuto vorkommt. 
In dem glossar von Gabelentz und Loebe ist gairu seltsamerweise 
durch geisel erklärt, während es jedenfalls spiefs, pfähl bedeuten 
mufs, wie CTioXoxp im orginaltext. Dies gairu ist demnach die 
grundform zu ahd. ger, altn. geir, ags. gar. Aus den jüngeren 
formen geht hervor, dafs der diphthong ai nicht erst durch bre- 
chung wegen des folgenden r aus i entstanden, sondern als wirk- 
liche Steigerung zu betrachten ist. Die gotische grundform ist 
aber defshalb so wichtig, weil sie beweist, dafs das in allen ger- 
manischen sprachen verbreitete wort ger ursprunglich auf u aus- 
lautete, wodurch seine Verwandtschaft mit veru und gaeshu be- 
stätigt wird. Die Identität von gairu und veru ist wohl unzwei- 
felhi^t (Leo Meyers vermuthung, seitschr.VI, s. 427, gairu sei *von 
der Wurzel kshur abzuleiten, mufs als verfehlt betrachtet werden), 
dagegen scheint es schwierig, gairu auch mit gaeshu zusammen- 
zustellen, weil sich sonst keine beispiele von ubergang des s zu 
r im gotischen finden. Indessen müssen wir trotzdem diese un- 
erhörte Veränderung annehmen, denn es ist doch nicht gut mög- 
lich, gairu und seine deutschen verwandten von den gleichbedeu- 
tenden und lautlich ganz übereinstimmenden keltischen formen 
mit s zu trennen. Zudem finden sich im gotischen selbst spuren 
einer ursprünglicheren form gaisu in mehreren zusammengesetz- 
ten eigennamen. 

Dafs in dem altbaktrischen wort die richtige lesart gaeshu, 
nicht ga^9u ist, scheint mir auch aus dem arsacidischen königs- 
namen Vologeses hervorzugehen; denn dieser name lautet im 
syrischen Valagesh, im neupersischen Pallash. Der zweite be- 
standtheil des compositums kann nicht wohl ein anderes wort 
als gaeshu sein. Dagegen mufs man das chaldäische gissa, gisa 
(speer, wurfgeschofsj eher von yalaog^ als direct von gaeshu ab- 
leiten. 

Bickell. 



Sonne, sprachliche und rajthologische nntersnchungen. 81 

Sprachliche und mythologische Untersuchun- 
gen, angeknüpft an Rigv. I, 50. 

Dritter artikcl. 

(Fortsetzung.) 

Die in iorxa und sippe gegebene wurzelform 7Ä, de- 
ren epische formen wir zeitsehr. XIII p. 431 f. 442 ff. be- 
sprochen, mufste den Vorgängern, sobald sie des homeri- 
schen digammas sieh wieder bewufst wurden, bei unver- 
kennbar consonantischem anlaut als digammiert gelten ; und 
wenn diese Voraussetzung durch dialektische formen nicht 
zu erweisen war, so liefs man sich dadurch ebenso wenig 
beunruhigen, als durch die noch fern liegende frage, ob 
neben dem Vau nicht auch die beiden andern Spiranten 
J nnd JS in rechnung zu ziehen seien. Aber während noch 
Büttmann lexil. II p. 82 das digamma in Uaxo) für fest er- 
klärt, spricht bereits Hoffmann Q. H. 11 p. 48 diesem cau- 
sativ, dessen Zusammenhang mit Üoixa er verkennt, das 
digamma ab, und zwar zumeist wegen des vermeintlichen 
temporal -augments in rjiaxofiev Iliad. XXI, 331, welche 
form doch nach dem vorgange der alten — elxorcog vojui- 
Cojiiev, riyovutß'a Schol. vnovoovutv Eust. aTiBixd^ouev Si^id. 
— Bnttmann mit recht als präsens gesetzt hatte. Wäh- 
rend aber Hoffmann U p. 36 ioixa mit den Vorgängern als 
digammiert setzt, verfährt 6. Curtius wenigstens folgerich- 
tig, indem er wegen der mangelnden bestätignng durch 
dialekte sowohl als durch schwestersprachen grnndz. 11 p. 
227 ff. diesem ganzen stamme das digamma abspricht und, 
im zusammenhange einer Untersuchung über /i mit parasi- 
tischem jod, Hoixa = jejoika zurückführt auf eine wurzelf. 
JJLK, welche aus JIK (Sdxvv^i) erweicht sei. Eine hypo- 
ihese allerdings, deren kühnheit ihr Urheber sich ebenso 
wenig als Schweizer, wenn er zeitsehr. XII p. 312 dersel- 
ben beistimmt, verhehlt haben wird. Zwar wenn wir bei 
Sappho fr. 104 Bergk xdXcog kixdaSia, xdkkuJT kixdaÖw 
finden, diese form mithin s^ufjsjix. znrückgienge, so möchte 
Zeitwhr. f. vgl. sprachf. XV. 2. 6 



4^ Sonne 

ein schwacher nachklang des jod, zumal er den apoetroph 
nicht aosschliefst, bei dieeer dichterin noch glaablich schei- 
nen. Auch ob dialektische formen wie io(}xeg iiaxij neben 
SoQxdg ÖKaxü) fQr eine Verwandtschaft des gemeingriechi- 
schen Hotxa mit dsixvv^i ausreichend zeugen können, auch 
von diesem zweifei wollen wir gern absehen. Aber den 
hauptsatz, mit welchem Cnrtius' hypothese steht und 
fällt — die Tcrmittelnng der bedeutung: dals die primitive 
wzf. JIK sich ftlr die transitive bedeutung zeigen d. i. 
deutlich machen, die im anlaut afBcierte JIK (ioixa) fbr 
die intransitive bedeutung scheinen d. i. deutlich werden, 
festgesetzt — diesen bauptsatz freilich lehnen wir ab, 
und erlauben uns daher die divergenz auf diesen bl&ttern 
näher zu motivieren. 

JeixvvfAij wzf. JIK. — Dals öixt] hierher gehöre, 
findet Curtius grundz. I no. 14 nur „wahrscheinlich**, doch 
wohl weil die bedeutung zeigen nicht ausreicht; und da(s 
sie nicht ausreiche, war auch auf deutschem gebiete zu 
ersehen, wo dem schwachen, also secundären zeigen ^ 
starkes verbum, und zwar mit normaler Verschiebung ge- 
genüber steht: nhd. zeihen, goth. teiha t&ih taihum, tai- 
hans. Eines Vergehens zeihen oder bezichtigen, ttn ver- 
gehen verzeihen, auf einen ansprach verzichten — da sind 
wir auch für unsre muttersprache in der sph&re des rechts, 
welcher Sixt^ angehört; und überblicken wir an verb and 
nomen diese wurzel im weiteren kreise, so können wir 
nicht zweifeln, dafs sie richten (aufs ziel), bestimmen, 
festsetzen zur grundbedeutung habe. Daher Sixilv^ 
welchem wir, als primärem aorist, doch seinen platz an- 
weisen o^Üfsen : Eurip. Pboen. 639 Kdduog ^ fioaxos ^c- 
atjfia Öix^^ xekeatpogov Siöovaa ^Q^jafiov, Kadmos folgt 
der äUrse, welche sich lagernd (niatjua öixovaa) zugleich 
das ziel bestimmt, wo die Eadmea zu gründen. Pind. Ol. 
XI, 72 uaxoq ö' 'EvLHWg üdixe nixQip ;^«(>« xvxlwadig imig 
ändvTüiv — Enikeqs richtet (nimmt zum ziel; fixiert) mit 
dem di{x)'GXQSy der richtscbeibe, die weite über allen ge- 
nofsen =» wirft am weitesten; und diese bedeutung (wer- 



sprachliche und m3rthologische unterauchung^n. 83 

fen) gieng, wie wir glauben, gerade aus der richtung des 
würfe auf das bestimmte ziel hervor. Der accusativ be- 
zeichnet entweder, wie Eurip. Phoen. 669 yaTtsrelg Sueuv 
odovtag elg ßa&vGTtoQOvq yvag, Find. P. IX, 124 nokka pttv 
xtUvoi Sixov (f'vMJ 'im xai atBrpavovg den aufs ziel gerich- 
teten, oder wie Phoen. 665 XQäxa tpoviov Sixtav ßoXalg 
den zum ziel genommenen gegenständ. In Wendungen wie 
Aeseh. Choeph. 89 Sixovaa tev^og hinwerfend und an der 
bestimmten stelle liegen lafsend, ist die grundanschauung 
mnigermafsen verflQchtigt. Wir schlieisen hieran das in- 
dische Wurzelthema di^ (nom. dik), welches die bestimmte 
richtang z. b. himmelsgegend bezeichnet. Rv. I, 183,5:. 
di^am na disht^m rjüy6 Va yäntä 
& me h&vani näsatyö 'pa yatam | 
wie rechter richtung*), gradewegs nur gehend, 
so kommt auf meinen ruf heran, Nasatya'sl 
Mit dem genitiT dieses worts, di94s, ist identisch lat. 
dicis (caosa), der bestimmten richtung (form) wegeu^ 
Dem instrumental di^fi z. b. Rv. I, 85, 11 t&yft dipfi (auf 
diese...), 132,4 sam&nyK di^ (auf gleiche v O? welcher die 
bestimmte art und weise bezeichnet, entspricht dem sinne 
Bidi der accusativ ^/xr/v c. gen.; diesem der form nach 
wiederum skr. di9äm accus, des mit jenem di^ gleichbe- 
deotenden themas di^ä s= Sixr]. Ein drittes nomen skr. 
dishti (bestimmung, Vorschrift) fem. ist mit -Si^i in äät^ 
|f$. dfiokoyia Ttaga TaQavvivoig Hesych. (Benfey wnrzell. 
I p. 241) und -ziht in ahd. inziht, biziht (Graff Y p. 588) 
identisch, indem die drei nomina, welche übrigens ethm- 
sehe bildungen sein können, einer gemeinschaftlichen or- 
form dik-ti entsprechen. An äSi^ig schliefst sich dann 
lat. condicio, und dicio (cass. obl.), welches unzweifelhaft 
hierher gehört, heifst eigentlich bestimmung, verftkgung. 
Jixfi einmal, wie wir sahen, die bestimmte weise, das ein 



*) difAili di8h|i(ai — wortlieh: bectimmte beitimimiiig (s= richtang); 
dM ptjrtidp fast pieonastisch , da d^^m alkin schon die bestimmte ricb- 
tmig bezeichnet. 

6' 



84 Sonne 

mal gegebene gescbick Odyss. XI, 218 nikf] Sixi^ kati ßgo- 
Tijüv d. i. bestimmung, gescbick *) der sterblicben, des men- 
scben loos; XI, 168 77 ya^j öixt] oTinore ... es ist einmal 
so, wenn . . .; sodann aber — und zwar im gegensatz so- 
wohl zu vouog dem auf dem herkommen (zeitscbr. XII p. 
349) basierenden gesetz, als zu rj&og der auf eignem than 
(ib. p. 373) basierenden sitte — bedeutet dixtj zugleich 
das recht, mythologisch die rechtsidee selbst. Daher im 
ganzen rji^og und vofwg form der sittlichen und rechtlichen 
Freiheit, wie sie steter Umbildung fähig und bedürftig sich 
in der gesellschaft bildet; &efug und dixi] (fug und recht) 
sittliche und rechtliche noth wendigkeit, wie sie unabänder- 
lich im wesen des menschen liegt. Der mythologischen 
personification sind, eben als höhere ge walten, nur die bei- 
den letztgenannten föhig. 

Vorstehende erwägung der nomina skr. di9 di^ä dishti 
— Sixij aSi^ig — lat. dicis dicionis •— ahd. inziht, biziht: 
zum theil wahrer patriarchen, wird wohl ausreichen zur 
erhärtung unsres satzes, dafs die wz. DIE die bestimmte 
richtung zur wesentlichen bedeutung habe. Was das ver- 
bum anbelangt, so ist Sixeiv unmittelbar zum indischen 
verbum di^ 3. p. dideshti zu halten. Mit der bedeutung 
„zeigen^ ist auch hier nicht allein nicht durchzukommen, 
sondern wz. di^ heifst nicht einmal so; das sehr übliche 
particip dishta (bestimmt, festgesetzt, subst. bestimmung) 
müiste dann, was nicht der fall, sich in der bedeutung 
„gezeigt'' belegen lafsen. Das verbum finitum hat vor- 
zugsweise die bedeutung der anweisung, Überweisung zum 
besitz, besonders als gottesgabe. So in einem gebet an 
die Selene Sinivali, Rv. 11, 32, 6: 



*) Ameis z. st.: „sitte, naturgesetz": freiheit und nothwendigkeit zu- 
gleich? — Curtius grnndz. 11 p. 810 zu Odyss. XIX, 48 , weise« — eine 
beliebige? Wesentlich scheint uns die bestimmte weise, welche eben als 
solche zum rechtsbegriff weiter ftihrt Uebrigens zeigt sich gerade hier am 
deutlichsten der Zusammenhang zwischen dintlv und dUrj wurf; derselbe 
erklärt sich aus der gewis proethnischen sitte des loosens und wttrfelns zur 
gewinnung des gottesurtheils, vergl. Lobeok Aglaoph. p. 814 sq. Mannhardt 
gennan. m3rthen p. 599 f. 



sprachliche and mythologische Untersuchungen. 85 

Sintvali prthushtuke yä devänäm asi eväsa | 
JQsbasva havyäm ähutam prajam devi dididdhi nah || 
Sinivali, breithüftige! die du der götter Schwester bist! 
geniefse den ergofsnen gufs! o gottin, weis' uns spros- 
sen zu! — 
wo Yaska (XI, 32) den alten imperativ dididdhi wieder- 
giebt durch den den co-conjugation di^a, dessen identit&t 
mit dix6*) auf der band liegt. Die gottesgabe ist das be- 
stimmte loos (dishtam), welches die gottheit dem men* 
sehen überweist oder zuwirft. So wird der besitz gehei- 
ligt durch die idee des rechts, dessen quell im walten der 
götter liegt. Wüfsten wir von unsern urahnen nichts als 
diesen satz allein, so wOfsten wir dafs sie keine barbaren 
gewesen.' Dafs die anfange von recht und sitte proeth- 
nisch seien, bemerkt Spiegel Avesta II p. CXI, und stellt 
anter seinen belegen die wz. dip an die spitze. Sie er- 
scheint im zend einfach, oder praef. fra- (7t()o) „von dem 
lehren des gesetzes, dem vorschreiben der strafe.^ Beides 
geht im bestimmen, festsetzen auf; und wenn Bopp vergl. 
gramm. §.519, Windischmann zor. Studien p. 21 Vendid. 
II V. 3 fradae^ayo, v. 6 fradaepaem (daenäm, das gesetz) 
mit „zeigen" tibersetzen, so lassen sie sich durch ötixvvui 
etc. täuschen. Spiegels trefflicher boweisführung für den 
wichtigen satz lafsen sich weitere indicien beifügen, und 
wir haben Wörter wie skr. saparyämi, äpas, namas, svadha, 
düvas schon bei anderm anlafs unter diesen gesicbtspuj^kt 
gestellt. Fürs indische mag noch wz. dip praef. a (zielen 
auf. ..) Rv. I, 42, 2: 

yo nah püshann agho vrko duh^^va ädide^ati | 
apa sma tvam pathö jahi || 
O Poschan! welcher schlimme wolf misgünstig ziele wi- 
der uns, 
Hinweg vom pfade schlag' ihn du! — 



*) dafs ädi^am = ^Uxor, di9a = <T/xc (^ff^xi) fürs indische als impf, 
und imperat. praes. zu setzen, begründet hier (cl. VI) keinen unterschied 
vom griech aor. II; nur fällt flir di^a und adi^aip bei der wahrscheinlich 
ethnischen formation der rang als erbgut fort. 



86 Sonne 

80 wie das gerundium ud-di^ya (praef. ad) sum ziel neh- 
mend z. b, (Hitop.) tarn uddi^ya xetrapatioä lagada^ pra- 
ziptah, diesen zum ziel nehmend (= gegen diesen) schleu- 
derte der herr des feldes den knittel — wegen der bezie* 
bung auf Sixeiv erwähnt werden. 

Abgesehen aber von diesem aorist ist das wurzdverb 
im griechischen geschwunden; denn äeixvvfu hat wegen 
der erstarrten gunierung auf diesen titel keinen ansprach. 
Das verb ist secundftr und neben der hier in d«r that 
herrschenden bedeutung „zeigen^ spuren der arsprfinglichen 
selbst bei Homer nur ziemlich schwach; doch verdient 
Odyss. X, 303 xai fiot (pvaiv avxov iS^i^iv (gab bestimmt 
an) vgl. h. Merc. 393 öel^ai rov x^Qov wegen der berflh- 
rung mit zend. di^, Arist Eq. 278 xovtovi tov ävdg' äj^w 
Stixpv^i (gebe an, ah kläger) wegen der mit nhd. xeihen; 
h. Merc. 367 Ssi^avo 3* slg Kgovirnva (richtete, wendete 
sich gegen) immerhin erwähnung. Im latein hat sich, bei 
ebenso starrem guna, f&r dicere (deicere) doch in Wendun- 
gen wie jus, diem, dictatorem dicere (bestimmen) die alte 
bedeutung gehalten, sich aber weiter zum ansdruok der 
behauptung und aussage schlechtweg verflficfatigt« Die 
themen ju-dio und vin-dic bilden den nominativ nach fid- 
scher analogie« Das germanische erster stufe steht an be- 
deutung — goth. teihan, ags. tihan, altn. tiä *) — im gan- 
zen dem lat. dicere nahe, wogegen das hochdeutsche zwar 
in ahd. zthan zSh etc. den alten rechtsbegriff festhielt, für 
die bedeutung monstrare, indicare aber ein schwaches vorb 
zeigön, zeigen entwickelt. Wenn übrigens in ws. DIK 
die bestimmte richtung zur bildung gewisser rechtaaoadrOidLe 
ftlhrte, so gewährt die wz. &AG (Curtius gnmdz. no. 153) 
die beste analogie. Denn ihr entstammen skr. rja (ge- 
rade, recht, rechtlich) zd. erezu id., lat. regula, goth. 
raihts (thema raihta, uribrm rakta) nhd. recht, rich- 
ten: alles Wörter^ deren doppelsinn auf jener grundan- 



*) altu. ti& au« tiii(h)8, dies mit brechung aus tlh«; schwachM verb, 

tiä5i- 



sprachliche nnd mythologische uotersuchongeo. 87 

scbauang basiert. Wenn also Ry. I, 183, wie vorhin aD- 
gefbhrt: 

di^am dishtam rjüya*) jinktk 
die waz. RAG und DIK zusammeotrefiPen, so ist damit der 
gerade weg, das feste ziel — die fragen qua und quo 
bezeichnet. 

*'£o^xa. — Hiefs also wz. DIK „richten, bestimmen^, 
so mülsen wir — von diesem Standpunkt — auf eine an- 
schauongsvermittelung fOr üoixa und diixvvfii verzichten. 
Doch selbst wenn wir mit Curtius die bedeutung y,schei- 
oeii d.i. deutlich werden^ zu gründe legen, wOrde uns 
diese vermittelung nicht minder misglücken. Dann hieise, 
als verschobenes präteritum oder perfectum-präsens, l^oixa 
^bin in das scheinen, in die deutlichkeit eingetreten^ = 
bin erschienen, bin deutlich. Heiist es so? — und der 
dativ, mit welchem es sich verbindet, bezeichnet er wirk- 
lich, wie er es in diesem falle müfste, die person der ich 
erschienen, deutlich bin? — denn dafs Curtius das „schei- 
nen^ im sinne des lat. apparet, nicht videtur, genommen 
habe, ist im zusammenhange klar. Durch videri freilich 
Ifktkt sich koixkvai, sehr oft wiedergeben, aber von dieser 
unzweifelhaft secundftren (unhomerischen) verwerthung dür- 
fen wir nicht ausgehen. Also apparere: so ergeben sich 
selbst abgesehen von jenem bedenken Aber bedeutung und 
rection doch immer noch weitere bedenken. Müfste näm- 
lich diese intransitive bedeutung theils als solche, theils 
wegen der formation die ursprüngliche, die causale die 
abgeleitete bedeutung sein: so darf es wohl fürs griechi- 
sche befremden die afFection des anlauts nicht am causa- 
tiv diixvvfi&^ sondern bei sonst alterthümlichster fiexion 
gerade am patriarchen hixa eingetreten , und für die scbwe- 
etersprachen, besonders fürs indische dideshti ebenso be- 
fremden, in stark flectierten verben jene intransitive an- 
schauung so ganz geschwunden zu sehen. Doch wir ge- 
rathen ins negieren; nehmen wir lieber den Homer zur 
band. Iliad. VII,57: 

♦) padap. xi^yi vergL amu amuyi — instrum. von rju. 



88 Sonnt! 

)(dÖ d* cig* !A&i^v(€ii} re xai dgyugoto^og !An6Xkwv 

i^iad't]V, 6(jvi(fiv koixoTsg aiyvmoiaiv^ 

cpriy^ k(p' v^frikfi nargog Jiog alyto^oio, 
Kidiculam hoc, si Minerv^a et Apollo in yultures matantur 
aut v^ulturum speciem assumunt. Comparatio speotat ad 
hoc solum, quod in arbore considunt et pugnam inde pro- 
spectant: ut insidere solent arbori vultures. Heyne toI. V 
p. 318. Safsen sie wie geier sitzen? — Oder safaen sie 
in geiergestalt? ^^ die frage ist bis heute controrers ge- 
blieben. So haben sich Nitzsch Odyss. III, 372, Ameis 
Odyss. 1,320 ftkr Heyne; Nägelsbach homer. theologie p. 
139, Welcker (götterl. I p. 532) Iliad. XV, 237 ftr die 
metamorphose aasgesprochen. Ein unerquicklicher streit — 
die Zweideutigkeit liegt in der wendung selbst; doch tre- 
ten wir der frage näher. Allerdings war der hellenische 
geist, welcher menschlich-schöne götterideale schuf, bereits 
im epos sich seiner zu gewis geworden, um Poseidon, 
Hera, Artemis sich auf die dauer als ross, kuh, hindin 
manifestieren zu lafsen. Aber nur bevorzugte nataren tre- 
ten in exclusiven gegensatz zum alten glauben, welchen 
nicht nur die masse festhält, sondern gelegentlich das epos 
selbst zart, wie immer, aber unverkennbar andeutet. Der 
alte glaube ist nicht erloschen, sondern lediglich in Unter- 
grund getreten vor dem was doch nie zum dogma wurde, 
dem olympischen System. Bei so divergierenden strömun^ 
gen im volksieben mufste der aöde, im namen des glau- 
bens, seinen gott jeder Situation, jeder thätigkeit gewach- 
sen zeigen; und durfte doch, im namen der anschaolioh- 
keit, seinen gott nicht wohl in Situationen oder tbitigkei- 
ten zeigen, welche ein unschönes oder unklares bild ge- 
währen. Da hatte nun aber der thierförmige gott dem 
glauben manches geleistet, was der anthropomorphische 
gott in anschaulicher weise dem dichter nicht mehr leisten . 
konnte. Apollon stflrzt in falkenform vom Ida, und wir 
finden nichts zu erinnern. Aber Apollon stürzt in men- 
8chengestalt vom Ida, und wir ftlrchten er bricht den hals. 
Die störende Vorstellung liegt an der menschenform, welche 



sprachliche und mythologische untersachungen. 89 

daher der aöde durch zwei worte — lorjxi ^oixoig — zeit- 
weilig neutralisiert. Dafs homerische aöden sich hier des 
bildes als solchen bewufst, in ihrem sinne keine mcta- 
morphose gesetzt gewesen, däucht uns nicht erwiesen, aber 
bei der sittlichen höhe des epos, welche die sittliche höhe 
der Urheber voraussetzt, auch nicht unmöglich: doch darf 
subjectivität hier, wie bei Studien über vorgeschichtliches 
alterthum durchweg, aufser rechnung bleiben. Auf der an- 
dern Seite sind zur Würdigung dieser und ähnlicher Wen- 
dungen drei momente festzuhalten. Erstens, Homer d. h. 
die höhezeit des epos führte sie nicht ein, sondern braucht 
sie formelhaft, als ein erbgut alter tage. Zweitens, sie 
entstammen nicht der fi*eien dichtung, sondern dem Volks- 
glauben an den thierförmigen gott resp. die gewandes- 
macht der götter. Drittens, dieser glaube war zu home- 
rischer zeit, wie in der that weit später noch, dem be- 
wnfstsein der massen völlig lebendig. Die masse aber di- 
stinguiert, ästhetisiert nicht, sondern denkt im bilde, folgt 
der phantasfe; und steht z. b. Iliad. XXI, 600 koixcig^ XXII, 
227 Bixvta, wo Apollon und Athene in gestalt des Age- 
nor, des Deiphobos erscheinen, die metamorphose fest: so 
mufste, von der individuellen auffassung des aöden immer- 
hin abgesehen, dessen Zuhörerschaft bei Wendungen wie 
ipf]xi koixvig etc. mindestens so weit menschenform der bild- 
lichen anschaulichkeit wiederstreitet, jenem glauben gemäfs 
den gott im thiergewande denken. Wohlan denn, die ge- 
stalt der Athena Parthenos, des Apoll von Belvedere im 
gezweige der Zeuseiche hockend, wie Göthes Treufreund 
lauschend und getrost indessen auf dem stängelchen: mit 
Heyne's erlaubnis, gerade dies bild däucht uns lächer- 
lich, und wir können nicht wohl zweifeln, dafs die hörer- 
schaft — denn war ihr das kunstideal noch nicht aufge- 
gangen, so ahnte sie es, und das thut den dienst — ge- 
rade in dieser Situation die beiden götter sich im geier- 
gewande dachte. Doch wie dem sei; dafs koixipai die 
metamorphose bezeichnen könne, wird nicht bestritten. 
Beides, der gedauke wie das wort, sind an alterthünilich- 



90 Sonn« 

keit einander ebenbürtig. Resultat der metamorpbose ist 
gleicbheit; und gehen wir, wie gcbOhrlich, von dieser 
hauptbedeutung unsres perfects aus, so bedarf es zur be- 
stimmung des etymons lediglich der frage: wie dachten 
unsre alten sich die mctamorphose? — 

Und da ist es ja bekannt, dafs sie dieselbe als das 
eingehen in den andern körper, den körper als gewand 
der seele dachten. Wenn wir von der entseelten „höUe^ 
reden, so ist das nicht moderne poesie, sondern primitive 
anschauung. Ohne diese wäre der glaube au die meta- 
morpbose ein erzeugnis des Wahnsinns. Sie hat sich am 
schönsten im germanischen gehalten, worüber Mannhardt 
german. mythen p. 690 ff. den nähern nachweis giebt; doch 
tritt sie auch sonst überall zu tage. Betrachten wir einige 
körpernamen. So skr. tantf, tanü fem. (leib, körper; 
person): es wird Rv. X, 14, 8: 

hitväya Vadyäm pünar astam ehi 
säm gachasva tanva suvärcäh || 
Wann fehles ledig, kehre heim du wieder, 

vereine mit dem leibe dich wohlwürdig — 
die abgeschiedene seele bedingungsweise * ) aufgefordert 
wieder in den körper einzugehen, dieser mit einem ge- 
webe verglichen, tanü von wz. TAN (dehnen), ein gewebe 
aufziehen ""*). Dagegen skr. dSha m. n. (körper) wz. DIH 
giebt das bild der töpfer-, difiaq sowie engl, body »^ 
nhd. bottich das der zimmer- und fafsbinder-, aäfAa***) 
von wz. SU {xaa-övu) lat. suo; wie x^ • X^f^^) ^^ ^^^ 
schusterarbeit, lat corpus vgl. skr. fem. krp wz. k|p kal- 
patd, wie skr. päpas (körperform) das der richtigen form 
überhaupt. Also weber, töpfer, Zimmermann, bötticher, 

*) vgl. Pind. fr. 110 Bergk: olat 9\ ^tqatqiova noiPav naXaiov 7i«'i'- 
&fO(; diUicUt it; röy VTitgO-iv nXior ntlrtav harw frtt dvdiSol tpvxdv 

*") tanif heifst auch ,, eigne person, selbst", wie Iliad. XXIII, 106 ' 
ifft'/rj f'ftffriixi^' hxio di &iexiXo¥ uvt^ — umgekehrt avTot; als leib- 
lichkeit: beides in wiedersprach mit skr. &tmaii (i. e. tpvxri s= av-roq) wie 
mit der anschauung vom „gewande**; die spräche wie der mensch. 

***) anders Benfey Sv. Ql. s. v. aru^apsa; mir scheint -psn synkopiert 
aus -bhasu, wz. bhas i. e. leuchten, scbeinra. 



sprachliche und mjrthologiBche untenachnngeii. 91 

8cbu8ter in beziehung auf körperbildung; und die sprQche 
zeitschr. XIII p. 51 ff., die Orpbiker mit ihrem ninXog und 
dixTvov geben dieselbe anscbauung. 

Der körper also gewand, gewebe, ge&ü der seele; 
und ioixa oder, wie wir nunmehr mit gutem gewissen wie- 
der schreiben, ^ijroixa wz. FIK skr. vi^ (eintreten) perf. 
vive^ bezeichnet als perfectum- praesens den vollzogenen 
eintritt in dies gewand. Aiyvm^ jrspoixiaq eingetreten in 
den geier d. h. in geiergewand, mithin im geiergewande 
befindlich, dem geier gleich; mit prägnantem locativ. 
Der rest der sippe : j^BficHw /riaxcovy ^ixeXog feixekog, ofi- 
xijg qfSiXTjg {yergh ^ucvia jruxvla) etc. ist vom perfect 
direct abgeleitet. Eine ausnähme macht hier nur das pro- 
ethnische ^oZxo^^ aber auch dies bezeichnet, im gegen- 
Batz zum naturleben sub divo, das haus als einkehr, de- 
versorinm. Mit Ixia&ai, weil nicht digammiert (Ahrens 
dial. aeoL p. 27n.), stehen diese formen aufser Zusammen- 
hang. Ein ausdruck wie vvxtl koixoig und ähnliches z. b. 
h. Merc. 358 iv Xixv(f) xatixeito fiBkatvy vvxvi ioixcig xtX, 
bot ursprünglich das bild der nachthülle, wie r^iga iaad^ 
fiwog das der nebelhülle. Und um hier eine syntaktische 
bemerkung anznschliefsen : die Wendung ci^* wTia ioixivatj 
Iliad.in, 158: 

alvdig d&avatijai &efig sig iana JiotxBV — 
finde ich verschieden, aber nicht glücklich erklärt. Gewis 
steht sie unter syntaktischer einwirkung der wendung Big 
cma löiad-ai (IX, 372) i. e. unter einwirkung des der 
Behauptung nothwendig vorangehenden anblicks selbst, 
fiidst also die beiden momente anblick und urtheil prägnant 
zusammen. Das bekannte iq>dvfi Xlg üg odav XV, 276 ist 
analog; denn der unterschied, dafs hier dasselbe subject 
Tortritt und erscheint, dagegen dort die Geronten sehen, 
Helena gleicht — dieser unterschied releviert nicht, da 
das urtheil elg wna iotxev ein Big iana tSofiBvot^ kiaxouBv 
logisch in sich schliefst. 

Zu vorstehender ansieht über ioixa^ bin gleich — ge- 
währt nun aber gerade unser nhd. gleich eiue bedeut- 



92 Sonne 

same parallele. BekaDiitlich hat Bopp vgl. gramm. §. 981 
nhd. gleich, goth. thema ga-leika als bahuvrihi vom 
thema Icika (leik d.; fleisch, leib) = „leib-gemeinsam- 
habend^ abgeleitet*). Ansprechend in der that; doch nicht 
genügend, da das wort, wie die nordischen dialekte zei- 
gen (Graff II p. t05), auch ohne präfix dieselbe bedeu- 
tung hat. Gleicher wurzel aber sind die beiden Wörter 
allerdings, s. Pictet zeitschr. V p. 33, dem wir im wesent- 
lichen beitreten. Die bedeutung der primitiven wzff. LAG 
LIG „anhangen, haften, sich schmiegen und ftkgen^ ist 
klar erkennbar. So tritt lat. lignum zu goth. leik: holz 
und fleisch, im gegensatz zum saft, nach der haftenden 
faser, ähnlich Xiy-vv-g (schwalg, rufs) vom anhaften be- 
nannt; auch die adv. Xiydtjv^ hniUydriV (anstreifend) schlie- 
Isen sich an. Im latein gehören au fser lignum noch liotor 
(eig. geleitsmann, vgl. skr. lag- na i.e. anhangend, gelei- 
tend) und wahrscheinlich religio hierher, welche natür- 
Jich nicht direct vom schwachen causativ ligare (heften, 
binden) abzuleiten sind. Im germanischen aber, von jenem 
sicher früh fixierten leik n. abgesehen, ist die weitere ent- 
wickeluug die, dafs das anhangende, sich anschmiegende 
einerseits zum ansprechenden, gefälligen, wahrscheinlichen, 
anderseits zum entsprechenden, gleichen sich specificiert; 
und Sprichwörter wie »gleich und gleich gesellt sich gern 

— gleiche brüder gleiche kappen — engl, like will to like 

— like Cover like cup^ u. s. w. verrathen, dafs diese be- 
deutung durch psychologische Wirkung einer vice- versa- 
bezichung, oder wie wir es früher einmal genannt, einer 
dvandva-construction wird zur reife gekommen sein» Die 
parallele also mit dem griechischen: goth. galeiks, gleich, 
aber (wie ioi7C(a(i) auch ähnlich, wiewohl für letzteres nooh 
ein besonderes thema ana-leika (nhd. ähnlich) vorhanden. 
Denominativ galeikön koixevai und Uaxsiv, in-galeik6n 



*} Bopp hier versehentlich leik-s. Die bedeutung cadaver schon alt- 
nordisch (tha var borit üt 4 skipit lik Baldrs. Snorri) und im schottischen 
lyke-wake vorhanden; feminin schon altbochdoutsch. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 93 

verwandeln, die metamorphose von welcher wir ausgien- 
gen. Schwaches verb: leikan gefallen, sich fugen, Hotxe 
(decet, consentaneum est) IX, 399 elxvia äxoirig^ a likely 
wife. Das impersonal galeikaith mis (mir gefällt) wan- 
delt sich zum personal galeikau, gern wollen: wie ecixs 
SU iotxa Odyss. XXII, 348 Üuixa Sa roi nagaeiÖeiv^ I am 
Ukely to sing before thee; und wenn dies zum attischen 
tSotxB ioixa in der bedeutung des anscheins, der Wahr- 
scheinlichkeit weiterführt, so hält auch hier das germani- 
sche stich: altn. that er Ukt (das ist gleich i.e. seheint 
so, l&Tst sich denken) Aesch. Agam. 1120 ioixa i%cm(pö}j- 
auv raxcc, I am like soon to prophesy; Eum. 887 &eX^6iv 
jEi' Hoixagy thou art like to charm me. Den begriff der 
gleichheit gewinnt der Germane durch correspondenz, der 
Hellene durch metamorphose, ist aber in secundärformen 
— \flxekog ^eixakog sixoiv — freilich mit Verdunkelung der 
gmndanschauung auch zum unmittelbaren ausdruck der- 
selben vorgeschritten. 

Wir kehren jetzt zu Iliad. YII, 57 ff. zurück, um diese 
stelle noch unter anderm gesichtspunkt, dem rein mytho- 
logischen zu würdigen. Es handelt sich hier um wetter- 
baum-mythen ; und um die epische sage im werden zu be- 
greifen, mflssen wir die Illusion zerstören, oder nach Rahel 
Vamhagen, uns nicht wie ein ochs betrügen lafsen. Die 
hohen epischen gestalten menschgewordene naturbilder, da- 
wieder sträubt sich mancher — als wären diese gestalten 
minder herrlich, weil sie nie in fleisch und bein auf erden 
gewandelt. Um jedoch im folgenden einige epische bäume 
wieder aufzulösen in den mythischen nebel, aus welchem 
sie condensiert sind, müfsen wir schon der kürze halber 
die neueren Untersuchungen, so f&r den orient namentlich 
Kuhn herabk. p. 118 — 137 p. 198 n., Windischmann zor. 
Stadien p. 165 — 177, für den norden Mannhardt germ. my- 
then p. 541 — 674 als bekannt voraussetzen. 

Unter den bäumen, deren die Ilias gedenkt, werden 
q>r]y6g und kgiveog ausgezeichnet, und da durch Strabo 
XIII p. 598 Cas. das gedeihen beider in Troas bezeugt 



94 Sonne 

18t, SO scheint das epos in der wähl gerade dieser bäame 
sich nach der bekannten Vegetation der landsohaft gerich- 
tet zu haben. Daraus aber folgt keineswegs, daft flir die 
details, welche Homer von diesen und andern bftomen be- 
richtet, irgend eine specielle, geschweige geschicbtlioiie 
flberliefemng bestanden; sondern solche details entstammen 
dem allgemeinen sagenschatz, und durften in einer Thebais 
oder Alkmäonis an sich mit gleichem recht ersoheinen. 
Wenn die ,,Qber den himmel in langen mid Tielfaoh ver- 
zweigten streifen sich hinziehenden wölken einem baame' 
(Kuhn p. 131) und namentlich dann dem bäume verglichen 
werden, wenn sie baumartig hervorwachsen ans einer tie- 
fem, dichten wolkenschicht, die dann als berg, fels oder 
„wasser^ ( himmelsfluth ) gefafst wird: so liegt in dieser 
anschauung der keim zu einer sagenfblle, welche im ein- 
zelnen von epigonen mit gewohnter treue, aber erlosche- 
nem bewufstsein hier und dort fixiert, auf irdische 
bäume übertragen wurde. Die alten sagen, welche das 
attribut der eiche Odyssee XE£, 163 nalaitfcctoQ andeu- 
tet, wir kennen sie sehr wohl, aber nicht vom irdisdien 
bäume, der ihnen keinen anhält giebt, sondern vom wet* 
terbanme geben sie ans, dem gewaltigen, der die ganse 
weh umspannt: und wenn wir uns erlauben diesen satz 
hier weiter zu begründen, so mfifsen wir doch bei der un- 
gemeinen fllile des stoffi uns im wesentlichen anf das q>oe 
als quelle, und auf vier bäume — tanne, olive, eiche, wil- 
den feigenbanm — beschränken. Dabei bemerken wir, dafs 
die Pallas-olive Attika's so wie der ortsname Erineos be- 
reits von Kuhn (Mannhardts zeitschr. m p. 390, diese 
zeitschr. I p. 467 f.), die olive des Odysseus Odyss. XXIII, 
190 so wie die eiche Dodona's von W. Schwartz nrspr. 
p. 209. 161 in diesem sinne besprochen, das epos dagegen 
bis auf Odyss. 1. c. von beiden gelehrten nicht erwogen 
worden, der ausgangspunkt dieser Studien aber gegeben 
ist in der weltesche Yggdrasil, welche bereits von Vorgän- 
gern wesentlich richtig gefalst worden war. Hoffentlich 
wird die behandlung der epischen tradition, welche wir 



sprachliche und mytholofpUche nntersochaogen. 95 

dem urtheil der mitforscbenden biemit unterbreiten, den 
nächweis Ähren wie sehr die Vorgänger im rechte gewe- 
aen, wie tief diese Vorstellung auch in Hellas haftet, zu 
welchen räthseln sie den Schlüssel bringt. 

Also zunächst die tanne: und da dQrfen wir Iliad. 
XIV, 287 

llv&' ^Ynvog fiiv ifiuvt, nagog Jiog oaae ISiad'ai, 
ÜS ÜLavfjv avaßdg 7i€QifAi]X€Tov^ ^ ror' kv "ISrj 
fiaXQOTaTt] nsfpvvia äi i^igog al&ig' ixavev — 
ja wohl nur abschreiben, um dem wetterbaum leibhaftig 
vor angen zu rücken. Aber freilich nicht als ob Homer 
damit bescheid gewufst. Sondern dafs eine — ganz be- 
sondre — tanne durch den dunstkreis in die lichtweit (atjg, 
ai&7jg; skr. r&jas, svär; altn. rök, glerhiminn) rage, war 
ihm als der väter sage unantastbar; aber während das epos 
die wundertanne nur auf bergeshöhe und nur damals (totb) 
zttlftfst, hatte der mythus eben diese tanne auf götterberg 
(himmel) und firfihlingsanfang bezogen. Ebenso erscheint 
die iXdvfi ovgavofifjxtjg Odyss. y,239 an richtiger stelle, 
da wir in Ogygia eine im luftmeer schwebende insel (wölke, 
Ted. dh&nu; vgl. übrigens den orphischen Phanes nsgi' 
fjiijxBoc; ijigog viov) zu erkennen haben. Aber die my* 
thisdie bedeutung des attributs liegt dem epischen bewufst- 
sein doch ebenso fem, wie diesem z. b. auch in Iliad. XI, 
256 avsfiorgeipig i/x^g die mythische beziehung auf den 
blitz, welcher das attribut entstammt, vollkommen ent- 
schwunden war; und wir glauben die thesis stellen zu dür- 
fen, dafs der wiederspruch zwischen subject und attribut, 
wie er hier fär ovoarourjxt^g und ave/AOTgsifijg vorzuliegen 
scheint, dnrch mythische anschauungen allemal zu lösen 
sei. Wenn es endlich heifst in einer narratio (Wester- 
mann Mythogr. p. 361): 'EXdrii 8h tj rovrtav (der Aloi- 
den) adtkffTi nagankr^aia fitv vnrjgx^ ro fjiiys&og^ daxgvovaa 
di ro övfjißdv divSgov q/vaiv i^Xld^atOy xai fisrafialovaa 
Tiyv (fViJiv füvH t6 fiiyBd'og ^g hrvyxavs ngongov. 6&ev 
To inog Tf)v 'EXartiv ovgavopLtixri ngoaeinsv — so haben 
wir zeitschr. X p. 127 Otos und Ephialtes als dämonen 



96 Sonne 

des Sturms erkannt, so dafs deren brQderschaft mit der 
wettertanne sich selbst erklärt. Auf diesen bäum*) also 
setzt sich Hypnos o^oiatv nsnvxaauepog 6li.aTivoiaiv, og- 
vid-i liyvQJj ivaliyxiog xrA., und da wir die stete ▼erbin-. 
düng des wetterbaums mit gewissen vogelgöttem kennen, 
so werden wir wohl thun die metamorphose auch hier mit 
ästhetischem zweifei zu verschonen. 
Olive. — Odyss. XIH, 102 flP.: 
avrag km XQarog huevog ravvcpvXkog äXait], 
ayxo^'' ^* ctvTTJg avrgov hnrigaTov rj^gondig^ 
igov vvfjLCpdwv^ at vt^uideg xaXiovzai, 
kv dk xomrjgig ta xal duq)iffogijeg Üaaiv 105. 
Xdivoi' ivd^a d* 'iTiBLta Ti&aißdoaovai ^ihaaai' 
kv d' iarol Xi&BOi negi^i^XBBgy 'ivö'a ta vvfAfpai, 
(pdga V(paivov(5iv dliTiogcpvga, &avfia lSea&€U, 
kv d' vSat aievdovTa, övo) Se ri ol dvgai slciv, 
ai fihv ngog Bogiao xaraißaral dv&gdnoiaWy 110. 
al ö' av Tigog Noxov aiai &eciTagaf oväi ti xaivg 
ävSgeg kaig^ovrai,^ dXV d&avdxMV oSog kariv. 
Aus dem lande der seligen, wo er selbst auch selig ver- 
weilt, kehrt Odysseus schlafend (zur neubelebung) ins dies* 
seits, wie Apoll von den Hyperboreern heim. Wie aber 
der kämpf mit Python, der kämpf mit den freiem ur- 
sprünglich in den lüften vor sich geht, so sind auch 
in dieser landungsscenerie lediglich luftige bilder locali- 
siert. Da steht hart an der (himmlischen) see die rapv- 
q>vkXog klah], der wetterbaum ; nächst ihr die wolkengrotte 
der vvu(pai vr/cdSsg, der wolkenschifierinnen, nebst den nie 
versiegenden quellen: das ist der Nornensaal, der Urdhu*- 
brunnen an der asenwurzel Yggdrasils. Da sind misch- 
kefsel und honig und krüge zum brauen und giefsen des 
somameths. Da ist der gewaltige webebaum, wo die was- 



*) vergl. Virg. Aen. V, 854—56, VI, 283 (unterirdisch localisiert ) : In 
medio ramos annosaque brachia pandit Ulmns opaca, ingens, quam sedem 
somnia vulgo vana teuere feruut, foliisque snb omnibus haerent — schlaf 
und trauin wie himmlischer regen vom götterbaum träufelnd: alle gute gäbe 
von oben. 



sprachliche und mythologische antersachungen. 97 

serfrauen wunderbaren purpur weben: das gewitter das 
im blitzenden zickzaek goldgespinnst und Weberschiffchen, 
in der wolkengluth purpurgewebe darstellt*). Da die bei- 
den pforten, die eine dem menschengeschlecht zugänglich, 
die andre der pfad der unsterblichen: dort in der wölken- 
grotte, am stamm des wetterbaums, treffen menschen 
d. h. heimgegangene mit den himmlischen zusammen zum 
göttertrank aus dem kefsel der wafserfrau **). Oder dür- 
fen wir weiter gehen? dürfen wir annehmen, dafs hier die 
wafserfrauen, wie Mören (Od. VII, 197) und Nornen, das 
Schicksal weben? dafs sie wie die Nornen mit den Äsen 
(Mannhardt p. 598. 607), wie Nirriti mit Yama und Yami 
(zeitschr. 11 p. 312), mit den Olympiern (vgl. Iliad. XX, 8) 
zum göttergericht zusammentreten? Wollen wir diese frar- 
gen, ohne deutlichen anhält im text, nun auch keineswegs 
entschieden bejahen, so glauben wir doch, dafs gerade in 
naturbildem wie unser text sie darstellt, der keim zu je- 
nem weiter gebildeten glauben gegeben sei. Am Urdhar- 
brunnen also landet Odjsseus, und gerade durch den quick- 
bom, wiewohl das epos sich dessen nicht mehr bewufst, 
erwacht er v. 187 aus dem todesschlaf. Der nebel, wel- 
chen die scene selbst mit sich bringt, wird v. 189 durch 
den willen der Athene, wie Iliad. XIV, 343 durch den des 
Zeus motiviert; der alten anschauung getreuer tritt der- 
selbe in dem dhanu Odyss. IX, 140ff., wo der wetterbaum 
durch Schwarzpappeln vertreten, ohne solche vermittelimg 
hinzu. Der hafen v. 96 ist der des <l>6Qxvg***)^ weil die- 



*) vergl. Mannhardt p. 554. 568 und besonders 688 ags. godwebb, 
gottergewebe, purpur. 

**) xaxaißatai ist wohl nur, zufolge der localisierung, misverstand 
statt aiißara^, wenn nicht etwa ein anklang an die herab kunft der See- 
len (in der geburt) aus dem wolkenbrunnen zu gründe liegt Der compa- 
rativ &(uif(}at, vgl. Vr^^o, d&hif(^o etc. bezeichnet den gegensatz der einen 
pforte zur andern, mit welcher sie sich zum dual ergänzt. Die Scheidung 
der pforten nach den weltgegenden erinnert an die weitere differenzierung 
▼on Hvergelmir und Urdharbrunnen, welche ebenso nördlich und sttdlich lie- 
gen. Zu a&avaToip 666q vgl. ved. devayäna, dev&n&m p&tha^, Pind. Ol. IT, 
70 JioQ o(J6r, fragm. 7 Ovlvftrrnv XtnaQciif xaß-' oSop ; Kuhn zeitschr. 11 
p. 811, IV p. 78. 

***) (pogxiK; nächstverwandt mit lat furvus aus ♦fur(c)-uo-s , aber mit 
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV. 2. 7 



9H Sdiiuf 

ser, mit der irdischen see ebenso secundär wie die wafser« 
frauen mit irdischen quellen in Beziehung gesetzt, ursprüng- 
lich, wie seine sippschaft ( W. Schwartz urspr. p. 192 f.) 
ausweist, ein dämon des wolkendunkels gewesen. — Hieran 
schliefseu wir die olive Od. XXIIl, 190 — 201, um de- 
ren stamm (Jdysseus den lieUaito,^ errichtet, bereits von 
W. Schwartz mit recht auf den wetterbaum bezogen; aber 
nicht blos Iliad. XIV, 343, sondern auch den iegog ydfÄO,^ 
des Zeus mit Hera im Hesperidengarten (Preller myth. 
p. 34!)) am Okeanos setzen wir mit jenem &cclauoq in 
parallele, und werden weiter unten sehen, dafs gewisse 
cardinalfunctionen , welche der Hellene dem Okeanos bei- 
legt, im Orient gerade dem wetterbaum zugeschrieben wer- 
den. Hervorzuheben aber ist v. 191 ndj^erog d' f]V riVTB 
xitov. Bekanntlich hat bereits J. Grimm (myth. p. 107) 
die Irmensäule mit der donnereiche vermittelt; hierauf sich 
beziehend läfst Kuhn p. 180 die ficus ruminalis bei den 
Sabinem zur hölzernen säule werden, von welcher herab 
Picus orakelt; und wenn djese auf einer gemme von einer 
schlänge umwunden erscheint, so stellt sie sich der hohen 
palme gleich, um welche (Preller röm. myth. p. 606 f.) die 
Aesculapschlange sich ringelt, während in andrer weise 
wiederum Odyss. XH, 79 den Übergang der nirort zur glat- 
ten Säule zeigt. Daher denn (bäum = säule = fels = 
thurm) so manche wundersame säule: die des Ätias, des- 
sen beziehung auf solche autTassung nicht nur sein nanae, 
sondern sogar noch das adv. (iareucfiwg Hes. theog. 758 
in seiner Verwandtschaft mit skr. stambha (säule) zeigt; die 
Säulen der Styx ib. 779; das drupada (holzsäule) Rv. I, 
24, 13, an welche Qunah^epa (M. Möller liist. Scr. lit. p. 
413), die säule an welche Prometheus gefefselt wird; hieran 
sich symbolisch anschliefsend der opferpfeiler skr. yüpa, 

llnQxnQ lIoQXfvq negxvoq llgöxrij (zeitschr. X p. 121) ngo^ dnrch nr- 
sprUnglichen anlaut sp- zu vermitteln; zu weit greift Schomann Opasc. II 
p. 188. Auch rigox-Qi-q (von ngo^; als hindin gefafste Selene) gehört 
hierher; gegen M. Müller Oxf. Essays 1856 p. 64 würden SchoL Theoer. Id. 
IV, 16 n^aifc ^ ngwur) dgnaoq dvci tov m itfydkov' ngo^ S^ if tXarf.o<: 
rfirt 10V o ftixttov anzuschlagen sein. 




sprachliche und mythologische Untersuchungen. 

von den göttern (Roth Nir. p. XXXIV) verkehrt einge- 
schlagen wie der wetterbaum verkehrt wächst; die grab- 
säale (Iliad. XI, 371 ) nach dem alten glauben, dafs die 
seele im gewölk, also auch in der himmelssäule ihr wesen 
habe; die columna bellica Ovid. F. VI, 205 sqq. (Becker 
röm. alterth. I p. 607 ), von wo der fetial die lanze (den 
blitz) symbolisch in das feindliche land warf u. dgl. mehr. 
— In beziehung auf die olive als wetterbaum aber gewinnt 
der &a?J.6g klaiag, dessen wir XIV p. 331 vorläufig nur 
als Symbol der lebenserhaltung gedachten, erst seine tie- 
fere begriindung. Wir sahen schon ib. p. 334 die kXaict 
ßiov (hciklovaa des Aeschylos, und in der ixenioict Aesch. 
Eum. 44 ÜMt'ag ifi!fr/Brvi]T<nf y.'/.döov, Xip'ei ueyiOTw awifgo- 
vwg kaTEHuivov, aoyrjTi ua)JS) „einem hohen schlanken ast 
vom oelbaum mit einigen blättern am ende, um welchen 
flocken weil'ser wolle, welche fad^nartig in die 
länge gezogen sind, ohne knoten zu bilden, lose her- 
umgehängt sind" (O. Maller Eum. p. 111) ist der in wöl- 
ken gehüllte zweig vom bäume des lebens unmöglich zu 
verkennen; ja dürften wir davon absehen, dafs hier nur 
coincidenzen zum Verständnis führen, so würde dieser eine 
brauch allein genügen, um den einstigen glauben an den 
wetterbaum auch für Hellas darzuthun. Ebenso ist durch 
die lustration Virg. Aen. VI, 229 Idem ter socios pura 
circumtulit unda, spargens rore levi et ramo fei i eis 
olivae, lustravitque vires — eine besprengung mit amrta 
angedeutet. Die darbringung des opferthiers ist die irdi- 
sche nachbildung eines festmals, welches die götter droben 
im gewitter zu begehen schienen: keule, beil (zeitschr. 
Xn p. 371) = blitz, ololygmos der weiber (X p. 340 n.) 
beim falle des thiers = donner; wafser durch den feuer- 
brand vom altare geweiht = durch den blitz in amrta 
verwandelt: und so erklärt sich auch die notiz, welche 
K. Fr. Hermann (alterthOmer II §. 28 n. 7) sonderbar fin- 
det — X^Q^'^y^ ciyyog hXaiov^ üg 6 irißanrov rag SaSag 
xal TiBQiBQQacvov tov /?W|Uov (= amrta, blitz, götterbeerd) 
als darstellung einer den himmlischen beigemefsenen sitte. 

7* 



|(N) Sonn.; 

Kioho. — Virgil. Aen. VI. Die Sibylle von Cumä 
erklärt dorn Aencas die fahrt zur Unterwelt (br möglich 
V. 126 facilis deacensus Averno, doch unter dieser vorbe- 
diufj^un^ V. 1,'U): 

Accipe quae peragenda prius. Latet arbore opaca 

Aurous et foliis et lento vimine ramus, 

Junoni infernae dictus saeer: bunc tegit omniB 

LucuH, et obscuris claudunt convallibus umbrae. 

Sed non ante datur telluris operta subire, 140. 

Auricomos quam quis deeerpserit arbore fetuB. 

Hoc sibi pulcbra suum ferri Proserpina munus 

Instituit. Primo avulso non deficit alter 

Aureus; et simili frondescit virga metallo. 

Ergo alte vestiga oculis, et rite repertum 145. 

Carpe manu; namque ipse volens facilisque seqaetur, 

Si te fata vocant: aliter non viribus ullis 

Vincere, nee duro poteris convellere ferro. 

Zur auffindung des baumes sendet Venus ihre tauben, 
welchen Acneas folgt, v. 202: 

— liquidumque per aera lapsae 
Sedibus optatis geminae super arbore sidunt, 
Discolor unde auri per ramos aura refulsit 
Quale solet silvis brumali frigore viscum 205. 
Fronde virere nova, quod non sua seminat arbos, 
Et croceo fetu teretes circumdare truncos: 
Talis erat specios auri frondentis opaca 
Ilicc; sie leni crepitabat bractea vento. 
Corripit Aeneas cxtemplo, avidnsque refringit 210. 
Cunctantem, et vatis portal sub tecta Sibyllae. 

Mit diesem zweige beschwört die Sibylle den CharoD, 
V. 10« : 

At ramum huno (ai>erit ramum, qui veste latebat) 
Agnosoas. Tumida ex ira tum corda residuot. 
Ncc plura bis. Ille admirans venerabile doonm 
Katalis virgae, longo post tempore visum, 
Oaoruleam advertit puppim. — — 410- 



sprachliche und mythologische untersachungen. 101 

Man gelangt zum palast der Proserpina; zur pforte 
V. 631: 

— portas, 

Haec ubi nos praecepta jubent deponere dona. 

Occnpat Aeueas aditum, corpusque recenti 635. 

Spargit aqua, ramumque adverso in limine figit — 
und Elysium thut sieb auf. — Zum Verständnis verweisen 
wir zunächst auf Kuhns (herabk. p. 204 — 235) Untersu- 
chung über wünschelruthe, springwurzel , mistelzweig: wo 
der in ihrer art einzigen stelle zwar nicht gedacht ist *), 
die fragen aber zu welchen sie anlafs giebt, ihre lösung 
finden in anschauungen, deren wifsenschaflliches recht nun 
auch durch unsern Virgil trefflich verborgt wird; wir kön- 
nen uns daher kurz fafsen. Dem wetterbaum entspringt, 
vom dichter selbst mit (205) mit dem mistel verglichen, 
der goldene schmarotzersprofs, der blitz ; und geweckt hie- 
nach durch unmittelbare anschauung bildet sich der glaube, 
dafs nun auch irdische Schmarotzerpflanzen mit blitzes- 
kräften ausgestattet, auch zur gewinnung des feuers vor- 
zugsweise möfsten geeignet sein. Nun aber vice versa — 
den wetterbaum gerade als Steineiche (ilex, nglyog) zu fas- 
sen, dazu wirkten die Schmarotzer l^ia, vcfsao^ welche 
Theophr. h. pl. III, 16, 1 , die rothe Scharlachbeere (vergl. 
palä^a, Kuhn p. 192), welche ders. DU, 7, 3 gerade för 
diese art bezeugt, der honigsafl der quercus und ilex ibid. 
7, 5. 6, Virg. Ecl. IV, 30, Ovid. Met. 1, 112, die verliebe 
der bienen Hesiod. Opp. 232 ovgeai äk Sgvgy cixQ}] fiiv ts 
(piQBv ßaXdvovg^ uiaat] Öh fuliaaaq, Hör. Epod. XVI, 47 
— dazu wirkten also die eigenschaften des baumes selbst 
mit. Der Ursprung von i|d-g i|/a, viscu-s, -m, nhd. mi- 
stel ist mir nicht bekannt; vrpe{a)aQ sprofsform vom thema 
v(pBg n. vcpalvw , doch die beziehung nicht deutlich: das 
gewächs kann so vom schmarotzen, vom vogelleim, ja vom 
„wabernden** blitz selbst benannt sein. — Den gebroche- 



*) [Dagegen hat sie Delbrück in seinem aufsatz „die entstehung des 
mythos bei den indogerm. Völkern" in Lazarus und Steinthal zeitschr. f. Völ- 
kerpsychologie III, 295 bereits herbeigezogen. Anm. d. red.] 



102 Soiiiif 

nen zweig (v. 143) ersetzt alsbald eiu andrer, blitz auf' 
blitz — , wie Thors hammer nach dem warf zum herm zu- 
rückkehrt. Er wird gebrochen, wenn das gesehick es ge- 
stattet, „wenn der rechte kommt"; gewalt, eisen (v. 148) 
vermag nichts über ihn, der Druide schneidet den mistel 
mit goldener sichel; verbot des eisens für rbizotomien 
Grimm myth. p. 1148. Das älteste mir bekannte Zeugnis 
giebt Soph. Rhizot. fr. 489 Nauck, wo Medea yakTcioin öge- 
Tidvüig wurzeln schneidet, den saft ^akxboii; xdöoig auf- 
fangt, vergl. Virg. Aeu. IV, 513, Ovid. Met. VII, 227. 
Eisen aber ist vom zauberwerk, und auch Aeneas sucht 
den zauberstab, ausgeschlofsen offenbar weil zur zeit da 
glaube und brauch sich fixierte, dies metalP) noch unbe- 
kannt, späterhin aber neuerung selbstverständlich ausge- 
schlofsen war. — Aphrodite erscheint hier im zusammen- 
hange der Aeneassage; wesentlich sind die tauben (y.202), 
welche als wifsende — denn der goldene sprofs ist wie die 
Springwurzel schwer zu finden — den beiden zum ziel fah- 
ren. Tauben aber, neleiai^ TtBleuiöt^**) bringen Od. XII, 
63 dem Zeus ambrosia, und zwar (Möro, Athen. XI p. 
491 b) an Sixsavoio (ioawv, vom Hesperidengarten wo der 
wetterbaum wächst; kannten sie ihn aber dort, so konn- 
ten sie den bei Cumä localisierten nicht minder nachwei- 
sen. Sie sind eben wafserfrauen , von den vvuq^aL vrjideg 
oder :ih]icideg*''*) den schifferinnen nicht zu scheiden, 
und fungieren wie jene nordische Vala: Ask veit et standa, 
heitir Yggdrasill, eine esche weifs ich stehen die heilst 
Yggdrasil. Den durch sie gewonnenen zweig Qbergiebt 
Aeneas der Sibylle; sie trägt ihn (v. 406), wie einen al- 
raun, unter dem ge wände, und beschwört durch ihn den 
Charon, wie Hades selbst (Pind. Ol. IX, 133) mit dem Stabe 
über die todten waltet; der blitz aber zeigt (W. Schwartz 

*) daher auch Paulus Festi exe. p 106 M. (Kuhn p. 40) dat» cribrum 
aeneum als bild der feuerbergenden wetter^volko. 

**) vergl. Iliad. XI, 684 doial d^ mXeiadff; «/<(/*,* txaffiov ;f(>t'<ra»ai 
vf/niOoiiOy Nestor-Poseidons becher als ambrosiabecher gefafßt. 

*♦♦) attisch nhidd«; stellt für TTXijtdött:, wie xXt/<; ßafftkil, mit jitkiM- 
«»«■ aufser jeder etymologischen boziebung. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 1U3 

urspr. p. 126), dafs die hölle ursprünglich im rajas, wie 
Elysion im svär zur anschauung gekommen war. Die fa* 
talis virga (v. 409), der mistel durch welchen Baldr fallt. 
Als Zwillingsbruder des Hadesstabes ist der wunderzweig 
(v. 138) der Proserpina geweiht, wird an ihrer schwelle 
(v. 636) gefestigt, und nähert sich insofern (Preller röm. 
myth. p. 462 n, 2) allerdings der ixsTtjoia^ ohne doch mit 
dieser zusammenzufallen. Denn wollten wir auch davon 
absehen, dafs Aeneas nicht wie der ixerrjg vogelfrei ums 
leben flehen darf, so wäre es nach dem zeugnis Theo- 
phrasts h. pl. V, 9, 7, dafs die olive zum feuer- reibzeug 
sich nicht eigne, sicher nicht gerathen den olivenzweig als 
blitz zu nehmen. 

Die heilige eiche des Zeus von Dodona'') hat bereits 
W. Schwartz urspr. p. 161 hypothetisch mit dem wetter- 
baum in beziehung gesetzt; und indem wir uns seiner mo- 
tivierung anschliefsen, müfsen wir ferner — Servius Virg. 
Aen. UI, 466 quercus immanis, ex cujus radicibus fons 
manabat, qui suo murmure instinctu deorum diversis ora- 
cula reddebat — den quell als ürdharbrunnen, Soph. Trach. , 
172 (og T))v TiaKaiav (f)}y6v avÖrjaai nore /Jwdaivi Öiooujv 
hc nekeiddojv i(p}, Schol. vTieocivcü rov kv JoiÖojv/] fiavtsiov 
(Suid. Jdüdwpt], ^'(ug kv y uavTHov) Ovo yaccv Titleiaiy di' 
&v ifzavrevsTo 6 Zev^; — die im wipfel der eiche ange- 
brachten tauben als bilder auffafsen der vaLdösg selbst, 
durch welche Zevg Ncctog sich offenbart. So stellen sie 
hier sich ähnlich zur Dione, wie bei Cumae zu deren toch- 
ter Aphrodite, hier wie dort im dual; Strabo aber VII 
fr. 1 weifs von tgeii^ TteQiaTBoai , womit die gleiche zahl 
der priesterinnen (Herodot II, 55 ; Str. VII p. 329) in ein- 

♦) K. Fr. Hermann alterth. II §. 3U n. 17 ff., Nägelsbach nachhomer. 
theol. p 179f. Das gebet Tliad. XVI, 238—35, welches beide forscher (wie 
schon Soph. Trach. 1166) auf Thesprotien beziehen, deutet indessen nach 
einer andern, jetzt von Welcker götterl. I p. 199 ff. weiter begründeten er- 
kläruDg auf ein älteres Dodona in Phthiotis. Mit Eust. lliad. 1. c. x^l^^'' 
doifaiq iyxoi/unij^uffot ()/ ovtioiMtf loi,- ;fow«tioK ;if^>i;.«ai/uoi'fr<i' /x /Itöi 
vgl. den celtischeu Taghairm, Walter Scott's note Lady of the Lake c. IV 
st« 4. Hier ist haut, schlauch, bild der wolkcnkuh, die sich im träum of- 
fenbart; dagegen Odyss. XXII, 302 verbargt sie den schütz des Hermes. 



104 SuDne 

klang steht: .ein scb wanken der zahl wie bei den swei 
(Paus. X, 24, 4) und drei Mören; zwei Mören, dreiThrien 
(h. Mere. 552), die ja selbst nur würfelnde Mören*) sind; 
zwei Gräen, drei Gorgonen; zwei schwane, drei Nomen 
am brunnen u. s. w. ; und wie die Tbrien als (liXiaoav be- 
schrieben, diese beneunung aber weiter auf die Pythia 
(Pind. P. IV, 60) u. a. priesterinnen übertragen**) wird 
— wie im norden der name der Nornen und Valen anf 
irdische Weissagerinnen ''**), Zauberinnen übertragen wird — : 
so gieng, worin freilich schon die alten (Hermann n. 23) 
Schwierigkeit gefunden, der name der nkkBiai auf die prie- 
sterinnen zu Dodona über. In den Eöen fr. 149 (Mark- 
scheffel p. 339) rrjv dk Zevg kcpiXrjae xai ov XQV^^Q^^^ 
slvat tlfiiov dvO'QoiTtotg . . . (lücke), vaiov d' äv nv&iihfi 
(f7]yov scheinen eben diese nekeiui U(}Bia$ subject zu väiop^ 
denn an den stamm der eiche gehören sie, wie nymphen 
und nornen an den stamm der olive und der esche. 

So vorbereitet können wir zur eiche der Ilias heran- 
treten; übersetzen wir ihren namen Jiog cptjyog nur wört- 
lich „ himmelseiche ^, und wir haben den wetterbaum. Und 
damit stehen die einzelzüge in gutem einklang. So steht 
Apollon II. XXI, 549 (pr^yqi xexXifAivog^ xexdXvnto d* ag* 
i)eot Tiolkfj vom nebel als naturelement des baums, vergl. 
Völuspä 19 här badmr ausinn hvita auri, ein hoher bäum 
(Yggdrasil) beschöpft mit weifsem „auri^, was hier,, bei 
der Verwandtschaft mit ijigi desgl. den nebel zu bezeich- 
nen scheint, den dünger welchen die Nomen über die 



*) G. Hermanns emendation ist der beziehung nach nnbeatreitbar; ob 
aber deshalb so zu schreiben, ist eine andre frage. Die empflinglichkeit 
der Mören ittr fdXi (meth, amrta) folgt aus Acsch. Eum. 716, Enr. Ale. 12. 
82 c. Schol. 

**) freilich ist auch das verkannt worden; so leitet K. Fr. Hennann 
alterth. II §. 85, 2 fiiUaaa (priesterin) von fdikia&ai, als gäbe es ein krit 
-ta<ja; Lobeck AgI. p. 817 von fjifXlaao)^ als wäre das kein denominativ. 

**♦) späkonur, seiftkouur: in der alten FriÖthiofs-s. c. 5 sind ea zwei 
Schwestern, Hei^r und Haraglöm, welche Unwetter zaubern; aber da Fri|$thiof 
dessen mächtig wird , c. 8 duttu thaer ofan af sei^hialUnum, ok brotnaSi 
hryggrinn i bäßum. Der stand auf dem sei^hiallr erinnert an Herophile 
Paus. X,*12, l, welche ib. 6 niknt; vv^i<paiüh xa* * EQfitj bestattet Uegt. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 105 

esche sprengen; wobei man sieh erinnere, dafs nhd. mist 
goth. maihstu-s, verwandt mit o^ii^At;, im englischen und 
sonst nebel, altn. aar m. sonst auch lehm, koth bedeu- 
tet, üeber xexXifiivog c. loc. zeitschr. X p. 366, wo die 
darstellung indess zu kurz; die wz. idg. KRI = xli heifst 
in der that „lagern auf, in^, dies aber fbhrt zum „einge^ 
gangensein in^, somit weiter zur Vorstellung der decken- 
den hflUe. Ein klares beispiel Rv. III, 9, 4 apsü sinham 
iva 9ritäm (= xlirov), Agni wie ein löwe (lagernd in) ein- 
gegangen in, umhöllt von den wölken; der locativ präg- 
nant, wie denn das indische verb sich auch mit dem ac- 
CQsativ (quo?) verträgt. Nach der epischen Vorstellung 
ist Apollon gelehnt an die eiche; nach primitiver Vorstel- 
lung wird er, wie Agni in den a^vattha (zeitschr. I p. 467) 
in die eiche eingegangen, von ihr, wie das äga noch an- 
deutet, umhüllt*) gewesen sein, wie denn Iliad. V, 356 rjiQi 
d' Hyx^S ixixhro xai ra^i' inTtco gesunde hermeneutik jede 
andere fafsung ausschliefst. — V, 693 dem verwundeten 
Sarpedon, unter der Jiog cptjyog niedergesetzt, wird der 
Speer ausgezogen, v. 696 rov d' ^ktne tjfvxfj . . . atTi^ ö' 
ctfinvvv&ri, negl 8i nvoirj Bogiao C^ygai inmvaiovaa. Ihn 
erquickt der lebeosbaum, zu welchem der wind naturge- 
m&fs hinzutritt, wie Yggdrasil der „windige bäum'' heifst. 
Dieselbe function übernimmt XIV, 434 der Xanthos (siehe 
w. u. zu XXII, 145) oflfenbar als götterfluth; aber der zug 
ist abgeschwächt, da es XV, 239 noch der vermittelung 
des ApoUon bedarf. — VII, 22 Apollon und Athene dl- 
Xtjloiöi dk Twye avvavTeod'7]v nagd (pt]y(p^ götter beim göt- 
terbaum, wie natürlich. Endlich VH, 57 ff. die vorhin 
p. 88 ausgehobene stelle, wo sich nunmehr auch durch 
den wetterbaum die metamorphose motiviert; kommt es 
doch für fragen dieser art gerade darauf an, dafs wir uns 
des mythischen hintergrundes genügend bewufst geworden 
seien. 



*)««ben8o Paris XI, 871 ajtiktj xcxAi/i/ro?, wenn hier die wetterbaum- 
sinle zu gründe liegt. 



106 Sonne 

Wilder feigcnbaum. — Iliad. XI, 166 ot 8i nag 
"Ikov arjfAa . . . uiaaop xdn nediov nag* igiveov äcasv- 
ovTo cf. 371 ari'jXy xexkiuivog^ avSQOXfiijTip kni rvfißtp 
"IXov /lagdaviSao, Wir erkannten vorhin die sftale als 
stamm des wetterbaums; es kann nicht befremden, wenn 
sie auf dem denkmal des IIos, in der troischen ebene, ne- 
ben dem wilden Feigenbaum erscheint, welcher hier den wet- 
terbaum vertritt. Auf den topograpischen einklang, welchen 
man zwischen dieser selbständigen angäbe mit den sonsti- 
gen angaben (Spitzer zu XXII, 145) herzustellen gesucht, 
dürfen wir wohl verzicBten, sobald wir den localisierten 
mythus erkennen. Dals eine Stadt, deren mauern (VU, 
452 ) von Poseidon und ApoUon d. h. aus au%ethQrmten 
gewölk errichtet sind, eine götterburg sei, versteht sich 
von 4)elbst; der sinn wie Odyss. XIII, 152 (Aiya 8i atp^v 
ogog (berg ==: wölken) noXsi ccfifpixakinfjai*), Engelland 
wird zugeschlofsen. Die mythische basis aber der Ilias 
liegt im wetterkampf, doch in wiederstreitender aufTaTsang. 
Nach troischer auffafsung haben wir hier den kämpf ge- 
gen himmelstürmende vrtrani, die sich des sonnenhorts, 
der himmelsfluth (der wafserfrau) bemächtigen wollen ;^ nach 
hellenischer auffassung den kämpf gegen die wplkenburgen 
der vrtrani, welche nach gelungenem raube de repetun- 
dis **) belangt werden: das epos combiniert beide an- 
schauungen, läfst aber humanisierend das riesische dement, 
die vrtrani fallen, und nur noch gleichartige wesen, ver- 



'*') man beachte auch den ausdrucke vergl. Iliad. XIV, 843 Totov tot 
fy(a v^ifoq dinfixaXvifiw. lieber den wolkeuberg Kuhn in Mannhardts Zeit- 
schrift m p.' 378. 

**) Helena ist die dasdpatni, die wafserfrau xar' i^ox^v d. h. h. eine 
Selene, welche ja so oft als nymphe, küuigin des nympheuchors erscheint. 
Vom troischen Standpunkt entspricht ihr Andromache; Hektor und Paris, 
ursprünglich identisch, vertreten die extreme des Helioscharacters, welche 
z. b. noch Snrdanapal in sich vereinigt; dafs Paris, welcher den Achill er- 
schiefst, den troischen Apollon vertrete, sahen schon die alten. — Ganz an- 
ders urtheilt Max Müller lecturcs II p. 470 ft. Indem wir dies ebenso reich- 
haltige als anregende werk hier zuerst anfuhren, dürfen wir wohl den an- 
lafs ergreifen, dem hm. verf. aufrichtigst zu danken fUr die freunMichkeit, 
mit welcher er der abhandluug in band X gedacht hat. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 107 

menschlichte Helios -heroeu beiderseits bekämpfen einan- 
der. So sinkt das epos vom himmel zur erde, ohne doch 
den Ursprung aus der höhe verleugnen zu können. — 
XXII, 145. 

ot öh TKXQcc axoTtitjV xal kQtvBov jjveuoavra 
TBixeog aUv VTiix xar cc/na^irop ioaevovTO' 
xgowo) S' ixavov xcekkiggoco, ev&a re nrjyai 
doial avataaovai JSxa/ndv(^Qüv divrjevrog' 
i} fihv yaQ &' vSan XiagM pieiy aucpi ök xanvog 
yiyvBxai h^ avTtjg^ (oael nvQog al&vfjiivoio' 150. 
7] 8' ireot] &ioe'i ngogiet eixvia ^akd^jj^ 
f] x^ovi xfjvxgfh V ^1 väarog xgvardD.q)' 
iväa S' k7i* avvdwv TtXvvol Evgeeg hyyvg daaiv 
xaXoiy kalveoi^ o&t eiuata acyakoevra 
nlvvBüxov Tgcüiov dloy^oi xakai ts ifvyargeg 155. 
t6 Tigiv kn eigrjvy^g, nolv kX&eiv vlag yJ^atcov 
Tj» ga 7iagaögafÄiT7]V. 
Achill und Hektor im wettlauf negl rpvyrjg rings um die 
götterburg; sie sind gleichartig, zufolge der epischen sa- 
genbildung; im übrigen die himmlische höhe nicht zu ver- 
kennen, üeber den „windigen" bäum, die strafse als cii^a- 
vdrcDV oSog sprachen wir vorhin; die axo7ii>ri (bergspitze) 
erinnert an die spitze der Hara berezaiti, Hukairya, wo 
Ardvi^üra quillt, welche ihrerseits mit Skamander zusam- 
menfallt. Die beiden quellen v. 149 ff. vertreten den at- 
mosphärischen niederscfalag in jeder form: regen, hagel, 
schnee und eis; daher XIV, 434 ov d&dvarog rexero Zsvg 
(der himmel), in trefflicher parallele mit dem worte Ahura- 
mazda's über Ardvi9ura (Aban-y. 120): »Sie giefst mir dies 
herab, o heiliger Zarathustra, als regen, als schnee, als 
eis, als hagel". Die waschgruben v. 153, ohnehin Odyss. 
VI, 86 entschieden himmlischer örtlichkeit*), entsprechen 
ebenso trefflich unserer deutschen sage: es wird gutes 
wetter, die fräulein hängen die wasche auf, Mannhardt p. 



♦) vergl. aach Odysa. XXIV, 147 ffat)oq nküraa', ^«A/w irnllyniov rjf 



108 Sonne 

651 ff. 434 n. 1. — VI, 433 laov dh avijaov naq iqiv^ov^ 
iv&a fidXiaTcc äfißarog iaxt noXii;, xal knidqofAOV JbilBto 
Tslxog. Vergl. Odyss. XI, 315 "Oaaav h7t* Ovltfinq} fii- 
fiaaav &euBP, ccvrao in 'Vaatj Il/jliov eiPOöitpvXloVy tv 
ovgavog cifißarog elf]. Sallust. Jug. 93 Et forte in eo loco 
grandis ilex coaluerat inter saxa, paulum modo prona, 
dein flexa atque aucta in altitudinem, quo cuncta gignen- 
tium natura fert: cujus ramis modo, modo eminentibus 
saxis nisus Ligus castelli planitiem perscrutatur. Die epi- 
sche Andromache besorgt vom w. feigenbaum die gefahr, 
welche Sallust geschichtlich belegt; die mythische basis 
dagegen ist hier für Ilias und Odyssee gleich: wetterbaum 
zur götterburg, wie wetterberg zum himmel. Die dev&- 
patni Andromache warnt den Hektor wegen des schwa- 
chen puncts; die treulose däsäpatni Helena wäre (Odyss. 
IV, 244 ff.) im stände gewesen ihn dem Odysseus zu ver- 
rathen. Mit solchen mythen steht das orakel Paus. IV, 
20, 1 : 

evTs TQccyog mvijai l\eS}]g Hixoqqoov vöwg^ 
ovxiri Meaaijvtjv Qvoftar ax^So&ev yctQ oks&gog -— 
so wie dies ganze capitel in beziehung. „Sobald der le- 
bensbaum wieder zurücksinkt in die rauschende *) fluth, 
aus welcher er aufsteigt, kommt das verderben über Mes- 
senien'^: und Eira fällt**) durch die schuld einer däsä- 
patni. Pausanias gedenkt der parallele mit Troja; aber 
gerade deshalb ist die Sache mythisch. Geschichtliche 
künde war erloschen, und man ergänzte die lücke aus der 
heroensage. Statt des kg^vsog haben wir hier den rgäyog^ 
sei's dafs die Messenier einen wolkennamen auf den bäum 
übertrugen, oder was wahrscheinlicher, dessen fruchte zum 
caprificieren {igivdCBiVj Theophr. h. pl. II, 8) dienten. So 
kommen wir zur latein. caprificus und den poplifugien, 

*) WZ. NAD, y(i rauschen; daher Nidtj, welche das gebiet des Posei- 
don- JV««Jrwp (Nestor) begrenzt; der name hier fixiert, mythisch aber wie 
skr. Ras& zu fafsen. Was Aristomenes §. 4 vergräbt, scheint die springwur- 
zel zu sein. 

**) vergl. die St Corbinianslinde nebst queU, woran Freisings Schicksal 
geknüpft 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 109 

Preller röm. myth. p. 255. Statt der frauen gehen die 
mägde verkleidet ins feindliche lager d. h. die devapatnfs 
werden dasapatni's — und diese verrathen den feind von 
einer eaprificus aus, welche dicht am lager steht. Die 
gleiche anschauung mit Iliad. VI, 433 ist klar. Andere 
bezogen das fest auf die entrückung des Romulus ad Ca- 
prae paludem (Becker röm. alterth. I p. 628), aber auch 
dann bleiben wir in derselben region. Denn dieser ziegen- 
teich, ctiyoq %loq (vgl. Alyoi^ nora^oq) ist der wolkenteich, 
Vourukasha, welchem das gewitter sich naturgemäfs ge- 
sellt, üeber die ficus ruminalis s. Kuhn p. 180; über die 
bekannte fabel de Phoebo et Corvo, Ovid. F. 11, 247 ff. 
W. Schwartz 1. c. p. 199 f. — Odyss. XII, 103 ff.: 
{r(p ä' iregq) axonekq)) 

T<j5 8' hv iücveog hart /niyag^ (pvXXoiai rt&ij^wq' 
V(p ö' VTio Öia XctovßSig dvaQQOtßSel fiiXav vSwq. 
TQig fikv ydg r dvir^aLV in ijuarij rgig Ö' ävagoi/idei 105. 
Saivov. — ib. 431 ff. 

^ fiiv ccvegQOißdtjoa ß'akdaarjg dkuvgov vScdo' 
avTctQ kyo) Ttoxi fiaxQov ipiveov vijjoa degd^sig 
T(p TiQoacfvg kx^^rjv (og vvxTBQig. oväi Tiij el^ov 
ovTi OTfjgi^at noalv ifiTieSov ovr knißrjvai' 
pl^cci ydg ixdg el^op, dur^mgoi d* iaav o^ot 435. 
fjLdxgoL T€ fABydXoi re, xareaxiaov 8h Xdgvß8iv. 
vcoXefiecog 8' ix^fzrjv^ ocpg' k^Bfiiaeisv dniaact) 
lOTOV xai xgomv avrig. 

Den Hellenen war, nach der einwanderung, die pro- 
etbnische anschauung des samudra, der himmlischen sin- 
fluth geschwunden; die sinfluthsagen aber schwinden nicht, 
sondern werden märchenhaft übertragen auf die irdische 
&dXaaöa<, einen in der mythologie durchweg secundären, 
aber zumal f&r Hellas wichtigen begriff. Wir kennen den 
igivsog als wetterbaum; somit wird uns die &dlaaaaj aus 
welcher er aufsteigt, zum samudra, die Charybdis zum 
fitradel des samudra, zum Wirbelwind der das gewölk krei- 
send auf und niedertreibt. Nach dem epos treibt Odys- 
seuB, rittlings auf mast und kiel, auf der irdischen d-d- 



1 10 Sonn«- 

Xaaaa heran; während aber der Strudel das flofs nieder- 
zieht, umschlingt er den stamm des baums in solcher höhe, 
dafs dessen wurzeln ihn nicht stützen. Wie so ihm dies, 
da dem epos die i)(ilaaaa selbst doch in der tiefe, un- 
terhalb der wurzeln (v. 104) Hegt, und zwar in wieder- 
spruch mit v. 106 /U?} av ye xeli'h rv^otg, ora ^oißdrfifUBV' 
ov }'c<g y.sv ^vaairo a vnix xaxov ovÖ' 'Evoaixävnv — wie 
so ihm ein so hoher schwung gelungen, sagt das epos 
nicht. Nach dem mythus aber treibt der heros, nachdem 
sein Wolkenschiff zerschmettert, auf mast und kiel die er 
zusammenbindet d. h. im samudra von zusammengekoppel- 
ten blitzen*) getragen, oberhalb des Wirbels gegen den 
stamm des wetterbaums, welchen er umschlingt, bis der 
wirbel die blitze wieder aufwirft; dann schwimmt er wei- 
ter gen Ogygia**), dem dhanu der Kalypso. Die Cha- 
rybdis unter der wurzel des wetterbaums v. 237 ^^ißrtg wg 
kv TTvpi nokhü näa dvauoouvgsöxe xvxwuii'f] — vergleicht 
sich dem brunnen Hvergelmir, dem „rauschenden kefsel^ 
(Grimm myth. p. 530) unter der höllischen wurzel Ygg- 
drasils; Odysseus aber trotz sonstiger Verschiedenheit nicht 
minder dem Odhin (Havamal 139), wie er neun volle nachte 
am windigen bäume hieng und runenlieder erdachte. 

Der mythus ist uralt — der altnordischen parallele 
aber geben wir eine vedische hier um so lieber bei, als 
sie zugleich die zeitschr. X p. 335 ff. besprochene Bhujyu- 
sage ergänzt. Rv. I, 182, 5 ff.: 

yuväm etäm cakrathub sindhushu plaväm 
ätmanvantam paxinam Taugryäya kam | . 

y6ua devaträ mänasä nirühathuh 

supaptanf petathuh xodaso mahäh || — 5. 

*) wie Abaris von ApoUons pfeil. 

**) 'Slyvyir}, *Jlyvyriq: intensivbildung der in ry^oc bekannten wurzel. 
'Efßlvfoq (caprificns) scheint trotz der quantität von fghfoq^ Herodot tlgCrtoq 
(laneus) nicht zu trennen; nur gehört es zunächst zu fgimr. vitpoi; Hesych. 
(öf. Odys«. V, 281 ^fjUnr; Merkel Apoll. Kh. Prolegg. p. CXXXVIII), dies 
contrahiert aus fgt-ivov von fgior (lana), also das xwaq auf den bäum 
Übertragen. Anders Kuhn zeitschr. I p. 467. 



sprachliche und mytholof^sche Untersuchungen. 111 

ävaviddham Taugryam apsv antar 

aDarambhane tämasi präviddham | 
catasro navo jathalasya jüshtä 

üd Apvibhyam ishitäh parayanti || — 6. 
kah 8vid vrxö nishthito madhye arnaso 

yam Taugryo nädhitah paryiishasvajat | 
parnä mrgasya pataror iva' rabha 

üd A^vinä ühathuh promatäya kam || — 7. 
Ihr beide habt in fluthen jenes flofs geschafft, 

das seelische, beflügelte, dem Taugria, 
mit welchem sinn*) zu göttern ihr ihn fahrt hinaus: 

in schöner Senkung sänket ihr ausgrofsem schwall. — 5. 
Hinabgestofsen mitten iu die wafser, 

in haltlos dunkel Taugria verstofsen, 
Vier schiffe fuhren, [wogenspiels]**) gewohnte, 
getrieben von den rittern ihn hinüber. — 6. 
In meeres mitten haftend was war wohl der bäum, 

den nothergriffen Taugria umschlungen rings? 
Wie flücht'gen habichts***) schwingen zu erfafsen, so 
habt, ritter! ihr hinausgefahren ihn zum rühm. — 7. 
die Dioskuren also retten den Taugria (Tugra's söhn), den 
Helios-Bhujyu aus der sinfluth, geleiten ihn heim zum Son- 
nenuntergang, wie wir vol. X gesehen; doch erfahren wir 
nunmehr auch, aus welcher Situation sie ihn denn eigent- 
lich erlösen: Bhujyu umschlingt in seiner noth einen bäum, 
der aus der sinfluth mitten aufsteigt — worin weder der 
wetterbaum, noch das gegenbild zu Odysseus am feigen- 
baum zu verkennen ist. Ich habe auf die merkwürdige 



♦) Constrnction: eam ratem qua mente = ratem ea mente qua eve- 
xi«tis. 

**) Wogenspiels (jathalasya) — nur muthmafsung. 

•**) ich übersetze nifga habicht, weil die allgemeine bedeutung vogel, 
welche das wort im zend (Weber ztschr. Xp. 899) angenommen hat, zu un- 
bestimmt ist: mrga idg. marga = lat. *melg-uo-s, *milg-uo-s, nach der 
Zerstörung des gutturals durch den Schmarotzer u mit ersatzdehnung mfluos. 
Derselbe vergleich II, 39, 1 gr'dhreVa vpciip nidhim^tam acha, wie zwei 
geier dem schatzreichen bäume zueilend. Ist dies der spätere Kalpavpca, 
mithin wieder der wetterbaum ? M. Müller lect. IT p. 494 bezieht nidhimant 
auf das nest. 



112 Sonne 

parallele schon sonst aufnierksam gemacht; aber jetzt erst 
werde ich mir für beide mythen noch einer weiteren cor- 
respondenz bewufst, welche — wenn begründet — zu der 
so vielfach erfolglos gesuchten erkenntnis der den Diosku- 
ren zu gründe liegenden naturanschauung . weiter fthrt 
Wir sahen so eben den Odysseus vermittelst zweier zu- 
sammengebundenen balken sich aus der sinfluth retten: 
wohlan, zwei durch querhölzer verbundene, parallele bal- 
ken {doxnva^ Welcker äschyl. tril. p. 224 n., götterlehre II 
p. 420) sind das bild der Dioskuren*) — die den Bhujyu 
aus der sinfluth retten; beides, die götter wie das flofs, 
„wie flüchtigen habichts schwingen zu erfafsen". Wir er- 
kennen das flofs des Odysseus in seiner identit&t mit den 
Dioskuren: ritt also Odysseus, wie wir glaubten, auf zu- 
sammengekoppelten blitzen, so müfsen die Soxava das bild 
eben solcher blitze sein. Und diesem zunächst nur my- 
thologischen schlufs gewährt die spräche selbst die gegen- 
probe. Joxava gehört zu Soxog^ und wir lesen Iliad. XVII, 
744 r Soxov rj^ Sogv fikyn vt]iov; machen wir die probe 
an beiden Wörtern. Juxog heifst balken, aber auch feu- 
riges meteor, desgl. doxig^ Soxirrjg; äogv holz, kiel, 
aber auch lanze, mithin (mythologisch) blitz; und wir 
überzeugen uns wie die äovgs des Odysseus eben als sol- 
che auch den zwillingsblitz darstellen, und das fthrt ftür 
äoxava (balken) wieder zu demselben schlufs. Welcker 
dagegen, welcher in den Dioskuren morgen- und abend- 
stern erkennt, fafst die Soxava als Sinnbild der Zusammen- 
gehörigkeit und unzertrennlichkeit der Zwillinge. Ich will 
es nicht betonen dafs die darstellung der Sterne durch bal- 
ken dem plastischen genie der Griechen wenig angemefsen 
scheine, nicht betonen dafs morgen- und abendstern stets 
unvereinbar, die Dioskuren stets unzertrennlich**) sind; 
erwägen wir aber das costüm derselben bei Paus. IV, 27, 2 



*) Rv. II, 89, 4 werden sie verglichen mit zwei schiffen, aber auch 
zwei Jochen, nahen, Speichen, feigen; bei Kuhn herabk. p. 74 gewinnen sie 
feuer durch zwei goldene reibholzer. 

**) daher tiu KaajoQS, vedischer dual in voller kraft. 



sprachliche und mythologische untenuchungen. 113 

XiTÜvaq kevxovg xal ^^kafivdai; noQipvQcig hvövvtBg kni re 
iTinwv TcHv xalliartxiv 6xovf4epoi, xal kTti raig XB(paXaig nl- 
Xovg*)^ iv ök Talg /€(>(yt dogava H^ovreg — so bleibt kein 
zweifei dafs gerade diese SofjaTa (lanzen und balken) durch 
die Soxava dargestellt waren. So gewinnen wir den dop- 
pelblitz''''), diesen sodann weiter als kiel und mast des 
wolkenschiffs oder (anthropomorphisch) dessen lenker, als 
ein paar koppelpferde oder (anthropomorphisch) zwillings- 
ritter genommen, für die unzweifelhaft proethnischen Dios- 
koren zur grundanschauung. Damit stimmt auch die weise 
ihrer gehurt (zeitschr. I p. 443), sobald man die alraun- 
mythen z. b. Apoll. Rh. III, 851 £P. in erwägung zieht. In 
dem attribut Rv. I, 181,4 iheha-jätau (hier und hier 
= wieder und wieder geboren; vgl. auch V, 47, 5) liegt 
gewis der ursprüngliche sinn der heteremerie. Od. XI, 303 
aXXoTB fdv L,oiov(7* itBQTJusQOi, «AAorc ö' avre re&väai: wo 
die herrschende auffassung (schon Pindars N. X, 55) kaum, 
dagegen die als bahuvrihi =s „einen andern (und wieder 
andern) tag habend^ mit dem akkora . . . äkkora in ein- 
klang steht. Auch bei Apoll. Rh. I, 646 liegt der heter- 
emerie, welche der scholiast annimmt, nach Pherekydes 
lediglich ein ;ror^ iniv . . . ;ror€ öi zu gründe. Wenn sie 
sich dann in einer hohlen eiche bergen, so ist die eiche 
der wetterbaum; wenn einer der messenischen Dioskuren 
durch stein und bäum hindurchsieht, so besitzt er die Seh- 
kraft der karfische, die wir weiter unten als blitze erken- 
nen werden. Zu Zwillingen aber wurden sie, theils weil 
man im raschen blitz Wechsel gleiche brüder erkannte, theils 
und hauptsächlich, weil ihre altem geschwister Yama und 
Yami (wie wir glauben, Helios und Selene) ebenfalls und 
zwar sehr natürlich als Zwillinge genommen wurden. In 
der mutter aber dieser zwillingsblitze, Saranyü, können 
wir hienach nur die Wetterwolke erkennen — wofür mit 



*) vergl. niXlov des OdysseuB, 0. Mttller archttol. §.888, 2; 416, 1. 
**) und beschränken in soweit den X p. 178 aber selbständige per- 
sonifioiening ausgesprochenen zweifei. 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV, 2. 8 



IM Sonne 

andrer motivierung Roth und Kuhn sie bekanntlich längst 
erklärt; und nachdem wir diese ansieht schon irQher an 
der Pandareossage und sonst bewährt gefunden, bringen 
wir diese neue bekräftigung derselben um so lieber bei, 
als dieselbe jetzt von Max Müller*) bestritten wird. Wenn 
übrigens die Apvin im Veda dann weiter als die ersten 
lichtbringer am morgenhimmel , als Vorläufer der morgen- 
röthe erscheinen, so ist dies secundäre amt dahin zu er- 
klären, dafs sie durch die macht, kraft welcher sie den 
Helios aus dem gewitter retten**), überhaupt zu schutz- 
geistern des Helios, zu Vermittlern zwischen licht und fio- 
stemis geworden waren. Doch wir mülsen darauf ver- 
zichten diese andeutungen hier weiter zu verfolgen. 

Zur form von v. 7 bemerken wir, dafs die frage j,was 
war wohl der baum?^ noch in zwei andern hymnen (Kuhn 
herabk. p. 126) mit bezug auf den wetterbaum wieder- 
kehrt, offenbar zum ausdrucke einer gewissen feierlichkeit, 
wie sie Homer dpreh sein ÜamTB vvv fiot Movaai erreicht* 
Ebenso haben das prädicat pari-svaj (umschlingen) Rv. 
H^ 164, 20 dvä suparnä sayüjä säkhäyä „zwei schön ge- 
flügelte gesellte freunde^, welche eben diesen bäum um- 
schlingen (p4ri shasvajäte); doch ist die bedeutung dieser 
schöi;i geflügelten nicht sicher zu erkennen. Da wir in- 
dessen das attribut suparnä ib. v. 46 dem Helios-Garutmän, 
I, 105, 1 dem monde beigemefsen finden, so lausen sich, 
um sonstiger möglichkeiten zu gesohweigen, die beiden 
schöngeflügelten wohl am einfachsten als sonne und mond 
(beide masc.) ansetzen, zumal nur der eine derselben die 



*) lect II p. 480 —516: Sara^T^; Tama Tamf; Ajprinaxi ss Danit; 
day and night; morning and evening. — In unsenn sinne steht ihr brnder 
Tri9ira8 (ein Vritra) dem TQ^xdQrjvoq rtjQvovfitq Hes. theog. 287 gleich, 
einem echten Vertreter der gewitteratmosphäre ; mehr bei Benfey Sv. Gl. 8.V. 
Trita. 

*♦) die scene Iliad. III, 286 ff., wo Helena nach den brüdem ansschant, 
kehrt wieder bei Perranlt Contes des F^es, la Barbe-blene. Die frau^ in der 
todesangst, erwartet die beiden brUder, Tun Dragon et l'autre Monsquetaire 
= KomroQa &' innodafiov nai Ttv^ dya&ov [lolvSevxea» Anne, ma soeur 
Anne, ne vois-to rien venir? — Je ne vois qne le soleil qai poudroie etc. 
= das gewitter läfst noch auf sich warten. 



sprachliche und mythologische nntenachungen. 115 

sflfse feige speist, während der andre zusiebt; hat doch 
der mond von jeher als nfichtemer gesell gegolten. Diese 
▼ögel aber umschlingen den apvattha, die ficus religioea; 
und wir schliefsen aus der doppelcorrespo^denz der form, 
dafs auch Bhujyu keinen andern als den apvattha um- 
schlingt, dieser mythus also mit dem der Odyssee selbst 
in der gattung des baums sich wesentlich deckt Setzen 
whr jetzt im überblick: 

Veda: Homer: Edda: 

samudra, arnas &dkaaaa see, m. *) 

(xodas) x^Qvßäig Hvergelmir 

a^vattha igiveog Yggdrasil 

Bhujyu 'OSvaöBvg Odhin 

A^vinau Sovge ^- 

so dürfte derselbe genügen, um in dem abenteuer des 
Odysseus nicht etwa blos ein schiffermärchen von Faro di 
Medsina, sondern einen proethnischen mythus zu er- 
kennen. 

In vorstehenden geschichten vom wetterbaum haben 
wir den glauben der Westarier aufser rechnnng gelafsen; 
es geschah weil dieser glaube hier sich systematischer ge- 
staltet hat. Die natürliche anschauung (Genesis II, 5), 
dafs allerlei bäume, allerlei kraut gedieh, das zuvor nie 
gewachsen war, denn Gott der herr hatte noch nicht reg- 
nen lafsen auf erden — diese natürliche anschauung gieng 
dem Westarier in dreifacher richtung auseinander. Daus 
der regen, durch welchen die Vegetation gedeihet, ebendes^ 
halb der same aller pflanzen sei — dafs der regen welcher 
leben weckt und erhält, ebendeshalb amrta sei — beides 
wird vergessen, und der ^ine regen sondert sich zum regen, 
pflaozensamen, göttertrank. So wird denn auch der alte, 
üne wetterbaum einmal zum arorta-baum, Gaokerena 
(Gokam); denn zum allsamen-baum, Vi^pataokhma (Jatbes), 
auf welchem aller gewächse samen niedergelegt sind. Auf 



*) Hannhardt p. 642 n. 1 verwirft die leaart V51ii8p& 20; mir scheint 
see und saal gleichberechtigt, wie Odyss. Xm, 102 0-alcurira und ari^or 
neben einander; Möbiua (Edda p. 8) giebt sae. 

8' 



116 Sonne 

diesem letztem sitzen zwei vogel Amru (pinamru) und 
Camru, welche — als stiirmgeister leicht zu kennen — ihn 
resp. schütteln und den zerstreuten samen dem Tistria (Si- 
rius) zuführen. Aber Tistria sammelt wafser, das er dann 
mit all diesem samen in die weit hineinregnet. Der same 
vom Jatbes also kommt mit dem regen herab d. h. same 
und regen sind eins, und Tistria, an welchen sich regen- 
mythen selbständig aber ethnisch angeschlossen hatten, ist 
seinerseits mit proethnischen wetterbäumen in tertiäre Ver- 
bindung gesetzt worden. 

Beide bäume, Jatbes und Gokam, wachsen neben ein- 
ander im see Vourukasha (Varkash), wie der Hesperiden- 
baum im Okeanos, und es kann nicht fiberraschen, wenn 
dem Hellenen Okeanos selbst das amt des Jatbes fibcr- 
nimmt. So Iliad. XIV, 246 'Sixeavov oamg ^^eveaig ndv^ 
Tsaai rirvxTai, ib. 201 *Sixeav6v re, \^mv yiveaiv — wo 
übrigens, wie 9onst an Apvattha und Yggdrasil, bereits 
die speculation ansetzt, die sich bei reicheren quellen fQr 
Jatbes wohl nicht minder würde nachweisen lafsen. Wenn 
es dagegen heifst Iliad. XXI, 195 ueya aö-ivog ^Slxsavoto^ 
i^ ovTiBQ Ttccvreg nora^ol xcti Tiäaa {hdXctöaa, xai Ttäaai 
XQTJvai xai (pQBiara uaxQci vdovöiv — so steht Okeanos 
wieder dem Vourukasha gleich, aus welchem Tistria den 
regen sendet, Tistar-y. 40 (Spiegel Av. III p. 71) „dann 
ziehen wölken hervor, die fruchtbare wafser enthalten, un- 
ter welchen segensreiche wölken sind, weithin sich ver- 
breitende, schütz bringende zu den sieben Kareshvares^ 
d. h. in alle weit (cf. Ya^na LXIV, 15 f.); ib. 32 „darauf 
erhebt sich Tistria (Sirius) der glänzende, majestätische 
aus dem see Vourukapha", vergl. Iliad. V, 5 darig otkot 
Qiv^ {2siQ((f) kvaXiyxiov, oars fidkiara kafingov Tiafzcpai^ 
vyai kelovuivog 'ilxBavoio, Apoll. Rh. HI, 957 vipoö dva- 
d^QiiöxoiV äre SuQiog 'Sixaavolo, og Srj toi xakog fikv dgi- 
L,7jk6g T iaiSiad^ai dvriXXBi, Als mythische person heifst 
Okeanos im zend Apäm napat (Spiegel III p. XlXf. 
XXXVIf. Windischmann zor. Studien p. 177 ff.); derselbe 
wohnt im Vourukasha, bewahrt dort die „majestäf* (qa- 
reno, eig. glänz) der mythischen könige; diese majestät als 



»pruchliclie uud luylüologiscüe uutersucbuugen. 11? 

Symbol gleicht dem ox^titqov Iliad. 11, 101 ff., also dem 
blitz, und Apäm napät beröhrt sich in soweit mit dem 
vcdischen Apäm uapät Agni wie mit Hephästos in der 
Okeanosgrotte Iliad. XVIII, 403. Lediglich eine andre 
form des blitzes, wie schon die fabelhafte Sehkraft (Win- 
dischmann p. 170 n. 1.) anzeigt, ist Ahura's gröstes ge- 
schöpf, der Karo-ma^yo oder die zehn karfische, welche im 
Vourukasha den Gokarn gegen Ahrimaus kröte(Vrtra) schü- 
tzen ; und wenn gerade die urtcxte diesen fisch in den ström 
Kanha setzen, so können wir diesen aufenthalt keineswegs 
mit Spiegel III p. LIV. p. 14ö n. 3 weit minder passend 
finden. Denn wenn die Kanha Vendid. farg. 1 v. 77 als 
irdischer ström erscheint, so ist das doch nur ein weiteres 
beispiel jener localisierung , welche neben der polyonymie 
die wifsensohaft so oft auf abwege geführt — den abweg 
als ob am irdischen berg, am irdischen ström sich der 
glaube eines ganzen volks aufrichte — jener unvermeidli- 
chen localisierung, welche als irrelevant erkannt sein mnl's 
bevor mythische angaben sinn und verstand gewinnen. 
Auch hat Windischmann p. 189 sich die lautliche corre- 
spondenz der Ranha mit der vedischen Rasa nicht entgehen 
lafsen, hätte aber zugleich die mythologische correspondenz 
betonen dürfen; auch in Rasa-Ranha haben wir eine der 
mythischen Vorstellungen, welche Ost- und Westariern vor 
der trennung gemeinsam gewesen. Als Sarama die ge- 
raubten kühe von den Pani's (gefolgschaft Vritra's) zurück- 
fordert, erwiedert sie auf deren frage Rv. X, 108, 1. 2, wie 
sie die fluthen der Rasa überschritten, dafs Indra's gebot 
sie vor der „furcht" des übersetzens bewahrt; und aus ei- 
ner gegenfrage der Pani's v. 5 : 

imä gävah Sarame yä äichah 

pari divo autänt subhage patanti | 

Kas ta ena ava srjäd ayudhvi — 
Sieh da die küh\ Sarama, so du suchtest 

ob himmels enden hin, beglückte! fliegend: 
Wer möchte kampflos sie heraus dir lafsen? — *) 

♦) ConstructioD : hae (= ecce) boves quas petebas volans: quiB eaa 



418 Sonne 

ergiebt sich, dafs Sarama fliegend (über die Rasa, und 
so) über himmels enden bin zu den Pani's gelangt war. 
Dazu halte man die gleiche fahrt des Herakles gen Ery- 
thia Hes. th^ 292 Siaßdg nogov 'Sixeavoio, 294 Ttegtjv xlv^ 
Tov 'Sixeavoio, und es wird klar, dafs Rasa sich zum Sa- 
mudra ganz so, wie der ström Okeanos zur bimmelsfluth 
Okeanos verhalte, mithin der karfisch in Vourukasha und 
Ranha gleich wohl seines amtes warten konnte. Diese 
di£Perenz hat also keine tiefere bedeutung, als vvenn z. b. 
auch Gokarn bald im Vourukasha, bald in der quelle Ar- 
dvi^ura wachsen soll. Denn die quelle verhält sich hier 
zum see, wie Styx zu Okeanos. Ardvi^ura stürzt von Hu- 
kairya (dem lichthimmel) abwärts auf den berg Husindum 
(Bundehesh p. 26), den Hendava i. e, trief berg — vergl. 
Tistar-y. 32 „dann sammeln sich die dünste oben, am 
berge Hendava, der mitten im see Vourukasha steht** — 
welcher augenscheinlich den wolkenberg bezeichnet; und 
insoweit dürfte sie als licht ström zu fafsen sein, worauf 
wohl auch der name Sdv&oq deutet (IHad. XX, 73 (Ahyag 
TtoTccuoQ ßad-vSivi^g^ ov Sdvö-ov zaXiovöi &6oiy dvSgeg 
dh ^xdfAavÖQov) : von dort aber ergiefst sie sich, nunmehr 
als wafserstrom (Skamander) „in diese ganze erde zur be- 
feuchtung, und die ganze Schöpfung empfängt heilung da- 
von, und die trockenheit des Andarvai wird dadurch ge- 
schlagen^. Bundehesh definiert, wie man sieht, den at- 
mosphärischen niederschlag ebenso schön, wie Homer in 
den quellen der Skamander. Aber nicht blos Skamander, 
sondern auch Styx, rj öt] acpeoov TtgocpegaördTT] iarlv dna^ 
aecov Hes. th. 361 fällt mit Ardvipura in gleicher grund- 
anschauung zusammen. Wie Styx ihre kinder Z^lov xai 
Nixt]v xai Kgdrog r^di Bif]V theog. 397 dem Zeus zuführt, 
von diesem geehrt wird: so wird Ardvipura von Ahura- 
mazda selbst (Ab&n-y. 17 f.) geehrt und angerufen. Wie 
Ardvi^ura aus himmlischer höhe hinabstürzt, so wird an 

etc. (Sarama hat den stall vor äugen v. 8) ironisch: da sind sie, kommt 
und holt sie. Aehnlich v. 7 ecce copia . . . custodiunt eam. — Wesentlich 
anders M. Müller lect, " •- ^64. 



sprachliche und mythologische untersuchungeu. 119 

Styx Iliad. XV, 37 rö xareißofiBvov vdujq^ Hes. th. 786 o 
r kx nirgrjg xaraleifierai r^ltficcTOio inpriXrjq^ ja trotz des 
chtbonischen locals noch Iliad. VIII, 369 die alna (jse&ga 
(wie XXI, 9 Scivitov alnd ^ie&ga) hervorgehoben, wie 
denn das attribut (oyvyiov tbeog. 806 nicht minder die wol- 
kenregiön bezeichnet. Wie Ardvipura (Abän-y. 5) „immer- 
fort** in die weiten strömt, so heifst es theog. 805 2rvydg 
a(p&iTOV vdcoQ^ wie desgl. Rv. IX, 26, 2 äxitam (= äcf&i' 
Tov) indum. Und wie endlich Ardvi^ura doch nur als 
amrta-quell so hohe Verehrung finden, Ab4n-y. 77 im na- 
men der Wahrheit beschworen werden konnte: so wird 
Styx zum götterschwur — und dieser bedeutet? — doch 
nur, dafs der gott beim amrta schwur als Symbol der Un- 
sterblichkeit, die er durch den meineid verwirkt*). Hesiod 
th. 793 vertuscht dies, läfst es aber (bes. v. 796 ovöi not 
afißQoairjg xtL) durchblicken; und von hieraus scheidet 
sich die auffassung der beiden Völker. Während bei der 
Wahrhaftigkeit der westarischen nationen (Herodot 1,138 
atcx^axov t6 xpetäead-ai) Ardvipura sich zur anmuthigsten 
gestalt des dortigen Olymps verklärt, wird dem Hellenen 
(Soph. El. 61 ovd^v (iijfia övv xtgöei xaxor), weil sie den 
meineid selbst an göttern rächt, die Styx zum gegenstände 
UDgemefsenen Schauders — hinc illae lacrimae. Wir be- 
rühren damit den wunden punkt der sonst so hoch begab- 
ten nation, an welchem sie später, nach der Zersetzung 
aller „vorurtheile", einen moralischen Schiffbruch leiden 
sollte, wie ihn die geschichte nicht zum zweitenmal auf- 
weist**). Noch bemerken wir für den bäum Jatbes, dafs 
der Wortlaut Kashnu-y. 17 yä histaiti maidhim zrayanho 
Vourukashah^ (welcher steht in mitten des meeres V.) sich 
an Rv. I, 182, 7 nishthito madhye arnasah (einstehend in 
mitten des meeres) so enge anschlielst, dais auch hier- 

*) wafser = arnfta ist der gnindton in Pindars a^Mrroy vS^q^ und 
Aristoteles (Metaph. I, 3) erkannte wenigstens, dafs der schwur dem wafser 
gelte. 

♦♦) wie Wclcker, wenn er götterl. II p. 461 die sache luit dUrren Wor- 
ten anerkennt, dabei I p. 233 auch dem UeUenen vorzüglich starke sittliche 
anläge beimefsen kann, bescheiden wir uns nicht einzusehen. 



120 Sonne * 

durch Jatbes als wetterbaam verbürgt wird. Dieser bäum 
heifst hier vana ^aenahS (vgl. Rv. X, 31,7 vanam, wet- 
terbaum) baam des falken; wenn dieser falk identisch ist 
mit dem Qaena meregha Bahr4m-y. 41, so ist er das Vor- 
bild des spätem Simurgh, wie es scheint eines giganti- 
schen Helios im vogelgewande; schon in den urtexten we- 
gen seiner Weisheit gepriesen, vergleicht er sich durch dies 
prädicat dem klugen, vielwifsenden adler im wipfel Ygg- 
drasils^). 

Ueberblicken wir die hier unter tanne, olive, eiche 
und feigenbaum zusammengestellte myihengruppe, so giebt 
sie noch weitem anlafs zu zwiefacher bemerkung. Einmal, 
dafs die Olympier hier entweder gar nicht, oder doch als 
nebenfiguren erscheinen. Dies beruht darauf, dafs diese 
mythen wesentlich der indogermanischen urzeit, die Olym- 
pier in ihrer concreten persönlichkeit spätem geschleohtem 
angehören. Sodann der bäum als sitz gewisser wundersa- 
men Vögel. So sahen wir Hypnos in eulen-, Apoll und 
Athene in geiergestalt, erkannten in den tauben von Cu- 
mae, von Dodona die wasserfrauen , im falken die sonne, 
in den „schöngeflOgelten^ sonne und mond, in Amru und 
Camm wind und stürm; sahen selbst Odysseus und dieA^vin 
mit fledermaus und habicht verglichen. Also götter im 

*) Nachdem wir nacb ältesten quellen den wetterbaum von unten nach 
oben betrachtet^ mag eine allermodemste qnelle ihn uns von oben nach un- 
ten, und auch das zeigen, wie der erregten phantasie sich dieselben mythi- 
schen bilder stets von neuem zeugen. M. d'Amould, theilnehmer der luit- 
schifTahrt Paris- Rethem (Weser -zeitung 1868. 27. Oct.) schildert die mond- 
scheinscene oberhalb der wölken: „ Unter uns, so weit das äuge reichte, ein 
endloser gletscher mit bergen, Schluchten, ebenen, spalten; allein alles das 
ohne scharfe kanten, verschwommen, mit einem perlgrauen farbenton Über- 
gossen , und beleuchtet von einem so milden und zugleich so starken licht, 
dafs selbst die schatten in licht getaucht erschienen. Jeden gipfel krönte 
ein silberner nimbus. Alle tiefen erftülte ein gelbliches blau untermischt mit 
violett. Unaufhörlich wandelte diese bewunderungswürdige phantasmagorie 
sich um, die berge wurden zu ebenen, die ebenen zu beigen. Kleine 
flockige wölken, die in einem staube von perlmutter zu schwimmen schie- 
nen, schichteten sich über einander, so zwar dafs sie aussahen wie 
riesige gewächse oder eher endlose madreporen, deren ansHtze in 
dem himmel hafteten. Diese Umwandlungen geschahen allmählich, ohne 
rückbewegung, als ob der arbeiter, welcher diese massen bewegte, sich seiner 
Unsterblichkeit bewufst gewesen wäre**. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 121 

vogelgewande, vogelgötter welche über wohl und wehe 
der menscbheit walten — ein glaube, irrig wie die natur- 
religion, aber der sittliche gedanke ist erkennbar. Doch 
dieser glaube führt zur mantik, dem aberglauben weiter, 
und der sittliche gedanke erstickt in systematisiertem un- 
sinn. Dafs unsre alten nur mal so — irgendwie — aus 
heiler haut — zur Vogelschau gekommen, diese annähme 
wäre unbegreiflich. Wie? Den adler welchen er er- 
schofs — die schlänge welcher er den köpf zertrat — den 
Specht den er auf der leimruthe fieng — sollte der Indo- 
germane flQr bedeutsamer, göttlicher gehalten haben, als 
alles was da sonst noch kreucht und fleugt? Und verglei- 
chen wir adler und schlänge Iliad. XII , 200 ß. bes. 209 
Jiog regag alyto^oio mit V, 742 rogyeif] xe(fd?.i^ J. r. «•, 
Odyss. XX, tOl {ß(jovT7]) Jiog renctg, bleibt es etwa zwei- 
felhaft dafs adler*) und schlänge bedeutsam geworden nur 
als lebendiges bild von Wetterwolke und blitz? Oder wäre 
Odyss. XV, 523 Mg äga ol einovri ^ninraTu ösSitog ogvtg, 
XiQxog, 'AnoV.vjvog rcc/vg äyysXog — wäre es nicht klar, 
dafs einem altern geschlechte der söhn der Lelo selbst 
im habichtsgewande zur anschauung gekommen? Aber im 
mafse wie den epigonen, welche zur ausschliefslich-anthro- 
pomorphischen fassung des göttlichen vorgehen, der vogel- 
gott als primitives augurium aus dem bewufstsein schwin- 
det, geht das omen auf den gemeinen vogel*') über, und 
der aberglaube steht da in seiner crudität — die tragödie 
des anthropomorphismus: ein fortschritt an sich, löst er 
nicht den aberglauben, sondern in der reaction des mündi- 
gen geistes gegen den aberglauben sich selbst auf. 

Als beispiel aber des sich bildenden vogel-aberglau- 
bens, wie vol. XII p. 367 angesagt, wählen wir vor allen 
andern den specht, welcher selbst durch die neuern for- 
schungen noch nicht genügend demaskiert scheint. Doch 
bedarf es dazu der Würdigung gewisser mythen, die wir 

♦) vgl. Apoll. Rh. II, 1260—66. 

**) Odyss. II, 181 — nicht aufklämng, sondern noch nicht erloschenes 
bewufstsein von der irrelevanz des gemeinen vogels. 



122 Soune 

Aethiops-, genauer Aethiops-Meropsmythen nennen 
wollen, und wenn mythol. handbücher ftlr dieselben wenig 
oder nichts gewähren, bei noch immer wesentlich helleni- 
scher anschauung auch nicht gewähren können, so mfls» 
sen wir uns an die quellen wenden. Sie flielsen nur sehr 
spärlich, lafsen aber die völkerstämme denen jene mythen 
augehören, und wie wir glauben, auch die ideen welche 
denselben zu gründe liegen, wenigstens annähernd immer 
noch erkennen. Also zunächst die volkstämme: es sind 
Troer und Troergenossen, Iliad. X, 428: 

TiQOti fAiv äkog Kä()eg xal Ilaioveg dyxvkoTO^oiy 
xal AkX^yBq xal Kavxioveg, 3Jol tb llsla^yoi' 
Tioog &VfißQr]g S' ^kaxov Avxioi^ Mvcoi r' ayigmxoi^ 
xal 0Qvy6g innoöafioL xal MrjovBg innoxoQvaxai — 
cf. 11,816 sqq. — volkstämme die wir, da der name der 
Pelasger nicht ausreicht, unter dem der Anatolier zusam- 
menfalsen: nur soll damit ein hinübergreifen dieser stamme 
nach Westen — nach Europa — um so weniger ausge- 
schlossen sein, als es sich hier einerseits um vorhellenischen 
glauben handelt, anderseits der begriff Europa, europäisches 
leben nicht Voraussetzung, sondern resultat des hellenen- 
thums gewesen. Eine wesentlich gleichartige masse, von 
Corcyra und Cephallenia ab ostwärts schliefsen die Anatolier 
sich über Kappadocien*) und Armenien den Westariern an, 
und sind aus solchem grundstoff späterhin die Hellenen 
ebenso ausgeschieden, wie nach gewissen scharf ausgepräg- 
ten sprachhchen eigenheiten zu schlielsen, die Italiker aus 
celtischem grundstoff ausgeschieden sind. Dann aber die. 
idee der Aethiopsmythen : sie haben den tod, das geschick 
der entkörperten seele, den geisterglauben vorhellenisch ^r 
geschlechter zum Inhalt, und wenn unter einseitigem ein- 
flufs des epos den Hellenen, von mysterien abgesehen, im 
allgemeinen dieser glaube geschwunden war, wir aber doch 



*) altp. Katapatuka: wäre es xai^-nit (Tiinito) als nicderung ne- 
ben dein hochlautl Armenien, altp. Arraina = oQftfto^ Auch die landschaft 
KaiaoiUt = yaid sulF. -van; Ka7i:rH(in^ wie xannfat- So bätten wir 
xata in Anatolien, cf. zeitschr. XIV p. 5 n. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 123 

Hellenen unsere quellen danken, so haben sie uns dieselb^ai 
ohne lebendiges Verständnis, in so märchenhaften trömmem 
öberliefert, dafs nur combination, etymologie, vergleichung 
das entschwundene leben wiederum erkennen läfst. 

Wenn nun zunächst in den ^i&iontq des epos noch 
Preller myth. I p. 292 „sonnenverbrannte Völker" erkennt, 
so mafsen wir im namen des Z^q Al&ioxp^ des sonnenros- 
ses ^i&ioipj des Stromes jll&ioxf) — Aesch. Prom. 810 
n^oq rjliov nr^yalg, Uvifa norauog jii&ioxf) — sogleich pro- 
test einlegen : die Heliosquellen sind die quellen des Sonnen- 
lichts, welchen der hier Aethiops, sonst 'lloiöavog oder 
<Pai&(ii)V genannte ström entspringt, und die gluth (aiäw) 
des lichts, der sonne, der morgenröthe ist durch das wort 
bezeichnet. Ist nun aber bei den epischen Aethiopen an 
dunkelfarbige stamme Indiens oder Nubiens wo möglich 
noch weniger zu denken, so bleibt nur der mythus übrig, 
und haben wir in diesem sinne ztschr. X p. 167 in ihnen 
elbische natur d.h. ein geistervolk, „väter^ vermuthet: 
was sich dann XII p. 367 weiter bestätigt fand durch ve- 
dische parallelen, die weisen väter der vorzeit welche die 
sonne umschweben oder, wie die Aethiopen, im schofs der 
morgenröthen sitzen; eben da wurde der besuch der Olym- 
pier Iliad. 1,423: 

Zevq yag kq 'Sixeavov fisr* dfAii^ovceq ^iiftont'jccq 
X^iCoq i/9t] tierd ödlra, {^eol d* äua TtdvTsq InovTo' 
öiode/drrj da toi avTiq ikevöSTat^ Ovlvfiaovös — 
doch hoffentlich mit recht als reminiscenz der zwölften er- 
klärt*). Hier wie XXIII, 205 — 207 haben wir das para- 
dies im schofs der morgenröthen, wo selige geister den 
göttern hekatomben „rother knhe** bringen: doch nicht 
blos im licht, auch in wind und wetter, als wolkenschiffer, 
als wilde jagd leben und weben die geister; und in so ver- 
schiedenartigen bildern liegt der keim, welcher sich zum 



*) (Auf den wünsch des Verfassers bemerke ich, dafs ich diese ansieht 
gleichfalls in den märkischen forschungen bd. T, 123. n. 2 (Berl. 1841) aus-« 
gesprochen und sie durch die bei Slaven, Kelten und Gernianun ^Icichniüfsig 
sich findende bedeutnng der 12 tage gestutzt hatte. A. K.] 



124 Sumie 

glauben au ein zwiefaches loos — Seligkeit oder nnselig- 
keit der abgeschiedenen, und sofern das loos dem irdischen 
wandel entspricht, der menschennatur gemäfs zur sittlichen 
idee weiter entfaltet. Je älter der glaube nun, desto we- 
niger System, desto weniger Scheidung. In dem Odyss. 
XV, 4Ü3 ff. beschriebenen paradiese kennen die ( wie bei 
Hesiod. c. 116 thvrjaxov wg VTivq) deÖiAtjuavoi) uiisverständ- 
lich vermenschlichten geister, die geschlechter „der men- 
scheu^ bereits den tod, aber wenigstens sanften tod (to 
die, to sleep) durch die huld Apolls und der Artemis: 
äpd-a övta nokug, di)^a öe arpiüi Ttdvra Shdaarav 
Tjjaiv Ö' auffioriQrjöt narfjg kfxog k/aßaaikevevj 
Krr^atog *0(jjbiepiÖt^g, änuixskog cc&ccvdvotöiv — 
und könig Ktesios Ormenides (dives orientis filius: Helios- 
attribut) beherrscht die zwar in sich geschiedenen, aber 
noch zum gesammtwesen vereinten stadte, selige und un- 
selige. — Odyss. IV, 84 Alä^ioTidg ö"' ix6ut]V . . . xai ^EQBfx- 
ßovg — desgleichen Scheidung, '£(jstißol von igeßog*) = 
skr. rajas (wz. raj, ranj) ursprünglich das wolkendunkel als 
sitz der geister, die dann gen westen als nachtseite der 
weit und weiter mit dem sinkenden Helios durch den erd- 
schlund (rbisa zeitschr. X p. 331, cf. Odyss. XXIV, 12 
;t«^' t)ekiüiü nvkag) zur chthonischen tiefe (X, 191 f)tktüg 
da imo ydlav) fahren, wo das Erebos schliefslich fixiert 
wird. Scheidung auch Odyss. I, 23 f. Jtifionag,,. ot (xiv 
övoofjiivüv'YTiBQiopog, ot d' dvtovTog — deren bedeutung**) 
indessen nicht sicher zu erkennen. Wenn übrigens aus 
V, 282 zu schliefsen, dafs die Aethiopsmythen in Lykien 
bekannt gewesen, so wird dieser schlufs durch die ausge- 
zeichnete sorge der Lykier (E. Curtius gesch. I p. 68) f&r 
ihre todten sowohl als durch die enge Verbindung Lykiens 
mit Troas noch weiter unterstützt. Wenden wir uns jetzt 
zu den spätem quellen. 



*) 80 schon Völcker homer. geogr. §.46, dem wir aber nicht weiter 
■ folgen. 

** ) es könnte wie bei Aea oder Erythia mechanische Verdoppelung sein ; 
wird doch XII, 3 der osten selbst in den westen versetzt. 



sprachliche und m3^hologi8che Untersuchungen. 125 

Wie nun Helios, nachdem er den unsterblichen leib 
und das müde gespann im allnäbrenden see erquickt, aus 
dem lande der Aethiopen zur tagesfahrt aufbricht (Aesch. 
fr. 186 Nauck, Mimnerm. fr. 12 Bergk, zeitschr. X p. 351), 
so tritt dieselbe Verbindung des gottes mit eben diesem 
Volke in der Phaethonsage noch klarer hervor. Schol. 
Odyss. XVII, 208 (zeitschr. X, 401) ist Phaethon söhn des 
'ilktog und der ashjvij'Niaioa; in der tragodie des Eu- 
ripides (Nauck fragm. p. 471 ff. Welcker trag. p. 594 ff.), 
Ovid. Met. I, 750 sqq. gilt er als söhn des Migoxp^ kö- 
nigs der Aethiopen, und der KXvfiipr}^ doch vertraut ihm 
hernach die frau mutter, dafs es mit der notiz zur Odys- 
see seine richtigkeit habe. Hygin. fab. 154 Phaethon Cly- 
meni, Solis filii, et Meropes nymphae, quam Oceaniti- 
dem accepimus. Wir finden so die paare tjkiog'aBhjVfj = 
Migoxp-Megom] = KXvuevog'Klvftivt], diese letztere nach 
dem bekannten euphemismus für die gebieter der todten; 
geschwisterehe, an welcher schon Yama der Yami gegen* 
über anstofs nimmt, von spätem durch kreuzung der na- 
men vertuscht. Msqotit] als Okeanide, wie Eurynome zeit- 
schr. X p. 359, vgl. Ovid. Met. IV, 210, wo diese als mut- 
ter der GBlf]vt]-yi6vxo&ia, Sorores Phaethontis sunt Me- 
rope etc. (Hygin.), wie Jliyh] zeitschr. X p. 355. 402. 
So erkennen wir in den Aethiopen als 'iixtccvov nediiuv 
olxiitogeg (Eurip. fr. 775 v. 60) die natürlichen unterthanen 
des Helios, das ganze als gegen bild zum paradiese, wo 
mit göttern und „vätern" (seligen) Yama den soma trinkt, 
wo Yima über unsterbliche (= gestorbene) genofsen herrscht; 
und sehen wir überdies, wie noch Euripides die paläste 
des Merops und des Helios nachbarlich zusammenstellt, so 
bleibt kein zweifei dafs, wie so oft in solchen föllen, Mi- 
goxp (thema uhoon^ verkürzt aus ^kgono) und Msgoni] nur 
andre namen fQr rjhog und (fskTjvfj sind. Also ^hog fAi- 
Qoxff Helios der sterbliche, weil er stirbt im Sonnenunter- 
gang*), oder wollen wir das bild aufs jähr beziehen, weil 

*) vgl. ApoUons tod, O. Müller prolegg. p. 807. 



126 Sonne 

er stirbt zur zeit der zwölften. Aber der tageshelios kommt 
wieder, der Jahreshelios kommt wieder, und gerade diese 
Sterblichkeit wird Sinnbild der Unsterblichkeit, gerade die- 
ser sterbliche Helios wird herrscher der seligen, und mag 
die Megomg yij bei Theopomp (Strabo VII p. 299) sich 
wohl aufs paradies beziehen. So weit von den mythischen 
/^i&ionegj den seligen vätern; und wenn wir jetzt den na- 
men yH&ioij) und Miooifj^ wo immer sie erscheinen, wei- 
ter nachgehen, so werden sie diesem mythenkreise sich 
durchweg mit leichtigkcit anschliefsen. 

Iliad. II, 830 (XI, 329) '^^Sgtjnrog tb xai jififpioq, vU 
OVO) MkQOTiOQ TlBO'AiaoioVy oq negi Ttavtcov ijSbb ]ti«VTO- 
avvag. Apd. III, 12, 5 rjv yd() (Aiöaxog) dpsiQOXQirtig 
naoa rov ^itjtgonccTogog Migonog Stda^O^Big. In Troas 
bedarf mantik, traumdeutung keiner erklärung, sobald wir 
in diesem Migoxf) den troischen r^Xiog-AnoXkuiV erkennen, 
und dafür zeugt ebenso klar der enkel Ataaxog. Steph. 
Thes. 8. V. aiaaxog. 6 Tjjg Sdfpvtjg xXdSog* xakBira^ de 
xcu t6 i^ioov 6 hQiitaxog aiaaxog. Nach ApoUodor wird 
er aus trauer um die verlorene 'Anvegont} (aBXiqvti) in einen 
vogel verwandelt — also wohl in den kgi&axog, welcher 
sprechen lernt, sonst auch r/jot i/ixoi;()o^ (rothschwanz) ge- 
nannt, und wenn Suid. kgi&, ogveov ptov^gBg xai fiovorgo- 
nov mit Ovid. Met. XI, 764 Oderat hie (Aesacus) nrbeff, 
secretos montes et inambitiosa colebat rura — zusammen- 
stimmt, so wird er hier wie Serv. Virg. Aen. IV, 254, V, 
128 in den mergus verwandelt d. h. die sonne sinkt ins 
meer. Seine mutter !Agiaßri (Apd. 1. c) giebt Priamos 
hernach an Hyrtakos, den vater des Asios Iliad. 11, 838 
ov 'Agiüßti&BV tpigov InTtoiy ai&atvBg, fABydXoi, noTccptov 
dno SBXXrjBvtog — hier wie in ross und ström Al&loy) 
ein Heliosgespann. 

Schwieriger sind die mythen der insel Kooig, Kwg, 
mit stehendem beiwort (z. b. Thukyd. VDI, 41) Migonig^ 
versuchen wir indessen fufs zu fafsen. Iliad. II, 677 heifist 
sie Evgvnvloio noXig, von Herakliden (cf. XIV, 255) be- 
herrscht. Diesen EvgxmvXog^ einen söhn Poseidons, tödtet 



sprachliche und mythologische tmtersnchuiigeD. 127 

Herakles auf der rückkehr von Troja Apd. II, 7, 1 , wird 
aber dann von XaXxcjäMV verwundet, von Zeus gerettet; 
mit Eurypylos tochter Xcckxwnt] II, 7, 8 zeugt er den Osa- 
(TaXog, von welchem jene Herakliden stammen. Eine andre 
XahctoTtt] III, 15, 6 weib des Aegeus, tochter des *P*;|/7- 
vwü, nach andern quellen (Heyne z. st.) tochter eines XaA- 
xaibü)v\ ein 'Pt]^i]V(OQ aber, enkel Poseidons, führt uns 
Odyss. VH, 63 in das reich der seligen. Ebenso im reiche 
der seligen (Aea) finden wir eine dritte Xalyjont]^ tochter 
des Aeetes (Apoll. Rh. H, 1149 c. schoL), welche Preller 
mytb. II p. 216 als Selene anerkennt, was die andern na- 
men Evtjvia (schöne zögel führend) und 'locfcHaöa (veil- 
chenglanz cf. 'loxaarrj) lediglich bestätigen. Sind wir dem- 
nach berechtigt die namen aufzureihen, so ist in dem qy^- 
^ijvi90 ycclxciSwv evQvnvXog „dem männerbrechenden erz- 
zahnigen^) herrn der weiten pforten" der gebieter der tod- 
ten oder seligen unmöglich zu verkennen, und jener kämpf 
des Herakles von dem kämpfe Iliad. V, 397 iv nvXco kv 
vBxiteaai (Welcker götterl. II p. 761. 776 n.) nicht wesent- 
Heh geschieden. Die schreckhaften namen schliefsen das 
paradies nicht aus; das menschenherz getröstet nur zit- 
ternd sich der Seligkeit, wie es heifst Khorda-Avesta 
XXX Vin, 17 darauf spricht Ahuramazda: frage den nicht, 
den du befragst; denn er ist gekommen (zum paradiese) 
auf dem fürchterlichen, schrecklichen, erschütternden wege: 
der Scheidung des leibes und der seele. — Somit Ober die 
mythische region orientiert, erfahren wir durch Pindar N. 
IV, 26 nvv ^ (Herakles) tiotb Towiav TeXcc^wv TtoQ&tjae 
xal MiQOTtag, Isthm. VI (V) 31 nkcfVBv Sk avv xeivfp Me- 
gomap idvaa*) — dafs die untertbanen jenes Eurypylos 
MigonBg hiefsen, können nunmehr aber diese und ihren 
ktoig Migoifj von den Aethiopen und deren könig Merops 
um so weniger scheiden, als wir den namen Al\fionia 



*) erzzahnig s= blitzend Kuhn herabk. p. 202, abergUuben zeitscbr. 
X p. 828 n. 

••) J^O-vta vgl. Ody88. X, 526 xiliud tÖ-na vtn^wv^ XI, 632 l&ita 



128 Sonne 

aaf LemDos und Samothrake ebenso localisiert finden. Und 
zwar greifen hier wie in Troas die Amazonen ein, welche 
bereits O. Möller Orchom. p. 113 n. sehr richtig als Aethio- 
pinnen (aufser beziebung aaf Nubien) ansetzt. Sie sind 
wetterhexen, gefolgschaft der Selene (Preller 11 p. 59), bald 
als feindliche (Uiad. III, 189; VI, 186), bald als freund- 
liehe (11,814,* Aethiopis) mächte, und wenn ihre kdnigin 
nsv&BGiXua hülfe bringt, so ist sie ihrem namen nach 
(wz. Tt,Bv& nad'^ Xaoi^ tatpuruscha; wie ßaaileia) nichts 
desto weniger eine ösXrjvt] t9ccvaTr^(p6gog. Man beachte 
auch den ausdruck Ttsdiov (MvQivfjq) 11,812; er ist viel- 
fach mythisch : 'Hkvaiov ntSiov Od. lY, 563, neSiop ^xa^ 
fidvd()iov Uiad. U, 465, nediov yii&ioni'Aov Paus. I, 33, 4 
(in Nubien!); ein x^Q^ov Al&iomov in Lydien, O. MOUer 
Dor. I p. 385 n. Auf Penthesileia, die konigin der nacht, 
folgt dann (Aethiopis) der Helios -Mä^i^cai/ ;(faAxoxo(»v<m7^, 
j4l&u)7iu)v ßaatkevg; beide unterliegen dem T^kiog^'^xi^U^. 
Nun aber weiter von Eos; Steph. Byz. Migoyj, Tgi^ona 
nalg^ a(p ov Migomg oi Kipoi^ xai vijaog Msgonig. Die- 
ser Merops natürlich nur ein andrer Eurypylos, welchen 
wir als söhn Poseidons sahen, und dies, nach analogie 
der bekannten beziehung zu Phäaken und Aethiopen, war 
die ältere form der sage; sie deutet darauf dals das pa- 
radies — -S';^€()//;, Jlairi^ Msgonig — zu schiffe d. h. durch 
wolkenfahrt zu suchen, überhaupt wie die vijaog ^vgirjj 
0givaxh]y die vijaoi fi^cxdgwv als insel, ved. dhänu zu den- 
ken sei. Heifst er aber nunmehr söhn des Triopas, so 
deutet das auf die sacra Triopia (O. Müller Dor. I p. 264. 
Prolegg. p. 161), an welchen Eos zufolge der besetzung 
durch Dorier von Argos und Epidauros her (Dor. p. 103 f.) 
betheiligt war, und mit der dorischen zeit beginnt der mis- 
verstand. Zwar der cult des Poseidon, den man vorge- 
funden haben wird, wurde jenen sacra einverleibt; aber 
man vernahm von „Meropern^, die man begreiflicherweise 
nicht vorfand^ und der jetzt erst eingebürgerte dorische 
Stammesheros mufste sie (rückdatierung, Dor. p. 110.425) 
um so mehr ausgerottet haben — dort gewesen sein, als 



{sprachliche und mythologische uotersuchoogen. 129 

die Dorier einen andern vorgefundenen cultus auf den He- 
rakles bezogen. Dies war der des semitischen San den 
(Müller Dor. p. 452, kl. sehr. II p. 100 flF.), zufolge des al- 
ten semitischen Übergewichts in Vorderasien, woraus in- 
dess nichts folgt für semitische abkunfl der urbewohner 
von Kos, welche vielmehr karischen Stammes werden ge- 
wesen sein. Und wenn gerade durch diesen stamm nun 
wieder ein Zusammenhang mit Troas augezeigt ist, so wol- 
len wir nicht unerwähnt lafsen, dais das holzbild des Zeus 
Triopas zu Argos (Welcker I p. 162) als troische beute 
galt, anderseits skr. tryaxa (dreiäugig) beiwort war des 
Radra-Qiva, welcher in seiner altern form sich mit Apol- 
lon (Kuhn zeitschr. III p. 335), namentlich dem troischen 
^tAivösvg auffällig berührt. Sahen wir also den troischen 
Merops träume deuten, so wird dies dem koischen Merops 
nicht minder eigen, mithin die änderung durch den zutritt 
des epidaurischen Asklepios nur die gewesen sein, dafs die 
incubation jetzt ausschliefslicher zu ärztlichen zwecken ge- 
übt wird. Doch nicht genug damit; auch die metamor- 
pbose, die wir vorhin am troischen Aesakos gesehen, kehrt 
auf Kos desgleichen wieder. Eurip. Hei. 382 äv te nor 
j4{n€ing k^s^OüSVOccTo yovöO'Aioar 'iXa(f>ov^ MeooTiog Tivct- 
Vi Sa xovoav, '/.akkoavpag evexsv — diese tochter des Me- 
rops unstreitig, wie Kallisto, Artemis selbst. Anton. Lib. 
XV Evin]kov Tov Migonog iyivovro naiÖeg v7iBgi](fava xai 
vßgiaxai, Bvaaa xai Msgomg y.al Ü^ygiov. xal qixovv Kwv 
viiP MsgoTiida vi}aov. Also Evur^Xog wie der epische na- 
mensvetter (Iliad. II p. 764) söhn des '^löttc; yiS^tjvoq = 
Migoip^ welcher selbst in chthonischer fafsung die schönen 
rosse und schafe behält; wird von Hermes in den vvxri- 
Koga^ xaxdyyekog — Jacobs Del. epigr. VI, 22 wxrtxogal 
^Sei &apaTti(p6gov dkX' orav 4^f] J7]fA6(piXog^ i^vt^axet 
xctvtog 6 vvxTixoga^ — also in den todesboten verwandelt. 
Seine tochter MsgoTiig und Bvaaa ^ welche von Athene 
und Artemis nichts wifsen wollen, werden durch diese resp. 
in yA.avi und y/evxo'i/iag {aeh']V7]g) ogvtg*) verwandelt; 

*) wohl Verwechslung; man erwartet als Selene die Meropis. Für 
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV. 2. 9 



130 Sunne 

'.lyoiav Ö' eis' i^vi^STo, ä^näöa*; oßekov i^iSgafieif^ 'Jt^gfiijg 
()* avTüV knoipjae x^Q^^Q^^v^ vergl. den namensvetter Hdt. 
1,7 jiygojv 6 Nivov ngaJrog'IdQaxkBiöecjv ßaaikevg iyevBTO 
^agSiaiv (O. Müller kl. sehr. II p. 101), wieder Sandon; 
und da jener oßelog (bratspiefs, beim opf er schmaus) hier 
das lydiscbe königsbeil oder wenigstens das *iyx^^ ^^^ Z^vg 
^tQctTiog (zeitschr. X p. 174) vertritt, so wird auch Agron 
von Kos als Sandon zu setzen sein. Trotz dessen ist der 
name griechisch: '!dyQ(av von aygog^ nicht aber in der (se- 
cundären) bedeutung acker, sondern der primären (a/oi, 
treiben) trift — nämlich himmelstrift wie ved. ajra (== 
üyQo) Rv. IV, 1, 17 ä stiryo brhatäs tishthad ajrän, auf 
stieg die sonne zu den hohen triften; über den x^Q^^Q*^ 
w. u. — So viel von der insel Kos; wir gehen zu Chios 
weiter. 

Auch hier sind diese mythen nachweisbar. Neben 
der Megontj von Chios A^pd. I, 4, 3, Catast. 32, tochter 
des OivonivjVj wird auch [dessen weib 'AtQom} (O. Müller 
kl. sehr. II p. 124), so wie Artemis (Opis) in gleicher be- 
ziehung zu Orion genannt, also in der „schwebenden sterb- 
lichen^ die Selene unverkennbar. Den Oenopion fafst 
O. Müller p. 125 als personificierten wein, nicht an sich 
unmöglich, wenn man zumal die apotheose des Soma- 
Haoma in anschlag bringt; in unserm zusammenhange 
aber müfsen wir ihn doch als den mann seiner frau, als 
einen somatrinkendeu Yama, als den Zwq Al&ioxp (Wel- 
cker n p. 1 97) von Xiog Aix)^Xri Suid. setzen, wie er denn, 
was Müller p. 127 misversteht, nach dem diesen Merops- 
mythen eignen dualismus schlielslich (Apd. I, 4, 3 tq) (xiv 
Iloöudwv rjcpaiöTOTEVXTov vno yiiv xarsaxBvaaev oixov vgl. 
Hes. Theog. 732 nvkag 8' kne&Tjxa Tloatiöiiov xcckxeiag) auch 
chthonisch untergebracht wird. 

Auch der kretisch-asiatische Pandareos, Anton. Lib. 



Leukothea nicht sowol an Odys8. V, 433 (wo Odysseus im samudra schwimmt), 
als an Ovid. Met. IV, 190 ff. zu denken, wo Leukothea als geliebte des 
Helios a patre humo defossa virga turea surrexit: auch hier Orient und 
metamorphose. 



Mpraclüiche und inythologiBch« Untersuchungen. 131 

3ü IlavÖaQEü^ 6 MtQonoi^ gehört in diesen Sagenkreis, wie 
der vatername und seine Verflechtung in die Minos- und 
Tautalossagen (entschiedene HeUosmythen) zeigt; und wenn 
wir in diesem sinne bereits ztscbr. X p. 121 seinen namen 
als Heliosattribut angesetzt, so stellt die „veranlafsung^, 
welche hr. prof. Düntzer XIV p. 209 vermiist, sich nun 
wohl schon deutlicher*) heraus als damals bei unvermeid- 
licher kürze möglich war. Das etymon so wie bedeut- 
samere divergenzen lalsen wir, sofern verschiedene grund- 
anschauungen hier zu walten scheinen, zwar gern ruhen; 
möTseu uns aber doch dahin bekennen, dai's eine wie auch 
immer motivierte bestrafung der beiden töchter (Odyss. 
XX, 63 fll) uns durch beziehung, geist und wort der er- 
zählung selbst **) gleichmäfsig ausgeschlossen scheine. Die 
hinzuziehung der schwalbe als Schwester wird nicht blos, 
wie bemerkt, durch Paus. X, 30, 2, sondern auch durch 
eine übrigens abweichende sage Anton. Lib. XI, die KXvTirt 
als nachtigal durch das slavische bestätigt, wo eben diese 
Wurzel (xÄv = plu) in ^lavikü, ^olovei etc. den namen der- 
selben hergiebt ; imd glauben wir nach alle diesem bei der 
herbstwanderuDg stehen bleiben zu dürfen ***). 

Fürs diesseitige Anatolien, um uns den ausdruck zu 
gestatten, haben wir vor allem Korinth ins äuge zu fafsen; 
und wenn wir lesen Athen. IV p. I67d Mi^ioip o Kügir- 
i^iogj o)g (fi](fi JtjuTJTüiog 6 ^W/ipiOi;, uv /bLvijuovavBi ^^;jf«- 
ko^og' vno (iiAfjdopiag ycto xal äxijaöiag, fxer 'A^j^iov TikeoiV 
elg JSrxekiav, or eue'/.ke xvi^eiv JSvgaxuifaagj t(^ iavrov 
avöamp fAskiTruVTn^L; ctTiiÖoro rov xkfjgov, ov iv ^VQaxov^ 
öaig iinkUv ii^eiv — so haben wir in diesem Schlemmer 
ztschr. X p. 167 n. einen travestierten Helios erkannt; und 



'^) Pandareos stiehlt den goldnen hund d. h. Sirius verschwindet yor 
der sonne. 

•♦) Schlufsvers 78 xa( (t* tSoaav. und gaben sie den leidigen stnrmwolken 
ken zur besorgung (weiterfordcrnng) : parallele zu 65 iv ^Qoxofjq xrX. 

***) Zeitschr. XI V p. 192 Hygin, namen der sonnenrosse. »Späte 
benennung?** — Gewährsmann ist Eumelos — allerdings spät (cf. X, 171), 
aber soUte Homer nicht auch spät sein? wenigstens war Otfried Müller 
dieeer ansieht, kl. sehr. II p. 119. 

9* 



132 Suime 

sehen nicht nur den Acthiops heimisch gerade dort, wo 
noch zu hellenischer zeit der Helioscult sich ungeschwächt 
behauptet, sondern die ackertheilung ftlhrt weiter zu dem 
korinthischen Helios, welcher (Eumelos fr. 2 Marksch.) 
(ivöt^cc x^^Q^i^' <^«(y(y«ro ncciclv ioig^ nämlich Aloeus und 
Aeetes, dem könig von ylut^ und erklärt sich diese Be- 
rührung der Aethiops- und Argonautenmythen um so leichter, 
als wli&toTiiix und Aia aus gleicher grundanschauung dif- 
ferenziert sind. Ein zweiter beweis fiir korinthische Aethiops- 
raythen liegt darin, dafs der Korinthier Eumelos eins der 
sonneurosse Al&ioxfj nennt, und wir dürfen nicht übersehen, 
dafs gerade in dieser umgegend (K. Fr. Hermann Antiq. I 
§. 6, 11) sich spuren der Karier zeigen, so wie dafs die 
Pegasos-Bellerophonsage wie im osten, so auch in Eorinth 
heimisch war. Dann Apd. I, 9, 3 JSiövcpog yafiel Megonijv 
T7JV i/rAavrog, Catast. 23 Megont] ö^ JSi6V(f(p &vf]T(p (Ae- 
yerai fityijvai), öio naracfapijg kavi. Für die (arkadischen) 
Pleiaden ist vor allem festzuhalten was bereits O. Müller 
prolegg. p. 192 darlegt, dafs die nymphen von dem stern- 
bilde zu scheiden seien, aber eben deshalb können wir 
seinem urtheil (kl. sehr. II p. 41 ) dafs man den siebenten 
dunklereu stern witzig die sterbliche genannt, nicht bei- 
treten. Als gemal des r?uog-JSiav(fog setzen wir sie als 
eine nymphenhaft gefafste Selene, die unsichtbarkeit wie 
bei lo, Iphigenia etc. als entrückung zur zeit des neu- 
monds. Zum käag = diaxog des Sisyphos zeitschr. X 
p. 187 tragen wir nach Rv. VII, 63, 2 cakram paryävivr- 
tsan, (Helios) das rad zu drehen wünschend — Sonnen- 
aufgang ; cakrä = xvxko beifst auch diskos. Sisyphos ver- 
fällt und entschlüpft dem Hades: diese chthonische be- 
ziehung tritt auch an den kindern der desgl. korinthischen 
aehjpfj'Mrjäeia^ Megjueoog und (Pegtjg Paus. II, 3, 6f deut- 
lich hervor. Bei Sophokles Oed. ß. 744 ^uol naviiQ uiv 
lloXvßog i'jv Kogiväiog, fJiUTt]Q ök MsgoTir^ /Jwoig wird diese 
wohl nur deshalb zur Dorierin (vom Oeta), weil mittler- 
weile Korinth dorisch geworden war. Auch die tragische 
Megomj (Eurip. Kresphontes Nauck. p. 395, Welcker trag. 



ö 



sprachliche und myüiologiächc Untersuchungen. 133 

p. 828, bekanntlich auch von neuem, und am groi'sartigsteu 
von Alfieri bearbeitet) läfst durch arkadische abkunfl die 
Artemis erkennen. 

Sodann Macedonieu. Konon 10, geographische allo- 
jorie: aber MtQoxp u ^AvOeiwvaiai^'') ßnaiXsvg dennoch be- 
merkenswerth. Fragen wir zunächst, woher dort ein Me- 
rops? — so zeigt sich Macedonien mit Troas in doppelter 
weise verbunden. Paus. V, 1, 3 (Elis) Endymions drei 
söhne Jlaidv^ 'fJ7i£i6(^, ^irwloi^. Dem urenkel ylvyia^i (»nt- 
mistet Herakles das land, kxTQtipag rov Mr/viov (= tt. 
Ai&ionog) tu ^evucc ig Tt)v xottqov (= ouixhjv, engl, mist), 
findet Undank, nimmt räche — wie vor Troja. Während 
aber hernach Epeer und Aetolier (Iliad. II, 619. 637) sich 
den Hellenen anschlicisen, wandert der älteste •) der brü- 
der Paeon nach Macedonien, und wie XI, 338 ein Troer 
*Ay(iaT{)o(fOi; llccLoviörig vom hellenisierten Aetolier Dio- 
medes erschlagen wird, stehen die Päonier vom flui'se Axios 
auf troischer seite II 848, XVI 287 unter Jlvoaixf.im (^io 
Aetolier Pyrächmes Paus. V, 4, 2; bahuvrihi: feuerlanzc 
= den blitz führend), XVII 351, XXI 140 — 183 unter 
llcreQOTicäog (ein Lykier Asteropäos XII 102, XVII 207; 
aaTEQo:iil blitz), welcher vom Hellenen Achilleus erschlagen 
wird. Sein vater Jlvihtywv^ thema -;'ov aus yovo = rz/At- 
yovo (äol. nviXvi fern hin, Ahrens dial. I p. 41) fern = im 
osten geboren, sol oriens; dessen mutter Thnißoia vielleicht 
Eos als h uterin der kühe, in deren vater 'Jxeaaauevog wie- 
der die beziehung auf heilkunde, in deren gemal, dem 
Strom \'J^ujg vgl. II, 850 yl^tov ov xdlXidTor vöotg im- 
xi Ovaren alctr mit VIII, 1 rjo)^ fitv xiJOXOTiBTilog ixiS^ 
vaTo nccöav in alav — in mythischem sipne wohl der no- 
rafiug yü&ioift wiederkehrt. Der geographische Axios be- 
grenzt östlich die landschafl XIV, 22G '//^<««7u; igcnuvfjy 
Justin. Vir, 1 Macedonia ante a nomine Emathionis rogis 



*) LancUchaft Authcli^u^ia, stailt Xri^^/eofs; Chalculice. 
♦♦) Geachichtlich also wohl umgekehrt: Aetolier und Epccr von Mace- 
donien her eingerückt. 



134 Sonne 

Emathia cognominata est. Hesiod. tb. 984 Ti&tovqi d' 
'H(og rixe Meuvovcc x^^'^OTioavarriv, M&ionoiv ßaoilrjä^ xai 
'Hua&iMva ävaxra. Ostwärts vom Axios aber die land- 
schaft Mvydovia vergl. Iliad. III, 186 MvySiov phrygischer 
könig, welchem Priamos gegen die Amazonen beisteht. 
Zwischen Mygdonien und dem Strymon liegt Sintica: vgl. 
Iliad. I, 593 hv y^i^uvo) JSivrieg mn^oeg, Odyss. VIII, 204 
JSii'Ttag ayQioffwvovg, Nordwärts liegen Pelagonien (vgl. 
IL V, 695 IhXdywv yJvxiog) und Päonien, und wir erken- 
nen nicht nur eine Verbindung dieser fiinf macedonischen 
landschaften mit dem osten *), sondern es tritt in Emathien 
überdies eine beziehung auf Aethiopsmythen hervor. Eine 
zweite Verbindung Macedoniens mit Troas bilden die Pe- 
lasger: tr^sch Iliad. II, 840. An Anthemus zn Koijatcov, 
KgijöTMVix}] (O. Müller Etrusker I p. 94 S.) grenzend, zie- 
hen sie sich von dort über Athos und die inseln nach 
Troas; hier Arisbe, Perkote, auch Kyzikos pelasgisch (Or- 
chom. p. 438) Schol. Apoll. Rh. I, 974 Klslrt] {tvydrriQ Mi- 
QOTiog lIsQXioaiov t6 ykvog, ^dvTswg, i]v Kv^ixog HyijuBV^ 
(bg iarogel Jt^iXoxog xai "EffoQog, Konon 41 Kv^ixog 6 
!An6Xk(üvog etc. Wie nun Homer die Sintier dygioffwpoi, 
die Karier ßa^ßagotfiavoi nennt, so erkennt Hdt. I, 57 in 
der Sprache der Pelasger von Kreston und Plakie eine 
ßdQßagog yXojaaa (natürlich nur dialektische sonderung), und 
von den Troern kaum unterschieden werden diese Pelasger 
mit der ganzen anatolischen gruppe in engster Verwandt- 
schaft gestanden haben. Sehen wir also Macedonien in 
landschaft und volk mit Asien vermittelt, so wird auch 
der MtQOxfj von Anthemus echter Überlieferung um so 
mehr entstammen, als der name der Stadt selbst mythi- 
schen Ursprungs ist. 'AvO^sfioeig, thema dv&sf^w-jrevT^ vgl. 
Liad. II, 467 kv keifiMtu JSxafActvÖgiq) dv&eiiOBvri (revüe, 
wie die am ziegenteich Liv. I, 16), h. Merc. 96 nedi* dv- 
rteuosvra, h. Ven. 169 vo^oHv ki, dv&t^oivriov etc. himm- 



*) Hdt. VII, 73 läfst sogar die ß{fCyf(; aus Macedonien in Phrygkn zu 
flfQv^fq werden; gegen alle Sprachgeschichte. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 135 

lisches lokal, MiQoxl) also und !AväBfi6iig in natürlicher Ver- 
bindung. Ebenso Iliad. XXIII, 885 xäS äi lißfjr' anv 
Qov, ßoog äi^iovy avO B^ioBVTct &rjx ig aycHva (figtav laten- 
ter mytbns; denn wie vorhin bei Nestors becher, ist auch 
hier ursprünglich der somakefsel *) gemeint, wie {uvkiog 
=) ved. andhas das somakraut und den soma selbst be- 
zeichnet. Dazu kommt Anthemus als alter name von Sa- 
mos, Str. XIV p. 637 kxaXuto öillaQ&spia tiqotbqov olxovv- 
Twv KaQüJv^ eha !Av&e^ovg etc. cf. X p. 457, und gehen 
wir dieser spur weiter nach, so deutet der gleiche name 
Samos auf vorhellenischen Zusammenhang, und auf Samo- 
thrake wufste man von Aethiopen und Kabiren, auf Ke- 
phallenia von Lelegern, Taphiern, Teleboern (s. w. u.) zu 
erzählen. 

Vorstehendem haben wir noch zwei karische sagen 
bcizufägen, welche auch ohne Wiederkehr der namen Ae- 
thiops und Merops diesem mythenkreise entschieden ange- 
hören: zuerst die Endymion-Selenesage, nach O.Mül- 
ler prolegg. p. 223 „offenbar einem alten und darum sehr 
räthselhaften cultus [eben den Aethiopsmythen] angehörig**, 
welchen er für die alten Leleger vindiciert. Die sage ge- 
hört aufser den Kariern vom Latmosgebirge noch den 
Epeern in Elis an, deren Verwandtschaft mit Aetoliern und 
Päoniern, kurz mit Anatoliern wir gesehen. 'EvSv^iuiV ist 
der Helios in besondrer beziehung auf den eingang (kv- 
dvpai) zum erdschlund, in parallele mit dem Helios-Van- 
dana Rv. I, 117, 5 „ihm der da schläft im schoofs der 
erdentiefe, wie eine sonne ruhet in dem dunkel, wie sicht- 
barliches gold zum glänz vergraben.'* In diese tiefe folgt 
ihm dann Selene (die mondsichel), die ihn liebt: ein bild 
das durch die grotte am Latmos keineswegs hervorgerufen, 
wohl aber dort localisiert werden konnte. Einige haupt- 
züge: Schol. Apoll. Rh. IV, 57 tov Ök 'Evövuiatva 'Hato- 
dog ... naoa /Jiog niXi^cfora xo Siagov iv avup (sibi ipsi) 



♦) vgl. die drei kcfsel Paus. VI, 20 init., und den beeher Yiina's, Jein- 
shid's mit dem lebensclixir. 



136 Sonne 

rafiiav Bivat &avdrov^ 6t s O^kXot oXiaifai — Helios könnte 
dem untergange sich entziehen^ stirbt freiwillig, hv 8k ralg 
fuydXaig 'Hoiatg kiyerai tov 'Evö. dvEvsxt^ijvai vno rov 
Jwg Big ovgavov , . . hxßlrid'EVTa xaTsX&Biv elg "AiSov — 
die tagesfahrt. ttvhg 8k 8id noXXrjv 8ixaio(Jvvt^v dno&eiü' 
^r^vai rpaaiv avrov xal cclt'^aaöd'ai naoa Jiog du xa&sv^ 
86LP — Helios als todtenrichter, und im schlaf — der doch 
wieder zum erwachen führt, wie den schlafenden Vandana 
die Apyin wieder heraufißihren. Die identität des himm- 
lischen und des chthonischen Helios, des £'i'Ji;///wv--//i- 
i9ioxp mit 'Ev8v^i(t)V'EvovnvXog spricht sich ebenso deut- 
lich aus, wie die der Selene mit \4aTBoo8ia Paus. V, 1, 4 
der sternwandlerin als ahnfrau der genannten stamme. Dua- 
lismus auch in den führern der Karier Iliad. II, 867. Nd- 
aT)]g (plxiöT^^g Hesych.) von vaicj haaaa: wenn in der be- 
deutung des ansiedelns, wie i^Xiog - Al&ioxi} von Syrakus, 
aber auch wie Melkart; wenn in der des wohnens, einfach 
als vdöTTig "Ji8ov^ und dann (p&igaiv ogog (Latmos? so 
Hekatäos; von (fd^ivo)) als todtenberg zu fafsen. Der bru- 
der !Api(fifAaxog dagegen, von rechtswegen namensvetter des 
Epeers II, 620 — kämpf rechts und links, der himmlische 
kämpfer og xal xQvaov i^^v 7toXsu6v8' lev tjvts xovqtj^ mäd- 
chenhaft geschmückt mit sonnengold; androgyn, Sandon- 
artig; semitische anklänge hier nicht überraschend. Der 
vater der beiden, NofAiwv, der von der (hohen) trift, wie- 
der Helios selbst. — Ein zweiter karischer mythus erscheint 
bei Hdt. VIH, 133—135, Paus. IX, 23, 6 in geschichtlicher 
einkleidung. Ein Karier Mvg Evownsvg befragt im auf- 
trage des Mardonios (in seiner landessprache, Paus.) das 
Orakel des Apollon Ptoos, und empfängt bescheid in ka- 
rischer spräche: EvowTtevg aber wird auf die karische 
Stadt '18gidg Xovaaogig bezogen, welche auch EvQWTiog ge- 
heifsen haben soll. Erwägen wir dagegen evowTtov. axo- 
Tsivov Hesych. Eurip. Iph. T. 614 ;^«V,t<a evQooTiov als be- 
zeichnung des grabes, den Evgvoxfj Paus. II, 34, 6 in seiner 
Verbindung mit der todtenstadt Hermione, die Verwandt- 
schaft mit den oix'a evgwspTa {'yiiSov) Iliad. XX, 65 u. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 137 

dergl. m. {evQcoTttv : evQwn = ai&ionev : ai&ion): so tritt 
das attribut EvQwnevg mit todtencult in deutliche bezie- 
bnng. Bedenken wir ferner, dafs Aesch. fr. 223 Nauck 
nach Weickers feiner erklärung (tril. p. ^^57, nachtrag p. 
316) der sich ans der unterweit heraufwQ blende fpaog-^i- 
avffog mit einem agov^alog auivxfoq V7iBQ(pvi]q verglichen 
wird, mause aber (Mannhardt germ. mythen p. 79) seelen 
sind, so wie dafs !An6l.lo)v ^uiv&wg (Wclcker I, 482) ge- 
wis nicht lediglich als maus vertilger, sondern sofern er als 
herr der seelen auch dies elbiscbe gethier in schranken 
hält, verehrt wird: so haben wir in Mvg £vgot7ievg die 
maus, den alb in der finsternis, einen avatar des chtboni- 
sehen Apollons von Karien vor uns. Dieser ApoUon also 
befragt sich 1. c. VIII, 135 über den krieg, und erwiedert, 
wie im Selbstgespräch, in seiner muttersprache. Zur fixie- 
rung des raythus am Ptoon aber mag der anlafs, wenn 
man will, in einer geschichtlichen befragung zu suchen 
sein. 

Wir haben ein feld voller trömmer durchwandert; neh- 
men wir einen rückblick. — Wir finden die Aethiops-Me- 
ropsmythen heimisch in AnatoHen: dort besonders in 
Troas und Karien, auf Chios und vor allem Kos; in 
schwachen spuren in Lykien, Phrygien, Lydien, auf Kreta, 
Lemnos, Samothrake — wobei wir von der Kabirenfrage 
absehen ; diesseit des meeres eine schwache spur in Mace- 
donien, starke in Elis und Korinth: alles aus vorhelleni- 
scher zeit. Wir erkennen die Anatolier als vermittler zwi- 
schen den verkümmerten ideen der Hellenen und den alten 
indogermanischen anschauungen. — Die Aethiopsmythen 
haben den tod in seiner hoffnung aber auch seinen schrecken, 
das geschick der seele in Seligkeit aber auch unseligkeit 
zum inbalt. Als herren über leben und tod, lebende und 
todte, stehen Helios und Selene da, hier licht und herrlich^ 
aber auch sterblich, auch blitzende menschenbrecher, die 
Seelen selbst cußionsg verklärte, oder fiiooTreg sterbliche 
genannt, letztres j^anz entsprechend jener andern bezeich- 
nung bei Hesiod. t. 141 vnox^^^n'ioi uaxctQU i^vtjrui^ wo 



138 Sonue 

desgleichen von seelen die rede. Anfänglich nur himmli- 
schen locals scheidet sich das geisterreich nach aufgang 
und niedcrgang, schhefst sich an letztern der glaube an 
ein chthonisches reich, welcher dem Hellenen verbleibt, 
während ihm das lichtreich zum märchen wird. — Dem 
sittlichen gedanken gegenüber kann die neigung der beiden 
gottheiten zur vogelform, — mantik und traumdeutung, 
so wie die einwirkung der Semiten nur als nebensache gel- 
ten. — Anrecht auf geschichtlichen rang haben Aethiopen 
und Meroper gerade so viel und so wenig wie die Pbäa- 
ken, deren wesen als seelen nicht unbestritten aber unbe- 
streitbar ist. Aber nicht blos Aethiopen und Meroper, 
sondern, wie wir jetzt nicht länger verkennen, noch eine 
ganze reihe anderer „Völker^ sind geister, und erst wenn 
die Wissenschaft diese „verschollenen^ in die mythologie 
verweist, gewinnt die geschichte festen boden: wir nennen 
unter ihnen, und mit verzieht auf nähere begrüudung, nur 
Leleger*), Teleboer, Taphier. Da nun die Anato- 
lier die aspiraten zur media verschieben {BQiysg, Bayaiug^ 
/JccQijg etc.) so leiten wir ^iksyeg von wz. yiEX (A«;^og 
todtenbett, rciifoi yltkiyiov Str. VII p. 321) nhd. liegen, 
doch ist auch Hesiod. fr. 135 XexTovg hx )'ah]g dem sinne 
nach nicht übel; Ttßsßoai „weitrufende** vom ruf der wil- 
den jagd; über Tdtfiot kein wort. Nun die gegenprobe 
durch aufreihung: IkXsyBg rdcfioi rtjkeßuai fieQOTieg aufio- 
Tteg „die da im grabe ruhen, weitrufende verstorbene ver- 
klärte**: die heimgegangenen ganz handlieh definiert. 

Es blieb jetzt noch eine letzte, untergeordnete, und 
wie es schien undankbare frage zu beantworten. Wie 
konnte die mythische Jii/ionia — zu Strabo's (I p. 30 ff.) 
freude — in Nubien und Habesch glücklich entdeckt, lo- 
calisiert werden? — Da nahmen wir denn den Herodot 
zur hand, ganz gelafsen zunächst; wurden aber bald nicht 
wenig betroffen in seinen Aethiopen, den Makrobiern 
die seligen nunmehr unserseits entdecken zu möfsen. Mag 

*) Doron mythischer character mir zcitschr. X p. 179 f. noch nicht ge- 
nügend klar war. 



sprachliche und mythologische Untersuchungen. 130 

ein irdischer grofsherr, ein könig der könige auch das land 
der seligen, das paradies erobern? Das ist die frage, wel- 
che hier im feldzug des Kambyses ihre antwort findet. 
Der kämpf gegen das paradies, mythisch göttlichen Wi- 
dersachern beigemefsen, konnte im Orient, sobald eine grofs- 
macht sich bildete, in der sage der unterworfenen leicht 
übertragen werden auf den grofskönig, dessen herschsucht 
ihnen die alte freiheit entrifs; in Anatolien zumal diese auf- 
fafsung sich an Ramses d. Gr. schliefsen, sobald dieser von 
Ephesos und Smyrua (Hdt. II , 106) wieder ostwärts — 
also gen AißioTrin — zog, und so verschwand. Doch wie 
dem sei; wie spät oder früh — die uamen Alyv7iT0(; und 
NBiloq sehen indogermanisch aus — Anatolien mit Aegyp- 
ten in verkehr gestanden: wir wissen dafs Psammetich 
(II, 154) Karier in Aegypten angesiedelt, und glauben zu 
wifsen dafs diese die Aethiopsmythen gehabt: was wun- 
der also wenn sie jetzt den ti, AWioxjf im Nil, yiiß^ionict 
irgendwo im tiefem sQden wiederfanden? Und doch wurde 
die mythische beziehun^: auf den osten nicht sogleich ver- 
drängt; Aeschylos Prom. .^10 (Schöraann p. 327) setzt zwar 
den Acthiops mit dem Nil in Verbindung, läfst ihn aber 
ganz richtig noo^ i'jliov TTti'/rcTi^ entspringen; Herodot VII, 
70 kennt ^iß-ioneg VTrho JiyvTTTov^ glaubt aber auch dem 
Orient die ctTi rj'/Jov cci'ccrolewv yliß-ioTisg keinesweges ab- 
sprechen zu sollen. Theilten nun die Karier ihre sagen 
von ad^dvciToi j^iifionEg (Bion, Athen. XIII p. 5()6c) am 
^ilxBctvos; den nriestern mit, machten diese (Herodot HI, 17) 
die uay.ooßtoi .^it'Noneg km r// votiij da).daai, daraus, kam 
endlich ein verfehlter feldzug des verabscheuten Kambyses 
hinzu: so kann es wohl nicht länger wundern, wenn der 
tausendjährige mythus, wie er der geschichte ständig „nach- 
rückt ** (W. Schwartz), endlich an Kambyses hangen blieb. 
Natürlich konnte dabei misdeutung nicht ausbleiben: die 
bedeutendste, dafs nämlich /Jilifioma zwar mit recht hoch 
hinauf an einem herrlichen ström, aber falschlich auf er- 
den gesucht wurde, dürfte von den Kariern selbst, andre 
wie die Übertragung nu bischer sitte auf die AiOiu7ie<^^ 



140 Souiie 

80 wie deren auffassung als piaxQoßioi won den priestern 
ausgeheu; im ganzen aber, falls wir anders anf richtigem 
wege sind, bietet sich hier ein wahrhaft staunenswerthes bei- 
spiel der wunderbaren treue, mit welcher die wechselnden 
geschlechter die Überlieferung bewahren. Wir erlauben uns 
jetzt den pseudohistorischeu bericht Herodot III, 17 — 24 in 
den mythus zurückzuübersetzen. 

„Im fernen fernen osten, am quell der goldnen him- 
melsfluthen, steht die bürg der seligen. Gröfser und schö- 
ner"') sind sie denn wir erdenkinder, die seligen, durch 
andere gesetze von uns weit getrennt; dem schönsten aber 
und dem stärksten**) nur gebührt die herrschaft — dem 
wahren könig, Helios Aethiops mit namen. Dem flog der 
wölken nur erreichbar ist das paradies unnahbar f&r die 
menschheit; ja wollt' ein könig in der fülle irdischer macht, 
wollte mit seiner Völker schaaren Eambyses dorthin ziehen, 
in weiten wüsten sänken sie dem hunger unterliegend in 
das grab. Und wären selbst kundschaftor zu banden dir, 
Kambyses, kundig des weges den der mensch nicht kennt: 
um frieden mit ihm und freundschaft zu gewinnen , was 
hättest du dem himmlischen zu bieten? Ein golden hals- 
band, armband, ihm des sonnengoldes herrn? Purpurge- 
wand***), die salb' im alabaster — was menschenlist der 
morgenröthe purpur, dem geträufel des lichtsees nachge- 
äfft? Dein weifses brot****) von Aeolis, den erdenstaub? — 
Und doch, Kambyses, einer gäbe rühmt die erde sich, die 
auch der götter herz erfreut — Phönikes edler palmwein 
— biet' ihm den, er thut bescheid dir aus des menschen 
becher. Voll ehrfurcht aber, biet' ihn, nicht als ebenbOrti- 



*) Herodot c. 20 fff'yi,<nnt xai xäXkioiui — jileich dies völlig my- 
thisch. 

♦♦je. 20. Auf die umbildniig mag eine uubische sitte eingewirkt ha- 
ben, Strabü XVII p. 822 (JaffUiaq le xa&nr'iWTt> xiX. 

**♦) c. 20. 22. Dieser zug kann so alt sein wie der phönicische ver- 
kehr mit Anatoücn. 

****) c. 22. AethiopR kennt kein brot ; dieser zug aus einer zeit die 
den ack erbau nicht kannte. 



.sprachliche und mythologische Untersuchungen. 141 

ger, nicht als möcht' er, voll des süfsen trankes, den gott 
in sich vergefsen. Hegst arglist du im herzen — wähnest 
ihn zu locken — des Helios allsehend äuge * ) ruht auf dir. 
Und dies das wort des gottes: „Geschenke bringst du, 
Perser, suchest meine freundschaft? Du lögst — erspähen 
willst du nur die götterburg — dem pfad des rechten 
schreitest du nicht nach, begehrest was dir nicht gebühret, 
und knechtest die menschen die dich nie gekränkt. Nimm 
diesen bogen ^), spann ihn, wenn du kannst: dann bist du 
mir ebenbürtig, zieh zu felde. Wo nicht, den göttem dank' 
es, wenn die Aethiopen nicht ausziehn und die weit sich 
unterwerfen.'' — Gar wundersam ists droben. Wenn von 
den hohen triften, wo am lichtstrom sie geweidet, des got- 
tes heilige heerden zur dunkeln grotte^) heimgekehrt — 
bei nacht, und wechselnd in dem ehrenamt, bereiten die 
ahnherrn der erlauchtesten geschlechter*) dem Aethiops 
das mahl. Dort vor der götterburg die freie wiese, das 
ist des Helios tisch — und dort wie aus der erde.tiefen^) 
bieten rosse, ziegen, schafe fetten braten, und milch zum 
morgentrunk die rothen kühe. Doch hohe götter nicht 
allein*^) vereint das fest; auch selige'), sie treten frei heran, 
um an des Helios tisch des mahles froh zu sein. Hier 
götterspeise ; wieder dort ein quell®), als war' es veilchen- 
duitig klares oel, und doch so leicht, dalis holz und kork 



*) c. 21. '0 df Aif>io\p ftci&wr — misdeutung des intuitiven 
wifsens. 

*) den bogen des Smr&evq 'AnoXkiav. 

*) Heimkehr der heerden: ich ergänze den zng nach Hdt IX, 98 Apol- 
lonia, kolonie Korinths; die grotte der in den veden bekannte stall. 

*) c. 18 Tovq h t/A«4 Ixdaionc; iovraq tuv dtTTmv cf. IX, 93 ni 
nXovtvt Tt xal yivH doxi^fnataroi rtiv dtrtwv xtA. , die Bhfgu, Athar- 
van u. s. w. 

') c. 18 T7JI' yijv — eben jenes nvTQov. 

*) gottermal — ergänzt nach Homer. 

' ) c. 18 TOI' (tovküfifiov. Wie die pitaral^ mit Yama, 

») c. 23 x(>»ii'ij, quell des ampta, Styx; vgl. Iliad. H, 753 (Titaresios) 
ovd* fiyf riTivfio) niftiiifTyfrai doyv()oA{i'fj ^ nXXd it niv xa&VTifQ^ev 
inHiQifk^ flirr* IXa^oV ngxnv ya(> öfivnv JStvyoq rtdaroq iaxtv dnog- 
ß«|. Vgl. auch Diodor bei W. Schwartz urspr. p. 72. 



142 l^iu^ 

in solchem nafs zu bodeii sinkt. Dort baden sie, und blei- 
ben durch dies bad stets frisch und schimmernd« — Aber 
achl der hinimel kennt auch schmerzen — siehst du die 
weiten pforten*) dort — den kerker? Lafst jede hoffiiung 
fahren! denn es warten, die gottlos ihr gewandelt, euer 
warten hier ketten nur von gold. Der niedern weit') ge- 
hört das erz. — Und schlafen sie auch droben? — In fär- 
ben strahlend gehn sie ein zum säulenstamm '*) der wetter- 
bäume, leuchten duftig durch den lichten nebel. Und sähst 
du so im schlaf sie, mensch! du glaubtest es sei krystall 
— du glaubtest sie sind todt. Weih ihnen denn das Op- 
fer, deinen väternl sie sind vorangegangen — du folgst 
nach". 

Wismar, 23. juni 1865. W.Sonne. 

(Schlufs folgt.) 



Zur kenntnifs der dialekte der neugriechischen 

spräche. 
I. 

Der trapezuntische dialekt. 

Zu meinen mittheilungen über diesen dialekt in der 
Zeitschrift fQr vergleichende Sprachforschung 1862, bd. XI, 
s. 124—131 trage ich hier noch folgendes nach, was sich 
mir später beim lesen trapezuntischer und kerasuntischer 
Volkslieder dargeboten hat. Ich beziehe mich dabei aus- 
drücklieh auf jene mittheilungen und auf das, was ich 
dort über die eigenthümlichkeiten des trapezuntischen dia- 
lekts bemerkt, so wie auf die einzehien beispiele, die ich 



*) c. 23 dfa/nwTtjQtov ; reich der seligen und unseligen, wie auf der 
vrjaoq Svititjt noch benachbart. 

') c. 23. Bemerkenswerth, dafs von eisen keine rede. 

^ ) c. 24. Die ruhe der verklärten in der sÄulc des wetterbaunis ist 
imbisiert, vgl. Strabo XVII p. 822 oi d* otnoi natixovai ufQtxiawf^ vahw. 
Zu Y^'^>oiOolvli<i cf. Hdt. VII, 69. 



zur kenntnifs der dialekte der neugriech. spräche. I4.) 

als belege für diese eigenthQmlichkeiteD zusammengestellt 
habe. Die gegenwärtigen nachtrage schliefsen sich jenen 
bemerkungen, so wie diesen beispielen, zum theil als wei- 
tere belege und Zeugnisse für die eigenthümlichkeiten des 
fraglichen dialekts genau an. 

Was die dort erwähnten, dem trapezuntischen dialekte 
eigenen vocalveränderungen anlangt, so verändert er nicht 
nur a in €, sondern auch umgekehrt € in « , z. b. axeZ 
für i^ü^ und ebenso w in 01;, z. b. iiovv (rjfxovv) für rjju><av. 

An eigenthümlichen formen habe ich in trapezunti- 
schen und kerasuntischen Volksliedern noch folgende ge- 
funden : 

t6 iaov (das altgriech. aov ohne artikel), ebenso rdfid, 
rd ad {rd hid^ rd iad)^ iv und evi (altgriech. ^v- 
€(jr£), 
lAci (fQr /iidvpcx^ dafern es nicht die kürzere äolische und 
dorische form statt /AaTrjQ, urJTfjg ist), aber nur, wie 
schon im alterthum, im voc, 
Tovav für Tüv (wie nach dem schon früher angeführten 
der fragliche dialekt auch dvovav sagt für dro, drov 
(statt ai)ro, ai/ror), 
drev filr avtfjv, 
^skevv für ^fiXsvüVV^ 

An besonders eigenthümlichen werten des trapezunti- 
schen dialekts, zum theil mit eigenthümlicher bedeutung, 
trage ich folgende nach: 

negvdu), Ttegvi^ta^ in activem sinne für ni^av ipiQU) hin- 
übertragen, hinüberbringen (ähnlich wie das altgriech. 

ffiXia^ der kuTs, 

xdöooi, vdyofiai (wie im altgriech. öwidocofiai)^ über- 
einkommen, sich verabreden, z. b. krdya^ev, wir sind 
übereingekommen, 

ofAaXiov, ebene gegend, ebene, 

avaneigog, dicht besät, bepflanzt, 

ßovöia (altgriech. ßotdia) avyvy^sva (vom altgriech. av- 
^evywfu)j Zugochsen, 



144 Kiml 

loyaQidaxoiAaiy berechnen, überrechnen (statt koyagid^at^ 
unter Verwandlung des ^ in ax), 

vovvi^o)^ denken, nachdenken (vom altgriech. voig). 
In einem kerasuntischen volksliede bin ich auch dein 
Worte xogdoiov begegnet, und dais auch sonst in einzel- 
nen Worten und bildungen des trapezuntischen dialekts viel 
altgriechisches, unverändert und dem innersten kern nach, 
sich findet, dies lehren auch die hier nachgetragenen werte 
und Wortbildungen. 

Noch will ich zur bestätigung des theils vorstehend, 
theils in dem früheren aufsatze über den trapezuntischen 
dialekt im allgemeinen und einzelnen von mir bemerkten 
dasjenige hier nachtragen, was Konst. Oikonomos in sei- 
nem buche: Ilegi ri^g yvi^aiag Ttgocpogäg Tijg iXhjvtxijg 
y^ctiöaijg (Petersburg 1829) s. 765 f. über den dialekt der 
am Pontus Euxinus wohnenden Griechen sagt. Er bestä- 
tigt im allgemeinen, dafs sich unter ihnen viele altgriechi- 
sche Worte und Wortbildungen erhalten haben, und dals 
sich namentlich viele dorische formen in ihrer spräche fin- 
den. In ersterer hinsieht erwähnt er die worte: >J ixv^d, 
TÖ v&dxiov^ die brüst (vom altgriech. ovd'ag)^ fisi^eregog 
(altgriech. fiet^oTegog), iuog^ öog^ auch iaetegogf alfieg (für 
ka^iv) u. s. w. Das v haben sie besonders in den infini- 
tivformen des passivums beibehalten, z. b. yofiw&^v (für 
yeuia&fjv, — ysfÄt^u) in der neugriechischen spräche heifst: 
füllen, anfüllen); und ebenso findet es sich in der trape- 
zuntischen spräche in der dritten person des imperfects 
der verba auf aco und £&>. Oikonomos erwähnt in dieser 
hinsieht aus einem volksliede die formen: VTiepsnirava (f. 
VTiegenirae, imegsTtera) und kxgdreve (f. kxgdraSf kxgdtei). 

IL 

Der dialekt der inseln Karpathos, Rhodos, 
Ealymnos und Kasos. 

Unter den inseid ialekten hat, mit au^schlufs des cy- 
prischen (der seine besonderen eigenthümlichkeiten hat und 



zur kenntnifs der dialekte der neugriecb. spräche. 145 

daher auch eine eigene behandlung verdient, mit welcher 
ich gegenwärtig beschäftigt bin), sowie mit ausschluTs des 
kretischen, der dialekt der obengenannten, nahe bei einan- 
der liegenden inseln gewisse gemeinschaftliche eigenheiten. 
Wenigstens sah Ludw. Rofs in seinen „beitragen zur kennt- 
nifs und beurtheilung des neugriechischen^ (im dritten band 
seiner „reisen auf den griechischen inseln des ägäischen 
meeres^ s. 155f) die sache so an, und er stellt bei be- 
trachtung der in der griechischen vulgarsprache im allge- 
meinen sich vielfach findenden eigenthümlichkeiten der do- 
rischen ausspräche einzelne beispiele von jenen inseln (a- 
a. o. s. 173 f.) besonders zusammen. Indem ich mich hieran 
halte, will ich, jedoch zugleich unter berücksichtigung der, 
jenen inseln nahe gelegenen insel Kasos, übrigens auf grund 
der, mir neuerdings vorgekommenen Volkslieder von diesen 
inseln, hier folgendes Über den dialekt derselben zusam- 
menstellen. Auf die eigenthümlichkeiten des dialekts selbst, 
wie sie Rofs a. a. o. zusammengestellt hat, komme ich, da 
ich im übrigen dessen erwähnte „beitrage^ als bekannt 
hier voraussetzen darf, nur insoweit zurück, als mir jene 
Volkslieder neue beispiele dafür darbieten. 

In kasischen Volksliedern finde ich folgende eigen- 
thümlichkeiten: 

X für X (ciaxr^uog statt äö^Vf^og)^ 
k für r, i; für a (aktjiAeva) statt ava/Aeviu)^ 
ferner die formen: ol (optativform för iSoi)^ äkot (für /?«- 
loi)y ksLTfjid (für ieiTovgyia)^ dvafAidöv {iv xai rj/iiiöv), 
dixad ((ü(Tav, orav), ovviä (für ßovvd — to Bovvov in der 
vulgarsprache: der berg). 

Für das der dorischen ausspräche eigenthfimliche und 
charakteristische ausstofsen von consonanten, theils zu an- 
fange des Worts, theils in der mitte, wofür Rofs mehrere 
beispiele anführt, habe ich in Kasos noch folgende beson- 
dere beispiele gefunden: 

aXlm fttr ßdiJLo), Üdovöroq für Avyovatog, fw'iv för fio- 
Siov (getraidemaals — altgriech. fioSiog)^ otvQoq f&r 
ßovxvQoq (aTtgriech. ßovTVQOv), ovviov für ßovvov. 

Zeitachr. f. vgl. sprachf. XV. 2. 10 



146 Kind 

Aus einem karpathiscben volksliede erw&bne ich 
folgende eigenthümlicbkeiten. 

Der dortige dialekt ändert d in y^ z. b. yi flür SiVj 
ysirviga für Sevrigct (montag), ßovkevyco fiXr SovXmvw (mit 
dem aeolischen digamma), ferner tp in 71^ z. b. niga fflr 
(fioiOy y in x, z. b. xarra fttr yarra {ydra), katze, (pnyxl- 
Ti]g fiXr (peyyiTfjg^ Spiegel (von (piyyog licht, glänz), woftlr 
die neugriechisebe spräche gewöhnlich xaToTirgov gebraocht, 
— A in ju, z, b. aufiä fQr akXd^ 6 in o, z. b. ogyov flir 
dgyov, v in ov, z. b. ;^poi;<Fdg fÖr ;jf(>v<FüV§. 

Andere eigenthQmliche formen und sonstige Wortbil- 
dungen fand ich dort folgende: 

xBci {xici) statt xal iyciy dufi' Id statt dXX' kyoi, und die 
doppelten augmentförmen ijaXa für ißaXa, fjxafia f&r 

Dagegen, was das ausstofsen von consonanten anlangt, 
folgende beispiele: 

daTtdüi für dyandw^ '^aXa fQr HßaXa^ und rergdf] fÖr r«- 
rgdSt] {rerdoTt})^ mittwoch. 

Auch vocale stöfst die vulgarsprache auf Karpathos 
ab, z, b. ^tjvrdgi {^tjVTdgtov) fÖr i^i^vidgiov, gewebe von 
sechzig eilen, tpdpe fQr vqiceve, d fQr dno. 

In gleicher weise geschieht dies auf Ealymnos. In 
Tolksliedern von dieser insel triffl; man formen der vulgar- 
sprache wie xXai statt xXaiei, ' yandvtt statt dyandw, Sa 
statt elSttj xXafjiog statt xXctvuog, ebenso wa^ das ansstolsen 
von consonanten betriffl;, ngdfia fQr ngäyfia, fidi'aaa fQr 
fidyujaa, Xisgi^ für Xiyegij (mädchen, geliebte), wofllr sonst 
die vulgarsprache Xvyegtj sagt. Andere dorismen, denen 
man dort begegnet, sind die vertauschung des a mit ^, 
z. b. negnarrj^id fiir negTiarrjatd, der häufige gebrauch des 
a statt e in den Zeitwörtern, z. b. (fiXdw statt (piXkoi^ ^tj-. 
rdo), XfjauovdüOy nagrjyogdo), rgaßdcD, femer die form des 
doppelten augments r^nijga statt kniiga. 

Eine aufTallende verbalform des kalymnischen dialekts 
ist der dortige aorist ^una (von ifjißaivut, woftr die vul- 
garsprache auch kfinaivui sagt), den ich in einem volksliede 



zur kenntnirs der dialekte der nengriech. spräche. 147 

gefandeD habe, und aufserdem verzeichne ich noch als 
eigenthfimlichkeiten dieses dorischen dialekts die vertäu- 
schong des o mit <, die schon Rofs a. a« o. s. 174 hervor- 
hob, und wofür ich das beispiel ifAudn (ifAfidriov) ffir 6/i- 
ftäu (pufAaTiov) hier nachtrage. Aehnlich ist die vertau- 
schung der vocale in y^gag Air ytagäg (türk.), wunde. 

Neben der vulgargriechischen form apiAt^ (2te person 
des plurals des imperativs), mit der bedeutung: bringt, 
tragt (die imperativform afit kennt die neugriechische sprä- 
che in der bedeutung: geh), mufs dort die, nur im höhe- 
ren Stile gebräuchliche form des Superlativs (agaiorarog in 
einem volksliede auffallen. Eine andere auffallende bildung 
ist das adjectivum x^iAriXdacia (statt x^f^V^^t X^f^V^^s)^ lue- 
drig, tief. 

Aus Volksliedern von Rhodos trage ich f&r das aus- 
stofsen von vocalen und ganzen silben nur die formen 
nXsid fbr nXudda^ und rgavratpvkkdxij TQavTaq>vkXitaa, 
tgavTaq>vUiiviogj für rguxvratpvkXdxiov u. s. w., so wie fOr 
die vertauschung des i theils mit er, theils mit b die bei- 
spiele axvdgwv für Ixvdgtov und dgyvgomgixvrog flür dg- 
yvgontgixyrog (mit silber umflossen, silberglänzend) nach, 
auch ist in dieser beziehung nicht nur flür die, dem dori- 
schen dialekte eigene änderung des 6 in a (neben der des 
a in €, welche auch Rofs a. a. o. erwähnt), sondern auch 
ftar die des X ia g und des n m tp das wort ayxogtpi 
{ayxogfptov) statt kyxoXniov (in der neugriechischen spräche: 
reliquie, die man auf der brüst trägt) ein auffallendes 
beispiel. 

Dr. Theodor Kind. 



10* 



148 



Zu band XIV, 256. 

Aus eiuem briefe de» »tautsrath h. dr. BöhÜingk an den he»nsgeb«r. 

Man soll, wie Arthur Schopenhauer *) nach Plato und 
Kant lehrt, zweien gesetzen, dem der homogenität und dem 
der specification , auJF gleiche weise, nicht aber dem einen 
zum nachtheil des andern, genüge leisten. Gegen das 
zweite gesetz fehlt, wie es mir scheint, H. Ebel, wenn er 
in Ihrer Zeitschrift bd. XIV, s. 256 die, wie er sagt, bis- 
her von den auslegern unbegreiflich gefundenen worte 
Priscians „multo molliorem et volubiliorem sonitum habet 
r/j quam ps vel bs* und „sicut ergo ip melius (mollius?) 
sonat quam ps vel bs, sie x etiam quam gs vel cs^ aus 
dem gründe, weil die Griechen vor der einfQhrung des | 
und xp sich vielfach der zeichen X^ und <I)JS bedient ha- 
ben, so deutet, als habe der grammatiker mit dieser Um- 
schreibung eben jene oder eine ihr ähnliche ausspräche 
gemeint. Gegen eine solche deutung der worte Priscian^s 
glaube ich zwei einwendungen machen zu dürfen. 

1) Die laute fpJS und X^ können nach meinem da- 
fürhalten nicht moUiores und volubiliores als ps (bs), es 
(gs) genannt werden. 

2) Warum sollte Priscian, wenn jene doppelcousonan- 
ten die von Ebel angegebene ausspräche gehabt hätten, 
nicht geradezu die entsprechenden griechischen Verbindun- 
gen 0-5" und X2 zur Umschreibung derselben benutzt 
haben? 

Nehmen wir dagegen an, dafs in ip und x der zweite 
bestandtheil ein tonendes s (franz. z) und demzufolge die 
vorangehenden laute b und g ge^nresen seien**), so sind alle 
Schwierigkeiten gehoben, bz und gz haben in der tfaat 
multo molliorem et volubiliorem sonitum als ps (bs) und 
CS (gs), und Priscian bediente sich aus dem gründe einer 
beim ersten anblicke unbegreiflichen Umschreibung, weil 
er das tönende s (franz. z) nicht zu bezeichnen verstand. 



*) Ueber die vierfache wurzel des satzes vom zureichenden gründe. 2te 
aufläge s. 1. 

**) Bekanntlich wird das x im franz. examen gleichfalls wie gz ge- 
sprochen. 



CorsseD, anzeige. I49 

Dc>i tentativi fatti per spiegare le antiche lingue italiche e specialmente 
TEtrusea, saggio storico critico di Pietro Risi. Milano 1868. 

Der verf. will, wie er in der vorrede sagt, dem leser einen 
schnellen mit beweisstücken ausgestatteten überblick geben über 
die ergebnisse, zu denen bis jetzt die erklärongsversache altitali- 
scher Sprachdenkmäler gelangt seien. Zu dem zwecke berichtet 
er im ersten kapitel über die versuche von gelehrten älterer und 
neuerer seit zur erklärung zweier wichtiger Sprachdenkmäler, der 
ambr. tafeln von Iguvium und der etruskischen Inschrift 
von Perugia. Er erzählt also wie Bourget die worte der ignvin. 
tafeln für klagegesänge und gebete der Pelasger gehalten habe, 
Mazzochi einen theil derselben für einen bericht Gber die löschang 
eines brandes, Lami für die erzählung von einer flucht der Igu* 
viner vor den Tiburtinern, Passeri für formein von riten, augu- 
rien und blitzsuhneui Lanzi für fragmente von pontiflcal* und 
ritualbüchern. Von den leistungen O. Müllers, R. Lepsius, Las- 
sens und Grotefends sagt er, was in der vorrede von Aufrechts 
und Kirchhofs umbrischen Sprachdenkmälern zu lesen ist. Ueber 
dieses werk führt er das urtheil Huschke's an, ohne ein bewufst- 
sein zu verrathen, wie bedeutungslos dasselbe auf dem felde ita- 
lischer Sprachforschung ist. Nach so vielen Studien, meint der 
verf., stehe über den inhalt der iguvinischen inschriften nur so 
viel fest, dafs sie sich wahrscheinlich auf den cultus bezögen 
and gebete und litaneien bei der feier von opfern und angurien 
eines priestercollegiums der Attidier enthielten; er sage „wahr- 
scheinlich^, weil, um zu diesem ergebnifs zu gelangen, man das 
System einer freien etymologie befolgt habe, eine methode, die in 
der that ausgezeichnet sei, um jedes zu entdecken, was jeder sich 
vorgenommen habe; man habe zugefügt, verstümmelt, ergänzt, 
habe fast jedes wort auf ein Prokrustesbett gespannt und habe 
mittelst Voraussetzungen und vermuthungen eine grofse anzahl 
von Wörtern zu erschliefsen versucht, die in der that dunkel seien 
(s. 24 f.). Wenn der verf. ein solches verfahren von der mehr- 
zahl der frühern erklärer behauptet wie von Bourget, Maffei, 
Mazzochi, Lami, Passeri, Lanzi und unter den neuern etwa von 
Grotefend und Huschke, so hat er recht; wenn er dasselbe aber 
anch Aufrecht und Kirchhof schuld giebt, so zeigt das allein 
schon, dafs er sich nicht befleifsigt hat dieses gediegene werk 
kennen zu lernen, wofür ich weiter unten schlagende beweise an- 



150 Consen 

fuhren werde, also dasselbe auch voo dem willkSrlicheo, pbrnn- 
tastischen and unwissenschaftlichen wost nicht sa anterschelden 
vermag, mit Aem bis dahin die iguvinischen inschriften heimge- 
sucht sind. Hinter jenem ,, wahrscheinlich^ liegt nicht die yor- 
sicht eines sachkundigen kritikers, sondern nur die thatsache, dafr 
der verf. auf diesem felde das wahre vom falschen nicht sa schei- 
den vermag. Er erzählt dann von den versuchen sor deatong der 
etruski sehen Inschrift von Perogia. Vermiglioli hielt die- 
selbe für ein ackergesets mit grensbestimmnngen, Campanari fBr 
eine aufzeichnung über opfer, heilige mahlzeiten, spiele and gebete. 
Von denjenigen, die das etruskisch'e für eine tochter dee hebrSi- 
schen ausgegeben haben, erkl&rte Janelli jene inschrift for ein 
dekret über einen begräbnifsthurm , in dem vornehme Perosiner 
beigesetzt werden sollten, Stickel fSr die beschreibung eines kam- 
pfes der Tyrrhener mit den einwohnern von Volsinii, Tarqoini 
für die erzfihlung von Wanderungen und kämpfen der senonisebeo 
Gallier, der Irländer Betham f3r die beschreibong eines seesogas 
der Etrasker nach Irland. 97enn hiemadi der verf. den erfolg 
der bisherigen Stadien für das etraskische trotz der Verdienste 
von Lanzi, O. Maller and Conestabile als gering hinstellt (s. 35), 
so mofs man ihm recht geben. Dieselbe dankelheit wie ober die 
inschrift von Perugia soll nach hm. Risi auch aber den Cippne 
von Abella, and die tafel von Bantia herrschen (s. 31). Hr. 
R. weifs aber gar nichts von Kirchhofs Schrift: das stadtrecht von 
Bantia. Jemand der die durch schlagende beweisfnhrung gewon- 
nen sachlichen und sprachlichen ergebnisse dieser schrift nicht 
kennt, hat Aber den jetzigen Standpunkt unserer kenntnifs des 
oskischen kein sachkundiges urtheil. Weiter unten werde ich 
zeigen, dafs hr. R. den von Lepsius und Mommsen erst festge- 
stellten text des Cippus von Abella nicht einmal angesehen hat. 
Auch was seit den letzten] Jahrzehnten far die kenntnifs des os- 
kischen und der verwandten dialekte namentlich durch specialon- 
tersuchangen in dieser Zeitschrift ge^vonnen worden ist, kennt er 
nicht, obwohl er dieselbe rühmend erwähnt. 

Nach diesem ersten kapitel behandelt er. nun in den vier 
nächsten kapiteln vier von ihm so benannte „schulen^ von er- 
klärern der altitalischcn Sprachdenkmäler. Die erste nennt er 
die griechisch-lateinische (s. 37f.). Zu derselb.en rechnet 
er einmal ältere gelehrte wie Gori, Bourget, Passeri, Lami, Lanzi, 
die nur das lateinische und griechische zur deutung heranzogen, 



anzeige. 151 

and zweitens die neueren gelehrten, die auch das sanskrit zu 
dem zwecke benutzten, also fast alle Deutschen seit Bopp und 
unter den Italienern Conestabile und Fabretti. Hier ist nun aber 
ganz verschiedenartiges in einen topf zusammengeworfen worden. 
Es ist hrn. R. nicht zum deutlichen bewufstsein gekommen, dafs 
seit einigen zwanzig jähren eine neue schule von forschem auf 
dem gebiete der italischen dialekte thätig ist, die sich von allen 
andern ganz wesentlich dadurch unterscheidet, dafs sie bemüht 
ist durch methodische vorsichtige Untersuchung der vorliegenden 
Wortkörper die lautlehre, wortbiegungs- und wortbildungslehre 
jener sprachen zu erforschen, dafs ihr zunächst die Sprache haupt- 
zweck ist, ganz abgesehen von den geschichtlichen ergebnissen, 
die dabei etwa zu tage kommen, dafs sie nicht mit einem soge- 
nannten „Schlüssel^ alles auf einmal erschliefsen und entziffern 
zu können meint, sondern vielfach bei einer theil weisen sprach- 
lich und lautlich sorgsam begründeten erklärung jener Sprachreste 
vorerst stehen bleibt. Diese schule, der neben Aufrecht und 
Kirchhof die Verfasser von specialuntersuchungen Ober den vor- 
liegenden gegenständ in dieser Zeitschrift angehören, der sich un- 
ter den Italienern grade die beiden forscher anschliefsen, die sich 
in neuster zeit das gröfste verdiepst um die kenntnifs der itali- 
schen dialekte erworben haben Carlo Conestabile und Ariodante 
Fabretti, diese schule hätte hr. R., wollte er überhaupt schulen 
von erklärern aufstellen, noth wendiger weise sondern müssen. 
Aber diese kennt er eben nicht, wie man auf schritt und tritt 
sieht. Er bespricht dann die sogenannte ^semitische schule*' 
deren Vertreter schon oben genannt sind, die also das etroskische 
für eine semitische spräche ausgegeben haben (s. 89f.). Sein 
kritisches urtheil über dieselbe lautet dahin, dafs zwar nicht das 
ganze etruskische aus dem semitischen abzuleiten sei, dafs das- 
selbe aber doch eine gewisse semitische fätbung und Schattierung 
(tinte e ombreggiature semitiche, s. 101) zeige. Schwerlich wird 
wohl jemand diese unklare phrase für ein sachkundiges urtheil 
über die etruskische spräche halten. Wen die gründe, mit de- 
nen neuerdings Ewald und A. Maury den unglücklichen erklä- 
rungsversuch Stickeis widerlegt und die grundlosigkeit der an- 
nähme eines semitischen Ursprungs des et^uskischen dargethan 
haben, nicht überzeugen, von dem ist nicht zu hoffen, dafs er 
gründen überhaupt auf diesem gebiete gehör geben wird. Als 
eine keltogermanische schule bezeichnet der verf. drittens 



152 Corssen 

die phantastischen träamereien der Keltomanen Bruce Whjrte 
und Betham (s. 117 f.)) die man am besten auf sich berabeo 
läijBt. Wenn das eine ^ schule^ von erklärern ist, so kann ich 
dem Verfasser noch zwei schulen ähnlicher art nachweisen. Ans 
dem nachlasse des böhmischen dichters Kollar hat die wiener 
akademie der Wissenschaften im j. 1853 ein dickleibiges buch 
herausgeben lassen unter dem titel Staroitalia Slavjanska, in 
welchem die italischen dialekte za slavischen mundarten gestem- 
pelt werden. Das wäre also eine dlavische schule. Ferner 
ist neuerdings erschienen: Essai de dechiffrement de quelques 
inscriptions Etrusques, Simples ^tudes par A. Bertani. Leipzig, 
1860. Der verf. dieser schrift meint den ^^schlüssel^ zum etrus- 
kischen im sanskrit gefunden zu haben. Mit diesem geht er nun, 
ohne irgend eine andere spräche zu vergleichen, ohne rechts und 
links zu sehen, frischweg an das erschliefsen und entziffern etrus- 
kischer inschriften. Für jedes etruskische wort sucht er sich in 
seinem sanskritlexikou ähnlich lautende Wörter und wurzeln und 
nach diesen erschliefst er die bedeutung desselben. Um laut- 
lehre, wortbildungs- und wortbiegungslehre macht er sich keine 
sorge. Das wäre also eine rein-sanskritische schule. Die 
beiden angeführten bücher hat hr. R. nicht gekannt, wie er denn 
überhaupt von der litteratur auf diesem gebiete nur eine sehr un- 
vollkommene kenntnifs hat. Ueber jene keltogermanische oder viel- 
mehr keltomanische schule nun fällt er das kritische nrtheil,das etru- 
rische sei zwar nicht rein keltisch; aber es finde sich in demselben 
doch eine beimischung (temperamento, p. 148) von keltisch, es sei 
allmählich etwas keltisches in die altitalischeu dialekte einfiltriert 
(che qualque cosa di celtico sia lentamente filtrato nei nostri antichi 
sermoni, p. 1 50). Der beweis für diesen keltischen filtrierungsproEels 
ist ebenso wenig ersichtlich wie oben für die semitische färbung und 
Schattierung des etruskiscben. Die letzte schule endlich, die der 
verf. aufstellt, ist die rein- italische (scuola prettamente ita- 
lica, p. 135 f.), die aus heutigen italienischen mundarten die alt- 
italischen dialekte erklären zu können vermeint, der hr. R. selbst 
sich mit entschiedener Sympathie zuneigt. Dafs diese schule bis- 
her für erklärnug der iguvinischeu inschriften, des Cippus von 
Abella, der tafel von Bantia, des Steines von Perugia oder irgend 
eines andern altitalischen Sprachdenkmales wirklich etwas gelei- 
stet habe, kann der verf. freilich nicht nachweisen; aber er hofft 
das doch für die zukunft und versucht eine ganze anzahl von 



anzeige. 153 

wortformen der heatigen italieDiscbeD mandarteD nachzuweisen, 
die angeblich unmittelbar aus den altitaliscben dialekten stammen 
sollen, nicht aus dem lateinischen. Dafs die altitalischen sprachen 
die römische eroberung überlebt haben, ist allerdings eine unbe- 
zweifelte thatsache. Aber die weiter gehenden behauptnngen des 
verf. über das lange leben derselben schiefsen über das ziel hin- 
aus. Schon des verf. beweisfübrung gegen Munk, die Atellanen 
seien in Rom immer in oskischer spräche aufgeführt worden, es 
habe in Rom ein theatro eteroglosso bestanden (s. 164), etwa 
wie die italienische oper in Berlin oder Paris, steht auf schwachen 
füfsen. Doch diese frage gehört in das gebiet der litteraturge- 
schichte, nicht hierher. Micali''s behauptung aber, die Inschriften 
von Pompeji bewiesen, dafs das oskische noch zur zeit des unter* 
gangs der Stadt gelebt habe, ist entschieden unrichtig. Im gegen- 
theil die von Garucci herausgegebenen wandinschriften von Pom- 
peji zeigen, wie tief das lateinische im ersten Jahrhundert nach 
Christus grade dort in das volk gedrungen war. Damit soll na- 
türlich nicht in abrede gestellt werden, dafs damals noch in man- 
chen gegenden oskisch gesprochen worden sei. Viel zu weit ge- 
hend und unerwiesen aber ist die aufstellang des verf., die alt- 
italischen dialekte hätten sich, wenn auch modificiert durch das 
lateinische, durch alle epochen der römischen herrschaft, also bis 
gegen ende des fünften Jahrhunderts n. Chr. gehalten. Beschränkt 
man diese behauptung dahin, dafs manche wortformen und laut- 
eigenthümlichkeiten altitalischer dialekte sich durch das mittel 
des provincialeu latein bis in die heutigen volksmundarten fort- 
gepflanzt haben mögen, so erscheint das an sich sehr glaublich. 
Aber auch dafür müssen ganz bestimmte, stichhaltige beweise 
beigebracht werden. Was aber hr. R. und seine Gewährsmän- 
ner dafür anfuhren (s. 169 — 190), ist fast durchweg unhaltbar 
und zeigt nur zu deutlich, wie es mit den sprachlichen kenutnis- 
sen des verf. bestellt ist. Eine anzahl von beispielen mögen das 
erhärten. Imperadore soll nicht vom lateinischen imperator 
kommen, sondern vom oskischen embratur, also trotz des b 
für p, trotz des ausgefallenen wurzelvokals des oskischen Wortes. 
Ital. multa ist nicht aus lat. multa entstanden sondern aus osk. 
molto, meint hr. R. Also wäre das oskische o wieder zu a 
geworden im italienischen. In Sicilien wird vielfach u gesprochen, 
wo sonst im italienischen o gebräuchlich ist zum beispiel in ma- 
tinu, lu, vicinu. Da nun auch dem umbrischen und etruri- 



1 54 Corssen 

sehen a für o eigen ist, so soll sich jenes sicilische o daher 
schreiben f weil die Sikeler mit den Umbern urverwandt waren. 
Als ob nicht im lateinischen und zwar im altlateinischeo wie im 
spStlateinischen das schwanken zwischen u und o eine hervorste- 
chende tbatsache wäre, die vollkommen erklärt, dafs in den heu- 
tigen italienischen volksmundarten ein ähnliches schwanken statt- 
findet, und einer derselben das u bevorzugt. Die beatigen to8- 
kanischen diminutiva auf -ino und -iilo sollen unmittelbar aas 
den etrnskischen Suffixen -ena, -ina und -ilo, -illo herzulei- 
ten sein. Aber das lateinische hat ja ganz dieselben suffixe. 
Arg ist die behauptnng, das heutige fornasaro komme von ei- 
ner umbrischen form nrnasaru, einmal weil das f des italieni- 
schen Wortes ganz unberücksichtigt bleibt, dann aber weil es 
eine solche umbrische form gar nicht giebt. Es findet sich nur 
ein urnasia-ru und das ist der gen. plnr. von urnasia = lat. 
urnarium. Scritore kommt nach hr. R. nicht von lat scrip- 
tor sondern von einem etrnskischen wort scritare nnd die tos- 
kanische form scrette fnr scritto nicht von lat. scriptum son- 
dern von ambr. screhto. Das doppelte t der italienischen for- 
men bleibt dabei ganz aufser acht, dessen entstehung aus lat. 
pt und et im italienischen doch eine bekannte tbatsache ist 
Die Bolognesen sprechen mit ausstofsung von vokalen cminz6, 
ztadein, dsubide, emand u.a. für commincio cittadino 
desubedito, comändo. Auch etruskische Wörter zeigen ausfall 
von vokalen wie L^cne, A'plu, Menle, A'chle. Also, folgert 
der verf., diese vocalansstofsung haben die Bolognesen von den 
Etruskern. Dabei ist ihm wieder entgangen, dafs in jenen italieni- 
schen wortformen tieftonige silben vor der hochbetonten geschwun- 
den sind, in den etrnskischen Wörtern hingegen tieftonige silben 
nach der hochbetonten Stammsilbe, also wesentlich verschiedene 
dinge. Die bolognesi sehen formen abstracter sabstantiva caresti, 
compagni, malatti für carestia, compagnia, malattia 
sollen den etruskiscben femininen namen wieLarthi, Lautni, 
Urinati nachgebildet sein. Soll die form der französischen ab- 
stracta wie compagnie, maladie u.a. etwa auch von diesen 
herrühren? In der Volkssprache von Rimini sagt man uumre, 
vostre, contre für numero, vostro, contro. Das soll da- 
her kommen, weil im umbrischen und etrnrischen die endung e so 
häufig sei. Will hr. R. vielleicht das französische e in nombre, 
votre, contre auch daher erklären? Hätte er von Dietz gramma- 



anseige. 155 

tik der romaoischen sprachen auch nor eine oberfl&chliche kenntnifs, 
so wfirde er sich sa solchen behauptongen nidit verirren. Man 
spricht im bolognesischen veina, leino, canteina far vena, 
lino, cantina. Das soll daher kommen, weil in den italischen 
dialekten oft ei f&r i stfinde, also nicht aus dem gewöhnlichen lat. 
ei fSr i and e. Im dialekt von Forli finden sich formen mit ange- 
fugtem p wie an de -p, mande-p, ciame-p für ando, mando, 
chiamo. Da läfst sich nun der verf. von Galvani aufreden, es 
habe in den altitalischen dialekten einen ^ hulfsbachstaben p** 
gegeben, und dieser sei in jenem p von Forli erhalten. Und 
was für wortformen werden für diesen einfall beigebracht! Er- 
stens ein angebliches alter nip aus dem Carmen arvale. Ein sol- 
ches existiert nicht einmal als Schreibfehler auf dem stein des 
Carmen arvale (vgl. Ritschi, Prise, lat mon. t XXXVI). An der 
fehlerhaft geschriebenen stelle, aus der jenes unding herausgele- 
sen ist, war altern ei gemeint, wie an den beiden gleichlauten- 
den parallelstellen jener inschrift. Zweitens soll sich jener 
^hQlfsbuchstabe*' finden in den umbrischen lormen vitlup und 
tarap. Wenn hr. R. das werk von Aufrecht und Kirchhof gele- 
sen hätte, so wurde er wissen, dafs das formen des acc. plur. 
sind fQr vitluf, turnf=slat. vitulos, tauros, in denen das p 
fSrf aller Wahrscheinlichkeit nach blofser Schreibfehler ist (umbr. 
sprd. I, 88. II, 233). Die Modenesen sprechen ar-vesario, d. i. 
laC ad-versarius. Diese formen leitet der verf. direct aus dem 
ombrischen ab, das für die präposition ad die form ar zeigt in 
asam-ar, ar-fertur, ar-putrati u.a. Das liefse sich hören, 
wenn nicht im lateinischen dieses ar- für ad- in compositen sehr 
hftofig wäre (vgl. meine ausspr. I, 89) und sich unter denselben 
nicht grade ar-vorsus, ar-vorsum, ar-vorsarins befanden, 
ao die sich die modenesiscben formen ar-vsari, ar-vesario 
anschliefsen. Im fiorentiner dialekt spricht mau boto, boce, 
corbo für voto, voce, corvo; das b dieser formen für v soll 
aas dem umbrischen und oskischen stammen, weil die verbalwur- 
lel ven- in lat ven-ire dort ben- lautet, z. b. in umbr. ben- 
arent s=s ven-erint, osk. kom-ben-ed =:- cou-ven-it, zu- 
mal sich auch in späten neapolitanischen Inschriften b für v 
Ande. Hier ist dem verf. die bekannte thatsache unbekannt, 
dafo in spätlateinischen inschriften aus allen möglichen gegenden 
b för V ebenso häufig ist wie in handschriften, dafs mithin die 
trfibong und vermengung der laute b und v eine allgemeine laut- 



156 Corsaen 

verderbnifs der spätlateinischeu volksspracbe ist. Eine mittelal- 
terliche arkande bei Maratori beginnt mit den Worten: Mi Lieo 
qui — vendo et trado, wo das mi die bedeutang von ego bat. 
Das hält nun br. R. für das etruriscbe mi, das Lanzi sum erklärt 
habe. Wufßte er von der tbatsache etwas, dafs die romauiscben 
spracheu unzähligemal den lateinischen accusativ als nominativ 
verwenden , so konnte ihm nicht entgehen , dafs das m i jener 
Urkunde der lateinische accusativ me ist, sum nominativ verwandt 
grade so wie das französische m oi. Ueberdies pafst ja eine be- 
deotung sum für mi an der obigen stelle ganz and gar nicht. 
Und nun noch zwei beispiele, wie der verf. etymologisiert. Os- 
cillum, meint er, sei von Oscus abzuleiten. Die Lateiner hät- 
ten von jenem namen kein verbum oscillare gebildet, wohl aber 
fände es sich im heutigen italienischen; dieses stamme also aus 
dem oskischen dialekt. Dagegen ist zu sagen erstens, daOs bei 
Festus ein lateinisches verbum oscillare zu lesen ist, zweitens 
dafs os-jcilluni nichts mit oscus zu thun hat, sondern wie 
os-culum von os stammt und eigentlich „kleines antlitz, lärv- 
chen ^ bedeutet, daher „ puppe ^. Bei gewissen festen hing man 
puppen auf und liefs sie baumeln, daher hat os-cill-are die 
bedeutung „baumeln, hin und herschwanken ^ erhalten. In ca- 
verna soll das zusammengesetzte suffiz -erna von dem sabini- 
schen wort herna „fels^ stammen. Soll das etwa auch in ta- 
b-erna, luc-erna, lant-erna stecken? Ein ganz arger irr thum 
ist es endlich u. a., wenn er die umbrischeu Imperativformen wie 
futu, kuvertu,habetutu für participien hält und von denselben 
die italienischen participialformen veduto, sapnto, tenuto u.a. 
herleitet, die doch nach der analogie der lateinischen participien 
acutus, argutus, tributus, statutus, versutus o.a. ge- 
bildet sind. Diese beispiele genügen, um zu zeigen, wie es mit 
des verf.'s und seiner gewährsmänner aus der rein-italischen 
schule berieituugen italienischer wortformen aus den altitaliachen 
dialekten bestellt ist. Unter allen, die er vorbringt, ist keine ein- 
zige, die wirklich stichhaltig erwiesen wäre. Aus denselben bei- 
spielen erhellt aber auch, dafs hr. R. auch die nothdurftigen 
kenntnisse eines Sprachforschers auf diesem gebiete nicht besitzt, 
dafs er der neueren Sprachforschung sowohl im allgemeinen als 
im besondern auf altitalischem gebiet nicht gefolgt ist Ich gebe 
nun noch kurz den beweis, dafs er nicht einmal die richtigen 
texte der altitaliscben Sprachdenkmäler, über die er ein buch ge- 



anzeige. 157 

schrieben, vor äugen gehabt und gekannt hat Aus den iguvini- 
sehen Inschriften bringt er eine ganze anzahl arg verderbter les- 
arten aus alten schlechten abschriften von Dempster und ande- 
ren, zum beispiel bns, tribepu, phuiest, pestiamo oder 
restiamo, urnasaru, coinbifiuto courtutu, enteleto ohne 
sich um diiß richtigen lesarten bei R. Lepsius und Aufrecht und 
Kirchhof zu kümmern. Und von solchen falschen lesarten wer- 
den dann italienische Wörter hergeleitet wie das erwähnte for- 
nasaro von urnasaru. Noch ärger fast wird das oskische be- 
handelt. Hr. R. entnimmt von Galvani angeblich oskische formen 
wie combner, faka. lika, fi, fia, die gar nicht existieren 
(s. 181). Da er gegen dieselben gar nichts einwendet, so folgt 
daraus, dafs er an ihre existenz glaubt. Noch stärker, wo mög- 
lich, ist folgendes. Er spricht von der Inschrift des berühmten 
Cippus von Abella, die anfange „Ekkuma triibalak^ (s. 127). 
Hier bringt er erstens wieder die alte falsche lesart vor statt: 

Bkkam triibaraka . . . . (Momms. unt. dial. t. VI). Dann 

aber ist das nicht der an fang der inschrift, sondern es sind die 
ersten worte der ruckseite des Steines. Daraus folgt, dafs der 
verf. den durch Lepsius und Mommsen berichtigten text des 
Cippus Abellanus ebenso wenig kennt, wie den text der ignvini- 
schen tafeln bei Lepsius und Aufrecht und Kirchhof, dafs er also 
vom gegenwärtigen Standpunkt der forschung über den umbri- 
schen and oskischen dialekt spricht wie der blinde von der färbe. 

Diese angeblich historisch-kritische Untersuchung, die auf sol- 
chem gründe ruht, kommt denn schliefslich zu dem ergebnifs, 
dafs an den bisherigen erklär ungs versuchen von jeder der ge- 
oannten schulen etwas wahres sei (che ognuno dei sistemi inter- 
pretativi tiu qui applicati alle antiche nostre favelle porta con 
se qualche parte dl vero, s. 1j4). Das klingt nun so wie das 
besonnene nrtheil eines sachkundigen kritikers. Aber in dem 
munde des verf.'s, iler die litteratur des gegenständes, über den 
er schreibt, nur sehr unvollkommen kennt, der die richtigen 
texte der wichtigsten altitalischen Sprachdenkmäler nicht einmal 
angesehen hat, dem der gegenwärtige Standpunkt der forschung 
fiber dieselben in der that unbekannt ist, dem endlich auch die 
DOthdürftigen Vorkenntnisse eines Sprachforschers fehlen, in sol- 
chem munde ist jener ausspruch nichts anders als eine hohle 
{^rase, hinter der die Unfähigkeit des dilettanten steckt, das 
wahre vom falschen zu scheiden. W. Corssen. 



158 Schmidt 

Lateinisches b im inlaute aus st entstanden. 

Ebel and Kuhn haben im J4. bände dieser ceitsobrilt schon 
an verecbiedenen beispielen den abergang von orspr. tr in lat. 
br aafgewiesen. In manchen dieser Alle (in den von Ebel an- 
geführten allen) liegt jedoch nicht einfaches tr, sondern str an 
grande, so dafs man schwanken kann, ob die aspiration des t 
durch das s oder darch das r veranlafst sei. Im folgenden will 
ich noch einige worte hinzufügen, welche inlantendes b ans st 
hervorgehen liefsen, indem entweder r oder er folgten. 

feneb^ris, funebris, welche Corssen (krit. beitr. 357) ans 
*fener-bris, *funer-bris erkl&rt. Sollte man nicht vielmehr 
annehmen, dafs aus den cn gründe liegenden stimmen fenes- 
fanes- mittels des Suffixes -tri lunSchst *fen es- tri s entstanden 
sei, wie *nemes*tris (zn grande liegend in Nemestrinns) 
aus nemes-, tellnstris aus tellns, palustris ans palud- 
u. a. Ans *fene8tris ward dann fenebris, wie consobri- 
nus gauE sicher aus *conso9tr!nns. 

Februus söhn^nd, reinigend (wovon Februar ins sühnmo- 
nat) erklfire ich nun auch als aus *fes-truus entstanden und 
stelle es zu fesiae, feriae. Das saffix ist dasselbe wie in 
mens-trnns, fulgi-traum (plur. fulgitrua bei Hygin). Wie 
mens-trnus zum monate gehörig, monatlich bedeutet, so wäre 
*fes-traus „zur feier gehörig, festlich % und da jede feier mit 
reinem leibe und allerhand reinigungsopfem begonnen wurde so 
gelangte es zn der bedeutung „reinigend, sahnend''. Es vermit- 
telt sich begrififlich um so ungezwungener mit feriae, als Cor- 
ssen (krit. beitr. 195) für letzteres selbst die ursprQngliche beden- 
^o°S 9)gifinzender, reiner tag^ wahrscheinlich macht 

Durch den in rede stehenden lautwandel l&Ut nun vielleicht 
auch etwas licht auf die bisher dunkele bildung von htbernns, 
welches ich aus *himes-ternus entstanden glaube. Dem griedh 
X^ifACtt' entsprechend erschliefse ich nftmlich ein lat. himos-, 
himes-, an welches dann das zur bildung von zeitadjectiven 
häufig gebrauchte Suffix -ternus trat; vergl. ae-ternas (ans 
aevi-ternus), sempi-ternus, hes-ternus, auch das erst bei 
späteren vorkommende longi-tnrnns. Ans 'himesternos 
ward durch aasfall des vocals *hi ms ternus, *hinsterna8, 
wie monstrum aus *monestram, festra ausfenestra, lu- 
strum aus ^lovestrum (Corssen krit. beitr. 409 f.). Dann 



miscelle. 159 

schwand der nasal vor s mit ersatzdehnang, wie in dem eben 
genannten festra und in cosol, cesor, formosns, qnotiSs 
u.a. Aus *histernus ward endlich durch die aspirierende kraft 
des s, welches dann selbst schwand, *hifernu8, hibernus. 
Nach unserer erklärnng schliefst sich hibernus genau an die 
oben genannten zeitadjectiva, während es durch Gorssen (krit 
beitr. 249 f.), welcher das sonst nirgends zur bildung von adjec- 
tiven verwandte, überhaupt nur noch in ta-berna erscheinende 
Suffix -berno- in ihm annimmt, ganz isoliert wird« 

Endlich glaube ich einige bildungen, weiche durch frühere 
bebandlung noch nicht ganz klar geworden sind, hier anreihen 
zu können, nämlich in-ferus, in-fimus. Nach der Boppschen 
erklärung (vgl. gram m. 11, 26) von inferus, infimus aus skr. 
adharas, adhamas begreift man nicht, woher der nasal stammt. 
Durch die auf einer Inschrift vorkommende form iferos, ans 
welcher Gorssen (krit. beitr. 198; schliefst, dafs der nasal erst 
spät eingeschoben sei, wird nichts bewiesen. Folgt doch aus den 
Schreibweisen coventionid,cojuxu. a. (Gorssen ausspr. 1, 107) 
durchaus nicht die späte entstehung ihres n. Ich erkläre nun 
inferus aus *in-is-teru-s. Bekanntlich werden ja an praepo- 
sitionen häufig die Suffixe des comparativs -tero- und des Su- 
perlativs -timo- angefugt; vgl. ex-terus, ex-timns, pos-te- 
rus, pos-tumus u. a. So werden auch von der praeposition 
in abgeleitet in -tero-, in-timo-. Aber für die Steigerung der 
sdjectiva werden die eben genannten suffixe nicht nur einfach 
verwandt, sondern auch mit dem gewöhnlicheren comparativsuffix 
-ios- verbunden als -is-tero-, is-timo-; vergl. mag-is-ter, 
min-is-ter, sin-is-ter und soll-is-timns, sin-is-timns. 
So bildete man *in-is-teru8, *in-i8-timus, aus welchen dann 
durch Schwund des i'insterns, *instimus entstanden, wie osk. 
minstreis aus ministreis, umbr. mestru aus magistru 
(Gorssen zeitsch. III, 282), juxta aus *jug-i8-ta, exta ans 
*ex-is-ta (a. a. o. 285 ff.). Endlich schwand das s, nachdem 
es das folgende t zu f aspiriert hatte und es ergaben sich die 
vorliegenden inferus, infimus, in welchen das f durch den 
vorhergehenden nasal vor der Schwächung in b bewahrt blieb. 
Es liegen so neben einander in-timus und in-fimus, d.i. in- 
-is-timas, wie oxime (Fest p. 195) für *oc-time neben dem 
üblicheren ocissime, d. i. *oc-i8-time; in unserem falle aber 
benutzte die spräche diese Verschiedenheit der bildungen zu einer 



160 Schmidt, miscelle. 

differeozierung der bedeutung. Die comparatiTiscbe oator wurde 
nun in infero- bald vergessen und aus ibm ein neuer compara- 
tiv inferior gebildet, welcher also auf *in-is-ter-ior surfick- 
führend drei coniparativsuffixe enthält wie sin-is- ter-ior, in 
dessen Stammworte sinister ebenfalls das coniparativiscbe filr 
das Sprachgefühl verwischt war. Formell ist die aufgestellte 
ctymologie also wohl gerechtfertigt und hinsichtlich der begriffa- 
entwickelung von ^in, innerhalb^ zu „unter, unterhalb^ bietet 
sieb als analogon eben unser unter, got. un-dar, welcbeS) mit 
lat. in-ter lautlich identisch, dieselbe abweichende bedeutuog er- 
langt bat. 

Diese so gut gestutzte erklärung verbreitet nun aber nodi 
weiterhin licht auf die bilduug von imus. Corssen (ztscb. III, 
242) läTst dies durch contraction aus infimus entstehen. Nach 
der bisherigen Untersuchung wage ich jedoch eine andere weniger 
gewaltsame ableitung. Es finden sich nämlich zum öfteren in 
den italischen sprachen neben einander Superlative auf -mo- und 
auf -timo-, so ci-timus neben umbr. ci-mu (Corssen s. a. o. 
243). Ferner begegnen innerhalb des lateinischen selbst die aof- 
fixe -mo- und -issimo-, d. i. is-timo, neben einander in 
pur-ime und brüma aus *brev-uma (a. a. o. 244) gegenüber 
den gewöhnlichen pur-issime, brev-issima. So darf es 
uns nicht wunder nehmen, wenn wir von der praepoaition in 
bildungen mit -mo, -timo und -is-timo neben einander finden« 
ich meine •in-mo-, in-timo-, *in-i8-timo-, d. i. infimo-. 
Aus *in-mo ward mit ausfall des nasals und ersatzdehnoiig 
imo; vgl. cosol, coventionid u.a. 

Jena, im mai 1865. Johannes Schmidt 



Zu bd. XIV 8. 348. 

„Diademinon^ ist doch gewifs nichts anderes als diaceminon 
= diacyminon = Öia Hvulvoiv. Ueber e = y vergl. rhein. muB. 
XVIII, 146. 

D. W. S. 



Förstemann, znr geBchichte altdentscber dedination. 161 

Zur geschichte altdeutscher dedination. 

IL Der genetiv pluralis. 

Indem wir unsere bd. XIV, s. 161 begonnene Unter- 
suchung fortsetzen, gilt es auch hier, den eigennamen die 
in ihnen schlummernde spräche zu entlocken. Sie mögen 
selbst verzeichnen was sie uns lehren über die mannigfal- 
tigen Umwälzungen, die unser idiom im laufe der Jahrhun- 
derte erlitten, und Ober die feineren schattirungen, durch 
die sich die einzelnen stamme unseres volks mehr in alten 
Zeiten als jetzt von einander abhoben. Bescheiden mögen 
auch diesmal die thatsachen sich zu einander gruppiren, 
grofse entdeckungon absichtlich vermieden werden, die ein- 
zelnen bausteine aber doch immerhin auf den styl hinwei- 
sen, in dem sich einst das grofse gebäude unserer vater- 
ländischen Sprachgeschichte zu erheben hat. 

Der plnrale genetiv fahrt uns, möchte man sagen, bei 
den Ortsnamen in eine gesundere luft als der im vorigen 
aufsatze behandelte casus. Es gehört in der that ein klei- 
ner sprachübermuth dazu, dafs die ein wohner eines ortes 
gradezn im nominativ an der stelle des ortes selbst erschei- 
nen, während alles in ursprünglichster einfachheit und Ord- 
nung ist, wenn ein wohner und besitzer als bestimmungs- 
wort in den genetiv treten, und der ort selbst, durch einen 
allgemeinen ausdruck oberflächlich angedeutet, als regieren- 
des grundwort der uneigentlichen composition erscheint. 
So natürlich ist diese formation, dafs sie unter den deut- 
schen Ortsnamen gradezn die regel bildet, alles andere nur 
den rang einer ausnähme beanspruchen darf. Freilich 
überwi^en unter jenen regelmäfsigen bildungen die singu- 
Uuren genetive aufserordentlich, die pluralen treten dagegen 
sehr in den Untergrund, sind aber doch noch immer zahl- 
reich genug, um eine besondere betrachtung zu verdienen. 

Die ursprünglichste form des genetiv pluralis, von der 
wir anszngehn haben, ist das im sanskrit bei den conso- 
nantisch endenden stammen gebräuchliche -dm; der ein- 

Zeitochr. f. vgl. sprachf. XV. 8. 1 1 



162 Förstemami 

8chub eines nasals bei den vocaliscben stammen geht uns 
auf unserem deutschen gebiete nicht« an; auch das prono- 
minale -sdm mit seinen deutschen reflexen lassen wir hier 
noch aus dem spiele. Die beiden «klassischen sprachen ge- 
ben jenes -dm in ihrem -cor und -um mit ziemlicher treue 
wieder; gemeinsam ist ihnen die Verdunkelung des vocals, 
dem griechischen eine schwächere als dem lateinischen. 
Diese Verdunkelung wird hier, wie in vielen andern analo- 
gen fällen, erst auf dem boden des gräcoitalischen einge- 
treten sein; als das germanische sich von seinen schwester- 
sprachen trennte, mufs das alte -dm noch gegolten haben. 
Das germanische nun scheint in sehr frühen zeiten eine 
andere entartung erlitten zu haben, die einbufse des aus- 
lautenden nasals, von dem sich in unsem sprachen nirgend 
mehr die geringste spur vorfindet. 

Es entsteht hier zuerst die frage, ob gleichzeitig mit 
diesem abfalle des nasals und vielleicht als unmittelbare 
folge davon eine entartung des auslautenden vocals statt- 
gefunden habe, oder ob das alte -d noch eine zeit lang in 
einzelnen roundarten imversehrt bewahrt worden ist. Sehen 
wir zunächst von den namen ab, so zeigt uns das gotbi- 
sche kein einziges -a im gen. plur., das überdies nur in 
gekürzter gestalt erscheinen könnte. Das althochdeutsche 
entbehrt auch schon das -d in diesem casus völlig. Dage- 
gen läfst sich der vocal (ob als länge oder kürze, jnufs 
hier unsicher bleiben) im altsächsischen ausnahmsweise ne- 
ben dem regelmäfsigen -o wahrnehmen. Die beispiele sind: 
kinda liberorum (an einer stelle des Heliand, sonst kindo), 
friunda amicorum (nur im codex Monacensis und zwar 
nur einmal), thioda populorum mehrmals neben thiodo^ stida 
locorum in der Freckeuhorster Urkunde; aus der adjectivi- 
schen declination kommt noch dazu mildera mitium neben 
mildiro und seokora aegrotorum neben siakoro. Es w&re 
doch zu kühn alle diese fälle gradezu als Schreibfehler auf- 
zufassen. Angelsächsischen einflufs anzunehmen ist verbo- 
ten; er liefse sich wohl heim Cottonianus, nicht aber beim 
Monacensis denken und bei ersterem sind diese -a durch- 
aus nicht zahlreicher als bei letzterem. 



zur geschichte altdMtooiier dedination. 163 

Dafs hier nun wirklich archaistische formen des alt* 
sftcfasischen vorliegen, bestätigt uns das angelsächsische, in 
welchem das -a grade die ausnahmslos waltende regelist: 
ebenso das altfriesiscbe und altnordische, von dem dasselbe 
gilt; auch das altschwedische bewahrt noch den alten to« 
cal; in sämmtlichen neueren germanischen mundarten ist 
derselbe untergegangen. 

Suchen wir nun das ursprüngliche -a in den namen 
auf, so werden wir gleich im voraus vermuthen können, 
dafs es sich hier noch treuer und weiter erhalten habe als 
in der Obrigen spräche; die namen sind ja so oft das 
letzte asyl verblassender sprachalterthömer. In den Nie- 
derlanden an der alten Yssel finden wir noch sec. 11 ein 
Agastaldaburg (arx servorum), in Westfalen bei Paderborn 
sec. 11 Knechtahusun, a. 1070 oberhalb Minden ein Scalca^ 
borg. In Ostfaien begegnet a. 1084 w. von Halberstadt 
ein Biscopamandorp, d. h. das Mandorp episcoporum Hal- 
berstadiensinm, so genannt zum unterschiede von Beffen- 
mandorp. Am südabhange des Harzes liegt a. 993 ein 
Wihemannarod , d.h. ein novale virorum sanctorum. In 
der gegend zwischen Werra und Fulda zeigt sich a. 813 
sin Havucabrunno und noch südlich von Fulda ein Swa* 
bareod (jetzt Schwebert). Drei gaue Deutschlands sind 
nach den Hessen benannt; nur dem an der thüringischen 
Saale liegenden kommt, und zwar in wenigstens sechs stel- 
len, in der mittleren sylbe (Hassaga, Hassago) ein a zu, 
während die beiden an der Fulda liegenden ganz andere 
formen aufweisen. Namentlich aber finden wir pluralgenetive 
von der endnng -ari, mit welcher die deutsche Sprache so gern 
die Wörter bildet, durch die der wohnsitz oder der beruf 
der menschen angezeigt wird. In der schönsten reinhcit 
cvBcheint der gen. pl. dieser endung als -arto, wo sich das 
t des themas noch erhalten hat. So etwas darf man freilich 
nicht oft erwarten und ich kenne auch nur zwei beispiele 
davon. Das erste ist Lukemariaburg bei Procop sec. 6 an 
der unteren Donau. Mag der erste theil deutsch oder 
fremd sein (vgL das schweizerische Lucem, ein spanisches 

11* 



\Q4 Fontemann 

Lucerna im Karlmeinet, ein savoyiscbes Lucerna a. 1159)9 
deutsch decliiiirt ist er wohl gewifs. Das andere bei- 
spiel ist ein schweizerisches (ob richtiges?) Hotumbacharia 
marca a. 831. Mit umlaut füge ich noch hinzu ein unbe- 
kanntes Laemeria Hornan, das sec. 11 in der gegend von 
Celle in Hanover begegnet. Zahlreicher sind die beispide, 
in denen der themavocal ausgefallen ist, die formen auf 
-ara^ ora u. s. w. Recht zu hause sind sie im nordwesten; 
in Holland begegnet sec. 10 Vagara felda und Honarathorp, 
an der Vecht um dieselbe zeit ein Lonaralaca, in der pro- 
vinz Groningen sec. 11 Stedarawald, in einer unbestimm- 
ten gegend der Niededande a. 1 083 Wurmorasweta, in 
Friesland sec. 10 Bedarawalda und Wiruingralaga. In 
Westfalen bietet uns die Freckenhoster rolle sec 10 ein 
Aningeralo und Wcrneraholthusen ; Ennigerloh ist noch 
vorhanden, der andere ort lag bei Werne, s. von Münster. 
Ostfalen zeigt sec. 11 mehrfach ein Stedieraburg, n. w. von 
Wolfenbtkttel, während Halvarastat sec. 9 nur eine ganz 
vereinzelte Schreibung ist, die kaum zu Grimms Überset- 
zung Halberstadts mit urbs dimidiorum berechtigt. Weiter 
von diesem kreise, dessen formen sich schön gegenseitig 
ergänzen, beim thüringschen Mühlhausen, liegt Germaim 
marca a. 994; der plurale genetiv ist mir aber hier nicht 
ganz sicher. Ganz vereinzelt und deshalb vielleicht zu 
emendiren sind Raodora marca a. 786 am unteren Main, 
Ruzara marca a. 863 in Oberöstreich, Scafarafeld a. 890 
und Gansaraveldi sec. 11^ beide in Niederöstreich. 

Nach alle diesem ist ein vereinzeltes nachleben des 
gen. plur. auf -a bis ins 11. Jahrhundert hfnein nur Ar 
Friesland, Sachsen und Thüringen anzunehmen. Jenes 
merkwürdige Lukernariaburg darf den Gothen nicht zuge- 
schrieben werden; sollte der gepidische dialekt hierin das 
gothische an alterthümlichkeit übertroffen haben? 

Das gothische ist die einzige deutsche spräche, wel- 
che das aJte -a des gen. plur. in zwei verschiedene laute 
spaltet; allen masculinen und nentren und von den femi- 
ninen den meisten stammen auf -t (anstd) giebt es das hei- 



zar geschichte altdentsoher decUnation. 165 

lere und spitzigere -i, während sonst fQr alle feminina 
das mndere^und weichere -d gilt, wie in gibö, sunjö, ban- 
dv6, auch tuggonö, manageino u. s. w. 

Die anderen deutschen sprachen kennen solche formen- 
spaltung nicht; in ihnen herrscht, wo das -a verschollen 
ist, in diesem casus einfach das -o; so im althochdeutschen 
ausnahmslos, im altsächsischen mit ausnähme der oben er- 
wähnten fälle. Die namen stimmen dazu in hunderten von 
beispielen ganz schön. Hierher gehören blofse ortsnamen- 
keime wie Frigero manno feld und Wildero toibo dotnus 
in fuldischen Urkunden, ferner Ortsnamen, deren ersten 
theil ein völkername bildet, wie Swaboheim, Swabohusun, 
Thuringoheim, Thuringohus, Winidoheim, Winithohus, Wi- 
nidomarca, Walahofeld, Walhogoi. Ob auch in Bojohae- 
mum und Teutoburgium (sec. 1) der erste theil schon als 
gen. plur. zu fassen ist? Die leute in der gegend von Me- 
gina (jetzt Mayen im regierungsbezirk Coblenz) haben dem 
gan Meginovelt den namen gegeben, der daher auch mit 
Megenensium pagus bezeichnet wird. Ein ganzer volks- 
name im gen. plur. begegnet in dem Ostarliuto des Hilde- 
brandsliedes. Vereinzelt ist Diupodorf a. 892 im südlichen 
Baiem (zu diupo latronum), Scalcobah a. 863 in Oestreich 
und Scalcobrunnon aus unbestimmter zeit in der gegend 
von Salmünster (zu scalco servorum), endlich Habuchotal 
a. 779 in der gegend von WOrzburg. 

Aufserordentlich häufig ist auch hier die form -aro 
vom nom. sing, -art; auch nebenformen -arro^ -oro^ -ero, 
u. s. w. begegnen häufig. So in der Schweiz : Aadorvaro 
marca (a. 914), Eilikovaro m. (a. 914), Pazmuntingaro m. 
(a- 900), Purraro m. (a 912), Tanninchovarro m. (a. 914), Ke- 
berateswilarro m. (905), Gozzosowaro m. mit mehreren Va- 
rianten (a. 868, 907, 909, 910), Hohstetarro m. (a. 881, 886), 
Laufarro m. (a. 876), Luteraroheimmaro m. (a. 912), Hu- 
nincbovarro m. (a. 885), Leimolteswilaro m. (a. 886), Sa- 
znarro m. (a.872), Slatingarro m. (a.897, 900), Sumbrinaro 
m. (a. 905), Obordorfforo m. (a. 878), Waldchiricharo m. 
(a. 884, 910), Zilleslataro m. (a. 875, 899, 904). In Schwa- 



Föntemanu 



ben and Elsass: Altheimero m. (zeit unbestimmt), Asinin- 
garo m. (a. 803), Chezelinchbeimarro m. (a. 9f2), Forahero 
m. (a. 886), Griubingaro m. (a. 861), Heimmortingaro m. 
(a. 853), Kielenbeimero m. (a. 808), Lonunbuacbaro m. 
(a. 786), Morinesbusaro m. (a. 884), MoUesbemero m. 
(sec. 10), Ribero m. (sec. 9), Sembaimero m. (a. 803,809), 
Turingaro m. (a. 844), Wesincbeimero m. (a. 1024), Znse- 
marobuson (a. 892). Im südlicben Baiern: Piricbingaro m. 
(a. 900), Pinuzolfingarodorf (a. 820), Veidaro m. (a. 899), 
Friero m. (a. 950), Tannaro m. (sec. 9). In Ostfranken: 
Ostbeimero m. (sec. 10), Baringbeimero m. (a. 822), Brei- 
dingero ui. (a. 1016), Cellingoro m. (sec. 10), Fliedinero m. 
(a. 806, 807), Folcfeldero m. (a. 791), Geltaresbeimoro m. 
(a. 791, 813), Grapfcidero m. (a. 792), Gruonbabero m. 
(a. 848), Heilingero m. (a. 824), Helidingero m. (a. 838), 
Hengistfeidero m. (a. 838), Hengistesdorfero m. (a. 791, 
792, sec. 9), Hnutiliugbeimero m. (a.811), Hramnangero 
m. (a. 792, 800, 815, 822), Hrosdorpfero m. (a. 837), Ros- 
dorfero m. (sec. 10), Jucbisero m. (sec. 9), Kizicbero m.(sec.9), 
Kizzicbbeimero m. (a. 823), Lurungero m. (a. 824), Mabefr« 
baebero m. (a. 792, 842), Mecbitamulinero m. (a. 845), 
Meiningero m. (a. 1008), Gimundinero m. (a. 838, eine fal- 
sche bildung vom dat. plur. Gimundio), Nordbeimero m. 
(a. 83*>, 838), Stocheimaroburcb (a. 889), Sulzidorpfero m. 
(sec. 8), Swinfurtero m. (a. 791), Dabbadorphero m. (a. 838), 
Tbeodorpbero m. (a. 838), Wangheimero m. (sec. 8, a. 842), 
Weringewero m. (a. 791), Westbeimero m. (a. 813, 827). 
In Rbeinf ranken: Bergero m. (a. 961), Birstettero m. (sec. 8), 
Blankenstetero m. (sec. 8), Buosanbeimoro m. (a.811), Clopb- 
beuuero m. (sec. 8), Cruftero m. (a. 890), Cuningerobeim m. 
(sec. 9), Talabeimoro m. (a. 825), Trutmaresbeimoro m. 
(a. 813), Trubtolvesbeimero m. (sec. 8), Tulgesbeimoro m. 
(a. 803), Dudafero m. (sec. 8), Edingero m. (sec 8), Flan- 
bemmaro m. (sec. 9), Gambrikero m. (a. 880), Gardaro m. 
(a. 787), Hantscubesbeimero m. (sec. 9, a. 968), Heppben- 
beimero m. (sec. 8), Heneswillaro m. (a. 826), Lebeimero 
m. (sec. 8), Hruodolfesbeimero m. (sec. 9), Husenbacbero m. 



zur gescbicbte altdenCsdier declination. 107 

(a. 961), Kinzicbero m. (a. 838, 923), Cbinzigerogewe (a. 
826X Kirero m. (a. 961), Chericheimero m. (sec. 8), Lones- 
hemaro m. (sec. 9), Merischero m. (sec. 8, 9), Phangestetero 
m. (8ec. 8, 9), Quirnheimero m. (sec. 9 ), Rahhadero porta 
(a.815), Sawilenheimero m. (sec. 9), Sicchenheimero in.(8ec.8), 
Sororo m. (a. 847), Suezzingero m. (sec. 8), Tieneohei- 
mero m. (a. 825), Umauesheiraero m. (a. 803), Waccanhei- 
mero m. (a. 842), Wibiliogero m. (sec. 8, 9), Wirero m. 
(sec. 9), Wickenrodero m. (a. 961). In den gegenden um die 
Mosel und Maas: Odeheimero m. (a. 863), Bisicero m. (a. 
960), Estengerugero m. (a. 960), Mertilachoro m. (a. 964), 
Pitigero m. (a. 960). In Hessen: SKerofero m. (a. 812). 
In Thüringen: Pahbonoro m. (sec. 9), Germaro m. (a. 1001), 
Westmilingero m. (a. 973). In Westfalen: Bergerokusen 
(a. 943), Luopanheldero und Lindthorpero m. (a. 1052). In 
Ostfalen: Bennaggero m. (a. 1006), Severowinkil (a. 900). In 
Friesland: Emuthero wald (sec. 11), Bedoro wald (sec. 10), 
Heuurtberowald (sec. 11), Heuunorowald (sec. 11), Wagan- 
leisero ra. (a. 891), Watlarero ra. (a. 891). 

Dieses trockene verzeichnifs war mitzutheilen , damit 
mau die beobachtuogselemente meiner Untersuchung contro- 
liren könne. Unter 15H einzelnen ausgaban befinden sich 
hier 28 aus dem 8. Jahrhundert; es wären viel mehr, wenn 
die Urkunden nicht erst mitten in diesem Jahrhundert zu 
beginnen pflegten und aus so alter zeit zahlreicher erhai*- 
ten wären. Dem 9. Jahrhundert gehören 88 fälle an, dem 
10., das doch einen viel gröl'sereii urkundenschatz überliefert 
hat, nur 34 und zwar *22 der ersten, 12 der zweiten hallte; 
dem au solchen Überlieferungen noch weit reicheren elften 
nnr 9. Das letzte genauer datirte beispiel ist aus a. 1052 
und erweckt dadurch fast verdacht, namentlich da das 
Vorletzte beispiel nicht über 1024 hinabgeht. Alle beispiele 
des 11. Jahrhunderts mit ausnähme eines einzigen gehören 
dem nördlichen Deutschland an, so dafs dies das volle -o 
des gen. plnr. entschieden länger bewahrt hat als das süd- 
liche, wo sich z. b. in der Schweiz kein fall nach 914, im 
südlichen Baiern keiner nach 950 findet. Kommen auch 



168 Fontemann 

in Schwaben und Ostfranken ein paar spätere fiUle vor, so 
sind sie vielleicht der regierung der sächsischen kaiaer su* 
zuschreiben ; der (mit ausnähme jenes verdächtigen beispiels 
von 1052) letzte fall von 1024 fällt grade in das jähr des 
aussterbens jener sächsischen dynastie. Resultat ist also, 
dafs für das südliche Deutschland die mitte des 10» Jahr- 
hunderts, für das nördliche die zeit bald nach dem jähre 
1000 die grenze des alten -o im gen. plur. bezeichnet. 

Aus allen angeführten beispielen geht hervor, dals die 
genetive plur. der formen auf -ari gänzlich in die a-dedi- 
nation übergegangen sind, während sie doch sowohl alt- 
hochdeutsch als altsächsisch eigentlich auf -to oder eo aas- 
gehn müfsten. Ich gebe hier ein wohl vollständiges r^- 
ster der altsächsischen wirklich belegten genetive plur. auf 
'10 und -60 von i-stämmen, da Grimms grammatik hier 
nur sehr unvollständig sein konnte. Es sind folgende: 
enstio (gratiarum), bilideo neben bilitho (imaginum), gibur- 
deo (generum), burgio neben burgo (arcium), cunnio ne- 
ben cunneo (generum), custeo (electionum), dadio neben 
dadeo (actionum), eldeo (aetatum), fardio neben ferdio (iti- 
nerum), gesteo (hospitum), bereo (exercituum), huldio ne- 
ben huldeo (obsequiorum), idiseo neben idiso (feminarum), 
lithio neben litho (membrorum), liudio neben liudeo, lindo, 
leodo (bominum)^ rikio neben rikeo (regnorum), sculdio ne- 
ben sculdeo (debitorum), seggio neben seggeo (virorum), 
gisihtio (visionum), suhteo (morborum), tidio neben tideo 
(temporum), giwadio neben giwadeo (vestium), wiggeo 
(equorum), witeo (poenarum). Man sieht aus den in die- 
sem verzeichnii's vorkommenden nebenformen, wie stark 
selbst im altsächsischen, das doch in diesem stücke sonst 
viel conservativer ist als das althochdeutsche, sich die nei- 
gung kund giebt, Wörter aus der i-declination in die a-de- 
clinatiou hinüberzufübreu. Dafs dies nun bei der in rede 
stehenden endung -ari in den althochdeutschen namen 
durchgängig der fall ist, wird um so weniger wunder neh- 
men, wenn man sich daran erinnert, dafs bereits bd. XIV, 
s. 173 — 177 für den nom. plur. derselben endung dieselbe' 



znr geschichte altdeutsoher dedination. 109 

erscheiDUDg nachgewiesen wurde. Ein im sächsischen und 
friesischen noch erhaltenes -to von dieser bildnng weifs 
ich nur in zwei beispielen zu belegen. Das erste ist Amu- 
thario wald, sec. 11, d. h. ein wald der bewohner Ton Em- 
den, welches ins Althochdeutsche übersetzt Ahamundaro 
walt lauten würde. Das zweite ist Skidrioburg im fbr« 
stentum Lippe, dessen bedeutung nicht ganz sicher ist 
(vgl. meine Ortsnamen s. 185). So dürftig sind hier die 
spuren der echteren formen. 

Ehe nun die allgemeine entartung des auslautenden -o zu 
-e und dann sein gänzlicher abfall eintritt, geräth der laut hie 
und da in eine ganz eigenthümliche Unordnung und Unsi- 
cherheit; er erscheint sogar als -u und als -t. Doch sind 
das zum theil nur ganz ungenaue Schreibungen oder gar 
blofse versehen. So schreibt eine Urkunde a. 945 bei 
Wenck hess. landesgesch. II, n. 21 Chinecheru marca (wo- 
f&r Chincecheru besser wäre); das hat keine bedeutung, 
wenn man in derselben Urkunde in Babebingero tnarcu liefst. 
Eine Urkunde bei Dronke aus sec. 9 (n. 198) kennt süd- 
westlich Ton Worms ein Winesheimoru marca; in derselben 
stehn aber auch mehrere regelmäfsige pluralgenetive auf 
-oro« Interessanter ist es, wenn aus unbestimmter zeit 
ebenfalls bei Dronke n. 691 südlich von Fulda in Kalba- 
kam tnarcu steht; da ebendaselbst auch in Scuntarahu 
marcu vorkommt, so sieht man klar, dafs der unkundige 
Schreiber jenes Kalbaharu ganz falsch als dat. sing, ver- 
standen hat. Nur zwei Urkunden gewähren mit einer ge- 
wissen coDsequenz, die eine vier, die andere drei genetive 
pluralis auf -u. In Hessloch (Hesinloch) bei Alzey schrieb 
ein presbyter namens Starchar im jähre 827 eine Urkunde 
(s^r Acta academ. Theodoro-PalatinaeI,295f»), die in Hesin- 
lochuru marcu, in Mettenheymaru marcu, in Dittileshai- 
mam marcu und in Thuringheimaru marcu enthält, sämmt- 
licb örter in der gegend von Worms. Sollte in so alter 
zeit wirklich ein deutscher presbyter so ganz der genaue- 
ren Schreibung unkundig gewesen sein, dafs er durch die 
dabeistehende richtige dativendung -ti verführt das -aro 



170 Föntemann 

des gen. plur. zu -am werden liefs? ich glaube das kaum. 
Fast zwei hundert jähre später (a. 1020) schreibt hat 
in derselben gegend, zu Speier, ein anderer presbyter, 
namens Ebo, drei in der dortigen gegend liegende örter 
so: in Odderstateru marcha, in Grumbacheru maroha, in 
Pusteru marcha. Hier konnte das dative ^, welches schon 
aufgegeben war, den Schreiber nicht verführt haben. Wir 
werden also durch das zusammentreffen beider scbriftotücke 
zu der Vermutung gefQhrt, dafs der gen. plur. in der be- 
zeichneten zeit in der gegend von Worms und Speier mit 
besonders dunkeler endung gesprochen ist* 

Das ziel, wonach alle unbetonten a, o, t« bei ihrer 
entartung streben, ist das indifferente e. Wir dürfen uns 
kaum wundern, dais hie und da einer dieser vocale über 
das ziel hinausschiefst und sogar zum t sich erhebt. Doch 
ist das nicht in bestimmter gegend und bäum zu bestimm- 
ter zeit wirklich sitte gewesen, sondern überall im 10. und 
11. Jahrhundert begehen ungenaue Schreiber solche fehler. 
Angeblich im jähre 817, doch wohl nur in späterer ab- 
schrift, zeigt sich ein Thuringari marca im südlichen Wir- 
temberg, sec. 10 ein Nitahari marca in Hessen, a. 1030 ein 
Walbusariberc in der gegend von Salzburg, a. 1034 ein 
Filisaribart in Baiern, a. 1049 ein Helidungeri marca in 
Ostfranken, a. 1062 ein Weigeribroch in Engern, a. 1095 
ein Grinderiga ebenfalls in der Wesergegend. Wie weit 
doch schon in alter zeit grammatische unkenntnifs gebt, 
zeigt sich in einer fuldischen tradition, die kaum nach sec. 
1 1 aufgezeichnet ist und die ein Hcringeneri marca in 
Thüringen kennt. Dies und das schon oben angeftihrte 
Gimundinero marca, wozu unten noch mehr beispiele kom- 
men werden, ist um nichts besser, als wollte ein witziger 
lateiuer aus dem lateinischen omnibus einen gen. plur. om- 
niborum bilden. 

Endlich laufen nun alle jene altehrwürdigen -a, jene 
lange herrschenden -o, jene kranken -u und -t in das „faule 
meer^ des farblosen -e ein. Es sieht komisch aus, wenn 
sich hie und da eine form davor formlich sträubt und sich 



Bur geschiohte aJtdMiteelier declination. 171 

Boch elwttft vornehoM sciuiunke auflegt. So ein Bellingu- 
rae marea östlich Ton Darmsfcadt; wie mag das wohl wirk- 
Uoh in der origiDalurkunde von 786 gelautet haben? Der 
inconsequenz der späteren abschreiber ist es wohl meistens 
sazorechnen , wenn sie den endvocal zu -e verwittern lie- 
fsen, der vorletzten sylbe aber noch einen volleren vocal 
erhielten. So kennen wir mit vorhergehenden -i : Flannen- 
hehBife m. aus sec.8, Surire m. sec. 9, beide aus dem codex 
Lavreshaasiefiais, der uns doch nur in einer abschrift des 
13. Jahrhunderts erhalten ist. Mit a: Chuchelebacharre 
m. aus a. 88d, Germare m. a. 1035, Heveningare m. a 883 
Scaffarefelt a. 978, Wizelare m. sec. 8 und 9 öfters; ich 
bezweffle, dafs mit ausnähme der Urkunden von a. 978 und 
1035 dies ii^endwo die rechte Schreibung gewesen ist. 
Eid o findet sich nur in Wisore m», angeblich aus sec. 8. 
Das u kommt vor in Fulbacchure m. und Malscure m., 
beides sec. 8 , was eben so unglaubwürdig ist. Mehr echt 
erscheint das gleichmäfsig verblasste -ere, und dies findet 
sich anch in der that häufiger. Aber welche glaubwürdig- 
keit können auch hier die aus allen gegenden deutscher 
znnge und angeblich schon aus sec. 8 und 9 herstammen- 
den formen des cod. Lauresh. haben, wie Odeheimere 
m., Basinsheimere m., Clevere m., Guntbotere m., Gunnis- 
sere m.> Hepphenbeimere m., Rocchesheimere m., Larere m., 
Sunnincheimere stete, Dinenheimere m., Doraheimere m., 
ürsellere m., Wachelincheimere m., Wisere m., Wize- 
lere m. Eben so wenig werth hat eine anzahl von formen 
aus den fuldischen traditionen , diesem gleichfalls erst weit 
später geschriebenen copialbuch älterer Schenkungen, eben 
so auch mandties aus älteren quellen, das sich dem Sprach- 
forscher vergeblich als echte Überlieferung des 8. oder 9. 
Jahrhunderts aufdringen will. Am meisten vertrauen auf 
wirkliche genauigkeit der form habe ich bei Fuldere straza 
a. 1016 (bei Fulda), Velfereburg a. 1063 (in den Nieder- 
landen) und Nortsulerecampon a. 1029 (zwischen Minden 
nnd Bremen). 

Selten geschieht es, dafs in diesen formen auf -ere 



172 Föntenumn 

der vocal der penultima ganz synkopirt wird, wie in Tyel- 
rewert und Bomelrewert , zwei niederländischen orten, die 
in einer urk. von 1021 begegnen und sich gegenseitig gut 
stützen. 

Schon zur zeit der blühenden mittelhochdeutschen 
pcriode erlischt der endvocal dieser genetive plur. biswei- 
len ganz, obwohl er meistens noch hörbar bleibt wie in 
burgaere civium; dasselbe gilt vom nom. sing, derselben 
Wörter. Jetzt ist dieser vocal ganz untergegangen. Hier 
sind nun wieder die vielen hunderte im codex Lauresh. 
begegnenden formen wie Adiniuger marca u. s. w., die theil- 
weise schon aus Pipins zeiten stammen sollen, ein rechter 
anlafs, immer von ^ neuem die sprachlich verderbte gestalt 
dieses denkmals zu beklagen, das sonst so überaus herr- 
lich und so bedeutungsvoll f&r unsere ganze Sprachge- 
schichte sein würde. Und dem schliefst sich anderes, wenn 
auch nicht so massenhaft, in anderen quellen an. 

Bemerkenswerth ist es, dafs zuweilen auch bei ganz 
fortgefallenem end vocal doch noch ein vollerer vocal in 
der vorletzten sylbe nachklingt. So ein a in Aslekarwald 
(sec. 11) in der gegend von Amsterdam, ein i in E^sciie- 
brunnir marca (cod Laur. sec. 8 im Wormser gau), GKsel- 
stedir m. (cod. Laur. sec. 9) in Schwaben, Guntheimir m. 
(cod. Laur. sec. 9) im Wormser gau, Rodeubachir m. (cod. 
Laur. sec. 8) im Wormser gau, Turmenzir m. (cod. Laur. 
sec. 8 und 9) in Wirtemberg. 

Die äulserste grenze der entartung bezeichnet ein 
Peirheim (aus Peiaroheim) am Wallersee aus sec. 11, aber 
in uneorrectem abdruck. 

Die consonantische (schwache) declination, zu der wir 
nun übergehn, weicht in ihrem gen. plur. kaum von den 
endungen der starken ab. An die wortstämme auf -n 
hängt sich im gothischen bei den masc. und neutren ein -6 
(hanane, viljane, hairtöne), bei den femininen ein »6 (tug- 
gono, rapjönö, manageinö). Beide vocale enthalten eine 
nach verschiedenen Seiten hin erfolgte trübung eines alte- 



zur geschichte altdeutscher declination. 173 

ren -4; im skr. lautet die cndung -dm. Der nasal ist wie 
bei der vocalischen declinatioQ im deutschen gänzlich auf- 
gegeben. Eine spur des alten a begegnet vielleicht noch 
in Valcanaburg (sec. 10 in Holland); unsicherer ist Valcho- 
naperc (a. 1011 im südlichen Baiern). Sahsonaganc (a. 1030) 
unterhalb Ens an der Donau könnte sogar schon durch 
sein -a auf eine sächsische colonie deuten, wie wir ja auch 
oben das a- der vocalischen declination nur im nördlichen 
Deutschland nachleben sahen. Bei dem unendlich häufig 
belegten namen Frankfurt sehen wir formen auf -a wie 
Franconafurt, Franchunavurdi, Francanafordi , Frankana- 
fiird und andere ausschliefslich bei nördlichen quellen auf- 
treten, die aus Merseburg, Hildesheim, Quedlinburg u. s. w. 
stammen. Das bestätigt sich alles so gut, dafs hier in 
dieser beziehung an keine ungenauigkeit zu denken ist, 
wenn auch andrerseits hochdeutsches -ono bereits vielfach 
in niederdeutsche quellen eindringt. In der übrigen alt- 
sächsischen Sprache ist uns von solchem alten -a keine spur 
mehr aufbewahrt; wir haben aldrono parentum, banano fa- 
barum, botono auxiliorum, brunnono loricarum u. s. w. 

Es ist nun wieder zu untersuchen, wie lange althoch- 
deutsches und altsächsisches gewöhnliches -ono in den na- 
men lebendig bleibt. Ordnen wir die beispiele chronolo- 
gisch und stellen die, welche nur die bezeichnung sec. 8, 9, 
10 haben, zu 750, 850, 950 als in die mitte des betreffen- 
den Jahrhunderts. 

Ascfeldono m. sec. 8 bei Hildburghausen. 

Frisonoveld a. 777 um Eisleben. 

Badanahgowono fines a. 779; S. v. Würzburg. 

Heitingesfeldono m. a. 779; bei Würzburg. 

Torono m. a. 797; Schweiz. 

Munirihstetono m. a. 803 ; im Ghrabfeld. 

Ebilihfeldono m. a. 804; NO v. Bamberg. 

Eibingono m. a. 804; N. yon Bamberg. 

Geltresheimono m. a. 804; im Grabfeld. 

Grapfeldono m. a. 811, ebendas. 

Grapfeldonoborgi a. 812; ebendas. 



174 Föntcmann 

Salagewono m. a. 814; an der fränkischen Saale. 
Rugiheiraono m. a. 814; N. v. Schweinfart 
Thornheimono termini a. 81b; bei Mannheim. 
Gohhesheiraono termini a. 819; im Grabfeld. 
Ostheimono termini a. 819; an der Rhön. 
Haholfesbahbono termini a. 822; SO. y. Fulda. 
Marahesfeldono m. a. 824; oberhalb Meiningen. 
Grapfeldono m. a. 825; das Grabfeld. 
Gotalohono termini a. 834; SW. v. Darmstadt. 
Grapfeldono m. a. 837 ; das Grabfeld. 
Sezzilahono m. a. 838; SW. v. Coburg. 
Ascfeldono m. sec. 9 ; Eisfeld bei HildburghanseD. 
Juchiserono m. (falsche bildiing) sec. 9; bei Meiningen. 
Tbiodorfono fines sec. 9; NW. v. Meiningen. 
TuUifcldono m. sec. 9; W. v. Schmalkaldeo« 
Untargewono m. sec. 9; unbekannt. 
Werangewono m. sec. 9; N. v. Wfirzburg. 
Westheimono m. sec. 9; NW. von Meiningen. 
Wormazfeldono provincia sec. 9; um Worms. 
Salagewono m. a. 851 ; an der fränk« Saale. 
Juchisono m. a. 852 bei Meiningen. 
Salagewono regio a. 859 und 863; an der fränk. Saale. 
Uugiheimono m. a. 863; NO. v. Schweinfurt. 
Herphethorpfono m. a. 863; bei Meiningen. 
Wetarungono m. a. 863; im Grabfeld. 
Hohheimono fines a. 864; in Ostfranken. 
Gelteresheimono fines a. 865; im Grabfeld. 
Sundheimono m. a. 866; W. v. Meiningen. 
Sundhemono m. a. 867; desgl. 
Wetarungono m. a. 867; im Grabfeld. 
Westheimono m. a. 868; NW. v. Meiningen. 
Haganenouono m. a. 883; im Grabfeld. 
Hengisthorphono m. a. 887; im Grabfeld. 
Beinrestetono m. a. 889; SO. v. Meiningen. 
Wetareibono m, a. 895; die Wetterau. 
Sundheimono m. a. 901; W. v. Meiningen. 
Hoitinheimono m. a. 901; im Tullifeld. 



zur geschichte altdeutscher declination. 175 

Frisonoveld a. 932; um £isleben. 

NordheimoDo m. a. 941; bei Meiniogen. 

Hettenhusono m. sec. 10; SO. v. Fulda. 

Wefitheimono m. sec. 10; NW. v. Meiningeu. 
• HoitoDo m. sec. 10; im Tullifeld. 

FresioDOveld sec. 10; um Eisleben. 

Diodorphono m. sec. 10; NW. v. Meiningeu. 

Fresionowic sec. 10; im' westlichen Friesland. 

WanolfeshusoDO m. sec. 10; SW. v. Fulda. 

Selegonostat a. 1002; Seligenstadt zwischen Aschaf- 
fenburg und Frankfurt. 

Rosdorfono m. a. 1016; im Tullifeld. 

Man sieht hier, wie mit dem beginne des 10. Jahrhun- 
derts die beispiele rasch abnehmen; sicher in die zweite 
hälfte dieses Jahrhunderts gehört kein einziges davon. 
Man würde deshalb die beiden aus dem 1 1. Jahrhundert 
mitgetheilten fälle fast för verdächtig halten müssen, wenn 
nicht grade die beiden Urkunden, in denen sie vorkommen, 
nach der ausdrücklichen Versicherung der herausgeber un- 
mittelbar aus den originalen genommen wären. Aufser- 
dem haben wir auch schon oben bei der endung ^oro ein 
solches vereinzeltes nachklingen bis ins 11. Jahrhundert 
wahrgenommen und so stimmt denn das diesmalige resul- 
tat aufs schönste mit dem in bezug auf jene endung erziel- 
ten. Es stimmt aber -ono und -oro nur in bezug auf die 
zeit, nicht in bezug auf die räumliche ausdehnung. 
Sehen wir in hinsieht hierauf das eben mitgetheilte regi- 
gter schärfer an, so finden wir, ein paar ganz vereinzelte 
ausnahmen abgerechnet, fast nur beispiele aus Ostfran- 
ken, wo es neben jenem -oro {-ero etc.) als gleichbe- 
reobtigte nebenform herläuft 

Und auch von jenen ausnahmen sind Frisonoveld und 
Fresionowic sofort abzuziehen, die doch entschieden nicht 
▼ocalisch decliniren konnten. Eben dabin gehört auch 
dae wegen seiner zu zahlreichen belege oben ausgelassene 
Franconofurt, von dem ich hier nachhole, dafs die formen 
auf 'Ono aus zahlreichen datirten Urkunden, die zwischen 



176 Förstemann 

793 und 994 liegen, aufserdem aber aus einer menge von 
stellen in chroniken und Schriftstellern derselben zeit belegt 
werden können. 

Aber vielleicht, so wird man vermuthen, erstrecken 
sich die entarteten formen jenes -ono wesentlich Aber 
die grenzen Ostfrankens hinaus. Ganz absehn müssen wir 
dabei von einem Witisungeno m., NO. von Arolsen auB 
unbestimmter zeit, von einem Germarene m. a. 974 beim 
thüringischen Mühlhausen, von einem pagus Prisingine 
aus unbekannter zeit im südlichen Baiern, von einem hes- 
sischen Uumilingene m., dessen zeit gleichfalls unbestimmt 
ist. Das sind alles formen , die wieder jenes schon oben 
bemerkte heillose decliniren eines dativs aufweisen. Absehn 
müssen wir ferner von einem wohl verderbten Lichsamene 
m., das sich a. 910 im hessischen Starkenburg zeigt. End- 
lich ist auch abzusehn von einem Horone marca, das a. 
783 an der Saar erscheinen soll. 

Was nach diesen vereinzelten ausnahmen übrig bleibt, 
weist doch wieder überwiegend nach Ostfranken hin. So 
ein Hoitino m. a. 857 im gau Tullifeld, ein Ibistetino m. 
a. 901 im Grabfeld, ein Juchisino m. sec. 9 bei Meiningen, 
ein Sundhemino m. sec. 10 in derselben gegend, ein Wala- 
burino m. a. 838 bei Coburg. Kazahano m. a. 852 führt 
uns in die gegend NW. von Meiningnn, Salagoeno fines 
a. 867 an die fränkische Saale. Da bleibt nur weniges 
aufserhalb dieses kreises übrig, wie ein Eitrahafeldon m. 
in der gegend von Fulda; ein Gozfeldene m. vielleicht aus 
sec. 11, liegt N. von Marburg, ein Hesseneberch aus 1010 
N. von Gotha, ein Wiccrino m. a. 910 in Nassau. 

Wiederum ist also ein festes resultat, dafs nur die 
ostfränkische mundart des 9. und 10. Jahrhunderts in diesen 
formen eine schwache declination kennt. Das führt uns 
auf ostfränkische substantiva owo, bahho, feldo, gowo, 
heimo, huso, loho, steto, dorfo, eibo, welche die bewohner 
eines feldes, hauses, dorfes u. s. w. anzeigen und welche 
deo gemeindeutschen personennamen wie Rando, Sigo, The- 



zar geachichte altdeutscher dedination. |77 

gaoo u. 8. w. , die so häufig statt voller composita ge- 
braucht werden, ganz gleich stehn. 

Ein unterschied im gebrauche des -oro und des -ono 
in Ostfiranken will nicht erhellen; es steht Rugiheimono 
neben Ostheimero, Marahesfeldono neben Folcfeldero, Her- 
phethorpfono neben Dahhadorphero, sogar Grapfeldono ne- 
ben Grapfeldero. In den mundarten des mittleren Deutsch- 
lands ist ja Oberhaupt das schwanken in manchen sprach- 
lichen erscheinungen so recht zu hause. 

Schliefslich ist noch eine gaüz auffallende erscheinung 
zu erwähnen. In allen mundarten tritt nämlich von der 
zeit der ersten. Urkunden an bis in die zweite hälfte des 
10. Jahrhunderts hinein öfters statt der vollen formen auf 
'Ono und -oro ein einfaches -o auf, das also den anschein 
gewinnt, als handele es sich hier um genetive von ganz 
unabgeleiteten Substantiven, die doch in diesem falle 
entschieden nicht anzunehmen sind ; vielmehr liegt eine ab- 
kflrzung aus den vollen formen mit gewifsheit vor. Am 
meisten trifft diese erscheinung die endung -heim. So be- 
gegnet im Elsass Ecchenheimo m. sec. 8, Biberesheimo m. 
a, 781, Hlidhamo m. a. 775, Kadolfeshamo m. a. 780; in 
der Schweiz Izinheimo m. a. 837, Zillinslatarroheimo m. 
a«875; in Rheinfranken Harahesheimo m. sec. 8, Patten- 
heimo m. sec. 8 und 9, Beraheimo m. a. 793, Talaheimo 
m. sec. 9, Olleimo m. a. 787, Rinheimo m. a. 859, Sawi- 
lenheimo m. a. 806, Teinenheimo m. und Tienenheimo m. 
öfters sec. 8 und 9, Winesheimo m. a. 804, Winolfesheimo 
m. a. 798; in Ostfranken Gerinesheimo m , Nordheimo und 
Sundheimo m. a. 824; in der Moselgegend Pisinheimo m. 
a. 770, Flaistesheimo m. a. 804. Andere grundwörter von 
Ortsnamen unterliegen selten einer solchen Verkürzung: Be- 
tenowo m. a. 903 in der Schweiz, Carlobacho m. a. 773 
im Wormsgau, Rorbaho m. a. 774 im Speiergau, Essevel- 
doburg sec. 9 in Holstein, Heitungesfeldo m. sec. 9 bei 
WOrzburg, Heringehuso m. a. 973 bei Clausthal im Harze, 
Madalbergostraza a. 959 in Nassau, Nortwaldo m. wahr- 

Zeitschr. f. vgl. sprach f. XV, 3. 12 



178 Föntemaim, zur geschichte altd«Qtich«r dadination. 

scbeinlich sec. 11 in FrieBland, Wiccobrocho m. a. 743 im 
Elsass. Von uDzusammengesetzten, blos abgeleiteten na- 
men zeigt sich so Mulino m. sec. 8 bei ManDheim und 
Wetarungo m a. 838 im gau Grabfeld. Ein alterthfimli* 
ches -a kommt sogar diesen entarteten formen zu in Alt- 
haima m. (sec. 8 im Elsass) und Adingamamora (in unbe- 
stimmter zeit im nördlichen Holland). Falsches -«, also 
scheinbar singulardativ , zeigt sich in Gunsanheimu m., a. 
788 in Wormsgau, und in Wetarungu m., a. 895 im Grab- 
felde. Nur westlich vom Rhein, vom Elsass bis zur Nahe 
hinab, entartet dieses abgekürzte -o auch zu -e, so in Alt- 
aime m., Franchenheime m., Lithaime m., Rochenheime 
m., Sawilenheime m., Scalchenheme m. Die einzige quelle 
flQr diese fast unkenntlich gewordenen formen sind die 
Weissenburger traditionen und zwar nur in sieben stdUen, 
die sämmtlich aus der zeit von 774 bis 788 stammen, aber 
wohl erst durch spätere bände gegangen sind. Da die 
mehrzahl aller hier angeflkhrten abgekürzten formen west- 
lich vom Rheine aufgezeichnet wurde, so liegt es hier nahe 
an den einflufs romanischer volksmundarten zu denken, wel- 
cher noch mehr das deutsche sprachgeflQhl irre leitete, als 
bei den singularen genetiven, f&r die ich solchen einfluft 
in meinen Ortsnamen s. 191 nachgewiesen habe. 

Wernigerode. E. Forste mann. 



Kind, zur kenntnifs der dialekte dtr nengriech. spräche. 179 

Zur kenntnirs der dialekte der neugriechischen 

spräche. 

Der cyprische dialekt. 

Schon Ludwig Kors bemerkte in seinen ^reisen nach 
Kos, Halikarnassos, Rhodos und der insel Cypern'^ (Halle 
1852) 8. 209, dafs der dialekt der Cyprier, wie im alter- 
tbome, so auch heute „manche eigenthümlichkeiten und 
manche abweichung von der gewöhnlichen griechischen 
spräche darbiete'^, und er setzte hinzu, dafs ihre mundart 
und ihre ausspräche denen der Rhodier am nächsten stehe. 
Für das erstere gewährte mir ein längerer artikel in der, 
nachmals leider eingegangenen athenischen Zeitschrift: 4>i- 
XiöTWQ 1862, mai, juni und november, der den lehrer an 
der patriarchatsschule in «Jerusalem, legdpv/noL; Isf), Mv- 
gutväivg^ zum Verfasser hat, vielfache bestätigung und 
mancherlei neue aufschlösse, und es verlohnt sich der mühe, 
die wesentlichen ergebnisse aus jenen mittheilungeu und 
die daraus ersichtlichen besonderen eigenthümlichkeiten des 
cyprischen dialekts zusammenzustellen, auch das dort mit- 
getheilte u^e^ikoyiov cyprischer worte dabei zu berücksich- 
tigen. Indem ich dies in nachstehendem thue, will ich 
zugleich den in dieser Zeitschrift 1860, heft 4 und 5 ent- 
haltenen aufsatz: „Der kyprische dialekt und Euklos der 
cbresmologe^, von M. Schmidt, insoweit berücksichtigen, 
als sich im einzelnen übereinstimmendes zwischen dem al- 
ten und neuen dialekt der Cyprier darbietet. Denn nur 
dies kann hier von eigentlichem Interesse sein, wo es sich 
lediglich um die kenntnifs der dialekte der neugriechischen 
spräche handelt. Sollte übrigens auch von diesen mitthei- 
langen gelten, dafs sie „nur rohes ziemlich unverarbeitetes 
material enthalten^ (s. Zeitschrift a. a. o. heft 4 s. 290), so 
gewähren sie doch immer nicht unerhebliche beitrage zur 
kenntnifs dieser dialekte, und sie weisen zugleich den inneren 
Zusammenhang nach, der zwischen der heutigen spräche 
des griechiacben volks und der altgriechischen spräche be< 

12* 



180 Kind 

Steht. Beiläufig werfen sie auch auf die bekannte fallme- 
rayer^sche thesis von der abstammung der heutigen Grie- 
chen und von den ein Wirkungen und folgen der slawischen 
einwanderungen auf die bewohner Griechenlands ein be- 
deutsames licht, indem sich daraus mit leichter mühe nach- 
weisen läfst, dafs der Zusammenhang der heutigen spräche 
des griechischen volks mit der altgriechischen dem inner- 
sten kerne und eigentlichen wesen nach durch historische 
und politische einflösse der verschiedensten art nicht ge- 
stört und unterbrochen worden ist. Namentlich auf dem 
gebiete der spräche darf solchen einflössen um so weniger 
ein entscheidendes gewicht zugestanden werden, je mehr 
dargethan und erwiesen werden kann, dafs die dialekte, 
deren die Neugriechen sich bedienen, eine unmittelbare 
fortbildung der, vor den zeiten der slawischen einwande- 
rungen in Griechenland üblichen dialekte sind, nicht aber 
dieselben den slawischen bewohnern Griechenlands nach 
ihrer besiegung durch die byzantinischen kaiser von Kon- 
stantinopel her aufgedrungen sein können. 

Anlangend zunächst die änderungen in betreflf der vo- 
cale, die dem heutigen dialekt der Cyprier eigenthOmlich 
sind und worin er von der gewöhnlichen griechischen spräche 
abweicht (Rofs a.a.O. erwähnt solche änderungen nicht), 
so sind dies folgende*). Die Cyprier ändern: 

€ in a (während dagegen auf Rhodos, wie Rofs: „insel- 
reisen ^, bd. III s. 174 bemerkt, die dorische ände- 
rung des a in e sich findet), 
z. b. ayxaUo) für kyxaUcjy ferner ayxalBuipog, ayxakeön}gy 
ti^ccTtna fÖr Ü^acfva, 

e in a — äös für tSs oder tf)f (da, dort), ct^dgiov ftr 

i^vdgioVf 
o in a — f*€cvt]x6g für uovayog (im alten cyprischen dia- 
lekt führt Schmidt a. a. o. heft 5 s. 365 die Ände- 
rung a m an). 



*) Inwiefern einzelne dieser änderungen auch dem trapezuntiBchen dia- 
lekte eigenthümlich sind, sehe man in der zeitschr. bd. XI, 124 f. Auch an- 
fserdem dürfte hier jener aufiwtz mancherlei berttcksichtigang rerdlen«!. 



zur kenntnifB der dialekte der neugriech. spräche. 181 

€ in i (was sich Dach der angäbe von Schmidt a. a. o. 
schon im alten cyprischen dialekt ebenfalls fand, z.b. 
iv statt iv)^ 
z. b. fiird für uevd^ fudlo^ für /4€(/)aAo<;, jiAiT(}td^ai fÖr /U€- 
TQid^oj (scherzen), s. Korais .Araxta, bd. 11 s. 247, der dort 
fAfjTQid^o) schreibt und dabei anführt, dafs Ducange und 
Sommavera das wort: fisirgid^a) schreiben, 

o in oi; — yovudQi{o)v für yo/ndgi (im alten cyprischen 
dialekt erwähnt Schmidt s. 366 die äuderung ov in 
o, dagegen auch von co in ov)^ 
V in € — dyEQov für ayvQov, 

t; in ou — öovxdvri ft^r rvxdvt] (altgriech.), jnuvTtj für 
jLivTtjj yQov(76^ (;(f(>(>«'^<>b) für xQ^^^'i (altgriech., wofür 
die gewöhnliche Volkssprache udlay^ta sagt), X9^^' 
Cüutßov für xüvöüutßov (altgriech.) aprikose, 
« in /; — ^tjkülL,w (^ii?.oyi"^(o) für ^ekoyi^M, ^ekoyidi^w 
(überreden, irreflöhren). 
Andere Aenderungen in ansehung der vocale bei den 
Cypriern bestehen darin, dafs sie, wie auch sonst in der 
Volkssprache geschieht, theils den anfangsvocal abwerfen 
(kiyog fÖr oltyog u. s. w. s. Rofs a. a. o. s. 210), theils be- 
sonders häufig ein a vorsetzen {ayviogi^w für yvtogi^w, 
daxonicj f&r axonia) (beobachten, prüfen), dvdg&^xa statt 
vdg&rj^j wie auch schon in der alten spräche geschah. 

In der behandlung der consonanten treten die ei- 
genthümlichkeiten des cyprischen dialekts besonders zahl- 
reich hervor, wie dies auch bei dem dorischen dialekte 
der an der kleinasiatischen küste liegenden inseln Kar- 
pathos u. s. w. in gleicher weise der fall ist (s. oben s. 

146f.). 

Zuerst ist hier zu erwähnen, dafs auch die Cyprier 
consonanten nicht allein zwischen zwei vocalen häufig aus- 
stofsen, sondern sie auch zu anfang eines wertes wegwer- 
fen (vom ö erwähnt dies Schmidt a. a. o. s. 367 f. auch im 
alten cyprischen dialekt), z. b« iv f&r div, dlw flkr kaUw, 
pici f&r giyw, duoviov für dx^oviov^ dvdoXog ftkr dvdßo- 



182 Kind 

Aqc;*), 0« für 0^1 . xakaegcpog fÖr xakciöehfog (unter ver- 
WftDdfnng des k in (;, wie solches auch sonst häufig in der 
vulgarsprache geschieht)**), ^evla für ^Bvyh], duokor^tog 
für avofiok6y7]Tog , dnokotjTog für dpa7to'/.6yt]Tog , agyaartj, 
unbebautes land {y-^ dvigyaarog). 

Besonders häufig schieben die Cyprier in manche Wör- 
ter am anfang oder in der mitte ein x oder yx ein. Er- 
steres thun auch die trapezuntischen Griechen , z« b« cvg- 
xofiai f&r cvgofiat» Aus dem obgedachten aufeatse im CPi* 
kiarvDQ entlehne ich für den cyprischen dialekt nur fol- 
gende beispiele : Seudtxiov fllr Sefiduov, dxiittjg fflr dianig, 
dfinsXovgyxog für dfjmeXovgyog y xBffaXagxid fQr xscfaXagid 
(der zQgel des pferdcs, mit ausschlufs des gebisses), äxux- 
xirBvo/nai, för diaxvvsvouaL (sich bewegen, gehen, hin- und 
hergehen, altgriech. diaxipicu)^ öxtaxlv^w für öiax?,v^a) (alt- 
griech.), auswaschen, ausspülen, SxiaXoovuai (mit anssto- 
fsung des y) und dxiaXoyii^opiaL für (iiahiyovuai, ÖLccloyi- 
^ouai (altgriech.), dyxaöxuo für dyxaSico^ untersuchen, prü- 
fen (? vom altgriech. xfjöw? — davon dvaxTjöw? — schon 
die alte poetische spräche sagte dyx — statt dvax — , z. b. 
dyxEtfiai, statt dvdxeiuat)j yakevxb) ftlr yalevo) (melken), 
xoßxw für y.üßcü^ xotitw^ Öixia) für diw^ öiäoj^ öovrxiov flllr 
öovTiov (oÖüVTiov)^ uayegxov für fiayeigelov. 

Ebenso ändern die Cyprier t und v in x, z. b. yjdgxa 
für ifjdgia^ dgxcixiov für dgvdxiov, Osgxov für ß^rigiov^ ni- 
xtdoxov fiir uBdctuotov (s. weiter unten im wörterverzeichnifs). 



*) Daa wort dvdßoko^ iu der bedeutaug einer Vorrichtung zur aufiiahme 
von Wasser, das von einem hohen punkte herabfliefst und dann zur bewp- 
gung von mühhildem benutzt wird, ist altgriechischen Ursprungs und seiner 
bildung nach acht griechisch. Es erinnert an das altgriechische dretßoXfj 
und diaßoXüdT}if^ von apaßdkXtü^ wonach auch die neugriechische spräche das 
wort: dvaßdXloiaa für: quelle, gebraucht. Und wie bei Homer d/ußo- 
/.ndrjv und dfißkrj^riv fUr draßoXddfiv sich findet, so kennt auch die neue 
Sprache das ähnlich gebildete wort dtißka<; (von dvnßäXhn) in der bedeu- 
tung einer quelle, die aus erdigem boden in einer ebene aufeprudelt. Die ab- 
kttrzung-a//^- statt draß- in der Zusammensetzung der prttp. am mit Wör- 
tern, die mit ß anfangen, ist ebenso altgriechisch, wie die abkUrzung dyx- 
statt r'nd mit Wörtern, welche mit einem x anfangen. 

**) y.aXadfQ(fi6q (xaXadiXifioq) werden auf der Insel Cypero die kinder 
der pathen in bezug auf diejenigen genannt, welche die ersteren aus der 
taufe gehoben haben. 



zur kenntnifB der dialekte der nengriech. spräche. 183 

In aD8ehuDg des v bemerkte schon Rofs a. a. o. s. 210, 
dafs die Cyprier das finale v in den accusativen und neu* 
tren fast immer hören lassen, z. b. xriv ^^gav, ßowlov, 
Tiaiälov. Auch setzen sie es, wie er sagt, selbst da, wo 
es sonst weder grammatisch, noch in der gewöhnlichen 
neugriechischen mundart einen platz findet, z. b. ^vav xa^ 
kov naiäip statt ^i/a xako naiSi, und sogar im neutrum 
hat Rofs TovTov t6 ciXkuv statt tovto t6 älXo gehört. 
Aehnliche eigenthümlichkeiten und diesfallsige beispiele 
führt auch der aufsatz und das y^a^iXoyiov im ^iliartag 
au. Darnach hängen die Cyprier an die nominative und 
accusative der Substantive der dritten declination auf a 
ein V an, z. b. ro ögiouctv, der träum, das traumgesicht 
(altgriech. ogaua)*), t6 ngoeuap, das frühstück (altgriech. 
ngoysvtAa), Uebrigens findet sich diese eigenthümlichkeit 
auch sonst noch im trapezuntischen dialekte, z. b. t6 gd- 
yiCfiav für gceyiöua, ' uaro^ooiafAttv für ojdfiaTo^oaiafjia, 

Was vertauschungen einzelner consonanten im cy- 
priseben dialekt anlangt, so habe ich auXser den schon von 
Rofs a. a. o. s. 210f. angeführten noch folgende gefunden. 
Die Cyprier ändern: 

X in ;', z. b. yrd(pw, yvcctpiäg für xvaq>ev(o und xvatfevg 

(altgriech.), yovf^tag für xovuäg, xovudaiov, 
y in X (wie dies nach Schmidt a. a. o. s. 368 auch der 
alte cyprische dialekt that), z. b. yaoigxiov ftlr yscig- 
yiov^ \)Xfc (apokope und metathesis) für ygr^d (altgr. 

X in /, z. b. naga^avojvo) für nagaxevojvct) (altgriech. na-^ 
gax6VüO))j umgiefsen, aus einem gefäfse ins andere 
^iefsen, 
ß in ;', z. b. yuvvdgtov für fiovvdgior, häufen, 
;)^ in X, z. b. igxojuai für igxouai (auch auf Rhodos, Kar- 

*) In dem aufsatze über den trapezuntischen dialekt in der zeitAchrift 
ZI» 129, wo ich unter den eigenthOmlichen Worten dieses dialekts auch ro 
OQOfiar aus einem trapezuntischen volksliede aufführte, sprach ich die mei- 
nung aus, dafs es vielleicht aus invuqov gebildet sein könnte. Ich mufs dies 
snrttcknehman. Offenbar ist ro n{in/taf (cyprisch ogotfiar) das altgriechische 



184 Kind 

' pathos und Chalke fand Rofs, 8. „inselreiseo* bd.III 
8. 174, diese vertauschung des x n^it x sehr häufig), 
ö in ^9 z* L^avlog für öavXog (ebenso im altgrieohischen, 

z. b. ccQiäfjkog und agi^tjXog)^ 
(fv in 7171, z. b. ä^a7t7ta für H^acpva. 

Was die dem cyprischen dialekte eigenthümliohe, tod 
der gewöhnlichen griechischen spräche abweichende aus- 
spräche einzelner consonanten betriffl;, so habe ich fol- 
gende eigenheiten dieses dialekts gefunden. Die Cyprier 
sprechen 

X vor 6 und i wie das italienische c vor e und i (indels 
kommt dies auch auf andern inseln, z. b. auf Ejreta, 
vor), 
I in manchen Wörtern wie ksch, 
ax wie seh und sk, z. b. in xaviaxiv — altgriech. xaW- 

axiovj ebenso auch 
X wie seh, z. b. in äxBQov (für äxvgov). 

Aufi'allend sind manche formen der apokope im heu- 
tigen dialekt der Cyprier, z. b. aufser den schon aus obi- 
gem sich ergebenden {jiv für ökv, 'gxä für yQfjd)^ namentlich 
die form 'i für iöe (iöi), z. b. e top (für iöe avrov). 

Aehnliche auffallende beispiele dieser art im alten cy- 
prischen dialekte erwähnt auch Schmidt a. a. o. s. 369, z. b. 
IfjLiTQaov fbr v7io^iTgaaov und ifpäriv für tmocfnJTiv, wobei 
er übrigens zugleich bemerkt, dafs gerade diese worte die 
stärkste apokope erlitten hätten. 

Zu den ungewöhnlichen Wörtern, die für Rofs in der 
form oder im gebrauche auf der insel Cypem auffiJlend 
waren und welche er a. a. o. 8.'21l aufitlhrt (manche da- 
von sind rein altgriechischen Ursprungs und altgriecfaischer 
bildung), trage ich aus dem in rede stehenden ^s^ikoy&ov 
noch folgende hier nach: aögog, grofs (von fruchten); cr^cW, 
rufs, asche (vom altgriech. ä^a, ä^tj) ; oricJvo), verrosten, ro- 
stig werden (vom altgriech. log, ioo)), attafia der rost, cr^to- 
ukvog rostig; ah^avga eidechse (altgriech. GavQa)\ ayvri 
spreu (altgriech. äxvo)\ aygivd und dgyxd wilde thiere 
(von aygiog); äygaxsTt] (altgriech. dygcoarig) eine krautart; 



zur kenntnifs der dialekte der neagriech. spräche. 185 

akw (für AaAäco, kalw) nwg ich sage nur, vielleicht, etwa; 
avayelaot)^ verspotten (altgr. xaTayekccaj)'y aXovaißa^ lauge 
(im altgriechiscben ist aXovaia unreinlichkeit, ungewa- 
schener zustand); avaxaxtw feig sein, sich fürchten (alt- 
griech. i&ekoxaxioj); avaviMVw erziehen (von avd und 
viog)^ avaviwTos pflegesohn; dvacpaivoinai sichtbar wer- 
den, erscheinen, 17 ävacfavrjj der punct, da jemand von 
weitem erst sichtbar wird; ad«, auch 8d, idd (altgriech. 
i'd«, ldi)\ dvotxrdgiv {dvoixrdQwv), der Schlüssel (Rofs a. 
a. o. hat dafür dvoixTdgiv)] dwireivco widerstehen, entge- 
gen sein; äyia^ auf! wohlan I hei (altgriech. dys); dy-ya» 
vi^ot) schreien (vom esel), vom altgriech. 6yxdo(iai\ dßdxri 
mehlkasten in der mühle (vom altgriech. dßa^)'^ ro dno^ 
cn6{)i (dnoanoQiov), das jüngste kind (vom altgr. anogoq^ 
die praep. dno bezeichnet im neugriechischen häufig ein 
aufhören, ein letztes, das ende, wie auch schon in der al- 
ten Sprache, z. b. dnekni^ofjiai aufhören zu hoffen, ver- 
zweifeln, dnofiivM übrig bleiben); dTinvivw schmeicheln, 
liebkosen, besonders von kleinen kindern (vom altgr. annaf 
aTKfd); aQxoipe, morgen abend (vom altgr. avgiov und oxfji, 
avQXoifJSj a(}xoipB); dgxdxiov, vom altgr. (tva^ (davon ^vdxiov 
und unter Versetzung eines a dgvdxtov, — dgxdxiov) ; dg^dii» 
verheurathen (vom altgriech. dg^AOL^w)^ dguaafjievog verheu- 
rathet, vojardgiLiaaTog (vewari agfiaöpkivog), jüngst verheu- 
rathet, dg^iaaid verheurathung; dgpojvoj knurren, von hun- 
den (vom altgriech. dga^o)); dgiod-vfAiaj sich fürchten, un- 
ruhig sein (vom altgriech. Qa\fvui(ß))\ dtgocpt} von einer 
kinderlosen frau; ägyaortj unbebautes land {yij dvegyaorog); 
avaxaXiovfxai weinen, klagen (altgriech. dvaxaXkofAai)\ dva- 
xoßxü) {dvaxoßw, vom altgriech. dvaxontia)^ das nämliche 
laad zum dritten male im jähre ackern; dvdaxeXa rücklings 
(Tom altgriech. axiXog); ro dvti {dvtiov^ altgriech.), ein 
werkseug zum weben, der weberbaum; avägwnog in der 
bedeutung des altgriech. ^x^rktn {ajnotavgovuai, Ttoravgi" 
Cofuti verblüfft sein; daxofAaxioi keuchen (wofür sonst die 
neugriechische spräche dyxo/AaxitJJ gebraucht), von daxog 
und fAoxof^m; daxQotp^yyui Sternenschein, sternhelle nacht 



186 Kind 

(dafär sagt sonst die neugriechische spräche ^aaregid^ 
k^aateoia); drifid^o) mit werten beleidigen, schimpfen; 
(iaToxtci Unfruchtbarkeit; t6 axvd^ßiov der fufs, als das ge- 
wöhnliche maafs (von altgriech. ix^oq^ davon lxvdi}iov)\ ßa^ 
yava^ grofses irdenes oder hölzernes gefäfs (? vom altgriech. 
d/ia^?); ßov?Motji^ begehrlich, gefrftfsig (vom altgriech. /?ov- 
Äo/iorf); 6 ßgovvtoq das geräusch, das der Sturz gro- 
fser wassermassen verursacht (vom altgriech. ßgovriij wo- 
fbr die vulgarsprache auch o ßgovrog sagt, wie auch schon 
die alte spräche T^jifco, rixri und rixog gebrauchte) ; to ßgvii 
{ß()vdiov)j die augenbraue (vom altgriech. 6(pQvg)i ßkmw, 
auch fißkincD {kfiß?An(o] hüten (die heerde); ßkovTOfiifa 
zur ader lassen, ßlovtouog der zur ader läfst (vom altgr. 
fp?.sßoToueoj, rpkeßotofjiog); ßoßwvw stumm sein; i; ßovunj 
die eselin und t6 ßovtxov der esel (vom altgr. ovog)\ ßov- 
{jiu) eilig laufen (vom altgriech. 6qov(ü)\ i; ßovcfa das ge- 
webe (altgriech. vy?;); 6 ßgafiog und (f>gau6g umzäunter 
garten (vom altgriech. (foayfxog); 6 ßwxo?.og — altgriech. 
ßov'/.ükog; yivia/,(jüj yiviaxouah reifen, reif werden (von yi- 
i'oi<«i); i] yanriocty auch ariga bauchweh (von /acrriy^j); 
yiX'UTai vom äuge, das zittert (vom altgriech. dXkoiACUy 
bei Theokrit: u otft'f'al^og aAAcra*); zo yeoigxiov erzeug- 
nifs vom landbau (altgriech. yeujgyiov); ro öovxdvi {öovxd- 
i'/oi/), das altgriech. xvxdvtyy rj ÖtjaToa dünner strick (von 
Öew); Öüdxa, adv., handvoll (vom altgriech. d(>a|), davon 
ÖgdxvM fassen, greifen und ro ögdyfxa bündel, garbe; ro d^m* 
rdoi (öüojTdgiov) wassergefäfs (mittelst apokope von idwg); 
TO örjuua Zwischenwand in den Aussen zur Wasserleitung 
(vom altgriech. öiw, defia); öxiaptdaxaka {diafidaxaXa), un- 
ter dem arm (altgriech. vno udkrjg, vno uccoxdktjg); dxiivfjg^ 
altgr. öisTTjg; ri Sixakka in der altgriech. bedeutung; ro di- 
xndvL Werkzeug zum dreschen (vom altgriech. dixgavov); 
t)i(o?J^ü> (öißw?J^ü)) das feld vor dem säen zum zweiten 
male ackern (vom altgriech. ßöükog^ das sich in Cypern un- 
verändert, auch z. b. in der Zusammensetzung ßtukoxonog 
erhalten hat); ^yici, kto und iyidptjj das altgriech. iyai (dor. 
iy(ijvf])'y Ti BVQBTi] fund, besonders von geld (von evQiaxia); 



zur kenntnifs der dialekte der nengriech. spräche. 187 

^ceßog, auch ^aog kramm, davon ^aßoivto, i^acivw krQm- 
men, biegen (17 ^dßa, C^ßia bedeutet in der vulgarsprache : 
schnalle, heftel); 'Qci(f(f(f> — das altgriech. axfintw^ uv/a- 
?MTtig, auch ^evxaXdrfjg, — altgriech. ^evyeldTTjg; ro £r/r£- 
XIV (C^vixiov)y auch ^ivi^iv genick (vom altgriech. Iviov); 
f] ^ciarga gürtel (altgriech. ^coV?;); {fj)Xid^w sich sonnen, 
sich wärmen; 6 ijhccxog in der bedeutung des altgriech« 
ai&ovaa (nach Rofs a a. o. gebrauchen die Cyprier fikux- 
xog in der bedeutung: vorhalte einer kirche — vagätj^); 
ro d-BQXov nennen die Cyprier eine grofse schlänge (vom 
altgriech. &i]giov); ro &eQvdy.i{o)v futterschwinge (vom alt- 
griech. &giva^, TQtva^); idkXovQog, laV^ovga ^ »dj., wild- 
blickend, zornig, auch in der bedeutung des altgriech. 
yi,avxo)7t7]g mit gräulichblauen äugen, wie die der katzen, 
davon lallovQt^o) (vom altgriech. aifAov^jo^); xavtl es ge- 
nügt (vom altgriech. /xaj/og); xauuw die äugen schliefsen, 
mit den äugen blinzeln (vom altgriech. xaxauvio mit- 
telst Synkope xaufAVw^ xa^uo)); 1) xccuaroßsgya ochsensta- 
chel (altgriech. ßovxBVTQOv)*)\ ro xBcpctloßgvaov quelle, 
hauptquell, perennirende quelle (dafür sagt die vulgar- 
sprache auch: ro xecpakdgiov und rj XB(paXagtd)\ 6 xdog 
gefäfs zum schöpfen (altgriech. xddog)'^ 6 xaffvo{g)ov(pag 
der rauchfang (das altgriech. xa7xvoö6yji)\ xarayyeid^w jeden 
gegenständ an seinen ort legen oder stellen, ordnen ; xgd^w 
vom hahne, wie im altgriechischen; to x6gxi(ov)^ in der 
bedeutung des altgriech. 'ivögvov (vom altgriech. xBgxig)\ 1) 
xBCfccKct'Kxd , altgriech. xB(pakalyia; 6 xr,u6g eiserne beifs- 
stange des pferdes (altgriech.); tj xixXa drossel, krammets- 
vogel (altgriech. xi^^r/); rd xXdäovgce trocknes holz, reifsig- 
holz, zum verbrennen (vom altgriech. xldöog); xla{d)ema) 
die weinstöcke beschneiden (altgriech. xAofJci/w); ro xka- 
niov die nachteule; hoomvoj reifen (von fruchten), — ? vom 



♦) Die vulgarsprache bat aus dem ihr eigenthümlichen zeitwort xdftvot 
(thun, thätig sein, davon dnoxdfuM ^ ermüden) die subst. xäfnnfia (that, 
handlung) und 6 xdfiamq (ermattung), sowie das adj, xajuaTtjQoqj xa/tart^ 
qÖ(; (arbeitsam, thätig) gebildet. 'H xa.uccit/^K» ii/iiga ist: der arbeitstag, 
werkeltag, ro xa^tavtnjov bedeutet: der pflugstier, und darnach sagen die 
Griechen rd xaftoiTfjQd ftovy meine ochsen. 



188 Kind 

altgr. xogiooj xoffivvvjni? — rj xogtj reife feige; o xovxxbqwv 
das land, auf dem bohnen gebaut werden (Tom altgr. xox- 
xog, wofür die vulgarsprache ro xovxxiov^ die bohne, sagt); 
xovxxi^cj von thieren, denen man ihr morgenfiitter (gerate 
u. 8. w.) giebt (vom altgrieeh. xoxxogj xoxxi^w); 6 XQBfAfxog^ 
altgriech. xQi}uv6si\ rj xvußt] die durch das joch auf dem 
rücken des ochsen gebildete erhöhung (vom altgriech. xt;/?}/) ; 
xujkvd) drücken (vom schuh), altgriech. xeaXva); oi lag 
die leute (vom altgriech. kceog); udXkovQoq der buschige 
haare hat (ro: ^lakhcc, vom altgriech. juaD^og^ sind in der 
vulgarsprache: die haare); }) fiaklovna Schneeflocke (vom 
altgriech. fiaAAö^); fid%ofiai sich bemühen, streben; /Aikko- 
ixat geschehen, widerfahren, es widerfahrt jemandem etwas, 
TOP uikleTat; fiovyyaQi^u) brüllen (von ochsen), vom alt- 
griech. uvxccouai; tü vi{o)v pflugschaar (vom altgriech. vv- 
vii^); vid^o) das land zum ersten male ackern; ro viaa/na 
das erste pflügen {yon vi^vig); ^fj/ioravtL^o) das unkraut her- 
ausziehen, jäten (vom altgriech. ßoravi^w; die vulgar- 
sprache sagt ^e statt ix in zusammengesetzten verbis und 
dann ändert der dialekt |€ in |//); 6 ^ovQog die sehr kalte 
schneidende luft, die gleichsam kratzt (vom altgriech. |i!- 
()ci(jü, ^io)); ^ccoyw, auch ^aQxdi stören, abhalten (in der ar- 
beit), vom altgriech. k^agyeio; ^tjfiaQi^m beschmutzen, ver- 
unreinigen, auch in bildlichem sinne (vom altgriech. dfAcega); 
t6 oQVjfiuv gesiebt, traumgesicht (im trapezuntischen dia- 
lekt ogofiav) vom altgriech. ogafia; ndr^akog wird von 
einem menschen gesagt, der die blättern gehabt hat, blat- 
ternarbig (? vom altgriech. ndQdakog?)'^ Tiekagyat^ nekagxw 
zögern (vom altgriech. doyico); rj Tiergid Steinwurf (vom 
altgriech. Tiirga); ro ngosfiav frühstück (vom altgriech. 
TiQoyev^ta); ngdaacu handel treiben (rd TtgdypLaxa sind im 
allgemeinen in der vulgarsprache: waaren, kaufmannswaa- 
ren, — ein begriff, der auch schon in dem altgriech. Tigay- 
fiarevouai und TtgayfiarevTtjg ausgedrückt ist); 6 ndk{X)og 
für ndaaaXog; /; navvvxiäa^ das beim brodbrechen {dgto- 
xXaaia) im abendmahl dargebrachte grolsc runde brod 
(vielleicht — bemerkt dazu der obgenannte Grieche — 



zur kenntnifs der dialekte der aeogriecb. spräche. 189 

weil an den grofsen festen, an denen die ä(}Toxkaaiai statt- 
haben, sonst auch ayQvnviai — nachtgottesdienste, navvv- 
XiSeg — gehalten wurden); ?) naandXa — naindh] (alt- 
griech.) ; — rj TtsC^ovXct steinerne erhöhung in und bei bauern- 
häusern, nicht nur zum sitzen (bank), sondern auch* zum 
hinstellen verschiedener geräthschaften ; 77 Tttjöxtd die ge- 
ronnene milch, vorzugsweise beim käse (vom altgriech. rni^ 
}'vvfii, — ri 7t)]XTtj im altgriechischen ist 'der aus geronne- 
ner milch geprefste käse), davon TirjSxid^w gerinnen (von 
der milch); rj nivid trank (vom altgriech. nipo)); t6 nia- 
0ovQi{ov) dicke finsternifs (vom altgriech. niaaa); rd tu- 
rvdxia kleine fichten (vom altgr. Tiirvg)', nkrjaisu) (altgriech.) 
mit der bedeutung: traurig sein, davon rj nXij^tg traurig- 
keit; rd noxXoyict Überbleibsel von fruchten beim ärnten, 
welche die armen sammeln (von dno und ixXiyia — kxXoyri)\ 
ni&dgxov^ adv., übermorgen (verderbt aus fis&avQiov, — 
TiBäd, dorisch und äolisch fQr ^€ror, und avgi{o)v — doxov); 
6 noQog (altgriech.), bedeutet in Cjpern besonders den ein- 
gang zu den umschlossenen Weinbergen; 6 tiovqxoq tage- 
löhner eines bauem (vom altgriech. inovQyog)^ no(fVQd^o) 
verdünnen, verringern (von dno und (fVQdio); 6 TiooxeQxäg 
der ochse, bei dem die hörner nach vorn zu stehen (von 
ngo und xigag)^ das gegentheil ist 6 x^^-oxegxdg^ bei dem 
sie nach unten stehen; ;^«Ao für x^f^^ — altgriech. ;fa/4a/ 
zur erde nieder); 6 Tivgoipag der ochse, der am ganzen 
körper roth, an den obren aber weifs ist (die etymologie 
von TtVQ und djtTOi oder otitco erklärt nur die eine hälfte 
des sinns); axid^ouai verstohlen ansehen (vom altgriech. 
üxid; die neugriechische spräche gebraucht axid^oftai auch 
fbr: sich fQrchten, sich entsetzen); 6 argicfr^ig das holz, 
durch welches am Webstuhle der weberbaum — ro dvriov — 
gedreht wird (vom altgriech. avpicpaj); avvdßxo) zusammen- 
fitösen, wiederholen, wird vom lehrer gesagt, der jeden 
Sonnabend das in der woche vorgetragene mit den Schü- 
lern wiederholt (vom altgriech. övvdTiTO))^ davon 77 (rvva- 
tpig Wiederholung; ö oicpfpovvag Wirbelwind, stürm (vom 
altgr. aicf'Mv); 6 aaoxiouevog der vampyr (wofQr die Grie- 



190 Kind, svr kenntnirs der dialekte der nengriech. «pimche. 

eben anderswo ßovoxokaxcci^ sagen) vom altgrieob. aagxoo)^ 
in der vulgarsprache aaoxaivu); (faoxwpouai heifst: fleisch 
bekommen; ij (rroovTegxa und argiOTriQict qaerbalken (vom 
altgriech. örgujTijQ); (fvarilko) (altgriech.) in der bedeotang 
des altgriech. evrgeTii^ü) in Ordnung bringen; ij atpoiftafMi' 
vici, das altgriech. acfivSa^voq; 6 (peyyiäg der ochse, der 
weifse haare auf der stirn hat (vom altgriech. (piyyog); u 
(fMudg in der nämlichen bedeutung (von ffwg); ji^eAidovta^; 
die färbe der schwalben habend; t6 X^Q^X^i^)^ ^^^ fP^^ 
am pflüge (vom altgriech, ;^6/c;); rj yolirga (altgriech. x^ 
Xiga) dachrinue; ;^aAa)t^a^-, dem die obren nach unten ste- 
hen oder hängen (vom altgriech. x^^!^^^ — X^f^^^ dann, 
unter Veränderung des u in A, ;^ofAo und avtiov^ vulgär- 
griechisch: das ohr, vom altgriech. cJg); XQ^^^ salben (alt- 
griech. ;^o/w); To xgovo6ui]?.ov (altgriech. xg^f^oa^ßov) gold- 
apfel, orange; 17 ipvxnSa (anderswo in Griechenland ^ix^) 
brodkrume, krümchen (altgriech. i/^cxa*;). 

Vorstehendes verzeichnifs cyprischer Worte, das ich dem 
angegebenen ^e^uoyiov in einer kleinen aus wähl entlehnt 
habe, mag hier zu dem gedachten zwecke genügen. Es 
giebt aber zugleich gelegenheit, den wünsch zu wieder- 
holen, welchen Ludwig Rofs in den „beitragen zur kennt- 
nifs und beurtheilung des neugriechischen^ im dritten bände 
seiner „reisen auf den griechischen inseln^ 1845, 8.161 
und 175 aussprach, indem er die abfassung neugriechischer 
idiotika, nämlich, wie er es meinte, genauer idiotika dei* 
vorzüglichsten beutigen mundarten „für nicht unnütz^ ja 
ftkr wünschenswerth^ erklärüe. Auch darf wohl von man- 
chen Wörtern dieses Verzeichnisses gesagt werden, was dort 
Rofs von andern ebenfalls sagte, dafs sie „dem philologischen 
herzen eines Hellenisten freude machen und ebensowohl in 
unsere lexika aufgenommen zu werden verdienen, als man- 
che zweifelhafte lesart bei den lexikographen , grammati- 
kern und scholiasten''. 

Ob endlich nicht auch manches von vorstehendem ge- 
eignet wäre, über den alten cyprischen dialekt nach den 
eingangs gedachten niittheilungen und darlegungen in dieser 



Birlinger, sprachvergl. Studien im altmanniflchen und schwäbischen. 191 

zeitschrifl hier und da einiges licht zu verbreiten, lasse 
ich selbstverständlich ganz auf sich beruhen. 

Dr. Theodor Kind. 



Sprachvergleichende Studien im alemannischen 
und schwäbischen. 

Bekanntlich entwickelte sich das heutige sogenannte 
bairisch - schwäbische gebiet zwischen Hier und Lech 
eigens unter weifischer herrschaft nach spräche, sitte und 
recht; desgleichen das sogenannte altwirtembergische und 
zollerisch-hohenbergische Schwaben, soweit es unter der 
kröne von Wirtemberg und Preufsen ist. Bis auf eine 
halbe stunde an Tübingen hin gieng die vorderöstreichi- 
sche grafschaft Niederhohenberg und ganz wie abgeschnit- 
ten ist die obere Nekarthalsprache; denn bei Tübingen 
fängt der singende schleppende ton an, den die Tübinger 
selbst am ausgeprägtesten sprechen. Das land von der 
Alb an bis hinüber an den Schwarzwald und von Rot- 
weil an bis an die fränkische grenze dürfte man viel- 
leicht am besten Nie der Schwaben heifsen. Dieses Nie- 
derschwaben scheidet sich wieder in's altwirtembergische 
und in's neuwirtembergische (vorderöstreichische), was 
sprachlich sehr geschieden werden mufs. Jenes spricht 
gwea (gewesen), dieses gset (gesln); jenes meist dau (du); 
dieses du; jenes intoniert singend, dieses nicht. Jenes 
spricht Säle, Schwägler, dieses sile, Schw6gler (der 
name des verstorbenen tübinger professors). Beide Schwa- 
ben stehen auch in ihrer gesichtsbildung weit ab von ein- 
ander; die formation des nasenbeines und mundes läfst 
▼ielSEtch gute und schnelle Unterscheidung zu. Innerhalb 
beider Schwaben gibt es wieder Sprachinseln, die politisch 
oder kirchlich einem andern verbände angehörten; auch 



192 Birlinger 

die abgeschlossenen reichsstädte haben wieder Schattierun- 
gen in ihrer schwäbischen rede, die den nachbam anffal- 
len. Am sichersten scheidet man solche Sprachinseln ans 
auf grund von Spötteleien, neckereien, welche die Umwoh- 
ner seit alters, scheint es, zu lieben gewohnt sind. Ganze 
Ortschaften lagen schon im hader, weil ihre spräche spöt- 
tisch und lächerlich gemacht ward. Solche Sprachinseln 
sind Gmünd und Ulm; Efslingen lag zu nahe bei der wir- 
tembergischen hauptstadt und der verkehr war zu lebhaft, 
als dafs sich viel abweichendes gestalten konnte. Gröfsere 
abweichung zeigen die ehemals speier'schen einflösse auf 
die bischöflichen unterthanen im calwer gebiet und die 
strafsburgischen im Rench- und Scheppachthale. In einer 
eigenthümlichen zwitterstellung befindet sich das altwir- 
temb. Tuttlingen, das alemannisches und schwäbisches, alt- 
wirtembergisches, zusammenwirft: das bisweilen zudem 
eine spräche zeigt, die den beobachter unwillkftrlich an's 
augsburgische Schwaben, an die Stauden erinnert. Gehen 
wir von diesen zwei niederschwäbischen theilen hinauf an 
die Alb bis zur Wasserscheide des Nekars und der Donau, 
so haben wir wieder ein volk, das ganz und gar nicht zu 
den thalschwaben zu gehören scheint; ebenso ergeht es 
uns, wenn wir den Schwarzwald ersteigen. Was sollen 
wir mit diesen leuten anfangen? Ich werde an der band 
der mundartlichen analyse und der alten gaueintheilungen 
auf die abkunfb dieser lente zu rathen suchen. Verlassen 
wir die Alb und steigen in's Donaugebiet hinab, so ist der 
unterschied wieder bedeutend in spräche und sitte zwi- 
schen hier und Niederschwaben. Von da bis zur Hier 
und von der Hier zum Lech haben wir Oberschwaben. 

In Wirtemberg selbst rechnet man eben das wirtem- 
bergische Oberschwaben unter den eben genannten namen. 
Von der Hier bis zum Lech und von Sonthofen, Immen- 
stadt bis gegen Nördlingen liegt das bairische Schwaben, 
was sprachlich in das eigentliche und in das pfalzneubur- 
gische Schwaben wieder abgetheilt werden mufs. Vom 
see her spürt man allgäuische elemente, vom Lech her 



sprachvergl. Studien im alemftnnischen und schwäbischen 19^ 

bairische — altbairische — ; von Nördlingen und dem Riefs 
her fränkische. Im herz vom augsb. Schwaben ist die 
Sprache ziemlich dieselbe; d. h. im allgemeinen, bezüglich 
der Sprachinseln wie der Stauden, des kohlerwinkels habe 
ich im augsb. Wörterbuch schon dargethan, was mir auf- 
fiel. Endlich ist noch das Allgaü da, worüber ich bald 
genaueres mitzutheilen gelegenheit haben werde. Ueber 
das bis Rotweil und auf den höhen der Alb und des Jura 
sich ausdehnende alte echtalemannische gebiet komme ich 
eingehender in bälde zu sprechen. Vorläufig begnüge ich 
mich mit der mitgetheilten ungefähren grenzlinie, wie ich 
sie schon in der vorrede zum Wörterbuch besprochen. Ich 
habe seit jähren gelegenheit gehabt besonders während 
meiner Studienjahre diese genannten gegenden persönlich 
zu bei^uchen und die sonde anzulegen. Wiederholt in den 
ferien im Allgaü und überhaupt in Oberschwaben; zu hause 
in Niederschwaben; mit Unterstützung der kgl. bair. regie« 
rung in Schwaben und im Neuburgischen; einige zeit im 
berufe im alten alemannischen zähringisch-fürstenbergischen 
gebiete. — All diese Wanderungen machten es mir mög- 
lich ein kleines bild der schwäbisch-alemannischen sprach- 
karte mir anzulegen. Dazu kam in Tübingen und Rot- 
tenburg noch das fQnQährige Zusammensein mit studienge- 
nossen aus fast all diesen landschaften, die ich oft bis aurs 
blut mit fragen plagte und die mich nicht selten über 
merkwürdige Spracheigenheiten unterrichteten. Da es fbr 
mich noch nicht zeit ist alle meine erfahrungen schriftlich 
mitzutheilen, weil ich noch viel selbst sehen und hören 
will — so gebe ich vorläufig nur einzelnes, aus dem wirk- 
lich das eine oder andere unseren emsigen Sprachforschern 
jetzt willkommen sein dürfte. 

Am merkwürdigsten ist im alemannischen gebiete, be- 
vorab in der heutigen Baar das wort Doddabom, Dod- 
dabomm für sarg, leichentruhe. Der Alemanne sagt nie 
Bär wie der Niederschwabe oder Baor wie der augsb. 
Schwabe mit dem umlaut: Bairle — er kennt nur den 
Doddabom; er geht nicht mit „der Leicht^ sondern 
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV. 3. 13 



194 Uirlinger 

— merkwürdigl — „er rennt mit 'ra Doddabom^! 
Ich fand dies fast bis Ehingen herab und bis Ulm und 
sogar noch im saulgauer gebiet (Haid) spurenweise. Die 
spuren da und dort noch — alle innerhalb meiner abgrän- 
zung des altalemannischen gebietes — lassen errathen, dafs 
das wort Jspecifisch alemannisch ist. In einer constanzer 
Chronik — Constanz ist ein mischort von schwäbisch und 
alemannisch gewesen — bei Mone, quellens. I, 339 a steht 
wörtlich die bestätigung: 

„die vergraben zu Sant Pauls in einen bom- 
men, nach gewonhait der Lüten^. Auch He- 
bel hat Todabom sarg! 
Ich mache hier auf die ganz in der Baär — der alten ale- 
mannischen Bertholdsbaar — liegenden Alemannen «gräber 
bei Oberflacht aufmerksam ; es sind lauter ausgehöhlte eich- 
Stämme mit deckein. Menzel und Düricb haben diesen 
merkwürdigen fund seiner zeit untersucht; diese todten- 
bäume werden nach aller weit verschickt. — Sodann ist 
diesem alemannischen gebiete eigen, dafs es so viele stat- 
ten hat, deren namen offenbar auf alte leichenfelder, Schlacht- 
felder schhefsen lassen« So heifst ein esch- oder flurname 
bei Krähenheimstetten (Meskirch) Todtermann; alte Waf- 
fen werden hier gefunden. Südlich von Weilheim bei Neu- 
hausen (Tuttl.) sind alte gräber auf den noch heute volks- 
thümlich benannten „Tödtwise n^. Der verdienstvolle 
selige Eitenbenz hat in dieser gegend um aufdeckung be- 
sonders römischer alterthümer vieles verdienst. Auf dem 
alemannischen heuberge ist Königsheim ; dort hat eine flur 
den namen Taodtma, Taodtmann?*) Es mufs jedenfalls 
einen verzweifelten kämpf gekostet haben die gerade hier 
in der alemannischen gegend so tief eingenisteten Römer 
über den Rhein zurückzuwerfen; der anhaltende kämpf — 
die beiderseitigen niederlagen, die zuletzt auf seite der Rö- 



*) Gräberwisen, altes leichenfeld bei Altheim (Neohausen). Begra- 
bene wisen „die waltatrafs — an die begrabenun wise**. ViU. Mrkg. 
Urkunden 1225. Mon. zt. I, 408. 



sprachvergleicbende Studien im alemannischen und schwäbischen. 195 

mer allein blieben, müssen manche heute blühende flur 
zum todtenfelde gemacht haben. Während die Schwaben 
in ihrem Nekarthale mit seinen seitenthälern, am Lech und 
der Hier, an der ganzen mittlem Donau bis Neuburg wahr- 
scheinlich ruhig ihrem treiben lebten, waren die Aleman- 
nen am Ursprünge der Donau und des Nekars im ganzen 
Hegau keine stunde sicher, ob nicht der erbfeind den Rhein 
wieder mit ausgefüllten heeresreihen überschritte, den so 
sehr nach seinem alten wohnlich eingerichteten nachbar- 
gebiete gelüstete. 

Ein anderes wort begegnet ganz besonders im volke 
noch lebend in unserem alemannischen gebiete; ich meine 
runs^ runse, runst für alveolus. Ich will nun gerade 
nicht sagen, als ob es spezifisch alemannisch sei, aber icli 
fand es auch fast nur da. Aus Graff II, 519. 520 und 
aus dem mhd. wb. II, 721 konnte ich nach den* quellen 
keine besondere alte heimath herausbringen. Mir genügt 
vorläufig, dafs ich für alveolus das wort in Niederschwa- 
ben und Oberschwaben — soweit es nicht alemannisch — 
nicht als volksthümlich gefunden habe, dagegen das heu- 
tige alemannische gebiet es in s. Urkunden und im volks- 
munde noch hat. Raus heilst ein arm der Eschach bei 
Haselberg; was freilich nicht ganz bestimmt in unser ge- 
Inet hereingehört. Dagegen haben die Gränzalemannen bei 
Herbertingen raus noch; weil sie es nicht mehr recht 
verstanden setzten sie „s Bächle RaQs^; sogar im her- 
bertinger lagerbuch steht „Bächle rauns und Bächl 
Rauns^. Diese herbertinger felderabtheilung durchschnei- 
det ein tiefer graben; daher sagen die Herbertinger auch 
^Bächle Raüsäcker". In Weilheim bei Tuttlingen 
heifsen die kleinen Wasserfurchen, die vom Weilenberg her- 
abkommen „Raüsd'^, was da fQr jeden kleinern fliefsen- 
den bach gilt. In einem dortigen Vertragsbriefe von 1664 
beifst es: „die fünft neben dem Runs zue nechst ob der 
Landstrafs in Peter Rutschen Aker". „Des Honers Runsz" 
a.a.O. Die form runst, die schon althochdeutsch und 
mittelhochdeutsch vorkommt, begegnet in Ronstgraben 

13* 



196 Birlinger 

im Asselfitiger Ried; auch hier haben wir die Übersetzung^ 
weil runs selbst in den zu tief nach Schwaben herein- 
mündenden alemannischen bezirken mit seiner bedeutung 
dem Verständnisse abhanden kam. Eine ähnliche erschei- 
nung wie hartwald, salzsaline etc. In Hundersingen bei 
Riedlingen ist das wort ebenfalls noch üblich. Sogar die- 
registratur des dortigen rathhauses hat briefe, wo die form 
Ringse, Rings vorkommt, das ich bisher nicht belegt 
finde. 

„Ringsegrueb.^ „Ringsegraben", ürkd. v.1475. 
1455. Ebenso steht in einer andern Urkunde Ring se grub 
und Ringsegraben v. 1524. Die aufschrift des akten- 
stückes ist Ronzen graben geschrieben. Runs, Ku- 
nigsruns „das stück, das gelegen ist als der Seflinger 
wege gent unz an Eunigrnns von bis hinuff an Eunigs- 
wise^ 'Urkd. 1432. Jäger's Ulm 1 18. (107). 

Im echtalemannischen villingischen gebiete mögen 
der namen noch viele vorkommen; urkundlich kenne ich 
Ruucnstal, flumame im Wiselbachthale bei Villingen; 

Runstal (1207) Mone zeitschr. I, 326. Runstal, 
praedium in R. s. 408. In Münch's fttrstenb. gesch. I, 257 
werden Wasserrunsen urkundlich genannt. So viel ist 
gewifs: alle örtlichkeiten runs benannt sind in dem ge- 
biete der obern Donau mit ausnähme Hasselberg, das übri- 
gens auch nicht zu weit abiigt; von Niederschwaben kenne 
ich keine beispiele. In der Schweiz kommt der name oft 
vor, z. b. auch bei Brugg und Biberstein. 

Ein anderes dem alemannischen gebiete vor andern 
nachbarn besonders haften gebliebenes wort ist To bei flir 
Schlucht, bergeinschnitt, einsenkung. Ich habe das wort 
bei den Nekarschwaben nie gehört, sie haben klinge da- 
ftir, so in Wurml. die hischemer klinge und die ihr 
entsprechende auf der nordseite des berges. In den Stau- 
den und im schwäbisch-augsburgischen habe ich daftir 
schlaoch gefunden. Sieh unten. Im bairischen mufs 
es auch nicht mehr so heimisch sein, denn Schmeller's be- 



sprachvergl. Studien im alemannischen und nchwäbischen. 197 

rieht darOber ist sehr arm an belegen. Abgesehen davon, 
dafs auch sonst in irgend einem theile Schwabens tobel 
vorkommen mag: seine färbung ist doch vorherrschend 
alemannisch; bevorab schweizerisch. Der Schwarz waidberg 
Tobel steht oben an. Bei Tuttlingen ist derMorento* 
bei, 'a Moradöbelc mit seinem gespenstischen rosae 
„dem Morcndobelrössle^. Es stand da einst ein schlofs. 
Ebenfalls bei Tuttlingen ist der Ramspeltobel. Der 
spechzarter Tobel und der Tobelhof bei UeberlingeQ, 
Schelmendobel bei Hundersingen; er hat ganz die form 
der niederschwäbischen klinge. Burgdobel in der Riedl. 
g^end neben Dobel und Dobelbach; Dobelmahle 
beifst ein theil von Hundersingen, die gegeqd im Hohlweg. 
Dobel wagner ein haus bei Ried unter dem walde, ober- 
amt Sanlgau. Dobelhalde bei Zwifalten. Ein Dobel- 
bach bei Schöneugrün, oberamt Freudenstadt; dabei der 
jetzt eingetrocknete Dobelbachsee. Ein Dobil ^ad 
fontem Dobil^^. 1148 bei Mone zeitschr. I, 97. 

Ich mache auf die Tobel in der Schweiz noch 
aufmerksam; auf die davon genommenen namen Tob 1er, 
zum Tobel, Oöbleru. s. w. Die althochdeutschen be- 
lege fittr das alte wort sind bei Graft* V, i:}2 beigebracht: 
tubil = Schlucht; (tobel, dobil, gatubili incastratura) 
u. 8. w. Die Stauden und das bairische Schwaben ha* 
ben schlau, schlao dafür, was Seh melier auch als 
schlauch anführt. Nach der ausspräche kann gut alt- 
hochdeutsch und mittelhochdeutsch a zu gründe liegen und 
wir hätten das im mhd. Wörterbuch vielbelegte slä wie- 
der, das man gewöhnlich mit fahrte, spur übersetzt. Sollte 
nicht bei den unwirthlichen unwegsamen Zeiten des mit- 
telalterfi der weg, fuf'sspur, eine wirkliche künstliche 
„schlau^, einschnitt gemeint sein; ich meine es passe 
AU manchem beleg des mhd. Wörterbuchs besser. Im neuen 
Wolfdietrich v. Holzmann gibt sogar die slä des drachen 
=3 Schlucht, bergtobel einen bessern sinn als' das kahle 
wort „fährte^. Ich mache auf die schöne anzahl belege 
für schlau im augsb. Wörterbuch s. 397 aufmerksam. Das 



198 Birlinger 

wort ist unter der Alb unerhört und scheint es in Baiem 
auch wenig oder nicht bekannt, wenn man den Schmeller'« 
sehen artikel III, 425 nachliest; denn die citate passen fast 
nur auf die Lechgegend, der ich auch meine belege ent- 
nahm. Also für den Lechrain und das Wertachtal von 
Bobingen an ist das wort sicher nachgewiesen. Eben fällt 
mir noch ein: ein im alemannischen gebiete liegender wald 
(Königseggwald) heifst Schloh; ob der name hiehergehört 
wcifs ich nicht; er wäre zu vereinzelt, um etwas damit 
zu beweisen. Etwas anderes ist das weibliche schlaue^ 
scbläa = wellähnliche beulage, die 2 wagen weit von ein- 
ander aufgeschichtet werden, so dafs man durchfahren und 
auf beiden selten laden kann. (Hertfeld.) — 

Ich meine nicht unrichtig beobachtet zu habeu^ wenn 
ich auch das alte starke ueutrum der u-declination vi tu 
häufiger im alemannischen gebiete vorfand, denn im schwä- 
bischen. Ich mufs vorausschicken, dafs es zu denjenigen 
Wörtern gehört, deren urspr. organ. kurzes i unrichtig zu 
ei im schwäbischen geworden ist, wie es «vil^ ergangen 
ist, das jetzt veil lautet und wie hie und da die Lech- 
schwaben ä zu au machen wie waudel f. wadel. Vergl. 
augsb. wörtcrb. 442 b. Innerhalb dem altalemannischen ge- 
biete blieb natürlich i; allein die nach Schwaben strecken- 
den theile Alemanniens machten es zu ei oder zu sehr ge- 
dehntem I. Bei Tuttlingen ist eine bekannte anhöbe 
Widdho genannt = Holzhau. Widhau heifst ein hei- 
ligkreuzthaler waldname; withow ein wald; H.Jahrhun- 
dert im herkommen der Stadt Horb; dagegen in der Zim- 
mern'schen chronik weytow. Vergl. Schmeller IV, 200. 
PfeiflF. Germ. (Uhland I, 3 anm. 6. Mein volksth. I, 217 
anm. Frommann's zeitschr. III, 146. II, 392.414. Als 
LägwTd lebt altes witu noch in Niederschwaben = ahd. 
laocwitu, lancwit = das lange vorder- und hinterwagen 
verbindende holz, langbäm bei Schambach 118b. Auffal- 
lend ist mir die alte kürze im Lauterthal (bei Hundersin- 
gen), wo ein steig „Wittstaig** heifst, was einige gelehrte 
von S. Vitus herleiteten, wenn sie's nicht gar in die ober- 



sprachvergl. Studien im alemanaischen und schwäbischen. 199 

amtsbescbreibung gescbrieben haben. Einen scheinbaren 
schönen fand glaubte ich gemacht zu haben, als ich im 
augsb. Schwaben wizbaum fQr heu-, wisbaum hörte und 
dachte das unerklärte wort zu haben; allein wie soll da 
ein z herkommen wenn u folgt? Ein altes witi könnte der 
ganzen sache abhelfen, wenn es da wäre; der sinn des 
bäum flQr langholz ist heute noch da und dort volks- 
üblich besonders in redeosarten Ein ganz charakteristisch 
alemannisches wort ist kaib = aas, schelm, gefallenes 
thier. Das mhd. wörterb. hat aus Frisch, Oberlin, Platter 
(Thomas) keibe, keibenschinder beigebracht. Das wort 
ist starkes msc. und schwach msc. der kaib, der koab 
und keibe. Schmid im Schwab. Wörterbuch hat es auch 
und führt neben der zweiten bedeutung der rohen Schelte 
an, dafs es in der Schweiz und im Blsäfs üblich wäre. 
Stalder führt Keibling und Keib an in der doppelten 
bedeutung wie Schmid. Das Grimm'sche wörterb. bringt 
keib V, 431. 432, wo jedoch das wort nicht sprachgemäfs 
aufeinander folgt in seiner bedeutung. Ich kenne nur 
noch ein wort, das ganz in dar zweifachen bedeutung vor- 
kommt: Kog 1) Schelm, aas: 2) rohe schelte, ei in keib 
ist altes 4i, denn der Al.emaune spricht kchäab und der 
Schweizer choab. Charakteristisch alemannisch ist das 
wort, denn wer je einen Schweizer studierenden in Tübin- 
gen oder in München getroffen hat, der wird bemerkt ha- 
ben, dafs seine roheste schelte Chäob ist; er kann sich des 
Wortes auch nicht entschlagen. Auffallend kommt es in 
Niederschwaben vor, aber es ist keine einheimische pflanze, 
denn da hat es den echten schwäbischen lautwechsel nicht 
durchgemacht; es lautet im volke kaib, was jedenfalls 
käab oder koib heifsen müfste. In Niederschwaben gilt 
es auch nur als Schelte. In der Tuttlinger gegend (Wurm- 
bingen) kannte ich einen alten rossehändler, der schrie in 
meinem stalle unzähligemal nebst einem tüchtigen fluch |,du 
koab du! zu seinen pferden*). Das alemannische rotwei- 

*) Du sakermentskoab! Des ist a Keboabawetter! d.h. schlech- 



200 Birlinger 

1er stadtrecht hat kaib noch im ursprQoglioheD sinne s» 
1) sterbet, 2) aas, schelm. F. 80b heifst es: „Von den 
kaiben in den dörfern. item als die mezger üsreitend ires 
koofiis und kombt aineo fQr, das der kayb in den: dorf 
ist, derselb sol dann soUichs fQrbringen, das niemant nich* 
zit da konffe^. F. 159a steht: „were auch, daz die ge- 
mainde abgienge von Wolfen, von nom oder von den kay- 
ben^ u. s. w. Aus den stellen des rechtsbuches (l.redakL 
des 14. jahrh. 2. red. 1545) erhellt, dafs der kaib eine art 
viehsterbet, Viehseuche gewesen sein rnaCs ; und in zwei- 
ter bedeutung das opfer dieses „sterbet^. Sollte nicht 
an die „fressende^ Vorstellung ähnlicher krankheiten (wurm 
u. s. w.) erinnert werden dürfen und das Zeitwert kif, 
keif, kaif = nagen, fressen dazu gehalten werden dür^ 
fen? (vgl. kftfer). Bemerken will ich noch, da(s im aug^b. 
Schwaben von mir das wort nie gehört worden ist. 

Ein im Botweiler stadtrechte Gbliches wort aren &» 
ackern kennen die Schwaben nicht, es mufs besonders in 
alemannischen gegenden Oblich gewesen und länger erhal- 
ten worden sein, „daz jemant der burger almende oder 
markstein iniärte (hinein-) oder eingrOebe oder üfsgrüebe 
oder üfsärte, daz sie dem auch riegen soUendt umb die 
aynigung, die darüber gesetzt ist^. F. 27 b „daä ein bar- 
ger den andern überärte, markstein oder markstecken 
üsgrüebe oder üsarte^ a. a. o. got. arjan, ahd. aran 
und erran; mhd. aru und ern. Das Grimmische wörterb. 
bringt I, 545 ein Schweiz, ären; IQ, 787 eren aus andere 
weitigen gegenden. In Oberschwaben ist aren, eren 
üblich. 

Alemannisch und zugleich oberschwäbisch und theii- 
weise augsb. schwäbisch ist Bai == kleines oder groiaeres 
fenster. Niederschwaben kennt das wort durchaus nicht. 
Im Kotweiler stadtrechte f. 139a, b kommt Bay für eine 
art mauerlucke vor: „von Türlin, Bayen und Löchern, 
die da gondt in der stedt Riugmüren und Hüser, die an 

tes wetter! Wurm. Im singen sagte die mutter zum schreienden kinde: 
„nimm da seckel (saugbeutel) ins maul and achwfg du kchoab!** 



sprachvergl. Studien im alftmamiischen und schwäbischen. 201 

das veldt dienen, das man die vermüren und vermachen 
soU^. Baile filr kQchenfenster und gesims daran ist echt 
oberschwäbisch. K e 1 1 e r b o i a , kellerfenster. Tettnanger 
gegend. 

Was Schmeller I, 234 ohne beleg anf&hrt; was mir 
weder schwäbisch -augsburgisch noch schwäbisch- wirtem- 
bergisch in akten noch volksOblich vorkam ist ein zeitwort 
bleckein = übel riechen, stinken vom fleische. Grimm 
im Wörterbuch führt es nicht auf. Aber das Rotweiler 
stadtrecht hat es uns bewahrt. F. 82b steht: ,,von stinkennt 
oder pleckelet fleisch zween mann zu irem zunflmaister 
verordnen — welche fleifsiges aufsehens zehabenndt, ob 
und wan ein flaisch stinkhenndt oder bleck elet seye^. 

Ein wort für den ,, kuttelmagen ^, blättermagen der 
tfaiere, sei er zubereitet oder nicht, hörte ich bis Saulgau 
herab vom obern Donaugebiete, in Niederschwaben und 
augsb. Schwaben nie; — es ist Manigfalt; mir scheint 
der name sehr alt zu sein. In Saulgau verlangt man zum 
hier abends „Manigfältlen^ und versteht darunter den 
giaoz fein zubereiteten edlern blättermagen. Bis an den 
Kaiserstuhl heifst der magen überhaupt nur manigfalt.stm. 
Im rotweiler stadtrechte f. 81 a lese ich: „Item, wer der 
were, der Bensei, menigfelt wemst und derm unter dem 
sobinthüse liefse liegen^ u. s. w. 

Ein rotweiler, echt rotweiler ausdruck findet sich im 
etadtrechte, den ich in Schwaben nie las noch hörte: 
Müefsiggänger. So hiefsen alle alten Kot weil er, welche 
kein gewerhe trieben und keinem handwerke oblagen, sie 
waren zur herrenstube eingetheilt. Das stadtrecht sagt f. 44b. 
f. 15b: „dieselben stanndt dann für rathe und schworen 
ihr jeglicher einen ayde zu kiesenndt niemandt zu lieb 
noch zu laide, 3 von den zunftmaistem und 3 von den 
fiEUifzigen und einen von den müssiggftngern^. Wir 
haben hier das wort noch in seiner ursprünglichen bedeu- 
tung ohne irgend etwas vom modernen beischmack „des 
fauUenzers^ damit zu verbinden. Ich kenne noch ein wort 
des Stadtrechts, das dem ähnlich ist „muetwillen^ a= 



202 Biiiinger 

freier, ungezwungener wille. „Wer der seye, der von un- 
serer Stadt zu Rotwil zeuchet durch muetwillen und 
von jm selber". F. 64 a. Vgl. eine stelle aus einer predigt 
XII sec. (cgm. 380) »von sin selbis mut willen verhancte 
der heilige Christ des". Mir fällt ein alter rottenburger 
ausdruck ein »die muetwiller. Es waren weingärt- 
ner, welche ihre trauben in einen beliebigen kelter bringen 
konnten zur torkel; wogegen die gröfsere anzahl rotten- 
burger vrinzerleute in ihre bestimmte kelter gebannt waren ; 
gleichwie da auch der mühlenbann im ausgedehntesten mause 
blühte. 

Einen der alemannisch rotweilischen fischersprache 
entnommenen Fachausdruck will ich nicht übergehen: 
straipfen. Mir ist er in Schmeller's wörterb. bei Schmid 
und andern nicht vorgekommen. Das rotweiler stadtrecbt 
schreibt f. 190a: „ain ehrsamer Hat sambt den erbarn mai- 
stern der sechzehen und ain ehrbar gemeinde haben sich 
sonntags Exaudi 1543 anglenns, straipfenns und gran- 
pens halben entschlofsen" u. s. w. Ebendort: ,,vom strai- 
pffen. Erstlich dafs fiirterhin niemant, wer der seye, bur- 
ger oder burgerin, jnwoner, gaistliche oder weltliche per- 
sonen in dem Necar und allen andern wafsern, so gemai- 
ner stat Rotwil und jren burgern zugehörig, ufsgenommen 
die Prym, die lafst man wie von alter her beleiben, mit 
dem hammen oder berren straipffen solle, der Necar 
gange dan zuvor zwen gut schritt über das gestad üs^. 
F. 210a: „die weil das straipffen dem samen schädlich^. 
F. 190b: „Angler oder straipffer". 

Wenn ich nicht irre, so hat das alemannische gebiet 
auch ein seinen nachbarn abhanden gekommenes wort nebt, 
uchten, uchtweide was auf den abend, die nacht geht: 
„uchten^ zu nacht in die spinnstube gehen (arme leute) 
„z^ Hecht in Niederschwaben. So hörte ich es auf dem 
alemannischen heuberge; wo in Ortschaften sogar Uch- 
tengasse vorkommt. Uchthalde heifst ein gö&linger 
flurname bei Rotweil. In „der Uten ^ ist fiumame bei 
Wehingen, Üt weide bei Weilheim. Auf dem Schwarz- 



sprachvergl. Studien im alemannischen und schwäbischen, 203 

walde hört man es wieder, nicht aber im Nekarthalo oder 
überhaupt in Niederschwaben; ebenso wenig fand ich es 
im augsb. Schwaben. Uchteweyde in einer Herrenalber 
Urkunde v. 1278. Mone zeitschr. I, 116. Die beste beleg- 
stelle gibt aber wieder das rotweiler stadtrecht an die 
band. „Auch ist es vor alter herkhommen, wan ain ackher- 
maister von Rotenmünster für das veldtgerieht kommbt — 
und bitt unser frowen ain Uchtwaid zu bauen — so 
soheybt man zwen des Rats und ainen von der Gemaindt 
von dem Veldtgerieht dazue, die bauen denen von Roten- 
münster und auch Altenstettern die Uchtwayd und dar- 
aus, so gibt die Äbtissin von R. zween Möllerkuchen ^ 
u. 8. w. „Der Uchtwayd feert (gibt) von jetlichem haupt, 
das den pflüg zeuchet, und in die Uchtwayd gaat alle 
jar 2 mal's win". f. 198b Schmid hat das wort unter 
ächtzeit s. 8*). 

Im gotischen haben wir ein schwaches fem. uhtvo = 
morgenzeit; uhtvon = morgens, uht? frühe zeit, rechte 
zeit, uhteigo, uhteigs, nfatings finden sich ebenfalls bei 
Ulfila mit dem begriff opportune. Den hauptbeleg gibt 
uns Notker: bei Graff steht uohta = morgendämmerung 
diluculum als swf. gen. uohtun; dat. ze uohtun; acc. uoh- 
tun; uohtisang. Alle belege im althochdeutschen gehören 
der alemannischen zeit und dem alemannischen gebiete an; 
darum führe ich meine belege auch mit recht als dieser 
gegend heute noch zugehörig an. 

Ein weiteres der alemannischen gegend eigenes — nur 
noch in ulmer akten vorkommendes Zeitwert verweichen 
= vermummen bringe ich bei. Das rotweiler stadtrecht 
hat f. 189a die belegstelle: „Item sich soll niemant ver- 
weichen in larvenweise noch an ain Hecht gan nach der 
grofsen glocken; auch mit schreien, heylen, blasen, pfeifen, 
trummenschlagen u. s. w.^ 

Bis heute hat sich im alemannischen gebiete an der 



*) AuffaUend ist mir das vorkommen von formen wie Auchtcrt, Aucht- 
wisen z. b. in Poltringen, Horb. Sollte raifsverständnis obwalten; und wie 
▼erhält sich uo zn n? 



204 BirliDger 

obern Donau auch das alte swm. scorro, rupes, kable stei- 
nichte hohe als wald und waldbergname erhalten; es ist 
nicht spezifisch alemannisch, allein am längsten erhalten 
gegenüber den Schwaben und Baiern. Schmeller Ahrt ein 
„schorren^ verb. an = hervorragen wie der ecorro. 
Heute noch heifst „der Schoren^ die kahle waldee- 
höhe /.wischen Tuttlingen, Wurmlingen und Nendingen« 
Schorrental, Weiler bei Besenfeld (Freudenstadt) 
Schorrenwald bei Ochsenhausen. Schorren flurname 
bei Villingen, Vill. Chronik bei Mone, quellens. 11, 85 b. 2^ 
wald bei Bettenreute. Schorre Bondorfer fiurn. (Herren- 
berg) urkdl. 1289 schorre. Mone zeitschr. IV, 126. »Wo 
auf hohe Schorren da nit eichbaum wachsen, sollen ha- 
genbüchen gesetzt worden.^ Mone zeitschr. U, 28* Ver^. 
meine Wbl. z. volksth. 83. die beispiele (8. 9. jhd.) bei Graff 
II, 540 ff. sind in Keichenau niedergeschrieben worden. 

Das got. (gauman) gaumjan c, dativ bei Ulfila hat 
sich bei den Nekarschwaben nie festgesetzt; weder münd» 
liehe noch schriftliche belege kann ich beibringen; dagegen 
haben die Oberschwaben es nur noch in der bedeutung 
während des sonntäglichen gottesdienstes „das haus hü- 
ten^. Ich halte daför dafs das wort im volke Oberschwa- 
bens ebenfalls nur eingeführt ist durch die schweizer ein* 
Wanderer, die sich nach dem 30jährigeu kriege über das 
Allgäu bis gen Leutkirch hin ansäfsig machten. In unse* 
rem alemannischen gebiete lebt es auch nicht mehr recht 
üppig, wogegen die benachbarten Schweiz. Alemannen es von 
jeher gehabt haben. Ich belege das wort, welches ich 
im augsb. wtb. s. 199 a anführte aus hauptsächlich schw^ 
zerischen Schriftwerken. „Welcher ein Ingomer ainen 
Vogtheere lieblos macht, sol büfsen^ u. s. w., Ildefons v. 
Arx U, 614. „ Darum sich wol soUendt hüten, bewaren 
und vergaumen die schwangern frauen.^ J. Ruff v. d« 
Empfengknus, Zürich 1554. Eine stelle aus Simler's re- 
giment der eidgenoss. II, 208: „In siben Gaumeten oder 
quartier ist die statt Luzern eingeteilt. Die Gaumer 
mochten dieselbe alle sonntage während des gottesdienstes 



sprachvergl. studieu im alemaiinischeii und schwäbischen. 205 

vergaumen, nämlich da die Stadtkirche weit aufserhalb 
der Stadt gelegen und der ort öfters von feuerbrünsten 
heimgesucht worden ist gegen feuersgefahr bewachen, auch 
zur bestimmten zeiten die feuerstetten und öfen von haus zu 
haus besichtigen". In Herrliberg. topographie 11,340: „Stei- 
nerne Häuser baut St. Gallen zur vergaumung von feuers- 
gefahr". Gaumer, Ehegaumer heifst das apenzell. 
Sittengericht in AuTserroden, aus dem ortspfarrer und 2 
hauptleuten bestehend. Kusch, kanten Appenzell 133. 
„Wir habend t mit unserer lehr bisher noch unruwver- 
gaumet" antwortet Leo Jud der prediger dem Züricher 
rate 1532. Bull. Chr. IV, 376. Das Allgäu spricht gomma 
und hat somit echt alem. lautgesetz bewahrt, wie die 
Schwarzwaldalem. bomm, verb omma sprechen. Gom- 
merlen heifsen alte heiligentäf eichen im Allgäu, Hausgötz- 
lein. Bei Jer. Gotthelf steht ga umen = haus, kinder hüten. 
Nicht anders verhält es sich mit wäc, wäg, got. v^gs, 
gurges. Wie das spezifisch oberrheinische alemannische 
werbe für Wasterwerck noch an der Donau als Werben- 
wäg (Hug. V. W.) lebt, so wäg gurges, tiefer humpen. 
Ursprünglich ist es ein bewegtes, kreisförmig umtreibendes 
wasser, wie es bei abgründen oben bemerkbar ist. Am 
Nekar und bei den Nekarschwaben fehlen die wag; da 
kennt man nur Gumpen und gegen Ehingen und Ulm hin 
auch Gumper. Auffallend viele wäg hat uns das alemanni- 
sche gebiet erhalten: die Möhringer wäg, ein tiefer Donau- 
pumpen; gutes tisch wasser. Die Wurmlinger wäg bei 
Tuttlingen in einem vertragsbr. von 1664 genannt; dabei 
der wäg- oder waogroi. Die mülheimer wäg. Weara- 
wÄg (Werbenwäg) (Hug v.W. minnes. U, 82) Siumewäg 
bei Hilzingen. Urkundlich 1275. Mone Zeitschrift I, 77 
wägsauter, ehemaliger thurm in Ueberlingen. Blaewäg. 
Urkund. 1176. Mone zeitschr. I, 320 u. s. w. Eine faule 
Wäg bei Altbreisach am Rhein. Wäg, eine stelle der 
Eschach zwischen Bühlingen und dem Ekholz (Rotweil). 
Mögen auch bei Leutkirch und Vaihingen gleiche benen- 
nungen vorkommen : das alemann, gebiet hat die überzahl. 



206 Birlinger 

Auch das altdeutsche sol (Graff VI, 186. Gramm. III, 
275) = kotlache, schwemme scheint häufiger auf alemanoi- 
schem gebiete üblich und findet sich als eschname bei 
Trossingen (in der Baar) neben Sol weg. Schon die Ur- 
kunden in den Jur. Controv. (hs. Tuttl.) erwähnen dieses 
Esches. Ein Sol findet sich bei Königsheim auf dem ale- 
mannischen Heuberge. Rotensol „ad fontem R**. Ur- 
kundlich 1148; schwarzwaldalemann. Solberg im Sanken- 
bachthälchen ; ein Hof. (Freudenstadt). Solhof^ Alpirsba- 
eher vogtbuch 1408—1417. Reysch. statr. 37. Solacker, 
Herbert. Flurn. lagerbuch 322. Schwäbischem gebiete ge- 
hören Ilgensol an, das ein bebenhaus, waldname ist: 
ebenso Wintersol urkundl. wintersul 1171. Mone I, 
320 u. s. w. Ich mache bei diesem worte auf griech. ^ko^; 
aufmerksam, das für aikog stehen dQrfte wie iTira fQr 
osTira; aekog = sumpf. Die wurzel ist wohl sal wahr- 
scheinlich für sval, swal = wallen, wogen (Schwallech 
in Augsburg). 

Eigenthümlich vorherrschend dem oberdonauisch - ale- 
mannischen gebiete ist Selten- mit buch verbunden; es 
sind Wassergräben theils fiiefsend, stagnirend, meistens aus- 
getrocknet. Seltenbach ist bei Eönigsheim auf dem 
Heuberge; ein Seltenbach geht durch Tuttlingen selbst 
Ein Seltenbronnen ist bei Wittemdorf ob.-amt Freu- 
denstadt. Seltenbach, auch Santenbach bei Baisin- 
gen, hart an der alemannischen grenze. Seltenwald ist 
ob Weilheim bei Tuttlingen, daher der name Seltelwei- 
ble, name eines weiblichen koboldartigen waldgeistes, 
moosweibchen. 

Auf dem alemann. Heuberge heiisen sie die almend- 
stücke, die jeder bürger bekommt „Reutina** sing. Reu- 
tin, was die Schwaben nicht kennen: sie haben Fl ecka- 
ländle (Wurml.) Gmaindstheil u. s. w. 

Ebenso wimmelt es im obern Donau- und Nekarge- 
biete von bergbenennungen kapf; das wort bedeutet jeden 
hohem punkt, vor dem man umschau halten kann (mhd. 
kapfen wb. I, 786). Oberer und unterer Kapf oberhalb 



sprachvergl. Studien im alemannischen nnd schwäbischen. 207 

Neufra bei Rotweil; das untere und obere Käpfle bei 
Möhriugeii. Kapfhau, wurml. wald (Tuttl.) Kapfanges, 
waldhöbe ebenda. Kapfle, ein Burgstal bei Derneck u.s.w. 
Ein spezifisch alemannisches wort ist Matte, Gras- 
land reichen erfreulichen aufwuchses. Im althocbd. begeg- 
nen wir nur bei Notker (ps. 104,32. ps. 108, 23) in der 
Zusammensetzung einem matoscrecch = heuschrecke; 
68 muis matte nicht im ganzen alemann, gebiete sprach- 
üblich gewesen sein; denn ich fand es in volksthümlichen 
Schriftstücken bis weit über Rotweil hinab; in dem echte 
alte mundart bekundenden Mühlheimer pfarrurbar kommt 
Matte gleichfalls vor. Dahin ist Lauchert's satz in sei- 
ner Rotweiler mundart zu berichtigen, wo es heifst s. 2 
„unbekannt in unserer gegend ist das alemannische wort 
Matte '^. Ja es ist nicht nur einmal spezifisch alemannisch 
— freilich in der Schreibung matte — , es ist ein über fast 
ganz Schwaben sich ausdehnendes wort,* in Oberschwaben 
bis in's Augsburgische hinein häufig als flurname „ Maden ^ 
d. h. auf Maden, dat. pl. Entkleiden wir Matte seines 
alemannischen gewandes: tt, t ist gar nichts anderes als 
geschärftes (dd) d, welches die alte alem. kürze des a an- 
zeigen soll, wie wir bei der grammatik sehen können; 
der Alemanne hat nämlich wunderbarerweise fast alle alten 
kürzen und schärfungen erhalten. Wir wären somit zu 
dem resultat gekommen , dafs alle süddeutschen stamme 
dasselbe wort haben, selbst das engl, meadow. darf nicht 
vergessen werden; nur hat das conservative Alemannien 
es in seiner ursprünglichen gestalt, wenigstens ist es da 
geschrieben wie es dem uralten Deutschen der Völkerwan- 
derung in der ausspräche eigen war. Die Baiern haben 
tmendlioh viele „auf Maden, Mädern^, s.Schmell.II,550. 
Das augsb. Schwaben hat ebenso eine unzahl flurnamen, die 
8o lauten ; ich habe mehrere im augsb. wb. beigebracht, wo 
aaeb das uotkerische matoscreccho als madschrecke 
aus dem 15. Jahrhundert belegt ist (324). Nur eines mufs 
ich bemerken, dafs der Nekarschwabe äui'serst selten flurna- 
men auf „ Maden ^ besitzt, wogegen auf dem Schwarzwald 



208 Biriinger 

und auf der Alb sie oft gefunden werden. Alem. Urkun- 
den schreiben nicht selten mat, wis mat; sprachlich hat 
dies keinen werth. 

Ein durch^s ganze alemannische gebiet und mir in ei- 
nem ziemlich grofsen theile von Niederschwaben als volk- 
üblich bekannte wort ist Leitfafs. Ich fbhre es deshalb 
an, weil man schon das wort mit leithus, geistiges ge- 
tränke zusammengebracht hat. Wenn auch lait in sehr vie- 
len Zusammensetzungen bis nach Frankfurt und in's Oester- 
reichische hinein mflndlich und urkundlich sich vorfindet, in 
dem sinn, den der Alemanne und Schwabe damit verbindet^ 
ist es diesem gebiete eigen. Ich sehe ganz ab vom mhd« 
und ahd. wb. und theile mit was sich alemannisch schwä* 
bisch unter dem worte begreifen lälst. Während der Frank- 
furter bei Laitfafs nur an wasser denkt, und vielleicht an 
eine wasserfuhr bei feuersnoth, so denkt sich der Alemanne 
seinen guten wein dabei. Das Rotweiler stadtrecht hat ein 
Zeitwort weinlaiten. „Und wanne das ist, das ein Ü9- 
mann ainem burger wainlaitet, das sollen sie also 
schätzen^ f. 28a. Holzlaiten: „Sonder soUent sie bei 
der tax an dem holz, so man laitet beleihen^ f. 27a eto. 

In Rotenburg a. N. und dem benachbarten Wurmlin- 
gen, Wendelsheim und EUrschau versteht man unter Loat* 
fafs (oa =: ki got.) ein langes weintrester- oder weinfieUa, 
nur benutzt zur herbstzeit. In Rotenburg waren theilwein- 
berge, zu denen die österr. herrschaft (grafschaft Nieder* 
hohenberg) ddnger, pfäle, fässer beischafifen mufste. Ein 
solches weintresterfafs, das eigentlich der herrschaft 
gehörte, nannte man Loatfafs. Der begriff des „fronens^ 
haftete bereits immer an den mit lait- zusammengesetzten 
Worten. So hieis ebenfalls in Rotenburg laiten = holz 
in die herrschaftlichen kanzleien, ins kapuzinerklösterle 
führen also = frohndienste thun. Baute ein bürger ein haus, 
so war es seit uralten zeiten sitte im saulgauischen, daft 
jeder nachbar, freund etc. einen wagen voll steine, holz un* 
entgeltlich herbei ftihrte, das biefs laiten uud das schwa- 
che weibl. subst. loite. — daher würden wir einen guten 



sprachvergl. stndien im alemannischen und schwäbischen. 209 

erklärenden ausdruck in einem zeitw. fronlaiten bekom- 
men. — In den altwirtembergischen gesetzen begegnete mir 
das wort laitfafs: „Laitfafs und Föhrt* ordg. v. 20. sept. 
1597. Reyschel XVI, 106. 107. „Ohngeeichet Laitfafs« 
„grofse Laitfafs, Laith oder herbstfafs". Generalre- 
skript V. 16. sept. 1642. Reysch. a. a. o. 383. Mifsverständ- 
nifs istdasLaiterfafs in der Ravensburg. Stat, des H.jhs. 
Schmid stellt ganz irrigerweise Laiterfafs zu lid = 
trank u. s. w. 

Das altdeutsche serwen, serawen, tabescere ist in 
Niederschwaben gänzlich unbekannt, wogegen es das augsb. 
Schwaben noch aufweist; die alem. Baar kennt als acht 
volksthQmlich Serben und rexen = tabescere et marcere. 
Serbling ist in Tuttl. ein dörrer, hagerer mensch, der 
trotz alles essens nicht gedeihet; der Allgäuer bezeichnet 
diese eigenschaft mit landrig, 1) ein auszehrender mensch, 
2) auszehrendes vieh. 

Auffallend gehen wieder die alem. Baar und das augsb. 
Schwaben miteinander in dem worte „Schnaier" = hand- 
beil, reisighäpe; rotweilisch- städtisch: dach sei; nieder- 
Schwäbisch pfählhäp. Im Mindelthale Schnaiter. Mein 
augsb. wb. 400a. Es wird wohl Schnait hieherzustellen 
sein =s= zusammengehaktes reisigholz u. s. w. Mein wbl. 
2. Tolks. s.v. Gschnaid. 

Was der Niederschwabe Mezelsupp, der Augsburger 
und Oberschwabe Schlachtete nennt, das kennt der alem. 
Tuttlinger als Sendet und Sendete = schweinefleisch- 
oder rindfleischportion , das man dem herm pfarrer altem 
herkommen gemäfs bringt; man wird nicht übel rathen, 
wenn die gäbe noch das alte obligate opfer unserer vorfa- 
ren andeutet. 

Die sog. „stillen Gichter* heifst man vom Donau- 
ursprung Stillinen. Der augsb. Schwabe hat das fast räth- 
selhafteF rieht, 'sFrichtle aus „ver-jicht, vergicht, 
vrgicht, vricht. Die hindeutung auf die wurzel frih 
öder fris im augsb. wb. ist nicht nöthig. 

Dem Niederschwaben und soviel ich merkte auch dem 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV, 8. 14 



210 Birlinger 

Ober- und augsb. Schwaben nngeläufig ist das auch bid- 
risch belegte alemannische schmälen = schelten, schim- 
fen. In Eben weiter (alem.) == schmähen; in der Baar 
= scherzhaft schmähen, ohne dafs es ernst ist, nur so 
thun u. s. w. Sogar in dem Heiligkreuzthaler hexenprotocoU 
vom anfange des vorigen jahrh. sagt die alem. heimath 
(Hegau) angehörende hexe: „da habe der baur ge- 
schmälf^ f. 21b. „Sie zank und schmähl immer mit 
ihr* f. 28 a. Vergl. das Hebel'sche schmälen, in selbi- 
gem verstände genommen. 

Der alem. heimath scheint ein ohne ga, ge mir sonst 
nicht bekanntes wort für ein im privateigenthum liegendes 
gelände, wo vieh weiden konnte, anzugehören: „vulgariter 
dicitur unum Such", ürkundl. bei Mone zeitschr. 1292. 
Vergl. das augsb. schwäb. blumenbesuch im wb. — Fer- 
ner Schmell. III, 192. Das einfache „Such" kenne ich 
aus keiner quelle. 

Ein verbum „schnödem^ = den schnupfen haben, 
ist den Schwaben nicht bekannt, wohl aber den Baaraleman- 
nen, so den Wurmlingern bei Tuttl. Daher der dort üb- 
liche Stichelname einer weibsperson „Schnöder agath". 
Niederschwaben kennt auch kein schnudern, sondern 
sagt „d^ Schnudrete (-^^) haben". Das bairische 
Schwaben scheint schnudern und Bayern schnodeln 
gehabt zu haben, so weit die codd. bei Schmell. UI, 488. 
489 bezeugen. 

Ein recht alemannisches wort ist das heute noch üb- 
liche Hürst für Strauch, gebüsch und in zweiter bedeu- 
tung die jochartig bewachsenen getreidestriemen, da wo die 
acker in solche erhöhungen abgetheilt sind. Die beispiele 
in mhd. wb. weisen gröstentheils auf alemannisches ge- 
biet: Boner, Martina, Liedersal u. s. w. Ich führe das He- 
bePsche 

Was wispelt in de bürste 
Was rüehrt si echterst dort? 

In Saulgau heifst der Zwischenraum zwischen einem, 
in stränge abgetheilten feldstück Hist sing, und plur., bai- 



spraohvergL atadien im akmioiiischen und schwäbischen. 211 

risch- schwäbisch sträng; ich hörte auch irgendwo an 
der obem Donau hüst Das hundersingische und saul- 
gauische bist mufs also einem alten hursti entsprechen; 
hüst einem hurst. 

Der Baar eigen ist auch ein adj. mulmig, mulmicht 
= locker v. boden. Niederschwaben und das augsb. ge- 
biet haben es selten oder fast nicht. Sollte eine Weiter- 
bildung vermittelst m von mQlle^ gemülle auskehricht 
angenommen werden, das schwäbischen und alemannischen 
dokumenten zu entnehmen ist? Notker wenigstens scheint 
mit seinem mulen die ableitung darzubieten; StalderII,219 
hat zu mulm machen. Bei Dilingen kommt auch ein 
mulmig vor =s schwammig z. b. kartoffeln sind mulmig. 

' Das wort mutsche der Baarleute bedeutet einen 
brummigen menschen, den man nicht versteht. Im Aargau 
ist mutsch = dickleibig; im wälschen patois erscheint 
motscha als ohrfeige. Helvet. almanach von 1810 s. 112. 
Stalder weist das wort als acht alemannisch auf und setzt 
lat. mutilus dazu. Niederschwaben und das augsb. gebiet 
haben es nicht. 

Ein sonderbares wort ist „Ludhaufen** pl. Lud- 
heiffa, das aus kleinkom und Strohabfällen bestehende 
„gemülle**; der abfall von achtem komvesen. In Nieder- 
schwaben nennt man den durcheinander „Nächreitete**. 

Vom lauen, auftauenden wetter sagt der Baaralemanne 
„d^s ist a lesch wetter**. Bei Schmell. II, 506 steht aus 
einem prompt, v. 1618 bituminosus pulvis lesch? 

St. G all US ist für die alemannische gegend ein gro- 
fser name; denn bei der Christianisierung wurde er vielfach 
von den St. Gallischen missionären als kirchenpatron ein- 
gesetzt. Daher der name so vol^LSthümlich bei dem pro- 
fanen treiben. Wenn St, Gallustag abgelaufen war, hatte 
man volle freiheit auf dem boden und den bäumen zu neh- 
men, was noch nicht eingeheimst war. Dieses freie „bür-^ 
sehen** der jungen und ofl* auch der alten heifst acht alem. 
g allen. In Niederschwaben giebt es den eigenthümlichen 
ausdruck speagla was einem alten spihlan (spihilon) ent** 

14* 



212 Birlinger 

spräche = nachlese halten auf den kartoffisifeldern, den 
Weinbergen; in Oberschwaben und meist auch im altwirtemb. 
Niederschwaben afterbergen genannt; noch heute after-» 
rechen = nachheuet halten (Wurmlingen). In Spaichin-» 
gen lebt der alemannische heilige im reime: Galle guck 
in ofa! Was ist dinn! a-n-alte stumpige hex will ver- 
brent sein. Ein spinnstubenspruch : 

MichMe spinnt 'n knipf 
Galle zwe 
Mate drei 
derbei bleibts. 

St. gallen heifst auch ein kinderspiel an der obern 
Donau (Stetten). Mädchen setzen sich in einen kreis; ein 
messer wird etwas in die höhe geworfen; fällt es auf die 
schöne seite d. h. auf die wo des messerschmids name 
steht oder überhaupt auf die klinge ^ die bandhabe gilt 
nicht — so bohrt das mädchen, dem der gute wurf ge- 
hörte ihrer nachbarn ein löchlein vor sie in die erde. — 
Beim werfen ruft die werfende: 

St. Gallen, St. Gallen 

Lafs mir mein messerlein schön und hObsch fallen I 
Wer am meisten schneiden darf, hat's gewonnen. Zu- 
letzt treten alle gemeinsam die löcher zu und rufen: 

Jetzt deck ich mein' boden mit Schwefel und pech 

Dafs mir der teufel nicht drüber darf. 
Ein Niederschwaben unbekanntes wort ist h&el, lu- 
bricus, das im alem. rotweiler gebiete bis an den Lech, ja 
selbst nach Oberbayem hineingeht, wo es häj lautet. Lan- 
chert s. 6. Ser = wund und Laos = mutterschwein, 
schelte, haben dasselbe gchicksal. 

Spezifisch alemannisch ist anke swm. butter, bntter-^ 
schmalz. Schwaben kennt das wort nicht. Schmid führt 
es aus den Schwarzwald an und gedenkt des compoe; 
Ankenbuttter, bodensatz der ausgelassenen butter. Auf- 
fallend ist, dais das Ankascharrete, was dasselbe ist, 
in Niederschwaben sich nicht ansetzen konnte« wenn auoh 



spraflhrergl. ataditn im aleoiAnnisclien und aekwÜbiaokeD. 213 

die dienstboten, hirtenbubeu „die im Oberland waren^'>es 
ans der seegegend einzuschmuggeln suchten. Also dem 
acht alem. schwarzwaldgebiet, dem obern Donauthal ist 
anke charakteristisch und J. Grimms satz in der gesch. 
d. spräche s. 1003 „bei den Alemannen der Schweiz, des 
OberrheiDS und Elsasses, nicht aber ostwärts des Scbwars- 
waldes bei den übrigen Schwaben, noch den Baiern und 
Tirolern, lebt bis auf heute fort der anke oder ancche'* 
ist somit dahin zu berichtigen. Lauchert in seiner Rot-, 
weiler mundart hat s. 2 schon darauf aufmerksam geinacht. 
Im ahd. weist schon anchun smero (piduuingit) exprimit 
butyrum aus bibelglossen von Reichenau (Diutisc. I, 525 b) 
die alemannische heimat auf. Im augsb. wb. s. 25 b habe 
ich anke aus einer oberschwäb. hs.^ die unverkennbar ale- 
mannischen anstrich bat, nachgewiesen; maigenanken, 
das dort steht, weist schon in seinem ersten worte auf ale- 
mannischen Ursprung: maige f. maije. In Pfeiffer's alem. 
arzneibüchlein steht II, 7d „anchsmer^. In Kirchber- 
gischen klosterakten, — die gegend hat entschieden in ihrer 
spräche heute noch alemannische spuren — steht a. 1556 
spysanch: „und all an der küche spysanch, milch, käs 
und nichtz üsgenomjnen^. — Heute noch ist A n k a in der 
Baar, auf dem heuberge und überhaupt im ganzen von uns 
abgesteckten schwarz wäldischen undOberdonaugeibiete volks«- 
üblich. In Weilheim bei Tuttlingen haben sie eine art be^ 
Segnung; wenn es nicht bald butter geben wiU, sagen sic- 

Süefse milch und Ankcha 

Thun nett lü guetig schwankal 

Butter, milch und wieder dich (?) 

Bis der butter im kübel ist! 
Bei Jerm. Gotthelf: an kaballe, gröfs. stück, ztw. anken- 
grasanken. 

Das ankenloch bei Schwenningen , eine Vertiefung, 
offenbar durch ein naturereignifs entstanden, bei der mühle 
am Nekar, führe ich nur vorübergehend an, weil ich nicht 
weifs, ob es hergehört und ob am ende nicht unken- 
loch darunter zu verstehen ist. Vergl. Grimm wb. I, 378. 



214 Birlinger, sprachvergl. Studien im alemaniÜBehen und schwllbiachen. 

Kuhn bat in unserer zeitschr. I, 384 des wortes ableitung 
aufgestellt; er weist auf die sanskritwurzel anj- ^ sal- 
ben, glätten; und schliefst lat. unguo, unguentum an. 

Auch das wort henstöffel, heustoffel, heustim- 
pel glaube ich auf alemannischen boden localisieren za 
können. Niederschwaben hat es nicht. Die Baar hat 
heustoffel; gegen das Allgäu hin tritt umlaut ein; heu- 
stoffel in Weingarten. Heustimpel vom Heuberg an 
über Wurml. u. s. w. flblich. Der Engländer hat dem ent- 
sprechend grashopper. Heustoffel möchte einem got. 
haubjastapils entsprechen. Ahd. houuistapbo bei Graff 
VI, 657- Der Voc. opt. 37. 42. 73 = locusta hoeistaffel, 
cicada hoistaffel. In einer Vill. chronik steht Haostapf- 
fler 1541. Mone, quellens. II, 118. Auch in Grieshab. 
beitragen findet sich diese form. 

Niederschwaben hat Henschreck swm. zu skrak- 
jan nicht skrikan stehend; wenn nicht helles 6 hier on- 
regelmä&ig wie in eben (ibns) gebrochenem ahd. 'e entspra- 
chen soll, was ich bezweifle. Auch bei Jer. Gotthelf wie 
in der Baar. 

Die seegegend hat Heujuck er. Das augsb. Schwa- 
ben hat Heuschrikel und Heuschlickel; Mindelbeim 
Heuhüpfer. Mein augsb. wb. 229b. Ich reihe die be- 
nennung des laubfirosches, des wiesenfrosches an. Hop- 
penzeller heifst ihn der Baaralemanne; Hoppixer der 
Heuberger neben Hoppenzar. Schmid kennt sogar ein 
Hoppenzink. Im augsb. Schwaben und im Nekarschwa- 
ben ist der ausdruck fremd. 

(Fortsetzung folgt.) 



Max Müller, ßtog und vayas. 215 



Blog und väyas. 

Die frage ob griechisches anlautendes ß im sauskrit 
durch j vertreten werden kann, ist noch immer nicht ent- 
schieden. Professor G. Curtius (Grundzüge, II, 58) sagt: 
,, Griechisches /? entspricht in folgenden fallen einem indo- 
germanischen g, das sich im sauskrit, litauischen, slawi- 
schen in der regcl erhalten, im deutschen zu k verscho- 
ben hat." Als beispiele wo sich gegen die regel g im 
sauskrit nicht erhalten, sondern anscheinend zu j erweicht 
hat, giebt er die folgenden: 

1) ßaX in ßdXXio^ welches er mit gal vergleicht, und 
womit er jala, wasser, verbindet. Zugegeben dafs gal, 
tröpfeln, mit ßal verwandt wäre, so bliebe doch die Ver- 
wandtschaft zwischen gal und jala unerwiesen. Das letz- 
tere scheint vielmehr identisch mit jada, kalt, gelidus. 

2) ßia^ gewalt, kraft, und sk. ji, siegen; jyä Irans, 
überwältigen, intrans. unterdrückt worden. Substant. jyä, 
fem., Übergewalt, übermäfsige zumuthung; jyäyas (ver- 
einzelter comparativ) überlegen, stärker, älter. 

Ob die beiden wurzeln ji und jyä verwandt, und 
also ajita, unbesiegt, und ajita, unversehrt, parallelfor- 
men sind, ist bis jetzt noch nicht erwiesen. Aber selbst 
wenn eine solche Verwandtschaft zwischen ihnen bewiesen 
werden könnte, so sind sie doch der bedeutung so wie 
der form nach im sauskrit geschieden. Ich glaube daher 
nicht dafs jyayas ursprünglich überlegen, dann stärker, 
dann älter bedeutete, sondern halte älter, ältest, na- 
mentlich nach den stellen im Rig-Veda,N für die ur- 
sprüngliche bedeutung von jyayas und jyeshthä (der oxy- 
tonirten form ) aus der sich die andere bedeutung bes- 
ser, vorzüglicher und jyi^shtha, der beste, (die paroxyto- 
nirte form) entwickelten (P. V, 3, 61, 62). Dafs jyä als 
femininum jemals Übergewalt bedeute, ist nicht bewiesen. 
In der einzigen von B. R. angezogenen stelle des (^atapa- 
thabräfamana bedeutet jyä nicht übermäfsige zumuthung, 



216 Max MiUler 

überlast, soudern, wie der commentar es richtig erklärt*), 
schwäche, fehler, lapsus; und daher nikrishta, was zu 
mifsbilligen oder zu verachten ist. Das compositum pa- 
ramajyäh, aber ist sehr zweifelhafter bedeutung. Säyana 
erklärt es entweder als „mit bester bogensehne versehn **, 
oder „als die besten hinfallig machend**; (VIII, 90, 1. 
yuddheshu ^atruhananartham paramavina^vari jya maurvi 
yasya sa tathoktah. Yadva paramän balena prakrishtan 
^atrün jinati hinastiti paramajyäh. Ein abweichen von 
Sayana ist hier nicht nöthig, jedenfalls bliebe aber para- 
majyäh, die höchste Obergewalt habend, eine bloüse con- 
jectur, die man unmöglich selbst wieder zur bestätignng 
der bedeutung jyä, Obergewalt, anrufen könnte. Andere 
bestätigung giebt es für das wort jyä, in der bedeutung 
von Obergewalt oder anmafsung, keine. 

3) ßiog^ leben, und sanskrit jiv, leben. 

4) ßtog^ bogen, und sanskrit jyä, bogensehne. 
Professor Kuhn, welcher in dieser Zeitschrift (X, 289) 

dieselbe frage behandelt hat, führt noch einen andern be- 
leg an, nämlich ßoQ in ßißQatöy.w^ und sk. jar. Hier aber 
hatte schon Prof. Curtius die sanskritwurzel gar, schlingen, 
richtig angeführt, die jedenfalls besser pafst als jar, sich 
auflösen, verdauen. 

Es fragt sich also sind die drei belege ßia^ gewalt, 
= ji, besiegen, ßiog^ leben, = jiv, leben, und /?iOff, 
bogen, = jyä, bogensehnct, hinreichend um die Vertretung 
eines griechischen ß durch sanskritisches j zu erhärten? 

Zuerst ist wohl klar dafs ßiog^ bogen, und jyä, bogen- 
sehne, sehr verschiedene ideen ausdrücken, und dafs man 
das pars- pro -toto-argument schwerlich auf sie anwenden 
kann. Wenn die beiden worte zusammenhingen, so würde 
ßiog ursprünglich der besehnte bedeutet haben. Viel näher 
liegt es ßiog^ bogen, auf die wurzel ve, winden, biegen, 
zurückzuführen, wovon auch i-xvq oder ßi-rvq^ schildrand, 



*) Das Ms. list ganz einfach, tad düshayati, tad vai jyeti. jyl^ y&nü: 
nikfiBh^(m} ity artha^. 



ßloq u»d yiyta. 217 

radfeige, uud i-ria^ dasselbe wort ala das deutsche weide. 
Mit dieser wurzel bat jyä natürlich nichts zu tbun. 

Somit bleiben nur noch ßia^ gewalt, = ji, siegen, und 
/?/og, leben, = jiv, leben. Gegen die letztere gleichsteihmg 
spricht nun, abgesehen vom fraglichen anlaut, der lange 
vokal des sanskrit jiv und des lateinischen vivo„ und fällt 
dieses beispiel weg, so bliebe für die gleichstellung von ßia 
und j i nichts als die eigene Wahrscheinlichkeit. 

Nun ist aber schon oft erwähnt worden dafs i^icc mit 
dem defectiven jrig verwandt ist. Wir hätten also dann auch 
das diagamma in jrig als Stellvertreter von sk. j anzuneh- 
men, und eine solche Stellvertretung hat bekanntlich Pro- 
fessor Pott schon vor vielen jähren (1833, Etym. forsch. 
I, 205) für zweifelhaft erklärt. Professor Curtius nimmt, 
um diese Schwierigkeit wegzuräumen, eine gräco -^italische 
Wurzel gvi an, welche sich als gi und vi festsetzt. Pro- 
fessor Kuhn meint ebenfalls dafs die unveränderte labial- 
spirans in einzelnen fallen nach dem abfall der guttura- 
len media beibehalten sei. Dennoch ist Pott's zweifei 
bis jetzt durch keine facta beseitigt, und namentlich das 
beibehalten der labialspirans nach abfall, nicht der guttu- 
ralen, sondern der palatalen media, durch keine überzeu- 
gende beispiele bewiesen. 

Fragen wir nun, ob wir durchaus gezwungen sind 
die möglichkeit einer Stellvertretung der griechen /3 durch 
sanskritisches j anzunehmen um eine etymologie ftir ßiog 
und ßia zu finden, so bietet sich uns eine andere wurzel 
dar, aus der wir, da griechisches ß als aequivalent des 
sanskritischen v durch Curtius (grundzüge U, 159) gesi- 
chert ist, sowohl ßiog als ßla ohne Schwierigkeit erklären 
können. Diefs ist die wurzel vi, gehn, führen, als wur- 
zel zwar sehr allgemein^ in ihren ableitungen aber weit 
bestimmter ausgeprägt. 

Von vi kommt nämlich das im veda so häufig er- 
scheinende väyas, und diefs bedeutet eDtschiede^ lebeng- 
mittel, lebenskraft, und leben^zeit. Rv. I, 104,79 
Kshüdbyadbhyah vayah äsutim däh 



218 Max Müller 

Gieb den hungernden speise zur Zubereitung (oder, nach 
Sayana, speise und trank). Rv. VI, 28, 6: 

yüyam gävah medayatha kri^am cit, 
a^riräm cit krinutba supnitikam, 
bhadram gribam krinutba bbadraväeah, 
bribat vah väyah ueyate sabbäsu. 

Ibr, kübe, macbt selbst den magern stark, ihr macht selbst 
den bäfslicben schön. Ibr macbt das haus glücklich, ihr 
woblstimmigen ; eure speise (die milch) wird bei den mahlen 
als herrlich gepriesen, 

Bribat ist ein häufiges epitheton von vayah. So 
Rv. ni, 18, 4: 

bribat väyah ^a^amänesbu dhehi. 
Gieb den lobpreisenden herrliche speise. Rv . III, 29, 8 : 

agne bribat yäjamäne vayah dhab. 
Agni, gieb dem opfrer herrliche speise. 

Lebensmittel, mögen sie nun von feldern oder beerdeu 
kommen, sind in allen zeiten der reichtbum der bemittel- 
ten, und so sehn wir dal's die götter oft angerufen werden 
reichthümer und lebensmittel zu geben. Rv. IV, 36, 8: 

ä nah rayim ribhavah takshata ä väyah. 
Bereitet uns reichtbum, ibr ribbus, und speise. 

Das bei wort citra, glänzend, welches so oft bei rayi 
steht, wird auch auf väyas übertragen. Rv. VII, 45, 4: 

citräm väyah bribat asme dadhätu. 
Möge Savitri uns glänzenden reichtbum, herrlichen, geben. 

Ochsen, pferde, söhne und männer, alle bilden endlich 
den reichtbum um welchen der Sänger die götter bittet 
Rv. X, 68, 12: 

Brihaspätih sah hi gobhib sah ägvaih sah virebhih 

sah nribbih nah väyah dhät. 
Bribaspati, möge er mit kühen, er mit pferden, er mit 
söhnen, er mit männern uns reichtbum und macbt geben. 

Während nun in dieser richtung väyas die bedeutun- 
gen leben, lebensmittel, reichtbum und macht annimmt, so 



ßioq und väyas. 219 

zeigt es in andern stellen klar den sinn von leben, lebens- 
zeit*). X, 39, 8: 

yuvam viprasya jaranam upeyüshah 
pünah kaleh akrinutam yüvat vayah. 
Ihr habt das leben des weisen kali, der dem alter sich ge- 
nähert, wieder jung gemacht. (Die legendenartige dar- 
Stellung des mondlaufs.) Rv. VI, 44, 9: 

värshiyah vayah krinuhi ^äcibhib. 
Mache (unser) leben älter durch deine macht. (Pän.VI, 4, 
157). Rv.n,23, 10: 

tväyä vayäm uttamäm dhimahe vayah. 
Durch dich erlangen wir das höchste alter. Rv. I, 71, 6: 

vardho agne vayah asya. 
O Agni, mache sein leben wachsen. 

Ein sehr häufiges beiwort der götter ist vayodhäh, 
auch vayaskrit, und die bedeutung mufs schwankend 
bleiben zwischen geber des lebens, des reichthums, der 
macht, ideen die in dem alten worte vayas unvermeidlich 
zusammen laufen. - Auch das Substantiv vayodheyam fin- 
det sich. Rv. X, 25, 8: 

tväm nah soma sukratuh vayah-dheyaya jägrihi. 
Da, o weiser Soma, wache zu unsrem segen, i. e. wache 
damit wir speise und kraft und leben haben. 

Zweimal im lOten mandala findet sich in demselben 
sinne der alterthümliche dativ oder sogenannte infinitiv, 
vayah-dhai, analog dem vedischen parädai. Rv. X, 55, 1 : 
düre tat nama gühyam paräc aih 
yät tvä bhitÄ ähvayetäm vayah-dhai. 
Weit fort sei der zu verbergende name mit welchem (him- 
mel and erde) furchtsam dich riefen zum segnen. X, 67, 1 1 : 

satyäm ä^isham krinuta vayah-dhai. 
Erf&llet das gebet zu unsrem segen, i. e. machet unser ge- 
bet zur Wahrheit und gebt uns leben und reichthum. 

Professor Aufrecht giebt zwar in beiden stellen vayo- 



*) In dieser bedeutung dauert es noch im sptttem sauBkiit fort. Siehe 
Pi^. 4, 4, 91. vayasya^, ein altersgenosse, vayasä tnlya]{^. V, 1, 81. misya^ 
miflna^, einen monat alt, vayasi. Cf. V, .?, 180; V, 4> 141; III, 2, 129. 



220 Max Müller 

dhaih, aber gegen die autorität der besten bandschriften. 
Auch kommt vayodhah im Rigveda nicht vor, sondern mir 
vayodhah. Es dürfen also wohl diese interessanten dative 
oder verbal-infinitive als gesichert betrachtet werden, und 
sie bieten eine schöne bestätigung der erklärung, welche 
prof Bopp von den griechischen medial- und passiv-infini- 
tiven auf aifai gegeben. Die composition, welche der ge- 
niale grammatiker postulirte, die Zusammensetzung mit dem 
dativ der wurzel dha, ist hier wenigstens ein mal noch in 
der Wirklichkeit vorhanden, nur ziehe ich vor das s in 
<yi9aL als endbuchstabe des verbalnomen zu fassen, und 
also xpevSea'&ai zu theilen, wie vayas-dhai, anstatt, mit 
prof. Bopp, in dem s einen Überbleibsel eines reflexiv -pro- 
nomens zu erkennen. 

Wenn nun die bedeutung leben, lebensmittel , lebens- 
kraft in dem neutrum vay-as nachgewiesen ist, so hindert 
nichts das masculinum ßi-o als eine analoge bildung im 
griechischen zu betrachten. Auch im griechischen ist nicht 
nur ßiotog sondern auch ßiog oft im sinne von lebensmittel, 
lebensunterbalt gebraucht; z. b. ßiog InTjeravog. xväa&ai 
TtXovTov xat ßlov. Das femininum ßia bedeutet ursprüng- 
lich leibeskrafl, ehe es die gewöhnlichere bedeutung über* 
macht, gewalt annimmt, geht also auch auf dieselbe 
quelle zurück. (Im sanskrit findet sich das femininum 
vayä, aber nur in der bedeutung zweig.) Das griechisohe 
verbum ßeouai entspricht ebenfalls dem sanskrittsohen 
vayami, sowohl in der bedeutung des gehens als des le- 
bens. IL 15, 194: 

t^ pa xai ov rt Jiog ßiofiai (fQBölv, dkXa ^xffXog 

Kai xgaTS^g niQ ioiv^ fiSviiM vpiraTTj kpi f*oigf. 
11.16,852: 

Oi) &r]V ovä' avTog ätjQov ßiijj akld toi ijSr] 
.!dyxi naQtGTTiXBV ö-dvarog. 

Das lateinische vis verhält sich zu vayas wie das i 
der vierten conjugation zu aya (vergl. auch aes = ayas 
und pri=prae, Corssen ausspräche p. 192); während das 
griechische i'^ fQr väyas seine analogie in i für svayam 



ßfoq und räyas. 221 

findet. (Cf. Bopp, vergl. gr. §. 504. 364.) Ueber die ver- 
schiedenen bildungselemente in vis, gen. vis, nom. plur. 
vires, im griechischen ^ig^ ^^^h sind prof. Kuhn's bemer- 
kungen (K. Z. X, 290. 291) nachzusehn. 
Oxford, 10. sept. 1865. 

Max Müller. 



Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland. Contributioos to a 
knowledgo of the Vedic Theogony and Mythology. By J. Muir, 
D. C. L., LL. D. [Read 18 th January 1863] 90 pp. 8. 

Der Verfasser, der sich schon in seinen Sanskrit Texts mehr* 
fach um die darstellang der vedischen götter and der aos ihnen 
hervorgegangenen entwicklangen der späteren zeit sehr verdient 
gemacht hat, stellt sich für diesen and einige artikel, die noch 
folgen sollen, die aufgäbe weitere mittheilangen über die kos- 
mogonie, mythologie and die religiösen ideen des Rigveda za 
geben and sie gelegentlich mit den entsprechenden Vorstellungen 
der alten Griechen za vergleichen. Er hat sich, soweit seine 
arbeit vorliegt, dieser aufgäbe in einer weise entledigt, die ihm 
den dank aller mit dem indischen alterthum sich beschäftigen- 
den in reichem mafse einbringen wird, denn er hat die von ihm 
behandelten götter sowohl in einer nichts wesentliches an ihnen 
unberücksichtigt lassenden als auch vor allem mit einer reichen 
Btellennachweisung versehenen darstellang geschildert and, da 
er die indischen texte durchweg in englischer abersetzung gege* 
ben bat, so liefert er auch denen, die mit dem sanskrit nicht 
vertraut sind, ein treffliches hulfsmittel, um sich mit den vedi- 
schen Vorstellungen bekannt zu machen. Dies ist am so mehr 
der fall, als er mehrfach den aaffassnngen des Rigveda auch die 
der andern veden und der brahmanas vergleicht oder zur seite 
stellt and jedem ein artheil über die Verschiedenheit in den an- 
dichten von den göttern oder der gottheit möglich macht. Nur 
einen wünsch möchten wir für die nachfolgenden aufsätze aus- 
sprechen, dafs der Verfasser Sich nicht, wie in diesem anfsatze 
meistens, mit der allgemeinen Charakteristik eines gottes begno- 
gen, sondern mehr aaf das fleisch and bein der götter, aaf die 



222 Kuhn 

mythen, eingehen möge, die allerdings vielfach im Rigreda nar 
angedeutet sind, aber in den br&hmanas und der epischen poe- 
sie uns im üppigsten waebstham entgegentreten und auch in der 
ältesten vediscben zeit in grofserem umfang vorhanden gewesen 
müssen, als man gewohnlich annimmt 

Die vorliegende arbeit enthSlt nun folgende abschnitte: 
1. Dyaus and Prthivi. 2. the Indian gods generali/, as repre- 
sented in the Rig Veda. 3. Aditi. 4. The Adityas. 5. Mitra 
and Varuna. 6. Indra. 7. Väyu. 8. The Marots. 9. Sürya and 
Savitf. 10. Agni. 11. Tvash(r. 12. Soraa. Unter diesen sind 
der natnr der betreffenden gottheiten gemäfs, die Adityas, Mitra 
und Varuna, Indra, Savitr und Agni am umfangreichsten behan- 
delt und zwar in einer durchaus anerkennenswerthen weise, die 
mehr den in den liedern vorhandenen thatbestand festzustellen, 
als die oft in hohem grade hervortretenden Widerspruche zu he- 
ben bemuht ist. Ueber diese spricht sich hr. M. besonders p. 3 
aas und erklärt sie einmal aus dem oft viele Jahrhunderte be- 
tragenden unterschiede der zeit in der die dichter lebten, und 
aas der natarbeschaffenheit Indiens. Wir dürfen wohl als ein 
nicht unwichtiges dement auch die anschauungen und Überliefe- 
rungen verschiedener stamme dabei mit in anschlag bringen, wie 
sie ja in mehreren liedern klar genug angedeutet sind; wir fuh- 
ren als bcispiel nur an, dafs Indra sowohl als Agni, wenn auch 
ersterer viel h&afiger, Schläger des Vrtra (Vrtrahanau) genannt 
werden, dafs aber Rv. I, 59, 6 ausdrucklich sagt, dafs es die Pu- 
rus seien, welche den Agni unter diesem namen verehren (yam 
pürävo vritrahänam sacante). Wenn nun, wie allgemein aner- 
kannt ist, jene tbat sonst nur als die des Indra gefeiert wird, 
wenn eben diesem sonst die besiegung des Qambara beigelegt*} 
wird, die der sänger in diesem liede ebenfalls am Agni preist 
(ava Qämbaram bhct), so hält es schwer zu glauben, dafs püra- 
vah an dieser stelle nur einfach menschen bezeichnen solle, und 
es scheint naturlicher, es als namen eines besonderen Stammes, 
wie es sich auch sonst findet, zu fassen. Es ist auch wohl mög- 
lich, dafs die frage, ob Varuna nebst den Adityas die einst hoch- 



♦) er findet den in den wölken (bergen) weilenden im vierzigsten Jahre 
(ya^ fambaram parvatcshu xiyantara catväriD9yäqi 9arady anvavindat Rv. 
n, 12, 11), wozu man die merkwürdige Übereinstimmung in der zahl be- 
merke, dafs konig Waldemar als wilder jägcr 40 jähre hinter seiner buhle 
herjagen mufs, ehe er sie erreicht, Grundtvig gamle danske minder II, 94. 



anzeigen. 223 

8ten gotter der alten Inder waren und ob Indras macht erst 
einer späteren entwickelang anheim falle, grade von diesem ge- 
sicbtspankt aus einer entscheidang näher gebracht werden kann. 
Herr M. behandelt dieselbe sowohl im abschnitt über Varaiia 
als in dem über Indra und kommt im allgemeinen zu dem re- 
Boltat, dafs nach dem vorliegenden material noch keine entschei- 
dang dafür, dafs Indras cultus den des Varnna verdrängt habe, 
getroffen werden könne. Ich möchte bei dieser gelegenheit dar- 
auf aufmerksam machen, dafs die lieder, in welchen der religiöse 
glaube sich schon zu einer reineren stufe entwickelt hat, zuwei- 
len schon eine erhebliche entartung der spräche zeigen. So fin- 
det sich die von mir als dem pali angehörig nachgewiesene form 
dhit& für duhitä (beitrage TV, 198), z. b. auch in einem Hede 
des Rigveda IX, 113, 3 tarn suryasya duhitabharat (1. dhi-), in 
welchem die Unsterblichkeit und die freuden, die den frommen im 
himmel erwarten, mit lebhaften färben geschildert werden; andre 
metrische bedenken erregen noch ebend. v. 5 a, v.Ga^ v. 7 b. 

Ich lasse schliefslich noch ein paar bemerkungen über ein- 
celheiten folgen. Auf p. 10 ff. bespricht der verf. die zahl 33 als 
die der götter, ebenso die von 3339; ich habe über dieselbe be- 
reits in dieser Zeitschrift XIII, 134 f. im Zusammenhang mit an. 
deren zahlen gesprochen und fuge dem dort beigebrachten noch 
hinzu, dafs Burnouf zufolge Spiegel Z. A. ubers. 2, 40 n. die 
sahl 33 auch in den zendbücbern finden will und Spiegel ib. 3, 
XII noch 33 amesha (^penta nachweist. Der Atharva (19, 37, 1) 
kennt 33 kräfte. Die 33 und die 3339 götter hat auch Haug in 
seiner Übersetzung des Aitareya Brähmana zu III, 31 p. 212 be- 
sprochen; in welcher er eine nivid mittheilt, welche die götter 
in gruppen von 3 X 11, 33, 303, 3003 vertheilt, also die 3339 
noch um 33 vermehrt. Bemerkenswerth ist, dafs sich das Brhad 
Arang. auf diese nivid bezieht, aber nur die zahl 3303 nennt; 
übrigens kehrt der vers Rv. III, 9, 9, der die zahl 3339 giebt, 
noch einmal, Rv. X, 52, 6 wieder. 

Auf p. 14 giebt der verf. udita süryasja durch at the rising 
(setting?) of the sun wieder; die mit dem fragezeichen versehene 
Übersetzung ist die unzweifelhaft richtige, wie sie der verf. auch 
an 2wei anderen stellen als solche anerkennt (p. 18 n. 2 und 
p.28 n. 4). 

P. 22 heifst es von der Aditi „and in VIII, 12, 14 she is 
declared to have produced a hjmn to Indra^. Hier haben Mül- 



224 Kuhn 

lers and Aafrechts aasgaben zwar beide im padap. das wort sto- 
mam, aber im sainbitäp. steht somam ; indefs erklärt aocb S&jana 
im commentar stomam (= stotram); somam ist daher wobl in bei* 
den aasgaben nur als drackfebler anzusehen. 

P. 24 ist daxapitarah darch tbe sons of Daxa übersetzt ond 
ebenso in einigen anderen stellen; die im pet. wb. bei dieaem 
Worte unter 2) angegebene bedeutung scheint doch vorzuziehen. 

P. 40 und p. 80 n. 2 sagt der verf., dafs der sinn des wör^ 
tes ihehamatarä nicht sehr klar sei und fuhrt an der letztgenann- 
ten stelle die auffassung Sajana's und die davon abweichende 
Roth's an; der letzteren schliefst sich auch Müller an Sei. of 
lang. II, 495, vgl. ib. 490 über ihehajM. 

P. 40 ist zu bemerken, dafs aufser ^iner aach mehrere 
frauen Indras erwähnt werden Rv. III, 53, 6 (eine nennt daselbst 
V. 4). 

P. 60 gibt der verf. eine note über die bedeutung von ^{pra 
und theilt zugleich Aufrechts ansieht über 9ipra und seine com- 
posita mit; die bemerkung des verf.'s über die heutige art den 
turban zu tragen, verdient berücksichtigung. 

P. 62 bespricht der verf. die bedeutung von prshatih; ich 
bemerke dazu, dafs auch Roth jetzt die von scheckigen stufen 
annimmt, wb. IV, 869. 

Wir wünschen, dafs die fortsetzung dieser arbeit recht bald 
folgen und dafs es herrn Muir gefallen möge eine separataas- 
gäbe dieser abhandlungen zu veranstalten, damit sie auch einem 
weiteren leserkreise zugänglich werden, wie sie es so sehr darch 
ihren Inhalt verdienen. 

A. Kahn. 



Grhyasütr&^i. Indische hausregeln. Sanskrit und deutooh heraiuge- 
geben von Adolf Friedrich Stenzler. I A9val&)rana. Erste« heft: 
texL Leipsig 1864. 53 s. Zweites heft: ttbersetaung. Leipzig 1S65. 
Anhang: über die sittc. 168 s. 8. 

Der heraasgeber beginnt mit diesem werke die veroffent- 
lichnng der von ihm schon längere zeit vorbereiteten saitftnlang 
der Schriften, welche die Vorschriften über das häusliche leben 
der Inder enthalten und zwar that er es in einer form, die ih- 



anieigen. 225 

reo Inhalt bei dem mangel des commentars sowohl in sprach- 
licher als sachlicher beziehnng nicht nar den fachgenossen tref- 
fend erläutert 9 sondern ihn aach weiteren kreisen als dem der 
fiftchgenossen so zugänglich macht, wie es seine bedeatang für 
das indogermanische alterthum verdient. Dem sanskrittext (ober 
die benatzten handscbriften gibt die vorrede zum zweiten heft 
nachricht) hat der herausgeber nämlich eine deutsche Übersetzung 
angeschlossen, , die sich zwar in kürze und gedrungenheit jenem 
anschliefst nnd so auch im Stil den eindrnck des onginals wie- 
derzugeben sucht, die aber zugleich durch die in anmerknngen 
zu fast jedem paragraphen folgende inhaltsangabe der commentare 
sowie durch die aus eigner reicher belesenheit geschöpften erläu- 
temngen des herausgebers den inhalt so vollständig klar macht, 
wie man es bei einer ersten ausgäbe nur verlangen kann. Dabei 
ist die Übersetzung nicht nur treu sondern auch gewandt nnd 
wo metrische stellen mitgetheilt werden leicht und goschmack- 
voll. Das verhältnifs zwischen text und Übersetzung näher zu 
betrachten, kann nicht die aufgäbe dieser Zeitschrift sein und wir 
können daher hier nur auf die bedeutung des werks für das indo- 
germanische alterthum aufmerksam machen. Und diese bedeutung 
ist in der that eine erhebliche und sie wird noch wachsen, je 
weiter die Veröffentlichung der übrigen werke gleichen inhalts 
vorschreiten wird, denn wir erhalten hier eine das leben der 
Inder von der gehurt bis zum tode, durch alle mehr oder min- 
der bedeutungsvolle lagen begleitende Zusammenstellung aller 
der Sitten nnd gebrauche, welche sich im laufe der Jahrhunderte 
bei ihnen zu der zeit ausgebildet hatten, als sie endlich im Ganges- 
thaie reichen besitz nnd dauernde niederlassung fanden. Hat aber 
kein anderer stamm der Indogermanen eine solche uralte, umfas- 
sende Überlieferung seiner sitten aufzuweisen, so wird sie noch 
bedeutender dadurch, dafs wir nach dem hier sich findenden auf die 
zustände auch der übrigen völker schliefsen dürfen und wenn 
sich nnn bei ihnen die gleichen sitten und gebrauche finden oder 
£uiden, so sind wir von vorn herein einigermafsen berechtigt, 
dieselben als gemeinsam indogermanisches stammgnt anzusehen, 
so lange nicht ein anderer Ursprung nachgewiesen oder wenig- 
stens wahrscheinlich gemacht *ist. Der herausgeber hat diese 
wichtige seite seiner Veröffentlichung in einer tre£flichen rede 
fiber die sitte, die er zur akademischen feier des gebnrtstages 
König Wilhelm's am 22. märz 1863 als derzeitiger rector gehal- 
Zeitschr. f. vgl. Bprachf. XY. 8. 15 



226 Kuhn 

ten (sie ist als aobang beigegeben), besonders hervorgehoben 
und durch einige beispiele näher erläutert. Wir wollen im fol- 
genden auf einige fernere derartige zuge aufmerksam machen. 

Zu den hocbzeitsgebräuchen , die in den indischen Studien 
bd. V 8. 177 ff. von Weber und Haas ausführlich behandelt sind, 
trage ich nur weniges nach. Zu den versen 1,7. 13 s. 17 d. 
übers, ist Rv. V, 3, 1 — 2 zu vergleichen. Zu den im selben ab- 
schnitt §.19 behandelten sieben schritten, die bei uns unter dem 
namen Siebensprung als hochzeits- und ostertanz vorkommen, 
bemerke ich, dafs der Sjvspring auch in Dänemark als alter- 
thümlicher tanz bekannt ist, Orundtvig gamle danske minder 
II, 105. 106. Molbech Dansk Dial. Lex. s. v. Als hochseitotons 
nebst dem dabei gesungenen Hede findet er sich auch in Hilde»- 
helm, Schulmann Stippstörken s. 44, vgl. auch Simrock, kinder- 
lieder* no. 366. Bemerkt sei dabei auch, dafs die naehfuhrung 
der brautkuh in das haus des bräutigams (ind. stud. V, 308) sich 
auch in Schwaben findet, Meier sagen und gebrauche II, 478 n. 
258. Nach Birlinger volksth. aus Schwaben II, 355. 360 wird 
die schönste kuh im stalle dazu gewählt und sie wird mit bin- 
dern und blumen geschmückt, also wie ein opferthier. 

Ueber die erste nahrung des neugebornen kindes, honig and 
butter, unter welche gold gerieben ist I, 15. 1. p. 38, habe ich 
bereits herabk. des feuers 137 gesprochen. Spiegel Avesta II 
einl. XX gibt an, dafs man bei den Parsen die sitte hatte, dam 
kinde, ehe es die brüst erhielt, erst etwas Parahaoma in den 
mund zu träufeln. Ueber die beimischung des goldes handelt 
noch Taitt. S. 2, 2, 5, 1, cf. I p. 835; verschiedene andere nach- 
richten über die erste nahrung des kindes hat Weber naxatras 
II. 314 zusammengestellt. — An §. 2 der von der einsiehttep- 
Zeugung bei dem neugeborenen handelt, schliefsen sich eine reihe 
von deutschen gebrauchen bei der taufe, die dem kinde das er- 
lernen des lesens und dergleichen mehr erleichtern sollen, vergl. 
z. b. märkische sagen s. 365. 

Die todtenknh anustarani, deren fett verwandt wird um den 
todten damit zu bedecken, behandelt IV, 3, 20—27. Ich habe 
über dieselbe bereits in d. zeitschr. II, 316 gesprochen und aus 
anderen quellen gezeigt, dafs das opfer derselben gebracht werde, 
damit dieselbe den todten über den flufs Vaitaraiii fahre. Seit- 
dem hat Bugge, Norsk Tidsskr. for Vidensk. og Litter. adgrr. 
af Monrad og Winter- Hjelm 1854—55 p. 112 dieselbe vontel- 
lang aus Draumekvaedi nachgewiesen, wo es heifst: 



anzeigen. 227 

Saßl er den, i födesheimen 

fatike geve ku, 

han tar inki sumlug (svimmel) gange 

paa böge Gjallarbrü. 
^Selig, wer in der geburtsweit den armen gibt eine kuh, er 
braucht nicht schwindh'g zu gehen auf der hohen Gjallarbrucke." 
Mannhardt hat dann in seinen germ. mythen forsch. 51 und aus- 
führlicher in seiner zeitschr. IV, 419 das bei den Dänen, Friesen 
und Engländern nachweisbare darbringen einer kuh als opfer 
bei leichenbegängnissen besprochen. Von dem ergreifen eines 
kuhschwanzes durch den sterbenden ist bei A^valayana sowie 
in den anderen quellen aufser dem an der angeführten stelle 
(II, 316) mitgetheilten inhalt des dänischen missionsberichts keino 
rede; dennoch wird die nacliricht ihre richtigkeit haben, da we- 
nigstens beim pitrmedha (dem nach Jahresfrist stattfindenden 
manenopfer) ein ganz ähnlicher gebrauch sich findet, indem die 
angehörigen, welche das opfer bringen, wenn sie ins dorf zu- 
rückkehren, den schwänz eines stieres ergreifen (Vaj. Samh. 35, 
13 und 18. Käty. Qrautas. XXI, 4, 23) und zwar mit den Wor- 
ten: ^den stier fassen wir an, der Surabhi sprofs, zum heil; sei 
du uns, wie Indra den göttern, ein fuhrer, ein hinüberleiter'', 
wozu man Ath. XII, 2, 47 — 48 vergleiche. Das ist offenbar der- 
selbe rothbraune stier, von dem es IV, 6, 15 heifst: man sagt, 
dafs ein rothbrauner stier herumgeführt werden mufs. Dieselbe 
Vorstellung der zum svarga führenden kuh liegt dem von Auf- 
recht (Catal. cod. manuscr. p. 155) mitgetheilten schwank (der 
sich ganz an das schöppenstädtische ausmessen des brunnens 
anschliefst) von dem SarvapaQu zu gründe. Ueber die anusta- 
rani ist ferner noch Ait. Br. III, 32 nebst note 25 der übers. 
8. 216. 

Von interesse ist auch die aus IV, 6, 1 f. hervorgehende Ver- 
unreinigung des feuers durch den leichenbrand, welche die Ver- 
anlassung zur entzündung eines neuen feuers, natürlich mit den 
reibhölzern von ^amiholz, gibt. Wie uns dieses an viele germa- 
Dische gebrauche alter zeit erinnert, bei denen eine neuentzün- 
dong des feuers verlangt wurde (Grimm myth. 569), so versetzt 
U06 das schlufskapitel IV, 8, 1 ff. ganz in unsere heidnische Vor- 
zeit, indem es das opfer des besten rindes der heerde zur früh- 
lings- oder herbstzeit an Rudra vorschreibt und in seinen einzel- 
beiten dorchführt Das sind unsre pfingst- und martinsrinder 

15* 



228 I^uhn 

(marüemasbeef), die dem Wodan fielen, die anter seinem und 
des (ursprünglich mit ihm zusammenfallenden) donnergottes 
schätz standen; wie man daher beim ersten austrieb axt und 
besen bei uns gekreuzt vor den stall legt, da dann die thiere 
wohlbehütet sind und gesund zurückkehren, so umwandelt man 
in Indien die heerde mit dem vajra und die thiere kehren von 
selbst zu ihrem herrn zurück, Aitar. Br. IV, 1. Auch die letzten 
Paragraphen des kapitels 40 — 44 versetzen uns ganz in die hei- 
mat, da sie vorschreiben, dafs man bei einer Viehseuche dem 
Rudra in der mitte einer kuhhurde opfern solle und nachdem 
man die opferstreu und die butter (in das — naturlich durch 
reibong erzeugte — feuer) geworfen, die kühe in den rauch fuh- 
ren solle. Das ist unser bei Viehseuchen noch bis heute nicht 
vergessenes notfeuer, von dem uns Fromm in dem archiv für 
mecklenb. landeskunde f. 1864 s. 535 den neuesten bericht ge- 
geben hat, in welchem er zum schlnfs sagt, dafs es jetzt polizei- 
lich verboten sei und daher nur noch im geheimen angezündet 
werde. A. Kuhn. 



Werth der Sprachvergleichung für die classische philologie. Eine antritts- 
vorlesung gehalten an der Universität zu Graz am 18. april 1864 von 
dr. Karl Sehen kl k. k. o. ö. prof. der class. philologie. Graz 1864. 
gr. 8. 24 pp. 

Der Verfasser charakterisiert zunächst die vergleichende 
Sprachforschung gegenüber der früher ausschliefslich üblichen aof- 
fassnng und darstellung der spräche und weist ihre Vorzüge in 
kurzen treffenden Worten nach. „Man ersieht demnach aus dem 
gesagten, dafs ohne die vergleichende Wissenschaft überhaupt 
keine richtige methode und daher auch kein wahrer fortschritt 
in der classischen philologie möglich ist. Wer immer auf die- 
sem gebiete thätig sein will, der mufs sich wenigstens die resul- 
tate dieser forschungen aneignen^ (s. 9). Der Verfasser deutet 
dann an, welcher art die resultate der Sprachwissenschaft auf 
den gebieten der laut-, formen- und Satzlehre, der etymologie, 
der accentlehre, der metrik sind, was sie geleistet hat für das 
verstSndnifs der römischen und griechischen literatur, nrge- 
Bohiohte, mythologie, und wie nur durch sie einiges licht auf die 



anzeigen. 229 

älteste cahurgescbichte der Indogermaoen geworfen wird. Mit 
wenig gluck aber ergeht sich der verf. selbständig auf dem felde 
der etymologie; die proben, welche er an einigen stellen dieser 
Vorlesung giebt, sind meistens mit grofser vorsiebt anftanehmen. 
Die identität von dfiolyog und dfiavgog (s. 12) ist nicht ganz 
einleuchtend; belna (s. 13) mit q)dlaiva vielleicht verwandt hat 
mit nord. hvalr, ahd. walira natürlich gar nichts gemein, noch 
weniger mit skr. h val vacillare. Ueberbaupt wäre es wohl ge- 
rathener, in dergleichen fällen, wo es sich nicht darum handelt 
neues beizubringen, sondern sichere ergebnisse nachzuweisen, 
sich auf allgemein anerkanntes zu beschränken. Die Vorlesung 
schliefst, indem der hr. verf. sagt, er habe es sich zur aufgäbe 
gemacht „die förderungen, welche die classische philologie der 
vergleichenden Sprachforschung zu verdanken hat, im unterrichte 
cur geltnng zu bringen und zu weiteren forschnngen lebendig 
anzuregen^. Dafs er diese aufgäbe lösen wird, dafür bürgt das 
schriftchen genügend. 



De la m^thode comparative appliqu^e ä l'^tude des langues, le9on d'ou- 
verture du cours de grammaire compar^e au coU^ge de France par 
M. Michel Br^al, charg^ de ce cours. Paris 1864. 8. 28 pp. 
extrait de la Revue des cours litt<5raire8. 

Es liegt uns hier die antrittsvorlesung eines franzosischen 
gelehrten vor, welche im ganzen und grofsen dasselbe thema be- 
bandelt wie die eben besprochene des hm. Schenkl. Nach eini- 
gen bemerkungen über die gelehrsam keit des hrn. Regnier und 
Hase kommt hr. Breal s. 5 zu seinem thema und charakterisiert 
zunächst die methode, aus welcher die sprachvergleichenden ver- 
suche des vorigen Jahrhunderts hervorgingen. Es fehlt ihr zweier- 
lei: un terme de comparaison pour classer les faits qu'ils avaient 
observes, et un Instrument de precision pour rendre les observa- 
tions plus süres et plus completes. La decouverte du sanscrit 
vint fournir Tun et Tautre (s. 5). Der verf. will nun genau be- 
stimmen, welcher art der einflufs des sanskrit auf die behandlung 
der sprachen gewesen ist, denn, sagt er mit etwas starkem na- 
tionalgefubl (s. 6), nous ne sommes pas ennemis en France de 
ce qui est nonveau; mais les voies mal definies nous repugnent, 
et Tobscnrit^, en toutes choses, nous est odieuse. Vor der 
kenntnifs des sanskrit gab es kein kriterium dafür, was in den 



230 Schmidt 

dassischeu sprachen (auf diese beschränkt sich die vorlesaDg)*) 
altes erbtheil ist und was erst jüngerer zeit seine entstebang 
verdankt. Diesem mangel suchte man durch philosophische theo- 
rien abzuhelfen, welche aber mit der natur in widersprach gera- 
then und durch das bekanntwerden anderer sprachen völlig ge- 
stürzt werden. Aber die indische spräche nicht nur sondern 
vor allem auch die indische grammatik hat zur reform der Sprach- 
studien beigetragen. Le secours qu'il (le scr.) apporte, en bien 
des recontres, ä l'etude des langues classiques, est comparable 
k celui que nous tirons du latin pour Tetude du fran^ais (s. 13). 
Nicht nur für die Wortbildung ( decl. und conjug.) ist die kennt- 
nifs des sanskrit von höchster Wichtigkeit, sondern auch am die 
mots declasses, c'est-a-dire sortis de la categorie grammaticale 
ä laquelle ils appartenaient dans le principe (s. 14) in ihrem ar- 
sprünglichen gepräge zu begreifen. 

Mais notre science n'eclaire pas seulement la structure gram- 
maticale des langues classiques; eile nous permet d^en mieox 
apprecier les qualites, et, par ce cote, eile touche de pres k la 
eritique litterairc. Es wird dies dann an zwei erscheinungen 
nachgewiesen, der benutzung späterer lautgesetze zur differenzie- 
rung der bedeutung und der feinen Unterscheidung im gebrauche 
der verschiedenen praeterita (impf. aor. perf. plusq.) im griechi- 
schen, welche im sanskrit ohne bemerkbare Veränderung des 
Sinnes für einander eintreten können. Hr. Breal erklärt diese 
erscheinung: II semble que le langage, dans Tezuberance et fin- 
souciance de la jeunesse, oublie de faire valoir les ressoorces 
qu'il s'est creees, et qa'au Heu d'employer ce qu'il a prodait, il 
tire continuellement de lui>meme de nouvelles richesses (s. 18), 
In diese reichthümer brachte erst der griechische geist ordomig 
und machte sie so verwerthbar. Mit dieser anschanung können 
wir uns unmöglich einverstanden erklären. Keine spräche ist 
denkbar ohne geist, kein wort, keine form ohne sinn. Die 
spräche schafft nicht in jugendlichem übermnthe zweck- and 
planlos um das geschaffene dann theilweis unbenutzt bei Seite sa 
werfen; jede form entspringt vielmehr aus innerer nothwendig- 
keit. Lautform und function sind ja überhaupt nicht unabhän- 



*) Wegen dieser beschränkung könute man wohl etwas mehr genauig- 
keit wünschen, die auch die accente nicht aufser acht liefse; dreimal (s. 8. 
10. 14) finden wir «S^u», zweimal (s. 9. 10) Unia. 



anzeigen. 231 

gig von einander, jede ist durch die andere bedingt (vgl. Schlei- 
cher nomen und verbum s. 5 ff.). Wenn wir nun im indischen 
eine scheinbar überflüssige fülle wahrnehmen, so haben wir darin 
trotz des alters der veden schon eine verdnnkeluog des Sprach- 
gefühls zu sehen, welches sich im griechischen noch ungetrübter 
erhalten hat 

Auch die frage nach dem Ursprung der spräche ist unserer 
einsieht durch die Sprachwissenschaft näher geruckt, indem diese 
das wesen und die entstehung der wort- und stammbildungssuf- 
fixe beleuchtet hat. Leider überschätzt hr. Breal wohl das auf 
diesem noch zum grofsen tbeile dnnkelen gebiete bisher gelei- 
stete, denn was die stammbildungssuffixe ursprünglich waren und 
bedeuteten, wie sie zu ihrer jeweiligen function gelangten nomina 
agentis, actionis u. s. w. zu bilden, das sind noch fast ungelöste 
fragen. 

Bndlich deutet der verf. noch auf die ergebnisse unserer 
Wissenschaft für die Urgeschichte und schliefst dann: Nous nous 
devons h une science que nous avons le droit de regarder en 
partie comme fran9aise. 



Les fröres Grimm, leur vie et leurs travaax par Frederic Baudry (Ex- 
trait de la Revue germaniquo et frau9aise, livraison du 1*' fdvrier 
1864). Paris 1864. gr. 8. 48 pp. 

Diese biographie ist mit grofser hingebung an den gegenständ 
geschrieben und von hochachtung gegen das deutsche Dioskuren- 
paar beseelt. Als quellen hat der verf. aufser den uotizen, wel- 
che sich in den verschiedenen Grimmschen reden und vorreden 
finden, noch benutzt Denbard versuch über die gebr. Grimm, ihr 
leben und ihre arbeiten, Hanau 1860 und dann einige bisher 
wohl unbekannte briefe J. Grimms, fünf an Michelet und einen 
an Regnier, welche (s. 42 — 48) abgedruckt sind. Die menge 
von fehlem im deutschen texte wird man dem verf. als fremden 
gern verzeihen, sie dürfen wenigstens nicht die erkenntlichkeit 
für die Veröffentlichung jener briefe beeinträchtigen. 

Diese durch den tod J. Grimms veranlafste skizze soll „ nn 
mot de condol^ance et une visite de bon Souvenir^ für uns nach- 
barn sein (s. 6). Komisch ist es mit welcher ängstlichkeit der 
verf. die methode der Grimmschen grammatik als eine ursprünglich 
franaösiscbe erfindung beansprucht, indem er Raynouards gram- 



232 Schmidt 

maire romaoe von 1816, welche er selbst eo partie chimdriqae 
neoDt) als arbild darstellt. Voo ihr soll Orimm die idee seiner 
grammatik geDommen haben. Olaubt herr B. vielleicht , die 
deutsche grammatik sei in der kurzen zeit von drei jähren ent- 
standen? Doch selbst wenn wir dem Franzosen die anregong za- 
gestebn, verliert dadurch das Grimmsche riesenwerk auch nar ein 
iota von seinem werthe und seiner Originalität? Wilh. Gr. kommt 
in der beurtheilung schlecht weg: il n'a gu^re donn^ qae des 
Oeuvres qui n'exigeaient pas une grande concentration d'esprit 
(s. 37) (? deutsche heldensagel). Doch er mag sich trösten, ans 
Deutschen insgesammt wird es auch nicht viel besser za theil: 
Au fond de ce portrait si vif, on sent pourtant la rSverie alle- 
mande, avec ce qu'elle a de flottant et d'un pea vagne (s. 39 
und sonst). Beherzigenswerth ist aber der wink welchen der 
verf. giebt: Si Ton jugeait ä la fran^aise le style technique des 
deux fr^res, on le trouverait plus d'une fois n^glig^, lourd et 
diffus. Les erndits allemands travaillent ponr enx et non poor 
les lecteurs (s. 35). 

Im ganzen jedoch ist der verf. voller anerkennung der beiden 
männer, und spricht seine unverhohlene bewunderung ans: En 
France, nous aurions du mal, non seulement h trouver de pa- 
reils hommes, mais m^me k comprendre lenr passion. 

Uebrigens hat sich der verf. von fluchtigkeiten nicht ganz 
freigehalten, so findet sich: ancien Edda (s. 10), Muhlheim sor la 
Rührt (s. 24), consciens esse (s. 29). 

Völlig confus, vielleicht in folge von Satzfehlern, ist die 
anmerkung auf s. 29: II veut par exemple qn'on dise der Böge 
Tarc, les arcs au Heu de der bogen, die bögen qoi sont 
seuls usites, parce que cette forme faible est en contradiction 
avec l'adoucissement (umlaut) du plnriel. Grimm wörterb. s. v. 
verlangt vielmehr der böge. 



Gänge insz (sie !) Freie. Beiträge zur wiszenschafb der spräche. 4. 80 pp. 
Druck von Jungandreas in Görlitz. 

Der verf. dieser anonymen ohne datnm erschienenen scbrift 
haust in Lanban (s. 2) und nennt sich einen schnler Pott's. Er 
beginnt: „Wurzeln telben ist trocken, sagt J.Grimm, und anch 
dieser ganz beiläufige auszdruck des groszen naiven mag ans 
eine warnung sein, bei nnsem forschungen, die ess bestSndig 



anzeigen. 233 

mit dem allgemeinsten , gattungsmäszigsten sige der geister fiber 
den Stoff zu than haben, dem Stoff überwiegendes gehör nicht 
IQ geben^. Das that er denn auch ganz and gar nicht, vielmehr 
bebandelt er den Stoff, d. h. die spräche, mit soaverfiner unge- 
bondenheit. Er meint ganz naiv, dafs man mittelst metathesis, 
aspiration and prosthesis leicht eine warzel mit der andern ver- 
binden könne, „wenn sich aach der bedeatungen einheit dem for- 
schenden triebe aufthut^. Doch auch diese letzte schranke bricht 
er nieder, indem er (s. 2) die enantiosemie anerkennt. Nach 
aaseinandersetzang dieser principien wundert uns nur, dafs er 
blofs 30 Seiten hindurch etymologisirt hat; warum nicht 3000? 
leb wenigstens verpflichte mich nach dieser methode sämmtliche 
werte aller bisher bekannten sprachen als ursprunglich identisch 
nachzuweisen. 

Er geht nun frisch ans werk und wirft alles durch einander: 
Es sind zasammengehörig: skr. tarp sättigen, regnsiv darben 
(enantiosemie), rQecpstv^ lit. draiigas gefärte, drugis („fieber, 
Schmetterling — beide sind neckisch genügt^) lit. darbas arbeit, 
lit. WZ. drib hangen, drabnüs feist, drebüzis kleid, zgoqii 
xvfAa, rgacpegt], raQq)8eg ioi^ rdgcpsa vXrjg, got. drubo traabe, 
Tvnteiv u. s. w. u. s. w.I Doch der grofse unbekannte „bedarf 
überhaupt der nachsieht, in Lauban (in einem theile Schlesiens)^ 
wie er (s. 2) sagt. Ja er bedarf der nachsieht, denn er thut 
weiter nichts, als dafs er die willkührlichkeiten , welche andere 
sich hie und da, wie es ihnen beliebt, zu schulden kommen las- 
sen, alle in sich vereinigt. Fast hat die schrift das aussehen, 
als wäre sie eine Satire auf gewisse richtungen der neueren 
Sprachforschung. Man darf sich nicht darüber wundern, dafs 
wenn fort und fort an dem festen fundament der lautgesetze 
herum gebröckelt wird, endlich der ganze bau der Wissenschaft 
zusammenstürzt. Wohin dieser weg fuhrt, das zeigt die vorlie- 
gende arbeit deutlich. 

Beiträge zur lateinischen etymologie von F. Froehde. Liegnitz. XVIpp. 4. 

Diese kleine im einzelnen methodische abhandlang antersucht 
eine reihe von lateinischen Worten, welche unter sich weiter kei- 
nen Zusammenhang haben. Es ist eine sammlang von miscellen, 
in denen folgende worte behandelt sind: fustis;lautia;porcere, 
compesco, posco; pullare; queo; satelles; vezare, con- 



234 Schmidt 

vexudy an deren erklärung sich noch dies und jenes anschliefiBt* 
8. VII verwirft der yerf. die berleitang von skr. dantas, lat. dena» 
lit dantis, gottunthas u. s. w. ans wz. ad edere, weil ihm 
der abfall des anlautenden a in vier sprachfamilien on wahrschein- 
lich ist. Doch das a ist ja nicht abgefallen, sondern die wnrsel 
ad ZQ da umgestellt, wie dies bänfig bei wurzeln der form a-f- 
consonant geschiebt; vgl. Schleicher beitr. II, 96 and referentdie 
Wurzel AK im indogermanischen s. 10 f. 

Ferner müssen wir mit dem Verfasser wegen eines prindpes 
der etymologie rechten, welches er seite XIII anm. and schon 
früher s. VII zur anwendung bringt, indem er aus dem fthnlichen 
gebrauche zweier worte auf ihre etymologische Zusammengehörig- 
keit schliefst. So beweisen die angeführten convivabatur dapsile, 
coena dapalis neben laute vivere, coena lautissima u. s. w. gar 
nichts für die Verwandtschaft von dapsilis und lantus; ebenso 
folgt ans v^aov noXeiif^ xarä aatv noXeveiv neben lat urbem, 
terram colere wenig für die lautlich unanfechtbare identitfit von 
noXeiVy noXeveiv und colero. Konnte man etwa aus oinioiro 
noXig IL d, 18 neben urbs, terra colitur dazu verfuhrt werden 
auch oImIv mit colere irgendwie zu verbinden? 



On the temporal augment in sanskrit and greek by John Davies, 
M. A. etc. Hertford printed by Stephen Austin, sine anno. S. 36 pp. 

Der verf. setzt mit grofser breite alle bisherigen erkl&rungen 
des augmentes auseinander und stellt dann seine theorie auf. 
Er geht aus von den partikeln, welche im irischen den verschie- 
denen tempora beigesetzt werden a, ro, do, no, mo u. s. w«, 
z. b. ro-bia erit, a dubhairt se he said, ad scriobhann I 
wrote u. a. Alle diese partikeln sind verbal roots signifying 
„motion^ (s. 11), wie dann ohne irgend welche scrapel begründet 
wird. The most common augment in Old Gaelic and Irish, ra 
or ro (bekantlich = pro Schleicher compend. 227) has, or has 
had, this meaoing in all the Indo-European languages, and in manj 
also that lie beyond this class. Gaelic ra, going, ir. ro, gael. 
räch, to go; w. re, rhe a swift motion; radd an advance, 
with which may be compared the skr. rakh, ire, ran, ri ire 
ri fluere. Gr. ^e-co, ^o-if; goth. rann; and many cognate 
words (?I). For the primary meaning of a we have the welsh 
a-u, to go, ared, going; skr. ay, to go; gr. s-oü (?I). Mit ir. 



anzeigen. 235 

do ist skr. du ire, at ire verwandt, mit ir.no, mo skr. makh, 
mi, nakh ire, nam inclinare, nah ^in its primarj sense of 
„approaching^^, näga a serpent, nära a river, nau a ship, in 
all wbich words the idea of motion lies at the root u. s. w. Es 
ist freilich nichts leichter als alle worte der spräche in die kate- 
g^rien der bewegung und der rahe einzuzwängen, woraus aber 
nun und nimmer folgt, dafs auch diese beiden begriffe allen zu 
gründe liegen. Auf diese solide grundlage baut dann der verf. 
ganz naiv den scblufs: We therefore connect bj analogj the 
Sanskrit and Greek augments with roots of the same meaning. 
These are the Sanskrit a-y, to go, the Greek £-q) (elfii). (s. 15). 
Nachdem dies so unumstöslich feststeht, erklärt er aucb die prae- 
sensbildenden suffixe skr. a, na, nu, ja, aja having all the same 
meaning, being formed from the root a (s. 17). Auch unser got. 
ga- wird (s. 21) aus skr. ga ire erklärt. Nachdem der verf. 
einmal blut gekostet hat, ist er unaufhaltbar in seinem grimme 
und verarbeitet noch eine menge indogermanischer und anderer 
sprachen, um auch sie an den vortheilen seiner entdeckung theii 
nehmen zu lassen. 

Das sehr summarische verfahren, welches sich über die an- 
gäbe aller gründe für die aufgestellten behauptungen hinwegsetzt, 
sucht er durch die endlose breite seiner sehr erbaulichen reflexio- 
nen zu stützen, für die auch Lockes essaj on human understan- 
ding zu hülfe genommen wird. 



Dr. Max MUller's baa-wau-theorie und der nrspmng der spräche. Ein 
wort zur Verständigung an den herausgeber der „Vorlesungen über die 
Wissenschaft der spräche^, von dr. Christoph Gottlieb Yoigtmann, 
prof. am herzogl. g>mn. Casimirianum zu Coburg. Leipzig 1866. 8. 
Vni, 173 pp. 

Dies buch, dessen pikanter titel gewifs schon die neugier 
manches beschauers rege gemacht hat, will die schallnachahmung 
in höherem mafse als es M. Müller gethan, als einen factor der 
sprachbildnng nachweisen. „Es wird bewiesen, dafs bestimmte 
natarlante neben bestimmten naturgesetzen die einzigen äufsem 
factoren sind, die für den Ursprung der spräche in betracht kom- 
men und das dunkle räthsel lösen können^. Er charakterisiert 
sodann seine bebandlung der etymologie als „praktisch, thatsäcb- 
lich, naheliegend, tast- und greifbar** (s.VI). „WÄhrend die deot- 



236 . Schmidt 

sehen gelehrten immer von ^warceln^ sprechen and zwar von 
^abgestorbenen, verloren gegangenen, zu vermuthenden % und 
damit ganze bände füllen, ist hier die spräche auf eine — and 
zwar lebendige, sieht* und hörbare, vermuthang and zwei- 
fei ausschliefsende — Wurzel oder, genauer gesagt, auf eine ein- 
heitliehe polare doppelwurzel zurückgeführt^. Diese pola- 
rität soll in dem buche nachgewiesen werden, leider verliert 
der verf. nur bei ihrer aufsuchung den pol völlig. Er will mit 
der Schrift zugleich ^ eine nöthige reform unserer wörterbocher 
anbahnen. Da er eine wurzel annimmt, so ist es natorlich, 
dafs er diejenigen welche viele Ursprachen nachweisen der ^über- 
stürzung^ beschuldigt. Schliefslich droht er mit einer fortsetzang, 
macht aber die erfullang der drohung glucklicher weise von der 
aufnähme dieser promulsis abhängig. Soweit die vorrede. 

Was ist nun die gesuchte polare doppelwurzel? Jedes falles 
ist sie im hühnerstalle zu suchen, eine benennung des hahns, ob 
aber bahn oder coek oder kuckuk die lautliche arform ist, 
wird nicht recht klar. Hr. V. beschuldigt M. Muller (s. 3) dafo 
er ^abgesehen von allen sprachlichen Zeugnissen, wie sie in die- 
ser arbeit vorgelegt werden sollen, offenbar unbeachtet gelassen, 
oder doch nicht in gebührende rechnung gezogen hat, wie eng 
z. b. der bahn (coek) mit unserem religiösen bewafst- 
sein nicht nur, sondern auch mit unserer ganzen phy- 
sischen natur und unserem denken und fühlen zusam- 
menhängt. Das letztere lehrt uns der naturforscher, arzt und 
anatom, wenn er bei gelegenheit der weiblichen zeugangsorgane 
von eierstöcken und eiern spricht (folgt ein citat aoB Bock 
buch des gesunden und kranken menschen), oder wenn er ans 
in unserem hirn einen hahnekamm vorzeigt^ etc. Es folgen 
dann zwei erbauliche geschichten von der gemahlin des Nero 
und einer französischen dame, welche eier ausgebrütet haben 
(s. 5). Der bahn und kuckuk schwingen beim krähen mit dem 
Vorderkörper auf und nieder, „welches schwingen mit dem sin- 
gen in nalurnoth wendigem Zusammenhang steht, denn nur ein 
schwingender körper tönt^! So hähnert und kräht es denn 
das ganze buch hindurch. Wir führen zur belustigung des lesers 
noch einige stellen an. Bei gelegentlichem gebrauche der conjun- 
ction weil (s. 10) macht der verf. folgende anmerkong: 
„Wollte bei gelegenheit dieses Wortes der angläobige leser frBf 
gen: ei ist denn weil, wie weile, weilen auch dem gille 



anzeigen. 237 

oder gickel, guckel, cock, gaach entlehnt? so antworte ich 
getrost: ganz unzweifelhaft, denn es bezeichnet eben das nator- 
gesetz der ausdehnung neben znsammenziehung, einen 
Schlafs ziehen, schliefsen. Eben so kann unser aoch nur 
den gaach, cock zur letzten wurzel haben, denn es vereint, 
wie engl, eke, franz. aussi und NB. wie die wurzel das aus- 
dehnen, recken, mehren, hinzufugen, als ich auch, er auch', 
mit dem zusammenziehen, runden, schliefsen, schlufszie- 
hen, z. b. wir haben viel ausgegeben, auch ist unsere börse 
leer; sie ist leer, weil etc.'' 

S. 16 anm: „slaw. pjetel und pjeti singen hängen ebenso 
mit dem pinc, pint, pic und deren naturlaut zusammen als 
mit hahn, ahd. chuoh (?), huhn, got. hanan (?) und cock, 
cot, gouh, gauch (und deren naturlaut) xoxxt;Cco cano, canto 
zusammenhängt. Es ist cano, canto nur das cock, cot mit 
auftritt das au, an in gauch = pinc wie champagnisch gau 
s= bau. Diesen Wurzelzusammenhang zwischen gickel und 
pjetel zeigt auch gleich der grofse buntspecht durch sein kik, 
der mittlere und kleine durch ihr kikkikkik, kikikik, so wie 
oam^ntlich auch der gröfste der spechte, der 1| fufs lange, mit 
karmoisinrothem scheitel geschmückte schwarz specht .... 
Diese einheit und gegenseitige ergänzung des cock und pinc, 
pic zeigt deutlich auch das praeterit. cec-in-i (v. cano), wie 
denn auch die sog. reduplication nur eine naturliche nachahmung 
der häufigen Wiederholung dieser naturstimmen ist^. — Ohe jam 
saus est! 

Nachdem er so 173 Seiten hindurch überall bahnen gesucht 
und gefunden hat, heifst es zum Schlüsse: so staunt man (ja 
wohll) über fruchtbarkeit, bildsamkeit und den lautwechsel einer 
wmrzel (nämlich der von kucknk), die Max Müller und andere 
gelehrte theils völlig ignoriren, tbeils für „unfruchtbar^ ausge- 
ben und „unfähig, noch aufser dem einen gegenstände, dessen 
ton sie nachahmen, irgend etwas zu bezeichnendem 

Wir stehen keinen augenblick an, hm. dr. Christoph Oottlieb 
Voigtmann für einen haupthahn zu erklären. 

Jena, im mai 1865. Johannes Schmidt 



238 Kuhn 

Etymologica. 

1) dinster, finster, tamisra, tenebrae, dOster. 

Wir achten oft des eigenen reichthams zu wenig; so ist es 
aach mir bei der besprecbang von tamisra and tenebrae (bd. XIV, 
222) ergangen, als ich mich der ansieht Ebels, der beide aaf 
^tamastra, *tamistra zurückführt, anschlofs. Mir war dabei das 
vonOrimm wb. II, 1152 and ib. 709 behandelte dimster, dinster 
entgangen, welche Grimm nebst altn. dimma, ags. engl, dim, alts. 
tbimm, ahd. demar (= skr. tamas) aaf ein verlornes starkes ver- 
bam diman tenebrescere zurückführt, and dem skr. tamas, laL 
tenebrae, lit. tamsa, serb. tama nebala zur seite stellt. Zar 
selben Wurzel gehören ferner noch z. temanh n. (= skr. tamas) 
fin8ternifs(Jasti wb.l36) ir. temel (=skr. timira adj. danke!, sbst 
dunkelheit) m. obscuritas, w. tywyll, obscaras, obscaritas (Bbel 
beitr. II, 165), asl. tima f. crxorfa, (T^totog tenebrae nebst sein^i 
ableitangen (Miklos. lex. palaeosl. 1021 f.) and lit. ohne ablei- 
tendes s t^ma finster werden, abend werden, pritemis m. 
abend dfimmerung u. s. w. (Nesselm. p. 88 f.), denen Grimm wb. 
III, 1666 noch russ. temnyi, böhm. temny, poln. ciemnj ob- 
scarus anreiht. Von dieser allen indogermanischen haaptsprachen 
mit ausnähme des griechischen gemeinsamen wurzel tarn, lim 
(aach im skr. erscheint schon tim-ira dunkel) stammt nan aach 
ahd. mhd. dimster and dinster, welche eine goth. worzel mit ^ 
voraussetzen lassen, so dafs ein urdeatsches ]>imistra (dessen laot- 
lich genau entsprechende warzel noch das alts. thimm bewahrt, 
während im altn. ags. a. engl, die anlautende aspirata sor media 
hinabgesunken ist), ein indogerm. tamistra oder tamastra voraas- 
zusetzen ist. Neben dem frühzeitig verschwindenden dinster tritt 
nun aber das bis heute wahrende finster aof, welches Grimm 
auf jene mit )> anlautende voraasgestzte form zoruckfohrt, indem 
er annimmt, dafs die dentale aspirate zur labialen spirans wurde, 
wie sich dies io mehreren fällen an althochdeatschen Wörtern im 
verhältnifs zu gotischen zeigt, von denen nar ahd. fliuhan fliehen 
and got. }>liaban id. erwähnt werden mögen; derselbe consonan- 
tenwechsel tritt ja auch bekanntlich mehrfach im nengrieehischen 
und englischen auf, wo ^ und th in g), f abergehen. 

Wir haben demnach in finster und dinster noch das vollstän- 
dige saffix der für tamisra and tenebrae vorausgesetzten form 



miscellen. 239 

*tomattra oder *tami8tr8 und in dem eintritt des n (noch neben 
m in dimster) zngleich ein weiteres analogon zu tenebrae aos 
temebrae; dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dafs der Rigveda 
wie das lateinische das wort im femininam and im ploral auf- 
weist (tamisra) und im althochdeutschen in gleicher weise 
finstri als feminimum auftritt 

Schliefslicb sei noch bemerkt , dafs die wurzel des Wortes im 
skr. auch noch in verbalem gebrauch (praes. taroyati, aor. atamat) 
mit der bedeutung ^athemlos werden, ersticken, vergeben^ er- 
aeheint, finsternifs und nacht somit dem Indogermanen als Ver- 
nichtung des lebens, als tod erschienen. 

Wie das ältere dinster schon im althochdeutschen fast über- 
all durch finster verdrängt ist, so kennen die niederdeutschen 
dialecte kein finster^ an dessen stelle alts. thiustri adj. obscu- 
ni8^ tenebrosus; n. ocscuritas, ndd. dfister, düster, mnd. dun- 
ster, tuster, nnl. duister, ags. y^Btre^ ]>eoBtre, schwed. 
djster erscheinen. Grimm sagt darüber (wb. lU, 1666): „mit 
aaefallendem m oder n (wie in feister für fenster sp. 1519) lau- 
tet die alts. form thiustri, ags. )>eo8tre, ]>y8tre, nnl. duister, nd. 
düster, das zuletzt auch ins nhd. eindrang (II, 1761). Wie der 
diphthong iu, eo hier entsprang ist noch nicht aufgeklärt^. Das 
von Orimm angeführte feister für fenster zeigt dazu schon den 
weg, denn wie Ti&eici für ji&evri, so tritt mit vokalisirung des r 
feister für fenster ein, wie Tvnrovci f. rvtiTOvri für älteres -anti, so 
auch thiustri, duster, düster f. )>anstri oder )?amstri. Ich habe in 
den beitragen I, 355 fif. eine reihe von fällen nachgewiesen, in 
denen am und an in 6, ü, u übergegangen sind und an diese 
scbliefse ich auch den vorliegenden fall an , so dafs alts. iu (io), 
ags. eo altindischem 6 (a-u) entspricht, indem sich der erste 
theil des diphthongs zu i schwächte. 

2) Simrock. 

Pott personenam 6b s. 1 2 stellt am schlufs einer reibe mit 
-rock zusammengesetzter namen auch Simrock, aber mit einem 
fragezeichen auf. Das letztere hat seine volle berechtigung, da 
der erste theil des worts, wenn nicht etwa Verstümmlung oder 
Veranstaltung [desselben stattgefunden hat, unerklärt bliebe. Das 
wort ist wohl unzweifelhaft slavischen Ursprungs, Miklosich (lex. 
palaeosl. p. 865 ) hat smruci m. xiögog cedrus und vergleicht 



240 Kahn, miBocUen. 

dam serb. smreka janipenis, smrjeka, smijekfBinrk, srnrea SftoL, 
czech. smrk, poln. srnrok, ^wierk* Bei den oberlaoBitiiBGhen 
Wenden beifst scbmrok die fichte. Die poloische and dem- 
nächst die wendische spräche haben also das erste anreeht auf 
den namen, dessen orsprungliche bedeatang klar ist Altslayisch 
bedeutet nämlich mrakü m. ^6q)og^ caligo, mit dem das begrifflich 
nahestehende tima (mrakü i tima) verbanden erscheint Miklo- 
sich vergleicht noch dazu nsl. mrak, poln. mrok, mierzch. Data 
gehört noch mrakota f. tenebrae und es sind femer von dersel- 
ben wnrzel abgeleitet sümrakü m. tenebrae, siimrukati ob- 
scarom fieri: dafs dazu altn. myrkr, schwd. und dän. mork mit 
metathesis des r zn stellen sind, ist wohl unbedenklich, da das 
u der vorauszusetzenden grandform murki dem einflnfs des r 
seinen Ursprung verdankt Smrok, schmrok, smrüci, smreka be- 
deuten demnach ^der dunkle^ und konnten daher sowohl zur 
bezeichnung der ceder als der fichte als des wachholders pas- 
send verwandt werden, mit der germanisirung war aber die epen- 
these des i sowie darauf die Zurückziehung des accents notfa» 
wendig. 

A. Kuhn. 



Corssen, zum sabellischen dialekt 241 

Zum sabellischen dialekt. 
Die Inschrift von Navelli. 

In dem gemeindebezirk von Navelli zwischen den al- 
ten Städten Peltuinum und Aufinum im lande derVestiner 
ist neuerdings die nachstehende inschrifb gefunden worden: 

T. Veti 

duno 

didet 

HercIo 

Jovio 

brat . . 

data. 
Ueber diese ist eine italienische monographie erschienen 
unter dem titel : Intomo una iscrizione arcaica di T. Vezio 
con richerche su TErcoIe Giovio e sul brato o erba Sa- 
bina e sua natura e simbolica di Domenico Guidobaldi. 
Napoli 18649 ^^^ derselben ein facsimile der inschrifl und 
ihres Steines beigefügt. Die richtigkeit desselben ist durch 
einen von Th. Mommsen mir freundlichst übersandten pa- 
pierabklatsch bestätigt. Obwohl diese schrift mit fleifs ge- 
arbeitet ist und zur erklärung eine menge epigraphischen, 
mythologischen und botanischen materials beibringt, so 
sind doch die ergebnisse derselben unhaltbar und verfehlt, 
weil der Verfasser die in der inschrifb vorkommenden sprach- 
lichen formen keiner eingehenden und methodischen prü- 
fung unterworfen hat. Er übersetzt die inschrift: T. Yet- 
tius donum dedit Herculi Jovio brat(ho) data (p. 8), ver- 
steht unter brat., das griechische /S() ad* v, ßQa&ig^ das 
lateinische herba Saoina oder iuniperus Sabina, also eine 
wachholderart, die dem Hercules zum räuchern als zehnter 
dargebracht sein soll (p. 30 — 49), erklärt also die ganze 
inschrift f&r altlateinisch. 

Um diese ansieht zu widerlegen sind die wortformen 
Hercio, didet, duno und brat. • zu untersuchen, und 
der nachweis zu führen, dafs dieselben nicht altlateinische 
wortformen sind, sondern dem oskisch-sabellischen sprach- 
stamme in Italien angehören. 

Zeitschr. f. vgl. spnohf. XV. 4. 16 



242 Corssen 

Die wortform Herclo kann man ebeneo wie die fol- 
gende Jovio nach den vorhergehenden Worten duno di- 
det nur fQr eine dativform halten. Die altlateinischen da- 
tivformen des namens Hercules lauten nun aber Her- 
cele (Corp. inscr. lat. Momms. n. 56), Hercoli (a. 0.815), 
Hercolei (a. o. 1145. 1175. 1503. 1538), Herculei (a.o. 
1113. 1172. 1233), wie das wort auch späterhin im latei- 
nischen ausnahmslos nach der dritten oder consonantischen 
deklination jQectiert erscheint. Das vorliegende Herclo 
hingegen ist dativ eines auf o auslautenden Stammes. Um 
diesen fQr eine lateinische form auszugeben, behauptet Gui- 
dobaldi, es fände sich bei Cicero eine nominativform Her- 
culuB und citiert dafQr Äcadem I, 2, 34 (p. 12. vergL M. 
Breal, Hercnle et Cacus, p. 52). Aber an der angeführten 
stelle findet sich nur die genitivform Herculi. Solche 
genitivformen auf -i kommen nun aber bekanntlich im 
lateinischen häufig vor von griechischen namen, deren no- 
minativ auf -es auslautet, auch von solchen die im grie- 
chischen der dritten deklination folgen (Schneider, latein. 
gramm. I, 1()3 f.). Die genitivform Herculi setzt ebenso 
wenig eine nominativform 'Herculus voraus wie die ge- 
nitivformen Neocli, Pericli lateinische nominativformen 
""Neoclus, *Periclus. Die annähme also, es habe eine 
altlateinische nominativform ""Hercolos ^Herclos oder 
*Herolu8 gegeben (Gnid. p. 14) ist unbegrCüadet; ebenso 
unhaltbar demnach die behauptung, Herclo sei eine alt- 
lateinische dativform. Zur erklärung derselben ist vielmehr 
der oskische dialekt heranzuziehen. Hier findet sich nun 
zunächst die dativform Herekloi auf der tafel von Agncme, 
A, 13: Herekloi Kerriioi statif-sakahiter = Her- 
culi Cereali statim — sanciatur, und ebenda B, 16: 
Herekloi Kerriioi — Herculi percali (vgl. Verf. d. 
Volscor. ling, p. 6; d. zeitschr. V, 127. XI, 423. Xn,271). 
Diese dativform Herekloi ist gebildet wie Abellauoi, 
deketasioi, Evklol, Verehasioi, Vestirikioi, hor- 
toi, Jovkiioi, Maiioi, Novlanoi, piihoi, Pukala- 
toi, also wie diese dativformen von einem o*-8tanime. Der- 



zum sabellischen dialekt. 248 

selben deklination gebort die geDitivform Herekleis an, 
Cipp. Abell. 11.24; M. unt. dial. t.Xn,35b) und die gleich- 
gebildeten wie eiseis, eizeis, kumbennieis, loufreis, 
Niumsieis, sakarakleis, suveis, tereis, niinstreis 
u. a. Es fragt sich nun, wie sich die vestinische form 
Herclo zu der oskischen Herekloi verhält. In der letz- 
teren ist das zweite e aus dem gewöhnlichen oskischen vo- 
kaleinschub entstanden (Kirchhof, d. zeitschr. I, 37f. Verf 
a. o. XI, 340), von dem sich in den sprachresten des sa- 
bellischen dialekts bisher keine spur gefunden hat. Beide 
formen sind also jedenfalls von dem o-stamme Herclo- 
ausgegangen, der dem lateinischen fremd ist. Eine sabel- 
lische form des dat. sing, von o- stammen ist uns sonst 
nicht erhalten. Allerdings zeigen die erhaltenen reste der 
sabellischen deklination die nächste Verwandtschaft mit der 
oskischen. So in der locativform -ei von o-stämmen wie 
komen-ei neben osk. comen-ei (Verf. d. zeitschr. IX, 
166) in den locativformen auf -en, -in wie esm-en, 
as-in von den stammen esmo-, asu- neben osk. hort- 
in, kerrii-iu, eisuc-en von den stammen bort o-, ker- 
riio-, eisuc- (a. o. X, 6. 15) in der endung -as des nom. 
plur. von a-stämmen wie asigna-s, aviata-s neben osk. 
pa-8, scrifta-s (a. o. 140 f. Kirchh. stadtr. v. Baut. s. 9) 
in der endung des nom. plur. auf s unmittelbar nach vor- 
hergehendem consonanten in lix-s neben osk. meddis-s, 
uiSdei^ (Verf. d. zeitschr. IX, 133. Kirchh. a. o. 12f.) 
Aber es finden sich doch spuren, dafs das sabellische mehr 
hinneigt zur abstumpfung der casusendungen wie das os- 
kische. So wirft es regelmäfsig das auslautende d des 
ablativs ab wie das umbrische, volskische und das latei- 
nische der klassischen zeit, z. b. in agine, mesene, 
Plusare, orsio, pio, kiperu, bie (Verf. d. zeitschr. 
IX, 145. 164. X, 8f. 21 f. 23 f.). Somit ist es nicht zu ver- 
wundem, neben der oskischen dativform Herekloi eine 
sabellische Herclo zu finden, die den dativ der o-stftmme 
abgestumpft hat wie das lateinische. Die annähme, dafs 

16» 



244 Corssen 

erst nach eiDdriogen der lateiDischen schrift, in der die 
inschrifb von Navelli geschrieben ist, und der lateinischen 
spräche in das Vestinerland durch einflufs des lateinischen 
sich die sabellische dativendung -oi zu -o abgestumpft 
habe, ist also nicht nothwendig, obwohl das möglicher 
weise so geschehen sein kann. Jedenfalls ist man nach 
dem gesagten berechtigt die form Herclo der inschriit 
von Navelli als eine form des dat. sing, von o- stammen 
des späteren sabellischen dialekts im Yestinerlande anzu- 
sehen, wie sie nach dem eindringen des gebraucbs der la^ 
teinischen schrift in dasselbe gebräuchlich war. 

Der Zusatz Jovio zu Herclo bezeichnet den Her- 
cules als eine dem Jovis angehörige mit ihm verwandte 
gottheit wie in der oskischeu weiheinschrift von Agnone 
der Zusatz Kerriioi zu Herckloi denselben als einen 
der Ceres verwandten mit ihr wesensähnlichen gott be- 
zeichnet. Das oskische zeigt die feminine namensform Jo- 
viia (C. Pomp. d. zeits. II, 55. 57. Kirch, allgem. monats* 
sehr. 1852. 589) und die ältere form Diu via (Verf. d. zeits. 
XI, 5), welche das ursprünglich anlautende d gewahrt hat 
wie die altoskische form Diovei neben loveis (M. unt. 
dial. 8.255. O. Pomp. a. o.) und die altlatcin. Diove, 
Diovei, Diovem(C. Inscr. Lat. p. 578) neben den späte- 
ren Jovi, Jovem. Im sabellischen erscheint auf der bron- 
zetafel von Bapino eine göttin: Begena pia Cerie Jovia 
(Verf. d. zeitschr. IX, 133. 144) bei den Umbern eine Tur- 
sia Jovia (AK. umbr. sprachd. II, 249) bei den Römern 
eine Venus Jovia in der genitivform Venerus Joviae 
(C. J. Lat. n. 565) und ein Jovius compagus in der ge- 
nitivform Jovei compagei (a. o. n. 571). Durch den ve- 
stinischen Herclos Jovios zusammen mit dem oskischen 
Hereklos Kerriios gewinnt die ansieht immermehr bo- 
den, dafs es einen altitalischen feld- und hausgott Herclos 
oder Herculus gab, auf den der griechische Herakles 
aufgepfropft wurde, den die italischen Völker von der grie- 
chischen küstenbevölkerung Südetruriens wie von den Grie- 
chen Unteritaliens kennen lernten (vgl. M. Bröal, Hercule 



zum sabellischen dialekt. 245 

et Cacu8, p. 51 — 63). Es fragt sich nun weiter, wie sich 
die form didet erklärt. Altlateinisch ist sie nicht, das 
zeigt das i in der reduplicatioossilbe, während die altlatei- 
nischen formen dedi, dedet, dede, dedit, dederont, 
dedrot, dedro, dederunt, dedere, dederi, dede- 
rit, dedisset (C. J. Lat. p. 576) stets e in der redapli- 
cationssilbe wahren, das auch in der späteren spräche aus- 
nahmslos bleibt. Auch in den entsprechenden oskischen 
perfectformen findet sich niemals i in der reduplications- 
silbe, sondern in oskischen Sprachdenkmälern erscheint 
viermal die perfectform dedet (M. unt. dial. t. X, 20. 
24, z. 3. 7. t. X, 26) einmal dedet (Fabretti, Acad. d. 
scienc. d. Torin. 1864. Mai p. 21) von dem oskischen dem 
lateinischen dare entsprechenden verbum. Eine neigung 
des sabellischen dialekts e zu i zu wandeln tritt nirgends 
hervor; für lat. dedet, osk. dedet, dcded möfste man 
also auch sabellisches dedet erwarten. Die verbalform 
didet der inschrifb von Navelli weis't demnach durch sein 
i in der reduplicationssilbe auf das oskische verbum did- 
-um = lat. dedere hin, von dem sich die Stepers. sing, 
ind. fut. 1 did-est = dabit erhalten hat (tab. Baut. 16. 
Kirchhof, stadtr. v. Baut. s. 79. Bugge, d. zeitschr. VI,22). 
Von diesem verbum wQrde im oskischen eine dritte pers. 
sing. ind. des einfachen perfects sein, gebildet wie kom* 
-ben-ed = convenit, ups-ed = operavit, om-bn-et 
= obvenit (?) (Verf. d. zeitschr. XI, 329. 414); es könnte 
aber auch die dritte pers. sing. präs. ind. sein. Hieraus ist 
zu folgern, dafs eins von beiden auch die form didet der 
inschrifl von Navelli ist, und zwar, da in weiheinschriften 
das perfectum das gewöhnliche tempus ist von verben, 
welche den sinn „weichen, geben, schenken^ haben im os- 
kischen wie im lateinischen, so wird man nicht umhin kön- 
nen auch das did-et der vorliegenden sabellischen weihe- 
inschrift als perfectform anzusehn und dedidit erklären, 
wie osk. did-est: dabit bedeutet. Die möglichkeit bleibt 
freilich, dals das sabellische didet auch etymologisch das 
lat. dedit sein könnte. 



246 Corssen 

Auch duno in der inschrifl von Navelli ist keine alt- 
lateinische form. Die vorkommenden altlateinischen for- 
men von donum haben ohne ausnähme das o der Stamm- 
silbe gewahrt, so donom, dono, donum, donu, do- 
neis u. a. (C. J. Lat. p. 578). Auch im oskischen findet 
sich die accusativform donom in der inschrift der colon- 
nette von alle Macchie: 

Z . Hortiis Km . Her . donom ma. 

Mommsen schreibt hier verbunden donomma (unt. dial. 
t.VUI, 7a. vgl. s. 174). und nimmt an, eine solche wortform 
sei entstanden aus *donomna, das mit dem participialsufiBx 
-mno gebildet sei, also wie alu-nmu-s, Vertu-mnu-s, 
Pilu-mnu-s, cohi-mna u.a. und bedeute donaria(a.o. 
s. 256). Allein das oskische so wenig wie das lateinische 
assimiliert mn zu mm. Das oskische erhält mn der prfi- 
position amnud, und dafs speciell das suffix -mno in 
dieser gestalt unverändert blieb, zeigen die formen tere- 
-mn-iss, tere-mn-attens, tere-mn-attust. Her 
in der obigen inschrift kann Herekloi bedeuten oder He- 
rukinai oder Heren tatei (a. o. s. 262), was sich nicht 
entscheiden läfst, für die hier vorliegende frage auch gleich- 
gültig ist. In dem ma nach donom vermuthe ich die 
anfangsbuchstaben eines verbum, das „bereiten, darbrin- 
gen, weihen oder geben* bedeutet, vielleicht von der ein- 
fachen perfectform *manaffed, die sich bis jetzt nur in 
dem compositum aa- man äffe d gefundea hat und «ver- 
fertigen, vollbringen" bedeutet (Verf. d. zeitschr. XI, 334 — 
337). Dann ist der sinn der obigen inschrift also: Z . 
Hortius Cominii filius Her...? donum paravit. 
Jedenfalls ist die oskische accusativform donom in dieser 
inschrift nicht zu verkennen, die mit den angeführten la- 
teinischen genau übereinstimmt. In der vestinischen form 
duno ist also ein aus ursprünglichem ä entstandenes ö zu 
ü geworden, wie in der sabellischen ablativform kiperü 
des Steines von Crecchio neben den ablativformen orsiö 
und piö ebenda, und von duno ist das auslautende m 



zum sabelliachen dialekt. 247 

geschwunden wie vom sabellischen pesco (Verf. d. zeitschr. 
IX, 161 f. X, 42). 

Wenn nun die bisher besprochenen formen Herclo, 
didet, duno nicht dem altlateinischen, sondern dem 
sprachboden angehören, auf dem der stein von Navelli ge- 
funden ist, nämlich dem sabellischen, so wird wohl in der 
wortform brat . . desselben niemand ein lateinisches wort 
suchen. Guidobaldi behauptet, es sei das erstemal, da& 
sich dieselbe in einer inschrift vorfände. Er hätte nur in 
Mommsen's unteritalischen dialekten nachzuschlagen brau- 
chen, um sich eines besseren zu belehren. Die form brat., 
ist allerdings weder ein vollständiges lateinisches wort, noch 
ein oskisches, sabellisches , umbrisches oder volskisches 
nach allem was wir von diesen dialekten bisher wissen. 
Sie läfst sich auch nicht durch irgend eine ergänzung am 
ende zu einem bisher bekannten lateinischen worte vervoll- 
ständigen. Aber es bedarf nur der ergänzung eines vo- 
cales nach dem t, so erscheint eine casusform des oskisch- 
sabellischen wertes bratom. Dieses findet sich erstens 
in der oskischen inschrift des fragments einer Aedicula 
von Anzi, die mit griechischen buchstaben geschrieben fol- 
gendermafsen lautet, M. unt. dial. t. XII, 36: 

7ia)T jrok 
koboD^ . qoQo 

a)fi xabag Xsixeir xco 
.a^sgr^i lioxaxeit a^a 
..A saoT ßgatü)^ ueiav k. 
Aus dieser im übrigen noch völlig unklaren inschrift 
sind doch zwei oskische pronominalformen erkenntlich. In 
dem nioT hat schon Mommsen den nom. acc. sing, nentr. 
pod, lat. quod erkannt (a. o. s. 290) und in €(To r die je- 
nem relativform entsprechende demonstrativform es od 
(a. o. 265) nom. acc. sing, neutr. des pronominalstammes 
eso, der sich in dieser gestalt zeigt in es ei (Cipp. Abell. 
49. 51) esi-dum, esi-du (Verf. d. zeitschr. XI, 329. 403. 
415), häufiger aber in der gestalt eiso- oder eizo- auf- 



248 Corasen 

tritt. Durch die unmittelbar vorhergehende neutrale pro- 
nominalform esot wird also bratom als ein neutrales no- 
men bezeichnet, dessen stamm auf o ausgeht. Von diesem 
findet sich die form des gen. sing, brateis auf der tafel 
von Bantia, z. b.: pan pieisum brateis auti cadeis 
amnud. So theilt Bugge die Wörter an dieser stelle ab 
(d. zeits. VI, 29 f.) statt der überlieferten abtheilung: pan 
pieis umbrateis u. s. w. Dafs das richtig ist, daf&r 
spricht schon das obige bratom; ebenso der sinn dtt 
stelle der tafel von Bantia, auf deren erklärung weiter un» 
ten eingegangen werden wird. Und selbst wenn umbra- 
teis die richtige abtheilung wäre, so wäre doch hier bra- 
teis in einem compositum vorhanden. Die form bratom 
findet sich nun ferner in folgender inschrift, M. unt. dial. 
t. XV. C. J. Lat. n. 194: 

. . cia Pacia Minerva 

. . brais . datas . pid . sei . dd . i 

. . bratom pampperci 

. . seffi . i . nom . suois 

. . cnatois. 
Die hier vorkommende form pid = lat. quid des 
dem oskischen, umbrischen, sabellischen und volskischen 
gemeinsamen pronomen pis, lat. quis, die form seffi, 
die Momrasen richtig für sefi, lat. sibi erklärt, verglichen 
mit osk. sifei auf der bleiplatte von Capua (Verf, d. zeits. 
XI, 332. 363) und mit umbr. tefe, lat. tibi, die conjunc- 
tion inom, die der umbrischen enom und der oskiscben 
in im entspricht mit der bedeutung et, diese wortformen 
zeigen, dafs die vorliegende Inschrift jedenfalls einem der 
obigen oder ihnen nahe verwandten dialekt angehört. Die 
diphthonge ai in dem verstümmelten ..brais und oi in 
suois cnatois = suis natis beweisen ferner, dafs die 
Sprache derselben nicht umbrisch oder volskiscb ist, da 
diese dialekte die diphthonge ai und oi in declinations- 
endungen nicht gewahrt, sondern zu e und i getrübt ha- 
ben. Da hingegen im oskiscben und sabellischen sich die 
diphthonge ai und oi ungetrübt erhalten finden, so folgt 



zum sabellischen dialekt. 249 

vielmehr, dafs hier ein Sprachdenkmal des oskischen oder 
des sabellischen dialekts vorliegt. Dafs es nicht oskisch 
isty bezeugt das inom neben umbr. enom gegenüber dem 
oskischen in im. Es wörde also nichts übrig bleiben als 
die inschrifl für sabellisch zu erklären, auch wenn ihr fnnd- 
ort unbekannt wäre. Nun hat aber Mommsen neuerdings 
die notiz aufgefunden, dafs dieselbe auf einer zu Sulmo 
also im sabellischen Sprachgebiet gefundenen erzplatte ge- 
schrieben war (C. J. Lat. p. 555 ad p. 37 n. 194). Dar- 
aus folgt, dafs die spräche derselben sabellisch ist, mithin 
das bratom der dritten zeile ein sabellisches wort ist, 
das genau dem oskischen bratom entspricht. Unzweifel- 
haft ergiebt sich also, dafs Giudobaldis aufstellungen und 
behauptungen über die form brat, der sabellischen inschrifl 
von Navelli irrig sind, dafs dieselbe vielmehr eine ver- 
stümmelte oder abgekürzt geschriebene form des sabelli- 
schen Wortes bratom ist. 

Dieses brat, also, das jedenfalls der ergänzung be- 
dürftig ist, ergänzt sich wegen des nachfolgenden data 
am natürlichsten zu brata, so dafs es als nom. acc.*plur. 
des neutralen namens bratom zu fassen ist. Bugge be- 
merkt schar&innig, das osk. brat eis an der oben ange- 
fahrten stelle der tafel von Bantia entspreche einem lat. 
paratis grade so wie osk. embratur dem latimpera- 
tor (d. zeitschr. VI, 29). Das ist lautlich so einleuchtend, 
dafs ich versuche mit diesem fingerzeig dem sinne des 
brateis näher auf die spur zu kommen. Dazu ist es 
nothwendig die betreffende stelle der tafel von Bantia in 
ihrem Zusammenhang mit der Übersetzung, so weit dieselbe 
bisher gelungen ist, herzusetzen, Z. 5 f. 

Suae pis pertemust, pruter pan 

Si quis peremerit (comitia), priusquam 

[pertemust], deivatnd sipus comonei perum 
[perem erit], iurato sciens in comitio sine 

dolom mallom, siom ioc comono mais egm[as 
dolo malo, se ea comitia magis rei 



•/50 Corwen 

tovti]ca8 amilud pan pieisum brateis auti 
publicae causa quam alicuius . . . . i ant 
cadeis amnud, inim idic siom dat 8enate[i8] 
. . . . i causa idque se de senatas 

tauginud maimas carneis pertumum 
sententia maximae partis perimere. 

Für die vorstehende Übersetzung verweise ich im übri- 
gen auf Kirchhof (stadtr. v. Bant. s. 79) und Lange (die 
osk. inschr. d. Tab. Bant. s. 29 f.)- Einzelne stellen dersel- 
ben glaube ich selbst durch frühere Specialuntersuchungen 
gerechtfertigt zu haben, so pert-emust = peremerit 
mit dem sinne intercesserit (d. zeitschr. V, 107) pruter 
pan s= priusquam (a. o. 81) die ergänzung pertemust 
nach pruter pan (a. o. 82) amnud mit der bedeutung 
causa (a. o. 84 f.)* Der hauptsinn der vorliegenden stelle 
ist: Wenn jemand gegen ein volksgericht intercediert, so 
soll er zuvor schwören, dafs er das des Staatswohles hal- 
ber nicht aus anderen rücksichten thue und zwar auf gnmd 
eines' Senatsbeschlusses (vergl. Lange a. o. s. 30f.). Diese 
andern rücksichten oder absiebten sind nun ausgedrückt 
durch die worte: pan pieisum brateis auti cadeis 
amnud. Lange führt (a. o. s. 32) zur erklärung derselben 
einen schwur des tribunen Ti . Sempronius Gracchus an, 
als derselbe gegen den befehl eines amtsgenossen interce- 
diert, den L. Scipio Asiaticus zu verhaften: Sibi inimi- 
citias cum Scipi'onibns quae fuissent manere, neo 
se gratiae quaerendae causa qnicquam facere 
(Liv. 38, 57) oder wie die schwurworte bei Gellius lauten: 
in amicitiam inque gratiam se cum T. Africano 
non redisse (VI, 19, 6). Etwas ähnliches wie gratia 
wäre also auch hinter brateis und cadeis zu suchen, 
also etwa begünstigung, privatvortheil oder ähnliches. Man 
inufs also versuchen, ob auf etymologischem wege ein der- 
artiger sinn in jenen Wörtern zu finden ist. Nach Lange 
soll cadeis von cadere stammen (a. o. 8.35); es würde 
also eigentlich „der fall** oder „das fallen'' bedeuten. Es 



zum sabellischen dialekt. 251 

soll aber nach L. den act „des za fall bringens^ und da- 
her „der gefährdung" bezeichnen und dazu dann der be- 
griflF des „betröglichen" hinzugetreten sein, so dal's das 
wort also auf den sinn von dolus malus oder fraus 
hinauskäme. Dafs ein solcher tibergang der bedentung 
von casus zu dolus malus so lange unglaublich bleibt, 
bis er nicht aus dem Sprachgebrauch schlagend nachge- 
wiesen wird, wird wohl niemand in abrede stellen. Ueber- 
dies müfste man erwarten, dafs der begriff der „betrög- 
lichen geföhrdung'* auch an der hier vorliegenden stelle 
durch das sonst auf der tafel von Bantia vorkommende 
dolo- mallo- ausgedrückt wäre. Ich leite also den no- 
minalstamm cad-o- von sanskr. würz. 9a d-, petere, ro- 
gare ab (Westerg. p. 162), so dafs derselbe petitio 
oder Petitum, gesuch, antrag, bitte bedeutet. Was 
ferner brateis anlangt, so ist schon oben die gleichung 
von Bugge erwähnt worden osk. em-bra-tur: lat. im- 
pera-tor = osk. bra-teis: lat. para-tis, nach der sich 
also der verbalstamm para- durch ausstofsung des wur- 
zelvokals und erweichung der tenuis zur media durch fol- 
gendes r wie im lat. quadraginta u. a. im oskischen 
und sabellischen zu bra- gestaltete. Para- ziehe ich nun 
zur Wurzel pr-, die thatsächlich in den verbalformen in 
der gestalt par- und pär- erscheint und neben ihrer 
grundbedeutung in den beiden bedeutungen: 1) die falle 
geben „largiri'', 2) vollenden, vollbringen, transigere per- 
ficere vorkommt (Westerg. p. 77). An jene erste bedeu- 
tung schliefsen sich griech. e-Tioo-ov, gab, niog-av-voj, 
gewähre, Tti-TToio-rai, ist gegeben, lat. par-(t)-s, por- 
-ti-o (vgl. Curt. gr. et. n. 376. 2te A.) an die zweite griech. 
TtüQ'öv-poj^ bereite, lat. par-are, das dem skr. causale 
pär-aja-ti entspricht. Ein oskisch-sabell. br-a-to-m 
fQr par-a-tu-m kann also die erste bedeutung enthalten, 
und dann bedeutet es etwas „gegebenes", eine „gäbe", oder 
die zweite wie par-atu-m, dann bezeichnet es etwas 
„bereitetes, vollbrachtes", also ein „werk", entweder ein 
sinnlich augenfälliges oder ein geistiges. Diese zweite be- 



252 Cortwen 

deutung mufs man in bra-to-m suchen, da sie auch in 
em-bra-tur, lat. im-pera-tor zu gründe liegt, und das 
demselben zu gründe liegende verbum *em-bra-um wie 
lat. im-pera-re eigentlich „hineinbereiten" bezeichnet, wie 
diese bedeutung noch in den landwirthschafblichen aus- 
drücken arvis imperare, vitibus imperare u.a. deut- 
lich hervortritt. Gewifs kann also bra-teis an der stelle 
der tafel von Bantia ein „geistiges werk das man vor hat, 
ein vorhaben" bezeichnen oder wie Bugge vermathet „an- 
schlag". So bedeutet im lateinischen opus est eigentlich 
,,es ist ein werk", dann „es ist ein werk, das man noch 
vor hat, das noch vorliegt und gethan sein soll", und da- 
her „es ist nöthig". Nach dem gesagten also bedeuten 
die Worte der tafel von Bantia: brateis auti cadeis 
amnud: eines Vorhabens oder gesuchs halber, parati 
operis aut petitionis causa im gegensatz zu egmas 
tovticas (amnud), des gemeinwohles halber, reipu- 
blicae causa. Es bleibt nun noch die form pi-eis-um 
zu erklären. Pi-eis ist gen. sing, vom relativstamme pi- 
zu dem die dativform pi-ei gehört. An diesen stamm 
trat -dum, das in is-i-duni, is-i-du-, es-i-dum, 
es-i-du- = i-dem erscheint (M. unt. dial. s. 264. Verfc 
d. zeitschr. XI, 329. 403. 415) und in pi-dum = qui- 
-dem (a. o. XIII, 194f.). Aus *pi-eis-dum entstand 
durch assimilation des d zu s *pi-eis-su wie aus *iu8- 
-du-: ius-su= ii-dem (C. Pomp. Z. 11. d. zeits. II,55f. 
Kirchb. allgem. monatsschr. 1852. 589 f.) und mit schwin- 
den des einen s pi-eis-u wie aus meddiss: meddis 
wurde. Pi-eis-u verhält sich also zu einem lat. *cu- 
-ius-dem so wie ius-su zu ii-dem und hat den sinn 
des lat. cu-ius-dam ^irgend eines gewissen, irgend einer 
bestimmten person oder sache". Wie aber im gebrauche 
lat. quidam mit aliquis vielfach zusammenfällt, so hat 
auch osk. pi-eis-um an der vorliegenden stelle der tafel 
von Bantia schwerlich einen anderen sinn als alicuius. 
Die behandelte stelle der tafel von Bantia ist nach dem 
gesagten folgendermafsen zu übersetzen: 



zum sabellischen dialekt. 253 

deivatud sipus comouci perum dolom mal- 

iurato aciens in comitio sine dolo ma- 
lom, siom ioc comono mais egm[a8 tovtijcas 

lo 86 ea comitia magis rei publicae 
amnud pan pieisum brateis auti ca- 

causa quam alicuius parati(operi8) aut petitio- 
de]8 amnud — pertumum 

nis causa perimere. 

Dals der gefundene sinn von bratom: opus para- 
tum fär die oskische weiheinschrifl von Änzi wie ilQr die 
sabelliscbe von Suimo, die oben angeführt sind, und flQr 
jede Weiheinschrift überhaupt von vorn herein passend er- 
scheint, wird wohl niemand in abrede stellen. Aber da 
beide inschriften verstümmelt und zum gröisten theil dun- 
kel sind, läfst sich ein specieller beweis fQr jede derselben 
nicht föhren. 

In der inschrift von Navelli bezeichnen nach dieser 
Untersuchung über bratom also die worte brat[a] data: 
parata (opera) data. Brata verstehe ich nun an die- 
ser stelle von „verfertigten^ bau werken oder bild werken, 
ebenso wie in den beiden eben genannten weiheinschriften. 
In dem vorhergehenden didet liegt der begriff des lat, 
dedere, dedicare „widmen, weihen", in brat[a] der 
begriff von anfertigen, verfertigen des geweihten bauwerks 
oder bildwerks, in data das darbringen und übergeben 
des vollendeten werkes ausgedrückt. Daher kann ich nicht 
annehmen, dafs brat[a] data accusative sind, die von 
didet abhängen, fasse sie vielmehr als nom. plur«, zu de- 
nen die dem lat. sunt entsprechende sabelliscbe verbalform 
zu ergänzen ist, die nach dem oskiscben zu schlielsen 
wahrscheinlich *sent oder *set lautete. 

Endlich bleibt von der Inschrift von Navelli noch die 
nominativform Veti = Vettius zu erörtern. Dieselbe 
hat das auslautende o des Stammes Vetio- eingebüfst 
und zugleich das nominativzeichen s wie die oskiscben 
nominativformen von gentilnamen: Silli =s Sillius, 



254 Gorssen 

Paapi = Papius (Verf. d. zeitechrift XI, 325). Ver- 
gleicht mau die nominativformeD oskisch Silies, Pomp- 
ties, sabellisch Alies, volskiscb Cosuties, Tafanies, 
Pakvies, oskisch Pupie, Statie mit oskisch Status, 
Pontiis, Paapii, Paapii und mit oskisch Silli, Paapi, 
sabellisch Veti (Verf. d. zeitschr. XI, 325), so ergiebt 
sich also, daüs das suffix -io der stamme jener gentilnamen 
sich im oskischen und sabellischen erst durch assimilation 
des o zum vorhergeheuden i zu -ie, dann weiter zu -ii 
und -ii gestaltete, endlich zu! verschmolz, wobei das aus- 
lautende s bald erhalten blieb, bald schwand, oder richti- 
ger so schwach lautete, dafs es bald geschrieben wurde 
bald nicht. 

Nach der vorstehenden Untersuchung übersetze ich 
die inschrift von Navelli folgendermafsen : T. Vettius 
donum dedidit Herculi. Parata (opera) data 
(sunt). 

Sprachgeschichtlich nicht ohne interesse ist noch die 
frage nach dem alter der inschrift von Navelli. Die alt- 
lateinische Schrift derselben weist auf eine zeit hin, wo das 
land der Vestiner bereits unter römischem einfluis stand. 
Die Vestiner verbanden sich zu anfang des zweiten Sam- 
niterkrieges mit den Samniten, wurden aber nach tapferer 
gegenwehr vom consul D. Junius Brutus Scaeva im jähre 
325 V. Ch. blutig geschlagen, ihr land verwüstet, ihre 
Städte zum theil gebrochen (Liv. VHI, 29), Sie erschei- 
nen seitdem in ahhängigkeit von Rom, bis sie im jähre 90 
mit den übrigen Völkern oskisch-sabellischen Stammes sich 
gegen Rom erheben, aber vom Cn. Pompeius Strabo im 
jähre 89 besiegt mit den Marsern, Marrucinern und Pe- 
lignern in das römische bürgerrecht aufgenommen werden. 
Das jähr 325 ist demnach der frühste Zeitpunkt, seit wel- 
chem ein eindringen der lateinischen schrift und Sprache 
in das land der Vestiner angenommen werden kann, also 
auch für die abfassung der inschrift von Navelli. Der 
späteste termin für dieselbe ergiebt sich annäherungsweise 
aus der form der schrift. Die buchstabenformen A r> and 



zam sabellischen dialekt. 255 

U für a, o und 1 kommen nämlich aufser gebrauch um 
184 bis 174 v, Chr. (Ritsehl, Prise. Lat. Monum. p. 123 f.). 
Also zwischen 325 und 174 v. Chr. mufs die inschrift ab- 
gefafst sein. Indessen lälst sich ihr Zeitalter noch etwas 
näher bestimmen. Die sabellische inschrift der bronze von 
Eapino in lateinischer schrift (M. unt. dial. t. XIV, 2. Verf. 
d. zeitschr. IX, 1 f.) zeigt ganz ähnliche buchstabenfor- 
men wie jene, nämlich A, U, || , <> fQr a, 1, e, o; beide 
inschriften schreiben die consonanten nicht doppelt; das 
zeigen die Schreibweisen Veti = Vettius des Steines 
von Navelli wie Maroucai, Poleenis der bronze von 
Kapino neben lat. Marrucini, Pollio (Verf. d. zeitschr. 
IX, 135). Die buchstabenformen der letzteren, mit einem 
spitzigen instrument flüchtig und flach eingekratzt, sind 
scharfkantiger und gradlieniger als die von jener, in der 
sich mehr abrundung der schenke! zeigt, namentlich in 
den formen des d, o, r und b. Daraus ist zu schliefsen, 
dafs beide inschriften demselben Zeitalter angehören, die 
von Bapino vielleicht etwas älter ist. Mommsen setzt die 
abfassung dieser inschrift um das jähr 254 oder nicht lange 
nachher wegen der münzea von Aesernia, die man mit 
derselben zugleich und in derselben grotte gefunden hat 
(unt. dial. s. 338). um dieselbe zeit oder kurz nachher, 
also noch während des ersten punischen krieges, wäre hier- 
nach die abfassungszeit der vestinischen inschrift von Na- 
velli anzusetzen. Die buchstabenformen A, U, || für a, 
1, e in der sabellischen inschrift von Chieti mit lateini- 
scher schrift (M. unt. dial. t. XV s. 339. Verf d. zeitschr. 
IX, 170) zeigen, dafs diese derselben zeit angehört. Auch 
die inschrift von San Benedetto (M. unt. dial. s. 339. Verf. 
d. zeitschr. IX, 164) jetzt vervollständigt bei Ritschi, Prise. 
Lat. Mon. Suppl. p. 94 t. XCVIII, F.) weis't die gestalt 
des unten offenen o: O in dieselbe zeit vor 174 v. Chr. 
(Ritschi a. o. p. 123). 

Es ergiebt sich also, dafs diese sabellischen inschrif- 
ten mit lateinischer schrift alle demselben Zeitalter ange- 
hören, dafs keine vor 325 abgefafst sein kann, keine nach 



256 Corsflen, zum sabellischen dialekt. 

174, dafs ihre abfassung in das Zeitalter des ersten und 
zweiten panischen krieges fällt, während die beiden sabelli- 
schen inschriflen von Crecchio und Cupra maritima (M. 
unt. dial. 1. 11. XVII) mit ihrer sehr alten einheimischen 
schlangenförmig gewundenen schrift und ihren alterthOm- 
licben buchstabenformen einer viel früheren zeit angehören. 

Daraus folgt, dafs der sabellische dialekt der Marser, 
Marruciner, Peligner und Vestiner jedenfalls zur zeit der 
beiden ersten punischen kriege noch lebendig war. Wenn 
aber die oskischen müuzaufscbriften Vitelio s=s Italia, 
C. Paapi C. = C. Papius C. f., Mutil. embraturss 
Mutilus imperator (Leps. Inscr. Umbr. et Ose. t. XXX, 
43. 44. 45. 46. 47) zeigen, dafs die oskische spräche zur 
zeit des bnndesgenossenkrieges um 90 — 89 v. Ch. in Sam- 
nium noch lebendig war, so darf man schliefsen, dafs auch 
in den bergen der Marser, Marruciner, Peligner und Ve- 
stiner, die neben den Samniten eine hervorragende rolle in 
diesem kriege spielen, die einheimische landessprache noch 
nicht aus dem volksmunde geschwunden war, mag auch 
das lateinische damals schon die amtliche und geschäfts- 
mäfsige Sprache gewesen sein. 

Corssen. 



Birlinger, sprachyergl. Studien im alemannischen und schwäbischen. 257 

Sprachvergleichende Studien im alemannischen 
und schwäbischen. 

(Fortsetzung.) 

leb will nicht sagen äeht alemannisch, aber vorherr- 
schend alemannisch ist das wort menen = treiben, füh- 
ren; menebub u. s. w. Ich habe im wbl. z. volkst. und 
im augsb. wb. 334 a beispiele genug angeführt. Auch hierin 
geht Älemannien mit dem wirtemb. Oberschwaben und mit 
dem altaugsb. gebiete; in Niederschwaben hört man „trei- 
ben, treiber^. Aber altwirtemb. documente haben me- 
nen noch häufig, ein beweis dafs es früher volksüblich 
gewesen sein mufs. 

Ganz alterthümlich klingt es: der Baaralemanne rei- 
tet immer, wenn er auch fährt, b. Jer. Gotthelf auch. Sollte 
das nicht ein alter culturhistorischer Überrest sein ? Er hat 
nur a greis und greisle als grofsmutter und grofsvater. 

Ganz sicher läfst sich die alemannische gränze nach 
der benennung kriese für kirsche ausstecken. Während 
die Judensprache k ersehe, ebenso die Franken, hat der 
Niederschwabe kischa; der augsb. Schwabe spezifisch 
keschper. Das wort kriese ist so acht alemannisch wie 
kaib, anke. Die Umsetzung begegnet in allen acht ale- 
mann, volksthüml. Schriften, und erinnert an die Umsetzung 
in dirte (dritte) burnen, verburnen, bernstein, brenn- 
stein u. s. w. eine eigenthümlichkeit, welche die Aleman- 
nen noch von ihren nachbam den ripuarischen Franken 
ererbt und welches gesetz im elsässischen sich besonders 
erhalten, wahrscheinlich ob des mittelalterlichen Verkehrs 
mit dem Mittel- und Niederrhein. Im rotweiler stadtrecht 
steht kürsinlaubin f. 195a. 

Ebenso schlagend ist kilche, kilbe, kilchweih. 
Der Baier hat kirta und kirmes. Lauchert führt an, 
dafs in und bei Rotweil kilche nicht gesprochen werde, 
„in unsem tagen besteht ausschliefslich kirche*. Das ist 
unrichtig. Gleich in Deifslingen singen die bursche: kilbe 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV, 4. 17 



258 Birlingtr 

bleib da, bleib da; kilb(» bleib da; 's sind no 3 batza dal 
Vgl. rotw. stadtr. s. 34. 

Der alem. und bair. fiechersprache gehört an: segi, 
sege = groCses netz, bekannt durch das alemannische 
werk „des teufeis netz oder segi". Barack bezeichnet 
s. 440 anmerk. die sege näher. In der gottlieber öffiiung 
V. 1521 heilst der zweite artikel: item ab der segi gond 
alli jar 10,000 etc. Ehraals ist die segi zu Gottlieben, 
Brmatingen, Landschlacht u.s. w. für gangfische benutzt wor- 
den; heute noch für grofse fische; die segi ist so breit 
als der Rhein selbst und geht 60 fufs in die tiefe. 

Ich verzeichne im folgenden eine anzahl Wörter, die 
ich in dem alemannischen gebiete rechts vom Rhein bis 
auf die Alb und den Schwarzwald fand, die mehr oder 
weniger alemannisches gepräge tragen. Wenn sie auch 
spurenweise in den beiden Schwaben auftreten: Alemannien 
hat sie als volksüblich. Ich habe besonders die Baar im 
äuge. Es sollen diese Wörter zugleich ein grundstock 
zu einer eigens angelegten alemannischen wörtersammlimg 
werden. 

Eigenthümlich ist das vorkommen von dumm, dum- 
mung = düng, düngung auf alemannischem gebiete. Im 
mülh. urbar s. 27 steht: „ist zimblich leicht feld, thut 
aber auch sein best, wenn man jme mit dummung tapfer 
zuspricht^. — „Ist ains zimlichen griesigen boden, muls 
wol gedummet sein" s. 28. „Den dummen hinabbtin- 
gen" s. 29. Vgl. im bairischen, Schmell. wb. I, 372 (Dum- 
met) und gramm. §.613, wozu in seinen nachtragen östr. 
lumbal statt lung.l geschrieben ist. 

Bei Waldshut heifst ein wiesengrund „im uopa", was 
ich schwäbisch nicht kenne; ich erinnere an uowisa alem. 
= mehrmals mähbare wiesen, wozu omat, uomat gehört, 
uo = a = 6 = re; dazu üwahs, uwachs, ein waldname 
bei Dornberg im Hegau. Mone zeitschr. III, 66 ad 1251. 
uwahst s= stirps, nachwuchs. Vergl. das ütüfel bei 
Jerem. Gotthelf IV, 66, das eine Verstärkung ausdrückt. 

Reampel (reap'I) heifst in Weilheim ein ungehobelter 



nprachvergl. Stadien im alemannMchen tmd schwäbischen. 269 

rober kerl, ein grobian. Wie steht es mit dem nieder- 
schwäbisofaen riepel f&r ein halberwachsenes rind, das 
kaum der kalbskrippe entbunden ist? 

Döla, die mistjauche; dolafafs; d61afüra, m. 
führen. Unter Rotweil. 

Drossel, die, heifsen in der Göge die sog. dorsen 
oder krautstöcke, niederschwäb. doascha geheifsen, augsb. 
kagen. Wb. 265a. 

Dipfet (-^) ntr. eine dreifüTsige irdene kachel, grofs 
oder klein, besonders heifst so das breinäpflein für kleine 
kinder. Heuberg. Rotweil. 

Daffel pl. däffel msc. schlag, schlag, „bäntsch.^ 
Rotweil. 

Dudelbock pl. dudelböck, kleine teigeue backfigu- 
ren, welche die Wallfahrer ihren kindern vom dreifaltig- 
keitsberge mitbringen. Wahrscheinlich eine erinnerung an 
die gründung der kirche durch einen hirtenbuben veran- 
lafst; das wort hudelböck ward unkenntlich und darum 
ist dudelböck daraus gemacht worden. Hudelböck 
gäbe einen guten sinn; das wort lebt noch alemannisch 
fort im reime: 

Hudel, hader wiegastraufs 

's nächst jaor ist der n. graufsl (Wurml.). 

Oicherle, eichhörnchen ist in der Baar Oblich wie 
im augsb. Schwaben; niederschw. Oachhinle; in Bins- 
dorf .oichkirmle; bis Saulgau von der Baar geht oi- 
cherle, oicher. (Göge). 

Ein vielleicht jüdischdeutscher ausdruck kommt von 
Weilheim an vor ilQr kartofieln: erdlebuches. 

Der Baaralemanne hat keine gaste zu hause, keine 
besuche, er hat rotten zu hause. 

Den huflattich (tussilago farfara L.) heifst er rofs- 
hüben. Schon in Haupts zeitschr. IX, 396 ungula ca- 
balli rosshub (statt roschäb). Lauchert s. 13. 

Aus „rübeliszeug^ eine art schwarzem stoff, ver- 
fertigt man in der Baar die rocke der weiber, die hip- 
pen genannt werden. Diese hippen sind weit und breit 

17* 



260 Birlinger 

bekannt und haben ein analogon bei den Dachaueri- 
nen. So eine hippe ist in unendlich viele falten zerlegt 
und je reicher das „meinsch^^ desto mehr Stoff daran. 
Nach dem volksüblichen Spruche heifst es: Des ist koan 
reachts Bääremer meinsch, des nett mit ihrer hippa derna 
am Lupfa und herna am Karpfa streifte 2 berge c. | stunde 
von einander. 

Dürklapf ist in der Baar der donnerklapf. 

Drihen, drüen = gedeihen besonders von kindem 
gebraucht ist allgemein üblich in der Baar; besonders aber 
vom vieh; das ist fast spezifisch alemannisch. In Nie- 
derschwaben groanet 's kind (=got. *grainan), „des stück 
vieh hat it driet^. Borns bei Saulgau. Ebenfalls bei 
Hebel. 

Wenn der Niederschwabe sagt es dätscht oder 
bätscht d. h. sonat, so spricht der Baarer „es dutscht^, 
besonders von einem schlag auf den tisch. In der Göge 
heifst dutschen stofsen. Velkofen. 

Durchfällig ist da ein acker, der höher liegt als der 
neben ihm, so dafs die erde herabrutscht, der durch keine 
mauer geschützt ist. 

Die oellampe heifst da digel, digele (tegula). In 
Nürnberg = bierkrüglein. 

Doto ist in der kindersprache = vater (Baar). In 
Niederschwaben daita. 

Dreiauw, der, ist in der Baar ein medicamentum 
gegen kaltes fieber und Seitenstechen; es besteht aus einer 
guten portion pfeffer mit essig; gegen kolik pfeffer mit 
branntwein oder theriak. 

In Urkunden der herrschafb Konzenberg ( Wurmlingen, 
Durchhausen) kommt des öfbern das adj. rauch vor ohne 
körn oder frucht, wie es auch heute noch theilweise volks- 
üblich ßXr fruchte, getreide, deren körner noch in htüsen 
stecken: „ein malter des rauhen zu Wurmlingen thun 15 
quart zeller mefs". Vgl. Constz. zinsbuch von 1513. Mone 
zeitschr. I, 169. 

Das lat subtilis hat sich als suttle sehr tief ein- 



sprachvergl. Studien im alemannischen und schwäbischen. 261 

genistet = laogsam gebend von der uhr: die übr gaot 
suttle. 

In der Baar, Weilbeim gibt es kein adj. scbattig, 
sondern allein hintersönnig. 

Dosen ebenda = scblummem. Bei Hebel dosen und 
duseln. 

Beim Baarer ist der rettig, so er ,,vergomt^ wuUin, 
wesel; gegen Saulgau mcser, mesel; scbweizeriscb soll 
es gisel beifsen. In Niedersebwaben beiz ig und wulle 
(Kiedl. Hunders.). 

Unterzug oder durcbzug ist der tragbalken, 
der den balken trägt auf dem die bretter in der 1. und 2. 
scbeuerabtbeilung ruben. Mebr allgem. Baar. Weilbeim. 
Aucb bei Jerem. Gottbelf. 

Walmendäcber, walmenzigel um Tuttlingen üb- 
lich; in Niedersebwaben unbekannt. 

Um Tuttlingen ist ein adj. säl, sali üblicb, das mir 
sonst nie begegnete: gesund und sali = gesund, wolanf. 
Wurml. Tuttl. 

Das abd. swalawa beifst niederscbwäb. gscbwälmle 
und scbwälmle; im alem. Bbenweiler Scbwemle. 

Auffallend ist das urkundl. rotweilscbe schieben = 
laden z. b. zur bocbzeit. „Wenn ein gesell zur bocbzeit 
geschoben wird". Ruckgaber's Rotweil 1,278.32. 

Die benennung leb er kies für den scbieferigen mer- 
gel, von blauer und blaurotber färbe ist in der Baar volks- 
üblicb. 

Der Wurmlinger trägt am palmtage keine palmbü- 
schel wie die Schwaben, sondern einen „belzenbuscbel^ 
zur benediktion in die kircbe. Es sind die Stauden mit 
den palmkätzcben, Salweide, salix. Ich habe an Vorschlag 
-h gedacht und elzenbuscbel genommen (prunus par 
dus L.), allein damit haben diese „palmen", wie man sie 
niederschwäbisch beifst, nichts zu schaflPen. Aber ein an- 
deres wort vom mittlem Nekar fällt mir bei; in Wurml. 
bei Rottenb. beifst man die langen maipfeifen aus dieser 
weide „holizen, bollisen"^. Sollte belzenbüscbel 
nicht höUzen (hoUizenbuscbel) sein? 



262 Birlinger 

Das wort wäh (ahd. wäbi) ist wieder so ganz im ale- 
mannischen gebiete volksüblich bis nach Oberschwaben hin- 
ein = stolz, zierlich gekleidet. Niederschwaben kennt es 
nicht, „a wähs meinsch^ Baar. „wähe jumpfern^ 
schmuckgekleidete mädchen. Firraenich II, 626. Vgl. un- 
ten im Zitglögglin s.w. augsb. wb. 428 a. 

Schon auf dem alemann. Heuberge beginnt der name 
hille, hüle für cisterne, der sich bis gegen Ulm und 
Blaubeuren fortsetzt Vergl. mein wbl. z. volkst. Hoch- 
hübe nwald ist auf dem heuberge. Es ist das nordd. 
knie. 

Unter dem namen hab begreift der alem. oberdonau- 
bauer nur seinen Viehbestand, bis nach dem augsb. Schwa- 
ben hin. Was ich mit den nichtschwäbischen ortsbe- 
nennungen auf der Alb, soweit sich alem. spuren zeigen, 
anfangen soll, kann ich vorerst noch nicht sicher stellen. 
Hainrain alte stelle bei Egesheim mit dem abergläubi- 
schen Millbrönnle. Haingarten heifst der alte rotwei- 
1er freie gerichtsplatz unter den linden. Heineburg al- 
ter burgstal zwischen Einzwängen und Hundersingen ; eine 
alte schanze zugleich. Eine Heineburg ist bei Upflamör; 
daher der dortige waldname Heinebürgen. Hünen- 
burg bei Keutlingerdorf. 

Gagen heifst der Heuberger das balancieren mit einem 
brett oder balken, in der mitte aufgelegt, an beiden enden 
sitzen die spielenden buben. Gautschen in Niederschwa- 
ben, hoschen bei Gmünd genannt. 

Nach dem glauben der Baarleute backen die hasen 
küchlein, brot, wie beim regen wetter im benachbarten 
walde erddämpfe aufsteigen. In Niederschwaben backen 
sie küchlein; im freudenstädtischen backen sie eier 
u. s. w. 

Für bedauern gebraucht die Baar ;,deuren^; das 
übrige alemann, und theilweise oberschwäb.* gebiet dau- 
len, das nebenbei eckein aussagt. Diebenennung fören 
ist hier auch sehr üblich, z. b. steinrigelfora, aker- 
fora, foraäcker bei Wurml. Niedersohwaben kennt sie 
nicht. 



b|>rachvcrgl. uludiuu im alemannischen und schwäbischen. 263 

Ein merkwürdiger waldnarue ist bei Weilbeim : Pohl- 
halde. 

Aecht der Baar eigen ist mein seh = kräftige, so- 
lide Weibsperson, sei sie ledig oder verheirathet, ehrentitel. 

Musch fiir liederliche weibsperson lebt in Tuttlingen. 
Ich mache hier wieder auf das zusammengehen der ale- 
mannischen mit der augsb. gegend, wo es ebenfalls vor- 
kömmt, aufmerksam. Augsb. wb. 340. Dazu gehört das 
mussensun im augsb. stadtrechte, das neben zohensan 
(hunde) merhensun vorkömmt, f. 50 a sp. 1. 

Musper = heiter, gesund. Baar. Um Basel: bus- 
per. In Rottenb. a. N. nur üblich von reconvalescenten 
und da nicht acht volksthümlich. 

Woppernase kommt auch vor fiar stumpfnasige men- 
schen. Zu Schmell. II, 605. In Niederschwaben wenig oder 
gar nicht üblich; ebenso wenig als das um Rotw«il bräu- 
chige schnatte für Schnittwunde, ganz schweizerisch; 
Stald. II, 340. Während der Niederschwabe spreifsen 
swm. sagt für holzspahn, abfall, sagt man von Weilheim 
an speifsa. 

„ Doar kommt gstäbbelet derhear** sagt man von 
einem rasch, geraden Schrittes gehenden menschen, beson- 
ders von solchen, die kurze beine haben, z. gcstabt, stab 
zu stellen. Auch bei Jerem. Gotthelf und bei Hebel. 

In Ebenweiler ist stark üblich = herb, mühsam „'s gät 
stark^. In Niederschwaben und augsb. Schwaben unbekannt. 

Zülle, der, ist in der tuttl. gegend der kindersaug- 
beutel. Nutzel, bei Augsb.; tuttle, augsb.; schlotzer, 
niederschwäbisch. 

Zwick heifst in der Baar die niederschwäb. treib- 
schnur (Seitingen). Auch im Zitglöglin und bei Jerem. 
Gotthelf. 

Zinn gilt in Tuttlingen immer = zinnplatte. 8 zl, 
10 zi rechnet der tuttl. wirth au den hochzeiten. ^ 

Wenn der oberschwäb. und der Baaralemanne sagen 
und zeigen will, wo der nachbar einen schaden am gliede 
hat, zeigt er's an sich selbst und setzt zeichen bei „ear 
hat seines zoaches da fuofs dao abrocha^. 



264 Birlinger 

Drädl heifet in der Goge Konrad; Leies, Elias. In 
Niederschwaben nicht. 

EinDeikle, Dekle heifst der Tuttlinger das suppen- 
schnittlein, z. dünken, tunken, tönklein zu stellen; er heifst 
femer s. gartenlatte yjdogg^. Rähmle ist ihm das wand* 
brett zum auflegen von geräthschaften ; deizetle nieder- 
schwäbisch; rezettle lauingisch-schwäbisch; er ^brennt 
nicht ein** wie der Niederschwabe; er kikt ein (den 
ofen). Das gefangennehmen von seite der polizei ist 
ihm „ein behalten über's essen^. 

Dem Umwohner gibt es keinen ehebruch, er kennt 
nur die holdschaft, was bei gericht schon grofse Verle- 
genheiten bereitete. Ein Nendinger gestand um keinen 
preis seinen notorischen ehebruch, wohl aber die holdschaft; 
in der that sagte er ganz dasselbe aus. Vergl. hold bei 
Hebel = sinnlich zugethan. Daraus ist auch die stelle in 
des „teufeis netz^^ zu erklären: 

Sie wend aim holdschaft ze efsen geben 
Und brechend ihm ab sin jung leben. V. 10452ff. 

Fängt einer nach ausgeschlafenem rausche wieder an 
zu trinken, sagt man in der Baar nur „er leert wie- 
der dran". 

Ungemein häufig begegnet man in alemannischen Ur- 
kunden dem Worte leze, lezi = impedimentum^ pro- 
pugnaculum. Bekannt war die „Frastenzer letzi" im 
Wallgau, befetigungslinie. „innrunthalb der leze" (Mn»- 
burg) 1280. bis an die lezi auf der strafs; tuttl. Urkun- 
den u. s. w. Ebenso geht es mit laube, das auch dem 
augsb. Schwaben geläufig ist Besonders kennt der Heu- 
berger nur sein läuble f. abtritt, wie der alte Augsburger. 

Wenn auch nicht spezifisch alemannisch, so doch nicht 
weit abliegend ist das wort soppe in Zusammensetzung. 
Soppenhau bei Heiligkreuzthal. Seppen bach ebenda- 
selbst; es bedeutet sicherlich schmutz = kotlache, 
wozu eine zweite benennung pa&t; man sagt auch sau- 
bach; ebenso saupenthal. Urkundlich soll eine form 
seippe dafür vorkommen. 



sprachvergleichende Studien im alemannischen und schwäbischen. 265 

Auf dem gleichen grund und boden, wo noch bedeu- 
tende alem. spuren zu finden sind , erhielt sich bis heute 
ein altes wort spöck für Wasserbau; fach im augsbur- 
gischen genannt, und schlacht, uferschlacht. Zwi- 
schen Hundersingen und dem ehemaligen reichskloster Hei- 
ligkreuzthal (ze der wasserschapfen) liegt ein anmuthiger 
birken wald mit nadelholzabtheilung. Mitten im walde sind 
noch die beete ehmaliger weiher sichtbar und die Wasser- 
bauten sehr erkenntlich. Der wald, der anstöfst, heilst 
spockhau. Es ist helles reines, dem ö sich näherndes 
ä, das auf umlaut von kurzem a hindeutet und ganz ver- 
schieden ist vom e in speck, dräck u. s. w. Also hät- 
ten wir spack, das zu spachen, spicken gehört und 
einen pfähl bedeutet, der zugespitzt ist und beim wasser 
in die erde getrieben wird: spockhau, der wald, der an 
ein so gebautes ufergränzt. Schmid bringt s.500 „specke^ 
für einen mit steinen belegten fahrweg. Merkwürdig, in 
dem benachbarten Hundersingen lebt der familienname 
Specker = uferbauer, heute noch fort. Bei dem nicht 
fernen Ostrach liegt ein weiler Speck, der schon a. 1265 
urkundlich vorkommt: „possessiones apud Speck ^. „Miles 
de Specke**. Urkundlich 1244 Mone zeitschr. U, 94. In einer 
ausschreibung vom 12. jan. 1615 bei Reyscher XU, s. 674; 
ferner in der landesordnung von 1621 kommt spöck vor, 
z. b. „auch sol niemandt daneben oder baden bei den 
spöcken oder wasserbäuwen^ (1615). Im Eichsfelde ist 
spekige — fiQr spechede; d zwischen zwei vocalen ver- 
loren, ersetzt durch g; wohl zu einem got. spahipa, die 
einfache uferbrücke aus zwei langen baumstämmen beste- 
hend, die von einem ufer zu dem andern hinüberreichen 
und mit sträuchern und boden beschüttet werden. Scham- 
bach 203 b. Bei Krebek drei stunden von Göttingen ist 
eine kauspicke swf = viehweg und fluruame. Schmel- 
1er III, 556 führt die Specke niedersächs. au = ein klei- 
ner mit rasenstücken au%eworfener dämm oder knüppelweg. 

Ganz in der nachbarschafl von Heiligkreuzthal im 
saulgauischen lebt auch noch volksthümlich das aus lat. 



'266 Birlinger 

merula eutstandene merle in dem Spruche: 's merle 
findt's beerle = suum cuique, niedcrd. merlikin (am- 
sel), das volk selbst hat aber kein Verständnis mehr davon. 

Kehren wir wieder zur alten Berchtoldsbaar zurQck. 
In Rietheim bei Tuttlingen ist noch volksübiich: anklaufiy 
finden = seine waare günstig anbringen; acht tnttlin- 
gisch ist „einen ausgehen" = verunglimpfen „dia haot 
mi ausganga" angeschwärzt, besonders von dienstboten 
gebraucht, die ihre herrschaft verunglimpfen. 

Ausraisch, liederlich herumziehend. Wurml. Tuttl. 
Vgl. rösch im Zitglögglin. Ganz der Baar eigen ist al- 
mare Wandschrank, wandkasten. Die Schwaben haben 
es nicht. Es kommt aus mittellat. almaria von armarium 
schrank zum geräthe. Weigand wb. I, 31. Grimm wb. 
I, 244. 

Aegesteraugen, hühneraugen. 

In der Göge kommt das schwäbisch unnachweisbare 
anderichs, altera die, vor. Abgabein bei kauf and 
verkauf übervortheilen. Weilheim. 

Awät, plötzlicher anfall von schwäche. Nicht be- 
kannt in Schwaben. 

Aleader, ein acht tuttl. ausdruck für eine alte Jung- 
fer, die nicht heirathen, überhaupt sich niemands rath fb- 
gen will. 

Das abkoren = dispens ob affinitatem in heiraths- 
sachen einholen ist in der Baar so volkstbflmlich wie in 
Oberschwaben; in der rottenb. gegend ist äkoara seit 
50 Jahren erloschen. 

Anbruch, Vorstufe zur kratze und raudkrankheit bei 
Schafen (konzenbergisch). Ein erlafs von 1766 beifst: „die 
nasse und trockene raud oder der sogen, anbruch hat 
2 Wochen und 1 tag währschaft**. Vgl. Grimm wb. 1,301, 
wohin dieser beleg zu nehmen. 

Ansträch in e. Lupf. urk. 1474: „Und soUicben in- 
trag, solich irrung, ansträch und krangel abtragen und 
hinlegen^. Jur. Controv. hs. Tuttl. ansträch a. a. o. „an- 
strächig und irrig** a. a. o. (?) 



sprachvcrgl. Studien im alemannischeii und schwäbiächcu. 267 

Aufhallen =s halten, alere, ziehen. „Ein wisle, wel- 
ches jetz und bisweilen ein wasserweiher ist, darin man 
fisch aufhält«*. Mülh. urkundb. 

Aufrichtwein. „Und nachmittag hat man den auf- 
riebt wein getrunken** a.a.O. 

. Adelhätze = elster. Binsdorf. Niederschwaben Na- 
gelhätz. Obersch. kägersch. Brief heifst in Nieder- 
schwaben jeder bilderbogen; im alemann, gebiete heilst so 
jedes papierschnitzelchen ; brieftasche ist gegen die Baar 
hin der schulsack des kindes. 

Bifsen swm. der holzkeil, kliebkeil (Hosentwil) holz- 
bissen Wurmlingen bis Tuttlingen. Siehe unten im Ztt- 
glögglin. 

Banz er ist in der Baar der erste garbenboden über 
der tenne, den man anderwärts barn heilst. 

Die Bettkästen trifft man noch in Wurmlingen ge- 
gen die Baar hin, wo man förmlich verschlossen schläft, 
ganz höhlenartig sieht es aus. Uralt ist der name des 
Lupfen in der Baar; er heifst urkundlich v. 1434: „ Berg- 
ab ni**, was an Etzel erinnert. 

Brächet (Weilh.) als zweimal umgekehrter drasch 
ist in Schwaben unbekannt. 

Das wort fürt scheint sich auch noch länger erhal- 
ten zu haben. Ottenfurt in der Baar. Furt, flumame 
an der Schwarzach bei Göslingen. Im Rindsfurt zwi- 
schen Ebersbach und Musbach. Tretten furter mQhle 
unter Möfskirch. Di et fürt u. s. w. 

Felder = ankenscharrete, oben. Tuttlingen. 

Fandet n, betrügen, bescheifsen. 

Faulbäche z. b. in Wurml. Tuttl. Faudenwald 
Heuberg (?). Vergl. Weinhold, schlee. wb. 19a (schilfig- 
sumpfiger grund). 

Fürbätle, schnell (Heuberg). Fistlich eine art pfer- 
dekrankheit in einem konzenb. stat. 1766: „was kretig 
fistlich^ Zu fistel, Grimm wb. HI, 1691. 

Felden herumziehen, wie ledige buben und mädchen 
an Sonntagen thun (Wilflingen). 

Feldsiechl rohe schelte im saulgauischen. 



268 BirÜDger 

Flofsgraben beifscu die kleinen als gränzfurchen 
dienenden wiesengräben. Flofs ziehen, solche anlegen. 
Hunders. 

Ferken ist in der Baar fachausdruck = die wollkit- 
tel an den accordanten nach Tuttl. abliefern; eine erwerbs- 
quelle besonders auch in Wurml. zäschen = warben nie- 
dersch. halbheu umkehren. Heuberg. Das alte Superla- 
tive furista hat sich in einem fast vorsieht. Burgstal ob 
Weilheim erhalten „fürstenfelsen'^; ganz in^s thal her- 
ausstehend. Auf dem fürsten, mülh. flumame. 

Färbenen ein uralter flumame fQr einen römischen 
platz auf der altstatt bei Neuhausen. (Tuttl.). 

Worauf gehen die namen Frankenbua (buch), wald 
bei Wilfertsweiler; Frankengut bei Bermatingen. Urk. 
1293. Moue zeitschr. HI, 242. Frankenberg im all- 
gäuischen, wolfeggischen wald? 

Nur der alemann, gegend ist guler, gulerle ss 
hahn eigen; das mülh. urk. hat sogar „die hühner und 
gülerlin". Augsb. Hebel. 

In die Baar gehört „geschnärpsel = Spülwasser; das 
„g. und gezäpsel^. Gail gebraucht man da noch = 
üppigen pflanzenwuchs in folge warmen regens geniefsend. 

Gar thun = fertig machen. Tuttl. Schwab, grea 
macha, greacht macha. 

Guschtvieh ist alemannbch = raupenvieb. Auch 
bei Jerem. Gotthelf. 

Götter, taufpathe. Baar. In Jägers Ulm s. 514: 
Göttling. 

Gumbischkraut und gumperscht, mangoldkraut. 
Baar. 

Griesig, grausig; 's grieselt mir = es graust 
mir a. a. o. Auch bei Jer. Gotthelf. 

Gottwillka! Grufs. Baar. Gleispen = schuster- 
drat a. a. o. Bei Jer. Gotthelf und Hebel. 

Genzen, ginzen = springen von jungen rindern. 
Baar. 

Gitzen = spritzen mit der spritzbüchse, schleer- 
gitze aus hoUunder. Baar. 



sprachvergl. Studien im alemannischen nnd schwäbischen. 269 

Gagelcr und gstägeler; grofser gogeler, hiro- 
inellaDger meDSoh um Rotweil. 

Gefall haben =: gedeihen z. b. es gibt viel wein. 
Tuttlingen. 

Gloiberts = Residuae mensae. Wurmlingen. Nie- 
derschwaben: ueberglaüs. 

Gvätterlen, gassenspiel treiben, wie kinder thun. 
Tuttlingen. Auch bei Jer. Gotthelf und Hebel. 

Einen possierlichen namen hat die Baar für einen weib- 
lichen Spenzer, jacke: geitnitgar. (Gibt nicht gar). 

Granitz, gränze. Baar. GuUen, klapperrosen. 

Ganz alt haben die in der Göge noch gwinna == 
pflöcken z. b. blume. Der name gewand ist in unserm 
gebiete neben reuten sehr häufig. 

Hohentwil hat den namen k&rchel fQr mistgabel, die 
Baarer und Allgäuer haben furke f&r lange eisenzinkige 
gabel zum heuladen. 

Sperr = sehr trocken. Göge. Hotzeln (drielen nie- 
derschwäb.) wie kleine kinder essen. Auch bei Felix Würz. 

Schmutter, narbe. Göge. Schmarren, schrammen 
anderwärts. 

Niederstofsen, eggen. Hunders. Schiffle machen 
= mit blättchen auf dem wasser spielen, dahinwerfen, dafs 
die steinchen hüpfen. 

Ein schlimser weg, schief, am berg hin. Wurml. 

Schiefer, holzspachen, abfall a.a.O. Schetter- 
linge, apfelsorte a. a. o. 

Schnetterling anwerfen = scheltworte anhängen 
a. a. o. (z. schnadem). 

In Weilheim hat sich auch ein ausdruck gebildet: dear 
haot 'n salvequäde = einen aufpassen 

Toll heifst in der Baar grofs, stark. In der Decken- 
pfironner gegend schmuck, schön. Auch bei Jer. Gotthelf. 

A toale, a halbes toale brennt's in Weilh. = 
ein halbes glas; niederschwäb. budele; in der Baar selbst 
teufele. 

Treampel, der, geht herum auf dem Heuberge = 



270 Birlinger 

das magenschreien geht herum. Der Weibertrempel 
geht um = eine vorübergehende weiberkrankheit geht um. 

In einer alem. urkd. nach der schaff haus, gegend ge- 
hörig bei Mone zeitschr. II, 55, 3 erscheint vislach =s 
membrum virile ^in den habem stellen bis an das vis- 
lach". Es ist wohl ursprünglich der bauch selbst. Das 
mhd. wörterb. hat III, 330a: visel, visellin. In der 
heutigen spräche vermag ich es nicht mehr nachzuweisen. 

In Wurmlingen lebt noch altes „verkeren** ^ ver- 
argen „ dein langes fortbleiben verkerte mich • ganz *. 
Ebenso alt ist das vernauen der Göge = zerreiben, zer- 
zausen, (ürsendorf.) 

Verdrähen, verderben, nicht von einander bringen 
z. b. garn; ferner „ein gemälde ist verdrähet ^. Seitingen. 

Verrecken = auslöschen, den butzen vom lichte, 
Hundersingen. Sonst unbekannt in dieser bedeutung, 

Verheit, part. verheien kommt im augsb. Scbwa^ 
ben und in der tuttl. gegend vor. 

Verziehen, die üppig büsche treibenden rübensetz- 
linge lichten. „Die ruoba verziecha^. Hunders. 

Sehr volksüblich ist das alte vergälstern = rind- 
viehstück scheu machen, in der Baar und im alem. Ober- 
rhein. Auch die schriftlichen denkmäler weisen aus ge- 
nannter gegend zahllose beispiele auf. a. 1432 kämpfte der 
thurgauer landmann. Hans Kiehm in den schranken des 
thurg. landgerichts zu Constanz mit dem Schwerte gegen 
Hans Rotenberg und erschlägt ihn, weil ihn dieser einen 
hagelsieder und geisterer (zauberer) genannt hätte. Schult- 
hais chron. hs. „Also vergalstert die blind Liebe den 
Eltern ihre äugen, dafs sie ihrer kinder mängel imd anla- 
ster nit mehr sähen und urtheilen können.^ Sam. Hoch» 
holzer, von der kinderzucht. Zürich, Frosohauer 1581. s. 
107. Bei Hebel = erschrecken. 

Loreien swv. wellenförmig mit dem rechen zusam- 
mengescba£fte8 heu. WurmL 

Alles folgende lebt von Wurml. bis in die Baar hinein: 

Harre, fohlen. Glockser, magenaufstofser. 



sprachvergl. Stadien im alemannischen und schwäbischen. 271 

Hammelmeicbelein, heimchen; bausgrille. Vergl. 
Jerem. Gotthelf: muheim. Maukennest, verborgene 
obetniederlage der kinder in beu, stroh etc. Niederschwäb. 
maucblet. 

Hintela, baidbeeren. Grieoben, pflaumen, ganz 
augsburgisch. 

Didl, scbimpfname für einen einfältigen bösartigen 
menseben, bei Gottbelf. 

Habermatten, schwarzwurzein. Birrling, kleiner 
heuhaufen, bei Gotthelf. 

Hansegakili, Johannisbeere. Katzenwurzel, bal- 
drian. 

Ehrenknecbt und ehrenmagt, brautföhrer und 
-ftkhrerin. 

Boarschlag, schnell. Das kind ist steinig s» ei- 
gensinnig. 

Krunimreif vom getreide, wenn sich die halme biegen. 

Es ist tippig, wenn die hitze schwer drückt. 

Der stall ist düfig = feucht, bei Jer. Gotthelf = 
klug, behend, thätig; schmirzelig = bestechlich. 

Hammerstotza volksetymol. = hammenstotzen, 
die Hinterbacken des geschlachteten Schweins. 

neisen = naschen. Voigglen, spielen von hunden 
und katzen; niederschwäb. barren. Bei Jer. Gotthelf. 

blaihen, sich = sich blähen „du blaihst dich wie 
drei eier im a grabble^. 

Grofsle, Graufsle, grofsmutter. Knitten = knik- 
ken „wida knitta^. 

Verdallmausen = tüchtig schlagen, pfurben = 
blasen. 

döma = das haus hüten (gomma?) gäba zur hoch- 
zeit schenken. 

fürben = fegen, kehren, gmären = wenn zwei 
ihr vieh zusammensetzen und gemeinschaftlich pflügen etc. 
Aufbroren = anzünden. 

Muffeln = mit schlechten zfthnen kauen, boasta 
aischen, haischen. 



272 Birlinger 

Scharmatzen, geheim miteinander reden. Hupen, 
hupschreien im walde. Schenzeln = spotten. Aach bei 
Schmid; im Zitglögglin. Stoffern = stolpern. Blotzen 
ausruhen. 

Kimmid = kümmel. gsengerlet, halbsüfs, halb- 
sauer. 

Mockili, tannzapfen und rindviehstück. Heckgoafs 
= eidexse. 

Lotschen, pantofieln. Faotschili, schwein; nie- 
derschwäb. baotstjhale. 

Hielwei, habicht. 

Ganz den Baarleuten und ihren nachbarn eigenthüm- 
lich ist da und da, wo die Schwaben und die hochdeut- 
sche weit dort sagt; also gerade der gegensatz von dem 
allgemein üblichen gebrauche. 

Gigott euphem. ausruf; der Schwabe hat bigottl 

Die ganze alem. gegend zeichnet sich auch noch durch 
die benennung des dienstags aus: Zistig und hierin ge- 
hen sie nicht mit den augsb. Schwaben, wohl aber mit den 
Niederschwaben, welche Deinstig und Zelstig haben; 
die augsb. Schwaben haben nur den aftermontag. Ahd. 
Ziestag d. h. tag des Ziu (Martis). Lauchert macht in 
seiner Vorbemerkung zur rotw. mundart s. 1 auf dieses wort 
aufmerksam und nennt das Hertfeld, das schon after- 
montag hat. Der Sachverhalt ist demnach wie ich in der 
einleitung zu meinem augsb. wb. dargethan: das Hertfeld 
bis Gmünd imd Elwangen hin gehört sprachlich mit dem 
augsb. Schwaben zusammen. 

Auffallend ist heute, dafs stadel in Niederschwaben 
ausgestorben zu sein scheint; das bairische Schwaben und 
hie und da das alem. gebiet haben es. Dafs es auch in 
Niederschwaben üblich war, davon zeugen die alten äch- 
ten rottenburger familiennamen Stadel und das vorkom- 
men in blaubeurer Urkunden u. s. w. 

In Wurmlingen heifst der kindsluller suckel; letzte- 
res wort kennt man in Niederschwaben Ar einen leit- 
hammel. Buddele gilt nur für hund grofs und klein. 



sprachvergl. Studien im alemannischen nnd schwäbischen. 273 

Talg ist ein Schlechtgebackenes brot, adj. 

Graupeln = anfühlen; karren = fahren; verkar- 
ren = überfahren z.b. einen hund. Auch bei Jer. Gotthelf. 

Unmufs, eine unnöthige ausgäbe, Verschwendung; 
aümudfs in Niederschwaben ein unruhiges, rastloses Und. 

Unkehr, der, widerwärtige unangenehme arbeit. „Die 
magd mufs allen unkehr thun.^ 

Stenge, die, Unterstützung „er hat keine Stenge^. 

Merkwürdig erscheint hier brenka = brennte, höl- 
zernes milchgeföfs. Oberschwaben und alemann. gebiet ha- 
ben dünna, dünnets = kuchen; platz auch in eini- 
gen genannt von placeota (Gmünd). In der Baargegend 
ist der dünna, ein dünner kuchen, welcher aus den Über- 
bleibseln des teiges gebacken und mit salz, kraut u. s. w. 
belegt wird. 

Hier in der Baargegend ist auch die heimath des wer- 
tes „rappadizle^, was man sonst tanz schlechthin in 
Niederschwaben nennt = rappentänzle; es mufs auf 
einen alten bestimmten tanz gegangen sein und eher ala 
nicht schweizerischen Ursprungs sein; denn der name bär, 
der jedesmal für die tänzerin gerufen ward, kann nicht 
schwäbisch sein. 

Ich füge hier noch von einem unserer alemannischen 
orte, von Wurmlingen die fiur- und waldnamen, sowie die 
ortsstichelnamen auf. 

Wälder: Häldele, Brentenhalde, Nunnensteig, GSra, 
Steinrigelfärle (sieh oben), Eapfhau, Teufelspelz, Kai, 
kleine Reitele, Weilenberg, Küehbuch, Aienbuch, Lang, 
gwand, Edelknab, Urschental (uralte Sagenreiche platze) 
Gaifsrücken, Pfingsteck, Aicha, Alma, Storzweg, Tan- 
halde, Maichle, Leibenthai, Eoppland, Mühlstein, Koppen- 
hahn, Buchhalden, Eckweg, Bnchhaldenhau , Dreiangel, 
Eselhalden, Eselacker. 

Flurnamen: Rietenstall, Vorboxla, Thalacker, Wei- 
lenberg, Burgstaig, Woifwasen, Stadla (ze den Stadeln), 
Krameräcker, Sauwisen, Giefsenbach, Felsenhag, Stein- 
riggla, Viersälba (?), Spitz wis, Saitel, Seh Weichling, Erbs- 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV. 4. {^ 



274 BirÜDger 

berg, Grund, Wagglisäget, Sand wie, Betten, Oeschle, Hill- 
stein, Kurzgwand, Gansäcker, Steig, Scheibarain (vom jo- 
hannisfeuer), Siecbenrain, Weiheräcker, Stelbling, Hoch- 
gericht, Wallagärtle, Schalmentbal, Leibenthal, Buchhal- 
den , Kunzenberg , Scblofswisen , Frauwise , Klemmawis, 
Riedwisen, Pfarritwis, Streitwisen, Onnenhau, Härba, Diet- 
furt, Eisengarten, Gallawiea, Langwisa, Kapf. 

Ich kann nicht umhin die sprachlich und culturhisto- 
risch nicht unwichtigen haus- und Spitznamen beizufügen. 
Ich mufs bemerken, dafs sich diefs fast in jeder Ortschaft 
wiederholt. Der artikel wird jedesmal beigesetzt. Ich 
lasse ihn des raumes halber weg. Mändle, Holafernes, 
Baschaü (Sebastian), Schmalzer, Jobb, Bonerzer, Jägger. 
Lompamarte, Arösalar (Andreas), BoUapeter, Schneller, 
Schäckahannes , Mällbäff, Tralle, Suttler (subtil, suttle), 
Basch, Brider, Mälle, Lisenabaschaü , Meies (Jeremias), 
Jenisch , Brocka , Kosackaschneider , Eenes , Schugger, 
Mieres, Labrosch, Sällmes, Schneckareiter, Vöggile, Ba- 
jas, Bläfs, Sättlhannes, Ueidel, Gidde, Käse (Nikasius), 
Räzer, Labe, Hei veter, Nämeale, Jakobmarte, Beides, 
Gillafrider, Blande, Bür, Suttlerhoared , Melkerseppel, 
Zufsmä, Nascht, Auer, HujflFa, Huididdi, Schwellagenser, 
Rossbifs, Lochfrider, Hanselhannes, Aebberfelix, Gide- 
stupf, hat d'Geansle grupft, der Kuls, der Guggu, Butter- 
urschel. 

Endlich theile ich aus unserer Baargegend reime mit, 
welche zur kenntnifs der spräche nothwendig gehören. 

1) Maria geburt, jagt d' Schwalba önd d' Studeanten fürt. 

2) Philipp önd Jacob, brengst ao nö was grobs. 

3) An Michael: wear michlet, sichlet 

4) Bartolomä, hast fruat (frucht) so sä 

Und dafs 9s well komm, sä omm ond omml 

5) Kurz ond dick, gibt ao a Stück 
Lang und re, daogt nirga ne. 

6) Georg und Marx, brenget ao nö was args. 

7) Bartolomädag, schittlet epfl önd birra r^ab. 



sprachvergl. Studien im alemannischen und schwäbischen. 275 

8) S' däzet drei Buaba ömm Streifs 
Philippe, Jacobe, Matbeifs. 

9) Lorenz, dear alle weiter verscblenzt. 

10) Abrillagilla, dodt da boura d' kästa fülla. 

11) O Eonrad dei muet, dear da9t ja nett guet. 

12) Durai^e mit da langa fiessa 
Ist sieba j4r emm hemmel gs6 
Hat wider abbe miessa. 

13) dd Lipp, da Lipp, hat d'hosa gfliggt 
dort drauTsa am a reile 

dear hat a gstompets kittili ä 
ma siet 'm alle belle. 

14) Annili, Annili wer, bueba gand enn gäta 

Steck da riggel hinta fir 5nd lafs dia narra wätal 

15) Peter und Paul, scblagget a-n-ander uff^s maul 
Peter ist so kek önd keit da Paul in d' dreck. 

16) Peter önd Paul, neammet a-n-ander am aor 

Peter neamt da schlissl, önd sohlet da Paul uff da nissl 
Paul neamt da loab Brot önd schilt da Peter halba 

z' tod. 

17) Maria Theresia war ao nitt emm Stand 

deam Friedrich zu neamma das Schlesinger Land. 

18) Galle mit 'm Ofaglotz 
Bringt da winter uff^m köpf. 

19) Wear emm heubet nitt gab biet 
önd in der ernt nit zabblet 

önd im herbst nit früeh ufstaot 

sol senna wia-n-as-m im winter gaot. 

20) Ked gang itt an d' hilpa-nä 

In der hilpa ist d'r häggamä (Hüle). 

Aus dem gesagten erhellt, dafs der gröfste theil des 
Sprachschatzes ganz von Niederschwaben verschiedene 
Wörter aufweist; und wenn beide, das alemann, gebiet und 
Niederschwaben, zwei Wörter gemeinsam haben, so ist die 
bedeutung auf alem. gebiete viel älter und ursprünglicher 
denn auf schwäbischem. Ueberhaupt wird der leser man- 
che Wörter gefunden haben, die schon seit 3 — 400 jähren 

18* 



276 Birlinger 

in ihrer bedeiitung verflüchtigt und matt erscheinen: es 
tritt aber, wo wir alemannische spräche im munde des Vol- 
kes und in denkmälern treffen, meistens wie die alte ge- 
schärfte betonung, so die alte scharfe ursprQngliche bedeu- 
tung hervor. Die eigenschaft, dafs das alemannische viel 
archaismen in seinen lauten und Wörtern hat, ist erst seit 
einer kleinen reihe von jähren wissenschaftlich nachgewie- 
sen: aber warum heifst man denn das veraltet, archaistisch? 
Ich glaube das verdiente eine bessere titulatur : wenn irgend 
ein land und seine leute die gute alte spräche heute noch 
üben: es ist ja da eine unerschöpfliche fundgrube und bie- 
tet so schön die handhabe, wissenschaftliche nachweise 
z. b. dafs die höfische spräche auf baierschem idiome fufse, 
in sand zerrinnen zu lassen. Wenn z. b. die ganze laut- 
lehre noch acht mittelhochdeutsch höfisches gewand trägt, 
wie kann einem einfallen, eben dieses höfische aus einer 
andern heimat ableiten zu wollen, wo man schon längst 
mit der guten alten lautlehre gebrochen? Gehen wir in 
unserm für ächtalemannisch aufgestellten gebiete: werden 
wir nicht schritt vor schritt an das mittelhochdeutsche er- 
innert, das nicht einmal die Schweizer mehr so rein ha- 
ben? Die grammätik wird dies später wort för wort be- 
weisen. 

Das steht unumstöfslich fest: wir haben es auf un- 
serem gebiete mit einem volke zu thun, das nicht zu Nie- 
derschwaben gehört. Aber auffallend ist mir eines; Ich 
habe am Lechrain, im Wertachtal, im Mindelthal, im 
Schmutterthal , an der Zusam auf augsb. gebiete die laut- 
gesetze nach allen Schattierungen kennen zu lernen mich 
bestrebt; und als ich darauf mein Tuttlinger- und Baar- 
idiom beobachtete, so weit ich es früher notierte — eine 
oft täuschende ähnlichkeit, besonders bei vocalen und dop- 
pellauten! Auch der wertschätz weist merkwürdigerweise 
nach dem Schwaben zwischen Hier und Lech; wogegen 
wieder benennungen wie Zistag, Zinstag alle hypothe- 
sen vernichten! Ich behaupte somit: die zähringisch-hohen- 
berg-zoUerischen Alemannen stehen den weifischen Schwa- 



sprachvergl. Studien im aleirfaonischen und schwäbischen. 277 

ben näher als die Niederscbwaben des Nekargebietes bis 
zur fränkischen grenze hin. — Ich kann natürlich meine 
ertbrschungen nur erst andeuten, werde aber bessere be- 
weise in nicht allzuferner zeit beizubringen im stände sein. 

Ich meine beobachtet zu haben, dal's das von mir be- 
zeichnete altalemannische gebiet sich wieder in ein stren- 
ger alemannisches und in ein sogenanntes seealemannisches 
gegen das Allgäu hin scheide. Letzteres birgt eine anzahl 
romanischer demente, die am Nekar- und Douauursprung 
bis zum Rhein nicht vorkommen. Das strengalemannische 
würde sich vom sogenauiitcu Hegau bis gen Basel und 
Freiburg hinziehen. Das seealemannische und letzteres 
lassen sich sogar in altern Schriftwerken unterscheiden. 
Ich verweise auf die donaueschinger handschrift des teu- 
feis Segi. Es ist da gut alemannischer text, der aber 
von Stockach bis Basel und Freiburg nicht geschrieben 
sein kann. Auf letzterem gebiete sind die urkundensamm- 
lungen und legenden in und um Villingen, Donaueschingen, 
Rotweil u. s. w. ergiebig. Hebel gehört in dieses gebiet, 
wenn er auch etwas mehr alemannisiert, als das volk im 
Wisenthaie es thut. Daher gehört aber auch ein büch- 
lein, das zu den Seltenheiten zählte „das andechtig zitglögg- 
lin des lebens und lidens Christi nach den XXIHI stun- 
den usgeteilt. Ze Basel trukt man mich so man zalt 1512. 
12*^**. Ich habe vorgezogen den Wortschatz des „Zitglögg-^ 
lin's^ hier anzureihen, später aber seine grammatischen 
Verhältnisse darzustellen. 

Ist auch der gewinn für Wortschatz und grammatik 
nicht gar umfangreich, unerheblich ist er auch nicht; und 
ich thue das um so mehr, weil das büchlein vielleicht noch 
lange zeit zu solchem behufe nicht benutzt worden wäre: 
weil es zu selten ist. 

Um jedoch die gränzen unserer Zeitschrift nicht zu 
überschreiten, gebe ich den Wortschatz ohne weiteres zu- 
thun von umfang ganz nackt und so wie sich die ergeb- 
nisse blatt für blatt herausstellen. 



278 Birlinger 

A. 

„Das gemUt üss trecken in betrachtunge^ f. Ib; „den 
etliche brücben den anhab als die heiige Christenheit 
pflegt '^ f. 3a; „des sich etliche benügen lafst för ayn an- 
hab" f. 3b; „jez und allweg" f. 6b; „darch fleischs- 
bluts annemung" f. 10a; „da ein tag me ablegt-, denn 
vil jar im fegfür'' f. 58 b. 

B. P. 

„O wie eyn yemer sölig bottenbrot were mir wor- 
den'' f. 41 b (wünscht die seele welche den verlornen Jesus 
um tempel gefunden haben möchte); prasunen (Posamien) 
f. 56; da die prasunen erschellend f. 187a; die be- 
trepten füefs der vischer wascht f. 60b; ach der leidi- 
gen erbermclichen dingen der verjagten plugmütigen 
scheflin f. 78a; nit als den bläst und den schönsten ob 
allen menschen f. 92b; das alle dine bug gelediget f. 120; 
ach dins blöden geists f. 120b; und dich mit dem krflz 
lieüsen in das under bloch verwenglich pletschen 
f. 124b; du secht in ungnedeclich mishandlen, in das 
ploch pletschen lalsen und verbissen" f. 128a; nOw 
treher üfs boden dins herzen f. 134a. Worumb vei^fs 
ich des alles: was ist snöder denn der bottich (mmpf), 
was ist grüselicher, denn der tot lichnam f. 192b. 

D. T. 

Da ward nüzit gespart, das zu einer tratzlichen 
gefenknus dienet f. 75b; unter dem trottbaum des crü- 
czes f. 114a; sin heilig pluqt als die trQbel üstreten und 
trotten a. a. o., du trügt den sweren trottbaum a. a. o., 
mit dem sweren trottboum des crüczes f. I19a; die 
ganze weit ist dir abgeseit und nicht eynest noch dry- 
sten^t, noch an eyner stat f. 119b. 

E. 

Bis du diu ergetzung findest f. Ib; darumb du al- 
les zwifels enig, grüntlich gelert und berücht wnrdt f. 13a; 
wie bald und wie eynig gast du in die wilde f. 51b; 
eynigkeit und swigen f. 58a; allen mangels enig f. 85a; 
Von dem würgen der banden und kettinen, von unfiat des 



sprachvergl. Studien im alemannUchen und schwttbisclieii. 279 

verspüwens, sogar entschikt und gelestert die ganze 
nacht f. 89b; trehen und klag, die u£P deinen früntlichen 
hals sich clägKch crleyntend und um dich stunden! 
f. 92a; der frucht erwerbung (Moral) f. 94a; 6 des bit- 
tern swerts diner sele — da dir der h^rre ze sehen ward, 
so gar sere entschikt, gesmecht f. 113b; in ingebach- 
nen dornen (f. 134a) und verwagletem pluot a. a. o«; 
darumb sich alle creaturen diner urstendy. zu lob und ze 
gUchnufs emborend und frolich gebarend f. 167a. 
F. PF. V. 

Verheben zu lesen f. Ib; ettwen venyen nemmen 
uff dem herd oder uff denc bank f. 4b; das pfullraent 
der betrachtung f. 7 a (unzäligeraal) din fron erlich auges 
icht f. 12a (Maria); verendung diner botschaft if. 12a; 
Jesu unvermasgeter spigel f. 24b; der stern verhuob 
seinen louff f. 28a; der ewig wirdig verümt herr (Simeon) 
f. 30b; pfuch der schandl f. 51b; durch nid und hafs, 
durch verbunst £• 67a; von fernufs nachvolgest f. 82b 
(v. Petrus); als ein versmechten vel dt siechen f. 92 a (so 
auch das rotw. stadtr.) za diner grofsen versmecht£101a; 
du fidrest die vogel f. 101b; du gibst gefill (pelze) den 
tiereu f. 101a; du fidrest die vogel f. 101b. du gibst 
gefill (pelze) den tieren f. 101b; und ich vergaffen 
in tippegen gedankeu f. Ii4b; vom abziehen der verbag- 
leten kleider f. 119b; in dinem vertereien heiligen bidt 
und fleisch f. 119b; im vermirrten win f. 128; ver- 
stopfte bosheit f. 144 b und mit böser gewonheit ver- 
giret bin f. 178b; der fürpündigen und zierlichen men- 
schen f. 19aa und fuofset dich (tritt) f. 195a. 

G. 

Der engel diu botschaft snell brachtone geböchsel, 
lieplich und still f. Hb; gehürer schrecken f. 12b; 
fleischlich geilikeit f. 13a; die oberste gottliche wisheit 
— ist den unvernünftigen tieren gesellig worden f. 21b; 
grüsel des ungewonen wegs f. 35b; der seltsemen grö- 
se liehen thieren begegnung f. 35b; von schrecken und 
grüsel begriffen f. 70b; daz du mich gesichtig machest 



280 Birlinger 

f. 87a; gewissne (gewifsen) f. 94a; 6 berr, wie zagend 
sie dir den gelismeten rock über die boupt abe f. 101a. 
Aber, berr, was grofsen gebrecbtz und gescbreigs 
ward da gehört! f. 119a; 6 Marria, wie ein herrt getem- 
mer was das in dinen oren! (f. 121b); da du bortest die 
berrten bammersleg uff die stumpfen nagel smyden; band 
sieb die glentz verborgen f. 154a; die gestüpply des 
winds f. 157b; die stüpply im lufl f. 175b; dafs icb 
milt und geb sye f. 185b; gefölgig sin dera 1er. a.a.O.; 
daz icb mit miner gesiebt ein trüw uffseben baben mag 
a. a. o. ein sölicb demütig zam und gebür lembly f. 52 a. 

VH. 

Der süfslicb bong f. 14; der den bimel trait wird 
müd und belüg (Jesus) f. 58a; handbieten fürlegen 
(bei tische) f. 60b; das (der tod Christi) ist kein falsch 
hofieren und glychsnen als under der weit f. 62 b; dafs 
ich min Sünde bekenne und hü glich anhebe zu buisen 
f. 94b; ho! interj. f. 97a; wie lasterlich (hab. d. jüd.) ge- 
hofiert f. 102; a, milter künig, heil der weit; wie ward 
da aber ein so grofs zulauffen und getreng des volks, wie 
ein he wisch geschrey über dich! f. 113 a; vor angesiebt 
der bewischen geister f. 132a. Leider mir armen, dafs 
icb dich üsgeworfen hab, als ob du ein todter bund 
werest gewesen f. 198; der toten greber, das bungertuch 
erzöigendt grofs<e wunder f. 129b; Maria, brynnende 
hurst ungeleztl f. 182a. Jö er dich glatt und senft gr&st, 
so gehillest im und zöigest im ein früntlib antliz f. 195b; 
was bedunkt dich nu, 6 Sele, in dfner verstentnuls, ist nit 
billich, daz du mit mir gehellest und die urteil gebest 
f. 195b; hyn, hyn mit im, schrijen die Juden f. 76a. 

I. J. 

Was jegliche stund in der summ innhaltet f. 3b; 
den ingang des herm f. 17b; bin ich worden ein inlan- 
der deines ewigen reichs f. 46 a; &, des unseligen groisen 
iufgescbreigs! f. 76a; mit iuflicbem gespött f. 76b; 
und dine bofsbaftigen fyend ir infen und gespött tribent 
f. 97 a; du Itdest und icb infen und geilen f. 104 a; da 



sprachvergl. Studien im alemannischen und schwäbischeu. 281 

ward dio hirnschalen als eyn igel besteckt f. 106a; des 
gemüts iuflickeit (im anbang). 

K. Q. 

Ach des berrten berzen kluppfs f. 31a; mit füsten 
übel geknütscbet f. 87a; dafs icb darumb mufs gerecbt- 
fertiget werden uff den minsten quadranten und im fbür 
bezalen f. 98a; dafs der scbutz und der klapff je berter 
und unbeilsamer wirt (b. d. bekebrung) f. 98 b; die sieb 
üswendig (die bösen) gar from glicbsnend und inwendig 
vol todter keyben sind f. 152a; und naeb wenig zitz ein 
stinkender keyb u. s. w. f. 192a. 

L. M. N. R. 

Umb min des irdischen krugs, des gebrochnen, des 
stinkenden leymbafens willen f. 21f.; leid und klag mir 
armei^! f. 46b; der alle ding spyset und lebfuret, lydet 
bunger und durst f. 58a; wie dick sie lügten und ire 
oren reckten f. 78 b; wie du von Pilatus zu Herodes ge- 
schickt und vor im als ein lormann verspottet! f. 95a; 
aus dir (Maria) ist gelüchtet und geboren f. 163b; 
hilff mir herre — mein Ifb — uis unreiner materie gelab- 
füret f. 191b; der herr und keiser aller engeleu wird ge- 
regiert und gemeistert von einer juukfrowen f. 45a; 
dick me und flisiklicber suchen eyn verfallne nadelen, 
den din gnad f. 43a; darum weitest für mich generret 
werden, dafs du mich alten verfürten narren diner wisheit 
teilhaftig machest f. 97b; diu vernerrung mache mich 
witzig f. 99b; nackendig f. 100a; du wollest vernar- 
ret und als ein narrenkung gelestert werden f. 107b; 
nepp er, nagel, seil und hamer, das ist üwer dank f. 120a; 
sine (Christi) claider in sal vom riffion verworfen f. 2a; 
kein verbinden der bluotigen ritzen f. 77b; wie rösch 
geltend die schriber f. 84 a; uugeberdig geschrey oder 
rümpfen f. 103b. 

S. 

Nachdem und sin stat (stand, beruf) sin houpt oder 
sin vermögen erliden mag f. la; Schickung in ein seligs 
ende a.a.O. schülrecht im tempel f. 5a (bei lebrern) 



282 Birlinger 

schinbar worden (sichtbar) f. 7a; find nit anders an im 
und by im, denn snatten und zeichen aller armätf. 19a; 
da sie dich gef'angeu hatten mit scherzendem gespött, 
ayner sust, der ander also f« 76 a; also sparten sie keinen 
schalk an dir f. 82a; mit schenzworten und gespött 
f. 89a; und Gott gelestert und gescbelkt wird f. 93b; 
der steynyn heid f. 95a; und die sprifsen in dinen hl. 
leib ingiengend f. 102b; und vom niedersten bis zum höch- 
sten verlangten sie iren schalk an dir f. 103b und sye 
aber nit railter wurden und me in schalk aubrflnnend 
f. 103a; und da kein schalk noch laster me gespart ward 
f. 105a; mit schalklicher mishandlung f. 106a; nach 
allem irem schalk und müt willen an dir handeln f. 110b; 
und mengen strftch tun mustest f. 112b; stumpfe pin- 
liche nagel f. 120a (die baier. Schriften haben pulwäch- 
sin dafür; die schwäb. förstumpf) do ward aller dtn 
smerz gemeret und alle dine verwagleten wunden geisel- 
zwick und snatten ufigetent f 124b; du hast den töt- 
lichen sack unseres fleisches angeleit f 141b. O Maria, 
du süfser tod! f. 182a; gedenk her, alles des stridlens, 
betrübnus, ängsten. (anhang.) Auf dem hinterdeckel steht 
ein recept: item ein guet pulver in die löcher: so nimm 
schelmenbain und brenn es, bis es werd als ein bulver 
und seg es in die löcher u. s. w. 

ü. W. Z. 
Die kreuziger heifsen f. 2b unselige hüben; mit 
rupÖen und andern unfuren f. 2b; üfsetzung der sa- 
crament f. 5a: frefele uszündung der dingen f. 12b; die 
unvermasgete sei f. 13b(8. M. V.). Dafs ich aller di- 
ser seligen fruchten so gar unhabend und fremd bin f. 46 b; 
dafs du mich üstarrtest von allem gelten bluot der Sün- 
den f. 73 a; der regierer aller weit wirt gefüert mit aller 
unfuor f. 79a; umscheiben f. 110a; a, zarter herr, wie 
wurden da durch allen dinen versertern gegeisleten lib von 
dem gehen abzucken die verstellten zwick wieder üf- 
gerissen f. 112a; da gaben sie dich den üppigen bäben 
und fiirten dich üs der stat f. 119a; mit rechter urtel 



sprachvergl. Studien im alemannischen und schwäbischen. 283 

aus dem paradis vertriben f. 8b; herzbewäglicbe wort und 
zuwörtly, als da sind: ach, we, leider, hSrr Gott! f. 4a; 
wege (Schmeller IV.): doch weger wenig und mit 
sinffter usfliefsung in die wyte der andecbtigen betrach- 
tunge, denn vil lesen und on andacbt überlaufen f. la; 
jezt und allweg und in weite der weiten f. 6b; den du 
über die werk diner henden so hoch gewydmet und ge- 
liebet hast f. 8b; das waltwafser des grüselichen tods 
betrachtung f. 62 a; wie ungestömlich pruolt das bitter 
waltwafser f. 77b; das wislofs schaf, nit wufstest, was 
du tun soltest f. 91a; also verbuch und verwaglet 
(y. d. blut Christi) f. 11 2b; hoffart an wähen kleideren 
f 194b u. s. w. 

Von diesem Wortschätze des Zitglögglins leben 
heute noch in der von uns bezeichneten alemannischen ge* 
gend: z. b. verbissen s. oben Bifsen (Hohentwil.), grü- 
selich ebenfalls bis in die Schweiz hinein. Jerem. Gott- 
helf. Bottich erscheint noch in seiner Urbedeutung ; ver- 
heben allgemein volksüblich ; verbunst = misgunst eben- 
falls; auch bei Jerem. Gotthelf Stüppli. Hong. Keib. 
Klapf, Näpper (Bohona). Schnatte. schenzen u.s.w. 



Sprachprobe aus dem Zitglöggliii. 

Von des Hbs vrteil (f. 191b). 

Hilff mir herre Jesus, die snöden materye myns libs 
von herd gemacht, inge wicklet, vfs unreyner matery gel- 
abfuret, in müter lyb, voll eilends, mit Sünden überlegtet, 
mit bofsheit und laster gezwunden, snell zu bösem, voll 
aller versmacht, weynend und kleglich in dise weit ge- 
born vnd dem tod zugeteilt ee denn geboren, grüntlich 
und demüticlich betrachten. 

. ( Sol ich fürer minen. lyp vrteilen und syn durfftikeit 
offembaren, so bitt ich dz nyeman zürne; die wysen sa- 
gend also : was ist des menschen lip anders, denn von un- 
reynikeit in die weit komen, yetz eyn stynkend vafs voll 



284 Birlinger 

vnflats, eyn sack vol wüsts und nach wenig zitz eyn stin- 
kender keib, der wurmen, müsen, krotten und slangen 
spis und geselle. 

( Wenn ich den förer war nymmen, was ufs mynem 
mund, ul's der nasen, ufs den ougen, ufs den oren, vnd 
vilhcht anderen ufsgengen, wo die, synd am menschen us* 
flüfst, so wirt snoder, unreyner und eilender wesen nit bald 
funden uff ertrich. 

( O herr der leydigen unsynnikeit mins gemfits, daz 
ich in sölichem snöden wesen (f. 192b) denocht hoch ge- 
baren und prangen und thün, als ob ich des nit an mir 
habe, so doch myn empfengnus in müter lib, sünd und 
schuld, myn igeburt pyn und eilend, myn leben not und 
arbeit, myn sterben angst und bitterkeit, nach disem leben 
würm und nach dem wurm gestank und grofser grQsel 
folget, worumb vergifs ich des alles, was ist snöder, denn 
der bottich, was ist gröselicher denn der tod lichnam, der 
im leben lieplich anzesehen was, darnach gar grüselieh ist 
vor aller weit. 

{ Wenn ich gedenk, wohar ich kum, so scbem ich 
mich, wo ich yetz bin, so sünffzen ich, wohin ich mufs, 
so erschrik ich und nit (f. 193a) vnbillich: denn ich kum 
von mynen geberereu, die mich vor und ee in verdamp- 
nufs gesezt, den sie mich in die weit geborn habend, mich 
sündier, sy sQnder, in iren sQnden, süntlich in diese weit 
gefürt habend, die eilenden den eilenden und von irren 
hab ich sünd und arbeit, ellendy und pyn und dysen 
stinkenden mistsack, den ich tragen mufs wo ich bingan. 

( So ich denn dera gedenken, die üfö diser zttt ge- 
scheiden sind und sunderlich der färpQndigen zierlichen 
menschen von man und von frowen, in allem stat diser 
weit, bebst, cardinel, biscoff, prelaten, die wysen curtisa- 
nen, die grofsen küng, forsten (f. 193b), herren, grafen, 
ritter und edlen, die riehen burger, koufflQt, rät, regierer 
und ander alle, vne sy denn namen band und besnnder 
dye zarten fröwly, die wolgezierten tochteren, die alten 
menschen lustig waren ze sehen, dy da mit iren hüpschen 



.spraclivergl. Studien im alemannischen nnd schwäbischen. 285 

kynden zu tanz giengen, als die schönen gitzly und in 
geilen fröiden ufisprungend nach der orgelen süfsem thon 
und in eynem puncten gechlich in abgrund der hellen ver- 
worffen und verflucht sind. Was ist aber von inen bliben : 
das findt man in iren greberen, würm, eschen, gestank 
und allen unfiat und als ich jez bin, also waren sy und 
als sy jez synd, also wird ich ouch. 

F. 36 a. Von der flucht nach Egypten: da ifset das 
lembly mit dem löwen, da tribts das klein kindlin, da grift 
das kindli mit dem hendli in des kunglis und des basi- 
liscus löchli u. s. w. 

München. Birlinger. 



Ueber medial- endungen. 

Viele erscheinungen in älteren sprachen, wie die grö- 
fsere zahl der casus, dreifacher numerus, die menge ein- 
facher Zeiten u. s. w. zeigen, dafs die spräche, im anfange 
reich, ja überflüssig ausgestattet, immer mehr gut einbüfste, 
und näher betrachtet kann das auch nicht wunder neh- 
men, ist vielmehr der entwickelung des menschlichen gei- 
stes vollkommen angemessen. Verwirrt durch die masse 
der eindrücke schuf er so viele worte und formen als mög- 
lich, um die Unendlichkeit der dinge und beziehungen 
sprachlich nachzubilden. Als er aber diesen unendlichen 
Stoff zu bewältigen und in bestimmte gruppen zu zerthei- 
len anfieng, fand er vieles früher geschaffene unnütz nnd 
verwarf es entweder ganz oder verwendete es anders, und 
ersetzte reichlich durch die innere ausbildung der spräche 
den äufseren verlust. Dem luxus der ersten sprachperiode 
gehört auch das medium an, jene feine modification des 
verbalbegriffs , die, zumal wie sie der Grieche ausbildete, 
oft mehr gefühlt als übertragen werden kann, und deshalb 
auch, aufser dem altindischen, altbaktrischen, griechischen 
und gothischen, den übrigen sprachen gänzlich verloren 



286 Misteli 

ging; seine bedeutung war zu fein, als dafs es dem prak- 
tischen bedQrfnisse und sondernden verstände h&tte stand 
halten können. Freilich glaubt Bopp noch einen Überrest 
im lateinischen in 1. und 2. sg. des perfects activ zu er- 
kennen. Aber jedenfalls ist dies mehr als zweifelhaft. Es 
wäre, um die von G. Curtius „tempora und modi^ vorge- 
brachten bedenken nicht zu wiederholen, höchst unwahr- 
scheinlich, wenn das lateinische, das selbst da, wo keine 
andere spräche ein schlufs-s der endungen erhalten hat, 
es durchweg treu bewahrte, in 2. pl. tis, womit blos das 
altindische thas im dual stimmt, in 2« sg. des medium, 
wo das altindische es aufweist (thäs), seiner verlustig ge- 
gangen wäre. Obwohl auch in der zweiten aufläge der 
vergleichenden grammatik dieselbe behauptung, die mit der 
auffassung des lateinischen perfects als aorist eng zusam- 
menhängt, aufrecht gehalten ist, kann ich die medialen- 
dungen doch nur auf die oben genannten sprachen be- 
schränken. 

Wenn die medialendungen ein beweis der f&Ue der 
ersten sprachperiode sind, so decken sie hinwiederum, wie 
Oberhaupt das ganze gebiet der personalendungen, in die- 
ser fülle eine beschränkung, ja armuth auf, wenn man den 
dementen derselben nachspürt. Liegen doch sämmtlichen 
personalendungen nur drei pronominalstämme zu gründe, 
ma, tva, ta*) — denn ein vierter, na, in der 3. plur. ist 
bestritten — die erst durch secundäre lautveränderung und 
bunteste Zusammensetzung sich zu jenem reichthum entfal- 
ten konnten. Abweichend stellt Fr. Müller in Kuhns and 
Schleichers beitr. n, p. 351 sqq. mit Verwerfung des Unter- 
schieds primärer und secundärer endungen als älteste for- 
men des sing, m, s, t, nt d. h. die auch den pronominen 
gemeinschaftlichen elemente hin, von wo aus er 1) das 
schlufs-i der endungen als ausdruck des prfisens erklärt, 
2) as von mas, vas, thas als pluralendung wie bei mann- 



*) wenn masi nnd die lüinlichen activen endungen in ihrem si ein sma 
enthalten sollten, worüber unten, käme auch noch das hinzu. 



über medial -endungen. 287 

lieh- weiblichen, n von anti wie bei neutralen Substantiven, 
am von tarn täm äthäm Atäm dhvam wie bei den prono- 
men erster und zweiter person versteht, 3) jenes plurale 
as dem adh von v-adh-e madh-e gleichstellt (!), 4) a im 
medium, mag es für sich am ende stehen oder mit i ver- 
bunden sein, als eigentlichen medialausdruck = sva an- 
sieht. Die lautliche Unmöglichkeit der beiden letzten punkte 
macht mich auch gegen die beiden ersten als deren Ursa- 
chen, und somit gegen den hauptsatz der ursprünglichkeit 
der endungen m, s, t mifstrauisch; ohne aber über anti 
mich überhaupt zu äufsern, zu dessen deutung ich kei- 
nen anhält sehe, und ohne über mas vas thas tam täm 
jetzt, über welche die entscheidung erst vom medium aus 
möglich ist, nehme ich vor der hand blos die ursprüng- 
lichkeit von mi, si, ti als indireet erwiesen an, ebenso von 
anti, das diesen beständig parallel läuft, gegenüber von m, 
8, t, nt, während eben diese endungen, für sich betrachtet, 
auf noch ursprünglicheres ma sa ta nta hinweisen. Von 
dieser materiellen grnndlage aus will ich eine erklärung 
der medialendungen versuchen, die wegen ihres gröfseren 
umfangs auch gröfseren Veränderungen unterlagen und so- 
mit die verschiedensten deutuugen veranlarsten. Darüber 
aber sind alle einig, dafs sie den activen endungen ihren 
Ursprung verdanken ; nicht so, ob man sie aus diesen auch 
nach einheitlichem princip, für mich die formelle grund- 
lage, ableiten soll. 

Nach der mannigfaltigkeit von verfahrungsweisen, die 
z. b. Benfey „kürzere sanskr.-gramm.^ §. 150 bem. p. 69 
dem ersten sprachzustande zuschreibt, würde es gar nicht 
befremden, auf mehrere methoden der medialbildung zu 
stof'sen; Benfey selbst nimmt deren nicht weniger als vier 
an. Nun kann man diese vielfachheit der bildung für lo- 
gisch-grammatische kategorieen, wie sing., plur. , activ, 
passiv u. s. w., zugeben, die „nicht dem menschengeist ein- 
geboren, sondern erst im verlauf der sprachentwickelung 
aus speciellen, dem bestimmten, einzeln hervortretenden 
bedürfnifs angemessenen, ausdnicksweisen , vermittelst des 



288 Miflteli 

generalisationsvermögens, nach und nach zum bewuKstsem 
erwachsen sind^. Der plural könnte nicht blofs durch 
pronominalzusammensetzung, wenn man mas thas so ver- 
steht, sondern auch durch anfögung von as oder am, wie 
eben Müller annahm, gleichzeitig bei verschiedenen per- 
sonen, oder bei derselben person in verschiedenem genus 
und numerus gebildet werden. Das medium ist eine gram- 
matische kategorie, nur nicht eine logisch-allgemeine, son- 
dern in seinem Ursprung und seiner anwendung ebenfalls 
„dem bestimmten, einzeln hervortretenden bedürfnifs^ an- 
gepafst, und deshalb auch nur in denjenigen gliedern des 
indogermanischen Sprachstammes erhalten, die überhaupt 
diese feineren, unlogischen oder mindestens flberflQssi- 
gen bildungen bewahrten, währenddem jene nothwendigen 
denkformen des menschlichen geistes stets in der spräche, 
sei es durch flexion oder Umschreibung, ihren ansdruck 
finden. So läfst sich denn mit fug erwarten, dafs die 
spräche ftkr den individuellen ausdruck des mediums, der 
in allen personen und modi und zeiten derselbe bleibt, 
auch ein individuelles und einziges mittel anwende, an- 
sonst man auf die erklärung verzichten müiste. Denn wel- 
cher andere halt bleibt übrig, um die verschiedenartigen 
^Systeme und spuren von Systemen^ zu errathen? Aner- 
kanntermafsen sind auch die lautgesetze weniger be» 
stimmt in dieser frühen periode und jede lautumwandelung 
anzunehmen scheint gestattet, die in irgend welchen der 
abgesonderten sprachen — natürlich nicht blos einer, da 
nur das vorkommen in verschiedenen zweigen für indoger- 
manisches alter zeugnils ablegt — nachgewiesen werden 
kann, oder, wenn das nicht, am ende nur natürlich und 
physiologisch möglich ist. Dabei fallt eine andere mög- 
liche annähme, dafs sich in derselben form zwei bildungs- 
weisen vermischen könnten, wie m^ es fQr 2 und 3 du. 
fast annehmen müfste, wenn man mit Benfey äthe äte = 
thate täte = thäthase tätasc betrachtet, wo Verdoppelung 
des personalausdrucks und vocalsteigerung zugleich das 
medium bezeichnen, von selbst weg. 



Über niedial-endangen. 2S9 

Welches princip soll ich denn aber anwenden ? Unter 
den von Benfey aufgestellten vier sind zwei, denen man 
kaum beistimmen kann, nach welchen sdh d. h. as + dhä 
entweder an den activen verbal stamm, wie in 2. pL, oder 
an die active verbal endung, wie in 1. du. und pl., gefügt 
werden, verbunden mit der Steigerung von scblufs-i zu e, 
und zwar deshalb nicht, weil das mediale doch nur im e 
liegt. Auch müfsten, wenn man nach dieser art dhve aus 
sdh-vasc ableiten wollte, wobei vase der gesteigerten „or- 
ganischem form der nebenform des pronomens der zweiten 
person vas^ entspricht, und mähe aus mas-sdh-mase mit 
doppelt vertretener activendung, äoncn nöthig sein, bis 
sich diese angeschwollenen formen zu den wirklichen zu- 
sammengezogen hätten, und während dessen sollten die 
übrigen einfacher gebildeten so unversehrt geblieben sein, 
wie die drei ersten sing, und die 3. plur.? Es bleibt also 
nur die wähl zwischen den beiden anderen von jenen vier, 
um die sich eigentlich der ganze streit der medialendun- 
gen dreht, dem symbolischen durch Steigerung des 
end-i des activs zu e, und dem kyriologiachen durch 
Verdoppelung der activendungeu oder durch die von Friedr. 
Müller angegebene weise. Nothweudig müssen wir die 
erklärungs-qualität und -Quantität eines jeden princips, von 
denen die letztere das verhältnifs der medialen endungea 
zu den activen, und das verhältnifs der primären und se- 
cundären endungen des mediums selbst umfafst, prüfen, 
um uns entscheiden zu können, und es wird daher eine 
nähere betrachtung der nach dieser oder jener seite hin 
aufgestellten versuche unerläfslich sein. 

Bereits Pott etym. forsch. II p. 713 (erste aufl.) stellt 
in kurzem das princip dahin fest, dafs durchgreifendes 
kennzeichen für das medium des altindischen im präsens 
das e sei, das er als Steigerung des entsprechenden activen 
i und als symbolische hezeichnung einer persona afTecta 
fafst mit hinwcis auf e als interjection des altindischen und 
griechisches ai f/u', und G. Curtius sieht in der bereits 
genannten und mehrmals noch zu nennenden schrift im 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV, 4. 19 



290 Mi8teli 

längeren e „die gröfsere Wichtigkeit des subjectes" ange- 
deutet. Was nun die art des principes betrifit, so kann 
man jedenfalls mit der anwendung desselben nicht sparsam 
genug umgehen, weil dasselbe, wenigstens auf dem jetzi- 
gen Standpunkte für den indogermanischen sprachstamm 
keiner wissenschaftlichen ausbildung fähig, nur abgerissene 
ansichten äufsern kann. Der ganze gang der Sprachver- 
gleichung hat vielmehr die sogenannte agglutinations-me- 
thode als diejenige erwiesen, welche allein eine systemati- 
sche ausbildung ermöglichte und gerade durch das mecha- 
nische zerlegen der wortformen in manchen fällen eine fast 
mathematische Sicherheit der resultate erzielt. Wo also 
nicht augenfällig symbolische darstellung vorhanden ist, 
mufs man schon von vorn herein gegen eine solche erklä- 
rungsweise vorsichtig sein. Nun scheint aber namentlich 
Curtius deutung höchst ansprechend und mit dem begriffe 
des medium vollkommen im einklange. Man machte auf- 
merksam auf das verhältnifs von (m)e uat^ se aai, te ra/, 
nte VTat gegenüber mi «/, si, ti dor. r/, nti dor. vn und 
symbolische andeutung des medialen scheint hier um so 
offener am tage zu liegen, als der mediale imperativ in 
den ersten personen, die eigentlich conjunctive sind, gleich- 
sam um das zum medium hinzutretende imperativelement 
auch durch höchste vocalsteigerung auszudrücken, ä-mah&i 
dem mähe *) gegenüberstellt, und der conjunctiv im enge- 
ren sinne säi täi (ä)ntäi bietet. Altindisch mähe, altbak- 
trisch maidhe^ läfst sich trotz des verschiedenen consonan- 
ten mit activem masi [wenn = matvi], mit hülfe der hy- 
pothese Bopps auch äthe äte = thäte täte mit einem si- 
cher zu vermuthenden activem thasi tasi [wenn = tvatvi 
tati] und dhve = ddhve = tvatve mit tha(si)5 lat. tis, 
[wenn = tvatvi] vermitteln, immer mit Steigerung des ac- 
tiven end-i zu e im medium. 

Da ich schon hier, ohne von meiner auffassung der 



*) Kilrze halber werde ich ftir dual und plural immer nur den letzte- 
ren setzen. 



Über medial -«ndtmgen. 291 

medialendungen im ganzen etwas zu anticipiren, über den 
ersten theil derselben mich äufsern kann, so bemerke ich, 
dafs mir die erklärung, die Bopp von der 2. und 3. du. 
gegeben, so evident scheint, dafs sie meiner weitem be- 
gründung nicht bedarf; also äthe äte = thäthe täte. In 
2. piur. kann man streiten, ob als grundformen ddhve oder 
sdhve anzusetzen seien. Nun weist schon die altbaktrische 
form zdüm (dum = dhvam wie tum = tvam) auf sdhve; 
im altindischen selbst der umstand, dafs in d^n zusam- 
mengesetzten aoristbildungen und im perfect die 2. plur. 
nach vocalen, die ein s in sh umwandeln würden, in 
dhvam übergehen kann oder mufs. In den bezeichneten 
aoristen sollte die endung in dieser person s-dhvam und 
is-dhvam lauten (4te und ote bildung bei Benfey, Ite und 
3te bei Bopp), unter der angegebenen bedingung shdhvam 
und ishdhvam = ddhvam und iddhvam =s dhvam und 
idhvam. Diese erscheinung im aorist kann noch keinen 
beweis von sdhv als anlaut der 2. plur. abgeben (denn wäre 
ihr anlaut nur dhv, so änderte das im aorist nichts), wohl 
aber einen fingerzeig, dafs auch im perfect, das ohne Zu- 
sammensetzung mit as doch derselben eigenthümlichkeit 
unterworfen ist, ebenfalls ein sdhve vorausgesetzt werden 
mufs, wo nunmehr s der endung angehört. Wegen ddhvam 
aber, das Bopp „krit. gr. d. sanskritaspr.^ §. 356 zuläfst, 
kann man nicht versucht werden, ddhvam oder dhve als 
ursprünglich anzunehmen^ da im aorist auch dies aus 
sdhvam entsprungen sein mufs, wohl aber deshalb, weil 
schon im indogermanischen dental vor dental in s könnte 
übergegangen sein, da sich dies lautgesetz in zu vielen 
sprachen geltend macht (lat., griech., goth., altslav.); da 
dies bereits der vermuthung anheimfällt, sdhve sdhvam 
aber sicher erschlossen werden kann, so werde ich nur 
letzteres als nächste erreichbare indogermanische form 
ansetzen, mag es nun aus tvatve tvatvam*) durch s(a)dbve 



* ) d. h. den flir du. und plur. gemeinschaftlichen grandformen, die bei 
der anerkannton identität beider numeri und der gftnzlichen amrahrscbein- 

19' 



292 Misteli 

s(a)dhvam, oder durch dhvadhve dhvadhvam, ddhve ddhvain 
entstanden sein. 

Kann nun auch die symbolische ansieht sämmtliche 
primäre endungen durch Steigerung von i zu e aus den 
activen ableiten, so bleibt noch die frage wegen des Ver- 
hältnisses der primären und secundären endungen selbst 
übrig. Natürlich bietet sich für mahi die erklärung durch 
Senkung von e in mähe zu i dar; für (m)i des imperf. 
kann man dies weniger behaupten, da es auch ein (m)a 
des potentialis gibt. Aber schon bei den endungen auf a, 
wie (m)a, sva, (To, ta ro, nta vto^ (sd^e = dhva, welches 
letztere in den veden f&r sich vorkommt und aus dem ve- 
dischen imperativ auf dhvät zu erschliefsen ist, und (Ah&a^ 
wenn wir es hieher und nicht vielmehr mit fit&ov (vergL 
accus, auf ov und a(^), aorist 1 «(.«), aber imperf. und 
aorist 2 ov) zu den bildungen auf am ziehen, mufs man 
sich zu einer befremdlichen annähme flüchten, dafs das c 
der starken formen sein letztes dement verliere, wofikr sich 
etwa §. 38 in Bopp's skr. gramm. anfahren liefse, wiewohl 
hier eine solche Verstümmelung nur gelegentlich bei eupho- 
nischen anlassen, und auch so vor a nicht, stattfindet; 
überdies verrathen diese wohllautsregeln ein zu junges ge- 
präge, als dafs sie in diesem falle viel beweisen könnten. 
Auch goth. za da nda, angeblich = se te nde, reicht 
nicht aus, weil diese formen eben selber in frage stehen 
und einer andern erklärung fähig sind. Wenn aber von 
äi der letzte vocal wegfällt, so ist das sehr begreiflich 
und wird durch goth. thamma hvamma u. s. w. =b tasmäi, 
kasmäi, wulfa = *varkäi (wie von sma smäi), lateinisch 
dat. sg. ö = öi, griech. a> bestätigt; überall ist hier a+e 
zu äi oder seinen Vertretern verschmolzen und das leichte 
i schwand neben dem gewichtigen ä; aber für äi kann 
das doch nichts beweisen. Im gegentheil spricht der nom. 
plur. m. der goth. pronomina gegen eine solche deutung 



lichkeit von Zusammensetzung mit as im altind. perfect, so daf» etwa s von 
pdhvS sdhvam ursprünglich wftre, schon jetzt feststehen. 



über medial -endungen. 293 

(thai hvai = te ke). — lu der erklftruDg einer 3teQ klasse 
von secundären formen, derer auf am, am, half man Xch 
mit der annähme eines an die a- formen angeh&ngten m 
und theilweiser Verlängerung des vokale^ davor. Da ich 
oben mi si ti nti = ma sa ta nta als ursprünglich aufge- 
stellt habe und somit dem priucip der abschwächung hul- 
dige, mufs ich bei den in rede ßtehenden formen, die aus- 
schliefslich den secundären beigesellt werden, den nach- 
weis verlangen, woraus sie denn abgeschwächt sind, 
was noch von niemand gezeigt worden. So wende ich 
auch hier ein: Wenn man die endungen auf e auf a re- 
ducirte, um sie zu erleichtern, wamm machte man sie 
denn wieder durch anfügen von m und dehnung des vor- 
hergehenden vokals schwer, oft schwerer als ihre primär- 
formen? Da hätte man besser gethan, gar nichts zu än- 
dern. Denn offenbar hat äthäm ätäm mehr gewicht als 
äthe äte, sowohl wegen des m, als weil ä schwerer ist 
als e. Dieses paradoxen mui's aufgelöst werden, zu wel- 
chem zwecke ich später diese hypothese nicht vollständig 
verwerfe, aber anders umbilde. Ferner ist zu wünschen, 
es hätten auch die gleich auslautenden formen des activ: 
tam täm mit denen des mediums ihre erledigung gefun- 
den. Wiewohl Benfey dieser forderung dadurch genügte, 
dafs er für 2. und 3. du. ebenso gut als in 2. pl. (tha as 
thasi, lat. tis) abgestumpfte formen*) ta ta angenommen 
hatte, an die m getreten wäre, so mufs natürlich diese 
annähme, wie im medium, so auch im activ verworfen 
werden. 

Wenn ich dieser ableitung der secundären endungen 
nicht die mehrheit der hypothesen: Schwächung von e zu 
i, Schwächung desselben zu a, ansatz des m, sondern blos 
die unWahrscheinlichkeit der beiden letzten zum Vorwurf 
mache, so ist hier nicht die rede von mehrheit der prin- 
cipien, sondern von mehrheit der abschwächung nach dem- 

*) In dual 2. stehen immer organiscli vollere formen neben den 
abgekürzten von 2.plur. ; so thas und tha; (t)äthS und dhve; äthäm und 
dhvam; athus und a-, worüber unten. 



294 Misteli 

selben princip erklärter primärformen, und wer wollte laug- 
ne#, daüs die abschwächung nicht in verschiedener weise 
vor sich gehen könne? Aber auch alles zugestanden, bleibt 
immer noch eine form übrig, die, obwohl speciell sans- 
kritisch, nicht einmal „von dem sonst treuen gefährten des 
Sanskrit, dem zend, getheilt^, unzweifelhaft höchst ursprOng- 
lieh ist und unsere höchste beachtung verdient, die 2. sg. 
der secundärformcn thäs. Freilich kann man sie vom sym- 
bolischen Standpunkte aus nicht erklären. Benfey, dem die 
citirten worte angehören, setzt mit abfall von e, was ganz 
abnorm ist, eine vollere form thäse voraus, die durch Ver- 
doppelung des personalzeichens (tba + sa) und dehnung 
entstanden sei. Aber thäse hätte sich eher in the zusam- 
mengezogen^ wie rante in re, und läfst sich thäs nicht an- 
ders als durch Verdoppelung desselben pronomens erklären, 
so bildet es immer ein unüberwindliches hindernifs fQr die 
symbolische ableitung der medialendungen. Es ist zeit^ mich 
bei der mechanischen aufTassung durch Verdoppelung der 
activen endungen umzusehen, oder bei Bopp. Denn Fn 
Müllers theorie verwickelt sich in zu viele Schwierigkeiten, 
als dafs sie sich zahlreiche anhänger verschaffen könnte. 
Ich ftkge dem oben erwähnten hier vom medium speciell 
aus noch bei, dafs nach Mullers eigenem geständnifs das 
so wesentliche a = sva in äthäm ätäm dhvam fehlt — wer 
wollte aber seinem (ä)thäma (a)täma dhvama glauben sehen« 
ken? — und die beiden ersten formen dagegen zu anfang 
ein bedeutungsloses ä zeigen, wenn man nicht annehmen 
will, dem medialen a sei ein saltus mortalis vom ende der 
form auf deren anfang geglückt und seine kühnheit durch 
Verlängerung belohnt worden; dafs dasselbe a in äthe äte, 
statt mit vorhergehendem a und nachfolgendem i zu äi, 
in e zusammengezogen worden sei (ä -|- tha-ha-hi, 
ä+ta-f-a+i); endlich dafs auch bei Müller thäs keine 
befriedigende erklärung finden kann; denn Verdoppelung 
derselben endung liegt uufser seinem System. 

Bopp stützt sich nicht blos auf thäs, sondern auch 
auf injv = *mäm, das zwar auch die annähme eines un- 



über int'dial-cnduugen. *295 

organisch angebängten r zuläfst, obwohl sich die andere 
aiiffassung wegen der schönen analogie mit thäs, die sich 
bis auf die länge des ersten vocals erstreckt, ungleich mehr 
empfiehlt. Wenn aber Bopp auch die vedischen impera- 
tive 2. und 3. sg. auf tat als ihrem Ursprung nach medial 
ansieht, wenn gleich sie Panini als Vertreter der transi- 
tiven endungen tu und hi ausgebe, so ist die ahnlichkeit 
nur äufserlich. Der sinn dieser Verdoppelung ist ein ganz 
anderer als im medium. Wahrend nämlich hier das eine 
pronomen als subject, das andere als object verstanden 
werden mufs (bharathäs „mögest du tragen dir"), so müs- 
sen dieselben pronomina beim activen imperativ im sinne 
zweier vocative genommen werden (bh4ratät == bhara- 
tvatva und bharatata = „trag du du! trag er er"), ähn- 
lich wie man dringend befiehlt: ^ bring, bursch, bursch!" 
Diese Verdoppelung hat also mit der medialen innerlich 
nichts zu schafien, so wenig als das verdoppelte pronomen 
im activen dual thas tas, wenn wir sie als tvatva tata ver- 
stehen, wo dieselben pronomina im nominativ-copulativen 
Verhältnisse stehen (bharathäs bhäratas „es trägt du (und) 
du, es trägt er (und) er"). Gleich wie dasselbe composi- 
tum im altindischen nach verschiedenen logischen bezie- 
hungen verschiedene bedeutuni^en annehmen kann, z. b. 
mahabahus, von der botonung abgesehen, entweder „grofser 
arm" oder „ grofsanniger ", so gestatten auch die zusam- 
mengesetzten pronomina mehrere, in diesem falle drei, auf- 
fassungen. Andere einwände sehe man bei G. Curtius nach. 
Nach dem princip der personen- Verdoppelung lassen sich 
die drei personen des sing, durch ausstofsung von resp. 
m s t, die 3. plur. durch ausstofsung von nt, zwischen a 
und i, den theilen von e deuten, was durch die von Leo 
Meyer vergl. gr. d. gr. und lat. I p. 281 *) beigebrachten 
beispiele von abneigung der spräche gegen unmittelbar ein- 
ander folgende gleiclie buchstaben kräftig unterstützt wird. 



*) Verges.-^on >iml: >caevola = >ca».vovold uu«l <<oii »/_('♦< (al- aualugio 
für niöivi) = noit'rtyia, bcinanic dor Art*^mis. 



296 Misteli 

Der einwurf von (Jurtius p. 31 seiner „tempora und modi^, 
dafs das s der 2. sing, kaum zu rechtfertigen sei; denn 
nur vor e, nicht vor a, sähen wir ursprüngliches tv za s 
herabsinken, ist vom griechischen Standpunkt aus gemacht 
und vvird durch sva factisch widerlegt. Der erste theil 
von madhe*) ist von selbst klar und von 2. und 3. du. 
und 2. plur. habe ich bereits gesprochen. Was aber den 
zweiten theil dieser und der ihnen entsprechenden secun« 
dären formen — mahi ausgenommen — betrifil, so kann man 
sich unmöglich damit begnOgen, dafs äthe äte neutral- 
substantivischer dual, dhve männlich pronomi- 
naler plural, äthäm ätäm ein dual wie äväm juväm, 
dhvam ein plural wie vajam jüjam sei, währenddem *ma- 
dhe weder so noch nach erster art von activem madhi ^ 
masi abgeleitet wird. Aber welche unglaubliche unregel- 
mäfsigkeit nach der consequenten erklärung der erwähnten 
formen von 1. 2. 3. sg. und 3. plur.! Auch möchte ich es 
kaum billigen, in den verbalbildungen casusendungen sra 
finden, weil uns nichts berechtigt, die flexion des Substan- 
tivs früher vollendet zu denken, als diejenige des verboms; 
vielmehr bauten sich beide aus denselben unveränderlichen 
elementen, den pronominalstämmen, auf; freilich mufs man 
sich aber nicht verhehlen, dafs in diesen endungen eine 
eigenthümliche Schwierigkeit vorlag. Die ihnen zu gründe 
liegenden activen endungen sind nämlich selbst zusammen- 
gesetzt, und es fragt sich, wie wurde da das princip der 
Verdoppelung vollzogen. Bei den andern endungen setzt 
auch Bopp abschwächungen des ursprünglichen e zu a und 
i voraus. 

In dieser gestalt befriedigt diese hypothese noch viel 
weniger als die erste. Denn was das verhältnifs zu den 
activendungen angeht, so ist das princip der verdoppelang 
nur auf die drei personen im sing, und die 3. plur. ange* 
wandt; auch die ableitung der secundärendungen wird we- 
gen der Schwächung von e zu a, die ich nicht annehmen 

*) Ich setze iiiniier dietie i'uriii tur ulüud. muhe wegen zeud. xnaidhi. 



über medial -endungeu. 297 

kann, zweifelhaft. Die übrigen bedenkeu, die Curtius an- 
führt, sind, mit ausnähme des wegen der 2. sing., ganz 
gerechtfertigt. Nur würde ich statt : „Wenn in der zwei- 
ten person pl. act. tha(s) wirklich von der Bedeutung 
du und du, eigentlich du du, zu der von ihr gelangt ist, 
so ist es kaum glaublich, dafs eben dies du du in der 
2ten sing. med. zu du dich wurde ^ lieber sagen: „dals 
eben dies du du in derselben person im medium (dhve 
= sdhve aus thathe tvatve s. oben) zu du dich wurde'^; 
denn bei dhvc ist e casusendung, also das mediale blofs 
in dem doppelten pronomen enthalten, ein übelstand, der 
allen durch casusendungen erklärten inedialsufBxen anhaf- 
tet: was im activ die Verdoppelung ausdrückte, nämlich 
den numerus, entspricht im medium der casusendung und 
die mediale Verdoppelung gilt dem medialbegriff; aber nur 
bei denselben personen, da das medium aus dem activ ent- 
sprungen sein soll, nicht bei verschiedenen, wird diese lo- 
gische umkehrung unwahrscheinlich. „Auch würde es nö- 
thig sein, das e der verschiedenen formen völlig verschie- 
den zu erklären^, schliefst derselbe Curtius. Kurz, was 
gleichmäfsige ausführung anlangt, steht diese ansieht der 
ersten weit nach. 

Consequenter setzte Schleicher im „compendium^, da 
wo sich das Bopp nicht getraute, vollständig verdoppelte 
activformen wirklich voraus, für 1. plur. madhimasi, oder 
mit rücksicht auf juea&a mit umgestellten bestandtheilen 
masidhami, für 2. pK tvasidbvasi oder dhvasidhvasi. Aber 
keine dieser Urformen läfst sich in einfacher weise zu den 
bestehenden verkürzen, und nirgends folgen zwei gleiche 
buchstabenpaare wie in mami sasi u. s. w. unmittelbar auf- 
einander, die die spräche zu vereinfachen neigung hat, so 
dafs die lautliche fülle allein als ungenügender erklärungs- 
grund übrig bleibt. Uebrigens muis bemerkt werden, dafs 
wir in Schleichers compendium seinem zwecke gemäfs 
nicht erörteruDg dieser formen hoffen durften. 

Wenn man nun die ansieht Bopps ganz verwarf, so 
scheint man mir einen fehler im schliei'seu gemacht zu ha- 



J9h Mi -teil 

ben. Statt zu sa<^en; „<Iie ausfOhrung dieser ansieht be- 
hagt mir nicht", sagte man: „die ansieht selbst behagt 
mir nicht **. Die fehler der ausföhriing trug man anf das 
princip über. Wie aber, wenn diese auffassung sich doch 
consequent und befriedigend ausführen liefse, namentlich 
mit berflcksichtigung obiger rügen? Von einer ansieht, die 
auf factischem beweise, hierorts der endung thäs, ruht, 
sollte man gegenüber einer auch noch so glOcklich durch- 
geführten hypothese nicht zurückkommen, bevor man 
das äufserste versucht. Ein solcher versuch will auch das 
folgende sein ; denn kaum wage ich zu hoffen, dafs es mir 
gelingen wird, diese so verwickelte frage zu lösen im sinne 
des Schöpfers der heutigen Sprachwissenschaft. 

Man sollte sich fast wundern, dafs Bopp nicht durch- 
gohends das schlufs-e in derselben weise erklärte, wie in 
1 . 2. 3. sg. und 3. pl., dafs er nicht auch in (th)äthc (t)äte 
ma(d)he (s)dhvc zwischen a und i von e den ausfall eines 
consonanten und zwar des unmittelbar vorhergehenden an- 
nahm, also nicht formen ansetzte wie thäthati tätati ma- 
dhadhi sdhvadhvi; denn so hat der ausfall eines der bei- 
den gleichen demente nicht die geringste Schwierigkeit. 
N(»hmen wir einmal diese formen au, so fragt sich: Wie 
ist denn hier das medium ausgedrückt? und ich meine: 
durch Wiederholung der activen form wie bei den ersten, 
nur iiii'ht der ganzen, sondern dos letzten theiles dersel- 
ben; denn dhadhi der 1. du. plur. stützt sich auf si von 
va-si ma-si; dhvadhvi der 2. plur. ebenfalls auf vorauszu- 
setzendes si von tha-si, was schon wegen lat. tis und der 
analogie mit masi noth wendig anzunehmen ist; thathi und 
tati von 2. und o. du. auf dasselbe si von thasi tasi = 
thas tas. Sobald man einmal des principes sich klar be- 
wufst war, wodurch mau den medialbegriff ausdrücken 
wollte, war es gar nicht mehr nothwendig, es durchweg 
pedantisch durchzuführen, zumal da durch Verdoppelung 
der vollen activendung die form zu schwerfällig geworden 
wäre. Man behalf sich also andeutungsweise und wieder- 
holte im sinne der vollständigen Wiederholung blofs 



über medial- endungen. 29^ 

den letzteu theil schon zusammengesetzter endungen, so 
dafs allerdings auch so im e der starken formen — noch 
genauer blofs im i davon — der medialausdruck verborgen 
liegt. Was hier am ende des Vorortes geschah, fand ebenso 
im aufang statt bei der reduplication , die wohl kaum an- 
ders denn als ersatz der vollständigen Wiederholung der 
Wurzel gefafst werden kann. Auch zeigt das intensiv wirk- 
lich, wie es Benfey kurze sanskr. gramm. §. 90 p. 41 aus- 
drückt, „alle phasen der reduplication von der vollständi- 
gen Verdoppelung mit einem gedehnten zwischenvokal bis 
zur stärksten Schwächung der reduplicationssilbe", und für 
das griechische und lateinische weist denselben stufenryang 
bei Substantiven und verben Leo Meyer in seiner vergl. 
gramm. des griech. und lat. I, 417 sqq. in lichtvoller Ord- 
nung nach. Nur beruhen die medialendungen 1) nicht auf 
den jetzigen verstümmelten activformen, sondern wie (m)c 
se tc nte nur gebildet werden konnten von im gebrauch 
bestehenden ma sa ta nta, so entsprangen die eben ähn- 
lich gedeuteten anderen aus niadha für 1. pl., thatha tata 
für 2. und 3. du. und tvatva fOr 2. plur.; denn ein genauer 
entsprechendes sadhva oder dhvadhva hat es nicht gege- 
ben. Ebenso mufs ich aber auch in 2. du., da th wie jede 
harte aspirata dem altindischen speciell eigenthümlich ist, 
tv ansetzen, weil th nur in 2ten personen sich findet; also 
indogermanische grundformen von 2. dual im activ: tvatva, 
im medium tvatvatvi. Will man noch weiter aufsteigen, 
so genügt auch dhv nicht und mufs durch tv ersetzt wer- 
den, so dafs man für 1. und 2. plur. matvatvi tvatvatvi 
als älteste erreichbare formen erhält, von denen die für 
2. plur. mit 2. du. zusammenfällt; 3. du. bleibt natürlich 
tatati. Hiebei nehme ich deshalb tv oder dhv in alle 
silben auf und setze nicht blofs z. b. tatvatvi, weil auch 
alünd. äthe, als von thas(i) ausgegangen, zunächst zu thä- 
the ergänzt werden mufs und somit th = tv in beiden 
silben zeigt; so nird auch in e tv, nicht t, ausgefallen 
sein. — 

2) Wiewohl die activeuduugen die grundlagc der me- 



300 Misteli 

diuleii sind, so können die Urformen der ersteren doch nur 
vom medium aus strict erwiesen werden, das sie in fast 
unversehrter gestalt noch in sich schliefst. Es wird vor- 
erst als der ursprüngliche endvocal derselben durchweg 
a *) erwiesen, wodurch noch besser als aus mi si ti u. s.w. 
ihre identität mit den pronominalstämmen erhellt: es wird 
dies auch für die Chronologie des mediums interessant, da 
ein niadhadhi = ma(d)he nur aus madha = masi, also in 
einer an den anfang der flezion hinanreichenden zeit ent- 
standen ist, was mit dem, was ich von der eigenthQmlich- 
keit der ersten sprachbildner bemerkte, nicht genug worte 
und formen fQr die masse der eindrücke schaffen zu kön- 
nen, sehr gut stimmt; nach der symbolischen erklärung 
von e aus i würde der Ursprung des mediums viel weiter 
hinabgerückt. Dann klärt nur das medium die wahre Zu- 
sammensetzung der activen dual- und pluralendungen auf: 
masi kann nur matva, thas(i) (du. pl. 2) nur tvatva, tas 
nur tata sein. Es ist beim si des activs weder an sma 
noch an sa zu denken, weil keines in einfacher weise mit 
dem entsprechenden dhe the dhve des mediums vermittelt 
werden kann. 

3) Die unursprünglichkeit von ä liegt klar vor äugen 
in äthe äte = tvätvatvi tätati, die dasselbe dem ä von 
thas tas = tvatvi tati gegenüberstellen, und der grund 
von ä möchte bei beiden formen nicht so fast ein ersats 
des weggefallenen anfangs th, tv sein, wozu die spräche, 
besonders der veden, ohnehin neigung zeigt, als die drei- 
malige Wiederholung derselben silbe, wobei dann das ab- 
steigende gewicht der vokale zu beachten: a-a-i. Als ein 
beweis möchte das gelten, dafs in l.pl., deren erste silbe 
ein unterschie^dener pronominalstamm ist, auch keine Ver- 
längerung gefunden wird: mätvatvi. Der 2ten plur. aber 
kann dies nie widerfahren sein; wie wäre eine lange erste 
silbe eingebüfst worden? Ich bin demnach geneigt, als der 
2. du. und plur. gemeinsame grundform tvätvatvi, als 

*) Dasselbe geht aus dem ehrvrttrdigen tha des perfecta hervor. 



über medial -«odongen. 901 

gruDdform des duals tvätvatvi , als grundforin der 2. plan 
mit begiDD der schwfichung satvatvi oder sadhvadhvi 
oder dhvadhvadhi (ddhvadhvi) (s. oben) gelten zu lassen. 
Das stimmt auch zum Charakter des duals, der, doch wohl 
seines seltneren gebrauches wegen, ursprünglichere formen 
als der sich abnützende plural aufweist, und gerade im 
medium in der 2ten person die erste silbe sich so erhält, 
wie im activ die zweite; denn (th)äthe : dhve = thas(i) : 
tha, und zum Charakter der 2ten person, die im sing, und 
plur., activ und medium, einen unverkennbaren hang zur 
schwächnng zeigt, dem nur der dual aus obigem gründe 
eine schranke setzt; auch dies mufs dem relativ häufige- 
ren gebrauche der 2ten gegenüber der Iten und 3ten bei- 
gemessen werden. Höchst lehrreich sind in dieser bezie- 
hung die endungen des imperativs dhi und sva. Wie näm- 
lich aus den 3ten personen tu ntu, täm ntäm, verglichen 
mit den entsprechenden gewöhnlichen ti nti, ta nta her- 
vorgeht, liebte dieser modus stärkere endungen der natur 
seiner bestimmung gemäfs. Diesem gesetz scheint dhi und 
sva zu widersprechen, ersteres nicht sowohl im vergleich 
mit si als mit tha des pcrfects, es wäre ja tu der 3ten 
analog ein dhu möglich gewesen, letzteres mit thäs zusam- 
mengehalten, weil es ganz falsch wäre, sva unmittelbar 
als tva aufzufassen. Aber es hielten sich in diesen formen 
zwei entgegengesetzte kräfte das gleichgewicht: einerseits 
vermochte der viel häufigere gebrauch der 2ten person als 
der 3ten den vocal von dhi zu schwächen, und dem sva, 
wie ich weiterhin wahrscheinlich machen werde, eine ganze 
silbe zu entreifsen; andererseits erhielt die neigung des 
imperativs für starke endungen den anfangsconsonanten 
merkwürdig ursprünglich in zwei verschiedenen richtun- 
gen; denn dh und sv entsprangen aus tv. — Etwas ganz 
ähnliches gewahren wir im perfect, dessen endungen, na- 
mentlich die medialen, den vollen charakter der hauptzei- 
ten an sich tragen, wie (m)e se, mähe dhve, äthe äte, 
theils wegen des gewichts der reduplicationssilbe eine ge- 
ringe Schwächung erlitten, wie thus tus, (t)e re = rante, 



:;()2 Kulm 

thoils letzterem eiuflusse ganz unterlagen, wie ina, U8, end- 
lich gar nichts übrig lielsen, wie a in 1. und 3.8g., 2. pl. ; 
aber mitten unter diesen trümmern ragt unerschüttert, äl- 
ter als alJo übrigen, das tha der 2. sing. 
Solothurn, april 18()5. 

Franz Misteli, stud. phil. 

(Fortsetzung folgt.) 



Cumpendiiuii der vergleichendeu grammatik der indogermanischen spra- 
chen, von August Schleicher. II. Weimar 1862. 8. 8.285—764- 
Auch unter dem titel: 

Kurzer abrifs einer fornienlehre der indogermanischen Ursprache , des alt- 
indischen (sanskrit), alteranischen (altbaktrischen), altgriechischen, alt- 
italischen (lateinischen, umbrischen, oskischen), altkcltischen (altiri- 
schen), altslawischen (altbulgarischen), litauif^chen und altdeutschen 
(gotischen), von August Schleicher. 

Eine reihe von äufserlichen gründen hat uns bisher verhin- 
dert don zweiten theil von Schleichers compendiain, welcher die 
formenlohre enthält, zu besprechen, indefs dürfen wir uns doch 
dieser pflicht nicht länger entziehen und vor allen aeagnifs ab- 
legen von der Sicherheit und bestimmtheit, welche unsre Wissen- 
schaft auch durch diesen theil von S.'s arbeit erlangt hat. In- 
dem wir an dem von uns über den ersten theil (d. zeitschr. bd. 
XI, 300 — 317) ausgesprochenen allgemeinen urtheil festhalten, 
wiederholen wir was wir am schlufs unserer damaligen anzeige 
aussprachen, dafs wir es uns hier wesentlich angelegen sein las- 
sen wollen, unsere abweichenden ansichten zu entwickeln, wäh- 
rend die Zustimmung sich in allen übrigen punkten mehr oder 
minder von selbst versteht. 

Der zweite theil behandelt die morphologie und zwar 
A. wurzeln und stamme, B. worte, von denen A. nfichst der 
wurxel- und Stammbildung im allgemeinen 1) die bildung abge- 
leiteter Verbalstämme, 2) die ans verbum sich zunächst anschlie- 
fsenden nominalstämme (participieu und infinitive) und verwan- 
tes, 3) bildung des comparativs and des Superlativs, 4) das Zahl- 
wort behandelt, während B. die Wortbildung 1) der nomina (de- 



anzeigen. 303 

clinatioD ), 2) der verba (conjugation) enthält. Wir gehen so- 
gleich zur betrachtung des einzehien über. 

§. 201) s. 297 stimmen wir Schleicher bei über die Schwie- 
rigkeit der erklärung der skr. causalstammc auf paya — ; der ver- 
such, dieselben durch Zusammensetzung mit einer wurzel pa = 
ap zu erklären, mindert dieselben indessen, wie uns scheint, 
nicht. Sollen skr. ap-as, lat. op-us, griech. no-itco miteinander 
vermittelt werden, dann mufste Tzoiita erstens den anlaut verlo- 
ren haben, was sich zugeben liefse, dann aber soll es doch wohl 
denominativ sein, also mufste ihm apasyami (ved. geschäftig 
sein) zu gründe liegen*); woher kommt dann das £, das auf 
ein apasyayami zurückweisen würde? 

§. 200 8. 304 machen wir besonders auf die hier für das 
gotische aufgestellte mischung von stamm- und abgeleiteten ver- 
ben, welche §. 2ü3 s. 606 näher erläutert wird, aufmerksam. 

§. 211 s. 307 über jueOvo) hat S. später (§. 293 s. 589) eine 
andere auffassung aufgestellt. 

§.211 s. 307. Der ausdruck „von solchen fällen [nämlich 
stamm fknid; subst. iXTiig^ verb. fXni^m] nam die häufige endung 
f^flo, -a^o) ihren ausgang, die sich dann als selbständige endung 
weiter erstreckte^, ist etwas zu weit umfassend, da diese verba 
nicht blos auf dentalstämme, sondern auch auf vokalstämme zu- 
rückführen, mithin ^ auch aas y erwachsen ist. Vergl. Curtius 
grundz. II, 198. 

§. 218 s. 327. TioOei-vOi; wird auf stamm Tzo&ee (TTO&eo)) zu- 
rückgeführt; da abiT TzoOeaofiai, inoOeaa, inoOia&riv neben den 
regelmäfsigen formen stehen, so ist ableitung von no&eg^ wie 
oQEivog von OQtg (oQog) walirscheinlicher. Beiläufig sei bemerkt, 
dafs, wenn Curtius ( erläuterungen s. 113) fragt: „und welcher 
consonant liefse sich wohl für die stamme wie Avo), nvifa oder 
gar für noOtm und novt(a erweisen", no&eivog neben oQSivog 
hom. no&eaaij no&eauv neben reXtaai, rektaaai und jiksocaf 
nebst tikog st ibU^ doch unzweifelhaft ö als solchen ergeben. 
Die Stämme auf -o und -£^* liegen ja oft genug auch sonst ne- 
ben einander, z. b. in iH^og und roij^o^; stehen nodo- und no&t^' 
neben einander, warum sträubt man sich ein deutlich hervortre- 
tendes Tzo&eg anzusetzen. 

§. 219 s. 330. Neben dem hilfsvokal i vor dem suff. man 

*) So fafst es Aufrocht lljjval. p. 271**). 



304 Kuhn 

tritt vedisch auch i auf in ha vi man, bhariman a. 8. w.; cf. 
Henfey vollst, skr. gramm. §. 416 s. 167. 

Ib. 8. 331. Die suffixc (aIPj fiTvo sind wohl gleiche bildan- 
gen wie lat. -monia, -monio, goth. -manja, beide aus -man+ja: 
i entstand durch j wie in iglvvg = saranjüs. 

Ib. ib. germen wird auf wz. ger urspr. ghar (virescere) 
zurückgeführt; doch tritt diese (wenigstens 2 ghar leuchten, 
brennen im pet. wb.) sonst im lateinischen in der form for-, 
fer- auf. Soll dagegen, wie wahrscheinlich, wz. ghar = har 
in skr. har-i u. s. w. sein, so tritt diese im lateinischen in hel-os 
(hol US, olus), helvus, helvola ebenfalls in anderer gestalt 
auf (vergl. Curtius grundz. I*, 184 n. 197); freilich ist lit. zel- 
men (germen s. 332) sehr verlockend, aber grade, dafs es 1, 
wie die lateinischen worter in der wnrzel zeigt, scheint doch 
mehr für eine gleichstellung mit diesen als mit germen zu 
sprechen. Ich ziehe vor ger-men auf wz. gen, gigno, wie 
Carmen auf wz. can, cano zurückzuführen; vgl. die über die 
ableitung von Carmen (von 9a ns) zeitschr. XI, 316 beige- 
brachten bedenken. 

§. 220 s. 335. Die infinitivendung -fJiBvaif -fisp wird als lo- 
cativ sg. fem. gefafst; den lauten nach liefse sich auch an den 
dativ denken, was mit den häufigen dativformen des infinitivs in 
harmönie stfinde. Doch steht auch der locativ mehrfach in in- 
finitivischem gebrauch, vgl. Bopp vergl. gramm. §. 850. Bei den 
infinitiven auf -(Tai läfst Schleicher selber die wähl zwischen 
dativ oder locativ (s. 360), w&hrend er die auf -e, &], se, she 
allein dem dativ zuweist (s. 356 f.). Ob übrigens fievai von einem 
femininstamme oder von einem masc. oder neutr. komme, ist 
noch fraglich; der seit dem erscheinen dieses theils des compen- 
dii von Benfej nachgewiesene dativ vidmäne zu wissen (orient 
und occident II, 97, vergl. I, 606) zo dem sieb auch der instr. 
vidroÄn& Rv. 1,110. 6 mit wissen, Weisheit (auch im comp, 
vidmanapas weisen werkes, beiw. der Marots and der Ribhas 
Rv. I, 31. 1 und 111. 1) findet, verbanden mit dem altbaktrischen 
9taomainS (Benfey or. und occ. II, 132) weisen entschieden 
auf ein neutrum. Das griech. ai scheint sowohl Vertreter von 
skr. e als äi (-se, -te, -ff«*, -t«*, -dhjai, -if&ai) and gibt 
daher keinen aasschlag. 

§. 222 8. 341. Ueber den Ursprung des d im fem. suff. -tgid 
stimme ich abweichend von der hier gegebenen ansieht mit Cor- 



anxeigeq. 305 

tiQS grundz. IP, 207 uberein. Darin dagegen, dafs in vi et rix 
ein neues gutturales suffix eingetreten sei, stimmen Curtius aud 
Schleicher (ib. ib.) mit recht zusammen; su dem von Curtius 
beigebrachten analogon aus dem griechischen, stellt S. noch die 
aus dem irischen (s. 342), z. b. ca-thrac (oppidum), na-tbrac 
(natrix), vgl. dazu s. 428. 

§. 223 s. 349. Von dem nomina actionis bildenden snff. -tu, 
wird mit Steigerung von tu zu tav, die endung -tavya abge- 
leitet und als schw&chung derselben die endungen -tvya, -tja, 
-tva erklärt. S. selbst erkl&rt aber die nichtSteigerung des wur- 
zelvokals vor -tvya, -tya für auffallend. Als sicher ist daher 
diese auffassung noch nicht anzusehen, wenn sie auch sehr an- 
nehmbar erscheint. Ein hauptbedenkeu liegt auch darin, dafs 
S. die gerundia auf -tya, die er als verkürzte instrumentale zu 
fem. -stammen auf -ti fafst, von dem part. necess. auf -tya 
trennt (§.226 s. 362 ff.). 

§. 226 s. 365. Zu den beispielen für das lat. saf&x -ti sind 
noch, wegen der vollen erhaltong des t und i pesti-s und 
vesti-s zu stellen. 

§. 226 s. 367. Bei der bilduug sekundärer abstracta auf -ti 
im altbulgarischen und litauischen wie s. b. altb. belo-s^i von 
belu, belo u. s. w. wird das s als ein Vorschlag (nach lautlehre 
§. 182. 7. 6. 192. 2) gefafst, ebenso §. 227 s. 369 beim altbulg. 
suff. -ni, und §.226 s. 368 beim goth. sufliix -ti nach n wie 
z. b. in ansti, wz. an. Da es nun schwer hält zu glauben, 
dafs die genannten sprachen bei ihnen sonst ganz geläufigen 
lautverbind ungen einen solchen parasitischen laut hätten eintre- 
ten lassen, der sich nur, wie es am ehesten wenigstens im alt- 
bulgarischen den anschein hat, ans der analogie anderer fälle, 
wo er aus der Verwandlung anderer laute vor t entstanden ist, 
erklären liefse, so mochte ich eine andere erklärung vorziehen. 
Wir finden nämlich auch im älteren sanskrit zuweilen ein s vor 
ti in dem suffix sti, asti, welches Weber ind. stad. II, 41 f. 
besprochen bat und unzweifelhaft richtig als ableitung von 
as fafst, wie es namentlich deutlich als solche in dem häu- 
figen vedischen svasti auftritt. Damit gebildet erscheinen 
abbish^i, parish^i, prashti, nishii, gabhasti, ^rävasti, 
agasti, kshipasti, pnlasti, palasti. Diesem suffix wurde 
demnach die ursprüngliche bedeutung „sein% also z. b. svasti 
Wohlsein, zukommen und sie pafst in der that für solche fälle 
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV. 4. 20 



306 Kuhn 

wie altb. belosti (albor), litnek^st^ (vaoitas) trefflich. Der 
eintritt von -sni für -ni findet sich auch im litauischen, dort 
aber finden sich auch neben -na, -na noch -sna, -sna, denen 
sich die indischen -sna, -sna zur seite stellen, anch hier mit 
alterthumlicheren formen auf -asno, ishnu daneben. Bei den 
altbulgarischen neutris auf -stvo (§.228 s. 373) wie mnozistvo 
(mnltitado) von mnogu (mal tos) möchte ein gleicher Vorgang 
anzonehmen sein, indem asta, astva zn gmnde zo legen w&re; 
bei dem einzeln stehenden goth. vanrstv n. w&re sogar vor dem 
Suffix, nach der gebräachlichen ableitnng von vaurkjan, der aus- 
lautende wurzelconsonant h eher als das s gewichen, so dafe 
auch hier an einen einschob zu denken kaum möglich schiene; 
Bopp freilich hat eine andere ableitong aufgestellt (vgl. gramm. 
IIP, 227 §. 832). Diese aofEassung, dafs den altbolg. büdangen 
auf -stvo solche auf astva zn gründe zu legen w&ren, findet 
auch in einer vermuthung Schleichers selber noch eine stutze; 
er erklärt n&mlich die got bildnngen auf -nassn als ans nastu 
entstanden; diese kommen hanptsfichlich nur von verbalstfimmen 
auf -n-6n vor, in denen das n nicht dem nominalsuffix gehört, 
welches also assu ist, wie es ja auch in dem allein stehenden 
ufarassu (uberflufs) von ufar (über) noch erscheint. Ist die assi- 
milation aus s mit einem t-laut erst auf gotischer stufe einge- 
treten, so ist als vorhergehende stufe des sufOxes as|>u anzu- 
setzen. Doch kann das 8 auch das ursprüngliche t geschfitzt 
haben und wSre also auch astu als grundform wohl denkbar. 
Die bedeutung ist auch hier wie bei asti die des „seins^, wie 
sich durch das bei Hesjchius aufbewahrte icrvg aufs klarste er* 
gibt; da findet sich nämlich anedtvg* anoxci^Cig (vergl. auch 
(brsaroi' dnodtifAia Suid.). Danach ist denn auch offenbar das 
a in OQXfictvg als rest des ursprünglichen Suffixes zu erklären, 
während das auftreten desselben in anderen Wörtern andere 
gründe hat, wie unter den bei Leo Meyer vgl« gramm. U, 379 
aufgeführten bildungen mit diesem suffix fip^atVf dxoptictVj 
doQiajv^ tawGtv u. a. theils auf dental-, theils auf sigmatische 
Stämme zurückzufuhren sind. Vielleicht sind noch n^ncMOCio- 
atvSf jfiltodTvV und /AVQiotrtvg mit suff. atv gebildet, wenn sie 
nicht ihr a der analogie von ixatoatvgf TrerrtjxocTvg verdanken, 
die aus iHato{v}T, ti8ifttjHo{p)r entsprungen sind. 

Nach diesem nach weis ursprünglicher Suffixe sti, stn er- 
ledigt sich dann wohl auch der zweifei, den Schleicher §. 231 



anseigen. 307 

9.382 anBspricht, iDdem er von der eodong -dhyi^i sprechend 
sagt: ^Diesem -dhy&i scheint das griech« -<r^ai za entspre- 
chen, doch ist nicht klar, oh hier das s vorgeschlagen oder im 
arischen verloren ist; das j ist wie h&afig geschwunden^. Bei 
der bekannten i^pirirenden kraft des s konnte sich n&mlich aus 
asti f. im sanskrit leicht asthi entwickeln, welches im dativ 
als infinitivsuffix verwandt asthy&i daraus 'asdhy&i and 
^adhydi ergab; zar dativbildang auf -tyäi vergleiche man die 
analogie der altbulgarischen and litaaischen infinitive bei Schlei- 
cher §. 226 s. 366. 367. 

§. 229 8. 375 ff. werden die lateinischen infinitivendungen im 
ganzen in anschlufs an L. Lange's abhandlang über die bildang 
des lateinischen infinitivos praesentis passivi erklärt, obwohl da- 
bei noch manche Schwierigkeiten aas dem wege za räumen blei- 
ben, die S. übrigens nicht entgehen, weshalb er am Schlüsse 
(s. 378) sagt, dafs er keine bessere erklärang dieser schwierigen 
formen kenne. 

§. 230 s. 380. Die erklärang von qtaQUP aas g)€^«m, qnQBPt^ 
<peQ99W ist nar möglich, wenn diese lettte hypothetische form 
den accent schon ursprünglich auf der ersten hatte, dem stehen 
aber die sämmtlichen Infinitive auf -sVai mit dem accent auf der 
silbe vor der endang entgegen. — ^tipai und dovvcu können 
wohl aas &eifou und öobvcu entstanden sein, nicht aber ctijvcu 
aas arasfoUf das hätte atäPM werden müssen. 

Ib. §. 381. Ueber die bildang des gotischen infinitivs sagt 
S., dafs er casuseodung sammt stammaoslaat verloren habe; das 
ist möglich, aber aus dem vorliegenden zustande der sprachfor- 
men nicht zu beweisen; nach diesem kann bairan doch nar aof 
bairana oder bairani zurückgehen« 

§. 232 s. 385 f. Der nachweis des comparativsuffixes yans 
im idtbulgarischen ist trefflich and verdient als muster derar- 
tiger forschung ganz besonders hervorgehoben za werden. 

§.234 s. 392. Dafs presh^ha aus pra-ish(ha entstanden 
sei, ergeben die von mir beitr. IV, 188 gesammelten metrischen 
nachweise. 

§.236 s. 396. Für bildongen wie veterrimo-, pulcher- 
rimo- ist doch wohl anzunehmen, dafs das sufifix bei ihrem 
entstehen schon simo- geworden war (vgl. horreo : *horseo, 
torreo : •torseo = veterrimo : *vetersimo-), da assimila- 
tion von rt zu rr schwer denkbar erscheint (vgl. fert, verto, 

20* 



308 Kuhu 

certo, libertaB, lacerta u. s. w.); ebenso möchte es mit fa- 
cillimo- seio, gegen dessen erklärong ans faciltimo (fac al- 
ias simultas vultus) altimo- spricht. 

§. 257 s. 398 erklärt Schleicher eig und er aus einem stamme 
San, während er mit Leo Meyer (lia aus smyä= saoDyH er- 
klärt; ableitung aller formen ans einem stamm ist ihm deshalb 
nicht möglich, weil ein wandel des Suffixes -ma zu d beispiel- 
los ist. Aber dafs wir es hier mit ganz nnregelmSfsigen bil- 
düngen zu thnn haben, mnfs man doch zageben und da kann 
ja wohl mal eine aufsergewöhnliche Verstümmelung und Verwand- 
lung eingetreten sein (vergl. Schleichers bemerkung Qber die bil- 
dung von tausend s. 407). Bei dieser gelegenheit mochte ich 
die vermuthuDg aussprechen, dafs der unregelmäfsige accent des 
gen. fAiäg aus einer zeit zu stammen scheint, wo das i noch ein 
halbvokalisches j war. 

§. 240 s. 406. Die verschiedenen dialektischen formen für 
Xihoi werden auf eine grandform „*;^€^o d.i. gharja*^ donkler 
abstammung zurückgeführt; mir scheint der Zusammenhang mit 
sahasra sehr wahrscheinlich, es tritt nämlich im veda häufig 
sahasriya, sahasrin tausendfach auf; aus ersterem hätte 
griech. ix^Xio- oder exelXio- oder auch «;f6^«o- (vgl. tQivrig : sa- 
ranyüs, adfikq}e6g sagarbhyas) werden müssen, was mit dem les- 
bischen xAXeo, hooi,%etXio fast genau stimmt, denn der abfall 
des anlauts möchte sich durch andre analoge erscheinungen er- 
klären lassen. 

Ib. ib. scheint Schleicher anzunehmen, dafs das irische mili 
(vgl. kymr. mil) lehnwort aas dem lateinischen sei; Ebel beitr. 
II, 148 hat es zwar unter den lehn Wörtern aber mit einem fra- 
gezeichen aufgeführt; da aber das wort in den beiden haoptdia- 
lekten übereinstimmend als femininum auftritt und das welsche 
mil aufserdem auch in der diesem dialekte eigenen pluralform 
auf -oed (milioed : y sawl vilioed multitudo milliam, malt« 
millia. Z. 329) auftritt, ebenso im kornischen myell, pl. myl- 
lyow (Stokes: creation of the world p. 198) aufoerdem das latei- 
nische ebenso dunklen Ursprungs ist wie das keltische, so kann 
das wort ja wohl beiden ursprünglich gemeinsam sein. 

§. 244 s. 417. odog wird in Übereinstimmung mit Curtios 
I%217 zu WZ. sad (ä-sad, adire) = sada-s gestellt, aber wie 
steht es dann mit der länge von ovdog? letzteres scheint doch 
auf eine grundform sadva zurückzuführen, das mit demselben 
Suffix gebildet ist wie lat. perpetn-ust assida-as. 



auz«igen. 309 

§. 244 d. 411). 3. Die fassung de» t^chlufssatzes kann leicht 
luifsverBtandco werden , der instram. 8in^. masc. fem. gebt doch 
verhältnifsmärsig nur selten auf das mit dem Stammauslaut a 
verbundene k aus. 

§. 247 8. 430. Die zuweilen vom metrum verlangte deh- 
nung der endung nom. pl. äsas in aasas macht zweifelhaft, ob 
die ursprüngliche endung, wie Schleicher annimmt, -sasa ge- 
wesen sei. 

§. 247 s. 431. Altbaktrisch 6. Hang Ess. p. 105, ebenso Justi 
s. V. geben gavo. Ib. 10 für die vermifsten formen 4o, äo^-ca 
bringt Hang Ess. p. 102 beispiele. 

Ib. vgl. §. 250 s. 443 in noXtji»; wird vokalsteigerung ange-^ 
nommeu und eine grundform parayas angesetzt; sollte nicht 
ersatzdehnung für das ausgefallene j, wie in ßaml^Bg für das 
geschwundene digamma eingetreten sein? 

Ib. griech. 10. Ueber die nominative plur. 1 und 2 decl. auf 
OA und at vermuthet Schi., dafs sie wie toi und rai gebildet und 
diese aus ta-y-as, ta-y-as entstanden seien, ebenso im latei- 
nischea; ich ziehe vor sie aus einer vokalisirungdes s in i zu 
erkl&ren, wie sie in den vedischen genitiven auf äyäi f. ayas 
deutlich vorliegt. 

§.248 8. 434. Schleicher nimmt als ältere endung des nom. 
Hcc. dual bei masc. und fem. die endung ä, während er der 
späteren spräche die endung au zuweist. Allein wenn die spä- 
tere auch kein a hat, sondern nur au, die ältere, zugestandener- 
mafscn sehr verschiedenen zelten, wahrscheinlich auch je nach 
den liedern verschiedenen stammen angehörige, dagegen a neben 
HU zeigt, so ist doch schwerlich daraus zu folgern, dafs äu 
nothwendig die jüngere form sei, denn mit gleichem rechte 
könnte man dann schliefsen, da die endung a st ä in der ve- 
densprache noch seltener vorkommt, und zumal mit dem bak- 
trischcn a und dem griech. e stimmt, so sei dies die älteste en- 
dung. In der uns vorliegenden redaction des Rik findet sich 
nach ßenfeys beobachtung (vollst, skr. gram m. §.732 a. 5) vor 
vokalen gewöhnlich au (nämlich in seiner Verwandlung zu äv), 
vor cousonanten a, doch nicht ohne mehrfache ausnahmen. Ist 
nun, wie auch Schi, annimmt, die ursprungliche endung dieselbe 
wie die des plurals, nämlich as, so liegt es doch näher die Stu- 
fenfolge äs, HU, a als as, ä, äu anzunehmen. Schi, nimmt 
nämlich an, dafs au eine trübung von a sei und vei gleicht da- 



310 Kahn 

bei 6, d.i. an, das vor hellen lauten fSr as eintritt. Verstehe 
ich den aasdrack ^trubang^ recht, so soll kn ein etwa dem nie- 
derdeutschen a oder altb. fto ähnlicher lant sein, welcher sich 
unabhängig, und nicht als ersatz des verschwindenden 8 ent- 
wickelt, äu ist aber ein voller diphthong, ans den beiden thei- 
len k + u entstanden, gewesen, das zeigt seine Verwandlung in 
av vor vokalen; die annähme einer trSbung, die bei dem voll- 
sten und stärksten einfachen vokal einer Schwächung gleich wäre, 
scheint mir daher nicht möglich, sondern gerade wie 6 aus a-f-u 
für a+s, so steht äu aus ä+u für ä+s, dabei scheint mir 
nur das in frage zu kommen, ob die entwicklung von u auB s 
unmittelbar vor sich gegangen, oder ob ein mittellaut anzuneh- 
men sei. Ich habe zeitschr. II, 370 die entstehnng des 6 für as 
aus der reihenfolge as, ar oder ah, au, ö erklärt und man 
könnte für &u in unserem falle eine gleiche entwicklung anneh- 
men, doch bleibt noch eine andre möglich, nämlich die, dafs 
der visarga von äli sich wie im baktrischen das s zwischen vo- 
kalen zugleich nasalirt hätte und so aus änh &u geworden wäre. 
Diese annähme würde zugleich die pronominalen duale äväm, 
yuv&m erklären, in denen dann m sich aus dem anusvära ent- 
wickelt hätte, sie wurde eine stutze in litauischen formen wie 
tü-du (hi duo) §. 248 s. 436f. finden, da auslautendes a auf 
an, am zurückfuhrt §. 96 und §. 101. 

§. 248. 8 s. 434 bemerke ich zum nom. acc. du. der n- 
stämme im sanskrit, dafs sich an ein paar stellen des Rigv. b&- 
häva findet, welches Säyana zweimal durch bähd, einmal durch 
instr. bahunä erklärt. Als instrumentalis wird die form wolA 
durch das vart. zu Pä. 7. 1. 39 s. 311 gefafstCän | prabähav&| 
prabahuneti loke). Das petersburger Wörterbuch s. v. b&- 
hava dagegen fafst das wort als nom. acc. du« des masculia- 
stammes bähäva, wohl gestützt auf das auftreten eines neutra- 
len dorbähavd, welches sich im Qat Br. findet. Da der pla- 
ral bähavas ein ursprSngliches duales bähaväu von bähu 
erwarten läfst, so möchte die annähme des bähavä a= bahn 
nicht ganz zurückzuweisen sein, man vergl. Titjxea und fnjx^*^ = 

Ib. 8. 435. Die wirklich vorkommenden dualformen des alt- 
baktrischcn sehe man jetzt bei Justi und Hang Bss. s. 96 f. nach; 
uamentlich in betreff des nairikayäo s. Hang 102: „Dual 
forms of this class (der fem. auf urspr. ä) are not to be found 



anzeigen. 31] 

in tbc texts**. Dagegen bringt Josti 8. 388 solche bei, über nicht 
die erwähnte, die er s. 170 für den genitiv erklärt 

Ib. 8.435 helfet es: ^Griechisch. Dieser casus (nom.do.) 
hat überall e lur endung als rest von as, ä; die aof a ver- 
schmelzen dies a mit dem stammaoslaut^. Hier mufs es» wenn 
ich recht verstehe, statt ,,dies a^ heifsen: „das ans dem 4 her- 
vorgegangene a mit dem alten a-laut des stammest Ich sehe 
keinen zwingenden grand, das ca der o- stamme nicht gleich 
skr. -&a zu setzen; das o) von oxrci =s ashtäu, got. ah tau, 
lat. octo, von i^o) = näu, amb'o, dao sind bürgen dafnr, dafs 
sich 00, 6 aus an verengte, wie dies im lateinischen in laut 
auch sonst geschieht; aus diesen alten formen auf äu erklären 
sich oydo-f-og und octävus, für welche Schi. §. 241 s. 409 die 
bildung durch suffix -va annimmt. Sollten diese o), lat. 6 aus 
ä hervorgegangen sein, so würden sie im griechischen und latei- 
nischen a, tj und a wie in den femininst&mmen im aaslaut ge- 
worden sein, denn sonst finden wir griech. o), lat. 6 im aoslaat 
fast fiberall nur aus a oder ä+ nasal hervorgegangen, vgl. «/oo, 
ego, UyiOf lego (ans lagämi), homo oder es ist wie lat. abla- 
tiv der o- Stämme und im griech.- lat. imperativ ein consonant 
dahinter abgefallen. 

§. 250 8. 443. Oriech. acc. pl. 10 hätten die dorischen accu- 
sative auf -&)&*, Ahrens dialL II, 157 noch erwähnt werden kön- 
nen, sie sind entweder duVch ersatzdehnung aus dem noch da- 
neben stehenden -oh* oder an mittelbar aus dem ursprunglichen 
-ans zu erklären. 

§. 252 s. 449. Die genitivendnng -sya der a-stämme erklärt 
Schi, ebenso wie -as, -s als pronominalen Ursprungs (pron. st. 
sa und ta, wie sya und tya), ohne sich über die function wei- 
ter auszulassen. Eine sehr ansprechende vermuthang über die- 
selbe, dafs nämlich der genitiv als ein undeklinirbar gewordenes 
adjectiv mit der bedeutung des besitzes anzusehen sei, hatte zu- 
erst Hoefer zur laatlehre s. 92 ausgesprochen, indem er oio = 
oaio-g = asja-8 setzte and, wenn aoch nicht mit diesen Worten, 
aussprach, da£s Wörter wie amasias, drjfioaiogy vayasjas ei- 
gentlich genitive in adjectivischer form seien. Denselben gedan- 
ken hat neuerdings Max Müller science of lang. I, 106* ohne, 
wie es scheint Hoefers Vorgang zu kennen, ausgesprochen. Er 
brachte zugleich treffende aualoga aus dem tibetanischen, Garo 
und Hindostaui bei. Das bedenken, was mau über diese erkiä- 



312 Schweizer-Sidler 

rang etwa haben konnte, dafs wfihrend im griechischen im eioeo 
falle das 8 durch (t vertreten, es im andern aasgefallen wäre, 
'OatOf -010, findet schon darin seine erledignng, dafs der aasfall 
des (T zwischen zwei vokalen im griechischen nicht aasnahmslos 
ist, andrerseits kann man, da übereinstimmend -tya als arsprang- 
liehe form des snffixes gesetzt wird, die st&rkere abnatzung des- 
selben in einem falle gegenüber der theilweisen erhaltang im 
andern wohl erklärlich finden; ganz ähnlich ist der fall bdm 
Suffix -ti, dem noch einige ri. ((pdttg, (i^ttg), aber zahlreiche -(Ti 
zur Seite stehen (vgl. aafserdem noch das unten zu §. 255 8. 463 
bemerkte). 

A. Kuhn. 
(Fortsetsimg folgt) 



Grandzüge der griechischen etymologie von G. Gartius. Zweite aufläge. 
Erste abtheilong. Bogen 1—23. Leipzig bei Teubner. 1865. 

Obgleich ans bis jetzt nur die erste abtheilung der zweiten 
aufläge der grnndzüge vorliegt, säumen wir doch nicht den le- 
Sern dieser Zeitschrift, welche nicht selbst bereits die erste und 
zweite bearbeitung unter sich verglichen haben, mitzatheil«!, dab 
die neuere nicht nur so ziemlich alle einschlagenden forschongen 
anderer, welche seit der Veröffentlichung der frühern bekannt 
geworden sind, sorgfältig berücksichtigt, sondern dafs sich der 
verf. selbst offenbar über manche gesichtspunkte klarer gewor- 
den ist und sich klarer darüber ausspricht, dafe er aach darch 
eigenes rastloses suchen nicht selten neue vergleichungen and 
begriffsentwicklungen gefunden und einzelne ganze, zum tbeile 
sehr bedeutsame artikel neu aufgenommen hat Mit bestem rechte 
darf diese zweite aufläge eine wesentlich vermehrte und verbes- 
serte heifsen, und wem es darum zu thun ist genau den jetsigen 
Standpunkt von G. Curtius und die resultate der Sprachverglei- 
chung auf diesem engern gebiete, wie sie jetzt sind, kennen zu 
lernen, der wird nicht umhin können sich die neue bearbeitung 
zu verschaffen. 

Die grundsätze der griechischen etymologie und die antwor- 
ten auf die diesfälligen hauptfragen, welche das erste bach bil- 
den, sind, wie nach dem character der forschung von C. zu er- 
warten war, im ganzen dieselben geblieben; aber für diesen 



anzeigen. 313 

theil gilt CS vielleicht gerade besonders, dafs der verf. aaCser 
der benutzang der neaesten arbeiten auch dadurch mehr bietet, 
dafs er sich aber manches klarer ausspricht Vgl. i. b. s. 4 z. 4 
mit 1, s. 4 z. Sff. der ersten aufläge. Im zweiten abschnitte ist 
die stellang Doderleins viel schärfer bestimmt als in aaflage I, 
ebenso wie abschnitt 4 der Standpunkt von Buttmann. In ab- 
schnitt 4 ist aber das werden der vergleichenden Sprachforschung 
and über die frohere und jetzige stellang der klassischen philo- 
logie and deren Vertreter zu jener manch neues gesagt, und be- 
sonders freute es uns, dafs Otfrid Müller als wohl der erste 
namhafte gelehrte aus dem kreise der dassischen philologen, 
der die grofse bedeutung der vergleichenden richtuug unverholen 
anerkannte, hervorgehoben wird. Wir meinen, dafs O. Müller 
erst in den letzten jähren seines schonen und aufserordentlich 
umfangreichen wirkens in Qöttingen und nur noch einmal dazu 
gekommen ist, vortrage über griedüsch-Iateinische grammatik, und 
zwar sowohl über laat- und formenlehre als über syntaz zu hal- 
ten. Obgleich die copie eines heftes, welches wir über diese 
Vorlesungen besitzen, von fehlem und lücken wimmelt, so sieht 
man daraas doch ganz klar, dafs der treffliche und weitsichtige 
aiterthnmsforscher sich mit wunderbarem eifer in Grimms, Bopps 
und Potts forscfaongen hineingelebt hatte. Aber auch Bockh 
sprach sich schon vor 27 jähren in seinen so lehrreichen und 
anmuthigen vortragen über encyklop&die der philologie dahin 
aus, dafs bei dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft es plat- 
terdings nicht mehr angehe, das griechische und lateinische iso- 
liert zu behandeln. Die folgenden abschnitte, in welchen Cor- 
tius die metbode und ergebnisse der vergleidienden Sprachfor- 
schung darlegt, prüft und nidit selten von seinem Standpunkte 
aus corrigiert, zeigen uns, wie vieles aaf diesem gebiete in den 
wenigen jähren seit der ersten aaflage geschehen ist. Aufscr 
den fortsetzungen früherer Zeitschriften wird hier die neae von 
Benfey „Orient und occident^ anfgefahrt, dann die gröfsern selb- 
ständigen werke von Pictet, L. Meier, Corssen, M. Müller u.s.f.; 
sie werden aber von dem verf. nicht nur aufgeführt, sondern 
auch kurz characterisiert. Was G. s. 30 vom sanskrit, wenn 
auch ein wenig ermäfsigt, wiederholt, dafs es in bezug anf die 
bedeutungen u. s. w. hinter manchen seiner schwestersprachen 
zurückstehe, scheint uns immer noch eine etwas einseitige behaup- 
tuug. Einmal wird ein tieferer blick in das Petersburger wör- 



314 Schweizer-Sidler 

terbucb oder lieber eine darchmagterung desselben den verf. mehr 
und mehr überzeugen, dafs die entwickelang der bedeatungen 
denn doch wirklich eher reich als arm ist, and dafs wir oft Doch 
etwas befangen sind durch den einflafs, welchen frfihere lexica- 
lische arbeiten des sanskrit auf ons aasgeabt haben; anderseits 
ist im sanskrit der reich thum von beseichniyigeQ eines und des- 
selben objectes nach den verschiedenen selten, welche es der 
anschauung bietet, Staunens werth, und die ihm eigenthOmliche 
ontwickelung nach der Seite der abstractioa hin darf nicht un- 
terschätzt werden. Auch die abschnitte, in welchen C. positiv 
seinen Standpunkt darlegt und begründet, enthalten des neuen 
gar manches. Neben mora s. 96 u. s. f. konnte als vielleicht 
noch sicherer cnnctor aufgeführt werden, dessen wursel einer- 
seits mit skr. wz. 9ank, anderseits mit deijenigen von got 
hugu zusammentreffen wird. Fein ist die bemerkung über scio 
s. 104. Auch Benfey nimmt für das entsprechende skr. ci dne 
Urform ^ci an. J. Grimm dachte an gleichheit des lateinischen 
Worts mit dem got saihvan, und legte ein sacire, secire, 
sequi re (sequi) zu gründe» was aber lautlich ungerechtfer- 
tigt ist 

Dafs auch der zweite tbeil „die regelmäfisige lautvertre- 
tuug^ manche wesentliche Vermehrung, sehr viele feinere bestim- 
mungen enthält, ist schon angedeutet. Neu sind z. b. die ar- 
tikel xofAOQa^ hoqvoPj xtintj, xvaog, amQxogicUy ray- u. a., frisch 
revidiert wohl jede nummer, sehr bereichert eine grofse ansahl, 
nur beispielsweise nennen wir nitvg und octdop^ Unrichtigkeiten 
sind weggeräumt, wie die Zusammenstellung des eigentlich nicht 
deutschen, sondern romanischen Wortes kumbar mit yefAio u.a. 
Nirgend sperrt sich der verf. ab gegen die ansichten seiner fach- 
genossen und hat namentlich auf Grafsmanns forschungen reich- 
lich rucksicht genommen, welche manchen zweifei über lautliche 
Vorgänge zu zerstreuen geeignet sind. Was dia w. kmar (sn 
HOfidQd) betrifft, so machen gewifs Bohtlingk-Roth mit recht auf 
daneben liegendes bvar aufmerksam. Sehr iustructiv ist der 
artikel xdgvov. Merkwürdig klingen hier die sanskritischen mit 
kat und ka(h anlautenden bildungen an, und enge Verwandt- 
schaft ist sehr wahrscheinlich, da ja rt oft zu t wird. Neben 
ahd. harti findet sich ein hart! „Schulterblatt^ was mit skr. 
karkara „knochen^ zu vergleichen ist. Dafs übrigens die wür- 
zet mit s anlautete, macht khara wahrscheinlich, und die griech. 



315 

üHliiQog und hlQog^ welche Leo Mejer sicher oicbt unrichtig mit 
hardu zusammengegtellt hat, erheben es cur gewifsheit. Zu 
dieser wurzel aber rechnen wir auch xQOtvgf %Qatog u. s. w. 
noQta entspricht auch in der bedentung gaos dem ahd. harto 
^sehr*^. Das vedische kratus heifst kaum je stärke oder stark, 
auch nicht in der angeführten stelle des Rigveda. Dafs ean&chst 
,, denken, absieht, Weisheit^ die grundbedeutung dieses wortes 
sind, zeigen uns deutlich genug die zusammensetsungen und das 
zend. Darum nehmen Roth, Böhtlingk und Justi vorsichtig hier 
eine von der w. kar „machen^ getrennte wurzel an. Weiter- 
bildung aber der w. kar „machen^ mit p zeigt sich nicht nur 
in skr. snbst krp u. s. f., auch im zend kehrp, lat corpus, 
ahd. hrSf. Unter n;| mufste jetzt auch das vedische na^, nak 
aufgeffihrt werden. Olnog wird ursprSnglich nicht sowohl das 
haus „als ort und inbegriff der heunkehrenden^ bezeichnen, was 
allerdings im skr. grha liegt, als die „verwandtschaftliche nie- 
derlassung^. Vgl. auch Spiegel, keiiinschriften, s.v. vith« Wäh- 
rend artikel 99 ganz umgearbeitet ist, ist 100 so gelassen, als 
lautete jener noch gleich. Wenn unter mx skr. pi^unas gestellt 
wird, so ist das nicht nach allen Seiten sicher; vgl. das Peters- 
burger Wörterbuch. Die kunsthistorische thatsache, die zu no. 101 
hervorgehoben wird, läfst sich auch durch andere indogermani- 
sche sprachen belegen. Kaum dürfen wir das aitpers. ni-pis 
in einem andern sinne fassen ; das echtdeutsche wort für das ro- 
manische „schreiben^ bedeutet „ritzen^ und das ja auch skr. 
likh, welches dann für „schreiben^ und „ malen ^ verwendet 
wird. Einleuchtend scheint auch uns der Zusammenhang von 
ayQin mit aym durch vermittelnng von a/^o. Unter die wurzel 
arj gehört got. airknis, ahd. örohan „gut, heiligt in un- 
sem mundarten urche „rein% von wein, milch und andern 
Stoffen, aber auch von sittlichen Verhältnissen. Ob aber nun 
eben dahin die %iveg nodag aqyoi zu ziehen sein, das ist denn 
doch nicht so ganz sicher» da im veda fSjasana „in gestreck- 
tem laufe ^ bedeutet, von einer mit derjenigen von ogiymfiii glei- 
chen wurzel. jTBQyo) möchten wir nicht von skr. ürj trennen, 
jedenfalls dasselbe nicht mit skr. vrajami, eo, lat. vergo zu- 
sammenstellen. Mit der darstcUung von C. unter Oiyydrm slinunt 
vollständig Benfey, orient und occident II, 331, thut aber daran 
nicht recht, dafs er auch ahd. ziagal, altn. tigl hieher stellen 
will, welche unzweifelhaft nach den gesetzen deutscher gram- 



316 Schweizer-Sidler 

matik zu lat. tegula geboren, wohin sie zuletzt Wackeruagel 
^uindeutschung*" 8. 16 gezogen hat. Schon Leo Meyer, Orient 
und occident 1, s. 331, dachte bei goth. ragin an oqx^- Treff- 
lich ist die behandlung von doX^x^^* ""^ seinen verwandten. Zur 
ergänzung kommt noch got tulg-u*8 hinzu, das im gründe mit 
triggus ein wort ist Nicht nur liht gehört zu skr. lagbu, 
alt raghu, nicht minder nhd. ringi „leicht, werthlo8% geringe 
u. s. f. Noch heute hört man in den Schweizermundarten e rIngi 
arbet für „eine leichte arbeit % „Lust und Lieb zu einem Ding 
macht alle Müe und Arbeit ring^, „e ringi Stnnd^, eine leichte, 
kleine stunde, ringsinnig für leichtsinnig u. 8. f. Die alte 
form ist wohl ringu. Fein sind die bemerkungcn unter cneQ- 
XOf^ai über den ausdmck verschiedener leidenschaften durch 
eine wnrzel in verschiedenen sprachen. Als ansdruck verschie- 
dener empfindungen konnten auch skr. harsh, lat. horrere ver* 
glichen werden. Uns scheint übrigens ütiQyno von öniq^oiioi 
nicht weit abzuliegen. Auch wir sind von der gleichwurzelig- 
keit der Wörter xQvaoSy xüLk-xog^ xaXmf) überzeugt, halten aber 
darum eine Zusammenstellung von aidrjgog mit litauischem sid- 
ab ras, unserm silber, ebenfalls für angemessen. Wenn unter 
atiy das lat. Signum, welches wenigstens nicht erwiesen unter 
diese wurzel gehört, von derselben geradezu ausgeschlossen wird, 
so mufste doch got. taikns „zeichen^ darunter erwähnt werden. 
Stinguo „lösche^ deutsch anstachen, anstecken, ersti- 
cken, erstecken dürfen wohl nicht von atiy getrennt werden. 
Vgl. Pauli, gesch. der vcrba auf -uo, s. 15. Auch im sanskrit 
erscheint in wz. atoQ 1 neben r, wenn Böhtlingk-Roth mit recht 
talu „fläche**, talpa „bett^ unter diese w. stellen. Unter wz. di 
führt der verf. fragend skr. dina auf. Wenn die ursprüngliche be- 
deutung „spärlich, gering^ ist, so ist die herleitung von da (do) 
immer noch sicherer. So gewifs es ist, dafs deva von div her- 
kommt und eigentlich „glänzend^ bedeutet, so läfst sich doch 
diese bedcutung selbst bei lichtgöttern nicht erweisen. Neben 
suras durften auch die vasavas als wesentlich gleichen sinnes 
mit deväs aufgeführt werden. Bopp wird doch recht gehabt 
haben, wenn er dgafi^ trotzdem dafs im sanskrit dram eben- 
falls erscheint, mit dru zusammenstellt Unter afiqjoi verweist 
C. selbst auf Kuhn, „der u aus am entstehen läfst^ Bs hätte 
nur Bopp, wie die neuem forschungen von Kuhn, Ascoli, Leo 
Meyer, Pauli zeigen, dram zunächst anführen und dru als laut- 



anzeigen. 317 

lieh durch av hindurch daraas entstanden hinstellen sollen. Al- 
lerdings heifst sadman in den veden auch noch sitz, minde- 
stens im compositnm sadmabarhis. Oft wird es mit sth&na 
ausgelegt. Unbedenklich hätten wir zu ^sdoficu auch lat. tuor, 
tneor gestellt. Und ebenso unbedenklich steht unter fendo 
(&89) festin are ^stofsend, drängend vorwärtsgehen^. Endlich 
darf hier auch das adverbiale confestim nicht fehlen. Das 
skr. wort p4thas konnte nicht fSglich unter ndrog gestellt wer- 
den. Was ags. päd, althd. päd betrifft, so werden diese als 
entlehnte worter gelten müssen. Neben spar existiert im 
skr. auch die erweiterte wurzel spardh. Unter «ffi«' tjSage^ sind 
die hübschen erkläningen Corssens von lat. adaginm u. s. w. 
aufgeführt. Auch Walter scheint uns der erwäbnung werth, 
wenn er zuletzt noch cogitare hieherzieht, indem cogitare 
mit der bedeutung eines frequentativs von cogere nicht exi- 
stiert; wird doch als ausgemacht gelten, dafs das plautinische 
curas cogitans nichts anderes ist als curans, c. — Doch 
genug solcher winzigen einzelbemerkungen, wiederholen wir lie- 
ber, dafs das buch dem classischen philologen wie dem verglei- 
chenden Sprachforscher unentbehrlich ist. 
Zürich, im janoar 1866. 

H. Schweizer-Sidler. 



Etymologica. 

1) ^vas, aßivw^t und ihre germanischen verwandten. 

Curtius grnndz. II, 146 sagt in dem abschnitte über Vertre- 
tung des idg. V durch o oder oa folgendes: y^}^6aGov aßeöov 
(Hesych.) erklärt M. Schmidt wohl mit recht so, dafs C hier den 
weichen Zischlaut vertritt, der gewöhnlich durch das wenig dazu 
geeignete a ausgedruckt ward, o aber so gut wie ß aus jT her- 
vorgegangen ist Zu berücksichtigen ist dabei auch die form 
^eirvfiev cfßevrvfiev (Hesych.), welche den v-laut gänzlich einge- 
bnfst hat. Durften wir annehmen, dafs im skr. <^vas (präs. ^vasimi 
Spiro das ^ — was grade vor v in ^va-^ura-s (no. 20) sicher der 
fall ist — an stelle von s getreten wäre, so wurden wir die so 
erschlossene wz. svas dem gr. o^sg gut zur Seite stellen können.^ 
(vgl. auch noch ib. 162). 



318 Kuhn 

Die frage ist also : lautete die warsei arsprüoglich svas oder 
kvas? Vorläufig sind wir nur berechtigt, beide formen, die aller- 
dings ganz gleiche bedeatongcn gehabt zu haben scheinen, als 
gleich ursprüngliche neben einander zu stellen. Denn dafs nicht 
9 in ^vas wie in ^va-^ura-s zu erklären sei, geht ans den dieser 
Wurzel entstammenden entwicklungen in den germanischen spra^ 
eben hervor. 

Die bedcntnng von skr. ^vas ist 1) spiritum ducere, spirare, 
2) suspirare, gemere, 3) sibilare, gemere, 4) ferire (letzteres unbe- 
legt). Dazu das intens, ^a^vasyate 9ft9vasti anhelare, schnaufen. 

An das intensivum schliefsen sich zunächst mit Verlust der 
reduplication und dafür verstärkten wurzelvokal das isl. hväsa fes- 
sum anhelare, puste efter sta^rk beva^gelse, daneben mit amlant 
(aus ableitendem ja) hvnsa graviter anhelare, hviestr lassitudino 
anhelus, Björn Hald., hvaesa hv»se, hvisle, hvnsing f. hvsesen, 
hvislen, Jonsson; schwed. hviesa zischen von schlangen» sausen 
wie der wind, hvassande n. und hviesning f. das sausen, zi- 
schen. Dan: hvsBse zischen, vulg.gieben (??). 

Ags. hvUs-trjan sasorrare, hvae-strjan to make anoise, 
to murmur, hvaes-tr-ung a murmur. 

asl. kvasü fermentum, kvasiti Cv(aovp, fermentare, Miklos. 

Dagegen zeigen Schwächung des wurzelvokals zu i, der sich 
isländisch, wie sonst nur vor nasalverbindungen, zu S längt: isl. 
hviss n. fremitus proruentis liquoris, hvisa fremere fluidorum, 
bruse, suse; däu. hvisse einschläfern, einlullen, e. whiz zischen, 
sausen, schwirren. 

Mit ableitendem 1: hvis-la in aurem dicere, isl. hvis-ln. 
susurrus, hvisken, schwed. hviss-Ia pfeifen, zischen, däD^hvis-le 
zischeln, zischen. 

Mit ableitendem k: isl. h vis* kr n. susurramen, hvisken, 
schwed. hvis-ka flüstern, raunen, zischeln, dän«hvis-ke id., isl. 
mit weiter ablautendem r: hvis-kra mussitare, susumure, 
hviske. 

Mit ableitendem p-r oder p-1: ags. hvis-prjanto whisper, 
murmur, hvis-pr-ung f. a whispering, murmuring, engl, to 
whisper, a whisper, ahd. hvispalon sibilare, mhd. wispel 
stm. zischen, pfeifen, flüstern (von thieren, menschen, demen- 
ten), wispelen swv. zischen, pfeifen, flüstern, wispelwort ge- 
flüstertes wort, beschworung. Nhd. wispern. 

Mit ableitendem t-1: ags. hvis-tljan, hvis-tlan to pipe, 



miscellen. 319 

fifc, wheedle, allare, hvis-tle s. a whistle, a pipe, fistala, hvis- 
-tl-nng f. a piping, enticing, hvis-tlere m. a whistler, piper; 
e« to whistle, a whistler. 

Die zweite worzel mit anlautendem s weisen uns nun die 
slawischen sprachen nach, von denen das altslavische bei Miklos. 
lex. p. 826 svistati vb. avQi^eit^^ sibilare, nsl. svistati bal- 
butire, russ. CBHcnyTb, femer alts. s vis tu m. sibilus, poln. 
swist, und asL svistannie n. sibilatio aufweist; damit hält 
Miklosich (die wurzeln des altslawischen. Wien 1857. 4. 
p. 12) die sich nur, durch erweichung der consonanten davon 
scheidende wnrcel zvizd zusammen, wie sie sieb (lex. p. 221 ) in 
asl. zvizdati cvgi^eiv, sibilare, nsl. zvizdati, zvizgati, zvis- 
cati asL zvizdü m. sibilus, zwizdanije n. avQicffAOi; sibilus fin- 
det, woneben noch zvijdati als weitere entwickelung mit glei- 
cher bcdeutung auftritt. In allen diesen Wörtern ist der dental 
wie bei den ableitongen der mit dem guttural anlautenden wurzel 
unbedenklich als weitere entwickelung zu fassen, somit svis die 
eigentliche wurzel, deren i ich wie in den germanischen Vertre- 
tern der andern klasse als Schwächung von a auffasse. An das 
so vorausgesetzte svas schliefst sich dann cßes in aßevnffit genau 
an und jenes hesyohiscbe ^oaaop hat sogar den ursprünglichen 
wurzelvokal bewahrt; sollte nicht auch das im Hesych. folgende 
wort i^odam hierhergehören und ^iaco statt C^joo zu lesen sein? 
die bedeutnngsentwicklnng wäre dieselbe, wie sie sich oben bei 
kvasu, hviss n. s. w. zeigt Auch die beiden vorhergehenden glos- 
sen, bei denen es an reichen coiyecturen nicht gefehlt hat, finden 
auf diesem wege vielleicht heilung. 

Ich vermuthe endlich, dafs auch die deutschen sprachen die 
wurzel svas erhalten haben, jedoch in einer zusammengezogenen 
form, wie dergleichen im sanskrit sehr häufig auftreten, nämlich 
in der form süs: ahd. süsen, süsjan, süson sausen stridere 
(susenten (polzun) stridulis, susontiu spirantia (aera)), wozu auch 
der canis seusius, den Grimm gesch. d. d. spr. ' 540 bespricht, ge- 
hört Mhd. susen wehen und wallen, sausen, rauschen, einen 
ton von sich geben wie die pfaune auf dem feuer, fortbrausen, 
eingehaucht werden Ziem. p. 451. — susen n. siusen, seüsen, 
ahd. BUS 6n und susen, süsan d.i. süsjan swv. sausen, sum- 
men, zischen, knirschen, knarren; sausend einherfahren: imperat. 
ausruf süsä, siusä, seusä. Wackern. wb. p. 283, nhd. sausen, 
ndd. susen; holl. suizen sausen, säuseln, rauschen, anfangen 
zu sieden, schwed. susa sausen, rauschen, säuseln, rieseln, mur- 



320 Kulm, miscellcn. 

mein, dän. susc brausen, flüstern, pfeifen, rauschen, säuseln, sau- 
sen, toben. 

2) r aus v. 
Corssen hat in seinen kritischen beitragen zur lateinischen 
formcnlehre p. 407f. den ubergaug eines idg. v in lat r, wie er 
fiir cras, creta, cresco angenommen wird, für unerwiesen erklärt 
und hat, indem er die identität der worter festhielt, angenommen 
dafs die entsprechenden worter im skr. ^vas, ^veta (weifs) etwa 
ein r verloren haben mochten. Den Übergang von v in r er- 
klart er für phonetisch schwer begreiflich. Wir haben es nan 
aber hier mit solchen fällen zu thun, in welchen das r nach 
gutturalen eingetreten ist, somit wenn der Übergang, wie ange- 
nommen, statt fand, unzweifelhaft zuerst ein gutturales r einge- 
treten sein wird. In umgekehrter weise sehen wir die gutturalen 
consonanten r und h sich nach oder vor anderen consonanten in a 
(oder v) wandeln, so wird z. b. der name Frikk (die nord. Frigg) 
in der Ukermark und in Pommern fast durchweg zu Fiiik, Fuik, 
Fvik, und in gleicher weise entsteht geschiut aus geschihet, ge- 
schieht, iut aus iht, vgl. Jac Grimm in Haupt zeitschr. VIII, 548. 
Wenn wir somit den unzweifelhaften Wechsel zwischen guttura- 
len Spiranten oder halbvokalen und labialem vokal oder halbvo- 
kal auftreten sehen, so kann die Verwandtschaft der laute nicht 
mehr bestritten werden und der Übergang wird begreiflich, aber 
er läfst sich auch noch weiter thatsächlich nachweisen. Ich er- 
innere meinen werthen freund und mitarbeiter an einen ihm of- 
fenbar aus der erinnerung gekommenen lautwandel, den er so- 
gleich für einen thatsachlichcn erkennen und als oftmaliger ohren- 
zeuge aus alter zeit bestätigen wird. Die fischfrauen, welche vor 
alters ein berliner lieblingsgericht in den strafsen feilboten, rie- 
fen dasselbe ans : „ härelschtinte , koft härelschtinte ^^ wobei sich 
das a auch wohl mehr zu I verdumpfte, aber stets ein deutliches 
gutturales r danach zu hören war. Ebenso wird die Havel auch 
von allen nicht hochdeutsch redenden einwohneru in der Mark 
fast stets Harel genannt. Hier haben wir also den Übergang 
von V in gutturales r sogar zwischen zwei vokalen, da kann 
denn doch wohl derselbe Übergang nach einem guttural nicht 
mehr auffallen. Dafs er übrigens auch in griechischen dialekten 
aufgetreten sei, zeigt das rge statt (T6, also statt des ursprüngli- 
chen tva, der Creter bei Hesychins. A. Kuhn. 



Misteli, ttber medial -endnngen. 321 

Ueber medial -endungen. 

(Fortsetzung.) 

Gelingt es nun, auch die secundären endungen ab- 
zuleiten, 8o könnten wir Bopps hypothese als gesichert an- 
sehen. Was zuerst die schwerern secundärendungen auf 
am am angeht, denn diese machen allein Schwierigkeit, so 
gibt uns die bildung von 2. sing, thäs und fitjv = mäm 
einen schönen fingerzeig. Wir können nach dem obigen 
annehmen, thäs sei aus thasi, firjv aus mami hervorgegan- 
gen, und thasi setzt hinwiederum tvatvi, die urform auch 
f&r sasi, voraus. Es wären also diese zwei formen aus 
den Urformen durch abwerfen von i entstanden^ ganz gleich 
wie im activ aus masi mas entsteht Sollten sich blos 
diese zwei als reste eines so berechtigten Verfahrens erhal- 
ten haben? Ich einmal ziehe hieher sfinmitliche aufm aus- 
gehende endungen. Die spräche hatte mit einer schvne- 
rigkeit zu kämpfen: es sollten bildungen wie (a)ntati f&r 
bequemem gebrauch gekürzt werden; zu anta konnte man 
nicht sofort die Verstümmelung treiben und ein «chlie- 
fsendes t von (a)ntat konnte nicht so gut wie m und s 
von mam =s ^tjv und thäs am ende getragen werden, wie 
denn auch das feinfühlende ohr der Griechen wohl g und 
y (= m), nicht aber r, am wortende duldet. Dennoch 
mufs es wegen der vedischen auf tat endenden imperative 
auch hier formen auf t gegeben haben, fiber deren ver- 
h&ltnils ich sogleich sprechen werde. Aber schon das, dafs 
von mehrsilbigen endungen nur diese ved. imperative 
mit t enden und doch auch in abgang kamen, die übrigen 
sämmtlich mit vocal, nasal oder s, beweist, dafs man f&r 
t als schlufs längerer endungen keine groise liebe hatte. 
Dais auch im lateinischen t zu d gesunken und oft weg- 
gefallen ist, dagegen im gothischen s ein sehr beliebter 
aaslaut und im prakrit Änusvara der einzige consonanti- 
sche, berechtigt, spuren dieses lautgesetzes schon in der 
indogermanischen periode zu finden. So schlug denn die 
Sprache einen mittelweg ein und ersetzte t durch m, mit 

Z«it8chr. f. ygl. sprachf. XV, 5. 21 



322 Misteli 

oder ohne vorangehende dehoung; m wird zwar auch an- 
gesetzt, aber nicht aus rein euphonischer hinsieht, 
sondern um mit bewahrung des gewünschten umfangs doch 
eine erleichterung f&r die ausspräche eintreten zu lassen, 
das einzige auskunftsmittel zwischen antat und anta. Man 
könnte auch allmählich t in m sich verdumpfen lassen, 
wofür sich beispiele wie tan-mama für tad-mama citiren 
liefsen; doch reicht das nicht aus und es ist nicht zu über- 
sehen, dafs sich aus dem prakrit, aulser der instrumental-* 
endung bhi = bhis, kein beispiei eines in Anusvara ge- 
sunkenen consonanten bietet ""), was doch bei der beliebt- 
heit dieses nasales als endlaut das einfachste mittel gewe- 
sen wäre, sondern der consonant fallt entweder ganz ab 
oder wird bei Substantiven durch den zusatz a gehalten 
und das wort in die a-declination übergeführt. So ist 
auch für m das entstehen aus einem andern consonanten 
unwahrscheinlich, vielmehr läfst sich nur ein stellvertreten- 
des anhängen behaupten. Uebrigens verräth sich auch 
hier ä als unorganisch; so entspricht am in (th)äthäm dem 
am von dhvam, während doch beide auf tyatvat(vi) zu- 
rückleiten; ebenso (t)ätäm = tätat(i) u. s. w. Im dual 
mag das ä am ende durch das am anfang nachgezogen 
sein; immerhin ist es charakteristisch, dafs die 2te du. den 
volleren, die 2te pl. den leichteren auslaut vorzieht, den 
Veränderungen am anfang analog. 

1) Ein wichtiger schlufs, an dem mir deswegen viel 
gelegen ist, weil ich dadurch der oben gemachten forde- 
rung zu genügen hoffe, nachzuweisen, woraus die formen 
auf am am abgeschwächt seien, ist folgender: diese 
formen gehören ihrem Ursprung nach gar nicht zu denen 
auf e, sondern zu den Urformen auf i als ihren primären; 
täm, dhvam, antäm u. s. w. sind secundäre formen zu tati, 
s(a)dhvadhvi, antati u. s. w., ebenso wie mäm = fAtjv, thäs 
zu mämi, thäsi (= tvatvi). So tritt trotz dehnung kein 



*) nom. acc. sg. neatr. tä = skr. tat, bei dem fVeiliclv nicht zu ent- 
scheiden ist, ob anusvara aus t hervorgegangen oder ob die analog^e der 
nominaldeklination auch auf die pronominale eingewirkt habe. Anm. d. red. 



über medial enduogen. 323 

mifsverhältnifs ein: (th)äthäm (t)ätäin sind entschieden 
leichter als: thäthathi, tätati. Die gegenwärtige Ordnung 
ist erst historisch geworden, als diese ursprünglich 
primären endungen an ihrem ende sich zu e erleichterten, 
die benannten secundären aber unverändert blieben, zu 
einer zeit also, wo die spräche das feine gefQhl f&r das 
gewicht der endungen, woflQr sie anfangs so empfänglich 
war, bedeutend eingebüfst, und da die formen auf e be- 
reits der indogermanischen zeit angehören, ist hiemit im 
ungefähren ein chronologischer anhält gegeben. Auch müs- 
sen wir uns über dergleichen im laufe der zeit eingetre- 
tene ungleichmäfsigkeiten nicht wundern; man vergleiche 
nur goth. lesum lesuth lesun, welche formen auch nicht 
mehr zum wirklichen sing, las last las, sondern zum idea- 
len lalas lulast lalas in richtigem Verhältnisse stehen; auch 
sind im gothischen m n primäre, ma na seeundäre endun- 
gen! Doch sind wir deshalb noch nicht berechtigt, der 
einzelnen spräche auch unsymmetrische gr und formen 
ohne weiteres aufzudrängen, falls sich symmetrische laut- 
gesetzlich finden lassen, worüber unten bei den goth. activ- 
endungen; denn zunächst gieng doch nur das bewufstsein 
der regelmäfsigkeit, nicht immer diese selbst verloren. 

2) Wie im activ der imperativ ursprüngliches a zu u, 
nicht zu i herabsinken liefs in den 3ten personen, so wahrte 
er auch im medium ebenda den schlufsconsonanten von 
tat ntät wenigstens in der gestalt von m und ich setze 
die gleichung an: ti : tu = nti : ntu = ta : täm = nta 
: ntäm, und wie 2. plur. des activs ta mit den secundär- 
formen zusammenfallt, so auch dhvam im medium. Da 
nun die dem täm ntäm zunächst vorauszusetzenden endun- 
gen tat ntät = tat(i) ntat(i) mit der ved. activ endung 
tat für 2. und 3. sg. und ntät för 3. pl. (von Benfey vnrd 
kürzere skr. gramm. §. 158 p. 91 hajantät angefahrt) zu- 
sammenfallen, mufs ich dies verhältnifs näher beleuchten. 
Unzweifelhaft haben auch diese formen nach t ein i ver- 
loren, so dafs die identität mit den medialen vollständig 
wird , also z. b. bharatati bhärantäti mit im vokativischen 

21* 



324 Mitteli 

sinn verdoppeltem pronomen tva ta, dessen endvokal zwar 
der imperativ nicht zu erhalten im stände war, wohl aber 
den consonanteu durch die auf den personalendnngen ru- 
hende krafl der stimme. Das griechische gieng bei 2. und 
3. sg. auch des t lautgesetzlich verlustig ohne ersatz, da- 
her (fBok-Tw{T)^ aber in 3. pl. bildete sich theils dor. vxia(x\ 
der wahre repräsentant des vedischen ntät, theils gewöhn- 
liches vt(üv^ das uns eine etwas geschwächte active gnind- 
form ntäm anzusetzen erlaubt. Nur hüte man sich, gleich- 
lautende formen zu vermischen, wie das Bopp gethan, wenn 
er actives (pBQOvxtüV = bh&rantäm medialem bhärantäm 
gleichsetzt. Denn in dem activen aus vTa){t) oder vrwv 
zu erschliefsenden ntät oder ntäm und in tat =» rft)(r) wird 
ein stärkerer befehl durch Verdoppelung der personal- 
endung in vokativischem sinne ausgedrückt, im media- 
len ntäm und dem danach anzusetzenden ntät und in tarn 
und dem danach anzusetzenden ^tät ein gewöhnlicher 
befehl und die Verdoppelung der personalendung im ob- 
jectiven verhältnifs gilt dem medialausdruck. Trotzdem 
aber beide arten lautlich gleichviel umfang haben, so ist 
es doch ganz angemessen, wenn sie sich so schieden, dafs 
der active stärkere befehl das schlnüs-t schützte, der m^ 
diale gewöhnliche auch schwächeres m substituirte^ Die 
langen a muis man hier überall der liebe des imperativs 
für energische endungen zuschreiben. Wo gar nicht ver- 
stärkt wird, erkenne ich auch keinen imperativ, sondern 
conjunctiv imperfect an (dhi und sva ausgenommen, wor- 
über oben), wie im activ tam täm, wo man, besondere 
nach erlöschen der vedischen formen, tat im subjectiT- 
copulativem verhältnifs hätte bilden können, und ta, wo 
gegenüber dhi ein tha hesser am platze stände, im medium 
äthäm ätam, wo äthät ätät keiner gleichlautenden form be- 
gegnet wäre, und in dhvam, dem vedisch noch dhva und 
vielleicht dhvät gleich zu achten ist. Indessen kann man 
über ta und dhvam wegen der die zweite person kenn- 
zeichnenden liebe zur Schwächung, die bei dhva den ein- 
flufs des Imperativs ganz verdrängt hat, immer noch zwei- 



über medial -endungen. 326 

V 

felD. Die ersteo personeo sind schon längst als coujunctive 
nach der Iten altind. conjugation ausgeschieden. — Es 
bleibt mir das eben erwähnte dhvät und das noch nicht 
genannte tat für 2. pl. zu besprechen übrig. Im ersten 
könnte eine jener idealen formen des mediums auf ät sich 
wirklich noch erhalten haben, so dafs es dem imperatiT 
auch im medium gelungen wäre, das schlufs-t zu schützen, 
das er sonst zu m herabsinken lassen mufste, und dhvat 
wäre dann einfacher imperativ; aber viel wahrschein- 
licher ist, dafs es mit tat fQr 2. plur. dem tat fQr 2. und 
3. sing, aus den schwachen formen der 2. pl. dhva (vergl. 
griech. od-e) und ta nachgemacht und als stärkerer im- 
perativ zu fassen sei. Beide wiederhohlen diese verstüm- 
melte endung wie eine einfache, so dais ta von diesem 
tät(i) eine ganz andere etymologische geltung hat, als ta 
von tat für 2. und 3. sg. Das lat töte übertrifil an Voll- 
ständigkeit seine altindische schwesterform und weist auch 
im lateinischen auf eine secundärform te neben tis. Im- 
merhin aber müssen diese imperative, als von verstumme!« 
ten formen ausgehend, flQr jünger gelten. Wollte man von 
der grundform der 2. plur. tvatvi den stärkeren imperativ 
bilden, so müTste man nach dem princip der Verdoppelung 
bereits zusammengesetzter formen, das, weil aus lautlichen 
gründen entstanden, auf alle gleichen lautverbindungen an- 
gewandt werden kann, tvatvätvi, besser tatäti und mit 
Verlust des i, wie in tat, tatat herausbekommen. Diese 
form setze ich den merkwürdigen umbrischen imperativen 
auf tuta tutu tuto voraus, deren -endvokal unmöglich lat 
e in tote antworten kann*), vielmehr durch ein verlorenes 
d geschützt worden ist, also: fer-tutä-d = fer-to-te, so 
dafs das umbrische den pronominalstamm, das lateinische 
die reduplicationssilbe voller enthält. Es ist das einzige 
mir bekannte beispiel von Verdoppelung einer zusammen- 



*) Das einzige scheinbare beispiel ist die nmbr. perfectendimg nso 
von oo-vort-uso ben-uso gegenüber ere von con-vert-ere, ven-ere; denn uso 
flült zwischen erunt und ere als auch im altlat. dedro (= ded-ero) er- 
haltene UbergangBstufe. 



'626 Misteli 

gesetzten form auch im activ und ein gewichtiges zeugniis 
für meine erklärung des mediums. Wenn die herausgebet 
der umbrischen Sprachdenkmäler sie mit der 3. pl. wieder- 
geben, so schliefsen sie die 2te keineswegs aus, und ich 
nehme an, die 2te sei auch als 3te mifsbräuchlich so ver- 
wandt worden, wie im sing, lautgesetzlich tu(d) to(d) beide 
personen bezeichnete; denn etymologisch gehört die in 
rede stehende form nur der 2ten peraon an, und solche 
mifsgnffe sind nicht unerhört, wie sich denn der griech. 
imperativ f&r 3. pl. auf a&cov nur als ursprünglicher dualis 
fassen läfst. 

3 ) Das gothische gestaltet die formen auf am in au 
um, also: zau dau ndau = *säm täm ntäm, der Übergang 
von m in u scheint mir ziemlich festzustehen. Abgesehen 
von der physiologischen möglichkeit stellt das altindische 
im locativ sing, der i- und ü- stamme dem am der Femi- 
nina das äu der masculina gegenüber und dieses äu wird 
sich zu am verhalten wie äi (e) zu äi, wie as zu äs, und 
leichter als am sein^ weil ja u eine abschwäehung aus m. 
Ebenso eutspricht im dual der Substantive äu dem am von 
äväm, juväm, so dafs hier das pronomen die ursprüng- 
lichere form bewahrte und äu den Übergang bildete zum 
ved. ä, lat. ö (duo ambo), griech. oo. Denselben stufengang 
zeigt die endung der 1. und 3. sing, im perfect von wur- 
zeln auf ä z. b. dadäm dadäu dadä (ved.), worüber unten. 
Der Übergang des m in das verwandte v wird in den dual- 
endungen des verbums vas vahe u. s. w. von niemanden 
bestritten. Endlich bleibt für die gothische conjunctiven- 
düng au kein anderer ausweg und jau des perfecta erklärt 
sich einfach aus jäm. Dem au des präsens liegt aim zu 
gründe, dessen i bei der vocalisation von m schwinden 
mufste; denn aus aim unmittelbar und nicht aus am leite 
ich au her; dafs i vor m nicht verloren ging wie in haba 
= habaimi^ habam = habaim, haband = habaind beweist 
-aiva -aima -aina, und mit recht, weil das conjunctivische 
i (= ja des ind. potentialis) lang, das i der schwachen 
eonjugation auf ai (= ja oder blofs j von aja der ind. 



über medial - enduDgen. 327 

zehnteu) kurz ist; diesen unterschied beobachtet das gotbi- 
sche so gewissenhaft, dafs es dem indicativischen habos ha- 
bam haband im conjnnctiv habaiva habaima habaina ent- 
gegengesetzt, weil hier i = i-f-T. Wenn nun trotzdem in 
1. sg. habau steht, so beweist das eben nichts anderes, als 
dafs i, wenn auch noch so berechtigt, in einem habaiu, sich 
nicht behaupten konnte, und habaju war unmöglich, weil 
ein aus m entstandenes u nicht eine eigene silbe constitni- 
ren kann, ansonst erweitert statt geschwächt worden wäre. 
— Das zusammentreffen der formen anf au mit solchen 
auf am zeigt, dafs sie nicht dem imperativ ausschliefslich 
angehören, obwohl er sie im altindischen fast ausschliefslich 
an sich gerissen. Indessen versehen sie auch im gothischen 
eine zweideutige rolle, aus der ich den unterschied des con- 
junctivs im passivum (hait-ai-dau haitaizau haitaindau) 
und des mediums (vaurk-ja-dau, vaurk-ja-ndau) erkläre*). 
Im ersten falle sind dau zau ndau wahre secundäre en- 
düngen, wie das altindische nur noch athäm ätam dhvam 
so verwendet und der modusausdruck liegt im i, im zwei- 
ten abgeschwächte primäre zum modusausdruck; das 
erste ist ein potentialis, das zweite ein imperativ. Aber 
eben delswegen zweifle ich nicht, dafs es auch ein passives 
adau azau andau und ein mediales aidau aizau aindau gab 
und man hat eine zufällige eigenheit der Überlieferung zu 
einem wesentlichen unterschied gemacht. — 

Was beginne ich mit den starken formen za da nda? 
Die altindischen auf e habe ich bereits von der band ge- 
wiesen; an die auf a ist gar nicht zu denken; die auf am 
sind schon durch die auf au vertreten; so bleibt denn zur 
erklärung der drei genannten endungen nur diejenige dasse, 
die blofs /o/)' = mäm und thäs übriggelassen, d. h. gerade 
die, aus welcher die am- und somit auch au-formen abge- 
schwächt sind oder die organischen primär-formen der letz- 
tern; sat tat ntat. Da jedoch gothisches schlufs-a auf ur- 
sprüngliches ä weist, so wird die analogie mit *mäm thäs 



*) Siehe Gabelentz und Lobe. goth. gramin. §. 182 und 188, p. 102 sqq. 



328 Misteli 

durch sat tat ntät vollstundig; sät ist das umgekehrte thäs 
und wegen der Verstümmelung des ersten theiles beachte 
man altind. sdhve, zend. zdum. Daraus wird gothisoh zu- 
nächst "") säd däd ndäd, darauf mit verlust des d und kür- 
zung des ä sa (za) da nda geworden sein. Vergl. accus. 
sg. der feminina auf a = am; sollte diese analogie noch 
Dicht ausreichen, weil sonst nach abfall des endconsonanten 
vorhergehendes ä als e oder ö blieb (gen. pl. e, ö =s fim; 
nom. sg. der fem. auf ön ein = ö ei), so läfst sich mit 
Wahrscheinlichkeit vermuthen, das d oder tl^ sei schon früh 
abgefallen, dafs das vorhergehende ä wie ein ursprüngl. 
end-a behandelt wurde; die empfindlichkeit gegen schlufs- 
consonanten gieng dem abfall und verkürzen der vocale voran. 
Aehnlich geht im perfect der abgeleiteten conjugation 
dem da (des) da ein dad (dast) dad voraus, aber mit kur- 
zem a, das nach einbulse von d wegen der einsilbigkeit 
der form wie bei den pronominen blieb; denn mochte dies 
hülfszeitwort wie eine endung verwandt werden, so fühlte 
man doch stets besonders wegen des unverstümmeltea de- 
duts dedum deduth dedun seine ursprüngliche Selbststän- 
digkeit. So habe ich zu ""mäm und thäs drei neue wenn 
auch lautgesetzlich umgewandelte, doch wirkliche formen 
in der von mir postulirten weise gewonnen, deren berech- 
tigung als primäre gegenüber den secundären auf an in der 
schwere von d gegenüber u beruht, d. h. dem aus m ent- 
standenen u, nicht u überhaupt, da ich das gewicht von 
consonanten gegenüber reinen vocalen ebenso wenig za 
bestimmen als heterogene dinge zu addiren wfilste. 

4) Hier ist's der ort, dem früher geäulserten wünsche 
zu entsprechen, es möchte auch am des activs dem des me- 
diums analog gedeutet werden, tam täm tov tt^ tcov sind: 
die 2ten personen aus tvat = tvatv(i), die dritten aus tat =s 
tat(i), den Urformen von thas tas entsprungen durch ersetzung 



*) Vielleicht auch sath dath ndath; vergl. aber da als 8te pers. sg. und 
als endung des part perf. pafs. aa ursprünglich U; doch kommt es hier nur 
auf den abfall einer muta überhaupt an. 



über medial-endongeD. 329 

des t mit m, so dafs sie streng genommen auch nicht secunr 
däre formen sind zu thas tas — wäre ja so t&m schwerer 
als tas — , sondern za tvatvi tati ; w&hrend dem sich diese 
zu thasi tasi, thas tas abstumpften, sanken tvat tat blofs 
zu tarn täm. Die dehnung von täm hat hier offenbar ihren 
grund in der Unterscheidung von 2. du., da es der spräche 
nun einmal aus tvat tat kein tham tam zu bilden beliebte, 
sondern die aspiration an der 2ten person verloren gieng. 
Wirklich zeigt das griech. rov tov in den hauptzeiten ob 
t(v)am tam ohne dehnung der 3ten, und selbst in den secun- 
d&ren rov an der stelle von ti^v, worüber zu vergleichen 
Buttmann, ausf. gr. spr. I, §.87 anm. 2, der aus Homer 
drei durch das metrum geforderte beispiele bringt. Aber 
umgekehrt wird auch ty^v, wodurch nebenzeit und person 
zugleich unterschieden wird, namentlich bei Attikern, in 
die zweite person der nebenzeiten übertragen, worüber der^ 
selbe eben da, was hinlänglich die willkührlichkeit von ä 
veranschaulicht. Keineswegs darf man das einen sprach- 
Schnitzer nennen, weil die 2te person mit der 3ten ver- 
wechselt würde, da man logisch eben so gut umgekehrt 
die 2te durch d hätte auszeichnen können, fast noch rich- 
tiger, weil sie die aspiration eingebüfst. Uebrigens ist es 
ersichtlich, dafs tam seiner bildung nach auch secundärform 
von 2. pl. sein könnte , wenn nicht diese kürzere formen 
vorzöge und mit ausnähme von latein. tis den zweiten be- 
standtheil verloren hätte; factisch versieht sie diese stelte 
in den von Buttman §. 87. anm. 1 beigebrachten beispielen, 
wo TOV für T€ steht, und vielleicht in der ved. nebenform 
von 2. pl. tana = tama (vergl. tene-brae neben tamas ti- 
mira; nönus = nov(i)mus; altind. nas = mas; -äni des 
imperat. fQr ämi; zend. mana = mama) =b tam-a mit an- 
hängung von a wie im gothischen(?). 

Warum sollte nun nicht auch von der ersten person 
pl., die ursprünglich matvi, dann mat(v) lautete, irgendwo 
ein aus letzterem entstandenes mam sieh finden? Ich er- 
kenne es in ]U£v, das schon im medium einen anderswo auch 
nicht vertretenen genossen in iativ = *mäm fand. Dieses 



3:i() Misteli 

uEiJ = ""inam steht zu mas ebenso, wie tarn zu thas und 
tum zu tas, d. b. es ist eine secundärform ursprüngli- 
cherer art, die die brücke zum neugriech. ^c bildet, wie 
ttfjv = iTiäm zu (m)a der 1. sing, imperf., während mas 
und //6c,- (der.) eine spätere primär form ist, die, an sich 
betrachtet, der ersteren sich nebenordnet, weil beide aus 
matvi so abgeschwächt sind, dafs die eine 8chlufs-{t als m 
= r, die andere als s erhalten hat. Dafs aber durch die- 
sen verlauf jttsv wirklich secundärform zu /deg wurde, kann 
daraus erschlossen werden, dafs jueg dem dor. dialekte ver- 
blieb, der überhaupt die primären enduugen schützte, (abv 
dem gemeinen griechisch; durch diese erklärung bin ich 
theils der nöthigung entwichen, v (m) aus s hervorgehen zu 
lassen, wie das Bopp trotz der, ich meine durchschlagen- 
den Widerlegung*) Pott's etym. forsch. II p. 306 (Ite aufl.) 
immer noch behauptet (vergl. gr. I p. 167 §. 97; II p. 407, 
§. 530; II p. 244 §. 421 ; III p. 67 §. 727), theils habe ich 
auch der gerechten Unterscheidung Bopp's an der letzten 
stelle zwischen dem v ^(fsXy.vaTixov^ das sich an ursprüng- 
lich vocalisch endende formen anschliefst und auch fehlen 
kann, und dem v der besprochenen formen, das durchweg 
bleibt, genügt. Wirft man diese zwei v zusammen, was 
will man Bopp antworten auf die frage, warum nicht auch 
an andere vocalisch endigende formen, z. b. an das e des 
vocativs zweiter declination, solche bleibende nachklänge 
angetreten seien? So aber habe ich diesem v eine alte be- 
rcchtigung verliehen und ihm dadurch, dafs ich es in die 
classe der bildungen auf m insgesammt einreihte, eine ety- 
mologische stelle angewiesen. 

5) Aus dem griech. medium gehören hierher a&ov 



*) Kinen letzton aiihaltspunkt entzog dieser ansieht Weber im 2ten baude 
von Kuhn's und Schleicher's beitrügen p. 886 sqq. Wollte man nämlich s 
nicht unmittelbar in m umspringen lassen, so konnte man den Übergang mit 
V bewerkstelligen, und dieser letztere schien festzustehen, da ja schlufs-as im 
ahindischen so hiiulig in ö d. h. au sich verwandelt, folglich s in n; demnach 
8 in u V m. Nun weist aber W^eber nach, dafs ö aus as nicht soviel als 
au, vielmehr lediglich eine modification von a sei und metrisch häufig kurz 
gemessen werde, s aber dahinter sich verloren habe. 



über medial -enduogen. 331 

aO^r/v öi/ojv. Wenn wir auch wegen der urforni tv(ä)tvat 
der 2. du. bei aO-oVj wo es diese bezeichnet, ursprüngliches 
ad^ annehmen, und wegen der urform t(ä)tat der 3. du. <Tr, 
so verwirrte doch beide personen die aspirationskraft des 
<T, nnd es blieb nur übrig, analog dem activ, die vocallänge 
zur Unterscheidung zu benutzen. Im altindischen aber gieng 
tv in th über und t blieb t, und so gründete sich, abwei- 
chend vom activ, der unterschied auf denjenigen der con- 
sonanten. Uebrigens möchte ich lieber aö-op nicht so nahe 
dem dual, als dem plural des altindischen stellen; denn 
offenbar entspricht a^ov dem sdhvam viel besser als 
(th)äthäm und bei der identität beider numeri hat das 
auch weiter keine Schwierigkeit, mufs vielmehr durch das, 
was Buttmann ausf. gr. spr. I §. 87 anm. 1 über die Ver- 
wechslung von öd-ov und ad'6 in zwei stellen des alten 
hymnus auf Apoll sagt, noch bestätigt werden. Umge- 
kehrt war im lateinischen die dualform thas in den plural 
als tis eingewandert. Im altindischen war eine trennung 
von dual und plural durch Verlängerung des ersten a von 
tvatvat tatat (oder -am -am) für den dual und Schwund 
eben desselben für den plural nach vorhergegangener Schwä- 
chung auch der consonanten im letzteren falle (sadhvam 
sdhvam), im griechischen durch erhaltung der altindischen 
pluralform für den dual und abermalige Schwächung der- 
selben für den plural {a&s = sdhva vergl. unten) erfolgt; 
ganz so würde aus (t)ätat(-am) (t)ätäm, aus t(a)tat(-am) 
a&ov für 3. du. sich ergeben; a&rjv und a&wv aber sind 
nach ihrem vocal rein griechische erzeugnisse. 

fjLB&ov setzt madham voraus, das sich zu madhe so 
verhielte, wie sdhvam zu sdhve; dieses selbst ist = ma- 
dhadh oder matvat(vi). Mit usti^ov ideutisch ist uaO'a{u), 
dem verhältnifs von dual und plural ganz angemessen, fie- 
öäov aber und ^taö^a können wir nach der bisherigen 
Zerlegung blos als afterbildungen erkennen^ in die s nach 
analogie mit den übrigen formen, wo es seine berechtigung 
hat, eingeschleppt wurde. Ebenso auffallend hat sich auch 
im altindischen precativ ätm. ein s mitten in die dual- 



S'il Misteli 

endung eingezwängt: slj+ä-Sothftm eij+fi-s-täm, weil es 
sich auch vor den entsprechenden endungen des sg. fand: 
si+sh-thäs sl+sh-ta. Wollte man in fxea&ov unorganisch 
angetretenes v annehmen, und in (ita&a a als indogerma- 
nisches a ansehen, so iiefse sich (AtaO-o f^ead-a = matv(a)- 
tva oder madh(a)dha, wie a&s = tv(a)tva oder s(a)dhva 
fassen, so dafs die volle urform der 1. plur. mit unge- 
schwächter endsilbe erhalten wäre. Bisher setzte ich, den 
historischen spuren folgend, immer nur matvatvi madhadht 
an. Aber aufserdem, dais ich die prämissen nicht billigen 
kann, ist auch der schlufs mehr als unwahrscheinlich; ge- 
rade die hohe alterthümlichkeit dieser formen wäre sehr 
verwunderlich, da in einsilbigen formen*) nur im tha des 
perfects, in zweisilbigen nie ein ursprüngliches end-a sich 
erhalten hat, geschweige denn in dreisilbigen! Was es 
aber mit den medialen a-formen, denen ja griech. o ent- 
spricht, auf sich hat, werden wir nunmehr sehen. 

Für das verständnifs derselben haben wir nur streng 
den gang unserer Untersuchung einzuhalten: in dieser drit- 
ten classe von medialbildungen ist der endconsonant, statt 
wie in der zweiten, durch m ersetzt zu werden, ganz ab- 
gefallen und es ist (m)a aus *mäm, 'sa (ao) aus sas, ta 
aus tat, nta aus ntat durch Schwund von resp. m s t am 
ende entstanden und deshalb auch a ungeschwächt geUie- 
ben. Auch sva, griech. xjo des Imperativs auf ov = 6-tfo, 
inufs man aus svas = svasi, der älteren form von sasi er- 
klären und nicht etwa als reinen stamm des pronomens 
zweiter person auffassen, so dafs bhära-sva so viel bedeu- 
tete, als bhara tvam, will man nicht ein eingreifen der 
activen bildung in die mediale annehmen. Es Iiefse sieb, 
wie sva neben *sa (ao)^ auch sve neben se denken, worin 
der imperativ seine neigung zu vollen personalendungen 
mehr hätte befriedigen können, entstanden aus sva(8v)i. 
Treffend erkennt Benfey kurze skr. gramm. p. 90 dasselbe 



*) Dafs a in 1. und 3. siDg. des perf. act. im altindischen nicht ma 
ta sei, soU im ezcors ttber das perflsct so seigen versucht werden. 



über medial -endmigeD. 333 

im imperativ aor. med. der Griechen wieder, in acci oder 
vielmehr dem vollstäDdigem öaaai ; blos der accent könnte 
bedenken erregen, weil man nach ßovX^v-aaaai fiovkevaat 
erwarten sollte, wie ridi^ev didoutv = Ti&äiAtvißt) SiSo- 
fABv(ai) und rt&ivai didovai = Ti&i{u6)vai diS6{jA%)vai,. In- 
dessen hat dieselbe betonung in demselben fall 2. sg. präs. 
z. b. rpiQBat fpiQfj trotz (peoiaaffi, so daTs diese contraction 
schon vor der beschränkung des tones auf die drei ersten 
Silben platz gegriffen haben mufs. Beiläufig bemerke ich, 
dafs ich dem v des imperativs aor. act. von aov einen ähn- 
lichen Ursprung wie allen griechischen formen mit stehen- 
dem V zuschreibe; es setzt m voraus und dieses ist an die 
stelle von dh == dhi getreten, gerade wie m in dhvam 
und V in a&ov ßiBtfov s» 8dhvadh(vi) madhadh(i) die stelle 
eines dh versieht. So könnte denn diese form so wenig 
als die andern auf griechischem boden erwachsen sein, son- 
dern müiste aus einer andern früheren Sprachperiode her- 
stammen, wogegen man nicht einwenden kann, dafs ein 
solcher imperativ auf m = dh(i) sich nicht erhalten ; denn 
vorerst sind die imperative aor. überhaupt nicht zu häufig, 
dann bietet das indische auch kein mäm madham gegen- 
über ^rjv fAB&ov. — Auffallend ist das e von a&6 gegen- 
über o der andern flexionen, was jedoch wohl nur ein 
neuer beweis der neigung dieser person für Schwächung 
sein dürfte; übrigens findet a&s = 8(a)dhva(dh) einen re- 
präsentanten im altindiscben, in dem aus dem imperativ 
auf dhvät zu erschliefsenden dbva, das. auch fQr sich ak 
imperativ sich findet. Fragt man nun, wie in dieser ein- 
zigen silbe plural, medium, imperativ ausgedrückt sein 
kann, so steckt der erste in dhv == sdhv = tvatv(a) = 
„du und du^, das zweite nur im end-a, insofern dieses 
durch sein blofses dasein auf einen abgefallnen consonan- 
ten, dieser auf die blofs andeutungsweise vollzogene me- 
diale reduplicationssilbe hinweist, das dritte freilich ist 
blofs durch Zusammenhang und gebrauch hineingetragen, 
liegt aber, insofern jeder andere modus dhve oder dhvam 
anwendet, eben deswegen auch in der endung. Beim ge- 



334 Misteli 

wohnlichen imperativ auf dhvam fällt auch diese leise an- 
dcutung hinweg und das imperativische läTst sich nur aus 
der bildungsweise der ganzen bestimmten verbalform er- 
kennen, da nämlich das imperfect ein augment, der poten- 
tialis die zwischensilbe i und so jede andere zeit und jeder 
andere modus, der auf dhvam anspruch macht, etwas an- 
deres hinzufügt. Der griechische imperativ auf a&s end- 
lich geht selbst über die verbalform hinaus und ist blos 
durch den Zusammenhang der worte zu erkennen, d. h. 
er ist um ungenauesten bezeichnet. — An dhvät schliefse 
ich, der ähnlichen bildungsweise halber und als ebenfalls 
auf, wiewohl höchst ursprüngliche formen auf a deu- 
tend, die griech. imperative medii 2. und 3. sing, starker 
form. Zerlegen wir (T&o), das unzweifelhaft eines t ver- 
lustig gegangen, so ergibt sich t(va)tvä-t für die zweite 
und t(a)tä-t für die dritte person. An sich betrachtet könn- 
ten diese grundformen auch medialen imperativen des dua- 
lis angehören und ursprünglich identisch mit den secun- 
dären dualendungen (tb)äthäm (t)ätäm sein, in welchen das 
schlufs-t der verstümmelten ersten formen tvatvat(vi) ta- 
tat(i) erhalten und eben dadurch das imperativische aus- 
gedrückt wäre. Nun aber mufs das schlufs-t als andeu- 
tungsweise im imperativischen sinne vollzogene Wiederho- 
lung der medialform tvatva tata, a&o ai9'o angesehen wer- 
den, wie ich das bei den activen umbrischen imperativen 
auf tuta-d tutu-d tuto-d vermuthete; -c«/(r) =, &t bezeich- 
net noch formell die imperativische bedeutung durch die 
dehnung. (fagea&w bedeutet also als 2. sing, bhärat(va)- 
tvät(i) „trag du dir, du^ und als 3. sing. bhärat(a)t&t(i) 
„trag er sich, er", wobei man vielleicht richtiger über- 
setzte: „trag dir du, du** u. s. w.; denn die Stellung von 
subject und object in den medialendungen zu entscheiden, 
sehe ich kein mittel. Die beiden formen sind 1) ein di- 
rekter beleg filr nur zur hälfle vollzogene reduplication mit 
den erwähnten umbrischen imperativen; 2) ein directer be- 
weis, dafs auch die medialendungen ursprünglich auf a 
ausgiengen, wenn gleich weder (pigs-vai noch weniger y^- 



über medial -endungen. 3:)5 

Qs-at^ das vom pronomenpaar blos die vocale rettete, in 
(psoe-ai^o-, cpBQB'oO^o vou rpaoe-aäcD^r) y6(>€-(Ti?ft>(r), die die 
consonanten gehäuft und den endvocal ungeschwächt er- 
hielten, ihre bröder erkennen würden. 

Für die activformen auf a entsteht dadurch ein zwei- 
fei, dafs der consonant des zweiten pronomens nicht nur 
als m (tarn tarn = tvat(vi) tat(i), sondern auch als s (masi 
thas tas) erhalten ist und man nun nicht weifs, ob hinter 
a das s oder der ursprünglichere consonant gestanden, 
d. h. ob man z. b. tha aus thas, oder aus tvat(vi) (=tam)*) 
ableiten soll, ob ma aus mas oder aus mat(v) (= ßBv); 
im letzteren falle gehören auch die a- formen nicht, so 
wenig als die auf m, organisch zu denen auf s, weil die 
reihe matvi masi mas ma ganz unabhängig ist von der 
reihe matvi mat(v) mam ma. Bios in ta kann man sicher 
eine abschwächung aus tha annehmen; von den andern 
gilt der satz: est etiam aliqua nesciendi ars. Für das me- 
dium erhöbe sich dieselbe Schwierigkeit, wenn einem pri- 
mären thäs ein secundäres tha gegenüberstände. — In 
den gothischen grundformen ist die Schwächung noch wei- 
ter gegangen und durch secundäre lautgesetze das wirk- 
liche verhältnifs von starken und schwachen endungen auf 
den köpf gestellt worden. Als starke grundformen der 
1. du. plur. ist nämlich anzusetzen vas ma, als schwache v 
m. vas des duals geht aus os hervor, mag man es nun als 
a-(v)as oder als a-v(a)s fassen. Hier bewahrte der dual 
in der ersten person eine vollere form als der plural, wie 
diefs verhältnifs im altindischen in der zweiten person durch- 
weg stattfindet. Daraus entwickeln sich die wirklichen 
formen lautgesetzlich: aus ma wird ro, aus m und v durch 
Zusatz eines unorganischen a: va ma. Abweichend setzt 
Westphal in d. zeitschr. II p. 179 als primär mis an, das 
durch ms zu m herabstieg; und p. 184 als secundär väs 
mäs, die durch abfall des s und kürzung von ä sich zu 
va ma gestalteten. Aber man mufs der spräche nicht ohne 



*) = tham, mit ohne sichtbaren grond verlorener aspiration. 



336 Misteli 

noth schon in den grundformen mifsTerbKltnisse unter den 
beiden arten von endungen zutrauen, vielmehr die beste- 
hende unregelmäfsigkeit aus der ursprOnglichen regelmä- 
Isigkeit herleiten; zudem wörde das gothische bei ms so 
wie auch bei ts stehen geblieben sein. 

Aber auch das altindische schritt für sich in der Schwä- 
chung der medialendnngen weiter fort in einer vierten 
classe, der aufi: (m)i 1. sg. imperf. und mahi schwache 
form der 1. pl. Es ist hier i aus dem a der eben behan- 
delten bildungen entstanden, wobei fQr Lsg. der stufen- 
gang vollständig vorliegt: mami (s= (m)e), mäm (ss firpi)^ 
ma (ss (m)a), mi (= (m)i). Wenn für die andere form ein 
ma(d)ha ausfällt, so ist das noch kein grund, um Schwä- 
chung aus e anzunehmen, was fQr (m)i wegen (m)a un- 
statthaft wäre, sondern mahi enthält eben madha in sich. 
So hangen denn die e -formen nach der entstehung aus 
den Urformen gar nicht mit den andern zusammen, und 
mag auch ein (m)a (m)i weniger gewicht als ein (m)e ha- 
ben, so sind doch jene und dieses auf von einander unab- 
hängige weise auf das jetzige mafs reducirt worden. Weil 
femer das altindische i, das von der urform mami blos das 
a im dünnen i erhielt und thäs, das sich von der urform 
tvatvi wesentlich blos durch den abfall von i unterschei- 
det, in eine classe zusammenfafst, erhellt, dafs wir uns bei 
einordnung der endungen durchaus nicht von den verwirr- 
ten altindischen Verhältnissen beschränken lassen dürfen, 
wie ich denn ohne bedenken im gothischen zäd däd ndäd, 
thäs analoge formen, zu der ihnen verhältnifsmfiTsig ge- 
bührenden würde primärer endungen erhob. Denn ver- 
hältnifsmäfsig ist der ganze unterschied, und keiner en- 
dung kommt an und für sich der name einer primären 
oder secundären zu. — Ich glaube eine ähnliche Schwä- 
chung in i (d. h. eine Schwächung 3tcn grades; von mi si 
ti SS ma sa ta rede ich nicht) auch im activ nachweisen 
zu können. Gothisches th 2. pl. mufs einen vocal hinter 
sich verloren haben und ich glaube i, nicht a, aus folgen- 
den gründen: 1) vor s, th, th, 2. 3. sing. 2. plur., wird der 



über medial- endnngen. 337 

bindevocal a zu i geschwächt; die Verwandtschaft des dün- 
nen i zum spitzen s and t, welche beide buchstaben auch 
im griechischen das leichtere e vor sich haben {Uy^saai 
Uy-Btavy also auch ?Jy'S(n Uy-sri; Uyare)^ reicht denn 
doch nicht aus und beweist jedenfalls nichts fdr th. 2) Ver- 
flüchtigt sich in den stammen auf an im gen. und dat. 
sing, ebenfalls a zu i; wegen des seiner natur nach dem 
t gleichen n? aber warum denn nur in diesen beiden ca- 
sus? wegen des altindischen näm-ne, nim-ni, nÄm-nas? 
aber es gibt auch ein näm-näm und doch gothisch: gum- 
-ins gam-in gum-ane und man sollte diefs (gumine oder 
gumne) um so mehr erwarten, da bei den stammen auf 
ar, die diese themenabstufung noch wiederspicgeln , neben 
fadrs = piträs, fadr s=s pitr^ pitari auch fadre == pitf'näm 
der analogie gemäfs gebildet wird, aber fadar = pitAram. 
Also kann von in = an nur noch das i der endung Ur- 
sache sein; und wirklich kann dem dat. sing, nur das lo- 
cativische i zukommen, weil dativ ^ nie abfiele, und im 
genitiv bildet is die natürliche übergangsstufe zu s aus as; 
sonach gilt es auch von den verbalendungen*). 3) Of- 
fenbar ist nach primärem und secundärem th ein vocal 
abgefallen; nun stimmt zwar tha in bezug auf schwere zu 
ma, ndi, aber nicht zu m n(d), wie wir die grnndformeii 
annehmen müssen; thi ist so angethan, um nach beiden 
Seiten zu vermitteln, weder zu wuchtig für die secundä- 
ren, noch zu schmächtig für die primären, wo es sich viel« 
mehr neben si ti ndi ganz gut ausnimmt; mi führe ich 
nicht an, weil es schon in vorgothischer zeit abgefallen 
zu sein scheint und -a nach gothischen gesetzen nicht aus 
a-mi hergeleitet werden kann, daher kann man den einflufs 
des end-i mit der ersten person so wenig als mit 3. plur. 
bestreiten, wo nd ihn hi^derte. Für Urformen des goth« 
verbums halte ich: 



*) Gleicherweise scheint mir i der genitiv-endong is bei pronominen, 

a^jectiven und a stammen aas a wegen des j von a-sja (goth. etwa a-si ) 
entstanden. 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV. 6. 22 



338 Misteli 

a) primäre (a) — , si, thi; va8, tas, — ; ma, thi, ndi. 

b)8ecundäre (a)u, s, th; v*), tas,— ; m, thi, n(d). — 
Sollte nun diese analyae der medialendungen zu com- 
plicirt erscheinen, als dafs sie in den noch rohen geist der 
ersten sprachbildner hätte eingang finden oder richtiger 
von ihm hätte ausgegangen sein können, so gestehe ich 
gerne ein, dafs die zusammengesetzteren Bildungen in be- 
zog auf die in ihnen enthaltenen logischen Verhältnisse sieb 
fast mit verwickelten compositis des altindischen messen 
können; nur vergesse man dabei folgendes nicht: auch 
vorausgesetzt, es hätte der geist eines Indogermanen alte 
diese Verhältnisse durchlaufen müssen, so mufste er das 
blos anfangs, und sobald er sie einmal in Übereinstimmung 
mit demjenigen, was er durch sie ausdrücken wollte, ge- 
funden hatte, konnte er sich ihrer ganz mechanisch bedie- 
nen. Die altindischen composita aber sind nach Worten 
und Verbindungsarten so mannigfaltig als der Stoff und die 
Schreibart des Verfassers und müssen in jedem augenblicke 
immer auf's neue vom leser oder hörer durchdacht wer- 
den, weshalb die gewöhnliche Umgangssprache sie gewifs 
nicht kannte. Aber ich gebe nicht einmal zu, dafs er je 
eine form ganz zu analysiren brauchte. Die gröfseren 
formen entstanden natürlich erst aus und gegenüber bereits 
vorhandenen. Die innere bildung dieser aber konnte längst 
vergessen und blos der bezweckte sinn geblieben sein, 
nichts desto weniger konnte man an diesen unverstandenen 
formen eine weitere grammatische beziehung andeuten, zu 
welcher das bedürfnils sich regte, und auf grundlage un- 
begriffener sprachformen der vorväter errichteten die enkel 
neue, und immer nur der letzten bildungsweise war man 
sich bewufst. dhvät entstand aus dhva gegenüber tat me- 
chanisch durch ansetzen von t und Verlängerung des a, 
wobei der Schöpfer weder dhva noch tat noch selbst die 
wahre natur des t am ende, in der oben geschilderten 



*) Der greUe gegensatz von v und tas (unvarschobenes t!) ist in kei- 
ner weise zw beseitigen, wird aber bei ts weniger füblbar. 



über medial -endimgen. 339 

weise zu kennen brauchte, ebenso wenig, als der Grieche 
sein ö&ov und rmv, Tf]Vy wenn er diesen beiden gegenüber 
aus dem ersten ein aäojp ad-ijv schuf. Den dingen selbst 
kommt ihr verstand, d. h. ihre vernünftige bildungsweise, 
nicht abhanden, mögen ihn auch die menschen verlieren, 
und diesem objectiven verstand der medialbildungen, 
nicht dem subjectiven der Sprecher, gilt meine auseinan- 
dersetzung. Daher ist auch die neuheit einer form an und 
fQr sich kein kriterium ihrer ungesetzmäfsigkeit und ich 
behaupte durchaus nicht, dafs alle grundformen, auf die 
ich die formen der einzelnen sprachen zurückgeführt, im 
munde eines Indogermanen erklungen *), weil das bedürf- 
nifs an alt überliefertem sprachstoff diese oder jene gram- 
matische beziehung auszudrücken, eben so gut in der in- 
dogermanischen periode, als Jahrtausende nachher bei den 
einzelnen Völkern sich äufsern kann, nur dafs in letzterem 
falle die neubildungen nach den einer jeden spräche eigen- 
tbümlichen lautgesetzen ein individuelles gepräge erhalten| 
das vom analysirenden entfernt werden mufs. 

Wenn ich übrigens als sto£P der ersten öffentlichen 
arbeit einen gegenständ gewählt, wovon gewichtige Sprach- 
forscher sagen möchten: manum de tabula! so bedenke 
man, dafs die Jugend gern nach dem höchsten greift, und 
ich bin zufrieden, wenn ich mich nur nicht ganz vergrif- 
fen habe. — Paris, april 1865. 

Excurs über die perfectendungen. 

Man hat leicht sehen können, dafs ich im anschlusse 
an die medialendungen auch die activen zu erklären suchte« 
Nur die perfectendungen liefsen sich nirgends schicklich 
anfügen; auch kann man sie nicht besprechen, ohne sich 
in die bildung dieses tempus einzulassen, weshalb ich ihnen 
einen eigenen abschnitt widme, um alle endungen umfafst 
zu haben. 

Es fragt sich nämlich: Ist a der 1. und 3. sing, und 



*) 80 z. b. die medialen imperative auf aB-utir) kaum. 

22* 



340 Mistel! 

2. plor. des altind. perfects bindevocal, hinter welchem die 
enduDg abgefallen, oder rest der endungen ma ta? — Für 
ersteres spricht die bildung des griechischen perfects, das 
nach dem bindevocal a die endung unversehrt erhält in 
ar«; auch «- der ersten und ev der 3ten sing, weisen be- 
stimmt auf a{u) a{T)\ für letzteres die analogie der ent- 
sprechenden Verstümmelungen in Iter und 3ter sing, des 
medium und vedisehe eigenthQmlichkeiten, die namentlich 
ein anfangs -t der endungen sehr unsicher erscheinen las- 
sen (Benfey kurze skn-gramm. p. 98 §. 164 bem.). Wenn 
aber das a des perfects blos bindevocal ist [und wer hat 
ihm eine andere bedeutung gegeben?], so folgt daraus 
noth wendig, dafs formen ohne bindevocal vorausgesetzt 
werden müssen, gleich wie auch eine bindevocallose con- 
jugation neben der bindevocalischen existirt und sich als 
die ältere erweist. Es ist also zu beantworten: wie ent- 
standen aus formen wie viväidma ein v^da und ein olSa^ 
Nun hat aber das perfect wegen des Zusatzes von vorn 
wie das imperfect seine endungen gröfstentheils verstüm- 
melt, und es scheint mir nicht zu gewagt, dafs mi ti der 
Iten und 3ten sing, und ta der 2. plor.*) wie auch ihre 
andern geführten sich geschwächt hätten und zwar zu m, t. 
Es war aber unmöglich, diese mit consonantisch endigen- 
den wurzeln zu verbinden und wie im imperfect in der 
ersten sing, überall, in der 2ten und 3ten bei einigen ver- 
ben (arödas arödat) trat der bindevocal a dazwischen. Dals 
nun derselbe, einmal gebraucht, auch über vocalisch endi- 
gende verba sich erstreckte, ist gar nicht unerhört und 
hat in am, an des imperfects, in anti des präsens auch 
stattgehinden , und es läfst sich gar kein grund angeben, 
warum nur m oder n und nicht auch t durch dieses a 
überall gestützt werden sollten. Es entwickelt sich also 
aus vivaidm, vivaidt [aus viväidma (-mi), vivaidta (-ti)], 
vivaidam, vivaidat, aus welchen die gewöhnlichen formen 



♦) Vergl. die oben erschlossene goth. idealform ti, und die neignng der 
2ten person zur schwKchung Überbaust. 



über medial -endungen. 341 

durch abwerfen der endconsonanten entstanden. Ueberall 
einen bindevocal als ursprünglich anzunehmen hindert mich 
der umstand, dafs in einem tempus, wo andere sprachen 
die endungen wenigstens theilweise unmittelbar ansetzen 
(griech. medium, homerischer dual und plural activ, wie 
das gewöhnliche iavov, ia^ev^ iars, goth. t der 2ten sing.), 
notb wendig diefs die ursprünglichste bildung gewesen und 
der bindevocal nothgedrungen nur so eingetreten sein mnis, 
wie in den eben bezeichneten endungen. Dem setzt sich 
aber athus atus des duals entgegen, wo ohne eigentliches 
bedürfnifs der stärkste bindevocal figurirt. Ich erkläre dies 
aus einem mifsgriff der spräche. Weil im activ das a der 
Iten und 3ten sing, wiewohl zufällig in schöner harmonie 
stand mit 6 der nämlichen personen des mediums, wurde 
auch den medialen endungen äthe ätö ein actives athus 
atus nachgemacht, was durch das Umsichgreifen des bin- 
devocals noch begünstigt werden mufste. So ergab sich 
denn, die 3te plur. ausgenommen (us und ire), in bezug 
auf den bindevocal eine vollkommene gleichmäisigkeit: a:e 
= tha : s^ = a : 6 = va : vahg == athus : ftthe = atus 
: gt6 = ma : mahö; ta der 2ten plur. aber wurde durch 
seine starken Verstümmelungen (ti, t) in die analogie der 
3ten sing, gezogen. Weil nun ätbe ute im anlaut speciell 
indisch verstümmelt sind^ so können natürlich die durch 
sie erzeugten athus atus auch nur als speciell indische 
Produkte aufgefafst werden, was durch homerische duale, 
wie iiixTov, iixTr^v, bestätigt wird. Ein scheinbar alter- 
thümliches und doch specifisch indisches a ist auch das 
der 2ten plur., wie man aus obiger ableitung und dem 
griech. iaTS ersieht. Es wird also ganz wie im imperfect 
und wohl auch aus demselben gründe der bindevocal ur- 
sprünglich auf die Ite und 3te sing, beschränkt gewesen 
sein. Als gemeinsame form des indogermanischen perfects 
ist demnach anzusetzen: a(m), ta, a(t), vas, las, tas, mas, 
ta, anti*), von der aus die einzelnen sprachen folgender- 

*) Wegen des lateinischen für 2te plur. besser tas und fUr Ite sing, 
vielleicht mi (nicht ami), worüber unten. 



342 Misteli 

mafsen fortschritten : das altindische erzeugte als nachge- 
burt das bindende i, das schon deswegen nicht aus a ab- 
geschwächt und als ursprünglich gelten kann, da etliche 
yerben sich dieses i, nie aber des a enthalten (Benfey kür- 
zere skr.-gramm. §. 213 p. 143) und für das sonst regel- 
rechte i-re der vedadialekt auch rö zeigt, weil eben in 
dieser periode das i erst eingeschoben zu werden anfieng, 
ohne noch gesetzlich zu sein. Was aber die von Bopp 
vergl. gramm. II p. 527 §. 640 erwähnten zendischen for- 
men äonhare und äonhaire betrifil, die gegenüber altind. 
äsir6 die ursprünglichkeit des bindevocals zu beweisen 
scheinen könnten, so ist die 3te plur. med. unzweifelhaft 
mit as compouirt und das a gehört dieser wurzel an und 
nicht ist zu theilen äonh-a-re, und sollte es auch binde- 
vocal sein, so beweist das neben irlrithare noch häufiger 
vorkommende irlritbre (§.641) auch hier die unursprüng- 
lichkeit. Das griechische übertrug mit dem bindevocal 
der drei personen im sing., wo neben olaO^a auch olSag 
eingetreten war, die Steigerung auf die übrigen; daher As- 
koiTiafisv aus XiKmpiBV wegen Xiloma. — us und (i)rö der 
3ten hat Benfey richtig erklärt aus anti und (i)rant6. Sonst 
macht blofs die 2te sing, einige Schwierigkeit, wo Benfey 
auch fbr das indische in Übereinstimmung mit griech. a&a 
und lat. sti, stis, indem er s als Überrest von as ansieht^ 
stba annimmt, und auch Curtius hält p. 2 1 seiner tempora 
und modi als endung a&a^ sti, stis, freilich mit euphoni- 
schem s, fest. — Dem altindischen eine solche form zu 
schenken ist gar kein zwingender grund vorhanden, weil 
th genügend aus tv sich erklärt und von cerebralisation, 
wie etwa in 2. plur. med., keine spur vorhanden ist. Was 
aber das griechische betrifit, so können formen wie öidoi- 
6&a (II. T, 270), äolisches il%€ia&a (piXuad-a, wenn das t 
verständlich sein soll, nur so verstanden werden, dafs B$g 
aus eav und oig aus oai entweder geradezu durch Umstel- 
lung des i oder durch die Zwischenstufe eigi und ovai mit 
abwerfung des endvocals hindurch entstanden ist, und &a 
an die fertige endung der 2ten sing, angetreten wäre. Et- 



über medial -endungen. 343 

was ähnliches liegt vor in den von Bopp vergl. graram. II 
p. 286 §. 448 citirten altdeutschen formen, wie bis-t, tuos-t, 
8tas-t u. 8. w., die sich im neuhochdeutschen allein geltung 
verschafft haben, während umgekehrt der Schweizerdialekt 
nur formen auf sh = s kennt, wie bish, duesh, stäsh oder 
stösh oder steish, die doch viel wahrscheinlicher die ein- 
fache form erhalten haben, als aus der auf st abgestumpft 
sind. Auch die gothische perfectendung t begünstigt die 
annähme eines euphonischen s nicht*). — Die endung fta 
der verben auf ä im altindischen in Iter und 3ter sing- 
müfste nach dem obigen eigentlich am, ät lauten. Nun 
ist fQr die Ite sing, der Übergang von m in u oder v er- 
wiesen; äu der dritten aber scheint mir von der ersten 
nachgezogen, weil in den übrigen weitaus die gröfste masse 
bildenden verben die Ite und 3te sing, ebenfalls zusam- 
menfielen und in denen auf ä selbst bei regelmälsiger bil- 
dung (ä = ä(m) und = ä(t)). Diese abweichende behand- 
lung scheint aber deshalb eingetreten, weil sonst diese ver- 
ben auf den blofsen wurzelauslaut geendet und keine en- 
dung gehabt hätten. 

Im lateinischen hängt von der ansieht über die en- 
dung von 2ter sing, und plur. die ansieht über die bildung 
des ganzen tempus ab. Nun haben wir bereits für das 
indische und griechische die annähme eines euphonischen 
(T verworfen, das gothische zeigt auch kein st als endung, 
warum sollten wir es im lateinischen zugeben? Vielmehr, 
wenn man den conjunctiv perf. mit dem conjunctiv präs. 
von es, den indicativ plusquamp. mit dessen imperf. indic. 
u. s. w. zusammengesetzt sieht, die analogie des passive 
aber auch noch für den indic. perfect hinzukommt, so ist 



♦) Die häufigen bildungen auf O^a in der homerischen spräche mögen 
ihren grund darin haben, dafs die 2te und 8te sing., beide ursprünglich auf 
i-at, ii-aiy o-cji-, x-ai ausgehend und in einander überfliefsend, so getrennt 
oder wenigstens deutlicher unterschieden werden sollten, als es durch «*; 
"» '<? 'i ®*^^*' K^'i gleichmäfsig aus ;-rr» und tj-ö"», geschehen war. — We- 
gen o-cr>, das aus dC6oK;-Oa zu erschliefsen, vergl, die indicative; dMotg 
IL f, 164 und Sidoi ibid. 519. Zur betonnng dtSoiaOa, ötöolqt ötdni sehe 
ich keinen grund. 



344 MUteli 

der schluls natörlich , es werde auch der indic. perf. activ 
das verbum substantivuin enthalten. Wenn man als prin- 
cipiellen grund dagegen anf&brt, dafs die reduplication 
warzelieben beurkunde, Umschreibung erst nach dessen er- 
sterben eintrete, so äufsert es sich gewifs eben so sehr in 
der Yocalsteigerung und nichts desto weniger zeigt das 
altindische zusammengesetzte gunirte futura und aoriste; 
und so gut hier das augment vom hülfszeitwort auf die 
bestimmende wurzel zur festeren zusammenschliefsung des 
ganzen übertrat, ebenso gut konnte dasselbe im perfeet 
mit der reduplication geschehen ; gegen das letztere bewei- 
sen aber formen wie körajämbabhflva deswegen nichts, weil 
der erste theil ein abstractes nomen mit voller casusen- 
düng ist, das nicht wohl mit der reduplication versehen 
werden konnte. Ich setze also wie Schleicher zunächst 
die formen fec-istis, fec-i8ont(i), auch fec-i(s)mus an, wo 
das verbum substantivum am deutlichsten hervortritt. Das 
mittlere i wollte ich lieber als Schwächung des wurzelhaf- 
ten e von es, denn als bindevocal fassen, wiewohl wesent- 
lich dadurch nichts verändert wird. In der Iten sg. niufs 
auf i jedenfalls s mit einer endung, die ich sogleich näher 
bestimmen werde, gefolgt sein; denn nur so lä&t sich i 
und dessen länge begreifen. Für die 3te sing, scheint 
keine andere ausflucht gestattet, als ausfall des s vor t und 
ersatz durch die länge des vocals. Es spricht nun trotz 
der eigenthümlichen verwandelung im lateinischen auch 
nichts ausdrücklich dagegen; aber auch das oskische und 
umbrische bieten beständig d in dieser form, die doch 
sonst die durch eben dies es gebildeten verbalausgänge 
auf st lieben. Man muis daher einen andern weg einschla- 
gen. Ein lateinisches perfeet von es müfste nach dem 
oben entwickelten also lauten: esom*), esti, esit, esmus, 
estis, esont = äsa(m), as(i)tha, äsa(t), äs(i)ma, äsa, äsüs. 
Mit esit zusammengesetzt entstände z. b. fgc-isit = fec- 
-erit, das mit dem conjunctiv perf. gleich lautet, dessen 

*) vielleicht esmi, 8. unten. 



über medial-endangen. 345 

eigentlich langes i wohl schon früh gekürzt word^ sein 
wird. Ich glaube nun, dafs aus föc-isit = fec-erit durch 
ausfall von s oder r das gewöhnliche fö-oit entstand. Diese 
Verwandlung steht viel weniger vereinzelt als die erste; 
unzweifelhaft ist ver aus veser hervorgegangen, zusammen- 
gehalten mit vas-anta, ^€(r-ao = Hag^ ijg; alle Wörter auf 
es, gen. is der 3ten, wie södis = södisis = tSe{a)og von 
sed^s = ^3og^ haben den ausfall von s mit einem vocale 
erlitten, worüber ich auf Bopps vergl. gramm. III p. 381 
§• 922 und Leo Meier's vergl. gramm. des lateinischen und 
griechischen II p. 117 verweise, die noch anderweitige bei- 
spiele bringen; also: fec-erit : fec-lt = veser-is : ver-is. 
Aber die erscheinung geht über das lateinische hinaus; 
denn ganz analog ist im altindischen die bildung der aorist- 
endung is, It für 2te und 3te sing, aus isas, iäat im 
vergleich zur Iten sing, iäam, eine erscheinung, die für 
beide sprachen zwar eben so abnorm ist, wie für das alt- 
indische speciell die Verwandlung von s in r, aber verein- 
zelt doch spuren zurückliels, wie letztere in den 3ten pl. 
mit r (ran, r^). So könnte man auch fec-l aus f(Bc-iso(m) 
entstehen lassen und den wegfall des m — denn echtes 
secundäres m bleibt — damit vertbcidigen, dafs die spräche 
das schlufs-m für das perfect als haupttempus nicht geeig- 
net hielt *). Aber wahrscheinlicher ist mir, dafs das la- 
teinische in seinem ältesten zustand wie mit tis fQr 2tc 
plur. so mit mi des perf. seine Schwestern wird überboten 
haben, und fec-I ein fec-ismi zum vorfahren hat; denn 
wenn schon in sum = smi = esmi m ungewöhnlicherweise 
die stelle von mi vertritt, so war die Ursache davon der 
Verlust von e, der das beibehalten von m und das ein- 
schieben von u noth wendig machte, ansonst ein blofses s 
übrig geblieben wäre ((e)s(mi)); in der Zusammensetzung 
konnte die volle silbe mi sich halten; derselben fiel zuerst 



*) Ein f§c-isömi darf man nicht annehmen; woher käme bei mi der 
bindevocal o, der bei blofsem m nothig ist? Wegen der znsammenziehung 
der vocale vergl. übrigens : quis, wenn = quibos und nicht = quobis, pris 
in pris-CQs =s prios, prins u. 8. w. vedisch Ite sing. Im =s Isam. 



346 Misteli 

8 weg, wie in der Iten pi. imus = ismus oder Cämtoae 
= CasmSDae, dann mi mit Verlängerung des vorausgehen- 
den vocals. — Während jetzt die form entschuldigt wäre, 
hat sich eine neue Schwierigkeit von Seiten der bedeu- 
tung erhoben. Sollte wirklich der perfectstamm mit 
dem perfect von es zusammengesetzt und die Vergan- 
genheit doppelt ausgedrückt sein? Man mufs sich aber 
nicht täuschen lassen, weil für den Romer perfect und prä- 
sens von sum zumal in ihren lateinischen grundformen zu- 
sammenfallen ; man vergleiche: s(u)m es est, s(u)mus estis 
sunt und esum (esmi) esti esit, esmus estis esont. 

Die 2te sing, esti gegenüber es kann keinen unter- 
schied begründen, weil ta der 2ten sing, überhaupt als en- 
dung zukommt, im altind. thäs dasselbe ta componirt im 
imperfcctum erscheint, im griechischen und deutschen sich 
weit über das perfect verbreitet hat. So wenig jeder Grieche 
sich unter rja und i]a&a ein perfect vorstellte, sondern 
mit dem imperfect zusammenwarf, für das echte perfect 
aber sich an andere wurzeln wandte, so gieng es dem Rö- 
mer mit seinem isti oder sti. Der Grieche verwechselte 
aber solche formen mit dem imperfect, der Römer mit dem 
präsens, weil dort augment und reduplication gleicherweise 
in 7] zusammenflössen, hier nach verlust von beiden der 
präsensötamm es übrig blieb. Der unterschied von esmi 
esmus gegenüber sum sumus ist mehr scheinbar als wirk- 
lich, weil diese jene voraussetzen. So sticht blos esit von 
est bedeutender ab. Indessen da auch esit der form nach 
nicht perfect ist beim fehlen der reduplication, noch auch 
wahrscheinlich allein vorkam, so mochten die andern for- 
men auch dieser die bedeutung des präsens in, der com- 
position aufdrängen, was dann ohne allen anstofs war, als 
durch contraction esit in blofes It zusammenschrumpfte 
und wie eine endung aussah. Das lateinische perfect, zu- 
sammengesetzt aus dem perfectstamm und dem präsenti- 
schen es hat so eine gewisse ähnlichkeit mit der häufigen 
Umschreibung — tavän asmi u. s. w. im altindischen, und 
fec-isti beifst: „du bist gethan habend^. — 



über medial - endongen. . 347 

Eine fernere achwierigkeit verursachen die perfecta 
auf si, deren lösung zuerst Curtius anbahnte. Wie sollte, 
Ü5C in föcisti analog — denn das verbum snbstantivum ist 
blos flexionsartig verwandt nnd der ausdmck der Vergan- 
genheit liegt in fäc = fefac — auch vex, vecs von vexisti 
die Vergangenheit bezeichnen, sollte auch das angehängte 
8 der Wurzel as angehören? Aber die zweideutige natur 
von es hilfl -uns auch aus dieser Verlegenheit. Das per- 
fect derselben war mit dem präsens im wesentlichen zu- 
sammengefallen und hatte dessen bedeutung angenommen. 
Es wäre nur ganz in der Ordnung, wenn dieses perfeet 
auch wirklich ein perfeet bedeutete und vexisti hiefse: „du 
bist ein fahrender gewesen'^, ähnlich wie osk. prüfatted 
eigentlich prüfat f(u)ed = probans fuit. An der doppelt 
gesetzten wurzel as mQfste man eben so wenig anstofs 
nehmen als an den altindischen aoristen auf siäam, und 
vec-sit steht im nämlichen verhältnifs zu seiner urform 
vec-sisit wie &-jar8lt zu ä-jä-sisat. Als einer interessan- 
ten analogie von Verdoppelung des verbum substantivum 
gedenkt Benfey kürzere skr.-gramm. p. 143 §. 212 bem. 
des ved. rirö, womit er eben auch lat. scrip-sisti vergleicht 
Wenn Curtius in seinen tempp. und modi als lat. perfeet 
von es 81 sisti sit simus sistis sisont annimmt, so steht 
dem nicht blos die länge von i in 3. sing., sondern auch 
die vom perfeet abgeleiteten bildungen im wege; denn da 
das von Curtius aufgestellte perfeet bedeutend vom prä- 
sens abweicht, läfst sich nicht wohl begreifen, warum in 
den abgeleiteten formen sim, eram, essem, ero antreten, 
als stünde im indic. perf. ein präsens von es. Nach obi- 
ger auseinandersetzung erklärt sieh das von selbst. — In- 
dessen wäre noch eine andere aufifassung zulässig, die mir 
ebenso sehr behagt. Weil der stamm von verben, die im 
perfeet si bilden, sich nicht veränderte — den grund frei- 
lich sieht man nicht recht ein — könnte durch die redu- 
plication von as das perfectischo angedeutet und der for- 
derung von Curtius wirklieh genügt sein, dals die redu- 
plication am hülfszeitwort sich zeigen mülste; dals der 



318 DüDtzer 

Römer in s+ismus, s+istis, s+isont (vielleicht 8i-smu8 
u. 8. w.) eine gewöhnliche reduplication sah, kann man be- 
greifen, weil das verbum subst. zum abwerfen des vocals 
geneigt ist und so obige formen das ansehen von eigent- 
licher reduplication gewannen, anf richtige weise die Ver- 
doppelung zu bezeichnen die spräche nicht erlaubte; dann 
ist auch dem altindischen Wurzelverdoppelung in diesem 
sinne nicht fremd bei reduplicirten aoristen aind-id-am etc. 

So ist das lateinische perfect in vielen punkten dem 
altindischen aorist nachgebildet, in der wähl der wurzel 
as, in der Verdoppelung derselben, mag sie das perfecti- 
sche ausdrücken oder nicht, in der Verkürzung der 3ten, 
vielleicht auch der Iten sing., so dafs es mich bedünkt, es 
hätten bei der neubildung des lateinischen perfecta jene 
alten aoriste vor äugen geschwebt, wenn man auch zu weit 
gieng, dem lateinischen geradezu ein formelles perfect ab- 
zusprechen. 

Solothurn, april 1865. 

Franz Misteli, stud. phil. 



Homerische etymologien. 

(Fortsetzung.) 

28. Die Litotes in Zusammensetzungen mit 
«1/, a und V7]. 

Wie unberechenbar aucb oft die Wendungen und be- 
ziehungen der bedeutung sein mögen, bei der herleituog 
ist es vor allem geboten sich hier .nichts aufsergewöhn- 
liches zu gestatten, solches nur da anzunehmen, wo der 
etymologische Zusammenhang aufser aller frage steht. Frei- 
lich werden wir bei einer solchen beschränkung ofl die lö- 
sung des räthsels vergeblich suchen, aber die Sicherheit 
der methode fordert dies dringend, und wir müssen uns 
ja auch sonst bescheiden, nicht alles zu enträthseln; höch- 
stens eine vermuthung darf man in einem solchen falle wa- 



homerische etymologien. 349 

gen, mit besonderer hervorhebnng ihrer kühnheit. Dage- 
gen sollte man auf der andern seite nicht wohl begründe- 
ten erklärungen mit bedenken entgegentreten, die sich aus 
der beachtung deutlich vorliegenden gebrauches von selbst 
erledigen. Von dieser art ist das neuerdings von Anten- 
rieth zu £, 2 gegen die von Curtius und mir (zeitschr. 
XIII, 19) aufgestellte deutung von vfjSvuog, nicht quä- 
lend, erquickend, vorgebrachte bedenken, Homer werde 
nicht ein allgemeines beiwort des Schlafes von dieser ne- 
gativen Seite hergenommen haben, „als ob das wachen 
etwa quälend wäre oder der nicht quälende schlaf vom 
quälenden unterschieden werden solle*. Und doch hatte 
ich, wie er selbst bemerkt, die schlagende analogie von ifTrvog 
a7tt]u(av angefahrt. l^Tiij^icov kommt doch wohl unzweifelhaft 
von nrjuct und bezeichnet wörtlich den schlaf als nicht 
leid bringend, also, wie Autenrieth sagt, von einer ne- 
gativen Seite. Wie Homer sonst vrjdvfiog vnvog sagt 
oder vnvog rjSvg oder y},vxvg^ ykvxegog oder fialaxog, auch 
fAsXir^Sijg oder /iie)Jg>Q(üV vnvog, so braucht er S^ 161 vnvov 
ctnripLovd tb kiagov rc, das denselben begriflP des er- 
quickenden enthalten mufs. Freilich sträubt man sich 
noch immer gegen die von mir erwiesene behauptung, dafs 
Homer eine grofse anzahl ganz dasselbe besagender, aber 
metrisch oder durch den anlaut verschiedener formen zu 
bequemem gebrauche zur band hat, und läfst sich z. b. 
dadurch nicht in seinem behaglichen Unglauben stören, dafs 
Homer neben einander braucht cIoq (aogcov und wQeaai)^ 
dduciQ (nur im nom., dat. und acc. sing., immer ohne bei- 
wort), aXoxog (mit den beiwörtern qp/A?;, xsSvrj, fivfjaTrj, das 
in der Ilias blos dasteht, wo ein vorhergehender vocal ge- 
längt werden mufs, ix^cfQMv^ SaifpgcoVj noXvöutoog, Itf&ifiijj 
alSüiJ] im dat. plur. (vgl. oben s. 71 note), xovQiditi, ffv- 
fiaQf]g nur im acc, xeSv eiSvJa*), cexoitig (mit diwfKov^ 
auch eixvice und (piXrj) und nagcixomg (mit xväorj, woneben 
r, 53 &a}.eQi] auflf&Ut, aidoif] (vgl. oben s. 71) und ivCwvog): 



*) dvrt&ifi nur in zwei spätem stellen, l, 116. r, 378. 



350 DUntzer 

aber der widerstand wird sich der gewalt der thatsachen 
gegenüber nicht behaupten lassen. Kehren wir aber zu 
unserm vt]Svuog zurück, so habe ich durch meinen zusatz 
erquickend deutlich genug bezeichnet, dals die Zusam- 
mensetzung als eine litotes zu fassen ist, das wort das Vor- 
handensein des gegentheils von dem im zweiten gliede ge- 
nannten in hohem grade anzeigt. So heilst aTi^uatv nicht 
blos der schlaf, sondern auch der wind (günstig), die 
rede (freundlich), die rückkehr (glücklich, leicht), 
die geleiter (freundlich), wenn es auch sonst, wie acrx?/- 
&t]g<, schadlos ist. Und ebenso verhält es sich mit einer 
reihe anderer Zusammensetzungen dieser art. Wenn der 
Jammer (öt^vg) ciTeonog heifst, so bezeichnet dieses freud- 
los ihn als schrecklich, fürchterlich, und ganz in 
derselben weise heifsen der hunger (h/Aog) aTsgmjg, die 
unterweit aTeg7n)g x^Q^^' jinxiqgj äsixiXiog^ ungebühr- 
lich, beziehen sich auf das schmachvolle bei schlagen 
{nXt]ycct)j auf das schreckliche beim tode (noTfiog, Ao«- 
yog) und der blendung {akacorvg)^ stehen sie auch sonst 
ftlr unziemlich, gemein, schlecht. Ebenso verhält 
es- sich mit äöevxrjg, unschicklich (Curtius 11, 229), da- 
her bös, wie es vom tode {Ttovfiog, oke&gog) und dem 
rufe ((fiifiig) gebraucht wird*). Von olBd-gog sind sonst 
XvyQog und alnvg stehende beiwörter. Wenn der beiname 
des Hermes ctTcdy^rita^ den auch Prometheus bei Hesiod 
hat, von xctxov mit recht hergeleitet wird, so haben wir 
auch hier die litotes anzuerkennen, und das wort ist mit 
Igiovvtogt öciroDg kdmv wesentlich gleichbedeutend. Idfivuwv 
soll nicht blos die deckenlosigkeit, sondern die glänzende 
reinheit bezeichnen, daher edel, gut. IdSsrjg ist nicht 
blos ohne scheu, sondern geradezu frech in xvov ddeig. 
!AutiXixog^ duEikixTogy unsanft, bezeichnen den rauhen. 



***) Auffallend ist, dafs uStvxta rtorfiov nur x, 245 steht, an nenn an- 
dern stellen dtinra noifiov. Nehmen wir dazu, dafs der dativ dfixc* sich nie 
findet, dagegen bei oXiO-qm ddivx(\ so möchte man glauben, dafs der dich- 
ter den dativ deixii gemieden habe, ddivxia noj/iov dagegen nach den 
andern stellen zu verbessern sei. 



homerische etymologien. 351 

uuerbittlicheu gott der Unterwelt, die harte rede, das 
wilde herz, die bittere fessel. ^Ta^ßf]g, unerschrok- 
ken, steht bei dem namen des ^ofiug in der Verbindung 
äfia xgaTBQog xal aTag/ijjg, wo es offenbar kühn bezeich- 
net. 'AretQrjg^ unverwüstlich, von der durchdrin- 
genden stimme wie vom harten erze und herzen. Nt]- 
let]g bezeichnet nicht sowohl den mangel an erbarmen, 
sondern geradezu das grausame in vtjUi ;^ofAxa5 und vj]- 
Xieg TiuaQ, das harte in der Verbindung mit Seafiogy rirog^ 
x^vuog. So deutet hier überall der mangel auf das starke 
Vorhandensein des gegentheils hin. Aber Autenrieth bringt 
noch ein bedenken gegen unsere deutung von v)jSvfiog 
vTtvog vor, dafs der schlafgott selbst so heifse. Nicht jeder 
schlaf erquicke; deshalb könne der gott, der jede art des 
Schlafes sende, nicht erquickend heilsen. Als ob nicht 
vom allgemeinen charakter des Schlafes der schlafgott sein 
beiwort erbalten könnte, davon dafs der schlaf eine er- 
quickung für menschen und götter ist, wie er auch auf 
der andern seile beide bewältigt. Autenrieth selbst meint, 
das allgemeinste Charakteristikum des Schlafes sei seine 
unwiderstehlichkeit, und er möchte diese im beiwort r?;- 
Svftog suchen. Als ob man ihm nicht mit demselben rechte 
erwiedern könnte, der schlaf sei so wenig allgemein un- 
überwindlich, dafs er uns oft sogar fliehe. Aber auf eine 
ganz ausnahmslose eigenschaft kommt es bei den stehen- 
den beiwörtern überhaupt nicht an; sonst gälte ja auch 
dasselbe bedenken gegen ylvxvg^ rjSvg vnvog. Seine eige- 
nen als bescheidene fragen vorgetragenen etymologischen 
vermuthungen über das wort lassen wir billig ohne Wider- 
legung; nur möchten wir noch bemerken, dafs a', 80: r?;- 
yQSTogy ijSi6Togf ß^avaTip äy^töxa hor/.dg, den aufserge- 
wöhnlich festen, unerwecklichen schlaf des Odysseus 
bezeichnet, während vrrvog im unmittelbar vorhergehenden 
verse mit dem stehenden beiwort rtjdvfiog verbunden ist, 
womit vrjYQtrog demnach unmöglich synonym sein kann, 
wie es bei Aristarchs erklärung avixdvrog der fall sein 
würde. Dafs dvBiv nicht die bedeutung von ixdvstv ge- 



352 DOnUer 

habt haben könne, ist eben so klar, als dals in nsQidvsiv^ 
ausziehen, eine wz. Sv in der bedeutung rauben stecken 
mufs, die in honoSvTfjg, kleiderräuber, ihre bestätiguug 
findet. Die indogermanische wz. d u ging von der bedeu- 
tung brennen zu der jedes gewaltsamen angrifis über. 
Im slav. bezeichnet sie würgen. 

29. deieXog^ öslXjjy BväBieXog. 

Die frage nach der bedeutung von 8silj] hat Butt- 
manns Lexilogns in gründlichste Verwirrung gebracht, 
aber noch heute gilt seine Untersuchung allgemein als eine 
glänzende, sein ergebnifs als unzweifelhaft. Der mifsgriff 
wäre bei einem manne von Buttmanns besonnener umsieht 
unbegreiflich, hätte nicht ein etymologisches vorurtheil ihn 
so geblendet, dafs er, um seinen satz zu beweisen, ganz 
unmethodisch verfuhr. Statt zunächst den homerischen ge- 
brauch nachzuweisen, springt er von der ersten stelle Ho- 
mers gleich zum Xenopbon über, und hier hält er sich 
nicht an den geläufigen gebrauch, sondern an zwei stellen, 
die seinem vorurtheil günstig scheinen, und erst nachdem 
er den attischen gebrauch erörtert und zu seinem zwecke 
sich zurechtgelegt hat, kehrt er zum epischen zurück, da 
doch eine der zeit folgende entwicklung der bedeutung hier 
dringend geboten war. Wenn Achilleus *, 111 sagt, auch 
er werde sterben, 

so bezeichnet er offenbar die drei tageszeiten, schon weil 
es thöricht wäre, drei kurze augenblicke zu nennen; ^cig 
ist nicht die zeit der morgenröthe, sondern, wie es auch 
sonst steht*), die morgenzeit, und so kann auch juiaov 
ft^ag nicht der eigentliche mittag, der augenblick sein, wo 



•) Auf den vers: 'Oqtqa^ ^\v ^w; ^r xai a^exo Ufjov t/^a^, folgt 
0, 68 als gegensatz: ^Hfioq d' 'HÜm<; /teaop ovQaiov afi(ptß(ßrixn. Hier 
ist fjuq entschieden die morgenzeit, nnd aiUro itgov {/lo^ dient zor nihem 
auslührung. So ist auch ^ol iß ngoziot], dvwdiHavti ^w« u. a. zu fasaen. 
Hofti steht so J, 447. V^. Dissens »Weine Schriften« 188. 



homerische etjrmologieD. 363 

die sonne gerade im mittelpunkt ihrer bahn sich befindet, 
sondern die damit beginnende tageszeit, wie auch fxiaov 
^fiaQ*)j fxBörifißQia**)^ meridies***) gebraucht werden. 
Daraus folgt nun schon von selbst, dafs die ddXti nicht 
unmittelbar nach dem eigentlichen mittag angefangen ha- 
ben kann. Umfafst der mittag die zeit der gröfsten hitze, 
so ergibt sich, dafs die dritte tageszeit nur da beginnen 
kann, wo diese nachlälst. Wir können demnach ÖBilri hier 
sehr wohl abend Übersetzen, da wir diesen als dritte ta- 
geszeit bezeichnen, die wir nicht vom eintretenden dunkel 
an rechnen, sondern von der kühlem zeit, wo die sonne 
zum Untergang neigt, wie denn das wort abend selbst 
die neige bezeichnet. Vgl. Grimms Wörterbuch. Wenn 
es in demselben buche 231 f. heilst: 

EigoxBV äX&tj 
öeiekog 6\pi dvcov, 6xid(T/j d' k(jiß(jDXov agovoav^ 
^o isi dtUXoQ 6\pi 8v(iDV ii^T spät untergehende abend, 
also der späte abend, wo das dunkel, der lanBQOQ^ an die 
stelle der düXi] tritt. Buttmann hilft sich mit der son* 
derbaren bemerkung aus, 6xf)i stehe hier eigentlich über^ 
flüssig, nur mit rücksicht auf die vorhergehende zeit, und 
Blgoxtv ik&tj äsislog otpt Svoov sei ungeföhr „bis spät der 
tag hinabsinkt^. Er sträubt sich gegen die anerkennung, 
dafs der ausdruck ganz dem spätem öeih] oxpia entspre- 
che; nur durch öviav sei Sailri der wirkliche Untergangs- 
punkt, der abend. Als ob abend nur vom sonnenunter- 

*) So in dem verse: EvSov navvvx^^^ ^^^ ^^* ^^ '^^^ fiiüov ^fict^f 
(i?, 288). 

♦*) Vgl. Her. III, 104, wo dem %6 hotQ-^rov entgegengesetzt wird /uciy;!- 
ßi^frjq, der mittag /maovaa ?; fjfi^Qfi heifst, woranf folgt, dnoxhva/i^yfiq Tt/? 
(LifarifjißQifiif dann t6 dno tovtov und zuletzt inl övfffijifft. Der eigentliche 
mittag heifst fjfarji(ßQ(a aT.a&fQO' 

***) Die Römer unterschieden ortns, occasus oder mane, suprema 
und meridies, wonach meridies auch die ersten stunden des nachmittags 
umfafst. Andere wollten vier zeiten unterscheiden, mane, admeridiem, 
de meridie oder tempus occiduum, suprema. Vergl. Dissen a. a. o. 
149f. Horaz sagt demnach (carm. III, 28, 5,6): Inclinare meridiem 
sentis. Nach Varro rief der accensus die dritte stunde, den meridies und 
die neunte stunde aus, wonach der meridies bis zu letzterer, der römischen 
efszeit, gerechnet wurde. 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV, 6. 23 



354 Düntzer 

gange stände! Wäre SeiXfj die nachmittagszeit, so wäre 
der ausdruck von der herabsinkenden nacht höchst unge- 
schickt^ und wir verlangten statt deisXog l^ansQogy das in 
diesem sinne nur die odyssee hat, wenn auch icnigiog sich 
4>, 560 findet. Einer interpolation gehört wahrscheinlich 
der schluls des siebzehnten buches der odyssee an: 
nXeiov SaiTVfAOVODV ' ol 8' do)(t]aTvi xai aoiS^ 
Ti(}7tovT ijSf] yccQ xai inijkvd'B SeUkov ^uoq» 
Hier bezeichnet SeisXov Tjf^ag offenbar nicht die erste stunde 
nach mittag, sondern die zeit, wo die Sonnenhitze nach- 
gelassen hat, so dafs die freier sich dem tanze hingeben 
konnten. Am mittage haben sie ja erst gespeist. Die 
verse wären sinnlos, finge SbUXov vf^aQ gleich mit der er- 
sten nachmittagsstunde an; vielmehr beginnt dieser eben, 
wenn die sonne sich senkt, und er dauert bis zum dunkel, 
das im sommer eben spät genug eintritt, um die späte 
dBilfj von der frühen zu unterscheiden. Gründet sich das 
aristarchische daikBro t ijiXiog (17, 288) auf wirkliche Über- 
lieferung, so wäre SeiXsro hier offenbar neigte sich. 
Buttmann erklärt sich entschieden für Seiktto^ das er als 
ableitung von SauXog^ deiXtj fafst, indem er sich auf das 
von &6Qfi6g abgeleitete &iQiiisTBj &iQiASTo beruft, die veir 
freilich als kühne epische bildungen gelten lassen müssai 
statt &ig6T6, &iQeTo oder &6QfABiTty &€QiAeiTO (vergl. fpiX^i» 
von (pikog). Wie sehr dieses äeiXero gerade gegen Butt- 
mann spricht^ bemerkt er nicht. JsisXltjaag Qj 599 deutet 
er auf ein dneXiäv von einem SeieXir] abendbrod, wo bei 
abend nicht noth wendig an den späten abend zu denken 
ist, obgleich dieser keineswegs ausgeschlossen zu werden 
braucht, da Telemach dem Eumäos wohl sagen kann, er 
möge schon hier sein abendbrod nehmen. Ganz mit Ho- 
mer stimmt Hesiod überein, der Erg. 819 dem morgen des 
tages (viovg yivofÄivtjg) den abend {inl ÖBieXa, wie nori 
'iffnega g, 191) entgegensetzt, des mittags und nachmittags 
aber nicht gedenkt, während er 790 den ganzen tag nennt 
(7iXi<p rjfiaTi). Buttmann f&hrt sonderbar nur vers 808 an, 
wo der gegensatz nicht hervortritt, und schlieüst wunder- 



homerische etymologien. 361^ 

liob aus dem comparativ {inl dsiBla Imov ijfAOQ)^ der dich- 
ter zerlege den tag in zwei hälften, da er damit doch nur 
den abend dem ganzen übrigen tag entgegenai^t oder 
dem morgen, wie nQtp und TtQog icnigotv Xen. Hell. I, 
1, 30. 

Wir glauben so den beweis geliefert zu haben, dafs 
der epische Sprachgebrauch Ssiekogt SuiXti^ d^UXa von der 
zeit braucht, wo die Sonnenhitze abnimmt bis zum dunkel, 
also von der zeit, die wir als abend bezeichnen. Wir 
könnten hierbei stehn bleiben, aber dafs auch bei Herodot 
und den Attikem derselbe gebrauch sich erhalten hat, 
möchten wir dem herrschenden vorurtheil gegenüber kurz 
nachweisen. Herodot hat nie deiXij von den stunden der 
Sonnenhitze, "sondern nur von den spätem, etwa von vier 
uhr an ; er unterscheidet aber auch datlti ngmia und oxfßla^ 
von denen die letztere bis zum eintretenden dunkel sidi 
erstreckt. Die deutung der grammatiker auf eine frühere 
zeit ist völlig haltlos. Vgl. Bahr zu VHI, 6. Ganz so 
steht bei Thnkydides n^l delltjv otpiav von der zeit v<Mr 
dem ersten abenddunkel (HI, 74. YHI, 26). Dafs Xeno- 
phon Anab. ni, 4. 34. IV, 2. 1 deikij von der vorgerück- 
ten nachmittagszeit brauche, gesteht Buttmann selbst zu (es 
ist aber dort vielmehr der abend gemeint), und wenn er 
ni, 3. 1 das wort vom nachmittag versteht, so thut er dies 
ohne weitere begründung. Aber an zwei steUen soll nach 
d^m Zusammenhang nothwendig von den ersten nachmit» 
tagsstnnden die rede sein. I, 8. 8: Kai ^Stj r« ^ fiiaav 
rj^igaq xai ovn<o xaracfaveig ^ctnf oi noXifiioi' ^^ixa äi 
dsikrj kyivETOf kifavri xovioQvog, BSer bezeichnet fikaov 
tifiiQag^ wie jueaijfjißQia^ die mittagszeit, die ersten stunden 
nach dem eigentlichen mittag, dsUt] hat seine gewöhnliche 
bedeutung. Noch entscheidender soll nach Buttmann die 
stelle Vll, 3. 9. 10 sein: Kai 6 JSav&ijg htuv jiXka olda 
xwfiag noXkag ä&gdag xal nawa kxovcag ta kTurijSaiaj 
aTt^xovaag Tjfiäy^ ocov SUk&ovT^g av rjöttag dgiatäfX6V. 
'Hyov Toivw, iq>fi 6 S^votpwv. ^Enü di dtpixavto alg avrdg 
r^g SeiXtig x, r. L Da sie mit annehmlichkeit das firühmal 

23* 



356 DUntzer 

einnehmen sollten, könnte dies nicht am abend, sondern späte- 
stens gleich nach mittag geschehen sein. Aber äqiorov und 
a^KTTcri/ stehen nicht selten, wie auch prandium und pran* 
dere im allgemeinen sinne von speise und speisen*), und 
so wird auch später das hier in aussieht genommene mahl 
(15. 16. 21) geradezu ÖBlnvov genannt. Dreisig Stadien 
sind die Griechen gegangen, als Seuthes ihnen entg^en- 
kommt, der ihnen verspricht, sie in eine gegend vieler dör- 
fer zu führen, die so nahe liege, dafs sie dort noch genüg- 
lich (ohne sich übermäfsig anstrengen und hungern zu müs- 
sen) speisen können. Den geraden gegensatz bildet VI, 
4. 26 : Kai ijSrj apttpl rjXLov Svafiag r^v xai oi "Ellr]veg fidXa 
a&vfitag • ^^ovreg hSsiTtvonoiovv.ro, Wenn ^wohnlich ein 
frühstück um mittag genommen wurde **) so konnte das 
beer in seiner argen noth gar wohl zufrieden sein, wenn 
es um vier uhr zum speisen kam, wie es auch sonst nach 
langen märschen oder nach schlachten wohl der fall war. 
So bleibt auch bei.Xenophon keine stelle übrig, wo StiXti 
auf die zeit unmittelbar nach mittag bezogen werden müfste. 
Und ist es nicht offenbar, dafs ödXrt bei Xenophon überall 
eine bestimmte Zeitbestimmung gibt? Könnte es aber bald 
von der frühesten, bald von einer späteren zeit des nach- 
mittags stehn, so wäre es dazu völlig ungeschickt Wenn 
Xenophon III, 4,34 sagt: *Hvixa 8' tjv rjSi] Seikv^, so deu- 
tet er damit offenbar eine ganz bestimmte zeit an, der 
später (36) oipi entgegengesetzt wird; das wäre aber ga&z 
unmöglich, wenn Seilt] nicht allein auch die früheste nach- 
mittagsstunde bezeichnen könnte, sondern dies gar seine 
ganz eigentliche bedentung wäre. Ganz so wie bei He- 
rodot, Thukydides und Xenophon verhält es sich mit den 
rednem und Aristoteles. Erst später kam der mifsbrauch 
auf, dafs man das einfache deikt] nicht mehr zur bezeich- 



♦) Vgl. Cyrop. I, 2. 11. Anab. IV, 6. 80. Oecon. 11, 8. Arist. Nab. 
416. Vesp. 485. Lys. contra Sim. 11 ond die stdlep des Hippokrates im 
pariser Stephanus. Ueber prandere meine «kritik nnd erklämng des Ho- 
raz« m, 472. 

♦•) Athen. I, 19. Bekker Charikles I, 417. 



homerische etjmulogieii.* 357 

nuug der zeit vou der neuuten oder zehnten stunde setzte, 
sondern für abend ösikrj oxpia sagte. Nach der falschen 
annähme, dulrj heiise hier zeit überhaupt, bildete man 
im dritten und vierten christlichen Jahrhundert SBikri ianiga^ 
ÖBih] iqja^ deihj ^itöijfxßQia. Das wunderliche öüXri iq^a 
bei Synesios verleitete dem worte öüXi} die bedeutung 
kühle beizulegen, wodurch nicht einmal die dulri fisarifji- 
ßgia sich erklärt. 

Haben wir die bedeutung des wortes richtig erkannt, 
so fallen damit sowohl Buttmanns herleitung wie die von 
Legerlotz (zeitschr. VU, 302 f.) und Christ (267), die beide 
an Bnttmanns nachmittag festhalteu. Die richtige ety- 
mologie liegt nahe genug. Im sanskrit heifst wz. di flie- 
gen, fliehen, im griechischen wz. dt sowohl fliehen als 
sich fürchten. Homers Sie hat die bedeutungen floh 
und fürchtete sich. Von diesem di kommt SiBQog^ wie 
in SuQ^ noSiy aber auch öu-vog^ Su-Xog, Sti-fiog^ die Leo 
Meyer (zeitschr. VH, 208 f.) freilich auf skr. dviä be- 
zieben will. Daraus erklärt sich äsi-Bkog als der flie- 
hende, sinkende tag, wie unser abend der neigende 
ist. Vergl. tempus occiduum, worauf erst suprema 
folgt oben s. 353 anm. Bkog ist dasselbe wie in h-ekog, €ifx€- 
Xog (Curtius H, 227 f.), axonekogf wohl der schauende, 
nicht gleich axinag^ övgntfiffekog (vgl. TiofACfog, nifAq)i^)^ v€- 
(pkXii. Das EL statt t fmdet sich ähnlich in Tiei&ci von wz. 
7110", in xeifATJkiov von wz. xi. Hesychios führt iv dUk<jp 
an mit der deutung fiear^ußQiag wqu, die wohl nicht rich- 
tig; es scheint dasselbe wie Hesiods km SeUka. Ob es 
eine mundartliche glosse ist, wissen wir nicht. Wir be- 
dürfen ihrer nicht zur bes tätigung unserer deutung, und 
könnten sogar zugeben, dafs hier die wz. Öt glänzen zu 
gründe liege, wovon ivöiog (vgl. zu <^, 450), das mit Seie- 
kog gar nichts zu schaffen hat, und kp äiikq) wirklich hie&e 
zu mittag. 

Nach unserer nachweisung und der bedeutung von 
deie?.og tritt die Unmöglichkeit hervor, evÖeiekog sonnig 
zu erklären, weil Öei?.7] die nachmittagshitze sei. Hieise 



358 Dfintser 

Siihj wirklich nachmittag, so wäre es deshalb noch 
nicht geradezu nachmittagsbitze, und die leerste gao- 
kelei ist es aus der nachmittagshitze sich blols den Son- 
nenschein herauszunehmen, um zu sonnig zu gelangen. 
Die von mir gegebene deutung abendschön scheint mir 
noch immer der weise des epischen dichters und der sache 
gemäls. 

30. OfiaSog, IccxVj i(Ofi. 

Für den lauten ruf, das gescbrei hat Homer eine 
anzahl metrisch verschiedener ausdrücke. Er braucht 
1) ßoijj wie in dem mehrfachen ßoi^ ä' äaßMtog ogtigu 
(^, 500), ßoijg aisiv (i, 401), ßorj rivBTa$ (A^ 5. z, 77), ßoijv 
T<t^€iy (x, 118), 2) ivonri zuweilen mit imxn (Af, 435. H^ 
246), auch mit xlayyv (^ 2) verbunden, 3) Uxxn (^9 456. 
M, 144. S, 1. Oy 275), 4) nx^') ^^ io^ anfange des vorses 
(fi, 209. ö, 159. M, 252. iV, 837), 5) ^u^vr] {S, 400. 0, 686. 
-2; 221. ^, 396), 6) xlayyij (B, 100. T, 3. 5. X, 523), 7) 
avTij (J3, 153. ^, 466. M, 377, häufig verbunden mit no- 
kefiog oder TtTolBfiog^ mit Hgig E^ 732, 8) akaXtirog (£, 149. 
Jy 435. My 138. i; 393. ^, 149). Nur metrische nothwen- 
digkeit oder Wohlklang bestimmte die wähl zwischen die- 
sen ausdrücken; der eigentliche ansdruck war ßaijy das 
aber weder am anfange noch am ende des verses stehen 
konnte. Wo der vers eines anapästes bedurfte, traten 
kvomj oder la^i] ein, ersteres, wo eine elidirung n6tliig 
war, da lax^i digammirt ist. An ein paar stellen ward 
xlayyi] gewählt, obgleich auch das digammirte lofi} stehn 
könnte, um dem verse einen kräftigern klang zu geben. 
Vergl. den versanfang navödfitvoi xkayyijg By 100 neben 
Toaaj] aga Tgmg laxj} icav P, 266. Im anfange des ver- 
ses, der regelmäfsig rixn bat, findet sich xlayyij nur jT, 5, 
wo es auf das zwei verse vorher stehende xkayyr^ zurück- 
weist, jlvxri hat meist am Schlüsse des verses seine stelle, 
aber auch in der mitte nach der trochäischen caesur des 
vierten fufses. Ebenso schliefst ffnuvri meist den vers. 



homerische etymologien. 359 

aber auch in der mitte steht es. A^ 466 las Aristaroh 
ixBT ai^r?; (vgl. I, 265. ^,434), andere Ixbto ipoivrjn ^,139 
findet sich i]lv&' «aiiy, nicht rjkvd's qxüVTj'^ iw?? ist dort 
schall, ton, wie von der (fOQutyi; (>, 261, welcher vers 
wohl nach x, 139 gebildet ist. Sonst steht la>i] vom brau- 
sen des windes (z^, 276. ^, 308). ^äkahjrog schlieist meist 
den vers, aber 2, 149 beginnt ^eanaaicp aXcckfjv^ (häufig 
ist der versanfang rjxfj &aö7isai7j)y und i^, 435 lesen wir: 
^'Sig Tqmodv äXaX^iToq ava avgarop wqvp 6Q(ii()6i, Zum 
ganz synonymen gebrauche dieser ausdrücke vergleiche 
man: Avrt] d' ovgavov ixet (fi, 153) mit: 'Hx^ d* a^(pO' 
riocDV ixET ai&BQa (iV, 837) und: ^Pcovy de oi alO-ig' txa- 
V6V (0,686), Bot] <$' äößeGTog 6QW()et{Aj500) mit: Tqiüwv 
äXaXriTOQ OQiagei (J, 435), und den ganz gleichen gebrauch 
von aXaXijx^^ allein oder mit fieyalip oder &€afuai(p (Bj 
149. M,138. ^,393. ^,149), vxy &eanMlt) (M,252. 0,355), 
fAByakri iaxrj (0, 384), xkayyfj v kvony xe (F, 2). 

Ögoog und yiJQvg stehen nur J^ 437, und zwar von 
der stimme, ersteres auch in äkXo&goog und in dem zu 
einer allgemeinem bedeutung herabgesunkenen a&goog. 
Dagegen gehören in den kreis dieser Wörter opiccSog und 
oQVfiaySög. "O^aSog bezeichnet den schall der rede, das 
dadurch hervorgebrachte getön. So heifst es, nachdem 
das volk sich in der Versammlung niedergelassen hat, £,96 
ofiadog S* ^i/, worauf bemerkt wird, neun herolde hätten 
das volk zurückgehalten, elnoz avr^g axoiazo. Bei der 
flucht der Achäer fQgt der dichter hinzu: 'Ofiadog 8* akia^ 
öTog hrvx^fj (M^ 470), wie es sonst beim ausrücken (/7, 
267), gewöhnlicher bei der schlacht (^, 500. 530. iV, 169, 
540) heifst: JSoiJ 8' äaßearog ögoigev. Vgl. -^,50: Üdaße- 
(STog 8h ßorj yivex' rjoSiht ngo, wo der vers auch: 8' o/ia- 
8og zugelassen hätte. So ist denn auch wohl vom geschrei 
zu verstehn 77, 294 f. : Toi 8' k(f6ßt}&ev Tgweg &ea7ieaiqf 
6fAa8(py worauf mit nothwendiger änderung von k(p6ßri&ev 
in knixvvTo der schon angeführte schlufis von buch M mit 
ofictSog aXiaöTog folgt. Wenn 6f4a8og mit 8ov7iog verbun- 
den wird (7, 573. % 234. x, 556), so kann man zweifeln, 



360 DUntzer 

ob es hier den schall der rede neben dem geräusche der 
aufbrechenden oder nahekommenden bezeichnen soll oder 
synonymisch neben dovnog steht, wie xXayyij und kvont^j 
Ttoksiiog und SjjioTTJg u. ä. verbunden werden. Denn wie 
viele Wörter des rufens auf jedes andere geräusch übertra- 
gen werden, wie ßoäv (^,394. P, 265, /?o?? nur «,48), 
«rr/;(M,377. 0,312. Y,374), »J;^»? (77,769), idxBiv{J,^2. 
/, 392), so auch ofxaSog, Vgl. iV, 797 : Geaneaifp 8' 6fid8(p 
dXl ^iayetai (äekka). Aber <&, 387: 2vv 3* Htiscov /äs- 
ycikq) nardyip beruht die lesart 6udS(p statt nardycp auf 
offenbarer Verwechslung. Ganz so steht 0, 9 : *Ev ö' 'int- 
aov fisydkip navdyq). Die beziehung auf den schall der 
rede ist auch x, 13 anzunehmen: 2vQiyy(av t ivonj]p ö/ja- 
Sov T dv&Qwntav und T, 81 : !AvdQ(ov kv nolkiß ofidätp^ 
wo die Achäer ihre freude über die rede des Achilleus 
laut geäufsert haben. Aber ofiaSog steht nicht allein vom 
geräusche, sondern auch geradezu von der lärmenden 
Schlacht, ja von der schlachtreihe. Hesiod braucht 
'OiAccSog als person neben <P6ßog und 'AvÖQoxvaah] (Scut. 
155), wie Homer KvSoiuog {£, 593. -2*, 535). Wir finden 
ivi ngcüTcp ofiddcp TgioBcav fjid)(ea&ai (P, 380), ivl Tganav 
6iidS(p (0,689), ig Tqwwv opiaSov xisv (ff, 307). Es ist 
dieselbe Übertragung, die bei at/r?) so häufig ist, wie in 
dem geläufigen /<77(Trcü()€^ ccvrTJg, in dxoQtjzot dvrijg {N,62i)f 
xexjLirjorag avdgag dvTfj (^, 802), dtjiwv kv avrjj (P, 167), 
in der Verbindung mit nohuog und 'dgig {E^ 732). Selbst 
ivoTii] findet sich so ZT, 781 f.: 'Ex fikv Ksßgiovfiv ßtUwv 
rjocücc 'i{)va<5av Tqojcdv ^| ävonijg^ P, 714 T(mwwi/ k^ ävonijg 
x^-dvarov xai xrjga (fvy(OfiBVj denn hier an das geschrei 
zu denken geht nicht an. Auch in der Verbindung fid^t] 
T kvoTtj] T£ (M, 35. 77, 246) ist kvon}] so wenig, wie ai/ri; 
neben noksfiog^ gescjirei, sondern beide Wörter sind sy- 
nonymisch verbunden, wie Schlacht und kämpf. Für 
TQ(au)v k^ ivoTirjg hätte Homer ebenso gut Tgdwv ^| ofid- 
Sov sagen können, wie er kg Tqoüwv ouaSov, kvl Tgcicüv 
o^ddq) sagt, aber es ist wohl nicht zufällig, dafs wir den 
genitiv ofidSov überhaupt bei Homer nicht finden, wovon 



homerische etymologien. 361 

freilich der grund nicht so offenbar ist, als weshalb er 
Sovnov^ xovQov meidet. Wenn er f^axrj t ivomj tb, nicht 
f^dxv T ofiaSog t€, wenn er TcXayyg t hvony r« nicht 
xXayy^ &' ofidSq) ra hat, so dürfte hier die häufung der 
dentalen bestimmend gewesen sein. Dasselbe gilt von Sij 
160 kvoTirjv T6 yoov re und x, 147 ivonrjv re Ttv&oifi^v. 
Freilich /iC, 13, wo ivoTirj und öfiaSog nebeneinander ste- 
hen, ist ofiaSov TS nicht gemieden, und auch ofxaSog Si 
hat Homer sich gestattet, wo ofiaSog als der stärkere aus- 
druck bezeichnender war, während das allgemeinere kvoniq 
neben (idxv hinreichte. Hiemach würde man vielleicht an- 
nehmen dürfen, dafs er nur des Wohlklangs wegen kvonrj 
statt des metrisch gleichen o/naSog gesetzt habe. 

Bezieht sich aber ofiaSog auf den ton, so dürfte eine 
ableituog von ofiog oder eine Zusammensetzung, wie in 
ofiaifiog wider alle Wahrscheinlichkeit sein. An eine Zu- 
sammensetzung mit WZ. vad, vd (Curtius no. 298) ist auch 
lautlich nicht zu denken, da der anlaut oder das dessen 
stelle vertretende v nicht spurlos verschwunden sein kön- 
nen. Ebenso wenig bringt uns die annähme eines vorge- 
schobenen o zu einer haltbaren deutung, da eine wurzel 
fiaS in entsprechender bedeutung nicht nachzuweisen steht. 
Man könnte an wz. sjam (sonare, strepere, vocife- 
rari) denken, die nachgewiesen ist; dann aber müfste der 
abfall des Sibilanten vor dem j angenommen werden, aber 
dieses würde eher hinter jenem gewichen sein. Wollte 
man an wz.svan, sonare denken, so fUnde ein Wechsel 
von m und n statt, der freilich nicht ganz ohne beispiel 
(Curtius I, 144 f.)? aber doch in jedem einzelnen falle be- 
denklich ist, und an der stelle des skr. sva, lat. so würde 
man eher v als 6 erwarten, obgleich auch sv wohl einmal 
ganz abfällt oder zu einem Spiritus asper sich verdünnt 
(Curtius 11,254). Hiernach werden wir wohl o/x als ono- 
matopoetisch zu fassen, haben, wie dXccXäj aXald^siv^ dka- 
XccyfAog, dXaXriTog^ okoXv^eiv, oXoXvyfj, oifioi^eiVy olfAwyri, 
dat^HV, aid^ELVj diayua. Wirklich wird ofidtBiv vom ge- 
schrei der panther und baren angeführt. Auch idxuv^ des- 



362 Dttntzer 

sen digamma schon bei Homer im schwinden begriflien ist, 
mufs von einem onomatopoetischen t, ^i abgeleitet sein, 
wovon id ruf, geschrei sich erhalten hat. Wie von wz. 
örev arevdxBLVf crovaxv, wovon örova^iiVf so kommt von 
^i Idx^iVy Iccxfjf von letzterm später laxtlv. Die gutturalen 
wechseln hier; nicht blos finden wir neben y Xy sondern 
auch X in (paQfidaauv von einem (fdgua^ wovon stamm 
(paQJÄax und cpdgfiaxov, yy in xkdyyrj neben xXd^eiv, yx in 
xvSdyxTjj xvSdyxBiv neben xvSaCuv. Dagegen ist in icoi? 
das anlautende h nur reduplication, wie in Ikvcti^ lavetv, 
IbDyriq. Curtius f&hrt 11, 149 als analoga zu Icoyi^^ das er 
mit Lobeck von wz. ^ay herleitet, kS^tad^i], l-io-tj an, ohne 
aber letzteres zu erklären. Es kommt ohne zweifei von 
WZ. of hauchen, unter welcher Curtius iaitj anerwähnt 
läfst. Die Verstärkung des a zu o) ist auch aufser der 
reduplication vielfach nachgewiesen und i als reduplication 
eines anlautenden vocals in Iceveiv^ iovlog^ Iwkxa und lai(H}g 
bemerkt. Der name "laxxoq dürfte von Idxuv stammen, 
mit derselben Verdoppelung des mittellautes, wie Santpii 
von ao(p6g oder aatfrjg^ und auf diese weise könnte auch 
Bdxxog aus ^iccxxog hervorgegangen sein. Schliefslich ge- 
denken wir noch des platonischen ouaSog häufe, das mit 
dem homerischen ouaSog nichts zu thun hat, sondern, wie 
ofAiXog, das spätere ofiaSoVj wovon ofAadui^BiVf eine ab* 
leituDg von 6f>i6g ist, vielleicht nicht ohne anklang an das 
homerische wort; denn dafs Plato nach den stellen, wo 
ofiaSog vom schlachthaufen steht, ohne weiteres sich er* 
laubt habe, ßißXiav ofAaSog zu sagen, ist kaum glaublich. 
Die naheliegende vermuthung, es sei hier OfiiXog zu lesen, 
hätte doch zu wenig halt. Das suffix ad-o findet sich in 
xik-aöogy das von wz. xbX stammt, wie xekagv^ei^t^ (von 
einem xeXaQog). Vgl. den folgenden artikel. In xivaSog 
scheint a willkürlich eingeschoben, da man es nicht wohl 
von xiöaffog^ xiSdcpri^ xivddq)Yij 6xivSa(pog*) trennen kann, 

*) VgL Stephanua unter xidctqpi} und axipdc^pii. Statt Mivaftvnv bei 
Ilesychios ist xiöatptvnv zu schreiben , statt xivufioq (noutlXo;) vielleicht 



homerische etymologien. 363 

die auf eine wurzel xiS^ axtd deuten, so dafs es auf das 
prellen des fuchses, den schaden geht, den dieser zufügt. 
Auch xivdvvog könnte hierher gehören; wenn es ursprüng- 
lich den zustand des leidens bezeichnete. Ob in dem wohl 
scherzhaften ovoxivSioq der letzte theil wirklich treib er 
bezeichnen muls, nicht etwa der eseltreiber als esel- 
Schinder, eselplager dargestellt wird, bleibe dahinge- 
stellt. Ki'vifo kommt nicht von einer wz. xiy, sondern 
setzt ein xi^vog oder eine llhnliche ableitung von x$ voraus 
(vgl. ci-ere). 



31. xvdoifiogj OQVfAaySogj ficSXog. 

Zur bezeichnnng des schlachtgetftmmek braucht Ho- 
mer fidi^o^ und xkovog^ von denen das erstere getümmel 
(Curtius I, 300), das andere gedränge bezeichnet. Kcera 
xkovov lesen wir TZ, 331. 713. 789. *, 422, xara fio&ov 
2, 159. 537. 0,310, avu xlovov kyx^idtav £",167. Y,319, 
fjLO&ov innuiv lixaiaoiy BT, 240, von der Verwirrung iv Sk 
xkovov ffxiv 77, 729 f., von dem schlachtgetümmel /ao&ov 
axoQtiTog J7, 117. OvXccfwg avSgcSv das gewirre der 
männer (Curtius ü, 127) steht J, 251. 273. Y, 379, viel 
häufiger o/i^Aog der häufe von schlachtreihe und Schlacht. 
MwXog ccQYiog^ die mühe des krieges, findet sich J?, 
401. Hj 147. 77, 245. ^, 134, fA^log allein vom kämpfe 
^,188.397. 6,233, und ähnlich novog, die not h, wie 
Z, 77. M, 348. 356. 0, 235. P, 158. ^, 117. Nur ein paar- 
mal findet sich das trochäische q^loiößog {ano (pXoiaßov 
und kx (fkoiaßoio, 7^,322. 469. Ä, 416. Y, 377), welches 
das fluten bezeichnet, wie noXvtfXoiaßog zeigt, von (fXoiS 
(Curtius I, 266. ü, 162). Den ähnlichen gebrauch von 
ofjiadogy ivont] und atrrtj haben wir im vorigen artikel er- 
wähnt. Homer kennt &6Qvßog nicht, dagegen braucht er 
noch zwei Wörter, von denen das eine at/ri; und ofAtkog 
metrisch gleich ist, aber consonantisch anlautet, das andere 
vom eine kürze mehr hat. Kvdoiuog bezeichnet Verwir- 
rung und so, wie xkovog, getümmel. So heilst es: *Ev 



364 Duntzer 

ö' äöTterov w()to xväoi^ov (-2*, 218), 'iiV Öa xvSoifiop tjx£ 
(ftl^iae) xaxov KQoviSrig {A^ 52. 538), wie wir kv Sk xlovov 
rjxsp fanden. Ä, 523 steht: TQcioDV ök xkayytj tb xai äaTte" 
Tog (OQTO xvöoifAogy A^ 164: 'Ex t dvSQOXTaöif]g Üx ß-' 
atfiatog ex te xvSoifiov. Auch personificiert erscheint Kv- 
öoijÄog (£',593. -2*, 535). KvdotfiBiv verwirren steht A^ 
324. 0, 136. Häufiger als xvSoifiog findet sich ogv^iaySog^ 
welches eigentlich ge rausch, lärm bezeichnet. Vom ge- 
rausche der arbeitenden holzhauer steht es i7, 633, vom 
rauschen des flusses tf>, 256, von dem niedergeworfenen 
baumstamme t, 235, vom lärmen der freier (a, 133), das 
sonst als ofiaäeiv bezeichnet wird, von den dem löwen 
nachstellenden männern und hunden K^ 185, von den ver- 
folgenden männern und rossen P, 741, von den ausrAcken- 
den kriegern (ß, 810. 0, 59), vom geräusche der kämpfen- 
den (J, 449. @, 63. P, 424). Aber auch das schlaohtge- 
tümmel bezeichnet es geradezu, wie xvdoi/aog, ficHkogj q>kol' 
aßog^ ävT^y ofiadog^ kvoni], /,248: TeiQOfikvovg {vlagAxccidop) 
kgveö&ai vno^ Tgoicop oQV^aySov* K^ 538 f. : itfifr* nad'ia^ 
oiv !AQydu)v Ol a(jiöTot vno Tgoiwv ogvfiaydov. P, 461: 
'Pia fjikv yag (pevyeaxev vnkx Tgcicov ögvfiayöov. Auch 
^Pj 313 bezeichnet der 7to?.vg oQVfxaydog der baumstämme 
und steine nicht das geräusch, sondern das losstürzen der- 
selben auf Achilleus; das geräusch wird dem Achilleus 
nichts zu leide thun. 

Wenden wir uns zur etymologie. Bei xvSoifiog an 
eine Zusammensetzung mit olfiog zu denken, verbietet uns 
die bedeutung, die auch schon allein Döderleins wunder- 
lichem einfall {xaraäv/xog) widerspricht, otfiog kann nur 
als endung gefalst werden, wie in iroi^og^ was eigentlich 
wirklich, wie itvfiog, zu bezeichnen scheint. Der diph- 
thong im suffix ist nicht auffallender als in fiax-aiga^ äkevQov^ 
niravQoVy xaaavQa u. a. Aber wie verhält es sich mit der 
Wurzel? Man könnte an das lateinische cudere mit lan- 
gem u denken^ aber die bedeutung pafst nicht wohl, da 
das wort nicht die Schlacht bezeichnet, sondern Ver- 
wirrung. Noch weniger kann man die wurzel von 



homerische etymologien. 365 

xvSog heranziehen. Auch sonst zeigt sich keine passende 
Wurzel. Bei Aristophanes findet sich xvdoiSonäv, lärmen, 
welches auf ein xvSoiSonog (vergl. aloläa&ai von aioXog) 
f&hrt, das sich dem hx^'^oSonog zur seite stellt, so dafs es 
eine ableitung von der hier gesuchten wurzel oder einem 
davon gebildeten xvSoiSog wäre. An on tönen, wovon 
BVQvona, weittönend, ist wohl nicht zu denken. Statt 
xvSoidoTtäv wird auch die lesart xvxoiSoTcav angeführt, die 
aber wohl aus mifsverständlichem anklang an xvxäv ent- 
standen sein wird. Der bedeutung nach würde xvxäv auch 
ganz gut zu xvSoifiog stimmen. Sollte es zu kühn sein 
neben wurzel xvx eine andere xvS^ beide als modification 
■ der wurzel xv^ anzunehmen? Dafs x sowohl als S als er- 
weiterungen von wurzeln vorkommen, hat Curtius bewie- 
sen, und auch verschiedene modificationen derselben wur- 
zel sind nicht zu leugnen. So gehen die wz. arof, axaX 
und GTB^ß auf wz. axa zurück, wz. ya, y-ay, fac (in fax, 
facies, facetus) auf wz. q>a^ wz. hß^^ Xit u. a. (vergl. 
zeitschr. XIV, 205) auf wz« h. Aber wir haben nicht ein- 
mal die annähme einer wz. xvx nöthig, da xvxav von einem 
xV'Xi^ sich wohl herleiten lielse, x also hier ableitung sein 
würde, so dafs nur xvS neben xv stände. Von einer wur- 
zel xv8^ einer modification von xv^ in der bedeutung ver- 
mengen, verwirren würde xt;Jo^^o^ sich wohl herleiten 
lassen. Daran, dafs xvSoifiog ursprünglich gesohrei be- 
zeichnet hätte, wie crt/r?;, und erst auf die Verwirrung des 
kampfes übertragen worden wäre, ist kaum zu denken, ob- 
gleich sich wz. ku, vociferari, clamari, dazu anbietet. 
Diese wz. ku aber, modificiert in xt/d, scheint bei xvdog 
zu gründe zu liegen, wogegen xvSd^eiv schmähen von 
einer ganz andern wurzel stammt; es hat wohl ein a im 
anlaut verloren, so dafs die anführung eines axvSd^eiv aus 
Sophocles richtig sein könnte, und kommt von derselben 
wurzel mit Gxv^tiS&at, axvO-Qog, axvSuatPSiv. 

'OQVfiaySog steht freilich nirgends eigentlich vom ge- 
schrei, sondern vom geräusche, aber bei der häufigen Über- 
tragung beider begrifie hindert dies nicht, diese bedeutung 



366 DUntzer, homeriaohe e^rmologien. 

als die arsprfingliche anzunehmen, und so hat auch Cur- 
tias (I9 323) ogvfAaySog zu wgveiv und dem von Hesychios 
erwähnten oQVBxai {vXaxxil) gestellt. Von wz. oqv bildete 
sich oQVfiog, wovon der verbalstamm ogvfAay {oQVfidaaBiv)^ 
und mit So oQvpiaySog^ da man ein o^fxayßog des doppel- 
ten fi wegen vermeiden wollte. Eigentlich erwartete man 
oQVfiaxTogy aber auch in oySoog ist xr erweicht worden 
und vielleicht in ySovnog neben XTvnog. Dais ogvyfiaSog 
xp6(pog, xTVTiog und oQvyfidSeg &6gvßoi hlotae Umstellungen 
von ogvfxaySog seien (Curtius 1,315) dürfte doch wohl zu 
bezweifeln sein, da beide sich aus ogv/fiog^ ßgvxfiog sehr 
wohl herleiten lassen. 

MA^log. kommt von^.wz. ^ta streben, und bezeichnet, 
eigentlich die anstrengung der arbeit, daher gleich' 
Ttovog. Bei Homer stehen fiifiaa und fioufiäv oft genug 
von dem dränge zur thätigkeit, der sich schon in einem 
zucken fiufsert. Die Verstärkung des azxKa wie in fpanvii^ 
ßiO'^og u. a. Das neben (läXog stehende fjioXog^ wovon 
fioXig, kommt von wz. fitX sorgen. Bei fiwkog an wz./EiaA, 
vernichten (zeitschr. XIV, 196) zu denken geht wohl 
eben so wenig an als das wort lärm zu deuten, wozu 
sich die belegte skr. wz. mft, tönen, darbieten wfirde. 
Das lat moles dürft« einen gutturalen vor 1 verloren ha- 
ben, wie ala, palus (naoacdog d.i. ndxaaXog)^ tela, 
telum, fultnen, und mit fwyog, fioxO'og zusammenzu- 
stellen sein, welchen wohl die bedeutung des schweren 
zu gründe liegt 

H. Dflntzer. 



(SchlofB folgt.) 



Sonne, sprachliche and mythologische unteraachnngen. 367 

Sprachliche und mythologische Untersuchun- 
gen, angeknüpft an Rigv. I, 50. 

Dritter artikel. 

(Fortsetzung.) 

Wenn die vorstehende besprechnng der Aethiopsmy- 
then zunächst den Merops als Helios den sterblichen, fiür- 
sten der seligen, als anatolisches gegenbild des indischen 
Yama, altbaktrischen Yima Torzuf&hren sucht: so bildet 
sie im weiteren zusammenhange doch nur einen der um-* 
wege, zu welchen die frage nach den geistigen zuständen 
des höheren alterthums so manichfach den anlafs giebt; 
so sollte könig Merops doch nur den vogel specht uns 
demaskieren helfen. — Aristot bist anim. IX, 14 (aL 13), 
1 q>aal Si TivBs xal rovg fii^onag ävrexTQiipsad'ai vno 
TMV ixyovmf ov fnovoif yriQoicTCOVxaq^ aXka xai ev&vg^ oray 
oloi T (Hai* TOP äk nariga xai rijv fivjtkQä ixhfuv HvSov 
(vergL Aristoph. Aves 1354 c. schol. Aelian. h. a. XI, 30). 
'H äi I8ia Tov ofvi&og twp mtgwv haxit rä fjiiv imoxdxoi 
xXcoQOVj rd S* kndvfo wgnBg r^g dhcvovog Kvdvtov, rd 
8' kn axQwv rwv 7tt€Qvyi(av igvO-gd. Tixtu Si n%Qi 
^1 fi inxd vno Tijv OTtwgaVj kv roJg XQi^fAVoig rolg iiaXa^ 
xolg' ßlgdvBtai S' Biaw xai TivTaoag nrix^ig (hienach 
Plin. n. h. X, 33). id. IX, 27 (al. 40), 16 ddixovöv 8' av- 
rag (rag fieXiaaag) udKicra ov tb atpijxeg xai oi aiyi- 
ß-aXoi xaXoviuvoiy hv St x^^^8wv xai fjiiQOtp. — Kai rag 
arprixiag xai rdg x^Xi86vag tag TiXriaiov twv afÄfjvciv ij«*- 
Qovaiv {ol fiBki^fOBlg)^ xai vag rüv fAtgontav veorriag. — 
Virgil. Georg. IV, 14 absint pinguibus a stabulis (apum) 
meropesque aliaeque volucres,- wo Servius: dicendo 
„aliaeque volucres^ ostendit aves esse etiam meropes. Sunt 
autem virides (earum pennae), et vocantur apiastrae: 
quia apes comedunt. Eine ahd. gloese zu dieser stelle 
(Graff VI p. 325) nom. plur. gruonspehta ist minder 
correct als Servius, welcher den picus viridis meidet; nach 
Aristoteles bleibt kein zweifei, da& wir im fiigotp den s. g. 
bienenwolf *) zu erkennen haben, einen spechtartigen vogd 

*) nur stimmen die färben nicht genau. 



368 Sonne 

allerdings, doch vom grünspecht an bescbaffenheit und le- 
bensweise geschieden. In Deutschland, und zwar nur im 
südlichen, selten gesehen — daher wohl auch die unge- 
naue glosse — in Südeuropa zu hause, wird er des flei- 
sches wegen in Griechenland noch jetzt aus der luft gean- 
gelt, indem man bienen und dergl. an leichten angelhaken 
steigen läfst, die er dann im fluge erhascht. Diesen flug 
anlangend, so möchte die angäbe Aelians (h. a. I, 49), dafs 
der Merops rückwärts fliege, zwar auf optischer täuschung 
beruhen; aber dais er gelegentlich nicht sowohl fliege als 
vielmehr hange, schwebe, scheint zu folgen aus seinem 
andern namen 'äigotp (Schol. Arist. 1. c. Hesych. diQOTisgjj 
welcher nach den neueren Untersuchungen über äeigco und 
sippe eben nur den hangenden, schwebenden bezeichnen 
kann. Dies thema aiooTij wie aus der nebenform r^igonog 
Anton. Lib. 18, dem nomen pr. Idigonog Paus. VIII, 5, I, 
dem femin. ^degoTtt] (schwebende seil. aeXrjpf])^ auch aus 
aegonog. xo^^iccg Hesych. (vom anhangen, haften) zu erse- 
hen, ist aus aegoTto gekürzt; ein nebenthema aegonoö 
Schol. 1. c, Suidas v. avriTieXagyelp — wie von ocfjg und 
novg — scheint auf misdeutung, Volksetymologie zu beru-^ 
hen; die länge des anlauts wie in fjieTTjogog, fjsgi&oprai 
etc. ersatzdehnung zufolge der geschwundenen sjpiranten 
ajr^ bei welcher die scheu vor dem tribrachys mitwirkte. 
Betrachten wir jetzt die fabel bei Antoninus, EvfA^iXog onaig 
6 Evyvdrov xaT(pxfjaep kv Qrjßaig xalg Boiiaiiaig xai avt^ 
naig iyivsro Borgtjg ovofia. Botres vergeht sich durch 
unzeitige elslust beim opferfeste des Apollon; der vater 
schlägt ihn rov Sakov äq>BXatv kx rov ßwfiov , xal 6 näig 
xaraggvkvTog rov aipiaxog xaransöwv ijanaigBV . . . 'AnoXXtav 
8k olxreigag . . . ogvi&a iTiolrjae rov naida tiigonov^ og 
hl viv rixTsi fjiiv vno yijg^ dsl 3i fisXer^ nix^a&au Das 
streben nach dem fluge, das unterirdische nest, der name 
Borgfjgj wenn zu ßorov, ßoaxsiv {yaariga ßoaxsiv Odyss.) 
gehörig, stimmt mit dem bienenwolf. Den epischen Eu- 
melos dagegen kennen wir als söhn des Hades -Admetos, 
den koischen Eumelos als todesboten, söhn des Merops, 



sprachliche und mythologische unteraachuDgen. *3lßd 

des herrn der seelen; uud w«nn EvyvtaroQ „wohl zu ken- 
nen, wohlbekannt^ einen fjhog-!^SftrjTog, einen chthonischen 
ApoUon — vgl. Soph. Ai. 703 fiokdv äva^ IdnoXXtav ev- 
yviüCTog ifiol ^vveirj — euphemistisch bezeichnet, in die- 
sem zusammenhange mithin auch unser böotischer Evfifjkog 
eben nur den hirten der himmlischen schafe, den gebieter 
der seligen bezeichnen kann: wie wird der bienenwolf sein 
söhn? wie kommt der bienenwolf ins himmlische opferfest, 
ins gewitter hinein, um dort durch den feuerbrand, den 
blitz erschlagen zu werden? Es schildert diese fabel, wie 
wir glauben, ein gewitter, während dessen vom blitz ge- 
troffen der Helios zur chthonischen tiefe hinabsteigt; wo 
bliebe da der bienenwolf? Nun, auch der Helios saugt bie- 
nen, die trägerinnen des himmlischen ^äAi, die wölken auf 
— wie der bienenwolf; ist gefräfsig — wie der bienen- 
wolf; Übt schwebenden flug — wie der bienenwolf; sucht 
in nächtlicher tiefe das eheweib — wie der bienenwolf: 
und mehr als das — jene !/4eQ67irroe?.tjvt] gestattet, nach 
zahlreichen analogien, den schlufs dafs Idigonog ein He- 
liosname gewesen , Helios also mit dem bienenwolf nicht 
nur jene parallelen züge, sondern überdies den namen 
gemein gehabt habe. Wie also steht die sache? der irdi- 
sche bienenwolf bot züge, welche die phantasie der my- 
thischen periode im himmlischen Helios — himmlischen 
bienenwolf wiederfand. Durch den im gewitter aufsteigen- 
den vater mit dem blitz erschlagen, sinkt dieser himmli- 
sche, nicht der irdische, bienenwolf zur chthonischen tiefe 
hinab. Aber jene phantasie erlischt — die sage bleibt — 
der mythus wird zum märchen: und im mafse wie der 
himmlische bienenwolf nunmehr dem bewufstsein schwin- 
det, substituiert sich ihm entschiedener, zuletzt ausschliefs- 
lich der irdische bienenwolf — welcher nunmehr der me- 
tamorphose das dasein dankt — und da ist der vogelaber- 
glaube. 

Antonius Überlieferung ist werthvoU; sie gestattet uns 
das märchen, den aberglauben im werden zu belauschen. 
Und wie Helios und bienenwolf in aigoxp homonym, für 
Zeitwhr. f. vgl. sprachf. XV. 6. 24 



370 SoDo« 

den Helios aber äkQoxp und ptigoifj (vgl. oben p. 130 Chios: 
jieQOTTTj' Ms{)ü7iti) synonym erscheinen: so mag nun auch 
der Heliosname ^iooifj auf den bienenwolf desgleichen über- 
tragen sein. Denn dafs dieser vogel als solcher nicht wohl 
fAiooip „der sterbliche" heifsen konnte, liegt auf der band; 
also mythologische Übertragung, und doch — sollte der 
grund des namens tiefer liegen? FiiocivTeaai Toxemiv and 
&Qe7iTt]gia dovvai (Hes. €. 188) ist menschenpflicht. Diese 
pflicht aber soll gerade der vogel Merops vorzugsweise er^ 
füllen, welchen deshalb Aelian XI, 30 den gerechtesten und 
frömmsten der vogel nennt. Mäuse galten als seelen, doch 
wohl weil sie an erdlöchern ein- und ausschlöpfen : der 
Merops schlüpft an erdlöchern desgleichen ein und aus. 
Sollte er als elbisches geschöpf gefafst — wie die ^€(>07i€5 
von Kos als verstorbener der „sterbliche" genannt, noch 
in eibischem dasein mit erfüllung der menschenpflicht be- 
schäftigt sein? Freilich nur eine möglichkeit *) und um so 
weniger zu betonen, als gerade dies ifnsnTrjoia anodiöovai^ 
dies avTiTtsXaQyHv selbst wieder vom Helios auf den vo- 
gel kann übertragen sein. 

Grofsartige entfaltung auf germanischem gebiet hatten 
die bienenwolfsmythen gefunden, wenn der angelsächsische 
Beovulf von J. Grimm (myth. p. 324. 639, d. wb. I, 1820 
8. V. bienenwolf) mit recht hierher gezogen wäre. Ist hier 
indessen an den echten bienenwolf — insofern er fremd 
ist dem höheren norden, welchem das herrliche epos ent- 
stammt — überall nicht zu denken: so hat Grimm denn 
auch beovulf nicht als solchen, sondern schlechtweg als 
Specht gesetzt. Darf schon dies den zweifei motivieren, 
so erscheint vollends in seinen kämpfen, wie Siegfried, 
Beovulf als gewitterheld, vgl. Simrock myth.^ p. 460, Beo- 
wulf(1859) p. 176 £F.; und wir werden auf weitere verwer- 
thung des ags. epos für unsern zweck verzichten müssen. 

Allein so wenig correct die beziehung des bienenwolfs 
auf den specht auch sei, immer bleibt er ein spechtartiger 

*) vgl. Störche als verwandelte menschen, bei Kahn herabk. p. 106. 



•prachlichc und mytholog^che Untersuchungen. 371 

vogel; und wir dürfen fragen, ob es nicht dem specht wie 
dem bienenwolf ergangen — ob nicht auch auf ihn Heh'os- 
mythen möchten übertragen sein. Wir können zwar diese 
frage hier nicht erschöpfen — über den mythologischen 
Specht liefse sich ein kleines buch schreiben — aber doch 
den einen und andern zug, welcher für die bejahung zu 
zeugen scheint, in der kürze besprechen. Aristoph. Av. 
480 ovx dnoöcoasi rayicag 6 Zevg t6 ay.rJTzroov reo öovy.n- 
Xdnrjj — eine Verneinung also — die doch die bejahung 
als denkbar andeutet. Wai^twa, nach älterem glauben, 
der Specht befähigt das skeptron des Zeus zu tragen? und 
wenn dies: so war er es einer generation, welche noch den 
blitz als skeptron setzte. Den specht aber als blitzträger, 
welches irdische äuge hätte ihn erschaut; woher also der 
glaube? ib. 979 oix iöEu ov rovyiov ov3' alerog^ ov Sovxo- 
kccTtTti^^ keine turteltaube, kein adler wirst du werden, (ja 
was schlimmer ist) kein specht: so der Zusammenhang. 
Woher wiederum der hohe rang des vogels? — Aristot. 
h. a. VIII, 5 (al. 3), 4; IX, 10 (al. 9), 2 nur naturbeschrei- 
bung; von interesse jedoch die namen niTtii^ vom piepen, 
wie beim gertrudsvogel ; dann xeAco^*), '^vXo'/.oTiog (jffo- 
öoa — also wohl zu skr. wz. par (^r) ^rnati, lat. cellere 
zu ziehen. — Theophr. h. pl. IX, 8, 6 „die päonie soll man 
zur nachtzeit graben; geschieht es am tage, und wird der 
Sammler von einem specht gesehen, so leiden die äugen 
gefahr^. Die bekannte beziehung des auges zum Helios 
hier um so weniger bedenklich, als rhizotomie, wie die 
scheu vor dem eisen zeigt, in die graueste vorzeit zurück- 
reicht. — Aclian h. a. I, 45 specht und Springwurzel: 
Grimm myth. p. 925**), Kuhn herabk. p. 21 4 ff., wo be- 
merkt wird, dafs der specht bei den Italern ganz an die 
stelle des indischen pyena (falken) trete, welcher die himm- 
lischen gewächse zur erde herniederbringt; wenn nun aber 

*) nach Schneider der grUnspecht; doch 16 d( /{ioifia /Aw^o»- oao^- 
stimmt auch hier nicht genau. 

**) Conrad von Megenberg giebt hier den bömheckel durch lat. meropt; 
wieder jene ungenauigkeit. 

24* 



372 Sonne 

dieser falk, wie ib. p. 142 ff. nachgewiesen, Indra selbst 
ist, so werden wir auch den specht springwurzelträger wie 
den specht scepterträger auf den rjliog Ttvgrf'OQog zurück- 
führen dürfen, wie das auguriuin Iliad. XII, 200 ff. auf 
Wetterwolke und blitz, genauer auf den ijhog nvQcpoQoq im 
wolkengewande zurückfuhrt. 

Doch genug von griechischen, nehmen wir eine ger- 
manische quelle: das norwegische niärchen gertrudsvogel, 
Grimm myth. 639, Simrock^ p. 517, Kuhn herabk. p. 105; 
und wenn letzterer bemerkt dafs der schlufs des mär- 
chens „nicht öfter sollst du zu trinken haben als wenn 
es regnet^ den specht deutlich genug mit den wölken 
in Verbindung bringe: so setzen wir frau Gertrud — weib- 
lich, weil germanisch — als eine Süryä, die ja freilich nur 
amrta (regen) trinkt ""). Als himmlischer bäckerin schwillt 
ihr ein wenig teig so hoch, dafs es die ganze pfanne ftkllt 
— schwillt ihr ein wenig gewölk so hoch, dafs es den 
ganzen himmel fallt. Also „der specht backt" = der 
himmel mn wölkt sich, ähnlich wie sonst „der fuchs braut", 
wenn der nebel auf der wiese lagert (vgl. Kuhn p. 164 f.) 
oder wie ved. Dadhi-kravan *'^) name des sonnenrosses, 
welches saure milch, molken (= wölken) mischt oder braut. 
Nach der metamorphose aber, wie nicht zu verwundem, 
mufste dann frau Gertrud auch nicht- mythologischen Zü- 
gen vom gemeinen specht sich anbequemen. UebrIgeDS 



♦) vgl. Ovid. F. II, 261 at tibi dum lacteua haerebit in arbore ficoi, 
de nnllo gelidae fönte bibentor aquae — wo der corvus einst Apollo selbst. 

**) angenommen dafs -kr&van mit petersb. wb. III p. 504 zu wz. kar 
(kf) 8. p. kiriti, dies aber hier wie das rerwandte xtQawv^ti zu fassen sei. 
Auch das partic. krft^ä Nir. IV, 19 war von Roth hierher, findet sich aber 
jetzt im wb. zu wz. kar 3. p. kf^dti karöti gezogen, und will man danach 
auch den namen des sonnenrosses (= molken bereitend) hierher ziehen, 
so gewährt das zwar guten sinn; doch möchten wir krfivan nicht trennen 
vom spartanischen heros der koche Kb^olmv Athen. II p. 89c, IV p. 173f., 
dessen name hier zu xffiaivrya. von Curtius grundz. I no. 52 dagegen zu 
skr. wz. 9rä 3. p. 9rati (backen, brauen) gezogen wird. Da indessen mi- 
sehen, streuen, brauen, backen verwandte thätigkeiten , so lassen skr. kirati 
und 9rAti sich in der that als differenziemng, kr4van = •9r&van (backend) 
setzen, und wir gerathen in die Verlegenheit, dafs drei wurzelformen (kirati, 
karoti, 9r4ti) gleich guten sinn gewähren. Wie man sich entscheide, jeden- 
falls gehört der Dadhikrfivan in diesen mythenkreis. 



Bprachliche und mythologische nntersachungen. 379 

fuhrt uns das märchen zu den altitalischen doppelgängem 
Picumnus und Pilumnus zurück: Preller röm. myth. p. 
331 ff. Kuhn p. 104 f. 117. Picumnus erfindet die dün- 
gung der felder: der düng also welchen die nornen über 
die weltesche sprengen, mist im englischen sinne des 
Worts, die felder lat. agri im sinne der vedischen ajräh, 
der himmelstriflen*); Picumnus umwölkt den himmel, backt 
wölken, und heifst Pilumnus sobald er dann mit der don- 
nerkeule drein schlägt, jener dem KsgdfoVf dieser dem 
MätTUiV (von fidaao) knete) Athen. 1. c. zu vergleichen; 
und wenn sie Kuhn p. 105 hypothetisch als seelenbringer 
ansetzt, so gehen wir nur eben einen schritt weiter, indem 
wir in solchem amte die function des Helios Merops als 
des hcrrn der seelen erkennen. Sodann — Picus orakelt 
von der (wetterbaum-) säule herab — läfst sich vernehmen 
im hallenden ruf des donners; berauscht sich an meth und 
wein — der rausch (die uavia) des gewitters, das amrta 
der Gertrud; zeigt den Picentinern den weg — der Mars 
der vogelgottperiode; und wenn er endlich als erster könig 
(erster mensch, Kuhn p. 104) erscheint, so ist, wenn nicht 
Helios als erster mensch, so doch der erste mensch als 
Helios zu nehmen. Setzen wir die familie der mythischen 
periode zum stauim erwachsen, der sich als solcher fühlt, 
die eignen thaten (oloi vvv ßooroi elatv) doch nimmer gleich- 
zusetzen wagt den- mythischen grofsthaten seines ätammes- 
beiden, deren wahre scene, den himmel, er zur erde her- 
abgezogen: wenn solcher stamm dann nach dem ahnherrn, 
des fürstenhauses namentlich, dem ahnherrn sucht, von 
welchem jede künde längst erlosch: was wird er anders 
finden, finden können, als den stammmesheros? Kurz, 
Helios und Hades — der erstgeborene, der erstgestorbne — 
der erste könig und der erste mensch — um nicht zu sa- 
gen, auch der erste specht — das alles fallt der my- 



*) vgl. auch den mist des Hclioa-Aageas ; den könig /Co/r/i*/? Welcker 
götterlehre 11 p. 491, wo die ^pferdeweide" der himmel; den Kon^fvqlliAd. 
XV, 639, Apd. II, 5, 1. Auch Stercutus (Preller p. 331), wenn er Saturn U8. 
hat mit deutschem miste von haus aus nichts zu thun. 



374 Sonne 

thischen periode in der einen gestalt des Helios zu- 
sammen. 

Wie aber vorhin ftir den bienenwolf, so suchen wir 
uns hier auch für den specht zu überzeugen, dafs zur bil- 
dung des vogelaberglaubens die spräche selber mitgewirkt. 
Da bieten spechtsnamen wie skr. därväghäta, darvidä, 
kashthakutta, öovoxo/MTiTjjg, ninui u. dgl. m. (s. im allg. 
Pictet orig. indo-europ. I p. 488 f.) freilich kein interesse^ 
da sie augenscheinlich dem gemeinen vogel gelten; von 
anderm schlage sind lat. picus wie nicht minder unser 
Specht, und näherer erwägung werth. 

Picus — zunächst aus *peikos, urform paikas — wird 
von Pott zeitschr. VI p. 31 f. mit 7ioixi?,og skr. pepala in 
dem sinne zusammengestellt, dafs der vogej nach dem 
merkmal der bunten färbe benannt sei. Aber skr. pe^ala 
(künstlich gebildet; geschickt, gewandt) gehört zu der den 
Rischi sehr geläufigen wz. pip (urform PIK) 3. p. pinpati, 
deren bedeutung durch die bunte färbe kaum getroffen, 
jedenfalls nicht erschöpft wird, s. petersb. wb, IV p. 728. 
Wir möchten es nicht für zufall halten, wenn z. b. Iliad. 
XVIII, 590 tv öe xonov tzoUuXb nBQixlvxoq !Au(pLyv7jeig 
sich iTioi'/.ilu durch ved. äpinpat, oder Rv. VII, 103, 6 
väcam pipipuh sich durch ifcuvi^v k:ioiy.LX},ov völlig treffend 
wiedergeben läfst; es nicht für zufall halten, wenn in Wör- 
tern wie ved. pin^ati pe^as pepala, Tioiy.iXog noiy.iXXta noi^ 
y.iUa, ahd. feh (varius, multicolor, pictus) gafehjan (tin- 
gere, pingere) feihan (dolosus, dolus) neben der buntea 
färbe im indischen, griechischen und deutschen insbeson- 
dere die beziehung sowohl auf die gefällige, kunstreiche 
arbeit, zier und schmuck, als auf gewandtes listiges we^en 
hervortritt. Vergegenwärtigen wir uns das handwerk der 
Urväter, wie es aus blödem anfang feiner, freier sich ge- 
staltet, bis endlich die scharfe waffe, das saubre gewebe, 
der glitzernde schmuck geräth: das war ein listiger geist, 
ein Zauberer ja wohl gar gewesen, dem solches werk ge- 
lang — und wie schön bunt es warl Denn so verlangt 
es der geschmack der alten tage, jener jungen menschheit. 



sprachliche and mvtho logische nntennehuogen. 376 

wie es ja noch Homers geechmack verlangt, ja wie dem 
Slaven roth und schön noch heut identische begriffe 
sind. Wenn das indische verb nun aber — was als my- 
thischer, mithin alter brauch gewichtig — nicht selten 
gerade der künstlerisch bildenden, schaffenden thätigkeit 
Tvashtars und der ßibhu gilt, diese Ribhu aber, wie man 
weifs, unsern elbcn, zwcrgen gleichstehen: so sind diese 
letztern der bezeichnung als nuixü.oc so völlig werth, dafs 
wir kaum fehlzugreifen glauben, wenn wir in ihrem vedi- 
schen prädikat, der wz. PIK (pin^äti) eben diese noixiXia 
angedeutet sehen. Das thuu der götter, ihr wunderbares 
schaffen — konnte die urzeit dasselbe doch nur so be- 
zeichnen, dafs entweder menschliche thätigkeit, wie zim- 
mern schmieden weben, auch den göttern beigemessen, 
oder des gottes arbeit vor des menschen arbeit dadurch 
ausgezeichnet wurde, dafs sie weit manichfaltiger (bunter), 
gewandter, listiger sei als diese. Und nun z. b. listig — 
fallt nicht in nhd. list, nach der geschichte dieses worts — 
goth. lais lisum (scio, scimus), lists f. (astutia), ahd. Iist(ar8, 
ingenium; peritia, astutia), noch jetzt in schwed. list (ars, 
astutia), wie ganz ähnlich in rt^vri^ 56\og^ in den SoXeoa 
tUuxTii Hdt. III, 22 — fällt hier nicht kunst und list zu- 
sammen? Dazu kommt, dafs noch ein paar andre Wörter, 
sonst ohne bestimmtes otymon: skr. pi^una (verrätherisch, 
verleumderisch) nebst pipaca (gewisse dämonen; irrlich- 
ter? wb. IV, 729 vergl. Simrock myth.* p. 487) sich nach 
dieser auffassung der wz. PIK leicht beigesellen*). Dür- 
fen wir hienach annehmen, dafs dieser wurzel neben der 
beziehung auf manichfaltigkeit, buntheit die auf gewandt- 
heit, list und kunst nicht blos als accidens, sondern we- 
sentlich eigen sei, ordnen wir nach Potts vorgange ihr ge- 
wisse vogelnamen unter: skr. pika (kukuk), lat. pica, pf- 



"*) lat. pingerc, dessen g wie das in viginti, digitus etc. za fassen, 
-«-Urdc also, wenn hierher gehörig, ursprünglich den instrumental fordern: 
stellis pingitur aethor = strbhil? pipi9e näkä^; ksl. pi^ati wäre also stilo 
pinpcre. Andrer ansieht Cnrtius grnndzüge no. 101, vgl Pott et\'m. forsch. 
TP p. 301. 



376 SoDue 

CU8 - 80 werden wir in ihnen nicht blos bunte, sondern 
schlaue, pfiffige vögel, in picus zumal den listigen arbei- 
ter erkennen, wie er denn russ. dieteli (arbeiter) heilst. 
Dieser letztere uame aber, vom hinzutritt des taddhita 
(Bopp vergl. gramm. §.259) abgesehen, deckt sich mit 
skr. dhätar, was uns sogleich in den mythus, namentlich 
durch die eigenschaft des Dhatar als gottes der ehe (pe- 
tersb. wb. III p. 931) zu Picumnus und Pilumnus zurück- 
führt. Ebenso, war das zum grünspecht xsXeog gegebene 
etymou richtig, so darf der Ke?.B6g von Eleusis sehr wohl 
als Pilumnus, als der Xalxwöwv von Kos, als fürst der 
heimgegangenen — daher die mysterien — gesetzt werden, 
ohne dafs wir nöthig hätten des gemeinen vogels dabei 
gerade zu gedenken. 

Ebenso kann zu alter zeit, noch aufs er beziehung 
auf den specht, Picus ein beiname des italischen Mars ge- 
wesen sein, etwa wie es von der aufgehenden sonne heifst 
Bv. I, 6, 3 ketüm krnvann aketave pepo apepäse, licht 
schaffend dem nichtleuchtenden, gestalt dem ungestalteten: 
eine auch im zend (pae9o = skr. pepas) erscheinende be- 
ziehung auf das licht als form und färbe bedingendes ele- 
ment, im gegensatz zur nacht da alle katzen grau sind; 
wie man denn einen andern alten namen des italischen 
gottes — Marmar, Marmor — von marmor u. uagfia- 
Qoq fia(>fiai()6iv^ also von der anschauung des schillems 
nicht eben glücklich möchte geschieden haben. Freilich 
hätte nach Preller röm. myth. p. 101 der specht mit sei- 
nem mächtigen Schnabel und seinem bissigen wesen die 
Vorstellung eines martialischen thieres erweckt: vorsieht 
etwa der bessere theil der tapferkeit? Oder wie wären 
unsre alten sonst dazu gekommen, dem vorzugsweise scheuen 
vogel martialischen character beizumessen ? Aber der Mars- 
Picus der vogelgottperiode erschien im vogelgewande — 
aber auch der specht hiefs picus, der bunte pfiffige vogel: 
Mars und picus homonym; daher der vogelaberglaube — 
picus Martins — welcher dann, wie vorhin bei Merops- 
Botres, mit der Verwandlung abschliefst. 



Bprachliche und mythologische untersachuzigen. 377 

Specht — Graff VI p. 324 ahd. nomin. speh*), 
speht; gen. spehtes, dat. spehte; nom. pl. gruonspehta. — 
mhd. spech und speht. — Engl, speight (reimt auf 
weight), auch specht geschrieben, dies eher schottisch 
und dann wie im deutschen zu sprechen ; eine dritte Schreib- 
weise — speckt — zeigt die im engl, hough, shough, 
lough, ja schon im altsächs. jac, nee (goth. jah, nih) be- 
kannte härtung des gutturalspiranten, dürfte also nicht aus- 
reichen zu sonst nahe liegender annähme (zeitschr. VI p. 
349) einer Verwandtschaft mit engl, speck, speckled, diese 
letztern formen überdies sich nicht wohl trennen lafsen 
von nnd. spak spakig verspaken **)^ welche mit specht 
aufser beziehung stehen. Ebenso führt dän. spaet auf 
einen altem auslaut -ht, da im nordischen der spirant vor 
-t verschwindet, dann der vocal sich längt. Das etymon 
betreffend, so leitet Grimm myth. p. 1222, Kuhn zeitschr. 
IV p. 12 specht von spähen wz. SPAK ved. spap, letzte- 
rer zugleich mit trennung von lat. picus, -und treten wir 
ihm darin unbedenklich bei, wenn gleich Corssen krit. bei- 
trage p. 457 sich wieder für die combination erklärt. Das 
thema betreffend, so lafsen die ahd. formen des Singulars 
die wähl zwischen -ti und -ta, der plural gruonspehta 
aber geht auf -ta, und wir erreichen die Urformen spak-ti 
oder spak-ta (goth. nom. ""spaihts), deren erstere (Bopp 
vergl. gramm. §.845) den späher, letztere möglicherweise 
(ib. §.819) dasselbe, oder .etwa, analog dem lat. circum- 
spectus, den umsichtigen, behutsamen***) bezeichnet. Ist 
aber das etymon richtig, so tritt auch hier der Helios wie- 
derum homonym hinzu: eins seiner vedischen attribute 
ist bekanntlich spa9 (späher), so Rv. X,35, 8 vi^va id 



"**) französisch lehnwort Speiche, alt espeche (rothspecht), jedoch 
fem., wie ital. pica (specht, gazza elster); aber span. pico masc, portug. 
neubildung verdelhao, von verde = viridis. 

♦♦) Wäsche, papier „verapakt" sobald sich kleine flecke daran bilden; 
eine andre bedeutung giebt Kuhn zeitschr. III p. 438. 

***) vgl. skr. spash^ä (urform spakta), vi-8pa8h^ d. i. klar, offenkundig, 
also passivisch, doch beruht dos genus hier nur auf dem usus. Auch Ixioq^ 
6 ittrivoq. IJiqyaiot^ Hesych. eigentlich stofsvogel, s. w. u. 



378 SoDD« 

usräh spal üd eti süryah : an jedem morgen geht der Spä- 
her Suria auf, ib. IV, 13, 3 söryam späpam vi^vasya ja- 
gatah: den Suria, den späher der ganzen weit; worüber 
zeitschr. XII p. 366 mehr nachweis verzeichnet. Neben 
diesem wurzelwort aber besteht skr. spapa (späher, spion) 
= (sy.onu in i]e?uog &6ajv öxonug i)öb xai dvÖQwv^ und mit 
jenem ahd. speh*) buchstäblich identisch. Waren wir 
aber (zeitschr. 1. c.) im rechte, in den vedischen späpah 
(den Spähern) nur eine besondre außassung der pitärah zu 
erkennen, der weisen väter der vorzeit wie sie selig die 
sonne umschweben, so wird der Zusammenhang des spä- 
henden Helios mit eben jenen Spähern unverkennbar, und 
da sind wir auch fiir den himmlischen „specht^ wieder 
angelangt bei jenem geisterreiche, auf welches die mythi- 
schen Mtooi/fj L'Uooxp, Keleog, Picus in ihrem Verhält- 
nis zu den gleichnamigen vögeln desgleichen zu deuten 
schienen. 

Ein Deutscher beim frühstück bewies einem Franzo- 
sen den Vorzug seiner muttersprache: „Brot also nennen 
Sie du pain^ bei uns aber heifst es brot, und heifst nicht 
blo£, sondern ist auch brot, also deutsch doch immer 
die wahre, beste spräche". Quod erat demonstrandum. — 
Uns modernen fällt es gar so scjiwer den anschauungs- 
uameu frank und frei zu nehmen als den merkmalsnamen, 
wie er dereinst denn doch gewesen; den geist einer Ur- 
sprache zu erfafsen, welche die auschauung nur im merk- 
mal vergegenwärtigte. Specht ist die sonne — das scheint 
bare willkühr. Aber die Ursprache weifs nichts vom specht, 
sondern vom späher; was irgend späht, heifst specht. Al- 
lerdings wird sie dieser transparenz, des gefühls fürs ety- 
mon, mithin der Verfügung über das nomen als freies at- 
tribut zum theil schon vor der Völkertrennung verlustig 
geworden sein. Allein nicht darauf kommt es an. Son- 
dern auf die erkenntnis kommt es an, dafs durch phanta- 



*) eine schlagende analogie zum specht von spähen bildet o-x&^i// (eule) 
von SPAK. 



Bprachliche und mythologische nntersuchangeu. 379 

stische auffassung der naturprocesse bedingt der mythus 
das unabwendbare erzeugnis einer etymologisch klaren 
spräche gewesen, ja erst durch Verdunkelung des etyinons, 
durch Umbildung des merkmals — zum anschauungsnamen 
mythus geworden sei. Specht ist die sonne weil sie 
späht — nichts ist natürlicher. 

Haben wir aber den specht mit grund also behandelt, 
so übersehen wir nicht die consequenz, dafs eine weitere 
genofsenschaft, wie kukuk*), wiedehopf und storch etc. 
wohl zu gleichen oder ähnlichen versuchen bringen könnte. 
Und sollte dabei nicht etwa jeder einzelne vogel sich dem 
Helios als homonym auswei^n, so dürfte das allein den 
weg noch nicht verlegen. Denn ob durch gleichen namen 
oder durch sonstige parallelen: hatte an einem einzigen 
vogel der aberglaube sich gezeugt, so mochte dieser aber- 
glaube sich auf andre vogel um so leichter Obertragen, als 
er im werden selber schon Verworrenheit voraussetzt. — 
Hatte dagegen anderseits, während die anschauung erlosch, 
der echte name sich gehalten, so mochte man zuletzt ver- 
geblich fragen, welcher vogel denn eigentlich gemeint 
sei. So die spinturnix, deren Kuhn herabk. p. 31 ge- 
denkt. Festus p. 330, 34 Müll. Spintyrnix est avis genus 
turpis figurae. „Occursatrix artificum, perdita spinturnix." 
ea Gracce dicitur (ut ait Santra) cniv&aoig, Haben wir 
aber h. Apoll. P. 263 aarioi eldofAevog (Äpollon) fieaqf 
rjuarr tov ö' dno noXkal aniv&agideg tkotcüvto^ aiXag 
<)' sig ovQttvov ixev — cnivd'aQig in der bedeutung „fun- 
ken", so geht wohl spinturnix vgl. scintilla = scinter-la 
(Benfey or. und occ. I p. 200) auf scinturnix zurück in der 
bedeutung des fliegenden funkens oder funkenförmigen vo- 
gels; was wunder also, wenn der blitzname einem be- 
stimmten vogel sich nicht fügen wollte. Aber ein schreck- 
hafter vogel mufste es wohl sein, daher die turpis figura. — 
Endlich müssen wir uns dawider verwahren, als ob durch 



'*') über den kukuk s. besonders Mannhordt in seiner zeitscbr. III p. 209 
— 298, Simrock rayth.* p. 615. 



380 Sonne 

ableitung des vogelaberglaubens aus alten göttermythen 
zugleich das vogel mär eben solle aufgehoben sein. Bei 
frisch gemüthlicher beobachtung des thierlebens dem volks- 
witz entsprofsen, im liede des volks gehegt, im drama zum 
schönen ideal verklärt, bezieht sich das märchen von Prokne, 
Philomele, Tereus von haus aus auf schwalbe, nachtigal 
und Wiedehopf; und mochte der götterglaube selbst zum 
märchen sinken, so entstammt doch keineswegs ein jedes 
märchen altem götterglauben. Im widerspiel zum sinnigen 
märchen tritt uns der aberglaube stets als unsinn, jeden- 
noch aber als glaube entgegen — credo quamvis absur- 
dum sit — und da stehen wir am Scheidewege: entweder 
unsre alten hatten bei gewissen dingen den verstand ver- 
loren, oder hatten keinen zu verlieren, oder wir sollen aber 
den gewordenen unsinn zurückführen auf den sinn, den 
aberglauben auf beschränkten, jedoch nicht schlechthin ver- 
nunftwidrigen glauben alter zeiten. Freilich wird das stets 
mislingen, so lange wir brot als brot, so lange wir die 
spräche nehmen wie sie ist statt wie sie war. 

In diesem sinne also war zu anfang*) dieses artikels 
die frage gestellt, wie unser urvolk habe glauben können, 
dafs der anblick gewisser gelber vögel die gelbsucht heile; 
und wir kehren jetzt zu dieser frage, somit zu dem puncte 
zurück, wo diese arbeit mit Kuhns Untersuchung vol. XTTT 
p. 113 ff. sich in soweit kreuzt. Während daher dieselbe 
bis dahin aufser beziehung auf den verehrten Vorgänger 
niedergeschrieben worden, haben wir fürs folgende seine 
darstellung um so aufmerksamer zu beherzigen. Werden 
die gesichtspuncte, die wir zu begründen gesucht, auch an 
jener eignen frage, jenem sinnwidrigen aberglauben durch- 
zuführen sein? 

Als Apollon die pest sendet, da wenden die Ach&er 
sich nicht etwa an Zeus, dafs er der söhn bedeute, son- 



*) vol. XIV p. 32 i — 328: wo jedoch statt des mehrfach angesetzten 
themas harimi^Qa zu befsern harimän; ein versehen, das durch eine notc 
Wilson's: harim&nam, greennesi or yellowness, is extemal change of the 
colour etc. veranlafsi gewesen. 



sprachliche und mythologische imtereuchungen. 381 

dem mit schönem Päan an Apollon selbst. Das übe], als 
gerechte strafe der bösen that, wird gehoben durch den 
gott, von dem es stammt. Dieser sittlichen auffassung der 
krankheit aber steht eine andre, gleichsam physische ge- 
genüber, welche basierend auf der erfahrnng dafs die krank- 
heit besonders bei nacht mit angst und schmerzen heim- 
sucht, dieselbe als das werk widergöttlicher dämonen setzt, 
deren macht durch die Wiederkehr des lichts, durch den 
anfgang der sonne gebrochen werde. Es versteht sich dafs 
beide auffassungen einander kreuzen können, wie es sich 
z. b. gerade am verfahren wider die gelbsucht zeigt. — 
Im Zauberspruche des Atharva wird die gelbsucht beschwo- 
ren zur sonne emporzufahren. Warum zur sonne? Weil 
sie von der sonne stammt. Die sonne aber wird sehr häufig 
als vogel gefafst, mithin wie selbstverständlich auch als 
gelber vogel. Der gelbe vogel sendet die gelbsucht, der 
gelbe vogel ruft sie auch zurück. 

Man könnte erwiedern, dafs dies siechthum von der 
sonne stamme, stehe nicht im Spruch. Allein der spruch 
giebt nicht den glauben der urzeit sondern den aberglau- 
ben der* vedischen zeit; und wir dürften uns beruhigen, 
wenn im einklang mit einer grundanschauung des alten 
heidenthums unsere fassung den gesunden verstand des 
ur^olks rettet. Sodann aber, steht es wirklich nicht im 
Spruch? Die worte „anu siXryam üd ayatam" bedeuten 
nicht lediglich „es gehe (die gelbsucht) zur sonne auf^, 
sondern „sie gehe auf, der sonne nach^, secundum solem, 
wodurch hariman (gelbsucht) in deren gefolgschaft gleich- 
sam wieder eintritt, ja vordem mag änu wohl noch adverb 
— wiederum gehe zur sonne auf — gewesen sein. Wenn 
demnach anu hier die rückkehr zum ausgangspunkt an- 
deuten kann, so ist im hymnus I, 50 diese anschauung ver- 
wischt, indem hier, nach jener kreuzung der auffassung, 
Suria als überlegener gegner die krankheit vernichten soll. 

Hariman, masc. ( nom. harimä , acc. harimänam ) ei- 
gentlich ^IwQOTtjg oder x^cogiaatg bedeutend, nach dem 
Zauberspruch aber sicher auf eine krankheit und zwar gelb- 



382 Sonnt 

sucht zu beziehen — ist eine vom adj. h4ri (i. q. x^f^Qog) 
mit krit statt taddhita formierte alterthümliche sprofs- 
form. Damit gleichlautend skr. hariman m., dessen Be- 
deutung „ zeit ^ von Bopp vergl. gramm. §§. 795. 945 als 
fortnehmende, vertilgende, als kritbildung durch die wurzel 
hr 3. p. harati (rapit, perdit) erklärt wird. Sollten die 
beiden Wörter identisch sein? Vertilgerin würde die krank- 
heit im allgemeinen angemefsen, aber gerade deshalb min- 
der angemefsen die bestimmte krankheit heifsen, und ha- 
riman (j(?,coQiccatg) von hari um so weniger zu trennen sein, 
als dessen biidung in dem gleichfalls vedischen aryamän 
ein analogon hat. Anderseits würde hariman (xgovog), 
wenn von harati, den Spruch des Horatius Singula de no- 
bis anni praedantur euntes etc. vielleicht nicht ganz über- 
zeugend in ein einziges abstractum zusammendrängen. Ver- 
suchen wir es mit der identität, so würden wir, nach ana- 
logie von aryaman, auch harimdn als götterattribut und 
zwar, nach der färbe, zunächst des Helios, dann selbstän- 
dig personificiert als namen eines dem Helios untergeord- 
neten dämons ansetzen. Sodann konnte das wort, eben- 
falls nach der färbe, wohl die blühende Jugendzeit, viri- 
dem juventam — vergl. Naigh. U, 3 harayah {^(kwQoi) = 
menschen — die schöne zeit und verallgemeinert zeit 
schlechtweg bezeichnen; und würde hariman sich dann zu 
WZ. ghar ähnlich wie lat. tempus zu wz. tap verhalten. 
In der besprechung einer andern haut krankheit, takman 
(Roth zur lit. und gesch. des Veda p. 37ff.) wird unter 
den &BoIg ake^ixdxoig zuerst Agni angerufen. Der ur- 
sprüngliche glaube war also wohl der, dafs gerade dieser 
die krankheit sende welche quälen erregt wie flackerndes 
feuer. Gehört das wort etwa zu raxfjvai^ so konnte es 
vor der ausschliefslichen beziehung auf die krankheit ganz 
wohl ein attribut Agni^s gewesen sein. Doch giebt das 
petersb. wb. s. v. ein andres etymon. 

Die bannung des takman aber war mit einem opfer 
verbunden an die götter, von welchen die hülfe erwartet 
wurde, und in der erläuterung zu dem Spruche A'nu aar- 



sprachliche und mythologischo antennchungen. 383 

yam i. ä. (vol. XIII p. 115) wird wenigstens eines opfer- 
restes gedacht, mit welchem der kranke gesalbt wird. Da 
nun kein andrer göttername sich im Spruche findet, so 
kann das opfer nur dem Suria gelton, dessen heerde (gävo 
Vushih) auch durch die haut der rothen kuh., auf welcher 
der kranke sitzt, vertreten scheint. Wird in Schweden 
(ib. p. 1J6) gegen die gelbsucht, die ein fliegender gold- 
ammer gebracht, eben dieser vogel gebraten verspeist, so 
wird auch hier zu gründe liegen der opferbraten, durch 
welchen der gott dem menschen gastfreundschaft und so 
das Unterpfand der hülfe gewährt. Dem gott aber werden 
seine lieblinge geopfert, dem gelben Helios der gelbe vo- 
gel; daher, sobald die idee des opfers schwand, der grund- 
satz (ib. p. 117) similia similibus curantur. Die faröische 
adlerklaue (p. 118) scheint den blitz, das wasser amrta 
anzudeuten, wie das wasser beim opfer durch den feuer- 
brand vom altare geweiht d. h. in amrta verwandelt wird. 
Neben dem opfer aber das gebet, Iliad. XVI, 231 
Achilleus: 
€t;;^6r* JsnetTu 6rdg uiaco 'iQxei^ Xelße Sk otror, 
ovoavov eidctviöujv' zJ i et ö* ov ?.(i&e TSOTTr/.eocevvov — 
das gebet, während dess der flehende zum Helios aufschaut, 
ingentes qui dat adimitque dolores — und in des gottes 
mildem gegenblick die Wiederkehr der gnade findet. Aber 
die Evaißeia (metus deorum) entsittlicht sich zur deiaiöai- 
uovia (timor deorum), glaube zum aberglauben, gebet zum 
Zauberspruch, sinn zum unsinn. Wie man nun in dem 
becher (Iliad. 1. c.) des Achilleus, diesen als sonnenhelden 
vorausgesetzt, den goldnen Heliosbecher keinen augen- 
blick verkennen wird: so heifst der aberglaube den kran- 
ken (ib. p. 118) in einen goldnen becher = in die 
sonne sehen, dann vergehe die gelbsucht; oder war es eine 
goldne uhr, so läfst sich, trotz eines gewissen anachro- 
nismus, auch gegen diese als bild des Helios nichts be- 
sonderes erinnern. 

In solchem Zusammenhang erklärt sich nun auch ein 
sonst räthselhafter ausdruck, welchen Celsus III, 24 mis- 



384 Sonne 

deutet, Horat. ad Pis. 453 morbus regius als name der 
gelbsucht. Wie domus regia das haus des königs, das 
haus über welches der könig zu yerfQgeu hat, so morbus 
regius die krankheit über welche der könig, der ^Aio^ ßa- 
cikiv^^ zend. hvare-khshaeta (qarshet) zu verfügen hat. Ein 
zweiter name derselben, morbus arquatus, wird mit be- 
zug auf regenbogenfarben von arquus (arcus) in der be» 
deutung des regensbogens abgeleitet. Doch hat weder ar- 
cus an sich (aufser Zusammenhang) diese bedeutung, noch 
gelbsucht prismatische färbung aufzuweisen. Da mm lat. 
qu = skr. c, so kommen wir auf wz. arc strahlen, ab« 
schiefsen*), wovon ark4 strahl (der sonne), sonne, auch 
als gottheit, feuer u. s. w., wodurch m. arquatus sich 
ganz in unserm sinne erklärt. Doch gehört lat. arcus al- 
lerdings auch hierher, indem der bogen nach dem strahlen 
(strahl = pfeil) oder abschnellen benannt worden. 

An morbus regius schliefst sich**) der englische name 
einer bösartigen drüsengeschwulst, the Eing^s evil, so 
genannt weil die berührung des königs sie heilt. Von 
K.Edward dem bekenner (1041 — 1066) heifst esShakesp. 
Mach. IV, 3 

— at his touch, 
such sanctity hath heaven given in his band, 
they presently amend. — — How he solicits heaven, 
himself best knows; but strangely visited people, 
all swoln and uicerous, pitiful to the eye, 
the mere despair of surgery, he eures, 
hanging a golden stamp about their necks. 
put on with holy prayers. 
Die gäbe dürfen wir, erblich wie sie galt, im sinne der 
angelsächsischen Stammtafeln, als geschenk der alten göt- 



*) petersb. wb. I p. 424 s. v. 2 arc abschnellen, abschiefsen — be- 
zweifelte Schreibung; pafst indessen gut. 

**) skr. rfijajaxma erklärt ein Indier zwar mythologisch zeitschr. Xm 
p 156; allein das wort heifst nicht tabes regia, sondern königschwindsncht 
^ hanptschwindsucht, wie gleichbedeutend rogarfija i. e. morborum rex; 
vgl. auch den gegensatz ajn&tayaxma rftjayaxma, Roth z. Lit p. 42. 



sprachliche und mythologische unterauchungen. 385 

ter^ die goldmünze (s. g. engel, 10 sh. an werth) zumal als 
Heiiossymbol ansetzen. Uebrigens haftete der glaube mit 
bekannter Zähigkeit; die Plantagenets, die Stuarts nehmen 
ihn in anspruch; noch von Samuel Johnson's serofulous 
taint berichtet Macaulay (Biograph. Essays): In his tbird 
year (1712) he was taken up to London, inspected by the 
court surgeon, prayed over by the court chaplains, and 
stroked and presented with a piece of gold by Queen 
Anne. Ludwig XIV berührte noch auf dem Sterbebette 
eine gröfsere anzahl kranker kinder, wobei ein geistlicher 
sprach: Le roi te touche! Dieu te guerissel — Ob es ge- 
holfen, wird nicht berichtet; Johnson behielt seine scro- 
feln. Wie der glaube sich gebildet, ist leicht begreiflich. 
Der älteste könig ist zugleich der älteste priester, der äl- 
teste arzt (largo fiavTig); aber der älteste könig ist ein He- 
liosattribut. Geschichtliche könige folgen dem glauben, 
weil der glaube ihnen entgegenkommt. Das kirchliche ge- 
bet ist ebenso Veredlung der alten knaoidiq^ des Zauber- 
spruchs, wie dieser selbst entartung eines heidnischen 
gebets. 

Der hymnus Rv. I, 191 ist gegen allerlei unsichtbares 
giftiges Ungeziefer (adrshtab) gerichtet; nachdem v. 7 be- 
merkt, dafs dasselbe auch in den schultern, in den glie- 
dern sein wesen habe, gebt V. 8 die sonne auf, welcher 
als vernichterin desselben der ehrentitel adrshtahan (-han, 
tödtend) beigelegt wird. Ganz ähnlich, zum theil wörtlich 
übereinstimmend, im Atharva bei Kuhn vol.XIU p. 140 v. 6, 
wo die aufgehende sonne jegliches gewOrm zermalmt; und 
der vermuthung ib. p. 138, dafs unter Indra's grofsem müh- 
lenstein*) die sonne zu verstehen, treten wir, nach der rich- 
tung dieser abhandlung, natürlich bei. Durch solche paralle- 
len wird nun der schlufs von Rv. I, 50 (zs. XIII p. 401) ver- 
ständlich, wo die termini dvishantam, dvishat^ sich auf den 
krankheitsdämon selbst beziehen. Sodann wird (h. 191, 10) 
das gift in der sonne niedergelegt, wie ein schlauch im hause 



♦) drshät — sollte dadurch Rv. I, 191, 2 veretilndlich werden. 
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV. 6. 25 



386 • Sonne 

des surabesitzers*), wogegen v. 11 ein ganz geringes vö- 
gelchen (iyattikfi ^akuntikä) das gifb verschlingt. Das 
vögelchen wird auf das haselhuhn, kapinjala, bezogen, an 
welches Rv. II, 42. 43 gerichtet sein sollen**). Wenn da- 
gegen, wie desgleichen angenommen worden, diese beiden 
hymnen sich anf Indra in gestalt des haselhuhns bezie- 
hen sollen, so ist das zwar augenfällig falsch; aber wie 
vorhin das wort des Eury machos Odyss. II, 181, so zeigt 
auch diese misdeutnng, dafs ein gewisses geftihl fOr die 
irrelevanz des gemeinen vogels nicht so leicht erlischt. 

Wir kommen jetzt zu den besondem, im hymnus I, 
50, 12 erwähnten vögeln. Hatte das urvolk sich an andre 
vögel gehalten, so wählten die Indier natürlich indische 
Vögel; so zunächst den ^üka, den papagei, und wenn wir 
dessen namen samrat xvx'vo-g mit recht von würz. QÜC 
3. p. ^öcati (rein sein, leuchten) ableiten, so konnte schon 
das urvolk, doch ohne beziehung anf den papagei, den zu 
solchem dienste bestimmten vogel ^üka oder vielmehr kuka 
nennen. Ropanäkä habe ich nach Rosen^s und Benfey^s 
vorgange, aber zweifelhaftem recht als drossel flbersetzt. 
Der name wird (zeitschr. XIII p. 115 f.) durch pärikä, 
dies von Wilson entweder als gracula religiosa oder tnrdns 
salica erklärt Wenn turdus salica***) = salicaria tor* 
doides (Leunis Zoologie p. 93) rohrdrossel, so ist dieser 
vogel nicht gelb. Mehr beachtung verdient gracula reli- 
giosa: Mino, atzel. Schwärzlich blau, mit weüser flttgel* 
Schulter, ist dieser vogel an schnabel, fbfsen und nackten 
kopftheilen gelb, was fOr die färbe genügen kann; lernt 
gut singen und sprechen, deshalb in Ostindien als stuben- 
vogel gehalten, Leunis p. 100. Dafs aber diese sitte 
nicht etwa blos modern, zeigt (Lassen Anthol. p. 19f,) Ve- 



*) 8ur4 i. e. potus fervidus, inebrians. 

**) Kapinjala erscheint nicht in diesen hymnen, wohl aber in einer 
anechten fortsetzong bei Roth z. Lit. p. 81, and danach Nir. IX, 4 sq. vgL 
Roths note. 

***) ich finde diesen terminns in einer reihe omithologischer wexke nicht 
angegeben. 



sprachliche und mythologische untersachiingen. 387 

t&lapancayin^. fab. 3. Hier legt der könig dem ^oka, die 
Prinzessin der parikä — und zwar beiden als stnbenvö- 
geln — unsre kukuksfrage vor: wird mir ein weib, ein 
mann zu theil. Beide antworten yerstftndig, nnd es kommt 
zur bochzeit Da die prinzessin die parikä mitbringt, so 
setzt der könig diese in den käfig des papageis, welcher 
letztre nunmehr, da er sie svarüpäm (seines gleichen) sieht, 
sich wie billig in sie verliebt: in dieser weit ist das die 
tugend aller wesen. — Nimmt man hinzu, dafs ^uka und 
ropanäka im sutra (zeitschr. XIII p. 114) vadantah ^spre- 
chende^ heifsen und gerade als stubenvögel mit der Ober- 
pfälzer sitte (ib. p. 116) in besten einklang treten: so wird 
es in der that sehr wahrscheinlich, dafs Sayana die ropa- 
näka mit recht als ^ärikä erkläre. Den geneigten leser 
bitte ich daher, wenn es der mühe lohnt, XIII p. 401 
statt der drossel die atzel in den text zu bringen. Uebri- 
gens parika*), wie xeksog^ von prnäti, infin. pärave Rv. X, 
125, 6, perf. papära. 



*) die atzel heifst auch «indiacher staar**, und Wilson Rv. Sanh. I p. 
134 übersetzt wohl in diesem sinne starlings; an den gemeinen staar ist 
wenigstens nicht zn denken. 



(Schlafs folgt.) 



25 



aSS Janka 

Applicazioni del criterio filplogico al probleraa storico della filosofia, von 
Giacomo Lignana- 

Die aus den principien der heutigen Bprachwisseoscbaft her- 
vorgehende gewifsheit, dafs die entwicklungsgeschichte des men- 
schengeistes einen wesentlichen theil ihrer aufgäbe durch die 
Verfolgung der sprachlichen fäden derselben zu lösen habe, wel- 
che die durch Wilhelm v, Humboldt, Bopp, Pott und Jakob Grimm 
neu begründete elymologie in der sprachgeschichtlichen wurzel- 
und wortfnnktion zuerst andeutete, hat den folgenreichen for- 
schungen ihrer nachfolger in diesem letzten Jahrzehnt das erhöhte 
Interesse aller freunde wissenschaftlichen strebens zugewendet. 
Fiel doch schon am beginne der Wanderung auf diesen erst zu 
bahnenden pfaden nach den ältesten spuren des raenschengeistes 
vor aller kundbaren geschichte ein heller lichtstrahi auch auf die 
bedentung der sprachlichen potenz der religiösen sagen, der mit 
geheimnifsvollem reize nach dem innersten heiligthame der 
menscbheit wies, um dort in einem noch unbetretenen haine dem 
ersten flugelschlage ihres zum erkennen erwachten geistes zu 
lauschen. Das grundgesetz für die geschichte aller sprachwar- 
zeln, welches sich in der fortbildung der generellen bedeutung 
zur appellativen beziehung und dieser zum eigennamen verkün- 
det und welches von der sinnlichen bedeutung zum übersinnlichen 
als metapher überleitet, wurde durch die von Ad albert Kuhn und 
Max Müller ausgegangene vergleichende mythologie'als die gmnd- 
lage der entwicklung der mytheo erkannt und die weiter folgen- 
den Specialforschungen des letzteren sowie insbesondere von Mi- 
chel Breal und Emil Burnouf haben den gewinn wichtiger ge- 
sichtspunkte für die geschichte der religionen und des religiösen 
entwicklungsprozesses überhaupt gebracht. Vor allem aber er- 
hielt in dem mafse, als der Sprachwissenschaft so bedeutsames 
material zugeführt ward und die Wandlungen und Schicksale der 
sprachtypen sich klärten, die thatsache unzweifelhafte bestäti- 
gung, dafs das leben der spräche nicht in die formen der logik 
gebannt sei. Die sprachlichen fäden deuteten für die entwick- 
lung des menscheugeistes nach anderen gesetzen, als logische 
kategorien sind; und so leitete die ermittelte Verschiedenheit der 
Sphären von logik und grammatik die weitere forschung. Jenes 
mysterium von der macht des Wortes über den geist, welches 
die denkenden aller zeiten überall wirksam gefühlt und von dem 



anzeigen. 3S9 

Baco treffend gesagt hatte, ^in dem ausgesprochenen artheile 
wirke das wort reagirend wieder zaruck aaf unsere erkennt- 
nifs^, war nunmehr durch die hulfsmittel einer untrüglichen ana- 
lyse als das konkret definirte problem der beziehnng jener bei- 
den Sphären präcisirt. — Es ist ein zur richtigen einsieht in den 
entwicklungsgaug der Sprachwissenschaft wohl im äuge zu be- 
halteader umstand, dafs die naturwissenschaften es waren, welche 
auf sie wie kaum auf irgend eine Wissenschaft unseres Jahrhun- 
derts einen befruchtenden einflufs geübt haben. Von jenen hat 
die Sprachwissenschaft nicht nur ihren ersten impuls erhalten, 
sondern an ihrer band schritt sie rüstig fort in dem Stadium ih- 
res Jugendalters, wo die empirische beobachtung nur erst den 
Stoff ihr zu bereiten hat und daher die methode der induction 
allein eine gewähr bietet. In dieser entwicklung war es daher 
sehr folgerichtig begründet, dafs, ehe die Sprachwissenschaft den 
kreis verlassen konnte, welche die äufseren erscheinungen ihres 
lebens zunächst zogen, Max Müller das fundamentalprinzip die- 
ses lebens von dem gegebenen Standpunkte durch eine geistvolle 
an Wendung der theorie Darwin's kennzeichnete, welche eine so 
eminente bestätigung und sicheren Zusammenhang vieler wich- 
tigen linguistischen Wahrnehmungen in sich fafst, daCs sie für 
alle zeit wohl eine der glänzendsten errungenschaften auf philo- 
logischem gebiete bleiben wird. Wirklich treffen zwei früher 
nur gegensätzlich aufgefafste hauptmomente des Sprachprozesses, 
nämlich der lautliche verfall und Verlust der wortformen und 
andrerseits das fortspriefsen der elemente des Sprachstoffes in 
neuen gestaltungen, in dem letzten gründe alles naturlebens zu- 
sammen, wenn Max Müller überzeugend entwickelt, wie von der 
menge der wortgebilde, welche der mannigfaltigkeit der bezie- 
hungen entspringen , unter welchen die menschen Wahrnehmun- 
gen von den dingen haben, jenen allein fortdauer zukommt, 
welche in ihrem schoofse nach form und bedeutung die bedin- 
gungen besitzen, die nach dem stände der jeweiligen entwick- 
lungsphase des volkes und nach den besonderen Verhältnissen, 
denen die bildung des lautes angehört, den fortschritt des er- 
kennens vermitteln und den keim der werdenden ideen zu ge- 
stalten vermögen. Dennoch so tiefgreifend und entscheidend 
diese auffassung des prozesses vom werden und vergehen der 
sprachformen ist, sie erschöpft die darstelluag des lebens der 
Sprache nicht. Die spräche, das hat gerade die etymologie au- 



390 Jauku 

fser sweifel gestellt und der prozefs der mytheubildung insbe- 
sondere bestätiget, greift in das gebiet der geschichtlichen that- 
sachen. Wie viel oder wie wenig dieser psychologische an- 
theil der spräche an der oberflfiche der wortbildang and in den 
laatverhältnissen unmittelbar erkennbar sein mag, er besteht and 
ist seiner besonderen natar zufolge eben der sogenannten geisti- 
gen Seite der spräche zunächst zugewendet Nor darf freilich 
die spontane einwirkang des menschen im leben der spräche 
nicht als akte zufälliger äufserer willkur vermeint werden, son- 
dern sie moTs im zusammenbange mit dem Organismus des 
menschlichen erkennens und sodann im sinne des grundcharak- 
ters aller geschichtlichen entwicklang aufgesucht werden. Die 
behandlang der frage nach dem psychologischen antheil der 
Sprache ist aber nicht allein bedingt durch eine ausgedehnte de- 
tailforschung in der geschichte der sprachwurzeln. So lange nur 
einzelne züge eines inneren Zusammenhanges zwischen der mor- 
phologischen bildung des wortes und den geistigen bednrfbissen 
der Völker erkannt wurden, wobei an die diesfälligen scharfsin- 
nigen beobachtungen Max MuUer^s in betreft der turanischen 
sprachen erinnert werden kann, dagegen das wesen der wort- 
form in der vollen beziehung der elemente ihres inhaltes auf 
den erkennenden geist nicht dargelegt war, fehlte es an dem 
bestimmenden prinzip des Zusammenhanges zwischen form and 
inhalt. Das prinzip dieses Zusammenhanges mufs fSr das wesen 
der spräche entscheidend sein, weil erst dieses prinzip das Ver- 
hältnis des gedankens zur spräche bestimmt Deshalb ist die 
erorterung der einwirkung der Subjektivität auf die spräche vor- 
erst davon abhängig, worin das wesen der wortform erkannt 
wird. Den morphologischen Zusammenhang des Wortes mit dem 
menschlichen erkennen in seinen dementen anfzazeigen hat 
jungsthin Giacomo Lignana, welcher gegenwärtig den lehrstahl 
des Sanskrit an der Universität zu Neapel einnimmt, in eiiiem 
an der dortigen Academia Pontaniana gehaltenen vortrage, der 
in den heften no. 13 und 14 der literarischen Zeitschrift: ^La 
civiltä Italiana'' vom vorigen monate unter obigem titel erschien, 
in höchst gelungener weise unternommen. Folgen wir nunmehr 
in den hauptzugen seiner in prägnanter kurze gegebenen licht- 
vollen darstellung, welche als die letzte formulirung des Pro- 
blems von der selbstständigen geistigen macht des Wortes, von 
der beciehung der logik zur grammatik zu betrachten ist 



auzeigeu. ;^| 

Die ,that8achc, dals die philosophie als Wissenschaft nicht 
eine geschichtliche erscheinang im leben aller kulturvölker, son- 
dern vielmehr ein aasschliefsliches merkmal des genius der in- 
dogermanischen race ist, kann, so folgert prof. Lignana, keine 
zufällige erscheinang sein. Die philosophie, welche der gesamm- 
ten historischen entwicklung der Indogermanen ein dement ein- 
gesenkt hat, das ihr ganzes culturleben wesentlich bestimmend 
dmrchdringt, offenbart demnach durch ihre function eine potenz, 
von der sie selbst eine naturliche und nothwendige folge ist. 
Diese potenz mufs in der spräche sein; denn das wort ist das 
erste moment im leben der menschheit; das wort ist der den 
menschen von allen übrigen Organismen scheidende anfang, die 
aus den Ordnungen jener nicht hervorgehende metabasis einer 
eigenthumlichen entwicklung. Andrerseits aber liegt allen spra- 
chen die geistesthätigkeit des abstrahirens und generalisirens zu 
gründe. Deshalb müssen die indogermanischen sprachen, wenn 
sie wirklich der bestimmende grund der philosophie sind, welche 
die besonderheiten der dinge unter allgemeine gesetze geord- 
net erkennt, ein absolutes kriterium an sich tragen, welches sie 
von allen übrigen sprachen auszeichnet. Dieses kriterium kann 
nur eine durch die ethnologische subjektivit&t der Völker bedingte 
qualität, ein System sein, erfahrungsthatsachen zu abstrahiren; 
und da die konstituirung der materie der erfahr ungsthatsache 
in einer bestimmten form den gesammten Inhalt des abstra- 
. hirens bildet, so mufs das verhältnifs dieser beiden demente 
jenes kriterium sein, wenn überhaupt die gliederung der form 
des Wortes eine solche Verschiedenheit dieses verh&ltnisses ausge- 
prägt zeigt, aus welcher die qualitativ gesteigerte denkkraft der 
Indogermanen hervorleuchtet. Zu dem ende skizzirt Lignana die 
morphologischen thatsachen der hauptgruppen der bekannten spra- 
chen. — Die im lautkörper unveränderlichen mit den sprach- 
wurzeln identischen werte des chinesischen und der verwandten 
dialekte bezeugen, dafs von dem inhalte dieser wortform die 
formale beziehung der materie ausgeschlossen ist. Hiefür ge- 
währt freilich die syntaktische disposition die nothwendige ab- 
bilfe. Aber die Unfähigkeit, in der einheit des Wortes die von 
der materie untrennbare form der abstraktion zu bezeichnen, 
deutet auf einen mangd an energie im System des das wort be- 
gleitenden abstrahirens. Nun gibt es sprachen, welche eine mor- 
phologische eigenthümlichkcit des geraden gegentheils aufweisen, 



392 Janku 

indem jede Veränderung der beziebaug des tnaterielleu Inhaltes 
eine gänzlicbe Veränderung des Wortes nacb sieb ziebt. Der so- 
genannte reicbthum grammatiscber formen in den amerikanischen 
Indianer-Sprachen bekundet aber in Wahrheit nur, dafs diese 
sprachen ebenfalls nicht geeignet sind, die verschiedenen bezie- 
bungen des unveränderten wesens in einer lautlichen einbeit zam 
ausdruck zu bringen. Beide linguistische typen, die anveränder- 
licbkeit des chinesischen und der beständige Wechsel im ameri- 
kanischen, isoliren das materielle element der abstraktion im 
Worte, beiden gelingt es nicht das wesen in der mannigfaltig- 
keit der erscheinungen zu fixiren. Ein derart unsicheres formen- 
gefuhl manifestiren aach die übrigen grappen der agglutiniren- 
den sprachen, welche in dem grofsen völkergebiete herrschen, das 
vom Ural und Altai benannt wird, den suden und osten Asiens 
erfüllen und die idiome der insulaner der sudsee sind. Das 
wort der ugglutinirenden sprachen mit dem proteascharakter sei- 
ner beziehungssilben , welche zumeist mit selbstständiger bedeu- 
tung nur in loser anbäufung am die unveränderlich bewahrte 
Wurzel sich lagern, ist das bild einer abstraktion, welche materie 
und form zwar scheidet und gleichberechtigt erkennt, aber zar 
auffassung* ihrer einbeit sich nicht erhebt und daher eines we- 
sentlichen merkmals philosophischer erkenn tnifs entbehrt. Alle 
bisher erwähnten sprachen haben auch thatsächlich das wort nor 
als eine unterschiedslose einbeit gebildet, welche keine wechsel- 
seitige beziehang der tbeile erkennen läfst. Sonach wendet sich 
Lignana^s betrachtung zu den flektirenden sprachen. So wie das 
egyptische volk das älteste in der geschichte ist, so erscheint 
die egyptische spräche, so weit sie aus dem altkoptischen er- 
kennbar ist, als der erste versuch, die beziehung der beiden ele- 
mente des inhaltes der abstraktion einheitlich zu fassen und diese 
einbeit entsprechend auch im worte durch das mittel der flexion 
zu fixiren. Allein diese demente bleiben noch äofserlicb neben 
einander gereiht, sie durchdringen sich noch nicht gegenseitig 
durch jene Umwandlung und Verbindung, welche zur Synthese 
einiget. Mit beziehung jiuf das egyptische wort zeigt das semi- 
tische einen erheblichen fortschritt. Die beziehungssilben sind 
da nicht blos an die wurzel angereihte präfixe und suffixe; son- 
dern mittelst des dem semitischen eigenthümlichen vocalismus 
ist die form über das ganze aasgegossen. Doch der materielle 
Inhalt reduzirt sich auf die drei warcelkonsonanten. Materie 



anzeigen. 393 

and form sind also hier io einer aolkbese. Während der vo- 
calismus nur formelle funktion hat, bestimmen die consonanten 
ausscbliefslich die materie. Die semitische anschaaung verharrt 
sonach, gleichwie die gliederung ihres wortes, bei dem aasein- 
anderhalten des gegensatzes. Die semitischen sprachen sind das 
analogoQ der semitischen religionen. Jchova ist geschieden von 
aller beruhrang mit der materie, Egypter and Semiten haben 
keine philosophie, obgleich das lebensalter der egyptischen kaU 
tur nach Jahrtausenden zählte and obgleich die intensive kraft 
der semitischen volksanlage den kolossalen weitreichen des alter- 
thums nicht erlag, eben weil beiden racen jenes increment der 
abstraktion fehlt, welches die unterschiedenen demente ihres In- 
haltes in der ans ihrer wechselseitigen beziebung hervorgehenden 
einheit zusammenschliefst. Eine solche einheit der function des 
abstrahirens läfst nur das indogermanische wort erkennen. 
Da ist keine juxtaposition der elemente wie im egyptischen, keine 
gegensätzliche zweibeit derselben wie im semitischen sondern 
ihre wahre synthese. Dieser qualitative unterschied des indo- 
germanischen Wortes erhellet noch bestimmter, wenn wir den 
begriflflichen inhalt des wortes im satze entwickelt betrachten. 
Der satz enthält eine grammatische kategorie, die nicht das 
sabjekt and nicht das prädikat, sondern das zum prädikat ge- 
machte Subjekt ist. Diese kategorie ist das verbum. Am ver- 
bum tritt jene potenz, welche die synthese vollbringt, selbststän- 
dig hervor. Das verbum aber, welches für sich keiner logischen 
kategorie entspricht, doch die grammatische Vermittlerin der ge- 
setzten einheit von Subjekt und prädikat ist, besitzen nur die in- 
dogermanischen sprachen. Denn das kriterium für die gramma^ 
tische existenz von nomen und verbum ist die bewufste Unter- 
scheidung der verbalen flexion von der nominalen; eine Unter- 
scheidung, welche nur die indogermanischen sprachen, nicht aber 
die egyptisch-semitischen entwickelt haben. Für die letztgenann- 
ten sprachen von nomen und verbum zu reden, ist nur eine 
grammatische fiktion einer dem indogermanischen satzbau ent- 
nommenen analogie.^ Somit hat sich die synthese, welche un- 
sere erkenntnifs der dinge bedingt, als das eigeuthümliche wesen 
der theorie unseres wortes erwiesen. Dieses wesen unseres 
Wortes, argumentirt daher Lignana dem gefundenen kriterium 
zufolge, ist unser impuls zur philosophie. Sprache und phi- 
losophie sind die beiden pole der geschichtlichen entwicklung 



394 Jttnku 

unseres bewufstseius ; deuu die thatsache der pbilosophie ist die 
kritische entwicklung des gesammteo iahaites anseres bewufst- 
scios im worte. 



Indem Lignana das prinzip der notbwendigen Wechselbezie- 
hung zwischen den grundformen der sprachen and dem ethno- 
logisch bedingten System des abstrahirens in der theorie des 
Wortes ermittelte, als welche er die logik erkennt» hat er der 
Wissenschaft einen fruchtbaren beitrag geleistet, welchen eine 
weitere Verfolgung der eben im grnndrisse gegebenen antersu- 
chungeo, so s. b. namentlich in betreff der von ihm selbst bei- 
läufig erwähnten morphologischen beziehnng der verschiedenen in- 
dogermanischen sprachen zur entwicklung der philosophie, all- 
seitig klären und verwerthen wird. Es ist zunächst augenfällig, 
dafs die fast allgemein, jedoch nur aus änfsern gründen aner- 
kannte hypothese in betreff der allmählichen vorgeschichtlichen 
entwicklung der flektirenden sprachformeu aus den agglutiniren- 
den und das hervorgehen dieser wieder aus der niederen mono- 
syllabischen form durch die theorie des wortes eine entscheidende 
best&tigung aus inneren gründen erhält. Denn diese sprachfor- 
men erscheinen jetzt als der getreue ausdruck der energie der 
gedankentbätigkeit; und die entwicklung der formen hat eben 
gleichen schritt gehalten mit der entwicklung des gedankena. 
Auch darauf möchte ich noch hinweisen, dafs das allmähliche 
schwinden jenes vollen sinnlichen Sprachgefühles, worin des men- 
schen erste erkenntnifs der dinge in noch ungelöster einheit von 
gedaoken und wort beschlossen ist, und von welchem Sprach- 
gefühl jedes Volk ein gutes theil an die schwelle seiner ge- 
schichte mitbringt, nach Lignana's theorie nunmehr in einem in- 
neren notbwendigen zusammenhange mit der entwicklung des 
erkennens erscheint. Denn die erweiterung unserer erkenntnisse 
ist dadurch bedingt, dafs wir neue erfahrungsthatsachen mit jenen 
vergleichen, die wir mit dem gesetzten worte schon begriffen 
haben. Wir abstrahiren also an diesen den gedanken von sei- 
ner lautlichen form und unterscheiden die elemente des gedan- 
kens. Diesem abstrahiren, der vorläufigen bedingung der pbilo- 
sophie, einem akte der tendenz unseres erkennens, 
weicht allmälig das sinnliche Sprachgefühl. — Indefs nach 



anzeigen. 395 

dem zwecke dieser zeilen, Lignana's theorie nach ihrer allge* 
meineo beziehang zu dem entwickluDgsgaoge der 
Sprachwissenschaft zu betrachten, moTs ich mich hier be- 
gnügen, das diesfSllige resaltat in folgendem kars zusammen zu 
fassen. Wenn die logik die theorie des Wortes ist, so ist das 
Wesen der wort form, welche in der that das nichtveränder- 
liche im fluchtigen Wechsel des lautes und der bedeutung ist, 
die positive schranke, welche der Organismus des 
menschlichen erkennens der subjektiven einwirkung 
auf die spräche setzt. Innerhalb dieses Organismus und seiner 
form im worte liegt der psychologische antheil der spräche. Die 
wähl der momente der sinnlichen Wahrnehmung, welche wir im 
gedanken abstrahiren, ist zwar kein akt der willkur, aber ein 
psychologischer akt; und dieser bezieht sich natürlich auf den 
ganzen Inhalt der sinnlichen Wahrnehmung, auf materie und 
form im inhalte des Wortes. Lignana's theorie bezeichnet da- 
her die erste bedingung des psychologischen antheiles 
der spräche und zugleich den punkt, wo die subjektive einwir- 
kung an die ihr entzogene Seite der spräche, an die natnrnoth- 
wendigkeit der spräche anknüpft. Es ist interessant zu beob- 
achten, dafs, während die deutsche Sprachwissenschaft bisher mit 
Vorliebe die der einwirkung der Subjektivität entzogene seite der 
spräche pflegte, für welche richtung Max Müller und Schleicher 
heutzutage gerade die vornehmsten repräsentanten sind, ein ge- 
lehrter jener nation, welche unter den kulturvölkern Europa's 
den modernen Individualismus am ersten und schärfsten aus- 
prägte, dem psychologischen antheile der spräche jetzt die erste 
wissenschaftliche basis geschaffen hat 
Florenz, ende november 1865. 

Johann Baptist Janku. 



Saggio di uno studio sopra i parlari vemacoli della Toscana fatto da 
Gherardo Nerucci. Vemacolo montaleae (contado) .del sotto-dia- 
letto di Pistoja. Varie appendici. Biilano. Fajini e C. 1865. 8. 

Beiträge zur kenntnifs der toscanischeu mundarten sind ge- 
rade ihrer innigen beziehungen zur allgemeinen Schriftsprache 
wegen höchst erwünscht. Nur müfsten sie wissenschaftlichen 



396 Mussaöa 

forderungen besser entsprechen als vorliegendes werkchen. Seite 
5 — 16 enthalten einige bemerkangen über laotverhältoisse, welche 
den mangel an den elementarsten kenntnissen verrathen. So 
ist der abschnitt über die vocale ganz werthlos. Der verf. weifs 
nicht zwischen betonten und unbetonten vocalen zu unterschei- 
den; er stellt fälle znsaaimen, wo wirkliche laotubergfinge vor- 
liegen, mit solchen, in denen (wie bei andeva, corrire; va- 
dino, pescio, regio) flexionsverhältnisse mitwirkten. Etwas 
besser ist die darstellung der consonanten, obwohl auch hier 
Übergang von d zu g in veggo, von g zu t in ascinttare 
neben asciugare, von t zu fs in potuto pofsnto angenom- 
men wird. Boffice = söffice (supplicem) soll die Ver- 
wandlung von 8 zu b belegen! Ueberdiefs verffillt der verf. in 
den fehler vieler italienischen forscher, die behandelte mundart 
ausschliefslich mit der Schriftsprache zu vergleichen, als ob jene 
aus dieser und nicht vielmehr in der regel beide parallel ans 
den quellensprachen geflossen wären. Daher meint er z. b. dafs 
in giacere diacere g' zu d geworden sei, während bekannt- 
lich der lautgang folgender ist: j, dj, g'. Bemerkenswertbe, 
übrigens auch sonst bekannte Vorgänge wären das gegenseitige 
sich ablosen der liquiden, I in geschlossener silbc zu i (coippo, 
caiddo, gaiccina = calcina); mb aus m gewöhnlich vor 
er (cocombero, cambera), aber auch sonst (stombaco, 
rigombito = vomito); dem entsprechend ndSr aus ner 
(cendere); endlich sti statt schi (stiaffo, stiavo). 

Nach einigen äufserst dürftigen bemerkungen (s. 17 — 21) 
über grammatik folgt (25 — 158; ein wortverzeichnifs, in welches 
sowol Wörter der allgemeinen spräche mit abweichender form 
oder bedeutung, als solche aufgenommen wurden, welche der 
mundart eigen sind. Hier mufs man die absonderlichen ausleb- 
ten des verf. über lautlehre noch einmal in den kauf nehmen. 
Eine etymologische deutung der gesammelten Wörter wird sehr 
selten versucht und zwar gewöhnlich so, dafs man dem verf. 
für seine enthaltsamkeit in bezug auf die übrigen dankbar sein 
muf9. Trotzdem wird dieser theil seines buches künftigen bear- 
beitern von einigem nutzen sein, vorausgesetzt natürlich, dafs 
seine angaben zuverlässig sind, was eine gründliche recension 
in der Rivista italiana in zweifei setzt. Interessant ist adde- 
sare: I'hoe addeso le panche, I' mi sono addeso a 
siede (es wird sied^ betont, s. 139 aber wohl richtiger 8iede[re]), 



anzeigen. 397 

ob = afr. adeser adaiser? ^ Schwimmen ^ heifst navicare, 
gerade wie frz. nag er. Ist goggi = oggi ^con protesi della 
g^ oder vielmehr aas hoc hodie, wo also das nicht mehr ge- 
fühlte demonstrativ wiederholt wäre? Sehr willkommen ist gal- 
lo fsa = gascio ^schale, hülse*', wodurch die dcutang Diez's 
aus gallicia (et. wb. I, 235) glänzende bestätigung erfährt 

Bei einzelnen, leider wenigen verben wird auch die conjuga- 
tion mitgetheilt. Auffallend ist, dafs bei habere die starke 
flexion des perf. auch endungsbetonte formen ergreift: ebbesti, 
ebberarao, ebbefsi. Dagegen entspricht dem ital. colsi die 
form corsi, cogliesti aber lautet cogghiesti (gj wie ge wohnlich 
= 1). Ebenso aus venire I. pers. viensi (wo das sigmatische 
perfect bemerkenswerth ist), II. aber venissi (st = ss wie im 
norditalienischen). Die I. plur. fast aller tempora wird auf tos- 
canische art mittels des reflexivums der III. sing, gebildet. Noi 
Toscani si dice = diciamo; no* s* ebbe (neben dem eben 
angeführten ebbemmo), no' si corse = cogliemmo, no'si 
viense = venimmo u. s. w. 

Den schlufs machen einige Volkslieder, worunter viel zu 
viele gassenhauer, welche den politischen ereignissen der letzten 
jähre ihre entstehung verdanken. 

Wien, Januar 1866. Adolf Mussafia. 



Compendium der vergloichendeD grammatik der indogerznanischen apra 
eben, von August Schleicher. II. Weimar 1S62. S s. 285 — 764. 
Auch unter dem titel: 

Kurzer abrifs einer formenlehre der indogermanischen Ursprache, des alt- 
indischen (sanskrit), alter&nischen (altbaktrischen), altgriechischen, alt- 
italischen (lateinischen, umbrischcn, oskischen), altkeltischen (altiri- 
schen), altslawischen (altbulgarischen), litauischen und altdeutschen 
(gotischen), von August Schleicher. 

(Schlufs.) 

§. 253 s. 456. Die vermuthung, dafs die endung des gen. 
plur. ursprünglich sams, daraus sim, am gewesen, wird dadurch 
ansicher, dafs sam noch in der vom metrum geforderten gestalt 
saam oder saam erscheint, vgl. beitr. IV, 180. 

§.256 s. 465. Der locativ plur. auf -sushu findet sich, 
so viel mir erinnerlich ist. nur bei prt in prtsusbu; in diesem 



398 Kuhn 

falle ist aber prtsu wohl als neoes thema bebandelt, wie aus 
den bildangen prtsudha = sanigräma, prtsuti f. feindlicher 
angriff hervorzugehen scheint; man vergl. das ähnlich gebildete 
patsutas von den füfsen her, za fufsen and patsotah^t £a 
fufsen liegend, in dem patsu als stamm verwandt ist, am daraas 
ein neues adverbiam mit der endang -tas zu bilden. 

§. 256 s. 464. Sind den locativformen des altbaktrischen 
10. noch fshvä, fshva anzufügen? sie finden sich in den beiden 
formen kamnafshva, st. kamna, Haug ess. 100 (anders Justi p; 
76) und varefsbva st. vara, Justi 268. 387. 

§. 261 s. 475 vgl. s. 494. Ob ubi, ibi sich als dativbildun- 
gen zu tibi, sibi, mihi stellen, ist mir zweifelhaft; sie zeigen zwar 
die älteren formen ubei, ibei wie tibei, sibei, mihei, allein aus- 
lautendes 1 mufs immer entweder e oder i d. i. ei werden; f5r 
die kurze des i sprechen wenigstens nbtnam, ubYvis, übicunque, 
während ubique und ibidem (später auch ibidem) die länge zei* 
gen; vgl. auch utique, utinam neben uti. Dafs seit inscbriftlich 
für siet, sit steht ist doch wohl rein orthographisch, cf. Corssen 
ausspr. I, 211. 

§. 264 8. 488 instr. sing. II ist doch wohl statt der grand- 
form svjami -kvjami zu setzen? 

§. 267 s. 502. Für den dual nom. acc. 1. p. gibt Haug p. 106 
dem väo der zweiten person entsprechend näo an, doch ohne 
belege, Justi hat n^ nur für den plural. 

§. 271 s. 512. Das als secundärendnng der 1. du. verma- 
thete *va belegt Justi p. 398 durch jv&va. 

§. 272 s. 513. Als vollste form der 2. sg. setzt SchL ta aas 
tva an. Aus dem in der perfectbildung übrigen bestände an for- 
men -^a, skr. -tba, z. -tha (t nur nach 9 in vaSsta, H. voi^ta 
p. 81 J. vdi9tä 8. V. vid), ir. -tha, lat. -sti, goth. -t ist dieselbe 
nicht mit Sicherheit anzusetzen , da das t sich in den letztge- 
nannten fällen immer in Verbindung mit 9 oder s findet, welche 
in diesen sprachen die aspirata hinter sich meist nicht zulassen. 
Da der spurlose ausfall des v von tva unwahrscheinlich ist, ist 
wohl anzunehmen, dafs tha aus tva hervorging, vgl. auch dhi f. 
dha aus tva und die dualendungen 2. pers. mit anlautendem tfa, 
dh. Die zahl der fälle, in denen die Verbindung tva im sanskrit 
vorkommt, ist allerdings eine sehr geringe, so dafs es- schwer 
hält durch vergleichung mit den verwandten sprachen darüber 
zu voller gewifsheit zu kommen. Die wenigen fiSIlc, die einen 



anzeigen. 399 

vergleich zulasseD, führen zu dem resaltat, dafs das y zuerst die 
aspiration des t herbeiführte wie im zend und dafs dann ^ in (T 
abergieng; der halbvokal wurde wieder vokal oder inficirte doch, 
wie es scheint , den folgenden vokal. Ein entscheidendes bei- 
spiel, wo tv zu ^ geworden, scheint mir wz. ^oq in ^Q(oax(o 
hupfen, springen u. s.w., verglichen mit skr. tvar eilen; die be- 
griffe springen und laufen, eilen grenzen nahe an einander wie 
engl, to leap und deutsch laufen zeigen. Von der zu tur 
verkürzten wurzel kommt im skr. taripa m. samenflnssigkeit, 
von der wz. '&oq gebildet erscheint ^ogog^ der mfinnliche samen 
bei menschen und thieren. Ein zweiter fall scheint in &vici>j 
&v(o rasen, toben, in begeisterung sein, Ovidg, &v(jrdg vorzulie- 
gen, verglichen mit skr. t vis h in heftiger bewegung, erregt sein; 
vom zustand des gemüths sowohl leidenschaftlich aufgeregt als 
bestürzt sein; doch mufste die so entstandene wurzel sich bald 
mit der von &fS<a, &vv(o mischen. Der Übergang in a zeigt sioh 
in av = tvam, sowie im suff. -<tv«/ = -tvana, ebenso im in- 
laut am äolischen niavQBg^ während im dor. rhogeg das j: aus- 
fiel, aber wohl noch seine nachwirkung im o offenbart; das ge- 
meingriechische zetTijaQeg kann sowohl aus *te&fCLQ8g als aus 
tstrageg entstanden sein. Endlich noch ein fall, wo tv in blofses 
(T übergieng, ohne den folgenden vokal zu inficiren, ist aaxog, 
es entspricht genau dem nur am Schlüsse von compositis vor- 
kommenden tvacas, für welches im einzelgebrauch tvac f. 
haut, decke verwandt wird. Im auslaut tritt g (aus ^ und dies 
aus t V ) nach weggefallenem i in {^eg und dog sowie in den ana- 
log gebildeten anderen imperativen auf. 

§. 272 s. 515. Die annähme, dafs jiti^th 9i9(>Vy i&r^ nach 
analogie der so genannten bindevokalischen conjugation auf e 
gebildet^ seien, wSre nur für die beiden ersten nicht für die 
letzte form möglich, da sich dann löta zeigen müfste; man mofs 
daher wohl ersatzdehnung für den abfall des ^t annehmen. 

§. 273 s. 517 in der 2. ps. pl. bieten Hang und Justi statt 
9-tha die form 9-ta H. 7(i , 9-ta J. 396. Als Sekundaire endung 
erscheint auch -ta neben -tha in qyätha und qjäik J. 396; da- 
gegen auch primär ta in taurvayata H. 76. J. 399. 

§. 276 s. 524. Zur altbaktrischen 3. ps. pl. perfecti auf -are 
und opt. auf -res, -ris, -re vergl. man jetzt die Verzeichnisse bei 
Justi, der die formen mit s dem medium, die auf -e dem activ 
zuweist; die zurückführung auf -san, resp. -sante, -Santa ist um 



400 Kuhn, anzeigen. 

80 unabweisbarer als byäre genau dem griecb. eltjaaf entspricht, 
während qyen, byän dem elev gleich stehen. — Wenn ib. ib. im 
griechischen läai = i-anti gesetzt wird (vgl. über didoaai s. 586 
und iaai s.585), so kann man darüber in zweifei sein, da so- 
wohl i'ovai als taai aus ursprunglichem ianti hervorgeben konnte, 
aber didoaai^ ri&eaai scheinen nebst laai auf die endung *8anti 
zu weisen, zumal die alten formen (didovaij ri&elai) daneben 
stehen und die neubildung sich auch daraus zu ergeben scheint, 
dafs dieselben didovaiy ti&elai, bei den Attikern wenigstens, all- 
mählich durch jene verdrängt wurden, vergl. Kruger diall. §. 36 
anm. 3. 

§. 278 s. 528. Für altb. hakh^aja setzt Justi s. 314 8. v. 
hakhsh die 1. p8. sg. praes. bakhsbya an, dagegen bietet er p. 399 
eine entsprechende form in pairitanuya vgl. p. 131 s. v. tan. 

Wir brechen unsere anzeige hier ab, da wir so eben von 
unserem verehrten freunde und collegen die erfreuliche nachricht 
erhalten, dafs nicht nur der erste theil des compendiums, von 
dem wir es schon seit längerer zeit wufsten, sondern auch der 
zweite vergriffen und die zweite verbesserte aufläge bereita im 
druck sei; unter diesen umständen ist es angemessen weitere 
bemerkungen bis zum erscheinen derselben aufzuschieben. 

A. Kuhn. 



Umschreibung des altindischen alphabets. 

Der wuDscb, das altindische aiphabet in einer den laut 
möglichst getreu darstellenden schrifl wiederzugeben, ver- 
anlafst uns wie in den beitragen so auch in der zeitschriflt 
vom XVI. bände ab die nachfolgende Umschreibung, die 
sich im ganzen an Lepsius Standard aiphabet anschlielst, 
einzuftlhren : 







Altindisch: 


k g kh 


gh 


: h n 


a ä 


K g Kh 


gh 


9 j n 


i I 


t d th 


dh 


S n r 1 


r r 


t d th 


dh 


8 n 




p b ph 


bh 


V m 


u a 


anusTfira: 


~ 





) o 

\ 



äu 



Kuhn, über das vcrhttltnirs einiger secundKren medialendnngen etc. 401 

Ueber das verhältnifs einiger secundären me- 
dialendungen zu den primären. 

Franz Bopp zum 16. mal 1866 gewidmet. 

Die medialenduDgen der indogermaDischen sprachen 
haben für den Verfasser dieses aufsatzes nicht nur ein wis- 
senschaftliches, sondern gewissermalsen auch ein persön- 
liches interesse, da seine promotionsschrift de conjugatione 
in -ju» zuerst diejenige ansieht Ober den Ursprung dersel- 
ben aufstellte, die sich heute der Zustimmung der meisten 
zu erfreuen scheint, nämlich die, dafs die medialendungen 
durch doppelung der personalendungen des activs entstan- 
den seien. Freilich ist der beweis ftir diesen Ursprung bei 
manchen dieser formen noch heute nach beinah dreifsig 
jähren nicht geführt, allein bei anderen, und es waren ja 
die Ton denen ich hauptsächlich ausgieng, ist doch die 
vermuthung der gewifsheit so nahe gebracht, dafs jnrir hof- 
fen dOrfen auch bei anderen noch zu bestimmteren resul- 
taten als bisher zu gelangen, wie sie zum theil bereits 
durch Misteli's abhandlung in d. zeitschr. (XV, 285 ff.) an- 
gebahnt sind. 

Die grundlage der Untersuchung bei allen forschungen 
über den Ursprung der medialendungen werden nun immer 
die endungen -fjiai, -^ai, -Tai, 'Vtai in ihrem verhältnifs 
zu den indischen -(m)e, -se, -te, -nte und zu den den 
beiden sprachen gemeinsamen endungen des activs -jui, 
-(Ti, 'Xiy 'VTi bilden. Jeder beitrag zur genaueren erkennt- 
nifs des Verhältnisses dieser endungen zu einander wird 
auch für die der anderen medialendungen nicht unfrucht- 
bar bleiben. Man hat nun die endungen der secundären 
tempora des medii auf -a, wie sie im sanskrit und zend 
auftreten, nämlich -sa, -ta, -nta mit recht als die derselben 
Schwächung der primären sprachen angesehen, aus denen sie 
durch abfall des zweiten theils des auslautenden diphthongs 
(e = a-f-i) entstanden seien. Wenn man aber, wie ich 

Zeitschr. f. vgl. spracbf. XV.' 6. 26 



402 Kuhn 

es selber, Bopp folgend, in der erwähnten schrift gethan, 
die griechischen endungen -(To, -ro, -vto mit jenen indi- 
schen und zendischeu soweit identificirte, dafs man sie als 
unmittelbar aus jenen durch vokalschwächung entstanden 
ansah, so glaube ich, hatte man unrecht, da sich eine Ver- 
tretung des kurzen, auslautenden -a durch griechisches -o 
schwerlich nachweisen läfst. Wir mOssen daher zunächst 
alle die f&Ile, in denen altindisches -a im auslaut im grie- 
chischen, sei es nun als -a, -€, -o erhalten ist, durchge- 
hen, um zu einem sicheren resultat zu kommen. Wir be- 
ginnen bei unserer Zusammenstellung mit den fällen, in 
denen altindisches -a durch griechisches -€ vertreten ist, 
dann lassen wir die wo skr. -a = griech. -a ist folgen 
und schlielsen endlich mit denen, wo skr. -a mit grieoh. -o 
vergleichbar ist. 

A. ä = €. 

I. Declination: 

1) voc. sg. der a-stämme skr. -a: (^iva. 
griech. -c : Xoy^. 

2) nom. acc. du. der vokalischen und consonantischen 
Stämme im zend: -a neben -ä; vedisch zuweilen -a 
(verkürzt aus -ä, -au): zend. ahura, airyamana ne- 
ben yemä; — skr. dhrtavrata, deva neben dhrtavratä, 
-äu, devä, -&u. 

griech. i- stamme, u- stamme und consonantische 
Stämme -€: nolt^^ ^ifj^ee, ?AovTe. 

II. Conjugation: 

1)2. plur. ind. und conj. praes., fut act skr. -tha: bo- 

dhatha, tudatha, bhavishyatha, stha, asatha. 

griech. -rc: rvTiTere^ tvxptxB, iatk^ itjtB, ijre, 
2)2. sg. imper. praes. act. skr. -a: bodha, tuda. 

griech. -£: tvtitb, 
3)2. plur. imper. praes. act. skr. -ta: bodhata, tudata. 

griech. -r«: tvtitbtb. 
4) 2. plur. impf., aor. und pbt. praes. aot. skr. -ta: abo- 

dhata o. s. w., bodheta. 

griech. -t«: krvmBte^ TtinroiTi, irvt/mts u. s. w. 



über das verhältnifs einiger secundären medialendungen etc. 403 

5)3. 8g. pcrf. act. skr. -a: bubodha, tutoda u. s. w. 

griech. -6: TBrvcps, 
6) 2. plur. imper. medii vedisch -dhya: yajadhva« 

griech. 'ö&e : ä^Bö&e (ebenso in allen 2. ps. pL med.). 

III. Zahlwörter und indeclinabilia: 

skr. panca (thema: panean), ca, ha (vedisch: cä, gh&). 
griech. ^r^vre, ri, ya (dorisch: ra, yd). 

Unter den in vorstehender übersieht aufgezählten fäl- 
len gehören I. 2 und U. 6 nur der vedischen spräche an, 
die, wie sie oft alterthümlichere formen bewahrt, nicht sel- 
ten auch schon geschwächtere zeigt als das klassische 
Sanskrit. Wir haben demnach in den zweiten personen 
plur. die Stufenfolge -dhve, -dhvam, -dhva, von denen das 
griechische nur noch die beiden letzteren im dualen -a&ov 
und pluralen -öd^e bewahrt hat. Ueber die endung -dhva 
vergl, man Benfey vollst, skr.-gramm. §. 809 bem. 3. 1. a 
und Pän. 7. 1. 43. — Ebenso ist nivre in III eine weitere 
Schwächung des nach der analogie der unter B. 11! auf- 
gestellten Wörter zu erwartenden *nBvva^ dessen a nur 
noch im inlaut in TtevTaxoaioi u. s. w. erhalten ist. Uebri- 
gens theilt das griechische die Schwächung des a in e be- 
kanntlich mit dem lateinischen, welches ebenfalls -e in 
quinque zeigt, und ebenso hat das got. fimf nicht die nach 
der analogie der übrigen Zahlwörter zu erwartende form, 
sondern ist wahrscheinlich auf älteres *fimfi zurückzufah- 
ren. — Endlich stehen die partikeln unter III. ca, gha, 
ca, ha, rrr, yd, t€, ya in demselben verhältnifs zu einander 
wie die unter I. 2 aufgeführten dualformen #]f ä, a, e; da 
dies letztere e aus älterem a hervorgegangen sein mufs, 
könnten die duale wie vQiTjgr], ^^'Z^h ^X^ ^^^ letzten spu- 
ren des dualen a im griechischen und aus rgii^gaa, raixaa, 
iixoct contrahirt sein. 

Aufser den hier aufgeführten fällen erscheint a noch 
im griechischen auslaut: 

1) im acc. sing, der personalpron. ^^^, ai^ H, atfi ge- 
genüber dem skr. mäm, mä; tväm, tvä; (svam?); 

26* 



404 Kuhn 

2) in der 3. sg. impf, und aor. -a, hvTtrs^ hvHfe gegen- 
über dem skr. -at, atudat, adixat, alipat. 

Die formen unter 1 . zeigen hier dieselbe fortschreitende 
Schwächung wie I. 2 und die partikeln unter HI, indem 
die selbst schon verkürzten ma und tva sich ebenso zu 
ma und tva gekürzt haben müssen, wie der dual auf -ä 
zum vedischen und altbaktrischen auf -a; wie diesem die 
griechischen duale auf -b so entsprechen jenen die genann- 
ten pronominalaccusative. 

Die formen unter 2. mufsten nach griechischem laut- 
gesetz ihr auslautendes t aufgeben und dann folgte das -a 
der analogie der übrigen fälle mehrsilbiger Wörter und wan- 
delte sich zu 6. Sehr wahrscheinlich ist, dafs r zunächst 
zu g wurde, vgl. das unter C. über t6 bemerkte, und dafs 
dann g schwand und das v iq>ehcvaux6v an seiner stelle 
entwickelte wie bei -fAsg und -fiev; Ti&f]ai läfst dem kri&t] 
vorangegangenes kviß'tjg erwarten, also auch Xiyei für Xeyeai 
XeysTi in gleicher weise Hleysg und daraus Jilsysvy H?.Bye, 

B. ä = a. 
I. Deklination: 

nom. acc. sing, der neutra auf man: näma, griech. ovojua. 
IL Conjugation: 

1)1. pers. sg. perf. act. -a, tutoda. 

griech. -a, rervrpai 
2) 2. pers. sg. perf. act. -tha, tutoditha, vettha, z. vdi^ta 
2. pers. sg. impf, act, -ad-a, -iS-a, ola&a, 
IIL Zahlwörter, indeklinabilia: 

1) sapta, nttva, dapa, thema saptan, navan, dapan. 
iTtrd^ kwia, Sixa. 
Von den hier aufgezählten fallen zeigt II. 1, da ihm das 
personalkennzeichen fehlt, augenscheinliche Verstümmlung 
(vergl. Bopp skr.-gramm. §. 390 anm.); rkrvcpa ist was die 
endung betriffl; analog gebildet wie irvxpa, dessen a, wie 
die vedische aoristbildung zeigt, aus -am hervorgegangen 
ist. Das in den veden zuweilen noch auftretende -ä der 
endung weist deutlich auf einem hinter -a ausgejßülenen 



über das Terhültnifd einiger seenndären medialendungen etc. 4(K^ 

coD80Danten und erklärt die bewahrang des -a; beispiele 
dieser verlängeruDg sind jagrabh& B. X, 18, 14; bi- 
bhayä R. VIII, 45, 35, denen sich das zend. tatashä Y. 
29, 6 zur seile stellt. Das gleiche ist bei den zahlwörteni 
eingetreten, deren thema im sanskrit noch den nasal zeigt, 
ebenso wie die Wirkung desselben auch meist noch in der 
deklination dieser Wörter auftritt. In beiden fällen steht 
also a für älteres am oder av, für das zunächst ä und 
dann a eintrat; auf dieselbe weise entstand das -a des 
acc. sing, der dritten decl. noöa =» padam, ebenso das -a 
des nom. acc. sg. der ncutra auf -uar in I, welches älteres 
f4av voraussetzt, aus welchem jtia hervorgieng, vgl. Curtiua 
zeitschr. IV, 214 und Ebel ib. V, 63, wo noch analoge er- 
scheinungen besprochen werden. Gleiches zeigt sich auch 
in der partikel xa, xiv gegenüber dem skr. kam, ebenso 
entsprang TQicixovra aus dem noch in den veden mehrfach 
erhaltenen accnsativ von trim^^at, welcher trim^atam lautet. 
Ein ferneres beispiel des nebeneinanderstehens nasalir- 
ter endung und solcher anf -a sind die dualen und plura* 
len formen der ersten person im verbnm, denn da dual- 
und pluralformen ursprünglich zusammenfallen, so scheiden 
sich 'fisö-ovy "lu&ct nicht anders als Xoyov und noda als 
einov und dna^ d. h. ursprünglich gehen beide auf *ma- 
tham zurück. Das griechische ist übrigens auch bei die- 
sen beiden formen schon einen schritt weiter vorgerückt 
in der Schwächung, denn -mähe, zend. -maide stehen zu 
'lAB&ov 'lAB&a in demselben verhältnifs, wie die 2. plur. 
der haupttempora im skr. -dhve zu der entsprechenden der 
nebentempora -dhvam und wie diese form im altgriechi- 
schen 'öO^e in dritter stufe geschwächt erscheint, so hat 
in strenger analogie das neugriechische die endung der 
1. plur. med. pass. in -uaare oder 'fisöTS geschwächt, wenn 
es z. b. dem altgriech. yga(p6ue&a das neugr. yuaipoviiacxf. 
oder ygacpov^isaTS gegenüberstellt. Nach der Überlieferung 
der grammatiker war übrigens diese Schwächung bereits 
im äolischen dialekt eingetreten (Ahrens diall. K 130 §. 
24. 8), denn sie melden, dafs die Aeoler statt -ueO^ce die 



406 Kuhn 

form '14B&6V gebrauchten; doch zeigen die vorhandenen 
Sprachüberreste nur --fieO-a^ nichts desto weniger wird die 
Überlieferung richtig sein, da der äolische dialekt, wie Hir- 
zel (zur .beurtheilung des äolischen dialekts, Leipzig 1862) 
trefflich nachgewiesen hat, mehrfaltig nicht die ältesten, 
sondern die jüngsten sprachformen des griechischen zeigt 
und so auch zuweilen lesbisches e an stellen auftritt, wo 
alle übrigen dialekte a haben (a.a.O. s. 11). Uebrigens 
will ich schliefslich doch noch darauf aufmerksam machen, 
dafs für -fiB&a im verhältnifs zu -mähe, zend. -maide auch 
noch eine andre auffassung möglich ist; wie nämlich -se 
= -(yai,-te = -Tai, nte = -vrat, so könnte -(AB&a = -mähe, 
m*aide aus -madhe sein, dem eigentlich gr. 'fied'at entspre- 
chen müfste ; wie aber xarcxy furä etc. aus xarat^ fAsrai sich 
entwickelten, könnte auch ^ue&a sich aus älterem -fiB&m 
entwickelt haben. Dann wären (und wir haben es ja in 
der schluTssilbe von -fiB&a mit der pronominalendang der 
zweiten person ^u thun) '^le&ai, -f^ted-ov^ -jue&ev die treuen 
abbilder von -dhve, -dhvam, dhva. — Die endang der 
2. sg. des perfecti -tha, die im griechischen '&a weiteren 
umfang gewonnen, bleibt sonach der einzige fall, wo an- 
scheinend altes ä durch a vertreten ist, aber auch nur in- 
sofern als kein nasal, der etwa dahinter abgefallen wäre, 
mit Sicherheit nachgewiesen werden kann; die Wahrschein- 
lichkeit eines consonantenabfalls ergibt sich auch hier durch 
die, wenn auch nur ganz vereinzelt auftretende länge des 
a, wie sie sich in vetthä R. VI, 16, 3 sowie in den zen- 
dischen vöi^tä und frädadäthä (Justi s. v. vid und dft) 
zeigt. 

C. a = o. 

I. Deklination: 

1) nom. sg. pron. dem. masc. sa, griech. o, 

2) genit. sg. der a- stamme und der pronominalstämme 
asya, 

griech. 'Oio, 

II. Conjngation: 



Über das verbältnifs eiuiger lecundttreii medialendungen «tc. 407 

1)2. 8g. der nebentempora med. pass. -sa, griech. -(xo, 
2)3. sg. der nebentempora med. pass. -ta, griech. -ro, 
3)3. pl. der nebentempora med. pass. -nta, gr. -vvo^ 
4) 2. sing, imper. med. pass. -sva, griech. -ao. 
III. Indeclinabilia: 

apa, pra, upa — dno^ ngOy vno. 
Der unter I aufgeführte fall zeigt das -o erst im seoun- 
dftren auslaut, da hier abgefallenes ^ noch auf griechischem 
boden nachweisbar ist. Der artikel 6 ebenso wie das pro- 
nomen sa stehen für älteres 6q und sas^ jenes in ^d' oq, 
xal 6g (vgl. xai t6v\ dies im vedischen sas padishta 
Ry. III, 53, 21, sas tava (na hi shas tava no mama) Rv. 
Vin, 33, 16 erhalten; einmal erscheint im sanskrit sogar 
sä, also mit ersatzdehnung für das iibgefallene s, ftr sa 
nämlich Rv. I, 145. 1. Vom genitiv auf oto soll in dw 
zweiten abhandlung gehandelt werden, wo wir zu zeigen 
hoffen, dafs er ursprünglich allgemein -g im auslaut hatte, 
welches noch in den formen hiA^vg u. s. w. bewahrt geblie- 
ben ist. 

Von den unter III zusammengestellten präpositionen 
sind ano und vno auf ältere mit -g auslautende formen 
zurückzufahren, wie sie in den lateinischen formen abs 
und subs noch vorliegen (vgl. Pott etym. forsch. I^, 250). 
Für ursprüngliches apas sprechen auch noch die ableitnn- 
gen skr. pa^-ca, pa^-cat (vgl. Weber ind. stud. 11, 406), 
lat. pos-timus, pos-terus, pö-ne f. pos-ne; im zend 
besteht neben der präpositiou apa, die auch (wie in den 
veden z. b. Rv. VII, 28. 2) mit verlängertem auslaut apä 
erscheint, das adverbiale verbalpräfix apö d. i. apas. Eben 
so zeigt upa im zend im compositum upapputhri noch 
den Zischlaut erbalten. Als älteste formen der beiden prä- 
positionen sind demnach apas und supas (upas) anzusetzen, 
deren endnng auf griechischem boden wie in den mascu- 
linis der zweiten und neutris der dritten -o^* geworden sein 
könnte, worauf dann ein abfall des <t eingetreten wäre. 
Allein zur aunahme eines solchen abfalls stimmen nicht die 
sonstigen überlieferten formen derselben präpositionen. In 



408 Kuhu 

der epischen poesie erscheinen die formen amd und vnai, 
die freilich durch die kritik sehr beschränkt worden^ aber 
immerhin als alterthümliche formen unzweifelhaft sind, zu- 
mal sie sich auch in der ableitung als stamm erhalten ha- 
ben, wie z. b. vTtal in vTiai&d, 'YTiait^a verhält sich aber 
zum vorausgesetzten supas fast genau wie äol. ndooi&a, 
nccQoii^Bv zu Tidoo;; = skr. puras (u vor r ist speciell in- 
disch), eine vokalisirung des g zu i scheint daher in bei- 
den fällen unzweifelhaft; vergleicht man nun femer die 
seltene form juerai = fuercc mit skr. mithas (wechselsweis, 
wozu man mithuna paar, Verbindung und maithuna 
paarung, ehe halte), goth. mip, so wird es sehr wahr- 
scheinlich, dafs die sämmtlichen präpositionalformen auf ai 
nämlich imcci^ dnai, naoal, y.ccxai^ uevai aus ursprQnglichen 
formen auf -as hervorgegangen sind. Allein mag man den 
Ursprung des -rr^ dieser Wörter nun so oder mit Pott und 
anderen als aus einem locativ fem. hervorgegangen anse- 
hen, jedenfalls dOrfen diese formen unbedenklich als die 
dem vTio, octio, naQcty xard^ fierd vorangegangenen ange- 
sehen und mithin -o in den beiden ersten nicht als Ver- 
treter eines ursprünglich anlautenden a angesehen werden. 
Dafbr sprechen auch noch andre gründe; erstens zeigt sich 
auch noch dXv vno die den letzten drei formen analog ge- 
bildete auf -a im äolischen vnd (Ahrens diall. I, 75), zwei- 
tens aber zeigt sich gleichfalls im äolischen (natürlich wird 
das nicht dieselbe mundart gewesen sein, die ind f&r imo 
zeigte) statt dno die form dnv (gerade wie aik. xan; ne- 
ben xaxai, xatd vgl. Ourtius G. E. 11, 289), die aller Wahr- 
scheinlichkeit nach nicht auf der blofsen verdumpfung des 
o zu V beruht, auch natürlich nicht wie der naive gram- 
matiker in den Ann. Ox. bei Ahrens I p. 75 meint, ihren 
Ursprung daher hat, damit man doch auch eine präposition 
auf t;, wie solche auf a und i, hätte. Zunächst sei be- 
merkt, dafs die form hinreichend gesichert ist (Ahrens 1, 83) 
und dafs auch hier die inschriften die gemeine form dno 
daneben zeigen ; dann aber ersdieinen die ortsadverbia auf 
«0« im äolischen in der form auf -vi (Ahrens diall. I, 154 



ttber das verhältnifs einiger secondären medialendangen etc. 409 

§. 29. 3), fiiavC f. kv fAiöcj}^ äkkvi f. äkkoae u. s. w. (neben 
der schon eine verkürzte form auf -t; auftritt) die aus der 
diesem dialekt eigenen distraction des oi zu ot (Ahrens I, 
106 §. 18. 2) und daraus durch verdumpfiing des o zu t; 
entstand, worauf das t entweder abfiel oder vom vorher- 
gehenden V absorbirt wurde. Diese entwicklung ist also 
fast analog wie die des altitalischen oi zu u, vergl. altlat. 
comoinem, osk. muinikad, moinikad, lat. commu- 
nis. Es stellen sich demnach fQr diese beiden präposi- 
tionen folgende entwicklungsreihen heraus, 
vnai^ anal : ind {(XTtd), 
(vTtoi^ dnol) : vtio, cctzo^ 
I (vnifi^ dnvt) : (inv\ dnv^ 

die uns su dem Schlüsse ftkhren, dals die formen vnd^ imoj 
dno^ dnv nicht auf solche die ursprünglich auf -a auslau- 
teten, zurückfQhrbar sind. 

Als letzte form unter in bleibt demnach nur ngo 
übrig, dem ein skr. pra gegenübersteht; nur einmal findet 
sich in den veden in diesem worte die länge (praprä vo 
asm^ sv4ya9obhir ütf Rv. I, 129. 8 gegen prapra vas tri- 
shtübham isham Rv. VIII, 58. I vgl. Regnier: Präti^. VII, 
33 und II p. 33). Im zend erscheint fra in compositis, 
frä (und daneben ein paarmal frö) als verbalpräfix, im la- 
teinischen erscheinen pro, pro und prod-, so dafs auch 
in diesem falle die Vertretung von a durch o keineswegs 
gesichert erscheint. 

Auiserdem erscheint -o im griechischen noch einem a 
im Sanskrit gegenüber in den neutris x6^ avro, tovto, 
ixBivOf äkko, die insgesammt hinter ihm einen ursprünglich 
auslautenden dental verloren haben, also nicht als reine 
Vertreter eines a-auslauts anzusehen sind. OvvcDg, ovrwj wg 
gegenüber dem ved. tat, yät sowie 6g, o gegenüber sas, sa 
lassen es wie bei der oben unter A (s. 404) besprochenen 
endung der 3. sg. impf, und aor. als wahrscheinlich erschei- 
nen, dafs der auslautende dental sich zunächst in -g ge- 
wandelt habe und dies dann abgefallen sei; dem -g aber 
wird die verdumpfung des a zu o zuzuschreiben sein, ge- 



410 • Kuhn 

rade wie in den zweisilbigen neutralstämmen in -og wie 
Tuxog, tTtog das -ot; aus -as von Mehas, vacas hervorgieng, 
während in den mehrsilbigen, wie dlrj-äig, -s eingetreten 
ist. Doch steht auch der annähme des reinen abfalls des 
r (oder d) nichts entgegen, vor dem dann a zu o gewor- 
den wäre, wie im lat. is-tud, aliud; diese annähme em- 
pfiehlt sich vielleicht mehr^ wenn man das arkadische äkXv 
für ällo (Curtius G. E. II, 289) berücksichtigt. — Von 
griechischen auf -o auslautenden Wörtern bleiben nur noch 
dvo und SevQo übrig, von denen jenes unzweifelhaft & oder 
äu als ursprünglichen auslaut zeigt, was das ältere 3vw 
darthut; dieses aber bei seinem dunklen Ursprung sich 
einer vermittelung entzieht; seine äolische form ösvqv oder 
SevQv macht neben den vorher besprochenen formen auf 
-i; den abfall eines vokals oder eines consonanten hinter 
dem V wahrscheinlich. 

Die unter A. B. C. im vorhergehenden besprochenen 
falle ergeben nun als fast durchgreifende regel: 

1) dafs ursprünglich auslautendes a im griechischen zu 
a wird, 

2) dafs auslautendes a nur dann = skr. a erscheint, 
wenn beide aus älterem ä entstanden sind, dessen 
länge als ersatz für einen abgefallenen nasal einge- 
treten ist, 

3) dafs auslautendes o nur dann aus a entsteht, wenn 
hinter ihm a) g oder r (J), b) ein i abgefallen ist 

Nach diesem ergebnifs ist es sehr unwahrscheinlich, 
dafs in den medialendungen -(To, -ro, -wo das o Vertreter 
des auslautenden a von -sa, -ta, -nta sein werde. Dasa 
kommen aber noch andre gründe; erwägt man nämlich das 
verhältnifs von -uai zu 'Ut]v und berücksichtigt, dafs in 
den übrigen vokalisch auslautenden endungen der neben- 
tempora regelmäfsig Schwächung gegen die der haupttem- 
pora eingetreten ist, so scheint doch die enduug -f4i]v da- 
mit in scharfem Widerspruch zu stehen, die niemand als 
Schwächung von -fnai wird ansehen wollen und an deren 
stelle -|Mo zu erwarten gewesen wäre. Die endungen -«i^y 



über das verhältnifs einiger se^üindftren medialendungen etc. 411 

und -thäs fahrten mich daher schon in meiner eingangs 
erwähnten schrift auf die vermuthung, dafs der erste theil 
dieser medialendungen mit langem a gebildet sei, so dafs 
nicht -mami die ursprüngliche form der 1 . pers. sing. med. 
gewesen wäre, sondern -mämi, zu dem dann 'fitjv im rich- 
tigen verhältnifs der Schwächung stehen würde, nämlich 
'fiäf^i (fir^fii) : /Jifjv = xi&YifjLi^ hxi&Yjv\ dadurch würde, denn 
-mä könnte man doch kaum anders denn als accusativ fas- 
sen, der gedanke des mediums {rvTirofiai = schlagen-mich 
-ich) genauer ausgedrückt als durch die gewöhnliche an- 
nähme des Ursprungs aus schlagen- ich -ich. Wäre aber 
-/<er^ aus -mämi hervorgegangen, so müfsten auch -aai^ 
-rat, 'Vrai aus älterem -säsi, -täti, -ntanti hervorgegan- 
gen sein, und dafs dies der fall gewesen, dafür spre- 
chen mir die formen des vedischen oonjunctivs; wir fin- 
den nämlich in den medialformen desselben nicht allein den 
modusvokal, sondern auch den vokal der endungen ge- 
dehnt, so dafs den indicativendungen -e, -se, -te, -nte, die 
des conjunctivs -äi, -säi, -tai, -ntai gegenüber stehen. Diese 
Verstärkung des vokals der personalendungen ist aber keine 
nothwendige, sondern sie kann auch unterbleiben; eine 
vollständigere Sammlung von conjunctivformen als wir sie 
bis jetzt besitzen, könute vielleicht über die frage, warum 
bald die gedehnte form bald die schwächere angewandt 
wird, in anderem sinne als man bisher erwarten sollte, 
auskunft geben. Aufiällig ist jedenfalls, dafs der ausdruck 
des modalen Verhältnisses nicht blos an der stelle eintritt, 
wo er sonst allein in allen indogermanischen sprachen ein- 
tritt, nämlich zwischen der wurzel und der personalendnng, 
sondern dafs anscheinend die personalendungen demselben 
zwecke dienen ; Bopp (vgl. gramm. III p. 44) erklärt diesen 
umstand aus der neigung dieses modus zur möglichsten 
formfiille, Schleicher (comp. II, 539 §. 788) sagt, dafs der 
imperativ und der Imperativisch gebrauchte conjunctiv 
theilweise besondere, gedehnte formen der personalendun- 
gen haben und dafs dies durch die in diesem falle voka- 
tivische natur der letzteren bedingt und nicht als wahres 



412 Kuhn 

moduselement zu betrachten sei. Wenn daher die formen 
mit gedehntem vokal der peraonalendungen nur im impe- 
rativisch gebrauchten conjunctiv vorkämen, so würden wir 
dieser auffassung Schleichers allenfalls beitreten können, 
obwohl doch nicht einzusehen ist, warum dann die spräche 
nicht die endungen des Imperativs auch fQr diesen modus 
verwendet habe, da sie sich ja in ihnen schon eine form 
fQr die vokativischen personalendungen geschaffen hatte 
und obwohl es namentlich wunderbar erscheint, dafs der 
conjunctiv medii allein dieser hervorhebung der endung 
theilhaftig geworden sein sollte, während doch der con- 
junctiv activi sich im vollen gegensatze gegen den impe- 
rativ activi mit den einfachen endungen des indicativs be- 
gnügte. Der conjunctiv wird ferner aber auch nicht nur 
im Imperativischen sinne, sondern auch zum ausdruck zahl- 
reicher anderer Verhältnisse gebraucht und wenn nun in 
diesen ebenfalls die dehnnng eintritt, während doch die 
Verwendung der nicht gedehnten endung frei stand, so wird 
es sehr wahrscheinlich^ dafs die dehnung der endung einen 
anderen gruud hat, als den bisher angenommenen. Wir 
wollen zu dem zweck einige falle, wo wir den conjunctiv 
mit der gedehnten endung vorfinden, beibringen; sie sind 
nur, wie sie mir gerade zur hand waren, zusammengestellt 
und sind, wie ich denke, zahlreicher Vermehrung fähig« 
Ich stelle diejenigen beispiele, wo der conjunctiv den be- 
griff der aufforderung oder des Wunsches enthält, voran, 
da hier die vokativische natur der pronominalendnng noch 
am ersten einzuräumen und die ersten personen des con- 
junctivs ja bekanntlich als imperativformen von den gram- 
matikern angesehen werden. 

Conjunctiv mit -äi in der endung 1) zum auedruck 
der aufforderung, des Wunsches, der Willenser- 
klärung: 

svastaye väyum upabravämahäi zum heile wollen wir 
den Vayu anrufen ßv. V, 51. 12. — 

sam anyeshu bravävahäi in anderen dingen wollen wir 
uns besprechen Rv. I, 30. 6. 



über das verhältnifs einiger secnndären medialendungen etc. 413 

tritiye savane mädayädhväi beim dritten opfer möget 
ihr euch ergötzen Rv. I, 161. 8. 

tatro shu mädayädhväi dort möget ihr euch recht er- 
götzen Rv. I, 37. 14. 

yajämahäi yajniyän hanta devän ilämahäi tdyäo &j.yena 
wir wollen die opferwerthen götter verehren, wir wollen 
die preiseswerthen mit opferbutter anflehen. Rv. X, 53. 2. 

punar ehi vrshäkape suvita kalpayävahäi kehre wie- 
der, Vrshäkapi, heilsames wollen wir aasföhren Rv. X, 
86. 21.' 

uddhrtya ghrtäktam annam anujnäpayaty agnau ka- 
rishye karavai karaväniti vä | pratyabhyanujnä kriyatäm 
kurnshva kurviti | Nachdem er speise herausgenommen und 
sie mit Schmelzbutter bestrichen, bittet er um erlaubniis 
und spricht: „im feuer werde ich mir opfern^ oder ,,möchte 
ich mir opfern" oder ,,möchte ich opfern**. Die einwilli- 
gung lautet „es werde geopfert" oder „opfere dir** oder 
„opfere**. Äpv. Grhyas, IV, 18. 19 (die stelle ist für den 
syntactisohen unterschied von fut., conj. praes. med. u. act 
von grofsem Interesse; Stenzler bemerkt noch, dafs bei 
Kätyäyana als frage karishye und als antwort kurushva, 
bei Gobhila karishyämi und kuru stehe. Sind dann die 
beiden andern glieder weggefallen oder werden sie anders 
ausgedrückt und wie?) 

te bruvan maruto varam vrnämahäi atha vayam ye- 
däma | asmabhyam eva prathamam havir nirupyätä iti die 
Maruts sprachen: wir wollen uns etwas wünschen, dann 
werden wir es wissen. Nur für uns soll die erste opfer- 
gabe gespendet werden. Taitt. Br. I, 7. 1. 6. 

sa väi vo varam vrnä iti drum will ich nun etwas von 
euch wünschen (wörtlich: der nun — ) Ait. Br. TII, 33. 

pavitrena ^atäyushä vipvam äyur vyapnaväi durch hun- 
dert jähre verleihende reinigung möge ich das volle leben 
erreichen! Väj. XIX, 37. 

staväi purä päryäd iudram ahnah vor dem entschei- 
denden tage will ich Indra preisen. Rv. III, 32. 14. 

indräya sunaväi tvä ^akr&ya sunaväi tvä dem Indra 



414 Kuhn 

will ich dich pressen, dem Qakra will ich dich pressen. 
Rv. VIII, 80. 1. 

madagra eva vo grahä grhyantäi für mich zuerst sol- 
len eure spenden geschöpft werden, seh. zu Pän. III, 4. 8 
(madagra nach pet. wb. s. v. grabh 10). 

Daneben finden sich indessen auch beispiele, wo die 
endung nur -e zeigt, was für diesen fall noch ganz beson- 
dre aufmerksamkeit verdient: 

räjä vrtram janghanat präg apäg udag ath& yajäte 
vara ä prthivyäh der könig soll den feind im osten, We- 
sten und norden schlagen, dann opfere er an der tre£Plich- 
sten Stätte der erde. Kv. III, ö3. 11. 

t& väm nu navyäv avase kar&mahe so wollen wir nun, 
euch jugendliche, zu hülfe rufen. Rv. X, 39. 5. (Diese form 
ist eigentlich die indicativform, allein da „pra bravä ich 
will preisen'^ vorangeht und in der epischen spräche noch 
sich mehrfache beispiele finden, in denen die ersten personen 
des dual und plural imperativi auf -e statt -äi ausgehen, 
vergl. Böhtlingk-Roth wb. s. v. kar II p. 81, so ist wohl 
karämahe als conjunctiv zu fassen). 

yasminn indro vasubhir mädayäte an dem sich Indra 
mit den Vasus ergötzen möge. Rv. VII, 47. 2. 

asredhanto marutah somye madhau sväheha mädayä- 
dhve friedlich, ihr Maruts, beim somameth ergötzt euch 
unter svähäruf. Rv. VII, 59. 6. 

tvam ca mä varuna kämayäse und du, o Varuna, mö- 
gest mich lieben. Rv. X, 1 24. 5. 

2) In absichtssätzen: esha net tvad apacetayätäi 
damit er dir nicht abtrünnig werde. V&j. S. 11, 17. 

videgho ha mäthavo s gnim vaipvänaram mukbe ba- 
bhära tasya gotamo rahugana rshih purohita äsa tasmäi 
ha smämantryamäno na prati^rnoti neu me s gnir vaipvänaro 
mukhän nishpadyätä iti | Videgha Mäthava trug den Agni 
Vaipvänara im munde, sein purohita war der rshi Gotama 
Rahugana; auf den, als er von ihm angeredet wurde, hörte 
er nicht (zu dem sprach er nicht): „damit mir nicht Agni 
Vai^vänara aus dem munde falle '^ so (dachte er). Qat. 
Br. I, 4. 1. 10. 



über das verhältiiiis einiger secundären medialendungen etc. 415 

ui yeua mushtibatyaya ni vrträ rupadhämahäi durch 
welchen wir im faustkampf die feinde snrQcktreiben mögen. 
Rv. I, 8. 2. 

yathä vasu virajätam napämahäi damit wir reicbihum, 
von helden geschaffenen, erlangen. Rv. X, 36. II. 

3) Zweifelnde frage: ko agnim ttte havishä gbrtena 
srucä yajätä rtubhir dhruvebhih wer ruft den Agni an mit 
Opferbutter, opfert ihm wohl mit dem löffel an festgesetz- 
ten fristen? Rv. I, 80. 18. 

kuvit patidvisho yatir indrena samgam^mahäi ob wir 
wohl vom gatten gehafst, getrennt, mit Indra uns vereini- 
gen mögen (kuvit mit conj. steht hier wie oft wie ein ab- 
aichtssatz, also: damit wir u. s. w.) Rv. VIII, 80. 4. 

4) In zeit- oder bedingungssätzen: yad adya tv& 
süryo 'pabravämahäi tarn no devä anumanstrata kratom 
wenn wir, o Sürya, dich heute anrufen wollen, mögen die 
götter diesen unsem vorsatz billigen. Rv. X, 37. 5. 

sa yadä t&m atiVardhä atha karshüm khätvä tasyam 
mä bibharasi sa yadä t&m ativardhä atha mä samudram 
abhyavaharäsi — tan m& n&vam upakalpyopasasÄi sa äugfaa 
ntthite nävam äpadyäsäi tatas tvä pärayitäsmiti || sobald 
ich nun ftir diesen (krug, topf) zu grofs werde, dann sollst 
du eine grübe graben und mich darin halten, wenn ich 
dann für diese zu grofs werde, sollst du mich zum meere 
binabnehmen — drum sollst du, indem du ein schiff za* 
röstest, mir folgen und so, wenn die flut sich erhoben^ 
sollst du das schiff besteigen und dann werde ich dich 
retten. Qat. Br. I, 8. 4. 3—4. 

yad ürdhvas tishthä dravineha dhattäd yadvä xayo 
mätur asya upastha iti yadi ca tishthäsi yadica ^ayäsäi 
dravinam eväsmäsu dhattäd ity eva tad äha wenn du (o 
Opferpfosten) aufrecht stehst oder wenn du auf der mutter 
(erde) schoofs ruhst, sollst du guter hierher spenden^, so 
(spricht er) „sei es dafs du stehest, sei es dals du liegest, 
so sollst du uns doch gut verleihen^ in dem sinne hat er 
es gesagt. Ait. Br. 11, 2 (cf. Rv. UI, 8. 1 und vergl. auch 
Nir. Vlll, 18, wo Yäska^s erkl&rung von tishtbas durch 



416 Kuhn 

das futurum sthäsyasi sowie die von 4hattat gleichfalls durch 
das fut. dasyasi beachtung verdient, ebenso dafs er den 
conjunetiv xayo als Substantiv fafst, worin ihm Säyana 
folgt, während das brähmana die seinem Verfasser o£Eenbar 
schon als alterthümlich geltenden conjunctivformen tishth&s 
und xayas (w. 1 xi) durch die der grammatik als regel- 
recht erscheinenden tishthäsi und payäsäi erklärt), 
avapatantir avadan diva oshadhayas pari | 
yam jivam apnavamahai na sa rishyäti pürushah || 
herabfliegend vom himmel sprachen die (heil-) kräater: wen 
wir noch lebend erreichen, nicht' mag der mann vergehen. 
Rv. X, 97. 17. 

Ueberblicken wir die voranstehenden beispiele, so wird 
es schwer zu glauben, dafs die dehnnng der endang hier 
überall ein vokativisches verhältnifs ausdrücke, denn wenn 
dies auch bei den ersten und zweiten personen beim aus- 
druck der aufforderung, allenfalls auch in manchen fUlen 
des Wunsches denkbar ist, so wird es doch in den ande- 
ren fällen schwer fühlbar und in solchen wie „ko yajätäi 
wer mag wohl opfern", wo erst nach der person gefragt 
wird, also eine bestimmte nicht gedacht wird, so wie bei 
den passiven nirupyatai, grhyäntäi ganz undenkbar. Fer- 
ner sehen wir, dafs neben der gedehnten form, und zwar 
einigemal gerade bei der zweiten person, wo also der to* 
kativ recht am orte wäre, die schwächere form gebrancht 
wird. Endlich ist wohl zu beachten, dafs anoh im acttv 
die vollere form auf -mi, -si, -ti u. s. w. vielfach schoo 
eine gekürzte auf -m, -s, -t neben sich hat (vgl. die ho- 
merischen formen der 3. sg. auf -t^cti neben denen auf -17), 
die schwerlich immer dem imperf. oder aorist angehört, 
wie die oben angefahrte stelle des Ait. Br. II, 2 und an- 
dere zeigen. Diese beobachtung wird auch noch einem 
andern einwurf gegenüber, der sich etwa machen liefse, 
von bedeutung. 

Man konnte sich nämlich bei der annähme, dafs die 
dehnung der personalendungen im conjunetiv der vokati- 
vischen natur derselben zuzuschreiben sei, auf die ganz 



über das verbttltnifs einiger secundären medialendimgen etc. 417 

ähnliche erscheinung der pluti (Benfey vollst, gramm. §. 
134) berufen, wonach z. b. statt des vokativs agne die deh- 
nung agnä-i eintritt, und glauben, dafs die dehnung im 
conjunctiv auf dem gleichen gründe beruhe; allein einmal 
sprechen schon die angeführten falle, wo der endung über- 
haupt kein vokativischer Charakter beigelegt werden kann 
dagegen, dann aber würden, wenn im conjunctiv medii und 
passivi wirkliche plutirung stattfände, auch die activ-en- 
dungen des conjunctivs daran theil nehmen und wie man 
mit plutirter silbe vindati 3 sagte, so würde auch ein ya- 
jäti 3 und ähnliches sich zeigen müssen, was nicht vor- 
kommt; wenn dagegen nun tisbthas neben tishthäsi (so 
auch asas neben asasi?) auch schon im activ steht, so 
wird die annähme, dafs yajate nur eine Schwächung von 
yajatäi sei, nur um so wahrscheinlicher. Uebrigens spricht 
gegen die annähme einer solchen gleichstellung der ge- 
dehnten personalendung mit plntirten silben auch schon 
der umstand, dafs die indischen grammatiker, deren beob- 
aohtung meist eine scharfe und feine ist, eine solche zu- 
rückfbhrung der dehnung der endnngen im conjunctiv auf 
die pluti durchaus nicht versucht haben. 

Ich bin daher der ansieht, dafs die gedehnten for- 
men ursprünglich die allgemeinen der haupttempora wa- 
ren und dafs die auf -e erst durch Schwächung aus die- 
sen hervorgegangen sind; die formen mit der volleren 
endung erhielten sich beim conjunctiv länger, weil dieser 
modus überhaupt die gröfsere formfuUe länger bewahrt. 
Für die annähme der ursprünglichen endungen -mäi, 
-säi, -täi und -ntäi sowohl fttr indicativ und conjunctiv 
sprechen mir aber namentlich auch die griechischen con- 
junctivendungen des medio-passivi, die durchweg mit den 
indicati vischen der haupttempora übereinstimmen, während 
die Schwächung der entsprechenden sanskritformen im 
indicativ nicht nur in der 1. sing, deutlich hervortritt, die 
-e statt -me zeigt, sondern in den veden auch schon zu- 
weilen in gleicher weise in der 3. sing, hervortritt, wo 
t^e, snnve, ^aye u. s. w. statt ishte, sunvate, ^ete erschei- 

Zeitschr. f. vgl. sprachf. XV, 6. 27 



41H Kubii 

nen. Dais die griechischen formen auf -cu auf ursprüng- 
liches -äi nicht auf -o zurOckznföhron sind^ wird auch da- 
durch wahrscheinlich, dafs die regelrechten Vertreter von 
e im inlaut und auslaut sonst oi und r:i sind, dafs dagegen 
die einzige endung, in der ein auslautendes äi mit einer 
griechischen vergleichbar ist, nämlich die infinitiv- endung 
-dhyäi ebenfalls -ai im griechischen -aOca zeigt. End- 
lich spricht die vollständige erhaltung des griechischen 
conjunctiv medii, selbst bis zum neugriechischen herab, 
gegenüber dem frühen verschwinden desselben im sauskrit 
sicherlich dafür, dafs uns auch in den griechischen en- 
dungen die ältere form derselben überhaupt erhalten ist. 

Nach diesen Untersuchungen bedarf es über die en- 
dungen der sekundären tempora nur weniger worte. Sind 
die indischen endungen auf -ai die älteren, die auf -e erst 
daraus hervorgegangen und jene durch die griechischen 
auf -ai vertreten, so hätten wir, wenn die Schwächung im 
griechischen denselben gang wie im indischen genommen 
hätte, an stelle dieser griechische auf -oi (äi : e = a^ : ot) 
zu erwarten; die im klassischen sauskrit erste stufe, müfste 
dann im griechischen zur zweiten geworden sein. Statt 
dessen ist aber nur der erste vokal des diphthongs ol übrig 
geblieben, der zweite dagegen abgefallen, gerade wie im 
Sanskrit aus e (a-H i) in den secundären endungen a wurde. 
Das möchte gegen unsere annähme zu sprechen scheinen, 
und doch haben wir gesehen, dafs u als aus auslautendem 
a entstanden in der regel nicht nachweisbar sei. Verglei- 
chen wir nun aber das verhältnLfs von -cyat, -r«*, -i/ra« 
mit -cFü, 'To^ 'VTo^ so ist es genau entsprechend dem von 
äncci, vTiai zu d:iü, vtio und wenn wir oben gezeigt ha- 
ben, dafs auch in diesen formen das auslautende -o aus 
älterem -ot entstanden sein müsse, so kann auch die an- 
nähme, dafs -(7ü, -ro, -vto aus älterem -ooi^ -voiy -vvoi 
entstanden sein müsse, keinem weiteren bedenken unter- 
liegen. 

Schliefslich sei noch der 2. pers. sing, imper. auf -sva, 
griech. -cro gedacht; da nichts darauf deutet, dafs sie von 



über dos verhältnifs einiger secundären medi&leniluugen etc. 419 

vom herein eine andre bildiing als die übrigen zweiten 
personen des Singulars gehabt habe, so wäre für sie mit 
der dem imperativ naturgeraäfs zustehenden volleren en- 
düng zuerst -tvätva, daraus -svasva vorauszusetzen; wie 
nun -säsa, -säsi zu -sai, -aai geworden, wäre för den im- 
perativ -svai, 'Ofai zu erwarten. Jenem zunächst stehen 
noch die mehrfach vorkommenden endungen vedischer 2.8g. 
imper. auf -svä, während in diesen anzunehmen scheint, 
dafs unter einwirkung des digamma der vokal a zu o, 
also aus -(T/ror/, 'Ofoi wurde (vgl. öog, aov aus qfog^ ajroto 
für *tvas5 *tvasya) und dann nach dem ausfall des digamma 
diese form sich der analogie der endung der 2. sing, der 
sekundären tempora anschlofs, für die wir auf griechi- 
schem boden ebenfalls -aoi als älteste form erschlossen 
haben. 

Als resultat unserer Untersuchung stellt sich also her- 
aus: wie in den pluralenduugen -dhve, -dhvam, -dhva sich 
eine dreifache stufe der Schwächung nachweisen läfst, so 
erscheint auch in den von uns untersuchten endungen eine 
solche, die sich in folgender tabelle darstellt: 



l)-(m)äi. 


-sai. 


-täi, -ntai 


'ftai, 


-a«/, 


'Tai , 'VTCtl 


2) -(m)e, 


-se, 


-te , -nte 


-(/O/?'), 


'(J0(l), 


-ro(/), -i'ro(/) 


3) (m)i. 


-sa, 


-ta, -nta. 


bufe ist also 


in der 


2ten — 4ten form aus der 



ursprünglichen Verdoppelung der personalpronomina durch 
allmähliche Schwächung zu den einfachen pronominalstäm- 
men, die wir für die activendungen vorauszusetzen haben, 
zurückgekehrt, und wie die endung der ersten person in 
ihrem endvocal dem activen -mi gleich steht, so sind die 
entsprechenden passiveudungen im päli und präkrit im wei- 
teren fortschritt der Sprachentwicklung den activendungen 
vollständig gleich geworden und beide genera verbi wer- 
den durch die endungen nicht mehr unterschieden. 



27* 



420 Kuhu 

Ueber einige genetiv- und dativbildungen. 

Die vedischen Schriften, soviel ich sehe, hauptsächlich 
die brahmanas, zeigen als genetivform der feminina viel- 
fach die endung -äi statt des regelrechten -äs, die sich bei 
allen vokalisch endenden femininstümincn nachweisen läfst; 
die commentare fassen iudefs diese erscheinung so auf, 
dafs sie dem dativ für diese fiille die genetivbedeiitung 
beilegen, so erklärt z. b. Mahidhara zu Väj. Sanh. XIX, 16 
derartige genetive durch die regel „caturthf shashthy- 
arthe d. i. der vierte (dativ) im sinne des sechsten (ge- 
netiv)", eine regel die sich zwar nicht bei Panini, wohl 
aber in einem värtika (bei Böhtlingk zu Pa. II, 2. 3. 62) 
findet, welchem das beispiel „yä kharvena pibati ta- 
syäi kharvali** beigegeben ist; die stelle findet sich in 
der Taittiriya-Samhitä (II, 5. 1.7) und ist keinenfalls pas- 
send gewählt, denn da jäyate zu ergänzen ist („die frau 
welche aus einem schadhaften (geföfse) trinkt, der wird 
ein schadhafter geboren"), so kann tasyai ebensowohl abla- 
tiv (also pancami) sein, ganz abgesehen davon, dafs wir 
nach unserer auffassung auch den sinn des dativs hinein- 
legen möchten. Die auffassung des grammatikers ist aber 
offenbar die, dafs der genetiv hier nicht allein den Ur- 
sprung (ablativ), sondern zugleich den besitz ausdrücke 
und dafs daher an seine stelle der dativ treten durfte. 
Aber mit dieser syntactischen erklärung reichen wir nicht 
aus, denn müfste es schon auffällig erscheinen, dafs der 
so gebildete genetiv nur bei einer klasse der feminina auf- 
tritt, so zeigt eine kleine Sammlung von stellen, dafs diese 
form mit Substantiven, die im regelrecht gebildeten genetiv 
stehen, in Verbindung gebraucht wird, dai's sie nicht allein 
in der bedeutung des genetivs sondern auch des ablativs 
erscheint und dafs daher nur die annähme bleibt, diese 
form sei auf rein lautlichem wege aus der noch daneben 
stehenden auf -äs entwickelt, sie habe, zuerst nur verein- 
zelt auftretend, allmählich weiteren umfang gewonnen und 
ihre naturgemäfse fortbildung finde sich in den genetiven 



ttber da* verhältnifs einiger secnndttren medialendungen etc. ^ 4^1 

des präkrit auf -ae, wo dann genetiv, ablativ und dativ 
nur noch die eine form auf -äe zeigen; während im päli 
nicht nur diese casus sondern auch noch der Instrumen- 
talis und zuweilen sogar der locativ bei den femininstäm- 
men auf -ä durch die endung -äya, die in anderer weise 
geschwächt ist, gebildet wird (Storck: casuum in lingua 
palica formatio, Monasterii 18l)3 p. IS). Doch lassen wir 
zunächst die beispiele folgen, die vorzugsweise dem Brhad* 
Äranyaka entnommen sind: 

tasyäi vacah prthivi ^arirara der körper dieser stimme 
ist die erde Br.Ar! I, 5. 11 = ^at. Br. XIV, 4. 3. 18. 

prthivyäi cainam agnep ca daivi vag avi^ati aus der 
erde und aus dem feuer tritt die himmlische stimme in 
ihn ein. Ib. I, 5. 18 = Qat. Br. XIV, 4. 3. 27 (ablativ). 

na vä are jiiyayai kamaya jäya priyä bhavati nicht 
der gattin zu liebe wird die gattin theuer ib. II, 4. 5 = 
Qat. Br. XIV. 5. 4. 5 (könnte auch dativ sein , da bei ka- 
maya sowohl genetiv als dativ steht). 

vinayäi vädyamänäyai na pabdän und vtnäyäi tu gra- 
hanena die töne der angeschlagenen leier — durch das 
ergreifen der leier, ib. II, 4. 9 = (?at. Br. XIV, 5. 4. 8. 

iyam prthivi sarveshani bhutanam madhu asyäi prthi- 
vyäi sarvaui bhütäni madhu diese erde ist der honig aller 
wesen, alle wesoii sind der honig dieser erde ib. ü, 5. 1 
(über die genetivnatur asyai prthivyäi vergl. man das fol- 
gende: ima apah sarveshäm bhütänäm madhv äsäm apäm 
sarväni bhütani madhu ib. 2 u. s. w.). 

iyam vidyut sarveshäm bhütänäm madhv asyäi vidyu- 
tah s. bh. m., dieser blitz ist der honig aller wesen, alle 
wesen sind der honig dieses blitzes ib. 8. 

tasyäi dväu stanäu devä upajivanti von zwei brüsten 
derselben leben die götter ib. V, 8. 1 , kurz vorher geht 
tasyäp catvärah stanäh sie hat vier brüste, und gleich nach- 
her folgt tasyäh präna ishabho ihr hauch ist der stier. 
Ebenso findet sich der genetiv auf -äs auch sonst mehr- 
fach im Br. Ar. z. b. ekaikasyäh ^rngayor äbaddhäh III, 
1. 1, tasyä vedir upasthah VI, 4. 3. 



422 Kuhn 

ashtaxaram hu va gayatryai padam achtsilbig ist ein 
pada der gayatri ib. V, 14. 1 flP. 

tasyä ahutyrii vrshtih (retah, purushah) sambhavati 
aus dieser spende entsteht der regen (der samen, der 
mann) ib. VI, 2. 10 (12—14) (ablativ). 

yasya jayayäi jarah syat wessen gattin einen bahlen 
hat ib. VI, 4. 12 (kann auch dativ sein). 

prthivyai devayajane auf der opferstätte der erde Ait. 
Br. 1,13. 

etad vai varshman pfthivyäi yatra yüpam unminvanti 
das ist die Oberfläche der erde, wo sie den opferpfosten auf- 
richten Ait. Br. II, 2. 

sarvasyäi vacah sarvasya brahmanah parigrhityai zum 
zusammenfassen der ganzen rede, des ganzen Spruches Ait. 
Br. II, 15- und 17. 

mayr dohah padyäyai viräja iti trtiyam ^in mir ist die 
melkung der aus versgliedern bestehenden viräj* so das 
dritte mal. A^val. grhyasütra I, 24. 22. 

äsandi rüpam räjasandyai vedyai kumbhi surädhäni | 
antara uttaravedyä rilpam der sessel ist die form des kö- 
nigsthrons, der surähaltende krug die des altars, der Zwi- 
schenraum die form des nördlichen altars Väj. XIX, 16 
(hier könnte man mit Mahidhara den dativ annehmen, wenn 
nicht gleich darauf der genetiv in uttara-vedya folgte, vgl. 
oben Br. Ar. V, 8. 1). 

sarasvatyai bhfiishajyena viryayannadyayabhishincämi 
mit der Sarasvati heilthum zur Stärkung zur nahrung be- 
sprenge ich dich Vaj. XX, 3 (vgl. den genetiv apvinor in 
der vorhergehenden formel a^vinor bhaishajyena).^ 

surayai babhrväi made kimtvo vadati kimtvah | im 
rausch der braunen sura spricht er: „wer du, wer du?** 
Väj. XX, 28. 

Diese beispiele werden genügen, um zu zeigen, dafs 
in ihnen die formen auf -äi wirkliche genetive, resp. abla- 
tive sind; eine vollständigere Sammlung wäre sehr wün- 
schenswerth, weil sie tlber den umfang und die zeit des 
eintritts der erscheinung auskunft geben wörde, wenigstens 



über (las verhältiiif?* ein i -er seciiiiilttreD mt.'ilialeD(iuugt>ii etc. 423 

soweit dies das auftreten des -ai vor dumpfen consonanten 
betritt^; vor vokalen und tönenden consonanten ist ja der ein- 
tritt des -a statt -as l;creits im ältesten sanskrit vorhanden 
und auch ursprünj^liches ai vor vokalen wird ä. Uebrigens 
bemerken wir, dafs in den obigen beispielen -äi sowohl 
vor dumpfen als tönenden buchstaben erscheint, nämlich 
vor k (zweimal), vor c (daneben -a^.ca), vor j, vor t, vor 
d (zweimal), vor ^, vor p (dreimal, daneben -ah prä-), vor b, 
vor bh, vor y, vor r (neben -ya ru-), vor v (sechsmal), 
vor s. Es erscheint demnach dies ai als eine mittelstnfe 
zwischen dem volleren -as, -ay (ca), -ah einerseits und 
dem geschwächten -a andererseits uud hat seine Weiterent- 
wicklung im -e von -ae des pnikrit. 

Wenn wir nun hier den genetiv mit derselben endung 
wie den dativ der gleichen wortstämme auftreten sehen, so 
kann es bei der sich ungemein nahe berührenden bedeu« 
tung beider casus, keinem bedenken unterliegen, dafs auch 
der dativ auf -äi ursprünglich sich in gleicher weise aus 
dem genetiv auf -as entwickelt habe. Wie nahe sich ge- 
netiv und dativ im lateinischen berühren, sehen wir z. b. 
an patris est und patri est, wo der feine unterschied der 
von eigenthum und besitz ist, begriffe, die einer älteren, 
sittlich weniger entwickelten weit nothwendig zusammen- 
gefallen sein müssen. Schon die veden setzen daher den 
genetiv an die stelle des dativs nach Pa. II, 3. 62 (ca- 
tnrthyarthe bahulain chandasi „im sinne des vier- 
ten steht (der sechste) oft im chandas" ), wo die scholien 
als beispiel die stelle der Vaj. Sainh. XXIV, 35: »pu- 
rushamiga^. candramasah der hirsch gehört dem 
monde" anführen, und allerdings wechseln in dieser aufzäh- 
lung der den einzelnen gottheiten geweihten thiere der 
genetiv und dativ sowie besitz anzeigende adjectiva belie- 
big mit einander ab. Eine andre stelle habe ich mir aus 
Taitt. Sand). I, 5. 1. 1 augemerkt, die noch entscheidender 
ist: tad (sc. vamam vasu) asya sahasa Mitsanta das wa- 
ren sie im begrifi i h m mit gewalt zu nehmen. Eine wei- 
tere beobachtunjc wird noch reichlicheres material für diese 



424 Kuba 

regel des Panini gewäbreu. Ebenso eutscbieden wie im 
zuletzt beigebracbten beispiel stellt sieb die sacbe im epi- 
schen Sanskrit und der späteren spracbe dar, wo der ge- 
netiv oft an der stelle des dativs anderer spracben stebt, 
so z. b. in der im epischen stil bäufigen ibrmel »tan 
mama 'caxva sage mir das^; so beifst es ferner Veta- 
lap. 4 bei Lassen antbol. ^ 28. 17: „bbo räjaputra di- 
nam prati tava kirn diyate be räjput, was wird dir 
für den tag gegeben? (wörtlicb: was wird deiner oder dei- 
nes gegeben?)" und ebend. 29, 5: ^tasya viravarasya 
tankasabasrasuvarnam pratidinam dätavyam die- 
sem Yiravara sind täglicb tausend tanka gold zu geben^. 
Im päli und präkrit Übernimmt der genetiv daher meist, 
in letzterem vielleicht überall die function des dativs, vgl. 
Lassen instit. ling. präer. p. 299, Hoefer, de präer. dial. 
p. 127 z. b. namo buddhappa f. namo buddhäya, 
Burnouf et Lassen Essai sur le Pali p. 107; Storck, ca- 
suum in lingua palica formatio p. 18: „genitivus saepis- 
sime dativi partes agit et vice versa", so wird mayham 
dhitu und mama dbitu für „meiner tochter" (skr. ma- 
hyam dubituh und mama duhitub) gebraucht. Ebenso ver- 
wendet das neugriechische den genetiv statt des dativs 
und an die oben für das sanskrit gegebenen beispiele scblie- 
isen sich die von Mullach (gramm. der griech. valgairspr. 
8. 327. 9 und 328) angeführten: „ä'Jwx« ^va Istitov tov 
71T0J/0V ich habe dem armen manne ein lepton gegeben^, 
„aov TU aa {t6 fiTia) ich habe es dir gesagt", „(Tot; Xiyfa 
ich sage es dir", y^rov öiäofiev wir geben es ihm" genau 
an. In ganz ähnlicher weise berührt sich der gebrauch 
von of und to im englischen oft ungemein nahe: „she 
was the daughter to a private gentleman" und „of a pri- 
vate gentleman". 

Wenn sonach der genetiv sich in form und begriff 
aufs nächste mit dem dativ berührt und dieser bei den 
femininstämmen auf -ä aus jenem hervorgegangen ist, -äy&i 
also zugleich endung des genetivs und dativs ist, so scheint 
mir auch die dativform der masculina und neutra erst da- 



über das verhältnifd einiger seeimdftreii medUlendungen ttc. 425 

durch licht zu erhalten. Vergleichen wir nämlich die pro- 
nominale declination mit der nominalen, z. b. tasya, tasyäs 
mit pivasya, piväyas, so kann man doch kaum glauben, 
dafs piväyäs anders gebildet sein sollte als tasyfts. Diese 
vermuthung mufs um so wahrscheinlicher erscheinen, als 
mehrere adjecti^a aulser den eigentlichen pronominibus der 
pronominaldeclination folgen, aber mehrfach daneben auch 
formen nach der declination der a-stämme zeigen, bei wel- 
chen allerdings, wie z. b. beim locativ daxinasyäm und 
daxinayam, sich fdr die verschiedenen formen oft ein be- 
grifflicher unterschied (hier: rechts und geschickt) entwik- 
kelt hat, der jedoch sicher nicht als ein ursprünglicher an- 
gesehen werden kann, sondern sich erst nach der Spaltung 
der formen entwickelt haben wird. Gieng aber ^iväy&s 
aus 9ivasyäs hervor, zeigt sich ferner piväyäs auch in der 
form piväyäi, die neben genetiv- zugleich dativform ist, so 
wird auch der dativ piväya aus dem genetiv pivasya her- 
vorgegangen sein. In diesen formen ist der vokal a vor y 
durch ausfall des s und ersatzdehnnng entstanden, ganz in 
derselben weise wie in der bildung der denominativa eini- 
ger Stämme auf -as, z. b. ojäyate von ojas, das s eben- 
falls gewichen ist und zum ersatz der vorhergehende vokal 
verlängert wurde (vergl. Bcnfey vollst, gramm. §. 229. 230 
und Pä. III, 1, 11. 12). Wenn nun aber der dativ auf 
-äyäi aus dem genetiv auf -ayäs durch vokalisirung des 
auslautenden s zu i hervorging, so kann man sich dem 
schlufs nicht entziehen, dafs auch der dativ auf -e auf 
dieselbe weise aus dem genetiv auf -as (vergl. edhi aus 
asdhi = 16 &i) hervorgegangen sein werde. 

Diese beobachtung des Zusammenfalls des dativs und 
genetivs führt uns aber auch noch zu einigen resultaten 
f&r die entsprechenden casus der verwandten sprachen. Ich 
habe bereits in der anzeige des zweiten theils von Schlei- 
chers compendium (zeitschr. XV, 311) die ansprechende an- 
sieht Hoefer's, die Max Müller in seiner science of lan- 
guage I, 106 ebenfalls aufgestellt und treffend weiter be- 
gründet hat, besprochen, wonach der genetiv auf -asya. 



426 Kuhn 

-asyäs {öt](noto) sich nicht blos lautlich sondern auch be- 
grifflich mit adjectiveu wie dr^uoaiog aufs nächste berührt. 
Es ist danach der genetiv ursprünglich ein adjectiv, wel- 
ches das zugehörig sein, den besitz, das eigonthum aus- 
drückt und dem ursprünglich die flexion des nominativs 
zugestanden haben muls, ^ivasya putras mufs ursprünglich 
pivasyas putras der zum Qiva gehörige söhn, (^ivasyas), 
^•iväyas patis der zur ^iva gehörige gatte bedeutet haben; 
auch das neutrum bediente sich wohl zuerst der form des 
masculini, doch könnte ihm auch das neutrale -m, in grie- 
chischen 'V in der endung zugestanden haben, was mir 
indessen wegen der unten zu besprechenden lateinischen 
formen auf ius weniger wahrscheinlich erscheint. Sobald 
der Ursprung der bildnng sich aber verdunkelte, fiel das 
nominativzeichen im niasculinum und neutrum ab und blieb 
nur im femininum, wo das sanskrit das s auch, zwar nicht 
bei den femininstäipmen auf -a, wohl aber mehrfach bei 
denen auf -i und -i\ im nom. sing, bewahrt hat. Diese 
annähme eines ursprünglichen adjectivs und daraus ent- 
standenen genetivs auf -asyas, -asyris wird nun durch ein- 
zelne rcste der erhaltenen genetivbildung bestätigt. Er- 
stens finden wir in den veden, wenn auch freilich nur ver- 
einzelt, im auslaut des genetivs masc. und neutr. noch die 
länge, also -asyä statt -asya, ebenso im zend -ahyä, -hy& 
(vgl. Benfey vollst, sanskr.-gramm. s. 300 no. 1) und aus- 
lautende lange vokale finden wir ja mehrfach als ersatz 
von consonanten, die hinter den entsprechenden kürzen 
weggefallen sind. Zweitens ist das auslautende -s noch in 
der deklination der griech. personalpronomina erhalten, wo 
ihm Bopp (vgl gr. 11'^ s. 104) und Schleicher (comp. s. 496) 
freilich einen secundäreu Ursprung zuschreiben. Die dorischen 
genetive f/<€oc, ^iievg, ^uorg, tev^j Tsuvg neben den epischen 
und äolischen kuelo, ^uto, (ysloj (Tco, tsoio, tbbJo zeigen, 
dals beide reihen aus älterem kf^ioaioi;^ k^eatog, TBfüöio^^ 
TSfBcnog oder Tfo<SLog^ rfsoiog hervorgegangen sind und das 
streben nach erleichterung der form in der ersten reihe das 
inlautende -rr/-, in der zweiten das inlautende und auslau- 



über das verhältuils einiger secundären mcdialendungen etc. 427 

tende -a verdrängte. Dafs aber auch der genetiv der no- 
minalen a- Stämme ursprünglich ein -g im auslaut gehabt 
haben müsse, geht aus dem was in der ersten abhandlang 
über auslautendes -o im griechischen beigebracht ist, her- 
vor und wird durch die analog gebildeten pronominalge- 
netive bestätigt. Endlich zeigt sich das auslautende -8 
auch in den lateinischen pronominalgenetiven auf -ius, 
welche, obwohl der wegfall des inlautenden -s bedenken 
erregt (denn an eine metathesis aus -isio hält noch schwe- 
rer zu glauben), doch auf eine grundform auf -isios, -isius 
aus der sich -iios, -ius entwickelte, zurückzuführen sein 
werden. 

Ehe wir weiter gehen, mag es noch gestattet sein, ein 
paar worte über den Ursprung der oben besprochenen ge- 
netive der persönlichen pronomina im griechischen zu sa- 
gen; ihre form weicht bekanntlich ganz von dem entspre- 
chenden indischen mama uud tava ab, steht aber in au- 
genscheinlicher Verwandtschaft mit den possessivpronomi- 
nibus ifxog, aog. Nun hatte Bopp bereits (vergl. gramm. 
1^380 §. 188) die altbaktrische form thwahyä tui mit 
den übrigen genetiven auf -hyä zusammengestellt, und wie 
diese auf älteres *tvasya zurückweist, hatte er für die erste 
person ein solches *masya erschlossen, dem zend. mahyä 
entsprechen würde. In Justi's lehrreichen Zusammenstel- 
lungen (s. V. ma p. 249 und thwa p. 141, vgl. auch Haug 
p. 107) finden sich nun nicht nur beide formen, sondern 
auch mehrere andere casus dieser beiden ursprünglichen 
Possessivpronomina (gen. sing. masc. mahya, f. maqyao, 
dat. sg. n. mahmai, loc. mahmi; — gen. sg. n. thwa- 
hyä, f. thwaqyäo, instr. sg. masc. neutr. thwä, dat. sg. 
masc. thwahmäi, abl. thwahmat, loc.sg.masc. twahmi? 
plur. nom. masc. thwoi, nom. acc. pl. n. thwa, loc. plur. 
fem. twahft) uud die adjectivische natur derselben geht 
aus den augeführten stellen klar hervor, in einigen fällen 
steht aber der gebrauch derselben ganz dem der persön- 
lichen pronomina gleich und so heifst es z. b. mahyä 



428 Kuhn 

gähit er lehre mir (wörtlich: er lehre mein*)). Die for- 
men mahyä, maqyäo, thwahyä, thwaqyäo setzen 
nun aber, wie Bopp schon richtig ausgesprochen .hat, äl- 
teres *masya (^masyas), *raasya8, *tva8ya (*tva8ya8), *tva- 
syäs voraus und zu diesen sind die griech. luoiu, tsoIu^ 
ffioiv, T6ovg^ die möglichst getreuen abbilder, die während 
sie im inlaut noch stärker als die altbaktrischen verstüm- 
melt erscheinen, doch durch die treuere bewahrung des 
auslautenden -g in einer unzweifelhaft genetivischen bildung 
uns einen wichtigen Schlüssel zur erkenntnifs der genetiv- 
bildung überhaupt in die hand gegeben haben. Aber diese 
baktrischen und griechischen formen sind uns auch noch 
für die sprachen unseres eigenen Stammes von hoher Wich- 
tigkeit, indem sie uns über die bildung der dative der per- 
sönlichen pronomina volles licht geben. Nach Bopps Vor- 
gang hat man bisher allgemein angenommen, mis, thus^ 
sis seien aus den pronominalstämmen in der weise ent- 
standen, dafs an dieselben wie in den dativen der übrigen 
pronomina ursprünglich -smai angetreten und von diesem 
nur s gerettet sei; gestützt wurde dieser Vorgang durch 
eine gleiche annähme für zend. yüs, goth. veis u. s. w. also 
hypothese durch hypothese. Wir lassen die frage, ob sie 
sich für yüs und veis hinlänglich begründen lasse, dahin 
gestellt, für unsern fall aber hat diese annähme das augen- 
scheinliche bedenken, dafs masmäi zu mis geworden sein 
sollte, während das gleichgebildete tasmäi zu pamma wnrde; 
warum jenes nicht mamma wie die analogie von pamma 
und der zahlreichen starken adjectiva erforderte geworden 
sei^ ist gewifs eine erhebliche frage und sie drängt dazu 
nach anderen und besseren analogien auszuschauen. 

Da bietet sich nun der auf den ersten blick dem da- 
tiv mis vom stamme ma genau entsprechende gen. masc. 
und neutr. pis vom stamme pa dar. Wie ist nun der- 
selbe gebildet? Die fast genaue Übereinstimmung der form 



*) Aehnlich braucht das schwedische und dänische die possessiva statt 
des Vokativs der ungeschlechtigen pronomina; eine erscheinung, deren an- 
ffinge Grimm gr. IV, 296 schon im altnordischen nachgewiesen hat. 



ttber das Terhältnil'9 einiger secundlren medialendangen etc. 429 

des gen. fem. pizos mit skr. tasyäs, in welcher nur das 
y scheinbar unvertreten bleibt, aber in der Umwandlung 
des stammhaften a zu i und vielleicht auch in der des s 
zu z die deutlichen spuren zurückgelassen hat, läfst schlie- 
fsen, dafs auch pis dem skr. gen. masc. neutr. tasya ana- 
log gebildet sei. Und dieser schlufs läfst sich fast voll- 
ständig beweisen; nach gotischem auslautsgesetz mufste 
nämlich auslautendes a abfallen, es blieb demnach auf go- 
tischem boden mit der zugleich eingetretenen lautverschie- 
bung als Stellvertreter von tasya nur pasj übrig; das j 
dieser letzteren form hätte sich nun wie das des voc. eg. 
der -ja-stämme vokalisiren können, also wie hari, hairdi 
aus harja, hairdja*) hätte man pasi erwarten sollen (und 
diese form scheint der uns historisch vorliegenden jeden- 
falls vorausgegangen zu sein), statt dessen ist aber die 
entwicklung weiter gegangen, indem das a des Stammes 
sich dem j (oder daraus hervorgegangenen i) assimilirte, 
gerade wie dasselbe in der 2. sing, praes. ind. der 1. conj. 
geschah, wo z. b. nimis auf älteres nimasi und dies wie- 
der auf namasi zurückgeht (oder war der entwicklungs- 
gang namasi, namisi, nimisi?) und dann entweder das j 
oder i abfiel, oder was wahrscheinlicher ist das j sich dem 
vorhergehenden s assimilirte (wie im pali sich ganz auf 
ähnliche weise tassa aus tasya entwickelt) und dann das 
zweite s abfiel, da nach gotischem lautgesetz auslautendes 
SS sowohl bewahrt werden, als in einfaches s übergehen 
kann. Diese letztere annähme scheint mir durch den ge- 
netiv des entsprechenden altnordischen pronomens vollstän- 
dig gesichert, der für das masculinum und neutrum pess, 
für das femininum peirrar lautet. Hier ergeben sich e 
und ei als umlaute des a, die durch das folgende j her- 
vorgerufen wurden und ss, rr sind durch assimilation im 
auslaut und inlaut aus sj entstanden. Ein weiterer beweis. 



•) Gegen das auslautgesetz vorstöfst die 2. sing, imperativi der Iten 
schwachen conjugation, die nasei, sokei statt des regelrecht zu erwartenden 
nasi, soki zeigt. Da nun aber nasei und sokei aus nasji und sokji ent- 
s an den sind, so werden auch hari, hairdi aus älterem harei, hairdei durch 
Schwächung des auslauts hervorgegangen sein. 



430 Kulm 

dafs -is in pis aus -asya hervorgegangen sei, liegt auch 
in dem genetiv der got. a- stamme vor, der ebenfalls aus 
-asya hervorgegangen ist, denn wenn dies nicht der fall 
wäre und s schon von anfang an den auslaut der endung 
gebildet hätte, so hätte z. b. statt dagis, fiskis im genetiv 
vielmehr dags, fisks wie im nominativ eintreten mQssen^ da 
nach gotischem auslautgesetz sowohl a als i vor s ausfal- 
len. Das vor s erhaltene i ist also ein beweis, dafs noch 
auf gotischem boden ursprünglich ein vokal hinter dem s 
stand und dafs er i gewesen sei, macht auch hier das i 
der endung -is wahrscheinlich, das wie in pis aus -asi 
(f. asja) durch assimilation der vokale hervorgegangen sein 
wird. Wäre die Schwächung des stammhaften a zu i (im 
gegensatze zu pamma u. s. w.) nicht vorhanden, so liefse 
sich auch dem schwinden der endung -ja der ganz analoge 
fall zur Seite stellen, dafs die verba der 2ten schwachen 
conjugation in der 1. sg. ind. praes. einfaches -a statt des 
auf gotischem boden zu erwartenden -aja (aus -aja und 
dies für älteres -ayami) zeigen, es würden sich dann pis 
zu pasya verhalten wie haba zu habaja. Doch ziehe ich 
wegen des oflfenbar durch den oben vermutheten auslaut- 
einflufs hervorgerufenen vokalwandels die gegebene erklä- 
rung vor. 

Wenden wir uns nun nach dieser Untersuchung über 
den Ursprung des. gen. sg. masc. und neutr. pis zu den da- 
tiven mis, pus, sis zurück, so scheint mir nach dem, was 
oben über die Verwendung von genetivformen ftlr dativ- 
formen und dem Ursprung jener aus ursprünglichen adjec- 
tiven auseinandergesetzt ist, keinem zweifei unterworfen, 
dafs auch die genannten dative der persönlichen pronomina 
einen gleichen Ursprung haben und auf ältere formen 
*ma8ja, *pusja, *sasja zurückzuführen sind, denn dafs auch 
hier, im pronomen der 1. person und im reflexivum, stamme 
mit a-vokal anzusetzen sind, machen die altnordischen for- 
men mer, ser wahrscheinlich, die zunächst auf masi, sasi 
zurückführen ; ihrer analogie ist dann auch der dativ 2. ps. 
p^r gefolgt, der, wenn er dem gotischen genau entspre- 



über das verliältiiir» (Mui^^r sccundären mcdialeiidungen ote. 431 

eben sollte, eigentlich pur zeigen mülste, aber wie auch 
der accusativ pik gegenüber dem gotischen puk in einen 
i- stamm oder vielleicht noch früher in einen a- stamm 
übergetreten ist. Diese formen schliefsen sich demnach 
genau an die oben besprochenen zendischen possessiva an 
und die genetivform raabya in dem satze „mahya ^ähit 
er lehre mir", welche älteres masya voraussetzt, ist das 
Urbild des got, mis und altnord. m^r. Hierbei sei noch 
bemerkt, dafs das umbr. seso, für welches Aufrecht und 
Kirchhoff die bedeutung sibi annehmen und welches Bugge 
(zeitschr. III, 34) mit dem got. sis verglichen hat, gleich- 
falls derselben bildung anzugehören scheint, denn da der 
oskische genetiv der a-stämme auf -eis, der umbrische auf 
-es, -er ausgeht, so wäre mit dem auch im lateinischen 
auftretenden verlust des v im umbrischen vom stamme sva 
der genetiv ses zu erwarten. Das auslautende o, welches 
Bugge für eine Verstümmelung des demonstrativen suffixes 
hont (nach consonanten auch ont, o) ansah, ist vielleicht 
als hier noch erhaltener Vertreter des auslautenden vokals 
der vorauszusetzenden form svasya zu fassen und das y 
als hinter dem s ausgefallen anzusehen. 

Diese umbrische form veranlafst uns am schlufs noch 
einen blick auf einige genetiv- und dativbildungen der ita- 
lischen sprachen zu werfen. Wenn das umbrische den gen. 
sing, der männlichen und neutralen a-stämme auf -es, -er 
bildet (catles, poples, catler, popler = catuli, populi), aber 
daneben das auslautende -s schon mehrfach schwinden läfst 
(catle = catuli, agre Tlatie = agri Tlatii), so fallen auch 
hier schliefslich genetiv und dativ zusammen, denn der 
dativ geht auf blofses -e aus (catle, pople, agre = catulo, 
populo, agro). Wenn also jenes catle aus catles entstan- 
den ist, so ist mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dafs 
auch dieses denselben Ursprung gehabt haben werde. In 
derselben weise stehen den lateinischen genetiv- und dativ- 
formen auf -ae der weiblichen a-stämme ältere genetivfor- 
men auf -aes, -as, -äi zur seite, während das umbrische 
und oskische noch die genetive dieser stamme auf -as, -ar; 



432 Kahn, ttber das verbKltnifs einiger secnndären medialendangen etc. 

-as (umbr. tutas, totar; osk. tüvtas), die dative aaf -e, -ai, 
-ae (umbr. tute, tote, osk. tuvtaf, tovtae) bilden. Wir sehen 
also auch hier die gleiche entwicklung der vokalisch- aus- 
lautenden genetivformen der jüngeren spräche aus älteren 
formen auf -s wie im sanskrit und sehen, dals sie ebenso 
mit den formen des dativs zusammenfallen wie dort. Eine 
vergleichung der sanskritformen -ayäs, -äyäi mit denen des 
päli auf -äya und den prakritischen auf äe, sowie mit den 
lateinischen auf (-äis Corssen I. p. 184) -aes, -äs, -äi, ae 
macht die ursprünglich gleiche bildung in beiden sprachen 
ziemlich unzweifelhaft und die umbrischen und oskischen 
genetive und dative der masculina und neutra, die denen 
der feminina ganz analog gebildet sind, scheinen darauf 
hinzuweisen, dafs auch sie der gleichen bildungsweise wie 
dieselben stamme im sanskrit folgen; und dann werden 
diese stamme im lateinischen auch kaum anderer bildung 
gefolgt sein, als die der übrigen italischen sprachen, wie 
denn schon Schleicher in seinem compendium §. 252. 10 
einen versuch zur zurückführuug auf eine gemeinsame grund- 
form gemacht hat; die von ihm angesetzten grundformen 
masc. neutr. -ajas, fem. -ajas kommen den von uns oben 
angesetzten sehr nahe und eine weiterführung der Unter- 
suchung, die hier nicht unternommen werden soll, aber auch 
das griechische in ihr bereich ziehen müfste, dürfte zu einem 
noch sicherern resultate fähren. Uns lag hier nur daran, 
die zurückführuug einiger dativflexionen auf solche des ge- 
netivs nachzuweisen und, wenn wir nicht irren, so ergibt 
unsre Untersuchung wenigstens das sichere resultat^ dafs 
die auf historischem boden im sanskrit und lateinischen 
nachgewiesene entwicklung der mit dem dativ zusammen- 
fallenden flexionen des genetivs, auch für die indogerma- 
nische Ursprache die gleiche entwicklung der dativflexionen 
aus genetivischen unzweifelhaft macht. Die dative auf -^, 
(-e) entwickelten sich aus den genetiven auf -äs (-as) wie 
im sanskrit die genetive auf -äi aus den älteren genetiven 
auf -äs und die lateinischen auf -äi, -ae aus dem älteren 
-äis, -aes, -äs und die weitere entwicklung nimmt im päli 
und lateinischen den verlauf, dafs schliefslich beide formen 
für genetiv und dativ wie in der ursprache wieder zusam- 
menfallen. 

A. Kuhn. 



Sonne, sprachliche und mythologische nntereachungeii. 433 

Sprachliche und mythologische Untersuchun- 
gen, angeknüpft an Rigv, I, 50. 

Dritter artikel. 

(Schlafs.) 

Häridrava, XIII p. 114. — Ohne die bedeutung 
des dunkleo worts fixieren zu können, bemerken wir we- 
nigstens, dafs es als patronymikon (Bopp vergi. gramm. 
§. 918) zu einem grundwort hari-dru zu ziehen sei; und 
wenn es „gelbwurz^ übersetzt werden darf, so mufs dies 
haridru synonym sein mit haridrä, katankateri, därvi, nipä 
i. e. die ostindische curcuma, deren äufserlich geringelte, 
inwendig hochgelbe wurzel — gelbwurz — als färbe und 
* arznei benutzt wird. Uebrigens scheint in haridru, wie 
in Indradru oder vajradru, irgend eine mythische bezie« 
hung, etwa auf Indra^s hari oder den Soma-hari zu gründe 
zu liegen. So könnte haridrava denn wohl die wurzel des 
haridru oder ein daraus bereitetes medicament sein, und 
Wilson Ry. Sanh. I p. 134 giebt wenigstens haridrava 
als gelbes vegetabilisches pulver. Der Wortlaut aber 
spricht doch mehr für Übertragung der krankheit auf 
die häridravab, und Kuhn weist das wort in der bedeu- 
tung eines vogels nach. Doch auch dann würden wir e.s 
mit haridru in beziehung setzen. Im Elsafs soll man beim 
gewitter namentlich nicht unter nufsbäumen schütz suchen 
(Wolfs zeitschr. £ d. myth. I p. 408), weil raben, kr&hen 
und böse geister sich gern auf ihnen aufhalten. Eine ähn- 
liche beobachtung an thier und haridru konnte genügen, 
um dem thier — ^ogel, schlänge, Schmetterling — zum 
namen haridrava zu verhelfen. Glaubt man dagegen auf 
identität der bedeutung fttr Rv. I, 50, 12 und VIII, 35, 7 
verzichten zu dürfen, so gedenken wir noch einer dritten 
möglichkeit. Dem takmän werden bei der beschwörung, 
mit derber Unbefangenheit, fremde gebiete angewiesen, 
fremde Völker mag er schütteln; und bei Max MüUer bist. 
Sanscr.lit. p.370 finden wir haridrava, häridraviya als namen 
einer menschlichen geuofsenschaft. Sollten die häridrav&h 

Zeitschr, f. vgl. sprachf. XV. 6. 28 



434 Sonne 

uosrer stelle ein fremder, feindlicher volkstamm sein? Die- 
ser wäre soDSt unbezeugt, aber solcher fälle giebt es 
mehr. Im Elsafs (Wolfs zeitschr. ib. p. 407) wird für 
gicht bei kindern eine schwarze henne geopfert, aber diese 
henne überträgt gicht oder fallende sucht auf ihren etwai- 
gen käufer. Im hymnus hiefse es dann: wir übertragen 
die gelbsucht auf papageien und atzein, und (indem wir 
diese fliegen lafsen) dann weiter auf unsre feinde, die hä- 
ridraväh. Die beiden vögel erscheinen dann recht eigent- 
lich als söudenbock, als opfer. Der ganze brauch aber, 
die Übertragung der gelbsucht auf gelbe vögel, zeigt den 
glauben zum aberglauben erstarrt, den glauben dais das 
übel vom gelben vogel, dem Helios komme, mithin der 
gelbe vogel dasselbe auch wieder abholen müfse. 

"IxTBQog^ XIII p. 115. — Wenn Plinius den namen 
des Vogels, dessen anblick die gelbsucht heilt, von der 
ebenso benannten krankheit leitet, so verfahren wir natür- 
lich umgekehrt. Der ixtegog aber, als vogel, ist mit Ixr/y, 
IxTivog (milvus) sichtlich gleicher abkunft; beide Wörter 
sind sammt ixrea {^=äx6vxiüv^ Hesych.) sprofsformen von 
ixToq (= ixrivos), dies letztre ein partic. perf. intransiti- 
ver bedeutung = schlagend, schiefsend, ganz wie das ve- 
dische particip takt4 (wurzel tak) den schie&endeD, 
stürzenden fing des habichts*) bezeichnet. Die wurzel ist 
erhalten in lat. ico, ictus (= Ixxoq) zeitschr. III p. 407, 
wo mir Curtius zwar unverdiente ehre erweist, wenn er 
mich zugleich inrofiat^y ii//, Itioq, iTivfj (ein bäume anbak- 
kender vogel) dahin ziehen läfst, doch treten wir, da sich 
iTitofxai — Iliad. I, 454, XVI, 237 fiiya S' tipao Jiaov 
'A^auZv^ n, 193 rdxcc d' iipSTat viag 'j4x<xiuiv — in der 
that durch schlagen, tre£Pen geben lälst, seiner ansieht we- 
nigstens nachträglich bei. Die erste dieser stellen geht 
auf Helios Äpollon^ dessen pfeil die pest gebracht. Was 
aber den vogel ixTBgog, diesen stofs vogel also anbelangt, 



*) dafs oben p. Hin. mrga mit recht als milvns genommen, zeigt anoh 
Rv. IX, 82, 4 mrgtf n£ Uktah verglichen mit 67, 15 ^yvn6 ni takti^. 



sprachliche und mythologische nntennchungen. 435 

80 ist er auf erden nicht nachweisbar, und wir dürfen 
wohl sagen nicht existent, wie wir denn in der spinturnix 
einen ebenso mythischen vogel erkannten. Also ijkiog ix- 
TBQOg, zunächst ganz wie ein i'^hog Ixrivog der schlagende 
Helios, im sinne der vogelgottperiode, wie *j47i6lX(av xoga^ 
oder Indra ^yena, Indra der falk; aber da dieser stofsvo- 
gel die gclbsucht giebt und nimmt, auch die gelbsucht 
ixTSQog. Da nun durch den anblick (placido lumine) des 
txTegog d. h. durch die Versöhnung mit dem erzürnten vo- 
gelgotte das übel gehoben wird, so bildet sich der aber- 
glaube vom vocrel hrsgog^ wenn schon dieser vogel nicht 
weiter nachzuweisen war. Auch ist der aberglaube in die- 
ser form nur schwach bezeugt; Suidas (s. v.) ixrsQog 
voaog ix xo^ijg owiarauivri* rovg ixxiom y^goiaö'ivtag wütibq 
XQvaico — vergl. lat. aurugo gelbsucht, von aurum — 
Suidas bringt das wort mit ixtiv in Verbindung und ver- 
weist auf ;^apcf5(>/oV, ohne dabei , so nahe es lag , des Vo- 
gels ixTBQog zu gedenken. 

XagaS^iog^ XIII p. 155 f. — Aristot. h.a. IX, 12 
(al. 11), 1 Tag d' olxi^aetg oi fih (wilde vogel) negl rag 
yaQctÖoag xal yfiocc^ovg noiovvrai xcti Tiitgag, olov 6 xa- 
KovuBvog xaQaö()i6c. "L\fTi Se 6 yanaögiog xal rrjv ygoav 
xal Tt)v ffwi'rjif ifavXog,' (paiverai (it vvxtmo^ rjuegag d' dno- 
öiffQciaxei. Dabei ib VIU, 5 (al. 3), 7 Vorliebe für meeres- 
küsten. — Piaton. Gorg, p. 494 B ^agaögiov riva av oi 
ßiüv XiyEig^ von der gefräfsigkeit, mid mehr bei Ruhnken 
zu Timaeus p. 273 s. v. — Alle diese angaben können die 
identität des yanctdgiog mit unserm regenpfeifer (brachvo- 
gel) zwar nichts weniger als verbürgen, doch scheint an- 
derseits dieser hypothese auch nichts entschieden im wege 
zu stehen, und wir sehen Arist. Av. 1140 vSwg 5' ktpogovv 
xdrwd'sv kg rov deoa oi yagaSgiol xal raWa nordui og- 
vBa den yagaSgiog mit dem wolkenwafser in Verbindung 
gesetzt. Fragen wir nach der besondern art, so spricht 
Suidas (s. v.) I^öti öe eiöog ogviov ueraßaD.öusvov elg rd 
ngoxBifABva noch am besten fär den charadrius pluvialis 
oder auratns, den gold regenpfeifer, franz. pluvier dorö: 

28* 



436 Sonne 

oben schwärzlich, goldgelb gefleckt; im sommer unten ganz 
schwarz, im winter hals und brüst gelblich, grau gefleckt, 
bauch weifs, Leunis p. 112. Gewis ist, dafs der xcigaSgiog 
nicht zu den lerchen zähle, dafs also die ahd. glossen 
(Grafl* II p. 245), wenn sie caradrius mehrfach 1er aha 
(lerche) übersetzen, entweder regenpfeifer und lercbe ver- 
wechseln, oder das wort caradrius wirklich als namen der 
lerche kannten. Der mhd. name einer lerchenart (alauda 
calandra L.) mhd. galander ist dem romanischen ent- 
lehnt, ital. calandro calandra, span. calandria, franz. 
calendre: alle diese Wörter*) unzweifelhaft von Oppians 
(Ixeutica) xalavdoog xdkavSga^ name einer lerchenart. Op- 
pian, auf semitischem gebiet heimisch und von syrischen 
provincialismen nicht frei, könnte ein semitisches wort auf- 
genommen, oder die hellenistische zeit ein solches wort 
volksetymologisch (wie von xak6<^ oder xai,BiV und ocvfjg) 
umgemodelt haben**); doch kann xälavSgo»^ auch sehr 
wohl indogermanisch sein, und gegen Benfeys ableitung 
(wurzellex. II p. 132), nach welcher es zu xiXaSog skr. wz. 
kr and zu ziehen, läfst sich — unter jener annähme — 
um so weniger etwas erinnern, als diese würzet im Veda 
gerade auch die vogelstimme bezeichnet Rv. 11, 42, 1 ka- 
nikradaj janüsham prabruvan^ iyarti vacam ante Va d£- 
vam: laut kreischend (schmetternd) seine art verkQndend, 
treibt er — der vogel — die stimme wie der rüderer das 
schiiK Wie nun in diesem falle xalavS in xakavS-go mit 
der bekannten vocalspaltung auf xkavS = skr. krand***), 
so geht x^Q^S in x^^Qc^Ö-ga zurück auf ;^pa5 = skr. hrad 
hräd (sonare, tonare), hrada (Rv. I, 52, 7; 111,45,3; X, 



*) wenn Diez etym. wb. s. v. calandra der ableitung von caliendrom 
Hör. Sat. I, 8, 48 wenigstens zweifelnd gedenkt, so miüsen wir mit Sayana 
die fontange fallen lafsen. Stammt doch ebenso span. calandria franz. 
calandre (rolle, mangel) von uvXkvS^toq Diez p. 684, desgleichen in der 
bedeutong komwurm, calandra granaria L., kaufmännisch glander, reis- 



*♦) ob dies der fall, hängt mit davon ab, wie im PhTsiologas Sjn» 
der caradrius gegeben ist. 

***) daneben wird auch eine wurzelform kland angegeben; belegt ist 
klanda, adj. 



sprachliche und mythologisch« Untersuchungen. 437 

43, 7) tief wafser, see, hradini flufs; vom brausen^ plAt- 
Sehern vergl. Beofey wurzellex. I p. 203 — hierher, nicht 
nicht zu krand, goth. greta weine; daneben wieder skr. 
WZ. hl ad hläd (laetari) = ^Xd^a, xiyXäda sprudeln, schwel- 
len. So erreichen wir die primitiven wurzelff. KRAD and 
KHRAD (oder wie andre schreiben, ghrad), wesentlich iden- 
tische, zunächst schallmalende, dann zum ausdruck der 
freude und des Schmerzes (jauchzen, wehklagen, weinen) 
weiter vcrwerthete wurzeln. Auch auf donner und wetter 
gehen beide formen ohne unterschied: akrandab, du wie- 
hertest (i. e. donnertest) heifst es Rv. I, 163, 1 vom eben 
geborenen sonnenross, vajrah krandati 100, 13 der donner- 
keil kracht; hrädate meghah, es donnert die wölke, hra- 
dini blitz. Von x^Q^^i^^ ^^^^ X^Q^^Q^^^^ ®^ jedoch dafs 
auch für den vogel, mit bezug auf sein gescbrei — nyv 
(fVDvriv (paiflos; — die bedeutung der wurzel zunächst noch 
fühlbar blieb; und sehen wir demnach einerseits die ab- 
kunft des ;^ao«(^(wdg von einer wurzel, welche donner, blitz 
und regen, also wesentliche prädikate des Helios bezeich- 
net, anderseits nahe Verwandtschaft des worts mit dem na- 
men einer lerchenart xci?MV()oog y.alavboai so mufste bei- 
des wohl auch für den mythus wiederum bedeutsam 
werden. 

Agron von Kos, wie wir p. l2J)f. gesehen, wird in den 
%aoa()oi6i^ verwandelt; wir setzten ihn als Sandon, dessen 
Helioscharacter wohl nicht bestritten wird; und geschah 
das mit recht, so haben wir damit den i^kwg-xctgaöpto^' 
documentiert. Wie aber Eumelos gerade als todesgott 
zum nachtraben, dem todesboten geworden, so mufs auch 
zwischen Agron -Sandon und dem vogel natürliche bezie- 
hung walten: ijJjog-ylyoioi/'X^ociöotüg ist der auf hoher 
trift kreischende, beim himmlischen opferfest, dem gewitter 
sich in donucr, blitz und regen manifestierende Flelios. 
Aber eben dieser ist der fürst der seelen, der herr über 
leben und tod. Vom charadrius also berichtet Aelian 
XVII, 13: wenn der gelbsüchtige ihn fest ansehe, der vo- 
gel aber wie im Wetteifer seinerseits ihm unverwandt ent- 



438 Sonnt 

gegenblicke, so heile dieser gegeDblick das übel: also vo- 
gelaberglaube. Fuhr aber im spräche des Atharva die 
gelbsucht auf, der sonne nach; iiefs Rv. I, 50 eben diese 
die gelbsucht schwinden; sahen wir gebet und blick ver- 
bunden, den goldnen becher als bild der sonne, morbus 
regius, morbus arquatus als namen der sonnen krankheit ; 
verbinden wir den vogelaberglauben mit der metamorphose 
von Kos: so dürfen wir wohl auch in Äelians charadrius 
den Helios im vogelgewande erkennen, den herrn über le- 
ben und tod, in dessen gegenbliek sich eben nur die Wie- 
derkehr der gnade , . die gewähr der erhorung ausspricht. 
So wurde denn dem vogelaberglauben der charadrius früh- 
zeitig ganz besonders werthvoll, Hipponax (Bergk P. L.^ 
p. 601) xai fxiv xalvTiTEL' fnaiv '^agnägtop nsQV^g; — pro 
xa?.v7tT8i lege xa?.v7iTeig^ Ruhnken Tim. p. 273 — was er- 
klärt wird XagciögiöL; ogvig rig . . . elg ov aTtoßketpavTsg^ 
(ijg ?j}yog, oi IxTegiwvTsg g^ov ä7i(x),XdxT0VTai,' oiHv xai 
ccTioxgvTtTOvaiv avTov oi mngdaxovTeg, iva fii) ngoixa unpi- 
},MVTai oi xduvovreg, doch sollte dies verbergen wohl über- 
haupt den vogel als talismau hinstellen. Auch das scheue 
wesen desselben — rjpiigcig djiodiögd(fxei Aristot. — wurde 
mit abergläubischem äuge betrachtet: Suidas (s. v.) xai 
Tiagoiuia ivvevd'BV y^^^agaSgiov uiuovinvog^ im xdtv dnO" 
xgvnrouiviüv, vgl. Arist. Aves 266. 

So weit haben wir nur mit dem yagaögiog^ dem re- 
genpfeifer zu thun; im mittelalter wird die sache compli- 
cierter. Der Physiologus bei Wackernagel altd. leseb.* 
p. 166 „Ein uogil hei3it caradrius: in dem buoche Deutro- 
nomio da ist gescriben da5 man in e33en nescule'^ — be- 
zieht sich auf Deut. XIV, 18 (Levit. XI, 19) wo Ttsxk 
LXX yagaÖoiog^ doch ist die auffassung unverbürgt, 8. 
Gesenius s. v. — „Dannen 5ellet phisiologus unt chüt da3 
er aller wi5 si'^ — widerspricht dem charadrius. „Ein mist 
der uon ime uert, der ist 5e den tunchelen ougen guot.'* 
Der charadrius war (Timaeus s. v.) anerkannt ob der fülle 
der gaben, welche Tieck an Eulenspiegel preist; die bezie- 
hung auf das augenlicht kann den Helios andeuten. — 



sprachlich« und mythologiieh« iuiteniichiiiig«n. 439 

Folgt die vol. XIII p. 156 von Kuhn bereits ausgehobene 
stelle: Soll der kranke sterben, so kehrt der caradrius 
sich ab; soll er genesen, so kehrt der vogel sich ihm zu 
„unt tuot sinen snabel über des raannes munt, und niroit 
des mannes unchraft an sich; sa uert er üf zuo der sun- 
nen, unt liuterit sich dk^. Damit vergleiche man Zinger- 
le's mittheilung aus einem syrischen physiologus, in 
Wolfs zeitschr. f. d. rayth. I p. 319, wo derselbe bericht 
mit diesem schlufs: „wenn aber die krankheit nicht tod- 
bringend ist, so schaut der vogel den kranken und dieser 
hinwieder den vogel an; denn saugt der charadrius den 
krankheitsstoff auf, fliegt in die luft empor und verbrennt 
die krankheit, indem er die sonne und den kranken zu- 
gleich anschaut '^. Wiewol dies gegenseitige anschauen 
auch bei Aelian (^ tolccSs dvtißkBtptg) vorliegt, so steht 
doch seine angäbe, welche sich auf gelbsucht beschränkt, 
weit ab vom berichte der beiden physiologi: hier erscheint 
der vogel als heiland schlechtweg, welcher die krankheit 
an sich nimmt, und in einer beziehung zur sonne, von wel- 
cher Aelian nichts weifs; und in der that scheint dieser 
glaube semitisch, wie ja auch Agrons metamorphose auf 
semitische sage deutet. Da indessen der ^agadgiog weder 
schneeweiis ist, noch je, wie die lerche, triumphierend zur 
sonne steigt, so ist klar dafs der bericht der physiologi 
auch nicht dem ^^a^jaÖQtog im griechischen sinne, nicht 
dem brachvogel oder regenpfeifer gelte. Die urheber jener 
althochdeutschen glossen aber — da an eine Verwechslung 
der beiden vogel selbst nicht wohl zu denken — kannten 
caradrius in der bedcutung „lerche", oflFenbar in folge einer 
ausgleichung zwischen ;^a(>aJ()tO(j und xdlavSQog, ja diese 
ausgleichung war fast unvermeidlich, sobald charadrius ro- 
manisch zu caradrius und dissimilierend caladrius ge- 
worden war. So fiel caladrius mit calandrus zusammen 
d.h. caladrius galt nunmehr der lerche, und neben ca- 
landrus calandra bildet sich, ebenso ausgleichend, calan- 
drius calandria. Die ausgleichung ist romanisch; span. 
caladre, welches Diez etym. wb. p. 80 mit recht von 



440 Sohd« 

XccQaÖQioi; leitet, bezeichnet eine lercbenart, und auf das 
deminutiv ital. calandrino, welches Diez fQr die bedeutung 
„regenpfeifer^ geltend macht, ist nichts zu geben, da es 
selbst von calandro, also xdkavöoog abstammt, wie es denn 
desgleichen auch einer lerchenart gilt. Dafs dag^en der 
regenpfeifer selbst romanisch nie caradrius geheifsen, da- 
für bürgen ital. pavoncella, span. chorlito, pardal, franz. 
pluvier. Stehen somit jene ahd. glossen (caradrius i. e. 
leraha) unter romanischer ein Wirkung, so gewinnen wir 
das recht auch den caradrius der mhd. predigt als Symbol 
des heilands (Wolf zu Zingerle 1. c. p. 320) auf die lerche*) 
zu beziehen, welche himmelan jubelnd, im Sonnenlicht oder 
im gewölk entschwindend ein bild der himmelfahrt ge- 
währt, dessen noch Abraham a Sta Clara sich bewufst war. 

Wie uns aber vorbin für die Aethiopsmythen Herodot 
in seinen Makrobiern eine parallele geliefert, so soll er uns 
schliefslich auch hier fQr die gelbsucbt die parallele liefern 
in dem, was er vom verfahren der Perser wider den aus- 
satz berichtet, I, 138. 'Og cci/ öt twv dövüip Ungtjv 17 Isv* 
xrjv i^iit ^S TTühv ovTog ov xartQXSTat , ovdi öVfifAlöyerai 
toici äkkotat lli{)6ijat, (fad öi lav kg top ijkiov äfxa^ 
Tovra Ti ravva ix^iv, ^eivop dh ndpra top Xaußavoutvov 
imo TovTUiV k^slavpovoi ix Ttjg x^Q^i'^y nokloi**) xai rag 
levxdg nsoiaTBgdgy Tiijv avTTJp ahif^p inicpiooPTSg. — In 
einklang mit der sittlichen auffafsung, deren wir vorhin 
gedachten, wird hier der aussatz hingestellt als eine heim- 
suchung, welche Helios***), oder will man lieber Mithra, 

*) eine idealisirte, daher die weifse färbe; vergl. auq)i den galadröt. 
Grimm myth. p. S18. 1089. 1183; W. Grimms Freidank habe ich leider 
nicht benutzen können. 

**) nnXknl in manchen ausgaben, 8tatt wie oben, vor ^U^-avrnvfril wo 
im Mediceus, finde ich nicht angegeben. 

***) Ebenso ApoUon Aesch. Choeph. 276 iorToi»c, <ra^xftir irtaufictTfi- 
(ta-i ny()foi^ yiaO^oiq ).fi,j(ijra>; fita&orTa:; a^/a^a»* (fvatv' Xii'xdq di xoq- 
cra? if,d* fnariiü.ftv loaw. Anders im Yendidad; aber Herodots bericht 
geht in vorzaratbustrische zeit zurück. Uebrigens vergl. Celsos V, 28 drei 
arten der vitiligo: dktfoq, ftfla^t Itvxfi. Atvx^ habet qniddam simile al- 
pho, sed magis albida est et altius descendit, in eaque albi pili sunt et la- 
nugini similes. Omnia haec serpunt, sed in aliis celerius, in aliis tardius. 
Alphos et melas in quibusdam variis temporibus et oriuntur et desinunt; 
leuce quem occupavit, non facile diniittit. 



sprachliche und mythologbche untersuchungeu. 441 

über die schuld des menschen bringe. Aber das reudige 
schaf wird gesondert; der einheimische vom verkehr aus* 
geschlofsen, der fremde aus dem lande getrieben. Auch 
die weifsen tauben werden von vielen aus dem lande ge- 
trieben. Schwierigkeit machen die schlufsworte rt^v avTt)v 
alrifjv kTiKpegoPTegj dieselbe beschuldigung (gegen sie) vor- 
bringend. Nach dem Wortlaut würden hier fremde und 
weifse tauben unter gleicher beschuldigung, also wegen 
eines vergebens wider den Helios aus dem lande getrieben. 
Dann freilich hätten auch die tauben durch eine sünde 
sich den aussatz zugezogen, und die kevxai negtareoai 
wären aussätzige tauben, wie der ausdruck denn auch 
erklärt worden. Die taube ist der kratze unterworfen, die 
als aussatz gelten mag; aber sollte levxog als schlichtes 
attribut wie hier, und namentlich bei — nicht etwa einem 
naturforscher oder arzte, sondern — einem historiker in 
dieser bedeutung zu belegen sein? Aber wäre dem so; was 
berechtigt dem unsrigen zur bezeichnung aussätziger tau- 
ben gerade den unglücklichsten ausdruck — den unglück- 
lichsten, weil er den mis verstand, als ob von weifsen*) 
tauben die rede sei, geradezu herausfordert — also statt 
des so nahe liegenden ksTTQdg das ungeschickte A€t;xag**) 
zuzutrauen? Oder was berechtigt den Persern, als vernünf- 
tigen leuten die sie waren, die thorheit zuzutrauen, als ob 
sie gegen aussätziges geflügel mit Verbannung vorgegangen 
seien? oder eine zweite thorheit ihnen zuzutrauen, als ob 
die tauben durch eine sünde sich den aussatz zugezogen? 
Leugnet man dagegen diese zweite thorheit, sofern die 
schlufs Worte Ti]v aiTrjv xtX. nicht auf die tauben, sondern 
ausschliefslich auf die fremden zu beziehen seien — so 



♦) vgl. Athen. IX p. 394 e xal Xivxai '.ttgiffiigal roit niiwtoi« fU 
'Ä'iAiyiag iipat-riaai^ noöif^oi' ov ytytofttvat. ibid. 894a Act'xo.; 'A\f{to6l~ 
rtj^ fiut yatü 7Tf{>i(Tif{>0(;. 

**) und die construction überdies wie ungeschickt; wollte Herodot, wie 
er es in diesem falle mufäte, den gegensata aussätziger tauben zu gesunden 
tauben betonen, so würde er eine andre wendung gewählt haben als diese 
schlichteste lä^ l ti.^ welche nur weifse tauben (= weifstauben, wie gelb- 
fink. schwarzdrof^el: ^in begriff) sonstigen thieren gegenüberstellt. 



442 Sonn« 

wäre der satzbau mierathen; wir glauben dies auch, aber 
sofern dann von einer bescbuldigung der tauben nicht län- 
ger die rede, wird auch von deren aussatz nicht Iftnger 
die rede sein. 

Aber, sagt man hinwieder, weifse tauben konnte man 
nicht vertreiben, weil die weifse färbe eine heilige färbe 
war. Allein da kommt es auf die fafsung an; und nach 
dem, was über die gelbsucht vorliegt, kann wohl kein 
zweifei bleiben, dafs die weifsen vögel sich zur weifsen 
sucht ähnlich verhalten, wie die gelben vögel zur gelben 
sucht. Die isolierung des aussätzigen schliefst den lebens- 
unterhalt nicht aus, sie schliefst auch ärztliche behandlung 
nicht aus. Da konnte die weifse sucht, wie die gelbsucht, 
besprochen, wie diese auf gelbe, so jene auf weifse vögel, 
weifse tauben übertragen, da konnten diese weifsen tauben 
verjagt werden, damit sie das Qbel fremden stammen zu- 
trugen, mochten diese zusehen wo damit zu bleiben. Sollte 
indessen ein gebrauch der art dem berichte Herodots zu 
gründe liegen, so müfsten wir den historiker oder seinen 
gewährsmann eines nicht geringen misverstandes zeihen. 
Dem zu entgehen, denken wir uns die sache lieber so: 
der primitive glaube war wohl der, dafs weifse tauben als 
boten des Sonnengotts die weifse sucht dem sünder zutrü- 
gen, weifse tauben daher, wenn billige bufse gelitten, die- 
selbe auch wieder abholen sollten; an sühnopfer und segen- 
spruch mochte man inzwischen es nicht fehlen laben. 
Aber — leuce quem occupavit, non facile dimittit. Das 
schöne opfer war gebracht, der schöne Spruch gesprochen ; 
aber Mithra will nicht hören, Mithra hat unrecht. Natur- 
kinder peitschen ihre götzen, wenn die jagd misrieth; aber 
die primitiven Perser hatten keine götzen. Mithra hat un- 
recht, aber ihm ist nicht beizakommen; so halten wir uns 
an die schergen, an die weifsen tauben. Fort damit, zum 
lande hinaus; dann kommt der gott auf befsere gedanken, 
hilft unsern kranken wieder auf. Und wenn gleich später 
die naive derbheit schwinden mufste, welche diesen brauch 
ergab, so bestand nichts desto weniger bei vielen der gute 



sprachliche und mythologisch« nntersuchangen. 443 

alte brauch. Kluge ahnen hatten wider den aussatz weifse 
tauben verjagt, wufsten auch warum ; kluge enkel gleicher- 
mafsen, und wuisten nicht warum. Sinn war, wie sonst, 
zum unsinn geworden, und diesen unsinn berichtet He- 
rodot. 

Wismar, 16. dec. 1865. W. Sonne. 



Ueber den vocalischen ausgang der bildungs- 

suffixe. 

Wiewol die geschichte der Wortbildung in der neuern 
zeit ganz vorzüglich durch Leo Meyer's vergleichende 
grammatik der griechischen und lateinischen spräche grofse 
Fortschritte gemacht hat, so stehn wir, was das eigentliche 
Verständnis derselben betrifil, doch noch so ziemlich auf 
dem alten fleck. Der eigentliche grund hiervon liegt darin, 
dafs man in geradezu unbegreiflicher weise mit den Suf- 
fixen, wie sie uns unmittelbar vorliegen, hantiert, als wären 
sie nie anders gewesen, als hätte man sie unmittelbar, wie 
sie vorliegen in ihrer ursprünglichen Vollständigkeit. Ja 
wenn auch jemand zu der vermuthung sich versteigt, das 
Suffix -at, -as könnte einmal -ati, -asi gelautet haben, 
so wird doch hiervon weiter gar kein gebrauch gemacht, 
an nachweisuug der wirklichen form nicht gedacht, ge- 
schweige denn, dafs dieselbe zur erklärung anderer erschei- 
uungen angewandt würde. Der zweck nachfolgender Zei- 
len ist, an einer anzahl eclatanter beispiele in kürze nach- 
zuweisen, dafs diese vocalischen demente nie vollständig 
beseitigt wurden, dafs sie die sprachen in dem zustande, 
in dem uns dieselben noch vorliegen, durchdringen, und 
dafs die richtige entwicklung der erscheinungen in densel- 
ben davon abhängt, dafs diese hochwichtigen factoren mit 
in die rechnung gezogen werden. Das wenige, was wir 
hier geben, wird den kundigen in stand setzen, unzählige 
analogien zu finden. 

Gehen wir zunächst an das neutralsuftix -as, so ist 
der nach weis der vollen form -asi kindisch leicht. Ich 



414 Ludwig 

erinnere nur an die gewils jedem geläufige form des geu. 
loc. du. rodasy -6s; hier ist doch wohl das i nicht an- 
ders zu erklären. Weiter die eigenthümliche form duvoya 
fttr duvasy-a (vgl. Böhtlingk und Roth skr.-wb.). Diese 
beiden formen sichern uns das vollständige -asi; wird 
dann noch jemand die pluralform -änsi fQr was anderes 
ansehn wollen als den einfachen stamm? Ich hoffe nicht. 
Aber auch die räthselhafte form des nom. acc. du. findet 
dadurch die schönste erklärung: i rodasi ist zusammen- 
gezogen aus rodasi-a*). Die form i hat also den ursprüng- 
lichen bestandtheil i für immer bewahrt. Hiemit muls eine 
ungeheuere reihe von erscheinungeu uns in einem ganz an- 
dern lichte als bisher erscheinen. Ich meine die feminin- 
bildung auf i (griech. la selten lä aufser Homer). Wenn 
wir die stamme auf -ana z. b. im sanskrit ihre feminina 
fast durchweg auf -ani bilden sehen, so werden wir uns 
erinnern, dafs die formen -ana Weiterbildungen von -an 
sind, dieses aber -^ani mufs gelautet haben, da der dual 
von an -ani = ani-a zeiiit. Ebenso wird das suf&c -ya 
mit der zeit als apokryph erkannt werden. Aber die femi- 
nina auf i bei den u-stämmen (denn dafs das feminin der 
Stämme auf -at und -ant auf -ati-a, anti-a zurückgeht, 
wird man hoffentlich uns jetzt zugeben) die feminina auf 
-vi wird man sagen, hier haben wir doch ein klares bei- 
spiel eines echten femininen i? Nichts weniger als das. Man 
erlaube mir eine anzabl hieher gehöriger erscbeinungen zu 
combinieren, über die man gewöhnlich sonderbares zu hö- 
ren bekömmt. 

Wir wissen, dafs das lateinische den u- stammen der 
andern sprachen häufig bei den adjectiven durchgängig 
-ui-, -vi -stamme entgegensetzt. Darin steht jedoch das 
latein nicht allein da. Das gotisch - deutsche stellt -ia- 

*) Man vergl. die duale der i- und u-stürame auf -i, -ü aus i-&, u-& 
die vedischen loc. auf -i, -ü zunächst aus -im, -um, i-Ara, u-&m (A. V. 9, 9, 9. 
sogar däxiu&yä loc.f.). Fast alle langen i und ü sind auf solche combina- 
tionen zurückzuführen. Vielfach ist jedoch skr. e in i übergegangen, nament- 
lich wenn a-stämme bei Zusammensetzung mit kartum i am Schlüsse zeigen: 
ang! kartum; i ist gleich gr. <n in oAnnii(;oj^o^\ desselben orsprungs sind 
einige ! der conjugation. Man vergl. die litauische folge ai, 6, j, die für 
den inlaut bewiesen ist durch die reihe ai, (<, i im auslaut. 



über den vocalischen ausgang der bildungssuffixe. 445 

Stämme dar, statt der u-stämme. HiefÜr ist nur eine er- 
klärung statthaft: wir mfisscu amiehmen, dafs das deutsche 
(das ja auch sonst viele auffällige berübrungspunkte mit 
dem latein hat) ursprünglich -vi- stamme hatte wie das 
latein, aber das v fallen liefs und so schon in früher zeit 
nur i- resp. ia- stamme bot. Also hochd. riugi steht fbr 
ringvi = lat. levis, lit. Icngwas, griech. ^Aa;K(v (aber 
auch hom. k^eyx^^^ auf ikeyx^^f welches ganz möglich aber 
nicht noth wendig), skr. lag hu und langhayati. Aber 
neben laghu, raghu zeigt sanskrit auch die form ravis 
sonne doch wohl = raghu is. Man vergl. ghrsvi und 
ghräu, jagrvi und altbaktr. jaghauru, altbaktr. drighu 
und driwi. Kurz wir stehn nicht an, die lateinische form 
-vi für die vollständige, die auf -u für die verkürzte zu 
erklären. Nun begreifen sich leicht instrumentalformen wie 
der veda sie aufweist sväduy-ä, rjuy-a in grofser zahl, 
dativformen wie die, des so sehr mit unrecht geschmähten 
altbaktr. anhuye, tanuye, locat. sing, ähusuy-a, vo- 
huyg, loc. dualis anhuy-aos. Hiezu noch das suffix -vi 
im skr. zend z. b. dar vi (doch wohl zu daru zu stellen), 
varvi (vgl. varütha und nicht auch *varu = uru?% 

Man wird zugestehn, dai's hier die verschiedenen er- 
scheinungen, die, sobald man von einem u-stamnie ausgeht, 
vollständig auseinanderlaufen, in der schönsten Ordnung sich 
zeigen, selbstverständlich sind für den, der der nothwen- 
digkeit gegenüber nicht die äugen schlieist, sondern das, 
was einzeln genommen befremdet, eben zusammenfafst *). 

Das vorkommen dieser lautverbindung wollen wir noch 
anderswo beweisen, wo niemand bisher daran gedacht hat 

Das Suffix -tar stellt Leo Meyer, indem er Benfey 
folgt, ganz richtig mit -tas zusammen. Unbegreiflich aber 

*) So ist CS auch aufzufassen ^ wenn stamme auf -ka feminine auf -kf 
im sanskrit bilden. Hier ist ki-a zu trennen. Wo -ki nicht durch a er- 
weitert ward, entstanden conson an tische stamme im griechischen und lateini- 
schen. Das i fiel dann ab. Höchst wahrscheinlich ist aber auch -ki nicht 
die vollständige form. Es kann kaum zweifelhaft sein, dafs diese -kvi ge- 
lautet hat Da nun das suff. -ka identisch ist mit dem pron. -ka, so hat 
auch dieses in voller form -kvi-a gelautet. Dieses klingt unglaublich; wir 
werden es aber beweisen. Den naiveii glauben überall schon die ilteste form 
SQ habeny wird man schon lassen müssen. 



446 Ludwig 

erscheint es uns bei einem gelehrten, wir dürfen wohl sa- 
gen ersten ranges in seinem fache, dafs derselbe auch nicht 
die frage aufwirft, ob er das suffix in der ältesten gestalt 
vor sich hat, was um so unbegreiflicher, als im griechi- 
schen die volle form -tarvi sich nachweisen läfst. Doch 
wir beginnen mit dem sanskrit. Obige frage wird, scheint 
uns, schon durch den skr. gen. sing, -tur (tus) nahe ge- 
legt. Dieser führt regelrecht auf -taru zurück. Vgl. athus, 
-atus, -US des skr. perf. mit ab. -ätare, -are, -ares, pot. us, 
ab. -äres. Noth wendig ist die annähme desselben Ver- 
hältnisses hier wie dort vergl. ^äptars und pitus, und den 
Wechsel von tar- und tu-stämmen im sanskrit. Steht hierin 
das sanskrit allein? keineswegs. Das gotische behandelt 
bekanntlich bropr, svistr als u-stämme (vgl. fötus, skr. 
pädü und padu-ka). Allein das sanskrit weist noch auf 
einen andern stamm. Der gen. plur. pit^näni (eig. pitri- 
näm; die kürze der silbe vor r-vocal beweist nur, dafs 
vor dem bestandtheil r noch ein schwacher vocal hörbar 
war, genug um den vorhergehenden consonanten abzulösen, 
nicht genug um wie in andern sprachen eine silbe zu bil- 
den) weist auf einen stamm pitari. Steht hier das sans- 
krit allein? ebenso wenig. Slavisch und litauisch zeigen 
einen stamm -tari, um von guech. -rgi-a zu schweigen; 
es fragt sich nun, haben wir zwei verschiedene bildangen 
-taru, -tari anzunehmen? ist die sache an und f&r sich 
schon wenig denkbar, so wird sie geradezu unwahrsohein- 
lich, wenn wir erwägen, dafs das suffix -trvya.im skr. 
altbaktr. griech. (lit. wyturys aus vitarvyas, v! vogel ) 
nachweisbar: pitrvya (auch lat. patruus ans patruius; 
matula aus mätrvya), bhrätrvya baktr. br&tüirya 
fifjTQvid, Wenn wir also das suffix tarvya finden, so 
müssen wir abtheilen -tarvy-a, -tasvi, -tatvi-a. Bei 
sorgfältiger Untersuchung wird man finden, da£i aus der 
gesammten wortbildungsmasse das a sich ausscheidet Ais 
besonderer bestandtheil immer auf der gränze zweier bil- 
dungen stehend, zuweilen mit dem vorausgehenden vocale 
verschmelzend. Aus -tasvy-a leitet sich von selbst ta- 
roya, tama ab. 



über den vocalischen aosgftng der bildungssufflxe. 447 

Was wir hier aufstelleu, tritt den gang und gäben an- 
sicbten so fremd entgegen, dafs wir es uns nicht versagen 
können noch einen beweis beizubringen. 

Das Clement, welches nach der gewöhnlichen ansieht 
als nominativbildend auftritt (in Wahrheit ist es als demon- 
stratives element zu fassen und, wie wir sehen werden, 
durchaus nicht auf diesen casus beschränkt), ist s. Wäh- 
rend es im altbaktrischen auch bei cousonantischen stam- 
men antritt (väkhs), fallt es im sanskrit in diesen fallen 
weg (väk für vaks, devet für devej-s devek-s wie 
vi^vatax-s nom. vi^vatat). Es ist mit Sicherheit an- 
zunehmen, dafs dieses s ursprünglich ein t war. Zufallig 
kann der beweis geführt werden. Bekannt nämlich sind 
die räthselhaflen formen des instr. dat. abl. von äpas: ad- 
bhis, adbhyas. Benfey erklärt sie aus einem imagi- 
nären apat, wie aus ap-t-bhis u. s. w.. abdbhis. Das 
d resp. t ist natürlich kein anderes als das im altbaktr. 
afs auftretende s. Diese spräche hat jedoch noch in we- 
nigen fällen den schliefsenden vocal bewahrt: väghzhi- 
byo. So hätten wir ti (vgl. auch ^naithizhibyo). Wer- 
den wir nun skr. aptya nicht abtheilen apti-a-s? wobei 
apti nichts anderes als die vollständige form für afs ist; 
und wenn nun dem gegenüber altbaktr. athwya steht, müs- 
sen wir nicht erklären athwya = ap-tvi-a? also wieder 
sehen wir uns auf die form -tvi zurückgeführt. Aus die- 
ser leitet sich svi (griech. Gjri^ skr. so) mi, m des neu- 
trums (man vgl. den unendlich häufigen Wechsel von masc. 
und neutr. im skr. uud zwischen skr. und altbaktr.), aber 
auch -bhi-as, -bhi-äm. Darnach sind formen wie bhü-s 
bhü-mi vär (väri) ürmi, überhaupt parallelbildungen mit 
und ohne -m zu erklären. Ich bemerke noch, dafs alle 
casussufBxe rein demonstrativer natur sind. In nicht allzu 
langer frist gedenke ich eine geschichte der Wortbildung aller 
indogermanischen sprachen nach diesen grundsätzen heraus- 
zugeben. Das material hiezu habe ich fast vollständig. 

A. Ludwig. 



448 Kuhn 

Die Wurzel ak im indogermanischen, von dr. Johannes Schmidt. Mit 
einem Vorworte von Aug. Schleicher. Weimar 1866. 90 s. 8. 

Die erstlingsschrift uDseres verehrten mitarbeiters ist von 
einem vorwort Schleichers begleitet, welches man etwa in die 
Worte hie niger est hunc tu Romane caveto umzasetzen geneigt 
sein möchte, indem derselbe die allerdings mehrfi&ltig der etj- 
niologie noch fehlende feste grundlage als Warnung vor etymo- 
logischer Selbstgenügsamkeit und Zuversicht hinstellt and erklärt, 
dafs er, als er des verf. wähl auf die bearbeitung der warzel ak 
geleitet, dabei vor allem didactische zwecke im äuge hatte, nSm- 
lich einmal den, dafs er sich mit der etymologischen literatar 
eingehender vertraut mache, dann aber anch am ihn gleich bei 
seiner ersten arbeit mit der gehörigen schea vor der etymologie 
zu erfüllen. Allein man wurde doch irren, wenn man glaaben 
wollte, dafs diese der etymologie und ihrem dermaligen Stand- 
punkt im ganzen geltenden bedenken dem Vorredner ganz be- 
sonders durch die vorliegende arbeit zum bewufstsein gekommen 
wären; er rühmt die erstlingsschrift seines Schülers „als fleifsige 
Zusammenstellung und sie scheint ihm besonders auch wegen 
der raetbodischen anordnung und behandlung des Stoffes der Ver- 
öffentlichung nicht unwerth^ und bittet nur durchaus nicht alles, 
was in der arbeit gesagt ist, als seine ansieht zu betrachten. 

Wir können unserm werthen collegen in diesem artheil nur 
beistimmen und finden sowohl die kenntnifs, welche der verf, 
von den ganzen stoff seines gebiets gewonnen, als auch die 
schärfe des urtheils, mit der er dasselbe mittelst strenger pro- 
fuog der lautverhältnisse begränzt und sichtet anerkennenswerth, 
aber mit diesem didaktischen verfahren können wir ans nicht 
ganz einverstanden erklären, zumal dasselbe nicht allein darch 
die s. VIII angeführten allgemeinen gründe, sondern aach aofser- 
dem noch durch besondere, vielleicht lokale bedingt zu sein 
scheint. Wir würden dem verf. nicht zur behandlung gerade 
einer so schwierigen wurzel gerathen haben , bei deren bearbei- 
tung erst allerlei Vorfragen zu erledigen waren, wie z. b. die, ob 
der 8. 4 aufgestellte satz, „dafs wurzeln, welche aas der Verbin- 
dung eines consonanten mit a bestehen, ebensowohl in der form 
a+consonant als consonant-fa erscheinen** in dieser allgemein 
heit geltung habe oder nur in der beschränkteren fassung, wie 
sie Schleicher im compendium §. 206 s. 287 f. aufstellt. In letz- 
terem falle war ein verzeichnifs derartiger wurzeln aafzastellen 



anzeigen. 449 

und weiter zu untersuchen, ob in dem Wechsel der form ak = ka 
wirklich dasselbe prinzip zu erkennen sei, wie in dem der form 
gan = gna, ferner ob jene doppelform sich in allen indoger- 
manischen sprachen gleichmäfsig zeige oder nur in einigen auf- 
trete oder ob nur bald die eine bald die andre form in den ver- 
schiedenen sprachen zu finden sei. Wir wurden ferner auch nur 
zur behandlung einer wurzel gerathen haben, bei der die Ver- 
tretung der laute in den verschiedenen sprachen eine normale 
war, nicht eine so anormale, wie sie sich gerade in den wnrzel- 
formen a^ und 96, wie sie die indischen grammatiker ansetien, 
zeigt, denn wenn auch unzweifelhaft feststeht , dafs skr. 9 meist 
an der stelle eines ursprunglicheren k erscheint, so bleibt doch zu 
untersuchen, ob der Wechsel nicht durch vorangehende oder fol- 
gende laute hervorgerufen ist, in welchem falle dann also wahr- 
scheinlich nicht mehr die einfache wurzel ak =: ka für a^ = 9a 
zu gründe zu legen wfire. Doch wir glauben, dafo die andeu- 
tung dieser Schwierigkeiten genügen wird, um es zu erklfiren, 
wenn man in manchen wesentlichen punkten mit dem verf. nicht 
übereinstimmt und doch die arbeit für eine erfreuliche und tüch- 
tige leistung, die zu guten hoffnungen berechtigt, hinstellen kann. 

Der verf. hat seinen Stoff so geordnet, dafs er im I. ab- 
schnitt die wnrzelformen behandelt und zwar: 

A. die reine wurzel, a) AK, b) KA. 

B. die reduplicierte wurzel, a) AKAK, b) KAKA, KAK. 

C. Weiterbildungen der wurzel, a) die Weiterbildungen von AK, 
b) die Weiterbildungen von KA, c) die Weiterbildungen der 
reduplicierten wurzel. 

D. nasalierung der wurzel. 

Im II. abschnitt folgen dann die Stammformen und zwar: 

A. verbalstämnie (primäre verba). 

ß. nominalstämme. 1) ohne suffix. 2) suffix -a. 3) suffix -i. 
4) Suffix -u. 5) Suffix -ja. 6) suffix -va. 7) suffix -vi. 
8) suffix -ra, >la unmittelbar an die wurzel tretend. 9) suffix 
-ra, -la mit vorhergehendem vokale. 10) suffix -ri. IJ) 
suffix -lu. 12) suffix -as. 13) suffix -ma. 14) suffix -man. 
15) suffix -na unmittelbar an die wurzel tretend. 16) suffix 
-ana, -ina. 17) suffix -ani. 18) suffix an. 19) suffix -in. 
20) suffix -ant. 21) suffix -ka. 22) suffix -ta. 23) suffix 
-ti. 24) saffix -tu. 25) suffix -tar. 26) suffix -tra. 

Zeitochr. f. vgl. sprachf. XV, 6. 29 



450 Kuhn 

Wir Bchliefsen au die behandlung dieser abschnitte einige 
bemerkungen. 

S. 4. stellt der verf. a^ in af^-noti, a^-nute a. s. w. als die 
einfache wurzel hin, wfihrend s. 35 die etymologie, welche BR. von 
an^a (antheil d. h. das erlangte) geben, für richtig erklärt wird. 
Danach war diese warzclform mit nasal anzasetsen und gehörte 
also unter I.D statt A; dies bestätigen aoch schon die verbal- 
formen selber, so perf. anan^a, ana9ämahäi etc. Auf die nasar 
lirte warsei werden auch ebenso a^u für ^an^u, ocior and cixis 
wegen des ö zurückzuführen sein. 

S. 13. bespricht der verf. das nebeneinanderstehen von griecb. 
XT und ks anderer sprachen, fuhrt die verschiedenen ansiebten 
über die prioritat der einen oder der anderen gruppe an and 
entscheidet sich mit Aufrecht und Schleicher dafür, dafs kt filter 
sei. Ich glaube in mehreren fallen beweisen zu können, dads 
griech. xr und skr. x sich aus ki "Und kj entwickelt haben and 
behalte mir den nachweis, der hier zu weit fahren wurde, vor. 

S. 14. ix erklärt der verf. mit Benfey ( wurzellex. I, 228) 
als Schwächung von ax, wo das entstehen eines i aus a erheb- 
liche bedenken erregen wurde; die richtige ansieht ober den Ur- 
sprung des i, nämlich durch reduplication, hat Benfey vollst, skr.- 
gramm. s. 75 ausgesprochen , danach entstehen ix, ips aas iyax, 
iyaps wie ir aus iyar-ti (Idk-Xo)). 

S. 30. verwirft der verf. Curtius' ansieht, welcher onxog als 
durch assimilation aus oKjrog entstanden ansieht, weil ihm kein 
beispiel bekannt sei , dafs xx aus urspr. x durch die mittelstafe 
}{f entstanden sei. Dem entsprechend sieht er s. 5 txKOg als aus 
tX'fog entstanden an, also theilt er equus in eq-uos, dagegen 
theilt er aqua in aqu-a, gotb. ahv-a. Die berechtignng dazu sehe 
ich durch nichts begründet. 

S. 51. a^ra-m träbne und a9ru =» lit asz-arä träbne trennt 
der verf. von öaKQv^ lacrima, gotb. tagrs, weil aaeh das litaui- 
sche keine spur des anlautenden d zeige, und fuhrt es auf wz. 
ak, scharf sein, zurück; allein dergleichen fälle, wo sprachen 
sich in ausnahmen von der regel begegnen, kommen doch öfter 
vor und got. tagr-s f. *tagra s, ahd. zahar f. *zahara, die abwei- 
chend von a^ru und daHQv den a- stamm zeigen grade wie lit 
asz-ara und apra machen doch die trennung beider reihen sehr 
unwahrscheinlich. 

S. 56. Der verf. sagt „ein Stammwort *ocas mit Bopp an- 



anzeigen. 491 

zusetzen, oculus also deiDinutiv za nennen , verbietet die beden- 
tong^. Da aber das lateinische die demiaativbildong in hohem 
grade liebt, so wird die bedeotang kein binreicheilder gmnd sein, 
Bopps annähme abzuweisen; wie man stets puella, nicht *pnera, 
stets Stella nicht *8tera sagt, konnte man unbedenklich auch 
oculus, das liebe äuge sagen, und dafs man davon ein neues 
deminutiv ocellus bildete, zeigt nur, wie so h&ufig der ursprüng- 
liche sinn allmählich geschwunden war. Nach dem verf. müüste 
man annehmen, dafs kein ausgewachsener Römer h&tte sagen 
dürfen: e lectulo surrexi. 

S. 57. Die annähme, dafs dxgi =» dxQoi als lokativ zu fas- 
sen sei, h&tte weiter begrSndet werden müssen. 

S. 59. Dafs -US in caxas eine Schwächung aus -as sei, wird 
kaum zu beweisen sein; die beiden suffixe sind wohl schon ur- 
sprunglich von einander verschwden. 

Ib. ist was über die bedentungsent-vicklang von &Kog ond 
dxsofiai gesagt wird ansprechend und fiberzeugend. 

S. 60. gehören die citate Gr. III, 442 und L. Meyer Or. und 
Occ. II, 85. nicht her, da dort aqizi nicht zur wz. ak gestellt 
wird. Polt und Diefenbach, die gleichfalls citirt werden, lassen 
aqizi aus ascia durch Umstellung hervorgehen, dann läfst sich 
die unterbliebene lautverschiebung einigermafsen begreifen, fiber 
die der verf. mit den werten „die lautverschiebung ist unterblie- 
ben^ doch etwas zu dictatorisch fortschreitet. 

s. 62. vergl. auch s. 70. Der satz: „echter labial kann nun 
und nimmermehr guttural werden^ ist, in dieser schärfe hinge- 
stellt, nicht anzuerkennen, die labialen Spiranten mindestens ma- 
chen eine ausnähme; hier zeigt sich mehrfach die entwicklung 
aus V, w in einen guttural; so wird das ndd. Goden durch das 
langob. Gwodan mit Wodan vermittelt, so entstehen frz. gudpe, 
gui aus lat. vespa, viscus, franz. guerpir aus goth. vairpan, afr«. 
guile aus ags. vile, engl, wile, afrz. guirople ans ahd. wimpal, 
altfr. guiper aus goth. veipan, altfrz. guiscart, gulthard aus altn. 
viskr, vgl. auch Zeufs gr. celt 154. Ebenso erscheint im kjm- 
rischen mehrfach gw an der stelle eines früheren v, wie z. b. 
in gwr, gwyr gegenfiber den verwandten lat. vir, irl. fir u. s. w.; 
weitere beispiele bei Zeofs gr. celt 148. Der Übergang geschiebt, 
wie das keltische erweist, durch vortritt der spirans h vor das 
V, welche dann zur gutturalen media verhärtet. 

Ib. Dafs a^man nicht ursprunglich den scharfen, eckigen 

29* 



452 Kuhn, anzeigen. 

Stein , sondern die erreichende waife (wz. aij erreichen) bedeutet 
haben solle, ist nicht gut möglich anzunehmen, da für den be- 
griff ^wolke" dann keine Vermittlung bliebe, welche nur bei der 
annähme der grundbedeutung „stein, fels, berg^ möglich ist 

S. 64. sagt der verf.: „Grimm verweist dabei auf sl. nebo, 
lat. nubes, die aber mit nubere nichts zu thun haben^. Da« soll 
doch wohl nur auf die vergleichung von nubes mit nebo gehen 
und wäre jedenfalls gut gewesen ein „unmittelbar^ hinzuzufü- 
gen, denn dafs nubere und nubes einer wurzel seien, wird doch 
der verf. nicht leugnen wollen. — Dafs gothisch bimins mit 
a^man identisch sei, ist doch nicht so entschieden, da im gothi- 
schen worte der stamm auf a ausgeht, wie auch himina-kunds 
erweist. 

S. 66. wird in ^{dfiivog das i wie bei ix aus ä entstanden 
angesehen; ich bezweifle dafs das möglich sei und wurde eine 
ursprungliche Stammform kamanya ansetzen. Dieselbe gleich- 
setzung für die Suffixe -Tv, -fAiv mit skr. an, -man wird s. 7^ 
angenommen. 

S. 67. verweist der verf. auf BR. dafür, dafs wz. kmar nur 
an einer stelle vorkomme; dort ist aber nur der dh^tupä^ha 
citirt. 

S. 70. Zu muchen, muchlich, muffen, muffeln gehört noch 
lat. mücor, was also wohl den guttural als ursprunglich ergibt 

S. 76. Bei ^anis hat sich der verf. geirrt; es bezeichnet nicht 
den planeten Venus sondern den Saturn, während U^anas die 
Venus ist; ^ani ist aber doch wohl desselben Ursprungs wie der 
andre name des Saturn „^anai^cara, der langsam wandelnde ', 
vergl. auch seinen andern namen manda, und wird daher wohl 
auch „der langsame^ heifsen und schwerlich von wz. ak stammen. 

S. 78. Die ansetznng einer grundform *ak8-ka-8 für Satxog 
hat ihr bedenken; man wird zu einem sicheren resultate nur ge- 
langen, wenn man die übrigen fälle, in denen x^ (auch r^, 9fqt) 
auftritt, näher 'untersucht, sie durften auf eine andre grundform 
führen, als der verf. hier angesetzt hat. 

Wir schliefsen hier unsere bemerkungen und wünschen, dafs 
der verf. recht bald auf weniger schwierigem gebiete weitere 
proben seiner umsichtigen und grundlichen thätigkeit liefern 
möge. 

A. Kuhn. 



anzeigen. 193 

(iiapheiii. Eine ahhaniilung über enUtehung und fixirung alter sagen un4 
überlielerungen, von A. G. von ThUuen. Bremen 1865. 8. 37 pp. 

In dieser ubbandlung wird uns eine ganz ueae eutdeckung 
vorgelegt, welche, wenn sie begründet wäre, das ganze Stadium 
der Philologie und Sprachwissenschaft über den häufen werfen 
würde. Wir tbeileu zur Unterhaltung des lesers den inbalt der 
Schrift mit. Man nimmt an, die alten autoren hätten ihre werke, 
so, wie sie uns jetzt vorliegen, wortlich. und buchstäblich nieder- 
geschri'^ben. Hier soll zu beweisen versucht werden, dafs eine 
solche annähme irrig ist, weil sie eine Unmöglichkeit voraussetzt 
(p. 2.) Diesen beweis liefert der verf. dadurch, dafs er einmal 
über das andere behauptet, papyros*), wachstafeln, perganient 
und ungegerbte häute seien alle ein zu „unhandliches'' und zu 
theurcs material gewesen, um darauf gröfsere werke zu schreiben. 
Dann wendet er sich zur entwickelung der schrift, für welche 
er drei stufen annimmt, die mouumentule, ideographische und 
phonetische. Im einzelnen sucht er diese entwickelung an eini- 
gen hebräischen buchstaben aufzuweisen. „In dem aleph läfst sich 
noch unschwer jetzt der gehörnte stierkopf erkennen'' (p. 16). 
Dann erzählt er uns, dafs bei den Semiten der stier als „bild der 
kuhnheir, stärke, kraft" u. s. w. gegolten habe, während bei den 
„pferdereichen Persern" das pferd diese stelle einnimmt. „Eigeu- 
thümlich ist es, dafs auch die späteren persi&chen schriftzeicheu 
so sehr den äufseren linieu der pferdegestalt entsprechen, wo- 
hingegen die winke! und ecken des hebräischen gleichsam das 
eckige und stöfsige wesen eines stieres versinnlichen " (p. 16 anm.). 
Es folgt nun eine ganze reihe von phantasien über die begriffe, 
welche aleph alle bezeichnet hat, ehe es zu seiner allein beleg- 
baren Verwendung als zeichen des bestimmten lautes kam. Wir 
empfehlen dem verf. das Studium der cyrillischen schrift, er wird 
uns dann gewifs ebenso plausibel machen, wie a zu der bezeich- 
nung azii (ego) d zu dobro (bonum), e zu Jesii (est) u. s. w. 
gelangt sind. Die phonetische schrift erfordert viel mehr Schreib- 
material als die ideographische, da diefs aber, wie uns schon ver- 
sichert ist, zu theucr war, so folgt unumstöfslicb , dafs die alten 



*) Der verf. lebt mit dem grammatischen geschlechte der werte etwas 
in /.wiespalt; wachs und papyros haben bei ihm das gcnus getauscht: das 
papvros (p. 6 und 8), der wach?« (p. 10). 



454 Schmidt 

ihre werke nicht phonetisch geschrieben haben können. Die home- 
rischen ges&nge z. b. mit zollgrofsen bachstaben phonetisch nie- 
dergeschrieben, halten 1500 — 2000 viereckig beschriebene rinder- 
felle mit einem gewichte von 30 — 40,000 pfund angcfSUt (s. 28). 
Weder die Griechen noch die Römer haben ihre werke nieder- 
geschrieben, sondern sie durch mundliche tradition von einer ge- 
neration auf die andere verpflanzt. Und diese geisteserzeugoisae 
sind nur deshalb so vollendet, weil an ihnen die ganzen natiooeD 
mitgearbeitet haben, welche das ihnen überlieferte fort und fort 
verfeinerten. Erst dem „schreibseligen späteren alexandrioiscbeo 
Zeitalter und der massenfabrication des Schreibmaterials * verdan- 
ken wir die schriftliche aafzeicbnung derselben (s. 26.) Aber 
hat denn nicht der verf. von s. 2 bis s. 12 umständlich ausein- 
ander gesetzt, dafs papyrus, wachstafeln und pergament zu , un- 
handlich^ und zu theuer waren, um ganze werke darauf zu schrei- 
ben und sagt er nicht später (s. 34) wieder, die phonetische 
Schreibweise sei „erst durch die massenfabrication des papieres 
ermöglicht^ worden? Ferner hätten die alezandrinischen gelehr- 
ten den Homer, Hesiod, Herodot u. a. doch wohl in der zu ih- 
rer zeit üblichen spräche niedergeschrieben. Wie kommt ea non, 
dafs die werke der genannten Schriftsteller uns die griechiacbe 
spräche in einer weit älteren gestalt zeigen? Man müfste wirklich 
vor der gelehrsamkeit der Alexandriner einen gewaltigen re- 
spect haben, wenn sie es ohne jeglichen anhält geschriebener 21- 
terer documente vermocht hätte, die uns überlieferte Sprache der 
homerischen gesänge so vollendet zu reconstruiren, dafs in allen 
folgenden Jahrhunderten auch nicht einer geargwöhnt hat, ea 
könne in ihr ein kunstproduct vorliegen. Zum Schlüsse rechtfer> 
tigt der verf. den titel seiner abhandlung, weil ygdqieif treffender 
als scribere und schreiben die thätigkeit des früheren gedanken- 
fixierens bezeichne. 

Das wesen der lautschrift. Zur begiUfsung der XV. allgemeinen dentscben 
lehrerversammlung zu Leipzig, von dr. K. Panitz. Weimar, Bdhlan 
1865. 8. 40 pp. 

Das bedurfnifs nach einer reform unserer üblichen deutschen 
Orthographie tritt in immer weiteren kreisen auf und fordert im- 
mer dringender abhülfe des jetzigen mifsstandes. Dieser zeitrich- 
tnng verdankt denn auch das vorliegende schriftchen seine ent- 
stehung. Der verf. geht ruhig und besonnen an sein thema heran 



ansoigen. 4&ft 

and wir können ihm unsere zustimmong im gaDien uod grofoen 
nicht versagen, wenn wir auch in maDchen einielheiten von ihm 
abweichen müssen. 

Als aufgäbe der lautschrift bezeichnet der Verf. c 3 ^nor die 
wiedergäbe der qualitfit und quantitSt des lautes^. Wir möchten 
von einer genauen lautschrift noch die angäbe des wfnrtaceeDtes 
fordern, welche nicht nur für den ausländer, wie verf. meint, 
werth hat, da ja der Volksgenosse in der betonung seiner motter- 
sprache nie irren könne a. a. o. Mit demselben rechte könnte 
man die ganze genau phonetische Schreibung verwerfen, denn es 
wird jedermann seine muttersprache lesen können, auch wenn 
sie noch so fehlerhaft geschrieben ist. 

Die uutersuchupg erstreckt sich nun nach feststellung der 
aufgäbe über die qualität des lautes, über dessen quantität, die 
Veränderung der qualität des lautes durch seine quantität, die 
Wirkung der quantität der vocale auf die der consonanten. Erst 
auf s. 22 kommt der verf. zu dem» was er im titel der abhand- 
lung als sein thema bezeichnet, zur lautschrift; und es wird wohl 
mancher leser mit uns in dem wünsche übereinstimmen, diese 
Voruntersuchungen, welche sich übrigens streng an die lautphjsio- 
logischen arbeiten von Merkel und Brücke halten, möchten etwas 
bündiger abgefafst sein. S. 15 wird Schleicher unrichtig beschul- 
digt der indogermanischen Ursprache alle langen vocale abge- 
sprochen zu haben. An der vom verf. citierten stelle des compend. 
weist er nur die voc&ldehnung als seeundär zurück, während er 
s. 8. in der lauttabellc der urspruche a als Steigerung von a mit 
aufgeführt hat. Durch die behauptung des verf., a. a. o. dafs das 
menschliche organ von aufang an zu allen vocalen geschickt war, 
wird noch lange nicht deren wirkliches vorkommen in der Ur- 
sprache bewiesen. 

Es werden dann s. 22. für die schriftliche bezeichnung der 
qualität des lautes folgende principien aufgestellt: 1) jedes zeichen 
darf nur einen laut ausdrücken, 2) jeder laut darf nur durch ein 
einfaches zeichen ausgedrückt werden, 3) jedes seichen darf nur 
einen einfachen laut, nicht eine combination von lauten bezeich- 
nen. In dem abschnitte über die schriftliche bezeichnung der 
quantität des lautes (s. 29) stellt der verf. es frei, die länge eines 
lautes durch Verdoppelung seines Zeichens oder durch eine an- 
dere Signatur an demselben auszudrücken. Eine strenge laut- 
schrift hat aber die Verdoppelung zum zwecke der längenbeseich- 



456 Schmidt 

nuDg gänzlich von der band zu weisen. In der Verdoppelung ist 
natürlich jeder laut vollständig ebenso auszusprechen,, wie in der 
isolirung, sind sie z. b. zwei explosivlaute, so müssen bei jedem 
von beiden die drei momente, welche s. 8. richtig geschieden 
sind zur erscheinung kommen, nämlich die bewegung der orgaoe 
in die läge des verschlusses, das beharren im verschlösse und 
das ö£fnen desselben. Aber ein quantitativ langer consonant od- 
terscheidet sich von dem kurzen , wie erst eben s. 21 dargelegt 
war, nur dadurch, „dafs die stimme auf der schlnfsstellung des 
consonanten ruht^, also das mittlere der obigen drei momente 
verstärkt, nicht aber die ganze reihe wiederholt wird. Ein tt 
z. b. wäre also nur wie t-t (beide durch schwa getrennt) zu 
sprechen. Aehulich verhält es sich auch mit den vocalen: aa 
ist a-a (mit zwischenliegendem elif) zu sprechen. Will man also 
z. b. die Worte vater, mutter wirklich phonetisch schreiben, so 
mufs man etwa durch einen wagrechten strich oder ein sonstiges 
zeichen die länge andeuten, also: väter moter, denn darin sind 
wir des verf. ansieht, dafs die quantitfitsbezeichnung bei vocalen 
wie bei consonanten dieselbe sein mufs. 

Sehr richtig sagt der verf. s. 30: ^ Es ist unstatthaft, dafs 
zur bezeichnung der zweifachen quantität (der länge) irgend ein 
zeichen verwendet wird, das schon für sich eine lautqaalität 
ausdruckt'^. Damit wird allen unseren dehnangs-b und -e der 
hals gebrochen. 

Im folgenden wird dann noch dargetban, welchen wertb die 
phonetische scbrift für die Yolksbildnng hat und zum schiaase 
eine perspective auf eine allgemeine, allen Völkern verständliche 
lautschrift eröffnet. Wir müssen dem verf. vollständig recht ge- 
ben, wenn er zur herstellung dieser allgemeinen laatschrift zuerst 
ein physiolc^sches System sämnitlicher vorkommenden sprach- 
laute fordert Hat man einmal diese grundlage gewonnen, so 
werden sich die entsprechenden schriftzeichen leicht finden las- 
sen. Hingegen die lautschrift aufstellen zu wollen, ohne genS- 
gende ermittelung der physiologischen beschaffenheit der laute, 
heifst den esel beim schwänze aufzäumen. 

Die bedeutimg der gegensätze in den ansichten über die spräche Hir die 
geschichtliche eutwickelung der Sprachwissenschaft. Akademische fest- 
rede znr feier des hohen geburtsfestes seiner k. h. des grofsherzogs Lud- 
wig III, gehalten von dem rector der Ludwigs -universitlti dr. Ludwig 
Lange. GieTsen 1865. 4. 22 pp. 



anzeigen. 457 

lo dieser akademischeD rede sacht der reif, nachzuweisen, wie 
die erkenntnifs des wesens der spräche Tom alterthome bis auf die 
oeozeit tou stufe zu stafe gefordert ist durch den kämpf zweier 
einander entgegengesetzten ansichten. Man stritt sich zuerst dar- 
über, ob die namen q}va£i oder ro/ucp seien, dann ob draloyia 
oder dtrmfioXia in der spräche waltete. Diesen erörterungen ver- 
danken wir die rf'xf^tj /oct/ifiarixi/ der Griechen. Mit dieser er- 
rungenschaft begnügte man sich bis ins Tonge Jahrhundert, in 
welchem zuerst wieder ein neuer gegensatz der ansichten hervor- 
trat, die discussion ob die spräche göttlichen oder menschlichen 
Ursprunges sei. In folge dieses Streites wurde das interesse 
auch für andere als die classischen sprachen wach, und es er- 
wachs die vergleichende grammatik im gegensatze zur philolo- 
gischen. S. 14 tadelt der hr. verf. an der vergl. grammatik, 
dafs sie sich ^gar wenig^ um die sjntax kümmere. In spaterer 
zeit wird sie sicherlich auch die sjntax berücksichtigen, vor der 
band fehlen dazu aber noch die allernothigsten gmndlagen und 
der hr. verf. wird zugeben müssen, dafs es verfrüht wfire jetzt, 
wo an der rein formellen seile der spräche noch so vieles dun- 
kel ist, schon auf die geistigen noch mehr der willkubr des for- 
schers räum gebende syntax einzugehen. 

Noch mehr erregt des verf. Unwillen die von sprachforschem 
ausgesprochene behauptung, dafs in historischer zeit die sprachen 
mehr und mehr verfallen. Dafs diese „Vorstellung von histori- 
scher entwickelung viel besser zu der annähme einer geoffenbar- 
ten und somit vollkommenen Ursprache, als zu den Voraussetzun- 
gen der linguisten passe ^ (s. 15), ist etwas kühn behauptet. Wenn 
wir einen greis allmählich dahin schwinden sehen, folgt daraus 
dafs er gleich mit voller manneskraft geboren ist? G^ht nicht 
jedem verfalle eine entwickelung voraus? Den lautlichen verfall 
der sprachen aber wird jeder zugeben müssen, der sich der be- 
obachtung nicht absichtlich verschliefst Wenn uns auch noch 
so viel versichert wird, unsere deutsche spräche sei , herrlich, 
kraftvoll, reich ^ (s. 16), so werden wir sie doch für ein seniles 
Sprachexemplar halten müssen, es sei denn, dafs der hr. verf. 
z. b. nachwiese, unser hätten wäre gegenüber dem got. habai- 
dedeima lautlich nicht corrumpiert Schleicher, gegen den 
diese ganze auscinandcrsetzung gerichtet war, wird schliefslich 
noch schuld gegeben, dafs er die spräche als ein erzeugnifs des 
menschlichen leibes ansehe (s. 17;. Wenn damit gesagt sein 



458 Kuhn 

soll, dafs er alle einwirkang des geistes auf die spräche leugnet» 
80 ist die beschuldigung völlig grundlos. Die spräche ist aller- 
dings ein erzeugnifs des menschlichen leibes. Aber leib und geist 
sind nach Schleichers ansieht untrennbar, sie ist also ebensowohl 
ein erzeugnifs des geistes. 

Zum schlufse vindiciert der verf. der philosophie die entschei- 
dung darüber, ob die Sprachwissenschaft zu den naturwissen- 
schaften oder zu den geisteswissenschaften zu rechnen sei. 

Johannes Schmidt. 



Kleinere scbrifteu von Jacob Grimm. Zweiter band. Berlin 1865. Ab- 
handlungen zur mytbologie und sittenkunde. 462 s. 8. 

Wir können das letzte heft dieses bandes nicht schliefsen, 
ohne ihm wenigstens noch eine kurze anzeige des bereits vor 
längerer zeit erschienenen zweites bandes von Jacob Grimms 
kleineren Schriften beizugeben, die nun um so dringender wird, als 
da9 erscheinen des dritten bandes bald bevorsteht. Der vorlie- 
gende zweite enthält folgende abhandlungen : 1) Ueber swei ent- 
deckte gedicbte aus der zeit des deutschen heidenthums. 2) Deut- 
sche grenzalterthümer. 3) Ueber das finnische epos. 4) Ueber 
Marcellus Burdigalensis. 5) Ueber die Marcellischen formelo 
(der Separatabdruck hatte den titel „Jacob Orimm und Adolphe 
Pictet über d. M. f.^). 6) Ueber schenken und geben. 7) Ueber 
das verbrennen der leichen. 8) Ueber den liebesgott. 9) Ueber 
eine Urkunde des XII. Jahrhunderts. 10) Ueber frauennamen aus 
blumen. 11) Ueber die namen des donners. 12) Ueber das ge- 
bet (bisher angedruckt). 

Auch die abhandlungen dieses bandes (reten uns im ganzen 
in unveränderter gestalt entgegen, nur sind hier susätze sahlrei- 
cher als im ersten bände, wie es die natur der hier vorliegen- 
den abhandlungen erwarten liefs; sie sind wie dort entweder 
dem texte oder den anmerkungeu in eckigen klammern einver- 
leibt, oder als neue anmerkungen (durch einen stem, zum unter- 
schiede von den älteren bezifferten, beseichnet) unter den text 
gesetzt Die erste abhandlang, welcher auch das facsimile des 
betreffenden blattes aus dem merseburger codex beigegeben ist, 
enthält im gansen wenige kürzere snsätze, so s. b. über den be- 



auzeigeu. 459 

griff des equus infusus auf 8.25; die im eingange der xweiteti 
abhandlung über die marcellischen formein besprochenen acht 
jangereu fassungen des zweiten merseburger Spruches finden sich 
hier nicht, wohl weil sie Jacob Grimm zu gelegentlicher beson- 
derer behandlung zurückgelegt hatte. Sie sind wohl zum grö- 
fsera theil von mir zeitschr. XIII, 51 ff. mitgetheilt und der kern 
oder die eigentliche Zauberformel als über das germanische hei- 
denthum hinausgehend nachgewiesen. Diesen kern hat seitdem 
auch Grohmann in einem böhmischen Spruche aufgezeigt (abergl. 
and gebr. aus Böhmen und Mähren s. 154 und 1115); er lautet: 
Wider flechsenzerrung (na natazenou zilu): 

maso k masu das fleisch zum fleische, 

kost k kosti das bcin zum beine, 

krev k krvi das blut zum blute, 

voda k vode das wasser zum wasser. 

Svat^, svat]^, svat^ heilig, heilig, heilig 
Jacbym, Josef, Anna! Joachim, Joseph, Anna! 
Dabei ist zu bemerken, dafs während in den germanischen fas- 
saugen, wie ich a. a. o. s. 63 ausführte, nur eine norwegische 
auch etymologisch im marv i marv zu der indischen mit majjan 
majjnä stimmte, hier auch maoEisam mamsena sowie asthi dem 
maso und kost (auch die russ. Fassung a. a. o. s. 151 hat kosli 
sü kostiju) gleichstehen. In betreff der s. 115 beigegebenen an- 
merkung ist noch zu erwähnen, dafs die erwähnte anhöbe, auf 
der man dem Thor gegen Zahnschmerz opfert, den namen Thors- 
backen, Thorebacken, Thorshamarbacken führt, und zwar des- 
halb, weil nach alter Überlieferung dort Thors hammer in der 
erde liegt. Wir fugen, da Dybecks Runa, aus der Grimm den 
nach weis entnommen, selten ist, die stelle bei: (Runa 1848 s. 26.) 
I en liten uppsats: „om cultu deorum eller Religione paganica*^ 
forfattad af Johann Hadorph, och förvarad i kongl. Bibliotheket 
i Stockholm, säges at pa orter na kring Orebro og Glanshammar 
Unnas stenar och stenläggningar (steinsetzungen) „pS hvilka dhe 
&o ofra Tore emoot Tauneverk^; och Johan Gustav Hallmann 
sjunger i sitt ^Urquäde tili Nerikes K&nning*^ (Handskr. 4 i skol- 
bibliotheket i örebro): Namn och rum i Nerike Ans af gudars 

gardar, || Fast pä satt som heden tid folket dem ej vardar; || 

Thorshammar ligger der ej llngt ifran den kyrka, || midlands- 
öeboar far sannna Guden dyrka*'. Dafs die stelle, wo Thors- 
hammer ruht, Zahnschmerz heile, beruht auf der vorsteUung vom 



460 Kuhn 

blitze oder doniierkeile aU dem zahne eines in den wölken da- 
her fahrenden thieres (eher oder ratte, maus) vergl. herabkunft 
des feuers 202, Grohniann apoll. Sniinlhus 8 ff. — Sehr reich- 
lich sind die theils bestätigenden, theiis erweiternden Zusätze zu 
den grenzaltertbümern ausgefallen. Zu der sitte, dafs man im 
innern Deutschland eirunde kieslinge, geldstücke, gläser, kohlen 
und andre der Verwesung ununterworfene gegenstände eingrub, 
die nach dem verlauf langer zeit den hergang bezeugen konn- 
ten, bemerke ich, dafs ganz ähnliches sich bei den Indern fin- 
det. Yäjnav. v. Stenzler II, 150-151. „Bei einem streit um die 
grenzen sollen die nachbarn des feldes, die alten männer und 
andere, kuhhirten, und solche die das feld nahe an der grenze 
bauen und alle welche im walde beschäftigt sind, die grenze 
bestimmen, wie sie durch erhöbnngen, kohlen, hülsen, bäume, 
brücken, ameisenhaufen , Vertiefungen, knochen, denksteine und 
andre zeichen kenntlich gemacht wird**. Vgl. auch Manu VIII, 
245 ff., der v. 251 als gegenstände, die zur bezcichnung der 
grenze zu vergraben sind, steine, knochen, kuhschweife, reishul- 
sen, asche, Scherben, schutt, ziegel, kohlen, kiesel und kies 
nennt, überhaupt solche dinge, welche die erde nicht im verlauf 
der zeit verzehre (yani — kälad bhümir na bhaxayet). Zu der 
erzählung vom grenzstreit zwischen Uri und Glarus, der durch 
wettlauf, beginnend beim ersten hahnkrat, entschieden wird, 
hat Grimm eine stelle aus Polyaen beigebracht s. 22 (vgl. Her- 
mann de terminis, Göttingen 184G p. 17 n. 63), wo bei einem 
grenzstreit zwischen Lampsakenern und Parianern der lauf eben- 
falls beginnen soll ijvixa ogvi^eg adtaci ftQ(3j09. 

Zu den auf s. 206 in der abhandlung über das verbrennen 
der leichen angeführten die indische leichenverbrennang betreffen- 
den Schriften von Roth und Max Muller ist jetzt noch Stenzlers 
A^valäyana IV, s. 36 — 40 und Übersetzung nebst commentar 
s. 112 — 144 hinzuzunebmen. 

In dem aufsatz über den liebesgott sind hauptsächlich nur 
einige Vermehrungen der sprachlichen nachweise über minne und 
meinen , wünsch u. s. w. eingetreten; dagegen enthalten die ab- 
handlungen über frauennamen aus blumen und über die namen 
des donners maimichfache und zum theil umfangreiche zusätze. 

Der letzte, bisher ungedruckte aufsatz „über das gebet *^ 
geht von einer mittheilung des M. Aurelius Antoninus über ein 
schönes gebet der Athener um regen aus (vtfor, v<Tor, ca q}{lB 



Ztv. xard r//v* ii^ovQa^ rt^^ M&t^raicur xat rcör rrftVcor) and 
koapft daran mittbeilangen über ähnliche gebete anderer volker 
(bei den Indern ist ans ein solches im Rigr. X, 98 und ein n<Kh 
alterthumlicberes Taittiriya Saiibita II, 4, 7 aafbewabrt) und sa- 
gen über wanderbare erweckang von quellen, au die sich ein 
aoslauf über den gebrauch und die bedeutung des aorist and die 
ihn ersetzenden ausdrucksweisen anderer sprachen anschliefst 
Daran sollte sich eine historische Untersuchung des gebets an- 
schliefsen, statt deren nur in kurse der inhalt der von Jacob 
Grimm gewonnenen ergebnisse mitgetheilt wird, an die sich am 
Schlafs eine beherzigenswerthe mahnung gegen die auferlegte 
h£ufung der gebete, wie sie sich auch in die protestantische 
kirche eingeschlichen hat, anreiht. 

A. Kuhn. 



cuncti, cunctari. 

Zeitschr. XV, p. 314 stellt prof. Schweizer -Sidler das latei- 
nische cunctor mit sanskrit 9a nk und gothischem hugs zu- 
sammen. Erstere zosamraenstellung ist auch schon durch Walter 
(zeitschr. XII, p. 383) vorgeschlagen worden. Ob cunctor mit 
9ank der form und der bedeutung nach übereinstimmt, soll 
hier nicht untersucht werden. Es scheint mir aber nicht nothig 
zu dem sanskrit zu greifen, da das lateinische genügend aaf- 
schlufs giebt. 

Cuncti hat Corssen (ausspräche und vocalismus dea latei- 
nischen I, p. 96) treffend aus conjuncti, cojnncti erkl&rt. 
Cunctari wird sich wohl nicht leicht davon trennen lassen. Ich 
glaube nämlich es steht für cojunctari, und hat denselben sinn 
wie das französische tutonner. Cnnctator ist also nicht der 
zögernde, wie es die wörterbucher erklären, sondern der com- 
binirendc. 

Paris, 5. juni 1866. Michel Rreal. 



Sonne 



Nachtrag zu Rigveda I, 50. p. 434 „abholen müfse^. 

Nachdem diese arbeit eingesandt, erhalte ich durch die gSte 
zweier verehrten forscher weitere aoskanft aber haridro. Zu 
Wilson s. V. haridm 1) a tree; 2) a plant (carcuma xanthorrhi- 
fon) bemerkt hr. prof. Weber ^böser banm, QaUp. XIII, 8, 1, 16, 
in seiner nfihe kein ^ma^&nam [begräbnisplatxj zu machen^. Man 
nahm also wohl den haridra als sitz böser geister, welche daher 
häridraT&'l.i heifsen, und so auch einem feindlichen volkstamroe 
zum namen verhelfen konnten. — Ferner schreibt hr. prof. Ben* 
fey 3. Jan. 1866: ^Was zunächst die Veranlassung Ihres briefes 
betrifft, so wird hari-dm (so nach der ableitang in den Unädi* 
afßxen bei Böhtl. I, 34; bei Aufr. I, 35; was aber natfirlich nicht 
die Wahrscheinlichkeit ausschliefst, dafs es eigentlich hariddru 
für haritdru sei) im Hemachandra (Böhtl. 1114; Calcutta 1807: 
IV, 180) in übereinstimmaug mit Unädi-aff. Böhtl. I, 34 durch 
vriksha (bäum) erklärt; dagegen in Unäd.-aff. Aufr. (Ujjvala- 
datta) I, 35 durch däruharidra d. i. Curcuma xanthorrhiza, 
und damit stimmt Amarakosha I p. 100, 12 ed. Lois. (und auch 
wohl die etymologie, nämlich von harit-dru). Wilson giebt beide 
bedeutungen, was (wenigstens ursprunglich) wohl schwerlich 
richtig ist. Ich kenne bis jetzt nur eine stelle wo das wort vor- 
kommt, nämlich Rv. X, 94, 12, wo es aber weder die eine noch 
die andre dieser bedeutungen hat: ajuryä'so harishä'co haridrava 
a dy&m räveiia ppthivfm a9U9ruvuh || . Die pitaras folgen und 
rennen den hari nach, die aber die somapresssteine bezeich- 
nen". — Von diesem vedischen haridru durfte h&ridrava als 
name obiger genoFsenschaft einer schule abzuleiten sein. 



Zu p. 439 „saugt der charadrius'^. 

^Was den Charadrius betrifft, so begnügt sich der Phjsiolo- 
gus Syrus c 15 damit, ihn mit seinem griechischen namen zu 
bezeichnen: UTITÖ^nD [hebräisch transcribiert] ; Levit XI, 19, 
Deuteron. XIV, 18 wiederholt die syrische Übersetzung das he- 
bräische enofo". Prof. Benfey in obigem brief. — Um so mehr 
wird yidlavÖQog indogermanisch sein. 

W. Sonne. 



nachtrage. 463 

Verbesserungen. 

Za band XIV: 

p. 12 z. 15 V. o. lies: solchen statt solchem. 

p. 26 z. 16 V. a. lies: madhjandioam st. madhand. 

p. 33 z. 5 V. o. lies: Da statt Da. 

p. 321—323 lies harimän statt -m&'ria. 

p. 330 z. 9 V. Q. accent ^oüUbc. 

p. 331 z. 20 V. a. accent. ^aXkog. 

Za band XV: 

p. 82 z. 17 V. u. koroma hinter teiha. 

p. 85 z. 9 V. u. accent. vrko. 

p. 90 z. 11 V. u. lies: pate statt pat^. 

p. 95 z. 16 V. u. Spiritus vlov, 

p. 102 z. 4 V. u. lies: ;^^t;<T6iou. 

p. 104 z. 14 V. a. komma hinter i^dgi, 

p. 106 z. 10 V. o. lies: Spitzner. 

ib. z. 10 y. a. tilge ein h. 
p. 107 z. 10 V. o. lies: aiüofMfOio. 
p. 108 z. 4 V. o. lies: wiraQ, 
p. 110 z. 3 T. a. lies: confer statt öf. 
p. 111 z. 11 V. o. lies fahrt statt ffihrt. 

ib. z. 15 V. o. lies: fuhren statt fuhren, 
p. 114 z. 3 V. u. lies: Kdatoga. 
p. 116 z. 4 V. u. lies: nap&t. 
p. 121 z. 19 V. o. lies: J4n6Xlan^og. 
p. 122 z. 2 V. a. lies: xdnneae, 

ib. z. 1 V. u. lies: xard. 
p. 129 z. 10 V. u. tilge p. 
p. 132 t. 16 V, o. lies: r^f. 
p. 140 z. 1 V. o. lies: von. 
p. 141 z. 7 V. o. lies: gebShrt. 



I. Sachregister. 



A ethiops - Meropsmy then 122 — 140. 
heimat und ursprüngliche idee 122. 
cf. 126. 127. 137 f. nachweia im 
einzelnen 123 ff. Zusammenhang 
mit Helios 125, mit dem Amazonen- 
mythns 128. bedeutung der in die- 
sem mjthenkreis auftretenden me- 
tamorphosen 126. 129. localisie- 
rung in Nubien 188 ff. gestaltung 
des mythus bei Herodot 140 f. 

Aspiration. Verschiebung der aspira- 
ten zu medien bei den arischen 
Anatoliem 138. aspiration eines 
kehllauts vor ft zu ;^ 18. anlaut. 
aspir. altn. ags. zur media herab- 
gesunken 288. Übergang der den- 
talen aspirata zur labialen Spirans 
238. Verhärtung der gutturalspi- 
rans zur tenuis im alts. und engl. 
377. 

Bindevocal i im lateinischen auch hin- 
ter yocalen durch die analogie fest- 
gehalten 77. 

Casus und Casusbildung. Ursprung 
und entwickelung des nominativen 
8 447. — Genitiv und dativ flg.: 
lat gen. auf i von nominativen auf 
es 242. sabell. dat. auf o von o- 
Rtihnmen 248. — vedische genlt 
ablat. auf fii statt &s 809. 420 ff. 
genitiv- und oblique casusformen 
tlberhaupt auf &S, ftya im pr&krit 
und p&li 421. 428. hervorgehen 
der dat. endung der fem. aus der 
gen. endung 428. gebrauch des gen. 
für den dat. im sanskrit und neu- 



griechischen 428. 424. gen. auf 
asya 811. 426, verh&ltnifs zum dat. 
Äya 425; erhaltung des ihm ur- 
sprünglich zukommenden auslauten- 
den s in griech.-lat. pronominal for- 
men 426 ff. zendische gen. -formen 
der pronomina auf hy&, qy&o 427. 
dativbildung der pron. pers. in den 
german. sprachen 428 ff., spur der- 
selben bildung im umbrischen 431. 
dativbildung der nomina in den 
italischen sprachen 482. — griech. 
nom. pl. auf at oi 809. lok. plnr. 
auf susu nicht anzunehmen 897. 
altb. lok. pl. auf fsva, fsvft 897. 

Causalbildung auf paya im sanskrit 
schwer an erklären 808. 

Comparation und comparationssuiBxe. 
comparative auf errimo illimo im 
lateinischen bereits den Übergang 
von timo in simo voraussetzend 
307. 808. tero und timo von prae- 
posiUonen ableitend 169. mehrfache 
comparativbildong in den ital. spra- 
chen durch mo timo istimo, z. th. 
Bur diffeienziening der bedeutung 
benutzt 159. 160. 

Composition. thematisches o des er- 
sten tbells im compositum griech. 
zuweilen ausfallend 44. — verbale 
composition von a- stammen mit 
WZ. kar siehe unter: vokale. 

Conjugation. imperativbildung der 
bindevokallosen conjug. im griech. 
899. altbaktr. formen auf are, ris, 
rc 899. bildung der dritten plur. 



Sachregister. 



465 



praes. akt. bei ii&iim , <)ido}^i, 
iajflfih 400. 3te sg. der sekundä- 
ren tempp. im griech. auf « 404. 
erste pers. sg. des perf. act. auf ft 
im Sanskrit and zend 405. 2. sg. 
des perf. akt. tha, th& = gr. ^a 
406, of. 898. — Perfektbildung 
389 ff., namentlich im lateinischen 
348—348. 
Consonanten. tenuis im italischen nach 
ansfiül eines vocals vor r zur me- 
dia erweicht 251. — vgl. noch un- 
ter aspiration. 
b. lat. b aus st entstanden vor r 
158. 
ß nebst ^ =5 altem bh 15. 
/? ob = skr. j 2 1 5 ff., = skr. 
V 217 f. 
g. ndd. frz. g aus v durch gw 
entstanden und erklärung die- 
ses Vorganges nach analogien 
im keltischen 451. lat. g aus 
k erweicht 375. 
r. für altes s im gotischen 80. 
Umstellung vor r im alemanni- 
schen 257. 
V. gr. ^ aus altem gh (^y aus 
ghr, wie q) aus ghv) 18. 19. 
Übergang von v in r hinter 
gutturalen im lateinischen 320. 
Übergang von r und h vor an- 
dern consonanten in u im deut- 
schen 820. tibergang von v 
in guttur. r zwischen zwei vo- 
kalen im deutschen 320. 
Consonantenverbindungen. ^q im grie- 
chischen 1 — 42; durch ausfall ei- 



nes vocals entstanden 8. 



?e 



bei 



Homer kaum aus ^^ 8 , zuweilen 
aus aQ entsUnden 20. 22. 24. 26. 
28. ^ und tp alte ausspräche der- 
selben 148. mn oskisch ebenso we* 
nig wie lateinisch zu mm assimi- 1 
liert 246. skr. tv griech. zu & 
oder <r gewandelt, letzteres auch 
ohne nach Wirkung des v 899. al- 
tes sp griech. in n und rp gespal- 
ten 98. 

Declination des sabell. der osk. nahe 
verwandt, doch bereits abgescliwüch* 
ter 248. 

Denominativa von noroin. auf as mit 
ausfall des s und dehnung des a425. 

Dual, ursprtlngliche form des nom. 
Ztitflcbr. f. vgl. sprachf.XV. 6. 



du. und verhältnifs der formen A, 
fiu, &m (in der pronomin. decl.) zu 
einander 809 f. — ot des griech. 
du. aus skr. ftu direkt (durch Ver- 
engung) entstanden 811. letzte spu- 
ren eines dualen a im griech. 408. 

Ethnographisches. Stellung der Hel- 
lenen zu den Ariern 122. ethno- 
graphisches verhältnifs Macedoniens 
zu Troas 188. 134. 

Gebräuche der Indogermanen. cultns- 
gebräuche in ihrer mythologischen 
bedeutnng 98. 99. bedeutnng der 
Säule bei Opferhandlungen, der oli- 
venzweige bei den antiken opfern 
98. 99. hochzeitagebräuche 226. 
Syvspring alterthümlicher tanz in 
Dänemark 226. brautkuh 226. erste 
nahrung der neugebomen 226. tod- 
tenknh bei Indem und Germanen 
227. pfingst- und martinsrinder, 
sowie nothfeuer der Grermanen nebst 
ihren vedischen analogis 227. 228. 

Gerundia auf tya 805. 

Grenzbestimmungen bei Deutschen, In- 
dem und Griechen 460. 

Ilias. deren mythologische basls 106. 

Infinitiv, auf furat, ftir, aai 804. 
auf trat, hp 807. die inf. dovrni, 
&iXrait atrjrah 307. ved. inf. auf 
dhyfii s= griech. adat 807 (cf. je- 
doch 220). 

Litotes in homerischen Zusammenset- 
zungen 848 ff. 

Medium, bisherige weisen die medial- 
endungen zu erklären 287 f. noth- 
wendigkeit sie nach einem einheit- 
lichen princip zu erklären 288. Bym- 
bolische erklärang durch steigerang 
290 — 294. bisherige mechanische 
erklärung und ihre mängel 294 f. 
principien einer besseren mechani- 
schen erklärang 299. yerhältnlTs 
der primären medialendungen su 
den vorliegenden wie zu den als 
ursprünglich vorauszusetzenden ak- 
tivendongen 800. 301. die secun- 
dären medialendungen in 4 verschie- 
denen abschwächungsstufen 821 — 
387. medium im präkrit und päli 
mit dem activ zusammenfallend 419. 

endungen der secnndären tem- 

pora des medii auf a im sanskrit 
und z. Schwächungen der primären 

30 



460 



SachrtigiMter. 



auf e 401; die griecliUeheu eudun- 
gen auf o ulcht unmittelbare Schwä- 
chungen daraus 402, 41Lf. ; rich- 
tige erklärung dieser formen 418. | 
medialen düngen auf e durch Schwä- 
chung aus ai entstanden 417. ved. 
conj. medii mit dehnnng des binde- 
vocals und der personalendungen 
zugleich 411 f. cf. 290. — einzelne 
medialendungen: ftt&or^ fip&a im 
verhältnifs zu mähe, z. maidh$405 f., 
neugr. ftaffn, itfaii 405, aeol. 
ut&iv 406. — ved. 2. pl. des im- \ 
perat. dhva 403. sva = griech. | 
ao 419. tiriv 411. , 

Mythologisches, ursprüngliche art sich 
die m3rthiBche metamorphoae vorzn- ; 
stellen im Zusammenhang mit den { 
bezeichnungen des körpers 90. be- ; 
deutung der Charybdis 109 f. ur- j 
sprUngliche bedeutung der Diosku- 
ren 1 1 2 f. bedeutung der St}Tc U 8 f. 
40 jährige Verfolgung im mythus222. j 

— Vergl. femer Aethiops-Bferopa. | 
Vogelaberglaube. Wetterbaommy- 1 
then. 

Neugriechisch. Trapezuntischer dialect 
143 ff. bewahrung alter formen 144. 
vertauschung der vocale 143. Ver- 
wandlung von ^ in ax 144. ein- 
Schub von v zwischen zwei vocale 
in der conjug. der verba auf atay (ta ' 
144. — Dialekt von Kaaos, aus- 
stofsung von conaonanten in dem- , 
selben 145. — Dialekt von Karpa- 
thos. Consonanten, eintritt von y 
fUr 6 146. doppeltes augment 146. 
ausstofsung von vocalen und con- 
sonanten in den dialekten von Ka- ' 
lymnos und Rhodos 146. 147. ver- 
tausohang von ^ mit ^ im dialekt : 
von Kalynmos 146. vertnoachang ! 
der vocale im dial. v. Rhodos 147. ' 

— Cyprischer dialekt 179 ff. vo- , 
calverhältnisse 180. abfall von con- ; 
sonanten im an- und inlaut 181.' 
einschub von y und ^x, Verhärtung 
von » und \i zu x 182. v i(ptXxv^ ! 
avutöv sehr ausgedehnt 83. weitere ' 
conaonaotenverhältnlsse 188. ver- ' 
Wandelung von ^ in ^^ 188, von S 
'^^ Cr ^v in nn 184. palatalisie- 
rong der gutturalen 184. wörter- 
verzeichnifl 184 fr. I 



Neuhochdeutsche dialekte. abgrenzung 
der dialekte im schwäbisch-aleman- 
nischen gebiet 191fr. 257ff. 276f. 

Ortsadverbia des aeolischen auf ü* 409. 

Ortsnamen. Beharren des im ags. alt- 
fries. altn. altschwed. und einigen 
alts. appellativen erhaltenen gen. pl. 
auf a bis ins Ute sec. in genetivi- 
schen Ortsnamen des engeren Deutach- 
lands und spätere geschichte dieser 
Ortsnamen 162 — 177. 

Poplifugien, deren ursprüngliche be- 
deutung 109. 

Praepositionen des griech. auf o mit 
nebenformen auf a», a, t> 408. 409. 

Sabellischer dialekt. Inschrift von Na- 
velli 241 f. ihr alter 254 f. 

Sufßxa. ursprünglich vokalischer aus- 
gang derselben 443 ff. 

1) Sanskrit: 

as (aus asi entstanden) 444. ur- 
sprünglich von US verschieden 
451. 

i als fem. endung aus lii entstan- 
den 444. 

u aus vi entstanden 445. 

tar (aus tarvi entstanden) 446. 

tu und verwandte (tavya, tvya, 
tya, tva) 805. 

man mit bindevocal i, ved. auch 
mit 1 304. 

bildungen von den verwandt- 
schaflsnamen mit tar auf trivya 
446. 

stj, asti 805 f. 

2) Deutsche: 

got assu, nassu 806. 

3) Griechische: 

akt. und passiver sinn mehrfach 
in einem snffix neben einander 
47 ff. 

fo? 68. 64. 66. 

oj^oc eigennamen bildend, modi- 

fication des häufigem ij^o^ 46. 
/ur, juivo verwandt mit laL mö- 

nio, got. mnnja 804» cf. 452. 
o*K, '^iiq 49. 60. 
(TTv 806. avrn 399. 
T» einige mal noch in dieser ge- 

stalt erhalten 812. 
»y-, tu¥ 49. 

4) Italische: 

io der gestilnamen osk. sab. im 



Sschregtoter. 



Wl 



noni. zu ie. dann ii, ii umge- 
staltet, mit oder ohne erhal- 
tung des s 254. 
ionius zeitadjektiva bildend 158. i 
ti im lateinischen vereinzelt voll- 
ständig erhalten 305. ! 
tri 158. truus 158. \ 
5) Slawische: \ 
altbulg. lit. sti 805 f. altbulg. • 
stvo s= got. Btva 306. 
Thorsbammer, Zahnschmerzen heilend 

459. 460. 
Toskanischer dialekt. Bemerkenswer- 
the lauteigenthUmlichkeiten 396. 
eigenthUmliche conjugationsformen 
397. 
Veda. Stammverschiedenheit der ve- 
dischen Inder in den hymnen selbst 
angedeutet 222. Vedische angaben 
Über die ansahl der gotter 223. 
sprachliche stufe der Varu^abyrnnen 
223. 
Vocalc. 

a. ä schwäbisch zu au geworden 198. 
a. anslant & ohne folgenden cons. 
gr. lat sn a, i;, a, nicht zu «», 
6 geworden 811. 
auslant. a =s skr. i fast in allen 
fällen abgefallenen nasal voraus- 
setzend 404 f. 
skr. ä, griech. lat. 6 aus altem an 

450. 
e. Schwab, helles 6 es gebrochenem 
ahd. 6 214. 

griech. ausl. i = skr. a 402 f., 
aas altem k durch a hindurch 
408. 404. 
&kr. e im griech. in- und auslaut 



durch n» fi, nicht a« vertffttcn 
418, cf. jedoch 804. 
i. T Schwab, zu ei gewonlen 10^. 
gr. Ä, lat ae, i aus altem aya 
220. 

skr. i ü aus i& u& 444. skr. i 
aus e in der compoeition von 
a-st&mmen mit ^kar 444. 
o. ö aus ursprüngl. ft sabelllech Bit 
ü geworden 246. 
ausl. griech. o = skr. a auf ei- 
nen abgefallenen consonanten 
hindeutend 406 ff. 
u. germ. u aus n durch vokalisie- 

rung 239. 
f. Übergang von v in » 45, cf. 7t. 
ai. «t öfter als Verstärkung von «, 
nicht durch umspringen eines • 
zu erklären 60. 

ai oi umbr. volsk. in declina- 

tionsendungen zu e i getrübt» 

osk. sabell. erhalten 249. 

Vogelaberglaube. Ursprung desselben 

121, cf. 381f. Stellung des spechta 

in der mythologie der Indogerma- 

nen 367 — 379. der ^f'^oi/; {dff^oif/, 

fjf'l^ortoi) der griech. sage 868 — 870. 

gnitid Miner benennong 870. dir 

Specht als blitzträger 871. dernor- 

wegische gertrudsvogel 872. der 

Specht bei den Italem 378f. glaube 

an Übertragung von krankheitcn aof 

Vögel 880 ff. 433 ff. 

Wetterbaummythen. Reste derselben 

in der homerischen sage 93 — 120. 

bei den Römern 100. 109. weitere 

ausbildnng dieser mythen bei diu 

Westariem 115 ff. 



II. Wortregister. 
A. Deutsche sprachen. 



1 ) Gotisch ( nebst eini- 
gen älteren namen). 

airknis 315. 
analeiks 92. 
aqizl 451. 



Bojohaemum 165. 
brikan 14. 
fimf 403. 
gairu 80. 
♦gaisu 80. 
galeikan 93. 



I galeikon 92. 
I galeiks 92. 
I gaumjan 204. 
' greta 437. 
I himins 452. 
hugs 314.461. 

30* 



468 



Wortregister. 



ingaleikon 92. 
leik 92. 
leikan 98. 
liste 875. 

Lukemariaburg 164. 
maihstos 106. 
mia 428 f. 
inith 408. 
ragin 816. 
raihte 86. 
taikns 316. 
teiha 82, 86. 
Teatoburgium 165. 
triggus 816. 
tulgns 816. 
uhteigs 208. 
tthtvo 208. 
undar 160. 
vaurstvs 806. 
vaurte 5. 
vegs 205. 
tbis, thizds 429. 
thliuhan 288. 
thus 428 f. 

2) Althochdeatsch. 

anchunsmero 218. 
biziht 88. 
demar 288. 
«rchan 815. 
fgh 874. 
feihan 874. 
finstri 239. 
fliuban 238. 
gafiehjan 874. 
gatubili 197. 
ger 80. 
harti 814. 
barti 814. 
houuistapbo 214. 
bwispalön 818. 
inzibt 88. 
lancwitu 198. 
list 375. 

matoscrSccho 207. 
runst 195. 
scorro 204. 
serawen 209. 
sol 206. 
speh 877. 
speht 377. 
süsen, süson ^19. 
swalawa 261. 



tubil 197. 
uobta 208. 
wfic 205. 
w&bi 262. 
witu 198. 
zeigdn 86. 
ziagal 815. 
zfhan 86. 

3) Mittelhochdeatscb. 

diinster 288. 
dinster 288. 
galander 486. 
keibe 199. 
' runst 195. 
8l& 197. 
süseu 319. 
visel 270. 
wispel 318. 
wispelen 318. 



4) Neuliocbdeatsch a. 

heutige oberdeatscbe 

dialekte. 

äbnlich 92. 

alem. almare 266. 

alem. anke 212. 

anstecken 316. 

alem. aren 200. 

botticb 90. 

brecben 14. 

alem. doddabom 193. 
, ersticken 316. 
! scbweiz. feister 239. 
I finster 238. 

: Schwab. Triebt, fricbte 
j 209. 

; Schweiz, gaumer 204. 
j geringe 316. 

gleich 92. 

! alem. beustoffel 214. 
[ alem. schwäb. kaib 199. 
' alem. kriese 257. 
, schwäb. lägwid 198. 

list 375. 
I schwäb. madschrecke 207. 

alem. schwäb. matte 207. 
\ mist 105. 

milchen 452. 

muffeln 452. 

alem. miitsche 211. 



alem. reampel, rSapl 258. 

recht 86. 

richten 86. 
'schwäb. riepel 259. 

Schweiz, ringi 816. 

aleoL ninse, runst 195. 

sausen 819. 

schwäb. schlau, schlaoch 
196. 197. 

bair. schlauch 197. 

bair. schorren 204. 

schwäb. schwälmle 261. 
; alem. 8ohw6mle 261. 

alem. Serben 209. 
' schwäb. serbling 209. 
jSimrock 289. 
. schwäb. speagla 211. 

Schwab, spöck , sp^ck 
265. 

alem. snttle 260. 

alem. tobel 196 f. 

Schweiz, urche 815. 

alem. ucht, nchten 202. 
I unter 1 60. 

Schweiz, vergaumen 204. 
; alem. vislach 270. 
i alem. w&g, wäg